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Full text of "Jahrbuch des Schweizer Alpenclub"

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In unserem Verlage ist erschienen: 



Ueber Eis und Schnee 



Bie höchsten Gipfel der Schweiz 

und 

die Geschichte ihrer Besteigung. 

Von 

Gr. Stixd-er^ 

alt Begierungsstatthalter, Ehrenmitglied des schweizerischen, englischen 

und italienischen Alpenclnbs. 

IV. Band. 

Preis : broschirt Fr. 6. — , gebunden Fr. 7. 50, 



Beim Erscheinen dieses Bandes haben wir die 3 ersten 
Bände desselbe)i Werkes: 

Bd. I. Berner Alpen. Bd. IL Walliser Alpen, 

Bd. IIL Bernina, 

im Preise herabgesetzt und offeriren dieselben, so lange der 
geringe Vorrath des I. Bandes noch ausreicht, zusammen- 
genommen ; 

broschirt statt Fr. 10. 60 zu Fr. 6. — 
gebunden » > 12. 25 » » 7. 60 

Einzelne Bände behalten ihren alten Preis von k Fr. 3. 50. 

Studer's Werk, bekanntlich größtentheils aus eigener Anschauung 
geschrieben, ist für den Alpenclubisten, der sich über oben genannte 
Gebiete orientiren will, unentbehrlich. 

Bern. SGiMill, Tm&lü & Co. (voriD. I. DalD'scbe BQCHltaiimiis). 



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Jahrbuch 

des 

Schweizer Alpenclub. 



1885-1886, 



inderte AuSn^s. 



Bern. 

Verlag der Expedition des Jahrbuches des S. Ä. C. 

Schirid. Fruick« « Co. (loin. J. Dulpich* Buchlundlang). 



» • • 



Stämpfli^sche Buchdruckerei in Bern. 



Inhaltsverzeichniss. 



Seite 

Vorwort vii 

L Clubgebiet. 

1. Dr. Emil Burckhardt Erinnerungen aus dem Club- 
gebiet 3 

2. S. Simon, Ein photographischer Streifzug im Club- 
gebiet 62 

3. F. V. Almen, Der neueste Jungfrauweg . . 89 

4. G. Kamiah. Aus den Gomserbergen ... 99 

5. C. Anders. Das Bietschhorn über den Westgrat . 121 

6. Dr. H. Bubi. Doldenhom und Fründenjoch . 135 

IL Freie Fahrten. 

1. Louis Kurz. Col de Planereuse et Darrei . . 151 

2. Dr. Ktnil Burckhardt. Der Lyskamm . . .164 

3. -R. Wäber. Aus dem Rhätikon . . . .189 

4. Dr. Th. Curtius. Aus der Gruppe des Bacone . 218 

5. Prof. Dr. K Schulz. Die Aiguilles d'Arve und die 
Aiguille de Goleon 245 

6. Th, Boret. Aus der Adamellogruppe und denBrenta- 
Dolomiten 280 

7. A, Trautweiler. Eine Bergfahrt im Peloponnes . 303 



32G965 



IV 



III. Abhandlungen. 

Seite 

1. Dr. H, DübL Die Römerstrassen in den Alpen . 323 

2. Prof. Dr. Albert Heim. Notizen über Wirkungen 

des Blitzschlages auf Gesteire .... 342 

3. Prof. Dr. F.-Ä. Forel. Les variations periodiques 

des glaciers des Alpes 358 

4. J. Goaz. Bericht über die Vermessungsarbeiten am 
Rhonegletscher im Jahre 1885 .... 389 

5. Eigene Bambert Villars-Chesieres et les Alpes 
Vaudoises 398 



IV. Kleinere Mittheilungen. 

1. Bedaction. Neue Bergfahrten in den Schweizer- 
alpen 1885 433 

2. M. SchuppU. Eine Alpfahrt im ünterwallis . 437 

3. B, Lindt Lauterbrunner Breithom . . . 449 

4. Ed. Wartmann. Blümiisalphorn mit Abstieg auf 

der Südwestseite gegen die Fründen 452 

5. — Die Oberaarjochhütte . . . 452 

6. Ed. Gerwer. Nebelbild am Urbachsattel . . 453 

7. C. Seelig. Notizen aus den Glarner- und Ümer- 
bergen 455 

8. H. Lavater- Wegmann. Crispalt .... 459 

9. J. Schiesser. Tödi mit Abstieg durch die Gliems- 
pforte ; . . 462 

10. J. Studer. lieber elektrische Erscheinungen auf 

dem Säntis 469 

11. 0. B. Muretto- und Dordonapass . . . 474 
\2. S. Simon. Gletscherpickel 482 

13. F. Becker. . Randegger's Alpenland . . . 484 

14. Dr. H. Bubi. Dr. Emil Zsigmondy: Die Gefahren 

der Alpen 486 



Seite 

15. Bedaction. Souvenirs d'uii alpiniste par E. Javelle 488 

16. — Bergfahrten von Th. Harpprecht . 491 

17. — J. Meurer : Führer durch die Dolomiten 

und Illustrirter Fuhrer durch West- 
tirol und Vorarlberg . . . 492 

18. — L'Echo des Alpes 1885 ... 495 

19. — Zeitschrift und Mittheilungen des D. 

und Oe. Alpenvereins . . . 496 

20. — Oesterrcichische Alpenzeitung . . 499 

21. — „ Touristenzeitung . 502 

22. — Societä degli Alpinisti Tridentini. An- 

nuario XI 502 

23. — Alpine Journal 504 

24. — Annuaire du Club Alpin Fran^ais 1884 505 

25. A. Francke, Die alpine Literatur des Jahres 1885 507 



V. Chronik des S. A. C. für das Jahr 1885. 

I. Jahresversammlung in Villars-sur-Ollon . . 533 

Protokoll der 22. Delegirtenversammlung des S. A.C. 533 

„ der 21. Generalversammlung des S. A. C. 541 
Zweiundzwanzigster Jahresbericht des Central- 

comit6 des S. A. C 542 

II. Sectionen 558 

III. Dreiundzwanzigste Jahresrechnung des Schweizer 

Alpenclub 1885 603 



Index 607 



VI 



Artistische Beilagen. 

a. Iii der Mappe. 

1. Excursionskarte des S. A. C. für 1885 — 87 in zwei Blättern. 
1 : 50000. Blätter Grindelwald, Lauterbrunnen, Jungfrau, 
Obergestelen, Aletschgletscher, Binnenthal des Siegfried- 
Atlas. Stich von R. Leuzinger. Schattirungston von Prof. 
A. Heim. 

2. S. Simon: Rundsicht vom Südgipfel des Trugbergs. Farben- 
druck. 

3. W, Benteli (nach einer Phot. von L. Kurz): Le versant 
suisse de la chaine du Montblanc, Vue prise de la Tete 
de Vari. Phototypie. 

4. J". Schneiter : Aussicht von Chiliomodi gegen Westen (Pe- 
loponnes). Farbendruck. 

5. A. Heim: Gebirgsansicht von Villars-sur-Ollon. Farben- 
druck. 



b. Im Buche« 



Seite- 



1. R. Ritz: Hintergrund des Eginenthals. Phototypie. 
Titelbild. 

2. Schreckhorn und Nässihom nach einer Photographie 

von J. Beck. Phototypie 48 

3. R, Ritz : Hintergrund des Gerenthals. Phototypie. 1 12 

4. Fisistöcke und Doldenhörner nach einer Photo- 
graphie von Mögle. Farbendruck . . .144 

5. Der Lyskamm vom Plateau des Lysjochs aus nach 

einer Photographie von V. Sella. Phototypie . 176 

6. R. Wäber: Die Kurzen Gang. Zinkogr. . . 205 

7. — Kleine Furka. „ . . 207 

8. — Terrasse der „Platten" von der Grossen 

Furka aus. Zinkogr. . . . 208 

9. Caviezel : Die Baconegruppe : Abstürze nach der 
Malojastrasse. Zinkogr 219 



VII 

Seite 

10. Dr. Th. Curtius : Baconekette vom P. Mortara bis 

zur F. Casnile. (Kartenskizze.) Lithogr. . .221 

11. Klttcker: Cima del Largo von der Südostspitze 

aus gesehen. Zinkogr. 226 

12. H. Heubner: Die Aiguilles d'Arve nach Skizzen 
von K, Schulz und L. Darmstätter, Zinkogr. 

I. Aig. centrale und Aig. septentrionale von 

Osten 256 

II. „ „ von Süden. 

IIl. „ meridionale von Süden. 

13. JE, T. Compton: Die Brentagruppe von der Cima 

dei Lasteri aus gesehen. Phototypie . . . 288 

14. M. Stocker: Der Malevo. „ ... 301 

15. Römerstrasse am Septimer (aus Bavier: Strassen 

der Schweiz). Zinkogr 331 

16. Römerstrasse b. Promontogno (aus Bavier: Strassen 

der Schweiz). Zinkogr 332 

17. Quermauer bei Punkt B (aus Bavier: Strassen der 
Schweiz). Zinkogr 332 

18. Profil der Römers trasse bei Promontogno (aus 
Bavier: Strassen der Schweiz). Zinkogr. . . 333 

19. A. Heim: Blitzstern vom Hauserstock. Zinkogr. 355 

20. 0. B.: Pizzo dei Rossi. Farbendnick . . 480 



Extrabeilage. 



O. y. Bülouj, Repertoriiim und Ortsregister fllr die 

Jahrbücher I— XX des Schweizer Alpen- 
club (mit einer Uebersichtskarte der 
Seh weizer- Alpen) . 



Vorwort. 



Im letzten Jahrbuche, pag. VII, hatte die unter- 
zeichnete Kedaction zwei Wünsche ausgesprochen : den 
Wunsch nach einer Ergänzung des Jahrbuches durch 
eine neben und unabhängig von demselben erscheinende 
Monatsschrift, und den andern, dem 21. Bande des^ 
Jahrbuchs ein Sachregister über die 20 ersten Bände 
unseres Cluborgans beigeben zu können. 

Dieser letztere Wunsch ist nun Dank dem Eifer und' 
dem uneigennützigen Fleiß eines Clubgenossen erfüllt 
worden. Als Extrabeilage ist diesem Jahrbuche ein 
Repertorium und Ortsregister für die Jahrbücher I — XX 
von Herrn 0. v. Bülow (Section Bern) beigegeben, das, 
praktischer eingerichtet und weit vollständiger als das 
Inhaltsverzeichniß zu den 10 ersten Bänden, das reiche,, 
in unseren Jahrbüchern aufgespeicherte touristische,, 
wissenschaftliche und artistische Material für die Be- 
nutzung leicht zugänglich macht. 

Während das alte Inhaltsverzeichniß ganz voa 



sachlicher oder geographischer Eintheilung des Stoffes 
absah und die Arbeiten einfach nach den Namen der 
Autoren in alphabetischer Ordnung aufzählte, hat sich 
Hr. 0. V. BUlow die große Mühe und Arbeit nicht 
verdrießen lassen, den weitschichtigen Stoff vom wissen- 
schaftlichen und geographischen Gesichtspunkte aus 
einzutheilen und zur Erleichterung der Orientirung ein 
alphabetisch geordnetes Ortsregister hinzuzufügen. Er 
hat mit dieser Arbeit dem Schweizer Alpenclub ein 
höchst werthvolles und willkommenes Geschenk ge- 
macht und die Redaction spricht gewiß im Sinne 
sämmtlicher Clubgenossen, wenn sie ihm hiemit Namens 
des S. A. C. seine sehr verdienstliche Arbeit wärmstens 
verdankt. 

Nicht so gut erging es dem ersten Wunsche. Der 
S. A. C. ersieht aus dem Decembercircular des Cen- 
tralcomit6 und dem Jahresbericht des Herrn Central- 
prilsidenteu , pag. 553 dieses Jahrbuches , daß der 
Anregung zur Publication eines neuen officiellen Organs 
neben dem Jährbuche aus Opportunitätsgründen keine 
Folge gegeben wurde. Ohne das Gewicht dieser 
<Tründe zu verkennen, glaubt doch die Redaction, das 
ßedUrfniß nach einer Ergänzung des Jahrbuchs durch 
periodisch erscheinende Mittheilungen zur Vermittlung 
des Verkehrs zwischen den Sectionen und zur prompten 
Besprechung clubistischer Zeit- und Streitfragen u. s w. 
werde sich in der Folge immer mehr geltend machen, 
«nd sie erachtet deshalb die Frage nicht als durch 
■den negativen Entscheid des Centralcomitö aus Ab- 
schied und Traktanden gefallen, sondern nur. als zeit- 
Tv eilig verschoben. 



XI 

Auch dieses Jahr muß die Redaction den Club- 
genoßsen einen dringenden Wunsch äußern oder viel- 
mehr wiederholen : den Wunsch nach rechtzeitiger Ein- 
sendung der Manuscripte. Bei verspäteter Zusendung, 
wie sie bei diesem Jahrbuche öfters vorkam, häuft 
sich zeitweise die Arbeit für den Redactor tibermäßig 
an und seine Aufgabe wird ihm dadurch unnützer und 
fdr das Jahrbuch durchaus unersprießlicher Weise er- 
schwert. Rechtzeitige Zusendung leserlicher Manuscripte 
in druckfertigem Zustande liegt ebenso sehr im Interesse 
des Jahrbuches und der Autoren, wie der Redaction. 

Für den 22. Band sind die Termine die folgenden: 

1. Januar 1887 für Alles, was das Clubgebiet und 
die artistische Ausstattung betrifft. 1. Februar für die 
Freien Fahrten und Abhandlungen. 1. März für die 
Kleineren Mittheilungen. 

Zum Schlüsse erübrigt der Redaction noch die an- 
genehme Pflicht, allen Mitarbeitern am 21. Jahrbuche 
bestens zu danken und ihnen, sowie dem ganzen Club, 
das Jahrbuch auch für die Zukunft zu empfehlen. Zu 
nicht geringerem Danke ist sie auch dem eidg. topo- 
graphischen Bureau verpflichtet, dessen Entgegen- 
kommen es ermöglicht hat, die Excursionskarte durch 
Hinzuftigung eines Schattirungstones auch für den 
Novizen im Kartenlesen leicht verständlich zu machen. 
Dieser Schattirungston, von unserem Centralvicepräsi- 
denten Prof. A. Heim mit kundiger Hand ausgeführt, 
verbindet sich mit der von Freund R. Leuzinger mit 
gewohnter Meisterschaft gestochenen Terraindarstellung 
mittels Kurven zu einem relief artigen, zugleich genauen 
und malerischen Bilde der Bodengestaltung unseres 



xn 

Clubgebiets. Möge diese schöne Karte nun auch 
fleißig im Terrain benutzt werden und dem nächsten 
Jahrbuche eine recht reiche Ausbeute von Berichte» 
aus dem Clubgebiet zubringen! 



Bern, im Juni 1886. 



A. Wäber. 



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I 

Clubgebiet. 



Erinnerungen aus dem Clubgebiet 

Von 

Dr. Emil Burckhardt (Section Basel). 



Wohl wenig Theile unserer Schweizeralpen sind 
in den Jahrbüchern so einläßlich und vielseitig be- 
handelt worden, wie das letzte and das diesjährige 
Excursionsgebiet des 8. A. C. : die Lötschthalergebirge 
und das Centralmassiv der Bemer Alpen. l]nd doch 
weist unser einziges officielles Organ, das Jahrbuch, 
auch für diese Gebiete noch mehrfache Lücken auf. 
Dieselben auszufüllen kann eines Einzelnen Aufgabe 
nicht sein. Immerhin aber scheint eine Ergänzung 
unserer Jahrbücher im Sinne möglichster Vollständig- 
keit der Originalberichte schweizerischer Bergsteiger 
Über das jeweilige Clubgebiet wünschenswerth. 

Meine Notizen aus dem letzten und dem jetzigen 
Clubgebiete, in dem ich schon 1862 meine Anfänger- 
touren machte, gehen zum Theil weit zurück, vom 
Jahre 1885 bis in das Jahr 1867, bei der rasch- 
lebigen Entwicklung der modernen Bergsteigerei 
(„ Alpinismus ^ oder gar „ Hochalpinismus ^ in der 
8portsprache der jüngeren und jüngsten Schule) eine 



4 Emil Burckhardt. 

längst vergangene Zeit. Ich glanbte aber, auch ältere 
Aufzeichnungen hervorsuchen zu dürfen, nicht sowohl, 
um mit „Mountaineering in the old style" zu cokettiren — 
dazu wären meine Mittheilungen schon ihrem Inhalte, 
wie ihrer Form nach wenig geeignet — , sondern -viel- 
mehr, um sie im Vereine mit Notizen aus neuerer und 
neuester Zeit meinen CoUegen zur Verfügung zu stellen, 
als einen Beitrag zur Ausfüllung einiger Lücken und 
zur Ergänzung schon vorhandener Berichte in unseren 
Jahrbüchern über das letzte und das diesjährige Club- 
gebiet. 

I. Das Orosshom (37G5 m.) von Ried im Lotschthale aus. 

1885. 

Als zweite Spitze, von Westen an gearechnet, ent- 
r^gt der mächtigen Lauterbrunner-Lötßchener-Grenz- 
kettie, welche Bern uad Wallis scheidet, das Groß- 
hora, in jähem F^lsabsturze gegen Norden und in 
steiler, 8«ehön entwickelter Firnbildung gegen Buden, 
zu 3765 ^ ^) Höhe sich aufschwiaigend. 

Wie sein Nachbar, das Lauterbrunaer Breithom, 
fand das Großhom in den Sechzigerjahren seine üeber- 
wiader. Am 9. S>eptember 1868 standen zwei Bdaweizer 
Clubistea, die Hen'en Heinrich Dübi und Emil Ober, 
damals Studenten in Bern, mit den Führern Johann 
Bisehoff aus Lauterbrunaen und Josef Siegen aus ^ed, 
als die ersten Besteiger, auf der jungfräulichen Spitze. 



^) Die Höhenangaben sind den Excursionskarten des 
S. A. C. für 1884 und für 1885/86 entnommen. Sie weichen 
von den H^henzablen in den früheren Karten, im Itinerar 
1882/83 und in Stnder, ^Ueber Eis und Schnee**, etwas ab. 



Erinnerungen aus dem Glubgebiet 5 

Ceber diese von Ried a«& unternommene Bergfahrt 
hielt Herr Ober im Winter 1868 '69 einen Vortrag in 
der Section Bern, 8^ A. C. , der aber leider niemals 
im Jahrbuche zum Abdrucke kam. Das Einzige, was 
veröffentlicht wurde, war eine von dritter Seite her- 
röhrende kurze Notiz im „ Anzeiger von Interlaken" 1868, 
Nr. 75, wonach die Besteigung eine höchst anstrengende 
und mitunter gefährliche Expedition von 22' Stunden 
gewesen sein soll. ^) 

Sieben Jahre ging es, bis-dasGrPoßhorn, l'8'75j seinen 
zweiten Besuch erhielt, diesmal von Norden, vom 
Lauterbrunnenthale, bezw. Trachsellauenen, und' zwar 
über das Schmadrijoch, durch Herrn WyßJ-Wyß (8. A.C., 
Bern) mit Fuchs und Gertsch von Lauterbrunnen. ^) 
Seither wurde, soweit ich fest&tellen konnte, das Groß- 
hom nicht mehr gemacht, bis am 12. August 1885 Herr 
Otto Schifferdecker (S. A. C.) von Worms a./Rh. und 
ich es bestiegen. Unsere Expedition war eine dbrch- 
aus- improvisirte. 

Am 11. August VSSb war ich auf dem Wege vom 
Bemer Oberlande nach Zermatt über den Petersgrat 
nach Ried' gekommen, wo ich zufällig meinen Sections- 
genossen Schiflferdecker antraf: Wir einigten uns, 
zusammen über die Lötschenlflcke einen Abstecher 
nach dem Eggischhom zu unternehmen. A'm folgenden 
Morgen, den 12: August 1885, früh 3 Uhr 30; gingen 
wir von Ried das obere Lötschthal hinauf dem Langen- 
gletscher entgegen. Unseres ziemlich schweren Gepäckes 

1) Briefiiche Mittheilairg von Dr. Dtibi an- den Verfasser 
rom ld.Decemberl8e6. Studer, „üeberEis und Sohne©** 1, 254: 
*) Jahrb. S. A. C. XI, 1876/76, 278. 



6 Emil Burckhardt 

wegen hatten wir, zu unseren Führern Josef Rubin 
von Ried und Peter Schlegel von Grindelwald, noch 
einen Träger Schlunegger von Lauterbrunnen, somit 
Ueberfluß an Mannschaft. Das anfangs zweifelbafte 
Wetter wurde nach Sonnenaufgang sehr schön , so 
schön, daß es uns als eine Thorheit erschien, einen 
so prachtvollen Tag an einen Paß zu wenden. Ich 
hatte auf Eggischhom nichts zu suchen, zudem die 
Lötschenlticke schon wiederholt gemacht, und mein 
Clubgenosse war gerne bereit, dieselbe für diesmal zu 
opfern. So entschlossen wir uns denn zum einzig 
Richtigen: zu einer Spitze, und zwar zum Großhorn, 
dessen feine Fimschneide hellleuchtend zu uns her- 
niederblickte , als wir oberhalb Gletscherstaffel den 
Guggiboden (zwischen Guggisee und Punkt 2182) er- 
reichten. Unsern Leuten war der Weg so unbekannt, 
wie uns, desto größer also der Reiz der improvisirten 
Bergfahrt. 

Unser Gepäck ließen wir im Guggiboden zurück 
und behielten den nun entbehrlich gewordenen Schlun- 
egger auf seine Bitte hin bei uns. Bei Punkt 2182 
bogen wir links vom Wege ab und wandten uns über 
„Heimischeggen '^ dem Jägigletscher zu, den wir um 
6V2 Uhr in seiner untern Hälfte tiberschritten. Dieser 
Gletscher, den ich 1872 von Trachsellauenen über 
das Schmadrijoch ^) kommend begangen hatte, ist in 



^) Es war dies wohl die zweite oder dritte Ueberschreitung 
des Schmadrijoches überhaupt und die erste durch einen 
Schweizer Bergsteiger. Als Führer hatte ich Peter Kaufmann, 
als Träger Eud. Kaufmann von Grindelwald, die beide den 
Paß nicht kannten. Wir hielten uns zu nahe an das Groß- 



iJrinnerwngen aus dem Clubgebiet 7 

diesen 13 Jahren sehr stark zurückgewichen. In 
directester Linie ging es üher schlechtes Geröll, Schutt- 
halden und steile, gefrorene Rasenköpfe und dann über 
Oletscher am oberen Fuße des Jägiknubels empor. 
Derselbe gehört zum Jägifu*n, dessen südöstlichen Theü 
er bildet. Etwas vor 8 ühr war die sehr ausgeprägte 
Einsattelung zwischen dem Südfuße des Großhomes 
und dem Jägiknubel (3143) erreicht. Sie ist auch vom 
Ahnengletscher (Exk. Anenfirn), also von der Ostseite, 
leicht zugänglich. Als Verbindung zwischen den ver- 
gletscherten Hochthälem des Jägi- und des Ahneniirnes 
würde sie passend „Jägilücke" genannt. Dieser Name 
wäre meines Erachtens dem mir von Rubin mitgetheilten 
^Jägieck" vorzuziehen. Fesselnd ist der Blick von 
-der Lücke auf die furchtbar wilde Ostwand des 
Lauterbrunner Breithornes und nach dem zerrissenen 
Jägifim, während auf der andern Seite Mittaghorn und 
Ahnengrat weniger zur Geltung kommen. lieber das 
Sattelhom neben der Lötschenlücke ragt mächtig das 
Aletschhom hervor. Es sah jetzt in warmem Hoch- 
sommerglanze anders aus als an jenem Herbsttage 
vor 10 Jahren, wo es, in starrem Schnee und Reif, 
mir auf seiner Spitze einen frostigen Willkomm bot. 
Unsere Rast war keine lange, denn über dem 
Schmadrijoch stieg eine dunkle Wolkenwand auf und 
«m die Schneehaube des Breithornes begannen röth- 
lichgraue Nebel ihr Spiel zu treiben. Um 8 Uhr 10 

iorn und verloren dort viel Zeit. Ich führte diese Ueber- 
schreituDg den 20. August 1872 aus. Das Itinerar erwähnt 
ihrer nicht, wohl aber derjenigen von Dr. Dübi und Wyß-Wyß, 
1875, welche die vierte oder fünfte war. 



9 J^ml Burckhßr.dt^ 

bracl?^ü wir auf. P.^r Aufstieg liegt kls« vpi; A.i^^ci r 
sjtet^ in n<Vr41iobei: RiQh;MAng^ die F^ri^äuge iMia^ri^ na^lk 
(jleju. Gipfelgrat^ und auf dj^ßsooi mx- $$nU^. yo^ece 
Leute mßfiji^i^^ ^\ b^ laug^sit Sibul^giajDhJl^gen g^üa^ßt ; 
doch ka^ e^ bjessidi:-, als^ ^\x uui? irg^adwiß bp^O' 
duri^n^ ^^ai; gab ea a,p, d(9u tie%Qn f']irBpai:ti^^ wo 
uij;t^r wäÄserig^m ^tai^. Efcj zu TagQ. tcittj fljßtofeioW 
PaQkarbieit, a;björ nie fiUi: längte» &iir^pk,^B» Weiter 
oben, Ug i(eichlich^ sel^r TRwh^er Stete?©©. 1><^ w<>> der 
Bei;gl$::aÄin^ sj<^b zju ^ijpem bfeiteu RüQfc^ii; \|r^itet, ver- 
ursachi^, <}j^ sjt^rb;^. Ze];i;ia3.en}ieit des^ t{QOhj[irQ^S. omigei^ 
4ufentbalt. Sp^t^i; wii-d (Jer i^ijpken äßhmäleF upd 
nimmt ai^sg§p?:%te (pTrat^i^diOing m> P/^r ^Wg-^» Ta^©^ 
^uyor g^falliBQe I^^uacbn^e Mi^urdi^, }^. hö^^r wir kiaman,. 
ua^j 80 bQSß^?; zäh,, \(m auagea^djtjhijeter Tragfähjig« 
\ißiiiy hütete: er ^s,<^ aij^ deip. yei;§i^t^n Unjtiei^ru^^. 
Wir hjii^ljbeQ, i^uß z^j^i^st an ^e I^ai^i^höhe> s^^lbsj)) daw>. 
al3. si^ zu scl^^a,! i^d yiQj;4^btig bewäphtiet wnirdiQ, ti;4- 
verjSirt^n \|!;ir unfeer di^rjSßlbi^P, a^f ^x WQats.^ite, übeir 
dem Jägi%n, Der' Scl^Ujee \^ar>. so gi^ daß Qi^f; selten 
durjQh. d<Qn§elJben hii|duEQh biS; inl^^ Wa^kQ 5w g^^ftpkt 
wer.4en mußt^, D^ fetter l)att(e. siQh, nachgerade 
zij^iplfßlj, ungüpst^g. geatalt^tf, Wf\^. wir lyapen, öftera 
in dichtßii Ni^b^l eingehüllt,, der, hi|^ imd da vom 
Windig z^rr^filfteUi, die Sonn^ 4i'irchlHj^hei^, li§ß,. ^^a 
lag, ein. eigener ßei^. in. diea^m G^pge, gleichsam 
in|8 ÜBgewi^e h}p§i^ ,. in: ^M« w<:^g©öden, Dun^, in 
dem man nichts sah, als die feine Linie des Schnee- 
grates, wie in's ünendiiche sich verlierend. Auf Augen- 
blicke glänzten dann unter uns. die Firnfelder des 
Jägigletschers mit ihren wqit oflfjenen Spaltei), um 



Erinnerungm am dem Clubgebtet, 9 

gleich darauf wieder hinter dem grauen Sehleier zu 
rerschwinden. 

Der Anstieg dauert sehen über 3^4 Stunden von 
der Jägiliieke aus. Es war IIV2 Uhr^ als wir d;le 
Depression am Fuße des letzten 6ipfelkammes ge* 
Wonnen hatten und eine kurze Rast von 10 Miunten 
luelten. Ein friseher Wind tri^b den Nebel auseln^udier 
und zeigte uus den Girat, in schneidiger Schärfe sieh 
scheinbar noch weit und hoch hinaufziehend^ bis zu- 
oberst abgedeckt. 

Nichts ist tittgerischer , auch für den erfahrene» 
Bergsteiger, als die Schätzung der Länge und Höh» 
solcher Schneegräte. ,,Noch zwei Stunde»", meiatea 
die Einen von uns, noch „drei" die Anderen. Ich 
wußte, daß, wenn der Schnee gut blieb, wir viel früher 
oben sein würden; mein AneroXd wi^s schon über 
3600". 11. 40 nahmen wir das letzte Stück Weges ia 
Angriff. Es war doch etwas länger, alB ich glaubte^ 
denn es kostete uns füu die noch circa 150»' Steigung 
1 Stunde 20 M. Auch da traversi-rten wir fast bis- 
zuoberst, hart unter der Grathöhe, an der Westwand» 
Einige Paj^ien derselben sind sehr steil und erfordern 
große Vorsicht. Ganz zuletzt vertrauten wir uns für 
eiijige Schritte der Gratgwächte an, welche festhielt^ 
dann kanten uns ein paar Felsen, die von der ziem- 
lich aperen Ostseite hinauf den Grat durchbrachen, 
zu Statten. Um % Uhr ebnete Rubin die zierliche 
Schneenadel — ein Weißhom en miniature -r-. in welche 
die drei Kanten des Berges zusammenlaufen, mit dem 
Pickel, um Raum für den Fuß zu gewinnen, und wir 
betraten wechselweise die Spitze. 



10 Emil Burckhardt. 

Der Nebel hatte sich wieder über das Schmadri- 
joch verzogen und der größte Theil des Horizontes 
war frei. Zu unsern Pttßen lagen das tiefe Thal von 
Luiterbnnnien und die grttnen Weiden von Murren, 
hinter uns die Riesen des Lötschthales , zm* Seite 
•die Firnfelder des Ahnengletschers und der Lötschen- 
Ittcke, des Eingangsthores zum größten Eisgebiet der 
europäischen Alpen. Der Ausspruch eines englischen 
Bergsteigers: „Wenn wir in den Bergen auch nichts 
gelernt haben, als die Aussicht von einem Hochgipfel 
nicht mit Worten beschreiben zu wollen, so haben 
wir doch schon ziemlich viel gelernt^, hat nicht so 
ganz Unrecht. Es gibt Lieder ohne Worte, aber keine 
Bilder ohne Stift und Farbe. 

Anderthalb Manneslängen unter dem Gipfel, auf 
der Walliserseite , in den höchsten aperen Felsen 
des Ostabhanges, lagerten wir uns neben einigen, wie 
von Menschenhand zusammengelegten Steinen, wohl 
•den Resten eines Steinmannli der ersten Besteiger vor 
17 Jahren. Ihr Wahrzeichen fand sich vor, nicht aber 
^as ihres Nachfolgers von 1875. Einem halbver- 
blichenen, durchfeuchteten Papierstreifen entzifferten 
Avir die Notiz: 

„Den 9. September 1868. Heinrich Dtibi, stud. 
phiL, Emil Ober, stud. med., mit den Führern Johann 
Bischoff aus Lauterbrunnen und Josef Siegen von Ried. 
Abgang von Ried um 3. 20. Ankunft hier um 2. 30. 
JErste Besteigung." 

Ich nahm den Zettel, der sonst wohl ganz zu 
Grunde gegangen wäre, nach Ersetzung durch eine 
Abschrift, an mich, um ihn Dr. Dübi, nunmehrigem 



Erinnenmgen aus dem Clubgebiet 11 

Präsidenten der Section Bern S. A. C, dem einzigen 
üeberlebenden der vier ersten Besteiger von 1868, als 
Andenken an seine Gefährten , zuzustellen. ^) Rubin 
und ich, wir blickten famtiber zum Bietschhom, das 
in starrem Ernste uns noch um mehr ah ein halb^ 
Tansend Fuß tiberragte. Am 18. September 1878 
standen Dr. Moseley vom A. C. und ich mit unseren 
Leuten auf der wilden Spitze, die wir bei frischem 
Schnee und in starkem Sturme recht eigentlich er- 
zwungen hatten. Moseley hatte Rubi und Roth aus 
Grindelwald, ich Egger von dort und Rubin aus Ried 
als Führer und Träger. Von diesen sechs Mann 
waren Rubin und ich allein noch am Leben, die andern 
vier hatten seither den Tod im Hochgebirge gefunden.^) 
Vk Uhr traten wir den Rückweg an. Ich wäre 
am liebsten durch ein Felscouloir auf der Ostseite 
nach dem oberen Ahnenfirne abgestiegen, wie dies 
auch Ober und Dübi gethan haben. Der in Folge des 
heißen Sommers 1885 sehr zerrissene Zustand dieses 
Gletschers ließ uns davon absehen. Wir stiegen darum 
in unseren alten Stufen wieder den Gipfelgrat, bezw. 
dessen Westwand ab. Der Schnee war weich, doch 
machte sich die Sache wider Erwarten rasch und gut 
and schon 3. 20 Nachmittags waren wir wieder in der 
Jägilttcke. Von hier aus hatte somit die Spitze hin 

Siegen verunglückte 1870 in einer Spalte des Langen- 
gletsehers, Bischoff fand mit Lehrer von AUmen seinen Tod 
1872 im Roththalcouloir und Herr Ober starb 1873 in der 
Blüthe seiner Jugendkraft fern von der Heimat in Italien. 

*) Dr. Moseley stürzte 1879 vom Matterhorn, Rubi und 
Roth verschwanden 1880 mit Dr. Haller spurlos am Lauter- 
aaijoch, Egger ging 1881 am Mönchjoch zu Grunde. 



12 Mnil Burckhardt 

und zurück 7 St. 10 M. Zeit, einschließlich zwei 
Halte von zusammen 40 M., erfordert. Eine Gesell • 
Schaft von nur zwei oder drei Mann wird, wenn sie 
guten Schnee trifft, die Besteigung in noch erheblich 
kürzerer Zeit, als wir, ausführen können. Ungünstigeir 
Schnee oder blankes Eis werden dagegen einen Mehr^ 
aufwand von mehreren Stunden bedingen. Das Ti^aver- 
siren an der Westwand, besonders in den steilen letzten 
Partien des Gipfelgrates, das uns so gut gelang*^ 
dürfte nur bei vorzüglichem Schneezustande ausftihr- 
bar sein, andernfalls läge die Gefahr des Abrutschen & 
nahe. 

Nach 20 M. Aufenthalt in der Lücke stiegen wir 
3 Uhr 40 M. leicht und kurz über Felsen auf der Ost- 
seite zum untern Ahnenfim herab, ein Weg, dier unserenoi 
steilen Aufstieg von der Westseite, vom Jägigletscher 
her, weit vorzuziehen ist. Wir mußtaen uns, um dem 
Gletscherbruche zwischen Punkt 3000 und 2650 aus- 
zuweichen, hart an den Fuß des Jägiknubels halten ; 
auch hier war wider Erwarten der Gletscher stark 
zerrissen. Der unter dem Drucke der brennenden 
Mittagshitze etwas schläfrig vorausgehende Führer, 
dem sein Hintermann mit nachgeschlepptem Seile, die 
Pfeife im Munde, dicht und sorglos auf dem Fuße- 
folgte, stürzte hier ganz unnöthiger Weise in eine 
Spalte. Das Herauslootsen des 12 — 15 Fuß tief ge- 
fallenen, schweren Mannes aus dem gewölbten Schrunde 
verursachte Mühe und Aufenthalt, eine gerechte Strafe 
für unsere Bummelei. 

Etwas nach 4^2 Uhr betraten wir die Moräne bei 
Krumm-Rück ; über die steilen Halden „in der Aöen'^ 



Erinnertmgen aus dem Clubgebiet. 13 

vsd den Bchafweg beim Jftgibach herab wurde der 
Guggibodesi erreicbt, von dem aus wir 11 Standen 
znvior zum Angriff auf das Großhom angesetzt hatten. 
Abends 7. 20 waren wir in Ri^, das ich am folgen- 
den Morgen in aller Frtthe verließ, um auf dem 
TUwegte Abends Zermatt 2U erreichen. 

Das Oroßhom ;kann ich als schöne, überaus loh- 
Desde Bergfahrt warm empfehlen. Obschon an Höhe 
mtd «B Schwierigkeit nur zweiten Ranges, bietet es 
dennoch selbst dem Bergsteiger, der nicht mehr leicht 
tn befriedigen ist, in seinem Gipfelgrate eine sehr 
anziehende, reizvolle Partie. Wem der Beig vom 
Lötschthale aus hin und zurück nicht genügt, der mag 
ihn von Ried nach Trachsellauenen traversiren : lieber 
den Ahnengletscher, die JKgilücke und den SÜdgrat 
ZOT Spitze, sodann den Westgrat und das Schmadri- 
joch hinunter nach Trachsellauenen; jedenfalls ein 
g«nz anständiger Tag. Für den Durchschnittsgänger 
mittleren Schlages ist die Besteigung von Ried aus 
ond zurück gerade genug; es sind immerhin 2265°^ 
directe Steigung und der Thalweg bis zum Fuße des 
Berges zieht sich ziemlich weit hin. Schwächere 
Gänger mögen in Gletschorstaffel übernachten, wo 
man ganz gut aufgehoben ist. 

Unsere Zeiten waren: 

Ab Ried (1500") 3. 30 Mgs. Jägigl. 6. 30. Jägilücke 
7. 50— 8. 10. Großhorn (3765") 1.— 1. 30 Nachm. (außer- 
clem am Gipfelkamme 10 M. Halt). Jägilücke 3. 20—3. 40. 
Abnengl., Moräne 4. 30. In Ried 7. 20. Abds. (unterwegs 
15 M. Halt). Total : 15 Std. 50 M., wovon Marsch 14 Std. 
15 M., Rast 1 Std. 35 M. 



14 Emil Burckhardt 

Herr Dr. Dtibi hatte die Güte, mir über die erste 
Besteigung des Berges folgende Mittheilung zu machen z 

„Wir brachen von Ried (9. September 1868) 3 Uhur 
„20 Min. auf und waren circa um 8 Uhr am Fiiß 
„des Berges. Wir sind nicht, wie Sie gegangen sind^ 
„über den Jägigletscher hinaufgestiegen, sondern über 
„die Moräne am Krumm-Rücken hinter dem Jägiknubel 
„auf den Ahnengletscher. Zwischen Jägiknubel und 
„Großhorn legten wir das Gepäck ab imd begannen 
„gegen 9 Uhr den Angriff. Wir hofften, Mittags wieder 
„beim Gepäck zurück zu sein, und nahmen nur eine 
„Flasche Wein mit. Aber erst um 2 Uhr 20 Min. 
„Nachmittags kamen wir auf den Gipfel. Wir stiegen 
„zuerst nördlich gegen den Gipfelgrat hinauf; aber 
„je höher wir kamen, desto schlimmer wurde die 
„Schneide, und schließlich mußten wir in die östliche 
„Wand, die wir traversirten , bis zur Schneide, die 
„vom Mittagjoch hinaufzieht. Auf dieser ansteigend, 
„erreichten wir den Gipfel. Beim Abstieg traversirten 
„wir die Wand nicht wieder, sondern gingen durch 
„ein Couloir hinunter auf den Ahnengletscher und 
„über denselben zurück zu unserem Gepäck, das wir 
„um 7 Uhr Abends fast verhungert erreichten. Nachts 
„um 1 Uhr rückten wir wieder in Ried ein." ^) 

Da die Herren Ober und Dübi 1868 jugendlich 
rasche Gänger waren, dennoch aber 21 Std. 40 M. 
für die Besteigung gebrauchten, so müssen sie aiif 
ihrem Wege Schwierigkeiten angetroffen haben, die 
bei unserer Besteigung nicht vorhanden waren. 



^) Brief von Dr. Dübi an den Verfasser vom 13. Dec. 1885. 



Erinnerungen aus dem Clubgehiet 15» 

IL Das Lanterbranuer Breithora (3779 m«) yom Ried aas« 

1880. 

Vom westlichen Nachbar des Großhornes, dem. 
zwar nur um ein Weniges höheren, aber doch viel 
selbstständiger und mächtiger entwickelten Breithom^ 
schreibt unser Altmeister Studer anfangs 1883 : ^) 

„Dieser Gipfel scheint nach seiner ersten Besteigung 
„im Juli 1865 nur einmal von einem Engländer be- 
„stiegen worden zu sein.'* 

Es ist dies ein Irrthum. Am 29. Juli 1880 bestieg 
ich den Berg von Ried im Lötschthale aus. Diese 
Tour mag hier Erwähnung finden, einmal, weil mein 
Weg vom Bergfuße an nicht identisch ist mit dem^ 
meines Vorgängers, Herrn E. v. Fellenjyerg, und seiner 
englischen Collegen, der Herren Phffpott und Hörnby 
vom A. C. , und meiner Nachfolger , HeiTn R. Lindt 
mit Sohn und Tochter, sodann, um zukünftigen Breit- 
bomfahrem, besonders jüngeren Clubgenossen, Anlei- 
tung zu geben, wie sie es nicht anfangen müssen^ 
wenn sie den Berg machen wollen.^) 

Die anderen Besteigungen gingen vom Lauter- 
bninnenthale aus und zwar die erste von Trachsellauenem 
mit Bivouak am Lauterbrunner Wetterhorn („Kanzel'*) 
und die zweite direct von Obersteinbergalp; beide^ 
fährten über die Wetterlücke und hatten dieselbe 
sowohl zum Ausgangs-, als zum Endpunkt des letztem 
An- und Abstieges. Die eine wie die andere benutzte^ 
zum Hinaufwege die Südwand, v. Fellenberg mehr 
westlich, Lindt mehr östlich. Der Erstere stieg auf 

1) Studer (öupplement) 1883, 86. *; Jahrb. S. A. C. III^ 
1866, 293 flf., und XX, 103 ff. 



16 Emil Burckhardt, 

^em gleichen Wege ab, wähi^end der Letztere direct 
über den Westgrat zurückkehrte. Mein Aufstieg ging 
^behfalifl rott delr Wetterltlcke aus, die ich vom Lötsch- 
thale erreichte, und zwar zuerst über den Weßtgrat^ 
<lann Über die ganze Südwand in ein^t großen Traverse 
bis zum Südgrat (genauer S S. W.-Grat), der im rechten 
Winkel an das Hauptmassiv des Gipfels absetzt, und 
endlich von der Gabel in dessen oberstem Theile 
über die Südseite der Firnhaube zur Spitze. Mein Ab- 
;8tieg führte wieder zur Gabel und von dort durch das 
große Couloir direct hinunter auf den Innerthalgletseher. 
Schon im Juli 1867 hatten einige Mitglieder der 
Bection Basel S. A. C. , unter denen ich mich be- 
fand, die Absicht, das Lauterbrunner Breithom in 
Terbitidüng mit einem üebergange über die Wetter- 
lücke von Trachsellauenen nach dem Lötschthale zu 
besteigen. Zu unseren Führern zählte Joh. Bisohoff, 
det 1865 bei V. Fellenberg gewesen war. Das Glück 
war uns aber nicht günstig. Bei sehr schiechtem 
Wetter mußten wir froh sein, nur durch die S^racs 
der Wetterlücke durchzukommen und den üebergang 
nach dem Lötschthale zu finden. Dort wurden wir 
■eingeregnet, und anstatt die erste Besteigung des 
Schienhoms zu versuchen, die auch auf dem Pro- 
gramme stand, mußten wir einen ruhmlosen Rückzug 
über die Lötschenlticke nach dem Eggischhom an- 
treten. *) Als ich später in den Sifebzigerjahren wieder- 



^) Das Schienhorn (3852 ">), die höchste Spitze des öst- 
lichen Lötschthalkammes, wurde zum ersten Male 1869 von 
Dr. Häberlin aus Prankfurt (S. A. C. und D. u. Oe'. A. V.) be- 
stiegen. Jahrb. S. A. C. VI, 1869/70, 98. 



Erinnerimgen aus dem Clubgebiet 17 

holt im LötBchthale war, meist bei nngtlnstiger Wit- 
terung, nahmen mich andere Aufgaben in Ansprach, 
Tor denen das Lanterbronner Breithom zurücktrat. 
Doch war mir dasselbe von meinen mehrfachen Gängen 
über den Petersgrat her in lebendiger Erinnerung 
geblieben und ich hatte mir vorgenommen, seine Be- 
steigung gelegentlich nachzuholen. Es wurde 1880, 
bis es dazu kam. 

Den 28. Juli jenes Jahres langte ich, auf dem Rück- 
wege aus der Simplongruppe, in Begleitung des Herrn 
Felix Burckhardt (S. A. C), in Ried an. Als Führer 
batte ich Christen Jossi aus Grindelwald. Mein Freund 
war aogenblieklich tührer- und gepäcklos ; Gletscher- 
piekel und Feldstecher waren die ganze Ausrüstung, 
^e er noch sein eigen nannte. Sein Mann, ein ge- 
wisser Marti von Gattannen, hatte es nämlich fertig 
gebracht, den ihm anvertrauten Tornister seines Herrn 
zwischen Brieg und Gampel z^a verlieren und dann 
auf der Buche darnach selbst verloren zu gehen. Die 
Sache war etwas räthselhaft, stand aber wohl mit dem 
treffliehen Muscateller Bri^'s in etwelchem Zusammen- 
hange. Da auf Marti's Eintreffen am gleichen Tage 
mdit mehr zu rechnen war, so engagirten wir für die 
auf den folgenden Tag festgesetzte Breithonifahrt 
Josef Rubin aus Ried, d^i bekannten Bietschhom- 
fÜhrer. 

Am 29. Juli früh war aber wider Erwarten der 

verlorene Mann nebst Sack wieder vorhanden, so daß 

uns nun , anstatt zwei , drei Leute zur Verfügung 

standen. Erst 3 Uhr 20 Min. Morgens, fast anderthalb 

Stunden später , als wir wollten , konnten wir auf- 

2 



18 JEmü Burckhardt, 

brechen. ^) Das Wetter war schön, doch viel zu warm ^ 
die Sterne flimmerten verdächtig und deuteten auf Föhn^ 
Der Weg führt das Lötschthal hinauf bis Pfafflernalp- 
(Exck. ^Fafleralp, Faflerthal" etc.) und biegt dort Unks- 
in das einsame und wilde Innerpfafflerthal ab, das von 
der Lonza sich nordwärts zu den vergletscherten Ab- 
hängen der Wetterlticke und des Breithomes herauf- 
zieht. Nach dreistündigem scharfem Marsche, zuletzt: 
pfadlos über Schafweide und Geröll , war das erste 
Schneefeld in der obersten Thalstufe und 20 Minuten' 
später , 6 Uhr 40 , der Innerthalgletscher erreicht. ^) 
Schon 8 Uhr 25 standen wir auf der Paßhöhe der 
Wetterlücke (3159"). Von Ried bis hieher hatten wir 
5 Std. 5 M. Zeit, bezw. 4 Std. 35 M. guten, gleich« 
mäßigen Ganges gebraucht. Um die Mittagsstunde 
spätestens hofften wir auf der Spitze und, bequem 
gehend, 6 oder 7 Uhr Abends wieder in Ried zurück 
zu sein. Wir entschlossen uns zum nächstliegenden 
Wege, dem Westkamm, dessen Felsen wir sofort in« 
Angriff nahmen. Rubin führte. Der Kamm war so- 
leicht, daß wir das Seil ablegten, um rascher und 
freier voranzukommen. Theils über die Kante selbst^ 
theils auf Gesimsen oder durch kleine Couloirs die- 
selbe flankirend, hatten wir nach ^/4 stündigem Anstiege 

^) V. Fellenberg, der 1865 für das Breithom nnterhallv 
der Wetterlücke an der ^»Kanzel" in der Höhe von circa- 
2900" bivouakirte, bezeichnet seinen Aufbruch aus dem. 
1400" höher als Ried gelegenen Bivouak um 6 Uhr Mgs. als 
„viel zu spät". Jahrb. S. A. C. III, 1866, 306. 

*) 1867 reichte der Innerthalgletscher viel weiter her- 
unter und die Schneefelder zogen sich bis zu den mittlerea 
Thalstufen herab. 



Erinnerungen aus dem Clubgebiet, 19 

von der Wetterlttcke aus schon eine ansehnliche 
Höhe ^) erreicht. Da lenkten wir auf Veranlassung von 
Rubin und mir, die vorausgingen, durchaus zwecklos 
in äie steile Südwand ein. Nun kam ganz andere 
Arbeit und das Seil trat in seine Rechte. Erst hori- 
zontal, dann abwärts, viel an der gewonnenen Höhe 
verlierend, dann wieder aufwärts, ward in östlicher 
Richtung traversirt. Der Fels war schlecht und wurde 
es immer mehr, je weiter wir vorrückten ; in den Ritzen 
lag viel Eis und dazu kam ein starker Rest von einige 
Tage zuvor gefallenem Schnee. Bald begann auch die 
Sonne und der warme Föhn zu wirken, und das ganze 
Terrain wurde äußerst unsicher. Mein Freund und 
die beiden Bemer erhoben Einsprache und wollten 
wieder auf den Westgrat zurück ; Rubin und ich wider- 
sprachen. Wir sahen zwar unseren Fehler ein; noch 
wäre es Zeit gewesen, ihn gut zu machen, aber ein 
gewisser Eigensinn, der sonst nationale Eigenschaft 
unserer CoUegen von jenseits des Canales ist, hielt 
uns ab, das zu thun, was wir doch als das allein 
Richtige erkannten. Die Andern fügten sich, obschon 
etwas wie „Unsinn'* und „colossale Dummheit'' sich 
hören ließ. So blieb man denn in der Wand. Unser 
nächstes Ziel war ein scharfer Einschnitt, eine Lücke, 



V Leider hatte ich mein Aneroid nicht bei mir und mein 
Klinometer war einige Tage znvor in den Felsen des Fletsch- 
homes zerdrückt worden ; so war ich den ganzen Tag au^er 
Stande, die Messung der Höhe und der Steigungswinkel vor- 
zanehmen. Ich mache aus diesem Grunde keine Gradangaben, 
da dieselben, wenn nur auf Schätzung beruhend, durchaus 
imzuverläßig sind. 



20 JEmil BurckhardL 

ähnlich der „Gabel" am Gipfelfuße des Zinal-Roth- 
horns, die drüben, wo der große Stidgrat am Haupt- 
masslye des Berges ansetzt, hervortrat. Die letzte 
Strecke bis dorthin war nicht gut. Die thauende Schnee- 
und Eiskruste machte ein ordentliches Klettern fast 
unmöglich und doch war sie nicht stark genug , um 
regelrechte Stufen zu ertragen. 

Es war 11 Uhr 20 Min., als wir die „GabeF 
gewonnen hatten. Rechts (östlich) erblickten wir tief 
unter uns den zerrissenen Jägifirn, hinter uns, hart zu 
unseren Füßen, lag das große Couloir, in einer jähen 
Flucht zum Innerthalgletscher abfallend. Eine kleine 
Felswand trennte uns noch von der Firnhaube, die 
hier ihre steile, südliche Seite weist. 

Nach kurzer Rast stiegen wir über die Felsen 
zum Firn , in der Hoffnung , derselbe werde uns 
rasch emporhelfen; doch ward unsere Erwartung ge- 
täuscht. Der Schnee erwies sich als ganz schlecht, 
wässerig und vom heißen Föhne zersetzt; es fehlte 
ihm jede rechte Verbindung mit der alten, vereisten 
Firnunterlage. So erforderte er tiefe und gute Stufen 
im unteren, festen Eise. Wir hielten uns zuerst gegen 
die .Ostkante des Firndaches, dann traversirten wir 
schräg links aufwärts. Es wai* 11 Uhr 35 Min., als 
das Stufenschlagen begann, und fast zwei Stunden 
später, ^k 2 Uhr, als es auf der Spitze endete. 

Der ganze Gipfel wai* stark bewachtet und keine 
apere Stelle vorhanden, wie sie 15 Jahre zuvor die 
ersten Besteiger getroffen hatten. Von der zum größten 
Theil verhüllten Aussicht sahen wir nur wenig, so 
den Niederblick nach Trachsellauenen und Murren; 



^Erinnerungen au8 dem Clubgebiet, 21 

dieses Wenige aber war packend und einzig in seiner 
Art. Unser Aufenthalt dauerte nur 10 Minuten ; dunkle 
Gewitterwolken, die von allen Seiten heranzogen, 
mahnten zur Eile. Der Versuch, von der Spitze direct 
über den Westgrat nach der Wetterlücke abzusteigen, 
wie ihn vier Jahre später Lindt mit Erfolg ge- 
macht hat, wurde zwar vorgeschlagen, unterblieb aber, 
da man vorzog, in den schon gehauenen Stufen wieder 
zur Gabel zurückzukehren. 

1 Uhr 40 Min. begannen wir den Abstieg. Er 
erforderte fast Fttnfviertelstunden , da vielfach frisch 
gehackt werden mußte. Der Schnee war in denkbar 
schlechter Verfassung und die Gefahr des Abrutschens 
lag nahe. Ganze Schichten lösten sich ab und fuhren 
zischend und tosend in die Felsen unter dem Firn- 
dache. 2 ühr 50 Min. war die Gabel wieder erreicht. 
In einer Stunde hoffiten wir wieder zum Westgrat 
traversiren zu können, der uns leicht und rasch zur 
Wetterlücke hinunterführen mußte. Als wir uns aber 
anschickten, wieder in die Südwand zu gehen, sahen 
wir, daß die gesammte Strecke, welche unter der Firn- 
haube hindurchführt, dem Schneeabfall und den Steinen 
aasgesetzt war. Die ganze Wand unter dem Fimdache 
schien in Bewegung zu sein. So war uns denn dieser 
Weg abgeschnitten und als Rückzugslinie blieb uns 
nur das große Couloir auf den Innerthalgletscher 
hinunter.« Dasselbe ist mäßig breit, sehr steil und 
lang. Wir betraten es erst 3 ühr 05, nachdem wir uns 
überzeugt, daß die Schneestürze, welche durch das- 
selbe abgingen, genau ihrem natürlichen Abflußkanal 
in seiner Mitte folgten, und zwar schlugen wir uns 



22 Emil Burckhardt 

auf seine linke (östliche) Seite , indem wir uns mög- 
lichst nahe an den Fels hielten. Zuerst kam hartes 
Eis, dann vereister Schnee. Obschon Rubin ein starker 
Mann und ein sehr tüchtiger Stufenhauer ist, war doch 
unser Fortschritt , da steil abwärts gehackt werden 
mußte, ein langsamer. So ging es über drei Stunden, 
bis nach 6 Uhr, immer auf der linken Seite, während 
wenige Schritte von uns ein Schneesturz nach dem 
andern die Rinne fegte und drüben in den Felsen 
die Steinschläge krachten. Diese Felsen wären wahr- 
scheinlich gangbar gewesen, so aber blieben sie uns 
verschlossen. Erst nach 6 Uhr Abds. wurde es im 
Couloir ruhiger, und um 6V2 konnten wir es wagen, 
über den Lawinenkanal auf die rechte Seite tiberzu- 
gehen , wo der Schnee viel besser und das ganze 
Terrain überhaupt praktikabler war. Kurz nach 
7 Uhr waren wir am Bergschrunde, der noch einigen 
Aufenthalt bereitete, und 7. 20, 4 Std. 15 M. nach 
Betreten des Couloirs, auf dem flachen Gletscher. Die 
700 — 750™ von der Spitze bis hierher hatten uns 
somit 5 Std. 40 M., einschließlich eines kaum viertel- 
stündigen Aufenthaltes in der Gabel, gekostet. Damit 
war unsere Arbeit am Breithom, die 11 Stunden zuvor 
auf der Wetterlücke begonnen hatte, zu Ende. 

Erst jetzt kam das Gewitter, das den ganzen 
Nachmittag über gedroht hatte, zum Ausbruche, und 
zwar mit acht alpiner Wuth. Es peitschte »uns noch 
auf dem Gletscher tüchtig durch und gab uns das 
Geleite bis weit in's Thal hinunter. Der Abstieg durch 
das Innerpfafflerthal in stockfinsterer Nacht, bei strö- 
mendem Regen, der unsere Flaschenlateme außer Ge- 



Erinnertmgen mis dein Clubgebiet 23 

brauch setzte^ brachte unsero Gesellschaft ganz aus- 
einander. Erst auf der Pfaffiemalp fand sich die 
zersprengte Colonne wieder zusammen. 11^4 Uhr 
Nachts waren wir in Ried. 

Der 30. Juli war ein rechter Landregentag. Am 
Tage darauf begleitete ich meinen Freund nach Lauter- 
bnmnen hinOber. Mit einiger Befriedigung blickte ich, 
wie wir dem Petersgrate zustiegen, nach dem Breit- 
hom. Unser Berg glänzte wieder in frischem Schnee- 
kleide, als wollte er uns einladen, das Spiel von 
Neuem zn beginnen, das wir mit ihm gespielt und 
fast verloren hatten. 

So verlief eine Bergfahrt, welche mehrfache Fehler 
in der Auswahl des Weges und schlechter Schnee- 
^ustand zu einer unverhältnißmäßig schwierigen und 
langen gemacht hatten. Diese Fehler fielen unserem 
Lötschthaler Führer Rubin und mir, als den Leitern 
der Partie, zur Last. Rubin soll damit kein Tadel 
treffen , denn er , wie auch Jossi , benahmen sich 
während der ganzen Tour geradezu musterhaft. Auch 
Marti, der eigentlich nur Trägerdienste leistete, hat, 
so viel an ihm lag, seine Pflicht gethan. 

Man wird vielleicht sagen, ich habe, um aus der 
an sich unbedeutenden Besteigung einer mittleren 
Spitze etwas zu machen, der Phantasie zu freien 
Spielraum gelassen. Dieser Vorwurf wäre unbegründet. 
Das Breithom wurde von mir geschildert, wie wir es 
am 29. Juli 1880 auf unserem Wege und bei damaliger 
Bergbeschaffenheit getroffen haben, d. h. im Allge- 
meinen schwierig und stellenweise recht heikel. Ich 
weiß zwar, daß es heutzutage nicht als „fair^ gilt, 



24 Emil Burckhardt. 

in den Bergen überhaupt etwa« schwierig zu finden. 
Es gehört mit zum Schneid der neueren hochalpiaen 
Schule, das als leicht darzufstellen, was in That und 
Wahrheit oft recht schwer geworden ist. Ein ge- 
wöhnlicher, nicht mehr ganz junger Durchschnittsberg- 
steiger, welcher dieser Schule nicht angehört, djirf 
sich aber schon das Geständniß erlauben, ein Berg: 
sei ihm unerwartet schwierig vorgekommen 

Man wird auch die Ton uns aulgewandte Zeit^ 
19 Std. 55 M., wovon nur 1 Std. 50 M» Rast, als 
sehr lang bezeichnen. Sie ist es auch in der That. 
Das Breithorn hat mich mehr Zeit und Mühe ^- 
kostet, als das bedeutend höhere, an und für sieb 
weit schwierigere Biefcsctihom. Diesee letztere, der 
Löwe des Lötschthales, eine Besteigung ersten Banges,, 
erforderte für mich am 16. September 1878 bei un- 
günstigem Wetter und bei sehr schlechtem Oipfelgrate 
von Ried aus und zurück 16 Marschstunden, also* 
2 Stunden weniger als das Breithorn.^) Ich kann 
nicht sag^i, daß 1880 am Breithorn Herr Felix Burck- 
hardt und ich schlechter gegangen wären, als Dr. Mo- 
sele^p und ich zwei Jahre zuvor am Bietsehhom, denn 
wir waren .Beide trainirt und gut disponirt. 

Doch sind solche Vergleiche schwiferig und bieten 
keinen sichren Maßstab. Immerhin darf man nicirt 
vergessen, daß nichts wechselnder ist, ala ein und 
derselbe Berg zu verschiedener Zeit und auf ver- 
schiedenem Wege. Das zeigt auch Herrn Lindt's 



*) Schon 1872 und 1876 war diese Besteigung mir änta^ 
schlechtes Wetter vereitelt worden. 



Erinnerungen €M8 dem Clubgebtet 26 

Breithornbesteigaiig , 1884, im Vergleich eu der defi^ 
Hcrra V. Felleaberg, 1865.^) 

Der kürzeste und beste Weg auf das Breithorn 
ist nobedingt -der yoü Herrn Lindt bei seiuem Abstiege 
g;emachte über die Westkante von der Wetterltlcke 
aus. Wer von Ried aus den Berg besteigen will^ 
könnte ihn, durch Oombinirai^ meines Weges mit deo^ 
des Herrn Lindt, auf sehr lohnende Weise traversiren : 
Aafstieg durch das große Couloir^ welches zu früher 
Stande und bei gutem Schnee durchaus gefahrlos 
sein muß, und über die Südseite der Firnhaube, Ab- 
stieg über die Westkante zur Wetterlticke. Wer daa 
Imge Stufen»ehlagen im Couloir scheut, der verssdie 
die Felsen auf seiner Westseite. Unter normalen 
Verhältnissen und auf dem richtigen Wege wird ein 
g^ter Gänger ungefähr zwei Drittel der von uns be- 
Böthigten Zeit, also 13—14 Stunden, einschließlich 
1 — 2 Stunden Rast, gebrauchen. 

Das Breithom ist nicht Modeberg und wird es nie 
werden. Daz u fehlen ihm noch einige hundert Meter 

Jalirb. XX , 1884/85 , 126. In t. Pellenberg's Zeit- 
ugjt^n Bchelnt mir eja Irrtfaum obzuwalten, der wohl in 
^nexa Druck/ehler seinen Grund hat. v. Fellenfoerg brauchte 
von der Wetterlücke auf- den Gipfel bei sehr raschem Gange 
3*^2 Stunden. 10 Uhr 40 war er oben. Nach Jb. III, 1866^ 
310, Teriieß er die Spitze um 2. 45 (?) Nehm., hielt sich unter- 
wegs ntt Ssmneln von Gesteinsproben und mit einigen 
feologisehen Amftiahmen auf vnd gelangte d<>ch schon nm 
3 Uhr 25, also in niir 40 Minuten, wieder auf die Wetterlücke. 
Diese Zeitangaben sind in das Itinerar 1882/83, 120, über- 
gegangen. Anstatt 2. 45 sollte es vielleicht 12. 45 heißen? 
E« ist kaum anzunehmen, daß r. Fellenberg Ton 10. 40 bis 
). 46, also 4 Std. 5 M., auf der Spitze geblieben ist. 



.26 Emil Burckhardt 

an Höbe und ein schöner Name. Die great attraction 
des Lötschthales ist das Bietschhorn, das seit Er- 
Ibaunng der Clubhtitte, Anfangs der Achtzigerjahre, 
öfters gemacht wird. Es ist unbedingt einer der 
interessantesten Berge der Schweiz und seine Be- 
steigung gewährt einen mächtigen Reiz. Doch man 
'kann das Eine thun und das Andere nicht lassen. 
Auch das bescheidene Breithom, diese „Spitze zweiten 
Ranges", hat seine Anziehungspunkte und ist eines 
Besuches in hohem Grade werth. 

Unsere Zeiten waren: 

Ab Ried (1500™) 3. 20 Mgs. Innerthalgl. 6. 40 — 7. 10. 
Wetterlücke 8. 26. Gabel 11. 20 — 11. 35. Breithorn (3779») 
1. 30 — 1. 40 Nehm. Gabel 2. 50 — 3. 05. Fuß d. großen 
Couloirs 7. 20 Abds. InnerthalgL-Ende 8 — 8. 15. Pfafflern- 
alp 9. 50 — 10. 10 Nachts. In Ried 11. 15. Total: 19 Std. 
55 M. Zeit, wovon 18 Std. 10 M. Marsch und 1 Std. 45 M. 
Halt. 

III« Vom Gross-Nesthom (8820 m«) über das Gredetsch- 
joeh (8525 m.) nach Brieg. 1876. 

Das Groß-Nesthom , der dritthöchste Gipfel der 
Lötschthaler Alpen, wird in neuerer Zeit von Beialp 
aus häufig bestiegen, und mit Recht. Der Berg ist 
überaus lohnend und weder lang, noch schwierig. 
Auffallender Weise ist ihm bis vor wenigen Jahren von 
schweizerischen Clubisten nur geringe Aufmerksamkeit 
geschenkt worden. Während schon 1865 durch eng- 
lische Bergsteiger die erste Besteigung stattfand und 
das Alpine Journal von 1865 — 1874 über drei ver- 
Bchiedene Auf- bezw. Abstiege am Nesthom durch 
Mitglieder des A. C. zu berichten weiß, enthalten 



Erinnerimgen aiM dem Clubgebiet. 27 

nosere Jahrbücher bis zu ihrem 18. Jahrgange, 1882/83, 
keine Beschreibung des Groß-Nesthomes. ^) Es war 
^as Verdienst des Herrn Prof. Schieß (S. A. C, Basel), 
der im Jahre 1882 mit seinem Sectionscollegen, Herrn 
Lttscher, den Berg bestieg, diese Lücke endlich aus- 
gefällt zu haben.*) 

Als erste Schweizer Touristen waren wohl Herr 
M. Rosenmund (S. A. C, Zürich) und Herr Prof. C. Morf 
(S.A.C, Lausanne) 1875 auf demGroß-Nesthorn.^) Ich 
folgte ihnen 1876 nach. Sie, wie die Herren Schieß und 
Liischer, stiegen vom Beichfirnj also von der Nordseite 
über den Breithorngletscher auf und ab. Es ist dies 
auch der allgemein übliche Weg. Der Berg ist aller- 
dings auch schon von Südosten, vom namenlosen Gletscher 
zwischen Groß-Nesthom und ünterbächhorn, bestiegen 
worden. Ebenso wurde ein Abstieg nach dem Gredetsch- 
thale ausgeführt und dabei das Gredetschjocli zum 
ersten Male überschritten. Es geschah dies am 1. Juli 
1872 durch die Herren Moore und Walker vom A. C. 
mit Melchior und Jakob Anderegg.*) Als ich am 
29. August 1876 diesen Weg ebenfalls machte, war mir 
die Tour von Moore und Walker, von der ich aller- 
dings hätte wissen können und sollen, noch unbekannt. 

Dieser Weg bietet schon an und für sich einen 
ganz interessanten Gletscherpaß über den Kamm 
zwischen Groß - Nesthorn und Lötschthaler Breit- 
horn (3795™) und bildet so einen Hochweg vom 

J) A. J. II, 1865/66, pag. 211; VI, 1872/74, pag. 93; VII, 
1874/76, pag. 326. — Itinerar 1882/83, pag. 157. *) Jahrb. 
S.A. C. XVIII, 1882/83, pag. 57 flf. »; N. A. P., III, 301 
*) A. J. VI, 1872/74, pag. 93. 



28 EnUl Burekhardt 

Beiehfirn nach dem Gredetschtfaale. Das Gv^deiscii- 
jdch (3525"") ist nicht zu verwechseln mit der mehr 
als 500°» niedrigeren Gredßfec/iWcke ^) (3003»), einer 
Scharte nördlich vom Grubhorn (It. 3180»°, £xck. 
3206^), die einen Uebergang von Baltschieder nach 
Gredetsch ermöglicht.^) 

Den 27. August Abends war ich, in Be^^tang 
von Peter Egger und Ohr. Jossi von Grindelwald, aii& 
dem Lötschthale, wo ich fünf Tage lang vergeblicli bei 
schlechtem Wetter vor dem Bietschhom gelegen, nach 
Beialp gekommen, in der Absicht, das Groß-Nestfaorn 
zu besteigen, das, als minderer „Tossei" nach Egger's 
Ausdruck, auch bei ungünstigen Schneeverhältnisaen 
und unsicherer Witterung zugänglich sein mußte. 

Am 28. August früh schneite es wie im Winter. 
Als am Nachmittage das Wetter sich aufheilte, ging^ 
ich mit Egger bis zum Beichfirn, recognoscirte unseren 
Berg und gewann die Ueberzeugung, daß der massen- 
hafte Neuschnee zwar sehr beschwerlich, aber bei der 
herrschenden Kälte gefahrlos sein werde. 

Am folgenden Morgen, 29. August 1876, verzögerte 
schlechtes Wetter unseren auf 2 Uhr früh festgesetzten 
Abmarsch um mehr als 3 Stunden. Erst um 5 Uhr 
10 M. früh konnten wir nach eingetretener Auf- 
hellung aufbrechen. Der Schnee lag bis in die Nähe 
des Hotels ; Moräne und Gletscher waren knietief ver- 
schneit. 1 Uhr 15 Nehm, standen wir nach — 
weniger für mich, als für meine beiden Leute — höchst 



*) Prof. Schieß, 1. c. , pag. 64, nennt das Oredetsoh- 
joch irrthümlich GredetscWwcA-e. ») Itinerar 1882/83, pag. 146 
und 179, und Jahrbuch S. A. C. VIII, 1872/73, pag. 216 ff. 



Erinnerungen aus dem Clubgehiet. 29 

ansireogeiider Arb^t auf dem Gipfel des Groß-Nest- 
hornes (3820«°).*) 

Zorn Anfsfieg batten wir, und zwar mit Recht, 
d» östliclMste von den vier Couloirs gewählt, welche 
▼om flachen Betchfime den Breithom-Gletschcrbnich 
«mpor zum Hochfim führen, van dem es links (öst- 
lich) aufs Groß-Nesthom und rechts (westlich) aufs 
Brmthom gebt. Ein eisiger Nordwind ließ es uns 
auf dem Gipfel zwar nur eine Viertelstunde aus- 
balt^, versehafite uns aber dafttr den Genuß einer 
fast wolkenlosen Aussicht, eine der schönsten, die 
\fh kenne.*) Ich muß den ersten Nesthornbesteigem 
BMB Erfahrung beistimmen, wenn sie dieselbe als noch 
«ehöner als die vom Aletschhom und vom Dom nennen, 
▼as viel heißen will 

Viel zu früh, IV2 Uhr, mußten wir den Gipfel 
▼erlassen, entschlossen, wenn irgend möglich, anstatt 
wieder nach dem Beichfim , nach dem Gredetsch- 
thale zurfickzukehren. Auf dem Grate zwischen 
Oroß-Nesthom und Breithom suchten und fanden wir 
«inen ganz directen Abstieg nach dem oberen Gredetsch- 
gMscher: eine zum Tlieil mit Schnee gefüllte Kehle, 
die uns unschwierig und rasch in nur 20 Minuten von 
^or Gratb5be aus auf den Gletscher fthrte. 



*) Ueber das Kähere der Best^ung des Nefithomei, 
das nicht in den Bahmea dieses Berichtes gebeert, vgl. 
^. A.P. m, paR. 301 flf., und Jb. S. A. C. XVHI, 1. c. *) S. auch 
Rosenmund, 1. c. — Schieß und Ltischer sahen nichts. Sie 
waren im Nebel oben und „trösteten sich mit der moralischen 
ITeberzeagrnn? , auf dem GroS-Nesthom gewesen zu sein.*^ 
(SflUeß, L c^ 67.) Das ist immerhin Etwas. 



30 Emil Burckhardt. 

Die Excursionskarte 1884 scheint mir diesen lieber- 
gang (Gredetschjoch , 3525™) zu viel nach Westen^ 
gegen das ^Gredetschhömli^ (3663"^ s% asu TerlegGi; 
meines Erachtens liegt er mehr östlich, näher beim, 
kleineren Nesthorngipfel (3720"*), also höher als der 
auf der Karte mit 3525™ eingezeichnete Paß, und 
zwar etwa 3600^ hoch. 

Es war 3 Uhr, als wir den Gredetschgletscher 
gewonnen hatten. Seine oberen Partien waren steil 
und der massenhafte, frische Schnee hielt uns be- 
deutend auf. Erst um 4 Uhr 20 war das untere Ende 
des Gletschers erreicht, und zwar in dessen östlichem 
Theile. Von hier sollte man möglichst direet der 
Thalsohle zuhalten. Anstatt dessen gingen wir za 
viel links, in die östliche Thalwand, deren steile 
Felsköpfe und schmale Rasenbänder uns noch eine 
mühsame und durchaus unnütze Kletterei von fast 
^/4 Stunden bereiteten. 5 Uhr wurde der Thalbode& 
betreten, den bis weit hinaus noch mächtige Felder 
von Lawinenschnee deckten. 

Der Gang das Gredetschthal hinaus ist lang, aber 
keineswegs, wie man wohl meinen sollte, einförmig, 
und ohne Interesse. Der einsame, wilde Charakter 
des durch Lawinen, Felsstürze und Hochwasser trost- 
los verwüsteten Thaies ist einzig in seiner Art; er 
stimmt ernst, läßt aber nicht gleichgültig. 

Prof. Schieß, der vom Breithomhochfime nach* 
Gredetsch herunterblickte, sagt: „Wir sahen unter 
uns, gerade südlich streichend, die ungemein ein- 
tönigen Wände des Gredetschthales. Wie eine halb- 
cylindrische Furche , von einem Ungeheuern Hohl- 






Erinnerimgen aus dem Cluhgehiet. 31 

meißel ansgehobelt, liegt es in gräulicher Monotonie 
^OT ans, und wir können Fellenberg in seinem Itinerar 
nur beistimmen, wenn er es als das längste, mono- 
tonste, traurigste und wildeste unter allen südlichen 
Seitenthälem des Bietschhornmassives bezeichnet."*) 
Hätte unser College das Thal selbst begangen,, 
so würde es trotz alledem seine Aufmerksamkeit erweckt 
haben, zumal an einem Tage, wie an dem unsrigen,, 
wo von jenseits der Rhone, über grüne Waldberge,, 
das Fletschhorn mit seinem leuchtenden Gletscher- 
mantel in den warmen Strahlen der Abendsonne her- 
überglänzte, die ganze Thalöffiiung des Gredetsch von^ 
einer Bergwand zur anderen, wie ein duftiges Zauber- 
^bilde, abschließend. 

üeber die ärmlichen, arg verwüsteten Alpen im> 
innem und im äußern „Gredetschläger" geht es,. 
immer auf der rechten Seite des Gredetschwassers. 
(auch „Mund'* oder „Munt"bach), dem Thalaus- 
gange zu. Kurz vor demselben überschritten wir 
die Mund, um, links uns wendend, der Hochterrasse 
von Bürgisch entlang, die rechte Thalwand des Rhone- 
thales zu gewinnen. Die Nacht war eingebrochen, als. 
wir über Naters Abends 8 Uhr 15 Min, Brieg er- 
reichten. Sofort nach unserem Eintreffen meldete ich, 
Qiu etwaigen Beftlrchtungen vorzubeugen, telegraphisck 
den Grund unseres Ausbleibens nach Beialp. ^) 



*) Schieß , 1. c. Vgl. auch über Gredetschthal Itinerar 
1882/83, 147/148 und 66. *) Das Telegramm langte in Folge 
Stornng der Leitung nicht an; wir wurden darum vermißt 
nsd durch eine Expedition von 5 Mann , die 20 Stunden, 
unterwegs war, aufgesucht. 



3Q Emil Btirckhardt. 

Daß &raß-Nesthorn, mit Aufstieg von Beialp und 
Abstieg nach Gredetsch nnd Brieg, verdient, viel öfters 
gemaeht zn werden, als dies tfcatsächlieh geschieht. 
Anstatt des Nesthornes kann gana wohl das L5tsch- 
thaler Breithom mit diesem Uehergange verbanden 
werden. Aber anch ohne den einen oder den anderen 
dieser Berge mitzunehmen , ist die IJeberschreitung 
des Gredetschjoches von Beialp nach Brieg oder Visp 
«ein überaus lohnender Hochpaß. 

Der Abstieg vom Nesthome bezw. vom Gredetsch- 
joch in*s Rhonethal zieht sich allerdings etwas weit 
hin, denn Entfernung und Höhendifferenz sind be- 
deutend. Die letztere beträgt vom Nesthorn nach der 
Rhone (bei Brieg oder Visp) ai45% resp. 3163". 
So starke Abstiege von der Bergspitze bis in's Nacht- 
quartier finden sich in unseren Schweizer Alpen im 
Bemer Oberlande nur vereinzelt und im Engadin mit 
seiner hohen Thalsohle und seinen veriiSTtnißmS^g 
niedrigen Spitzen gar nicht. Wer das Wallis be- 
wandert, trifft sie oft und gewöhnt sich bald daran. 

Dessen ungeachtet ist das Groß-Nesthorn und das 
•Gredetschjoch von Beialp nach dem Rhonethal keine 
besonders lange und hauptsächlich keine schwierige 
Partie , so daß diese Bergfahrt auch für den mittel- 
mäßigen Gänger sehr wohl ausführbar ist. Wer ran 
5 Uhr früh aufbricht und guten Schnee hat , wird 
bei reichlichem Rasten bequem Abends 6 — 7 Uhr 
in Brieg oder in Visp sein. 

Meine Zeiten waren: 

Ab Beiaip (2137") 5. 10 früh. Fuß des Breithom- 
^letschers (Kehle) 8. 30 — 9. — . Höhe der Kehle (Hoohflni) 



Erinnerungen aus dem Clubgebiet 33 

11.20. Gr.-Ne8thorn(3820'») 1. 15 — 1. 30 Nehm. Gredetsch- 
joch (3525, 3600?™) 2. 10 — 2.40. Ober-Gredetschgletacher 
3. — . Gletscherende 4. 20. Gredetschthal 5. — . Gredetsch- 
läger 6. 20 — 6. 35. Brieg (675 ») 8. 15. 

Total: 15 Std. 5 M. , wovon 13 Std. 35 M. Marsch und 
1 St4. 30 M. Rast. 

IT. Notiz über die erste Bestei^nug des Trngbergr (8988m.) 

and aber einen Yersnch anf das Finsteraarhorn 

Tom Finsteraaijoche aas. 18 71. 

Inmitten des größten Eisgebietes der europäischen 
Alpen, zwischen Jungfraufirn und Ewigschneefeld, 
schwingt sich über eisbepanzerten Wänden der Trug- 
berg zur schmalen Gratzinne auf. Erst in neuerer 
Zeit wurde diese Spitze vom menschlichen Fuße be- 
treten. Noch 1869 konnte Studer schreiben: „Der 
Trugberg ist einer jener wenigen Hochgipfel der 
Bemer Alpen, die noch nicht bestiegen worden sind."^) 

Es war am 13. Juli 1871. als mir die erste Be- 
Steigung des Berges mit Peter Egger und Schlegel 
von Grindelwald gelang, nachdem das Jahr zuvor 
zwei Versuche von Dr. Häberlin aus Frankfurt (S. A. C, 
Basel) gescheitert waren. Schlechtes Wetter und un^ 
günstige Schneeverhältnisse bei schon vorgerückter 
Jahreszeit hatten die mit schneidiger Energie aus- 
gefölirten Angriffe dieses bewährten Bergsteigers ab- 
geschlagen. ^) Eine zweite Besteigung des Gipfels fand 
erst 1877 statt durch Herrn v. Fellenberg; mit Recht 
sagt dwselbe : dieser schöne, die Quellfirne des Aletsch 
tind die Südseite der Berner Alpen dominirende Berg 

Studer, Ueber Eis und Schnee, 1, 223. *) Jahrb. S. A. C. 
Vn, 1871/72, 214 flf. 

3 



34 Emil Burckhardt 

sei noch viel zu wenig bekannt und gewürdigt, und 
Häberlin, der zuerst dem Trugberg nähere Aufmerk- 
samkeit schenkte, urtheilt treffend über ihn: „Bei 
„seiner selbstständigen Stellung mitten im Quellgebiete 
„des Groß-Aletschgletschers ist er zugleich einer der 
„centralsten Eisberge unserer Alpen." ^) 

Unsere Jahrbücher enthalten zwei treffliche Schil- 
derungen des Trugberg, die eine von Häberlin, in 
Band VII , 1871/72 , die andere von Fellenberg^ 
Band XIV, 1878/79.2) Beide bieten erschöpfendes 
topographisches und touristisches Material; das histo- 
rische findet sich summarisch bei Studer I, 223. Die 
nachfolgenden Mittheilungen, ein gedrängter Auszng^ 
aus einem Vortrage, den ich im Winter 1871/72 der 
Section Basel hielt, sollen das Thatsächliche der ersten 
Besteigung feststellen. Da diese letztere im Anschlüsse 
an einen Versuch auf das Finsteraarhorn von der 
Berner Seite (vom Finsteraarjoche aus) stattfand, so 
mögen einige Bemerkungen auch über diese Bergfahrt 
hier ihren Platz finden. 

Im Sommer 1871 hatte ich, nachdem mir 1870 
die Berge, wie manchem Andern, gänzlich verschlossen 
gewesen waren, überhaupt nur 8 Tage für dieselben 
verfügbar, imd diese 8 Tage fielen noch dazu in die 
sehr schlechte erste Hälfte Juli , in der bis auf die 
Alpweiden herab Schnee lag, so daß alle Hochtouren 
unmöglich schienen. Dennoch versuchte ich die Aus- 
führung meines Planes: Finsteraarhorn vom Finster- 

Häberlio, 1. c, 215. *) Häberlin, 1. c, ^zwei Versuche 
zur Besteigung des Trugberges**, und v. Fellenberg, 1. c, 
«der Trugberg". 



Erinnerungen aus dem Clubgebiet 35 

aarjoch aus, Hinter- Viescherhorn und Trugberg, drei 
überhaupt noch nicht gemachte Touren, allerdings 
ohne viel Hoffnung auf Erfolg. 

Den 7. Juli langte ich in Grindelwald an, wo mich 
Peter Egger erwartete, ging mit ihm allein am fol- 
genden Tage nach dem Finsteraar j och und recognoscirte 
die Nordostwand des Finsteraarhomes, besonders die 
große Kehle gegen den Hugisattel, durch die uns ein 
Aufstieg möglich schien. ^) Das Resultat unserer Prü- 
fung war kein günstiges und wir kehrten, im Zweifel 
über das, was zu thun sei, nach Grindel wald zurück. 
Als aber am 9. Juli das Wetter sehr schön wurde, 
entschloß ich mich doch zu einem Versuche und über- 
nachtete mit Egger und mit Peter Schlegel im Easten- 
stein, der noch tief im Schnee steckte. Am 10. Juli 
überschritten wir, bei wieder zweifelhafter Witterung, 
in den ersten Tagesstunden das Finsteraarjoch und 
waren schon früh am Fuße der Hugikehle, die wir 
aber wegen fortwährender Schnee- und Steinstürze 
nicht zu betreten wagten. So wandten wir uns denn 
zurück zum Agassizjoch, um über dasselbe und direct 
über den Nordwestgrat das Finsteraarhorn zu besteigen, 
ein Weg, der 1868 zweimal, einmal abwärts und ein- 
mal aufwärts, gemacht worden war. 2) 

*) Stnder, I, 91, sagt von dieser Kehle: „Dieser Weg 
dürfte freilich große Schwierigkeiten darbieten und nur dann 
zn versuchen sein, wenn noch eine gehörige Masse von Schnee 
jene Kehle ansföllt." — Dr. Häberlin hatte 1870 diesen Weg 
machen wollen ; schlechtes Wetter ließ ihn nicht einmal bis 
zum Finsteraarfim gelangen. Jahrb. 8. A. C. XIV, 215. 

*) Aufwärts, zum ersten Male durch G. E. Fester vom 
A. C. mit Hans Baumann und Peter Bernet, 28. Juli 



36 Emil Burckhardt 

Der Schnee im großen Agassizcouloir war in bo 
schlechter Verfassung , daß wir in die nicht viel 
besseren und tief verschneiten Felsen gedrängt wurden. ^) 
Hier entgingen wir, ungefähr in der Mitte der Wand, 
mit knapper Noth einer Lawine. ^) Auf der Hohe des 
Agassizjoches (3850"*), um die Mittagsstunde, über- 
raschte uns ein sehr starkes Gewitter, welchem Nebel 
und Schneegestöber folgten. ^) Das Finsteraarhorn war 
für uns verloren, und nicht einmal das noch unbe- 
stiegene Agassizhorn (3956"), das in einer kleinen 
halben Stunde vem Joche aus leicht zu erreichen ge- 



1868 , A, J. IV , 1868/70 , 155 , abwärts aber schon eine 
Woche früher y am 20. Jnli 1868, durch F. Bischoff und 
E. Nötzlin, S. A. C, mit Christen Michel and Peter Egger. 
Es war dies die erste Traversirung des Finsteraarhornes 
vom Viescherfirn nach dem Finsteraarflrn überhaupt. Da 
leider nichts darüber veröffentlicht wurde, blieb sie weiteren 
Kreisen unbekannt. 

^) Die Felsen des Agassizjoches sind überhaupt schlecht. 
Foster nennt sie „much desintegrated and unpleasant climbing'*. 

*) D6chy, welchem 1872 der zweite Aufstieg vom Finster- 
aaijoch auf das Finsteraarhorn via Agassizjoch gelang, war 
im Couloir in Lawinengefahr. (Jahrbuch S. A. C. , 1873/74, 
166.) — Auffallend ist, daß D6chy in seinem Aufsatze, 
1. c, „Das Finsteraarhorn von Grindelwald aus", der Tour 
von Bischoff und Nötzlin nicht erwähnt, obschon ihm die- 
selbe bekannt sein mußte. Er hatte 1872 für seinen Auf- 
stieg als ersten Führer denselben Christen Michel engagirt, 
der 1868 mit den genannten Herren den Abstieg gemacht 
hatte. 

") Es mag dies die vierte Ueberschreitnng des Agassiz- 
joches gewesen sein. Die erste machten 1866 Hornby, 
Philpott und Morshead vom A. C. 



Erinnerungen atis dem Clubgehiet. 37 

wesen wäre , konnte mitgenommen werden. ^) Erst 
mit einbrechender Nacht erreichten wir den Faulberg, 
nachdem wir im Nebel auf dem Walliaer Viescherfime 
vier Standen lang in der Irre herumgegangen waren 
und das Unwohlsein eines meiner Führer bedeutenden 
Aufenthalt verursacht hatte. Schlechtes Wetter trieb 
uns am 11. Juli nach dem Eggischhom, wo der Schnee 
bis zum Hotel lag. Mein Plan war gewesen, diesen 
Tag im Faulberg zu bleiben und , während ein 
Führer auf Eggischhom Proviant und Holz holte, 
mit dem andern Hinter- Viescherhom und Trugberg zu 
recognosciren, am 12. und 13. diese Berge zu ver- 
suchen und dann an letzterem Tage noch nach Grindel- 
wald zurückzukehren. 

Regen und Schnee hielten nuch 1 ^/a Tage, bis am 
12. Abends, auf Eggischhom fest^), somit war einer 



Das Agassizhorn wurde 1872 znm ersten Male von 
6. Coolidge (A. C.) vom Joche aus in 20 Minuten bestiegen. 
Der Aufstieg vom Agassizjoch über den Grat zum Finster- 
aarhom kostete 1868 Foster 2 Std. 50 M., D6chy 1872 3 Std. 
25 M. Für das Agassizjoch selbst brauchte Foster vom 
Fiosteraarfin aus 37«, D6chy 3, ich 37» Std. D6chy deutet 
meinen mißlungenen Finsteraarhornversuch in seinem citirten 
Aofsatze, pag. 160 und 162, an. Was den directen Aufstieg 
vom Finsteraarfirn durch die Hugikehle betrifft, so wurde 
ich 1875, als ich ihn wiederum versuchen wollte, schon am 
Fuße der Kehle durch ein Gewitter zurückgeschlagen. Als 
ich 1876 das Finsteraarhom auf gewöhnlichem Wege („von 
der Knabenseite", wie derselbe neuerdings genannt wurde) 
bestieg, schien mir die Nordostwand, auch die Partie unter 
dem Hugisattel, überhaupt nicht gangbar. Herr Carfroe vom 
A. C, der mit mir war, theilte meine Ansicht. 

*) Vgl. Häberlin, 1. c. , Jenes denkwürdige Unwetter, 



38 Emil Burckhardt 

der beiden Berge für mich verloren, da ich am 14. 
in Basel sein mußte. Vom 12. zum 13. Juli übernachtete 
ich wieder im Faulberg, entschlossen, wenigstens den 
Trugberg, den ich für den „besseren" von den beiden 
Gipfeln hielt, zu machen. 

Am 13. Juli, 3 Uhr früh, gingen wir gegen den 
Berg vor. Unser Weg war im Allgemeinen derselbe, 
den sechs Jahre später Herr v. Fellenberg genommen 
hat. Um 6 Uhr 30 begannen wir den eigent- 
lichen Aufstieg, der des vielen Schnee's wegen sehr 
mühsam und langwierig war, aber bei Weitem nicht 
die Schwierigkeiten bot, wie sie das Jahr zuvor den 
beiden Versuchen von Dr. Häberlin sich entgegen- 
gestellt hatten. Von 7 Uhr an wurde das Wetter sehr 
schlecht und stürmisch. In starkem Schneefall traver- 
sirtea wir an der Firnwand über dem Ewigschneefeld 
aufwärts und gewannen nach ziemlich langem Stufen- 
schlagen an steilem Gehänge (Messung von Fellen- 
berg: 52<>) gute Felsen. Von da kamen wir unschwierig 
auf den Grat, wo uns der tobende Sturm sehr zusetzte. 
Um 9^/2 Uhr hatten wir eine Felszacke erreicht, die 
möglicherweise der Gipfel sein konnte, doch griffen 
wir, als aus dem Nebel die Umrisse einer zweiten, 
scheinbar höheren Spitze hervortraten, auch noch diese 
an, wobei wir eine tiefe Kluft umgingen, und waren 
9 Uhr 50 oben. Diese letzte Strecke war nicht 
leicht. In der Annahme, auf dem höchsten Gipfel zu 



das für zwei Tage alle noch so kühnen Bergfahrer in der 
Schweiz, wie in Savoyen, von den Zielen ihrer Wünsclie 
zurückwies."* 



Erinnerungen aus dem Clubgebiet. 39 

sein, erbauten wir einen Steinmann. Die Aussicht^) 
war eine sehr beschränkte : Dichter Nebel, viel Schnee- 
flocken und einige Meter Felsgrat. Sofort nach Be- 
endigung des Steinmannes, 10 Uhr 10, begannen 
wir den Abstieg, und zwar nicht auf unserem alten 
Wege, sondern nordöstlich, nach dem oberen Ewig- 
schneefeld zu. Er war steil und erforderte bei dem 
damaligen Schneestande große Vorsicht, bot aber 
keinerlei Schwierigkeit. 11^/4 Uhr waren wir auf 
dem flachen Firne, wo eine normale Temperatur und 
völlige Windstille wieder Leben und Wärme in unsere 
halb erstarrten Glieder brachte. 

Als wir uns dem Mönchjoche näherten, hellte sich 
das Wetter zusehends auf und die ersten Sonnenblicke, 
die um den Gipfelgrat des Trugberg spielten, ließen 
uns erkennen, daß wir unseren Steinmann da gebaut, 
wo er von Rechtswegen hingehörte: auf die Spitze 
eines der letzten jungfräulichen Zwölftausender der 
Bemer Alpen. 

Die Berglihtitte war tief verschneit und der Zu- 
gang zur Thtire mußte mtlhsam ausgeschaufelt werden. ^) 

Unser Rückweg nach Grindelwald sollte einen 
höchst gelungenen Abschluß finden. Als wir die unteren 
Sehneefelder des Viescherfirnes gegen das Kalli hinab- 
gingen, sahen wir links über uns drei Männer die 
Felsen gegen die Eigerhöhle aufsteigen. Es war ein 
Herr mit zwei Führern. Nun gegenseitiger Zuruf und 
Frage über „woher" und „wohin" ; „Trugberg heut' früh 

Vgl. über dieselbe v. Fellenberg, 1. c, 274, und das 
diesem Jahrbuch beigegebene Panorama von S. Simon. 
*; Vgl. auch Häberlin, 1. e., 152. 



'1 



40 Emil Burckhardt 

10 Uhr", schallte es hinauf. Der Herr grüßte und stieg^ 
still mit seinen Leuten weiter. Es war Niemand anders 
als Dr. Häberlin, der zwei Tage zuvor bei seinem 
dritten Versuche gegen den Trugberg durch schlechte» 
Wetter schon am Mönchjoch zurückgeschlagen worden 
war ^) und nun zum vierten Male zum Angriff vor- 
ging. Mein College änderte jetzt, wie ich später er- 
fuhr, seinen Plan, ließ den Trugberg bei Seite und 
machte dafür am folgenden Tage unter sehr ungünstigen 
Verhältnissen die erste Besteigung des Hinter-Vieseher- 
hornes (4020 "*), ^) das hinwiederum mir entgangen war» 
So wurden binnen zwei Tagen zwei von den letzten 
noch jungfräulichen Hochgipfeln des Oberlandes für 
den S. A. C. gewonnen. 

Meine Zeiten waren: 

Ab Faulberg (2847'») 3 Uhr früh. Trugbergfoß 6 — 6. 80. 
Trugberg (3983°) 9. 55 — 10. 10. Mönc^Joch 12. 40 Nehm. 
Berglihütte (alte) 1. 20 — 2. 40. Bäregg 5. 40 — 6. Griodel- 
wald (989™) 7 Uhr Abds. Total: 16 Std. Zeit, wovon 13 Std. 
30 M. Marsch und 2 Std. 30 M. Rast. 

y« Notizen über den K^tteaberg-SeJireeklMiriikaiiiiii* 

Gwäohteiyoch (Mettenbergjoch), 3159™, 1872. 

Der mächtige Kamm, der nach Nordwesten vom 
Groß-Schrßckhom gegen das Grindelwaldthal sich ab- 
senkt , läßt sieh in zwei Theile zerlegen , in den 
oberen, mit den beträchtlichen Erhebungen des Näael- 
hörn (3749°») und Klein -Schreckhorn (3497«»), und 



*) Vgl. Häberlin, 1. c, 153. *) d. h. der einen, niedrigeren 
Spitze. Die etwas höhere wurde erst 1885 von den bekannten 
führerlosen Wiener Bergsteigern Dr. Lammer und A. Lorria 
bestiegen. 



\ 



Erinnerungen aus dem Cltibgebiet, 41 

in den unteren, mit den weniger hohen, aber auf 
wuchtigem Massive fügenden Gipfelbildungen der 
Gwäehten (3169«) und des Mettenberg (3107"). Die 
Hanptdepression und zugleich die nattlrliche Theilstelle 
des Gesammtkammes findet sich da, wo sein oberer 
Theil nach Ausstoßung des Klein-Schreckhornes zur selb- 
ständig entwickelten Spitze, in einer Flucht von mehr 
als 300™ jäh auf den unteren Grattheil absetzt. 
Diese Stelle scheint zu einem Hochpasse von den» 
Grindelwald - Eismeer nach dem Ober - Grindelwald-^ 
gletscher wie geschaffen , doch wird sie sehr selten 
dazu benützt. Das Interesse der Bergsteiger richtet 
sieh mehr auf die Spitzen des Mettenberges und 
des Klein-Scbreckhomes. Diese beiden Berge habea 
den Vortheil , daß sie sehr wohl in einem Tage vom 
Thal aus gemacht werden können, der erstere leicht, 
und kurz, der letztere etwas schwieriger und länger. 

Die erste Kammtlberschreitung fand 1857 statte 
indem der Engländer Anderson ^) das noch jung- 
fräuliche Klein-Schreckhorn vom Jjauteraarsattel aus^ 
erstieg und durch das Grindelwald - Eismeer seinen 
Abweg nahm. Bis Anfangs der siebziger Jahre scheint 
kein üebergang ttber den Grat mehr erfolgt zu sein^ 
bis 1872 eine englische Partie denselben zwischen 
Mettenberg und Klein-Schreckhorn vom Gleckstein 
aus nach dem Grindelwald - Eismeer tiberschritten 
haben soll. 

Unseren Jahrbüchera ist dieser üebergang noch 
fremd und es mögen darum einige Mittheilungen über 



^) Peaks, Passes and Glaciers, I, 1859, 234. 



42 Emil Burckhardt, 

«ine Passirung des Grates vom Grindelwald-Eismeer 
nach dem Ober-Grindelwaldgletscher, die ich 1872 
^ausführte, hier ihren Platz finden. 

Mit Peter und Rudolf Kaufmann verließ ich Grindel- 
ivald den 2. September 1872, 3. 15 früh, war 
^egen Tagesanbruch auf dem Eismeer und stieg 
«oberhalb der Stieregg (1795™) über steile Schafweide, 
Guferhalden und durch ein in seinen oberen Th eilen 
mit Schnee ausgelegtes Geröllcouloir in nordöstlicher 
Eichtung gegen den Grat hinan, welcher den Metten - 
«berg mit dem Klein-Schreckhorn verbindet. Gegen 
10 Uhr wurde zwischen 3094 und 3169 die Kamm- 
höhe und auf derselben, etwas links, die „Gwächtön" 
'(Schneegipfel) 3169 erreicht. Von dieser Spitze ver- 
buchten wir einen directen Abstieg über den oberen 
Wechselgletscher. Der Versuch mißlang , weil am 
unrichtigen Orte gemacht. Wir hätten uns mehr links, 
nordwestlich, halten sollen. *) — Wir kehrten darum 
auf den Grat zurück und gingen theils derselben ent- 
lang , theils unter derselben , auf der Eismeerseite, 
nach rechts, östlich, gegen das Klein-Schreckhorn zu. 
Schließlich wurden wir ein gutes Stück abwärts ge- 
drängt und verloren auf diese Weise bedeutend an 
der gewonnenen Höhe. 

1) Hr. Felix O. Schuster (A. C, S.A. C. und D. u. De. A. V.), 
der im Jahr 1880 direct nach dem Ober- Grindelwaldgletscher 
abstieg, bestätigt dies. Er schreibt: »l^er directe Abstieg 
Tom Punkte zwischen dem Mettenberg und der Gwächten, 
über den steil abfallenden Gletscher nach dem Ober-Grindel- 
waldgletscher war sehr schwierig und, so viel mir bekannt, 
weder vor- noch nachher gemacht. '^ (Privatmittheilg. v. F. 
O. Schuster.) 



Erinnerungen aus dem Clvhgehiet, 48 

Es war schon 1. 10 Nachmittags, als wir auf 
der richtigen Paßhöhe, unmittelbar am Westfuße des 
Klein-Schreckhornes, bei 3159 der Exck. 1885/1886, 
standen. 

Den unbenannten Gletscher auf der Nordwestseite 
des Klein-Schreckhornes absteigend, umgingen wir 
den Nordgrat des letzteren bei 2815 und gewannen 
so den Hochfirn des Ober-Grindelwaldgletschers. Die 
Zerrissenheit desselben zwang uns zu einem weiten 
Bogen gegen den Lauteraarsattel hin. Mehr als drei 
Standen von der Paßhöhe an waren wir auf dem 
Gletscher , bis endlich um Va 5 Abends derselbe 
hinter uns lag. 5 ühr war die (alte) Wetterhomhtitte 
und nach einer allzulangen Rast in derselben auf 
dem alten Wetterhornwege über die „Enge" 8. 35 
Grindelwald erreicht. 

Meine Führer nannten den Paß „Mettenbergjoch"; 
mir scheint, da er mit dem eigentlichen Mettenberge 
nichts zu thun hat , der Name „ Gwächtenjoch " 
richtiger. ^) 

Dieser üebergang über den Mettenberg-Schreck- 
homkamm wird Jedem , der neben dem Großen 
auch das Kleinere zu würdigen weiß, volle Befriedi- 
gung bieten. Für die Einzel kenntniß des Grindelwald- 
gebirges ist er von entschiedenem Werthe. Wenn 
die von uns erst nach anfänglichem Fehlgehen ge- 
fundene richtige Paßhöhe direct erreicht wird , so 
werden 2V2 bis 3 Stunden erspart. Die Tour kann ganz 
wohl, auch für mittlere Gänger, von Grindel wald hin 



*) Schuster's Paß wäre das richtige „Mettenbergjoch' 



44 Emil Burckhardt, 

und znrück gemacht werden, ohne ein Uebemachten 
auf der Bäregg mit zwei kleinen Stunden Zeitgewinn 
zu erfordern. 

Meine Zeiten waren: 

Ab Grindelwald v989»), 3 15 früh. Halt in der Gwächten- 
kehle, 7.30—8.10. „Gwächten" (3169"), 10-10. 20. Gwäch- 
tenjoch (3159*°), 1. 10 — 1.40. Glecksteinhütte , 5—5.40. 
Grindelwald, 8. 35. Total: 17 Std. 20 M. Zeit, wovon 15 Std. 
10 M. Marsch und 2 Std. 10 M. Halt. 

Das Nässihoru (3749 in.). 

Erste Besteigung, 1885. 

Während das Klein-Schreckhorn in neuerer Zeit 
öfters bestiegen wurde, fand sein höherer Nachbar- 
gipfel, das Nässihorn (3749"*), die bedeutendste Er- 
hebung des Mettenberg-Schreckhomkammes, keine Be- 
achtung. Es mag die allzu unmittelbare Nähe dea 
Groß-Schreckhornes, welche das Nässihorn nicht recht 
zur Geltung kommen läßt, daran Schuld sein. 

Ich hatte schon vor mehrern Jahren eine Er- 
steigung des Nässihornes vom Lauteraarsattel au» 
beabsichtigt, mit Abstieg nach dem Grindelwald- 
Eismeer, also eine Traversirung des Berges; schlechtea 
Wetter hatte mich zwei Mal, zuerst 1876 und dann 
1881, von der WetterhornhUtte zurückgetrieben, ohne 
mich nur zum Angriffe kommen zu lassen. — Erat 
1885 gelang es mir, diesen Gipfel nachzuholen, leider 
nicht von seiner schönen Seite, dem Lauteraarsattel^ 
und auch nicht als Traversirung, sondern als einfache 
Besteigung von der Eismeerseite aus. 

Es war Anfangs August 1885; auf die pracht- 
vollen Juliwochen folgten im Oberlande acht Tage 



Erinnertmgen aus dem Clu^gebiet 45 

schlechten Wetters, das manche Bergfahrt scheitern 
ließ. Am Vormittage des 1. August befand ich mich 
mit meinen Führern Chr. Jossi und P. 8chlegel auf 
dem Rückzüge von einem Unternehmen im Finsteraar- 
febiete, zu dessen Durchführung gute Witterung und 
tadelloser Schnee in allererster Linie nöthig sind. 
Beides hatte gefehlt und um ein^ Niederlage reicher 
traf ich um die Mittagsstunde in der Olubhütte an 
der Schwarzenegg ein. Wir waren nicht die einzigen 
Oeschlagenen. Die Herren Dr. Guido Lammer und 
Dr. August Lorria, die berühmten führerlosen Wiener 
Bergsteiger, mit denen ich schon eine Woche früher 
anläßlich einer Groß-Viescherhom-Besteigung in der 
Mönchhütte am ^Bergli^ zusammengetroffen, gingen 
«oeben nach Grindelwald hinab; ihr erster Angriff 
auf den Nordwestgrat des Schreckhornes war Tags 
zuvor an der Ungunst der Witterung gescheitert. 
Dann kam ein junger Engländer mit zwei Führern 
gehörig abgewettert von einem Versuche auf das 
Schreckhom (gewöhnliche Seite) zurück. 

Nachmittags hellte sich das Wetter etwas auf, und 
während der englische Bergsteiger zu Thal zog, um 
bessere Witterung abzuwarten, nachdem er uns in 
liebenswürdigster Weise den Rest seines Proviante» 
zur Verfügung gestellt hatte, blieb ich mit meinen 
Leuten in der Hütte, mit dem Entschlüsse, das Nässi- 
homwenn möglich zu traversiren, jedenfalls aber zu 
besteigen. Die Nacht durch regnete es, gegen Tages- 
anbruch aber trat eine Besserung ein und wir konnten 
4 Uhr 5 früh gegen das Nässihom aufbrechen, das 
Lammer und Lorria — wie sie scherzweise sagten — 



46 Emil Burckhardt 

mir als älterem Collegen großmttthig „gelassen" hatten^ 
trotzdem sie es bei ihrem Schreckhomversuche leicht 
hätten mitnehmen können. 

Unser Weg war Anfangs, fast zwei Standen lang^ 
derselbe, wie auf das Schreckhom, das große Couloir 
hinauf. Dasselbe war unten in leidlichem Zustande,, 
erforderte aber weiter oben Stufenschlagen. Doch 
fielen trotz der frühen Morgenstunde mehrfach Steine, 
während ich 13 Jahre zuvor bei einer Schreckhomtour 
um dieselbe Tageszeit das Couloir ohne einen einzigen 
Steinfall passirt hatte. Dort, wo der übliche Schreck- 
homweg rechts in die Felsen ablenkt, blieben wir 
noch eine gute Strecke gradaus in der Kehle, bis uns- 
Steingefahr zwang , nach links , in die Felsen der 
Nord Westseite, zu gehen. Bis zu denselben war eine 
gute Anzahl Stufen quer über das hier sehr steile 
Couloir erforderlich. Während wir die losen , aber 
unschwierigen , Felsen hinaufkletterten , begann es- 
dermaßen zu schneien und zu stürmen, daß wir um 
V2 7 Uhr an einer etwas gedeckten Stelle Schutz 
suchten. Ein sehr kräftiges Fiühstück war die na- 
türliche Folge dieses gezwungenen und verfrtihten 
Haltes. Als nach 20 Minuten das Schneegestöber 
nachließ und einem sanften Schneefall ohne merkliche 
Kälte Platz machte, stiegen wir in einer Stimmung, 
die des schönsten Sonnenscheines würdig gewesen 
wäre, weiter, unseren Weg hie und da durch auf- 
einandergelegte Steine markirend. Wie wir auf der 
Höhe der Wand (Exck. 3316), zuletzt über einen 
Schneekamm, den obern Kastensteinfim erreichten, 
lichtete sich der Nebel und erlaubte uns eine genaue 



Erinnerungen aus deni Cluhgebiet 47 

Orientirung. Rechts hatten wir die riesenhafte West- 
wand des Schreckhornes , links , tief unter uns , den 
zerrissenen (unteren) Kastensteinfirn und vor uns ragte 
aus grauen Schneewolken der Kamm des Nässihomes*. 
Wir überschritten nun den Firn direct gegen das^ 
Xässihom. Der Bergschrund war schlecht und ver- 
ursachte Aufenthalt an dem Steinfall ausgesetzter 
Stelle. Auch weiter oben fielen Steine; um ihnen aus- 
zuweichen, gingen wir links und stiegen anhaltenct 
an einer Felsrippe empor, die uns weit hinauf in die 
Wand des Nässigrates führte. Es war wieder Nebet 
eingefallen, so daß nicht immer die besten Stellenr 
aufgefunden wurden. Zuletzt kam eine zwar kurze,, 
aber recht steile Eispartie, welche sorgfältige Arbeit 
verlangte. Genau drei Stunden nach unserem Halt oben- 
am Schreckhomcouloir — 9 Uhr 50 — • steckte mein 
Vordermann seinen Pickel in die Gwächte der Kamm« 
höhe und sandte seinen Jodler durch das winterliche 
Schneetreiben nach dem Lauteraar hinab. An einen 
Abstieg nach demselben war bei diesem Wetter aller- 
dings nicht zu denken. Doch hatten wir unverhofftes 
Glück. Der Wind trieb auf Augenblicke den Nebel 
auseinander und zeigte unsere Spitze links vor uns in 
nächster Nähe. Dem Kamme entlang erreichten wir sie^ 
theils über Schnee, theils über Fels, mäßig ansteigend^ 
leicht in 20 Minuten — um 10 Uhr 10. Es ist ein 
Felsgipfel mit verschiedenen Absätzen. Spuren früherer 
Besteigungen fanden sich nicht vor. Wir erbauten 
zwei Steinmannli, eines gegen die Lauteraar-, das 
andere gegen die Eismeer- Seite. Aussicht hatten wir 
keine, dafür aber durch momentane Nebelrisse ein- 



48 Emil Burckhardt 

seine Ausblicke von um so größerem Eindracke« 
10 Uhr 40 traten wir den Rückweg an, auf dem 
wir noch eine kleine Schneespitze, die sich mehr öst^ 
lieh, gegen den Lauteraaraattei zu, etwas höher ala 
-die Felsepitze erhebt, betraten (10 Uhr 50). 

V2 1 Uhr waren die Felsen am Schreckhom- 
-couloir wieder erreicht. In starkem Regen stiegen will 
-das Couloir ab, das jetzt in denkbar schlechter Ver-i 
fassung wai* , und langten Vs 3 Uhr in der Hütte 
an, wo wir einen längeren Aufenthalt machten. Der 
Rückweg nacli Grindelwald verschaffte uns auf dem 
Ober-Eismeere die Freude einer nochmaligen Be- 
gegnung mit Dr. Lammer und Dr. Lorria, die, ftti 
mehrere Tage mit Proviant versehen , trotz un- 
günstigen Wetters wieder nach der Schwarzenegg 
gingen, um ihre erbitterte führerlose Fehde mit dem 
^chreckhom zu Ende zu fechten. ^) 7 Uhr 15 Abendf» 
waren wir in strömendem Regen in Grindelwald. 

Wenn, wie es allen Anschein hat, das Nässihon 
früher nicht bestiegen worden ist, so kann auf sein< 
-erste Ersteigung Dent's Ausspruch angewandt werden 
^We could not but feel, that if we were to aehievi 
„the honour of a first ascent, such honour would b< 



^) Lammer und Lorria wurden am 5. August wied 
durch schlechtes Wetter zurückgeschlagen. Am lO./H. Augu 
gelang ihnen der dritte Versuch, indem sie das Schreckho 
mit (erstem) Abstieg über den Nordwestgrat („Anderso 
grat**) forcirten. Es ist dies, noch dazu ohne Führer, ein 
bewundernswerthe Leistung dieser schneidigen Bergsteige 
welche sich ihrer führerlosen Besteigung der Dent Blanch 
im Schneesturme vom 22. August 1885 (Mitth. d. D. u. Oe. A. V 
1886, Nr. 1) würdig an die Seite stellt. 



Erinnerungen aus dem Cluhgehiet. 49 

^principally due to the fact, that we had subdivided 
^tbe secondary peaks of the chain more minutely, 
^than other voyagers." 

Als neue und lohnende Tour bleibt nun noch mein 
ursprünglicher Plan : die Traversirung (neugermanisch : 
7,Querung'^) des Nässihornes vom Lauteraarsattel zum 
Ober-Eismeer. Nachdem 1857 das Klein-Schreckhorn 
und 1872 das Groß-Schreckhorn in dieser Richtung 
traversirt worden sind, wird eine üeberschreitung des 
Kammes zwischen diesen beiden Spitzen wohl nicht 
mehr lange auf sich warten lassen. 

Meine Zeiten waren: 

Ab Schwarzenegg (2500°*), 4. 05 früh. Felsen nord- 
westlich vom Couloir, 6. 30 — 6. 50. Nässikamm, 9. 50. Nässi- 
lioni (Felsspitze 3749"), 10. 10—10.40. Schneespitze (3760^? 
3784"?), 10.50. Felsen nordwestlich vom Couloir, 12.30. 
Schwarzenegg, 2.30— 3.30. Grindelwald (989 "), 7.15. (Unter- 
wegs 15 M. Halt.) Total: 15 Std. 10 M. Zeit, wovon 13 Std. 
Marsch und 2 Std. 10 M. Halt. 

IVB. Im letzten Drittel unseres Aufstieges ver- 
ursachte der Nebel und Schneefall bedeutenden Zeit- 
Terlust. Auch, glaube ich, würde man sich besser 
mehr rechts, näher an das Groß-Schreckhorn, halten, 
wie dies Stafford Anderson am 7. August 1883 bei 
seiner Bezwingung des Schreckhomes über den Nord- 
westgrat gethan hat ^), und dann links dem Kamm 
entlang gehen. Der letzte Theil unseres Anstieges 
gegen den Kamm war nicht gut gewählt. Steinfall 
Wffd zwar bei gutem Wetter kaum drohen, aber es 
«ind sonst einige schlechte Stellen vorhanden. Im 
Schreckhomcouloir dagegen ist stets bis zu einem 

A. J. XI, 1882/1884, 438 flf. 



50 Bmü BurcJchardt 

gewissen Grade Gefahr von Steinen; dieselbe kann 
nun einmal dort nicht ganz vermieden werden *)► 
Lammer und Lorria sind am 11. August 1885 nach 
ihrer Traversirung des Schreckhomes bis weit unten 
in den Nordwestfelsen des Couloirs geblieben und 
haben so dessen größten Theil vermieden. ^) 

YI« Notiz Ober das Orosts-Laateraarhoni (4048 m.u ISS^ 

8eit 1869, der zweiten Besteigung des 1842 zum 
ersten Male erstiegenen Groß-Lauteraarhornes durch 
einen Schweizer, Hm. Ed. Burckhardt-Zahn (S. A. C.),. 
ist dieser Berg mehrmals gemacht worden, aber, so 
viel ich habe erfahren und auf der Spitze selbst er- 
sehen können, ausschließlich durch ausländische Berg- 
steiger. 

Es mag zugegeben werden, daß das Groß-Lauter> 
aarhorn ungünstig liegt, etwas zu sehr abseits von 
den jetzt beliebten Ausgangspunkten für die Ober- 
länder Hochtouren. Doch sollte dies kein Grund sein,, 
einen Gipfel ersten Ranges dergestalt zu vemach- 
lässigen. Einige Notizen über eine von mir 188S 
ausgeführte Besteigung des Berges mögen denjenigen 
meiner Clubgenossen zur Aufmunterung und Weg- 
leitung dienen, bei denen vielleicht das Jahrbuch 
Nr. VII ^) in Vergessenheit gerathen ist. 

Ich verließ den Pavillon Dollfus den 9. August 



1) Vgl. ABcterson, 1. c. Dieser Bergsteiger meint: ^of all the 
„abominably long conloirs in the Alps this mnst, I tbink, be 
„the longest aod the most tiresome." ') Mitth. des D. a. Oe. 
A. V., 1885, Nr. 19. «) Jahrb. S. A. C, VII, 1871/1872^ 
270 flf. 



Erinnerungen aus dem Clubgebtet. 51 

1885, 2. 30 früh, mit Chr. Jossi und Peter Schlegel, 
bei zweifelhaftem Wetter, das aber nach Tages- 
anbruch, bis auf einen eisigen Nordwind, sehr schön 
wurde. Um 6 Uhr waren wir am Fuße des Lauter- 
aarhomes, oben im Strahleckfirn, ungefähr bei Cui've 
3090 der Exck. 6. 30 begannen wir den Anstieg über 
Lawinenschnee. Leichte Felsen und guter Schnee er- 
laubten ein rasches Vorankommen, bis weiter oben 
eine yoUständig vereiste Fimpartie anderthalbstiin- 
diges Stufenschlagen erforderte. Der Stidkante des 
Berges entlang, deren Felsen zwar lose, aber un- 
sehwierig sind, gewannen wir die Kammhöhe, bei 
3955, 11 Uhr 05, und dem Kamm entlang, theils 
auf dessen Schneide, theils auf der Lauteraarseite, 
die höchste Spitze (4043»») 12 Uhr 05. Dieser letzte 
Theil der Besteigung, der im JB, S. A. C. VII als 
sehr schwierig geschildert wird, bot, da hier der 
Fels ganz fest ist, keine ernstlichen Schwierigkeiteiv, 
wie denn der Berg überhaupt trotz der vorangegan- 
genen Schneefälle in recht gutem Zustande war. 

Von 4043 kletterte» wir in 10 Minuten Über ekie 
sehr lautere Kammscharte auf eine etwas niedrigere, 
mehr nördlich gelegene Spitze,, 12 Uhr 15 (zwischen 
4043 und 4030). Es ist dies der Glanzpunkt der 
ganzen Besteigung, ein wahres „Lauter" aarhom. Wie 
die Führer behaupteten, soll diese kleinere Spitze 
vor uns erst ein Mal, am 8. Juli 1885, von Mr. Wil- 
liam-Williams (A. C), aus Nordamerika, bestiegen 
worden sein. ^) Ich fand dieses Herrn Karte und 

*) Diese Spitze ist bei der Be^eigung des Lamteraar- 
kornes von Westen durch Oakley Maond, wahrscheinlich 
schon 1881 betreten worden. (A. J. XI, 1882/1884, 31.) 



52 £fiii7 Burckhardt 

fugte die meinige bei. 12^ a Uhr waren wir auf der 
Haapt8pitze zurück , anf deren windstiller sonniger 
Südseite *4 Stunden bei prachtvollster Aussicht ge- 
nußvoll gerastet wurde. Verschiedene englische Karten 
waren da; leider aber konnte ich die Wahrzeichen 
der ersten und zweiten Besteigung nicht mehr auf- 
finden. 1 ' 4 Uhr stiegen wir ab und waren schon 
nach 2^2 Stunden, obwohl uns die unteren Fim- 
halden keine einzige Rutschpartie gestatteten, wieder 
auf dem Strahleckgletscher (3. 45). Nach einem halb- 
stündigen Halte traten wir 4. 15 den Rückweg über die 
Strahleck an und trafen Nachts 10 Uhr 50 in Grindel- 
wald ein. 

Ich kann das Lauteraarhom jedem ordentlichen 
Bergsteiger warm empfehlen. Sehr mit unrecht steht 
es, angeblich wegen SteinföUen und fauler Felsen, bei 
gewissen Führern in Verruf. Dem Bietschhom gegen- 
über z. B. ist es ein Muster von Festigkeit, und doch 
läßt sich durch die schlechten Felsen Niemand ab- 
halten, auf dieses an und für sich schon ungleich 
schwierigere Bietschhom, nach Oakley Maund „the 
rottenest of mountains^, zu gehen. Wer also in der 
Wahl seiner Berge eigenen Willen und Selbständig- 
keit besitzt, mag das Groß - LauteraarhoYn machen, 
obschon es nicht Mode ist und nicht als fashionabler 
Berg gilt. Er wird reichlichen Genuß davon haben. 

Meine Zeiten waren: 

Ab PaviUon DoUfus (2380"), 2. 30 früh. Fuß des 
Lauteraarhomes, 6. — 6 30. Felsen der Südkante, 9. 15—9. 25. 
Kammhöhe, 11 05. Spitze I (4043 "), 12.05. Spitze II (4035«?), 
12. 15—12. 20 Mittags. Spitze 1 , 12. 30—1. 15. Fuß des 



Erinnerungen aus dem Clubgebiet. 53 

Lauteraarhornes, 3.45—4.15. Grindelwald (989™), 10.50 
Abds. (Unterwegs 1 Std. Halt.) Total 20 Std. 10 M. Zeit, 
wovon 17 Std. 10 M. Marsch und 3 Std. Rast. 

NB. Anstatt vom Pavillon Dollfus aus kann das 
Lauteraarhorn auch von der Schwarzenegghlltte be- 
stiegen werden, wobei dann über die Strahleck ent- 
weder unser Anstiegspunkt erreicht, oder direct vom 
Strahleckpasse der Südwestgrat versucht werden kann. 
Eine Besteigung direct von Schwarzenegg aus, über 
den Schreckfim und die Westseite, wie sie Oakley 
Mannd 1881 gemacht hat, mag Bergsteigern ge- 
wöhnlichen Schlages kaum anzurathen sein. 

YII. Der Berglistock (8657 ni.). 1867. 

lieber den selten bestiegenen Berglistock enthalten 
unsere Jahrbücher bis jetzt nichts; die einzige Be- 
schreibung in deutscher Sprache ist meines Wissens 
die lebensvolle Schilderung der ersten Besteigung des 
Berges, vom 26. September 1864, durch Prof. Aeby, 
in dem trefflichen Werke „das Hochgebirge von Grindel- 
wald.** 1) 

1867 führten Herr Ed. Nötzlin (S. A. C.) und 
ich die zweite Besteigung aus, 1868 Mr. Pollock 
vom A. C. die dritte. ^) Ob seither der Berg wieder 
bestiegen wurde, ist mir unbekannt; jedenfalls, wenn 
es der Fall gewesen ist, nicht oft. Studer sagt von 
dem vom Thale aus scheinbar unbedeutenden, weil 
weit zurückliegenden und seine breite Front bietenden 



„Das Hochgebirge von Grindelwald", von Aeby, 
Fellenberg und Gerwer, 1865, 101 flf. ^) A. J. IV, 1868/70, 
156. 



54 Emil Burckhardt 

Gipfel treffend: „Wer aber die Hochfirne des oberen 
„Grindel Waldgletschers überschreitet, der blickt, wenn 
„er sich dem Fuße des Berglistocks nähert, mit Staunen 
„zu den nackten Gneißwänden empor, welche der 
„blendend weißen Hochfirnebene himmelhoch entwachsen 
„und die breite Gipfelfront desselben zieren." ^) lieber 
unsere Besteigung ist nichts veröffentlicht worden; 
die nachfolgenden Mittheilungen sind zum größten 
Theile einem Berichte an die Section Basel, S. A. C., 
vom Jahre 1867, entnommen. 

Die Anregung zu unserer Tour verdanke ich Herrn 
Prof. Aeby persönlich, der mich aufforderte, wenn 
ich einmal über den Lauteraarsattel gehe, doch un- 
fehlbar den Berglistock mitzunehmen. Freilich, meinte 
er, sei dies ein sehr langer Tag, und weiter, als vom 
Gleckstein bis zum Pavillon Dollfus, würden wir nicht 
kommen. Am 31. Juli 1867 waren mein Freund Nötzlin 
und ich, durch schlechtes Wetter vom Groß-Viescher- 
horn zurückgetrieben, in Nebel und Schneefall über 
das Mönchjoch, wo damals noch keine Clubhütte das 
Abwarten gestattete, nach Grindelwald gekommen, in 
der Absicht, den Berglistock und den Lauteraarsattel 
zu machen. 

Unsere älteren Freunde riethen uns von dem er- 
steren, der damals als sehr schwierig galt ^), ab. Be- 



*; Stnder I, 250. •) Vgl. Aeby, 1. c. Er bezeichnet 
den Berg als in mancher Beziehung schwieriger, als das 
Schreckhorn, und nennt ihn „eine heillose Kletterei". Pollock, 
1. c, ist allerdings mit diesem Urtheile keineswegs einver- 
standen. Er schreibt: „The rocks are mach brocken, but 
afford good hold everywhere and present no serious difficülty." 



Erinnerungen aus dem Clubgebiet, 55 

sonders Herr Bohren zam Adler und der berühmte 
Führer Peter Michel, die 1864 den ersten mißlungenen 
Versuch von Prof. Aeby mitgemacht und die Partie 
dann als hoffnungslos aufgegeben hatten, wollten uns 
•den Berg ausreden. ^) Sie erreichten aber nur so viel, 
daß wir zu unseren Führern Peter Rubi und Peter 
Kaufmann („Grabenpeter") noch Peter Inäbnit („Spiß- 
peter") nahmen, der mit Aeby die erste Ersteigung 
gemacht hatte. 

Nach l^stägigem Hegen klärte sich am Nach- 
mittage des 2. August das Wetter soweit auf, daß wir 
nach dem Gleckstein gehen konnten. In dem zwar 
engen, aber für damalige Ansprüche recht ordentlichen 
Höhlenlager, das meinem Freunde und mir von unserer 
Wetterhorntour von 1866 her schon bekannt war, 
verbrachten wir eine ganz behagliche Nacht. Bei 
prachtvollem Wetter, dem ersten schönen Tage seit 
iVa Wochen, d. h. seit Beginn unserer Bergreise, 
brachen wir am 3. August 1867, Morgens 3^2 Uhr, 
gegen den Berglistock auf. Der früher übliche Lauter- 
aarsattelweg , links über den Obergrindelwaldfirn, 
wurde eingeschlagen. Der Gletscher, den wir in drei 
Viertelstunden erreichten, war in seinen unteren Partien 
gUshart gefroren und verursachte fast einstündiges 
Btufenhauen. Weiter oben dagegen war er in ausge- 
zeichnetem Zustande und der Gang auf dem hart- 
gefrorenen Firne, in den Strahlen der Morgensonne, 
kam uns trotz des weiten Bogens gegen die Rosenegg 
hin, zu dem Schrunde uns zwangen, wie ein wahres 



^) Aeby, 1. c, 108. 



56 Emil Burckhardt. 

Lustwandeln vor. Wie das Wetter und der Schnee^ 
so waren auch wir, Herren und Führer, in trefflicher 
Verfassung und zu Allem aufgelegt. Das Gelingen 
unseres Planes: Berglistock und Lauteraarsattel in 
einem Tage bis zur Grimsel, wurde schon jetzt al» 
unfehlbar angesehen. Nur der bedächtige Spißpeter 
warnte vor zu großer Zuversicht. Er hatte mit sehr 
guten Gängern, Pfarrer Gerwer und Professor Aeby,. 
einige Jahre zuvor für den Lauteraarsattel allein von» 
Gleckstein zum Pavillon DoUfus einen Tag gebraucht. ^) 
Ebenso viel hatte die erste Ersteigung des Bergli- 
Stockes, 1864, vom Gleckstein aus und zurück er- 
fordert. 

In 5^/2 Std., 9 Uhr früh, waren wir an unserem 
Angriffspunkte, dicht an der Westfront des Berges, 
am Fuße eines mächtigen Lawinenkegels. Spißpeter 
zeigte uns Aeby's Weg: Ein steiles Couloir, das fast 
bis auf die Grathöhe führte, dann einige Felssätze 
und auf dem Grate links, nördlich, zur Spitze. ^> 
Die Steigung betrug von hier noch ungefähr 300""» 
Dieser Weg sieht , wie mancher andere, von unten 
häßlich aus ; bei näherem Zusehen gewinnt er bedeu- 
tend und ist durchaus nicht schlimm. 

Gleich zum Beginn begingen wir eine große Thor- 
heit. Obschon wir sahen, daß der Lawinenschnee und 
der Firn weiter unten mit Steinen besäet war , die 
nirgends anders als das Couloir herunter gekommen 
sein konnten, lagerten wir uns gerade da zum Früh- 

„Hochgeb. v. Grindelwald", 30. ^) Das Couloir ist auf 
der Exck. nicht sichtbar. Es beginnt unterhalb der Zahl & 
von „3657". 



Erinnerungen aus dem CluhgebieL 57 

sttickshalte, in der Voraussicht, daß so früh Morgen» 
überhaupt kein Steinfall eintreten werde. Unserem 
beschaulichen Stillleben bereiteten aber einige Blöcke^ 
die mit Donnergepolter das Couloir hinabjagten, ein 
jähes Ende. Die frohe Tafelininde stob rechts und 
links auseinander und das so rücksichtslos gestörte Mal 
fand hinter gehöriger Deckung seinen Abschluß. Diese 
Warnung war sehr am Platze, denn sie ließ uns dem 
Couloir nicht zu sehr trauen. 

9 Uhr 35 begannen wir den Aufstieg. Wir 
hielten uns so lange wie möglich in den Felsen, und 
erst als dieselben anfingen, mit einer unangenehmen 
Eiskruste bedeckt zu sein — eine Folge der Regen- 
güsse und Schneefälle der vorangegangenen Tage — 
gingen wir nothgedrungen in das Couloir selbst^ 
Dasselbe war steil und mit jenem dunkeln und gla- 
sigen Eise ausgelegt, von dem man, wie ein englischer 
Bergsteiger ganz richtig bemerkt, so oft liest, das- 
man aber so selten trifft. Anderthalb Stunden wurden 
von Rubi, der sich die Ehre der Führung erbeten ^ 
Stufen geschlagen. Während dieser ganzen Zeit fiel 
kein einziger Stein. Als weiter oben das Couloir sich 
verflachte und das Eis zu dünn wurde, stiegen wir 
wieder über die Felsen empor, die hier zwar lose, 
aber trotzdem nicht schwierig waren. Es war fast 
12 Uhr, als wir von der Grathöhe in das leuchtende 
Pimmeer des Gauli hinunterblicken konnten. Link» 
(nördlich) über den Grat und einen kleinen schneeigen 
Vorgipfel erreichten wir in 10 Minuten, 12 Uhr 5^ 
die höchste Spitze (B657i°). 

Es war eine apere Felsspitze mit einer mächtigen 



^8 Emil Burckhardt 

<jrwächte gegen Süden. Aeby^s Flagge fand sich in 
einer Eisschicht am Fuß des Steinmannes, von Steinen 
halb bedeckt, vor und wurde neu aufgezogen. Klein, 
wie unser verwettertes, zerfetztes Banner war, wurde 
€8 doch von Wetterhornbesteigern bemerkt und trug 
«0 die Kunde von unserem Erfolge noch an demselben 
Tage nach Grindelwald. 

Die Luft war mild und klar, die Aussicht über 
alle Maßen schön und unsere Freude groß. Es waren 
glückliche Augenblicke, die wir auf dieser Spitze ver- 
lebten, nur zu kurz, wie alles Glück. Nach einer 
halben Stunde schon mußten wir die Rückkehr an- 
treten; bis zur Grimsel lag noch ein weiter Weg 
vor uns. 12 Uhr 35 wurde der Abstieg begonnen, 
und einige Minuten vor drei Uhr waren wir unten bei 
unserem Gepäck. 

Die nassen Felsen und das thauende Eis in der 
Kehle hatten diesen im Vergleiche zum Aufstiege 
unverhältnißmäßigen Zeitaufwand verursacht. Dies- 
mal fielen im Couloir einige, aber unschädliche, 
Steine. 

Noch blieb uns der Lauteraarsattel zu überschreiten. 
Damals ging man anders, als jetzt, nicht an der tiefsten 
Einsenkung in der Mitte des Sattels, bei 3156, durch 
4ie Schneelücke, sondern höher, mehr nördlich, nahe 
am Berglistock. Aeby und Gerwer hatten vor einigen 
Jahren den Fehler begangen, zu weit südlich den 
üebergang zu versuchen, und waren drei Stunden in 
der Wand des Sattels gewesen.^) Rubi, obschon ihm 



i) Hochgob. V. Grindelwald. 36/37. 



JErinnerungen aus dem Glvhgebiet 59 

der Paß neu war, fand dicht am Berglistock einen 
prächtigen Abstieg über die Felswand, der unschwierig 
zum Lauteraarfirne herunterführt, und am Fuße der- 
selben eine gute Brücke über den weit klaffenden Berg- 
schmnd. 

13 Jahre später sollte der Mann, der uns so sicher 
und ruhig führte, unfern von dieser Stelle mit zwei 
Gefährten sein Ende finden, und wiederum in den 
ersten Augusttagen — 1880 — war es, als ich den 
Lauteraarsattel überschritt, um nach den Verun- 
glückten zu suchen. Dent hat Recht: „The glaciers 
are melting away, the rock peaks crumble ; the band 
of change and death is everywhere." ^) 

Gegen 4 ühr waren wir auf dem Lauteraarfirne 
und in lebhaftem Gange Abends 8 Uhr 40 auf der 
GrimseL Wir hatten den einzigen schönen Tag gut 
angewandt. Schon in der Nacht trat wieder schlechtes 
Wetter ein, das uns einen Tag, 4. August, auf der 
Grimsel festhielt und am 5. über das Finsteraar- 
joeh (3340°») nach Grindel wald zurücktrieb. Dieser 
damals sehr selten begangene Paß^) war den Füh- 

A. J. X. 1880/82, 231, „in memoriam E. P. Jackson.« 
*) Daa Finsteraarjoch, einer der schönsten Pässe der 
Bemeralpen, wird auch in neuerer Zeit noch viel zu wenig 
beachtet. Wie unter den Grindelwald -Eggischhornpässen 
(Jungfrau-, Eiger- und Mönchjoch) das Jungfraiyoch , so 
lümmt unter den Grindelwald-Grimselpässen (Finsteraarjoeh, 
Strahleck und Lauteraarsattel) das Finsteraarjoeh meiner 
Ansicht nach die erste Stelle ein. Langjährige praktische 
Kenntniß dieser Hochpässe — ich überschritt das Jungfrau- 
und Eigerjoch je ein Mal, Mönchjoch elf, Finsteraarjoeh vier, 
Strahleck fünf, Lauteraarsattel drei Mal — liegt diesem 
meinem Urtheile zu Grunde. 



60 Emil BurcJchardt 

rem so unbekannt wie uns, und wir hatten im Nebel 
und Regen Mühe, uns richtig durchzufinden. Es muß 
eine der ersten Ueberschreitungen durch Schweizer 
Bergsteiger gewesen sein. Den Berglistock und den 
€ alten » Lauteraarsattel, wie ich ihn zum Unter- 
schiede vom jetzigen, dem < neuen -^^ nennen möchte, 
behalte ich in guter und schöner Erinnerung. 

Unsere Zeiten waren: 

Ab Gleckstein (2300"^) 3. 30 früh. Berglistock - Fnß 
9.-9. 35. Berglistock (3657«) 12. 05—12. 35 Mittags. Bergli- 
stock-Fuß 2. 55 — 3. 05. Lauteraarfim 3. 55. Unteraargl. 
5. 50—6. 10. Grimsel (1875») 8. 40 Abds. Total: 17 Std. 
10 M. Zeit, wovon 15 Std. 35 M. Marsch und 1 Stde. 35 M. Rast. 



Meine Notizen, denn etwas Anderes sollen sie nicht 
sein, sind für meine Collegen vom S. A. C. bestimmt^ 
als ein schweizerischer Originalbeitrag aus dem Club- 
gebiete. Anforderungen, wie sie der englische Climber^ 
oder der Hochalpinist der neudeutschen Schule stellt^ 
wollen und können sie nicht gerecht werden. Unreifer^ 
verflachender Dilettantismus und bis zur handwerks- 
mäßigen Vervollkommnung getriebener Klettersport 
sind in unseren Tagen der Bergsteigerei, wie sie uns 
die Grtinder unseres Vereines gelehrt haben, gleich 
gefährlich geworden. Möge es uns Schweizer Clubisten 
gelingen, im Sinne der Veteranen des S. A. C, das 
Eichtige zu finden und uns so möglichst unabhängig 
zu stellen von ausländischen, für uns keineswegs pas- 
senden Einflüssen der Tagesmode, die auch im Berg- 
steigen ihre allgewaltige Herrschaft übt. Mögen 
wir bedenken, daß technische Kunstfertigkeit, so sehr 



Erinnerungen aus dem Clubgehiet 61 

^r dieselbe auch bewundern und vielleicht beneiden, 
an und für sich noch nicht den Bergsteiger macht. 
Die Liebe zu den Bergen, die tiefinnere Befriedigung, 
welche sie uns mit ihren unerschöpflichen, immer neuen 
Eeizen gewähren, ist das Entscheidende. Nur wenn 
dieses ethische Moment, wie Zsigmondy so schön sagt, 
uns beseelt, werden wir Bergsteiger im Geiste Derer 
sein, welche vor bald einem Vierteljahrhundert unsere 
alpine Körperschaft in's Leben riefen. 



Ein photographischer Streifzug Im Ciubgebiet 

(Topographenleben im Hochgebirge. *) 

Von 

S. Simon (Section Uto). 

Wer kennt sie nicht, die majestätische Jungfrau^ 
deren schimmerndes Eisgewand so wundersam in's 
herrliche Interlakener Bödeli hinausleuchtet, daß e& 
jeden Clubisten von achtem Schrot und Korn nur so 
juckt, den Fuß auf ihr stolzes Haupt zu setzen! 

In wilden Hängen stürzt sie nordwärts zu Thal,, 
so vielfach beschrieben und besungen, daß der Leser 
gerne die Details missen wird. 

Nicht so schroff, aber in anderem Sinne ebenso 
imposant, dacht sie sich nach Süden ab, entsendet sie 
doch auf dieser Seite ihre Pirnlager in die Mulde des 
großen Aletschgletschers , des weitaus größten der 
Alpen, von dessen gewaltigen Eismassen der Leser 
eine annähernde Vorstellung erhält, wenn er be- 
denkt, daß dieser einzige Gletscher, in Blöcke von 
der Größe des Hotels Jungfraublick in Interlaken zer- 



^) Hiezu die Beilage: Das Panorama vom Trugberg. 



Ein photographischer Streif zug im Clubgebiet 63^ 

legt; genügen würde, um den Aeqnator mit einem* 
continnirlichen Eisgürtel zu umspannen. Infolge dessen 
tritt anch der Gletscherbach, die Massa, als gehöriger 
Fluß zu Tage, und schlägt sich wildschäumend durch 
tausend Felsengebilde in enggesägter Erosionsschlucht,, 
umrahmt von prächtigen, tannbewehrten Gletscher- 
schliffen, bis hinaus zur jungen Rhone, mit dieser 
zum Thalstieg sich einend. 

Doch wozu der vielen Worte — sagt doch ein 
einziger Blick auf die Karte tausend Mal mehr! Nehmen 
wir diese, die Excursionskarte dieses Jahrbuches, zur 
Hand und steigen wir im Geiste hinauf in die Eis- 
gefilde des großen Aletschgletschers, bis zur Ooncordia- 
hötte, dem Ausgangspunkte für alle größeren Excur- 
sionen in diesem Gebiete. 

Es ist der 14. Juli 1885 und kein glanzvoller Tag* 
Lautlose Stille herrscht ringsumher, nur dann und 
wann fegt frostkalt ein Windstoß über die endlosen 
Eisflächen mit jenem eigenthümlichen, stimmungsvollen 
Rauschen, das nur der kennt, der selbst im Hoch- 
gebirge gewandert. 

Lustig wirbelt der Schnee umher, doch ist das 
Schneegestöber nicht so dicht, daß es die Aussicht 
gänzlich hemmte ; nein, wir ahnen noch die eisumlagerten 
Formen der Jungfrau, des Dreieckhorns, der ebenen 
Fluh und wie sie alle heißem, durch den wechselnd 
dichten Schleier des Schneegestöbers. 

Da! Horch! War das nicht ein femer „Juchz" ? 
Ihr haltet schützend die Hand vor die Augen und spähet 
ftcbarf in der Richtung des Märjelensee's hinaus, da 
seht Ihr langsam, ameisenartig drei Punkte sich ^t^evt 



^4 S. Simon, 

Euch bewegen. Es sind drei Männer, die der Clubhtitte 
zustreben. Näher und näher kommen sie, schon seht Ihr 
«ie hurtigen Laufes die klaffenden Spalten überspringen. 
Kastlos streben sie weiter, schon schlagen sie sich 
mit zischender Eisaxt durch das Spaltenwirrwarr unter 
der Hütte, schon haben sie die Schrunde hinter sich 
^nd steigen wetteifernd die steile Halde vor der Club- 
hütte hinan. 

Ei der Kukuk ! Da der Eine ist Euch ja vielleicht 
«chon vorgestellt worden als Säger, Müller, Schreiner, 
Meßgehülfe, Portier, Führer, Vater von 11 Kindern etc., 
ja, ja, er ist's, es ist Tischhauser ! ^) Gestattet nach 
herzlicher Begrüßung dem wackeren Mann, Euch auch 
4ie Anderen vorzustellen. Und Tischhauser beginnt 
ohne Umschweife: 

„Der Andere hier ist auch ein vielseitiger Mensch, 
«in Basler, dabei ein hübscher, junger Bursche, wie 
ihr seht. Er arbeitet an den topographischen Vor- 
arbeiten zu einem Präzisionsrelief des Berner Ober- 
landes, ist jedoch sonst seines Zeichens — Hafner! 
Dies hindert ihn aber nicht, auf den Basler Brettern, 
die die Welt bedeuten, als Volksverführer, und in mehr 
oder weniger stummen SpezialroUen, die ein hübsches 
Aeußeres erfordern, entscheidend in den Lauf der 
^Zeiten einzugreifen. Und damit der Basler ganz vollendet 
«ei, heißt der junge Mann zum Ueberfluß noch Merian, 
Emil Merian. 

In seinem ganzen Leben war Merian noch nie in den 



^) Johannes Tischhauser aus Sevelen, ein trefflicher 
Piihrer aus dem St. Galler Oberlande, der beste Zögling der 
von mir seiner Zeit geleiteten Führerschule. . S, Simon, 



Ein photographischer Streifzug im Cluhgebiet. 65 

Bergen und verdankt diese erstmalige Gelegenheit 
dort dem trotz Schneegestöber hemdärmeligen, nackt- 
wadigen, verwahrlosten Subjecte, das im Dienste des 
^idg. topographischen Btireau's hier oben für mehrere 
Wochen sein Unwesen treiben wird, dem Schreiber 
dieser Zeilen." 

Aber was ist das! Dort hinten kommt ja noch 
-eine ganze Colonne den Gletscher empor: Zwei, vier, 
sechs! Richtig! Es sind unsere Träger, sechs Mann, 
die uns Holz, Proviant, Decken und das Plattenmaterial 
vom Hotel Jungfrau am Eggishorn heraufbringen. Sie 
haben gut geladen, die aimen Bursche, jeder bedeu- 
tend über einen halben Zentner. Wir selbst kommen 
heute mit unseren auch nicht allzu leichten Tornistern 
von Viesch herauf. Langsam, doch stetig, kommt die 
Trägerkaravane zur Clubhtitte emporgestiegen. Er- 
schöpft stellen die Leute ihre Last ab. Die ClubhUtten- 
thtire wird geschlossen, es dunkelt bereits, unstet 
pfeift stoßweise der Wind um die Hütte. Die Eis- 
iaainen donnern vom Dreieckhorn krachend heniieder, 
da sitzen wir Alle ganz urgemüthlich hinter dampfen- 
dem Mokka und freuen uns des Daseins und plaudern 
und lachen, bis mälig Alle das Lager beziehen. 

Gar bald verräth das ruhige rhythmische Athmen, 
daß Alle Gott Morpheus umfangen, und Jeder opfert 
ihm : Der mit kaum hörbaren Hauche, Jener mit Kraft 
und Feuer und Nachdruck gleich Sägemtihlengerassel. 

Es ist noch dunkle Nacht, da erhebt sich's in der 
Führerabtheilung der Hütte: sie spähen nach dem 
Wetter aus. 

„Wie gsehfs dri?" ertönVs schläfrig von der 
Pritsche der Chibistenseite ! „Schlecht, es regnet!" 



66 S. Simon. 

j,So! do schlofe mer witer!'^ 

Im Halbschlummer vernehmen wir noch vielstimmig' 
die Worte: „Adie, mer danke denn!" und munkeln 
schlaftrunken selbst etwas Aehnliches, da hören wir 
die äußere Thtire aufgehen, es sind unsere secha 
Träger, die nach dem Hotel Jungfrau heimziehen. 

Es beginnt zu tagen. Mißmuthig schleichen trübe 
Nebel den Gehängen entlang, indeß wir unsern photo- 
graphischen Apparat in Kriegsbereitschaft setzen, die 
Chassis laden und die Clubhtitte in Stand setzen. 
Um allen Eventualitäten gerecht zu werden, treffen 
wir zugleich Vorbereitungen für den kommenden Tag; 
doch ohne große Hoffnungen sehen wir ihm entgegen» 

Wider Erwarten hellt es aber gegen Abfend so 
entschieden auf, daß ich meine beiden Gehülfen avisire, 
sich für morgen auf eine allfällige Besteigung der 
Jungfrau gefaßt zu machen und die entsprechenden 
Dispositionen zu treffen. 

Es ist etwas nach Mitternacht, da erhebe ich mich^ 
schlage Lärm und beharre darauf, sofort die Vor- 
bereitungen zum Abmärsche zu treffen. Nach etwelchem 
passiven Widerstände und dem Ausstoßen einiger un- 
qualifizirbarer aber vielsagender Laute, die noch nicht 
bleibend in den deutschen Sprachschatz übergegangen 
sind, erheben sich nach und nach auch meine beiden 
Genossen, und um 1 Uhr 30 Min. treten wir zum 
Abmarsch aus der Hütte. 

Kein Wölklein am tiefblauen Himmel ! Verheißungs- 
voll blinken die Sterne funkelnd hernieder. Ein lang- 
gedehnter Juchz dringt grüßend zur Jungfrau hinüber! 

Das Laternchen wird entzündet. Wir binden uns 



Ein photographischer Streif zii^ im Clubgebiet. 67 

an's Seil, und Freund Tischhauser mit seinen Katzen- 
augen tibernimmt die Führung über die Felsen hinunter 
auf den ebenen Firn. Ihm folgt Merian, ich bilde den 
Schluß. Jeder trägt seinen währschaften Tornister. 
Eüstig geht es hinüber zur Grüneckmoräne und über 
diese hinaus auf den Jungfraufirn. 

Gleich einem Irrlicht strebt Tischhauser mit dem 
unsichere, huschende Streiflichter werfenden Laternchen 
jungfrauwärts, direct dem Ostausläufer des Roththal- 
homes zu. Der Firn zeigt keine Spalten, und aus der 
ganzen Configuration der Mulde schließen wir, daß 
noch auf geraume Zeit keine solchen sich finden werden. 

Hei! ist das ein prächtiges Wandern über den 
knarrenden Schnee in belebender Morgenfrische. Und 
immer näher rückt die Jungfrau heran, und höher und 
höher wächst sie dämonisch empor, und Kranzberg 
und Trugberg bleiben mälig zurück. 

Prophetisch erscheinen die Vorboten des nahen 
Tages. Im Osten dämmert es mehr und mehr, immer 
lichter und lichter wird's. Es waltet jenes ahnungs- 
volle Wehen und Weben, jenes Ringen nach Licht, 
nach Klarheit, das uns stets mächtig die Seele erfaßt. 

Doch siehe da ! es wächst die Steilheit des Firns, 
riesige, weiche Firnspalten klaffen weitspannend uns 
an, da übernehme ich selbst die Führung. 

Keiner von uns hat je die Jungfrau von dieser 
Seite gesehen. Tischhauser möchte über das Roththal- 
hom die Besteigung versuchen. Merian hat noch gar 
kein Urtheil; er war überhaupt noch nie in den Bergen, 
als im Theater, und kennt die Alpen bis dato blos 
von dort und vom Hörensagen. 



68 Ä Simon, 

Ich selbst ziehe vor, das Roththalhorn zu umgehen 
und dem Roththalsattel zuzustreben, von dort führt 
ohne große Wahl eine Eiskante direet zum Gipfel. 

Die Steigeisen werden angeschnallt, und schneidig 
geht es, durch riesige Spalten lavirend, um*s Roth- 
thalhorn herum und den grandiosen Circus hinan, der 
von den Eishängen der Jungfrau und des Roththal- 
homs umschlossen wird. Wildgethtlrmte, phantastische 
Eisgebilde hängen sturzdrohend an den jähen Flanken, 
dem Fels nur in den Wänden der Jungfrau Durch- 
blick gewährend. Ueber riesige, eisharte Lauinen- 
trtimmer geht es stetig empor, da wird die Böschung 
so steil, daß das Eisbeil von Nöthen. 

Mit Macht zieht der junge Tag heran. Schon 
ahnen wir die Sonne an der duftigen Glorie, die sich 
drüben hinter dem Mönchjoche verheißungsvoll über 
das Firmament ergießt. Da zuckt es jählings auf 
am Gipfel der Jungfrau, weißglühend, lichtfluthend ; 
die Sonne schlägt an. 

Und tiefer und tiefer steigt das Lichtmeer her- 
nieder, schon werden auch wir von ihm umfluthet. 
Die ganze, wunderbare Pracht der frostglitzemden 
Hoch weit entfaltet sich in überwältigender Majestät. 

Kein Lüftlein haucht, kein Laut der Lebewelt 
dringt zu uns empor. Nur unsere Eisaxt zischt rhyth- 
misch im stiebenden Eise; sonst herrscht jene hoch- 
weltliche Stille, die zu bewundernder Andacht hinreißt. 

In dieser Stimmung dringen wir stetig empor; 
schon naht der gewaltige Bergschrund des Roththal- 
sattels, schon stehen wir unter ihm und bestaunen 
stumm die jenseitige, sturzdrohende, von tausend fun- 



Ein photographischer Streif zu>g im Clu>bgebiet, 69 

kelnden phantastischen Eiszapfen umfranste Eis wand. 
Schon traversire ich, eidechsenartig kriechend, sorg- 
sam die luftige Schneebrtlcke, die über den Schrund 
direct auf den Sattel führt, indeß Tischhauser und 
Merian diesseits Posto fassen, um zu halten, falls die 
Brücke unter mir brechen sollte. 

Sie hält ! Meine Gefährten folgen nach, und über- 
wältigt schauen wir vom Sattel in die grandiosen 
Scenerien des schwindelnd tiefen Roththals hernieder. 
Ein langgezogener Juchz dringt lebensfreudig in dieses 
hinaus, mälig verklingend. 

Nicht weit über dem Sattel ragt Fels aus dem 
Firn der Jungfrau hervor ; stufenhauend steigen wir zu 
diesem empor, bis sich ein geeigneter Rastplatz bietet. 
Es ist ein herrlicher Punkt, ein Plätzlein zum Gesunden, 
und mancher in sich selbst zerfallenen, brachliegenden 
Existenz, könnte sie sich einmal zu frischfröhlichem 
Wagen entflammen, würde an solcher Stelle neue 
Kraft, neue Lebenslust, neue Schaffensfreude erblühen. 

Die Aussicht ist überwältigend grandios. Die Karte, 
etwas Vertrautheit mit dem Hochgebirge und etwas 
disciplinirte Phantasie gewähren uns eine bessere Vor- 
stellung als die weitläufigste Beschreibung. Klar liegt 
der Anstieg vor uns, und um mich nicht allzu sehr zu 
ermüden, übergebe ich Tischhauser die Führung, habe 
ich doch bis hieher gegen tausend Stufen gehauen. 
Flott haut nun Tischhauser seinerseits die Stufen, die 
Merian und ich für den Niederstieg erweitem. 

Nach langer Hackerei stehen wir auf den höchsten 
Felsen. Ein schwindelnder Eisgrat zieht sieh zur letzten 
Schneide empor, die sich schlank und luftig in den 



70 S. Simon. 

blauen Aether emporschwingt. Links schießt die Eis- 
wand kirchdachjäh zur Silberhornmulde , rechts zum 
Jungfraufirn des Aletschgletschers hernieder. 

^Dört cha me nit photographiere!'' schallt's ein- 
stimmig aus dem Munde meiner Begleiter. „Aber do 
seht me jo nit!" ist meine Antwort, und ohne lange 
Redensarten trete ich an die Spitze unserer Colonne 
und haue direct auf schwindelnder Eiskante balancirend 
rüstig Stufen in diese. 

Für Tischhauser und mich kann ich garantiren, 
daß wir nicht ausgleiten oder schwindlig werden, und 
sollte Merian auf die eine Seite ausgleiten, so hätte 
Tischhauser sogleich zur Balance auf die andere Seite 
zu plumpsen ; das sind unsere knappen Dispositionen. 

Merian hat sich bis dato sehr brav gehalten, ist 
es doch nicht gerade Jedermann's Sache, als erste 
Bergtour die Jungfrau niit einem Tornister von der 
Schwere eines Militärtornisters zu bewältigen. Tisch- 
hauser und ich haben analoge Rtickenwärmer , denn 
unser Instrument fällt in's Gewicht. 

Das Seil zwischen mir und Merian, 15™, ist ge- 
spannt, und Sache Merian's ist es nun, sein alpines 
Meisterstück zu liefern und mir von den Felsen auf 
die Firnkante zu folgen. Nicht ohne einiges Bangen 
schaut er in die beidseitigen Tiefen; es zieht ihm 
die Beine zusammen, als ob er Krämpfe bekomme 
und auf die Schneide absitzen wolle. 

Ich habe mich umgedreht, um auf Alles scharf 
aufpassen zu können: „Nur ufrecht, nit absitze, s'goht 
viel besser!" ist mein Trost. „Nur d'Füeß guet igsetzt 
und immer in d'Stuefe gluegt!" 



I 



Ein photographischer Streif zug im Clubgebiet. 71 

Die Beine Merian's strecken sich wieder, und auf- 
recht folgt er mir nach. Es geht ganz ordentlich. 
^Brav e so!" ist Tischhauser's Bemerkung, und dieser 
vertrauend haue ich, ohne mich weiter umzusehen, rüstig 
die Stufen bis zum Gipfel. Merian und Tischhauser 
folgen ruhig und sicher nach. 

Der höchste Punkt liegt unter mir, doch hier ist 
keines Bleibens, kaum gewährt er mir Raum zum 
Aufrechtstehen ! Aber wollen wir hier photographiren, 
80 bleibt keine Wahl, als den Gipfel um so viel ab- 
zunehmen, bis die Schnittfläche genügt, um das In- 
strument aufzustellen. 

Wir hauen für Merian und jeden Tornister eine 
große Stufe in's Eis, dann beginnen Tischhauser und 
ich die Enthauptung der Jungfrau. 

Volle anderthalb Stunden haben wir aus Leibes- 
kräften drauflosgehauen. Die Jungfrau ist etwa l ^'2 ^ 
TÜedriger geworden — da scheint der Raum zu ge- 
nügen. Das Instrument wird aufgestellt, die Füße 
werden in das großblasige, brüchige Firneis gestemmt, 
dann geht es an's Photographiren. Tischhauser und 
ich operiren mit dem Instrumente, indeß Merian von 
seinem Platze aus die Chassis übermittelt und wieder 
deponirt. Jeder hat vollauf zu thun und nicht ohne 
«eiltänzerische Evolutionen wird glücklich in einer 
weiteren halben Stunde die Hochgebirgsrundsicht in 
6 Platten aufgenommen. An's Trianguliren ist des 
knappen Raumes und hauptsächlich des schon seit 
einigen Stunden sich immer kräftiger entwickelnden 
Windes wegen nicht zu denken, und so treten wir, 
nachdem uns der eisige Luftstrom durch und durch 
ausgekühlt, um 1 Uhr 10 Min. den Rückweg an. 



72 S, Simon, 

Vorsichtig geht es in den Stufen hinunter zum 
Roththalsattel, und ohne Halt weiter über hüftentief 
erweichte Schneebrücken und bodenlose Firnfeldw 
nach dem Jungfraufirn. Erdrückend heiß, fast unaus- 
stehlich umbrütet uns die allseitig reflectirte Sonnen- 
gluth. Die Gesichtshaut ist total geröstet, trotzdem 
werden noch 2 Platten exponirt. 

Nun folgt der spaltenlose Gletscher. Das Seil 
wird aufgerollt, dann traben wir etwas abgespannt 
der Hütte zu, die wir etwa um 8 Uhr erreichen. 

Das Nachtessen, Kaffee mit condensirter Milch 
und „Tatsch", schmeckte vortrefflich und nicht minder 
auch die Nachtruhe. 

Etwas abgespannt vom gestrigen Tagewerke, treten 
wir am 17. erst 9^^2 Uhr Morgens an. Die nassen 
Kleider und Effecten werden getrocknet, und schließ- 
lich wird von der Hütte aus triangulirt. 

Während der Arbeit sehen wir eine Karavane von 
6 Mann der Hütte zustreben, und zu meiner Freude 
entpuppt sich diese , meine Ahnung bestätigend , ala 
die photographische Expedition Sella^s. Gar bald 
haben wir gute Bekanntschaft geschlossen und ent- 
schließen uns dazu, in Zukunft so viel als möglich 
gemeinsam zu handeln. Es wird denn auch für den 
folgenden Tag gemeinsame Fahrt auf das Finster- 
aarhorn in Aussicht genommen. Nach einem urgemüth- 
lichen Abend wird das Lager bezogen und Alle schlafen 
herrlich und in Freuden. 

Gegen Mitternacht erhebt sich Freund Tischhansery 
um nach dem Wetter „auszulugen'*. Es sieht nicht 
vielverheißend drein! Wild wogt der Nebelschleier 



Ein photographischer Streifzug im Cluhgebiet, 7$ 

um die Jungfrau uud dröhnend gehen die Eislauinen 
vom Dreieckhorn zu Thal. Kleinlaut kriecht unser 
Späher nach kurzem Berichte wieder auf seine 
Matraze. Nun erhebt sich Vittorio Sella, füllt seine 
Chassis; auch ich erhebe mich, um mir ein eigenes 
Crtheil über die Witterung zu bilden. Wie freue ich 
mich, das gethan zu haben! 

Fem drunten in Italien tobt ein grandioses Ge- 
witter. Hiesige Haufenwolken ballen sich um die 
Walliser Alpen, glühende Blitze blendend entsendend,, 
daß sieh die Berge gleich schwarzen Dämonen vom 
Goldgrund der aufleuchtenden Wetterwolke abheben. 
Alles umrahmt vom Becken des Aletschgletschers^ 
über das hinaus wir wie auf einer Bühne den Riesen- 
kampf der entfesselten Naturkräfte sich abspiele» 
sehen. Wohl eine Stunde lang schauen wir dem herr- 
lichen Schauspiel zu, und da wir sehen, daß die 
Gewitterzone stationär bleibt, so entschließen wir 
nns, in Anbetracht der vorgerückten Zeit, zu etwaa 
Kleinerem — zum Faulberg. 

2 Uhr 40 Min. erfolgt der Abmarsch, und da es 
hloß eine Stunde bis zum Faulberggipfel ist, so nimmt 
unsere Expedition keinen Proviant mit, um so mehr^ 
als wir schon Vormittags zurückzukehren gedenken^ 
um Nachmittags dem Ausläufer des Dreieckhorns einen 
B«8uch abzustatten. 

Ich lasse Sella mit seiner Expedition den Vortritt, 
UDd es führt mit meinem Laternchen Moritz Salzmann, 
ein sympathischer Mann und wackerer Führer, die 
erste Partie, indeß ich selbst die Führung unserer 
Expedition übernehme. 



74 5. Simon. 

Haarscharf, wie ich den Weg ZHm Trugberg dem 
«IneD Träger Sella'a als wahrscheinlich beschrieb, 
flthrte uns Moritz trngbergwärts. Schon nach den 
«rsten Schritten erkannte ich, daß es nicht dem Faul- 
berg, sondern dem Trugberg gelte — sagte das auch 
sofort Vittorio Sella, mit dem Bemerken, daß wir ohne 
jeden Proviant seien, jedoch nichtsdestoweniger die 
Partie ausfechten würden. 

Lnstig geht es anfwärts. Erst durch den sehr 
interessanten Gletscherbruch des Ewigschneefirns über 
kuhngebaute Eisthtlrme hinüber zur Moräne des Trug- 
bergfirnes, dann dieser entlang zu einem auffallenden 
Schneeflecke und über diesen empor zu steilgethürmten 
Felsen, die eine allerliebste, gefahrlose Kletterei ver- 
ursachen. Bald stehen wir oben auf dem Schnee- 
plateau des Trugbergea und eilen stetigen Sehrittes, 
mächtige Spalten anf luftigen Brllcken traversirend, 
n Gipfel zu. Lustig schlägt Moritz diesen empor die 
ifen, und schon 6 Uhr 35 Min. haben wir den SUdglpfel 
ter den Füßen. Da Alles einig ist, es sei dies der 
ite Punkt, bleiben beide Parteien hier: Sella ex- 
nirt 6 Platten, indeß ich mit 8 Platten die Rand- 
ht aufnehme und hernach triangulire. 
Bis 9 Uhr 30 Min. bleiben wir oben und steigen 
nn ohne jede Gefahr hinunter zu den Gletscher- 
üchen, wo Sella und ich je 2 Platten exponiren. 
n li'ii Uhr erfolgt der Abmarsch nach der Con- 
rdiahütte und 1 Uhr 20 Min. treifen wir hier wohl- 
halten ein, nachdem uns das zurückgelassene La- 
nchen zu einigem Suchen veranlaßt, das durch 
ennd Tischhauser's scharfes Auge beendigt wurde. 



Ein photographischer Streif z}Ag im Cluhgebiet 75 

Wir legen uns zeitig zu Bette, nachdem wir noch 
erfindlich abgekocht und die Cassetten frisch geladen, 
denn morgen soll es dem Finsteraarhorn gelten. 

So, das sind einige Tage unserer Campagne ! Und 
wochenlang geht es so im gleichen Style fort. Eine 
Menge Hochgipfel, Vorder-Rinderturren , nördliches 
Walliser- Viescherhom , Mittaghorn , werden mit dem 
Apparat besucht, auch das stolze Finsteraarhorn mit 
«einem Vorposten, dem Finsteraar-Rothhorn, nicht ver- 
schont. Da die Besteigung des letzteren in unseren 
Jahrbüchern noch nicht geschildert worden ist, mögen 
einige Angaben über dieselbe hier als Tagebuchauszug 
folgen : 

27. Julif Rothhornsattel und Finsteraar-Rothhorn, 

„Ein wolkenloser Morgen und kein Wind!" Das 
unser Jubelruf, als wir 2 Uhr Morgens vor die HUtte 
treten. Ein originelles Frühstück, bestehend aus einer 
guten Dosis Käse und einer Flasche Champagner, mit 
der uns Papa Cathrein (vom Hotel Jungfrau) überraschte, 
bildete die heutige Operationsbasis. 

Erst 3 Uhr 15 Min. wurde abmarschirt. Zum 
fünften und letzten Male traversirten wir die Grün- 
homlticke (4 Uhr 45 Min.), dann den spaltenreichen 
Walliser- Viescherfim, und machen am Fuße des Roth- 
homs eine kurze Rast. Um 6 Uhr steigen wir gegen 
den Rothhornsattel (Gemslücke) und deponiren hier 
angekommen unser Gepäck. 7 Uhr 20 Min. beginnen 
vir mit dem Anstieg gegen das Rothhorn, blos den 
Phototheodolit mitfUhrend, und langen nach flotter 
Kletterei (unmittelbar dem Grate entlang, der die Fort- 



76 S, Simon. 

Setzung des Finsteraarhorns bildet, also direct von 
Nord nach Süd ansteigend) Punkt 8 Uhr auf dem 
Gipfel an. Die Kletterei ist vielleicht ein Bischen 
schwieriger als jene vom Hugisattel zum Finsteraar- 
horn, immerhin nicht schwer. 

Den Gipfel bildet ein genau von West nach Ost 
laufender, fast horizontaler Schneegrat, auf dessen 
Ostecke wir operirten. Die Aussicht ist wunderschön^ 
gewissermaßen mit dem Trugberg verwandt, denn man 
steht mitten in einer Gletschei'wildniß drinnen, kaum 
ahnend, daß weiter draußen noch cultivirtes Land 
seine Früchte reife. Ein Steinmannli als Wahrzeichen 
früherer Besteigungen fanden wir nicht. Auch jetzt 
noch ziert den Gipfel keines, denn wir hatten keine 
Zeit, uns mit der Errichtung eines solchen abzuplagen. 
Aber eine sehr gut geglückte photographische Rund- 
sicht vom Gipfel aus kann wohl einem Steinmannli 
als ebenbürtig zur Seite gestellt werden. 

Nachdem 8 Platten exponirt und triangulirt worden, 
wird der Rückweg angetreten. Das deponirte Gepäck 
wird aufgenommen (Niederstieg 11 Uhr 15 bis 12 Uhr), 
dann geht es im Eilmarsche in tief erweichtem Firn- 
schnee hinüber zur Oberaarhütte, einem trefflichen 
HUttchen, das der Section Biel alle Ehre macht." 

. Gar gemüthlich hatte sich das Clubhüttenleben in 
Concordia- und Oberaarhütte entwickelt, als wir endlich 
unsere Standorte erschöpft sahen und hinaus ziehen 
mußten in's Land, wo Englisch und Muscat fließt, 
nach dem Hotel Jungfrau am Eggishorn. Offen ge- 
standen : mir graute vor dem Hotelleben ; wie herrlich 
war es doch in der ungebundenen, wenn auch ent- 



Ein photographischer Streifzug im Cluhgehiet 77 

behrungsvoUen und strapazenreichen Clubhütte! Aber 
item, es muß sein, denn es wäre unsinnig, den untern 
Theil des Aletscligletschers, von der ClubhUtte aus- 
gehend, zu studiren. Mit ungleich andern Gefühlen 
ziehen aber meine Gehülfen hotelwärts. Sie schwimmen 
in Wonne und Seligkeit ob des zukünftigen Hotel- 
lebens, das ihnen nach den Strapazen der Clubhütte 
in phantasieverklärter Glorie wie ein Land der Ver- 
beißung entgegenwinkt. Schwer bepackt, schweiß- 
triefend kommen wir nach mancherlei photographischen 
Abenteuern von der Oberaarhütte über den Viescher- 
gletscher und dem Märjelensee entlang zum Hotel 
Jungfrau. 

Papa Cathrein, der klassische Wirth, empfängt 
uns als vollendeter gentleman und sorgt des Umsich- 
tigsten für unsere Bedürfnisse. Bald sehen wir uns 
gleich sehr getäuscht, meine Gehülfen und ich, denn 
es gefallt mir im Hotel vorzüglich. Ich knüpfe eine 
Reihe der angenehmsten Bekanntschaften mit eng- 
lischen Familien an, bin ich doch gewöhnlich des 
Abends zur table d'höte im Hotel zurück, und meine 
Oehülfen, die auf Erlahmen der Energie in den Be- 
quemlichkeiten des Hotellebens als selbstverständlich 
gerechnet, sehen sich nicht minder getäuscht, denn 
wenn es das Wetter nur irgendwie erlaubt, sieht man 
bei stockdunkler Nacht oder bei Mondenschein drei 
Männer zu schwerem Tagewerke dem Hotel enthuschen 
lud eilenden Schrittes der Hochwelt zustreben. 

Wir bestiegen u. A. in der Kette des Eggishoms 
außer diesem selbst das Fiescherhom (2900™) und das 
Bettmerhom (2865 ™), ferner das Sattelhom oder Geiß- 
hom (3746°») und das Setzenhorn (3065°»). 



78 S, Simon, 

Bald ist auch dieses Gebiet erschöpft, und nuir 
geht es hinüber über die Riederfurka zur Beiaip. Auch 
hier sind wir vorzüglich aufgehoben und leisten so- 
ziemlich das Schneidigste unseres Arbeitsprogrammes* 
Das Wetter ist aber auch klassisch schön, kaum 
einen Tag kommen wir zum Rasten, und meine Ge- 
hülfen, die schmerzen früh Morgens beim Abmärsche 
schon alle möglichen Glieder und Körpertheile. 

Ja ja, es ist eine strenge Zeit, und wenn ich in 
meinem Eifer vielleicht einmal zu weit ging und zu 
große Anforderungen an die Leistungsfähigkeit und 
den guten Willen meiner Begleiter stellte, so mögen? 
sie mir dies nicht allzu herb anrechnen, schonte ich 
doch auch meine Person ganz ebenso wenig. 

Die Rtickerinnerung, die stets das Schöne bewahrt 
und die Strapazen vertuscht, wird meinen beiden 
Gefährten einen idealen Ersatz bieten für diese männ- 
lich durchkämpfte Sturm- und Drangperiode, in welche 
einige Tagebuchblätter einen directen Einblick ge- 
währen mögen: 

(Copie des Tagebuches vom 15. bis 18. August.) 
15, August /Samstagjf Ausläufer des WeijShorns, 

Es ist eine wunderschöne Nacht, als wir una 
2 Uhr Morgens nach dem Wetter umsehen. Es wird 
daher das Schienhorn in's Auge gefaßt, und 3 Uhr 
Morgens frischfröhlich bei Latemenschein diesem zu- 
gestrebt. Es geht Alles vorzüglich! 

Schon haben wir den Oberaletschgletscher seiner 
ganzen Länge nach bewältigt, schon liegt die ganz» 
Anstiegsrichtung zum Schienhorn vor uns klar und 



Ein photographischer Streif zug im Clubgebiet. 79 

offen, da gewahren wir zu unserer unangenehmen 
üeberraschung , daß blankes Eis fast ausschließlich 
die oberste Anstiegspartie bildet. Bei der heillosen 
Steilheit der Hänge hätten wir bis Abends 4 Uhr 
Stufen hauen können, und dann wäre es wohl zum 
Photographiren zu spät geworden. Wir abstrahiren 
daher vom Schienhorn und wenden uns dem Weiß- 
horn zu. Doch auch dieses scheint nicht verführerisch. 

Wir wollen den Stier bei den Hörnern packen 
nnd direct den Anstieg forciren. Doch gerathen wir 
bald in ein so heilloses Spaltenwirrwarr, daß an ein 
weiteres Vordringen kaum mehr zu denken. Eine 
zeitraubende Umgehung hätte uns vielleicht an eine- 
ttbereiste Felswand von circa 60 bis 65 ** Neigung 
gebracht, aus der sturzdrohende Felsblöcke dämonisch 
hemiederstarren. Unter großer Lebensgefahr hätte 
sieh dort vielleicht mit heillosem Zeitaufwand der 
Anstieg erzwingen lassen. Die Klugheit gebot aber 
Halt. Ich erklärte uns für heute vom Weißhom ge- 
schlagen, aber morgen soll der Angriff erneuert 
werden. 

Wir treten daher den Rückweg an und steigen 
am Stidausläufer des Weißhoms neuerdings empor,, 
gleichzeitig einen einigermaßen praktikabeln Zugang 
zum Weißhorn erspähend. 

Nach vielem Hij- und Herklettern wird endlich 
ein guter Standpunkt für photographische Aufnahme^ 
gefunden, und es werden von dort unter gleichzeitigem 
Trianguliren 5 Platten exponirt. Schließlich wird der 
Rückweg angetreten, und oberhalb der Aletschhütten 
kommen weitere 3 Platten zur Belichtung und zum 






r- 

> 



^0 S. Simon. 

Eintrianguliren. Gegen Dunkelwerden treffen wir im 
Hotel wieder ein, ganz zufrieden mit unserem Tage- 
werke. 

10. August (Sonntaqjy Weißhoim. 

Wieder um 2 Uhr Tagwache! Um 3 Uhr wird 
^em Weißhorn zugesteuert, fest entschlossen, dies 
Mal den Anstieg zu erzwingen. Ist es doch im Becken 
^ies Oberaletschgletschers so central gelegen, daß kein 
Punkt für meine Zwecke so geeignet ist. Schneidig 
geht es denn auch bergan. Bald sind wir am Südost- 
ausläufer des Weißhorns, wo wir gestern photo- 
graphirten, angelangt, und traversiren über das Schutt- 
band zwischen Moränenpunkt (2807™) und Gipfel 
(3131 "») des topographischen Atlas hinüber auf den 
vom Weißhorn in wilden Brüchen sich ergießenden 
Oletscher. In flottem Aufstieg wird dieser zum Theil 
auf riesigen Schneebrücken bewältigt. 

Den obersten Gipfel bildet ein wild ausgesägter 
Felszahn. Wir lösen uns vom Seil los, lassen dieses, 
da es nur hinderlich scheint, am Fuße der Felsen 
zurück und klettern lustig empor. Ich hielt den Berg 
für jungfräulich, aber wenige Meter unter dem thurm- 
artigen Gipfel finden wir eine Flasche mit dem Namen 
Mr. Coolidge's, des unerschrockenen Bezwingers des 
Schreckhorns zur Winterszeit. Aber die allerhöchste 
Spitze, obgleich nur wenige Meter über uns empor- 
ragend, sieht nicht gerade verführerisch aus. 

Wie drohende Finger starren zwei Felsnadeln 
«Chief überhängend in die Luft hinaus. Kaum be- 
greift man, daß sie nicht in Folge der eigenen Schwere 



Ein photographischer Streif zug im ClubgebieU 81 

niederdonnern über die heillosen Felshänge, die fast 
«enkrecht zum Beichfim und Aletschfirn niederstürzen. 

Unmöglieh scheinen sie noch zu vermögen, einen 
Ifenschen zu tragen, und doch müssen wir da droben 
operiren, denn sie verdecken uns den besten Theil 
4er Aussicht. 

Wir bereuen nun sehr , das Seil zurückgelassen 
zvL haben, doch es« ist zu spät, um es zurückzuholen, 
denn die Zeit drängt, werden doch die Eisbrücken 
-drunten je länger desto weicher. Vorsichtig klettere 
ich daher den letzten Felsthurm hinan, unmittelbar 
gefolgt von Freund Tischhauser. Der oberste Block 
ist total geborsten und hängt bedenklich über! 

Ehe ich ihn zu erklimmen versuche, rüttle ich 
noch aus Leibeskräften daran, vielleicht purzelt er 
hinunter, aber nein, er hält leider fest. Es bleibt 
daher keine Wahl, als hinaufzukriechen. 

Der höchste Block liegt unter mir. Es sieht nicht 
gemüthlich aus und von Photographiren hier oben 
ist keine Rede, da das Instrument unmöglich Platz 
£nden würde. 

Doch sieh da, unmittelbar über den heillosen Ab- 
gründen entragt ihm nur wenig tiefer ein Gesimse, 
-ob er wohl noch hält, wenn man auf dieses tritt? 
Der Versuch muß gemacht werden! 

Ich überkrieche den Block, indeß Tischhauser der 

Länge nach diesseits auf der Felsfläche ausgestreckt 

als Gegengewicht dient und mich zugleich am Kragen 

-erfaßt, um mich zu halten, falls das faule Gesimschen 

ausbrechen sollte. 

Doch es geht gut, und so beschließe ich von hier 

ß 



82 Ä Simon, 

aus zu exponiren. Wie der Apparat aufgestellt wtird«^ 
zn welchen Stellungen ich mich zusammenlassen mußt«;, 
das läßt sidi nicht heschreiben, da ist das Photo- 
graphiren auf dem EiögiÄtchien der JFtfogfrati eine 
pure Spielerei dagegen. 

Nur das sei erwähnt, daß während ^er ganzen* 
Operation Tischhauser als Gegengewicht diente. Zu- 
gleich hielt seine ^e Hand «ine Schnur, die um den 
Stativkopf gebunden war, um in halten, wenn das- 
Instrument sammt dem Gesimse und mir herunter- 
purzeln wollte. Mit der andern hielt et mich höchst 
liebreich kräftig am Kragen, nm auich mSch Bclbst vor 
dem Sturze zu sicJiem, wenn ich in Folge meiner 
Bewegungen, die in vortÄcMSgster Kniefeeuge und Ma- 
nipulationen mit den Annen bestanden, meinen Stand- 
punkt zum Ausbrechen bringen sofßte. 

Unmöglich konnten die Kassetten mit den Platten 
noch irgendwo auf detn PdErthurme Platt finden. Wir 
deponirten dahefr die OaBsetten am Fuße desseTben,. 
und Sache Merlans war es nun, *(lr jedcfs Chassis je 
ein Mal zu uns herauf und wieder zum Ohassiska^en 
zurück zu klettern. MänniglicSi löste j^eine Aitfg&be zu 
voller Zufriedenheft. Aber es *wat doch 'ein tenffisch«r 
Standpunkt, wie ich ihn ti^ nicht g'eräde jeden Tag" 
wünschte. 

Die Aussicht ist wunderbafr s<ton, d:€fr Anblick 
der Breithorn-Nesthom-Eette geradezu überwallend. 

Zehn Plätten wurden hier ö*ponirt, aum Theil 
von einem andern Standpunkt, und Ifierauf wurde 
von einem dritten Standpunkte aus ti^gttlirt, denn 
die beiden photographischen Standpunkte hätten aus- 



Ein photographischer Streifzitg im Clubgebiet. 88 

naheliegenden Gründen ein Trianguliren nicht ge- 
stattet. Sciiließlieb wurden die drei Standpunkte unter 
sich coordinirt. 

Schon 8 ühr 40 Min. war der Gipfel erreicht 
gewesen, doch erst 12 ühr 30 Min. war unsere Ar- 
beit Yollendet. 

Nicht ohne einige Besorgniß über den Zustand 
der Schneebrttcken traten wir den Rückweg an und 
fthrten ihn zwar mit Aufwand aller Varsieht, aber 
doch so rasch durch, daß wir schon 4 Uhr Nach- 
mittags wieder im Hotel eintrafen. Sofort wurden die 
Chassis lungeladen und der Tagesbefehl fUr morgen 
edassen. Es gilt dem Fußhomvorsprung. 

il. August (Montag), Fußhomvorsprung. 

Ein kalter, bissige ^ordoät bläst Jb Uhr Morgens 
Tagwache. 

6 Uhr 15 Min. marschiren wir dem Oberaletfwh- 
gletseher zu und steigen diesem entlang bis jsum 
nördlichsten Ausläufer d^ Fußhoniketta. Erst über 
eine impertinente Moräne, dann steiie Pelsschliffe 
hinan geht es flott kleüiemd ^u einem guten Stand- 
punkt bietenden Sücken des Fußhomgrates. 

9 Uhr Möllns ist ein solober gefunden. In 10 
Phitten wird von zwei Punkten aus die Bundsicht 
aufgenommen, dann triangulirt bis 1 Uhr 45 Min. 
Ohne Weiteres wird nun der Rückweg angetreten, 
und schon 3 Uhr 45 Min. sind wir im Hotel zurück. 

Unterwegs wurden noch Farbstudien über die 
Moränen und die Uf^'gesteine des Oberaletseh- 
gletschers an Hand einer Skizze ausgeführt und ent- 



84 S. Simon. 

sprechende Gesteinsproben gesammelt. Wohl selten 
finden sich solch' frappante Farbencontraste. 

i8. AuguFt /Dienstag/. Breithorn. 

Schon 1 Uhr 30 Min. ist Tagwache, und 2 Uhr 
15 Min. wird der Abmarsch angetreten. Es gilt dem 
Lötschenthaler Breithorn. Bei Laternenschein wird 
munter dem Oberaletschgletscher zugestrebt. Flott 
geht es den Gletscher empor, und bald stehen wir 
unter dem Gletscherbruch, der dicht neben dem Nest- 
horn hemiederkommt und als Anstiegsrichtung zum 
Nesthorn dient. Diesen benutzen wir zum Aufstiege. 

Gestern hat ein Amerikaner das große Nesthorn 
bestiegen, und von seiner Expedition sind noch famose 
Stufen vorhanden, die uns spielend empor gelangen 
lassen. Der Anstieg ist wunderschön und hat viele 
Aehnlichkeit mit dem Labyrinth der Berninapartie. 
Beidseitig thttrmen sich hohe Eisgebilde empor, manche 
sturzdrohend, schief aufragend. Da ist Eile vonnöthen, 
deßhaib wird wacker ausgeschritten 

In auffallend kurzer Zeit sind wir oberhalb dieser 
grandiosen Eisbrüche und sehen uns auf einem ver- 
hältnißmäßig ebenen, von riesigen weichen Fim- 
schrtlnden durchzogenen Plateau, zwischen dessen 
Spalten wir ziemlich direct dem Lötschenthaler Breit- 
horn zuhalten können. 

Ein orkanartiger Wind, der während des ganzen 
Aufstiegs gewüthet hatte, begleitet uns mit wahrhaft 
infernalen Weisen bis zum Bergschrunde, der sieb 
gleich einer Cravatte rings um den Gipfel legt. Das 
letzte Köpfchen ist sehr steil, doch wird es trotz des 



IJifi photographischer Streif zug im Clubgebiet 85 

famosen Bergschrundes ohne Schwierigkeit überwunden, 
und sturmgepeitscht stehen wir auf dem nördlichen 
(Fel8-)Gipfel. 

Das Steinmannli wird sofort gelyncht, da es uns 
am Aufstelleu des Instrumentes hindert. Und nun 
wird aufgestellt und photographirt — aber wie! 

Fast unmöglich ist es, bei dem eisigen Winde auf 
dem Gipfel auszuhalten, der einem so intensiv durch 
die dünnen Kleider saust, daß es uns scheint, er 
blase direct auf die bloße Haut. Bald werden mir 
die Finger so starr, daß eine Bewegung derselben 
zur Unmöglichkeit wird. Ich steige daher in den 
Windschutz hinunter und lasse den einen Gehttlfen 
das Instrument festhalten, damit es nicht herabge- 
schleudert würde, indeß ich mich durch rasche Kraft- 
anstrengungen insoweit erwärme, daß es mir wieder 
möglich wird, die Schieber- zu ziehen und den Ob- 
jectivdeckel zu lüften. Leider thürmt der Wind Nebel 
empor, die uns zudem noch veranlassen, lichte Mo- 
mente abzuwarten, und kaum habe ich die Rundsicht 
exponirt, so hüllt sich der Gipfel schneeumwirbelt in 
dicke Nebelballen ein. Es beginnt regelrecht zu 
schneien, und an's Trianguliren ist nicht mehr zu denken. 

8 Uhr 40 Min. hatten wir den Gipfel erreicht, 
10 Uhr 10 Min. treten wir den Rückweg an, kaum 
einer Bewegung fähig vor Frosterstarrung. Mit stets 
zunehmender Heftigkeit umtobt uns der Wind, so daß 
wir uns beeilen, baldmöglichst den Gletscherbruch 
zu erreichen. Zum Glück ist dieser etwas im Wind- 
schutze, sonst wäre wohl der eine oder andere Eis- 
thurm umgestürzt worden und herniedergewettert, ein 



86 S» Simon, 

Ereigniß, das uns in unserm schmalen Eisconloir eine 
bedenkliche üeberraschung bereitet haben würde. 

Ruhig, kaltblütig wird aber niedergestiegen, denn 
bei dem heillos steilen Gehänge heißt es sicher in 
die Stufen des spiegelblanken Eises treten. Ein Fehl- 
tritt des Einen würde Alle die Bekanntschaft des 
nächsten der vielen Schrunde machen lassen, die weit 
klafend unser Couloir durchziehen und auf schmalen, 
luftigen Eisbrücken bewältigt sein wollen. 

Schon um 11 Uhr 30 Min. sind wir am Fuße der 
Eisbrüche, und erleichtert athmen wir auf, sind wir 
nun doch außer Oefahr, 

Gewiß kam es von Herzen, als ich hier, den 
ganzen Weg nochmals überschauend, einem kirch- 
thurmhohen Eiskoloß zurief: „So, jetz ghei nummen 
abe, genier di nit!^ — hätte doch der Bursche beim 
Zusammenbrechen das Couloir so total ausgefegt, daß 
a& ein Entrinnen schwerlich zu denken gewesen wäre. 

Nach kurzer Rast geht es weiter. Um 1 ühr 
7 Min. sind wir am Ende der Moränen, auf gebahntem 
Wege, und 2 Uhr 5 Mm. schon wieder frisch und 
munter in Beialp zurück, nur bedauernd, daß uns das 
Wetter nicht gestattete, gleichzeitig auch das Nest- 
horn zu besteigen, von dem aus ich sehr gerne einige 
Platten exponirt hätte. "^ 

(Ende der Tagebuchcopie.) 

Und so geht es fort, Tag für Tag. Wir über- 
siedeln bald in's Lötschenthal und stürmen theils von 
Ried, theils von der Bietschhomhütte aus mehrere 
Punkte der Bietschhorn- und derLötschenkette: Bietsch- 
horngrat, Grindelspitzen, Spahlrhorn. 



Ein phaU)gra^^hi8Qher Streif zusf m Cltibgübiet. 87 

Im Ganzen führten wir in 48 sich folgenden 
Tagen 30 Besteigungen und 15 Paßühergänge aus. 

Der Witterungsumachlag und die DiYiaion6man<5ver 
«rheisehen unsere Rückkehr, 

£» ist der 26, August, ein trostloser Tag. Trübe, 
melancholisch, bewegungslos hängt das Gewölke um 
die Bergeshäupter. Einzelne Tropfen fallen hernieder, 
die unzähligen Heuschrecken leiden entschieden an 
Husten und Zipperlein. Den Vöglein ist das Pfeifen 
vergangen. Kalt durchfeuchtet der Regen die Kleider ; 
68 könnte nicht trostloser sein. 

Da eilen drei Bursche der Lonza entlang thalaus, 
Oampel zu, jauchzend und johlend wie die Wilden. 
Und freudig plaudern sie zusammen und finden das 
Thal so wunderschön: die Wälder, die Flußscenerie, 
die Wasserfälle, die malerischen Dörfchen, daß alle 
Schönheiten des Hochgebirges nur eitel Dunst da- 
gegen. Sie können sich an der regnerischen Land- 
schaft nicht satt sehen. 

Ihr habt die Drei schon erkannt und seid erstaunt 
Sber die Macht des Stimmungsumschlags: 

Lange ausschließlich bewohnt, übt eben doch die 
Hochwelt auf uns den Eindruck des wüsten, des öden 
Gebirges aus. Nur im Contraste wirkt sie bestrickend, 
und auch der Eindruck des üeberwältigenden schwindet 
mehr und mehr, wenn wir uns wochenlang ausschließ- 
lieh darin bewegen. 

Es bedarf dann einer aufrichtigen Liebe zur Sache, 
soll im täglichen Ringen, Entbehren und Wagen die 
Energie und die Geistesfrische nicht erlahmen 

Aber dennoch sind es schöne Zeiten, an die wir 



88 S, Simon, Ein photographischer Streifzug im Clubgehiet, 

trotz ihrer Entbehrungen nnd Strapazen stets mit 
warmem Herzen zurückdenken. 

Und hiemit; lieber Leser, auf Wiedersehn ! Und 
sollte etwa das Eine oder das Andere zum Selber- 
schauen angeregt haben, dann: „von Herzen glückliche 
Reise!" 



Der neueste Jungfrauweg. 

Von 

V', von Almen, Lauterbmnnen. 



Wenn man bedenkt, welch' enormen Aufwand von 
Zeit und Mühe es erfordert, um den Jungfraugipfel von 
Grindelwald aus, vom Eggishorn her oder über die 
Kleine Scheidegg zu erreichen , so kann man sich 
nicht wundern, daß man immer und immer wieder 
zum Roththal zurückkehrte, als dem am nächsten ge- 
legenen, also natürlichsten Ausgangspunkt zur Be- 
steigung der Jungfrau. 

Nachdem schon 1828 die englischen Bergsteiger 
Yeats Brown und Fred. Slade einen vergeblichen Ver- 
such gemacht, die Jungfrau vom Roththal aus zu be- 
steigen '), gelang es am 9. August 1864 den Herren 
Leslie Stephen, Macdonald und Craufurd Grove, durch 
das steile und gefahrliche Couloir, das sich direct 
gegen den Roththalsattel zieht, diesen und drei Viertel- 
stunden später den Gipfel zu erreichen. Damit war 



Siehe Studer: Ueber Eis und Schnee. Supplementbandy 
pag. 10. 



"90 F. V. Almen. 

der Zugang zur Jungfrau vom Roththal aus gefunden ; 
direct war er, aber weder kurz noch gut. Es dauerte 
auch volle sieben Jahre, bis die Besteigung auf diesem 
Wege wiederholt wurde, und zwar am 21. Aug. 1871 
von den deutschen Alpinisten Herren Voigt und Liebes- 
kind und am 22. August desselben Jahres von den 
Schweizerclubisten Prof. Aeby und Emil Ober, die 
jedoch an diesem Tage nur den Roththalsattel, den 
Oipfel aber erst zwei Tage später auf dem gewöhn- 
lichen Wege vom Eggishorn aus erreichten. *) Die 
Möglichkeit, von dieser Seite auf die Jungfrau zu 
gelangen, war also sattsam erwiesen; aber der Weg 
war ein langer, beschwerlicher und gefährlicher. Immer- 
bin hatten diese Besteigungen zur Folge, daß 1872 im 
Roththal eine Clubhtitte erstellt wurde. Das Couloir 
kam aber total in Verruf, als sich am 24. Juli 1872 das 
gräßliche Unglück ereignete, dem die Führer Bischoff 
und V. Almen zum Opfer fielen ^) , und an dem 
schlechten Rufe des Roththalweges wurde auch da- 
durch nicht viel gebessert, daß 1873 Dr. Dtibi von 
Bern ^) und 1874 F. Bischoff von Basel die Jungfrau 
vom Roththal zur Kleinen Scheidegg traversirten und 
daß es seither auch Anderen gelungen ist, die Jung- 
frau von dieser Seite zu bezwingen. 

üm's Jahr 1879 oder 1880 herum ventilirte die 
.'Section Oberland — angeregt durch den verstor- 
l)enen Oberförster Kern — die Frage aufs Neue, 



Siehe Jahrbuch VII, pag. 495 u. ff. 
*) Siehe Studer: Ueber Eis und Schnee. Supplement- 
band pag. 12 u. ff. 

3; Siehe Jahrbuch IX, pag. 123 u. ff. 



Der neiieste Jtmgfrauweg, 91 

irie auf einem gefahrloseren Wege aus dem Roththal 
anf die Jnngfrau zu kommen wäre, und erhielt von 
^en Führern Fuchs und Lauener auf Befragen die 
Antwort, es wäre vielleicht möglich, von der Roth- 
tlialhütte aus tfber das „Rothe Brett" verhält- 
nißffläßig gefahrlos auf die Jungfrau zu gelangen. 
Dabei verblieb es, bis sich im Sommer 1881 Herr 
Dr. DSbi von Neuem daran machte, einen sicheren 
Weg vom Roththal aus zu suchen. Der tfickische 
Zufall verhinderte Dr. Dtlbi, die Frucht seiner Arbeit 
^auz und voll zu genießen; zwar erreichte er den 
Gipfel, aber sein Weg über den westlichen oder 
lußem Grat erwies sich als eine schwierige Kletter- 
partie und kaum leichter practicabel als der bertlch- 
tigte Weg durch das Couloir. ^) 

Die Aufgabe, vom Roththal aus einen neuen, 
l>es8em Weg nach der Jungfrau zu finden, war also 
noch nicht gelöst. Den ganzen letzten Sommer nun 
redete man in Führerkreisen davon, im Herbst einen 
neuen Versuch zu machen. Schließlich thaten sich 
die Fahrer H. v. Almen, Sohn, ü. Brunner, F. Graf, 
Sohn, K. Schlunegger, alle vier von Wengen, und 
J. Stäger von Lauterbrunnen zusammen, um das 
Wagestück zu versuchen, und nicht ohne Bedenken 
schloß ich mich ihnen an, denn wenn auch ein Sohn 
der Berge, gehöre ich doch keineswegs zu den wag- 
halsigen Berggängem, und meine clubistischen Lei- 
stungen beschränkten sich bisher auf Schilthom, Tschin- 
gelgletscher und Petersgrat. 



8. Jahrbuch XVII, pag. 273. 



92 F. V. Ahnen. 

E8 war ein prächtiger Herbstsonntag (20. Sept.), 
als wir Mittags den Foargon des Hotels Staubbach 
bestiegen und, begleitet von den Glückwünschen der 
ünsrigen, thaleinwärts fuhren. Noch lange sah ich 
ein weißes Tuch winken, und es wurde mir etwas 
bange beim Gedanken, wie meine Frau nun während 
zwei Tagen um mich bangen und kümmern würde. 
Im Stechelberg angekommen, wendeten wir uns links 
der Stufensteinalp zu. Meine Brust, die sonst nichts 
weniger als mustergültig genannt werden kann, athmete 
kaum die reine Alpenluft der hohem Lagen, so fing 
sie prächtig an zu arbeiten. Die Bärenfluh machte 
mir gar keine Schwierigkeiten, und beim Vernachten 
langten wir glücklich in der Roththalhütte an. 

Der Comfort daselbst beschränkte sich auf das 
denkbar kleinste Maß; denn ein perfider Luftzug 
machte sich durch die Trockenmauern hindurch sehr 
unangenehm bemerkbar. Stroh und Lische waren ver- 
dächtig feucht, um nicht zu sagen naß, und einzelne 
Eisreste deuteten auf das Vorhandengewesensein eines 
sogenannten „Gletschers" hin. Die Roththalhütte be- 
findet sich in einem so traurigen Zustand, weil dem 
Felsen nach, an den sie sich lehnt. Regen- und Schnee- 
wasser hinuntersickert, welchem Gonstructionsfehler 
einzig durch Versetzung der Hütte abgeholfen werden 
könnte. 

Item: wir richteten uns so gut als möglich ein 
für die Nacht, brauten uns einen währschaften Kaffee 
und legten uns endlich zur wohlverdienten Ruhe 
nieder — mit welchen Gefühlen, das läßt sich leicht 
denken. Furcht des Mißlingens und Hoffnung des 



Der neueste Jungfrauweg, 93 

Gelingens hielten sich die Wage. Jedenfalls waren 
wir weit entfernt von dem Ausspruch Ducrot's: „Je 
ne reviendrai que mort ou vainqueur! 

Von eigentlichem Schlafe konnte keine Rede sein ; 
deßhalb erhoben wir uns schon um 4 Uhr von unserm 
Lager, und da das Wetter, soviel man bei der herr- 
schenden Dunkelheit erkennen konnte, sich nicht 
«chlecht anließ, so wurde das Frühstück bereitet und 
Alles zum Aufbruch fertig gemacht. 

Beim ersten Schein der Morgendämmerung — 
«irca um 4^/* Uhr — brachen wir auf. Hier oben 
hatten wir schönes Wetter; aber unten im Thale, da 
wogten und drängten die Herbstnebel drohend heran. 
Doch, wie von guten Berggeistern gelenkt, wichen 
sie zurück, ohne uns erreicht zu haben. — Von der 
Hütte aus gingen wir ein wenig links, um auf den 
Orat zu gelangen und auf demselben unser Heil zu 
versuchen, da wir wußten, daß in den Strählplatten 
und auf dem Rothen Brett für uns absolut nichts zu 
suchen war. Nach einiger Anstrengung hatten wir den 
inneren Grat ^) erreicht und auf demselben ging es 
nun durch Gneißfelsen ziemlich steil empor, ungefähr 
wie auf einer Dachfirst. Das Gestein war gut und so 
kletterten wir eine gute Stunde lang leicht und schnell 
in die Höhe. Wir waren Alle in bester Stimmung, 
Tiur Stäger schienen die „Roththalgeister", von denen 
H. V. Almen letzte Nacht geträumt, manchmal das 
Steigen sauer machen zu wollen. 

Nun erreichten wir das Gebiet des Kalkfelsens. 



^) Vgl. Dr. Dübi's topographische Angaben. Jahrbuch XVH, 
P. 280 und 281. A. d. Bed, 



94 J^. «. Almen. 

Da bis hieher Alles so gnt gegangen war, so gönstemr 
wir uns, trotz der in Aussicht stehenden Alkohol- 
vorläge, einen stärkenden Schluck, banden una, je drei 
zusammeu, vorsichtig an's Seil, und aufwärts ging's 
in den warmen Strahlen der Septembersonne über 
zertrümmerte Kalkfelseu, wohl drei Stunden lang. 
Rechts ging's in steilem Abstürze zum Roththal 
hinunter, und die ganze Zeit unseres Aufatiegs don- 
nerten und polterten die Eisschläge durch das be- 
rüchtigte Couloir hinunter, so daß man nur mit Schau- 
dern an die verrufene Passage denken konnte. Wir 
dagegen auf unserm Grat waren sicher vor Lawinen^ 
Eis- und Steinschlägen und rückten rasch vorwärta,, 
bis der Knotenpunkt sichtbar wurde, wo unser Grat 
sich mit dem westlichen vereinigt. Hier kam 4ie erste 
ernstliche Schwierigkeit in der Form eines Felskopfs;, 
der sich vor uns anfthtirmte. Der Bursehe war nicht 
zu umgehen, wollten wir nicht riskireu, in's Boden- 
lose zu fallen, und zur linken Seite machte glänzendes 
Eis eine allfUllige Passage noch schwieriger (wenig- 
stens hatte es den Anschela). Der Stier mußte daher 
bei den Hörnern gepackt werden^ Der Felskopf hatte 
eine Höhe von circa 3 Meter. Graf mußte als Bahn- 
brecher voraus. Eine kleine Spalte gewährte Händen 
und Füßen einigen Hatt. Dazu halfen wir mit Hän- 
den und Pickeln xiach, bis er oben war; nun wurde 
Einer um den Andern am Seil .hinau%ehißt. 

Hier begann das Reich des Granits; wir kletterten 
dann wohl eine gute Stunde ;in den Granitblöcken 
empor, was uns sehr förderte. Die Aussicht erwei- 
terte sich; die Silberlücke schimmerte links unter 



Der neueste Jungfrauweg, 95- 

Qn8, und von da an galt es bei uns als ausgemachte 
Sache, das Wagestück werde uns gelingen. Plötzlich 
seigte »ich der Grat eine kleine Strecke weit Ter- 
^letscfa^ und rechts und links fiel er ziemlich steil 
ab. Es wurden daher Stufen gehackt und die Stelle 
möglichst vorsichtig passirt. Nun ging's noch eine 
kleine Stunde vorwärts, bis wir auf ein großes Firn- 
feld kamen, welches ^auf Blatt I der Excursionskarte 
den Namen ^Hochfirn^ trägt. 

Die Uhr zeigte nahezu auf 11, und so lagerten 
wir uns denn, um eine Pause zu machen, das Mit- 
tagsmahl zu verzehren und die herrliche Aussicht zu 
gießen, die sich vor uns aufthat. Links über das 
äilberhom hinaus schweiften unsere Blicke in weite 
Femen, und die Gasthöfe des Bödeli schimmerten 
herauf, wie Kinderspielzeug. Hoch oben winkte uns 
die Jungfrau in eisiger Schöne, und mn 11^/2 Uhr 
brachen wir zu ihrer endlichen Bezwingung auf. 

Zuerst mußte eine sanft geneigte Gletscherwand 
durch Stufenha(dcen tiberwunden werden^ dann folgte 
eine längere Gletsdierpartie, die wir uns mit einem 
GUse Wem verkürzten und versüßten, bis wir etwa 
10 Minuten unter dejn Jungfraugipfel den Grat be- 
traten, der sich vom Boththalsattel heraufzieht. Noch 
eine Stelle mußte durch Stufenhacken bewältigt wer- 
den, und circa um halb 1 Uhr setzten wir unsern 
Fuß auf den viel begehrten Jungfraugipfel. 

Die Aussicht von dieser hehren Warte aus brauche 
ich nicht zu schildern, haben sie doch schon so viele 
Olnbisten genossen; auch wäre meine Feder zu 
schwach, würdig zu schildern, was das entzückte 



"96 -F. V. Almen, 

Auge da Herrliches erschaute. Das aber wird man 
uns gewiß gerne glauben, daß wir, und besonders ich, 
in Wonne schwelgten, war uns doch gelungen, auszu- 
führen, wonach man Jahre lang getrachtet hatte : die 
Besteigung der Jungfrau vom Roththal aus auf kurzem, 
«icherem Wege. 

Der Aufenthalt auf dem Jungfraugipfel war einzig 
schön ; allein schließlich mußte doch Abschied ge- 
nommen werden, galt es doch, nun so schnell als 
möglich das Hotel auf dem Eggishom zu erreichen, 
um von dort aus unsere Lieben zu benachrichtigen, 
ivir seien heute Abend nicht im Stechelberg abzu- 
holen, und sie so aus Kummer und Angst zu erlösen. 
So stiegen wir denn endlich mit Umgehung des Roth- 
thalsattel-Schrundes auf den Jungfraufirn nieder und 
wanderten der Concordiahütte zu. Die Schatten wurden 
länger, der Tag begann sich zu neigen. Drei Mann 
ruhten hier ein wenig aus, während der Kaffee kochte, 
^ie andern aber forcirten den Aletschgletscher, und 
am Märjelensee ließ Brunner, der Nimmermüde, seine 
Kameraden im Stich, stürmte eilenden Laufes zum Hotel 
Jungfrau hinüber und spedirte Schlag halb 8 Dhr 
das ersehnte Telegramm nach Lauterbrunnen, welches 
-dort, besonders in Führerkreisen, gewaltige Auf- 
regung hervorrief. 

Später rückte auch ich mit der Nachhut unter 
das gastliche Dach des Gasthofs ein, wo wir von 
Herrn Cathrein aufs Herzlichste aufgenommen und 
bewirthet wurden. Den folgenden Morgen stiegen 
wir nach Viesch hinunter; ein Wagen brachte uns 
nach Obergestelen, Abends nächtigten wir bei Freund 



Der neusste Jungfrauweg, 97 

Nägeli auf der Grimsel, und Mittwoch kehi-ten wir 
nach Hanse zurück. 

Auf der Excur8ionskai*te des S. A. C. läßt sich 
unser Weg prächtig verfolgen. Wir gingen von der 
Clubhtitte über Punkt 2764 aus links auf den Grat, 
der sich in nordöstlicher Richtung gegen den „Hoch- 
fiiTi" hinzieht und sich, bevor er denselben erreicht, 
mit zwei andern Gräten von West und Süd vereinigt; 
liier befindet sich die einzige schwierige Stelle. Von 
hier ans geht der Weg über Firn gegen die Zahl 4 
der Quote 4166, dann rechts auf den Grat und zum 
Oipfel empor. 

Ziehen wir das Facit aus den Ergebnissen unserer 
Jimgfraubesteigung, so ergibt sich: 

Von der Roththalhtttte aus haben wir in circa 
7^'2 Stunden auf einem für schwindelfreie Gänger leicht 
zu begehenden Weg, der sicher ist vor jeder La- 
winen-, Eis- und Steinschlaggefahr, den Jungfraugipfel 
erreicht. Da nun der Weg nicht mehr gesucht zu werden 
braucht, so kann der Anstieg wohl in 5 — 6 Stunden 
bequem gemacht werden. 

Von der Berglihütte am Mönchjoch und der Con- 
cordiahtttte braucht man gewöhnlich ungefähr ebenso 
viel Zeit, von der Guggihütte mindestens fünf Stunden 
mehr; rechnet man dazu, daß die RoththalhUtte von 
Lauterbninnen aus leicht in 5 Stunden erreicht wird, 
während der Zugang zu den andern Hütten vom Thale 
aus weit längere Zeit erfordert, so spricht die Zeit- 
differenz entschieden zu Gunsten unseres neuesten Jung- 
franweges. Im Sommer ist derselbe bei stellenweisem 
Schnee noch viel leichter zu begehen, als im Herbst, 

7 



98 F, V, Almen. Der netteste Jungfrauweg, 

weil bei unserer Fahrt die Kalkfelsen am Morgen be- 
reift und daher sehr glatt waren, weßhalb mit großer 
Vorsicht vorgegangen werden mußte. 

Die Führer, welche den neuen Jungfrauweg er- 
öffnet haben, werden im Frühling ihr Möglichstes 
thnn, denselben noch practicabler zu machen. So soll 
nicht nur die schVierige Stelle durch Sprengung des 
bewußten Felskopfes und, wenn dann noch nöthig, 
Einrammen voq Eisenstangen oder Seilen leicht pas- 
sirbar gemacht, sondern auch die Bärenfluh stellen- 
weise corrigirt werden, damit auch weniger geübte 
Berggänger in die großartige Gebirgswelt des Roth- 
thals gelangen können. Allerdings müßte, wenn das 
Roththal wieder stärker besucht werden soll, dann 
auch die Clubhütte umgebaut und bei dieser Ge- 
legenheit an einen günstigem Ort versetzt werden. 

Wir geben uns der Hoffnung hin, der S. A. C. 
werde diese Sache zu der seinigen machen und nächsten 
Sommer dieses Werk ausführen, wenn sich unsere 
Angaben über den neuesten Jungfrauweg bewahrheitet 
haben werden. Zu diesem Zwecke sind die oben ge- 
nannten Führer bereit, die nächste Saison den neuen 
Weg zu begehen mit Jedem, der es wünscht. ') 

*) Die Section Bern S. A. C. , unter deren Obbnt die 
Roththalhtitte steht, hat in dieser Angelegenheit beschlossen^ 
die Hütte soweit thunlieh für nächsten Sommer (1886) re- 
pariren zu lassen, die Frage einer Vergrößerung und Ver- 
legung derselben aber zu verschieben, bis durch genaue In- 
spection der Hütte und des neuesten Jungfranweges erwiesen 
ist, daß der Herr Berichterstatter jene nicht in allzu düsterem, 
diesen in allzu rosigem Lichte gesehen hat. A. d. B. 



Aus den Gomserbergen.^) 

Von 

G. Kamiah (Section Monte Rosa). 



I« Allerlei aas dem Oomserthal. 

Auch im Sommer 1885 zog es mich in das grüne 
Goms und seine großartige Gebirgswelt. Letztere 
bietet auch dem, der sie mehrfach besucht, immer 
des Neuen genug. Zudem gewährten die Alpenland- 
schaften im eigentlichen Quellthal der Rhone das letzte 
Jahr Bilder, die wesentlich verschieden waren von 
denen, die man anno 1883 wahrnahm. Damals waren 
noch im August die obersten Staffel der Schatten- 
berge mit Schnee bedeckt, an manchen Orten schienen 
sich die gewaltigen fimharten Schneelager zu Gletschern 
umbilden zu wollen; erst spät entwickelte sich die 
Flora: am Aernengalen unweit der Alp Ettria blühten 
noch Mitte September einzelne Alpenrosen. Im Spät- 
sommer dieses Jahres dagegen waren jene halb ver- 
gletscherten Schneemassen unter den heißen Strahlen 
der Wallisersonne dahin geschwunden, sogar Berge 

^) Siehe Jahrbuch S. A. C. XX, pag. 161. Ä. d B. 



100 G, KamJah. 

wie das Rissenhorn frichtiger Bisihom nach Aogabe 
der Bellwalder, auf deren Gebiet es liegt) legten ihre 
weißschimmenide Kappe ab. Die zahlreichen Seelein, 
welche so manche einförmige Kumme oder fast ebenen 
Galen der Gomser Alpen zieren, waren zu unschönen 
Lachen zusammengeschrumpft. Einige von ihnen, wie 
der kleine Blaue See zuoberst der Bodmer Kumme 
und seine Nachbarn auf der Südseite zwischen Kummen- 
und Rappenhorn, hatten sich in häßliche, wasserlose 
Mulden verwandelt. Der herrliche Blumenflor, welcher 
die Sonnenseite des vom Kummenhom Östlich zum 
Blindenthai zulaufenden Grates schmückt (Aretia 
Vitaliana L., Lychnis Alpina L., Campanula CenisiaAU. 
kommen in Menge vor), war Anfang August vollständig 
verbrannt. Größere Bergfahrten wurden nicht nur durch 
den Mangel an widerwärtige Trtimmerhalden deckendem 
Schnee erschwert, sondern vor Allem durch die furcht- 
bare Zerklüftung und Wildheit der Gletscher fast 
unmöglich gemacht. Auch die größeren Eisfelder 
unseres Gebietes wie Gries, Hohsand, Turben, Thäli 
und Bächigletscher zeigten eine überraschende Menge 
von Schrunden und Eisbrüchen. Dasselbe galt von 
den sie nährenden Firnfeldern. Der Walligletscher 
war durch eine steile Trümmerhalde in zwei schutt- 
bedeckte Lappen getheilt worden. 

Der von mir im letzt erschienenen Jahrbuch an- 
gegebene Weg zum Rissen- oder Risihorn ist bei un- 
günstigen Verhältnissen, wie sie 1885 vorlagen, zu 
mühsam. Namentlich die Strecke von den rothen 
Sewji — zwei melancholischen, von röthlichbraunem 
Gestein umrahmten Seelein — war heillos, das Auf- 



Aus den Gomserbergen, 101 

und Absteigen über die glatten Platten sehr an- 
ßti-eogend, der Gletscher selbst in seinem südlichen Theil 
außerordentlich zerrissen. Etwa 50 ™ von der höchsten 
Spitze abwärts gerechnet, war das Hom, wie schon 
erwähnt, schneefrei. Der Aufstieg nahm 6^/2 Stunden 
in Anspruch, während sonst von Blitzingen aus fünf 
genügten. Auch dieses Mal hatte ich auf dem präch- 
tigen Berge klares und waiTnes Wetter, so daß ich 
die großartige Aussicht mit Muße genießen konnte. 
Interessant war es für mich, unmittelbar unter dem 
Gipfel selbst einige Exemplare von Enzianen und 
Saxifragen vorzufinden. Es waren winzige Pflänzlein, 
die bereits verblüht waren, wahrscheinlich G. Bavarica 
und S. oppositifolia. Bei meinen Besteigungen im 
Jahre 1883 hatte ich nicht die geringste Spur davon 
wahrgenommen. Zum Rückweg beschloß ich, den Theil 
des Gletschers zu nehmen, der sich am meisten nach 
Südostsüd hin erstreckt und in einer Mulde endet, 
welche ziemlich breit und nicht übeimäßig steil zum 
Wallibach herabftihrt. Dem letzteren führt sie den 
hauptsächlichsten Abfluß des Gletschers zu. Schnell 
kommt man in der übrigens recht gut gangbaren 
Wasserrinne herab. Unterhalb des Punktes, wo ein von 
Westen herabkommendes Bächlein einmündet, ist es 
angezeigt, sich rechts zu halten und über steilen Rasen 
nnd Grasplanken in's Thal zu steigen, dessen Sohle 
man etwa eine Viertelstunde oberhalb des obersten 
Staffeis der Selkinger Alpe erreicht. 

Nicht gar weit von der höchst primitiven Hütte 
war der Weg durch eine vor Kurzem herabgerollte 
Flnh gesperrt. Um den längeren Weg über Selkingen 



102 G, Kamiah. 

und die etwa 20 Minuten lange Strecke auf der Land- 
straße zu vermeiden , ging ich vom folgenden Alp- 
staffel auf einem Viehwege zur Alp Igschenen und 
von dort steil hinab, dem Hilpersbach entlang am 
Kastenbiel vorbei, nach Blitzingen. Reichlich um eine 
Stunde ist der eben angegebene Weg von Blitzingen 
zum Risihorn kürzer als der allerdings aussichts- 
reichere und interessantere über die Blitzinger Alpen 
und den Thälistock. 

Auch das Blindenhom bot 1885 mehr Schwierig- 
keiten als man erwarten konnte. Zwei Tage nach 
der im Vorstehenden geschilderten Fahrt überschritt 
ich um 5 Uhr Morgens die Rhonebrticke bei Reckingen 
und zog eiligen Schritts in's Blindenthai. Bei der 
Kapelle zum Heiligen Kreuz erfreut man sich eines 
schönen Einblicks in den wilden Hintergrund des 
Thaies. Von Jahr zu Jahr wird dieses unwirthlicher 
und rauher. Auf der Ostseite wie auf der Westseite 
sind zahlreiche Lauinenzüge. Den Hohstellibach, der 
sich immer mehr tobelartig in das Schiefergestein 
einfrißt, decken heute keine Lauinen, welche den Auf- 
stieg vor zwei Jahren so sehr erleichterten. Auf dem 
linken Ufer des Bächleins steigt man empor, zwar 
steil geht's hinauf, aber so lange man auf der kräuter- 
reichen Schafalp bleibt, ist kein Grund zu klagen. 
Ein breites, von Südosten kommendes wasserloses 
Rinnsal wird überschritten; auch dieses hat sich be- 
deutend vertieft. Eine halbe Stunde von der Ein- 
mündung des letzteren aufwärts wird das Traversiren 
auf der aus Geröll bestehenden Böschung des Hoh- 
stellibachs zu ermüdend; ich suche zu letzterem 



Aus den Gameerbergen, 103 

hinuDterzusteigen. Wenig Wasser ist am Morgen in 
demselben, aber die hervorragenden Steine sind mit 
einer Eiskruste überzogen, so daß ich mich freute, 
als ich den Fuß auf den Hohstelli- oder Sulzgletscher 
setzte. 

Der untere und mittlere Theil desselben sind 
wenig geneigt; sie nehmen fast den ganzen Raum 
zwischen dem westlichen Ausläufer des Merzenbach- 
ßchiens und dem Nordfuß des Blindenhoms ein. Vom 
Griesfim trennt den Wanderer noch eine etwa 150"* 
hohe steile Stufe, die keineswegs, wie die Karte an- 
nehmen läßt, vollständig vergletschert ist; dieses ist 
vielmehr heute nur bei dem dritten Theil derselben 
der Fall, dem südlichen. Auf diesem, dem oberen 
Sulzgletscher, pflegt man gewöhnlich zum Griesfim 
emporzusteigen. Die nördlichen Hänge, aus leicht 
zerbrechlichem Schiefer bestehend, sind weit steiler. 
Leider ist dieses Mal der eben genannte Theil des 
Gletschers unpassirbar, weil furchtbar von Spalten 
zerrissen. Ich halte mich links, wo steile Schneestreifen 
zwischen dem Schiefergestein sich bis zum Firn hinauf 
ziehen. In einem solchen couloirähnlichen schnee- 
gefullten Riß steige ich langsam, mit der Linken mich 
an das scharfe, oft tibereiste Gestein möglichst fest- 
haltend, mit der Rechten Stufen in den fimharten 
Schnee schlagend, empor. Ich erreiche nach strenger 
Arbeit den Griesfim. Der Wechsel der Scenerie wirkt 
überraschend. Lange Stunden hat man im Blinden- 
thal und dem rauhen und engen Bett des Wildbachs 
geweilt, kein Sonnenstrahl traf bislang den Wanderer ; 
jetzt sieht man im hellen Sonnenglanze den aus- 



104 G, Kamiah. 

gedehnten Griesgletscher , trefflich umrahmt auf der 
Nordseite von dem dunklen Grat des Merzenbach- 
schiens und den zerzackten Ritzenhömem, auf der Süd- 
seite von dem mächtig emporragenden und schön ge- 
formten Siedelrothhorn, in sanfter Neigung sich nach 
Osten hinabziehen, scheinbar bis tief in's Val Be- 
dretto. Zahlreiche Bergketten tauchen am Horizont auf. 
Direkt von Norden her auf das Blindenhorn loszu- 
marschiren, ist heute unmöglich. Im Firn klaffen dort 
furchtbare Schrilnde. Ich gehe daher in südlicher 
Richtung auf die Mitte des zwischen dem zu erstei- 
genden Berge und dem Rothhom befindlichen Firns 
zu. Der letztere ist gut zu begehen, nur die Spalten 
machen häufig Umwege nothwendig. Unfern der 
italienischen Grenze wende ich mich rechts und komme 
so von Süden auf das Hörn zu. Auf unsicheren Schnee- 
brticken werden einige Schrunde überschritten, dann 
bin ich am Berge selbst. Die Südseite ist schneefrei ; 
leicht gelangt man zum Steinmannli. Von dem Punkt, 
wo ich den Firn betreten, bis zum Hörn habe ich 
1 ^/2 Stunden gebraucht, zum Aufstieg von Blitzingen 
bis zur Spitze 7^/2 Stunden. Die Aussicht ist heute 
vollkommen frei, kein neidischer Nebel verdeckt irgend 
eine Spitze in dem gewaltigen Panorama. Die Alpen- 
kenntniß unseres Altmeisters, des Herrn Gottlieb Studer, 
wäre erforderlich, um die von hier ab sichtbaren 
Berggipfel benennen zu können. Um so merkwürdiger 
ist der geringe Besuch des Blindenhorns , von Club- 
genossen findet sich immer noch keine Karte in der 
Flasche als die des Herrn Emil Burckhardt von Basel. 
Vielleicht sind übrigens auch andere Herren dort ge- 



Aus den Gomserbergen, 105 

wesen, die bei guten Schneeverhältnissen hinaufgelangt 
es verschmähten, ihre Anwesenheit auf dem dann 
leicht zugänglichen Berge zu bemerken, wie es Schreiber 
dieses auch 1883 gethan. Vom Tosafall aus ist bei 
nonualen Jahren die Besteigung unschwierig; weit 
mühsamer ist sie stets vom Goms aus. Im Juli 1885 
haben Officiere des militär-geographischen Institut» 
zn Turin das Blindenhorn gemessen und die Höhe auf 
3371 "» festgestellt. Nach einsttindigem Aufenthalt trete 
ich den Rückweg an; für dieses Jahr muß ich den 
Plan, vom Blindenhorn nach dem Binnenthal herabzu- 
steigen, aufgeben; allzu zerspalten sind die zu über- 
schreitenden Gletscher. Genau demselben Wege wie 
beim Aufstieg folge ich beim Abstieg. Beim üeber- 
schreiten einer jener Schneebrücken merke ich, wie 
mein rechter Fuß tief einsinkt, mit aller Kraft schnelle 
ich mich vorwärts und hatte gut daran gethan. Beim 
nachherigen Sondiren mit dem Pickel stieß ich an 
der fraglichen Stelle sofort durch. Die Absicht, den 
Rückweg über den Merzenbachschien nach Hohbach 
hinab zu nehmen, wird durch mehrere breite Spalten 
imd einen nicht zu überschreitenden Bergschrund ver- 
eitelt. Zum unteren Theil des Hohstelligletschers ge- 
lange ich jetzt leicht, der Eisüberzug des Schiefer- 
gesteins ist verschwunden und die steilen Schneeflecke 
sind lind geworden. Ueberall rieselt's und rauscht's» 
Ich bleibe auf dem rechten Ufer des bedeutend an- 
gewachsenen Baches, eilig die Geröllhänge traver- 
sirend, um schnell aus dem Bereich der vom Grat — 
dem Ausläufer des Merzenbachschiens — her zu er- 
wartenden Steine zu kommen. Nur zwei Stück sehe 



106 G. Kamiah. 

ich herabrollen, und das sind ungefüge starke Blöcke, 
die sich schwerfällig herabwälzen, formlich Furchen 
in der vom aufgethauten Neuschnee durchtränkten 
Oeröllhalde aufwühlend. Nicht ohne Mühe wird der 
Wildbach übersprungen und durchwatet. Bald bin 
ich im Blindenthai. Das Senntum, bei dem ich Mor- 
gens Milch getrunken , ist auf einen niederen Staffel 
gezogen. Man ruft mich an ; da keine Käsemilch vor- 
handen, läßt der gefällige Senne eine Kuh für mich 
melken. Um 5 Uhr Abends bin ich wieder in Reckingen; 
einzelne Bauern kommen mit ihren Frauen und Töch- 
tern vom Felde, die mich neugierig ausfragen und 
sich freuen, daß es mir auf ihren Bergen so gefalle. 
Von älteren Leuten in Reckingen und Gluringen wird, 
wie hier erwähnt sein mag, das Blindenhorn Königs- 
horn genannt, während man ersteren Namen der nie- 
drigeren nördlichen Kuppe beilegt. 

In Betreff des von mir im letzten Jahrbuch Seite 165 
erwähnten angeblichen Weges über Schrat und die 
Bellwalder Schafalpen zum obern Vieschergletscher 
will ich noch bemerken, daß, trotzdem die Gegend, 
durch welche die Straße geführt haben sollte, voll- 
ständig aper war, Spuren einer solchen durchaus nicht 
zu finden waren. Dessenungeachtet ist man nament- 
lich auch in Bellwald von dem einstigen Dasein des 
fraglichen Weges fest überzeugt : „es seien sogar Waaren 
dort von Bern her herüber gefahren.'^ Letzterer um- 
stand gibt Licht. Zur Zeit, als Wallis von der Eid- 
genossenschaft getrennt war, vor Allem aber, als es 
als Departement du Simplon zu Frankreich gehörte, 
fand vom Haslithal her über das Oberaarjoch ein 



Alis den Gomserbergen. 107 

nicht unbedeutender Schmuggel statt. Damals mögen 
alle jene rauhen Uebergänge, die von den Gletschern 
in's Goms führen, von waghalsigen Schmugglern reich- 
lich benutzt worden sein. Der ausgedehnte Bellwalder 
Schaf berg, der ja von der Richinenalpe bis an den 
Gletscher unter dem Risihorn reicht, hat ohne Zweifel 
vortreffliche Verstecke für die Contrebande und deren 
Träger abgegeben. Flir Glückskinder liegen auch heute 
noch in der stillen, einsamen Gegend westlich vom 
Setzenhorn mancherlei Schätze vergraben. Als einst 
ein vierzehnjähriges Mädchen aus Bellwald in Be- 
gleitung ihres Vaters in den Schafberg ging, um ein 
Schaf zu „reichen",, habe es plötzlich an einem wilden 
Orate geleuchtet und geblitzt wie von einer Monstranz. 
Gold und herrliche Strahlen hätten weithin geschienen. 
Statt aber schleunigst die Schürze auf den Schatz zu 
werfen, habe die erschreckte Tochter nach dem Vater 
gerufen. Da sei Alles verschwunden. Aehnlich ging's 
«inem zwölfjährigen Kinde aus Blitzingen, dem auf 
der Alp Heustetten, wo ein großer Schatz ruhen soll, 
beim Holzsammeln da, wo jetzt noch Reste einer alten 
Hütte stehen, ein graues Mann lein prächtige und kost- 
bare Schmucksachen und Gewänder zeigte. Auch 
sie wandte sich ab und rief ihren Eltern, worauf die 
Sachen und das Männlein versanken. Im Pfaffenbiel 
und dem aussichtsreichen Kastenbiel hat man gleich- 
falls Schätze blühen sehen. 

Einem alten Bauern aus Bellwald gelang es vor 
geraumer Zeit mit Beihülfe eines Aerners, im Walde 
zwischen Bellwald und Viesch einen Schatz, von dem 
ihm dreimal, während er bei der Predigt Sonntags 



108 6r. Kamiah, 

geschlummert, geträumt hatte, zu heben und die Hüterin 
desselben, eine schöne Jungfrau, zu erlösen. Ein 
Haus in Aemen soll von dem gewonnenen Gelde erbaut 
sein. Als realer Hintergrund dient diesen Schatzsagen 
die Thatsache, daß man in Goms mehrfach alte, zu 
Kriegszeiten vergrabene Münzen gefunden hat. 

So entdeckten Kinder aus Biel, welche bei der 
St. Antonskapelle ob Selkingen Vieh hüteten, in der 
von einem Maulwurf ausgeworfenen Erde ein Gold- 
stück. Man grub nach und fand unter einem großen 
Stein unmittelbar neben der in's Wallithal führenden 
Straße mehrere Hundert Gold- und Silbermünzen. 
Leider hat das mißtrauische Bäueylein, dessen Kinder 
den Fund gemacht, um diesen möglichst geheim zu 
halten, die Münzen schnell an speculative Aufkäufer 
verschleudert. Ich habe nur eine abgegriffene Silber- 
münze mit den Wappen von Schwyz, üri und ünter- 
walden davon gesehen. Dieses an sich einfache Ereig- 
niß, das sich erst vor wenig Jahren zugetragen, hörte 
man heute in folgender Weise erzählen: 

„Als eines Tages Kinder aus Biel auf dem Stein 
an der Thalstraße neben der St. Antonskapelle saßen 
und Vieh hüteten, kam urplötzlich eine steinalte Frau 
in absonderlicher alterthümlicher Tracht auf sie zu. 
Sie bekamen einen „scharpfen Chlopf" und liefen 
nach Hause. „Eine Hexe sei auf sie zugekommen.'^ 
Genau zwei Jahre nach dieser Erscheinung träumte 
dem ältesten der Kinder, einem zwölfjährigen Mädchen, 
unter dem Steine, worauf sie damals gesessen, ruhe 
ein Schatz. Als sie wieder mit dem Vieh an den 
Platz kam, warf ein „Schorm" (Maulwurf) ein Gold- 



Aus den Gomserbergen, 109 

stück aus der Erde. Lediglich diese Tochter ver- 
mochte in der Höhlung unter dem Stein die Münzen 
zasammenzul esen . ^ 

Man sieht, daß auch in der Gegenwart den ein- 
fachen Bergleuten die Sagen bildende Kraft noch nicht 
verloren gegangen ist. Besonders viel Bozengeschichten 
werden von der schönen Richinenalpe erzählt. Vor 
nicht allzu langer Zeit bemerkte ein älterer Mann 
aas Bellwald, der gegen Abend nach dem Beteläuten 
an der Alpe vorbeiging, daß eine Anzahl Menschen 
zwischen den Hütten stand. Da die Alp nicht be- 
fahren und er durchaus kein „klopfiger Narr" war, 
trat er näher, um zu sehen, was es dort gäbe. Er 
fand fremde Gesichter, dazu trugen Alle altvaterische 
Kleidung. Eilends ging er zurück, obwohl man ihm 
zuwinkte. Da rief man ihm zu : „Heute in dem Gaden, 
in drei Tagen zu Hause." Als er zum Gaden kam, 
fand er seine schöne Geis todt. Nach drei Tagen 
starb er selbst. So lieblich und schön Tags über die 
lichten Waldungen und grünen Wiesen oberhalb Bell- 
wald sind und so angenehm der von dort über Nessel- 
schlicht gegen Blitzingen führende Fußweg zu be- 
gehen ist, so unheimlich ist's in dieser Gegend 
Nachts oder richtiger nach dem Beteläuten am Abend. 
Der Gratzug (oder die Todtenprocession) hat hier 
seinen Gang. Ich brauche nur auf die bezüglichen 
Erzählungen in den „Walliser Sagen" von Tscheinen 
und Ruppen ^) hinzuweisen. Ein Brünnlein an dem 
Pfade auf der Niederwalder Voralpe heißt nicht ohne 

^) Walliser-Sagen, gesammelt von Sagenfreunden. Sitten, 
Buchdruckerei Schmid. 1872. A. d, Red. 



110 G, Kamiah, 

Grund der Todtenbrunnen. Die eigenartige Todten- 
musik hat man auch weiter unterhalb bei Blitzingen 
Öfters gehört, dagegen ist der Volksgang selbst dort 
noch nicht wahrgenommen. Auf dem untersten Staffel 
der Bodmeralpe soll ebenso wie auf der bekannten 
Hohbachalpe eine emsig spinnende Frau mit einer Katze 
ihr Wesen treiben — sicherlich ein Anklang an den 
uralten Berchta-Hulda-Mythus. Auch die klugen, stets 
zu allerlei Neckereien aufgelegten, aber dabei doch 
immer htilfreichen Godwerjini fehlten dereinst im 
Goms nicht. So waren unfern Bödmen mehrere seß- 
haft. Mancherlei wird auch hier noch von ihnen er- 
zählt. Leider sind sie, wie überall im Oberwallis, 
auf Nimmerwiederkehr ausgewandert. 

Sagenhaft klingt es uns gegenwärtig, wie hier 
noch bemerkt sein mag, wenn wir hören, daß im 
Mittelalter oben im grünen Quellthal der Rhone Wein 
gebaut wurde. Es kann indessen durch Urkunden be- 
wiesen werden. In der trefflichen Sammlung von 
Walliser Urkunden, welche der bekannte Freiburger 
Geschichtsforscher Abb6 Grömaud herausgegeben hat, 
findet sich ein Document vom 29. September 1247 '), 
dem zu Folge ein Amadeus de Agro an Villennus 
de Fönte unter Anderm auch einen Weinberg zu Mtihli- 
bach verkauft. Ob diese einstigen Weinberge den un- 
verwöhnten Geschmack der alten Oberwalliser docn- 
mentiren oder aber, ob sie als ein Rennzeichen des 
milderen Klimas anzusehen sind, mag dahingestellt 
bleiben. 



*) M6moire8 et docuraents de la Suisse romande. Vol. XXIX, 
n« 509 (Lausanne 1875). A. d. Eed. 



Aus den Gomserbergen, 111 

Hoffentlich rinnt noch viel Wasser die Rhone 
hinunter, ehe jene dort oben fast zum geflügelten 
Wort gewordene Redeweise: „Goms wird einst eine 
Schafalp" in Erfüllung geht; allerdings ist nicht zu 
leugnen, daß niedrige Gewinnsucht und stumpfsinnige 
Indolenz das Möglichste thun, um auch dieses schöne 
Hochthal zu veröden. 

II. Zwischen (kehren- nnd Eginenthal. 

Das wilde, selten besuchte. Gehrenthal gehört zu 
den Hochthälern, in denen im Laufe dieses Jahr- 
hunderts die dauernde Niederlassung der Menschen 
aufgehört hat. Solche Landschaften haben etwas eigen- 
artig Anziehendes. Aber auch abgesehen hievon, ist 
Gehren des Besuchs wohl werth. 

Der oberste Theil der Thalschaft ist von über- 
raschender Wildheit, die zerstörende Kraft der Natur- 
mäehte zeigt sich in ihrer ganzen Furchtbarkeit. Die 
nackten zerrissenen Berge des Thalhintergrunds — 
der Grat vom Kühbodenhorn bis zum Pizzo Nero,, 
das Mettlihorn und vor Allem die einem riesigen,, 
halbzerfallenen gothischen Schloß ähnlichen Saas- 
höruer — machen einen bedeutenden Eindruck. 

Es ist nicht die Höhe derselben, welche ja relativ 
gering ist, die wirkt, sondern vielmehr der Zustand 
des Zerfalls, der sich in erschreckender Weise zeigt.. 
Hier sind in Wahrheit die Häupter der Berge ihre 
Füße geworden. Der starke Rückgang der Gletscher — 
vom Thal aus sieht man nur zerrissene, schmutzige 
Lappen hie und da zwischen den Granitblöcken oder 
zackigen Wänden hervorlugen — und der Mangel einer 



112 G, Kamiah. 

<lie wüsten Trttmmerhalden verhüllenden Schneedecke 
lassen die Landschaft noch öder erscheinen. 

Steigen wir abwärts, so kommen wir auf Alpweiden, 
die derartig mit Steinen bedeckt sind, daß es nicht 
mehr lohnt, sie zu befahren. 

Aus einem Felsenthor rauscht der Saasbach der 
Elma (Gehrenbach) zu. Er kommt aus dem Saas, einem 
ausgedehnten, heute fast ganz mit Geröll überschütteten 
Gelände, welches auf der Ost- und Südseite von den 
unschönen Schuttmassen und den jäh aufsteigenden 
Oranitmauern der Mutthömer und der Saashömer 
eingefaßt wird. Nur der grüne Schaf berg, welcher 
im Nordwesten das Saas begrenzt, mildert etwas den 
todten Charakter dieser Gegend. 

Im Hauptthal finden wir zwischen den Einmün- 
dungen des Saasbaches und des von der schönen Dähli- 
^Ip herabstürzenden Wildbaches mehrere Alpstaffel; 
zwischen den Steinen und größeren Blöcken, die anch 
hier nicht fehlen, ist starker Graswuchs, aber die 
Lauinen von den Steilwänden des Schafbergs und die 
reißende Elma werden wohl in nicht allzu langer 
2eit auch an diesen nutzbaren kräuterreichen Thal- 
gründen ihre verwüstende Macht beweisen. Wald ist 
in den eben geschilderten Theilen des Gehreuthals 
-wenig mehr vorhanden: einige spärliche, lauinen- 
durchfurchte Bestände von Lärchen an dem nach 
Nordwesten zu laufenden Stock des Mettlihorns, nie- 
drige Alpenerlen, Legföhren und hie imd da eine Tanne 
und verkümmerte Lärche am Schafberg, das ist Alles. 

Der Weg setzt auf das linke Ufer des Baches 
tlber. Die Scenerie wird eine andere. Enger, Schlucht- 



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Aus den Gomserbergen, 113 

artiger wird das Thal , tief hat der Fluß sich ein- 
gesägt und jagt tosend thalabwärts. Unser Pfad führt 
•durch lichten Wald; ein auffallend tippiger Pflanzen- 
wuchs erfreut das Auge. Das milde Klima und die 
im Yerhältniß zu andern Walliserthälern häufigen 
Niederschläge begünstigen die Vegetation. Bald er- 
blickt man auf der Ostseite des wieder sich verbrei- 
ternden Thals die Wiesen und Felder von Gehrendorf. 
Letzteres selbst lehnt sich an die Südseite des sonnigen 
Hungerbergs. Von der zuletzt zu passirenden Brücke 
erreicht man in sanfter Steigung binnen 5 — 10 Min. 
«die Kapelle und die wenigen zerfallenden Häuser. Es 
ist ein fruchtbares, freundliches Gelände, das sich vom 
Süd- und Südwesthange des genannten Berges bis 
2um Bach herunter erstreckt. Die Wiesen, und na- 
mentlich die Getreideäcker, welche sich bis zur Höhe 
von 1700™ am Hungerberg hinaufziehen, scheinen 
weit ertragreicher zu sein, als die im obersten Theil 
des Goms, Oberwald und Obergestein. Nahe der 
Kapelle steht noch der Stumpf eines Kirschbaums. 
Im Mittelalter stand die Thalschaft Gehren unter der 
Herrschaft eines jener wälschen Adelsgeschlechter, 
die ja auch im deutschen Oberwallis bedeutende Be- 
sitzungen hatten. Von einem Aufruhr zur Feudalzeit 
wird erzählt, bei welchem eine Anzahl Männer aus 
Oehren aufgehängt worden sein sollen. Später erwarben 
die Zehnten des Wallis das Thal, das somit keineswegs 
unter Gbms allein stand ; ein gemeinschaftlicher Vogt 
verwaltete es. Die Ereignisse zu Ende vorigen Jahr- 
hunderts machten diesem eigenthümlichen Verhältniß 
m Ende. 

8 



114 G. Kamiah, 

Die EntT^lkerimg scheiBt ganc albnäiig vor neb 
gegangen za sein. ELeüi ^(^tdicheB £lfiinentareragirif^ 
hat die Bewohner Fon G«hre& znr Flaclit Feranlaßt 
Was sie bewogen, ihre Heimat aulkogel^en , ist ni' 
klar. Das Klima ist minder rauh, als das des obers 
Goms; denn der Hnngertierg schiit^ trefflich Gehren 
vor den kalten, seharfm HoirdoBtwmden , welehe 
die offene Ehoneebene bis Münster so unwirthlkä 
machen. 

Der Boden aber ist bis xxl ^en Alpen Ton LSagis 
und Dähli hinauf frnektbar und ziemlich tiefgründig. 
Lauinen endlich majrihmi den hier in Frage kommendmi 
Theil des Thals et^ imsicher, seit man ans kurz- 
sichtiger Geldgier vor etwa 50—60 Jahr^i dm»li 
bedeutende Kahlschlage den sokirm^dfia Waldmantel 
fast gänzlich vernichtet hat. — r Gienog, hento ist 
Gehrendorf nur zeitweilig bewohnt; es ist zu einer 
Art Yoralpe geworden. Auch das ehrwürdige Rath- 
haus hat man leider noch im letzteii Mensehenalter 
auf Abbruch nach Obergestela verkauft« 

Touristen, die sich einen Einblick in unser Thal 
verschaffen wollen, würde ich rathen, zunächst den 
höchst lohnenden Hung^berg zu besuchen. Unschwierig 
gelaugt man von hier ziemlich stell ansteigend — der 
ganze Berg ist Heuberg, im Juli gdit maa durch ein 
wahres Blütibenmieer -r* über den obersten Theil der 
Längisalpe zum höchsten Punkt des geologisch in- 
teressanten Längisgrats (2800 ^), welcher gemäß seiner 
vorgeschobenen Lage eine weite und schöne Aussicht 
bietet. Auch der Schaf berg (2756™) ist besuehens- 
werth. Ohne große Mühe erreicht man von letzterem 



Ai4S den Cromserbergen. 115 

«18 den Punkt 2994 nordwestlich vom Mutthorn mit 
prächtiger und interessanter Aussicht. Das Mutthorn 
selbst wird am besten über Saas erstiegen , es ist 
sehr beschwerlich^ über schändliche^ lose Blöcke kommt 
man mühsam zur Spitze. 

Von der schönen und ausgedehnten Dählialp führt 
ein guter Weg direct in's Gehrenthal hinab; die 
sonnige windgeschützte Kumme, in der man hinab- 
geht, ist mit einer außerordentlich üppigen Vegetation 
Tersehen. Die Dählialp gehört nach Obergestein, die 
Hoch in der Thalsohle vorhandenen Alpweiden werden 
von der genannten Alpe aus befahren. 

Der Gehrenpaß wird gegenwärtig nur selten be- 
gangen. Seitdem der Siediengletscher so sehr zurück- 
gegangen und überhaupt das obere Thal so ver- 
wildert ist , bietet er für einfache Bergwanderer 
verhältnißmäßig viel Schwierigkeiten. Schon die lieber- 
schreitong des reißenden Saasbachs ist nicht leicht; 
der aus dem Val Bedretto Kommende wird im Hoch- 
sommer nicht hinüber gelangen können. Ich möchte 
deßhalb im Folgenden auf einen minder mühsamen 
üebergang in's Tessin aufmerksam machen. Er fahrt 
durch das Gornerli, jenes linke Seitenthal von Gehren, 
welches von diesem durch das Mettlihorn und dessen 
Biedere Ausläufer getrennt wird. Direct südlich von 
Gehrendorf stürzt der mächtige Gomerlibach in male- 
rischen Fällen in die tobende Elma. 

Man geht über die Brücke auf das linke Ufer des 
letztgenannten Baches, binnen wenigen Minuten trifft 
ein schmaler Viehweg rechts auf das in's Hauptthal 
führende Sträßlein. Dieser führt durch üchten Wald 



116 G. Kamiah. 

in mäßiger Steigung zur Gornerlialpe Es ist eine 
liebliche grüne ThalmuWe, das Gornerli, im Nord- 
westen von dem ziemlich steilen Abfall der Blasalpe, 
im Südosten von dem sanft ansteigenden Rücken 
eingefaßt, aus dem sich dann das Mettlihorn erhebt. 
Binnen Kurzem wird die Landschaft wilder. Die jähen 
Fluhwände des massigen Mettlihorns und der arg 
zerrissene , oben mit sehr zerspaltenen Hänge- 
gletschern, unten mit rauhen Trümmerhalden bedeckte 
Grat, der sich vom Pizzo Gallina nordwestlich bis 
zu den Blashömem hinzieht, bilden die Umgebung 
des steiniger und unfreundlicher werdenden Thaies. 
Mehrere kleine Bächlein eilen in schönen Cascaden 
von Westen her dem Gornerlibach zu. Den Hinter- 
grund bildet im Süden der Thalgletscher, hinter dem 
sich der dunkele Grat zwischen Pizzo Nero und 
Gallina — unser Uebergang in's Val Bedretto — 
deutlich abhebt. In schneereichen Jahren ist auch 
hier besser gehen; leider ist der Gornerligletscher 
wie seine Nachbarn sehr zurückgewichen , so daß 
man allzu lange auf dem widerwärtigen Geröll mar- 
schiren muß. 

Vom Pizzo Gallina und seinen nördlichen Aus- 
läufern stürzen Tags über fast fortwährend Steine 
auf den Gletscher; weit minder tritt auf der West- 
seite des solideren, breiteren Mettlihorns Steinschlag 
auf. Auf dem unteren Theil des Gletschers kommt 
man schnell vorwärts; der obere dagegen ist sehr steil. 
Man thut gut, sich etwas östlich zu halten, um den Grat 
an dem Punkte zu erreichen , wo er am bequemsten zu 
erklettern. Vom Gornerligletscher wird man nach lieber- 



Ätis den Gomserbergen. 117 

schreitung des Verbindungsgrates zwischen Pizzo Nero 
und dem Mettlihorn unschwierig zum Siedeingletscher 
gelangen. Unser Grat ist nicht aus nackten jähen 
Wänden gebildet, sondern das Gestein desselben ist 
mit Geröll, ja an einigen Stellen mit Erde bedeckt, 
80 daß man trotz der sehr starken Neigung zwar 
mühsam, aber ohne sonderliche Schwierigkeiten hinauf 
gelangt. In normalen Jahren wird diese etwa 50 — 70™ 
ob dem Gletscher sich erhebende steile Geröllwand 
mit fimhartem Schnee bedeckt sein. Dafür spricht, 
daß ich keine Spur von Vegetation fand. Auf dem 
Kartenblatt St. Gotthard ist unser Uebergang als voll- 
kommen vergletschert dargestellt und zwar auch die 
sanft geneigte Südseite. Dieses Jahr waren auf letz- 
terer gerade unmittelbar unter der Paßhöhe nur einige 
Schneelager von geringer Ausdehnung zu finden, welche 
mehrere ziemlich tiefe Wasserlachen speisten. Von 
Oberwald bis zum Punkt 2761 habe ich 4^4 Stunden 
Marschzeit gebraucht. 

Die Aussicht auf die Tessiner Alpen ist schön; 
will man von den Bemer und Walliser Gebirgen 
etwas sehen, so muß man eine kleine Strecke an den 
auf einander gethtlrmten Blöcken , aus denen die 
Westseite des Pizzo Nero besteht , emporklettem. 
Dieser Berg, welcher für gewandte Kletterer nicht 
sehr schwierig zu besteigen sein wird, muß eine vor- 
treflFliche Rundschau bieten Noch großartiger wird 
diese allerdings vom Pizzo Gallina (3067™) sein, 
der anscheinend seinem Bezwinger sehr viel Mühe 
machen dürfte 

In das Bedrettothal ziehen sich vom Punkt 2761 



118 G. Kamiah, 

magere Weiden und Steinhalden herunter. Als Rück- 
weg nach Oberwald benutzte ich den leicht zu er- 
reichenden Nufenenpaß, da mir der Gehrenpaß der 
großen Schwierigkeiten halber, welche das Passiren 
der inzwischen mächtig angeschwollenen Bäche ver- 
ursachen mußte, dazu nicht räthlich erschien. 

Meines Wissens hat der eben beschriebene Ueber- 
gang aus dem Gomerlithal in das Val Bedretto keinen 
Namen; ich möchte daher vorschlagen, ihn vorläufig 
Gomerlilücke zu nennen. 

In der vom Monte Botondo in westlicher, bzw. 
nordwestlicher, Richtung auslaufenden Bergkette bildet 
vor dem Abfall in's Eginenthal die letzte hervorragende 
Erhebung das Blashom (2814"*). Trotzdem es weit 
leichter zugänglich ist, als die übrigen, meist aus un- 
sicher zu beschreitenden Blöcken bestehenden Gipfel der 
bezeichneten Kette, und es seiner Lage gemäß eine 
vortreffliche Aussicht bieten muß, ist es sehr selten 
von Touristen besucht worden. Auf steilen Pfaden 
durch verhältnißmäßig gut bestandenen Wald erreicht 
man die große krautreiche Blasalpe, welche halb zu 
Oberwald, halb zu Ulrichen gehört. Die steinige 
Kumme „im Bruch^ links lassend, ging ich zu jenem 
geröllreichen und unebenen Gelände , welches den 
merkwürdigen Namen KalkenMeähof (nicht Falken- 
friedhof , wie auf Kartenblatt Obergestein angegeben 
ist) führt. Ob der Name daher rührt, wie Bauern 
aus Ulrichen erzählen, daß die hier vorkommenden 
Kalksteine in den Spalten und Höhlungen, die sich 
ab und zu bildeten, versänken, will ich ebenso wie 
die Richtigkeit der angeführten Erscheinungen dahin- 



Am den Gomserbergen, 119 

gestellt sein lassen. Für Geologen wird diese Gegend 
inanerhiB ein gewmes Interesse haben. 

Ein Felskamm tbeilt den Blasgletseher in eine 
große östliche und ^ne bedeutend kleinere westliehe 
fiälfke. Auf letzterer stieg ieh empor, ttbersohritt den 
Grat und erreichte von Südwesten her das Hörn. 

D^i Glanzpunkt der Aussicht bildet der Bliek 
aof die östlichen Bemer Alpen und das Triftgebiet. 
Die westliche Seite des Gotthardstocks zeigt sich in 
ihrer ganzen abstoßenden Wildheit. Die Walliser 
Gebirge sind durch Blindenhorn und Merzenbaebschien 
zum Theil verdeckt. Einen sehr guten Einblick be* 
kommt man in jene wenig bekannten Berge, welche 
den Griesgletscher im Norden begrenzen. 

Unmittelbar südöstlich, nur durch eine unbedeu- 
tende Einsattlung getrennt vom Blashorn, erhebt sich, 
anscheinend aus losen, auf einander gethürmten Blöcken 
zusammengesetzt, in kühner Form ein Hörn — Punkt 
3000 des Kartenblattes Gotthard — welches angeblich 
noch nicht bestiegen sein soll. 

Südlich des Blashorhs und westlich jenes zuletzt 
erwähnten Berges sind steile und rauhe Trttmmer- 
halden; auch das Saas, heute noch eine mit Steinen 
übersäete magere Schafalpe, wird sich in nicht allzu 
ferner Zeit in eine Schutthalde verwandeln. An den 
Westseiten des vom Pizzo Gallina sich zu unserm Berge 
hinziehenden Grates hangen noch unbedeutende, offen- 
bar sehr zurückgewichene Gletscherlappen. Auch vom 
Eginenthal wird daher eine Besteigung der hervor- 
ragenden Punkte dieses Grates außerordentlich müh- 
sam sein. 



120 G. Kamiah, Aus den Gomserbergen, 

Den Rückweg nahm ich über den östlichen Thei! 
des Blasgletschers, die wenigen Spalten wurden leicht 
übersprungen; über die widerwärtige Gandecke und 
abschüssige Hänge schnell hinwegeilend, stand ich 
binnen Kurzem wieder auf dem grünen Rasen der 
Blasalpe. Auch sie liegt dieses Jahr, wie die Mehr- 
zahl der Gomseralpen, still und öde da, keine Heerde 
belebt sie. Die leidige Seuche hat bald nach der 
Alpfahrt Alles von der lustigen Höhe in's enge Dorf 
zurückgetrieben. Für die Gemeinden des obern Goms,. 
die so reich an Alpen, aber arm an Thalgütem sind, 
ein schwerer Schlag. 



Das Bietschhorn über den Westgrat. 

Von 

C. Anders in Berlin (Section Biel). 



Bei den verhältnißmäßig seltenen Besteigungen 
des Bietschhoras — 1885 fanden deren nur drei 
statt — pflegt der von der Spitze nordnordwestlich 
zum kleinen Nesthorn herabziehende Grat bis zum 
Gripfelpunkt 3953" verfolgt zu werden, während der 
von letzterem westsUd westlich gegen das Bietschjoch 
abzweigende sogenannte „Westgrat" nur vereinzelt 
als Zugang benutzt wird. Der Erste, welcher über 
ihn zur Spitze gelangte , war Herr von Fellenberg 
am 19. August 1867 , der dann auf L. Stephen» 
Nordgrate, dem jetzt üblichen Wege, zum Nestgletscher 
abstieg. ^) In umgekehrter Richtung wiederholten diese; 
Tour Miss Brevoort und Mr. W. A. B. Coolidge (der 
jetzige Präsident des A. C.) am 20. September 1871 ; 
sie führten damit den ersten und bis jetzt einzigen 
Abstieg über den Westgrat aus. Erst 13 Jahre später^ 
am 24. September 1884, wurde Fellenberg's Anstiegs- 

^) S. Jahrbuch des S. A. C, Bd. VI, pag. 153 flf. 



122 a Anders. 

route wieder eröflFnet, und zwar von Schweizer Clubisten, 
-den Herren Guglielminetti und J. Seiler. Als Dritter 
folgte am 12. August 1885 Mr. H. Wodley aus 
Manchester mit den Führern Franz Burgener und 
R. Antliamatten. Die nachstehend geschilderte Be- 
steigung des Bietschhorns von Westen ist demnach 
<die vierte. 

Ursprünglich war es meine Absicht gewesen, in 
•die Fußstapfen der Herren Schulz , Purtscheller und 
Zsigmondy zu treten *) und dem Bietschhorn von 
"Süden beizukommen , und als ich am 16. September 
1885 von der Spitze des Weißhorns den gewaltigen 
Absturz des Berges in's Bietschthal mit dem Femrohr 
«tudirte , machte ich meinen Führern Job. Keder- 
hsLcher aus der Ramsau und A. Gentinetta von Glis 
allen Ernstes einen dahingehenden Vorschlag. Beide 
wollten jedoch nichts davon wissen, da der massen- 
haft gefallene Neuschnee, der uns schon so viel zu 
schaffen gemacht, in jenen Wänden gefährlich werden 
wTürde; zudem wären die Tage für einen solchen, 
sicherlich 12 Stunden erfordernden Aufstieg zu kurz, 
und die Nacht würde uns auf der Nordseite über- 
raschen. So entschied ich mich denn für den West- 
grat, welchen mir Gentinetta als den schönsten und 
sichersten Weg zur Spitze rühmte. Ich begab mich 
daher mit Kederbacher, Gentinetta und Peter Ruppen, 
der sich uns in Visp als Freiwilliger angeschlossen hatte, 
am 21. September nach dem Lötschenthale, der Ope- 
rationsbasis für die Bietschhornstürmer. An einem 



1) S. Jahrbuch des S. A. C, Bd. XX, pag. 60 flf. 




Das Bietschkom über den Westgrat. 123 

frischen, prächtigen Herbstmorgen trafen wir nach 
«iner vierstündigen , genußreichen Wanderung von 
Gampel aus im Hotel Nesthom ein. Herr Lehner 
irar sichtlich erschrocken, als er unvermuthet vier 
hungrige und proviantbedürftige Leute in sein ein- 
«ames Haus einrücken sah. Denn bei der vorgeschrittenen 
Jahreszeit hatte er seine dienstbaren Greister bereits 
entlassen, seine Frau war abwesend, und so ruhte 
Äe ganze Last auf seinen Schultern. Es blieb uns 
daher reichlich Zeit, das Bietschhorn, dessen stolzen, 
pyramidalen Bau wir so oft von den Höhen des 
Wallis aus bewundert, auch von dieser Seite auf- 
merksam zu betrachten. Ganz einfach ist das nicht, 
denn man muß den Kopf gehörig in den Nacken 
legen, um das Auge in einen Sehwinkel von über 
30 ® hineinzuzwingen, in welchem sich der Berg über 
der Lonza erhebt. Sichtbar ist nur seine Nordspitze, 
in welcher zwei Grate von Nord und West sich recht- 
winklig treffen. Der nördliche Grat scheint, weil in der 
Verkürzung gesehen, ungewöhnlich steil ; der Westgrat, 
der sein Profil zeigt, sieht weniger jäh aus, obwohl 
der durchschnittliche Neigungswinkel seines Felsen- 
kammes den der nördlichen Eisschneide um 6 ° über- 
schreitet. Auch ist er viel zerrissener, als der Nord- 
grat, in unzählige Zacken und Thürme, ein ganzes 
Gensdarmeriecorps , zerspalten; und ich kann dem 
ürtheil Hm. v. Fellenberg's nicht zustimmen, der den 
Westgrat für weniger zerrissen, „ganzer" als den Nord- 
grat erklärt. ^) 



V, Fellenberg a. a. O. pag. 155. 



124 C. Anders. 

Von meinen Führern kannte ihn nur Gentinetta, 
der ein Jahr zuvor die HH. Seiler und Guglielminetti 
im Sturm und Nebel über ihn hinaufgeleitet; mein 
deutscher Landsmann Kederbacher war gleich mir 
zum ersten Male im Lötschenthale. 

Spät , erst um 4 Uhr Nachmittags , wurden wir 
flott , überschritten die Lonza und begannen auf 
steilem, anfänglich gutem Pfade, der aber auf der 
Excursionskarte nicht eingezeichnet, durch den Nest- 
wald zur Schutzhtitte empor zu klimmen. *^s war 
ein langsames, mühsames Steigen in der Nachmittags- 
hitze, und die Sonne war bereits hinter dem Balm- 
hom verschwunden, als wir das solide, aus Holz 
gezimmerte Häuschen auf Hohwitzen 2573™ erreichten. 
Nur am Bietschhorn, dessen nordwestliche Eishänge 
uns zugekehrt sind, leuchtete es noch purpurn, wäh- 
rend das Thal und der jenseits es begrenzende Firn- 
wall des Petersgrates schon in Dunkel gehüllt waren^ 
Als aber der Schlummer auch den Herrscher von 
Lötschen umfing, übergoß der fast volle Mond die 
ostwärts blickenden , schneegebänderten Flühe des 
Balmhorns mit seinem silbernen Lichte. 

Am folgenden Morgen verließen wir die Hütte 
nach einem langen, vortrefflichen Schlafe erst um 5. 10, 
bei beginnender Dämmerung. Als der Tag anbrach, 
kalt und wolkenlos, hatten wir die Geröll- und Schnee- 
felder passirt und kletterten bereits in den roth- 
braunen Felsen des Schaf berges. An einem der scharf- 
kantigen Blöcke verletzte sich Gentinetta einen Finger 
der rechten Hand; eine sofort um die Schnittwunde 
gelegte Mullbinde stillte jedoch die Anfangs sehr 



Das Bietschhom über den Westgrat. 125 

starke Blutung. Trotz des durch diesen kleinen Unfall 
l)edingten Aufenthalts erreichten wir schon um 6. 40 
tue Höhe des Bietschjochs 3240 °i. Wie mit einem 
Zauberschlage öffnete sich die Aussicht gegen Süden 
auf die unvergleichliche Kette vom Fletschhorn bis 
zum Weißhom, die strahlend in der Morgensonne, 
^er für sie günstigsten Beleuchtung, über dem Bietsch- 
tliale schwebte. Aber ihre herrlichen Gipfel sind heute 
nicht, wie sonst vor Wochen, unser Ziel, sondern 
das Bietschhorn, das dort im Osten, scheinbar ganz 
nah, noch 700"* über unserm Standpunkt aufstrebt. 
Das noch festgefrorene, circa 600™ lange Firnfeld, 
welches uns noch von ihm trennte, wurde rasch durch- 
schritten, und um 7 Uhr erreichten wir den Punkt 
3241 der Excursionskarte , den Fuß des hier wenig 
höheren Westgrates. Bald standen wir auf seiner 
Anfangs breiten Kante und begrüßten den bis dahin 
unsichtbaren Grand Combin und den Montblanc. Von 
nun an aber trat der Genuß der Aussicht in die zweite 
Linie, denn die Gratwanderung nahm die ganze Auf- 
merksamkeit in Anspruch. Zwar war sie vorläufig so 
ungefährlich, daß wir uns nicht einmal an das Seil 
banden; aber die wie in einer Moräne lose über 
«inander geschichteten, grauen Granittafeln verlangten 
eine behutsame Behandlung, sollte man nicht zwischen 
ihnen wie in einer Fußangel hängen bleiben. Eine 
Zeit lang sprangen wir so auf der Gratkante von 
Block zu Block , allmälig zwang uns jedoch die 
zunehmende Zerklüftung des Grates, ihn zu verlassen 
und dicht unter ihm an seinem südlich dem Bietsch- 
thal zugewandten Hange zu traversireu. Nach Um- 



126 C. Anders. 

kletterung vieler vorspringender Ecken tlbersehrittea 
wir um 8 Uhr die Stelle, wo das erste riesige Couloir 
der südlichen Bietschhomwand mündet ^), in dem die 
Steinlawinen donnerähnlich krachten. Im Gefühle der 
Sicherheit vor diesen ärgsten Feinden des Bergsteigers 
rasteten wir, wenig unter dem Grat bei 3510™ An.^ 
und verweilten angesichts des immer kolossaler sich 
gestaltenden Hauptgipfels 15 Minuten. Der Tag blieb 
klar, wie er begonnen, und immer wieder hingen 
unsere Blicke bewundernd an den edlen Berggestalten 
der Penninischen Grenzkette. Sie blieben uns während 
der ganzen Besteigung treu , und es ist dies ein 
Hauptvorzug der Anstiegsroute über den Westgrat^ 
während dem von Norden kommenden Wanderer die 
Aussicht nach Süden sich erat vom Gipfel aus er- 
schließt, d. h. für eane stets sehr kurze Zeit. Sodaas 
ging es weiter, bald über den schartigen Grat, bald 
an seiner Flanke ; das Bietschthal, in das wii' unbe- 
kümmert zur Rechten hinabschauten, sank tiefer und 
tiefer. Schwierigkeiten hatten wir bis dahin noch nicht 
vorgefunden, denn die Felsen waren Üb&t Erwarten 
günstig, weder beschneit noch übereist. Doeh mahnte 
ihre Zerspaltung in unzählige Tafeln, ihnen nicht 
allzusehr zu trauen; oft wackelte ein Yorsprung^ 
an dem wir uns empor^ogen, in bedenklicher Weise 
oder blieb uns gar in den Händen, Bei 3700" An» 
machten wir um 9. 15 eine zweite Bast Von nun as 
wurde das Terrain schwieriger und wir banden ans 

^) Auf dem Titelfaolzsehnitt des Jafarbnoh XIX kt ^er 
große Grrat zur Linken der Westgrat, dessen oberer TleS 
durch die großen Felsrippen der Stidwand ver4eckt ist. 



Bas Bietschhorn über den Westgrat 12T 

aa's Seil, voran Kederbaeher, der schon bis dahiu 
geführt, dann Gentinetta, ich und Rappen. Die Platten 
des Hanges häuften sich, doch wurde eine naeh der 
mäem durch sorgfältige Spannung des Seiles tiber- 
wimden. Nachdem wir uns noch einmal horizontal 
um eine Kante geschoben, faßten wir um 10. 30 am 
Fuße eines rostfarbenen Gratzackens Posto , nicht 
auf dem Grate selbst, sondern etwa 20™ unter ihm^. 
auf der SUdseite bei 3790» An. Wir befanden una 
also jetzt unter Fellenberg's „rothem Thunn" ^), d. h* 
an der für den glücklichen Ausgang unseres Unter- 
nehmens entscheidenden Stelle, die sich auf der Ex- 
cflrsionskarte über der Zahl 5 der Höhenquote 3953 be- 
finden muß. Gerade vor uns erblickten wir den nörd- 
lichen Vorgipfel, zu dem in dem Winkel zwischen dem 
großen Westgrat und einem Spom des in's Bietsch- 
thal abstürzenden Südgrates ein grabenähnliches Fels- 
couloir emporleitet. Durch diese steinschlaggefährdete 
Gasse hat sich Herr v. Fellenberg einen DurchpalJ 
erzwungen, da ihm die Strecke des Westgrates Ober- 
leib des rothen Thurms unpassirbar schien. Nach 
seiner packenden Schilderung in dem mehrfach citirten 
Jahrbuch war diese Umgehung höchst mißlich; denn 
als er mit seinen Leuten nach einer schwierigen 
Kletterei auf „Matterhoniterrain" die Tiefe des Cou- 
loirs en*eieht hatte, lösten sich Steine vom Westgrate 
ioB und flogen über ihre Köpfe hinweg. Auch Coolidge 
i«t bei seinem Abstiege von Chr. Almer durch dajk 
gleiche Couloir hinabgeführt worden, und ebenso sind 



V. FellABbercr. Jahrbaeh VI, S. 159 ff. 



128 a Anders, 

die beiden späteren Partien dort hinaufgegangen. 
Die Frage , ob wir demselben Weg folgen sollten 
oder nicht, wurde bald gelöst; während wir nämlich 
die verrätherische Schlucht mißtrauisch betrachteten, 
prasselte ein Steinhagel durch sie herab, die eindring- 
lichste Mahnung , jeden Versuch , das Couloir zu 
-queren, von vorneherein aufzugeben. Blieb nur noch 
-die vielgezackte Gratlinie zwischen dem „rothen 
Thurm" und dem nördlichen Vorgipfel. Von ihr trennte 
uns eine etwa 20" hohe, von schmalen, schräg auf- 
wärts ziehenden Runsen durchsetzte, ziemlich senk- 
rechte Felswand von rothbrauner Farbe. Sie zu er- 
klimmen , machten wir uns ungesäumt an*s Werk. 
Während Gentinetta , ich und Ruppen in guter 
Stellung den Fels zur Linken umklammerten, kletterte 
Kederbacher kühn und sicher hinauf; als etwa 15" 
^eil zwischen ihm und mir abgelaufen — Gentinetta 
hatte sich losgebunden und ließ das Seil abspielen — 
rief er uns zu, nachzukommen. Bald standen wir bei 
ihm und kurz darauf, um 10. 50, vereint auf dem 
Westgrat 3810» An. Etwa 100" tiber uns, in ost- 
uordöstlicher Richtung, erhob sich der nördliche Vor- 
gipfel, d. h. das Ende unseres Grates, und zu ihm 
führte ein schmales , zerfressenes Felsensträßchen, 
das wir nun vorsichtig betraten. Das Aufrechtgehen 
wurde auf Kederbacher's Kommando vorläufig ver- 
pönt: rittlings und bäuchlings passirten wir 5—6 
kleine Zacken, bis wir vor einem größeren, mitten 
aus dem Grate hervorwachsenden Gensdarmen an- 
langten. Dieser ließ sich nach rechts hin umgehen, 
xlann kam noch «eine Platte, die ein Herumschwingen 



Dos Bietschhom über den Westgrat 129 

nach rechts erforderlich mächte, und um 11.20 standen 
wir anf dem langersehnten nördlichen Vorglpfel, ca. 
3920« An. Vom Fuß des „rothen Thurmes" bis 
hierher hatten wir 50 Minuten gebraucht und damit 
eine neue, leichtert und ganz gefahrlose Passage 
«ntdeekt. Denn Hm. ▼. Fellenberg kostete der gleiche 
Abschnitt der Best^gung 1 ^.'2 Stunden. Waren wir 
bis jetzt stets östlich Yorgertlckt, so hieß es nun 
rechtsum machen und über den südlich streichenden, 
ca. 200» langen Gipfelgrat der eigentlichen Spitze 
des Bietschhoms 3958'" zustreben. In einer halben 
Stunde war auch dieser letzte, viel geschilderte Gang 
gethan: um 11.50 stießen wir unsere Pickel in eine 
mäditige Schneehaube, auf welcher mein Aneroid, 
das seit dem Verlassen des Kordgipfels um 30"^ 
gestiegen, uns anzeigt, daß wir den höchsten Punkt 
des Bietflchhoms erreicht haben nach 5 Stunden fast 
imonterbrochenen Steigens vom Bietschjoch. Wir 
waren Alle ganz Mach und in heiterster Stimmung; 
ieh sdireibe diel dem ausgezeichneten Schlafe zu, 
dessen wir uns auf der Bietschhomcabane zu erfreuen 
gehabt. So konnten wir mit hellen Augen die wolken- 
lose Aussieht betraditen, die nur dann einen wahr- 
haften, nachhaltigen Genuß gewährt, wenn die Seele 
von keinem körperlichen Mißbehagen gestört wird. 
Gegen Nordosten grüßten uns die Bemer Alpen, 
deren Hauptspitzen leider durch secundäre Ketten 
verkümmert sind. Jungfrau und Mönch vermögen noch 
gerade über dem Mittagfaorn und der Ebnefluh her^ 
vorzusdien, nur das Aletschhom, auf dem wir vor 

vier Wochen geweilt, steht greifbar nah vor uns, 

9 



130 C. Anders. 

eingerahmt von den uns mehr genäherten Lötschthaler 
Fimhäuptem, dem Breithom und Nesthom. Seiu 
wunderbar harmonischer Bau läßt uns vergessen, das» 
es den Herrscher Finsteraarhorn neidisch verdeckt. 
So ist die Aussicht vom Bietschhom auf die Bemer 
Alpen etwas beschränkt, keinesfalls reicht sie an die 
des Aletschhorns heran, das vermöge seiner centralen 
Lage den instructivsten Einblick in das Gletscher- 
labyrinth seiner Umgebung gestattet. Gegen Süden 
steht dagegen das Bietschhorn freier, als sein Rivale. 
Nur durch das Rhonethal von uns geschieden, breitet 
sich der herrliche Grenzwall gegen Italien vom Monte 
Leone bis zum Montblanc zu einer leuchtenden Perlen- 
schnur aus, in welcher wir jedoch zwei alte Bekannte, 
Monte Rosa und Matterhorn, vermissen. Mischabel 
und Weißhom entziehen sie unsem Blicken; zwischen 
diesen riesigen Vorposten treten aus der südlich zurück- 
liegenden Centralkette der Lyskamm, die Zwillinge 
und besonders schön das Breithorn hervor : sie schließen 
das Zermatterthal , von dem wir einen großen Theil 
tiberblicken. Das Matterhorn ist zuverläßig nicht sicht- 
bar, wie Hr. v. Fellenberg meint, denn fünf Tage 
zuvor hatten wir von ihm aus das Bietschhom ver- 
geblich gesucht. Dagegen zeigt sich deutlich die 
dunkle, dreikantige Pyramide der Dent blanche, die 
wie ein finsterer Loki neben dem reinen Baidur Weiß- 
horn steht. 

Nachdem wir so eine Stunde geschwelgt, hieß es 
scheiden, wie immer zu früh. Um 12. 50 schritten 
wir den zerscharteten Klippenpfad zum Nordgipfel 
hinab und erreichten die Vereinigung des West- und 



Das Bietschhom über den Westgrat 131 

Nordgrates um 1.7. Einen Augenblick schwankten 
wir, ob wir nicht über ersteren wieder absteigen 
sollten, wie Kederbacher und Gentinetta mir anriethen; 
ich bestand jedoch meinerseits auf dem Nordgrat, 
da ich beide Gipfelwege kennen lernen wollte. So 
betraten wir denn den scharfen Eisfirst, auf dem der 
eisenbewehrte Schuh nicht den geringsten Eindruck 
hinterließ, so daß die Axt in ihr Recht treten 
mußte. Schweigend hieb Gentinetta, der voran- 
ging, mächtige Stufen in die Schneide selbst, eine 
harte und beim Abstieg gefährliche Arbeit. Wir 
rückten äußerst langsam von der Stelle, und Keder- 
bacher, der in der Nachhut sich am meisten gedulden 
mußte, ehe wieder eine Anzahl guter Tritte herge- 
stellt war, hieß uns das zeitraubende Stufenschlagen 
aufgeben, die Eisschneide rittlings nehmen und so 
ein Stück weit hinuntergleiten. Diese Episode ist 
mir in der unangenehmsten Erinnerung; einmal fand 
ich es ziemlich schwierig, in der richtigen Balance 
zu bleiben, und dann hatte ich Empfindungen, ähnlich 
wie auf einem hochtrabenden, mit spitzem Rücken 
begnadeten Pferde. Dem Verlieren des Gleichgewichts 
beugt man am besten vor, wenn man den Pickel 
fest zwischen die Beine auf den Grat pflanzt und 
gleichsam als Bremse benutzt; gegen die zweite 
Fährlichkeit weiß ich kein Mittel — es müßte denn 
das sein, sich nicht in solche Lagen zu begeben. 
Endlich brach die Gewächte so steil ab, daß wir 
die Reitkunststücke auf diesem Riesenfirst, dessen 
Stützen zu beiden Seiten, im Osten und Westen, 
2000 Fuß tief in den Firnmulden des Baltschieder- 



132 a Anders, 

und Neatgletöchers ruhen, nothgedrungen aufgeben 
mußten, und die dem letzteren zugekehrte Wand zur 
Linken zu Hülfe nahmen. Von oben fest am Seil 
gehalten, schlug Gentinetta in vertiealer Kichtung 
etwa zwanzig Stufen in die ca. 50"^ geneigte Flanke des 
Eisdaches, das Gesioht dem furchtbaren Abgrund zu- 
gewandt. Wir, die nur zu folgen hatten, nahmen die 
Eistreppe rücklings, vorsichtig unter den FüJien den 
nächsten Tritt erspähend, die Linke in die Stufe über 
uns stützend, während wir mit der Rechten das Beil 
vergebens in das harte Eis einzutreiben suchten. Vierzig 
Fuß mochten wir so dem spröden Firn abgerungen haben, 
als wir um 2.15 in den aus der Wand hervorbrechenden 
(auf der Karte eingezeichneten) Felsen Fuß faßten. Der 
erste, etwa 6™ hohe Absatz war senkrecht; das 
Gesicht gegen den Fels, den Pickel in horizontale 
Runsen zwängend, überwanden wir ihn glücklich, 
wobei Kederbacher, da: als Letzter, also nicht von 
oben am Seil gehalten, folgte, bewunderungswüi'dige 
Gewandtheit und Kaltblütigkeit entwickelte. Wir ver- 
ließen nun die vertlcale Linie und wandten uns nach 
rechts, zuerst in den bröckligen Felsen einige Zeit 
traversirend, dann von Neuem in die Firnwand über- 
gehend. Auch in ihr mußten wir die horizontale, d. h. 
die Traversirrichtung beibehalten, was bei der Sprödig- 
keit des Eises, wie wir sie vorfanden, und der über 
50^ betragenden Neigung des Hanges immer sehr 
mißlich sein wird. Wo es nur irgend geht, sollte 
man in blankem Eise vertical, sei es auf- od^ ab- 
wärts, vorrücken, da dann das Spannen des Seiles 
ein etwaiges Ausgleiten noch unschädlich macht. 



Das Bietschhom über den Westgrat 133 

Beim Traversiren ist diese Vorsichtsmaßregel fast 
ootzlos; denn verliert hierbei Jemand den Halt, so 
wird er stets um die Länge des noch so gewissen- 
haft gespannten Seiles zar Seite hinabstürzen und in 
den meisten Fällen seine Vor* und Hintermänner mit 
sich reißen, da auch diese in den Stufen nur dürftigen 
Halt haben und das Beil im blanken Eise als Rettungs- 
anker versagt. Wir waren uns der Gefährlichkeit 
dieses Manövers wohl bewußt und beobachteten die 
äußerste Vorsicht. Gentinetta hieb die Stufen so breit 
als möglich, gegen die Wand, die wir zur Rechten 
hatten, etwas geneigt, die für den Hnken Fuß be- 
stimmte ein wenig tiefer. Das dauerte wohl eine 
Stande lang, bis wir den sicheren Schneegrat wieder 
erreichten und bald darauf um 3.30 den Punkt 3712, 
wo derselbe westlich zum kleinen Nesthom umbiegt, 
betraten. Zwei Stunden 40 Minuten hatten diese 241 >" 
im Abstieg gekostet auf einem Grate, der die Länge 
von 650 ™ nicht Überschreiten wird. Wir gönnten uns 
denn auch nach diesem aufregendsten und für Genti- 
netta, der zwei Stunden lang Stufen sehlug, an- 
strengendsten Theile der ganzen Tour 25 Minuten 
Rast. Das Aletschhorn, das, sobald wir den Grat 
verließen, verschwinden mußte, blinkte in der nach- 
mittäglichen Süd Westbeleuchtung hoch und hehr über 
dem Doppelgipfel des Lötschthaler Breithorns; ihm 
galt mein Abschiedsgruß, als wir nun links in die 
ca. 400 ^ hohe Felswand ein- und zum Nestgletscher 
abstiegen. Um 4. 55 übersprangen wir die Randkluft, 
etwa in gleicher Höhe mit dem kleinen Nesthorn, und 
eilten dann über den ebenen Firnplan zum Bietsch- 



134 C. Anders, Das Bietschhom über den Westgrat. 

joch, wo wir 5. 32 eintrafen. Die Sonne ging pracht- 
voll unter und wir durften die herrliche Farbengluth 
bewundem, die sie an den Walliser Hochgipfeln ent- 
zündete. Erst als der letzte rosige Funke am Dom 
verglomm, wandten wir uns abwärts zur Hütte, bei 
der wir um 6. 55 wohlbehalten anlangten. 

Wenn ich mir ein ürtheil über die auf den beiden 
Graten zu überwindenden Schwierigkeiten des Terrains 
erlauben darf, so muß ich bekennen , daß uns der 
Nordgrat mehr Arbeit gemacht hat als der Westgrat. 
Wenn, wie es im Spätsommer wohl regelmäßig der 
Fall ist, am Nordgrat das blanke Eis zu Tage tritt 
und langwierige Stufenarbeit nöthig macht, so dürfte 
der Westgrat entschieden den Vorzug verdienen, nament- 
lich wenn man das steingefährliche Couloir am Rothen 
Thurm vermeidet. Der Zeitaufwand ist kein größerer 
als der für den Nordgrat erforderliche; denn wie aus 
folgender Distanzentabelle ersichtlich, betrug unsere 
eigentliche Marschzeit für den Westgrat 4 St. 15 M., 
für den Nordgrat 4 St. 17 M., also sogar im Abstieg 
etwas mehr. 

V. Fellenberg. Seilen Anders. 



^\m 



Marsch. Pause. Samma. 

St. M. St. M. st. M. St. M. St. M. 

Bietschjoch-Rother Th. 4. 30 3. — 2. 55 — . 40 3. 35 

Auf dem Rothen Thurm — — — . 20 — -.20 

Bis Nordgipfel ... 1. 30 — — . 30 — . 15 — . 45 

Bis Hauptspitze ... 1. 30 3. 10 —. 30 — —.30 

Aufenthalt 1. — ? (Sturm) — 1. — 1. — 

Bis Ende des Nordgrats 2.— 2.— 2.40 — 2.40 

Nestgletseher . ... — 1. 20 1. — — . 25 1.25 

ßietschjoch .... 2. 40 — . 40 — . 37 — — 3J 

In Summa . . . 13.10 10.10 8.22 2.20 10.52 

Aufstieg 7. 30 6. 10 4. 15 — . 55 5. 10 

Abstieg 4. 40 4. — 4. 17 —. 25 4. 42 



--•"s,- 



Doldenhorn und Fründenjoch. 

Von 

Dr. II. Dühi (Section Bern). 



Die Fahrten, die in den folgenden Zeilen dar- 
gestellt werden sollen, gehören nicht zu den hervor- 
ragenden Leistungen, deren Bericht in der ganzen 
clubistisehen Welt Aufsehen erregt; es sind bescheidene 
Gewinne auf einem bescheidenen Gebiet. Ein Interesse 
mögen sie darin haben, daß sie in einem viel be- 
gangenen Revier, das zudem zwei Jahre lang Club- 
gebiet gewesen ist, zwei Neuigkeiten bieten und den 
Satz zu bestätigen scheinen, daß in den Alpen die 
Aufgaben und die Resultate nie „alle" werden. Auch 
darin haben sie vielleicht etwas Pikantes, daß diese 
Nachlese zu den frühem reichen Ernten mit weiblicher 
Hülfe gemacht würde. Und schließlich kann ein Mit- 
glied der Berner Section eine gewisse Genugthuung 
darüber empfinden, daß es ihm vergönnt war, in den 
Bergen, welche das Arbeitsfeld eines Fellenberg, Gösset 
und Roth waren, noch etwas zu leisten. Doch zur 
Sache. 



136 H. Bubi, 

Ich hatte für den Monat Jali 1885 mit meiner 
Frau und zwei Buben von 5 und 4 Jahren in dem 
hübsch gelegenen und trefflich geführten Hotel Victoria 
in Kandersteg Quartier genommen, und wir benützten 
die vielen schönen Tage zu Ausflügen auf die benach- 
barten Alpen, zum Oeschinensee, auf die Gemmi und 
dergleichen. Es war lustig, das junge Blut in seiner 
naiven Freude an den Bergen zu beobachten und dem 
Jubel zu lauschen, mit welchem sie auf dem Blümlis- 
alpgletscher sich mitten im Sommer das Vergnügen 
einer Schneeballenschlacht bereiteten. Meine Frau 
seufzte wohl etwa, wie Tell's Gattin: „Die Knaben 
fangen zeitig an zu steigen"; aber die Natur kann 
man bekanntlich aucli mit der Gabel nicht avstreiben, 
und so ließem wir sie gewähren. Mit dem Führer 
Christian Hari hafte ich am 8. Juli von der oberen 

4 

Oeeehinenalp aus eine interessante Gratwanderung 
über DUndenhora oder Wittii^ Zahlersfaom und Birre 
mit Abstieg zum Oeschinensee gemacht. Hari hatte 
gefunden, da& ich ein schwacher £saer und ein starker 
Läufer sei; ich war also ffir größere Partien in guter 
Verfassung und somit fehlte blos die Qelegraheit, das 
heißt die Begleitung eines Freundes. Ich weiß nicht, 
wober ea kommt, aber ich gehe nngem mehr allein 
mit Führern, was früh^ orir die ersprießlichste Art 
des Bergsteigens schien. Die größere Behaglichkeit, 
welche eine vermehrte Gesellschaft zu suchen pflegt, 
und die Anregung von Gespräch und Widerspruch sind 
mir BedürfnÄß geworden. Da ein bewährter Berg- 
genosse, mit dem ieh die Blümlisalpgnq^ zu durch* 
wandern gedachte, wegen Geschäften ausblieb, so 



Doldenhom und Fründenjoch, 137 

entschloß sich meine Frau, mit mir zu gehen, nach- 
dem wir, Führer und ich, ihr hoch und heilig ver- 
sprochen hatten, daß wir nichts Abenteuerliches unter- 
nehmen würden. Wir leisteten tinsem Schwur in guten 
Treuen, aber yon Anfang an stimmte zu dieser ge- 
schwomen Vorsicht der Gedanke nicht, am Dolden- 
born einen neuen Abstieg zu versuchen, den Keiner 
von uns kannte. Christian Hari war auf der Jagd 
über dem Biberggletscher bis zu dem Kamm gegangen, 
der diesen von einem auf der Olubkarte unbenannten , 
im Mund der Jäger aber Faalengletscher geheißenen 
Firn- und Eisfeld zwiseben Hinterem Fisistock und 
Kleinem Doldenhorn trennt. Doch wurde nur gelegent- 
lich davon gesprochen, weil der Abstieg vom Dolden- 
hom nach dem Gasternthal nicht gemacht sei, und einen 
Theil unseres Programmes bildete dieser Weg nicht. 
Zur Ausführung der Doldenhornbesteigung verließen 
wir Freitag den 10. Juli spät im Nachmittag die gast- 
liche Victoria und schlugen, mit Proviant und Decken 
gut versehen, den Weg nach dem „Biberg" ein. Außer 
Christian begleiteten uns sein Bruder Hans and ein 
Knecht des Hotels als Träger. Unterwegs merkten 
die Mannen, daß sie notbwendiges Geräth, wie Pfanne^ 
,fKaeheli^ und Löffel vergessen hätten, und da denn 
Mangel unterwegs nicht abzuhelfen war, mußte Einer 
wieder smrllek. Die Folge war, daß wir Uebrigen 
langsam stiegen und auf der ersten Höbe eine Weile 
warteten, die Zeit vertreibend mit Gesprächen und 
TjSpiegeln" in's Thal hinunter, wo die Kinder munter 
bemmsprangen. Als die Karawane wieder beisammen 
war, wurde aufgebrochen. Die Alp Biberg ist ver- 



138 H, Dübi. 

lassen; man sagte uns, der Staat habe sie gekauft 
«nd wolle sie mit Wald bepflanzen. Gegenwärtig ge- 
^deiht wenigstens Buschwerk in ungehemmter Fülle. 
Hinter der Alp geht der Weg steil in die Höhe und 
^ald erreicht man eine obere Ten*asse dicht unter 
'der steil abfallenden Wand, über welcher die Fisi- 
alp liegt. Diese Terrasse wird sonst in östlicher 
Richtung tiberschritten zum Bivouak, das man ge- 
wöhnlich nahe der Moräne des Biberggletschers nimmt. 
Uns aber gebot ein sehr drohend aussehender Himmel, 
irgendwo an der vor uns liegenden Wand Deckung 
zu suchen. Wir fanden auch eine recht ordentliche 
Balm im Augenblick, wo sich die Schleusen des 
Himmels zu einem regelrechten Hagelwetter öffneten. 
Hätten wir nicht zum Glück unsere „Kacheli" ver- 
gessen gehabt, so hätten wir jetzt Regen und Schlössen 
^ktibelweise" zu kosten bekommen; denn ohne den 
dadurch verursachten Aufenthalt wären wir jetzt an 
dem gewöhnlichen Bivouakplatz , wo man kaum ge- 
schützt ist. Selbst da, wo wir waren, drohte eine 
Invasion der himmlischen Heerschaaren in unseni 
Lagerplatz. Wie ein Wasserfall kam es über die 
Platten des längs der Wand ansteigenden Bodens 
herabgeschossen und nur ein paar schnell gezogene 
Gräben schützten uns vor der (Jeberschwemmung. 
Rasch, wie es gekommen, war das Wetter auch vor- 
bei, und bald verkündete nur noch die weiße Decke 
in unserer Nähe und auf den gegenüberliegenden 
Bergen die Wirkung der verheerenden Elemente. 
Wir richteten uns für die Nacht ein. Die Führer 
schleppten einen alten Baumstamm herbei, der, in 



Doldenhom und Fründenjoch, 139 

Stücke geschlagCD, reichliche Feuerung lieferte. Der 
Träger wurde in's Thal entlassen und allmälig kam 
die Nacht herauf, still und feierlich, wie sie in solchen 
Höhen wirkt. 

Die Aussicht war ziemlich beschränkt, aber die 
Hoheit des Gebirges wirkte doch auf die Phantasie, 
and die Erinnerung so mancher schönen Stunde stieg 
mit alter Kraft in uns auf. Erst spät gelangten wir 
zur Ruhe und schliefen auf dem harten Felsboden 
«0 fest, daß die Führer Morgens Mühe hatten, uns 
2U wecken. Es war beinahe 5 Uhr als wir aufbrachen. 
Ein Theil des Gepäckes wurde hier zurückgelassen, 
80 wenig waren wir sicher, daß wir einen andern 
Rückweg nehmen würden. Ueber Schutthalden und 
Schieferplatten ansteigend, erreichten wir in drei 
Viertelstunden den gewöhnlichen Bivouakplatz , der 
nur den einen Vortheil bietet, etwas höher zu liegen. 
Die Stelle, wo wir übernachtet haben, ließe sich mit 
leichter Mühe etwas besser herrichten. Leider ist sie 
ohne Wasser. Gewöhnlich macht man die Besteigung 
von Kandersteg aus in einem Tage. Sind Damen 
oder schw^ächere Gänger dabei, so empfiehlt sich ein 
Bivouak. Die Besteigung des Doldenhoms geschah 
auf dem gewöhnlichen Wege via Spitzstein , wie sie 
in dem hübschen Werk „Doldenhom und Weiße Frau" 
von A. Roth und E. v. Fellenberg beschrieben ist. 
Nur daß wir bedeutend geringere Schwierigkeiten 
fanden, da Gletscher und Firn von außerordentlich 
günstiger Beschaffenheit waren. Der Aufstieg über 
die Trümmerhalden bis an den Rand des Gletschers war 
aber so mühsam und langweilig, daß der Versucher 



140 H. Dühi, 

wieder an uns herantrat und uns einblies, es wäre 
schöner und auch angenehmer, in's Gastemthal abzu- 
steigen oder wenigstens die Schafschnur am Oeschinen- 
see zu passiren. Von unserm Frühstöcksplatz istm 
Spitzstein konnten wir das Band deutlich sehen, das 
sich hoch über dem Biberggletscher um die Vorsprtfoge 
des „Doldenstoeks'' windet. Es schien nicht besonder» 
schwierig zu sein und schon damals stand eigentBch 
fest, daß wir es machen wollten. Der Aufstieg liher 
die verrufenen großen Schrttnde ging leicht von 
statten; aber da wir nicht schnell marschiTten , ßo 
tiberholte uns der leidige Nebel, der seit Stunden 
schon auf der Spitze des großen Doldenhorns hockte. 
Als wii 10*/2 Uhr auf der Einsattlung anlangten, 
konnten wir nur noch den schönen Blick auf die 
Walliser Alpen genießen, die Bemer waren schon 
ganz verhüllt und bald steckten wir selber im Nebel, 
der wenigstens den Vortheil hatte, daß er meiner 
Frau die Steilheit des Gehänges am Gipfel maskirte. 
Dieser wurde 11^/» Uhr erreicht. Nur hier und da 
erlaubte ein Windstoß einen kleinen Ausblick, der 
zu lebhaftem Käthen veranlaßte. Um 12 Uhr wurde 
wieder aufgebrochen. Der Abstieg geschah am Gipfd 
vorsichtig, von der Einsattlung weg schnell und bald 
waren wir unter den großen Schrunden. Nach kurzer 
Berathung wendeten wir uns links und gelangten 
über leichte Schneefelder an die Felsen des kleinen 
Doldenhoms, und an das auch auf der Excursioiifi* 
karte pro 1884 deutlich erkennbare Band. Ueber 
demselben steigen die Felsen des kleinen Doldenhoms 
steil empor ; unterhalb fallen steile Hänge mit Felsen 



Doldenhom und Fründefijoch, 141 

imd SclmeeriimeD auf den Biberggletacher ab, der Bich 
in der Tiefe ausbreitet Bis wir an die Ecke des 
FelsgeetelLs kamen, der auf der Fellenberg'schen 
Karte Doldenstock heißt und den Fuß des kleinen 
Doldenhorns bildet, ging die Sache rasch und leicht, 
aber von da wog änderte sich die Situation. Der 
Schnee reichte bis an die Felsen heran. Theilweiae 
deckte Eis die Felsen und bald aufwärts, bald ab- 
wärts kletternd auf schmalem Gesims und um unend- 
liche Vorsprtinge und Ecken herum verbrachten wir 
vielleicht zwei Stunden in starker Aufregung und 
«teigendem Aerger. Dio Kletterei war nicht leicht 
nsd wollte nicht aufhören. Meine Frau hielt sich 
tapfer und geschickt, aber begreiflich sehnte sie sich 
nach dem ihr versprochenen leichteren und bequemeren 
Abstieg. Statt dessen steckten wir in der Patsche 
und maßten wohl oder übel bis an's Ende gehen. 
Wohl ein Dutzend Mal hofften wir, daß die nächste 
Ecke die letzte sein würde (ein ruhiger Nebel nahm 
uns die Aussicht); anstatt dessen wurde der Halt 
am Felsen und auf dem abschüssigen Hange immer 
Fökärer. Endlich erreichten wir den sogenannten 
»Sparren", einen wunderlichen, dem Spitzstein ähn- 
lichen Felskegel, wo wir die Gastemseite und damit 
ftr uns das gelobte Land sahen. Aber der Marsch 
^ttrch die Wüste hatte uns verdrossen und Christiau, 
welcher uns denfidlfen angerathen hatte, bekam aus 
iartem Munde eine unzarte Strafpredigt zu hören, 
^e er mit Demuth entgegen nahm. Er hatte die 
^Traversirung beträchtlich tiefer und unter viel besseren 
^ingungen gemacht und gab zu, daß, hätte er die 



y 



142 H, DubL 

Situation genau gekannt, er einer Dame diese Kraft- 
leistung nicht zugemuthet hätte. Item, es war gemacht 
und nachträglich hat es uns nicht gereut. Unsere 
Eitelkeit war sogar geschmeichelt, wenn wir später 
in „Doldenhom und Weiße Frau" S. 11 lasen, daß im 
Jahre 1862 die Gesellschaft des Herrn v. Fellenberg 
vom Grat zwischen Faulen- und Biberggletscher aus 
den von uns gemachten Weg recognoscirt und auf 
dessen Begehung verzichtet habe, weil da alle practi- 
cable Verbindung fehle. Ich sage das keineswegs,, 
um uns zu rühmen. Die Gesellschaft des Herrn 
V. Fellenberg war besser zusammengesetzt als die 
unsrige und die Ersteigung des kleinen Doldenhomes 
vom Faulengletscher aus gewiß schwieriger als unsere 
Passage. Es scheint mir nur eines aus unserem Sieg 
hervorzugehen, daß in den letzten 20 Jahren der 
Begriff von practicabler Verbindung sich merklich 
verändert hat. 

Auf dem Faulengletscher beriethen wir, ob wir 
über die Lücke zwischen den Fisistöcken nach der 
Fisialp gehen wollten, von wo wir einen guten Weg 
in's Thal hatten. Die Führer riethen davon ab, weil 
wir in der zu passirenden Schlucht viel Schnee und 
Steintrümmer zu passiren hätten, und verhießen un& 
einen leichtern Abstieg in's Gasternthai. Aber auch 
das erwies sich als trügerisch. Eine Weile lang ging 
es freilich recht gut, trotz dem eintretenden Regen,, 
der den schmalen Pfad schlüpfrig machte. Aber als 
wir uns nun entschiedener der Tiefe zuwendeten,, 
hörte der Pfad stellenweise ganz auf und wir hatten 
über steile Gras- und Schutthalden stundenlang abzn- 



Doldenhorn und Fründenjoch, 143^ 

steigen, ehe wir die Thalsohle im Gasternholz er- 
reichten. Beim „Alpli" , einer erbärmlichen Weide- 
för Kleinvieh, bedrohten uns die Schafe, während: 
wir am Bache den brennenden Durst zu löschen 
trachteten, mit Steinfällen. In der Dunkelheit er- 
reichten wir Kandersteg, wo wir, wie billig, sehr 
angestaunt wurden. Die von uns gemachte Variante 
empfiehlt sich für Leute, die Abwechslung lieben. 
An sich ist sie länger und beschwerlicher als der 
gewöhnliche Abstieg, und wenn sie auch zum ersten 
Mal von einer Dame mitgemacht wurde, ein „Damen- 
weg" wird sie wohl nie werden. 

Der glückliche Erfolg hatte uns Lust zu Weiterem 
gemacht, und die Entdeckung, daß noch ein zweiter 
„neuer Weg" in der Gegend sei, spornte uns 8 Tage 
später zu einer neuen Unternehmung. Ich hatte vor 
Jahren via Oeschinenhorn die Einsattlung zwischen 
diesem Gipfel und dem Fründenhorn erreicht und 
war von da auf den Kandergletscher abgestiegen; 
Herr Löhnert war in umgekehrter Richtung vom 
Gastemthal zum Oeschinensee gelangt und dieser 
Paß galt uns als Frtindenjoch. Ich war daher sehr 
erstaunt, auf der Excursionskarte von 1884 diesen^ 
Namen in der Lücke zwischen Fründen- und Dolden- 
horn zu finden, und fragte in Kandersteg eifrig nach^. 
ob und von wem dieser üebergang gemacht worden^ 
sei. Die Antwort lautete von Führern und Wirths- 
leuten übereinstimmend verneinend. Herr Egger wußte 
zu sagen, daß sein verstorbener Bruder auf der Jagd 
von der Gasternseite her bis zu jener Lücke zwischen- 
Fründen- und Doldenhorn emporgestiegen sei, und 



144 H. Bubi, 

€hrigtian Hari wollte auf der Oeschinenseite bis 
FründengletBcher gekommen sein. Von einem l 
gang durch Touristen wußten beide nichts. Nun 
ich bei verschiedenen Gelegenheiten mit einem 
liehen Femrohr einen Felsenkopf, auf der Karl 
2569 ™ bezeichnet, gemustert, der zwischen den | 
steilen Enden des Fründengletschers liegt, i 
schien mir, daß, wenn man bis dorthin ge 
ikönne, die Paßhöhe leicht zu erreichen sein 
Die Gasterseite war nachweisbar nicht schwier 
so schien das Unternehmen nicht allzu gewagt. \ 
man vom „FrUndenjoch" der Karte nicht dir€ 
Gasternthai absteigen, so blieb ein Ausweg nach 
•oder links wohl immer möglich. Am 18. Juli ]!i 
4 Uhr machten wir Vier uns also auf den 
wieder entschlossen, alle Abenteuer zu ven 
und wieder dazu bestimmt, solche zu erlebei 
Wetter war schön, aber etwas warm schon 
Nacht. Am Stidufer des Oeschinensee's vorbei 
wir durch Knieholz, Alpenrosengesträuch und; 
über magere Schafweiden und Platten, mehrei 
traversirend, ziemlich rasch empor und erreicl 
der Stelle, die ^in den Frtinden'^ heißt, den 
Felswand, wo wir einen ersten Halt machte 
war ein hübscher Frühstücksplatz im Hintei 
eines Felsencircus , auf welchem sich Schal 
^Gemsenfreche" herumtrieben. Nach kurzer Rast 
die „Frau^ an's Seil genommen und zunächsl 
links wendend der Versuch gemacht, das Bol 
.an seiner tiefsten Stelle zu ersteigen. Nach w< 
Schritten hörte das Band auf und wir mußten] 



* • 



Doldenhom und Fründenjoch. 145 

Dicht ohne Mühe rückwärts concentriren. Ein zweiter 
Versuch, gerade aufwärts einer Spalte im Felsen folgend, 
fiel besser aus. Christian, der voraus war, half am 
Seil ziehend meiner Frau, die von Hans getreulich 
gehütet war, hinauf, und ich folgte, „auf allgemeines 
Verlangen" ebenfalls angebunden, mit dem Rest des 
Gepäckes nach. Dann ging es eine Weile munter 
vorwärts und eine zweite Mauer erwies sich in der 
Nähe als eine etwas roh construirte Treppe. Noch 
ein paar Schritte, und wir standen am Rande des 
ebenen Gletschers, freudig jauchzend; denn das Ziel 
war nicht zu fehlen. Doch erwies sich der Anstieg 
ttber Gletscher und Firn schwieriger, als am Dolden- 
hom. Beide waren arg zerklüftet und zwangen uns 
zu Umwegen und Seilmanövern. Wie wir uns dem 
Joche näherten, rief auf einmal meine Frau : „da sitzen 
die beiden Malerinnen". Aufblickend gewahrten wir 
links über uns zwei steinerne Figuren, die an zwei 
Gäste der „Victoria" erinnerten, eifrig über die Palette 
gebeugt. Leider würdigten wir sie nur einer flüchtigen 
Aufmerksamkeit. Hätten wir ihnen einen Besuch ge- 
macht, so würden sie uns einen Weg nach dem 
Gastemthal gezeigt haben, der uns Zeit und Mühe 
gespart hätte. Um 12 Uhr erreichten wir die Paß- 
höhe. Leider war wieder nur der Rückblick wolken- 
frei. Die Walliserseite steckte im Nebel. Bald wurde 
aufgebrochen und ein leichter Abstieg durch eine 
knrze Schlucht brachte uns auf den namenlosen 
Gletscher, der seine Eisbrüche auf die Platten am 
Fuß des Alpetligletschers hinunterwirft. Wir gingen 
fast bis an den Rand vor, verzichteten aber weislich 

10 



146 H, Bubi, 

auf diese Art von Beförderung. Möglicherweise ist 
nach rechts , ein Ausweg und Abstieg auf die ^Dolden*^ 
möglich. Wenigstens wollte uns das später vom Thal 
her so scheinen. Aber augenblicklich verboten nicht 
nur unsere guten Vorsätze alles Experimentiren, auch 
die Luft hatte eine verdächtige Färbung angenommen 
und in den Felskämmen heulte der Sturm. Wir eilten, 
auf den richtigen Abstieg, der unter dem Gipfel des 
Fründenhoms liegt, zu kommen. Nach der Karte 
wäre das nun durch einen einfachen Flankenmarsch 
auf dem wenig geneigten Gletscher zu machen ge- 
wesen. Die rauhe Wirklichkeit aber zeigte einen Fels- 
kamm, der bis zum Absturz hinunterreichte und uns 
von der östlichen Fortsetzung unseres Gletscherchens 
abschnitt. Wohl oder übel mußten wir wieder auf- 
wärts und fanden weiter oben ein gutes Schieferband, 
das uns auf die andere Seite und wieder auf Schnee 
brachte. lieber uns saßen die „Malerinnen" immer 
noch an der Arbeit, und mit Bedauern sahen wir,, 
daß der bessere Weg an diesen Holden vorbei ge- 
gangen wäre. Unser Umweg aber kommt der Karte 
und damit späteren Wanderern in diesem Gebiet zu 
Gute. Bald erreichten wir die Stelle unter dem Gipfel 
des Fründenhoms, wo der Abstieg über einen langen 
Felsrücken auf den untersten Theil des Alpetligletschers 
möglich schien. Da aber der oberste Theil dieses 
Felsrückens steil war und von Eis schimmerte, so 
gingen wir „noch ein Haus weiter" und stiegen das 
nächste Dach hinunter. Die Senkung desselben war 
bedeutend und Vorsicht am Platze. Nach einiger 
Zeit schien es uns, daß jetzt der erste Felsrücken 



Doldenhom und Fründenjoch, 147 

practicabler aussehe, und wir entschlossen uns rasch, 
dahinüber zu traversiren. Zu diesem Zweck aber 
hatten wir eine mit steil abfallenden Platten ausge- 
kleidete Schlucht zu tiberqueren. Kaum hatten wir 
uns mit einigem Seufzen an diese Arbeit gemacht, 
so brach ein Hagelwetter los, dem wir diesmal schutz- 
los ausgesetzt waren. Erbarmungslos schlug es uns 
auf Gesicht und Hände und im Nu waren wir naß, 
wie wenn man uns durch einen Bach gezogen hätte. 
Es war also mehr als überflüssig, wenn nun dieser 
Bach selber über die Platten berabgeflossen kam, so 
daß diejenigen von uns, welche nicht in Bewegung 
waren, und das waren regelmäßig Drei von Vieren, 
zur Hälfte im Wasser saßen. Aber so „eingeteufelt" 
waren wir nun schon durch das Bergleben, daß wir, 
nicht ohne Murren zwar, aber in schönster Eintracht 
und Kaltblütigkeit, vorwärts manövrirten, bis sich 
der Sturm gebrochen hatte und wir mit einem letzten 
„bösen Tritt'' auf den Felskamm gelangten, über den 
wir nun leichter abwärts kamen. Eine Rutschpartie 
ttber Lawinenschnee brachte uns auf den Gletscher, 
der Dun im Trabe passirt wurde. Die größten Schrunde 
wurden dabei unbesehen übersprungen und nach kurzer 
Zeit war die Moräne erreicht. Was wir zu dieser 
selbst, sowie zu dem Abstieg vom „Hundsschüpfen" 
und zu der alten Kandermoräne sagten, darüber will 
ich den Mantel christlicher Liebe breiten. Naß und 
verwettert, aber nicht halb so unwirsch, wie acht 
Tage vorher, rannten wir am Heimritz, Seiden und 
Grastem vorbei und erreichten mit dem Einbruch der 
Nacht die Klus, wo wir gerade noch den Weg sahen. 



148 H. Bubi, JDoldenhorn tmd Fründenjoch, 

Abends um 10 Uhr waren wir im Hotel zurück. Das 
Abendessen nahmen wir aus guten Gründen im Bette 
liegend zu uns und noch Tage lang zierten die 
hinteren Balkone der ^Victoria" verschiedene Klei- 
dungsstücke, welche von Beredsamkeit über unsern 
neueq Paß trieften. Das neue Fründenjoch aber mag 
Besuchern von Eandersteg empfohlen sein. Ich habe 
oben angedeutet, wie seine Begehung vielleicht ab- 
gekürzt werden kann. Andere werden sicherlich auch 
schneller marschiren, als wir. Wer pressirt ist, wird 
immerhin, um von Kandersteg nach Seiden zu ge- 
langen, besser den Thalweg einschlagen. 



n. 

Freie Fahrten. 



Gol de Pianereuse et DarreV. 

Par 

Louis Kurz (Section de Neuchätel). 



I. Le Col de Plauereuse. 

!•' passage. 

Pendant le mois de juillet 1885, apr^s une s^rie 
d'ascensions dans la chaine du Mont-Blanc, j'avais 
forme le projet de faire celle du Darrei, la seule des 
«imes viergeß de la partie Buisse de ce massif qui 
^alüt encore la peine d'etre tentee. Abandonne par 
Vami qui m'avait accompagne jusque lA, j'allais m'in- 
staller au lac Champey en attendant l'arrivee d'un 
autre camarade, qui m'avait promis son concours pour 
l'exp^dition que je projetais. 

La petite pension Biselx ä Champey 6tait mon 
quartier gen^ral, et les quelques jours que je passai 
Ja s'ecoulerent dans les delices d'un repos bien meritö, 
au milieu d'un site ravissant. Lasse cependant d'ad- 
uürer les eaux transparentes du lac, de parcourir les 
belles forets de sapins qui le bordent et ayant epuis6 
toutes les promenades des environs, je me deeidai k 
Diettre k profit le temps encore disponible avant 



152 Louis Kurz, 

Farriv^e de mon ami pour pousser une reconnaissance 
dans la haute montagne, du c6t6 du DarreX. Dans ce 
but, je fis venir d'Orsiferes mon guide Fran^ois Biselx, 
un des fils de mon liöte. Par la m^me oecasion, je 
comptais explorer un col qui, d'aprös la carte, devait 
exister entre le Darrei* et la Pointe de Planereuse et 
n'avait pas encore 6t6 franchi. 

Le 30 juillet, dans la soiree, nous traversions les 
champs et les päturages qui s6parent Champey des 
chalets de Saleinaz, pres du glacier de ce nom. Le 
lendemain, un magnifique clair de lune 6clairait notre 
depart et nous permettait de passer sans encombre 
la foret de la Pourriaz. De lä, k travers les eboulis 
de la Pointe de Planereuse, nous gagnons le glacier 
de Planereuse. Sa partie inf6rieure, d^pourvue de 
neige, est assez inclin6e pour n6cessiter 9a et lä la 
taille de marches. Apres une heure environ, nous 
arrivons sur un beau plateau neigeux au milieu duquel 
nous faisons halte. A notre droite, la Pointe de Plane- 
reuse est assez proche pour qu'il seit possible de 
Tatteindre en trois quarts d'heure. Devant nous, k 
cent cinquante metres de distance, s'ouvre le passage 
que je cherche, k travers Farete qui court de la 
Pointe de Planereuse k ce contrefort du Darrelt qui 
porte le nom de TitaNeire. De difficult6s, il n'y en 
a pas, le col s'61eve k vingt metres environ au-dessus 
du glacier et ressemble assez k la Fen^tre de Saleinaz 
vue du glacier du Trient. A gauche enfin, une pente 
assez raide est la voie directe menant k la vall6e qui 
separe les deux cimes du Darrei. C'est peu de chose 
k faire et seule la foi jur^e me retient d'y aller tout 



Col de Planereuse et Darret, 155 

de stiite, surtout quand Biselx m'assure qu'en troi» 
ou qnati'e heures on doit pouvoir arriver. Je me con- 
tente d'examiDer la ronte ä snivre. Pendant mes^ 
conrses pr6c6dentes, j'avais supputö avec soin Falti- 
tnde relative des deux cimes. La carte donne 3537 m^tres. 
ä la plus septentrionale et 3496 m^tres seulement k 
Tautre. Or, dfes la premifere fois que je les avais vues, 
il m'ayait para qu'elles ^taient d'^gale hauteur, et 
j'avais meme crn remarquer que la pointe m^ridionale 
avait quelques m^tres de plus. Pour m'assurer de la 
chose, je n'ai d'ici qu'4 remonter la pente de neige 
devant nous, mais je ne me sens pas assez fort pour 
r^sister, une fois lanc^, k la tentation d'aller jusqu'au 
bout, et je me d^cide vertueusement k gagner le col 
(3063 m^tres), que nous atteignons apr^s une courte esca- 
lade. Nous y 6difions aussitöt une petite pyramide et 
allons nous ^tablir un peu plus bas sur Tautre versant. 

Ce sont de vieilles connaissances que les cime& 
qui se detachent sur l'horizon: TAiguille d*Argenti6re, 
TAiguille du Chardonnet, la Grande Fourche, les Ai- 
guilles Dorees, le Portalet; mais c'est la premiöre 
fois que nous les voyons de ce c6t6; elles sont loia 
d'y perdre : Biselx lui-meme ne peut retenir un cri de 
Borprise k ce coup d'oeil auquel il ne s'attendait pas» 
Avec le t^lescope, nous döcouvrons la cabane d'Orny 
et un groupe d'hommes et de femmes qui circulent 
k Tentoiir, venus probablement en p^lerinage k la 
petite chapelle k c6t6 de la cabane. 

A cinq cents m^tres au-dessous de nous s'6tale 
le glacier de Saleinaz, trfes tourmentö et formant plus 
loin sur la droite une belle chute. Sa vue m'inspire 



154 Louis Kurz. 

rid6e de changer mon plan primitif, qui etait de 
gagner la cabane d'Orny par le Col des Plines, et de 
rejoindre plutot les chalets de Saleinaz en descendant 
le glacier. Ce projet sourit k Biselx d'autant plns 
qu'il n'a jamais en Toccasion de passer par \k. 

A dix henres nous partons. Nous obliqnons an 
peu k droite pour atteindre une pente de rochers qui 
aboutit au glaeier et dont la descente est facile. Les 
rochers franchis et le glacier atteint, on toume encore 
k droite pour attaquer les s^racs de la chute, con- 
tenus entre deux parois ä pic qui n'offrent auenn 
passage. A ma connaissance, ce chemin a ^te fait une 
seule fois, en 1863 , par MM. George, Macdonald et 
les guides Christian Almer et Melchior Anderegg, en 
descendant du Col du Tour Noir; tromp^s par les 
brouillards, au lieu de passer le Col d'Argenti^re, 
-comme ils en avaient Tintention , ils arriverent sur 
le glacier de Saleinaz et gagn^rent le Val Ferret sans 
savoir par oü ils passaient. En ce moment, je ne me 
rappeile pas quelle rive du glacier ils ont suivie, et 
nous optons pour la droite. Nous nous engageons 
r^solument dans les s6racs de ce c5t6. Mais k peine 
avons-nous franchi cinquante metres que nous sommes 
arret^s par une succession de formidables crevasses, 
v^ritables abimes, au milieu desquels tout espoir de 
trouver un passage s'evanouit. 

Nous battons en retraite et traversons le glacier 
pour tenter la rive gauche. Nous reussissons mieux; 
les crevasses, tout aussi nombreuses, sont cependant 
moins larges, et pendant deux heures et demie nous 
errons au milieu d'un labyrinthe que le coup d'Gßü 



(Jol de Planereiise et Darret, 155 

de Biselx parvient k döbrouiller. ün moment ariive 
tontefois oü nous sommes s6rieu8ement arr^tös, entre 
la paroi de rochers k pic, aupr^s de laquelle se dresse 
un immeose bloc de glace et une sörie de crevasses 
infraDchissables. Noub ne savons trop que faire et 
allons nous d6cider k retourner siir nos pas, lorsque 
Biselx, s'avaDQant contre la paroi, me dit: „Je crois 
qu'on pourrait passer entre le bloc de glace et le 
rocher. '^ II se döbarrasse de son sac et se glisse en 
rampant; une fois engag6, je lui passe le sac et le 
suis. Des pierres et de la terre 6taient pris au-dessus 
dn bloc, et la chaleur du soleil aidant, nous sommes 
arroses pendant cette courte traversöe par une pluie 
de boue, de teile fagon qu'en sortant de Tautre c6t6 
Doas avons pass6 au gris. 

Arriv^s enfin au pied de la chute, nous nous trou- 
vons sur un grand plateau que le glacier präsente 
en cet endroit avant de reformer une seconde chute 
beaucoup plus petite. A notre gauche, au delä de la 
moraine, nous voyons un sentier de chfevres qui court 
dans les gazons et doit conduire k Saleinaz. Au lieu 
de le suivre, nous avons la malencontreuse id6e d'aller 
explorer le bord oppos6. Mal nous en prend. Aprös 
avoir gravi la moraine, nous descendons sur des 
gazons parsemös de sapins rabougris ; puis tout k coup 
la verdure cesse au-dessus de rochers k pic. Pas 
moyen d'aller plus loin. Biselx remonte un peu et 
trouve enfin un passage k gauche, droit au-dessus du 
glacier: Tendroit est assez scabreux pour nous obliger 
i reprendre la corde. Le rocher, fort lisse, offre tres 
peu de saillies, et k un moment donne Biselx, qui est 



15G Louis Kurz. 

naturellement le second, doit lacher sod piolet, qm 
d^gringole et va se briser une soixantaine de m^tres 
au-dessous; plns bas encore, il se trouve dans une 
Position teile qu'il se d6chausse. 

Nous finissoDS cependant par atteindi*e la moraine 
et de \k des pentes de maigres gazons oü nons tron- 
vons un sentier qui nous m^ne k Saleinaz. A neaf 
heures du soir, je r^int^gre ma chambre k Champey. 
J'y trouve, h^las! une lettre de l'ami que j'attendais 
et dans laquelle il m'annonce que, malgr^ tout son 
d^sir, il lui est impossible de me rejoindre! 

IL Le Darrei* (3537 m.). 

1'® ascension. 

Pendant les jours qui suivirent, le temps ne fat 
guere propice aux grandes ascensions; le 6 aoüt, 
cependant, il paraissait r6tabli, et dans Taprös-midi 
je montai avec Biselx k Orny. 

Le plus court depuis Champey est de passer par 
le col de la Braye, mais cette route ne füt-elle pas 
la plus directe, eile serait toujours pr6f6rable k Fen- 
nuyeuse et fatigante mont6e depuis Orsi^res jusqu'au 
Plan de l'Arche. Le sentier traverse d'abord des forets, 
gagne le charmant Val d'Arpette qu'il suit jusqu'anx 
chalets, puis tourne k gauche, zigzague k travers une 
nouvelle foret et aboutit k des 6boulis qu'on remonte 
jusqu'au col. De lä, on oblique sur le flanc droit de 
la combe d'Orny pour rejoindre la route d'Orsi^res 
au Plan de l'Arche, et une demi-heure plus tard, 
apres une petite mont^e k travers la moraine, on 
arrive k la cabane. 



Ool de Planereuse et Barrei, 157 

La cabane d'Orny est situ6e k 2700 m^tres d'al- 
ütnde. Son emplacement a ^t6 tr^s judicieusement 
<;hoisi, tant sous le rapport de la vue que pour l'ex- 
ploration de la partie suisse de la chaine du Mont- 
Blanc, pr^s de Touverture du cirque glaciaire compris 
entre l'Aiguille du Tour, les Aiguilles Dorfes et la 
Pointe d*Orny: les ascensions dont eile est le centre 
comprennent depuis la simple promenade jusqu'aux 
grimp6es les plus ardues. Elle est adoss^e aux contre- 
forts des Aiguilles d'Arpette, ä quelques pas du gla- 
<jier d'Orny, dont eile domine la partie införieure. 

Depuis la petite terrasse qui pr^c^de la porte, 
-OD admire d'abord le Portalet, qui surgit au premier 
plan, puis, dans l'^loignement, une partie des Alpes 
"Graies, enfin le majestueux groupe du Combin, qui 
forme ä lui seul un tableau splendide, le soir sur- 
tout, alors que le soleil couchant le dore de ses der- 
niers rayons. 

Aussi bien la cabane est tr^s fr6quent6e : clubistes 
■et chasseurs s'y donnent rendez-vous, et pendant la 
belle Saison il n'est pas rare d'y trouver quelque 
joyeuse compagnie stabile k s6jour fixe pour escalader 
la plupart des sommit^s avoisinantes. 

La vie s'y r^gle alors d'une fa^on pröcise: de 
bon matin une ascension, parfois deux; retour pour 
le diner, k midi, k la cabane; puis fiänerie aux en- 
Tirons jusqu'au soir. Les jours de repos, ou lorsque 
le temps n'est pas certain, promenades sur le glacier. 
A deux pas de la cabane, le petit lac d'Orny pr6te 
aux fervents de Fhygifene ses eaux glac^es pour une 
^aignade r^paratrice aprös les exercices de la jour- 



158 Louis Kurz, 

n6e. En quelques heures un porteur venu d'Orsi^re» 
amöne tout ce que vous pouvez d^sirer au point de 
vue mat6riel. En un mot, c'est un paradis declubistes: 
je m'etonne vraiment qu'on trouve encore parfois la 
cabane libre, et je ne serais pas surpris d'y voir dans 
quelques ann^es s'^lever un chalet desservi par quelque 
cantinier. 

Ce jour-lä, eile 6tait occup^e par une bände nom- 
breuse de clubistes amis , avec lesquels nous passon» 
une fort agr^able soir6e. Mais le lendemaiu le temps^ 
Sans etre mauvais, semble compromis. Vers cmq 
heures seulement, nous nous d^cidons k nous mettre 
en route. Le sentier suit quelques centaines de pas 
la crete de la moraine lat^ale, pliis descend sur le 
glacier, qui s'^leve insensiblement jusqu'au pied de 
la Pointe d'Orny. Bientöt surgissent successivement 
les Aiguilles Dorees, la Grande et la Petita Fourche 
et les Aiguilles du Tour. Ces cimes semblent'enserrer 
comme dans une gigantesque cuvette T^norme masse 
de glaces qui forme le plateau du Trient, Arriv6ft 
sur ce dernier, nous nous dirigeons sur la gauche 
pour gagner par une pente tr6s douce. le Col de& 
Plines ; la neige est d'ailleurs bonne et k sept heurea 
nous y sommes. 

Le Col (3193 metres) est une vaste ouverture neigeuse 
entre les Aiguilles Dorfes et le Portalet, coupee par 
places d'asp^rites rocheuses qui dessinent un certain 
nombre de passages dont on peut franchir indlfferem- 
niemt Tun ou l'autre. Nous perdons 14 assez de t^apfi^ 
k examiner la vue et k discuter les probabilit^ de 
mauvais temps. Nous finissons cependant par dee- 



Col de Plcmereuse et Darret. 16^ 

cendre par les rochers des Plines sur le glacier de 
Saleinaz, que nous traversons dans la direction du 
Col de Planereuse. Nous atteignons ce dernier vera 
dix heures. 

Pendant que nous dejeünons k Templacement oü 
nous avions fait halte quelques jours auparavant, de 
vagues cris se fönt entendre dans l'^loignement ; ce 
sont quelques-uns de nos compagnons de la cabane 
d'Oray qui viennent d'arriver au sommet de la Grande 
Fourche et qui annoncent leur succes. Nous repartons 
apres une demi-heure de repos; le Col franchi, nous 
attaquons la pente devant laquelle nous nous 6tions 
arretes lors de notre reconnaissance ; eile est assez raide 
ponr qu'il faille y faire quelques entailles; le glacier 
anquel eile aboutit est fortement crevasse et les ponts 
de neige sont souvent tres peu sürs; ils obligent ä 
de nombreux d6tours. Par surcroit, subitement nous 
nous trouvons entour^s de brouillards et le tonnerre 
8€ fait entendre dans la direction du Col du Tour. 
A tont hasard je rel6ve ä la boussole notre ligne de 
retraite; mais, k vrai dire, il n'y a plus gu6re moyen 
de se tromper. Nous sommes dans le petit vallon qui 
s^pare les deux cimes: une cime ä droite, l'autre k 
gauche et devant nous Tarnte qui les relie ; la cuvette 
du vallon que remplit le glacier a peut-etre cinq cents 
metres de long sur cent k cent cinquante de large^ 
et füt-on compl^tement perdu dans le brouillard, il 
faut fatalement arriver k la seule issue qui existe^. 
la route que nous avons prise pour venir. Nous coa- 
tinuoDs ä avancer tout droit devant nous, guides du 
pcste par la direction des crevasses. Lorsqu'apr^s une 



160 Louis Kurz, 

lieure de marche, les bronillards se l^vent aussi su- 
bitement qu^ls sont yenuB, nons nous trouTons au 
centre du fer k cheval que fonne le massif, juste 
«ntre les deux cimes. 

II s'agit de d^cider laquelle nous voulons gravir. 
Nous opinons d^finitivement pour celle de gauche, 
<;elle du sud, qui, malgre la carte, nous paralt la plus 
haute. Elle est d^fendue par une pente de glace 
abrupte coup^e par une rimaie; la route tout indiqu^e 
•est de traverser en diagonale cette pente pour aller 
rejoindre Tarnte k gauche de la cime. Apr6s la rimaie, 
Biselx taille des marches dans une glace tr^s dure; 
j'agrandis les degres derri^re lui, pensant que nous 
ne les trouverons Jamals trop grands k la descente, 
car c'est le plus mauvais passage de toute Tascension. 
-üne centaine de marches suffisent pour atteindre les 
Premiers rochers, que nous gravissons tout droit vers 
Tarnte; ils sont tr6s raides, mais sans difficult^s, 
parce que la röche est solide; cette partie est d'ail- 
leurs vite franchie. C'est avec une vive curiosit^ 
qu'arriv6s k la cr^te nous portons nos regards snr 
rautre versaut et sur le glacier du Barrel. La pente 
^ie la montagne descend tout droit, mais quoique tr^s 
inclin6e, eile paratt praticable; le glacier auquel eile 
aboutit est tr^s peu crevass6: il faudra essayer de 
rentrer par \k. Une fois cette decision prise, nous 
continuons all6grement Tescalade en suivant tout simple- 
.ment Tarnte, qui nous conduit en peu de temps au 
sommet. Nous y touchons k deux heures et constatons 
avec plaisir que c'est bien la vcaie cime, car nous 
•d^passons la pointe nord de quelques m^tres. Cette 



\ 



Col de Planereuse et Darrei, 161 

question resolue, Biselx me montre quatre points noirs 
qui remontent la Fenetre de Saleinaz; ce sont nos 
amis qui reviennent de la Grande Fourche; nous les 
lielons de toute la force de nos poumons, mais en 
vain, ils n'ont du moins pas Tair de nous entendre. 

Apr^s un temps de repos, je prends quelques 
photographies ; malheureusement le soleil est mal plac^ 
pour la plus belle partie: le cirque form6 par le 
Dolent, les Aiguilles Rouges et le Tour Noir, qui 
s'ouvre devant nous et que je dois me contenter de 
regarder. Mais je ne puis me lasser de contempler 
les preeipices que pr^sentent les pentes de ces mon- 
tagnes, ces versants rayös de couloirs effrayants, 
labour6s sans cesse par les chutes de pierres et de 
glace. Au sud, le soleil 6claire encore les montagnes 
italiennes, tandis que du cote de Chamonix le ciel a 
pris une teinte de plomb. Les cimes sont cependant 
libres, sauf l'Aiguille du Chardonnet, qui est coiff^e 
d'un nuage. 

Biselx interrompt tout k coup ma reverie: Mon- 
sieur! — ? — Avez-vous dejä couch6 sur un glacier? — 

Kon pourquoi ? — C'est que, si vous ne tenez 

pas 4 faire cette exp6rience, ce serait le moment de 
partir! — Je tire ma montre: il est pr^s de trois 
liem-es, et pour tenter une nouvelle route, nous n*avons 
que le temps bien juste avant la nuit. Nous edifions 
ä la liäte un caim , y deposons une bouteille avec 
quelques notes, et nous nous remettons en marche, 
d'abord le long de l'arete pendant une centaine de 
metres; puis nous descendons dans les rochers k 

droite. Ils sont faciles, mais peu stables, ce qui nous 

11 



162 Louis Kurz. 

oblige k prendre quelques pr6cautions. Nous arrivon» 
ainsi entre deux couloirs qui aboutissent k une pente 
de neige pr^c^ant le glacier ; nous les longeons jus- 
qu'au moment oü les roches deviennent impraticables. 
Nous gagnons alors le couloir de droite; mais la neige 
y est si pourrie quMl y a danger de faire partir une 
avalanche, et quoique, en d'autres circonstances, ce 
doive etre le chemin le plus simple, nous nous bor- 
nons k le traverser pour gagner les rochers du bord 
oppos^, que nous descendons jusqu'ä, la pente de neige. 
Nous suivons celles-ci sur la droite pendant quelques mi- 
nutes, pour aborder ensuite le glacier. II est 5 heures. 

II ne faut pas songer k faire une halte, nous ne 
savons pas ce qui nous attend plus loin, le tonnerre 
se rapproche de plus en plus et nous sommes encore 
k pr^s de 3000 mötres d*altitude. Le glacier forme ici 
un petit plateau; nous le traversons de Tonest k Test 
Au moment oü nous abordons la rive opposöe, Torage 
fond sur nous. Alors commence une course 6chevel6e, 
k se rompre les os, d'abord k travers des roches, 
puis des ^boulis, enfin des pentes gazonn^es. Voili 
des moutons, donc il doit y avoir un sentier, mais 
oü est-il? Nous courons de droite et de gauche, 
anxieux de le trouver au plus vite, car les nuages 
montent en grandes masses du fond du Val Ferret et 
vont nous envelopper; les rafales redoublent de vio- 
lence, accompagn^es de pluie et de gr6sil, et malgrf 
le violent exercice auquel nous nous livrons depiiis 
notre d^part de la cime, nous sommes transis et glac^* 

Par un bienheureux hasard, Biselx d^couvre wie 
sente k peine visible que nous suivons avec pr^cantioD; 



Gol de Planereuse et Darret, 163 

car eile s^interrompt de temps en temps. Elle nous 
am^ne sur un sentier mieux trace que nous pouvons 
suivre dans la nuit, qui est tont ä fait tomböe. A huit 
heures et demie, nous faisons notre entr6e dans un 
chalet pr^s de Praillon, oü une brave femme nous 
fournit des vetements de rechange, met ä notre dis- 
position tout ce que contient son chalet, nous re^oit 
enfin avee cette large hospitalitö valaisanne dont j^avais 
eu dejä tant de preuves dans mes pr6c6dentes excur- 

sions 

En r^sum^, je crois que, pour cette ascension, la 
route la plus directe et la moins fatigante sera celle 
de Saleinaz par le glacier de Planereuse, aller et 
retonr; mais il vaudra mieux etre ä trois, k cause 
des nombreuses crevasses. Pour deux personnes seules 
et pour les touristes qui preförent le rocher k la glace, 
je recommanderai plutöt la route que nous avons 
suiTie k la descente. 



Der Lyskamm (4538 m.). 

1881. 
Von 

Dr. Emü Burckhardt (Section Basel). 



Ein von uns Schweizern in auffallender Weise ver- 
nachlässigter Zermatter Hochgipfel ist der Lyskamm, 
die mächtigste Erhebung nicht nur des Grenzkammes 
vom Lysjoche bis zum Theodul, sondern mit seinen 
4538™ des ganzen Wallisergebirges westlich vom 
Monte-Rosa überhaupt. ^) Man kann kaum sagen, der 
Lyskamm sei zu unbedeutend, um auf den Bergsteiger 
genügende Anziehungskraft auszuüben. Allerdings 
macht er, gleich dem Monte Rosa, nicht den Eindruck, 
den man von einem Hochgipfel ersten Ranges erwarten 
sollte. Er besitzt nicht die Selbstständigkeit, nicht die 
scharf ausgeprägte Individualität eines Matterhornes, 
einer Dent Blanche oder eines Weißhornes. Dazu 



^) Der Lyskamm mit 4588 >" ist der sechsthöchste Berg 
der Schweizer-Alpen. Nur der Monte-Rosa mit vier seiner 
Spitzen (Dufour 4638/4631, Nordend 4612, Zumstein 4573, 
Sig^alkappe 4561) und der Dom 4554 überragen ihn. 



Der Lyskamm. 165 

fehlt ihm die isolirte, gerade deshalb aber nm so 
dominirendere Stellung und der kühne Bau, der diese 
Spitzen so vortheilhaft kennzeichnet. Er ist überhaupt 
kein Berg, der sofort fesselnd und überwältigend auf die 
Phantasie des Beschauers einwirkt. Und doch kann, 
wer vom Gomergrat, von den Hängen des Monte- 
Rosa, oder von den Eisbrüchen des Grenzgletschers den 
Lyskamm schon näher betrachtet, nicht unempfindlich 
bleiben für seine Schönheit. Für den aufmerksamen 
Beobachter ist er ein Berggebilde von eigener Pracht, 
und was ihm an trotziger Wildheit abgeht, das ersetzt 
sein mächtiger Bau von klassischer Ruhe und hoher 
PonnenvoUendung. In anderer Weise, aber nicht minder 
schön, wirkt der Lyskamm von der italienischen Süd- 
seite, von Gressoney aus. ;,Von dem Dorfe St. Jean 
de Gressoney, sagt Studer ^), läßt sich der Lyskamm 
in seiner ganzen Ausdehnung Überblicken, und seine 
leuchtenden Hochfime, die in den dunkelblauen Himmel 
schneiden, gewähren hinter den Coulissen der grünen, 
mit Lärchengehölzen geschmückten Vorberge ein ma- 
lerisches Bild." 2) 

Lange wurde der Lyskamm im Zermatterthale 
„Monte-Rosa" genannt, nach Studer bis zu Ende der 
Dreißigerjahre. Der Name „Silberbast" ^), den er eine 
Zeit lang trug, hat sich nie recht einbürgern wollen, 
so wenig als die Benennung „ Joseph- Vincenthorn" 



») Studer, Ueber Eis und Schnee II, 63. «) Vgl. das Titel- 
bild zu Matthews „Col de Lys«* in P. P. and Gl. II, 1, 359. 
*) Der Schweiz. Atlas, 1/50000 (1881), hat außer „Lyskamm" 
wieder den Namen „ Silberbast ** adoptirt. 



166 Emil Burckhardt, 

(zum AndenkeB an J. A. Vincent, den ersten Ersteiger 
der Monte-Rosa Znmsteinspitze) Anklang fand. ^) 

Die Besteigungsgeschicbte des Lyskammes gebt 
bis zu Anfang der Sechzigerjahre zurück, in eine 
Zeit, wo die Männer der alten 8cbnle des englischen 
Alpenclub in den Zermatter Bergen manchen bisher 
verschlossenen Paß eröffneten und eine jungfräuliche 
Spitze nach der andern bezwangen. ^) 

1859 war der 4200" hohe Hochpaß am östlichen 
Fuße des Lyskammes, als Uebergang von Zermatt 
nach Gressoney, von den Brüdern Matthews zum ersten 
Male überschritten worden: er ertiielt den Namen 
Lysjoch (Col de Lys). ^) In den folgenden Jahren, 

^) Studer, 1. c. 63. ») Vgl. Studer, Ueber Eis und Schnee U, 
63 ff. ; IV (Supplt.), 162 ff., und die dort angeführte englische 
Literatur. ^) Der topogr. Atlas 1/50000 und Dufour 1/100000 
nennen ihn Ijj^pasa. Tsehudi's (1885,291), dem nVolksmunde" 
entnommene Benennung ,|Mensehenfre&ser'* würde wohl auf den 
Jjyskamm, nicht aber auf das hysjoch passen. Ein ebenfalls 
gebräuchlicher Name ist Süherpass, der konsequenterweise 
vom topographischen Atlas als Pendant zu „Silberbast" (Lys- 
kämm) hätte angenommen werden können. Studer, FV, 152, 
gibt in seinen Höhenbestimmungen des Monterosastockes den 
beiden Lysjochübergängen (^dem östlichen und westlichen) die 
Höhe von 4321, resp. 4200 ". Tschudi (1885, 1. c.) nennt den 
Paß „bei gutem Wetter ohne Schwierigkeit, aber wegen über- 
hängender Schneewellen (Gwächten), über welche der Weg 
führt, höchst gefährlich." Diese Angabe ist ganz unrichtig 
und beruht entweder auf falscher Information, oder auf einer 
Verwechslung mit dem hyskamm. Ueber die erste Üeber- 
«chreitung des Lysjoches vgl. W. Matthews, jun., P. P. and 
Gl. II, 1. 359 ff., ebenso über die ersten Versuche gegen den 
Lyskamm. Matthews Arbeit war für die Kenntnis dieses 
Theiles der Grenzkette von hohem Werthe. 



Der lAfskamm, 167 

1860 and 1861 , fanden mehrere Angriffe auf den 
Lyskamm selbBt statt, and zwar zwei über den West- 
grat — von den Zwillingen , bezw. vom Hoehpasse 
des Felikjoeiies (4068), zwei über den Ostgrat — vom 
Lysjoche aus. Diese Yersuefae, bei denen die besten 
l^amen des A. 0. -^ Tuckett^ Fox, Moore, Stephen, 
Beilly — betheiligt waren, mißlangen sämmtlich. 
Olttcklieher war am 19. August 1861 Herr Hardy (A. C), 
dem unter der Hauptführung von P. Perren und in 
Gesellschaft verschiedener anderer englischer Berg- 
stdger die erste Besteigung des Gipfels unter gün- 
stigen Verhältnissen gelang, Aufstieg und Abstieg 
waren über den Ostgrat erfolgt. Ausgangs- und End- 
punkt der Expedition war der Riffel, bezw. Zermatt. ^) 
Wenige Tage später, den 28. August 1861, fand die 
erste üeberschreitang des Hochpasses am Westfuße 
de« Lyskaznmes, des Felikjoches (4068*) von Gres- 
soney aadi Zermatt, durch Matthews und Jacomb 
(Führer J. B. und M. Croz) statt. ^) Die erste Ersteigung 
des Lyskammes über den Westgrat, vom Felikjoche aus 
über die secundäre Spitze (4478 »>), gelang 1864 Leslie 
Stephen und Buxton (Führer: J. Anderegg und F. Biener) 
mit Abstieg über den Ostgrat. Es war dies zugleich 
die erste toUständige Traversirung des Berges in 
seiner ganzen Längenaehse von West nach Ost» 1867 



*) S. die lebensvolle, originelle Schilderung von Hardy 
in P. P. and öl. 11^ 1, 883 ff. ») W. Matthews, jun., in F. P. 
and GL U, 1, 397 ff. »»The Col des Jumeaux'*. Diese letztere 
Benennimg war uarichtig. Der ZwiUings- oder Yerrapaß) 3861"*, 
führt Bwisclien den ZwiUingea (Castor) 4230 "^ und PoUux, 
4094») hindurch. 



168 Emil Burckhardt 

wurde* wieder eine Besteigung auf neuem Wege gemacht, 
und zwar diesmal von der italienischen Seite aus, vom 
westlichen Lysgletscher durch die Felsen des Siid- 
grates, durch C. E. Matthews und Morshead (Führer: 
Chr. Almer und A. Maurer). 1878 folgte P. W. Thomas 
(Führer : J. Imboden und J. Langen), ebenfalls von der 
italienischen Seite, vom östlichen Lysgletscher aus, 
über die südöstlichen Felsen und zwar mit Auf- und 
Abstieg durch dieselben. ^) 

Besteigungen auf dem von Hardy und Genossen 
zuerst eingeschlagenen Wege, über den Ostgrat, haben 
in der zweiten Hälfte der Sechziger- und in den Sieben- 
zigerjahren mehrfach stattgefunden. Zwei derselben sind 
Längstraversirungen, nämlich eine Doppeltraversirung 
1866 durch zwei gleichzeitig vom Lysjoche und Felik- 
joche ausgegangene Partien, die sich auf der Spitze 
kreuzten (Kitson vom Lysjoche, Morshead und Walker 
vom Felikjoche aus), und 1877 durch Davidson vom 
Lysjoche nach dem Felikjoche. Erwähnenswerth ist 
auch eine Besteigung vom Felikjoch über den West- 
grat auf und ab, 1874, durch Tuckett. 

Zwei Besteigungen über den Ostgrat fanden einen 
unglücklichen Ausgang. Im Jahre 1869 stürzte Arthur 
ehester, ein bekannter englischer Bergsteiger, im Ab- 
stiege über den Ostgrat ^), an unschwieriger Stelle, als 
er nach seinem im Aufstiege verunglückten Hunde 



A. J. IX, 1878/80, 109. — Ueber eine italienische Be- 
Bteigang durch C. Perazzi, vom Lyflgletscher aus über defi 
Südostkamm, s. Rivista Alpinaltaliana III, 1884, Nr. 9, 100—101. 
Dieselbe wird von A. Sella als ein neuer Weg bezeichnet. 
>) Vgl. Studer II, 72, und A. J. IV, 1868/70, 376. 



^ Der Lyskamm, 165' 

sehen wollte, nach dem oberen Grenzgletscher hinunter 
nnd blieb todt, während seine beiden Führer wunder- 
barerweise mit leichten Verletzungen davon kamen.. 
Der ganze Vorfall war etwas mysteriöser Natur und 
ist nie ganz aufgeklärt worden. Am 6. September 1877 
verunglückte eine ganze Partie von fünf Personen r 
die Herren Lewis und Patterson aus England und 
ihre Führer, drei Brüder Knubel. Alle Fünf blieben 
todt. Etwa 500 Fuß unter dem Gipfel war die Gwächte 
des Kammes gebrochen und hatte den Sturz nach der 
italienischen Seite auf den Lysglet scher 1200 — 1500 
Fuß tief verursacht, wo die Leichen aufgefunden 
wurden. •^) 

Ein das Jahr zuvor, im August 1876, am Felik- 
joch geschehenes Unglück, das zwei Herren, Johnson 
und Hayman, sowie dem einen Führer, Sarbach, daa 
Leben, und dem anderen, ebenfalls einem Sarbach, ein 
paar Finger kostete, wird zwar vielfach, aber ganz 
mit Unrecht, mit dem Lyskamme in Verbindung ge- 
bracht. 2) 

Immerhin scheint die Katastrophe des Jahres 1877 
die Lust zu Lyskammbesteigungen über den Ostgrat 
ziemlich abgeschwächt zu haben. Dieser Weg galt von 
da an bei den Zermatter Führern für schwierig und 
gefährlich, während er doch, unter günstigen Umständen 
und bei gehöriger Vorsicht keines von beiden ist. Die 

1) Stader IV, 165 flf., und A. J. VIII, 1876/78, 346. Da» 
Unglück geschah meiner Ansicht nach im ^w/*8tiege. Weder 
Thomas, noch ich, fanden auf dem Gipfel des Lyskamme» 
die Karten der verunglückten Bergsteiger. *; S. Studer, IV, 
163, und A. J. VIII, 1876/78, 112 und 163. 



170 Emil Burckhardt * 

fremden Führer, von denen nnr wenige den Lyskamm 
aus eigener Erfahrung kannten, schlössen sich diesem 
unrichtigen Urtheile an und der Berg kam, wenigstens 
in Ftihrerkreisen, in ganz unverdienten Verruf. 

Ob in den ersten Jahren nach dem Unglück vod 
1877 der Ostgrat des Lyskammes wieder begangen 
wurde, ob außer von P. W. Thomas (1878) eine Be- 
steigung des Berges überhaupt stattfand, ^) ist mir an- 
l)ekannt, doch habe ich Ursache, anzunehmen, daß von 
1877 an die Besteigungen jedenfalls nur sehr vereinzelt 
waren und daß der Ostgrat bis 1881 nicht mehr be- 
treten worden ist. Während ein Matterhorn, ein Monte- 
Eosa von Macugnaga, eine Dent Blanche, welche im 
Laufe der Jahre, von 1865 — 1882, die Bluttaufe er- 
halten haben, eine gewisse Olasse von Bergsteigern 
gerade aus diesem Grunde erst recht anzogen, war 
4ies nicht der Fall mit dem Lyskamme. Für diese 
war und blieb er ein unbertihmter, unbedeutender Berg, 
-der als „Ersteigungsobject" gar nicht in Betracht kam. 
^Langweiliger Gratbummel und charakterlose Schnee- 
«tampferei" lautete das — allerdings nicht aus eigener 



Imboden fährte 1878 seinen Herrn, P. W. Thomas, 
durch die B^elsen des italienischen Südostgrates auf und ab, 
um den Ostgrat zu vermeiden, den er für gefährlich hielt. 
Thomas (A. J. IX, 109) sagt ausdrücklich von seinem Wege 
durch die Felsen: ^it has the merit, of belng firee from danger. " 
Er meint auch : „This route would appear to possess attrae- 
tioBS superior to any former one." Diesem Urtheile kasn ich 
mich nicht anschließen. Die Felsen der italienischen Sudseite 
des Lyskammes bilden allerdings einen ganz praktikabein 
^eg, sie entbehren aber der großen Reize, welche der öst- 
liche Firngrat bietet. 



j 



Ber Lyskamm. 171 

Erfahrung hervorgehende — Urtheil eines bekannten 
Montanisten der jüngeren deutschen Schule, dem ich 
1881 den Lyskamm als ebenso schöne wie interes- 
sante Partie empfehlen wollte. — „Aber ich bitte Sie, 
wie können Sie sich mit solchen Schneehügeln ab- 
plagen^, meinte mitleidig ein gesinnungstttchtiger öster- 
reichischer Felsenmann, als ich nach meinem ersten 
fehlgeschlagenen Versuche auf den Lyskamm zum 
zweiten Male ansetzte. ^) Nun, das sind Geschmack- 
sachen. 

Die Anregung zur Besteigung des Berges verdanke 
ich eigentlich meinem früheren Führer Peter Egger 
von Grindelwald, der, obschon Berneroberländer durch 
und durch, doch flir die Schönheiten und Reize auch 
der Nicht-Oberländer Berge ein offenes Auge hatte. Es 
war Anfangs August 1873, in jener prächtigen Woche, 
wo ich mit meinem Glubgenossen Bischoff das Glück 
hatte, von einem Dienstag bis zum Samstag Matter- 
hom, Monte-Rosa und Weißhorn ^) zu besteigen, als 

*) Purtscheller, der ausgezeichnete führerlose Bergsteiger, 
einer der allerersten neueren Montanisten, scheint diese ein- 
seitigen Anschauungen nicht zu theilen; ihm war der Lys- 
lEamm zur Besteigung weder zu gering, noch zu unberühmt 
Ebensowenig Herrn Vittorio Sella vom C. A. I. *) Es möge 
mir hier gestattet sein, einen Irrthum des Herrn G. Studer 
zu berichtigen. In „Ueber Eis und Schnee" IV, (Supplt.) 170, 
schreibt G. Studer: „G. Weilenmann war unstreitig der erste 
Schweizer Tourist, der seinen Fuß auf die Spitze des Weiß- 
hornes gesetzt hat.** Es ist dies unrichtig. Der erste Schweizer 
Tourist war vielmehr, schon 6 Jahre zuvor, 30. Juli 1867, 
fi.Thioly (8. A. C. Genf), vgl. Jahrb. S. A. C. V, 63 ff. Die 
zweite schweizerische Besteigung erfolgte durch H. Bischoff 
(S.A. C. Basel) und mich, 8. August 1878 (Führer: P. Bojirea, 



172 Emil Burckhardt 

wir im herrlichsten Sonnenscheine auf der Diifourspitze 
lagerten. Egger gefiel der Lyskamm ausnehmend und 
er meinte, das sei ein Berg, den wir zusammen ein 
anderes Jahr machen müßten. Erst 1880 aher kam 
ich wieder nach Zermatt; es war am Schlüsse einer 
längeren Bergreise, und ich hatte nur noch wenige 
Tage zu meiner Verfügung. Mit mir war nicht mehr 
Peter Egger, der in seinen letzten Lebensjahren die 
schweizerische Kundsame mit der lucrativeren eng- 
lischen vertauscht hatte, sondern Christen Jossi von 
Grindelwald. Am Tage nach meiner Ankunft rückte 
ich vom Riffel gegen den Lyskamm aus. Schlechtes 
Wetter zwang uns aber schon auf dem Gomergletscher 
zum Rückzuge. In den paar Tagen, die ich noch in 
Zermatt zubrachte, vereitelten starke Schneefälle jeden 
weiteren Versuch gegen unseren Berg. 

Ein Jahr darauf, den 14. August 1881 , war ich 
wieder auf dem Riffel marschbereit für den Lyskamm. 

Es war am 15. August, 2 Uhr früh, als ich mit 



P. Egger, von Grindelwald, Träger : Moser von Zermatt). Am 
13. August 1873 folgte erst Weilenmann, der übrigens in seiner 
„Firnenwelt" III, 379 ff. unserer Besteigung mehrfach erwähnt. 
Thioly und Weilenmann konnten bei ihrem Abstiege das Thal 
nicht mehr am gleichen Tage gewinnen, sondern mußten 
zwei Nächte am Berge schlafen. Bischoff und ich hatten früh 
1 Uhr das Bivouak im Schallenberg verlassen, um 11 7« Uhr 
Mittags den Gipfel erreicht und waren, in starkem Gewitter 
absteigend, um 8'/* Uhr Abends in Randah und um */* 11 Uhr 
Nachts in Zermatt. Da über unsere Besteigung nichts ver- 
öffentlicht wurde, so blieb sie , wie viele unserer Tonren in 
den Sechziger- und Anfangs der Siebzigerjahre, weiteren 
alpinen Kreisen unbekannt. 



Der Lyskamm, 173 

Chr. JoBsi von Grindel wald und mit Gabriel Taug- 
walder von Zermatt, in sternheller, kaltklarer Nacht, 
den Riffel verließ, um über den Gomer- und Grenz- 
gletscher das Lysjoch zu gewinnen, von wo wir Über 
den Ostgrat den Lyskamm besteigen und über den 
Westgrat nach dem Felikjoche zurUckkehren wollten. 
Fünf Minuten vor 5 Uhr waren wir bei „auf m Felsen", 
unterhalb Ober-Plattje ^), 3344™, wo sich die Wege 
nach Monte-Rosaund Lysjoch, resp. Lyskamm scheiden, 
und hielten Frühstticksrast, während der die Witterung 
anfing, ungünstig zu werden. 

Der rechten Seite des Grenzgletschers ^) entlang, 
der bald ziemlich zerrissen wurde, war in dreiviertel- 
Btündigem Marsche der Fuß des mächtigen Seracs 
ZMischen dem oberen und dem unteren Grenzgletscher 
erreicht. Anstatt nun direkt durch dasselbe anzu- 
steigen, hielten wir, da Taugwalder behauptete, es 
sei dieses Jahr nicht gangbar, zu viel links (unserer 
Marschrichtung nach) an den Monte-Rosa. Anfangs 
ging die Sache gut, bald aber kamen steile Eis- 
passagen, die lange Hackarbeit erforderten und zudem 
noch dem Steinfall ausgesetzt waren. Zu spät sahen 
wir unseren Fehler ein, traversirten dann nach rechts 
und gewannen unter großem Zeitverluste das Serac in 



*) Dufour 1/100,000, 1862/69, und Exk. S. A. C. „Blattje" 
Ital. Generalstabsk. 1/50,000, 1874/76, Blatt 23, „auf der 
Platte". — ») Auf Exk. S. A. C. namenlos. Auf ital. General- 
«tabsk. 1874/75 ganz unrichtig Monte-Rosa-Gletscher. Der 
Monte-Rosa- Gletscher ist der Hochgletscher zwischen Nord- 
end und Dufourspitze , der vom Silbersattel (4490") sich 
l^erabzieht. 



174 Mnil Burckhardt, 

seinem obersten Theile. Von hier erst bemerkten 
wir, wie weit rascher, sicherer und müheloser vir 
durch die Mitte des S6racs hätten gehen können. 

Inzwischen hatte sich das Wetter ganz schlecht 
gestaltet : um den Monte-Rosa und den Lyskamm zog^ 
wildes Schneetreiben, und als wir die große Firn- 
mulde des obern Grenzgletschers hinanstiegen, s'teckten 
wir in dichtem Schneegestöber. Anfangs in der wirk- 
lichen Hoffnung auf Besserung, dann, um uns gegen- 
seitig wenigstens den Anschein zu geben, als hättea 
wir diese Hoffnung noch, gingen wir weiter vor. 
Die Kälte war nicht sehr bedeutend, aber der starke 
Schneesturm nahm uns fast den Athem und hemmte 
unseren Fortschritt bedeutend. 

Es war gegen 8*. 4 Uhr, als wir über uns mensch- 
liche Stimmen hörten , unsere Jauchzer fanden Er- 
widerung und bald tauchte vor uns aus dem Nebel 
eine Gestalt auf, dann noch eine und wieder eine, 
schließlich eine ganze Karavane von sechs Mann, 
weiß von Reif und Schnee. Gegenseitige Begrüßusg^ 
ohne Lüftung der über die Ohren heruntergebundenen 
Hüte. Es waren drei italienische Bergsteiger mit 
drei Führern, die heute von der Hohlicht-Hütte am 
Lysgletscher über das Lysjoch kamen, um den Monte- 
Rosa vom obern Grenzgletscher aus zu besteigen \ 
aber durch das Unwetter zurückgeschlagen worden 



*) Der erste Besteiger der Monte-Rosa Dnfonrspitze Ton 
dieser Seite war H. M. D^chy, 29. Juli 1871. Vgl. Boilet del 
C. A. I. Vm, 1874, 181 ff., und Jahrb. S. A. C. XI, 1876/76, 630. 
Döchy, Z. Topof^raphie des Monte-Rosastockes. Conwsjr, Z, 
P.-B., 51, verlegt diese Ersteigung auf den 29. August 1874. 



Der Lyskamm, 17& 

waren, Sie erzählten, daß weiter oben der Sturm 
furchtbar tobe, und schlugen, da sie ein weiteres Vor- 
gehen unsererseits für unmöglich hielten, gemeinsamen! 
Rttckweg nach dem Riffel vor. Doch konnten wir un» 
dazu noch nicht verstehen. 

Von* großem Interesse für uns waren die Mit- 
theilungen unserer GoUegen vom Club Alpino über das 
Unglück von Marinelli und Imseng am Monta-Rosa 
vom 8. August, dessen Einzelnheiten bisher in Zermatt 
nicht genau bekannt geworden waren. — Die italieni- 
schen Herren waren übrigens von der Kälte stark 
mitgenommen. Ihre Equipirung schien mir für emst& 
Eisarbeit und für Wind und Wetter keine sach- 
gemäße; sie war zu elegant und zu fein: kurze 
Segeltuchcamaschen , dünne Fingerhandschuhe und 
leichte Kleidung. Auch ihre Führer, gleichfalls Italiener, 
waren nicht gehörig ausgerüstet. Schneehauben und 
dicke Fäustlinge, wie wir sie trugen, fehlten der 
Partie gänzlich. Im üebrigen waren die Herren kräf- 
tige, geschmeidige Gestalten und auch ihre Führer 
machten keinen schlechten Eindruck. - — Jedenfall»^ 
mußten die Leute in der letzten Zeit nicht viel in 
Wind und Wetter gewesen sein, denn ihre glatten Ge- 
sichter waren wohl glwchmäßig von der Sonne gebräunt,, 
aber nicht von jenem verwitterten Bronze, welches fort- 
gesetzter Aufenthalt in der Hochregion, in Schneebrand 
und Eisluft, erzeugt. 

Wir ließen sie mit der Ermahnung ziehen, im Sörac 
nicht unseren Spuren zu folgen, sondern vielmehr direkt 
durch die Schrunde abzusteigen. 

Ehrenhalber wurde noch einmal angesetzt, der tief 



176 Emil Burckhardt 

eingetretenen Spur der Italiener folgend. Nach einer 
halben Stunde, 9V4 Uhr, machten wir in der Höhe 
von 3950™ (AneroHd) einen Halt, um abzuwarten, 
ob das Wetter sich nicht besser gestalten wtlrde. Taiig- 
walder erklärte den Lyskamm als für heute verloren, 
während Jossi meinte, daß er wenige Tage zuvor 
mit mir den Grand-Combin bei nicht besserem Wetter — 
einmal unterwegs — erzwungen hätte und daß das- 
selbe vielleicht mit dem Lyskamme möglich sei. *) 
Orand-Combin und Lyskamm sind nun aber sehr ver- 
schiedene Berge, die in keiner Weise einen Vergleich 
.mit einander aushalten. 

Als Aeltestem und zumeist Interessirtem fiel mir 
<ler Stichentscheid über Vormarsch oder Rückzug zn. 
Ich rieth weder zum Einen, noch zum Andern, sondern 

I 

^u einem kräftigen Frühstücke. Während nun das- 
selbe seine besänftigende Wirkung auf die etwas 
gereizten Gemüther der Führer ausübte, kam uns der 
sehr zeitgemäße Gedanke, eine Umkehr sei eigentlich 
^as einzig Vernünftige. 

Etwas nach 9 ^k Uhr wurde dieselbe angetreten. 
Diesmal wählten wir den richtigen Weg durch die 
Mitte des S6racs. Bis zum unteren Grenzgletscher 
gab uns winterliches Schneegestöber das Geleite. Am 



Von Chamounix nach Zermatt unterwegs mochte icl 
den Grand-Combin (4317*°) als höchste Zwischenspitze nieh 
auslassen und wollte darum nicht gerne an diesem ao sie 
durchaus leichten Berge zurückgehen (13. August 1881). Ic 
setzte zwar meinen Willen durch, trug aber einen if'rost 
schaden an einer Hand davon, an dem ich längere Zeit zu 
4eiden hatte. 



J 



Der Lyskamm, 177 

Halteplatz bei ^aufm Felsen^, den wir frühmorgens 
zuyersichtlich und siegesgewiß verlassen hatten, trafen 
wir die dort rastenden Italiener. Gegen 1^,2 Uhr 
waren wir auf dem Riffel, unterwegs auf dem Gomer- 
gletscher von einem Gewitterregen noch ttichtig ab- 
gewaschen und iVa Stunden später in Zermatt. 

Nach diesem fehlgeschlagenen Versuche hatte der 
Ljskamm für mich erst rechtes Interesse gewonnen 
und ich nahm mir vor, keinen anderen Berg mehr zu 
machen, bis der Lyskamm mir gelungen war. 

Die beiden folgenden Tage, der 17. und 18. August, 
brachten ganz schlechtes Wetter und selbst für das 
Thal Schneefall. Als aber am Abend des zweiten 
Tages der Himmel sich aufhellte und ein frischer 
Kordost die Wolken fegte, brach ich zu später Abend- 
fitunde mit Jossi und Taugwalder nochmals nach dem 
Kiffel auf. . 

Den. 19. August früh marschirten wir wieder um 
2 Uhr ab, diesmal von Vorwürfen der Sachverständigen 
geleitet — darunter einige alte Bemer- und Zermatter- 
fflirer und Ingenieur Imfeid — die den Lyskamm 
bei frischem Schnee für durchaus gefährlich erklärten. 
Wir versprachen, von vornherein auf eine Traversirung 
Tom Lys- nach dem Felikjoch verziehten und uns mit 
dem Ostgi'at für den Auf- und Abstieg begnügen zu 
wollen. 

Das Wetter war denkbar schön, aber bitter kalt, 
^nd der Gornergletscher glashart gefroren, so daß 
er bei Laternenschein bis zu Tagesanbruch keinen 
sehr angenehmen Weg bot. Um 5 Uhr waren wir 
wieder „aufm Felsen '', wo wir die Laterne und etwas 



178 Emil Burckhardt 

Proviant znrückließen und eine nur viertelstündige Rast 
hielten. Meine Leute drängten ungeduldig vorwärts^ 
da sie aucli heute, doch wie mir schien^ mit Un- 
recht, der Witterung nicht recht trauten. 

Auf demselben Wege , den wir am 16. August 
zurückgekommen waren, gingen wir durch die tief 
verschneiten S^racs und hatten dieselben schon 6 Uhr 
40 Minuten Jiinter . uns. Im oberen Grenzgletscher 
mußte eine mächtige, vom Monte-Rosa gefallene^ 
frische Lawine, deren Eis- und Schneeblöcke das 
Qletscherthal weithin deckten und thdlweise sperrten, 
gekreuzt werden. Um 7^k Uhr waren wir da, wo 
die Wege nach dem Besiajoche und nach dem Lys- 
Joche sich trennen. Anstatt nun dem üblichen Lys- 
jochwege, der hier in weitem Bogen nach links aus- 
holt, zu folgen, griffen wir, um abzukürzen, die 
steilen Fimhänge an, die vom unteren Ende des Lys- 
kamm-Ostgrates gegen das obere Grenzgletscherplateau 
sich herunterziehen. *) Unsere Berechnung war eine 
falsche, denn nicht imnxor ist im Hochgebirge die 
geradeste Linie die kürzeste. Es gab lange und 
schwere Arbeit, zuerst im Eise, dann im tiefen pulve- 
rigen Neuschnee. Erst 9^'4 Uhr war die Gratiii^ie 
(AneroXd 4230»), etwas rechts, westlich oberhalb des 
Lysjoches (4200™), gewonnen und mit freudigem 
Jauchzen begrüßten wir die in hellem Sonnenglanze 
leuchtenden Berge Italiens. Die Aussicht war eine 



^) Vgl. Hardy, 1. c, 388. Ueber die beiden Paßflber- 
gänge 8. auch Conway, Zermatt Pocket-Book, 57, und 
Tschudi, 1885, 291. 



Der Lyekamm, 17? 

prachtvolle. ^) Von einer nordischen Hochregion, aus 
starrer Eiseskälte, glaubten wir uns mit einem Schlage 
in den weichen Stiden versetzt, und ein wundersames 
Gefühl von Wohlsein und behaglicher Wärme durch- 
strömte unsere vom scharfen Froste der letzten Stunden 
erkälteten Körper. Doch die Zeit drängte und ohne 
Aufenthalt wurde unser Ostgrat angegriffen. Es war 
9^/» ühr, als wir zum Beginne des letzten, entscheiden- 
den Ganges das Gepäck, d. h, den einzigen bis hieher 
mitgenommenen Sack, ablegten. 

Anfangs traversirten wir an der italienischen Süd- 
seite des Grates in von der Sonne leicht erweichtem, 
ziemlich zähem und gutem Schnee, dann betraten wir 
die Kammhöhe selbst, die anfangs noch unbewächtet 
war. Die Sache ließ sich zuerst vortrefflich an, mit 
wenigen Pickelhieben waren pächtige Stufen gemacht. 
Wenn die Verhältnisse so blieben, so konnte in einer 
Stande, um 10 ^'2 ühr, der Gipfel gewonnen sein 
und der Lyskamm war wirklich nur ein „Gratbummel", 
wie jener deutsche Bergsteiger meinte. Doch bald kam 
es ganz anders. Es trat neuer Pulverschnee mit 
blanker Eisunterlage zu Tage, die Grathöhe selbst 
wurde schwer bewachtet .und konnte darum nicht be- 
gangen werden. So paußte denn von 9^/4 Uhr an 
anf der steilen schweizerischen Nordseite des Kammes, 
tiber dem Grepzgletscher, traversirt werden. 

Später hörte zwar der Pulverschnee auf, dafür 



VgL Matthews, „Col de Lys", 1. c. 371. Der Ein- 
druck, den der Lyskammgrat von hier aus auf Matthews 
machte, war kein guter. „The ar^te of the Lyskamm did 
not look encouragtng**, meint. er (1. c. 372). 



180 Emil Burckhardt, 

kam aber hartes, sprödes Eis, in dem Taugwalder, 
der vorausging, schwere Arbeit hatte. Sein englischer 
Pickel, mit den sägeförmigen Einkerbungen auf der 
inneren Fläche der Spitzhaue, bewährte sich nicht und 
mußte durch den viel erprobten wuchtigen Grindel- 
waldner PickelJbssi's ersetzt werden — ein weitgereistes 
Erbstück des verstorbenen Führers Peter Michel, das 
mir schon vor manchen Jahren den Weg über das 
Eigerjoch und von der Wengernalp über die Jungfrau 
gebahnt hatte. Gegen 1 1 Uhr begann ein starker Nord- 
westwind, der sich nach der Mittagsstunde zum eigent- 
lichen Sturme steigerte und uns im Vereine mit der 
großen Kälte so hart zusetzte, daß wir uns oft nur 
mit Mühe in den gehauenen Stufen behaupten konnten. 
Stunde auf Stunde verrann und unser Fortschritt war 
kaum zu erkennen. In der Depression am Fuße des 
Hauptgipfels hielten wir stehend eine Rast von wenigen 
Minuten, während welcher es uns gelang, die Blut- 
circulation in unseren beinahe erstarrten Füßen wieder 
herzustellen. Jossi trat nun an Taugwalder's Stelle. 
Die Kälte und die erbarmungslosen Windstöße wurden 
nachgerade fast unerträglich, so daß wir, nur um 
rascher voranzukommen, schließlich doch die Gwächte 
der Kammhöhe selbst zu begehen versuchten, aller- 
dings mit größter Vorsicht. Aber bei den ersten 
Pickelhieben klang es, wie wenn ein Stein in einen 
Haufen Glasscherben geworfen würde. Die Gwächte 
war zwar gefroren, aber völlig unterhöhlt. Wir waren 
froh, als wir wieder auf unserer zwar sehr ungemüth- 
liehen, aber doch sicheren, Nordseite waren. 

Endlich, 20 Minuten nach zwei Uhr, fiel der letzte 



Der Lyskamm. 181 

Beilschlag und der Gipfel (4538°*) war gewonnen. 
Von ^k 10 Uhr an war — eine Rast von kaum fünf 
Minuten abgerechnet — von meinen Leuten fortwährend 
unter den ungünstigsten Bedingongen im blanken Eise 
gearbeitet worden, um keine 250™ Steigung und 
circa 900°* Längendistanz zurückzulegen. 

Wir lagerten uns auf der durchaus windstillen 
felsigen Südseite des Gipfels, wo die Rast in der 
wannen Sonne ein wahrer Genuß war. ^) Schon nach 20 
Minuten, 2 Uhr 40, wurde der Rückweg angetreten 
und zwar, da uns, des noch stets mit imverminderter 
Heftigkeit herrschenden Sturmes wegen, trotz der nun 
gehauenen Stufen der Abstieg Über den Ostgrat zu 
bedenklich schien, über die italienische Seite, nach 
dem Lysgletscher hinunter. Keinem von uns war 
der Weg zwar irgendwie bekannt, doch bemerkte Taug- 
walder sehr richtig, wo Imboden mit Thomas hinauf- 
gekommen sei, würden wir wohl auch hinunterkommen. ^) 

Zuerst verfolgten wir für kurze Zeit die Höhe 
des Südgrates, genauer Südostgrates, und begannen 
dann an seiner Ostseite abzusteigen. Die Felsen waren 
anfangs leicht, dann wurden sie etwas schwieriger 
und ziemlich lose ; doch boten sie nirgends ernsthafte 
Hindernisse.^) Unser Fortschritt war demzufolge, ob- 

*) Ueber die sehr lohnende Aussicht verweise ich auf 
Hardy, 1. c. pag. 392/393. *) Meine Karten ließen mich auf 
dieser Seite völlig im Stich. Die topographische Karte geht 
nicht über die Grenze ; Dufour Viooooo, S. A. C. Excursionskarte 
und italienische Generalstabskarte 1873/74 sind hier voll- 
ständig verzeichnet und absolut unbrauchbar. •) Tbe^mas» 
1. c, sagt ganz richtig: „Die wirklich interessante Fels- 
kletterei, obschon nicht überall besonders leicht, bietet doch 
niemals außergewöhnliche Schwierigkeiten dar." 



182 Mml Burckfiardt 

wohl der' Weg von oben nicht immer richtig zu be- 
urtheilen war und daram mancher Zeitverlust entstand, 
ein gleichmäßiger und guter, und ^/4 5 ühr standen 
wir, nachdem wir zuletzt ein steiles, zuunterst mit 
Eis ausgelegtes Couloir abgeklettert, am Bergschrunde, 
der dem fimumsäumten Fuß der Felswand sich ent- 
lang zieht. Leider war der Schrund hier nicht 
passirbar. Schließlich fand sich mehr rechts ein zwar 
nicht guter, aber doch practicabler üebergang, den 
wir, da Steingefahr drohte, möglichst rasch be- 
nützten. Um 5 Uhr, 2 Stunden 20 Minuten nach Ver- 
lassen des Gipfels, standen wir auf dem Lysgletscber, 
oder genau genommen, dem östlichen Lysfime. ^) 

Ein Abstieg nach der Hohlichthütte oder nach dem 
Col d'OUen wäre nun das Beste gewesen; doch 
sprachen zwei gewichtige Gründe dagegen: unser oben 
am Ostgrate des Lyskanimes zurückgelassener Sack 
und die Besorgniß, welche unser Ausbleiben auf dem 
Riffel hervorgerufen hätte. So entschlossen wir uns 
denn trotz der vorgerückten Zeit und des noch sehr 
weiten "VYeges, über das Lysjoch nach dem Riffel 
zurückzukehren. 

Der Aufstieg die langen Firnhänge hinauf nach 
dem Lysjoche im bodenlosen, tieferweichten Schnee war 
eine Geduldprobe und für den vorangehenden Mann 
eine harte Aufgabe. Er kostete ^'4 Stunden. 6 ^Ia Uhr 



Matthews, 1. c. 378, spricht ganz richtig von einem 
östlichen und westlichen Lysgletscher, bezw. Lysfirae, welche 
sich ^ann zum eigentlichen unteren Lysgletscber vereinigen. 
Zumstein nannte die beiden oberen Firnzufltisse Salzia- und 
Felikgletscher. 



Ber Lyskamm, 183 

wären wir auf der Paßliöhe, von wo Jossi abgeschickt 
wurde , lacm den zarltokgelassenen 8ack zu holen, 
während Tangwalder Und ich, zufrieden iuit unserem 
bisherigen Tagewerke, etwas rasteten. In unseren 
verwebten alten Btufen, die vielfach neue Arbelt er- 
forderten, ging ea die steile Firuwand gegen den 
Chrenzgletachidr hinab. Es dämmerte, als wir durch 
das 66rAc lavirten, und um 8 Uhr betraten wir unseren 
Halteplatz bei „aufm Felsen^, wo wir 15 Stunden 
zuvor gefrtthstttekt hatten. Ein Gewitter, das schon 
geraume Zeit drohte, kam zum Ausbruch und der 
Kegen goß in Btrßmen. Trotzdem machten wir in 
froher Stimmung einen Halt von über einer halben 
Stunde und gingen erst naeh einer sehr opulenten 
Mahlzeit, als dem besteh Schutz- und Trutzmittel 
gegen Kälte und Nässe, weiter. 

In Begen und Wind, außer Stande, unsere Laterne 
zu gebrauehen, bei pechschwarzer Finstemiß, in der 
wir mehrfach irre gingen, kostete uns der RUckweg 
naeh dem Biffel fast das Doppelte der gewöbnlieben 
Zeit, gegen 3 Stunden. Um 11 ^'2 Uhr traten wir, 
naß bis auf die Knochen, in's Hotel, wo man mit 
eifiiger Sorge unserer wartete. 

Der herzliche Empfang, der von Seiten der treff- 
liehen, um das Wohl ihrer Gäste stets besorgten Frau 
Klausen uns zu Theil ward, schloß in wohlthuender 
Weise einen schönen und wechselvollen Tag ab, an 
den ich gerne zurückdenke. 

Den beiden Führern, Gabriel Taugwalder und 
Christen Jossi, meinen bewährten Begleiten! auf 
mancher Fahrt, die diesmal zur Durchführung einer 



: 



184 Emil Burckhardt 

Tour, mit welcher sie nnter den damaligen Verhält- 
nissen nicht einverstanden waren, ihre ganze Kraft 
eingesetzt hatten, spreche ich an dieser Stelle den 
herzlichsten Dank ans. 

Es war, soweit ich aus der mir zn Gebote stehenden 
Litteratar habe ersehen können, wohl das erste Mal,, 
daß der Lyskamm vom Riffel ans und zurück mit 
Aufstieg vom Lysjoch und mit AhsUeg über die 
Felsen der italienischen Seite nach dem Lysgletscher 
und Rückkehr über das Lysjoch am gleichen Tage 
gemacht wurde und wohl auch die erste Begehung 
des Ostgrates überhaupt seit dem Unglücke von 1877» 
Auch wenn bessere Verhältnisse angetroffen werden, 
als wir sie hatten, also kein tiefer Neuschnee auf 
dem Gletscher und kein hartes Eis und Sturm auf 
dem Gipfelkamm , bleibt es ein langer Tag. Als 
Schnee- und Eispartie ist es eine durch und durch 
großartige, prachtvolle Tour ersten Ranges, wenn sie 
auch nicht die aufregenden technischen Schwierigkeiten 
einer Dent Blanche und eines Obergabelhomes, eines 
Zinal-Rothhornes und Weißhomes bietet.^) Am schön- 
sten, aber auch am schwierigsten ist jedenfalls eine 
Traversirung des Berges vom Lysjoch nach dem 
Felikjoch oder umgekehrt, wozu aber tadelloser Zu- 
stand des Gipfelgrates gehört. ^ Leider blieb mir dieser 
Genuß versagt. 



*) Diese Berge haben mich weniger Zeit, als der Lya- 
kamm, gekostet; ebenso Matterhorn, Dom, Nadelhom und 
vier Monte Rosa-Spitzen (Dufour, Parrot, Nordend, Jägerhom). 
') Vom Wesigrsite schreibt Davidson: „Der Felikjochgrat ist 
der längste und härteste Schneegrat, auf dem ich gewesen hin. 



Der Lyskamm. 185 

Was nun die berüchtigte Gwächte des. Ostgrate» 
anbelangt^ so ist dieselbe naturgemäß von wechselnder 
Beschaffenheit. Sie wird das eine Mal mehr, das andere 
Mai minder ausgebildet sein, aber stets große Vorsicht 
erfordern. Ich verweise darüber auf die sehr richtigen 
Bemerkungen im Alpine Journal, VIII, 1878 - 1880,. 
pag. 348 und 349. An den Reisenden stellt der Lys- 
kamm, obschon nicht eigentlich schwierig, meiner An- 
sieht und Erfahrung nach doch größere Anforderungen^ 
als der Gipfelgrat des Weißhomes, des Bietschhomes 
oder die Schneide des Piz Roseg. Das stundenlange 
Traversiren am jähen Nordabhange des Lyskamm- 
grates verlangt immerhin eine gewisse Festigkeit 
nnd Uebung. Sind diese beiden Eigenschaften beim 
Touristen nicht vorhanden, so wird die Partie 
auch mit den besten Führern zu einer riskirten, zu- 
mal wenn der Grat hartes Eis weist und das Wetter 
stürmisch ist. Der Kamm selbst steigt keineswegs 
steil an; Hardy, der erste Bergsteiger, hat mit dem 
Rlinometer an den steilsten Stellen 36° gefunden^ 
während seine Messung für die seitliche Neigung 52<> 
ergab. ^) Für Leute, die mehr mit dem Augenmaße und 
der Phantasie, als mit deih Meßinstrumente, und besser 



Unter keineswegs ungünstigen Bedingungen kostete es un» 
mehr als sechs Stunden fortwährender Arbeit, wovon eine 
Stunde rittlings auf dem Grate, vom Felikjoche bis zur Spitze 
zu gelangen. — A. J. VIH, 1876/78, 348. 

P. P. and Gl. II, 1, 390. Mit Recht sagt Hardy, der 
Kamm sei von sehr unregelmäßiger Beschaffenheit („very 
irregulär in its construction"). Hardy hatte ausgezeichnete 
Bchneeverhältnisse. 



186 Emil Burckhardt. 

mit Zunge und Feder, als mit den Beinen, arbeiten, 
ist dies allerdings nichts, fttr ernsthafte Bergstdger 
dagegen immerhin Etwas. Ich persönlich halte die 
Eiswände des Eigerjöches und der Güßfeldtpförte, 
die man (abgesehen von einer Traverse von wenigen 
Schritten) gerade hinaufsteigt, zwar nicht für den 
Führer, an den sie, besonders die Gttßfeldtpforte, sehr 
hohe Anforderungen stellen, aber doch für den Touristen 
für leichter, als den Lyskamm, wo man fortgesetzt 
unterhalb der Gwächte bezw. Grathöhe traversiren 
muß. Doch ist dies eine ganz subjective Anschauung, 
die durchaus nicht Anspruch auf Unfehlbarkeit machen 
will, sich aber immerhin auf eigene Erfahrung grttadet. 
Ich möchte bei diesem Anlasse die Aufmerksam- 
keit der führerlosen, neueren Bergsteiger auf diese 
beiden Eispartien par excellence richten. Bei denselben 
können der großen Steilheit wegen (Eigeijoch bis 60», 
Güßfeldtpforte bis 68 und TO«, beides laut KUnometer- 
messung) Steigeisen nicht zur Verwendung kommen, 
sondern es ist durchweg Stufenschlagen erforderlich, 
tmä zwar an der einen dieser Partien, der Gttßfeldt- 
wand, unter sehr schwierigen Verhältnissen. Daß es 
Bergsteiger gibt, welche Führern ersten Hanges gleich- 
stehen, haben die Engländer Gardiner, Hulton und Pil- 
kington^ die Deutschen Purtscheller, Zsigmondy, Lammer 
und Lorria bewiesen. Interessant wäre, zu erfahren, 
ob auch in sehr langem Stufenschlagen diese führer- 
losen Bergsteiger unseren besten Schweizerführem 
ebenbürtig sind. Das Eigerjoch, bezw. dessen letzte 
Eiswand^ kostete mich, d. h. meine Führer (1873), 
5 ^l2 Stunden effectiven Stufenschlagens, die Güßfeldt- 



Der Lf/skamm, 187 

pforte (1^74), einschließlich des Bergschrundes, etwas 
über 7 Btnnden. Als gewöhnlicher Durchschniitsberg- 
steiger mnßte ich die Arbeitsleistung meiner Führer 
an diesen Eispartien bewundern. Der einfache Tourist 
von mittlerer Leistungsfähigkeit ist schon recht zufrieden, 
wenn es ihm immer gelingt, sicher in den Stufen zu 
gehen, welche sein Führer oft nnter den schwierigsten 
VerhSltnissen für ihn hat schlagen müssen. Um so höher 
steheb in bergsteigeriseher Beziehung Leute über ihm, 
welche nicht nur jeder Hülfe entbehren können, son- 
dern auch die ganze Arbeit des Führers verrichten. 
Der Lyskamm ist meines Wissens von Purtscheller 
ohne Führer bestiegen worden, bei welchem Schnee- 
zustande, ist mir unbekannt. Jedenfalls können bei 
den Neigungswinkeln des Lyskammes Steigeisen zur 
Anwendung kommen, so daß an diesem Gipfel die 
hier berührte technische Frage der Leistungsfähigkeit 
der führerlosen Bergsteiger im Stufenschlagen ihre 
Lösung nicht finden kann. 

Der schneidige und erprobte englische Bergsteiger 
Davidson, welcher 1877 den Lyskamm vom Felikjoeh 
nach dem Lysjoch traversirt hat und später bei der 
Aufsuchung der Leichname der verunglückten Partie 
Lewis-Paterson betheiligt war, schreibt: „Nachdem 
^ich dieses Jahr (1877) den Lyskamm bei den aus- 
^gezeichnetsten Schnee- und Witterungsverhältnissen 
^traversirt habe, und zwar mit ausnahmsweise guten 
^Führern, kam ich entschieden zum Schlüsse, daß 
„derselbe gewöhnlich von den Bergsteigern unterschätzt 
„wird. Der Lysjoch-Grat, obschon thatsächlich vom 
„bergsteigerischen Standpunkte aus nicht schwierig. 



^ 



188 Emil Burckhardt. Der Lyskamm. 

„erfordert noth wendiger weise immer große Sorgfalt 
„und Festigkeit, und fast überall auf demselben würde 
„ein wirkliches Ausgleiten höchst bedenklich sein." 
Nun, dies ist bei manchem Berge mit lauteren 
Eispartien der Fall, ohne daß derselbe darum von 
den Bergsteigern gemieden würde. Meinen schweize- 
rischen Collegen, die sich bisher einem der schönsten 
Hochgipfel Zermatt's gegenüber so ablehnend verhalten 
haben, sei der Lyskamm aufs Wärmste empfohlen. 
Möge er aber auch stets so gemacht werden, wie 
er es verdient, nicht über die Felsen der italienischen 
Seite auf und ab, wie dies hie und da vorkommt^), 
sondern vom Felikjoche oder vomLysjoche aus über 
den Grenzkamm, als eine der schönsten Oratpartien 
der schweizerischen Alpen. ^) 

Meine Zeiten waren: 

Ab Riffel (2569«") 2 Uhr früh. Aufm Felsen 4. 55—6. 16. 
Oberer Grenzgletscher 6. 40. Halt im Plateau circa 4000» 
7.35—7.50. Fuß des Ostgrates, westlich vom Lysjoch (4230"), 
9.30. (Am Ostgratfuße 5 Min. und in der Gratdepression am 
Gipfelfuße 5 Min. Halt.) Lyskamm (4538«») 2. 20—2. 40 Nehm. 
Oestlicher Lysgletscher (3800™?) 5. — . Lysjoch (4321/420(r} 
6. 15-6. 25. Aufm Felsen 8.-8 35. Riffel 11.30. Total: 21 Std. 
30 Min., wovon 19 Std. 40 Min. Marsch und 1 Std. 50 Min. 
Rast. 



1) Z. B. 1878: P.W.Thomas, 1884: Perrazzi. ») lieber 
die verschiedenen Wege siehe noch Conway, Zermatt Pocket- 
ßook 1881, 59/60. Tschudi's Angaben über den Lyskamm 
sind auffallend dürftig, vgl. Ausgabe 1885, 1. e. 



Aus dem Rhätikon. 

Von 

E. Wäber (Section Uto). 



Im ersten Jahrbuch des S. A. C, pag. 527 u. ff., 
finden wir ein „Sendschreiben" an den damaligen 
Redactor,* Dr. Abraham Roth, von Oberst Hans Wie- 
land, der durch diese Arbeit einer Einladung zum 
Mitwirken am ersten geistigen Lebenszeichen des 
jungen Schweizer Alpenclubs nachkam. Mit köst- 
lichem Humor erinnert er sich gemeinsamer Erleb- 
nisse vom Truppenzusammenzng, dessen Manöver sich 
im August 1861 durch das Reußthal hinauf, über 
den Gotthard und in's Thal der Rhone hingeaogen, 
und den der Briefsteller als Chef des Generalstabes, 
der Adressat als Berichterstatter und Schlachten- 
bummler mitgemacht hatten. — Er schildert sodann 
unsere Alpenthäler und Pässe als Schauplatz des 
wirklichen Krieges, skizzirt in kurzen Zügen den 
Charakter des Krieges im Hochgebirge, da jeder noch 
80 einsame Paß, jeder noch so versteckte Schmuggler- 
weg von größter Wichtigkeit werden kann, und 



190 -B. Woher. 

stellt endlich den kleineren Leuten unter den Alpen- 
clubisten die Aufgabe, diese wenig frequentirten 
kleinen Alpenpässe, besonders die unseren Alpen- 
straßen parallel führenden Steige, zu begehen und 
zum Zwecke der Landesvertheidigung in Bezug auf 
Gangbarkeit, Zeiterforderniß, Verpflegung und Unter- 
kunft von Truppen zu beschreiben. In einer Reihe 
von Fragen wird das, was am meisten zu wissen 
noth thut, präzisirt und an den Beispielen des Simplons 
und Splügen und ihrer Parallelpfade die Aufgabe 
näher erläutert. 

Auch wir, Freund K. und der Schreiber dieser 
Zeilen, zählen uns zu den „kleineren Leuten^, und 
da uns die Aufgabe Oberst Wieland's als Bergfahrer 
wie als Militärs gleich sehr anzog, wollten wir einen 
Versuch auf diesem Felde machen und einer fröhlichen 
Berg- und Paßwanderung das Nützliche einer Recog- 
noscirung im westlichen Rhätikon gesellen. 

Das gewählte Gebiet weist auf k,urzer. Strecke 
eine ganze Reihe solcher kleiner Pässe auf. und ist 
sowohl an landschaftlicher Schönheit wie an historisch 
interessanten Erinnerungen reich. An der Schwelle 
unseres Jahrhunderts, als sich die Halbbrigaden der 
französischen Republik mit den österreichischen R^- 
meutern um den Besitz der Luziensteig stritten, 
belebten sich die einsamen Gebirgspfade wiederholt 
mit österreichischen Truppen, die über das unwirth- 
liehe Grenzgebirge vom Vorarlberg her nach Grav- 
bttnden zogen. Wir wollten also dieses Stfick onserer 
Grenze von Grund aus kennen lernen und dabei die 
Wege suchen, die jene fremden Gäste im Frühling 



Aus dem Bhätikon, 191 

des Jahres 1799 gekommen sind, um andere Fremd- 
linge auf Schweiaerboden zu bekämpfen. *) 

Es war am 16. August 1881, als wir selbander 
die wohlbepackten Tornister auf den Rücke» schwangen 
und zum alten Städtlein Maienfeld hinaus den nahen 
Bergen zuwanderten. Unsere Absicht war, von der 
Luziensteig aus auf direktestem Wege, also, ^urch 
das „Glecktobel" hinauf, nach dem <}amperthonthale 
im Vorarlberg zu gelangen. Der Himmel schien un» 
ungnädig; sein Blau hatte einem trübseligen Grau 
das Feld geräumt und Frau Sonne sich hinter den: 
Wolkenvorhang zurückgezogen. 

Der Nachmittag war. schon ziemlich vorgerückt,, 
als wir uns von den Festungswerken dem Eingange- 
des Glecktobels zuwandten. Ein leidlicher Weg führte 
nns am linken Ufer des Gleckbaches steil empor im 
Dunkel der Tannen, durch die der graue Himmel 
grämlich herabschaute. Als sich nach einer Weil& 
scharfen Steigens der Wald lichtete und wir in's- 
Freie traten, fanden wir uns schon ganz im Kessel 
des Tobeis, dessen Abschluß hoch oben der Sattel 
des Gleckkammes zwischen Gleckhorn und Hoch 
Pumis bildet. Zu unserer Linken ragten die Thürme: 
des Gyrenspitz und Falknis, rechts stieg der Berg- 



*) Die historischen Notizen sind folgenden Werken ent- 
nommen: Erzherzog Karl, Geschichte des Feld^iuges von 
1799 ; W- Meyer, Biographie Hotze's, u. Mar^s : Pr6ci8 histo- 
riqae de la campagne du General Mass^na dans les Grisons. 
Einige Weganjgaben verdaäken wir dem bekannten Führer 
Fortunät Enderlin in der Bündt Maienfeld,- der noch Augen- 
zeugen jener Tage gekannt hat. • * . 



192 R. Wäber. 

wald stotzig empor und vor den Ausgang des Tobeis 
legte sich breit der Fläscherberg mit seinen Block- 
Musern. Wildheuer waren emsig beschäftigt, ihr Heu 
vor dem drohenden Regen zu bergen; es war hohe 
2eit: schon fielen einzelne Tropfen und bald rauschte 
über Wald und Wiese der Regen herab, vor dem 
wir unter den dicliten Aesten einer Tanne am Wald- 
rand Obdach suchten. 

Zweimal schon hat schweizerische Gebirgsartillerie 
•den Uebergang durch das Tobel hinauf nach den 
Maienfelder und Jeninser Alpen gemacht. Nach ver- 
geblichen Versuchen gelang es zum ersten Male im 
Jahr 1870, je einen Zug von jeder der beiden Batterien 
über den Gleckkamm zu bringen, nachdem Tags 
zuvor Hauptmann Simonett, der Bezirksingenieur von 
Splügen, die nöthigsten Wegarbeiten geleitet hatte. 
Im obersten Drittheil des Tobeis ist eine längst ver- 
lassene Gypsgrube; bis dorthin kamen die Pferde 
auf dein alten steilen Saumwege leidlich fort, aber 
von dort bis zur Paßhöhe hatte ein neuer Weg 
zwischen den Felsköpfen hindurch angelegt werden 
müssen. Der zweite Uebergang geschah vor wenigen 
Jahren unter dem jetzigen Chef der Gebirgsartillerie. 
Es ist ein rauhes Stück Arbeit gewesen; beide Male 
mußten an einigen Stellen die Pferde abgepackt und 
die Geschütze von der Mannschaft getragen werden. 

Der Regen hatte nachgelassen ; es huschte sogar 
ein Sonnenstrahl über die nassen Matten und wir 
brachen wieder auf. Hoch über dem Bach, am linken 
Thalhang, zog sich der schmale Weg hin ; steiler und 
schlechter werdend, führte er bald über Wiesland, 



Aus dem Bhätikon, 198 

bald durch Waldstreifen empor; wilder wurde die 
Landsebaft, rauher der Weg, über Schutthalden und 
Felsen hinanftihrend , und jetzt pfiff ein kalter Wind 
das öde Tobel herauf, uns eisigen Regen in's Gesicht 
peitschend. Da stehen wir endlich auf dem welligen 
ßasenboden des Gleckkammes, und dort unten zu 
unserer Rechten liegen die Hütten der Alp „Bad^, 
die wir, durchnäßt und frierend, im letzten Schimmer 
des Tages erreichen. 

Die ganze Nacht durch trommelte der Regen auf 
das Hüttendach, und am Morgen sah die Landschaft 
trosfios grau in grau gemalt aus. Am Gleckhorn 
flatterten einzelne Streifen des Nebels, der dort, wo 
wir die Alpen von Eck und Stürvis verrautheten , in 
dichter Masse das Hochthal füllte; von unserem 
Excursionegebiet, der Kette des Rhätikon, war keine 
Spur sichtbar. 

Da das Wetter den ganzen Vormittag über gleich 
schlecht blieb, wurde der Rückzug über Jenins an- 
getreten. 24: Stünden nach unserm Ausmarsch rückten 
wir wieder im Städtlein Maienfeld ein; der erste 
Aulauf war abgeschlagen und es regnete immer noch. 

Als wir zwei Jahre später desselbigeu Weges 
ftibren, glänzten die Häupter der Kurfirsten in neuem 
Schnee; am Falknis droben jagten sich die Nebel, 
und wenn der Berg auf Augenblicke sichtbar wurde, 
zeigte aueh er den neuen , bis weit herab reichenden 
SchneemaBtel : aber über Allem lachte die nach langem 
Unwetter siegende Sonne. 

Die Reise galt dem voa den Maienfelder Alpen 
nach dem Saminathal führenden Uebergang , dem 

13 



194 E, Wäber, 

Jes-Fürkli oder Samina-Joch. Unser bisheriges Karten- 
material, Blatt X der Dufourkarte und Blatt Bludenz- 
Vaduz der österreichischen Generalstabskarte, war 
durch das eben erschienene Blatt 273 (Jenins) des 
Siegfried-Atlas vermehrt worden. Statt des Gleck- 
tobels schlugen wir den Umweg über Guscha und 
den Gyr ein. 

Da waren wir wieder bei der gesperrten Eingangs- 
pforte Graubündens, bei den Werken der Luziensteig^ 
angekommen. Es ist schon viel Kriegsvolk aus aller 
Herren Ländern die Straße zwischen Gyrenspitz und 
Fläscherberg gezogen, und oft hallten die Felswänjde 
vom Kampflärm wieder, vom Schwabenkrieg bis auf 
die Zeiten Mass^na's und Hotze's. Wie wurde im 
Frühjahr 1799 um den Paß gestritten! Im Oktober 
des vorhergegangenen Jahres hatten die Oesterreicher 
seine Werke besetzt; im März 1799 wurden sie ihnen 
von Mass6na entrissen; am 1. Mai versuchte Hotze, 
die Steig wieder in seine Gewalt zu bringen; der 
Angriff mißlang , doch 14 Tage später wurde ein 
erneuter Versuch mit Erfolg gekrönt und der Paß 
von den Kaiserlichen wieder gewonnen. 

Der Thurm, dessen weiße Zinnen 100" ob der 
Straße so kokett aus dem Grün des Buchwaldes 
hervorgucken, und der die rechte Flanke des Werkes 
schützen und den Weg von Guscha sperren soll, 
stand damals noch nicht; der Weg,^ der uns nun im 
kühlen Waldesschatten emporfdhrt, war offen. Das 
haben die Oesterreicher büßen müssen, als Massöna 
am 6. März die Luziensteig angriff. Nach großen 
Schwierigkeiten war es ihm gelungen, bei Trübbach 



ÄU8 de^n BTiätikon, 195 

eine Bockbrticke über den hochgehenden Rhein zu 
eretellen, über die seine Infanterie das rechte Ufer 
gewann, bevor sie nur ganz vollendet war. Um 3 Uhr 
Nachmittags standen die Franzosen ohne Stunngeräth, 
ohne Artillerie vor den Werken, die mit sechs Com- 
pagnien und fünf Geschützen besetzt waren. Der 
Angriff war gewagt; es galt, die Verbindung des 
österreichischen Hauptquartiers in Feldkirch mit den 
in Graubttnden stehenden Truppen zu unterbrechen 
nnd am rechten Kheinufer festen Fuß zu fassen. 
Links die starke Stellung der Oesterreicher in dem 
befestigten Feldkirch, vor sich das unwegsame Gebirge, 
im Rücken die schlechte Brücke von Trtibbach, 
mußte sich Mass^na zum raschen Sturm auf die 
Laziensteig entschließen. Er leitete das Unternehmen 
selbst, detachirte zwei Grenadiercompagnien nach 
dem Guscherweg hinauf und ein Bataillon über den 
— ebenfalls nicht gesperrten — Fläscherberg nach 
dem Rücken der Position und stürmte mit einem 
Bataillon in der Front. Viermal wurde der Angriff 
zarttckgeschlagen. Die Grenadiere waren endlich im 
tiefen Schnee durch den steilen Wald zwischen Balzers 
und den Schanzen auf den Guscherweg gelangt und 
senkten sich nun nach dem Paß herab; die beim 
Rappentobel ausgestellten österreichischen Posten 
wurden erschossen, und bei Einbruch der Nacht, als 
Mass^na die letzten vier Reservekompagnien zum 
letzten Sturme vorgesandt und die rechte Flügel- 
redoute des Werkes genommen hatte , drangen die 
Grenadiere im Rücken der Schanzen ein ; die Luzien- 
8teig ward nach heißem Kampf erobert und die 



X96 B. Wäber, 

Straße nach Graubtinden war für die Oesterreiclier 
verloren. 

Vor uns liegt die Häuserreihe von Guscha, wo 
man nach dem Volksmund den Hühnern Steigeisen 
anlegt und die Kinder anbindet^ daß sie nicht erfallen. 
Die Luziensteig war für das friedliche Dorf lein, dessen 
Fenster im Abendsonnenschein weithin über's Rhein- 
thal glänzen, ein gefährlicher Nachbar, und die Kriegs- 
fackel hat auch diesen abgelegenen Winkel nicht 
verschont. Bei der Wiedereroberung Bündens durch 
Oesterreich im Jahr 1622 leuchteten die Flammen 
des Dörfleins in's Land hinaus , ein Zeichen der 
wilden Horden Ballestra's, und anno 1799 pfiffen 
hier die Kugeln der Franzosen und Oesterreicher. 

Die Häuser zerfallen; nur noch drei Familien — 
alle den Namen „Joost" führend — hausen auf Guscba, 
und bei Florian Joost, dem wohlbekannten Jäger, be- 
zogen wir das Nachtquartier auf der Guscher Alp, 
eine halbe Stunde ob dem Dörfiein. 

Eine kalte, klare Nacht war heraufgezogen; die 
Strahlen des Mondes versilberten die schneeigen 
Spitzen des Falknis und im bläulichen Duft glänzten 
die Lichter von Ragaz durch die Lücke der Luzien- 
steig in unsere Bergeinsamkeit herauf. 

Am Morgen genossen wir die prächtige Aussicht 
auf dem dachsteilen Guscher Grat, und als es Mittag 
war, lagen wir bei den obersten Heuställeo des 
Guschertobels — hier „Bargün'* genannt — im hoben 
Grase und warteten auf unsem Wirth Flury, während 
nah und fern die Sensen der Wildheuer erklangen. 

Um zwei Uhr kam Meister Joost vom Heuen den 



Aus dem Bhätikan. 197 

(Steilen Abhang heraufgestiegen; er wollte uns über 
„aufdemGyr'^ nach dem Fläscherthäli (Radaufis) führen 
und wir brachen auf, dem Grate zu, der den Kessel 
von Guscha vom liechtensteinischen Wildhaustobel 
trennt und der jenseits der Grenze „Mazoura" genannt 
wird; über Geröllhalden gelangt man von hier aus 
zur Alp Lavena hinunter. 

Hier ftihrte in der Nacht des 30. April 1799 
Major Quelf ein österreichisches Bataillon von Lavena 
herüber und vertrieb die Guscha besetzt haltenden 
Franzosen. Es war dies eine der Kolonnen, die Hotze 
bei seinem ersten Versuch, die Luziensteig wieder zu 
gewinnen, über die Berge nach dem Rücken der 
Werke detachirt hatte. 

Am Abhang des Falknis, hoch über dem Guscher- 
tobel, ging's nun der Uebergangsstelle ob dem Gyren- 
spitz zu; der Weg war des neuen weichen Schnee's 
wegen etwas mißlich und erforderte Vorsicht. Um 
vier Uhr waren wir dort, circa 120™ oberhalb Punkt 
2167 der topographischen Karte „auf dem Gyr", an- 
gekommen; unter uns fallen die Wände der „Thtirme^ 
schroff ab zum Glecktobel, das sich zum Gleckhom zu 
unserer Linken emporzieht; nach Süden dringt der 
Blick über die weinberühmte Herrschaft und die alten 
ftnf Dörfer bis nach der ehrwürdigen Bischofsstadt 
Chur, nach Osten in's tief eingeschnittene Prättigau, und 
dazwischen erhebt sich das Gewirr der Spitzen und 
Homer des Bündnerlandes. 

Nach kurzer Rast führte uns Meister Flury quer 
durch die tief eingerissenen Schluchten und über die 
Rippen des Berges nach dem Grat, der sich von der 



198 B, Woher. 

Falknishöhe hinüber nach der Gleckwand schwingt« 
Hier öffnet sich der Blick in das Hochthal von Radaufis 
mit seinen drei blanen Seelein, und hier verabschiedete 
sich unser freundliche Wirth und Führer. 

Wir stiegen über die Platten des Grates hinab 
zum obersten der Seelein. In engen Felswänden ein- 
gebettet liegt es da, unergründlich tief, und wer 
seine Tiefe messen will, der erregt den Zorn der 
Berggeister, daß das stille Gewässer laut brausend 
aufschäumt. Von einer Kuh, die einst hineingefallen, 
kam nichts mehr zum Vorschein, als die Glocke, die 
im Kathrinenbrunnen zu Balzers unten zu Tage sprang. 
So meldet die Sage. 

Bald war das Hochthal, in dem die Heerden von 
Fläsch weiden, durchwandert und die Alp Sarina 
erreicht, und eingedenk genossener Gastfreundschaft 
stiegen wir noch hinan zu den Hütten des „Bades^ 
am GleckkancuB. Da war nun das wunderbare Land- 
schaftsbild , das uns vor zwei Jahren die grauen 
Nebel verhüllt hatten: schöne Alpweiden senken 
sich hinab zum Bergwald, der das Thal zwischen 
Tschingel und Aebigrat füllt, und darüber baut sich 
das gewaltige Massiv des Alpsteins auf, tiberragt von 
der aus Schnee und Eis aufstrebenden Pyramide der 
Scesaplana, die in den letzten Strahlen der sinkenden 
Sonne erglühte. 

Früh Morgens ging's durch die thaufrischen Wiesen 
hinab nach den Alpen von Eck und Stürvis. Wo jetzt 
die stattlichen Hütten von Stürvis liegen, war vor 
Jahrhunderten ein Dörflein , dessen Bewohner , des 
rauhen Klimans und der langen winterlichen Einsam- 



' ÄU8 dem Ehätikon. 199 

keit müde, im 16. Jahrhundert nach Maienfeld aus- 
gewandert sind. Die Bathönier und Nigg, die Enderlin 
und Gamser stammen von den alten Stürvisern, und 
das Glöcklein, das einst die Hirten des hohen Berg- 
dörfleins zur Messe rief, läutet nun ihren Nachkommen 
zu Maienfeld in den Rath. Das Gemäuer der Kirche 
stand noch im vorigen Jahrhundert, jetzt sieht man 
nur noch wenige Spuren auf dem Kirchhügel. Die 
Geschichte des Stürviser Liehespaares Elly und Oswald, 
die noch auf den Alpen wie im Thale lebt, ist durch 
David Heß' Erzählung in weiteren Kreisen bekannt 
geworden. Noch zeigen die Sennen den Stein, an 
dem die Stürviser des Dörfleins lieblichste Blume, 
schön Elly, und auf der andern Seite des Felsens 
I ihren Verlobten in Schnee und Eis erstarrt fanden. 
Sie wußte ihn im nächtlichen Schneesturm unterwegs 
von Maienfeld, war ihm entgegengegangen und in 
der schneidenden Kälte seiner harrend entschlummert ; 
todmüde und erschöpft vom schweren Anstieg mit 
hochbepacktem Räf war er am nämlichen Felsblock 
niedergesunken, um nicht mehr aufzustehen, und so, 
nur durch den Stein getrennt, Jedes ohne des Andern 
Nähe zu ahnen, sind Beide von des Todes kalter 
Hand berührt worden. 

Ob den Hütten von Stürvis rauscht der Bach, 
der vom Hochthal von Jes kommt , in schönem Fall 
über eine Wand herab. Auf gutem Wege steigen 
wir hinan; dicht bei dem Wasserfall beginnt die 
Felstreppe von Jes; im Zickzack führen ihre rohen 
Stufen die Wand hinauf, und gleich bei den untersten 
derselben finden wir Buchstaben und Zahlen in ein- 



200 JS. Wäber. 

facher Umrahmung in den Fels gemeißelt. Bk 
Maienfelder Werkmeister Danner (heute Tana^) 
haben die Jahreszahlen ihrer Arbeit am Felsweg and 
ihr Wappen, die Tanne, im 17. und 18. Jaibrhnndert 
hier verewigt. 

Das Hochthal von Jes wax erreichL lümxahmt 
von hohen Felsen zieht es sich hinan zam scharf- 
gezackten Grenzgrat, an dessen tiefster Stelle die 
feine Scharte des Uebergangs uns den Weg wies. 
Die Hütten standen leer; der Schneefall der letzten 
Tage hatte Mensch und Väeh hinadi)getrieben. In 
einem alten Ortalexikon der Sehwxeiz finden wir den 
Namen der Alp „Jyes" geechiiieben ; diese SehBeib- 
weise entspricht genau der Art, wie der Same von 
den Sennen ausgesprochen wird. 

Die schönen Alpweiden iKiac^tefi wilden jG^er^l- 
halden Platz; bald versohwanden dsie kMueren 
Trümmer im weichen Schnee, dureb den mk uitn in 
heißer Mittagssonne dem Passe zustampften. Der 
letzte Anstieg ist sehr steil und ntähaam; um zehn 
Uhr standen wir in der Scharte und sahen in'fi SdnÜBa- 
thal hinab. Beschmeite Halden senken sieh zum 
grünen Thalboden der Valtina-Alp hinunter, von der 
aus sich das weiße Band eines guten Weges, den 
Windungen des Thalbaefaes folgend, thalwärts zieht 
bis zum großen Hüttenviereck der Frastenzer. Dort 
verliert sich der Weg im Wald, der links zu dem 
Grate der Drei Schwestern, rechts zum Schönienberg 
hinansteigt. Hinter uns erhebt der Vilan sein grünes 
Haupt über den waldigen Abhang des Afibigrates 
und glänzen die Gipfel and Firne der Btbiidner 



ÄU8 dem Bhätikon, 201 

Berge: es war keine großartige, aber eine ungemein 
liebliche Aussicht von unserem Passe aus. 

Die Uebergangsstelle ist so schmal und tief m deu 
Fels eingeschnitten, daß nur Mann hinter Mann in 
dem Couloir passiren kann, und die Schwärzer, die 
dann und wann den Weg zu benützen pflegen, werde» 
gut aufpassen müssen, daß ihre Packen nicht recht» 
und links an den scharfen Platten des Ganges hängea 
bleiben. 

Des Proviantes letzte Flasche wurde geopfert und 
dann der Rückzug übei' Jes angetreten. Nach kurzer 
Rast in den Stürviser Hütten marschirten wir, den 
schäumenden Wallabach überschreitend , an dessen 
rechtem Ufer thalaus. Auf schrecklich verlottertem 
Wege , bald im nassen Lehm des Bachbordes , bald 
im unergründlichen Morast des Waldes, in dem mächtige 
gefallene Baumriesen verfaulen , kamen wir an den 
Trümmern des Schwefelbades Ganey vorbei und in 
den Seewiserweg und kehrten dann bei Herrn Major 
Walser, dem Bergkundigen, im gastlichen Hotel Scesa- 
plana zu Seewis ein. 

Da waren wir wieder mitten in der Cultur drin. 
Dirch das offene Fenster der traulichen Stube, da wir 
mit unserem Wirthe beim Malanser saßen und rhä- 
tische Geschichten hörten, lachte der Vollmond; tief 
unten im Prättigau, wo die Lichter von Schiers glänzen^ 
spiegelt er sich in den Wellen der Landquart; am 
Bergeshang versilbert er die schlanke Thurmspitze, 
da» hohe Dach der Kirche von Seewis und gleitet 
hinüber zum nahen Wirthshaus, da sich die Seewiser 
Jugend im Tanze dreht. Johlen, Schleifen und Stampfen 



■202 B. Woher. 

tönt durch die helle Sommernacht ; es fiedelt die Geige, 
es brummt der Baß; Seewiser Kirchweih ißt heute. 

Wieder ein Jahr später waren wir zum drittes 
Male im Rhätikon. Unser erstes Ziel auf dieser Fahrt 
war die Scesaplana; sie hatte es uns angethan, als 
wir an ihrem Fuße nach Seewis gewandert waren; 
nach ihr sollten die aus dem Gamperthonthal nach 
•dem Prättigau führenden Grenzpässe an die Reihe 
kommen. 

Wir waren von Blndenz her durch das Brander- 
thal gekommen, hatten in Brand Adam Beck, den 
Wirth des hübschen, neuen Gasthauses, als Ftlhrer 
engagirt und stiegen im letzten Schimmer des Tages 
die steilen Schutthalden des „Bösen Trittes" hinan 
nach dem Lünersee. GeheimnißvoU wie ein Märchen 
liegt der schöne Bergsee da im Zwielicht der Däm- 
merung; an seinem Ufer wandern wir noch einige 
Minuten fürbaß und das kleine Wirthshaus ist erreicht. 
Heller Lichtschein fällt aus seinen Fenstern auf die 
Felsblöcke des Ufers; die Stube ist angefüllt mit 
Bergfahrern aller Arten und aller Costüme, und in 
der Küche dampft und brodelt es, als ob eine Armee 
zu bewirthen wäre. Das Haus am Lünersee, wie der 
vorzüglich angelegte und unterhaltene Weg, der so 
bequem zu ihm herauffUhrt, sind Werke des Deutschen 
und Oesterreichischen Alpen Vereins, dem der Dank 
aller Scesaplanafahrer gebührt. 

Draußen lag die milde Sommernacht über Berg 
und See. Stern um Stera war heraufgezogen; über 
den Felsen im Osten wurde es hell und heller; jetzt 
zittert der erste Strahl des aufgehenden Mondes her- 



Aus dem Bhätikon. 203 

über nnd bald strahlte die ganze Scheibe am klaren 
Himmel und goß ihr Silber herab auf den leicht ge- 
kräuselten Spiegel des See's. 

Im ersten Frtihlicht des jungen Tages stiegen wir 
die steilen , zum weiten Plateau der firnbedeckten 
Todtenalp hinanreichenden Halden empor. Am Rande 
des Schnee's war erster Halt; tief unten spiegelt der 
Ltinersee die hellen Töne des Morgenhimmels wieder, 
von dem sich die grotesken Felsformen von Schafga- 
fall seltsam abheben, üeber die weiten Schneeflächen 
folgten wir dem eingestampften Pfade westlich bergan ; 
Bchon erglühten die höchsten Partien der Felsen zu 
unserer Rechten in der Morgensonne, und bald sandte 
sie ihre Strahlen auch zu uns auf den Firn. Das war 
ein herrlich Wandern am klaren Sonntagmorgen: daä 
warme Weiß des beleuchteten Schneegrates, dem wir 
Äustreben , in prächtigem Contrast zum tiefdunkeln, 
satten Blau des westlichen Himmels , die kräftigen 
Töne der Felsen, die im hellen Sonnenschein eine 
unendliche Mannigfaltigkeit der Farben zeigten; da- 
neben die kalten Schattenpartien des Firns: all' das 
bildete jene wunderbare Farbehzusammenstellung, die 
wir in der Region des ewigen Schnee's finden, wenn 
die allbelebende Sonne fröhliches Leben und Anmuth 
in die starre, ernste Scenerie der Hochgebirgsland- 
fichaft hineinzaubert. 

Um 7 Uhr standen wir beim Signal auf der Spitze 
der Scesaplana. Kein Wölklein war am Himmel, kein 
Kebel trübte die Fernsicht: die fernste Spitze der 
Schweizer- und Tyrolerberge war sichtbar, ein Pano- 
rama von gewaltiger Ausdehnung, ein gut Theil des 



204 22. Wäber. 

Schweizerlandes, Tyrols und Schwabens umfassend, 
breitete sich in wundervoller Klarheit vor uns aus. 

Nach langer Umschau auf dieser höchsten Warte 
des Rhätikons stiegen wir steil über Fels und Schnee 
hinab zu der Stelle am felsigen Absturz, da ein Pfahl 
den neuen Weg nach der Schamellahtitte auf Schweizer- 
boden andeutet. 400 «» unter uns, am Fuße der Felsen, 
war das Dach der Clubhütte sichtbar; unser Führer, 
dem wir einen weiten Umweg gern ersparen wollten, 
verließ uns hier, und wir suchten uns, mehr rutschend 
als gehend, den Weg durch die Felsen hinab. 

Um 11 Uhr legten wir unsere Tornister in der 
gut eingerichteten Clubhütte ab und kochten mit ver- 
einten Kräften eine währschafte Erbssuppe; Teller und 
Löffel bot die Hütte, die weiteren Zuthaten zum Diner 
im Hotel Schamella die Tiefe des Ränzels, und im 
hohen Grase und warmen Sonnenschein genossen wir 
hier oben eine köstliche Siesta. 

Des heutigen Tages Ziel, die Hütten der Alp Fa- 
sons, war in geringer Entfernung in Sicht und nach 
langer Mittagsrast wanderten wir bergab, unserem 
Ziele zu, wo uns bald ein hoher, kühler Baum mit 
blitzenden Kesseln und blanken Milchgeschirren auf- 
nahm. 

Gegen Abend spazierten wir ein Stück bergan, 
um den Weg des folgenden Tages zu mustern. Die 
Hütten der Alp liegen am rechten Abhang des Stegen- 
tobels, das sich weiter unten mit dem Valsertobel 
vereinigt. Folgt man seiner Rinne bergan , so führt 
sie zur Schlucht des Schafloches, durch die ein Weg 
nach der Scesaplana hinaufführt. Dort, wo die Felsen 



Aus dem Rhättkon. 205 

des AlpsteinmaBBJVB links schroff zum Grenzgrat ab- 
fallen, ist die UebergangB stelle der kleinen Furka oder 
des Salai-ael Joches nach dem östlichen Seitenthale vun 
GiimperthoD. Verfolgen wir den Grat weiter nach links, 

«AJ«. 1^1.™ Gang, SJ40" 



■"äfcfrari. Die .Knisen Ging". 

80 Bchwingt er sich bald zn einem breiten, felsigen 
6«birg auf mit bizarr aasgezackten Gontouren, den 
nknraen Gang", an das sich der Gipfel des Tachingele 
Kiht, nnd zwisclien diesen beiden Bergen durch, wo 
die Grenze sieb eine kurze Strecke südwärts wendet, 
fahrt die große Furka nach dem Ilauptthal von Gamper- 
Hion hinüber. Eine weite graereiche Mulde, der Heu- 
herg, senkt sieh vom Tschingel liernnter; dort hinauf 
gelangt man in's Tschingelthäli und durch dieses zu 
«Dem dritten Grenzübergang, dem in den Platten oder 
Kellern {Keilern en) ob Jes. 

Nun waren wir über den bevorstehenden Marsch 
mientirt nnd kehrten zu den HHtten zurtlck. -Wohin 



206 B, Wäber. 

geht die Reise ?^ fragte uns einer der Aelpler. ^Nach 
dem Seewiser Ftirkli hinauf." „So! führt ihr Contre- 
bande?" Die Frage, die uns nicht wenig ergötzte, 
ist hier ganz naheliegend ; es wird viel geschmuggelt 
über diese kleinen Qrenzpässe ; vierzehn Tage vorher 
waren zwei Schwärzer aus Brand auf dem Gletscher 
oben erfroren. 

Als die Morgensonne die Weiden und Felsen der 
jenseits des Valsertobels sich erhebenden Btindner 
„Picardie" vergoldete, war Tagwacht auf Fasons, und 
um 5V2 Uhr Abmarsch nach der kleinen Furka. In 
der frischen Morgenluft stiegen wir inmitten weidender 
Heerden die thauigen Matten hinan. Zahlreicher werden 
die verstreuten Felsl^löcke^ spärlicher der Rasen; bald 
sind wir in den Geröllhalden, die von den Felsen des 
Alpsteins herabkommen. Eine Gemse mit ihrem Zick- 
lein macht weiter oben den nämlichen Weg; bald 
äsend , bald in muntern Sprüngen steigt das Paar 
bergan; nun sind sie auf dem Grate: einen Augen- 
blick zeichnet sich die elegante Silhouette der Thiere 
am Horizont ab, dann verschwinden sie am jenseitigea 
Abhang. 

In das kleine Augstenbergthälchen geht's nun 
hinein, durch dessen Wiesenboden sich die obersten 
Quellenarme des Valpeidabaches schlängeln, und wir 
stehen am felsigen Abhang des Grenzgrates; seine 
ausgezackte Schneide nimmt immer abenteuerlichere 
Formen an, je näher wir ihr kommen. Noch eine halbe 
Stunde steilen Anstieges durch Felstrtimmer und Geröll, 
und um 7 Uhr sind wir auf der Paßhöhe. Rechts 
zieht sich eine Schutthalde zu den Felsen des Alp- 



Am dem Rkätikon. 207" 

»teins hinauf, links starren die Klippen des Qratea 
wild empoi' und hängen Über seinen Nordraod, und 

wie wir am jenseitigen Hange ein paar Schritte hin- 
untergehen , sehen wir , unter einen Überhängenden 
FeUzaeken gesclimiegt, ein paar Mäuerleiu, die JSgem 
nad Grenzern Schutz gewähren sollen. 



^ 



» ISaliineljcch) S23S M. 



Unter uns liegt die östliche Abzweigung des Gamper- 
thonthales; auf seiner rechten Seite, der PanUelalpe 
gegenüber, ragen die Felsen der Panlieler Schrofen und 
senden ihre gewaltigen „Riesen" nieder nach der 
Thalsohle, und an ihrem Fuße fUhrt der von St. Rochus 
herkommende Weg vorüber und windet sieh im Zick- 
zack die lange Schutthalde des nördlichen Abhanges 
herauf zur Paßhöhe. Das ist der Uebergang der 
kleinen Furka oder des Salarueljoches , wie ihn die 
Vorarlberger nennen. 

Wir stiegen wieder durch die Triimmerhalde hinab 



Jl 



Aus dem Bhätikon, 209 

und wandten uns westwärts in*8 Alpenthal des Augsten- 
berges. Bis jetzt hatte die Morgenwanderung im Schatten 
der Scesaplana stattgefunden; nun brannte die Sonne 
tüchtig auf den Rücken, als wir der großen Furka 
zuwanderten. Nach stündigem Marsch über die Wiesen 
am Fuße der „kurzen Gang" eiTeichten wir die Paß- 
höhe ; im Gegensatz zum schmalen, felsigen Einschnitt 
der Ideinen Furka ist die üebergangsstelle der großen 
ein weiter, breiter Sattel von Alpweiden. lieber eine 
Felsterrasse stiegen wir hinunter bis zum Rande des 
steil nach dem Gamperthonthal abfallenden Abhanges, 
schlugen dort mit Plaid und Bergstock ein Zelt auf 
gegen die Strahlen der Augustsonne und hielten Rast 
und Umschau. 

Hinter uns ragen die „kurzen Gang", die wir hier 
ganz im Profil sehen, in kühnen Formen in die Luft 
und rechtfertigen als schlanke Felsspitze mit senk- 
rechten und überhängenden Wänden den Namen „Hom^ 
spitz" der ööterreichischen Karte. Von ihren Abhängen 
zieht sich der grüne Grat der großen Furka hinüber 
nach dem Tschingel zu unserer Linken. Die Schutt- 
halden, die sich von den Nordwänden des imposanten 
Felsstockes herabsenken, verflachen sich auf einem 
breiten, schneebedeckten Plateau von Karren, das 
sich, überall gangbar, von unserem Standpunkte hin- 
überzieht nach dem Uebergang der Platten oder 
„Kellemen", und dessen felsiger Nordrand schroff 
zum obersten Theile des Gamperthonthales abfällt. 
Jenseits des Plateau's steigt der Grenzgrat, über dessen 
Linie die scharfe Spitze des Gleckhornes hervorschaut, 
vieder an und gipfelt iii der auö Schneefeldern und 



210 B. Wäber, 

Felsen hervorragenden Pyramide des Naafkopfes oder 
Schneethälispitzes (Punkt 2574,4 ohne Namen der 
topographischen Karte, in der Dafourkarte fälschlich 
Grauspitz genannt), und von dieser Spitze senken sich 
uns gegenüber die von Felssätzen unterbrochenen 
Weiden der Vermalesalpe herab zur Thalsohle ; Weg- 
spuren ziehen sich dort hinauf zur Uebergangsstelle 
des Passes „in den Kellernen". Kechts vom Naafkopf 
führt ein Pfad von der Vermalesalpe über das Bettler- 
grätli nach der Alp Gritsch im Saminathal. 

lieber die Pfade dieser Partie des Rhätikons, die 
wir heute zum Theil begangen haben, zum Theil vor 
uns sehen, sind anno 1799 die Oesterreicher zur Um- 
gehung der Luziensteig aus dem Gamperthonthal nach 
Graubünden hinübergestiegen. Wir wollen versuchen, 
an Hand der jene Epoche behandelnden Werke die 
Colonnen auf ihrem mühsamen Marsche über das rauhe, 
verschneite Gebirge zu begleiten. 

Am 1. Mai sollten sich drei österreichische Ab- 
theilungen, die links und rechts der Luzienstieg die 
Berge zu überschreiten hatten, im Rücken der Werke 
vereinigen und den Frontalangriff der vierten Colonne 
unterstützen. 

Die Umgehungskolonne westlich des Passes hatte, 
3^/2 Bataillone stark, über den Fläscherberg zu steigen; 
die erste der östlichen Abtheilungen, ein Bataillon, 
haben wir beim Grate von Mazoura^ der den Kessel 
von Guscha vom Wildhaustobel trennt, erwähnt, und 
die andere war schon am 29. April von Nenzing im 
Vorarlberg aufgebrochen, um durch das Gamperthon- 
thal nach dem Ganeyerbad hinüber und von da nach 



ÄU8 dem Bhätikon. 211 

Jenins hinunter zu steigen. Ihre Schüsse sollten das 
Signal zum allgemeinen Angriff sein. 

So sehen wir 1 ^ '2 Bataillon unter Major Vukasso- 
vich, begleitet von den Nenzinger Schützen, das 
Gramperthonthal heraufziehen. Wenn sie den nächsten 
Weg eingeschlagen haben, so haben sie bei St. Rochus 
das Hauptthal verlassen und sind durch das östliche 
Seitenthal nach der kleinen Furka hinauf und über 
die Alp Fasons nach Ganey hinabgestiegen. Der 
1. Mai brach an. Das Bataillon, das unter Major 
Quelf von Lävena nach Guscha hinübergestiegen war, 
bemächtigte sich zwar am frühen Morgen des Dörf- 
leins, hatte aber keine weitern Erfolge, da die Fran- 
zosen nicht versäumt hatten, den Guscherweg und 
Wald durch Verhaue zu sperren. Es entspann sich 
hier eine unnütze Plänkelei, deren Schüsse irrthtimlich 
für die der Colonne Vukassovich's gehalten wurden; 
die Truppen vor der Steig griffen an und warfen die 
französischen Vorposten in die Schanzen zurück, weiter 
kam es auch hier nicht. 

Besseren Erfolg hatten die 3Ve Bataillone unter 
Graf St. Julien, die in der Nacht von Mels aus den 
Pläscherberg erstiegen hatten, Sie vertrieben die 
Franzosen aus ihrem Verhau, bemächtigten sich des 
Dorfes Fläsch und rückten, die Franzosen vor sich 
her jagend, Vormittags 10 Uhr mit neun Compagnien 
in Maienfeld ein, nachdem auf dem Fläscherberg und 
in Fläsch Reserven gelassen worden waren. 

In Maienfeld erwarteten die ermüdeten Truppen 
mit Ungeduld das Eintreffen der andern Colonnen, 
aber weder von Guscha, noch von Jenins her kam 



212 B. Wäber, 

die erhoffte Unterstützung. So mußte denn Mittags 
12 Uhr die isolirte Abtheilung den Rückzug nach dem 
Fläscherberg antreten; aber da erfolgte auch schon 
der Angriff der französischen Reserven in Front und 
Flanke, und die Bewegung, die mit so günstigem Er- 
folge begonnen hatte, endete mit einer empfindlichen 
Schlappe. 

An diesem Mißgeschick war großentheils die Gamper- 
thoner Colonne Schuld. Vukassovich scheint vom 
Ganeyerbad nach Seewis hinuntergestiegen zu sein 
und von hier eine Abtheilung nach der Prättigauerklus 
detaschirt zu haben, während der Rest sich über den 
Seewiserberg Jenins zu bewegte. Sei es, daß der 
tiefe Schnee den Marsch verzögerte, sei es, daß sich 
die Colonne verirrt hatte: sie kam nicht zur rechten 
Zeit an ihr Ziel und mußte dann den Rückzug auf 
nämlichem Wege, wie sie gekommen, antreten. Die 
Abtheilung Quelfs ging von Guscha auf Umwegen 
zurück und gelangte endlich durch das Saminathal 
wieder nach dem Hauptquartier in Feldkirch. 

Vierzehn Tage später erfolgte der gemeinsame 
Angriff auf Graubünden durch Hotze von Vorarlberg 
und Bellegarde von Tyrol aus, und wieder belebten 
sich all die aus Montafun und Vorarlberg nach der 
Schweiz führenden Pässe. Hotze beschloss, die Um- 
gehung der Luzienstieg über Fläscherberg und Guscha 
fallen zu lassen, dagegen diejenige durch das Gamper- 
thonthal mit weit größeren Truppen massen auszuführen, 
und so sehen wir denn am 12. Mai acht Bataillone 
im Anmarsch nach diesem Thale. Lebensmittel und 
Munition waren im Voraus von Landlenten nach den 



Aus dem Rhätikon, 213 

Pässen geschafft worden, die die Vorarlberger Schützen 
schon besetzt hielten, die Wege hatte man so gut als 
möglich für den Marsch der Truppen ausgebessert. 

Drei Bataillone, verstärkt durch zwei freiwillige 
Schützencompagnien aus Vorarlberg, gingen am 13. Mai 
unter Generalmajor Jellachich nach den Maienfelder 
Alpen hinüber. Sie schlugen den Weg über die „Kel- 
lemen'* und durch's Engitobel hinab ein und bivoua- 
kirten dort in tiefem Schnee. 

Die andern fünf Bataillone unter Generalmajor 
Hiller waren nach Seewis bestimmt. Sie werden also 
von St. Rochus aus der ersteren Colonne das Haupt- 
thal gelassen und den nächsten Weg über das Seewiser 
Ftlrkli oder Salarueljoch nach Fasons eingeschlagen 
haben und kamen in der Mittemacht des 13./14. Mai 
in Ganey an. Die Ruinen des Schwefelbades legen 
von diesen Besuchern Zeugniß ab: wurde doch, wie 
man erzählt, in jener Nacht alles Holzwerk des Hauses 
losgerissen und zu Wachtfeuern für die frierenden 
Trappen verwendet. 

Am Morgen des 14. Mai wurde zum Angriff ge- 
schritten. Jellachich detaschirte sechs* Compagnien 
imter Führung von Major Eöttvös mit den ober- 
ständischen Freiwilligen durch das Glecktobel hinab, 
während er mit dem Gros, wie wir denken, den 
Jeninser Alpweg hinabstieg und Jenins und Maienfeld 
besetzte. Sowie Eöttvös derart seinen Rücken gedeckt 
wußte, griff er die mit zwei Bataillonen imd acht Ka- 
nonen besetzten Schanzen von rückwärts an, drang 
trotz des Feuers der umgewandten Geschütze nach 
heftigem Kampfe ein und öffnete die Thore, durch 



214 B. Wäher. 

die Hotze an der Spitze seiner Ulanen einritt. Die 
Luziensteig war wieder gewonnen ; auf der freigemachten 
Straße nach Graubünden rückte Hotze ein und ver- 
einigte sich an der Landquart mit Jellachich und in 
Zizers mit der Colonne Hiller's zum Vormarsch gegen 
Chur. 

Hiller's Colonne war von Ganey nach Seewis herab- 
gekommen, hatte dort die Franzosen aus ihren Ver- 
schanzungen und dann aus ihrer zweiten Stellung bei 
der Schloßbrücke in der Klus geworfen; über das 
Schweizerthor, das St. Antönier- und Schlappiner-Joch 
kanten die andern Österreichischen Colonnen in*s Prätti- 
gau herab, und Dank der üebereinstimmung all dieser 
Bewegungen waren alle im Prättigau befindlichen Feinde 
abgeschnitten und wurden 3000 Franzosen gefangen.— 
So gestalten sich die Bilder jener denkwürdigen Tage, 
wenn wir an Hand der Angaben der citirten Werke, 
sowie mündlicher üeberlieferungen, dem Gange der 
Ereignisse im Terrain selbst folgen; ein lehrreicheß 
Kapitel aus der Zeit, da fremde Händel zur Schweizer- 
geschichte wurden, weil sie auf Schweizerboden zum 
Austrag kamen. 

Die Sonne hatte ihren höchsten Stand erreicht, 
als wir unser Zelt abbrachen und der Tschingelterrasse 
zuschritten. Ein rechter Schatten winkel, dieses Plateau; 
die Felsmassen des Tschingels wehren den Sonnen- 
strahlen das Eindringen und so ist es denn das ganze 
Jahr hindurch im Schnee, und nur am felsigen Rande 
ist Leben und in reicher Fülle blühen da Steinbrech 
und tiefblaue Gentianen, glühen die rothen Sternlein 
des Mannschild's und nickt die Glockenblume zwischen 



ÄU8 dem Rhätikon. 215 

den Felsen. Aus dem lieblichen Thale von Gamper- 
thon grüßt ein Theil der Häüsergrnppe von St. Rochus 
herauf; der ^Nenzinger Himmel^ heißt dieses Sommer- 
dörflein mit seiner Kapelle inmitten fetter Alpweiden. 
Wir waren am westlichen Ende der Terrasse an- 
gekommen, da wo ihr felsiger Nordrand sich in den 
vom Naafkopf herunterkommenden Abhängen verliert, 
üeber die rauhen Felsblöcke der ^Platten" und über 
kleine Schneefelder ging's nun nach dem Sattel am 
westlichen Fuße des Tschingels. Dort zeigt eine 
Steinpyramide die Ländergrenze an, und durch das 
gemsenreiche Tschingelthäli geht's hier hinunter nach 
dem Henberg und der Alp Fasons. Dem Grenzgrat 
westlich folgend, kamen wir bald zu der üebergangs- 
stelle „in den Kellemen" (Kellern); eine Reihe von 
spaltenreichen Felsblöcken am Südrand des Grates 
tragen diesen Namen. Die Sage vom Wälschen, der 
sich hier reiche Schätze aus den Steinen geholt, spukt 
auch hier, wie so mancherorts in den Alpen. 
Denn Gold in Menge liegt in unsem Bergen, 
Nor weiß es nicht ein Jeder aafznspüren 
So gut wie jene klugen Venetianer. 
Sie wühlen aus der £rde und sie schmelzen 
Aus Kieselstein, und waschen aus dem Bachsand 
Das gelbe Gold und schleppen's in die Heimat. 

(Banmbach.) 

So gut ging's freilich den Prättigauern nicht, die 
— es ist noch keine lange Reihe von Jahren seither — 
hier oben nach Gold gruben. Nach vergeblichem 
Graben, Pickeln und Klopfen flog ein Käuzlein, durch 
den Lärm aus einer Felsspalte aufgeschreckt, an den 
Goldsuchern vorüber in's Freie; panischer Schrecken 



216 U. Wäber, 

ergriff die Schatzgräber, die glaubten den bösen Geist 
za sehen und Pickel und Hammer fallen ließen. Am 
Golde hängt, nach Golde drängt doch Alles — selbst 
auf hoher Alp. 

Ueber steile Schutt- und Grashalden gelangten 
wir bald nach Jes hinab. Wie anders sah es hier 
aus, ^s Yor einem Jahre, da der Schnee bis fast 
zu den Htttten herabreichte! Nun war keine weiße 
Stelle im ganzen Hochthal zu sehen, als dort oben 
rechts von der Scharte des Ftirkli der „weiße Sand'', 
eine helle Schutthalde, nahe bei der „rothen Platte'^^ 
einer Felspartie von dunkelrother Färbung. Dort ißt 
ein beliebter Standpunkt fUr Gemsjäger, und dort 
geht, bei Punkt 2498 der topographischen Karte, 
noch ein Pfad, der „schwarze Gang**, über die Grenze 
zur Vermalesalpe, ein Jägerweg, der die gute Eigen- 
schaft hat, daß er ganz in der Nähe der Grenze 
der drei Länder ist und man von dort aus leicht 
das Gebiet wechseln kann, wenn es noth thut. 

Ueber die im reichsten Blumenschmucke prangen- 
den Wiesen ging's nun wieder Stttrvis zu, und auf 
dem bekannten Wege erreichten wir gegen Abend 
Seewis und das Hotel Scesaplana. Auf seiner Terrasse 
ruhten wir von unserer Paßwanderung aus; ein Ge- 
witter war über den Rhätikon heraufgezogen und im 
dumpfen Donnerrollen enthüllten die Blitze auf Mo- 
mente in scharfen Contouren die schwarze Masse des 
Grenzgebirges. 

Wir sind am Ende unserer Paßtour angelangt 
und da drängt es uns, dem stillen, bescheidenen 
Freunde, der uns auf Schritt und Tritt begleitet und 



Atis dem Ehätikon, 217 

geführt hat, dem Blatt 273 der topographischen Karte^ 
UDsem Dank abzustatten. Der militärische Neben- 
zweck unserer Wanderungen, die Recognoscirung der 
Grenztibergänge, brachte es mit sich, daß die Karten 
dieses Terrainabschnittes weit genauer studirt wurden,, 
als dies ohne ihn geschehen wäre. Wir haben vom 
Falknis bis zur Scesaplana das Blatt 273 verifizirt 
und seine wahrhaft mustergültige Zuverlässigkeit in 
alle Details hinein constatiren können. Jeden Ver- 
bindungsweg von Alp zu Alp, jedes Wässerlein^ 
jeden Felskopf, alle die Grenzübergänge (mit alleiniger 
Ausnahme des Pfades über die „rothe Platte'^ ob Jes) 
finden wir angegeben. Schade aber ist es, daß Alles, 
was nicht schweizerisches Land ist, auf der Karte 
im unschuldigsten Weiß prangt, als ob beim rotb- 
und weiß angestrichenen Grenzzaun die Welt über- 
haupt aufhöre. Könnte man nicht die nächsten jen- 
zeitigen Wasserläufe einzeichnen, die Gebirgszüge- 
wenigstens durch ihre Namen andeuten und die Paß- 
wege bis zu den ersten Ortschaften oder Alpen fort- 
setzen — ähnlich wie die Dufourkarte sogar weiter 
entfernte Striche jenseits der Grenze behandelt? 

Die Weg- und Alpen- Angaben der österreichischen 
Karte im Gewirre ihrer Schraffen haben wir auf 
ihrem Gebiet ebenfalls vollständig zuverlässig gefunden ; 
das Relief des Gebirges kommt dort allerdings lange 
nicht so zur Geltung, wie in unserer Dufourkarte; 
dagegen sind die Wegangaben sowie die Nomenclatur 
der letzteren in einigen Punkten nicht richtig. 



Aus der Gruppe des Bacone. 

Von 

Dr. Th. Gurtius (Section Bern). 



Seit der ersten Ersteigung des Piz Bacone (Jahrb. 
d. S. A. C. XIX, 234) ist weder der Berg selbst, noch 
«eine nähere Umgebung wieder betreten worden. Der 
«inzig in seiner Art dastehende Bau dieser kleinen, 
awischen Forno und Albignathal eingeklemmten Berg- 
gruppe mit ihren überaus kühnen Gipfelformationen, 
mit ihrer merkwürdigen, wild zerrissenen westlichen 
Pelsflanke hat mir schon bei meinem ersten Besuche un- 
vergeßliche Eindrücke hinterlassen. Während eines drei- 
wöchentlichen Aufenthaltes in Sils Maria im Angust 
\ und September 1885 bei leider stets unzuverlässigem 
Wetter habe ich mit Christian Klucker wiederholt Aus- 
flüge dahin unternommen, um weiteren Aufschluß über 
die Zugänglichkeit und die Gestaltung dieser merk- 
würdigen Berggruppe zu erhalten. 

Der allgemeinen Lage der Baconekette ist bereits 
früher gedacht worden (loc. cit.). Für das Verständniß 
des Folgenden wurde die Bezeichnung einiger weniger 



Aus der Gruppe des Bacone. 



■mgsis 



Punkte noth- 
wendig, wel- 
che auf Blatt 
Maloja des 
topographi- 
sehcD At- 
lasses na- 
meolüs ge- 
blieben Bind. 
Die Lage der 
Gipfel ist auf 
diesem Blatte 
bis auf die- 
jenige der Ci- 
ma del Largo 
richtig wie- 
dergegeben. 
Drei Spitzen 
dieses Ber- 
ges, darunter 
die höchste, 
befinden sieh 
nicht in dem 
von Süden 
nach Norden 
streichenden 

Haupt- 
kamme der 
Gruppe, son- 
dei-n , von 



220 Th, Curtius. 

demselben durch einen längeren Grat getrennt, m 
einer nach Westen verlaufenden Seitenkette, welche 
sich bis zur Malojastraße hinuntersenkt. Von Casaccia 
aus, von wo sich die dreifach gespaltene Largokuppe 
besonders imposant präsentirt, fällt ihre Trennung vom 
Hauptkamme sofort in's Auge. Der in dem letzteren 
befindliche, auf der Karte mit 3188°* bezeichnete 
Gipfel ist 15 — 20™ niedriger als die höchste Zinne. 
Da die Zahl 3188°^ sich aber höchst wahrscheinlich 
auf diese letztere, vom Thal aus allein in's Auge 
fallende Spitze bezieht, habe ich dem Stidostgipfel 
die jedenfalls sehr nahe entsprechende Höhe von 3170™ 
beigelegt. 

Der vergletscherte Sattel zwischen Piz Bacone und 
Cima del Largo soll als Fuorcla del Bacone bezeichnet 
werden. Ihm kommt eine Höhe von etwa 3050™ zu. 
Der breite, stärker vertiefte Felsrücken 2949™ zwischen 
dem Stidostgipfel der Cima del Largo und der auf 
dem topographischen Atlas namenlosen, mit 3043™ 
bezeichneten Spitze wird als Fuorcla del Largo auf- 
geführt. Die Spitze 3043"» scheint mit der Cima da 
Splug auf der Ziegler'schen Karte identisch zu sein — 
mit Sicherheit konnte dies nicht constatirt werden — 
und mag den Namen behalten. Die isolirt stehende 
Felskuppe 3172«^ zwischen Piz Bacone und dem Passo 
di Casnile ist schon früher (J. d. S. A. C. XVI, 516) 
naturgemäß als Piz Casnile bezeichnet worden. 

Das auf der Karte von den Alpweiden oberhalb 
Cafferetti in das Vallone del Largo sich hineinziehende, 
breite Kasenband existirt nicht. Es finden sich an 
jener Stelle nur äußerst steile, glattgeschliffene Ab- 



Aus der Gruppe des Bacone, 



221 



Baconeketie 

vom P. Mortara bis xup F. Casnile. 




HaMpiktunm/, 



— » Aiuy0^uArle< Roule^ laas and/ ta9S^ 

ßffJt JicKerheU' az(^/uÄrb<u-^ MtHt^teajUony- 



0-- 



SOO' 

— I — 



ß Jfilommtfor 






222 Th. Gurtius. 

stürze, hie und da von Bckmalen, mit Gras bedeckten 
Leisten durchzogen. Ehie zwiseheo Vanooe del Largo 
und Vallone della Porteja gezeichnete Schlucht ver- 
läuft, nicht gegen ^Motta fega^ hin, sondern zieht 
sich a]s mächtiges Tobel in das Vallone del Largo 
selbst hinunter. 

Die glattgeschliffene Wand, in welche das nntere 
Ende des Ostabhanges der Baconegruppe zum Forno- 
gletscher ausläuft, soll, um weitläufige Auseinander- 
setzungen zu vermeiden, als „Mauer'' und die Stelle, 
welche stets den Ausgangspunkt unserer Besteigungen 
von der Fornoseite aus bildete, mit „auf der Mauer** 
bezeichnet werden. 

Ersteigung des Südostgipfels der Cima del Largo (31 TO*"). 

Am 22. August befand ich mich mit Klucker nach 
zwei Jahren zum ersten Male wieder „auf der Mauer", 
nachdem wir frühzeitig von Sils Maria aufgebrochen 
waren. Wir pflegten die Strecke von Maloja bis zu 
dieser Stelle, welche bereits 2640™ hoch liegt, dm-ch- 
schnitttlich in 2 Stunden und 40 Minuten zurückzu- 
legen und dann angesichts des herrliehen Panoramas, 
welches die Umgebung des Fornogletschers^) darbietet, 
uns durch ein wohlverdientes Frühstück zu neuen 
Thaten vorzubereiten. Auf welche Art man vom 



Herr Flury in Pontresina hat in der letzten Zeit eine 
vorzügliehe größere Photographie de» Fomogletsehers mit 
seiner Umgel^nng angefertigt, deren linke Seite der untere 
Theil des Ostabfalles des P!z Bacone mit der „Mauer** be- 
grenzt. Von den Gipfeln der Gruppe ist nur Piz Casnile 
sichtbar.. 



ÄU8 der Gruppe des Bacane. 22$ 

Gletscherboden auf die Mauer gelangt, habe Ich scho» 
früher (loc. cit.) beschrieben. Wir haben die Passage 
stets wieder an derselben Stelle ausgeführt, da die 
Wand überhaupt nur an sehr wenigen Stellen zugäng- 
lich sein dürfte. 

Von der Mauer stiegen wir ein in diesem Jahre 
gänzlich von Schnee entblößtes Trümmerfeld zur 
Fuorcla del Largo hinauf und betraten dieselbe, ohne 
irgend welcher Schwierigkeit begegnet zu sein, nach 
Verlauf einer kleinen Stunde. Mit einem Male wurde 
nun der Blick in den fürchterlichen Schlund des- 
Vallone del Largo und die vom Hauptkamme der 
Baconegruppe sich abzweigende Seitenkette frei, welcher^ 
wie oben erörtert wurde, drei Spitzen der Cima del 
Largo, darunter die höchste, entsteigen. In einer ver- 
witterten, außerordentlich steilen Wand fallen sie gegea 
400« in den obern Theil des Vallone ab. 

Mit bewaffnetem Auge wurde nun dreierlei fest- 
gestellt. Erstens, in Bezug auf das Vallone del Largo i 
daß es in seinem oberen Theile sicher begangen werden 
könne, daß eine Wanderung durch dasselbe aber nur 
von der Malojastraße aufwärts unternommen werden 
dürfte. Zweitens, in Bezug auf die Cima selbst : daß^ 
es wahrscheinlich möglich sei, von der Fuorcla an 
dem Nordabsturz der höchsten Spitze vorbei zu traver- 
siren und aufwärts kletteind in die Scharte zwischen 
dieser und ihrer westlichen Nachbarin zu gelangen. 
IWttens, daß man von der Fuorcla direct an dena 
Hauptkamme nach Süden in die Höhe steigen, hier- 
dHTch die Höhe des Seitengrates östlich der höchsten 
Spitze gewinnen und auf diesem bis unmittelbar an 



224 Th. Curtius. 

die letztere gelangen könne. Ob von dieser oder von 
der anderen Seite die Spitze selbst ersteiglich sei, 
war nicht voranszüsehen, erschien aber von unserem 
Standpunkte einiger teleskopischer Risse halber durch- 
aus nicht unmöglich. Nr. 1 wurde ohne Debatte ver- 
tagt. Nr. 2 hätten wir riskiren dürfen, wenn kein 
frischer Schnee alle Risse der verwitterten Nordwand 
ausgefüllt hätte. Also Nr. 3! 

Wir banden uns an's Seil und stiegen am Haupt- 
kamme von der Fuorcla nach Süden direct hinauf. 
Anfangs ging es ganz leicht, allmälig aber nahm die 
Durchschnittsneigung bedenklich zu. Wir wurden auf 
-die glatte Ostseite mit ihrem tiefen Abfalle zum Fomo- 
gletscher hinübergedrängt, gelangten aber dadurch 
wenigstens an eine feste, wenn auch sehr steile Granit- 
wand. Mehrmals mußte hier die ganze Länge des 
Seiles (20™) zu Hülfe genommen werden, ehe Einer 
von uns Beiden festen Halt gewinnen konnte. 

Die Wand wird steiler, die Sprünge geringer, die 
Leisten schmäler, rechts und links kein Ausweg, also 
immer gerade hinauf! Den oberen Rand versperren tiber- 
liängende Tafeln, unter denen die gütige Natur aber 
•ein enges Loch gelassen hat. Klucker windet sich, 
während ich noch ganz unten bin, hindurch und ver- 
schwindet. Endlich wird das Seil über meinem Kopf 
angespannt und nun wandert Pickel, Rucksack und 
Leib, eins nach dem andern, durch das Loch. Nun 
"folgen wieder kleinere Tafeln, und endlich sehe ich 
die Höhe des Grates dicht über mir. Klucker muß 
wenigstens oben sein. Er hat sich auf eine Tafel in die 
:Sttitze hinaufgeschwungen und schaut starr nach rechts. 



Aus der Gruppe des Bacone. 22ö 

„Klacker, sind Sie oben?" 

„Kommen Sie nar nach, aber fallen Sie nicht nach 
der andern Seite hinunter, wenn Sie oben sind." 

,,Klacker, sehen Sie Gespenster?" 

„Kommen Sie und schauen Sie „den Satan" selbst." 

Jetzt tauche auch ich mit dem Oberleib über die 
letzte Platte hervor. 

„Nun, was sagen Sie?" 

Ich sagte aber gar nichts, sondern war wirklich 
geradezu verblüflft durch den Anblick des großartigsten 
Zerstörungsbildes, das ich je in den Alpen gesehen 
habe. 

Wir waren von der Fuorcla aus eine Stunde 
und fünf Minuten ununterbrochen geklettert und be- 
fanden uns jetzt mehr als 200"^ über derselben auf 
der Schneide des Hauptkammes, etwa 50"» sUdlich 
von der Stelle, wo der Grat mit den drei Largo- 
spitzen von diesem nach Westen ausgeht, erblickten 
die Cima also jetzt von der entgegengesetzten Seite 
wie von der Fuorcla. Nach Süden zog sich der 
Hauptkamm noch ein Stück weit in beträchtlich ver- 
minderter Steilheit empor. 

Um eine Vorstellung von dem Aussehen des höchsten 
Oipfels zu gewinnen, denke man sich ein Bündel 
mehrerer Hundert Fuß langer Granitsäulen aufrecht 
vereinigt und nehme von zwei entgegengesetzten Seiten 
80 viel Säulen fort, daß nur noch die in der Mitte 
befindlichen Stücke stehen bleiben. Das ist Alles, 
was von einer einstigen Granitkuppe übrig geblieben 
ist. Dem horizontal verlaufenden westlichen Grate, 
selbst nur mehr ein Netzwerk gewaltiger Granit- 

15 



226 Tk. CurUuB. 

aSnlen, voii dem man kaum begreift, wie es, ohne in 
sich zusammen zuBtUrzen, fortbestehen kann, entsteig 
der Gipfel noch ala etwa 35" hoher Thnnn, dem 
Hauptkamme seine nai' wenige Fuß breite Ostkante la- 
kelirend. Nach Süden dagegen fällt er wobl um das 
Vierfache dieser Höhe senkrecht in das Va) del Bacone 



Elucker da. 

Cima del Largo von der SüiloBtspitze aus gesehen. 

ab. Nach dem Vallone del Largo zu sind die WKnde 
sogar theilweise ilheriiängend. Nach Westen folgen, 
vom Haupt^pfel dnrch scharfe Einschnitte getrennt, 
noch zwei Erhebungen, weiche, um ein Bedeutendes 
niedriger ala jener, mit ihm zusammen das Bild dei 
imposanten Bi-eizacks hervorrufen, welcbea man von 
Casaccia aus erblickt. 

Der gewaltige Eindruck, welchen der Bildliche Ab- 
fall gewährt, wird durch die merkwürdige Verwittemng 



Aus der Gruppe des Bacone, 227 

seines Gesteines wesentlich unterstützt. Während die 
ganze Ostflanke der Baconekette feste Wände aufweist, 
ist die entgegengesetzte Seite mit ihren weit nach 
Westen vorgestreckten schmalen Gräten der Zerstörung 
bereits im gewaltigsten Maßstabe anheimgefallen. 
Solche Bilder treten ganz besonders an der Südseite 
des Kammes zu Tage, welcher vom Piz Bacone zur 
Albigna heruntersteigt ; nirgends aber zeigen sich die- 
selben in auffallenderer Weise als an der Cima del 
Largo selbst. Hier ist der ganze Gipfelkamm vom 
Scheitel bis zur Sohle unzählige Male gespalten wor- 
den; der spröde Granit hat eine scheinbar geschichtete 
Formation angenommen und bildet regelmäßige Säulen, 
welche, vollkommen vertical gestellt, heute nur noch 
lose zu einem schmalen Grate miteinander verbunden 
sind. Man kann beobachten, wie die Risse am Sttd- 
absturze des Gipfels in einer Ausdehnung von 100°* 
und mehr sich hinziehen, ohne von der verticalen 
Richtung abzuweichen, ohne von einem einzigen Quer- 
sprnnge durchsetzt zu werden. Der letztere Umstand 
macht die Ersteigung des höchsten Gipfels zu einem 
ohne besondere Hülfsmittel kaum zu lösenden Problem. 
Auf den höchsten dieser senkrecht gestellten Granit- 
sänlen ist ein einzelner rundlicher Block liegen ge- 
blieben, welcher durch sein Gewicht die unter ihm 
befindlichen Pfeiler vielleicht noch einige Zeit vor 
dem gänzlichen Auseinanderfallen schützt. 

Solchen Betrachtungen konnte ich mich 40 Minuten 
lang, ein Bein zum Fornogletscher, ein Bein nach der 
Malojastraße hinüberstreckend, ungestört hingeben. 
Klucker hatte sich vom Seil losgebunden und recognos- 



228 TÄ. Gurtius, 

cirte den Grat bis zum Großen Thurm, welcher den 
Gipfel bildet. Bald verschwand er nach 'dem Vallone 
del Largo hinüber, bald erschien er wieder auf der 
Spitze einer riesigen Tafel, bald mußte er sich ein 
Stück nach dem Val del Bacone hinunterlassen, um 
einen neuen Coloß zu umgehen. Endlich verschwindet 
er hinter der letzten großen Säule des eigentlichen 
Grates, dicht an der Stelle, wo der Gipfelthui-m sich 
erhebt. Einige Blöcke poltern drüben in's Vallone 
hinunter. Nun ist Alles still. Ich zähle deutlich die 
einzelnen Herzschläge. Endlich — die Secunden dünken 
mich eine Ewigkeit — erscheint das geröthete Gesicht 
wieder; Klucker ist auf dem Rückzuge begriffen. In 
einer Viertelstunde sind wir wieder beisammen. „Der 
Grat murrt und knurrt, er hängt in's Vallone über" 
waren seine ersten Worte. Es wäre in der That un- 
vernünftig gewesen, wenn wir noch einmal vorgegangen 
wären. An der Stelle, an welcher Klucker umkehrte, 
mußte eine stark geneigte, in das Vallone überhängende 
Platte rutschend ohne Halt für Hände und Füße tra- 
versirt werden, um unmittelbar an „den Satan" — 
Klucker nannte den Berg nur noch mit diesem 
schmeichelhaften Namen — zu gelangen. Hätten wir 
dieses für zwei Personen entschieden gewagte Unter- 
nehmen aber auch glücklich vollführt, so blieb die 
Wahrscheinlichkeit des Weiterkommens doch sehr 
gering, da sich an der schmalen Kante des Thurmes 
nirgend mehr genügende Stützpunkte für Hände und 
Füße vorzufinden schienen. 

„Also besteigen wir wenigstens den Gipfel zu 
unserer Linken." 



Aus der Gruppe des Bacone, 229 

In 12 Minuten erreichten wir durch unschwieriges 
Klettern die Spitze. An Höhe tiberragte uns jetzt 
der Hanptgipfel immer noch um 15 — 20™. Die höhere 
seiner beiden westlichen Nachbarzacken erschien aber 
unserm Standpunkte kaum noch ebenbürtig. Von hier 
schweift der Blick ungehindert den 2000°» tiefen Ab- 
grund des Val del Bacone hinunter, in dessen oberen 
Theil der Baconegletscher eingeklemmt ist ; sein zer- 
klüfteter Eissturz ist der ganzen Länge nach sichtbar. 
Unten leuchtet aus dem grünen Thalboden die weiße 
Poststraße herauf. Auf der entgegengesetzten Seite 
nichts als Eis und Felsen. Gegen Süden steigt scharf 
zugespitzt die elegante Gestalt des Bacone mit hoch- 
ragendem Steinmann noch 80" über uns empor. Die 
Engadiner drüben jenseits des Fornogletschers stecken 
schon tief in den Wolken, üeberall strecken sich 
große Nebelzungen aus den Thälern über die Kämme 
herüber. Unser Steinmann ist fertig. 

Wir folgten jetzt dem Hauptkamme weiter nach 
Süden und stiegen, uns stets an dessen Ostseite haltend, 
ohne besondere Schwierigkeit zu finden, in 35 Minuten 
zur vergletscherten Fuorcla del Bacone hinunter. Von 
dieser genießt man ebenfalls einen ausgezeichneten 
Blick auf die Abstürze der Cima del Largo in's Val 
del Bacone. Nirgends aber ruft der Anblick deSv 
Gipfels einen so gewaltigen Eindruck hervor, wie 
gerade an der Stelle, an welcher wir den obersten 
Hauptkamm zuerst betraten, wo plötzlich der Süd- 
abhang des Berges im halben Profil sichtbar wird. 

Inzwischen war es zu spät geworden, um bei dem 
zweifelhaften Wetter einen Versuch zu machen, den 



230 Th, Ourtius, 

Piz Bacone von der Fuorcla über den Nordgrat zu 
erklettern. Wir stiegen daher über das Schneefeld 
nach Osten abwärts und erreichten ohne Hinderniß 
in einer Stande und 45 Minuten über ^die Mauer^ 
die Ebene des Fomogletschers. 

„Es ist schade", meinte Klucker beim Nieder- 
steigen, „daß wir Niemand erzählen können, was wir 
heute gesehen haben. Es glaubt uns doch Keiner^ 
daß es da oben so wüst aussieht." Etwas nieder- 
geschlagen und schweigsam wanderten wir der Maloja zu. 

„Klucker, Sie legen ja heute Ihren schönen Hemd- 
kragen gar nicht an." — ^ptr steckt droben in der 
letzten Ritze, die ich mit der Hand erreichen konnte.^ 

Zeitangaben, 

Ab Maloggia 5 ühr 10 Min. 

An Fuorcla 9 „ 50 „ 

Ab „ 10 „ 15 „ 

An Grat unter der Ostspitze . . 11 „ 20 ^ 

Klucker unter der höchsten Spitze 11 „ 40 „ 

An Südostgipfel *12„12„ 

Ab „ 12 „ 50\ 

An Fuorcla del Bacone .... 1 „ 25 „ 

Ab „ „ „ .... 1 „ 40 „ 

An Maloggia 5 „ 20 ;, 

12 Std. 10 Min. 

Summa der Pausen: 2 Sunden 36 Minuten. 
Marschzeit: 9 Stunden 34 Minuten. 



Aus der Gruppe des Bacone. 281 

Baeone (8243 m.) von der Fiiorcla del Bacoue über 

den Kordgrat. 

Nach der Besteigung der Cima del Largo blieb 
das Wetter unbeständig. Man konnte nur hie und da 
auf wenige leidliche Morgenstunden mit Sicherheit 
rechnen. Ich stieg inzwischen mit einem Freunde 
ttber den Chapütschinpaß und den Piz Ohapütsehin nach 
Pontresina hinüber, wobei Kluckcr und ich uns in 
der Ansicht, daß man vom Chapütschinpaß leicht über 
La Monschia zum Punkt 3382™ am Westgrat des Piz 
Oiüschaint gelangen könnte, getäuscht sahen. Man 
geht ttber die Fuorcla Ohapütsehin bis zu diesem 
Punkte wenigstens 2 V2 Stunden länger, als über die 
Fuorcla Fex-Scerscen (Jahrb. d. 8. A. C. XIX, 228). 
Man wird daher, um von Sils auf den Piz Glüschaint 
zu gelangen, doch zweckmäßig den letzteren Weg ein- 
schlagen (seit 1883 zweimal begangen), obwohl die 
Wand über die Fuorcla Fex-Scerscen stärker von 
fallenden Steinen heimgesucht wird, als die Felsrinne 
der Fuorcla Ohapütsehin. ^) 

Im Regen fuhren wir am nächsten Morgen von 
Pontresina nach Sils zurück. Abends aber schien das 



*) Am 4. September wurden wir durch rasenden Schnee- 
Btorm und dichten Nebel von der Capanna MarineUi über 
den Fex-Seerscenpaß nach Sils zurückverschlag^en und hatten 
liierbei Gelegenheit, die unausgesetzte Kanonade zu hören, 
welche allenthalben von der das Rosegthal gegen den Seerscen- 
ttnd Fexgletscher abschließenden Felswand niedergesandt 
^orde. Bei schlechtem Wetter ist von einer Begehung der 
letzteren, au welcher SteUe es auch sei, abzurathen. 



232 Th, Curtiua. 

Wetter wieder einige schöne Morgenstunden für den 
folgenden Tag zu versprechen. Diese sollten in der 
Baconegruppe ausgenutzt werden. 

Am 27. August fuhr ich mit Klucker kurz nach 
3 Uhr Morgens von Sils zur Maloja und stand bereits 
um 8 Uhr 25 Min. noch bei blauem Himmel auf der 
Fuorcla del Bacone, um den Gipfel des Berges von 
hier über den Nordgrat zu besteigen. Wir hatten den 
Weg von Maloja Kulm bis hieher^ abgerechnet eine 
Frühstückspause von 40 Minuten auf der Mauer, in 
3 Stunden und 43 Min. zurückgelegt. Die dorcb- 
schnittliche Steigung des Kammes von der Fuorcla 
gegen die Spitze des Bacone ist durchaus keine un- 
gewöhnliche. Sie wird nicht mehr als 40 Grad be- 
tragen. Auf Grund früherer teleskopischer Studien 
vom Südostgipfel der Cima del Largo aus hatten wir 
ziemliche Schwierigkeiten erwartet. Nun stellte sich 
heraus, daß trotz festesten Gesteins die Ueberwindang 
des Nordgrates an mehreren Stellen genau an der 
Grenze des Ausführbaren lag, selbst für die stark an 
unsere Vorfahren erinnernde Klettertechnik Kluckers. 

Drei größere Knöpfe oder Thürme erheben sich 
aus dem Kamme. Der erste wurde ohne wesentliche 
Schwierigkeiten überstiegen. Von hier aus zieht sich 
ein deutlich ausgeprägtes Felsband an der breiten 
Ostseite der Pyramide vorbei nach dem Pfeiler hin, 
welcher von dem Gipfel des Bacone nach Osten zum 
Fornogletscher vorspringt. Man kann an dieser Stelle 
zweifellos ohne besondere Schwierigkeit hinübertraver- 
siren und dadurch auf das letzte Stück des Weges 
gelangen (loc. cit.), auf welchem ich 1883 den Piz 



Aus der Gruppe des Bacone. 23$ 

Bacone zuerst erstieg. Unter Benützung dieses Fels- 
bandes dürfte die Besteigung des Berges von der 
Fuorcla del Bacone ebenso schnell und verhältniß- 
mäßig leicht auszuführen sein, als auf dem früher 
beschriebenen Wege. Wir beschlossen indessen heute 
den Nordgrat womöglich bis zur Spitze zu verfolgen. 
Die üeberwindung der beiden nun folgenden Thürme 
setzte ein hartes Stück Arbeit ab. Klucker zog seine 
Bchnhe aus und stieg auf den Strümpfen an einer 
70o geneigten Granitwand mit Hülfe einer lächerlich 
schmalen Längsritze ungefähr 18™ über mich empor. 
In halber Höhe setzte ein in schräger Neigung vor- 
springender Absatz dem Kletternden hartnäckigen 
Widerstand entgegen. Klucker hatte sich mit dem 
Oberleib glücklich hinaufgeschoben, schlug aber mit 
beiden Füßen hinter sich in der Luft umher, ohne 
einen Anhaltspunkt zu finden. Jetzt haken die Zehen 
des linken Fußes sich fest und langsam schiebt er 
den Körper hinauf. Es währte dies Alles kaum eine 
halbe Minute, aber Zsigmondy's Schicksal trat, ich 
gestehe es, lebhaft vor meine Augen, und ich suchte 
^willkürlich meine eigene unbequeme Lage möglichst 
zu verbessern und zu befestigen. Klucker verschwindet 
eben hinter einem Vorsprung und unser ganzes Seil 
^ird nach und nach aufgebraucht. Der zweite Thurm 
18t besiegt. Die Pickel und das Gepäck werden nach- 
gezogen. Ein Pickel setzt sich mit hartnäckiger Bos- 
heit fest. Hoch oben Zerren und Fluchen. Nun kommt 
^*8 Seil in luftigem Schwünge wieder herab, ich binde 
^ch fest und trete, durch unsichtbare Hände von 
^ben unterstützt, dieselbe Kletterpartie an. Es folgt 



234 Th. CurtiuB, 

eine Strecke etwas leichteren Terrains. Ein köstlich 
geschütztes Ruheplätzchen, wie ein Geiernest in die 
Schneide des Kammes hineingebaut , wird benutzt, 
um die Schuhe anzuziehen und einen tflchtigen Schluck 
Oognac einzunehmen. 

Das üeberklettern des dritten Knopfes wird nun 
in ähnlicher Weise ausgeführt, wie das des zweiten, 
nur kann Klucker diesmal seine Schuhe anbehalten. 
Näher rückt das Ziel , das letzte Stück bietet keine 
wesentliche Schwierigkeit mehr. 10 Min. nach 10 
Uhr — die 180"^ haben uns 1 Stunde und 40 Min. 
intensivster Anstrengung gekostet — berühren wir 
unseren vor zwei Jahren gebauten Steinmann. 

Und zwar genau vor zwei Jahren, fast in der- 
selben Minute — der Zettel in der Flasche besagt 
es — haben wir diesen Gipfel zum ersten Male be- 
treten. Alles liegt noch so, wie wir es verlassen 
haben; kein Mensch hat den Berg inzwischen erstiegen. 
Sogar der Blitz hat seinen hochragenden Steinmann 
verschont. 

So feierten wir das zweite Jahresfest unserer 
ersten Besteigung in dünnem Veltliner und Citronen- 
wasser. An letzteres habe ich Klucker erst mit einiger 
Mühe gewöhnen müssen. Auch heute macht er wieder 
ein komisches Gesicht, wenn er „die Kttrbisflasche" 
an den Mund setzt, und betrachtet mit stiller Weh- 
muth den gebleichten Sectpfropfen, der sich noch von 
vor zwei Jahren vorfindet. 

Zeit lassen ! Die Sonne scheint köstlich warm, und 
einzig schön ist das originelle, großartige Panorama. 
Fernsicht gab es nicht mehr, aber in der Nähe 



Alts der Gruppe des Barone. 235 

allenthalben wundervolle Bilder in schönster Beleueh- 
tang, deren Reiz nur durch die seltsam gestalteten 
Nebelzungen erhöht wird, welche der überhand- 
nehmende Südwind mit immer größerer Schnelligkeit 
zu immer dichteren Massen zusammentreibt. 

Kurz vor Mittag verließen wir den Gipfel, von 
dessen südlichstem Endpunkte sich nun ein zweiter 
Steinmann erhebt, und begannen das steile Südkamin 
hinabzusteigen. Klucker und ich waren beim Klettern 
schon so in einander eingewöhnt, daß wir inclusive 
Gepäck bereits nach 24 Min. auf dem Felsvorsprunge 
uns befanden, dessen Erreichung im Jahre 1883 genau 
eine volle Stunde erfordert hatte. Ich habe die Länge 
dieses Kamins damals etwas überschätzt (loc. cit.). 
Sie beträgt aber jedenfalls mehr als 100"». Die nicht 
unerheblichen Schwierigkeiten, welche diese Passage 
für den zuletzt Herabsteigenden an ihrem unteren 
Ende immerhin bietet, kam uns heute gegen die beim 
Aufstieg über den Nordgrat ausgeführte Kletterei 
äußerst gering vor. 

Der Abstieg zum Oasnilegletscher nahm von. hier 
eine lange Stunde in Anspruch. Der obere Theil des 
großen steilen Couloirs war vollständig von Schnee 
entblößt, der untere dagegen zeigte sich mit hartem, 
klarem Eise ausgekleidet, ganz unten gähnte der 
offene Bergschlund. Bis zur Eiswand gerieth Alles bei 
der leisesten Berührung in's Rutscheji, und dann 
maßte in dieser eine lange Folge von breiten Stufen 
geschlagen werden. Schließlich erkletterten wir den 
letzten, untersten Knopf der die Rinne auf der West- 
seite begrenzenden Felswand und kamen so aus dem 



236 Th. Curtius, 

Couloir heraus auf Schnee und leicht über den Berg- 
schrund auf den Gletscher hinüber. 

Als wir über den „Sasso prima vera" nach Vico- 
soprano hinunter eilten, waren alle Bergspitzen be- 
reits in dichten Nebel gehüllt. Der Blick in den 
Thalgrund der Albigna ist hier unendlich großartig. 
Gegenüber, in wilde Schlünde zerrissen, der West- 
absturz des Bacone; im Hintergrunde der mächtige 
Albignafall, einer der schönsten Wasserstürze der 
Alpenwelt. 

Zeitangaben. 

Ab Maloggia 4 Uhr 2 Min» 

An Fuorcla del Bacone .... 8 « 25 ,, 



„ Spitze .... 
Ab Spitze .... 
An Kaminende . . . 

Bergschrund unter der Eiswand 



n 
n 



10 

11 

12 

1 



7) 
71 

rt 

7) 



Vicosoprano 6 



10 
46 
10 
15 
15 



7) 
7) 
7) 



14 Std. 13 Min. 

Summa der Pausen: 3 Stunden 20 Minuten. 
Marschzeit: 10 Stunden 53 Minuten. 



Von Casaccia durch's Vallone del Largo zum Fomo- 

gletscher. 

Fuorcla del Largo. Ersteigung der Cima da Splog 

(Spitze 8048«). 

Als wir die Fuorcla del Largo vom Fornogletscher 
her zum ersten Mal betraten, wurde die Möglichkeit 
eines üebergangs von Vicosoprano durch das Vallone 
del Largo zum Fornogletscher in Betracht gezogen. 



Aus der Gruppe des Bacone. 237 

Die Ausfäbrung dieses Projektes gewann an Interesse, 
nachdem es sich ergeben hatte, daß die höchste Spitze 
der Cima selbst vom Hauptkamme der Baconekette 
aus nicht erreicht werden konnte. Gelang der Ueber- 
gang, so hatte sich uns auch die Westkante des 
höchsten Gipfelthurmes enthüllt, und wir wußten dann, 
ob ein Versuch zu seiner Ersteigung vom Vallone 
aus Erfolg versprechen konnte. 

Am letzten August übernachtete ich mit Klucker 
iu Gasaccia, den Kopf eigentlich mit ganz anderen 
Plänen gefüllt. Am folgenden Morgen war aber das 
Wetter derartig, daß wir überhaupt vor 8 Uhr nicht 
aufzubrechen wagten, und, um den Tag auszunützen, 
wurde eine Recognoscirung des Vallone del Largo 
beschlossen. 

Wir verfolgten die Poststraße bis Caflferetti und 
stiegen von dort ein kaum erkennbares Pfädlein durch 
steile, an ihrem unteren Abhänge mit Erlengestrüpp 
bedeckte Alpweiden etwa 650™ gegen den Piz Mor- 
tara empor. Nun traversirten wir, eine große, mit 
Serpentin ausgelegte, vom Mortara sich herabziehende 
ßtife kreuzend, nach Süden, bis wir in einer Höhe 
von etwa 2100™ an den Rand des Vallone gelangten. 
Dieser bestand hier an allen Stellen aus nahezu senk- 
rechten, bis 200" tiefen Felsabsttirzen, und wir sahen 
^fort, daß das auf der Karte gezeichnete breite, sich 
in die Schlucht hineinziehende Rasenband, welches 
^uis zu dem beschriebenen Seitenangriff auf das Vallone 
verlockt hatte, nicht existirt. Wir stiegen an dem 
Rande des Schlundes noch eine ziemliche Strecke 
aufwärts, fanden aber, daß die Felsabstürze nur 



288 Th. Curtius, 

immer mehr in von einstiger Gletscherthätigkeit ab- 
geschliffene Platten übergingen. Nach längerem Pro- 
biren entdeckte Klucker eine Stelle, wo einige mit 
Gras ausgefüllte Risse und Bändchen ein Vorbei- 
traversiren zu gestatten schienen. Nachdem wir im 
richtigen Vorgefühl einiger schwindeligen Stunden noch 
einmal herzhaft gefrühstückt hatten, befanden wir nns 
wirklich bald innerhalb des eigentlichen Vallone, das 
heißt, in den Wänden, welche dessen mittleren Theil 
auf der Nordseite begrenzen. 

Um bei der weiteren Beschreibung unseres Wege« 
nicht zu oft in Wiederholungen zu verfallen, erscheint 
es nöthig, kurz auf die allgemeine Gestaltung dieser 
merkwürdigen Schlucht einzugehen, deren Verhältnisse 
sich auf der Karte nur zum Theil richtig wieder- 
gegeben finden. 

Das Vallone del Largo, eigentlich nichts weiter 
als ein über 5000 Fuß jäh abfallendes Tobel im 
riesigsten Maßstabe, zerfällt in zwei, durch gewaltige 
Fluhsätze von einander getrennte Terrassen. Die untere 
derselben stellt eine steilaufsteigende, auf beiden Seiten 
von senkrechten Felsabstürzen eingeengte, theilweise 
durch Lawinenreste verschüttete Trümmerhalde dar, 
welche sich von der Malojastraße bis zu einer Höhe 
von 1800 — 1900™ ununterbrochen hinaufzieht. In 
dieser Höhe setzen steile, glattgeschliffene Fltthe ein, 
welche, in einem Bogen 6 — 700™, und zwar gegen 
Norden ganz besonders jäh, aufsteigend, den unteren 
Boden von dem obersten Theil des Vallone abschließen. 
An der Südseite der Schlucht ist die Steilheit dieser 
Felsen geringer. Hier geht offenbar der Hauptlawinen- 






ÄU8 der Gruppe des Bacone. 239 

zug von der Cima del Largo hinunter. Ein Streifen 
alten Schnee's zog sich hier von dem untersten Geröll 
an den Fltlhen weit in die Höhe. Oberhalb dieser 
steilen abschließenden Wände zeigt sieh das Vallone 
wesentlich verbreitert und steigt von hier an als 
großes, leichter zugängliches Trümmerfeld zur Fuorcla 
empor, nördlich von den Abhängen der Spitzen 3026»" 
und 3043"^, südlich von dem die Paßhöhe noch um 
250" tiberragenden Absturz der Cima del Largo 
eingerahmt. Am Fuße des letzteren befindet sich ein 
auch auf der Karte gezeichnetes, steil abfallende» 
8ehneefe1lP^ 

Wir betraten das Innere des Vallone auf der 

Nordseite, etwa in der halben Höhe jener glatten 

Fluhsätze, und waren gezwungen, an diesen vorbei 

allmälig in die Höhe zu traversireu, um in die Mitte 

des Hintergrundes der Schlucht und somit auf das 

obere Trümmerfeld gegen die Fuorcla hin zu gelangen» 

Die Ausfühmng dieser Passagen an den glatten Wänden 

vorbei erforderte viel Zeit, große Vorsicht und einen 

kalten Kopf. Nur Einer von uns Beiden bewegte sich 

jedes Mal von der Stelle. Eine lange Strecke Weges 

mußte auf solche Art zurückgelegt werden, dabei ließ 

sieh das Terrain nur auf kurze Entfernung tibersehen; 

kurz, wir hatten einen regelrechten „mauvais pas'^ 

unter uns. Alles hat aber einmal ein Ende; nahm 

die Steigung der Wände auch noch nicht ab, so 

änderte sich doch ihre Beschaffenheit allmälig zu unseren 

Gunsten, indem an die Stelle der glattgeschliffenen 

Tafeln immer mehr ursprtingliches Felsgestein mit 

Zacken und Kanten zum Greifen und Klettern trat. 



240 Th. Curtius, 

Wir kamen jetzt an eine Stelle, wo eine auf dem 
Orientirungskärtchen als „großes Kamin" bezeichnete, 
Ton der Spitze 3026™ nach Westen sich herabziehende, 
-enge Schlucht in die Wand, an der wir hinaufstiegen, 
ausläuft. Dieses „große Kamin" gewährte einen höchst 
merkwürdigen Anblick. Der mit Blöcken vollgestopfte 
Untergrund ist nur wenige Meter breit und von senk- 
rechten Felswänden eingerahmt. In einer Länge von 
mehreren hundert Metern zieht sich dieser großartige 
Hohlweg, ohne von der geraden Linie abzuweichen, 
in mäßiger Steigung aufwärts, und es schien sehr 
verlockend, demselben zu folgen. Da er uns aber viel 
zu weit von unserem Ziele nach links abführen mußte, 
verzichteten wir darauf, zumal wir sein Ende nicht 
übersehen konnten. Umgehen konnte man die Schlacht 
nicht, wir mußten daher, nachdem wir wenige Schritte 
in ihre OefFnung hineingegangen waren, an ihrer jäh 
4ibfallenden, südlichen Flanke in die Höhe steigen, 
um über sie hinaus zu gelangen. Dies zu tlfun, war die 
technisch schwierigste Stelle unseres heutigen Unter- 
nehmens. In der glatten, mehr als 70*» geneigten Fels- 
wand zog sich ein schnurgerade von unten nach oben 
verlaufender, höchstens fußbreiter Riß etwa 15" in 
die Höhe, an seinen Kanten nur wenig Faßbares für 
Hände und Füße darbietend. Hier arbeitete sich 
Klucker, so weit unser Seil reichte, hinauf, während 
ich nur mit Mühe den Steinen, welche sich unter ihm 
loslösten, ausweichen konnte. Nachdem er sich in 
beträchtlicher Höhe verankert hatte, mußten erst 
Pickel und Gepäck aufgezogen werden, ehe ich nach- 
steigen konnte. 



k 



At^ der Chruppe des Bacone, 241 

Jetzt lagen alle Unannehmlichkeiten hinter uns. 
Wir hatten zwar noch steiles, wenn auch unschwie- 
riges Terrain zu überwinden, aber ohne den schwin- 
delnden Absturz der Flühe unmittelbar unter den 
Füßen zu haben. Noch manchen prüfenden Rückblick 
warfen wir auf den zurückgelegten Weg, den wir 
TOD dem Punkt an , wo wir den Eingang in das 
Yallone erzwungen hatten, ganz überblicken konnten, 
und waren Beide herzlich froh, daß wir auf dem- 
selben nicht wieder hinuntersteigen mußten. Wir 
banden uns vom Seil und erreichten die Paßhöhe 
etwas nördlich von ihrem tiefsten Punkte nach ^k 3 
Uhr. Sechs Stunden hatte uns der Anstieg mit Abzug 
aller Pausen gekostet. 

Sofort legten wir unser sämmtliches GepKck nieder 
und erstiegen, begünstigt durch vorzüglich festes Ge- 
stein, die noch 100°* den Paß übeiTagende Spitze 
3043«, die Cima da Splug Ziegler's , in 20 Min. Der 
Weg bot keine nennenswerthe Schwierigkeit, erforderte 
aber ziemlich scharfes Klettern durch ein Gewin» 
riesiger Tafeln hindurch und über schmale Simse. 
Wir mußten, nachdem wir dem langen Sattel der 
Fuorcla so weit als möglich nach Norden gefolgt 
▼aren, an dem in's Vallone gehenden Abstürze unter 
dem Gipfel vorbeitraversiren und gewannen diesen 
«chließlich von Nordwesten her. 

Diese Spitze ist aller Wahrscheinlichkeit nach 
«bensö wenig jemals vorher betreten worden, wie 
die übiigen Punkte des Hauptkammes der Bacone- 
kette zwischen dem Casnilegletscher und dem Piz 
Mortaira. Erkundigungen, welche wir von Jägern in 

16 



242 Th. Curtim. 

Vicosoprano und Casaccia eingezogen haben, bestätigen 
dieses. Die Gemsjäger betreten nur ungern den West- 
abhang des Bacone, weil das getroffene Wild in jenen 
meist unzugänglichen Wildnissen unwiederbringlich 
verloren ist , wenn es nicht auf der Stelle liegen 
bleibt. Man erzählte uns unter Anderem, daß vor 
Jahren ein Jäger dort herumgestiegen sei und erst 
nach vier Tagen einen Rückweg gefunden habe. In 
Casaccia hörten wir zu unserem Erstaunen, daß der 
Piz Bacone schon früher von einem Jäger erstiegen 
worden sei. Als Klucker den Mann selbst darüber 
befragte, erzählte er, daß er auf der Jagd durch das 
Val del Bacone einmal bis unter den Gletscher vor- 
gedrungen sei, und lächelte so lange ungläubig, bis 
wir ihm unsere verschiedenen Steinmänner zeigten. 

Als wir die Cima da Splug eiTcichten, trieben 
die Wolken glücklicherweise noch in solcher Höhe, 
daß wir uns orientiren konnten. Der Gipfel dominirt 
den Hauptgrat in seinem weiteren Verlaufe nach 
Norden vollkommen. Er sowohl wie sein Nachbar 
3026™ steigt aus dem Kamme als spitziger, steiler 
Kegel auf. Die Lage beider findet sich auf dem Blatt 
des topographischen Atlasses sehr genau wieder- 
gegeben. Nur die Spitze 3026"* kann von einem 
Theile des Silser See's aus gesehen werden. 

Sturm und Nebel nahmen jetzt mit erhöhter 
Schnelligkeit überhand. Die Cima del Largo stak 
schon in dichten schwarzen Wolken. Wir beeilten 
uns daher, sobald ein kleiner, schwer anzubringender 
Steinmann hergestellt war, auf die Fuorcla zurück- 
zukehren, und hielten dort im Schneegestöber ein ver- 



Aus der Gruppe des Bacone, 243 

spätetes Mittagsmahl. Noch einen Abschiedsblick warf 
ich in den Schlund^ dem wir entstiegen, noch einmal 
schüttelt Klucker gegen „dem Satan" drohend die 
Faust, dann wurde in einem Eilmarsch von 2 Stunden 
und 45 Min. über „die Mauer" und Cavloccio Ma- 
loggia Kulm erreicht. 

Zeitangaben, 

Ab Casaccia ... 8 Uhr — Min. 
An Rand des Vallone 9 „ 48 „ 
„ Fuorcla ... 2 „ 39 „ 
„ Spitze 3043°» . 2 „ 59 „ 
Ab Fuorcla ... 4 „ 10 „ 
An Maloggia ... 6 „ 55 „ 
Summa der Pausen: 2 Stunden. 
Marschzeit: 8 Stunden 55 Minuten. 
Ein anderer Weg, der von dem oben beschriebenen 
wesentlich verschieden ist, würde sich namentlich 
nach einem schneereichen Winter durch das Vallone 
clel Largo zur Fuorcla empfehlen, wenn die Gefahr 
der Steinschläge dort nicht so groß wäre. Man würde 
den unteren Theil des Vallone von der Poststraße 
aus direct hinansteigen , auf Lawinenschnee an der 
Südseite der Schlucht über die hier weniger steilen 
Flühe hinaufgelangen und von dort, sich stets rechts 
haltend, unter dem Nordabsturz der Cima vorbei die 
Fuorcla erreichen. Auf diesem Wege befindet man 
sich allerdings vier Stunden in der Hauptschußlinie 
der Cima, wird aber nirgends den Schwierigkeiten 
begegnen, welche wir an den glatten Felswänden auf 
der nördlichen Thalseite zu überwinden hatten. 



i 
244 Th, Gurtius, Aus der Gruppe des Bacone, 

So hatten wir nun auch die letzte Seite , die 
schmale Westkante des höchsten Gipfels der Cima 
del Largo, überblickt, und es erschien sehr zweifel- 
haft, ob an ihr ein Hinaufkommen möglich ist. Da- 
gegen kann man wahrscheinlich von der obersten 
Terrasse des Vallone aus, vorausgesetzt, daß die Felsen 
vollkommen schneefrei sind, an dem Nordabsturz des 
Berges in die Scharte zwischen dem höchsten Gipfel 
und seiner westlichen Nachbarzacke gelangen. Bei 
dem brüchigen Gestein und der außerordentlichen 
Steilheit der Wand wird dieser Weg aber mit Schwie- 
rigkeit und Gefahren verknüpft sein. 

„Wenn das Ding da oben wirklich so wacklig 
ist," meinte ein Freund Abends in der „Alpenrose", 
„warum habt ihr es nicht einfach umgeworfen und 
seid dann hinaufgestiegen?'' 



Die Aiguilles d'Arve und die Aiguille de Golfen. 

Von 
Prof. Dr. K. Schulz in Leipzig (Section St. Gallen). 



Bei St. Jean-de-Maurienne an der Mont-Cenis-Bahn 
erheben sich die Ausläufer eines Gebirgszugs, der sich 
direct südlich nach La Grave erstreckt und eine Pa- 
rallele zu der westlich gelegenen Kette der Grandes 
Rousses bildet. In geringer Entfernung nach Osten 
und ebenfalls völlig parallel mit ihm verbindet die 
über den Col Galibier von St. Michel nach dem Hospice 
du Lautaret führende Straße das Thal des Are mit 
dem der Romanche. Im südlichen Theil jenes Gebirgs- 
zugs erheben sich drei abenteuerliche, spitze Fels- 
gestalten, die Aiguilles d'Arve. *) Die mittlere erreicht 
eine Höhe von 3514™. Direct südlich und in geringer 
Entfernung von ihnen beherrscht die Aiguille de Gol^on 
(3429"') weithin das Thal der Romanche. 

Der letztere Gipfel ist schon frühzeitig bestiegen 

Vergl. Altmeister G. Stnder's prächtiges Panorama: 
Aussicht vom Col d'Arves (Maurienne). Farbendruck. Bei- 
gabe zum 9. Jahrg. dieses Jahrbuchs. 



246 K. Schulz, 

worden, das mächtige, auf ihm errichtete Steinsignal 
diente bei der trigonometrischen Vermessung für die 
Generalstabskarte und stammt jedenfalls bereits aus 
der ersten Hälfte dieses Jahrhunderts. Die Aigoilles 
d'Arve dagegen sind, wenigstens für die Alpenfreunde, 
erst 1864 von Whymper, Moore und Walker, man darf 
wohl sagen, entdeckt worden, entdeckt und als — uner- 
steiglich scheu gemieden und umgangen. Nach Joanne's 
Reisebuch ^) zwar sollten die Nadeln verschiedene Male 
erstiegen sein 2), und eine von ihnen, wohl die mittlere, 
war als verhältnismäßig zugänglich bezeichnet worden. 
Aber es ruhte auf diesen Besteigungen ein mystisches 
Dunkel, und bei der Betrachtung der „verhältniß- 
mäßig zugänglichen'^ Nadel zuckte der berühmte 
Michel Croz mit den Schultern und sagte: „Wahr- 
haftig, Sie thun am besten, wenn Sie die Sache Andern 
tiberlassen." Christian Almer sprach mehr und endete 
mit der Erklärung, daß er nicht mitgehen werde, 
wenn man ihm auch tausend Franken biete ^). Es 
bedurfte einer Zeit von 20 Jahren und der großen 
Fortschritte, welche die Technik des Bergsteigens in 
dieser gemacht hat, um auch die drei Felsnadeln 
von Arve, eine nach der andern, von dem unermüd- 
lichen und ausgezeichneten Mitglied des Alpine Club 
W. A. B. Coolidge und seinen tapferen Schweizer- 
führern, Christian Almer Vater und Sohn, erobern 



1) Itin^raire du Dauphin6. 2 vols. Paris 1862—1863. 
Eine neue Auflage erschien unter verändertem Titel 1877. 

2) Vergl. S. 247, Note 2. 

') Whymper, Berg- und Gletscherfahrten. Deutsch von 
Steger, S. 220. 



Die Aiguüles d'Arve und die Aiguille de Goleon. 247 

za lassen. Nach den reizvollen und liebenswürdigen 
Scbildernngen von Coolidge haben aber auch die drei 
einsamen Felsjnngfrauen eine dauernde Eroberung an 
ihm gemacht. Mit einer bei einem Engländer staunens- 
werthen Offenherzigkeit verräth er uns: „Ces mon- 
tagnes m'ont tellement int^ress^ que j'y suis revenu 
bien des fois, et s'il se passe un 6te sans que je 
parcours les environs de ces fiöres sommit^s, j'ai le 
mal du payS; ou plutot le mal des Aiguilles.^ Und 
an anderer Stelle: ^La visite de ce pays est devenue 
pour moi une n6cessite de Texistence, et je ne puis 
m'en dispenser.'' 

Am 10. Juli 1874 erstieg Coolidge mit Christian 
Almer senior und Peter Michel junior aus Grindel- 
wald die mittlere Nadel , ohne Schwierigkeiten zu 
finden. Sie erreichten die Basis der nördlichen Seite 
des Berges und stiegen über leichte Felsen und dann 
durch ein Schneecouloir zu dem östlichen Grat empor. 
Sie verfolgten den Grat einige Minuten und betraten 
dann die Südseite des Berges. Auf dieser und auf 
dem Ostgrat selbst, den sie mehrere Male eine Strecke 
weit verfolgten, erreichten sie den Gipfel. ^) Zu ihrem 
großen Erstaunen fanden sie auf demselben einen Stein- 
mann. Er rührte wahrscheinlich von dem Gemsjäger 
Savoie aus Valloire her, von dem die Leute erzählt 
batten, daß er eine der Nadeln erstiegen habe. Diesem 
gebührt also die erste Ersteigung. ^) Almer bemerkte 

*) Alpine Journal Vm, p. 70. 

^) lieber die Zeit und die näheren Umstände derselben 
ist bis jetzt nichts bekannt geworden. Bei meinem Auf- 
enthalt in Valloire konnte ich Savoie, der eine halbe Stunde 



248 K. S<^ulz. 

auf einem Schneeflecken an der Südseite des Gipfel» 
Spuren von Gemsen, die jedenfalls zu den ^Hoeh- 
alpinisten^ ihres Geschlechts zu rechnen sind. 

Die südliche Felsnadel und der höchste Gipfel 
der nördlichen wurden von Ooolidge mit ^en beiden 
Almer am 22. und 23. Juli 1878 erstiegen. ^) 



entfernt vom Dorfe wohnt, nicht sprechen. Ich halte jedoch 
die erste Ersteigung durch Savoie für besser beglaubigt, als 
die angebliche Besteigung durch einen Herrn Magnin im 
September 1839, über welche die Seetion de Maurienne 
C. A. F. einen phantastisch ausgeschmückten Bericht rer- 
öffentlicht hat. Vergl. Annuaire de la Society des Tonristes 
du Dauphine N<* 8, p. 147. Ich glaube nicht, daß ein kleiner 
Steinmann auf dem schmalen, dem Blitzschlag und Wetter 
sehr ausgesetzten Gipfelgrat von 1839 bis 1874 sich hätte 
erhalten können. Auch über die angeblieh von dem Gems- 
Jäger C^lestin Bellet von Entraigues mit dem Pfarrer dieses 
Ortes ausgeführte Besteigung existiren keine zuverlässigen 
Angaben. (Vergl. Annuaire C. A. F. I, p. 179.) Der Kath 
jedoch , den die beiden Söhne Bellet's Coolid^r^ am 3. Juli 
1873 gaben (vergl. Alpine Journal Vni. p. 68), die AiguiUe 
centrale auf ihrer Südseite anzugreifen, weist darauf hui, 
daß sie die zugänglichste Seite richtig erkannt hatten, und 
macht eine stattgehabte Besteigung seitens der Bellet wahr- 
scheinlich. Die dritte beglaubigte Besteigung führten am 
31. Juli 1876 die Herren Vaccarone, Balduino und Costa mit 
den Führern Castagneri und Bugiatto aus. (Bollettino del 
C. A. I. Anno 1877, p. 172.) Weitere Besteigungen finde ich 
berichtet von Herrn Benoist mit dem Führer Pierre Gaspard,. 
fils, am 26. Juli 1880 (3'"<» bulletin de la section Lyonnaise 
C. A. F. 1881, p. 53) und von den Herren Barale, Briner^ 
Fierz und Hatz mit dem Führer Castagneri am 15. August 
1881 (Bollettino C. A, I. Anno 1882, p. 261). 

^) Annuaire C. A. F. 5« annee 1878 , p. 177 , Alpine 
Journal IX, p. 95—96. Von der südlichen Nadel sind ferner 



Die AiguiUes d'Arve und die Aiguille de Goleon. 249 

Die Umwohner benennen die mittlere Nadel wohl 
auch Gros-Jean, die südliche Jean-Jean, die nördliche 
Petit-Jean. Joanne erwähnt auch noch die Namen 
„les Trois'-Ellions de la Grave'^ und ,,le8 Trois- 
Juliens." Südlich wird die Gruppe der Aiguille» 
d'Arve begrenzt vom Col Lombard , der zwischen 
der südlichen Nadel und dem Bec de Grenier liegt^ 
nördlich vom Col des Sarrazins, der zwischen der 
nördlichen Nadel und der Aiguille de TEpaisseur 
eingeschnitten ist.*) Aber auch zwischen den Nadeln 
^Ibst sind Uebergänge gemacht worden, man nennt 
den zwischen der nördlichen und mittleren Nadel, der 
größere Schwierigkeiten nicht bietet : Col des Aiguille» 
d'Arve^), und den zwischen der mittleren und süd- 
folgende Besteigungen berichtet: (2) Coolidge und F. Gar- 
dinerniit den beiden Almer am 6. Juli 1880 (Annuaire S. T. D.^ 
N»8, p. 151), von J. Mathieu mit den Führern Gaspard pere 
und Max. Gaspard am 23. Juli 1884, und von P. Rodet mit 
den Führern A. Pic und I*. Faüre am 1. August 1884 (An- 
nnaire /S. T. D., N" 10, p. 60—61). An der nördlichen Nadel 
erreichten den niedrigeren südlichen Gipfel zuerst Miß Brevoort 
nad Coolidge mit Christian Almer am 3. Juli 1873 (Alpine 
Journal VI, p. 290, und VIII, p. 65), sodann gelangte F.Perrio 
mit den Führern Bellet und Moliere nur an den Fuß des 
niedrigeren Gipfelthurms (Annuaire S. T. D. , N<» 2, p. 98). 
Itach Coolidge hat eine weitere Besteigung bis zu der unsrigen 
nicht stattgefunden. Ueber eine Ersteigung durch Bellet 
(Annuaire C. A. F. I, p. 179) existiren keine sicheren An- 
gaben. 

1877 durch Coolidge von Rieublanc nach Valloire über- 
schritten. Annuaire S. T. D., N» 8, p. 149. 

•) Am 21. Juni 1864 von Moore, Walker und Whymper 
zum ersten Male überschritten. Whymper, Berg- und Gletscher- 
fahrten, S. 221. 



250 K, Schulz, 

liehen : Col de Gros-Jean. Er bietet auf der Ostseite 
bedeutende Schwierigkeiten, seine üeberschreitung ist 
nur ein Mal erzwungen worden. ^) 

Diese Ersteigungsgeschichte hatte ich mir sorg- 
fältig in Excerpten skizzirt, als am 19. Juli 1885 
Herr L. Purtscheller aus Salzburg, Herr Prof. Keller- 
bauer aus Chemnitz und ich von St. Michel (Auf- 
bruch früh 4 Uhr 30 Min.) über einen Bergrücken 
(Col de Valloire) mit einem Tunnel und mit schöner 
Aussicht auf die Aiguilles d'Arve nach Valloire wan- 
derten. In der guten Wirthschaft des Herrn Assier 
machten wir einen Halt und setzten dann unseren 
Weg das Thal entlang fort. Bei dem Weiler la Ra- 
vine schlugen wir den rechts abbiegenden Weg ein 
und erreichten die auf den linksseitigen Abhängen 
des Vallon des Aiguilles d'Arve gelegenen Alphütten 
au Commandraut um 12 Uhr. Auf der vorletzten Gruppe 
von Sennhütten trafen wir die Besitzerin Frau Jeanne 
Rosalie Falcoz mit dem als Schäfer dienenden Knaben 
Fran9ois Roche. Sie behüteten da 15 Kühe und eine 
Anzahl Schafe und nahmen uns freundlich zum Nacht- 
quartier auf dem Heuboden auf. Den ganzen Nach- 
mittag des 19. Juli regnete es, worüber wir recht 
verstimmt wurden, als uns Frau Falcoz sagte, es sei 
dies nach sechs Wochen der erste Regen. Zur Feuer- 
ung wurde auf der Sennhütte getrockneter Kuhmist 
verwendet, da es auf eine ziemliche Entfernung hin 



*) Am 4. Juli 1882 von Coolidge mit den beiden Almer 
in der Richtnngvon Valloire nach Rieublanc. AnnuaireS.T.D., 
N" 8, p. 154. 



Die Aiguilles d'Arve und die Aiguille de GoUon, 251 

kein Holz gibt. Er heizte ganz gut, machte aber einen 
widerlichen Qualm. 

Am Montag den 20. Juli herrschte früh um 1 Uhr 
"der dichteste Nebel. Trotzdem brachen wir um 2 Uhr 
50 Min. auf und verfolgten den schmalen Fußpfad 
auf der linken Thalwand in der Richtung nach dem 
hier sichtbaren südlichen und mittleren Gipfel der 
Felsnadeln von Arve. Zu unserer Linken begrenzte 
das Thal ein langgestreckter Felsrticken : Les Trois 
Pointes des Aiguilles. In eigenthümlich gebogenen 
Schichten von schieferigem Sandstein aufgerichtet, er- 
strecken sie sich direct von Ost nach West, die drei 
Spitzen erheben sich nur wenig aus dem Grat. West- 
lich schließt sich an sie die Pointe de TArgenti^re 
(3240™) an^), von dieser zieht ein langgestreckter 
Felsrticken zur südlichen Aiguille d' Arve. hin. lieber 
die Depression dieses Rückens führt der Col des 
Trois Pointes in das Thal mit dem Glacier Lombard 
(Valien de Gol6on) , welches nach La Grave ^) hin- 
unterzieht. An den Abhängen der Trois Pointes lagerte 
uoch vielfach Schnee. 



*) Die erste Ersteigung wurde von CooUdge mit Christian 
Almer Vater und Sohn am 2. Juli 1883 vom CqI de Goleon 
her ausgeführt. Alpine Journal XI, p. 346. Coolidge identificirt 
den Berg mit der westlichsten Spitze der Trois Pointes des 
Aiguilles. Das ist nach der französischen Generalstabskarte 
nicht richtig. Oestlich von dem Gipfel 3240™ liegen noch 
drei Erhebungen , obwohl eine davon allerdings ganz unbe- 
deutend ist. Auf diese beschränkt sich der Name: Trois 
Pointes des Aiguilles. 

*) Gleichfalls von Coolidge mit den beiden Almer zuerst 
überschritten am 23. Juni 1876. Alpine Journal VIII, p. 78. 



252 K. Schuh. 

Der linkseitige Thalhang wird von mehreren Thal- 
furchen durchschnitten , in denen Bäche von der Ai- 
gnille de TEpaisseur her sich ergossen. Wir erreichten 
den Kessel am Fuße der Aiguilles d' Arve und konnten 
diese nun alle drei tiberblicken. Von dem mit brüchigem 
Schiefer bedeckten Kessel, in dem sich ein kleiner 
See befand, stiegen wir auf grünen Hängen mit der 
üppigsten und entzückendsten Alpenflora, namentlich 
Viola alpina, Kigritella nigra, besonders auch in ihrer 
hochrothen Varietät, und Gentiana acaulis in ver- 
schwenderischer Fülle , in der Richtung nach der 
mittleren Nadel zu empor. Zu unserer Rechten lagerten 
mächtige Felsblöcke. Um 4 Uhr 45 Min. hielten 
wir eine längere Rast. Der dabei gefaßte Plan ging 
dahin , zuerst die nördliche Nadel zu ersteigen und 
dann wo möglich am gleichen Tage auch noch die 
mittlere auf ihrer Nordseite zu versuchen. 

Die entbehrlichen Sachen wurden unter einem 
Felsblock geborgen, nach einstündigem Aufenthalt 
ging es über Moränenschutt empor und der Anfang 
des zum Col des Trois Aiguilles leitenden Schnee- 
feldes wurde 6 Uhr 45 Min. erreicht. Schon seit 
einiger Zeit hatte sich der Nebel verzogen , und es 
war das schönste Wetter. Nach Traversirung des 
Schneefeldes , auf dem nur zwei schmale Spalten auf- 
traten, gelangten wir um 7 tfhr 10 Min. auf die Höhe 
des Col und weideten uns an der entzückenden Aus- 
sicht auf die Berge des Dauphin^ , namentlich die 
prachtvolle Kette der Meije und die herrliche Fels- 
krone der strahlenden Königin Barre des Ecrins. 
Direct vor uns lagen die grünen Weidehänge von 



Die Äiguilles d'Arve und die Aiguille de GoUon, 258 

Rieublanc. Der erste Blick auf die nördliche Nadel 
zeigte uns das breite Couloir, welches den früheren 
Partien zum Aufstieg gedient hatte. 7 Uhr 25 Min. 
brachen wir nach demselben auf; es hatte dieses 
Jahr wenig Schnee und wurde rasch erstiegen. Wir 
gelangten auf Felsbänder und traversirten eine ziem- 
liche Strecke zu unserer Rechten hin in nördlicher 
Richtung. Dann stiegen wir nach links aufwärts über 
«teile Platten und gelangten en den mächtigen, tiefen 
Einschnitt , der zwischen den beiden Gipfelzacken 
nach Osten hinabzieht und den ganzen Berg zu trennen 
scheint. Links über uns befand sich der einst zuerst 
erstiegene niedrigere Gipfel mit seinem Steinmännchen, 
üeber steile und glatte Platten, in denen nur dünne 
Ritzen etwas Halt boten, traversirten wir in den Ein- 
schnitt hinein. Er war hier eng und tief. Um aus ihm 
hinaus auf die Wand des höchsten Gipfels zu ge- 
langen, mußte ein hoher Absatz gewonnen werden, 
auf den Purtscheller zuerat hinaufkletterte. Wir folgten, 
von ihm durch das Seil unterstützt. Wir kletterten 
dann auf einem schmalen, nach rechts in die Höhe 
ziehenden Band empor. Links befand sich eine Ein- 
kerbung, ein augenscheinlich auf die Westseite des 
Berges ftlhrender kleiner Col. Einen Versuch, direct 
in die Höhe zu klettern, mußte Purtscheller aufgeben. 
So kletterten wir nach dem Einschnitt hin und ent- 
deckten dort schmale, aber gut zu begehende Fels- 
bänder, üeber diese Bänder traversirten wir auf die 
Westseite des Berges hinaus, der hier in furchtbarer 
Steilheit und in gewaltige Tiefe nach Rieublanc ab- 
stürzt. Vom Col an hatten wir uns durch das Seil 



254 K. Schulz, 

verbunden. lieber steile Platten ging es dann direct 
in die Höhe und um 9 Uhr ertönte der Jubelruf des^ 
vorauskletternden Purtscheller : Hier ist der Steinmann, 
wir sind auf dem Gipfel! An einigen Stellen der 
letzten Felsen hatte dünner Eisüberzug , was die 
französischen Alpinisten „Verglas" nennen, die drin- 
gendste Vorsicht erheischt. 

Der Gipfel ist eine scharf zugespitzte Pyramide, 
deren Höhe mit 3416°» angegeben wird.^) Auf dem 
Gestein fanden sich gelbrothe, grüne und schwarze 
Flechten, auch zahlreiche Spuren von Blitzen, die dem 
Steinmann arg zugesetzt hatten. Die Flasche war zer- 
schlagen, aber wir fanden Coolidge's Karte zwischen 
den Steinen und bargen sie mit den unsrigen wieder 
sorgfältig in einen Flaschenrest. 

Der ganze Berg besteht ebenso wie die beiden 
andern Aiguilles d'Arve aus einem sehr merkwürdigen 
und auffallenden Trümmergestein, Sandstein und Brec- 
cien mit eckigen Bestandtheilen, sowie auch Conglo- 
merat mit abgerundeten Trümmern. Die von mir 
vom Gipfel mitgenommenen Gesteinstücke sind nach 
der Bestimmung eines Sachkundigen Breccie mit sehr 
verschiedenartigen Bestandtheilen. Sie haben dadurch 
ein besonderes Interesse, daß sie durch Blitzschlag 
stellenweise angeschmolzen sind. Die dadurch ent- 
standene Glasmasse enthält zahlreiche mit der Lupe 



So Ferrand et Chabrand, Orographie da Dauphinei. 
Grenoble 1883, p. 23 (auch im Annuaire S. T. D. N« 8, p. 67). 
Die Angabe beruht wohl auf einer Schätzung, da die fran- 
zösische Generalstabskarte weder eine Höhencote noch den 
Gipfel überhaupt eingezeichnet hat. 



Die Äiguüles d'Ärve und die ÄiguiUe d^ Goleon, 25& 

erkennbare Luftporen. Ein aus dem Einschnitt zwischen 
den beiden Gipfelzacken mitgenommenes HandstUck 
enthält sehr grobe Bruchstücke, namentlich schwarzeu 
Kalkstein, durch dessen Auslaugung Vertiefungen ent- 
standen sind, und Hornstein, der von dem kohlensaure* 
haltigen Wasser nicht angegriffen werden konnte.^ 
Die tiefschwarzen, oft ziemlich großen Stücke Kalk-^ 
stein, in dem in seiner Grundfarbe gelben Gestein,, 
gewähren einen sehr merkwürdigen Anblick. *) 



*) Ch. Lory schildert in seinem sehr selten gewordener! 
geschätzten Buche: „Description geologique du Dauphin6** 
(3 Vols., Paris 1860-64), § 271, die Aiguilles d'Arve folgender- 
maßen: „Ces aignilles si remarquables . . . sont formöes 
d'nne röche particuliere , dont on trouve beaucoup deblocs,. 
entraines par les glaciers, dans le vallon de Goleoa. C'est 
un conglom^rat grossier, compos6 de galets roul^s de roches 
tres-diverses et d'un sable granitique, agglutines par du car- 
bonate de chaux. Parmi ces galets, on distingue plusieurs 
Tarietes de granite ou de protogyne paraissant provenir de 
la chaine de Belledonne ou du massif du Pelvoux, des gneiss 
analogues ä ceux des memes montagnes ou des Grandes- 
Rouases, des eurites, des porphyres verts, semblables aux: 
gres ä anthracite de l'Oisans; enfin, beaucoup de calcairea 
noirs ou d'un gris fonc^, contenant souvent des d^bris d'en- 
crines et d'autres fossiles raarins ... Le poudingue des 
Aiguilles d'Arve est donc bien un d6p6t posterieur aux cal- 
eaires du lias sur lesquels il s'appuie du c6t6 de l'ouest, et 
compos6, en partie, de d^bris de ces calcaires. C'est un bano 
de galets accumul6s par la mer, sur un rivage que formaient 
les calcaires du lias, dejä 6merg6s, ä une epoque oü les sou- 
levements alpins avaient dejä fait apparaitre, par des dis- 
locations considerables, presque toutes les roches que nou» 
voyons affleurer aiyourd'hui dans l'Oisans et le Brian^onnais. 
Ainsi, par sa composition meme, on peut pr^juger que le pou- 



256 



K, Schulz, 



l 



Die Aussicht war gewaltig und schön, sie ul 
Mont-Blanc, Walliser und Grajische Alpen, aber 
wieder wandten sich unsere Augen nach den für 
neuen Bergen des Dauphin^. Ein Abstieg nach 
schien vom Gipfel aus auf eine lange Strecke mög\ 
«ein. Auf der Ostseite freilich umsäumten den Fi 
Pyramide, wie ich beim Aufstieg auf den Ool b< 
hatte, abgeschnittene Wände. Auch der nach äe\ 
^es Sarrazins hinunter ziehende Grat war b< 
ersten Besichtigungen zur Ersteigung des Berg< 
hoffnungslos aufgegeben worden. Da iudeß ein 
weg zum Gipfel bei den kleinen Dimensionen 
Berges uns nicht allzu viel Zeit gekostet hätte, 
schlössen wir, den Abstieg nach Norden zu versui 

Wir stiegen in direkter Richtung nach dem 
des Sarrazins auf gutem Terrain etwa 25 bis 30 
lang ab, dann kamen vor dem Col steile Abstt 
die uns zwangen, auf stark geneigtem Abhang 
zum Theil schlechten Platten nach rechts zu tral 
fiiren. Eine Fülle prächtigster Blumen entsproß 
«dem rauhen Felsen, Androsace Wulfeniana mit ii 
prächtigen Polstern, die kleine tiefblaue Genl 
{G. brachyphylla) und besonders tippig und kräftij 
großen gelben Blumen Aronicum Doronicum (< 
€lusii). Das Aronicum wird in vielen Alpengegenden 
den Bewohnern „Gemswurz" genannt und man sehn 
dem weichhaarigen Kraut die Kraft zu, den Gern« 
ihre volle Schwindelfreiheit zu verleihen. Da 



dingue des Aiguilles d'Arve appai'tient ä une formatlon 
logiqiie plus ri&eente qua tous las autres terrains de cel 
region.** 



I 



i 



nl 



■ 



Die Aiguilles d'Ärve und die Aiguille de Goleon. 257 

Terrain immer schlechter wurde, hätten wir recht gut 
die Probe machen können, ob die Pflanze ihre heil- 
«ame Kraft auch bei Menschen ausübt. Wir waren 
wohl 20 Minuten lang traversirt und suchten nun 
über den Absturz der Nord-Ost-Kante des Berges 
seinen Fuß zu erreichen. Wir hatten etwa drei Viertel 
der Pyramide tiberwunden und gelangten an einen 
tiefen Riß, der oft nur einen Meter breit, aber viele 
Meter tief den untern Absatz des Berges in der Rich- 
tung von Norden nach Süden zerreißt. In den Riß 
führte eine glatte, 3 bis 4 Meter hohe Wand hinab, 
über welche wir uns am Seil hinunterließen und den 
Spalt überschritten. Das Seil blieb zunächst für den 
etwa nöthig werdenden Rückweg hängen. Im Riß ent- 
weder nach Norden oder Süden weiter zu kletteni, 
erwies sich als nicht möglich. So gingen wir jenseits 
des Risses ein Stück nach links weiter und gelangten 
wieder an eine steile, mehrere Meter hohe Wand. 
Zu ihrer Ueberwindung brauchten wir das Seil und 
wir mußten uns jetzt entscheiden — ob Rückzug 
oder Durchsetzen des Abstiegs. Purtscheller war ent- 
schieden für das Letztere. So wurde das Seil oben 
abgeschleudert und mit ihm auch die untere Wand 
passirt. Ein schmales abschüssiges Band war recht 
schwer zu passiren, ganz besonders für den Letzten, 
Purtscheller, den wir nur mangelhaft unterstützen 
konnten. Wir waren jetzt auf einen geräumigen, mehrere 
Meter breiten Vorsprung gelangt und machten hier 
einen Halt. Wir aßen etwas, für die Stillung • des 
brennenden Durstes fand sich aber nirgends Wasser. 
Bei dem Klettern in den Felsen war es fast unter 

17 



258 K, Schulz, 

jedem Griffe der Hand von kleinen Wesen lebendig- 
geworden, unendliche Mengen von Gletscherflöhen 
hüpften umher; ich hatte sie wohl schon auf dem 
Schnee, aber noch niemals in den Felsen so zahlreich 
beobachtet. 

Jetzt handelte es sich darum, wie von unserer 
Bastion hinunter nach dem Col gelangen. Der Rück- 
weg nach oben war uns so gut wie verschlossen. 
Purtscheller glaubte erst, direct nach Osten absteigen 
KU können, aber da war der Absturz zu steil und 
noch so hoch, daß auch ein doppeltes Gletscherseil 
nicht gereicht hätte, lieber ein Gesimse an der 
Platte, auf der wir standen, war der Blick nach 
Norden frei, dort mußte unser einziger Ausweg sein. 
Purtscheller kletterte zur Recognoscirung hinaus und 
rief bald erfreut zurück: „Kommen Sie, es geht!*^ 
Wir kletterten hinaus und standen an der Fortsetzung 
des oben geschilderten mächtigen Risses über seiner sich 
verbreiternden Ausmündung, die gerade auf den Col 
des Sarrazins wenige Meter unter seiner Höhe auf der 
Seite nach Valloire ausmündet. Ueber eine steile Wand, 
an der sich aber überall Tritte und Griffe fanden, kletterte 
zuerst ich am Seil hinab auf die Sohle des Ein- 
schnittes, die mit glattem Eis ausgekleidet war. Auf 
einigen schnell gehauenen Stufen überschritt ich das 
Eis und stieg dann an den Felsen der linken Seit« 
hinunter, soweit unser 25 Meter langes Seil reichte. 
Dann band ich mich mit einem frohen Jauchzer los 
und ging auf den mit losen dünnen Schieferplatten 
bedeckten Col hinaus. Es folgte Kellerbauer, von 
Purtscheller am Seil gehalten, dann der Letztere selbst 



Die Aiguilles d'Arve und die Aiguille de Goleon, 259 

an dem um einen Felszacken geschlungenen und doppelt 
gefaßten Seil, welches auf der Passage zweimal neu 
zu befestigen war. Um 12 Uhr 10 Minuten standen wir 
alle auf dem Col. So bequem und schön drei Viertel 
des Abstieges waren, so schwierig und mühsam war 
das letzte Viertel. Der Weg dürfte sich daher kaum 
zur Nachahmung empfehlen. 

Vergnügt trollten wir über Schutt und Schnee 
nach dem Vallon des Aiguilles d'Arve zu hinab, hielten 
uns jedoch bald rechts, um wieder den Col des Ai- 
guilles zu gewinnen und bei dem andauernden präch- 
tigen Wetter auch die mittlere Felsnadel noch zu 
besteigen. 12 Uhr 30 Minuten machten wir auf den 
Felsplatten unter dem Gletscher, am ersten klaren 
Bäehlein, eine halbstündige Mittagsrast. Wir marschirten 
wieder Über den Schnee hinauf, querten unsere Spur 
vom Morgen und erreichten die Höhe des Bergschrundes, 
von welchem der Fuß der mittleren Nadel umsäumt 
ist, um 1 Uhr 40 Minuten. Wir befanden uns etwa 
in der Mitte an ihrer nördlichen Basis und beriethen 
uns über die beste Anstiegsroute. Drei unten mit 
Schnee ausgefüllte Couloirs führten in die Felsen 
hinein. In dem zur Linken schien oben eine über- 
hängende Stelle Schwierigkeiten zu machen, an dem 
mittleren zogen sich sehr steile Hänge empor, in dem 
am wenigsten entwickelten Couloir zur Rechten war 
auch nur wenig Schnee, und sehr tiefe Felsrisse ließen 
dort härteste Arbeit erwarten. Schon wollten wir in 
der Mitte anpacken, als ich links unter dem östlichsten 
Couloir Tritte im Schnee zu bemerken glaubte. Wir 
steuerten an der Schneewand nach links hin aufsteigend 



260 K, Schulz. 

auf sie zu^ konnten uns aber nicht darüber entscheiden, 
ob es Tritte von Menschen oder Gemsen seien. Nach 
den von mir gemachten Notizen war wahrscheinlich 
Coolidge hier aufgestiegen und wir beschlossen, hier 
nun unser Glück «u versuchen. 2 Uhr 30 Min. be- 
traten wir die Felsen an dem östlichsten Couloir, 
stiegen dann in dasselbe hinein und erkletterten es 
unter großen Schwierigkeiten namentlich an einer 
steilen ganz vereisten Stelle, die Purtscheller mit 
großer Bravour als Erster überwand, worauf er uns 
am Seil nachkommen ließ. Bald war die langgestreckte 
und ausgedehnte Ostkaute des Berges erreicht. Etwa 
15 bis 20 Min. kletterten wir in ihrer Richtung 
fort. Sie ist kein entwickelter scharfer Grat, sondern 
breite, terrassenförmige Felsstufen ziehen sich auf 
ihr empor, an denen wir im Zickzack aufstiegen, 
lieber ein deutlich erkennbares Felsband, welches ab- 
gesehen von einigen schlechten Stellen leicht zu passiren 
war, traversirten wir dann in die Südwand oder 
richtiger Südostwand des Berges hinein. Jetzt gewahrten 
wir den Gipel des Berges, der sich mächtig und 
erdrückend vor uns aufbaute und von hier gesehen 
einen ganz gewaltigen Eindruck macht. Wir gelangten 
an ein langes, direkt zu dem Gletscher zwischen der 
mittleren und südlichen Felsnadel hinunterziehendes 
Couloir, welches mit einem schmalen Schneestreifen 
ausgefüllt war. Wir überschritten es an seiner oberen 
Ausmündung und setzten unseren Weg auf der Sud- 
elst wand immer in ihren obersten Theilen nahe am 
Ansatz der Nord wand fort. Um 4 Uhr 10 Min. ge- 
langten wir an einen sehr charakteristischen tiefen 



Die Aiguilles d'Ärve und die Aiguüle de GoUon, 261 

Einschnitt vor dem letzten Gipfel. Von hier aus hielten 
wir uns etwas rechts und gingen über Bänder eine 
kurze Strecke auf die Nordwand des Berges hinüber^ 
wo aber sehr große, glatte Platten, deren Risse man 
aufsuchen mußte, den Anstieg erschwerten. Auch hier 
läßt sich nicht wohl von einem entwickelten Ostgrat 
des Berges sprechen, sondern breite Felsstufen ver- 
binden in sehr unregelmässiger Formation die Nord- 
(resp. Nordost-) und Süd- (resp. Südost-) Seite des 
Berges. 

Purtscheller kletterte hier voraus und entschwand 
unseren Blicken. lieber einen hohen Absatz wollte 
ich direkt hinaufklettern, aber an einer steilen Stelle 
fühlte ich, daß ich nicht die volle und sichere Herr- 
schaft über meine Bewegungen behalten würde. Der 
zur Unterstützung herbeigerufene Kellerbauer war in 
einem Kamin neben mir engagirt und konnte mir nicht 
helfen. Statt die gewagten Aufzüge zu machen, die 
ohne Unterstützung vielleicht gelungen wären, vielleicht 
auch nicht, kletterte ich herab und merkte nun, daß 
die Stelle leicht nach links umgangen werden konnte, 
wie dies auch Purtscheller gethan hatte, der bereits 
— es war 4 Uhr 45 Min. — auf dem Gipfel ange- 
langt war und zu uns herunter rief. Schnell ging es 
jetzt ohne weitere Schwierigkeiten empor. Vor dem 
aus mächtigen Blöcken bestehenden und von Nord nach 
Süd verlaufenden schmalen Gipfelgrat mußte man noch 
durch einen tiefen, engen Spalt klettern, und um 5 Uhr 
hatten auch wir den Gipfel erreicht und erfreuten 
uns an der reinen und schönen Aussicht, die noch 
etwas ausgedehnter als die von der nördlichen Nadel 



262 K, Schulz, 

war Auch an diesem Berg trafen wir in den Felsen 
große Mengen von Gletscherflöhen. Purtscheller hatte 
die Karten von Coolidge und der Partie Barale u. b. w. 
gefunden, denen wir eine Karte mit den Notizen über 
unseren Aufstieg beifügten. Ein vom Gipfel abge- 
schlagenes Handstück erwies sich als Breccie; ein 
von den lose unterliegenden Steinen mitgenommenes 
Stückchen war dagegen ein feinkörniger Sandstein. 

Sehr nahe in südlicher Richtung, aber durch einen 
furchtbaren Abgrund von uns geschieden, erhob sich 
anscheinend zu gleicher Höhe mit unserem Gipfel die 
südliche, scharf zugespitzte Nadel mit ihrem Stein- 
männchen. Die Generalstabskarte gibt die Höhe der 
südlichen Nadel mit 3514, die der mittleren mit 3509™ 
an. Seit längerer Zeit behaupten Touristen und Führer, 
namentlich auch Coolidge und Almer, auf Grund des 
Augenscheins das umgekehrte Verhältniß und erachten 
die mittlere für um mehrere Meter höher als die 
südliche. So unsicher auch diese Schätzung nach dem 
Augenschein ist, so hat sie sich doch in der tou- 
ristischen Literatur eingebürgert (vergl. z. B. Ferrand 
et Chabrand, Urographie a. a. 0.) und wird auch 
in diesem Aufsatz unter Vorbehalt festgehalten. Ich 
war von dem Ehrgeiz beseelt, diese Streitfrage zu 
lösen, und hatte ein Horizontglas ^) mitgenommen, 
welches nebst dem Fernrohr dem Aeltesten von uns 
zur Bewahrung anvertraut worden war. Leider hatte 
dieser beide Instrumente, ohne daß ich es bemerkt 



*) Vergl. dieses Jahrbuch, 13. Jahrg., S. 306 und v. Richt- 
hofen, Führer für Forschungsreisende. Berlin 1886, S. 20. 



Die Äiguilles d'Ärve und die Aiguille de GoUon. 263 

liatte, bei den ^entbehrlichen^ Sachen unter dem 
Col zurückgelassen und nun half alles Jammern darüber 
nichts. Die von mir angestellten Aneroidmessungen 
erwiesen sich als werthlos, da es an festgemessenen 
Punkten zur Vergleichung und Controle in dieser 
Gegend gänzlich fehlt. 

Die Sonne senkte sich tiefer und um 5 Uhr 25 Min. 
brachen wir vom Gipfel auf. Wir benutzten beim 
Abstieg ausschließlich die Südostwand des Berges 
und hielten uns etwas tiefer auf ihr und weiter von 
der Kante des Berges entfernt, als beim Aufstieg. 
Der so beim Rückmarsch aufgefundene Weg war 
entschieden besser, als der beim Aufstieg einge- 
schlagene^ und bot vom Gipfel bis zum Gletscher hinab 
nirgends nennenswerthe Schwierigkeiten. Bald stießen 
wir wieder auf das beim Aufstieg erwähnte lange 
Couloir, welches zu dem Gletscher an der südlichen 
Nadel hinunterführt, mid überschritten es. Statt nun 
in der Wand nach links weiter zu traversiren und 
damit unseren Aufstieg zu verfolgen, beschlossen wir, 
direkt zu dem im Süden unter uns lagernden Gletscher 
abzusteigen. Trotzdem ich mich erinnerte, daß eine 
Partie auf dieser Seite aufgestiegen sei, waren wir 
nicht ohne Sorge, ob unten nicht abgeschnittene Wände 
das Erreichen des Gletschers verhindern würden. 
Wir stiegen auf den linksseitigen Felshängen an dem 
Couloir ab Als wir etwa auf der Höhe des Col de 
(rros-Jean angekommen waren, zeigte sich ein rechts 
nach diesem hinlaufendes und auf eine längere Strecke 
gut zu begehendes Felsband. Es war 6 Uhr 30 Min. 
und die Nacht war in einer guten Stunde da. Ich 



264 K, Schulz. 

war daher gar nicht damit einverstanden, daß Part- 
scheller das Band behufs einer Recognoscirung betrat, 
ob sich nicht der Col und von diesem der Gletscher 
erreichen lasse. Mir waren die Schwierigkeiten erinner- 
lich, die Coolidge beim Passiren des Cols auf dieser 
Seite gefunden hatte. In der That kehrte auch Part- 
scheller nach 15 Min. zurück, das Band war weiter 
hinten abgebrochen und der Col wäre wohl nur unter 
den größten Schwierigkeiten zu erreichen gewesen. 
Eiligst ging es jetzt an der Seite des Couloirs hinab, 
um den zerklüfteten Gletscher noch bei Tageslicht 
tiberschreiten zu können. Es ging über Erwarten gut, 
statt des gefttrchteten Felsabsturzes trafen wir auf eine 
zum Gletscher leitende Schneeflanke, auf der wir uns 
anseilten. Mit rückwärts eingehauenem Pickel stiegen 
wir über sie hinab, übersprangen den gutartigen Berg- 
schrund und stürmten auf dem Gletscher vorwärts, 
der uns bald ernstliche Hindernisse in seinen mäch- 
tigen Spalten entgegensetzte. Bald rechts, bald links 
mußte ausgewichen werden, eine sehr schmale Eiskante 
passirten wir, da zum Stufenhauen keine Zeit mehr 
war, rittlings. In fieberhafter Hast rangen wir mit 
den Seracs; endlich gelang uns auf der rechten 
Flanke des Gletschers der Durchmarsch. Gerade mit 
Einbrechen der Dämmerung erreichten wir die Moraine 
und gelangten noch auf den Weg hinaus in's Valien 
des Aiguilles d'Arve. Die von uns am Morgen ab- 
gelegten Sachen hatten wir der Zeitersparniß halber 
nicht aufgesucht, so daß wir ohne Laterne waren. 
In dunkler Nacht wurde der Weg öfters verloren, 
dann wieder gefunden, schließlich erreichten wir nach 



Die AiguiUes d'Arve und die Äiguille de GoUon, 265 

vielem Sueben gegen 11 Uhr Abends die Sennhütte 
der Frau Forclaz und pochten sie aus dem Schlafe^ 
Das Wetter war schön geblieben und so machten 
wir uns am 21. Juli wieder auf die Wanderung, frei- 
lich erst früh 5 Uhr 10 Min., da der vorhergehende 
erste Tag unserer Campagne ein recht harter gewesen 
war. Unser Plan war, auch die südliche Äiguille 
d'Arve zu ersteigen. Ihr von Osten beizukommen^ 
hatte uns bei genauer Besichtigung unmöglich oder 
doch unverhältnißmäßig schwer und gefährlich ge- 
schienen. ■ Wir wollten daher das kleine Refuge am 
Col Lombard aufsuchen, von dem aus die bisherigen 
Besteigungen ausgeführt worden waren. Um dahin 
zu gelangen, beschlossen wir, uns einen neuen Weg^ 
ober die langgestreckte Südostkante der südlichen 
Nadel zu bahnen. Im Kessel am Fuße der Aiguillea^ 
aogelangt, ließen wir den Aufstieg zum Col des Trois 
Pointes links liegen und stiegen wieder die Rasen- 
hänge mit ihrer entzückenden Flora hinauf. Keller- 
bauer, der Öfters zurtickblieb und den wir im Ver- 
dacht hatten, daß er im Gehen schlief, war plötzlich 
ganz verschwunden. Als er nach langem Warten 
wieder auftauchte, erzählte er uns, daß er bei einem: 
Halt vom Schlafe übermannt worden sei und köstlicb 
geschlummert habe. Vor dem Gletscher holten wir 
unter dem Felsen zur Rechten unsere Sachen, machten 
einen langen Frtihstückshalt und brachen um 9 Uhr 
10 Min. wieder auf. Wir passirten den Gletscher und. 
seine bösen Seracs und stiegen an den steilen Schnee- 
hängen an der rechten Seite des Gletschers empor. 
Das Wetter war schön und die Sonne brannte drückend 



266 K. Schulz. 

heiß auf den mit schwerem Rucksack beladenen Rücken. 
Wir überschritten den Bergschrund und stiegen zu 
den Felsen zwischen, zwei Schneecouloirs empor, die 
sich in der Wand der südlichen Nadel hinaufziehen. 
Das linksseitige dieser Couloirs ist schmal und steU 
und wurde von uns um 10 Uhr nach links traversirt. 
An einem aus Schmelzwasser bestehenden Bäehlein 
machten wir nochmals einen Halt und erfreuten uns 
an der schönen Aussicht auf die mittlere Aiguille 
d'Arve, deren mächtige Südflanke hier in ihrer vollen 
Ausdehnung sich unseren Blicken darbot. Auf- und 
Abstieg von gestern ließen sich genau verfolgen.^) Auf 
den Felsen an der rechten Flanke des fraglichen 
Couloirs stiegen wir dann empor in der Richtung 
nach dem Grat des Berges zu. Einige steile Partien 
wurden nach links umgangen, die auftretenden Fels- 
rippeu und Couloirs meist horizontal gequert. Ein 
langer, tiefer Riß in dem Felsmassiv mußte durch 
einen großen Sprung übersetzt werden. Das Gestein 
war auch hier eine von den feinsten bis zu den 
gröbsten Bestandtheilen mannigfachster Art, namentlich 
auch granitischen, wechselnde Breccie, beziehungs- 
weise Conglomerat. Schwarzer Kalkstein gibt ihr 
auch hier ein charakteristisches Gepräge. Dabei traten 
viele Quarzadern auf, zum Theil mit Krystallen. Dm 
Gestein war rauh und fest. Eine heikle Stelle in einer 



*) Von hier aus ist die beigefügte Umrißzeichnuog der 
Aiguille centrale aufgenommen. Die Umrisse lassen den Bau 
der Nadeln in langgestreckten von Ost nach West sich auf- 
1)auenden Schichten erkennen, während der steile Abfall nach 
Westen gewissermaßen die Schichtenköpfe darstellt. 



Die Äiguilles d'Arve und die Äiguille de Goleon, 267 

loit Schnee ausgefüllten Rinne umgingen wir nach rechts 
aufklettemd und passirten dann eine ziemlich schwie- 
rige Lücke auf einer Gratrippe. Um 12 Uhr 10 Min. 
hatten wir etwas oberhalb eines schmalen und tiefen 
Einschnitts die langgestreckte südöstliche Kante des 
Berges erreicht. Es öffnete sich der Ausblick auf das 
Valien de Gol6on mit dem Glacier Lombard, welches 
im Norden der Col Lombard begrenzt. Wir dominirten 
den letzteren, meine Aneroidmessung ergab eine Höhe 
Ton 3140™. Südöstlich von unserem Einschnitt, für 
welchen ich den Namen Col de Jean-Jean vorschlage, 
erhoben sich einige sehr abenteuerlich gestaltete Fels- 
Backen, an denen der von uns gemachte Weg leicht 
za erkennen ist. Ueber die Fortsetzung dieses Fels- 
^tes in südöstlicher Richtung führt der Col des 
Trois Pointes, weiter südlich und zwar erst hinter 
^er Pointe de TArgentiöre der wohl seit alter Zeit 
begangene Col de Goleon^), der südlich von Bonne- 
nuit in das Thal von Valloire führt. Auf dem Col 
entzückte uns eine herrliche Aussicht auf die Barre 
des Ecrins und die Meije. Faseinirend schaute der 
stolze Westgipfel der letzteren zu uns herüber. Nach 
längerem Aufenthalt stiegen wir durch einen steilen 
Einschnitt mit sehr lo«em und schmutzigem Schiefer, 
mehrfach von fallenden Steinen bedroht , nach dem 
Gletscher — er scheint jetzt nur noch ein Schneefeld 
zu sein — unterhalb des Col Lombard ab. Wir 
fahren auf dem seitlichen Hang des Schneefeldes ab, 



Eine touristische Ueberschreitung fand am 15. Juli 1875 
durch Coolidge mit Almer statt. Alpine Journal VIII, p. 77. 



268 K. Schulz, 

querten es dann und erreichten die mächtigen Fels- 
blöcke der Mittelmoräne um 1 ühr. 

Nach dem Mittagsmahl zeichnete ich die Umrisse 
der sich vor uns aufbauenden Nadel mit ihrem langen, 
zackengekrönten Stidostgrat. ^) Hierauf wurde auf einer 
großen Felsplatte ein Schläfchen gehalten und dann Alles 
abgesucht nach dem Creux oder Refuge au Col Lom- 
bard. Weder Steinmann noch Flaggenstange deuteten 
auf dasselbe hin, so daß wir es trotz stundenlangen 
Suchens nicht fanden. Ich hatte mir notirt, daß das 
Refuge 15 Min. unter dem Col liege und 1881 von 
der Sous-Section Briangon C. A. F. errichtet worden 
sei. Wir beruhigten uns damit, daß es wohl nur auf 
dem Papier des Bulletin mensuel C. A. F. bereits 
fertig sei.^) Ich wäre zum üebernachten gerne nach 
den Hütten von Rieublanc, die in zwei Stunden zu 
erreichen gewesen wären, gegangen, aber meine 
CoUegen entschieden für ein Bivouac auf dem Col 
Lombard. Unser ganzes Interesse nahm die Südwand 
der Aiguille d'Arve m^ridionale in Anspruch, auf 
welcher der Aufstieg bei den bisherigen Besteigungen 
ausgeführt worden war. Endlich entdeckten wir die 
beiden „petits couloirs de neige", von denen Coolidge 
erzählt- und die zu dem ersten und zweiten der größeren 
Einschnitte dicht Östlich am Gipfel hinaufführen; in 
dem westlichen war freilich nur ganz oben ein schmaler 
Eisstreifen und das östliche, welches nur wenig aus- 



*) Vergl. die Beilage. 

') Wir erfuhren später, daß es doch existirt. Die Zu- 
richtung desselben beschränkt sich aber auf eine kleine Thfir 
vor einem Felsloch. 



IHe Aigitiiles d'Ärve und die AiguiUe de Goleon. 269 

geprägt ist, liatte in diesem Jahr gar keinen Schnee, 
was uns die Orientimng eine Zeit lang erscliwerte 
und an die weiter Öetlich gelegenen größeren Schnee- 
conloirs, die zur SUdostkante hinauffuhren, denken 
heß. Jetzt liatten wir den Weg erkannt und auf der 
H3he des Col Lombard entdeckten wir einige Schritte 
jenseits des Cols auch den tiefen Riß, der den Zugang 
vermittelte 

Beruhigt richteten wir uns nun zum Nachtquartier 
ein, indem wir einige Meter unter der Höhe des Cola 
in den schwarzen Scliieferschmutz ein Loch eingruben, 
in dem wir einen Sitz für uns Drei herstellten. L'eber 
die Höhe des Col Lombard habe icli in der fran- 
zösischen Literatur eine Angabe nicht gefunden, weß- 
halb ich meine Äneroidmessung mit 3090" hier er- 
wähne. Ganz nahe in südlicher Richtung erhob der 
6e« de Grenier sein stolzes Felsbaupt *), dahinter die 
Aigaille de tiotäon. Sehr reizvoll und schön war von 
unserem Schlafplatz die Aussicht auf die königlichen 
Bei^e des Dauphinö, den Pelvoux, die Kette der 
Meije mit dem Pic Pav6 und namentlich die aus einem 
Schneemantel aufragende Felsenkrone der Bai-re des 
Ecrins Die Schönheit der Umgebung ließ uns den 
Mangel von Decken vergessen. Wir verbrachten, da 

') SSOl", auch AiguiUe Nord de la Sauasaz genannt. 
Erste Ersteigung von Coolidge mit den beiden Almer am 
äl, Jnli 1883. Aonuaire S. T. D., N° 0, p. 107, Zwischen 
diefiem Berg und der Aiguille de Gallon befinden sich no 
iwei Aignilles de la Sanssaz. Es sind unbedeutende I 
liebnngen, von denen eine bereits 1864 von Wliymper a 
^nen Gefährten bestiegen wurde. 



270 K, Schulz, 

das Wetter schön und rnhig blieb, eine leidliche Nacht» 
Nach Mitternacht, als die Temperatur auf Null fiely 
wurden wir freilich mehrfach von der Kälte geweckt,, 
wärmten uns aber durch von Kellerbauer mit seiner 
Spiritusmaschine bereiteten Thee. 

4 Uhr 10 Min. brachen wir am 22. Juli vom 
Bivouacplatz auf. Wir Überschritten den Col, wandten 
uns rechts und kamen nach wenigen Minuten über 
eine Schutthalde an den breiten und tiefen Riß in 
den Felsen, in dem wir über Schutt emporkletterten. 
Gleich Anfangs war zu unserer Linken eine steile 
Platte zu überwinden, dann stiegen wir etwa 20 bis 30" 
empor. Das Couloir wird oben durch zwei mächtige 
gegen einander eingeklemmte Blöcke geschlossen. 
Einige Schritte vor ihnen traversirten wir auf einem 
schmalen Felsbande nach rechts aus dem Couloir 
heraus und betraten schuttbedeckte Terrassen. Etwas 
rechts haltend stiegen wir über dieselben empor und 
trafen auf ein breites, von links nach rechts abwärts 
ziehendes Felsband, welches schon vom Col Lombard 
aus deutlich zu sehen war. Dasselbe läuft in ein 
breites Schneecouloir aus und reicht bis zum Grletscher 
hinab. Wir trafen auf demselben eine Schneelage, die 
wir jedoch nach links aufwärts steigend umgingen, 
lieber einen mächtigen abgerundeten Felsvorsprung' 
kletterten wir in die steile Wand, die direct unter 
dem überhängenden Gipfelkopf absetzt, hinein. Von 
den beiden Couloirs, die den ersten östlichen Fels- 
zacken des südöstlichen Grates umsäumen, wählten 
wir das zu unserer Linken, während Coolidge in dem 
rechtsseitigen aufgeklettert ist. Wir hielten uns auf 



Die Aiguilles d'Arve und die Aiguüle de Gol6an. 271 

den Felsen der rechten Flanke des Coaloirs unä 
stiegen über Absätze und Terrassen wohl steil, aber 
ohne ernstliche Schwierigkeiten empor. In dem engen 
Couloir dicht zu unserer Rechten trat bald Eis auf^ 
etwa 20»" unter der Höhe des Cols stiegen wir, da 
die Felswand an der Seite zu steil und glatt wurde,, 
in das Couloir hinein, und Purtscheller, der voraus- 
ging, schlug auf dem harten und glatten Eise Stufen.. 
Wir entdeckten dabei auch die Reste älterer Stufen^ 
Eine Besteigung des Berges in diesem Jahre vor uns- 
konnten wir nicht in Erfahrung bringen, und es ist 
daher wohl möglich, daß die Spuren noch aus den» 
Vorjahre herrührten. Dicht unter dem Col wurde der 
Bpalt sehr eng, so daß Purtscheller mit den Beinen 
grätschend und sich an den Wänden anstemmend in 
ihm aufsteigen konnte. Oben angekommen warf er 
uns, Einem nach dem Andern, das Seil zu, und wir 
konnten so unterstützt ihm schnell folgen. Für Purt- 
Bcheller war die letzte Partie ein hartes Stück Arbeit 
gewesen. 

5 Uhr 50 Min. standen wir alle Drei auf der Höhe- 
des Grateinschnittes. Nach dem Vallon des Aiguilles. 
d'Arve zu fielen die Wände in furchtbarer Steilheit 
ab. Dicht neben uns zu unserer Linken erhob* 
sich der nach allen Seiten abgeschnittene oder gar 
tiberhängende Wände zeigende Felskopf des Gipfels 
wohl noch 20 bis 30** über uns ansteigend. Wir 
kletterten vom Col über die steilen Platten nack 
links hinaus, sie waren sehr abschüssig und boten 
wenig Halt. Purtscheller und Kellerbauer zogen die 
Schuhe aus und gelangten bis an den nur wenige 



•272 K. Schulz. 

Meter entfernten Spalt im Gipfelmassiv, der augen- 
:8cheinlich Coolidge und den Almers den Weg zum 
'Gipfel geboten hatte. Das Suchen nach dem von 
Ooolidge zurückgelassenen Seile war vergeblich. Der 
letztere Tourist schildert die Stelle folgendermaßen: 
^Nous etions alors k l'endroit ok le rocher surplombe 
sur la pente N.-E. Gräce k de petites asp^rit^s oa 
fissures, nous pümes traverser cette paroi au-dessous 
de la partie surplombante jusqu'ä, Tarnte septentrionale, 
'La le rocher ne surplombait plus , mais il etait si 
raide et si lisse, que les mains ni les pieds n'y 
trouvaient aucun point d*appui. Almer öta ses souliers 
... et s'efforQa de grimper en ligne droite; mais il 
se Vit bientot Obligo de battre en retraite. Force 
nous fut donc de revenir sur nos pas jusqu'ä un point, 
que nous avions remarque en montant sur le versant 
I^ord-Est. La, en effet s'ouvrait, dans la partie sur- 
plombante, k une certaine hauteur au-dessus de nos 
tetes, une petite fente, d'oü descendait une v^ritable 
cascade petrifi6e . . . Almer fils, 6tant mont6 sur les 
^paules de son p^re, atteignit la base de cette cas 
cade, s'y accrocha tant bien que mal aux glagons 
les plus solides et parvint je ne sais comment k Tes- 
calader jusqu'au sommet de la paroi surplombante. 
L'Aiguille m6ridionale 6tait k nous." *) Es war die» 
zweifellos ein großes Bravourstück der beiden Almer 
nnd Christian Almer Vater hat damit seine klein- 
fflüthige Erklärung vom Jahre 1864 glänzend wieder 
ausgeglichen. Purtscheller verglich die Stelle mit jener 



*) Annuaire C. A. F. V, p. 180. 



Die AiguiUes d'Arve und die Aiguille de Goleon, 273 

überhängenden Partie an der Ostseite des Marmarole- 
gipfeis ^) , an welcher ihm nach der stattgehabten 
Entfernung des dort befindlichen Seiles der Versuch 
zur Erkletterung mißglückt war, sowie mit der Stelle 
aaf der Südseite des Matterhorns, wo die Seilleiter 
(Echelle Jordan) befestigt ist. Die Matterhornstelle 
ist nur noch etwas höher. Hätten wir einen Christian 
Almer gehabt, auf dessen Schultern Purtscheller hätte 
steigen können, so würden wir auch ohne das Seil 
den Gipfel erreicht haben. So konnten aber weder 
Kellerbauer noch ich die Schultern eines Almer er- 
setzen. Der Stand für den die Schultern Darbietenden 
war nicht gut; das geringste Wanken hätte Beide 
unfehlbar in den Abgrund befördert. Wir standen daher 
hei früher Tageszeit und bei dem schönsten Wetter 
von einem Unternehmen ab, dessen Gelingen wohl 
wahrscheinlich gewesen wäre, wobei aber die Gefahr 
des Mißlingens doch zu groß war. Noch einmal wurde 
Alles sorgfältig geprüft, dann entschlossen wir uns 
ffiit schwerem Herzen zur Rückkehr. Purtscheller 
lehnte den Versuch bestimmt ab , ich stimmte ihm 
entschieden zu, unserem Gefährten wurde die Resig- 
nation am schwersten. Nachdem uns einige Wochen 
darauf in den Bergen des Dauphine ein so schwerer 
Unglücksfall betroffen hat, und die Vorwürfe nicht 
fehlten , wir hätten aus ehrgeizigem Wetteifer die 
ruhige und sichere Beurtheilung und die Selbst- 
beherrschung verloren, die nöthig seien, um Unmög- 
liches rechtzeitig aufzugeben , erzähle ich unseren 

^) Vergl. die Abbildung in E. Zsigmondy, Gefahren der 
Alpen, zu S. 164. 

18 



274 K, Schulz. 

abgeschlagenen Angriff auf die südliche Aigoille d'Aire 
nicht ohne ein Gefühl der Oenugthnung. Unser Ver- 
halten beweist, daß die Mehrzahl der Mitglieder un- 
serer führerlosen Partien die bei diesea in der That 
nothwendige Selbstüberwindung gekannt und geübt 
haben, nicht bloß vor Unmöglichem, sondern auch bei 
Partieen, die Andere bereits überwunden halten. Ich 
sage dies nicht ohne bestimmten Hinweis auf die Be- 
urtheilung, die unsere Bergfahrten und unser Unglück 
im Alpine Journal und im Krdse der engiisehen Berg- 
steiger gefunden haben, die leider das T^an ihrer 
eigenen Landsleute und das fremder AlfÄnifites nicht 
mit gleichem Maße messen. 

Wir kehrten zum Einschnitt zufltck «nd genossen 
von dort noch die außerordentlich schöne AusBicht 
auf die Mont-Blanc-Gruppe, den Grand Go]iiA>in, Deut 
d'Hörens und Matterhorn, Grajische Alpen u. s. w., 
Monte Viso, Grandes ßousses. Um 7. Uhr 35 Min. 
traten wir wieder den Abstieg an, passirten den oberen 
Theil des Couloirs an zwei aneinander geknüpften 
Beilen (Pnrtscheller war Letzter und kletterte am übm^ 
einen Felsblock geschlungenen doppelten Seile hinab) 
und erreichten den Col Lombard um 9 Uhr 25 Min. 
Beim Aufstieg hatten wir die Vorsicht gebraucht, an 
schwierigeren Orientirungsstellen rothe PapieFStreifeB 
mit Steinen beschwert zurückzulassen , um bei 'trotz 
des schönen Wetters etwa einfallendem Nebel den 
Abstieg leichter zu finden. Zur firklürung des unsere 
Niiederlage wesentlich verschuldet habenden Fehlens 
-des Seils am Gipfel wurde uns in La Grave später 
erzählt, das Seil sei von den Führern iGiißpard /aus 



Die ÄiguüJes d'Ärve und die AiguiUe de Goleon, 275 

St. Christophe bei der von ihnen am 23. Juli 1884 
ausgeführten Besteigung aus Eifersucht gegen die 
Föhrer von La Grave weggenommen worden. Man 
bezweifelte daher auch, daß die Führer E. Pic und 
L. Eaure am 1. August 1884 den Gipfel der süd- 
lichen Nadel erreicht hätten. 

Am Col Lombard packten wir die zurückgelassenen 
Sachen airf und marschirten über den Gletscher hinab. 
Die Aiguille de Gkil^on sah dabei so verlockend und 
schön auf uns herab, daß wir beschlossen, uns auf 
ihrem Gipfel für das erfahrene Mißgeschick schadlos 
zu halten. Auf den Felsen am linken Ufer des eigent- 
lichen Glacier Lombard hielten wir eine lange Rast. 
11 Uhr 50 Min. betraten wir den Gletscher und 
stiegen auf ihm in der Richtung nach der Einsatt- 
lung zwischen der Aiguille de Goleon und dem Bec 
de Grenier empor. Der Schnee war bereits erweicht 
und zahlreichen Spalten erforderten ziemliche Vor- 
sicht. Dann hielten wir uns mehr links und stiegen 
über die steile Schneewand in directer Richtung 
zum Gipfel (3429™) empor, den wir um 1 Uhr er- 
reichten. An der großen Triangulirungspyramide 
machten wir es uns bequem und genossen bei dem 
herrlichsten Wetter lange die zauberhaft großartige 
und schöne Aussicht von diesem so leicht zu errei- 
chenden und zur Besteigung nicht genug zu empfeh- 
lenden Gipfel. 

Auf die Grandes Rousses folgte im Bogen nach 
Norden eine Kette schwarzer Felsberge, dann über 
Alles erhaben und hoch am Horizont weit in den 
Himmel ragend und in feenhaftem gelbem Lichte 



276 K, Schulz. 

prangend die Mont-Blanc-Gruppe '), davor die Berge 
der Tarentaise, weiter hinten wieder der Grand Combin 
mit seiner Umgebung, die Grajischen Alpen, die Zer- 
matter Berge mit dem deutlich erkennbaren Dom, 
der Monte Viso , dann weit im Süden eine große 
Gruppe der Meeralpen. Den Glanzpunkt bilden aber 
die nahen Berge des Dauphine, die Barre des Ecrins, 
der Pelvoux und der gewaltige Aufbau der Meije, 
die man in allen ihren Einzelheiten hier studiren 
kann. Nahe und ferne Alpenketten wirken hier zu 
einem Gesammtbild zusammen, welches überwältigend 
ist, und dem ich in den ganzen Alpen nur wenige 
Panoramen an die Seite zu setzen vermag. 

Der ziemlich schmale, aber langgestreckte felsige 
Gipfelgrat des Berges verläuft von Ost nach West, 
es tritt auf ihm neben Urgestein (Protogyn) nament- 
lich Schiefer, wie auf allen umliegenden niederen 
Bergen auf. Die große Pyramide ist aus Schiefer 
gebaut, umfaßt an ihrem Fuße wohl 4 Quadratmeter 
und ist circa 3 ™ hoch. Auf einem nach Süden ver- 
laufenden Felsvorsprung fanden sich die Mauern eines 
Häuschens. Auf den Schiefertafeln neben der P3rramide 
sind viele Besteigungen verzeichnet, mehrere schon 
aus den 50er Jahren. Der Berg ist augenscheinlich 
schon sehr oft erstiegen worden, in neuerer Zeit auch 
von Süden aus, sowohl direkt durch die Wand, als 
über den westlichen und den östlichen Grat. 



^) Die Mont-Blanc-Gruppe in so großer Entfernung von 
Süden her gesehen ist ein Anblick, der durchaus eigenartig 
in seiner Erhabenheit ist und in den nördlicher gelegenen 
Alpen seines Gleichen nicht hat. 



Die Aiguilles d'Arve und die Aiguille de GoUon, 277 

Um 2 Uhr 15 Min. machten wir uns wieder auf 
den Weg und kehrten über den Glacier Lombard 
zurück. Vom Gipfel aus hatten wir einen Weg aus- 
ersehen, der die beim Aufstieg getroffenen Spalten 
vermeiden ließ, indem wir uns näher an den vom Bec 
de Grenier südlich ziehenden Felsgrat hielten.*) Wir 
bemerkten dabei an den Aiguilles de Saussaz drei 
Gemsen marschiren. Sie flohen eilig auf den Bec de 
Grenier. Auf dem Schnee waren an dem ganzen Berge 
eine zahllose Menge von Insekten zu sehen, es war 
kaum ein Quadratzoll, auf dem nicht mehrere Mücken 
und Fliegen theils erstarrt, theils noch lebend zu finden 
gewesen wären. Eine genaue Untersuchung dieser 
zahlreichen Bevölkerung, zum Theil Eskimos der In- 
sektenwelt , zum Theil Verirrte ^ind Verschlagene, 
würde gewiß noch wissenschaftlich interessante Re- 
sultate ergeben. 

Um 3 Uhr erreichten wir wieder unsere auf den 
Felsen am . Gletscher abgelegten Sachen. Dann ging 
es über den Gletscher hinaus auf das rechte Ufer 
des von ihm ausströmenden Baches. Neben demselben 
auf rasigem Abhang mit herrlicher Flora hielten wir 



Dieser Weg ist ganz ungefährlich. Wenn Joanne, 
Itin6raire gen^ral de la France, Jura et Alpes fran^aises, 
Paris 1882 (Abdruck der Auflage von 1877), p. 842, die 
Besteigung „dangereuse" nennt, so beweist dies nur, wie 
wenig brauchbar dieses überdies veraltete Buch für das^ 
Hochgebirgsterrain ist. Für den Alpinisten werthvoll sind 
dagegen Baedeker , Midi de la France, 2"^« edition , Leipzig 
1886, und der Guide du Haut-Dauphin6 par W. A. B. Coolidge, 
H. Duhamel et F. Perrin. Grenoble 1886. 



278 K, Schulz. 

nochmals eine längere Rast. Die Freude an der Be- 
steigung der Aiguille de Goleon, besonders der groß- 
artige Genuß auf ihrem Gipfel, hatte uns mit dem 
schlechten Empfang, den uns die südliche Aignille 
d'Arve bereitet, beinahe völlig ausgesöhnt und lustig 
und vergnügt trabten wir unter dem Col de Goleon 
hin, überschritten zwei große üeberschwemmungsbetten 
des Gol^onbaches und näherten uns, über eine große 
Thalstufe absteigend, wieder menschlichen Wohnungen, 
die wir mehrere Tage entbehrt hatten. Wir passirten 
Pram^lier und erreichten über mehrere kleinere Orte 
am Abend La Grave, wo wir im Hotel des Herrn Jage 
eine artige und zufriedenstellende Aufnahme fanden. 
Im Gegensatz zu den Beobachtungen anderer 
Touristen muß ich es betonen, daß wir bei den Be- 
wohnern des Dauphin6, bei Wirthen und Führern u. s. w., 
fast durchweg eine freundliche und gute Aufnahme 
fanden.^) Daß man auf den einsamen Felshömern, 
auf der Meije und Barre des Ecrins, nicht spioniren 
kann und daß die Freude an der Schönheit der Alpen 
ein Talisman ist , der auch die Angehörigen ver- 
schiedener Nationen auf diesem Gebiet rasch einander 
nähert und andere Gegensätze zurücktreten läßt, das 
befestigt sich jetzt auch in den schönen Alpenthälern 
des Dauphin^. Der Verkehr mit Mitgliedern des 



*) Ich weiß eigentlich nur von einer Ausnahme zu be- 
richten. Al8 ich von La Grave aus dem Aufstieg meiner 
Freunde auf die Meije mit dem Femrohr zusah — ich hatte 
eine verletzte Hand — näherte sich mir der würdige Herr 
Pfarrer von Serres bei Gap und fragte mich mit der Miene 
eines Großinquisitors: Vous Ites de l'arm^e präsente? 



Die Aiguilles d^Arve und die Aiguille de Goleon. 279 

französischen Alpenclubs ist uns in lieber und werther 
Erinnerung geblieben. 

Ich kann den Aufsatz nicht schließen ohne ein 
Wort der Verehrung und des Dankes für Herrn Coo- 
lidge, den glücklichen Werber um die spröden Fels- 
jnngfrauen von Arve, dessen Spuren wir tiberall trafen 
und dessen Geist auf unseren Fahrten uns den Weg 
bahnend nmsajiwebte. 



Aus der Adamellogruppe und den Brenta- 

Dolomiten. 

Von 

TIk Borel (Section St. Gallen). 



Eine Tag- und Nachtreise auf der Arlberg- und 
Brennerbahn und an diese anschließend eine Postfahrt 
von Trient über Alle Sarche und Tione brachte mich 
in zwei Tagen von St. Gallen nach Pinzolo in Hinter- 
Judikarien, dem Standort meiner diesjährigen (1885) 
Excursionen. 

Pinzolo, der zweitletzte Ort des Val Rendena, ent- 
wickelt sich nach und nach zu einem Touristenpunkte. 
Man geht von dort aus sowohl in die Brenta-Dolo- 
miten, als auch in das Gebirge der Presanella-Ada- 
mello-Gruppe hinein. Der Standort ist gttnstig; schon 
Julius Payer hat von da seine bekannten Excursionen 
unternommen, und wenn auch heutzutage der Zuspruch 



Anm. Die dieser Reiseskizze beigegebene Ansicht der 
Brentagrappe von Mr. E. T. Compton wurde mit gütiger !>• 
lanbniß des Präsidenten der Societä degli Alpinisti Tridentiiii 
dem Annuario X der Soc. Alp. Trid. entnommen. A, d. Bed. 



Aus der Adamellogruppe und den Brenta-Dolomiten, 281 

der Tonristen lange nicht in dem Maße vorhanden 
ist, wie an manch' anderm Orte in Tirol, so ist doch 
eine recht löbliche Znnahme des Verkehrs zu Consta- 
tiren. Pinzolo ist für denjenigen, welcher vom Süden 
oder Osten herkommt, entweder vom Gardasee oder 
Trient, der natürliche Ausgangspunkt zu beiden Ge- 
birgsgrnppen. Der Ort ist durch täglich zwei Mal ver- 
kehrende Postverbindung, welche in der Morgenfahrt 
bis Campiglio hinaufgeht, mit Trient verbunden. Auch 
der Telegraph reicht nun bis nach Campiglio hinauf* 
Nebst der höchst günstigen Lage, welche Pinzolo be- 
sitzt, ist der Aufenthalt daselbst ein sehr angenehmer^ 
zu längerm Verweilen einladender. Selbst derjenige,, 
welcher der Landessprache nicht mächtig ist, wird sich 
daselbst heimisch fühlen. Allerdings ist ein Standort 
von nur 755 ™ über dem Meer nach neuesten Begriffen 
nicht ein richtig alpiner ; er sollte mindestens nochmal 
80 hoch gelegen sein, um als Aufenthalt für Touristen oder 
Sommerfrischler zu gelten. Darum wird auch Pinzolo 
vielfach als im Hochsommer zu heiß geschildert, allein 
ich kann nicht sagen, daß sogar der heiße Sommer 
von 1885 mich an eine gar so tropische Hitze ge- 
mahnt hätte. Es ist nicht zu leugnen , daß dem 
eigentlichen Luftkuranten der 3 Stunden weiter nörd- 
lich , auf 1511" gelegene, aufblühende Luftkurort 
Santa Maria di Campiglio besser behagen wird ; aber 
in Pinzolo unten entschädigt vollauf der größere Reiz 
der Landschaft. Das Rendenathal ist so grün und 
duftig, wie nur irgend ein Alpenthal auf der Nordseite 
der Berge ; dazu eine südliche Vegetation, buschreiche 
Wälder, tosende Wildbäche und Wasserfälle. Der Auf- 



282 Th. Borel. 

«ntbalt am Orte befriedigt selbst verwöhnte Anfordc- 
rnngen; Hotel Krone ist gut und billig; zwei andere 
Oasthänser bestreben sich, weitem Ansprüchen gerecht 
xn Werden , und was für den Bergsteiger am wich- 
tigsten ist, das Ftihrerwesen ist geordnet und die 
Taxen sind genau bestimmti Der überall in den Gaßt- 
hänsern angeschlagene Führertarif hat zwei nicht zu 
unterschätzende Vortheile : Erstens sind die Taxen sehr 
mäßig gehalten, vom Trienter Alpenverein bestimmt 
und behördlich genehmigt, und zweitens sind die Di- 
stanzen mit einer höchst lobenswerthen Genauigkeit 
angegeben, z. B* : Presanella (Cima di Nardis), höchste 
Spitze der Adamello-Presanella-Griippe (3561™) : Geh- 
«eit hin und her 16 ä 17 Stunden, Taxe fl. 9; Monte 
Adameilo (3547"), Gehzeit 24 Stunden, fl. 10; Cim» 
Tosa (3179™) , Gipfelpunkt der Brenta - Dolomiten, 
19-20 Stunden^ fl. 8; 

Dabei ist eftabegriffen die Selbstverköstigung der 
Führer und selbstverstähdlich ist es auch bei deü 
genannten und andern Touren, daß 1^/2 bis 2 Tage 
dazu verwendet werden. Zieht man den anspruchslose 
und billigen Aufenthalt am Orte selbst in Betracht, 
den Reiz einer uns ganz neuen und fremdländischen 
Gegend, eine wundervolle Natur und nach jeder Seite 
hin Gelegenheit zu Touren bis zu den höchsten An- 
forderungen , so ist es begreiflich , daß derjenig«) 
welcher diese Gegenden zum ersten Male besucht, es 
kaum glaublich findet, daß der Touristenverkehr nicht 
fichon längst sich dieser Gebirgswelt zugewandt hat. 

Der einzige durchgängig fahrbare Zugang zur 
Brenta-Adamello-Gruppe von Osten, d. h. vom Etsch- 



Aus der Ädamellogruppe und den Brenta-Dolomiten. 283 

ihale her, ist der vorerwähnte Postweg von Trient aus, 
über Alle Sarche und Tione, mit Abzweigungen nach 
Riva ami Gardasee und nach Condino und Anfo am 
Idrose'e. Eiö anderer , allerdings nur theilweise fahr- 
barer Weg geht von Mezzo Lombardo , resp. der 
Brennerbahn-Station St Michele aus durch Val di Non 
mid Val di Sole (Nons- und Sulzberg). Der Postwagen 
fährt bis Cogolo im Val Pejo, einem Seitenthal des 
Sulzberges; der Reisende aber verläßt die Haupt- 
straße, welche nach Ponte di Legno und Brescia weiter 
führt, bei Dimaro, eine Stunde ob Mal6, um Über den 
bequemen, durch schönen Wald und Alpweiden führen- 
den Uebergang „Campo Carlo Magno" (1642"^) in vier 
Stünden den ansprechenden Luftkuroii; Santa Maria 
di Campiglio (1511™) zu erreichen. Für Fußgänger 
sind die Wege von Mezzo Lombardo über Fai nach 
Andalo und Molveno oder von Trient aus über Ter- 
lago und den aussichtsreichen Rücken des Monte Gazza 
zu empfehlen. 

An der östlichen Abdachung des Gebirges gelegen 
ist Molveno der nächste Ausgangspunkt für das circa 
5 Stunden entfernte Rifugio Tosa, die Clubhtitte des 
Trienter Alpenvereins an der Bocca di Brenta (2547 '"), 
deren üeberschreitung quer durch die Brentagruppe 
von Molveno nach Campiglio oder Pinzolo den besten 
Einblick in die Gestaltung dieser großartigen bizarren 
Dolomitwelt bietet. Ich weiß nicht, warum die Reise- 
bandbücher überhaupt so wenig über die Reize der 
Cregend zu sprechen wissen. Dem Gebirge wird in 
neuerer Zeit die ihm gebührende Aufmerksamkeit ge- 
schenkt, aber die landschaftlichen Schönheiten Judi- 



284 Th. Boreh 

kariens und des Sulz- und Nonsberges werden im 
Ganzen noch zu wenig gewürdigt. Den in jeder Be- 
ziehung höchst interessanten Paßweg von Alle Sarche 
zu den Bädern von Comano, als Kunststraße zu den 
schönsten und merkwürdigsten Bauten zu zählen, lassen 
selbst neuere Schriften über Südtirol außer Acht. 

Vermöge seiner wundervollen Lage am Ufer des 
schönen See's würde sich Molveno zu längerm Auf- 
enthalte empfehlen; der Ort wird aber selbst von 
Bergsteigern der primitiven Gasthäuser wegen ^) meist 
nur im Vorbeigehen berührt, weil der einzige Führer 
der Gegend, mit welchem zur Zeit die schwierigem 
Touren der Brentagruppe , wie die Campanili und 
Crozzon, unternommen werden können, hier seßhaft ist 

Aus den verschiedenen, dem Fußgänger sich dar- 
bietenden Wegen darf derjenige über Molveno als in 
erster Linie empfehlenswerth bezeichnet werden. Leute, 
welche bequem reisen und rasch reisen wollen, wählen 
die Postroute von Trient aus. Post- und Telegraphen- 
verbindung sind gut; erstere sehr billig. Die Fahrt 
über Vezzano und Castel Toblino ist reich an Ab- 
wechslung: kurze , kahle Gebirgsrücken und gleich 
darauf kleine , eingeschlossene , aber üppige Thal- 
schaften, ähnlich wie im Sulzberg. 

Kaum hat man Trient verlassen und die Höhe 
des Buco di Vela , des mit einem Sperrfort ver- 
sehenen Engpasses, durch welchen die schöne Straße 
landeinwärts führt, erreicht, so bietet sich ein schöner 

Das allgemeine ürtheil lautet derart ; „Oesterreichische 
Alpenzeitung", Nr. 176, 25. September 1885, empfiehlt da- 
gegen das Gasthaus zum Aquüa nero als sehr gut. 



i 



I 



Am der Adamellogruppe und den Brenta-Dolomiten. 285 

Blick auf den hart am Wege gelegenen See von 
Terlago. Inmitten grauer, öder Gesteinswtisten mutbet 
uns dieses Bild recht fremdartig an. Bei Vezzano 
und Padergnone finden sich ausgeprägte Gletscher- 
schliffe ganz hart an der Straße. Die Gegend um 
Vezzano ist berühmt, durch den hier gepflanzten, schon 
zu Römerzeiten bekannten und geschätzten Vino Santo. 

Vezzano ist eine versteinerte Amtszeitung, steht 
irgendwo in einer altera Schrift geschrieben, doch 
<lie Augen der Wirthstochter sind lebendig wie Feuer. 
Die Augen der Mädchen sind schön und feurig, aber 
die Perle der Landschaft, die Augen der ganzen Gegend, 
das sind die beiden Seen von Massenza und Toblino in 
ihrer wundervollen Einsamkeit. Castel Toblino, das 
viel besungene und gemalte, liegt in paradiesischer Ab- 
geschiedenheit inmitten wogender Buschwälder. Dieses 
Stück Landschaft *) ist eines der herrlichsten, die es 
geben kann, und bietet einen frappanten Kontrast zu 
dem kaum einen Kilometer weiter beginnenden Eng- 
paß der Sarche (vor Erstellung der Fahrstraße Passo 
della Morte genannt). 

Eine kleine Viertelstunde von Toblino liegt das ein- 
same Dörfchen „Alle Sarche", bestehend aus einigen 
Häusern und dem großen Postwirthshause. Die Straße 
verzweigt sich hier einerseits nach Riva am Gardasee, 
andererseits durch die Sarcaschlucht nach Vorder- 
Judikarien und durch Val Rendena zu den Gletschern 
der Adamellogruppe, wo die Sarca ihren Ursprung hat. 

*) Ein Bild dieser Landschaft, welches eine Zierde der 
^chweiz. Kunstausstellung von 1885 war, befindet sich nun 
'^ Besitze des Züricher Kunstvereins. 



286 Th. Borel, 

Hier bei Alle Sarche, wo die ersten Olivenpflan- 
»wgaii zu sehen sind, tritt der wilde Bergflaß aus der 
zwei Stunden langeir iSrhlurlif^ rlir er sich durch die 
Ausläufer des Monte Gazza und des Ttir iitflgobiif^n 
gebrochen hat. Monte Garsole (862"^ und Monte Casale 
sind zu beiden Seiten des Engpasses die höchsten 
Punkte; weiter aufwärts, Vezzano gegenüber, erhebt 
sich der Rücken des Monte Gazza zu 1641 und 1834". 
Toblino und Alle Sarche sind auf 240™. 

Die kühne Fahrstraße durch diese Felsschlucht 
wird mit Recht zu den Wundern Tirols gezählt; man 
darf sie fuglich zu den schönsten Kunststraßen der 
Alpen rechnen. Bezüglich der Scenerie mahnt sie 
lebhaft an den frühern Saumpfad durch den Schyn. 

In engem Gewinde, meist 6 — ^^800 Fuß ob dem 
Laufe der Sarca, durch Felsen gebrochen und oft von 
hohem Mauerwerk geschützt, führt sie beständig längs 
des Abgrundes hin. Es ist eine einsame, wild groß- 
artige Gegend, deren ungeheuerliche Felsparlien tiefen 
Eindruck machen. 

Die Fahrt von Alle Sarche bis zum Ausgange 
der Schlucht bei der Scaletta dauert an zwei Stunden 
und erst bei der kleinen Ortschaft St. Giovanni öffnet 
sich das Thal wieder Von da an bis nach Tione 
hinauf und weiter nach Pinzolo ist man wieder in 
einer offenen, wenn auch nicht gar breiten Thal- 
niederung, umgeben von der reichsten Vegetation. 
Tione, der Hauptort von Judikarien, liegt in einem 
wahren Garten. Hier scheiden sich die Wege. Aufwärts 
gegen Nord geht es durch Val Rendena zu den 
Gletschern der Adamello-Presanella-Gruppe, und süd- 



Aus der Adamellogruppe tmd den Brenta-Dolomiten. 287 

lieh durch Val Buona, d«m Laufe des Chiese entlang^ 
nach dem Idrosee. Die geographische Coiifigitfatioii 
Jttdikariens ist durch den Wasserlattf der beiden Flüsse 
Sarca and Chiese besimnut. Als vorderes Judikarien 
ist der OberUtttT der Sarca bis nach Bad Comano und 
der S«f easchlucht zu betrachten, und als hinteres Judi-^ 
karien das Thal des Chiese. 

Amphitheatralisch aufsteigend, von drei hübscheu 
Kirchen überragt, macht Tione, von weiter her gesehen^ 
einen stattlichem Eindruck als in der Nähe. Immer- 
hin ist es eine kleine belebte Stadt, wo namentlich 
an Sonn- und Feiertagen das Volksleben zu mannig- 
fachen Beobachtungen Anlaß gibt. Das Postwirthshaua 
ist einfach, reinlich und billig 

Mit dem Rio Finale, einem Bergwasser, das sich 
bei Verdesina mit der Sarca vereinigt , begipnt das^ 
eigentliche Val Rendeim. Der Tourist findet hier ein 
Alpenthal, so anmuthig und schön und duftig, wie 
nur irgend eines im Herzen des Hochgebirges und 
Zugleich auch wie manches andere Tiroleralpenthal 
kulturhistorisch interessant. 

Der Eindruck, welchen diese Landschaft uns dar- 
bietet, ist ein durchaus günstiger Die Ortschaften^ 
vom saftigsten Grün umgeben , sehen alle recht 
stattlich aus, die Felder sind wohlgepflegt un,d die 
Vegetation erhebt sieh hier um einige hundert Meter 
höher, als jenseits der Berge. Bei Tione und Borzago- 
ist man schon im Bereiche der Adamello Gruppe und 
der Gletscher , aber gleichwohl noch im Gebiete der 
Weinrebe^ der Edelkastanie und des MaHlbeerb^iyues* 
Am Eingange des Val di Genova, bei circa 850«°^ 



288 



Th, Borel 



«tehen die herrlichsten Kastanien- und 
malerischen Gruppen am Rande des tosend< 
Ijaches. 

Eine Abendfahrt bei Mondschein von 
Pinzolo hinauf bietet eine Reihe der stimmi 
Bilder, die es ^eben kann. Dörfer und 
folgen Schlag auf Schlag , manche kaui 
-einander entfernt; dazu Kirchen und Ci 
Menge, deren mehrere hohes Alterthum und( 
liehe Bedeutung haben. ^) Wie in allen a1 
Alpenthälei-n, welche von der Fremdenindi 
nicht ausgebeutet sind, hat sich hier mai 
Sitte erhalten, so die eigenthümlichen Hocl 
Beerdigungsgebräuche und die Maitinade, 
des Liebhabers vor den Fenstern der Auserb 
Dies ist allerdings dann auch die einzige 
■Gesanges außer dem Kirchen- und dem Wl 
iiede. Unter dem strengen Regimente des Kn 
Ton Trient treffen wir hier weder Gesang-, m 
oder Schtitzenvereine, wie in manchen Theilen vi 
und Piemout, wo außer dem Kirchlichen nil 
deres erlaubt ist. Die Bevölkerung ist im 
iirm, aber bescheiden, genügsam in der Lebei 



1) Band XVI (1885) der Zeitschrift des D. u. 
t)rlngt in einer Beilage von 3 Blättern die Rundschi 
Dosso del Sabbione (2096") bei Pinzolo. Blatt II de| 
zeigt beinahe sämmtliche Ortschaften des Rendenatbi 
Baldimo (gegenüber Pinzolo) bis nacb Villa di Rend< 
wärts. Es sind deren 15. Außer S. Giovanni und Fi8< 
thalanswärts einzig Verde&ina, welches in Folge der 
l)icgung nicht sichtbar ist. 



J 



Aus der Ädamellogruppe und den Brenta-Dolomiten, 289 

und trotz des harten Kampfes um's Dasein fröhlich; 
trotz der Menge der Kinder^ die sich in jedem Dorfe 
«af der Straße hernmtummelt , ist noch keines von 
ihnen zum Bettel abgerichtet, auch kein altes Weib 
oder krüppelhafter alter Geselle steht am Wege, uin 
ein Almosen flehend. Dem Rendanesen begegnet man 
in den größern Städten Europa's als Scheerenschleifer 
und Kaminfeger; Thatsache ist, daß bei der starken 
üebervölkerung des Thaies (10,052 Seelen in 13 Ge- 
meinden und 880 Wohnhäusern) die Auswanderung eine 
Lebensfrage bildet. Genaueres hiepüber, wie auch Über 
Sitten und Gebräuche, findet sich in der vom Trienter 
Alpenverein herausgegebenen Schrift Gambillo's : „La 
Valle di Rendena" (Rovoreto 1882), welche dieses 
Thema, wie auch das Geschichtliche und Touristische j 
sehr eingehend behandelt. 

In Pinzolo, der größten Ortsirhaft des Thaies, ist, 
wie schon erwähnt, der Aufenthalt ein sehr ange- 
nehmer. Der Ort hat nicht ntir touristische, sondern 
auch kirchengeschichtliche Bedeutung. Er ist der 
Schauplatz des Märtyrertodes des heiligen Vigilius, 
des dritten Bischofs von Trient, welcher anno 400 
den hei dmachen Rendanesen das Evangelium predigen 
wollte, aber von den erzürnten Einwohnern in die 
Sarca geworfen wurde. Eine andere Legetide läßt ihn 
von der Wuth der aufgebrachten Bevölkerung mit Brod* 
laiben zu Tode gesteinigt werden, darum sei auch heut- 
2iitage das Brod der Gegend noch so hart wie Stein. 
Der Todestag dieses Heiligen wird in Trient alljährlich 
am 26. Juni mit dem größten kirchlichen Gepränge, 
aber zum Schlüsse auch mit einem Feuerwerk auf 
dem Domplatz gefeiert. 

19 



290 Th, Borel, 

Die Leidensgeschichte des heiligen Vigilius ist 
in Pinzolo in der Dorfkirche durch Glasmalereien 
verewigt; man sagt, daß sie von einem ttichtigea 
Meister der alten Schule herrühren; beachtet werden 
sie gewöhnlich vom Touristen nicht, ebensowenig als 
der an der Kirchhofskirche angebrachte Todtentan^ 
aus dem Jahre 1519, an welchem die große Mehr- 
zahl der einwärts ziehenden Bergwanderer achtlos 
vorübergeht. Die noch ganz gut und frisch erhaltene 
Frescomalerei eines Bildes, welches noch vor Hol- 
beins berühmtem Todtentanz datirt, hat sicher An- 
spruch darauf, mehr gewürdigt zu werden , als bis 
anhin. lieber anderes Kunstgeschichtliches und Histo- 
risches der Gegend wollen wir hinweggehen und einzig 
auf die Legende Karls des Großen hinweisen, welche 
hier noch in der Tradition fortlebt. Der weite Alp- 
boden bei Campiglio trägt den Namen „Campo di Carlo 
Magno", und die am Eingange des Val di Borzago 
stehende Capelle S. Zeno soll auf den Trümmern 
eines von Karl dem Großen zerstörten uralten Castells 
stehen. ^) Nachsuchungen nach verborgenen Schätzen 
führten nur zur Auffindung eines Grabmales und dreier 
Skelete. Daß zur Zeit des Mittelalters der Verkehr 
vom Etschthale und der Lombardei nach dem Süden 
zu einem beträchtlichen Theile durch das Rendena- 
thal führte, beweist die Stiftung des Hospizes Santa 



1) Vgl. die Artikel Dr. Bolognini's über den Todtentam 
von Pinzolo im Annuario H della Societä degll Alpinisti Tri- 
denlini, 1875; über den Zug Karls des Großen durch Val 
Camonica und Val Rendena im Annuario HI, 1876, über die 
Mäitinade Ann. VI, 1879/80. Änm. d. Bed. 



ÄU8 der Adamellogruppe und den Brenta-Dolomiten. 291 

Maria di Campiglio im Anfange des 13. Jahrhunderts. 
Später wurde aus dem Hospiz ein Mönchs- und Frauen- 
kloster, und nach Erstellung der Brennerstraße unter 
Maria Theresia ging die Stiftung ganz ein. Anfangs der 
70er Jahre wurde das Haus zu einem Gasthofe umgebaut 
und ist jetzt, nachdem es seither einmal abgebrannt, 
ein Luftkurort, in dem es sich ganz gut leben läßt, 
und Ausgangspunkt für Touren in der Brenta-Gruppe. 
Ersteigungen im Bereiche des Val di Genova 
werden jedoch besser von Pinzolo aus unternommen, 
üeber dieses Gebiet existiren verschiedene Schriften, 
vor allen Payer*s Abhandlung: Die Adamello- und 
Presanella- Alpen , Ergänzungsheft 17 zu Petermann's 
Mittheilungen und der Anhang dazu im Ergänzungs- 
heft 31. Als guter Führer für die ganze Gegend sei 
auch die vorerwähnte Schrift: „La Valle di Rendena" 
empfohlen. Auch unser Jahrbuch VI enthält aus der 
gewandten Feder Siber-Gysi's einen Bericht über den 
Adamello und Val di Genova. Schon damals wurde 
auf die hohen Schönheiten dieses klassischen Alpen- 
thales hingewiesen, auf die Gletscherpracht des Thal- 
hintergrundes, welche trotz des immer fortschreitenden 
Rückganges noch imponirend ist, auf die schönen 
Strombilder, welche die wasserreiche Sarca bei jeder 
neuen Thalstufe bietet, und die beiden WasserfUlle 
des Lares und der Piscia di Nardis. Ich kann mich 
daher, außer einer kurzen Erwähnung der Ersteigung 
der Presanella oder Cima di Nardis 3561", darauf 
beschränken, dasjenige nachzutragen, was seitdem im 
Laufe der Zeit zur Erleichterung des Besuches diesec 
Revieres geschehen ist. 



292 Th, Borel 

Es gibt wohl selten ein tief in die Berg- und 
Gletscberwildnisse eingeschnittenes, unbewohntes Hoch- 
alpenthal, das so leicht zugänglich ist wie dieses, 
und wo durch Errichtung verschiedener Clabhütten 
ftlr den Bergwanderer so gut vorgesorgt ist. Ein 
Gang von Pinzolo nach Bedole fährt langsam an- 
steigend zuerst auf gutem Saumpfade, nachher meist 
durch schöne, mit hochstämmiger Waldung versetzte 
Alpweiden, in 5 Stunden zum Thalhintergrunde, Malga 
Bedole (1529"). Hier wird eine kleine Wirthschaft 
erbaut, Holzbau, in welcher der Tourist sich ganz 
billig verpflegen und auch übernachten kann. Ent- 
sinne ich mich recht, so ist dies ein Privatunternehmen 
des Führers Feiice Collini und nicht die Erneuerung 
der früheren ünterkunftshütte. 

Das Rifugio Mandron (circa 2470™) ist von da 
aus in drei leichten Marschstunden zu erreichen. 
Diese Hütte, comfortabel und gut eingerichtet, wie 
alle die Glubhütten auf deutsch-österreichischem Boden, 
erleichtert in ganz erheblichem Maße alle hohem 
Touren und Pässe von der Presena an bis zur Ve- 
dretta di Lares. 

Speciell für das Gebiet des östlichen nnd sttd- 
lichen Theiles des Laresgletschers, Gare alto etc. und 
die Uebergänge nach Val di Fumo, di Borzago und 
di San Valentino hat der Trienter Alpenverein vor- 
gesorgt durch den Bau der Lareshütte. Eine weitere 
Hütte, circa eine halbe Stunde ob Malga dei Fiori im 
Val Nardis, das Rifugio Presanella, ist im Bau nnd 
v^irspricht eine Musterleistang zu werden; die Hütte 
wird in solidem Mauerbau aus Granitgestein und mit 



Aus der Adamellogruppe und dm Brenta-Dolomiten. 293 

Holzverkleidung aufgeführt, 60«" Mauerdicke und 15«™ 
Holzarbeit. Die Lage, angesichts der auf der andern 
Seite des Val Kendena aufstarrenden, rostbraunen, 
pittoresken Gestalten der Brenta-Dolomite , ist sehr 
glticklicb gewählt. 

Leider war der Bau im Sommer 1885 noch nicht 
80 weit vorgeschritten, daß man zur Nothdurft darin 
ein Nachtlager hätte aufschlagen können. Ich mußte 
mich daher zum Uebernachten auf Malga Fiori be- 
quemen. Dem Klima angemessen, sind die Alphütten 
hier zu Lande alle sehr luftig gebaut, gewöhnlich 
tmter dem Dache ofifen und selten oder gär nie mit 
einer Thttre, sondern immer durch ein Holzgatter 
geschlossen. Denselben exemplarischen Schmutz und 
Ünsauberkeit in und außer der Hütte trifft man hier 
ebenso gut wie überall im Süden; es ist nicht besser, 
womöglich noch ärger als in den Sennhütten im Süd- 
wallis oder im Piemont. 

Ich verließ Pinzolo Freitag Nachmittag, 21. Au- 
gust, um 2 Uhr 20 Min. Der Weg führt durch Val 
di Genova hinein bis Punkt 949 der österreichischen 
Karte, da, wo Val Kardis, steil abstürzend, einmündet. 
Hart an dem berühmten Wasserfalle Piscia di Nardis 
steigt man steil aufwärts auf kaum findbarem Pfade 
durch dichtes Haselnuß- und Alpenerlengesträuch. Die 
Strecke bis zu unserm Nachtquartier Fiori wird auf 
4 Stunden veranschlagt, weitere 5—6 Stunden von 
da an zur Spitze und für den Abstieg nach Pinzolo 
7 Stunden gerechnet, im Ganzen 16 — 17 Stunden. 
Die Nacht war kalt; es fiel ein starker Reif wäh- 
rend derselben, so daß wir frühzeitig der Lagerstätte 



294 Th, Boreh 

uns entwanden; aber erst gegen 5 Uhr konnten wir 
unsere Tour beginnen. Die Partie auf die Presanella 
bietet keine Schwierigkeiten; sie kann höchstens als 
eine etwas mühsame Tour gerechnet werden. Bei dea 
im letzten Sommer so stark ausgeaperten Gletscher- 
flächen schien mir das Wandern auf dem wie ein 
Ackerfeld ausgefurchten Eise sehr anstrengend. Die 
Witterung war uns nicht günstig; wir erreichten die 
Spitze bei starkem Schneetreiben und scharfem West- 
winde, eingerechnet eine Rast von einer halben Stunde, 
um halb 11 Uhr. Weder die Temperatur noch die 
Aussicht waren einladend zu längerm Verweilen. Den 
Weg zur Malga Fiori legten wir in 2 Stunden 
35 Minuten zurück, eingerechnet den Besuch beim 
Rifugio Presanella und eine Rast bei den Sennen auf 
Fiori. Pinzolo wurde Abends 5 Uhr 45 Min. erreicht. 
Führer bei dieser Tour war Bonapace Ognibene. 

Mit dem jungen Führer Liberio CoUini, welcher 
mir freundlicherweise vom Wiener Clubisten abge- 
treten wurde, ging ich andern Tags zur Tosahütte. 
Collini ist jedem Touristen empfohlen, welcher der 
italienischen Sprache nicht mächtig ist; ebenso An- 
tonio Caola, ein etwas älterer, aber immerhin noch 
rüstiger und sehr verständiger Führer, dem weder der 
Adamello noch die Cima Tosa u. s. w. fremd sind. 

Französisch wird hier zu Lande in den untern 
Classen, außer bei den Ausgewanderten und der 
weiblichen Bevölkerung, welche ihre Dienstzeit als 
Magd oder Kammerjungfer bis nach Frankreich ge- 
führt, wenig oder gar nicht gesprochen, jedenfalls bei 
dem Einheimischen nicht. Da trifft man noch eher 



AtM der Adamellogrv>ppe und den Brenta-Dolomiten, 295 

ein Dienstmädchen an, das in Meran oder Bozen 
war, oder einen entlassenen Militär, der seine Dienst- 
zeit in deutscher Garnison zugebracht hat. Auf 
allen Alpen in der Brenta- wie in der Adamello- 
Oruppe kam schließlich, wenn es sich um's Bezahlen 
handelte (wir kehrten verschiedentlich an solchen 
Orten ein um einen Napf Milch oder sonst eine 
Dienstleistung), irgend ein Senne zum Vorschein, der 
sich ganz gut auf Deutsch auszudrücken vermochte. 
Für uns Schweizer sind die Brenta-Dolomite ein 
durchaus fremdartiges Gebiet. Es wird auch der ge- 
wandtesten Feder nicht gelingen, von der Herrlich- 
keit dieser wilden, zerrissenen und zerschrundeten 
Bergwelt eine richtige Vorstellung zu erwecken; nur 
der Stift des Zeichners kann etwa den Formenreich- 
thum dieser Felsgebilde wiedergeben ; aber selbst der 
Pinsel des Malers ist ohnmächtig, der Farbenpracht 
dieser rostbraunen, zackigen Felsgebilde, welche im 
Widerscheine der untergehenden Sonne ein glühendes 
Flammenmeer ausstrahlen, gerecht zu werden. 

Die Brenta-Gruppe wird zum unterschiede der- 
jenigen von Ampezzo und Primör auch kurzweg als 
die westlichen Dolomiten bezeichnet; ihre geogra- 
phische Configuration ist eine ziemlich complicirte, da 
ihre Verzweigungen von der Cima Tosa und der 
Cima di Brenta nach allen Richtungen ausstrahlen. 
Als ganzes Gebiet ist sie den östlichen Dolomiten 
ebenbürtig. Zur Bereisung der Gruppe dient das 
Blatt „Trienf^ der österreichischen Karte nicht, da 
dasselbe in der Zeichnung mangelhaft und mit der 
heutigen Nomenclatur nur zum kleinen Theile über- 



296 Th: BoreL 

einstimmt; fiir die Thalgegend dagegen ist diese 
Karte recht brauchbar. Der Trienter Alpenverein hat 
aber als Beigabe zum Jahrbuche YIII, 1881/82, eine 
Karte im Maßstäbe 1 : 25^000 der Brenta-Gmppe 
und als Beilage zu Band X eine topographische Skizze 
des ganzen Gebietes mit richtiger Nomenclatur und 
Höhenbestimmung, ferner ein Panorama vom Monte 
Gazza herausgegeben. Diese beiden Arbeiten, welche 
in Trient in der Lithograt)hie Bcotoni und Yitti la 
finden sind, dtirften im Verein mit der genannten 
Karte und den Meurer'schen Eeisehandbüehem (s. u.) die 
besten Hülfsmittel des Touristen sein« 

Die Tour zur Tosahütte über die Bocca di Brrata 
erfordert 7 Stunden und führt mitten durch die 
Gruppe hindurch. Sie theilt sieh folgendermaßen ein: 
Pinzolo-Val Brenta alta 4 und weitere 3 Stunden 
zur Bocca, der Uebergangshöhe des Passes, 2547°'. 
Von da zur Hütte 10 Minuten. Von Campiglio aus 
ist die Tour um eine Stunde kürzer. Genaueres hierüber 
findet sich bei Meurer. ^) Den Weg kurz beschreib^d, 
will ich auf die frappantesten Punkte aufmerksam 
machen. Von Pinzolo aus schlägt man den Weg nach 
Carisolo ein und geht auf der Straße nach Campiglio 
weiter bis zur kleinen Ortschaft Maviglione. Bei 
Carisolo ist die Vereinigung der beiden Sarche : Sarca 
di Genova und Sarca di Nambron, welche letztere 
unterhalb Maviglione auch die Sarca di Campiglio 



*) Maurer: Führer durch die Dolomiten (Gera 1885), 
päg. 195 u. ff. id. lUustrirter Führer durch Wedt-Tlrol tmd 
Vorarlberg (Wien 1885), pag. 261 u. ff. 



\ 



Aus der Adamellogruppe und den Brenta-Dolomiten, 297 

aufnimmt^ die hinwieder die Zuflüsse aus der Brenta* 
Gruppe mit sich führt. 

Bei Maviglione biegt man in's Val Nambino und 
geht^ an Sägemühlen vorbei, längere Zeit durch präch- 
tigen Wald aufwärts in's Val Brenta hinein und weiter 
auf das Hochplateau von Brenta alta, allwo gewöhn» 
lieh bei den Sennen der Alp der erste Halt gemacht 
wird^ sofern man nicht schon vorher unten in Brenta 
bassa sich dem Anstaunen dieser wunderbaren Ge- 
birgswelt hingegeben hat. Man steht da vor einem 
Felsencircus, der scheinbar völlig geschlossen ist, und 
es fragt, sich gewiß Jeder zuerst, wie da weiterzu- 
kommen sei, denn die Felsen fallen nach allen Seiten 
glatt ab, und da man etwas seitwärts steht, so läßt 
»ich nirgends die Spur eines Durchganges blicken. 
Steigt man aber durch hohes Knieholz aufwärts und 
ist hart an die anscheinend geschlossene Felswand 
herangekommen, so ist man plötzlich, man weiß wirk- 
lich nicht recht wie, mitten in den Dolomiten drin» 
Wie durch einen Thorbogen ist man eingetreten. 

Das Hochplateau von Val Brenta alta liegt auf 
1706» Höhe und ist ringsum von herrlichsten Dolo- 
naitgestalten eingefaßt. Kann man etwas Verwege- 
neres sehen, als wie die Campanili, z. B. Campanile 
basso und Campanile alto, welche bei circa 2000*^ 
»ich dem Boden entheben, bis auf 3000™ ansteigen 
ttnd, von diesem Standpunkte betrachtet, nach zwei 
Seiten senkrecht abfallen, so schmächtig und schlank 
wie ein gothischer Kirchthurm! Dann die Fulmini 
önd der Crozzon di Brenta und dazwischen dia 
schmale Scharte der üebergangshöhe. Das Bild im 



298 Th. Borel 

Lichte der Nachmittagssonne ist nicht nur bezaubernd, 
sondern auch großartig und tief ergreifend. 

Schon unten in der Malga gewahrt man das große 
Trümmerfeld des Bergsturzes von 1882, der das Thal, 
das von der Alp zur Bocca hinaufführt, auf eine 
Länge von 1^/2 Stunden mit einer Schuttmasse von 
Blöcken jedes Kalibers tibersäet hat. Der Sturz ge- 
schah an der Felswand, welche den Crozzon mit der 
Oima Tosa verbindet; die Höhe des abgebrochenen 
Theiles wird auf annähernd 400™ bei einem Durch- 
messer von circa 100°» geschätzt. Die Schuttmasse 
ist über die ganze Breite des Thaies zerstreut, reicht 
bis hinunter in die ersten Alp weiden und beinahe zur 
üebergangshöhe hinauf. Das kleine Schneefeld, welches 
den letzten Theil des Weges bildet, ist an zwei 
ziemlich weit auseinander liegenden Stellen noch damit 
quer tibersäet. Der frtiher gute Weg von der Alp 
hinauf verliert sich bald in dieser Steinwtiste, und 
der Wanderer hat eine mtihsame Arbeit von beinahe 
zwei Stunden, bis die letzten Trtimmermassen tiber- 
wunden sind. Von Strecke zu Strecke bezeichnen 
aufgeschichtete Steine die einzuschlagende Richtung 
durch dieses Wirrsal hindurch. 

Die Paßhöhe, 2547°», ist eine ausgesprochene 
Scharte zwischen Cima Brenta alta (3036 ™) -und Cima 
Brenta bassa. Die Breite derselben ist höchstens 
10 — 12""; zu beiden Seiten steigen die Felswände 
schroff auf, und der Abfall nach vor- und rückwärts 
ist ein unmittelbarer. Circa 10 Minuten weiter erreichen 
wir einem Felsbande entlang gehend das Rifugio 
Tosa (2467 °^) in der Einsattelung zwischen der Cima 



Aus der Adamellogruppe und den Brenta-Dolomiten, 299 

Brenta bassa und dem Monte Daino (2757"'). Die 
Lage der Hütte ist sehr gut; der Blick hinunter durch 
Val delle Seghe nach Molveno, in die südliche, duf- 
tige Tiefe, hat etwas so Anmuthiges, trotz der um- 
starrenden Felsenriffe, daß der Eindruck des so auf- 
Migen Contrastes sehr nachhaltig ist. Schöne Bilder 
aus mancherlei Alpengegend erblassen gegen einen 
Sonnenuntergang in der farbigen Gluth dieser fremd- 
artigen Gebirgswelt. 

Die Hütte selbst, der erste Bau des Trientiner 
Alpenvereins, ist sehr gut und wohnlich eingerichtet, 
und da auch die Lage eine sehr geschickt gewählte 
ist und die Hütte gewöhnlich auf einige Zeit mit 
Holz und Fourrage der verschiedensten Art, als Wein 
und Conserven, versehen ist, so ist sie auch ein 
prächtiger Aufenthalt für eine Reihe von Touren. 
Die letzten schwierigen, .bisher unerstiegenen Spitzen 
der Gruppe, der Crozzon und der Campanile alto, 
haben 1884 und 1885 ihre Bezwinger gefunden; den- 
noch bleibt hier ein reiches Feld der Unternehmungs- 
lust offen. Verschiedene Touren, wie die Cima 
Tosa, Brenta bassa und alta, Monte Daino, Cima 
d'Ambies etc., lassen sich von der Hütte aus in 
leichtem Tageswerk unternehmen; von den meisten 
dieser Partien ist man gewöhnlich in den ersten Nach- 
uiittagsstunden zurück, und es ist möglich, an einem 
Tage zwei Touren bis auf circa 3000" auszuführen. 
Immerhin bleibt es angezeigt, zu bemerken, daß einige 
Üebung im Klettern (ich will nicht sagen Gewandtheit, 
dies wäre nur für die ganz schwierigen Partien des 
Crozzon, der Campanili und der Torre di Brenta zu 
verlangen) eine Vorbedingung ist. 



800 Th. Boreh 

Cima Tosa (3179™) erstieg ich mit CoUini nnd 
in Gesellsefaaft einiger Wiener Touristen iun 25. Aug. 
V. J. in der Zeit von Morgens 5. 12 bis 8. 20. Der 
Aufstieg durch das 25 — 30°^ hohe Kamin nahm für 
die ganze Geseilschaft, aus 9 Personen bestehend, über 
35, der Abstieg über 45 Minuten in Ansprach. Ein- 
zelne Touristen mit einem guten Führer werden die 
Partie im Aufstiege in 2Vs Stunden ohne üeberan- 
strengung abmachen und Nachmittags den Monte Daino 
oder die Brenta bassa noch bequem bewältigen können. 

Nach der Tour auf die Cima Tosa antemahmes 
wir eine solche auf Cima Brenta alta. Wir hatten zwar 
beabsichtigt, länger auf der Htttte zu bleiben, um ver- 
schiedene Streifzüge von da ans zu unternehmen, aber 
bei der Anwesenheit so vieler Tonristen und Führer 
an einem Tage war der voiiiandene Proviant ziemlich 
gründlich aufgebraucht, und als der junge CoUini sich 
erst nach langem Zureden und Bedenkzeit einer ganzen 
Nacht zur Begleitung auf die Partie, welche ihm wie 
mir ganz fremd war, entschloß, waren die Wiener 
Herren mit sammt dem uns so freundlichst angebotenen 
überflüssigen Proviant längst in Molveno unten und 
auf dem Wege nach Trient. 

Morgens 5 Uhr des anderen Tages war die ganze 
Verproviantirung der Hütte auf eine Tasse schwarzen 
Kaffee's zusammengeschrumpft ; wir theilten sie unter 
uns Beide und stiegen aufdie Cima Brenta alta, 3036*^), 
ohne etwas Anderes zu genießen bis Nachmittags 2 Uhr 

Erste Spitze 8. 02, zweite Spitze 8. 10, ab 8. 26, an 
der Bocca 10. 30, in Brenta alta 12. 08, Maviglione 2. 55, 
Pinzolo 5. 05, Anfenthalte unterwegs circa 2 Standen. 



Atts der AdenneUogruppe und den Brenta-Dolomiten, 301 

55 Min,, da wir dann die kleine Wirthschaft in 
Maviglioae betraten und den Wirth durch Durst und 
Himger in großes Erstaunen setzten. 

Abends 5 Uhr in Pinzolo zurück, stieg ich des 
nächsten Tages wieder mit Collim durch Val di 
Crenoya hinein zur Leipziger Hütte am Mandron und 
am 28. August bei starkem Nebel über den Presena- 
paß naeh dem Tonale und abwärts nach Male im 
Sttlzberg^ vom wo mich der Stellwagen hinaus nach 
Mezzo Lombardo und San Michele an der Brennerbahn 
beförderte. 

Während früher das Reisen in den Stidtiroler 
Oegenden ziemlich verrufen war, so ist jetzt für den 
Touristen kein Grund mehr vorhanden, sich von den- 
selben fernzuhalten. Originelle Sitten und Gebräuche 
und historische Erinnerungen, die sich hier auf jedem 
Schritte dem Reisenden aufdrängen, bieten vielfach 
Anlaß zu ernstern Studien. Der Naturfreund wird 
^ine prachtvolle Gegend, schöne Wälder, berühmte 
großartige Wasserfälle, einfache, aber gute Wirths- 
häuser finden; den Alpcnsteiger werden neue Ziele 
und fremde Gebirge, gut gehaltene Clubhütten und ein 
richtig organisirtes Führerwesen bei billigen Taxen 
ÄU vielfachen Excursionen einladen. 

Die schwierigeren Touren in der Brentagruppe 
«ind zwar durchgehends Kletterpartien, aber Alles bei 
gutem und festem Gesteine. Cima Tosa zählt zu den 
nicht schwierigen, aber auch nicht leichten Touren ^ 
Brenta alta wird schon etwas höhere Anforderungen 
*n den Bergsteiger stellen, und was die übrigen, wie 
der Crozzonund die Campanili, trotz der verhältniß- 



302 Th. Borel, Aus der Adamellogruppe etc, 

mäßig kurzen Zeitdauer, welche diese Partien bean- 
spruchen, zu bedeuten haben, darüber geben die 
neuesten Jahrbücher und Mittheilungen des Trienter 
und des D. und Oe. A. V. Aufschluß. 

Unter den Führern der Gegend finden sich einige 
vorzügliche, z. B. Nicolussi in Mol veno, Dallagiacoma 
in Caderzone und Ferrari in Borzago (Rendena). Der 
Tourist wird gut thun, sich ihrer zum Voraus zu ver- 
sichern ; zur Zeit meiner Anwesenheit in Pinzolo war 
der Eine stets von deutschen Alpenclubmitgliedem in 
Beschlag gelegt; die andern Beiden, im Dienste eine» 
großen Nimrodes, beflissen sich der Anfangsgründe des^ 
hohem Jägerlobens. 



Eine Bergfahrt im Peloponnes. 

Von 

A, Trautweiler (Section Gotthard). 



An die Section Gotthard des 8. A. C. 

Werthe Cluhgenofisen I 

Seit der Gründung der Section Gotthard zur Zeit 
des Bahnbaues im Reußthal sind manche ihrer Mit- 
glieder weit hinweg gezogen aus dem Kreise der 
Gebirge, welcher unserer Vereinigung seinen stolzen 
Namen lieh. Die gesunde Freude an den Bergen ver- 
läßt aber Keinen mehr, der einmal die reine Luft 
geathmet, die über Gletschern und ewigem Schnee 
weht, und so versäumen sicher Ihre auswärtigen 
Collegen keine Gelegenheit, den Beruf des Clubisten 
auch unter andern Himmelsstrichen auszuüben. Daa 
Excursionsgebiet unserer Section ist demnach ein sehr 
großes. Aber die einlaufenden Berichte werden doch 
kaum so zahlreich sein, daß wir deßwegen fürchten 
müssen, Sie mit dem folgenden zu belästigen. Auch 
reicht ja Ihr Interesse für die Gebirgswelt weiter ala 
die Aussicht vom Pizzo Centrale, besonders da es eia 



304 A. Trautweiler. 

nicht zu verschmähendes Mittel für die richtige Beur- 
iheilung des Nahegelegenen ist, wenn man Fremdes 
damit vergleicht. In diesem Sinne überliefere ich Ihnen 
hier die Beschreibung einer kleinen Excursion in grie- 
chischen Bergen mit dem Wunsche, es möchten andere 
Oollegen im Ausland Aehnliches thun. 

Die Alpen ziehen sich bekanntlich in großem 
Bogen vom Golf von Genua nach dem Adriatischeii 
Meere hin, dann längs demselben hinunter durch 
Dalmatien, Montenegro und Albanien, bis sie, zum 
klassischen Pindos, Parnasses und Taygetos geworden, 
in die zerrissenen Vorgebirge des Peloponnes aus- 
laufen. — Lachen Sie nicht über diese Geographie! 
Wenn schon auf Ihrer Karte bei Dalmation unten der 
Name Alpen aufliört und noch eher die Thätigkeit 
der Clubs, wenn schon die Gipfel von 2000 Meter 
selten werden und der ewige Schnee und die Gemsen 
ausgehen — die Bergkette läuft doch ununterbrochen 
fort bis zu uns herunter, und Niemand wird ernsthaft 
bestreiten können, daß das Excursionsgebiet der 
hiesigen Subsection des S. A. C. nicht wirklich zu den 
Alpen gehört. 

Die Griechen selber sprechen von den „hellenischen 
Alpen" und ein Gelehrter braucht sogar folgendes 
kühne Bildr „Cette main gigantesque qui repose sur 
les plaines de la Mor6e est celle du g^ant orogi*aphique 
de FEurope centrale." 

Sehen Sie ! Also am Zeigefinger dieses Riesen ist 
unser Excursionsgebiet — das Ihrige allerdings liegt 
dem Herzen näher. 

Aber diese Gebirge haben auch noch andere 



« • ' 




Eine Bergfahrt im Peloponnes. 305 

Rechte, den Alpen beigezählt zu werden. Der Clubist, 
welcher im Winter vom Quai von Nauplia aus über 
den argoliscben Meerbusen hinweg zu den arkadischen 
Bergen hintiberblickt, findet in den schneebedeckten 
Gipfeln manche Verwandtschaft mit bekannten heimat- 
lichen Bergformen und oft sogar muß er erstaunen 
llber die frappante Aehnlichkeit des Charakters. 

Der Grund dieser Aehnlichkeit liegt besonders 
in der üebereinstimmung des Gesteins mit unsern 
Alpenkalken, sodann in dem Umstände, daß wir auch 
hier die Modellirungen einer sehr vorgeschrittenen 
Erosion vor uns haben. 

Ein dichter bläulichgrauer Kalk von meist undeut- 
licher Schichtung bildet die Hauptmasse der hiesigen 
Oebirge. Oft begegnet man mächtigen Einlagerungen 
von dunklem Thon mit Bändern von Feuerstein und 
Jaspis. An Versteinerungen ist das Gestein, welches 
der Kreideformation angehören soll, im Allgemeinen 
arm, doch sind locale Anhäufungen von Muschelresten 
nicht selten. 

Ob wohl diese hellenischen Alpen auch einmal 
men Strom von Touristen an sich ziehen werden, wie 
die westeuropäischen? Wohl schwerlich. Trotz aller 
Schönheit der Formen, trotz aller wunderbaren Farben- 
und Beleuchtungseffecte ist das Ganze doch nur eine 
Einöde, und zwar ohne jene Großartigkeit, welche 
Eis und Schnee unserem heimatlichen Hochgebirge 
verleihen. Sobald man die Ktistenebene verläßt, tritt 
man in eine Wildniß. Rings nackter oder mit spär- 
lichem Gestrüpp bewachsener Fels, schlechte Pfade, 
Oruppen elender Ställe, die man hier Dörfer nennt, 

20 



306 A. Trautweiler, 

zahllose Schaf- und Ziegenheerden, die fortwährend 
alle unbewehrte Vegetation vertilgen, und rohe Hirten 
mit einer Meute abscheulicher Hunde — ob sich da» 
Alles auch noch so reichlich mit klassischen Erinne- 
rungen ziere und einen ewig blauen Himmel über 
sich ausspanne, es läßt uns unbefriedigt, weil die 
Natur mächtiger mit ihrer rohen als mit ihrer schönen 
Seite auf uns einwirkt. 

Dieser Umstand macht denn auch Bergtouren in 
Griechenland wenig dankbar und äußerst beschwerlich. 
Sie dürfen es also nicht mit Geringschätzung auf- 
nehmen, wenn die Excursion, die Ihnen im Folgenden 
beschrieben wird, nur einem Gipfel von 1774™ Höhe 
gegolten hat. Beachten Sie auch wohl, daß wir vom 
Meeresniveau aus steigen mußten und nicht von derHölie 
der Thal sohle von üri oder ürseren. Argos, die ewige 
Stadt, wo wir die Reise antraten, liegt nur 15" über 
dem Wasserspiegel des nach ihr benannten Golfes. 

Der M41evo, die höchste Erhebung des argolisch- 
arkadischen Grenzgebirges, schien uns seiner domi- 
nirenden Lage nach einem schönen Rundblick nach 
Argolis und einen großen Theil von Arkadien zu 
versprechen. Der Gipfel wird schon von Pausanias 
in seiner Beschreibung des alten Griechenland unter 
dem Namen Artemision erwähnt. Auf seiner luftigen 
Höhe befand sich ein Heiligthum der Artemis. 

Als wir am 19. Mai den Ausflug unternahmen, 
war erst seit kurzer Zeit der letzte Anflog von Schnee 
von den höchsten Gipfeln der argolischen Berge ver- 
schwunden. Auf spätere Zeit durfte die Excursioii 
nicht verschoben werden, da die Hitze ziemlich plötz- 



Eine Bergfahrt im Peloponnes, 307 

lieh auftritt und längere Fußtouren fast unmöglich 
macht. 

Ein junger griechischer College wollte auch dabei 
Bein, und seine Begleitung war uns natürlich äußerst 
willkommen, obschon wir stille Befürchtungen in Bezug 
auf seine Ausdauer hegten. 

Proviant und Decken für die Nacht packten wir 
auf einen Esel, sein treuer Lenker Vasili gab dem 
Thiere schweigend mit dem Stock über die Lenden 
den Wink zum Abmarsch. 

Es war Nachmittags 3 Uhr, als wir Argos ver- 
ließen. Wir wollten noch an demselben Abend das 
Dörfchen Turniki am Abhänge des Kteniaberges, circa 
auf Quote 900, erreichen. Man hatte uns empfohlen, 
beim dortigen Pfarrer Nachtquartier zu nehmen. 

Der Weg führt zuerst um den Bergkegel herum, 
der die Burg von Argos, die Larissa, trägt, und tritt 
dann nach etwa einer Stunde in das enge Thal des 
Xerias ein. Dieser im Alterthum Charadros be- 
nannte Wildbach führt trotz seines 115 Quadrat- 
kilometer umfassenden Sammelgebietes nur bei außer- 
gewöhnlich starken Regengüssen Wasser, zumal im 
Winter. An der Stelle, wo das engere Thal in die 
Ebene austritt, isf das Bachbett über 10°* tief fast 
senkrecht eingeschnitten und gegen 30" breit, während 
es sich nachher fast verliert und da, wo es die 
Stadt Argos im Norden und Osten begrenzt, kaum 
noch eine merkbare Vertiefung bildet. 

Aehnlicher Natur sind hier die meisten Wasser- 
länfe; es sind eigentlich laxtter Wildbäche, in deren 
Längenprofil man drei hauptsächliche Phasen unter- 



308 A, Trautweiler. 

scheiden kann: 1. eine Strecke mit sehr starkem 
Gefäll, wo das Wasser über den kahlen Felsen ab- 
rinnt; 2. eine solche mit mäßigem Gefäll, wo das 
Bett als Furche von fast rechteckigem Querschnitt 
in festem Lehm oder Oonglomerat eingeschnitten ist; 
3. eine Strecke mit sehr geringem Gefäll, die meist 
damit endigt, daß sich der Flußlauf in der Ebene 
verliert. 

Wildbäche im bösartigen Sinne können diese 
Wasserläufe kaum sein, da ihnen die nackten Fels- 
berge bei der unbedeutenden Verwitterung nur wenig 
Geschiebe liefern. Auch begegnen sie in der Ebene 
keiner Cultur, die intensiv genug wäre, um ihre Wild- 
heit nachhaltig zu empfinden. 

Gerade beim Ausgang des Xeriasthales stehen 
mitten im Flußbett drei starke Backsteinpfeiler, Reste 
eines Aquäduktes, durch den der Stadt Argos vom 
Stymphalischen See her, auf einem Wege von 40 Kilo- 
metern, Trinkwasser zugeführt wurde, dessen die 
durstige Stadt des Danaos sehr bedurfte. 

Eine kleine Strecke weiter mahnten uns wiederum 
die Reste eines viereckigen Wachtthurms mit dem 
prächtigen Mauerwerk aus gewaltigen Polygonal- 
blöcken an die Blüthezeit des antiken Argos, das 
bedacht sein mußte, jeden Bergpfad gegen die üeber- 
falle des spartanischen Erbfeindes zu befestigen. 

Wir mußten eilen und hatten keine Zeit zu archäo- 
logischen Studien. Nachdem aber das Paläokastro 
(altes Schloß) — wie der Grieche alle derartigen 
antiken Gebäudereste heißt — hinter uns war, hatten 
wir auch durchaus keinen Anlaß mehr, uns aufzuhalten. 



Eine Bergfahrt im Peloponnes. 309 

Links das Flußbett und kahle Felsberge, rechts eine 
sterile Halde, oben durch einen Felsenhang begrenzt, 
dessen zahlreiche Höhlen and „Balmen" von Hirten 
bewohnt sind — so ging's drei Stunden lang weiter, 
fast ohne einen Anlaß, sich nur umzusehen. 

Ein wirklich armes Land! Im Alterthum war es 
wohl etwas besser, aber nicht viel. Die jetzigen Be- 
wohner sagen, das Land sei durch die Raubwirthschaft 
der Türken verödet. Die Ebenen sind zum Theil 
wieder ziemlich intensiv bebaut, obschon nach unseren 
Begriffen auch hier wenig geleistet wird. Leider fehlt 
es eben auch an Wasser. Niemand scheint aber daran 
zu denken, dieses wenigstens künftigen Generationen 
dadurch in reichlicherem Maße zu verschaffen, daß 
auch die Berge für die Cultur wiedergewonnen werden. 
Einschränkung ' der zahllosen, das Aufkommen einer 
Vegetationsdecke unmöglich machenden Schaf- und 
Ziegenheerden, Aufforstungen, üebergang zur Rindvieh- 
zucht und zum hier gänzlich unbekannten Wiesenbau, 
das sind die Mittel, welche helfen könnten. Aber der 
gewaltige Widerstand, den die Lebensgewohnheiten 
eines trägen, bedürfnißlosen Hirtenvolkes solchen Be- 
strebungen entgegensetzen, läßt die Zahl der Jahr- 
hunderte nicht absehen, welche nöthig sein wird, um 
aus Griechenland jenen Garten zu machen, der in 
diesem prächtigen Klima gedeihen könnte. 

Bei der Einförmigkeit unserer Wanderung waren 
die zeitweise zu vernehmenden Cadenzen einer Pans- 
flöte eine willkommene Abwechslung. Wir waren einig 
im Lobe dieses alten Naturinstrumentes, das bei den 
hiesigen Hirten allgemein gepflegt ist. Das scheinbar 



810 A, Trautweüer. 

ordnungslose Tongeträufel hat, aus der Feme gehört^ 
eine gewisse melancholische Lieblichkeit und ist sehr 
dazu angethan, Stimmung zu machen. 

Ich schlage Ihnen deßhalb vor, um nach dem 
Vorgange anderer Sectionen Ihrer Thätigkeit eine 
originelle Richtung zu geben, für die Einführung der 
Panstiöte in unseren Bergen zu wirken. Muster- 
exemplare des Instrumentes stehen zu Diensten. 

Endlich kamen wir zu einer Stelle, wo im Umkreis 
von etwa einem Kilometer eine ziemlich tippige Vege- 
tation herrschte. Der Weg führte durch hohe Büsche 
von Stacheleichen, die unten, nach Art der Stechpalme, 
bewehrte, oben stachellose Blätter tragen. Ohne Dom 
oder Gift ist hier die Zukunft einer jungen Pflanze 
hoffnungslos " 

Die Ursache der plötzlichen Veränderung in der 
Landschaft war eine Quelle, welche die Triebkraft 
dieses Erdflecks hinreichend unterstützte, um den 
Kampf mit der Sonnengluth des Sommers und der 
Thierwelt zu bestehen. Dieses Gebiet war auch 
großentheils bebaut, vorherrschend mit Gerste von 
kümmerlichem Aussehen. 

Der Tag ging schon zur Neige, als wir bei einigen 
Hütten anlangten. Eine lustige Mädchenschaar, die 
sich herzudrängte, um die Fremden anzugaffen, be- 
fragten wir um den nach unserem Turniki einzu- 
schlagenden Weg. Die gewünschte Auskunft wurde 
indessen mit der wiederholten eindringlichen Mahnung 
ertheilt, den Versuch, noch heute dorthin zu gelangen, 
aufzugeben. Aber wir wußten wohl, daß der Mälevo 
für uns verloren war, wenn wir nicht vorwärts eilten, 



Eine Bergfahrt im Peloponnes, 311 

und 80 wandten wir uns trotz Allem jener felsigen 
Berglehne zu, wo sich der bezeichnete, kaum erkenn- 
bare Pfad hinaufwand. 

Als nach etwa einstündigem Aufstieg die Dämme- 
rung hereinbrach, war es mit unserer Geographie bald 
zu Ende. Es begann ein rathloses Umherirren durch 
Schluchten und Gestrüpp, nicht ohne peinliche Be- 
«orgniß für unsem schwer bepackten Esel. Der mit 
großer Zuversicht erwartete Mond erwies sich als ein 
höchst trügerischer Helfer in der Noth. Sein falsches 
Licht fahrte uns erst recht irre, und immer wieder 
geriethen wir an den Band der ungangbaren Schlucht, 
jenseits welcher das von der Höhe herab grüßende 
Hundegebell die Nähe des Dörfchens Turniki ver- 
muthen ließ. 

Unserem Vasili wurde endlich die Sache unheim- 
lich, und er wagte den Vorschlag, die Nacht hier zu- 
zubringen, denn „es hieße Gott versuchen, weiter zu 
gehen". Hätte das ein Z'graggen oder Tresch zu uns 
gesagt, so würde er sicher Gehör gefunden haben; 
weil es aber nur der Vasili war, so wagten wir doch 
noch einen Versuch, den Pfad zu finden. Und er 
glückte. Der diesmal entdeckte Weg, so schmal er 
war, ging nicht aus, und um 11 Uhr pochten wir an 
die Thtire des Papa's von Turniki in der Hoffnung, 
die gemarterten Glieder bald auszuruhen. 

Aber in Griechenland hat ein Pfarrer, der fast 
1000™ über dem Meere wohnt, gute Gründe, nicht Alles 
hereinzulassen, was um Mitternacht an seine Thüre 
pocht. So mußten wir noch während einer halben 
Stunde diplomatischer Unterhandlungen den Moment 



312 Ä. Trautweiler. 

abwarten, wo das Vertrauen in unsere guten Absichten 
die Oberhand gewann. Dann aber wurde uns die 
griechische Gastfreundschaft in [rückhaltlosem Maße 
zu Theil. „Das Haus gehört Euch", sagt der Grieche 
zu dem eintretenden Gaste und damit ist Alles gesagt. 

Damit Sie nun aber nicht meinen, wir seien bei 
diesem Anlaß recht beneidenswerthe Hausbesitzer ge- 
worden, muß ich nochmals hervorheben, daß so ein 
griechisches Bauernhaus etwas sehr Unvollkommenes 
ist und bei uns daheim kaum als ordentliche Club- 
hütte dienen könnte. Es besteht in der Regel aus 
zwei Abtheilungen, einem unausgebauten Raum, wo 
allerlei Geräthschaften und Vorräthe untergebracht 
werden und gekocht wird, und einer Kammer, die als 
Wohn- und Schlafraum dient. 

Als wir eintraten, lag mitten in der Kammer, 
mumienartig in eine Wolldecke gewickelt, eine mensch- 
liche Gestalt. Es war die Papadia, des Pfarrers Frau. 
Sie richtete sich auf und ging hinaus, um den Fremd- 
lingen Platz zu machen. 

Der Papa bedauerte, keinen Wein zu haben. Wir 
hatten uns aber für diesen Fall vorgesehen und unser 
Gastfreund ließ sich gerne dazu verleiten, mitzuhalten, 
während er seinerseits Schafkäse auftischte und Teller 
und Servietten, welch' letztere hier in keiner Hütte 
fehlen dürfen, hervorsuchte. 

Als wir uns gestärkt und die Neugier unseres 
Gastgebers befriedigt hatten, überließ uns dieser den 
besseren Theil seiner Hütte vollständig. Auf dem 
Boden war in mehrfacher Lage eine Wolldecke aus- 
gebreitet, wo wir uns nach griechischer Art einmummten. 



Eine Bergfahrt im Peloponnes, 313 

Betten sind hier auf dem Lande nur dem Namen nach 
bekannt. Die zu große Ermüdung machte das Schlafen 
fast unmöglich. Es war ein Reißen und Beißen in allen 
GHedern, als ob Ameisen drin wären, und anfänglich 
entstand der Verdacht, es sei in den Wolldecken de» 
Herrn Pfarrers nicht ganz geheuer. 

Mitten in der Nacht entstand auch noch ein ver- 
zweifelter Lärm außer dem Hause, der in einen wilden 
Gesang von Männern und Weibern tiberging. Es war 
das MoiQokoyiov (Mirolojo), die griechische Todten- 
klage. Wer sie hört, den faßt der Menschheit ganzer 
Jammer an. Man glaubt eher, den Gesang einer Schaar 
Wahnsinniger zu vernehmen, als eine Kundgebung 
der Trauer um einen Gestorbenen. Eine kurze Ton- 
figur wiederholt sich in endloser Folge, und lautes 
Schreien scheint dabei Hauptsache zu sein. Hier da» 
„Leitmotiv'^ : 







Die ersten Töne sind unbestimmt; oft beginnt der 
Satz mit einem sehr hohen Tone, einem weitausholenden 
Seufzer o^r Schrei. Die Melodie ist, wie beim orien- 
talischen Gesänge überhaupt, dem Texte sehr unter- 
geordnet. 

Dieser letztere aber verdient alle Anerkennung, 
und ich will als Probe die ersten Verse des Gesanges 
im Urtext, Aussprache und wörtlicher üebersetzung 
hier anführen, der in jener peinlichen Nacht im ein- 
Samen Turniki oben ertönte. Er galt einem Kinde, 
zum Fenster hinaus todtgefallen war. In der 



814 A, Trautweiler. 

Todtenklage wird die Seele des Verstorbenen redend 
«ingeftihrt : 

^Eyco ixiOsvoa iidva fiov 

(Ego misevo mana mu) 

(Ich gehe fort o Mutter mein) .' 

i 

nrjYceivco O^akkov töttov \ 

(pigäno s'allo topo) i 

(gehe in ein anderes Land) i 

Ttayo) O^Trjg ^'Agvrig ra ßovvd I 

(pago s'tis Amis ta wunä) j 

(gehe auf der Vergessenheit Berge) 

ö\iqq ^ÄQvrfiag Tovg xafiTtovg 

(s'tis Amisas tus kambus) 
(nach der Verneinung (!) Fluren) 

Die Fortsetzung, ebenfalls wörtlich übersetzt, lautet: 

Wo die Mutter das Kind vergißt, 
Und das Kind die Mutter; 
Auch ich werde dich vergessen, mein Mütterchen. 
Und wenn die guten Tage kommen. 
Die Feste des Jahres, 
Da wirst Du, Mutter, zur Kirche gehen^ 
Du wirst beten gehen, 
Wirst die Jünglinge und Mädchen sehen. 
Alle Welt wirst du sehen. 
Du wirst meinen Platz leer sehen 
Und meinen Stuhl frei. 
Da werden deine Augen trübe werden 
Und deine Schürze wirst du beschmutzen. 
Ist das nicht rührend ? Es scheint etwas Uraltes, 



Eine Bergfahrt im Peloponnes. 315 

Heidnisches in den Versen zu liegen, wenigstens würde 
wohl ein Text aus christlicher Zeit von Anderem als 
„der Vergessenheit Bergen" reden. Doch mir geht 
der Beruf ab, darüber Untersuchungen anzustellen. 

Doch nun zurück in die Kammer des Papa's von 
Tuniiki. Es war Zeit zum Aufbruch, gerade als sich 
endlich eine bessere Disposition zum Schlafen ein- 
stellen wollte. 

Unser Vasili wurde mit dem Esel zurückgelassen, 
indem wir ihm für den Abend im Thal unten ein 
Rendez-vous bestimmten. 

Wir stiegen zunächst am Hange des Kteniaberges 
gegen die Paßhöhe hinan, welche die Wasserscheide 
zwischen Argolis und Arkadien bildet. Auf dem kaum 
gangbaren Pfade stieg gerade eine lange Reihe von 
Saumthieren empor, jedes mit zwei elenden Säcken 
Kom beladen, die nach dem „gesegneten" Arkadien 
liinübergebracht werden sollten. So mag vor Jahr- 
hunderten der Gotthard Bilder geboten haben, und 
jetzt! Doch die Griechen sind näher am Ziel, als man 
aus diesem Vergleich schließen möchte. Es gibt schon 
eine schöne Kunststraße mit Zickzackwindungen, ähn- 
lich wie unsere schweizerischen Gebirgsstraßen, die 
von Argolis nach Tripolis, dem Hauptorte der arka- 
dischen Hochebene, hinüberführt. Sogar ein Eisenbahn- 
projekt harrt der Ausführung und hat viele Aus- 
sichten. 

Vom Abhänge des Mälevo trennte uns nur noch 
eine kleine Schlucht. Wir überschritten dieselbe, und 
Bach einer Erfrischung begannen wir die ruppige 
Felsenlehne hinaufzusteigen. 



816 A, Trautweüer, 

t 

Jetzt, werden Sie denken, geht's endlich los : jetitj 

kommen die Kletter- und Schwindelpartien, Gratritte, 
Geröllhalden und wie alle die schönen Dinge heißen, 
welche zum clubistischen Sport gehören. Aber nichts 
von alledem! Es geht einfach eine gleichmäßig mit 
etwa 60 ® ansteigende, rauhe Halde hinauf. Inuner 
derselbe höckerig ausgewitterte Kalkfelsen mit spär- 
licher Vegetation von niedrigen stachligen Gesträuchen 
und KräuteiD. 

Die Aussieht auf dem Gipfel, hofften wir, werde 
uns für den Mangel an Abwechslung auf dem Wege 
entschädigen. 

Wenn indessen die Natur uns keine Hindemisse 
in den Weg legte, so waren sie uns darum doch nicht 
ganz erspart. Ein Hirte, in diesem Falle allerdings 
auch ein Stück Natur, vertrat uns den Weg: Wohin 
wir wollten, was wir da oben zu thun hätten? wir 
sollten nicht hinauf, seine Kameraden weiter oben 
würden auf uns schießen. Und als wir nicht nach- 
geben wollten, meinte der freundliche Sohn der Berge, 
wir seien gewiß dm*chgegangene Spitzbuben, kämen 
um Schafe zu stehlen u. s. w. Das gefiel uns nun 
nicht mehr ganz, besonders weil die Interpellation 
von einem Standpunkte aus geschah, der wohlgedeckt 
war durch einen Gürtel mit Pistolen und Messern. 
Wir versuchten den ungestümen Hellenen dadurch zu 
beruhigen, daß wir ihm den Zweck unserer Reise 
auseinandersetzten, aber dafür fehlten alle Begriffe. 
Erst als wir ihn einluden, mitzukommen, und ihm 
sogar eine Belohnung in Aussicht stellten, wenn er 
die Freundlichkeit haben wolle, sich selber von unserer 



y 



Eine Bergfahrt im Peloponnes. 317 

Harmlosigkeit zu überzeugen, nahm die Sache eine 
gute Wendung. Der neue Begleiter wurde auf dem 
weiteren Wege bald milde, zuletzt sogar ziemlich 
freundlich gestimmt. 

Um 9 ühr langten wir auf dem Gipfel an. Die 
Aussicht, obschon nicht von der Großartigkeit unserer 
alpinen Panoramen, war doch überaus entzückend 
und interessant. 

Im Norden hatten die uns umgebenden Berge am 
meisten den Charakter des Hochgebirges. Die scharfen 
Kämme und tief eingeschnittenen Thäler im Flußgebiete 
der Panitza, des alten Inachos, bildeten ein sehr 
schönes klares Relief. Nirgends ist Wald zu sehen, 
nur um einzelne Erhebungen zieht sich ungefähr 
zwischen Quote 1000 und 1500 ein lichtes Band von 
Nadelhölzern. In den Runsen und Thälern fließt kein 
Wasser. Der nackte Fels hat Alles in seine Ritzen 
aufgenommen, und nur im Winter haben einzelne 
Wasserläufe eine kurze, wildbachartige Existenz. Gegen 
Süden mochte es hinter dem zackigen Kteniaberge, 
der uns die Fortsetzung der Bergkette gegen das Kap 
Malea hinunter verdeckte, ähnlich aussehen. Aber 
gegen Osten, welch* entzückendes Gemälde 1 Die tief- 
blaue Fläche des argolischen Meerbusens mit den 
zahlreichen Vorgebirgen und Inseln, die Ebene von 
Argos mit den weißschimmemden Dörfern, den Oliven- 
wäldem und Orangenhainen, im Hintergrunde die 
Berge von Epidauros und Korinth, Alles klasssich in 
Farbe und Zeichnung! Es ist ein Bild ganz anderer 
Art, als es die heimatlichen Berge bieten, aber zum 
Mindesten ebenso schön. 



318 A. Trautweiler. 

Die griechische Landschaft ist bekanntlich besonders 
durch ihre Farben ausgezeichnet. Der Mangel an dem 
profanen Grün scheint sie zu veredeln. Dazu kommt 
die große Intensität von Licht und Schatten bei einer 
fast tadellosen Reinheit der Luft. Die Wälder, welche 
die Formen unklar machen, die Schattenwirknng ver- 
derben und den Berglehnen aus der Ferne ein un- 
ruhig fleckiges Aussehen geben, fehlen hier; statt 
dessen scheint oft Alles wie von gelbbraunem Sammet 
überzogen. Es ist überhaupt nichts da, was die Idee 
profaner Nützlichkeit wachrufen könnte, Alles ist nur 
Form und Farl)e. 

Die „Aussicht von Chiliomodi gegen Westen" 

(siehe Beilagen) bringt diesen Charakter der pelopon- 

y nesischen Landschaft in treffender Weise zur Darstellimg. 

Schauen wir nun noch von unserem Gipfel aas 
nach Westen. Da war unserem Blicke vergönnt, das 
„glückselige^ Arkadien zu umspannen. 

Von Arkadien haben Sie schon in der Schule 
gelernt, daß es mit Unrecht gepriesen wird, daß es 
ein rauhes Berglaad ist, und auch der oft gemachte 
Vergleich mit der Schweiz sehr schlecht darauf paßt. 

Was man vom Mälevo aus sehen konnte, schien 
das zu bestätigen. Aber diese Seite des Panorama's 
hatte ihr historische« Interesse. 

Zu unsern Füßen dehnte sich die langgestreckte 
Ebene von Tripolis, einem ausgetrockneten Bet^see 
ähnlich. Diese Fläche hat viel alt- und neugriechisches 
Blut getrunken. Dort haben sich so oft die Heere 
der Spartaner mit denen ihrer Feinde von Argos, 
Athen und Theben gemessen. Da, gerade vor uns, 



Eine Bergfahrt im Peloponnes. 819* 

liegen die Trttmmer von Mantineia, wo Epameinonda» 
die edle Beele ansgehaucht. Weiter südlich, in der 
Nähe des alten Tegea, das moderne Tripolis, wo der "^ 
Wnth der entmenschten griechischen Freiheitshelden 
Yor 60 Jahren die ganze türkische Bewohnerschaft 
zma Opfer fiel. 

Westwärts umschließen die Hochebene die arka- 
dischen Berge, Gipfel an Gipfel, einem wogenden 
Meere gleich. 

Gegen drei Stunden brachten wir auf der Spitze 
des M41evo zu. Die Luft war ruhig und die Tem- 
peratur angenehm. 

Unser halbwilde Begleiter hatte schließlich volles 
Zutrauen zu uns gewonnen, und war erfreut, uns mit 
seiner Kenntniß der Umgebung dienen zu können. 
Als er noch den versprochenen Lohn ausbezahlt erhielt^ 
nahm er hochbeglückt mit einem gewiß gut gemeinten 
„Audio** von uns Abschied. 

Gegen Mittag mußten wir an den Aufbruch denken^ 
denn wir hatten noch einen langen Weg vor uns. 
Wir wählten den Abstieg auf der Nordseite, weil 
wir dort in dem Dorfe Karya am Fuße des Berges 
fflcher Wasser zu treffen hofften. 

Es ging zunächst eine steile Schutthalde hinunter. 
Unser griechische College wurde hier etwas ängstlich 
und kam nur mit großer Mühe vorwärts. Ich gewann 
dadurch Zeit, der spärlichen Flora einige Aufmerksam- 
keit zu schenken, und war überrascht, fast lauter 
Bekannte aus der heimatlichen Flora zu finden, während 
doch die Pflanzen der tieferen Region größtentheils^ 
andere sind. 



320 A, Trautweiler, Eine Bergfahrt im Peloponnes. 

Nochmals wurde uns eine freundliche Begrüßung 
von Seite einiger Hirten zu Theil, die uns von einer 
Höhe herab unter Hohngeschrei Felsblöcke in die 
Flanke sendeten. Gefahr war glücklicherweise leicht 
«u vermeiden, aber davon abgesehen hätten sich 
unsere Arkadier gewiß über einen allfälligen Erfolg 
ihrer originellen Begrüßungsweise wenig beunruhigt. 

So haben also Mitglieder des S. A. C. das alte 
Hellas, seine Berge und deren Bewohner, so die viel- 
gepriesene Heimat der Homerischen Götter wieder- 
gefunden ! 

Doch es wird auch hier besser werden. Der Zu- 
stand von Land und Volk ist noch elend, aber der 
Fortschritt verdient Bewunderung. Noch ein halbes 
Jahrhundert wie das letzte, und — das erste Jahrbuch 
eines hellenischen Alpenclubs wird erscheinen! 

Immerhin mag es auch dann noch undankbar genug 
sein, eine Bergfahrt wie die unsrige zu beschreiben, 
«nd man wird es auch dann vom Leser nicht ver- 
langen können, daß er nach der Beschreibung einer 
80 einförmigen Bergbesteigxing den Berichterstatter 
auch noch auf der Rückreise begleite. 

Wir aber nehmen jetzt ganz bestimmt Abschied, 
-denn es wird Ihnen leicht sein, sich auszumalen, wie 
Ihre Clubgenossen durch ein ödes, einförmiges Thal 
nach Argos zurückgelangt sind. 

In der Clubhtitte im Erstfelder Thal sehen wir 
uns wieder. Sorgen Sie, daß es dort ein angenehmeres 
Obdach gebe, als beim Pfarrer in Turniki. 




m. 

Abhandlungen. 



Die RömerstraBen in den Alpen. 

Von 

Dr. IL Bubi (Section Bern). 

III. Rätische Alpen. 

In den rauschen Alpen kannte Polybius nach 
Strabo, p. 209, nur einen Weg. AugustuB legte deren 
mehrere und verhältnißmäßig bequeme an und sicherte 
sie vor den Räubereien der Eingebomen. Der west- 
lichste Paß dieser Gegend ist der Lukmanier. Weder 
auf der Peutinger'schen Karte, noch im Itinerarium 
Antonini findet er sich. Er hat Spuren einer alten 
Straße; ob diese aber aus der Römerzeit oder aus 
dem Mittelalter stamme, wagt Bavier nicht zu ent- 
scheiden. In Castro im Val Blegno soll bis in's XII. Jahr- 
huDdert ein römischer Thurm gestanden haben, und 
bei Malvaglia hat man 1852 einen großartigen Fund 
von 3000 Stück römischer Münzen des dritten Jahr- 
hunderts gemacht. Dies sind die einzigen Spuren, und 
sie scheinen mir nicht hinreichend, um einen römischen 
Weg von Bellinzona nach Dissentis über den Lukmanier 
oder nach Ilänztiber den La Grainapaß zu constatiren. 



324 H. BüU, 

Sicher römisch ist dagegen der Weg über den 
Bernhardin (2063™). Von Chur aus ist er eine 
Zeit lang der gleiche, wie für den Splügen. Ich be- 
schreibe ihn im Folgenden nach Bavier und Meyer. 
In römischer Zeit ging die Straße von Chur auf dem 
rechten Ufer des Rheins über Vogelsang nach Räzüns 
am Hinterrhein ; von da über Roncaglia, Foppas und 
Bolveins nach Präz hinauf; von hier den Heiazenberg 
entlang, wo die Dörfer in einer Linie liegen, nach 
Urmeins , über die NoUa , durch den sog. „Dürren 
Wald" am Fuß des Piz Beverin , über den Sattel 
zwischen Matton und Wergestein, um den Piz Vizan 
herum, über die Alp Annarosa nach Perfils und von 
da hinunter nach Sufers. Sparen der Via Strata sind 
namentlich im Dürren Wald. Bavier glaubt nicht, daß 
die Station La^ndaria der Peutlnger'schen Tafel beim 
M^iensäß Seißa ob^halb Thusis zu suchen sei, ob- 
wohl die Bedeutung von Seißa mit Lapidaria überein- 
kommt und deutliche Spuren einer im Zickzack ge- 
bauten, 6 Fuß breiten, besetzten Straße hinaufführen.^) 
Diese Station sei vielmehr zwischen Dürren Wald mid 
Lohn zu sudien, und allerdings iat für jene Abweichung 
von der natürlichen Linie kein rechter Anlaß za 
finden. Von Sufiers geht die Römerstraße am Fnß des 
Kalkberges vorbei bis zur Kirche von Splügen. Hier 
ist ein wohlerhaltenes Stück, 1,5" breit, noch jete* 
zu Holzfuhren verwendet. Von Präz an geht die Straße 
auf der Sonnseite durch die blühenden Ortschafteif 
des Heinzenberges , wo in d^ Aeckern oft rönaiscbe 



^) Netter Sammler 180B, p. 162 ; 1806, p. 3(3. 



Die Bömerstrassen «>» den Alpen, 325 

Münzen gefandoD werden, und des Sebamserberges. 
Von Splügen (der Name soll von dem lateinischen 
speenla = Warte kommen) folgt der Weg stets der 
linken Seite des Hinterrbeins über Medels, Nufbnen 
und Hinterrbein. Breite wechselnd von 1,5G°> bis 
1,80"». Bei Hinterrbein über den Fluß. Der Bem- 
bardin hieß im Mittelalter mons aTium oder Yogel- 
berg, und sein jetziger Name stammt von der 1444 
dem hl. Bernhard von Siena errichteten Kapelle. Die 
Stücke der Via Strata dienten hier bis vor einigen 
Deeennien als Grundlage fttr den Winterweg. Sie 
eignete sich dazu, weil sie die Schneeweben vermeidet, 
ein Beweis des praktischen Sinnes der römischen In- 
genieure. Unter dem kleinen Dorfs Bernardino geht 
die antike Straße links von der jetzigen, die sie erst 
bei San Giaoomo wieder erreicht, längs der Mo^sa 
auf dem westlichen Thalbang. Sie ist 5— 6 Fuß breit, 
gut besetzt, an vielen Stellen von Mauerwerk unter- 
stützt. Vom Dorf Misocco an folgt die Straße immer 
dem rechten Ufer der MoSsa bis zur Vereinigung mit 
dem Tessin und erreicht diesem folgend Bellinzona. 
Dieser Ort heißt Bellitiona bei dem Geographen von 
Kavenna, p. 251, Bilitione bei Gregor von Tours. 
Dabei lagen nach dem gleichen Autor die Oampi 
canini, die jedem Wanderer durch ihre Hundstagshitze 
bekannte Ebene am unteren Tessin. Durch diese 
Oampi canini marschirte nach Ammian. XV, 4, 1, im 
Jahre 356 der Kaiser Constantius gegen die Ala- 
mannen im Linzgau. Er ist also sehr wahrscheinlich 
Qber den Bernhardin nach Chur gegangen. 

Die Römerstraße über den Splügen (2117 «p) igt 



326 H. Bubi, 

in der Schlucht des Spltigenbergbaches in Sparen er- 
halten. Von der Höhe des Spltigenberges geht sie 
über den steilen Kegel nach der italienischen Dogana. 
An dieser Strecke haftet noch jetzt der Name cuneo 
d' oro , entsprechend der Station Cuneus anrens der 
Peutinger'schen Karte. Von hier geht der älteste 
Weg dem Abhang folgend in das Thälchen, wo Ma- 
desimo liegt. Hier sucht man die Station Tarvesede 
der Tab. Peuting. und des Itiner. Anton. , und die 
Distanz X m. p. stimmt damit. Der Weg ist steil, aber 
noch für Saumrosse gangbar. Ein anderer Weg führt 
dem Cardinel gegenüber von dem Bergrücken steil ab- 
wärts nach Isola und durch Wiesengründe, in denen 
die Via Strata wohl erhalten ist, nach Campo Dolcino. 
Beide Wege vermeiden den durch Schneestürme Übel 
berüchtigten Cardinel. Zu Anfang des XIX. Jahrhun- 
derts standen bei Campo Dolcino noch Reste eines vier- 
eckigen Thurmes mit IV2"* dicken Mauern, Inner- 
raum 2V2°» auf jeder Seite. 400 Schritte davon auf 
der andern Seite ein Gemäuer , 1™ dick , vielleicht 
Reste einer Specula. Der gepflasterte Weg in der 
Thalebene bei Isola war wohl nur fUr Saumthiere 
bestimmt ; er hat eine geringe Breite und keine Aus- 
stellplätze. Die Entfernung von Chur nach Chiavenna 
wird auf 79 römische Meilen = 117^™ angegeben; 
auf der Karte sind es nur 105^™. Daß Stilicho im 
Jahr 401 über den Splügen gegangen sei, wie Meyer 
zu vermuthen scheint, ist mir zweifelhaft. In der 
schauerlich romantischen Schilderung des Claudian 
(de hello getico v. 330 ff.) ist von Fuhrwerken die 
Rede, und der Splügen war vielleicht in römischer 



Die Römerilraaten in den Alpen. 827 

Zeit nicht fahrbar. Bei der ganz allgemeiDen Fasanng 
der topographiBchen Angabe „da , wo die Seite Hea- 
periena mit der rätischen Grenze sich vereinigt", läßt 
sich nicht entscheiden, welcher der rStischen Pässe 
gemeint sei; vielleicht der Julier. Die neue Straße 
durch die Via Mala berührt die alte nur beim Dorf 
8plllgBD, bei der Dogana und bei Campo Dolcino. 

Von Räzäna konnte man auf kürzerem, aber be- 
sehwerlicljerem Wege als über Chur auch Über Tamins, 
Foppa, Kunkelspaß, Vättis, Vadura zur Porta Romana 
bei der Ruine Wartenstein, oberhalb Ragaz, und nach 
Sargans gelangen. ') 

Den Hauptweg von Bregenz nach Mailand gibt 
das Itinerar folgendermaßen an : Curia L, TinnetioneXX, 
Mnro XV, Snmmo Lacu XX, Como XV, Mediolano XVIII. 
Da Tinnetione unstreitig Tinzen und Snmmo Lacu = 
Samolaco an der Maira ist, so gebt dieser Weg flber 
den Septimer oder über Julier und Maloja. Die 
DistanzeD stimmen besser zum Septimer (2311"), 
der, im Mittelalter von allen Oranbllndner Pässen am 
meiaten benutzt, einige Stunden kurzer ala der Julier, 
durchweg sicher und leicht passirbar ist. Den Namen 
des Passes leitet Campell (Rbset. Alp. Topogr. Ms., 
p. 1G2, Gtat nach Bavier) von Septimns Mona ah, 
nSmlich : Adlerberg, Fresgun, Fermeunt, FlUela, Albula, 
Jnlier, Septimer oder: Ereuzlipaß, Buffalora, Albula, 
Bemina, Julier, Haloja, Septimer. Nach Andern stammt 
der Name vom Kaiser Septimins Severus ab , o 

■) Die rSmlBchea Ansiedelungen in der Ostschn 
UitOieil. der Zürcher anUquar. OeseUscliaft 1S60, p. 336 



a2S B, DiOd. 

taan meint, äet Name bedeute Siel^erberg, weil ü^ 
Alpen deti sieben Gemeinden in Ober-Potta gebSren. 
Ebenso ttwahrseheinlleh ist die Beziehung auf den 
Monat September nnd die Yergleielning mit Mandra^ 
d'Agosto und Jtdier. Beptimer tmi JuMer werden y(m 
£nde Juni bis £nde September mit Vieh befahren. 
Die Anwohner heißen den Berg Sett^ Sette oder Set- 
timer, Settmernnd Setmerberg, auf Urkmiden erseheint 
er als Mons Septa, nf dem Sepmen ze St. Peter, Mons 
Setimns imd Septimns. Die Bedeutung des Nanens 
verliert sich wohl, wie der Gebrauch des Passes, im 
Dunkel der Vorzeit. 

Eine Beschreibung des Weges hat Prof^ Brtfgger 
im Anzeiger für Schweiz« Geschichte 1860 geliefert. 
Der Weg von Chur nach Tiefenkasten vermied das 
schwierige Terrain im Domleschg und der Albnla- 
schlucht, und ging durch das vordere Sehanfigg 
über den Churwaldnerberg und die Jochalp, also Chnr- 
walden-Parpan-Lenz. Im sog. Schwarzwald sind üeber- 
reste der Via Strata, von Tiefenkasten längs der Julia 
nach Barwein und Centers. In letzterem Orte wurde 
1786 ein Eupferkessel voll goldener und silberner 
Armspangen und keltischer Mttnzeü gefunden. Von 
Centers nach Tinzen. Hier verschiedene Wohlerhaltene 
Kehren* Breite = 2,70™. Zweifelhaft ist, ob diese 
nicht erst aus dem XIV. Jahrhundert stanmien , wo 
die Straße von Jacob Castelmur neu erstellt wurde. 
Die alte Straße vermied alle Schluchten und Sümpfe 
der jetzigen, indem sie unterhalb Möllns längs der 
jetzigen Waldgrenze über die Alpen von Flix bis zur 
Ruine von Spadlatsch und dann wieder oberhalb 



Die Bömerstrassen in den Alpen, 829* 

Marmorera durch den Wald auf dem rechten Ufer 
nach Stalvedro ging. In Stalla Trennung für Julier 
und Septimer, daher der romanische Name Bivio. 
Die Septimerstraße war wohl nur ein Saumweg. Auf 
der Höhe war im Mittelalter ein hospitale oder xeno- 
dochium St. Petri. Nach Casaccia hinunter ist der 
Weg stellenweise gut besetzt und 4 — 5 Fuß breit» 
In Casaccia erreicht er wieder die Julier straße. Diese 
geht von Stalla in Kehren auf die Höhe (2287 °>) de* 
Berges, wo zwei Säulenstticke von römischem oder 
noch früherem Alterthum zeugen. Bei denselben sind 
1854 viele Münzen gefunden worden. Folgende Namen 
erscheinen darauf: Caligula, Claudius, Nero, Vespasian^ 
Nerva, Marc Aurel, Gordian, Faustina, Domitian,, 
Julia Pia Septimi Severi uxor, Antoninus Pius, Ale- 
xander Severüs, Philippus, Gallienus, Gothicus, Probus, 
Maximianus, Constantius Chlorus, Maximinus, Maxen- 
tius, Constantinus Magnus, Licinius, Constantius. Die 
Form der Säulen ist nicht cylindrisch, sondern konisch,, 
die eine liegt links gegen Norden. Sie ist 2,15™' 
hoch. Die Peripherie der oberen Grundfläche ist 1,57"^ 
in der Mitte 1,54"», die andere steht rechts gegen 
Süden, 2,05"* hoch, Peripherie der oberen Grund- 
fläche 1,57°», weiter unten 1,63 bis 1,61". Jede 
8äule hat in der Stirnfläche ein Loch zur Aufnahme 
eines Zapfens. Beide Stücke zusammen bilden einen 
Kegel von 0,40» oberem und 0,53°» unterem Durch- 
messer und 4,20 "» Höhe. Die Säule besteht aus Lavez- 
stein, einem Gemisch von Serpentin und Talk. Wir 
haben schon in den Westalpen solche Cultdenkmale 
gefunden. Avienus im Gedichte de ora maritima v. 



330 R. Bubi, 

637 erwähnt eine columna solis bei der Quelle der 
Ehone. Tschudy und Andere bezogen unsern Berg 
auf Julius Caesar und deuteten die Säule als Sieges- 
aeichen, gewiß mit Unrecht. Aber auch Stumpfs Ab- 
leitung von den julischen Alpen ist unmöglich. Auf 
der Höhe sind die üeberreste der Via Strata unzwei- 
deutig. Im Ausgang des Julierthales geht die Römer- 
fitraße rechts durch den Wald hinunter, ohne Silva- 
plana zu berühren , und dann am Südabhang des 
Polaschein nach Sils-Basseglia und am linken Ufer 
des Silsersee's nach Maloja. Campell ^) erzählt von 
Spuren eiserner Wagenräder in Felsen längs dem 
Silsersee und auf dem Julier. Breite des Geleises 
5t-6 Fuß. Darnach war der Julier fahrbar wie in 
den Westalpen die Küstenstraße , der Mont Gen^vre 
und der Kleine St. Bernhard. Der Abstieg nach 
Casaccia, wo die Septimerstraße einmündete, war sehr 
steil; die Römerstraße hatte drei langgezogene Curven, 
die spätere 9 , die jetzige deren 22. Von Casaccia 
geht sie über Castelmur, Castasegna und Plurs nach 
Chiavenna. Bei Castasegna ist ein Stück Römerstraße, 
das vor 1859 und der neuen Bergellerstraße sogar 
befahren wurde, 2,70*" breit und gepflastert. Aber 
auch schon weiter oben finden sich Spuren. Die alte 
Straße ging unterhalb Casaccia auf dem rechten Ufer 
der Maira. Hier sind römische Straßenreste bei Rot- 
ticcio und S. Cassiano (Vicosoprano), ebenda sind zwei 
alte, runde Thürme, angeblich römischen Ursprungs. 



Sein Bericht ist abgedruckt im Neuen Sammler 1804, 
p. 99, und im Anzeiger für »Schweiz. Geschichte 1860, Heft 3, 
p. 127. 



IHe Römerstraasen in den Alpen. 331 

Auch oberhalb Coltura ist eiD StUck RÖmerstraOe. 
Am besten constatirt ist sie bei Promontogno. Hier 
sind uralte Qaermauern, die zwischen dem Fluß und 
der Bergwand die Straße sperren. Hier sucht man 
die Station Munis des Itinerar und nach alter Tra- 
dition soll hier zwischen dem Berg und dem Thurm 
von Gastelmur die Porta Prsegallite gewesen sein, von 



der das Bergell, ital. Bregaglia, seinen Namen er- 
halten habe. Da in antiken Zeiten in diesem Thal 
das Volk der Bergalei bezeugt ist, so ist diese etymo- 
logische Deutung wohl müßig, ebenso stammt die alte 
Brücke über die Maira bei Promontogno nach In- 
genieur V. Albertini's und Professor Maurizio's Urtheil 
wahrscheinlich aus dem Mittelalter. Aber coustatii-t 
ist die Römerstraße von Promontogno zum Thurm 
Castelmur und rechts um denselben herum, vielleicht 
auch die linke, die jetzt mit Rasen und Geh lisch ver- 
deckt ist. Von einer ehemaligen Brücke unterhalb 



*) Ans BaTler: Die Straßen der Schweiz. 






Die Eömerstrassen in den Alpen, 833 



t»% 9 9 -r t i • Bit«««* 

Profil der Bömerstrasse bei Fromontogno. 

Aus Bavier: Die Strassen der Schweiz. 

dem Sastama sind Spuren eines Pfeilers auf dem 
linken Mairaufer erhalten, vielleicht römisch. Nach 
Lotfamann, Geschichte Tyrols I, Seite 145, existirte 
schon zur Zeit des Dnisus eine Straße durch das 
Eugadin naöh Finstermünz und Heran, eine Behaup- 
tung, die sehr zweifelhaft ist. 

Im östlichen Theil der rätischen Alpen sind zwei 
riJmische Hauptwege zu verzeichnen, die Via Claudia 
aus dem Etscfathal in das des Inn über die Reschen- 
Bcheideck (1493"^) und von diesem in das Rhein- 
thal bei Feldkirch über den Arlherg. Die Haupt- 
punkte dieser Route sind: Pons Drusi bei Bozen, 
Meran , Mals , Landeck , Bludenz , Olunia «= Feld- 
kirch, Brigantium = Bregenz. Der Name der Straße 
erhält die Erinnerung an den kühnen römischen Feld- 
herrn, der in einem blutigen Sommerfeldzug diese Ge- 
genden der Herrschaft seines Stiefvaters und des rö- 
mischen Volkes unterwarf und durch diesen genialen 
Straßenzug die Vereinigung erzielte mit den west- 
riUischeii Gebieten, welche unter die Hand seines Bruders 
Tib^ns gefallen waren. 850 Millien lang, sollte die 
Via Claudia Po und Donau mit einander in Verbindung 
setzen, ^äter durch die directere Brennerroute ver- 
drSiBgt, figurirt sie nicht im Reisehandbuch, und wir 
verdanken die Kunde von ihrer Existenz einzig drei 
Ueüeosteinen , von deinen der eine 6 — 7 Millien von 



334 H, Dübu 

Feltre nach Belluno zu , die anderen bei Rabland 
oberhalb Meran und bei Toll im Tirol gefunden wor- 
den sind. Die beiden letztern stehen nicht auf der 
Brennerstraße, sondern im Vinstgau, und daß sie nicht 
hieher verschleppt sind, beweist das Material : Vinst- 
gauerkalk. Diese Steine bezeugen, daß der Kaiser 
Claudius im Jahre 46/47 nach Christo die einst von 
seinem Vater quer durch die Alpen angelegte Straße 
von Altinum ausgehend neu hergestellt, mit Mauern 
gestützt und gegen das Wasser gesichert, also, wie 
wir sagen, chaussirt hat. Die Strecke Oderzo-Trient 
figurirt im Itinerar mit den Stationen Ad Cepasias(?), 
Feltria = Feltre im Val de Mel, Ausugo im Val 
Sugana. Von Tridentum stieg die Straße das Etsch- 
thal hinauf über Endidse = Neumarkt nach Pons 
Drusi, dem jetzigen Bozen, das auch Prsesidium Tiberii 
hieß. Die Via Claudia Augusta blieb im Etschthai. 
Römische Inschriften auf der Reschenscheideck be- 
zeugen das Dasein einer römischen Straßenverbindung 
aus der Vallis Venusta, dem Vinstgau, in's Inntbal. 
Der weitere Straßenzug ist nicht bezeugt, kann aber 
nur über den Arlberg in den Wallgau , die Vallis 
Drusiana des Mittelalters, gegangen sein. 

Im Itinerar findet sich statt dieser nordwestlichen 
eine directere Verbindung von Süd nach Nord über 
den Brenner (1367™). Die Stationen sind von Verona 
aus: Palatium = Palazzo, Tridentum = Trient, 
EndidsB = Neumarkt, Sublavione = Kloster Seven 
oder Klausen unterhalb Brixen, Vipit^num = Sterzing, 
zuoberst an der Eisack im Wippthal, Veldidena = 
Kloster Wilten bei Innsbruck, Parthanum = Parthen- 



Die Bömerstrassen in den Alpen. 335- 

kirchen an der Loisach. Von da ging die Römerstraße^ 
doi'ch den Ammergau nach Abodiacum = Epfach am 
Lech und nach Augsburg. Die Länge der Route wird 
auf 272 Millien angegeben. Die Peutinger'sche Karte 
hat ein paar Stationen mehr, die aber nicht alle be- 
stimmt werden können. Ich nenne nur die wichtigen r 
Pons Drusi = Bozen, Matreium = Matrei, welchem 
Ort gegenüber bei Lueg ein Meilenstein gefunden 
wurde , ebenso bei Zirl oberhalb Innsbruck , wo die 
Straße das Innthal verläßt. Scarbia scheint Scharnitz 
zu sein , bei Mittenwald und Parthenkirchen sind 
Meilensteine gefunden worden. Aus Inschriften wissen 
wir, daß die Kaiser Septimius Severus und M. Aurelius 
Antoninus Pius (bekannter unter dem Namen Caracalla),. 
wie dessen Bruder Septimius Geta Antoninus, 201/202 
p. Chr. die Straßen und Brücken dieser Gegend 
wieder hergestellt haben. Auch die späteren Kaiser 
seit Diocletian betheiligten sich eifrig an ihrer Aus- 
besserung. Aber auch aufwärts können wir die Existenz: 
der Brennerstraße weit verfolgen. Es ist fast zweifel- 
los, daß der von Polybius bei Strabo durch das Ge- 
biet der Räter bezeichnete Paß der Brenner ist. Die 
Sage von der Entstehung des Bernsteins an der Mün- 
dung des Eridanus, d. i. des Po, weist auf uralte- 
Verbindung etruskischer Händler von der Adria zur 
Ostsee hin, und eine zusammenhängende Reihe von 
etruskischen Funden in der Val di Cembra bei Trient,. 
zu Caldaro im Etschthal bei Brixen , zu Greifenstein 
bei Bozen an der Eisack, zu Pfatten an der Etsch 
bei Bozen, zu Kronburg im Oberinnthalerkreis , zu 
Matrei und Sonnenberg am nördlichen Abhang des- 



336 H. THOh. 

Brenner leiten uns zuverläßig über diesen Paß, der 
:also von den Römern nur verbessert worden ist. ^) 
Diese äußerst wichtige Straße, die an vier Stellen, bei 
Trient , Bozen , Innsbruck und Epfach , Kreuzungen 
hat, war sicherlich befestigt. Unter König Theodorich 
existirte bei Trient eine Burg Verruca, deren Name 
römisch scheint (Cassiodor variar. DI, ep. 48). Bozen 
liat in alten Urkunden den Namen Tunis Drusi oder 
Präsidium Tiberii ; bei Innsbruck lag die römische 
Burg nachweisbar auf dem Lorenzenberg. Auch Burg 
Teriolis bei Meran und Martiola bei Chur, wo vier 
Pässe zusammenkommen, scheinen römischen Ursprungs 
zu sein. 

Wir gehen nun zu den Julischen Alpen über. 
:Schon den Alten ist es aufgefallen, daß von der Grenze 
Ton Kätien und Noricum weg, die mit dem 30. Meri- 
dian ungefähr zusammenföllt, der Bau der Alpen sich 
-vollständig ändert, indem die Grebirgsmasae sich fächer- 
förmig nach dem Osten und dem pannonischen Tief- 
land zu öffnet. Dem entsprechend ist auch die Rich- 
tung der Pässe auf die Längsthäler angewiesen, und 
wiederholte Steigungen sind nöthig, um den Kamm 
des Gebirges zu überwinden. Der Austritt aus Italien 
ist bestimmt durch den Lauf des Tagliamento nnd 
Isonzo, und es ergeben sich daraus drei Straßen. 

Die westlichste ist im Itinerarium, p. 279 W., ver- 
izeichnet als kürzester Weg von Aquileja nach Veldi- 
dena mit einer Länge von 215 Million. Von Juliom 
Oamicum = Zuglio aus am oberen Tagliamento er- 

^) H. Genthe: Ueber den etruskischen Tanschhandel 
jiach dem Norden. Frankfurt 1874. 



\ 



Die BömerstroABefn in den Alpen, 337 

stieg der Paß die Al^pis Julia im Monte Croce (1371") 
und führte über die Pleckenalp (1257™) hinab nach 
Lonciom = Mauthen im Thal der Gail, und Yon da 
wieder aufwärts über den Kötschachpaß (1014™) nach 
Ober-Draaburg an der Drau. Durch das Pusterthal 
setzte sie sich über Aguontum =» Lienz, Littamum »x 
Jimiehen^ die Wasserscheide bei Toblach (1204"») 
Sabatnm = St. Lorenzen an der Rienz fort^ um bei 
der jetzigen Franzensfeste zwischen Brixen und Bter- 
zing in die Brennerroute zu münden. Einige auf der 
Jochhöhe in den Felsen gehauene Inschriften melden 
von Wegebanten aus dem Jahr 373 p. Chr.^ und eben- 
dort ist eine etruskische Inschrift gefunden worden, 
welche von dem hohen Alter des Verkehrs Zeugniß 
ablegt.*) Aus dem Thal des gleichen Tiliaventus = 
Tagliamento zweigt östlich eine zweite Straße ab, 
folgt dem Lauf des Fella durch Pontebba und Pon- 
tafel und erreicht bei dem Dorfe Saifnitz die Wasser- 
scheide (783") zwischen dem Adriatischen und Schwar- 
zen Meer. Dann senkt sie sich nach Tarvis an einem 
Zufluß des Licus == Gail und erreicht von da Santi- 
cum «= Villach an der Drau und Virunum , dessen 
Kuinen nördlich von Klagenfurt gefunden werden. 
Dieser Weg scheint in der Peutinger'schen Tafel und 
im Itinerar verzeichnet, aber mit so verschiedenen 
Stationen — in der einen : Ad Silanos, Tasinemetum, 
Saloca, im andern: Viam Beloio, Larix, Santicum ~- 
und Distanzangaben, daß Spruner-Menke im Atlas 
Antiquus Nr. XXII zwei Straßenztige angenommen hat, 

C. I. L. in, p. 590, V, p. 176. Vgl. auch Nissen: 
Italische Landeskunde, p. 165. 

22 



338 H, Dubi, 

den einen nördlich , den andern südlich vom TerglUy 
dieser sich über die Karwanken fortsetzend. Aber 
die Inschriftenfunde bezeugen einstweilen nur eine 
Straße, die oben dargestellte, von Pontafel nach Tarvi» 
führende J) Die dem Mommsen'schen Inschriftenweg 
beigegebene Karte, verkleinert in der „Anleitung m 
anthropologisch-vorgeschichtlichen Beobachtungen im 
Gebiet der deutschen und österreichischen Alpen"*), 
zeigt die Fortsetzungen und Verzweigungen dieser waä 
der andern Straßen in den Ostalpen. Von Santicum = 
Villach geht ein solcher Römerweg längs der Drau 
über das Lurnfeld und dann aus dem Thal der Moll 
über die Komtauern^ sog. Heidenweg, an die Salzach 
und längs derselben hinaus nach Juvavum = Salz- 
burg. Von Virunum bei Klagenfurt aus geht eine 
große, in 'der Peutinger'schen Tafel und im Itinerar 
verzeichnete Straße über Noreia =^ Neumarkt nach 
Norden, die zwischen Linz und Lorch die Donau er- 
reicht. Von Noreia aus steht diese Straße durch einen 
Zweigweg über die Hadstattertauem mit der eben 
beschriebenen in Verbindung. Bei Twerg und bei 
Untertauern hat man auf demselben römische Meilen- 
steine gefunden. Von dem gleichen Virunum geht eine 
Straße nach Süden , die bei St. Leonhard am LoibI 
die Wasserscheide zwischen Drau und Sau überschreitet. 
Bei Emona = Laibach stößt sie auf die letzte der 
von uns zu beschreibenden Straßen, die über den 



C. I. L. III, p. 589, V. p. 169, 936. Nissen: Itai 
Landeskunde, p. 166. 

2) Von Dr. J. Ranke. Beilage zur Zeitschrift des D. u. 
Oe. A. V. 1881. 



Die Bömerstrassen in den Alpen. 339 

Ocra oder Birnhaumerwald führende. Aus Strabo IV, 
207, wissen wir, daß diese Straße eine der ältesten 
ist und daß ein starker Wagen- und Frachtverkehr 
zwischen Aquileja und Nauportus = Ober-Laibach 
stattfand. Von hier wurden die Waaren auf der Sau 
verschifft; in späterer Zeit führte eine bedeutende 
Straße von Aemona = Laibach nach Celeja = Cilli 
und Poetovio = Pettau im Drauthal oder über Siscia == 
Sissek und Sirmium = Mitrowitz im Sauthal an die 
Donau hinaus, welche sie zwischen Semlin und Belgrad 
erreichte. Die Straße überschritt von Aquileja aus- 
gehend den Sontius (Isonzo), folgte dem Laufe des 
Fluvius frigidus (der Wippach), trat bei der Station 
Ad Pimm in den Birnhaumerwald, überstieg diesen, 
der bei den Alten Ocra oder Alpis Julia heißt, in 
einer Höhe von 520°™ und langte jenseits bei der 
Station Longaticum = Loitsch an. Die Entfernung von 
Nauportus bis Emona wird auf 76 Millien angegeben. 
Wenn wir nun die in so langer Untersuchung 
gewonnenen Kesultate übersichtlich zusammenstellen 
wollen, so haben wir in den Westalpen 5, in den 
Centralalpen 7 und in den Ostalpen wieder 5 römische 
Pässe gefunden. Davon waren im Westen drei fahr- 
bare: die Küstenstraße, der Mont Genfevre und der 
Kleine St. Bernhard; in den Centralalpen nur einer, 
der Julier, in den Ostalpen zwei, der Brenner und 
der Bimbaumerpaß. Wenn wir uns ferner fragen: 
wer benützte diese so zahlreich und zum Theil so müh- 
sam und kunstreich angelegten Wege, die oft mitten 
in's Herz des Hochgebirges und zu den erhabensten 
Scenerien führen, so wird die Antwort lauten: aus- 



340 H, Bubi, 

nahmslos nur der Soldat, der Kaufmann und der 
Beamte des römischen Staates, selten ein Privatmann 
in eigenen Geschäften, Keiner je zu seinem Vergnügen. 
Nicht als ob dem antiken Mensehen und speciell dem 
Römer der Stoff zum Touristen gefehlt hätte. Vom 
atlantischen Ocean, wo die am Mittelmeer kaum merk- 
bare Erscheinung von Ebbe und Fluth die bewundern- 
den Blicke auf sich zog, bis zu der im Morgengltihen 
wunderbar tönenden Memnonssäule der ägyptischen 
Wüste wurden alle durch Naturphänomene, historische 
Erinnerung oder religiöse Verehrung merkwürdigen 
Orte von wissensdui*stigen oder auch blos neugierigen 
Reisenden aufgesucht, aber für die physikalischen 
Räthsel der Alpenwelt fehlte das Interesse und für 
ihre romantische Schönheit der Sinn vollständig. „Aus 
freien Stücken suchte Niemand diese Einöde auf, und 
auch beherzte Männer, die ihr Weg hinüberführte, 
Soldaten, wie Kaufieute, wappneten das Herz gegen 
die Schrecken durch Gelübde an die Gottheit." ^) Und 
wenn heute der Wanderer in den Bergen ob der 
Schönheit der Scenerie nur zu leicht vergißt, wie hart 
der Einwohner den Kampf um's Dasein kämpft, so 
hoben die Alten nur diese Seite des Bildes hervor. 
Sie betonen, daß die Leute durch Kröpfe entstellt 
sind, welche Krankheit auf das Trinkwasser zurück- 
geführt wird, und daß Bacchus und Ceres hier ihre 
Gaben versagen.^) Von der Unlust und dem Grauen, 
mit welchem man die Alpen betrachtete, haben wir 



^) Nissen: Italische Landeskunde, p. 172. 
») Juvenal. Satir. 13, 162. Vitruv. VHI, 3, 20. Plinius Nat 
Hist. XXXVn, 44. Diodor V, 39. 



Die Bömerstrassen in den Alpen, 341 

eine charakteristische Schilderung bei Livius XXI, 32, 
in Hannibars Alpenübergang. „Obwohl die Fama, 
welche unbekannte Dinge stark zu übertreiben pflegt, 
sie vorbereitet hatte, so wurden sie doch von neuem 
Schrecken ergriffen, als sie aus der Nähe die Höhe 
der Berge erblickten, den fast zum Himmel reichenden 
Schnee, die unförmlichen Hütten an den Felswänden, 
die durch Kälte verkümmerten Schafe und Rinder, 
die ungeschorenen, verwahrlosten Menschen, die ganze 
lebende und leblose Natur von Frost starrend und 
alles Andere, wodurch das Auge mehr verletzt wird 
als das Ohr." Die Berge, welche diesen Schrecken ein- 
flößten, „waren die tief in's Thal niederhängenden 
Gletschermassen des Mont Pelvoux, welche die Sol- 
daten des Hannibal von den Höhen des Mont Dauphin 
bei einem Blick durch Vallouise vor sich sahen*^ 
(Neumann). Uns würde dieser Anblick an dieser Stelle 
mit Entzücken erfüllen. Von einem Zug des Stilicho 
über die rätischen Alpen singt der Dichter Claudianus 
im G«tenkrieg v. 340 ff. „Viele, als ob sie das Antlitz 
der Gorgo geschaut, erstarrten vor Kälte, Viele ver- 
sanken in tiefen Schnee, oftmals verschlang der weiße 
Abgrund Wagen und Gespanne, bisweilen auch stürzte 
der Berg durch einen Eisrutsch plötzlich zusammen, 
und der Boden versagte, von feuchten Südwinden 
unterhöhlt. "Der Paß, auf welchem solche Fährlich- 
keiten zu bestehen waren, ist — der Julier (s. oben 
S. 326/7). Diese Vergleichungen genügen sicherlich, um 
den Ungeheuern Unterschied zwischen antiker und 
modemer Auffassung zu constatiren, und damit wollen 
wir die Untersuchung für einmal schließen. 



Notizen über Wirkungen des Blitzschlages 

auf Gesteine. 



Von 
Prof. Dr. Albert Heim. 



Schon in alter Zeit waren die ^ Blitzröhren" aus 
sandigem Boden bekannt. Wenn der Blitz in Sand- 
boden einschlägt, schmilzt er den Sand rings um seinen 
Weg herum zu einer inwendig glasigen glatten, außen 
von anklebenden Sandkörnern rauhen Röhre zusammen. 
Die Blitzröhren gehen 2 bis 10°^ tief in den Boden 
hinab und verzweigen sich manchmal. Im oberen 
Theil sind sie weiter und stärker ausgebildet (2 bis 
5«™ im Durchmesser), nach unten werden sie dünner 
und enger. Bald haben sie einen rundlichen oder 
vieleckigen Querschnitt, bald sind sie ganz flach zu- 
sammengedrückt. Beide Querschnittformen können 
an ein und derselben Blitzröhre wiederholt abwech- 
seln. Leider sind die Blitzröhren so brüchig, daß 
sie immer nur in kleinen Stücken herauszubekommen 
sind. Die Entstehung derselben ist schon wiederholt 
im Gebiete der Lüneburgerhaide und im Oldenburger- 



Notizen über Wirkungen des Blitzschlages auf Gesteine, 343 

sande direct beobachtet worden ; die Blitzröhre wurde 
an der Einschlagsstelle gefunden und in noch heißem 
Zustande aus dem Boden gegraben. Auffallend ist 
die Erscheinung , daß sich die Blitzröhren auf man- 
chen Landflächen sehr häufig finden ^ auf anderen^ 
^anz ähnlich beschaffenen aber stets fehlen. Man 
kennt Blitzröhren aus Deutschland, Dänemark, Eng- 
land^ Ungarn, Afrika, von Maldonado nördl. Rio de 
la Plata (Darwin). Fossil in älteren Schichten der 
Erdrinde sind sie bisher noch nicht gefunden worden. 
Aus dem Gebirge sind Einwirkungen des Blitz- 
schlages erst viel später bekannt geworden. Saussure 
fand angeschmolzene Glastropfen an einem hornblende- 
haltigen Gestein am Mont-Blanc, An der gleichen 
Stelle sollen sie seither oft wieder gefunden worden 
sein. Die Sammlung des Polytechnikums in Zürich 
sowie die Sammlung in Bern besitzen Stücke mit der 
Etiquette ^Döme dxi Goute^, aus dem Nachlaß des 
Herrn Prof. Morlot stammend. Humboldt und Bon- 
pland fanden auf dem Gipfel des Vulkans von Toluca 
das Gestein offenbar nachträglich durch Blitzschlag 
oberflächlich angeschmolzen; eine Fläche von über 
zwei Quadratfuß war oberflächlich verglast, und an 
einigen Stellen befanden sich mit Glasrinde ausge- 
kleidete Löcher im Gestein. Ramon hat am Glimmer- 
schiefer auf dem Montperdu und am Trachyt des 
Puy de Dome ähnliche Verglasungen getroffen. Abich 
beschreibt dieselben vom Gipfel des Ararat, wo der 
dortige Andesitfels derart vom Blitzschlag durch- 
löchert und durchschmolzen ist, daß er dies Gestein 
mit dem Namen Fulguritandesit belegte. Die geolo- 



344 Albert Heim, 

gische Sammlung des Poytechnikums besitzt einige 
sehr schöne Schmelzprodukte des Blitzschlages aaf 
rostigem phyllitischem Gneiß, welche Arnold Escher 
V. d. Linth am 12. September 1841 vom Gipfel des 
Düssietockes gebracht hat. Kleine GesteinstrUmmer- 
chen sind durch Anschmelzen und theilweises Zu- 
sammenschmelzen braunglasig verkittet in Formen^ 
welche an kurze Bruchstücke einer Blitzröhre erinnern. 
„Mehrere, zoll- bis tellergroße Stellen waren völlig 
tiberglast.'* Oswald Heer hat Stücke rothen Semifit- 
schiefers vom Gipfel des Kärpfstockes gebracht,^ 
welche stark braun verglaste Stellen von 1 bis 2^ 
Quadratdecimeter Größe zeigen. Der Verfasser selbst 
hat an den vorspringenden Felsecken des aus Horn- 
blendeschiefer bestehenden Gipfels des Pizzo Centrale 
eine Menge glänzend grünschwarz angeschmolzener 
Glastropfen gefunden. Alle gehörten dem obersten 
Gipfel an. Schon 3^ unter dem höchsten Punkte 
war nichts mehr zu finden. Im Jahre 1868 habe 
ich alle diese Blitzspuren weggenommen, um sie geo- 
logischen Sammlungen einzuverleiben. 1875 fand ich 
wieder eine Menge solcher, die in der Zwischenzeit 
neu gebildet worden waren. Auch diese wurden 
mitgenommen. Unterdessen aber haben die Gott- 
hardbahningenieure für ihre Vermessungen auf dem 
Gipfel einen festen Steinmann mit einer eisernen 
Stange in der Mitte erbaut. Seither habe ich trotz 
mehnnaligem Besuch und aufmerksamem Auge keine 
neuen Blitzschmelzspuren mehr entdecken können. 
Auch im Sommer 1885 war durchaus nichts zu finden. 
Da es sehr unwahrscheinlich ist, daß Jemand anders 



Notizen über Wirkungen des Blitzschlages auf Gesteine, 345 

jeweilen kurz vorher dieselben vollständig wegge- 
nommen habe, vennuthe ich, daß nun der Blitz stets 
in die Eisenstange statt direct auf die Steinflächen 
schlägt. 

Auf dem Gipfel des Bristenstockes habe ich 1872 
vergeblich lange nach Blitzschmelzspuren gesucht» 
Das Gestein wäre ganz wohl geeignet, solche zu 
bilden, warum fehlen sie dort? 

Auf dem Gipfel des Piz Languard sind Fulgurite 
schon von verschiedenen Bergsteigern beobachtet 
worden. 

Im vergangenen Sommer 1885 erhielt ich eine 
reiche Ausbeute von Blitzschmelzspuren, gesammelt 
und mir zugesendet durch meinen jungen Freund 
Herrn Ingenieur-Topograph S. Simon. Wer sich dafür 
interessirt, kann die schönsten Stücke seiner Sendungen 
ausgestellt in der geologischen Sammlung des Poly- 
technikums in Zürich einsehen. Dieselben stammen 
vom Gipfel des Finsteraarhorns 4275", wo sie auf 
Glimmergneiß entstanden sind, vom Sattelhom 3746™ 
westlich des Aletschhornes gelegen, wo sie auf Hom- 
blendegestein sich gebildet haben; der Inhalt einer 
dritten Sendung von „Fulguriten" ist von Herrn Simon 
auf dem Sparrenhom 3026"» nördlich von Beialp 
auf Gneiß entdeckt worden. 

Zu dem Funde vom Sattelhorh berichtet Herr 
Simon: „ Eigenthümlicher Weise zeigte nicht die 
^höchste Spitze die auffallendsten Spuren, sondern 
^die ziemlich genau senkrecht darunter etwa ^/2"* 
„tiefer liegenden Blöcke des wild zerrissenen Gipfels. 
„Erst nach Wegräumen des obersten, etwa 80 kg. 



346 Albert Heim, 

^schweren Blockes, der nur kaum merkliche Blitz- 
^ spuren zeigte, ergab sich die Ausbeute, die mitfol- 
„gend an Sie abgeht." Alle diese Gipfel besteben 
aus krystallinischen Silicatgesteinen. Auf den hellen 
Gneißen, Glimmerschiefern und Graniten sind die 
Schmelzkrusten selbst hellfarbig, oft weißlich schau- 
mig und deßhalb für ein ungeübtes Auge gar nicht 
leicht zu finden. Aeltere Schmelzprodukte sind durch 
nachträgliche Verwitterung wieder trübe und matt 
geworden. Schon mancher Olubist mag auf die schön- 
sten Schmelzspuren sich gesetzt und auf solchen seinen 
Proviant ausgepackt haben, ohne diese merkwürdigen, 
für Sammlungen so werthvoUen Dinger zu beachten; 
andere hat er mit den Füßen zertrümmert. Viel besser 
in die Augen fallend werden die Fulgurite auf Hom- 
blendegesteinen, indem die letzteren beim Schmelzen 
ein glänzend grünschwarzes bis schwarzes Glas er- 
geben, das sich oft an der Oberfläche des Gesteines 
zu großen Tropfen zusammenzieht, die wie schwarze 
Perlen aussehen (Pizzo Centrale, Sattelhorn). Die 
Glaskruste ist meistens kaum 1™°^ dick, nur einzelne 
Tropfen erreichen einen halben Centimeter Dicke. Es 
kommen zusammenhängende Glaskrusten bis zu der 
Ausdehnung einer ganzen Handfläche vor. Oefter 
ist die Gesteinsfläche nur mit einzelnen sich nicht 
berührenden Glasperlen besetzt. Manchmal erkennt 
man Linien oder Streifen auf derselben, welche durch 
winzig kleine Glaskügelchen in großer Zahl gebildet 
werden. Die Wirkung bleibt stets an der äußersten 
Fläche des Gesteins, sie dringt nicht hinein. Kleine 
Gesteinstrümmerchen sind manchmal zu verglasten 



Notizen über Wirkungen des Blitzschlages auf Gesteine, 347 

Häufchen von bis zu einigen Kubikcentimetern Größe 
zusammengebacken. Das Glas ist gleich wieder er- 
starrt da, wo es sich gebildet hat, es ist nicht merk- 
lich weiter geflossen, denn schon Escher hebt hervor, 
daß bei Fulgnriten auf Syenit jeweilen die Glasrinde 
über Feldepathkömern weißlich, über Hornblende- 
körnem grünschwarz ist. Es scheint, daß die ver- 
schiedenen Grade der Schmelzbarkeit der verschiedenen 
Mmeralien bei der Bildung der Fulgurite kaum zur 
Geltung kommen. Ich finde dieselben an Gesteinen 
mit vorherrschendem Quarz und nur wenig Feldspath 
oder Glimmer gerade so vollkommen ausgebildet, wie 
an den weit leichter schmelzbaren Amphiboliten. 

Herr S. Simon ist durch seine Erfahrungen zu der 
üeberzeugung gekommen, daß die Blitzverglasungen 
auf stark ausgesprochenen Gipfeln im Gebiete der 
kiystallinischen Silicatgesteine (Gneiß, Granit, Syenit, 
Glimmerschiefer, Sericitgesteine , Phyllite, Amphibo- 
lite etc.) die Regel seien. Wir können hinzufügen, 
daß sie, wenn auch nur sehr selten und zufällig, auf 
Sätteln, Gräten und Abhängen gefunden werden. 

Um so sonderbarer ist es, wenn es sich wirklich 
selbst durch das sorgfältigste Nachsuchen bestätigt, 
daß einzelne Gipfel beständig von Fulguriten frei- 
bleiben. 

In einem Briefe vom 2. Februar 1886 schreibt 
mir Herr S. Simon, den ich vor einigen Jahren dringend 
ersucht hatte, auf Fulgurite zu achten, wie folgt: 

„Es scheint mir zweckmäßig, der Aufzählung von 
T^Gipfeln den allgemeinen Eindruck voranzustellen, den 
„ich über die Blitzverglasungen erhalten habe: 



348 Albert Heim, 

„Im Engadin, wo ich mit der Zeit sehr knapp 
„bemessen war (1882), und wo ich in der üeber- 
„zeugung herumkletterte, die Blitzverglasungen seien 
„so alltägliche Erscheinungen, daß man nicht weiter 
„darauf zu achten habe, forschte ich gar nicht nach 
„solchen. Trotzdem liefen mir zufällig Gesteinsstticke 
„in die Finger, die sehr schöne Blitzverglasungen 
„zeigten. So auf dem Gipfel des Piz Julier und auf 
„demjenigen des Piz Lagrev, Hätte ich nach Blitz- 
„verglasungen (Pulguriten) gesucht, so bin ich tiber- 
„zeugt, daß ich auf den sämmtlichen 28 Gipfelpunkten, 
„die ich dort besuchte, solche gefunden hätte. 

„In der Finsteraarhorngruppe, wo ich in 48 Tagen 
„30 Hochgipfelbesteigungen und 15 Hochpaßtibergänge 
„ausführte, achtete ich möglichst nach Blitzverglaa- 
„ungen, und glaube, sagen zu dürfen, daß auf jedem 
j^Gipfel solche vorkommen. Der einzige Gipfel, auf 
„dem ich umsonst längere Zeit darnach gesucht habe, 
„war der Gipfel des Viescherhom-Bettmerhorngrates. 

„Herr Hecht, der vielverdiente frühere Präsident 
„der Section Oberland, veranlaßte seiner Zeit die 
„Oberländer Führer dazu, ebenfalls nach Blitzver- 
„ glasungen zu fahnden. Er kam auf diesen Gedanken 
„dadurch, daß er den Führern es zur Pflicht gemacht 
„hatte, Gipfelgesteinsproben von den Hochgipfeln zu 
pbringen, um davon in Interlaken eine Sammlung an- 
„ zulegen. Die Sache gehörte zwar nicht zu den Lieb- 
„habereien der Führer, aber eines Tages kam doch 
„einer derselben mit einem schönen Handstück vom 
„Gipfel des Schreckhornes, und dieses zeigte zuföllig 
„sehr schöne Blitzverglasungen. Diesem Umstände 



Notizen über Wirku/ngen des Blitzschlages auf Gesteine, 349 

„verdankt nun Interlaken eine kleine Sammlung von 
„solchen Fulguriten. Es mag dies wiederum belegen, 
„wie allgemein verbreitet die Blitzverglasungen in der 
„Zone der Centralmassive (Gebirgszonen aus krystal- 
„linisehen Silicatgesteinen bestehend) sind.^ 

Hiezu ist zu bemerken, daß nach den mir von 
Herrn Dr. Ed. von Fellenberg gemachten Mittheilungen 
gerade bezüglich des angeblichen Fundes vom Schreck- 
homgipfel eine Verwechslung mit unterlaufen sein muß, 
indem dasselbe verglaster Gneißgranit (Protogin) sei, 
während das Schreckhorn nicht aus solchem, sondern 
aus braunglimmerigem grauem Gneiß besteht. Immer- 
bin handelt es sich bei dem fraglichen Stücke ohne 
Zweifel um eine ächte Blitzverglasung. 

Ingeniem* Simon fährt fort: „Der trefBüche Hoch- 
„gebirgsphotograph Sella von Biella endlich ver- 
„wunderte sich förmlich darob, daß ich nach Blitz- 
„verglasungen suchte. In der Matterhorngruppe, über- 
„haupt in der Hauptkette südlich der Rhone, seien sie 
„so häufig, daß man sich gar nicht darnach umsehe. 
„Am Matterharn allein könnten sie hundertweise ge- 
„sammelt werden. 

„Aber nicht nur auf Gipfeln kommen Blitzver- 
„glasungen vor, sondern sogar auf Sätteln, die mit 
„kleinen Felsaufsätzen gekrönt sind. So fand ich am 
j^Beichgrate bei circa 3200™ auf einem Felskopf eine 
„typische Blitzverglasung, trotzdem der Grat allseitig 
„von um circa 600™ höheren Gipfeln umgeben ist. 

„Nach dem Gesagten glaube ich kaum nöthig zu 
„haben, eine lange Aufzählung meiner Besteigungen 
„zu geben, denn ein Aufzählen dieser käme so ziemlich 



350 Albert Heim, 

^dem Aufzählen der Blitzverglasungsfundstätten gleich. 
„Wo ich keine Stücke mitnahm, war gewöhnlich der 
„Umstand schuld, daß sie so ungeschickt saßen, daß 
„ich sie, nur mit dem Pickel bewaffnet, nicht los- 
„bringen konnte. Nebenbei wirkte auch oft der üm- 
„ stand mit, daß die vorgerückte Zeit neben unseren 
„anderen Arbeiten kein gründliches Absuchen mehr 
„gestattete. 

„Einige bestimmte Fundstellen von sehr schönen 
„Blitzverglasungen, ähnlich wie ich Ihnen viele solche 
„gesendet habe, sind : Schreckhorn, Finsteraarhomf 
y^Sattelhorn, Weißhorn, Lötschenthaler Breithorn, 
y^Schienhorn, Oheraarhom, Setzenhorn, Sparren- 
j^hom, Gisighorn, Beichgrat^ Trugberg , nördliches 
„ Walliser Viescherhorn, Piz Julier , Piz Lagrev etc.** 

Herr Ingenieur Imfeid berichtet mir, daß er die 
Ketten am Matterhoiii vom Blitze angeschmolzen ge- 
troffen hat. 

Fast immer werden die Fulgurite nur an den 
Gesteinsecken des äußersten Gipfels gefunden. Schon 
2 bis 3°» tiefer als der höchste Punkt sucht man 
gewöhnlich vergeblich. Nicht selten sind die äußeren 
Flächen der „Steinmannli'^ Träger von Blitzschmelz- 
spuren, was uns zugleich zeigt, daß der Blitzschlag 
ein gut gebautes Steinmannli gewöhnlich nicht umwirft. 
Schon viele Bergsteiger haben "Gelegenheit gehabt, 
Erfahrungen zu machen, welche die Erklärung ffir 
die Lage der Fulgurite fast nur am obersten Theil 
des Gipfels geben. Ich selbst bin schon mehrmals 
in der Lage gewesen, zu beobachten, wie rasch die 
elektrische Spannung während eines Gewitters vom 



Notizen über Wirkungen des Blitzschlages auf Gesteine, 351 

höchsten Gipfelpunkte nach unten abnimmt. Dem ent- 
sprechend muß der Blitz ungleich häufiger in den 
obersten Gipfel schlagen, als in irgend eine Ecke am 
tieferen Gehänge. Herr Simon bestätigt dies ebenfalls, 
indem er mir von einem Gewitter, das er 1885 auf 
dem Bettmerhomgrat erlebt hat, berichtet: „Die 
„zahlreichen Spitzen des in Blöcke aufgelösten Grates 
„strömten lebhaft Elektrizität aus, während die Ge- 
„witterwolke darüber strich, ebenso unsere PickeL 
„Die einzelnen Ftinkchen aus denselben folgten sich 
„so rapid, daß dadurch ein Geräusch entstand, als 
„würde ein Stück Zeug zerrissen. Die drei Pickel 
„sausten gleichzeitig mit dem obersten Block, und 
„man hatte es ganz in seiner Gewalt, die Funken 
„mehr oder weniger energisch springen zu machen: 
„hob man einen Pickel nur einige Centimeter höher^ 
„80 wurde die Ausströmung viel energischer, und hob 
„man versuchsweise den Pickel so hoch über den 
„Kopf, als man es vermochte, so zog man unwill- 
flkürlich denselben rasch wieder zurück, um nicht 
„Blitzableiterrolle zu spielen. Es geht daraus hervor^ 
„daß schon ein geringes Ueberragen des gewöhnlichen 
„Niveau's genügt, um einen Gipfel für Blitzverglas- 
„nngen, gegenüber den umliegenden um Weniges tieferen 
„Grattheilen, sehr zu disponiren. 

„Ein anderes Gewitter erreichte uns auf dem 
„Grate, den der Lauistock nach Osten entsendet. Die 
„Schrauben meines Meßtischstatives begannen gewaltig 
„zu schnurren, desgleichen die Pickel, und schließlich 
„kam das Gewitter zum großartigsten Ausbruch, 
„Natürlich wollte ich mein Instrument nicht im Stiche 



362 Albert Heim. 

^lassen und trug es deshalb wenige Met^ unterhalb 
^den Grat. Dies genügte, um sofort das Schnurrea 
^verstummen zu machen. Dagegen sausten die Spitzen 
^des Grates lebhaft weiter, und wenn ich, bei meinem 
^nlcht mehr schnurrenden Instrument stehend, den 
^Pickel hoch empor hielt, so begann er sofort gewaltig 
„auszuströmen. Wir befürchteten jeden Moment eine 
„Entladung, ich verzichtete auf weitere Versuche. Wir 
„mußten an den Rückweg denken, derselbe führte uns 
„leider zuerst auf den Gipfelpunkt des Grates zurück 
„und dies nicht allzu bequem : Wegen der Blitzgefahr 
„durften wir nicht auf dem Grate selbst marschiren, 
„sondern schritten etwa 3°^ unter der Gratfirst, wo 
„dann die Pickel nicht mehr schnurrten, vorwärts.** 

Es gibt Blitzschläge der verschiedensten Inten- 
sitäten. So gut wie oft Menschen von Blitzen auf 
dem Gebirge getödtet, in anderen Fällen aber nnr 
schwach und ohne Schaden zu nehmen getroffen werden 
(verglichen die Beispiele in Dr. E. Zsigmondi, die 
Gefahren des Bergsteigens), so gut werden auch nicht 
alle Blitzschläge Yerglasungen zu erzeugen vermögen. 

Blitzverglasungen entstehen auch auf unreinen 
kieselig-thonigen Kalksteinen, doch sind sie an 
Deutlichkeit nicht mehr mit deiyenigen der Silicat- 
gesteine zu vergleichen. Arnold Escher v. d. Linth 
hat solche an den Gaultschichten nahe unter dem 
Gipfel des Vättiskopfes im Ealfeuserthale gefunden. 
Ingenieur Fridolin Becker erinnert sich, im Kalkgebirge 
häufig mehi* oder weniger deutliche Schmelzspnien 
gesehen zu haben, so z. B. auf dem Hügel nördlich 
Schwarenbach an der Gemmi. Ingenieur X« Imfeid 



Notizen über Wirkungen des Blitzschlages auf Gesteine, 353 

berichtet mir, daß er eine Art Blitzröhre von etwa 
15 bis 20«™ Länge im Jahr 1870 am Feuerstein etwa 
100 bis 200°» unter dem Gipfel gefunden habe. Das 
■Stück scheint leider nicht aufbewahrt worden zu sein. 
Auf Sandsteinen und Thonschiefern sind mir bisher 
4iußer dem Stück vom Kärpfstein noch keine Ver- 
^lasungen zu Gesichte gekommen, doch läßt sich 
nicht einsehen, warum sie nicht auch dort sich 
iiäufig bilden sollten. Ganz verschieden aber von den 
Verglasungen, wie wir sie auf der Oberfläche der zu 
Olasflüssen schmelzenden Silieatgesteine finden, sind 
die Wirkungen des Blitzschlages auf reinem Kalk-- 
•stein. An freier Luft ist der Kalkstein unschmelzbar. 
£in oberfläcliliches Brennen des Kalksteines wird, 
wenn es auch vielleicht vorkommt, kaum beobachtet 
werden können, weil die Witterungseinfltisse die 
Spuren davon rasch verwischen werden. In manchen 
hegenden findet man in den Kalksteinen verschiedenen 
Alters und verschiedener Zusammensetzung Kugeln 
oder unregelmäßige Knollen von Pyrit (Eisenkies, 
Schwefeleisen), deren Werden die Bevölkerung oft 
dem Blitzschlag zuschreibt, und die dann mit dem 
Namen „Blitzsteine'* belegt werden. Allein diese Sage 
beruht auf Irrthum. Niemals vermöchte der Blitz- 
schlag Schwefeleisenkugeln im Kalkstein oder Thon- 
«chiefer zu bilden; im Blitze fahren auch keine ma- 
teriellen Geschosse dahin wie in den Sternschnuppen. 
Die Pyritknollen in den Kalksteinen sind vielmehr 
«ine ursprüngliche Bildung, die bei der Entstehung 
des Kalksteines schon vor sich gegangen ist. Nicht 
selten enthalten diese Knollen Versteinerungen; es 

23 



854 Albert Heim, 

sind dies dann die gleichen Thierreste, welche anch 
ohne Pyrit in dem umgebenden Kalksteine sich 
finden. Manchmal steckt eine gut erhaltene Ver- 
steinerung (Thierrest) halb im Kalkstein, halb im 
Pyritknollen. Noch manches Andere wird oft vom 
Volke als Wirkung des Blitzschlages gezeigt, was 
mit dem Blitze keinerlei Zusammenhang hat. Da& 
das, was ein nicht speciell naturwissenschaftlich ge- 
bildeter Tourist als Blitzspuren bezeichnet, wirklich 
solche sind, kann nach meinen Erfahrungen nur fest- 
gestellt werden, wenn derselbe ein kleines Belegstück 
mitbringt. 

Auf dem Gipfel der großen Mythe entstanden 
während eines entsetzlichen Gewitters, das ich dort 
im Herbst 1866 erlebte, mehrere Löcher im Kalkstein, 
welche trichterförmige Gestalt und etwa 2 bis 3*" 
Tiefe hatten. Das Gestein zeigte sich im Loche 
frisch zersplittert und die Bruchstücke lagen zerstreut 
rings herum. Ich habe an anderen Orten schon oft 
nach heftigen Blitzschlägen Steine poltern hören, ohne 
die Einschlagsstelle zu kennen. Die schönsten Spuren 
des Blitzschlages beobachtete ich den 16. August 
1882 auf dem Grate östlich des FrohnalpsioekeSt 
der das Muottathal vom Riemenstaldenthale trennt 
Vom Hauserstock bis gegen den Klingenstock wieder- 
holten sich diese Spuren vier Mal in Meerhöhen von 
ca. 1850 bis 1930™. Alle Blitzschläge, deren Wir- 
kungen wir hier sehen konnten, trafen die Kantcn- 
linie des Grates, aber keineswegs nur die Culminations- 
punkte, sondern auch die Einsattlungen oder den 
schief ansteigenden Grat. Beiliegende Zeichnung stellt 



Notizen über Wirkungen des Blitzschlages auf Gesteine, 355 

einen solchen ^Blitzstem" oder Schrammenstem dar, 
der etwa 100" östlich des Hauserstockes auf dem 
dort ganz berasten Grat an einer Stelle zu sehen 
war, wo der Grat aus Seewerkalkplatten besteht. 
Im Mittelpunkt findet sich eine noch ganz frisch auf- 
geschlagene Wunde. Der Rasen ist weggeschlagen, 
der Kalkstein zersplittert und zertrümmert, die hand- 




i t 3 4 S- 6 }f S J f^'^ 

1 * ■ ■ ■ ' ' ^ • ' I 



großen und kleineren Trümmer liegen zum Theil 
herausgeschlagen herum, zum Theil sind sie in dem 
3*n breiten und 1™ langen, circa rechteckigen Loche 
geblieben. Von dieser Schlagwunde aus gehen nach 
verschiedenen Richtungen tiefe Schrammen, welche 
den unbeschädigten Fels entblößt und den Rasenboden 
wie mit einem Pfluge durchfurcht seitlich übergelegt 
zeigen. In einiger Entfernung von der Centralwunde 



356 Albert Heim. 

verzweigen sich die aufgerissenen Furchen baumf Örmig 
und werden zugleich schwächer, so daß man den Fels^ 
an ihrem Grunde nicht mehr sieht. AUmälig ver- 
laufen sie sich. Der Durchmesser des ganzen stern- 
förmigen Gebildes beträgt in der Längsrichtung des 
Grates auf der Wasserscheide volle 18 bis 20™, in der 
Querrichtung nur die Hälfte. Mein Begleiter, der Wirth 
auf dem Gipfel der Frohnalp, erzählte mir, daß diese 
„Blitzsteme" bei einem Gewitter Mitte August 1880 
entstanden seien, und zuerst noch größer, die Schrammen 
im Rasen weiter aufgerissen gewesen seien, und daß 
seither Schneedruck und Pftanzenwachsthum bereits 
das ursprüngliche Bild in diesen nun bald zwei Jahren 
wieder merklich verwischt hätten. Er versicherte mich, 
daß hier diese Blitzsteme recht oft entstehen, daß 
sie aber nach 5 bis 8 Jahren gewöhnlich wieder ganz 
verwachsen und unsichtbar werden. Das letztere mag 
denn auch die Erklärung dafür bieten, daß so selten 
von denselben berichtet wird, denn die Erscheinung 
selbst ist so auffallend, daß kein Wanderer dieselbe 
übersehen könnte, wenn sie noch einigermaßen frisch 
ist. Ich selbst habe sie außer diesem einen Mal noch 
nie gesehen, so zahlreich auch die dem Blitzschlag 
ausgesetzten berasten Gräte sind, die ich schon be- 
gangen habe. Gibt es auch hier Orte, wo der Blitz 
sehr häufig einschlägt, andere, die er stets verschont, 
ohne daß wir bis jetzt den Grund für dieses Verhalten 
einsehen könnten? 

Aus den Blitzsternen am Hauserstock — Klingen- 
stockgrate geht hervor, daß unter umständen der 
Blitzschlag harten festen Fels auf einzelnen Stellen 



Notizen über Wirkungen des Blitzschlages auf Gesteine. 357 

zertrümmem kann, ferner, daß er sich im feuchten 
Rasenboden rasch in allen Richtungen zertheilt. Es 
ist zu erwarten, daß diese Form der Blitzspuren 
auch im krystallinischen Silicatgebirge sich wieder- 
holt. An denjenigen Stellen, wo ich dort Verglasungen, 
beobachtet habe, war von Zerschlagen des Gesteines 
nichts Sicheres zu beachten. Auch hier kann wiederum 
nur das Sammeln vieler Beobachtungen allmälig weitere 
Aufklärung bieten. Der Beobachter skizzire und be- 
schreibe genau und unabhängig von seinen Erklärungs- 
gedanken, was er gesehen hat, und bringe Proben 
allMlig veränderter Gesteinsstücke mit. 

Die Narben, welche der elektrische Funke an den 
Bergen zurückläßt, sind so eigenthümlich , daß sie 
von dem sorgfältigen Beobachter stets leicht von den 
zahllosen anderen Schrammen unterschieden werden 
können, die durch andere Einflüsse erzeugt worden 
sind. Man irrt sich, wenn man meint, die Auflösung 
ganzer Berggipfel in Trümmer dem Blitzschlage zu- 
schreiben zu sollen. Da arbeiten, zwar weniger polternd, 
aber viel ausdauernder und wirksamer, ganz andere 
Faktoren. Der Blitz verglast Gesteine, schlägt Löcher 
und Schrammensterne, vielleicht erzeugt er auch noch 
andere, noch nicht bekannte Formen von Wunden, 
aber seine Wirkungen sind doch im großen Ganzen 
fast bedeutungslos für die Gestalt der Berge. Die 
Berge sind stärker als der Blitz! 



Les variations p6riodiques des glaciers des 

Alpes. 

Par le 

Professeur Dr. F.-A, Forel de Morges 
(Section des Diablerets). 

Sixi^me rapport. — 1885.0 

§ XXII. De Penneigement des Alpes. 

Jusqu'ä peu d'annees en arrifere, Ton ne s'occupait 
guere, dans l'^tude des variations p^riodiqnes des 
glaciers, que des modifications dans la longueur. Dfes 
notre premier rapport sur ce sujet, nous avons montr6 
que les antres dimensions des glaciers, la largenret 
r^paisseur, varient dans le meme sens que la longueur, 
et dans nos rapports successifs nous avons constat6 
frequemment qu'une augmentation Evidente de Töpais- 
seur du glacier, dans ses parties sup^rieures, precöde 
de quelques annöes Taccroissement de longueur. A 

Voir : !•' rapport. 1880. Echo des Alpes, XVII, p. 20.— 
IP rapport. 1881. Echo des Alpes, XVm, p. 138. — UP rap- 
port. 1882. Jahrbuch des S. A.C., XVIH, p. 251. — FV rap- 
port. 1883. Jahrbuch des S. A. C, XIX., p. 298. — V« rapport 
1884. Jahrbuch des S. A.C., XX, p. 281. 



Les variations piriodigues des glaciers des Alpes, 369 

mesure aussi que dos Stades se döveloppent , il est 
im nonveau point de vue qui sorgit, et dont les re- 
lations avee les variations des glaciers deviennent de 
plus en plus apparentes: c'est Tötat des neiges sur 
les hautes montagnes^ ce qae nous d6signerons par 
le terme 6!enneigement 

Pendant la grande p^riode de retraite des glaciers, 
les alpinistes ont souvent signal6 une disparition mani- 
feste des nev6s, des flaques de neige sur les hautes 
cimes. L'epaisseur de la neige, la largeur des n6v6B, 
leur importance, allaient en diminuant; tel passage 
antrefois facile, oü la neige permettait jadis une marche 
rapide, 6tait devenu penible par la mise k nu des 
rochers; les conditions de certaines courses ou ascen- 
sions avaient notablement chang6, dans un sens favo- 
rable ou dans un sens d^favorable, par la disparition plus 
oa moins compl^te des neiges. Je citerai comme exemple 
les relations de Heim sur les glaciers duTödi (II« rapport), 
de Fr. Becker sur les glaciers du groupe de la Blümiis- 
alp (V® rapport), de A. Degrange-Touzin sur les gla- 
ciers des Pyr6n6es (IV« rapport), etc. En meme temps 
^ue les glaciers ^taient en diminution et dans les 
r^gions oü ils ätaient en diminution, les neiges et 
ii6v68 subissaient la meme röduction. II y avait dans 
ces montagnes enneigement regressif. 

En Opposition ä cela, dans les derni^res annees, on 
a Signale de divers cotes un accroissement de neiges qui 
parait colfncider avec le commencement d'une nouvelle 
Periode d'allongement des glaciers. Baumgartner dans 
la region du Dossenhorn (V« rapport), Wagnon dans la 
region des Tours Salli^res et du Ruan (IV® rapport), etc. 



360 F,'A, Forel. 

donnent dans leurs notes des indications de T^largisse- 
ment des taches de neige, de raugmentation des n6y6s^ 
deraceroissementd'^paisseur des coupolesqüireconvrent 
les cimes. II semble que dans certaines r^ons de» 
Alpes il y ait actuellement enneigement progressif, 
et en meme temps il paratt que ces r^gions sont 
les m^mes que Celles oü raccroissement des glacie» 
commence k se dessiner. Je n*ai vu aucune descriptiou 
de cet enyahissement des neiges dans les Alpes orien- 
tales, oü les glaciers sont encore stationnaires.^) 

Cette col'ncidence est interessante et in6rite d'etre 
observöe et contr616e. Si mes remarques sont justes^ 
une Periode d'accroissement des glaciers col[nciderait 
avec une augmentation generale de la calotte neigeuse 
qui revSt les sommets et les hautes croupes des mon- 
tagnes, k un enneigement g6n6ral et progressif des 
Alpes : une p6riode de diminution des glaciers coln- 
ciderait avec un enneigement regressif. 

II est inutile d'insister sur Tinteret evident qu'une 
teile constatation aurait pour la theorie des Variation» 
periodiques des glaciers : je n*ai qu'4 signaler le fait 
en le recommandant k l'observation des alpinistes; 
tous les faits qui confirmeront, complöteront ou corri- 

^) Les neiges sont soumises, par le fait des chutes din- 
tonsit6 variable suivant les hivers, et par la poissante actioa 
du soleil de r6t6, ä des variations beaucoup plus rapides et 
plus irr^gulieres que Celles des glaciers ; il doit y avair danff 
le phenomene de Tenneigement plus d'irr6gularit6 et pln« 
d'inconstance que dans les variations glaciaires. Ainsi, p. ez.r 
les relations k ce sujet. de MM. Baumgartner et Wagnon dan» 
le rapport actuel sont-elles fort diflferentes de Celles de» 
rapports pr6c6dents. 



Les variations periodiques des glaciers des Alpes, 361 

geront cet essai de gönöralisation seront ütiles et pr6- 
cienx, 6t je soUicite des alpinistes lenr concours pour 
ce c6t^ special de nos recherches. 

Etant donii6e, d'antre part, Timportance capitale 
de r^tat des neiges, qui augmente ou diminue les 
difficultös des grandes ascensions, j'ose esp6rer que 
les membres du C. A. 8. voudront bien diriger leur 
attention sur ce point, et me communiquer leurs obser- 
vations snr Fenneigement progressif ou regressif des 
groupes de montagnes, qu^ls ont visitöes k quelques 
ann^es d'intervalle. 

§ XXni. La temp^ratore dans ses rapports ayec les 

yariations des glaciers* 

J'emploie ici le mot temjperature dans son ancienne 
acception, qui le fait synonyme d'6tat möt^orologique^ 
et en fait la traduction de Witterung des AUemands 
et de Wecdher des Anglais. 

Le D' C. Lang de Munich^) a repris, sur de nou- 
veaux mat^riaux et d'une mani^re plus complöte, une 
etude que j'avais commenc6e dans mon Essai sur les 
variations des glaciers, en me basant sur les obser- 
vations de Genöve.^) II s'agit de trouver les relations 
qui peuvent exister entre les variations periodiques 
des glaciers, et les variations k longue p6riodicit6 

*) C. Lang, Der seculäre Verlauf der Witterung als Ur- 
sache der Gletscherschwankungen in den Alpen. Zeitschrift 
der Oesterr. Gesellsch. für Meteorologie. XX, 443 sq. Wien. 
December 1885. 

*) F,'A, Forel. Essai sur les variations p6riodiques des 
glaciers. Arch. de Geneve. VI, 21 et 451. 1881. 



362 F.'A. ForeL 

des chutes de pluie et de la chaleur de Fair. M. Lang 
a r^uni les plus longues s6ries d'observations faites daDS 
les villes qui entourent la chatne des Alpes, et, les 
comparant entr'elles, il a recoimu que les variations 
de la quantit6 d'eau tomb6e pendant rannte et Celles 
de la cbaleur de Fair, soit de Vhi^ soit de Taim^ 
enti^re, marchent assez parall^lement dans ces diverses 
stations pour que Ton puisse en conclure k des varia- 
tioDS g6n6rales de la temp6rature de toute la r^gion des 
Alpes. II a recoimu ensuite, comme moi^ que soit les 
chutes de pluie, soit la chaleur de Fair subissent des 
variations prolong6es et de p6riodicit6 irr6gulifere, 
qu'on peut mettre en regard des variations glaciaires. 

Vu le grand intör^t de ces ^tudes pour la question 
trait^e dans mes rapports, je rösumerai les conclusions 
de Lang, en renvoyant pour plus de d6tails au me- 
moire original. 

Pour ce qui regarde les chutes de pluie, il a 
constatö les variations suivantes que je caract^riserai 
en indiquaut les 6poques des maximums et des mini- 
mums : *) 

Maximum Hinimum Maximum Minimum Maximnn 

Prague et Vienne 1817 1822 1847 — 1879 

Keichenhall . . — — 1845 1857 - 

Munich . . . 1807 — 1850 1872 1880 

Peissenberg . . 1811 1825 1840 — — 

Stuttgart ... — — 1848 1862 1882 



*) Les calculs de Lang ^tant faits d'apr^s des moyeimefl 
quinquennales» j'indique ici pour simplifier le milieu des p^- 
riodes de 5 ans. 



Les variations periodiques des glaciers des Alpes. 363 

Maximnm Minimum Maximum Minimum Maximum 

Oen^ve^) ... — 1833 1842 1869 1879 
Milan .... 1814 1827 1848 1870 1882 
Chioggia . . . 1809 — — — 1876 

Moyennes^) . . 1811 1826 1846 1866 1880 
Un tableau analogue donne les variations de la 
chaleur de Tair, dans les moyennes annuelles: 

Maximum Minimum Maximum Minimum Maximum 

Regensburg 1806 1817 1830 1840 — 

Munich . — — 1832 1840 1863 

Peissenberg 1805 1815 1831 1837 — 

Stuttgart . — — 1831 1840 1865 

Milan . . 1805 1815 1831 1840 — 

Moyennes . 1805 1816 1831 1839 1864 
Enfin un troisifeme tableau donne les variations 
de la chaleur de Tair dans les trois mois d'6t6. 

Maximum Minimum Maximnm Minimum Maximum 

Munich . . — -- 1830 — 1873 

Genfeve . . — — — 1843 1867 

Milan . . 1803 1817 1828 1840 — 

Moyennes . 1803 1817 1829 1841 1870 

En regard de ces variations de la tempörature, 

Lang place les variations des glaciers qu'il admet, 

d'apresHeim, comme pouvant se g6n6raliser comme suit: 

Augmentation des glaciers 1811 — 1822 

Diminution „ ^ 1822—1840 

Augmentation „ „ 1840 — 1855 

Diminution „ „ 1855—1880 



^) Je donne ici les dates de Qen^ve calculees comme 
ceUea de M. Langf d'apres les moyennes quinquennales. 

^) Dans cette ligne je donne la date moyenne des chiffres 
du tableaa ci-dessas. 



364 F.'Ä. Forel 

En r^sum^ de son travail M. Lang arrive aux 
conclusions suivantes, que je traduis textuellement: 

l<>.LeB moyennes annuelles des chutes d'eau reunies 
en p6riodes prolong^es montrent au nord et au sud 
des Alpes une marche parallele; d'oü Ton peut con- 
clure avec probabilit6 k une marche analogue dans 
la r^gion des Alpes situ6e entre ces stations. 

2^ Les variations des chutes d'eau montrent un 
parall61isme complet avec les variations des glaciers. 
Une Periode riche en pluie est suivie d'un accroisse- 
ment des glaciers; une periode pauvre en pluie est 
suivie d'une diminution des glaciers. 

3^ Le temps qui s'ecoule entre le maximum des 
pluies et celui des glaciers est plus consid6rable que 
celui qui s^pare les minimums de pluie et les mini- 
mums des glaciers. 

4:^ Du fait que les variations des glaciers mon- 
treraient un parall61isme avec les variations des taches 
solaires^) (Fritz), il rösulterait que les variations de 
la pluie correspondraient aussi k la p6riodicite des 
taches solaires, les maximums des deux p^riodes 6tant 
simultanes. 

5** Les periodes de faible chaleur de Tatmosph^re 
(moyenne annuelle) sont suivies de periodes d^augmen- 



Je me permets de mettre un poiot d'mterrogation 
k cette conclusion du professeur Fritz, de Zürich. Je n'»i 
jamais pu reconnattre trace, dans les glaciers, d*une Periode 
de 11 ans analogue k celle des taches solaires. Les variations 
des glaciers sont de p6riodicite irr^guliere et beaucoup plus 
prolongee. 



Les Variation» periodiques des glaciers des Alpes, 365 

tation des glaciers ; les p6riodes de forte chaleur pr^- 
cMent les p6riodes de diminution des glaciers. 

ß^ Les m^mes relatioos se reconnaissent , mais 
d'une mani^re moins pr6cise, qnand, au lieu de la 
chaleur moyenne de rannte, Ton ne fait entrer en 
compte que la chaleur des mois d'6t6. 

7^ La p6riodicit^ de la chaleur a moins d'influence 
siu: les variations glaciaires que la p6riodicit6 des 
pluies. 

Oes conclusions de Lang se basent essentiellement 
siu* les rapports de simultan 6it6 ou de succession entre 
les variations de la temp6rature et Celles des glaciers ; 
la d^termination exacte des 6poques des variations 
glaciaires est donc d'importance capitale dans une 
6tude de ce genre. Y a-t-il moyen de trouver, dans 
les dates recueillies par nos six premiers rapports, les 
Moments d'une teile d6termination ? Ce travail est 
difficile, et sauf certaines p^riodes n'arrive qu'ä des 
r^sultats incertains. 

En effet, les allures des glaciers ne sont ni simul- 
tan^es, ni paralleles; il y a tr^s rarement unanimit6 
dans le sens de la Variation; le plus souvent dans 
la m^me chaine, dans le m§me groupe de montagnes, 
quelques glaciers s'accroissent pendant que d'autres 
diminuent. Suivant que Fobservateur aura 6tudi6 teile 
ou teile vall6e, son jugement sur l'^tat de la periode 
sera fort diflf6rent. C*est ainsi qu'actuellement la plu- 
part des glaciers du Mont-Blanc et quelques-uns de 
ceux du Valais et de TOberland bemois sont en ac- 
croissement, tandis que ceux des Alpes de Glaris, la 
plupart des glaciers des Grisons, et tous ceux des 



366 F,-A. Foreh 

Alpes autrichiennes sont en diminution. II y a eu 
dans notre si^cle deux periodes de Variation bien 
marqu^e et plus on moins unanime: la p^riode de 
croissance de 1815 ä 1818, dans laqnelle tons las 
glaciers connus, k Texception du Leiterkees^) (massif 
du Glöckner), 6taient en allongement et atteignaient 
leurs dimensions maximales ; et la grande periode de 
retraite de 1850 k 1880, dans laquelle tous les gla- 
ciers des Alpes se sont mis en diminution les uns 
apr^s les autres, tellement que de 1871 k 1875 od 
ne connalt pas un seul glacier qui füt alors en allonge- 
ment; cette Periode est actuellement en train d'etre 
remplacee par une periode d'accroissement, car depm» 
1875 nous avons not6 une quarantaine de glaciers 
qui les uns apr6s les autres ont recommenc^ k s'agrandir. 

Mais dans ce grand espace de temps qui s6pare 
1820 de 1860 ou 1870, quelles ont 6t6 les allurea 
des glaciers? C'est fort difficile k dire. 

Voici comment j'essaierai d'apporter un peu plu8 
de pr^cision dans cette 6tude: 

J'ai recueilli dans mes rapports successifs des don- 
n6es plus ou moins exactes sur les variations d'une 
centaine de glaciers. Je supposerai ces donn^es justes 
et j'6tablirai en tableau la proportion relative des 
glaciers en voie d'allongement et en voie de retraite. 
Ce tableau est tr6s loin d^offrir une certitude absolue; 
les observations sur lesquelles je me fonde sont tre» 
in6galement authentiques ; puis elles se rapportent i 
un beaucoup trop petit nombre de glaciers. Je n'ai 



^) V* rapport. 



Les variations periodiques des glaciers des Alpes. 367 

pas compt6 moins de 780 glaciers enum^r^s dans le 
catalogue de Siegfried, pour le territoire de la Suisse 
seule, et ce nombre doit ^tre au moins doublt pour 
rensemble des Alpes suisses, autrichienDes, italiennes 
et frangaises. Notre statistique ne se rapporte donc 
qa'au ^/i5 an plus des glaciers, par des donn6es plus 
ou moins authentiques, Pour beaucoup de ces glaciers 
aussi, las notices que nous poss6don8 ne se rapportent 
qu'ä une faible partie du si^cle actuel. U nous manque 
presque entierement les observations sur les premiöres 
ann6es du siecle. Mais encore, tout en d^plorant cette 
insuffisauce des mat^riaux, cette s^rie est ce que nous 
pouvons avoir de mieux dans T^tude de la question» 

Voici les r6sultats numöriques de ce tableau, stabil 
de 5 en 5 ans, de 1800 k 1885, pour Tensemble des 
Alpes. Dans la demi^re colonne je donne lapropoition 
cent^simale des glaciers en voie d'allongement. 

Proportion cent^simal» 

des glaciers en 

allongement. 

88 
92 
93 
95 
61 
33 
28 
45 
48 
67 
57 



PfUhJfelflA 


Glaciers en 


Glaciers en 


CpM)«*« 


accroissement. 


dlminution. 


1800 


7 


1 


1805 


13 


1 


1810 


15 


1 


1815 


20 


1 


1820 


14 


9 


1825 


6 


12 


1830 


5 


13 


1835 


9 


11 


1840 


13 


14 


1845 


22 


11 


1850 


25 


19 



868 F.-A Farel. 

Giaciersen Glacien en Proporti«i centfti«il» 

tpoque. j. . .. desglaaersen 

ac€roissement. diminution. aHongemeirt. 

1855 23 24 49 

1860 10 47 18 

1865 4 56 7 

1870 2 66 3 

1875 1 72 1 

1880 19 57 25 

1885 33 43 43 

Je puis traduire ce tableau de trois mani^res: 

1° Nou8 reconnaissons quatre p^riodes suivant que 
la majorit6 est acquise aux glaciers en aceroissement 
ou aux glaciers en diminution: 
de 1800 (?) k 1820 pr6dominance des glaciers en 

allongement, 
de 1825 k 1840 pr6dominance des glaciers en diminutioii^ 
de 1845 k 1850 pr6dominance des glaciers en aceroisse- 
ment, 
de 1855 k 1885 pr6dominance des glaciers en diminutioD. 

2^ Nous reconnaissons cinq p^riodes suivant qne 
la Proportion relative des glaciers en aceroissement 
augmente ou diminue: 

de 1800 k 1815 la proportion relative augmente, 

diminue, 
augmente, 
diminue, 
augmente. 

3^ Nous d^terminons des ^poques de maximnm 
ou de minimum dans la proportion relative des gla- 
ciers en voie d'accroissement : 



«ü xv^xt/ «. xv^crv, „ 


n 


7) 


de 1830 k 1845 „ 


r 


77 


de 1845 k 1875 „ 


7) 


77 


de 1875 k 1885 „ 


n 


77 



Les variations periodiqms des glaciers des Alpes, 3 69 



1800 


(?) 


epoque 


de 


minimum 


par 


88 o;o 


1815 




n 


n 


maximum 


n 


95 % 


1830 




V 


n 


minimum 


n 


28 «/o 


1845 




7) 


n 


maximum 


n 


67 0;o 


1875 




n 


1) 


minimum 


n 


1^0 


1885 


(?) 


7) 


71 


maximum 


n 


43 <>;o 



De ces trois interpr^tations, la seconde me parait 
la meilleure, et, en la combinant avec la troisieme, 
on a, k mon avis, Fexpression la plus probable des 
variations glaciaires dans ce sifecle. Je r^p^te encore 
ici les r6serves necessaires, au sujet de l'insuffisance 
des documents, surtout dans le commencement du siecle. 

Ces resultats diflf^rent-ils notablement du tableau 
de Heim? En quoi diffferent-ils ? Je mettrai les deux 
tableaux en pr6sence. 

Variations glaciaires du XIX^ siecle. 

A. Heim. F.-A. Forel. 

Periode d'accroissement 1811—1822 1800—1815 
^ de diminution 1822—1840 1815-1830 
„ d'accroissement 1840—1855 1830-1845 
„ de diminution 1855—1880 1845—1875 
j^ d'accroissement — 1875 — (?) 

Les allures g6n6rales de la p6riodicit6, telles que 
je les trouve par ce proc6d6, sont donc les m^mes 
que Celles de Heim. Nous trouvons le meme nombre 
de p^riodes. Mais les miennes sont en g^neral notable- 
ment en avance sur Celles de mon coll^gue de Zürich.^) 

*) Mon proc^de de calcul, ne faisant intervenir que Tetat 
des glaciers de 5 cd 5 ans, deplace en les avanQant les 

24 



370 F.'A, Farel 

Quel sera Teffet de ce d^plaeement des p^riode» 
des glaciers dans la eomparaison avec les p^riode& 
de la temp^rature ? 8aiw pousser cette 6tude phs loin 
que la pr^cision peu cMtaiae des donnees ne )e pennet^ 
je donnerai dans le graphtque suivant les trois seriea 
principales : 

!• Les variatioiis des glaciers telles que je viena 
de les ätabiir. 

2^ Les yariations de la pInie d^apr^s Lang en 
prenant, ponr les ^poqaes de maximnm et deininimam^ 
les moyennes que j'ai indiqn^es ci-dessas. 

3° Les variations de la chaleur de l'air (moyenne 
annuelle) d'apr^s Lang. 



6poque8 des maximums et des minimams : ainsi la fln de la 
premiere periode est probablement vers 1818 ou 1819 et non 
pas CD 1815 comme le donnent mes chiffres. Cette incerti- 
tnde de la mSthode s^ajoute donc ici ä rincertitade de Tobser- 
yation, qai arrive raremeot ä pröciser ä quelques ann^es pres 
la date exacte des oMumeneementt et fins de pdriodes. -* 
ToKJoars est-il qu'il est fort interessant de constater la eoin- 
cidence süffisante da tablean de Heim, bas^ sur nne impression 
g^n^rale, et du mien, fond^ sur une statistfque aussi preise 
qne le permet la paimn^t^ dM documMt» ea aotre possesaioD. 



Les variations periodiques des glaciers des Alpes, 371 



Variations periodiques du XIX* siede. 



Epoqnes. 
1800 

1805 

1810 

1815 

1820 

1825 

1830 

1835 

1840 

1845 

1850 

1855 

1860 

1865 

1870 

1875 

1880 

1885 



Glaciers. 



1815 



18S0 



1845 



1875 



Pinie. Chaleur de l'air* 



1808 



1811 



1818 



1888 



1881 



11888 



18 48 



18881 



188i 



372 F.-Ä, Forel 

L'6tude de ce tableau confirme dans leurs grands 
traits les conclusions de M. Lang. Mais en me bas^ut 
sur les r^serves motivees que j'ai faites au sujet de 
rincertitude des observations glaciaires, je demande 
la permission d'attenuer la pr6cision de ces conclusions 
et je rösumerai comme suit mes impressions ä ce 8ujet: 

1° Les principaux facteurs de la temperature, 
pluie et chaleur de l'air, sont soumis ä des variations 
de longue p6riodicit6 dont les allures sont analogues 
ä Celles des variations glaciaires. 

2° II parait y avoir des relations entre les periodes 
d'accroissement des glaciers et les p6riodes k tem- 
peratare pluvieuse et froide, entre les periodes de 
diminution des glaciers et les periodes k temp^rature 
s^che et chaude. 

3° Les series d'observations meteorologiques semblent 
süffisantes pour faire connaitre les variations gen^rales 
de la temp6rature dans les Alpes. 

4° II y a insuffisance d^observations pour ce qui 
conceme l'^tude des variations glaciaires. Lesmateriaux 
connus ne permettent que dans quelques cas, trop 
peu nombreux, de döterminer les periodes d^accroisse- 
ment ou de diminution des glaciers. II y a lieu de pour- 
suivre, pendant longtemps encore et avec un redouble- 
ment d'attention, les recherches sur ce sujet. 

§ XXIY. Les variations des glaciers des Alpes pendant 
l'aanee 1885 et les ann^es precedentes« 

I. BASSIN DU RHONE. 

Vall6e de Conches. D'apr^s les ^tudes de M.L.Held, 
Ting^nieur du Bureau topographique föderal charg^ de 



Les variations periodiques des glaciers des Alpes, 373 

la mensuration du glacier du Rhone, celui-ci a con- 
tinue ä diminuer k son extr6mit6 införieure, et cela 
dans les proportions suivantes: 

1882—83 11400°»2 ^^ diminution sur le front. 
1883-84 13 850 „ „ „ „ „ „ 

1884-85 5 675„ „ „ ^ ^ „ 

Depuis deux ans, M. Held a reconnu que sur un 
point le glacier gagne du terrain ; c'est dans une vaste 
echancrure par laquelle sortait autrefois le torrent 
du Rhone, echancrure qui se comble successivement. 
Cette annee, la superficie sur laquelle le glacier s'est 
ainsi avanc6 mesure 1650™^. Au point du plus grand 
recul, M. Held a constate 32™ de retraite; au point 
du plus grand allongement, 21 "* d'avancement. 

Dans notre rapport de l'annee derni^re, nous avions 
Signale une augmentation notable d'6paisseur, en 
1882 — 83, sur sept des huit profils mesur^s. En 
1883 — 84 et 1884 — 85, cet epaississement n'a pas 
continue; au contraire, une diminution sensible est 
Evidente. 

Voici les chiffres de M. Held, indiquant la Varia- 
tion moyenne d'epaisseur des divers profils: 

Profil. 1882-83. 1883-84. 1884-85. 1882-85. 

m. m. m. m. 

noir —2,7—0,8 — — 3,5 

vert +0,7—1,4-3,5—4,2 

jaune -j- 1,8 — 0,6 — 1,3 — 0,1 

rouge 4-2,4—0,4—1,8 +0,2 

inferieur, n6v6 du Thäli + 1,9 — 0,9 — 1,4 — 0,4 

„ grand nev6 . +3,0 —1,6 —1,1 +0,3 

sup^rieur, nev6 du Thäli + 2,0 — 0,6 — 1,2 + 0,2 

„ grand nev6 . + 3?^ — 2,0 — 1,5 — 0,5 



S74 F.-A, Fareh 

D'apr^s cela, Ton doit consid^rer le glacier du 
Rhdne comme 6tant encore eo diminution, mais comme 
approchant de T^tat stationnaire ; la p^riode d'aug- 
mentation n'a pae encore commence. 

Valläe de Fiesch. Le glacier de Fiesch est en 
allongement (A. de Torrentö de Sion); le minimum 
aurait donc eu liea vers 1884. 

Vall^e de l'AvetifOtl. Les trois glaciers de la vallee, 
Paneyrossaz y Plan-neve et les Martinets^ Bont en- 
core en diminution en 1885 (Ph. Marlettaz, goide a«x 
Plans de Freni^res). 

Vail^e de Saas. Glacier d'Allalin, ^En aoüt 1865, 
Je glacier traversait la vall^ et remontait de l'autre 
cot6, de Sorte que le chemin se trouvant absolument 
coup6, il fallait gravir le yersant de la cote et re- 
descendre sur le glacier pour poursuivre la route ; oa 
cötoyait un lac que le glacier a forme en barrant la 
Vifege et qui n'a d'6coulement que sous le glacier lui- 
meme. 

„En septembre 1879, le lac 6tait toujours barre; 
des giacons m^me j flottaient; mais le canal d'^coule- 
ment, passant sous le glacier, ressortait bientot aar 
fion flaue, et non sur son front; en outre, le sentier, 
qui s'61evait encore un peu, 6tait apparent, et Ton 
n'6tait pas oblig6 de gravir sur la cote de la mon- 
tagne." (Ch. Durier, de Paris, V. P. du C. A. F.) 

Glaciers de Fee. Glacier supMeur en rapide 
allongement; glacier inferieur de memo. En 1885, 
son front s'est a!long6 de 96 " depuis la marque falte 
en 1883 par M. V. Morax, de Morges (Kavier et Em- 
manuel Imseng, guides, k Fee). 



Les variations periocUques des glaciers des Alpes, 876 

M. Ch. Darier confiime le fait d'un raccourcisse- 
rnent «onaid^able des gkciers de Fee de 1865 k 1879. 

Glacier de Hodibalm. £d allongement en 1885 
(X. et E. Imseog). 

Vall^e de St-Nicolas« L'allongement du glacier du 
Gorner depuis 1883 est confirmö par MM. Alexandre 
Seiler de Zermatt et A. de Torrent6. Celui-ci ^value 
eet allongement ä i— 5*°. 

M. X. Imfeld, iDgäniear, estime que depuis 3-*-4: 
ans le glacier n'a gu^re ehang^, tantdt avan^ant, tan- 
t5t reeulant de quelquee dix m^tres. IIb serait dans 
r^tat atatiounaire (commimieation de M. Alph. Favre, 
de Gen^ve). 

D'apr^ le guide Mooser, de Zermatt, sur l'^paule 
du Cervin, le petit glacier tr^s incllD^ qu'il fallait 
traverser pour faire rasceDcion du c5t6 de Zermatt, 
a compl^tement dispam (communication de M. A. Barbey, 
de Lausanne). 

Vall6e d'IMren$. Le glacier ö!Arolla est actuelle- 
ment en allongement (Ant. de Torrent6). 

,,La partie Införieure du glacier d'Arolla est en- 
ti^rement recouverte de mat^riaux (gneiss d'Aroila et 
porphyre) venant du Mont-Colon; eile est en recul 
jusqu'ä et y compris V^t^ de 1885. Mais le glacier, 
au lieu de se terminer en pente douce, au niveau du 
sol, comme autrefois, se termiue par un dos d'une 
pente raide, dans leqael une voüte s'est creus6e en 
aoüt 1885. Cette augmentation d'6pais«eur est tr^s 
manifeste k la base de la chute des s^racs du Vttibez, 
Les guides de Mauvoisin ont confirm^ ce changement 
dans l'aspect du glacier. 8ur le haut du glacier, noufi 



376 F.-A, Forel. 

avons trouv6 des squelettes de g^nisses ; autrefois les 
Italiens venaient chercher du b^tail et le ramenaient 
en passant par le glacier, ee qui prouve qu'alors Tex- 
tremite inferieure se terminait en pente douce du c6t6 
de la vall^e.'^ (Ad. Tschumi, de Gen^ve.) 

Le glacier de Piece ou Torgnon reste stationnaire 
d'aprfes M. A. de Torrent6. — D'apres M. Tschumi, il 
avancerait; seulement cela est difficile k constater, en 
raison de la natare du sol form6 par des rochers ab- 
rupts. Les preuves de Taccroissement de ce glacier 
sont: 1° On le voit aujourd'hui des chambres de 
rhötel du Mont-Colon, ce qui n'ötait pas le cas il y 
a quelques annees. 2^ Autrefois les guides, pour aller 
ä la Cime de TEveque, passaient par un sentier bien 
marqu6 sur la gauche du glacier; en revenant de 
l'Eveque, M. Tschumi tenta ce sentier ; mais il y ren- 
contra de grandes difficult^s; tout 6tait recouvert de 
glace et envahi par le glacier; plus bas seulement, 
il retrouva les traces bien marqu^es du chemin 
(A. Tschumi). 

Le glacier de Zigiorenove est en aceroissement 
rapide depuis 1879. MM. A. Kündig et A. Tschumi, 
de Gen^ve, Font etudi6 avec soin en 1885, et ont 
6tabli des rep^res pour permettre une Observation 
ulterieure (s'adresser au guide Joseph Quinodoz, i 
l'hotel du Mont-Colon). D'aprös une mesure exaete, 
prise par M. Tschumi, de 1880 ä 1885 le glacier 
s'est allongö de 323™, soit de 64™ en moyenne par 
an. Le glacier montre des signes ^vidents de grande 
activit6, moraines soulevöes et repouss^es, sol labour^ 
comme avec un soc de charrue, etc. 



Les variations periodiqiies des glaciers des Alpes. 377 

Glaciers de la Roussette, des Ignes et des Aiguilles 
rouges ; de ces trois glaciers, les deux premiers sont 
encore en diminution en 1885; le troisiöme, qui a 
formö une Enorme moraine terminale, s'avance au- 
dessus de cette moraine, en refoulant les blocs qu'il 
a antrefois d6pos6s. Ce glacier est done en allonge- 
ment (A. Tchumi).! 

Vall^e d'Häremence. Le glacier de Seiion ou 
Durand est encore en diminution (A. de Torrent6)* 

Vallie de Bagnes. Le glacier de Getroz avance; 
les chutes de glace sont nombreuses; les paysans 
disent „qu'on entend la canonnade" (A. de Torrent6). 

Val Ferret d'Orsieres. Le glacier de Saleinaz 
s'est consid6rablement enfonc6 ; les cols sont, par suite 
de cela, relativement plus 61ev6s, en particulier celui 
de Chardonney. II doit en etre de meme des glaciers 
du Dolent et de la Neuvaz (A. Barbey, de Lausanne). 

Glacier d^Orny. Les blocs rep6r6s par M. Barbey 
ont 6te refoul6s par le glacier depuis juin 1884 au. 
printemps de 1885, indiquant un allongement de 1,6 ™» 
Le 13 juillet 1885, il y avait cependant un rac- 
courcissement temporaire de 7 ™, indiquant une fusion 
enorme pendant le commencement de r6t6 (A. Barbey). 

Valläe du Trient. Le glacier du Trient augmente 
dans toutes ses dimensions ; dans sa partie inf^rieure,. 
8on allongement depuis 1884 est de plus de 12 "» 
(J. Guex, de Vevey). Dans la partie sup^rieure, il y 
a, au contraire, affaissement ; le plateau sup6rieur 
forme une cuvette beaucoup plus profonde en 1885 
que dans les ann6es pr6c6dentes (A. Barbey). 



378 F.'Ä. Ford. 

Glacier des Grands. II a avanc6 de 1S84 ä 1885 
de 3 °^ environ aar son front ; la moraine laterale s'est 
^boul6e sur le glacier^ sous la pression paisBaate de 
ia masse en mouvement. L'^paissenr da glacier augniente 
4ias8i notablement (F. Doge, de la Tour de Peilz). 

D'apr^s M. A. Wagnon, de Morges, les neiges 
^taient encore abondantes a la fiy de joillet dans la 
vall6e de Salanfe et du c6t6 du Col de Balme, 
Mais en aoät la fönte a ^t6 tr^s active ; les n6m da 
Buet avaient 6norm6ment diminu6; jamais M.Wagnon 
ne les a vus aussi reduits. De meme sur le Fonla- 
7iahran au-dessus d'Emaney. 

Vall^e de I'Arve (notes de M. Venance Payot, de 
€hamonix). Le glacier du Tour s'est consid6rable- 
inent allong^ depuis 1884, au moins de 30"; ü 
Augmente aussi en ^paisseur. 

Glacier d'Jrgff?nfieres. AUongement de 15", du 
14 octobre 1884 au 18 octobre 1885. 

Glacier des Bot's. En diminution marqu^ dans s« 
partie införieure ; il augmente en revanche d'epaisscttr 
dans la r6gion sup^rieure, vers le Tacul. 

Glacier des Bossons est en allongement: 
du 13 octobre 1884 au 26 mai 1885 + 37« 
du 26 mai 1885 au 9 juin 1885 +1^" 

du 9 juin 1885 au 24 octobre 1885 -j- 12,15 ■. 

En fiomme, du 8 octobre 1883 au 24 octobre 1885, 
109 m d'allongement (V. Payot). 

M. L. Soret, de Genöve, eetime k 160 » Fallong«- 
ment depuis le commenoement de la periode aetaelk 
d'accroissement. ^) 

1) Arch. de Geneve, XIV, 567. 1885. 



Les variations periodiques des glaciers des Alpes. 379 

Vali§e de ri$ere. Le glacier de la Vanoise ^tait 
€0 diminution de 1883 ä 1885 (Achille Hiunbert, de 
Gen^ve). 

D'aprös M. Ch. Lory, de Grenoble, il y aurait un 
developpement ezceptionnel dans l'et^ de 1885 des 
giaciers et n6v68 du massif du MonUCenis , et des 
Alpes entre la Maurienne et Tltalie, vers les sources 
de FArc. 

IL BASSIN DE L'AAR. 

Oberland bernois. D'api^s M. le pasteur Baum- 
^rtner, de Brienjz, les neiges ont consid^rablement 
fondu dans T^tö de 1885. Le glacier du Dossenhorn 
est tr^s notablement affaiss6, et le n^v^ y a diminu^. 
La pUteforme sur laquelle etait bätie la Dossenhtttte, 
ayant son transfert de Tannöe derniere, ^tait libre de 
neiges en aoüt 1885. Les n^ves de la region sont 
moins 61ev68, et les glaciers beaucoup plus d6couverts 
et d6chir^s que les ann^es pr^c^dentes. 

Le Glacier bleu entre le Schwarzhorn et le Wild- 
gerst, chaine du Faulhorn, est tellement r^duit qu'en 
1885 M. Baumgartner put monter au Schwarzhorn 
Bans mettre le pied sur la glace, tandis qu'en 1883 
il avait eu beaucoup de peine ä traverser le n6v^ 
glace. 

Les glaciers suspendus aux flaues du Wetterhorn 
et du Schreckhorn ont consid^rablement diminu^. 

D'apr^s un rapport du guide Johann von Bergen, 
de Meiringen, dans une ascension de 1885 au Schreck- 
horn, il n'eut qu'une douzaine de marches k tailler 
dans la glace (H. Baumgartner). 



380 F.-Ä. Foreh 

Le glacier de Rosenlaxi'i est en alloogement ra- 
pide dans son extremite inferieure (V® Rapport), üne 
note de M. Ed. Gerwer, de Thoune, qui l'a Studie 
dans sa r6gion moyenne, au pied du Dossenhorn, nous 
apprend qu'il a constat6, en aoüt 1885, un accroisse- 
ment notable de T^paisseur et de la largeur ^u 
glacier. üne moraine laterale de recente construction 
s'elöve ä 2 ou 3 mfetres de hauteur. 

Vall6e de Gessenay. Glacier de Zanfleuron. DV 
prfes des repferes de 1884, visites en 1885, le glacier 
est en recul ; le raccourcissement est en moyenne de 
12,1™. Autrefois le glacier avait son principal ecoule- 
ment dans la Sarine, dont il formait la source; ac- 
tuellement les ®/io de son eau se dirigent dans le 
petit lac ä la cote de 1270 ™ (voir la carte au 1 : 50,000) 
et de \k dans la Morge, du cote du Valais. C'est 
donc une deviation des eaux, au profit du Rhone et 
au detriment du Rhin, qui est occasionnee par la re- 
traite extreme du glacier de Zanfleuron (H. Pittier, de 
Chäteau-d^Oex). 

III. BASSIN DE LA REUSS. 

Vall^e de Maderan. D'apres les mesures de 
M. Krayer-Ramsperger , de Bäle, les variations sni- 
vantes ont ete constat^es: 

Glacier de Brunni, 

m. 

Rive gauche, raccourcissement — 10,5 

Rive droite, „ — 8 

Voüte du torrent, hauteur 7. 



I 



Les variations pertodiques des glaciers des Alpes, 381 

Glacier de Hüfi. 

m. 

Rive gauche, raccourcissement — 39 

Rive droite, ^ — 42 

Voüte du torrent, hauteur 15. 

D'apres M. A. Heim, de Zürich, le glacier de HUfi 
-est extremement d6chir6 et difficile k traverser, en 
raison de sa grande diminution d'^paisseur. 

Massif du St-Gothard. Les n6v6s sont r^duits, 
jusqu'ä etre m^connaissables pour celui qui ne les a 
pas vus depuis 1882 ou 1883. On pouvait en 1885 
monter au Pizzo Ceiitrale sans mettre le pied sur la 
neige (A. Heim). 

IV. BASSIN DE LA LINTH. 

„Le Eiferten et le Sandgletscher sont encore en 
retraite ä la fin de 1884. Le glacier de Eiferten est 
fort d^chire et affaiss^. 

„Les n6v6s du Toedi, des Clarides et du Scheer- 
horn sont plus petits que je ne les ai jamais vus; 
au lieu d'etre recouverts d'une neige blanche et 
fraiche, ils sont salis et ont toute l'apparence de 
vieilles neiges." (A. Heim.) 



V. BASSIN DU RHIN. 

Vall^e du Rhin postörieur. Le glacier de Gliems, 
au 8ud du Toedi, est fortement raccourci depuis 1881 
(A. Heim). 



382 F.'A. Forel. 

VI. BASSIN DE L'ENN. 

M. le professeur Ed. Richter, de Salzbourg, ^) a 
Visits en 1883 les glaciers du massif de l'Oetzthal^ 
et il en a etudi6 les variations en se basant sur les 
ötudes anterieures des Schlagintweit (1847 — 48), de 
Sonklar (1856), et de la carte topographique (1870). 
Voici le r^sumö de ses observations : 

Pitzthal. Mittelberggletscher. II a recul6 enorm6- 
ment: 

de 1856 ä 1870 162,5% soit par an 11,6- 
de 1870 ä 1883 717,5% soit par an 55,2". 

La retraite a commence vers 1859. 

La moraine laterale de droite, k 500 ™ au-dessu* 
de rextr6mit6 du glacier, montre qu'en ce point le 
glacier a diminu^ d'environ 90 "> d'^paisseur depnift 
la derniöre p^riode de maximum. 

Glacier de Taschach, Le commencement d« l& 
Periode de reftraite est peu certain ; M. Richter !e 
rapporte approximativement vers 1856. 

De 1856 ä 1878 racoourcissement 253«, boü par 
an 16»; 

d« 1878 k 1883 raccourcisöemeiit 137% soft pir 
an 27,4»; 

afifaissement du glacier 50 k 60°*. 

Glacier de Sechsegerten, en retraite en 1883 de 
170™ sur la moraine frontale. 

Oetzthai. Vema^t, La demi^re p6riode de maxi- 
mum de ce glacier aux allures Stranges date de 1848; 
k cette ^poque, il venait battre la Zw^rchwand. Pe- 



1) Zeitschrift des D. u. Oe. A. V., 1886. 



Les variations periodiques des glaciers des Alpes. 383 

pms lors, il s'est retir6 tr6s haut dans la vall^e; il 
etAit en 1883 k 2092» de la moraine frontale. Son 
extremit6 terminale, qui, en 1848, 6tait k la cote 
2120™, s'est relevee de S60". La superficie mise k 
nu par la retraite de la glace est de 157,8 hectares,. 
plus de l^k kilomfetre earr6. C'est la plus forte 
diminution connue dans un glacier des Alpes. 

Hintereis. Ce glacier s'est peu raccourei depuis; 
la demi^e ^poqiie de maximum, dont la date est in- 
connae; il a, en revaRcke, consid^rablement diminn^ 
d'^paisseur. La r^vetion de longueur n'ötait gu^re^ 
en 1883, que de 150"; celle d'^paisseur de 93". 

Hochjochgletscher a tr^s peu changö depuis 15 
ou 20 ans; il est inabordable k son extr^mit^ termi- 
nale. En 1856, il 6tait en allongement. 

Nieder Jochgletscher. Relativement aussi peu me- 
dium ; il s'est raccourei de 180" depuis le dernier 
maximum. 

Glacier de Margell et Schalf s'est peu raccourei^ 
de 72 ™ seulement; il s'est, en revanche, fort affaissö^ 
de plus de 100 " pr^s de la cabane de Sanmoar. La 
forme des moi*aines medianes et la direction dea 
courants de glace a cousid^rablement chang^ depui». 
1870. Le glacier ^tait ^i allongement en 1856. 

Le GurglfTffiet^cIier montre peu de yariation«^ 
comme le Hochjochgletscher. Son recul n'est que d^ 
150"^, son affaissement de 20 — 25 " seulement 
(E. Richter). 

ZilitrtliaL M. le D* C. Dieser, de Vienne, con- 
tinue les 6tudes sur les variations des glaciers da. 



.384 F,'A, Forel. 

Schwarzensteingrund. ^) Ces glaciers sont encore en 
diminution manifeste ; leiir raccourcissement varie sui- 
vant rannte de Tobservation : 

1881—82. 1882—83. 1883-84. 

m. m. m. 

Schwarzensteinkees . 8 2,2 12 

Hornkees 17 8 27 

Waxeckkees .... 11 5 16 

Le Schwarzensteinkees a montr6 au printemps de 
1883 un allongement temporaire, qui s'est traduit par 
r^tablissement d'une petite moraine frontale d'un m^tre 
environ de hauteur. 

La grande p6riode de retraite date de 1850 4 
1855. D'apres la hauteur et la position des moraines, 
le recul total jusqu'en 1884 a 6te de 350", la dimi- 
nution d'^paisseur de 20 k 35™, suivant les profils, 
et la perte de volume, jusqu'ä l'isohypse 2400", de 
33,7 millions de m^ 

VII. BASSIN DE LA SALZACH. 

Le D"^ A. Penck ^) Signale T^tat de r^duction de 
trois petits glaciers, VUebergossene Alm, le Blaueis 
et VEiskapelle de St-Bartholomce ; il note aussi U 
disparition de nombreuses fiaques de neige et de nev^s, 
en particulier sur le versant oriental du Steinberg pr^s 
de Ramsau. 



1) Zeitschrift des D. u. Oe. A. V., XVI, 66. 1885. 
') Das Land Berchtesgaden. Zeitscbr. des D. u. Oe. A. V., 
XVI, 217. 1885. 



Les variations periodiqties des gladers des Alpes. 385 

VIII. BASSIN DE LA DRAVE. 
MSIIthal. M. F. Seeland, de Klagenfurt, paursuit 
868 observatioDB snr le glacier de Pasterzen, lequel 
eontmae k d^crottre^). La moyenne de la diminution 
d'^aisseur anx qtiatre rep^res 6tadi6s a 6t^: 
de 1879 k 1880 — 8,05°» 

„ 1880 „ 1881 — 6,37"» 

„ 1881 „ 1882 — 7,60°» 

„ 1882 „ 1883 — 2,14°» 

„ 1883 yj 1884 — 2,54°» 

IX. BASSIN DE L'ADDA. 

Massif de rOrtler. Les glaeiers dn versant nord 
de V Ortler ont subi dans V^t6 de 1885 une diminu- 
tion extraordinaire qu'on peut 6valuer k 40"» en rac- 
courcissement et ä 1" de diminution d'epaisseur. 

Sur le versant sud, d'apr^ les guides, Taffaisse- 
ment est au moins de 3 J» (C. Gobbi, de Stelvio). 

X. BASSIN DU PO. 

Vall6e de Cogne. „Dans le groupe du Grand- 
Paradis, les glaeiers de la Trihulation et de Gran- 
crou ont continue raccroissement signal6 Tannöe der- 
ni^re. En 1883, la distance qui les s^parait etait 
6valu6e k 800 °»; en 1885, ils se sont reunis par leurs 
extremites terminales. 

„Le glacier de Money continue k se raccourcir, 
d'au moins 40 °» depuis 1883. 

„Cette diff^rence d'allures est due k la diflference 



*) Zeitschr. des D. u. Oe. A. V., XVI, 79. 1885. 

25 



386 F.'A. ForeL 

d'orientation, les deui premiers de ces glaciers 6tant 
tourn^s vers le sud, le troisi^me vers Tonest ; pnis i 
la nature de leurs nev6s de r^ception, lesquels sont 
unis et considörables pour les premiers et acciclent6 
pour celui de Money." (D'. Fr. Virgilio, de Turin.) 

XI. RlfcSüME. 

En r6capitulant les notes ci-dessus, pour la chaine 
enti^re des Alpes, nous n'avons cette ann6e qu'ä con- 
firmer la reprise successive de la periode d'allonge- 
ment de bon nombre de glaciers des Alpes occiden- 
tales et la coütinuation de la p6riode de diminntion 
pour Tensemble des glaciers des Alpes orientales. 

Les seuls glaciers que nous ayons k ajonter ä la 
liste de 34 glaciers en voie d'allongement, doim6e 
rannte demi^re, sont: 

Groupe du Mont-Blanc, Glacier du Tour. Mini- 
mum probable 1884 (V. Payot). 

Grroupe du Moni-Colon, Glacier des Aigoilles 

rouges. Minimum 1884 (Ad. Tschumi). 

Groupe du Finster aarhorn, Glacier de Fiesch. 
Minimum 1884 (Ant. de Torrente). 

Ce qui porte ä 37 le nombre des glaciers actuelle- 

ment en p6riode d'augmentation constatee. 

§ XXY. Ulaciers des Pjrenees. 

D'aprös une communication du comte Henry Russell, 
ä Pau, il y aurait eu dans r6t6 de 1885 une grande 
accumulation de neiges dans les Pyrönees, en paili- 
culier au haut du glacier de Vignemale.j oü Tenneige- 



Les vartations periodiques des glaciers des Alpes. 387 

ment progressif serait tr6B Evident; le n6v6 s'y est 
8ur6lev6 de 2™ envirbn. 

Le glacier du Taillon (cirque de Gavarnie), visitö 
par M. Rüssel en 1871 et en 1885, a tellement chang6 
pendant eette p^riode qu'il est möconnaissable. Sur 
une superficie totale de 14 hectares, il en a perdu au 
moins le tiers. Son front s'est relev6 en altitude 
d'environ 300 " ; le glacier est distant de ses moraines 
laterales de 100 ä 120 ™. II s'est considörablement 
affaiss6 (H. Russell). 

§ XXFI. Glaciers de l^orrege. 

J'extrais d'une lettre de M. Ch. Rabot, de Paris, 
dat^e de Vardö, ocean glacial du nord, 8 aoüt 1885, 
les d^tails suivants: 

Le glacier qui descend du Swartisen dans le 
HolandsQord prös du gaard de Fonddal a 6t6 visit6 
par M. Rabot en 1883 et en 1885. Apr6s une Pe- 
riode d'allongement dans laquelle le glacier avait 
avanc6 d'une centaine de metres, il a commenc6 k 
reculer vers 1880 ou 1881. De 1883 k 1885 il a 
diminu6 d'une dizaine de metres, et il s'est r^tr^ci sur 
la rive gauche de 3 ". 

Le grand glacier de Holandsfjord sl 6galement 
diminu6 depuis 1883; son front a recul6 d'environ 
5 ™, et il s'est affaissö de 3 ä 4 ™. D'aprös les mon- 
tagnards, ce glacier serait en retraite continue depuis 
une cinquantaine d'ann^es ; la longueur totale de son 
recul est de 500 k 600™. 

Voici les conclusions de mon correspondant: 



388 F.'Ä. ForeL Les variatians periodiques etc. 

^D'apr^s La position des moraines et le temoignage 
des habitantSy tons les glaciers -de la Laponie auraient 
diminae dans les dernieres decad^s. Leur mouvement 
de recol est moins prononc^ qne celai des glaciers 
des Alpes. Pour quelques glaciers seulement cette 
retraite anrait et^ interrompue, et pendaut quelques 
ann^ ces glaciers auraient avanc^; puls ils auraient 
de nouveau recul^, et ils sont eux aussi actuellement 
en retraite. Seul le glacier situ6 ä la base ouest de 
Kebnekaisse (Laponie su^doise) nous a semble en 
Progression; toutefois je n'y ai constate aacnne 
moraine frontale. — ün Lapon nous avait dit, il y a 
deux ans, qu'nn glacier des Oxlinder avait progresse. 
Ge fait doit se rapporter ä celui que nous avons 
Signale plus haut; mais cette annee les affirmations 
du meme Lapon ont ete beaucoup moins precises 4 
ce sujet; le doute est done permis.^ (Ch. Babot.) 



Bericht Ober die Vermessungsarbeiten am 
Rhonegletscher im Jahre 1885. 

Von 

/. Coaz (Section Bern), Mitglied des Gletscher-CoUegiums. 

Die Vermessungsarbeiten am Rhonegletscher wurden 
im Jahr 1885, als der X. Campagne, nach dem vom 
Gletscher-Collegiumin seiner Sitzung vom 26. Mai 1885 
genehmigten Programm, unter Anschluß einer neuen, 
größeren Einmessung, gleich vde im Vorjahr fort- 
gesetzt. Dem Leiter der Vermessungen, Herrn Ingenieur 
L. Held, wurde wieder Herr A. Ringier, Topograph, 
als Mitarbeiter beigegeben und als Gehtilfen 5 Männer 
von Oberwald verwendet. 

Die Arbeiten wurden vom 18. Aug. bis 1. Sept., 
somit während 15 Tagen, bei fast anhaltendem Nord- 
wind und unterbrochen von Schneegestöber und Regen 
ausgeführt. Gletscher und Firn wurden seit 1881 nie 
mehr so schneefrei wie letztes Jahr gefunden 5 auf 
dem Gletscher, soweit er regelmäßig jährlich aper 
wird, zeigte sich in der Spaltenbildung nichts Un- 
gewöhnliches, wogegen im Firngebiet zahlreiche neue 
Spalten zu Tage getreten sind. 



390 J. Goaz. 

Ergebnisse der Gontrolmessangen. 

i. Nivellement der Querprofile. 

Von den acht Profilen liegen sieben noch auf dem 
Gletscher und zeigen wieder eine mittlere Abnahme 
gegenüber dem Stande des Vorjahres, womit ungefähr 
der Stand von 1882 wieder erreicht ist, d. h. die Ab- 
nahme der letzten zwei Jahre hebt die Zunahme des 
Jahres 1882/83 wieder auf. Eine Ausnahme bildet 
das tiefliegende grtlne Profil, welches im Mittel um 
4°» tiefer steht als 1882. 

Das achte (unterste), schwarze Profil läuft nicht 
mehr über Eis. 

Die Längen der Profile in den Jahren 1884 und 
1885 und fei-ner die Abnahme der Eis- und FirnmaBseu 
im Profil und nach durchschnittlicher und Maximal- 
höhe sind aus folgender Zusammenstellung ersichtlich: 





Abnahme der Eis- resp. Firn- 




Länge. 


masse 1885. 


Profile. 


1885 


1884 


g 


Senkr. Höhe. 




1- 

e 


m« 


• 
kl 
• 


1 
■§ 




m. 


m. 






m. 


B. 


Grünes Profil . . 


459,2 


461,8 


361 


1618,07 


3,504 


8,5 


Gelbes Profil . . 


1161,4 


1164,4 


361 


1548,60 


1,333 


4,0 


Rothes Profil . . 


1016,0 


1019,5 


360 


1951,10 


1,824 


3^ 


Unteres Thäliprofil 


660,0 


674,8 


359 


959,9 


1,423 


*,' 


Unteres Großfirn- 










i 


profil .... 


1435,5 


1453,7 


359 


1550,8 


1,067 


2,3 


Oberes Thäliprofil 


741,2 


741,2 


358 


921,3 


1,243 7^ 


Oberes Großfirn- 














profil .... 


2562,6 


2562,6 


360 


3924,6 


1,531 


3,4 




Dte Vermessungsarbeiten am Bhonegletscher, 391 

Das untere Thäliprofil durchschnitt 1884 nur 
2 Spalten, 1885 deren 12; das untere Großfimprofil 
10 im Jahr 1884 und 21 1885 und endlich das obere 
Oroßfirnprofil 14 im Jahr 1884 und 29 im letzten 
Jahr. 

Die sehr starke Abschmelzung im Ober-Thäliprofil 
rührt ohne Zweifel von der bedeutenden Wärmeaus- 
strahlung der Felsen her. 

Am absolut höchsten Punkt des grünen Profils 
<280™ vom linken und 180™ vom rechten Ufer ent- 
fernt) beträgt die Abnahme nur 0,5 ^. Daraus ergibt 
«ich gegenüber den früheren Profillinien eine Aus- 
bauchung im größten Stromstrich. Die Messungen an 
den Abschmelzstangen des gleichen grünen Profils 
zeigen beinahe gleich große Abschmelzung (S. 395). 

2. Einmessung der Steinreihen und der Firnsignale, 

Schwarze Steinreihe, Ist schon seit 1884 ganz 
gestrandet. 

Grüne Steinreihe, Diese ist seit 1880 durch den 
Einschnitt der Rhone in zwei Hälften getheilt; 1885 
sind sämmtliche Steine der rechten Seite gestrandet. 

Bei der Einmessung am 1. September 1884 oder 
361 Tage vor derjenigen vom 28. August 1885 wurden 
8 Nummemsteine auf dem Eise gefunden, von welchen 
seither 2 Steine gestrandet sind. Die größte Bewegung 
betrug 8 ". Die Art und Größe der Eisbewegung ist 
an den vorhandenen Steinen nicht mit großer Zu- 
verlässigkeit zu constatiren, indem die Steinreihe 
größtentheils in einer Kehle liegt, durch welche viel 
Schmelzwasser abläuft, das einzelne Steine mitreißt. 



392 J. Coaz, 

Durch diese Kehle geht auch der größte Verkehr der 
den Gletscher besuchenden Fremden, welche die grtin 
angestrichenen Steine, in Unkenntniß ihres Zweckes, 
aufheben und dann wieder wegwerfeiT. 

Gelbe Steinreihe, Am 29. August 1884 wurden 
22 sichtbare Nummernsteine (43 %) eingemessen, im 
August 1885 39 Steine, 84 ®/o der 1874 gelegten 
51 Nummern. Neu aufgefunden wurden 20 Nummern, 
wovon 14 Nummern unter dem Sturz eingemessen. 
Nicht eingemessen werden konnten drei Nummern, die 
in Spalten gefallen oder in den Gletschersturz ge- 
rathen waren. Die Gesammtlänge der anfänglich 996 ■* 
messenden Reihe belief sich zur Zeit der Einmessnngen 
auf 3414 ^. 

Seit dem Jahre 1879, als die Reihe noch weit ob 
dem Sturze lag, wurden nie mehr so viele Steine auf- 
gefunden, wie dies Jahr. Dies Verhältniß wird sich 
in Zukunft noch besser gestalten, weil die Reihe 
immer mehr gegen die spaltenärmeren Ufer rückt. 

Zeichnet man in den Plan der gelben Reihen den 
Weg ein, welchen die Nummernsteine über den Sturz 
hinunter mit Wahrscheinlichkeit zurückgelegt haben, 
so ergibt sich für die letzten vier Jahre eine durch- 
schnittliche Jahresbewegung von 179" im Minimum 
und 210 "> im Maximum. 

Der großen Regelmäßigkeit der Steinbewegang 
entspricht nothwendigerweise eine solche der Eis- 
massen. Das Einstürzen der Eiswände hat die Steine 
nicht so sehr zerstreut, wie man dies glaubte an- 
nehmen zu müssen, wohl deßhalb nicht, weil die 
Steine schon ob dem Sturze in tiefen Spalten lagen. 



Die Vermessungsarbeiten am Rhonegletscher. 395 

Wir können nun mit Sicherheit sagen : das Eis bewegt 
sich in dem mittleren 300 °» breiten Stromstrich (6e- 

sammtbreite 500 ™) in 4 Jahren über den 800 ^ 

langen Eissturz. 

Rothe Steinreihe, Am 22. August 1884 wurden 
23 Nummernsteine (43 % der Gesammtzahl von 53)^ 
1885 deren 34 eingemessen; 7 Steine Jiegen unter 
Schnee, 12 in Spalten. Die anfänglich 1035 ™ lange 
Reihe hat sich bis auf 2637 ™ ausgedehnt. 

Zum ersten Male seit 1874 konnten am rechten 
Ufer einzelne Steine, die frliher immer unter Schnee 
lagen, eingemessen und damit die Curve abgeschlossen 
werden. 

Die größte eingemessene Bewegung beträgt 105 "» 
Gefall und Bewegung der Eisoberfläche sind im größten 
Stromstrich seit 1881 stätig kleiner geworden. Im 
Jahr 1886 wird die Spitze der rothen Reihe in da& 
Gebiet der gelben gelangen. 

Bewegung der Firustangeu 1884/85. 

Von den 16 1883 zur Messung der Bewegung und 
Abschmelzung im Firngebiet errichteten Firnstangen 
ist 1884/85 eine verloren gegangen, so daß jetzt im 
Ganzen 4 Stangen außer Beobachtung fallen. Die Er- 
haltung der Stangen ist eine sehr schwierige Aufgabe 
und verlangt mehrmalige Untersuchungen und Richtig- 
Stellungen der Stangen im Laufe des Jahres. 

Mit Ausnahme einer einzigen Stange (VI des untern 
Großfims) weisen sämmtliche Signale eine kleine Ver- 
minderung der Bewegung gegenüber dem Vorjahre auf» 
Die größte Bewegung zeigt Signal V und VI im untern 



394 J, Coaz. 

Großfini mit 86 ", die geringste beträgt 2,1 ", nur 45" 
vom linken Ufer entfernt. 

5. Messung der Sommerhewegung im Vergleich 
zur Jahreshewegung im gelben und rothen Profil 

In gleicher Weise wie in den Vorjahren wurde 
wieder im größten Stromstrich des rothen und gelbes 
Profils die Eisbewegung während der zweiten Hälfte 
Augast gemessen, um sie mit der Jahresbewegong 
vergleichen zu können. 

Im gelben Profil ergaben die Messungen der Be- 
wegung in 15,2 Tagen (18. August bis 2. September 
1884^ von 3,83" bis 4,14». Bis zum 19. Augost 
hatten die Steine 103,6°» bis 106,3"» zurückgelegt. 

In 14,8 Tagen erzeigte sich im rothen Profil eine 
Bewegung von 3,54" bis zu 3,73", und bis zum 
18. August 1885 96,8" bis 98,6". 

Es ergibt sich durch Berechnung wieder, wie 
letztes Jahr, daß die mittlere tägliche Bewegung der 
zweiten Hälfte August kleiner ist, als die mittlere 
tägliche Bewegung des ganzen Jahres. 

Ferner zeigt sich auch hier, wie bei den Firn- 
stangen, daß die Jahresbewegung 1884/85 kleiner ist 
als die Jahresbewegung von 1883/84, und zwar durch- 
schnittlich um 6,5", und ferner eine sehr gleich- 
mäßige. 

In Ausführung des Beschlusses der Conferenz vom 
26. Mai 1885 sind nun im rothen, gelben und grünen 
Profil, in je 40" Abstand, nunmierirte Steine gelegt 
worden, um an denselben die Jahresbewegungen der 
ganzen Gletscherbreite vergleichen zu können. An den 



Die Vermessungsarbeiten am Ehonegletscher. 395 

beiden obem Profilen ist auch eine 12tägige Sommer- 
bewegung beobachtet worden. 

4. Gletscherzunge. 

Seit 1874 war die Fläche des vom Gletscher in 
einem Jahre bloßgelegten Bodens nie so klein und 
die neu übergletscherte Fläche nie so groß, wie dies 
Jahr. 

Es wurden 1884/85, während 362 Tagen, 7,325°i2 
Strandboden bloßgelegt und vom Gletscher 1,650"*^ 
tiberdeckt, somit 5,675"»^ mehr bloßgelegt als tiberdeckt. 

Die gleichen Factoren, welche bewirkten, daß die 
Fläche des 1884/85 bloßgelegten Bodens so klein 
war, können so mächtig werden, daß schon nächstes 
Jahr der Vorstoß der Eismassen das Abschmelzen 
überwiegt. Der Gletscherrand böscht sich immer 
steiler ab. 

5. Messung der Ahschmelzung von Eis und Firn, 

Diese Messungen, welche den Zweck haben, das 
absolute Maß des weggeschmolzenen Eises und Firns 
zu bestimmen, wurden, wie letztes Jahr, theils an 
den Firnstangen, theils an besonders zu diesem Zwecke 
in das Eis versenkten Stangen von 3™ Länge vor- 
genommen. 

Die Hauptresultate sind folgende: 

Abschmelzung. 

1) Grtines Profil in 110 Tagen 7,81 bis 8,19°^ 

2) Gelbes „ ^ 70 „ 3,58 „ 4,35«» 

f,, 34 „ 2,10^^ 

3) Rothes „ r' " ' 

\„ 46 , 2,10 „ 2,62- 



S96 J, Goaz, 

Abschmelzsng. 
4^ Unter-ThSliprofil in 359 Tagen 2,20 bis 2,62» 

5) „ Großfirnprofil „ 359 „ 0,20 „ 3,05" 

6) Ober-ThSliprofil „ 358 „ 1,00 „ 2,40» 

7) ^ GroMrnprofil „ 361 „ 0,08 „ 0,60« 
Die außerordentliehe Abnahme im imtern Großfin- 

profil rührt sehr wahrscheinlich von dem Einsturz des 
dort sehr zerklüfteten Firns her, und das obere TW 
ist von hohen Felsen halbkreisförmig umschlossen 
und nur gegen Süden offen. Noch muß bemerkt wer- 
den, daß das Zu- oder Wegwehen von Schnee st6read 
auf einen regelmäßigen Gang des Abschmelzens ein- 
wirkte. 

6. Messung der Eisbewegung im Innern des 

Gletschers, 

Die im Jahre 1882 im rothen Profil 16,7« tief 
versenkten Gegenstände sind noch nicht an die 
Gletscheroberfläche getreten, hingegen konnten die an 
zwei Orten des gelben Profils versenkten GegenstSnde 
1885 an der Oberfläche eingemessen werden. Sie 
haben ihre Entfernungen unter einander und von den 
Begleitsteinen so ziemlich beibehalten. Die Abschmel- 
zung von 12"^ in drei Jahren entspricht den bisher 
beobachteten Abschmelzungen beim gelben Profil. 

Die Eisbewegung bis in eine gewisse Tiefe des 
Gletschers ist hier jedenfalls gleich derjenigen an der 
Oberfläche. Dies Verhältniß wird sich da ändern, wo 
der Eisstrom die obere Kante des Sturzes über- 
schreitet. 

In der Gletscherzunge wird jährlich von Specu- 



Die Vermessungsarbetten am Bhonegletscher. 397 

laoten ein schachtartiger Gang in das Eis ausge- 
hanen und den Besuchern des Gletschers gezeigt. 
Derjenige des Jahres 1885 wurde im Monat Juni und 
zwar nicht in einer geraden Linie, sondern mit zwei 
scharfen Wendungen ausgehauen und hatte eine Sohlen- 
breite von 1™, eine Höhe von 2™ und war 72™ lang. Am 
29. August, also nach ungefähr zwei Monaten, zeigten 
sich die Wände derjenigen Gangstrecken, welche nicht 
in der Richtung der Gletscherbewegung verliefen, 
mehr oder weniger geneigt. Es entspricht dies der 
früher schon gemachten Beobachtung, daß die Bewe- 
gung der Gletscher sich von ihrer Oberfläche nach 
dem Grunde hin verlangsame. Nahe am Grunde der 
Gletscher scheint diese Differenz in der Bewegung 
schon bei geringen Höheunterschieden merklich zu 
sein. 

Um bei allfalligem Wiederanwachsen des Gletschers 
die abschleifende Wirkung desselben an den Felsen 
messen* zu können^ wurden 1) die Tiefen der Ver- 
sicherungszeichen mehrerer trigonometrischer Signale 
gemessen; 2) beim Gletschersturze zwei Bohrlöcher 
in den Fels gcBchlagen. In das obere der letztern 
wurde ein thalergroßes Stück Blech mit dem einge- 
prägten Datum gelegt: und beide Löcher sodann mit 
Blei ausgegossen. 



Villars-Ch^siires et les Alpes vaudoises. 

Discoars d'ooyertare de la fite du Club Alpin Soisse. 

Pwr 

Eugene Bambert (Section des Diablerets). ^) 



Messieurs et chers colleguss, 

Si vous voulez bien me le permettre, je suivrai 
Fexemple qne nous donnait, il y a nn an^ Thonorable 
landamman Muheim, notre demier prösident de f^te. 
Parlant ä Altorf ^ dans le canton d'üri, il nons a 
parl6 d'Altorf et du canton d'üri. Parlant k Villars- 
Ch^si^res, dans les Alpes vaudoises, je vous parlerai 
de Villars-Chesi^res et des Alpes vaudoises. 

Je suppose, messieurs, que vous soyez appeles 
4 delibörer sur cette question: ^Qu'y a-t-il de plus 

*) „Nous rappelons que Tassembl^e g^n^rale, a Villart- 
Ob^sieres, a eu lien en plein air. On avait dispos^ daosee 
but la prairie, abritte d'on ridean de sapins, qui se troave 
derriere la chapelle du Grand Hotel du Muveran. C'est lär 
en presence meme des montagnes qu^il essayait de döcriret 
que le President de lafete a prononc6 le discours d'ouverture.* 
^oir le Panorama de Villars-Ch6si6res, par Mr. le profesaenr 
• Heim, dans les annexes de ce volnme. 



VillarS'Chesieres et les Alpes vavdoises, 899 

beau dans les Alpes suisses?'' — Combien, dans 
cette assembl^e, y serait-il fait de r6ponses ? Autant^ 
pent-etre, qa'elle compte de membres ; autant, du moins, 
qne les Alpes soisses comptent de chames ou de 
gronpes distincts. 

^La question est jug^e, penseraient nos amis 
d'Interlaken, de Thoune et de Berne; ce qu'il y a 
de plus beau dans les Alpes suisses, ce sont les Alpes 
bernoises. Aprfes la Jungfrau, tirez le rideau.'' Ils 
se borneraient sans doute, par politesse, k le murmurer 
k Yoix basse ; mais si Tun d'eux, par hasard, s'6chap- 
pait k le dire k haute voix, figurez-vous le charivari 
des pretentions oppos6es. — „Ces Bemois sont plai- 
sants, r^pondraient en choBur les enfants du Valais. 
Et le Mont-Rose, que vous en semble? Et le Cervin^ 
et le cirque des Mischabel, et le Weisshorn, et le Combin, 
et le glacier d'Aletsch ? Oü y a-t-il un second glacier 
d'Aletsch?'* — „ün moment! s'6crierait la d616gation 
de Lnceme; la beant6 des montagnes ne se mesure 
pas k leur altitude. Avant de vous d6cemer la palme, 
trouvez une vue qui vaille celle du Pilate." — „Ou 
pltttdt du Mythen**, ne manquerait pas d'ajouter quelque 
vieux Suisse de Schwytz. — „Messieurs, gronderait 
le taureau d'üri, la gloire du lac des Quatre-Cantons^ 
e'estlegolfe d'üri etl'ürirothstock." — „Est-il biensür^ 
objecteraient nos conf6d6res d« Glaris, que Türiroth- 
stock Temporte sur le Glämisch et que le lac d'Uri 
8oit plus pittoresque que celui de Wallenstadt?** — 
Sur quoi, les guides grisons, souriant dans leur barbe^ 
se diraient les uns aux autres : „Et l'Engadine, qu'en 
font-ils ? Ces enfants n'ont vu ni le Morteratsch, ni le 



400 Eugene Rambert 

Rosegg, ni m§me le Splugen et la Via-Mala.^ — 
^ Jou-eh ! riposteraient en iodlant tous les vachers de 
TAppenzell^ ce qu'il j a de plus beau dans les Alpes 
snisses, c'est le päturage vert aa pied du Hoch- 
Säntis ! . . . Jou-eh ! ce qu'il y a de plus beau dans 
les Alpes suisses, c'est la Meglisalp et le Seealpsee !^ 

Comment faire pour accorder tous ces amoiira- 
propres, qu'exalte un legitime patriotisme ? £h, mes- 
sieurs, rien de plus simple. Nous ne dirons pas : ^L& 
JuDgfrait est ce qu'il y a de plus beau daiis les 
Alpes suisses;'* — mais seulement: „II n'y a rien 
dans les Alpes suisses qui seit plus beau que la 
Jungfrau.^ Et ainisi du Mont-Rose, duPilate, du Mythen, 
de rUrirothstock, du Glämisch, du Morteratsch et 
du vert päturage au pied du Hoch-Sänti«. — Chaeune 
de ees belles ehoses a sa beaut^ particuli^re. Ob 
peut pr^ferer Tuue k Fautre; les goüts sont libres. 
Mais un esprit auvert, accessible ä des impresflions 
Tari6es, comprendra^ »41 ne ks partage pas, toutcs 
«es pr^f^rences. Chaeune peut se juslifier; ehacnoe 
r^pond k une eei*taine masi^re de sentir. 

Si c'est dans cet esprit de largeur que Ton in- 
«ütue des comparaisons, nous demandcms, nous aotres 
Yaudois, k ^tre admis au coneours, et non« disoM 
qu'il n'y a rien dans les Alpes suisses qni efface le 
spectacle que vous avez sous les yeux. 

Permettez-moi, messieurs, au moment (yä j'ai l'hot' 
neur d'ouvrir la XXI* assemblöe g6n6rale de notre 
Club alpin, d'essayer de vous dire ce qui^ selon noaSt 
justifie eette Prätention. 




Villars-Chesüres et les Alpes vaudoises, 401 

Le spectacle que vous avez sous les yeux. — 
Mais, vous en avez plusieurs. 

A Test, s'61ancent les Diablerets, qu'on verrait 
mieux ä quelques pas d'ici: ils ont, vous le savez, 
donn6 leur nom k notre section vaudoise. Vers le 
nord, g'abaissent des croupes bois^es et des prairies 
aussi vertes que les päturages du Hoch-Säntis : gra- 
«ieux premier plan , par delä lequel , si nous nous 
elevions un peu, nous verrions apparaitre les bleus 
horizons du Leman. A Tonest, la plaine du Rhone, 
avec la longue muraille cr6nel6e qui sert de frontifere 
^ntre la Savoie et le Valais; au sud, eniin, le nid 
4e verdure oü se cache le village de Bex, puis le 
d^file de St-Maurice, entre la Dent du Midi et la 
Dent de Mordes, appuyöe du Muveran, et dans l'entre- 
deux, au fond, de hauts sommets glaciaires. 

Voilä quatre tableaux distincts. Nous parlerons 
du demier seulement. 

„Mais, dira-t-on, vous d^passez d^jä, les limites 
des Alpes vaudoises. üne partie de ce tableau appar- 
tient k la France; une autre partie, considörable, au 
<;anton du Valais." 

Vous m'autoriserez , messieurs , k ne point me 
laisser arreter par cette objection. Voir, c'est avoir, 
a dit le po6te. Comment parier d'une montagne sans 
parier de la vue dont eile jouit? D'ailleurs, nos amis 
du Valais sont la complaisance mime: ils nous pre- 
teront bien, pour un moment, leur merveilleuse Dent 
du Midi. Politiquement, eile n'est pas vaudoise; mais 
le Club alpin ne £ait pas de politique. Qui de nous, 
«n prösence de montagnes dont le groupe forme un 

26 



402 Eughm Bambert. 

tablean si harmonieux, songerait ä demander si les 

bergers qui y ont leurs chalets rel^vent tous de la 

meme administration cantonale? La Dent du Midi 

est ins^parable du lac L^man, que, de Vevey et de 

Montreux, eile encadre si bien ; surtout eile est ins^- 

parable de la Dent de Mordes, son vis-ä-vis, sa sceur 

et sa rivale. N'ayons pas de vains scrupules : prenons 

ensemble ce qui va ensemble. 

* * 

Les princlpaux groupes des Alpes, disons-noas, 
ont chacun leur beaut6 particuliöre , qu'on retrouve 
dans la plupart des sites qu'ils offrent ä notre admi- 
ration. — Nous appliquons ce principe au tableau 
que nous consid^rons, et nous demandons quels en 
sont les traits distinctifs. 

II y en aurait plusieurs k noter, et nous ne son- 
geons point k en faire une Enumeration compl^te. 
Mais le premier, le plus caracteristique , c'est cette 
breche, k deux pas de nous, entre la Dent de Mordes 
et la Dent du Midi, la grande breche de St-Maurice 

Rien de plus commun que des braches plus oa 
moins profondes pratiqu6es dans les murailles des 
Alpes. II y en a autant que de cols; il y en a bien 
davantage , car , sans parier des petites coupores 
auxquelles on ne donne pas le nom de cols , mais 
qui n'en sont pas moins des braches, on peut dire 
que toutes les vallEes laterales — par quoi il faut 
entendre toutes les valläes qui coupent transversale- 
ment les assises de la montagne, conune celle de 
l'Aar dans TOber-Hasli , de la Reuss dans le eantoQ 
d'Uri, de la Linth dans le canton de Glaris, du Rbin 




ViUars-Chesteres et les Alpes vatidoises. 403 

dans le Rheinthal — ne sont gu^re formöes que par 
nne succession de braches aoalogues. Mais aueune 
n'atteint k la puissance de celle de St*Maurice. La 
breche de St-Maurice coupe jusqu'ä, la base, jusqu'ä 
la racine meme de la montagne, une des principales 
chaines des Alpes suisses, la seconde en importance^ 
Celle qui du Grimsel et du Finsteraarhorn se continue 
saus interruption jusqu'au Buet et par delä. Elle la coupe^ 
de Martigny k Massongex, sur une longueur d'environ 
20 kilom^treS; entre des sommets dont Taltitude varie 
de 3000 mötres, ou peut s'en faut, k 3200 et davan- 
tage, ce qui lui permet d'atteindre k une profondeur 
de 2800 metres. II n'existe rien de pareil sur aueun 
autre point des Alpes suisses. La gorge du Rhin 
entre Reichenau et Ragatz, la plus consid^rable apr^s 
celle-ci, ne mesure que 2250 metres de profondeur 
maximum, ce qui constitue en faveur de celle du 
Rhone une difference de 550 metres. 

Cette difference est grande; mais eile est encore 
augment^e, pour Teffet, par la configuration des mon- 
tagnes entre lesquelles Touverture a et6 pratiqu^e. 
Ici y malgr^ certaines complications dont nous dirons 
un mot plus tard, le ph^nom^ne est simple. On voit, 
du premier coup, qu'il s'agit d*une breche, et de rien 
autre. L'imagination n'a aueune peine k combler le 
vide et k reconstituer la muraille primitive. Tout Vj 
invite, au contraire. Les assises de la Dent du Midi 
eontinuent Celles de la Dent de Mordes. Ce sont 
les memes roches, superposees ou juxtapos6es de la 
meme maniere, et pour les points de rep6re les plus 
importants, les niveaux sont k peu pres les memes. 



404 Eugene Bambert, 

A Coire , il faut une etude pour comprendre la pos- 
8ibilit6 d'un raccordement , d'une continuite entre les 
parois unies da Calanda et les montagnes moins ele* 
vees, aux masses irröguli^res , qui leur servent de 
vis-ä-vis. Les savants seuls s'en rendent compte. La 
simplicitö de Teffet contribue pour une grande pari ä 
rendre la breche de St-Maurice beaucoup plus impo- 
sante que ne Test celle du Rhin ä sa sortie des Grisons. 
II semble qu'un des g6ants de Ja fable, un Roland 
titanesque, ait pourfendu la montagne de deux coups 
de sa Durandal, Tun de droite, Tautre de gauche, 
et que les clioses, des lors, soient demeur6es en l'etat. 
Hier encore la muraille 6tait intacte, et r6p6e doit 
etre chaude des coups qu^elle a frapp6s. 

Si j'ai nomm6 Roland, c'est qu'il n'y a pas, daDS 
la fable , de plus illustre pourfendeur de granit. 
D'ailleurs, les populations de Bex, de St-Maurice, de 
Villars, n'en ont guere oui* parier, non plus que de 
Roncevaux et de l'archeveque Turpin. Un autre g^ant 
leur est plus familier, Gargantua, dont Rabelais noas 
a donnä de si mirifiques nouvelles. Gargantua est 
le geant populaire, parce que c'est le g6ant bon- 
homme. Sa premi^re 6p^e fut de bois, dit Rabelais. 
La legende de ce pays-ci ne lui attribue aucune 6p6e, 
mais bien une hotte. O'est lui qui a bäti ces mon- 
tagnes, et sa hotte lui servait au transport des mat6* 
riaux. Malheureusement, eile avait un treu. A chaqae 
halte qu'il faisait, d'autres disent k chaque pas, il en 
coulait quelque peu de terre, ou meme de petita 
cailloux. Ainsi se sont formlos les bosses qui acci- 
dentent la plaine du Rhdne: les collines du Hontet, 




Villars-Chesieres et les Alpes vaudoises^ 405 

de Duin, de Charpigny et de St-Triphon. Ce 8ont 
autant de petita cailloux tombös de la hotte de Gar- 
gantua. Puisqu'il avait une hotte, il avait aussi une 
pelle Sans doute, et s'il bätissait des montagnes, rien 
ne pouvait Temp^cher de les detruire au besoin. C^est 
donc k lui, selon toute probabilite, que nous devons 
la breche de St-Maurice. Dans un moment d'humeur, 
il aura, d'un coup de sa pelle, renversö sur un point 
la muraille qu'il venait d*6difier. 

La geologie a changö tout cela; mais c^est encore 
k un g6ant qu'elle attribue la coupure de St-Maurice. 
Ce geant , vous l'avez vu et le verrez de partout, 
hier, aujourd'hui, demain ; il est toujours lä, travaillant 
Sans reläche: c'est le Rhone. 

Le Rhone n^est que le second de nos fleuves; il 
n'a ni le volume du Rhin ni la longueur de son cours ; 
mais il est le pr emier de nos torrents. En amont de 
St-Maurice, il bataille encore, ou plutot il bataille 
de nouveau , en vrai fils des Alpes , se frayant un 
chemin k travers des öboulements du Bois-Noir, de 
ces öboulements qui , tömb6s k plusieurs reprises du 
Bommet meme de la Dent du Midi, opposent encore 
k son passage la barrifere de leurs blocs accumulös. 
Le Rhin n'a rien de pareil, k moins qu'on ne remonte 
jusqu'aux environs de Flims et d'Ilanz, oü il est loin 
d'ögaler le Rhone au d6bouch6 du Valais. Le Rhone 
du Bois-Noir est le torrent monstre, le torrent göant, 
et par \k se confirme une rfegle admise par les g6o- 
logues, savoir que, toutes choses ögales d'ailleurs, 
les plus grandes vallees correspondent aux cours d'eau 
les plus forts, et vice-versä. L'oeuvre accomplie est 



406 Eugene Rambert 

en raison de Fönergie de travail que peut deployer 
Fouvrier. 

Je ne voudrais pas, me parant d'un savoir d'em- 
prunt , entreprendre de raconter ici Thistoire de cette 
vall6e. Mais il suffit de ce premier jour ouvert sur 
un pass6 lointain pour que, d6j4, d'inövitables ques- 
tions se posent devant nous. 

Cet ouvrier a-t-il toujours 6t6 ce qu'il est au- 
jourd'hui? A-t-il toujours travaille comme ii fait en 
ce moment? Legitime et embarrassante curiosit^. 
Bornons-nous ä ce qui est indispensable pour guider 
rimagination. Une fois sur la voie , eile achevera 
Sans peine l'esquisse que nous ne pouvons qu'6- 
baucher. 

Dans la vraie göologie, celle de la science, les 
plus grandes choses ont de faibles commencements. 
C'est le contraire de ce qui arrive dans la g6ologie 
de la legende. 

Gargantua naquit g^ant. Rabelais nous apprend 
que, pour sa premi^re robe, il fallut neuf mille six 
Cents aunes de velours bleu cramoisi, tout porfile 
d'or; plus, pour la ceinture, un ruban de serge de 
soie, moiti6 bleu, moiti6 blanc, long de trois cents 
aunes et demie et large en proportion. Nos amis de 
Bäle n'ouvrent-ils pas de grands yeux en entendant 
des chiffres pareils? Quelle commande, et combien 
il est dommage , pour leurs fabriques , que la race 
de Gargantua ait disparu de la terre! 

Ce n'est pas ainsi que viennent au monde les 
göants de la science: ils commencent par ^tre des 



K 



VillarS'Chesihres et lea Alpes vaudoises. 407 

enfants, de tout petits enfants. Le Rhone n'a pas fait 
exception. Sa premi^re robe, ou plus exactemeut son 
Premier berceau, fut nne humble rigole, pareille k 
eelles qne nos gar^ons s'amusent k creaser dans le 
sable, sur la gr^ve des laes. C'^tait, je suppose, pr6s 
des rivages du L^man, ou de la mer qui en tenait 
lieu, c'est-^-dire pr6s de la ligne oü viennent k se 
rencontrer les masses calcaires des Alpes et les mo- 
lasses du Jorat. Par le travail de Teau, la rigole 
s'approfondit et s'allongea d'aval en amont. C'est la 
r^gle. Le point oü un fleuve a pris naissance est le 
plus souvent k Topposite de celui oü il prend sa 
source. II y eut un temps oü le ruisselet , devenu 
torrent, tombait des hauts plateaux qui, sculpt^s par 
le travail des siöcles, devaient prendre la figure de 
cimes d6tach6es et porter les noms de Dent de Mordes 
ou de Dent du Midi. Plus tard, le Rhone naquit dans 
la region de Martigny, puis dans celle du St-Bemard 
et du Combin. Ge que nos cartes nomment la Dranse 
fut le Rhdne primitif, de meme que le Rhin du 
Splugen est le premier-n6 des Rhins. 

Tout en s'allongeant et reculant, le bassin du 
fleuve se ramifia. Des vallöes longitudinales, c'est-i-dire 
paralleles aux assises des Alpes, se formörent k Test 
et k Tonest de la yall6e-m6re, oü elles aboutissaient 
k angle droit, s'allongeant aussi d'aval en amont. 
L'une d'elles ayant rencontr^ un sol plus favorable 
k son rapide d^veloppement a form6 le Yalais. L'ae- 
cident seeondaire a fini par etre plus consid^rable 
que le fait principal. Le Rh5ne-Rh5ne a pris le pas 
sur le Rhdne-Dranse. L'affluent est maintenant le 



408 Etcgene Eambert, 

fleuve. Meme aventure est anivee au Rhin, dont 
rhistoire offre des concordances si frappantes avec 
Celle du Rhdne. Ils ont grandi parallelement, l'un ä 
Torient, l'autre ä Toccident de la Suisse, jusqu'a 
devenir ce qu'ils sont devenus. Combien y a-t-il fallu 
de si^cles, ou de si^cles de si^cles? Ces choses-la 
ne sauraient s'evaluer. Tout ce qu'on peut dire, c'est 
que, s'il est vrai que les vallees grandissent avec 
le temps, le Rhone et le Rhin ne peuvent 6tre que 
les plus anciens de nos torrents ou de nos fleuves^ 
non moins v6n6rables par Tage qu'imposants par le 
volume de leurs eaux et rimmensite du travail ac- 
compli. 



* * 

* 



Le premier trait distinctif du paysage alpestre 
que vous avez sous les yeux consiste donc en ceci^ 
qu'il a pour centre la plus considerable des breches 
alpines, formee par le plus consid6rable de nos tor- 
rents. 

A la profondeur de la gorge correspond T^lance- 
ment des cimes. 

Je ne sais si vous vous en rendez bien compte^ 
messieurs; mais on ne rencontre gu6re en Suisse de 
pareils mouvements de terrain. Beaucoup de mon- 
tagnes, dans le Valais, dans les Grisons, dans le cantoD 
de Berne, sont plus 61ev6es au-dessus de la mer que 
ne Test la Dent du Midi; mais il y en a fort pea 
dont le faite soit plus eleve relativement 4 la base, 
fort peu qui dominent la plaine de plus haut et de 
plus pres. 

Nos sommit6s les plus avanc6es ont de ISOO", 



VülarS'Chesterea et les Alpes vavdoises, 409 

comme le Kighi, k 2500»", comme le Hoch-Säntis, si 
eher aux Appenzellois , ce qui donne une projection 
verticale de 1400 k 2000 ". Plus en arriöre, quelques 
sommets, encore trfes en vue, au d6bouch6 des grandea 
vall^es, atteignent ou d^passent 2400 ^ d'altitude re- 
lative: le Glärnisch 2420, rürirothstock 2495. Cea 
deux montagnes ont beaucoup de rapports avec la 
Dent du Midi, seit pour la position, seit pour les 
proportions, soit m^me pour la forme ; mais la hauteur 
relative de la Dent du Midi est de 2855 m, 6e qui 
constitue une diff^rence d'environ 400 m. 

Ces chiffres pourraient etre contest6s. Ce sont 
les plus r^cents qu'on ait, ceux qui m^ritent le plus 
de confiance, gräce k Texactitude des derniers tra- 
vaux ex6cnt6s. Dans la premi^re Edition de la carte 
Dufour, on donnait k la Dent du Midi 3185 m au- 
dessus de la mer. Plus tard, eile en a eu 3283. Un 
6cart aussi considerable suppose une faute de lecture. 
Le Chiffre vrai 6tait probablement le second; mais 
une demiöre revision l'a quelque peu r^duit. Dans 
la carte au 50/1000, feuille de St-Maurice, qui paraitra 
prochainement et dont le Bureau topographique a bien 
voulu me communiquer une 6preuve, la Dent du Midi 
est cotee k 3260 m, restant ainsi la plus haute des 
sommitös que nous avons en vue, aux premiers plans, 
k partir des Diablerets (3246) jusqu'ä la Tour Sal- 
liere (3227). D'aprfes la m^me carte, le pont de 
Massongex, sur le Rhdne, est k 405", ce qui donne 
bien pour la hauteur relative de la Dent du Midi le 
Chiffre indique, 2855™. 

Cela est considerable. Les cimes les plus 61anc6es 



410 Eugene Banibert 

des Alpes glaronnaises et grisonnes ne le sont pas 
ä ce point; il s'en faut. Malgr6 ses 3623"», le Toedi, 
le roi des Alpes glaronnaises , ne s*61eve que de 
2400" an-dessus de Füntere-Sandalp , sa base viri- 
table. La Bernina, point culminant de tout le resean 
des Alpes grisonnes, cot6e k 4052 ™, ne domine Pon- 
tresina que de 2250. Les plus hardis sommets des 
Alpes bemoises et valaisannes offrent de meme, pour 
la plupart, une hautenr relative införieure k celle de 
la Dent du Midi : le Galenstoek , 2050 au-dessns de 
Eealp; le Wetterhom, 2650 au-dessus de Grindel- 
wald; le Grand Combin, 2684 au-dessous du Bonrg 
St-Pierre; la Dent Blanche, 2686 au-dessus de Zinal, 
et le Mischabel, 2752 au-dessus de Saas-F^e. La 
projection verticale du Cervin lui-meme, mesur^ de 
Zermatt, döpasse k peine celle de la Dent du Midi, 7" 
seulement. Quelques autres rares sommets, tels que le 
Schreckhorn et le Weisshorn, accusent aussi une petite 
difference en leur faveur. Seule, la Jungfrau atteiot 
im Chiffre notablement plus elev6 : 3343 ™ ; mais anssi 
la Jungfrau est-elle , pour la hauteur relative, It 
premi^re de toutes les sommit^s de la Suisse. Elle 
ne le cöde qu'au Mont-Blanc (3760). 

Si Ton pouvait appr^cier en chiffres reflPet produit 
flur rimagination , les comparaisons que nous venons 
d'6tablir seraient plus favorables encore k la Dent du 
Midi. Sa position est si bien d6gag6e. Les haotes 
cimes centrales sont, pour la plupart, perdues an food 
de longues vall^es et fianqu^es de satellites qui les 
masquent plus ou moins. II est souvent malaisä de 
trouver un point d'oü on les voie de la base au faite, 



Villars-Chesieres et les Alpes vaudoises. 411 



tandis que la Dent du Midi, la voilä tout entiöre. De 

la plaine, comme d'ici, eile se präsente dans tout son 

d^veloppement, dans toute sa majest6 , et du premier 

regard, on voit se succ6der sur ses flaues tous les 

degrös de r^chelle des zones alpines. 

Mais ceci est encore un des traits les plus carac- 

teristiques du tableau : il vaut la peine de s'y arreter 

un moment. 

« * 

Rien, dans les Alpes, ne frappe les touristes novices 
antant que le contraste dont leurs flaues nous offrent 
le spectacle. Les premiers ecrivains qui ont tent6 de 
döcrire la montagne se sont appliqu6s k le faire bien 
ressortir. Rousseau, dans sa lettre sur le Valais 
[Nouvelle Helotse), y insiste particuliferement. Trois 
on quatre heures d'ascension , dit-il , de Lou^che-la- 
Ville, par exemple, ä la Gemmi, representent ä peu 
prös un voyage de la M^diterran^e au pole. II a 
raison. On traverse tous les climats. Flore m6ridionale 
ä la base, glace 6ternelle sur les hauteurs. ün con- 
traste analogue existe partout: c'est une des princi- 
pales beaut^s des Alpes. Mais il n'existe sur aueun 
autre point au meme degr6. 

Gräce k la direction des vall6es et k la profondeur 
qu'elles ont atteinte, ces äpres sommets abritent des 
coins de terre favoris^s, oü la v6g6tation est r6elle- 
ment italienne. Au moment oü je parle, la vendange 
est eommenc^e, ou va commencer k Brausen, et k 
PuUy, de Tautre c6t6 de la Dent de Mordes. La 
figne mürit pour la seconde fois au pied de la tour 
de Martigny, et l'amande est r6colt6e sur les rochers 



412 Eugene Bambert. 

que conronnent les ruines de Sali Ion. — Mais tenons- 
nous-en k ce que nous voyons d'ici. St-Maurice et 
Monthey , sor la rive valaisanne du Rhone , Lavey^ 
Bex, OUoD et Aigle, sur la rive vaudoise, ne con- 
naissent pas des chaleurs aussi torrides qneBranson^ 
Fnlly et Saülon ; neanmoins^ le sonffle du Midi s'y fait 
d6jA sentir avee nne singnliöre pnissance : si ce n'est 
pas ritalie de la Saisse, c'en est la porte d'entree. 
Preave en seit les forets de chätaigniers dont le vaste 
mantean flotte sor les pentes inferienres de la Dent 
da Midi. Ce sont les plas splendides qn'il y ait en 
Soisse. Le Tessin Ini-meme n'en a pas de pareilles. 
Au-dessos, a nne hantenr dejä considerable, yient la 
zone da hetre, a laqnelle saccede celle da sapin; 
pais les pätarages, pois les gazons epars, et enfin le 
rocher na, qai, k mesare qu'on s'eleve, disparait de 
plas en plas soas les frimas. A vrai dire, au sommet 
de la Dent de Morcles , on peut encore r6colter une 
vingtaine de plantes alpines: graminees, renoncules, 
gentianes, androsaces et saxifrages. En fouillant les 
plus hauts rochers duMaveran, on r^nssira k mettre 
la main sur une derni^re petite gentiane bleue. Mais 
Ton ne s*en douterait gu^re, k la distance oü nous 
sommes. Et quant au sommet de la Dent du Midi^ 
il est, de meme que ceux des Diablerets et de la 
Tour Sallifere, absolument d^pouille de v6g6tatioii 
phan^rogame. A partir de l'esplanade connue sous le 
nom de Col des paresseux, environ 200 m^tres an- 
dessous du point culminant, il ne reste que de paurres 
lichens comme on en trouve jusqu'au sommet du Moot- 
Blanc, partout oü le roc affleure. 



ViUars-Chesteres et les Alpes vaiidoises. 413 

Nous n'avons pas en Suisse de montagne qui rap- 

proche k ce point des extrömit^s plus ^loign^es, qui, 

plus nue par les sommets , soit , par le bas , plus 

magnifiqueiDent drap6e de verdure. De \k un effet de 

vari6t6 qui est saisissant, et qui ajoute beaucoup k 

rimpression prodüite par r^lancement des eimes. C'est 

bien comme dit Rousseau: une ascension du pont de 

Massongex au sommet de la Dent du Midi, ascension 

ijui ne demande que quelques heures et qu'on peut 

faire du regard en moins d'une seconde, ^quivaut, 

pour la s^rie des zones travers^es, k un voyage de 

ia MMiterran^e au pole nord. 

* » 

Cet effet de vari6t6 s'associe d'une maniöre ex- 
tr^mement heureuse avec le dessin du paysage. 

La nature a ses caprices. Parfois trfes parci- 
monieuse en meme temps que tr6s industrieuse dans 
le choix et Temploi des matöriaux , eile se platt, 
d'autres fois, k faire 6talage de ses moyens. Ici, eile 
s'est montr^e prodigue. Nulle part, dans un paysage 
de mime 6tendue, eile n'a multipli6 k ce point les 
fonnes interessantes, et toujours diversement inte- 
ressantes. 

Une supposition nous aidera k nous rendre compte 
de cet exc^s de richesses. 

Sapposons que nous suivions la route de St-Maurice, 
^u plutöt de Massongex k Martigny, et que, tout en 
feisant ensemble cette promenade, nous regardions 
tantöt k droite tantöt k gauche. 

Du cöte de la Dent de Mordes, nous serions sur- 
prig de TextrSme r6gularit6 de la pente. Elle est 



414 Eugene Rambert, 

continne et tellement egale k elle-meme qa'une pierre 
detachee da sommet, si eile ne se brisait pas en 
chemm, devrait roaler jusqu'aa Rhone en ligne dlrecte^ 
arec nne rapidite croissante. Les accidents qui rompent 
cette miiformite sauvage ne sont encore que des sillons, 
eomme celai an fond dnqnel se ca^ie, ä mi-hanteur^ 
le hameaa de Mordes. II n'y a pas de terrasses, oa 
il nV en a qoe de vagues ebauches. C'est une ravine, 
une immense ravine, oü zigzaguent ä Tinfini les sentiers 
toujoars montants et oü s'eehelonnent, k perte de vue, 
les sapins sor les sapins, les roes snr les rocs. 

Le spectacle serait tont antre da cote de la Dent 
da Midi. Aa liea d'ane maraille regaliere^ noas verrions 
se saeceder des promontoires , form^s par les asaises 
inferieares de paissantes aretes , et s^pares par 
des gorges plas oa moins profondes, oa roalent des 
torrents impatients de confondre lears eaax arec 
Celles da Rhone. Apres avoir doable le cap et franchi 
le defile de St-Maarice, noas aarions ä passer le 
torrent de Manvoisin: nom signifieatif et qai n'a pas 
besoin de commentaires. Pais, apres an second pro- 
montoire, viendrait an noaveaa torrent, dit de St-Bar- 
thelemv, voisin plas dangereax encore. Ces deu 
torrents sont de la meme famille qae la NoUa de» 
Grisons et Tlllgraben da Valais. Celai de St-Barthelemj 
ne le cede ga^re k ces rivaax mal fam6s. Aajoard'hoi 
k sec, il semera demain la terrear sar ses bords^ 
roalant ä flots enormes toates les boaes qai tomberont 
de Tamphitheatre dont il rassemble les eaax. On croi- 
rait parfois qae la montagne elle-meme s'ecoole par 
le torrent. Ce nain, qai toat ä coap devient g^aot. 



Villars-Chesieres et les Alpes vaitdoises. 415 

entreprend, dans ses jours de col^re, de fermer le 
passage au Rh5ne , et si le Rhone n'^tait pas le 
Rhone, ce serail fait depuis longtemps. 

Voilä d^jä, de quoi donner du relief ä une pente» 

Mais ce n'est pas tout. Par delä le Bois-Noir, \m 

nouveau promontoir doubl6, nous verrions dans uu 

pH de rocher — simple gerQure — tomber de cas- 

eade en cascade cette brillante Sallenche, qui ne se 

lasse pas d'^gayer de ses jeux les escarpements da 

granit, et comme si ce n'6tait point encore assez,. 

voici, quelques pas plus loin, les noires excavation» 

par oü debouche le Trient, digne 6mule de la Tamina^ 

Bortant, comme eile, des entrailles de la terre. — 

Ainsi, dans une simple et courte promenade, nou& 

aarions rencontr6 les principaux types des torrent» 

alpestres : le torrent de ravine, repr6sent6 par le Mau 

voisin et le 8t-Barth61emy ; le torrent de cascade, qui 

ne s'est pas encore emprisonne dans un lit t^nöbreux^ 

repr^sent^ par la Sallenche, et le torrent souterrain,, 

vieux mineur dont Foeuvre est achevöe, representö par 

le Trient. 

Enfin , au moment d'arriver k Martigny , nous- 
passerions ui) nouveau cours d'eau, qui, soigneusement 
digue , n'offre pas le meme int^ret pittoresque , mai& 
dont la pr^sence nous expliquerait pourquoi il y a 
tant de difF^rence entre les deux versants du long 
d6fil6. La Dranse, le Rhone de jadis, charrie beau- 
coup, et »es alluvions ont Obligo le Rhone actuel k 
se serrer contre la muraille de la Dent de Mordes, k 
en Buivre exactement le pied, de teile sorte qu'il la 
mine constamment par dessous et que tout ce qui fait 



416 Eugene Barnbert. 

«aillie tombe k mesnre. Da cot6 de la Dent da Midi, 
Tespace est plas libre ; des terrains vagues y forment 
an fond de vallee, dont la largeur a safii pour per- 
mettre aax afflaents d'aj outer lear travail k celoi da 
fleuve, en se cr6ant chacun son lit et sa gorge, voire 
«OD cirqae ou sa haate vallee. 

N'oablions pas, panni les faits qui contribaent ä 
Tarier Tintöret de la promenade, la reocontre inopinee 
des roches calcaires et des roches cristallines. Les 
üretes avancees de la Dent da Mordes et de la DeDt 
da Midi sont calcaires, tandis qoe Celles qai tombest 
en arri^re, dans la direction de Martigny, sont grani- 
tiqaes. Or, la diff^rence est grande, poar le jeu des 
lignes, entre ces deax especes de roches. Ceax d'entre 
voas qai n'ont pas encore Toeil babita^. k la sentir 
poarraient s*y exercer en chemin. II s poarraient 
<5hercher Texacte limite des deax terrains et se 
demander, par exemple, poarqaoi la forme arrondie 
da Salentin est ane forme granitiqae, tandis qa<i) 
tout k c6t6, le singalier profil des rocs de Gagnerie 
trahit Tjaction des eaax sar des masses calcaires. 

Portons maintenant nos pas d'an aatre cOt^: diri- 
geons-les de maniere k passer devant la fa^ade nord 
— la grande fa^ade , celle qai regarde le lac — de 
la Dent da Midi d'abord, pais de la Dent de Mordes 
et des sommets qai la continaent jusqa'aa Maveran. 

Ici, noas ne sortons pas da calcaire; mais 1< 
richesse des formes en est k peine dimina6e: seale- 
ment les roles sont intervertis. 

La Dent da Midi, serr^e de pr^s par le torrefit 



VillarS'Chesüres et les Alpes vaudoises. 417 

du Val d'Iliiez, est, de ce «bt^, plus mÄSsive, plus 

unie que la Dent de Mordes. C'est le cötö qu'il fout 

voir si Ton veut en denombrer les sommets. II y en 

a sept, dit-on ; on ponrrait tout tmm bien dire fault. 

Mais ces dentelures mtiltipli^es ne sont que des dente- 

lures, et la fa^ade m^me de la moutagne n'eB est 

pas moins r^guli^re, large, haute, d'une pente k peu 

prös 6gale k elle-mSme, et d'une beaut6 singuii^rement 

majestuetiöe dauß so« aust^re srmplicitö. La Dent de 

Motclies, au coirtraire, quoiqu'elie ft'ait que deux pointeB, 

notts offire tffife sörie d'erosious importantes. La pre- 

«ai^re «est Celle de Javernaz, la »econde celle d'Oe- 

ßannaz , deux vallons bien aipestres , qui s'ouvrent k 

la Mmite Mp6rieure des forets et s'abritent entre de 

fortes aretes projet6es en avant. Ensufte, pour la cou- 

ronne, vient la valMe prafonde qui s 'enfaDfce jusqu'au 

pied m^me du Mtrveraii, la rowiairtrque vall^e de 

Fretoiferes, fleB Plans et de Pont-de-Nanft, qui »finit par 

s'en aller tourner derri^te les aretes avanc^es d*Oe- 

satfuäz dt de Javernaz. Ici e»core la riebesse des 

formes eöt grände: les ruisseaux vaudois qui ont 

^ravaill^ la fa9aäe nord de la Dent de Mörcles et 

du MüveralQ ufe scmt pas des auVlriers moins habiles 

que les torrerits välaisans qui otit söulptiö le versaut 

oriental de la Dent du Midi. 



•4t * 



Mais 'ce n^e^ que par supposition quenous avons 
feit cette double promenade. Nous somtnes k Villars, 
'et ViFläts n'eSt 8it«6 ni öans la brfeöhe de St-Tttaufice, 
*lJi ön 'face de son otfretture. II eöt en dehoTs öt de 
c3fe. Aussi ne voyoiis-nous pas 6galement bien les 

27 



418 Eugene Banibert 

parois au pied desquelles nous venons de passer, en 
Imagination. 

La fa^ade nord de la Dent du Midi ne se präsente 
k nous qu'en perspective fuyante, tandis que celle de 
la Dent de Mordes se montre en plein. Voici les 
vallons de Javemaz et d'Oesannaz, oü d'innombrables 
troupeaux broutaient, il y a peu de jours, l'herbe h 
plus fleurie de la montagne. Us y sont encore, atten- 
dant avec impatience que le soleil qui nous favorise 
alt fondu les neiges d'hier. Voici la vall^e de Frenieres 
et des Plans, qui se resserre et s'61argit tour k tour. 
Vous en voyez assez pour deviner, par deli un 
premier 6tranglement , Tune des plus fratches cor- 
beilles de verdure qui puisse inviter au repos le 
voyageuF fatigue. 

Nous ne voyons pas non plus 6galement bienles 
versants opposes de la breche de St-Maurice. Celui 
de la Dent de Mordes n'^tale point k nos yeux les 
escarpements de sa formidable muraille. Nous se 
pouvons en juger que par une ligne de profil, simple 
et bardie. En revanche, rien ne nous ^chappe de 
celui de la Dent du Midi. Voili le torrent de Maa- 
Yoisin et son cirque, taill6 dans les assises calcaireB 
qui dominent St-Maurice ; voilä celui de St-Barth^lemj 
et son vaste Systeme de ravines, oü se suspend, vera 
le sommet, un petit glacier qui semble pr^t k tomber; 
voilü le sillon oü s'6bat la Sallencbe; voilkj dans 
Tombre, lä-bas, le noir d6boncb6 du Trient. Voici 
enfin, entre ces 6rosions diverses, les aretes r^sistantes, 
secondaires ou principales, qui soutiennent encore b 
montagne : dies se succ^dent du nord au sud, et noos 



I 
/ 



VülarS'Chesitres et les Alpes vattdoises, 419 

ponvons en mesnrer toas les angles, en compter toutes 
les dentelures, toutes les brisures, toutes les döchirures. 
Le spectacle est complet. 

Ce que nous voyons le mieux, de chaeune des 
deux montagnes, c*en est donc le c6t6 le plus mouve- 
mentö; aussi n'oflfrent elles nulle part, dans leur Op- 
position, une plus grande richesse de lignes et de 
contoors, d'aretes saillantes et de sombres ou roman- 
tiques vallons. 

Qne serait-ce si, portant plus loin nos regards, 

nous les fixions maintenant sur les montagnes blanches 

— toutes granitiques, celles-lä, toutes primitives — 

qui forment le groupe central? Car, il est temps de 

le dire, cette breche de St-Maurice n'est pas seule- 

ment une porte par oü s'^chappe le Rhone; c'est 

encore une fenetre ouverte pour nous sur un monde 

8itu6 par delä, et ce monde n'est autre que celui du 

Mont-Blanc, non pas encore tont entier, mais dans 

one de ses parties les plus interessantes. Essaierai-je 

d'en compter les aiguilles et les coupoles ? Essaierai-je 

de vous dire ce qu41 ajoute k une abondance d6j4 

81 grande de lignes et d'accidents pittoresques ? Non, 

nous en avons vu suffisamment pour justifier ce que 

nous disions tout k Theure: La nature, ailleurs si 

ingönieuse k faire beaucoup avec peu, a voulu se 

donner ici le plaisir de triompher avec prodigalite. 

La beaut6 de ce paysage est une beaut6 de pro- 

fusion. 

* * 

La profusion n'est-elle pas un d^faut? Oui, quand 
eile s'^tale sans ordre, quand le regard, sollicit6 de 



420 Eugene Bambert 

toüs les c6t68 k la fois, ne sait oü se reposer. Mais 
la nature a suivi ici le conseil que Ton donne aui 
artistes et aux poetes: eile a fait de runite dans la 
diversit^. 

Ceci nous apparaitra clairement quand nous aurons 
situ6, chacim ä sa place, les diff^rents groupes du 
paysage et les principales figures dont ils sont compos^s. 

Mais est-il bien permis de parier de figures k 
propos d'un paysage sans figure? Le mot est plus 
juste qu'il ne semble d'abord. 

Les anciens philosophes pensaient que lorsque 
nous parlons de beaute ä propos d'un objet mat^riel, 
c'est que nous y associons involontairement une idee 
ou une impression, transformant ainsi un phenom^ne 
de Fordre physique en une apparition de Tordre moral. 
tls avaient raison, Messieurs; ils avaient cent fois 
raison. La mati^re brüte, s'il est possible de la 
concevoir, n*est pas belle. Elle ne peut devenir belle 
que lorsqu'elle a revetu une forme, et que cette 
forme devient une figure k laquelle nous pretons une 
äme vivante. Nous en usons ainsi, sans trop nous en 
douter, avec tous les tableaux que nous offre la na- 
ture, et surtout avec les paysages de montagne. C*est 
meme en cela que consiste la principale sup^riorit^ 
du paysage de la montagne sur celui de la plaine: 
il rend plus faciles, plus frappantes, ces sortes de 
personnifications. Une montagne, c'est quelqu'un. Im- 
possible de la d^crire sans lui preter des attribats 
qui n'appartiennent , au sens strict, qu'ä des etres 
qui sentent, qui pensent et qui agissent. 

Regardez la Dent du Midi. N'est-il pas vrai quli 



ViUarS'Chesieres et les Alpes vandoises, 421 

y a quelque chose de royal dans cette ampleur des 
bases et dans les plis flottauts de ces vertes dra- 
peries ? N'est-il pas vrai que rien ne saurait ^tre plus 
hardi, avec plus de gräce, que ces lignes d'aretes, 
fort eloignees les unes des autres 4 leur poiut de 
depart, et qui ne se rapprochent que pour s'elancer 
ensemble et desa^ner dans les airs la Silhouette d'unq 
Cime l^g6re, syeltQ et pourtant npajestueuse ? Cette 
moptagne est fenune; cette montagne est reine. 

La Dent du Midi forme presque k eile seule un 
preiniier groupe ; les quelques sommets qui y figurent 
avec eile, le Luisin, la Tour Salli^re, paraissent se 
Tanger sous s^ depeudapce. 

Ün 8econ4 groupe est compos6 de 1^ Dent de 
Morcjes et des sommites ?iuxquelles eile donne la 
main: la Tete-Noire, la Dent aux Favre, les deux 
%veran, le petit et le grand. 

Femmcj aussi cette Dent de Mordes, avec ses 
demx Qornes recourb^es, pretes k s'abattre, pour la 
dechirer, sur une rivale trqp belle et trop fiöre. 
Femme, mais pas du tout reine. La Dent du Midi 
Äe aait rien de la Dept de Mordes; mais la Dent 
de 5Jprcles ne cesse de regarder la Dent du Midi 
d'un oeil inquiet et jaloux. Vaincue, eile songe k se 
venger, k moins que, par un dernier effort, eile ne 
reussisse ä reconquerir la victoire. 0n dirait, k la 
vpij* pyramider dans l'espace, qu'elle se dresse pour 
se grandir. 

Je neglige l^s sommites intermedjaires, quoiqu'elles 
DQ manquent pas d'int^r^t, et je yais droit k potre 
vieux Muveran. 



t _. 



422 Etirghne Bambert, 

Pourquoi vieux? Eh, messieurs, c'est encore par 
association d^dees, par Interpretation symbolique. La 
Dent du Midi, qui doit avoir k peu prfes le meme 
äge que le Muveran, parait jeune en comparaison. 
Aucune montagne ne porte plus all6grement le poids 
de ses cimes; coquette et brillante, eile a des elans 
soudains, des audaces, des fantaisies. L'espace loi 
appartient. Le Muveran est ramasse sur lui-meme; 
11 est ealme, il est repos6, il est grave, et c'est d'nn 
mouvement soutenu, k la fois 6nergique et tranquille, 
qu'il 616ve son front sourcilleux, sillonn6 par les rides 
du temps. La force est un de ses attributs. C'est 
une ruine, sans doute, comme toutes les montagnes: 
on en voit meme fort peu de plus ravin6es, et ce- 
pendant cette ruine a Fair solide; on la dirait in- 
6branlable. Le peuple, dont l'instinct est sür, malgre 
quelques erreurs accidentelles , dit le Muveran, re- 
connaissant par \k et saluant en lui une majest6 toute 
virile. II frappe moins, k premi^re vue, que la Dent 
du Midi; mais quand on a v6cu dans ce pays, c'est 
de lui, peut-etre, qu'on a le plus de peine k se s^- 
parer. „Comment voulez-vous, disait Charpentier, i 
qui l'on offrait en Allemagne une position brillante, 
comment voulez-vous que je quitte ce grand Mofera7i?^ 

— ainsi qu'il l'appelait dans son fran9ais germanique. 
Charpentier avait des raisons diverses pour s'y etre 
attach6. Aucune montagne n'avait 6t6 plus directement 
associee k ses 6tudes et k ses travaux. C'ötait en 
le consid6rant tous les jours du seuil de sa demeure 

— du seuil de cette maison blanche, aux volets vert», 
dont, il y a cinquante ans, tous les savants de TEn- 



VillarB'Chesihres et les Alpes vaudoises, 423 

rope savaient le chemin — qu'il avait fait quelques- 
UDes de ses meilleures d^couvertes. Mais n'est-il pas 
permis d'attribuer k d'autres influences encore cette 
affection naive et touchante? II a un charme, ce 
grand Moferan^ le charme des uatures qui, k la 
Virilit^ du caract^re, ajoutent les gräces de la bont^ ; 
voyez comme il entoure et protöge ce petit et char- 
mant glacier, le glacier de Plan N6v6, qui repose 
entre ses bras comme un aiglon dans son nid. Le 

Moferajx, c'est encore Gargantua^ le g^ant bonhomme. 

* * 

Pent-^tre, messieurs, trouverez-vous que j'insiste 
trop sur ces impressions fugitives. II n'y faut toucher 
que d'une main d^licate, car elles doivent une partie 
de leur charme k ce qu'elles ont d'insaisissable. Les 
exprimer, c'est d6jä les älterer. Chacun, d'ailleurs, 
les ressent k sa mani^re. C'est comme une m61odie 
qui peut plaire k tous sans qu'il y alt deux per- 
sonnes qui y attachent exactement le m§me sens. 

En ces sortes d'analyses, le plus sür est de s'en 
tenir aux g^n^ralit^s. Du moins conviendra-t-on que 
la po^sie des Alpes r^sulte, en grande partie, du rdle 
qu'y Jone la ligne ascendante. Cette po^sie se laisse 
ramener k deux termes principaux : la ligne qui monte 
et la ligne qui descend ; le pr6cipice et ses terreurs, 
la Cime et ses clartäs. Aussi ne se d6yeloppe-t-elle 
dans toute sa puissance que lorsque certains niveaux 
sont atteints. En ce sens, quoi qu'en puissent dire 
no8 amis du Pilate, l'altitude n'est point indifferente 
k Timpression produite. A ^galit^ de grace et de 
hardiesse dans les formes, la cime la plus haute est 






424 JEugene Bambert 

n^eessairemeBt la plus belle. II y a ane äiff^reoee 
entre les sommets de trois mille in^tres et ceux de 
qnatre mille. La Dent du Midi, 11 faut bien Tayo^er, 
n'est pas encore la Jungfrau, Pour la po^sie de )a ligpe 
desoendante , du pr6cipiee, neu ue lui manque, Si 
V0U8 voulez savoir ce que o'est que de voir profond^ 
de voir le bleu dans le gouffre, allee Ih baut, Bur 
la Cime de l'Est. Mais il lui manque quelque choae 
des effets que peuvent produire les lignes qui montent; 
eile ne fait qu^aborder eette r6gion supörieure oü la 
lumiere tombe de pres sur les 6paules blanches des 
v^ritables reines des Alpes. Mais aussi la Dent da 
Midi n'est-elle pas --^ uon plus que la Dent de 
Mordes et le Muveran — tout ce que vous voyea 
de Yillars. Kegardez par de\ä, et la po^sia des 
hautes cimes lumineuses brillera & yos yeux dans >& 
splendeur la plus immaculee. 

Nous voiei en prösence du troisi^me groupe, I0 
dernier et le plus variable des trois: il suffit, poor 
le voir se modifier, da moiiter ou de desceudre quelques 
eentaines de pas. 

Hier d^ä, d'Aigla et d'Olion, par eette br^he de 
Bt-Maurice, fepStre ouverte sur un monde plus loin- 
tain, vous avez vu app^rattre k la diferob^e quelqi/N 
jRiguiües, quelques eoupoles qui ont sjürenusot tcBB 
votre euriosit^ en 6veil. Vous aorez devia^ , oa ob 
vous aura dit, au besoin, que c'&taLißnt Les eoiitrefort« 
les plus orientauK du piassif du Mont-Blane, tels qae 
la pointe d'Omy, la Graade-Fourehe et l'AigHÜle d« 
Tour. A masure que voua vous ^tes 6lev^, elies se 
fiont d^ag^es. Avee ua peu d'attentioa, voob aorez 



VillarS'Chesi^res et les 4^pe8 vaudoises. 425 

^istingue Iq glaci^r du Trient, un des plus pi^rs d^^ 
Alp0^y dans Tanceinte ci^cuUi^e q^'abriteut^ le^rs uau- 
raiUeSn Q^pendant d^s cimes noi^veUeg ßt plus }iaut6& 
Tenalent eppchir le grqvpe primitif. Qe pi^empz, Iß 
Premier village de monts^gne que vous ayez reucontre, 
rAiguille d'Argentiere, flanqu6e de celle du Chardonnet^ 
pftraiB8£^it la plua 61apc6ß de l^putea. A Oh6si^res^ 
elles trouait encore. D6s lors, vous avez march6 d& 
rodest ä Test, et vous avez perdu pßu ä pau les 
sommitöB les plus orientales; elles se so^t cs^ph^ea 
dßrri^Fß la Dept de Mordes ; ma^\& du cot^ dß Ift Dent 
du Midi on eu a vu briller d^autres, et bipfitot TAi- 
gliiUe d'Argentifere , que vous yoyßz ß|iqore, § d% 
e^dep 1^ p^s ä r^iguille-Vörte, toujoijrs accpmpagnßa 
de \^ Oojnf\e du Pru, son fid61e satellite. 

Ppur le coup, yoil4 bipn la po^^fp (iu mof^dp 
f^lpip supMei^^, II ^'y s^ pas 4^ neiges p^us v}rginales^ 
p^s mSioe ßur |p front ä^e la JfipgfrajLi. Mais ce u'est 
riöft eßßQfei Ce spir, 4ftft3 notve prpflae^adp a Gryon^ 
QOiiA ¥3Frons \JLß poinjb bl^nc qui reßter^ pbstin^ment 
e^iair^ qu^^d Iß^ pl^9 h^^tes ne^ges serou|; dans Topibrß; 
ßt ypus acelj^mpire^ en lui )ß monarque des Alpes^ 
h Montr^lane ep persoppß. Pemai^; apr.6s q^i^ze pi^ 
vingt minutes de naarßbß, sjjp la roufe dß Chaipossaire^ 
-r- jß äi& \^ rpflte et flpp Jß^ sentiers, — vous n'eu 
YßrriS^ p}|is s/Sjaleipent le sommet, yous le ve^re^ 
d^])9 tpujte s^ gloirß, ayec Jps glaces rui^selantßs de 
im %ncs^ IJi y ßMf^ un moi^ient oi^ ^ Qcci|per^ 
pre«qiM« Be^ rpii^y/Brjtiiire qui i^oi^ ofre G,e^te s^rie de 
t^bl/sauK sjB^ces$ifs, d'ejchapp^^jeß pl^s admi^able^ le^ 
meß quß l^l^ ai^tres. Fuis^ p^ontai^jt eneorß, l'ouyerjture 



426 Bughne Bambert 

s'^largira, et peu k peu rentreront en sc^ne, mais 
dans Fordre inverse, les cimes disparues, jusqu'ä ce 
que nous ayons enfin, des hauteurs de Chamossaire, 
le massif tout entier, toujours domin^ par rincom- 
parable coupole du Mont-Blanc. 

Tels sont les trois groupes dont se compose le 
paysage. 

Poiir embrasser TenBemble, il snffit de les mettre 
k leur place. 

Au centre, la breche de St-Mauriefe; par cette 
breche, dans le fond, le gronpe du Mont-Blanc, plus 
ou moins complet, selon le lieu pr6cis d'oü Ton re- 
garde; sur la droite et sur la gauche, en avant, le 
groupe de la Dent du Midi et celui de la Dent de 
Mordes, appuy6e du Muveran. — Et c'est tout. 

II n'y a pas d'ordonnance plus simple; 11 n'y en 
a pas de plus favorable k Tunitö d'un tableau. Tout 
se subordonne aux cimes lointaines. C'est pour elles 
que cette ouverture a 6t6 pratiqu6e, et les sommit^ 
qui les encadrent paraissent n'exister, si fi^res soient- 
elles, que pour leur faire une garde d'honneur. Ainsi 
Tattention est ramen^e de partout vers le point cen- 
tral, qui est aussi le point Inmineux. 

A vrai dire, une ordonnance pareille est chose 
commune dans les Alpes ; on en retrouve le type nn 
peu partout k Tentr^e des grandes vallöes, souvent 
aussi des petites. Elle n'en est pas moins heureuse. 
Ces vues par ^chapp^es pritent merveilleusement ü 
la fantaisie. L'imagination les ach^ve, et ce qu'elle 
r^ve embellit ce que voient les yeux. Et puis, la 



Vülars-Chesüres et les Alpes vaitdoiaes, 427 

chose rare, c'est d'avoir pour fenetre ouverte une 

breche de St-Maurice ; pour groupe de fond, celui de 

rAiguille -Verte ou du Mont-Blanc^ et pour garde 

d'honnenr une Dent du Midi, une Dent de Mordes 

et un Muveran. Ceci, c'est le privil^ge unique, c'est 

la gloire de Villars-Ch^sieres. 

« * 

Mais, messieurs, depuis le temps que je vous 
parle de la vue dont on jouit de Villars-Ch^siöres, 
je ne vous ai rien dit encore ni de Chösieres, ni de 
Villars. — Je n'en dirai qu'un mot. 

Villars-Ch6si6res, vous le voyez, est une terrasse 
flemi-circulaire , qui se relfeve en arri^re. Situ6e ä 
mi-hauteur de la montagne (1250 ä 1300"), eile est 
toute en prairies et en bouquets d'arbres. On dirait 
un parc anglais. La main de la nature, plus intelligente 
parfois que celle du plus fin jardinier, y a sem6 sapins 
et m616zes, comme si eile avait voulu nous inviter ä 
encadrer de verdure les cimes blanchissantes. Ceci 
encore est un contraste, et Tun des plus s6duisants 
qui se puisse imaginer. Ceci encore est un des traits 
fcaract^ristiques du paysage que vous avez sous les 
yeux. Le regard et la pens^e se portent tour a tour 
aur les splendeurs de l'horizon et sur la fratcheur 
des Premiers plans. Ce Mont-Blanc est incomparable, 
Sans doute ; mais il serait d'un 6clat moins pur sans 
cette brauche de m61^ze qui se dessine sur son manteau 
d'hermine ; on a peine ä dötourner les yeux du colosse, 
et pourtant n'est-il pas encore plus beau lorsqu'on a 
consid6r6 un instant les ileurettes qui ^maillent la 
pelouse — r qui T^mailleraient demain jusqu'au sommet 



42Q Eugene Bambert, 

4ß Ohampssaire si la raison 6tait mpins avs^ucee: — 
upe päquerette, une pyimevöre rose, une siiflple ^e- 
ipoi^e sylvie ? Ainsi dpa fleurs aux cimes e\ des cimes 
aux fleurs flotte et se bercp rimagination^ parQpf^pant 
d'un vol heureux le monde des cbpses cr^^eS;^ passaut 
et repassant du gracieux au suljliinej de ce gui cbarrnft 
k ce qui transporte, et trouvant partout de nouveaui 
naqtifs de r^'ouissance et de yeligieuse ^dmiration. 

)((!e9sieurs , vous ne rpsterez pas assßz longtemps 
parroi nous gour voir ce tableau CQmme il faudrait 
le voir, en repos, ä l'ojpbre, et d'un lieu choisi. ^W 
8i peu que vous restiez, vojiß en aurez vu suffisam- 
meut pour comprendre que les Yaudois spieifj; ßxtreme- 
ment attach6Sj noQ seulement k leur bleu |^eman^ 
mais eppore 4 leurs montagnes. Att^ch6s, Ip mqt n'est 
pas a^pez ^pergiqup^ ils ei^ sont eptich^s. C'est ^res 
^erieusement qu'ils cfoient que le mondp des Alpes 
ne s^urait ofifrii: plps dp m^gnificences que dans ce 
coin de tprrp. Toutefois, jls n'oublient pas les jusfes 
et sagps resefve^ que nous fs^isions en pomipen^^Dt. 
lU fie disent pas que les Alpes n'ont rieu ^p si h^Uy 
ils djsent qu'elles ne peuvent pas etre plus b.eJlßB* 

Q'ailleurs, ßi Vaudois que nous soypns^ npus restpns 
et re^teron^ bons et fi.d^Jps Conf6d6res. Nptre parfr 
cularisme; compie on dit, n'a rien d'exclusif. pn al- 
pinjstps dont les yeiix ej; l'pspnt sopt puvefts, pou* 
npus fappelpng c.ejbte Jungfrau, qui pp nous p^f^^ 
pas mqiuß b^illapte qu'ä nos amis de Ber^e ; ce Moot' 
Bo@e; pp Cepin, ce Weisshorn, dont la majpßte qe 
ßpuß i*^yi|k pap inpins que les enfants du Valais; pfi 
Pija^e, cp Mythen, ce goljp d'pri, cet Urirothstpck, 



Villars-Chesieres et les Alpes vaudoises, 429 

•qui comptent autant d'admirateurs parmi nous que 
dans les sectiqns de Lucerne, de Schwytz et du Got- 
hard; ce GlärDisch et ce lac de Wallenstadt, dont 
la pittoresque beaut^ n'est pas ch^re seulement aux 
Glaronnais ; cette Bernina, que nous savons voir avec 
les memes yeux que les guides grisons, ä la barbe 
imposante; ce vert päturage enfin, au pied du Hoch- 
^Säntis, oü nous avons quelquefois iodle , d^une voix 
moins juste et moins retentissante , mais d'un eoeur 
aussi joyeux que les bergers de T Appenzell. 

Ces sentiments sont aussi les votres, Messieurs 
«t cbers coU^gues. Groupons-nous donc ensemble sur 
le sein de la m^re-patrie, oü il y a place pour tous ; 
d^pouillons toute vaine Jalousie et serrons-nous fra- 
temellement la main, pleins d'une juste reconnaissance 
pour Celui qui nous a fait naitre dans un pays oü 
tout est beau, si beau qu'on ne sait k quelle partie 
il faut donner la pr6f6rence. 



IV. 

Kleinere Mittheilungen. 



I 



Neue Bergfahrten in den Schweizeralpen 1885. 

Moutblancgruppe* 

Aiguille Blanche de Peuteret (4108™). Juli 31. 
Mr. H. Seymour King mit A. Supersax, A. Anthamatten 
und E. Rey. Dieselben brachen uni 5 Uhr von ihrem 
Bivouac am oberen Ende des Glacier du Brouillard 
auf, stiegen zum Glacier du Frenay ab, den sie in 
der Richtung einer zum Brenvagletscher führenden 
Lücke tiberschritten, und erreichten von dieser Lücke 
aus nach schwieriger Kletterei über den Nordabfall 
um 2 Uhr den Gipfel. Der Abstieg zum Bivouac 
nahm 5^/2 Stunden in Anspruch. S. Alpine Journal 
Kr. 90 pag. 419 und Nr. 91 p. 431 u. ff. 

Col de Planereuse et Darret (3537 ">). 1. und 
7. August. L. Kurz mit F. Biselx, siehe pag. 151 
n. ff. dieses Jahrbuchs. 

Walliseralpen« 

Dent Perroc, Südostspitze (3679 »). 22. Juli. 
Die Herren Tschumi und Kündig mit Joseph Quinodoz 
verließen um 3 Uhr 50 Min. früh den Gasthof zum 
Mont Collon in Arolla, erreichten um 8 Uhr den 
Kamm der Dent Perroc und über diesen nach 
schwieriger Kletterei um 10 Uhr 55 Min. die Spitze, 
welche sie Pointe des Genevois tauften. Nach der 
Ansicht des Hrn. Tschumi wäre es besser gewesen, 
statt den Grat selbst, ein Felsband etwas unterhalb 

28 



434 Redouition, 

desselben auf der Ferpecleseite zu verfolgen. Siehe 
Echo des Alpes 1886 Nr. 1, pag. 23. 

Dom (4554™) von Saas aus. August 20. Mr. Car- 
theige mit G. Taugwalder und X. Imseng. Die- 
selben bezogen am 19. August ein Bivouac am Fuß 
der Ostwaud des Berges oberhalb des nördlichen Arms 
des Feegletschers und stiegen am 20. früh über die 
Wand direct zur Spitze hinauf, die nach 8^/4 stündiger 
Kletterei erreicht wurde. Der Abstieg nach Randa 
erfolgte auf dem gewöhnlichen Wege. Die Anstiegs- 
route liegt etwas südlich von derjenigen der MM. 
A. und W. Puckle (vergl. Alpine Journal VII, pag. 324, 
und Studer: lieber Eis und Schnee, Supplementband 
pag. 153). Siehe Alpine Journal Nr. 90, pag. 419. 

Berneralpen« 

DoJdenhorn (3647«^), mit Abstieg zum Gasteren- 
thal und Fründimjocli (3001 °0. 10. und 18. Juli. 
Herr und Frau Dr. Dübi mit Chr. und Hs. Hari. 
Siehe pag. 134 u. ff. dieses Jahrbuches. 

Jungfrau (4166") vom Roththal aus über den 
Sudwestgrat. 21. September. F. v. Almen mit H. 
V. Almen, U. Brunner, F. Graf, K. Schlunegger uod 
J. Stäger, siehe pag. 89 u. ff. dieses Jahrbuchs. 

jE'if7(ir (3975«»), Traversirung über den Mittellegi- 
grat. — . ? August. Hr. M. v. Kuffner mit Burgener und 
Biener. Nachdem Hr. v. Kuffner am 29. Juli ver- 
gebens versucht hatte, den Eiger über die Mittellegi 
zu besteigen, machte er am nächsten schönen Tage die 
Besteigung auf dem gewöhnlichen Wege von der klei- 
nen Scheidegg aus und stieg über die Mittellegi zum 
Hörnli hinauf, an dessen Fuß ein Bivouac bezöge» 
wurde. Am folgenden Tage wurde Grindelwald er- 
reicht. Siehe Oesterreich. Alpenzeitung Nr. 174, 
pag. 222. 

Kamm. (3870™). Erste Besteigung 17. Augu^t. 
Herren A. Lorria und Dr. G. Lammer ohne Führer. 



Netie Bergfahrten in den Schiveizeralpen 1885, 435 

Um 6 ühr früh verließen dieselben die Concordia- 
hütte, gelangten um 7 ühr 15 Min. zum inneren 
Schönbühl und stiegen von diesem über einen ziem- 
lich schwierigen Felsgrat nordöstlich zu dem kleinen, 
vom Kamm südwestlich herabhängenden Gletscher 
auf, der um 1 ühr 30 Min. erreicht und nach ^/2StUn- 
diger Rast in der Richtung des Gipfels tiberschritten 
wurde. Steil über den Gletscher ansteigend, gelangten 
sie dann zum Fuße der Gipfelwand und endlich über den 
Westgrat um 2 Ühr 35 Min. zur Spitze. Abgesehen 
von den Rasten erforderte der Anstieg 7^k Stunden, 
der Abstieg, der auf etwas nach rechts abweichendem 
Wege gemacht wurde, 4 Stunden. Siehe Mitthei- 
lungen des D. und Oe. A. V. Nr. 17, pag. 194, und 
Oesterreich. Alpenzeitung Nr. 174, pag. 220 und 221. 

Klein ■ Grünhorn (3927 "^). Erste Besteigung 
13. August. Herren A. Lorria und Dr. G. Lammer 
ohne Führer. Dieselben brachen 5 ühr 45 Min. 
von der Berglihtitte auf, überschritten 6 ühr 15 Min. 
das untere Mönchjoch, erreichten 7 ühr 20 Min. über 
das Ewigschneefeld den Fuß des Berges und gelangten 
durch complicirte Seracs und über Fels und Schnee 
zu einem langen scharfen Firngrat, den sie bis zu 
den Gipfelfelsen 'verfolgen konnten. Dann wandten 
sie sich rechts (Stufen) und erreichten über einen 
äußerst scharfen Felsgrat um 11 ühr 10 Min. 
die Spitze. Abstieg auf demselben Wege. Ankunft 
in der Berglihtitte 4 ühr. Siehe Mittheilungen des 
D. und Oe. A. V. 1885 Nr. 17, pag. 194, und 
Oesterreich. Alpenzeitung Nr. 187, pag. 220. 

Hinter- Fiescherhor7i (4020"™). Erste Besteigung 
27. Juli. Herren Aug. Lorria und Dr. G. Lammer 
ohne Ftihrer. Dieselben brachen 4 ühr 20 Min. von 
der Berglihtitte auf, überschritten die nächste östlich 
vom unteren Mönchjoch gelegene Einsattelung (4 ühr 
50 Min.) zum Ewigschneefeld, das längs des west- 
lichen Abhangs des Fieschergrats traversirt wurde, 



436 BecL Neue Bergfahrten in den Schweizeralpen 1885. 

wandten sich dann links gegen den Sattel zwischen 
den Fiescherhörnern, der um 9 Uhr 20 Min. erreicht 
wurde, und erreichten um 10 Uhr 35 Min. den Gipfel, 
der circa 50™ höher ist und beträchtlich nördlicher 
liegt, als die von Dr. Häberli am 13. Juli 1871 be- 
stiegene Spitze (vergl. Jahrbuch des S. A. C. VIII, 
pag. 148 u. ff.). Auf dem Rückwege wurde auch 
das Groß - Fiescherhom (4049™) bestiegen. Siehe 
Mittheilungen des D. und Oe. A. V. 1885 Nr. 16, 
pag. 185, und Oesterreich. Alpenzeitung Nr. 172, 
pag. 197. 

FinsUraav-Rothhorn (3549™). 27. Juli. S. Simon 
mit E. Merian und J. Tischhauser, siehe pag. 75 u. ff. 
dieses Jahrbuchs. 

Nässihom (3749™). 2. August. Dr. E. Burck- 
hardt mit Chr. Jossi und P. Schlegel, siehe pag. 44 
u. ff. dieses Jahrbuchs. 

Disgrazia-Albigna-Uruppe. 

Cima del Largo (3170™). SUdostgipfel, und 

Fuorcla dd Largo (2949™). 22. August. Dr. Tb. 
Curtius mit Gh. Klucker, siehe pag. 222 u. ff. dieses 
Jahrbuchs. 

P. Bacone (3243™) von der Fuorcla del Bacone 
(3050™) über den Nordgrat. 27. August. Dieselben, 
siehe pag. 231 u. ff. dieses Jahrbuchs. 

Cima da Spliig (3043™). 1. September. Dieselben, 
siehe pag. 236 u. ff. dieses Jahrbuchs. 

Berninagrnppe. 

P. ßernina (4052 ™) über den Scerscengrat. 12. Au- 
gust. Mr. W. Williams mit Schocher und Arpagaus 
brach um 1 Uhr früh vom Rosegrestaarant auf, 
erreichte um 11 Uhr 45 Min. den Sattel zwischen Punkt 
3385 und P. Bernina und stieg in weiteren 1 ^,4 Stunden 
zum Gipfel des letzteren auf. Der Abstieg nach 



K 



M, SchupplL Eine Alpfahrt im ünterwallis, 437 

Boval auf dem gewöhnlichen Wege nahm 2 V2 Stunden 
in Anspruch. Soweit die dürftigen und unbestimmten 
Angaben es erkennen lassen, scheint die Anstiegslinie 
eine Variante des Weges Mr. Wainwight^s vom 1 5. August 
1880 zu sein. Siehe Alpine Journal Nr. 90, pag. 422. 

Die Red, 



Eine Alpfahrt im Unterwallis. 

Es war am 15. Juli 1880, als ich von einem Träger 
begleitet den höchst interessanten und gar lieblichen 
Bergpfad einschlug, der von FuUy über die Berg- 
dörfchen Neuloz, Buitonaz und Tschieboz in circa drei 
Stunden auf den wunderschönen, waldumkränzten Mayen 
(Maiensäß) Lousine führt. 

Bis weit hinauf begleiten uns zuerst die Reben und 
dann die goldenen Saaten reicher Getreidefelder. Diese 
Gegend ist die wärmste im ganzen Wallis. Nord- und 
Westwinde treffen sie nicht, Dur Süd- und Stidwest- 
winden steht sie offen. Von einer erquickenden Morgen- 
frische fühlten wir nichts, der Boden vermochte sich 
nicht bis zur Thaubildung abzukühlen. 

Als die Sonne im Osten heraufzog, stieg mit ihr 
auch die Hitze zu einem bis zum Ersticken hohen 
Grad. Die wunderschöne Aussicht auf das Rhonethal 
bis nach Sitten und noch weiter hinauf, das Erscheinen 
der gegenüberliegenden Vorposten der Walliseralpen 
mit den Furchen und Schluchten der grünen Seiten- 
thäler, die prächtige und interessante Vegetation in 
ihrem südlichen Charakter : Alles das wurde der immer 
ürtickenderen Hitze wegen nicht mehr recht gewürdigt 
und konnte nicht mehr so voll und ganz genossen 
werden. Ein murmelndes Bächlein, ein einladendes 
Schattenplätzchen wirkten viel stärker und vermochten 
weit mehr unsere Aufmerksamkeit zu fesseln. 



438 M, Schuppli, 

Endlich hörten wir die Heerdenglocken von Lon- 
sine und erneuerten unsern Muth, dasselbe bald zn 
erreichen. 

Ein wunderschönes Plätzchen Erde, dieses Lousine ; 
ein wahrhaftes Idyll der Alpenwelt von der größten 
Lieblichkeit! Es liegt zwischen der Grande Garde 
und dem Grand Chavalard in einer Höhe von 1620™; 
ein grüner Wiesengrund, welcher auf beiden Seiten 
in lichten Lärchenwäldem zu den mächtigen Fels- 
wänden ansteigt. Die ganze Alp bildet einen weit aas- 
gedehnten Park, in welchem mächtige Lärchen einzeln 
und in Gruppen den Rasenteppich unterbrechen. 

Dort wiegen sich über bemoosten Blöcken einige 
der schönsten Exemplare und bilden auf weichem 
Graspolster ein Schattenplätzchen, das ich mir zum 
Ruheort auserkoren habe. Prächtige Lärchengruppe! 
An mächtigen Aesten hängen herunter in dichter Fülle 
die langen Zweige mit Büscheln weicher Nadeln ge- 
ziert, in ihrem zarten Grün ein Bild von wundersamer 
Lieblichkeit und Feinheit. Ein heimeliges Plätzchen, 
das ich mein nannte und das mir ai^ch Niemand 
streitig machte ! Es ist doch eine wunderbare Welt, 
dieses Wallis! Unten die Kastanie, der Baum des 
mediterranen Südklima^s, der mildesten Zone der Welt, 
und hier oben die Lärche, der Baum Sibiriens. Welche 
Gegensätze, die sich hier eigentlich berühren! 

Auf einer Terrasse unseres Mayens stehen zwei 
Sennhütten von den schönsten Lärchen beschattet, in 
welchen wir freundliche Aufnahme fanden. Die Käser, 
junge Leute von Fully, waren eben mit der Zube- 
reitung der Käse beschäftigt. Es befinden sich auf 
der Alp 318 Kühe, aus deren Milch im Durchschnitt 
täglich 20 Käse ä circa 15 Pfund fabrizirt werden. 
Die Kühe gehören den Einwohnern in Fully, und es 
ist die Einrichtung getroffen, daß jedem Einzelnen die 
ihm zukommende Milch täglich gutgeschrieben wird. 

Die Leute waren alle in fröhlicher Stimmung, denn 



Eine Alpfahrt im üntertcallis. 439 

morgen, Sonntag, soll die Alpfahrt nach Fully-Alp 
stattfinden. Dieselbe gestaltet sich jedes Jahr zu einem 
großen Feste, an welchem auch die jungen Leute aus 
dem Dorfe Antheil zu nehmen sich das Vergnügen 
machen. Sobald unsere Sennen mit ihrem Eäsgeschäft 
fertig waren , fingen sie allerlei Vorbereitungen auf 
^ie morgige Abfahrt an. Mit besonderer Sorge machten 
sie ihre Toilette. Da war ein Haarschneider, der den 
Einen nach dem Andern unter die Scheere nahm, 
dann folgte der Barbier, der mit großer Fertigkeit 
seine Kameraden rasirte. Auch wurden die Kleider 
ausgebessert und die Schuhe geputzt. Und das Alles 
geschah in gemtithlichem Tone und heiterer Stimmung. 
Die Bursche gefielen mir und ich fühlte mich bald 
ganz heimelig unter ihnen. Nach meiner Nationalität 
fragend, setzten sie voraus, ich sei Vaudois oder Anglais, 
^ie einzige Alternative, welche sie jedem Fremden 
stellen, Bernois ou Allemand steht außer dem Bereiche 
ihrer geographischen Begriffe. Ihr Patois klingt stark 
nach dem Italienischen und ist ziemlich schwer zu 
verstehen. Ein junger blonder Bursche, der durch seine 
lebhafte Gesprächigkeit sich auf einen höheren Stand- 
punkt der Bildung stellen zu sollen glaubte, unterhielt 
sich gerne mit mir. Alle seine Antworten begann er 
mit dem Bewunderung ausdrückenden „tiens, tiens" ! 
Alle diese Leute sind noch nie über die Grenzen ihrer 
Heimat hinausgekommen und zeigen sehr wenig 
Cultur, dagegen viel Originalität und Gutmüthigkeit. 

Ich stellte mich mit dem Chef de la Cabane, 
einem jungen intelligenten Manne, sogleich auf guten 
Fuß und erwarb mir seine Gunst. 

Die Hütten und ihr Mobiliar zeichnen sich durch 
Ureinfachheit aus; außer den zur Käserei noth- 
wendigen Utensilien war auch gar nichts vorhanden, 
nicht einmal eine Pfanne. Ich trug meine Vorräthe an 
Kaffee, Thee, Suppentäfelchen etc. nach dreitägigem 
Aufenthalt wieder den Berg hinunter, wie ich sie 



440 M, SchuppU. 

hinaufgetragen hatte, und begnügte mich, wie meine 
Gastwirthe, mit Milch, Brod, Butter und Käse. Von 
Tischen und Stühlen ist natürlich hier keine Rede^ 
dagegen oflferirte man mir gleich beim Eintritt einen 
einbeinigen Melkstuhl, den ich mir sogleich anschnallte 
und, wie alle andern Insassen der Hütte, als unzer- 
trennlichen Bestandtheil meines selbsteigenen Ichs 
überall mit mir herumführte. Eine recht bequeme Ein- 
richtung, den Schwerpunkt jeder Zeit und an jedem 
Orte nach Belieben zu verändern, die mir aber An- 
fangs Übel mitspielte, indem ich denselben zum Gaudium 
der Gesellschaft einige Male verlor. Alles in der 
Welt will aber gelernt sein, sogar das Sitzen auf 
einem Melkstuhl. 

Es war Abends 6 Uhr, als man von allen Seiten 
her das Heerdengeläute ertönen hörte; die Hirten 
trieben die Kühe herbei, welche sich auf einem großen 
ebenen Weideplatz in der Nähe der Hütten sammelten. 
Es ist Melkzeit und es beginnt ein bewegtes fröhliches 
Leben. Die Melker springen von den Hütten zur 
Heerde, Melkkübel tragend und einen Strick nm die 
Schulter gewunden, suchen dort die ihnen zugetheilten 
Kühe aus, melken sie und eilen dann wieder schnellen 
Schrittes zu den Hütten zurück, wo ihnen die Milch 
genau gemessen und aufgeschrieben wird. 

Das Ganze stellte ein ganz eigenthtimliches Ge- 
mälde dar, voll Leben und Bewegung, das Aug' und 
Ohr in Spannung versetzte. 

üeber 300 Kühe mit breiten , buntgeschmfickten 
Halsbändern geziert, an welchen die großen Glocken 
in steter Bewegung ein unausgesetztes, hundertfach 
tönendes Geläute verbreiten, die Menge von Hirten 
und Sennen , welche durch ihr Rufen , Jauchzen und 
Singen einander zu überbieten schienen, die in be- 
deutender Anzahl der Heerde folgenden Esel, die aa8 
der Feme mit ihrem Geschrei, gleich Alphomtönen, 
das Orchester bilden, und endlich der Wiederhall all' 



Eine Alp fahrt im üntericallis, 441 

dieser Tonarten von den nahen und fernen Fels- 
wänden : das Alles bildete zusammen ein Concert, das^ 
von der Ferne aus angehört, einen wundersamen Ein- 
druck machte. Oft glaubte man einen Chorgesang, oft 
ein Geläute , oft eine Musik in der Ferne zu hören^ 
je nachdem man den Standpunkt veränderte. Ein 
wunderbares Naturconcert ! 

Doch treten wir der Viehheerde näher, die auf 
ihrem Melkplatz so schön versammelt ist. Die kleinen 
lebhaften Walliserktihe interessiren uns im höchsten 
Grade. Es sind flinke, intelligente Thiere, die un& 
80 frisch und munter anschauen, als wollten sie sich 
mit uns unterhalten. Sie gehören der Braunviehrace 
an und spielen in ihrer Farbe vom dunkeln Schwarz- 
braun durch alle Abstufungen bis zum hellen Grau^ 
Sie zeichnen sich aus durch einen schlanken, wohl« 
gebauten Körper, einen leichten Kopf und feine Glieder. 
Vermöge ihres leichten Körpers und ihrer festen 
Beine klettern sie wie Ziegen die Felsen hinan und 
holen sich das auf den schmalen Bändern und Gräten 
spärlich wachsende Gras mit aller Sicherheit. Dabei 
sind sie milchergiebig und äußerst dauerhaft. 

Mit besonderem Interesse zeigte mir ein Senne 
die € reine T^ (Königin). Wenn nämlich im Frühling 
die Thiere aus den Ställen zur Heerde zusammen- 
getrieben werden, so messen sie sogleich ihre Kräfte 
und es beginnt ein Kampf, der nicht endigt, bis die 
Stärkste und Gewandteste alle andern besiegt hat und 
diese sie als Siegerin anerkennen. 

Die „reine" ist dies Jahr die große schwarze Kuh 
des M. le juge von Fully, meines biederen, feucht- 
fröhlichen Wirthes der letzten Nacht, die hier oben 
die Heerde beherrscht, wie unten ihr Meister das Dorf. 
Ke Sonne neigte sich nach diesem wechselvollen Tage 
zum Untergänge, allein in der Hütte trat keine Abend- 
ruhe ein. Alles war noch voll Leben und eiliger Vor- 
bereitung auf den kommenden Tag. Erst gegen Mitter- 



442 M. SchuppU. 

nacht legte man sich unter den Lärchen zu emem 
kurzen Schlafe nieder. Ich suchte schon frUher mein 
auserwähltes Plätzchen und genoß einige Stunden der 
•erquickendsten Ruhe. 

Gegen 2 Uhr Morgens langten die ersten Leute 
^on Fully an, die an der Alpfahrt Theil nehmeo 
wollten, und damit begann der Festtag. Es sammelte 
sich nach und nach eine bunte Gesellschaft von 
Männern, Frauen, Kindern, Maulthieren und Eseln, 
>die wirr durch einander die Umgebung der Hütte 
besetzten. Um 3 Uhr trieben die Hirten die Kühe 
zusammen auf den Melkplatz, auf welchem die FuUy- 
Leute ihre lieben Kühe begrUßten und den Sennen 
melken halfen. 

Dem Rathe meines Führers folgend, wollte ich 
dem Zuge vorausgehen, um von der Höhe aus den- 
selben sich gestalten und in Bewegung setzen zu 
sehen. Wir stiegen etwa ^12 Stunde lang im Zickzack 
•durch einen lichten Lärchenwald und fanden auf der 
Höhe eine Stelle, von wo aus wir das ganze Gebiet 
-deutlich tiberblicken konnten und die Hütten auf 
Lousine mit dem Melkplatz gut im Auge hatten. 
Mein Führer versicherte mich, daß die Kühe es recht 
gut wissen, daß heute Alpfahrt sei, und daß sie sich 
* fi-euen , die abgeweidete Alp zu verlassen und auf 
der Fully-Alp eine reiche Weide zu finden. Und 
wirklich, man sah und hörte es, daß die Thiere von 
einer außergewöhnlichen Lebendigkeit wie besessen 
waren und es fast nicht erwarten konnten, die Abfahrt 
anzutreten. Die Hirten hatten die größte Mühe, sie 
beisammen zu halten. Immer zog sich die Heerde 
dem Wege nach Fully-Alp zu, und trotz der großen 
Thätigkeit der Hirten entwischten einige der Schlausten 
und kamen auf ihrer Flucht bis zu uns hinauf. Die 
Vorderste glotzte uns bei ihrer Ankunft erstaunt an 
und war ganz verblüfft, hier vor einem Hindemiß 
auf ihrer eiligen Flucht zu stehen. Mein Führer 



Eine Älpfdhrt im Unterwallis. 443 

hatte die größte Mühe , den Trupp der Flüchtigen 
wieder den Berg hinunter zu treiben, wo sie von den 
Hirten empfangen und hart gestraft wurden. 

Der Beweggrund des Vergehens dieser Voreiligen 
mag wohl kein anderer gewesen sein, als Hunger 
und Liebe, der aber von den Hirten nicht gewürdigt 
wurde; denn „Ordnung muß sein", meinten sie. 

Endlich um 5 Uhr wurde das Zeichen zum Auf- 
hruch gegeben und es formirte sich der Zug. 

Derselbe wurde eröffnet von einem kräftigen Maul- 
thier, das schwer mit Käse beladen war und von 
einem Mädchen geführt wurde; ihm folgte im Gänse- 
marsch ein Dutzend Kühe, an deren Spitze natürlich 
wieder jene Ungeduldige war, welche wir vor einer 
Stunde zuiiickgetrieben hatten. Stolz und siegesfreudig 
schritt sie an uns vorbei, als wollte sie uns sagen: 
„nun bin ich doch die Erste." Darauf kam ein Trupp 
Esel mit Stroh und Geschirr beladen, dann folgte 
wieder eine Anzahl Kühe, diesen einige Sennen, dann 
wieder Kühe u. s. f. Die Kuhreihen waren immer 
unterbrochen von Sennen, Dorfleuten, Maulthieren, 
Eseln , und die Hirten sprangen vor- und rückwärts, 
den Zug ordnend. Nach einer Stunde verließen wir 
den Lärchenwald und kamen auf einen schmalen Berg- 
pfad , der in ziemlich horizontaler Richtung an der 
steilen Felswand des Grand-Chavalard in einer Höhe 
von 2076°^ nach der Fully-Alp führt. lieber uns er- 
hoben sich die mächtigen Felswände der Dent de 
FuUy und unter uns stürzten dieselben in fast senk- 
rechter Richtung in die grausige Tiefe des Rhone- 
thales hinab. Und dadurch schlängelte sich der über 
eine halbe Stunde lange Zug in seiner malerischen 
Abwechslung. 

Der Weg war eng, größtentheils'so eng, daß zwei 
Personen nicht bei einander vorbeigehen konnten, und 
ich frug mich oft: aber wie kommen die Thiere da 
durch ? 



444 M, SchuppU. 

Plötzlich, wie durch ein Thor tretend, steht man 
vor der offenen Fully-Alp, die sich von der Höhe herab 
in ihrer ganzen Ausdehnung überblicken läßt. Eine 
wundervolle Ueberraschung ! Hier auf einena freien 
Platze, so recht zu einer Warte bestimmt, postirten 
sich die Leute und ließen den Zug bei sich vorbei 
defiliren. Die Sennen jauchzten, die Hirten lärmten,, 
die Kühe brüllten und die Esel schrieen und das Alles^ 
in den höchsten freudigsten Tonarten. 

Die Thiere stürzten sich in unaufhaltsamer Eile 
in die fetten Weidegründe hinunter, gleich wie ein 
von der Höhe herabstürzender Wasserstrom, welcher 
unten eine Ebene tiberfluthet. 

Es war gegen acht ühr. Die Sonne stand am 
wolkenlosen Morgenhimmel und der Schatten des 
Grand-Chavalard bedeckte noch einen Theil des weiten 
Kessels der prächtigen Fully-Alp, die in jungfräulicher 
Schönheit vor uns lag. Sorniot, das Sennhüttendorf^ 
strahlte in hellem Sonnenglanze, während der dunkel- 
blaue Spiegel des nahe gelegenen See's die ersten 
Strahlen des neuen Tageslichtes reflectirte. 

Es war schön, zu sehen, wie sich der schlängelnde 
Zug der freudig erregten Thiere unten scheinbar zu 
einem Knäuel zusammenwickelte und die einsamen 
Hütten plötzlich in ein belebtes Dorf umwandelte. 

Endlich kam das Ende des Zuges, welches von 
einigen 50 kleineren und größeren Grunzem gebildet 
wurde, die von Frauen getrieben und mit großer 
Mühe den jähen Pfad hinunter dirigirt wurden. 

Sorniot ist ein regelmäßig gebautes Hütten-Dorf^ 
In der Mitte stehen 2 große Sennhütten, von welchen 
aus sich regelmäßige Gassen zwischen den schön in 
Reihen gebauten Viehställen ziehen. Alles ist aus 
Stein gebaut, denn auf der ganzen Alp findet sich 
nicht eine Spur von einem Baum oder einem größeren 
Strauche. Jeder viehbesitzende Bewohner des Dorfes 



Eine Alpfdhrt im Unterwallis. 445 

liat hier oben seinen Viehstall, in welchen seine 
Thiere über Nacht getrieben werden. 

Die Kühe weiden, die Sennen räumen ihre Habe 
in die Hütten ein und die Fully-Leute besichtigen 
ihre Ställe: Alles ist voll Freude und Leben. 

Nachdem die nöthigsten Geschäfte besorgt waren, 
begab sich die ganze Gesellschaft auf eine nahe Wiese 
und hielt dort ihr Mittagsmahl. 

Man aß Brod und Käse und trank frisches Wasser 
aus dem nahen Bache, man scherzte, lachte und freute 
sich des schönen Tages. 

Nach der Mahlzeit gingen die Einen wieder an 
ihre Beschäftigung, die Anderen tiberließen sich dem 
Schlafe und ich folgte einer Einladung zu einer kleinen 
Tour an den Oberen See. Es waren 3 junge Bursche, 
die mir die Schönheit ihrer Alp zeigen wollten. Wir 
waren stets von 3 Schönen gefolgt, die nach und 
nach aus ihrer anfänglichen Schüchternheit heraus- 
traten, den jungen Burschen schöne Alpenblumen auf 
die Hüte steckten und sich als die Geliebten derselben 
erwiesen. Das Alles geschah aber mit einer Zucht und 
Sitte, welche ich diesen Leuten nicht zugetraut hätte. 
Diese Liebesgeschichten interessirten mich indessen 
herzwenig, ich verliebte mich viel mehr in die wunder- 
bare Schönheit der mich umgebenden Alpennatur. 

Die die Alp umkränzenden Felswände und Berg- 
gipfel mit ihren nackten Firsten, ihren weidereichen 
Terrassen und trümmervollen Geröllhalden, die male- 
rischen See'n mit ihren lieblichen Buchten und Halb- 
inseln, die schäumenden Wasserfälle und tosenden 
Pelsbäche mit ihrem frischen Bergwasser, der prächtige 
Pflanzenteppich mit dem reichsten Blumenflor übersäet : 
das Alles nahm mein Herz und meine Sinne so gefangen, 
daß ich mich für nichts weiter zu interessiren ver- 
mochte. Wir lagerten uns auf einer grünen Felsterrasse, 
von welcher aus das ganze Gebiet sich unseren Augen 
als prächtiges Gemälde darstellte. 



446 



M. SchuppU. 



Vor uns liegt in unmittelbarer Nähe der tiefblaue 
Spiegel des Oberen See's , von einer Stunde im Um- 
fang, und hinter demselben das Grand-Coor von der 
Tita ä Sery, Tete Noire und Dent de Mordes begränzt, 
rechts erhebt sich der Grand-Chavalard, die Dent de 
Fully und der Fenestral und links schließt die Treni- 
bloz- und Diabley-Kette den weiten Cireus. Das 
ganze Bild lag unter einem lichtblauen Himmel imd 
wurde vom reinsten Sonnenlichte Übergössen. 

,,Wir müssen umkehren, der Herr Pfarrer kommt, "^ 
rief auf einmal eine Stimme, und eilends kehrten wir 
zurück zu den Hütten. Da trafen wir Alles in voller 
Erwartung, denn es soll jetzt die Einsegnung der 
Alp vorgenommen werden, eine Ceremonie, die auch 
mich sehr interessirte. Ein Kapuziner, ein großer statt- 
licher Mann mit langem schwarzem Barte, stieg den 
Felsweg herunter und trat in's Sennendorf. Er wurde 
von Jedermann eht-furchtsvoll gegrüßt und gefolgt 
und es bildete sich eine Art von Procession, die sicL 
zuerst nach den Sennhütten bewegte, in welchen 
der Segensspender Alles mit seinem Weihwasser be- 
sprengte und seine Gebete verrichtete. Hierauf bewegte 
sich der Zug dem nahen See zu, wohin auch das Vieh 
getrieben wurde. Der im großen Ornate sich befindende 
Kapuziner stieg auf einen Felsvorsprung, auf welchem 
ein hölzernes Kreuz stand, und im Kreise herum 
gruppirte sich die andächtige Menge. Ein wahrhaft 
malerisches Bild! 

Dem Ufer des See's entlang rückte die Viehheerde 
in einer ununterbrochenen Kette ein Stück schön hinter 
dem andern daher in langsam-ruhigem Schritte. Der 
Ring umschloß über die Hälfte des See's, der nahezu 
eine halbe Stunde im Umfang haben soll. 

Zwischen unserem Felsen vorsprung und dem Wasser- 
spiegel war das trockene Ufer. breit genug, um einer 
Kuh den Durchgang zu bahnen. So passirte Stück 
für Stück und empfing die Segensspende von der 



Eine Alpfahrt im UnterwalUs. 447' 

Höhe herab, begleitet mit den üblichen Gebeten, denen 
die Menge abwechselnd knieend und stehend in an- 
dächtiger Sammlung folgte. 

Nach dieser Einsegnung zerstreuten sich Menschen 
und Vieh 

Es war unterdessen Abend geworden. Die Leute 
von Fully zogen nach und nach ab und der Festtag 
war zu Ende. Es war ein schöner Tag, der mir un- 
vergefJlich bleiben wird. Er brachte mir nichts als 
angenehme, freundliche Bilder; ich könnte mich nicht 
eines einzigen unangenehmen Eindruckes von dieser 
Alpfahii: erinnern. 

Nun aber kam die Nacht, von der ich nicht das 
Nämliche bezeugen könnte, die mir vielmehr, eng zu- 
sammengepfercht, wie wir waren, und den Angriffen 
kleiner blutdürstiger Feinde wehrlos preisgegeben, zur 
wahren Qual wurde. Trotzdem beschloß ich, noch zwei 
Tage auf Fully-Alp zu bleiben. Der nächste Tag sollte 
der Pflanzenwelt gewidmet sein, denn wir stehen hier 
auf einem classischen Boden der alpinen Flora, wo die^ 
berühmten Botaniker Gaudin und Ranc ihr Standquartier 
hatten ; Follaterra, Fully-Alp, Dent de Mordes : das ist 
das Eldorado des Botanikers. Ich sammelte, obwohl 
die beste Zeit schon vorüber war, circa 70 Species. Die 
Anemone baldensis, Viola lutea, Linum alpinum, Cine- 
raria aurantiaca, Senecio incanus, Androsace carnea 
n. a. fanden sich in solcher Menge und Schönheit,, 
wie ich sie noch nie gesehen hatte. 

Südlich von den Fully-Alphütten findet sich Hie- 
racium Peleterianum ; am Portail Geranium rivulare 
und Viola pinnata ; am Ufer des Unteren See's Silene 
alpina ; zum Oberen See hinansteigend Gentiana alpina, 
Arabis bellidifolia etc. ; im Oberen See Potamogeton 
marinus. Auf den Anhöhen gegen den Grand-Chavalard 
zu Valeriana saliunca ; oben im Cirque - de - Fully 
Saxifraga caisia, Ranunculus parnassifolius ; auf den 
Trlimmerhalden Viola cenisia, Galium helveticum etc. 



448 3f. SchuppU. Eine Älp fahrt im ünterwaUis. 

Der dritte Tag war für die Besteigung der Grande 
Dent de Mordes bestimmt, deren Gipfel ich mit 
meinem jungen Führer Justin, einem tüchtigen Gems- 
jäger, ohne Schwierigkeit erreichte und deren wunder- 
bare Aussicht wir während voller drei Stunden bei 
wolkenlosem Himmel in vollen Zügen genossen. Beides, 
die botanischen Streifereien und die Besteigung der 
Dent de Mordes, gehört nicht in den Rahmen dieses 
Bildes, das nur eine Alpfahrt im Wallis darstellen 
will. Nur dem Abschied von der schönen Fully-Alp 
und ihren wackeren Bewohnern seien noch ein paar 
Zeilen gewidmet. 

Als nach meiner Rückkehr von der Dent de 
Mordes die Sennen und Hirten ihr Tagewerk voll- 
endet hatten, wollten sie mir nach ihrer Auffassung 
noch ein Fest bereiten. Sie zündeten in der Mitte 
des großen Hüttenraumes ein Feuer an und setzten 
sich im Kreise um dasselbe, indem sie mir den Ehren- 
platz anwiesen. Nachdem Monsieur „tiens, tiens" 
eine kurze Ansprache gehalten, begannen sie mit einer 
Reihe von Gesängen, die nimmer enden wollte. Er- 
zählungen und Anekdoten unterbrachen ihre Lieder. 
Dabei rauchten die Pfeifen und die Milchkanne kreiste 
in fröhlicher Runde. Alle die Lieder, welche sie sangen, 
waren Soldaten- und Kriegslieder, die sich meistens 
auf Frankreich bezogen und einer früheren Zeit an- 
gehören. Von Schweizervolksliedern, von Bergliedern 
und Kuhreihen wußten die Leute nichts. Auch die 
Stimmen waren nicht sehr musikalisch gebildet; allein 
es war doch sehr schön und ich war auf meinem 
Melkstuhl viel glücklicher, als droben auf dem be- 
lebten Stroh. 

Am frühen Morgen zog ich mit Justin ab, von 
den herzlichsten Glückwünschen der Bewohner von 
Sorniot begleitet, welche mir noch nachliefen, um mir 
die Hand zu drücken. Ein prachtvoller Weg führte 
uns vom Portail de Fully aus über Alesses und 



JB. Lindt Lauterbrunner Breithom. 449 

Outre Rhone nach der Station Evionnaz, von wo mich 
die Bahn nach Bern zurückbrachte. 

M. Schuppli (Section Bern). 



Lauterbrunner Breithorn. 

Als Ergänzung zu unserer Besteigung (Jahrbuch XX, 
pag. 103 u. ff.) wird es wohl diesem oder jenem Clu- 
bisten von Interesse sein, den Zeitaufwand zu einem 
solchen Abstecher von der Wetterlticke aus unter gün- 
stigen Verhältnissen genauer kennen zu lernen. Ich 
verdanke Herrn R. Kramer von Leipzig, Mitglied der 
Section St. Gallen, welcher in Begleit des HeiTn 
Dr. Pönsgen aus Düsseldorf (S. Bern) und mit Führer 
Fuchs einen Tag nach uns diesen Gipfel besuchte, 
folgende Angaben: Von Steinberg- Alp um 3 ühr 40 Min. 
abgehend, gelangten die Herren, den Breithomgletscher 
hinauf nnsern Spuren folgend, in 5 Stunden zur Wetter- 
lticke. Von da zum Gipfel brauchten sie, unsere Ab- 
stiegsroute längs des Westgrates für Auf- und Abstieg 
einschlagend, 3 Stunden 25 Minuten, während wir 
nach der Südseite den Berg umgehend und in sehr 
weichem Schnee ansteigend 7 Stunden gebraucht hatten. 
Der Abstieg zur Lücke vollzog sich in 2 Stunden 
25 Minuten. Ein Halt hatte für uns eine halbe Stunde 
längeren Zeitaufwand veranlaßt. Um 7 Uhr erreichten 
unsere CoUegen Ried im Lötschthal. Der Marsch 
betrug demnach im Ganzen 14 Stunden. Dieser Gang 
wird auch von unsern Clubgenossen als ein sehr dank- 
barer geübteren Bergfreunden warm empfohlen. 

R, Lindt (Section Bera). 



29 



450 Ed. Wartmann. 

BlUmKsatph^rn mit Abstieg auf der SUdwestseite 

gegen die FrQnden. 

Mehr Glück bezüglich des Wetters und der Aus- 
sicht als letztes Jahr Frau Tauscher-Geduly (siehe 
Jahrbuch XX) hatten zwei Bieler Clubisten mit den 
beiden Hari am 31. Juli 1885, als sie nach einem 
prachtvollen Abend, der zum Aufstieg nach der Club- 
htitte am HochthürJigrat benutzt worden, und nach 
einer kurzen Nachtruhe daselbst sich gegen das 
Blümlisalphom wendeten. Der Gletscher war mit 
wenig Schnee bedeckt, der den Füßen sichern Halt 
bot; die wenigen Sparten boten keine Schwierigkeit, 
sondern verlangten nur etwas Vorsicht. Erst der 
Anstieg gegen den Sattel zwischen Rothhoni und dem 
Hauptgipfel erheischte mehrere tiefe Stufen, bis der 
fast messerscharfe Grat erreicht worden war. In den 
Felsen des Rothhomes wurde ein kleiner Halt gemacht 
und alles überflüssige Gepäck zurückgelassen, lieber die 
Felsen ging es gut aufwärts, während weiter oben der 
Firn so hart und glatt war, daß unzählige Stufen nöthig 
wurden und diese letzten 400 Meter Anstieg 3 Stunden 
beanspruchten. Ein einstündiger Aufenthalt auf der 
Spitze entschädigte uns reichlich für die Mühen \ nnr 
zu bald mußten wir an den Abstieg denken und unsj 
von der wolkenlosen, Ungeheuern Rundschau trennenJ 
Bei vorsichtigem G^en brauchten wir fast 2 Stunden,! 
wovon allerdings eine halbe Stunde fUr einen kleinf 
Aufenthalt unterwegs abgerechnet werden muß, bis] 
wir bei unsem Sachen anlangten. 

Der von hier aus eingeschlagene Weg für deB| 
Abstieg auf der SUdwestseite des Rothhom ist, nacl 
meinem Suchen anzunehmen, noch nirgends in del 
Schriften des S. A. C. erwähnt und ich möchte 'M 
hiemit als bedeutende Vereinfachung und angenehi 
Variante allen Besteigem des schönen Horns eoj| 
pfehlen, um so mehr, als er keine weitem Schwierig] 



BlümliscUphorn mit Abstieg auf der Südwestseite etc. 451 

keiten bietet und besonders bei weichem Schnee auf 
dem Gletscher den anstrengenden späten Rückmarsch 
über denselben vermeidet. Gleich vom Sattel weg 
geht es über steile Geröllhalden, den Felsen des Rotli- 
homs entlang, schief abwärts, wie auf Schnee ab- 
fahrend; nur wenige hart gefrome Stellen mahnten 
zur Vorsicht. 

Weiter unten kommen einige Felspartien, über 
welche man stufenförmig gegen das Ende des vom 
Oeschienenhom herabfließenden namenlosen Gletschers 
der Excursionskarte gelangt. Von hier aus sind 
wieder zwei Wege möglich, entweder der von uns 
eingeschlagene um die scharfe Westecke des Roth- 
borns herum auf dem abhängenden, erst schmälen, 
bald aber breiten Rasenband der obern Schafschnur 
zur IJnteröftchinenalp hinab, hoch über dem See hin, 
zu dem die Lasterfluh 500™ tief abfällt, oder der 
etwas steilere, doch auch ohne große Milhe und Gefahr 
ausführbare Abstieg über den Fuß des Frtinden- und 
Doldenhoms gegen das Stidufer, welcher jedenfalls der 
kürzere von beiden ist. Nach einem kleinen Halt hoch 
über dem grünen See ging es flott abwärts, rings um ihn 
herum, froh, endlich den Schatten überhängender Felsen 
in dünngesäeten Tannen genießen zu können. Ungefähr 
um die gleiche Zeit, wie Tags zuvor, 5 Uhr Abends, 
trafen wir im Hotel Victoria ein und benutzten noch 
den schönen Tagesschiuß zu einem Gang durch die 
Kanderschlucht in's untere Gasterenthal, dessen steile 
Ringmauern an ihren höchsten Zinnen im letzten Son- 
nenstrahl erglänzten. Bis spät saßen wir mit den 
Führern beisammen, neue Pläne schmiedend, die aber 
andern Tags durch Nebel und Regen vereitelt wur- 
den. Rüstigen Gängern ist die Besteigung des Blümlis- 
alphoms wärmstens zu empfehlen ; dieselbe wird durch 
den eben angegebenen Abstieg jedenfalls bedeutend 
verkürzt, insofern der Abstieg gegen Kandersteg sich 
richten soll. Ed. Wartmann (Section Biel). 



452 Ed. Wartmann. Die Obera^rjochhütte. 



Die OberaarjochhUtte 

wurde im Laufe der Saison 1885 wiederum stark 
frequentirt; vom 30. Juni bis 28. August fanden sich 
im Fremdenbuche 35 Touristen mit 45 Führern ein- 
geschrieben; von Ersteren waren 11 Schweizer, 11 
Deutsche, 7 Engländer, 2 Oesterreicher, je 1 Italiener, 
Amerikaner, Russe und Franzose. Erwähnenswerth 
ist der mehrtägige Aufenthalt daselbst von Frau 
Tauscher - Geduly und Gemahl mit zwei Tyroler 
Führern. Die größte Frequenz zeigte der 20. Juü 
mit 5 Reisenden und 7 Führern. 12 Reisende hatten 
das Finsteraarhorn zum Ziel genommen, retissirten 
aber nicht alle, während einer von ihnen den Anstieg 
von der Hütte bis zur Spitze in 4^/2 Stunden, den Rück- 
weg zur Hütte in 3'/2 Stunden gemacht hat. Anßer 
der witzigen Bemerkung des Herrn Cart: „bois k 
brüler assure contre Tincendie" ist mit keinem Wort 
über den Holzversorgungsmodus etwas Uebles gesagt, 
sondern gegentheilig die Hütte und deren Bedienung 
nur gelobt; selbst die beiden hitzigen Winterthurer 
schwiegen und werden wohl bei geschilderter Kalt« 
zufrieden gewesen sein, genügend Holz vorgefunden 
zu haben. Das Fremdenbuch wurde am 21. Dezember 
durch vier Grimselknechte abgeholt und die Hütte 
bei dieser Gelegenheit in bestem Zustande und sozu- 
sagen außen und innen völlig schneefrei getroffen. 
Der Anstieg wurde um 7 Uhr Morgens begonnen und 
um 6^/4 Uhr Abends waren sie zurück im Hospiz. 
Der Aufenthalt in der Hütte dauerte 1^/2 Stunden. 
Zu gleicher Zeit gingen zwei Knechte zum Pavillon 
DoUfus, um ihn für den ärgsten Winter definitiv zu 
schließen, während Herr Nägeli selbst das Sidelhom 
bestieg und von dort aus während 2^/2 Stunden bei 
schönstem Wetter und -[" ^^ ^- ^^ ^®r Sonne den 
Aufstieg seiner Boten beobachtete und wartete, bis 



s 



Ed. Gerwer. Nebelhild am Urbachsattel, 453 

diese wieder auf der Paßhöhe des Oberaarjochs er- 
schienen, da er auf der steilen Westseite Lawinen- 
gefahr befürchtete. Ed. Wartmann (Section Biel). 



Nebelbild am Urbachsattel. 

Um 2 ^'2 Uhr des 20. August 1885 brachen wir, 
2 Herren und 2 Führer, von Hof zum Besuche des 
Dossenhomes auf. Den Weg nahmen wir durch das 
Urbaclithal. Das Wetter war klar. Als jedoch der 
Tag anbrach, bemerkten wir von Alp Schrättern aus, 
wie der Wind sogenannte Schäfchen über das Hörn 
hinjagte, und beschleunigten deßhalb unsere Schritte. 
In 6 Stunden erreichten wir über Enzau und Flaschen 
den untern „weiten Sattel" zwischen Gstelli- und 
Dossenhorn (auf der Excursionskarte 1884 heißt er 
Urbachsattel). Von dort gelangten wir in drei Viertel- 
stunden zu der jetzt tiefer liegenden Hütte. Schon 
wurden Dossenhorn und seine Nachbarn in Nebel 
gehüllt. Trotzdem erstiegen wir den Gipfel, uns immer 
in den Felsen haltend, mit gänzlicher Vermeidung des 
Gletschers. 

Unterwegs fing es zu schneien an, und man konnte 
keine 20 Schntte weit sehen. Noch dichter war der 
Nebel beim Abstieg, und der Wind jagte uns den 
Schnee heftig in's Gesicht. In der Hütte machten 
wir Rast. 

Wind und Sonne vermochten unterdessen den 
Nebel auf der Rosenlauiseite zu durchbrechen, wäh- 
rend auf der Urbachseite er undurchdringlich blieb, 
wie zuvor. Wir brachen auf und hielten uns beim 
Abstieg immer auf der Höhe des Grates nach dem 
^weiten Sattel", zur Linken, nach dem Rosenlaui- 
gletscher hin, die leicht verschleierte Sonne, rechts 
gegen Urbach die Nebelwand. Plötzlich bemerkten 
wir draußen im Nebel zur Rechten zwei concentrische 



454 Ed. Gerwer, 

geschlosBene Kreise in den schönsten Farben des 
Spectrums. In der Mitte des kleinem Kreises be- 
merkte Jeder ein Schattenbild, das sich bald, den 
Bewegungen nach zu schließen, als sein eigenes ent- 
puppte. Der kleine Kreis war so groß, daß das 
Schattenbild mit emporgehobenem Pickel den obern 
Rand erreichen konnte, während die Fttße nicht ganz 
an die untere Peripherie reichten. Ein Jeder sah 
sich selbst im Gentrum des Kreises und hie und da 
seinen Vorder- und Hintermann, wenn derselbe nicht 
zu weit entfernt war. Das Bild war so deutlich, daß 
man selbst das Seil zwischen den einzelnen Figuren 
erkennen konnte. 

Einzelne Ringe, wie Heiligenscheine, um die ein- 
zelnen Figuren konnte man nicht wahrnehmen, wie 
diese auch schon beobachtet worden sind. Wie groß 
die Distanz von uns bis zum Bild war, läßt sich 
kaum angeben (20 bis 50 Schritte waren die ver- 
schiedenen Schätzungen). Ebenso wenig könnte mao 
den Durchmesser der Kreise angeben. Wir standen 
in der Mitte zwischen Sonne und Nebelbild. Der 
Wind war unregelmäßig. Eine Zeit lang begleitete 
uns das Bild, um dann in Folge eines Windstoßes 
plötzlich zu verschwinden. 10 Minuten nachher er- 
schien es in demselben Glänze wieder, um bald end- 
gültig vom Winde weggeblasen zu werden. Es war 
um 4^/3 Uhr Abends. 

Wir nahmen unsern Abstieg nun direct durch die 
Felsen zum Rosenlauigletscher hinunter. Wie er- 
staunten wir aber, als wir die Felsen, über die wir 
vor fünf Jahren, von der Einweihung der Gleckstein- 
hütte kommend, hinunter nach der langen Seiten- 
moräne geklettert waren, zum großen Theil von neuem 
Gletscher bedeckt fanden. Unsere Führer hatten uns 
zum Voraus gesagt, der Gletscher sei in strengem 
Wachsthum begriffen. Noch deutlicher zeigten sich 
die Spuren, daß der Gletscher nicht nur in den 



Nehelbild am Urhcuihsattel, 455 

hohem Regionen, sondei'n jiuch an seiner tiefsten 
Peripherie im Vordringen sei, an der rechten Seiten- 
moräne. Hart am Fuße der haashohen alten Seiten- 
moräne hat das £i8 einen ganz frischen, 6 — 8 Fuß 
hohen £rd- und Steinwall in die Höhe gehoben und 
sich ganz darunter eingewühlt. Dieses geschieht der 
ganzen Länge nach sowohl als auch am untern Ende 
in der FrontalmorSne. Diese kleine Moräne doeu- 
mentirt sich als ganz neu, nicht nur durch die Aus- 
sagen der Führer, sondern auch durch ihr ganz frisches 
Aussehen und die Massen kleiner Spalten, die sich 
im Ekdreich durch das Aufstoßen gegen die alte Mo- 
räne hin gebildet haben. Daß also dieser Gletscher 
endlich die traurige Periode des Krebsganges auf- 
gegeben hat, läßt sich hier mit Ldchtigkeit und 
großer Sicherheit constatiren. 

Durch diese beiden für uns Alle neuen Phäno- 
mene für unsere aussichtslose Tour einigermaßen ent- 
schädigt, gingen wir nun i^sch dem Thale zu. 

Ed. GerwETy cand. med. (Section Blümlisalp). 



Notizen aus den Glarner- und Urnerbergen. 

Der j^hohe Thurm^y 2672 m. (Kanton Glarus), 
zuerst von Herr J. J. Schießer (Section Tödi) 1878 
bestiegen, war seither nicht mehr besucht worden. 
Die Schilderung des Herrn Schießer im Jahrbuch 
1878/79 (Band 14) reizte mich zur Nachahmung. 
Am 20. September 1885 brach ich mit Bergführer 
Thoma von Amden, der zwar in diesem Grebiet noch 
unbekannt war, aber im Glarnerländchen mein steter 
Begleiter ist, Morgens 7 ^/a Uhr von Linththal aus auf. 
Regen hatte uns so lange zurückgehalten; es hellte 
auf, doch blieben die Berge beinahe den ganzen Tag 
im Nebel, nur hie und da zeigten sie sich für einen 
kurzen Augenblick; speciell unsem „Thurm^ bekamen 



456 C. Seelig. 

wir kein einziges Mal voll zu Gesicht. Wir stiegen 
über NußbUhl-Ortstafel (Blatt 400: Linththal) aufwärts, 
ließen das Bräch-Seeli rechts liegen und kamen durch 
das ^Euloch^ auf den Lauchboden, gingen um den 
Fiätstock herum und von Norden her dem „Thurm*' 
zu Leibe. Der Nebel kam bis zur Höhe von circa 
2400 m. herunter, ein momentanes Lichterwerden 
desselben ließ uns wenigstens nicht mehr im Zweifel 
seih, daß wir den richtigen Gipfel vor uns hatten. 
Schnee lag beinahe keiner mehr, nur circa 100 m. 
unterhalb der letzten jähen Wand sti^g bis zu dieser 
hin eine sehr steile und eisharte Firnzunge hinaaf. 
Ueber diese erreichten wir auf gehauenen Stufen die 
eigentliche Felswand des „Thurms" von NW her; 
die Felsen erwiesen sich weniger „aalglatt^ als sehr 
faul und mußten vorsichtig angefaßt werden, doch 
erreicht diese immerhin anregende Kletterpartie nicht 
die Schwierigkeiten z. B. des nördlichsten Mtirtschen- 
stockgipfels ! Wir strebten direct aufwärts, erreichten 
in circa 20 Minuten den Grat und über diesen hin 
in wenigen Minuten den Gipfel. Der vorhandene, 
noch gut erhaltene Steinmann und die darin befind- 
liche Flasche belehrten uns, daß wir oben und richtig 
auf dem „hohen Thurme" seien. Es war 4 Uhr 30 
Minuten Abends, der dichte Nebel ließ uns keine 
10 Schritte weit sehen. Die Flasche im Steinniann 
war zerbrochen und der Wahrzettel beinahe unleser- 
lich geworden, ich steckte ihn mit meiner Karte in 
eine frische Flasche^ seit Herrn Schießer hat den 
Berg Niemand mehr besucht. Mein Begleiter Thema 
hatte bis zum letzten Augenblicke an einem Gelingen 
der Partie gezweifelt; in unserer Freude befestigten 
wir an dem noch im Steinmann befindlichen Stocke ein 
rothes Taschentuch, das wir 2 Tage später vom Rüchen 
und Bächistock gewahren konnten. Herr Schießer 
hat s. Z. diese Tour so genau beschrieben, daß wir 
auch im Nebel, Dank seinen Angaben und den ans- 




Notizen aus den Glarner- und Umerbergen. 457 

gezeichneten topographischen Karten, nicht fehlen 
konnten. Wir werden so ziemlich den gleichen Auf- 
und Abstieg wie Herr Schießer gemacht haben; wäre 
kein Nebel gewesen, so hätten wir den Abstieg über 
den sehr steilen und wild zerrissenen Grat nach SO 
zur „Furkel'' versucht, derselbe ist wahrscheinlich 
möglich. So waren wir froh, unsern Weg vom Auf- 
stieg wieder richtig zu finden, wofür Thoma ein 
besonderes Talent erwies. 5 Uhr stiegen wir ab 
und kamen erst in tiefer Dämmerung (7 Uhr) bei 
unsern auf dem Earrenfeld am Fuß des Flätstock 
zurückgelassenen Effecten an. Ein weniger angenehmer 
als sehr aufregender Nachtmarsch — der Mond war 
unsichtbar — über die unbekannten Karrenfelder 
brachte uns endlich mit Hülfe von Kompaß und 
Karte Nachts 10 Uhr in die obersten Hütten der 
Braunwaldalp, die, zwar schon verlassen, uns doch 
ein heiß ersehntes Nachtlager boten. 

Mürtschenstock, 2392 m. Nördlichster Gipfd. 
Das sich von Norden nach Süden erstreckende Massiv 
des wilden Mürtschenstocks hat 3 Gipfel; der nörd- 
lichste ist der niedrigste, aber am schwierigsten zu 
besteigende, der eigentliche Mürtschenstock (2392 m.); 
der mittlere, der sog. y^Faxden'^^ ist der am meisten 
besuchte und hat eine Höhe von 2415 m. Der süd- 
lichste, der j^Ruchen^^ ist der höchste mit 2442 m. 
und gibt dem „Stock'^ an Schwierigkeiten nicht viel 
nach, auch er erhält selten Besuch. Der „Ruchen'*^ 
wurde in den Jahren 1883—85 von Mitgliedern der 
Section Uto besucht (auch von mir dreimal), der 
„Stock" war seit 1877 nicht mehr bestiegen worden, 
Herr Ostertag (Section Uto) hatte ihn im genannten 
Jahre mit dem seither verstorbenen Führer Leuzinger 
von Netstall zuletzt bestiegen und diese Tour in der 
„Neuen Alpenpost" (Band VI, 77) beschrieben. Er 
verwechselt dabei jedoch irrthtimlicherweise den „Stock" 
mit dem „Rüchen", dessen Höhe er ihm auch zuschreibt, 



468 C. SeeUg. 

Blatt 264 des topographischen Atlas gibt die Namen 
richtig an. Mit meinem Begleiter Joseph Thoma 
hatte ich schon im September 1884 einen Tergeb- 
lichen Anlauf unternommen, irregeleitet durch falche 
Angaben von Sennen und Jägern, die angeblich oben 
gewesen sein wollten. Am 13. Juli 1885 fanden wir 
endlich den richtigen und einzig möglichen Aufstieg, 
der, wie ich nachträglich erfuhr, identisch mit dem 
des Herrn Ostertag und der früheren Besteiger war. 
Die Flasche mit den Wahrzetteln war zerbrochen 
und solche nur mehr schwer leserlich, ich eopirte und 
verwahrte sie in einer neuen Flasche, die seither 
von Führer Sttißy von Glarus heruntergeholt, aber 
nicht wieder hinaufgebracht wurdo (als Beweis, daß 
«r den Gipfel erreicht hatte). Herr Prof. Dr. Baltzer 
war der erste Besteiger, nach ihm besuchte Dr. Piccard 
mit einem Frankfurter Studenten, später die von 
Herrn Ostertag in seinem Aufsatz angeführten Herren 
der Sectionen Tödi und üto den Gipfel , allo, unter 
der Führung von Leuzinger von Netstal. Als neuen 
Führer kann ich nun empfehlen meinen Begleiter 
Joseph Thoma von Amden. Die Besteigung bietet 
eine sehr interessante, ja pikante Kletterei, besonders 
in ihrem letzten Theile, und ist nach meiner unmaß« 
^blichen Meinung schwieriger, als z. B. die des 
^kleinen Spannorts **. 

Das ^Kleme Spannort^ (3149 m.) wurde 1885 
von 4 Partien besucht, 3 Mal von Mitgliedern der 
Section üto; ich bestieg es unter Führung von Carl 
Heß von Engelberg, der auch zwei der andern Par- 
tien hinauf geleitet hatte und aufs Wärmste zu 
empfehlen ist, am 3. August 1885 ; wir trafen gfin- 
fitige Verhältnisse, indem die Felswand vollkommen 
^aper^ war; dagegen bot der Bergschrund am Fuße 
der Wand einige Schwierigkeiten. Wir besuchten 
gleichen Tags noch das „Große Spannort^, das öfters 
Besuch, auch von Damen, erhielt. — Die Clubhtttte 



Notizen aus den Glarner- und ümerhergen, 459 

^Hotel üto" war in sehr gutem Zustande und reich- 
lich mit Holz versehen, für welches der davon Ge- 
brauch machende Tourist in der Alp „Nieder-Surenen" 
eine kleine Entschädigung zahlt, eine nachahmungs- 
werthe, angenehme Einrichtung! 

Die riQ'^oße Windgälle^ (3192 m.) erhielt 1885 
drei Besuche, darunter zwei von Mitgliedern der 
Section Uto. Ich bestieg sie mit Joseph Zraggen 
von Amstäg, den ich bestens empfehlen kann, am 
17. August 1885 von Bernetsmatalp aus, nachdem 
wir Tags zuvor zusammen den „Bristenstock'^ (3074 m.) 
besucht hatten. In den Sennhütten von Bernetsmat- 
alp findet man freundliche Aufnahme und reinliches, 
gutes Nachtlager gegen eine bescheidene Entschädi- 
gung. Der üebergang vom Stäfelgletscher zur Fels- 
wand der Großen Windgälle war infolge des klaffen- 
den Bergschrundes und der glatt abgeschliffenen Felsen 
ziemlich schwierig. Wir kletterten bis zum Gipfel 
auf den j^aperen^ Felsen und hatten, wenn auch 
keinen schwierigen, so doch sehr ermüdenden Auf- 
stieg; in früherer Jahreszeit, wenn die Felsen und 
ßteinriesen noch mit Schnee bedeckt sind, soll der 
Aufstieg weniger anstrengend sein. Der Berg ist 
sehr „steinschlägig'^ und wir hatten darauf unsere 
volle Aufmerksamkeit zu richten. Der zweite, etwas 
höhere (circa 2 m.), westliche Gipfel ist erst zweimal 
bestiegen worden. Wir waren zu sehr ermüdet und 
durchgefroren, um den ihm zugedachten Besuch noch 
abstatten zu können. 

C. Seelig (Section Uto). 



Crispalt. 

Der Name Crispalt wird in älteren Karten als 
CoUectivname dem ganzen Gebirgsstock um den Kreuzli- 
paß herum beigelegt (vrgl. Jahrbuch VI, pag. 478, 
Itinerar 1871, p. ßß). 



460 H. Lavater- Wegmann. 

Nachdem nun sowohl die Düfourkarte wie Blatt 407 
des topographischen Atlas mit diesem Namen aus- 
schließlich den isolirten, von Nord nach Süd abfallenden 
Felsrücken zwischen Val de Val und Val Giuf be- 
zeichnet und wenigstens die Bünduer diese Benennung 
allgemein accepirt, kann wohl kein Zweifel mehr 
darüber bestehen, wo wir den Berg zu suchen haben. 
Als ich während eines kurzen Aufenthaltes in Tschamut 
mich über den Crispalt erkundigte, wußte man mir 
nicht die geringste Auskunft zu geben, indem in 
dortiger Gegend von keiner Besteigung etwas bekannt 
sei. Dieß harmonirte schlecht mit der Notiz im 
Itinerar 1871, wo „die Besteigung neuerdings von 
Sedrun aus als eine der lohnendsten der ganzen Gegend 
empfohlen wird^, und ebenso wenig mit der Angabe 
in Tschudi's Tourist : „höchst lohnend, unschwierig und 
nicht sehr mühsam.^ 

Ich beschloß daher, den Weg unter die Füße zu 
nehmen und mich durch eigenen Augenschein von der 
Sache zu überzeugen. So zog ich denn am 25. Juli 
mit Tagesgrauen von Tschamut aus, längs dem Tiarms- 
bach den Hängen des Calmot entlang, kreuzte den 
Tiarmspaß und steuerte dem Val de Val zu. Mein 
Begleiter war der 65jährige Job. Martin Peter, der 
von dem Wege ungefähr gleichviel wußte wie ich. 

Ein leichter Frühnebel bedeckte die hohem Re- 
gionen ; wir sahen, im obern Theile des Thaies an- 
gelangt, nur bisweilen durch den dünnen Schleier 
einen Punkt, den wir für den höchsten hielten und 
dem wir glaubten zusteuern zu müssen. Ein Fels- 
couloir von beträchtlicher Steilheit führte uns in ein 
Chaos von wild durcheinander gewürfelten Felsblöcken, 
über die wir emporkletterten. 

Auf dem Grate angelangt, gewahrten wir erst, 
daß wir Punkt 3022«» erreicht, die höchste Spitze 
aber in nicht bedeutender Entfernung nördlich liege, 
wo ein Steinmann sichtbar wurde. Die kurze Strecke 



Orispalt 461 

erforderte eine stUndige und sehr mühsame Kletterei 
über die gewaltigen, meist lose liegenden Granit- 
GneißblÖeke. 

Punkt 3080% die nördliche und höchste Spitze, 
zierte ein wohlgebauter Steinmann, der weder Flasche 
Doch Wahrzeichen enthielt, wie auch sonst keinerlei 
Teberbleibsel, wie man sie gewöhnlich auf besuchten 
Bergspitzen findet, sich vorfanden. Es war klar, daß 
vir eine Spitze betraten, die jedenfalls noch wenige 
Besuche empfangen, und daß sich die oben angeführten 
Oitate auf den südlichsten Ausläufer, Punkt 2791°^, 
beziehen, der von Sedrun aus schon oft gemacht 
worden. Wer den Steinmann erbaut, habe ich bis jetzt 
nicht ermitteln können. 

Die Aussicht, mittlerweile vollkommen klar ge- 
worden, war überraschend schön. Mich interessirte 
namentlich der Einblick in die gegenüberliegenden 
Thäler, besonders Val Cornera und Val Nalps, welche 
ich 2 Tage zuvor in ITstündiger Rundtour über den 
Piz Blas durchwandert. 

Lange verweilten wir da oben; es gelüstete uns 
auch gar nicht nach dem Abmärsche, denn wir sahen 
voraus, daß unser eine schlechte Kletterpartie harrte. 
Auf die Seite von Val Giuf hinunterzusteigen getraute 
ich mir nicht, da unten sich ein Band blanken Eises 
unter den Felsen durchzog, durch weite Randspalten 
von dem kleinen Giufgletscher getrennt. Nördlich 
bricht der Grat plötzlich steil und ungangbar ab. 

So wandten wir uns denn dem obersten Theile des 
Val de Val zu, das wir nach 1^/2 stündiger tüchtiger 
Arbeit glücklich erreichten. Es war eine eklige 
Kletterei diese morschen Trümmerwände hinunter, die 
meist so steil waren, daß wir nicht sehen konnten, 
wie sie weiter unten beschaffen seien, und wo wir uns 
häufig für Füße und Hände höchst zweifelhafter 
Stützpunkte bedienen mußten. 

Ich kenne selbst in diesem ältesten Alpengebiete 



462 Jl Schiesser. 

keinen Berg, der so greisenhaft verwettert und zer- 
bröckelt ist, wie der Crispalt — nichts als ein immenser 
Haufen lose aufeinander gethtirmter Trümmer — das 
Ideal einer Bergruine. 

H. Lavat ei*- Wegmann (Section üto). 



Tttdi mit Abstieg durch die Giiemspforte. 

Officielle Excursion der Section Tödi S. A. C. 

Sonntag den 13^ Juli des verwichenen Jahres^ 
Morgens früh 5 Uhr, verabschiedete sich eine kleine, 
sieben Mann starke Gesellschaft vom Besitzer des 
gastlichen Kurhauses „zum Tödi" im Thierfehd, wo- 
selbst dieselbe gestern Nachtquartier bezogen hatte. 
Es waren die Herren Fritz Oertli, Kaspar Höeli^ 
J. Spälti und der Berichterstatter mit den Führern 
Thomas Wichser und Robert Hämig und dem Führer- 
aspiranten Fritz Brander. 

Wer kennt sie nicht, die saftiggrünen Matten des 
Thierfehd, inmitten des gewaltigen, von schäumenden 
Wassern tibergossenen Felsencircus! Fürwahr ein herr- 
liches Landschaftsbild, zumal wenn, wie heute Morgen, 
ein tadellos klar darüber sich wölbender Himmel 
das Tagesgestim die Berge mit rosiggoldenen Farben- 
tönen anhauchen läßt. Es ist ein Bild, geei^n«t, selbst 
das Herz eines Hypochonders froher schlagen «u 
machen, um so mehr muß es da« Herz eines Natur- 
freundes, eines Alpenclubisten mit Wonne erfüllen. 

Frohen Muthes betrat die kleine Schaar den Weg 
nach der Clubhütte am Grünhorn. In würziger Morgen- 
luft durchwanderten wir Wald und Schlucht; bald 
blinkten grüßend die silbernen Zinnen des Papa Todi 
uns entgegen, bald auch war die hintere Sandalp er- 
reicht Eben war das Vieh zum Melken zur Hütte 
getrieben worden; wer Lust hatte, trank frische 
Mileh. Freigebig brachte der Senne von seinem 



Tödi mit Abstieg dt^ch die Glienispforte. 465 

besten trockenen Holz herbei, von welchem ein Jeder 
eine Zulage auf den Tornister erhielt. Im Schatten 
noch wurden die steile Rietlen und die Tentewang- 
tiberschritten; erst an der Oelplanke betraten wir 
ßonnenbeschienenes Terrain. Wenn auch die Sonne 
noch lange nicht den Scheitelpunkt erreicht hatte, so 
machten sich ihre Strahlen doch ziemlich bemerkbar; 
die sonst ziemlich geschwätzige Gesellschaft wurde 
merklich stiller, man hörte nur noch dumpfes Dröhnen,, 
erzeugt durch schwerfälliges Auftreten langsam be- 
wegter Füße, das Aufstoßen des Alpstockes am 6e- 
stein, auch etwa ein „Pub'* oder „Huh'^. Sie ist eine 
„böse'' Planke, die Oelplanke, darüber hat schon 
Mancher ein Liedlein gesungen. Doch, wie Alles, 
einmal ein Ende nimmt, so auch unser Steigen über 
die Oelplanke. Halb 11 Uhr erreichten wir die 
Bifertenalp, und nach einer längern Rast daselbst be- 
traten wir ein Viertel nach 1 Uhr die Clubhütte» 

Nach eingenommenem Mittagessen erhielt männig- 
lich Arbeit angewiesen; die Decken wurden gesonnt^ 
sämmtliehes Koch- und Eßgeschirr gründlich ge- 
reinigt, die Hütte gekehrt, eine Partie altes Lagerheu 
und anderweitige, nicht salonfähige Sachen über Bord 
gewoi-fen, ein Verzeichniß sämmtlicher Mobilien auf- 
genommen, Holz gesägt und gespalten, kurz, es ent- 
wickelte sich eine lobenswerthe Thätigkeit, welche 
darauf hinzielte, den nächsten Besuchern die Hütte in 
einem weniger tadelhaften Zustande zurückzulassen^ 
als wie wir solche anzutreffen die Ehre gehabt hatten, 
hjzwischen suchte ich mit Hämig den von Führer 
Tboma iren Amden signalisirten Weg, der, nach 
dessen Angabe in einer Zuschrift an das Comit6 der 
Section Tödi, Über dem Grünhorn durch die Felsen 
führend, den Abstieg von der Hütte auf den Gletscher 
ttnnöthig machen und dessen Gangbarmachung nur 
minime Kosten verursachen sollte, auszukundschaften« 
Wir stiegen von der Hütte über die Kante des Grün- 



464 J. Schiesser. 

borns aufwärts bis an die gelbe Wand; der vor- 
genommene Augenschein bestätigte unsere Voraus- 
setzung, daß Thoma die Sache jedenfalls nicht bei 
hellem Lichte betrachtet haben werde, leider nur zu 
«ehr. Von der gelben Wand aus ist der Gletscher 
nicht erreichbar, noch viel weniger eine Umgehung 
der Schneerunse möglich. Angenommen aber, es wäre 
die Möglichkeit vorhanden, wenigstens die Schnee- 
runse zu erreichen, ohne von der Hütte erst auf den 
Gletscher hinuntersteigen zu müssen, so müßte ein 
solcher Weg mehrfach an gefahrdrohenden Stellen 
vorüber führen, wo häufig Steine, Lawinen und 
Gletscherbrüche herabstürzen. Gehen wir aber noch 
höher, bis über die gelbe Wand, bis zu ^Thuts 
Mütze ^, so muß dieselbe erst in nördlicher Richtung 
umgangen werden, denn direct über unserm Stand- 
punkt ist dieselbe lothrecht aufgebaut. Daß sie er- 
stiegen werden kann, unterliegt keinem Zweifel; da- 
gegen kann sie auch von diesem Punkt aus nicht 
imigangen, auch höchst unwahrscheinlich nur erreicht 
w^erden. Die unten angeflihrten Gefahren gelten auch 
für diese obere Partie. Zeit würde keine gewonnen. 
Ich komme daher zu dem Schlüsse, daß der seit 
einer Reihe von Jahren innegehaltene, von Führer 
Jakob Stüßi aufgefundene Weg der richtigste ist und 
bleiben wird. 

Bevor wir von der Recognoscirungsfahrt zur Hütte 
uns wendeten, errichteten wir auf einem Felsvor- 
sprung an der gelben Wand einen kleinen Steinmann. 

Die Hütte selbst ist immer noch in tadellosem 
baulichem Zustande. In dieselbe zurückgekehrt, em- 
pfing uns ein angenehmer Kaffeeduft; bald dampfte 
die denselben verbreitende braune Flüssigkeit einladend 
auf dem Tisch. 

Nach eingenommenem Nachtmahl war es besonders 
der von Herrn Paul Liebeskind unserer Clnbhtttte 
gewidmete „Enzian^, der uns die Zeit kürzte. Bald 



Tödi mit Abstieg durch die Gliemspforte. 465 

jedoch begab man sich zur Ruhe, denn frühzeitig 
sollte die Hauptarbeit, der Aufstieg auf den Gipfel 
des Tödi, beginnen. Noch war Mitternacht nicht 
lange vorüber, als die Vorbereitungen zum Aufbruch 
getroffen wurden. Eine kräftige Suppe, die Allen 
trefflich mundete, wurde zum FrühstUck servirt. 

Das Thermometer zeigte etwas auffallend hohe 
Temperatur, -j^ 6®; doch der Himmel war klar und 
die Schneerunse vom Mond fast taghell beleuchtet. 
Punkt 2 Uhr nahmen wir Abschied von Herrn 
J. Spälti, der sich entschlossen hatte, am Morgen 
nach der Sandalp zurückzukehren. In der Tiefe lag 
der Gletscher noch im finsteru Schatten der Nacht. 
Dieser Umstand, sowie die glasige Beschaffenheit des 
Oletschers, verlangte^ langsames Vorrücken. Von der 
Schneerunse an aufwärts ging es besser. Vom gelben 
Wändli wieder auf den Gletscher gelangt, hatten wir 
fortwährend den Mond als Begleiter, zudem war der 
Schnee günstig, auch fand ich den Gletscher weniger 
zerklüftet, als dies am 23. August 1869, bei meinem 
ersten Betreten desselben, der Fall war. Ziemlich 
rasch rückten wir höher. In der Höhe des Fußes 
des Pia Urlaun angelangt, ließen wir uns Zeit, den 
Aufgang der Sonne , den längst schon ein Über der 
Scheibe und dem Bifertenstotjk auftretendes, immer 
stärker werdendes Glühen des Firmamentes ange- 
kündigt hatte, zu beobachten. In der Höhe des Stock 
Gron deponirten wir alles für den weitern Aufstieg 
Entbehrliche in eine Vertiefung im Schnee. Allmälig 
beliebte das schimmernde Haupt des Bifertenstockes 
sich in Horizonthöhe herabzulassen, und 10 Minuten 
vor 7 Uhr wurde die Einsenkung zwischen Glamer 
Tödi und Piz Rusein erreicht. 

Die Temperatur war inzwischen merklich gestiegen 
and der Schnee sehr weich geworden. Einstimmig 
iritrde besehlossen, erst den Piz Rusein, sodann den 
Glamer Tödi zu betreten; dem Beschlüsse folgte die 
Ausführung auf dem Fuße nach. 

30 



46^ J, Sekie98er. 

Hsd^ idi es einerseita aua gutes GvilBden ub4«f- 
lamensi, den ei»en zarttekgelegteir Weg zu besehreibesy 
so iMlten Bnch aadevseit» stiiehhalitigere Gründe noch 
¥iel nrehff tevoir ki»y eio Bild entwerfen zu wotiea 
von demt^ w»» dem Aii^e auf dieser foftigen Warte 
zu schauem verg^Dol isyt;. ntöge* dks eine gewandtere 
Fehler versuckieii. leb wHl mkb davauf beschvänkeD^ 
anizudeuten, in welebem Raumaiaß sieb die Rnudrsiebt 
etwa bewegte In den* Moment, da wir de» Gipfel be- 
traten^ leuebtete der Montblanc kell imd klar an» 
Bttdwestei» herüber, während diametral enAgegengeeetzt 
die bfliyriscfafeB Alpe», ELette Mnter Kette, deutlicb 
zu ericeniiten waren.. Gegen Weste* verhinderten die 
dualcelsi Heh«i»c^e de» Jura und darttber gelagerte 
Dunstmassen ein weiteres Vordringen de» Auge»; gegen 
Nordwest und Nord sind die Yogese» «nd der Bebwarz- 
wald ala sc^acbe Erbebangen etkenalktf.- lieber 
den Bodensee hinaus suehit unser BKck nmsone^ einen 
HaltefMinkt. Gegen Ost und S^oftt, weit j«ii«eit8 der 
Grenzen unsere» Yaierkuides^ tbibrnie» sich über «nd 
hinter einander dB« Yorarlberger- und Tiroleraipeny 
strahlend in hellem ^nnengkusz^ empor. Im: Süfden, 
entspreehend der hohen Tenyperatuf, führt der Föhn 
sein Regiment und schiebtet foirmenreiebe' Dunstmaseen 
himmelhoeh auf eMHider,, nikr zaweilen für MoflUieRte 
die Cristallinap^ Bernin«-, Goithard- lUMt Menterefta- 
Gruppen eie* frei lassend. Was innerhalb dies^ 
Grenzen liegt ^ wer wül das AHe» atti^kkn? wer 
misebt die Farben? Volle hundert Minuten gaben 
wir uns der Betraebtung alF der Berrllehkeit hin; 
jetzt sendet der Föhn einfiselne Pltekler berttber^ sut 
zanberbaftei* BebnelligJLeit haben, dieselben die um- 
liegenden Bergspitzen besetzt ; es malmen die^ Führer 
zum Auibrueh. 

Obwohl knietief i«i> weieben Sehnee einsiakendy 

"«langen wii* ziemlieh bald zn den zui^ttekgeUssenen 

^cten; hier hatten wir die Gtiemspforte sildtieb 



Tödi mit Abstieg durch die Glietmpforte. 467 

gegenüber, um dieselbe zu eFreichen, wxirde erst die 
Firamiilde traversirt, dann abwärts steigend einige 
Schrunde am Fuße des Stock Gron links umgangen; 
sodann kroehen wir keuchend aufwärt» ftber eine 
8cbneelehne und gelangten ohne weitere Schwierig- 
keiten in die Einkerbung der Gliemspforte. Zu unscrn 
Füßen liegt der Gliemsgletscher ; ziemlich Aach und 
ftwt ohne Spalten, windet sich dieser durch das in 
diesem obern Theile vegetation^arme Val Gliems. Am 
rechten Ufer des Gletschers erhebt sich der Stock 
Pintga; der denselben mit dem Stock Gron rerbin- 
dende Felsrticken vei'ffacbt und senkt sich unserm 
Standpunkt gegenüber derart, daß der Gletscher dort 
bdnabe fiberquelleii möchte. lieber diese EinSenkung 
hinweg ist die Ruseinalp sichtbar. Der Weg über 
jene dahin ist mit großer Schrift vorgezeiciroe*. Eine 
steile GHetscheraunge reicht bis beinahe an den 
Scheitel der Pfo*te, nur eiw kleiner Theil von dieser, 
unser Standpunkt, ist schnee- und eisfrei. Die 
Gletscherzunge hatte in halber Höhe einen Schrund, 
der, vom Stock Gron bis an die Wand des Piz Urlaun 
sich erstreckend, einzig bei der letztern überschritten 
werden konnte. Die sehr starke Neigung der Zunge 
ttwd der' derselben aufgelagerte weiche Schwee mahnten 
zu größter Vorsicht •:^ leicht hätte eine Lawiner erzeugt 
werde« kSwüen, die uns u»fehlbar mitgerissen haben 
wftrde. Immer links am Fuß«' des Piz Urlaun uns^ 
haltend, die Stöcke tief emtreib^nd, wurde diese etwas 
heikle Stelle in circa IS Minuten glücklich über- 
wund«», Kach weitern zehn Minuten war au^b der 
Gtetscber ti^aversirt invd bctrarten wii* die erwäbnte* 
EinsenkuBg, Hier konnten wir mn ohne Bedenken 
des Seiles entledTge», dlenn, was jetzt fol^e, war 
Geröll, dann ein paar Schneelehwen (vielleicht kleine 
Gletscher), die, zu ausgiebigen Kutscbpartien Gelegen- 
heit bietend, dfe Thalfohrt etwas Tcrkürztei». Punkt 
12 Ülff erreichten wir die Hütte in Rusein. Nach 



468 J. Schiesser. Tödi mit Abstieg durch die Gliefnspforte. 

vorgenommener Restauration wurde Rath gehalten; 
der Himmel hatte sich nämlich mit schwerem Gewölk 
überzogen, und aus dem nahen Rheinthal hörte man 
die Kanonade eines sich soeben entladenden (j€- 
witters. Einstimmig wurde beschlossen, ein paar 
Stunden der Ruhe zu pflegen, inzwischen könne das 
Wetter wieder freundlicher sich gestalten. Wirklich 
entfernte sich das Wetter immer weiter aus unserm 
Bereich, und wenn auch der Himmel noch nicht in 
tadellosem Glänze uns entgegenlachte, so entschlossen 
wir uns doch, trotz et welchem Sträuben der Führer, 
zu sofortigem Aufbruch und Rückzug über den Sand- 
paß, erwartete uns doch auf der obern Sandalp herr- 
lich duftendes Alpheu in Fülle, dazu Wolldecken zur 
Genüge, wohingegen im „Hotel Rusein" von all' diesen 
Herrlichkeiten nicht eine Spur zu finden war. 

Es war 3 Uhr, als wir der Ruseinhütte den 
Rücken kehrten. Zum Dank für unsern Beschluß 
holten die Führer scharf, sehr scharf aus; doch wir 
blieben die Antwort nicht schuldig und erzwangen, 
noch bevor der Sandgrat erreicht war, ihre Kapitu- 
lation. 

Der Sandgletscher bot uns keine Schwierigkeiten: 
dagegen waren die Gletscherwasser bedeutend ange- 
schwollen, ihre Ueberschreitung daher nicht so leicht 
zu bewerkstelligen. Mit gegenseitiger Hülfeleistung 
gelangten wir indeß glücklich hinüber. 7 Uhr Abends 
begrüßten wir die Hütten auf der obern Sandalp, in 
welchen wir nach schnell bereitetem Essen ein treff- 
liches und wohlverdientes Nachtlager in schwellendem 
Heu bezogen. Es dauerte kaum fünf Minuten, so 
hatten Alle die Welt vergessen und schliefen ohne 
Unterbrach bis Morgens 6 Uhr gleich Murmelthieren. 

Neugestärkt traten wir am Morgen den Heimweg 
an. Im Kurhaus „Tödi'^ ließen wir nach glücklich 
vollbrachter, herrlicher Bergfahrt fröhlich die Gläser 
erklingen. J. Schiesser (Seetion Tödi). 



/. Studer. lieber elektr. Erscheinungen auf dem Säntis. 469 

Ueber elektrische Erscheinungen auf dem Säntis. 

Der schöne Sommer des vorigen Jahres lockte 
meine Frau und mich schon im Juni in die Berge. 
Zunächst beschlossen wir, dem hübschen Appenzeller- 
ländchen wieder einmal einen Besuch zu machen. 
Mit wenig Gepäck und viel Humor ausstaffirt, langten 
wir Samstag den 27. Juni in dem Seh wendi- Weißbad 
an. Der Sonntagmorgen war nach einem voraus- 
gegangenen Gewitter so wunderbar klar und schön, 
daß wir schnell bereit waren, zum lieblichen Seealp- 
see aufzubrechen. Unter den Tannen der idyllischen 
Landzunge, des uns wohlbekannten, trauten Plätzchens 
am Wasser, lagernd, lauschten wir dem vielfachen 
Echo, während sich die schneebedeckten Häupter des 
Säntis und seiner Nachbarn ungemein klar vom blauen 
Himmel abhoben. Je länger wir uns dem Genüsse 
des prächtigen Landschaftsbildes hingaben, um so 
lebhafter stieg in uns der Wunsch auf, den Säntis 
selbst zu ersteigen, und als wir nun gar die kühn 
sich emporschwingende Telephonleitung mit den Au- 
gen verfolgt hatten, da wurde unsere Sehnsucht nach 
oben eine unwiderstehliche. Unverzüglich wurde über 
Hüttenalp und Katzensteig zurückgekehrt, in Schwendi 
zu Mittag gegessen, das Bündel geschnürt und ein 
Träger engagirt. 

Gegen 4 Uhr brachen wir wieder auf und langten 
nach 6 Uhr in der Meglisalp an, wo wir uns etwas 
erfrischten. Während unseres Marsches hatten sieh 
einzelne Gewitterwolken gebildet, und wir fragten 
uns, ob es nicht rathsam wäre, hier zu bleiben. Da 
man uns aber versicherte, es würde höchstens ein 
„Sprützerli" geben, und uns nach dem Kalender der 
schönste Vollmond in Aussicht stand, auch der 
Säntis noch blauen Himmel zeigte, so wagten wir 
die Weiterfahrt. 

Allein schon nach einer Stunde fing der „Alte 



470 J, SiMder. 

Mann^ zur Linken zu murren und zu brummen au: 
der helle Himmel verdunkelte sich schnell; schon 
zuckten einzelne Blitze und bald strömte der Begen 
herab. Auf dem Schneefeld angelangt^ konnten wir 
uns nur mühsam fortbewegen, da der sUndfluthartige 
Begen einen förmlichen Bach bildete und den Schnee 
erweichte, so daß wir öfters bis über die Eniee ein- 
sanken. Das Grollen zu unserer Seite ward immer 
heftiger; das Gewitter rückte mit ungeheurer Schnellig- 
keit näher. Bald folgte Schlag auf Schlag. Ein 
wahres Feuermeer umgab uns. Trotzdem di*angen 
wir vorwärts, bald von grellen Blitzen geblendet, 
bald in völliger Dunkelheit den Pfad suchend. Der 
vorsichtige Gedanke, bei solchem Unwetter schleunig 
zur Meglisalp zurückzukehren , wurde verscheucht 
durch das rechnende Bedenken, daß wir bereits die 
größere Hälfte des Weges hinter uns hatten. Zudem 
winkten uns schon die beleuchteten Fenster des 
nahen Säntisgasthauses. Freilich brauchte es alle 
moralische Kraft, bei solchem Kampf der Elemente 
auszuharren- Während Wasser über unsem Häuptern 
und unter unsem Füßen in Strömen dahinfloß, wäh- 
rend der Sturmwind heulte, Blitzschläge die Nacht 
taghell erleuchteten und der krachende Donner von 
den Bergen im Echo endlos verlängert wurde, während 
jegliches Geschöpf in der Angst um das liebe Leben 
gerne nach einem Obdach flüchtete, schritten wir, 
tapfer gegen die heftigen Windstösse ankämpfend, 
den Zickzackweg im Schnee langsam vorwärts. 

Auf einmal erblickten wir hoch über uns auf dem 
Bergkamme, der sieh links von der Säntisspitze gegen 
den Altmann hinzieht, aufflackernde Flämmchen, ver- 
mischt mit kleinen gelbliehen Kugeln. Diese letztem, 
anscheinend an einem Seil oder Draht dahinlaufend, 
näherten sich gegenseitig, bildeten zusammenstoßend 
eine größere Lichtmasse und fielen endlich explodirend, 
ähnlich einer Sternchenrakete, in röthlichen und 



üeher elektrische Ersfihemungen auf dem Säntis. 471 

l)4aneii Kugeln scblllngiehid zu ßoden nmker. I>ie«e 
i»^kw4tFddge Erseib^inintg wiedeiiioJte aidi melrrmato 
«ftebei«i»der. 

Kamm hatton wir an« k^ü vnsepem Erstaunen 
•oiioH, als tmü and^f^es PhUnomen mi&ere A«(^erkfiam< 
keit in AnfiipFadh nahm. Amf 4em g]«ioheii Bergkaoünie 
»elxw^bte nämlich eme einzelne feudge Kugel, von 
4er «e'beifibaa'^en G-röße einer Bombe oder ei«e8 kleirnen 
Momies, in fladhem ^parabeldsehem Bogen hm xmä her, 
«twa «it der Gksdiwindigkeit eiaee geworfenen B^ailes, 
nur mit dem Unterschiede, da^ß die JBewegnng der 
ÜQgel stets gleichmäßig war. Am Ende thi^er Bahn 
«chien «ie zu verschwindeB, ta«chte aber gleich d*rauf 
wieder empor wid begann ihren ruhigen Lauf 4iuf*s 
Neue. Mit Intenesse schauten wir dem «ms noch 
ganz unbekannten, wohl einige Minuten a^lialte^ideii 
Spiel dieser K^elbiitze zu. 

Ba auf einmal — wir naiochten m Luftdistane 
noch ungefißir 10 Minuten vom Hotel entfernt seio — 
erfolgte ein furchtbarer Krach, der den ganzen Berg 
in seinen Oruodfesteo zu erschüttern sohlen, und 
uns nichts Anderes glauben ließ, als da;ß das Ende 
der Welt gekommen sd. Unter einem lauten Amf- 
sefarei sank meine ^an auf's Schnreefeld. Ich tlber- 
zeugte mich sofort, daß sie nur erschreckt, aber nicht 
verletzt war. Unser Träger, ein älterer Mann aus 
dem Weißbad, bekreuzte sich lebhaft. Mein nächster 
Oedaake war : Jetzt hat es in's Gasthaus geschlagen, 
das gl^ch in hellen Flammen stehen wird. 

Aber siehe da, ein ganz anderes Schauspiel sollte 
uns zu Theil werden; ein Feuerwerk von noch nie 
gesehener Schönheit und Oroßartigkeit überraschte 
uns. Die ganze Telephonleitung, soweit sie von 
unserem Staudpunkte auf dem Firn unseren Augen 
erreichbar war, d. h. bis zur vierten oder fünften 
Stange von der meteorologisdieii Station weg, stand 
im intensivsten Lichte. Und zwar nicht, wie man 



472 J. Studer. 

erwarten sollte, bloß der Draht, sondern auch der 
zwischen demselben und dem Erdboden sich befin- 
dende leere Raum war mit einer Gluthmasse ausgefüllt^ 
die sich in unsern Blicken flächenweise in den ver- 
schiedensten Formen darbot. Gleich einer im Freien 
aufgehängten Wäsche, wo Leintücher, Hemden, Jacken 
u. s. f. friedlich neben einander flattern, so waren 
zwischen je zwei Stangen vier bis fünf feurige Flächen 
ausgespannt, nach unten hin zerschlitzt und zerfetzt^ 
scheinbar mit bläulichem Saum sich wellenförmig be- 
wegend. Dabei flel um auf, dass die zwischen zwa 
Stangen niederhängenden Flächen von verschiedener 
Größe waren, und zwar so, daß je die erete von 
oben die größte, die letzte aber die kleinste war, 
welche Eigenthtimlichkeit sich regelmäßig wiederholte. 
Diese wunderbare Erscheinung war zudem keine bloß 
momentane, sondern eine mindestens zwei Minuten lang 
konstante, üeberwältigt von diesem imposanten Natur- 
schauspiel, wie wir noch keines gesehen und noch 
von keinem gehört hatten, vergessend die Gefahr, in 
der wir noch schwebten, rief ich kurz hintereinander 
unwillkürlich dreimal aus: Wunderbar schön! Wir 
konnten einfach unsere Augen nicht mehr von diesem 
kolossalen und majestätischen Feuerwerk abwenden. 
Plötzlich fiel die ganze Herrlichkeit, die wir wohl 
am treflfendsten y,Blitzwäsche^ oder j^Dlätzhlitze^ be- 
nennen möchten, zu Boden. Der Telephondraht war 
von der enormen Gluth geschmolzen, die Leitung bis 
zur 15. Stange hinunter zerstört. Auf der Erde, wo 
die Drähte lagen, schien es wie von flüssigem Metall 
zu brodeln und zu zischen. Aber auf der Netzhaut 
unserer Augen blieb der Reflex jener leuchtenden 
Flächen haften, verwandelte sich allmälig in Grau- 
weiß und endlich in ein tiefes Blau. Dann hörte 
jeder Lichteffekt auf, wir sahen einander in unmittel- 
barster Nähe nicht mehr, wir waren völlig geblendet 
und durften keinen Schritt weiter wagen. 



Ueber elektrische Erscheinungen auf dem Säntis. 473 

Jetzt erst wurde die Situation im höchsten Grade 
besorgnißerregend. Die Frage : wie lange wird diese 
Blindheit andauern, wann werden wir einander wieder 
sehen und endlich an's ersehnte Ziel gelangen? — 
erweckte doch einige Angst in uns. Die Sekunden 
wurden zu Minuten, die Minuten dehnten sich zu 
Viertelstunden aus. Endlich, nach längerem pein- 
lichem HaiTcn (nach unserer Schätzung werden es 
etwa 5 Minuten gewesen sein), drang wieder ein 
Schimmer in unsere Augen, die Umrisse der Personen 
nnd Gegenstände wurden wieder deutlicher, die Lichter 
im Hotel leuchteten noch, und so faßten wir auf» 
Neue frischen Muth. 

Inzwischen war auch die Gewalt des Gewitters 
gehrochen und der Regen hatte nachgelassen, so. daß 
wir den letzten Angriff auf den Gipfel wagen durften 
und nach einer kleinen halhen Stunde, etwas nach 
10 Uhr, zwar völlig durchnäßt, aber gottlob unver- 
sehrt und wohlbehalten das leider schon überfüllte 
Gasthaus erreichten. Nach einigem Suchen und 
Warten fand sich auch für uns noch ein bescheidenes 
Plätzchen, wo wir von den ausgestandenen Strapazen 
nnd Schrecknissen ausruhen konnten, um dann am 
frühen Morgen durch die denkbar klarste und schönste 
Aussicht reichlich belohnt zu werden, aber auch die 
Zerstörungen an der meteorologischen Station anzu- 
staunen und noch einige wenige Reste von der zer- 
schmolzenen Telephonleitung zu finden. 

Nach Aussage des alten Säntiswirthes Dörig soll 
das geschilderte Gewitter vom 28. Juni 1885 da» 
stärkste gewesen sein, das er je auf seiner hohen 
Warte erlebte. 

J. Stvdf'r (Section Uto). 



474 O. B. 

Muretto- imd Oondonapaß. 

Am frGhen Moi^eii d«s 10. Jali 1885 waad^eite 
ich mit "vier OeBOBsen von Andeer dvrch Ferren 
und Avers nach Oesta Iriaasf. Uasere Absieht war, 
am nächsten Tage das detseherhom zu beeteigen vnd 
mit direktem Abstieg Mach S. durch Yal Dnana imd 
Tal Marozzo nach Oasaccia und Maloja z« gelangea, 
Ton wo ans wir fiber den Iforettopaß das Veltiin «nd 
über einen der Bergamask^rpSsse Bergamo zu ^reidien 
gedachten. Der erste Theil unseres Programmes 
scheiterte theils der unsicheren Witterang imd der 
schlechten Schneeverhältnisse wegen, theils durch die 
gSnsHclie Unkenntniß unseres ^Ftthrers^ R. Heinz, 
der, obwohl ihn Tschudi's Tourist als Fllhrerchef be- 
zeichnet, das Gletscheihom kawn dem Namen nach, 
den Abstieg nach Val Duana gar nicht kaante. So 
mufiten wir uns denn nach ^nem vei^eblichen Ai- 
laufe auf das Gletscherhom dazu «itschlieOen, umzu- 
kehren und über Forcellina und Septimer unser nächstes 
Ziel zu erreichen. Das Avers Ist in den Jj^rbttchem 
XV, XIX imd XX 80 etnlSfili<^ besehrieben worden, 
daß ich meinerseits von ein^ Schilderung wohl ab- 
sehen darf. Ueber Forcellina und Sepämer genfige 
die Notiz, daß der Weg ein herzlich schlechter war 
und Tschttdi dem Sepdmer durchaus kein Unrecht 
thttt, wenn er seinen verfallenen Saumweg s^ raifa 
und schlimmer als einen nalUrlichen Bergpfad nennt 
Dagegen ist vielleicht eine kurze Beschreibimg der 
weniger begangenen PSsse Muretto und Dordona nicht 
ohne einiges Interesse. 

Es war ein herrlicher Sommermorgen, als wir am 
12. Juli nach Besichtigung des neuen grandiosen Maloji- 
hoteis und seiner zierlichen Chalets und Parkanlagen 
Punkt 6 Uhr abmarschirten , dem Murettopasse ent- 
gegen. Der Morgenbummel in erfrischender Kühle auf 
weichem Grasboden durch die „Täjeda" längs der 



Muretto- und Dordonapass. 476 

ruhig fließenden Orlegna w«r höchst angenehn] Beim 
Lago di Caviooeio gestattete mir ein kurzer Halt die 
Aufnahme des imposanten Pizzo dei Rossi; dann rer- 
Behlinuaerte ineh der Pfad zusehends, bis er sich bei 
Pian eaniiH) (HundeebeQe) in einem wiisiea ßteinmeer 
verliert. Reeliis wird ein Theii des gewaltigen Forno- 
gletseher» sichtbar« 

Ueber öde TrUmmermassea begann nuB der steile 
Anstieg zur nicht mehr allzu fernen Paßböhe, doch 
bald betrat der Fuß die zu. dieser Jahreszeit noch 
reiehlieh vorhandenen und weit herabhängenden Schnee- 
felder, so daß wir mühelos vorwärts kamen. Hinter 
uns entfaltete sieh eine recht hübsche Aussieht auf 
die Maloja mit den sie umgebenden Höhen ; in einem 
msamen Felseneireiis , eine kleine Stunde unteriialb 
der Paßhöhe, begegneten uns zu unserer Ueberraschung 
dm Italienerkinder von blos 9 — 13 Jahren. Sie waren 
mit Sensenklingen und ärmlichen Habseligkeiten be- 
lastet und erkundigten sich ziemlich besorgt, ob sie 
«ieh auf dem richtigen Wege in's Engadin befänden, 
woselbst sie sieh nach Arbeit umzusehen hätten. 

In langsam bedächtigem Zickzack ging's nun durch 
weiche Bchneemassen dem nahen Ziele entgegen, das 
wir nach ^U Stunden erreichten. Vor uns liegt italie- 
nisches Gebiet, wir waren demnach von nun an auf 
die Schweiz. Oeneralkarte (1 : 250000) angewiesen, 
welche uns freilich die Marschrichtung durch Val Maleneo 
längs dem Malero deutlich genug bezeichnet, über 
alle Details der Beschaffenheit des Weges indessen 
natürlich keine Auskunft zu geben vermag. 

Also rasch vorwärts, noch liegt ein circa acht- 
stündiger Marsch vor uns, und je eher wir Sondrio 
erreichen, um so leistungsfähiger werden unsere Füße 
Morgens wiederum in der Bergamasca sein. 

Einige flotte fiutschpartien bringen uns in wenigen 
Minuten über weitausgedehnte Schneefelder hinunter, und 
stets auf schmalem Pfade dem linken Ufer des tosenden 



476 . 0. B. 

Gletscherbaches nach auf Schnee und Geröll weiter 
wandernd, gelangen wir nach und nach in die oberen 
Alpen hinunter und später in die einsame Alp dell 
Oro, von dessen einzigem Insaßen, einem hübschen 
braunen Burschen, wir auf's Gastfreundlichste bewirthet 
wurden. Dann ging's weiter; zu unserer Verwunderung 
hieß uns der wackere Senn nicht etwa den seither 
innegehaltenen Weg weiter verfolgen , welcher , wie 
wir uns später tiberzeugten, in die nackten Felsen 
der Maleroschlucht ausläuft, sondeiii sandte uns circa 
20 Minuten scharf aufwärts, wobei wir mit aller Auf- 
merksamkeit die schwachen Spuren eines unschein- 
baren Pfades zu verfolgen hatten, bis wir wieder eine 
Anzahl elender Steinhütten trafen, von wo ein guter 
Weg thalwärts führte. Ich habe auf meinen vielen 
Gebirgswanderungen noch nie ein auch nur annähern- 
des Bild von menschlichem Elend erblickt, wie es 
hier in diesen erbärmlichen Baraken zu Tage trat 
Einige ekelhaft schmutzige Kinder, in Mistpfiitzen 
plätschernd, riefen die Mutter herbei, welche, jeden- 
falls früher ein bildschönes Weib, aber nunmehr ver- 
kommen in tiefster Armuth, unsere Fragen beantwortete, 
dann zogen wir fürbaß. Im Schatten riesiger Tannen, 
auf weichem Moose lagernd, genossen wir später als 
erfreulicheres Gegenstück dieser erbärmlichen Stätte 
den aller Beschreibung spottenden, großartigen An- 
blick der dicht gegenüber liegenden Gruppe des Monte 
della Disgrazia mit seinen gewaltigen Gletschergtirteln 
in blendender Sonnenbeleuchtung. 

Endlich langten wir in Chiareggo an, einem magern 
Bergdörfchen, dessen alte, halbzerfallene Stallungen 
und Magazine noch als einzige Spuren jener Zeit sicht- 
bar sind, da der Murettopaß ein besuchter, mehr als 
die Bernina begangener Saumpfad gewesen sein soll. 
Die elende Osteria wollte sich trotz allen Klopfens 
und Rufens nicht öffnen, ein altes, zerlumptes Weib, 
das im Schatten einer Mauer ihre Siesta hielt, konnte 



Muretto- und Dordonapass. All 

nur mit etwelcher Mühe geweckt werden, worauf wir 
den Bescheid erhielten, die „WirthBchaft" werde diesen 
Sommer überhaupt nicht geöffnet werden. 

Also stramm vorwärts ! Es war ein beschwerlicher 
Marsch in heißer Nachmittagssonne, bergauf, bergab, 
doch boten sich dem Auge stets so pittoreske Bilder, 
daß die sich allgemach geltend machende Müdigkeit 
nicht berücksichtigt wurde. Oberhalb Lanzada führt 
der sehmale Steig hoch über dem Malero in scharfen 
Windungen zu einer kleinen Brücke hinunter und setzt 
auf dessen rechtes Ufer über. Wir passirten eine große 
Zahl Frauen und Mädchen in bunter, sehr kleidsamer 
Volkstracht, welche, mit hohen, leeren Tragkörben 
beladen, in ihre Alpenwohnungen zurückstiegen und 
auf's Freundlichste Auskunft ertheilten. Durch einen 
großen Schieferbruch hindurch in pittoresker Lage 
gelangten wir endlich auf eine schmale, fahr^re 
Straße, eine wahre Wohlthat für unsere mißhandelten 
Füße, und rückten eine halbe Stunde später nach zehn- 
stündiger Wanderung in Chiesa ein , wo wir uns in 
der Albergo Olivo bei schäumendem Chiav^ennabier 
ein bene thaten. ^ Meine Frage bezüglich der zu pas- 
sirenden Douane wurde dahin beantwortet, daß eine 
solche zur Ueberwachung des Murettopasses schon 
seit einigen Jahren eingezogen worden sei. 

Wir entließen unseiii Heinz, der uns freilich blos 
als Träger hatte dienen können, und fanden es für 
angezeigt, die zehn Kilometer lange staubige Land- 
straße, die uns noch von Sondrio trennte, in einem 
Vehikel zurückzulegen, was uns der nachsichtige Leser 
wohl nicht verargen wird. Mit Einbruch der Dämmerung 
hielten wir in dieser hübschen, freundliichen Stadt 
uiiBern Einzug und bezogen Quartier in der vortreff- 
lichen Albergo della posta. Der sehr gefällige Wirth, 
Hr. Francesco Vitali, welcher glücklicherweise der 
französischen Sprache mächtig war, besorgte uns sofort 
für den folgenden Tag einen kundigen Führer nach 
Branzi, drüben an den Südabhängen der Bergamasca. 



478 0. B. 

Wiedernm l»'aeh ein lachender, »onneDklarer 
Bommermorgen an, als wir Sondrio rerließen, tun vor- 
erst das circa zehn Kilometer entfernte Pnsine zs er- 
reieben und alsdann von dort ans den Aufstieg in's 
Val madre nach dem Passo di Dordona anzutreten. 
Unser Reisehandbuch bezeichnet diesen als den sehönsten 
und auch unser Ftthrer, dem wir die Wahl zwischen 
den zahl rächen Uebei^ngen rom Veltlis in £e Berga- 
iftssca freistellten^ gab ihm den nnbedingten Vorzug, 

Punkt 7 Uhr klapperten unsere Bergstöcke Über 
da» holperige StraßenpÄaster von Fasine und umnittel- 
bar beim Dörfchen begann die steilste Partie fast des 
ganzen heutigen Marsches. Ich mn& gestehen, da& 
mir die verflossenen drei Tage, schwer an den Ftßes 
klebten,, und nur durch unablässiges: ,,piano,. piano !^ 
vermoclite ich da» jvgendliebe üngestliin unseres Fth- 
rers.zu dämpfniL Gkieh Anfangs eröflßoet sieh ein 
lieWeher Rllekbfck auf die Tbalebene de» yeilii% 
daoB tauchen die stolzen Gipfel der Bergellerbei^e 
uad der Disgraziagruppe auf; selbst die Eishäapter 
der Bemina und ihrer Vasallen sollen sichtbar sein,, 
was ich indessen nicht besehwöten kann. Dann heißen 
uns dichte Kastanienwaldiingen in ihrem wohlthätigen 
Behalten willkommen, die Steigvng gibt nach,, der 
rauhe Fußpfad ebvet sich zu einem eigentlieh kom- 
fortabeln Bträßefaen, das uns nun in denkbar be- 
quemster Weise saehte aafwSrts flihrt. In schwindelnder 
Tiefe neben ms seliSunt der Bergbach ^ der direct 
vofs der Paßhöhe thalwärts fließt. Aevfietst schroff 
und steil,, ohne nnldernde Uebergänge,. mit sehwarseo, 
dlistem Tamrenwaldmigen dicht besetzt,, weisen sieb 
die jenseitigen Flanken de» Val madre. Hin mä 
wle^ begegnen wir FamTÜe«, die mit Besteltong^ 
ihser kleinen,, häufig sehr absehlissig gelegenen Felder 
beaehäftigt sind,, und die vielen Ißisenkreoae, welche 
oft in Giuppeti zu 4 — 5 zm den; Felsen angebracht 
sind^ gvben emaie» Zeugnis Tom den nicht sehenea 



MurettO' und Dordonapass. 479 

ÜBglücksf allen , welche sich, besonders im Winter^ 
bieF ereignen. Nach eipca 2^/28tUndigem Marsch» 
paseirteB wir den armseligen Weiler ^ Pizza bella^ 
mit dito Kneipe und eine halbe Stande später da» 
kleine Bergdörfchen Contrada Chiesa^ woselbst wir 
iift8> an köstlicher Milch nnd — sehr saui'em^ hellem 
Landweiii erlabten^ Nach einiger Zeit ändert sich der 
Charakter der Gegend und des Pfades, die beiden 
Gebirgsflanken treten näher und näher zu einem engen 
D^fil6 zusaminen; wir tiberschritten den vorhin tief 
unter uns brausenden Bach auf solidem Stege^ dichte» 
Nadelholz tritt an Stelle der bisherigen üppigen Wiesen^ 
der Weg artet zu einem Bergpfad gewöhnlichen Schlage» 
ausv Nach Verlauf einer halben Stunde war diese 
Thalsperre überwunden und vor uns breitet sich ein 
weite» monotone» Gelände aus. Nur etliche Ziegen 
beleben da» Bild , sehimppemd kommen sie herbei^ 
es mag" ihnen wolü äußerst selten aus der Hand frei- 
gebigei' Touristen Brod verabfolgt werden.. 

Vor uns erhebt sich die grüne Kuppe des Monte 
Cadelky uoid scharf zeichnet sich die Paßhöhe vom 
Horizonte ab. Wir schlugen uns rechts in die Geröll- 
baldea, mit Alpenrosenstauden reichlich überwuchert^ 
uad gewannen eine Stunde später ein breites Hoch- 
plateau^ woselbst zwei Wildheuer ihrem mühseligen 
Handwerke oblagen* Da weit und breit keine Hütte 
sichtbar ist, bringen diese Leute die Nächte hier oben 
zu in einem kastenähnlichen Ge£achy welches zur Noth 
zwei Mann beherbergen kann. Wenn Stürme toben 
und ein Hochgewitter in voll entfesselter Wuth einher- 
btaudt^ mag der Aufenthalt in solchem Kasten freilich 
niekts weniger als beneidenswerth sein! 

reber zerstreute Fels- und Steinmassen ging's nun 
der nahen Cima (2059™) entgegen, wo wir Mittags 
1^2^ Uhr anlangten, und auf den Mauerresten einer 
zerfallene» Hütte eine Stunde Siesta hielten. Die Paß- 
mnlde mag^ cirsa eine halbe Stund« breit sein und 



480 0. J5. 

ist mit einer Unzahl kuppenartiger, bis 8"» hober 
Erhöhungen bedeckt, hinter welchen wir uns, durch 
tiberhängende Felsen geschützt, vor einem losbrechen- 
den, soliden Unwetter verkrochen. Doch bald brach 
siegreich die Sonne hinter dem schwarzen Gewölke 
liervor und frohen Muthes begannen wir den Abstieg 
über Felsgetrtimm er jeglichen Kalibers. Binnen Kurzem 
gelangten wir nach dem lieblichen kleinen Thalkessel 
Dordona über reiche Triften mit weidenden Pferde- 
heerden und dann ging's durch Alpenrosenfelder, wie 
ich sie nie in ähnlicher Pracht und Ausdehnung erblickt, 
thalwärts in's Val Brembana hinab, das schroff und 
dicht bewaldet, wie jenseits Val madre , zu unseni 
Füßen liegt. Foppolo (1516"»), das erste Dorf, dai- 
wir erreichten, besitzt schon ein leidlich gutes, gil" 
pflastertes Sträßchen, ist es doch als SommerfrisMl'*, 
begüterter Familien von Mailand und Bergamo ttp'. 
«inem komfortabeln Gasthofe (Stella) beglückt wordflibfi 
Scharf absteigend passirten wir später das kleMß' 
Talleve (1146"*) und langten schließlich nach mMr 
kleinen Stunde, stets auf bequemem Fußpfade den 
rechten Ufer des Brembobaches entlang, im Bvawi 
(857»") an. Aeußerst romantisch, am ZusammenflnciM 
zweier Arme des Brembo gelegen, bildet dieses StädtcheB * 
nach Tschudi das Centrum der reichen Alpenwirih^ 
fichaft dieser Thäler und den Centralpunkt für M- 
genußreichsten Ausflüge. 

Das einzige Gasthäuschen, Osteria Berrera, M 
freilich keinen überflüssigen Comfort und ist i^lp 
rührendster Naturwüchsigkeit, auch hätten wir 
Freuden ein reinlicheres Zimmer der schmat 
Spelunke, in welcher wir wegen Platzmangel 
schlafen mußten^ vorgezogen, dagegen war die 
nähme so recht freundlich, patriarchalisch einfacb, 
Kost tadellos, der Wein ausgezeichnet, die Bettei' 
wenigstens sauber und die Preise spottbillig! 

Von ergreifender Schönheit sind die Wasserfölle, 




JlhrtmohZQ.SA.C. f/trrr a,B 

Pizzo dei Rossi (aaaiM) 

Nach einer Phologr vDnO.B.aurgenommen auf dem Piancsni, 



MurettO' und Dordonapass. 481 

velche dicht neben dem Dorfe von senkrechten Fels- 
wänden niederstürzen ; leider mangelte die Zeit, länger 
zu verweilen, um die Reize dieses, dem größten Theile 
der Touristenwelt so unbekannten Thaies eingehender 
-ZU durchforschen. Schon am nächsten Tage ging^s 
über Fonda, Piazza San Martine und San Giovanni 
bianco nach Bergamo hinunter, eine prächtige 12stün- 
dige Thalsohlen-Excursion , die jedoch nicht mehr 
in den Rahmen dieser Skizze paßt. Ich kann indessen 
nicht umhin, hier vollauf das ürtheil Tschudi's im 
Tourist 1884 zu bestätigen, wenn er in der Einleitung 
zu seinem Abschnitte Bergamasca sagt: 

„Die sehr bedeutenden, hochinteressanten, pro- 
^duktenreichen und wohlhabenden Valle Brembana,Valle 
■„Seriana etc. sind fUr die Touristen bis zur Stunde noch 
^eine terra incognita. Obwohl der imponirenden Hoch- 
^gebirgsnatur des Wallis, des Berner Oberlandes etc. 
;,entbehrend, bieten sie doch eine Fülle fesselnder 
TjNaturschönheiten der mannigfachsten Art. Ihr großer 
^Reiz liegt nicht zum Wenigsten darin, daß der Wan- 
^derer überall den Spuren einer bedeutenden, geschicht- 

„lichen Vergangenheit begegnet Kraft, 

^schöner Menschenschlag, einfache Sitten, Ehrlichkeit, 
^Gefälligkeit und Zuvorkommenheit gegen Fremde 
^zeichnen die heitern, rührigen und intelligenten Be- 
^wohner auf das Vortheilhafteste aus. Die anspruchs- 
„losen Gasthäuser entbehren, mit wenigen rühmlichen 
„Ausnahmen, des gewohnten Comforts und der erforder- 
„lichen Reinlichkeit, befriedigen aber bezüglich auf- 
„merksamer, freundlicher Bedienung, guter Küche, Wein 
„und Betten bei billigen Preisen alle gerechten Au- 
ssprüche " 

0. B, (Section Pilatus). 



31 



n 



482 SL Simon. 

GletscherpickeU 

Woher beziehe ioh einen zuverlässigen Oletseher- 
pickel? das ist eine Frage, die jed^ Hoeboluhist 
neben jener über die Schuhe aufs Intensivste er<hrtert. 
Hundertfach wurde sie auch schon au mich gestellt^ 
und da ioh gewohnt bin , auf meinen Taur^ die 
Stufen meist selbst mit dem eigenen Eisbeil zu hauea^ 
so konnte ich mir an Hand jahrelanger Erfahrang 
darüber insoweit ein ürtheil bilden, daß es uir wohl 
nicht als UeberschStzung ausgelegt werden wird, wem 
ich über diese wiehtige Frage in kurzen Worten re- 
ferire. 

Mein jetziges Eisbeil, da,8 a^hte weiaies idpinea 
Bedarfs, ist ein so vorzügli^es Inairum^iA> daftieh 
mir kein besseres wihische. Ee ist im Ganzen leU^ 
ergibt trotzdem einen wuchtigen Schlag (iufel^ dfi: 
zweckmäßigen Gewiehtsvertheihing), Kapf u&d Zai^;eo 
siud aus einem Stück gesekmiedel^ und so i» den 
sehnigen Eseh^holzsitiel eingelassen , daQr nirgevds 
eine vorc^riBgeade Kante von H^lz oder SiaeB sMi 
findet. 

Auf Am-egung von Herrn Ingenieur B^d venui' 
spalteten wir auf d»m topographiscben BUbr^n eine 
Zusammenstellung Ton ^üesk mögticben Typen von 
GletscherbeüLen. Jeder* brachte, was er Ori^ineUss 
und Pffaktischaa auftreiben konnte. Das 9eo^ d«vw 
soUte d«.nn zu> einem Normalbail vereioigl weideiu 
Ohne DiskuasioB: errang ^h aber Hueiia EiBbeil so 
ungetheiiie AnerkeniHuig , daß es einstimmig ab dss 
anerkannt wurde», w^usk man suchiie, ala ^Konml- 
pickel". 

Dduroh Zulatt war ich dazu gekommen, und es ist 
die vorzügliche Construction desselben absolut nicht 
mein Verdienst, sondern lediglich jenes seines Erstellers. 
Zufällig kam es mir in der naturwissenschaftlichen 
Sammlung zu Interlaken unter die Augen. Ich 6^ 



Gletscherpickel 4^9 

kttndigte mieh nach dem Lieferanten ; es war : F. Jörg^ 
Schmied in Zweilütschinen, also derselbe, dessen Eis- 
beile schon an der schweizerischen Landesausstellung 
als das beste überhaupt Gelieferte dieser Art taxirt 
wurden. 

Der Preis ron Fr. 16 schien mir sehr mSBig, und 
so wurde das Instrument direet gekauft. Jetzt wäre 
es mir geradezu unbezahlbar, und ich wttrde mich 
unter keinen UmstSnden dazu entschließen, es zu ver- 
äußern, selbst wenn man mir das Zehnfache des be- 
zahlten Betrages dafllr bieten würde. 

Lettrten Sommer begleitete es mich bei mehr als 
40 BedteigUBgen und bei über 20 Pa^übergängen 
(worunter Jungfrau, Finsteraarhom, Weißhom etc.), 
imd trolzdem ist es noch so zuverlässig, wie am 
ersten Tage, oder, besser gesagt, viel zuverlässiger, 
denn es hat eine Feuerprobe bestanden, wie sie sonst 
nicht leicht ein Instrument aushält. 

Von meinen sonstigen Piekeln hat keiner über 
40 Besteigungen ausgehahen, ohne etwas defect zu 
werden. Mein Engadiner Beil, von Schmied Thoma in 
Amden, befriedigte mich seiner Zeit auch, und durch 
Einsetzen eines netten Stieles würde es wieder ein 
TOfsQgliehes Ine^Crument weMen, trctzdem es tlber 40 
Bestefgungen mätg^maeht, W(ftm 28 im Engadin. 
Aber so hafsAieh wie das jetzige Beil wftrde es doch 
uieiiMKle, und tio verbleibt e» zur Erinnening in der 
Pickelsammfang. 

Das jetzige Indtrament verspricht daigege», ohne 
Repanatar noch einige hundert Fährten aufzuführen,^ 
imdi mehr sind ^6tlMß/g für daseelbe nicht roirauft- 
zsfsehefl. 

]f(^n ^m kurzen, dkeet äem ptäkÜ$cYmt tetg- 
steigen esCttemmetien Et-fkhnuigeii get^ü^ea-^ txm liir 
äSß Tüchtigkeit und Yorzüggehkeit der JI$r]K'fi»^kii 
Oletscherbeile zu sprechen. Und soIHe irgend €to Clul»- 
genosse ein witküeh zirrertSssyges B^l wünsdien^ Eto 



484 F, Becker, 

wende er sich direct an F. Jörg ^ Schmied, Zwei- 
Ititschinen, Berner Oberland. 

Die Preise, je nach Ausführung von Fr. 10 bis 
Fr. 30 schwankend, dürfen als mäßig bezeichnet wer- 
den. Letztere hohen Preise beziehen sich auf ab- 
schraubbare Pickel complicirter Construction. 

Vom touristischen Standpunkte aus sind jedoch 
unbedingt die festen Pickel vorzuziehen. Zu Fr. 16 
erhält man ein Instrument, das bequem ein Menschen- 
alter aushält, selbst wenn es aufs Intensivste ge- 
braucht würde, und ich hege die üeberzeugung, viel 
mehr im Interesse der Clubgenossen als in jenem des 
Schmiedes diesen Pickel auf's Wärmste empfohlen zu 
haben. 

S. Simon^ Ingenieur des eidg. topogr. Bureau. 



Randegger's Alpenland, mit den angrenzenden Gebieten 

von Central-Europa. 

9 Blätter im Maßstab 1 : 500,000. 

Für den Alpenclubisten muß jede Darstellung des 
Alpenlandes, sei es in Wort oder Bild, von Interesse 
sein; eine solche bildliche Darstellung haben wir vor 
uns in 4er obbenannten Karte, die mit Beginn dieses 
Jahres aus der vorzüglichen topographischen Anstalt 
von Wurster, Randegger & Cie. hervorging. 

Wenn man von Liebe zur Alpenwelt spricht, so 
hat das zunächst einen allgemeinen Sinn — wir lieben 
die Alpen, die Gebirge, wegen ihrer Schönheiten, 
wegen ihrer Eigenthümlichkeiten ; wir lieben sie, weil 
wir beim Durchwandern derselben unsere edelsten 
Eigenschaften in Körper und Seele bethätigen können, 
bethätigen. müssen, weil diese Bethätigung selber 
unser leibliches und geistiges Wohlsein weckt nod 
befördert. Wir lassen gerne allerlei neue Eindrücke auf 



Literarisches, 485 

uns einwirken; wir thun auch etwa einen Schritt 
hinaus über unsere Grenzen und sollten es noch mehr 
thun — nicht, um an unserm eigenen Lande keinen 
Gefallen mehr zu finden, sondern vielmehr diesen 
Gefallen zu verdoppeln. 

Es gibt nicht nur in der Schweiz hohe Berge 
und schöne Berge; das ersehen wir recht deutlich 
aus der vorliegenden Karte, die uns das gesammte 
Alpenland in so plastischem Bilde vorführt. Die 
Alpen erstrecken sich Über ein großes Gebiet, sie 
baden den einen Fuß in den Fluthen des Meeres, den 
andern setzen sie ab an den Ufern der Donau, ihre 
durchschnittliche Breite beträgt 30 Stunden. Nur ein 
Drittel dieser Alpen ist schweizerisch, aber in diesem 
Drittel liegen die höchsten Gipfel, wobei wir aller- 
dings den Montblanc als zum System der Schweizer- 
alpen gehörend betrachten , und die gewaltigsten 
Massen. Wichtiger aber ist, daß die Schweiz Theile 
aller vier Stromgebiete Mittel-Europa's in sich faßt, 
daß die Schweiz diese vier Stromgebiete trennt und 
gleichzeitig verbindet, Nitr nach der Schweiz kann 
man aus vier Hauptebenen zugleich gelangen, nur 
aus ihr in alle hinabsteigen. Die Schweiz wird daher 
den reichsten Wechsel an landschaftlichen For- 
men und culturellen Zuständen aufweisen und dem- 
zufolge von allen Ländern am meisten von Fremden 
besucht werden. Wenn wir auch die „Mode" fürchten 
im Verlauf des Fremdenverkehrs, daß dieser Verkehr 
sich dauernd nach anderen Gebieten wenden könnte, 
80 ist gewiß diese Furcht keine begründete; die 
Schweiz wird immer das interessanteste Alpenland 
bleiben, und das wird ihr auch den steten Besuch 
der Fremden aus allen Gauen sichern. 

Sache des Alpenclubs und der einzelnen Clubisten 
ist es, neben andern Dingen auch diese Erkenntniß 
zu hegen, sie weiter zu tragen durch Verbreitung der 
Kenntniß des Alpenlandes. Einem solchen Zwecke 



486 E. Diibi. 

dient nun in vorzüglicher Weise die vorliegende 
Karte; die Anschaffung derselben, die in zwei Aus- 
gaben, einer oro-hydrographiscben (nur das Terrain 
und die Gewässer) und einer politischen (das TenraiB 
mit den Signaturen, Ortschaftsnamen, Grrenzen, erste- 
res }n blasserem Drucke), erschienen ist, möchten 
wir allen Olubsectionen ^r ihre Bibliotheken em- 
pfehlen ; dabei ist zu rathen, die erstere Ausgabe als 
Wandkarte aufzuziehen, wo das Terrainbild einen 
gewaltigen Eindruck macht, die andere in Mappe zu 
halten für das Detailstudium < 

Die Dimensionen der Karte, auf ein Blatt auf- 
gezogen mit dem Rande, sind 1,61°» auf 2,16"»; die 
Preise für 9 Blätter mit Umschlag: Fr. 22, 50 für die 
oro-hydrographische, Fr, 30 für die politische Aus- 
gabe. 

F, Becker (Seotiou Tödi). 



Dr. Emil Zsigmondy: Die Gefahren der Alpen. 

Leipzig 1885. 

Die Schrift de^ hochbegabten und zu frtlh ver- 
storbenen österreichischen Clubisten ist, wie in der 
Einleitung bemerkt wird, wie die ähnlich betitelte 
Brochure von Pfarrer Baumgartner, veranlaßt worden 
durch die Preisausschreibung des S. A. 0. vom Jahre 
1883, Dr, Zsigmondy hat aber einen andern Zweck 
im Auge, Er betitelt seine Schrift auch „Praktische 
Winke fttr Bergsteiger'* und meint damit vorzugs- 
weise diejenigen, die führerlos geben. Aber auch 
dem Gros der Touristen, welche diese Hülfe nicht 
entbehren können oder nieht entbehren wollen, glaubt 
er mit einer Zusammenstellung der auf Erfahrnng 
beruhenden Winke und Warnungen »u dienen und 
dies muß unstreitig zugegeben werden, Dr. Zsigmondy 
b^saß eine ungewöhnliche Competenz auf diesem (k- 



Literarisches, 487 

biete. Die Schrift enthält neben einer guten Kennt- 
nis und Benutzung der Literatur eine Fülle ron 
BemerkiiDgen) die der Selbsterfahrung des Verfassers, 
«einer Brüder und Freunde entnommen sind, und 
irird auch Ton Solchen mit Nutzen studirt werden, die 
eigene Erlebnisse zur Vergleichung heranziehen können. 
Aber sie darf auch Anfängern empfohlen werden, weil 
«ie mit einer« in unserer Litteratur nicht immer ge- 
wi^rt^ Ehrlichkeit und Bescheidenheit geschrieben 
ist« Es werden freilich haarsträubende Dinge darin 
ersählt, abei* nie, um die Leser gruseln zu machen 
odeir die eigene Persönlichkeit herauszustreichen, son- 
dern als die lautere Wahrheit und die Folgen von 
UebereilüTig, üebereifer oder Unvorsichtigkeit. In 
der Einleitung wie am Schluß werden ernste und 
beherzigenswerthe Worte über Selbstprüfung und 
delbstttberhebung gesagt, die sieh Jeder merken müßte, 
und man hat das Gefühl, daß es immer edle Triebe 
waren, die den Verfasser zu seinen Verwegenheiten 
drängten. Eine Einschränkung muß ich da freilich 
maoheB^ die kein Tadel sein soll, aber eine noth- 
wendige Mahnung für Andere. Dr. Zsigmondj spricht 
von der Leidenschaft des Bergsteigers und bezeichnet 
als solche das „Interesse an der Lösung eines 
Problems, die Begierde, das Unternehmen durch- 
zuführen." Mit Recht berührt er dabei die psychi- 
sche Stimmung, die erzeugt wird, wenn die Lösung 
des Problems an der Bezwingung einer einzigen 
schwierigen Stelle hängt. „In dieser Stimmung habe 
ich manchmal Stellen bewältigt, welche ich nicht 
wieder machen würde. — Ein Mal glückt es, ein 
zweites Mal nicht." Dr. Zsigmondy hält es mit Recht 
ito eine Gewissenlosigkeit, solche Stellen zu nennen; 
denn er weiß, daß es Wahnwitzige gibt, welche von 
dem Princip ausgehen: „Was ein Anderer kann, 
vermag ich auch." Aber diese negative Abmahnung 
scheint mir nicht zu genügen. Wenn der Verfasser 



488 RedoLCtion. 

im Bergsteigen eine treffliche Schule des Characters 
sieht, weil es den Willen zum Siege stählt, so ver- 
hehlt er sich nicht, daß der Sieg auch zur üeber- 
hebung führt. Er findet eine Correctur darin, daß 
es im Gebirge doch Unmögliches gibt, und daß Jeder 
zu dieser Erkenntniß kommt. 

Ich hätte aber gerne noch einen Zusatz in dem 
Sinne, daß es im Gebirge nicht nur Dinge gibt, die 
man nicht machen kann, sondern auch solche, die 
man nicht machen soll. Namentlich die Führerlosen 
müssen, wenn sie ihre gute Sache nicht ganz dis- 
creditiren wollen, sich beständig vor Augen halten, 
daß sie die Verantwortlichkeit allein tragen, welche 
sonst zwischen Führer und Touristen getheilt ist. 
Der Character, wie ihn das Gehen im Hochgebirge 
schaffen oder stärken soll, besteht ebenso sehr im 
Entsagen wie im Erjagen. Daß in einer verhängniß- 
vollen Viertelstunde das Letztere über das Erstere 
den Sieg im Gemüthe des Herrn Dr. Zsigmondy 
davon getragen hat, ist doch wohl der Grund seines 
nicht genug zu beklagenden Todes, und wenn dies 
vertuscht oder vergessen werden sollte, so ist auch 
dieses edle Opfer unnütz gefallen. 

Dr. H. Dübi. 



Souvenirs d'un alpiniste, par E. Javelle 

(Lausanne 1886). 

Im Frühling 1883 schloß sich in Vevey das Grab 
über einem Clubgenossen, dessen Name im ganzeir 
Schweizer Alpen Club, vornehmlich aber in den Sec- 
tionen welscher Zunge, als derjenige eines begeisterten 
Alpenfreundes und tüchtigen Bergsteigers besten Klang 
besaß. Emile Javelle, geboren zu St. Etienne am 
6. Sept. 1847, gestorben zu Vevey am 29. April 1883, 
war kein Sohn der Schweiz, aber er trug sie, in der 



Literarisches, 489» 

er nach wechselvoUen Schicksalen seine zweite Heimat 
gefunden, in warmem Herzen und ihre Berge besaßen 
keinen eifrigeren, keinen beredteren Verkünder ihrer 
Schönheit, als er einer war. Vor allen hatte es ihm 
die Dent du Midi angethan, deren vielzackige Krone 
das obere Ende des Lemansee's abschließt, aber auch 
das Montblancmassiv, dessen Dome und Nadeln über 
die savoyischen Vorberge zum See hinüberschauen^ 
und die Walliserberge , deren Gletscherbäche der 
jungen Rhone zufließen, waren ihm wohlbekannt, und 
viele der stolzesten Häupter, den Mont Blanc und den 
Tour noir, das Matterhom, das Zinal Rothhorn, die 
Dent d'H6rens, das Weißhorn u. s. w., hat er bestiege» 
und in so lebendiger anschaulicher Weise geschildert^ 
wie wenig Andere. Ein Hauptreiz dieser Schilderungen,, 
die er meist im „Echo des Alpes" niederlegte, ist 
ihre subjective Färbung, subjectiv nicht in der 
Weise, daß er das liebe Ich in den Vordergrund ge- 
stellt und den Berg eigentlich nur als Piedestal für 
den schneidigen Hochclubisten benutzt hätte, sub- 
jectiv vielmehr in dem Sinne, daß er nicht nur den 
Berg und seine Besteigung schildert, sondern den 
Eindruck, den er dabei empfangen, mit solcher Wärme 
und Begeisterung wiedergibt, daß dieselben Empfin- 
dungen auch bei dem Leser wachgerufen werden» 
Mancher sonst recht verdienstliche Bericht über eine 
Bergfahrt nimmt sich neben Javelle's leben- und geist- 
sprühenden Schilderungen aus, wie eine korrekte, viel- 
leicht sehr instructive Umrißzeichnung neben einem 
stimmungsvollen Gemälde, das Richtigkeit der Zeich- 
nung, Wärme der Farbe und glückliche Beleuchtung 
harmonisch zu einem Ganzen verbindet. Man lese 
nur die Schilderung der ersten Besteigung des Tour 
noir, die ein wahres Kabinetsstück ist, oder die 
Fahrten auf die Dent du Midi (Souvenirs de deux 
etes), auf das Matterhorn, das Weißhorn u. s. w., 
oder, wenn man den Meister im Kleinen, Idyllischen 



490 Medaetian. 

kennen lernen will, das reizende Bildchen der Masots 
(Winzerhtttten) de Plan-Oeiiaier. Bevor Bich Javelle 
dem Lehrfache znwaüdte, hatte er eine Lehrzeit als 
Photograph bestanden; in späteren Jahren wandte 
«r sich in seinen Mußestunden wieder diesem Kunst- 
gewerbe zu und hätte es vielleicht zu seinem Lebens- 
beruf erkoren, wenn ihm nicht der Tod seine Pläne 
vorzeitig mit schwarzem Striche durchkreuzt hätte. 
Seine kleinen Photographien, von denen ein Album 
an der Landesausstellung in Zürich gerechtes Aufsehen 
erregte, zeichnen sich ausnahmslos durch ktlnstlerische 
Wahl des Standpunktes und verständnißvoUes Erfassen 
der besten Beleuchtung aus. Dieser künstlerische Zug 
^findet sich auch in seinen Schilderungen und darum 
sind dieselben so lebendig, so wirksam* 

Mit der Sammlung dieser bisher in verschiedenen 
Zeitschriften zerstreuten alpinen Arbeiten Javelle's, 
unter denen wir außer den bereits berührten die 
^Huit jours dans le Val d'Anniviers'* und die an- 
muthige Schilderung Salvans hervorheben, hat sieh 
der Herausgeber, Hr. Ed. Beraneck, ein langjähriger 
Freund des Verstorbenen, ein eigentliches Verdienst 
um den S. A. C. erworben. Unser ehemaliger Central- 
Präsident Eugene Rambert hat der Sammlung eine 
geistreiche biographische und literarische Einleitung 
;gewidmet und der Verleger, damit nichts fehle, dem 
Buche, das hiemit dem S. A. €. wärmstens empfohlen 
«ei, eine sehr hübsche Ausstattung mit dem photo- 
graphischen Bilde Javelle's gegeben. 

Einen „clubiste inutile"^ nennt sich Javelle in 
seinen „Souvenirs de deux ^t^s", weil er bei seinen 
Bergfahrten kein speciell wissenschaftliches Interesse 
verfolgte, ^ber mit vollem Rechte nimmt er das Wort 
«in paar Seiten weiter zurück : „Touriste inutüe ? . . . 
Non, 11 n'est pas inutile, celui^ si humble qu'il soit, 
qui vient payer un sinc6re tribut d'admiration aui 
Alpes et j retremper son äme et qui^ sans savoir 



Literarisdkes. 491 

peo^t-etre les expliquer ou les peindre, lefi eomprend 
et les aime.'^ Ein unnützer Clubist! Besäße nur unser 
Cäub recht Tiele solcher unnützer Glubisten wie E. Javelie, 
Olubisten, die es yerstehen, die warme Liebe , die 
tue der Alpenwelt entgegentragen, auch bei Anderen 
m weeken und zu hegen! Red. 



Bergfahrten von Theodor Harpprecht (Stuttgart 1886). 

Dieses Buch ist den Souvenirs d'un alpiniste nahe 
verwandt und verdankt wie diese seine Entstehung 
dem Wunsche, einem begeisterten Bergfreunde und 
tüchtigen Bergsteiger durch Zusammenstellung seiner 
alpinen Leistungen ein würdiges Denkmal zu setzen. 
Theodor Harpprecht, geb. 1841, gest. 1885 auf der 
Karlshöhe bei Ludwigsburg, einer der Gründer des 
Deutschen und Oesterreichischen Alpenvereins, hatte 
sich die österreichischen Hochalpen zum Arbeitsfelde 
erwählt : die Oetzthalergruppe, in welcher er den ver- 
schollenen Sechstenweg von Gepatsch nach Vent über 
Oelgmben- und Sechsegertenjoch wieder auffand; die 
Hohen Tauern mit dem Groß- Venediger, dem Wies- 
bachhom, der Simony-, der Roth- und der Dreiherren- 
spitze u. s. w., und die Ortlergruppe, in welcher er den 
seit 1805 verlassenen Hintergratweg wieder eröffnete 
^und neben vielen andern Hochtouren die erste Be- 
steigung der Thurwieserspitze ausführte. Seine Be- 
richte über diese Bergfahrten erschienen meist in der 
Zeitschrift des Deutschen und Oesterreich. Alpenvereins 
und sind nun von seinen Brüdern Heinrich und Eduard 
gesammelt und mit einem Vorwort von R. Seyerlen, 
einem Nekrolog des Glocknerführers Joseph Schnell 
von Gals, mit welchem Harpprecht die meisten seiner 
Touren in den Tauern ausgeführt, und einer Reise- 
chronik Harpprechts von 1862 — 1877 zu einem Buche 
vereinigt worden, dem das beigegebene Portrait des 



492 Bedciction. 

Verstorbenen in Lichtkupferdruck der berühmten Ober- 
netter'schen Anstalt in München zur Zierde gereicht. 
Harpprechts Fahrtschilderungen sind schlichter nnd 
weniger elegant, aber ebenso anschaulich, von der- 
selben idealen Begeisterung für die Alpenwelt durch- 
leuchtet und ebenso weit von selbstgefälligem Bei^- 
fexenthum entfernt, wie diejenigen Javelle's. Das 
Büchlein verdient in hohem Maße der Aufmerksamkeit 
alpiner Kreise auch außerhalb des D. und Oe. A. V. 
bestens empfohlen zu werden. Red. 



J. Meurer: Führer durch die Dolomiten. 4. Auflage. 
(Gera — Leipzig — Wien 1885.) 
— Illustrirter Führer durch Westtirol und 

Vorarlberg (Wien, Pest und Leipzig 1885). 

Der unermüdliche Präsident des Oesterreichischen 
Alpenclubs, Hr. Julius Meurer, hat im Jahre 1885 
die touristische Literatur durch zwei Reisehandbücher 
bereichert, die einer günstigen Aufnahme in alpinen 
Kreisen von vornherein versichert sind. Der Führer 
durch die Dolomiten ist die 4. umgearbeitete und 
wesentlich vermehrte Auflage des vergriffenen Reise- 
handbuches von Dr. P. E. Kurz, das indess nur die 
nördlichen Dolomiten bis zum Fleimserthal und der 
Landesgrenze, also die Berge von Enneberg, Bucheo- 
stein, Schluderbach und Ampezzo behandelte und nur 
selten auf die anstoßenden italienischen Gebiete hin- 
übergriff. Dieser dem Kurz*schen Werke entnonmieDe 
Theil des Führers durch die Dolomiten umfaßt die 
Kapitel I — XIIL Von der richtigen Ansicht aasgehend, 
daß weder Sprach- noch Landesgrenzen für den Berg- 
steiger in Betracht kommen, hat nun Hr. Meurer den 
Führer durch Hinzufügung von 9 Kapiteln über die 
östlichen Dolomiten im Gebiet der oberen Piave, des 
Tagliamento und der Gail, die südlichen Dolomiten 



Literarisches, 493 

im Gebiet des Fleimserthales, des Val Primiero, Val 
d'Agordo, Val Zoldo und Val Sugana und die westlichen 
Dolomiten (Brentagruppe) ergänzt und so ein Reise- 
bandbach geschaffen, welches das ganze Gebiet der 
Dolomiten vom Pusterthal bis Val Sugana und vom 
Val Rendena bis zum Canal di Gorto umfaßt. Ein 
Urtheil über die Genauigkeit und Vollständigkeit eines 
solchen Buches kann selbstverständlich nur durch 
eigene Erfahrung und Kenntniss des behandelten 
Oebietes begründet werden. Indessen bietet in Er- 
manglung dieser die Persönlichkeit des Autors volle 
Gewähr für die Zuverläßigkeit seiner Angaben. Es 
konnte Niemand besser berufen sein, den Führer 
durch die Dolomiten zu schreiben, als der bergkundige 
and bergfreudige Präsident desjenigen alpinen Vereins, 
dem die ersten Bezwinger so vieler dieser stolzen 
Pelszinnen angehören. — Die Anordnung des Stoffes 
innerhalb der einzelnen Kapitel weicht von der 
üblichen Eintheilung nach Routen der meisten Reise- 
bticher wesentlich ab. Der Führer durch die Dolo- 
miten theilt sein Gebiet nach Thälem ein, deren Topo- 
graphie und Urographie in hie und da unnütz ausführ- 
licher Weise geschildert wird, reiht daran die Auf- 
zählung der Ortschaften, Wirthshäuser u. s. w., sowie 
die Beschreibung der Zugangswege, und bespricht 
endlich die von den einzelnen Hauptquartieren aus zu 
machenden Berg- und Paßtouren. In den von Herrn 
Meurer neu geschriebenen Kapiteln wird diesem In- 
halt meist noch eine üebersicht der Entfernungen 
(Geh- und Fahrzeit) vorangeschickt. Die oben an- 
gedeuteten Breiten in den orographischen Beschrei- 
bungen abgerechnet, ist das Buch, seinem Zwecke 
entsprechend, in knappem, klarem Styl geschrieben, 
beschränkt sich auf das Wesentliche und vermeidet 
die überschwänglichen Anpreisungen so vieler anderer 
fieisehandbücher, die dem Touristen zudringlich Schritt 
fiir Schritt vorschreiben, was und wie er zu bewundem 
habe. 



4S4 Beäaelitm. 

Während der Fülirer dnrdi die DolomUcn, wie 
der treffHehe OrtlerfÜhrtr desselben Terfasscn-s, wesmi- 
lieb ein Spesialfttbrer f)lr Ber^^steiger hrl und sidi waS 
ein TerfalSltnifimäßig enges Gebiet be«eliränkl, sti^t 
der illnstrirte Ffthrer dorch Westtirol «od Vararlbei)^ 
mekr auf dem Standpunkte eines allgemein^fc Reiae^ 
liandbnebes^ das alYen Bergfreunden, seien es VioA- 
clvbisten oder Ttialsohlenitoaristeii^ di^ien soll. Ohn^ 
das Hochgebirge darüber zm yemacMäSM^csiT. wendet 
deßhalb der Führer dtirch Westtirol den großen Ver- 
kehrslinie» seines Gebietes, der Bonner- nnd der Ai^ 
bei'gbahn, den Mittelpunkten des Tonriste&verkehii^ 
den Sommerfrisehen imd Kurorti^ gr(56ere^ Aufnetk' 
samkeit zs« Abgesehen rom den fß^fidbeit Reti»- 
pfogrammeii fifer S — 4w9ehei])tBdie Tonren und eine* 
yerzeiehiii)^ dier Tekgraphenstatioaeii m s. w., gliedert 
sieh der InhaMi des Bac^s in die Rirbriken Votari- 
berg, Nerdw^esttiroly Mittdtipol im4 Südwesttir^l. !■ 
Osten wird das Gehkt doteh die B^reno^rbahs al»- 
gegrenzl^ im Weste» dnreh die* Landesgrenze ^ ww 
den Uebekpiand bedingt, daß die auf fremdem Ge^bMe 
geiege««n Abhinge ^m Gienzg^Mrgc^ ». R des Blriiti' 
kon und der dUvrettah, der Ortier- und der Adamette^ 
^^!W^^j sehr stEefiffilttterüdi b^uand«M wories shmL 
Kamemtlvch für dse stiidüeh rom AdaaNlle> ans^ 
strahlendes^ zwiseten Jwüeäcriffin und Yal CaniSMCi 
getegenen Gebirge, di«^ hniher wenigslesa in der 
deutsches al^iiren Lttc^mtin* wenig h«s^roclieB wvriM 
sindt, wüire eingeheodere BehandJhing sehr «rwttnseht 
gewesen. Vielleieht MMi der Herr Verfasse» ^fiese 
Liteke> später aar Freude alter Lielrhiiler itafiodMr 
A]|pesdandsdb»fien. domsh einea SpeeialAteer ans. 

Der Führer dunh. dk Bolonuten enthIM aia M- 
higea nur t Karten, ekm lJebiersidiri;skarte der s9fd- 
lieheni und; südliehen ]i>ei9Xiiitalpen md ehi KirUehMk 
der Blrenil ag ji upfw v Issk G^egensatz dbtzu^ isH cler West- 
throler Führer rei«b; jtt «biSFreieh anegestaittat AnGer 



einer Konten- uad eiaer Dlstsaau^eakarte^ einem PI»» yooi 
iBBsbrack nad 8 &pe9iiklkäit<^etp^ (Bode^see, Arlberg- 
bah% Mer&a) e»thäH er 62 }llustrati<m^y woranler 
6 l^bfieke Licktdnieke \mä 66 Habscbaitte vq» sehr 
«Bgleicbem Werthe. Daß da und dori eine cbarak^ 
terigtifiche^ für die To^po^apüe wichtige Ansicht eine» 
Tlialhiiitergrmideß; einer Berggruj^pe u. s. w* beige- 
geben wurde^ ist nw za begrüßen^ aber auf die viel^» 
niehtsaagefidea Dorf- und Ganthausansiohten würden 
wir mit Vei^i^en yerziehten, namentlieh wenn stiatt 
devselben Kärtchen beigegeben wären, die «um Ver* 
ständniß der Topographie einer Gegend ungleiefar 
bessere Dienste leisten, 9.h die längste Beschreibumg^ 
Tsckudi hat to^ Anfie^i^ an ¥oa selehen lUu^rationent 
abgesehen und neb mit Karten^ Staditplänen und Pane- 
Famen begnügt. Bädecker, der alte Practik»« m besten 
^BBe desWidrtes^ dese^i Reisehandkjich für die Scbweia^ 
Hl seinen fHiher^Bk Anklagen »oeh hie v»A da eine Stadt- 
maiieht oder dgl. eothidtt, he^ ii^ d^en späteren auf 
d&esen B>sd!last ver^iK^btet, diafüi? aber die 2ahl der 
Karle» erhdt^lich vemtehrt, ein nachabmen&wertbej^ 
Beispiel Air spätere Auflagen <ieB WesttirelerfiiihreiHiS. 
deren das tüchtige Werk recht viele zu erleben ver- 
dient. Red, 



L'EdMT des Alpea 1885. 

Der 21 . Jahfpgmg di^s B(<cho entbältwieeeioe Vorgänger 
neben zahlreichen kleineren Mittheilungen verschiedener 
Art, Fest- und Sectionsberichten, Rrecensionen u. dgl. 
mehrere werthrolle größere Arbeiten theils wissenschaft- 
Ueken^ tlieilis tDimslis<^eB Inhailts. Unter ^s^ sij»d her- 
vorzuheben die Berichte der HHv. TJhury und. Wannei: 
Über iftre fährerlosen Touren im BagRethal^ m welcbemi 
sie- die- ßuinette', den Mont Blaue.' & Cheillon , däfit 
PetBte deTEveque^ die Lneüite (liOellHte der WaUiaer- 
EsowaMmekastie von IBßl) and den: Pleui^iif be-- 



496 Bedaction. 

«tiegen haben, nnd die Schilderung Hrn. Martins einer 
Winterfahrt im Wettersteingebirge (Krottenkopf, Zug- 
spitze, Schachenalp). Arbeiten wissenschaftliehen In- 
halts sind R. Guisan's werthvoUe Studie über den gegen- 
wärtigen Stand der Wetterprognose (mit 10 Kärtchen 
und 3 Tafeln), die Untersuchungen G. Beraneck's über 
die Lage des alten Tauredunum, welches derselbe 
nach Aux Evouettes zwischen Porte du Sex und Port 
Yalais verlegt, und F. A. ForeFs über das eigenthüm- 
liehe Schattenbild, das der Chamossaire am 14.September 
1885 (Clubfest) bot, und J. Brun's vergleichende Studie 
über norwegischen und alpinen Gebirgs- und Land- 
«chaftscharakter. Von praktischem Werthe für Tou- 
risten sind von dem tibrigen Inhalt namentlich H. Fer- 
rand's Bericht über die „Refuges" und „Abris" des 
Dauphin^ und £. de la Harpe's Itinerar der Umgebung 
des Schwarzsee's. Außer den erwähnten Kärtchen sind 
dem Bande beigegeben zwei sehr gelungene Phototypien ' 
von Brunner in Winterthur: Ruinette und Mont Blane 
de Cheillon (nach einer Photographie von V. Bella), und 
Nord-Cap, und eine Ansicht des Galenstocks vom Sidel- 
liom aus nach einer Phot. von J. Beck in Straßburg. 

Red. 



Zeitschrift des Deutschen und Oesterreichischen 

Alpenvereins. 1885. 

Band XVI. Red. Th. Trautwein. 

Mittheilungen des D. u. Oe. A. V. 1885. 

Neue Folge Band I. Red. J. Emmer. 

Die auf pag. 583 des Jahrbuches XX einirähnte 
Aenderung der Publicationen des D. u. Oe. A. V. hat 
sich im Jahre 1885 vollzogen. Die Zeitschrift ist 
statt in drei Heften in einem Bande als Jahrbuch 
erschienen, die Mittheilungen haben ihr Format ver- 
^ößert und zählen, statt zehn, vierundzwanzig Nummern. 



Literarisches, 497 

Der Inhalt des Jahrbuches besteht vorwiegend aus 
wissenschaftlichen Arbeiten, denen nur wenige tou- 
ristische Artikel, wie Frau Hermine Tauscher's Ortler 
Hber die Hinteren Wandln, Dr. Th. Petersen's Bilder 
ans dem Kaunserthal, Dr. K. Schulz' erste Ersteigung 
des Crozzon di Brenta und L. Purtscheller's Massiv 
der Meije, beigegeben sind. Die Botanik ist durch die 
Abhandlung über Ursprung und Geschichte der Alpen- 
flora von Dr. A. Peter vertreten, welcher in Abweichung 
von den Ansichten Grisebachs, Christs, Englers, Heers 
^d Balls annimmt, die Flora der Alpen sei theils im 
arktischen Gebiet, theils in dem großen, von West nach 
Ost durch Europa und Asien verlaufenden Gebirgszug 
entstanden, dem die Pyrenäen, die Alpen, der Kaukasus, 
der Altai, der Himalayah etc. angehören, sei aber 
ans beiden Gebieten durch die Eiszeit in tiefere Lagen 
gedrängt worden, wo eine innige Mischung beider 
Elemente stattgefunden habe; mit dem Zurückweichen 
der Gletscher sei dann diese neue Mischflora einerseits 
in den Norden, anderseits in die Gebirge zurück- 
gewandert, während das dazwischen liegende Tiefland 
von einer neuen Flora aus den umgebenden Gebieten 
(welchen?) besiedelt worden sei. Der Gletscherkunde 
sind vier Arbeiten der Herren Prof. Ed. Richter 
(Die Gletscher der Oetzthalergruppe im Jahr 1883), 
Dr. K. Diener (Studien an den Gletschern des 
Schwarzensteinergrundes), F. Seeland (Studien am Pa- 
sterzengletscher) und Dr. v. Frey (lieber die Schwan- 
kungen der Gletscher und Seen) gewidmet; an diese 
letztere Arbeit schließt sich dem Inhalte nach 
I^. A. Geistbecks Abhandlung über die südbayrischen 
^d nordtirolischen Seen an Volkswirthschaftlichen 
Charakters sind die Aufsätze über die Aufgabe der 
f'orstwirthschaft von M. Lizius und über die Ver- 
banung des Wildbachs Gadria bei Laas im Vintschgau 
von P. L. Hoffmann und im weiteren Sinne die Schil- 
derung des Landes Berchtesgaden durch Dr. A. Penk 

32 



498 Bedaction, 

und Dr. E. Richter, von denen der Erstere die Ober- 
fl&chengestaltung des Ländchens und ihre Entstehung, 
der Letztere den Zustand der Bevölkerung in seiner 
Abhängigkeit von den Bodenverhältnissen und dem 
Klima behandelt. C. Fruhwirth setzt seine Unter- 
suchungen über Höhlen fort. Mit der alpinen Nomen' 
clatur beschäftigen sich die Arbeiten von C. Gsaller, 
A. Wessinger undL. v. Hohenbtlhl, mit Distanzenbestün- 
mungen ein Aufsatz von L. Obermair. Dr. H. E. Oster 
untersucht die Frage, welche der beiden Klausen, die 
zusammen die sogen. Yeroneserklause bilden , Otto 
V. Witteisbach 1155 umgangen und gestürmt habe, 
und kommt nach Besichtigung des Terrains zu dem 
Schlüsse, es müsse die obere Klause, die von Oeraino, 
gewesen sein. Unseren Itinerarien verwandt ist die 
interessante orographische und touristische Schildenmg 
der Lechthaler-Alpen von A. Spichler. 

Dem geschäftlichen Theile, der mit der alpineir 
Bibliographie für 1885 den Schluß des stattlichen, 
30 Bogen starken Bandes ausmacht, entnehmen wir, 
daß die Section München zum Vorort für 1886—1888 
bezeichnet und die HH. Prof. Dr. V. v. Zittel nnd 
Forstrath Freiherr v. Bäsfeldt als I. und U. PräsideBt 
gewählt wurden und daß die Betriebsrechnung von 
1884 bei 51,515 Gulden öst. Währung Einnahmen 
und 47,599 Gulden Ausgaben mit einem Activsaldo 
von 3916 Gulden abschließt. 

Die Ausstattung der Zeitschrift ist eine sehr sdiöne. 
Außer einer Planskizze und 20 Textfiguren enthXlt 
die Zeitschrift das Blatt IV der Karte der Berditoe- 
gadeneralpen (Uebergossene Alm und Steinernes Meer) 
im Maßstab 1 : 50,000 in Kurven (Bquidistanz 100«) 
und Schraffen mit senkrechter Beleuchtung ausgefliluiy 
eine Combination, welche trotz sorgfältigster Auaftthnuig 
stellenweise das Kartenbild verworren und unleseriinA 
macht, drei Panoramen (von Waltenberger, £. T. Gon^ton 
und V. Siegl), vier kleinere Ansichten, unter denen der 



Literarisches. 499 

Lichtknpferdruck „Im Gepatsch" nach E. T. Compton 
hervorzuheben ist j und ein Portrait A. Schaubach's, 
des Verfassers der Deutschen Alpen, dem Dr. F. Ortlepp 
eine biographische Skizze gewidmet hat. 

Die Mittheilungen des Jahres 1885 bilden zu- 
sammen einen stattlichen Quartband von 288 Seiten. 
Der Inhalt gliedert sich in die Rubriken Artikel, unter 
welchem bescheidenen Sammelnamen kurze, aber des- 
halb nicht minder werthvolle Abhandlungen, Fahrt- 
berichte , Biographien , literarische Besprechungen, 
Erörterungen alpiner Streit- und Zeitfragen etc. be- 
griffen sind, wissenschaftliche und touristische Mit- 
theilungen, Weg- und Hflttenangelegenheiten, Führer- 
wesen, Verkehr und Unterkunft, Personalnachrichten, 
Verschiedenes, Literatur und Kunst, und endlich 
Vereinsangelegenheiten. Bestimmt, den D. u. Oe. A. V. 
jeweilen rasch von Allem zu unterrichten, was in 
alpmen Kreisen vorgeht oder alpine Interessen berührt, 
durch Austausch von Nachrichten aus den Sectionen, 
deren der D. u. Oe. A. V. auf Ende 1885 120 mit 
15,000 Mitgliedern zählte, das Gefühl der Zusammen- 
gehörigkeit zu stärken und den Verkehr des Central- 
ansschusses mit dem Verein zu vermitteln, bilden die 
Hittheilungen eine nothwendige Ergänzung zur Zeit- 
schrift, eine Ergänzung, wie sie auch unserem Jahr- 
buehe zu Theil werden sollte und über kurz oder 
lang zu Theil werden muß* Red. 



Oesterreichische Alpenzeitung. Nr. 157—182. 

Red. Jul. Menrer. 

Der siebente Jahrgang der Oesterreichischen Alpen- 
zeitung, der wie seine Vorgänger der Thätigkeit des 
Oesterreichischen Alpenclubs hohe Ehre macht, ist 
ein stattlicher Band von 314 Seiten mit einer allen 
Bergfreunden willkommenen Beilage, dem wohlge- 



500 Bedaction. 

troffenen, in Kupfer-Radirung ausgeführten Portrait 
des hochverdienten Präsidenten, Hm. Jul. Meurer's, 
der durch Beschluß der VI. Plenarversammlung in 
die eigenthtimliche Lage gebracht wurde, als Redactor 
der Alpenzeitung in derselben sein eigenes Portrait 
publiciren zu müssen. Die Bergfahrten, deren Schil- 
derungen den größten Theil der Zeitung einnehmen, 
bewegen sich meist im Gebiet der österreichischen 
Alpen. Der Redactor bespricht die Riviera di Quar- 
nero und den Monte Maggiore (Istrien), M. Fuchs die 
Hochwildstelle in den Niederen Tauem, H. Köchlin 
eine Winterfahrt auf die Bischofsmütze . im Dachstein- 
gebirge und die Besteigung des Löffler in den Ziller- 
thaler-Alpen, L. Friedmann diejenige des Piz Popena 
(Dolomiten) vom Cristallpaß aus, Dr. Bruno und Fran 
Rosa Wagner schildern ihre Hochtouren im Oetzthal- 
und Ortlergebiet (Oelgrubenjoch und -Spitze, Hinter- 
eisjoch, Weißkugel, Cevedale, Königsspitze), 0. Fischer 
die Besteigung der Grohmannspitze in den Dolomiten, 
H. Heß seine Gratwanderungen in den Haller-Mauem 
bei Admont. In die Schweizeralpen führen uns die 
Berichte Dr. 0. Zsigmondy's über die Besteigung äea 
Monte Rosa von Macugnaga aus und Dr. E. Zsigmondy's 
über die Traversirung des Matterhoms; Prof. L. Liechti 
schildert eine Gewitteniacht am Aletschhorn, die in 
einer Eishöhle circa 4000 M. über dem Meere zu- 
gebracht wurde, und Hr. M. v. Kuffner die Ersteigung 
des Piz Glüschaint über den Nordgrat. Auch aus 
den Bergen der Antipoden ist ein Bericht eingelangt: 
Hr. R. V. Lendenfeld hat in den Australischen Alpen 
einen Berg entdeckt und bestiegen, der südlich von 
dem Mont Kosciusko aufsteigt und diesen vermeintlich 
höchsten Gipfel Australiens noch um circa 40' tiber- 
ragt. Den Katastrophen am Reichenstein im Eims- 
thal, durch welche der Oe. A. C. zwei junge viel- 
versprechende Mitglieder verlor, und an der Meije, 
an welcher Dr. Emil Zsigmondy, dieser eminente Berg- 



l . 



Literarisches, 501 

Steiger und -Kenner und begeisterte Verehrer der 
Alpenwelt, den Tod fand, siiid eingehende Berichte 
gewidmet. Derjenige über die Katastrophe vom 
6. August umfaßt ein kurzes Lebensbild Zsigmondy's 
nebst einer Liste seiner bedeutendsten Bergtouren 
von M. V. Kuffner, die Schilderung des Unglücksfalles 
von dem schwergeprüften Bruder des Verunglückten, 
einen Nachruf J. Meurer's, zwei Ansichten der Meije und 
die Grabrede Prof. Kellerbauer's auf dem Friedhofe von 
St-Christophe en Oisans. 

Aus dem übrigen Inhalt des reichhaltigen und gedie- 
genen Bandes erwähnen wir die Berichte über W. W. Gra- 
ham's Reisen und Bergbesteigungen im Himalaya nach 
dem Alpine Journal und den Proceedings der R. G. S., 
die Kontroverse über führerlose Hochtouren, in der 
die HH. Heß und Prof. K. Schulz nicht die führer- 
losen Touren an sich, wohl aber das von den Herren 
Dr. A. Böhm und Dr. Lammer leichtfertiger Weise an- 
gepriesene führerlose Alleingehen energisch bekämpfen, 
und die Anlegung der Redaction zur Errichtung von 
Wetterschutzhütten auf Hochgipfeln, eine Anregung, 
die man allenfalls für einzelne vielbesuchte Punkte, wie 
den Ortler, gelten lassen kann, die aber, allgemein 
gehalten und auf Hochgipfel überhaupt ausgedehnt, 
kaum mehr als einen Achtungserfolg für die damit be- 
wiesene montane Menschenfreundlichkeit erzielen wird. 

Den Rest des Bandes, dessen reichen Inhalt diese 
summarische und unvollständige Aufzählung der wich- 
tigsten Arbeiten keineswegs erschöpft hat, nehmen, 
außer Clubcircularen und Vereinsnachrichten, zahl- 
reiche literarische Besprechungen, Notizen über Führer- 
und Hüttenwesen, Wegbauten und Verkehrsmittel und 
itinerarartige Mittheilungen über Bergfahrten in An- 
spruch, kleine, oft anscheinend unbedeutende Miscellen, 
denen aber doch das nicht geringe Verdienst zukommt, 
die Oest. Alpenzeitung zu einer der best- und schnellst- 
unterrichteten aller alpinen Zeitschriften zu machen. 

Red. 



502 Medaction, 

Oesterreichische Touristenzeitung. Wien 1885. 

Red.: Ed. Graf. 

Der Band V der Oesterreichischen Touristenzeitung 
ist nach Inhalt, Ausstattung nnd Auflage ein erfreu- 
lirAer Beweis von dem Wachsthum und Gedeihen des 
österreichischen Touristenclubs, der im Jahre 1885 
von 41 auf 52 Sectionen angewachsen und nächst 
dem Deutschen und Oesterreichischen Alpenverein die 
größte aller alpinen Gesellschaften ist. Der Inhalt 
besteht, abgesehen von kleineren Notizen aus den 
Gebieten der Naturkunde und speciell der Höhlen- 
kunde, Besprechungen der alpinen Literatur und Kunst 
und einer reichhaltigen alpinen Chronik, aus 57 größeren 
und kleineren Arbeiten, von denen die Mehrzahl Fahrt- 
berichte und Schilderungen von Land und Leuten aus 
den Oesterreichischen Alpen vom Rhätikon bis nach 
Groatien hinaus sind. Die Ausstattung ist gut nnd 
weist 39 Textillustrationen, meist sehr gelungene An- 
sichten charakteristischer Landschaften, auf, dazu ein 
in Kontouren ausgeföhrtes Hemiorama vom Hohen 
üntersberg bei Pemitz (Niederösterreich) und zwei 
Panoramen vom Tamischbachthurm in der Buchstein- 
gruppe und von der Cema Ferst in der Wocbein 
(Julische Alpen). Die starke Auflage, die schon An- 
fang 1885 9000 betrug, Anfang 1886 auf 10,000 
gestiegen war und jetzt 11,000 beträgt, beweist, wie 
viel Boden die Oesterreichische Touristenzeitung ge- 
wonnen hat und wie kräftig der Verein aufblüht, dessen 
Organ sie ist. Beiden wünschen wir auch für die 
Zukunft bestes Gedeihen. Red. 



Societä degli Alpinisti Tridentini. XI« Annuario. 

Red. Dr. C. Boni. 

Das Jahrbuch der S. A.T. hat mit seinem 11. Bande 
ein neues, stattlicheres Gewand angezogen. Statt im 



Literarisches, 503 

Format unseres Jahrbuches erscheint es nun in dem- 
jenigen des „Echo des Alpes". Der Inhalt ist aber 
durch diese Veränderung nicht berührt worden. Nach 
wie vor besteht er aus der Vereinschronik, dem 
Führer- und dem Mitgliederverzeichniß, Miscellen und 
bibliographischen Besprechungen und dem Hauptab- 
schnitt ^Studi^ ascensioni ed escursioni", der einen 
Bericht über die 12. Jahresversammlung der S. A. T. 
in Pieve di Ledro von Dr. Ricabona, eine Schilderung 
des Clubausflugs auf den Passo dei Topeti di Lares 
imd zu der Lareshütte von Dr. Gambillo, und eine 
solche der ersten Besteigung des Crozzone di Brenta 
von R. Thaler enthält. Neben diesen Fest- und Fahrt- 
berichten — schade, daß der letzteren nicht mehr 
sind! — ßnden wir ein Itinerar des Val 8. Primiero 
und des Canal S. Bovo von Dr. Fratini, einen Aufsatz 
über die Nomenclatur der Fassaner-Alpen mit Itinerar- 
Notizen von den HH. Dr. Gambillo, Dr. Candelpergher 
und A. Tambosi und endlich eine Reihe von Studien 
über die Fischerei, die Jagd, die alpine Flora, die 
nutzbaren Mineralien, die Sitten und Gebräuche und 
die Sagen des Trentino. Die S. A. T. fährt also fort, 
ihre Thätigkeit ausschließlich den Bergen des Süd- 
tirols zuzuwenden, dafür aber dieses eng begrenzte 
Arbeitsfeld um so intensiver zu kultiviren. Von den 
7 Illustrationen etc., die dem sehr empfehlenswerthen 
Annuario beigegeben sind, erwähnen wir die werth- 
voUen Beiträge Dr. Gambillo's, namentlich das Pano- 
rama und die Kartenskizze der Rosengartengruppe. 
Dem geschäftlichen Theile entnehmen wir, daß die 
8. A. T. 11 Ehrenmitglieder und 800 Activmitglieder 
zählt, unter dem Präsidium des Hrn. Antonio Tambosi 
in Trient steht und vier Hütten an der Tosa, dem 
Cevedale und dem Laresgletscher und an der Presa- 
nella (im Bau) besitzt. Red, 



504 Medaetion. 

Alpine Journal. Vol. XII, Nr. 87—90. 

Edit. : W. A. B. Coolidge. 

Von den Arbeiten touristischen Inhalts, die im 
Jahr 1885 einen kleineren Theil des Alpine Journal 
in Anspruch nehmen, als sonst, berührt nur der Be- 
richt Mr. J. Stafford Anderson's über seine im Jahr- 
buch XX, pag. 449 und 451, erwähnten Besteigungen 
des Eigers und des Zermatter-Breithoms das eigent- 
liche Gebiet der Schweizer Alpen. Mr. D. W. Fresh- 
field setzt seine ansprechenden Schilderungen aus ab- 
gelegenen Winkeln Savoyens fort und empfiehlt alff 
interessante, noch nicht vom- Touristenstrome tiber- 
fluthete Chamonixwege die Routen Albertville-Haute 
Luce-Contamines mit dem Abstecher über den Mont 
Joli, Albertville-Flumet-Megfeve- St. Gervais, Annecy- 
Thones-Col d'Aravis-Flumet und Cluses-Pointe-Perc6e- 
Sallanches - Pointe de Collonex - Servoz. 

Mr. Coolidge bespricht die Besteigung der Meije 
von La Grave aus und knüpft daran eine Darlegung 
und Erörterung des Unglücksfalles vom 6. Aug. 1885, 
dein Dr. Emil Zsigmondy zum Opfer gefallen ist. 
Hr. Moritz v. D6chy schildert die erste Besteigung des^ 
Adai Choch (Kaukasus) und Mr. D. W. Freshfield schließt 
an diesen Bericht eine Abwehr der übelbegründeten 
Angriffe, welche die Zuverlässigkeit der Angaben eng- 
lischer Kaukasusfahrer von russischer Seite erfahren 
hat. Aus dem übrigen Inhalte erwähnen wir die Arbeit 
des Präsidenten des A. G., Mr. F. C. Grove, über die 
Diät des Bergsteigers, welche zu dem tröstlichen- 
Schlüsse gelangt, ein Jeder solle essen, was ihm am 
besten zusage, der Aufsatz Clinton Dent's über Führer- 
dilettanten und Berufsführer, die sehr beherzigens- 
werthe Anregung und Anleitung Mr. H. G. Wilink's- 
zum Zeichnen alpiner Skizzen, Mr. W. W. Conway's 
Auszug aus den Autobiographien Thomas und Felix 
Platter's, Mr. H. F. Tuckett's eingehende Besprechung 



Literarisches. 505» 

des Handbuchs der Gletscherkunde von Prof. A. Heim 
und Mr. W. E. Green's Bericht über v. Lendenfeld's 
Forschungsreisen in den Stidalpen Neu-8eelands. Von 
Beilagen finden wir eine Kartenskizze der Gegend 
zwischen Annecy, Albertville und Chamonix, ein präch- 
tiges Gletscherbild (Cejaglet scher, Kaukasus) in Licht- 
druck, eine Ansicht der Schneekette des Adai Chocb 
nach D. W. Freshfield und mehrere Illustrationen zu. 
Wilink^s „Alpine Sketching". Red. 



Annuaire du Club Alpin Frangais 1884. 

(Paris 1885.) 

Der Club Alpin Fran9ai8 zählte zur Zeit der Publi- 
cation seines Jahrbuches 37 Sectionen, von denen 
fünf in Algerien und Tunis liegen, mit 5299 Mit- 
gliedern, und steht unter der Leitung eines Central- 
comite's, dessen Sitz Paris ist und an dessen Spitze 
die HH. Daubree als Ehrenpräsident und Xavier Blanc^ 
als Präsident stehen. Seine Organe sind das Annuaire 
du C. A. F. und das Bulletin mensuel, das den Mit- 
theilungen des D. u. Oe. A. V. oder der Rivista mensile 
des C. A. I. entspricht. Außerdem publiciren mehrere 
Sectionen besondere, meist vierteljährliche Bulletins^ 
Der uns vorliegende 11. Jahrgang des Annuaire ist 
ein reich ausgestatteter Band von 594 Seiten mit 
1 Kärtchen (Umgebung des Domjochs) und 47 Illu- 
strationen, unter denen die interessanten Skizzen aus den« 
Felslabyrinthen des Causse noir und von Montpellier 
le Vieux, das Panorama des Vignemalegletschers und 
die in Farbendruck ausgeführte Ansicht des Felscircus. 
von Cotatuero in den östlichen Pyrenäen hervorzu- 
heben sind. Von den 14 Fahrtberichten, die unter 
dem Titel „Courses et ascensions" die erste Rubrik des 
Bandes ausmachen, führen uns vier in die französischen 
Alpen. M. Pierre Puiseux schildert seine neuen Berg- 



(iOß Bedctction, 

fahrten in Savoyen (Pointe de TEchelle, Pointe Renod, 
Pointe de Crenx noir etc.), M. H. Duhamel seinen 
Weg von Vallouise nach Ghamonix über den Gel de 
TAile froide, den Pic de FEtendard und den Pic central 
de Belledonne und knüpft an den Bericht über seine 
Besteigung des Montblanc einige scharfe Bemerkungen 
über die Arroganz und Unzulänglichkeit der Ghamonix- 
führer, die über die steigende Konkurrenz der schwei- 
zerischen, italienischen und selbst der Dauphinefilhrer 
erbost sind, aber ihrerseits stupid und träge im alten 
Schlendrian verharren. M. Gambiez beschreibt einen 
Ausflug auf den Gasque de N6ron bei Grenoble und 
M. Paul Engelbach seine Kreuz- und Querfahrten in 
•den Alpen von Oisans (Pointe de Loranoure, Aiguille 
du Plat, Barre des Ecrins, les Bans etc.). Drei Berg- 
fahrten bewegen sich im Gebiet der Walliseralpen : 
MM. Picard und Vignon erstatten Bericht über ihre 
üeberschreitung des Domjochs, M. L. Wiart über 
Touren in der Umgegend von Ghamonix und Zermatt 
(Dent du G6ant, Grand Gombin, High-Levelroute von 
Mauvoisin nach Zermatt, Matterhom, Weißhom, Monte 
Kosa und Zinalrothhom) und M. Bauron über die Be- 
steigung der Pigne d'AroUa. Unter den vier Berichten 
aus den Pyrenäen der HH. Graf H. Rüssel, E. Walion, 
B. de Bouill6 und E. Rochat machen wir besonders 
a>uf den letzteren aufmerksam, der zeigt, daß es selbst 
für einen Franzosen und Mitglied des G. A. F. nicht 
gerathen ist, sich mit Gletscherpickel und Photographie- 
apparat in den französischen Ostpyrenäen herumzu- 
treiben, sintemal beide Instrumente bei pfiffigen Gens- 
darmen und Festungskommandanten nach dem Typus 
Ramollot als staatsgefährlich gelten und ihren Besitzer, 
wie es Hrn. Rochat passirt ist, zu Handschellen, in's Ge- 
fängniß und auf den Schub bringen können. In die 
Gevennen und zwar in die Gannons und Felslabyrinthe 
des Gausse Noir und von Montpellier le Vieui führt uns 
M. £. A. Martel, dessen Bericht einer der interessan- 



Literariaches. 607 

testen des Annuaire ist; auf den Elbrus (Kaukasus) 
Hr. M. Dechy und zum Nord-Kap Mr. Ch. Grad. Unter 
den sieben Arbeiten der Rubrik „Science et arts" wird 
die erste, eine Abhandlung über die Entstehung der 
€tebirge von M. Alexandre Vezian, Aufsehen und Wider- 
spruch erregen. Hr. Vezian, ein Plutonist der alten 
Schule, verwirft nämlich entschieden die Theorie der 
Orogenese durch Faltung der Erdrinde in Folge all- 
mäliger Abkühlung der Erdkugel, und schreibt viel- 
mehr die Ursache der Gebirgsbildung dem Stoß des 
bewegten flüssigen Erdinnems gegen die erstarrte Ober- 
fläche zu. Kleinere Mittheilungen meist montanistischer 
Art, unter denen wir sogar eine erste Besteigung, die- 
jenige des Bec d'Arguille bei AUevard, finden, bilden 
mit der Chronik des C. A. F. den Schluß des reich- 
haltigen Bandes. Red. 



Die alpine Literatur des Jahres 1885. 

ZusammengesteUt von A. Francke (Section Bern). 

Die Preise rerstehen sich in Franken nnd Centimes. 

I. Bücher nnd Zeitschriften. 
1 Periodisch« Literatur der Gebirgsverelne. 

Alpenzeitung, Oesterr eichische. Organ des öster- 
reichischen Alpenclub. Red. v. J. Meurer. 1885. 
26 Nrn. Wien 10. 70 

— Schweizer. Red. v. H. Lavater. 1885. 24 Nrn. 
Zürich . . . . . . .5. — 



Zur gefälligen Beachtung. Wiederlwlt machen wir 
alle Selbstverleger, insonderheit die Gebirgsvereine und iivt'e 
SectUmen, darauf anfmerksam, daß für Aufnahme ihrer Publi- 
kationen in dieses Yerzeichniß nur dann gesorgt werden 
kann, wenn sie selbst durch Vermittelang einer Buchhandlung 
die Aufführung ihrer Artikel in den Katalogen der Hin- 
richs^schen Buchhandlung in Leipzig veranlassen. Diese 



Ö08 A. Francke, 

Alpine Journal, ed. by W. A. B. Coolidge. Vol. XII. 

Nr. 87—90. London. Per Nr. . . 2. — 
Appalachia, Organ des Appalachian Mountain Club. 

Vol. IV. Boston. 
Altvater. Organ des mähr.-schles. Sudeten-Gebirgs- 

vereins Red. v. A. Kettner. 1885. 12 Nm. 

Freiwaldau . . . . . .4. — 

AnnuaHo XI della Societä degli Alpinist! Tridentini. 

1884/85. Roveredo, (454 S., 7 Illustrationen, 

Kartenskizzen und Tafeln.) 
Annnaire du Club alpin frangais, Onzi^me ann^. 

1884. (XII, 504 8. 1 Karte, 2 Farbendrucke, 

46 Illustrationen.) Paris . . .20. — 
Annuaire de la Societe des touristes du Dauphine* 

Nr. 10 (1884). Grenoble. (218 S.) 
Bollettino del Club Alphio Italiano, Nr 51. Anno 

1884. Vol. XVm. Torino. 



höchst einfache, kostenlose Procedur hat zur Folge, daß die 
betreffenden Titel und die Bezugsquelle auch nach Jahren 
leicht zu finden sind, während andererseits Bücher, die nicht 
in den Katalogen stehen, schnell vom Markte Terschwinden. 
Besonders bei vielen Gebirgsvereinen scheint in dieser Be- 
ziehung eine nicht zu rechtfertigende Gleichgültigkeit zn 
herrschen, — die Mühe, welche es gekostet hat, obige Rubrik 
„Periodische Literatur der Gebirgsvereine** auch nur an- 
nähernd vollständig zusammenzusuchen, legt davon ZengniS 
ab ! — und möchten wir doch zu bedenken geben, daß durch 
Kataloge die Kenntniß von ihren Publikationen in weite 
Kreise getragen wird und nur durch Kataloge es dem Ge- 
lehrten wie dem Laien ermöglicht wird, einen Ueberblick 
über die ihn interessirende Literatur zu erlangen. Fran- 
zösische und italienische Erscheinunpen, soweit sie nicht in 
Deutschland, Oesterreich oder der deutschen Schweiz heraus- 
gekommen sind, finden allerdings bei Hinrichs keine Berück- 
sichtigung. Für diese dürfte es sich empfehlen, dem Unter- 
zeichneten per Postkarte Titel, Zahl der Seiten, Karten und 
Illustrationen, den Verleger und den Preis mitzutheiJen. Die 
Aufnahme wird dann in die nächste alpine Bibliographie 
erfolgen. 

A, Francke, d. Z. Sekretär der Seetion Bern des S. A. C 



Die alpine Literatur des Jahres 1885, 509 

Bulletin mensuel du Club Alpin Frangais, 12 Nrs. 
Paris. 

— du Club Alpin Beige. Tome premier. 1883—1886. 
8 Nrn. Bruxelles (nicht im Buchhandel). 

Butleti mensual de la Associacio d'escursions catalana. 

Chronaca della Societä Alpina Friulana. Anni III & 
IV. üdine. 

Echo des Alpes, Publication des sections romandes 
du C. A. S. 21« annöe. N« 1—4. Genöve. (VUI, 
334, 3 illustr.) 4. — 

Gluckauf, Organ des Erzgebirgsvereins. Red. v. 
Dr. Köhler und H. Möckel. 1885. 12 Nrn. 
Schneeberg 2. 70 

Indice generale dei 50 primi numeri del Bolle- 
tino C, A. I. da Luigi Vaccarone, Torino. 

Jahrbuch des Schweizer Alpenclub. XX. Jahrgang. 
1884/85. Red. v. A. Wäber. (VIII, 648 8. m. 
Illustrationen, Fan. und Karten.) Bern . 12. — 

— des siebenbürgischen ^arpathenvereins. 1885. 
Mit 2 Abbildungen. (III, 289 S.) Hermannstadt 

5. 35 

— des ungarischen Karpathenvereins. XII. 1885. 
(281 8.) Iglo. 

Jahresbericht des steirischen Gebirgsvereins. XII. 

1884. Graz. 

Mittheilungen des deutschen und Österreichischei^ 
Alpenvereins. Red. v. J. Emmer. 1885. 24 Nrn. 
Salzburg, München . . . . 5. 35 

— des deutschen Gebirgsvereins für das Jeschken- 
und Isergebirge. Red. v. F. Maschek. 1885. 
4 Nrn. Reichenberg . . . .4. — 

— des nordböhm. Excursionsclub. Red. v. A. Paudler 
und J. Münzberger. 1885. Böhm.-Leipa 3. 35 

— der Section für Höhlenkunde des Oe. T. C. 
4. Jahrgang. 4 Nrn. Wien. 

Rameau de sapin^ le. Organe du Club jurassien. 

1885. Neuchätel. Par an . . . 2. 50 



$10 A. Framke. 

Rivista mensile (del C. A. L/. 12 Nrs* Tormo 12. — 
Tourütj Der. Organ für Touristik, Alpen- und 

Naturkunde. Hrsg, vou W.Jäger. 1885, 24 Nrn. 

Wien 13. 35 

Touristenzeitung, OeBterreiebiBcbe. Hrsg. vom öster- 

reiehifichen Touristenclub. Hed. v. E. Graf und 

A. Silberhuber. 1885. 24 Nrn. Wien 10, 70 
Ueber Berg und TkaL Organ des Gebirgsvereina 

für die sächsisch-böhm. Schweiz. Red. v, F. Theile. 

1885. 12 Nrn. Dresden . . . 2. 70 
Zeitschrift des deutschen und östery, Alpenvereina. 

Bed. V. Th. Trautwein. 1884. H. 3. (Vm und 

S. 407—566 m. Taf.) Salzburg, Münctoa 5. 35- 

Z' ReisQbandbDcher. Touristik. Hotelwesen. 

Auf der rechtsseitig«« Thunerseestraße von. Thon 
nach InterUkeja und Touristenpfade abseits der 
Heerstraße. Ul. (106^ S.) Bern . . 1. 25. 

Bädekerf E. Mittel- und Norddeui»chlaod. Mit 
36 Kt., 42 PI. und mehr. Grundr. 21. Aufl. 
(XXX, 510 S.) Leipzig. Geb. • . 9. 3^ 

— Schweden und Norwegen. Mit 12. PI. uad 25 Kt 
3. Aufl, (XC, 425 und 40 S.) Leipzig. G^b. 

12. — 

-^ dasselbe englisch* 3« Aufl. Leipzig. Geb. 12. — 

^ die Schweiz nebst den angrenzenden Th^lea von 

Oberitalien, Savoyen und Tirol. 21. Aufl. Mit 

35 Kt, 9 PI. und 9 Pan, (XXVm, 472 8.) Leip^ 

zig. Gebp. .. . .. . . • 9. 35 

— dasselbe französisch. 15v Aufl. Leipzig. Geb. 

9, 35 
-^ dasselbe engJiwjb. 11. Auflage. Leipzig. Geb. 

9. 35 

Bielz, E. A., Siebenbtbrgen. Handbuch fiir Baisende. 

2. Aufl. Mit 1 Kt. usd Plänen. (VtH, 415 &) 

Wien. Geh 6. 70 



Die alpine Literatur des Jahres 1885. 611 

Bodensee, der, und seine Umgebungen. 3. Aufl. m» 
1 Kt. und Ktchn. (VIII, 200 S.) Lindau. Cart. 

2. 70 

Brosoni, £.' Guida alle montagne comasche e adia- 
cenze del Lage Maggiore e di Lugano. 111. con 
carte e schizzi. (XX, 212 p.) Melegnano. 

DebrigeSf E. Les Alpes du Dauphin^. (47 p. avec 
20 ill.) Paris ~. 75 

Eben, H. Kl. Schwarzwaldftihrer. Mit 2 Karten. 

2. Aufl. (VI, 98 S.) Tübingen. Cart. 2. 15 
Erdmann, R,y u. R. Illemann, Führer durch den 

Deister, Osterwald und Saupark. (IV, 31 S. m. 
Kärtchen.) Hannover . . . .1. — 

Europe, Illustrated, siehe Wanderbilder, Europäische^ 

L'Europe illustree, siehe Wanderbilder, Europäische. 

Feuerstein, F. C, Der Kurort Gmunden u. s. Um- 
gebung. Mit 1 Karte. 6. Auflage. (X, 100 S.) 
Gmunden 1. 90 

Fischer, D. Bad Veiten am Wörthersee. Klimat. Kur- 
und Badeort in Kärnten. (10 8.) Wien . — . 80 

Formentini, J. Führer im klimat. Kurort Görz und 
Umgeb. M. 1 Karte. (94 S.) . . 1. 60 

Fremdenbesuch, der, in Kärnten. (98 8.) Klagenfurt,, 
cart 2. 7a 

Frey, B. Führer von Wien nach Genf, (XI, 867 8» 
Mit Ansichten, Plänen u. Karten.) Weinfelden^ 
geb . 3. 5a 

Fricke, W, Der Teutoburgerwald u» ä. Wesergebirge. 

3. Aufl. M. 1 Ansicht u. 1 Karte. (IV, 144 8.) 
Bielefeld, cart 1. 9a 

Führer, 111., im österr. Alpengebiet Mit 130 lUustr. 

u. 13 Karten. (XX, 323 8.) Wien, geb. 4. 8a 
— im Bober -Katzbachgebirge, verfaßt v. d. 8ection 

3ch(5nau des Riesengebirgsvereins. Mit 1 Karte. 

2. Aufl. (VI, 49 8.) Warmbrunn . . --. 7a 
-^ Kl. , durch das GerichtsbezLrk Feldkirdien ia 

Kärnten. (29 8.) Klagenfurt . . — . 4a 




512 A, Francke. 

Führer, durch Schwarzburg und Umgebung, der Perle 
Thüringens. (18 S.) Rudolstadt . . — . 70 

— IlL, auf den Linien der k. k. österr. Staatsbahnen 
südl. der Donau (Alpenbahnen). 2. Aufl. v. H.Noe. 
M. Illustrationen, Karten und Plänen. (V, 212 S.) 
Wien ". 2. 70 

— 111., durch d. Rheinlande, nebst Bergstraße, Oden- 
wald und Taunus. M. Rheinpanorama. (IV, 73 S. 
Mit 7 Stahlst.) Leipzig, geb. . . 2. 70 

— prakt., durch die Rheinlande, nebst Bergstraße, 
Odenwald u. Taunus. M. Rheinpanorama. 6. Aufl. 
(IV, 73 S.) Leipzig . . . . 1. 70 

— dasselbe französisch . . . . 2. — 

— für die Erzgebirgsbahn Freiberg-Klostergrab. Mit 
1 Karte. Freiberg. . . . . 1. 70 

'Gmwiden, der Kurort, u. seine Umgebung. M. 1 An- 
sicht und 1 Plan. (45 S.) Gmunden . 1. 60 

{jroldwurmy C. Das Mineralbad Roncegno in Südtirol. 
Mit 1 Karte. (IV, 60 S.) Wien . . 2. 15 

Grieben'^ Reisebibliothek, Band 16. F. Ohnesorge, 
Die sächsische Schweiz. 13. Aufl. Mit 1 Karte. 
(IV, 95 S.) Berlin . . . . 1. 35 

Gsell-Fels, Th. Die Bäder und klimatischen Kurorte 
der Schweiz. Mit 1 Bäderkarte. 2. Auflage. (XX, 
615 S.) Zürich, geh 12. 50 

Gühmann, A. Der Zobten. Beitrag zur Kenntniß der 
Heimat und Führer nach d. Berge. (VIII, 87 S.) 
Zobten am Berge .... — . 70 

Ouyer, E. Das Hotelwesen der Gegenwart. Mit 73 
Plänen. 2. Aufl. Zürich, geb. . . 18. — 

Hartmann, A. Solothum. Schweizerisches Wanderbild. 
(56 S. mit 25 Illustr.) Solothurn . . _. 60 

Hoisely J. Der landschaftl. Kurort Rohitsch-Sanerbnum 
in Steiermark. 3. Aufl. Mit 1 Karte. (V, 74 S.) 
Wien . 2. 70 

Ischl und seine Umgebungen. Unter Berücksichtigung 
des ganzen Salzkammerguts. Mit Ansichten, Plänen 
und Karte. 7. Aufl. (135 S.) Gmunden 2. 70 



Die alpine Literatur des Jahres 1885. 513 

Kirsch, A. Kl. Informationsbibliothek. Nr. 1. 6 Tage 
im Rieseogebirge. (18 S.) 2. 5 Tage in der säch- 
Bischen Schweiz u. Dresden. (19 S.) 3. 12 — 14 Tage 
am Rhein. (32 8.) Cottbus, k . . — . 35 

Koch V. Berneck, M. Die Arlbergbabn, ihre üm- 
gebungen und Znfahrtslinien. Mit Abbildungen, 
Plänen u. Karten. 2. Aufl. (III, 162 S.) Zürich, 
cart 2. 50 

— Schweiz, Chamonix, Veltlin, italienische See'n und 
Mailand. 5. Ausgabe v. Beriepsch' Schweiz. Mit 
10 Karten, 8 Plänen u. vielen Pan. (XII, XXXII, 
472 S.) Zürich, geh 7. 50 

Köhler, R. Die Touristenvereine d. Gegenwart. Vor- 
trag. (11 u. 16 8.) Eisenach . . — .70 

V. Kostelletzky, V. Mit der Südbahn. Führer durch 
die steir., Krainer-, Kärntner- und Tiroler-Alpen. 
(69 8.) Wien 2. 70 

Langheinz, C. u. G. Schwab. Prakt. Winke über 
Ausrüstung, Verpflegung u. das Wandern i. Hoch- 
gebirge. (14 8.) Darmstadt . . . — . 40 

de Massarellos, F. G. Das Bad Levico in Südtirol 
und seine Mineralquellen. Wegweiser für Leidende 
und Freunde alpiner Naturschönheiten. 2. Aufl. 
Mit Illustrationen. (48 8.) München . 1. 60 

MeureTj J, Führer durch die Dolomiten. 4. Auflage. 
(Vn, 228 8. M. 2 Kart.) Augsburg, geb. 5. 35 

— Illustr. Führer durch Westtirol und Vorarlberg. 
Mit 62 Illustrat. und 6 Karten. (XVI, 288 8.) 
Wien, geb 7. 20 

Meyer's Reisebücher. Italien in 60 Tagen von Gsell- 
Fels. 3. Aufl. 2 Bde. (XH, 459 u. VI, 465 8. 
M. 14 Karten u. 25 Plänen.) Leipzig, geb. 13. 35 

— Thüringen v. Anding und Radefeld. 8. Auflage. 
(X, 242 8. Mit 12 Karten.) Leipzig, cart. 2. 70 

Paterson. Guide to Switzerland. With maps and 

plans. London . . . . . 1. 50 

Payot, V. Guide au Mont-Blanc et dans les vall^es 

33 



514 4. Frcmcke. 

entre las deox St-Bernard et le Lac de Genöye. 

(240 p.) Gen^ve 3. 50 

PitrOy F, Innsl^rack und seine nächste Umgebung. 

M. 1 Plan u. 1 Karte. (59 S.) Innsbruck — . 80 
Plantf F. Neuer Führer durch Meran und desseir 

Umgebung. Mit 1 Karte und 1 Plan. 4. Aufl. 

(XXII, 236 8.) Heran, geb. , . . 3. 20 
Rahl, J. Illustr. Führer durch Steiermark und Krain. 

Mit 50 Dlustrationeu u. 2 Karten, (XXX, 285 S.) 

Wien, geh 4. 80 

Reimann, W, Führer durch Waidenburg und das 

ganze Waldenburger Gebirge. 3. u. 4. Auflage. 

(120 8.) Schweidnitz . . . . — . 70 
Heitzenstein, R, M. Der Eibsee bei Partenkirchen^ 

Mit 1 Karte ^nd 2 Ansichten. (20 8.) München 

1. — 
SchatzmeyeTy E. Per klimatische Kurort 6to und 

seine Umgebung. Mit 1 Karte. (VII, 103 S.) 

Wien ....... 2. 15 

Schneider, J. Führer durch die Rhön. Mit 3 Karten» 

3i. Aufl. (X, 199 8.) Wtirzburg, cart. . 3. 50 
Statuten desi n^iähri^ch-schlesischen Sudeten-Gehirgs- 

veyeins. (16, 8.) Freiwaldau . . . — . 40 
Steiger, C Kurort Montreux. 3. Aufl. (16ft 8.) Zürich 

2, 50 
StoUe's Ff^er yo9 Harzbujrg und Umgegend. Mit 

% Ansicht und 1 Plan. (51 u. VU, 112 8.) ULm- 
bürg i. 70 

Taunusführer, Mit 1 Karte, 2 Plänen und 1 Tafel 
Ansichten, l^erausgegeben vom Taunusclub. (78 &) 
Frankfurt a/M., ^art 8. 70 

Toxirenver%mchafiiß und Touristenführer fUr die Ost- 
Karawanken und 8annthaler- Alpen, berauagegeben 
von der 8ectipn Eisenkappel des Oester. TouriBten- 
Clubs, 2. Aufl. (6 8.) Eisenkawxel . — . 70 

Touristenführer, Herausg. v. Oesterr. Tourisleiiclab. 
Wieu. Heft 1. J. Ziegler , Führer auf der Linie 



Die alpine Literatur des Jahres 1885. 615 

Leobersdorf'Gntenstein. 2. Aufl. (55 S.) 1. 60. — 
Heft 4. /. Rahl. Das Traisenthal und Pielachthal. 
2. Abth. (103 S.) 2. — . Heft 7. C. Fruhwirth. 
Führer auf d. Dürrenstein u. in d. Sommerfrischen 
Lunz, Göstling u. Gambg. Mit 1 111. (VKI, 52 S.) 

1. 60. — Hefk 8. L. Märzroth, Die Eisenbahn 
Wien-Aspang und ihre Gebirgsumgebung. 2. Aufl. 
Mit 8 Hl. (X, 72 S.) 2, — . Heft 9. X RahL 
Zwettl u. d. Kampthal m. s. Umgeb. Mit 6 Hl. 
(X, 85 8.) 2. — . Heft 18. C. Fruhwirth. Maria- 
zeil, seine Umgebung u. Zngangsrouten. Mit 6 111. 
(60 8.) 2. 40. — Heft 19. Innsbruck, seine Um- 
gebung u. angrenzenden Berge. (32 8. mit 1 111. 
und 1 Plan.) Innsbruck — . 80. 

Trautweifif Th. Das Kaisergebirge in Tirol. Für 
Einheimische und Fremde geschildert. Mit 1 Karte. 
(64 8.) Kufstein . . . . 1. 75. 

— Stidbayem, Tirol u. Salzburg, Oesterreich, Steier- 
mark, Kärnten etc. 7. Auflage. Mit 12 Karten. 
(XXVI, 419 8.) Augsburg. Gebunden . 6. 70 

V. Tschudi, J, Der Tourist in der Schweiz u. dem 
angrenzenden Süddeutsehland, Oberitalien u. Sa- 
Yoyen. 27. Auflage. Mit vielen Karten, Profilen 
und Plänen. (LXXXVIII, 660 8.) St Gallen. 
Gebunden 12. 80 

lieber Touristenreisen. Praktische Rathschläge von 
einem Wanderer. (58 8.) Leipzig . . — .70 

Verzeichniss der autorisirten Führer in den deutschen 
und (Jsterr. Alpen. Herausg. von d. Sect. Berlin 
des Deutschen und Oester. Alpenv. (VI, 18 8.) 
Berlin —.70 

Verzeichniss der Sommeraufenthalts-Orte in Kärnten. 

2. Aufl. (24 8.) Klagenfurt . . — . 80 
Waltenherger, A. Algäu, Vorarlberg und Westtirol 

nebst den angrenzenden Gebieten der Schweiz. 
5. Aufl. Mit 5 Karten. (XII, 171 8.) Augsburg. 
Gebunden 4. — 



Ö16 A. Francke, 

Wanderhilder, Europäische. Nr. 81, 82. F. 0. Wolf. 
Wallis und Chamo oix. Von der Furka bis Brieg. 
Mit 16 Illustrationen und 2 Karten. (60 Seiten.) 
89 — 91. /. Hardmeyer. Locamo u. s. Thäler. 
Mit 58 Illustrationen und 2 Karten. (104 S.) 
94, 95. F, 0. Wolf. Wallis und Chamonix. 
2. Heft. Brieg u. d. Simplen. Mit 16 111. u. 1 Kte. 
(S. 61—120.) 96—98. E. JBu.ss. Glameriand 
und Walensee. Mit 57 111. u. 2 Kt. (119 S.) 
Zürich, ä —.50 

Wanderhuch, Neuestes, f. d. Riesengebirge. Mit Ab- 
bildungen u. 1 Kt. 7. Aufl. Herausgegeben vom 
Riesengebirgsv. (VI, 138 S.) Warmbrunn 1. 35 

Wer} weiser in die Sudeten. Herausgegeben von der 
Section Brunn des mähr.-schles. Sudeten-Gebirgs- 
Vereins. (VI, 22 S. mit 1 Kt.) Brtinn . — . 80 

WoerVs Reisehandbücher. Führer durch Ischl u. Um- 
gebung. Mit 1 Plan, Illustrationen und 2 Karten. 
(16 S.) Würzburg . . . . — . 70 

— Führer durch Steyr und Umgebung. Mit 1 Plan 
u. 2 Kt. 2. Aufl. (16 S.) Würzburg — . 70 

— Führer durch Pörtschach am See in Kärnten und 
Umgebung. Mit Plänen und Illustrationen. 2. Aufl. 
(22 S.) Würzburg . . . — . 70 

— Die Rheinlande und die anstoßenden Gebiete vom 
Bodensee bis zur holländischen Grenze. Mit 1 Pan., 
30 Kt., 18 PI. u. 4 Grundr. 2. Aufl. (XV, 448 8.) 
Würzburg. Geb. . . . . 8. — 

Zsigmondy, E, Die Gefahren der Alpen. Praktische 
Winke für Bergsteiger. Mit Hl. (X, 214 S.) 
Leipzig . . . . . . 5. 35 

Zug, ülustrirter Führer durch Zug, Stadt n. Kanton. 
Herausgegeben von F. Kaiser. Mit 1 Karte. 
Zürich ...... — . 50 

Zürichsee, Der. (20 S. mit Holzschn. u. 1 Karte.) 
Zürich ...... — . 55 

Zwickh, N, Führer durch die Oetzthaler-Alpen nebst 



Die alpine Literatur des Jahres 1885. 517 

den Eintrittsronten dahin. Mit e. Anhang^ die 
Arlbergbahn enthaltend. Mit 3 Karten u. 3 Pan. 
(VIII, 227 8.) Gera. Gebunden . . 5. 35 



3. Naturwissenschaftliches. 

Botanik, Zoologe, Mineralogie, Geologie, Geognosie, physik. 
Geographie, Gletscherkunde, Meteorologie etc. 

Beiträge zur geologischen Karte der Schweiz, heraus- 
gegeben von der geologischen Commission der 
Schweiz, naturf. Gesellschaft. Lfg. 18. V. Gillieron, 
Description g6ologique des territoires de Vaud, 
Fribourg et Beme (feuille XII). (VIII, 532 S. mit 
Atl. u. Blatt XII.) Bern . . . 40. — 

— Dasselbe. Bl. XIV zu Lfg. 25 u. Bl. XVIII zu 
Lfg. 21 gehörig. Bern, k . . .15. — 

Blaas, J. lieber die Glacialformation im Innthale. I. 
(120 S. mit 2 Taf.) Innsbruck . . 2. 70 

Böhm, G. lieber sUdalpine Kreideablagerungen. (5 S.) 
Berlin . . . . . . . — . 30 

Bouvievy L. Flore des alpes de la Suisse et de la 
Savoie. 2« 6d. Gen6ve . . .12. — 

Duftschmidf J, Flora von Oberösterreich. 4. Band. 
(346 8.) Linz 8. 55 

Favre, E. Revue g^ologique suisse pour Fannie 1884. 
XV. Genfeve 2. 50 

Forel. F. 0. Les tremblements de terre 6tudi6s par 
la Commission sismologique suisse, 1882 et 1883. 
3« rapport. (20 p. et 1 pl.) Genöve . 1. — 

Fuchs, C. W. C, Aus der Umgebung von Meran. 
Studien über Geologie, Klima und Pflanzenleben. 
(33 8.) Meran 1. 10 

Fugger, E., u. K. Kastner. Naturwiss. Studien und 
Beobachtungen aus und über Salzburg (Geologie, 
Eiszeit etc.). Mit 12 111. und 2 Taf. (III, 132 S.) 
Salzburg 4. 80 



618 Ä. Francke. 

Gar che, A, Flora von Deutschland. Zum Gebrauche 
auf Excursionen. 15. Aufl. (XIV, 96 u. 541 S.) 
Berlin. Gebunden . . . . 5. 35 

Geistbeck, A. Die Seen der deutschen Alpen. Mit 
128 Figuren, Profilen, Tiefenschichtenkarten und 
Diagrammen. (47 S.) Gart. Leipzig . 13. 35 

Gremli, A. Excursionsflora für die Schweiz.* 5. Aufl. 
(XXIV, 500 S.) Aarau. Gebunden . 6. 20 

— Flore analytique de la Suisse. Trad. p. J. J. Vetter. 
(558 p.) Bäle. Reü6 . . . . 7. — 

Grisebach, A. Die Vegetation der Erde nach ihrer 
klimatischen Anordnung. 2. Aufl. Mit 1 Karte. 
2 Bde. (XV, 567 u. XI, 594 S.) Leipzig 26. 70 

Gruber, C. Das Münchener Becken. Beitrag zur 
physikalischen Geographie Südbayerns. WX 1 
Karte und 2 Profilen. (46 S.) Stuttgart 2. 15 

V. Gümbelj K, W. Geologie v. Bayern. I. Th. 2. Lfg. 
Mit Abbildungen. (S. 209—480.) Kassel 6. 70 

Hahn, G. Die Lebermoose Deutschlands. Vademecum 
für Botaniker. *M. 12. Taf. (XIV, 90 S.) Gera. 
Gebunden 8. — 

Hann, J. Die Temperaturverhältnisse der Österreich. 
Alpenländer. I. Th. (99 S.) Wien . 2. 15 
II. u. m. Th. (51 u. 166 S.) . . 4. 55 

Hattle, E. Die Minerale des Herzogthums Steiermark. 
3. -"5. Heft (Schluß). (XXIV, 97—212 S.) Graz, 
ä 1. 35 

Heim, A, Die Quellen. Vortrag. (31 S.) Basel 1. — 

Hofmann, E. Die Schmetterlinge Europa's. Lfg. 1-9. 
(XL, S. 1—40. Mit 34 col. Taf.) Stuttg., k 1. 35 

Keller, F, C. Die Gemse. Monographischer Beitrag 
zur Jagdzoologie. Lfg. 1 — 3. (S. 1 — 136 mit 
Holzschn.) Klagenfurt k . . .1. — 

Lüscher, H, Verzeichniß der Gefäßpflanzen von Zo- 
fingen und Umgebung. (108 S ) Aarau . 1. 60 

Neumayr, M, Die geographische Verbreitung der 
Juraformation. Mit 2 Karten u. 1 Taf. (88 S.) 
Wien 9. 60 



Die alpine Literatur des Jahres 1885, 519 

Payot, V. Oscillations des 4 grands glaciers de la 
vall6e de Chamonix. Genöve . .2. — 

Penckf A, Die Eiszeit in den Pyrenäen. Mit 1 Karte. 
(69 S.) Leipzig 4. — 

— Zur Vergletsclierüng der deutschen Alpen. (15 S.) 
Halle. Leipzig 1. 10 

Rabenhorsty L. Kryptogamenflora von Deutschland, 
Oesterreich und der Schweiz. 2. Aufl. I. Bd., 
2. Abth. Lfg. 17—21. (S. 193—528 m. Figuren ) 
Reg. z. 1. Abth. (II, 63 S.) ä Fr. 3. 20. IL Bd. 
Lfg. 10 (Schluß) (XXIV, S. 513-576) Fr. 3. 75. 
III. Bd., Lfg. 4 u. 5. (S. 193—320.) IV. Bd. 
Lfg. 1 u. 2. (128 S.) Leipzig k . . 3. 20 

V. Schlechtendal, Längethal u. Schenk. Flora von 
Deutschland. 5. Auflage, revidirt von Ballier. 
Lfg. 135—167. (Bd. 19, 302 S., Bd. 20, 228 S., 
Bd. 21, 304 S., Bd. 22, 284 8., Bd. 23, S. 1—80 
m. 439 Chromolith.) Gera ä . . 1. 35 

Thome. Flora von Deutschland, Oesterreich und der 
Schweiz. (3 Bände mit gegen 600 Tafeln in 
Farbendruck.) Lfg. 1—6. (Bd. II, S. 1—144 mit 
112 Chromolith.) Gera k . . . 1. 35 

Toula , F. Geologische Unternehmungen in der 
Grauwackenzone der nordöstlichen Alpen. Mit 
1 Karte, 1 Tafel und 43 Holzschn. (64 S.) 
Wien 6. 70 

Wettstein, A. Geologie von Zürich und Umgebung. 
Mit 1 Karte u. 1 Tafel. (84 8.) Zürich 4. 50 

4. Geographie und Reisen. 

Geographie. Topographie. Oro- und Hydrographie. Karto- 
graphie und Geodäsie. Ethnographie. Nomenclatur. Statistik. 

Beiträge zur Landes- und Volkskunde des Thüringer 
Waldes. Im Auftrage der wissenschaftlichen Com- 
mission des Thüringerwaldvereins herausgegeben 
von F. Regel. (48 8.) Jena . . . 2. — 






Ö20 A, Francke, 

Berlepsch, H. A. Die Alpen, in Natur- u. Lebens- 
bildern dargestellt. Mit 18 Illustr. 5. Auflage; 
2. wohlf. Volksausg. (X, 570 S.) Jena . 8. — 

Bestimmungen über die Anwendung gleichmäßiger 
Signaturen für topographische und geometrische^ 
Karten , Pläne und Risse , herausgegeben vom 
Centraldirectorium der preußischen Vermessungen. 
2. Aufl. (17 S. m. 8 Taf.) Berlin. Gart. 3. 35 

DelV Oro f L. Ascensione al monte Bianco per il 
versante italiano , e discesa per il versante fran- 
cese, nel agosto 1875. 3» ed. (29 p.) Milano. 

Dent. Above the Snow Line. London. . 10. 15 

Ehrhardt^ C. Ausflüge in das sächsische Erzgebirge 
und angrenzende Landstriche. Mit 1 Karte. 
(VI, 59 S.) Chemnitz. Gart. . . . 1. 35 

Glaßf R, Nach Süden. Empflndsame Reise durch die 
Schweiz und Stidfrankreich. 2. Ausg. (V, 354 S.> 
Leipzig 2. — 

Grube, A, W. Alpen Wanderungen. Neu bearbeitet 
von G. Benda. 3. Aufl. Mit 17 Illustr. Lfg. 1—5. 
(1. Th. 288 S. und 2. Th. S. 1—32.) Leipzig 

4 1.35 

Günther^ F, Der Harz in Geschichts-, Kultur- und 
Landschaftsbildem. Lfg. 1 — 5. (S. 1 — 464.) 
Hannover ä, . . . . . . 1. 35 

HartmanUy H, Wanderungen durch das Wittekinds- 
oder Wiehengebirge (Westsüntel). (VII , 184 S. 
mit 4 Tafeln.) Oldendorf. Gart. . . 3. 20 

Hungerlmhler, H» Elementare Karten-, und Terrain- 
lehre. 2. Aufl. (VIII, 104 S. mit 64 Figuren). 
St. Gallen. Gart. . . . . . 1. 40 

Janisch , J, A, Topographisch-statistisches Lexikon 
von Steyermark. Heft 47 und 48. (Bd. 3, VIII, 
und S. 1393—1492 mit Tafeln.) Graz k 1. 80 
cplt. 3 Bände 80. — 



Die alpine Literatur des Jahres t885. 52t 

Javelle, E. Souvenirs d'un alpiniste. (464 p.) Avec 
Portrait et une notice biographique par E. Ram- 
bert. Lausanne 4. — 

Kaiser, K, Reise durch Skandinavien im Sommer 
1884. Mit 40 lUustr. (VIII, 216 S.) Barmen 4. — 

Keilhack, K. Reisebilder aus Island. Mit 1 Karte» 
(VII, 230 S.) Gera . . ^ . . 4. — 

Lehmann^ F. W, P. Die Süd-Karpathen zwischen 
Retjezat und Königstein. Mit 1 Karte* (64 S.) 
Berlin 2. — 

Magnenat, J. Cours de g6ographie de la Suisse. 
2® Mition. (30 p.) Lausanne, öart. . 1. 25 

Mittheilungen des k. k. militari seh -geographischen 
Instituts. 5. Bd. 1885. Mit 18 Beil. (IV, 191 S.) 
Wien . . ... . . . 1. 60 

Mosso, A, ün' ascensione d'invemo al Monte Rosa. 
Milano . . . . . .1. — 

Neumann j L. Die deutsche Sprachgrenze in den 
Alpen. (36 S. mit 1 Karte.) Heidelberg 1. 10 

Noe, H. Deutsches Alpenbuch. II. Abth. Ostalpen. 
Bd. 1. Osttirol, Kärnten, Steiermark etc. (VIII, 
478 8. mit 1 Holzschn.) Glogau . .6. — 

Poestion, J. C Island. Land und Bewohner nach 
den neuesten Quellen. (VIII, 461 S. mit 1 Karte.) 
Wien 13. 35 

Reishaus, Th. Briefe aus Norwegen. (49 S.) Bran- 
denburg . . .... — . 80 

Richter, E. Die Alpen, nach Daniel's Schilderung 
neu bearbeitet. Mit 1 Karte. (VIII, 96 Seiten.) 
Leipzig . . . . . . 2. 15 

Schweitzer, Ph. Island. Land und Leute, Geschichte,. 
Literatur und Sprache. (IX, 203 S.) Leipzig 5. 35 

Steuh , L. Zur Namens- und Landeskunde der 

deutschen Alpen. (IV, 175 S.) Nördlingen 3. 75 

Umlauft, F, Die Alpen. Handbuch der gesammten 

Alpenkunde. Mit 105 Illustr. und 25 Karten. 

Lfg. 1—3. (S. 1—96.) Wien ä. . . — . 80 



^22 A. Francke, 

de Vüleneuvey A, Suisse et Savoie. Souvenirs d'nn 
touriste. (168 p.) Limoges. 

Wagnon , A. Autour de Salvan. Excursionß et 
escalades de la Dent du Midi an Buet. Notice 
botanique par H. Jaccard. (78 et 11 pages.) 
Gen^ve . . . . . . 2. — 

v. Westarp^ A. ^m Winter in den Alpen. Natur- 
bilder vom Fuße des Wettersteins. (IV, 93 S.) 
Berlin 2. 70 

Widmann^ J. V. Spaziergänge in den Alpen. Wan- 
derstudien und^Plaudereien. (VII, 270 S.) Frauen- 

Wissen, unser, von der Erde. Allgemeine und spe- 
cielle Erdkunde, herausgegeben unter Mitwirkung 
hervorragender Fachgenossen von A. Kirchhoff. 
Lfg. 51 u. 52. (Bd. 2 , Länderkunde von Europa. 
I. Theil, Seite 1 — 64.) Mit vielen Abbildungen. 
Leipzig ä 1. 20 

Zaffauk Edler v. Orion y J. Die Erdrinde und ihre 
Formen. Geographisches Nachschlagebuch nebst 
einem Thesaurus in 37 Sprachen. (VI, 130 S.) 
Wien. Geh 4. 35 

^. Zittelf K, A, Das Wunderland am Yellowstone. 
(32 S.) Berlin —.80 



5. Volkswirthsehaftliches. 

Alp-, Land- und Forstwirthschaft, Hydrotechnik, StraBen^ 

Bahnen und Führerwesen. 

Buhler y A. Der Wald in der Culturgeschichte. (29 S.) 
Basel . . . . . • . 1. — 

Planta^ P, C. Der dreißigjährige Kampf um eine 
rhätische Alpenbahn. (101 S.) Chur 

Wanner, M, Geschichte des Baues der Gotthardbahn. 
(648 S.) Zürich 10. - 






Die alpine Literatur des Jahres 1885. 528 

Wilckens, M. Die Alpenwirthschaft der Schweiz, de» 
Algäu's und der westösterreichischen Alpenlftnder. 
Mit 65 Holzschn. Neue Ausgabe. (Vm, 387 S.) 
Berlin 8. — 

6. Geschichte, Biographie und Sage. 

Bodemann, E, Von und über Albrecht v. Haller. 

Ungedruckte Briefe und Notizen. (XV, 223 S) 

Hannover . . . . . .6. — 

Meer, J. J, Oswald Heer. Lebensbild eines Schweiz. 

Naturforschers. Unter Mitwirkung v. K. Schröter. 

I. Theil m. Portrait. (VII, 144 S.) Zürich 3. — 
Luigi, A. A legend of Lake Leman. Poems. (68 p.) 

Gen^ve — .75 

Santaniar, G. Der Hausberg und die Hausbergsage. 

(15 S.) Hirschberg . . . . — .40 
SchwarZy B, Die Erschließung der Gebirge von den 

ältesten Zeiten bis auf Saussure. (VIII, 475 S.) 

Leipzig 10. 70 

Vom Jura zum Schwarzwald. Geschichte, Sage, Land 

und Leute. Herausg. v. F. A. Stocker. II. Jahrg. 

4 Hefte. Aarau . . . . . 6. — 
W agner y H. F. Zur Geschichte d. deutschen Wandems. 

(14 8.) Leipzig . . . . . — .55 

7. Schönwissenschaftliches. Vermischtes. 

Aus da Hoam&t. Sammig. oberöst. Dialectdichtungen, 
herausg. von H. Zötl u. A., mit einem musikal. 
Anhang, redig. von H. Schnopfhagen. (XIX, 370 
u. 58 S. mit 1 Taf.) Linz, geb. . . 7. 20 

Bilder aus dem Davoser Kurleben. Von einem alten 
Kurgast. Daves 1. — 

Bleibtreu, K. Lieder a. Tirol. (56 S.) Berlin 1. 35 

Daudet, A. Tartarin sur les Alpes. Avec Illustrations. 
Paris . . . . . . .10. — 

— Dasselbe deutsch von St. Born. Paris . 10. — 



524 A Francke, 

Donner, Dr. 0. (Höchstalpinist in Wien.) Auf das 

Steinbockhorn in Stunn u. Graus. (15 S.) Leipzig^ 

-. 70 
Ganghof er, L, Almer und Jägerleut'. Neue Hoch- 

landsgeschichten. (VII, 328 S.) Stuttgart 5. 35 
Gonthier-Lude, Af™«. La Soldanelle; r^cits des Alpes. 

4 nouvelles. (190 p.) Lausanne . . 2. 50 
Hauer, J G. Edelweiß. Gedichte in niederösterr. 

Mundart. (IV, 292 S.) Wien . . 6. 40 
Ingler, A, Sommerfrische. Reiseerinnerungen aus dem 

Wildenhof b. Walkenried, Schweiz etc. Hannover 

1. 35 
Keller, F. C. Edelweiß. Eine Erzählung a. d. Bergen. 

(112 S.) Klagenfurt . . . . 2. - 
V. Kiesheim, A. 's Schwarzblattl aus'n Weanerwald. 

Gedichte in österr. Volksmundart. 1. Bd. 6. Anfl. 

(V, 'l88 S.) 4. 80. 4. Bd. 2. Aufl. (IV, 170 S.) 

Wien 4. 30 

V. Leistner, C. D' liab'n BergM Oberbayr. Dialect- 

dichtungen. (III, 180 S.) Leipzig . . 3. 20 
Meyer, C. F. Jürg Jenatsch. Eine Bündnergeschichte. 

7. Aufl. (352 S.) Leipzig . . . 4. - 

— Die Richterin. Novelle. Leipzig . . 2. 70 
Oertelf M, J. üeber Terrainkurorte, insbesondere al» 

Winterstationen in Stidtirol. Mit 2 Karten. (IVr 

76 S.) Leipzig . . . . . 4. — 

RoKX^ G. Armaillis et Vegnolans ou le ranz des vache» 

de Gruyöre et la chanson du vigneron. 2« 6d. 

lUustr. Vevey 3. — 

V. Schlägel, M. Die Alpensängerin. Eine Erzählung 

aus Tirol. (97 S.) Berlin . . . — . 70 
Schmidt, Max, Culturbilder aus dem bayr. Walde. 

(283 S.) Breslau 5. 35 

— Die Fischerrosl von St. Heinrich. Lebensbild vom 
Starnbergersee. (HI, 192 S.) München . 2. 70 

— Die Schwanjungfrau. Erzählung aus dem Berchtefl- 
gadnerlandl. (188 S.) München . . 2. — 



IHe alpine Literatur des Jahres 1885. 525 

Semmig^ H, Ein Genzianenstrauß. Novellen u. Reise- 
bilder aus den Schweizer Alpen. (XI, 307 S. 
Leipzig 6. 70 

Siieler^ K. WeiFs mi freut! Neue Gedichte in ober- 
bayr. Mundart. 6. Aufl. (XXU, 130 8.) Stuttgart, 
cart 4. — 

— Drei Buschen. WeiFs mi freut. Habt's a Schneid ? 
Um Sunnawend. Gedichte in oberbayr. Mundart, 
illust. von H. Engl. (XX, 386 S.) Stuttgart, geb. 

16. — 

— Habt's a Schneid!? 5. Aufl. (Vm, 117 S.) Stuttg., 
cart. . . . . . . .4. — 

— Culturbilder aus Bayern. (IX, 272 S.) Stuttgart 

6. 40 

— Natur- u. Lebensbilder aus den Alpen. (IX, 397 S.) 
Stuttgart 7. 20 

— Um Sunnawend. 4. Aufl. (XII, 148 S.) Stuttgart, 
cart. . . . . . . .4. — 

— Ein Winteridyll. (47 S. mit Portrait.) Stuttgart, 
geh 5. 35 

Sutermeisier, 0, Schwizerdütsch. Sammlung deutsch- 
schweizerischer Mundartliteratur. Heft 31 — 33. 
(112 u. 64 S.) Zürich, k . . . — . 50 



II. Karten. 

Algermissen, J. L. Topogr. Specialkarte d. Schwarz- 
waldes. 1: 200,000. 4. Aufl. Metz . 3. 35 

— XJebersichtskartev.Südwestdeutschland. 1:400,000. 
2 Bl. Metz 4. — 

Atlas, Topographischer, der Schweiz, im Maßstab der 
Original-Aufnahmen durch das eidg. Stabsbüreau, 
unter Direction von Oberst Siegfried veröffentlicht. 
Maßstab 1 : 25,000 , Hochgebirge 1 : 50,000. 
Lieferg. XXVHI. Bern. In der Schweiz per Blatt 

1. — 



5^6 4« Fremcke^ 

Blatt 11 Staafenberg, 45 Thaingen. 46 Ramsen. 

47 Dießenhofen, 49 Steckborn. 97 BretzwiL 

167 Kulm. J68 Reiden, 194 Dürreuroth. 196 Somis- 

wald. 281 Travers. 347 La Roche. 
Bayer, M, Karte des Herzo^hnms Kärnten« S.Aofl» 

Klagenfurt . . . .4. 30, coL 5. 35 
Bernhard, C Touristenkarte vom bayr. Hochland^ 

^ordtirol u. Salzkammergut. 1 : 500,000. München 

1. 35, aufgez. 2. — 
V. Bomsdorff, 0. Neueste Specialkarte vom Harz. 

1 : 100,000. 4 Blatt, 4. Aufl. Magdeburg 4, -^ 

einzeln k 1. 35 
Deichmanriy L. Karte vom Harzgebirge. 1 : 200,000. 

3. Aufl. Photogr. Lichtdruck nach einem Relief. 

Kassel t. 35 

Eck, H, Geogpostische Karte der weitem. Umgehung 

der Schwarzwaldbahn. 1 : 50,000. Lahr 2. 70 
Eisenhahnkarte, Kl. of&clelle, d. Schweiz. 1 : 500,000. 

Ausgabe 1885. Bern . . , . 1. 60 
Freitag, G, Höhenschichtenkarte von Nieder^ter- 

reieh 1 :. 520,000. Wien . . .1.10 
General' Strasseti" & Ortskarie des österreich^'Uagar. 

Reiches, i\ebst Südwestdeutschland etc. 4 Blatt 

Ausg. mit braunem Terrain. Wien. 12. — ^ ohne 

Terrain 8. — 

Gerster, J, Karte des Kts. Schaffhausen. 1 : 80,000. 

Schaffhausen. Aufgezogen . . . 2. — 
Handtke, F. Speoialkarte von Tirol und Salxbcurg. 

1 : 600,000. 2. Aufl. Glogau . • 2. — 
Karte des Yierwaldstädtersee's. aua der YogetochM- 

Jtirich. Aufgezogen . , ^ . 3. — 
-r- jftir die Gegeöd vor 8chUersee> Tegemsee, Leng- 

gries bis Aehensee, InnthaU Mttuehen . — . 70 
-^ von Bad Soden im Tauuuat u»d UaBigebangr 

1 : 100,000. Wtrzburg . , , -^. 56 
— VQBL Steieroiark und Krat». 1:446,000, Wien 

1. 20 



IHe alpine Literatur des Jahres 1885. öSTT 

Keller, U, 2. Reigekarte der Schweiz. 1 : 440,000^ 

Rev. Ansg. Zürich, Aufgezogen , 6. — 

— Schulwandkarte der Schweiz. 8 Bl. Neu revidirt». 
Zürich . . . . . . 10. — 

Langsdorffy W. Geologische Karte des Westharzes. 
1 : 25,000. 2 Bl. Clausthal . . 13. 35- 

Lessmann. Touristenkarte durch den Teutoburger- 
wald und das Wesergebirge. 1 : 240,000, Biele- 
feld — . 80 

Leuzinger, R, Billige Karte der Schweiz und der 
angrenzenden Länder, mit bes. Bertlcksichtigung 
der Eisenbahnen. 1 : 400,000. Ausgabe 1885. 
Bern. Fr. 2. 50, aufgezogen . . 5. - 

— Neue Karte der Schweiz. 1 : 400,000. Ausg. 1885. 
Bern. Auf japanesischem Papier Fr. 5. — Auf- 
gezogen . . . . . .8. — 

Liehenow, W, Specialkarte vom Riesengebirge. 

1 : 150,000. 9. Aufl. Breslau . . 2. — 
Magnenat Carte murale du Ct. de Vaud. 3« 6d. 

Lausanne. Aufgezogen mit Stäben . 20. — 
MewreVy J,, u, G, Freytag. Distanz- und üebersichts- 

karte v, We8tti,rol, und Vorarlberg, 1 : 350,000. 

Wien . 1. 2a 

Miehely Ch. Rairte von Tirol. 1 : 600,000. 6. Aufl. 

München. Aufgezogen . . .8. — 

Randegger, J, Neue Reisekarte d, Schweiz. 1:600,000. 

Ausg. 1885. Zürich. Aufgezogen . 2. 50 

— Topogr. Karte des Bezirks Zürich, nach den eidg. 
Aufnahmen. 1 : 40,000. Zllrich. Aufgez. 5. — 

Reisekarte der österr.-ungar. Monarchie. X : 2,250,000- 
15. Aufl. Wien 1. 60^ 

V. Scheda, J: Karte des österreich.-ungar. Reiches. 
1 : 1,000,000. 4 Bl. Ausg. 1885. Wien 16. — 

Schy^lZy R, A, Generalkarte von Kärnten, Krain^ 
Görz , Istrien etc. 1 : 505,000. Ausgabe 1885, 
Wien. M. polit. Colorit 4. -s-, dnfach coloriit. 

2. 7(> 



528 A, Francke. 

Silherhuher, A, Distanz- und Wegmarkirungskarte 
der Raxalpe. Herausgegeben vom Oesterreich. 
Touristenclub. Wien . . . . 1. 10 

— te. F. Wagner. Distanz- und Wegmarkirungs- 
karte des Schneeberges. Herausgegeben v. Oester. 
Touristenclub. Wien . . . . 1. 10 

— Touristenkarte des Wienerwaldes. Herausgegeben 
vom Oesterr. Touristenclub. 1 : 80,000. Blatt 1. 
7. Aufl. Bl. 2. 5*. Aufl. Wien, ä . — . 95 

Specialkarte des Fichtelgebirges. Ausgef. v. topogr. 
Bur. d. königl. bayr. Generalstabes. 1 : 50,000. 
Wunsiedel .2. — 

Stapff, F. M, Geologische üebersichtskarte d. Gott- 
hardbahnstrecke. 10 Bl. 1 : 25,000. Berlin 66. 70 

Steinhauser, A. üebersichtskarte v. Oesterr.-Üngam. 
1 : 2,000,000. Ausg. m. Terrain. Wien . 4. — 
ohne Terrain . . . . • 2. 70 

dürrer, M. Specialkarte von Oberbayern in 6 Bl. 
1 : 75,000. Bl. 2 und 6. München, ä . 1. 35 
m. col. Grenzen . . . . . 1. 60 

Touristenkarte d. unteren bad. u. württbg. Schwarz- 
waldes. 1 : 100,000. Karlsruhe . . 2. — 

^schudi. Touristenkarte der Schweiz. 1:800,000. 
St. Gallen . . , . . .1. — 

— Touristenatlas der Schweizer Eisenbahnen. Ausg. 
1885. St. Gallen 2. 50 

üebersichtskarte f neue, v. Centraleuropa, hrsg. v. k. k. 
mil.-geogr. Institut in Wien. 1 : 750,000. Wien. 
Bl. Genf, Lyon, Beifort, Macon, Turin, Marseille, 
Avignon, Antibes, Toulon, Hermannstadt, Kron- 
stadt, k . . . . . . 2. 70 

JJmgehimgskarte v. Klagenfurt, hrsg. v. mil.-geogr. 
Institut. 1 : 75,000. Wien '. . . 2. 15 

Weher, J, Kte. d. Vierwaldst.-See's aus der Vogel- 
schau. Zürich. Aufgez. . . . 3. 75 



Die alpine Literatur des Jahres 1885, 529 

Welzhacher, C. Karte d. nördl. u. sUdl.Theiles d. hess. 
Odenwaldes u. d. Bergstraße. 1 : 80,000. 2 Bl. 
Darmstadt ...... — . 80 

— Specialkarte des Spessart. 1 : 100,000. 6. Aufl. 
Frankfurt a. M. . . . . . 2. — 

Ziegler, J. M. II. Wandkarte d. Schweiz. 1 : 200,000. 
8 Bl. Ausg. 1885. Zürich. 12. 50, orohydrogr. 
Ausg 10. — 

— Dritte Karte d. Schweiz. 1:380,000. Ausg. 1885. 
Ztlrich. Aufgez 12. 50 

IIL Bilder und Panoramen. 

Ansichten aus d. bayrischen Bergen. (6 Taf. qu. 4<^.) 
München. In Couvert . . . . 2. 70 

Beck, Jules. Hochgebirgsphotographien (Sommer 1885). 
Standpunkte : Aetna Nr. 849 — 855. Umgegend von 
Zermatt Nr. 856—863. Unter-Gabelhorn Nr. 864 
bis 870. Stockhom (Gornergrat) Nr. 871—879. 
Unter-Theodulgletscher Nr. 880-882. Grindel- 
wald Nr. 883—902. Roththal Nr. 903—910. 
Schilthorn Nr. 911-916. Eiger Nr. 917—919. 
Balmhorn Nr. 920—926. Urirothstock Nr. 927 
bis 932. Titlis Nr. 933—940. 

Donkin'ü Photographs of the High Alps. Series 1885. 
30 Blätter; Standpunkte: Umgebung von Zermatt, 
Breil, Bec de Guin, Arolla, Aiguilles de la Za etc. 

Freunthaler, E. J. Panorama vom Hochkohr (1799 ^), 
2 Bl. Lith. Fol. Waidhofen a/Ybbs . 2. 15 

Grubhof er, T, Reiseerinnerungen aus Tirol. 1. Lfg. 
(6 Bl. m. 2 Bl. Text.) Berlin . . 4. — 

Orientirungsscheihen Nr. 1. Gr. Winterberg, 2. Bastei, 
3. Hoher Schneeberg. Dresden, k . — . 55 

Panorama pittoresque du Righi et du Lac des IV 
Cantons. Chromolith. Luzem. cart. . 1. 50 

— du chemin de fer du St-Gothard. Chromolith. 
Luzern. cart. . . . . . 1. 50 

34 



630 A, Francke. Die cüpme Literatur des Jahres 1885^ 

Schulze, Panorama vom Költschenberge. (3 Taf.) 
Reichenbach i. Schi. . . . . — .60 

— Pan.v. Glatzer Schneeberge. (2Taf.)Ebd. — , 35 

— Pan. V. ülbriohshöh. (4 Taf.) Ebd. . -. 70 
Sella, V. Hochgebirgsphotographien 1885. Nr. 214 

bis 285. Standpunkte: Grand Paradis, Monte della 

Disgrazia^ Trugberg, Finsteraarhom , Ebnefluh^ 

Grand Comier, Col d'Hörens, Ruinette, Aigmlle 

de la Za, Bent d'H6rens, etc. 
Vues interessantes, 28, du Righi, des IV Caiitons, 

du St-Gothard. Chromolith. Luzem. cart. 1. 50 
Woldermann, G. Berge der Erde in ihren Formen 

und Höhenverhältnissen. Chromolith. Dresden. 

Fol. -~. 40, Imp.-Fol 5. 35 

Wopfner, J. Perlen aus d. deutschen Alpen. Ik Serie. 

(12 Chromolith.) Leipzig. Ausg. A k Bl. 2. 40^ 

B 2. 15, C 2. 80. 



V. 



Chronik des S. A. C. 

für das Jahr 1885. 



Jahresversammlung in Villars-sur-Ollon. i) 

Protokoll 

ZXn. Delegirtenversanmüung des S. A. C. 

in Vtllar-s-SDr-OIlon 

deD t2. September 18S6, Abends b Ubr 80 Min. 



Vorsitzender : Herr Ree^erongBprtCsident Grob, 
CentralprSsident. AnweBend : 

SectiOD Aargan: — 

„ Zofingen : HH. Fischer-Sigwart. 
„ Säntis: „ Kehl in UmSsch. 

„ Basel: „ Hofiteann-Merian, 

„ 0. Löscher. 

') Da trotz wiederholter Hahnniig von Seite des Central- 

oomit^ neder derFeatberichtnoch das Protokoll der Oeneral- 
Teraammlniig von dem Herrn Festsekretär erhältlich wareo, 
bedauert die Redaotion, den Bericht über das Jahresfest anf 
die Protokolle der 22. Delegirtenversammlnng und der 21. 
neralversammlung, beide von Hm. CentralsekretärDr. G.I 
1er abgefaßt, die BegräOiinggrede des Herrn Festpräslde: 
(s. p. 398), den Geschäftsbericht des Centralcomitö {a. p. 
und die Oebirgsansicht des Festplatzes Ton Herrn I 
A. Heitn (s. Beilagen) beschränken zu mflasen. 



534 


( 


Ihrw 


lik. 


Section Bern: 


HH 

7) 


. Regierungsrath v. Steiger, 
Francke. 


7) 


Biel: 


7t 


Wartmann. 




Bltimlisalp : 
Burgdorf: 
Oberaargau : 
Oberland: 


7i 


Jakob (Lotzwyl). 
Hecht. 




Wildhom: 


7) 


Rudolf Wehren. 


7i 


Mol^son : 

Genf: 

Tödi: 


9 g 

7) 


Bourgknecht, A. Glasson. 
Freundler, M. Briquet 
Rathsherr Freuler. 


n 


Rhätia : 






• • 

J7 


Pilatus : 


Ti 


Dr. Hofstetter, Egli. 


n 
n 

7) 


Neuenburg: 
Mythen : 
St. Gallen: 
Alvier : 




Sottaz, Jean Schelling. 

Bettschart. 

Iwan V. Tschudy, Sfcoder. 


7) 
7) 


Toggenburg: 
Titlis: 
Gotthard: 
Monte Rosa: 


7) 
7) 


M. Britschgi. 

Becker, Telegrapheninsp. 

de Torrent^, Fama. 


7) 


Diablerets : 

Roßberg: 

üto: 


mW 

D 


Prof. Ramberty J. Gnex. 
Dändliker in Baar. 
Fäsi-Wüliam, Pf«rrer 
Lavater. 


7) 


Bachtel : 


)> 


Bindschädler. 


7) 


Winterthur : 


mm 

n 


Pfarrer Herold, Reinhart. 



I. Der Präsident heißt die Abgeordneten will- 
kommen und spricht vorläufig der festgebenden SectioD 
den herslichsten Dank aus. 

n. Herr Reinhart von Winterthur und Herr Schel- 
ling werden zu Stimmenzählern ernannt. 

m. Rechnung von i884, genehmigt auf Antrag 
der Herren Rechnungsrevisoren Schinz und Neuburger. 
Einnahmen von 1884 . . Fr. 15,291. 60 
Ausgaben von 1884 . . „ 12,334. 35 

üeberschuß der Einnahmen Fr. 2,957. 25 



1 



Chronik, 635 

IV. Vermögen des Club: 

am 31. December 1884 . Fr. 16,100. — 
„ 31. „ 1883 . „ 13,142. 75 

Yermehrung des Vermögens Fr. 2,957. 25 

V. Der Centralcassier legt einen üeberblick liber 
«den bisherigen Theil des Rechnungsjahres vor. 

VI. Zu Rechnungsrevisoren werden gewählt die 
Herren Sottas in Neuenburg und Hecht in Interlaken. 

VII. Fest von i886. Die Section Winterthur 
bietet sich als festgebende Section für 1886 an. Die 
Versammlung nimmt die Proposition zu Händen der 
Oeneralversammlung mit Beifall an und schlägt der- 
«elben Herrn Pfarrer Herold zum Festpräsidenten vor. 

VIII. Preisschriß Baumgartner. Der Präsident 
Teferirt darüber und legt den Delegirten den Antrag 
•des Centralcomite's vor: 

pDie Delegirtenversammlung möge es dem Central- 
-comite anheimgeben, für die ihm am passendsten 
scheinende Publication zu sorgen." 

Herr Iwan v. Tschudy betont, daß die Schrift 
Eigenthum des S. A. C. sei, und macht auf die unter- 
schiede derselben von der Schrift Zsigmondy's auf- 
merksam; er ist der Meinung, daß einzelne Punkte 
-der letztem bei der Publication benutzt werden sollten. 

Die Genehmigung wird dem Oentralcomite still- 
schweigend ertheilt. 

IX, Rho7iegletscher- Fragen, 

a. Publication. Herr Vicepräsident Professor Heim 
referirt zunächst über die Nothwendigkeit der Publi- 
cation, dann über die günstige Lage des S. A. C, 
wie sie durch das Entgegenkommen des eidgenössischen 
topographischen Bureau und den vortheilhaften Ver- 
trag mit Schmid, Francke & Comp, geschaffen ist. 
Er stellt den Antrag: 

„Dem Oentralcomite ist Vollmacht zu geben, den 



536 Chronik, 

provisorischen Vertrag mit der Buchhandlung Schmid^ 
Francke & Comp, endgültig abzuschließen." 

Herr HoflFmann-Merian gibt noch näheren Aufschluß^ 
wonach die Redactionskosten, soweit sie Herrn Held 
betreffen, vom topographischem Bureau übernommen 
werden , und daß Herr Professor Rütimeyer einen 
großen Theil des Textes gütigst selbst zu tibernehmen 
sich bereit erklärt hat. 

Herr Professor Forel, Mitglied des Gletscher- 
coUegiums, hat zunächst den Voten nichts beizuftigen^ 
weist aber noch einmal auf die günstige Lage des 
S. A. C. hin. 

Herr Freundler hat nicht die Absicht, gegen die 
Publication der bisherigen Arbeiten aufzutreten. Mithin 
fällt Passus 2 und 3 der Genfer Anträge, die wich- 
tigsten Resultate der bisherigen Arbeiten im Jahrbuch 
zu publiciren, dahin. 

Herr Rambert ist hiemit sehr einverstanden, da 
eine solche Publication im Jahrbuch eine Unmöglich- 
keit wäre. 

Da derzeit kein Antrag gegen denjenigen des 
Centralcomite's mehr existirt, so ist der letztere an- 
genommen. 

b. Fortsetzvng der Arbeiten. Herr Prof. Forel^ 
im Namen des Gletschercollegiums, gibt einen üeber- 
blick über die bisherigen Arbeiten des Gollegiums 
und die hohe Wichtigkeit der Aufgabe, sowie über 
die bisher gewonnenen Resultate, besonders die Karte 
des Gletschers. Dann geht er auf die Wichtigkeit 
der Fortsetzung dieser Arbeiten ein. Während zn 
Zeiten der Gletscher langsam fließt und daher zurück- 
geht, rückt er in andern Perioden schneller vor. 
Bisher hatten wir eine Periode des Abnehmens; jetzt 
treten wir, wie aus gewissen Zeichen zu schließen 
ist, in eine Periode des Vorrückens ein. Man sollte 
diese höchst günstige Gelegenheit nicht ungenützt 
vorüber gehen lassen. 



Chronik. 5ST 

Herr Prof. Heim referirt im Namen des Central- 
comite's. Er betont besonders die Nothwendigkeit^. 
jetzt, nach Abschluß der Messungen, die Schwankungen 
beim Fortschreiten des Gletschers zu controliren. Die 
Kosten bilden keinen besonders großen Posten in den 
Ausgaben des S. A. C. Neue Fragen sollen nicht in. 
Angriff genommen werden, zudem kann das Central- 
comite Garantien bieten, daß das jährliche Maximum- 
von Fr. 1500 nicht überschritten wird. 

Herr Freundler vertheidigt den Standpunkt, deir 
die Section Genf in ihrem Circular einnimmt. Er sieht 
in der Fortsetzung der Arbeiten ein Abweichen vo» 
dem eigentlichen Zweck des S. A. C. Er bezweifelt 
die Wichtigkeit der Resultate, die vielleicht auf andere^ 
Gletscher keine Anwendung finden. Er befürchtet,, 
nach drei Jahren neue Opfer bringen zu müssen und 
weist auf die Noth wendigkeit von Ftihrerkursen hin,, 
ebenso von Erstellung neuer und der Erhaltung be- 
stehender Clubhütten. Die bisherigen Opfer sind voll- 
ständig genügend ; die schweizerische naturforschende 
Gesellschaft würde, ohne Beihülfe des S. A. C, gewiß^ 
selbst eingetreten sein. 

Herr Prof. Heim erklärt, daß sich das Gletscher- 
coUegium mit den drei Jahren zunächst zufrieden er- 
klärt, er hofft auf spätere Hülfe von anderer Seite, 
die jetzt noch unmöglich ist. 

Herr Professor Rambert erinnert daran, daß man 
immer darauf hinwies , es würden nach Ablauf der 
ersten sechs Jahre gewisse weitere Maßregeln zu 
treffen sein. Die Frage iät bei der geringen Ausgabe 
nicht sehr bedeutend, da jene Summe von Fr. 1500 
zudem ein Maximum ist, unter welches nach Ansicht: 
des Herrn Rütimeyer die wirkliche Ausgabe bedeutend! 
herabsinken wird. Die Lage ist gar nicht derart^ 
daß sie eine so energische Opposition rechtfertigte. 
Wenn wir die Sache fallen lassen, so begehen wir 
einen großen Fehler, der dem S. A. C. nicht zur Ehre 



^38 Chronik, 

gereicht. Die Statuten, wie sie zuerst in deutscher 
Sprache aufgestellt wurden, rechtfertigen durchaas 
die Ausgabe. Zudem ist die Arbeit am Rhonegletscher 
keine einseitig wissenschaftliche, sondern eine eminent 
topographische und geographische, welche so direct 
als möglich im Zweck und Interesse des S A. C. Hegt. 
Die Aufmerksamkeit des S. A. C. auf Ftihrercurse und 
Olubhtitten hat keineswegs abgenommen, wie leicht 
zu beweisen ist, und mit den Führercursen macht 
man nicht einmal die gehoflPten Erfahrungen. Für eine 
Gesellschaft wie der S. A. C. ist die Ausgabe für eine 
so große wissenschaftliche Arbeit eine bescheidene. 
Schließlich spricht sich der Redner gegen den von der 
Section Genf in ihrem Circular angeschlagenen Ton aua. 

Herr Hoifmann-Merian findet, das Finanzielle spiele 
eine viel zu große Rolle. Die Fr. 1500 bedeuten auf 
>die drei Jahre zusammen Fr, 1. 80 per Kopf. Für 
Hüttenbauten und Reparaturen haben wir in elf Jahren 
Fr. 30,000 ausgegeben, für Ausstellungen Fr. 5600; 
an der Landesausstellung in Zürich waren die Rhone- 
gletscherkarten gerade das Monumentalste. An Mitteln 
mangelte es nie; denn wenn man in drei Jahren 
durch Reduction des Jahresbeitrages von Fi\ 5 auf 4 
ungefähr Fr. 7000 weniger einnahm, so wuchs doch die 
Einnahme um circa Fr. 2000. Das Vermögen des Club 
hat trotz der Rhonegletschersubvention zugenonunen. 
Der D. u. Oe. A. V. hat uns ersucht, ihnen einen Ver- 
treter zu schicken, der über diese Vennessungen einen 
Vortrag halten sollte ; es wäre der Ehre des S. A. C. 
unwürdig, jetzt aufzuhören. 

Herr Pfarrer Herold beantragt, § 9 des Vertrages 
zu streichen und statt dessen ausdrücklich zu be- 
stimmen, daß nach drei Jahren die Betheiligung des 
S, A. C. an den Arbeiten am Rhonegletscher ihr 
Ende finden solle. Dieser Antrag hat die Meinung, 
den Frieden im Club wieder herzustellen und weitere 
Differenzen zu verhindern. 



Chronik. 589 

Herr Bonrgknecht fürchtet, die Sache werde nie 
«ein Ende finden , und der S. A. C. werde sich durch 
-einen zustimmenden Beschluß auf Jahrzehnte hinaus 
binden. Er kommt nochmals auf die Clubhüttenfrage 
zurück. Auch den Antrag Herold hält er nicht für 
genügend, da der Club auch so die Hände nicht frei 
haben werde. 

Es wird Schluß beantragt. Die Abstimmung ergibt 
19 Stimmen für Schluß, 10 dagegen. 

Der Referent Herr Forel erhält noch das Wort 
zu der Erklärung, daß die Arbeiten auf keinem andern 
Oletscher erneuert werden sollen, und daß das fest- 
gestellte Budget vollständig genügt. 

Herr Fischer-Sigwart erklärt, daß er nicht stimmen 
werde. 

Abstimmung. 

1) Eventuelle Abstimmung: Ist, im Falle der An- 
nahme des Vertrages, ZiflFer 9 zu streichen, oder ist 
der Antrag Winterthur einzusetzen? 

20 Stimmen sind für den Antrag Winterthur, 
7 dagegen. 

2) Hauptabstimmung. Für den so bereinigten An- 
trag des Centralcomite's ergeben sich 26 Stimmen 
(von 34). 

Ziffer 9 hat jetzt den Wortlaut: „Es wird jetzt 
schon ausdrücklich bestimmt, daß mit dem, was unter 
1 und 2 festgesetzt ist, die Leistungen des S. A. C. 
für die Vermessung des Rhonegletschers ihr Ende 
finden sollen." 

3) Ziffer 4 des Antrages Genf. 

a. Der erste Theil betreffend Führercurse wird 
abgelehnt. 

h. Der zweite Theil betreffend Clubhütten wird 
mit 24 Stimmen angenommen. Derselbe lautet: 
„Das Centralcomite wird eingeladen, den Umbau 
und die Instandstellung der Clubhütten zu be- 
schleunigen." 



640 Chronik. 

4) Auf Antrag von Herrn Herold wird das Glet- 
schercoUegium auf weitere drei Jahre bestätigt. 

X. Anträge der Sectionen. 

1) Section Biet, Das Centralcomite beantragt^ 
die Motion Biel aufzunehmen, welche lautet: „Das 
Centralcomite ist eingeladen, zu untersuchen, welche 
Hütten und auf welche Weise dieselben mit Holz zu 
versorgen sind.'* Dagegen ist der Section Biel da» 
Recht abzusprechen, von sich ans einen Zusatz zur 
Hüttenordnung aufzustellen. Der Antrag wird ange- 
nommen. 

2) Section Mythen beantragt : „Es möge die Ver- 
sammlung beschließen, die Section Mythen in ihrem 
Bestreben für den Wiederaufbau der Hütte auf 
dem großen Mythen und der Verlegung auch des 
obem Theils des Weges von der Nord- auf die Ost- 
seite des Berges zu unterstützen und hieftir einen 
einmaligen Beitrag von wenigstens Fr. 500 zu ver- 
abfolgen. Dagegen verpflichtet sich die Section Mythen, 
strenge Controle über den Unterhalt und die preifl- 
würdige Verpflegung von Touristen in der neu pro- 
jectirten Schutzhütte zu halten." 

Der Antrag wird dem Centralcomite überwiesen. 

Herr Freundler drückt sein Bedauern darüber an», 
daß in der Rhonegletscherangelegenheit so rasch Schloß 
beantragt worden ist. Der Präsident gibt eine Rechts- 
belehrung über parlamentarischen Usus. 

Das Protokoll wird verlesen und genehmigt. 

Ende der Sitzung 10 Uhr 30 Minuten. 

Der Präsident: 

J. E. Grob, Regierungspräsident 

Der Secretär: 
Dr. G. Finster. 



Protokoll 

der 

XXI. Generalversammlung des S. A. C. 

Sonntag, 13. September in Villars-sur-Ollon. 



Präsident : Hr. Prof. Eugen Rambert. 



1. Begrüßungsrede des Herrn Festpräsidenten (s. 
pag. 398). 

2. Jahresbericht des Centralcomite, vorgelegt von 
dem Centralpräsidenten, Hr. Regierungsrath Grob 
(s. pag. 542). 

3. Die Rechnung für 1884 wird genehmigt. 

4. Zu Rechnungsrevisoren für 1885 werden ernannt 
die Herren Hecht in Interlaken und Sottas in 
Neuenburg. 

5. Als nächste festgebende Section wird die Section 
Winterthur und zum Festpräsidenten Herr Pfarrer 
Herold gewählt. 

S. Vortrag von Herni Prof. Dr. Forel (de Morges) 
über Witterungsverhältnisse in den Alpen. 

Der F est prä sid en t : 

Eugene Rambert. 

Der C en t r al s ekr e t är: 

Dr. G. Finsler. 



Zweiuadzwanzigster Jabresbertcht 

des 

Centralcomite des Schweizer Alpenclnb. 

1885. 



Der nachfolgende^ vom Oeiitralpräendenteii in Vil- 
lars - snr - Ollon verlesene Jahresbericht umfaßt die 
ThXtigkeit des S. A. 0. bis Ende August 1885. Wa& 
von da an bis xam Jahressehhifise geschah, ist am 
Schlüsse der einzehien Capitel in E^lammem [ } nach- 
getragen. 

Hochgeehrte Clitbgene&sent 

Sie haben an unserer letzten OeneraÜversammliug 
in Altorf im Aagu^t 1884, welche, Dank dem frennd- 
lichen, herzlichen Entgegenkommen der Section Gott- 
hard , einen so schönen Verlauf genommen hat , die 
Centralleitung der Geschäfte des S. A, C. fttr die 
Amtsperiöde von 1885/87 vertrauensvoll in die HSnde 
der Section Uto gelegt. Wenn nun das von dieser 
Section bestellte Centralcomite und in seinem NameD 
der von Ihnen auf den Vorschlag der Section zun 
Vorsitzenden Berufene sich anschickt^ zum ersten Male 
vor Sie hinzutreten , um Ihnen ttber unsere Amts- 
führung Rechenschaft abzulegen^ so geschieht es nicht 



Chronik. 649- 

ohn« das Gefühl einer gewissen Beklemmung und 
nicht, ohne sans phrase Ihre freundliche Nachsicht in 
Anspruch zu nehmen. Wir waren uns dessen wohl 
bewußt, daß man uns zumuthete, in die Fußstapfen 
einer langen Reihe von Centralvorständen einzutreten,. 
die sich jeweilen aus den hervorragendsten und tüch- 
tigsten Mitgliedern des S. A. C. componirt hatten. 

Speciell unser unmittelbare Amtsvorgänger, das 
Centralcomitö von Lausanne 1882 84, hatte sich der 
ihm übertragenen Aufgaben, insonderheit auch an- 
läßlich der schweizerischen Landesausstellung von 
1883 in Zürich , in einer würdigen Vertretung des 
A. C. an derselben, mit ebenso viel Einsieht als Hin- 
gebung, mit ebenso großer Energie als Ausdauer ent- 
ledigt, so daß wir nicht ohne ernste Bedenken dem- 
an uns ergehenden Rufe, an seine Stelle zu treten,, 
Folge leisteten. Wenn wir auch an dieser Steile dem 
abgetretenen Centralcomit^ und der Section, aus der 
68 bestellt war , und die nun ihren Leistungen für 
den Gesammtverein dadurch die Krone aufsetzt, daß 
sie uns in ebenso origineller als liebenswürdiger Weise 
zn sich zu Gaste geladen hat — ich sage, wenn wir 
hier sowohl dem letzten Centralcomit6 als der Section - 
IMablerets warmen Dank und Anerkennung bezeugen,, 
so handeln wir ohne Zweifel in Ihrer Aller Sinn und 
Namen. 

Die Spanne Zeit, über welche wir Ihnen zu refe- 
riren haben, war freilich eine relativ kurze. Denn 
nachdem das abtretende Centralcomite sich in einem, 
von Ende Dezember 1884 datirten Circular noch 
einmal Rechenschaft gebend und Abschied nehmend 
an die Sectionen gewandt hatte, konnte die Geschäfts- 
übergabe des alten Centralcomite an das neue erstr 
am 25. Januar laufenden Jahres in Bern stattfinden« 

Die seit diesem Zeitpunkte verstrichenen T^/g, 
Monate haben kaum hingereicht, es uns zu ermbg^_ 
liehen , in den unser wartenden Gesehäftskreis eiu^^k 



1 



^44 Chronik. 

tiefern und klarern Einblick zu gewinnen und uns über U 
4ie Situation gehörig zu orientiren. Immerhin con- w 
4dtatiren wir gerne, daß wir uns von Anfang an und :^ 
fielbst bei hie und da obwaltenden Meinungsdiffe- |n 
renzen eines freundlichen und zutrauensvollen Ent- 
gegenkommens seitens der Sectionen zu erfreuen hatten, 
und wir geben uns mit Vergnügen der Hoffnung hin, 
daß dem auch ferner so sein werde. Dürfen wir Sie 
^och versichern, daß bei all' unsem Beschlüssen und 
Maßnahmen kein anderer Gedanke uns leitet und kein 
anderes Ziel uns vorschwebt, als die Wohlfahrt, das 
Blühen und Gedeihen uuseres theuem Schweizer- Alpen- 
clubs und des über Alles geliebten Vaterlandes, dem 
wir ja auch in demselben und durch denselben zu 
•dienen uns bestreben. 

Sehen wir nun etwas näher zu, wie es zur Zeit 
am den S. A. 0. und die wichtigsten ihn bewegenden 
Fragen und Interessen bestellt sei. 

2) Ueber den Personalbestand des Vereins geben 
folgende Ziffern den wünschbaren Aufschluß: Der 
S. A. C. zählt 29 Sectionen mit 2607 Mitgliedern, 
von denen seit 1. Januar 181 neu eingetreten sind, 
gegenüber 114 im gleichen Zeitraum des vorigen 
Jahres. Die Periode des Rückgangs in der Zahl 
jinserer Mitglieder scheint daher glücklich überstanden 
zu sein. Wenn es aber unserer Verbindung zur 
Freude gereicht, frischen Nachwuchs zu bekommen, 
430 wissen wir auch gar wohl, wie sehr wir desselben 
bedürfen ; denn Leiden und Freuden, Leben und Tod 
wechseln wie Morgen- und Abendroth, und es pflegt 
der unerbittliche Tod je und je auch in unsere Reihen 
schmerzliche Lücken zu schlagen. Gedenken wir 
pietätvoll unserer Heimgegangenen! 

Zunächst ist zu erwähnen der im Berichtjahr er- 
folgte Hinschied eines Ehrenmitglieds des S. A. C, 
-des Herrn Anthony Adams-Reilly , geb. 1836, gest. 
15. April 1885. Wenn ich nicht irre, hat er sich 



Chronik, 545 

l)esondere Verdienste erworben um die Topographie 
-der Montblancgruppe. Seine Tüchtigkeit war so all- 
gemein anerkannt, daß ihn der E. A. C. zu seinem 
Präsidenten wählte, welche Ehre er indeß mit der 
ihn charakterisirenden Bescheidenheit ablehnte. Ehren- 
mitglied unserer Gesellschaft war er seit 22. Sep- 
tember 1867. 

Und wie könnte ich Dessen vergessen, den unsere 
Sectio» üto speciell und mit Stolz den Ihrigen ge- 
nannt hat, des Mannes , dessen mächtiger Geist sich 
wagte an die Erforschung und Durchdringung der 
tiefsten Geheimnisse, welche die Menschenbrust be- 
wegen, des Verhältnisses zwischen dem Ewigen und 
dem Vergänglichen , zwischen Gott uiid Mensch, und 
der dabei in einem kräftigen, durch üebung gestählten 
Körper eine Seele trug, die mit der Naivetät eines 
Kindes der Herrlichkeit der Gotteswelt, wie sie uns 
namentlich im Hochgebirge entgegentritt, froh wurde 
— ich meine Prof. Biedermann^ der eine Reihe von 
Jahren als allgeehrtes und allbeliebtes Haupt der 
Section üto vorgestanden hat. Sein forschender, 
ahnender Geist ist nun hinangestiegen zu noch lich- 
iteren Höhen, als die waren, auf denen sein Fuß hie- 
nieden so gerne gewandelt. 

Und auch Dessen muß ich mit einem Worte ge- 
denken, der im engern Sinne der ünsern Einer war, 
auch der tapfersten und kühnsten Alpinisten einer, 
auch in nnsern Alpen heimisch, und der vor wenigen 
Wochen dort im Dauphin^ drüben als Mitglied der 
Section St. Gallen am Pic de la Grande Meje eine viel- 
leicht doch bis an die Grenze des Erlaubten getrie- 
bene Verwegenheit mit einem jähen, frühen Tode ge- 
sühnt hat, nachdem er noch kurz zuvor den Freunden 
der Hochgebirgswelt ein trefflich geschriebenes Vade- 
mecum in den Schoß gelegt : Dr. Emil Zsigmondy. 

Und wenn hin und her in den Sectionen im 
Laufe dieses Jahres noch Andere, deren Namen mir 

35 



546 C^irotUh, 

imbekftiiiit gebliebes , g^tcbätzt and betravert voi» 
ihren ClubgenosBeti, ättf imiDer geschieden scoii slillteü 
— wir iK^hUeß^ i^ Alle dn in nmer '^Reqiüescant 
in paee!^ ihr Gedäehthiß bMb« unlet uns idi d«g«a f 
Da nur einzelne ^ölkre S^Ücmen regelmäßig 
aneh de« erfolgten Austritt reik Mitjgliedeni ansrei^^^ 
80 möchten wir die Sectionsvorstände eristfchoB, m 
Zaknnft wen^vtens alle Haii^jalte hmtkhet dem €en- 
tralcassier Mittheilnng zn mädien« 

3) Die Beztehüngen deft S. Ai d ztt 4en f^eiMteii 
Alpenreranen sind fi^währMd seht frelmdliche |pß- 
weseü. Zwar konht^n yn^ ^s Jaht za« f>este de» 
deutseben utid bMerrel«lrl0dieii Alpeiiver^iiis y das i» 
Yillach Btatflaftd^ kirnen Di^lejgirten e^tt^Adcn^ halM 
aber dni^h ei» B^gHißUngseele^d» nifBem ^ytepa^^ 
thien ftr die gfo^e Bchwestorrerbtn^ftig AnsdriHSk 
geg-eben^ itn Fernem eiTBWßhten wfr fiferm Pfiirrer 
Freundler und Hemt Architeei Be^teK^ Mftgtkder der 
^ection O^nfy unseam Club an d^m Iraf die« Jahr ver- 
g^oben/en flinfieft fate^natimialen teil|»i«eti Congreß ntid 
dem 2^. Congreiß dM italliHi^idii» AlpeüciubB k 
Tnrin 2a vertreten. Da Übrr Frenndier leider it» 
letztet* Stnnde disreh Krankiwit tbgliliattefl wnrdey 
seine Reise auszuführen, so ttb^giflahm es Herr PMet^ 
Resdaetor des ^Sdie des k^m^y nm Mner ^eAle den 
S. A. €. in Turin m vertwtem 

Der O« A. F. se(k!te «nil in K^nfoiA^ #aß nt 
Rtrekigfeht «mf ifie für äie frimiscMii^heB deekäHsn <ek» 
Mittetmeef el( ai^geerdne<ten ^^ibn^MftlaiiiBn dei* Oon^gveft 
in Algler auf ^n^estnntutie Seit Vertag^; \ir^l*d(^ m& 

4) Unt^r de^ nento A«%«Aea^ w«fel»e dcte Aw Aü. Ow 
m die liäehi^(^ SiWkvbfl; g^aerti^lt «nd^ «t«iit ire PdM- 
toaiion der Arbeiten «nt RbMieglelHNW 'obeAM. Ais 
2^* Mai V)dl*s»tfane!t6 sföfa in Se^ eM €eMelk^i%. 
bestehtewd w^ 2^1 Dd^tten iä«« Getotral uw i rt y. 
Ceft)tritlp««teMent Orob und YieefirSImdent P»)f. fieim, 
den Mitgtiedem des Oietsehateotiegiviss des 8. A. C^ 



Okr&nik, 547 

(BH. Prof. RfltJmeyer, Hageiibach und Fore! — 
Hr. Coaz eirtdchuldigt abwesend) und den Vertreterff 
des eidgenöööischen topographisehen BftreÄu(HH. Oheff»t 
Lcyehmanti und Ingenieur Held). Nachdem der BericM 
über die Vermessungen von 1884 vorgelegt und ge- 
nehmigt wetzen war, stellte die Conferenz zflnächst 
das ArbeftÄprogtamifi für 1S85 fesft und beschäftigte 
sieh dann, nach der später zu beröhrenden Frage der 
FdrtsetÄung der ArbeHen, mit der Publikation. Es 
Würde beschlossen, mit der Dalp'schen Bttchhandlung 
(K. Schmid) in Bern in Ünterfrandlung zu treten wnd 
einen Vertrag zwischen ihr ttnd dem 8. Ä. C. zti 
eötwetfen , in welchetn ffber die beidseitige» Ver- 
pÄichtungen nnd Garantien n. s. f. die n^higen Ver- 
eiflbarittrgen getroffen würden. Der Beschluß der 
Conferenz wutSe sogleich ausgefthrt xmi jfwiscfcen dem 
Oetftralcofistt^ des S. A. C. ntt6 der Dalp'schen Buch- 
handlttng {K. Schmid) in Bern ein Vertrag verein- 
bart, ^eö wir In seinen Grundzttgen der Delegirten- 
versammlung in Villars zur Discussion, resp. Annahme 
msterbreitot feaben. Weselbe hat einmftthig dem An- 
trag de* Centralconritö ihre Kttstiörtffung ertheih. 

5) Sättftnfllche Jfitgüeder der oberwShnt^ Coh- 
fferenz Tom 2ö. Mäi waren d-atin «Jnig, daß die Poil:* 
&etzmg der Ctoirtrolmessungen am fihonegletft^lrer in 
hobedi Gtade wtfnsehföffswerth sd , besonders da wfr 
demnächst wahrscheinlich in die Periode efnes nentm 
WacbfiftlftMtti Aeft 'GtetÄcherft ißintreten; «iigMrfi aber 
wttfde alli^iftg b^oüt, daß dwbh vorherige f^- 
setÄöng efeeÄ bhiden^en Bttdgefts *e finanaSeüen 
Gretttm des tlntemehsnens gan^« genau festgestellt 
öeJfl mtesen. Infolge dieses Be«eMTf^eft tamffigte das 
eidgeftSssfecbe topographische Bör«au nntenn 27. ;F««i 
dwi Vertrag yam 16. Ätfgtfist 18^0 nnd lei^e UBigt^h 

den Entwurf eines neuen Vertrages vor , den das 
Oentoraleomfl^ i^acOi den Vomohlägen 'des Glet^her- 
coUegiänis in unweöentHdien Pnnfeten ujoÄiMrte und. 



548 Chronik. 

Dachdem die Abänderungsanträge vom eidgenössischen 
topographischen Bureau gutgeheißen waren, seinem 
Circular von Ende Juli beilegte , um den Sectionen 
ausreichende Gelegenheit zu geben , zu der Frage 
Stellung zu nehmen. 

[Die Delegirtenversammlung in Villars-sur-Ollon 
nahm nach reiflicher Discussion den projectirten Ver- 
trag an , setzte aber statt des ursprünglich vorge- 
schlagenen Art. 9 auf Antrag der Section Winterthur 
folgenden Passus : „Es wird jetzt schon ausdrücklich 
bestimmt , daß mit dem , was unter 1 und 2 fest- 
gesetzt ist, die Leistungen des S. A. C. für die Ver- 
messung des Rhonegletschers ihr Ende finden sollen." 
Da aber das eidgenössische topographische Btireau 
mit dieser Fassung nicht einverstanden war, so setzte 
das Central comite in den Vertrag einfach den Passus: 
„Der gegenwärtige Vertrag erlischt mit dem 31. De- 
zember 1888", und beschloß, den Beschluß der De- 
legirten als ProtocoUsache, d. h. als für den S. A. C. 
bindend zu betrachten ^).] 

Damit dürfte die Rhonegletscherfrage, die den 
S. A. C. so oft und viel beschäftigt hat, wenigstens 
als Gegenstand der Controverse für immer von unserer 
Tractandenliste abgesetzt sein, wobei wir uns der 
Hoffnung hingeben dürfen, daß die ganze Angele- 
genheit einer allseitig befriedigenden Erledigung ent- 
gegengeführt wird. 

6) Das Gletschercollegium, welches behufs üeber- 
wachung der Arbeiten am Rhonegletscher gewählt 
worden war, hat nach Ablauf der vertragsmäßigen 
drei Jahre seine Functionen erfüllt, und es gebührt 
ihm seitens des gesammten S. A. C. der wärmste nnd 
herzlichste Dank für seine großen und treuen Be- 
mühungen um das wichtige VTerfc. Es ist aber wohl 



Genaueres im ProtocoU der DdegirtenversunmlmUP 
^nd im Circular des CentmlcoBÜt^ vom Dezember 1885. 



Chronik. 549 

selbstverständlich, daß nach Annahme der Anträge 
betreffend die Rhonegletscherpublication und des neuen 
Vertrags der S. A. C. der Unterstützung von Seiten 
des Gletschercollegiums keineswegs entrathen kann, 
und auf den Antrag des Centralcomit6 hat die Dele- 
girtenversammlung mit Einmuth die Mitglieder des 
Gletschercollegiums flir die Periode des neuen Ver- 
trages in ilirer Stellung bestätigt. 

7) Während durch den Vertrag die Gasse des 
8. A. C. für eine Zeit von drei Jahren mit einer 
jährlichen Ausgabe von Fr. 1500 im Maximum be- 
lastet bleiben wird , ist ihr auf einer andern Seite 
eine Bürde abgenommen worden. Die meteorologische 
Station auf dem Säntis ist nach Ablauf des bestehen- 
den Vertrages durch Bundesbeschluß an die Eidge- 
nossenschaft übergegangen , welche den gesammten 
Unterhalt derselben übernimmt, wodurch unser Jahres- 
büdget inskünftig um Fr. 1000 entlastet wird. 

8) Besonderes Interesse hat, seit dem Auftauchen 
der Frage, der S. A. C. dem Unternehmen der Führer- 
versicherung entgegengebracht. Für das Berichtsjahr 
ergibt sich, daß die Centralcasse für 110 Führer 
Fr. 906 bezahlte , gleich 3 ^/oo der Versicherungs- 
summe von Fr. 302,000. Das von der Versicherungs- 
gesellschaft „Zürich" gewünschte Minimum von 100 
Theilnehmern ist also überschritten. Die Versicherten 
vertheilen sich auf folgende Kantone : Bern 88, Wallis 
12 , St. Gallen (durch die Bemühungen der Section 
AI vier, die 1 ^oo den Führern aus der Sectionscasse 
bezahlt) 8, Uri 1, Unterwaiden 1. Glarus, Graubünden 
und Appenzell fehlen gänzlich. Und doch ist es im 
höchsten Grade wünschenswerth, daß auch hier von 
den Gebirgssectionen Alles gethan wird, um die Führer 
für das segensreiche Werk zu interessiren. 

Von den 110 Führern haben dieses Jahr nur 4 
ihre Policen nicht eingelöst gegenüber 13 im Vor- 
jahre. Für diese haben wir also Fr. 30 Prämien um- 
sonst bezahlt. 



&^ Cbrcmk. 

9) Von Ftihrercursea haben wir dt68e6 Jahi' nar 
meinen zu notireo^ den die Section Säntis vom 22. Feb- 
ruar bis zum 1. März ib Umäsch abhalten ließ. Es 
wurden im Ganzen 53 Unterrichtsstunden ertheilt und 
nach Ablauf des Curses eine Prüfung veranstaltet, 
welche von sämmtlichen zehn Tbeilnelunem bestuiden 
wurde. An die Kosten^ welche sich 93j£ eirca Fr, 500 
beliefen, leistete die Centralcasse einen Beitrag von 
Fr. 150. £s ist uns besondere erfreulich constatircD 
zu können, daß auch im Gebiete des Alpsteins, dessen 
Ftihrerverhäitnisse bisher etwas ungeregelt waren, 
eine festere Ordnung Platz greifen soll, und daß der 
GlubiBt in Zukunft auch dort, sicher ist, erfahrene und 
ausgebildete Führer zu finden. 

10) Auch im Berichtsjahr hat die Erstellung, resp. 
Ausbesserung, der Clubhtitten die Centralcasse in ver- 
schiedener Hinsicht in Anspruch genommen. Obenan 
steht die an neuem Standort von Grund aus neu auf- 
gebaute Dossenhütte. An die Kosten des Wieder- 
aufbaues bezahlte die Centralcasse Fr. 300, für die 
Inspection der Hütte Fr. 70, für die von den Sach- 
verständigen fllr nothwendig erachtete Verankerung 
circa Fr. 70. 

Außerdem wurden die vier Arbeiter für die Zeit 
des Aufbaues von der C^tralcasse versichert, so daß 
sieh die ganze Ausgabe der letztern auf circa Fr. 500 
beläuft. Die Inspection der Hütte besorgten Herr Pfarrer 
Baumgartner von Brienz und der von der Section 
St. Gallen bezeichnete Herr Bezirksingenieur Aebi. 

Nach Beschluß des früheren Centralcomit6 haben 
wir ferner an den Neubau der Glämischhütte Fr. 1500 
zu bezahlen; femer hat das Centralcomit6 den Sec- 
tionen Säntis und Toggenburg an die Reparatur der 
Säntishtitte einen Beitrag von Fr. 250 bewilligt, und 
Fr, 185 für Erstellung eines neuen Daches der Li- 
schannahütte. Dagegen wurde ein Gesuch um einen 
Beitrag für Reparaturen an der Alvierhütte abgewiesen, 



Chronik. 551 

4a für diese secundäre Hütte erst letztes Jahr Fr. 200 
bezahlt worden sind. 

11) Das letzte Centraloondt^ hat in seinem Circular 
vom Juli 18S4: (Rapport special III) den Vorschlag 
gemacht, eine besondere Httttencommission einzusetzen, 
welche die Oberaufsicht über die HUtt^ zu führen, 
<die Pl^ne neuer Bauten zn prüf^, mindestens alle vier 
Jahre durch ein Mitglied jede Hütte zu inspiciren 
und dem Oentraleonüte darüber Bericht zu erstatten 
hätte. 

Gewiß ist eine genaue Aufsieht über die sämmtlichen 
vom S. A. C. erstellten Hütten eine unbedingte Noth- 
weodigkeit, wenn diese wohlthätigen Einrichtungen der 
Erwartung, die man dayon hegt, entsprechen sollen. 
Aber es lüßi sich doch fragen, ob es gerathen sei, 
die Beamtungen des 8. A. C. um eine weitere zu ver- 
mehren. Es ist, vom allgemeinen Standpunkt aus be- 
trachtet, nicht gut, die Befugnisse des Centralcomit^ 
gerade in demjenigen Punkte zu verringern, in dem 
ein gedeihlicher, unmittelbarer Oontact mit den eigent- 
lichen clubistischen Kreisen möglich ist. Die Vielheit 
der Beamtungen gibt außei-dem noch keine Gewähr 
für bessere Instandhaltung der Angelegenheiten; im 
Gegentheil könnte man die Befürchtung aussprechen, 
daß dadurch nur Weitläufigkeiten entstehen möchten, 
welche der Sache, die man zu bessern strebt, nicht 
förderlich sind. 

Ein Mitglied des letzten Oentralcomite , Herr de 
Constant, hat sich während der letzten drei Jahre um 
die Inspection der Clubhütten im höchsten Grade 
verdient gemacht. Es läßt sich denken, daß gerade 
er auf den Gedanken kommen mußte, eine solche 
periodische Ueberwachung sämmtlicher Hütten müsse 
nachgerade für das Centralcomit6 eine immer schwerer 
drückende Last bilden. Wenn wir nun auch offen zu- 
geben, daß nicht jedes Centralcomite einen Mann in 
seiner Mitte haben wird, der seine Kraft und Zeit in 



552 Chronik, 

solchem Umfange der Sache des S. A. C. zur Ver- 
fügung zu stellen im Stande ist: so läßt sich doch 
die Möglichkeit nicht läugnen, auch ohne besondere 
Hüttencommission zum gleichen Ziele zu gelangen. 

Um diese Möglichkeit zu verwirklichen, muß e& 
die erste Sorge derjenigen Section sein, welche daa 
Centralcomit^ zu steilen hat, daß mindestens ein Mit- 
glied des letzteren ein passionirter Berggänger sei,, 
der auf seinen Touren viele ClubhUtten zu Gesichte 
bekommt. Derselbe könnte ja seine Excursionen leicht 
so einrichten, daß er jedes Jahr eine andere Serie 
von Hütten besichtigen würde. Außerdem bedarf e* 
wohl nur einer Bitte an die wirklichen Berggänger 
unter den Clubisten, um dem Centralcomit6 ein großes 
und schätzenswerthes Material von Beobachtungen 
über den Stand der Hütten zu verschaffen. Und endlich 
hat ja das Oentralcomit^ jederzeit das Recht, in 
dringenden Fällen einen Abgeordneten mit der In- 
spection einer Hütte zu beauftragen. 

Das Centralcomit6 glaubt also, daß eine Noth- 
wendigkeit, ein neues Comite zu creiren, nicht vor- 
liegt, sondern daß die vorhandenen Mittel genügen, 
um eine vollständige und gründliche üeberwachung 
der Clubhütten durchzuführen. 

12) JshrhvLGMrsige, JahrbifchjBandXX. Die Her- 
stellungskosten beliefen sich auf . Fr. 11,998. Sb 
davon ab die Uebernahms - Summe 
von Schmid, Francke & Co. . . „ 11,500. — 

bleiben zu unsern Lasten . . . Fr. 498. 85 
Wir hatten diesem Bande zur bessern artistischen 
Ausstattung den Gewinn auf dem letzten Bande von 
Fr. 348, sowie einen weitem Extracredit von Fr. 400 
zugesprochen, und sind daher von diesem letztem 
nur Fr. 150. 85 in Anspruch genommen worden. 

Bestellungen von fremden Alpenvereinen sind ein- 
gegangen: vom D. u. Oe. A. V. 50 Ex. und vom 
C. A. I. 4 Ex. 



Chronik, 553^ 

Das abtretende C.-C. hat uns in seinem Abschieds- 
circnlar, Dezember 1884, im Jahrbuche p. 600, einfr 
Aufgabe zugewiesen, welche uns des Lebhaftesten be- 
schäftigt hat : die WUnschbarkeit einer Umgestaltung 
unserer Publikationen. Wir haben diese Frage, zu 
der die erste Anregung vom Redaktor des Jahrbuches- 
ausging, mit demselben des Einläßlichsten geprüft,, 
sind aber, fast wider unsern Willen, zu einem nega- 
tiven Resultate gelangt. 

Die eigenthtimliche Zusammensetzung des 8. A. C.,. 
die aus circa ^/s deutsch sprechenden und circa ^/s 
französisch sprechenden Mitgliedern besteht, verun- 
möglicht jede Aenderung, welche hinzielt einerseits^ 
auf eine engere Verknüpfung der deutschen und fran- 
zösischen Sectionen durch das Mittel eines sprachlich 
gemischten Jahrbuches oder eines Öfter erscheinenden^, 
gemeinsamen Bulletin, anderseits auf eine billigere 
Erstellung unserer Publicationen in Folge stärkerer 
Auflagen. 

Das Jahrbuch ist nur für die deutschen Sektionen 
und zwar zum Preise von Fr. 7 obligatorisch und es^ 
geht nicht wohl an, dieselben ökonomisch stärker zu 
belasten, was unvermeidlich wäre, wenn dem Wunsche 
nach einem kleinen, häufig erscheinenden Organ neben: 
dem Jahrbuche entsprochen werden sollte. 

Die welschen Sectionen sind zur Haltung de» 
„Echo des Alpes" zum Preise von Fr. 2. 50 per Jahr 
verpflichtet. Sie hängen mit so großer Liebe daran 
und es scheint nach allen Informationen dasselbe der 
Lesebegierde der Mehrzahl ihrer Mitglieder so voll- 
kommen Genüge zu leisten, daß sie sich nicht leicht 
dazu verstehen würden, das „Echo" in einem sprach- 
lich gemischten Jahrbuch aufgehen zu lassen und die 
Aenderung mit einer höhern Contribution zu bezahlen* 

Nur durch eine wesentliche Vergrößerung der 
Auflage könnten die Erstellungskosten des Jahrbuches 
vermindert und diese Vergrößerung nur dadurch er* 



554 Chranib, 

reicht werden, daß alle gchweiz. Clubisten ohne Aus- 
nahme zum Bezüge de» Jahrbuches Farpflichtet würden. 
Da nun aufi den oben angeführten, sowie versohiedeDen 
andern Gründen «ich dies als unerreichbar hertiu- 
stellt, so müssen wir leider von derjenigen Lösung 
abstrahiren, die uns -^ absolut genommen ^— als die 
beste und wünsehenswertheste erschienen : ein gemm- 
sames Jahrbuch und daneben öfter erscheinende klein^e 
Mittheilungen, beide sprachlich gemischt und für alle 
Olubgenossen obligatorisch. 

Wir erörterten im Weitern die allerdings neben- 
sächlichere Fmge, ob nicht das Format des Jahrbuches 
zu verändern resp. au vergrößern sei- Wenn wir ancb 
hier vorschlagen^ beim bisherigen zu verbleiben, so 
geschieht es, weil ans von vielen Seiten der Wunsch 
geäußert wurde, daran NicMs zu ändern, und weil 
sich die finanzielle Ersparniß, auf die wir hofften, als 
^ine ganz minime herausstellte. 

Dagegen werden wir uns bestreben, der artistisehen 
Ausstattung des Jahrbuches in Zukunft noch mehr 
Sorgfalt zu widmen und soviel daranf zu. verwenden, 
als unsere Mittel uns immer erlauben. 

Das Gesuch einer Sektion, sie vom obligatorischen 
Bezüge des Jahrbuchs zu dispensiren, mußten wur ab- 
weisen, schon weil außer unserer Competenz liegend. 
Wir hätten dies auch ohnehin gethan, da eine würdige 
Fortführung des Jahrbuches nur möglich ist, wenn 
zum Mindesten sämmtliche deuteche Mitglieder daran 
contribuiren und die Auflage allerwenigstens auf der 
gegenwärtigen Höhe gehalten werden kann. Wir be- 
trachten dies geradezu als eine Lebensfrage für das 
Jahrbuch und werden daher fortfahren, dem Wortlaute 
<der Statuten strikte Nachachtung zu verschaffen. 

13) Wenden wir uns nunmehr zu den litterarischen 
Unternehmungen des S. A. 0. und zwar zunächst zu 
der Publikation der gekrönten Preisschrift „Ueber 
die Gefahren im Hochgebirge". Der Verfasse der- 



«elbeu, Ben: P&rrer Baumgarti^ev in Brienz, zeigte 
dem Centralcomite im Mai m, daß die Preiaschrift 
iu der vom früheren Ce»tralcojniW unterm 12« Pe- 
mvi^T 1884 gewüQgchte» Fassung vollendet sei. Auf 
flöeer© Weisung bin sandte Hr. Baumgartner die Ar- 
beit zuollehst an Hrn. Lindt in Bern, der dieselbe 
pr^ft^ und mit seinen Anmerkungen Tersehen dem 
Oentralcomite zusandte, bei dessen Mitgliedern sie 
darauf circulirte. Die Delegirtenversämmlung ertheilte 
dem Oentralcomite die Vollmaeht, für eine passende 
Pablieation zu sorgen, 

[Die Preisschrift ist Ende Dezember 1885 bei 
Pr. Schuttheß in Zürich gedruckt und den deutsch 
ßpreohenden Mitgliedern des S. A. C gratis zugestellt 
worden. Die üebersetzung in's Französische herzu- 
stellen, hat die Sektion Diablerets freundlichst über- 
nommen.] 

14) Das Itinerar des Clubgebietes für J885/86 
konnte dies Jahr noch nicht ausgegeben werden. Der 
Verfasser desselben, Herr von Fellenberg in Bern, 
theitte unterm 27. Mai dem Oentralcomite mit, daß 
bei dem Beichthum des Stoffes und der Wichtigkeit 
der zu behandelnden Gebirgsgruppe die Schrift einen 
weit größeren umfang erhalten werde, als von vorn- 
herein angenommen gewesen sei, und daß er über 
das Finsteraarhorngebiet eine Arbeit unternehme, die 
mit dem letzten Itinerar zusammen eine Monographie 
einer einzelnen Gebirgsgruppe bilden werde, wie sie 
über eine einzelne Abtheilung des schweizerischen 
Hochgebirges noch nicht existire. Es wurde daher 
beschlossen, Herrn von Fellenberg die gewünschte 
Verlängerung seiner Arbeitszeit zu gewähren, so daß 
•das Itinerar, das nicht dem Augenblicke dienen, 
sondern eine Arbeit von bleibendem Werthe werden 
soll, im Jahre 1886 an die Mitglieder vertheilt werden 
wird. 

15) Einer seit einigen Jahren aufgekommenen 



o56 Chronik. 

üebung gemäß wurde auch die Excursionskarte nicht 
dem diesjährigen Jahrbuch beigegeben, sondern es 
wurden vorerst nur eine Anzahl von Abzügen herge- 
stellt, die an diejenigen Mitglieder, welche sich darum 
bewarben, vertheilt werden sollte. Dankend nahm das 
Centralcomite das Anerbieten des Herrn Prof. Heim 
an, für die Clubausgabe der Karte einen Tondruck 
herzustellen. 

Ich bin am Schlüsse meiner Berichterstattung an- 
gelangt. Gestatten Sie mir noch einige kurze Be- 
trachtungen, wie sich mir dieselben aufgedrängt haben, 
seit ich, Ihrem Rufe folgend, in einen intimeren Con- 
tact mit dem S. A. C. und seinem Innern Leben ge- 
treten bin und wie ich sie auch am Clubfest in Villars- 
sur-Ollon bestätigt gefunden zu haben glaube. 

Es machen sich im Schooße des Schweiz. Alpen- 
clubs zwei Strömungen geltend, die, gegen einander 
fließend, darum zu ringen scheinen, welcher von beiden 
die Präponderanz zukomme. Die eine dieser Kichtungen 
wird durch diejenigen repräsentirt, die in unsern Vereins- 
angelegenheiten sich mehr oder ausschließlich auf den 
Standpunkt des praktischen Bedürfnisses der in die 
Erscheinung tretenden Leistung, mit einem Worte, der 
nüchternen Realität stellen; die andere Strömung ist 
vertreten von denen, die unserm Verbände auch höhere 
wissenschaftliche Aufgaben zur Lösung zuweisen wollen,, 
die im S. A. C. nicht bloß einen Verein kühner und 
ausdauernder Bergsteiger sehen, sondern eine Verbin- 
dung, bestimmt, an den idealen Aufgaben unserer 
Zeit und unseres Landes mitzuarbeiten. 

Aber nicht in einer Verschärfung dieses Antagonis- 
mus, nicht in rücksichtsloser gegenseitiger Bekämpfung 
der verschiedenen Standpunkte liegt das Heil, vielmehr 
in ihrer Versöhnung, in der gegenseitigen Durchdrin- 
gung und Einigung derselben. 

Wohlan denn! Hegen und pflegen wir practische 



Chronik. 557 

Zwecke und Bestrebungen unserer Gesellschaft mit 
allem Fleiß! 

Machen wir das Hochgebirge unserer Schweiz den 
Clubisten und immer weitem Kreisen nach Möglich- 
keit zugänglich dadurch, daß wir ein gutgeschultes 
Führercorps creiren und erhalten, daß wir auch in 
den rauhesten Partien der Alpen deren Besucher ein 
schützendes Obdach und einen wohnlichen Raum finden 
lassen ; daß wir die Kenntniß unserer Berge verbreiten 
durch treffliche Karten, wie uns das — wir wollen 
es nicht vergessen — bislang ohne empfindliche Be- 
lastung unserer Finanzen ermöglicht wurde durch die 
zuvorkommende und freundliche Mitwirkung des eid- 
genössischen topographischen Bttrean's; durch von 
Meisterhand verfaßte und eifrig zu Rathe gezogene 
Itinerarien; ja, suchen wir, wenn es möglich ist, noch 
neue Wege und Mittel zur Erreichung der practischen 
Ziele unseres Vereins! 

Aber möge dabei dem S. A. C. auch niemals jener 
Idealismus verloren gehen, der — ich bin aufs In- 
timste davon tiberzeugt — sein eigentlicher Lebens- 
nerv ist, jener Idealismus, der da weiß : es gibt noch 
höhere geistige Interessen, an deren Befriedigung mit- 
zuarbeiten auch wir berufen sind ; es gibt ein Wirken 
und Thun, dessen Resultate nicht alsobald in die 
Augen springen , die aber trotz alledem unseres 
Sehweißes und unserer Opfer werth sind. 

Realismus und Idealismus in legitimer Verbindung, 
in trautem Verein — das, verehrte Herren und Club- 
genossen, ist das gesunde, normale Leben und Ge- 
deihen unseres theuren S. A. C. Mögen aus dieser 
Ehe Kinder geboren werden, wie der Thau aus der 
Morgenröthe! Gott walt's! 

J. E, Grob. 



Sectfvneft. 






II. Aargau. Section Zofingekh MltglifMlemadil ^ 
Die äe^tksi tret^^MAm^tt« fsidk fm B<^c];rt|j«lil' 10 Hai, 

jab^ and iIm fi«n:«fif: Afi^re#, ¥t9i*mty »tu HftgücMft; 
Bttni^ Beii^pkd«&re», ^ Vie^l^M^t und BibHeftrekttr; 

telivm'; alt JLie^rMtr. 

Als Abgewdb^ter ^n 4k» GIiMM; te VtHliinM«^ 
(Mm ging Bisifr il|je^htik«i!r fi#ei»r, E§ wm^ leine 
S^atidni^i^aff ffiä^li 4%r O^slM^r €1«« ^tfcfegisMrl. 

Da die Section wegen der fillCenftiHg -M AuMM 
nicbk selbst flUiren kann, übertrug sie dieselbe dem 
Herrn Nägeli , Grimselwirth, mit der Vollmacht, daa 
Nöthige anzuschaffen und die Hütte in gehörigem Zu- 
stand zu erhalten. Was einzelne Besucher in der Ans- 



rttgtung rertnißten, wird nacb Kiüilien beiK>rgt werden« 
Anf einer demnächst «n^vbritigenden Tafel sollen 
Passanten ersucht werden, ihre Wünsche dem Grimsel- 
wirth mitfiuthdlen, danit derselbe aUfXlHgeE Uebel- 
ständen sofort abhelfe. 

Auf Anregung des Apotheker^ Fischer Bind in 
Verbindiaig mit der 8eetion Obetaargau lind den Ge- 
meindebeii^den ron Balstb&l Schritte zum Bebuts 
seltener Pfian^eii in der Oeosinger Chis gethan worden^ 

Die Section Zofingen veranlaßte durch Einladung 
eine Kusarnmenkanft mit den Sehwesterseetioften Aarau^ 
Oberaargaa^ Baftel, Evrgdorf aad Lazem* ^e fand 
äxxi la Mai auf dem Wairtbnrgsäli siatt. 

Vorträge und Relationen brachten : Pfr. And^^es : 
Ueber eine nächtliche Fahrt a«f 's GelteAkom. Bxirri : 
lieber eine Methode, die BchWeizerkarte aus detn Ge-^ 
däditniß EU Eecctoen, aitd üb^r d<sn Genfer Alpen^ 
w«ndeter dee verigea JakrhuiNkrisy Bourrit. DnU 
wÜer: Beeteigwnrg d^ Scheierhonm. Herr Lksfchei/^ 
(lUs Gast): Ein pfianeengteographisehes Bild der Uni'' 
g^end von Zofingen« Herr Fischer, Apotheker : Ueber 
die Verhahdlongea und Besdillidse der Delegirtett- 
twmamhing und das dnb^st» 

JSiDiieltouren: Andres thö. Biirri: Arbe4born und: 
DittbVerets; BfXrri: Lnaveaeiikoni und «btsOsttr; Mäfis: 
Titlie^ Meftger: U^ber diiß Gtainri iMutk dem Ekiseh^ 
ttei and diem DuraaidgietBcker, weiter ¥ker die TU^ 
Bohis fiarck dem C^anve-my (Met de Glace^ Tae^MM^^ 
«d andere GietBciief); Schinz: Uiitt^^oek, Claridlsn- 
pafi; 'Stmi^hfl: Molton; Seiler: d Wo^ea ia «ler 
erloschenen Vulkanlandachaft dtsr Avtergwe, Phya d6 
Ddme^ de Pationy de IS^ug^re u. A., Pire de Sancy^. 
Plottifo du Oantal, MtO^ Beuvray (Bibrae4e) und Mont 
Atacm (Aleei!a)v 

M^ AnMMreNw BeetiOB 6«iitia. Mit^iiedelvakl 70 
(1884: 63). Vorstand: Präsident: Th. Felber; Viee- 



^60 Chronik. 

Präsident und Cassier: Hans Wetter; Actuar: Ernst 
Lutz; Bibliothekar: C. Forster-Knechtli ; Beisitzer: 
Albert Wetter. 

Die ordentliche Hauptversammlung fand am 7. Juni 
in ümäsch statt, ein damit «verbundener Ausflug auf 
den Teufenberg stempelte den Anlaß zu einem ge- 
müthlichen kleinen Feste. Neben dieser Hauptver- 
sammlung gaben 8 Monatssitzungen Gelegenheit zur 
Abwandlung der Vereinsgeschäfte und Anhörung von 
Referaten. 

Von letztem nennen wir: Albert Wetter: Sections- 
tour Marwies , Hundstein , Säntis ; E. Bell : Touren 
im Wallis; Otto Meyer: Skizzen aus Amerika; Dr. 
Wiesmann : Sectionstour auf Pizzo centrale ; Th. Fel- 
ber: Mariazell am Sempacher See; Dr. Wiesmann: 
Von Buenos-Aires nach Antwerpen. 

In außergewöhnlicher Weise wurde das Comit6 
durch die Organisation eines Kurses für die Führer 
des Alpsteingebietes in Anspruch genommen. Brachte 
diese viel Mühe und Arbeit, so sorgten die nach- 
herigen Verhandlungen betreffend Reglement und Taxen 
für ein redlich Theil von Verdruß. Da wir den Grund- 
satz der Selbstverköstigung für die Führer zu Grunde 
legten, fanden wir in diesem Punkte hartnäckige 
Opposition von Seite der Innerrhoder Führer, während 
unsere Außerrhoder und Toggenburger Zöglinge in 
Anbetracht der ihre Leistungen gehörig berücksich- 
tigenden Taxen hierauf eingingen. Sollte diese Renitenz 
andauern, so dürften wir uns genöthigt sehen, für die 
nächste Saison die Innerrhoder Führer von unserer 
Liste der patentirten Führer zu streichen. 

Nach längeren Unterhandlungen mit dem Gentral- 
<5omite und der Section Toggenburg kam ein Vertrag 
betreffs Clubhüttenreparatur auf Thier wies zu Stande, 
Unsere Clubfreunde werden gegen Ende der nächsten 
Saison ein weit wohnlicheres Heim auf diesem schönen 
Punkte finden. 



Qironik, 561 

Der Weg Urnäsch-Säntis belastete unsere Gasse in 
erheblichem Maßstabe, befindet sieh aber gegenwärtig 
in einem so guten Zustande, daß dessen Benutzung 
unbedingt empfohlen werden darf. 

An der vom schönsten Wetter begünstigten Sec- 
tionstour auf den Pizzo centrale betheiligten sieh 10 
Mitglieder. 

Außer zahlreichen Bergfahrten im Alpsteiogebiet, 
unter denen die von Herrn Hofstetter-Meyer ausge- 
iUhrte neue BHntisbesteignng via Schwitzeralpele-Gran- 
tobel'Oehrligi*ub hervorzuheben ist, sind als Einzel- 
touren zu erwähnen: 

Dr. Rcfth : Touren in Steiermark 5 Hofstetter-Meyer 
und J. M. Meyer: Pizzo centrale und ülrichshorn 
(Saasthal); O. Stuminger und Handschm: Glämisch 
und Begnespaß ; Dr. E. Walder und Prof. Stricker : 
Touren imEngadin, Bergell und Avers (8tal)erberg); 
Oberst Koch : Avers und über Forcellina und Septimer 
in's Bergell. 

IV. Basel. Section Basel. Obmann : F. Hoffmann- 
Merian ; Statthalter : Dr. Emil Burekhardt ; Schreiber : 
Carl Lttscher; Seckelmeister: J. Btehelin-Koch ; Biblio- 
thekar: Prof. L. Rütimeyer; zweiter Bibliothekar: 
Felix Burekhardt. 

Im Laufe des Jahres 1885 sind 4 Mit^eder aus- 
getreten, 1 gestorben und 8 eingetreten. Bestand 
Ende 1885 121 Mitglieder. 

Zusammenktlnfte alle 14 Tage, im Winter im 
Hotel „Drei Könige^, im Sommer auf der SchtUzen- 
matte. Durchschnittsbesuch 31. 

Vortifge cmd gr^ere Relationen hielten folgende 
Herren : 

Pfarrer A. Bemus: Adelboden et ses environs; 
L. Bodenehr : Finsteraarhora von Osten und Jungfrau, 
Tieseherjbom und Schmadrijoch ; das Breithom und 
Diverses aus Zermatt, 3 Vorträge; Dr. Emil Burck- 

36 



562 Chronik, 

hardt: Von Sempione über den Monte Leone zum 
Hospiz, von Laquin über das Fletschhorn nach Roß- 
bodeu, Bergtouren 1885, über verschiedene Arten von 
Gletscherseilen, Dent Blanche, 5 Vorträge; Dr. H.Christ: 
El pico di Teyde; A. Glatz: Auf den Churfirsten; 
F. HofTmann-Merian : Versuch einer Besteigung des 
Tödi von Georg Hoffmann sei.; Carl Lüscher: Touren 
in der Montblanc-Gruppe, 2 Vorträge; A. Raillard: 
Clubexcursion auf den Napf; Prof. L. Rtitimeyer: 
lieber den Stand der Rhonegletscher- Angelegenheit; 
Prof. H. Schieß: Scesaplana und Sulzfluh, Scheerhom,. 
Tyrol und Bergamasca, Basodino, 4 Vorträge; Carl 
Socin: Vom Bergell in's Tyrol; B. Stähelin-Linder : 
Reise nach Poo in Tibet, 2 Vorträge. 

Die im Clublocal aufgestellte Bibliothek weist 
einen erheblichen Zuwachs aus, ebenso die Sammlung 
der Gipfelgesteine. Der Section sind von verschiedenen 
Mitgliedern und Freunden Geschenke von Bttchem,. 
Karten und Albums gemacht worden. 

Das Clubfest in Villars ist nur von 4 Mitgliedern,, 
inbegriffen die beiden Delegirten, Herren F. HofFmann- 
Merian und Carl Lüscher, besucht worden. 

Die Section bewilligte Beiträge an die neue 
Glämischhütte , die durch Lawinen heimgesuchten 
italienischen Bergdörfer, die Ueberschwemmten im 
Etschthale und ein zu errichtendes Denkmal für 
Saussure. 

Von unserem Obmann wurde die der Section unter- 
stellte Schwarzegghütte besichtigt und durch An- 
schaffungen aller Art das Inventar erneuert und er- 
gänzt. 

Herr Krayer- Ramsperger hat auch im Sommer 
1885 seine üblichen Vermessungen am Hüfi- und 
Brunnigletscher vorgenommen ; der Rückgang hat seit 
1884 weitere Fortschritte gemacht. 

Das Excursionscomite hat vier Ausflüge veran- 
staltet: Am 1. Februar über les Malettes nach St. Ur- 



Chronik, 563 

sänne, 12 Theilnehmer ; am 8. März nach Bärenfels 
und Bergalingen, 5 Theilnehmer; am 13. '14. Juni auf 
den Napf, 16 Theilnehmer; am 18. Oetober nach 
Schloß Sausenburg und Probstei Btirglen, 9 Theil- 
nehmer. 

Einzelfahrten: Dr. W. ßernow/ii: Tunetschhorn, 
Bettlihom, Giebelhom, Berisalhom, Passo d' Aurona, 
Wasenhorn, Schienhom, Simplon-Faulhom, Alles ohne 
Führer ; Pfarrer A. Bemus : Gr. Lohner, ohne Führer ; 
h. Bodenehr : Zermatter Breithorn, Klein-Matterhorn, 
Plattenhörner, Weißhorn ; Dr. Emil Bwrc/c/iar dt: Groß- 
Schneehorn, Groß-Viescherhorn, Mönchjoch, zwei Mal, 
Sefinenfurke, Gspaltenhorn, Nässihorn (erste Bestei- 
gung), Groß-Lauteraarhorn, Strahlegg (zwei Mal), 
Petersgrat, Großhorn, Untergabelhorn, Obergabelhorn, 
Rimpfischhorn, Dent Blanche, Monte Rosa Nordend, 
Cima di Jazzi, Mont Durand, Pointe de Zinal, Alp- 
hubeljoch, Alphubelhom, Nadelhorn von Fee aus, 
Jägerhom, Neues Weißthor, Faderhorn und Faderjoch, 
Gassenriedjoch, ülrichshorn, Furggenjoch, Chäteau des 
Dames, Col de Vofröde, Mont Gel6, Col de Fandery, 
Passo d' Aurona, Ritterpaß, Helsenhorn, Passo Rosso ; 
E. Burckhardt-Zahn : Piz Surlei-Rosatsch, Piz Kesch, 
Chaptitschin und Chapütschinpaß, Pizzo della Margna ; 
Feliis. Burckhar dt : Pizüccello; Gn^tsLY Biirckhardt: 
Bochette di San Antonio, Poncione di Vogorno, Passo 
di Redorta, Campo Tenccia; Dr. H. Goßler: Monte 
Cristallo, Anteiao ; A. Hoffmann-Burckhardt : Groß- 
Ruchen, Brunnipaß; F. Hoffmunn-Merian : Inspektion 
der Schwarzegghtitte am Schreckhorn; A. Krayer- 
Försier: Sidelhom, Schilthom, Säntis; E. Krayer- 
Ramsperger: Groß-Windgelle (theilweise); B.,Kummer- 
Krayer: Tschingelgletscher, Balmhom, Weiße Frau; 
Carl Lüscher: Riflfelhom, Neues Weißthor, Col del 
Piccolo Altare, Colle di Moud, Col d'Ollen, Lyspaß, 
Ziiialrothhom,Untergabelhorn, Dom, Rimpfischhorn, Alp- 
hubeljoch; Emil Mantz: Col Ferret, Grande Pyramide 



564 Chronik. 

du Ruitor, Col de Lanzon^ Mont Emilius, Theodul- 
paß, Monte Rosa (Dufourspitze) ; Prof. Minnigerode: 
Cevedale- und Eisseepaß, Vertainspitze , Croda del 
Lago, Croda Rossa, Kleine Zinne, Pala di San Mar- 
tino, Versuch auf Cima della Pala, Saß Maor; 
G. Passavant : Weiße Frau, Dündengrat, Gspaltenhom 
bis zur obersten Fimpartie, Schafschnur, Groß- 
Doldenhorn; Preiswerk- Ringwald : Cima di Jazzi, 
Mettelhom, Mischabeljoch, Gassenriedjoch ; A. Riggm- 
bach-Is(*lin: Säntis; Victor Settelen: Tschingelglet- 
scher, Balmhom; Prof. Dr. Schieß-Gemuseus : Groß- 
Scheerhorn, Ortler, Cevedale, Nuvolau, Basodino, 
Griespaß; Otto ScJdeferdecker : Petersgrat, Großhom, 
Monte Rosa (Dufourspitze), Theodulpaß; F. v. Schu- 
macher: Sustenhorn- Carl So ctw: Schiahorn, Silvretta- 
paß, Signalhorn, Passo di Ferro, Cima delia Bondasca, 
Passo di Bondo, Passo di Val Viola, Piz ümbrail, 
Ortler, Vettainspitze, Schöntaufspitze, Madritschjoch ; 
Alfred Stähtilin: Htifipaß, Claridenstock, Beni-Sala bei 
Blidah, Oasen von Laghuat, Biskra und Tuggurth; 
E. Stähelin-Burckhardt: Schiahorn, Silvrettapaß, 
Signalhorn ; J, Stehelin-Koch : Fibbia (zwei Mal), Tino 
centrale, PizLucendro ; Dr. Ad. Streckeisen: Matterfaorn 
(theilweise) 5 J. Weinmann: Urirothstock , Vrenelis- 
gärtli, Ruchenglärnisch ; Dr. 0. Schuster: Blfimlisalp- 
hom, Felikjoch, Castor, Schwarzthor, Wetterlimmi, 
Rosenegg, Klein-Schreckhorn, Mönchjoch, Versuch auf 
Groß-Viescherhom , Lötschenlücke , Weißhom (Zer- 
matt). 

V. Bern. Section Bern. Ehrenpräsident: Herr 
Gottlieb Studer, Alt-Regierungsstatthalter; Präsident: 
Dr. H. Dtibi; Vicepräsident : H. Körber; Cassier: 
A. Schmid; Secretär: A.Francke; Bibliothekar: A. Fehl- 
baum. Mitgliederzahl 194. Neu aufgenommen 20 Mit- 
glieder, ausgetreten 13. Durch den Tod verloren wir 
8 Mitglieder, unter diesen Prof. Dr. Chr. Aeby, eiaeü 



Chronik. 565 

der Pfadfinder an der Jungfrau, Fürsprecher Aebi, 
bekannt als Erforscher des Triftgebietes, Lithograph 
Lips, dessen Name verknüpft ist mit vielen Kunst- 
beilagen unseres Jahrbuchs, und Topograph Steinmann, 
seit vielen Jahren Mitarbeiter am Siegfriedatlas. 

Die Monatsversammlungen waren durchschnittlich 
von einigen dreißig Mitgliedern besucht. Vorträge 
wurden gehalten von Ingenieur Reher : Das Samnaun ; 
Prof. Schulz (Korresp.): Bietschhorn; B. Lindt: 
Laxiterbrunner Breithorn; H. Körber : Seh af loch ; 
Ingenieur Held: Höhlen der Sidzfluh; A. Kupfer: 
Frieswylhubei; H. Löhnert: Brigels; Dr, P. Meyer : 
Napf; A. Francke : Sigriswyler Rothhorn und Schaf- 
loch; Kunkler: Schwarzbirg ; H. Körber: Susten- 
horn; Regierungsrath v. Steiger und A, Francke: 
Delegirtenbericht über die Jahresversammlung in Vil- 
lars ; 0. Ritz : Von Buenos - Ayres über die Cor- 
dilleren; Dr. Dübi: Touren in der Umgebung von 
Kandersteg; Kürzere Mittheilungen, zum Theil brief- 
lich, von Dr. Dübi; das Baltschiederlied (mitgetheilt 
von Meyer von Knonau); W. Kupfer: Cordilleren; 
Ingenieur Simon: Relief des Berner Oberlandes; 
Dr. V. Fellenberg: Geologische Karte der Schweiz; 
H, Körber: Der neue Jungfravweg u. A. m. 

Die Sectionsausflüge erfreuten sich meist zahl- 
reicher Betheiligung und guten Gelingens. Im April : 
Frieswylhubei; Mai: Napf; Juni: Sigriswyler Roth- 
horn und Schaf loch; Juli: Schwarzbirg; August: 
Sustenhom; einzig die Septembertour auf die Pfeife 
und den Seelibühl kam nicht zur Ausführung. 

Einzeltouren: J. Beck: Aetna, Untergabelhom, 
Stockhorn (Zermatt), Strahlegg, Roththalcircus, Schilt- 
horn, ürirothstock ; 0. Bernhard, 1884: Piz Padella, 
Piz Spignas, Piz Ot, Piz Languard, Pischa, Diavo- 
lezza, Piz Ute, Piz Quattervals, Cresta Mora, Piz 
della Stretta, Val Livigno; 1885: Fuorcla Surlei, 
F. Fex, Piz Corvatsch, Piz Morteratsch, Piz Bemina, 



566 Chronik, 

Piz Vadret; R. Bratschi: Albristhorn, Wildhoni; 
R. Brunner : Stilfserjoch, Dreisprachenspitz, Piz üm- 
brail, Diavolezza, Griespaß, Beialp etc.; W. Brunner: 
Schwarzbirg, Sustenhorn; A. Büdingen: Ewigsebnee- 
horn, Finsteraarhorn, Mettelhorn, Lysjoch, Bettafurca, 
Col des Cimes blanches und Gran Cemetta, Mt. Emilius ; 
Dr. Th, Curtius : Schmittenhöhe, Zugspitze, Schinder, 
Pyramidenspitze, Wendelstein, Sonneneck, Treffauer 
Raiserspitze , Piz Fora, Ils Crutscharöls , Cima del 
Largo (erste Besteigung), Fuorcla und Piz Chaptitschin, 
Piz Bacone (erste Ersteigung über den Nordgra^ 
zweite Ersteigung überhaupt), Fuorcla del Largo 
(erste Ersteigung), Piz Tremoggia und Fex-Scerscen- 
paß, Polaschinpaß ; Dr. L. Darmstädter : Venediger, 
Rödtspitze, Tristenöckl, Hochgall, Antholzer Scharte, 
Mösele, Olperer, Hochfeiler, Cima Jazza, Cima Tosa, 
Bocca di Brenta, Presanella, Como bianco, Adamello 
(auf neuem Weg), Passo del Val Ario, Gaviapaß, 
Cevedalepaß, Suldenspitze , Eisseepaß, Königsjoch, 
Königsspitze, Ortler; Dr. Rudolf Dick: Männlifluh; 
Dr. H, Dühi und Frau: Wittli- oder Dündenhom, 
Zahlershorn und Birre, Doldenhorn (neuer Abstieg), 
Fründenjoch (neuer üebergang), Sasso grande bei 
Lugano (Denti di vecchia) ; A. Francke : Nünalphorn, 
Hohenstollen ; G. Gerster-Wyß : Gornergrat, Matter- 
joch, Col de la Seigne, Col de Bonhomme; A. Groß: 
Schwarzbirg, Wildstrubel ; Eng, v. Jenner : Schafloch, 
Sigriswyler Rothhom; Prof. Kronecker : Schilthom, 
Tschingelgletscher ; J. U, Leuenberg er : Säntis, Feuer- 
stein etc.; H. Löhnert: Piz Tumbif; Dr. P, Meyer: 
Pizzo centrale; F, Monnard: Lötschenpaß, Hocken- 
hom, Monte Rosa (Dufourspitze und Nordend), Theo- 
dulpaß, Cima di Bo, Roccia Melone, Denti d' Ambin, 
Levanna, Monviso (letztere vier bei Gelegenheit des 
Congresso V Internazionale in Turin), Gran Sasso 
dltalia etc.; Gh. Montandon: Thumen (I.Februar), 
Wildgrätli am Wetterhorn, Gspaltenhorn, Wilde Frau, 



Chronik, 567 

Bondstock, Bttttlassen, Vanil Noir, Dent da Midi, Sul- 
€gg (15. November); R. Reher: Piz Lat, Scesaplana, 
Piz CotBchen, Piz Minschan, Piz d'Agnelli ; A.Ringier: 
Thnrnen, Knatsch und Elsigfirst, Sulegg ; Ad. Schmidt : 
Schwarzbirg; gemeinsam mit R Thormann: Sasten- 
limmi, Fibbia, Pizzo centrale, Piora, Scopi, Frohnalp- 
stock; Em, Steiger: Gomergrat, Hockehom; Prof. 
Vetter: Piz Kesch, Seehorn, Schiahom, Rinnerhorn, 
^chwarzhorn am Flüela, Maienfelder Farka ; A. Wäher : 
Schwarzhom. 

Von den Clabhütten erwiesen sich diejenigen am 
Thältistock und im Roththal als reparaturbedürftig. 
Erstere wird im Frühjahr 1886 restaurirt werden, 
bei letzterer, die wahrscheinlich in Folge Auffindung 
■des neuen Jungfrauweges einen stärkeren Besuch zu 
gewärtigen hat, ist die Frage noch unentschieden, 
ob eine Ausbesserung genügt oder eine Versetzung 
von der Felswand weg nöthig wird. 

Geschenke : Von Herrn Jules Beck die neue Serie 
seiner Hochgebirgsphotographien ; von Herrn Dr. Ed- 
mund V. Fellenberg die vollständige geologische Karte 
der Schweiz, bei Anlaß der Vollendung von Blatt XVIII 
derselben , an welchem v. Fellenberg zum Theil in 
Gemeinschaft mit Gerlach, Renevier, Heim, Bachmann 
und Mösch nicht weniger als 22 Jahre gearbeitet hat. 

Das der Section Bern gehörende Schreckhorn- 
thermometer wird, weil es, im Winter unter Schnee 
vergraben, offenbar nicht das Kältemaximum registrirte, 
von seinem Standort heruntergeholt und soll an einem 
besser geeigneten Ort angebracht werden. 

Am Clubfest nahmen 10 Mitglieder Theil. 

VI. Bern. Section Biel. Das Comit6 wurde Ende 
1884 für weitere zwei Jahre wiedergewählt aus den 
Herren: L. Heer-B6trix, Präsident; E. Kuhn, Vice- 
präsident; Ed. Wartmann, Secretär; J. Siegrist-Moll, 



568 Chronik, 

Cassier; Aug. Haag, Bibliothekar; Dr. Lanz jr., Bei- 
sitzer. 

Die 8ection hatte Anfangs des Jahres 42 Mit- 
glieder; es traten im Laufe des Jalires auB 3, starb 

I, neu hinzu kamen 3, bleiben Ende 1885 41 Mit- 
glieder. 

Die Gesellschaft versammelte sich in ihrem mit 
Gebirgsbildem und Karten geschmtickten Locale in 
5 Comite- und 6 allgemeinen Sitzungen (Theilnehmer 
der letzteren 10 — 15), wobei die geschäftlidien An- 
gelegenheiten, unter denen heuer die Holzversorgungs- 
sache unserer Clubhütte zu erwähnen ist, und mehrere 
sehr interessante Vorträge der Mitglieder behandelt 
und angehört wurden, welch' letztere Touren im 
Jura, den Alpen und selbst Algier, Atlas und Sahara 
schilderten. Die Bibliothek wächst langsam durch 
Anschaffung und Schenkung. Die Cassaverhältnisse 
sind bei dem kleinen Sectionsbeitrag immer etwas 
beschränkte. Dieses Jahr wurde auch ein festes Ex- 
cursionsprogramm zum Voraus bestimmt, welche Ein- 
richtung aber nicht den erhofften Erfolg in Bezug auf 
Betheiligung hatte. Es gelangten davon zur Aus- 
führung: 31. Mai Twannberg Gaicht, Frühlingsausflug 
mit Damen; Theilnehmer: 15 Herren und 6 Damen. 

II. bis 13. Juli: Schwarzhorn über Axalp, 12 Herren 
und 1 Dame. 20. bis 24. Juli: Inspection der Ober- 
aarjochhtitte durch Hm. Siegrist. An das Clubfest 
reiste nur der Delegirte Wartmann. 

Die unter Aufsicht der Section Biel stehende 
Clubhütte am Oberaarjoch zeigte sich gut überwintert 
und intact; das Mobiliar wurde durch zwei Decken, 
Spiegel etc. vermehrt und einige kleine Reparaturen 
vorgenommen. Auch dieses Jahr kamen Lobesbe- 
zeugungen darüber der Section zu und bedauern wir^ 
sehr , daß die aus Vorsicht und gutem Willen ge- 
troffene Anordnung zur Brennholzversorgung nicht die 
Anerkennung der Delegirtenversammlung erhalten hat. 



Chronik. 569 

Gleichwohl tibernimmt die Section für weitere zwei 
Jahre die Aufsicht und den Mobiliarunterhalt sammt 
diesbezüglichen Pflichten. 

Einzeltouren: Alb. Riesen : Berglihütte-Mönchsjoch- 
Concordiahtitte-LötschenlUcke-Ried-Petersgrat - Lauter- 
brunnen. Stegrist: Grindelwald, Schwarzhorn-Grimsel- 
Pavillon Dollfus-Oberaarhorn , Oberaarjochhtitte , Nä- 
gelisgrätli-Rhonegletscher , Furka. Bachschmid und 
Wartmann: Blümiisalphorn mit Abstieg südwestlich 
vom Rothhom gegen die Fründen. Heer, Haag, Bach^ 
schmid, Bähler: Schilthorn bei Murren mehrere Male^ 
die erBten beiden Herren zuletzt am 16. Dezember. 
Gatschet und Tietze : Jochpaß. Anders, stud. jur.^ 
Berlin, 1884: Prövauts, Grands-Mulets, Col d'Herens^ 
Cima di Jazzi, Breithorn, Jungfrau, Finsteraarhorn und 
Ooncordiahütte, Sandgrat, Hüfipaß, Piz Morteratsch,. 
Bemina, Ortler, Königspitze, Cevedale, Weißkugel 
(traversirt), Wildspitze. 1885: Düssistock, Clariden- 
paß (Planura), Porta de Glioms, Oberaarhom, Finster- 
aarhorn, Aletschhorn, Mettelhorn, Riffelhorn, Balfrin- 
joch, Weißmies, Triftjoch, Weißhorn, Matterhorn^ 
Bietschhom über den Westgrat, Petersgrat, Tschingel- 
paß; Eiger und Schreckhorn durch Schneegestöber 
vereitelt. Roynang : Kobrbachstein. W. Stin^m: Titlis» 

Vil. Bern. Section Bltimlisalp. Die Section hat 
wieder ein schwaches Jahr zu verzeichnen. Fünf 
Sitzungen; nur zwei Vorträge: 1) Merian: „üeber 
die Wässerungscanäle im Wallis"; 2) E. Gerwer, 
eand^med. : „Notizen vom Dossenhorn'*. Von (1884) 
24 Mitgliedern sind 3 ausgetreten (2 wegen Wegzug» 
von Thun) ; neu eingetreten 1 , so daß wir noch 22 
Mann zählen. 

Sectionsausflüge waren projectirt, hatten aber stet» 
Unglück; ebenso eine projectirte Zusammenkunft mit 
der Section Oberland. Dagegen nahmen an einer 
Zusammenkunft mit der Section „Wildhorn" in Wimmis 
mehrere unserer Mitglieder Theil. 



570 Chronik, 

Einzeltouren : Th. Gramer : Wetterhorn bis 
Wildgrätli ohne Ftthrer, Jochpaß und Ochsenhubel, 
Schwarzhorn (solo), Hohthürli-Wilde Frau ohne Führer, 
Bundstock, Eiger, Großes Schreckhom, nebst kleinem 
Spitzen in den Voralpen und in der Fremde , zum 
Beispiel Gaisberg bei Salzburg. Pfarrer Stettier in 
Kandergrund : Aermighom. 

VIII. Bern. Section Burgdorf. Präsident: J. L. 
Schnell , Fürsprecher ; Vicepräsident : P. Christen, 
Architekt; Secretär : Robert Heinzer, Kaufmann; 
Cassier: J. Engels, Buchhändler; Beisitzer: A. Grieb, 
Kaufmann. Mitgliederzahl am Anfang des Jahres 35, 
eingetreten 5, gestorben 1, ausgetreten 3. Bestand 
am Ende des Jahres 36. 

Die Section hielt 11 Sitzungen, jeweilen am ersten 
Freitag des Monats; außerdem fanden alle 14 Tage 
freie Vereinigungen statt. Vorträge hielten: Pfarrer 
V. Greyerz über Touren im Saanenland; Dr. Kurz: 
„Die Römerstraßen in Graubtinden" und: „Auf den 
Spuren der Römer im freien Rhätien'^ ; P. Christen 
liber seine Ersteigung des Eigers und Schreckhoms 
und über das VIII. Capitel im Buche Zsigmondy's: 
„Gefahren in den Alpen (die Anwendung des Seils)'' ; 
Dr. Howald über seine Tödibesteigung ; Meister- 
ZoUinger über seine Ersteigung der Diablerets. 

Sectionsausflüge wurden folgende gemacht : Am 
13. und 14. Juni auf den Weißenstein und die Hasen- 
matt; am 4. und 5. Juli auf den Hochstollen. Die 
andern projectirten Ausflüge kamen wegen Ungunst 
der Witterung und Mangel an Betheiligung nicht zu 
Stande. 

Einzeltouren : L, Schnell : Feldberg ; P, Christen : 
Zagigrat (am Balmhom) , Titlis , Eiger, Schreckhom ; 
A, Grieb: Eggischhorn , Gornergrat (mit Frau): 
R, Heiniger: Schwarzhorn, Faulhorn; Kneuhühlei*: 
Schwarzhorn, Gerstenhorn, Faulhorn, Zagiberghom, 



Chronik. 571 

Schilthorn , Axalphorn ; Losinger : Titlis , Feldberg ; 
Wyß: Wetterhorn, Wissig; Schneeherger^ Affolter, 
Schär er: Urirothstock ; Meister: Diablerets 5 Dr. Ho- 
wald (mit seinem 14jährigen Sohne Walther) : Joch- 
paß, Säntis, Leistkamm, Tödi, Porta da Spescha, 
M!attmark-Weißthor, Cima di Jazzi, Rohrbachstein. 

IX. Bern. Sektion Oberaargau des S.A.C. für 1886. 
Präsident: Johann Jakob, Notar zu Lotzwyl; Vice- 
präsident und Kassier: Ernst Kaufmann, Bankkassier 
in Langenthai ; Secretär und Bibliothekar : Jakob 
Meyer, Gerichtspräsident in Aarwangen. 

Mitgliederzahl. Bei Jahresanfang : 38. Aus- und 
übergetreten in andere Sectionen: 2. Neu aufge- 
nommen: 14. Bestand Ende 1885: 50 Mitglieder. 

Sectionsversammlungen wurden 6 abgehalten: Am 
18. Januar und 10. Mai in Ölten, letztere mit den 
Sectionen Aarau, Basel, Luzern und Zofingen auf 
Schloß Säheli. 12. April in Herzogenbuchsee, 10. August 
in Langenthai, 15. November in Oberönz und 13. De- 
zember in Bollodingen. Die Betheiligung war nach 
unsem localen Verhältnissen resp. Ausdehnung unseres 
Sectionsbezirkes ziemlich gut. 

Vorträge wurden gehalten : Von dem Abgeordneten 
über das Clubfest in Villars, Kt. Waadt, und von 
Hm. Müller-Landsmann über seine Keise nach Neapel, 
Vesuv und Sicilien u. s. w. 

Sectionstouren wurden dies Jahr 4 ausgeführt, 
nämlich: 29. Mai, von der Clus über den Roggen, 
Langenbruck, Kilchzimmer, Iffenthal Ölten, 8 Theil- 
nehmer; 20./21. Juni auf den Napf, 12 Theilnehmer; 
11./12. Juli auf den Gotthard und Centrale, 5 Theil- 
nehmer, und 21. September auf den Weißenstein und 
die Hasenmatte, 9 Theilnehmer. 

Einzeltouren : HH. Dr. Karl Schwander und Emil 
Schwander auf das Balmhom mit vierstündigem, sehr 
beschwerlichem Abstieg durch Wasserrinne in's Dala- 



572 Chronik. 

thal, dann von Bad Leuk über die Gizzifdrgge auf 
den Lötschenpaß und in's Gasternthai. HH. £mil 
Schwander und Dr. Walker auf das Schilthorn, Hoch- 
kien und Hochthttrli, nebst einigen Ausflügen in die 
Voralpen; Hr. Dr. Walker Balmhom, Wildstrubel, 
Dossenhom und Galenstock. 

Dem Clubfeste in Villars haben 3 Mitglieder bei- 
gewohnt. 

X. Bern. Section Oberland des S. A. C. Präsident: 
K. Hecht ; Vice-Präsident und Secretär : Dr. jur. Michel, 
Fürsprecher; Kassier: R. Gribi; Gustos der Samm- 
lungen: G. Schlosser, Seeundarlehrer ; Bibliothekar: 
J. G. Hegi, Lehrer ; Beisitzer : Jb. Maurer, zum Hotel 
Beau-Rivage, und J. Anderfuhren, Ingenieur. MU- 
gliederzahl auf Ende 1885: 94. 

Leider verließ uns auf Ende des Jahres unser 
langjähriges, eifriges Mitglied und wackerer Präsident: 
Hr. Hecht, in Folge üebersiedlung nach Zürich. Der- 
selbe wurde in Anbetracht seiner großen Verdienste 
um unsere Section und den S. A. C. überhaupt (wir 
erinnern an seine Leistungen im Führerwesen : Führer- 
curse und Führer-Versicherung, in der Clubhütten- 
frage, meteorologische Beobachtungen auf dem Faul- 
horn etc., Förderung unserer Sammlungen und der^ 
Bereicherung durch eigene werthvolle Beiträge) ein- 
stimmig zum Ehrenmitglied der Section Oberland er- 
wählt. Das Präsidium wurde übertragen an: G. Ris, 
Pfr. in Interlaken. 

In den 5 Sitzungen der Section wurden Vorträge 
gehalten von Pfr. Baumgartner über „Stimmen an» 
den Bergen" und von Hecht über das Clubfest in 
Villars-sur-OUon und damit verbundene Bergfahrten. 

Der Zustand der im Vorjahre, nach sorgföldgea 
Vorstudien des Herrn Pfr. Baumgartner, an einen 
andern Standort versetzten Dossenhütte wurde im Auf- 
trage des C.-C. und der die Aufsicht führenden Section 



Chronik, 573 

St. Gallen untersucht und vortrefflich befunden, üeber 
die im Berichtjahre vorgenommene Verankerung der- 
selben wird eine neue Inspection Auskunft verschaffen, 
üosere Sammlungen wurden durch mehrere sehr will- 
kommene Geschenke bereichert und fleißig benutzt. 
Die projectirten Sectionsausfldge erlagen der Un- 
gunst der Verhältnisse ; dagegen sind folgende Einzel- 
touren zu verzeichnen : F. Suter und A. Sterchi : 
Petersgrat, eintägiger Marsch von Steinberg bis Visp. 
Studer: Eintägiger Marsch Zweilütschinen - Sulegg- 
Schwalmeren-Ringgenberg. Körber : Axalphom, Ger- 
stenhom, Schwarzhom, Pavillon Dollfus, Wylerhom. 
Baumgartner und Aeby: Weitsattel und Dossenjoch 
zur Inspektion der Dossenhtttte und Umgebung. Baum- 
gartner allein : ünteraargletscher, Schwarzhorn, Schilt- 
hom, Groß-Hundshom; Klettereien und Studien in der 
Rothhomkette: Lanngrindund Rotschalpburg, Krutern- 
paß und Eruternpäßli zweimal. Schöngtttsch und Roth- 
horn ober den Jnnglipaß. Ris : Nägelisgrätli. Müller : 
Jungfrau, Eiger, Petersgrat, Balmhorn, Alteis. Nägeli : 
Am 21. Dezember Sidelhorn. von Liehr : Wendel- 
stein, Rothe Wand, Brecherspitze, Bodenschneid, Läger- 
kamp, Eigelspitze, Watzmann (Hocheck und Mittel- 
spitze). Die vorjährigen Touren dieses Mitgliedes 
inirden aus Versehen nicht in die Chronik pro 1884 
eingetragen^ verdienen aber nachträgliche Eintragung 
in unsere Annalen ; es sind dies vom 18. — 20. März: 
Kothhom, Zäsenberg, Schwarzhorn bei Grindelwald; 
im August: die beiden Mönchjoche, Jungfrau, Finster- 
aarhom, Eggischhorn, Riffelhom, Expedition zur Auf- 
:findung Vermißter auf den Gomergletscher bis Gadmen, 
Matterhorn. 

XI. Bern. Section Wildhom. Die schon im letzten 
Jahre berührten Uebelstände sind nicht gehoben. Die 
zu große Entfernung der einzelnen Mitglieder von 
einander und der Mangel eines gemeinsamen Mittel- 



574 Chronik. 

punktes machen sich sehr fühlbar. Doch thun die 
Mitglieder ihr Möglichstes, um die Sache des S. A. C. 
in unsem Gegenden zu fördern. 

Die beiden Untersectionen Saanen und Wimmi» 
beabsichtigten wieder eine Zusammenkunft, die aber 
nicht zu Stande kam. Drei Mitglieder besuchten das 
Clubfest. 

Die Untersection Saanen hielt 2 Sitzungen: am 
5. Mai in Gstaad und am 31. August in Saanen. 
Vortrag von Oberlehrer Wehren: Das Saanenland 
topographisch und historisch behandelt. 

Die Untersection Wimmis hielt 3 Sitzungen, femer 
eine Zusammenkunft mit der Section Bliimlisalp. Vor- 
träge: A. Hürner, cand. theoL: Excursionen im Gebiet 
der Kienthalberge; Pfr. Hürner: Ein Gebirgspoet und 
dessen Nachlaß. 

Größere und kleinere Excursionen in der Stock- 
hom- und Niesengruppe. 

Einzeltouren: Ffr. Hubler: Diablerets, Geltenhom, 
Wildhom (mit Clubisten aus Neuenburg und Genf). 
A. Hürner, cand. theol. : Männlifluh, Bolenhom, Wilde 
Frau, Btittlassen, Schilthorn und mehrere kleinere 
Touren, bei denen der Genannte als Führer fungirte. 

XII. Fribourg. Section du Mol6son. DurantTann^ 
demi^re, la section a suivi sa marche ordinaire sans 
qu'il y ait des choses bien saillantes ä signaler. Do- 
rant Thiver nous avons eu nos s^ances reguli^res tous 
les mois. EUes ont 6t^ consacr^es aux affaires cou- 
rantes administratives et ä des recits de course; je 
rel^verai entre autres le röcit de Tascension du Blanc 
(vallöe d'Evolfenes) par M. Repond, une traduetion 
de Tascension de la Dufourspitze par les Zsigmondy, 
en partant de Macugnaga, enfin une Conference de 
M. Girard sur les divers syst^mes de formation des 
montagnes avec croquis et dessins. 

Nous avons fait en 6t6 les courses r^glementaires 



Chronik, 675 

de section, k la Berra, Cape-au-moine et k la Pfeiflfe ; 
les courses individuelles ont 6t^ nombreuses, la plu- 
part ont eu pour but nos montagnes fribourgeoises^ 
cependant un nombre r^jouissant de nos membre» 
s'est lanc^ cette ann^e dans les hautes Alpes. 

Nons avons mis k l'^tnde rascension du Mol^son^ 
du Vanil noir et de Folli6ran par des chemins autres^ 
qne ceux commun^ment suivis. Le sentier ordinaire 
du Vanil noir, notre plus haute sommitö, ayant 6t6 
d6truit par un ^boulement qui a rendu un passag& 
tr^s-dangereux pour le commun des ascensionnistes,. 
nous avons d6cid6 d'y faire placer des chatnes afin 
de pr^venir des aecidents. L'op6ration se fera au 
printemps. 

Notre table d'orientation devait etre inauguröe en 
automne, malheureusement le graveur M. Imfeid a ^ih 
en retard et nous sonunes contraints de renvoyer en-^ 
core cette cer^monie au mois de mal prochain; il 
nous tarde d'achever cette entreprise qui figure depuis 
si longtemps dans nos tractanda. 

Nous avons aussi d6cid6 d'augmenter le nombre 
des poteaux indicateurs plac^s sur les sentiers qui* 
conduisent de Bulle k Mol6son et de Charmey au Lac 
noir et qui rendent de grands Services. Nous pensons^ 
travailler dans l'int^ret du Club en facilitant Tacc^a 
de nos montagnes plus facilement accessibles aux ex- 
cursionnistes ordinaires que les hautes Alpes et sur- 
tout plus k la port6e de la bourse du plus grand nombre. 
Nos relations avec les autres sections, avec les 
sections romandes surtout, ont 6t6 des plus cordiales^ 
comme d'habitude au reste, nous continuons k nous. 
rendre röciproquement visite k diverses 6poques de 
l'ann6e. 

Nous avons perdu par la mort et par d^mission 
plusieurs membres d6vou6s, entre autres le g6n6rai 
Oastella, un de nos amis les plus z616s; quelques- 
r^ceptions ont r^tabli T^quilibre. 



676 Chronik. 

81 je mentionne encore une coarse d'hiver aux 
Morteys faite par la section les 5 et 6 janvier, j'aurju 
retrac^ les points principaux de notre activite durant 
le dernier exereice. 

XIII. Geneve. Section genevoise. La section compte 
342 menabres (fin d^cembre 1885). 

Son local, Grand'Rue 23 au 2« 6tage, est ouvert 
le mardi et le vendredi des 8 henres du soir. 

Sa bibliothfeque, pr^s de 600 volumes, panoramas 
ou cartes, s'est augment6e en 1885 de 73 volumes et 
26 cartes ou vues des Alpes. Total: 99. 

üne section de chant r6guli6rement constitu6e äbs 
1884 d6passe aujourd'hui le chiflfre de 20 membres. 

Pendant Tann^e 1885, 15 grandes s^ances ont en 
Heu. L'assistance a variö de 40 k 90. L'ordre du 
jour se compose ordinairement d'une conförence ou 
scientifique ou littöraire ou g6ographique. On entend 
■ensuite des r^cits de course. 28 Communications prin- 
cipales ont et6 ainsi faites en 1885. 

9 courses de section ont r6uüi chacune de 12 ii 
60 participants, mais, sauf pour Tascension du Reculet 
•en janvier et le passage du Col d'H6rens en aofit, le 
temps n'a pas 4te favorable. 

La course des sections romandes dont la direction 
4cheait k Genfeve a r6uni une centaine de participants. 
Les sections de Vaud, Neuchätel, Fribourg, Valais 
■et Mont-Blane j 6taient repr6sent6es. 

Le diner annuel a eu Heu le 5 d6cembre. On y 
a compte 132 convives parmi lesqueUes des d616gufe 
des sections Diablerets, Jaman — Mont-Blanc, Aix- 
les-bains, Lyon. 

La section genevoise a 6t6 repr^sentee au Ckmgr^s 
national et international de Turin par MM. Henri 
Bourrit et Alfred Pictet. Les deux d^l^gn^s k Villars 
ont 6t6 MM. A. Freundler et MoYse Briquet. 43 Genevois 
assistaient k cette belle fSte. 



Chronik. 577 

XIV. Glarus. Section Tödi. Die Hauptthätigkeit 
^er Section im Berichtsjahre bestand in der Erbauung 
4er Clubhütte am Ruchenglämisch, deren glückliche 
Vollendung wir Ihnen im September melden konnten. 
Wie aus dem letzten Jahresberichte hervorgeht, 
war unser Comite in Sache nur so weit einig, als 
man von der Nothwendigkeit eines Neubaues über- 
zeugt war, während die Platzfrage Anfangs des ver- 
flossenen Jahres noch der Lösung harrte. Wir wollen 
-die Gründe hier nicht wiederholen, welche uns nach 
-eingehendem und unparteiischem Studium an Ort und 
^Stelle (Anfangs Juni) dazu bestimmten, der Section 
einstimmig den alten Standort vorzuschlagen, können 
es aber nicht unterlassen, zu betonen, daß man es 
heute geradezu bedauern würde, falls die Hütte nach 
4ein Fimband (obere Stelle) placirt worden wäre. 
^ach der Meinung Aller, die der Einweihung vom 
21./22. September beigewohnt haben, ist das Richtige 
getroffen worden, speciell mit Rücksicht auf die Ein- 
ibeilung des Weges. Und wie schlimm es mit dem 
Wasser an der oberen Stelle gelegentlich bestellt 
wäre, davon wissen gerade die Theilnehmer an der 
Einweihungsfeier zu erzählen. 

In baulicher Hinsicht darf das Werk ebenfalls als 
ein gelungenes bezeichnet werden, und existirt in der 
Schweiz wohl keine zweite Hütte, die den Anforderungen, 
welche an eine solche gestellt werden können, in so 
weitgehendem Maße entspricht. 

Daß all' das Schöne aber auch viel Geld gekostet, 
brauchen wir kaum zu sagen. Der Bauconto ver- 
zeichnet die stattliche Summe von Fr. 7400 Ausgaben, 
^enen Fr. 5500 Einnahmen gegenüberstehen. Von 
letzteren verdanken wir der Tit. Centralcasse Fr. 1500, 
^er Section Basel Fr. 200, Winterthur Fr. 200, Uto 
JPr- 400, während uns die Section Bachtel in gewohnter 
generöser Weise wie alljährlich einen Beitrag an die 
Unterhaltskosten zukommen ließ. Allen Gebern noch- 
xnals unsern verbindlichsten Dank! 

37 



578 Chronik. 

Wir zweifeln nicht, daß die neue Hütte im Laufe 
der nächsten Jahre von Olubisten häufig benützt werden 
wird; und empfehlen wir dieselbe bei dieser Gelegenheit 
ihrem Schutze! 

Die Clubhütte am Grünhorn befindet sich fort- 
während in gutem Zustande und gab zu k^nerlei 
Maßnahmen Vei'anlassung. 

Was die gewohnten VereiBsangelegenheiten anbe- 
trifft, so wurden im vergangen^i Jahre drei ordentliche 
Hauptversammlungen abgehalten und zwar im Januar, 
Juni und December. Außerdem fanden sich die Mit- 
glieder in gri^erer Zahl zusammen: beim Bankett, 
verbunden mit Ball, beim Winterausflug nach Linih- 
thal und bei der Clubhütteneinweihung, welch' letzterer 
Feier die Gunst des Wetters in seltenem Maße zu 
Theil wurde. Es waren zwei unvergleichlich schdne 
Tage! 

Von den vier officiellen Touren unseres Frograimue» 
gelangten zwei zur Ausführung : 1) Der Böse Faulen 
von der Alp Dreckloch aus (Chef Herr F. Oertly- 
Jenny) ; 2) Piz Segnes (Chef Herr Caspar Hösiy). 

Die Mitgiiederzahl beträgt heute 96 (wovon S 
Sections-Ehrenmitglieder) , ist also gleich geblieben 
wie sie letztes Jahr zur Zeit der Berichterstattung war. 

XV. Graubiinderu Section Ehätia. Mitgiiederzahl 
auf 1. Januar 1885 102. Mil^lieder des Vorstandes: 
Präsident: Fr. v. Salis, Oberingenieur; Vieepräsident : 
Dr. med. Ed. Killias; Actuar: Prof. Chr. Gr. Brägger; 
Cassier: Rudolf Zuan; Beisitzer: Dr. med. P.Lopem; 
Stellvertreter: Lehrer Fl. Davatz. 

Tractanden: Es wurden im Glänzen 15 Sitzungen 
(wovon 9 auf das erste, 6 auf das zweite Semester 
fallen) abgehalten, welche durchschnittlich von ^ 
(im ersten Semester 10, im zweiten 8) Mitgliederu 
besucht wurden. Die wichtigsten Traetanden waren, 
außer den gewöhnlichen, alljährlich wiederkehrenden 



Chronik, 579 

Vereinsgeschäften (in 11 Sitzungen) und in jeder 
Sitzung üblichen Vorlagen von eingegangenen Zeit- 
schriften und anderer neuer Literatur: das Ftihrer- 
wesen (in 6 Sitzungen), unsere Clubhtitten und Wege 
(Inspectionsberichte , Reparaturen, neue Projecte, in 
7 Sitzungen), unsere Steinwildcolonie im Welschtobel 
(in 12 Sitzungen), die cantonalen Freiberg-Reviere und 
ihre Verlegung (3 Sitzungen), Pflanzenschutzvereine 
und Edelweiß (2 Sitzungen), Beitrag an's Saussure- 
monument etc. Referate, Berichte, wissenschaftliche 
Mittheilungen und Vorweisungen kamen, in 10 Sitzungen, 
von Seite nachfolgender Herren: Bezirksingenieur 
IL Alberiini: Messungen über den Rückgang des 
Morteratschgletschers ; Prof. Chr, G. Brugger: Be- 
strebungen des Genfer Vereins für Pflanzenschutz und 
Alpenpflanzencultur , Erinnerungen an Prof. 0. Heer 
und dessen Reisen durch Graubttnden an den Comersee 
(1843 und 1863) und nach Wien (Garten von Schön- 
brnnn mit Steinbockgehege, 1856), die Flora von 
Avers mit Vorweisung seines handschriftlichen Cata- 
log'es und Berichtigungen zu F. Käsers (im letzten 
Jahrbuch, S. 364 — 393 abgedrucktem) lateinischem 
Namensverzeichniß, ein Veilchen aus der Schneeregion 
der penninischen Alpen (mit Vorweisung); Lehrer 
FL Davatz: Zur Kartographie der Torrone- Gruppe 
(nach Lurani's „Montagne di Val Masino"), Excursion 
auf den Sassalbo (2858 ™) in Poschiavo, Vorweisungen 
von Skizzen und Pflanzen des Sassalbo und der Comi 
di Canzo; L. HUz-Hatz: ein Winterbesuch der Stein- 
wildcolonie im Welschtobel; Dr. E. Killias: Zur 
Nomenclatur der Torrone-Gruppe, die neue Monats- 
schrift „Naturalista Valtellinese'^ ; Dr. P. Lorenz: 
Berieht über seine Inspection der Aelahütte und seinen 
in deren Nähe angelegten Pflanzgarten ; Forstinspector 
Oh. Mannt: Gutachten über die (successive) Veriegong 
<jer bündnerischen Freiberg - Reviere ; Telegraphen- 
inspector P. v, Salis: Vorweisung eines Entwtrrfes 



580 Chronik, 

zu einer Orientirungstafel für. den Standpunkt beim 
Haldenpavillon (Chur). 

Die in unserem vorigen Jahresberichte erwähnten 
Anordnungen, welche wir im Interesse der Vermehrung 
unserer Steinwildcolonie getroffen hatten , führten 
rasch zum Ziele. Zwei trächtige Halbblutziegen konnten, 
nicht ohne Schwierigkeit, im Januar eingefangen und 
nach dem nahen Arosa (1740™) übergeführt werden, 
wo sie, passend untergebracht und mit Bergheu ge- 
futtert, im März (am 2. die eine, am 22. die andere) 
je zwei muntere Zicklein (leider lauter Böcklein) 
warfen, womit der Bestand des Rudels plötzlich wieder 
auf 9 Köpfe, d. h. den Status von anno 1880, ge- 
bracht wurde. Im Juni konnten dann die beiden in 
Arosa internirten Mutterthiere sammt ihren kräftig 
entwickelten drei Jungen (nachdem im Mai eines der- 
selben mit Tod abgegangen) in's Welschtobel zu den 
im Freien überwinterten &enossen zurückgeführt und 
wieder in Freiheit gesetzt werden. Hier gediehen die 
Jungen so rasch und kräftig heran, daß einer der 
im März geworfenen Zwillinge bereits Ende November, 
nachdem er mit vieler Mühe eingefangen (was bei 
den älteren Böcken sich als unmöglich erwies) und 
nach Araschga herausgeführt, zum Belegen einer drei- 
jährigen Halbblutgais aus dem Basler zoologischen 
Garten verwendet werden konnte. (Dieses schöne 
Thier war uns nämlich vom Verwaltungsrathe ge- 
nannten Instituts in sehr verdankenswerther Weise 
zum Geschenk gemacht und im October hieher trans- 
portirt worden.) Von der, im Januar anscheinend 
trächtig gewesenen, wilden Halbblutgais, welche da- 
mals nicht eingefangen werden konnte und daher in 
Gesellschaft der alten Böcke in der Wildniß über- 
wintert hatte, konnte abermals keinerlei Nachkommen- 
schaft oder Spuren einer solchen aufgefunden werden, 
ohne Zweifel aus demselben Grunde, den wir schon längst 
vermuthet hatten und der nunmehr eine an Gewiß- 



Chronik, 581 

heit grenzende Wahrscheinlichkeit erlangt hat — weil 
sie wiederum, wie seit Jahren, dem dortigen zudring- 
lichen Raubzeug, wohl schon in den ersten Lebens- 
tagen, zum Opfer gefallen. 

XVI. Luzern. Section Pilatus. Vorstand: Präsident: 
Dr. Carl Hofstetter, Spitalarzt; Vicepräsident : Major 

0. Balthasar, Kaufmann ; Actuar : V. Fries, Lehrer ; 
Cassier : A. Breitschmid , Kaufmann ; Bibliothekar : 
C. Strtibin, Kaufmann. Mitgliederzahl 73 nebst 2 Ehren- 
mitgliedern (1885 79). 

Versammlungen. Es wurden 8 Sections- und 2 Vor- 
standssitzungen abgehalten, von welchen die erstem 
von 9 — 22 Mitgliedern besucht wurden. 

Vorträge. Dr. C. Hofstetter: Demonstration einer 
Verbandpatrone für die erste Hülfe bei Verletzungen 
auf Clubfahrten ; Dr. R. Stierlin : Verschiedene Exem- 
plare des Alpenmauerläufers mit erläuternden Be- 
merkungen über die Biologie des Vogels; Ingenieur 
Eggermann : Notizen über die Geschichte der Matter- 
hornbesteigungen , Schilderung der eigenen Matter- 
hornfahrt. 

Excursionen. Sectionsausfltige: Am 25. Januar 1885 
erstiegen 4 Mitglieder der Section Pilatus, 1 Mitglied 
der Section Uto und 1 Gast den Pilatus ; den 8. Feb- 
ruar 1885 wurde von 4 Sectionsmitgliedern dieFrohnalp 
genommen; am 12.^13. Juli wurde der Galenstock 
von 11 Sectionsmitgliedern in Begleitung der Führer 
A. Zgraggen, Vater, und Indergand erstiegen. 

Einzelfahrten: Oscar Balthasar, mit Führer, am 

1. und 2. Februar Clausenpaß; Eggermann^ Schmid, 
Stutzer und Gut: Z.-Breithom, Eggischhorn; Egger - 
mann und Schmid mit Führer Bollinger und Biner : 
Matterhorn von Zermatt aus am 17. /18. August 1885; 
Eggermann, Burri, Stutzer, Breitschmidwnö. Schmid: 
Six Madün; Stutzer und Schmid: Urirothstock; Stutzer 
und Gut : Col d'Herens ; Eggermann, Schmid, Stutzer 



682 Chronik, 

und Breitschmid : Sonnengrat ; Breüschmid, Burri und 
Hofstetter: Am 15./1 6. August , führerloser Versuch 
einer Besteigung des Pizzo Rotondo, circa 30™ unter 
dem Gipfel zur Umkehr gezwungen. 

Außer den genannten Punkten wurden im Laufe 
des Jahres 1885 noch eine ganze Reihe kleinerer 
Gruppenfahrten auf Pilatus, Mythen, Frohnalp etc. 
unternommen. 

Das Jahresfest besuchten als Delegirte die Herren 
Dr. Hofstetter und Egli, Nordostbahnbeamter. 

Während die Hüfiälpelihvtte auf Kosten der 
Section Pilatus durch die Section Gotthard im lau- 
fenden Jahre vollständig renovirt werden soll, wofür 
im Jahre 1885 bereits Fr. 120 Credit angesetzt 
worden sind, stehen wir mit der Section Gotthard 
noch in ünterhandhing wegen der Beaufsichtigung in 
Zukunft. Ein bezilglicher Vertrag ist bereits mit Aus- 
nahme einiger unwesentlicher Punkte vereinbart und 
wird demnächst in seinen Grundzügen in der Alpen- 
zeitung zur allgemeinen Eenntniß gebracht werden. 

XVII. Neuchätel. Section neuchäteloise. President: 
Rod. Schinz, n6g.; Vice-prösident: A. Bovet, ban- 
quier; Secr^taire: V. Attinger, imprimeur; Caissier: 
Jean Schelling , n^g. ; Assesseurs : Aug. Monnier, 
avocat, et Ch. Michel, n6g., correspondant de l'Echo 
des Alpes. 

L'effectif de la section est de 92 membres, en 
augmentation de 7 sur l'exercice pröe^dent. Les 
s^ances ont eu lieu reguli^rement le premier mardi 
de chaque mois et ont et6 remplies par des recits 
de courses et ascensions , des relations de voyage ou 
d'autres Communications. 

Les courses de section executees sont au nombre 
de trois: Chasseron, Mont-Aubert et le Buet. Toutes 
ont tr^s-bien reussi avec un nombre r^jouissant de 
participants. Les trois autres courses pr^vues par le 



Chronik, 583 

Programme sont litt^ralement tomb^es dans Teau^ 
l'une au printemps, les autres en automne. 

La li-ste de» courses individuelles a parn dans 
l'Eeho des Alpe» (N<» 4, 1885), inutile de la faire 
Igarer ici« Deux ascensions toutefois m^ritent üne 
mention speciale. La troisieme du Tour noir, et la 
pren^iere du Darrey (3535"*) , toue deux dans le 
^assif du Monlblane, ex^cut^es par M. L. Kurz, qni 
« en eutre fait le premier passage du Col de Plane- 
reus*e. 

La seetian ^tait repr^sent^e par 7 membres ä la 
fgte de Villars. 

Le local de la seetion se trouve Hotel Du Peyrou, 
1^ 6tage, au-deesus du Cercle du Mus^e. 

XVIII. St. Gallen. Seetion St. Gallen. Vorstand : 
Ehrenpräsident : Dr. Fr. v. Tschudy ; Präsident : 
Theopbil Borel ; Vieepräsident : C. W. Stein ; Cassier : 
€. W. Keller; Bibliothekar: Robert Schieß; Actuar: 
J. Farrer. 

Ende 1885 betrug die Mitgliederzahl 117. Aus- 
getreten sind 8 Mitglieder (3 ausgetreten, 5 ge- 
storben); eingetreten sind 11 Mitglieder. 

Jeden letzten Freitag des Monats hielt die See- 
tion ihre Sitzung ab ; an den übrigen Freitagen fanden 
freiwillige Zusainmenkünfte im Clubiocale statt. 

In Anerkennung seiner bedeutenden clubistisehen 
Verdienste wurde Hr. J. J. Weilenmann zum Ehren- 
mitglied der Seetion ernannt. 

Vorträge wurden gehalten von den HH. Arnold; 
a) über Meteorologie; b) Sectionstour auf den Haus- 
stock; Borel: Besteigung des Riffler; Haase: Bestei- 
gung des Piz Morteratsch ; Sand-Frank : a) Tour auf 
den Hochergel; b) Besteigung von Sulzfluh und Aug- 
stenberg; e) 14tägige Tour im AUgäu und Tyrol. 

An den von der Seetion Säntis veranstalteten, in 
ümäsch abgehaltenen Ftihrerkurs wurden ein Beitrag 



584 Chronik. 

von Fr. 75 und 10 Gratisexemplare unseres Säntis- 
panoramas gespendet. 

In der Erfüllung unserer Verpflichtungen puncto 
Dossenhornhütte wurden wir auch dies Jahr in ver- 
dankenswerthester Weise von Hrn. Pfarrer Baum- 
gartner in Brienz unterstützt. Die Frage der Ein- 
bürgerung von Murmelthieren in das Säntisgebiet ist 
nun soweit gefördert, daß mit passender Jahreszeit 
mit der Versetzung der Thiere begonnen werden 
kann. 

Sectionsausflüge wurden ausgeführt : Januar : Spa- 
ziergang nach Teufen ; April : Rorschacherberg ; Jnni r 
Urnäsch -Kronberg- Appenzell ; ferner : Weißbad-Fäh- 
lensee-Saxerlücke (Fortsetzung über die Roslen nach 
Wildhaus konnte wegen ungünstiger Witterung leider 
auch dies Jahr nicht ausgeführt werden) ; Juli : Haus- 
stock; August: Glannenkopf (Alviergruppe) ; ferner: 
Damentour auf den Irchel; September: Säntis; Oc- 
tober: Gäbris-St. Antoni-Au. 

Von Einzeltouren gelangten zu unserer Kenntniß: 
Arnold: Hausstock. Beyer: Scesaplana, Üri-Roth- 
stock. Borel: Drei Schwestern, Riffler, Schafbuefi- 
joch, Presanella (-Cima Nardis), Bocca di Brenta, Cima 
Tosa, Cima Brenta alta, Leipzigerhütte am Mandron, 
Presenapaß, Val di Sole und Val di Non. Grauei'- 
Frey : Von Wengernalp über Guggigletscher, Schnee- 
hom, Silbergrat auf die Jungfrauspitze; über Bergli- 
hütte nach Grindel wald. Dr. med. Gruhenmann und 
Bodenmann: Erste 1885er Jungfraubesteigung am 
26. und 27. Juni bei noch ungünstigen Eis- und 
Schneeverhältnissen. Von Grindelwald über Mönchs- 
joch zur Spitze 5 Abstieg über Concordiahütte-Aletscb- 
gletscher-Eggischhorn-Fiesch (Wallis). Hämmerle : 
Gypsberg, Fundelkopf, Calanda, Parseierspitze, Riffler, 
Mädelegabel, Mörzelspitze, Hohe Freschen, Faselfad- 
spitze, Marmolata, Anteiao, Monte piano, Monte Cri- 
stallo, Schwarzenstein. E. Kuhn : Piz Kesch, Bemina 



i 
i 



Chronik. 585 

(von Boval aus über das Labyrinth). K, Kuhn: 
Ringelspitze. Mettler - Wolf: Von Ried Über die 
LötsehenlUcke und über den großen Aletschgletscher 
nach dem Eggischhom. Von Mattmark Über das Weiß- 
thor, bei der Cima di Jazz! vorbei nach dem Riffel- 
hotel. Purtscheller: 1) Ewigen Schnee-Gebirge: Tag- 
weide. 2) Tschirgant. 3) Lechthaler Alpen, Hinterer 
Platteinkopf, neu. 4) Dachsteingruppe: Hohe Rams- 
spitze, Scheichenspitze. 5) Dachsteingebirge : Eselstein^ 
Sinabell. 6) Ewigen Schnee - Gebirge : Eibleck, Floß- 
kogel, Hochkönig. 7) Hagengebirge : Hochgeschirr 
8) Niedere Tauern, neu: Gamskarlspitze, Wildkogel^ 
Stierlahner, Wildkarhöhe. Dachsteingruppe: 9) Groß- 
wand. 10) Rettenstein. 11) Großer Koppenkarstein^ 
Kleiner Koppenkarstein, Südliches Dirndl. 12) Hoher 
Gjaidstein , Htihnerkogel. Berchtesgadener Alpen : 
13) Südliche Watzmannsspitze , Mittlere Watzmanns- 
spitze. 14) Hochkalter, Blaueisspitze neu. Radstädter 
Tauern: 15) Seekarspitze. 16) Speiereck, Schareck^ 
Glocknergruppe: 17) Sinnewelleck , Fuscherkarkopf. 
18) Rächerin, Wasserradkogel, neu; Spielmann, Kloben^ 
Brennkogel. 19) Ankogel. Gasteiner Alpen : 20) Kreuz- 
eck, Radhausberg. Dauphine-Alpen : 21) Aiguille 
d'Arve du Nord, dito Central. 22) Pic de Gol6on. 
23) Grande Aiguille. 24) Aiguille du Plat. 25) Tete 
de la Maye, Tete de TOr, Tgte du Roujet. 26) Bee 
de rhomme. 27) Pic Central de la Meije, Pic Occi- 
dental. 28) Grande Ruine. 29) Barre des Ecrins. 
30) Pelvoux (Schneegipfel, Pyramidengipfel. Grajische 
Alpen: 31) Monte Viso. 32) Grand Paradis. 33)'Punta 
del Pousset. 34) Grivola. Kalkkögel bei Innsbruck: 

35) Ampferstein, Marchreißenspitze. Karwendelgebirge: 

36) Hafelekor, Gleirspitze, Mannlspitze, Gleirschthaler 
Brandjoch. 37) Glocknergnippe : Todenköpfl, neu. 
38) Granatkogelgruppe : Granatspitze. 39) Berchtes- 
gadener Alpen: Hocheisspitze. 40) Birnhorngruppe : 
Großes Dreizinthorn , neu. 41) Karwendelgebirge: 



586 Chronik. 

Taarerjoch. Die Touren 1 — 8 und 4X sind Winter- 
tonren. Reksteiner : Hochvogel. Sand-Frank : Hoch- 
vogel, Widderstein, Mädelegabel. Sautner: Einige 
Touren in der Kosengartengruppe mit erster Besteigung 
4er Grafleitenspitze. Langkofel mit neuem Aufstieg. 
Mesulus in der Sellagruppe. Zwei neue Besteigungen 
in der Gaislergruppe. (Alle Touren ohne Führer.) 
Schelling : Hausstock. Schulz: Eibleck, Hochkönig, 
Floßkogel^ Untersberg, nördliche und südliche Aiguiile 
d^Arve, Pic Gol6on, Grande Ruine, Breche Charri^re, 
Aiguiile du Plat, T^te de la Maye, Barre des Ecrins, 
Pelvoux, Monte Viso, Grand Paradis, Grivola, Pnnta 
del Ponsset (oaeist ohne Führer). Seiler: Hausstock. 
Studer^Lenz: Blümlisalphom. Volland: Calanda, 
Zimbaspitze, Faselfathspitze, erste Ersteigung ; Riffler, 
Parseierspitze, Vedretta marmolata, Monte Anteiao, 
Monte Cristallo, Schwarzenstein. Wiesner: Ortler- 
gruppe: Hintere Schöntaufspitze, Ortler, Cevedale. 

XIX. St. Gallen. Section Alvier. Präsident: J. Roh- 
rer , Oberstlieutenant , Buchs ; Cassier : U. Rohrer, 
Bankverwalter, Buchs; Actuar: J. A. Rohrer, Real- 
lehrer, Buchs; Beisitzer: M. Bächtold, Bezirksförster, 
Ragaz; R. Rietmann, Bezirksförster, Buchs. 

Die erste Hauptversammlung fand im Juni statt. 
Die zweite konnte eingetretener Umstände halber im 
Dezember, nicht wie sonst üblich, abgehalten werden. 

Es wurden zwei Bergtouren bestimmt und auch 
von mehreren Clubgenossen ausgeführt. 1) Plauen- 
kopf-Faulfirst-Alvier-Mels; 2) Mels-Weißtannen-Heidd- 
Vättis-Ragaz. 

Die Clubhütte der Section (auf dem Alvier) wurde 
einer einläßlichen Prüfung unterstellt. Alles über den 
Winter schadhaft Gewordene wurde wieder reparirt; 
ebenso die Zugangswege. Der Alvier erfreute sich 
einer ziemlich großen Frequenz. 

Comitesitzungen wurden fünf gehalten. 



Chronik, 587 

XX. St. Gallen. Section Toggenbarg. 

Auf das Prädicat großer Thätigkeit können wir 
auch 1885, wie die frühem Jahre, keinen An- 
spruch machen. Einzig dem Unterhalt des Weges 
auf den Säntis, Nordseite, und der Clubhütte auf 
Thierwies widmen wir stets Zeit und Geld, was bei 
unserer kleinen Mitgliederzahl von 16 wohl eine 
Leistung genannt werden darf. Dieses Jahr steht uns 
eine neue Bedachung der Hütte mit Erweiterung des 
Schlafraumes bevor, doch hoffen wir mit der Beihülfe 
der Nachbarsection Säntis und des Centralcomit^ das 
noch ausführen zu können. 

Am Clubfest im Canton Waadt war unsere Section 
nicht vertreten. 

Es fand nur eine Sectionsversammlung und ein 
gemeinschaftlicher Ausflug statt. 

Die Commission besteht unverändert, wie sie im 
neuen Mitglieder verzeichniß aufgeführt ist, und ebenso 
die Zahl und die Namen der Mitglieder. Eine Ver- 
mehrung der Mitgliederzahl streben wir umsonst an. 
Gegenwärtig haben Milchwirthschaft , Stickerei und 
Weberei schlechte Zeit, Fremdenverkehr haben wir 
keinen und der Vereine sind allenthalben ohnehin 
schon zu viel. 

XXI. Schwyz. Section Mythen. Präsident: Josef 
Bettschart, Ingenieur; Cassier: Theodor Schuler, Quar- 
tiermeister; Actuar: Jos. Stutzer, Apotheker. 

28 Mitglieder. 6 Versammlungen. 

Die früher unter der Protection der Section 
stehende Mythenhütte brannte den 3. August gänzlich 
nieder. Im Interesse einer bessern und billigen Ver- 
pflegung der Touristen entschloß sich die Section, 
die Hütte selbst wieder aufzubauen, ebenso den alten 
Mythenweg zu verbessern und im obern Theil neu 
zu erstellen und so den Berg auch für Wintertouren 
offen zu halten. Die hiefür nöthigen Gelder sollen 



588 Chronik, 

theils durch freiwillige Beiträge der Central- und 
Sectionscassen, theils durch Actien beschafft werden. 
Den Wirthschaftsbetrieb in der neuen Hütte besorgt 
ein Pächter, dem die Section Preise und Qualität der 
Verpflegungsgegenstände bestimmt. Die Controle übt 
eine Htittencommission, welche allfallige Klagen direct 
oder vermittelst des in der Hütte aufliegenden Be- 
schwerdebuches regelt. 

Der Frühlingsausflug der Section auf die Seelis- 
berger Kulm oder Niederbauen war vom herrlichsten 
Wetter begünstigt. 

Im speciellen Excursionsgebiet der Section pro 
1884 86 in den Riemenstaldenbergen (vom Achslen 
bis Rophaien) wurde die nördliche Spitze des Blum- 
berges (2376™) zum ersten Mal vom Sectionspräsi- 
denten bestiegen. Punkt 2440 (Schnurstock) erreicht« 
ein Mitglied der Section Pilatus. 

Freie Fahrten wurden ausgeführt: Drusberg im 
Iberg: AnLBürgi; Titlis, Trift und Rhonegletscher: 
G. und F. Fsißhind, v. Weber; vom Genfer- zum 
Vierwaldstättersee über Aigle, Villars, Chamossaire, 
Col de Pillon, G steig, Chrinnen, Lauenen, Trütlispaß, 
Lenk , Hahnenmoos , Adelboden , Interlaken , Brünig, 
Alpnach: Bettschart, Schuler , Theiler, t). Weher, 

Winterfahrten: Uri- Rothstock , 28. Dezember: 
J. Bettschart. 

Das Clubfest in Villars-sur-Ollon besuchten vier 
Mitglieder. 

XXII. Unterwaiden. Section Titlis. Die Section 
Titlis zählt gegenwärtig 24 Mitglieder und hat Aus- 
sicht, in nächster Zeit wieder ein paar sehr tüchtige 
und erprobte Kräfte für den Verein zu gewinnen. 

Die Section hielt im Jahre 1885 blos zwei Ver- 
sammlungen ab, nämlich eine Hauptversammlung im 
Januar im Hotel „Pilatus" in Alpnach tind eine solche 
am 16. August im Hotel zum „Engel" in Stans. 



Chronik. 589 

Nebst Wahlen in den Vorstand, Bestimmung der 
Delegirten an die Jahresfeste des Schweiz. Alpenclubs 
und Aufnahme neuer Mitglieder, wurde in den beiden 
Versammlungen viel für die Förderung und das Ge- 
deihen des Club Wesens sehr Einflußreiches und Er- 
sprießliches beschlossen. 

Unser Mitglied, Hr. Xav. Imfeid, überließ der 
Sectionsbibliothek eine werthvoUe Sammlung seiner 
Panoramen. 

Am Clubfeste in Altdorf betheiligten sich neun 
Mitglieder, wovon fünf nach Beendigung des Festes 
den Marsch über das Isenthal nach dem Rothgrätli 
antraten, um über diesen Paß zur Einweihung der 
Plankenalp -Club hütte zu gelangen, ein Plan, der durch 
schlechtes Wetter vereitelt wurde. 

Neu in die Section aufgenommen wurden sechs 
Mitglieder. 

Mit Herrn Cattani „zum Titlis" in Engelberg 
wurde ein Vertrag zu Stande gebracht, gemäß wel- 
chem derselbe gegen Anhandnahme des Betrages aus 
'der Centralcasse (Fr. 800) zur Aufstellung und zum 
fortwährenden Unterhalt der Clubhtitte auf der Planken- 
alp verpflichtet wurde. Der Vertrag muß als Ser- 
vitut des Hotel Titlis in Engelberg bei Handände- 
rungen grundbuchlich protokoUirt werden. 

Es wurde auch die Aufstellung eines gemeinsamen 
Ftihrerreglementes beschlossen und diesfalls ein Mit- 
glied der Section mit der Sammlung des Materials 
betraut. 

Im September unternahm die Section eine Be- 
.öteigung des Uri-Rothstockes von der Engelberger- 
seite auf. 

Einzeltouren: Säntis über den Klausenpaß: Hr. 
Hptm. Odermatt, Buochs ; Rothgrätli : Hr. Fürsprecher 
JM[. Lussi; Wallenstöcke und Kaiserstöck: Der Obige; 
Titlis: Mehrere; Spannörter: Dito. 

Als Präsident für des Jahr 1885 wurde an die 



590 Chronik, 

Stelle des Herrn Dr. £ttlin gewählt : Herr Ed. Cattani, 
Oberrichter, zum Titlis in Engelberg ; als Cassier be- 
stätigt: Herr Oberstl. Blättler und als Aktuar gewählt: 
Herr Advocat Lussi, Stans. 

XXIII. Uri. Section Gotthard. Vorstand: Präsi- 
dent: W. V, Röder, Betriebsinspector der G.-B., Alt- 
dorf; Actuar: A. Brunner, Bahningenieur der G.-B.^ 
Erstfeld ; Cassier : A. Villiger, zum Schlüssel, Altdorf. 

Auf Ende 1885 zählte die Sektion 46 Mitglieder, 
wovon neun in anderen Kantonen und fünf im Aus- 
lände wohnten. Eingetreten sind acht, ausgetreten 
ein Mitglied. Die Section wurde zu drei ordentlichen 
und einer außerordentlichen Sitzung zusammenberufeB. 
Das Clubfest wurde nur vom Seotionsdelegirten besucht. 

Ein Sectionsansflug nach Andermatt, Fellilücke, 
Amsteg wurde von drei Mitgliedern unternommen^ 
was dem unsicheren Wetter zuzuschreiben war. 

Einzeltouren: Apotheker Htiber: Unterschächen- 
Griesthal-Hoh-Faulen, Ruchkehlenpaß, UnterschädieR- 
Groß-Spitzen, ünterschächen-LammeTbach-Hoch- WeS' 
pen-Aesch; Ingenieur Meyer: Nägeüsgrätli, Galenstock; 
A. Müller : Roßstock, Fellihorn, Geißberg, PUttistiege» 
Sittlisserhorn • Plattigrat - Hoh-Faulen ; Seb. Müüer : 
Muttenhorn, Leckipaß-Leokihom; W. v. Röder: Schlofi- 
berglticke, Mont Avril, Col de Fen^tre, Theodulpaß^ 
Breithom, Mattmark -Weißthor; Walthcr t. Bohr: 
Titlis, Finsteraarhora. 

XXIV. Vatais. Section Monte-Rosa. CoBipodtien du 
Comit^: President: Ant. de Torrente; vice-pr^sideBts: 
Jul. Zen-Ruffinen, Jos. Seiler et G. Lommel; secr6taire: 
P. de Rivaz; caissier: Jos. Ribordy; bibliotii^cttre: 
Raph Ritz. 

Ikirant Tann^e nous avons eu 21 aidnussioas, six 
d^missions et deux d6e^s. Effectif au 31 d^cembre 
1885: 103 membres. 



Chronik, 591 

Quatre r^unions statutaires out eu lien ä Sion, k 
Brigue et k Montliey, membres presents de 15 A 25 
en moyenne. 

Tractanda: Affaires eourantes, modifieations ans: 
Statuts de la section essentiellement pour compl6ter 
les articles relatifs k la bibliothöqae. Commimicationa 
sur des sujets ayant trait au mouvement des glaciers^ 
4 l'hißtoire du Valais, r6cits de courses et ascensions^ 
et question des cabanes. 

Les eabanes, dont Tentretien est k la eharge de 
notre section, sont les suivantes: 

Stockje fut r6par6, les meubles renouvel^s et 
fait de nouveaux achats. Cette cabane se troave- 
donc en etat convenable, mais pas encore süffisant 
en vue de son importance. A mesnre que nos res- 
sources le permettront, tous nos soins seront port^» 
au bon entretien des eabanes. 

Concordia. öräce k -l'attention de Mr. Cathrein,. 
cette cabane a re9U une batterie de cuisine neuve,. 
des couvertures et autres objets nöcessaires. 

Weißhom, Seulement le strict n6cessaire y a 
et6 execttt6, cette cabane n'6tant plus solide doit $tre 
reconstruite en entier. 

Nous esp^rons r6aliser ce projet en 1886 avec 
un apport de la caisse centrale. 

La bibliothöque et la coUection des fragments 
de röche de sommites ne re9oivent pas le d6veloppe- 
ment comme jadis; ce retour k l'aneienne participa- 
tion plus active est vivement desirö. 

Courses individuelles: Mr. Alexandre Seiler: 
Dent blanche, Weißhorn, Breithom du cöte nord; 
Jul. Zehn- Ruf finen: Pigno d'Arolla; Ferd. de Roten: 
Diablerets, Pigno d'Arolla et Rosa blanche; Ant. d© 
Torrente: Monte Leone, Pigno d'Arolla. 

Course collective: Les clubistes de Monthey par 
le col de Chesery, lac Riond et vall6e de 8t.-Jean 
d'Aulph en hiver. 



592 Chronik, 

A la r^union generale du C. A. S. a Villars 
seulement 13 membres ont pu prendre part, un grand 
Bombre se trouvait eii Service militaire et d^autres 
furent empech^s par le döc^s d'un collegue. 

XXV.Vaud. Section des Diablerets. Comite en 1885: 
a) Bureau. President : H. de Constant ; Vice-president: 
E. MercierServet; Secretaire: Dr. E. de la Harpe, 
puis R. Guisan; Caissier: A. Barbey; Bibliothecaire : 
W. Cart. b) Delegu^s de la sous-section de Jaman: 
J. Guex et E. Burnat. 

Changemeuts pour 1886: Vice-president: E. CoiTe- 
-von; Secretaire: F. Feyler; Caissier: A. van Muyden; 
Bibliothecaire: R. Guisan. 

Du 1®' janvier au 31 decembre, il y a eu vingt- 
.huit admissions, 21 d^missions et 2 d6ces. Effectif 
^u 1®' janvier 1886: 279 membres, sauf erreur. 

La section a tenu 9 s6ances, fr6quent6es par une 
moyenne de 18 membres, 3 assemblees gen^rales et 
un banquet. Deux sujets de topographie, deux de 
.g6ographie, un de m6t6orologie, un de physiologie 
«t un de physique ont 6te traitös dans les s^ances. 

La circulation des ouvrages de la biblioth^que 
^ 6te de 53 volumes et 10 cartes utilis^s par 19 
^oci^taires. 

Les membres de la section qui ont exerce la di- 
rection centrale ont et6 frappes de la defectuosite du 
mode suivant lequel est faite la r6paii;ition des publi- 
cations que le C. 0. rcQoit en vertu d'^cbanges, depuis 
■que la bibliotheque centrale a 6t6 supprimee. Ce mode 
d6fectueux rend k peu pr^s inutilisables les publi- 
cations qui sont le produit des Behanges. Le comite 
a propos6 aux sections qui ont exerce la direetion 
•centrale un moyen d'op6rer la r^partition d'une fa^on 
plus rationnelle. La question est k Texamen. 

Courses collectives. En fevrier: Pic de Chaussy, 
7 participants. En aoüt: Col d'H^rens et Tete- 



Chronik, 593 

Blanche, Zermatt, Gornergrat et Riffelhorn, Augst- 
bordpass, Pas-de-Boeuf et Bella Tola, 9 participants. 

Ascensions individuelles marquantes. Mr. A. Barbey 
{avec Mr. Kurz, de Neuchätel), troisiöme ascension du 
Tour Noir; ascension du Dolent. 

Le champ d'excursion a 6t6 visite par six membres. 

La cabane d'Orny a donnö asyle, du 10 juillet 
au 19 septembre, ä 26 groupes de voyageurs com- 
prenant 70 touristes , dont 10 dames, et 32 guides 
et porteurs et ä des groupes de pfelerins indigönes. 
La section a decid6 la reconstruction de la cabane 
■du Mountet et s'occupe des moyens d'ex6cution. 

Les 6tudes et observations individuelles de glaciers, 
mentionn^es dans les chroniques des exercices prece- 
dents, ont 6te continu6es. 

L'activitö de la section a 6t6 en bonne partie 
accaparöe par Torganisation de la fete centrale, Or- 
ganisation compliqu^e et rendue difficile par la distance 
qui s^parait le lieu choisi pour la fete (Villars-sur- 
Ollon) du si6ge de la section. Un beau temps provi- 
dentiel a procura une r^ussite inespörße ä cette entre- 
prise un peu hazard^e. 

Sous-section de Jaman. Comite en 1885. President: 
J. Guex; Vice-president : A.Cu6nod; Secr^taire: E.Baer- 
Monnet; Caissier: F.Doge; Biblioth6caire: G.Maillard. 

Changements pour 1886 Vice-president: G. Mail- 
iard ; Secr^taire : J. Chavannes ; Caissier : F. Loude ; 
Biblioth^caire : F. Doge. 

Effectif: 78 membres. 

Un sujet de Philanthropie, deux de litt^rature, un 
de physique et un de g6ographie ont 6t6 trait6s dans 
les s^ances, en pr^sence d'une vingtaine d'auditeurs. 

Deux courses collectives: En hiver k la Dent de 
Vaulion et au Moleson en juin. 

Principales courses individuelles, extraites de la 
liste plus compl^te publice dans l'Echo des Alpes, 
no 4, 1885. 

38 



594 Chronik, 

MM. A. Barhey y en hiver: Torrenthoni, Buet; en 
6t6: Cols du Chardonnet et du G6ant, Tour Noir 
(3™* ascension), Dolent. J. Weiß : Matterhorn, Weiß- 
thor, Adlerpass, Mont-Rose. C. Schön: Mönchsjoch^ 
Weissmies, Alphubeljoch , Breithorn. A. Meebohi: 
Strahlegg, Oberaarhorn, Finsteraarhom. H. Vemet: 
Bec d'Arguille et autres ascensions en Dauphine. 
L. de Rham : Mont-Avril, Ruinette, Combin. P. Jaunin : 
Galenstock, Mont-Rose. H. de Constant : Cols dTOrena 
(2 fois) et du Trift, Tgte-Blanche. C. de la Harpe 
(Mulhouse): Weissmies, Alphubel. W. CartetE.DiUoü.*^ 
GrUnhornlticke, Oberaarjoch, Titlis. E. de la Harpe: 
Aiguille du Tour. E. Court^ A. Robert et L. Hahn : 
Jungfrau. L. Forestier: Grand €ombin. L. Meyer: 
Breithorn. Dr. Neiß : Titlis, L. de Rameru: Tonr 
Sali^re. 

XXVI. Zug. Section Roßberg. Präsident: Th.Dänd- 
liker-Bär; Actuar: Gust. Bossard ; Cassier: M. Weber- 
Strebel. Mitgliederzahl am 31. December 1885 23. 
Während des Jahres ist 1 Mitglied gestorben und 
2 neu eingetreten. 

Es fanden vier Versammlungen statt, nebstdem 
ist jeden Dienstag freie Zusammenkunft im Clublocal 
(Falken). 

Sectionsausfliige wurden nach dem Zugerbei^, Her- 
ben, Pilatus und Albis - Hochwacht gemacht. Die 
Theilnehmerzahl wechselte hiebei von 6 bis 11 Mit- 
gliedern. Zum Clubfest in Lausanne wurde der ßections- 
präsident abgeordnet. 

V Einzeltouren : von Wetzstein^ Apotheker in Ghatel- 
St. Denis : Cape de Meine, Rochers de Naye, Alteis, Wild* 
Strubel, Wildhorn, Sanetschpaß, Oldenhom; Dr. Arnold: 
Roßstock, Göschenenalp, Alpigerlücke, Furka, Rhone- 
gletscher, Eggischhorn, Riffelberg, Gomergrat, Theo- 
dulpaß, Breithorn; /. A/. Weher-Strehel: Göscheoen- 
alp, AlpligenlUcke, Furka, Rhonegletscher, Eggischhorn^ 



Ghromk, 595 

Riffelberg, Gornergrat, Cima di Jazzi; Gustav Bossard: 
Furka, Rhonegletscher, Eggischhorn, Riflfelberg, Gor- 
nergrat, Cima di Jazzi ; TJi. Dändliker-Bär : Roßstock; 
Joh. Weiß: Dossenhiitte , Wetterhorn; Schweizer- 
ingold mit Gemahlin : Roßstock, Dossenhtitte, Wetter- 
horn ; F. H. Feiher : Dossenhiitte, Wetterhorn ; Carl 
Bossard : Furka, Rhonegletscher, Eggischhorn, Dossen- 
hiitte, Wetterhorn; A, Hürlimann, Veterinär: Kleine 
Windgelle; Melch, Zimmermann : Roßstock ; J. Bind- 
schädler: Roßstock. 

XXVII. Zürich. SectionUto. Präsident: F. H. Fäsy; 
Vicepräsident : Dr. Egli-Sinclair ; Secretär: Pfarrer 
Lavater, Redactor der Schweizer Alpenzeitung; Gassi er: 
Major Fritz Oederlin; Bibliothekar: Robert Büehi; 
Beisitzer : Dr. August Stadler , Prof. Dr. C. Schröter, 
Alb. Huber. 

Die Mitgliederzahl betrug am 31. December 1884 
317, am gleichen Tage 1885 359. i) 

Die Zusammenkünfte finden im Winter im Zunft- 
hause zur „Meise", zwei Mal monatlich , mit jedes- 
maligem Vortrag, statt, wobei sich durchschnittlich 
80 — 100 Mann einfinden; nach der letzten Sitzung 
des Wintersemesters, im April, wird ein gemeinsames 
Nachtessen servirt. Im Sommer trifft man sich monat- 
lich ein Mal an einem Punkte des Ztirichbergs oder 
auf dem Uetliberg, außerdem besteht ein Rendez-vous 
in der „blauen Fahne" für alle Freitage ; diese Neue- 
rung ist eingeführt worden, um den Mitgliedern Ge- 
legenheit zur Verabredung gemeinsamer Excursionen 
und zur Besprechung clubistischer Angelegenheiten 
außerhalb der officiellen Sitzungen zu geben. Auch 
sollen Clubgenossen anderer Sectionen, die sich zu- 



*) Im letztjährigen Jahrbuch ist ein Druckfehler stehen 
g-eblieben : Am 31. December 1883 betrug nämlich die Mit- 
glieder zahl nicht 370, sondern 320. 



596 Chronik, 

fällig hier aufhalten, bei diesem Rendez-vous will- 
kommen sein. 

Seit dem 1. Januar dieses Jahres wurden folgende 
Vorträge gehalten, von den Herren: Prof. Dr. Gerold 
Meyer von Knonau : Geschichtliches aus dem Wallis, 
besonders über das Lötschenthal ; Herm. Lavater- 
Wegmann : Aus dem Quellengebiete des Rheins; 
Fridolin Becker, Ingenieur: Octobertage am Wild- 
strubel ; Prof. Dr. Albert Heim : lieber Bergschuhe ; 
Dr. Asper: lieber die Möglichkeit, hochalpine Seen 
mit Fischen zu bevölkern; Pfarrer Studer: Deutsche 
Sprach Verschiebungen in den Alpen; Hans Frick: 
Hochgebirgstouren ; Rudolf Walder: Besteigung des 
Popokatepetl ; Friedrich Schultheß: Geschichtliches 
vom Kinzigkulm; R. Zuan-Salis: Einiges über die 
Karpathen ; Ingenieur S. Simon : „Zwei Monate ver- 
wildert"; H.Ernst-Ott: Erinnerungen vom Hasleberg; 
Alfred Hurter : Führerlose Hochgebirgstouren im 
Sommer 1885. 

Am 1. Juli wurde das Grabmal des seligen Herrn 
Prof. Dr. A. E. Biedermann eingeweiht , welches ihm 
von Docenten der Hochschule, frühern Schülern und 
Verehrern gewidmet ist ; eine Anzahl Sectionsmitglieder 
bethätigten sich an diesem Werke zu Ehren unseres 
ehemaligen, mehrjährigen Sectionspräsidenten. Bei der 
einfachen, würdigen Todtenfeier, an welcher die Herren 
Docenten, eine Anzahl Studenten und viele Freunde theil- 
nahmen, widmeten unter Anderm der Centralpräsident 
Herr Regierungspräsident J. E. Grob und der Sections- 
präsident dem Verewigten Worte der Erinnerung. Zu 
Ehren seines Andenkens unter uns ist auch sein letzter 
freier Vortrag (Winter 1883): „Erinnerungen an eine 
jugendliche Welschlandfahrt" durch Herm Professor 
Dr. Gerold Meyer von Knonau mit möglichst genauer 
Innehaltung des Tenors, welcher B.-s Vorträge kenn- 
zeichnete, reconstruirt und durch die S. A. Z. bekannt 
gegeben worden. 



Chronik. 597 

Unsere Bibliotliek ist soeben neu katalogisirt wor- 
den, sie mehrt sich beständig und wird öfters benutzt. 

Die Clubhütten am Spannort und am Urirothstock, 
welche von der Tit. Section Titlis unterhalten werden, 
befinden sich in gutem Zustande. An der neugebauten 
GlärnischhUtte betheiligte sich die Section mit einem 
Beitrag von Fr. 400 ; dem Hülferuf der Section Vicenza 
des C. A. I. für die durch Lawinen beschädigten 
italienischen Alpenthäler antworteten wir mit einer 
Gabe von Fr. 100; den gleichen Betrag votirte die 
Section für das vom C. A. F. und Genf projectirte 
Denkmal für H.-B. de Saussure. 

Der erste Ausflug der Section ging am 4. Januar 
beim prächtigsten Winterwetter auf den Bachtel, wo 
eine Zusammenkunft mit der Section Bachtel zu beid- 
seitiger Freude stattfand. Betheiligung 20 Mann der 
Section Uto und mindestens ebenso Viele der Section 
Bachtel. 

Am zweiten Ausflug, 3. Mai, auf den Lindenberg 
betheiligten sich nur drei Herren, da das Wetter 
zweifelhaft war. 

Dagegen ward die Excursion an Pfingsten auf den 
Napf im Emmenthal bei gutem Wetter von 20 Mann 
benutzt. 

Die vierte projectirte Excursion auf das Bock- 
mattli, zwischen dem Linth- und dem Wäggithal, wurde 
trotz schlechten Wetters versucht, aber vom Berggeist 
mit Regen, Schnee, Hagel und Sturm abgeschlagen. 

Dafür gelang die Hochgebirgstour am 18. und 
19. Juli, allerdings bei wechselnder Witterung, aber 
brillantem Esprit de Corps; die Stationen derselben 
waren Linththal, Brächalp, Bärentritt, Furkel, Glatten- 
see, Bisithal, Muottathal. An derselben nahmen Theil 
die Herren: Dr. Egli - Sinclair , Director ZoUinger, 
Schoch-Bodmer, M. Uhl, Arnold Escher, Emil Huber, 
Rob. Büchi, Reutlinger, Sulzer-Ernst, Arnold-Ernst, 
L. Klaye, F. H. Fäsy: 12 Mann. 



598 Chronik. 

Einzelfahrten: Ingenieur Jos. jKppicr : Vesuv; Wilh. 
Schwamhorn mit Herrn. Waldihausen: Eiger, Wetter- 
horn, Lauteraarjoch, Finsteraarhorn, Matterhom, Adler- 
paß, Strahlhorn; Carl Seelig: 15. März Leistkamm, 
im Mai Scheere und Rautispitz, Piz Meilen, Alvier, 
vorderer Mürtschenstock, Vrenelisgärtli , Klein- und 
Oroß-Spannort, in zwei Tagen Bristenstock und große 
Windgellen, am 20. — 22. Sept.: Hoher Thurm-Zeinen- 
Furkel-Bächistock-Ruchen-Glärnisch ; Heinrich Schult- 
heß : ürirothstock ; Fritz Steiner: Bristenstock und 
Finsteraarhorn; C. Baumann-Ziirrer : Piz Tmnbif; 
Prof. R Seyerlen, in Tirol : Dürrenstein, Drei Zinnen, 
Tofana, Marmolata, Cima di Fradusta, Cavalazza, 
Rosettagipfel, Colbricongipfel, Nuvolan, große Mösele- 
spitze, Röthspitze; Pfarrer Mende: Scopi, Badus, 
Napf (von Hedingen aus in 18 Stunden); Kern-AttiU' 
ger: Pas de Cheville, Eggischhorn, großer Aletsch- 
gletscher, Sparrhorn, Alvier, Sulzfluh, Schollberg, 
Mädriserhorn , Ktihnihorn; Professor Dr. W. Grö 6 ?i: 
Calanda, Piz Linard, Verstanklahorn, Ortler, König- 
spitze, Weißhorn, Täschhom; und führerlos: Mageren, 
Mürtschenstock, Piz Sol, Aroser Erzhorn, Sandhubel, 
Piz ümbrail, Btitzistock; Friedrich Schultheß: Roß- 
stock; H. Müller: Piz Corvatsch, Piz Julier, Diavo- 
lezza; Otto v. P fister: Hochleitenspitze, Ortler, Piz 
Ot, Piz Morteratsch, Parseyerspitze, Zugspitze ; Franz 
Schweizer mit Max Schneeli: Schmadrijoch, Beichgrat 
und Groß-Nesthom ; Derselbe mit J. M. ühl : Pas de 
Chfevre, Cols de Seillon, du Montrouge, Grand Combin, 
Grand Paradis über Becca di Montadeni ; endlich mit 
drei Damen auf Piz Rusein; Otto Zollinger: Schia- 
hom ; Stabsmajor F. Conradin : Rawylpaß, Petit Col 
de Ferret ; Emil Huher mit Gebrüder Frick : 5. April, 
Rädertenstock, 6. April, Mützenstein, 19. und 20. April, 
Groß-Mythe und Schloßberglücke, Oberalpstock, Piz 
Zervreila, Tambohorn, Piz Julier (Abstieg über die 
Scharte), alles ohne Führer, mit Führer: Piz Medel; 



Chronik. 599 

Ingenieur S. Simon: Aufnahmen im Aletschgebiet ; 
Hermann Lavatert von Tschamutt aus: Badus, Rund- 
tour in einem Tag durch Val Cornera und Val Nalps 
über Piz Blas, Crispalt ; Theodor Göhrs in Straßburg : 
Ool du bonhomme, Col und Pic de la Vanoise; 
Dr. G. Finsler, zusammen mit Rector WirZy Section 
Aarau : Tambohorn ; Ingenieur R. Moser : Maienfelder 
Furka, Aroser Rothhorn, Diavolezza ; C. Steiner : Piz 
Linard, Maienfelder Furka, Aroser Weiß- und Roth- 
horn ; C. W. Schlüpfer : Groß-Spannort, ohne Führer, 
Storegg und Juchlipaß ; Alfred Hurter mit Hans Frick : 
ohne Führer: Calanda, mit Sulzer-Ernst und Hans 
Frick: ohne Führer: Galenstock, Petersgrat, Wild- 
horn; Blümiisalphorn, zusammen mit Herrn Studer, 
Section St. Gallen ; Sulzer-Etmst zusammen mit Hans 
Frick: Ywerberpaß und Leckihorn; Walther Treichler 
und Hagenbuch: Roththalsattel-Mönchjoch (vom Wetter 
abgeschlagene Jungfraupartie), Eiger; Hans Stünzi: 
Wetterhorn, Jungfrau; August Näf: Ruchen-Glärnisch, 
Urirothstock, Klein -Spannort, Altmann, „ Freiheit '^ am 
Hundstein ; Hans Vogel : Urirothstock, Piz Morteratsch ; 
Professor W. Ritter : Beichgrat , Wildstrubel ; Prof. 
Dr. Alb. Heim : Tödi ; geologische Excursionen mit 
Schülern und Fachgenossen im Tödigebiet, am Foo-, 
Segnes-, Panixerpaß, Silberen etc.; F. H. Fäsy: Pointe 
de la Mossetta, Dent du Midi; Rudolf Ganz und 
Carl Ott: Wildstrubel. 

Am Clubfest nahmen 18 Mitglieder Theil, 6 davon 
waren zusammen über Freiburg, die Gruy^re und die 
waadtländischen Alpen nach Villars gezogen; man 
weiß, welch' nasse Tage dem wunderschönen Feste 
am Fuße des Grand Muveran vorangingen 

XXVIII. Zürich. Section Bachtel. Der Vorstand 
besteht aus den Herren: Sekundarlehrer Beglinger in 
Wetzikon, Präsident; W. Weber-Honegger, Kaufmann 
in Rüti , Vicepräsident ; C. Bindschedler , Kaufmann 



600 Chramk. 

in Sehirmensee, Qnästor; Fr. Lehmann, Redaktor in 
Hinweil, Actnar; C. Rüegg, Secnndarlehrer in ßüti,. 
Bibliothekar. 

Während des Berichtjahres fanden acht meistens- 
ziemlieh zahlreich besuchte Sitzungen statt, in welchen 
folgende Vorträge abgehalten wurden : Hr. Bertschinger : 
Die gemeinsame Excursion auf den Falknis 1884; 
Hr. Beglinger: Die Geschichte der Astronomie von 
den ältesten Zeiten an, und: Copemicus und seine 
Weltanschauung; femer: Die außerordentliche Dam- 
merung und der braunrothe Sonnenring seit November 
1883; Hr. J. E. Kramer in Rttti: Ein Ferienaufent- 
halt an der Lenk; Hr. Oberholzer in Wald: Eine 
Tödibesteigung im Winter (23. und 24. Januar 1885); 
Hr. Beglinger in Wetzikon: Ueber Meteorologie, mit 
specieller Berücksichtigung der Witterungsverhältnisse 
im Sommer 1885; Hr. C. Bindschedler in Schirmen- 
see: Das Clubfest in Villars, und Hr. Fr. Lehmann 
in Hinweil: Die gemeinsame Excursion auf die Cla- 
riden (1., 2. und 3. August 1885). 

Als engeres Excursionsgebiet für 1885 wurde da& 
Gebiet zwischen dem obern Zttrichsee, Linth, Klon- 
thal und Wäggithal, also die Wäggithaler Gebirgs- 
gruppen, bezeichnet; dieses Gebiet ist aber leider 
trotz des so günstigen Sommers nicht in befriedigender 
Weise besucht worden ; dagegen hat die Hochgebirgs- 
tour, die auf 1., 2. und 3. August angesetzt war und 
deren Ziel die Spitze des Claridenstockes sein sollte^ 
zehn Personen vereinigt. Es sind dies die Herren 
Weber-Honegger, Emil Honegger und Franziskus von 
Rüti , Bindschedler und Brennwald von Feldbaeh, 
Kronenberg und Kräutle von Rapperswyl , Heer von 
Dümten und Fr. Lehmann mit Frau von HinweiL 
Leider konnte des^ eintretenden Nebels wegen die 
Spitze des Claridenstockes nicht erreicht werden, und 
die Gesellschaft passirte dann bei den bekannten 
schwierigen letztjährigen Gletscherverhältnissen den 



Chrmik, 601 

HüfigletBcher vom Sandpasse aus. Die Excursioi» 

verlief sehr befriedigend und ohne irgend welchen 

Unfall. 

Das Clubfest in Villars ist von drei Mitgliedern 

besucht worden. 

Von Einzeltouren sind dem Berichterstatter bekannt 

geworden : 

J. Oherholzer in Wald: Eine Tödibesteigung am 

26. Januar bei prachtvollem Wetter; im Juni Be- 
steigung des Üri-Rothstockes und von Amsteg durch's^ 
Maderanerthal über den Httfigletscher und Sandfirn 
nach Linththal; am 28. Juli auf dem Säntis; an der 
Glärnisch-Htitteneinweihung : Rüchen und Vrenelis- 
gärtli; Aroser Rothhom etc. Fr. Lehmann in Hin- 
weil: Forcefußtour in drei Tagen (10., 11. und 
12. Juli) von Elm über den Panixerpaß nach Disentis- 
St. Maria (Lukmanier) -Terminipaß -Val Piora-Airolo- 
Air Aqua (im Bedrettothal) -Val Como-Griesgletscher- 
ülrichen (Wallis) -Grimsel-Guttannen (ohne Führer); 
ferner Stätzerhorn und über die höchst selten began- 
genen Spontisköpfe nach Chur. Dürsteier , Rtiti: 
Säntis, Engadin; Stätzerhorn. 

Die Mitgliederzahl, die im Anfang des Jahres auf 
58 stand, hat sich erfreulicher Weise auf 64 vermehrt» 

XXIX. ZUrich. Section Winterthur. Vorstand r 
Präsident: 0. Herold; Actuar und Vicepräsident : 
Ed. Sulzer -Ziegler; Quästor: P. Reinhart -Sulzer; 
Bibliothekar: E. Btichler. Mitgliederzahl 74. 

Die Section hält im Winter alle 3 — 4 Wochen 
ihre Sitzungen ab , im Sommer alle Donnerstage freie 
Zusammenkünfte. 

Vorträge wurden gehalten von den Herren: 
J. Weber-Imhoof: Hochtouren im Berner Oberland,, 
eine Tödifahrt im Winter; Ed. Sulzer-Ziegler: Allerlei 
von der Lenk; Lehrer Ritter: Nach Chiavenna und 
Pontresina; 0. Herold: Das Clubfest in Villars-sur- 



€02 Chronik, 

Ollon; D. Ernst: Besteigung des Finsteraarhorns; 
E. BUchler: Geographische Charakterbilder; Dr. Ro- 
bert Keller: Saussure. 

Zur Vermehrung der Bibliothek soll nach Beschluß 
■der Section jährlich ein Franken auf jedes Mitglied 
verwendet werden. 

Die gemeinsamen Ausflüge blieben zum größern 
Theil bloße Projecte. Ausgeführt wurden im Winter 
-die üblich gewordene Excursion auf den Bachtel^ im 
Frühjahr ein Marsch über die ganze Hörnlikette bis 
aur Kreuzegg und Tweralp, und im Sommer auf Ein- 
ladung der Section St. Gallen und gemeinsam mit ihr 
«ine Fahrt in die Appenzeller Berge. 

Einzelexcursionen : HH. F. Ammann: Tödi, Porta 
da Spescha, Uri-Rothstock ; A. Baumgartner: Dia- 
blerets; Caflisch: Breithom; D Ernst: Finsteraarhom; 
Fleischer : Breithorn, Matterhorn, Weißhom ; P. Rein- 
hardt- Sulzer : Monte Moro; Dr. Aug. Sulzer: Monte 
Eosa, Täschhoru; J. Weher: Tödi im Januar, Matter- 
liorn, Weißhorn, Zinalrothhorn, Monte Rosa; Zwnnfc; 
Alphubel. 



Dreiundzwanzigste Jahresrechnung 

des 

Sch^w^eizer A.lpenclub 

vom 1. Januar bis 31. December 1886. 



Von Albert Nägeli, Centralcassier in Zürich. 

£Iiii]ia,1iiiieii. 

1. Eintrittsgelder ;^ 279 ä Ft. b . Fr. 1,395. — 

2. Jahresbeiträge: 

läFr.5 Fr. 5 



Von 1883 

1884 
1885 



77 1884 



16,, „ 5 „ 80 



2606 „ „ 5 „ 13,030 

„ 13,115. — 

3. Clubzeichen: 104 ä 50 Cts. . „ 52. — 

4. Gamets -Diplomes: 2 ä Fr. 1. 25 . „ 2. 50 

5. Exeursionskarten . . . . „ 228. 55 

6. Zinsen „ 706. 20 

Fr. 15,499. 25 
Ueberschuß der Ausgaben „ 196. 60 

Fr. 15,695. 85 



1. Jahrbuch. Deficit auf Band XX . Fr. 498. 85 

2. Echo des Alpes. Unsere Subvention 

pro 1885 „ 1,000. — 

3. Exeursionskarten: 

Per 200 Exeursionskarten von 

1882/84 . . Fr. 170. — 
Kosten der Excur- 

sionskartel882'84 „ 5061. 10 



Per 600 Exeursions- 
karten 1885 86 . „ 720. 



n 



5,951. 10 



Uebertrag Fr. 7,449. 95 



604 Chronik. 

Uebertrag Fr . 7,449. 95 

4. Rhonegletscher -Vermessung . „ 2,106. 65 

5. Clubhütten: 

Glärnischhtitte. Beitrag an Neu- 
bau . . . Fr. 1500. — 

Dossenhtitte. Wieder- 
aufbau . „ 515. 40 

Oberaarjochhütte. 
Reparatur u. Asse- 
curanz . . „ 18. 20 

Graubtindnerhütten 

Assecuranz . „ 46. 50 

„ 2,080. 10 

6. Führerkurs in Urnäsch . . „ 150. — 

7. Ftihrerversicherung . . . „ 906. — 
8 Baumgartner'sche Preisschrift 

Deutsche Ausgabe . . . „ 460. — 

9. Publikationen des D. u. Oe. A. V. „ 288. — 

10. Tauschexemplare des Jahrbuchs . „ 163. 05 

11. Drucksachen . . . . „ 1227. 30 

12. Diverse „ 864. 80 



Fr 15,695. 85 

Bilanz des Capital-Conto 

auf 31. December 1885. 

Vermögen am 31. December 1884 . Fr. 16,100. — 

A-Ctiva. 

10 4V2 ^/o Obligationen der Bank in 

Luzern k Fr. 990 . . . Fr. 9,900. — 

Guthaben bei der Bank in Zürich . „ 39. — 

„ 77 r? Leihcassa Zürich . „ 5,867. 20 

Baar in Cassa . . . . „ 97. 20 

Fr. 15,903. 40 
Deficit pro Bilanz • . . . „ 196. 60 

Fr. 16,100. — 



VINGT-TROISI^ME R^SUM^ 

DES 

EECETTES ET DEPENSES DU C. A. S. 

EN 1885. 



Pab A« NJSGELI, Caissier Central, a Zürich. 



Recettes. 

1. Droits d'entr6e: 279 ä fr. 5 . fr. 1,395. — 

2. Contributions : 



De 1883: 
, 1884: 
„ 1885: 


1 ä fr. 5 
2606 „ „ 5 


fr. 5 

80 

„ 13,030 



„ 13,115. — 

3. D^corations: 104 ä 50 cent. . „ 52. — 

4. Camets-diplomes : 2 ä fr. 1. 25 . „ 2. 50 

5. Cartes d'excursions . . . „ 228. 55 

6. Int^rets „ 706. 20 

fr. 15,499. 25 
Excedant des d6penses „ 196. 60 

fr. 15,695. 85 

D^peiises. 

1. Jahrbuch Deficit du tome XX . fr. 498. 85 

2. Echo des Alpes. Notre Subvention 

pour 1885 „ 1,000. — 

3. Cartes d'excursions : 

Pour 200 cartes d'excursions de 

1882/84. . . fr. 170.— 
Frais de lev6s de la carte 

d'excurs. de 1882/84 „ 5061. 10 
Pour 600 cartes d'excur- 

Bions de 1885/86 . „ 720.— 



„ 5,951. 10 

A reporter fr. 7,449. 95 



606 Chronik, 

A r^poiiier fr. 7,449. 95 

4. TravauxauglacierduRh6neenl885 „ 2,106. 65 

5. Cabanes: 

Subvention ponr la nouvelle cabane 

du Glsernisch . fr. 1500. — 
Reconstruction de la 

Dossenhtitte . „ 515. 40 

Reparation et assu- 

rance de la cabane 

de l'Oberaarjoch . „ 18. 20 
Assurance des cabanes 

ducant.desGrisons „ 46. 50 

„ 2,080. 10 

6. Cour 8 de guides k Urnsßsch . „ 150. — 

7. Assurances de guides . . . „ 906. — 

8. Brochure Baumgartner. Edition 

allemande n ^^^' — 

9. Publication du D. u. Oe. A. V. . „ 288. - 

10. Exemplaires d'^change du Jahrbuch „ 163. 05 

11. Impressions . . • • ^ 1,227. 30 

12. Divers ,, 864. 80 

fr. 15,695. 85 

Bilan du compte de capital 

au 31 d^oembre 1885. 

Capital au 31 döcembre 1884 . . fr. 16,100. - 

Actif. 
10 Obligations 4'/2 ®/o banque de Lu- 
cferne ä fr 990 . . . fr. 9,900. — 
Avoir ä la banque de Zürich . . „ 39. — 
„ „ „ Leihcassa Zürich . . „ 5,867. 20 

Espfeces en caisse .... _j^ 97. 20 

fr. 15,903. 40 
Deficit pour balance .... „ 196. 60 

fr. 16,100. — 



Index. 



A.ar, glaciers du bassin de 1' 
Adamellogruppe, aus der 
Adda, glaciers du bassin de V 
Agassizhorn .... 
Agassizjoch .... 
Aiguilles d'Arve . 
Aiguille Blanche de Peuteret 
Aiguille de Gol6on 
Alle Sarche (Schlucht) 
Alpenzeitung, Oeaterreichische 
Alpfahrt, eine, im Unterwallis 
Alpine Journal 
Alpine Literatur . 
Annuaire C. A. F. . 



Bacone. Aus der Gruppe des 
Berglistock .... 
Bietschhorn .... 
Blashorn .... 
Blindenhorn .... 
Blitzschlag, Wirkungen des auf Gestein 
Blitzstern .... 
Bliinolisalphörn mit Abstieg gegen 
Bocca di Brenta . 
Breithorn (Lauterbrunner) . 

„ (Lötschen) . 
Brenta, Dolomite . 



die 



Seit»- 

. 37» 
. 286 
. 38^ 

37 (Anm.) 
36 

245. 256* 
. 433^ 
245. 275- 
. 286 
. 499^ 
. 437 
. 504 
. 507 
. 505 



218. 219* 



Fründen 



296. 
15. 



288* 



221* 
53 
121 
118^ 
102 
342^ 

355* 
450 
29» 
449 
84 
295 



Anm, * bezeichnet Illustrationen, Karten u. dgl., i. d. M. 
in der Mappe. 



608 Index, 

Seite 

Oampiglio . . . . ... . .290 

Chiliomodi, Aussicht von* i. d. M. 

Chronik S. A. C. 1885 531 

€ima Brenta alta 300 

„ del Largo 222. 226* 436 

„ di Nardis (Presanella) 291 

„ da Splug 236. 436 

„ Tosa .300 

•Club Alpin Fran^ais. Annnaire 1884 . . .505 

CJlubgebiet, Erinnerungen aus dem .... 3 

f, Ein photogr. Ausflug im . . . .62 

Col de Jean-Jean 267 

Col Lombard 274 

Col de Planereuse et Darre! . . . 151. 433 

Col de Plines loS 

Col des Sarrazins 256 

Col des trois Aiguilles 252 

Crispalt 459 



►arrei, le . . 156. 433 

Delegirtenversammlung, XXIL, Protokoll . . .533 

Dent Perroc 433 

Deutscher und Oesterreichischer Alpenverein . 496 

Doldenhorn und Fründeiyoch . . . 135. 144* 434 

Dom 434 

Dordonapaß 474. 478 

Drave, glaciers du bassin de la 385 

^Bcho des Alpes 495 

.Eginenthal »Titelbild. 

Elektrische Erscheinungen am Säntis .... 469 
Excursionskarte *i. d. M. 

DFiescherhorn (Hinter-) 435 

Finsteraarhom . . . '. '— , . ^ . . 33 

Einsteraarjoch 33. 59 (Anm.) 

Finsteraarrothhom 75. 436 

Fisistöcke und Doldenhörner *144 

Fründenjoch 143 

Fullyalp 449 

Fuorcla del Largo 223. 236. 436 

Furka, kleine 205. 207* 

große 205. 209 

Pußhorngrat 83 



Index. 



601> 



Oehrenthal, Zwischen — und Eginenthal 

Generalversammlung, XXL, Protokoll 

Glaciers des Alpes, les variations des 

Glecktobel . 

Gletscherkunde 

Gletscherpickel 

Gliemspforte . 

Gomserberge, aus den 

Gornerlilücke 

Gredetschjoch 

Groß hörn 

Grünhorn (Klein-) 

Grünhomhütte 

Guscha . 

G Wächten j och 



Harpprecht, Bergfahrten von 

Hinter-Fiescherhorn 

Hoher Thurm 

Inn, glaciers du bassin de 1' 



«Jägilücke 

Jahresbericht, 22., des Centralcomite 
Jahresrechnung, 23. . 
Jahresversammlung in Villars-sur-Ollon 
Javelle: Souvenirs d'un alpiniste 
Jesfürkli .... 



Julische Alpen, Römerstraßen in 
Jungfrau (der neueste Weg) 



ialkenfriedhof . 
Kamm . 

Kellern en, in den . 
Klein-Grünhorn 
Kurze Gang . 



Largo, Cima und Fuorcla del 
JLängisgrat . 
Lauteraarhorn (Groß-) . 
Lauteraarsattel 
Lauterbrunner Breithorn 
Literatur, alpine . 
Linth, glaciers du bassin de la 
Lousine 



den 



Seite 

111. 112* 

. 541 

. 35^ 

101 

358. 3S9 

. 4^2 

. 4r>7 

00 

. 115 

26. 30 

4 

. 435 

463 

loa 

4L 

. 401 
. 435 

455 

. 3S2 



(Pr 



otokoU) 



7 

. 542 

. (>03 

. 533 

46S 

104. 2()(> 

. 33^ 

62. 89. 434 

118 
. 434 
. 215 
. 435 
. 205* 



220. 222 
. 114 
50 
58 
. 44'.> 
. 507 
. 3^1 
. 43^ 

39 



610 



Index. 



Liiziensteig 

Lysjoch 

Lyskamm 

IMLalevo 

Mettenbergjoch und -Kamm 
Meiirer, J., Reisehandbücher 
Mittheilungen des D. u. Oe. A. V. . 
Montblanc, le versant suisse de la chatne du 
Muretto- und Dordonapaß .... 
Miirtschenstock 

Nässihorn 

Nebelbild 

Nesthorn, Groß- 

Norvege, glaciers de 

Notizen aus den Glarner- und Urnerbergen 



Oberaarjochhütte 
Oesterreich. Alpenzeitung 
Oesterreich Touristenzeitung 
Orny, Cabane d' . 

P*eloponnes. Eine Bergfahrt im 

Pinzolo . 

Piz Bacone . 

Piz Bernina . 

Piz Glflschaint 

Pizzo dei Rossi 

Platten, Terrasse der . 

Po, glaciers du bassin du 

Presanella 

Pyrenees, glaciers des . 



landegger's Alpenland 
Ueuss, glaciers du bassin de la 
Rhätische Alpen, Römerstraßen in den 
Rhätikon, Aus dem 
Ithin, glaciers du bassin du 
Rhone, glaciers du bassin du 
Rhonegletscher (Vermessung etc. 
Rissen- oder Risihorn . 
Römerstraßen, die — in den Alpen 
Rothhornaattel 
Roththalhütte 



SeiW 

195. 214 

166 (Anni.) 

164. 176* 

304* 306 

40. 41 

. 492 

496. 499 

*i. d. 31. 

. 474 

457 

45. 48. 436 

453 

•26 

3S7 

455 

4.V2 
499 
502 
157 

. 302 

280. 2>^9 

231. 436 

. 436 

. 231 

. 480* 

. 208* 

. S-^S 

291. 294 

. 386 

. 484 

. 380 

. 323 

. 189 

. 381 

. 372 

389. 535 

. 100 

. 323 

75 

92 



Index, 611 

Seite 

^aminajoch 194 

Salarueljoch 205. 207* 

Salzach, glaciers du bassin de la . . . . 384 

Säntis, elektrische Erscheinungen am . . . . 4G9 

Scesaplana 202 

Schafberg (Gehren) 114 

Schrat, Paß über 106 

Sectionen 659 

Silberbast 165 (Anni.) 

Societä degli Alpinisti Tridentini .... 502 

Spannort (Klein-) 458 

Stürvis 199 

Tete de Vari, Vue prise de la . . . . *i. d. M. 

Tione 287 

Tödi mit Abstieg durch die Gliemspforte . . . 462 

Touristenzeitung, Österreich. 502 

Trugberg 33. 74 *i. d. M. 

XJrbachsattel 453 

Variations, les — periodiques des glaciers . . 358 

Val di Genova 291 

Val Rendena 280. 287 

Vallone del Largo , . 237 

Villars-Chesicres et les Alpes vaudoises . . . 398 
Villars-sur-Ollon, Gebirgsansicht von . . . *i. d. M. 

^%Veißhorn (Aletsch) 78. 80 

AVetterlücke 18 

AVindgälle (Groß-) 459 



ieitschrift des D. u. Oe. A. V 496 

Zsigmondy: Die Gefahren der Alpen . . . 486 



AUG 8 1918 



I 



Kartographischer Yerlag 



von 



»chmid, Francke & Co. 

(vorm. J. Dalp'sohe Buchhaiidluiig) 

in 

Bex*!!. und T^jxgSLTLo» 



ficielle Verkaufs-Niederlage der eidg. Kartenwerke. 

Fr. Ct. 

^nzlnger^ E., Neue Karte der Schweiz. 1 : 400,000 *) 6. — 

— — Dieselbe, aufgezogen auf Leinwand *) . . 8. — 

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TLtter & Leuzlnger^ Karte des Kantons Bern. Dritte 
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Auflage. 1 : 200,000 2. 50 



504 Meter Säiitis-Panorama 8^47 ruß 

gezeichnet von 

Herrn Prof. A. Heim* 

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Dritte revidirte und schattirte Auflage 

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?ür die Mitglieder des S. A. C. Fr. 6. 60 bei directem Bezug. 

*) Jährlich neue Auflagen! 



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