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Full text of "Jahrbuch des Vereins für Niederdeutsche Sprachforschung"

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Niederdeutsches Jahrbuch. 



Jahrbuch 



des 



Vereins dir niederdeutsche Spradiforschung. 



Jahrgang 1908. 



XXXIV. 






NORDEN m LEIPZIß. 

Diedr. Soltau's Verlag. 
1908. 



Ausarbeitungen, deren Abdruck im Niederdentsehen Jahrbnclie 
gewünscht wird, sind dem Mitgliede des Eedactionsausschusses Prof. 
W. Seelmann, Charlottenburg , Pestalozzistrasse 103 zuzusenden. Die 
Zahlung des Honorars (von 32 Mk. für deiL Bogen) erfolgt durch 
den Schatzmeister. 

Zusendungen, deren Abdruck im Korrespondenz-Blatt erfolgen 
soll, nimmt Dr. G. Walther, Hamburg 24, XJlilandstrasse 59 entgegen. 

Die Mitgliedschaft zum Niederdeutschen Sprachverein wird durch 
Einsendung des Jahresbeitrages (5 Mark) an den Schatzmeister des 
Vereins Herrn Johs. E. Habe, Hamburg I, Gr. Beichenstr. 11113 oder 
durch Anmeldung bei einem der Vorstandsmitglieder oder Bezirks- 
vorsteher erworben. 

Die Mitglieder erhalten für den Jahresbeitrag die laufenden Jahr- 
gänge der Vereinszeitschriften (Jahrbuch und Korrespondenz-Blatt) 
postfrei zugesandt. Sie sind berechtigt, die ersten fünf Jahrbücher 
zur Hälfte, die folgenden Jahrgänge sowie alle übrigen Vereins- 
Veröffentlichungen (Denkmäler, Drucke, Forschungen, Wörterbücher) 
zu Dreiviertel des Ladenpreises zu beziehen, wenn die Bestellung unter 
Benifung auf die Mitgliedschaft direkt bei dem Verleger Diedr. Soltau 
in Norden (Ostfriesland) gemacht wird. 

Bis auf weiteres können die Mitglieder von demselben auch das 
'Wörterbuch der Ostfriesischen Sprache' von J. ten Doornkaat Koolman 
(3 Bände gr. 8^ kartonirt) für 15 Mark (Ladenpreis 44 Mark) post- 
frei beziehen. 

Bücher oder Sonderabzüge, deren Anzeige oder Besprechung 
gewünscht wird, sind mit dem Vermerk ^Zur Besprechung' oder dgl. 
dem Verleger oder einem der anderen genannten Herren zuzusenden. 



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Niederdeutsches Jahrbuch. 



Jahrbuch 



des 



Vereins dir niederdentsche SpracMorscliimg. 



Jahrgang 1908. 



XXXIV. 



NORDEN nnt LMIff. 

Diedr. Soltau's Verlag. 
1908. 



Druck Ton Diedr, Soltau in Norden. 



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Tfscci 

Inhalt. V5 

— V. 34-57 



Seite 

Die Mundart von Prenden (Kreis Nieder-Bamim). Von Erich Seelmann. 1 

Die Laute der Mundart 3 

Die Vokale in historischer Entwicklung 5 

Diphthongierung Ton I und il 18 

Vokalkarsungen 19 

Vokaldehnung bei ^^-Sohwnnd • 20 

Yokaldehnung bei »«-Schwund 21 

Die Konsonanten in historischer Entwicklung 22 

Anhang: Monophthonglerungsvorginge 30 

Zum VokatismuB der Neumark 32 

Die Entstehung des Berliner a 33 

Die Entstehung der Tondehnung 34 

Zu Laurembergs Scherzgedicht I v. 18 und 21 37 

Sprachprobe 39 

Die Konjunktion *und' in der Mundart von Cattenstedt. Von E. Damköhler 40 

Idiotikon von Eilsdorf (bei Halberstadt). Von K. B 1 o c k 45 

Der Spiegel der Weisheit Von J oh B ölte 103 

Dithmarsche Gewerbeausdrücke aus der Gegend von Lunden. Von Heinr. 

Carstens 109 

Schweinschlachten 109 

Zichorienbau ... 112 

Ghetelens Nye Unbekande Lande. Von DanielBShumway . . . . 113 

Aus Ghetelens hochdeutscher Vorlage 136 

Gedicht auf die Niederlage des Varus Von H. Deiter 143 

Reime und Sprüche aus Lippe. Von K. Wehrhan 145 

Rätsel 145 

Kinderlieder und Kinderreime 147 

Volkslieder 151 

Inschrift auf einer Tafel aus der Lemgoer Ratskammer 157 

Luckenbüsser : abgebrannt. Von W. Seelmann 158 

Anzeige: Das Kieler Deukelbok hrg. von Gundlach. Von Edward Schröder 159 



232641 



Die Mundart von Prenden 
(Kreis Niederbarninn). 



§ 1. Das kleine rings von weithin sich erstreckenden Wäldern 
eingeschlossene Dorf Prenden, aus dessen Mundart hier das Wichtigste 
dargestellt werden soll, liegt in dem Teile des Barnim, welchem auch 
die vier Meilen südlicher gelegene Hauptstadt Berlin angehört. Dieses 
Gebiet nebst dem benachbarten durch den Unterlauf der Spree von 
ihm getrennten Teltow ist noch i. J. 1220 slavischer Besitz gewesen 
und erst damals an Brandenburg gekommen. Alles, was wir hierüber 
wissen, stützt sich auf die Chronistennotizen,^) dass die Markgrafen 
Johann (1220—1266) und Otto III. (1220—1267) a dmiino Baniem, 
terras Barnonein et Teltowe et alias plures obtinuerunt und die Städte 
Berlin, Struzeberch . . . Livenivalde , . . et alia loca plurima extrujcernnt, 
und auf zwei Urkunden von 1232 und 1238.2) In der älteren ordnen 
die Markgrafen an, dass oinnes de nova terra nostra Barnem (alle dy 
mn dem Nyen Barnem) von Spandau Recht holen und nehmen sollen, 
in der andern wird gesagt, dass jeder Kirche im neuen Lande min- 
destens vier Hufen zugeteilt sind. So dürftig diese Nachrichten auch 
sind, ist ihnen doch zu entnehmen, dass die Besitznahme des neuen 
Barnim zwischen 1220 und 1232 erfolgt und alsbald mit der Anlage 
deutscher Kirchdörfer und einiger Städte begonnen ist. 3) 

Woher die neuen Besiedler des Nieder-Barnim gekommen sind, 
ist uns ebenso unbekannt wie die Herkunft der Besiedler des benach- 
barten schon früher deutsch gewordenen Havellandes.*) Die Ähn- 
lichkeit der Mundarten beider Gebiete und der des Teltow macht je- 
doch wahrscheinlich, dass hier wie dort dieselben ethnographischen 
Elemente zur Bildung der Mundart mitgewirkt haben. Diese selbst 
zeigt viele Einzelzüge, welche an Besiedler aus der Altmark und von 
der unteren Saale oder, wie Siewert 5) aus der mnd. Schriftsprache 
Berlins schliesst, vom Niederrhein denken lassen. 

Die ehemals lebende plattdeutsche Mundart Berlins und seiner 
nächsten Umgebung ist verstummt, ohne dass ihre auf die heutige 
Aussprache nachwirkenden Lauteigenarten überliefert sind. Trotzdem 
ist vielleicht Aussicht vorhanden, die wesentlichsten Eigentümlich- 



*) Märkische Forschungen 9, 24. 

«) Riedel, Cod. dipl I, Bd. 11, S. 1 f ; 8. S. 151 f. 

») Lutter in der Wochenschrift der „Bär" Jg. 10 (1884) S. 208 if. 

*) E. Bartels, Der Nieder-Barnim unter den Anhaltinern. Progr. Berlin. 1892. 

») Nd. Jahrbuch 29, 65 flf. 

Niederdeutsohes Jahrbuch XXXIV. 1 



käÜtefL:€^f*%na !&tlux ^erum noch zu Anfang des vorigen Jahrhunderts 
gesprochenen Mundart zu erforschen, nicht unmittelbar freilich, sondern 
mittelbar. Die Grundlage dieser Erforschung gibt die grosse Ähn- 
lichkeit oder Gleichheit der Mundarten ab, welche in den noch platt- 
redenden Dörfern des Barnim und des Teltow gesprochen werden. 
Die heutigen Abweichungen des Teltow sind, soweit ich bis jetzt sehe, 
zum grossen Teil nur sekundär, es sind Weiterentwicklungen von 
Barnim-Formen, welche sie zur Voraussetzung haben, entstanden z. B. 
durch Entrundung von Vokalen, Übergang des a zu o, Vokalisierung 
auslautender r usw. 

Die Prendener Mundart hat im Ganzen ihre alte Eigenart be- 
wahrt. Sie hat zwar recht viele hochdeutsche Worte aufgenommen, 
aber — mit nicht allzuvielen Ausnahmen, — sie wie Fremdworte 
unverändert gelassen, nicht mit plattdeutschen Lauten sie zu ^mis- 
singschen" verquickt. Der alte Lautstand und die alte Aussprache 
ist im wesentlichen unverändert geblieben. 

Prenden dankt das seiner abgeschiedenen von der Eisenbahn 
entfernten Lage und der Eigenart seiner Bauern. Jeder bewirtschaftet 
mit seinen Familienangehörigen ohne Hilfe von Knechten und Mägden 
seine dürftigen Ländereien. Tagesarbeit und Sparsamkeit halten den 
Bauern, wenn er nicht auf dem Acker zu tun hat, im Hause. Nur 
seltene Gelegenheiten bewirken geselliges Beisammensein mit anderen 
Dorfgenossen. Auch im Dorfkruge sieht man den Bauer nur selten. 
So ist der durch Verkehr geförderte Ausgleich der Mundart nicht 
gross, und es befremdet deshalb weniger, dass kleine Verschieden- 
heiten in der Aussprache und sogar in den Wortformen bei den einzelnen 
Familien, auch wenn sie ortsgebürtig sind, obwalten. 

Was hier berichtet ist, gilt jedoch nur von den landbauenden 
Bauern und Büdnern. Während diese fast ausschliesslich in und 
ausser dem Hause ihre heimische Mundart sprechen, hört man vielfach 
die Handwerker und besonders die Maurer, welche meist Montags 
früh nach Berlin fahren und erst Sonnabends zu ihren Familien 
zurückkehren, hochdeutsch reden. 

Li meiner Darstellung ist nur die Mundart, wie sie sich bei 
den Bauern und Büdnern findet, berücksichtigt worden und besonders 
habe ich mir angelegen sein lassen, von den ältesten unter ihnen 
meine Kenntnis der Mundart zu erwerben, vor allem von dem alten 
Gottlieb Gläser auf dem Heller, einem kleinen Büdnergehöft mitten 
im Walde, das einen Kilometer vom Dorfe entferiit liegt. Er wohnt 
hier, wie 0. Monke in der Monatsschrift ^Brandenburgia*' Bd. 12 
S. 491 berichtet, ^mit seiner Frau seit fünfunddreissig Jahren in einer 
Weltabgeschiedenheit, die ihresgleichen sucht, insbesondere in so 
unmittelbarer Nähe der Grossstadt sich wohl schwerlich öfter findet*. 
Nach seiner Meinung spricht der Heller-Gläser genau dieselben Wort- 
formen, wie sein Vater, der auch schon ortsgebürtig war, und er ist 
sich auch keines Unterschiedes in der Aussprache bewusst. 

Von ihm und einigen anderen Alten habe ich auch zu erkunden 



gesucht, ob den Prendener Bauern früher sich öfter wiederkehrende 
Gelegenheiten boten, mit Leuten aus entfernteren Dörfern zusammen- 
zukommen. Derartige Mitteilungen können wertvoll werden, um 
Beeinflussungen durch fremde Mundarten zu erkennen. Ich erfuhr 
in dieser Hinsicht nur, dass früher zu gewissen Zeiten manche Bauern 
mit Hopfen oder grünen Bohnen nach Berlin gefahren sind, nnd dass, 
ehe es Chausseen und Eisenbahnen gab, also bis etwa 1829, zahllose 
ückermärkische Gespanne im Herbst durch Prenden und das nahe 
Klosterfelde gekommen seien, um Korn nach Berlin zu bringen. In 
den genannten Dörfern nahmen sie ihre letzte Nachtherberge vor 
Berlin. Die Dorfkrüge reichten nicht aus, die Menge zu beherbergen, 
aber eine grosse Zahl Bauernhäuser nahm viele von ihnen als Gäste 
auf. Die Möglichkeit uckermärkischen Einflusses ist also gegeben, 
und er hat vielleicht mitgewirkt, dass in Prenden heute wie in der 
Uckermark der Dorfkrug Arto, der Pflug plöx heisst; vgl. § 68 i. 

Neuniederdeutsche Bücher in der Mundart des Nieder -Barnim 
gibt es nicht. Auch plattdeutsche Volks- und Kinderlieder ertönen 
nicht mehr. Doch sind im Volksmunde in Prenden wie in anderen 
Dörfern sogenannte Nachbar- oder Hausreime aus den 1830er oder 
1840er Jahren erhalten. 

Die Laute der Mundart. 

Lautschrift. 

§ 2. Die Lautschrift, der ich mich bedienen werde, ist die der 

letzten Jahrgänge des Niederdeutschen Jahrbuches. Die Buchstaben 

e i u ö ü bezeichnen kurze offene, e i ö ü 5 ü lange geschlossene, 

f V (^ lange oflene Laute, ä einen Zwischenlaut zwischen a und ä, 

a) Monophthonge. 
§ 3. Den Bestand der Mundart an einfachen Vokalen zeigt 
folgende Tabelle: 

geschlossen ü ü t 

offen u ü i 

geschlossen öS e 

offen g ö ^ e ^ 

weit offen 9 ä ä 

neutral a a 

Ausserdem kommt,- aber nur in dem Worte r^n Regen, regnen, 
ein stark nasalisiertes f vor. (Auch im Teltow erscheint dieses Wort 
in gleicher Aussprache.) 

Die gerundeten Vokale werden, wie meist auch in Berlin, mit 
schwacher Lippenrundung gesprochen. Die Folge ist, dass j>, der 
Zwischenlaut zwischen hd. öh und äh, nicht so volltönend wie in 
Mecklenburg klingt und nicht so deutlich vom ^ sich scheidet. In 
einigen Familien ist er sogar mit letzterem zusammengefallen. Da- 
gegen werden trotz der geringen Lippenrundung ü und i, ö und e 
Ton allen deutlich geschieden. 



a, a sind mittlere, neutrale a ; ä und ä liegen zwischen a und ß, 
— in der alten echten Aussprache, wie sie z. B. der Heller - Gläser 
hat, fast näher dem a als dem «, bei manchen anderen näher dem 6, 
so dass bei ihnen ä den Klang eines recht breiten hd. äh hat. Aber 
auch diese scheiden es deutlich vom f = hd. äh. Bemerkt sei, dass 
dieser Zwischenlaut zwischen a und e auch ausser dem Barnim sich 
findet oder fand. Ein aus einem Dorfe etwas nördlich von Neu-Ruppin 
gebürtiger Herr erinnerte sich aus seiner Jugend, dass damals einige 
Greise, welche noch die Befreiungskriege von 1813 — 1815 mitgemacht 
hatten, einige Worte wie z. B. „Hemd* anders als es heute geschieht, 
ausgesprochen hatten. Die weitere Nachfrage und Vorsprechen ergab, 
dass sie hätnt gesagt haben, d findet sich femer noch im Teltow, 
in der Uckermark und Prignitz, sowie nördlich von Braunschweig 
und in der Altmark. 

b) Diphthonge. 

§ 4. 1. mit steigendem Accent: ai, au, oi. Aussprache wie im 
Berliner Hochdeutsch mit i bezw. u endigend. 

2. mit doppelgipfligem Accent: 

?^ «S ?«, $S p«, p^ wo, üe, üe. 

Die Aussprache dieser Diphthonge wechselt sehr, mitunter sind 
beide Komponenten deutlich und fast getrennt hörbar, mitunter ver- 
schwindet fast oder ganz der zweite überkurze und verrät sich nur 
durch die Tonsenkung des ihn aufnehmenden, gedehnter gewordenen 
ersten Komponenten zu Schluss und durch mehr oder weniger merk- 
lich geschleifte Betonung. Statt üo kann «« eintreten, ohne dass eine 
feste Regel erkennbar ist, vgl. § 33. Bemerkenswert ist noch, dass 
besonders in ausdrucksvoller und stark betonter Rede einzelne Leute 
die Tonhöhe der Stimme bei dem zweiten Komponenten so erheblich 
sinken lassen, dass das Intervall etwa eine grosse Terz, wenn nicht 
mehr, ausmacht, während sonst der Tonhöhenunterschied zwischen 
betonter und unbetonter Silbe nicht sehr bedeutend ist. 

c) Konsonanten. 
§ 5. Bestand und Artikulation lässt folgende Tabelle überblicken. 



Artikulations- 
stelle 


Lip] 
bilabial 


3en 

labio- 
dental 


Zunge 
ui 
Zahn- 
fleisch 


nrand 

Ld 
harter 
Gaumen 


Weicher 
Gaumen 


Rachen 
(Hauchlaut) 


gl^ 8th. 


b 




d 








•i^ 8ti. 


P 




t 


k 


k 




8th. 


to 


V 


s i 


J 


5 




^l 8tl. 




f 


8l 


X 


X 


h 


& ?" Nasale 


m 




n 




v> 




Liquidae 






l r 









r, w. Der labiale stimmhafte Reibelaut wird verschieden arti- 
kuliert. Nach ^, i, t wird ziemlich allgemein bilabiales w?, in den 
übrigen Fällen von alten Leuten meist auch w^ von jüngeren gewöhn- 
lich labiodentales v gesprochen, also z. B. §walv9n Schwalben. 

r ist bei allen alten und meist auch den jüngeren Prendnern 
Zungen- r. 

i wird vor l^ r, w? (z. B. äriff) und in- oder auslautendem p, t 
(z. B. foi'st) breiter, dagegen in anlautendem .«Jp, St (z. B. äpan^ std) 
dünner, d. h. mit viel geringerer Zungenstülpung, gesprochen. 

jy^ t, k werden anlautend schwach aspiriert gesprochen. 

Silbenbildende sowie überlange /, w, w, r sind mit /, m, w, r 
bezeichnet. 

§ 6. Verhochdeutschung der Aussprache tritt mehr und 
mehr bei denen ein, welche, wie besonders Maurer, Soldaten, Dienst- 
mädchen längere Zeit sich in Berlin aufhalten. Sie entwöhnen sich 
der nur mundartlichen Laute und ersetzen sie durch die der Berliner 
Vulgärsprache, d durch «, ä durch f, g durch a oder ö, f«, f«, üo u. 
s. w. durch ß, I, ü. Ferner tritt a an Stelle von auslautendem '9r, 
-m für auslautendes twn ein. 

Greift der Einfluss Berlins auch auf die Wortformen über, so 
verschwindet zuerst der lautgesetzliche Wechsel von e und ai 
(c5§ 27 — 29), und man hört hecb statt haicb, dein statt dc$iln. 

Die Vokale in historischer Entwicklung. 

§ 7. Der nachfolgenden Darstellung der Lautentwicklung wird 
das Schema der gemeinmittelniederdeutschen Schriftsprache zu Grunde 
gelegt werden. In den Fällen, in welchen die mnd. Urkunden der 
Mark dialektische Abweichungen aufweisen, werden diese beigemerkt 
werden, sofern sie als Vorgänger der heutigen Laute anzusehen sind. 

Mnd. kurze Vokale. 

§ 8. Die mnd. kurzen Vokale sind in der Regel unverändert er- 
halten, soweit nicht konsonantische Einflüsse Änderungen bewirkt haben: 

a. 
§ 9. Mnd. a < as. a bleibt a: a) af ab, ahr Acker, cm^st 
Angst, «73/ Angel, aj)} Apfel, asd Achse, bakn backen, bant Band, 
Uafn bellen, dax Tag, dak Dach, dwnp Dampf, dam Fichte, duntsan 
tanzen, fat Fass, jras Gras, kameb Kamille, katd Katze, kladorix 
kläterig, mate Metze, maxolihr Wachholder, nat nass, padd Frosch, 
]Hifi9 Pfanne, rat ßad, zalvaid Salbei, zant Sand, aap Schrank, smal 
schmal, Swalu^ Schwalbe, taka Zacken, tayn^ plur. tamo zahm, tsa^x zage. 

b) Mnd. a verkürzt aus as. a bleibt gleichfalls a: blador (as. 
blddara) Blatter, braxt^ brachte, daxt (ahd. täht) Docht, daxta (as. 
thähta) dachte, janwr (mnd. jdmer^ Jammer) Jammer, zaxt (as. scifto) sanft. 

c) As. mnd. a vor W, It wird o\ vgl. § 13c. Über det^ ddt das 
vgl. § 10b. 



6 

f und umgelautetes a. 
^ 10. Die Prendener Mundart lässt bei isolierten Formen er- 
kennen, ob der Umlaut schon in as. Zeit oder erst später eingetreten 
ist. Im ersten Falle wird heute oifenes e, im anderen ä gesprochen. 
Wenn neben umgelauteten Formen nicht umgelautete in demselben 
Paradigma oder einer nah verwandten Ableitung erhalten sind, tritt 
stets ä ein. 

a) Mnd. § < as. ? wird e\ iletioivant (ahd. tentii) Scheidewand 
zwischen Tenne und Tass, ekä9 (as. aex, aecsa bei Gallee, Vorstudien 
zu einem as. Wörterbuch S. 2) Axt, fen (as. feni) n., sumpfige mit 
Gras oder Schilf bewachsene Niederung, fest9 (as. fest bei Gallee) fest, 
ler99 Lende, mets9r Messer, meni Mensch, neta Netz, penmk Pfennig, 
redn retten, trextar (as. trehteri bei Gallee) Trichter. Ferner das as. 
nicht belegte ei^kd Pfropfreis, etikn pfropfen. 

b) Mnd. a bezw. e wird d : dntd Ente, bdndd (mnd. bande^ hende) 
Bänder, hdksl Häcksel, Mlftar Halfter, hdmdd Hemd, MndB Hände, 
ferjdln vergällen, jdntar Gänserich, jdsta Gäste, jrdnsn grenzen, Idnwr 
Lämmer, indnd^r Männer, pdn (neben pan) pfänden, Mfts Stiefelschäfte, 
samt Schemel, tdkhr Teller, trdpa Treppe. — Ferner ddt^ det das, der 
Umlaut erklärt, sich aus der häufigen Verbindung diu in. 

e\ e. 
§ 11. a) Mnd. e< as. e\ e bleibt e: bem Raufe, besn Besen, 
br(}}jn bringen, dresaln drechseln, fextn fechten, feit Feld, felß Felge, 
fei Fell, ferakl Fenchel, helpm helfen, lediy^ leer, kweln quellen, meh 
Melde (Pflanze), mes (as. tnesty mist) Mist, met (as. med, mid) mit, 
nest Nest, äelp Schilf, Smeltn schmelzen, zejd f. Seggegras, ster/ Steg. 
— emar Eimer, et9r Eiter. — Ausnahme: äumtar Schwester. 

b) Mnd. e < as. i bleibt e: melk Milch, .Ued^ (as. slido, mnd. 
siede, sledde) f. Schlitten, ^^met (as. smith) Schmied, ^wem schwimmen. 

c) Mnd. e, verkürzt aus as. e (germ. ai) ist mit mnd. e zusammen- 
gefallen: en (unbetont, sonst en) ein, erft echt, fet feist, led9r Leiter. 

d) Mnd. e wird ö\ dröä'^ dreschen, rön rennen, äöp7j[t schöpfen, 
twölivd zwölf, wöltüQH (mnd. wehen) wölben. 

e) Mnd. e wird f, ü neben ä und / in : siln (mnd. scheiden) schelten, 
lii^n (mnd. leschen) löschen. 

f) End-ß. Im Mnd. erscheint auch nach vorangehender un- 
betonter Silbe mit e und Liquida ein aus älterem a oder i geschwächtes 
oder epithetisches e, ersteres z. B. in bovene oben, hovede Häupter, 
letzteres in neutralen Pluralen wie dorpei'e Dörfer, honere Hühner, 
kindere Kinder s. Lübben, Mnd. Gram. § 70. Im Teltow sind diese e 
noch heute erhalten, es heisst also hier bläderd Blätter, d^ld^ra die 
Taler, atars Eier, krabah Krätze, lenjüdard Lehngüter usw. (Vgl. jetzt 
Siewert, Nd. Jb. 33, 23). Wie bäm (mnd. bavene), küh Kugel, öna 
Augen u. ä. beweisen, hat auch der Barnim diese e früher gehabt. 
Die lebende Mundart hat sie nur nach betonter Silbe bewahrt, nach 
unbetonter abgeworfen. Es heisst also in Prenden einerseits hümdar 



Hühner, kdlwsr Kälber, ki739r Kinder, andrerseits J9zijt9 Antlitz, heb 
heil, het9 heiss, hQ<*n9 Hahn, rtkd reich, rlp^ reif, §pi799 Spind, äürd 
Regenschauer. 

L 
S 12. a) Mnd. i < as. i bleibt i: jlit Glied, jszkcto Antlitz j dik 
dick, dil Dill, ditok Ding, rfis^/ Distel, rfW/iJ Trift, fidl Fiedel, fink 
Fink, fi§ Fisch, fits» Gebinde Garn, flikii flicken, friä frisch, himbärd 
Himbeere, ik ich, kin9 f. Kinn, kint Kind, snitlöf Schnittlauch, li^m 
Linde, milt9 Milz, /wirf/ Mittel, pip Pips der Hühner, kmk fest (vom 
Fleisch), rifo Kippe, älits9 f. (mnd. s/isse) Schlitz, zvf^ sich, ^ii/ Sichel, 
zitii sitzen, ziltv^r Silber, ivitman Witwer, tsika Ziege. — ktimk (mnd. 
ktnit) Kiebitz. 

b) Mnd. i verkürzt aus as. I, igi oder io bleibt i: bixts (as. 
Ififßhto) Beichte, rfij^fe dicht, drilv/^ Drillich, liyt (as. Höht) Licht, /*Wi^- 
/m«^ Leinwand, wtä9 (as. *mska) feuchte sumpfige Wiese, ivit weiss. 
— Ferner: rit reitet, 6t7 beisst, ^m7 schneidet u. a. 

c) Mnd. t < as. ^ bleibt i in hiraest (mnd. hingest) Hengst, him Henne. 

d) Mnd. * < as. e' bleibt i in : jistam (vgl. mnd. Srgisteren) gestern, 
(fiz9r dieser, Miim Stimme. 

e) Mnd. i wird ü in folgenden Wörtern: durch Vorwegnahme 
der Lippenrundung des ä vor ä, t^, l^ in düs Tisch, ßedorwü^ Fleder- 
wisch, bätskin bischen, nüst nichts, piil39 m. Pilz ; vor m n / in p^p^r- 
mn*nt9 Pfeffermünz, pünzl Pinsel, riint Rind, ümdr immer, ülmk Iltis. 

0, 

§ 13. Mnd. bleibt o. — a) Mnd. o < as. o: bodn Erdboden, 
(hxter Tochter, flot Angelspule, fos Fuchs, hof Hof, hokd Garben- 
haufen, holt Holz, klopm klopfen, hiot (as. knotto) Knoten, mofo (as. 
molda) Mulde, mos m. Moos, osd Ochse, pot Topf, roT^d Roggen, rotn 
verrotten, .^ot (eigentlich Geschoss) Schuss, Hok Stock, trox Trog, 
icok9 Spinnrocken. 

b) Mnd. bezw. as. Formen mit o wird man, wo im Mnd. oder 
As. neben jenen auch t/-Formen vorhanden waren, gleichfalls für 
folgende Wörter anzunehmen haben: brost (mnd. borst as. bnist) Brust, 
kno]^ Knospe, mol m. Maulwurf, olmv/^ (mnd. olmich, ulmich) verrottet, 
Mkeh Schosskelle. 

c) Mnd. < as. oder frühmnd. a vor Id oder It: foJjdn (mnd. 
folden) falten, holn (mnd. holden) halten, kolt kalt, olt alt, ä7nolt 
Schmalz, zolt Salz — : Ausnahme: bah (as. baldo) bald. Es ist be- 
merkenswert, dass auch in der Prignitz, der Uckermark, im Teltow 
(Nd. Jahrb. 32 S. 35; 33 S. 10. 30) in Mecklenburg und zwischen 
Elbe und Harz bah, bal gesprochen wird, trotzdem es überall olt 
oder ölt usw. heisst. 

0. 

§ 14. Mnd. ö bleibt ö. a) ö < as. o: hölt9r Hölzer, köpe Köpfe, 
kropm Bäumen die Krone abhauen, köst9r Küster, pöt9 Töpfe, §töh) 
Stöcke u. a. 



8 

b) ö < as. u: föln (as. fxilin) Füllen, fös9 Füchse, höltn hölzern, 
möb Mühle, mölxhr Müller, §ötl (as. scutil) Schüssel. 

c) < as. a vor Id oder lt\ kölcbr kälter, öldar älter, cjld9rn 
Eltern, — köh Kälte. 

d) ö verkürzt aus umgelautet as. 6: jösl (mnd. gosselen) junge Gans. 

u. 
§ 15. Mnd. u bleibt u: a) u < as. u: dumj^i dumpf, huf9 Hüfte, 
fifrustsni verrosten (mnd. verriistern)^ ju7jk jung, Huko Glucke, kum 
hölzerner Trog oder oben offener Kasten, §rumpln schrumpfen, suldar 
Schulter, §uU Schuld, ^ult9 Schulze, truml Trommel, tvxt Zucht, up 
auf, zum Sonne. 

b) Mnd. bezw. as. Formen mit ti wird man auch in folgenden 
Wörtern vorauszusetzen haben, in denen neben jenen auch as. oder 
mnd. Formen mit o belegt sind: buk Bock, dul toll, dHnd9r Donner, 
f'ul voll, pm Kuss, tHn9 Tonne, ividi) Wolle, tndf Wolf, wulkd Wolke. 

c) Mnd. u verkürzt aus as. ö bezw. uo\ btisn Busen. 

ü. 

§ IG. Mnd. il bleibt n: a) Mnd. ü < as. //: bn'ijd Brücke, bühi 
bücken, drilkn drücken, dil/tv/ tüchtig, dllmpl Tümpel, duna dünn, 
hillpd Hilfe, hillzo Hülse, ImiZiß Achsnagel, miijo Mücke, mül Kehricht, 
Staub, niit9 nützlich, püto Brunnen, rüjd Rücken, strilpo Bindfaden, 
stak Stück, si'qid Wurfschippe, tilfl Pantoffel, um um, wüli(\^ Wölfe. 

b) Mnd. ä verkürzt aus as. iu: lir/p Leuchter, lüyfn leuchten, 
— Ausnahme kiyißxb (mnd. vüchte^ as. ßuhtui^ ßuhUi) P^ichte. 

Mnd. tonlange Vokale. 

§ 17. Nach dem zuerst von Nerger (Germania 11, 452 — 457) 
dargelegten und benannten Gesetze der Tondehnung sind im Mnd. 
kurze Vokale in betonter offener Silbe, denen eine unbetonte folgte, 
gedehnt worden. Mit dieser Dehnung verband sich eine Vokalsenkung, 
indem in der mnd. Schriftsprache altes i zu 6, xi zu ö wurde. Eine 
zweite, vor 1400 einsetzende, aber nur einen Teil Niederdeutschlands 
einschliesslich der Mark umfassende Senkung betraf nur die aus as. 
wie u entstandenen tl. o, die von jener Zeit ab a geschrieben sind. 

Die Prendener Mundart hat die überkommenen mnd. tonlangen 
Vokale diphthongiert. 

Tl. a. 

§ 18. a) Mnd. tl. a < as. a wird 9«, wofür auch q^ oder doppel- 
gipfliges 9 (vgl. § 3 b) eintreten kann. Vor / und n in geschlossener 
Silbe ist letzteres in der Regel der Fall, während im Auslaute statt 
$« gern 9« gesprochen wird: qn ahnen, qkdlaid Akelei, brg<^k9 Brache, 
dqld^r Taler, drq^^ko Drache, fq^^m (mnd. vadem) Faden, /^«/w Fahne, 
fq^tn fassen, J^>«, jq^^ jq ja, jrq^do gerade, j/q^^zdr Glaser, hq^ne Hahn, 
hg^iZi) Hase, knq^ka Knochen, kq^^n (mnd. kane) Kahn, köl kahl, kqf^t)r 
(ahd. kater) Kater, ßeslq^ky Salzlake für Fleisch, mq^do Made, mq^kn 



9 

macheo, mgln malen, nQfng^t9 (eig. Nachmat) Grummet, niQan mahnen 
nmtw Name, nQ^kdix (vgl. mnd. nakedicheid) nackt, plq^stdr Pflaster, 
rj^jww raffen, auflesen, z. B. von Kartoffeln, rq^^zn Rasen, zq^^na Sahne, 
sw^<*d9 (plur. zu swat^ ae. s^wadhu, ndl. stvad) Reihen, in denen 
gemähtes Heu oder Stroh liegt, äpQ^dd f. Spaten, tq^dl Tadel, tQkdl 
Takel, wQ<*t9r Wasser, ivrQ<^n feuchter Dampf, w^dd (an. vadr) grosses 
Fischernetz, vQdika (neben voika) abgerahmte saure Milch. 

b) Ausnahmen sind durch hochdeutsche Beeinflussung bewirkt: 
aiverst aber, kölräba Kohlrabi, räni Rahmen, zäm Samen, fädar Vater. 

TL f und umgelautetes tl. a. 
§ 19. Die Umlautung alter a in offener Silbe hat drei ver- 
schiedene Laute ergeben. Von diesen ist : a) §« durch die Tondehnung 
aus mnd. e entstanden, b) ä findet sich nur in Wörtern, in denen 
n durch Ausfall von Lauten lang geworden war. Die a hatten daduröh 
die Qualität organisch langer a erhalten und sind nach der Regel 
dieser umgelautet, c) p« ist ein Analogie-Umlaut neundd. Zeit für 
das nach § 14 aus tl. a entstandene ^^. 

a) f^ < as. mnd. e: rödd be^zi'm^ bezii^a Erdbeeren, §^zl Esel, 
hekl Hechel, hemm heben, k^^tl Kessel, kreß (mnd. krevet) Krebs, 
le/jßär (ahd. leffil) Löffel, n^Hl Nessel, ^^f^cfo (ndl. altmärk. päge) 
Quecke, ^^p} Scheffel, utdsn ausdehnen. 

b) Umgel. mnd. tl. a wird ä: änli/^ (mhd. aneltch) ähnlich, 
mäkd^ti (mnd. megedikin) Mädchen; vgl. auch kala (mnd. kegele) 
Kegel § 68. 

c) Umgel. mnd. tl. a wird ^^\ b^^tuf Boden, dp^mliy^ d^Uiy 
dämlich, h^^na Hähne, h^^skin Häschen. 

Tl. e, 
§ 20. Mnd. aus as. e oder i entstandenes tl. e ist mit mnd. 
tl. e zusammengefallen und hat sich wie dieses zu e^ entwickelt, für 
welches auch in schnellerer Rede q mit und ohne doppelgipfligen 
Accent gesprochen wird, 

a) tl. e < as. e: b^^dn beten, befkar Becher, h'^^kn brechen, f^^dar 
Feder, fem fegen, fre^tn fressen, jetmn geben, kn^Hln kneten, kquyjr 
Käfer, l^^ioan leben, le^iwr Leber, n^ nehmen, neivdl Nebel, ät^ln 
stehlen. Mi^^kn stechen, .Urq^na Strähne, Flechte, sweHn (ae. swelan) 
schwelen, äw^^cdn schweben, äweßwsl Schwefel, w^^tvan weben, wq^/^r 
Weber. 

b) tl. e < as. i: deh Diele, Brett, kle^ivan (as. klibön) kleben, 
pe/kl Pökelbrühe, sm^^da Schmiede, .^f^7ia pl. sqtcan und sm (mhd. 
achiver) Flachsschebe, zeAwan sieben, z^^tva (ursprünglich Plural zu dem 
gleichfalls noch gebräuchlichen zef) Sieb, ^g^ptq^ka (ndl. teek) Schaf- 
laus, äp§l (mnd. spei) Spiel, str^^ka Streiche zum Sensenschärfen, 
.^tr§ml Streifen, w^^za (neben wiäa) Wiese, w^^zl Wiesel. 

c) Ausnahmen (durch hd. Einfluss): -smldn (got. gasmi^on) 
schmieden, smqt (mnd. smit, smet gen. -edes) Schmied. 



10 

Tl. (mark. mnd. a). 
§ 21. Mnd. tl. ist aus as. o oder as. u entstanden und in 
beiden Fällen zu $« (9«, g) geworden. 

a) Mnd. tl < as. 0: g^^pm offen, bgle Bohle, bg^^dn geboten, 
jdbrg<^kn gebrochen, knqf^kn Knochen, jdnQ^m genommen, jdng^tn ge- 
nossen, J9^prg<*kn gesprochen, jsMgafn gestohlen. 

b) Mnd. tl. < as. w: kg^m kommen, wgn wohnen, zg^fw Sohn, 
ferner das Partizipium jdkgf^m gekommen. 

Tl. ö (mark. mnd. a). 
S 22. Mnd. tl. ö wird g^ sowohl als Umlaut von as. als 
auch von as. u, 

a) Mnd. ö < as. 0: kng^kam knöchern, krg^tif (as. krota^ Gallee 
Vorstudien S. 185) unartiges Kind, gtmr über, stg^kern stochern, Obst 
mit einer Stange von den Bäumen schlagen. 

b) Mnd. tl. ö < as. u\ jg^kn (mnd. Jofew^ jucken, krg^pl Krüppel, 
ng^tif f. die Nuss, slg^tsr Schlüssel, zg^^m Söhne, zg4n sich im Schmutze 
wälzen, schmierige Arbeit verrichten. 

Hnd. lange Vokale. 

§ 23. Die nachstehende Übersicht, in der jedoch die besonderen 
vokalischen, konsonantischen und anderen Einwirkungen nicht be- 
rücksichtigt sind, stellt die langen Vokale der mnd. Schriftsprache, 
der Handschrift C des Heliand und die entsprechenden Laute der 
Prendener Mundart neben einander, ohne dass eine Verwandtschaft 
der Mundart von C und des Barnim gefolgert werden soll Das 
Vorkommen alter ie und uo war nicht auf eine einzige Gegend be- 
schränkt, etwa den Niederrhein, sondern ist auch für einen Teil der 
Provinz Sachsen und Anhalts erweisbar. 

Mnd. d <^i e^2 ^8 i^ i^ öl 02 a. 
Hei. C ä e S e ie io,ie uo 6 fi. 
Prend. $» ö e ai i^ f« fto ö ü. 
Wenn diese Zusammenstellung zu dem Schlüsse berechtigt, dass 
das Prendener Vokalsystem nicht aus dem Gemeinniederdeutschen 
sondern aus einem solchen, wie ihn die Mundart des Cottonianus 
aufweist, hervorgegangen ist, so lässt sich hieran die zweite Folgerung 
knüpfen, dass die alten Längen meist ohne wesentliche Änderung in 
Prenden fortleben. Grössere Verschiedenheiten bietet eigentlich nur 
die Entwicklung von ä über das gemeinndd. g zu g^ und von e über 
ei zu ai unter dem Einiluss eines folgenden i. 

§ 24. Mnd. ä ist zu g<* geworden, das inlautend durch doppel- 
gipfliges $, auslautend durch $« und doppelgipfliges g vertreten werden 
kann, vgl. § 4: a) Mnd. d < as. ä wird $», g\ gl Aal, pl. ^fe, g^dsr 
Ader, öbrgf^m Augenbraue, g^nw (mnd. ä wird erwiesen durch westf. 
oani9 Funke, Kuhn's Ztschr. 2, 194), g^mels von brennendem Stroh 



11 

abfliegende Teilchen, hl^a^^ Blase, brgf^dn braten, hri}<*dd Braten, dQH 
Tat, dQ<^z9 Viehbremse, jQ^i gehen, kwgf^cb klein, Aj^fe Haken, krgf*^m 
Kram, lg<*tn lassen, fngl Mahl, mgf*n Mohn, mqo,nsln Mondschein, 
nq^hi nahebei, nQf^t Naht, nq<»tl Nadel, 9«/w ohne, pq^^l Pfahl, kw^^^za 
(vgl. mnd. qtmse, ostfr. kwäse^ kwese^ dän. kvwse) eine durch Quetschung 
entstandene Hautblase, rQf^da Kornrade, r^^ Rat, slQj) plur. älgpa 
Schläfe, Ä^öfo Schale, sQ^2^9 Schafe, ^lyrQf^kd Sprache, stql Stahl, sti}n 
stehen, strqafd Strafe, itrq^l Strahl, strqf*t9 Strasse. 

b) Mnd. auslautendes ä wird 9», 9«, Q: (/$«, f/9«, dq damals, 
M i?^ i? ja, w?^ nahe. 

e^ und umgelautetes «. 
§ 25. Altes (i ist a) zu geschlossenem e geworden, wenn die 
Umlautung schon in as. Zeit erfolgt ist; b) zu offenem §, wenn erst 
(las Mnd. den Umlaut eintreten liess; c) zu ä^ wenn in späterer Zeit 
umgelautet wurde oder d) ä sich aus as. äi entwickelt hatte; e) zu 
p«', wenn der Umlaut in jüngerer Zeit zur Bildung von Pluralen von 
diphthongiertem $<», entstanden aus mnd. ä (vgl. § 24), eingesetzt ist. 

a) > ö: kez9 (as. kesi) Käse, l^'^ niedrig, sre/^ (vgl. mnd. schritt, 
tlekt. schruda) schräg. 

b) > f : bektofm (mnd. berpteme neben hequame) bequem, anßtiem 
angenehm, te (mnd. tege neben td) zähe, retsf (mnd. redelse, rädelse) 
Rätsel, smeliy (mnd. smelik) schmählich, vöniem vornehm. 

c) > a: äpäda (ahd. spati^ as. sjmh, mnd. 5/;drfe, spede) spät, 
-:ra/i)r selig, betrunken, äläpariy^ (mnd. slaperkh) schläfrig, sop^r Schäfer, 
stäbni stählern. 

d) as. ai, wofür mnd. e^g, ei, d eintritt, erscheint gleichfalls als 
a: dran drehen, krän krähen, man mähen, nän nähen, §mdn schmähen, 
wän wehen, zän säen. 

e) > p«: kr^enwr Krämer, kw^^ziy dumm, n^t pl. n^He Nähte, 
p^lf (neben pqf^b) Pfähle, ät^ln stählern. 

e. 

§ 26. Prenden differenziert genauer als irgend eine der bisher 
dargestellten ndd. Mundarten die verschiedene Herkunft der mnd. e. 
Es sind etymologisch folgende mnd. e zu unterscheiden: 

^1, der Umlaut zu as. mnd. ä vgl. § 25. 

e^, das aus germ ai entstandene und nicht durch nachfolgendes 
i beeinilusste e, 

e^, welches aus germ. ai entstanden ist, dem ein i folgte. 

e* entstanden aus germ. e^ oder germ. eu. 

e^y durch Kontraktion oder Dehnung entstandenes e. 

§ 27. Mnd. e^ < as. ^ < wg. ai wird ß. 

a) vor altem w h und im Auslaut: Swiy^ ewig, 7ie nein, re Reh, 
me Schnee, swe zwei, te (plur. tefid) Zeh, we weh, ze See, zeb Seele. 



12 

b) ß2 vor anderen Konsonanten : hen Bein, bUk bleich, brU breit, 
dd Teil, dey Teig, en ein, fle§ Fleisch, Mb heil, A^.^ heiser, hetsn 
heissen, kUt Kleid, klewdr Klee, lern (ahd. ^^>wo) Lehm, Ut leid, m^,^^ 
Biermaische {m^.<dn maischen), mezd Meise, rep Tau, an dem die 
grossen Fischnetze hängen, ä^f (an. sceifr) schief, wek weich, wen 
weinen, ik wet ich weiss, ziild^r Seiler, — ausserdem die Präterital- 
formen: bet biss, blef blieb, dref trieb, jrejy griff, kek sah, kr^y kriegte, 
ret ritt, ^^n schien, smet warf, änet schnitt, ärey schrie. — Als 
hochd. wird Sakkn (nur in siy s, iQ^tn) empfunden. 



§ 28. Mnd. e^ < wg. ai 4- i wird ai: aikl Eichel, arbait Arbeit, 
berait bereit, bkiikn bleichen, dailn teilen, jail üppig (von Gewächsen), 
ranzig (vom Speck), jdtnaind Gemeinde, haidi) Wald, hailiy heilig, 
halt in Compositis (vgl. Holthausen, As. Elementarbuch § 306, 2) 
z. B. dumhait, inwaikn einweichen, klaifi klein, laün (Vieh am Stncl<) 
leiten, main meinen, raikn reichen, raim rein, äaida Feldscheide, .^aidl 
Scheitel, äpraida {flas tip dld äpraids lejn Flachs auf dem Erdboden 
ausbreiten), äpraidn spreiten, wainiy^ wenig, waita Weizen, wolfail 
(ahd. feili) wohlfeil. 

e\ 3. 

§ 29. Es ist das Verdienst Holthausens zuerst erkannt und in 
seiner „Soester Mundart" § 69 ausgesprochen zu haben, dass germ. 
ai sich verschieden entwickelt hat, je nachdem ursprünglich i folgte 
oder nicht. Die hierdurch bewirkte Differenzierung findet sich in 
den meisten binnenländischen Mundarten von Westfalen bis zur Oder. 
Überall findet sich aber auch eine Anzahl Wörter, welche zu der 
Regel nicht stimmen oder nicht zu stimmen scheinen. Einige Aus- 
nahmen erklären sich leicht durch Angleichung, wenn z. B. in Soest, 
weil es doli heisst, für „teilen" heute doiln statt dailn gesagt wird. 
Andere Ausnahmen erscheinen uns vielleicht nur als solche, weil 
ältere Nebenformen mit i wohl vorhanden waren, aber zufällig in 
den erhaltenen Denkmälern nicht belegt sind, ein Fall, der höchst- 
wahrscheinlich bei aik9, spaiko und wohl auch noch anderen Wörtern 
vorliegt. Jedenfalls bieten die nachverzeichneten Ausnahmen, welche 
die Prendener Mundart hat, zum Teil keine blos lokalen Verstösse 
gegen die Regel, wie die angemerkten Angaben aus anderen Mund- 
arten beweisen. 

aika (ae. äk) Eiche (ebenso i^ in der Prignitz), aikhorn 
Eichhorn, aijdn eigen (ebenso Prignitz), hailiy (ahd. heilag as. helag) 
heilig, hahn9 (ahd. heimo) Heimchen, luiMyi (got. laists «--Stamm, 
mnd. lest leste) Leisten (ebenso Prignitz), raiza (ahd. reisa) 1. Reise, 
2. Tracht von zwei Eimern am Trageholz, raizri reisen (auch mnd. 
stets reise, reisen), spaik9 (ahd. sjyeihha, as. speka, ndl. speek) Speiche 
(ebenso Prignitz; verwandt scheint die as. Ortsbezeichnung -spekia 
Pfahldamm), taikn (got. tailxns i-Stamm) Zeichen (ebenso Prignitz), 



13 

fraid9 Viehweide (ebenso Münster, Prignitz; auch mnd. stets waide\ 
mj9tcai(b Eingeweide (auch mnd. weide). 

c* (mark. mnd. i). 

§ 30. a) Mnd. ^*, as. io, wird f«: hl^don bieten, hl^st Biestmilch, 
hl^zl Binse, bl^zs Binse, di^f Dieb, dim dienen, fordriHn verdriessen, 
AM Fliess, Bach, jlHn giessen, jrl^u^ Griebe, kmiv plur. kuc9n (zu 
as. hiuwan kauen bei Gallee, Vorst. S. 176; hd. Kiemen ist in der 
Gegend von Wittenberg aus dem Plural kievn < kiewen entstanden), 
A-«l« Knie, ll^f lieb, pri^m Pfriemen, rVm Riemen, rlH Ried, SlHn- 
schiessen, äprlHn spriessen, wt^dsn (as. modm) jäten, 2^«dan sieden, 
zi^k0 siech, dauernd krank. 

b) Mnd. i\ anfr. ie < germ. S^ oder lat. ^, ist f« geworden: 
bi^st Untier, brl^f Brief, himfijto Kienfichte, Kiefer, rnl^d» Miete, Lohn, 
pri^st9r Priester, ti^kd (ahd. ziahhä) Bettzieche. Ferner ht^t hielt, 
liH Hess, Mfep schlief. Ausnahme: ßtwr Fieber, mita (lat. meto) Ge- 
treideschober oder Kartoflfelgrube. 

e^ (mark. mnd. t). 
§ 31. Durch Kontraktion sind entstanden: J9sim (< gescehan) 
geschehen, um (< sehan) sehen, ß (< fehu; wegen des Auslautes e 
statt ai) Vieh, ß^d^r (< iohwedJmr) jeder. 

%, 

§ 32. a) Mnd. C < as. I ist I geblieben: bliiv9n bleiben, i«/ Beil, 
dlk Teich, distl (as. thtsla) Deichsel, drist dreist, ßb Feile, kllstar 
Kleister, knipm kneifen, krlda Kreide, ktl Keil, ih Eile, is Eis, iz7i 
Eisen, Im leinen, li7W Leine, mir9 Ameise, r'lpe reif, ztni (fries. s-tm, 
mnd. sime) Angelschnur, ziporn sickern, Mu^ Scheibe, äin Schein, 
stein Schwein, ,^trikp^ streichen, tstzi-/^ Zeisig, tU Zeit. 

b) Mnd. t > ü: ätrüml Stummel (vgl. mhd. stHmele Streifen). 

öl (mark. mnd. u). 
§ 33. Mnd. öl, welches as. 6 < urg. 6 wiedergibt, wird ü», 
geschwächt ü«. In Wörtern, in denen üo gesprochen werden kann, 
hört man oft und besonders im Wort- oder Silbenauslaute, d. h. in 
offener Silbe, auch ft«. In manchen Worten ist letzteres allein üblich, 
z. B. hört man düon und düm^ stets aber tti düetid zu tun. Für beide 
kann doppelgipfliges ü eintreten. 

a) blüoing Blume, hlüot Blut, brüodor Bruder, büok Buch, drüesl 
Drossel, flü^im Fischschuppe, füH Fuss, hü^da Herde (von Gänsen), 
ki-ü^s irdener Krug, kü^ Kuh, pü4 Pfuhl, Pfütze, Mü^^pd Stufe, Müot9 
Stute, §üo (plur. .^«) Schuh, .^ostar Schuster, üok9n (Reuter auken^ 
ostfr. öken) der innere Winkel, welchen das Dach mit dem Hausboden 
bildet. 

b) Eine Ausnahme macht das Wort plöx (ahd. pflnog) Pflug 
und kröx mit der Nebenform knix Dorfgasthaus. Die Erklärung 
gibt § 68 k. 



14 

81. 

§ 34. ßi, der Umlaut von ö^, erscheint jetzt als ««, das aus 
ü^ entstanden ist; vgl. § 68k: hlü^ta Blüte, hrü^fhr Brüder, hüdv 
Buche, fü^tQ Füsse, /wä^'cfo müde, püh (plur. zu ^^ü«"/) Pfützen, zfid-n 
suchen, züfto süss. 

b) Ausnahme: rou^ Mohrrübe, Lehnform für das altheimische nioi-o. 

§ 35. Mnd. ö2, welches aus urg. au entstanden ist, erscheint 
als ö: blöt bloss, hörn Baum, börie Bohne, bröt Brod, jröf gross, //ö.r 
hoch, lö])rn laufen, lös los, rök Rauch, 7'ökn rauchen. 

82. 
§ 36. Der Umlaut von mnd. ö2 erscheint als ö: homo Bäume, ch&in 
träumen, hojdr höher, ^75?/^n glauben, jr^^m kaufen, ro/z'^r Räuber, rokvni 
räuchern, ätröpar (vgl. mnd. stropen) Vagabund, toh (mnd. tö) Hündin. 

öS Ö8. 

§ 37. 63 heissen diejenigen mnd. ö, welche weder aus urg. 6 
noch urg. au entstanden sind, aber die Qualität von 6^ oder 6^ an- 
genommen haben. Vgl. Nd. Jahrbuch Bd. 18 S. 141 if. Die Pren- 
dener Mundart bietet folgende Beispiele: 

öS = öl wird üo oder ä«: kmnyid Krume, .^püon Spahn, ferner 
das Lehnwort süoh Schule. 

8S = 81 wird ß«: krü^ml Krümchen, Apü^k Spuk, spüfkn spuken, 
spü^no Spähne. 

öS =z: ö2 wird ö: frO froh, rö roh, zö so, sirö Stroh, ausserdem 
die Lehnwörter kröm Krone, rözd Rose. 

88 = 82 wird o: flo (plur. floyi) Floh. 

ü. 
§ 38. Mnd. ü ist a) aus as. ^, b) aus as. ö nach w entstanden. 
In beiden Fällen wird es ü. 

a) ^ < as. Ä: brühn brauchen, b^üt Braut, buk Bauch, düuv 
Taube, fül faul, klüt Kloss, krüpm kriechen, küm kaum, lüt laut, 

jnüs Maus, nü nun, rücb Räude, rükri riechen, mp9 Raupe, tun Zaun. 

b) Mnd. u?ü < as. wd: ätvül (ae. swol) schwül, um (ae. hrö) wie. 

ü. 
§ 39. Mnd. ü ist ü geblieben: a) Mnd. fl, der Umlaut zu ü: 
brüdd Bräute, dmvokin Täubchen, forzüm versäumen, hüzor Häuser, 
kmtsd Kreuz, krüzl Kreisel. 

b) Mnd. ü < as. iu\ düpt9 (as. diupi) neben dl^p9 Tiefe, hüln 
heulen, kükn Küchel, küU Keule, lüdd Leute, lüd,^ (as. lius Galice 
Vorstudien S. 198) Lieschgras, mz9^ Hl^zo (ahd. rtise^ *got. rusjo) 
Reuse, tü/^ Zeug. Ausnahmen: düstdr (as. thiuatri) düster, daihl Teufel. 

c) Mnd. ü < as. A: Uüt2i schliessen. 

d) Mnd. ü < as. ugi: ä^um (ahd. scugiua) Scheune. 



15 

au, ou. 
S 40. Mnd. au ist aus as. a vor w diphthongiert und wechselt 
mit nw, mv^ ouw. In allen diesen Fällen ist es au geworden. Vgl. G2. 

ei. 
§ 4L a) Mnd. ei < as. ei bleibt ai: ai Ei, mai Mai. 

b) Mnd. ei < as, agi wird ai\ zais9 (as. Hagima) Sense, umirön 
Majoran. 

c) Mnd. ei = mnd. e^-^ vgl. § 28— § 29. 

eu, oi. 
§ 42. Mnd. eu^ der Umlaut von mnd. «?/, wird oi: hoi (as. 
homci) Heu (aber haihöp Heuhaufen), ätroin (mnd. stroieriy Strogen^ 
>ifrouwen) streuen, .Uroi Streu, toi die hölzernen Halmfanger an der 
Komsense, froidff (mnd. iroude, mvuwede) Freude. 

Die mnd. Vokale vor r. 

ar, 

§ 43. a) Mnd. auslautendes ar bleibt ar nur in dem hd. Lehnwort 
Mar (in der alliterierenden Formel ätar im sttf) starr. 

b) Mnd. auslautendes ar wird ^r, wenn a ursprünglich oder in 
den flektierten Formen in oifener Silbe stand: hQr jelt bar Geld, 
J9w^r gewahr, J^r (as. ga7ni garo) gar, ganz, klqr klar, naxhqr (hd.; 
mnd. nAchhür\ plöxägr (ahd. skara) Pflugschar, .^gr Schaar. 

c) Mnd. ar wird Qr vor rn und aus rd entstandenem rt: bgrf 
Bart, f^rt (as. vard) Fahrt, jQrn (mnd. gam) Garn, jgrn (mnd. gardm) 
Garten, hgoznägrt (ae. luersceard) Hasenscharte, kgrt9 (mnd. karda) 
Karte, §pekäwQrd (mnd. swarde) Speckschwarte, wqrn (mnd. warden) 
warten. — Ausnahme: hart (mit hd. rt, mnd. harde), 

d) Mnd. ar wird gr vor ^ in ft^ri Barsch. Ausnahme: barf^ 
(mnd. barsch) barsch, wohl weil hd. 

e) a bleibt in allen übrigen Wörtern: arm Arm, a^y^ arg, 
barft barfuss, darf darf, Aarfe Rechen, jaru'9 Garbe, karnikl Kaninchen, 
kar9 Karre, madar (mnd. marder) Marder, marks Mark, marjt Markt, 
.^par9 Sparren, äivart schwarz. 

§r und umgelautetes ar. 
§ 44. a) Mnd. §r, ar wirdar: änw^r ärmer, Aarfer härter, kdi'l 
Kerl, Wnn (frz. alarme) Lärm. 

b) Mnd. ^ wird er: ertc9 Erbe, e;/i^ Erbse, ^>'w/ Ärmel, merßl 
Mergel, utmertsn Schafe ausmerzen. 

c) Mnd. qr wird ar: arpl Enterich, farkn Ferkel, harwest Herbst, 
sarliidk Schierlink, äparliTdk Sperling, tarn zanken. 

er, er. 
§ 45. a) Mnd. auslautendes f-V wird ar: Mr Bär, här^ //a (mnd. 
her) her, spar Speer, tär Teer. 



16 

b) Mnd. er vor d wird är: ärd» Erde, hart Herd, härdd Herde. 
Ausnahme macht Mrcfo, siehe bei c. 

c) Mnd er wird är\ ämst (mnd. ernesf) ernst, härda Hirt, kam 
Kern, ^^rn Stern, ätärt Sterz. 

d) Mnd. ^r wird er: herke Birke, derwB derb, fdrdem^n verderben, 
her^ Hirse, kerf (plur. körwd) Kerf, Kerbe, äw^^*^ Quirl, ,«?^em Stirn, 
f^^'6/ Wirbel, werk Werg. 

e) Mnd. er wird ar: barätn bersten, 6ar^ Berg, Aarfe Herz, jarstd 
Gerste, §arwd Scherbe, .^tariodn sterben. — In manchen Familien wird 
abweichend bärstn^ bdr^^ hart» usw. gesprochen. 

f) Mnd er wird ör: börj9 (schon mnd. meshorje) Trage für Mist, 
for§t9 Dachfirst, km'wd (plur. zu kerf) Kerben. 

fr, ur. 
§ 46. Gemein-mnd. ir und ur gab es nicht, weil as. ir zu er^ 
ur zu or wurde. Das Wort J9§ir Geschirr ist hd. Herkunft. 

or, 
§ 47. a) Mnd. or < as. or wird auslautend, vor as. d und u 
zu ör: dOr Tor, dörnätrük Dornstrauch, jrashört Grasrain, körn Korn, 
i/'ör^ Wort. 

b) Mnd. or < as. ur wird in denselben Fällen gleichfalls zu ör\ 
,^pöm Sporn, üthörtn das Land durch Schafhürden düngen. 

c) Mnd. or < as. or bleibt or\ korf Korb, morjan morgen, ,^orf 
Schorf, ätorm Sturm, zorjd Sorge. 

d) Mnd. or < as. ur bleibt or: borät9 (as. bursta) Borste, brost 
Brust, dartüdn (as. thurbhan) darben, dorät Durst, horU Hürde, jort 
(mnd. garde, gort) Gurt, koräta Brotkruste, kort kurz, tonn Turm, 
worm Wurm, twrät Wurst, wortl Wurzel. — Ausnahme: karmtso f. 
(mnd. korbitze) Kürbis, murkl (ahd. miirhila) Morchel. 

ör. 
§ 48. a) Mnd. ör < as. or vor n oder d wird ör in Iiorn 
(Umlaut aus dem Plural) Hörn, wörda Worte. 

b) Mnd. ör < as. ar wird ör in dörp Dorf, Äc^rAw horchen. 

c) Mnd. ör < as. ur wird ör in: börMo Bürste, dör/ durch, 
hörf^ta (Plur. zu as. hurst) Horst, inselartige sandige Erhebung im 
nassen Lande, körtar kürzer, ,^örto Schürze, wör'pn würgen, irörsfo 
Würste. 

Tl. ar. 
§ 49. a) Mnd. tl. ar wird ör: .^r (mnd. schare) Schar, Haufen, 
plöxsqr (mnd, schare) Pflugschar, /?/>^>rw sparen, tvörri (mnd. waren) warten. 

Tl. §r, umgelautetes tl. ar und tl. er. 
§ 50. a) Mnd. tl. er wird är: bära (as. beri) Beere, baMrn (as. 
skerimi) bescheren, kärn (mnd. keren) fegen, härmk Hering, fiäri-^ (mnd. 
nerich) fresslustig, pärt (as. perith) Pferd, äwärn (as. swerian) schwören, 
tarn zehren. 



1^ 

b) Mnd. erst in jüngerer Zeit umgelautetes tl. a wird ^: 
jt^^rkin Pärchen. 

c) Mnd. tl. er wird är: ämär (as. smero) Schmeer, ätnärn 
schmieren, spar n. Speer, ätcärn (ahd. sweran) schwären, eitern. 

Tl. or. 
§ 51. Mnd. tl. or < as. ur wird ör in förd Furche. 

Tl. ör. 
§ 52. a) Mnd. tl. ör < as. or wird or in niot-d (as. moraha) 
Mohrrübe. 

b) Mnd. tl. ör < as. nr wird 5r: l}Örn (as. burian) heben, rf5r9 
Tür, for für, /wor (ahd. murutvi) mürbe, fdrtörn erzürnen, tsSr» alte 
Stute, Gaul. 

dr. 

§ 53. Mnd. är wird ö^r, Qr: bqrd Bahre, jdf(}r Gefahr, g**pmb^ 
offenbar, Qr9 Ähre, .Ug^r, stör Staar, äwQr schwer, w^r wahr. 

Umgelautetes är: när näher. — Jüngerer Umlaut von mnd. är 
erscheint in ätpr9^ plur. zu ätQ^r Staar. 

er. 
§ 54. a) e^r wird in ktm wenden, vgl. as. kern Wegscheide, 
sinf (as. scära und scera) Schere. 

b) e^r wird ßr in: er (got. air, airis) ehe, eher, ör9 (as. irä) 
Ehre, — wird fr in: mir mehr, ^w 2«r2> zu sehr. 

c) cV wird ir in: ^wers^ zuerst, Är^w (as. lerian) lehren, lernen. 

d) e^r wird fr in: 6fr Bier, dir Tier, dfrw Mädchen, f9rhrn 
verlieren, ßn vier, wfr^ Niere. 

e) e^r wird ai(^)r in: baür (mnd. 6^'^, langob. pahir^ Nebf. zu 
mnd. ier, as. bier^ ber) Zuchteber, äwair-, §icaidrzQ<*n9 (as. ^swehir-^ 
ahd. swehur-) Schwiegersohn. 

tr. 
§ 55. Mnd. %r bleibt fr: iwfr9 Ameise, .^fr schier, Adj. 

ö^r. 
§ 56. Mnd. o^r wird ür: füre Fahrt (ahd. fuora\ fürd (mnd. 
rörf^, rör^; Teltow, fü^dä) Fuder, snür Schnur, iümflür (mhd. vluor) 
Tenne. 

8ir. 

§ 57. Mnd. ö^r wird «Tr; /2rw (as. fortan) fahren, rürn rühren. 

Ö2r. 
§ 58. Mnd. o2r bleibt ör: rör Rohr, ör Ohr. 

82r. 
§ 59. Mnd. 82r bleibt or: hörn hören, §torn stören, rSrd Röhre. 

Ki»derd«atschei Jahrbuoh XXXIV. 2 



18 

ür. 
§ 60. Mnd. ür bleibt ür: zur sauer, züramp9r Sauerampfer, 
trü9r Trauer, bürd Bauer. — Ausnahme : hochd. maiir Mauer, maiirdr 
Maurer. 

Qr. 
§ 61. Mnd. Qr bleibt ür: dür9 teuer, dürn Dauer haben, für 
Feuer, inzürn einsäuern, äüi'd (as. sciura) Schuppen. 

Diphthongiernng von i und u. 

§ 62. Mnd. t wird vor folgendem Vokal sowie im Auslaut zu 
ij (in den Handschriften oft ig geschrieben). Aus ij mit schleifen- 
dem Akzent hat sich dann später *ei und schliesslich ai entwickelt. 

a) i inlautend: fraian freien, fraijq<^t9 (mhd. tmiUe, in Oschers- 
leben frijgt) Freite, Brautwerbung, klai9 (mnd. khe, klige) Kleie, 
maraidnwörnwkin Marienkäferchen, rosmarabn Rosmarin, safamistet 
Sophienstedt, änain (mnd. snten, snigen) schneien, ärain (mnd. scrten, 
scrigen) schreien. 

b) t auslautend: brai (mnd. brt, hrig) Brei, frai (mnd. r^H, vrij) 
frei, blai (mnd. bli, blig) Blei, naiy nait (mnd. rvfy nie, ntge) neu,, 
neues, ärai (mnd. schrie, schrige) Schrei, .§lai (mnd. sli) Schlei. — 
Eine Ausnahme machen indeklinable Wörter wie mi mir, di dir, bi bei, 
8i sei, doch hört man im Teltow bait (= bi et). Es ist deshalb an- 
zunehmen, dass ij < l zuerst inlautend unter schleifendem Akzent vor 
folgenden Kasusendungen gebildet wurde. 

§ 63. Mnd. ü vor Vokal und im Auslaut wird über üir, ouw 
zu au: B.) ü inlautend: bau^n (mnd. ftw^w, büwen^ bouiven) bauen, 
bramn (mnd. Irrüen^ brotveti^ brütven) brauen, jati^ (mnd. jüwe) euer, 
ätaun (mnd. stüwen^ stouwen) stauen, f9rtrau9n (as. tnion, mnd. trüwen^ 
trouwen) trauen. — Ausnahme: snüumi schnauben. 

b) ü auslautend: frau (mnd. früwe^ frouwe) Frau, jmt (mnd. jtf, 
jüiv) euch, glau (mnd. glä) fein, schmuck, äau (mnd. srhil, schmve) 
scheu, älau (mnd. slü) schlau. — Ausnahme machen auch hier 
indeklinable Wörter: du du, nü nun, unl wie. 

§ 64. Mnd. üg (üj) wird au: — Das einzige Beispiel aus 
Prenden ist zäun saugen. Ein zweites bietet der Teltow: ram 
Roggen, (aber ruJ9tml Roggenmehl). In beiden Fällen muss Ausfall 
des ge (§ 68 n) der Diphthongierung vorangegangen sein. 

§ 65. Mnd. (Jm; wird au in: blau (mnd. 6/a, W«/r, blamve) blau, 
(lau (mnd. dötv^ douwe^ d/nve^ dau) Tau, jrau (mnd. gräw^ grau, grawe) 
grau, lau (mnd. l(hi\ lauw) lau, kaun (mnd. *kawen^ ndl. kauwen) 
kauen, daun (mnd. dawen^ dowven) tauen. — Denselben Lautübergang 
zeigen die Städtenamen mit der alten Endung -awe^ für welche später 
'OM)e und schliesslich oft -au eintrat, z. B. Bernawe > Beriiowe > Beriiau^ 
Spandawe > Spandowe > Spandau. 



* 



Vokalkfirzungen. 

§ 66. Die bereits im Mittelniederdeutschen vollzogenen Kürzungeii 
as. langer Vokale und Diphthonge sind bei den einzelnen mnd. Vokalen 
berücksichtigt worden. Die meisten derselben sind vor Konsonanten- 
gruppen und namentlich solchen, deren letzter Laut t war, eingetreten. 
Besonders häufig ist der Fall, dass in der 3. Person Sing. Präs. und 
im Part. Prät. e durch Synkope in den Flexionssilben ausfiel und 
dadurch auslautendes t unmittelbar an den vorangehenden Konsonanten 
trat, also eine vokalkürzende Konsonantengruppe gebildet ward, vgl. 
as. Iniulit (> *biudt} > mnd. biit, as. farkopod > mnd. verkoft; as. 
Iwdid > mnd. hot gehütet. Durch falsche Analogie ist auch in 
Prenden dann die Kürzung auf Formen übertragen, welche keine 
Synkope erfahren hatten, vgl. wet er weiss neben wet ich weiss, ferner 
müt ich muss, er muss. 

Die Regel, dass das schwach gebildete Part. Prät. kurzen Stamm- 
vokal erhält, auch wenn der Infinitiv langen Vokal oder Diphthong 
aufweist, hat in Prenden weiten umfang, aber doch nicht ausschliess- 
liche Geltung. Lehrreich in dieser Beziehung sind folgende von mir 
beobachtete Beispiele. Hinter einem Hofzaune, an dem ich vorüber- 
kam, hörte ich eine Frau zu ihren Kindern folgende Worte sprechen, 
zuerst: nu örntlvf anJ9fg^t! — dann kaum eine Sekunde später: an- 
pfot ! Eine andere Frau erzählte : ik heh nox nl J9köft9 Ihwwant jdkoft 
(gemeint war 'von einem Händler gekaufte und verkaufte Leinwand'). 
Also Doppelformen im gleichzeitigen Gebrauch in demselben Munde. 
Beide Fälle stimmen zu der mir von einem Prendener gegebenen Be- 
lehrung, dass er gewöhnlich die verkürzte Form gebrauche, die andere 
nur, wenn er einen dauernden Zustand bezeichnen wolle. 

So begegnen noch neben einander, — es sind nur einige Bei- 
spiele hier aufgezeichnet, — J9mQ<*kt — jdmokt gemacht, lö^t — lot lass, 
prompt — J9ro2)t augelesen, jdblüH — jdhlut geblutet, J9lmH — J9hfä 
gehütet. 

Es kann keinem Zweifel unterliegen, dass jamokt u. a. einst aus 
jjmg<^ket oder jdmqket gekürzt sind. Ebenso sicher scheint aber die 
Tatsache, dass dieses alte J9mö<*ket nicht etwa bis heute sich erhalten 
hat, sondern dass aus dem Infinitiv 7ng<*ken in jüngerer Zeit eine 
zweite Partizipform jainq^kt neu gebildet ist. 

Diese Neubildungen zeigen, dass die Prendener Mundart keine 
Vorliebe für Vokalkürzungen hat. Von den nachstehend verzeichneten 
mag manche noch in die mnd. Zeit zurückreichen. 

§ 67. a) Mnd. (i > Q > o\ hrofd bratete, rot^ ich riet, lotd ich 
Hess u. a. 

b) Mnd. t'^ > e\ wet er weiss, en (unbetont für en oder en) 
ein, einen. 

c) Mnd. e^ > e: klmdar kleiner, rmtli/^ reinlich. 

d) Mnd. i > i: kikt schaut; ferner in dem Diminutivsuffix A'iw: 
b&inokiyi Bäumchen, wönmkin Würmchen. 

2* 



e) Mnd. 6^ = üo > u: hhit blutet, M. (unbetont für tüo) zu, 
2nixf^ suchte. 

f) Mnd. Öl = S« > w: hüt hütet. 

g) Mnd. ö2 > o: hoxtU Hochzeit, änitlof (mhd. louch) Schnittlauch, 
h) Mnd. 82 > ö: jröt9r grösser, äöndor schöner, Möt stösst. 

i) Mnd. ü > u: .<ufl (mnd. schüfele, schuffei) Schaufel, 
k) Mnd. & > w: äüzl (mhd. schüsel) Scheuche, krüpt kriecht, 
bat bietet. 

Vokaldehnniig bei gre- Schwand. 

§ 68. Mnd. ge ist fortgefallen, wenn ein Vokal unmittelbar 
voranging. Die in Verbindung mit diesem Lautausfall entstandenen 
Vokaländerungen sollen hier mit den zu erschliessenden Zwischen- 
formen nur belegt werden. Eine genauere Darlegung und Begrün- 
dung folgt in § 89. 

a) Mnd. age (> *g^'^9) wird ä: drän tragen, dräd Trage, Trage- 
holz, hal Hagel, klän klagen, niä f. Magen, mar mager, dimstmät 
Magd, näl (plur. näh) Nagel, .^wär Schwager, wän (plur. wäm) Wagen, 
zä Säge, zän sägen. 

b) Mnd. e (q e) -ge ( > §«39, ä^yl) wird q oder ä : biwän bewegen, 
br^n Bregen, edd (as. egithu^ mnd. egede^ eide) Egge, ^/e, äwins-eb Igel, 
entj^m entgegen, ütfän ausfegen, dröäfld Dreschflegel, käb pl. Min 
Kegel, läat (zu lejdn^ prät. /f«cfo) legt, r^hi Regen, regnen, ^läa (plur. 
zu §lax) Schläge, wä (plur. zu wex) Wege, wän wagen, J9zut gesagt. 

c) Mnd. oge > age (> *^«3a) wird ä: bän Bogen, banzB Bogensee, 
fal (plur. fäb) Vogel. 

d) Mnd. öge (> *^«3^) wird f: fl^l (mnd. vlögel) Flügel, tre 
(plur. zu trox^ neben einem jüngeren Plural trojd) Tröge. 

e) Mnd. oge^ age mit gleichem Umlaut (§ 22 b) über '^^^7^9 
wird d: bäl (mnd. bogel) Bügel, man mögen. 

f) Mnd. (^ge (> *^«39) wird a: frän fragen, kra (mhd. krage) 
Krähe, krä (as. krdia^ mnd. krage) Kragen, jj^te Plage, trä (mnd. 
träch, träge) träge, wa (plur. wa) Wage, wän wagen. 

g) Mnd. ege (ndfrk. t^ge) > {*i^y) wird en: hodren betrügen, 
fl^ Fliege, ßen fliegen, len lügen, äpil Spiegel. 

h) Mnd. ige wird t: krtn kriegen, empfangen, krif kriegt. (lU 
ist dagegen nicht aus mnd. ligget gebildet, sondern entspricht der 
mnd. Kontraktion lit). 

i) Mnd. b^ge (> *ü^y) wird o: blon (mnd. bldgen^ bloien) blühen, 
bro (mnd. b^'oge^ broie) Brühe, zon (mnd. stSgen) säugen, kro (mnd. 
kr^ge^ plur. zu Prend. kröx^ krüx) Dorfkrüge, kror (mnd. kr&ger) 
Krüger, Gastwirt, ko (mnd. koge, plur. von Prend. küd) Kühe, />/J 
(mnd. pltge) Pflüge. — 

k) Der Umlaut zu üo lautet jetzt ä«. Die gekürzten Formen 
blon usw. beweisen, dass 5« aus # entstanden ist. Diese Regel be- 
wirkte also in einigen Fällen, dass zu Singularformen auf üox {*hil<^ch 
Dorfkrug, *küo^ küe Kuh, *2^lüox Pflug) Plurale auf o entstanden, also 



21 

mit demselben Laute, den die umgelauteten Plurale zu ö2 haben; 
vgl. bröt plur. brods. Diese Analogie führte weiter dazu, auch aus 
jenen 5 neue Nominative auf ö zu bilden, welche die älteren ver- 
drängten, so aus kro den Sing, kröx Dorfkrug, aus pl8 den Sing. 
plöx Pflug. Diese neuen Nominative Sg. drangen um so leichter ein, 
weil die zahlreichen Uckermärker, welche nach Prenden kamen (S. 3), 
lautgesetzliches Aröa?, plöx (s. Teuchert, Nd. Jb. 33, 35) sprachen. 

1) Mnd. ö^ge wird ö: lö (mnd. löge) Lauge, ö, plur. öm (mnd. 
oge) Auge, rodö (mnd. roddöge) Rotauge, Barbe. 

m) Mnd. iflge wird o: bon beugen, biegen, dro trocken, dron 
trocknen, uphon erhöhen. 

n) Besondere Fälle: zäun saugen, kilb Kugel. — Ausnahmen: 
ßlj^r Jäger und Lehnworte aus dem Hochdeutschen oder An- 
gleichungen daran. 

Vokaldehnnni; bei t;e- Seh wund. 

§ 69 Nach mnd. ä und ursprünglichem, sowie dem aus o ent- 
standenen tonlangen a fällt in der Regel mnd. ve aus: a) an (bakan, 
bretidn, kaxlän) Ofen (dagegen öferi eiserner Ofen als Lehnwort), ans 
abends, änt Abend, band (mnd. bovene, bavene) oben, ka^ ätvtmka 
Schweinekoben, käb (mnd. kavele) Loosteil von Holz, Acker usw., 
kla^ f. (plur. kldfiy mnd. klove, klave) Holzkloben, näl^ büknäl Nabel, 
ra Rabe, ^lal Schnabel. 

b) Der Ausfall von ve hat nicht stattgefunden, wenn ein r folgte. 
(Vgl. utv9nit aber, hötr<fr Hafer). Ferner nicht in Qf^ft Obst, weil der 
Ausfall wohl erst eingetreten war, als mnd. $»w^^ < mnd. ovet schon 
zu g**ß verkürzt war. — Die Ausnahme naw9 Radnabe erklärt sich, 
weil dieses Wort junges Lehnwort ist. Wäre es altprendensch, würde 
es nö<twd heissen müssen. Der ^märkische Ausdruck dafür ist buk 

Ausser nach a ist ve nur ausnahmsweise in Prenden geschwunden. 
knel (mnd. knevel > *knPAfr<fr) Knebel, hön (mnd. hovefi, später *hüow9n) 
in dem alten Ortsnamen ;,dreissig Hufen*', amtlich jetzt ^ Neudörfchen ^, 
^eno neben ^^ma und äetv9n (plur. zu mnd. schewe) Schebe, Flachs- 
abfalle. 

Der Umstand, dass ve nach a fast regelmässig, nach anderen 
Vokalen nur ganz vereinzelt geschwunden ist, lässt folgern, dass wir 
es hier mit einem in seiner Entwicklung beginnenden, aber nicht bei 
allen Vokalen zur Durchführung gelangten Lautgesetze zu tun haben. 
Um so leichter konnten Fälle eintreten, wie die in dem hier folgenden 
Abschnitt behandelten. 

Die oben verzeichneten Beispiele belegten den regelrechten Ver- 
lauf des Lautwecbsels. Neben diesen gibt es eine kleine Anzahl 
Wörter, welche denselben Vokalwandel zeigen, in denen aber -ve ent- 
weder erhalten oder wieder eingesetzt ist. Man wird das letztere 
annehmen müssen. Grund wird teils das Streben nach unzwei- 
deutigen Wortformen im Verkehr mit Fremden gewesen sein, teils der 



22 

feinfluss nördlicherer Mundarten auf die eigene. In einem und dem 
anderen Falle kann auch die Möglichkeit in Frage kommen, ob niclit 
Lehnformen aus dem Uckermärkischen vorliegen. 

bäwdn (< *hQ(HD9n < mnd. baven) nicht allgemein gebräuchliche 
Nebenform für hClm oben; dewd (< do^wdl < mnd. dövel, mhd. tübel) 
Zapfen, h^u^ (< *A^«wv9 < mnd. höve) Höfe, mörr5w9n (< *rü^u^ < mnd. 
r^üe) Mohrrübe; n^icdl (< *n^^tvdl < mnd. nevel) Nebel; otvar (< *ü^u^r 
< mnd. 6cer) Ufer, prötvdu (< *pmoiv9n < mnd. jyroben) prüfen, säumi 
(< *^g<^iV9n < mnd. schaven) schaben. 

In anderen Dörfern des Barnim findet sich re- Schwund auch 
nach anderen Vokalen, in Klosterfelde bei Prenden z. B. in j^l Giebel, 
stü Stube. 

In grösserem Umfange ist i^e im Teltow ausgeschieden, z. B. h{)r 
neben hgm^r Hafer, hQ-dq<* (mnd. hovedaye) Hofdienst, Ap (mnd. hove) 
Gärten, äUim Stube, d(iv;9 Taube. 

Wie die vermerkten Beispiele zeigen, ist hier der neue Vokal 
ein anderer als im Barnim. 

Eine ähnliche durch Dehnung bewirkte aber regressive Ver- 
schiebung des Akzentes findet sich in der Münsterschen Mundart, in 
welcher u6 ii vor b g w zuweilen zu ii*o und l*e gedehnt werden. 
Vgl. Kaumann, Entwurf einer Lautlehre (1884), § 20. 

Die Konsonanten in liistorischer Entwicklung. 

§ 70. Der mnd. Vokalismus hat in den lebenden Mundarten eine 
sehr mannigfache und grosse Unterschiede aufweisende Entwickelung 
erfahren, welche vermuten lässt, dass die einzelnen mnd. Vokale in 
den verschiedenen Landschaften sehr verschiedene Qualität hatten. 

Im Gegensatz hierzu sind die Abweichungen, welche die ver- 
schiedenen ndd. Dialekte in Bezug auf den Konsouantismus zeigen, 
im wesentlichen das Ergebnis von Lautänderungen, welche jünger als 
die mnd. Formen sind. 

Das mnd. Auslautgesetz, welches ausser Vokalen und Liquiden 
keine stimmhaften Laute am Wortende duldet, sondern an ihre Stelle 
stimmlose treten und b hinter m (z. B. in as. criimb^ lamb) assimiliert 
oder ausfallen lässt, gilt auch für die Prendener Mundart. Im Aus- 
laut werden also auch in ihr, sofern nicht besondere Regeln eingreifen, 
b > p^ d > t^ '^ > X, j > 1^ V > f^ z > s, 79 > wk. 

Der grammatische Wechsel zwischen inlautenden stimmhaften 
und stimmlosen Spiranten ist durch Ausgleichungen schon in as. und 
mnd. Zeit stark beeinträchtigt worden. In der lebenden Mundart ist 
er innerhalb des Verbalsystems fast gänzlich beseitigt. Die einzige 
Spur seiner einstigen Wirksamkeit in diesem bietet die Verschieden- 
heit der Konsonanten in wQrn waren, J9west gewesen. 

Die nachfolgende Übersicht wird sich im Allgemeinen auf den 
Nachweis der Abweichungen der lebenden Mundart von dem mnd. 
Konsonantismus beschränken können. 



23 

6. 

^71. Mnd. und prendensch b kommt nur an- und inlautend 
vor, letzteres aber nur, wenn (abgesehen von Kompositis) 1) es ent- 
weder eine hoch- oder nebentonige Silbe beginnt, 2) el folgt oder 
3) es as. bh vertritt und ein kurzer Vokal vorangeht. Wo diese 
Bedingungen nicht zutrefiFen, tritt statt b mnd. v oder /", prendensch 
w oder f ein. 

Anlautend: bäm oben, 6e;w Raufe, bl^zl Binse, borf^ verschnittener 
Eber, ftfocfor Blatter usw. 

Inlautend: 1) arbait Arbeit, leb^ndi'i lebendig, (dagegen l^eu?9n 
leben), brumbärd Brombteere, ^rb^r ehrbar, (dagegen erwd Erbe, erfts 
Erbse), naxbör Nachbar, probirn probieren (dagegen prötvdn prüfen). — 
In kesp9r (mnd. kasbere^ kersebere) Kirsche hat vorangehendes s den 
Übergang zum stimmlosen Labial bewirkt. — 2) tgbl Kober, tobalitd 
Koberdeckel, werbl Wirbel, ätlbl Stiefel, jrübaltrn grübeln. 3) heb» 
habe, (dagegen heMvan heben), kriba Krippe, rib9 Rippe, ärubar Schrubber, 
(dagegen ,^rüu;9 Schraube), ätubd Wurzelstumpf (dagegen ätütv9 Stube, 
zahcah Salbei). 

d. 

§ 72. Anlautend ist mnd. d im Allgemeinen geblieben, doch 
ist dw teils zu kw geworden: kwazln (mnd. dwdsm) töricht reden, 
ßrdg/n (mnd. vordtvälen) verirren, f9rkwQ<^zn (mnd. vordtvdsen) ver- 
geuden, kw^r (mnd. dwer) quer, hverl (mnd. dwert) Quirl, — teils 
durch nhd. ts. ersetzt: tswern Zwirn, tswölwd zwölf. 

Inlautend wird mnd. d in folgenden Fällen verändert: 

a) Id wird l vor e und en (aber nicht vor er)\ bakmob Back- 
mulde, bah bald, holn halten, dl^ oln die Alten, (aber olt alt, öldar 
das Alter, ökhrn Eltern), meh Melde, siln schelten. Ferner in abwih 
(mnd. al de ictle) gerade jetzt. — Ausnahme jeldn gelten. 

b) Während in einigen benachbarten Mundarten d regelmässig 
zwischen Vokalen oder zwischen Vokal und r ausfällt, bietet Prenden 
diesen rf-Schwund nur in folgenden Wörtern: 

fqam Faden, jqrn Garten, laidn (Vieh am Zügel) leiten, mäi-ak 
(mnd. mert'edik) Meerrettig, grntli/^ ordentlich, äpekäwgrd Speckschwarte, 
wih()p9 Wiedehopf, woika {no^QnwQdikSy mnd. wadike) Molken, wQrnwsiTien. 

c) Id wird Ij in folß (mnd. volde) Falte, folJ9n falten. 

d) nd wird tj, wenn nicht a vorangeht: bmn (prät. btwk) binden, 
finn finden, hem Hände, hiijar hinter, jrüryolmk (mnd. grundelink) 
Gründling, kiy^r (plur. von kint) Kinder, liidd Linde, pändar (zu mnd. 
fanden) Feldhüter, prd79n, pretcm Prenden, rirD9 Rinde, äiTan schinden, 
spiw (plur. die §pint) Spinde, tuwr Zunder, uToen unten, U799rslt 
Unterschied, icet^d (plur. von want) Wände, wir99 Winde. — Aus- 
nahme: hunds Hunde, rämbr Rinder, — jamaim (schon mnd. gemeine 
neben gemeinde) Gemeinde. 

e) Nach a ist nd zm w nur in dem Worte sa'm (Westhavelland 
schände^ wendisch sanda) Sensenband geworden. Es heisst stets äandd 
Schande, bandd Bande, tu ätanda zustande usw. 



24 

f) Analog dem Übergang sb > sp (§ 7lb) ist sd > st > ät in 
dundar^Uix Donnerstag geworden. Dieselbe Lautänderung zu .s^ lag 
in zahlreichen mnd. Dorfnamen vor, wie z. B. Borgerstorp Borgsdorf, 
Egbrechtstorp Eggersdorf, Kavelstorp Kanlsdorf, Riikvestoty Ruhlsdorf, 
Smetstorp Schmetzdorf, Utstorp Ützdorf usw. — Heute werden diese 
Ortsnamen sämtlich mit d geschrieben und gesprochen. 

g) Mnd. unde ist un geworden, doch ist das d in der Formel 
ümundüm 'ganz und gar' erhalten. 

h) Hochdeutsches t ist schon mnd. eingetreten in hüta heute. 

i) Entlehnung aus einer der Mundarten, welche r vokalisieren, 
verbunden mit falscher Umsetzung, liegt vor^'in dt« m(}^d^ (mnd. märe^ 
meckl. mi^^ mq^t) die Mahr, Alp. 

9' 

§ 73. Anlautendes g ist in allen Fällen zu j^ inlautendes, so- 
fern es nicht nach § 68 ausfiel, nach Konsonanten oder palatalen 
Vokalen zu j, nach a und o zu ; geworden. 

Anlautend: anjlüpm anglotzen, jllyi^ sofort, jam ganz, Gans, 
jantar Gänserich, jnvh» am Boden angefrorenes Stück Erde. 

Inlautend: börjd (mnd. niesbar ge) Mistbahre, bräja Brücke, jäj<fr 
Jäger, franj9 (frz. frange) Franse, inuj9 Mücke, rüjd Rücken. 

Inlautend 3: d4>7^n taugen, ho-zj» hohe, inäi^dr mager, ro7^9 Roggen, 
äwayr (Nbf. äwar) Schwager. 

Ausfall und Ersatz durch Nasalieruug des vorangehenden Vokals 
tritt ein in: r^n Regen, regnen. 

ig wird ai, vgl. § 62. 

sg ist i geworden in naislny^ (= mnd. nigesgirig) neugierig. 

eh. 

§ 74. Mnd. ch erscheint nach palatalen Vokalen und nach 
Liquiden als X) T^SLch gutturalen Vokalen als x. 

X: ^te)(^ Steg, we-/^ Weg, tü-/^ Zeug, nij^ nicht, zi/^ sich. — ar/^ 
arg, balx Balg, bar^ Berg. 

x: dax Tag, höx hoch, jüX9n jauchzen. 

In gleicher Weise scheiden die meisten nd. Dialekte beide Laute, 
jedoch nicht alle. In mecklenburgischen Dörfern z. B. kann man 
sehr oft nixt^ rext u. ä. sprechen hören. 

In dem Imperativ diuc (mnl. doch) *tu' ist x aus einer mnd. 
nicht belegten, aus duon erweiterten Form *duojen zu erklären, vgl. 
Franck, Mnl. Gram. § 116, Weinhold, Mhd. Gr. § 362. Gleichfalls 
als alte Formen erweisen sich die Imperative zi^ (as. sih^ mnd. mnl. 
sich) siehe, skuv (as. slah^ mnd. mnl. slach) schlag, jox (mnl. jach, 
jaghe) jage. Nach Analogie sind dann die Neubildungen jox (neben 
i?*) 8^\ ^^^^ (neben ätg») steh entstanden. 

A. 

§ 75. Im Teltow hört man mancherorts ein anlautendes h 
sprechen und umgekehrt ein solches fortlassen; z. B. eute habend 



25 

statt heute abend. Es zeigt sich hierin alter nachwirkender Einfluss 
der wendischen Mundart. In Prenden und den ihm benachbarten 
Dörfern hört man derartiges nicht. 

j- 

§ 76. Unorganisches j ist vorgetreten nur in jaU*hunt^ Allee- 
hund (Schimpfwort). 

j ist entwickelt in ßjdlim Violine, Itfiajdl Lineal. 

hülij9nkiw9r Geschwisterkinder ist nicht aus gleichbedeutendem 
rand. bölekenkinder entwickelt, sondern mit dem Diminutivsufl5x -jen 
gebildet, wie in hölipn (vgl. mnd anebolt Amboß) kleiner Ambos, auf 
dem die Sense geklopft wird. 

k, 

% 11. a) Mnd. k bleibt in der Regel: duk Dach, fak Fach, 
{er?kl Fenchel, hed^rik Hederich, hörkn horchen, ik iks ich, jok (plur. 
jdh^) Joch, kikn gucken, klü^k klug, kükn Küchlein, marak Meerrettig, 
murkl Morchel, tverk Werg, zark (as. mnd. sark) Sarg, zikl Sichel. 

b) k wird jj x m der Endung -lieh z. B. Qrntlij^ ordentlich, in 
ziy sich, lüx9 Luke, mai'yt Markt. 

Dagegen ist blintälaifd Blindschleiche nicht aus blintschllke ent- 
standen, sondern Lehnwort aus dem Md., vgl. mhd. sliefen schlüpfen. 

/. 
§ 78. a) Die Endung -ler wird Iddr: rf^/efor. Taler, hekbr^ hd. 
Heller, urspr. Fischbehälter, jetzt Gehöftname, keldsr Keller, z^ldar 
Seiler, koldifr Koller, wq^tsrmöhbr Müller, taldar Teller. 

b) Die Endung -el in mehrsilbigen Wörtern wird /: truml 
Trommel, dümpl Tümpel, aikl Eichel, neHl Nessel usw. 

c) Mnd. l wird r in kristlr Klystier, wiidsr Windel; — durch 
Dissimilation: A'/p^^T^r Glockenklöpfel, l^^pär (mnd. lepel) Löffel, Mp^t^r 
(mnd. slotel) Schlüssel; — dagegen klöflök (mnd. knuflök, mhd. knobe- 
loHc/i, klobelouch) Knoblauch. . 

d) Mnd. l wird n in kneprwr (zu mnd. kleperen klappern) Storch. 

m, 

§ 79. Auslautendes mnd. m in betonter Silbe ist in fg^^m (mnd. 

vüdem) erhalten, in unbetonter ist es zu n geworden: besn (mnd. bessern) 

Besen, bod^ (mnd. boddenie, bodden) Erdboden, btis7i (mnd. busein^ 

bossein) Busen, ^«flbw (mnd. adetn) Atem, tvrg<*z9n (mnd. wasem) Brodem. 

— torm (mnd. tom) Turm verdankt sein m wohl dem Hochdeutschen. 

— Ausgefallen ist tn in äandäi^d Gensdarm. 

§ 80. a) Inlautendes n vor 5, z ist im Gegensatz zu manchen 
anderen Mundarten erhalten in: jam Gans, uns uns, wiz» unser, Eq 
fehlt wie schon mnd. in jösl junge Gans. 



26 

b) Mnd. n vor unbetontem auslautendem er wird nd: diindsr 
Donner, end^r einer, ßriytsmdmbr Schöffen, hü^pidar Hühner, ketubr 
keiner, mdnd^r Männer. 

c) Mnd. nd wird td siehe § 72 d. 

d) Mnd. n wird m vor Labialen : ßmf fünf, hämp (mnd. hennep) 
Hanf, jumf9r Jungfer, zemp Senf; ferner in brmi (veraltete Nbf. zu 
bren^ bre^gdn) Gehirn, vielleicht übernommen aus einem anderen ndd. 
Dialekt und in diesem unter dem Einfluss von bremworät (Röstwurst 

' aus Schweinsgehirn, Semmel und Rosinen) gebildet, öbrQ^m (mnd. 
dgenbräne) Augenbraue. 

e) Mnd. n wird l in: kloil Knäuel, kliipl (mnd. kluppel^ knuppel) 
Knüppel. — Dagegen ist postl „Pfosten* wohl Diminutiv zu mnd. 
post Pfosten. 

f) Auslautendes mnd. -en wird in zusammenhängender Rede nach 
b oder p zu m, -men wird w, nen wird w, -len wird In. In allen 
übrigen Fällen wird -en zu an oder w. Wird ein Wort einzeln vor- 
gesprochen, so hört man die Endung meist -rin sprechen. 

ben > bm: hebm haben, kribm Krippen, ribyn Rippen. — Nur 
der Heller-Gläser spricht hebn (neben kribm usw.). 

pen > iJm: drüpm tropfen, grlpn greifen, hupm hüpfen, kopm 
kaufen, krüpm kriechen, löpm laufen, rq^^pm aufrafi'en, slipm schleifen. 

men > m: blü(*m Blumen, dum Daumen, hqf^m (mnd. harnen) 
Nachgeburt der Kuh, ju^m Gaumen, Fischkieme, Ao«w kommen, 
ßkg^m gekommen, rif^m Riemen. 

nen > n: bren brennen, dini dienen, dun Daunen, mairi meinen, 
min (accus, zu tnin mein) den meinigen, rön rennen, !^in scheinen, 
utden ausdehnen, J9tve7i gewöhnen. 

fen > In: airsqf^ln Eierschalen, boln Zwiebeln, />rö7n brüllen, faln 
fallen, heln heilen, holn halten, fortein erzählen, foln Füllen, nihi 
wollen. 

g) Nach w, 5, j wird en zu <m: alkowan Alkowen, bluv9n bleiben, 
enVfOU soeben, 9rlöu^i^ erlauben, lecwan leben, malwr^n Schwalben. — 
döT^dn taugen, miij9n Mücken, pre.dijdn predigen. — Neben ki^u^^n, 
plur. zu klfW9 Fischkieme hört man den wohl durch hd. Einfluss be- 
wirkten Plural ki^m, 

h) Nach d, f, r, s, t wird -en zu n: jQrn Garten, bidn bitten, 
brq^dn braten, lidn leiden, redn retten, blafn bellen, börn heben, 
bibdrn beben, födarn fordern, hhidrn hindern, besvt. Besen, utmertm 
ausmerzen, fr^Hn fressen, mütn müssen, hf^tn lassen, ivait^ Weizen. 

i) Zu allen übrigen Fällen hört man, wenn ein kurzer Vokal 
vorangeht, w, bei langem Vokal n oder m: lain, Jahn leihen, trekn 
ziehen, nidkn^ mäk^n Mädchen, raikn^ raik^n reichen, takn Zweige, 
lil^n löschen, kwdtsn quetschen, am mi^Hn^ mirMan am meisten, rüsifn 
rauschen, jyrüäan niesen, fneäm maischen, h^^zn, hö^zdn Hosen, Hasen. 
— Regen, regnen heisst r&n. 



27 

ng (f9), 

§ 81. Mnd. auslautendes ng(k) erscheint als 7jk: etak eng, läwk 
lang, lie zitt?k er sang und er sank. 

Im Gegensatz zu anderen Mundarten ist es als t^ erhalten in 
jmuok (neben J9nux) genug, penirak Pfennig. 

P- 

§ 82. a) Mnd. p ist fast immer erhalten : ziirampdr Sauerampfer, 

'%> Taufe, damp Dampf, dump dumpf, stü^pd Stufe, p^^pdv Pfeffer, 

jmnt Pfand, pQ^l Pfahl, plantd Pflanze, prvm Pfriemen, tapd Zapfen, 

pot Topf, zarp sehr sauer usw. — Ausgefallen ist p in krania Krampe. 

b) Hd. p findet sich in pr^Mf Bräzel, jmkl Buckel. — Dagegen 
ist das auch in Westfalen bekannte piujl Bündel Diminutiv von mnd. 
[ftniffe 'kleiner Sack' (vgl. got. puggs Beutel). 

c) 2^^ ist kein ndd. Anlaut und für manche Dorfschüler noch 
heute unaussprechbar; psalm ist deshalb zu salm, zahn geworden. 
Davon zalm langdauernd reden. 

d) Mnd. ft, fst (< pt, pst) in köfty köfst ist im Präs. durch die 
Neubildung köpt, köpst verdrängt, im Prät. köft^ dagegen erhalten. 

e) Neuentstanden scheint p zwischen m und n in le}np9 (lat. 
(amna, lamina) Messerklinge. 

r. 
§ 83. a) Inlautendes r ist geschwunden in föd^rn fordern, mad9r 
Marder, gfsaüb Ortscheid, atolrt Artillerie, ekairn exerzieren, also vor 
Dentalen. 

b) Vokalisiert ist r in fe^zd Färse, junge Kuh, i^std der erste, 
(loch wird von anderen ferzd, irstd gesprochen. 

c) Neubildung eines r findet sich in kannkl Kaninchen, äwart 
n., (plur. .^iv^^ds) Schwade, tär (ahd. zähi) zähe. Letzteres wird von 
anderen tä gesprochen. Vereinzelt hört man auch da' der, ha' er, 
hdUhok Semmel, eigentlich Hellersemmel, gewöhnlich aber d^, Äf; helwk. 

d) r wird l in balblrn barbieren. 

s. 

§ 84. Anlautend ist mnd. s vor Vokal stets zu Zj sc stets zu ä, 
> vor l, m, H, ir, t, p stets zu s geworden: zant Sand, zupm saufen, 
— snwifH schreiben, sqr Schaar, — slq^n schlagen, ämär Schmeer, 
^nal Schnabel, iw-i/w^/// ohnmächtig, strump Strumpf, ^piwd Spind. 

Auf Grund der Tatsache, dass in gewissen Gegenden §1, am usw. 
aus sl, SM usw. nachweislich erst in der jüngsten Zeit geworden ist, 
in anderen erst in der Gegenwart sich verbreitet und sogar auf 
grossen Gebieten unbekannt ist, hat man mehrfach ausgesprochen, 
dass auf nd. Gebiete .^ in diesen Fällen das Ergebnis eines recht 
jungen Lautwandels sei. Hiergegen ist bezüglich der Mundart des 
Barnim auf die Angaben zu verweisen, welche Christian Pudor, Pre- 
diger zu Straussberg (Oberbarnim) in seinem Buche ;,Der teutschen 
Sprache Grundrichtigkeit*' (Köln a, d. Spree 1672) S. 6 über die 



28 

Aussprache des s macht: ;, selbiges wird vor dem p und t mit einem 
sibilo Gezische [also s-p, s-t] ausgesprochen. E. gr. sprechen, straffen, 
sparen, stehen, spotten. Etliche wollen, dass auch das s vor /; m, n, iv 
ohne ch cum sibilo soll ausgesprochen werden: slagen, smecken, snelt, 
sireigen. Nach dem Exerapel der Lateiner, welche sagen smilax, 
Sleidamis etc. Aber wir lassen uns von den Lateinern hierin nichts 
vorschreiben. Zudem würden wir durch Auslassung des ch in ob- 
berührten Worten in die Pommerische und Westfälische Mundart 
fallen, welche saget, Smertz, Swerd, Smecken.^ 

Da auch heute noch die provinzielle hochdeutsche Aussprache 
beim sp, st usw. die mundartliche gleicher Gegend wiederspiegelt, so 
dürfen wir, was Pudor von dem hochdeutschen s sagt, ohne Anstoss 
auch auf die Mundart des Barnims übertragen. Es ergibt sich dann, 
dass hier zu seiner Zeit zwar noch sj) st, aber schon M, sm, sn, sw 
gesprochen wurde. Diese unterschiedliche Entwicklung beider Laut- 
gruppen kommt in der Prendner Mundart übrigens heute noch in der 
Verschiedenheit der Artikulation zum Ausdruck, vgl. S. 5. 

Ohne weiteres ist vorauszusetzen, dass damals auch .v für mnd. 
sc gesprochen wurde. (Vgl. Nd. Jahrb. 29, 34 § 71). Das für sc ein- 
getretene ä ist vermutlich der Ausgangspunkt der Entwicklung der 
übrigen s gewesen. 

b) In- und auslaut. s — Mnd. ss oder neben Konsonanten 
stehendes s wird s, intervokalisches s zu z, auslautendes postvokales 
s zu s. 

SS > s: hesn (mnd. bessern, beseni) Besen, busn (mnd. busme, 
bossen) Busen, dresln drechseln, drü^sl (mnd. drösle) Drossel, fösd 
Füchse, haslno^t^ Haselnüsse, os9 Ochse, zais9 (mnd. sessen, sesne) Sense. 

s > s m pet9rsilJ9 Petersilie. 

s > z nach kurzem Vokal: bizn durch Bremsenstich wild werden 
(von Kühen), bi(^ Wiege, diz9r dieser, druzln schlummern, dm/n 
(mnd. dusen) gedankenlos sein, kuzl Kiefernbusch, kwazln quasseln, 
niizln nusseln. — Nach langem Vokal: blq^29 Blase, drü^zd Drüse, 
k&zd Käse, wrQ^n Brodem usw. 

Auslautend s > s: 9«s Aas, flas Flachs, fos Fuchs, hüs Haus, 
ris Reis usw. 

c) Mnd. st bleibt nach Vokal stets st: amst Angst, bi^st Biest- 
milch, brost Brust, dest9 desto, distl Distel, distl Deichsel, drtstd dreist, 
dustar düster, festa fest, füsta Faust, harwest Herbst, mst Rost, 
swäst^r Schwester. 

d) rst wird zu r§t in: awerät aber, borst9 Borste, borstd Bersten 
des Eises, Schrunde, börätd Bürste, dorH Durst, dund^rHax Donners- 
tag, för§t9 Dachfirst, jarite Gerste, hörät9 Horst, körät9 Brotkruste, 
worät Wurst 

e) TS vor Vokal wird zu rz in herh Hirse; rz in: ferz9 Färse, 
sonst stets rä: bqr^ Barsche, far§d Verse, mörsdr Mörser. — Aus- 
lautend r§ in bors Bars (Fisch), kars aufrecht, stolz sich bewegend. 
Lehnwort ist hör§ Hirsch. 



f) Mnd. ns wird nz in kränzd Kränze, breinza Bremse, jrunzn 
grunzen, hälzd Hälse, jänzd Gänse. 

g) Es bleibt Is, ns in hals Hals, gränsa Grenze, äimns Schwanz, 
Mmns9 Schwänze, dafisn tanzen usw. und wird lä in dem Lohnwort 
jnVs9 Pilze. 

h) Postkonsonantisches s wird gleichfalls zu ä in hüUkin bischen, 
fH) Axt, jöpsd Handvoll, nuM nichts (mnd. nichtes), — Sonst bleibt s: 
häksl Hecksei. 

i) Mnd. seh erscheint stets als ,^: bruä9 (mhd. brüsche) durch 
Schlag entstandene kleine Anschwellung, ßs Fisch, ßän fischen, flüä 
Flausch, man rauschen. 

k) s ist angetreten in marks, m., Mark (as. marg), wohl gen. partit. 

t. 
§ 85. a) Mnd. t ist in allen Stellungen mit wenigen Ausnahmen 
erhalten, auch in dlstl Deichsel, jäntor Gänserich, jaläntar (mnd. lante) 
Geländer, milta Milz, w^«^/ Nadel. 

b) t ist geschwunden in handüok Handtuch, hinbä)'d Himbeere, 
tiiy nicht, dünv/Jüt Taugenichts. 

c) Neues t ist entwickelt in p^star Äser, plur. von ö«5, Schimpf- 
wort, strütsa Strauss, qnvont soeben, rentlr/i^ reinlich, kitfdrt Koffer. 

d) t wird k in klvik (mnd. ktuit) Kibitz. 

e) Eine Besonderheit ist, dass ein Teil der Prendner mildn 
^müssen ^ sagt, andere sprechen mütn. 

ts (nhd. 2). 

§ 86. Als Wort- oder Silbenanlaut erscheint die Affrikata ^.s* 
nur in Wörtern, welche dem Hochdeutschen oder fremden Sprachen 
entlehnt sind. Der nd. Mundart ist sie ursprünglich fremd, und sie 
wird noch heute vielfach in Mecklenburg und der Mark nicht korrekt 
wiedergegeben, sondern es erscheint statt ihrer ein stimmloses s, 

tsän zehn, tsax zage, tsedl Zettel, tsikd weibliche Ziege, tsipl 
Zipfel, tsoi'd^ sord alte Stutfe, Mähre im verächtlichen Sinne, tswern 
Zwirn, — sw^ zwei, swöhvB zwölf, — tzib9, siba weibliches Schaf oder Ziege. 

Inlautend ist ts nd. Ursprungs durch Zusammentritt von t und 
••f in metHdr (ae. meteseax) Messer. 

Hochdeutscher oder anderer Herkunft ist es in etsit^k (mhd. 
f^ch, mnd. ettik) Essig; fülenfsan faulenzen, kamtsa (mnd. karufse, 
karuss9) Karausche, karwitsa f. Kürbis, kratsn kratzen, kräts9 Kreuz, 
ütmertsan ausmerzen, swetson (mhd. schivetzeu) schwatzen. Auslautend: 
.v/nY.s Seh weiss. 

§ 87. a) Die mnd. stimmlose Spirans /*, welche in den mnd. 
Handschriften im Anlaut meist r geschrieben wird, erscheint durch- 
weg als /", und umgekehrt scheint jedes Prendener f aus mnd. f her- 
vorgegangen zu sein. Das ist wohl auch der Fall in hufd Hüfte, 
vgl mnd. huf (mnd. Wtch. s. v. hufhalt). Ferner bei ivefd^ Striemen 



auf der Haut nach einem Peitschenhiebe, vgl. mnd. wefe, weve Ein- 
schlag in Geweben ; schliesslich bei stlfvgd9r (mnd. stefrader), HtlfzQ<^m 
usw. mit mnd. aber aus dem Hochdeutschen entlehntem f. 
Lehnform aus dem Hochdeutschen ist dlpHQl Diebstahl. 

b) Anlautendes mnd. v erscheint als f: fak Fach, fih viele, fluk 
flach, flu Fleiss, fraidax Freitag, frän fragen, ful voll, fül faul. 

c) Inlautend ist v^ wenn nicht t oder st folgt, nach langen 
Vokalen sowie hinter / oder r zu lo geworden: blttven bleiben, bn^we 
Briefe, fit€9r Fieber, hüwl Hobel, n§^wl Nebel, swP^wl Schwefel, slir^ 
Scheibe, z§«tv9 Siebe. — halw9 tnate halbe Metze, kälw9r Kälber, zalipd 
Salbe, — harto9st Herbst, $arv?9 Scherbe, ärütm Schraube, ätartvan sterben. 

d) Nach kurzen Vokalen, ferner vor t oder st^ sowie im Auslaut 
wird, wie schon im Mnd. und zum Teil As. v (as. b) durch f vertreten : 
blafn bellen, gafl Gabel, barft barfuss, drift Trift, jeft gibt, hoftlant 
(mnd. hovet'y hoft-) Kopfende des Pfluglandes, krPft (mnd. krevet^ kreft) 
Krebs, Q<*ft (mnd. ovet) Obst, — derfst darfst, jafnt gabst, — jraf 
Grab, half halb, halfter Halfter, kalf Kalb, Hoi-f starb, zef Sieb. 

e) Über Schwund von v hinter a vgl. § 69. 

w, 

§ 88. a) Anlautend ist mnd. ivr erhalten in icraron ringen, 
wrmM Wränge, torüj Rügegericht (veraltet), tcrö^zm Brodem, trrük^ 
Futterrübe, wrat9 Warze. — Ausnahmen: rliran (sclion mnd. urheu 
und r%ve}i) reiben, rQ^^zn (hd., mnd. wrase) Rasen. 

b) Mnd. wl wird / in lü^nwrv/^ (zu mnd. ulöm^ osnabr. tvlom) 
trübe vom Wasser 

c) Mnd. w wird m in majcoUbr Wachholder. 

d) Inlautend ist w aus u vor Vokal entwickelt in feifvrwQr Februar. 

e) Über vokalisiertes w vgl. § 63. 

f) Inlautend steht w nur nach langem Vokal, sowie nach / oder 
r: ewif^ haui/t Habicht (auch häirala)^ Iowd Löwe, — uiUwi) Milbe, 
.^iralfr<) Schwalbe — jerwon gerben, konvitm) Kürbis. 



Anhang.^) 

Monophtho]igierang8vorg&nf>;e. 

§ 89. Mnd. d und tl. o, a sind in Freuden zu $» geworden, 
es heisst also §q<^p Schaf, hq<^n9 Hahn, zq<^m Sohn (§S 18, 19, 21, 23). 

Diese Regel erleidet eine scheinbare Ausnahme, wenn nach jenen 
mnd. Vokalen ge oder ve durch Kontraktion ausgefallen ist. Aus 
mnd. vagel^ vogel ist /il/, aus bavme^ borene ist bäw geworden. Vgl. 
§§ 68, 69. 



1) Die Ausführungen, welche der Anhang bietet, sollen teils Einzelheiten 
der Prendener Mundart erläutern, teils dieselbe für ausserhalb dieser Mundart 
liegende Fragen verwerten. 



£& erhebt sich also die Frage, ob hier das mnd. lange a sich 
erhalten hat, oder ob es das Ergebnis eines besonderen lautlichen 
Vorganges ist. 

Nach der Regel, dass altes ä zu 9^ wird, müsste aus fdl Vogel, 
hdn9 oben fg^b bq^n9 geworden sein, wenn der Ausfall des ve und ge 
älter wäre als das Lautgesetz, welches ä zu ö^ werden Hess. Es 
muss also die Diphthongierung zu Q^ älter als der Schwund von ge 
und ve sein. Nach dieser Feststellung wird man den Vorgang, welcher 
die Monophthongierung von ^o zu ä bewirkt hat, ermitteln können. 

Aus mnd. age^ ave entstand zunächst $«3«, Q^wd\ als in diesen 
Lautverbindnugen die mit starkem Stimmton aber schwachem Geräusch 
gebildeten Spiranten unterdrückt wurden, geschah dies, indem man 
die zur Geräuschbildung nötige Hebung der Hinterzunge unterliess 
und annähernd so lange Zeit, als jene Artikulation erfordert hätte, 
den unmittelbar vorangehenden Schlusslaut des Diphthongs ^^ anhielt 
und ihm die ganze Kraft des Stimmtones, den 3 oder v erforderten, 
zukommen Hess. Die Tatsache, dass in den so entstandenen Lauten 
tf der erste Vokal ausfiel, rechtfertigt die Annahme, dass mit der 
Dehnung und Tonverstärkung des a eine Verschiebung des Silben- 
akzentes von 9 zu ö verbunden war. 

Die vorstehende Darlegung, dass es sich bei dem besprochenen 
Vorgänge um eine Monophthongierung handelt, findet ihre Bestätigung 
dadurch, dass ganz analoge ErscLeinungen in allen übrigen Fällen, 
wo ge, oder ve nach einem Diphthong ausgefallen sind, sich ergeben 
haben. Zahlreiche Belege hierfür bieten die § 64. 65 zu^mmen.^e- 
stellten Wortformen. Es mag genügen, wenn hier nur noch an einigen 
Beispielen die Wandlung diphthongischer Laute zu einfachen dar- 
gelegt wird. 

Mnd. tl. e ist e/ geworden, z. B. lever Leber zu l^^iwr. Eine 
Ausnahme bewirkt auch hier der Ausfall eines ge oder ve. Es ist 
geworden: knevel Knebel über H-ne/wdl zu kml^ flegel Dreschflegel über 
ß^;},3l zu /g/. 

Ferner wird mnd. tl. ö zu ^^, also söne Söhne zu z^^m (§ 22). 
Dagegen ist (§ 68 d) tröge Tröge über Hv^^t^q zu Ire geworden. 

Mnd. e^ hat sich sonst zu i^ entwickelt (§ 30). Dagegen ist 
mnd. rlegeii fliegen nicht *ßi^yn sondern flen geworden. 

Mnd 6^ erscheint sonst als ü^ (§ 33). Dagefjen ist geworden 
mnd. hoven Hufen nicht hüoiren sondern hön. Mnd. 8^ erscheint sonst 
als ?/«. Letzteres muss aus ü^ entstanden sein; dafür spricht nicht 
nur die Theorie des Umlautes, sondern auch folgender Lautwechsel: 
Ks ist mnd. A^^gen säugen über "^zü^yn zu zon geworden. 

Einen literarischen Beleg für alten Ausfall von ge und ve bietet 
das im Nd. Korr.-Bl. 11 S. 66 gedruckte Kremmener Hochzeitsgedicht 
von 1698, in welchem sich grüel statt grihvely schräen statt schregen 
findet (Vers 2 und 52). 



Zorn Vokalismas der Nenmark. 

§ 90. Die in dem yorangegangenen Abschnitte gewonnenen 
Ergebnisse dürften grundlegend für die richtige Auffassung der Ent- 
wicklung einer ganzen Reihe Vokale der neumärkischen Mundart sein. 
Eine Laut- und Flexionslehre dieser märkischen Mundart, die dem 
Barnimer Dialekt benachbart ist, hat H. Teuchert in der Zeitschrift 
f. dtsche. Mundarten 2, 103 ff. gegeben. Er bietet als heutige Ent- 
sprechungen mnd. tonlanger und mancher mnd. organisch langer 
Vokale durchweg Monophthonge, wo im echten Prendener Platt Di- 
phthonge oder doppelgipflige Laute gesprochen werden, und sieht 
in ihnen unmittelbare Fortsetzungen älterer Monophthonge. 

Es ist nun bemerkenswert, dass in seiner Mundart, welche 
gleichfalls den Schwund des ge und ve aufweist, gewisse Vokale sich 
yerschieden entwickelt haben, je nachdem ge ve ausgefallen ist oder 
nicht, z. B. 

mnd. tl. a > 9 (Prenden 9» $), aber age > ä 
r> n oK^ > g { „ „ „), „ oge > a 

Es heisst also neumärkisch wie in Prenden: ämt (Pr. änt) Abend, 
an Ofen, J9flan geflogen, lidl Hagel, ma(9) Magen, näl Nagel, plä(9) 
Plage, ivän Wagen usw. Man wird für diese ä dieselbe Entstehung 
annehmen müssen, wie für die Prendener, also alte 9« vorauszusetzen 
haben. 

Wenn Teuchert § 30 zur Erklärung bemerkt „Im Nmk. bleibt 
bei a {\7) vor 3, j und v die ursprüngliche Qualität erhalten **, so 
muss ihm seine eigene Annahme, § 30, dass tl. a sich schon mnd. 
zu einem verdumpften. also weit offenen ö oder Q entwickelt habe, 
Schwierigkeit machen. Das heutige reine a müsste dank dem Ein- 
flüsse des Spiranten 3 oder v seine Qualität aus der älteren mnd. 
Zeit bewahrt haben. Dazu steht aber im Widerspruch, dass auch 
das erst in späterer Zeit aus entstandene, schon bei seiner Ent- 
stehung (vgl. Mackel, Nd. Jahrbuch 32 s. 6, § 189,4) dumpfe a heute 
in reines a verwandelt wäre; vgl. mnd. vogel, vagel^ heute fal. 

Vergleicht man die Lautentwicklung des Neumärkischen mit 
der im Barnim, so trifft man auch sonst auf Übereinstimmungen, 
welche überraschen müssten, wenn die benachbarten Mundarten nicht 
von oft gleichen alten Formen ausgegangen und in älterer Zeit gleiche 
Wege gewandelt wären. Der Unterschied ist öfter nur der, dass 
Prenden einen älteren Lautstand bewahrt, die Neumark mit oft hoch- 
deutscher Lauteinsetzung diphthongische oder doppelgipflige Laute 
in einfache gewandelt hat. Verwertet man diese Beobachtung, so 
wird man auch andere heute einfache Vokale der Neumark auf alte 
Diphthonge zurückfuhren. 

Teuchert führt z. B. l in brtf Brief, dmst Dienst, „unter hd. 
Einfluss* auf mnd. e zurück. Einfacher erklärt sich l als entstanden 
aus f«, was Prenden neben « noch heute bietet und worauf viele 



33 

Schreibungen in mnd. märkisclien Urkunden deuten. Ähnlich verhält 
es sich mit nmk. ü in blürm usw. Auch hier bietet Prenden die 
Vorstufe üo^ ü. 

Die Entsteliniig des Berliner a. 

§ 91. Das lange a hat schon im Mittelalter in fast allen 
deutschen Mundarten begonnen sich im Klange dem ö zu nähern, 
und ist heute, wenn man von dem westlichen Ostfriesland absieht, 
in allen Mundarten Norddeutschlands zu g oder einem $- ahn liehen 
Laute geworden. Eine Ausnahme macht ein Landstrich Braunschweigs, 
wo statt ^ ein dem f ähnlicher Laut begegnet. Mit dem sich nach 
g bezw. § bewegenden langen a ist das ndd. tonlange a zusammen- 
gefallen ; nur in Westfalen und am Niederrhein hat es sich als reines ä 
erhalten, und so sind die hier gesprochenen Mundarten die einzigen, 
welche altes ä bewahrt haben. Ein besonderer Fall liegt in der 
Mundart des alten ,, Landes Berlin^ oder des Barnim vor, wo zwar 
gleichfalls die langen und tonlangen a zu 9 geworden sind, sich aber 
durch die oben § 68 dargelegten Vorgänge ein neues reines ä in 
einer Anzahl von Wörtern entwickelt hat. 

Als man in den Städten Niederdeutschlands begann hochdeutsch 
zu reden, nahm man nicht die Aussprache Ober- oder Mitteldeutsch- 
lands, wo übrigens gleichfalls altes ä fast durchweg 9 oder ö geworden 
war, zur Richtschnur, sondern man sprach in den zunächst aus Hand- 
schriften oder gedruckten Büchern erlernten hochdeutschen Wort- 
formen die einzelnen Buchstaben so aus, wie man es bei mnd. Schrift- 
stücken gewöhnt war. Beispiel solcher durch die Schrift veranlassten 
Vertretung hochdeutscher durch niederdeutsche Laute ist z. B. der 
Verschlusslaut b statt der von den Mittel- und Süddeutschen ge- 
sprochenen stimmlosen Lenis in Worten wie ;,bin*, »BeiP, oder statt 
der Spirans v in Worten wie „aber, eben^. In gleicher Art verfuhr 
man mit dem hd. langen a; dort, wo die nd. Mundarten ein reines a 
kannten, wurde es als solches, sonst überall anfangs als Q^)y später 
als dumpfes ä gesprochen. Die Aussprache des a mit o-Klang als 
sogenanntes offenes oder dumpfes a, welche noch heute in vielen 
Städten trotz der Anweisung der Schule und des Vorbildes der Bühnen- 
sprache weite Ausdehnung hat, war noch vor sechzig Jahren auch 
unter Gebildeten sehr verbreitet, und ältere Herren wissen von den 
Mühen der Lehrer zu erzählen, ihren kleinen Schülern die Aussprache 
ff}for, tqt Vater, Tat, abzugewöhnen. Nur an der holländischen Grenze, 
in Westfalen und in Berlin hörte man allgemein reines ä sprechen. 
In jenen westlichsten Teilen Deutschlands erklärte sich die Anwendung 
des reinen a aus seiner Erhaltung in den dortigen Mundarten. Für 
Berlin, aus dessen näherer Nachbarschaft noch keine Mundart dar- 
gestellt war, folgerte man dasselbe. Auch seine alte Mundart müsste 
es bewahrt gehabt haben. Die vermutete Herkunft der alten Besiedler 

1) Vgl. Georg UoUeDhagens Angaben, Nd. Jahrbuch 18, 120. 

Ni6d«Tdeatsc1ieB Jahrbnoh XXXIV. S 



34 

der Mark vom Niederrhein stimmte gut zu der Annahme. Diese 
schien jener Vermutung eine neue Stütze zu geben. Die in der vor- 
liegenden Arbeit gewonnenen Ergebnisse nehmen zwar diesen historischen 
Annahmen den Boden, bestätigen aber, dass in der Tat Berlins alte 
Mundart ein reines a gekannt hat. 

Die Herkunft des Berliner a hat besonderes Interesse, weil es, 
wenn Trautmann u. a. recht haben, von der Schul- und Bühnensprache 
(vgl. Trautmann, Die Sprachlaute, Halle 1884 §§ 339, 915) über- 
nommen ist. Für die hier behandelten Fragen ist es vielleicht von 
Bedeutung als ein Mittel das Alter der § 68 untersuchten Laut- 
wandelung bestimmen zu helfen. Diese muss mindestens früher be- 
gonnen haben, als das Berliner reine a alt ist. 

Die hier vorgetragene Annahme hat zur Voraussetzung, dass 
das a nicht etwa dem Einflüsse der seit 1682 in Berlin bestehenden 
französischen Kolonie auf die Berliner Schulen und die Berliner Bühne 
seine Entstehung verdankt. Es wird sich nachweisen lassen, dass 
das reine a der Mark Brandenburg schon gesprochen wurde, ehe ein 
solcher Einfluss gewirkt haben kann. 

Dass 1715 das reine a schon eine Eigentümlichkeit der mär- 
kischen Aussprache des Hochdeutschen war, bezeugt der Bautzener 
Longolius in seiner in jenem Jahre erschienenen ;,Einleitung zu gründ- 
licher Erkäntniss einer jeden Sprache^. Seite 10 unterscheidet er 
nämlich „das Männer a mit langem Munde wie bey den Schlesiern^ 
und „das Weiber a mit breitem Munde wie bei den Märekern''. 

Night ganz so eindeutig ist ein noch älteres Zeugnis. „Deutsches 
Lesebüchlein'' (Berlin 1639) Bl. 3b heisst es: „Merket, es wird nicht 
undienstlich seyn, den Kindern die Veränderungen des Schalles in 
den Vokalen anzuzeigen. Alss: haUj haar, ha ein hell ä als im Wort 
Bart, hä ein dumpfig ä als im Wort hold etc. Bie, Bier, bi (helle) 
Bisem, bi (dumpfig) bin. Bö, Böge, bö, Boltz*' usw. Es wird also 
der offene I^aut der kurzen Vokale dem geschlossenen der langen 
entgegengestellt und dem langen a die Qualität der geschlossenen 
Vokale beigelegt. — Es ist zu Anfang dieses Abschnittes darauf hin- 
gewiesen, dass in den Landstrichen, in denen sonst reines a im Hd. 
gesprochen wurde, auch die Mundart ein solches a kannte. Man 
wird dieselbe Erklärung auch auf das Berliner a übertragen und 
weiter annehmen müssen, dass die nach § 68 entwickelten a schon 
in der Mundart vorhanden waren, als das Hochdeutsche in Berlin 
Schul- und Volkssprache wurde. 

Die Entstehung der Tondehnnng. 

§ 92. Der Niederbarnim ist von den Deutschen erst nach 1220 
(S. 1) besiedelt worden. Dass damals die Tondehnung schon im 
linkselbischen Stammlande vorhanden war und die durch sie aus i 
und u entstandenen tonlangen e und o für die Entstehungszeit der 
niederbarnimschen Mundart vorausgesetzt werden dürfen, wird sich 
erweisen lassen. Bisher ist die Zeit, in welcher die Tondehnung be- 
gann oder ihren Abschluss fand, noch nicht festgestellt worden. Bei 



35 

ihrer Ermittlung ist man wegen des Mangels datierter deutscher 
Schriften aus der Zeit vor 1227 auf die mnd. Eigennamen in lateinischen 
Urkunden angewiesen. Die Durchsicht einer Anzahl Urkunden bücher 
ndd. Städte ergibt, dass die alten Namensformen mit i und u im 
13. Jahrb. von den Schreibern noch lange festgehalten wurden, und 
tonlange e und o nur vereinzelt zwischen und neben jenen begegnen. 
Derselbe Schreibergebrauch tritt uns noch in dem ältesten datierbaren 
mnd. Prosadenkmal, dem Braunschweiger Stadtrecht von 1227 (Ur- 
kundenbuch der Stadt Braunschweig 1, S. 3 ff.) entgegen. Wie in 
den gleichzeitigen Urkunden überwiegt noch die alte Schreibung mit 
i, H, nur vereinzelt finden sich die neuen e und o z. B. enie ihm § 9. 
12. 21. 31; me ihn 25. 32; erm ihren 38; hegrepmi ergriffen 24; 
heneden unter 48; h'eket bricht 8; speletnan Spielleute 21 ; vrede Friede 
32. 57. 64 ö.; wete wisse 23. 26 ; schotelen Schüsseln 21. Die frühesten 
Belege der Tondehnung, welche ich gefunden habe, bieten die in A. 
U. ab Erath's Codex diplomaticus Qmdlinhurgensis (Fraticofurti ad M. 
1764) abgedruckten Originalurkunden in den Namensformen der Stadt 
Quedlinburg, as. Quidelingaburg, ahd. Quitilincahurc, Die älteste Ur- 
kunde mit einem tonlangen «, S. 101, n. 28 ist von 1180, die Aus- 
stellerin nennt sich Athelheidis Qiiedelingehirgensis abbatissa. Die 
nächst ältesten Belege finden sich in den nicht datierten Urkunden 
bei Erath S. 111 f nr. 43. 44. Da die Ausstellerin Agnes Qtiede- 
lingilnirgetisis abbatissa dieses von 1184 — 1203 (s. Fritsch, Geschichte 
der Stadt Quedlinburg 1, 118 ff.) war, müssen die Urkunden in dieser 
Zeit geschrieben sein. Fernere Belege mit Q^iedelingheburg enthalten 
die Urkunden auf S. 127 nr. 10 von 1208, S. 137 nr. 23 von c. 1219 
und S. 139 n. 29 von 1222. Tonlanges e findet man ferner S. 124 
nr. 7 V. j. 1206 in dem Ortsnamen Wenethmeti (heute Wendhausen), 
dessen ältere Form Winathehtisiün, Winethusen war. Fast genau ebenso 
alt wie der früheste Beleg der Namensform Quedelingeburg mit e statt 
altem i ist die älteste mir bekannte Urkunde, welche das aus altem u 
entstandene tonlange o aufweist. Sie findet sich in den von v. Schmidt- 
Phiseldeck bearbeiteten „Urkunden des Klosters Stötterlingeburg^ 
f Halle 1874) als Nr. 4, ist v. J. 1182 und enthält dreimal die Form 
Stoterlinge, während die älteren Urkunden und auch die wenigen uns 
aus der Zeit zwischen 1182 bis 1272 erhaltenen die Form Stuterlinge- 
bürg bieten. 

Wenn die tonlängen e und o schon um 1180 in der Schrift er- 
scheinen, darf ohne Weiteres angenommen werden, dass sie selbst 
oder doch die sie erzeugende besondere Aussprache der alten i und u 
in betonten offenen Silben schon früher im Volksmunde vorhanden 
waren und von den alten Kolonisten der Mark aus dem linkselbischen 
Stammlande in die neue rechtselbische Heimat mitgebracht wurden, 
und zwar nicht allein von den Besiedlern des erst nach 1220 deutsch 
gewordenen Barnim, sondern schon von den unter Albrecht dem Bären 
(1134 — 1170) die alte Nordmark besiedelnden Deutschen. 

Schwieriger ist die Feststellung des phonetischen Wertes, welchen 
die durch die Tondehnung sich entwickelnden Laute anfänglich hatten. 

3* 



36 



Die nahe liegende Annahme, dass sich aus i und u zunächst Zwischen- 
laute, dann geschlossene e und o entwickelt haben, scheint freilich 
durch die heutige Mundart eines Teiles der Provinz Sachsen unter- 
stützt zu werden. In Quedlinburg, Oschersleben usw. ist tonl. e später 
mit dem mnd. Umlaut e zusammengefallen, und es haben die tl. e 
und heute genau die geschlossene Aussprache der alten Längen e 
und ö. Nur wo später Vokalkürzung eingetreten ist, erscheinen 
offene e und o, es also ik nerm ich nehme, f6h viele, j6m geben, aber 
d§rem geschrieben und kwedlnbory^ Quedlinburg, böbm oben, dhrökn 
gebrochen, aber dnom genommen heisst. 

Ganz anders stellt sich jedoch die Entwicklung ausserhalb dieses 
Gebietes, wie die nachstehende Tabelle erkennen lässt, in der, um 
eine Vergleichung möglich zu machen, auch das mnd. Ümlauts-e und 
das aus westgerm. au entstandene o berücksichtigt sind. 



Mnd. tl. 


a 


e 


e 








n 


6 

Uli 

ö 



As. 


a 


e 


i 





u 


e 


Münster 


a 


'V, /« 


{% l^ 


«0; ÜO 


u^, ü^ 


Gl 


Oschersleben 


Q 


5 


e 


ö 
Q 


ö 


e 
e 


Mecklenburg 


9 


? 


? 


Q 


Prenden 


qa 


r 


ee 


qa 


ga 


e 


ö 



Geht man von der Voraussetzung aus, dass die Entwicklung 
der verschiedenen Bezirksmundarten von wesentlich gleichen Anfängen 
ausgegangen ist, so erscheint die Annahme, dass die tl. mnd. e und o 
anfangs monophthongische Vokale waren, angesichts der heutigen 
Entsprechungen in Münster usw. nicht haltbar. In diesem Falle hätten 
sie z. B. in Mecklenburg wie in Prenden irgendwann mit mnd. (t^ 
und 6^ zusammenfallen müssen. Wird aber ausgeschlossen, dass die 
tl. e und allmählich sich dehnende Monophthonge waren, so bleibt 
nur übrig in ihnen ursprünglich kurze Vokale zu sehen, welche in- 
folge der Schwächung des Endsilbenaccentes zu dem eigenen einen 
schwächeren zweiten Accent erhielten, d. h. zu Vokalen mit schleifendem 
Accent wurden, unter dem sich zunächst ein überkurzer Vokal hinter 
dem ursprünglichen i oder w, also zunächst i^ und m« bildete. Die 
weitere Entwicklung führte dann, je nach den Sondergesetzen der 
einzelnen Bezirksmundarten, allmählich zu einfachen Längen oder 
Diphthongen. Wenn Ghytraeus 1582 und andere Mecklenburger vor 
ihm (Nerger, Grammatik des meklenb. Dialektes § 26) das tonl. e 
durch ein übergesetztes kleines « bezeichnen, welches sie bei dem 
ursprünglich langen e nicht verwenden, so kann man hieraus schliessen, 
dass dieses übergesetzte « nicht Zeichen der Länge ist, sondern den 



37 

damals noch hörbaren nachschlagenden Vokal bezeichnet. Für das 
Mittelniederdeutsche ergibt sich aber, dass die tl. e und o auf einem 
grossen Teil seines Gebietes noch diphthongische Laute waren. Wenn 
sie trotzdem in den mnd. Handschriften als einfache Vokale erscheinen, 
so erklärt sich diese Tatsache aus der mnd. Regel, dass Diphthonge 
durch einen einzigen ihrer vokalischen Komponenten bezeichnet werden 
konnten. 

Zu Laarembergs Seherzgedicht I. v. 18 n. 21. 

§ 93. Nachdem Lauremberg die Lehre von der Seelenwanderung 
kurz dargelegt hat, fahrt er fort: 

17, Ein Kriegsman und Soldat, wenn em de Seel entführ, 
Keem se tooll in ein Peer dt, edr in eine olde Sör. 

21. Ein riker Wanst, de sich stattlich tracteren plecht, 
De würde woll ein Svoyn, und eet, mit Gunst gesecht. 

In diesen Versen ist das Wort Sör bisher von allen Übersetzern 
und Erklärern als *Sau' aufgefasst worden. Schon die dänische 
Übersetzung von 1652 (Neue Ausgabe von Paludan, Kjöbenhavn 1889), 
von der man gern vermuten möchte, dass sie unter einiger Mitwirkung 
Laurembergs veranstaltet sei, hat das Wort so verstanden. 

En Krigs Mand oc Soldat naar som hans Sial udfoer, 
Kom den udi en Seat, eller i Svine Hiord. 

Der allgemeinen Annahme folgt auch Braune, wenn er S. 112 
seiner Ausgabe sagt: „Sör f. Sau. Aus dem Dänischen so, plur. söer. 
Sonst braucht L. stets das ndd. Söge.^ 

Da Lauremberg lange Jahre Professor an der dänischen Akademie 
in Soroe war, ist die Annahme von Danismen in seinen Scherzgedichten 
zulässig. Trotzdem ist es nicht verständlich, dass Lauremberg eine 
Sör gesagt haben soll, wenn im Dänischen eine Sau en So heisst und 
Söer stets Plural ist. Auch lässt sich gegen diese Erklärung anführen, 
dass einige Verse später, V. 22, das Schwein als die geeignete Stätte 
für die Seele reicher Dickwanste genannt wird. 

Die künstliche Deutung von Sör als Sau, mnd. söge, dänisch so, 
verdankt ihre Entstehung dem Umstände, dass bisher kein gleiches 
ndd. Wort nachgewiesen ist, welches hier in den Zusammenhang passt. 
In § 86 dieser Arbeit ist ein solches W'ort gefunden. Das hier ver- 
zeichnete tsor9 ^schlechte Stute" kann, wie nachgewiesen werden soll, 
zu Laurembergs Sör stimmen, und man wird, da mnd. pert (mnd. 
Wtbch. 3, 322) im besonderen ^Hengst* bedeuten kann, Vers 18 
übersetzen dürfen: ;,kam die Seele eines Soldaten in einen Hengst 
oder je nachdem in eine alte Stute." Das Beiwort ^alte" wird noch 
heute gern mit tsore verbunden, da dieses Wort genau wie mhd. 
gurre, gorre zur herabsetzenden Bezeichnung alter schlechter Stuten dient. 

Zur Stütze der neuen Erklärung bedarf es noch zweier Nach- 
weise, erstens des Vorkommens des Wortes in äjterer Zeit und in 
Mecklenburg, zweitens der Möglichkeit, dass s statt z in tsore ge- 
schrieben werden konnte. 



38 

Dass das Wort auch in Mecklenburg und Vorpommern bekannt 
ist, beweist der Beleg bei Gilow, De Diere (Anklam 1871) S. 769. 
j^Zür^ Züre, Zöi% Zurre, ein altes schlechtes Pferd^. Einen Beleg 
V. J. 1675 bietet das ndd. Lied im Ndd. Jhb. 31, 43 vgl. Anm. 1, 
in der meine Erklärung bereits angedeutet ist.^) 

Die Möglichkeit, dass im Anlaut das schriftsprachlich richtige z 
(= lautspr. ts) mit s wiedergegeben werden könnte, folgt gleichfalls 
aus der § 86 bereits mitgeteilfen Tatsache, dass von Niederdeutschen 
im Anlaut statt des hd. z {ts) oft einfaches stimmloses 5 gesprochen 
wird. Auch in Mecklenburg ist das der Fall, wie Nerger § 67, vgl. 
auch Mackel Nd. Jhb. 31 S. 156 §7, ausdrücklich bezeugt. Zahl- 
reiche Belege für die Verwechslung von hd. s und hd. z bietet auch 
das mnd. Wtb. vgl. z. B. sahel, zahil; sage, z(ige; sedele, tzedule; seder, 
ceder; sedner, czedewar^ zedetvort; sege tzege; sirät, tzirot; siren tziren 
usw. Um so eher konnte Lauremberg sich für s entscheiden, da er 
in Dänemark lebte. Die dänische Aussprache setzt s^ets stimmloses 8 
für anlautendes hd. z ein. 

Ein kleines Erlebnis in Dänemark, wo ich so oft deutsch redende 
Dänen ,,ßeit^ statt „zeit" aussprechen hörte, ermöglicht mir die richtige 
Deutung einer zweiten bislang gleichfalls nicht verstandenen Stelle 
der oben angeführten Verse. Ein älterer Herr fragte eine Dame: 
„Haben Frau Doktor schon Erdbeeren gefressen?^ Als die deutsche 
Dame tat, als wenn sie die Frage nicht gehört habe, wiedei'holte er 
sie mit erhobener Stimme so laut, dass die ganze Tischgesellschaft 
sie vernahm und eine der anwesenden dänischen Damen den unbe- 
absichtigten Missgriflf des alten Herren erklärte und entschuldigte. — 
Das lautlich dem ndd. eten^ hd. e^sen entsprechende dänische Wort 
cede wird nur vom Vieh gebraucht. Jenem dänischen Herren wollte 
deshalb das Wort „essen** nicht über die Zunge. Er geriet auf das 
Wort „fressen" und kam so zu dem Missgriflf, den er gerade hatte 
vermeiden wollen. 

Aus demselben Gefühl, dass eten eigentlich kein schickliches 
Wort sei, wenn von einem Menschen die Rede ist, fügte Lauremberg 
den Worten und eet die Formel mit gunst gesecht bei. Die Stelle 



^) Herrn Proiessor Dr. Siebs verdanke ich den Hinweis auf folgende aus 
einem mhd. Arzneibuche des 14/15. Jahrh. in den Mitteüungen der Schles. Gesell- 
schaft für Volkskunde Heft 13 (Breslau 1905) S. 23 abgedruckte Stelle: wer verrc 
riten sal, der sal verbenam unde arthemisiam dem pherde under den scopph binden, 
es erliget numtner unde wert ouch ummer (lies nummer) czüre. Ein anderes 
Arzneibuch^ hrg. von F. Pfeiffer in den Wiener Sitzungsberichten, hist-phil. Classe, 
Bd. 42 (1863) S. 150 bietet dieselbe Stelle mit dem Wortlaut Swer verre riten sol, 
der binde verbenam unde artimisiam dem ross umbe den schoph, zwar, es erlit 
nimmer, es entoirt ouch nimmer ze rceche. Die sinngleiche Wiedergabe der ge- 
meinsamen Quelle beider Arzneibücher vorausgesetzt, muss züre = ze rieche, also 
^steif bedeuten. Das Wort züre fehlt bei Lexer, mnd würde ihm t^re entsprechen, 
und es würde dann mit dem mnd. Verbum tären verwandt sein, welches sich bei 
Pseudo-Gerhard von Minden, Fab. 59, 65 findet. £in Esel sagt hier zu einem 
Pferde : Nu ju des tomes is vorduret, nu ju de lamen lede turet, nu is der stolt- 
heit ju gesturet. 



39 

wird man also sinngemäss zu übersetzen haben : ^Ein reicher Dick- 
wanst würde wohl ein Schwein und frässe, mit Respekt gesagt.* Dass 
mnd. eten auch ^fressen*' bedeutet, belegt das mnd. Wörterbuch. 

Spracbprobe. 

§ 94. Die Sätze, deren Übertragungen Wenkers Sprachatlas 
zugrunde liegen, lauten in der Mundart von Prenden: 

1. in tvint9r flen dt« dron blädar döry^ die luft rämhär. — 2. et 
hört jlly up tü^ änami, den wart ddt ice^ddr wecbr besar. — 3. diix 
kö^ln in den kaxl'än, dat di« melk bah an tu« koxon fant. — 4. d^ 
jü^d^ oh man is met ddt pärt dörf^ ddt zs jdbrqf^kii un in ddt koh 
tvö^tdr jdfaln. — 5. he is för ßr öd^r zeks woxn JBätortmn. — 6. ddt 
für icgr tü^ heta, dif kü^kn zint jQ umn jans äwart jdbrdnt, — 7. he 
et die dir ümar g<^n9 zolt un p^^p^r, — 8. dl^ füeto dün ml zlrd iv^, 
ik jloico, ik hebd zi^ döiyjdlöpm. — 9. ik bin bl di» frau ßwest un 
heb9 et ^r jdzast, un zl^ zexh, zi^ tvolt ök pvdr doxter zejen (^auch zän), 
— 10. ik tril et ök niy weckr düon. — 11. ik älg« d% jliy^ met den 
koxl^^pdr um dd örn, du Q^psl — 12. wo jaistü hen, zöh m met dl 
j(}^n? — 13. et zint äleyta tldn, — 14. min llnvdt kint, bltf hie uwri 
Hq^n, die hozd jdnzo bltn dl döt. — 15. du hest hüto am mlrstn jdllrt 
im bist grtiy ßtvest, du derfst fro9r na hüza jq<^n as die amrn, — 
16. du bist nox niy jröt jdnnx um end flasd wln üt tu dritjkn, du 
mütst trst nox en em wasn un jroter wern, — 17. zl zö jüet un zejd 
dim §tcdst9r, zie zal die kled^r för jatw mutr fertig nän un met die 
bör§t9 raim mQ^kn, — 18. hetst du etn jdkent, den w^rdt änderet p- 
kq^m, un et d^do bes9r met em stq^i, — 19. w^ het ml min korf met 
jle^ JQätgf'ln ? — 20. h§ het zö jadö^^n, as hedn zte em tum drö§n bd- 
stelt; zie hebm et äuvr alend jddgn, — 21. wen het h§ die naid jaäiyp 
f^rtelt? — 22. man milt lüt ärain, ziis farätait he uns niy . — 23. wi 
zint müedd un hebm dorät. — 24. as wi jist9rn änt turiijd kern, dq<* 
län die andam äön tue hedd un wgrn festa inj9älg^pm. — 25. dq änB 
is diz9 naxt bi uns lijn jdbl^etc^n, äu^r hüte morjdn is he J9ämoltn. — 

26. hitc^r unzd hüs stg^n drai Sono djylbomdkins met röds dp/kins. — 

27. km jl niy nox Sn önblik up uns wgrri, den jg^n wi 7net jau. — 

28. jl denvon niy zona kiT^araion drUv9n. — 29. unz9 bdrjd zint niy^ 
zird höx, die jaun zint fib hojor. — 30. wo fib punt wor§t un wo fib 
bröt wiln jl hebm? — 31. ik fdrstg jau niy^ ji müdn en bütskin lübr 
fipr^ekn, — 32. hebe ji kdn stükjdn unt9 zepe för ml up min düä jd- 
fu79n? — 33. zin brüedor wil ziy twe sono naie hüzsr in jaion jq^rn 
bann. — 34. ddt wört kam etn fönt hdrte. — 35. ddt wQr re-yt fon 
em. — 36. wat zitn dgf^ för fäbkins band up die maiier. — 37. die 
bätv hadn fümf osn un noin ko un_ tswölf sg<^p9 för ddt dörp jdbraxt, 
die wühl zie fgrkopm. — 38. die lüde zint hüte ab bütn up ddt feit 
un man. — 39. jox man, de brüne hunt düet di nilSt. — 40. ik bin 
met die ISde dö<* hip owdr die weeze in ddt kgrn jdfürt. 

CHARLOTTENBURG. Erich Seelmann. 



40 



Die KoDjanktioD 'und' in der Mandart Yon Gattenstedt 
(bei Blankenburg a. Harz). 



I. Formen, a. Die bei weitem häufigste Form der Koujunktioii 
'und' in der Cattenstedter Mundart ist un. 

b. Abschwächung zu en und n findet statt in den aus Einer 
und Zehner zusammengesetzten Zahlwörtern^ z. B. einenfufzich, zwein- 
fufzich, dreinfufzich, ftrenfufzich, ßnewenfufzich, sexenfufzich, achtefi- 
fufzich, neunenfufzich. In der Zusammensetzung mit sehen und meist 
in hd. Form siben wird das en oder n nicht mehr gehört, z. B. sehen-, 
sthenfufzich. Zu en ist *und' ferner geworden in folgenden feststehenden 
Verbindungen: körten klein, got loben dank, got eren dank, jären dach; 
vielleicht auch in ßtzen fei, wofür in Helmstedt ßx un fei gesagt werden 
soll. Der Ausdruck wird gern von Kindern und jüngeren Leuten 
gebraucht, die noch ohne Erfahrung sind und furchtlos und unvorsichtig, 
ohne Gefahr zu ahnen, etwas tun, das ihnen Schaden bringt. Man 
sagt dann zu ihnen: st nich imme^' sau fitzenfei oder wurumme biste 
sau fitzenfei, du 7nost Srscht dorch schaden klauk wh*en. 

c. Als end und nd erscheint 'und' in den Verdoppelungen 
ütendüt, ummendum, ewwerndewwer, und zwar wird beim Sprechen das 
d zur folgenden Silbe gezogen. 

II. Gebrauch. 'Und' verbindet koordinierte Sätze und Satz- 
teile und ist ursprünglich lediglich aneinander reihend oder aufzählend, 
aber je nach der Beschaffenheit des durch 'und' verknüpften Satzteiles 
erhalten diese Verbindungen oft eine eigenartige Bedeutung. 

A. Verbindung von Satzteilen. 

1. 'Und' verbindet beliebige Satzteile. Dieser Fall ist der 
häufigste und bedarf nicht vieler Beispiele: pSivt un esel. gröt un rasch. 

2. 'Und' verbindet denselben Satzteil. 

a. Ist dieser ein Verb, so wird dadurch eine längere Dauer 
der durch das Verb bezeichneten Tätigkeit ausgedrückt, die allerdings 
auf Momente unterbrochen sein kann. Diese Ausdrucksweise ist beliebt, 
z. B. hei kukke un kukke; ek junk im junk (ging); ek laus un laus 
(las); et rhte un r&ne, 

b. Wird derselbe Komparativ durch 'und' verbunden, so wird 
dadurch eine Verstärkung des ersten Komparativs ausgedrückt, z. B. 
necher im necher kommen, näher und (noch) näher kommen; et rhie 
immer didder un dulder; hei leip immer rascher un rascher, 

c. Ein hoher Grad, ein Superlativ wird bezeichnet durch die 
Wiederholung desselben Adverbs, z. B. dorch un dorch nät sin, ganz 
durchnässt sein; rfä appel is dorch un dorch fül, der Apfel ist voll- 



41 

ständig faul; eunoerndew^wer scheif stn^ völlig schief sein; ütendüt riten, 
vollständig zerreißsen; ummendum schmUen, ganz übereinander werfen; 
nd nn nä^ ganz allmählich. Diese Ausdrucksweise beschränkt sich 
jedoch auf diese wenigen Fälle 

d. Rein aufzählend dagegen ist 'und' in den Verbindungen 
fia un dft, der und der; dat un dat\ sau un sau^ in denen dasselbe 
Wort an zweiter Stelle eine andere Beziehung hat als an erster. 

3. 'Und' verbindet Zusammengehörendes. Stehende Wendungen 
dieser Art sind wägen un p&rt, sölt un hrot, dat is sin plausch un 
ejje] ferner folgende Benennungen beliebter Gerichte: appel un bSren, 
khinz un beren, klunz tm schwetschen, schtvarts^tir un klmiz. 

4. Die Verbindung zweier Satzteile durch 'und' dient zum 
Ausdruck eines einzigen Begriffs; sie hat etwas Anschauliches und 
Natürliches und lässt sich etwa folgendermassen gruppieren. 

a. Verbindung von Gegensätzen, dat schunn is under nischt 
ni koj) un ärsch = ist sehr kurz, op leben tm döt (/an, op un nedder. 
rop un runder, rüt un rin. üt un in gdn. gröt un klein, freu un 
schp^de. nich rikwarts un nich fonvarts kennen, wt hunt un katte 
leben, heit un költ wiiren. einen för kort un lank üt^chiln, jemand 
tüchtig ausschimpfen, arge Schimpfworte gegen jemand gebrauchen. 
gut wn kr-üt. links un rechts wekke umme de oren hin. undne un 
oben, op un df gdn. op tm nedder gdn. hen un Mr. hen un der 
wedder, bisweilen, hir un dd, vereinzelt datm tm Idten: me wet mch, 
wat me daun un loten salj man ist unentschlossen. u^i% me geit tm 
schteit, überall sau un me geit un schteit, so wie man gerade gekleidet 
ist, sofort. 

b. Verbindung von Synonymen, putz tm schtdt mdken. krtmi 
un Idm stn. eilten döf tm blint schldn. krik tm obenschtel, Krücke 
und Ofenstiel, d h. Kreti und Pleti. hak tm mak. sek dul tm ful 
süpen. dp m'rt tm dötschläch ütgdn. schtein un bein klän. tdder 
nischt ivi küt un knöken stn. schnei tm is. sek schinnen un hvSilen. 
fr^Aten un süpen, schwelgen, lopen tm schtarzen. sein un heren. dik 
tm fet. schttf tm feste, dum un ahvern w^ren, nervös, verrückt werden. 
met ach un krach üfnander gdn, sich unter Zank trennen, kein hint 
un kein kint hebben, ganz allein sein, niemand zu versorgen haben; 
hint = Hund? luch un druch. sek met hennen un feuten weren. sek 
heun un wären, sich sehr hüten, sek drein un wennen. met sak un 
pak. met frü tm kint. döt un taufal. leben un schtveben, wimmeln. 
lank un breit, ausführlich, alles lin tm $chtän Idten, unverzüglich. 
mal tm nise opschparn, ganz verwundert sein, schtr un blank, sehr 
rein, sehr sauber, kr um un scheif. krank un schwach stn. et sat tm 
dikke hebben, einer Sache überdrüssig sein, tvt dach tm nacht stn, 
himmelweit voneinander verschieden sein, tmime (for) nischt tm lange- 
teile drbein^ umsonst arbeiten. 

c. Verbindung alliterierender Satzteile, die oft zugleich synonym 
sind. Das Wesen dieser Alliteration ist, einen Begriff durch zwei 
Worte auszudrücken, drin un drop jeben, reichlich geben, schobben 



42 

un schtreHj gründlich scheuern, körten klein schldn, ganz entzwei 
schlagen, buk un bdk ful, ganz voll, ganz be])ackt. kint un kkjel. 
etvwer schtok un schtein. met hüt un hären. ItAs un hof, krimmen 
un kratzefi. klip un klär, blitzen un blenkern, äusserst blank geputzt 
sein, for dau un ddge, in aller Frühe, fri un frank, bi nacht un 
neunvel, in völliger Dunkelheit, met schtrunk un schiel utriten, voll- 
ständig ausreissen. (de) kriz un kwsir. yreun un Ja/ schlän, gehörig 
verhauen, nich half un nich heile stn, nichts Ordentliches, Rechtes 
sein, meu un marode, ganz ermattet sein, dum un dhnlich, ganz 
dumm. schimp un schanne. tvint un wMer. samt un sondersch. 
sek nich rippeln un rin, sich garnicht bewegen, jift un gäben, jift 
(venenum) un galle. gät un j&rn. nischt te btten un te bräken hebben. 
fon ktks un kaks nischt wetten, et is mek noch kutschen fei un fleisch, 
ich bin noch unschlüssig ein ei un ein eierkauken sin, die dicksten 
Freunde sein, ru un rast, nich emäl for jelt un gude were kämme 
wat krtn. 

B. Verbindung von Sätzen. 

1. 'Und' verbindet beliebige koordinierte Sätze. Beispiele sind 
nicht nötig. 

2. Ein Satz mit *und' statt eines Infinitivs mit *um zu' oder 'ohne 
zu' steht nach einigen Verben, besonders nach den Verben der Bewegung: 
kum mek jö nich wedder un uit wat hebben. dd kirnst mek tnan 
wedder un uit wat hebben. hei kam un sä atje oder umme atje te 
sein, hei junk (ging) und sä nich emdl atje oder one atje te sein. 
hei schikke en boden un leit sein, löp un häle melk, hei is nä 
Reuwelant efären un Mit brMer oder umme brMer te hälen. hei is 
ndW mele un hält schret. ek mofn gayizen dach schtän un waschen, 
hei schtunt wn Iure, 

3. Ein Satz mit 'und' statt eines Infinitivs oder bisweilen statt 
eines dass-Satzes steht nach ergänzungsbedürftigen Ausdrücken. Dieser 
Sprachgebrauch ist für das Hochdeutsche von Behaghel in der Zsch. 
f. d. Wortforschung VI, 366 — 368 ausführlich behandelt und mit 
Beispielen aus den verschiedensten Gegenden und Schriften belegt. 
Hier handelt es sich um die Ausdehnung dieses Sprachgebrauchs in 
der Mundart eines einzigen Dorfes. 

a. Nach Substantiven ohne oder mit einem auf das Folgende 
hinweisenden Pronomen. lust hebben: wenne lust hest un medde 
schpvlen wit oder medde te schpclen. Aber nur heste lust medde 
te schpclen? 

koräge hebben (spr. g wie franz. g): wenne koräge harre un 
hen jinge. 

iti schtanne shi: rfä is in schtanne un secht dat. Aber: hei is 
nich in schtanne dat te dran. 

(/an je fallen dann: dauch mek dhi jef allen un gäch hen (nie: 
hen te gän). hei deut mek c/äw jefallen nich un geit hen oder dafe 
hen geit. wenne mek dan jefallen de un hen jinge oder hen te gän. 
deuste mek wol dän jefallen un geist hen ? 



43 

oj) dkn jedanlcen {da ide) kommen: mi kimmeste man op d^n 
jedanken an geist da hen? oder da hen te gdn? ek warre nich op 
rfan jedanken ekommen un warre dd hen egän oder da hen te gdn. 
teil sal ek wol op dän jedanken kommen un da hen gdn oder da hen 
te gdn oder dat ek da hen gd. Ebenso häufig wie der Infinitiv mit 
zu ist 'und' nach einem Infinitiv des Ausrufs oder der Verwunderung: 
nich op d&n jedanken te kommen un dat te sein, rfä kordge te hehhen 
un dd hen te gdn. 

da kordge hebten: ek harre d& kordge nich ehat an harre dat 
esecht oder dat te sein. Aber hei het nich rfä kordge, dat'e dat secht 
oder dat te setn. Ebenso nur: hei het nich de lust, dafe sek bikt 
oder sek te bikken. 

In derselben Weise wie in den angeführten Beisi)ielen steht *und' 
nach rfä drtstichkeit hebben, rfa insicht hebben, op dan infal kommen, 
t/an forschtant hebben, sinen tüillen hebben (dorchsetten), stnen kop op- 
oder dorchsetten, sinen schus (Anfall, Einfall, Laune) krtn, in der läge 
sin: ich' in rf&r läge is un dat kan; wenn ek in dSir läge warre un 
dat kenne. Aber nur: ek bin nich in rfSr läge, dat ek dat kan oder 
dat te kennen. 

b. Nach Substantiven mit vorhergehendem sein, saun'^) (so ein, 
solch) oder saufei, ja, denke mal hen, saune dumheit mdke ek noch un 
gä da hen. mäkste 6k noch saune dumheit un geist du hen? wenn ek 
seine dumheit mäkte un da hen jinge, denn schien mek min fdder dot. 
w\\r wart wol seine dumheit mdken un da hen gdn. saune dumheit mäk 
man un gdch dd hen. saune dumheit te mdken un dd hen te gdn! 

saufei forschtant mot doch wol en minsche hebben un dat seift 
(sehen) oder dafe dat sU. wenne saufei forschtant harre un dat inse 
oder dat in te sein oder dafe dat inse. nich saufei forschtant te hebben 
un dat te sein, du sostest doch wol saufei insicht hebben un dat täten. 
In negativen und Fragesätzen dagegen scheint un nach saufei wenig 
oder gar nicht üblich zu sein. 

In der angegebenen Weise steht 'und' nach den W^endungen saune 
kordge, dristichkeit hebben; op seine jedanken, op seinen infal kommefi; 
seine jeschichten, schtreiche, galeppe (Torheiten) nuiken; saun natre, 
trop, jakop, dumbatz, duseldir, scMpskop sin; saufei ndjedanken, tust, 
ewtcerleiunk hebben. 

c. Nach Adjektiven mit vorausgehendem sau. Statt eines Satzes 
mit 'und' kann auch ausnahmslos ein dass-Satz, aber nie ein Infinitiv 
mit 'zu' folgen, rfä is sau dum un secht dat. is hei wol sau driste 
un geit da hen? wenn hei sau arme is un dat nich betdien kan. 
st sau gut un hdle mek dat mal Aar. 2) si nich sau dum un sech jd. 



1) Ebenso im Mnd., z. ß. du schalt komen in sodan not unde mit swete 
eten dat brot. Statwechs gereimte Weltchronik, herausg. von Artur Korldn, 
Vers 79/80. 

') Ähnlich im Schwedischen: vill ni vara god och säga mig. var god och 
kom ihäg det. 



44 

wSir is wol sau alwern un deiU aau wat! ek kan nich sau schlecht 
sin nn einen beiein (belügen), sau hitzig te sin un gliks te schMn. 
rfä is sau dum nich un secht dat. du bist sau dum un weist dat nich 'i 
Aber nur hei is sau arme nich, dafe dat nich betdien kan (kenne). 
Andere Adjektiva, nach denen gern ein Satz mit *und' folgt, sind: 
klauk, schlü, forrikt, gut, trüharzich, tränpettich, hinderlistich, forsch- 
tennich, jescheit, kumpdwel (fähig), forwart, forsiehtich, ordinSir, op- 
dringlich, diknSiSich. 

d. Nach einem Adjektiv mit nachgesetztem e^iauch, nauch 
(genug). dSi is dum etiauch un deut sauwat (dat). Diese Ausdrucks- 
weise ist jedoch seltener, meist steht dafür ein dassrSatz. 

e. Nach Verben mit einem auf das Folgende hinweisenden 
Pronomen wie sauwat, dat, dutau, et, auch sist wat oder sonst wat. 
um kanste man sauwat mdken un dhi akker kepen. um biste man 
dätau kommen un hest dhi akker ekoft. wenn hei sek dat forenommen 
het oder wenn hei et sek in'n kop eset het un dat hüs kepen unl, denn 
d£ut hei d<it 6k. In diesen Fällen kann auch ein dass-Satz folgen, 
aber niemals nach sist wat, z. B. ek unl ne sist (sonst) wat duun un 
for ene da hen gän. 

f. Nach einigen Verben ohne einen auf das Folgende hin- 
weisenden Zusatz, um den Inhalt dieser Verben auszudrücken, h^i 
trotzt un wil nich kommen, hei schüt sek un unl nich hen gän. wenn'e 
sek äwer weijert un nich betdlt. wenn'e dwer nei secht un nich kirnt, 
wenn'e dwer nich unl un dat mSiken sitten let? wenn'e äwer tau (ja) 
secht un kirnt? 

Schlussbemerkung. Bei dieser kleinen Untersuchung über 
den Gebrauch von 'und' in der Cattenstedter Mundart mag mir 
manches entgangen sein; wer aber weiss, wie schwierig es ist, den 
Sprachgebrauch in einer lebenden Mundart in seinem ganzen Umfange 
festzustellen, der wird gern Nachsicht üben. Hinsichtlich des Wertes 
des e in den Endsilben bemerke ich, dass dasselbe vor einfachem 
Konsonanten stumm ist, vor Doppelkonsonanten nicht immer. Letzterer 
Fall bedarf noch näherer Untersuchung. 

BLANKENBURG a. H. Ed. Damköhler. 



45 



Idiotikon von Eilsdorf 

(bei Halberstadt). 



Harz, Bode, Bruchgraben und Oker/Ilse begrenzen ein Viereck, 
in dem sich als beherrschender Höhenzug der Huy (spr. hü) erhebt. 
Die Mundart dieses Gebietes möchte ich Huymundart nennen. Sie 
zeigt nur geringe örtliche Verschiedenheiten, sodass sie von den 
uDgelehrten Landbewohnern als einheitlich empfunden wird. Die 
sprachliche (irenze bildet im Westen die Diphthongierungslinie i\ei^ 
die Damköhler 1) genau festgestellt hat; im Norden die tA;- Linie; im 
Osten die Bodemundart mit der Endung -en (-n) im plur. praes. und 
im Süden die Mundart des Harzes, deren Eigenheiten Damköhler 2) 
dargelegt hat. 

Dieser Huymundart gehört die Mundart von Eilsdorf an, deren 
Wortschatz hier dargeboten ist. Eilsdorf ist ein Dörfchen 12 km 
nördlich von Halberstadt. Trotz der Nähe der Stadt ist seine Mundart 
rein niederdeutsch. Die geringe Beeinflussung durch das Hochdeutsche 
mag ihren Orund darin haben, dass Plattdeutsch wohl von allen 
Kreisen der Stadt verstanden und von einigen auch — wenn auch 
nicht rein — gesprochen wird. 

Die Mundart ist noch für alle Dorfeingesessenen die Umgangs- 
sprache. Erst in jüngster Zeit beginnen einige Familien mit ihren 
Kindern hochdeutsch zu sprechen. Ob eine hochdeutsche Beeinflussung 
der Mundart darin zu sehen ist, dass in der Aussprache des an- 
lautenden s vor Kons, bei manchen Wörtern ein Schwanken zwischen 
s und seh zu bemerken ist, bleibe dahingestellt. Unzweifelhaft aber 
liegt sie vor im häufigen Gebrauch der hochdeutschen Zahlwortformen. 

Den Stichwörtern ist die lautschriftliche Angabe der Aussprache 
in Klammern beigefügt, wo ein Zweifel möglich erschien. Die gewählte 
Lautschrift ist dieselbe wie die S. 3 fl". in Anwendung gebrachte, nur 
ist hiervon abweichend durch cl das hintere a bezeichnet. 

Meinen lieben Eltern, deren Sammeleifer ich manches seltene 
Wort verdanke, fühle ich mich zu besonderem Danke verpflichtet. 



a (a) ach, in a wat, ach was. 

Aa (ad) in der Kindersprache Kot, 't 

Kint hat Aa maket. 
ä (ä) pfui! ä, smit wech. 
Abend (äbmt) Abend. 
acht«, acht. Et sleit achte. Vor dem 



Subst. acht. Hei hatt acht Peere in 

Stalle, 
achteckich, eigensinnig und dabei etwas 

heimtückisch. Dat is en achteckigen, 
achteine, achtzehn. 
Ackerhoff, Bauernhof. 



*) Damkuhler, Die Eis- und Weinlinie von Bettingerode bis Neindorf usw. 
Niederd. Jahrbuch XXII. 

*) Danikuhler, Zur Charakteristik des niederdeutschen Harzes. Halle 1886. 



46 



ackerat (aJc9rä't)f sauber, ordentlich; 
ebenso, ^n ackeraten Burssen ; ackerat 
saa grot. 

ackerickera't, ganz genau ebenso. 

Aekermann, Landwirt. 

AckermenneckeD, Bachstelze. Kinder- 
reim : Ackermennocken, pleu meck wat, 
sast'n gluhn Dahlder hebben. Vgl, 
Grimms Wb. s. cnke. 

afbnn (äfbün), scherzhaft für abreisen, 
ausrücken. De Besuch is war awebut. 

ackern, den Äcker bestellen ; durch 
tiefen Schmutz mühsam gehen. 

Adler (ädlfr), Adler. (Die Endsilben 
-ler und -ner ?iaben stets langes f, 
dagegen heisst es naustsr, dis^r). 

af (äf), in Pausa awe (äw9) ab. Doch 
gung de Sache noch sau af : af un tau, 
ab und zu ; hei hat 'n Telaer awe, er 
hat seinen Teller völlig leer gegessen, 
't Bein is awe, das Bein ist abge- 
brochen, ek bin awe (beim Abzähl- 
spiel.) 

afbacken, abbacken, 't Broet is awe- 
backet, so gebacken, dass zwischen 
Kruste und Krume eine luftgefüllte 
Höhlung ist, man sagt auch wohl da 
is de becker dorchekropen 

af binnen (äfbin) abbinden, de Bock is 
awebunnen, d. h. kastriert, de Zement 
hat gut awebunnen, ist sehr fest ge- 
worden. 

afdempen (äfdemim), erdrosseln. 

afdösenen {äfdösn), eilend ablaufen. Ilei 
hat 't ganze Dörp awedöschet 

afeschern (äf-es?rn), abhetzen durch 
Laufen. 

affenrn, abfahren. 

affin en, die Haut abschinden. Hei hatt 
seck sin Scheenbein awefilt. 

affattern, den Pferden zur Nacht Heu 
in die Raufe tun, Hast'n all awe- 
futtert? 

afglipen (äfgllpin), abgleiten, \ Mest 
is aweglipet. 

af^narpen, abnagen^ z. B Obst, Gemüse. 

afnannen, abhanden. 

afhelen {äf-h^lrj), deti obern Teil einer 
Flüssigkeit vorsichtig abgiessen, wenn 
z. B. der Bodensatz oder feste Stoffe 
im Gefässe zurückbleiben sollen. 

afhenn, abhüten, abweiden. 

afhilpen (äfhüj)7p), behilflich sein beim 
Absetzen einer Traglast. 

afhöweln, abhobeln, 

afholen (äf-hö'in), abhalten, 't Kint af- 
holen, das Kind seine Notdurft ver- 
richten lassen. 



af hacken, eine Last vom Bücken absetzen. 

afkaddeln, etwas so abschneiden^ dass 
die Schnittflächen uneben oder zer- 
rissen erscheinen. 

afkarten, afkartgen (äfkärtn), abkarten. 

Afkate (afka'tsi), Advokat. 

afkenln, abkühlen. 

afklmen, von Kartoffeln, die im Keller 
Keime gelrieben haben, diese entfernen. 

afklein, abkratzen. 

afkleppern, afklappern, das Dorf oder 
eine Anzahl Häuser zu irgend einem 
Zwecke ablaufen. 

afklnben, abklauben. 

afkramen, abräumen, z. B. den Tisch. 

afkrin (äfkrln), abkriegen ; Obst pflücken. 

afkiinnejen, von der Kanzel verkündigen. 

aflan (äf-län), abladen. 

Aflar (äf-lär), Abiader (des Heus usw.), 

aflen nf-lfn), ablegen^ entfernt, 

af lachten, in der Luft trocknen; lat de 
Wech erst afluchten. 

aflaksen, heimlich absehen. 

aflasen, die letzten Früchte absuchen, 

af Ol essen, ausmisten. 

afniean, abmühen. 

afmarksen, umbringen, schlachten. 

afmaseln, schnell und oberflächlich 
waschen. 

afnemels nont (äf-n^me1s mcfnt), ab- 
nehmender Mond, bi a. m. dört'n nich 
cn Middel gegen de Wörme innemen. 

afran (äf-rän), abraten. 

afrapen, das Getreide hinter dem Mäher 
zusammenraffen, um es in Garben zu 
binden oder als Frösche niederzulegen, 

afraapen (äf-raupm), 1. (mit betonter 
erster Silbe) abrufen, abholen. 2. (mit 
bei. zweiter Silbe) vernehmlich zurufen, 
se wonen (wohnten) sau nahe dat se 
seck afraupen können. 

afrekcn (äf-rfkji) abrechnen. 

äfrecken, die Getreidegarben vom Wagen 
abladen, mit der Forke in die Scheunen- 
oder Bodenluke reichen. 

afr<^cken, erreichen. Wenn jemand von 
seinem Platze einen andern mit der 
Hand noch erreichen kann, so sagt er 
wohl ek kan^n'e grade noch afrecken. 

afremen {äf-rfm), abrahmen. 

Afrnm, Abraum; die in Sandgruben, 
Steinbrüchen usw. abgeräumte Erde. 

afrümen, abräumen. 

afscharben {äf-.s'arbm\ in dünnen Schei- 
ben u. kleinen Stückchen abschneiden. 

afschelln, abschälen. 

afschobben (äf-,Hobm), abschaben. 



47 



af seh rammen, sterben, von hinnen gehn ; 
derber Ausdruck. 

afschrapen, abputzen, abkratzen. 

afslan, abschlagen. 

afümeekig, üblen Beigeschmack habend. 

afspeuln, absjmlen, reinigen. 

afstaekeln, mit einer Stange herunter- 
stossen, z. B. Obst von den Bäumen. 

afhtöaben, abstäuben. 

af^itrean, abschreiten, mit Schritten 
messen. Siehe stredn. 

afstrepeln, Blüten, Blätter usw. ab- 
streifen, indem man sie durch die 
Hände zieht. 

afstrenfen, eine Gegend absuchen, spähend 
durchstreifen. 

afsopen (äfzüp^n), 1. abtrinken, leer 
trinken. 2. 'n Lampen afsupen. In 
manchen dörflichen Spinn Stubenver- 
einigungen (Klup), in denen heute 
allerdings der Spinnrocken nicht mehr 
surrt, herrscht die bitte, die letzte 
Winterzusammenkunft, bei der zum 
letzten Male die Lampe brennt, bei 
einem Glas Bole zu feiern : de Lampm 
wart awesoopen. Im Sommer finden 
die Zusammenkünfte nach alter Sitte 
im Freien statt. 

af tappen (äftapin), abzapfen. 

aftellei, abzählen, auszählen. Abzähl- 
reime: eno, dena, wippen, wap, du 
bist ab. — eins, zwei, drei; Puter 
lecht'n Ei, Puter lecht'n fules Ei; 
eins, zwei, drei. 

altem (äft^rn), abzehren. 

aftömen (äftö'm), abzäumen. 

af trecken, abziehen. 

aftren (äf-trfn), abtreten. 

Afwarange, Abwartung, Pflege. 

afwenen (Vi/t?e«;), abgewöhnen, entwöhnen. 

afwennen, abwenden. 

afwen, abwiegen, 

all, alle, aüe, alles; dat is feal all^ das 
ist aber Erwarten viel; all min dag, 
mein Lebtag; alle maken, alle krin, 
sein Vermögen verschwenden; alle 
weam, alle sin, zu Ende gehn; zu 
Ende sein. 

all, schon, bereits, hei is all da. 

allart, flink, frz. alerte. Wird auch 
auffordernd geltraucht. 

Alldt^ (aldäx), Alltag, Werktag. Genitiv 
aldas. aldas gak nicb in^n kraug. 

aldaseh (aldä.s), alltäglich, Alltags-, 
trecke diu aldasche (aldäsa) Tuch an. 

AUdastiieh, Werktagsgtwand. 

alldefedl (ald^f^l), allzuviel, viel zu viel. 

ai Iderar (ald9rär), gar zu schön, zu gut. 



allderwechen, allerweehen, allerwegen, 

überall. Ek bewwe alderwechen 

esocht 
allheile, ganz und gar, überall. 
allebot, immer, jedesmal, immerzu. 
allehodpa, alle zusammen, aus alle de 

Hoape. 
allen» (aWn») allein. 
alles, alles. 
alle-nnderlat (-lät), fortwährend, oft. 

hei kummet alle-underlat. 
allewile (abwlb und abvtb), jetzt, zur 

Zeit. 

allnajera (alnäj9rä), nachgerade, all- 
mählich. 

alls, als, wie; nie temporal 

allsan, also. 

allwern, l. albern, kindisch. 2. sich 
albern benehmen, rumalwern. 

Amacht (äma^rt), Ohnmacht. Se is in 
amacht efalln. 

Amman, Amtmann, hei sit da wi 'n 
Amman, er tut gross, brüstet sich. 

ammaun sin, zumuten. Ek kon 'ne dat 
ok nich ammaun sin. 

amerhtich, ohnmächtig. 

Ammensche, Amtmännin. Bezeichnung 
beleibter, grosstuender Frauen. 

ampeln, mit Händen und Beinen An- 
strengungen machen, etwas zu er- 
reichen; bes. von Kindern gesagt. 

Amnishoif, Amtshof, Domäne. 

Amt, Amt, Tätigkeit, Auftrag, Domäne, 
staatliches Gut. 

Amsswin, Gutsschwein, fett wi ^n ams- 
swin. 

an, ane (an, än9\ an; unbetont klingt 
es meistens on ; ane wird meistens mit 
Zustandsbeeeichnungen verbunden. Ek 
set er (9r) mek an, ich setze mich 
neben ihn, aber ek sit or ane, ich 
sitze neben ihm. Gern wird es mit 
dr (aus dor dar) zus. gesetzt du bist 
drane, du musst jetzt spielen ; et moter 
doch nist drane sin, er muss doch 
nichts wert sein. 

anbacken, 1. ankleben. 2. einen wat 
anbacken, jenvand die Wahrheit 
sagen. 

an b ein, anbieten. 

anbeutn, anzünden, hastn schon Für 
anebot? 

an binnen (änbin), anbinden, 't Geburts- 
dagskint anbinnen, dem Geburtstags- 
kinde einen Strauss an den Arm 
binden. 

anbläken, anschreien. De hat mek awer 
anebläket. 



48 



anblarren, anschreien. 

andaaOf antun, zufügen (Böses, Leid). 

andermann, man, ich selber, d. i. für 
den, von dem man redet, der andere, 
'n andermann lett sek alles jefallen, 
man lässt sich alles gefallen, andere 
dagegen sind nicht so. 

Andreis, Andreas, Drea«, Andreas. 
Drees, Dreas, Drat, 
Hatten läddern Bart, 
Hatt'n läddern Slipstein, 
Kann nich in de Siinne sein. 
(Siehe Nd. Kbl. 28, 74) 

andrepen (ändrfim), antreffen. 

andriben (ändrllm), antreiben, 

andrüan, antrocknen, festtrocknen. 

andndclD, einen andudeln, betrinken. 

andün, androhen, wörtl. andeuten, ek 
hewwene ne Dracht Sie anedüt, wenne 
wer sau spät no hus kummet, ich habe 
ihm eine Tracht Schläge verheissen, 
tcenn er wieder so spät nach hause 
kommt. 

anebehoaln, anbehalten, nicht ausziehen. 

Anewendel, der Teil des Ackers, auf 
dem Zugtiere und I^lug umwenden 
und der zum Schluss in der Quer- 
richtung gepflügt wird, westf. anwand. 
altm. aonweud. 

Aneworp, ein zum Türverschluss die- 
nendes Eisenblech, dessen Schlitz über 
eine Krampe geführt wird (an Gar- 
ten- und Kcllertüren usio). Bei 
Sprenger anworf. 

anfengeu, anfangen. Die abhängige 
Nennform wird ntit mit de gebildet. 
Wei wilt morgen anfengen mit de pleun. 

anfcttln, anfühlen, betagten. 

Anvorwante (änforvantd), Anverwandte. 

anfnln, anfaulen, anfangen faul zu 
werden, 

anfiirn, anführen, täuschen, zum Narren 
haben. 

angan, 1. angehen, de Schaule geit an; 
wat geit dek dat an. J2. anfangen zu 
faulen oder zu kränkeln, de Appel 
is anegan. 

Angest, Angst. 

angestf angst. 

Angesthase, Angestboase, Angestkötl, 
Bezeichnungen ängstlicher Menschen. 

ängestlicb, ängstlich. 

Anjewene, Gewöhnung. 

anglupschen (ftnglup.s9n), anstieren, starr 
anblicken. 

angnarpen (ängnarpin), an Früchten 
herumkauen. 



anhaeken, an die Kartoffelbüsche Erde 
häufeln. 

anhichen (änhiyßn), anhauchen; beson- 
ders in der Bedeutung jemand die 
Wahrheit sagen, ek hewwe ne omt- 
lich anehichet. 

Anholt, Anhalt. 

anhodsen, anziehen, ankleiden. 

anbuppen (-hupin), anspringen. 

anhupen, anhäufen. 

anhnrken, anlehnen, kauernd anlegen, 
wie Küken sich unter die Henne 
kauern. 

anken, ächzen, stöhnen. 

ankleon, ankleiden; seltener gebraucht 
als an trecken 

ankrakeiln (änkrakailn), Streit anfan- 
gen; scherzhaft: anrufen, auf .der 
Strasse um etwas angehen. 

ankrin (änkrin), anziehen können, ek 
kri de schau nich an. 

anlannen (-lan), anlanden, ankommen, 
hei is wer anelant. 

anlejjen, anlegen, mit Goldgrund ver- 
sehen, ohrfeigen. 

anlenen (-li^n)] anlehnen. 

Anlijjen, Anliegen, Bitte. 

anloben (-U/lnn), geloben, hei hat mek 
anelowet. 

Anloop, Anlauf, 

anlntjen (änWjan), anlehnen, anschmie- 
gen, wie kleine Kinder tun. 

anmischen, verhauen. 

anmellen, anmelden. 

anmüln, schaden tun. hei hat sek wat 
anemült. 

anrooken, anrauchen 1. Zigarre, Pfeife. 
2 betrinken, hei hat sek einen anc- 
rodket. 

anröokern, anräuchern, leicht räuchern, 

anrÜan, anrühren, in Bewegung setzen. 

Anschin, Anschein. 

anschirren, anschirren, den Zugtieren 
das Geschirr anlegen. 

anschiten, betrügen, anputzen. 

anschünnen, heissen, aufhetzen, wer hat 
ne denn dat aneschüntV wer hat ihn 
den Streich geheissen, dazu aufgeheizt ? 

ansein, anesem, ansehen. 

Ansein, Ansehen, Berühmtheit. 

anslan, anschlagen. Slache mal an, wat 
dat hus kost. 

anslänern, 'n anslänern kop hcbben, 
leicht auffassen, begabt sein, kluge 
Gedanken äussernd 

ansnallen, anschnalleti. 

anstellich, anstellig, geschickt. 

anstennich, anständig. 



49 



aD8t09t]i, anstossen. 

anstriken, anstreichen. 

ansapen (amüpm). Es ist Sitte, dass 
die eben konfirmierten Knaben den 
äwas altern Burschen Bier zum besten 
gehen, damit sie von diesen im Trinken 
unterwiesen werden; eine Art feier* 
licher Aufnahme unter die jungen 
Burschen, Die SfUe heisst ansupen. 

ÄBte (änt9), Ente. 

antellen, aneahlen. 

antrecken, anziehen, ankleiden. 

aotwllani, antworten. 

Antwoert, Antu}ort. 

antnsehen {äntuü9n), tuschen, anmalen; 
jemand etwas auswischen, schlagen. 

antsant (antsant), indessen, derweüe. ek 
ga antzant hen. 

anwennen, anwenden. 

anwenen (-wfQ), angewöhnen. 

aDzettern, hei kämmet anjezettert, er 
kommt zitternd an. üeberhaupt wer- 
den gern alle Ztw., die den Betriff 
des Herbeikommens haben oder an- 
nehmen können, mit an verbunden. 
hei kummet aigegan, ai\jelopen, anje- 
slendert, aDJeschetn, anjesprungen, 
ankarjodlt, anjedanzet, anjelatscht usw. 

Ape, /. Affe. Bezeichnung einfältiger 
Mädchen und Frauen. Daher loohl 
der Gebrauch des weibl. Geschlechtes. 
Das Tier selbst wird mit Aflfe m. be- 
zeichnet. Bist 'ne ape. 

Äppel, Apfel 

Appelsehelle, Apfehchale. 

Appelspleate, Apfelschnitte. 

Apteike, Apotheke. 

arbeiD, arbeiten. 

Arbcir, Arbeiter. 

Arbeitslii, Arbeitsleute, Arbeiter. 

arben (arbm), erben. 

Arbentins, Arbenzins, Erbzins, Abgabe 
für die in Erbpacht befindlichen 
Grundstücke. 

areb, arg, schUmm. mak et nich de 
arch, hüte dich. 

Areh, Arg, Argwohn, hei har dor 
nist Arjes drut, er dachte sich nichts 
Schlimmes dabei, er erwartete nichts 
Arges davon. 

Apf, Aehre. 

Arfdeil, Erbteil. 

Arfsehop, Erbschaft. 

Apfte (arft9), Erbse. 

Arftkratf Erbsenkraut, Stengel und 
Blatter der Erbsenpflanze t'iw frischen 
Zustande. 

Arft8tr09, trockenes Erbsenkraut. 

Ni«derdttaUohes Jahrbuch XXXIY. 



Apije, Arie, Lied. 

Äpjep, Aerger. 

ärjern, ärgern. 

Arkner (arknfr), Erkner. 

am (ärn), gut in die Art schlagen, ge- 
deihen, dat Swin art sek. 

Appaal, stinkende Pfütze, Jauchenlache. 

Äppel, Appel (erpl, arpl), Enterich. 

Ars (ärs), Hintere. 

Apslock, After; auch Schimpfwort. 

Art, Art. Art lett nich von Art, gleich 
und gleich gßsellt sich gern. 

Apz9Di, Arznei. 

As (äs), Aas ; besonders als Schimpfwort 
gebräuchlich. 

Asehenloel^ Aschengrube. 

Ansfattep, die Holzbekleidung der eiser- 
nen Wagenachse. 

Asse, Achse. Man ruft Vorbeifahrenden 
scherzhaft zu: de Asse sitt in Ra. 

asten, schwer tragen, schleppen, auch 
mühsam einen Berg erklettern. 

atche, atehegs, 'tche, adieu. 

Atlpl, Artillerie. 

Atlpiste, Artillerist. 

ätsch (fW, das Wort dient zum Be- 
schämen, ätsch, du most man de hus 
hüben. 

ätschen (fA^^n), atätsehen, Ztw. zum 
vorigen. 

Atn, NatD, Atem. Natn haln, Atem 
schöpfen, ut'n Natn sin, ausser Atem 
sein. 

atn, atmen. 

attepieh, eigensinnig, leicht gereizt, mnd. 
aderich, altm. adderig. Das Grund- 
wort atter, Natter, ist in E. nicht ge- 
bräuchlich. 

Atterkop, eigensinniges Kind. 

Aukenwatep, nur in der Eda. hei is 
dumm wi Aukenwater. 

Antep, Urheber, Anstifter, Autor. 

äwel, übel, unioohl. ek bin äwel un 
selzen eworn, mir ist schlecht geworden. 

awep, aber. 

Awepgloewe, Aberglaube, Glaube an 
übernatürliche Dinge ; falsche Ansicht. 
dat is ja Awergloawe. 

awepglöowisch, abergläubisch; leicht- 
gläubig. Düt is en awergluawischen, 
dem kann man leicht etwas vormachen. 

Baba (bäbä), Wiege, Beuchen in der 
Kindersprache. 

babba, Ausdruck der Missbilligung wie ä 

Back, m., die Gesamtheit der Kuchen, 
der Brote usw.^ die mit einem Male 
gebacken werden, der Gang, ek koemd 



50 



eerst in tweitn Back, sagt eine Frau 
zur andern. 

Backe, Bücken, * Rückenstück. In dieser 
Form nicH alleinstehend gebraucht , 
sondern nur in den Zusammensetzun- 
gen Hinderbacke, Huckoback. 

Backe, Wange. 

backen, 1. backen. Kinderreim: 
Backe, backe Kauken I 
De Becker batt eraupen, 
Wei solin knen; 
Het de Tit vorlen. 
Scbuf in, scbuf inl de Kauken is 

all gar. 
dabei schlagen die Kinder die Hände 
zusammen ; bei schuf in reiben sie die 
Handflächen aneinander. 2. kleben, 
ballen, de Blädder sunt desamme 
backet. — de Snei backet all, der 
Schnee lässt sich schoti ballen. 

Baekenbearn, geringe Habe, wertloser 
Besitz, hei packet sin Baekenbearn 
desamme. Sprenger nimmt zur Er- 
läuterung die Bedeutung gebackene 
Birnen an. Könnte man nicht auch an 
back, Rücken, und böarn, ahd. bei'an, 
tragen, denken? Also das, was man 
auf dem Rücken tragen kann? 

Baekhus, Backhaus, Bäckerei, wu'n 
Bruhus steit, kan kein Baekhus stan, 
wer viel getrunken hat, kann nicMs 
essen, 

Backtrog C6a/iemr;, deichtrog, Backtrog. 

Bädde, Bett, de Bädde, zu Bett, mit 
'n Heundern de Bädde gan, früh zu 
Bett gehen. 

Bäddelaken, BetÜaken, BetUuch. 

Bäddespunnije, Bettstelle. 

Bake (baka), Gausebake, Lendenrücken- 
stück der Gans. 

balle, bald. Kum balle mal wer! stän- 
dige Formel der Einladung zum 
Wiederbesuch. — Tanzlied: balle 
Wille düt nicb, balle wille dat nich, 
balle wille Klump und Beom nich. 

Ballech, Balg, ungezogenes Kind. 

ballejeiij balgen. 

Ballejen, Balgerei, Ringen. 

Balten, Palten, Erdballen. 

Bammali, Gehänge, Gebammel, baumelnde 
(Quasten. 

bammeln, baumeln. 

han, baden. 

Bane , l. Bahn, Eisenbahn. 2. Ruf beim 
Schlittenfahren, Schlittschuhlaufen : 
Bahn frei! 

Bange /. Angst, Bange. Hast wol bange ? 



bange, angst, bange, ek bin angest un 
bange worn. 

Banne, de Banne krin, in Ordnung 
bringen, fertig machen, ek kan nich 
de Banne wearn, ich kann nicfU fertig 
werden. 

bannich, in hohem Grade, sehr. 

Bant, Bent, m., Band, Bindfaden. Beut 
hört man nur ganz selten und nur 
von alten Leuten. 

Bantlock, im Fachwerk eines Gebäudes 
der Raum zwischen einem senkrechten 
Balken, einem schrägstehenden und 
einem Querriegel. Fig. Atisrede, 
Ausflucht, hei hat sek an Bantlock 
oapm alatn. 

Banse, /., ein von der Tetme durch eine 
niedrige Wand getrennter Raum, der 
das Getreide oder Stroh aufnimmt. 

bansen, Stroh, Heu und dgl. in die 
Scheune, auf den Boden usw packen. 

barbarscb, sehr, in hohem Grade, hei 
kan barbarsch eten. 

Barch, Berg. 

barcbraf, barchrafer, bergab. 

barchrop, bergauf 

barchr'nn, barehr ander, bergab. 

Bare, kurzstielige Axt. 

Bare, Bahre, Leichentrage. 

Bare, Bär. 

Barhns, Bahrhaus, Schuppen für die 
Bahre. Der Aufbahrungsraum heisst 
Likhus. 

barmen (bann), klagen, jammern, er- 
bärmlich tun, hei hat mek wer de 
Oam fullebarmet. 

Barmstein, Bernstein, Backstein. 

bärnmässig, in hohem Grade. 

Bärnschite, Bärendreck, Lakritze. 

barsch, hart, rauh, steif, grob, 't Lenne- 
want is barsch. In Hibertragener Be- 
deutung vom Charakter. 

Bart, 1. Bart, an Bare, am Barte. 
2. Kinn. 

barwet, barfuss. Zuweilen auch von 
andern Körjierteilen. 

baselig (baz^lix), vergesslich, unauf- 
merksam. 

basein (baz9ln), unaufmerksam und zer- 
streut sein. 

battern, gehen, die ersten Gehversuche 
machen. 

Bank, plur. Beuker, Buch. 

Bank, Frucht der Buche, Buchecker. 
Stoffname, meist ohne Artikel. Wei 
senket unsch Bank. 

Bankeckern, BucJieckern. 

Bankfinke, Buchfink. 



51 



Bawanne (bävand), Badewanne, 

Bawel, Gerumpel f wertlose Geräte. 

Bäwer, Gaüerte, eig, Bibber. 

bäwern, beben, zittern, hei bäwert wi 
'n Loafblat. 

Iiats, wird angewandt, wenn ein Schall 
dünner und heller ist als bei bauts. 

batsen, KnaU verursaclken. de Döar 
taubatsen, die Tür mit lautem Knall 
zuschlagen, 

beeben (be^bm), über einem mit kochen- 
dem Wasser oder kochenden Kartoffeln 
gefüllten Kessel ein Schwitzbad neh- 
men. Der Kranke setzt sich über den 
Toi)f und hängt über Kopf und Körper 
einen Mantel, 

Becker, Bäcker. 

Beekeri, Bäckerei. 

bedöndert, verstört, verblüfft, verwirrt. 
hei is ganz bedöndert. 

bedrein, beirügen, Abwandlung: ek be- 
drei, du bedrüchst, hei bedrücht, wei 
bedreit, ji bedreit, sei, verkürzt so 
bedreit; ek bedroech; bedroen. 

bedrenwet, betrübt, niedergeschlagen. 

Bedrng (b^drux), Betrug Dat is lauter 
Luff un Bedrug. 

bedadeln, bedaddeln, betrinken. 

bedün, bedeuten, wat sal 'n dat bedün ? 
zur Vernunft bringen, zufrieden 
sprechen, ek hewwene wer bedüt. 

bedaro, bedauern. 

bef rannen (b^frün), befreunden. 

befonneln, untersuchen, eigentlich 
t€istend befühlen, wei weort de Sache 
schon befummeln. 

begnanlfn, in gehässiger Weise über 
etwas schwatzen, bereden. 

begnawwelln, bereden, über etwas 
schwatzen. 

begnengen, begnügen. Nur noch selten 
Gebraucht. 

beholdern, 'n behöldem Eop hebbcn, 
ein gutes Gedächtnis haben, leicht be- 
halten. 

behoeln, behalten, behoalo, behölst, 
beb ölt, behoolt; beheilt; behoaln. 

Beiderwant, ein Stoff aus Leinen tmd 
Wolle. 

bein, J. bieten, anbieten, beie, büttst, 
butt, beit; boot; oboon. 2. gebieten, 
anordnen, hei bütt Ran. 

bfinieh, gut auf den Beinen, rüstig. 
bi sinen ölder isse noch höllisch bei- 
nich. 

Beur, Bier. 

Beisenro^r (baiz9nrc^r), Binsenrohr. 

BeiHentttanl, Binsenstuhl. 



Beist, Tier, Schimpfname. 

Beek, Bach: in Ortsnamen der Um- 
gegend -heck: Anderbeck, Swanebeck. 

belemmert, Ausdruck der Missachtung. 
dat is belemmert, da bist belem- 
mert. 

Beljentrer (beljdntrfr), Bälgentrcter beim 
Orgelspiel. 

belÜD, beläuten, einen Verstorbenen ein- 
läuten; sobald jemand gestorben ist, 
werden die Glocken geläutet. Hüte 
morgen iso belüt. 

bemengen, sich mit etwas abgeben, be- 
menge dek doch nich mit dene. 

bemean, bemühen. 

bemin (l)dmin), mit Urin beschmutzen. 

behn (b^n), beten. 

bennijen, bändigen. 

Bent, Band, s. bant. 

beranpen (bdrawpm), berufen, ein Un- 
glück herbeirufen. beraupet man 
nich, warnt man wohl jemand, der 
sich rühmt, nie krank gewesen zu sein. 

Beere, 1. Beere, Stickbeore, Jehanse- 
beore usw. 2. Birne. 

ßeernmaas, Birnenmus. 

besein, 1. besehen, betrachten. 2. besäen. 

beHeten, besessen, dat Ei is al besetn, 
das Ei ist schon bebrütet. — du bist 
wol fon Dullworm besetn, du bist wohl 
närrisch, toll. 

besetten, besetzen. 

beseaken, besuchen. 

beninneii (bdzin), besinnen, besinne, 
besin8t,besint,be8iat;besunt;besunnen. 

besitten, besitzen (i, a, e). 

Bessen, Besen. Die hd. Form wird als 
Schimpfwort gebraucht: saun Besen. 

Bessensteel, Besenstiel, 

Beet (bf^Of «• Gebiss, Eisenknebel am 

Zaume des Pferdes. 
bet (bet)f bis. 
betain, bitaln, bezdMcn. 
betjen, betten, bischen, wertig. kumm 

Nommedag en (nomadCuv^n) betten 

wer, komm nachmittag wieder, jif ene 

(jif9n9) en beljen fon, gib ihm ein 

bischen ab, 
bet09nen, betonen. 
betren (bHrfn), betreten. 
Beuke, Buche. Die Früchte heisken 

Bauknöete, Baukeckern oder kurz Bank. 
benken, buchen, aus Buchenholz, beuken 

Holt, 'n beuken Kuppel, 
beune, dicht, \ Fat is beune, das Fass 

ist nicht spack. 
beuten, in Brand setzen, ajizünden. 

beute, bottst, bott, beut ; imperj. unge- 



52 



hräuchlich; pari, ebott Se het Füor 
cbott. 

bewäcblieh (hovf^ix), rührend, beküm- 
mert, voll innerer Bewegung, dat Kint 
sach einen sau bewäcblieh ane. 

Bewep (bdv^r), Beschäftigung; selten. 
Siehe das folgende. 

bewern (b9V^rn)f beschäftigen, abgeben. 
Nur gebräuchlich im Sprichwort: wer 
sek mit Hunnen un Jungens bewesrt, 
den is nist Gus bescheart. 

bewisen, beweisen. 

bi, bei. hier keim nist Gnes bie rut. 
kum bi mek, komm zu mir. 

bi-ane, neben, nebenan. hei woant 
bi-ane. 

Bibestant, Beistand, 

Eicht, /. Beichte. 

bichten, beichten. 

Biehtstaul, Beichtstuhl. 

Bicke, Spitzhacke. 

bicken, hacken, stossen. de Küken hett 
ebicket, die Küchlein haben ein Loch 
in die Eischale gehackt. 

bidden, bitten. 

Bifall, Beifall, Zustimmung. 

bifallen, beifallen, zustimmen, ek mott 
ne bifaln. 

Bigraft, /. Begräbnis. 

Bigraftskaaken, Begräbniskuchen, der 
nach dörflicher Sitte sehr dick sein 
muss; jeder Kranzspender erhält davon 
ein Stück. 

Bil (bil)y Fleischerbeil 

Blla (Wä), f., langer schmaler Kasten, 
der in der Lade (Truhe, Koffer) an- 
gebracht ist. 

bimmeln, bammeln, mit der kleinen 
Glocke läuten, z, B. zum Feierabend, 
zur Taufe usw. 

bina, beinahe, fast. 

Binne, Binde, Halsbinde, einen binder 
de Binne kippen, trinken. 

Binneke, schmales Band, z. B. Schür- 
zenband. 

binnen (bi^), binden, binne, binst, 
bint; bunt; ebunnen. 

Binneplok, Bindepflock, ein unterarm- 
langer Stab, der beim Binden der 
Getreidegarben verwandt wird. 

Bintfamat, Bintfamt, Bimfamt, Bind- 
faden. 

bisammen (blzdm), beisammen, 

bisluten, wegschliessen, einschliessen. ek 
hewet Jelt bisloatn. 

bispnnnen, einsperren, ins Gefängnis 
setzen. 

Bist, Bestie, Tier; besonders unange- 



nehme Tiere, gleichviel welcher Grösse, 
werden im Unwillen so genannt. 

bistan, beistehen, unterstützen, helfen. 

Bistant, Bibestant, Beistand, Unter- 
stützung, hei kricht keinen Bibestant. 

bisteken, verstecken, einstecken. Haste 
jelt bistoaken? 

bistern, irren, unbeirren, im Dunkeln 
gehen, hei is dorcht Holt ebistert. 
Siehe forbistem, twinbistem. 

bitan, nebenbei, daneben; wörtL beizu, 
wie auch Leute, die das Hochdeutsche 
nicht beherrschen, statt daneben sagen. 
Se hat de Melk bitau joatn ; unbeachtet : 
hei Sit bitau. 

bitin (biiln), beizeiten, früh, ek bin 
bitin wer derüjje. 

biten, beissen. bite, bittst, bitt, bit; 
l)eit; ebetten. 

Bla, siehe blau. 

blackern, laut mit hellem Tone lachen. 

bladdern, siehe afbladdern. 

blaffen, bellen, husten. 

blaken, blaken, de Lampe blakat. 

bläken, blöken. 

blan (blän), abblättern ; von Futter- und 
ZuckenTÜben knickt man einzelne 
Blätter ab, um sie als Viehfutter 
zu benutzen. Dazu das Hptw. Bla, 
das Abgeblätterte, wei futtert jetzt Bla. 

blarren, l. das schreiende Meckern der 
Ziege. Neckender Zuruf: Edewart, 
de Zicke blarrt. — 2. das weinende 
Schreien der Kinder, dat Kint blarrt 
ut füllen Halse. 

Blesse, m. u. f., 1. Bezeichnung für 
Kühe und Pferde mit einem weissen 
Fleck vor der Stirn, ek neame 'n 
Blessen tan pleun. — 2. der Fleck 
selbst. 

blasen, blasen. Schwaches Ztw. 

Blat, Blatt, Zeitung, ek hewwet in Bla 
leset. Mz. Blädder. 

Blanmdiscb, Blumentisch. 

Blanme, Blume, Blüte. 

Blan, Waschblau. 

blann, die Wäsche blau färben. 

bleckern, am Blech. 

bleik, bleich. 

Bleike, Bleiche.^ 't Lennewant is op de 
Bleike. 

bleiken, bleichen. Siehe afbleiken. 

Bleikeplock, Mz. Bleikeplöcke, kurze den 
Zeltpflöcken äJmliche Hölzer, die auf 
der Bleiche in die Erde geschkigen 
wer den j damit die Jjcinewand daran 
geknüpft wird. 

Bleikestea, Platz zum Bleichen. 



53 



Bleikewedder, Wetter zum Bleichen. 

Ble*k, Fleck, Stelle, Platz, hei hat 'n 
kal Bleak opm Koppe. Eine Dienst- 
stelle ist ein Bledk. Ida hatt'n gut 
Bleak — Ausgehstelle, wu geistn hüte 
Abeot hen; hast wol kein Bledk? 

blennen (bleu), blenden. 

Blenke, 1. Gestell für Geschirr und 
Geräte. 2. hölzernes Staket. 

blenj, blutig. 

Bleaiueken, Blümchen. 

bleoD, bluten, hei bleut wi 'ü Swin. — 
jif diue Swester wat fou, süs bleut 
se't Harte, gib deiner Schwester etwas 
ab, sonst blutet ihr Herz. 

Bii, Blei. 

bliben (blibm), bleiben, bliwe, bliifst, 
blifft, bliwet; bleif; eblebben. 

blidrn, bleiern. 

Blikale (bllküh), Bleikugel. 

Blime98eke, Blaumeise. 

Biinne, Blinder, du kannst doch kein 'n 
Blin^D wat lüchtn, du kannst mir 
nichts weis machen. 

Blinnekau, Blindekuh. 

blint, blind, ue bliune Fru. 

bliwerant, verwirrt; frz. bleu-mourant. 

Bliwitf, Bleiweiss. 

blÖ9, blöde, schüchtern. 

blÖekern, j)oltemd gehen, bes. wenn man 
durch schlechten Weg dazu gezwungen 
ist. hei is al for Dau un Dag loase- 
blöckert. 

Blofksbareb, Brocken. 

Blockshorenbareh (bloksho9rnbarx), ein 
Hügel dicht bei Eilsdorf. Man er- 
zählt sich, Wendenfrauen hätten ihn 
in ihren Schürzen zusammengetragen. 
Wahrscheinlich eine alte Begräbnis^ 
Stätte. Dieser Hügelname kommt in 
der Umgegend noch einige Mal vor. 
Vgl. auch in Sp^rengers Idiotikon 
Boxhörenschanze. 

blodt, bloss, nackt. 

Bio^te, m. der nackte Hintere, et jift 
wat for'n Bloatn. 

blastern, flattern, mit den Flügeln 
schlagen. 

Boa, Bote; meistens nur in der Ver- 
bindung, Postbod. 

boabeo (b^hn), oben. 

böekeD, begatten und begatten lassen. 
de Zicke hat eböcket 

böekHCb, von brünstigen Ziegen gebraucht; 
nach dem Bock verlangend, de Zicke 
is böcksch. 

Boddo, Boden, 



Boddnbedeckels, Bodenbedeckung, das 
was gerade den Bodeii eines Gefässes 
bedeckt. 

Boggel, Böjjel, Bügel, Bogen. Flitz- 
boggel. 

boldern, poltern, rollendes Getöse ver- 
ursachen, an de Döar boldern, an die 
Tür klopfen und schlageti. et junk 
holder de bolder, es ging schnell, pol- 
ternd, alles durcheinander werfend. 

Bolder wan, nicht federnder Wagen. 

Boole, Bohle, starkes Brett. 

bÖlken, schreiend weinen, dat kint bölket 
'n ganzen Dag. 

Boltchen, Bonbon, 

Boltn, Bolzen. 

Boltnkop, Boltsenkop, Dickkopf y Schelt- 
wort. 

Bollwark, Bollwerk, altes, baufälliges 
Haus. Gerumpel. 

bollwarken, jwltemd herumwirtschaften. 
hei bolwarket ^n ganzen Dag opm 
Bodden rum. 

BodDi, Baum; Mz, Böomo. de kann 
Böama utritn, der ist sehr stark. 

böen, biegen, bö9, böest, bödt; booch; 
ebödt. hei lücht, dat sek de Balken 
böot. 

hödVLe>u^ glätten, bohnen (Wäsche, Flachs), 

Boond, Bohne, nich de Boana, nicht das 
geringste, dat sunt dine Boanen nich, 
das geht dich nichts an, 

Böanaböttel, rundes Holz zum Glätten 
des Flachses u. d. Wäsche. 

Böanastein, Steiniüatte, auf der der 
Flachs geglättet wird. 

Boor, »., Bohrer. 

Borjeniester, Bürgermeister. 

Borch, Borg ; op Borch neamen, borgen. 

Borke, Rinde, einen de Borke lüften, 
jemand verhauen. 

Borm, Brunnen, Mz. Börme. 

Boriuniaker, Brunnenmacher. 

Bormslink, Steinfassung eines Brunnens, 
aus dem das Wasser heraufgeiounden 
wird. Auf zwei Gegenseiten vom 
Slink liegt die Winde. 

Bormwinne, Brunnenwinde, 

boarn, bohren. 

böarn, heben, tragen. 

Böart, Wandbrett, in alten Bauernstuben 
in Reichhöhe rings an der Wand 
hinlaufend. 

Boertoern, Bohrturm. 

böese, böse, schlimm. Kinderreim : biste 
böase, krup in 'n Kease, biste wer gut, 
krup wer rut. 



54 



boseln (hoz^ln)^ im Sande imihlen. de 
Ileunder boselt Locker in 'n Sant. 

BoHSen, m., Busen, Raum zwischen 
Brust und Kleidung bei Mann und 
Frau, stick dat Bauk in 'n Bossen. 

Bost, 1. Brust, for de Bost hebm, einen 
Luftröhrenkatarrh haben. 3. weib- 
liche Brustf Brüste. 

Bost, Bürste. 

Bostdaak, Brusttuch, ein ärmelloses 
Wams. 

Böste, /., Bürste. 

Bostkint, Brustkind, 

hosten, bürsten, afböstn, utböstn. 

Bostn, Mz., 1. Borsten. Swinebostn 
2 die Rauhigkeiten der Haut, bes. der 
Hände, wenn sie durch Kälte oder 
Nässe aufgezwungen ist. 

Bott, Gebot, Gehorsam; nur in der 
Rsa. kein Bott kennen, nicht gehorchen, 

bötgen, (boHJ9n), den gereppelten Flachs 
in Mengen von zwei Hände voll zu- 
sammenbinden. Eine solche Menge 
heisst Bötge (bo'tJQ). Zehn Bötgen 
»ind ein Bund. 

Böetel, der obere Teil des Schweinebeines. 

Botter. Butter. 

Botterolaume, Butterblume, gelber Hah- 
nenfuss. 

Botterfat, Butterfass. 

Botterfoggel, Schmetterling. 

bottern, buttern, Butter machen, in 
Drecke bottern, im Schmutz herum- 
gehen. 

Botterstttcke, Butterbrot. 

Bottertelder, Butterteller. 

böwwepst, Oberst, hei is de böwwerste, 
er hat den ersten Platz in der Schule. 

bpp! halt! Zuruf an Pferde. 

Bra, /., Bratest. 

Brabender, Brabanter Pferd; allg, jedes 
starke Pferd. 

Brabeern, Bratjebeorn, gebackene Birnen. 
Siehe Bratchen. 

Brädejam, Bräutigam. 

brak, brach, unbebaut, de Acker lit 
brak. 

Brake, Flachsbrache. 

brakeii, Flachs mit der Brake bearbeiten, 

Bräm, Brägen, Gehirn. 

brammeD {bram), weinen. 

Brämpanne, Schädeldecke, Schädel. 

bran, braten, lat dek wat bran, ab- 
weisender Ausdruck. 

Bransmalt, Bratenschmalz, beim Braten 
gewonnenes Fett. 

Bran stücke, ein Stück Fleisch, das gut 
zum Braten taugt. 



Brapanne, Bratpfanne. 

braselicb, faselig, vergesslich. 

Bratche (brät-^fid), gebackene Birne. 

Brathärich, Brathering. 

bratsch, hei is bratsch hennefallen, 
klatschend auf die Breitseite. Man 
bildet auch wohl das Ztw. henbratschen. 

Bratwostfleiseb, gehacktes Schweine- 
fleisch. 

Brauk, n., Bruch, die weiten, zum Teil 
moorigen Wiesen, die nördlich vom 
Eilsdorf am grossen Bruchgraben 
zwischen Bode und Ilse entlang ziehen. 

Brankhen, Heu aus dem Bruche. 

Branr, Bruder. Mz. Breure. 

Braarndoebter, Nichte. 

Branrnsoene, Neffe. 

Brei, /., l. Breite (Ausdehnung). 3. 
Ackerplan von grosser Ausdehnung. 
Reuwebrei, Amsbrei. 

Breif, Brief. Mz. Breiwe. 

brein, breiten, ausbreiten, henbrein. 
utbrein. 

breit, breit, flektiert brei. de breie 
Strate. 

breken (brfkn), brechen, zerbrechen, 
übergeben, breke, brickst, brickt, bre- 
ket; broek ; ebroöken.) 

Brender, Brenner, Kaffeeröster, Lam- 
penbrenner. 

Brenderi, Brennerei. 

brenderich, nach Brand, brandartig. 
et rucket sau brenderich, es riecht, 
als sei etwas verbrannt. 

brennen (breii)^ brennen. Imperf, brenne, 
Partie, ebrent. 

Brennewin, Brantwein. 

Brennewinskoscbale, Brantwein, in den 
Brot oder Honigkuchen gebrockt ist. 

Bret (brft), Brett. Mz. Bredder, dativ 
Bre. de Kauken is hart wi 'n Bret. 

Breu, Brühe, Sosse. da wart de Breu 
dürder wi de Bra, das verlohnt sich 
nicht. 

brenn, brühen. 

Bri, Brei. Kartuflfelbri, is de Woche 
forbi. 

bringn, bringen, bringe, bringest, bringet, 
brochte, ebrocht. 

Briten (brltn), heisser Wasserdampf. 

britnich, schwül. 

Bröddel, Gerumpel, wertloses Zeug, Durch- 
einander, westf. bruddel. 

Brönswik, Brenswik (brönswik, brens- 
wlk)y Braunschweig. Himmelsrichtung 
Nordwesten, de Wint kummet fon 
Brönswik. 

brönswiksch, braunschweigisch. de 



55 



bröDSwiksche Ecke, Nordwesten, in 
der brönswikschen Ecke etat de Je- 
wittcrköppe. 

Broel (brfft}, Brot. Mz. Broe, dativ 
Broe. et wart alderwechen Broet 
ebacket, man findet überall sein Aus- 
kommen, 

Bro^tko^m, Boggen. 

Brueber, Steinbrucharbeiter. 

Brahas, Brauerei. 

Briijje, Brücke. 

Bruk, Brauch. 

braken, gebrauchen, nötig haben, an- 
wenden, lläufig ellipt. in der Be- 
deutung: ein Heilmittel gebrauchen, 
wat haste deniie bruket? 

BrummkilKe], Kreisel. 

brummeo {brum), brummen; im Ge- 
fängnis sitzen. 

Brummer, grosse Fliege. 

Brummes e, Hummel. 

brun, braun, 'n brun'n Rock. — se bat 
ne brun un blau slan. 

braen (brü*n), brauen. 

Braer^ Brauer. 

Braeri, Brauerei. 

Bruse (brüZ9), f., 1, Brause an der 
Giesskanne, der Badeeinrichtung. 2. 
Anschwellung am Kopfe nach einem 
Stosse oder Sturze. 

Brut, Braut. Mz. Brü. 

Brutlii, Brautleute. 

Ba, 1. m, Bau. 2. n. Vorwerk, das von 
einem Nachbargute angelegte Wirt- 
schaftswerk. 

Bueht, /., durch Bretter oder Latten von 
einem Baume abgetrenntei' Teil. 

Bttdde, Harnblase. 

Buddeker, Böttcher. Kindervers: 
Büddeker, Büddeker, bum bum bum! 
Sleit sine Fru in Huse rum, 
Jift sen Stücke Keasebroat, 
Sleit se mit der Küle doat. 

Bnddel, kleine, bauchige Schnapsfiasche. 
Daneil stelU es zu huit, kurzes, dickes 
Ende. 

buddeln, trinken, bes. Schnaps. 

Bnir, m., Stoss. de Zickenbock bat mek 
'n düchtigen Buff ejedbm. 

bufTen, stossen, puffen. 

Bnflieli, Stoss. bei hat 'n orntlichen 
Baftich awekräjjen. 

Buk, Bauch, hei hat Buk un Bak 
(Bücken) füll. 

buckeru, unruhig sein, unzufrieden, nicht 
still sitzen können. 

Bufkseu, Hosen. Verschwindet aümiiMich. 



bucksen, stehlen, mausen. 

Bukweida, Leibschmerzen. 

Bii], Beutel, ahd, butil, 

Bulderlok, Grab in der Kindersprache. 

buldern, bibuldern, 1. begraben, Erde 
auf etwas werfen, 2. buldern, Be- 
zeichnung des Geräusches, das bei 
Durchfall entsteht. 

Buldersoelt, Bullrichs-Salz, doppelt- 
kohlensaures Natron. Volksetymolo- 
gische Umbildung aus Buürichs-Salz, 
weil das Mittel durcJischlagend wirkt. 
Siehe buldern 2. 

Bule (tüb), Beule. 

Biilnmel (bühmfl), ein geringwertiges 
Mehl, das" beim Mahlen nach dem 
guten Weizenmehl und vor der Kleie 
abgeschieden wird. 

bun, bauen. 

Bunke, Schlingel. Vgl. Nd. Kbl. 24. 

Bur, n., Vogelbauer. 

Bure, m., Bauer, Landmann, wat de 
Bure nich kent, dat f ritte nich. 

Bure, Bettüberzug. 

Burjemester, Bürgermeister. 

Burliase, Bauernhase, das Bauchstück 
vom Schwein, 

Burhoff, Bauerhof, Gut. 

Burjunge, Burmejen, ein Weihnachts- 
gebäck in Fuppenform. 

Burr^, Poree, AUium porrum. L. 

Burschinken, der zwischen Schinken 
und Botel befindliche Teil des Schweine- 
beins. 

Bnrsse, Bursche. Ab und zu hört man 
auch schon Bursche. 

Buschboom, Buchsbaum. 

Buschen, die Leute vom Vorwerk, be- 
sonders die polnischen Arbeiter. Siehe 
Bu. 

Busse, Büchse. 

Bfite, Mehlkiste. 

buttewennicb, auswendig, aussen, an 
der Aussenseite. 

butten, dr aussen, 

bttttenut, draussen. hei woant buttnute, 
draussen vor dem Dorfe. 

Butse, kleines Zimmer. 

da, da, dort ; bestimmt Ort, Zeit, Grund. 
— In unbetonter Stellung tritt für 
älteres dar häufig dar oder r ein. 
Dieses r wird mit dem vorhergehenden 
Worte verbunden. — ek fra nist derna 
(ddrnä'). ek hewwer doch nist von. 

Dacht, Docht. 

davor (da'for), davor, dafür. Ellipse: 
hm, davor, d. h deshalb ist mir nicht 
bange. 



56 



Dag (d(ix)f Tag. — düsse Da, in diesen 
Tagen ; dat hewwek min Dag nich esein, 
das habe ich mein Lebtag nicht ge- 
sehen ; on hcllerlichten Da, am hellen 
Tage. 

Daglohn (däxh'/n), Tagelohn. 

Daglöhner (Wnor), Tagelöhner. 

Dagsack; ein Kind, das den Tag über 
sich spielend ausserhalb des Hauses 
umhertreibt, wird bei seiner Heimkunft 
wohl so angeredet. 

Dak (däk), Dach. 

Dakdeeker, Dachdecker. 

Dak-ease, der untere Rand des Daches. 
de Dakeuse drüppet. 

Dal (dal), Ted. 

dal (däl), nieder, sett dek dal. 

Dalder (däldjr), Taler. Kinderreim mit 
entsprechenden Handbewegungen : hier 
haste ^n Dalder, geiste non Marchte, 
kofst dek ne Kau, 'n Kälweken krisle 
tau, Kälweken hat 'n Swänseken, makt 
didldidldänseken. 

Daleke (dahkd), Dohle. 

dalli, schnell, antreibender Zuruf. 

damank, dermank, dermanke, da- 
zwischen, dazugehörig. 

Dämelack, dämliger Mensch. 

Damp, Dampf. 

dam pich, 1. dampfig, voller Dampf, in 
de Küche isset sau dampich. 2. eng- 
brüstig, kurzatmig, 't Perd is dampich. 

dampen (dampvj), dampfen. 

dana, darna, derna (ddrmV), danach. 
et is ok derna, es ist nicht viel wert. 

Dannappel, Tannenzapfen. 

Daone, Tanne, Fichte. 

dannen (dan), tannen, von Tannenholz. 

Dänseken (demdkon), Tänzchen. 

Danz, Tanz. 

darren (dar ), erzittern, federn, et darrt, 
wenn man z. B. in ein Brett, das 
keine feste Unterlage hat, einen Nagel 
schlügt. 

darop, darauf. 

Darfseil, Dardesheim, sw. von Eilsdorf. 

daramme, darum. Wenn Kinder nicht 
auf die Frage: warum? antworten 
wollen oder können, so erwidern sie 
gern: weil därumme. 

darwe, derb. 

dat, das, dass. In unbetonter Stellung 
verkürzt zu et (9t) oder 't. 

Dat (dät). Tat. op frischer Dat, sogleich. 

datau, dertan, dazu. 

Däts (däts), Schädel. 

Dan, Tau, Feuchtigkeit, vor Dau un Dag, 
sehr frühe. 



Dank m., Tuch. 

dann, tauen. 

dann, tun; ek dau, du deist, hei deit, 
wei daut; ek dat, wei doiu; edan. 
In der abhängigen Nennform sagt 
man daunen (dau^). hei hat nist de 
daunen. — Die Bedingungsform dient 
zur Bildung des Konditionalis bei 
allen Zeitwörtern, ek deu no IIus 
gähn, went nich sau renen deu. 

Dans, As im Kartenspiel. 

dansend, tausend. 

de (da und de), der, die; die unbetonte 
Form ist Geschlechtswort, die betonte 
Fürwort. Der 2. Fall fehlt; das 
Besitzverhältnis wird durch von oder 
durch ein pron, poss. ausgedrückt. 
Dat. u. Äkkits. lauten gleich^ nämlich 
den, verkürzt männl. 'n, loeibl. de (da). 
In selbständiger Stellung lautet 3, und 
4. Fall dene (denj). — Der Akkus. 
'n steht auch vor den Namen der 
Wochentage, 'n Mandag vorreise ek 

de (do), zu vor abhäng. Nennformen 
statt des betonten tau. 

deffen, schlagen, stossen. 

foT&eieüiliieren,verteidigen,verantworten. 

defren (cbfre'n), zufrieden, lat ne midde- 
freu, lass ihn in Ruhe. 

Deig (daiyO, Teig. — Sprichwort: hei 
grient 'wieli Esel, de Deig efreten hatt. 

Deigaffe, Spottname für den Bäcker. 

Dell, Teil, Menge, 'n ganz Deil, ziemlich 
viel. 

deilen, teilen. 

deinen (dai^), dienen, irgendwo als 
Knecht oder Magd sein, wat makt 
denn Dres? ~ de deint. — Soldat 
sein wird dagegen mit der hd. Form 
ausgedrückt: hei dient. 

Deinst, Dienst. 

deip, tief. 

Deirt, Deir, Scheltwort mit der Bedeu- 
tung: albernes Mädcheyi. 

de Jare, vergangenes Jahr. 

dek (dek), dir, dich. Einige wenige Zu- 
gezogene sagen dik. 

Dele (de'h), Diele, Fussboden. 

dellejen (debjdn), schwer heben ^ mühsam 
etwas tragen, delleje dek doch nich 
mit den swahren Korwe rum. 

delen (d^ln), dielen, mit Dielen belegen. 

dempen (dempm), dämpfen; afdempen, 
erwürgen, die Kehle zuschnüren. 

denn, dann. 

dengeln, die Sense schärfen, indem man 
die Schneide mit einem Hammer klojjft. 

derngge (ddrü'ja), zurück. 



57 



derwedder, dewedder (d9ve'd9r), da- 
wider, dagegen, ek hewwe nist der- 
wedder. 

des«Iat (d9Z9lä't), matt, ermüdet, zer- 
schlagen. 

Defsen (d^s^n)^ Deersheim, Ortsname. 

deireddern (dsxejddm), zuwider, über- 
drüssig, ek liewwe mek Hmalt de- 
weddern ejettn. 

dichte, dicht. 

diehtebie, nalie, dicht dabei, da wird 
in der verkürzten Form vorweggestellt : 
ek bin der diehtebie; hei isser dieh- 
tebie. 

didlditchen, in der Kindersprache Nach- 
ahmung der Tanzmusik, 

Diese], Tiegel. 

Diel, Teich. 

Die kde, Dicke, twei Faut in de Dickde. 

dieken, tilgen, hei hat siene Schuldn 
edieket. 

diekfellig, gleichgültig. 

Diiune f., Diemen, Feimen, 't Korn is 
inne Dimme feurt. 

din, dein. Dat. Acc. dienen (din). 

DiBJ^elken, kleines Ding. Nach aus- 
lautendem Gaumenlaut tritt vor -ken 
-el. 

Dineelste (-st^), Dingelstedt, südlich v. 
Eilsdorf, 

Diisda^, Dinsedag (dinzedax), Dienstag. 

Diereks, Dietrich, Nachschlüssel. 

Di«cb, Tisch. 

Discher, Tischler, Schreiner. 

disfhern, tischlern, schreinern. 

Diefse (dtS9), der am Spinnrocken auf- 
gesteckte Flaclis. 

Diefsel, Distel. 

Diefnenblad, bunt bedruckte Pappe, die 
um den Flachs am Spinnrocken ge- 
tcickelt wird, um ihn zusammen- 
zuhalten. 

diwweni, lebhaft beraten, unterhalten. 

Doehter. Tochter. 

Döehterken (d&nprksn), Töchterchen. 

dof (diff), taub; ohne Frucht. — op 
doben (dtTbin) Dunst, aufs Geratewohl. 

doj (diTyJ, tot. 

Doie (dÖ'JQ), Tote, da ligget de Dojen. 

doli, toll, et is tan doli weren. 

dolmern, hastig arbeiten mit der Neigung 
zur Oberflächlichkeit. hei dulmert 
wat drop los. 

dornen (do'm), blaken, rauchen, de 
Lampe dornet. 

dön (do'n), taugen (dö9, doxst, doxt, 
dißat; doxt»; adaet). 

Don (dö'n), Tonerde. 



Dönder, Donner. 

Dönderbohne, Donnerbohne, grosse Fett- 
henne, Sedum telephium. — Junge 
Mädchen legen ein Blatt dieser 
Pflanze in den Schuh und meinen, 
der Bursche, der ihnen zuerst begegnet, 
werde ihr Bräutigam 

Dönderda^f Donnerstag. 

döndern, donnern. 

den, done (dö^no), da, darauf. 

dönen (do^n), dröhnen, et dönt dorch 
de Knoken. 

Donfra (difnfrü), Leichenwäscherin. 

Donsränrer, Totengräber. 

Donkopp, Totenkop, Schädel. 

Donknnle, Ton^M^e. 

dÖDSch (dö*n.H), beschränkt, dumm. 

Dop ; nur in den beiden Bedeutungen 
Obertasse (Tassendop) und Eischale 
(Eidop) gebräuchlich. 

Dope (dü^p»), Taufe. 

Döpewater, Taufwasser, dat hatt'e mit 
'n Döpewater ekreggcn, das hat er 
von Anfang an. 

dopen (do^pm)y taufen (döl'p?, dofst, 
dö*p9t; dof 19; ddoft und 9do'p9t). 

döppen (döinn), afdöppeo, u)ie eine Ei- 
schale abheben ; z. B. wird der Schorf 
von einer eitrigen Wunde awedöppet. 

Dor (dö'r), Trespe, Bromus secalinus, 
ein Unkraut im Flachs. 

Dop, Tor, Hoftor. 

DÖr, Tür. Kinderreim: Witkop (od. 
Jakob), fritt de Kese op, mak de Dur 
tau, meck frürt sau. 

doreb, durch. 

Dorehfall, Durchfall. 

dorehsien, durchseihen. 

Dorchsla^, Durchschlag. 

Dorn (diTrn), Dorn, Stachel. 

&ÖTn(dd'rn), dürfen (doy9, dö'rst, dö'rt; 
dorst9, dorstn; 9dorst). 

Dörp, Dorf. Die älteste Strasse des 
Dorfes, an der ursprünglich die An- 
siedlungen entstanden, heisst kurz 
\ Dörp. hei wohnt in Dörpe {in der 
Dorfhauptstrasse), wei gaht dorchet 
Dörp. 

Dortehen (d<yrtx9n), Dorothee. 

Dorweg (dffrwfxh n., Tor, sowohl die 
Toröffnung, die Durchfahrt, als auch 
das Tor aus Holz oder Eisen, in'n 
Dorwe (difrve) stahn. 't Dorweg 
opmaken. 

Döschefläre, Döscbfläre, Dreschflegel. 

döschen, dreschen. 

DÖHcher, Drescher, de fritt wie'n Schep- 
peldöscher. 



58 



Döst^ Durst. 

döstig (döstix), durstig, 

Dot (dö't)y Tod, 

dote (d(ftd)f tot, siehe doj. 

dotstarbenskrank (d&'tstarbimkraisik), 
todkrank. 

dtfwe Nette], Taubnessel, Lamium, 

Döwwer, Täuberich. Worts2)i€l: de 
dicke Düwwer draug de dicke Duwe 
dorch den deipen Dreck; da dank de 
dicke Duwe den dicken Duwwer, dat 
de dicke Döwwer de dicke Duwe 
dorch den deipen Dreck draug. 

Dra, Trage, Gestell zum Tragen. Mefs- 
dra, Kaukendra, Reuwedra. 

drabeii (dräbm), traben. 

Dracht, Tracit. ne Dracht Water, eine 
Traglast Wasser; ne Dracht krien, 
Prügel bekommen. 

Dragkorf, Tragekorb (auf dem Racken 
zu tragen) 

Dragstrick, Strick, Tragband am Trage- 
korb. 

Drake, /., Drachen, scherzhaftes Schelt- 
wort für Mädchen, 

dralle, schnell, flink, ek mot dralle 
maken. 

drammarsen (dram-ärz9n), peinigen, 
quälen: Wenn ein Kind die Mutter 
an der Schürze zieht, damit sie mit 
ihm gehe, so sagt sie wohl no, saun 
drammarsen. 

dran, (drän), tragen (ek drä, d. drerfßt, 
h. dr^, wai drät; ek draux, wai 
droin; odrän). 

drane, dran, daran; in Zusammen- 
setzungen dran. 

Drap, Trab, op en (opm) Drap bringen, 
wegjagen, auszanken, make drap, be- 
eile dich. 

dräpen (drfpin), treffen (drfpe, drüpdst, 
drüpdt, drfpdt; drö'p, dr(fpin; 
ddrö^pm), 

Drär, Drajer, Träger, Leichenträger. 

Drär^chörte, Schürze mit Tragbändern. 

Dräsen, Ladentisch. 

drann, drohen 

Draus, Pferdekrankheit, 

Drewet (dr^wH), Dreifuss. 

dreharig, widersprechend, trotzig. 

dreiD, sw., drehen. 

drein, trügen, täuschen, (drai, drüxst, 
drüxt, drait; drö^x, drÖ'n ; sdri^n). 
dat drücht höllisch. 

drecklich, dreckig^ schmutzig. 

Dreien (dr^ln), n, Drell, Drillich. 

dreien, aus Drillich, twei dreien 
Ilandeuker. 



Dres (dr^s), Andreas. 
Dresler (dresl^r), Drechsler. 
dresHeln, drechseln. 

dreweseh (dr^v9s), dreist, keck, unver- 
froren. 
driben (dribin), treiben (drlva, drifst, 

drift, driv9t; draif drebm; ddrebm). 
Dribenkiel, frecher Junae. ' 
Dridde, Dritte, 'n Dridden afslan, den 

Dritten abschlagen, Spiel. 
driddehalf, drittehalb. 
Dridderat, Gewebe, Stoff, 
dridderatscb, aus Dridderat, 
Drifft, Trift, schmaler Grasweg zwischen 

Äckern, 
drillen, mit der Maschine säen, 
drinken, trinken (driakd; drujdk; 

ddruidkBn), 
Drier, Dreier. 
drierlei, dreierlei. 
driscbakeln, quälen. 
Drischar, dreischäriger Pflug. 
driste (drist9), dreist. 
drifteine, dreizehn. 
drittieb, dreissig. 
driwweliern, ungeduldig und anhaltend 

etwas fordern. 
Driwer, Treiber. 
dröe (dro*), trocken, de Kau steit dröe, 

die Kuh hat keine Milch. 
droben (dröbin), drüben. 
droj (droW trocken. 
Dröjnis, Trockenheit. 
Drom (drö'm), Traum. 
Drömeker, Träumer. 
drÖmekich, träumerisch, schläfrig, 
drömmen (dr&iii), träumen. 
dröen (dro^n)^" trocknen. 
dröhnen (dro^i^), dröhnen. 
dröwwer, drüber. 
Dräfel, Traube. 
Draft, Trieb, Antrieb, Druck, ek mot 

emal Druft derhinder bringen. 
Drümpel, m., Häufchen, bes. Kot. 
drnnder, drunter, dröwwer un drunder. 
Drnnk, Trunk, Trank. 
drüppeln, tröpfeln. 
Drappen (druptn), Tropfen, 
drttppen (drüpm), tropfen. 
Driippe, /., Tropfen, 
drnsseln (druzaln), im Zulande des 

Einschlafens sein, hindämmern, ek 

war inedrusselt. 
Drofsen (drüs9n); hei is in Drufsen, er 

ist ohne Bewusstsein. ek hewwene in 

Drufsen oslan. 
Druwe, Traube, Wie mir scheint, nicht 

so häufig gebraucM wie Drüfel. 



59 



dttf pers. Fürtüort ; abgeschwächt dd, das 
nach auslautendem Zahnlaut mit die- 
sem zusammengezogeti wird, haste, 
hast du; bringeste, bringst du. 

dächti/i;, tüchtig^ sehr, in hohem blasse. 
den hat hei düchtig anoführt. 

Daddel; io 'n Duddl sin, betrunken sein. 

dadeln, missfäüige Bezeichnung des 
Drehorgelspielens, des Bingens u. ä 

Dtdelsaek, Dudelsack. 

doffen, stossen, knuffen. 

docken, 1. tauchen, hei hat ohne 
ducket — 2. niederkauern, bücken. 
de Hase ducket sek. 

ducknackieh, gebeugt^ mit vorgeneigtem 
Kopf. 

Dskser (duk-s9r), Sperling. Vgl. Nd, 
Kbl. 27 f, 

dall, 1. toll 'n duln Hand. — 2. ärger- 
lich, ek bin sau dull. Siehe doli. 

dalder, toller. 

Dallworn ; hei is wie von DuUworm 
besetn (bdzfiii), er ist närrisch. 

Oiihme, kleiner Eisenzapfen, der das 
seitliche Abgleiten der Wagenhort 
verhindert. 

Damen (dum), Daumefi, 

Dttuling, Däumling im Handschuh. 
Vgl. Fautliog. 

dumm un alwern, Verstärkung von dumm. 
hier hindern Oben wart 'n dumm un 
alwern. 

Dnmmbiihl, Dummbeutel, hei hat wat mit 
'n Dummbühl ekreggen, er ist be- 
schränkt. 

dämme komen (kö*m), dumm kommen, 
frech antworten, patzig widersprechen. 

Dummerjan, Dummkopf 

damp, dumpf. 

dobn, betrunken. 

doon, da, dann. 

dahi, deuten, 

DoDderkiel, Donnerkeil, Ausruf des 
Erstaunens. 

Donderwäder, -wedder, J. Ausruf des 
Erstaunens, 2. Fluch, Ausdruck des 
Unwillens. 

Dihne. Daune. 

Dinneje, Schläfe. 

Djhp, Dauer. 

diihp, teuer. — dühre Tit, Teuerung, 
gebräuchlich in der Redensart wie de 
dühre Tit trecken, langsam gehen. 

duhrn, dauern, wahren, 

diihrn, dauern, betrüben. 

dfise (düz9), dieser, diese. 

dügflig (düz9lix), schwankend, schwind- 
Ug, taumelig. 



Diiseldier, Schimpfwort: dummer Mensch, 

Dunelkop (duz9tkop), unaufmerksamer 
Mensch. 

dii bsein, drehen^ kreisen. 

dahseln, dusseln (duzdlh), träumerisch 
sein. 

dusend (düz?nt), tausend. 

düster, dunkel, finster. 

dät, dieses 

Dutten, m., kleiner Knäuel Haare, Fäden 
u. dgl. in dutten sien, entzwei sein. 
de Tasse is in dutten. 

Dnts, Dutzend. 

diitHch (düts), deutsch. 

Diitscbe, Deutscher, 'n ölen Dütschen, 
ein Mensch, der nicht viel Formen 
macht, der geradeaus sagt und tut, 
wie ers meint, 

Diitsehland, Deutschland. 

Dawe. Taube. 

Däwel, Teufel, — Von einer zank- 
süchtigen Frau sagt man: de hat 'n 
Düwel barwet lopeu sein. Leute, die 
abends ausgelassen sind, werden ge- 
warnt: wer et abends piepet, den 
danzt de Düwel op en Dake. 

dnwwelt, doppelt. 

eben (ebm), eben, flach, gerade; jetzt. 
ek bin eben ekomcn; dat mein ek eben. 

ebensau, ebenso. 

£ido», halbleere Eierschale. 

Eierkanken, Eierkuchen. 

Eiiei m., liebkosendes Backenstreicheln. 

eyein, die Backen streicheln. 

Elke, Eiche. 

Elken, kleines Ei. 

eiken, eichen, aus Eichenholz, 

eiken, eichen, abmessen. 

einder, jemand, man, irgend jemand. 
da kann einder nist bie wem; — da 
kummet einder. 

eine, Zahlw. eins; adjektivisch ein. 

eins, einig, in Freundschaft, se sunt 
war eins. 

eifj eher. 

eisich, schaurig, in Holte wart sau eisich. 

ek (ek), ich. Das e fällt nach vokalisch 
auslautenden Wörtern meistens aus. 
dat dau^k nich. Dat. u. Akkus, mek. 
— Eilsdorf liegt an der Nordgrenze 
des ek- Gebietes. 

Ecker, Eckere, 'Eichel, hei mot Eckern 
bekennen, er muss Farbe bekennen. 
Vom Kartenspiel. 

eck»; öwwer ecks, von Ecke zu Ecke, 
in Diagonalrichtung. 

Eckse, Axt. 

Eider u. Eitern. 



60 



Ellenboe {elnhff), Kllenhogen. 

Emme /"., der Uolzteily der im Wagen- 
gesiell auf dem Assfutter den Vorder- 
Wagens unte^ dem Weschemel hegt. 

Emmer, Eimer. 

en (9n), ein ; oft verkiirzt zu 'n. Weibl. 
ne. 'n Mann, 'ne Fru. 

enaag (enaux), naug, genug. 

Enke m , Kleinknecfit, Iferjiejunge. 

Enkel, Fussknöchel. 

Enne, Ende, Ausgang, et geit de Enue. 
— Stück, Teil, 'n Enne Wost. 

entelii (enteln), einzeln. 

entwei, entzwei. Nicht so häufig wie 
kaput. 

ehr (e^r), eher. 

Ere (^r9), Erde, 1. Erdboden. 3. Erd- 
kugel. S. der Fussboden. 't Mest is 
ane Ere falln. 

erfinnen (erfifj), erfinden, 

ehrgistern (^rjistdrn), vorgestern. 

erkunnijeD, erkundigen. 

ehrn (^m), irden. *n ehrn Pot. 

Ehp^ (^rn) /*., Ernte. 

ehrn, ernten (ek ^rnd, ek hewa e'rnt). 

Ehrn8t, Ernst, hei ma]|:e Ehrnst. 

ehrnst, ernst. 

erstan (^rst-än), anfangs, in de erst, 
anfänglich, nächste Woche de ersten 
Da, Anfang nächster Woche. 

Ertnot ((TrtnÖ'tJy Erdnuss, 

eMchern, af-eschern, abquälen, durch 
Laufen abmatten, 

Esel (ez9l), Esel. 

Esige (f'zijd), grosse Menge. 

et (9t), es. 

Ete waren, Esswaren, 

eten (Hn). essen (ek el9, du itst; vat et; 
ek ät, vai ailii; 9Jetn), 

Etter, Eiter, 

etterig, eiterig, siehe unferig. 

eaben (qibm), üben, ut-euben, verüben. 

Euse, Öse/ siehe Neuseke. 

Euwer, Ufer, 

Ewer, Eber, 

ewig (ewix), cmig. dat duhrt ewig nn 
drei Da, d. h. sehr lange. 

fackeln, zögern, scherzen, erdichten, hei 
fackelt nich lange, sondern macht Ernst, 

Vader, Vater, siehe Var. 

Vaddcr, 1, Gevatter, Pate. Vadder stahn, 
Vate sein. — 2. scherzhafte tadelnde 
Bezeichnung, du bist mek en schönen 
Vadder. — Veraltet ist Yaddersmann. 

Fäddere, Fede^; 

Vaddernbreif, Vateneinladungskarte. 

Vaddersche, Gevatterin, 

fafteine, fünfzehn. 



Päjer, ungeschlachtery starker Mensch. 
Fat (fäk), Fach; im besondern der von 

der Tenne durch eine brusthohe Wand 

getrennte Raum, der zum Aufbewahren 

des Strohes dient, smiet dat Stroe int 

Fak. — Desgleichen der Raum zwischen 

den Balken einer Wand (Fachtoerk). 

Daher die Redensart under Dak un 

Fak sien. 
Fakstein, Sandsteinplatie, womit ein 

„Fak" ausgefi'dü wird. 
Fakwand, Hauswand mit Fachwerk. 
fämen (ffm), fädeln. 
Famt (fänlt), Faden. 
Var (fdr), Vater. Veraltete Zusammen- 

Ziehung aus Vader. 
var- (far), Vorsilbe ver in wenigen 

Wörtern, z. B. vardammt, varflucht. 
färben (farbin), färben. 
Farken, Ferkel. 
Färnits, Firnis. 
Farwe, Farbe, Färberei. 
faseln, gedankenlos sein, träumen. 
Fasselabend (fas9lahmt), Fastnacht. 
Fat (fät), Fass; itf-f/Fäte. 
Fatbinder, Fassbinder, Böttcher, de löpt 

wie 'n Fatbinder. 
Fatbotter, Fassbutter, Margarine. 
faten (fäln), fassen. — sek faten, mit 

jemand ringen, die Kräfte messen. 

hei hat sek mit mek efat. 
Fats; nich en Fats, nich das Geringste. 
Fäts (ffts), Getue, Gerede. 
Faalenzia, Influenza, 
Faure, Fuhre. 
Faarlfi, Fuhrleute. 
Fanrmann, Fuhrmann. 
Fant, Fuss, Körperteil und Mass. öwwer 

'n Faut mit einen spannen, sich mit 

jemand erzürnen. 
Fautling, Fentling, der TeildesStrximiyfes, 

der den Fuss bedeckt. 
fei, schüchtern, verzagt, as. fegi. 
Fei, Vieh. 
veire, vier, 
vel (f^l), viel. 
Felje, Radfelge. 
velmals, viele Male, oft, ji solln ok 

velmals bedanket sien. 
Feld, Feld, in Felle, im Felde. ~ 

öwwer Feld sien, verreist sein, 
Veltn, Veitheim. 
fengen, fangen (ek feng»; ek fonk, vai 

foB9n; 9f€B9t statt älterem dfo^9n). 
vere (ff^re) ; sülf vcre, selb viert. 
verteine (f<frtain9), vierzehn. 
vertel (fcrtl), viertel. 
Fese (fez9),^ Faser. 



61 



feste, ftit, slag feste. 

Vetter, Yeiief; die gewöhnliche Anrede 
für Herr. *n Dag, Vetter I — da kummet 
Vetter Kruse. — Anverwandter, Onkel. 
ek will usen Vetter beseuken. Vgl. 
Wesche. 

feuln, fühlen. 

Fenre, Furche. 

fearn, fahren. 

Featliog; siehe Fautling. 

Fewerwar (fe/w9rvär)y Februar. 

Ficke, Tasche. Fickenfeulders kriet Ohr- 
fien. 

fiekfaekeo, necken, unnütze Dinge treiben. 

Fickfaekerie, Neckerei, Getändel. 

fidipse, besonders in der Verbindung 
hunneiidipse als Antwort auf Bitten, 
die man nicht erfüllen toill oder auf 
neugierige Fragen. Hauptsächlich in 
der Kindersprache. 

Fiddel (fidl), Fiedel 

fiddelD, fiedeln. 

Fidler (fid^lfr), meist in der Verbindung 
UoDnefldler, Hundekäufer; eigentlich 
Schinder, zu filln, das Fell abziehen. 

fif, fünf, veraltet. 

Vijaule, Veilchen, Viola. 

Vijjeline, Geige, Violine. 

Vijjelinenstriker, eigentl. Geigenspieler; 
bezeichnet einen Menschen, der sich 
durch listige 'Täuschungen um die 

. Arbeit su drücken sucht. 

Fiken, Sophie. 

Filderkuhle, die Grube, in der toten 
Tieren das Fell abgezogen wurde. 

File, Feile. 

ftlen, feilen. 

fillD, affilln, das Fell, die Haut ver- 
letzen, abschaben, ek hewwe mek et 
Knie awefillt. 

IId, fein. 

Finne, Geschwür am Augenlide, sogen, 
Gerstenkorn. 

finnen (fifj), finden (ek fin9, du finst, hai 
fint, vai fint ; ek funt, vai fuii ; dfuy.). 

Fint (fint), Feind, selten. 

Fir, Feier. 

firen, feiern. 

Fisematenten, Faxen, nicJUige Dinge. 

Figeln, Faser chen. 

Fittehen, Ftügel, Fittich, 'n Fittchen 
hebben (heljp), nicht gescheit sein, 

fittehen, mit einem VogelfiUich fegen. 

fit-fit (fit), Lockruf für Enten. In der 
Kindersprache Bezeichnung der Enten. 

Fiteken, Fitjeken, Entchen. 

Vizebohne (flts^bffn?), Stangenbohne, 
Vietsbohne, Phaseolus vulgaris L. 



Fitsken n., wenig, ein bisschen. 

Fiwer, Fieber. 

Flädderfittchen, Fädderiittehen, Fädder- 
flitchen, Vogelfittich, der zum Fegen 
benutzt wird, Flederwisch. 

Fläddermns, Fledermaus. 

fladdrieh, flattrig, lappig. 

Fläre, /., Dreschflegel. 

Flarn, m., grosses, dickes und unge- 
schickt geschnittenes Stück Brot. 

Flass, m., Flachs. 

Flasskan, Vorrichtung zum Zerkauen 
der Flachsstengel. Sie hat eiserne 
Kauleisten, die Brake dagegen hölzerne. 

Fiats, arober, ungeschliffener Mensch. 

Flat'tscnen, breite, formlose Masse. 

flätsen, sich räkeln, wie ein Fiats be- 
nehmen, hei fiätset sek oppet Sofa. 

Flaamen (fiaum), Bauchfett, 

Flei, Fliege. 

flein, fliegen (ekflai, duflü^st, vaiflait; 
ek fllfx, vai flifn ; 9fl(fn). 

Fleinnnepper, Fliegenschnäpper, Mus- 
cicapa grisola, 

Fleit; nur in der Redensart. • dat Mest 
snitt wie 'n Fleit, d. h. es ist sehr 
scharf. 

Fleitje, Flöte ; nur in dem Kinderverse : 
Kumpel, rumpel, reitje, Schaper hat 
ne Kleitje, Schaper hat ^n Dudolsack, 
Dudelt usen Kinne wat. — Vgl. 
Fleutje. 

fleitn, fliessen (et flüt; fliTt; 9fl(ft{i). — 
de Snnte fleitn hebben, vorlaut sein, 
zwischenreden, prahlen, sich mit Wor- 
ten vermessen. 

flennen, (flen), weinen, 

Fleutje, Pfeife (zum Pfeifen). 

flentjen, mit dem Munde pfeifen. 

fliestern, flüstern. 

flieticli, fUissig; vom Hd.fast verdrängt. 

flitchen, mit den Flügeln schlagen. 

Flitsbog^el, Bogen zum Schiessen, frz. 
fleche. 

flitsen, eilen, laufen. 

Flöe Cflö'), f. u. m., Floh. 

¥ 1 «ggel , Mühlenflügel. 

flöen, Flöhe fangen. 

Flöenkrnt, Flohknöterich, Polygonum 
persicaria. Bote Flecke auf den 
Blättern 'dieser Pflanze deutet man 
als Spuren dtr Jungfrau Maria. 

Flöte, (flöU^), Flöte. Bdsa. flöten gähn. 

Flöte, Botterflöte, eine hölzerne flache 
Schaufel, mit der die Butter aus dem 
Butterfass genommen wid in die But- 
terform (pundsnap) gedrückt wird. 



62 



Flüebter, Feldtauben -, Tauben, die den 

Bof verlassen und umherschweifen. 
Utiebten, fliehen. 
Flüctatchen, der aus einer Zwecke und 

einem Läppchen hergestellte Schiess- 

bolsen für das Blasrohr (Pusterohr). 
fluschen, schnell von statten gehn. da 

fluschet de Arbeit. 
foddern, föddern, fordern. 
MU (foft9)y fünfte, selten. 
fofteine, fünfzehn, häufiger ist fafteine. 
Foeken, m., grosses Stück Brot, hast 

dek en schöuen Pocken awesuedn 

(äwQsnedn). Synon. Flarn, Kniewel. 
Fole (f(fl9), Falte; meistens beschränkt 

auf die Bedeutung Stirnfalte, während 

sonst die hd. Form gebraucht wird; 

z. B. Faltnstäwwel. 
folgen, folgen. — hei hat efolget, er ist 

dem Sarge als Leidtragender gefolgt. 
folen (fö'ln), falten, de Hanne folen, 

die Hände falten. 
Füllen (föln), Fohlen. 
Fomilich, Familie. 
fon-eer, fon-eir, wann. 
foppen (fopm), foppen, necken. 
fop (mit kurzem o), 1. für. 2. vor. 

3. Vorsilbe ver-, 
vorbellen, verstauchen 
vorbi, vorbei. 

vorbimmesen, verhauen, durchprügeln. 
vorbomjacken, verprügeln. 
forcht- (foryj), vorig-, forchtn Mandag, 

am vorigen Montag. 
vordarben (fordarbm), verderben. 
Vordarf, Verderb, 'dat is sien Vordarf, 
vordeinen (-deiri), verdienen. 
Vordeinst, Verdienst. 
vordeawelt, verteufelt. 
Vordrag, Vertragen, Einvernehmen, 

Friede, et is kein Vordrag zwischen 

den beiden. 
vordran, vertragen. 
vordreitn, verdriessen (dt fordrüt; for- 

drift; fordrÖ'lfi). 
Vorein, Verein. 
vorändern, verändern; sek vorändern, 

lieiraten. 
yorfehrn, ei'schrecken. 
vorfreirn, erfrieren. 
vorführen, 1. verführen. 2. vollführen, 

ausführen, se het 'n höllischen Lärm 

forführt. 
Vorgang (forjdiak), m.. Vergehen, Ver- 
minderung, on düsen Tue is kein 

Vorgang, 
vorjetn, vergessen. 
vorjettern, vergesslich. 



Vorgliek, Vergleich. 

vorglieken, vergleichen. 

vorgröttern, vergrösser n. 

vorhalen, erholen, ausruhen. 

Vorhimme, Vorhemd. 

vorholen (forhif'ln), aushalten, ertragen. 
hei kann wat vorholen. 

vorholen, vorhalten, z. B. die Leine vor 
die Brautkutsche, um ein Geschenk zu 
erhalten. 

Vorkarre, Vorkarre, Karren vor dem 
Pfluge. Siehe Vortuch. 

Forke, Gabel zum Heu- und Stroh- 
aufladen. 

vorketteln, an der Brennessel verbrennen. 

vorknnsen, jem. leiden können, ek kan 
ne nich vorknusen. 

vorklahn, verklagen, scherzhaft: einen 
Torklahn, die Notdurft verrichten. 

vorklomen (forklifm), erstarren, 't Küken 
is in de Külle ganz vorklomet. 

Vorko», Vorderschädel, Stirn. 

vorkiillen (-küln), erkälten. 

Vorlat, m., Verlass. et is kein Vorlat 
op 'ne, er ist nicht verlässlich. 

forleif, fürlieb. 

vorleirn, verlieren (ai, ü; ö, ö ; ö). 

verloben (-lö'bin), Erlaubnis holen, ek 
hewwe mek ut de Schaute vorlöwet. 

vormann Nien, vermuten, erwarten, ek 
bin mek wat vormaun. 

formest (-mifst), famos, spassig. 

vormiinderu, ermuntern, munter werden. 

vorprnsten, verschnaufen. 

vorqnasen, vergeuden, verschwenden. 

vor q atmen (forkwlm), verrieclien, den 
Geruch verlieren. 

Vorak (f(frak), m., der bei der Flachs- 
zurichtung vor der Hede entstehende 
Abfall. 

vorrnngenieren, ruinieren. 

voröwweln, verübeln. 

vorrnken, verriechen; verdrängt jetzt 
das äUere vorquimen. 

forsch, stark, kräftig. 

verschalen, mit Schalhölzen bedecken. 

Forsche, Kraft. 

vorschÜDnen, (-^ün), verhetzen, verfüh- 
ren, veranlassen, etwas unrechtes zu tun. 

vorschiitten, (förmin), aussperren durch 
verriegeln der Tür. 

Forst, First. 

vorstabn^ verstellen. 

vorstännig, verständig. 

vorstöhrt, verstört. 

Forstweg, Firstweg; der Weg, der auf 
dem Kamme des Huys entlang geht. 

Forswint, Hautausschlag. 



fohrt (/ö*ry, fort 

forteilen, erzählen, 

Tortehren, verzehren. 

Vortl. Vorteil, Nutzen. 

vortobftfken, verhauen. 

vortreeken, verziehen. Reuwe vor- 
trecken, unter den jungen Buben- 
pflanzen die schwachen wegnehmen, 
sodass die kräftigen noch besser ge- 
deihen können. 

Vortiig (förtüx), Gestell mit zwei Bädern 
vor dem Pfluge. 

vorammesiis, umsonst. 

vorat, voraus, in vörut, im voraus. 

vor weit, umgewandt. Meist nur in der 
Bdsa.: krist wat mit de Vorwente, du 
bekommst was mit dem Handrucken. 

vorwogen (-vo'yn), übermütig, keck. 

Fortz, Bauchwind. 

Fos8, Fuchs; Verräter. 

losrli (f(f^), unpass, unlustig, faul, ek 
bin sau fosch — et Holt is all fosch, 
etwas angefault. 

fossen, angeben, verraten. 

fossig, fuchsig. 

Fossswanz, Angeber. 

Fotze, Vulva. 

Fra, Frage. 

Frähmte, 1. Wermut, Ärtemisia absin- 
thium. 2. Wertnutschnaps. 

fr ahn, fragen. 

fransen, ringen, balgen. 

Franjen, Fransen. 

Fre (frf^), Friede. Fre holen. 

freirn, frieren. 

Frese (fr^zd), HalRfrene, Halsschmuck 
nus Bändern. 

frete (fre't»), hübsch herangewachsen. 

freien (Jrfltj), fressen. 

Fretsaek (frft-), Vielesser. 

fren, früh. 

Frenjahr, Frühling. 

frentietlieh, frühzeitig. 

fri, frei. 

Priedag (frldäx), Freitag, stillen Frie- 
dag, Karfreitag. 

Friejat (frtjäi), Heirat. 

fritkeln (frik9ln), hin und her be- 
wegen, ftich durch Enges und Ver- 
zwicktes, z. B. Gassen, hindurch- 
finden ; mit einem schlecht passenden 
Schlüssel ein Schloss zu öffnen 
suchen usw. 

frielich, freilich. 

frieneaen (frlmoix), freimütig. 

frien, freien, heiraten. 

fringen, ntfringen, die Wäsche aus- 
wringen. 



Frinffmaschine, Wringmaschine. 

frisch (frw) heiratslustig. 

Priwarwer (frwarw9r)^ Freiwerber. 

friwarwern, den Freiwerber spielen. 
taufriwarwern, einen Gatten ver- 
schaffen. 

Priseheiten, Schützenfest. 

Fromme, m., Fremde. 

frömt, fremd. 

FrOHch ; die zu Garbenstärke zusammen- 
gelegten Schwaden der Gerste und des 
Hafers bleiben zum Trocknen auf der 
Erde liegen, man nennt sie Frösche ; 
die des Boggens und Weizens werden 
dagegen gleich gebunden in Mandeln 
aufgestellt. 

fröflterig, leicht frierend, 

Frösterköttel (-kötl), ein Mensch, den 
leicht friert. 

Fru, Frau. — Dienstboten nennen die 
Dienstherrin use Fru. 

Prfinne. Verwandte. 

Franslu, Frauen. 

Fransminschen, Frnminschon, n., 
Frauenzimmer, Weib, (nicht im 
schlechten Sinne). 

FrUnt, Freund. 

frfint, verwandt. 

Frfint8chop, Freundschaft, Verwandt- 
schaft. 

fräntlieb, freundlich. 

Frunzen (frünts^n), n., Frau, Weib. 

fachtidi (fuxiiyQ, ärgerlich, gereizt. 

fuchteln, mit einem Gegenstande vor dem 
Gesichte eines andern heftige Be- 
wegungen machen. 

fackeln, tasten, fühlen, hei fackelt in 

Qeldbühle rum — et war sau düster, 

ek moste mek no Hus fuckeln. 
fal, faul. 

Falbohmj Faulbaum. 
fnle öreite, faule Grete, Lerchensporn, 

Fumaria bulbosa. 
fall, 1. voll, gefüllt. 2. schmutzig. 

make dek dien Klet nich füll, 
fullkomcu (fulk(ftn)f vollkommen, gross, 

weit, sien Anzug is en betchen full- 

komeu. 
Fällekelle, grosser Schöpflöffel. 
fallich, 7. weit, gross; 2. völlig. 
fUhln, einen Bauchwind lassen. 
fallop, vollauf. 
fal Ins, vollens, ganz und gar. 
Falpelz, Faulpelz. 
fammeln, tastend berühren; ungetoisse 

bewegungen machen. 
fUnewe, fünf. 



64 



fankelnagelniet, fankelhagelniet, fun- 
kelnagelneu. 

FuBzel, schlecht brennendes Licht. 

Püer (fü'r)y Feuer. 

fiirieh, feurig; glänzend; heiss; ~ auch 
eine durch Entzündung stark gerötete 
Wunde bezeichnet man als färich. 

fiirken, scfuiukeln. Vgl. furkeln in 
Grimms Wb. 

Furteiken. Vor der Bildung der 
Fflichtfeuerwehr xourden Blechschilder, 
die mit einem Riemen versehen und 
mit fortlaufenden Nummern bezeichnet 
waren, wechselweise an eine Anzahl 
Männer ausgegeben, die dadurch ver- 
pflichtet wurden, bei Feuersbrünsten 
die Spritze zu bedienen. Die Schilder 
hiessen Furteiken. 

Füsel (ftizdl), Fäserchen. 

Fusel (füz9l), geringwertiger Schnaps. 

Fast. Faust. 

Fastnanschen, Fausthandschuh. 

fatseh, fort, verschwunden. 

Futterswenge, Futterschwinge, flache 
Korbschale, mit der Pferden und 
Kühen das Futter en die Krippe ge- 
bracht wird. 

gackern; die Henne gackert. 

I^aldern, mit der Peitsche knallen. 

Oal;!;en (galjan), Galgen. 

gamfeii, sek, sich verhauen. 

gähn, gehen (ek gä, du gaist; junk, 
juwn ; dgän). 

gang (jaBk); et is jang un jewe, es ist 
so üblich. — hei is war jang, er ist 
wieder auf den Beinen. 

tians (jank), Gang, Flur, Vorsaal in 
Obergeschossen. 

Uanter, Gänserich. 

garhen (garbm), gerben, prügeln. 

fiare, Garten^ 

(larn (gärn), n., Garn, 

garni§t, gamichts. 

garrn, herumtreiben. 

Uarrnlock, Schallloch am Kirchturme. 

(iärtner (jertnfr), Gärtner. 

gärtnern (jertnfm), unbefugt den Gärt- 
ner spielen, d. h. Obst stehlen. 

tiarwe, Garbe von Getreide im Gegen- 
satz zu Bund, das aus gedroschenem 
Stroh besteht. 

<iaste, tiastn, m., Gerste. 

tiastenkaf, Gerstenkaff, Grannen der 
ausgedroschenen Ähren. 

tiastengriitte, Gerstengrütze. 

gastricil, garstig, ungezogen. 

Satt, Loch, Öffnung. 

Gatter, Eiss im Kleide. 



gätlieh (jf^lix), bequem, passend. 
gatschen (gätsdn), heftig platschend 

regnen. 
Gatze, Gasse, sehr schmale Strasse. In 

Eilsdorf gibt es eine Pinnengatse 

(pirjgatS9). 
ganndern, spotten. 
Gans, Gans. 
Gansehnt; die durch Kälte oder Sehreck 

erzeugte Körnelung der Haut. 
Gansetrappe, Gänsefingerkraut, Poten- 

tilla anserina. 
Gebet (j^bai), Gebäude. 
geben (j^bm), geben (e, ä, ä, e). 
Gebind QMnt), n., Gebinde, 
Gebrnk (jdbrük), Gebrauch. 
gebriiklich, gebräuchlich. 
Gedanne, Unrat. 
gediillieh, geduldig. 

gednlligen (ßduUjan), gedUlln, gedulden. 
geffeln, heftig regnen. 
gegen (jej9n), gegen. 
Ge^enpart, Gegner. 
gelten (jaitn), giessen (ai ü, ö, ö, ö). 
Gejnche, Jauchzen, Gejodel. 
gel O'el u. jfl), gelb. 
gelieh, gelblich. 
gelriepe, beinahe reif. 
Gemachte {J9merftd), Unterleibsteil, hei 

trat ne vor 't Gemachte. 
gemeinlieb, gewöhnlich. 
geneitn (J9naiin), gemessen. 
geran (jorän), geraten. (9t J9ret.) 
gern (j/rn), gern. 
gerttmich, geräumig. 
gerühn, 1. gereuen, leid sein, et is 

mek ger&hn, ich bereue es. 
gescheut, gescheit. 
Gesehirre, Geschirr. 
Gest (jest), Hefe. — mek geit de 

Gest von liiewe run, mich schwitzt 

stark. 
Gewarwe, Gewerbe, Grund, Ausrede, 

Vor wand. 
gewinnen (J9vin), gewinnen (i, u, u, u). 
Gewinne, Gewinde. 
Gewinst, Gewinn. 
Gewwel (jew9l), Giebel. 
giddeln (jidln), geigen. 
gilln (jün),' gelten, (i, m, u). 
Gilte (jilt))y kleine Holz wanne, ahd. 

gellita. 
Gier Q^r), Gier. 
giern, gierig sein auf etwas. 
gi Stern, (jist9rn), gestern. 
Giez (Jus), m., 1. Geiz. 2 der Saft- 
trieb, bes. bei der Weinrebe. 
giezen, die Safttriehe der Weinrebe 



65 



ausbrechen, damit der Saft in die 

Trauben geht. 
»las (glas), Glas. 

^lätteheo, glätten, de Katte glättchet sek. 
(jlattis, Glatteis. 

elaam, getrübt, de Oen seit sau glaum ut. 
(ilaot, Glut. 

^lantniet, glänzend neu. 
<jlanwersolt (•zd'lt), Glaubersah. 
gleimeken, falsch, hinterlistig lächeln. 
gienmieh, getrübt. Siehe glaum. 
glik, gliks, gleich. Meist zeitlich (vgl. 

like.; 
gliken, gleichen. 
^limnen (gliin), glimmen. 
glimnern, glänzen. 
gliprich (glipriyj, glatt, schlüpfrich. 
glippen (gliprn), gleiten, glitschen. 
(ilitt Glied. Ohne Plural, ek könne 

kein Glitt röen. 
glittüchen, gleiten. 

gliwrieh, glitschig, glatte schlüpfrig. 
i;;löben (glö'bm), glauben. 
glösen (glol'zyl), glimmen. 
tilowe, Glaube. 
gla, 1. glühend, glu sien, glühen, 't Isen 

is glu. 2. glänzend, blank. Acker- 

männeken, pleu mek wat, säst 'n gluhn 

Dalder hebben (Kinderlied). 
Glfimer, Engerling. 
glamich, dämmerig. 
tilDmige /m Dämmerung, wei het noch 

en Schur in de G lumige setn (zetn). 
glapen, glappen, kucken, spähen. 
j^lapsch, falsch blickend. 
{^lästern, (glüst^rn), beobachten, heimlich 

zusehen. Es bezeichnet das für den 

Gesichtssinn was horchen für den 

Gehörssinn bedeutet. 
gDahn, unreifes Obst essen. 
^narpen (gnarprn); mit knirschendem 

iMut kauen, wenn man z. B. einen 

Apfel isst. 
parrD, weinen. Siehe brammen, gnatsen, 

paun, gnauln. 
(inats, Geiz. 
patsieb, geizig. 
gnatsen, weinen, 't £ind hat'n ganzen 

Dag egnatset. 
^anln, /. weinen. — 2 reden, schwatzen. 
^Dawweln, mit schneller Mundbewegung 

an harten Sachen kauen. 
iiDawwelring, Hörn- oder Beinring, auf 

dem die Kinder die Zähne durch- 

heissen sollen. 
gaawwern, knabbern. 
^neirig, neirig, bettlig, von allem ver- 
langend. 

Niederdeutsches Jahrbach XX XIV. 



gneim, neirn, betteln, verlangen ; bes. 

von Kindern gebraucht, die nach 

Leckerbissen verlangen. 
Onitten, kleine Mücken. 
gniwwieh, hager, verhungert; patzij, 

schnippisch, bissig. 
gnöseln, näseln. 
gn äffen, knuffen, stossen, 
gnarreiif knurren. 
gonneii (jbi^), gönnen. 
Göpel (jö*p9l), Göpel 
Gorgel (gorjdl), Gurgel, Kehle. 
fforgeln, gurgeln. 
Gorts, GoUfried. 
Gösseln n., junge Gans. 
Gote (jö^t9), Gosse. 
graben (gräbrn) sw., graben. 
grade, gerade 
Graf (gräf), Grab. 
Graft /. Grab, flache Chrube. 
Gramme, Grummet. 
Grand, Kies. 

Grane tchen, Beinette, Apfelart. 
grannich, sandig, kiesig. 
grapschen (grapädn), schnell fassen und 

an sich reissen, packen. 
Gras (gras). Gras. 
Grasedrifft, Grasweg, Trift zwischen den 

Äckern. 
Grasehttpper, Heuschreck. 
Grasetorf, Basen. 
Grawe, Graben, Graben. 
grawweln, kitzeln, tasten, krabbeln. 
Greite, Grete. Veraltet. 
Grewe, Griebe, Bückstand beim Auslasseti 

des Speckes. 
^renneken, grinsen. 
Grepe (gr^p»), Mistgabel 
crenn, grün. 
Grennejum, Geranium. 
grienen (grln), grinsen, lächeln. 
grienich, grinsend. 
griepen, greifen (grlpo, gripst; graip, 

greprn, dgrepm). 
gries, greis, grau. 
Gripps, Verstand. 
grisselich (grizalii), graulich, mit feinen 

Punkten. 
Griwwel, schmaler Spaten zum Buben- 

roden. 
groff, grob, 

grölen (gro'ln), lärmend schreien. 
Groschen, Groschen. 
grot, gross. 
Gröte, Grösse. 
Grotefaer, Grossvater. 
{iT0Unute^Grossmaul,grosss2)recherischer 

Mensch. 



Orotspänder, Grossspänner, der erste 

Knecht. 
Gpü. Grude. 
Grnnl, Grauen, Abscheu, ek hewwe 'n 

Gruhl dervor. 
(iriihl, Lärm, Zank, maket nich saun 

Grühl. 
grahlen, fürchten, Grauen haben. 
grnhlich, 1. furchtsam, ek bin in Düstern 

grublich. — 2. Furcht erregend, hei 

sach gruhlich ut. 
^ählich, greulich, schwer zufrieden zu 

stellen. 
grummeln, brummen, summen; leise 

donnern. 
Grund, Grund. Dai. Grunne ; Plur. Granne. 
Grapen (grüprn), Graupen. 
Orütte, Grütze. 
Gttffel (jüf9l), Gttflfele (ßlfh), lange Gabel 

au^ HolZy die z. B. zum Stützen der 

Wäscheleine dient. 
gut, gut. nist gus, nichts gutes; 'n gun 

Hinsehen; gu Kinder. 
Habak, Habicht. 
haffen, beissen (Kindersprache). 
Hagelstreich, dummer Streich. 
Hacke /. Hacken m., Ferse am Fuss 

und im Strumpf, Stiefelabsatz. 
Uäkedör, die quer geteilte Haustür in 

älteren Häusern. 
häkeln, sich zanken, streiten. 
haken, zurückgehen, den Wagen zurück- 

stossen, hake dock gliks op'n (opm) 

Hoff. 
half, halb. 
Halfpnndsnap, Holzform für ein halbes 

Pfund BuUer. 
Halfslag, Hälbschlag, Bastard, nicht 

rassereines Tier. 
Halfspänder, Halbspänner, Besitzer eines 

kleinen Bauerngutes. 
Halfstäwwel, Halbstiefel. 
halen (häln), holen. 
Halshimme, bis an den Hals schliessendes 

Frauenhemd. 
Halwe, Seite. 
haiweh, halwegs, ungefähr, ein wenig, 

irgendwie, wennt halwegs geit, beseak 

ek dek. — mak et man haiweh, zähme 

dich. • 
hamm holen, schwer halten, schwierig 

sein, 
Hamel (ham^l), 1. Hammel, Schafbock. 

— 2. Nachgeburt der Ziegen und 

Schafe. — 3. schleppender Dreckrand 

am Kleide. 
Hamer (häm^r), Hammer. 
hamern, hämmern, hämmern. 



Uandank, Handtuch. 

Hahnp, Hahn; Mhrz. Hahns. Wenn 
Leute den Hof betreten, lässt ihn der 
Volksmund rufen : lauter grote Lüüü . . ., 
den Enterich darauf: Pack, Pack. — 
Auf den Hahnenruf reimt man: 
Kückerückeküh, De Botter is dühr, 
De Kese sünd wolfeiie, Miene Mutter 
hat doch keine. 

flahnebalken, der oberste Querbalken 
im Dachstuhl, wie auch der dreieckige 
Raum, der durch Hahnebalken und 
Dachbalken gebildet wird. Leg de 
Latten in'n Hahnebalken. 

hahnebenken, hahnebüchen. 

hahnefeutsch, hahnefentsehen, stapfend, 
hinkend gehen. 

Hanep, Hanf. 

Uahnepateheo, Hapntehen, Hagebutte. 

Hänferling. manchmal für Hänfling. 

sek hängen, begatten (von Hunden). 

Hängeholt, ein krummes Holz zum Auf- 
hängen des gescMacfUeten Schweines. 

Hankorf, Handkorb. 

Uanschen, Handschuh. 

Hansper, Hamster. — sure Hausper, 
Sauerampfer, Rumex acetosa. 

Hand, Hand, Plur. Hanne. — um de 
Hand de nehmen hebben, zu tun haben ; 
handgrieplich, handgreiflich; af bannen, 
abhanden; tar Hand gähn, 1. helfen, 
unterstützen — 2. rechts gehen (vom 
Pferde gesagt. Vgl. Handperd). 

handlieh; maket man bandlich, werde 
nicht zu dreist, geh nicht zu weit. 

Handperd, dcLS rechter Hand gehende 
Pferd. 

Handslag, Handgriff, 'n Handslag dann, 
etwas arbeiten. 

Handwieser, Wegweiser. 

Handwarkslü, Handwerker. 

hapern, gehindert sein, nicht von statten 
gehn. 

Happen (hapm), Bissen; auch wenig, 
bisschen. 

happich, recJU anspruchsvoll beim fordern. 

Harke, Rechen. 

harre, hart. — harre holen, schwer halten. 

Harre Christes, Herr Christus, Ausruf 
des Erstaunens oder Erschreckens. 

harsch, rissig, barsch, rauh. 

hartmülsch, hartmäulschy wenig empfind- 
lich am Maul (z. B. Pferde). 

Harte, Herz. — et Harte bleut 'ne, es 
tut ihm weh im Herzen. 

Hahrnle, wörtl. Haar -Eule, d. h. eine 
Frau, deren Haar unordentlich oder 
gar nicht gekämmt ist. 



67 



harwe, herb, bitter, 

harwest, Herbst. 

JisseDbrot, Hasenwost, Beste des Vesper- 
brotes, die der Vater den Kindern 
mitbringt und die er angeblich den 
Hasen abgejagt hat. 

Haspel m.y Winde, auf die das Garn 
der Spule gewickelt wird. 

flaspelstieken^ kurzer, dünner Eisenstab 
mit Handgriff, auf den die gefüllte 
Spule gesteckt wurde, um das Garn 
(Aeuha^eln. 

Hasselblanme, Leberblume, Hepatica. 

Hasselbnseli, Haselstrauch. 

Hasseln m., Haselstock, Mute. 

Hasselnot, Haselnuss. 

Hattf, Huf 

Haan, Huhn; Plur. Heunder. 

Haanderhns, Hühnerhaus. 

HauBderswarwe, Sternmiere, Stellaria 
media. 

Haust, Haasteil, m., Husten. 

haasten, husten, ek will dek wat haustn, 
ich will deinen Wunsch nicht erfüllen. 

Haut, Hut; Plur. Heu. 

flaawe, Hufe. 

Uawere, Hawern, Hafer. 

Uee (h^), Hede. 

hebben (hebrn), haben (ek hqw9, du hcist, 
vai het ; ek hard ; 9hat). 

beeken, begatten (von kleinen Vögeln ^ 
Mäusen). 

Heekele, Hechel. 

Heekelnstaol, Hechelstuhl. Das Sitzen 
auf dem Heckeinstaul ist eine der 
höllischen Qualen. 

Heekerling, Häcksel. 

Ueddreck, Hederich. 

Hegge (hejj9), Hecke. 

bei, er. Mit vorhergehendem Zeitworte 
als a zusammengezogen Wat salle 
denne? Was soll er denn? — Datio 
u. Akk. ohne. 

Hei /., Heide, 

beil. 1. geheilt; 2. ganz, 'n heilen lieben 
Dag. 

beilbeinig, ganzbeinig. 

Heilebart, Storch, Heilebart, du Lang- 
bein, Fonehr wut du utfiein ? — Wenn 
de Rogge riepet, Wenn de Muse piepet. 

Heilebartablaame, Storchschnabel, 

Heilebeem, Heidelbeeren, 

heillos, schlimm, 

Heineke, Heimchen, Grille. 

^nme\LenViu^tT^Heimlichtuer,Schleicher, 
jemand, der seine eigenen Wege geht. 

beisch, heiser, 

beit. heiss. 



Heitrok (haitr^k), Höhenrauch, der von 
den Torfmooren Nordwestdeutschlands 
nach dem Binnenlande getrieben wird. 

helle, hell, 

hellhörig, den Schall schnell fortpflan- 
zend de Luft is hüte hellhörig. 

hellerlieht, vollständig hell, hei hat on 
hellerlichten Da stöhlen. 

helen (h^ln), den Flüssigkeitsrest eines 
Gefässes vorsichtig ausgiessen^ dass 
der Bodensatz zurückbleibt. 

help Gott, veraltete Grussformel, 

Heister, Halfter. 

hen, hin. 

Hengest, Hengst, 

Heengünele (h^njüfdh), grosse Holzgabel, 
die bei der Flachszurichtung gebraucht 
wird. 

Henk n., Henkel, Zeug- oder Bandöse 
zum Aufhängen der Kleider, ebenso 
Henkel an Töpfen und Tassen, 

Henkhimme, Achselhemd, ärmellosesHemd. 

Henkpot, Topf mit einem Traghenkd, 

H6per, Hedeper, Ortsname. 

Uere (h^r9), Herr; nur noch für Brot- 
herr, niemals Anrede, use Here (vgl. 
use Fru). 

hervorn (herfifm), vorhin. 

Herig (hfrix), Hering. 

Herrschop, Herrschaft. 

Herd (h^rt), Herd. 

Hesse /., Hechse, Kniebug des Pferdes, 

Hespe, Haspe, Türangel. 

hessich, gehässig, missgünstig, 

heten (h^in), heissen (h^ld, hetst, het, 
htt; halt; dh^tn). hei hett Otto. — 
de Bäcker hat knen eheten, der Bäcker 
hat zum Kneten aufgefordert, indem 
er herumgeht im Dorfe und bei den 
Frauen, die Brot backen wollen, klopft. 

Hetze/., Menge, et sünd ne ganze Hetzei 

he an, hüten, sek heun un wahrn, sich 
in acht nehmen, um seine Sicherheit 
besorgt sein. 

Hentnslewwe, Hötensleben. 

hieehen, hauchen; im übertragenen Sinne: 
eine Absicht merken lassen, ek bruke 
blofs de hieehen, denn springete schon. 

Uiechebild, Hiecheblat, Gelatineblatt, das 
sich beim Draufhauchen krümmt, 

Hickerken, Hickers, Zähnchen. 

Hickhack, Zank, Streit. 

hickhaeken, zanken. 

Hille, Baufe, 

hille, eilig, 

hillig, heilig, — de hillige Christ, der 
heilige Christ, das Christkind; meist 
in der Bedeutung Weihnachtsgeschenk, 



68 



Patengeschenk, ek hewwe mek en 
billigen Christ ehalt. — wat wünschest 
'n dek taun hilligen Christ? 

hilpen (Mpin), helfen (i, m, u, u). 

Himme, Hemd. 

hinder, hinter, de Hinderste, der Hintere^ 
Steiss. set dek oppen Uindersten. 

HiHderyertel, Hinterteil. 

Uinderkiile, Lende, Keule. 

hinnen (hiii), hinten. 

hinnen-nah (hiijtä), hintennach. 

hier; du bist wol nich von hier, ich 
versiehe dich nicht , du bist so seltsam. 

bissen, hetzen, hei let sek nich hissen 
un nich locken, er folgt toeder Er- 
mahnungen noch Drohungen. 

Hitte, Hitze. 

bitten (hitn), heizen. 

Hoebkant, Schmalseite, set dat Bret op 
Hochkant. 

Höcbte ßä/p), Höhe. 

Hochtiet, Hochzeit. 

Hoff, 1. Hof. op en (opm) Howwe, auf 
dem Hofe. — 2. Gehöft, Gut. hei 
hat'n schönen Hoff. 

ho^anen (hifjän), gähnen. 

Iiöjjer, höher. 

hökern, klettern mit der Nebenvorstellung 
des Hockens. hei hökert op en Sofa 
rum. 

bolderdebolder, polternd, eilig, et gung 
holderdebolder de Treppe run. 

Holdem, Holunder, Sambucus nigra. 

Uöldernplecke, Sommersprosseti. 

holeken, böleken, aushöhlen. 

holich (h(^iiyOt hohl. 

Holkarre, Schubkarre. 

höllisch, höllseb, höllisch, stark, sehr. 
Dient zur Superlativbildung, hei war 
höllisch ärgerlich. 

holen (h(/ln), halten (höl'b, holst; haiü, 
haihj.; dho^ln). 

Holander, spanischer JFlieder, Syringa 
vulg. 

bolstern, holpern, geräuschvoll gehen, 

Holster, Bezeichnung eines Menschen, 
der geräuschvoll polternd geht. 

Holt, Wald, Gehölz; Holz (Stoffname). 

HolKcben, Holzpantoffel, Holzschuh. 

Holthacker, Holzhacker. 

holten, hölzern. 

Holtsla, Holzschlage. Grosser Holz- 
hammer, mit dem beim Holzspalten der 
Keil ins Holz getrieben wird. — 
'n Kopp wie ne Holtsla hebben, einen 
dicken, feurigen Kopf haben, schwitzen; 
dafür sagt man auch *n Kopp wie 'n 
Leggebaun hebben. 



Homester, Hofmeister, Aufseher der 
Knechte. 

homestern, beaufsichtigen, sich aitf spielen. 

Hop (hö^p), kleiner Kerl; verstärkt 
Schietbop. 

hopen (h(fpm), hoffen, warten. 

Hoppen, Hopfen. 

Hopner, Polka. 

Höer (ho'r), Hüter, Hirte. 

borken, horchen. 

Horn (h^rn), Hörn als Stoff. 

Hörn (hö'rn), Horn, Gehörn, Blashorn, 
Anschwellung. 

hörn, hören, gehören. 

Uörnzicke, Ziege mit Hörnern. 

Hort (h^rt) f , Seitenbretter des Acker- 
wagens. Siehe auch Kesehort. 

hotte, rechts; Leitruf für Pferde. 

Hottehü, Pferd. 

Hotteperd, Hottopferd. 

Höwwel, Hobel. 

hii, links. 

Hnfke, bestimmte Menge Flachs, eine 
Hucke hat zehn Riste. 

hnckebaek maken, auf dem Rücken 
reiten lassen. 

hncken, ophncken, etwas auf den Rücken 
nehmen. 

hnddern, vor Frost schauern; dazu 
Eigenschaftswort hudderich. 

Hoffe, Hüfte. 

Hake (huka), Hakije, Kniebeuge, hei 
Sit in de Huke. 

hnken, kauern, ducken, in Kniebeuge 
sitzen, se hat seck närehuket. 

hnllijen, dulden, nichts dagegen haben. 
bullije doch dat nich. 

hnlen (hüin), heulen. 

Haipe, Hufe. 

humpeln, hinken. 

Hannig, Honig. 

Hand, Hund; Mehre. Hunne. hei is 
bekannt wie 'n bunt Hund. — Hanne- 
bra, Hunnefidipse, Hunneschiete sind 
derbe Ausdrücke der Abweisung irgend 
eines Verlangens. — Starker Stab, 
dessen Spitzen in die Erde stemmen 
und ein Rückrollen des Wagens ver- 
hüten. 

Hnndsfott, Mensch von niedriger Ge- 
sinnung. 

Hnnnegeblaffe, Hundegebell. 

hiipie (hüpix), mit Haufen, de Matte 
is hüpig Yull Korn, so voll dass ein 
Haufen drauf ist. 

Hape, Hapen (hüpm), Haufe. 

hiipen, häufen. 

happen (hupm), httppon, hüpfen, springen. 



69 



Harke, Gurke. 

harken, kauern^ besonders von der Henne 

gebrauchij die sich über die Küken 

kauert, de Klucke hurket. 
Hos, Haus. 

ha»ba(*ke]i, su Hause gebackenes (Brot). 
hasfh; op en husch komen, auf einen 

Augenblick kommen. 
Hasfhe (hun^). Weiter schauer. 
HäsekeD, Abort. 
Moshöldersche, Haushälterin. 
Hat. Haut. 

hüte, heute; verstärkt hütigen Dags. 
Hotsche, Fussbank. 
hatsehen, auf den Knieen rutschen. 
fluwe. Haut auf der Ölfarbe. 
iehtens (ijti^^)> irgendwie, wenn 't ichtens 

geit, denn komek 
ilder-, ganz und gar, Ausdruck der Ver- 
stärkung, ilderbest, ilderletzt. 
ile, eitel, rein, ile Brot, trockenes Brot; 

ile Water, nichts als Wasser 
Ile/., Egel. Blautile. 
Ile. Eile. 
iiiS ßl^)f eilig. 
llk, Iltis. — £ier-Ilk ist scherzhafte 

Bezeichnung eines Menschen, der die 

Eier aus den Nestern nimmt, um sie 

auszutrinken. 
iln, eilen. 
Inme, Biene. 
ja-, Vorsilbe ein-. 
inaenander (inand^r), ineinander. 
inbenten, einheizen. 
inbillen, einbilden. 
ifidaav, einfüllen, du most noch Korn 

indaun. 
lofall, Einfall. — hei hat Infälle wie 'n 

olt Hus, er hat lächerliche Einfälle. 
infamen, einfädeln. 
infreirn, eingefrieren. 
iBgedeame (injodoim^), die ganze Wirt- 
schaft, alle Wirtschaftsgegenstnnde. 
iahenn, das Haus hüten, allein zu Hause 

bleiben. 
in kalken, Weizen in Kalkmilch einquellen. 
inklappen (inklapm), durch Handgeben 

begrüssen. 
lalet (inl^t), Inlaid. 
laaahMe, Einnahme; Zollhaus. 
iaae, elliptisch: im Hause, im Zimmer. 

gah man rin, de Yader is inne. 
inaebolen, einhalten. 
iaoehmer, Steuereinnehmer. 
ianeaseln, einnisten. 
iaaeweiDig, inwendig. 
iistippen, Kuchen oder Semmel in das 

Getränk tauchen. 



is, ist. 

Is (Is), Eis. 

Isegrintm, unfreundlicher Mensch. 

IseD, Eisen. 

isen. Eis vom Teiche wegholen. 

Irienbahne, Eisenbahn. 

Iserappel, Eiserapfel, eine sehr haltbare 
Apfelart 

isern, eisern. 

Isernot, eiserner Topf. 

iskolt, eiskalt. 

Istacken, Eiszacken. 

Iwep, Eifer. 

iwrig, eifrig. 

jachtern, herumjagen. 

Jacke, Frauentaille, einen de Jacke 
vullbauen, jemand verhauen. Hose 
wie Jacke sien, ganz gleich sein. 

jackeln, Trab reiten; auch nur die Auf- 
und Abbewegung des Trabreiters aus- 
führen. 

Jackenfett, Hiebe, et gifft Jtfckenfett. 

Raffen, blaffen, bellen. 

Jahn, jagen (ek ja, du je^st, vaijät; 
ek jaux, vaijoin; djät). 

jappen (japrn), nach Luft schnappen. 

jappig, Eigenschaftswort zum vorigen. 

japsen, jappen. 

Jahr; de Jahre, im vorigen Jahre. 

Jaake, Jauche. 

Jankeborm, Jauchepumpe. 

Jankelock, die Grube, in die die Stall- 
jauche fliesst. 

Jaakel, Scherz, Spass. 

jankeln, scherzen. 

jaaln, heulen, schreien, de Hund jault. 

Jehannich, Johannistag. 

Jehansebeere, Johannisbeere. 

jentsiet, jenseit. 

jenne, jene, op jenner Siete. 

Jerksen, Jerxheim. 

Jenes, Ausruf. Jeses nä, dat is doch 
Dich slimm. 

ji, ihr. Dat. Akk. jiech. ji ist auch 
Anredewort, macht allerdings immer 
mehr der 3. pers. plur. sei Platz. 

j lernen (jim), schwer und geräuschvoll 
atmen. 

jiemich, engbrüstig, kurzatmig. 

Jipp m., Verlangen, Appetit, ek hewwe 
'n Jipp op Bratwost. 

jiepern, heftig nach einer Speise verlangen. 

jitterich, aufgeregt im Verlangen nach 
etwas. Hindern Fate mot ne Mus 
Sitten, de Hund is ganz jitterich. 

Jochen, Joachim. 

jöe, Zuruf an Pferde, um sie zum An- 
ziehen zu veranlassen. 



70 



Jökelie, schlechtes Fahren. 

jökeln, auf schlechtem Wege fahren, 
sodass der Wagen hin- und herschlägt. 

Joppe, Jaket. 

ja, euer, ju Hus; in jun Huse. 

jachen (jüxdn)^ jauchzen, jodeln. 

Juchhei; nah Jachhei kumt Nackenklei, 
nach übermütiger Freude kommt der 
Schmers. 

jackeln ; die Bedeutung von 'jackeln' ins 
Gemeine übertragen. 

Jumfer, Jungfer. 

Jamfernsppel, Apfelart. 

Jank, jungy junk wehrn, geboren werden, 
vgl. Zs f. d. ü., 21. Jahrg. 10. H. 

Janke, Junger, Unverheirateter, hüte het 
de Janken Danz, heute haben die 
Unverheirateten Tanz. Daher die 
Zusammensetzungen Junkendanz, Jan- 
kenbodn (Tanzboden für die Jugend). 

Jiingelken, Kosename für Junge. 

Rabache, Hütte^ baufälliges Haus. 

kabolzen, kobolzen, poltern, lärmen. 

Kabolz scheiten, Purzelbaum schiessen. 
Nd. Kbl. 26, 21. 

kaddeln, mit stumpfem Messer schneiden. 
Dazu Kaddelie. 

Kaf, Koffy Spreu, die beim Dreschen 
abgeschlagen en Getreidegran n en . 

Kaffeebrot, Zwieback. 

kakelich, mit blossem Halse, nüchtern 
aussehend. 

kakeln, vor sich hinpapeln der Kinder. 

kakeln, taumeln. 

Kackstaal, Nachtstuhl 

kalben (kaUmi), kalben. 

Kaleb, Närrchen. 

Kalf, Kalb; Mhrz. Kälwer. Bezeich- 
nung alberner Personen. 

Kaidane, Kaidaune, Darm. 

kalmttsern, siehe utkalmüsern. 

Kamaschen, Gamaschen; Furcht. 

Kamer, Kammer, op de Kamer, in der 
Kammer. 

Kannenkrat (kaiikrül), Schachtelhalm. 

Kante ; op de hoe Kante leggen, sparen, 
weglegen. 

Kanthaken; einen bi^n Kanthaken 
krien. 

Kanter, Kantor, vor *n Kanter her sien, 
vorlaut sein. 

Kannenbret, an der Küchenwand hin- 
laufendes Brett, auf das Geschirr 
gestellt wird. 

Kannrick, Gestell für Kannen. 

kapeniern, entzwei machen. 

kapitteln, zanken. 

Kaptal, Kapital. 



karben (karbin), kerben, Einschnitte 

machen. 
Karf, n, Kerbe, EinschniU. 
karjolen (karji^l^), im leichten Wagen 

schnell dahinfabren. 
Kärke, Kirche; veraltet. 
Karpen (karprn), Karpfen. 
Karre, Karren. 
Karreite, klappriger Wagen. 
Karrenseil, Seil, das der Karrenschieber 

über die Schultern hängt. 
Kärsche, Kirsche. 
Karte (kärtB), Karte. 
kartjen, Karte fielen. 
Kartaffele, Kartoffel. 
Kartaffelnkaaken, Puffer. 
Kartan, Kattun. 
kartanen (kartüjj^), aus Kattun. 
karwatschen, peitschen. 
Karweil, Kümmel. 
kaschen, ertappen, erwischen. 
kaseln (käzdln), irre reden, im Schlafe 

reden. 
Kaspergarn (-gärn), das von der Hede, 

den minderwertigen Flachsabfällen, 

gesponnene Garn. 
Kastit, Staekit, Lattenzaun, Staket. 
Kasten, n., Kasten, m. 
Kastenkehrl, Hausierer, der seine Ware 

im Kasten auf dem Bücken trägt. 
katolsch (katö'ls), katholisch, 'n Mai; 

käwer katolsch maken, dem Maikäfer 

den Kopf eindrücken. 
Katrei, Unruhe, Hin- uad Herrennen, 
Katte, Katze. 
kattewitt. schnell, flüchtig, laufend, hei 

make katte wit, datte no Hus kam. 
Kan, Kuh; Mhrz. Keu. man ward sau 

olt wie ne Kau un lehrt ümmer noch 

wat tau. — Wenn eine Kau schitt, 

bohrt de andere 'n Swanz hoch. 
Kan, Flass-Kaa, ein Werkzeug zur 

Flachsbearbeitung, der* Brake' ähnlich. 

Während die Brake ganz aus Holz 

besteht, hat die' Kau' eiserne Kauleisten. 
Kaublanme, Löwenzahn, Leontodon. 
Kauhöer, Kuhhirt. 
Kaaken, Kuchen. 
kaale, kühl. 
kaan, kauen, et is als wenne Lüse kaut, 

er kaut langsam. 
Kanpe, Kufe, grosses, langgestrecktes 

Wasser- oder Jauchefass. 
Kaar, Chor, Gallerie in der Kirche 

op en Kaure. 
Kants, Haarschopf, der aus den Haar- 
flechten zusammengesteckte Knäuel. 
Kawer, Küfer. 



71 



kawweln, zanken, streiten. 

Kedde, Kette. 

Kefter, kleines Zimmer. 

Keiseken, schwarzer Flieder ^ Sambucus 
nigra. 

Keisekentee, Fliedertee. 

keiln, schlagen, prügeln. 

Kelle, Schöpfkelle, Maurerkelle. 

Kenpe, m., männliches Schwein, Zucht- 
eber. Gebräuchlicher ist Kem-Swin. 

-ken, Verkleinerungssilbe -chen. Mit dem 
konsonantisch auslautenden Haupt- 
worte wird sie durch e verbunden; 
z, B, Steuleken, Hüseken. Nach 
Gaumenlaut steht die Bindesilbe el; 
z. B. Beukelken, Büchlein, Jüngelken, 
kl. Junge. — Beliebt ist die Endung 
in der Sprache der Mütter, die sie 
an alle möglichen Wortarten hängen; 
z. B. komekeo, schöneken; 't Kinne- 
ken is hennefalleken. 

kendera, platzen, reissen. Risse be- 
kommen. 

kennen (ke^), kennen; ohne Rückumlaut. 

Kehr, Richtung, ut de Kehr sien, aus 
der Richtung sein, 

kehren (k^r^), fegen. Kehrbessen, 
Kehrbesen. 

Kern, (kfm), Kerne, Obstkerne. 

KernhuB, Grieps. 

Kere (kfrd), Gummihut auf Flaschen, 
Nutsch. 

Kehrl (k^rl), Kerl, Mann, Ehemann. 
mien Kehrl is nich de Uns. 

Kese, (k^s9)y Käse. 

Kesehort (-hf/rt), Gestell zum Käse- 
trocknen. 

Kesekrnt, Malve. 

kesig, käsig. 

Kesewark, Quark. 

Kettf^l (ketl), Kessel. 

ketteln (ketln), reizen, zanken. Siehe 
au<ih vorketieln. 

ken In, kühlen. 

Kijack, Luftröhre der Gänse. 

kijaeken, Zeitw. zum vorigen, bezeichnet 
das Schreien der Gänse. 

Kieker; op en Kieker hebben, im Auge 
haben, aufjemd. etwas zu sagen haben. 

Kieks nn Kahks; de wet von K. un K. 
nist, der weiss gar nichts. 

Kiel, Keä. 

Kiel, Nasenschleim, 

kieln, festekieln, festkeilen, durch einen 
Keil befestigen. 

Kiem, Keim. 

kiemen, keimen. — afkiemen^ die Keime 
von den Kartoffeln entfernen. 



Kienbndde, Kienrussfässchen. 

Kiepe, Tragkorb; geflochtene Tasche, in 
der die Feldarbeiter Frühstück und 
Vesperbrot mitnehmen. Siehe Tower- 
kiepe. 

Kiewit, Kiebitz. 

killn, Kältegefühl verursachen, en kolt 
Himme killt. 

Kimmije, Kerbe, bes. zwischen den 
Gesässhälften. 

Kind, Kind; Dativ Kina^. — Braurnkind, 
Neffe; Swesterkind, Nichte; Sohnen- 
kind, Dochterkind, Enkel; Swester- 
dochterkind usw. 

Kindermntter, Hebeamme. 

Kinkerlitzchen, Spielereien, wertlose 
Kleinigkeiten. 

Kinnkedde, Kette am Gebiss der Pferde. 

Kinneken, Kindchen. 

Kipp, der aus den Flechten auf dem 
Kopfe zusammengesteckte Haarknäuel. 
Vgl. westf. Kipp, Spitze 

Kippkarre, zweirädriger Wagen, der 
wie die Kipploren zum Kippen ein- 
gerichtet ist und zum Transport von 
Kies, Sand u. dgl. dient. 

kippeln, wackeln, Neigung zum Um- 
schlagen zeigen. 

kippen, umschlagen. 

Kirchenhant, Zylinder. 

kisselich, kitzelig. 

kisseln, kitzeln. 

Kisserlinff, Kieselstein; bes. werden die 
erratischen Blöcke so genannt. 

Kittel, blauleinenes hemdartiges Ober- 
gewand der Männer. 

Kiwweke, f., Ausschlag in den Mund- 
winkeln; die gelbe Haut in den 
Schnabelwinkeln junger Vögel. 

Kla, Klage, hei kummet mit der Vorkla, 
er beklagt sich, ehe man ihn gefragt 
hat, um einer Klage gegen sich zuvor- 
zukommen. 

klabastern, polternd bewegen, klettern. 

Klack, m., Klecks, etwas Hingekleckstes, 
Hingeklitschtes. 

K lacke, unaezogenes Mädchen. 

klacken, klackern, klickern, etwas hin- 
klitschen. 

Klacksnei, loser, grossflockiger Schnee, 
auch Heilebartsnei genannt. 

Kladde, Konzept, Entwurf; Buch für 
Konzepte. 

kladdern, hinklitschen, beschmutzen, 
unordentlich hinwerfen (z. B. den 
Anzug). 

klamm, klemmend, de Dör geit klamme. 

klahn, klagen. 



72 



klappen, mit der Peitsche knallen. 

Klapperjagd, kleine Jagd, Nachjagd. 
Klapp ist wohl Ablautstufe zu klipp, 
klein; das altm. Wb. hat für Klipp- 
schulden auch Klapper schulden. 

Klappbüsse, Knallbüchse. 

Klappstücke, Brot, aus zwei zusammen- 
geklappten Hälften bestehend. 

Klaps, leichter Schlag. 

klar; Redensarten: klar wie dicke 
Tinte; klar wie Bottermelk; klar wie 
Ereinschiete. 

klatrig, schmutzig, im übertragenen 
Sinne patzig. 

Klattern, die trocknen Ausscheidungen 
der IWmendrüse in den Augenwinkeln. 

klaak, klug. 

Klaatsch; Scheltwort für jemand, der 
andern tölpelhaft auf die Füsse tritt. 

klantschen, breit und schwer wie eine 
Kuh auftreten. 

Kled (kl^t), Kleid. Dativ Klee (kl^). 

Kledasche (kledäi»), Kleidung. 

Klei, tonige Erde. Danach der Flur- 
name Kleibarg. 

kleimeken, Nebenform zu kleimen. 

kleimen (kleim), kleiben, schmieren, 
kleben. 

klein, schmieren, beschmieren, hei hat 
alles vullekleit, schlecht schreiben. 

klein, kratzen mit der betonten Bedeu- 
tung des Hineindringens, de Oen 
utklein, die Augen auskratzen. 

klein, das Getreide zusammenraffen. 
Vgl. afrapen. Dazu Kleier, der das 
Getreide zusammenrafft, hindern Meier 
(Mäher) geit de Kleier. 

kleineke, kleineken, demütig, zurück- 
haltend, niedergedrückt. 

klein maken, zerkleinern, zerhacken. 
hei maket Holt klein. 

kleen (kl^n), kleiden, passen. 

klentern, klettern. 

Klepp, Klinke aus einer Holzleiste, die 
von aussen durch einen Riemen be- 
wegt wird; wenn man den Riemen 
nach innen durchzieht, kann die Tür 
von aussen nicht geöffnet werden. 

kletsern, wählerisch, leckerig. 

Kienkern, klügeln, utkleukern. 

Kiewer, (kWwdr), Klee. 

Klicke, Sippe, Gesellschaft, Clique. 

klickern, klecksen, kladdern. 

Klie, Kleie. 

Kliester, Kleister. 

Kliftchen, dünnes Kleid. 

Kliiikhaken, i. der Haken, in den die 
Türklinke schnappt. 2. der Rest Hner 



Speckseite, der am Aufhängeriemen 
verbleibt. 

Klipp, Taubenschlag. 

klipp nn klar, ganz klar. 

Klippschanle, kleine Winkelschule. 

Kloben (kl^bin), m., durch Spaltung 
eines Teiles eines Baumstammes ge- 
wonnenes grosses Stück Holz. ek 
hewwe twei Meter Klobenholt ekofft. 

Kloben, Flaschenzug. 

klöben, spalten, klieben. 

Klocke, Glocke. — et is Klocke fünewe, 
es ist 5 Uhr. 

klomen (klifm), steif werden vor Kälte. 

kloppen (klopin), klopfen. 

Kloppe, Schläge. 

Klöppel, Glockenhammer. 

Klopper, Ausklopfer. 

Klöpper, 1. Schlägel, Holzhammer, mit 
dem auf den Meissel geschlagen wird. 
2. Türkloi)fer. 

Kloppetäch, Werkzeug zum Klopfen der 
Sensen, bestehend txu8 *Hamer' und 
^StawelS 

Klot {kl^t), Testiculus. 

Klots-Kiel-Hamer, ein Kinderspiel. 

klotsen, fallen, stolpern. 

klotzich, sehr; supcrl. Ausdruck wie 
höllisch, bannich. 

klowig, klobig, knorrig, wie ein Stück 
Holz. 

Klaben (klühm), »., Knäuel Garn. 

kluben, klauben (ü u, ö, ö, ö). hei 
kluft in der Nese. 

Klnft, Kleidung. 

Klneke, Henne, Glucke. 

klncken, brüten wollen. 

klncksch, zum Brüten geneigt. 

Klnmp, m., Kloss, Klumpen, Erdkloss. 
Klump im besondern ist Topfkuchen, 
Aschkuchen und ein aus Kartoffeln 
hergestellter, in glühender Asche gar 
gemachter Kloss. 

kliimpern, polternd, schwerfällig gehen. 

Klampfant, verkrüp^yelter Fuss. 

kliimprieh, aus Klumpen bestehend, de 
Acker is recht klümprich. 

klnntern, klnntsen, polternd, störend 
gehen. 

Klnntern, Klunkern, Troddeln, be- 
sonders durch Schmutz gebildete Haar- 
filze. 

Kl Uten (klüin), Erdklumpen, Erdscholle, 
klumpiges Gebilde. 

Kltttentramper, Spottname für den 
Landwirt. 

klütern, mit Erdklumpen werfen. 

Knacks, Knack, körperlicher Schaden. 



73 



knadolseh, unklar, unsinnig, verwirrt , 
verstört. Aus katholisch. 

kaappe, eng, knapp; kaum. 

knapsen, knapp bemessen. 

Knarre, ein knarrendes Spielzeug. 

Knarrpudel, eine nach hinten zuge- 
spitzte Frauenhaube. 

knatterig, steinig (Äcker); zornig, 

Knanp, Knopf. 

knawwern, knabbern. 

knehn, kneten. 

Knep (kn^p), Kniff, Falte. 

Knewwel (knewel), Knebel. 

Kniek, m. ; so wird heute nur noch ein 
bestimmter Fussweg bezeichnet j der 
über eineti Acker führt, wei gabt 
öwwern Knick. 

kniepen (knlpm), kneifen (l i, ai, c, e). 
de Bäcker hat ekneppen, der Bäcker 
hat von dem gebrachten Teige etwas 
für sich abgekniffen. 

Knieptange, Kneifzange. 

Knit^wel, dickes Stück Brot 

knistern an knastern, knittern nn 
knattern, gebräuchliche Zusammen- 
stellungen. 

knitterkolt, so kalt, da^s der Schnee 
knirscht. 

Knitterkiille, strenge Kälte. 

kniwwelig, knifflig, schwie^'ig. 

Knoke, Knoken, Knochen. 

knökern, knöchern. 

knokich, knochig, 

Knop, Knopf; älter ist Knaup. 

Knöpnatel, Stecknadel. 

knöppen (knöpm), knöpfen. 

knorn (kno'rn), krunksen, eine Arbeit 
mit dumpfen Lauten begleiten. Dazu 
die Benennungen Knörhans, Knörpeter. 

knörn, zerknittern, knüllen. 

Knowwe, Knospe. 

knndeln, zerknüllen, in höherem Grade 
als knörn 2, 

knuffen, stossen. 

Knuflok, (knufi^k), Knoblauch. 

Knüppel, Knittel. de l^nüppel is bie 'n 
Hund ebunnen sagt man, wenn jemand 
nur aus Furcht vor Strafe sich nicht 
vergeht. 

ivnüppel, Holzschlägel der Steinmetze. 

Knuppen (knupm), Knoten. 

knurren (knurn), murren. 

Knust, Banft, Anschnitt oder Rest vom 
Brote. 

Knntte, Knntten, Knoten. 

knutten, stricken, knüpfen. 

Kuuttenkaf, Flachsspreu; die abge- 
streiften Fruchtkapseln des Fiachses. 



Knüttel sticken, Stricknadeln. 

Knattere, Erdkloss, harte Unebenheit 
des Bodens. 

Knättetttg, Strickzeug. 

knuwweln, mit den Fingerknöcheln be- 
arbeiten. 

Koben (k(Tfmi), Schweinestall. 

Kobenlet (kffömJ^t), Loch in der Wand 
des Schweinestalles, durch welches das 
Schweinefutter gegeben wird. 

kobolzen; wie kabolzen. 

köehen (köx^n), husten. 

köddern, reden^ erzählen, sprechen. 

koddela, oberflächlich waschen. 

Koddelwäsehe (kodloeAa), oberflächliche 
Wäsche. 

koddorich (kodrix)* übel, unwohl, mek 
is sau kodderich de Sinne. — 'ne 
kodderige Snute bebben, patzig ant- 
wortcn, frech sein. 

Koffent, Dünnbier. 

Köjjel, Unterkinn, Fettwulst unterm 
Kinn. 

Koffee, Koffei, Kaffee. 

Koke (kö'ks), Küche, veraltet. 

koken (kÖ'k9n), kochen. 

Koksern, Grude, Herd für Koksfeuerung. 

Kohl (k^l), Kohl, Kraut. 

Kolk w., tiefes Wasserloch auf Wiesen 
und Feldern. 

Kolkrawe, Babe. 

kohlen (k(f,n), Kohlmaken, albern reden. 

KoUe, Kohle. 

Kollrabieh, Kohlrabi, 

kolt (kfflt), kalt. 

komen (kifm). kommen (o u, «, ä, ö). 

Kop (kcrp)," Kauf 

Koplä, Kaufleute 

köpen (ko^pin), kaufen. 

Kopp, Kopf^ 

koppelsant, zuvorkommend, höflich, ge- 
fällig, frz. complaisant. 

köppen (köpin), köpfen. 

koppschtt, kopfscheu. 

Koppschal, Kopfbedeckung der Frauen, 
Kappe. 

Koppweida, Kopfschmerzen. 

Kor (kö*r), Schar, Menge, en Kor 
Geuse, eine Schar Gänse. 

Korf, Korb. 

Korfslehn, Korbschlüten. 

Korfwahn, Korbwagen. 

köhrn, (k^rn), sprechen. 

Kohrn, Korn, Getreide. 

Köhrn (kö'rn), einzelnes Korn. 

Kohrnwief, Kornweib, Gestalt der Volks- 
sage. Kindern^ die ins Getreide 
laufen, wird mit ihr gedroht. 



74 



kort, kurz. 

kortenklitzenbagelklein, in unendlich 

kleine Stückchen zermalmt. 
Koschale, Kaltschale, kalte Suppe von 

Milch oder Bier. 
Kost, Speise, Lebensmittel. Husmanns- 

kost, bürgerliche Speise. 
kostspelig, kostspielig. 
Kote (ko'te), Gelenk über detn Huf des 

Pferdes. 
Kötep, (k3't9r), Hund. 
Köttel (kötl), Kot. 

kötteln, (kötln), den Kot fallen lassen. 
kowweln, tauschen, toie es bes. unter 

Kindern üblich ist. vorkowwelD, etums 

weggeben, um anderes dafür ein- 
zutauschen. Vgl. kütjebütjen. 
Krabaten, Kinder. 
Krack, Krach, Zank. 
kräje, lustig, keck, lebhaft. 
krakeilen, krakeelen. Streit anfangen, 

lärmen. 
Krakeil, Lärm, Streit. 
Krale, Glasperle, Koralle. 
kram, m., 1, geringschätzender Ausdruck 

für Sache, Ware. 2. Bauernhof, 

Besitz. 
kramen, mit Sachen abgeben, mit etwas 

beschäftigen, hei kramet en ganzen 

Dag in Stalle rum. — utkramen, 

au^acken. 
Krampe, Türhaken, klammerförmiger 

Haken. 
Kran (kr an), Kragen. 
kraspeln, rascheln; durch Kratzen auf 

Papier u. dgU Geräusch vei'ursachen. 
Krätsch m., Rederei, Umstände, da wort 

n Krätsch drumme maket, das wurde 

so wichtig behandelt. 
Kräng (kraux), Krug, Trinkgefäss. 
Kraag, Gastwirtschaft, Schenke, in Krau. 
Kranme, Krume, de Kraume hört de 

Maume, de Rinne hört 'n Kinne. 
K rann 8 beere, Kronsbeere. 
Krawwe, Kind, 

krawweln, krabbeln, kriechen; kitzeln. 
Kräwweln, Kribbeln, ek hewwe de 

Krawweln, ich habe das Kribbeln in 

den Fingern (von der Kälte). 
Kräwet, Krebs. 

krazböstig, leicht aufbrausend, mürrisch. 
Krei, Krähe. 

Kreiken, kleine, säuerliche Pflaumen. 
krein, krähen. 
Krein-Oe, Hühnerauge. 
Krempe, Krampe. 
krempen (krempm), krempeln, zur 

Krampe biegen. 



krenmeln, krümeln. 

Krear, Krüger, Gastwirt. 

Krickel, Griff an derWeüe des Brunnens, 
der Drehorgel, Kurbel. 

krickeln, krackein, einen Handgriff 
unregelmässig hin- und herbewegen. 

Krieg (krlx), Krieg. Plur. Krie, Dativ 
Krie. 

kriemen (krvn), die Erzeugung eines 
stechenden &efühles in der Nase durch 
scharf riechende Stoffe, de Marreik 
kriemet in de Nese. 

kriemich, scharf riechend. 

krien, kriegen, erlangen, haschen (li, ai, 
e, e). — af krien, Obst abnehmen ; von- 
krien, teil haben, abbekommen; tau- 
krien, eine Zugabe erhalten; utkrien, 
ein Nest ausnehmen. 

krieschen, kreischen, schreien. 

Krimmelink, kleines Krummholz. 

Krimskrams, wertloses Zeug. 

Krips ; einen bie'n Kripse krien, jemand 
packen 

Krisehan, Christian. 

Kristaneie, Kastanie. 

Kristoffel, Stoffel, Christoph. 

Krite, Kreide. 

kritewit, kreideweiss ; verstärkt in krite- 
slotewit. 

Kriwwe, Krippe. 

Kriwwelkop, eigensinniger Mensch, 

kriwweln, jucken, stechen. 

kriwwelig, empfindlich, leicht erregt. 

Kröndel (fcrS'ndl), Werkzeug der Stein- 
metze, aus einer Beihe fest aneinander 
gekeilter spitzer Eisen bestehend. Durch 
Bearbeitung des Steines mit dem 
'KröndeV wird eine gekörnelte Ober- 
fläche erzeugt; das Wort ist daher 
vielleicht aus Körndel entstanden. 

Kropp, Kropf 

kröplig, krüppelig. 

Kröppel, Krüppel. 

Kroptü^, Kropzeug, 

krösselich, krümelig, körnelig. 

Krösseln, Krümchen. 

Krnck, Stockkrücke. 

Kracke, Hacke zum Zusammenkratzen 
des Strassenschmutzes. 

kracken, Schmutz zusammenkratzen. 

Krackstock, Krückstock. 

Krake, Tongefäss. 

Krülleke, Locke. 

Krällekenkop, Lockenkopf. 

Krümmer, Ackergerät, dessen gekrümmte 
Spitzen den Boden lockern soüen. 

Krümmije, Krümmung, bes, Wegkrüm- 
mung. 



75 



kronksen, leicht ächzen. 

Krapbohne, Bohnenart. 

Krapen (krüpm), kriechen. 

kr US, kraus. 

Rrase, Krise, Krause, gekräuselter 

Kragen. 
KrÜHel (krüz9l), Lampe ohne Fuss. 
kriiseii, kräseln, kräuseln. 
Krat, Kraut, krautige Pßanzenteile ; im 

besondern : Unkraut, et Kohrn vorgeit 

in Kru 
Krntse, Kreuz. ^ 

kseb ! Ruft um Vögel zu verscheuchen. 
Kack, Blick, Äugenblick, hei is blofs 

emal op en Kuck ekomen. 
knckeiif gucken. 

Kaddelmuddel (kudlmudl), Durchein- 
ander, Verwirrung, Unordnung. 
Koffer, Kaffert, Koffer. 
Kliffe, schlechtes Haus, Hütte. 
Ksffswien, Schwein. 
kajenieren, ärgern, foppen. 
Knjon (kujö'n), Schlingel. 
Kiiek, Nusskem. 
KftkeB, Küchlein; der drehbare Teil im 

Bierhahn. 
Kukenblaame, Bittersporn, Delphinium 

eonsolida. 
kaldern, kullern, kollern. 
Knie, Grube. — in de Kule trehn, hinken. 
Kttle, Kugel. 
Kille, Keule. 
Kulle. Kälte. 
kallig, kühl, kaU. 
knlpen (kulpm), schlafen. 
Kalp-oe, Schlafauge, Nd. Kbl 25, 71. 
Kanpelmente, Komplimente. 
Kamp holt, das Holz, worauf das Leder 

des Kummets gepolstert wird. 
Kampklotz, ein Klotz, den der Sattler 

bei der Herstellung von Kummeten 

gebraucht. 

Kampen (kumpm), Kummet. 

Kanne, Kunde.' 

Küpper, Kupfer. 

knppern, kupfern, von Kupfer. 

kapprig, kupfrig. 

Karre, schartiges Messer. 

Kiisel, Kreisel, Brnmmküsel ; Haarwirbel. 

kaue In, drehen, taumeln, hei küsele 

ammendumm. 
KÜHsen, Kissen. 

kfitjeb&tjfn, unerlaubt tauschen. 
Katte, cunnus. 
La, Lade, Truhe. 
Lsddek, Lattich, Lactuca; Klette, Lappa 

major. 
Laddekenblädder, LaUichblätter. 



laddern, läddern, abblättern. 

lad rieh, lumpig, zerschlitzt, zerledert. 

lafeirn, Durchfall haben. 

Lack; in der Redensart: de Zuppe hat 
war Lack noch Smack, die JSuppe 
schmeckt nüchtern, es fehlt etwas daran. 
Vgl. westf Rak of Smak, weder Geruch 
noch Geschmack. 

Laken, Lachen, Laken. 

Lakritsche, Lakritze, scherzhaft Bäm- 
schiete. 

lammen (lain), ein Lamm werfen, de 
Zicke hat'elammet. 

Lftmmeken, Lämmchen. 

lämmekenbant, der Himmel ist mit kleinen 
weissen Wolken bedeckt. Dazu Läm- 
mekenbant n. 

Lampen (lampm) m., Lampe. 

lahn, laden. 

längest, längst. 

Langewiele, Langeweile. 

langwielig, langweilig. 

lank, lang, de lanke Strate. 

Lanke, Längsriemen am Geschirr des 
Pferdes. 

Lankwab, m., Stange, die Vor- und 
Hinterwagen zusammenhält. 

Land, Feld im Gegensatz zu Garten. 
in Lanne. 

Larwe, Maske. 

lasch, matt, abgespannt. 

Lasche /., Lederlappen am Schuhschluss. 

lästern, spotten, sich lustig machen. 

latiensch, lateinisch. 

Latiig (lälüyi)^ Ladezeug; Gestell, durch 
das der Ackerwagen für das Getreide- 
und Heu fahren verbreitert wird. 

laten (lätn), lassen (ek lätd, du letzt; ek 
lait, vai laitti; dläln). 

Lawwe, gewöhnlicher Ausdruck fürMund. 

lawwerig, widerlich weich (Nahrungs- 
mittel). 

lawwern, weiche Speise geräuschvoll zu 
sich nehmen. 

leben O^bm), leben (ek Ww?; dWwdt). 

lech (l^yQ, mager, hungrig aussehend. 

leckerig, wählerisch beim Essen. 

Ledder, Leder. 

leddig (ledix), ledig, leer, frei. 

leggen (lejon), legen, elext. 

Legge haan ; hei hat 'n Kop ' wie 'n 
Leggehaun, er hat einen roten Kopf. 

leif, lieb. Veraltet. 

Leik, Laich. 

lein, lügen (ai ü, ö, ö, ö). 

Leire, Leiter. 

Leirwahn, Leiterwagen. 

Leitung, Zügel des Pferdes. 



76 



leiwe ; leiwe sien, einem liebf angenehm 
sein; nicht wie im hd. unpersönlich 
*es ist mir Ueb\ sondern persönlich. 
ek bin sau leiwe, datte komen bist. 

Lehmkale (l^m-), Lehmgrube. 

lehnen (le^n), lehnen. 

Lehne (le^n9), Lehne. 

Leone, Lende. 

Lennewand, Leinwand. 

Leppel, Löffel. 

leppeln, löffeln^ mit dem Löffel essen. 

leppern; et leppert sek desamme, es 
kommt nach und nach zusammen. 

Lereke (l^rdkd), Lerche. 

lehrn (l^rnj, lehren und lernen. 

Lehrjange, Lehrling. 

Lehrmester, Lehrmeister. 

Lese, Bund am Hemd. 

Letter, Leiter. Selten. 

Let (l^t)f Lid, Augenlid; Mehrz. Lehnen 
(l^n); Fingerglied; Massbezeichnung. 
et war man 'n Let lank. 

Let, Leid, de Lee dann, zu leide tun. 

Let; siehe Kobenlet 

lenben (loibin), loben 

Lewe ; sien Lewe, sein lebelang, während 
seines Thebens. 

lewig (l^wix), lebend. 

Lew wer, Leber, ne dröe Lew wer hebben, 
immer Durst haben. 

liebte, leicht. 

lichtferich, lichtförich, leicht zu machen, 
ohne Schwierigkeit. 

lichtglSwich, leichtgläubig. 

Lichthaken, Haken, der zum Heben der 
Kggen benutzt wird. 

lichtlerich, leicht lernend, von schnellet' 
Auffassung. 

lichterlu, ganz hell, stark, lichterlu 
brennen; lichterlu schrien. 

lichten, aufheben, hochheben, 'n Faut 
lichten, den Fuss heben. 

licken, lecken. 

Lief, Leib, in Liewe, im Leibe. — de 
Liewe dann od. nehmen, tüchtig essen. 

Liefweida, Leibschmerzen. 

Liekdöre /., Leichdorn, Warze. — Um 
die L. zu beseitigen, macht man eben- 
soviel' Knoten in einen Faden, den 
man unter A nrufung der Dreieinigkeit 
in ein Mauseloch steckt oder über Kopf 
ins offene Grab wirft. 

Lieke, Leiche. 

lieke, gleich, ebenso, beide sünd lieke 
grot. — op lieker Ere sien, auf ebener 
Erde sein. 



Liekhns, Leichenhaus, Vorraum in der 
Kirche zur Aufbahrung der Toten. 

Liekstein, Leichenstein, Grabdenkmal. 

L\^m, Leim. 

liemen (lim), leimen. 

lien, leiden, ertragen (9ledn). 

Lien, Lein, Flachs. 

Lienije, L Leine. 2. Linie. 

Liensat (linzät), Leinsamen. 

Lier, Leier, Gang, et is (immer deselwe 
Lier. 

liern, leiern. 

Lieschen (Min), Elisabeth. 

liese, leise. 

lieseken, leise. 

Liesten (iist^Jj Leisten. 

Lieste, Leiste, 

liegen (UJ9n), liegen (ek lij9, du litßt; 
läx; lain; 9lfn) 

limen, leimen. 

linnen (Hn), leinen, aus Leinwand. 
man kann linnen un wüllen reden, 
hei hört nich. 

Linnen, Leinen. 

Linksfnehtel, Linkshand. 

Linne, Linde. 

Lister, Lüster, dünner Stoff. 

Liweken (llvekdn), Leibchen, ärmelloses 
Kleidungsstück der Mädchen. 

liwern (llvdrn), liefern. 

Lo (lö'), Gerberlohe. 

loben (löf'bm), geloben, versprechen, hei 
hattet mek in de Hand elowet. Vgl. 
Nd. Kbl. 26, 42. 

Lock, Loch. 

löckerig, löcherig. 

Lodderbast, Lodderjahn, Lotterbube, 
unordentlieher Mensch. 

lodderi^, unordentlich, lumpig. - vor- 
loddern, unordentlich werden. 

Lof, O^f), Laub. — hei zittert wie 'n 
Lofblad. 

Logge (löj9), Lüge. 

Löggendier, Löggenprinz, Löggensack, 
liügner. 

Lok (lÖ'k), Lauch. 

lomig (l^miyj, feucht, dumpfig. Vgl. 
smeu. 

lön (lö^n), löten. 

Lönz (lö^nts), Lünse, Achsnagel. 

lopen (änlöepm), laufen. 

Lopp, Lob. 

Lopp, bestimmte Menge Garn. Man 
unterscheidet Koplopp f= 10 Schock), 
das noch vor 50 Jahren zum Tausch- 
handel diente, Kasperlopp (*» 5 
Schock) und Bleikelopp (= 20 Schock 
Fäden). -— Dienstboten und grössere 



77 



Kinder waren gehalten, jede Woche 
eine bestimmte Anzahl *Lopp^ abzu- 
liefern. Das gesponnene Garn wurde 
auf den Haspel gewickelt; 60 Um- 
drehungen machten ein Schock. 

Loper, Läufer; ein Kind, das ^eben 
laufen gelernt hat. 

lopen (l^pm), laufen (ö ö, ai, ai, ö). 

Loppass (l^^pas), Laufpass, Aufforderung 
zur Entfernung, hei bat 'n Loppass 
ekreggen. 

llipseh (lö'ps), hitzig, brünstig; bes. v. 
Hunden gesagt. 

Lork, Kröte. 

Löwe (lo*w9)t Laube. 

la, lat, laut. 

Lii, Leute. — Man fasst gern Menschen 
einer bestimmten Gattung, Lebens- 
gemeinsehaft tisw. mit dem Worte *Lü^ 
zusammen: Burslä, Frunslü, Mannslü, 
Nawerslü, Arbeitsia, Beddellü. 

Lacht, Luft, veraltet. 

Liichte (lüxt9), Leuchte, Laterne. 

lachten, 1. leuchten, Licht geben. — 
2. blitzen, et lacht, es blitzt. 

lachten (luxiri), durch die Luft trocknen. 
afluchten, utluchten. 

Lächter, Leuchter. 

lacker, locker. 

lackern, lockern. 

lack&en, spähen, heimlich zuschauen. 

La^, Lüge. Lug un Drug, Lüge und 
Betrug. 

l&hn, läuten. 

Lake, Maueröffnung im Bodenraum. 

Lalatsch (lüklts)^ Tolpatsch, schwerfällig 
gehender Mensch. 

Laiigenkrat, Lungenkraut, Pulmonaria. 

longenseikscb, lungenkrank. 

lünsehe, (lünh), niedergeschlagen, ge- 
drückt, still. 

Lante, DocJU. 

Lar, Lauer. 

Lär, Klockenlur, Glockenläuter. 

laren (turn), lauem. 

larig, schwül, drückend, windstill. 

Lorre, Lüge. 

larren, (lurn), lügen. 

Las, Laus. — wie de Lua in Schorwe 
Sitten, eine gute Stelle haben. — ne 
Las in'n (i^) Pelz setten, einem 
etwas am Zeuge flicken. — op en 
(opm) Lusekamme piepen, nichts zu 
ensen haben, verarmt sein. 

Laseknicker, Bezeichnung des Daumens. 
Vgl. Nd. Kbl 29, 29. 

lasen, lausen, Läuse absuchen. — vor- 
lasen, voller Läuse sein. 



lasig, mit Läusen behaftet 

LHsse (Iüsb), Wagenrunge ^ die an 

der Achse der Hinterräder befestigt 

wird und der Hort Gegendruck 

leisten soll. 
lüt, laut. 

Luteben, Ludwig. 
Intcben, anlutcben (lütx,9n)^ anschmiegen, 

an die Mutter lehnen. 
Inter, lauter. 
Intbals, aus vollem Halse, hei bat lut- 

hals elacbet. 
lättjioh, klein. - de Lüttje, der Kleine. 
Lnzarne, Luzerne. 
Ma, Made. 
Ma, /., Magen. 

maddern, im Wasser plantschen. 
Madeborch, Magdeburg. 
Blaffen, Türen u. a. lärmend zuschlagen. 

— maflfl dazu gehöriger Ausruf. 
majerent, grossjährig. 
Mann, Mohn. 

maj (mäyj, mager, de Maje, der Magere. 
Mäjen (mfj9n v. mejdn), Mädchen. 
mäkeln, tadeln. 
maken, machen, tun; ellipt. sich beeilen. 

make doche, beeile dich doch. 
Mäken, Mädchen, selten. 
Makije. /., Mache, Arbeit, de Snier 

hat de Hosen in de Makije. 
Mal, Fleck, Zeichen, Schlagmal beim 

Spielen. 
malen, mit einem Mal versehen, de 

Mutter hat de Geuse malt. 
malörn, missraien, nicht gelingen. 
Malt, 1. Malz. - 2. Frucht des Weiss- 
dorns, die auch Malterbrot genannt 

wird. 
Maltiet, Mahlzeit; Grussform: geseg- 
nete Mahlzeit. 
man, nur, aber, mek durt man de 

ormen Kinder. 
Mandag, Montag. 

Mangel holt, Mangelholz, Glattwalze. 
mangeln, mit dem Mangelholz glätten. 
man^eniern, marinieren (Hering). 
raaniger (manijdr), mancher. 
mank, zwischen, hei stund midden der- 

manke 
mankedorcb, zwischendurch. 
Männeken, Männchen. 
Mannse, Mann. 
Manns lü, Mannsleute; die Gesamtheit 

der erwachsenen m. Glieder einer 

Familie. 
Mannsminsehe, Mann, en Mannsmin- 

sche kann doch mehr dann wie 'n 

Frunsminschen. 



78 



manschen, matschen, plantschen, 

Manschetten faebben, Angst haben, 

Mantgeld (mäntjelt), Monatsgeld, Steuer. 

niaraehen, afniarachen (maräocati), über- 
anstrengen. 

Marcht, Markt. 

marchten, markten, kaufen. 

Mar dämm (mar dam), Schlamm. 

Mareik, Meerrettig. 

Markelie, Quälerei eines jungen Tieres 
durch vieles Hätscheln. 

markein, junge Tiere durch vieles An- 
fassen quälen und schwächen. 

marken, merken ; die hd. Form ist aber 
häufiger. 

Marks, Knochenmark. 

Marlieschen, Marie Elisabeth. 

Mars (märs), Hintere, licke mek in 
Marse (märz9),^ derbe Abweisung. — 
in Marse hebben, aufgegessen haben. 
— Kinderreim: Nakedei, Vor 'n Marse 
isset Himm' entwei. 

Marte (märtg), f., Marder. 

Martendrücken, Albdrücken. 

Martinich, Martinstag, der Tag, an dem 
die ländlichen Dienstboten ihren Dienst 
antreten. 

maschieren, marschieren. 

Masse, Rübenschnitzel. 

massich, in grosser Menge. 

Mat, Mass, Gemäss, Trinkgefäss aus Blech. 

Mate, Mass, Masse, Längenmass, 
Bandmass. 

Matsch, m., wässeriger Strassenschmutz, 
feuchte, weiche Masse. 

matschen, im Wasser oder Matsch 
herumwühlen. 

Matstock, Metei'mass, Massstab. 

Matte, /., Mdze. 

Matthacke, /., Schwächling, schwacher 
Mensch. 

Mattier, m., alte Münze. Vgl. den Orts- 
namen Mattierzoll im Braunschweigi- 
schen. 

man, misslich, unsicher, de Sache is 
mau, der Erfolg ist zweifelhaft. 

Manme, Muhme, alte Frau, de Rinne 
hürt'n Kinne, de Kraame hört de 
Maume. 

mann, miaun. 

Manre, Möhre, Mohrrübe. 

Maurnsaft, Mohrrübensaft; in Swanne- 
beck da wohne ek, Maurnsaft vor- 
kope ek. 

Mans, Mus. 

mausen, Mus kochen. 

Manspiimpel, Musri^rer. 

maatwillig, mutwillig. 



Maat ; sienen Maut keulen, sein Mütchen 

kühlen. 
Mee (mf^), Miete. 
Meibohm (maibö'm), Birke. 
Meie, Birke. 
Meikatte, im Mai geborne Katze. Solche 

Katzen sollen die besten Mäusejäger 

sein. 
mein, mähen. 
mein, meiden. 
mein, sehnen, härmen, grämen, hei meit 

sek. 
Meir, Mäher. 

Meiran, Majoran, ein Gewürz. 
meist, mehrst, mehst, meist, yor't mehste, 

meistens 
Meistrnk, Birkenzweig. 
mek (mek), mir, mich. 
Melchert, Müchert, männl Hering. 
Meldan, Meltau. 
Melk, Müch. 
melken, milchen. 
Melkpot, Milchtopf. 
Melkschrank, Schrank für die Milch. 
mehln, mahlen ; im übertragenen Sinne 

das tiefe Eindringen der Wagenräder 

in den Strassenstaub, sodass der Staub 

über den Radfelgen zusammenrinnt. 
melln, melden. 
meen (mfn), mieten. 
Meepennig, das Angeld, das die J^ienat- 

boten beim Vermieten erhalten. 
Mess, Mist. 
Messdra, Misttrage. 
Mese, Vulva. 
Meseke, Meise. 

messen, misten, afmessen, utmessen. 
Messfinke, dreckiger Mensch. 
Messgrepe, Mistgabel. 
Messknie, Mistgrube. 
Messmele, Melde, Atriplex. 
messnat, ganz durchnässt. 
Mest, Messer. 
Mester, Meister. 
mestern, meistern, beherrschen. 
meten (metjjt, mfhi), messen. 
men, müde, hei is dotmeu. 
Meu, Mühe. 

Miante (mi'änt^), Miantje, Ameise. 
Mich«* i lieh, Michaelistag. 
mickrich, klein, winzig. 
Middag, Mittag, in Midda, im Süden. 

— Bei Verlust des Tones wird i zu e 

in Vörmedag, Vormittag, und Nömme- 

dag, Nachmittag. 
Middasebrot (mtdä'z^bri/t), Mittagessen. 
Midde, Mitte. 
Middegaft, Mitgift. 



79 



mlddewegs, in der Mitte des Weges. 

Middewochen, Mittwoch, 

Middel, Miüei 

Middeldrift, mittlerer Feldweg, 

Middelhee, Flachsabfall zwischen 'Vor- 
rak" und 'Hee'. 

■idden, mitten, 

Mie (nn)f f. Harn, 

MiejkfisseD, Miejpöhl, Kissen, dos kleinen 
Kindern untergelegt wird, 

Mifiwarn, lauwarm. 

Mieke, Marie. 

Niele, Meile. 

nien (min), mein. 

nien (min), harnen, (ml, mixst, mixt, mit ; 
maix, mej9n; 9mej9n). 

niendae, in meinen Tagen, dat hewwek 
miendag nich esein. 

nienirh, meinig. et geit ja von mie- 
nichten. 

■ienswegen, mientwegen (-wfjon), mei- 
netwegen. 

■ierieh (mlrix), geizig, kleinlich. Nd, 
Kbl. 25, 42. 65. 89. 

Miesekatt^, Katze in der Kindersprache; 
ebenso Mieseken. Kinderreime : Miese- 
makättcben mau, wuvon bist du sau 
grau? „£k bin sau grau, ek bin sau 
matt, ek krie dat liewe Futter nich 
satt ** — oder : Miesemukättchen, wu " 
wutte denn ben? „Ek will no Grote- 
yaers Huse.** Wat wutte denn da 
daun? „Da bin ek mek wat vormaun; 
da slacht se 'n Swien; da drinket se 
Wien; da kann man lustig un früblicb 
bie sien.*' 

Miete /., Haufen von Buben, Kartoffeln 
u. dgl., welche auf dem Felde mit Stroh 
und Erde bedeckt über Winter liegen 
bleiben. 

Milte, MiU. 

Minsche, Mensch. 

Misse, Messe, 

Bissen, missen, ek kann keinen Dag- 
löhner missen. 

Mist, Nebel. 

■listig, neblig. 

■ittewiele, mittlerweile. 

Modder, Madder, Schlamm, schlammiger 
Bodensats. 

noddern, im Schlamme vmhlen. 

■•ddrig, modrig, schlammig, schmutzig. 

Bol (mlfl), mürbe, weich (Obst). 

Mlile, Mühle. 

Mölenflöggel (moUnflößl), Mühlenflügel. 

Mölstein, Mühlstein. 

Molle, Mulde. 



mön (m8'n), mögen. 

mÜn, möjeii, erleiden, getroffen werden. 
hei hat wat emöjet, er hat etwas alh 
bekommen. 

Mönnek, Mönch. 

Moppe, Ohrfeige. 

mör (mo'r), mürbe. 

Mor (mö^r), Moire-Stoff. 

Morast, Mörass, Mürass, Schlamm, 
Strassenschmutz. 

Morgen (morpn), Ackermass, ungefähr 
25 Ar. 

Morgenblanme, Gänseblume, Bellis pe- 
rennis, 

morsch, mürbe, brüchig. 

Mord un Dotslag, ärgerlicher Ausruf, 

mötn, müssen (mot, most, vai möt; 
mo8t9). * 

mn, Nachahmung der Kuh. Mukau von 
Haiewerstadt, Anfang des bekannten 
Verses Buko v. Halberstadt, 

mäeheln (müydln), stänkern, sich un- 
anständig aufführen. 

Madder, Schlamm, Trübung. 

mnddlich, trübe (bes. Witterung). 

muddeln (mudin), schmollen. 

Muffe /. Muff." 

muffeln, muffeln, sich unanständig auf- 
führen. 

muffen, muffen; wie muffeln. 

muffich, dumpfig, verschimmelt riechend. 

Mägge (müjd), Mücke. Alitterierende 
Zusammenstellung zur Bezeichnung 
grosser Anzahl: Müggen un Man (man), 
Mücken und Maden. 

muekeln, schmollen. 

muekeln, dämmern, 

mncklig, dämmerig, trübe, bewölkt. 

mucksen sien, schmollen. 

Mal, Maul, Mund; das Maul der Tiere 
heisst gewöhnlich Snute. 

Maider, Müller. 

müldern, Müller sein, MüUerarbeit tun. 

mulmen (mulm), mfilmen, Wolken bilden. 

mulmich, mit Wolken bedeckt. 

mulen (müln), maulen, schmollen. 

müln, anmüln (änmüln), einen Schaden 
tun, etwas auswischen, hei hat sek 
wat anemült. 

mullsch, morsch, brüchig, verfauU. 

mullstrig, muffig, verschimmelt. H Stroh 
rucket mulstrig. 

Mulwark, Mundwerk. 

Mulworm, Mullworm, Maulwurf. 

Mume Suse, langsame, einfältige Frau. 

mummeln, mit zahnlosem Munde kauen. 

inmummeln, einhüllen, tn warme Tücher 
und Kleider einscMagen. 



80 



mankieren, moquieren, über etwas auf- 
halten. 

manstern, ntmonstern, auftakeln^ auf- 
fällig und geschmacklos kleiden. 

Mar, Maurer. 

Mure, Miire, Mauer. 

Marjahn (murjän), ungewaschenes, un- 
sauberes Kind. 

marken, murren, brummen. 

Mnrkepot, scherzhafte Benennung eines 
brummigen Menschen. 

maren (münit), mauern. 

Marwark, Mauerwerk. 

Ma§, Maus; Daumenballen. Gleichheit 
bedeutet der Ausdruck : Mus wie Maus 
(ndd. Mus = hd. Maus, und ndd. 
Maus -= hd. Muss). - 

Masche NiitHcb, Fersonenbezeichnung, in 
der eine leichte Drohung oder Warnung 
liegt. 

Masekante, Musikant. 

Masekantenknoken, das spitze Ende des 

Ellenknochens. 
Masefallenkehrl, Mausefallenhändler. 
mtisekenstille, mäuschenstill. 
Maseköttel, Mausdreck. 
Uin8elich(^mu^p/tx>), unklar, unrein, getrübt. 
masen, Mäuse fangen, de Katte muset gut. 
Mttseohren (müzdifrii), kleine Ohren. 
inasig (müzix), dreist, übermütig, sek 

musig maken. 
Mast, Moos. 
Matte, MoUe. 
'n, 'ne, Verkürzung von ohne; ek hew- 

wene sein. 
^n, ein, einer, man. da wort'n utelachet, 
na, no, Ausdruck des Unwillens. 
nä, nein. 
nah, nach ; unbetont no. kumm no mek. 

— nah Pingesten. — nahn Midda. — 

nahn Gasten, 
nah, nahe. 

nachern (nä'xdrn), nachher. 
Nachtmahl, Abendmahl. 
Nachtslapenertiet (naxtsläpmnertli), zur 

Nachtzeit. 
Nachtale, Eule. 
nädrieh, niedrig. 
Nafra, Nachfrage. 
nahgrehpsch (nägre'ps), habgierig, nach 

allem greifend. 
Nahgedanke, Überlegung. 
Nahgesmack, Nachgeschmack. 
näggene (nej9n9), neun. 
näggenteine, neunzehn. 
nahgerah (nOjdrä), nachgerade. 
Nakedei, Nakeldei, Nackender. 



nakelig, nackend. 

Nackenklei, Nackenschläge, Juchhei gift 
Nackenklei. 

Nackenslä, böse Folgen, Undank. 

Napp, Napf, 

nähr, nieder. 

nährich, geizig, kleinlich, mäklig. 

närgens (nerjdns), nirgends. 

Narre, Narr, ein Narre makt teine. 

narren (nar^), einen Hund reizen, 
necken. 

Narrenspei, Narrenspiel,Fopperei. Sprich- 
wort: Narrenspei will Ruhm hebbcn. 

narrsch, närrisch. 

Narwe, Narbe. 

nat, nass. 

Nate, Naten (näiii), Atem, 

naten (nätn), nässen, fein regnen. 

naag (naux), genug. 

Nawe, Radnabe. 

Nawel, Nabel. 

Nawer, Nachbar. 

Nawersche, Nachbarin. 

Nawerschop, Nachbarschaft. 

Nawerslii, Nachbarn. 

Nechde, Nähe, Nachbarschaft, hei is 
op de Necbde. 

nechor (ne%dr), näher. 

nein, nähen. 

Neire, Niere. 

neirn; siehe gneirn. 

Neirsche, Näherin.. 

Neitiig, Nähzeug. 

Neleke (ye'bkd), Nelke. 

Nese (nPZ9), Nase. 

NeHtkiiken, Nesthocker, kleines Kind. 

N'ete (u^t9), Nisse, Lauseeier. 

Nenseke, Öse, Schlinge. 

nich, nicht; fragend niche. 

nichte ; de nichte wem, zu nichte werden, 
verderben — de nichte maken, über- 
anstrengen, Schaden antun. 

Nickelkehrl, Nur., Brunnengeist. Kin- 
der werden gewarnt, in den Brunnen 
zu sehen, weil sie sonst der *Nickel- 
kehrV hinabziehe. 

nie, niet, neu. 

Niejahr, Neujahr. 

niepe, genau, scharf (sehen), et süht 
sau niepe tau. 

niern, leckerig, lüstern, verlangend. 

niet, neu. 

nietiech, neugierig. 

Nietibranr, Neugieriger. 

nietmelk^ch, neumilchend. 

Nipp, kurzer Schlaf. 

nist, nichts. 

no, Ausdruck des Unwillens. 



ü 






81 



Doehtem, nücfUern; verstärkt nnmmer- 

nöchtern. 
nödig (n5*dix), nötig. 
oddi^^en, einladen, nötigen, ek hewwe 

nödiget, ich habe eingeladen. 
nölen (fiö'lrt)j zögern, langsam sein, nicJU 

von der Stelle kommen. 
üölhans, Nölpeter, langsamer Mensch. 
BOlig O'oUix), langsam. 
Nomineda;^, Nachmittag. 
Böseln (nözdln), goöseln, näseln, durch 

die Nase ^rechen. 
Not (n^t), Nuss. 
Noidöpe, Nottaufe. 
Notknaeker, Nussknacker. 
Notpennig, Sparpfennig. 
Notstall, enges Gelass, in das Ochsen 

gesperrt werden, die beschlagen werden 

sollen. 
notwennig, notwendig. 
nn, nun. Beim Suchenspielen rufen die 

Kinder ein langgezogenes du. 
nacken, nicken. 
Niifkf, /., Tücke, Ixiune. hei hat wat 

in der Nucke; hei hat siene Nucken, 

er hats hinter den Ohren. 
Nusehel, Schnauze. 
natschen (nüt^^n), saugen. 
niitte, nütze. 
natten (nüti^), nützen. 
oben ((fbm), oben. 
Obeudör (^bmdo'r), Ofentür. 
oder ((Tdr)f oder. 
Oe 07), 1. Auge; Plur. Oen ((fn). 

2. Masche beim Stricken. 
off, ob. 
ofte, oft. 
Oglet ((fxl^t), Augenlid; Mhrz. Oglen 

(ffx^^n). 
ok ((fk), auch. 
Ölder, n., Alter, Lebensalter. 
oldern, altern. 
Ole (c^b), Alter, mien Ole, mein Alter 

(Ehemann, Vater). 
Olendeil (o'^'^dail), Altenteil. Wenn der 

Bauer Hab und Gut seinem Erben 

übergibt f bedingt er sich ein Altenteil, 

d. i. Wohnung und Unterhalt, aus. 
«lewe, elf; adjektivisch ölef. - ölben- 

twintig (öl9fmitwintix)j unmögliche 

Zahl. Vgl. Eingang zu „Hans unter 

den Soldaten**: im olffnndtwintigsten 

johre. 
Olsehe ((fl^9), Alte, miene Olsche 

( Mutter f Frau). — Anrede für alte 

Kühe und Ziegen. 
Olste, der Älteste. Bezeichnung des 

FamüienäHesten, 



olt (c^lt), alt. 

Ölwiseh, mit dem Drehwurm behaftet; 

verrückt, 
OD, tonlose Form von an (an), an. 
ohne (8*n9), ihm, ihn. 
Onmate (^nmäts)^ Augenmass. 
Onsehien (^nSln), Augenschein. 
op, auf. op de Nacht, der Nacht zu. 

— Wo in Zusammensetzungen von 

op mit Zeitwörtern in diesen der 

Begriff der Dauer liegt, lautet es oppe. 
opbänken, einen zu bearbeitetiden Stein 

auf eine Bank od. einen Stein legen. 
opbinnen (-bii^'), Getreidefrösche zu 

Garben zusammenbinden, ebenso Heu 

zu Bündeln. 
opgaweln, jemand zufällig finden. 
opgeben (-j^bra), die Suppe in die 

Schüssel füllen. 
Opgeboit, Aufgebot; für „aufgeboten 

sein*' sagt man: in Kasten hängen. 

opbilpen, jemand eine Traglast auf den 

Rücken helfen. 
ophopen, auf jemand warten. 
opkloben, spalten. 
opkramen, in Ordnung bringen. 
Opiöper, Auflauf, ein Gebäck. 
oplalirn, erwarten. 
open ((fpm), offen. 
oppe. auf. 
oppebeholen, eine Kopfbedeckung auf 

dem Kopfe behalten. 
oppeblieben, aufbleiben, nicht schlafen 

gehn. 
oppe hebben, auf dem Kopfe haben; 

eine Speise verzehrt haben. 
oppunnen (oppurß, auspfunden, die 

Butter in Pfunde zerteilen. 
oppern, opfern. 

oprapen, die Kleider hochraffen. 
op recken, Getreidegarben zum Wagen 

hinaufreichen. 
opsein, beaufsichtigen. 
Opseir, Aufseher. 
opsmieten, dem Vieh Streu in den Stall 

werfen. 
opsteken, dem Pferde Heu in die Raufe 

stecken, ek will 'n Pere wat opsteken. 
opstnken, die gemähten Futterkräuter 

in Puppen zum Trocknen aufstellen. 
opteiken, aufzeichnen. 
op waren, haushalten, pflegen. 
Opwarang, Pflege, Wartung. 
Or (^r), Ohr. as. ora. 
ör CöV;, ihr. 
Orbammel, Ohrgehänge. 
Orfie, Ohrfeige. 
orm, arm. 



NiederdentRchefi Jahrbuch XXXIY. 



82 



Opm, Ann. 

Örmel, Aermel. 

Ormhas, Armenhaus. 

Ort ((jTrt), Schusterahle. 

Ort fö*ry, Ort; öwwer Ort bringen, 
wegschaffen. 

Osse, Ochse. 

08860, nach dem Stiere verlangen. 

088i^, Eigenschaftswort zum vorigen. 

Ossenkopp ; Scheltwort. 

OHterffir ((fst9rf{ir), Osterfeuer. 

öt (oH), es, Fürwort der weibl pers.; 
unbetont et. Besonders unverheiratete 
weibl. Personen werden mit öt be- 
zeichnet. 

Owe (cl'w9), Ofen, hindern Oben ((fhn). 

Owet (^W9t), Obst. 

öwwer, über, de Lieke steit öwwer de 
Ere, der Tote ist noch nicht beerdigt. 
sek mit einen öwwem Faut spannen, 
sich mit jemand erzürnen. 

öwweräseken, leicht übereisen, dünne 
Eiskruste bilden. 

öwwerbliebeD, übrig bleiben, 

öwwereiD, gleich, use Anzüge sünd ganz 
öwwerein. 

öwwergahn, über die Trächtigkeitszeü 
hinausgehen. 

öwwer Kop 8cheiteD, einen Purzelbaum 
schlagen. 

öwwerleieh, überflüssig, zu viel. 

öwwerndöwwer, kopöwwerndöwwer, 
drüber und drunter. 

öwwerndöwwermorgen, am Tage nach 
übermorgen. 

Öwwertog, Bettbezug. 

Öwwerwöckels, der Stab am Spinn- 
rockeny um den die y.Diesse'* ge- 
wickelt ist. 

Padde, kleines Kissen, 

paddeln; de Hund hat de Ere feste- 
paddelt, d. h. die weiche Erde fest- 
getreten. 

paffen, rauchen. 

Pack, Pöbel, Gesindel. 

Package (pak(U9), Gesindel 

Paeke, /, Menge, hei hat ne Packe Lü 
un keine Arbeit. 

Parken, erfassen, ergreifen. 
ackeo, n., Bündel, Sack, Pack. 
packen sek, sich scheren, weggehen; 

miteinander ringen. 
Pahl, Pfahl 
pahlrecht, aufrecht. 

pampicb, unfreundlich, kurz angebunden, 
Panne. Pfanne. 
Pannekauken, Pfannkuchen. 
Pannemann, Dorfpolizist, Feldhüter. 



pannen (pa^i), pfänden. 

Panzen, Pansen, Magen der Wieder- 
käuer; Leih. 

pftpich, zimperlich, empfindlich, kränklich. 

Päpgösseln, zimperlicher Mensch. 

pappen (papvj), essen. 

papporlapapp, quatsch. 

rappstOnel, ungeschickter Mensch, Tölpel. 

Pärchen, Barchent. 

pardauz, Ausruf beim Fallen, 

Päreken, Pärchen. 

Parlmntter, Perlmutter. 

Parjemutte^ Bergamottbime. 

Parre, Pfarre. 

Parhoff (pärhoff), Pfarrhof. 

Parhns (pärhüs), Pfarrhaus. 

Part, Teil halfpart maken, halbieren. 

Part, Partei, Gruppe, Mieter, da wohnt 
drei Part in Huse. 

pass; et kämmet de pafs, es kommt 
gerade recht. 

passich, passend. 

Pastor (pastif'r), Pastor. 

Pastörsche (pastö^rs»), Frau Pastor. 

Patchacker, armer Teufel. 

Pater, ein Ackergerät, dem 'Krümmer' 
ähnlich. 

patsch, klatsch. 

Patschhand, Hand in der Kinder spräche. 

Patt, Schorf; zusammenhängendes Un- 
kraut. 

pattich, fest, dicht (z. B dicht geregnete 
Erde.) 

patzig, schnippisch, unfreundlich. 

Paul, Pfuhl, Pfütze, Lache. 

paun, weinen, weinerlich sein. 

Pechhengest, Schuhmacher. 

Peias (paias), Hanswurst, Narr. 

Peisel (paizDl), die Ausscheidungsöffnun- 
gen des Schweines, die herausgeschnit- 
ten werden und zum Einfetten der 
Säge dienen. 

Pek (p^k), Pech. 

pekeblau, pichblaa, pechblau, wie z. B. 
die Haut nach einem heftigen Schlage 
aussieht. 

Pekedraht, Pechdraht. 

Peckel /., Pökel, Salzlauge, in de Peckel 
sien, eingepökelt sein. 

Peletenz, Pein. 

peltsen, schlagen, hauen, vgl. wammesen. 

Pennig (penix), Pfennig. 

peppeln, mühsam aufziehen. 

Peermie, jy^rrfemtn^g, Mentha silvestris. 

Peerstall, Pferdestall 

Peert (pf^rt), Pferd. 

Petze (pets9), Hündin, 

Petersilje, Petersilie, dek is wol de 



83 



Petenilje vorhagelt, dir hat etwas 

nicht gepasst. 
Petsf], Aschenbrödel. 
peBseln, in der Wirtschaft zu schaffen 

machen. 
pieheln, sechen. 

Piekelhart, steinhart, 
iddek, Mark im Holz. 

Piek, Grolly Aerger. 'n Piek op einen 
hebben. 

pieken, stechen, 

pie], steil, aufrecht hei steit piel in de 
Höchte. 

Pieldep, Pfeiler. 

piele! Lockruf für Gänse, 

Pieleeans, Gans, 

Pielelen, Gänschen, 

Pien, Fein. 

pienegen (pin9J9n), peinigen. 

Piepe, /yei/e, Tabakspfeife; kurzer 
Speiseröhrenrest am Magen. 

Diepen (plpm), pfeifen. - 

Piepe» kopa ° (pipmkop), Pfeifenkopf. 

Piepenstock (plpmstok), Stab, der durch- 
bohrt wird und dann das Pfeifenrohr 
bildet. 

Piepvosgel, Vogel in der Kinder spräche, 

Piephaoo, Membrum virile. 

Piepwost, Wurst, die in den Magen 
gefüllt wird. 

piern, blinzeln, äugen, mit wenig ge- 
öffneten Augen sehen. 

piesacken, quälen, peinigen. 

Piet8ehe, Peitsche. 

Pilf, Pelz, Pelz. 

Pingesten, Pfingsten. Ulenpingesten, 
ein nie erscheinender Tag, auf den 
man unbequeme Sachen verschiebt. 

Pingestosse, aufgeputzte Person. 

pink, Nachahmung des scharfen Lautes, 
der entsteht, wenn man auf Metall 
schlägt, 

pinken, einen scharf klingenden Laut 
erzeugen. 

pinkepanke, Ablautbildung zu „pink'^. 
Xachahmung des Geräusches, das 
entsteht, wenn der Schmied auf den 
Amboss schlägt. Kinderreim: Pinke- 
panke, Smed is krank, Liet op siener 
fulen Bank. 

Piakeswamm, Feuerschwamm. 

Pinne, kleiner Nagel, Blaukopf. 

pinneken, pinneo, (piri), mit kleinen 
Nägeln nageln, 

pingeiieh, empfindlich, kränklich, 
schwächlich, 

Pipp, Pipps m,, harte Zungenspitzenhaut 
bei Geflügel. 



Pisse, Urin, 
pissea, Wasser lasseti. 
Pisshahü, Membrum virile. 
Pisspott, Nachttopf. 
pitsehenat, durchnässt, 
Pia, Plage, Krankheit, 
Plack, m., Flecken, Fettplack, Dreck- 
plack usw. 
plaeken,^ schinden, quälen. 
Plackerie, Schinderei. 
plack henfallen, der Länge nach, wie 

ein Brett hinfallen. 
pladdern, Flüssigkeit verschütten. 
plan, plagen. 
Plane/., Planlaken, grosses Leinenlaken, 

das bes. zur Bedeckung von Wagen 

dient. 
Planwahn, Wagen mit übergespanntem 

Laken, 
Plante (plent»), Pßänzchen. 
planten (plani'g), pflanzen. 
Plänter, Pflanzer, spitzer Stab zum Loch- 

bohren. 
Plaster (plästsr) n., medizinisches Pflaster. 
Plaster (plastar) n., Strassenpflaster. 
plastern, pflastern. 
Plang (plaux), Pflug. 
Plangisen, Pflugschar. 
Plan^karre, karrenähnliches Fahrzeug 

zum Transport des Pfluges. 
Plan^Iienich, Pflugleine. 
p lecken, flecken, schmutzen. 
pleckig, fleckig. 
Plettchen, Plätzchen. Schokoladen- 

pletchen, Zimtpletchen. 
plenn, pflügen. 
Plickars, Schläge aufs Gesäss. krist 'n 

Plickars 
plicken, auf den Hintern schlagen. 

P linken, zwinkern. 
lock, Pflock. 
Plocke, f., Stück, Flocke, 'ne Plocke 

Zucker; 'ne Sneiplocke 
plooken, zerstückeln, inplocken, Kuchen 

einbrocken. 
Plockenzncker, Würfelzucker. 
plücken, pflücken. 
Plnme, Pflaume, edle Sorte im Gegensatz 

zu Zwetsche. 
Plunder, wertloses Zeug. 
Pliinnen (plün), Stück Leinen, das um 

den verwundeten Finger gewickelt wird. 

von Lappen in Plünnen komen ffon 

lapm tn plü^ kf^m), vom Regen in 

die Traufe kommen. 
planschen, eine Flüssigkeit verschütten, 
plass, dick, beleibt. Vgl. Nd. Khl. 29, 2.1. 
Pocke, / Blatter. 

6* 



84 



Pohl (pS'l), Pfühl, langes Kissen. 
Polacke, m. u, f., Pole, Sachsengänger. 
Polacke, Pfeifenrest. Vgl. Nd. Kbl 27, 58. 
polacküch, polnisch. 
rolk, dickes, rundes Schweinchen. 
polken, palken, klauben, mit dem Finger 

bohren. 
Polle. Blumenzwiebel. 
polscli (p(flä), polnisch. 
inpohcheD Bogen, in Bausch und Bogen. 
poische Nese, Polonaise. 
Popper. Pfeffer. 
_._. ^^ pfefferig. 



pöppench, 
Poppier, I 



roppier, Papier. 

Porte (pi^rtd), Pforte, Tür. 

Portendör (pi^rti^dE^r), Tür im Hoftor. 

posen (p^z9n), herumwirtschaften, zer- 
treten, da hat einder op en Kartuffeln 
rummer eposet. 

Postboe, Briefbote. 

PoNten, Pfosten. 

Pott, Topf, ^n Pott insetten, Suppe und 
Fleisch kochen im Gegensatz zu Braten 
machen. 

pötchero, Geschirr entzweiwerfen. 

Fote (pd't»), Pfote. 

Pottsasen, eine Speise, die durch Zu- 
sammenbraten kleiner Fleisch- und 
Fettstückchen hergestellt wird. 

power, ärmlich. 

Pracher (praoar), Quälgeist. 

praehern, quälen, betteln, bitten. 

pralL straff gespannt. * 

prahlen (präly,), gross tun; schreien. 

Prahlhans, Grosstuer. 

Prätsele (prfts9l9), Bretzel, Gebäck. 

preimsch, feind, böse, de beiden sünd 
preimsch, die beiden sprechen nicht 
miteinander. 

preschen (presi^), eüen, hasten. 

prensch, preussisch; freund, se sünd 
nich preusch, sie sind feind. 

Prieche, Empore in der Kirche, 

priechen, schwer, geräuschvoll atmen. 

prick, prall, straff gespannt. 

Prickel, Beiz. 

prickeln, stechen, sticheln, Stechreiz auf 
der Haut empfinden. 

Pries, Preis. 

priesen, preisen. 

Prilleke, Pfannkuchen aus einer Art 
Kuchenteig. 

probe iren, probieren. 

proben (prö'brn), kosten, die Probemachen. 

prSddeln (prödlj^), beim Kochen geräusch- 
voll wallen. 

Proppe, Kork, Stöpsel. 



proppen (propin), pfropfen, ein Reis 

aufsetzen. 
Proppries, Pfropfreis. 
pröichern, krakeelen, Unzufriedenheit 

äussern. 
Prott, grosstuiges Wesen; Prot hebbeu, 

gross tun, sich vermessen. 
prottich, protzig, aufgebläht. 
prndlich {priiHix), schlecht genäht. 
Prndlie, schlechtes Nähen. 
prndeln, liederlich nähen. 
prnkenieren, eigensinnig etwas erbitten, 

ertrotzen. 
Prummel, Ding von rundlicher Form; 

kleiner, dicker Mensch. 
prnmmelig, rundlich. 
Prustbacken, dicke Backen. 
prusten (prüstn), niesen. 
pnchen (puxdn), aufpochen, trotzig etwas 

verlangen. 
Pnckel, Rücken. 
pnckelig, bucklig. 

pnckelii, auf dem Rücken schleppen. 
Puckere, Unebenheit der Haut, Blüte. 
pndden (pudy), kränkeln, nicht recht 

gedeihen. 
Pndel, Fehler, Versehen. 
vorpndeln, versehen, falsch machen. 
Pulle, Flasche. 
Pnlleken, Fläschchen. 
pnlken, klauben. 
Pämpel, Musrühr er, Muskeule. 
Pnmperkiile, Schilfkolben. 
Punasnap, Butter form. 
puppern, vor Ungeduld zittern. 
pnre, rein, lauter. 
pnrzen, zu Stuhle gehen. 
Puseke f, Yulva. 

Pnssel (puz9l), kleines Wesen, Kind. 
pnsseln (puzBln), eilig, geschäftig in der 

Wirtschaft herumbetvegen. 
Pnste, Atem. 
Pnsterohr, Blasrohr. 
pnstig, kurzatmig. 
puNten (püs(^), blasen. 
pntt-pntr, Lockruf für die Hühner. 
Puter, Truthahn. 

quack, Ausruf bei klatschenden Ge- 
räuschen. 
qnacken, heftig hinwerfen, hei hat ne 

gegen de Wand equacket. 
Qnaddele (kwadh), Quaddel. 
qnaddern, Wasser verschütten. 
quäken, mit breit gellendem Tone schreien. 

5nalmen (kwalm), rauchen. 
ualmtute, ScKwätzer. 
Qnalster, schleimiger Speichel. 



85 



qnanter, in höherem Orade. dat kum- 
met noch quanter. 

(ltta|ipe, junger Frosch. Die eben Kon- 
firmierten necken die in der Schule 
Zurückbleibenden mit der Bezeichnung 
Schaolquappe, die wohl aus Kaut 
quappe umgedeutet ist. 

qaappieh, qnackicli, nicht widerstands- 
fähig (von jungen Tieren gesagt). 

qaarren (kwarn), weinen. 

qnaseii (kwäzdn), nicht JiausMUerisch 
umgehen^ vergeuden. 

qnasseln (kwaz9ln), Geschw&tz machen. 

((natseh, Unsinn. 

qDatsehen, Unsinn reden. 

qoatscbe-nat (-nät), durchnässt; ver- 
stärkt: quatsche messnat. 

qnei, weich, lind, mild, 't Water is quei. 

Qoeif, unnötige Sache, massiges Gerede. 

ftoeke (k^^kd), Quecke, Unkraut. 

Qaellnbor^, Quedlinburg, 

Uaerl (kwtrl), Schürzen- oder Rockbund. 

(laeae (kic^z9), Hautblase; Waterquese, 
Wasserblase ; Blaut quese, Blutblase. — 
de Quese h ebben, nicht gescheit sein. 

Unesenkopp, Quenenpeter, dummer Kerl. 

qaestigen (kwestijdn), peinigen, eindring- 
lich fragen. 

((netsche, Fresse. 

qoieken, kreischen. 

Qaien m., Geruch, Gestank. 

qaieneD, übel riechen, schlechte Dünste 
ausströmen. 

qnillen (kwihi), quellen. 

qnittengel (kwiii^jfl), von sattgelber 
Farbe. 

qonrkeo, Bezeichnung des gurgelnden 
Lautes, der entsteht, wenn man z. B. 
in Moorboden ttitt. 

(tDiirl, Quirl. 

'r, >r (9r), Verkürzung von dar; siehe da. 

raekeln, rütteln, klappern, da rackelt 
einder an de Dör. 

Rarker, Schlingel. 

raf (räf), rafep, herab. 

Riegel (rej9l), Riegel. 

räTReln, riegeln.* 

Rahseke, Radehacke. 

räkeln, sich flegelhaft setzen oder legen. 

Ral (räl), Ralblanine, Kornrade. 

Ralsteker, kleiner Spaten zum Aus- 
stechen der Kornrade. 

Raneker (rämekdr), Stellmacher, Wagner. 

ranenteii, xioirtsehaften, klettern. 

Raum, Krampf. 

ramnelo, wälzen, hei rammelt sek in 
Grase nun. 

rahs, raten. 



Ranken m., ein grosses Stück Brot. 
ranken, afranken, ein grosses Stück 

Brot abschneiden. 
rann, heran. 

Raphann (räphaun), Rebhuhn. 
rapen (räpm), raffen. 
Rappel; 'n° Rappel hebben, nicht recht 

bei Verstände sein. 
rappeln; bie dek rappelt et wol, du 

bist wohl nicht recht bei Verstände. 
Rapsnftwel (räpsnäwdl), habgieriger 

Mensch. 
rar, gut, schön, artig, bist 'n ram 

Jungen, 
rasch, flink, schnell dat Kind is sau 

raschen. 
Raspe, grobe Feile. 
raspeln, feilen. 
Rad (rät), Rad; Mhrz. Rädder. — in 

Ra, im Rade. 
rattenkahl, ratzenkahl, ganz kahl. 
ratsen ; hei kann sek nich ratsen, er 

kann sich nicht zähmen, nicht massigen. 
ratsch, Ausruf beim Zerreissen von 

Papier oder Stoff. 
Ratsch m., Riss, 
ratschen, reissen. 
rattern, das Geräusch einer Maschine 

oder eines Wagens. 
Ran, Ruhe. 

Ran, Rute, Flächenmass. 
rann, ruhen. 
raupen (raupni), rufen (ek raup», du 

röpst oder 'röpp98t, vai raupet; ek 

raip, vai raipm; 9raupm). 
Rause, Rose. 
Rant, Russ. 
rawweln, schwatzen, schnattern, schnell 

sprechen. 
räwweln. Gestricktes auflösen; zer- 
fransen, ek will noch 'n Strnmp op- 

räwweln — de Hose räwwelt unnen op. 
Ree (r^), Reihe. 
redden (redy,), retten, 
Refermänt, Tadel, ScheUe. 
Re^ätt m., Bange, Scheu. 
Reim m., Riemen. 
reinefieren, reinigen, erneuern. 
Reip, Seil. 

Reise, Tracht Prügel. 
recken, reichen, darreichen, afrecken, 

oprecken, henrecken. 
reken (rfk9n), rechnen. 
reckhalsen, mit ausgerecktem Halse 

spähen. 
Rehn, Regen, 
rehnen (r^), regnen. 
Renne, Rinne. 



86 



renuen (ref^i), eilen. 

sek rengen, sich recken, dehnen. 

rentlich, reinlich. 

Rentlichkeit, Reinlichkeit. 

Reentreckcr (r^ntrek^r), Heihemieher, 
rechenähnliches Gerat, mit dem in Feld 
und Garten Beihen gebogen werden. 

Reppelbohn, Balken mit Eisenzacken, 
zwischen denen der Flachs von den 
Samenkapseln befreit wird. 

KeppelbuKeli, grosser Eisenkamm auf 
dem Reppelbohm. 

reppelD, die Samenkapseln vom Flachs 
abstreifen, indem man ihn zwischen 
den Zacken des Reppelbusches hin- 
durchzieht. 

Reppelrad, Wagenrad mit Eisemacken 
zum Reppela des Flachses. 

Res (r^s), Spreu, Getreidespehen. 

Reskorf, ein sehr grosser Korb; über- 
tragen: grosses Mass. 

reumen (roim)y rühmen, loben. 

reiiren (roirn), rühren. 

Reuster, Biester, Lederflecken zum 
Schuhflicken. 

Reawe, Bube. 

ribben (ribin), mit einem Eisen den 
Flachs bearbeiten, dass die Holzteile 
(Schewe) entfernt werden. 

Richte, Bichtung. in de Richte gähn, 
den geraden Weg gehen. 

Richteweg, Bichtweg. 

rieben (rlbm), reiben. 

Rief, Beif, gefrorner Tau. 

Riefe, kleine Binne. 

riefen, reifen, zu Beif gefrieren. 

Riek, Beich. 

Rieke, Marie. 

rieke, reicJi. 

rieklich, reichlich. 

Riem, Beim. 

riemen (rlm), reimen. 

rien, reiten (n, ai, e, e). 

riepe, reif. 

riepen (rlpm), reif werden. 

Ries, Beis; Zweig. 

Ries, Beis (Frucht). 

rieten (rltn), reissen. 

Riethose; de Riethose antreken, aus- 
reissen. 

Rietmns, Wühlmaus. 

Rietnagel^ Beissnagei 

Rietenspliet, ein Kind, das oft seine 
Kleidung zerreisst. 

Riet-nt, Beissaus. 

riets, Ausruf beim Zerrcisttvn eines 
Stoffes. 



Rick, Stange, auf der Wäsche, Teppiche 
u. dgl. aufgehängt werden. 

Rillsch, Schafgarbe. 

ringe, gering, klein. 

rinn, herein, hinein. 

Rinne, Binde. 

Risse, Hiebe, Schläge. 

Riste, soviel Flachs, wie man mit einer 
Hand umschliessen kann. 

Risten, Schilfhalme. 

Riwe, Beibeisen, 

Riwwe^ Bippe 

Riww-isen, ein Eisen mit Holzgriff zum 
Loskratzen der holzigen teile des 
Flachsstengels. Siehe ribben. 

Rock an Stock, Hab und Gut. 

Rockflittehen, Bockschösse. 

Röggener (rö'pnfr), weiblicher Hering. 

rohn (rffn), roden, reuten. Die Orts- 
namenendung -rode (Wernigerode usw.) 
lautet -roe (Wannij^riT). 

röhn (ro^n), rühren, bewegen. 

Rohr (rij^r), Bohre. 

Rohr (riTr), Boder. Reuwerohr, Bübeti- 
roder. 

Rok (rö'k), Bauch. 

roken (r^k^n), rauchen. 

Rökerbodden, Bodenraum zum Bäuchem . 

rökern, räuchern. 

Rokkamer (rifkkämdr), Bauchkammer. 

rökrieh, rauchig. 

Römer (rSUndr), Schnapsglas. 

rop, herauf, hinauf. 

rop-rop, Buf, mit dem man die Hühner 
ins Hühnerhaus treibt. 

Rosch {ro.<i) ; nicht ganz reifes Obst tvird 
ins Bettstroh gesteckt, ßamit es mürbe 
wird: man legt die Äpfel ins Kosch. 

Röste f., Feuerungsrost. 

rot (rifO, rot. — nich en roen Pennig 
hebben, besitzlos sein. 

Rotkeleken, Botkehlchen. 

Roten (r^tn), stehendes oder langsam 
fliessendes Gewässer, in dem der Flachs 
verrotten muss oder geröstet wird. 

roten (riftn), verrotten, 

Rotsjnnge, Rotsleppel, Rotsnese, Schimpf- 
wörter. 

rottenfnl (rotrjfül), rottefal, rotzenful. 
verfault zu einer schleimigen Masse 
(z. B. Kartoffeln). 

Rotwost. Blutwurst. 

röwwer, hinüber, herüber. 

rn, rauh. 

Rü, Rähl, Pflugstock des Landmannes, 
weatf. rudder. 

riickarseu, hin- und herrücken, unye- 



87 



duldig sein, westf. rükaesen. Vgl. 
frs, reculer. 

rae ken. einen Huck geben, plötzlich be- 
wegen. 

rndig, flegelhaft, ungezogen. 

Rä^ge^rat, Rückgrat. 

Hü^^gen (rüßn), JRäcken. 

rii|:|?enfrie, rückenfrei sek rüggenfrie 
(oder puckelfrie) holen, sich einen 
Ausweg, eine Ausrede lassen, 

Rabm, Raum, rähmirli, ^erühmig, ge- 
räumig. 

rihraen (räm), räumen, Platz machen. 

rohii, mausern, ase Heunder ruht. 

i'ttkeii, riechen (ü u, ö, ö, ö). 

Ralle, Rolle. 

Rammdriewer, Herumtreiber. rumm- 
drieben, heru mtpeiben . 

Romp, Rumpf. 

Rampe Ikarre, Rumpelkasten, wackelndes 
Fahrzeug. 

rumpelo, schaukeln, rollen. 

Rnmpelperd, Schaukelpferd. 

ramplig, wackelig, wälzbor. 

ramtnmme (rumtums), umher, hei löppet 
rumtumme. 

Rnndeil, rundes Beet, frz. Rondel. 

rander, herunter, hinunter. 

Runge, Wagenrunge. 

runn, herunter, hinunter. 

riinnen (rün)^ rinnen; gerinnen, de 
Pot rüontr de Melk is erännt. 

Rupe, Raupe. 

rnpen (rüpm), die Raupen ablesen. 

ruppeu (rupm), rupfen, pflücken, 

ruppieh, zerzaust. 

Runef, Rauhreif. Kinderreim: 't hat 
erurieft, 't hat efroren, treck en Zappel 
öwwer de Ohren. 

rnseh. russisch, rusch Rohr, Esse. 

ruseheln, rascheln. 

rusf heu, rauschen. 

RuMchmnsfh, Wirrwarr, verdächtiges 
Geräusch. 

rusen. herumwirtschaften, herumwühlen, 
in Kästen u. dgl. herumsuchen. 

Rnst (rust), Rost, Eisenoxyd. 

Rast n., Gerüst. 

Rastpabl, Gerüstbalken. 

RÜNter (rüstsr), Handgriff am Pflug. 

rüsten (rustti), rosten. 

rastrjg, rostig. 

ruHtrig, ungewaschen und ungekämmt, 
unordentlich. 

rat (rüt), heraus, hinaus. 

Rate, Fensterscheibe. 

rater, Iieraus. 

Sa^ Säge. 



säbbenteine (zebmJtain9), siebzehn. 

Saboek, 8ägebocl\ 

sachte, langsam, still. 

Saekdrelen (zakdr^hß, grobes Sacktuch. 

saeken, senken, einsinken, sich setzen. 
de Ere mot sek erst sacken. 

sädiffen, sättigen. 

Sadel, SaUel. 

Sadeler (zäHfr), Sattler. 

sadeln, sedeln (z^dln), satteln. 

Sadelperd, das im Gespann links gehende 
Pferd. 

Sadeltüg, Sedeltfig, Sattelzeug, Pferde- 
geschirr. 

saggen (zeßn), sagen (ek zQd, du zefßt). 

sahn, sägen. 

8al (zäl), Südwesten (Richtung nach der 
Saale), de Wind kummet ut der Sal. 

Salfei, Salbei, Saloia. 

Salm, lange Rede ohne Bedeutung. 

Salwe, Salbe. 

Samel, Samuel. 

Samerie, Sämerei. 

}$ämich, sömich (zo'miyj, sämig, de Zuppe 
is sömich. 

sammen (zam), sammeln, bes. die Getreide- 
garben zu Mandeln. 

sau (zän), sägen. 

Sand^ n., Sand m. in Sänne, im Sande. 

sannig, sandig. 

Sark, Sarg. 

Satkorn (zätkcfm), Saatkorn. 

Satlaken, Leinentuch, das zur Aufnahme 
des Saatkornes dient. 

Satte, ein niedriges irdenes Gefäss, meist 
zum Aufbewahren der Milch dienend. 

sau, so. 

säwwene, sieben; adjektivisch säbben 
(zel/m). 

Sa w wer lätzeben, Schutztuch gegen den 
Speichelfluss kleiner Kinder. 

sawwern, sabbern; dazu Sawwerie. 

Scba, Schade, de Scha is sau grot niche. 
Im Ausruf: schade! 

Schacht (saxt) f., Schacht eines Berg- 
werks. 

Scbacbter (saxtdr), Bergwerksarbeiter. 

schachten, utHcbachten, einen Schacht 
graben, den Grund zum Hausbau 
graben. 

schaffen, schnell von statten gehn. dat 
schaffet. 

schal, schal vo7i Geschmack. 

Schaldank, dickes Halstuch. 

Schalholt, plur. Schalhölter, Schalhölzer, 
die zwischen die Balken gelegt die 
Decke eines Raumes bilden. 

vorNchalen, mit Schalhölzern belegen. 



88 



Bchamfleren, schimpfen, scheüeti. 

sehamineln, schampeln, so gehen^ dass 
die Hosen aneinander reiben. 

sehan (San), schaden. 

Sc'handarre (Sandar9), Gensdarm. 

Sehanne, Schande, hei is Schimp un 
Scbanne gewohnt, make nich saune 
Schanne, Lärm, Geschrei; de schanne, 
eu Schanden, zu nickte, hei fritt sek 
de nichte un de schanne. 

Sehanne /., Tragholz für zwei Wasser- 
eimer. 

Sehandsnute, loses Maul; jemand der 
schlechte Beden führt. 

Sebap (ääp), Schaf. 

Sehaper, Schäfer. 

Sehaperie, Schäferei. 

Schaperkarre /., zweirädriger, über- 
bauter Karren, in dem der Schäfer 
im Freien nächtigt. 

Sehapköttel, Schafdreck. 

Sehäpken, Schäfchen. 

Sehapp, Schrank. 

Schar (äär), Pflugschar. 

seharben (Sarbfn), schnitzeln, zerschnei- 
den, in dünne Scheiben schneiden. 
ek hewwe de Zicke ne Turniks 
escharwet. 

seharig (Särix), zu Schar, 'n drie- 
scharigen Plaug. 

seharp, scharf. 

seharpen (sarpm), schärfen. 

Sehärr, Schttrrholt, starkes Holz, an 
dem die Schwengel mit den Zugsträngen 
der Zugtiere befestigt sind. 

Seharrierisen, breites Eisen der Stein- 
metze. 

seharriern, einen Stein mit dem Schar- 
riereisen bearbeiten. 

Scharsee (Sarze'), Chaussee. 

schar warken, arbeiten, herumwirt- 
schaften. 

Seharwarker, Hofarbeiter. 

scharwenzeln, schmeicheln, liebedienern. 

Sehan, Schuh, — Berühmtes Wiegenlied : 
Mukau (Buko) von Haiewerstadt, Bring 
doch usen Kinneken wat. — Wat sali 
ek en denn man bringen ? ~ Ein Paar 
Schau mit Ringen, Ein Paar Schau 
mit Golle beslahn, Da sali nse Kind 
oppe danzen gähn. 

Schauband, Schanbend, Schuhband, 
Schnürsenkel. 

Schanle, Schule. 

Schaaslarben (äauslarbrn), grosse Feld- 
bohne. 

Sehaaster, Schuster. — Bätsei: Tweibein 
sitt op Dreibein. Da kummt Veirbein 



un will Tweibein bieten; da nimmet 
Tweibein Dreibein un deit Veirbein 
smieten. (Schuster, Schemel, Hund.) 

Sehan wark, Schuhwerk. 

Sehäwwerdecker, Schieferdecker. 

Schäwwere f, Schieferplatte; Scherbe. 

Schäwwertehn, spitzer tind übermässig 
langer Eckzahn der Schweine. 

-sehe (-sa), Nachsilbe zur Bildung weib- 
licher Zunamen, ähnlich hd. -in. 
Müllers Frau heisst de Müldersche, 
ebenso Linnemännsche, Beckersche usw. 

Sehei, Scheide. Slachteschei, die Scheide, 
in der der Schlächter seine Messer 
bewahrt. 

Sehei, Scheit, die breiten Leitersprossen. 

seheii, schief. 

sehein, geschehen (dt Süt, 9t ä^x, 9t i^ 
9sain). 

Seheinig (§ainix), Schöningen. 

scheiten (saüij^), schiessen (aiü, ö, ö, ö). 

Schelle, Schale, Pelle. 

schellen (äeln), schälen. 

Schein fä^m), Schatten. 

Schemel (sem9l), Holzschemel. 

schemmerii'h, dämmerig, durchscheinend. 

schemmern, durchscheinen, dämmern, 
schimmern. 

Sehenbein (ä^nbain), Schienbein. 

Schene (§^n9), Schiene. 

Scbene, schlechte Stelle im Äcker. 

schenen (ä^^), schienen. 

Sehepe (^^p9), Schöffe. 

Seheppel, Scheffel. 

scheppeln, einbringen, scheffeln. 

Scherbohm (i^rbc^m), Stange am ein- 
spännigen Wagen. 

Schesf (§^Z9), leichter Wagen, frs. chaise. 

schesen, spöttelnde Bezeichnung für 
gehen, weggehen. 

schett, abweisender Ausdruck; verstärkt 
in scbetterlet^tt. 

sehetterich, bleich, fröstelnd, kränklich 
aussehend. 

Sehenlder, Schüler. 

Schewe (§^W9), die bei der Flachs- 
zurichtung vom Flachs absplitternden 
holzigen Teile. Sie mrd mit Lehm 
vermischt aJs Schewelehm vom Maurer 
gehraucht. 

Schild, Schild, in Schule, im Schilde. 

Schilderhas, Schilderhaus. 

Sehille, Schelte. 

schillen (sihß, schelten, tadeln, schimpfen 
(i, u, u, u). 

schilp, Sperlingsgezwitscher. 

Schimp, Schimpf, Makel. 

schimpen (simpm), schimpfen. 



S9 



Schill (^n), Schein, 

schinen f^^^), scheinen, glänzen. 

Srhinder, Abdecker. 

Schinderie, Schinderei, Anstrengung, 

Quälerei. 
Sehinke /., Schinken m., Schinken, 
Schinkenspeck, Name der Blaumeise. 
Schinn, Kfipf schuppen. 
Schinnen (ätri), schinden, placken, Haut 

abschaben. 
sehir, sauber, rein, klar, de Gaus is 

sau schir, die Gans hat keine Stoppeln. 
schiren (slrn), bebrütete Eier in heissem 

Wasser prüf en, ob ihr Inhalt lebendig ist. 
Sehite, Kot. Sprichwort : schickten Schite 

hen, kricht 'n Schite war, d. h. wie 

es in den Wald schallt, so hallt es 

wieder heraus. 
Schithns, Abort. 
Hchiten ßViith ausleeren, ek will dek 

wat schiten, gewöhnliche Abweisung 

einen Wunsches, 
Schiterie, Durchfall. 
Sehitpanze, gemeines Schimpfwort. 
Sthiwe, Scheibe; Mhrs. Schiben (übin). 
Sehlnmhnm, unordentlicher, lumpige^' 

Mensch. 
Sfhlnnz, lumpiger Mensch. 
schlnnzig, lumpig, unordentlich. 
schlnnzen, lumpig gehen. 
sehlawwerig, gallertartig. 
§€hlawwernf wie Gallert sein. 
Sehmadder^ Smadder, Schlamm. 
Mchmaddeng, schlammig. 
Mchobben ßobrn), kratzen, schaben. 
Schof (s^f), Bund glattes Stroh : Mhrz. 

Schöwe. 
schofel, schlecht, gemein. 
Schollichen, unordentliches, lumpiges 

Mädchen. 
schölen (Sd'hi), im Wasser hin- und 

herschwenken, spülen. 
schon (äc^n), schon. 
schone, schön. 
schonen (sö''^), schonen. 
Schöppe, Schöffe. 
Schoppen ßöpm), schöpfen. 
Sehorf, Ausschlag, Grind; Mhrz. Schörwe. 

wie ne Lus in Schorwe Bitten, einen 
guten Platz haben. 
Seh ort n., Schar, Menge, en Schort Geuse. 
Sehorte, Schürze. 
schörten, knüpfen, anschörteu, zwei 

liänder zusammenschürzen. Knoploch 

schörten, das Knopfloch mit Schleif- 

Stichen umstechen. 
Schose, Sache, Ding, Ereignis. 
Setaosskelle, der Sitz am Ackerwagen. 



Schostein, Schornstein, Esse. 
Schosieinfeger (sostainffpr), Essen- 
kehrer. — Volksreim: 
Schosteinfeger sitt in Locke, 
flicket Biene Schau, 
kumt 'n lüttjek Bäckermäjen, 
süht sau niepe tau. 
Mäjen, wenne frien wut, 
frie en groten Papen, 
kannste lange slapen; 
slöpste lange, warste witt, 
kricht de Pape Lust tau dek. 
Schot (^Ö't), Schoss. 

Schote, grosses wannenähnliches Gefäss, 
in dem das geschlachtete Schwein ab- 
gebrüht wird. 
Schotfell, Lederschürze mancher Hand- 
werker. 
Sehotentoffel, Toffel, Tölpel, Grobian. 
Sehottschen, Folka, schottischer Tarn. 
Schütteibret (söilbrf.t), Schüsselbrett, 
Tablett da hülste ümmer midde op 
en Schöttelbree, das hältst du bei 
jeder Gelegenheit vor. 
Schott eldank, Schüsseltuch. 
Schöttele (sötb), Schüssel. 
Schräge (ärfjd), schiefe Richtung. 
Schramme, Schürfwunde. 
schrammen (sram), schürfen, die Haut 

verletzeti. 
Schrank n.. Schrank. 
Schrapels (äräpdls), zur Fütterung die- 
nende Schnitzel von Kartoffeln, Buben 
u dgl. 
schrapcu (sräpin), schnitzeln, schaben, 

kratzen 
Schranlmns, Spitzmaus. 
schranln, schreien, kreischen. 
schren (sr^n), schroten. 

Schret (sr^t), Schrot, grob gemahlenes 
Getreide. 

schrieben (srlbin), schreiben (li, ai, e, e). 

schrien, schreien, weinen. 

Schriewer, Schreiber. 

schrinnen (äri^i) ; bezeichnet den bren- 
nenden, juckenden Schmerz einer 
Schürfwunde. 

schrög (srö'j), schräg. 

Schröge, schräge Richtung. 

Schröppkopp, Schröpf köpf. 

schruppen (sröpm), schröpfen. 

Schrot, schräg. 

Schrotkörn (sröHkö^rn), Schrotkorn. 

Schrotleire, schräge Stehleiter. 

Schrotsa, Schrotsäge. 

schrnben (ärülfni), schrauben (ü u, ö, ö, ö). 

Schrnfstock, Schraubstock. 

Schrnlle, Eigenart, Laune. 



90 



scliruUich, mit Schrullen behaftet, lau- 
nisch. 

sefarampen (.srumprn), schrumpfen. 

scliraniplig, runzlig. 

Sehrappe, Steintrümmer, die hei der 
Bearbeitung von Steinen abspringen. 

Schrawe, Schraube. 

Selirawwer, Schrubber. 

sehü, scheu. 

Hiihühe^n (süb7n), schieben (a u, ö ö ö), 

^Q\vSi^\ii^t m.f Vogelscheuche ; — ??., un- 
ordentlich gekleidetes Mädchen. 

Schuck, Äufstossen, Auf schluck. 

Schackeborin, Brunnen mit Saugpumpe. 

schueken, den Pumpschwengel in Be- 
wegung setzen. 

Schüddeholt, Gabel aus Holz zum Auf- 
schütteln des Strohes. 

schuddern, schaudern, schauern. 

Schaddernmp, unordentlich angezogener 
Mensch. 

schäddeln, schütteln, schütten. 

Schüddelstanl (südlstaul), grosser Lehn- 
sessel. 

Schüffeie, Schaufel 

Schafkarre, Schaffkarre, Schiebekarre. 

Schäften, schwer arbeiten, anstrengen. 

Schn-klappen, Scheuklappen, 

Schalder, Schulter. 

schulen (süIq,), ängstlich schleichen. 

schUUig (sülix)j schuldig. 

schülpen (sülpm), überschwappen^ über- 
fliessen lassen. 

Schum {Schaum). 

schümen (.^um), schäumen. 

sehiimig, schäumend. 

schuramern, dämmern. 

schummeln, täuschen, überlisten, hinter- 
gehen. _ 

schün (üün), scheuen. 

Schändak, Scheunendach. 

Sehüne, Scheune. 

Schunkel, Schaukel. 

Sehunkelperd, Schaukelpferd. 

schfinnen (Aütj); hei hat inek dat ane- 
schünnt, er hat mich dazu aufgehetzt, 
verleitet, as. anscundian. 

schuppen, stossen. 

schuppen, schaufeln. 

Schuppe, Schaufel 

Schur, Schuppen, Wetterdach. 

Schur, Schauer, Unwetter. 

Schur, Weile, Zeit, ek bin eu Schur 
vorreist ewest. 

Schur ; tan Schure dann, zum Ärger tun, 
jemand einen Streich spielen. 

schüre, schauer, vorm Wetter geschützt. 

Schürlappen, Scheuerlappen. 



schürn (sür^), scheuern. 

schurren (suriß, scharren, surren, mit 
'n Staule schurren, den Stuhl weiter- 
schjeben, sodass dabei durch die Rei- 
bung ein Surren entsteht. 

Schurrhaust, rauher, heiserer Husten. 

Schutt, Schutzbrett am Wagen (vorn und 
hinten). Schütz. 

schütten; insehütten, einsperren. 

Schnttßnhere, Vorstand des Schützen- 
vereins. 

schuttern, erschüttern. 

Sthnw^T ^Schieber. 

Scbuwwejak, Schubbiak, gemeiner Kerl 

schwunken, swunken, schwanken, sich 
biegen. 

schwul, schwül 

se (z9), sie; unbetonte Form. 

sehen (z^bin), sieben, durchs Sieb laufen 
lassen. 

Seckele, SicJiel 

Seckelnkrut Sicheldolde. Falcaria Ei- 
vini. 

Sedeltüg (z^dltüyj, Sattelzeug. 

Sei (z^f), Sieb) Mhrz. Sewe. 

sei, sie. - Das Wort wird immer mehr 
Anredewort und verdrängt ji. 

Seiche, Urin. 

seichen, harnen. 

seik, siech, schwach^ kränklich. 

Seikenholt, ÖrtlichkeiL 

Seikeupeiter, kränklicher Mensch. 

Seims blädder, Blätter von (-assia senna, 
deren Abkochung als abführendes 
Mittel gebraucht wird. 

sein, sehen (ek zai, du zilst; ek zäx, 
vai zat*n ; dzain). 

sein, säen. 

Seisse (zaisd), Sense. 

Seissenkrut, Storchschnabel, Geranium. 

sek (zek), sich. 

Sele (z^U), Fischblase. 

Selschop (zeUop), Gesellschaft, dau mek 
en betten Selschop. 

seltsen, selten. 

seltsen, seltsam zu mute, unwohl. 

Semmele, Semmel 

Semmel wark, Gemisch von geriebener 
Semmel und Schweinsgehirn. 

Semmel wost, Semmelwurst, aas gerührtem 
Gehirn, Semmel und Rosinen. 

Senep, Senf. 

Sepe (ze'pd), Seife. 

sepen (zi^pin), seifen. 

sesse. sechs; vor dem Hauptwort sess. 

sesteine, sechszehn. 

selten (zet^), setzen. 



91 



seakeD. suchen (ek zoik9, du zoxst; ek 

soxtai; 9Z03ct). 
Seale, Salesole, 
Keate, süss. 
Siebt, Gesichtsfeld. in Sicht sien, 

gesehen werden. 
Sie, Kleeseide, Cuscuta. 
Sie. Seite, Speckseite. 
Sie, Weibchen bei kleinen Singvögeln. 
Siedaak, Seihetuch, dünnes Gewebe, das 

zum Durchseihen der Milch dient. 
Siede, Seide, 
sieden, seiden. 
sielen (ztl^), liegen, rekeln. 
sien, sein (bin, bist, is; vai sunt; zl, 

Sit; ek vär; ek vÖr9 ; doest). 
»ien, sein (Fürwort). 
sienieht, seinig. 't sienichte, das Seinige. 
sienesglieken, seinesgleichen. 
»iet, niedrig. 
Siete, Seite. 

Sietoben (zlt <7bm), die niedrige Ver^ 
bindung zwischen Küchenfeuerung und 
Stubenofen. 
§ihn, seihen. 

Hinmeliern, nachdenkett, grübeln. 
SiiBins, Gesims. 
Sitten (zü^), sitzen. 
Sla, grosser Holzhammer, Schlage. 
slaehten (slaxtn), schlachten. Sl achter. 
Slaeke, Schlackwurst. 
Sladderkaram, lappiger Hühnerkamm. 
sladderig (sladriyj, lappig, ohne Halt. 
sladdern, lappig sein. 
Slafittchen, Schlafitclien. einen bie de 

Slafitchen krien. 
Slag (släx), Schlag. 
Slagbohm, Wegschranke. 
Slagedot (slägddc^t), ungeschlachter, 

starker Mensch. 
i^lahn, schlagen (slä, slaist; slaux, sloin; 

9slän). 
Slap (släp), Schlaf. 
Släper, Schläfer. 
.slaprig, schläfrig. 
Slaplüse; dek het wol de Slaplüse, du 

bist wohl müde? 
slapen (släpin), schlafen (slap?, slöpdst; 

siaip, slaipm; isläpm). 
slapp, schloff! 
s läppen (slapm), schlappe)}, am Fuss 

nicht scMiessen. 
Slappslilre, Schleuder. 
Starben (slarbm), Pantoffel, einen Schau 
un einen Slarben, is dat nich tan 
Gotterbarmen. 
Hiarben, auf Pantoffeln so gehen, dasn 
die Absätze auf dem Boden schleifen. 



slarf; dat geiht ümmer slarf, slarf, 

wenn jemand die Pantoffeln schleifen 

lässt. 
slawwern, schwatzen, schlabbern. 
siecht, schlecht. 
Slecker m., nasskalter liegen. 
Slee (sie), Schläge, Hiebe. 
SIee (sle^), Schlehe. 
Slebn, Schlitten. 
slehnen (slem), Schlitten fahren. Wei 

het unsch eslehnt. 
slemmen, schlämmen, Schlamm machen. 
Slemmkriete,. Schlemmkreide. 
slenkern, schlenkern, schleudern. 
Slepe (sl^pd), breiter, niedriger Schlitten 

zum Fortschaffen von Mist u. dgl. 
slepe n (sWpm), Mist u. dgl. schleifen. 
slepen, schleppen. 
Sieufe, Schleife. 
sucht, schlicht, eben, gerade, de Matte 

is slicht vuli. 
Slickerbahne, Schlitterbahn auf dem 

Eise. 
Slickern, Schlittenkufen. 
sliekern, auf dem Eise schlittern ^ 

schusseln. 
slieken, schleichen. 
Slieker, Schleicher. 
Sliem, Schleim. 
slienien (sltm), schleimen. 
sliemig, schleimig. 
sliepig, seifig, dicht, z. B. ein Wasser- 

streifen im Brot. 
sliepen (sHpm), schleifen. 
Sliepstein, Schleifstein. 
slinm, schlimm, unangenehm; wund, 

entzündet, et hat en slimmen Finger. 
Slinge, Schlinge. 
slin^en, schlingen. 
SlinK n., die steinerne Umfassung eines 

offenen Brunnens. 
Slippen (sliptn), Rockschösse. 
Slits, Schlitz! 
SlÖks (sWks), Tölpel, ungeschlachter 

Mensch. 
Slöp, Schleife. 

slope, langsam, sacht, leicht. 
slöpen (slo'p^n), zur Schleife binden, 

schlingen. 
Slot (slfft), Schloss (an der Tür). 
Sloten (slöUn), Schlössen. 
sloten, hageln, schlössen. 
slotewitt, schlohwciss. 
Slöttel (slötl), Schlüssel. 
sla, schlau,' listig, klug. 
Sluck, Schluck: Branntwein, Schnaps. 
Sluck, Kehle, ek hewwet op en Siucke, 

ich kann nicht schlucken. 



d2 



sl ädern, Waren billig verkaufen. 

sinken (slühn), schlucken, 

slnmpen (slumytn), noch gelingen, noch 

durchgehen, et hat grade sau slumpet. 
slnmperwise, zufällig. 
Slnnipsläer, unordentlich angezogener 

Mensch. 
Slfinsel, Schlingel. 
$]nnK m , Speiseröhre. 
Slnnz, Sc hl an z, lumpiger Mensch. 
slnnzich, schlnnzich, lumpig. 
Slnppige (slüjjij»), Zwischenraum zwi- 
schen zwei Gebäuden, Schlippe. 
slnrfen, schlürfen. 

slilren (slüni), schleudern, schlendern. 
slnten (slü'n), schliessen (ü u, ö, ö, ö). 
smächtig, schmächtig. 
Smachtreim, Gürtelriemen zum Festhalten 

der Hosen. 
Smack, Geschmack, de Zappe bat w&r 

(weder) Lack noch Smack. 
smacken, schmatzen, hörbar essen. 
Smadder, Schmadder, Schlamm. 
smaddei ig, schmadderig, schlammig, 

weich wie Schlamm. 
smaddern, schmaddern, im Schlamme 

wühlen; etwas wie Schlamm von sich 

schlenkern. 
smal, schmal. 

Smalhans, Smalhennich, dünner Mensch. 
Smalt, SchmalZy Schweinefett. 
Smaltstücke, Schmalzbrot. 
Smär, Schmiere; Fett 
Smärfinke, schmieriger Mensch. 
Smärhnt, Haut, die das Bauchfett des 

Schweines umgibt. 
smären (smänj), schmieren. 
smärig, schmieren. 
Smärkese, Schmierkäse. 
Smarre, Schmarre. 
smarren (smarn), brennend schmerzen, 

Schmarren. 
smanfen, schmanfen, fortwährend leicht 

regnen. 
Sme (sm^), Schmiede. 
afsmeckig, vom natürlichen Geschmack 

abweichend. 
smeeken, schmecken. 
smehn (sm^n), schmieden. 
Smett, Schmied. 

smen, feucht, weich, geschmeidig. 
smiedig, geschmeidig, biegsam. 
Smiege (smljd), Winkel, bes. stumpfer 

und spitzer. 
smiege, winklig. 
smiegen, schmiegen. 

smilten (smiltn), schmelzen (i, u, u, u). 
Smirgel, Schmirgel. 



smieten (smttn), schmeissen, werfen 
(i i, ai, e, e). 

Smok (smü^k), Feldmohn, Fapaver rhoeas. 

sniöken, rauchen, schmauchen. 

Smöker, Baucher. 

smoren (smifrii), schmoren. 

Smorwost, Schmorwurst, md. Bratwurst. 

smn maken, heimlich aneignen, beiseite 
legen. 

smnek, schmuck, hübsch. 

smnddeln (smudln), regnen, schmutzen. 

snmddelig, unsauber. 

8mnggel, Schmuggel 

smnggeln, schmuggeln. 

Smnrgel, schmutzige Frau. 

smnrkelig, schmutzig^ unsauber. 

smnrkeln, schmutzig machen. 

smntzen, schmutzig werden, düt Tüg 
smutzet. 

snack, schmuck. 

Snack, Schnack, Geschwätz. 

snacken, schwatzen. 

snaeksch, drollig, possierlich. 

Snake, Regenwarm. 

Snalle, Schnalle. 

snappen (snapm), schnappen. 

Snapper, federnder Biegel. 

snar (snär), schlank. 

snarren (snarn), schnarren, Gaumen-r 
sprechen. 

snattern, schnattern. 

Snanr, Schnur. 

Snawel, Schnabel. 

snäweln, schnäbeln. 

snawweln, schnawweln, schnattern, leb- 
haft sprechen. 

Snei, Schnee. 

Sneidaleke, Schneedohle, gewöhnlich 
Bezeichnung d9r Wildgänse, deren 
Geschrei auf den herbstlichen Wander- 
Zügen Schnee verkünden soll. 

Sneikehrl, Schneemann. 

sueikolt, kalt, dass es schneien könnte. 

Sneiplocke, Schneeflocke. 

Sneppsnaur, Peitschenschnur. Siehe : 
Swepsnaur 

snenren (snoirn), schnüren. 

Snieke, Schnecke. 

snicken, im Winde oder durch heftiges 
Weinen den Atem verfangen. 

snickenfett, fett wie eine Schnecke. 

Sniebank, Schneidebank. 

Sniela (snhlä), Lade zum Häcksel- 
schneiden. 

snien, schneiden (i i, ai, e, e). 

snien, schneien. 

Snier, Schneider. 

snippeln, schnitzeln, zerschneiden. 



93 



sijttelieni, schniUen. 

Soitt, Schnitt. 

snöekerD, schnuppern; herumstöbern. 

SDOddfr, Nasenschleim. 

snodderig (snodrix), widersprechend, 

irolsig, 
Snoppe fity Schnupfen; Lichtschnuppe. 
Snoppfütost, jemand, der einen heftigen 

Schnupfen hat. 
snorken, schnarchen. 
Snöttel (snötl), Schlüssel. 
snaben (snüftni), schnauben. 
snacken, schluchzen. 
Snaifdaak, Schnupftuch. 
SniiflV], neugieriger Mensch, der überall 

herumschn öckert. 
SDuffeln, schnüffeln, schnobern. 
Snntfiaback, Schnupftaback. 
Snarl, Membrum virile. 
Snurrbart, Schnurrbart; auch SmirrwickB. 
snarren (snur%i), schnurren, sausen; 

betteln, erbetteln; lügen. 

Snurre, Lüge. 

SDnrrig, schnurrig, seltsam. 

Snartehen, buntes Bändchen. 

Sonte, Schnauze. 

Snateken, liebkosende Benennung. 

Snutentiig, Mundwerk. 

Sockel m., Hausschuh aus Filz oder 
Gewebe, einen mit 'n Socken ekräggen 
hebben, einfältig sein. 

socken, herumlaufen. 

Söe, Sau. 

Soff, unangenehmes Getränk. 

Sohle C^ö^fe;, Sohle; Sole. 

sollen (zöl^), sollen (ek zal, du zast, 
vai zöU; ek eob, du zost; 9Zolt). 

Solt (zurit), Salz. 

sollen (z&'U^), salzen. 

soltrig, salzig. 

Sohn (zifm), Saum, 

Hohmen (z3*m), säumen, einfassen. 

Sommersaat,' Sömmerkohrn, Sommer- 
getreide. 

Sömmerweiten, Sommerweizen. 

söen (zo*n), saugen. 

Sohne (z^n»), Sohn. 

Söhneken, Söhnchen. 

Sohnemann, Sohn, Bursche ; meist scherz- 
haft drohend gebraucht. 

Sönndag (zöndäx), Sonntag, 'n Sünndag, 
nächsten Sonntag. Sönndas (zöndäs), 
Sonntags. 

Sonndasche (zöndä.^?), Sonntagskehle, 
Luftröhre, hei bat wat in de Sonn- 
dasche kreggen, ihm ist eine Krume 
in die Speiseröhre geraten. 



sohr, trocken, dürr, wei het sohrn Wind, 
austrocknenden Wind. 

Sohrbrennen, Sodbrennen. 

Spachtel (spaxU), Spatel, vorspachteln, 
verzehren. 

Spahn, Spaten. 

Spann, Fussrücken. 

Spanuholt, Spannknäppel, Knüppel, mit 
dem man ein Seil straff spannt. 

Spannkedde, Kette, mit der bei schwerer 
Ladung die Wagenhorte zusammen- 
gehalten werden. 

Spannreim, Knieriemen des Scliusters. 

Spannwark, Gespann, Fuhrwerk, hei 
is mit Spannwark da. 

Sparbasse, öparbüchsc. 

Spardnks, Sperling. 

Sparenzken, Spässe, Wippchen, dumme 
Streiche. 

Sparling, Sperling. 

sparrangelwiet, sperrangelweit, so weit 
wie die Angeln zulassen. 

sparrbeinig, breitbeinig. 

Sparren (sparn), sperren. 

Sparre, Sparren, Latte; Dachsparre. 

Sparrholt, Sperrholz zum Zusammen- 
halten der Wagenhorte. 

Spat (spät), Pferdekrankheit. 

Spaak, Spuk. 

Spanle, Spüle, Feder spule. 

Spaulworm, Spulwurm. 

Spann, S2)an, Holzspan. 

spei, zurückhaltend, schnippisch. 

Speike, Speiche. 

Speil, Spiegel. 

Speck M , S2)eck m. 

Spei (spf^l), Spiel. 

speien (sp^lnj, spielen. 

Spelge, Pßnumensorte. 

Spelte, Apfelschnitte. 

Spelwark, Spielwerk. 

spendawel, freigebig. 

Spendierhosen anehebben, freigebig sein. 

8peak«*n, spuken. 

Spenkedinges, Spuk, Gespenst. 

Spenlige (spoVUp), Ort zum Spülen der 
Wäsche. 

spenlen (spoil^), spülen. 

Spiele, Speile, dünnes Holz zum Schliessen 
der Wurst. 

Spiereken n, wenig, bisschen. 

Spiese, Speise. 

spiesen, speisen. 

Spiet, Spott, Schimpf. 

spieten (spVri), spotten. 

spildern, schwächlich, bei is man spil- 
dern, von zartem Körperbau. 

Spillen tilg (spilntüx), Spille, der bügeU 



94 



förmige Teil des Spinnrockens, auf 
den die Rolle gesteckt wird. 

spinnen tom), spinnen (i, u, u, u). 

Spinne wer (spiudvff), Spinngewebe. 

Hpitakeln, Spektakel machen, schimpfen. 

Splete (spl^td), abgesjjalteneSf biegsames 
Hole, wie es zum Flechten grosser 
Körbe und zur Herstellung von Fach- 
werk und Zimmerdecken dient 

splieten (spllt{i), spalten; Feddern af- 
splieten, Federn schleissen, die Kiele 
von den Fahnen befreien. 

Splitt n., Splint. 

Splittere f., Splitter. 

Spop (spffr) n., Spur, Fussspur, Wagen- 
spur. 

SpOP, der gaffelartig gespaltene Balken, 
der unter dem Wagenboden liegt. 

Kpopen (spifrn); de Wahn sport, der 
Wagen ist so breit wie andere, sodass 
seine Räder in der allgemeinen Wagen- 
spur laufen. 

spöpen (spo^rn), spüren. 

sppein, sprühen. 

sppeken (sprfkn), sprechen (fi, ö, ö, ö). 

Sprenkel, Schlinge, Vogelschlinge. 

sppenklig, bunt gefleckt, getüpfelt, 

Sprick, Sprache, Sprachton. bei hat 'n 
düchtigen Sprick, er spricht laut und 
eifrig. 

Sppitcbe /., Spritzer. 

Spritehen, spritzen. 

Sppot (spröH), Eiersprott. 

Spucke, Speichel. 

spunnen (spmi); inspuzmen, einsperren, 
gefangen setzen. 

Spnnnige (spuniß), Bettstelle. 

staekeln, mit einem Stecken, einer Stange 
hantieren, lat unsch en paar Swetschen 
afstackelü. 

Stahl n., die untern Schichten der auf- 
einandergepackten Getreidegarben. 

Stake /., der starke Stamm der Saatrübe. 

stak ig, wie ein Stock, steif, U7ischön 
gebaut. 

Stakitt, Staket. 

Stak Pen we, Saatrübe. 

statin, stehen (ä ai, u, u, ä). 

stallen (stahi); se könnt sek nich stallen, 
sie vertragen sich nicht. 

Stank, Gestank. 

Stand; in Stanne sien, im Stande sein. 

Stappe, Faatstappe, Fussstapfe, Spur. 

stappen (stapm), tappend, unsicher, mit 
kurzen Schritten gehen. 

starben (starl/in), sterben (a, o, o, o). 

Stapf; op Starf köpen, ein Tier in der 



Voraussicht kaufen, daM es sterben 
wird. 

stätsch, städtisch, vornehm, fein. 

Stanl, StuM. 

Staupe, Stufe, Treppenstufe. 

Stawel, ein eiserner, in die Erde ge- 
triebener Keil, auf dem die Sense ge- 
klopft wird. Ein Qaereisen verhindert 
das zu tiefe Eindringen in die Erde. 

Stäwwel, Stiefel. 

Steckerling, Stichling. 

stecklig, punktiert, getüpfelt. 

Stee (si^), Steile, Stätte; in Ortsnamen 
für Endung -stedt. 

stMen (stfJjjt), stehlen (f, ö, ö, ö). 

Steip, Örtlichkeit: steiler Weg. 

Stehe (st^k9), Stichfleisch. 

Nteken (stekan), stechen (ek stekd, du 
stikast; st(fk, stifkan; astö'kan). 

Stekep, Riegel. 

Stehl (steU), Stiel. 

Stelage (stehVit?), Gestell. 

Stell, Gestell. 

Stellmakep, Stellmacher. 

stemmen (stem), meisseln. 

stemmig, stark, kräftig. 

SIemmiesen, Stemmeisen. 

stenkepn, Streit suchen. 

stennig, ständig. 

Stentsen, jemand zur Ordnung weisen, 
tadeln, verjagen. 

Steppel, Steppele, Stoppelfeld. 

Stenrkettel, Kasseroi mit Stiel. 

Stehpn {si^rn), Stern. 

Stehpt, Schwanz, Stiel. 

Stehpttitsche, Kaulquappe. 

Stich ; de Botter hat'n Stich, die Butter 
beginnt ranzig zu werden. 

sticheln, reizen, foppen. 

Stidde, Statte, Stelle. 

Stie /., Stiege, zwanzig Stuck. 

stiebitzen, entwenden. 

stieben (stlbm), stärken, steifen. 

stief, steif. 

Stiefel, Stange. Bohnenstiefel (bifn- 
sllfA), Bohnenstange. 

Stiefel bohne, Stangenbohne. 

stiefeln, rankende Pflanzen mit Stangen 
versehen. 

Stief sc hot, ungelenker Mensch. 

Stieg (stiyj. Steig, Fussweg. in Stie, 
auf dem Fusswege. 

stien, steigen (ek stl, du stixst, vai stit; 
ek staix^ vai steßn; astejan). 

Stiene, Christine. 

Stiets, kleiner Bretterverschlag. 

Stiewe, Stärke. 

stiewein, marschieren. 



95 



Stiekbeere, Stachelbeere. 

stickeD, ersticken. 

Stirken m., Pflock, Riegel, Hölzchen, 
Stäbchen (Stricknadel, Streichholz). 

stifkendiister, sehr dunkel. 

stickennaclif, dunkle Nacht. 

.stille, still, stille Friedag, Karfreitag. 
stille Woche, Karwoche. 

Stilleken. still 

sti Ileus wieoH (stUj^wlns), Stillschweigens. 

stinken, übel riechen. 

Slippe /., Blütchen, Hautunreinigkeit. 

Stippe, Stippeis, Tunke, Sosse. 

stippen (stipm), tunken, eintauchen, 
titschen. 

Stippeding, Wassernäpfchen am Spinn- 
rocken zum Benetzen der Finger. 

Stipstoreken, kleine Geschichten, Anek- 
doten. 

stob<^ndig vnll sien, gestopft voll sein, 
ganz und gar gefüllt. 

stöben (sto'bm), stäuben. 

Stof (slfff), Staub. 

Stoffel, Christoph. 

stoekedof, dumm, beschränkt. 

Htockedäster, sehr dunkel. 

Stolperjoehen, Stolprian. 

Stolt, Stolz. 

Stölten (stöltiO, Stelzen. 

Stoppen (stopm), Leinwandnutsch. 

stoppen, stopfen, 

Stöpsel, Pfropfen. 

stören (sto'rn), stören. 

störten (stör in), stürzen. 

Störten (sto^rln), die untern Enden der 
Getreidehalme in der Garbe, oben 
Bund de Ähre an unneo de Störten. 

stossen (st(fs9n). Steine mit einem spitzen 
Werkzeug grob behauett. 

stöten (stoUn), stossen. 

stottern, stottern. Stötterbock, Stotterer. 

Htöwern, stöbern. 

Btöwig (sto*wix), staubig 

strakeln, räkeln, wälzen. 

Strale /., Leitersprosse. 

stramaen (stram), das Gefühl des 
Strammseins erzeugen; enge Hosen 
z. B., oder Haut über einer Geschwulst 
„fitrammen". 

strapzieren, anstrengen. 

Slrate, Strasse. 

Stran, Streu. ■ 

strann, streuen. 

Stree (stre^) f., Schritt. 

streen (str^n), schreiten. 

Streke, Euterzitze; Sensenschärfer. 

Strensrhe, kleine Handspritze, meistens 
aus dem Holze des schwarzen Flieders. 



strenschen, sjnrilzen. 

s treppein, abstreifen z. B, Blätter vom 
Zweige. 

strettfen, schweifen, umher streifen. 

Strewe (slr^w»). Strebe, Stützbalken. 

Striegel (strljdl), Striegel. 

strieken, streichen, glätten; malen; 
massieren. 

Striekstioken, Streichholz. 

Strien, streiten (l, ai, e, e). 

Striepe f., Streifen, hier haste ne Striepe 
Kauken. 

striepig, gestreift. 

striepen (strlpm), streifen. 

Striet, Streit. 

Stripse, Hiebe. 

stripsen, schlagen. 

stripp-strapp-strnll, Ablautbildung zur 
Bezeichnung des stossweisen Hervor- 
quellens der Milch beim Melken. 

strömen (strcfm), umherschweifen, hei 
is en ganzen Dag in Felle rumme- 
strömet. 

stromern, Landstreicher sein. 

Ströpke (stro^pkd), Ströbeck. 

Strote, Luftröhre. 

straf, rauh, widerstrebend. 

Strnk, Strauch. 

strallen (struln), rinnen. 

Stramp, Struni2)f. 

Strumpsoeke /., der untere Teil des 
Strumpfes. 

Strank, Stumpf, Best einer Pflanzen- 
staude. 

strnwelig, rauh, zottelig, wirr. 

Struvvelkop, Kopf mit wirrem Haar. 

Struze/, Urauss, Büschel. 

Strazlereke, Haubenlerche, 

Stnbendör (stübmdo*r), Stubentür. 

Stücke, Stück, jif mek en Stücke Kau- 
ken. — Brot, Bemme, ek ete 'n Bot- 
terstücke - Acke^-plan. op einen 
Stücke hewwe Gasten stahn. — 'n 
Stücker teine, ungefähr zehn. 

Stäekschen, Geschichte, Anekdote, Er- 
eignis, hei kann schöne Stückschen 
vorteilen. 

Stak (stak). Stauch, Stoss. 

Stake f., Flachspuppe; Wurzelstück, 
Strunk, Stumpf. 

staken, stauchen, stossen, — utstuken, 
die Wäsche ausstauchen. 

Staken m , Baumstumpf, Knorren. 

Stalpe f., Manschette. 

stülpen (stülptn), stülpen. 

Stiilpstiieke, aus zwei Schnitten zu- 
sammengelegte Bemme. 

Stalpstäwwel, Stulpenstiefel. 



96 



Stümmeke, Stummer. 

stamp, stumpf. 

stampen (stumpm)^ stampfen^ zerstossen. 

Stnniie, Stunde. 

Staus, Stündchen (siüns^n), Hölzgefäss 
mit aufrechter Handhabe. 

Htappen (stupin), stossett, stampfen^ 
stapfen. 

StiiP, Steuer. Holt Stür, zähme dichy 
sei nicht voreilig. 

starr, starr, aufrecht. diene Haare 
staht sau sturr. 

stttrmeo (stürm), die Feuerglocke läuten, 

8tarrsch_, kurz abgebrochen, starr. 

Stiit (stüt), Hinterteil beim Geflügel. 

Stats ; hei kam op en Stuts, er kam 
unerwartet. 

Stt, Sau. 

SadieSHel, Kratzdistel^ Cirsium. 

süfzen, seufzen, 

sfifzen ; eine Wunde scheidet Wasser aus. 

sttfzieli ; die Wunde ist feucht. 

sfilbeo, selber. 

sülf, selb, sülfander, zu zweien; sülf- 
dridde usf. ~ sülfgespunnen Gahrn, 
selbstgesponnenes Garn. 

Säle, Säule 

Süll, Tärschwelle. 

SttUe, Sülze. 

Siilwep, Silber. 

siilwern, silbern. 

siilwest, selbst. 

sümen (züm.)^ säumen, zögern. 

)!>WBii[kd\i^VL^ (zunähmt), Sonnabend. 

Sonne, Sonne. 

Sänne, Sünde. 

Sannenknicker, Sonnenschirm. 

sännigen, sündigen. 

Sannenscbien (zun.^n), Sonnenschein. 

sünd, sind. 

sapen (züprn), saufen (züp9, zupdst; 
z(fp, zÜ'pm] dzifpm). 

Super, Säufer; ebenso Suput, Saufaus. 

sar, sauer. 

Sar, Essig, swart Sur, Schwarzsauer. 

Sardeich, Sauerteig. 

Sürken (zürk9n) n., Pustel, Blüte. 

särlich, säuerlich. 

süren (zürn), säuern, Mehl mit Sauer- 
teig vermischen. 

sarpötsch, sauertöpfisch, missmutig. 

Surtappen (sürtaprn), Zapfen im Essig- 
fasse; nur gebräuchlich in der Redens- 
art: du hast dek en richtigen Sur- 
tappen edreit, — dien Kipp is wie 
en Surtappen, d. h. du hast dein 
Haar recht hoch und spitz zusammen- 
gedreht. 

Sus (züs)y Saus. 



säs (züs), sonst, früher. 

snsen (züz9n), sausen. 

Sastarwe, grosser Becken zum Zusammen- 
harken des Getreides, das nach dem 
Binden der Garben noch liegt. Das 
Gesammehe heisst Su starweis. Zeit- 
wort sustarben (züstarbrn). 

Saswien, Sau im Gegensatz zum Kem- 
swien, dem männlichen Tier. 

8 wach (swax), schwach, gebrechlich. 

S wache (sweyiji), Schwäche. 

swächlich, schwächlich. 

Swager, Schwager 

Swale, Schwalbe. 

Swalekennest, Schwalbennest. 

Swamm, Schwamm. 

Swan, Schwan. 

swanen (swän), schwanen, vermuten, 
Vorgefühl haben. 

Swanz, Schwanz. 

Swänseken (swenz^kdn), Schwänzchen. 

swänzeln, schwänzeln. 

Swanzgeld, Trinkgeld beim Verkauf 
eines Tieres für dessen Wärter. 

swapp, schwapp, plötzlich, mit einem 
Male. Swapp, war de Dör tau. 

swar, schwer, swörder, swörst. 

Sware, Schwarte. 

Swäre, Geschwür. 

Swärebrett, Schwärebrett, Entru.^tMngs- 
oder Verwunderungsausdruck. 

S Wäreken, gekochte Schwartenstückcken. 

Swarm, Schwärm. 

s wären, eiti Geschwür bilden. 

swart (swart), schwarz. 

swartbant, schwarz gefleckt, wei het 
ne swartbunte Kau 

Swat, Schwaden, die Getreidemenge, die 
auf einen Sensenhieb fällt. 

swaiil, schwül. 

swawweln, schwawweln, schwatzen, Ge- 
rede machen. 

Sweffel, Schwefel. 

Sweffelsticken, Streichholz. 

Swenge, Fntterswenge, flaches, gefloch- 
tenes Gerät, mit dem man den Pferden 
Futter in die Krippe schüttet. 

S wen gel, Schwengel. 

Svveppe, Peitsche. 

Sweppsnaur, Sneppsnaur, Peitschen- 
schnur. 

Swester, Schwester. 

Swet (sw^t), Schweiss. 

sweten (sw^in), schwitzen. 

Swetsche, Zwetsche, getcöhnliche Pflaume. 

Swiemel, Taumel, Schwindel, Ohnmacht. 

8wi<>melig, swümelig, schwindlig, 

swiemeln, sehwiemeln, liederlich leben, 
in den Kneipen liegen. 



97 



Sniemler, Sehwiemler, Lebemann. 

Swien, Schwein. 

8wieD, schweigen (eJc swl, du swiyjsl; 

8wai)(^ 9weßn; 9swej9n; imper. sunXt 

swU), 
Swieneegffel (8wtn9^9T), Schweineigel; 

ebenso Swienepnckel. 
8 willen, schwellen, ansehwellen (i, u, u, u). 
Hwinnen (sufi'^), schwinden (i, u, u, u), 

▼orswinnen. 
swingen (swiwn), schwingen ; technischer 

Ausdruck bei der Flachsbearbeitung: 

den Flachs über das „Swingebret** 

schlagen. 
Swingebret (swiwbrft), Schwingebrett. 
swinne, gesehwind, schnell. 
Swalst, Schwulst, Geschwulst; Mühe. 
swümelig, schwindlig. 
swümmen (swüm), schwimmen. 
Swiirken, gekochte Schwartenstückchen. 

Daraus SwürkenwoBt. 
't, es; verkürst aus et. Wenn't (vent) 

gut geit. 
tft (tA), da, sieh, ta, da hastet, 
ta, zu: unbetonte Form von tau. ta 

Wienachten, su Weihnachten; tar 

Tacht, jsur Zucht; tan Huse rut, sum 

Hause hinaus. 
ta<*h (taa;)f zähe. 
Tar he (tax9), Hündin. 
Tachtcl, Ohrfeige. 
taehteln, ohrfeigen. 

Tacke /., Zacke, Zacken, Spitze {Gewebe). 
Tacken m., Zacken, Zweig, Ast; Menge. 

Hast 'n schönen Tacken egetten. 
tafeln, essen, speisen. 
Tafele, Tafel. 

Takel, Takeltiig, Gesindel, Pack. 
takeln, optakeln, aufputzen, geschmack- 
los und überladen kleiden. 
Tal, Zahl. — nich de Tale komen, das 

Vorgesetzte nicht erreichen, das Er- 
wartete nicht erfüllen» 
Tal n., bestimmte Menge Flachs, drei 

Luppe war Tal, d. h. soviel musste 

jeder spinnen, 
taletzt, suletzt. 

talfen, grob, ungeschickt packen. 
talpsen, wie talfen. 
tan (täm), zahm. 

tarnen {tfrn), zähmen, zurückhalten, zügeln. 
tarnen (tfm); sek t&men, sich gönnen, 

sich zu gute tun. hei tarnet sek ok 

garnist. 
Tange, Zange. 
Tapet (tape't); opt Tapet bringen, zur 

Sprache bringen. 
tapen (täprn), müssig necken, se tapet 
desamme* 

NiedardeatBohes Jahrbuch XXXIY. 



Tappe, Spur, Stapfe. 

Tappen (tapin) m., Zapfen. 

tappen, zapfen, 

tappen, ertappen. 

Taps, Dummkopf, Tölpel. 

tapsen, fest auftreten, schwerfällig gehen. 

Tassendop, Obertasse. 

Tatere (tätara), Zigeuner. 

Tätgeld (tfkieh), Zehntgeld, der Zehnte. 

tan, zu, af nn tau, ab und zu. Die 
unbetonte Form ist de (d?j, bei An- 
gabe des Zieles ta, te. de Vader is 
de Hus. — Segg 'undag tan Vader. 

Tandat (taüdät), Zutat, Beigabe. 

tanvel (taüf^l), zuviel; devel (d^feTl), 
zuviel. 

Tanvortrnen, Zutrauen. 

tankrien, Zugabe erhalten. Otto hat 
wat taukreggen. 

tanloben (taülö^bm), geloben, versprechen. 

tanschrieben (taüMbm), testamentlich 
zusagen, vererben. Sei hat ne et Hus 
tauschriehen laten. 

Tanseinder, Zuschauer. 

Teckel, Dackel; krummbeiniger Mensch. 

teckelig, krummbeinig. 

teckeln, gehen wie ein Dackel. 

tei (tai), zähe. 

teiken, zeichnen, bezeichnen, ein Zeichen 
machen. 

Teiken n., Zeichen, Mal. 

Teile, Ziegel. 

Teilie, Ziegelei. 

teine, zehn; adjekt. tein. 

teinte, zehnte. 

Teite, Teitje, Voter. veraltet. 

Tek (t^k), erhärtete Wagenschmiere. 

Teke {t^kd), Zecke. 

Telder, Teller. 

teilen (tely,), zählen. — vorteilen, er- 
zählen; Vorteilige, Erzählung. 

Ten (ten), Zahn. 

tennen (teij), zinnen, aus Zinn. 

Teneweida, Zahnschmerzen. 

Teepot, törichter Mensch. 

teeren (tern), zehren. 

tenben (toibm), warten, hei teuwet niche. 

tenf ! warte! Ausruf der Befriedigung, 
wenn man einem etwas angetan hat. 

Tewe, m. u. f., Hund. 

ticken, picken, Futter aufpicken. — 
anticken, leise berühren. 

Tie, Name einer Feldmark dicht am 
l)orfe (ohne Erinnerung an die ge- 
schichtliche Bedeutung). Er war vor 
der Ackerseparation 1849 Brachland, 
genannt Welderwenne. 

tiedig, zeitig, früh. 

Tiet, Zeit. — da wart einen Tiet un 



98 



Wiele lank. — wat istn anderttt? wie 
spät ist es? 

Tietvopdricf, Zeitvertreib. 

tilfeutcben, ungeduldig etwas begehren. 

Timmermann, Zimmermann, 

timmerD, zimmern. 

Timpe], Stapel, Haufen, 

timpeln, stapeln, aufeinandersetzen. 

TinDe, Zinke am Becken. 

Tinshahne; wie 'n Tinshahne sien, auf- 
geregt sein. 

tippen (tipm), mit der Fingerspitze be- 
rühren, tupfen. 

tippeln, mit kleinen Schritten schneU 
gehen 

Titten. Tittchen, weibliche Brüste, 't 
Kind kricht 'n Tittchen. Bei Tieren 
gebraucht man meistens nur Titte, 
Mhrz. Titten. 

Tiwwetat, Deputat. 

Töbaek, Tabak, Tabak. 

Toch (tox) m., Bügel an der Sense zum 
Mähen von niedrigem Getreide. 

tockeln, ruckweise ziehen, zerren, zügeln, 

toeken, ziehen, zupfen; umziehen. 

Töekerie, Zögerung. 

töckern, zögern, verweilen. 

Toffel, Tölpel. 

Toggel, Töggel (töjjl), Zügel. 

toggeln, zügeln. 

Toll, Zoll, Mass. 

Toll, Zoll, Abgabe; Zollhaus. 

Töle, f., Hund. 

Tolle, t« die Stirn herabhängendes Haar. 

Töllegen (töbjdn), Zweig, Ast. 

Tollen (tolii), Zollhaus. 

Tollstock, Zollmass. 

Tollpatseh, Tölpel. 

Tom (t(fm), Zaum. 

tömen (to'm), zäumen. 

Ton (tiTn) m., Zehe. 

Topp, Knäuel Fäden oder Haare, da 
liet 'n Topp Flafs. 

Torf, Basen. 

Torkappe], Kürbis (türkischer Apfel). 

Torkel, Tnrkel, Glück, Dusel, Zufall 

torkschen Weiten, Mais (türkischer 
Weizen). 

Tom (t<rrn), Turm. 

Tort, Unrecht, Schaden, Ärger, hast 
mek en schönen Tort anedahn. 

Tost (tost), Büschel, Knäuel, 'n Tost 
Haare, ein Büschel Haare. 

töweik {to'-vaik), windelweich. 

Towelkiepe (tifwMipa), Towerkiepe, 
schachtelfurmige, geflochtene Kiepe oder 
Tasche, in der die Feldarbeiter und 
Knechte ihr Brot mitnehmen. 

traffen, schwer gehen, stark auftreten. 



Tramp andann, zwingen, ek mot ne 
erst 'n Tramp andaun, siis kummete 
nich. 

trampen (trampin), treten, geräuschvoll 
gehen. 

Trane, Träne; Mhrz. Tranen (trä^). 

tränen (trän), tränen, de Oen tränt mek. 

Tranfanzel," trübe Lampe. 

Tränt, Zusammengehörigkeit, in einen 
Tränte, in derselben Beihe, im selben 
Büschel, an einem Stiele, von gleichem 
Alter usw. 

Trappe, Fussspur. 

trappen (trapni), geräuschvoll auftreten. 

trawalgen, schwer arbeiten, abmühen. 

Trechtel, Trechter, Trichter, 

trechteln, durch den Trichter giessen. 

Treckeborm, Ziehbrunnen. 

trecken, ziehen. Torträcken, Buben 
verziehen. 

Treekekau, Ziehkuh. 

tren (trfn), treten (ek trf, du tritst; ek 
trat; 9trfn oder 9tred^). 

Trense, einfacher Zaum, Lenkriemen. 

Triene, einfältiges Mädchen. 

Tritt. Stufe. 

Troddel (trodljf (Quaste. 

Trödelie (tro'dll), Saumseligkeit, Bum- 
melei, 

trödeln {tro'dln), säumen, zögern, bum- 
meln. 

Trog (trox), Trog ; Mhrz. Trögge (tröjo). 

Tropp, Tropf, Einfältiger. 

Tröpken, Tropf. 

tru, trü, treu; einfach, et is ne truo 
Seele. 

Trale, Trüle, Bolle, Bädchen. 

trnlen (trüln), triilen, rollen, ein Bad 
laufen lassen. 

Trnlrad (trülrät), Bad, dns die Kinder 
laufen lassen. 

Trnmmele, Trommel 

trnmmeln, trommeln. 

Trnmpeite, Trompete. 

Trnmpeiter, Trompeter. 

trampelten, trompeten. 

trnn, trauen, glauben, ehelich verbinden. 

Trnr, Trauer. 

trnrig (trüri-/), traurig. 

trnren (trünj), trauern. 

Trnwel, Trubel, Unruhe, Gedränge. 

Tnbben {tubtn), Gefäss aus Holz mit 
aufrechter Handhabe (Stünschen). 
Melktubben, Milchgefäss. 

Tucht, Zucht; Nachkommenschaft, Fort- 
pflanzung, ek will en paar Heunder 
tar Tucht. 

Tack, kleines Stück, Bück. Feure noch 
en Tuck tau, fahr noch einen Bück zu. 



99 



tofkem; der Hahn tuckert^ ioenn er 
die Hühner lockt. 

turksch, schmollend, verdrossen, unzu- 
frieden. 

tickHchen, schmollen, böse sein. 

Tuffele fit., Pantoffel 

täfteiD, tifteln, grübeln, nachsinnen, 
probieren. 

Tilg (tüih Zeug, Gerät, Sache. — watt 
et Tüg holen will, im höchsten Grade. 

Tülle, Ausflussröhre an Kannen, Aus- 
gussrinne an Töpfen. 

Tan, Zaun; Mhrz. Tüne. 

Tander, Zunder. 

Tange, Zunge. 

Tonköniff, Zaunkönig. 

Tanne, Tonne. 

Tanpal (tünpäl)^ Zaunpfahl, mit 'n 
Tunpal winken. 

Tappen (tupm), kleines Waschfass. 

Tur, Gang, tlmgang. hei hat in einer 
Tar herekncket. 

tarich (turiyO, langsam, zögernd, 

Tarkel, Glück, Dusel. 

taren (turn), langsam gehen, schlendern. 

tarren (turn), fliegen, surren, da turrt 
de Sparling hen. 

Tarrniks, Turnips, Futterrübe. 

Tasfh (iü,^), Tausch. 

tasch sien (tu.s sin), matt, niederge- 
schlagen, gedemütigt sein. 

tascheln, wispern, zusammen flüstern. 

laschen (tüs^n), tauschen. 

tasrhen (tuit^n), maletif färben. 

tasfhen (tustn); einen wat antuschen, 
einem etwas auswischen. 

tatcken (tütx^n), weinen. 

Täte, Tüte, Düte. 

taten (tütn), blasen. 

Tatkörn (tütho^m), Blashorn. 

twei, zwei. 

tweidawwelt, vierfach. 

tweit, zweit, ta tweit, zu zweien. 

twep (twe^r), quer. 

TwePB (tw^rn), Zwirn. 

Twete (tw^te), Gasse, enge Strasse. 

Twiebaek, Zwieback. 

Twiefel, Zweifel. 

Twieg (twlO, Zweig. Siehe Twien. 

Twien, Zweig. 

twienbiestern ; in twienhiestern sien, im 
unklaren, verwirrt sein. 

twierlei, zweierlei. 

twiesläpern, zweischlöfern (Bett). 

TwiUinge, Zwillinge. 

Twillingsmest, Messer, dessen Fabrik- 
marke ein Zwillingspaar zeigt. 

t winden, zwingen, bezwingest (?, m, «, u). 

twintig (twintiyOf zwanzig. 



twischen, zwischen. 

TvviNchenstiicke, lange Steine, die bei 

der Grabeinfassung die Querstücke 

verbinden. 
twölewe, zwölf; adjekt. twolef. 
Üben (ubm), enben (oibm), üben (ek 

UW9; 9UW9t), 

tth, Zuruf an Ff er de, um Anziehen zu 

veranlassen. 
Ule, Eule. 

Ulenklnster (uti^klüstsr), Sonderling. 
lllenpingesten, nie erscheinender Tag, 

auf den man jemand vertröstet. 
Ulenspeil, Narr, 
um, nmme, um. Umme mek brukeste 

keine Angest de hebben. — dat is 

umme, da geit 'n sek umme, das ist 

ein Umweg. — In Verbindung mit 

einem Zeitworte stets umme. umme- 

binnen, ummegraben usw. 
Ummedriewers, Gänse, die vom Händler 

von Dorf zu Dorf getrieben und aus- 
geboten werden: Kopgeuse. 
timmer, immer. 

Ummerant m., Umstände, Wirtschaft. 
Ummesein n., Augenblick, in Ummesein 

wäre weg, im Handumdrehen war er 

weg. 
nmmeHingen, Neujahr von Haus zu 

Haus gehen und singen. 
Ummestänne, Umstände. 
nmmestnken, die Flachspuppen umstellen. 
uiiniesä's, vornmmesäH, umsonst. 
un, und. 
nniier, unter. 
nnderdes, unterdessen, 
Ünderhose, Unterhose. 
Ünderkolrabich, Unterkolrabi. 
Tnderlat; alle Underlat, fortwährend, 

häufig, hei kummet alle Underlat. 
nndernander, untereinander. 
uneins, uneinig. 

unferig (unfe^rix), entzündet, wund. 
Unflat, Schmutz, Kot; tolpatschiger 

Mensch, mhd. vlät, Schönheit. 
unflätsch, ungestalten. 
Unfpee, Unfriede. 
nngenearen (unjonoim), ungeschliffen, 

unbescheiden. 
nnnen (un), unten. 
unreine, unrein. 
unsch, uns. 

use (ÜZ9), unser, unse. 
usieht, unsrig. 
ut, aus. Bei Bezeichnungen des Zu- 

Standes, der Dauer heisst es ute. Vgl. 

op, oppe. — Drink ut. Ek hewwe all 

Ute — uteblieben. 



100 



ntbrin^en, ausbrüten, de Klucke bringet 
hüte ut. 

utvorsehämt, unverschämt, unbescheiden, 

uthaan, ausschlagen (Pferd); verhauen; 
gut gehen, reichen (Geld): wenn dat 
man uthaut ! meisseln, Schrift in den 
Stein hauen: ek mot noch en Namen 
uthaan. 

atkalmüsern, herausfinden, lösen, aus- 
tifteln. 

ntkomen, aus dem Ei kriechen. 

ntlüchten, Pflaumen auskernen. 

ntmaken, reinigen, 'n Diek utmaken, 
den Teich vom Schlamme reinigen. 

nt messen, den Stall vom Mist reinigen. 

ntenander (ütnandar), auseinander. 

üter, ausser. 

ntpannen (utpai^)^ auffänden. 

Ütsche (üt§d), Frosch. 

Ütschenleik, Froschlaich; eine Fadenalge. 

Ütschenstaul, Pilz. 

Iltternng (üt-terunk), Schwindsucht. 

ntwein, auf^jäten. 

ntf ringen, auswinden, wringen. 

Wa/., Wade. 

Wa /., Wage. 

Wa m., Wan (vän), Wagen. 

wachten (vaxtn), wachen, bewachen, 
Wächter sein. 

Wachsdank, Wachstuch. 

wackeln, schwanken, bewegen. 

wackelig, wackelnd, nicht fest stehend. 

Waddeke /., die beim Käsemachen 
zurückbleibende Milch. 

wädderlich, widerlich. 

wäddern; de wäddern, zuwider, über- 
drüssig, hei hat sek Smalt dewäddern 
egetten. 

waken (väksn), wachen. 

wäldag (vfldäx), ausgelassen, übermütig, 
mndd. weldage, herrliches Leben. 

walig (välix)t übel, schlecht zu mute, 
ohne Appetit. 

walken; einen vorwalken, jemand ver- 
prügeln. 

Walnot (valn^t), Walnuss. 

Wamme, die schlottrige Haut am Halse 
des Jiindes. Got. wamba, Bauch. 

Wammes, Wam^, eng anliegendeSy ärmel- 
loses Kleidungsstück des Oberkörpers. 

wammesen (vanntzan), hauen, prügeln, 
vorwammesen, durchhauen. 

Wan (vän), Wa, Wagen. 

Wand; Mhrz, Wanne. — siene Wand 
maken, etwas leisten in irgend einer 
Weise, hatte denn eslapen? Ja, hei 
hat siene Wand emaket. 

Wank ige (vankiß), Verkehr. op'n 



Dingelsteschen Wee is vel Wankige 

(optn diTig9lst^s9n ve is f^l vavikip), 

der' Dingelstedier Weg ist belebt. 
Wanne, Waschfass. 
Wanniiero, Wernigerode. 
Wansdie, Wanze. 
Wanst, Bauch, Leib. 
war, wieder, noch einmal. Kumm balle 

mal war. 
warben, werben. — Friewarwer, Frei- 

Werber. 
waren (värn), icarten. 
Warf m., Vorwand, sek en Warf maken, 

einen Vorwand suchen, etwas vorgeben 

bei anderer Absicht. 
Wark, Quark. 
Wark, Werk. 
warken; utwarken, den Teig zum Brot 

formen. 
warmen (varm), wärmen. 
Warmflasche, " Wärmflasche. 
warseggen (värzepn), wahrsagen. 
Warsegger, Wahrsager, 
Warseggersche, Wahrsagerin. 
W^artorn (värtifrn), Warte^ Wartturm. 
Warwel, Warwels, Wirbel 
Warwnlf (värvulf), Werwolf; nur in 

der Redensart hei fritt wie'n Warwulf, 
Wascheholt, Wascherholt, kurzes Brett 

mit Stiel zum Schlagen der Wäsche. 
Wasen (väzdn), Reisig, ek hewwe 'n 

paar Meter Wasen ekoft. 
wassen (vasQn), wachsen. 
wat, was; etwas. 
Water, Wasser. — Aukenwater in der 

Redensart hei is dumm wie Aukenwater. 
Waterkanken, ein beliebtes Gebäck aus 

ungesäuertem Brotteig. 
Waterjnmfer, Libelle. 
wätern, wässern, spülen. 
Wangörme (vaux-örmd), die Arme am 

Vorderteile des Wagens, an denen die 

Stange befestigt wird. 
wankern, wuchern. 
Wanl, Geschrei, Getue, 'n Waul maken, 

um geringe Sache grosses Geschrei 

machen. 
wawwelich, wiwwelwawwelieh (viiool- 

wawaliyQy verwirrt, drehend, unklar 

im Kopfe. 
Wedde (veda). Weite. 
wedden (vedn), weiten. 
Weddor (vedlr), Wetter. 
Wee (vf^), Wiege. 
Weg (veyj, Weg; Mhrz. We (ve). op 

en We (opm ve), auf dem Wege, de 

We bringen, zuwege, zustande bringen. 
wegwitschen, ausreissen. 
wenn (ven). Gewicht feststellen. 



101 



iiehn (v^n), die Wiege bewegen. 
wehneD (tei^), gewöhnen, afwehnen 

(äfven), entwöhnen. 
Wehnkorf (ve'nkorf), Weidenkorb. 
wehren (v^r^), treiben, jagen, de Geuse 

wehren, die Gänse treiben. 
Wehrslewwe (v^rslewd), Wegersleben. 
wei (vai), wir. 

wei (vai), weh. — wei daun, schmerzen. 
Weida (vaidä), Schmerzen, mndd.wedage. 
weik, weich. 
weiklieh, weichlich. 
wein, wehen, de Wind weit einen binah 

umme. 
wein, jäten, von Unkraut reinigen, wei 

willt Maaren wein. 
Weiten (vait^), Weizen. 
weitern, schlendern, ohne Ziel umher- 

streifen, hei is umher eweitert. 
weck, welch, wecke, welcher, welche; 

wecket, welches. 
wecken, aus dem Schlafe wecken, nicht 

auch wachen, wie im Obersächsischen. 
weltern, wälzen, rollen, 
wennen (ve^), wenden; inwenneo, das 

Fuhrwerk wenden und zurückfahren. 
wenn-ehr, wann. 
wenken, unnken. 
wenniff (venix), wenig. 
Wenseb, Kartenspiel. 
Werkstee, Werkstelle. 
Werkstücke, unfertiges Stück, Boh- 

material. 
wcrn (v^rn), werden (v^rd, varst; vort, 

vorn; 9vorn). 
wert (v^rt), wert. 

Wesch n. (ves), schmutziges, mit Speise- 
resten durchsetztes Wasser, smiet den 

Knoken in't Wesch. 
Wesche (vetta), Frau, Tante; bezeichnet 

Verwandte und dient auch zur Anrede 

jeder verheirateten Frau, besonders in 
• Verbindung mit dem Personennamen: 

Frau Müller = Mülders wesch e, Frau 

Schulte =s Schultigwesche. 
We-schemel (ve-semdl), der auf der 

Vorderachse ruhende, mit den Bungen 

versehene Teil des Wagengestelles, 

unter dem sich die Vorderachse dreht' 
Weschemmer, Eimer für das „Wesch". 
Wesel (vez9T), Wiesel. 
wesseln, wechseln. 
Wetree (uetre), Vogelknöterich, Pohj- 

gonum aviculare. 
wetten (vetjj), wissen (vetj, vust?, dvust). 
weulen (volln), icühlen. 
wensen (voiz9n), wüsten^ verschwenden, 

schlecht wirtschaften. 
wottHt, wüst. 



Weewinne (v^oi^i»}} Äcjccßwiidp*':^ l\i J ^ 
Wickel ; einen bie'n Wickel krien, 'einen ' 

packen. 
Wickelband, Band zum Umwickeln des 

Flachses. 
wie, als; Zeitbestimmung, wie ek no 

Hus kam, war de Breif all da. 
Wie (vi) f., Weihe (Baubvogel). 
Wief, Weib. 
wieken, weichen. 
Wiele. Weile. 
Wieleken, Weilchen. 
wielen (viln), weilen ; vorwielen, verweilen. 
Wien, Wein. 

Wienachten, Weihnachten. 
Wienbohm (vlnbö^m), Weide, Salix. 
Wiendrüfele, Weintraube. 
Wienkop (vink^p), der Abschluss eines 

grossefi Kaufgeschäftes, wobei der 

Verkäufer Wein zum besten gibt. 
Wiendranke, Wienranke, Weinrebe. 
wier, weiter. 
Wiesche, Wiese. 
Wiese, Weise, Art. 

wiesen (vlzon), weisen, zeigen; herreichen. 
Wieser, Weiser, Zeiger. Ührwieser, 

Handwieser. 
wiet, weit. Compar. wier ; superl. wiesten. 
wietlöftig, weitläufig, entfernt, wei sünd 

wietlöftig Yorwandt. 
Wieweken (vlw9k9n), Weibchen kleiner 

Tiere. 
Wiewestücke, derber Ausdruck für 

Frauenzimmer. 
willig (vilix)f gefällig, folgsam ; locker, 

lose, 't Slot is höllisch willig, 
willen (vihi), wollen (ek vil, du vut, 

hei vil, vai vilt; ek volle, du vost; 

9V0lt). 

Winkel; in Winkel sien, rechtwinklig 
sein. 

Winkeltöme (viBk9ltö''m9), Wi.nkelzüge, 
Ausflüchte, Ausreden. 

Winne, Winde, Gerät zum Winden; 
Ackerwinde. 

Winn-Ei, Windei. 

winnen (vin)^ winden (i, u, u, ü). 

winnig (viniyj, windig. 

Wind; Mhrz. Winne. in Winne, im 
Winde. 

Wintersaat, Baps. 

Winterweg, der gepflasterte Teil der 
Chaussee. 

Wipchen, Splisse, närrische Streiche. 

wippen (vipm), schnellen. 

Wisch, was zum Wischen dient; Stroh- 
wisch, zusammengebundenes und ge- 
drehtes Stroh, 

Wispelkule, Marmel, Tonkugel. 



102 



•Wi'4)N}if Mi iMc^Mn^Bpielen, Siehe 

meine narstetiung ctes Spieles im Nd. 

Kbl 28, 56. 
wisHe, gewiss, et is ganz wisse. 
Witt, weiss. 

wittchen, weissen, kalken. 
Wittcher, Maurer, der die Wände weisst. 

wei het hüte 'n Wittcher. 
Wittfra, Witwe. 
Wittkop, Weisskopf. Spottvers: Witt- 

kop, Stelle Kegel op, Make Dör tau, 

Mek frürt sau. 
Wittmann, Witwer. 

wittsehen, bleich, et süht sau witschen ut. 
Witterunge, Witterung, Wetter. 
wiwwelwawwelig ; siehe wawwelig. 
Woeken m, Spinnrocken, 
Woekenblat (vokanblät), Pappe, mit der 

die f,Diesse" ummckelt wird; spöttische 

Benennung aller dürrer Weiber. 
woil, wohl, de kann mek woll gefallen. 
Wolldat (voldät), Wohltat. 
wolknig, wolkig. 
wollop, wohlauf, gesund. 
Wolte, Walze, 
weiten (voltn), walzen. 
Wopm, Wurm, Made. 
Wörmeken, Würmchen. 
wormen (vorm), wurmen, ärgern, inner- 
lich quälen. 
wormig (vormix), wörmig, wurmig, madig. 
worpelD, wörpeln, das Getreide über 

die Tenne werfen, damit Körner und 

Spreu geschieden werden, 
Wopp schüffeie, Wurfschaufel zum 

Worpeln. 
Wort (vö'rt) n., Wort; Mhrz, Wöre. 
Wort (v^rt) f., Ackergrundstück am 

Gehöft ; erhöhtes Feld mit dem Gehöft. 
Wörtel (vörtl), Wurzel. 
Wost, Wurst. 

Wosteband, Band zum Binden der Wurst. 
Wostekrnt, Majoran und Thimian. 
Wostespiele, Speile, Stäbchen zum 

Schliessen der Wurst. 
wu, wo. wuvel (vüf^l), wuvor, wahen, 

wumidde. 
Wucht, Gewicht. Druck, Schwere. 
wachten, durch die Körperschwere mit 

Brecheisen Steine heben oder losbrechen, 
Wulf, Wolf; Mhrz. Walwe (vüldwd), 

hei is hungrig wie en Wulf. 
WttUe, Wolle. 

wallen (vuhi), Gänse rupfen. 
wfillen (vüln), aus Wolle. 
Wanne, Wunde. 



woptig, Ausdruck schneller, plötzlicher 
Sprungbewegung. 

zach {tsax), zäh. 

Zacke], Trab, 

zackein, traben. 

Zadder, sehnige Bestandte^-le des Koch- 
fleisches, 

Zaldate (tsaldät9), Soldat, 

Zappel, spitze Mütze. 

Zapperment, Bekräftigungsausdruck. 

Zappermenter, Schwerenöter, 

Zaree (tsarj»), Seüenbekleidung der 
Fenster und Türen. 

zarren {tsar^i^), zerren, ziehen, 

Zeddel (tsedl), Zettel. 

Zelrie, Sellerie. 

Zentner (tsentn^r), Zentner. 

zetern, schreien, jammern. 

Zetermarjan; hei schriet Zetermurjau, 
er schreit aus vollem Halse, — Ob 
entstanden aus Zeter Mordio? 

zetterig (tsetdriyj, zitterig. 

zettern, zittern. 

Zicke, Ziege; schmächtiges Mädchen. 

Zickenlamm, Ziegenlamm, 

Zigeander (tsigoinddr), Zigeuner. 

ziUeken, zwitschern wie z. B. Sperlinge 
— sich über einen einem andern zu- 
gefügten Streich freuen. 

Zinshahne, Tinshahne, leicht erregbarer 
Mensch. 

Zip611e, Zwiebel, Küchenzwiebel. 

ziepen (tslpin), an den Haaren ziehen. 

ziepern, mit zusammengekniffenen Lippen 
saugen. 

Zippelmütze, Zipfelmütze. 

Zirop, Sirup. 

Ziseken (tslzdksn), Zeisig, 

Zisekenwost, Saucischen, Würstchen. 

Zittlose, Herbstzeitlose. 

Ziwwe, weibliches Kaninchen. 

Zoddelbäre (tsodlbfr?), Zottelbär; un- 
gekämmter Mensch. 

zoddelig (tsodlix), zottelig. 

Zoddeln, Haarzotten. 

Zopp, Zopf. 

zackein, traben. 

Zuckerkannich, Zuckerkant, Kandis- 
zucker. 

Zulk, Sumpf. 

zulkig, sumpfig, schlammig, 

zttmfern, schmollend weinen. 

züniftig, nach allen Begeln. du krist 
ne zümftige Dracht Slee. 

Zappe, Suppe. 

Znppenkrat (tsupmkrüi), retersilie. 



LEIPZIG. 



R. Block. 



103 



Der Spiegel der W^eisheit, 

eine Kölnör Spruchsammlung des 16. Jahrhunderts. 



In einem Sammelbande der Trierer Stadtbibliothek fand ich 
folgenden bisher, wie es scheint, unbekannten Kölner Druck aus der 
Werkstatt des von 1536 bis 1546 tätigen Johann van Aich: 

Der Spiegel der Wifs | heyt mit vil schonen leren, Noch vil | tII säuerlicher 
stuck dartzo gedain die vur | niet gedruckt en synt. | [Holzschnitt, 10,4X12,1 Cm. 
Um den mit Zepter und Scbw'ert thronenden Kaiser stehen fünf Männer herum.] | 
Gedruckt zu C511en bei Sent Lupus, Johan van Aich. | 4 Bl. 4®. 

Der hier in neuer Auflage erscheinende Weisheitsspiegel enthält 
eine wohl dem 15. Jahrh. angehörige gereimte Anweisung zu christ- 
lichem Leben und bürgerlichen Tugenden, die sich nur selten mit den 
bekannten Sprüchen Catos berührt i), dazu Lehren aus Aristoteles, 
Seneca, Hieronymus, Augustinus, Bernhard und der Bibel. Angehängt 
sind die zehn Gebote und eine weitere Reihe von Reimsprüchen, in 
denen mehrere Ausdrücke auf niederländische Herkunft hinweisen. 
Den Nachweis der Quellen muss ich andern Forschern überlassen. 

1. Der Spiegel der Weisheit. 

(Der Meister spricht.) 
[-4 ib] Als du des morgens vp steis, so danck ynnertlichen Gode dem heren; 
Byd jhn, dat he dich spare den dach inn doechden vnndjhn Eerenl 
Befill dich dym hilgen engel, dym apostel, dinen andern hilgen 

fründen, 
Vifs gaind oder inkomende bewar dich für doitlichen sünden! 
5 Mach yt dir geboren, so hör al dag mifs mit innicheit; 
Wat dich niet angeit, da bekumme[r] dich niet mit! 
Soech alle wege wyse geselschaflft vnnd erber! 
Du syfs rieh oder arm, bewair dich für mossich gain! 
Wat tzom qwaden ende dregt, saltu niet bestain. 
10 Soch vrede, flew achterclaifen, beware dich vur dronken drincken! 
Verzürnet dich jemantz buissen diner schult, dynen^) moit [en] 

laifs sincken! 
Dobbelen vnd ander spylen saltu flyen 
Vnnd suich tzo, dat id din kinder niet enleren! 
Bis erenthrych, oitmodich vnd godertieren, 
15 Arbeit niet, wanne dir geboden is zu vyren! 
Priester vnnd ander erliche luid saltu eren. 



1) Zu Y. 7, 10 und 12 vgl. Catonis philosophi Über ed. llauthal 1869, Prolog 6: 
Cum bonis ambula, 22: Vino tempera, 37: Aleam fuge u. a. ') dynenne. 



104 

Halt dyn kynder van der straissen, laifs sie wyfsheit leren! 

Ganck jhn seiner wifslich vnd erbar für, dat^) is min rait; 

Zo vil willens jhn zo laissen dat is quait. 
20 Als du tzu der tauen geifs, so gesegen din essen 

Vnd wils der armen für diner duir niet vergessen! 

Nodich niemant zo essen oder zo trincken ouer sin macht, 

Plumenstricher off achterkleffer nim niet in din gelaich! 

Bis trew vnd vprecht inn allen dinen wercken, 
25 Halt ouch die geboder der hilger kirchen! 

Bistu dem volck für gesatzt zo regeren van gotz gnade. 

So regier dich seiner früe vnd spade! 
[A 2ä] Gedenck al wege der vier ding, die ich dir wil verzelen : 

Den doit, dat^) leste ordel, die ewige freüd vnd bitter helle. 
30 Bespot noch verschmae die armen niet vp der straissen, 

Frew dich niet ander luid vnglucks, noch wil niemant verlassen ! 

Dins nabers schand will altzit decken 

Ynnd alle dinck tzo dem besten trecken! 

Sprich uit haistlich, mer bedenck din reden wail zo voren, 
35 Verheef dich niet, all bistu zo einem staid gekoren; 

Watt 2) du wilt das dir gesche, eim andern do des glichen zail; 

Wiltu straiffen, so besieh dich seluer wail! 

Bistu arm, so gewinn din broit mit eren, 

Gude werck, die du niet kanfs, saltu leren. 
40 Watt du niet volenden en kanfs, dat wil niet beginnen; 

Ordeyl niet na gunst, mer na recht in al dinen sinnen! 

Bistu ein raitzman, so rait altzit dat beste, 

Der gemein nutz gä für din profyt int leste. 

Bistu ein gemein man, bekummer dich niet mit der ouersten Sachen ; 
45 Ein jetlicher nem sins selbs war, dat^) is jm vreden machen. 

Kyff noch fecht niet, dat raden ich na mym verstände, 

Want da volgt gern vngluck na schmertz vnd schände. 

Ganck in niemantz rait, man roiff dir dan off man laifs dich holen 3), 

Borg niet me, dan du kanfs off wilt bezaien! 
50 Allen geysten wil niet bald geleuuen, 

Vmb verloren gut wil dich nit seer bedrouen! 

AI bistu gut*), wil dich seluer niet prysen. 

Regier dich also, datt niemandt mit fingeren vp dich wyse! 

Schew brassen 5), dantzen, pyffen vnd springen, 
55 Die geboder gotz will na dym vermögen volbringen! 

Ja vnd neyn, dat sie dyn bryff vnd segel. 

Van wat staitz du bifs, verware den regel! 

Du syfs geystlich off wertlich, datt wort Gotz wils niet verschmaen 

noch versumen, 
[A2b] Des auentz saltu die Strassen by güder zyt rumen! 



1) dz. 2j Wattu. 3) holen. *) giir. ß) brasstii. 



105 

60 Gedenck, wann du schlaiffen geifs, wie du den dach haeffs zo 

gebracht, 

Kenstu dich gebrechlich, bicht vnd do bufs na alle dinre macht ! 

Segen dich des auentz vnd will dich die nacht besorgen, 

Grünt dir gott des leuens bifs an den morgen, 

So dancki) jhm flyfslich, als du voir bist geleirt! 
65 Frünt, dise letze is sonder tzwyuel wail probiert. 

(Der Schüler fragt.) 

Meister, du leres mich güde kunst; nu lere mich, dat ich doegsam werd! 

Do antwort der meyster vnd sprach tzo jhm: 

Son, als du geyfs, so sich vur dich! 

Als du sprechen wilt, so bedenck dich! 

Flew qwade geselschafft! 

Nit enbericht me, dan dir beuolen is! 
70 Coden lüden bis heimlich! 

So dirt wail geit, bis meesich, 

Als es dir ouel geit, bifs geduldich! 

Gegen den houerdigen bifs oitmoidich, 

Gegen den zornigen bis lydlich, 
75 Dem gecken saltu verdragen, 

Den wysen hören, den alden schwygen 

Ynd den wendeleren sachtmodich. 

Din sprach sal meesich syn, 

AI din begerung vnd gedan[n]cken sullen zo gode vp gericht sin, 
80 Alle vergenckliche ydel ding saltu vpgeuen, 

Aller oitmSdicheit saltu pflegen. 

Wat du niet gewinnen en kanfs, da verluifs niet! 

Den du niet geuen wilt, den nym ouch nyet! 

Wat du niet besseren enwilt, dat erger ouch niet! 
85 Do gein dinck in der zyt, dat dich reuwen mach na der tzyt! 

Vp wen du gein gut sprechen wilt, vp den sag och niet quait! 

Wat dich niet an geit, des enkummer dich niet! 

Werstu so wyfs als Salomon,^) 

Also schein als Absolon, 
00 So starck als Sampson, 

So rieh als köninde Artus, 

Wat wer dat^) alzomail, 

Wan du nit heddes godes huld! 
[il5a]Herumb gedenck, dat dir niet mee na envolget vur gotz an- 

gesicht dan din güde wercke! Kanstu dit, so kanstu aller 

meyster kunst. 

(Lehren anderer Meister.) 
Item dese nageschreuen leren hait gesaut der heydensche meyster Aristoteles 
dem groissen köning Alexander zo eyner letzen oder lerungen. 
95 Alle heymlicüe ding saltu holen. 
Wenich salt du sprechen. 

1) danckt. »; Vgl! Alemannia 17, 260. 3) dz. 



106 

Bifs wairhafFtich ! 

Wyfslich ouerdenck alle dinck! 

Dinen zorn saltu brechen. 
100 Kyff vnd vnfreden saltu schuwen, 

Niemantz gebrechen saltu jhm verwyssen. 

Hüed dich für druncken drincken^)! 

Bis barmhertzich! 

Gedenck zo steruen! 
105 Mit vnbekanten haeflf geyn geselschaflft! 

Niet liechtelich saltu alle ding geleuuen. 

Dinem versoenden fründ [1. fiend] geleüff niet vp dat nauste! 2) 

Vmb ein verloren dinck, dat nit weder zo kregen is, bedroft* dich niet ! 

KyfF noch fecht mit niemant, der mechtiger is, dan du bifs. 
110 Macht, rycheit, starckheit, schonheyt, altzit zo düren, 

Dar yp is quait zo muren; 

Want dat 3) fundament is der doit. 

Hören, schwigen beide sint gut, 

Verdragen is dat beste;*) 
115 Der wail kan bezwingen sinen moit. 

Der ouerwynt al tzit in den lesten. 

Salomon^) spricht: Die zyt des menschen off menschlichen*) leuens is uiet 
also kurtz als vnsicher; warumb wil sich dan ein minsch verheuen, der van erden 
vnd eschen is vnd also bald dat selff sai werden! 

Jheronimus spricht: He mach gering al waillust deser werlt verschmaen, 
der altzit denckt, dat he steruen sal. 

Van den mechtichsten, edelsten, schönsten, wysten vnd richsten, leest ein 
beschlofs in der Bibel van jhn: Et mortuus est, dat is so yil gesprochen: He is 
gestoruen vnd is doit. 

Die Poeten sagen, dat die allerbeste kunst is, die je van hemel her neder 
quam: Minsch, bekenne dich seluer, wat^) du bist vnd wat du werden solst na 
einer kurtzer tzit. 
[A3b]E.e is wyse, der vergadert vnd spart 

Gegen die lange 8) hinne fart, 

Och, wie scharp is eynem dat scheyden, 
120 Der dat all vp sym doitbeth sal bereyden! 

Sent Augustin spricht: Lyfs vnnd 5uer lyfs alle die geschryfl't der hitgcr 
lerer, so enfindestu niet grüwelicher ader verferlicher, dan dat ein mensch leefft 
in sulchem staed, da he niet gern inn steruen w61d. 

Sent Bernhart spricht: Men mach nie soessers vinden, niet frolichers hören, 
niet bessers dencken, dan den namen Jesus, des leuendigeu gotz son. 

Item Seneca^): Als man inn groissem geluck steit, 
Dann sint die f runde zo kennen quait; 
Mer als dat geluck vmb went, 
So sint die fründ zohantz bekant. 
125 Wail doin is ein kleynet groit, 



*) Vgl. oben S. 103 V. 10 und unten S. 108 V. 45, Wigands Archiv f. Gesch. 
Westfalens 5, 37: * Wacht dy vor droncken dryncken'. ^) Wander, Sprichwörter- 
lexikon 1, 971 : ^Versöhntem Feinde traue nicht'/ 3) dz. *) Vgl. unten S. 107 V. 13. 
*) Weisheit Sal. 2, 1 f. ^j menschlichem '^) wz. *) laugee. ^) Seneca, De remediis 
fortuitorum 10, 4. Epist. 19, 4. 



107 

Dat eynem volget na dem doit. 

Waildait die sal dich verbeiden, 

Als die seel van dym licham sal scheiden. 
Hye hat der Wyfsheit spiegel eyn end, 
130 Gott all vngluck van vns wendt. 

Wer der leer folgt vnnd mit flyfs darnach deyt, 

Dem wirt aen tzwyuel ewyge freiid bereit. 

Nu volgent herna die tzyen gebodt, 

Die moissen gehalden syn sonder spot 
135 In desem vergencklichen leuen vp erden, 

Willen wir hernamails selich werden. 

2. Die zehn (irebote. 

Du Salt geleuuen an eynen warhafftigen Gott, 
Du salt niet schweren by jhm inn spote. 
Die hylge dage saltu vieren, 
Vader vnd moder saltu eren. 

Du salt niemant d6den mit worden noch mit wercken. 
Du salt niet dyn E brechen. 
[A4a]Du salt nit stelen noch rouuen. 

Du salt gein falsch gezeuchnifs l) geuen widder dynen neesten. 

Du salt niet begeren ander lüde gut. 

Du Salt niet begeren eyns anderen bethgenoifs, 

Knecht, magt, fyhe off watt syn is. 

3. Anhang. 

Noch me vil schöner leren volgent herna. 

Siet beleefft^) vnd eren fast, 
Stanthafftich vnd port^) vast 
Van sprechen vnd schwigen, 
Vmb eer vnnd docht zo verkrigen! 
5 Hie sie vrede by dissen gesellen, 
Hie enmoifs man niemantz gebrechen vertzellen. 

So wer hie wil drincken off essen, 
Der moifs schwygen off van gode sprechen. 

Wer alle dinck wylt melden, 
10 Der bliue hie hier buissen vnd kom her seiden. 

Vff erden is gein besser list*) 
Dan der siner zungen meister yst. 
Hort, schwycht, siet vnd verdragt,^) 
So enweyfs niemant, wat jhr yaecht. 
li> Der doit vnd dat leuen 

Is in der zongen macht gelegen. 6) 



^) gezruchnifs. ^) beleeft, mnl. = verständig. ^) porreu, mnl. = vorwärts 
schreiten. <) Vgl Wander, Sprichwörterlexikon 3, 197 nr. 4. *) Wander 2, 777 
w. 31. Oben S. 106 V. 114. «) Wander 4, 1240 nr. 338. 



108 ' 

Doit dat goit vnd last dat quat, 
Dat is meister Jesus rait. 

Die meiste wyfsheit, die men vint, 
20 Dat ein jeglich got vnd sich seiner kent.*) 

Edeler dinck is nie gevonden 
Dan trouwe van hertzen vnd hoefs^) van monde. 
Trouw sal hauen broit, 
Als vntrouw*) is inn groisser noit.*) 
25 Etzliche willen trouw syn geheissen. 

Mer sint sie getrow, dat sal man jm lesten freyschen.*) 

Der niet en besuirt, der en besoist ouch niet.®) 
En veracht den trouwen fründt niet! 
Wer einen treuwen fründt hat geuonden, 
30 Der hat einen gülden berch zo allen stunden. ''j , 

Halt vast, will niet vergessen, 
Wer niet arbeit, sal niet essen. 

Van ledicheit®) kompt diick schandt^ 
Huid dich vur des vyantz. banden. 
[Ä4b] Bewar dyn eer vur allen sachenn, 

Off du sals dich seiner zu niet machen. 
Gelt vnd goit is wael zo krigenn, 
Wer gein eer hait, der moifs schwigen. 
So wer sich hüet vur quader dait, 
40 Der valscher loegen wurt wail rait. 

Onschamele^) wiuer vnd nit vroit 
Verderuen lyff vnd goit. 

Het der dieff gelaissen sin steelen, 
So weer hie niet gehangen by der keelen. 
45 Hüed dich vur droncken drincken,*®) 
Vur speien vnnd clincken.") 

Lere schwigen, wychen, duken, 
Wilt jr vrede vres hertzen gebruken. 

Such vur dich, 
50 Trewe is mifslich.*') 

Heffs du den geck in der mauwen,^*^) 
Laifs inn vmmer niemant anschauwen. 

Ich sagen, wem die plompheit is bekant. 
Der sal seiden krygen goit verstaut. 
55 Het sint al verloren werken, 

Dat man die rosen streu für die verken.**) 



*) Wander 5, 140 nr. 8. «) hoefs = hovesch. s) vtrouw. *) Wander 4, 1311 
nr. 62. ^) freyschen = erfahren. ®) Schon bei Jacob van Maerlant, Alexanders 
geeeten 1/ 1322: 'Die niet besürt, niet besoet' = Wer sich nicht miiht, hat keinen 
Genuss. ^^ Wander 1, 1195 nr. 510. 515. ^) — Müssiggang. ^) = schamlos. 
»0) Vgl. oben S. 106 zu V. 102. ^i) sonst klinken slan = bummeln. ^^) Wander 
4, 1311 nr. 60. i^) Vgl. Wander 1, 1391 nr. 35. 42. *<) In mittelalterlichen Kirchen 
begegnet öfter die Darstellung eines Mannes, der Schweinen Blumen hinstreut, so 
in Emmerich und Kempen (Meissner, Archiv f. neuere Spr. 65, 227. 229), eine eigen- 
tümliche Umdeutung des biblischen ^margaritas ante porcos' (Wander 3, 1210 nr. 11). 



• 109 

Maisse sal stain, 
Ommaisse sal vergan.^) 

Lert verdrageo, wie jhr siet, 
60 Der meist verdraget der wint den stryt. 

Der is geck, der vrab sinen grammen moit 
Sich seluer schade off schände doit. 

Blyfft altzyt inn reden ^) staen, 
So sal idt Ych altzit wael gaen. 
65 Reden ^) is ein hemels goit, 
Sonder rede is gein dinck goit. 

Haefft gott lyeff vnnd halt stede sine gebode, 
So mocht jhr by jhm erweruen gnade. 
Bewyst die werckenn der lieffden vrem euen christenn minschen! 

BERLIN. Joh. Bolte. 

Ditbmarsclie Gewerbeaasdrücke m der Gegend von Lnnden. 

SchweinscMacbten. 

Hura! Vandag schüllt wi Swin slachn, vandag is Swinsküstl 
Nu giv dat Wust! Vandag kamt wi ni to Schol; wi schüllt de Stiert 
biholn.3) 's Morns bitiden ward de Brögrap mit dat Bröwadr to 
Füer kragn. De Slachdr kumt, un wen dat Bröwadr kakt, ward dat 
Swin ut de Swinkaf rudrkregn. An dat een Achdrbeen bind he en 
Strengn. Mit en kordr Ruck rit he dat Swin up'e Sid. Mit de 
Strengn ward dat een Been stramm holn. En annr holt dat annr 
Achdrbeen fast. De Slachdr liggt mit een Kne up dat Swin, schrapt 
mit sin Mess de Haar en bet bi'n Hals weg un stikt dat Swin, dat 
et ganz schreckli schriggt. Molr fankt Blot un rührt dat düchdi um. 
Dat dort ni tosamlopn un klüderi warn. Dat Blot mut so langn 
rührt warn, as dat Swin levt. Will dat Swin ni recht mehr blödn, 
so stickt de Slachdr dat Swin grad in't Hart rinnr. Dat tinkelt den 
noch en paarmal mit de Been un — dot is 't. Dat Tinkeln het, dat 
Swin teilt sin Geld. Bedurn dort een son Dirt nich, deit een dat, 
so kriggt man sülm en swar Endn. 

Nu ward dat Swin afbröt. De Slachdr sülm mennimal 
sunst en Hölgr, begüt dat mit kaknhidde Wadr un plückt un schrapt 
de Haar raf. De Swinshaar ward wegsmädn. Fröhr, as noch de 
dänschn Swin hir dal keem, de dr Bössn drogn, do wurn de up- 
hewahrt un verköfft. Is dat Swin nu ganz rein un ock saubr naputzt, 
so löst de Slachdr bi de Achdrbeen de Hacksehn un stickt dor en 
Swengl dör. Nu ward dat Swin npe Lellr leggt, dat Swengl an en 

1) Wander 8, 490 nr. 54. «) = Vernunft. 

') Die Kinder, heisst es im Scherz, müssen, um auch etwas mitzuhelfen, den 
Schwanz des Schweines beihalten. 



110 

Treem fastbundn un so schreg an'e Wand npstellt. Olr uk man 
hankt dat Swin an en Hakn, de an en Balkn in'e Rök (Käk) olr 
up'e Deel sit, mit de Kopp na nern; dat Blot schall afleckn. 

Nu ward dat Swin utnahm. Lingelangs ward et upsnädn. De 
Weid ward rutnahm un in en Balli olr Butt leggt. Dat Fett ward 
van'e Weid afplückt. Dat het Plückfett. De Weid ward in't Wadr 
leggt un rein makt. Se ward umtrockn un Wadr dor dör lopn ladn. 
De Mist schall dar rein rudr. Hüpi ward de Binnrsit mit en Spon 
reinschrapt. Dar schüUt de Wüst in stoppt warn. Wust is en Lust, 
is en Härnädn. — De Stak ward utsnädn. En grot Stück Speck 
mit de Stell, wo de Slachdr dat Swin stäkn het, daher Stak, ward 
ünnern Hals rutsnädn. De Stak ward kakt olr brad't. Darto ward 
Pulkantüffeln kakt un 's Abnds ward Stak un Eantüffeln ädn. Dar- 
to ward uk wul Nawers Lud un gude Fründn inlad't. Nat Ädn drinkt 
se en Snaps, smökt en Pip Tabak un klönt un snakt äwer gude un 
slechde Tidn un dat Wallr. Dat het Swinsküst. AI wen dat Swin 
slacht ward, kamt de Nawers, um dat Swin to taxirn un mit up'e 
Lellr to hölpn. Darbi ward uk al af un to en Snaps inschenkt. 
Dat het uk al Swinsküst, bi Wesselburen Finnspöln.^) 

De Flom ward utbred't na de büdr Sid van't Swin. In'e Flom 
sit runne Karin, uk Klirn nömt, de ward rutspult. Dat Swin ward 
utnannr spilt. Dat Speck schall to 's Abnds kolt wen. Is de Flom 
kolt, so ward s' aflöst un mit dat Plückfett sosam in lütje verkandige 
Stückn snädn un utbrad't. De utbrade Stückn het Grebn. In Grebn 
ward Kantülfeln upbrad't. Warme Grebn up en Stück Swartbrot 
smekt ganz net. Welk Grebn kriggt man uk mank de Grüttwüst. 

En Del Blot ward to Swartsur brukt. Swartsur un Kantüffeln 
un Ball 2) is en prächdi un defdi Ätn. In't Swartsur kamt de Uhrn, 
de Nirn, de Stirt un wat Bukspeck, ük ward de Uhrn väl to Press- 
kop brukt, olr in Arfn or Welgn^) kakt. Wat Blot ward to'n swedign*) 
Mehlbüdel nahm; de ward in Blot stäts in Melk anrührt. Dat letzte 
Blot kumt in'e Blotwüst. 

's Abnds kumt de Slachdr to Tohaun. He snit un dreit ers 
de Kopp af. Den snit he dat Swin an beide Sidn van'e Rügg dal 
in twe Hälfdn. De Rügg ward in welke Del delt. Dat irste un 
grötste Del an'e Kop het Nacknbrad. De ward to Wihnahnabnd 
ädn. En nedde Bradn gift de Märbrad, uk Mettstrangn olr Has' 
nömt, af. Alns ward wagn. De Rügg ward wagn, ehr man em 
tweisnit. Jedr wil girn wädn, wat sin Swin wagn het. Dat Plückfett 
ward välfach ni mitwagn, dat räkt man för't Slachn. Van'e Sidn- 
stückn ward nu de beidn Achdrschinkn afsnädn. De Podn un de 
Knurn olr Knüssln ward afhant, un bahn up mit in'e Päckel leggt. 
Swinsföt un Knüssln smekt gut in Arfn, Kortkol olr Welgn. Swins- 
föt smekt söt. De Schinknknakn un de Warwlknak ward utlöst, de 
stik sik to ligg an, ward siech un smekt ni gut in't Ädn. Ebnso 

^) Bei Husum und südlich von Flensburg (Wanderup) Swinkik. <) Ball, 
Klösse. ') Welgn, Suppe mit Reis, Graupen oder Krupbohnen mit Speck. Outzen, 
S. 380: Welling, Wälling, Wellchen. <) Swet, Blut. 



111 

ward uk van'e Vörschinkn de Podn un de Knüssln afhaut, un disse 
Schinkn den mit de Achdrschinkn insolt in'e Päklkup, Päkltünn. 
Twischn Achdrschinkn un Vörschinkn sit de Middlschröd. Uk de 
ward insolt olr inpäklt. Fror het dat Swintohaun uk schrödn. 

Bahn up in'e Päkelkup leggt man de Stückn van't Swin, de ni 
to solt warn schult un de ut de Päkl frisch upädn ward. Nawers, 
Fründn un Verwände krigt wat van't Slachn: En Rüggstück, en 
Rippnstück un en Bratwust. Un dat is uk wul noch en Del van'e 
Swinsküst. 

's Ahnds ward Mett snädn un Mettwust stoppt. De een Endn 
van'e Weid ward äwer en Wusthorn tröckn, un dor d&r den dat 
Mett in'e Weid rinnrstoppt. Dat Flomfell, wat um'e Flom sit, ward 
aftrockn, tosamneit, un darin uk Mett stoppt. Dat givt schöne dicke 
Mettwust, un bannige Lappns up Boddrbrot. De Läwer ward finstött 
mitünnr mit de Hochkant van en holtn Tellr. Mit en Läpl ward dat 
in'e Weid föllt. Sogar de Lungn ward tweisnän un darvun Lungnwust 
makt. Wen de en bedn Rok kregn hebbt, smeckt de gut in Arfn un 
Kortkohl. Ik bin dr jus ni stark vär. Vä,r de Kinnr sünd awr Grütt- 
wast de bestn. De Grütt — Hawrgrütt olr Gassegrütt — ward up- 
krellt, dat het kakt, awers ni ganz gar. De Grütt ward mit Blot 
mengelirt un den in Weid stoppt. De Mag ward uk vuU Grütt füllt. 
Sogar de Süstr, de Mag sin Süstr, uk Titt, en dicke Endn Weid — 
de Slachdrs nömt em Endbtil — ward vul Grütt füllt. De Endn van'e 
Weid ward mit Präkeln, Prickeln, Wustprickeln tostäkn. De Wust- 
präkeln ward ut Föhrnholt snädn un de Spitze babn d' Für en bädn 
anbrennt, dat se harrer nu scharper ward. Uk brukt man to Präkeln 
de Durn van'e Swartdum olr Slöndurn. Grüttwust un Läwrwust 
ward in'e Wustgrap, Wustkädl kregn nu gar kakt, un darmit se nich 
so liggt tweikakt, wen se babn kamt, düchdi prickelt, mit'n Präkel 
stäkn. Vär alln Dingn möt se uk ni to fast stoppt wen. Je vuUr 
se sünd, je liggdr platz se. Mild un Gall ward wegsmädn. Min 
Husslachdr fror nehm de Mild mit na Hus. He sä, de mug he girn. 
De Blas' ward uppust un uphungn. De Blas' ward brukt, Glashabn 
totobindn, un de Jungs brukt em uk äwer de Rummlputt. De Jungns 
makt sik uk ut de Wees en Knackblas', Knappblas'. De Bräm, 
Brägn ward in'e Pann brat, un wen se den so rech(t) schübn deit, 
in'e Pann up'n Disch stellt, un dar Pulkantüffln instippt. Mank de 
Bräm brad't man uk de Bors olr dat Slott. De Päs van en Borg 
ward uphungn un upwahrt. Darmit ward Fottüg äwrwischt un de 
Sag mit smart, dat he bädr därt Holt glit. 

Het dat Speck nu viertein Dag olr dre Wäkn in't Solt legn un 
is dat jümmers gut mit Säl bedabn wen, so ward dat in'e Rok hungn. 
Mitünnr ward de Säl uk nochmals upkakt un wallr daräwer gadn. 
In'e Speckstückn ward Söckr stäkn un dar dar Taun bundn. Uk 
stikt man Speckhakns dor dar, un daran ward dat Speck den in'e 
Schosteen, seltn noch ünnern Wiem, Speckwiem uphungn. De Swins- 
kop ward uk rökrt. Swinskop un Mehlbüdl mag de Dithmarscher 
far sin Lehn giern. En Swinsgehör drog ik as Jungn jümmers iu'e 



112 

Tascli, dat schul Glück bringn in't Kardnspäln. En oln Mann ut 
Eiderstedt, de ümmer en Swinsgehör bi sik drog, sä, dat schütz tega 
Krankheidn. Dat Losbännign ut de Päkl ward toirs upädn. 

Zichorienban. 

In Lundn is en Zichurnfabrik un bi Lundn up^t Sandland ward 
al sid väle Jahrn Zichurn but. Dat Zichurnsat ward in'e Mai seiht. 
Um dat Sat nu rech egal to seihn, mengelirt man dat mit Sand, jus 
so as Wuddlsat, un streut dat up't (in't) Land. Dat Land mut awers 
gut in'e Wehr nu kräfdi (mut gar) wen. Is de Zichurn nu upkam 
un wast de Summrschit al, so ward se jüht, un nösn nochmals jüht. 
Bi d' Jühn krupt de Fruns dröwer weg, jus as bi d' Wuddln jühn 
un Flasjühn. In'n Oktober ward de Zichurn wuddln upkregn. Mit'n 
Spadn ward de Eer losmakt (upwüppt) un den de Wuddeln ruttrockn. 
Darbi mut man sik in ach(t) nehm, dat nellrs Endn ni aftoridn. 
Egntli schall man ni mal de fin Sidnsprandn afridn. De Zichurn- 
wuddln blöt sik ligg dot. Awers nimmt man sik ok noch so tosam, 
so is dat Land, wo de Zichurnwuddln legn hebbt, dochn ganz wit- 
placki van'e widde Melk (Saft). 

Dat Lof ward vun'e Zichurnwuddln afdreit olr afknickt. Den 
ward de Wuddln reinwuschn. Darbi brukt man en Folk. Mit de 
Händn wur dat väl to lanksam gähn. Öwerhöf is dat Zichurnwuddln 
upkrign banni lankwili. Mit'n Folk ward de Wuddln uk up'e Wag 
lad't. Up de Wag möt se en Ebnlid stahn to afleckn. Up son Wag 
ward 2500 bet 3000 Pund uplad't; awers den möt Sidnbräd bahn de 
Lellrn eveen. De Wag mit de Zichurnwuddln ward wagn un na Lundn, 
na de Zichurnkrögr^) — so nömt man den Besiddr van'n Zichurnfabrik 
— fährt un bi hunnertpundwis' verköft. Dat hunnert Pund kost 
1 Mark tachndi Penn. 

Hir in'n Fabrik ward de Zichurnwuddln in Stückn snädn, öwer 
en Für up'n Därn därnt. Nu mät se noch veer Wäkn up'n Bahn 
liggn, un dan ward se brennt. Darbi mut genau uppasst warn, een 
Minut tolangn brennt, deit den Fabrikantn en hunnert Mark Schadn. 
Den ward de Zichurn up'n Mal, vär de Pär gabt, fin mahlt. Nu is 
de Zichurn sowid trech. He ward in Tutn kregn, intut het dat. De 
Tutn mit de Zichurn ward likup un dich an dich in en Kist instellt, 
un de Kist den en Tidlank düchdi up'e Eer stött. De Zichurn schall 
sackn, un dat het stampn. 

Fror schall dat Zichurnbun noch mehr Bruk hir wen, un to 
een Tid de Zichurnwuddln na de Heid läwert wurn hebbn, na de 
Brauersche Fabrik, de nu wul al langn ingahn is. 

DAHRENWURTH b. Lunden. Heinr. Carstens. 



1) Ein Arbeiter, der viele Jahre in der Zichorienfabrik gearbeitet, hiess nie 
anders, als „Willem Zichurn" oder „Zichurn-Willem". 



113 



Ghetelens'Nye Unbekande Lande. 



Folgende Auszüge sind, wie die Überschrift besagt, ans dem seltenen Werke, 
Ghetelens Nye Unbekande Lande, das ich im Nd. Jahrbuch 33, S. 53 if. ausführlich 
behandelt habe. Ich habe als Auszüge ausgewählt, zunächst Ghetelens Vorrede, 
sodann die ersten fünf Kapitel des Werkes, femer einen Teil des Berichtes über 
die Entdeckungsreisen des Kolumbus, als von allgemeinem Interesse, ferner auch 
den Brief des Königs Emanuel an den Papst und den Bericht einer nach der 
Berberie entsandten Expedition, die nicht im ital. Original stehen, und schliesslich 
die Schlussschrift des Ghetelens. Der leichteren Vergleichung halber habe ich als 
Anhang ein paar Kapitel aus Ruchamers hochdeutscher Übersetzung, die Ghetelen 
übertrug, beigefügt. Die Ligaturen und die in übergesetzten Strichelchen bestehenden 
Abkürzungen des Druckes sind aufgelöst und durch cursiven Satz kenntlich gemacht. 

Daniel Bussier Shumway. 



Enem 'etliken anschoawer desses Bokes entbnet flenningiis Ghetelen 
sinen denst \nde vrflntschop. 

Myt gunst vnde wyllen des werdigen vnde hochgelereden heren 
Josten Ruchamer der vryen künste vnde arstedye Doctoren &c. welker 
dyt Boeck heift erstmaels gemaket vth deme waischen in hochdüdesch / 
dorch bede vnde anlangent ener siner guden vründe. So hebbe ick 
Henningus Ghethelen (vth der keyserliken vryen Stadt Lübeck geboren) 
vor my genamen / dyt Boeck to maken vnde to wandelen vth deme 
hochdüdeschen in myne moderlike sprake / alse men redet in den 
loffwerdigen Hensesteden / vnde ok in den wyd beropenden landen 
Sassen Marcke Pomeren Prüssen Mekelenborch Holsten &. Angeseen 
dat dyt volck myner moderliken sprake ock seer geneget is nye dinck 
vnde vnerhörede wnnderbaerlike materye vnde historien to hören. 
Doch wert men nicht hyr in dessem Boke alleine nye swencke ynde 
lachelick vnde wente nu here vnerhörede wunderlike dinck vinden / 
sunder ein yder mach hyr vth vorstaen na sinem state wor kramerye 
ynde spysserye here kümpt / vnde wo vele se dar tor stede gylt &. 
In dessem Boke werstu ok vinden de wunderbaerliken erfindingen 
der nyen vnde lange tyd vnbekanden werlde / welkes dar ock is tegen 
de Natürliken Meystere der Sterne vnde lope des hemtwels vnde an- 
deren velen hochgelereden de dar geschreuen hebben / dat an dessen 
orden effte enden nene mynschlike waninge mögen sin. Welche desse 
reyße effte segelinge is gescheen vth beuele Yude beschickinge der 
allerdörchlüchtigesten kowningen van Porthegal ynde Hispania / vnde 
bewysen klaerliken desse segelinge tegen de Natürliken Meystere / 

Niederdeutsches Jahrbuch XXXIV. g 



114 

dat jd nicht so is alse se hebben geschreueii. Wente an dessen 
suluesten örden vnde enden hebben se wünderlike schöne vnde lustige 
jnseln vnde Eylande gefunden / myt nakeden swarten Tnde grawen 
lüden / welche ock sin van vnerhöreden seden wysen vnde waenheyden / 
ock van selsamen wunderbaerliken deerten / meerwunderen / vischen / 
vögeln / köstliken bömen / durbaren vrüchten / vleten / kruderew / 
wörtelen / spysseryen / krameryen / mannigerleye eddelstene / perlen 
vnde goldt / welcke by vns groet vnde hoch geacht sin / vnde by 
en doch gemeyne sin. Alsus mach ein yder beke?inen de groten 
wünderteken godes des almechtigen / de dar de werldt geschapen 
vnde gezyret hefft / myt so mannigerleye gesiechte der mynschen / 
landen / jnseln vnde selsen creaturen / alze vor gesecht is. Welches 
alles vor desser tyd by der Christenheit vnde unser landtschöppe 
edder natione is vnbekant gewesen / vnde sunderlick seer wünderlick 
is / dat de Christen sulke wyde / verne / wünderlike / vaerlike vnrf^ 
erschreckende reyße efte segelinge gedaen hebben. Alle desse vor- 
gesechten reyße / ock wat dar nyes vnde selsens gefunden is vor 
. xl . vnde . 1 . jaren wente nu beer / wert dyt Bökelin / welck de 
nye werldt genant is / alles na der ordeninge ynde schickelicheit 
siner Capittel vnde Register klaerliken bewysen vnde bescheden. Dixi. 

Eiusdem Henninghi Ghetelen Lubecensis & adolescentuli Hexa- 
stichon Ad lectores. 

Euomit insignis Stuchs calcographia Georgi Teutonico : ex France : 
iam noua regna stilo. Quo patet aethiopum mores & regna : reuelat 
en mundi populos & simulachra noui. Mira(legas)nostri8 animalia 
pandit ocellis Monstra sed humanis euolat apta iocis. 

H 

TELOS 

G 

ANFANG DES BUCHELINS van den ersten schypfarthen / aner dat 
Mere Occeannm / in de lantscöppe der Moren / in deme nedderen 
Morenlande / vth ghebede vnde beuele / des aller dörchtlüchtif^sten 
Forsten heren / heren Hürieh, der eyn Broder was, heren Donrth des 
könninges tbo Porthegal. q Dat erste Capittel, wer Erstliek er- 
fanden hefft de scypfarthe des Meres Occeani, yegen Süden^) edder 

tegen dem middaghe. 

ALS yck Aloysius van Cadamosto, van gebort vth der laueliken 
Stath Venedie, waß der erste, der sick erhoeff tho auerschepen dat 
Meer Occeanum genant^), tegen den örden \nde winckelen gelegen 
yegen middach, in de lande der Moren, des vndern Mornlandes,^) 
dar hebbe ick vp desser myner reyße edder Schipfarth gheseen vele 



^) Süden nicht bei Euchamer, 

2j Jtal: a nauigare el mare occeano di fori del stretto de Jibeltera (Gi- 
bralta). Den Eigennamen hat R. nickt erkannt und Hess die Worte also weg. 
3) Ital.: de la bassa Ethiopia. 



115 

nyes dinges werdich tho merkeD, went myn vpsaeth gewesen iß, tho 
beßöken selßene dinck, an mawnigen vnde nyen örden. Alßo dat in 
warheit vnser Lande gebruke wyße efft gewonheyt, ock vnßen örden 
enden edder lantscöppe, tho einer gelicknisse der dinge ßo ick geseen 
hebbe vnrfß v6ruaren, eyne andere werlt möchte gheheten werden. 
Darumwe ick sulke dinck billiken achte tho merken. Vnde also so 
vele my de gedechtnysse wyl hülpelick syn, ßo wyl ick beschriuen 
ßüicke itzgemelte dinghe. Wnde efft ick ßülckes in ördenliker effte 
gheschickeder ördeninge nycht worde setten. Alß denne de materia 
desser dinghe erfordert, schal doch de warheyt hyr ynne, an allen 
enden, nicht vmmegangen werden, vnde sunder twyuel, wyl ick er 
wat to weynich seggew, wen ichts neuen der warheyt apenbaren. 
Iß nu tom mael tho weten, wer dar gewest sy der erste orsaker 
effte anfanger / de dar hefft aueruare^i laten den ort des Meres 
Occeani / yegen middach / in desse lande der Moren / des nedderew 
Moerlandes / welcke ßödder Adams tyden went nu beer (dat kuntlich 
yß) nicht sin geschepet worden (dar vann schryfft ock Plinius) went 
in dessen somer. Der dörchluchste Forste / Her Hürich / des 
allerdörchlüchtigesten herew Johansen / könings to Porthegal Söne. 
Van welckes mercklyken dögheden vele were to seggen / welcks ick 
vmme der körthe vnderlathe / men alleyne dat der ytzgemelte Forste / 
her Hurich gantz vnde gaer geneget iß gewest / to desser Ridderscop 
vnses heren Jhesu Christi / mit krigen / tegen de wylden vngetewmedew 
vulcker / myt en to striden vmme des Christlikens gelouen willen. 
He wolde nü eyn w^yff nemen / sunder jn groter kuscheyt entheelt 
he syck in syner jöghet. He hefft ock vele Eerlker^) vnde Ridder- 
like daet ghedaen / dörch sine egen persoen / ock dörch sine lysti- 
cheyt / edder dörch sine behenden vornufft / jn den slachtingen tegen 
de Moren / welck to mercken wol werdick yß / Alß auer nu sin vater 
her Johanse köninck to Porthegal kranck lach / went jn den doet / 
Esschet he dem obgemelten Forsten / heren Hurich / sinen Söne / 
vnde beuoel em de gemeinschop der ßyddere van Porthegal / vormanede 
em / Yude badt en dat he wolde vuldoen synem Götliken vnde loff- 
liken vpsathen / des he in willen wat to vorvolghen vnde tho vor- 
stören / na sinem besten vormögen / de viende des hilligen Christ- 
liken gelouens. Welcker Fürste / kort to spreken sick vlytede / 
sulcke synes vaders / des Könninges begeren to volbringen.2) Vnde 
na dem dode des vaders / hadde he vil krige in Affrica / teghen de 
vth deme Ryke Feß / tegen welcke he vele jaer vient waß / \nde 
gedachte jn alle mögliker wyße / de obgemelte Forste her Hürich / 
tho vorstoren / dat ytzghemelth Könninckrike Feß / vnde dat dede 
he ock an velen örden. Welckes Ryke iß,gheleghen am mere Occeano.S) 



^) Bei R: Erlicher. 

2j Ital. fügt hinzu : fece cum el fanare del Re Dourth suo fratello majore 
che sucesse al dicto regno di portogalli molta guerra in Afrika. 

') Ital. fügt hinzu: dala pte di fori del strecto de jibelterra, was B. wie 
oben toegliess, 

8* 



116 

Vnde sulckes dede he mit vorgunst des Köninges / hern Dourth / 
synes öldern broders / welk na affgang des vaders köninck wart to 
Porthegal. Alßo sendede de obghemelte Forste / syne schepe / vnde 
dede den Morn groten schaden van jaren to jaren. Alßo dat der 
obgemelte Forste besorgede / se worden ene reysigen^) / dat he alle 
jaer wyder hen jn w6rde theen. He leth ße theen beth an ein ge- 
berghe / genant in walsch Capo Non / dat iß in dAdesch / alß / de 
orth neen / welcker orth / iß noch alßo genant vp dessen dach. 
Vnde desse orth waß alle tid dat ende desser varthe. Wente nicht 
iß gehöret worden dat ener vormals auer de örde geuaren were / 
der wedd^ were tho huß gekomew. Alßo dat / dat sprickworth 
waß / dat men sprack. Welcker (aij) dar thüth auer den orth neen / 
der kümpt ok wedder neen. Als efft se wolden spreken He kümpt 
nümmer wedder. Vnde also quemen de obgemelten Schepe went an 
dat ort Non vnde dar suluest dörsten se nicht wyder vare« auer 
nycht tho myn begerde de obghemelte Forste / wyd«- to schepen 
Ynde to voruaren. Also jm nauolgedem jare / schickede he sine 
schepe dat se hen wart wyder segelden / achter den orth Non / myt 
der hulpe godes / wente de schepe van Porthegal sin beter / den 
andere schepe vp dem Mere mögen sin / van Segeln / Ynde do se 
nu mit den schepen wol bewart weren ock myt allem vorraet alse 
men in* schepen bederuet / toTaller notrofft / meneden ße / id wer 
wol mögelick to varen an alle örde efft ende. Weren begeren / to 
voruaren nye dinck / alleyn darvmme / dat ße möchten voruaren dat 
wesen der Inwaner / an den suluen örden / Ynde dat ße möchten 
störmen efft berouen de Moren^) rüsteden se sick wol mit dren schepen 
mit aller noettroft ynde to behöringhe / als mit wapen vnde koste / 
efft prouision / van spyße / Ynde ock anderen dingen / Vnd^ setteden 
dar jn Reddelike stritbare menne / welcke dar hen schepeden / Vnde 
vören int erste vth / vorde obgemelten berge / edder den orth Non / 
An der syden segelden wy des dages / by der nacht beeide wy stille / 
Also dat wy by der mate vp der syden geuaren weren by hundert 
mylen / vor vth / vor dat obgemelte geberghe Non / Ynde vunden 
noch wer volck / noch waninge dar suluest / den eyn deeP) was 
sandych vnde dröge landt. Also töge wy wedder to rügge / Vnde 
de obgemelte Forste erkande / dat he jn dessem jar / nichtes nyes 
mochte voruaren / Rüstede he^'des nauolgeden jares sine schepe Vnde 
schickede auer ein mael ein^volck vth / wol gerüstet / dat se wyder 
hen jn scheiden schepen / den de ersten sin volck gesegelt hadden / 
Ynde also segelden se wyder hen jn / meer den hundert vnde . 1 . 
myle / Also vören se beter*) hen wech / ynde vorvuUeden dat both 
eres Forsten. Ynde vunden doch anders nicht / den eyn sandich 
vnde dröge landt / ane alle waninge / vnde tögen wedder heem / 
Den noch nicht to myn vureden ere herte alle dage mit groten 



>) Hd. jne reytzen. «) Ital.: per uoler offender a mori. ») Bei B.: dann 
eytel sandig vnd drucken landt. ^) beter nicht bei E. 



117 

begeren / to voniaren vDtfe erkundigen de suluen lande. Schickeden 
jm dnidden jar auer twe schepe / Nnde kort to spreken / schickeden 
ße hen jn so vaken \nde vele / etlike jare na einander / so lange 
ße vunden etlike orde / dar jnne waneden Arabier / de hadden ere 
waninge jn den suluen wöstenien. Ynde dar na wyd^ hen jr / 
Tunden ße auer ein ander volck / de ße heten Azanegi / dat sin 
grawei) mynschen van welcken ick (ßo wy beter^) in dith boeck 
werden komen) meer seggen wyl / vnde also queme wy ßekerlick / 
dat wy wislick vunden de lande der vördesten Mom3) / Ynde dar 
na van ener tyd to der anderen / dat wy vunden andere gesiechte 
desser Morn / van selsenen wysen / spraken / seden / vnde gelouen / 
alße du hörende werst ßo wy wyder jn dyt vnse böcklin beter jn 
werden komen. 

DAT ANDER CAPITTEL VAN den dingen / ßo Aloysins van Cadomost« 
in der anernart / schepinge efite segeiinge jn iem Lande der Moren 

erfanden hefft. 

Na der gebort vnses hern Jhesu Christi MCCCCLiiij, als ick 
Aloysius to der tyd to Venedie was / myner jare olth by twe vnde 
twyntich jaren / vnde hadde ok vor desser tyd mere geuaren eflFte 
gesegelt*) vp vnsen Meren / jn der herschop der Venedier. Settede 
ick my v6r / jck wolde wedd^ varen jn Flanderen / dar ick to vören 
ock eyn mael was gewest / vnde dat vmme des willen / dat ick 
jchteßwes möchte voröbern vnde gewinnen / wente al myn vpsaet 
was tor suluen tid dat ick my wolde vmme doen allen mögeliken 
wegen / to bekomen etlike temelike rikedoem vnde dat ick mochte 
dar na komen tho beteringe mynes states / vnde to Eren / Ynde 
alse ick my also hadde vörgeseth to reyßen / als ick nu ytz gesecht 
hebbe, Rustede ick my mit deme kleynen gelde dat ick do tor tyd 
hadde. Ynde sath vp vnse Galleyn van Flandern / der höuetman was 
her Marcus ein Ridder / mde also jn dem namen gades töge wy hen 
wech van Venedie myth den ghemelten Galleyen / an dem achten dage des 
Augstmans / Im MCCCCLiiij. Jare. Ynde vören hen wech vnse dach- 
reyse / vnde stunden vth / an vnsen gewöntliken enden also lanck 
dat wy quemew jn Hispania / Vnrf^ alse wy hadden vngeweder do 
bleue wy myt vnsen Galleyen an enen ort / to sunte Vincentius / 
alse wy dar sulues weren / nicht wyd dar van / begaff id sick dat 
der obgemelte Forste her Hurich / lach in enem dörpe / in der suluen 
vmmelegenheit^) gheten Reposera. Welker Forste / als he vnser 
gewaer wart / schickede he to vns enen siner Secretarien / de heeth 
Anthonius Conzalles Vnd^ mit em enen anderen genant Patricius 
de sulue sprack he were eyn Venediger / vnde were ein Raetman 
(vth vnsem lande) in dem Ryke tho Porthegal / dat betügede he 



^) liaL: beretini. ^) Hd. baaz. ') Ital.: de primi nigri. *) effte ge- 
segelt nicht bei E, ^) Bei B. steht: Riuiere. 



118 

alßo tho sin mit enem iJreue van vnser herschop tho Venedie / 
welker hadde ein anhangede Segel. Welker Patricius was ock ein 
haueman^) jm zolte an dem houe des obgemelten Forsten heren 
Hürichs Vnde also quemen se to vnsern Galieyen / vth beuele des 
vorgespraken Forsten / mde brachten mit sick / etlike proben des 
Zuckers / vth der jnseln Medera / vnde sanguinem draconis / dat is 
drakew bloet welck men in der arstedie gebruket^), brochten ok ander 
dinck / alse se hadden gebröcht vth den orden Yude jnseln / des 
ytzgemelten Forsten vnde sulk eine probe wyseden se meer lüden / 
Wnde alse ick nu iegewwardich was \n(le vragede de vnsen in der 
Galleyen van mannigerleye dingen Seden se my / wo desse Forste 
hadde besettet in kort vnd nyelick jnseln / welcke vor desser tid nü 
van mynschen jngewanet weren vth welken men brochte sulke zucker 
ynde draken bloet / vnde andere köstlike nutte durbaer dinck Vnde 
wo dat nichtes nicht were tho achten yegen andern dingen xude 
kopenschop de men vth den suluen jnselen bringet / de raynen geuen 
my ok to vorstaen / wo de bemelte Forste nu etlike tydlanck heer / 
hadde auerschepet etlike Mere / dede in vörtiden van andern nü sin 
geseen worden. Vnrfe hefft an dew suluew Merew gevunden / lant- 
schöppe / van ma/migerleye vnde seltzamen gesiechten der mynschen. 
An welkew orden men ock vünde selsene vnde wünderbaerlike dinck. 
Vnrfe welke de yennen weren de an sulke örde gereyset hadden / 
mit grotem gewinne weren wedder to huß gekomen van den uyeu 
erfunden lüden. Went ein ßilling gewünne dar suluest. vij ßilling 
vnd . X . vnde dar by.3) Wnde seden my ok so vele van den dingen / 
dat ick my sulkes ja seer vast vorwünderde. Also dat do tor tid 
by my mochten wassen / de begere to reysen an sulke örde. Vnde 
also vragede ik se / efft de obghemelte Forste lete enen etliken gern 
theen / de dar wolde an de suluen örde varen. Seden ße my / Ja / 
doch mit twierleye gedinge edder vnderscheyt / Also / wer reysen 
wolde an desse ende / vnde dat schyp versorgen / vp sine egen kost / 
mit prouision vnde kopenschop. Vnde so de sulue wedder to huß 
queme / scheide he dem Forsten reddeliken schüldich sin to geuen / 
den Verden deel van alle der kopenschop / so he vth den jnseln 
bröchte / an den suluen örden vnde landen / vnde dat drüdde deeH) 
were des Forsten. Eflft also, De obgemelte Forste / de besorgede 
dat schyp mit aller to behöringe / prouision effte vittally / vp sin 
egen kost / Doch dat desser / welker sulk eene reyse wyl annemen 
sin kopenschop suluest to vorleggen. So den de sulue to huß kümpt / 
scheide dew Forsten schüldich sin dat halue deel to geuen / van allen 
den güdern efft kopenschop / alse he brinck(t) van den suluen örden. 



*) Bei E, steht: hofmann. ^) Diese Erldärung nicht im iial. Original. 
') Ital, circa. *) Ital. le tre parte fosse sue. Dies hat R falsch übersetzt als: 
der dritte teyl der wer seyn statt die drei Teile wären sein und verdunkelte den 
Sinn der Stelle, G. versucht sich zu helfen, indem er dat drüdde deel were des 
Forsten schreibt, was wiederum mit dem obenerwähnten vierten Teil in Widerspruch 
steht. Diese Stelle liefert einen weiteren Beweis, dass G, nur Muchamer benutzt hat. 



119 

Vnd^ eflFt jd sake weer / dat he nichtes nicht mochte wedderumme 
her vter bringe« / so schal de kostinge gaen vp den Forsten / also / 
dat de Forste den schaden wil entrichten / Ynde sulke ein anmer- 
kinge / dat men nicht wedder her vth mach komen / dan myt grotem 
gewinne. Vnde so ener vth vnsern landen edder Natione / de reyse 
doen wolde / was deme Forsten wol anghename vnde ertögede eme 
gunstigen willen / Wente he gedachte / dat men in den suluen örden 
vünde spytzerye fröyt vnde andere nutlike dinck. Vnde he meende 
de Venediger kanden sulke dinck vp den besten^) den andere Nationes / 
edder lüde. Als ick sulkes hörde / settede ick my vor desse reyse 
to doen / vnde mit sampt den anderen / sprack ick mit dem Forsten. 
Also mit der körte bewysede my de .Forste / dat jd alles waer weer / 
dat my de sine obgemelten gesecht hadden / vnde noch vele meer. 
Ock lauede he my / he wolde my Ere rade vramen laten to staen / 
wen ick desse reyse wolde annemen. Alse ick nu denne sulks vörnam / 
bedachte ick / dat ick junck \nde stark was / vnde geschicket to 
erliden alle moye ynde arbeyt / vnde begeerde to seen de werlde / 
vnde wünderbarlyke dinck / der gelike keyner vth vnsen landen nü 
geseen hadde. Ick hadde de höpeninghe / in sulcker reyse to erlangen 
gud (aiij) vnde ere / bedachte my gantzlick desse reyße to vuUen- 
bringen / also riistede ick my / myt noettröfiftigen dingen '/ in de 
Galleye / vnde beuoel alle myne gudere / einem guden vründe^) yegen 
neddergange der Sunneh / dat is int Westen^) vnde stegen vth an 
dat landt / ynde de Galleien vorvolgeden vor an erem wege. 

DAT DRYDDE CAPITTEL \AN der tyd / alse de Oalleyen hen wech 
gingen / vnde myt wat wynde se segelden. 

ALS ick gebleuen was / an dem orde to Sunte Vincentius / 
alse ytz gesecht is / des hadde de obgemelte vnser Forste / groet 
wolgeuallen an mynem blyuen dar suluest / bewysede my vele vrunt- 
schop*). Vnde na dem etlike vele daghe / leeth he my to rüsten 
eyn schyp / dat men nömet in walsch Carauella dat dar konde dragen 
by . xc . Butten / dat is vngeuerlick by . xl . voder wins / des ein 
yoder veer perde mochten trecken^). De patroen was einer genant 
Vincentius van Lagus / dat is ein orth by sunte Vincentius ßösteyen 
myle. Vnde dat schyp was besorget myt allerleye noettroflft to vnser 
vaert. Also vöre wy hen wech / van dem vorgemelden orde Sünthe 
Vincentius / jn dem namen godes / an dem . xxij . dage des Mertzen 
jm . MCCCCLV . Jare / mit middernacht winde®) eft Norden 7) jm 
nigge / ynde richtedew vnsen wech yegen de jnseln Medera / yegen 
neddergange den richte wech. Ynde quemen in de jnseln Porto sancto 
vmme den middach / am . xxv . daghe des Mertzen / dat is van dem 
obgemelten orde sunte Vincentij by ßößhundert myle. 

*) JBW. : basz dann. *) Ital: a uno mio parente. ^) nicht bei R, *) Ital: 
mi fece festa assai. ') Diese Erklär unfj nicht im ital. Original noch bei U. 
•} Ital.: cum vento greco e tramontano. i)a B. nicht tousstc, dass vento greco 
gleichbedeutend mit Nordostmnd ist, Hess er es weg. 7) Norden nicht bei B, 



120 

DAT YEERDE CAPITTEL VAN der Inseln Porto sancto / vnde van 
erer ^helej^enheit / vnde van den dingen de dar snlnest wassen / 
alse draken bloet / vnd^ wo men dat maket / vnde ran dem aller- 
besten honnige. 

DEsse Insel Porto sancto / is vast eyn kleen dinck / by . xxv . 
mylen groet jm vmmeuange. * Se is gevunden worden* in . xxvij . jaren 
heer van den Schyplüden des obgemelten Forsten Hürich. Vnde hefft 
ße mit sinem volcke van Porthegal besettet / vnde ße js vormals 
nü nicht jngewanet gewesen. Ynde de gubernator edder höuetman 
der suluesten Inseln / is Bartholomeus Polastrellus ein dener des 
bemelten Forsten. In desser jnseln vindet men körn vnde haueren / 
vnde is anervlödich van ßindtflesch / vnde van wilden swynen / vnde 
kannine auer de mathe / Cuniculos. Vnde in desser jnseln vint mew 
ok draken bloet / welker bloet wasset an den bömen / de dar suluest 
staen / welkes draken bloet is eyn gummi / glaer / edder hart / dat 
16pt vth den suluesten bömen / in ener benanten tyd in dem jare. 
Vnde se bringent aldus vth den bömen. Se maken etlike streke mit 
ener Exen efft mit einem Byle vnder den boem / vnde jm nauolgenden 
jare / to ener wol bekanden tid so wunden edder houwen de suluen 
in de gummi, hart edder glaer / welkes se dar na seden / lütteren 
vnde reinigen / vnde also maken se dat draken bloet. Vnde desse 
boem drecht ock eine vrucht welke in dem maen des Mertzen tydich 
vnde ryp wert / vnde is wol gud to eten / vnde is gelick ener ker- 
sebern eft wyselen / men is geel. Men vindt ock vmme desse jnseln 
grote vische, Dentali vnde Orade / vnde ander gude vische. Desse 
jnsel heflft neue porten efte hauen / hefft doch ßüs enen guden standt, 
dar men bewart is vor allen winden / vthgenomen vor dem vpganck 
vnde middach wind (dat is Osten vnde Südeni) vor den suluen winde;* 
is men nicht wol bewaret. Desse jnsel is gebeten porto sancto / 
vnde dar maket men dat allerbeste honnich (alse ick gheloue) so 
men in der werldt möghe vinden / ock wasses etlike grote dele. 



DAT VEFFTE CAPITTEL VAN ENER PORTEN EPPTE HAUEN IN 

DER INSELN Medera de haue is genant Monericho / Ynde wo wyt 

se gelegen is van Porto sancto. 

Dar na an dem . xxvij . dage des Mertzen / vore wy hen wech / 
van der vörgemelden jnseln Porto sancto / vnde vp den suluesten 
dach queme wy tho Monericho / dat is ene van den porten vnde 
hauen der jnseln Medera / welck yegen is van Porto sancto . xl . myle 
wyd. Vnde wen dat weder klaer is so suet^) men van enem tom 
anderen. 



1) Die Puranihese nicht bei R V Hd. syhet. 



121 

HYR HEDETH SIOK AN DATH VEERDE BOECK: VNDE 18 van der 
schypfart des koDninges van Castillia / van jnseln vnde landen in 

kort gefunden. 

DAT / LXXXnil / CAPITTEL: WO de Konninck van Hispania rfistet 

edder bereydet twe schepe dem Christoffer^) Dnner^) van Jenna to 

segeln tegen neddergattck edder Westen^). 

DEsse Christoflferi) Duuer^) van Jenua / was ein vrischer^) 
langer man / ynde was groter vornufft / he hadde ein lanck ange- 
sichte / he na volgede vnde lange tyd anhengede den allerd6rch- 
lüchtigesten kowningen van Hispania / an alle 6rde vnde so men hen 
reysede to segelen*) begeerde ock dat se eme scolden helpen to rüsten 
vnde beladen ein schyp vnde vthboet sick / he wolde vinden yegen 
dem neddergange effte Westen^) Inseln / an India anstötende / dar 
suluest ock dann de vulle der eddelen stene is / vnde spyssereyen / 
vnde ock des goldes / welcker men mochte lichtHck auer kamew. De 
Konninck yude Konninginne / vnde ock alle de vorgenömesten in 
Hispania / hadden lange tyd ein spyl / tydvordriflP eiFte spot an 
dessem vornemen des Christoffers / vnde am lesten na ßöuen jaren 
effte auer ßouen jaren / \nde na sinen mawnichuoldigen begeren / 
beden / \nde anlangen / worden se sinem willen to vallen^) vnde 
rüsteden eme eine Naue / dat is ein groet schyp / vnde twe Grauele / 
mit welcken he hen wech segelde van Hispania. Vnde anfangede 
alzo sine schypfarth vnde reyße / vmme de ersten dage des Sep- 
tember / dat is des Heruestmaens / jm . MCCCCxcij . jare. 

DAT / LXXXV CAPITTEL : VAN vnbekanden vnde vnerhöreden Inseln. 
Alse desser Christoffer Dnner van Jenna hefft gefunden. 

DEs ersten mals schepede he van Gades / to den jnseln for- 
tunate / dat is to den gelückseligen jnseln / welcke hiide by den 
Hispaniern sin genant Ganarie / \nde werden van den olden genant / 
de gelückseligen Inseln / in deme Mere Occeano / wyd an deme ströme / 
dusent vnde twehundert walsche myle^). Vnde veer walsche myle 
sin ein Lega / dat is eine düdesche myle^) / Desse Inseln Canarie 
weren genandt Fortunate / dat is geluckselich / van wegen des tem- 
pereerden vnrf^ guden luchtes dar suluest. Vnde sin gelegen vth der 
helffte des Clima edder Cyrkels^) Europe yegem Myddage edder 
SüdenlO) / se sin ock besettet mit nakedem volcke / welcker ock 
levet ane alle Christenlike gesette / an desse ende schepede effte 
segelde^) Christoffer Duuer / dar suluest water to nemen / vnde sick 
to vorquicken. Tom ersten schepede he mit grotem vlyte / m6ye / 
vnde arbeyde / na den nauolgeden Inseln / yegen neddergange effte 

1) Hd. : Christoffel. «) Jtal. : Colombo, B. Dawber. ^) nicht bei R. *) t o 
segelen nicht bei R. ^) nicht bei R. ^i Ital: Compiacetteno a sua volunta; 
R. wurden sie zu gefallen seynem willen. '') Ital: Conta dal streto. Mcc. miglia 
secundo sua rason che dicono xxx leghe. *) Diese Erldürung auch bei R. »j Cyrkel 
nicht im ital Original, ^^ Süden nicht bei R. ") nicht bei R. 



122 

westeil 1). Also / dat he stedes na einander schepede dre vnde druttich 
dage / vnde nachte / dat er nü kein landt efte erdtrike sach / na 
dessem steech einer vp de Gabia des Schepes / dath is / de marße^). 
Do segen se landt vnde vünden ß6ß jnseln. Vnder welcken weren 
twe de weren einer vnerhöreden gröte / vnde eine is genant Spagnola - 
de ander Zoanna mela. 

DAT / LXXXVI. CAPITTEL VAN dessen ytzgemelden twen groten 
Inseln / dat is Zoanna mela vnde Spagnola. 

GRüntlick^j konde wy nicht weten eflft Zoanna ein Inseln were ,' 
men alze wy dar hen quemen in de naheyt / ynde schepeden dar 
suluest vmwe here an dem ströme / in demß Maente«Nouember / dat 
is / in dem wintermaente do hoerde wy in den allerdickesten woldeu 
ymle huschen^) de Nachtegalen singen. Vnde vünden to male sere 
grote vlethe van ßötem water / vnde vast gude hauen*) edder porthen / 
Alze wy also in desser mathe schepeden an dem ströme der Inseln 
Zoanna / meer da,um achtehundert walsche myle / vnde (gij) vünden 
dar neuen ende / noch ein teken des endes / do gedachte wy jd were 
eyn vast landt / vnde meneden wedder vm;«e to keren / edder wedder 
to rügge to varen / wente dat Mere begünde sick enge vnde smal 
tho maken / vnrf^ de dach wolde sick ock ytzundt negen. Alze wy 
nu dat Schyp hadden gewendet yegen deme vpgange effte Osten^) . 
do werde wy vinden de Inseln Spagnola / vnrfö meneden to eruaren 
de gelegenheyt der 6rde yegen middernacht edder Norden^) / do 
nalede sick ytzundt dat landt / vnde dat gröteste schyp ginck vp 
euer euenen drögen grundt / welcke dar was mit water bedecket. 
Also / dath dyt sulue schyp sick vp dede edder vp ginck Ynde brack 
entwey / men dar vmwie dat jd dar suluest vnder dem water an deme 
boddem efte der grunt^) euen vnde stenich was / so mochte jd nicht 
vnder gaen vnde vordrincken. Also stech dat volck in de kleynen 
Grauele / vnde gingen dar na to lande / dar segen se de lüde vth 
desser inseln / welcke / alze se vns worden seen / do vlögen se in 
de allerdickesten wölde / gelikerwyß alze dat wildt nimpt de vlucht . 
so man jd voruolget mit den hünden / Dyth volck is ein vnerhoreder 
gesiechte / de vnsern volgeden enen na / ynde vengen eine vrouwen 
vnde vöreden se^) to deme schepe / dar suluest geuen se eer wol to 
eten / vnser spyse Yude wyn. Vnde klededen se ßiiuerlick / wente 
se gaen bloth edder naket^^ / dar na lethe wy se wedder \mme gaen. 

DAT. LXXXVII . CAPITTEL: VAJV dem wegen / seden / gewaen- 
heyden^) / ynde egenscop der Inseln Spagnola. 

ALso vorth do desse vrouwe wedder vmnie to den eren quam 
(wente se wol wüste wor se weren) ertogede vnde wysede se ene de 

^) nicht bei E. ^) Diese Erklärung nicht bei R. ^) Ital: ben certo; B. 
Aygentlich. *) Hd. gestatte. ^) nicht bei 1{. •) G. Juxt hier den Druckfehler so, 
aber Hd. sie. 



123 

wunderbaerliken kledere / alze se van vns hadde entfangen / vnde 
vüse gute vnde mildicheyt / do quemen se alle samptliken gelopen 
an dath Mere / mit grotem verwunderen vnde vngestüme effte 
krischen^) vnde meneden / wy weren ein volck vaw dem hemmel 
beer gesenth / se Sprüngen in dat . water / vnde bröchten goldt mit 
sick / welkes se dar sulues hebben / vnde vorwesselden efte vor- 
buteden dat goldt vmme erdene theller / vnde glesene schalen / wer 
enen gaff einen natelremen^) efte hasenremen / edder eine / schelle 
efte klocken edder ein stücke spegels / efte anders wat des geliken / 
deme geuen se sulkes goldt wedder / wente des hebben se. \nde 
se hadden ytz alrede samptliken mit vns gemaket früntlike kuntschop. 
Alze wy vrageden van erem wesen yude seden / do erkende wy an 
eren teken vncfe gebeerden / dat se vnder sick enen kowninck hadden. 
\nde alze wy nu vth stegen to lande / do worde wy vp dat aller- 
heerlikeste vaw dem Konninge entfangen / yude des geliken van den 
jnwaneren desser Inseln worde wy lefliken angenomen. Alze nu der 
auent quam vnde de unseren lüdden^) to beden dat Aue maria / do 
kneeden wy vns nedder / des geliken deden se ock. Vnde alze se 
segen dat de vnseren anbededen dat Grütze / des geliken deden se 
ock. Ock do se segen / dat vnäer vörgemelde schyp was tho braken / 
do voren se to dem suluen vp eren kleynen scheepkens^) \nde vöreden 
vnse volck vnde güdere tho lande / mit sulker leue vnde vrüntscop / 
dat jd is wünderbaerlick tho vorteilen. Item ere schepe sin gemaket 
van einem enigen holte / se sin vthgeholket / edder hol gemaket / 
mit seer scharpen stenen vnde sin lanck vnde enge. Se hebben ock 
etlike Schepe dar suluest / der eines hefft by achtig Rodere. Se 
hebben mit alle neen yseren in der suluen Inseln / dar vmwe vor- 
wünderden sick de vnseren tho male sere / wo se doch makeden edder 
buweden ere hüsere / welcke wünderbaerlick sin gebuwet / vnde ock 
ßüs andere dinge de se hebben. Also vorneme wy dat se sulkes 
alles makeden mit etliken vast harden stenen vth den vleten / welke 
ock vast scharp sin. Wy vornemen ock dat nicht verne effte wyde 
van desser jnseln ock weren etlike Inseln / in welken seer grwsame 
lüde waneden / de suluen ethen mynschen vlesch. Vnde dar vmme 
so was dyt de oersake / dat se tom ersten / alze se vns segen de 
vlucht nemen / wente se gedachten wy weren der suluen lüde / welke 
genandt sin Canibali. Vnde de vnseren hadden de Inseln desser lüde 
Canibali liggen laten / vngeueerlick vp deme haluen dele des weges / 
vp der syden yegen dem middage / dat is Süden^). 

DAT LXXXVIII CAPITTEL : YAN den seden \nde gebruken desses 

volckes Oanibali. 
ÜEsse arme lüde beklagen sick 'to male sere / wo se belastiget 
werden vnrfe gepyniget van dessen Canibali / nicht anders dann wo 

') nicht bei B. *) Hd. hosen nestel ^) Hd. lewten (= läuteten). Ital : 
dato el signo de! Aue Maria. *) Das ital. Original fügt hinzu: che chiamanano 
Canoe. «; Nicht bei B. 



124 

de wilden deerte voruolget werden van den Löuwen vnde van den 
deerten Tygris. De jungen knechte wen se de suluen gefangen 
hebben / so vorsnyden se denne de suluen / alze wy doen den 
ha/nmeleni) efte bötlingen / vp dat / dat se dester vetter scholen 
werden *to dödew. Men wann« se manne vangen / so döden se de 
alze se sin / \nde ethen sine darnien edder jngeweyde^) also vrisch 
eifte versch2) / des geliken sine vthwendighen ledemate^) sines lyues / 
alze de hende vnde de v6te &c. Vnde dat ander deel sines lichammes 
solten se in / \nde behelden efte bewaren dat beth tho siner tyd / 
gelick alze wy doen mit dem vlesche. Men wanner se wyuer vangen / 
de suluen ethen se nicht / yodoch behoelden se desse vmme des 
willen dat se scölen kinder dragen / nicht anders dann alze wy de 
hennen holden vmnie der eyer willen. Vnde de olden wyuer gebruken 
se vor Sclaven / dat is to denerinnen in allem swaren Ynde hardem 
arbeyde. De jnwanere desser jnseln samptliken beyden man vnde 
vrouwe/j / wanner se mercken wnde bekennen / dat de Canibali willen 
sick enen to nalen, so weten se sick nene andere erlösinge effte 
vristinge eres leuendes / dann alleyne de vlucht. Dyt volck bruket 
ok wapen / dat sin seer scharpe gleuinge*) edder gauelinen*) / men 
wedder to staen der grimmigen douendicheit \nde bitterheyt desser 
Canibali / so helpet jd gaer weynich. Dyt volck sprack ock / wawner 
teyen der Canibali auerkamen der eren hundert yodoch auerwinnen 
de teyen Canibali der eren hundert. Wy mochten nicht wol vornemen 
effte erkennen wat dyt volck anbedede / danne den hemwel Sunne/i 
Ynde Maen. Van den seden ynde gebruken der andern jnseln mochte 
wy sunderlick nichtes nicht eruaren / vmwe der körte willen der tyd / 
Ynde feyls efte gebrekes d^ Tolke^.) 

DAT LXXXIX OAPITTEL: VAN den seden geviraenheyden vnde ge- 
bruken der jnwanere in der jnseln Spagnola. 

DAt volck in desser jnseln gebruket in der stede des brodes 
wörtelen / de sin in der grote Ynde forme alze de langen ynde gelen 
moerwortelenß) / vnde sin ein weinich ßöthe / alze de verschen 
Castanien^) / desse wörtelen nömen se Ages. Dat goldt is by en in 
etliker mathe geachtet. Se dragen dat goldt anhangende an den 
Oren vnrfe Nasen. Wy erkanden ock / dat se nicht hantereu mit 
kopenscop / van dem« enen orde to deme andern. Vnde vrageden 
se ock dorch bedudinge Ynde teken / wor se dyt goldt vünden / do 
vorstünde wy Ynde vornemen / dat se jd vünden in dem sande etliker 
vlete edder beken^) alze dar kamen effte lopen / van den aller- 
högesten bergen / vnry^ vinden edder sammelen jd in runde körnekens 
wyse^) Ynde dar na slaen se jd to breden stücken / alze ein koke^ö) / 



^) Ital noi castrati. *) Nicht bei E. ') Ital li estremi membra del corpo ; 
R. auszerliche glider. *) R, hat nur lentzelein. ^) Hd mangel der Dulmetschen. 
®) Hd. Steckrüben. ^) Hd. kosten oder Castanien. ^) nicht bei R. •) Hd. in 
kugeis- oder körner weyse. *°) Hd, nur: zu plechen. 



1^5 

yodoch vindet men goldt an dessem orde der jnseln dar wy weren / 
alze wy denne noch dar na voruören ynde eruörschedewi) do wy 
gingen vmme de jnseln / noch dann alze wy dar suluest hen wech 
vore / do queme wy vngeuerlick an ein seer groet vleet / vnde alze 
wy dar suluest gingew to lande to vischen / Ynde water to nemen / 
do vünde wy dat sandt mit golde seer vormenget. Ock seghe wy 
nicht in desser Jnseln ein veeru6tich deerte / danwe dryerley Canninen 
vp latin Cuninculos. Ock sege wy einen groten hopen seer gröter 
slangen / welke de sulue jnsel erneret vnde spyßet / \nde de suluesten 
slangen doen nemant schaden. Wy sogen ock dar suluest wilde 
Tertelduuen vnde Antuögel^) / de weren gr6ter dann^ de vnseren. 
Ock sege wy G6ze / de weren vthermaten schöne ynde wyth \nde 
haddew einen roden kop. Item wy sogen ock Papagalli (na etliker 
vthleggen Papegoyen^) welcke etlike grön sin / etlike gantz geel / 
etlike weren gelyck den van India / Ynde hedden enen roden hals 
efte kele vnde hörst. Wy vöreden erer by . Ix . mit vns hen wech / 
de weren van mannigerleye varue / desse suluesten Papagalli bewyseden / 
(lat dessc jnsel ein deel effte weynich der arth sy des landes India / 
(iorch de nature edder dörch de naheit.*) Dyt landt dat brinckt van 
nature Tele Mastix Aloe BoemwuUe / ynde andere sulke dinge. Id 
brinckt ock etlike körnekens de sin roet / Ynde ock mannigerleye 
varue / se sin scharper / bitter / edder beter^) dann de Peper / wy 
hebben de körnekens vorßöcht. Id brinckt ock Canneel vnde Engeuer / 
welker wy mit vns hen wech vöreden. (giij). 

DAT XC CAPITTEL: WO DAnnewyß der Christoffep Dauer Iceth to 
rfigge achter^) sick . xxxviij . mattne / vp de tyd alze he heu segelde 
effte sehepede^) / welke manne scolden leren vnde eruaren dat wesen 

der jnseln. 

DEr Christoffer Duuer (vp latin vnde walsch heth he Christof- 
ferus Columbus') was vp dyt mael to vreden an dessem nyen lande. 
He bekende an etliken meldingen / dat an den örden eine vnerhörede 
werldt were. Vnde alze jd im Sommer^) was / so menede he vnde 
v«*«rsettede sick na büß to varen / alze he denne dede. Vnde leth 
by deme vorgeraelden konninge sines volckes xxxviij manne / welke 
scolden leren Ynde eruaren de gelegenheit Ynde egenscöppe desses / 
landes / beth tho siner tho kumpst. Desser konninck was genandt 
tTuacranarillo / mit welkem konninge makede der Christoffer Duuer 
ein^gedinge / eyninge effte vorbundt vrame siner . xxxviij . manne 

^) nicht bei B. ^ Hd. fügt hinzu: ader Endten ^) Die Parenthese nicht 
^fei R. *) Das ital. Original fügt hier hinzu : benche la opinione di Colombo pari 
aduersa ala grandeza de la spera. Atestando maxime Aristotele nel fin del libro 
de celo e mundo Seneca e altri che nö söoo ignoranti de cosmographia dicono 
lindia (Indien) nö molto distare de la Spagna per longo tracto de mare. ^} Hd. 
scherpffer oder reßer. *j Hd. nur: hinter sich. ') Hd. nur: hinweg schyflFte. 
*) Ital la prima uera; B. im Lentzen. 



126 

haluen / alze he by eme leth / dat he desse ma;me wolde hoelden 
in guder bescherminge^) / Ynde behoelden se by dem leuen. Alze nu 
de konninck desse ma^me ansach / dede vp de tyd dar suluest by 
eme scolden bleuen / do wart he beweget mit barmherticheyt. Also / 
dat eme de tränen efte dat water van den ogen^) vthgingen / ynde 
nam se in de arme / to einer betekinge dat he ene wolde alle vriint- 
scop vnde guden willen bewysen. Also na dessem segelde ChristofFer 
Duüer hen wech na Hispania / vnde vörede mit sick teyen manne vth 
desser Jnseln / van welken teyen mannen he möchte erkennen / dat 
ere sprake were lichtelick to leren / vnde men mag se ock schriuen 
mit vnsen boeckstauen. Se nomen den hemn?el Turci / ein huß Boa / 
dat goldt Cauni / vnde einen erbaren man nömen se Toyno / wnde 
nichtes Maxani / ynde andere ere w6rde reden edder spreken^) se 
nicht to myn / dann alze men im latin alle worde reden vn^^^ spreken 
mach. Dyt is alzo gescheen in der ersten schypfarth eflfte segelinge.^) 

DAT XCII CAPITTEL. WOdanewyß der Christoffer Dauer vanth de 
jnseln der Canibali / der mynschen vreteren. 

AN deme ersten daghe des Octobris / dat is / des Wynmaens / 
do schepede Christoffer Duuer^) hen wech van Canaria / vnde voer 
effte segelde^) ein ynde twintich dage vp deme Mere eer he denne 
landt vanth / he schepede auer dath Mere tho der luchteren handt / 
yegen dem myddages winde edder Süden 3). Dyt was eine andere 
erste reyse effte schypfarthe / in welker he quam in de jnseln der 
Canibali. Vnde tom ersten segen se einen waldt / desse was also 
dicke van bömen / dat men nicht mochte erkennen / wat dar suluest 
were / vnde jd was an einem Söndage alze se dyt segen / do nömeden 
se desse landtscop Söndach^). Vnde alze se bedachten dat jd dar 
weer jngewanet do bleuen se dar suluest nicht /.ßunder se schepeden 
wyder vor an hen wech. Se schepeden efte segelden^) in dessen ein 
vnde twyntich dagen na erem beduncken / achtehundert ynde twyntich 
düdesche myle edder Lege (men n6met jd ock wol eine wekesees^) 
se hadden vp de tyd guden windt van myddernacht efte Norden. Alze 
se nu van desser vor gemeiden jnseln hen wech vören / do quemen 
se in korter tyd in eine andere jnseln / de was auervlotichliken vul 
bome / de geuen einen wünderbaerliken r6ke. Id giengen erer etlike 
to lande / de segen nene mynschen / ock neue andere deerte dann^? 
Lacertas / dat sin egedytzen^) / de weren einer vnerhoreden gröte / 
Desse jnseln nömeden se to deme Grütze / ynde was dat erste inge- 
wanede landt / dat se segen na erem affscheden van den jnseln 
Canarie. Desse Insel was der Canibali / alze se vp de tyd dar na 
erkenden dorch de voruarenheyt ynde dorch de Tolcke vth der jnseln 

') Hd. schütze vnd schirme. *) Hd. trehem oder zeehem von den äugen. 
') nicht bei B. *) Ital. le Admirante Golombo. '} Ital Domenica. •) Die Paren- 
these nicht bei B, vekesees etwa 4 oder ö Scenieiknj vgl mnd. Wh. V 059. 
^) Diese Erklärung nicht im ital Original 



127 

Spagnola / welke se mit sick hadden. Vnde alze se voren vmme 
desse vor gemelden jnseln / do vünden se vele doerpkens^) / welker 
einer by twyntich beth in drüttich hüser hadde / welke alle weren 
gebuwet na der ordeninge / geringeswyß vmwe einen runden Plaen / 
welcke^) do was dar suluest in deme middel. Se weren alle van holte 
gebuwet / mndt alze ein bozelkloet^). To dem ersten so maken se 
in de erden vele höger bome / welke dar maken den vmme gryp edder 
vmme kreetb^) des hußes / dar na maken se dar in etlike körte 
balcken de sin jngeslaten / geschortet effte angehechtet*) an desse 
langen holter / dat se nicht können vmme vallen. De auer decke 
edder dath dack maken se geformte edder gestalt^) / gelick alze dat 
dack enes Teldes / Ynde alle desse huser hebbew spysse dake / dar 
na schörten / vlechtew / edder knutten^) se desse langen holter mit 
Palm biedern / vncfe ßus ock mit anderen biederen desser gelick. 
Also / dat se seer wol sin bewaret vor water / (giüi). Vnde jnwendich 
van vnder beer / vlechten se de korthen balken mit boemwuUen 
stricken / vnde mit wörtelen de sin gelick den heyde büschens / dat 
is Genestra. Se hebben etlike ere beddestede staen in der lucht / 
vp welke se leggen boemwulle mde stro / to einem bedde^) / wy segen 
an einem ende twe höltene sulen^) de stünden vp twen slange« / wy 
meneden dat jd ere aflfgödere weren / men se weren alleine so vp 
geseth to einer schoenheyt edder zyrheyt / wente se anbeden alleyne 
den hemmel vnde de planeten. Alze de vnsern sick nalende worden 
tho dessem ende / do worden de manne vnde vrouwen desser Inseln 
dar van vleen edder lopen vnde verlöten ere hüser / do vünde wy 
drüttich vrouwen Yude junge knechte / de hadden se geuangen de 
suluesten Canibali / in etliken jnseln dar ßüluest vm^ne liggen / vp 
dat se desse wolden ethen / vnde de wyuer to hoelden vor Sclauen / 
de ylögen to vns. Ynde alze wy in ere hüsere gingen / do vünden 
wy dat se hadden stenen schottelen eflfte vathe^) / na vnser wyse / 
van allerleye forme edder gestalt^) / \nde in den koken hadden se 
mynscheM vlesch to seden / mit sampt Papegoyen Gözen vnde Endten / 
de steken an den bratspitten to braden. Vnde vünden ock armen 
bene / vncfe der geliken van den schincken^) der mynschen / welke 
äe beholden Yude vorwaren / dar vth to maken spyssen an ere pyle / 
wente se hebben nicht yseren. Wy vünden ock ein höuet van enem 
jungen knechte / desse was kortlick to voren gedödet / dat hengede 
an enem balken effte wymen^) / wnde dat bloet droep noch dar vth. 
Desse Insel hefft achte grote vlete / vnrfe se nömeden se Guadipea / 
dar vmme dat se gelick is vnser leuen vrouwen berge to Guadaluppi 
in Hispania. De jnwaner dar suluest nömeden se do Carachara. 
Men brinckt vth desser jnseln Papegoyen / de sin groter dann^ de 

') Hd. weyler. *) Hd. bloss: kögelath. ^) Hd. nur: vmbschwayfFe. *) Hd. 
««r: eingeschlossen oder angeheffthe. *) nicht bei B. ^) Das ital. Original fügt 
hinzu: Et hanno portichi: done se reduccano in ziiccare, was E. wegUess, weil er 
das seltene se reducano wahrscheinlich nicht verstand, 7) Ital. statue. ^) Hd, 
nur: geveße. •) Hd. schenkein. 



128 

Fasani edder F^ysanen / vnde sin vele anders gestalt danwe de andern / 
se sin am gantzen lyue roet^) YJide de vlögel sin mannigerleye varue / 
YTide de w6lde dar suluest sin vul der Papegoyen^) / welken desse 
lüde tho ethew geuen vnde vp v6den / vnde dar na so ethen se denne 
de suluen. 

Der Christoffer Duuer^) leeth vele schenckinge doen den wyueren 
so dar vp de tyd weren to eme geflagen / vnde jd geuil*) effte be- 
leuede enen / dat se mit dessen schenckingen scolden henne gaen to 
ßöken de Canibali / dar vmme / wente se wol wüsten / wor se weren. 
Also gingen de gemeiden wyuer hen / vnrfe vundew erer einen groten 
hopen edder tal.^) Men alze se segen de vnseren / efft jd geschach 
vth vruchten / alze se möchten hebben / efft vth eren weten^) auer 
ere b6zen wercke / edder missedaet / so sach eine dem andern in 
dat angesichte / vnde worden alle vleen in de dale Yude wolde van 
dar nicht verne. Alse de vnsen de jnseln hadden vmmegangen / do 
quemen se to den schepen der Canibali^) ynde to breken se alle / 
also vele se erer vünden. Vnrfe also voren de vnsern hen wech van 
desser Guadaluppa / to ßöken ere geselscop in der jnseln Spagnola / 
ynde leten vp der ersten varth to der rechten vnde luchteren efte 
lincken handt vele jnseln liggen. Id erscheen ene yegen myddernacht 
edder Norden eine grote jnsel / do spreken de yennen so Christoffer 
Duuer^) hadde mit sick geuöret vth der jnseln Spagnola de konden 
de sprake / ynde ock de yennen / so wy erlöset hadden vth den 
henden der Canibali / se weren genant efi'te gebeten^) Marinina^j / 
ynde sprekens vorwaer^^J / dat in desser suluen jnseln anders nemant 
en wanede / dann^ alleyne wyuere / welke to einer tyd im jare sick 
vorsammelden / ynde lyflick to samen quemen mit den Canibalen^^) / 
vnrf^ wanner se dene dar na Söne telen^) edder geberen / so neren 
efte vöden^) se denne de suluen / ynde schicken se denne to eren 
vadern. Men wanner jd döchter weren so beheelden se de suluen 
by sick. Se spreken ock dat desse wyuer / hadden etlike grote 
grauen / knien / grouen ynde höler^^) vnder der erden in welke se 
vleen efte de vlucht nemen^) / so euer to ene kümpt / to einer andern 
tyd im jare / dann jd vthgesettet edder vthgedelet is. Ynde so ener 
vth vyentscoppe efte mit gewalt / wölde hen in ere jnseln / so be- 
schütten effte beschermen^) se sick / ynde weren sick mit schotte ynde 
mit pylen / mit welken se seer wol scheten könen. De vnsern mochten 
to der suluen tyd nicht nalen to desser vor gemeiden jnseln / ynde 
schepeden hen wech / na deme se desse jnseln geseen hadden / vyfftich 

*) llal. häno tutto el corpo : & le spalle rosse. Die leUten vier Worte Hess 
R. als unnötig weg. ^) Itat. Non mancho copia häno de Papagalli, che appressi 
de noi Ciligati. ') Ital Lo admirante Colombo. *) Ital ordinaro ; R. er beualche 
inen. G. hat es also falsch verstanden. *) Ital fügt hinzu: de qlli li quali veniano 
per in gordita de 11 domi (domi Druckfehler, vgl. Ital. per ingordita de li donni 
= Frauen.) R. Hess die Stelle als unverständlich weg, *) Ital. conscientia ; Ud, 
gewissen 7) nicht bei R. *j Ital. lo admirante. ^) Schon bei JB., aber Ital, 
Matinina. ^^) Hd. aygentlich. ") Ital. fügt hinzu: come se dice de le amazone. 
*^j Fiir die vier Wörter hat R. nur gruben und holen und Ital. nur caue. 



129 

walsche myle Ynde v6ren vor ene andere Inseln / van welker de 
vaken gemeiden vth der jnseln Spagnola spreken / dat se mit sere 
vele Volkes beseitet weer / vnde weer auerulödich van allen dingen 
alze dar noet sin to entholdinge des mynschen / vnde wo se were 
val höger berge. Also geuen se der jnseln so danen namen Mon- 
ferrato / dat is / de yseren berch. Ock sprecken de vaken gemeiden 
vth der Jnseln Spagnola / des geliken ock de dar gelöset weren van 
den Canibali / dat de Canibali yo by wylen dusent walsche myle vth 
voren / vp dat sie mochten mynschen vangen / vnde de suluen to 
ethen. Dar na des andern dages quemen se to ener anderen jnseln / 
de was rundt edder ringeßwiß gestalt / der gaff Christoffer Duuer^) 
den namen Sancta Maria rotunda. Vnde dar na noch eine ander 
jnseln / de was wyder hen vth / desse nömede he / tho Sunte Märten / 
men in nener desser jnseln töueden^) efte rasteden se. Vnde an 
deme drudden tage viinden se noch ein mael eine andere Insel / 
welke na erem beduncken edder gyssen^) was an deme ströme van 
deme vpgange yegen neddergange / dat is / vam Osten yegen Westen^) / 
anderhalfifhundert walsche myle lanck. De Tolcke desses landes 
spreken warafftichlick dat desse vaken gemeiden jnseln / alle sament- 
iick eflfte mit einander^) wünderbaerlick schön weren / vuifie vruchtbaer. 
Vnde desse lesten nömeden se tho Sancta Maria antiqua. Na desser 
vunden se noch to malen sere vele jnseln / vncfe ßünderlick by veer- 
hundert walsche mylew van dawne dar viinden sie eine de was gröter 
äsLJxne alle de anderen / welke van den jnwaneren dar suluest is 
genant / Ay ay / vnde de vnsern nömeden se to deme / Hilligen 
Crutze^j AI dar nemen se water Vnde der Christoffer Duuer^) 
sendede drüttich manne to lande / vth sinem schepe / de scholden 
de jnseln beseen vnrfe bschouwen / dar van to vorkünden vnde to 
beduden^). Also viinden se veer Canibali / mit veer wyueren / welke 
de vnsern segen / vnde desse weren mit den henden to samen ge- 
bunden / so bedachte en dat se begereden hülpe / also löseden se de 
vnseren / vnde de Canibali nemen de vlucht hen in de wölde. Vnde 
alze der Christoffer Duuer^) dar suluest twe dage hadde gewesen / 
do leeth he dar suluest bliuew siner menne drüttich stedes vorborgen. 
In deme suluen segen de vnseren kamen eyne Barcka^) edder schyp / 
mit achte mannen \nde achte vrouwen / dat sulwe schyp anrönnedew 
de vnsern / men de in deme schepe de wereden sick mit pylen. Also / 
dat to der tyd eer sick de vnseren mit Schilden^) edder borstweren 
bedeckeden / so wart vnser einer^) geschaten van der vrouwen einer / 
welke ok ßüs noch einen anderen hertlick vorwundede. De vnsern 
bekenden wol dat ere pyle vorgyfftiget weren wente bauen an der 
spysse weren se gesaluet / mit einer vörgyfftigen salue. Vnder welken 
was ein wyff welkerer de anderen alle gehorsam Yude vnderdanich 
weren / gelikerwyß alze einer konninginnen / de sulue hadde by sick 

*) Ital. lo admirante. ^) nicht bei R, ') Ital. sancta croce. *) lUnh una 
Chanea cioe una Bracha. *) Ud. Tartschen. *) Hd. jre einer, was falsch ist. 

Ni«derdeat>ohefl Jahrbuch XXXIV. 9 



130 

einen jungen / dyt was eer Sone / de was grwlicker vnde grwsamer 
gestalt / mit einem angesichte alze ein mördeneer. De vnsern be- 
sorgeden sick dat se mochten mit eren pylen gewundet werden / vnde 
gedachten vor dat beste / an se to nalen. Also qiiemen .se to en / 
Ynde vnderßuncken en ere schepe / dar na swömmeden beyde manne 
xnde vrouwen im water / yodoch nicht to myn schoten se to den 
vnseren / gelikerwyß alze weren se noch in crem schepe gewesen / 
vnde quemen vp enen vasten boddem eflfle steengrunt mit water 
bedecket. Alse se sick dar suluest trostliken yegen vns wereden / 
do worden se geuangen van den vnsern / \rxde einer van en wart 
doetgeslagen / wnde der konninginnen Söne wart verwundet mit twen 
wunden / \ude men bröchte se geuangen vor den ChristofFer Duuer^) / 
do stelden se sick also grwsamlick vnde grwliker wyse / gelikerwyß 
alze ein wylder I6uwe wawner he völt edder vornimpt dat he gebunden 
vnde geuangen is / so wert he mer dörder Ynde dauendiger. AI de 
se ansach de vorschrack \nde vrüchtede sick v6r en / also vor- 
schreckelick vnde düuelsch weren ere angesichte Ynde gestalt. Alze 
nu de vaken gemeide Christoffer Duuer^) alduß voer hen vor an / 
nu yegen myddach efte Süden / nu yegen neddergange edder Westen / 
so quam he vp eine wyde des Mores / de was vul mannigerleye jnseln 
ane tal / etlike ersehenen mit velen w61den / vncfe lustich / etlike 
dorre / vnfruchtbaer / stenich / ynde vul berge / etlike ertögeden 
sick twischen den bieten bergen Krymisin varue / de andern Violen 
varue / de anderen de aller wyttesten varue / also dat vele meneden '/ 
jd weren äderen effte ströme van metalle \nde eddelen gesteinten / 
Se schepeden nicht dar suluest hen auer / wente dat weder was nicht 
gud. Se beurüchteden sick ock vor de veelheyt der jnseln / dat de 
grotesten schepe mochten lopen an de klyppen vnde b6sen gründe / 
Ynde nemen schaden / vnrf^ na leten dyt vp dat mael / villichte beth 
vp ein ander tyd to teilen einen sulken hopen der Inseln / so wun- 
derbaerliken vnder einander vormenget. lodoch so gingen effte voren 
etlike Grauele edder schepe / so dar nicht deep water bedorueden / 
dar suluest hen in de naheyt / Ynde telden der suluen jnseln ßöß 
vnde veertich. Vnde nömeden desse örde Arcipelago / dat is ein 
Ertzemeer / vmwe der veelheyt willen der suluen so velen Inseln. 
Alse se noch hen vor an schepeden vp desser varth / do vünden se vppe 
haluen wege eine jnseln genant Buchema^) / dar suluest weren der 
yennen vele so dar verloset weren vth den henden der Canibali de 
spreken / dat se mit to malen velem volcke were beseten edder 
jngewanet / Ynde hadde gebuwede edder geackerde velde effte erdt- 
rike / Ynde were vul klyppen Ynde w61de / Ynde spreken / wo de 
Inwaner dar sulust weren stedes vyende gewest der Canibali. Se 
hebben dar suluest neue schepe / vp welken se mochten varen in de 
Inseln der Canibali. Wanner jd sick denne by wylcn begyfft / dat 



1) Ital, lo admirantc. ^) Ital. Büchema. 



131 

de Canibali kamen in ere jnseln / se to bereuen ynde wech to 
voren / \nde so se en mögen \nde könen auerwynnen / so steken se 
en de ogen vth / ynde houwen se to stucken / braden se \nde vrethen 
se vor einen roeff / ynde dyt wart vns alle gesecht dorch de Tolcke / 
de wy mit vns badden geuöret vth der jnseln Spagnola. De vnseren / 
Tp dat se nicht vorßümet worden / so na leten se desse jnseln / vth- 
genamen vp enem orde yegen den nedderganck dar stegen se vth / dar 
suluest water to nemen / so viinden se dar ein schoen groter büß na 
eren seden / mit sampt andern twelff kleinen büseren / de stünden w6ste 
efte leddich / men sie wüsten nicht efft dyt de oersake was / dat se 
tho der suluen tyd des jares in den bergen waneden / vmme der bytte 
willen / ynde ock vmwe des vruchten der Canibali. Alle desse jnseln 
hebben einen einigen kowninck / welkeren se nömen Chiachichio / 
vnffe alle dyt volck is em mit seer groten eren vnderdanicb. De stroem 
desser jnseln erstrecket sick yegen middach edder Süden / by twe- 
hundert waischen mylen. In desser nacht Sprüngen vns twe jungen 
\ude twe vrouwen in dat Mere / dede verloset weren vth den henden 
der Canibali / ynde swömmeden in desse jnseln / welke eres vaderlandt 
edder ere heyme was. 



DAT CXLIII CAPITTELi) / EIN aifschrifft eines Sendebrenes / so 
vDsem aller billigesteH vader dem Paweste Jnlio dem . ij . is gesaut 
worden van dem allerd6rchlüchtigestem Forsten vnde heren / heren 
Emannel konninek to Porthegal &. An deme . xij . dage Jnnij^) des 
Brackmaens / jm . Mccceeviij . jare / \üde holt in sick van den 
vorgemelden wünderbaerliken reyßen ynde sehypfarten yegen Vpgange 
efte Osten^) / doreh de Porthegalier vnllenbröcht / in welken se 
voronerden xwle vnder sik hebben gebrocht Lande Stede Blicke ynde 
DSrper dar sulnest myt groter manslaehtinge. 

DEme allerhilligestem vader in Christo vnde allerseligestem 
heren / heren Julio vth götliker ordeninge allerhogesten Bischoppe / 
secht siner hillicheit de andechtiger Sone Emanuel / van gades gnaden 
Ko/minck tho Porthegal ynde Algarbien / hir beer ynde dar hen des 
Meres in AflFrica Here der schypfart ynde kopenschop to Ethiopia 
Arabia Persia ynde India / der suluen hillicheit vothe allerdemodigesten 
küsse. Allerhilligeste vader / der almechtige godt de meret ynde 
bewyset va?^ dage to dage sine wünderbarlike groetmechticheit auer 
dessen hilligen Stoel / to einem teken^) yuwer hillicheit / ynde to 
einer vorheuinge / edder vorhoginge d^r Christliken kerken. He suet 
beer äff van dem he?nrael na siner vnentliken güdicheit visiteret*) / 
\nde vullenkamen maket sinen Wyngaerden / welken sine gotlike gnade 
wil hebben dat he gebuwet werde an den orden des Osten durch vns / 



*) Dieses Kapitel bei K aber nicht im ital. Original. ^) nicht bei B- ') J^f^- 
Zierde. *) Hd. heimsuchte. 



132 

\nde hefft vns vrölike dinge ein na dem anderen stedes laten erschynen 
YTide to staen / so hebbe wy gedacht sulkes yuwer hillicheit / to 
sampt der gantzen gemeinschop der Christenheit to vorkünden. Id 
is vp dyt mael gekamew allerhilligester vader vnße schypfart geladen 
myt Mertze edder kopenschop yth India ynde anderen 6rden des 
Osten / welkere wy in vorgangener tyd dar hewne sendeden / se 
konden doch des suluen jares nicht to India kamen van des störmes 
weghen der wynde / welke se vorwürpen. Welkere arbeitsame efte 
sware schypfarth de götlike güdicheit denne noch also gemetiget hefft / 
dath se nicht hefft willen sulke erdöme \nde dröffnisse wedderumme 
blytschop to erlangen. Alse de almechtige got gyfft vns vaken nicht 
dat sulue dar vmwe wy dewne bydden vp dat he vns ein beters geue / 
dar mit he villichte bystant wil doen den vnseren in eren arbeiden / 
to einer des to ringern bestrydinge (alse wy hapen) der Sarracenen 
an den örden Arabie vnde Persie. Alße nu de öuerste Höuetman 
vnser schypfart alßo van der angeuangen schypfart vorhyndert wart 
do bestreet he ynde anstickede etlike rike Stede der Sarracenen in 
Ethiopia / an den örden dar jd seer na stöt an Arabia. Vnder 
welken Steden was eine genant Xer de wart vorschrecket van den 
doetslagen so dar geschegen an den anderen negesten vmweliggenden 
orden / \nde auergaf sik vns jaerliken tynßbaer to sin. \nde gaf 
to hant den ersten tynß edder lösinge an ydelew Marcellen / dat is 
eine Venedyer Münte / jd sint Schillinge alse by vns do dubbelden 
Lübeschen Schillinge^) mögen sin. Vth welkem men merjten mach de 
gewalt der Christen / so dar vthgestrecket wert beth an den aller- 
ütersten orth des landes Ethiopia. Na deme bestreet he vp der 
ßüluen vart de allerrikesten / vnde (liij) berömesten vnd aller- 
strytbaersten stadt genant Braua / \nde voniolgede dar suluest myt 
ernstlikem stryde de jnwaner ßo öme vth der Stadt entegen quemen 
to vorachtinghe der vnsen. Jodoch alse de vyende wedderumme de 
vlucht in de stadt nemen / do nauolgeden de vnsen hen in beth in 
de Stadt / vnde deden dar suluest in der gemeiden stadt einen gvoten 
doetslach. lodoch alse de vnsen dat Sloth bestreden / do haddeii se 
merkelike möye vnde arbeit / vmme des suluesten volkes behende 
lysticheit / vörsichticheit vnde vorstoppeder^) vortwyuelinge wyllen. 
Do nu de vnsen gewiinnen do vorslögen wnde wörgeden ße alle de 
jnwaner dar suluest / ynde vorbrenden de Stadt gantz vth beth vp de 
grünt / vp dat / dat dar nu geseen mochte werden / de almechticheit 
vnses salichmakers in allen dingen so durch de vnsen an den suluen 
örden sin vullenbröcht / ynde voruullet worde de spröke Dauid an 
deme . xcvi . Psalmen / dar he sprickt. Ignis ante ipsum precedet 
et inflararaabit in circuitu inimicos eius. Dat vür wert vor beer gaen 
vor dem heren / ynde wert vorbernen in dem vmmeuange sine vyende. 
Alßüs worden vorslagen der vyende / alleine myt dem jseren by 
anderhalff dusent / vnde in der suluen slachtinghe worden gefunden 



*) lfd. die Issprucker Schilling. ^) lld. verstockter. 



133 

\'mk genamen by den anderhalff dusent talenta van ßülueren ringen 
der Perde / vnde andere klenode na der gewaenheit des suluen 
Volkes / so se an erem lyue gedragen hadden / jd wart ock vele 
meer gheschattet. Vnde ein talentum is gemeinlick ein gewichte van 
. Ixxij . punden. Also na dessetw do toech de Houetman vnser schyp- 
fart (alse ome beualen was) vor de vmchtbaersten jnseln der Christen 
^elege» vaw dawne by negentich waischen mylen / de se nomen 
Zocothora / de dar vnderworpen is den Sarracenen / vnde is seer 
na an den strömen edder stranden des landes Arabia / vnde is ock 
seer wyd gelegen van des Persischen vnde Arabischen Meres vthuleten. 
In der suluen jnseln bestelde wy ein Castel Lantweer^) edder Vesten 
to buwen / dar vmwe dath men bestryden vnde vorst^)ren mochte 
dat Sloth der Sarracenen to Mecha. Vnde ock dar vmme dat vor 
an ien Sarracenen gantzlick benamen worde de macht edder vryheit 
to schepen in de Sinus / dat is in de vthulete des Arabischen vnde 
Persischen Meres / also dat ße an den suluen örden des Meres nu 
nicht meer handelen edder koepslagen mochten / van wolker hande- 
linge efte kopenschop sik de minschen in myddeln lantschoppen ok 
seer enthoelde/j. Alßus dyt werck to vullenbringen so voreden de 
^Tisen mit sick ein holten Castel / ingedelet in de schepe / welker 
(alse se dar henne quemen) vnuorsagentliken^) vp richteden to einer 
beschuttinge tegen de ßuluen / so en mochten vordreet edder wedder- 
stant hebben gedaen / de wyle ße jnwendich de Nauen buweden / 
yodoch so behödde gnedichliken de barmhertige god de vnsern. Alse 
nu doch de vnsern quemen to der jnseln / do vündew se dar suluest 
ein seer wol vorßöchtet^) Castel (welker vns vnwytlick was) ghebuwet 
van den Sarracenen / vnde in deme suluen Castelle eine seer vaste 
beuestinge. In welker de richter*) edder vaget was ein Sone 
Fartbarach des konninges in Arabia / welker vth der besittinge edder 
vugedye desser jnseln by den Sarracenen seer hoech geadelt efte 
geeddelt was / dar vmme dat se der Christe/i was / ock dar vmme 
dat desse jnsel was eine alleruasteste beschuttinge vor den stoerm 
vnde andere vaerlicheit der vthulete des Arabischen vnde des Per- 
sischen Meres. Alßo vorth do sick nu de vnsern to velde gelecht 
hadden / do quam en der Sone des kowniüges entegew beer vth v6r 
dat Castel / myt sinem gewapendem volcke / de worden van den 
vnsen auerwunnen vnrfe voriaget / also dat se wedder vmme de vlucht 
tom Castelle nemen mit sorgen vnde anxsten in welkem de vnsern en 
na yleden vnde vormenget samptliken myth en villen int Castel. 
Vnde alse nu eine lange tyd de emstlike stryd vp beider parthye 
gewart hadde / do worden tom lesten de Sarraceni vorslagen / na 
deme do se sick nicht woldon vangen geuen / doch so worden denne 
noch twe van en geuangen vnde nicht meer / al sulck eine harde 
vorstoppinge efte hardenackicheit was in en allen / dat se eer den 
doet erleden. Also worden dar suluest vele der vyende wapcn ge- 

^) nicht bei M. *) Hd. vnverzögelichen. ^) UcL wolversorgtes. *) lld. ptleger. 



134 

nameu / alse dar sin Bussen vnde ander schotwerck / oek manniger- 
leye Sweerde / alse men dat beuint / wo wol jd vnbillick is / dat se 
en van den Christen sin togesant / vp welken de namen der Christ- 
liken wercklüde myt Latinischen boeckstauen vthgegrauen edder ge- 
smöltet vnde gegaten weren. Vnde vppe etliken was geschreuen. 
Dens adiuua me / dat is God helpe my. lodoch alse nu dyt Castel 
was gewunnen / de Sarraceni vorslagen / vnde de jnsel vorlözet / do 
worden sick de Christen jnwaner dar suluest groetliken voruröuwen / 
vnde sick myt den vnsen wünderbaerliken to vröuwen. Id sint in 
desser jnseln by veertich dusent mynschen / yodoch so hoelden se 
in velen dingen de Jödeschen gewaenheit / darum/we dat se nu lange 
tyd hebbew gebreck gehadt an rechten warafftigew Lerem des Christ- 
liken louens / de se in dem suluesten louen gelert vnde gehoelden 
hadden. Id sin to hant erer vele gedofFt worden willichlick dorch 
vnse Prester vnde geistliken eines vullenkamen^j leuendes / welkere 
wy alle jaer dar hen senden. Vnde vns is kunt gedaen / dat sik de 
anderen alle werden dopen laten / so der vnsern Indianer ock vele 
in India gedofft werden. Ere gröteste vröude is ock gheweßen in 
deme / so en vnse vnderdanen in erer vorlösinge ere döchtere hebben 
weddergeuen / welke sick de Sarraceni (alse de geuangen) to aller 
vnreddelicheit myßbruken. Se hebben ok allerhilligeste vader kerken / 
in welkeren se sick vmme bedens willen des Morgens / tor Vesper 
vnde Nachtsanges tyd^) vorsammelen. Vnde hebben ock dat Grütze 
des heren / welker ok de Prester to einer sekerheit to dragen gyfft 
den yennen so by wylen vmwee eine myssedaet in der jnseln nicht 
doruen vmwie gaen. Se hebben ok vnse vorgenömesten Feste vnde 
Vasten. Se hebben ock dat Aduent / vnde de Vasten der veertich 
dage / vnde ock etlike andere Feste / to welkeren se sick nicht alleine 
van der spyße des vlesches enthoelden alse wy / sunder ock der vische. 
Se geuen den Tegeden / Decimas^) welkere ere Prester vthgeuen 
alleine vmme dat buwete der kerken / vnde den armen. Item so einer 
einen vth eren Presteren belastiget edder schaden deit / de suhie 
hefft dar suluest an neuem orde sekerheit edder vryheit. Id hefft ock 
sulkes vnse Vaget edder Richter*) laten vth ropen / dat is / dat sulck 
einem myßdeder der Prester wer dat castel noch vnse beuestingc to 
hülpe edder tor sekeringe schal kamen. Alße wy nu allerhilligeste 
vader desse jnsel voröuert hadden / welker wy to male seer wiins- 
scheden / \nde dar jnne de beuestinge der vnsern vaste bewaret vnde 
besettet hadden myt einem Eddelen gestrengen Vagede / vnde hadden 
ok an dem suluen Mere enen reddeliken deel vnses Volkes gelaten. 
Do voer dar na vnse schypfart / vth vnsem beuele / yegen India 
hen aflf / de was seer wol myt Reysigem volke \nde wapen gerüstet / 
vj) welkerer vart de vnsen vele schepe der Sarracenen vangeden vnde 
vorbrenden. Vnde nemen einen groten roeff van allerleye kopenschop / 
vnde sunderlick einen seer groten Su/wma van lakcn^) edder doken / 



») Hd. bewerte. ^) Hd. Complet zeyte. ») Nicht bei R <) Hd, pfleger. 



135 

Tnde anderen dingen / dat se jd nicht voren konden / sunder se 
würpe« jd in dat Meer / also dat jd geschach dat de vnseren vp 
sulkem roue so se int Meer gevrorpen badden / droges votes van 
einem schepe tom anderen gaen mochten. lodoch do nu de vnsern 
io Indiam weren gekamen do vorbrenden se myt grotem stryde vele 
schepe der Sarracenen / in eren steden / hauen / ynde porten des 
Meres / welke se an desse 6rde vth vruchten wech weken / vnde 
myth grothen schranckwercken vnde bolwercken vorwaret badden. 
Vnde dat to der tyd desses hilligen Stoles / vnde by yuwer hillicbeit 
dat gröteste schal sin. So spreken de vnseren vorwaer dat jd ge- 
scheen is / dat de Sarracenier hebben vorkündiget (dede dar na deme 
affscheden der vnsern van India weren gekamen van dem Persischen 
vnde Arabischen Mere) welkerer bodeschop alse van den vyenden meer 
to louen is / dat dat ander deel vnses volckes dat dar to Zacothara / 
alze vor beer gemelt is / gebleuen is / einen sulken krick / erschrecken / 
vnde vruchten den Sarracenen an den suluen orden gedaen vnde ge- 
maket befft / dat etlike Stede des landes Arabie / ock dat aller- 
wydeste Ynde beromeste Blick^j Arciuun / welker Ptolomeus nomet 
Annusa / dat gelegew is jm jngange des Persischen vth vletes / vnd^i 
k dem Sophi vnderdanich / nu sick in vnse auerheit ynde gebcdc 
pegeuen hebben / also dat to verwunderen sin de geschicke der güt- 
liken mechticheit / de dar vnderwerpet de orde des Sophi (der sik 
vnder anderen groetmechtigen der werldt vnde vnder allen volckeren 
edder mynschen eynen vorscbreckliken Heren hoechmotichliken bewyset) 
den vnsern / einer kleinem herdew Christi to laue vnde to eren des 
allergrotesten Christliken namens vnde to einer gelückseligen vorbei- 
dinge eines tokümpstigen Triumphes wnde Segeuechtinge / ock Auer- 
winninge der Christliken kerken in der gantzen werldt. So doch aller- 
hilligeste vader sulke toualle kamen vth der gewalt gades / wol^) wyl 
an dem twyuelen vnde nicht erke/men / dat sulke alle desse dinge durch 
de handt gades vullenbrocht werden / welker / alles dat he wyl dat 
deit he / in dem hemmel vnde vp der erden / de dar ock vuUcnbrinckt 
sinen wyllen in Babilone / vnde sine macht in Caldeyern. Vnde dar 
nnme wol^j wyl dar affwenden sine vthgestreckede/t baut Edder 
wol2) wyl dar vorhynderen dat sulue dat he sick hefft vorgeseth. 
lodoch so weren noch vele meldinge werdige dinge to schriuew ock 
van den götliken gnaden vnde güdicheit so den vnseren gescheen is 
an dessen orden des Vpganges edder Osten / dyt wylle wy vmwe der 
körte willen des sendtbreues vnderlaten / ßunderlick ock / ßo genoech- 
samlick vth den vorgeschreuen geschichten erschynet / wo der almech- 
tige god ytzundt sick erheuet / to einem ördel vnser ßake gedechtich 
der smaheyt ynde houarth siner viende / so dar nicht willen na volgen 
deme Heren Christo / de dar so wünderliken nu anheuet to stryden / 
to einer vorlosinge der Christliken kerken vnrf^ sines volkes ock in 
den vtersten vnde wydesten edder vordesten^) landen / welke wer god 



') Hd, Marckte. «) Bd, wer. ^) Nicht bei B. 



136 

noch sick suluest erkennen. Datum Alcochethe / am . xii . dage Junij 
des Brackmaens / jm . mcccccviij . 'jaren. 

DÄr na am . xxiiij . dage Julij des Höwmaens / ock in dessem 
jare Dusent viflfhundert vnde achte / is schrifftlike bödeschop vth- 
gegangen vth Lyßbona / van einem eerbaren loffwerdigem koepmanne / 
welkes sin name wol bekawt is / wo dat desse vörgemelde aller- 
dörchlüchtigeste Kowninck to Porthegal hebbe gesant in Barbaria 
veftich schepe wol gerüstet. Vnde dar to by ßöuen hundert rüteren^) 
to Perde / vnde by veer dusent voetknechten. So is vor beer sulck 
Volk dat ok siner gnaden is / ock wol also vele dar suluest / in veer 
stede vthgedelet / welkere ock sine gnade in vorgangener tyd ge- 
wuwnen heflft. lodoch wat sine kownincklike Maiestaet myt sulckem 
volcke vth richten wyl / dyt is noch to dessewi male in der gemeine 
vnbekant / doch jd mach to siner tyd ock an den dach kamen. Denne 
so vüge de almechtige God sulkes alles (mit sinen götliken gnaden 
\nde barmherticheit) to dem besten. Vnde vörluchte de düsteren 
ynde dwalende herten der vngelöuige to einer erhöginge vnde vor- 
meringe der hilligen Christliken kerken. Welkem dar sy LoflF Ere vnde 
Danckbaerheit / van allen Creaturen vmmer vnde ewichlick Amen. 

Also hefft dyt Boeck einen ende / welker vth Walscher sprake 
in de Hoechdüdeschen gebröcht vnde gemaket is / dörch den wer- 
digen vnde hoechgeleereden heren Josten Ruchamer der vryen künste 
vnde arstedyen Doctoren &c. Dar na dörch Henninguw Ghetelen 
vth der keyserliken Stadt Lübeck gebaren in desse sine Moderliken 
Sprake vorwandelt. Vnde dörch my Jürgen Stüchßen to Nüreinberch 
Gedrücket \ude Vulendet na Christi vnses leuen heren gebort 
Mcccccviij . jare am Auende Elizabeth der hilligen Wedewen / dede 
dar was am achteyenden dage Noue/wbris des Wyntermaens. 
Henninghi Ghetelen Lübecencis Distichon. 

Vasta periclo sceptra graui scrutata Columbi 

Regis et insignis Emanuelis ope. 

H 

TELOS 

G 



Anhang. Ans fihetelens hochdeatscher Vorlage. 

RUCHAMERS NEWE LANDE. 

Die Vorrede dyses Büchleins. 

Nach dem mir etwan in kurtz vergange;» tagen einer meiner 
guten fründe / dyses büchlein (in wellischer spräche gemachte) vber- 
antworte / an mich begerewde sulches in deutsche spräche zu bryngen / 
der maynunge vnd wyllens dasselbyge darnach myt schryfften auft' 
zu drücken / als dann beschehen / wurde ich ytzgemeltes büchlein 

^) Hd, raysigen. 



137 

zum tayle verlesen / vnd in den vinden so wunderbarliche vnd byß- 
here vnerhorte dinge / welche auch an etlichen orten den geschrifften 
der alten Natürlichen Mayster vnd hochgelerten wyderwertige sein / 
in deme / das ist / so sie geschryben haben vnther etlichen kraisen 
des hymels (aufif dem erdtriche / kain wonunge der menschen zu sein. 
Welches dyse rayße ader schyeffarthe so gethan ist worden auß ge- 
schicke ader beuelhe der allerdurchleuchtigsten küngen zu Porthugal 
vnd Hispania / klerlichen anders anzaigte / nach jnhalte dyses bfich- 
leins / dann sie an den selbigen orthen gefunden haben / wunderbar- 
liche schöne vnd lustige jnseln / mit nackenden schwartzen lewten 
seltzamer vnd vnerhörten sitten vnd weyse / auch seltzamew wunder- 
lichen thyeren / geflugeln / köstlichen bawmen / spetzereyen / man- 
cherley edeln gestayne / berlen vnd golde / welche bey vns hoch 
geacht / vnd daselbste by jnen gemayn sein. Als ich aber sulches in 
dysem buchlein befunde gedachte ich dysem obgeipelthen meynem guten 
frunde zu gefallen zu werden / vnd dyses büchlein in dewtsche spräche 
zu bringen / vnd also etwan zu meinen muessigen zeyten / so ich mochte 
gehaben / dewtschte ich dyses büchlein myt der zeyte / byß zu dem ende. 
Auff das meniglich erkennen vnd erkündigen mochte / die grossen 
wunderbarlichen wunder gottes des almechtigen / der die weite mit 
so mancherley geschlechten der menschen / landen / jnseln vnd sel- 
tzame» creaturen (wie oben angezaygt ist) erschaffen vnd gezyerthe 
hat / welches alles vor dyser zeite / bey der Christenhaythe vnd vnser 
natione ist vnbekante gewesen. Vnd auch welches vast wunderbarlich 
ist / das die Christen sulche weythe / verliehe / vnbekanthe vnd 
wunderbarliche rayße ader schieffarthe gethan haben. Welches nach 
der ordenung dyses Büchleyn / das do genandte wyrt / Dye newe 
weldte / alles in nach volgenden klerlychen wyrt anzaygen. 

Anfang des Büchleins . von der ersten schyffarthe / vber das Mere 
OceeanuYn / in die Landtschaffte der Moren / in dem nidern Morn- 
landt / anß gebiete vnd beneihe / des Dnrchlenchten Fnrstenn vnd 
Iierren / berren Hüriehi) / der ein brnder was / berren Donrthi) / 

des knni/^s zn Porthogal. 

Das erste Capitel / vrer Erstlieh erfunden habe / die Schyffarthe des 

Heres Oeceani / gegen dem mittemtag. 

Als ich Aloysius von Cadamosco^) vom geburt auß der löb- 
lichen Stat Venedig / was der erste / der sich erhübe zu vberschyffen 
das Mere Occeanum genandt / gegen den orten gelegen gegen mittem- 
tag / in die Lande der Moren / des vndern Morenlandts / do hab 
ich auff diser meiner Ileyße / oder Schyjft'arthe / gesehen vil newer 
ding / wirdige zu mercken / wawi mein furnemen gewesen ist / zu 
besuchen seltzamme ding / an manchen vnd newen orten / Also das 
in warheyt / vnser lande gebrauche / oder gewonheyten / auch vnsere 

') Im Berliner Exemplar wird Hürich durch Heinrich U)\il JJourth 
durch Eduard [von einer modernen IlandJ glossiert. ^) ItaL: Ca A« x^osto. 



138 

orte oder landtschaffte zu gleychnuß der dinge so ich gesehen habe / 
vnd erfaren / ein andere weit möcht genandt werden / Darumb ich 
suliche ding billichen achte zu mercken / Vnd also / so vil mir die 
gedechtnuß wil beholffen sein / so wille ich beschreyben sulch ytzge- 
melte ding / Vnd ob ich sulchs in ordenlicher / oder geschyckter 
ordenung nicht wurde setzen / Als dann die materien diser dinge er- 
fordert / solle yedoch die warheyt hierinnen an allen orten / nicht 
vmbgangen werden / vnd sunder zweyfel / wille ich ee was zu wenig 
sagen / dan etwas neben der warheyt offenbaren / Ist nun zumal zu 
wissen / wer do gewest sey der erste vrsacher oder anfenger / der 
do hat lassen vberfaren die ort des Meres Occeani / gegen mittemtag / 
in dise lande der Moren / des nidern Morenlands / welche seyder 
Adams zeytten bißhere (das wissentlich sey) nicht sein geschyffet 
worden (do von schreybt auch Plinius) biß in disem sumer / Der 
durchleuchte Furste / Herr / Hurich / des allerdurchleuchtcn herren 
Johansen / kunigs zu Porthogal Sune / Von welches mercklichen 
tugenden vil zu sagen were / Welches ich vmb kurtz vnderlasse / 
dann alleyn das der ytzgemelte Fürst herr Hurich / gantz vnd gar 
genaygt ist gewest / zu der RitterschafFt vnsers herm Jhesu christi / 
mit kriegen / wider die wilden vntzamen völcker / mit jnen zu streyten 
vmb Christlichens glaubes willen / Er wolte nie keyn weyb nemen / 
sunder in grosser keuschheyt enthielt er sich in seyner jugent / Er 
hat auch vil Erlicher vnd Ritterlicher thate gethan / mit aygner 
person / durch sein listigkeyt / oder durch sein subtile Vernunft / in 
den schlachten wider die Mom / das zumercken wol wirdig ist / Als 
aber nun sein vater / herr Johanse Kunig zu Porthogal kranck läge / 
auff den tode / Berüffte er den obgemelten Fürsten / herren Hurich / 
seynen Sune / vnd beualhe jme die gemaynschafft der Ritter von 
Porthogal / vermante / vnd bäte jne das er wölte volg thun seynem 
Gotlichen vnd löblichen furnemen / des er in willen was zu veruolgen 
vnd zerstören / nach seinem besten vermugen / die veynde des heyligen 
Christlichen glaubens / Welcher Furste / kurtz zu reden / sich flysse / 
sulche seynes vaters / des Kunigs begeren zu volstrecken / Vnd nach 
dem tode des vaters / fürt er vil krieg in Affrica / wider die auß 
dem Reyche Feß / wider welche er vil Jare entzundte was / vnd ge- 
dachte in alle mügliche weyse / der bemelt Fürst / herr Hurich / zu 
zerstörn / das yetz gemelt Kunigreych Feß / vnd das thet er aucli 
an vil orten / Welches Reych ist gelegen am mere Occeano / Vnd 
sulches thet er mit vergunst des Kunigs / herren Dourth / seynes 
eitern bruders / der nach abgang des vaters / kunig wurde zu Por- 
thogal y Also sandte der obgemelte Fürst / seyne Schyffe / vnd thet 
grossen schaden den Morn von Jar zu jar / Also das der bemelt 
Furste besorgt / sie wurden jne reytzen / das er alle Jare weyter 
hinein wurde ziehen / Er ließ sie ziehenn biß an ein gebierge / ge- 
nandt in welsch Capo non / das ist in Deutsch / als / das orte nayn / 
welches orte / ist noch also benent auff disen tag. Vnd ditz orte 



139 

was alle mal das endte diser farthe / Wann nicht gehört ist worden / 
das yemands ye vber das orte gefaren were / der wider haym were 
kommen / Also das / das sprichwordt was / das man spräche / Wer 
zeucht vber das ort nayn / der kumpt auch wider nayn / Als wollen 
sie sprechen / Er kumpt nymmer wider / Vnd also kamen die obge- 
melten Schyffe biß an das ort Non / vnd daselbst dorfften sie weyter 
nicht faren / aber nicht desterminder bete der offtgemelt Fürst / be- 
gierde weyter zu erfaren / Also jm nachuolgenden jare / schickt er 
seyne schyffe / das sie hinfuro weyter füren / hinder das ort Non / 
mit der hilffe gottes / wann die schyffe von Portho'feal sein besser / 
dann kain schyff auff dem Mere mügen gesein / von Segeln Vnd do 
sie nun mit Schyffen wol bewart waren / auch mit allem vorrath / 
darein gehörig / zu aller notturfft / meynten sie / es wer wol müg- 
lich zufaren an alle ort / Waren begirig / zu erfaren newe ding / 
alleyn darumb / das sie möchten erfaren / das wesen der Inwoner / 
an den selbigen orten / Vnd das sie möchten beschedigen die Moren / 
rüsten sie sich wol / mit dreyen schyffen / mit aller notturfft vnd 
zugehörunge / als mit waffen / vnd prauandt / oder prouision / von 
speyse / vnd auch andern dingen / Vnd satzten darein Redliche streyt- 
bare manne / welche hinweg schyfften / Vnd füren furauß / für das 
obgemelt gebierge / oder das orte Non / An der seytten schyfften 
wir des tages / bey der nacht hielten wir stil / Also das wir der 
maß auff der seyten gefaren warn bey c. meylen / furauß / für das 
obgemelte gebierge Non / Vnd funden weder volck / noch wonunge / 
daselbst / dann eytel sandig vnd drucken landt / Also zugen wir 
wider zu rucke / Vnd do der obgemelte Fürst erkante / das er in 
disem jar / nichts newes mochte erfaren / Rüste er des nachuol- 
genden Jares seyne Schyffe / Vnd schickte aber mals auß ein Volcke / 
wol gerüste / das sie weyter hinein selten schyffen / Dann die ersten 
seine völcker gefaren betten / Vnd also schyfften sie weyter hinein / 
mer dann hundert vnd funfftzig meyl / Also füren sie hinweg / vnd 
erfulten das gebot jres Fürsten / Vnd funden doch anders nicht / 
dann ein sandig vnd drucken landt / one alle wonung / vnd zugen 
wider haym / Dannoch nicht desterminder wüchse Inen teglichen mer 
begierde / zu erfarn vnd erkundigen dieselben lande / Schickten jm 
dritten jare aber zwey schyffe / Vnd kurtz zu sagen / schickten sie / 
so vil vnd offt etliche jare nach einander hinein / biß sie funden 
etliche orte / darinnen wonten Arabier / die betten jre wonung in 
den selbigen Wüstungen. Vnd darnach weyter hinein / funden sie 
aber ein ander volcke / die sie nanten Azanegi / das sein grabe 
menschen von welchen ich (so wir baß in ditz buche werden kumen) 
mer sagen wille / vnd also kamen wir aygentlich / das wir erfunden 
die lender der vordersten Morn / Vnd darnach von einer zeyt zu 
der andern / das wir funden andere geschlechte diser Moren / von 
seltzamen weysen / sprachen / sytten / vnd glauben / als du hören 
wirst / so wir weyter in ditz vnser büchlein hinein werden kumen. 



140 

Hie anhebet das vierde Buche. Vnd ist von der schieflTarthe des 
knniges von €astilia / von Inseln vnd landen in kürtze erfunden. 
Das LXXXIIII Capitel / wie der Kunige von Hispania rüstet / oder 
beraythe zway schieffe / dem Christoffel dawber von Jenna zu faren 

gej^em nidergang. 

DIser Christoffel Dawber von Jenua was ein manne lang vnd 
gerade / was grosser vernunfft bette ein lang angesicht / nachuolgte 
vnd anhienge lange zeythe den Allerdurchleuchtigsten kunigen von 
Hispania / an alle ortbe vnd ende so sie hin raysten / begerthe das 
sie jme solten helffen zu rüsten vnd belastigen etwan ein Schieffe / 
erbothe sich / er wolte finden gegen dem nidergange Inseln / an- 
stossende an India / daselbst dann die mennge ist der Edelen ge- 
staynen / vnd Spetzereyen / vnd auch des goldes / welches man 
leychtlich mochte vbcrkummen / Der Kunig vnd Kunigin / vnd auch 
alle die vorgeensten in Hispania / hetten lange zeyte ein spyle / oder 
kurtzweyl an disem furnemen dises Christoffels / Vnd zu letzste nach 
siben jaren oder vber siben jare / vnd nach seynem manigualtgen 
begeren / bitten / vnd anlangen / wurden sie zugefallen seynem willen / 
vnd rüsten jme ein Naue / das ist / ein grosses schieffe / vnd zway 
(irauele / mit welchen er hinweg füre von Hispania vnd also anfienge 
sein rayse / oder schieffarthe / vmb die ersten tage des September / 
das ist / des Herbst mondes im MCCCCXCII Jare. 



Das LXXXV. Capitel von vnbekanten vnd vnerhorten Inseln / so er- 
funden hat diser Christoffel Dawber von Jenna. 

DEs ersten schieffte er von (rades / zu den Inseln Fortunate / 
das ist zu den glückseligen Inseln / welche hewt bey den Hispaniern 
genant sein Canarie / vnd warn von den alten genant / die glück- 
seligen Inseln / in dem Mere Occeano / weyte an dem strame / 
tausent vnd zway hundert welche meyle / Vnd sein vier welche raeyl 
ein Lega, das ist / ein dewtsche meyl. Dise Inseln Canarie / waren 
genandte Fortunate, das ist / glückselig / von wegen des temperirten 
vnd gutten lufftes daselbste / Vnd seyn gelegen ausserhalb des 
Clima oder zirckels Europe gegem mittemtage / seyn auch besatztc 
mit blossem volcke / welches auch lebte one alle Cristenliche gesatze / 
da hyne Schieffte diser Christoffel Dawber / daselbste wasser zu 
nemen / vnd sich zu erquicken / Des ersten schieffte er mit grossem 
rteysse / mwe / vnd arbeyte / nach den nachuolgenden Inseln / gegem 
nidergange / also / das er stetigs aneinander schiffte / drey vnd 
dreyssig tag vnd nachte / das er nie kein lande oder erdtrich sähe / 
nach disem stayge einer zu oberst auff die (labia des schieffes / do 
sahen sie lande / vnd funden sechs Inseln / vnther welchen warn 
zwo / die warn einer vnerhorten grosse Vnd ist eine genant Spag- 
nola / die andere Zoanna mela. 



141 

Das LXXXVI. Oapittel von disen yetzgemelten grossen zway en Inseln / 
das ist Zoanna mela / vnd Spagnoia. 

Aygentlich kunthen wir nicht wissen / ob Zoanna ein Insel 
were / als wir aber dahin kamen in die nehe / vnd schieften daselbst 
vmbhere an dem Strame / in dem monat Nouember / das ist / in 
dem wintermonde / do horten wir in den allerdicksten weiden die 
Nachtgallen singen / Vnd funden zu mal sere grosse flüsse von süssem 
waßser / vnd vast gute vnd grosse gestatte / oder porths / Als wir 
also der massen schiefften an dem strame der inseln Zoanna / mer 
dann acht hundert welische meyle / Vnd funden keyn ende / noch 
ein zaychen des endes / gedachten wir / es were vestes lande / vnd 
vermaynten widerumb zu keren oder zu rucke zufaren / wanii das 
Mere wurde sich engen vnd schmale machen / Vnd der tage wolte 
sich ytzundt auch naygen / Als wir nun das Schieffe gewandte betten 
gegen dem auffgange / do wurden wir finden die Inseln Spagnola / 
vnd maynthen zu ersuchen die gelegenhaythe der orthe gegen mitter- 
nacht / do nehendte sich yetzundt das lande / Vnd wurde das 
grösser schieffe geen auff einer ebenen truckene / die do bedachte 
was mit wasser / Also / das daßselbige Schieffe sich auffthate oder 
auffgienge vnd brache j aber darumb das es daselbst vndter dem 
wasser am boden eben vnd staynig was / mochte es nicht vnther 
geen vnd ertrincken / Also stayge das volcke in die klaynen Grauele / 
vnd giengen darnach zu lande / do sehen sie der lewte auß diser 
Inseln / welche / als sie vns sahen wurden / do tiuhen sie in die 
aller dickeste weide / gleycher weyse / als das wilde tteuchte / so 
man es veruolgthe mit den hundten / ist ein vnerhort geschlechte / 
Die vnseren volgten inen nach / vnd fiengen ein frawen / vnd fürten 
sie zu dem schieffe / daselbst gaben sie jr wol zu essen / vnserer 
speyse vnd weyn / Vnd beklaydten sie sewberlich / wann sie geen 
bloß / vnd Hessen sie darnach widerumb geen. 

Das LXXXVII. Capitel : von dem wesen / sitten / vnd aygensehafften 

der Inseln Spagnola. 

Als balde sie aber widerumbe zu den jren käme (wann sie 
wol wüste wo sie waren) zaygte sie jnen die wunderbarlichen klay- 
duuge / so sie von vns entpfangen het / vnd vnser gute vnd mildtig- 
keyt / do kamen sie alle samentlich geloffen an das Mere / mit 
grossem verwunderen vnd vngestüme / maynthen wir weren ein volcke 
gesandte von himel / sprungen in das wasser / vnd brachten mit 
jnen goldte / welches sie daselbste haben / vnd verwechselten oder 
verdawschten das golde / vmb eerdene theller / vnd glesene schalen / 
Wer jnen gäbe ein hosen nestel / oder ein schellen / oder ein stucke 
eines spiegeis / oder etwas anders sulches / dem gaben sie vmb 
sulches golde / das betten sie / Vnd sie betten yetzt geraydt sament- 
lich gemachte ein freundtliche kuntschaffte / Als wir fragten von jrem 
wesen vnd sitten / erkanten wir an jren zaychen vnd ge\)^rAc^ I ^^^ 



142 

sie einen kunig betten vnther jnen. Vnd also wir außstaygen zu 
lande / wurden wir auflf das aller eerlichst entpfangen von dem Ku- 
nige / vnd deß gleychen von den jnwonern diser Inseln wurden wir 
lieblichen angenomen / Als nun käme der abent / vnd die vnsern 
lewten zu bethen das Aue maria / do knyetben wir nider / deß 
gleychen thaten sie auch / Vnd als sie sahen das die vnseren an- 
bethen das krewtze / deß gleychen thaten sie auch / Auch als sie 
sahen / das vnser obgemelte schieflfe was brochen / schiefften sie zu 
dem selbigen / auff jren schieflen / vnd fürten vnser volck vnd guter 
zu lande / mit solicher liebe vnd freundtschafft / das es wunderbarlich 
ist zu sagen. Item jre schiefFe sein gemacht von einem aynigen 
holtz / sein außgeholt / oder hol gemacht / mit vast scharpffen 
staynen / vnd sein lange vnd enge / Sie haben auch etliche Schieffe 
daselbste / der eines bey achtzig Rudern hatte / Sie haben gar keyn 
Eysen in der selbigen jnseln / Darumb verwunderten sich die vnsern 
zu mal sere / wie sie doch machten oder bawthen jre hewser / welche 
wunderbarlich erbawt sein / vnd auch sunst andere dinge so sie 
haben / Also vernumen wir / das sie suUiches alles machten / mit 
etlichen vast herten staynen / auß den Aussen / welche auch vast 
scharpflf sein / Wir vernamen auch das nicht weyte von diser Inseln / 
waren etliche Inseln / in welchen vast grawsame lewthe wonthen / 
die selbigen essen mewschen fleysch / Vnd darumb / so was ditz die 
vrsache / das sie des ersten / als sie die vnsern sahen / die fluchte 
namen / wann sie gedachten / wir weren der selbigen lewte / welche 
genant sein Canibali / Die vnseren betten / die Inseln diser lewthe 
Canibali ligen lassen / vngeuerlich auflf dem halbtayl des weges / 
aufF der seytten gegen dem mittemtage. 

PHILADELPHIA, Pa, Daniel B. Shumway. 



143 



Gedieht auf die Niederlage 
des Varus. 



Die Sammelhandschrift 694 der Königl. Bibliothek in Hannover 
enthält unter Nro. 7d das directorium archivi civitatis Hametensis 
elaboratum a Sehast. Spilker anno 1652 und am Schlüsse desselben 
S. 626 ff. das folgende niederdeutsche Gedicht auf die im Jahre 9 
nach Christus erfolgte Niederlage, die der römische Feldherr Varus 
durch den Cheruskerfiirsten Armin im Teutoburger Walde erlitt. Am 
Ende des Gedichts steht: Hticusqiie Seb. Spilkeri directorium. Die 
Handschrift gehört dem 17. Jahrh. an. Der Verfasser der nieder- 
deutschen Verse ist nicht angegeben, dürfte aber höchst wahrschein- 
lich in der Gegend des Schlachtortes gelebt haben. 



De inwohner al an der Emmer 

Sint gewesen wol kene Lemmer, 

Sint uth Franckrick und uth Westphalen 

Herkomen un seck in den dalen 

An der Emmer neddergelathen, 

De ön den nahm Ambronen shapen. 

Ambrones, de gar dappern beiden, 

Dat düdshe Lugden^), Lugd zu (!) melden, 

Hebben gebuwet und den Varum 

Des Augusti Feldoversten darum, 

Dat he se wy dat wild in garen 

In Lipsken land tog by den baren 

Under Hermin den dydsken forsten. 

Dem nha dögend und ehr ded dörsten, 

Nu raet um Herminsborg geholden, 

Mit list den vördel öhm besolden, 

Da öhm de Ambroner wys maken, 

Westphalen wolle de plicht lathen 

Und öhm sek donn bald wedder setten, 

He möchte se by tyden pletten. 

Da he nu uth dem vordeel komen, 

De Ambroner gevt wenig fromen, 

Se slaet den Varum vor de hunde, 

Dat kayser August stört een wunde 

In den kop an de wand tho Roma 



1) Lügde. 



144 

Verkehrt genant, went klökliken, mora 

Vertog hedde öhm dat volk beholden, 

Welk keyser August wolde besolden, 

Se sek erstrekt up 3 legionen 

(levarfen uth veel regionen. 

Do nehmen de Ambroner sharen 

(Na dütsker beiden wys verfahren) 

Öhrer vornehmsten fyende balgen 

In dat füer und an den galgen, 

Int hilge füer, so de Veste waren. 

Als Schelpyrmont un andere aren. 

De mynsken opper,. meinten alle, 

Meer söne götter un gefalle. 

Doch teen se uth dem füer den Varum 

Haot öhm dat höft heraf darum, 

Dat seyt dem keyser thom spectakel 

Senden nich ohn syns blödes makel. 

Keyser August dat sülve mit ehren 

Thoe erd bestat nha syn begehren 

Düt daet frantzösisch un westfählish. 

Vermeng des bloet gantz up itälish. 

Alse de Römer de Samniten 

Öhre gesellen deden bieten. 

Da öhn de siet leyst Öhrs jegenparts, 

Dat se se drücken gantz underwarts. 

Düt hebben de edlen Ambroner 

An der Emmer und Lügd inwoner 

AI by Christi tyden uthgericht, 

Öhre hendel mit vpstands gewicht 

Afwogen un tho warck gerichtet. 

Tapper de saak doort shwert geshlichtet. 

Lügd hefft noch veeruntwintig geshlecht, 

Den hört von older tyt ör hold-recht 

Im haegenshloten de haegmester 

Is glik ör egen börgemester, 

De den hagen vorsteit un förster 

Shikt up de hölter ane köster, 

Welcke hölter den Öhren nahmen 

Van den geslechtern vor bekamen, 

Da de so könen amberhelde 

Tho Lygd sek settet in dem felde. 

HANNOVER. H. Deiter. 



145 



Reime und Sprüche aus Lippe/) 



I. Rätsel. 



1. Achter iusen Hiuse 
Ploijet Mäster Kriuse, 

Eune Fleug un eune Peer — 
Niu roe mol, watt es datt! 

(Maulwurf.) 

2. Achter lasen Hiuse 
Harket Mäster Kriuse, 

Hätt 'e äuk nich Harke un Fleug, 
Se harket 'e d9ch d^ip geneug. 
(Maulwurf.) 

3. Achter iusen Hiuse 

Do stpit 'en Kunkelfiuse, 
Da brennt Dach an Nacht 
Un brennt dpch nich äff! 
Watt es datt? (Brennnessel) 

4. Et äs watt achtern Hiuse 
Datt breont dti Dach un Nacht 
Un kann d^ch nich verbrennen — 
Wat datt wall es? (Brennnessel.) 

5. Et brennt du wat in 'en Holte, 
Dat brennt du Dach un Nacht ^ 
Wat es datt? Niu giff acht! 

(Brennnessel.) 

6. Achter iusen Hiuse 
Sitt 'en Fiule-Piuse, 

Je maier de lyiwe Sunne schinnt, 
Je maier de Fiule-Fiuse grinnt — 
Watt sali datt sftin? 

(Eiszapfen am Dach.) 

7. Eck hall 'en Stall vull briune Peer, 
Eck kenn 'ser nich iuttocken, 

Eck konn 'ser nich iutlocken, 
Plattfoitken mosst 'ser mü heriut- 
hahlen. (Backofen.) 

8. Runzelpunzelken up de Bank, 
Ranzelpunzelken unner de Bank ; 
Es k^in Dokter in Engelland, 
Da et wi'er kuriern kann. (Ei.) 



9 Äppelken, Fäppelken up de Bank, 
Äppelken, Päppelken unner de Bank, 
Do es nemmes in Brobant 
De Äppelken, Päppelken wi'er ku- 
riern kann. (Ei.) 

10. Witt schmuit eck 't upp 'et Dack, 
Un gäU kümmt et wi'er herrunner. 

11. Lang schmuit §ck 'et upp 'et Dack, 
Un twees kümmt et wi'er herunner. 

(Schere.) 

12. Rund schmuit äck 'et upp 'et Dack, 
Lang kümmt et wi'er herunner. 

(Knäuel Garn,) 

13. Et gpit watt ^wwer de Brujjen 
Un hätt datt Hius upp 'en Rigjen. 

(Schnecke.) 

14. Et hätt twvi Koppe un bleus twvi 

Henne, 
Et hätt sess Foite un tgjjen Tainen. 
(Pferd und Reiter.) 

15 V^er gengen, 
Vper hengen, 

Twyi Lüchters, tw(?i St^iters 
Un 9in Nohklapp ! (Kuh.) 

16 Vürne äs 'en Gaffel 

In 'er Mitten es 'n Drangtunn'n 
Achter 68 'enWipprßun — wat es dat ? 
(Kuh.) 

17. Et l9ppet jümmer teu 

Un dgch werd et nich mo^e — 
Watt kann datt wall süin? 

(Wasser.) 

18. Kümmt 'en Witten Keerl van 'n 

Hcramel, 
WoU de ganze Welt bödecken, 
Konn dych nich mol 'n Fohl be- 
decken — 
Ni roe mol, watt datt niu ös? 

(Schnee.; 



>) Die Niederschrift ist in der Mundart des Dorfes Heideu^YiC^^^^^ ^^^ 
Id angefertigt. 



Detmold angefertigt 

NitderdaatBohei Jahrbuoh XXXIV. 



146 

19. Et ggit in olle Welt, 21. Es watt in iusen Holte, 

Da 9ine hätt 'en Buil, Datt beschinnt nich Sunne, nicb 

Da annere dat Geld — Mond — 

Wo hglst diu et mett? Ni sägg mü mol, watt datt es! 

(Mit der Hand.) (Schatten.) 

20. Hart gebacken, 22. Griemgram greuf in 'er Eern, 
Hätt dfQi Tacken, Püiderittken st^nnt nicb feern; 
Pott es 't — Wpr Israel nicb dorteu kommen, 
Watt es 't? Wgr Päiderittken um 'et Lieben 

(Dreifüssiger Kochtopf.) kommen. (Sau, Wurzel, Hund.) 

23. Do gvit watt iuten Hiuse, dat bablt nenne hunnert Peer wi'er in 1 (Rauch.) 

24. Do kümmet watt in iuse Hius, dat könnt 'er diusend Saldoten nicb wi'er riut 
rüitenl (Bauch.) 

26. Oin Mann badde sieben Döcbter, j§ide Dochter badde tw^i Broier — wovell 
Kinner badde de Mann? (Neun.) 

26. Oin liand vull un docb nönne Hand vull — watt es datt? (Wind.) 

27. Watt kriggt de Biwwer für 'en Foier H^cb, wenn dat Pnnd ßottern twintig 
Penige kost't? (Seine Pferde) 

28. Watt wutt di l^iwer süin : „'en Kriup dür 'en Tiun**, edder „'n Breek dür 'en 
Tiun" ? (Je nach der Antwort : eine kriechende Schlange oder ein Schwein.) 

29. Watt es 'et Beste twisken Snüssel un Steert? (Das Schwein) 

30. Watt macbst 'e an 'en Ipiwesten: „'n frisken Scbett" är „Lick 'en Scbnutt"? 

(Letzteres: die Ochsenzunge.) 

81. Watt Wutt de l^iwer : 'n Dach hungern är sieben d$ipe Lecker in 'en Kopp ? 

(Die sieben Löcher sind: Mund, Nase, Augen, Ohren.) 

82. Watt es datt Beste an 'er schwarten Keub? 

(Dat se' nenne swarte Mälke giffi.) 

88. Watt g§it upp vper Beinen in 'e Kärken ? (Der Lahme mit zwei Krücken.) 

84. Wer gpit upp 'en Koppe in 'e Kärken? (Der Schuhnagel.) 

85. Räut scbmüit eck 'et in 'et Water un schwärt kümmt et wi'er herriut? 

(Glühende Kohle.) 

86. Wo flüggt de Kuckuck benn, wenn 'e twyi Johr äult es? (Ins dritte.) 

37. Worümme fretet de Kojje Gras? (Weil es ihre Vorfahren auch taten.) 

38. Worümme Ivppt de Voss ^wwer 'n Berg, wenn 'er de Rüe achter es? 

(Wenn de Berg 'en Lock hedde, dann Wip 'c dodüer.) 

89. Watt es lütker ps 'en L9ck? (Wat 'er in g'git.) 

40. Wekke Isel hätt se hadder reupen, dat et olle Isels upp 'er ganzen Welt b^ert 
hätt? (Da Isel in Noah süiner Arche.) 

41. Watt kümmt teu 'n ersten in 'e Kärken? (De tu>öUe) 

42. WouQer ds de längste Dach? (Wenn de körtste Nacht es.) 

43. Wer spielt jümmer un gewinnt jümmer? (De Musekante.) 

44. Wonyer säggt de Biwwer de Wohrbyit? 

(Wenn 'e krank es, — Watt säggt 'e denn? 
Eck sin nicks weert; eck däuje nicks.) 

45. Do stvit 'n lüttke Fruwwe in 'en Holte, hätt 'en räue Müssen upp. 

(Erdbeere.) 



14? 

46. Achter freet eck, vürne schüit ßck. (Häckselmaschine.) 

47. 'n üisern Peerd mett 'n fiässen Steert — watt es datt? 

(Nähnadel mit Faden,) 

48. Watt hängt an 'er Wand eune Narel, eune Band? (Der Speichel.) 

49. Watt l^ppt pwwer olle Strootens un kickt in olle Lgcker? (Der Wind.) 

50. Salt man et, dann iQtt man et lüjjen, suit man et nich, dann nimmt man et upp I 

(Wurmstichige Nuss.) 

51. lat wekken Säue wutt diu drinken: gine es teudeckt, in Qinen fällt 'et Lauf, 
un Qwwer den annern hängt de Wippreun? 

(Der erste ist die vulva oder auch der penis, der zweite ist der 
richtige Brunnen, die „Wippreun" ist der Kuhschwane.) 

52. Van wekken Water machst 'e an 'en Igiwesten drinken: wo de Sunne in schinnt, 
wo 'et Lauf in fällt är wo de Wippreun öwwer bammelt ? 

(Das erste ist die Scheide der Ziege, das andere wie eben.) 

53. Watt nimmst 'e an 'en l^iwesten: wat van 'n Berje gpit, watt 'er van läppet, 
är watt 'er uppe stöhn blifft? (Die Kuh, ihr Urin, ihr Kot.) 

54. Watt wutt 'e an 'en Ipiwesten deun: van 'n Beije gohn, van 'n Berje läupen, 
är upp 'en Beije stöhn blüiben? 

(Je nach der Antwort: Der Mensch, sein ürin^ sein Kot.) 

55. Worumme sitt 'n Hahn upp 'n Kärktewwern un nich 'en Heun? (Süss mösst 
'er da Köster jg jöiden Mqern uppstäijen un tasten, off et 'en ()gg hedde.) 

56. Worümme maket de Hahne da Äujen teu, wenn 'e krajjet? 

(Wüil höi et van biuten kann^ watt V krajjen mott.) 

57. Worümme hätt Jiudas 'en räuen Beert hat? (Um 'et Kinn herrümmen) 

58. Watt es lütch un wat es graut un dgch jümmer 'n Föut lang? (Ein Schuh.) 

59. Watt gs 'n Feut lang un 'n Feut breit un es d9ch nenn Quadratfeut? 

(Ein menschlicher Fuss.) 

IL Kinderiieder nnd Kinderreime. 

Bnkindken van Halwerstadt, Möller, Möller, Mahler, 

Bring iusen lüttken N. N. watt! — Jungens kost 'en Daler, 

Watt sali eck 'en denn mettbringen ? — Luitens kost 'en Hönnerdreck, 

Blanke Scheuh mett Ringen, Kehrt man mett 'en Besp'm weg. 

Do sali hl)i mett danzen un springen. ,, „ „ „ ,, , , 

Möller, Möller, Mahler, 

Bukoisken van Bremen, N. N. kost 'en Daler; 

L^tt iuse lütge Kindken betdhmen; N. N. kost 'en Julenschett, 

Un l^sst diu kleine Kindken betebmen Schmeert 'e sick de Miulen mett. 

nich, 

Söu krigst diu vau müiner Flyiskwost Klipp, klapp, S^ltfatt, 

äuk nicks! Mpern est et Sundach. 

(Beim Händeklappen.) 
A — b — c 

De Katte lyip in 'en Schnee, Kinnewippken, 

De Rüe Ipip ehr noh, Mummelfötken, 

Da see de Katte : jo ! N6sepippken, 

A — b — c usw. Äujenbrünken 

Töppken, to beere; 

Müller, Möller, Mahler, Wutt 'e ma'er, söu kuuim ! 
Mekens kost't 'en Daler, 

Jungens kost 'en Hopphopp-Pöerd (Ritter- Sije — sajc, 

Dat es diusend Daler wört. peerd) Hottewaje, 

\0* 



14g 



SpQJn inH Fuier, 
't Holt es teu duier, 
Klabutse in't Fuicr! 

Sije — saje, 

Holtewaje, 

Spgin in 'et Filier 

't Holt es duier. — 

Watt kost 'et denn? — (Wat kost 'en 

'n dicken Daler! — Foier?) 

Plumps, plumps — in 'et Water I 

Bummele, bummele, biuse. 

Wo wonnt de Mester Kriuse? — 

In den nüjjen Hiuse 

Wo de blanken Tellers stoet, 

Wo de Jumfers danzon goet. 

(Wo de Jumfem walzen goet) 

Eck sin krank. — 

Für 'en Bräutschappe lang, 

Für 'n Botterbecken twees, 

Mett 'er Renn wecke für 'en Ees. 

Kick, sä de Katte kaik se in 'en Pott, 
Kraig se vinen mett 'en Schl^iwe für 'en 
Kopp. 

Hainerich, Katuffelbrich, 
Siwwern Käul, denn mach 'e nich, 
Soiten Käul, denn krigt 'e nich, 
— müin l^iwe Hainerich. 

Kösken springet vwwer 'en Tiun, 
Kreumen blifft 'er für stoen. 

Ässt 'e düjet briun'n K&ul 
Dann sitt 'et Kleid äuk wacker. 

Hoi, hoi, Hammelfl^isk, 
Roiben druppi 

Luibettken, den Leppel häer, 
Gr9itken, füll uppi 

Melke upp Wüin — 
Es yemüin, 
Wüin upp Melke — 
Es für elke. 

Wer nich kümmt in rechter Tüit, 
De es süiner Mohltüit quüit. 

Wer nich passet upp 'en Disk, 
De mot eeten, watt vwwer blifft. 

Wer te late kümmt, 

Sitt schlecht, eer ätt schlecht. 

Wenn olle Berje Bottern w^r'n 

Un olle Grünne Grütte, 

Un de Sunne upp de Berje schüin — 

Wat woU dat wall für 'n Freeten süin! 



Tuck, tuck, tuck müin Hoiuecken, 
Tuck, tuck, tuck, müin Hahn! 
Diu plückst mü olle Bloimecken, 
Wo sali du datt näu gähn! 
Watt sali de Mamme schellen, 
Watt sali de Taite schlohn 
Tuck, tuck, tuck, müin Hoineckeu, 
Wo sali du datt näu gohn! 

Wenn olle Berge Bottern wgr'n 

ün olle Grünne Grütte, 

Un et k^ime dann 'en warmen Sunncn- 

schüin, 
ün de Bottern feil in 'e Grütte herin — 
Wat soll datt wall für 'n Freeten süin! 

Ettelmann, Bettelmann, 
Dokter, Büste wwer; 
Kaiser, König, 
Schwüinemajewwer. 

Wippe, Wippe Schinken, 

De Köster liggt upp 'en Brinke. 

Sapp, sapp, sapp, sapp, Püipken, 

Won^er wutt 'e rüipken? 

In 't Mpjjedach, in 't Möjjedach, 

Wenn olle Vüjel Ojjer Igjjet; 

Dann krüye wüi 'n K^rfel (Pott vull) 

Öjjer. — 
Kättken l^ip 'en Berg henan, 
WoU 'n Pott vell (vull) Sapp halen, 
Kamm de schwarte Kpiser an, 
Howw' er Kättken 'en Kopp äff 
Rump äff, Stäert äff, 
Ollens, watt 'er uppe satt, 
Schmait 'e Kättken in 't Mühlenrad, 
Kok 'er Stinten un Mälke van — 
(Fratt sick Stinten un Mälke satt.) 
Roer, roer, ruppuppupp! 
Roer, roer, ruppuppupp! 

Sappüipken, Sappüipken, 

Winker wutt 'e rüipken? 

Mgem in 'en Dare — 

Kättken l9ip 'en Berg herup 

ün woU 'n bettken Säffken hal'n — 

Kamm de blinne Hesse beer 

Un schnait 'er Kättken Hoer äff 

Ollens, wat 'er uppe satt — 

Pille, palle, puss äff, 

M^ern es et Sunndach ! 

Wenn de Meekens in 'e Kärken goht, 
Dann sind se wall se scheine — 
Owwer wenn se achter 'n Potte steht, 
Dann s^it se iut, ^sse de Duiwel. 

(Schwalbenruf,) 



149 



Spinn dicke, spinn dicke. — 
Spinn dünne, spinn dünne. — 

(Kohhneisenruf.) 

W^je, wijje, wijje bäule Käulsoot sajjen ? 
(Buchfinkenruf.) 

Lick, lick, lick, mü in 'et Stüet! 

(Goldammerruf.) 
Phüiüpp, mak de Düer upp ! (Dasselbe.) 

Stripp, strapp, strull — 
Es de Emmer nä nich yuU? 

Pink — pank, 

Schmieskamp, 

Badden Süimen 

Liggt upp 'er Bank, 

Ganz lang. (Bahnglockensprache.) 

Bring mui'n Sack vuU TüUällüt, 
Mgrjen kümmt müin Tante, 
Bringt 'n Sack vell (vuli) Lewwerwost 
Un de Musekante. 

Platz gemacht, Platz gemacht, 
M^rjen kümmt 'e Tante, 
Bringt mü äuk wat Schönes mett. 
Dann s^gg eck äuk: Danke! 

Schnüider wipp upp, 
Büert 'et Blick upp. 

Schnüider, Schnüider, wipp, wipp, wupp, 
Sett mü hüer 'n Flicken upp! 

Sieje Igip den Berg henan, 
L^it datt Eeslock blicken; 
Sieben Schnüider achteran, 
Mett Scheem un mett Flicken — 
„Schnüider, Schnüider, steck mü nich 
Eck sin seu 'n armet Siejenblick — 
Mäck, mäh — mäck, mäh!'* 

Oine Stunne meetet s$i, 

Oine Stunne eetet s^i, 

()ine Stunne Hwwert 89 i, 

Oine Stunne miwwcrt s^i 

Öine Stunne schm9iket se Tabak — 

Un sen yergvit de ganze Dach. 

Schemester, Schemester, Bäspenstell, 
Howwet 'e Kinner olls te vell, 
Olls te Yell es ungesund, 
Schi^mester, Schemester, Schwüinehund. 

Des Obends in 'er iulen. 
Dann spinnt de Fiulen, 
Dann g^it datt Rad wall klipp un klapp 
Dann hedden se gehm upp 'en Haspel 
watt. 



Ackersmann — Schiackersmann, 
Eck lobe mü den Handwerksmann. 

Wü Witt 'en Jiuden 'en Boert afischnüin, 

Hv sali 'er sülmst mett büi süin. 

Jiude, Jiude, Schlickschlack, 

Schloh den Jiuden 'et Knick äff; 

Stpit et nich teu lang äff. 

Dann hast diu mpern wedder watt. 

Baue Hoer un EUernhüchte, 
Drejet selten geue Früchte. 

Lütch un kriejel 

Es better 9s 'en grauten Fliejel. 

Blomberg de Kreune, 
Hewwern de Bleume, 
Deppel, datt häuje Fest, 
Lemje, datt Hezennest, 
Jufel, dat Soltfatt, 
Bamtrup will äuk nä watt. 

Wöbbel in 'er Grund, 
B9rksen wäggt 'en Pund. 

In Deppel, in Deppel, 

Doer gifft 'et wekke mett 'en Leppel. 

In Deppel, in Deppel, 

Do gifft 'et nicks 9sse Äppel. 

Deppelske, Deppelske Tellerlicker 
Sind dat ganze Lieben schlicker. 

In Loje, in Loje, 

Gifft et nicks 9sse Ploje. 

In Iliddsen, in Hiddsen, 
Gifft et jümmer Schnitzen. 

Hainer, bidebainer, 
Katutter, katainer, 
Katutter, katatter, 
Katholske Hainer. — 

Johann, spann an, 
Dr9i Katten vüran, 
Dr9i Muise vürupp. 
Den Blocksberg henan. 

Wilmstrick, 

Hasenblick — Mäck, mäck, mäh. 

Herm'n, dicke Därm'n, 
Schl9it Pulver in 'e Därm'n. 

Bim, bam, Klocke, 
Hänsken in 'en Stocke. 
Es 'en äult Männeken d^^t 
Hett Johann Sparbräut. ^^ 



150 



Fritze, Fritze, 

Makt jümmer dumme Witze. 

Fritzken, St^elitzken 

De Yurel es däut 

Sitt achtern Oben 

Un frätt nenn Stacke Braut. 

Ealine, Kalane, 
Se röppet de Hahne, 
Mett sieben Saldoten, 
Kann 'et reupen nich loten. 

Ridderidderettken, 
L^isemanns Jettken. 

Hawermann 

Tui de Büxen an. 

De Hammel es fett, de Hammel es fett, 
Witt 'en mgern schlachten. 

Schnewwer, Schnewwer rund um 'et Hius 
Wiske 'er Taiten 'et Eeslock iut. 

Orster Gewinn — 
Kattengewinn. 

An 'en ersten April, 

Kann 'en narr'n, wen'n will. 

An 'n ersten April, 

Kann 'en Narr süin, wer will. 

(Schickt man 'en Narr'n, wo man will) 

Appelken, Pappelken — 

Pien, pahn, puff. (Abzählreim.) 

Jettken, Pettken, Pulrermius, 
Kam vannacht in iuse Hius 
ün woll den Schinken stehlen. 
Da kriejen wü 'et bü de Kehlen. 
Un schmait 'en et upp 'et Dack, 
Do see et: quack! 

Öppke, Döppke, Pulvermius, 
Kamm dösse Nacht iu iuse Hius 
Mett 'en grauten Laken, 
Woll US bange maken 

Ute, tute, Tintefatt, 
G9nk in 'e Schöul un 16hr' watt; 
Wenn 'e wier herriutern kümmst, 
Dann kannst diu watt! 

Ater, bater, Grabengräuter, 
Stiutenbäcker, Wajentrepper 
Ipp, app, Kaisenapp; 
Läup diu do henn. 
Dann bist diu äff. 



Enne, Menne, Igtt mü lieben. 
Will du 'en bunten Vurel gieben, 
Yurel sali mü Sträue sammeln, 
Sträue wi'ck 'er Koisken gieben, 
Koisken sali mü Melke gieben, 
Melke wi wü 'en Bäcker bringen, 
Bäcker sali müi 'en Stiutken backen, 
Stiutken wi wü 'er Mömme gieben, 
Mömme sali mü 'en Titte gieben, 
Titte wi'ck 'er Kättken gieben, 
Kättken sali mü Muise fangen, 
Muise wi' wü an 'en Galgen hangen. 

Eck grattelier juff äuk teu'n nüjjen Johr, 

Gesundheit un langet Lieben, 

Niu möjje mü äuk 'en dicken Appel gieben. 

Preust Nüjohr! 

Gesundheit un langet Lieben, 

Mött mü 'en düjeten Krengel gieben! 

Fasselobend, Fasselobend anjefangen. 
Heda! Mutter, Mettwost hangen! 
Heda! Hönner, schwärt un witt, 
Da juff 'en half Schock Ojjör schitt — 
Oint es nich, tw$i es watt, 
Giwet US drpi, dann goh wü patt! 

Wenn et Austern es, wenn et Austern es. 
Dann schlacht müin Taite 'en Bock, 
Dann spinnt müine Mömme, 
Dann wörkt müin Vaer, 
Dann gifft et 'en nüjjen Rock. 

Rund, rund, rund, rund Klowemblatt, 

Lot 't 'en watt, lot 'et 'en watt! 

Lot 'et US nich teu lange stöhn, 

Wü mött 't näu 'n Huisken foider gohn, 

Van hüer bett na Köllen; 

Köllen es näu wüider henn 

Mött 't näu jümmer maier henn 

Oine, twgie, 

Dr9ie, vpier, 

Füiwe, sesse, 

Sieben, achte, 

Niejen, tgjjen 

Elm 'n wi' wü in 'e Pannen schlohu 

Twelwe sali upp 'n Diske stöhn 

Krüije we niu 'en i)g? 

Wü Witt den Heern huldijern, 

Giwet 'en watt! 

Lot 't en watt! 

Lot 't 'en nich teu lange stöhn, 

Wü Witt näu 'en Huisken foider gohn 

Van hüer bett na Köllen; 

Köllen es nä wüider henn, 

Do kommt nä jümmer maier henn 



151 



Oine, tw$i, 

Dryi, vgier etc. 

Elwe, twelwe, 

Twelwo wi wü in 'o Pannen scblohu, 
Lot 't US nich teu lange stobn, — 
Lgiwe Fniwwe, giwet us watt! 

Wü Witt, wü Witt Kristolljen jaren 

Giwet US watt, 

Lot H US watt! 

Lot 't US nich teu lange stöhn 

Mött 'et näu 'n üuisken foider gohn 

Van hüer bett na Köllen usw. 

Oiner — tw^i, 

Drgier — vper, 

Füiwer - sess, 

Siebener — acht, 

Nijener — tgjjen, 

Elmen wi'we in 'e Pannen schlohn! — 

Jiu! { Juchzer!) Änoinke, näu pine; 

Sünte Märten, geut Mann, 

De US wall watt gieben kann (verteilen 

kann) 
Da Äppel un de Biern, 
Da Nötte goet na miern (näu met). 
L^iwe Fruwwe, gifP us watt, 
LQtt US nich teu lange stöhn, 
Wü Witt näu 'en Huisken foider gohn, 
Van hüer bett na Köllen; (Deppel) 
KöUen es nich wüit van hüer, 
Giwet, giwet, giwet, 
Dat wü lange liewet; 



Giwet US 'en Nott, 

De schloe wü in 'en Pott; 

Giwet US 'en Wannott, 

De schloe wü in 'en Käulpott. 

Vijjeline, vijjelane, 

Wie schön ist die Dame; 

Vyjeline, vijjelane, 

Wie schön ist der Herr! 

Wenn de Schlöttel klappert, 

Krüje wü wall 'en Appel; 

Wenn de Schlöttel klinget, 

Werd se us wall watt bringen. 

Klipp, Klapp, Reusenblatt, 

Mgern est 'et Sunndach! 

Sünte Märten, geut Mann, 

Da et näu wall deun kann. 

Da Äppel un de Biern 

Da Nötte mach eck geern. 

Lgiwe Fruwwe, giff us watt, 

L^tt US nich teu lange stöhn, 

Wü mött 'et nä 'en Huisken foider gohn. 

Van hüer bett na Deppel. 

Deppel es nä wüit van hüer, 

V9rentwintig Stunne. 

Wenn de Schlöttel klinget usw. 

A. Rodder, rodder Pewwerten (Pforte) \ 
B Männchen un Knaben — 

A. Wovell kann 'et maken? 

B. Lytt se mol jappen ! 

(SchneUzählen mit Nüssen.) 

Pinkepanke — in wekker Hand 

In dösser är in der? (Nussspiel.) 



III. Volkslieder.!) 



Meeken, komm nohl vnr de Diier! 

„Meeken, kumm mohl vür de Düer, 

Kumm mohl 'n bett'u herriut, 

Wü Witt mohl 'n bett'n van 'n 

Früjjen küern. 
Diu sasst süin müine Briuf 

„Datt sali eck wall blüib'n looten. 
Wenn datt da Äulske suit; 
Olle Düorns sind verschlooten, 
S9 passet upp ehr Luit.** 
(Oder : Dann könn eck man wüit weg 

läupen, 
lut 'n Lippsken^herriut) 



3. „Sali eck mohl da Leddern halen, 
Da achtern Hiuse stpit, 

Un mohl 'n bett'n teu dui kommen 
Un s^in mohl, wo 'et du göit?** 

4. Qsse hpi niu do beben was, 
Do küsst hpi süine Briut ; 
S^i versproiken sick de Trui 
Bett ten Däne heniut. 

6. Qsse da Äulske dat vernamm. 
Sprang s^i iut 'n Bedde herriut: 
„Juff sali dgch de Duiwel halen 
Juff vermuckte Tuig 1^ 



^) Die Stücke Nr. 1—8, 14 und 15 habe ich aus dem Volksmunde und zwar 
meistens von meiner Mutter; Nr. 9 ff. sind zwei lippischen Lokalbl^^tero entlehnt, 
nämlich dem „Lippischen Magazin'' Jg. 1841 und den „VaterländiarViei^ Blättern** 
Jg. 1847. ^ 



152 



6. Qsse da Junge dat Yernamm, 
Sprang hgi teu 'n Fenster heniut, 
Bucksen bleif an 'en Riejel hangen — 
Datt sach patzig iut. 

7. Qsse hgi nia unner was, 
Kaik hvi herup un rQip, 

„Oh, Hannchen, schmüit müi müine 

Püip'n herriat 
Un müin'n Tabaksbuil!'' 

8. „Seu ggit et mui ni j^idesmohl, 
Wenn eck no *en Luitens goh, 
Datt eck mott do bluten stöhn 
Qsse seu'n stüib'n Pohl." 

2. Bruehstfick ans einem Volksliede. 

Hannes, wekken HeutV 

Da Heut, d& hat 'n Daler kost, 

De äule sch^iwe Heut. 



3. Spinn, müine Ipiwe Doehter. 

1. n^piiiii) müine l^iwe Dochter, 
Eck giwe düi 'n paar Schöuh!'* 
„„Jo, müine l^iwe Mudder, 

'n paar Tuflfel dorteu; 
Eck kann nich spinn'n, 
Müi schweert de Finger; 
De Dium'n, de Dium'n, 
Da doit müi seu wgih."" 

2. „Spinn, müine Igiwe Dochter, 
Eck giwe düi 'n Kockf* 
„„Jo, müine Ipiwe Mudder, 
'n Kamsol dorteu; 

Eck kann nich spinn'n, 

Müi schweert de Finger usw."** 

3. „Spinn, müine l^iwe Dochter, 
Eck giwe düi 'n Däuk!" 
„„Jo, müine Igiwe Mudder, 
'n Müssen dorteu; 

Eck kann nich spinn'n usw.**" 

4. „Spinn, müine Igiwe Dochter, 
Eck giwe düi 'n Mann!** 
„„Jo, müine l^iwe Mudder, 
Datt st^it müi wall an; 
Eck kann wall spinn'n, 

Müi schweert kgin Finger, 
De Dium'n, de Dium'n, 
De doit müi nich wgih!**** 



4. Beim Flaehsrenpen, um einen Trank 
zn lordern. 

w^ih, o w^ih, 
Doit müi müin Lüif seu w^ih, 
wgih, w^ih, 
Doit et müi söu wgih! 
Hädd' eck 'en Drüppen Brannewüin, 
. Möcht 'er wall geut für süin — 
O wgih, w^ih, 
Doit müi seu w^ihl 



5. Repelied. 

Rüipe, rüipe Gäst'n 
Wi' wüi majjen, 
Stoppeis in den Failem, 
Wi' wüi loot 'n stöhn; 
Olle wackern Meekens 
Wi' wüi früjjen, 
Olle äul'n Jumfern 
Wi' wüi loot 'n stöhn. 

6. 0, diu änle Schlnnkenschl^if. 

0, diu äule Schlunkenschl^if, 
Hast müin Hert gar nich l^if, 
0, diu äule ilöltenschl^if, 
Hast müi nich V^if; 
Kickst mü mett 'en Meese nich au, 
Wpist nich, watt koomen kann — 
0, diu äule SchlunkenschlQif 
Hast müi nich Ipif. 

7. Hänsken in >n Seh^ttst^ine. 

1. Hänsken satt in 'en SchQttstgine 
Un flicke süine Scheuh, 

Da kämm seu 'n wacker Meeken (hcer) 
Un kaik seu nüipe teu. 

2. Meeken, wenn diu früjjen wutt. 
Denn früjje diu man müi, 

Eck häbb 'n blanken Daler (funn'n), 
Denn will eck gieb'n düi! 

8. Meeken, deu et nich, Meeken, dvu. 

et nich 
E'(n hätt 'en schgib'n Feut! 
Schmeer Salb'n upp, schmeer Salb'n 

upp, 
Denn wert et wedder geut! 



8. Wenn de Pott nin ^wwer 'n Lock hat. 

1. „Wenn de Pott niu 9wwer 'n Lpck hätV 
Lyiwe Heinerich, lyiwe Heinerich?** 
„„Stopp et teu, dumme, dumme Liese, 
Dumme Liese, stopp et teu!"** 



153 



2. „Womet sali eck et denn teustoppen, 
Lpiwe Heinerich, Ipiwe Heinerich?" 
„„Met Sträub, dumme, dumme Liese, 
Dumme Liese, met Sträuh!'**' 

3. „Wenn et Sträub niu Qwwer teu lang es, 1. H., 1. II.?'' 
„„Howw' et äff, dumme, d. L "" 

4. „Womet sali eck et denn affbobb'n ?" 

„„Met der Boem "** 

5. „Wenn de Boem niu gwwer stumpfes ?" 

„„Mak se scbarp ^*^ 

6 „Womet sali eck se denn scbarp maken 7^ 

„„üpp en StQin **** 

7. „Wenn de St9in niu ^wwer teu dr^ije es ?" 

„„Mak en natt "" 

8. „Womet sali eck en denn natt maken ?** 

„„Met Water «« 

9. „Womet sali eck denn et Water balen ?" 

„„Met en Potte "" 

10. „Wenn de Pott niu ^wwer 'n Lock hat " 

„„Stopp et teu usw. usw."" 

9. Os eck näu 'no Jamfer was. 

1. 0, wenn eck d9cb ^inmol in 'en Hemmel grst wgr. 
Et kämmt mü seu siwwer in 'en Oihestand für; 

0, W9r eck dpcb jümmer 'ne Jumfer blieben, 
Un hädde mü nich an datt Früjjen gieb'n. 
Niu sitt eck an 'er Wpgen un singe popei, 
Eia popeia, eia popei. 

2. Qs eck näu 'ne Jumfer was, was eck seu füin, 
Qsse nenne gnädije Fruwwe kann süin, 

Do ging mü dat Köppken seu seu un seu seu, 

Do was eck seu füin un seu schmuck un seu fräub — 

Niu sitt eck usw. 

3. Qs eck näu 'ne Jumfer was, do ging eck upp'n Danz, 
Upp HQcbtüit un Kärmiss un äuk biut 'n Lanns, 

Do kaiken de Jungens van 'er Halb'n müi an, 
Un dachten: Jumfer, wQr eck dgcb düin Mann! 
Niu sitt eck etc. 

4. Da Qine, da nicke, da annere, da wenke. 

Da drüdde den Heut upp 'en Koppe 'rüm schwenke. 
Da ?9rde de gij'le un gaff teu verstohn, 
Hpi woll wall vanobend na Hius mett müi gohn — 
Niu sitt eck usw. 

5. Un was niu upp 'er Kärmiss nicks maier teu denn, 
Dann konn eck des Obends mett 'en Rae iutgohn; 
Dat sang sick, dat spann sick mett Lust un Pläsier, 
Dann se 'en da Jungens, 't es dpch 'en schmuck D^Jer 
Niu sitt eck usw. 

6. Seu gink et müi gs eck 'en Jumfer näu was, 
Do gink da Vijjelüin'n, niu brummet da Bass. 
Ei, wpr eck man jümmer 'ne Jumfer verblieb'n, 
Un hädde mü nich an datt Früjjen begieb'n — 
Niu sitt eck an 'er wgijen un singe popei 

Eia popeia, eia popei. 



154 



10. Hört an, mein bester Freund. 

1. Hört an, mein bester Freund, 
Ich muss euch etwas fragen, 
Könnt ihr mir nicht davon 
Die rechte Nachricht sagen? 
Wohnt nicht ein Schäfer hier 
Der sich Herr Jakob nennt? 
Kommt! Sagt es mir doch recht, 
Wo ist sein Logement? 

2. Jo, jo, müin Igiwe Heer, 
Datt könn jü wal erf obren : 
Den Jakob kenn eck niu 
Bünoh 'en Stüije Johren; 
Hö es JQ niu müin Heer, 

Eck sin süin Schaipersknecht — 
Watt hätt 'e juff denn dohn ? 
svjjet datt mü recht! 

8. Er hat ein Schäfchen schön 
Von uns'rer Weid' entführet, 
Deshalben bin ich ihm 
Nun Selbsten nachgespüret ; 
Hab' auch erfahren schon, 
Dass er es bei sich hat, 
Er hält es lieb und wert 
An seiner Liebsten Statt. 

4. Watt 'en Duiwel kür jü do ? 
Soll müin Heer Schoope miusen? 
Wenn hpi datt Ding erfohrt. 
Den Kopp werd h^i juff liusen. 
Büi müiner armen Spil, 

Juwwe Schnaken stpit nich füin, 
Müin Herr, de werd gewiss 
De Schoopedyif nich süin. 

5. Gemach, gemach, mein Freund, 
Lasst euch doch unterrichten. 
Gestohlen ist es nicht. 
Gemauset auch mit nirhteu; 
Bekanntschaft hat's gemacht, 
Dass es gefolget frei — 
Urteilet Selbsten nun, 

Ob das ein Diebstahl sei. 

6. Müin Herr hätt Schöpc vell 
üpp süin'n Howe läup'n: 
Schwärt, witt un äuk wall bunt 
Hat bgi se do büi 'n Häup'n; 
Un Ipiwet mü man drüist. 

In düssen ganzen Land 
Sind Schöpe graut un lütk. 
Den Lui'en wall bekannt. 

7. Ich höre schon, mein Freund, 
Ihr könnt mich nicht verstehen; 
Es gibt der Schäfchen auch, 
Die auf zwei Füssen gehen; 



Man wahret sie so gern 
In seinem Hof und Haus, 
Man hält sie lieb und wert 
Und ehrt sie überaus. 

8. Watt 'n Duiwel kür jü niu, 
Jü makt mü liuter Fratzen; 
Dat makt jü müi nich wüis, 
Seu fängt man nenne Spatzen. 
Oiu Ape, Rüe, Beer, 

Könnt upp twpi Foit'n gohn. 

Van Schöpen Igiw' eck et nich — 

De Duiwel mach 't verstohn. 

9. Mein Freund, man kann doch auch 
Die Mädchen Schäfchen nennen, 
Die fromm sind oder gut; 

Ihr müsst sie doch auch kennen. 
Ein solches hat eu'r Herr 
Mir weggelockt durch List. 
0, schafft es mir zurück; 
Der Lohn euch sicher ist. 

10. Hejj jü dat glück mü säggt, 
Qs jü 9rst teu mü köim'n, 
Dann hädd' eck juff besch^it. 
Wo jü no frojen dpin: 
Heer Jakob hätt datt Wicht, 
Wo jü no soikeo geht — 
Jü krüijet 'et Qwwer nich, 
Un wenn je upp 'n Koppe stobt! — 

II. Hans un Gr^itken. 

Hans. 
Lütket Meeken, triute Dpiem, 
Jammert du denn nich müin Schmert? 
Lott du d^ch 9inmol erw^iken, 
Gr^itken, blüif dgch nich seu hart; 
Denn diu hast 9II lange wusst, 
Dat eck teu düi häwwe Lust. 
D'rüm, Gr^itken, lott us maken 
Mett den Saken, mett den Saken, 
Da US bgiden sind wall bewusst. 

Grpitken. 
Hans, wenn man hett junge Dgiern, 
Dann hätt gin'n de Luie l9if, 
Un dat Keerlsvolk suit Qin'n geeru, 
Bückt sick für pin 'n krumm un sch^if ; 
Wenn man pwwer ^rst früjjet hätt. 
Dann es man nich maier seu glatt, 
Dann seu Iptt man dat Tuig hangen. 
Käue Wangen, räue Wangen 
Geht dann olle duister affl 

Hans. 
Gr^itken, eck wgit, et sali du hajen. 
Wenn de Kinner Mamme svjjet. 
Wo säst diu se wüijeln, wajeln, 
Wenn se teu düi püip'n plejet; 



155 



Diu wind'st se in 'en Bündken in — 
Diu wutt olltüit sea helle siiin, 
Sacht un liue Junge Fruwwe Junge Fruwwe 
St^it düi dat nich wall kurejeus? 

Qr^itken. 
Früjjen, datt es wall vell wojet, 
Dor es äuk Lärm geneug dobüi; 
Wenn man sick mett Kinnern plojet, 
Dann es man nich maier recht fräuh ; 
Dann willt se bäule düt un bäule dat, 
Dann sind se bäule achter un vürne natt, 
Un man hgert dann nicks 9sse gnarrn, 
Schrgjjen un blarr'n, schr^jjen un hlarr'n, 
Un wat Tuijes nä maier es. 

Hans, müine Mömme un müin Vadder, 
Da s^jjet, eck wör näu teu jung dorteu; 
Eck sin ^rst van füftejjen Johr'n, 
Eck mott näu gin lutk betten blüib'n seu 
Qs eck näu jetzunner sin. 
DVfim schlich diu mü man iut 'en Sinn 
Denkst diu 9wwer, müi teu l^ib'n, 
Seu most diu toib'n, seu most diu toib'n, 
Bett datt eck ^rst näu Qller sin. 

Hans. 
Dia kannst dat Früjjen wall verdrejen, 
Diu bist äuk äult geneuch dorteu; 
Et verderwet du nich den Majen, 
Diu bliffst eben dorümme lüike seu 



Gröitken, nimm diu müine Hand, 
Teu 'n gewissen Unnerpand, 
Dat eck du mach geern lüien, 
Un teer Frubb'n, un teer Frubb'n 
Müi nenne annere weer'u sali. 

Gr^itken. 
Hüer, seu hast diu müine bgid'n Fuiste, 
Kopp un Foite äuk dorbüi; 
Un datt schwör eck düi upp't drüiste, 
Datt müin Härte düin gijen süi! 

Hans un Qr^itken. 
D'rüm seu nimm diu müine Hand 
Teun gewissen Unnerpand, 
Datt diu bist müin Suckerpüppken, 
Triute Trüppken, Triute Trüppken, . 
Un müin löiwer Odrion! 

12. Ilirtenlied. 

Imbtepott, heb ! 
Diu fiule K9ck, heb! 
Wangier sali eck 
Müin'n Imbtepott häbb'n! 
Niejen Iwwer est 'et, 
Töjjen werd et äuk, 
Elb'n drüiw' ek in. 
Müine Kojje sind dicke, 
Hätt Mälke in 'en Titte — 
Imbtepott, heb I 
Diu fiule Kock, heb! 



13. Da8 Lied ?om Herrn von Falkenstein. 

1. Eck sach müinen Heern van Falkenstgin 
Na süiner Burg uprüien; 

Qin Schild foire h9i bünoben sick beer, 
Blank Schwert an süiner Süien. 

2. „Gott gruisse jufif Heern van Falkenstcpin 
Sin jü des Lannes Qin Heere? 

Seu giwet mü w edder den Gefangenen müin, 
Ümme oller Jungfrubben Ehre!** 

3. „„Den Gefangenen, den eck gefangen häww', 
I)ä es mü woern siwwer ; 

Da liggt teun Falkenstgin in 'en Täwwern, 
Dorin sali h^i verfiulenl"" 

4. „Sali h^i teu Falkenstpin in 'en Täwwern, 
Sali hgi dorin verfiulen? 

Ei, seu will eck tijen de Miwwern treen, 
Un helpen L^ifken trewwernl** 

5. Un 9S se wall tijen de Miwwern tratt, 
H9er S9i ehr LQifken innen — 

„Sali eck juff helpen? Datt eck nich kann, 
Datt nimmt mü Witt un Sinne!'' 



156 



6. „„Na Hills, na Hins, müine Jungfruwwe zart, 
ün trpistet juwwe armen Waisen; 

Nemmt juif upp dat Johr *n annern Mann, 
Da juff kann helpen trewwern!"** 

7. „Nemm eck upp datt Johr ^inen annern Mann, 
Büi enne mösst eck schlopen, 

Seu ]9it eck dann äuk müin Trewwern nich, 
Schloig hgi müine armen Waisen. 

8. Ei, seu woU eck, datt eck 'en Zelter hedde, 
Un olle Jungfrubben rien, 

Seu woU eck mett Heern van Falkenst^in 
Ümme müin Füinlgifken strüienP 

9. „„0 nai, o nai, müine Jungfruwwe zart, 
Dess mösst eck drejen Schanne; 

Nemmt jufT juwwe L^ifken wall büi der Hand, 
Trecket jü dormett iut 'en Lanne!"" 

10. „Iut düinen Lanne treck eck seu nich, 
Diu giffst mü denn ^in Schrüib'n, 
Wenn eck niu komme in frömde Land, 
Datt eck dorin kann blüib'n!" 

11. Qs söi wall in de graute Höie kam. 
Wo liude d^i s$i singen: 

„Niu kann eck den Heern van Falkenstgin 
Mett müinen Wewwern betwingen. 

12. Doer eck et niu nich henne s^jjen kann, 
Doer will eck et denn hcnn schrüib'n, 
Datt eck den Heern van Falkenstgin 
Mett müinen Wewwern kann twingeu!" 



14. Brnchstiick ans einem Liede. 

Seu lange dat nä geiget 

Met Pulver un met Blie, 

Seu lange blieben wi iusen Fürsten 

Ter Lippe äuk n& trü. — 

:,: Zum trullallallalla :,: 

Zum trulla, und die Lipper, die sind da ! 

Un Qsse wi niu keimen 
No'en leiben Paderbgm, 
Do hadden wi 9II iuse 
Fahnen verloem. — 
Zum trullallallalla 



Un 9sse wi niu keimen 
Na KpUen an den Rhüin, 
Bekeken us de Mekens 
Van achter un van vüern. 
Zum trullallallalla. . . . 



15. OaHHenlieder. 

Hans hätt'n dicken, 
Hans hätt'n dicken, 
Hans hätt'n dicken 
Knäup up'n Stock; 
Jule hätt'n räue, 
Jule hätt'n räue, 
Jule hätt'n räue 
Müssen up'n Kopp 

J&i i^j jft« JA- 
Jule hätt'n räue 
Müssen up'n Kopp. 



Ridder, ridder, Rättken, 
Lvisemanns Jettken 
Sitt vür der Düer 
Un spielt mett'n Kättken. 



157 

IV. Inschrift auf einer jetzt nicht mehr vorhandenen hSIzernen 
Tafel ans der Lemgoer Ratskammer, i) 

Urbis si fueris rector duodema notabis. 
Wer einer Stadt vorständer iß 
De mercke twelfi artickel wiß. 

Unum fac populum, communem respice fructum. 
Tbom ersten make dat volck ein; 
Gemeinen nut saltu an seyen. 

Yim des expertis, servetur redditus urbis. 
Unde ghiff macht den erfahren; 
Stades gut mit truwen ware(n). 

Crescat et in melius, tibi sit vicinus amicus. 
Unde dat mere(n) to alier tyd; 
Frund dines nabers wes an uyd. 

Aeqaum protege jus, et stant (1. stet) par dis et egenis. 
Dat rechte recht bescherme yo ; 
Dem armen alß dem riken do. 

Atque statufa tene bona, quae sunt mala repelle. 
Unde darto halt gude säte; 
Alle quad mit sinne late. 

Et dominum terrae cole, dicta tene sapientum. 
Hebb leff dienen landesheren, 
In dogheden, tucht un eren. 
Darto holt jo der w(e)i8en rad, 
So werd die vorstand nummcr quad. 

ürbs nam, quae caret bis, raro fulget sins cura. 
Welke stad dussen ein gebricht, 
De schinet sunder sorghe nicht. 

FRANKFURT a. M. K. \A^ehrhan. 



^) Einem Wunsche des Schriftleiters des Niederdeutschen Jahrbuchs nach- 
kommend, bringe ich die von Otto Preuss (Die baulichen Altertümer des Lippischen 
Landes. 2. Aufl. Detmold 1881, S. 63 f.) bereits mitgeteilten mnd. Verse hier 
zum Abdrucke. Eine Vergleichung mit dem 28 Verse bietenden Spruche Wultu 
eine Stadt regeeren, eer mit truwen vorwesen, Busse twolf stucke sc/^aUu mercken 
unde averlesen, der im * Deutschen Magazin. Hrg. von C. U. D. v. flogers^ ^^* ^^ 
(Altona 1796), S. 27 abgedruckt ist, war beim Mangel dieses Buchea ^fc^t mogVich. 



158 

Liüekenbüssep 

abgebrannt 



Nach J. Grimm, Wörterbuch 1, 16 bedeutet abgebrannt *arm, 
von Gel de und allen Mitteln entblösst'. Campes Wörterbuch erklärt 
'einer Sache beraubt, davon entblösst'. Dem lebenden Sprach- 
gebrauche entspricht m. W. nur die Bedeutung, welche 'Der richtige 
Berliner' von Hans Meyer, (6. Aufl., Berlin 1904 S. 2) anmerkt: 
'Abgebrannt, ohne Geld'. Dieser engeren Bedeutung entspricht auch 
der in Grimms Wörterbuche verzeichnete Beleg Freilich liegt es 
nahe, an eine Verengung des Sprachgebrauchs zu glauben, sodass mit 
dem Worte ursprünglich 'ein abgebrannter Mann, der das Seinige in 
einer Feuersbrunst verloren bat' gemeint wäre. 

Die nachstehend zum Abdruck gebrachte Schilderung eines alten 
Gesellenbrauches eröffnet die Möglichkeit einer Herleitung der heutigen 
Bedeutung zunächst aus der alten Zunftsprache. * Sie gewinnt dadurch 
erhöhte Wahrscheinlichkeit, dass durch sie die Beschränkung der 
Bedeutung auf das bare Geld von vornherein gegeben ist 

Die erwähnte Schilderung findet sich in dem Aufsatze 'über 
Missbräuche und Unordnungen, so unter den Handwerks-Gesellen, 
besonders unter den Hutmacher-Gesellen, in Preussischen Staaten noch 
üblich sind', welchen der Hutfabrikant Franz Bock in Potsdam in 
den Annalen der Märkischen Oeconomischen Gesellschaft zu Potsdam 
Bd. 2, Heft 3 (Potsdam 1796) hat abdrucken lassen, auf S. 25 f. 
und lautet: 

Vom Abbrennen. Diese böse Gewohnheit geschiehet: wenn sie [die 
Handwerksgesellen] am Montag, Dienstag und Mittwoche noch auf ihrer Herberge 
schwärmen und nicht alle beisammen sind; so sagt einer zu dem andern: H**' 
oder B** (Geselle) muss wohl arbeiten? wir wollen hingehen und ihn abbrennen. 
Dieser arme Geselle, der oft keine ganze Schuhe an den Füssen, einen zerrissenen 
Rock und kein Hemde hat, und gern etwas verdienen will, wird nun durch 8 oder 
10 Gesellen, oder soviel an dem Orte arbeiten, abgebrannt; für alle diese 
Müssiggänger muss er Branntwein, Bier und Semmel aoschaflfen, und zwar so 
reichlich, bis sie alle besoffen werden, alsdenn muss dieser arme Geselle die Arbeit 
liegen lassen, und mit diesen Tagedieben auf ihre Herberge gehen. Das Feuer 
brennt unter den Kesseln ab, der Meister oder Fabrikant verliert sein Holz, 
erhält keine Arbeit von seinem Gesellen, oder die angefangene Arbeit ist halb 
verdorben . . . Dies nennen sie abbrennen. 

Welche ursprüngliche Bedeutung das Abbrennen der Gesellen 
gehabt habe, ist eine besondere Frage Bock hat in seiner hier 
wiedergegebenen Ausführung die Worte 'Das Feuer brennt unter den 
Kesseln ab' durch fetten Druck hervorgehoben, also dem Abbrennen 
des Feuers eine besondere Wichtigkeit bei dem Gesellenbrauche bei- 
gelegt. Indertat wird seine Benennung hiermit zusammenhängen. 
Der Gesell soll die Werkstatt nicht verlassen, solange das Feuer 



159 

unter dem Kessel oder auf dem Werkplatz flammt. Erst wenn 
dieses abgebrannt ist, kann er zur Herberge gehen. Die ihn hier 
erwartenden fremden Gesellen kommen deshalb in seine Werkstatt, 
um das Feuer hier zum Abbrennen zu bringen. Der Meister musste 
sich diese gewaltsame Unterbrechung der Arbeit seines Gesellen am 
Montage, Dienstage oder Mittwoch gefallen lassen, wenn an seinem 
Wohnorte Brauch war, dass an diesen Tagen die Gesellen feiern durften. 

CHARLOTTENBURG^ ^/V. Seelmann. 



Anzeige. 

Das Kieler Denkelbok herausgegeben von Frans Gundlacli [Mitteilungen 

der Gesellschaft für Kieler Stadtgeschichte, 24. HeftJ, Kiel, Lipsius und 

Tischer 1908. XIX u. 238 SS. 8». 

l5ie Gesellschaft für Kieler Stadtgeschichte hat in den letzten Jahren, wie 
der angehängte 18. Bericht ergibt, mit allerlei widrigen Umständen zu kämpfen 
gehabt: um so mehr darf man ihr Gluck wünschen, dass Dr. Gundlach, den die 
Stadt Kiel mit Beginn des Jahres 1907 zur Leitung des von ihm zuvor geordneten 
Archivs berufen hat, das festgefahrene Schiffiein mit einem energischen Ruck wieder 
flott macht, indem er zunächst durch das vorliegende Heft die Publicationsserio 
der Kieler Stadtbücher zum Abschluss bringt: vorausgegangen sind das älteste 
Stadtbuch (ed Hasse 1876), die Rentebücher I und II (edd. Reuter 1891—93 und 
Stern 1904), der erhaltene Teil des Erbebuchs (ed. Reuter 1896) und das Varbuch 
(ed. Luppe 1899). Ist die Überlieferung dieser Quellengruppe auch unvollständig, 
so besitzt Kiel in ihr doch immerhin einen sehr reichen Stoff, der die Wirtschafts- 
und Kulturgeschichte der Stadt vom Ausgang des 13. bis zum Beginn des 17. Jahr- 
hunderts eindringlich zu beleuchten gestattet und auch manches für die politische 
Geschichte abwirft. 

Der Titel ^Denkelbok', der sich für den ganzen hier publicierten Band ein- 
gebürgert hat, kommt eigentlich nur dem grössern Hauptteil zu: für diesen, der 
im J. 1490 angelegt wurde und bis 1575, mit einzelnen Eintragungen bis 1588, ja 
mit Nachträgen und einer Ratsliste bis 1711 herunter reicht, wurde nämlich das 
freigebliebene Papier eines Liber copiarum benutzt, den man 1465 begonnen, aber 
bereits 1472 bei Seite gelegt hatte; auch diese Eintragungen sind also in unsere 
Pnblication eingeschlossen. Die Sprache ist bis zum Schluss des Grundstücks 
niederdeutsch, obwohl sich schon in der ersten Hälfte des 16. Jhs. hochdeutsche 
Einflüsse zeigen, die bei dem Schreiber Hermannus Sifrit (1561—1575) stärker 
hervortreten. 

Der Herausgeber hat eine sehr sorgfältige Scheidung der Schreiber vor- 
genommen (s. XI— XIV) und eine knappe Übersicht über den Inhalt (I. Verwaltungs- 
sachen, II. Gerichtssachen s. XIV— XVIII) gegeben. Beim Abdruck verfährt er 
sehr conservativ und erklärt dies damit, dass die mittelniederdeutschen Schreiber 
im allgemeinen nicht so zum Eingreifen und Beschneiden herausfordern ^^^ ^^^^ 
hochdeutschen Kollegen mit den gräulichen Consonantenhäufungen. ^ \%t schon 



160 

richtig, aber Unarten wie das h in ßuderde, mhan, Jiernha sollte ein Herausgeber 
doch Dicht dulden, und erst recht nicht sollte er so ein fhu vor fl in das Alphabet 
des Glossars einstellen. 

Im übrigen macht der Text den Eindruck sicherer Lesung, er ist verständig 
interpungiert und sauber gedruckt. Der Wortschatz ist ziemlich reichhaltig und 
ergibt nicht nur gute Belege, sondern auch neue Artikel für das mittelniederdeutsche 
Wörterbuch. Der Herausgeber, der diese Edition seinen ersten Versuch im Nieder- 
deutschen nennt, hat auch diesen Dingen seine Aufmerksamkeit nicht entzogen: 
die drei Begister sind mit Liebe gearbeitet; nur muss man sich merken, dass die 
interessantesten Wörter nicht etwa unter III *Wort- und Sachregister' zu finden 
sind, sondern unter I 'Register der Personen und Ortsnamen' und II Topographisches 
Register der Stadt Kiel' ! Hier sind nämlich, sachlich nicht unberechtigt, aber für 
den Lcxicographen doch unerwartet, eine grosse Anzahl von Appellativen aus den 
verschiedensten Gebieten des öffentlichen Lebens untergebracht, sodass man, um 
ein paar noch bei Lübben und Walther fehlende Wörter herauszugreifen, tegel- 
kyndere ^jugendliche Ziegelarbeiter' (s. 159) unter den Eigennamen (I S. 206), 
kerksworen *Kirchgenerale' (vielfach belegt) gar unter 'Nicolaikirche' (II s. 215) 
findet. Das 'Wortregister' selbst ist mit Erklärungen gar zu sparsam: so ist der 
Plural futte f. vote, vbte doch nicht so geläufig, dass jedermann sofort wüsste, was 
uj) fryen fasten futten S. 77. 78 bedeutet : dass es der Herausgeber verstanden 
hat, bezweifle ich nicht, obwohl ich es bei einem nmd. Glossar noch mehr als 
anderwärts rügen muss, dass F und Y getrennt worden sind. In dem betr. Stück 
(nr. 90), das (wie manches andre) interessante Zeugnisse zur Zeitgeschichte (1524) 
liefert, ist übrigens S. 77 Z. 15 v. u. mlver und galt zu lesen; der Herausgeber 
selbst bittet Z. IS v. u. rigea (rügisch) ther, aake zu trennen, wie er auch S. 217 
Z. 5 V. u. deuestygis (d. i. devesiyge) statt denestyge zu lesen ersucht. 

Schliesslich ein Wort über den Titel. Dass er eine Übersetzung von 'Liber 
memorialis' ist, scheint klar. Es ist einiges jener merkwürdigen Komposita mit 
-el im ersten Bestandteil, die ja längst bekannt und im Mnd. Wb. verzeichnet stehn; 
eine besonders grosse Zahl ist mir neulich bei der Lektüre der 'Bürgersprachen 
der Stadt Wismar' aufgestossen, die Fr. Techen in den 'Hansischen Geschichts- 
quellen' herausgegeben und vortrefflich erläutert hat. (Leipzig 1906). Ich notiere 
unbekanntes längst belegten einordnend : etheltoare, gevelbeer und geveltoin, Ibvdbeer 
(Kiel), mekelgheltf tappelmUe, treekeUunne (Rostock, zu treeken 'feierlich aufziehen'). 
Femer anderweit okelpenning 'denarius augmentabilis', schouwelpenning 'nummus 
memorialis'. Wann und wo kamen diese auf den Nordosten beschränkten Bildungen 
aufV Und wirken dabei vielleicht die lateinischen Bildungen auf -alis, -üis {me- 
morialis, comestibilis, nupiialiSf sponsalis, festivaUs) wenigstens fördernd mit ein, 
in ähnlicher Weise wie dies Polzin für die hochdeutschen Deminutiva auf -üCin) 
nachzuweisen versucht hat ? Dagegen spricht freilich, dass für unser Sprachgefühl 
von heute der erste Teil verbaler Natur ist. J. Grimm Gr. II 540 hat unsere 
Gruppe übersehen, wie überhaupt die Wortbildungslehre des Mittelniederdeutschen 
bei ihm nicht zur Geltung kommt — und infolgedessen allenthalben vernachlässigt 
geblieben ist. 

GÖTTINGEN. Edward Schröder. 



Berichtigung. S. 4 § 4, 1 lies: mit fallendem Acceat. 



Niederdeutsches Jahrbuch. 



Jahrbuch 



des 



Vereins für niederdeutsclie Sprachforschung. 



Jahrgang 1909. 



XXXV. 



NOßDEN nnd LEIPZIG. 

Diedr. Soltau's Verlag. 
1909. 







Ausarbeitungen, dereu Abdruck im Niederdentschen Jahrbnche 

gewünscht wird, sind dem Mitgliede des Redactionsausschusses Prof. 
W. Seelmann, Berlin W. 15, Pariser Strasse 37 zuzusenden. Die 
Zahlung des Honorars (von 32 Mk. für den Bogen) erfolgt durch 
den Schatzmeister. 

Zusendungen, deren Abdruck im Eorrespondenz-Blatt erfolgen 
soll, ninmit Dr. C. Walther, Hamburg 24,, Uhlandstra^se 59 entgegen. 

Die Mitgliedsohaft zum Niederdeutschen Sprachverein wird durch 
Einsendung des Jahresbeitrages (5 Mark) an den Schatzmeister des 
Vereins Herrn Johs. E. Rahe, Hamburg I, Gr, Heichenstr. 11113 oder 
durch Anmeldung bei einem der Vorstandsmitglieder oder Bezirks- | 

Vorsteher erworben. i 

Die Mitglieder erhalten für den Jahresbeitrag die laufenden Jalir- i 

gänge der Vereinszeitschriften (Jahrbuch und Jforrespondenz-Blatt) 
postfrei zugesandt. Sie sind berechtigt, die ersten fünf Jahrbücher 
zur Hälfte, die folgenden Jahrgänge sowie alle übrigen Vereins- 
Veröffentlichungen (Denkmäler, Drucke, Forschungen, Wörterbücher) 
zu Dreiviertel des Ladenpreises zu beziehen, wenn die Bestellung unter 
Berufung auf die Mitgliedschaft direkt bei dem Verleger Diedr. Soltau 
in Norden (Ostfriesland) gemacht wird. 

Bis auf weiteres können die Mitglieder von demselben auch das 
'Wörterbuch der Ostfriesischen Sprache' von J. ten Doomkaat Koolman 
(3 Bände gr. 8*^ kartonirt) für 15 Mark (Ladenpreis 44 Mark) post- 
frei beziehen. 

Bücher oder Sonderabzüge, deren Anzeige oder Besprechung 
gewünscht wird, sind mit dem Vermerk 'Zur Besprechung^ oder dgl. 
dem Verleger oder einem der anderen genannten Herren zuzusenden. 



^>^-«»<i4>^^*M^ 



Niederdeutsches Jahrbuch. 



Jahrbuch 



des 



Yereins für niederdentsche Sprachforschnng. 



Jahrgang 1909. 



XXXY. 



NOIIDEN Mll LMia. 

Diedr. Soltau's Verlag. 
1909. 



Iiruok ▼on Diedr. ßoltau in Norden. 



Inhalt. 

Seite 

Eine neue Quelle für Reutersche Anekdoten. Von Ernst Brandes . . . 1 

Das Lübische Wörterbuch des Jacob von Melle. Von Colmar Schumann 17 

Volkstümliche Redensarten aus Lübeck. Von Colmar Schumann. . . . 81 

Ein Sündenverzeichnis des 15. Jh. Von Joseph Fritz 44 

Papphahne als Münzname. Von Franz Heimann 46 

Pumpernickel. Von Aug. Grabow 48 

Sprichwörter und Redensarten aus Lippe. Von K. Wehrhan 56 

Niederdeutsche Gedichte aus den Üannöversch-Braunschweigischen Landen 

von 1684—1726. Von H. Deiter 65 

Über germanische Personennamen in Italien. Von H. Saake 124 

Topographischer Volkshumor aus Schleswig-Holstein. Von C. F. Meyer . 136 

Anzeige : Die Chroniken des Klosters Ribnitz bearbeitet von Friedrich Techen. 

Von Edward Schröder '. 151 



Eine neue 
Quelle für Reuter'sehe Anekdoten. 



Läusehen nn Rimels.!) 

Um 9 die von Schriftstellern so sehr beneideten und so glänzend 
geschilderten Erfolge eines Verlags kennen zu lernen^, hat Heinrich 
Hoffmann von Fallersieben, wie er uns in seinen Aufzeichnungen und 
Erinnerungen: ^Mein Leben '^ ausführlich schildert, eine ganz eigen- 
artige Anekdotensammlung einmal selber verlegt. ;, Schon lange hatte 
ich daran gedacht^, so erzählt er aus dem August des Jahres 1849 2), 
^die vielen Geschichten, Schnurren und Witze, womit ich mich und 
andere zu ergötzen pflegte, in eine Form zu bringen, worin sie 
meinen Freunden und Bekannten wieder lieb und wert würden. Ich 
dachte mir eine Gesellschaft Von Stammgästen, die sich jetzt, nachdem 
es gefährlich geworden^ sich über Politik frei auszusprechen, auf 
harmlosere Weise unterhielten. Jedem besonderen Charakter sollten 
eben die demselben entsprechenden Geschichten in den Mund gelegt 
werden. Ich verteilte den Stoff auf eine Woche, also sieben Sitzungen.^ 
Nach einer Umarbeitung war das Buch Anfang Januar 1850 fertig 
und erhielt zuerst — mit Anspielung auf ein altes Schwankbuch — 
den Titel ^Die lustige Gartengesellschaft^, dann ,yDer Nationalklub^ 
und schliesslich „Das Parlament zu Schnappet. Für Satz und Druck 
zahlte der Dichter, der das Papier selber lieferte, dem Buchdrucker 
Dettmer in Rüdesheim bei einer Auflage von 1000 Exemplaren 13 FL 
Da es indess mit dem Selbstverlag doch nicht so recht gehen wollte, 
wandte sich Hoffmann an seinen Freund Freiligrath und dieser wies 
ihm als einen ;,anständigen Verleger^, der den Vertrieb übernehmen 
wollte, W. H. Scheller (Schaubsche Buchhandlung, Düsseldorf) nach. 
Zu dem wanderte denn nach kurzer Vereinbarung der Bedingungen 
die ganze Auflage in zwei neuen Kisten, ohne dass der Dichter je 
wieder etwas von ihr gehört und ausser einigen Musikalien für seine 
Frau im Werte von 4 Talern 28 Groschen je etwas bekommen hätte. 



1) Mit einigen Abänderungen aus der Sonntagsbeilage der Voss. Zeitung, 
1909, Nr. 38 u. 34. 

2) Mein Leben (6 Bände, Hannover, Carl Rümpler, 1868), Bd. 6, S. 91 f.; 
vgl. ausserdem noch S. 102 und S. 107 f. Gerstenberg war in seiner Hoffmann- 
ausgabe (Berlin, Fontane) gezwungen, vieles aus der recht breiten Selbstbiographie 
des Dichters wegzulassen; man wird aber für manches PersönUc\xe ^^^ Klein- 
Interessante auf das Original zurückgreifen müssen. 

NiederdentBohes Jahrbuch XXXV. \ 



In der Schaubschen Buchhandlung scheint nun auch : „Das Parlament 
zu Schnappel. Nach stenographischen Berichten herausgegeben von 
Hoffmann von Fallersleben^ verschollen zu sein ; wenigstens trägt mein 
Exemplar unten nur den Vermerk: „Bingerbrück 1850. Selbstverlag. 
Auch zu haben bei Ant. Wittig zu Bingen am Rhein.*, aber keine 
Angabe des Düsseldorfer Kommissionärs; es ist also höchst wahr- 
scheinlich von Hoffmann aus Bingerbrück seiner Zeit irgend einem 
Freunde zugesandt worden. 

Unter diesen Umständen kann es nicht wunder nehmen, dass 
Hoffmanns ,, Parlament zu Schnappel* als eine Art von buchhänd- 
lerischem Unikum höchst selten einmal in Antiquariatskatalogen 
angeboten wird (dann übrigens schon zu einem ziemlich hohen Preise) 
und dass selbst bedeutende Literarhistoriker von dem Buch keine 
Kenntnis haben. Sonst würde diese sehr interessante Anekdoten- 
sammlung z. B. bei der Quellenforschung von Reuters Läuschen un 
Rimels, die seit Seelmanns und Boltes grundlegender Arbeit im ersten 
Bande der Reuterausgabe des Bibliographischen Institutes mit Eifer 
betrieben wird, sicher herangezogen und verwertet worden sein, da 
eine Reihe von Reuter^schen Lauschen mit Hoffmann^schen Anekdoten 
meist ganz auffällig übereinstimmt. 

Der erste Fall, der hier erörtert werden soll, wird zunächst 
unwichtiger erscheinen, zumal er sich auf kein ganzes Läuschen, 
sondern nur auf die Einleitung oder die Vorrede eines solchen bezieht. 
In der Schapkur (I, 21) sucht Reuter seinen scharfen Angriff auf die 
mecklenburgischen Rittergutsbesitzer, die er in der Person des un- 
gebildeten und beschränkten Herrn Karbatschky lächerlich macht, im 
Eingang dadurch etwas abzuschwächen, dass er dem Kredit der Guts- 
besitzer seine eigene Kreditlosigkeit gegenüberstellt: Wenn so ein 
grosser Herr schreibe: „Mein lieber Moses, schickt mich mal gleich 
auf die Stell en dausend Daler Geld,* so erhalte er es umgehend; 
wenn der Dichter es aber auch mit ^mir* und „mich* richtig mache 
und bitte: „Mein lieber Moses, lieber Freund, wollt Ihr mir nicht 
einen Taler leibn?*, so bekäme er doch unter keinen Umständen 
etwas. — Man hat bereits im Niederdeutschen Jahrbuch. Bd. 29, 
S. 57 u. 55 (1903), auf eine ganz ähnliche Anekdote in Raabes 
Mecklenburgischem Volksbuch, 1846, S. 226, als mutmassliche Quelle 
Reuters hingewiesen ; ihr Wortlaut mag zur Ver^leichung hier folgen : 
„Mir soll der Teufel holen, wenn's nicht wahr ist,* sagte der sehr 
wohlhabende Schustermeister L. in Schwerin zu seinem Jugendgespielen, 
dem Herrn H. „Aber alter Freund,* entgegnete dieser, „er holt Euch 
wahrhaftig nicht, wenn Ihr so sprecht, sintemalen der Teufel hoflfentlich 
richtig deutsch spricht und Euch also nicht verstehen wird.* »Ach, 
das ist all ein Tun; wenn man Kredit hat, so verstehen einen alle 
Leute. Parexemple: wenn Sie unserem Rothschild schreiben: „Schicken 
Sie mir mal 100 Stück Louisdor* — so schreibt der Jude Sie wieder: 
„Bedauere sehr, aber habe augenblicklich nicht so viel in Kassa ; und 
wenn ich denselben Augenblick zu ihm gehe und sage: „Geben Sie 



3 

mich mal 100 Pistoletten,^ so sagt er: ^^ Wollen Sie auch mehr haben, 
Herr L.?"" 

Hoffmann in seinem ^^Parlament zu Schnappel^, S. 22 f., bietet 
dagegen folgende Fassung : Ein reicher Schuhmachermeister (in Wolfen- 
büttel) , er lebte jetzt von seinen Zinsen , rief: Markör, 

geben Sie mich noch eine halbe Bouteille! — Da sagte ein junger 
Leutnant, ich glaube, er stand in Braunschweig in Garnison: Herr 
Lüth, warum sagen Sie denn immer: geben Sie mich, es heisst ja 
mir. — Sehen Sie mal, Herr Leutnant, das ist ganz einerlei, ob ich 
mir oder mich sage. Ich will Sie sagen: wenn ich, der Schuster 
Lüth, an Moses Amschel schreibe: Schicken Sie mich mal 100 
Pistoletten . . ., Herr Leutnant, so kriege ich se, wahrhaftig, ich 
kriege se. Sie aber können schreiben : Schicken Sie mir und mich 
einen halben Dukaten, und es kommt nichts danach, garnichts. 

Dass Reuters eingestreuter Witz der Hoffmann'schen Anekdote 
erheblich näher steht als der des Mecklenburgischen Volksbuches, 
beweist allein schon die genau übereinstimmende Pointe; fast noch 
schwerer wiegt der zunächst geringfügig erscheinende Umstand, dass 
der ,Moses Amschel' Hoffmanns, unter dem sich natürlich der Roth- 
schild (= Moses Amsel Rothschild) des Volksbuches verbirgt, von 
Reuter in einen beiden Anekdoten fremden einfachen Moses verkürzt 
ist. Wenn man ferner beachtet, eine wie prägnante und leichte 
Fassung unser plattdeutscher Dichter der Schnurre gegeben hat, so 
möchte man beinahe für gewiss annehmen, dass er die unmittelbar 
auf die Hoffmann'sche Anekdote folgende Kritik eines anderen Mit- 
gliedes der Schnapperschen Tafelrunde gelesen und beherzigt hat: 
Kürzer gefasst eine gute Geschichte.^) 

Keine unmittelbare Abhängigkeit liegt dagegen bei Läuschen H, 
17 vor: Täuw, di will ick betahlen. Der Kleinbürger Seh wenn fragt 
hier seinen Nachbar Glandt, was die Worte bon jour bedeuteten, mit 
denen ihn der Advokat Besendahl immer begrüsse; dieser sagt ihm, 
bon jour sei ein ganz niederträchtiges Schimpfwort, und rät ihm, den 
feinen Herrn mit dem noch viel schlimmeren serviteur abzutrumpfen; 
das geschieht denn auch. Hoffmann S. 37—38 hat die Anekdote nun 
in folgender Form: 

') Anders liegt der Fall II, 23 (Dat Best) ; hier hat sich Reuter eng an die 
Anekdote im Mecklenburgischen Volksbuch 184G, S. 226 f., angeschlossen; vgl. 
Ndd. Jahrbuch, Bd 29, S. 57 (1903). HoflFmann, S. K'5 f , hat zwar dieselbe Pointe, 
aber eine ganz andere Situation und Erzählung: Der Buchhändler Ferdinand Irth 
legte einen grossen Wert auf Novitätenrechnungen und stattete selbige sehr sinn- 
reich und geschmackvoll aus. Da stand : Zu gefälliger Auswahl, schwarz ge- 
druckt, Prüfet alles, rot gedruckt, und das Beste behaltet, in Gold gedruckt. 
Dann folgte zierlich geschrieben der Name des werten Empfängers und darunter 
die Titel der beliebten Bücher mit den resp. Preisen. Der Königliche Ober- 
landsgerichtsauskultator 0. L. B. W. von Lappenberg war auch im Laufe des 
Jahres mit ganzen Stösseo Novitäten nebst derartigen Rechnungen beglückt. Am 
Ende des Jahres sendete er alles, aber auch alles, sogar den neusten Termin- 
kalender, zurück mit den aufrichtigen Worten: Ich habe alles geprüft und das 
Beste behalten . . . . mein Geld. 



Auf dem Baumhause in Hamburg ist ein ewiger Verkehr von 
Leuten aller Nationen. Meist sieht man SchiiFskapitäne und Schiffs- 
makler. Mitunter finden sich denn auch Hamburger Erbgesessene 
ein, weil der Porter dort eben nicht mehr kostet als in London Tavern. 
Eines Abends tritt- ein französischer Schiffskapitän ein und grüsst sehr 
freundlich: Salut, messieursi — Wat will de Keerl? fragt Herr Mey- 
boom, ein Hamburger Schlachter. — Och, sagt ein anderer, dat hett 
so veel as du Schaapskopp I — I de verfluchte Keerl 1 Wat mott i k 
denn seggen? Dat kann ik my doch nich gefallen laten. — Sech 
du man, wenn he wedderkummt: bon soir, monsieur! — Wat hett 
denn dat? — Och, dat is ook so watt wie Schaapskopp — Den fol- 
genden Abend stellt sich der Franzose wieder ein und grüsst sehr 
freundlich : Salut, messieurs ! — Da erhebt sich Meister Meyboom 
und schreit ihm mit drohender Hand entgegen: Bon soir, monsieur! 
un nochmal bon soir, un nu nochmal bon soir, un nu gab hen, 
Schaapskopp, un verklag my! 

Darauf, dass die äussere Einkleidung bei Reuter eine andere ist 
wie bei dem mehr grosszügigen Hoffmann, ist weniger Gewicht zu 
legen als auf die verschiedenen Grussformeln. Die Schlusspointe ist 
freilich gleich; das beweist aber zunächst nur, dass die beiden Anek- 
doten eine gemeinsame Mutter haben, nicht, dass die zeitlich jüngere, 
also die Reuter'sche, aus der älteren hervorgegangen ist. Wie vor- 
sichtig man überhaupt bei der Beurteilung solcher Fragen sein muss, 
erfuhr ich vor zwei Jahren bei einer Kritik der übrigens sehr em- 
pfehlenswerten Läuschensammlung: ^Biweg' lang^ von Felix Stillfried 
(Rostock, Koch), die unter dem Titel ^^Messih'' eine nur in der Sphäre 
wieder abweichende, sonst aber schlagende Parallele zu unserer Reuter- 
anekdote bietet. Der Dichter teilte mir, der ich halb und halb an 
eine unmittelbare Anlehnung glauben wollte, dann brieflich mit, dass 
er die Schnurre von einem Bekannten gehört und die Ähnlichkeit 
seiner Geschichte mit der Reuter^schen erst nachträglich wahrgenommen 
habe. Eine andere Stoffähnlichkeit seiner Läuschensammlung mit einer 
jüngeren von Paul Warncke in „Snurrig Lud*' (Leipzig, Voigtländer) 
hatte aber einen anderen ihm bekannten Herrn zu schwerer Entrüstung 
über diese „Entlehnung*' veranlasst, obgleich für jeden unbefangenen 
Beurteiler irgend eine Abhängigkeit ganz ausgeschlossen war. - Kann 
also auch in unserem Falle nicht angenommen werden, dass Reuter 
die Hoffmann'sche Anekdote vor Augen gehabt und unmittelbar benutzt 
hat, so bleibt doch die grosse Stoffahnlichkeit interessant, umsomehr 
als hier zum ersten Mal eine Parallele zu dem Reuter^schen Läuschen 
nachgewiesen werden konnte. 

Ähnlich liegt die Sache bei Lauschen un Rimels I, 37 : Dat 
Tausamenleigen. Die Geschichte erzählt in breiter Behaglichkeit und 
mit vielen kleinen Einzelausführungen von einem mecklenburgischen 
Lügenmajor, der einen Hirsch zugleich am Gehör und Hinterlauf ge- 
troffen haben wollte. Sein Johann hilft ihm den zweifelnden Gästen 
gegenüber zwar so einigermassen aus der Not mit der Erklärung, 



dass sich das Tier gerade am Kopf gekratzt habe, aber die Gäste 
fahren doch bald kopfschüttelnd fort, nnd Johann bemerkt dann seinem 
Herrn: „Sie lügen aber auch zu weit auseinander: Kopf und Bein! 
Das kriege ich auch nicht mehr zusammengelogen.^ Schon Hans 
Sachs hat diesen alten Schwank in seinem Meisterlied : „Der verlogen 
edelmon'^ gereimt i), und Reuter stimmt mit ihm inhaltlich auch über- 
ein. Eine unmittelbare Benutzung dieser Quelle ist aber ausgeschlossen, 
und andere neuere Überlieferungen fehlen. Da ist es nun von Wich- 
tigkeit, dass Hoffmann diese Anekdote S. 199 f. in folgender Gestalt 
bringt: Herr von der Decken war ein leidenschaftlicher Jagd- 
liebhaber. Jedes Jahr gab er eine grosse Jagd und lud dazu alle 
seine Freunde von nah und fern. Wenn das Jagen vorbei war, folgte 
ein heiteres Mittagsmahl. Jeder erzählte dann seine Jagdhistörchen. 
Was einem doch wunderliche Dinge begegnen können! begann der 
Hausherr. Da schiesse ich heute vor acht Tagen einen Sechzehnender 
dnrch das Gehör und durch den Hinterlauf. — Alles lacht. — lachen 
Sie nicht, meine Herrn! Die Sache ist ganz richtig, hier steht mein 
Zeuge. Johann, erzähle ! Du warst mit dabei. — Johann der Jäger 
erzählt: Allerdings, der gnädige Herr schoss den Sechzehnender ge- 
rade, als er, nämlich der Hirsch, nicht der gnädige Herr, sich hinter 
den Ohren kratzte. — Heimlich sagte dann später Johann: Lügen 
Sie nur künftig nicht so weit auseinander! Ich konnte es beinahe 
nicht zusammenbringen. 

Reuters Läuschen hat mit dieser Fassung so vieles gemeinsam, 
dass man mit gutem Grunde an eine ganz unmittelbare Beeinflussung 
von Seiten Hoffmanns glauben dürfte, wenn das handschriftliche 
Anekdotenverzeichnis des Dichters, das er nach Gädertz (Fritz Reuter, 
Bd. 1, Schriften S. 133) sich Neujahr 1853 anlegte und bis auf 170 
Nummern brachte, 2) nicht die Notiz enthielte (bei Gädertz, Reuter, 
Bd. 1, Läuschen un Rimels I, S. 94): Der am Ohr und Hinterfuss 
getroffene Hirsch (so wid ut'nanner leigen). Danach aber ist es 
höchst wahrscheinlich, dass Reuter die Anekdote mindestens zum Teil 
plattdeutsch hat erzählen hören. Man wird also annehmen müssen, 
dass entweder Reuters Gewährsmann die Geschichte aus dem Parla- 
ment zu Schnappel kannte und dem Dichter nun plattdeutsch vortrug 
oder dass die hochdeutsche wie die plattdeutsche Fassung eine und 
dieselbe Urquelle haben. Von geringerer Bedeutung sind dabei die 
Namen der Peisonen, von denen die Schnurren erzählt werden, denn 
solche werden gerade bei Reuter öfters aus bestimmten Gründen 
geändert. Immerhin verdient es in unserem Falle einige Beachtung, 
dass nach einer anderen Notiz bei Gädertz ein in Mecklenburg 



1) Vgl. Seelmann, Reuterausgabe, Bd. I, S. 897—8 

') Dazu kam später noch ein zweites, s Gädertz, Reuter Bd. 1, Schriften 
S. 139 f. und Anhang zu Läuschen un Rimels II, S. 174. Es wäre sehr zu 
wänschen, wenn diese beiden Verzeichnisse endlich einmal ganz und im Zusammen- 
hange Yeröffentlicht würden, damit jeder Reuterforscher sie ^xbersehen und 
benutzen kann. 



6 

begüterter Major (;,Majur von Voss un de Büchsenklapp*^) in dem 
Läuseben gemeint sein soll. Dieser Major y. Voss kommt nun auch 
in dem lustigen Eriegskapitel (21) der Reis' nab Belligen und in 
Läuseben un ßimels II, 36 (De scböne Spandillg) vor, wo wir erfabren, 
dass Voss auf dem Rittergute Grabowhöfe gewobnt bat. Dies liegt 
ein paar Kilometer von dem grossen Kircbdorf Jabel, das in Fritz 
Reuters Leben bekanntlicb eine so grosse Rolle spielt, weil dort des 
Dicbters Lieblingsobeim Ernst Reuter von 1811 bis 1845 Pastor war 
(nacb ibm sein Neffe und Schwiegersobn Karl Reuter bis zu seinem 
Tode 1860) und weil dort Köster Subr lebte. Unser Major v. Voss 
aber ist auf dem kleinen Kircbhof zu Sommerstorf i) etwa IV2 Kilo- 
meter nördlicb von Grabowböfe, beerdigt worden ; die für die Reuter- 
forscbung nicbt unwicbtige Inschrift seines Grabsteines lautet: Carl 
Friedrich Christian von Voss, Major und Kammerherr, Erbherr auf 
Tessenow, geb. d. 25. Aug. 1780, gest. d. 20. März 1838. Neben 
ihm ruht seine Gattin: Frau Louise Hedwig Johanna von Voss, verw. 
gewes. Gräfin v. Hahn, geb. v. Wolffradt, geb. d. 13. Nov. 1784, gest. 
d. 30. Jan. 1851. Grabowhöfe war also — wie man hieraus schon 
schliessen kann — kein Vosssches, sondern ein Hahnsches Gut (und 
zwar bis vor nicht allzu langer Zeit); Tessenow dagegen liegt etwa 
eine Meile südlich von Parchim*. Es ist sehr wohl möglich, dass 
Reuter schon während seiner Schulzeit in der letztgenannten Stadt 
(1827 — 31) von dem mindestens doch zeitweise auf Tessenow wohnenden 
Major mancherlei vernommen und deswegen später auch sein Läuschen 
vom Zusammenlügen in die südlich von Parchim sich ausdehnenden 
Waldungen des Sonnenberges verlegt hat. Er mag ihn dann aber 
auch noch vor seiner Festungszeit bei Besuchen in Jabel persönlich 
kennen gelernt und von dem sicher originellen Mann auch sonst so 
viel gehört haben, dass Voss zu einer Art Lieblingsfigur für ihn 
wurde. — 

Auch für das Läuschen I, 45: Dat heit ick anführen, für das 
bisher keinerlei Quelle nachgewiesen werden konnte, findet sich — 
ähnlich wie oben — eine höchst bemerkenswerte Parallele in dem 
Parlament zu Schnappel. Bei Reuter kocht sich ein alter geiziger 
Jude, um die Feuerung zu sparen, seine dicken Erbsen auf drei Tage 
in Vorrat, was bei der Sommerhitze natürlich die Folge hat, dass sie 
sauer und schimmlig werden; um sich nun trotzdem zum Essen zu 
bringen, verspricht sich Levi selber ein Gläschen Kümmel, das er 
nachher aber wieder in die Flasche zurückgiesst mit den Worten: 



1) So wird der Name auf den älteren mecklenburgischen Karten geschrieben. 
In diesem kleinen Dörfchen ist bekanntlich Joh. Heinrich Voss als spurius der 
Tochter des Küsters geboren. Sein Geburtshaus ist indes seit Jahren nicht mehr 
vorhanden: es soll nach Angabe des ältesten Dorfinsassen abgerissen worden sein, 
damit der Kirchhof erweitert werden könne; und in der Tat ist an beiden Seiten 
deutlich zu sehen, wo die neue Mauer angestückt ist. Die alte Küsterwohnung 
hat in der jetzt linken Kirchhofsecke, vom Kingange aus, gelegen. 



„Da hab' ich den alten Levi angeführt!^ Diesen Triumph des Geizes 
hat Hoffmann, S. 146 f., in folgender Fassung: 

Moses Hitzig in Oflfenbach — — ist doch ein kluger, ein 
gescheiter Mann. Eines Morgens begegnet ihm seine Frau, hat eine 
Schüssel voll Erbsen in der Hand, will damit auf den Hof. Memme, 
was bringst du? — Erbsen, sein verdorben, sein sauer und stinken, 
will ich sie wegschütten, die isst kein Mensch mehr. — Kein Mensch? 
. . . spricht Hitzig, will ich sie essen. — Am Mittag muss die Memme 
die Erbsen bringen. Der alte Hitzig setzt sich davor, sieht sie an, 
schnuppert daran, macht ein verdriesslich Gesicht, holt eine Flasche 
Branntwein, schenkt sich ein und sagt zu sich: Alter Hitzig, iss die 
Erbsen! iss die Erbsen I kriegst en Schnaps! — Er isst sie auf, und 
als er ist fertig, giesst er den Schnaps wieder in die Flasche: Ah! 
hab ich den alten Hitzig doch angeführt! 

Reuters handschriftliches Verzeichnis hat unter No. 53 die 
Pointe: Hab^ ich den alten Levi angeführt. Dazu bemerkt Gädertz, 
dass nach dem Manuskript Jude Levi in (Neu-)Strelitz gelebt habe, 
was wahrscheinlich nur so viel heissen soll, dass in der Handschrift 
ursprünglich statt Bramborg (= Neubrandenburg) Strelitz gestanden 
hat. Reuter wird dies noch vor dem Druck getilgt haben, um die 
Spuren zu verwischen, und dieser Umstand könnte immerhin dafür 
sprechen, dass es in Strelitz einen alten geizigen Juden Levi gegeben 
hat, von dem auch diese Geschichte erzählt wurde. Die Gleichheit 
der Pointe in beiden Anekdoten aber beweist, dass sie aus einer 
Quelle stammen und später nur verschieden eingekleidet und lokalisiert 
worden sind. — 

Eine ausführlichere Besprechung verlangt das Läuschen II, 8: 
De Körten. Der Baron von Sprudelwitz in Schwerin, den es mehr 
zu seiner Pepita treibt, muss Besuche machen; er befiehlt deshalb 
seinem Johann, die Karten, die links im Schrank liegen, zu holen 
und auf der Fahrt überall rasch eine abzugeben. Als sie nun beim 
letzten Hause angelangt sind und der Baron fragt, ob Jobann noch 
eine Karte habe, antwortet der ihm: „Ja, Herr, Rutenburen.* — 
Das von Reuter hier benutzte Motiv scheint älter zu sein und findet 
sich bereits in dem 1809 erschienenen Lustspiel Kotzebues: Das 
Intermezzo oder der Landjunker zum ersten Mal in der Residenz. 
Dort lässt sich (Akt III, Scene 3) der gutmütige, aber ungeschickte 
und wenig erfahrene Junker Hans von Birken, Erbherr auf Plumpers- 
dorf in Pommern, von einem Berliner Lohnlakai dahin belehren, dass 
er bei allen hohen Herrschaften zwar Besuche abstatten müsse, aber 
zur Verkürzung des langweiligen Geschäftes bloss Karten in den ein- 
zelnen Häusern abzugeben brauche. Er weist seinen Bedienten Matz 
nun an, sich vom Wirt des Gasthauses Karten geben zu lassen und 
sie in der Stadt überall da herumzutragen, „wo so ein dicker grosser 
Taugenichts vor der Tür steht, mit einem Ordensband von rotem 
Tuch mit Silber verbrämt.*' Matz macht sich mit den zwei ganzen 



8 

Spielen, die er bekommen hat, alsbald auf den Weg, aber alle Leute, 
denen er, von Haus zu Haus gehend, die Karten anbietet, lachen ihn 
aus, und so gibt er schliesslich alle miteinander einem ihm auf der 
Strasse begegnenden Herrn mit einem Kreuzchen auf dem Rock. 
Dieser scheinbar so vornehme Herr ist jedoch ein Spieler: Baron 
Volta, und nimmt das gewaltig übel; seine Verwicklung mit Matz 
führt dann aber in der 5. Scene zur Bekanntschaft mit dem Junker, 
der nun zum Spiel verlockt und betrogen wird. Kotzebue hat also 
das Kartenmotiv hier für seine dramatischen Zwecke sehr geschickt 
ausgenutzt; aber gerade in dieser Verwertung und nicht minder in 
der Ausführung des Ganzen besteht doch zwischen ihm und Reuter 
ein so grosser Unterschied, dass nur ein ganz loser Zusammenhang, 
eine Anregung angenommen werden könnte. Ausserdem erfahren wir 
aus den Reuternotizbüchern (s. Gädertz, Reuter, Bd. 1, Schriften 
S, 140), dass der Dichter seine Geschichte wahrscheinlich in Treptow 
oder Neubrandenburg gehört und sich mit den Stichworten: der 
Bediente, der Karten abgeben soll. Pikbur! angemerkt hat, was 
eine wenigstens zum Teil plattdeutsche Mitteilung voraussetzt. Aus 
dem Pikbuben ist nun freilich im Läuschen selber ein Rutenbur ge- 
worden, des Rhythmus wegen. Wir finden ihn aber wieder im Par- 
lament zu Schnappel, S. 117: 

Frau V. Märzfeld wollte Besuche machen. Eben ist sie in den 
Wagen gestiegen, da merkt sie, dass sie ihre Visitenkarten vergessen 
hat. Sie ruft ihren Jean Paul, der ein ganz hübscher Bursche war, 
aber von der Bedienten Wissenschaft noch wenig los hatte: Jean Paul, 
hole mir meine Karten! Sie liegen oben in der Schublade rechts. — 
Jean Paul geht und kehrt wieder. — Wo wir niemanden treffen, 
gibst du Karten ab, hörst du? — Zu befehlen, Ew. Gnaden! — 
Jetzt geht die Fuhre ab. Die gnädige Frau findet viele Herrschaften 
nicht daheim, und Jean Paul gibt immer Karten ab. Als sie eben 
beim letzten Hause ankommt und wieder niemanden trifft, sagt sie: 
Jean Paul, hier gib 3 Karten ab! — Gnädige Frau, ich habe nur 
noch Pikbuben und Herzendame. 

Dass Reuter statt der Frau v. Märzfeld einen im Kladderadatsch 
zum Witztypus gewordenen Baron von Sprudelwitz hat, ist von ganz 
geringer Bedeutung, und auch die Kartenverdopplung bei Hoffmann 
macht wenig aus. Dafür zeigen die beiden Bedienten : der französische 
Jean Paul und der deutsche Johann, eine starke Familienähnlichkeit, 
und auch der an sich geringfügige Umstand verdient Beachtung, dass 
die Karten vergessen worden sind und sich bei Hoffmann oben in 
der Schublade rechts, bei Reuter mit kleiner Veränderung links im 
Schrank befinden. Am meisten beweist aber der beiden Anekdoten 
ursprünglich gemeinsame, von Reuter im Notizbuch besonders an- 
gemerkte Pikbur dafür, dass beide Geschichten auf dieselbe Urquelle 
zurückgehen müssen. — 

Es bleiben nun noch zwei Läuschen übrig, bei denen mit grosser 
Wahrscheinlichkeit eine unmittelbare Beeinflussung Reuters durch 



9 

Hoffmann angenommen werden kann. Der Titel des ersten, II, 16: 
;,Wenn einer deiht, wat hei deiht, denn kann hei nich mihr dauhn, 
as hei deiht^ ist zugleich letzter Teil des Mottos vom zweiten Bande 
der Läuschen un Rimels und ein geflügeltes Wort geworden; um so 
kürzer und unbedeutender ist der Inhalt des Geschichtchens. Karl 
erzählt seinem Herrn auf Befragen, dass er bei Waterloo tüchtig 
darauf losgegangen sei und einem Feinde sogar beide Beine abgehauen 
habe. ^Aber weshalb denn die Beine; warum hiebst du ihm nicht 
den Kopf ab?** „»Ja, Herr, der Kopf war schon ab.**' — Seelmann 
glaubt in der Reuterausgabe des Bibliographischen Institutes die 
Quelle dieser Anekdote in den von G. 0. Marbach gesammelten 
Schnurren (Volksbücher. 27; Leipzig, 1842), S. 80 gefunden zu haben, 
wo sie diese Form hat: 

Ein anderer (Gascogner) erzählte, er habe in einer Schlacht 
zwanzig Feinden Arme und Beine abgehauen. „Das ist grausam*, 
wurde ihm gesagt: „Warum schlugen Sie ihnen nicht gleich die 
Köpfe ab?* — „Hol mich der Teufel*, schrie der Gascogner: „Die 
Kerle hatten keine Köpfe mehrl* 

Allein die Fassung, in der Hoffmann S. 195 den anspruchslosen 
Schwank vorträgt, dürfte trotz mancher zunächst in die Augen 
fallender Verschiedenheiten der Reuter^schen noch näher stehen: 

Wenn Sie uns auf einem faulen Pferde mal ertappen — meint 
eins von den Mitgliedern des Parlamentes zu Schnappel — , so müssen 
Sie es machen wie mein alter Oberst Sengewald. Ein junger Leut^ 
nant, ein braver Soldat, nahm es in seinen Erzählungen auch nicht 
80 genau. Er machte mit mir die Freiheitskriege mit, und nach 
erlangtem Abschiede wurde er Gutsbesitzer. Er erzählte eines Abends 
viel von der blutigen Schlacht bei Belle-AUiance. Ein Fräulein fragt 
ihn endlich: Herr v. Sparkäse, erinnern Sie sich keiner Ihrer Taten 
mehr an jenem blutigen Tage? — Ach, es zuckt mich heute noch in 
den Armen, es ist, als ob ich zuhauen müsste. Ich hieb einem fran- 
zösischen Grenadiere das linke Bein ab. — Das Fräulein unterbrach 
ihn: Aber warum. hieben Sie ihm denn nicht den Kopf ab? — Mein 
alter Oberst rauchte sein Pfeifchen und fiel schmunzelnd ein: Mein 
Fräulein, den hatte er nicht mehr. 

Dem Gascogner mit seinen zwanzig Feinden steht hier eine 
deutsche Situation mit der Schlacht bei Waterloo oder Belle-Alliance 
und einem Feinde gegenüber. Die Hoffmann'sche Anekdote hat aller- 
dings einen komplizierteren Apparat und zeigt besonders am Schluss 
eine Verschiebung der Pointe. Aber gerade diese kürzte sich von 
selber, nachdem das Ganze vereinfacht und in die dem plattdeutschen 
Dichter gemässe ländliche Sphäre übertragen worden war, die Reuter 
deswegen schon wählte, weil er mit dem höheren und vornehmen 
Kreise der Hofimann'schen Geschichte nichts Rechtes anzufangen 
wusste. Der passte nicht zu ihm, nicht zu seinen Leuten und nicht 
zu seinem Dialekt. So blieb denn von den vornehmen Personen 
seiner Quelle nichts weiter übrig als der Herr, d. h. der ^J5\x^%\)^Ä^Vier, 



10 

oder vielmehr in diesen wurden der Oberst und der frühere Leutnant, 
der nachher ja auch Landmann geworden war, zusammengezogen. 

Noch einleuchtender als hier wird im nächsten und letzten Falle 
Reuters Abhängigkeit von Hoffmann sein, in Läuschen un Rimels II, 56 : 
De Sokratische Method'. Der Schulrat Ix (X) aus Ixenstein besichtigt 
die Dorfschule zu Ohserin, aber die Kinder und nicht weniger ihr 
Lehrer Rosengrün sind in Angst und Verlegenheit und wissen nichts. 
Da greift der humane Herr, der gut geschlafen und gut gefrühstückt 
hat, mit Menschenliebe und Sokratischer Methode ein und zeigt seinem 
Untergebenen, wie man Geographie lehren müsse. Durch den Begriff 
der Buße bringt er mit allerdings sehr nötiger eigener Nachhilfe die 
Kinder auf den Flussnamen der Busse, die dicht am Dorf vorbeifliesst, 
durch Hagel auf die Havel, welche die Busse aufnimmt, und durch 
das Zählen bis elfe auf die Elbe, in die die Havel mündet. Nun aber 
fällt Rosengrün ein und erklärt, er habe die neue Methode vollständig 
erfasst und wolle jetzt nach ihr weiter unterrichten. Er lässt, um 
festzustellen, wo die Elbe bleibt, seine Kinder bis zwölfe zählen; aber 
alles schweigt, als die entscheidende Frage gestellt wird, und Rosengrün 
muss sie selber beantworten: „Stats ,zwölfe' müsst ihr ,Nordsee* seggen.*' 

Diese Anekdote hat ihr ganz ausführliches Vorbild im Parlament 
zu Schnappel, S. 77 ff.: 

Unter dem Ministerium Eichhorn sollte die Sokratische Lehr- 
methode auf allen höheren und niederen Lehranstalten eingeführt 
werden. Die höheren gingen nicht darauf ein: den alten Professoren 
war ihre alte Vortragsart zu lieb geworden, und die jüngeren Dozenten 
konnten keine Studenten dafür gewinnen. Das Ministerium wollte aber 
doch die Sache nicht ganz fallen lassen und suchte sie nun eifriger 
in Bezug auf die Volksschulen zu betreiben. Jahr und Tag war ver- 
gangen, hohes Ministerium wollte nähere Nachrichten über den Pürfolg 
haben. Die Schulkollegien der einzelnen Regierungen wurden zum 
Bericht aufgefordert, und diese schickten demnach einzelne Räte ins 
Land, die Sache in Augenschein zu nehmen. So kommt denn ein 
Konsistorial- und Schulrat zu diesem Zwecke in ein Dorf jenseits der 
Elbe. Er fragt nach dem Schulmeister. Man weist ihn in die Schule, 
wo jener eben Unterricht erteilt. Der Konsistorialrat tritt ein. Der 
Schulmeister wundert sich über den unerwarteten Besuch. — Ich bin 
der Konsistorial- und Schulrat und beauftragt, zu untersuchen, ob 
Sie die Sokratische Lehrmethode eingeführt haben. — Sehr wohl, 
Herr Konsistorialrat! — Bitte, wollten Sie nun wohl einmal einige 
Proben ablegen? Worin unterrichten Sie jetzt? — In der Erdkunde. 
— Also in der Erdkunde. Gut. Fangen Sie mal an! — — Der 
Schulmeister fragt und fragt, aber die Kinder wissen nichts. Ärgerlich 
darüber sagt der Konsistorialrat : Ja, lieber Herr Schullehrer, das ist 
auch gar nicht die rechte Art und Weise, Sie müssen die Sache an- 
bahnen, Sie müssen dem Fassungsvermögen der Kinder Rechnung 
tragen, Sie müssen das so entwickeln, so herauslocken aus den zarten 
Seelen . . . Ich werde mal selbst fragen. Sagt mal, lieben Kinder, 



11 

woran liegen wir hier? — Alles still. — Was muss man tun, wenn 
man Böses getan hat? — Reu und Buße. — Recht so: Reue und 
Buße. Ihr müsst nur nicht sagen: Buße, sondern Busse. Woran 
liegen wir also? — An der Busse. — Recht so: An der Busse. 
Aber sagt mal, lieben Kinder, worein ergiesst sich die Busse? — 
Alles still! — Was fällt vom Bummel? — Regen — Was noch mehr? 

— Schnee. — Was noch mehr? — Hagel. — Recht so: Hagel. Ihr 
müsst nur nicht sagen: Hagel, sondern Havel. Worein ergiesst sich 
die Busse? — In die Havel. — Recht so: In die Havel. Aber 
worein ergiesst sich denn die Havel? — Alles wieder still. — Fangt 
mal an zuzählen! — Alle: 123456789 10 11... — Halt! 
elfe, Ihr müsst nur nicht sagen elfe, sondern Elbe. — Alle: In die 
Elbe! — Herr Konsistorialrat werden erlauben, dass ich nun 
fortfahre, ich weiss schon, wie Sie es wollen. — Fahren Sie fort, 
lieber Herr Schullehrer ! fahren Sie fort ! — Sagt mal, lieben Kinder, 
worein ergiesst sich denn die Elbe? — Alles still, ganz still. — Fangt 
mal an zu zählen! — Alle: 123456789 10 11 12...— 
Halt ! zwölf Ihr müsst nur nicht sagen zwölf, sondern ...Nordsee. 
Worein ergiesst sich also die Elbe? — Alle: In die Nordsee! 

Man sieht, Reuter stimmt in der Entwicklung der ganzen Anekdote 

— und auch in manchen nicht weiter hervorgehobenen Nebensächlich- 
keiten — genau mit Hoflfmann überein, besonders darin, dass er von 
einem Flüsschen Busse ausgeht, das es gar nicht gibt! Gerade dieser 
Umstand ist aber für das unbedingte Abhängigkeitsverhältnis des 
plattdeutschen Dichters entscheidend, in dessen zweitem Anekdoten- 
verzeichnis (s. Gädertz, Reuter, Band 1, Schriften, S. 140) sich 
übrigens auch kurz die Pointe vermerkt findet: Busse, Havel, Elbe, 
Nordsee, ohne dass dies hier von irgend welchem Gewicht gegen eine 
Entlehnung von Hoffmann wäre, wie oben in anderen Fällen. Auch 
der Umstand, dass die Anekdote in Mecklenburg lokalisiert ist, 
spricht keineswegs dagegen, mag man nun mit Seelmann das Läuschen 
nach Rossow an der Dosse, in die mecklenburgische Enklave bei 
Neuruppin, verlegen oder mit Gädertz in Ohserin, das Kirchdorf 
Userin, 2 Kilometer südwestlich von Neustrelitz, erblicken, weil nicht 
allzuweit nördlich von ihm die Havel entspringt. Der Schwank wird 
ursprünglich ein preussischer gewesen sein : das beweisen das Ministe- 
rium Eichhorn und die verschiedenen Einzelheiten, die Hoffmann 
zugleich anführt. Das Dorf ^jenseits der Elbe" (d. h. rechts von 
der Elbe, von Bingerbrück aus, wo der abgesetzte Professor damals 
lebte) ist zunächst zwar so allgemein wie möglich, deutet dann im 
Zusammenhange aber schliesslich auch auf Preussen hin. 

Hoffmann von Fallersleben hat nach Verlust seiner Breslauer 
Professur 1843 ein vielbewegtes und recht interessantes Wanderleben 
geführt, das uns seine Selbstbiographie vom vierten Bande ab mit 
tagebuchartiger Weitläufigkeit, aber doch meist anziehend schildert, 
wenn für den guten Geschmack auch die Person des fahrende^^ Sängers 
etwas zu oft in einen nicht allzu bedeutenden Vordergrund \x^\a'^ mag. 



12 

Einen festeren Punkt gewann der TuoXuTpoTro; März 1844 in Mecklenburg, 
wo ihn sein politischer Gesinnungsgenosse Rudolf Müller auf seinem 
Pachtgut Holdorf bei Brüel bis 1850 oft monatelang gastlich beher- 
bergte. Von hier aus wurden nun häufig ^Kunstreisen* und Fahrten 
zu benachbarten und entfernteren Freunden und Gutsbesitzern unter- 
nommen, so im April desselben Jahres schon nach Scharpzow bei 
Stavenhagen, wo Karl Müller, ein Bruder Rudolfs, wohnte. Dort fand 
sich am zweiten Abend auch Fritz Reuter ein und erzählte von seiner 
siebenjährigen Festungszeit stundenlang so humoristisch, dass die 
Anwesenden sich garnicht satt hören konnten und dass Hoffmann 
ihn mehrmals dringend bat, alles aufzuzeichnen und zwar gerade so, 
wie er es eben erzählt habe (Bd. 4, S. 146). Das ist damals schwer- 
lich geschehen, aber die beiden Männer haben sich doch kennen 
und schätzen gelernt Irgend ein besonderer literarischer Zusammen- 
hang später lässt sich allerdings nicht nachweisen und ist auch nicht 
einmal zu vermuten. l) Nur mittelbar hat ein solcher stattgefunden, 
und zwar eben durch das ;,Parlament zu Schnappel^, das Hoffmann 
vom Rhein aus seinen alten mecklenburger Freunden und Duzbrüdern, 
insbesondere Rudolf Müller, zugeschickt haben dürfte. Durch diesen 
kann nun auch die Anekdotensammlung unserem plattdeutschen 
Dichter, vielleicht bei einer seiner Fusswanderungen durch Mecklen- 
burg in den fünfziger Jahren, irgendwie bekannt geworden sein. 

II. 
Anderes. 

Es ist bereits oben erörtert worden, wie schwer bei gleichem 
Gegenstande das Abhängigkeitsverhältnis zweier Schriftsteller vonein- 
ander in manchen Fällen zu entscheiden ist. So kann es denn sehr 
wohl möglich sein, dass Hoffmann verschiedene von seinen Anekdoten 
in Mecklenburg gehört, später aber in andere Verhältnisse umgesetzt 
hat und dass dieselbe Geschichte unserem plattdeutschen Dichter aus 
derselben oder einer ähnlichen mecklenburgischen Quelle während 
seiner Lehr- und Wanderjahre zu Ohren gekommen und erst nach 
Jahren, doch mit getreuerem Lokalkolorit von ihm verwertet worden 
ist, ja dass in einzelnen Fällen sogar Reuter die Priorität gebührt. 

Den ein oder zwei sicheren Fällen seiner Abhängigkeit von 
Hoffmann können wir nämlich ein, vielleicht sogar zwei Beispiele aus 
dem „Parlament von Schnappel" gegenüberstellen, wo Hoffmann 
höchst wahrscheinlich von Reuter beeinflusst worden ist. Bei Gädertz, 
;,Aus Fritz Reuters jungen und alten Tagen^, Bd. 3 (1901), S. 155 f. 



1) Wir wissen nur, dass Hoffinann von Fallersleben Fritz Reuter besucht 
hat, als dieser nach Eisenach übergesiedelt war, s. A Römer, Fr. Reuter, S. 201. 
Ob sie auch Briefe gewechselt haben, steht dahin; jedenfalls findet sich in dem 
Huche H. Gerstenbergs: An meine Freunde, Briefe von Hoffmann von Fallersleben 
(Berlin, 1907) nichts auf Fritz Reuter Bezügliches, nicht einmal sein Name wird 
genannt. 



13 

yeröffentlicht Moritz Lazarus (a. d. J. 1864) einige Erinnerangen an 
den Dichter, aus denen eine ältere jenenser Schnurre besonders her- 
aasgehoben werden muss: 

Auf dem Heimwege erzählte er die buntesten Anekdoten, auch 
aus seiner eigenen Studentenzeit; ein Stück harmlos-übermütiger 
Jugend lebte in ihm wieder auf. So schilderte er, wie er mit einigen 
jenenser Kommilitonen in Apolda seinen 'Knaster den gelben' bei 
einem originellen Kaufmann holte, der alles doppelt sprach. £ines 
Tages wollten sie es ihm gleich tun und sehen, was für ein Gesicht 
er dazu machen werde. Es entwickelte sich folgender Dialog: 
„Guten Tag, guten Tag!^ sprachen die Studenten unisono. — „Guten 
Tag! was wünschen Sie? was wünschen Sie?* — „Zwei Pfund Knaster, 
zwei Pfund Knaster.'' — Das Geschäft war abgewickelt, und während 
der Ladendiener den Tabak einpackte, zog sich der Prinzipal in das 
Nebenstübchen zurück und sagte noch auf der Schwelle zu seiner 
Frau: „Närrische Leute, närrische Leute, sprechen alles doppelt, 
alles doppelt!* 

Damit ist nun zu vergleichen, was HofFmann a. a. 0. S. 57 f. 
erzählt: 

[Ein] Kaufmann .... hatte sich angewöhnt, immer die letzten 
Worte eines Satzes zu wiederholen. Ein Student wusste das, und 
um ihn zu necken, ging er in seinen Laden und begehrte etwas mit 
diesen Worten: Ein Lot Schnupftabak, Schnupftabak, aber von dem 
besten, von dem besten, den Sie selber schnupfen, selber schnupfen. 
— Kaum ist der Fremde zur Tür hinaus, so eilt der Kaufmann zu 
seiner Frau Liebsten: Denk dir mal, denk dir mal, eben war ein 
närrischer Kerl da, Kerl da, der sagte alles zweimal, alles zweimal. 

Bei der Bestimmtheit, mit der jenes Geschiohtchen als Reuters 
eigenstes Erlebnis mitgeteilt wird, liegt die Annahme nahe, dass 
Hoffmann es in seinen mecklenburger Tagen ebenfalls von ihm ge- 
hört hat.i) 



1) So ganz unbedingt sicher ist diese Annahme freilich nicht, denn gerade 
Universit&tsgeschichten vererben sieb oft von Generation zu Generation und werden 
dann von dem jeweiligen Erzähler, um der Anekdote ein grösseres Wahrheits- 
gepräge zu geben, gern auf die eigene Person übertragen. Dafür ein Beispiel. 
Babst hat in seinen Gedichten („Allerhant schBaaksche Saken tum Tietverdriew'', 
Bd. 8, S. 67 ff; Rostock, 1790) unter dem Titel: De Braden-Inspeckter folgenden 
Schwank: Vor mehr als 24 Jahren kaufte sich einmal ein Bauer auf dem Neuen 
Markt zu Rostock beim Garkoch ein Stück Braten für einen Groschen ; aber bevor 
er es verzehren konnte, trat ein „Schelm^ auf ihn zu, fragte nach dem Preise und 
erklärte den für viel zu hoch: er sei der Brateninspektor und wolle das Stück 
jetzt auf dem Rathause wiegen lassen. Damit ging er durch das Rathaus hindurch 
nach einem Keller, wo er seine Beute zu verzehren begann. Bald darauf kommt 
aber auch der Bauer zufällig in dasselbe Lokal, und der andere kann sich vor 
dem Erkanntwerden nur schnell noch dadurch retten, dass er sein Gesicht verstellt. 
Der Bauer fragt: „Hett He dat schewe Muhl lang hatt?** und sagt dann, als der 
Schelm ihm von einem Kriegsunglück vorlügt: „Sünst woll ick Seggen, dat He 
hier Gewiss de Brahd'n-Inspecter wier.*^ — Eine ganz ähnliche Qe^ebicMe findet 
sich nun in „Felix Schnabels Universitätsjahren" (Stuttgart, 1835; 'Keu^^^^ ^^^ 



14 

Auch in einem zweiten Falle ist es nicht unwahrscheinlich, dass 
Hoffmann von Reuter abhängt, in dem Witz von dem gebesserten 
Wege, der sich in Schurr-Murr (Bd. 4, S. 118 f.) als ein Jugend- 
erlebnis des Dichters findet: 

Ein gebesserter Weg war der Schrecken der Umgegend, und ich 
entsinne mich noch, wie ein wohlmeinender Pächter einmal zu meinem 
Vater sagte: „Führen S' den annem Weg; jo nich desenl desen 
he w wen wi betert.^ 

Hoffmann hat dies S. 73 in folgender Gestalt: 

In den letzten Märztägen [riet mir] ein Bauer im Hundsrück, als 
ich die alte schlechte Strasse fuhr: „Bleiben Sie ja auf diesem Wege; 
der andere ist gebessert, und da ist gar nicht durchzukommen.^ — 

Auch sonst berühren sich Hoffmann und Reuter noch in mehreren 
Anekdoten und Witzen, die hier kurz folgen mögen: 

Hoffmann, S. 60: 

[Der Pfarrer fragt] in der Kinderlehre: Mein Sohn, welches ist 
das grösste Fest der Christenheit? — Die Schnappeier Kirchweih 

Vgl, damit Reuter, Schurr-Murr (Bd. 4, S. 145): 

Ein Jahrmarktstag war ein grosses Fest, und unbedingt hätte 
ich mich für Hanne Schlüters Ansicht erklärt, der, bei der Konfirmation 
nach den drei christlichen Hauptfesten gefragt, die Antwort gab : 
Wihnachten, Pingsten und Harwstmark. — 

Das aus der Franzosentid bekannte „Tikzionnöhr von Pochen*' 
(Bd. 3, S. 280) findet sich auch bei Hoffmami S. 197 ebenso kurz 
als „das berühmte Wörterbuch von Poche.'' — 

Das Vorbild für die Anekdote von dem fe— igen (statt fähigen) 
Offizier, die Reuter, Stromtid I, Kap. 10 (Bd. 2, S. 185) von Axel 
V. Rambow und seinem Obersten erzählt, glaubt Ricli. M. Meyer 
(Jahrbuch 1896, Bd. 22, S. 132) in Steinmanns „Briefen aus Berlin*', 
Teil 2, S. 161 (Hanau 1832) gefunden zu haben, wo es heisst: Ein 



Otto Jul. Bierbaum, Berlin, Curtius, 1907), S. 297 flf. als eigenstes Erlebnis von 
Schnabel, „dessen er sich sehr rühmte und vor Lachen kaum Worte finden konnte. ** 
Hier ist der Schauplatz Jena, und der Student prellt einen Wurst und Semmel 
essenden Bauern auf ganz dieselbe Art wie bei Babst, aber doppelt und als Wurst- 
inspektor. Die Geschichte entwickelt sich dann auch ähnlich so weiter: Schnabel 
geht in den „Adler*', wo er Kredit hat, der Bauer ebenfalls, weil dort sein Fuhr- 
werk steht, und nun kann auch der Student sich auf keine andere Weise retteu 
als dadurch, dass er eine Grimasse schneidet (: „Schnabel hatte eine eigene Force, 
seinem Gesichte ganz verschiedene Formen zu geben, er war ein trefflicher Fratzen- 
schneider**). Der Bauer sagt dann schliesslich : „Wenn der Herre kein schief Maul 
hätte, so wollte ich druf schwöre, es wärre der Herr Wurst-Inspektor!** Also 
nicht bloss der Gang der Anekdote, sondern auch die Pointe ist genau dieselbe. 
Und doch erscheint die Lokalfärbung und der gauze Vortrag bei Schnabel so echt, 
dass man diese Geschichte, die sich um 1830 in Jena zugetragen haben soll (vgl. 
S. 123 if.), zunächst unbedingt für ein Selbsterlebnis hält. In der Tat wird sie 
eine alte jenenser Universitätsschnurre sein, die spätestens um das Ende des 18. 
Jahrhunderts auch schon nach Rostock kam, was sich sehr leicht daraus erklären 
lässt, dass die Mecklenburger (unter ihnen ja bekanntlich auch der alte Amts- 
hauptmann Weber und sein Bruder, der Rostocker Professor) damals gern und 
zahlreich in Jena studierten. 



15 

Obrist Ton Adel führte einen Offizier in den Konduitenlisten als fähig 
auf, schrieb aber nach seiner Orthographie: feig. Hoffmann hat S. 152 
diese Schnurre in wirklicher Anekdotenform: 

Es ist bekannt, wie ein Regimentskommandeur einen jungen 
Leutnant besonders empfehlen wollte und in die Konduitenlisten 
schrieb: ein sehr feiger Offizier. Als der junge Mann nicht be- 
fördert wurde, erfuhr der Kommandeur, warum, und rechtfertigte sich: 
Dummes Zeug! ich habe ja deutlich genug geschrieben, da steht's: 
fe fa i fäi ger fä-i-ger! — 

Eine andere Fassung des Postskriptums im zweiten Fritz- 
Triddelfitzschen Liebesbriefe: Die Liebe wird entschuldigen, dass ich 
dies in Hemdsärmeln geschrieben habe, es ist eine hahnebuchene 
Hitze (Sttomtid I, Kap. 12; Bd. 2, S. 215) — liest man bei Hoff- 
mann S. 142: 

Das muss man den Obersachsen lassen, höflich sind sie. So 
schrieb ein Meissner an seinen Braunschweiger Freund : Entschuldigen 
Sie übrigens, wenn ich Ihnen heute bei der drückenden Hitze in 
Hemdsärmeln schreibe. — 

Zum Schluss mag hier noch eine längere Anekdote aus dem 
^Parlament zu Schnappel*' angeführt werden, die mit einigen Stellen 
in den ,, Abenteuern des Inspekter Bräsig" (Schurr-Murr ; Bd. 4, S. 
62 ff. und 83 f.) eine gewisse Ähnlichkeit zeigt, jedenfalls auch frei- 
mauerischen Charakter hat. Bei Reuter fällt Bräsig in die Hände 
eines Gauners, der angeblich „Meister vom Postwagen im Osten und 
Westen und Ritter mit der roten Feder von der Eisenbahn dritter 
Klasse^ ist und sich und Bräsig dadurch freie Fahrt verschafft, dass 
er, „wie der Eiserbahnraensch kommt und die Billetter einfordern 
will,'' dreimal pfeift und bei jedem Pfiff sich mit dem Zeigefinger 
der rechten Hand auf die Nase schlägt. Die Pointe ist dann freilich 
eine harmlosere und eine andere als bei Hoffmann S. 84 f., bei dem 
die Verspottung des Freimaurertums viel stärker und schroffer her- 
vortritt : 

Ich reiste mit der Post von Minden nach Köln — so erzählt 
einer von der Schnappeier Tafelrunde. Auf der dritten Station stieg 
ein junger Kaufmann aus Münster ein, der seinen ersten Ausflug in 
die Welt machte. Er war sehr gesprächig, sprach über allerlei, und 
so kam er denn auch auf die Freimaurerei. Ja, sagte er, ich habe 
immer gehört, es soll von ausserordentlichem Nutzen sein, wenn man 
so auf Reisen ist und sich überall als Freimaurer vorstellen kann. 
Ich möchte wohl ein Freimaurer werden. — 0, bemerkte ich ihm 
darauf, wenn's weiter nichts ist! Dazu kann ich Sie sogleich machen: 
Sie dürfen nur die bekannten Zeichen sich ganz genau merken. 
— Sie würden mich unendlich verbinden, wenn Sie mir dieselben 
zeigten. — — Ich machte sie ihm. Erstens hielt ich den Daumen 
der rechten Hand an das Kinn und zitterte mit den Fingern", zweitens 
setzte ich den Daumen der rechten Hand an die Nase u^^d zitterte 
mit den übrigen Fingern; drittens verlängerte ich di^^^ V^S^^ ß^^^ 



16 

der linken Hand, indem ich den Daumen der linken an den kleinen 
Finger der rechten Hand anfügte und deren sämtliche Finger zittern 
Hess . . . Sehen Sie, sol Dies nannte ich das Notzeichen. Ich 
frage nun meinen neuen Schüler, ob er jetzt alles begriffen habe, 
und lasse ihn das Ganze in der gehörigen Reihenfolge nachmachen. 
In Köln trennen wir uns. Erst nach einem halben Jahre sehen wir 
uns wieder. Er war in Frankreich, ich im Süden von Deutschland 
gewesen. — Wie geht's Ihnen? rede ich ihn an. — ganz gut. — 
Was macht die Freimaurerei? — Hören Sie, die ist mir schlecht 
bekommen. — Wie so? — Denken Sie sich! als ich nach Rheims 
komme, setze ich mich an die Wirtstafel. Mir gegenüber sitzt ein 
alter französischer Eolonel und speist ein Hühnchen. Der Mann 
scheint mir interessant, und ich suche seine Bekanntschaft. Ich 
mache das erste Zeichen. Er sieht verwundert auf. Ich mache das 
zweite, er stutzt. Ich glaube, jetzt ist es Zeit, mit dem Notzeichen 
ihm meine Absicht zu verstehen zu geben .... steht der Kerl er- 
grimmt auf und .... schlägt mich hinter die Ohren. — So weit mein 
ehemaliger Schüler. 0, sage ich, da haben Sie gewiss die Zeichen 
nicht recht gemacht. — Er muss sie mir vormachen .... Das war 
sehr ergötzlich! Nun, da will ich Ihnen sagen: das war ein 
Meister vom Stuhl! 

DEMMIN. Ernst Brandes. 



17 



Das Lübisehe 'Wörterbuch des 
Jacob von Melle. 



Die Stadtbibliothek in Lübeck hegt seit mindesteDs 70 Jahren 
in dem Schatze ihrer Handschriften ein niederdeutsches Wörterbuch 
von Jacob v. Melle. Kosegarten und nach ihm Schiller und Lübben 
haben es zu Rate gezogen, sonst ist m. W. darüber und daraus wenig 
mitgeteilt worden. Ich selbst habe es vor einer Reihe von Jahren, 
als ich zu meinem ;,Wortschatz von Lübeck^ sammelte, nach älteren 
Benennungen für Stand und Gewerbe durchsucht, aber erst jetzt, auf 
Anregung Dr. G. Walthers in Hamburg, einer genaueren Durchsicht 
unterzogen. Deren Ergebnisse veröffentliche ich hiermit. 

Jene Handschrift erweist sich als das Werk zweier geborener 
Lübecker, des Magisters Jacob v. Melle und des Kantors Hermann 
Schnöbe 1. Beide, von hause aus Theologen, wurden sogen. Poly- 
historen. Sie trieben eifrig und erfolgreich Geschichte, Altertums- 
und Sprachkunde und erwarben sich sowohl durch ihre reichen 
Kenntnisse, zumal lübischer Dinge, wie durch ihren unermüdlichen 
Fleiss, auch im Dienste des Gemeinwesens, Ehre und Anerkennung 
über ihre engere Heimat hinaus. 

Johann Jacob v. Melle stammte aus einem in Quacken- 
brück alteingesessenen westfälischen Geschlechte. Sein Vater Ger- 
hard V. Melle verzog nach Lübeck und ging hier mit der Tochter 
des Pastors Stolterfoht von der Marienkirche die Ehe ein. In ihr 
wurde Job. Jacob am 17. Juni 1659 geboren. Nicht lange danach 
verlegten seine Eltern ihren Wohnsitz dauernd nach Kappeln an 
der Schlei und Hessen ihn in Hut und Zucht seines Mutterbruders, 
des Pastors Krechting. Dieser erzog und unterrichtete ihn mit 
Hilfe einiger Lehrer von der Katharinenschule imd brachte ihn soweit, 
dass er, erst 15jährig, mit tüchtigem Wissen ausgerüstet, zum Studium 
der Gottesgelahrtheit nach Kiel gehen konnte. Nach 2% Jahren 
vertauschte er diese Hochschule mit Jena. Hier wandte er sich der 
Naturwissenschaft, der Philologie und der Geschichte zu. Schon im 
19. Lebensjahre machte er sich daran, eine Geschichte seiner Vater- 
stadt zu schreiben. Die Herausgabe des ersten Teiles, der „historia 
antiqua Lubecensis^, verschaffte ihm die Magisterwürde; der zweite 
und der dritte Teil folgten binnen weniger Jahre nach. Nachdem 
Melle sich noch kürzere Zeit in Rostock aufgehalten, kehrte er in 
seine Heimat zurück. 1684 wurde er Prediger an der Mariei^^i^^^®» 
1696 Hauptpastor ebenda und 1719 Senior und Vorsitzender des 
geistlichen Ministeriums. Nach langer, in und ausser ^^VrvetJ^ kmte 

Ni«derdentsotaes Jahrbuch XXXV. % 



lg 

gesegneter, Tätigkeit und nach glücklichster Ehe mit einer Tochter 
des Superintendenten Pomarius schied er hochhetagt am 13. Juni 
1743 und hinterliess viele Söhne und Enkel. Sein Geschlecht ist noch 
nicht ausgestorben in Lübeck. 

* Die uns erhaltenen zwei ,,Nekrologe^ zeugen von seiner Be- 
liebtheit und seinem Ansehen. Eine nicht gewöhnliche Arbeitskraft 
und Schaffenslust ermöglichte es ihm, neben seiner ausgedehnten 
Amtstätigkeit manche andere Wissensgebiete zu bestellen und sich 
durch geschätzte Schriften einen Namen zu machen. Vor allem was 
seine Vaterstadt anging, fesselte ihn zeitlebens mächtig. So schuf er, 
ausser kleineren Sachen und der erwähnten Erstlingsfrucht, die 
^Gründliche Nachricht von der Stadt Lübeck* mit einem wertvollen 
Abschnitte über „Lübisches Münzwesen*. Dieses, im Drucke erschienene, 
Werk ist ein Auszug aus seiner umfangreicheren Handschrift des 
gleichen Inhaltes, die er später ins Lateinische übertrug unter dem 
Titel „Rerum Lubecensium tomi II*. Von hoher Wichtigkeit für 
Lübeck ist eine andere Handschrift mit Testamenten, die ihm seine 
Beschäftigung mit dem Niederstadtbuche lieferte. Im Zusammenhang 
damit schuf er die Grundlagen einer ^Lübischen Genealogie*. Sie 
und andere grössere Arbeiten hat er selbst mehrmals abgeschrieben; 
so auch sein Wörterbuch. 

Johannes Hermann Schnobel, geboren am 18. Oktober 1727 
als Sohn des Pastors Schnobel, trieb die gleichen Studien wie Melle 
und wirkte dann von 1756 — 1801 als Lehrer und Kantor an der 
Katharinenschule. Ein Jahr nach seinem Amtsaustritte starb er. 
Auch er verfasste allerlei deutsche und lateinische Werke. Als 
besondres Verdienst gilt, dass er verschiedenes von Melle teils um- 
gearbeitet, teils weiter gefuhrt hat, darunter die Geschlechtslisten, die 
Münzsammlung und das Wörterbuch. 

Über dessen Handschrift äussert sich Kosegarten auf Seite IX 
der Vorrede zu seinem nur begonnenen „Wörterbuch der nieder- 
deutschen Sprache älterer und neuerer Zeit*, Greifswald 1860, fol- 
gendermassen : 

9 Das Manuskript bildet einen Quartband und befindet sich auf 
der Stadtbibliothek zu Lübeck. Es ist noch in der Anlage geblieben ; 
viel Raum ist für Nachträge offen gelassen, und bisweilen ist den 
eingeschriebenen Wörtern die Bedeutung nicht hinzugefügt. Öfter 
sind auch kleine Sätze und Stellen aus alten Büchern und Urkunden 
mitgeteilt, imgleichen Namen der Männer und Frauen. Die Wörter 
folgen in alphabetischer Ordnung auf einander.* 

Diese zutreffende kurze Beschreibung werde durch weitere An- 
gaben ergänzt. 

Der Quartband besteht aus holländischem Papier und zählt 756 
gebrochene Seiten. Ursprünglich hat Melle nur die linke Spalte in 
regelmässigen Abständen und mit kräftigen, deutlichen Buchstaben 
beschrieben. Spätere Zutaten Melles und Schnobeis füllen zum Teil 
die Zwischenräume und ziehen sich auch auf die rechte Spalte hinüber. 



id 

Einige Seiten sind dadurch bis zur Unleserlichkeit überladen. An 
den schlimmsten Stellen hat Schnobel Zettel mit deutlicher Abschrift 
oder mit seinen Zusätzen eingeklebt, bei „Jodute^ ein ganzes Quart- 
blatt mit Phil. Chr. Ribbentrops Aufsatz über dieses Wort, ent- 
nommen dessen ^Beschreibung der Stadt Braunschweig^ vom J. 1798. 
Seine Hauptarbeit an unserer Handschrift hat er damit geleistet, dass 
er, im Besitze des literarischen Nachlasses Melles, dessen „Auctarium^, 
eine das Wörterbuch ergänzende Sammlung von Redensarten und 
Belegen, in jene übertragen bat. Aus welch äusserem Anlasse er sich 
solcher Mühe unterwunden hat, Hess sich nicht ermitteln, ebensowenig, 
wo die Urschrift hingeraten ist. Daber ist nicht überall sicher zu 
entscheiden, ob wir Melles oder Schnobeis Worte vor uns haben; denn 
auch die Schriftzüge sind bei aller sonstigen Verschiedenheit, vielleicht 
absichtlich, mitunter einander zum Verwechseln ähnlich. 

Zwischen Wörterbuch und Titelblatt hat Schnobel seine Abschrift 
der Melle'schen Vorrede eingeheftet, vor dem Titel zwei Quartblätter 
mit alphabetisch gereihten Namen von Pflanzen, Speisen und Arzneien 
aus der folgenden Wortsammlung, sowie zwei andere mit Nachrichten 
über einige hochdeutsche und niederdeutsche Wörterbücher und son- 
stige gelehrte Schriften aus den ;, Göttinger Anzeigen*. Auf ihrer 
letzten Seite hat Schnobel die folgenden Sätze vermerkt: In hoc 
lexico, magna confecto industria, multae voces obscuriores ac rariores, 
in omni Saxonia inferiori olim usurpatae, hodie vero inusitatae, et 
perpaucis ideo tantum cognitae, declarantur et illustrantur. Ita 
judicat de hoc opere Job. Henr. a Seelen, S. S. Th. Licent. et 
Rector Lubecensis, in memoria vitae b. auctori scripta et exsequiarum 
die 1743 21. Juni publicata ac distributa. Es ist dies die Gedächtnis- 
rede, in der Seelen das Lexicon und das Auctarium Melles aus«- 
drücklich als zwei einzelne Werke aufzählt. Auf dem Titelblatte steht 
von Melles Hand: ;, Lexicon Linguae Veteris Teutonicae, quae vulgo 
de Plattdüdesche Sprake vocatur*'; darunter von Schnobeis: „item 
Auctarium significationes vocum, Etyma et phrases linguae illius con- 
tinens." Unten auf die Seite hat Melle selbst geschrieben : „Horatius 

de Arte Poetica v. 69 sqq verborum vetus interit aetas Et 

juvenum ritu florent modo nata vigentque." Der Buchrücken trägt 
die Bezeichnung: „Lexicon Linguae Veteris Teutonicae*', 
darunter den späteren Zusatz: „Von Melle.^ 

Die Handschrift muss innerhalb der ersten vier Jahrzehnte nach 
Schnobeis Tode auf die Stadtbibliothek gelangt sein, genaueres habe 
ich nicht erkunden können. Deren Verwalter war von 1847 bis 1862 
Professor Ernst Deecke, der Herausgeber der „Lübischen Sagen* 
und anderer auf Lübecks Vergangenheit bezüglicher Schriften. Ein 
Geistesverwandter Melles und Schnobeis, hat er bei seinen Sprach- 
forschungen die Handschrift benutzt und dabei hie und da einzelne 
Wörter, meist naturwissenschaftliche Benennungen, flüchtig und zum 
grössten Teil ohne Erklärung auf die rechte Spalte geworfet^- Seine 
Mitarbeit ist also nur gering. 



20 

Nur die bisher beschriebene Handschrift war Kosegarten und 
anderen bekannt. Nun aber ist im Jahre 1899 unter Schriftstücken, 
welche aus dem Archive der „Gesellschaft für Lübische Geschichte 
und Altertumskunde** vor etwa 10 Jahren an die Stadtbibliothek ab- 
geliefert worden sind, eine zweite aufgetaucht, und zwar die letzte 
und vollständige Abschrift. Sie weist lediglich des gealterten Melles 
Hand auf. Ihre Seitenzahl beträgt nur 450, denn die Wörter stehen 
ziemlich dicht untereinander. Auch hier ist noch mancher Ausdruck 
auf der rechten Spalte nachgetragen. Die Abweichungen von der 
ersten Handschrift sind unbedeutend. Der Titel ist derselbe, natürlich 
ohne Erwähnung des „Auctarium*'. Ein Unbekannter hat dazu ge- 
setzt: „Auetore Jacobe a Melle^, und auf dem Rücken: „Lexicon der 
plattdeutschen Sprake von Jac. a Melle. ** Der Fund setzt uns in den 
Stand, an vielen Stellen zu erkennen, ob etwas von Melle oder von 
Schnobel herrührt. Er verschafft uns zugleich die Urschrift der 
Vorrede. 

Diese, wie das ganze Werk, lateinisch verfasst, gibt uns Auf- 
schluss darüber, was Melle bewogen hat, die, nach seiner eigenen 
Erklärung, äusserst mühevolle Herstellung eines plattdeutschen Wörter- 
buches in Angriff zu nehmen und bis an sein Lebensende fortzuführen. 
Ihn bekümmert tief die Missachtung, mit welcher der niederdeutschen 
Zunge überall begegnet wird, trotzdem so manche gelehrte Männer 
tapfer für sie eingetreten. Sie verdient ihm schon deshalb grössere 
Beachtung, weil sie vor dem Hochdeutschen den Vorzug des Alters 
und der Urwüchsigkeit besitzt und in ihr die alte deutsche Sprache 
in weniger veränderter Gestalt fortlebt. Dies sucht er an mehreren 
älteren Namen darzuthun, die sich aus dem Plattdeutschen leichtlich 
erklären Hessen. Hier steht er samt seinen Gewährsmännern auf 
dem naiven Standpunkte seiner Zeit: Arminius, Herminius, 
Hermann ist eins mit westfälisch Harm, Bock^ Thumelico mit 
oldenburgisch Themel, Fohlen^ Thusnelda bedeutet gar die to litis 
Snelle. Jene enge Verwandtschaft des Niederdeutschen mit dem Alt- 
deutschen und den übrigen germanischen Mundarten und zugleich 
seine Wortfülle ins rechte Licht zu rücken und so uimmstösslich 
festzustellen, dass diese seine Muttersprache dem Hochdeatschen 
durchaus das Wasser reiche, das ist Melles höchst rühmenswertes 
Bestreben. In diesem Sinne sagt er von der „plattdüdeschen Sprake* 
und seinem Ziele: „Hanc igitur linguam, nobis Lubecae natis ac 
degentibus vernaculam, qua Circuli inferioris Saxoniae Westphalicique 
incolae et eorum vicini utuntur, quum antiquissimo Teutonum idio- 
mati magis ac quaevis alia respondeat, haud immerito linguam 
vetermi Teutonicam vocamus simulque ob aetatem aliasque graves 
causas magnifacimus.* Der Kummer über ihre Verkennung und die 
Erfolglosigkeit der bisherigen Gegenversuche leiht ihm die Worte: 
„At surdis fuit narrata et hodie adhuc narratur fabula, adeoque 
tan tum abest, ut ulla linguae pristinae restituendae spes supersit, ut 
illam potius in dies magis magisque fore abolendam, imo tandem 



21 

penitus esse interituram certo existat certius.*' Unmittelbar darauf 
kündet er seinen Entschluss : ;,No8 igitur, summa hujus rei indignitate 
moti, quum ferre nou possimus, quod nobilis illa et antiqua Patrum 
lingua memoria pariter ac ore hominum prorsus excidat, vocabula 
ipsius et loquendi modos, nobis partim quotidiano usu notos, partim 
atUem apt*d scriptores veteres domesticos et in membraniis patriis qtiam 
plurimis observatos, diligenter in chartam conjicere et ab interitu 
vindicare operae pretium censuimus.*' Nachdem er dann noch betont 
hat, dass er sich auf keinen Vorgänger habe stützen können, sondern 
den ganzen Stoff selbst habe zusammen bringen müssen, schliesst er 
mit den für seine Denkart bezeichnenden Worten : „Interim nos Lexicon 
vernaculum horis subcisivis concinnantes, haud illibenter tulimus et 
tandem quoque superavimus istiusmodi molestias, imo laborem hunc 
non tam gravem atque taediosum quam leyem potius noununquam 
et jucundum fuimus experti, quem in gratiam posteritatis et perennem 
sermonis patrii memoriam libenter ac propenso animo in nos susce- 
pimus.^ Name und Jahr fehlen. 

Das Wörterbuch selbst sucht seiner Bestimmung in jeder 
Hinsicht gerecht zu werden. Es umfasst, wie ein ^Nekrolog* rühmend 
heryorhebt, rund 20000 Wörter, darunter viele Personennamen, zumeist 
mit Vermerk des Geschlechtes und möglichst aller Synonymen sowohl 
in lateinischer wie in hochdeutscher Sprache. Der Bedeutungsangabe 
folgen bei Stammwörtern gewöhnlich die Formen verwandter Sprachen, 
vor allen des Gotischen, des Codex argenteus, dann auch des Angel- 
sächsischen, Englischen, Holländischen (Belgischen), Dänischen, Schwe- 
dischen, Isländischen, Lateinischen, Griechischen, Italiänischen und 
Französischen und zeugen von des Schreibers Hang zur vergleichenden 
Sprachkunde. Sehr oft ist die Tonsilbe durch ein Schrägstrichelchen 
kenntlich gemacht und daraus zu ersehen, dass man damals den 
zweiten Stamm zusammengesetzter Wörter noch häufiger hervorhob 
als heute, z. B. in afr/elen, aft^ren, af^^ken, Bispele u. a Dasselbe 
Wort ist je nach der wechselnden Schreibung 2 — 4mal aufgenommen, 
teils immer in gleicher Ausführlichkeit, teils kürzer mit Hinweis auf 
eine andere Stelle, so Born und Boom; Bok, Bock, Boek; Ant, Aant, 
Aent, Ahnt. Ebenso getreulich findet man die ablautenden Zeitformen 
der starken Verben und unregelmässige Pluralbildungen von Sub- 
stantiven besonders und einzeln aufgeführt. Um so auffallender ist 
das von Kosegarten gestreifte Fehlen der Bedeutungen in so vielen 
Fällen. Sie verteilen sich ziemlich gleichmässig auf sämtliche Buch- 
staben und treffen so gut leichtverständliche, wie seltnere Ausdrücke. 
Solche, wie Watersuppe, uthönen, utkreien, haben das genau entsprechende 
hochdeutsche Wort hinter sich ; dagegen Sarkdregker, Sleusterbane, kiken, 
fortwisen und ebenso Windelasch, Wruck u. a. m. stehen blank da. 
Bei Melle sind es, soweit ich sehe, nur Wörter der Umgangssprache, 
bei Schnobel aber auch andere, z. B. aus Gryse und au^ Chyiraeus 
entnommene. Diese Lücken sind nicht einmal in der z^^^\,etv Hand- 
schrift geschlossen, obwohl hie und da VervoUständigutx^ö^ 'V^ ^^" 



22 

merken sind. Da nun im allgemeinen weder Hast noch Lässigkeit 
noch Unkenntnis die Ursache zu sein scheint, so bleibt die Sache 
auch mir ein Rätsel. 

Was die schriftlichen Quellen angeht, so ist bald Verfasser und 
Schrift, bald nur das eine oder das andere angegeben, und zwar teils 
ausgeschrieben, teils mehr oder weniger gekürzt; manches kommt mit 
verschiedener Benennung vor. Die Jahreszahl ist nirgends zu lesen, 
bei den nicht in Lübeck herausgegebenen Büchern auch nicht der 
Druckort. 

Melle selbst verweist auf 12 Originalwerke oder Übersetzungen : 

1) De Biblie mit vlitigber achtingbe recht na deme latine in Dudesk aaer- 
ghesettet. Mit vorluchtinghe und Glose des hochghelerden Postillatoers Nicolai 
de Lyra unde anderer velen hillighen doctoren. Lub. 1499. (Die Anfubrung 
geschieht immer nur mit: Lyr. Bibl., Lyr., L. B., Bibl. Lub.). 

2) Psalterium Manuscr., (Psalt. Mscr.), ohne nähere Bezeichnung, welche 
der auf der Stadtbibliothek vorhandenen, aus dem 15. Jahrhundert stammenden 
Handschriften gemeint sei. 

8) Bock van de Navolghinghe Jesu. Eine 1498 gedruckte Übersetzung des 
bekannten Werkes von Thomas a Kempis. 

4) Passionale efter der Hillighen Levendt, gedruckt 1499. 

5) Lübisches Niederstadtbuch, liber civitatis, beginnend um 1311. 

6) Lübische Eöstenordnung von 1582. 

7) Detmars Lübische Chronik, geschrieben um 1400, gewöhnlich unter dem 
Zeichen Lect. Franc, d. i. lector Franciscus, Franciskaner- Lesemeister. 

8) Chronicon Lubecense oder Epitome Lectoris Francisci, Auszug der 
vorigen Schrift. 

9) Wendische Kroneke, Fortsetzung Detmars. 

10) Keineke de Vos, 1498. 

11) Hennynk de Han, die ziemlich wertlose Dichtung des Hamburgers Sparre 
(Renner), 1732. 

12) Hermann Bonnus' Elementale in usum puerorum, niederdeutsch 1559 
in Magdeburg erschienen. 

Schnobel hat ausserdem die nicht lübischen Werke benutzt: 

1) Nicolaus Gryse's Laienbibel, Rostock 1604. 

2) desselben Spegel des antichristischen Pawestdoms, ebd. 1583. 

3) David Chytraeus' in Rostock Schriften. Genaueres fehlt. 

4) Gerhard Oelrichs' Glossarium ad Statuta Rigensia (dat Ridderrecht), 
Bremen 1778. 

5) Richey's Hamburger Idioticon, 1755, und für die Bnchstaben A bis D: 

6) Job. Mothii Quaestiones grammaticae, d. i. Moht's deutsch-lateinisches 
Wörterbuch, Hamburg 1617. — Hie und da findet sich wohl noch ein anderer 
Schriftsteller. 

Zur Erläuterung und Sprachvergleichung sind vornehmlich heran- 
gezogen: Ol. Wormius, de Danica Literatura (1636) und desselben 
Monumenta Danica (1643); Joh. Peringskiold, Vita Theodorici 
(Holmiae 1699) und desselben Notae ad Cochlaei vitam; 0. Sper- 
ling, Testamentum Absolonis Archiepiscoiri Lundensis (Hafniae 1698); 
Ol. Rudbeckius, Atlantica plantarum (Upsalae 1675 — 96); Acta 
Eruditorum (Leipzig 1712 u. fgg); Franc. Junius Glossarium 
Gothicum (Holm. 1670); Hadr. Junius, Nomenciator germanice et 
belgice (Antwerp. 1576); Georg Stjernhclm, Glossarium Ulphilo- 
Gothicum (Holm. 1670); Schrevelius, Lexicon manuale latino-graecum 



23 



(Leipz. 1690); Hannot, Nieuw Woordenboek der Nederlandische en 
Latynische Tale (Amsterd. 1704); Dietr. v. Stade, Erläuterung und 
Erklärung Deutscher Wörter in Luthers Bibelübersetzung (Stade 1711); 
G. Dan. Morhoff, Unterricht in der Teutschen Sprache und Poesie 
(Kiel 1682, Lübeck 1702). 

Als Probe der Handschrift diene der wortgetreue Abdruck eines 
Blattes, nämlich der Seiten 75 und 76 der ersten Reinschrift, mit 
Gegenüberstellung des Abweichenden in der zweiten. Die beiden ein- 
gerückten Namen stammen von Deecke. 



U. 1. 

berömet, clarus, celebris, berühmt 

Beroop, m. vocatio, Beropinge, id. 

beropen, beruffen, vocare, inclamare, 
ber&pskrut 

berören, attingere, berühren. 

berörich, vegetus, bey guten Kr äfften. 

beronen, berauben, spoUare. 

Berouinghe, /. depraedatio, Beraubung; it. privatio, 
spciiatio. 

bersten, rumpi. 
bersvnn 

berüchtet, famosus, berühmt. 

berüchtighen, diffamare. 

berücken, f allere. 

berue, probus. v. Auct. p. 57. Lect. Franc, ad an. 
1391 de Senator e Lubecensi Godeke Trauelmann 
dioü: Sin Dat was menighen Hinsehen leih, wente 
he was ein berue saiich Mann. An berue vox con- 
tractu bederue? an veroper transpositionem literarum 
braue, braf, fortis? 

berüken, beriechen, subolere, clfacto explorare. 

berurt. Den pockygen vnd sehen Mynschen in berurten 
Sieden, d. i. in Sieden, wo die Buhe herrscht — 
a/. in berührten Steden, i. e. dictis ciuitatibus — 
synde, geue ick eynen SchyUingk in de Handt. 
Test, antiq. Lub. an. 1548. 

beruwen, bereuen. 

beryfelt, v. berifelt. 

berjflick, beryuen. Rieh. p. 213. 

Beryf, ick hebb myn Beryf. id. 

besabbelen, sputo inquinare, 

besaken, v. vorsaken. 

besaluen, salben, iniungere, besalben. 

sik besammeln, congregari, sich versammeln. 

Besäte, /. 

beacelden, prouocare, appellare superius Judicium. 

beschafen, beschaben. 

beschaffen, auslichten. 

beschapen syn, comparatum esse, beschaffen seyn. 

Beschapenheyt, /. modus, conditio, Beschaffenheit. 

beschatten, obumbrare; it. confiscare, beschatten edder 
in den ghemenen Kasten bringhen, pecuniam exigere 
ab aliquo. Oelr. p. 359. 

Besched, m. Bescheid, responsum. 

beschedeghen, offendere, lacdere, beschädigen. 



H. 2. 

fehU. 

nur deutsch. 

fehü. 



ohne die zwei letzten 
Worte. 

fehU. 



nur — p. 57. 



ohne fSubolere*. 
fehü. 



fehU. 
fehU. 
fehU. 

fehlt, 
ohne salben. 



die 2 letzten Worte fehlen. 



,qualitas' zugefügt, 
fehlt 



24 



H. 1. 

beschedelik, determinate. Oelr. p. 36(). 

beschedeliken, scilicet, nemlich, cum detcrminaiione. 
Oelr. jp. 260. 

beschäden, modestus, bescheiden, Suec. heskiedelich. 
it. definitum, determinatum Bescheden Tyd. Oelr, 
p. 259. 

bescheden, definire, assignare, bescheiden; it. constituere, 
deccrnere. Oelr. p. 260. ÄucL p. 34. Morgen 
Klocke 9 byn ik bescheden, hora nona crastina 
mihi est praefinita. Beschedene Jare, anni definiti; 
beschedene Tyt, certum et definüum tempus. Einem 
bescheden don, haustu potus respondere, praebibenti 
havMu respondere, 

Beschedenheitf /. modestia, Bescheidenheit. 

beschedentlyck, moderate, 

beschedigen, edder vorswigen, laedere, 

bescbelden, in iure suo increpare, einen an seinen 
Ehren und Stande berüchtigen. Oelr, p, 260, 
Bescheiden, vituperare sententiam et ad superioris 
recognitionem prouocare, Oelr. p. 260. 

Bescheldinghe, prouocatio, Berufung. Oelr. p. 261. 

bescheren, concedere, donare; tondere. v. Stade 
p. 119 sq. 

beschermen, defendere, tueri, beschirmen. 

Beschermer, m. defensor, Beschirmer. 

Bescherminghe, /. Schutz, defensio, clientela, Be- 
schirmung. 

bescheten, stercore inquinatus, beschissen. 

beschimmeln, mucescere, 

beschimpen, convüiari, subsannare, ignominia, con- 
tumelia afficerCf beschimpfen. 

beschinigheD, probare, bescheinigen. 

beschiten, stereore inquinare, permerdare, bescheissen. 



U. 2. 

fehlt, 
nur — nemlich. 

Fehlt der Zusatz von 
item an. 

fdesignare' statt assignare. 

ohne ,it. — 260* u. ohne 

die Abschrift der Stelle aus 

dem Auctarium. 



fehlt, 
fehlt. 
fehU, 



fehü. 
ohne jConcedere^, 



fehlt ,Schutz' und 
,clientela'. 



fehü fConvitiari* — 
,ignominia*. 

ohne ,permerdare'. 



Nach dem bisher Gesagten gebührt der Name eines Lübischen 
Wörterbuches im Sinne eines ^Idiotikon^ eigentlich nur der zweiten 
Melle'schen Handschrift. Diese wird, der Vorrede gemäss, lediglich 
Ausdrücke der lebendigen Umgangssprache und ältere aus lübischen 
Schriftwerken enthalten. Melle selbst freilich scheint zwischen „sermo 
patrius" oder „lingua avita^ und Altsächsisch oder Plattdeutsch 
keinen Unterschied zu machen. Überhaupt mangelt jede Andeutung, 
dass er wie andere, z. B. Richey, niederdeutsche Mundarten trennt; 
vielmehr äussert er sich dahin, nach dem Vorgange des Bremer 
Theologen Gerhard Meyer, der ein Glossarium linguae veteris 
Teutoniae seines Wissens wenigstens geplant habe, wolle er ein 
Gleiches beginnen. Auch keiner unter Melles Lobrednern spricht 
von einer Beschränkung auf Lübeck, und so hat denn Schnobel 
keinen Anstand genommen, Nicht-Lübisches einzumischen und dadurch 
die Sammlung gewissermassen zu einer allgemein niederdeutschen 
zu erweitern. Das zeitliche Gebiet der Melle'schen Aufzeichnungen 
reicht etwa von 1300 bis 1750, das der Sehn oberschen ZutÄten 
ist die zweite Hälfte des 18. Jahrhunderts, soweit Lübisches in 



25 

Betracht kommt; endlich Deecke vertritt die Zeit von 1820 bis 
1860. Seitdem sind wir nicht allein mit dem mittelniederdeutschen 
Wörterbuche von Schiller und Lübben, dem Handwörterbuche von 
Lübben-Walther, sowie dem Ergänzungs- Wörterbuche von Diefen- 
bach und Wülcker beschenkt worden, sondern, abgesehen von dem, 
leider unvollendeten, Sprachschatz der Sassen von Berghaus, der 
Kosegartens Plan in anderer Ausführung wieder aufgenommen, mit 
einer stattlichen Reihe von mehr oder weniger wissenschaftlich ge- 
haltenen mundartlichen Sammlungen. Alle diese bringen den Haupt- 
inhalt der Melle'schen Handschriften, und zwar vielfach in richtigerer 
und unseren jetzigen Kenntnissen mehr entsprechender Weise. Es 
wird daher genügen, dasjenige allgemein bekannt zu geben, was in 
keinem andren Werke niedergelegt ist. Solche Ausdrücke stelle ich 
nunmehr zusammen, erlaube mir aber, auch mitunter einen andern 
aus irgend einem Grunde hinzuzutun und zum Schlüsse sämtliche 
Personennamen mitzuteilen Alles, was in runden Klammern steht, 
ist mein Zusatz, so besonders die Ergänzung der Bedeutungen, die 
mir freilich nicht überall gelungen ist. Das Niederdeutsche gebe ich 
in der Schreibart der Handschriften. 



1. WSrtor Melles. 



achterdull, an von vor nich klok, insi- 
piens, untoeise. 

Achter Schapp, n. artnarium posteritis. 
Im Achterschappe to Bitten kamen, 
spe sua frustrariy in seiner Hoffnung 
betrogen werden. (In Hdscbr. 2 im A. 
Sitten.) 

Achter Yerdendel, Hinterviertel, qucuirans 
aninudis posterior. 

afbinden, erUbitulen, dissolvere. 

afleuen enen, aliquo diutius vioere, ab- 
heben, überleben. 

aflüchten, objurgare, reprehendere. 

af lungheren, (abbetteln ?) 

afpaten, (absenken, v. inpaten, einsetzen.) 

Afteen, n. intentio, Abzieht. 

afsnüten, emungere, abschneuzen. 

afsyn, abesse, abwesend sein. 

Afbrede, m. Abtritt. 

Angrepe, m ansa, Griff, 

anklettende Süke, morbus contagiosus, 
klebende Seuche. 

anwesen, adesse, dasein. 

Ballior maken, edere strepitum, Geräusch 
machen. 

begasseln, (zu gasselo, Brot gersteln?) 

b€jen, confiteri, beichten, bekennen, Psalt. 
Msc 

Berghelden, Landgesessene. 

bleyem, (schräge hin und her schwebet^; 
Steinchen ubers Wasser schnellen,) 



Blöd, m. homo simplex vel misei'atione 
dignus, ein elender Mensch. 

Brocdwele, Brokäwele, mantile vel viappa. 
Testam. 1479 (wohl verlesen statt 
,Brotdweie*). 

Bröjels, n. genitura, Eierstock. 

Buddebu, (Butzemanti, Popanz.) 

Bnddensalter, m. nomen convitiosum, 
(Tenfelsmagen?) 

Decht Garent, n, JUa, e quibus Ellychnia 
parantur. 

Deuesack, m. marsupium, Schubsack. 

deuteren, otio indülgere, müszig gehen. 

Deutert, m. homo otiosus, Müsziggänger. 

Dömeland, m. judev provincialis, Land- 
richter. 

dorchkäteren, (umändern.) 

Dorchlop, m. dysenteria, Durchlauf. 

dorchsnudderen, (durchschnökern, schel- 
ten?) 

Dorchuore, f. Durchfuhre, transitus. 

dorwracht, durchgearbeitet. 

dranghe, arctus, enge. 

up sinem Dreue sin (im Gange, guten 
Stande sein? s. Brem. W.) 

Driölenschape, m (dreibeiniger Tiegel'i^) 

Eebrekinghe, f. Eebröke, adulierium, 
Ehebruch. 

erdftighen, honore afficer^ V^^M. Msc. 

Erfschichtinghe, f. divUi,^ bcrcditatis, 
Erbteilung. *^^ 



26 



EriDneringbe, f. recordatio, Erinnerung. 
Erstghewassinghe, f. primifructus, erste 

Früchte des Landes. Lyr. Bibl. 
Escher, m. Ugo, Spade. 
Eteninnef f. saga, venefica, Hexe. 
Euenbord, f. nativitas aequalis. 
euenbordich, aequaXi genere natus, gleicher 

Abkunft und Geschlechtes, 
fleuten gan, evadere, erumpere. 
Flottholt, n. suber. 
De Sänne geit to Gade, sol oceidit, die 

Sonne geht unter, 
to Gade wart, zu Gott, versus deam. Lyr. 
Gheistknepe, m. macula corporis v. cutis 

livida, 
Ghemöte, n. mens, animus, Gemüt. 
Ghemul, n. pulvis. Staub, Lyr. 
Gherule, n. strepitus, Geräusch. 
Ghesete, n Gartenlaube. 
Ghetier, n. strepitus, Geräusch. 
Glose, f. glossa, Auslegung. 
Göde, du. Göder, bona, 
Gottes Boden, domuncula pauperum, 
Gottes Pennink, arrha. 
Grin upn Timpen, homo semper ridens. 
gündhendes, illuc, dorthin. Lyr. 
Hanpoten, Hanepoten, Ci/nosbatus, Hunds- 
rose, (b. Berghaus =: spergula.) 
Hagen, indago, Gang mit Buden und 

kleinen Häusern 
it is em in de Hasen schaten, non est is, 

qui olim fuit. 
Heisch, Pingstheisch, m. ferialis rurico- 

larum pentecostalis 
Henlop, m. decursus, Hinlauf. Psalt. Msc. 
Hertichdom, Hertichdum, n. ducatus, 

Herzogtum. 
Heusterbeuster, homo peregrini idiomatis. 
Heuetüch, n. Werkzeug. 
Heybey Arbeit, f. labor nullius pretii et 

fragilis. 
Honnichsemer, m. pnrans mel. 
Honnichsemerie, f. dotnus, ubimelparatur. 
hunnen, beim Ablaufen der Schiffe, (mit 

dem Stoseblocke, dem „Hunde", die 

Fallen oder Stützhöher wegtreiben.) 
Jeghenslüde, adversarii. 
indich, innich to Gade, in Deo devotus, 
infädemen, einfädemen. 
inheuen, einheben, einnehmen. 
Inheuinghe, /. Einnahme. 
in-öghelen, adulnri, schmeicheln. 
inweghen, 1) einwiegen, 2) einwägen. 
Kakel Busse, f. {Schwatzkasten.) 
Kaiadrian, m. avis species. Lyr. {Lerche.) 
kanckouwisch, {wählerisch beim Essen.) 
Kik Hot, m. jjt7cu9 stramineus muUebris. 
Kindeken Jes, Christkindlein. 



Einderhus, n. orphanotrophium, Waisen- 
haus. 

Kinderhüseken, n. incola orphanotrophü, 
Waisenkind. 

Kinder Vader, m. praefectus orphano- 
tr<^hü. 

Kippe Schullen, (grosse Schulden, die zu 
Falle bringen.) 

Kleuelap, m. habitaculum vile ac nullius 
pretü, schlechte und verächtliche Woh- 
nung. 

Klock Spise, f. aes, Erz. 

Klouer, m. (Hakennagel? s. Doomkaat, 
ostfries. W. unter Klaver). 

Kluddehacke, m. (Klumpfuss.) 

Koken Recht, n. jus culinae, Kiichen- 
gebühr. 

Köninkstol, m. thronus regis. 

Konschopper,m s2)eculator, Kundschafter. 

Köppekenberg, m. locus supplidi capitis. 

Kragen Yliersche, f. femina ornans col- 
laria. 

Krepende, reptilia. Psalt. Msc. 

Kribbe, m. (Verdruss?) 

Krüdenap, n. {Salzfass.) 

Külpheket, m. 

Landsüke, f. morbus t^idetnicus, pcstis. 
Psalt. Msc. 

Latel Dach, m. dies solstitionis. 

Laue Melk, f. (Dickmilch.) 

l^mdich, pro leuendich, vivus. 

Lemvat, n. vas fictile, irdenes Geschirr. 

libberen, (in kleinen Zügen trinken, s. 
Frischbier, ostpreuss. W.) 

libberich, subdulcis, süss 

lifhaftighen, vivificare, lebendig machen. 
Psalt. Msc. 

Loppe, capilli, cincinni. (?) 

lückelken, f elidier, glücklich. Psalt. Msc. 

LüUkensack, m. utriculus, tibia täricula- 
ris, Sackpfeife. 

Lurlock, n. (= ,lurpus* bei Berghaus?) 

Martklatte, f. plica polonica, verworrenes 
Haar. 

Medebeschedinghe, f. Mitbedingung, con- 
ditio» 

Melk Span, n. mulctrum. 

mennichwerue, saepius, öfter. 

Mestfarcken, n. porcus sagin atus. 

Min Mote, mensurae diminutio, defectus, 
Mangel an der vollen Masse. 

Mitenuale, m. (= Mittewal, Galbula, 
bei Schmeller?) 

Moderlöseken, n. (Berghaus: Moderlos, 
kleiner Fisch.) 

Nakleiss, m. lictor. (?) 

Naser, amictus muUebris. (V) 

Nesekenstüuer, m (NasenHüber.) 

Nesselnatel, f. (Haarnadel, Berghaus.) 



27 



nünen, sanutn edere. 

nüsselen, muisiiarey mussitando quaerere 

nutteren, murmurare. 

Oghenwank, m. fnomentum, Augenblick. 

Oaerlaken. n. linteamen lecti superius, 

oberstes Betttuch. 
Pade, m. Sponsor luMricuSf TaufpcUe, 

it is quem e baptismo sttscepimus. 
pasich, luridus, bloss, 
Peferlink, m. tnorbosus. 
Pip Höseken speien, {PiphäscJien fielen, 

wobei der versteckte Hase dem 

Sachenden ,Pip' zuruft.) 
Plir upn Timpen, m. {Gegenstück zu 

Grin upn T,) 
Pödeken, diminutio vocis Fade. 
Preuthöniken, n. 
Pulsse, farcimina, Würste. 
Pathülle, f. tnitra coriacea. 
Quaddeder, m. mdleficus, Übeltäter. 
Quit gheuen, dimittere, loslassen. 
Quitancie, f. apocha. 
Quitpandinghe, f. (Schiller u. Lübben: 

Pfandlösungy Bezahlung.) 
sachte don, demulcere, liebkosen. 
Schabbürken, n. carcer. 
Schörbü, m. scorbutus. 
Schöttelplünde, m. fragmentum linteum, 

quo purgantur patinae. 
Schröderlock, n. fissura tunicae, Schlitz 

eines Weiberrocks. 
Schrodlone, m Schneiderlohn. 
Schrouelap, m. (Schimpfwort?) 
schrouwelen, (= schrumpeln, runzeln?) 
schrouwelich, rogosus. 
simmelen (= simmeieren, sinnen?) 
Slabbervat, n. garrulus, Plauderer. 
Sladde, f. vilis et sordida mulier. 
Slarfen, crepidae, Pantoffeln. 
slätisch, sletisch, (abgenutzt.) 
Slethasen, braccae rusticae ad cdlceos 

%i8que pertinentes. 
Sleusterbane, f. {Glitschbahn.) 
sleusteren, lubrico gressu per gladem 

ferri. 
sliperen, cunctari, zaudern. 
slippen laten, negligere, oniittere, aus der 

Acht lassen. 
Slummeringhe, f. somnus, Schlaf. Lyr. 
Smackbätjen, n. (Kosthappen.) 
smetisch, (schmächtich.) 
SmuUich, m. (Schmutzfink ? s. Brem. W. 

Smu^'er.) 
Snee Moss, n. ferculum lacteum nivi 

simile. 
Sorghe Daghe, Trauertage. Lyr. 
Sorghe Mantel, f. Trauermantel. 
dorch de Speisse jaghen (Spiessruten 

laufen lassen.) 



Spittelszheyt, f. Upra, Aussatz, 

splinter nye, prorsus novus, ganz neu. 

sta£f fule, randdtM, faul, vom Bier ge- 
braucht. Schnob el: haud defaecata. 

Stancker-Ilck, m. twmo foetidus et putens. 

Stick Saghe, f. serra praeacuta. 

Strülleke, f. urina, Seiche. 

Stuf Eers, m. (= mnd. stüfstert.) 

Suke, f. vestis muliebris. (Bei Schütze 
unter ,Heyke*.) 

Swedeler, Sweideler, habiius olim muH- 
ebris. Dazu Schnobel: Ghytraeo est 
mantica, Banzel, Knappsack. 

sweudelen (sweidelen, hin und her be- 
wegen.) 

swichtig maken, ad silentium redigere. 

swide hebben, se valde negotiosum exhi- 
bere. 

Todrengher, m. (Bedränger?) 

tojäghen, zujagen. 

tokaddelen, vernichten. 

tokrökelen, complicare. (In Hdschr. 2 
ohne Bedeutung.) 

tol^ren, docere, zulehren. 

sik tomartelen, sibi aegre facere, moU- 
stias creare. 

Törnel Touw, n. funis cursum navis aquae 
immittendae inhibens. 

tosmecken, gusto explorare, zuschmecken. 

Tospröke, f. Zu^ruch. 

tostighen kamen, advenire, herbeikommen. 

tostöuen, bestäuben. 

totäkelen, (auftakeln ?) 

towölen, zuumhlen. 

Treckel Band, m. ligamentum^ quo in- 
fantes ducuntur. 

Trecklyff, m (in H. 2 n.) dass. 

Tröneken, n. lacrymala. 

trupelichy 

tüneken, mentiri, lügen. 

tünen, sepem facere, zäunen. 

Tüntel Nut, f. (wohl Schimpfwort für 
ein langsames Weib.) 

twesnedig, anceps, zweischneidig. 

Yadd erstand, m. cognatio lustrica. 

Vade (mnd. Vaterschwester.) 

Yinckenblock, m. supplicii locus Lubecae, 
ubi rei virgis caeduntur. 

vmlanghen, ij^erumbringen?) 

vmtrummelen, enen Ossen, tympanopulso 
vel percusso bovem circumducere. 

vnbl^ket, non dealbatus, ungebleicht. 

vnderaschich Brod, panis cinere cdlido 
paratus. Lyr. 

Vnderlaken, n. unterstes Betttuch. 

Vnderkörste, Ynderköst^ f. inferior 
crusta panis. * 

Yndersleuf, m. (UntersQJn .r\ 



28 



Vnechteskopper, m. adulter, Ehebrecher. 
Psalt Msc. 

vnghedoket, sine velamine linteo. 

Yngheues, Arges, Unverantwortliches. 

Yimösel, m homo nauci. 

vnschoD, turbidus De Win is vnschon, 
vinum est turbidum. 

Vnschonheit, f. deformilas, Häszlichkeit. 

VnTornumpstheit, f. Unvernunft. 

vorfreten, 1) vorax, gefräszig, 2) vorando 
consumere, verfressen. 

vorhesebeset, negotiosus. 

Vorhöghinghe, f. exaltatio, Erhöhung, 
lactitia. 

Vorldoer, m. collator, Verleiher. 

Vorlömder, m. calumniator. 

Vorlömdinghe, f. calumnia, Verleumdung. 

Vormak, n. oblectatio, Vergnügen. 

vormaket, affektiert. 

Vorsekerheit, f. securitas, Sicherheit, 
Versicherung. 

vortobben, verzärteln, 

Votbencke, f. scamnum pedale. 

Vot Kiste, f. cistapedivel fulcro innitens. 

vpklouweren, ascenderCf aufsteigen. 

vpl^nen, auf leihen, borgen. 

yppipen, aufpfeifen. 

vpschüren, differre, procrastinari, auf- 
schieben. 

Vpschüringhe, f. proer astinaJtio, Auf- 
schub. 

vpslabbüren, prodigere. 

Vpslan-Disch, m. mensa complicatilis. 
Tisch, der aufgeschlagen werden kann. 

vpsolten, aufsalzen. 

vpspanghen, fibulas solvere, aufspattgen. 

vpspreken, ad differendum persuadere, 
aufsprechen. 

Vpulighe, m. ornatus, Zierat. 

Vrouwen Moder, f. socrus, Schwieger- 
mutter. 

Vrouwen Vader, m. socer, Schwiegervater. 

Vtdüder, m interpres, Ausleger. 

VtdüdiDghe, f. interpretatio, Auslegung. 

vtklötert, (ausgetüftelt ?) 

vtkreien, auskrahen. 

sik utmükeren (= mnd. utmuteren?) 



Vtrop, m. »ubhastaiio, auctio, Ausruf. 

vtropen, subhastare, proclamare, aus- 
rufen 

vtröpen, in H. 2: vtropen, ausrupfen. 

Ttsacken, 

Vtsacker, 

vtsetech, vtsettesch, vtsetich, leprosus, 
aussätzig. 

Vtsetter, m. interpres, Ausleger. 

Wackerschnell, m disertus. 

Wakersche, f. mulier vigilans. 

Walk, arnamentum capitis virginum, 
alias „Kräntzgen". 

Wäne, f. Verruca, (v. mnd. wene.) 

Waszstapel, m. cereus, Wachsstock. 

wechulien, (wegpacken.) 

wechförderen, wegfordern. 

wechgliden, weggleiten. 

wegjäckeren, (wegfahren ?) 

wechläken (zu laken, tadeUn'/) 

wechslapen, wegschlafen. 

wechslöpen, traha avehere, wegsdüeifen. 

sik wechwaren, cavere, sich hüten. 

Weddermodinghe, f. adversitas, Wider- 
spenstigkeit. Lyr. 

Wedder8lach,m. repercussio, WidersMag. 

weddersportelen, reccUcürare, wider- 
streben. 

Weddersportelinghe, f. recalcüratio, 
Widerstrebung. 

Wedderuall, m relapsus, Wiederfall. 

yan Weghen syn, mente captum esse. 

Wepestärtjen, n. motacilla avis. 
Windelasch, f. (Hemdachselstück.) 

Wineker, m. substüiUus mercenarii. 

Wrantebüdel, m. (Starrkopf.) 

Wrekinghe, f ultio, Bache. 

Wruck, m. (Hasz, Streit.) 

Wruckbals, m. (Streithammel) 

wruckhalsen (streiten mit Worten.) 

wüste, saepe, oft, vielmal, (Nebenform 
zu ,vust*, erwähnt von M o 1 e m a im 
Wtb. d. Groninger Mundart). 

Zinghelslüter, m. Zingelschlieszer. 
Zisich, m. 1) phtisis, Schwindsucht. 
2) Zeisig. 



IL Wörter Schnobeis. 



Bulol = Kakemumme, terriculamentum, 

tei'riculum. Chytr. 
Dalernett, n. Talernetz. Gryse. 
devotich, devotus, andächtig. Thom. a 

Kemp. 
Döpedochter, f. profdia, Fade. Chytr. 
Döpsöu, m. profilius, Fade. Chytr. 
dorchwegig, pervius, dardorch ein Wech 

geiht. Moth. 



ghemete, gemäsz. 
Hartgevicheit, tenacitas. Chytr. 
Hemmelbroder, m. Hemmelsüster, f. 

Chytr. (Frömmling ?) 
Hojaninge, oscitatio. Bomii El. 
Uönerjüche, jusculum gallinaceum. Chytr. 
Hillighe Dingh, n. anthrax, sacer ignis, 

morbi spedes, Böse. 



29 



de Inkomelingdach im Schaltjahr, dies 

intercalaris, insüätuSy Chytr. 
Kalvermisse, f. der israelitische abgöt- 
tische Kälberdienst, Gryse. 
Eammvoder, n. receptaculum pectinum, 

Kammfutter. 
Kerstdagh, Christtag , Passion. 
kettelharich, {kitzlich.) 
Kettermeister, m. {Oberketzer.) 
Kickintland, specula, Warde, Warttorn. 

Chytr. 
Klockendöffte, f. Glockentaufe. Chytr. 
Klöckling, m KlügJing. 
Kosthus, n. Hochzeitshaus. 
Ledderlaken, Test. 1494 {Ledertuch.) 
l^itsaghegheld, praemium ductoris^ hodie 

Lotsengeld. Oelr. 
Liniendäntzer, m. funambulus. 
Loschedrunk, m. Labetrunk. Chytr. 
Mütemaker, molitor novarum rerum 

flaheüum seditionis. 
Nedenkramer, m. Leinwandhändler. {?) 
Neghensleper, m. ad horam nonam dor- 

miens. 
Notwech, actusj Drift. Chytr. 
Ohreopypinghe, aurium tinnitus. Bonn. 
O Verbindeken, n ornatus muliebris. 
PapeUtand, Pfaffentand. Buggenhagen. 
Papenkollatiou-Kroch. m. Caland. Gryse. 
Patersbeer, dal beste Beer. Chytr. 
Pladdersüchticheit, loquacitas, garru- 

Utas. Chytr. 
Plogkromme, f. buris. Chytr. 
Plogfahr, sulcus. Chytr. 
dat Plogwendent, versura. Chytr. 
reusteren, tumultuari. 
sutmündig, de sötmündige Glysnerie. 

Gryse, Pawestd. 
Spülebake, so allenthalven herumme up 

de Garde ghan. Gryse, Pawestd. (mnd. 

W. spolebacke, Saufbruder.) 



ein Sure, teredo, Kopperworm, Holt- 

worm. Chytr. it. Totenuhr. 
Terenheyt, f. Zärtlichkeit. Bok v. de 

Navolghinghe. 
Tovergifi, n. Zaubergift. Gryse. 
Tungendröscher. Gryse. {Zungendrescher.) 
Vastendicheit, f. constantia, Standhaftig- 

keit, Lev. d Hill. 
Yerflökinghe, f dirae. Chytr. Flökinghe, 

Fluch. 
vmmestaken, umkehren^ umstoszen. Gryse. 
vnbedüsterd, splendor inobturabilis Gryse. 
vnbefloten, ein unbefloten Land, terra 

solida. Chytr. 
vnghepalleret, impolitus, unpoliert. Gryse. 
Vnhöde, f. incuria, Unachtsamkeit. 
Vnsedicheit, f. immodestia. 
vnseentlik, invisibüis, unsichtbar. 
Vnstormicheit, f. Ungestüm. Lyr. 
Yntellicheyt, f. innumerabilitas. 
Vnvorverenheit, f. impcritia. (!?) 
vnvorvdret, imperterritus, unerschrocken. 
Voerste, n. prora, das Vorderteil eines 

Schiffes. Lev. d. Hill. 
Vortorninghe, f. ira, Zorn. 
Vtm^ter, geometra. Chytr. 
Walter, Walze zum Ebenmachen des 

Ackers und der Diele. Chytr. 
Waterhere, m. Dominus maris. 
Waterfahren, lirare, {Samen eineggen.) 

Chytr. 
wedderlunisch, Gryse. {wetterwendisch.) 
Wederhere, der dem Wetter zu gebieten 

hat. Gryse. 
weltherlick, Gryse, Spegel d. Pawestd., 

S. 4 der Dedication : Datsülve Unkrudt 

schinbarlick heryorgrönet und sick 

,weltherlick' uthbredet {üppig). 
Werckhillicheit, f. Heiligkeit der Werke. 

Gryse. 
Werckhilligher, id. 
wreiliken, pertinaciter, hartnäckig. 



III. Namen. 



Abel, Abele, Abelke, ApoUonia (!) 

Aleke, Alheid, Adalheidis. 

Alf, Adolphus. 

Anneke, Ännchen. Dammel Anneke, 

femina nullius pretü. 
Arnd, Amoldus. 
Assele (= Ossel?) 
Beke, Eebecca. (?) 
Bele, nom. mul. (Schiller u. Lübben: 

Abele und Hebele.) 
Bendix, Benedictus. 
Beneke, Benno, Benedictus (?) Bern- 

hardus. 
Berend, Bernd, Bemhardus. 



Borchcrtf Burchardus. 

Brand, Hildebrandus vel Brandanus. (?) 

Chim, Joachimus, Chimeken, nom. dim. 

Dirck, Diderich, fheodorictis. 

Drewes, Andreas. 

Elsabe, Elsebe, Elseke, Elisabetha 

Engheborch, Ingheborch, Ingheborgis. 

Ermengard, Irmengardis. 

Eyle, nom. mul. {Eila.) 

Fike, Sophia. 

Fynne, nom mul., occurrit a. 1381 in Test. 

Gherardi de Alen. (-Finne.) 
Gherd, Gerardus. 
Ghese, Gheseke, Gertrudi,^ 




c,rvN 






30 



Grete, Gr^teke, Margareta, 

Hans, Johannes. 

Harm, Härmen, Hermann. 

Hartich, Hartvicus. 

Heleke, Helenburgü. (?) 

Henneke, Johannes, 

Herdeke, f. Herdradis. 

Hese f Test. Hinr. Borhorst 1413 

(z. masc. Hesiko b. Heyne, altniederd. 

Namen ?) 
Heyleke, f. (= Eileke,) 
Hille, Hildegundis. 
Jürghen, Georgius. 
Jutte, f. (Judith, Johanna.) 
Kersten, Christianus. 
Koneke, Kaneke, Conegundis. 
Leneke, Magdalena. 
Lenert, Leonhardus. 
Lise, Liseke, Elisabetha. 
Lücke, Lucia. (?) 
Lüdeke, Ludolphus s. Ludovicus. 
Make, Marquardus. 
Mariken, Maria. 
Merten, Martinus. 



Metteke, Mechtildis, 

Mewes, Bartholomaeus. 

Neze, Nezeken, Agneta. 

Ossel, Ursula. 

Pasche, Paschasius. 

Peter, Petrus. 

Sanneke, Susanna. 

Steffen, Stephanus. 

Steneke, Steneco, dim. a Steno. 

Stine, Stineke, Christina. 

Sweneke, 1) nom. mul. (zu Swana), 

2) dim. a Sweno. 
Tale, Taleken, Adelheidis. 
Telse, Telseken, Elisabetfia. 
Tenghele, f. a. 1360 Test. Gher. Hynnen- 

berch (= Engel, Engela.) 
Tewes, Mathias 
Tibbeke, f. Tibburgis. 
Trine, Trineken, Catharina. 
Vike, {Sophia.) 

Webbeke, Wöbbeke, Walpurgis. 
Wendele, nom. mul. 
Willem, Wilhelmus. 
Windel, Windelke, nom. mul. 



Diejenigen Ausdrücke, bei welchen ich meine Erklärung mit 
einem Fragezeichen versehen habe, kann ich nicht weiter belegen. 
Gar keine Deutung weiss ich für trupelich und Schroiielap. Ein drittes 
Wort, Preuthöniken, kann ich nur sehr zweifelnd mit Präter, Prüte, 
dem hiesigen Kosenamen und Lockrufe für Wasservögel, zusammen 
und somit dem Putthöniken gleich stellen. Endlich KtUpheket habe 
ich allerdings weder mündlich noch schriftlich im Gebrauche gefunden, 
darf darin aber wohl die Bezeichnung eines irgendwie plump gebauten 
Fisches erblicken. Nicht nachweisbar ferner für mich sind Ballior, 
Nakleiss, Walk und Nedenkramer, Bei keinem ist eine Quelle ver- 
merkt, danach scheinen alle der Volksrede anzugehören. Ballior 
könnte man als scherzhaftes Latein für Geballer ansprechen, Neden- 
kramer aber macht ganz den Eindruck, als hätte sich der nicht 
immer ganz zuverlässige Schnobel arg versehen und eigentlich Heden- 
kramer im Sinne gehabt, was ich freilich auch nicht habe aufspüren 
können. 



LÜBECK. 



Colmar Schumann. 



31 



Volkstümliche Redensarten 

aus Lübeck. ! 



Die hier mitgeteilte Sammlung ist das Ergebnis meiner, vor- 
wiegend von 1880 bis 1895, in Lübeck und den zu ihm gehörigen 
Ortschaften, besonders den Fischerdörfern, geschehenen Nachfrage. 
Sie bringt allgemeine und scherzhaft gewandte Sprichwörter, volks- 
mässige Wendungen über häusliches und geselliges Leben, Lebens- 
umstände, Körper, Geist, Wesen, Benehmen, sowie Orts-, Zeit- und 
Artbestimmungen und schliesslich Wettersprüche und ähnl. Zu den 
Sprichwörtern, die ja nach Weise aller Volksüberlieferungen mancher 
Änderung und Vermischung unterliegen, zum Schaden ihres Verständ- 
nisses und ihrer sachlichen Richtigkeit, bemerke ich zuvor folgendes. 

Ruch is rik, bei Wand er, Sprichwörter-Lexikon 3, 1504, hoch- 
deutsch : Wer rauch ist, ist reich, erklärt sich aus der ostpreussischen 
Fassung: Wet' ruch ös, ös ok warm (ebda.) als eine Vertauschung 
der Begriffe „warm*^ und ;,reich". Die Pelze sind im Besitze der 
Reichen, diese frieren nicht, also wer warme Kleider trägt, ist reich. 

Üt en annern sinen Büdel is göt Remen sniden lautet bei Wander 
3, 1683 ursprünglicher: Aus anderer Leute Haut ist gut Rietnen 
schneiden. Da aber dieser Ausdruck überhaupt den Sinn angenommen 
hatte „Vorteil aus etwas ziehen", so konnte die, eigentlich unstatt- 
hafte, Verwechslung um so leichter eintreten. 

De Blinn krichift toirst up de Ogen ist so nicht zu verstehen, 
wohl aber das hochdeutsche : Der Blinde fürchtet nichts für seine Augen 
bei Wander 2, 402. Die Sinntrübung ist bewirkt durch andere 
Sprichwörter des Inhaltes, dass ein Unglück selten allein kommt, 
wie deren unten einige sich finden. 

Sonstige Erklärungen im Texte. Dieser berücksichtigt nur Reim- 
loses. Für die Reimsprüche darf ich auf meine „Volks- und Kinder- 
reime aus Lübeck" verweisen, für Bezeichnungen von Vorgängen 
in Wetter, Wind und Wasser auf meinen „Wortschatz von Lübeck", 
S. 29—32. 

Wer Honnich licken wil, de müt weten, dat em de Immen stSkt. 
Wat brent, dat smÖkt. 
As dn mt Holt röpt, so kümt't trüch. 
As de Man is, wart de Wust braden. 
Lät di niks iD'n Nacken flegen. 

Von de G8s' is siecht Haber köpen. (Dat is gräd, as wen man von de GBs' 
Haber köft.) 

Schenken un Schiten wart mit enen Bökstaben schreben. 
Wer licht gl8ft, wart liht bedragen. 



ä2 

Menen un Denken, dat dracht. 

Wo man nich sülbst kümt, wart enen de Kop nich wuschen. 

Wen de Fisch braden is, helpt em dat Water nich m^r. 

Wat f röcht de KrSft dorna, wen du om versüpst 

Stel de Stang nich wider, as du springen kanst. 

H8d di Yör d^n, dSn Got tekent het. 

Man kan nich weten, wat en holten Buk f8r Talch het. 

Man kan en dodich Kat nich fast noch anbinnen. 

Du kanst nich er Pankoken backen, as du M^^l best ; du kannst nich £r welk 
däl slucken, as du 6r in de K^l best. 

£rst en N6s' un den en Bril. 

Fül de Ogen nich ^r as den Buk. 

Hol di an de Latten, de Himmel is hoch. 

Nim di niks v8r, den sleit di niks fSl. 

Gegen en Foder Mes is nich antostinken. 

Snid ik min Nds^ schänd ik mtn Angesicht. 

Beter Schimp as Schann. 

Bäckers Kinner Stuten geben is Sann. 

Wer langs&m fdrt, kümt ök to Stat. 

Je m^r man de Kat sträkt, je höger holt se den Stert. (Wen man de Kat 
sträkt, bort se den Start up.) 

Mau müt de Lud reden laten, de Gös* kOnt ^t nich. 

Lät du Got den Vader sorgen un den Dabei brummen. 

Lßnt Göder müt man lachend wedder bringen. 

Reisend Lud müt man nich uphollen 

Bltf up den rechten Wech, so siän di k^^n Busch. 

Beter lütherschen (armselich) fören as grötherschen gän. 

Beter 6n N^m-mit as twe Häl-na. 

Beter hebben as krigen. 

Ik heb is beter as ik harr. 

Beter en Lüs in'n K61 as g6r ken Fet (Flusch). 

Frei di, dat du in de Welt büst un best kenen Puckel. 

Jedes Dink het en Enn un de Wust twe. 

H6ch-wat het wat, Frit-up het niks. 

Spar wat, hestu wat; 16r wat, wötstu wat. 

Sp&rhans het Wolleben sfu Hüs küft. 

An'n Brot het man lank wat, wen man dat nich it. 

liest du nich, so kanst du nich. 

Wer en Ei ünnern St^rt het, het g6t kakeln. 

Wo niks is, kümt niks hen. 

Wen de Wiut west is, kan de Möller nich malen. y^West*' dopprhiinn'g. 

AI söben Jör kümt en Dink to Pas. 

Mach* nich licht upn Kirchhof, un Kan-nich licht dicht dorbi. 

Wer H nich in^n Kop het, müt't in de B^n hebben. 

En scharp Wort holt den KM von de Dftr. 

Jeder fdr sik, Got f8r uns all 

L^rwark is k^n Meisterstük. 

Befeien deit 't nich, sülbst angripen, dat helpt. 

Inbillung is duller as de Pestilens 

AI to vdl ilT is half Schann. 

Hoifart let k^n Kül to. 

Den Fulen is nich beter, as dat he licht. 

De lange slöpt un den man löpt, kümt ök to Gank; aber de lange slöpt 
un den langsam is, kümt v^l to kort. 

Wen de Müs sat is, is dat M^l bitter. 

Dikdön is mtn Leben; Broder, l^n mi en Söslink. 

De Stöners hebt wol wat; wen man de Pralers wat hebt. 

Dat is mfn bet an den Karkstlch. 

De lank het, let lank hangen; de lenger het, let slepen. 



33 

Wer in'n E61 sptt, müt em to^rst upeten. 

Ruch is rik. 

En Hunsfot (Schelm) de mSr gift, as he het. 

Ut en annem sinen Büdel is got Remen sniden. 

Wen sik Schelms an DSf schellen, kricht en ^rlich Man sfn Göt wedder. 

R6t Hör un Ellemholt wast up kenen goden Boden. (EUemhoU un röt 
H6r, de wast upn siechten Grünt.) 

Lögner an D6f sunt Naberskinner. 

Ful W&sch an Lögen sammelt sik am meisten. 

Von Hörenseggen kämt de meisten Lögen. 

Ort let nich von Ort. 

De Wulf ännert sin Hör, aber nich stnen Sin. 

Wat mal to'n Swfnstroch üthaan is, wart k6n Yioltn m^r. 

Von'n Ossen kan man nich mör verlangen as en Stük Ossenfl^sch. 

Wen de Hunt dr8mt, is't von Brot 

Man süt gifk an de Snüt, wat en Swln is. 

Herren bltft Herren, an wen se ök bet Middach släpt. 

Armer LÜd Pankoken un riker LÜd Krankheit rükt gUk wit. 

Lik söcht sik, Lik fint sik. 

Dwalsche LÜd schrift dwalsche Böker. 

De dumsten Büm plant (hebt) de grötsten Eantüffeln. 

Wat de £n nich mach, is den annern sin best Kost. 

De Gesmak is verscheden, de 6n het Lust to (Wt) de Dochter, de anner 
to de Mudder. 

De L^f f&lt so wol upn Köklak as upn Li^eblat. 

]s kön Pot so schöf, dör geit (past) en Stülp up. 

Wat nich is, kan warm. 

Kam ik öbem Hunt, k§,m ik ok öbem Swans. 

Glük müt TU hebben. 

Wen de Pracher niks hebben sal, so verlüst he dat Brot Atn Büdel (üt de 
Kip). (Wat den Pracher nich günt is, fült em üt de Kip ) 

Wen dat ganse Hüs vul Unglük is, steit vÖr de D8r ök noch en Ktp vul. 

De sik nich sat schrapen kan, kan sik ök nich sat ticken. 

De Blinn kricht't toörst up de Ogen. 

Wo wat is, dör spilt wat. 

Wen de Tabak al is, geit de Pip üt. 

Je später upn Abent, je schöner de LÜd. 

Hunnhinken an Frünkranken, dat dürt nich lang. 

Appeln na Fastelabent an Jumfern na v^rtich Jör, de hebt den Gesmak 
verloren. 

Wen de Piphän steit, is de Verstaut in'n Mors. 

Linker Haut geit't von Harten. 

Wen't Möd is, rit de Bür upn Bullen in de Kark. (Wat Möd is, is Möd, 
an wen de Bür upn Esel in de Kark rit.) 

Wat de Bür nich kent, dat frit he nich. 

Wen de Wichein fleiten gän, het de Bür k^n Gelt. 

Wen de Krübben leddich sunt, biten sik de Per. Auch als Beimspruch üblich. 

Dat Kint is döt, de Veddernschap is üt. i 

AI Bak un Bru gerät nich göt. 

V41 Swln mäkt den Drank dün. j 

Hamelfl^sch is en Döf in'n Pot (un Sirop is stn Broder). | 

Fif Swtn mäkt negen Siden, wen de 6n in de Wust is. I 

En Kint is beter as en Kalf, löpt dat 6rst Jör nich int Korn. ! 

Dat Hön, dat frö kakelt, lecht en Wintei. | 

Flutend Dörns un krähend H6ns hebt k^n Degen int Hüs. 1 

Kinnermät un Kalvermät mut ol LÜd weten. { 

Kinner m8t l^ren as junk Farken Drek eten. 

Orr nunk regSrt de Welt un de Knüppel den Hunt. 

Ol LÜd geit v8r, blöt nich in'n Sne 

NUdardeotseheB Jahrbuch XXXY. ^ 



34 

Ell beten Füten is den armen Man sin Swtnsbräd (KalfsbrA4.) 

Den Menschen sin Ydrnemen is Got en Qrül. 

De Her stürt de B8m, dat se nich in'n Heben wast. 

Mäkt de Her 6n D8r to, so mftkt he de anner wedder apen. 

Gift Got Jungens, so gift he ök Büksen. 

SpricliwSrter in Seberzwendang. 

Wdlt't schön krigen, s^d de Avkat, he mdn aber dat Gelt. 

Ji sunt ml schöne Kinner, s^d Beckmann to sin Swln, ji w6lt nich freten, 
wat min Fru ja k&kt? 

Minsch, söd Beckmann to sin Swln, perrst mit den warm B^n in'n koUen 
Drank ? 

Gans hei un kön St^m, secht Bleker Menk un pist sin Fru int Klederschap. 

Koparbeit gript an, söd de Bul, do schikt he sinen Jüngsten na Swaan — 
auf die landtoirtschaftiiche Hochschule. 

AI Bot helpt, secht de Bür, trekt sik en Warmen ütn Nörs un bint sik de 
Scho mit to. 

Dat is hart, s^d de Bur un bet upn Stön 

Dat is 6n, söd de Bür un harr en Farken mäkt. 

Dör is de D6r, secht de Bür un fürt mit en Foder Hei in de Kökenddr rin. 

He kämt, s^d de Bür, dör röt he sik dat Melkschap upn Llf. 

Nu k&m ik, s^d de Bür un fül üt de Lük (von'n Bdn). 

Plats dör! s6d de Bür to de Muskanten, dör kan ik ök noch mit sitten. 

Dat kümt al wedder, secht de Burjung (Johann) un gift de Swin Swlnfl^sch. 

Dat Och wil ök wat hebben, söd Jen lüt D^rn, do kr^ch se dör wat up 
(harr se en Bl&m). 

Dat Krüt ken ik, s^d de Dübel un set sik in de Nettein. 

Funtus! söd de Dübel un funn sin Grösmudder in*n Horenkasten. 

Vdl Geschrei un wenich Wul, harr de Dübel secht, do harr he en Swinegel 
schoren. 

Ji Sit schöne Kinner, söd de Esel — he harr Poch lät — wen de ^n rup 
is, sprinkt de anner wedder raf. 

Dat is aber en Leiden, söd Feldmann, do h&rr he't Gössel an*n Strik. 

De is to krum, söd de Fos, as de Wust in'n Wimen hünk. 

Dat is al en öbertoch (öbergank), söd de Fos, do wart em dat Fei öbem 
Rüggen trocken. 

Wat upn Rüm wol fÖr Wedder is, s^d de Fos, do söt he upn Barch achtern 
Netteistang. 

Wen kön kümt, den wil ik kön, söd de Fos un slöch mitn St^rt an'n Börböm. 

Ach, loch ik man örst! söd de ol Fru, as se int Bet söt. 

De ^rst Not müt kört warrn, söd de ol Fru, do hau se'n Backeltroch 'twe 
un m8k dat Water to'n Backen dörmit bot. 

Gotlof, dat ik dörmit niks to dön heb ! söd de ol Fru, 8,8 se dat ganse Dörp 
tohopen lagen harr. 

Renlich un rein mach ik göm al hebben, söd de Fru ; wen ik't \rgent hebben 
kan, r8r ik de Klump in'n Backeltroch an. 

Renlichkeit is't halbe Leben; Jung, h&l en Bessen, w8lt den Disch aifegen. 

Renlichkeit is't halbe Leben, secht de ol Fru un kört jeden Winachtabent 
er Hemt um. 

Ruten üt! secht de Glaser. 

Man nich so ängstlich! söd de Hän to'n Regenworm un fröt em up. 

Nim de F8t in Acht, süs perr ik di, söd de Hän to'n Hinkst. 

Dat wart en beten Dach, söd de ol Heks, as se yerbrant warrn sül. 

Ik wil di't vergeben, söd Jehann, aber, Jakob, denk dranl 

Raf, Kat! sed Jehann Lann un j8ch de Klukhön vont Nest. 

As he fült, secht de Jung to de ol Fru mitn Nösdrüppel, as se em en 
Pankoken anbüt. 

Beter is beter, söd de Jung un strök Sucker upn Sirop. 



Dat Gevitter k8m At mtn Grösmudder 6r Knaken, s^d de Jung, den se sed : 
Dat harr mi al lang in de Knaken seten. 

Dat l&t ik giLn, secht de Jung; he sal en Kalf dregen, wat en Jör olt wer. 

Dat sunt man Knüst, secht de Jung un snit dat Brot niirm durch 

Ga wech von mi! sed de Knecht; du sitst mi upn Trilhän. 

Dat is noch lang kön Abent, harr de Kreienfänger secht, do w^r de Siin 
üonergän. 

Nu kan't lös gän, secht de Kökenfru. 

Dat hest drapen, sSd de Kröpel, as de Hunt em int holten BSn bet. 

L&t lopen, secht Lüth un pist sln.Fru int Bet. 

Ik schäm mi, säd dat M^ten un hol sik en Twernsfaden vdr de Ogen. 

Wen ken wil, wil ik ök kenen. 

Dat is anner Korn, s^d de Möller un b^t upn MAskötel. 

Wat sal't ewich hoUen, sSd de Murer, as em de Bakaben öbern Kop föl. 

Schönen Abent förn Abent, s6d de Nachtwächter, dun gänk de Sün up. 

Nu geit de Reis' lös, sed de Papagoi, dun l8p de Kat mit em to Böm. 

Dör swömt wi Appeln, s^d de Perdrek un swöm mit de Appeln de B^'k 
hendäl. 

Dör rük an, secht Peter Erich. 

Hebe dich hoch ! sed Pietschmann, dun swunk he sik en Mät Wetenkli upn 
Nacken 

Tut mich leid, secht Ponto. P. vordem ein Krämer am Markte in Lübeck, 

Ach, wir armen Dreizehn! sSd de Pötter, do föl he mitn Dutsen Töller 
üt de Lük. 

Nu kämt se, s^d Scharnweber, se süot al bi de D8p. 

Dat brinkt nich vel, aber dat sammelt sik, harr de Schösterjung secht, harr 
in de Kdk enen an de Bak kregen un up de D61 al wedder. 

Dat harr ik nich dacht, dat dat so vdl würr, sSd de Schöstetjung, aber dat 
sammelt sik; dun kr^ch he de Jak yul. 

Dunner Kwaddel, s6d Schulten Yadder, wo keken mi de Lud an! 

Däll s^d Sievers, do s^t he in'n Wustketel. 

Dat blits af, s^d de Slachter, as he de Ko vdrn Kop slän wuU an sleiht se 
fBm Nörs. 

AI mit Maten, sed de Snider, do gef h6 stn Fru wat mit de Kl. 

Dat trekt sik al na'n Lff, s^d de Snider. 

Dat trekt sik al trecht, sed de Snider un set de Ärmel int Taschenlok. 

EUernholt dr8cht swör, s^d de Snider, den stüt he sik up de Kl 

Grad as ik, harr jen ol Snider secht, de harr en Puckel. 

Lik mi io'n Mors, s6d de Snider, sntt di aber örst dat G§1 üt! 

Wat nich de Gewönheit deit! s^d de Snider, do harr he'n Stök von stn egen 
Tuch Stelen. 

Nich um minen Willen, s6d de Wulf, aber so'n Schäp smekt doch göt. 

Schön, secht de Bür, wen de Eddelman Sl^ch kricht. 

Von hänslichem und geselligem Leben. 

AI, wat en Lepel licken kan, Kinder, 

Dat het en unmünnich Kint beprüscht, vom Niesen nach einer Aeiisserung. 
Dör fült en Appel üt de R8r, wenn eine)- leise f. . zt. 
Dör kümt stn M8m, bei etwas Unerwartetem» 
Sü, de Kat putst sik! Wi krigen fr()md LÜd 

He kämt mi gräd in de Snir (in de M8t). Snir eine absichtlich über den 
Weg gespannte Schnur. 

Dat is von Vageltritholt, Scherzantwort. 

Wo geit't? Swat, wen't verbrant is. 

Hfr is ^n as de Ul mank de Kreien 

Htr weit en goden Wint. 

Hut lebt wi perrisch = üppig- Pft r is c h Name einer reichen Farn flu {^x H^^mburg . 

Nu kümt Hans in'n Wams. Nun wird's lustiq. 



86 

Spöd di, DQbel, uns' Hergot is glik achter di! Wenn man auf einen heinsen 
Bissen rasch nachtrinkt. 

Dat is so mdr, dat kan Her Pastor biten. 

Dat gift de Kat stn Mdm nich. 

He frit den Dübel en Or af, der FresshaU. 

He frit as Moder Häksch, de fröt en Wagenrat un mSn, dat w^r en Kringel. 

Sink di man k^n Greden in'n Halsl 

De Grapen is al vul, heim Aufstossen, 

He süpt as en Ilk. 

Drink man, dn säst jo sögen ! 

He perrt ober. 

He geit v8rpot. 

He het de Pi vul. 

He het enen in'n Krüsel. 

He het enen in de Ogen gaten. 

He het sik en Lütten antüdert (uppakt). 

He het to d6p in de Buddel ktkt. 

He is up Nummer söben. 

Em h8rt de ganse Strät to. 

He sm8kt, as en lüt Man bakt. 

AI Dach dün un smöken un Itkers k6n Tabak. 

Ruhig upn S&ll Grösmudder wil dansen. 

Se snit Swebelsticken, sie bleibt sitzen beim Tanze. 

He drdcht Stubben, dasselbe vom Burschen. 

He het sik schürt, die Kugel beim Kegeln. 

Häuflein, vermehre dich un warr so gröt as en Mösbüdel ! beim Kartenspiele. 

Ik wil di dat Fet (Talch) wol uphelpen, dsgl 

Nu wil ik di aber m&l en Küs üttrecken, dsgl. 

Gut Nacht, Lischenl Dat Gelt licht up de Trep (v8it Finster). 

Se hebt em den Stöl y8r de Dör set. 

W8lt em na Moisling bringen un an de Juden verköpen! (T8f man! Ik wil 
di an'n Juden verköpen.) Im Dorfe M. wohnten einst die Lübecker Juden. 

Wat sart sin? S8lt't Appeln sin? 

Dat is aber wat, lüt Fru; kost ök acht Schillink. 

Noch föftich J6r as hüt! 

Von der Lebenslage. 

Wat schilt di? was fehlt dir? 

He kümt ober Stür, er geht zurück. 

He geit örlankfs) as de Kr^ft, dass. 

He Sit in de Büt, in de Püt, in de Buddel, in de Kntp, er ist in Not. 

He Sit mit stn Schip upn Drogen. 

He het en Klots ant B^n. 

He het niks to biten un to breken 

He kan nich von enen Dach to'n annem kommen. 

He kan v8r Hunger nich in'n Släp kommen. 

He ISft von de Hand in den Munt. 

He is so nakt as en Karkenmüs 

He is upn Spön, es geht ihm schlecht. 

He is dör knap achter. 

He stikt achter as Horstmann acbtem Hunt. 

Dat geit al to Unstrut, verdirbt. 

He kan dat nich af, nic?U durchführen. 

Dör het en Ul seten. 

He is mit Ulensät besät, Pechvogel. 

Dat het em hellisch begrtsmült, er ist „reingef edlen*'. 

Dat is mtn B8rt, kommt mir zu. 

He het v6l upn Dut, viel Geld aufgehäuft. 

He is recht up sin Prekumfär, es geht ihm gut. 



37 

He is recht in sin Fei. 

He sdt bet an de Nes' in Fet un bet an de Oren in Wul. 
He Sit as en Arft in de Elöterbüs, ist glücklich. 
He is s^r int Wogen, en vogue. 
He is upn Dam. 
He is ddr baben up. 
He is npn (öbem) Barch. 
He het sfn Sch&p in'n Drogen. 
He het den Ldm achter sik. 
He steit sik brdt. 
Dat holt den Stapel, hat Bestand. 
Dat hilge Graf is wol verwört. 
Em kan dat niks m^r dön. 
De kan wol lachen, wen anner LQd went. 
Dat is Water up sin M81. 
He trekt sinen Tegen, Vorteü, 
Dat het sinen Tegen. 
He milkt dat to Degen, Gedeihen. 
En beten Neistd (Stiksid) is 6k dörbi, Nebengeicinn. 
Dat kamt em to Pas. 
He is von'n groten Kummer af. 
He kricht de Wintsit. 

Dör smit sik en AI up, günstige Gelegenheit. 
He wßt dörup to lopen. 
He süt, wo't Laken scheren is 
He smit mit de Metwust na'n Schinken. 
He stikt dat in'n Muckerbüdel, Sparbeutel. 
He is en d^p gänt Schip, Verschwender. 
He vergift Ueid un Weid 
He is fang mit Hül un Höt. 
He (dat) is (leiten gän = in de Widen gän. 
He is öbem Harts gäo, durchgebrannt 
Dat geit in de Krim, (in de Krümp) verloren. 
Dor het de Dübel sinen Swans upiecht, das ist garnickt zu finden. 
Dat is murs (mus) af, jäh abgebrochen, ganz entzwei. 
Er het Hans Wust den B8n afdanst, sie hat ihr Magdtum verloren. 
He is baren und tagen un mit BuUenwater döft. Spott auf die Schlutuper 
Fischer, die sogen. Bullen. 

He is to Water ang&n, hat sich ertränkt. 

He is nich mSr stürhaftich, todkrank. 

He wart nu sauf, stirbt. 

He is wol verwört, gestorben. 

He het int Gras beten. 

Dat is in'n Dut g&n, zusammengefallen usw. 

Vom Leibesznstande. 

Dat is en Kerl as en Ekböm. 

Dat is en Kdrl, as wen he gaten is. 

Dat is en K^rl, de müt so wesen 

Dat is en Körl, de het sik kämt un wuschen. 

He is en bannigen Kanditer, Mordskerl. 

He het Mur in de Knaken, Kraft. 

He het bannig Rogen in de Bost, dass. 

He is so lank as Leverensen sin Kint. 

He het en richtigen Pachterbük, jo nich von Stro. 

He het en richtigen MöUerbük von hoUänsch Gewicht. 

He het en Verdrusknüst, Höcker. 

He drecht de Krühskas, dass. 



38 

Luckmaim, \kt H6r wein! Kahlkopf. 

He is so bunt as Schümannsch er Ünnerrok. 

Het het en Snüt as en Sempgurk. 

He wischt de Snüt mit de Nes' af. 

He kikt mit't recht Och in de linke Westentasch. 

He is so nat as en Fadök. 

He kan k^n Wul an de Hacken liden. 

He süt üt as dörchscheten Appelmös. 

He süt üt as Waddik un Wedach. 

Man kan em dat Yaderunser dörch de Backen blasen. 

De kölden Gresen lopen em ober. 

He süt üt as en ins^pt Krei. 

He kan kenen Wenk in de Ogen krigeu, niciU schlafen. 

He is so konfus, unwohl. 

He is in Amedam follen, in Ohnmacht. 

He het Flßtsen in'n Kop. 

De M^r rit em, der Alp drückt. 

Wi wftlt em mal de Hük up trecken, bei geschwoUencm Zäpfchen. 

He süt so vermögend üt, vornehme Haltung. 

He geit as en Poch in'n Mänschin, stolzer Gang, 

He geit en goden Scho, schöner Gang. 

He is man stümplich up de B^n. 

He kümt dörher wackelt as de Anken 

He geit öberschraps mit dat 6n Achterben. 

He is nich Her ober stn egen GHtmässen. 

He wackelt mit den Kop as Kasper. 

He rodert mit de Flünk as en jung Adebor. 

He hänkt upt P^rt as en Fürtang upn Hunt. 

He hänkt upt P6rt as en Esel in'n Plumböm. 

He het en Por F6t as en Pör Waschhölter. 

He het en Pör F8t as en Annerthalfminsch. 

Stn Hänn un F8t sunt em in Wegen. 

He löpt as en Swinegel. 

He schecht (löpt) as en Bessenbinner. 

Se löpt as en Hon. 

He löpt mit'u Kop ünnern Arm. 

Se löpt as Mudder Häksch. 

Se het en Hiddel as ol Mudder Häksch. 

Se het dat hilt as Mudder Häksch, de pist int Gän üt. 

Se het dat hilt as Mudder Häksch, un dörbi harr de man en Grotbön to Für. 

He rit üt as Schäpledder. 

Nim en Tö£fel in de Haut un löp d6r lank. 

Hest Stöm in de Büks, dat du so löpst? 

Wo is't Für? 

Vom Geisteszustände. 

He is so dum, as he dik is. 
He is so dum, as Thölen stn Os. 
De is ök so klök, as wen de Os in de Bibel kikt. 
De is ök so klök as Immenschit. 

He is so klök as Immenschtt, kan blöt kenen Honnich schiten. 
He het en Bret vdm Kop. 
He w£t von'n helligen Dach niks. 
He kan beter söken as finnen. 
De kan ken döt Kat ütn Aben locken. 

De kent kenen annem Vagel as de Kat, un wen he'n Stert nich süt, ment 
he noch, dat is en Nachtigal. 

Se kent de Kat achtem Fürhert nich. 



39 

He mSnt, he fürt in'n Kutsch un licht mit'n Nora in'n Bonst^. 
Wen he so kl6k w6r, as he ütsüt, den wSr he noch m&l so v^l, as he is. 
He söcht en Schäp mit flf Bön. 
6l8f doch nich an^n Got, de Peter höt! 
Grüss din Grösmadder, wat se noch Dikmelk biten kan! 
Säst mit, wen't los geit. 

Het d!n Yader noch m^r son klök Sdns, as du büst? £n gansen Pot vul, 
an ik bün de Deckel. 

De is in'n Sak gröt mäkt 

He is nich wider reist as von'n Fürh^rt bet na'n Potstert. 

He is in'n D8s. 

He is baf. 

He is dörch de Tut, verwirrt. 

Wo steit mi de Eop? 

Em ICist de Ap. (Het di de Ap iCistV) 

He het Infäl as en ol Hüs. 

He het en Schrüf verloren. 

Em is en Schrüf 16s. 

Em is en üthüpt, nämlich ein Sinn, 

He is anplakt, genasfOhrt. 

Se hebt em to^n Grisen (Büm) mäkt, dastf. 

He is wlt ober Stür, nicht bei Verstand. 

He het en Yagel — en Ticker — en groten Kuaks. 

He w6t nich, wat he v8r Wt oder achter. 

Nummer söben is noch fri. 

Dat is yerbetert dörch Jan Balhom. 

He is nich upn Kop follen 

Em is de Kop apen 

He is twemäl bürt, ganz schlau. 

He kent Kkl (Kenst du Käi nichV) 

He kan Gras wassen hören. 

He is en snutigen Kerl (un let sik keu X f8rn U maken. 

He is nich so dum, as he ütsüt. 

He kan mßr as Brot eten. 

De em f8r dum köft, de is bedragen 

He is von lüt up in de Welt west. 

He geit dör achter um as de Fos. 

He geit dör Ifs' bi hör. 

He geit von f^m. 

Vom Wesen. 

He het y61 up H&nnen. 
He gift klem, schafft eifrig. 
Dor Sit klem in. 

Wen ik di nich harr un den min Tuch, den wer mi dat siecht gän. 
He is so recht f8r Slach, tüchtiger Arbeiter. 
Dat hakt em m&l af, er schafft nicht mehr recht. 
He is so fül as en Stük Sohlt. 

He is so fül, dat he sik nich rögen (dälleggen, ümdrein) mach. 
Ommer döstich un en Grül y8r de Arbeit. 

Wat löpt de Tlt! Wen man m^nt, dat is Vesper, den is drst Fröstük. 
Dat wart upm langen Rik schaben. 
He dreit sik as en Wantlüs. 

Wen du kämst, het dat Kint al en Vader. (Dat Kint het al en Yader, die 
Arbeit ist getan.) 

He kümt dorachter as de Kürfürst achter de Bicht. 
Dat geit as en Perstert in de Fiegentit. 
Ik m8t di man en Klink (Karf) int Or sniden. 
Dat steit em an, as den Uka dat Spinneu. 



40 

He fült ober sinen egenen Schatten. 
Wat de T8r upstelt, stöt he achter wedder um. 
He fult ümmer mit de gröt D8r int Hüs rin. 
He sleit drin as Paulus in de Korinten. 
He trekt de rügen Hanschen an (üt). 
He bek^rt sik von'n Schrubber to'n Heibessen. 
He risk^rt den Bast, Haut. 
He geit gegen Wann un Müm an. 

He geit up un d&l as en Willen — as niks Godes — as wen't en Swfnskop 
w6r — as wen he wat freten wil 

He is sinnich as de Dullen, dat de Hör upn Kop süst. 

He is wtder to smtten as to locken. 

He is nich to hissen un to locken; (wat he nich wil, dat deit he nich.) 

He müt sinen Willen hebben as de Poch in'n Söt. 

He gift sik nich, un wen em dat en Ko kost. 

He wtkt nich von'n Placken. 

He steit up sin Stük. 

He set sik up de Achterb^n. 

He het en stlf Gnik. 

He het sinen Kop dörup set. 

He het en Kop as en^;^kböm. 

He is so fast as en Ekböm. 

He is en ^kbömigen. 

He let sik nich an'n Wagen füren. 

He let sik nich ant Bür (Kontor) stöten. 

He is so m8r as Botter. 

Du bust en KM as en natten Sak. 

Perr di man kSn Hör in'n Fot (sei nicht zu zimperlich^ ängstlich). 

He geit to Ker. 

Se k8nt von mi seggen, wat se w8lt. 

Se k8nt Grapen to mi seggen, wen se mi man blöt nich upt Für hängen. 

Wat em achter pass^rt, geit em v8r nich an. 

He het en Fei as en Eber. 

He het en Fei, dör kau man mit de Fork dörchsteken. 

Dat is ^n Dönt. 

Dat fült üt de Kist in de Billid. 

He birt man so. 

He behölt sfn Pipen in'n Sak. 

He secht kdn Kuk un Muk. 

He gift stn Verschal dörto. 

He rSt as en Klüksnüt. 

He bölkt as en Os — as en Slukuper Bul. 

He kan beter snacken as en Stummen. 

He kan snacken as en Bök. 

He is klapsch int Mül. 

He het't int Mül as de Katteker in'n Stert. 

De snakt gräd so, as wen't spökt. 

Snak mi doch kSn Lok in'n Kop. 

Ik warr mi höden, di dat an'n Klokrem to hängen. 

He is Hanken in allen Hägen. 

Wat best htr to kapen (mülapen)? 

He het't in'n Grif as de Pracher de Lüs. 

He nimt dat Gelt von de Lud, von de B8m kan man't nich plücken. 

He wdt nich Ramät, Masz, Genügsamkeit 

He het gröte Rosinen in'n Sak. 

He is en Helt in de Bottermelk, (wenn de Klump rüt sunt) 

He is en Helt int Botterfat (int Klümpfat, wo niks mer in is). 

Plats dör f8rn Kürfürsten (sinen Meswagen)! 

Bang bün ik nich, aber lopen kan ik düchtich. 



41 

Eanst ök gegen en Bakaben aivjappen? 

He snakt Yon'n groten Kristoffer un het den klenen (lütten) nich sSn. 
He het em de Hut vul lagen. 
He lücht, as wen't drukt is. 
Dat kümt em upn Hantyul nich an. 
Wat de yenprikt un holt, is gans gewis. 
De kümt upn Pinkstm&ndach, wen de Buk upt Is lamt. 
He het sin Fesen, Ortüen. 
Dat heb ik asich dik. 
He let de Oren hängen. 
Em is de Melk sür worm. 
Em is wat öbern F6t lopen. 
He käpt sik lingelangs ae N6s'. 

He m&kt en Gesicht, as wenn em de Petersöl verhagelt is. 
He süt üt as en Pot vul Mfis'. 

He mUct en Lip, dör kau en Klukhön mit söben Küken up sitten. 
So'n Mül mäk man; den warst dfn«Zegen wol Ids 
He is nich up sin Jnstement, ihm ist nicht wohl 
He kan sik in sfn W^l nich laten. 

Se freit sik, as wen Ostern un Pinksten up enen Dach weren. 
He is üt de Tut, vor Freiide auseer sich. 
He hdcht sik, as wen he kettelt wart. 
Dat is to^n Dötlachen. 

Ik lach mi d6t — dUl — achterüt — sch^f — krum — to Schannen — 
to'n Kröpel — en Puckel (as en Arft grot) — en Kringel — to'n Pr^stermamsell. 
He het Lachen un Wenen in enen Sak. 

Vom Benehmen. 

He wart nich tapt, vel weniger buddelt, er wird nicht geachtet. 
He is ober as dat föft Rat an'n Wagen. 
He (dat) geit in'n Gr81 mit hen. 

Wen ik d^n in'n M6rs heb, den schtt ik em in de Träv. 
Lik mi in'n Mors! 
Leid di af, Lappen! 

Dat kan Käi stn Kutscher von'n Buk ök. 

Dat is ök so'n Dink, dör kan man ök k^n Kat mit achtem Aben rüt locken. 
Dat is belemmert. 
Dat let so. 

Dat is lank nich so slim, as wen de Snider dün is un danst. 
He holt en Barch von mi. 

Gröt Krön is dat Hart von dat Water, G, K., ein Fischsugort der Trave, 
lieferte die meisten Heringe. 

He het sik an'n Swtnstroch schftrt. 

Ik fleit di wat. 

So fet fidelt Luks nich. 

Dör lür up! (Dör kanst lang up lüm.) 

Ik h6r em g&n. 

Du büst wol meschugge? 

Is nich, Meier! 

Käk mi Wlnsup, wen ik döt bün! 

Dat Mos kanst mi kaken, bleib mir damit vom Halse. 

Klei (kUr) di an'n Mors ! 

Ach wat Yedder un Frünt ! De k^n Gelt het, bltf mi von'n Wagen. 

IM em man krupen! 

Lät man wesen! 

Dör nich f8r! Ablehnung des Dankes. 

Wat geit di dat an? 

Dat geit al na de Roch, as de Rotten start't. 



42 

Dör licht Sw^p un Eteldök, nu h8d din Kö Bulben! 

De Sn geit hü, de anner hot. 

De strtt sik um Keisers Bort. 

Krischän, lät de Kat nich bi de Fisch gan! 

Jangens, wört ju ! Dat Bret, dat kümt. 

Na, den w8lt wi man dör bi, as de j^khöster bi'n K^s' !, die I'khhorster Torf- 
bauer^ beim Frühstück. 

He r£t mitn Belach, redet mit Nachdrtick. 

He het em an'n Föt reten — dat Or rein mäkt — de West ütswenkt — 
de Bost (dat Bostdök) löst — den Eop afkämt (wuschen), hat ihm die Wahrheit 



He het em dat Feber afschreben, auf andere Meinung gebracht. 

He het em dusich mlüd;. 

He snakt dörch de Blöm. 

He sprikt dörch de Bürr6s\ 

Dat is so gewis, as Amen in de Kark is. 

He het em en P vörschreben. 

He het em VÖrpal sl&n, *) Vorkehrung getroffen, ^) vorgearbeitet. 

He Sit em to Wräksft, fäOt lästig. 

Dör licht de Hunt begraben. 

He deit em dat to'n Profuncschen, zum Tort. 

He het em wat upn Stok dän, zum Schabernack. 

He is em verdwas kamen. 

He het em an'n Wagen f8rt — an de Krön stöt — upn Föt perrt. 

He büt Spitsen üt. 

He het em in'n Kiker, in Verdacht. 

De ön höt den annem Glipöch. 

Sunt al göt Lud, aber ön höt sik vör*n annem. 

Wi sunt al göt Nabers un al göt Frund, aber ön wört sik v8r'n annern. 

He het em öbem Milch fät, ausgezankt. 

He het em dat Utgelei geben — in de Sträng lücht — to Hüs lücht — de 
Bicht verhört — ütflÖt — ütrökert — dtbörst — ütbröcht — ütlücht — ütlümpt 
— ütlüt. 

He het dat polsche Utgelei kregen. 

Den heb ik göt upn Slarben bröcht. 

He het em to Pot set, abgetrumpft, 

Dat het he sik göt markt. 

Du büst mi ök en schönen Knappen (Lump). 

Dat sal di upgaren as fet Spek. 

Ik wil di wisen, wat en Hark is. 

De k&m di upn Knast, Buckel. 

Ik drük di to Appelmös. 

Ik gef di ön, dat du Süden umflüchst. 

Ik göf di ön an de Batteri. 

He het em ober Stür namen, gemisehandelt. (Ober Stür setten, zurücksetzen). 

Ik krtch di bi'n Slafitten (bi de Plünn) 

Se hebt em up de Tän fölt — de Bost kert — dat Fei gerft — de Ogen 
(de Snüt) verkllt. 

He het Dult, hat genug Strafe. 

He gift Dult, giebt sich zufrieden. 

ümstandswendungen. 

In de Lewarkstit, um 2 Uhr morgens. 

Ersten Dach, baldigst. 

Von ollen Egistem, von anno Tobak. 

Upn lankwilige Tit, auf lange Zeit. 

Dat is dre Vittel up de Büksenklap. 

Anno 1800 Krüch, as dat noch ken Buddel gef. 



43 

Von ür to Enn. 

Dicht bi'n sülbern Lepel, beinahe, hergenommen vati dem volkstümlichen 
Glücksspiele „Fisch, Vogel und Jumfer", 

Ik wän in Lübeck in de TwSrnsfadensträt Nummer Bintfaden. 

Mit Höt un Prük, ganz und gar. 

Upn doben Duns, auf leeres Gerücht, leichtfertig, 

Wetterregeln nnd -redensarten. 

In'n Märts nimt Moses de Balken ünnert Is rüt 

Vdr Jehanni k8nt wi al nich so t61 beden, na Jebanni kan't en ol Fru 
bi't Spinnen besorgen, nämlich Regen erflehen. 

Wen dor en strengen Winter is, wast N8t. 

Wen de heilige Krist en Bruch fint, so br^kt he se; fint he ken, so makt he 6n. 

Het Winachten en gr8n Klet an, den het Ostern en wit an. 

Euckuk un SöbenstSm k8nt sik nich verdregen. 

Wen de Kreien bleiern, schräge hin und her fliegen, gift dat Regen. 

Uns^ Hergot is quät; schikt ju man! hei anhaltendem Unwetter. 

Dat is kattendik, es. nebelt stark. 

Dat kl6rt dik vdr, die Wolken lichten sich. 

Dat klört dik up achter Eäselau, Gärtner in der Vorstadt S. Jürgen. 

Dat früst tuschen en Levespör hüt Nacht, es wird sehr kalt. 

Möller- un Bäckergesell sleit sik, es schneit stark und in grossen Flocken. 

Dat wart al gelinner. 

Dat schelt al en Jak, es ist merklich anders. 

Dat geit so isch^f, so lik, der Wind geht bald von Westen nach Süden, 
bald umgekehrt. 

De Dach gräwt al. 

De Sün geit to Go' (=» Gode) — to Rast. 

LÜBECK. Colmar Schumann. 



44 



Ein Sündenverzeiehnis des 15. Jh. 



Das hier zur Veröffentlichung gelangende Schema der sieben 
lasier und lügenden ist der helmstedt. hs. 894. in Wolfenbüttel ent- 
nommen, über die zuerst A. Lübben im Nd. Jb. 6. 70 angaben ge- 
macht hat. Diese giengen in G. 6r.^ I. 458. 3 über. Berichtigt 
und ergänzt wurde die beschreibung Yon Heinemann in: Hss. der 
herzoglichen Bibl. zu Wolfenbüttel. 1886. 11. 287. der schluss der hs. 
ist richtiger gelesen (ausgenommen . . . hora Vlla und das gebet für 
den Schreiber) die Überschrift: De dochtere der seuen etc. ist von 
Heinemann hinzugefügt (nicht ganz passend, weil die sieben tagenden 
keine haupttugenden sind, vgl. unten). C. Borchling: Mittelnd. Hss. 
in Wolfenb. Beiheft in Nachrichten d. k. gesel. d. w. zu Göttingen, 
ph. h. Gl. 1902 ergänzt Heinemann. 

Hinzufugen möchte ich, dass in der hs. 5 Schreiber sich unter- 
scheiden lassen. I. schrieb bl. 2— 89a. II. 89b— 91a. III. 91b bis 
93b. (94 ab leer). IV. 95a— 209b. (210 ab leer). V. 211a— 257b. 
Für Heinrich von Hansteyn als Schreiber kommt nur V. (sunte Eli- 
zabeten passie) in betracht. 

Das Schema der sieben laster enthalten bl. 89b — 91a. (91b — 93b 
folgt: ;,God het ghegheuen den mynschen seuen ghaue* etc., ein 
tractat, der mit dem Verzeichnis der laster im stofflichen zusanunen- 
hange steht). Jede seite ist mit drei senkrechten, mit schwarzer 
tinte gezogenen linien in 4 räume eingeteilt. 2. räum von rechts 
nach links nehmen die bezeichnungen : „De houart het ses dochtere, 
Dochtere des hates^ etc. oder: „Dochter der odmodicheyt" etc. 
3. die aufzählung der „Dochtere^ selbst ein. 1. und 4. sind leer. 
In der abschrift wurden abkürzungen aufgelöst und interpunktion 
eingeführt. 

Die aufzählung ist symmetrisch, der gruppe der laster entspricht 
als gegensatz die der tugenden; die letzte bildet eine auswahl aus 
sieben tugenden, Seligkeiten und gaben des hl. geistes. Es ist ein 
merkmal, das zuerst bei Th. Aquinas: Summa theol. II. 2q. auftaucht 
und oft widerholt wird, vgl. Nd. Jb. 17, 105 f. u. Zs. f. d. Alt. IX. 
68 f. Die Vorstellung der „ Dochtere **, einer jeden sünde entsprechen 
sechs abgeleitete, (ausgenommen „houarf und „hat^, wo fehlerhaft 
die beiden genannten auch unter den töchtern stehen), die auch unter 
dem namen „Manieren oder Specien^ aufftritt, ist bei sündenver- 
zeichnissen typisch, vgl. Nd. Jb. 17. 110 oder „Mittelniederdeutscher 
Katechismus" in Zs. f. d. Ph. XIII. 20, der der reihe der sünden 
nach offenbar, was der herausgeber nicht bemerkte, auf Petr. Lom- 



45 

bardus: Sentent. lib. IV. zurückgeht. Das eigentümliche des folgenden 
Verzeichnisses ist, dass es sich genau an die reihenfolge der haupt und 
teilweise der abgeleiteten sünden bei Gregorius Magnus in Moralia^ 
(Migne: P. lat. LXXVI. lib. 31. c. 45) anschliesst, und darnach auch 
die tugenden anordnet. Für die reihenfolge der töchter der tugenden 
ist mir eine entsprechende quelle nic'ht bekannt. 



(89b.) De houart het ses dochtere: (houart ersten) vnhorsam, 
berominge, dunkelgudicheyt, wedder kyuen, vormetinge, vorhardichejrt. 

Dochtere des hates: (had) scheldeword, vpropinge, vnwersami- 
cheyt, ynkel (?) honsprake, vpl(a)singe des herten. 

Dochtere des tomes: nydyscb, achter sprake, missehaginge, 
twidracht, wedder kurren, schrul. 

Dochtere der tracheyt: boscheyt, ynkel (?) vortzaginge, vor- 
twiuelinge, slakicheyt, wildicheyt. 

(90a.) Dochtere der gyricheyt: duue, roff, vorradinge, woker, 
geystlik woker symonie, meyn eyde. 

Dochtere des vratzes: unnutte spreken, dumheyt, vnreynicheyt, 
drunkenheyt, vnredelke vroude, lodderyge. 

Dochtere der vnkuscheyt: vorkrenkinge, gygen leue, (?) had 
goddes, Yorblindinge, vnstedichheyt, vnbetrachtinge. 

(90b.) Dochter der odmodicheyt: horsam, vornichte sek holden, 
eyntyoldichheyt, sek gerne raden laten, nicht wedder kyuen, vruchte 
goddes. 

Dochter der leue: gunst, ayndracht, louen ander lüde, mede 
frawen des guden, bedrouen mit bedueden, hedelnidinge? edder 
erquickinge. 

Dochter der gedult: Afbeydent, lichtmodicheyt, demotich, sach- 
tige Word, vrede des herten, vor[s]oninge. 

Dochtere der mildicheyt: barmherticheyt, bereyde to geuen, 
vorsmadinge tidlikes gudes, lefhebbinge des armodes, godlik andacht- 
nisse, willich armud. 

(91a.) Dochtere des vlites: vrolicheyt, geystlik vroude, sorch- 
voldicheyt der dogede, hittich to gode, to uorsicht to gode, vul- 
herdicheyt. 

Dochtere der meticheyt: hus ere, vnspilde, tomyn[nyn]ge, vratz 
myden, kortinge der spise nochterne, vlucht der drunkenheyt. 

Dochtere der kuscheyt: fchemen edder myden, bewaringe des 
herten, tucht in worden, vorwaringe der syne, spenginge, inbeldinge. 

WIEN. Joseph Fritz. 



46 



Paphahne als Münzname. 



Im 33. Bd. dieser ZeitBchrift (Seite 119—121) berichtet E. 
Schroeder über den Gebrauch des Wortes Paphahn als Münzname. 

Dieser Gebrauch ist urkundlich noch weiter rückwärts zu ver- 
folgen, als es in jenem Artikel geschehen ist. Im Jahre 1623 geschah 
auf der Landstrasse bei Gatersleben auf Halberstädter Gebiet ein 
Raubanfall. Anhaltische Reiter nahmen einem Fuhrmann ausser einem 
Posten Waren an barem Geld 38 Pfund 2 Lot ;,gute Groschen*^ und 
26 Pfund Schreckenberger. Diese Schreckenberger werden auch als 
^KippgeW, sowie als ^^leichte*' Schreckenberger bezeichnet, ^wie 
man sie vor zwei Jahren münzte^ (also in der schlimmsten Kipper- 
zeit). Die Soldaten aber nennen sie in ihren Aussagen „Paphaneti". 

Hieraus ergibt sich die Tatsache, dass bereits im Jahre 1623 
das Wort „Paphahne" eine unter den Soldaten allgemein bekannte 
Bezeichnung für Schreckenberger war. Das Wort ist nur in den 
Prozessakten über den Gatersleber Raub nachweisbar, und zwar 
nur in der Wiedergabe der Aussagen, die die Soldaten gemacht haben. 
In dem sonstigen umfangreichen Aktenmaterial aus jener Zeit habe 
ich unter den zahlreichen Münzbezeichnungen das Wort Paphahne 
nicht wiedergefunden. 1) 

Irgendwelche Beziehungen zu Mecklenburg sind aus den Akten 
nicht ersichtlich. Die Soldaten, die jenen Ausdruck gebrauchen, 
stammen aus Eursachsen, Anhalt und dem Erzstift Magdeburg (Halle). 
Auch sind es fast ausschliesslich junge Leute, die ihren ersten Feld- 
zug mitmachen; nur einer hat bereits in Böhmen und Ungarn gedient; 
einer ihrer Spiessgesellen ist in der Pfalz kassiert worden. 

Da „Schreckenberger^ synonym ist mit Engelgroschen, so hat 
vielleicht der Engel, der auf diesen Münzen den sächsischen Kur- 
Schild hält, die Veranlassung zu dem Spottnamen gegeben. Wie es 
kommt, dass die Bezeichnung Paphahne dann später auf eine mecklen- 
burgische Münze übertragen worden ist, bedarf weiterer Untersuchung. 

Eine andere Spur weist nach Schlesien. Friedrich Lucae bringt 
in seiner schlesischen Chronik 2) folgende Anekdote: „Anno 1617 als 
in Schlesien die Müntz-Confusion einreissen wolte, und die sogenannte 



1) Die Akten befinden sich im Herzogl. Anhalt. Haus- und Staatsarchiv /u 
Zerbst. Eine eingehende Darstellung des Prozesses habe ich gegeben in: Die 
Landverteidigung im Fürstentum Anhalt von der Auflösung der Union bis zum 
Einmarsch der Kaiserlichen. Mai 1621 bis Januar 1626 Leipzig, 1906. 

') Lucae, Fr id., Schlesiens curiose Denkwürdigkeiten oder vollkommene 
Chronica von Ober- und Nieder-Schlesien etc. Frankf. a. M. 1689, 2 Bde. 4<>. II, 2219. 



47 

Sechsffroschn^ oder Paphäne in Schwang gingen, verkauffte ein Bauer 
in der Stadt Jauer einen Scheffel Korn vor zehen Thaler solcher 
Paphäne, verfugte sich zum Goldschmid, begehrende, er solte ihm 
diese zehen Thaler verschmeltzen und davon das Silber abziehen. 
Der Goldschmied schmeltzte die Müntze, und zog nicht mehr als 
nur vor einen Heller Silber . herauss : nun wolan, fprach der Bauer, 
dieses will ich zum ewigen Gedächtnuss verwahren, und es auff- 
schreiben lassen, damit meine Kinder nach meinem Tode sehen, dass 
ich einen Scheffel Korn umb einen Heller verkauft habe^. 

In der Darstellung, die Lucae von der Münzgeschichte Schlesiens 
gibt, erwähnt er den Namen ^ Paphäne^ nicht. Von einer anderen, 
kleineren Münze, die Ferdinand H. prägen Hess, dem „Gröschle^ 
(4=1 Kaisergroschen; 120 = 1 Reichstaler, 90 = 1 Schles. Thaler) 
bemerkt er, dass sie |,die Lausnitzer insgemein Flädermäuse nennen. ^i) 

Unter den Münzspitznamen, die Friedensberg in seiner Schlesischen 
Münzgeschichte^) anführt, befindet sich das Wort Paphäne nicht. 

Zum Schluss noch einige weitere Gründe für die Identität von 
Paphahn und Papagei. Italienisch pappagallo; 2. Bestandteil gallo, 
der Hahn, cf. 0. Schade, Altdeut. Wörterb. (Halle, 1866) unter 
papegän. Schmeller, Bayerisches Wörterb. (München, 1872) I führt 
an: Papagallus vocatur sittich (1460). 

WIESBADEN. Franz Heimann. 



1) Lucae, II, 2121. 

'j Friedensberg, F., Schles. Müiizgesch. im Mittelalter. Cod. dipl. 
Silesiae 13. Bresl. 1888, 99, 100, Anm. 1. Oers., Schlesiens neuere M^^^^S^^^^- 
Cod. dipl. Silesiae 19. Bresl. 1899, 28. 



48 



Punnperniekel. 



Die ZuBtimmung, welche meine Deutung des Wortes Visemattenten 
(Nd. Korr.-Bl. 25, Nr. 6) gefunden hat, ermutigt mich, auch die 
Deutung eines andern vielumstrittenen Wortes zu versuchen : wir alle 
kennen den Pumpernickel, aber aus welchem Grunde man dem groben 
westfälischen Schwarzbrote den Namen Pumpernickel gegeben hat, 
darüber giebt es zwar eine Menge von Vermutungen und Erklärungs- 
versuchen, aber keine nur einigermassen stichhaltige. Da ist zuerst 
die witzige Auslegung von Schuppius: „Bon pour Nicol^^ gut für 
den Nickel, worunter ein kleines schlechtes Pferd verstanden werden 
soll; Pumpernickel wäre also gutes Pferdefutter. An einer andern 
Stelle bringt Schuppius das Wort Bompur-Nickel mit Pumper, dumpfes 
Geräusch, pumpern, pumpsen (lat. bombisare) und Nickel = grober 
schlagsüchtiger Niclas zusammen. Von dem schlechten Pferde oder 
dem bösen Kerl soll man dann das Wort auf das Brot wegen seiner 
Grobheit übertragen haben. Das ist doch kaum glaublich, denn wie 
käme man dazu, diese Begriffe gerade mit einem Gebäck zu verbinden, 
da sie doch ebenso gut und ebenso schlecht auf vieles andere, z. B. 
schlechtes Essen und Trinken aller Art, Steine, Wasser, ja sogar auf 
eine Tracht Prügel passen. 

Man hat das Wort auch von bonum paniculum ableiten wollen, 
wonach es liebes, gutes Brötchen, das man armen und kranken Leuten 
aus Barmherzigkeit gab, bezeichnen soll. Aber abgesehen davon, 
dass es dann bonus paniculus heissen müsste, weil panis ein Mascu- 
linum ist, und dass aus paniculum ein deutsches Neutrum werden 
müsste, während es doch niemals das P., sondern stets der P. heisst, 
so taugt auch diese Erklärung nichts; es wäre doch auch viel rich- 
tiger, gutes feines Weissbrot, das für Kranke viel besser passt, so 
zu nennen. 

Mit einem grossen Aufwände sonderbarer Gelehrsamkeit hat 
i. J. 1825 der damalige Director des Gymnasiums zu Dortmund J. 
W. Kuithan die Erklärung des Wortes P. versucht. Damach ist 
^der Westphälische Pumparnikel das in Westfalen oder vielmehr 
in dem dort zwischen Siegen und Bremen, zwischen dem Rhein und 
den Lippischen Gebirgen übliche Roggenbrot. Nach der blossen 
mündlichen Aussprache lasse sich nicht unterscheiden, ob wir richtiger 
Pumparnikel oder Pumparnikel oder Pumpernikel schreiben. „Ich 
kann aber,^ sagt K., aus dem Namen selbst beweisen, dass der Aus- 
druck eine Bedeutung hat, die vollkommen zur Bedeutung desselben 
passt, und ganz besagt, was es seiner Natur nach sein soll. Wer 



4Ö 

denkt aber bis auf den gegenwärtigen Augenblick an diese Bedeutung, 
an diesen Ursprung des Wortes und an die Möglichkeit eines solchen 
historischen Ergebnisses, als darin liegt, sowohl für Westfalen, wo 
sich die Sache erhalten hat, als für ganz Deutschland, wo der Name 
noch üblich ist? — Adelung sagt: ^„Der Pumpemikel ist die Be- 
nennung des grossen Brotes der Westphälinger bis zu 36 Pfund 
Kölnisch, welches aus zweimal geschrotenem und nicht gesiebtem 
Roggen, der also seine Kleie bei sich behält, bereitet wird. Indessen 
ist diese Benennung in Westphalen selbst nicht üblich (doch allgemein 
bekannt), wo man dieses Brot grobes Brot zu nennen pflegt, sondern 
sie ist nur bei den Nachbarn, wozu denn aber auch di0 Westphälinger 
gehören, die auch Schwarzbrot, nur nicht von der Grösse backen, 
und Ausländern im Gange. Um dieses Umstandes willen kann es 
sein, dass diese Benennung einen scherzhaften Ursprung hat, und die 
gemeinste Meinung ist, dass sie von einem durchreisenden Franzosen 
herrühre, welcher in Westfalen Brot gefordert, bei dessen Erblickung 
aber gesagt habe, dass es bon pour Nickel sei, da denn einige hin- 
zusetzen, dass sein Bedienter Nickel geheissen habe, andere aber 
unter dem Wort Nickel ein kleines Pferd verstehen. Doch die Ab- 
leitung sieht einem Mährchen sehr ähnlich, ob sie gleich manchem 
wichtig genug erscheinen mag, um ihretwillen die ganze Schreibart 
des Wortes, der gewöhnlichsten Aussprache zuwider, zu ändern und 
Bompemikel zu schreiben. Brauchte man ja eine possirliche, auf 
Mnthmassung gegründete Ableitung, so könnte man auf das in den 
niedrigsten Sprecharten übliche Pumper, von einem Winde aus den 
Gedärmen rathen, weil dieses grobe Brot, wegen der noch bei sich 
habenden Kleien, einem ungewohnten Magen leicht Blähungen verur- 
sachen kann. Nickel ist in den gemeinen Sprecharten oft eine ver- 
ächtliche Benennung eines jeden Dinges. ^^ 

Kuithan sagt aber: i,Auf solche Thorheiten, auf solche Unan- 
ständigkeiten, die nicht im Geiste des Volkes sein können, verfiel man, 
weil man nur das deutsche verglich und jeden ähnlichen Laut ohne 
passende Bedeutung, und jede noch so junge und widersinnige Sage 
bei der Erklärung zu Hilfe nahm. Und wie die Beschaffenheit der 
Sache selbst in der Beschreibung auch geistreicher Ausländer oft 
entstellt wird, sieht man an Voltaire, der als er durch Westphalen 
nach Berlin fuhr, von der Nahrung der Einwohner dieses Landes 
nichts anderes zu sagen fand, als „une certaine pierre dure, noire 
et gluante, composee ä ce qu^on dit d^une espece de seigle, est la 
nourriture des maitres de la maison.^ 

Der Pumpernickel ist also damals schon eine Herrenspeise, kein 
Notgebäck gewesen; die Erzählung also, es sei bei Gelegenheit einer 
Hungersnot im Jahre 1400 vom Magistrat in Osnabrück gebacken 
worden, ist also gewiss nicht ganz richtig. Über den Namen des 
Turmes, wo das Brot gebacken wurde, soll weiter unten gesprochen 
werden. 

Kuithan selbst leitet Pumparnikel von paniculus ab, ohne Rück- 

NiederdentBohefl Jahrbuch XXXV. 4 



50 

Sicht darauf, dass man ein 36 ff schweres Brot doch wohl kein 
Brötchen nennen wird. In die Mitte des Wortes soll ein r einge- 
schoben und vor den Anfang desselben eine Beduplication gesetzt 
sein, wie im Griech. Tzi^fJKpnif.i ; panis sei dasselbe wie das Messapische 
Travo;, das ja auch Brot bedeute. Bei Homer komme zwar noch keine 
Diminutivendung -xu>.o; vor, die der lateinischen -culus entspräche; 
diese Endung sei aber Yorhomerisch. Wenn man also das deutsche 
Wort Pumparnikel ins Griechische übersetzen wolle, so müsse man 
7cu[i.7rapvijcu>.o; sagen. — Hiernach müsste das Wort Pumpernickel 
unter Beihilfe der alten Griechen schon in vorhomerischer Zeit ge- 
bildet sein. Das ist Kuithans verwegene Jagd auf die Deutung des 
Wortes Pumpernickel. 

Nach einer andern Erklärung des Wortes ist P. zuerst so in 
der Stadt Osnabrück genannt worden. Dort habe bei einer Hungers- 
not um 1400 der Magistrat für die dortigen Armen Brote backen 
lassen und habe diese bona panicula genannt, woraus im Yolksmunde 
durch Verdrehung das Wort Pumpernickel entstand. Der Turm, in 
welchem das Brot gebacken wurde, in der Nähe der Hafermühle oder 
Pemickelmühle, heisst heute noch der Pernickelturm. (Vgl. Brock- 
haus' Konversations-Lexikon s. v. Pumpernickel.) 

Leider wird nicht zugleich gesagt, wie der Turm zu seinem 
wunderbaren Namen gekommen ist. Hat man ihn nach dem Brote 
genannt, so ist weder der Name des Turmes noch der des Brotes 
erklärt. Oder sollte der Turm nach seinem Erbauer genannt sein, 
wie nach der Volksmeinung fast alle Städte, deren Namen man nicht 
erklären kann, nach ihren Erbauern benannt sein sollen? Jedenfalls 
ist bisher noch keine befriedigende Deutung des Namens Pernickel- 
turm bzw. Pernickelmühle gegeben worden. Man weiss nicht einmal, 
wann und von wem diese Namen gegeben worden sind; nur soviel 
scheint sicher zu sein, dass die Namen des Turms und der Mühle 
älter sind als der Gebrauch des Wortes Pumpernickel in dieser Gegend. 
Der ursprüngliche Name war grobes Brot, und erst seit dem 17. Jhd. 
ist der Name Pumpernickel allmählich in Aufnahme gekommen. 

Überblicken wir jetzt das Ergebnis dieser Deutungsversuche, so 
wird es schwer begreiflich, wie Andresen in seinem Büchlein über 
deutsche Volksetymologie S. 45 sagen kann: ;,Die Auslegung des 
Wortes Pumpernickel, dessen wahrer Ursprung heute keinem Zweifel 
unterliegt (vgl. Wackernagel Germ. 5, 850 fg. Woeste in Frommanns 
Ztschr. 3, 373. Weigand Wtb. 2, 434. Staub, das Brot (Leipzig 
1868) 119 fg. Hüffer in Picks Monatschr. f. rhein. westf. Gesch. 2, 
272 fg.) als hon pour Nicol, wird nicht aus dem Volke herrühren, 
sondern scheint auf einem Witz zu beruhen.*' Andresen scheint also, 
wie auch aus Weigand HI. Aufl. S. 406 hervorgeht, die Zusammen- 
setzung aus Pamper und Nickel für zweifellos richtig zu halten. Mir 
scheint der Name des Turms Pernickel dagegen zu sprechen, denn 
wenn in dem Namen des Brotes der Name Nickel steckte, so würde 
doch wohl der Anklang an Nicolaus dazu geführt haben, ihn Nicolai- 



51 

türm zu nennen. Andere gegen diese Deutung sprechende Gründe 
sollen im Folgenden noch geltend gemacht werden. 

Da alle Versuche, das aus Pumper und Nickel zusammengesetzte 
Wort zu deuten, vergeblich waren und auch m. E. aussichtslos sind, 
habe ich den Versuch gemacht, ob nicht die Zerlegung in Pernickel 
und eine dazu passende Vorsilbe zu einer besseren Erklärung führe. 
Auf diesen Weg deutet manches hin, z. B. 

An dem P. genannten Brote fällt zunächst seine Farbe auf: es 
ist ganz schwarz, während das sonst Schwarzbrot genannte Gebäck 
noch ziemlich hellgrau ist. Schwarz heisst auf Latein niger, ganz 
schwarz oder recht tüchtig schwarz heisst perniger. Die Präposition 
per dient ja auch bei Cicero ganz gewöhnlich zur Verstärkung des 
Begriffs, z. B. in perabsurdus, peracer, perangustus, permagnus usw. 
Oculi pernigri kommen im Poenulus des Plautus vor. Dass das r am 
Ende des Wortes in l übergehen kann, sehen wir an vielen Beispielen: 
vgl. mhd. hadel, nhd. Hader; mhd. martel und marter, nhd. Marter; 
miat. mortarium, frz. mortier, nhd. Mörtel; mhd. dörperie, nhd. 
Tölpelei; mhd marmor, nhd. marmelstein; lat. morus, ahd. murpoum, 
nhd. Maulbeerbaum; lat. prunus, ahd. phruma, nhd. Pflaume; lat. 
peregrinus, nhd Pilgrim. Aus perniger konnte also sehr wohl pemigel 
werden, und so finden wir in der Tat im Kärntischen Wörterb. von 
Lexer die in Kärnten gebräuchliche Form pumpernig'l, und im 
Schweizerischen Idioticon 4, 707 wird die Redensart ^den pumper- 
niggle (den Hintern) schlagen** aufgeführt. 

Im Tirolischen Idioticon von Schöpf wird eine plumpe dicke 
Person, auch ein dickes Kind, ein pumpernigk'l genannt, und ebenso 
findet sich in Schmellers bayrischem Wörterb. 1^, 392 die Form 
Pumpernickel in derselben Bedeutung wie in Tirol. Das aus niger 
entstandene Wort nigel hat also denselben Lautwandel durchgemacht 
wie echt deutsche Wörter, die ihr stammhaftes g in gg und ck ver- 
wandeln, z. B. sagen — mnd. und niid. seggen, schwingen — schwenken, 
springen — Sprenkel, biegen — bücken, schmiegen — schmücken, 
neigen — nicken, gediegen, gedeihen, dicht, dick; ahd. slahen, nhd. 
schlagen, mnd. slagge, d. h. beim Schlagen abspringende Metallsplitter, 
nhd. Schlacke; ebenso nd. bei Reuter Hanne Nute 5 slagen und 
rein von Slack un Slir. So kann denn auch der bis jetzt noch nicht 
erklärte Name des Pernickelturmes in Osnabrück sehr wohl auf latein. 
jiemiger zurückgehen. In welchem Zusammenhange der Name des 
Turmes mit der Hungersnot steht, die im Jahre 1400 oder 1540 in 
Osnabrück geherrscht haben soll, will ich gern der örtlichen Forschung 
überlassen, die allerdings bisher eine einigermassen befriedigende 
Erklärung des Namens Pernickel noch nicht erbracht hat. 

Wie die Porta nigra in Trier, so könnte der Turm auch nach 
irgend etwas ganz schwarzem benannt worden sein. Was mag das 
nur sein? — Nun, das Brot, das dort gebacken wurde, war ja nicht 
nur Schwarzbrot, es war ganz schwarzes Brot. Und es war Brot, 
lat. panis, abgekürzt pan; wie z. B. in Marcipan, frz. massepain, ital. 

4* 



5^ 

marzapane; mit demselben Worte zusamraenhäDgend panade, die Brot- 
suppe, panieren = mit geriebenem Brot bestreuen usw. So kann also 
das ganz schwarze Brot von gelehrten Leuten panis pemiger, ab- 
gekürzt pan. perniger genannt und so in die Bücher und Verzeichnisse 
der Naturallieferungen eingetragen worden sein. Aus dem pan. pemiger 
der Gebildeten konnte im Volksmunde ein pan. pemickel, dann durch 
einen Scherz ein Pumpernickel werden, geradeso wie aus Babenberg 
— Bamberg, aus aneboz — Ambofs, aus Tannenbach — Tambach, 
aus Hindbeere — Himbeere, aus entbor — empor, aus Wintbra — 
Wimper, aus Jan primus — Garabrinus geworden ist. Der Übergang 
des n in m vor dem Lippenlaut p veranlasste dann, dass man die 
ursprünglich zu zwei verschiedenen Wörtern gehörenden Silben pam 
und per als ein selbständiges Wort betrachtete, dass man also das 
ursprünglich aus 1 + 3 Silben bestehende Wort in 2 zweisilbige, pamper 
und nickel zerlegte, und dass schliesslich, nachdem die ursprüngUche 
Bedeutung des Wortes völlig verloren gegangen war, aus pamper, das 
für sich allein keine selbständige Bedeutung hat, pumpeif gemacht 
wurde, das so gemütlich klingt, leicht nachzusprechen ist und wegen 
der vielen Vorstellungen, die sich an das Wort Pump und seine 
Ableitungen heften können, zu manchem Witz oder Scherz Veranlassung 
gab und durch Weitererzählen Verbreitung fand. Als Erfinder und 
Verbreiter solcher Scherze denke ich namentlich an studierte Leute, 
gelehrte Mönche, Geistliche, Gerichtspersonen, die, stolz auf ihre 
Kenntnis der lateinischen Sprache, etwa in ihre Wirtschaftsbücher 
die Gefälle ihres Amtes in lateinischer Sprache eintrugen, z. B. pan. 
pemiger, und scherzend daraus Pampemickel oder Pumpernickel 
machten, oder auch an fahrende Schüler, die, zu derben Scherzen 
aufgelegt, von den Magenverstimmungen, die der Genuss des pan. 
pemiger herbeigeführt hatte, drollige Sachen zu erzählen wussten. 
Die Verdrehung in Pumpernickel konnte überall erfolgen, wo man 
ein grobes schwer im Magen liegendes, ganz schwarzes Brot buk, 
also nicht nur in Westfalen, sondern auch in Bayern, Kärnthen, in 
der Schweiz und Tirol. Das Wort ist also, wie auch Adelung betont, 
nicht besonderes Allgemeingut der westfälischen Sprache, sondern es 
ist in diese erst hineingetragen worden, wahrscheinlich aus Süd- 
deutschland, wie die frühen und vielfachen Erwähnungen und die 
nachweisbare Fortbildung des g zu gg, gk und ck es vermuten lassen. 
Der letztere Grund ist auch zugleich ausschlaggebend für den Beweis, 
dass die beiden letzten Silben ;,nickeP weder von Nicolaus noch 
von dem weit hergeholten engl, nag, das ein elendes kleines Pferd 
bedeutet, abgeleitet werden können, denn zu Nicolaus hat es in Süd- 
deutschland niemals eine Nebenform mit g, etwa Nlg^l, gegeben, und 
wie nag sich zu nigg'l, nigkl, Nickel entwickeln könnte, ist ebenfalls 
schwer einzusehen. Alles das spricht dafür, dass nickel aus niger 
sich entwickelt hat und in der Form pemickel ist es auch höchst- 
wahrscheinlich nach Osnabrück gekommen, wo etwa auf den Vorschlag 
eines gelehrten Herrn, der aus Süddeutschland dort eingewandert und 



53 

zu Ansehen gekommen war, der Turm, in welchem das ganzschwarze 
Brot gebacken wurde, Pemickelturm genannt worden ist. Wäre damals 
das Wort Pumpernickel schon im allgemeinen Gebrauch gewesen, so 
würde man den Turm wohl Pumpemickelturm genannt haben. 

Für die des Latein Unkundigen aber hatten die beiden letzten 
Silben einen Sinn, denn das Wort Nickel war ihnen auch sonst ver- 
ständlich. Was war natürlicher, als dass sie für die beiden ersten 
Silben, die zuerst ja Pamper lauteten, auch ein Wort suchten, bei 
dem sich etwas denken liess. Und welch eine Reihe von Vorstellungen 
liess sich mit dem Wortstamme Pump verbinden! 

1. der Pump = ein dumpfer Schlag. 

2. „ » = Borg, das Herausschlagen einer Anleihe. 

8. die Druck- und Saugepumpe zum Heraufholen von Flüssigkeiten, benannt 
nach dem damit verbundenen Geräusch. 

4. pumpen = an oder mit einer Pumpe arbeiten. 

5. „ — Geld verborgen. 

6. Pumps as dumpfer Schlag. 

7. „ = Bauchwind. Als Beleg führe ich folgenden Reim an, der mir 
aus der Kinderzeit her noch erinnerlich ist: 

Es war einmal ein Mann, 
Der hiesö Pump-Hann, 
Pump-Hann hiess er, 
Grosse F . . . . liess er. 

8. pumpsen bedeutet nach Kaltschmidt Wb. dasselbe wie bumsen, dumpf 
schallen oder dumpfen Schall verursachen, farzen, prügeln, kacken, pupen, 
sich eatladen. 

9. pumpern, bubbern, südd. pöpperlen = Lust haben zu klopfen, zu schlagen, 
zu pochen. Das Herz pumpert oder puppert, klopft in hörbar unruhiger Bewegung 
(Weigand Wb.). 

10. Pump zu lat pompa, feierliches Gepränge, z. B. Pumphosen = 

Pomphose, Pluderhose, auch Hosen, die hinten zugeknöpft werden. 

11. pumplig, schlecht (zu weit) sitzend, von Kleidern. 

12. pumpliges Wesen, unbeholfene gar zu umständliche Vorbereitungen. 
18. der Pummel, ein dickes Kind. 

14. der Pump, Pumpel, ein kleiner dicker Mensch. 

15 Pumpermette, Poltermesse, die Nachmittagsmesse am grünen Donnerstage. 

16. der Pumperholdi, ein Liebhaber der sich füttern lässt. vgl. Kalt- 
schmidt Wb. 

17. der Pumpernickel als Bezeichnung eines Mannes, der nur noch pumpern 
(pumpsen) kann, der schwach, unvermögend ist, für den man in der Mark auf dem 
Lande die unbarmherzige Bezeichnung „en oller Messmaker*' hat. In diesem Sinne 
durfte der Seufzer einer Frau aufzufassen sein, den Grimm unter P. anführt: 

Ach hätt' ich doch zu dieser Zeit, 
Als mich mein Pumpernickel freit. 
Genommen einen Bettelmann, 
Ich hätte besser getroffen an. 

Dieser vieldeutige Wortstamm Pump .... ist, wie ich für höchst 
wahrscheinlich halte, an die Stelle von pan-per, pamper, an die Spitze 
des Wortes getreten, und es fragt sich jetzt, was wahrscheinlicher 
sei, sich das Wort aus Pumper + Nickel zusammengesetzt zu denken, 
oder aus pum (bzw. pam oder pan) -|- perniger. Da historische oder 
litterarische Urkunden fehlen, so kann nur nach der Stichhaltigkeit 
der Gründe, die für das Eine oder das Andere sprechen, und nach 
dem Gewicht der Gegengründe geurteilt werden. Zuerst kommt in 



54 

Betracht, welche verschiedenen Bedeutungen das in verschiedenen 
Gegenden und bei verschiedenen Gelegenheiten gebrauchte Wort P. hat. 
Grimm sagt im Wb. unter Pumpernickel und Bompurnickel : 
^Das Wort scheint ursprünglich einen lebhaften, lustigen oder pol- 
ternden, pumpernden Kobold bezeichnet zu haben, woraus sich die 
übrigen Bedeutungen leicht entwickeln konnten: 

1. Em kleines lebhaftes Kind .... (Im wiszbadischen Wiesenbrunnlein i. J. 
1610 wird der Floh ein luftspringender Bompernickel genannt.) Ein kleines, dickes 
gedrungenes Persönchen, dann überhaupt eine plumpe dicke Person. 

2. Ein Polterer, ein ungeschlachter, grober klotziger Mensch. 

3. Ein wildlustiges obscoenes Lied, ein Gassenhauer. Vgl. Stöber, Sagen 
2, 177, 339: In Weissenburg, wo man den Pumpernickel in der Kirche singt 
Auch eine Tracht Prügel wird als Süddeutsch ausgegeben, z. B. einem den Pumper- 
nickel verschlagen, d. h. den Hinteren (von dem das Pumpern ausgeht). Vgl. H. 
Fischer, Schwab. Wb. Bd. I 6. 1519. 

4. Auch in dem Schweizerischen Idioticon 4, 707 findet sich die Redensart 
„pumperniggle schlagen". 

5. Das schwarze Brot in Westfalen. In dieser Bedeutung findet es sich 
bei Günther 1723, Siegfried von Lindenberg, Gleim, Moser, H. Heine. 

6. Im Hennebergischen ist P. ironische Benennung für ein festes ungeniess- 
bares Brot. 

7. Im Wörterbuch von Moritz Heyne wird Grimms Vermutung (Gr. sagt ja 
nur scheint), dass P. einen Kobold bedeute, als sichere Wahrheit hingestellt: P. 
ist die Bezeichnung eines polternden Kobolds, dann eines kurzen ungeschlachten 
Menschen usw. übertragen wohl zunächst in Soldatenkreisen des dreissigjährigen 
Krieges auf das grobe westfälische Brot: 

Heisst Marcipan Soldatenbrot, 
So essen's nur die Grossen; 
'Der arme Knecht der mag sich nur 
Am Pumpernickel stossen. Logau 2, 149. 

8. Bei Schmeller Wb. I, 892 finden sich die Worte emes Eiferers: 
Singen höre ich wohl, aber nicht aus Davids Psalmen; den liederlichen 

Pumpernickel hört man und dazu läutet man mit allen s v. Sauglocken 

Wo es Brauch ist, legt man die Kühe ins Bett und singt den Pumpernickel in 
der Kirche. 

9. D. Martin, Parlement nouveau, Strasburg 1637 sagt: Es ist ein jeder 
der Bon-pere-Nicola (Bompernickel) krumme Pfaff. 

Hiermit dürften alle Bedeutungen, die man dem Worte P. untergelegt hat, 
erschöpft sein. Für die Erklärung des Wortes ist aber ausserdem von Wichtigkeit : 

10. In mittelhochd. Wörterbüchern kommt das Wort P. nicht vor. 

11. Frisch (um 1740) kennt nur die Bedeutung „eine Art dickes schwarzes 
Brot in Westfalen«. 

12. Alle Belegstellen, die von Grimm, Heyne, Schmeller usw. angeführt 
werden, gehen nicht über Schuppius und Logau d. h. über die Zeit des dreissig- 
jährigen Krieges hinaus, und Logau versteht unter P. nur das Gebäck. 

13. Grimm sagt s. v. Bompernickel: „panis Westfalorum ater, kommt aber 
erst im 17. Jhd. verzeichnet vor, wird aber älter sein." 



Ist nun Grimms Vermutung richtig, wonach das ganze Wort 
gleich fix und fertig geprägt erschienen sei und sofort einen lustigen 
Kobold bedeutet habe, so müsste es an den Namen Nickel, Nicolaus 
angeschlossen werden. Dieser Name soll zwar nach Heintze (Deutsche 
Familiennamen S. 179) in Bayern auch Niggl lauten; dass aber aus 
Nickel sich nIgU entwickeln könnte, da doch in Kärnten pumpernigl 



55 

vorkommt, ist nicht aDzunehmen, denn auch in Bayern findet sich 
nach Schmeller 1^ 392 nur die Form pumpernickel als Benennung 
einer plumpen dicken Person, besonders eines dicken Kindes. Auch 
bliebe bei dieser Erklärung unerklärt, wie es kommt, dass das Wort 
jetzt fast ausschliesslich das Brot bedeutet und die immerhin etwas 
duftende Nebenbedeutung, die an den Silben Pumper haftet, nur 
vielleicht in scherzenden Redewendungen noch vorkommt. Schliesslich 
spricht auch der Umstand sehr stark gegen diese Deutung, dass der 
Name Pernickelturm, der doch jedenfalls mit dem Worte Pumper- 
nickel zusammenhängt, unerklärt bleibt. Auch von dem Treiben eines 
Instigen Kobolds dieses Namens weiss keine Sage, kein Märchen etwas 
zu berichten, auch wäre in diesem Falle der Zusammenhang mit dem 
Brote durchaus rätselhaft. Also die Erklärung Pumper •+- Nickel ist 
unannehmbar. 

Alle diese Bedenken schwinden, wenn wir das Wort Pumpernickel 
als aus pan — pam — pum 4- pernickel entstanden betrachten. Dass 
dieser Lautwandel, diese Entwickelung nach sprachlichen Gesetzen 
erfolgen kann, ist, wie ich im Vorstehenden nachgewiesen habe, 
zweifellos. Dass dies Wort von gebildeten Leuten in Süddeutschland 
auf das schwere schwarze Brot geprägt ist, und allmählich seinen 
Weg nach Norddeutschland gefunden hat, wo es zunächst am Brote 
haftete, dürfte gleichfalls nicht bestritten werden können, ebenso wenig, 
wie für P. unzweifelhaft seine lateinische Benennung panis perniger 
zutreflfend ist. Die scherzhafte Umgestaltung des Wortes Pampernickel 
in Pumpernickel, bei welcher der Zusammenhang mit niger nach und 
nach dem Bewusstsein so entschwand, dass man sich das Wort aus 
Pumper + Nickel zusammengesetzt dachte, gab dann Veranlassung 
zu allerhand Scherzen, die sich an das Wort Pumper anschlössen oder 
damit in Zusammenhang gebracht werden konnten. Es ist ein ähn- 
licher Vorgang, wie die Verdrehung der Namen mancher Arzneimittel, 
dass man z. B. statt Diachylon-Pflaster — Diaconus-Pfl., statt flüch- 
tiges Liniment — fliegendes Element, statt unguentum neapolitanum 
— umgewendten Napolium, statt arquebusade — arge Pussade sagt. 
Ebenso hat man auch das lateinische pan(is) perniger, die treffliche 
Benennung des ganz schwarzen Brotes, in das vieldeutige, drollige und 
derbe ;, Pumpernickel" verdreht, und nur der Name des Pernickelturmes 
in Osnabrück, wo das ganz schwarze Brot gebacken wurde, weist 
unverkennbar auf den lateinischen Ursprung des Wortes hin. 

^BERLIN— Wilmersdorf. Aug. Grabow- 



56 



SpriehTvörter und Redensarten 
aus Lippe.*^ 



Wer A säggt, mot äak B sQjjen. 

Oin Ackersmann sajjet sick wal grüis, Qwwer uich wüis (weise). 

Da sick anboit (anbietet), denn süin Läun was nich graut. 

lut anner Luien Fell es geut Rgimen schnüien. 

Will et anners maken — säggt de Schmett (anders, aber nicht besser). 

Da Appei ikWi nich wüit van 'en Stamme. 

Da April doit, wat hgi will. 

Wer schgiten sali, mott lahn, wer arb^jjen sali, mot eeten. 

Wer nenne ArbQJjet hätt, makt sich wecke. 

Arm in £hren äs better gsse rüik in Schanne 

Armeut es nenne Schanne. 

Armer Luie Kälwer un rüiker Luie Döchter kommt bäule an 'en Mann. 

Wenn seu 'n armen Duiwel nicks h&bben sali, verlast bgi dat Braut iut 
'en Sacke. 

Armer Laie Pannkeuken an rüiker Luie Krankheiten riuket glüik wüit. 

Mött 'en Äujen iut 'en Brgiwe (Brief), mett 'en Hennen iut 'en Gelle 
(Geheimnis). 

Wer de Äajen nich gppen hätt, mott 'en Buil gppen häulen. 

Man mott de Äujen ehr (oder) den Buil upmaken. 

Datt Äuje will äuk wat häbben — see de blinne Jakob, qs bgi 'n wacker 
Meeken fri^e. 

Iut 'en Äujen, iut 'en Sinn, Iut 'en Härten, dat es minn (minderwertig). 

Wat datt Äuje nich suit, begehrt dat Herte nich. 

Da hgert 9II teu 'n äulen Üisen (Eisen). 

H^i kann sick oll teu 'n äulen Üisen reeken. 

Et es nenn Werk für 'n äulen Keerl, harte Nötte teu knacken. 

Wenn äule Peer anfanget te läupen, dann es 'er nenn Häulen maier. 

Hpi lehrt et nich, un wenn 'e hunnert Johr äult werd. 

Twisken Austern un Sünte Vüit (Veit) Es de beste Bottertüit. 

Hgi es näu nich dr^ije achtem Äwwem (Ohren). 

Bachelmgi — (Bartholomäus) Schutt de Hawer in 'e Kngie. 

Tijen 'en Backoben es schlecht h^jahnen. 

Jijen 'en Backoben es nich geut hpjahnen. 

Qsse Qinen geht de Backen, Sgu geht 'en äuk de Hacken. 

Wenn nich geschwinne goht de Backen, dem geht äuk nich geschwinne 
de Hacken. 

Vandaje häww 'e Qwwer mol schön spielt — see de Bäljentreer teu 'n 
Qrjelisten. 

H$i es seu bange 9s 'en Erfte in 'en Potte. 

Bange maken gellt nich. 

Sterwet de Voss, seu gellt näu de Bass. (Wenn auch aUes daraufgeht, so 
bleibt doch noch ein Rest.) 

Bat't et nich — seu schad't et nich. 

Olle Bäte helpet watt — see de Mujje, do pisse se in'en Rhüin (osse se in 
den Rhüin strülket hadde.) 

>) Vgl. Nd. Jahrbuch 84, 145 ff. 



57 

Olle Bäte helpet watt — see de Duiwel, gase h^i de Bottem mett 'er 
H9cligowel att 

Hgi es grpff ^sse Bäimensträuh. 

Datt mott 'en schlechten Bäum süin, de upp 'en prsten Schlach fällt (bes. 
vom Freien.) 

Wenn et gwwer de kahlen B^ime donnert, datt sali nich gäut sCdn. 

Wer et Ipfft — an 'et Bedde verkpfiFt, de kann m@tt 'en Meese in 'en 
Sträohe sdilopen. 

Man mott sick nich pier (eher) iuttöin, gsse wenn 'en no 'en Bedde ggit. 

Wer datt Bedde mak't 'en Mprjen, Es den ganzen Dach eune S^rjen. 

Oin warm Bedde un (^in fiul Ees sind Qsse pin Paar Briatluie: sg könnt 
nich Yan enanner kommen. 

Behelpen es nenn Satteeten. 

Berg un Dal bejijent sick nich, öwwer 9in Minske den annern. 

Nüjje Besp'ms kehrt gäut. 

De Bettelbuil un de Geldbuil hanget selten hunnert Johr für ^iner Düer. 

Et es hüer better ^sse te lufeln in 'er Meftskiulen. 

Better tw^imol fohm, 9sse ^inmol ^wwerlohn. 

Et es better twQimol wall gsse ginmol üwel. 

Better gin Lappen Qsse $in LQck. 

Et es better, datt de Biuk hasset (berstet) gsse datt de Kost verderwet. 

Better de sick verschleppt — psse de sick verlöppt. 

Better pinen häbben gsse tw^i krüijen. 

Better demoidig fohrt psse hpffährg gohn. 

Better ^inen Feut ^wwer der Eem gsse te Feute. 

Better es better — see de Katte, do drank se de Melke iut 'en Emmer. 

Wenn de Biem rüip es, fällt se maier upp 'en Dreck, gsse upp 'et Rgjjene. 

De rüipe Biern fällt maier upp 'en Käuhflatt gsse upp 'et Reusenblatt. 

Bitter itir 'en Mund — für 'et Herte gesund. 

De dümmsten Biwwern hätt de dicksten Katuffel. 

Watt de Biwwer nich kennt, dat frätt'e nich. 

Jo, jo — säggt de Biwwer, dann w^it 'e nicks maier (Verwunderung). 

Dat es oUhand gine, wenn eck mü nich verteilt häwwe ~ see jenne Biwwer, 
vsse süine Sue dat grste Ferken (Fickel) kraig. (Genauigkeit). 

Practica est multiplex — see de Biwwer, do taug 'e sick 'en Worm iut 'er 
Neesen un band 'er sick den Schäuh mett teu. . (Man muss sich zu helfen voissen.) 

Hgi süppt sick geem Qinen achter de Binnen. 

Hgi nimmt nenn Blatt für't Miul. 

Et es nenn Bleut seu dünn, datt et nich rinne (Anhänglichkeit entfernter 
Verwandter). 

Et es neon Bleut seu dünne, et rinnt — see de Schnüider, gsse hgi 'n 
Siejenbock schlacht hall. 

Hgi es blgie (blöde) in 'er Tasken (= von einem, der nicht gern Geld ausgibt.) 

Boben fix — unner nicks. 

Boben es de Tiun wüipet (mit Wüipen, d. i. mit Weidemweigen gehörig 
festgeflochten) anner breekt 'er de Suen düer. 

Da es bükannt Qsse siwwer Bger (gsse bunte Rüens). 

Do namm 'e de Bgine unner 'n Arm un böst 'er tedänne, watt datt Tuig 
häulen wolL 

Van den Bginen, dat restet — hadde jenne Jiude äuk säggt, gsse höi up- 
hangen wgrd. 

Up Qinen Bgine kann man nich geut stöhn. 

Bgijen makt Sprjen. 

Wer nennen Beert häbben will, mott 'en sick afEischnüien (gegen lastige Dinge.) 

Et ggit nich für 'n geut Botterbräut; et es better gsse den ganzen Dach 
gamicks. 

Et es teu late spart, wenn de Bottem upp 'n Grunne es. 

Hgi kann maier gsse Braut eeten (von einem geschickten Manne.) 

Siwwer Braut werd an 'en meisten getten. 



58 

II öi bohrt geem dünne Breer. 
Kopp un Foite glatt — es de beste Briutschatt 

Eck eete olle Broens (Braten) gerrn, lutgeiipminen Schwüinebroen, den eete 
eck ganz verdaiwelt ggern. 

Man mott den Bruch nich seu bgit eeten, Qsse pinen fürsettet (upfüllt) werd. 
Wer sick den Bruch iurohrt hätt, mott 'en ock iutfreten. 
Wenn et Bruch rejent, es müin Napp olltüit ümmestülpet (verfehltes Glück.) 
Wo Qin Bruwwehius st^it, do kann nenn Backehius stöhn. 
Bubben kost Geld. 

Bubben es 'en Lust — wer' et Geld hat. 

Langsam teu 'n Buil un hurtig tau Heut, helpet manchen jungen bleut. 
Bünohe es näu nich ganz. 

Fürher Büsch^id — noher nenn Kr^it. (Vorher Bescheid, nachher kein Hader.) 
De Qine kloppt upp 'en Busk, de annere kriggt de Vüjel. 
Wenn 'et Herte man schwärt es — see jenne Büste wwer, 93 'en de Supper- 
dente freug, worümme höi keinen schwarten Rock antojen hedde. 

De Büstewwers un de Hunne de verdgint ehr Braut mett 'en Munne. 
Oinen upp 'et Dack stüijen. 
Wer geerne danzet, denn es lichte uppspielen. 

Hgi richt't sick äuk qU 'en Danzeplatz für de Luise in (sagt man von einem, 
der früh eine Glatze bekommt.) 

Hgi frett psse 'n Deskekeerl. 
Den pinen süin Däut es den annern süin Braut. 
Ümmesüss es de Däut, un de kost näu dat Lieben. 

Däwwerhgit — hadde Lütkebriune säggt, 9s hgi in 'et Tuchthius soll (etwas 
Unangenehmes durch einen Scherz ohne Eindruck erscheinen machen). 
Oin Däwwer, de sick iuttuit, 9er hgi teu Bedde ggit. 

Vell teu deun mett lütker Macht 

Hätt 9II vell teu Falle brgcht. 
Geut Ding will Wüile häbben. 
Wer de Dochter häbben will, mott de Modder früjjen. 

Watt et süi, un wo et goh. 

De Sonne deut den Aulen noh. 

De Dochter g(^it der Modder Gang, 

Un säu ehr ganze Lieben lang. 
Bluten Doer es geue Dajergise. 

Wat diu vandaje nich doist, briukst 'e mgern nich teu deun. 
Wat de Dokter verderwet, werd mett Eern teudecket. 
Olle Donnerdaje sind näu nich füiert (das dicke Ende kommt nach). 

Da sick wehrt für de Doht — 

Für 'et Lgijen es jümmer Roht (Si fecisti, nega). 
Je maier man den Dreck trätt desto dünner werd h^i. 
Da sick unner de Drewer menget, denn fretet de Schwüine. 
Dat was droopen, see jenne Junge, un hadde süinen Yadder gin Äuje iut- 
Schmetten. 

Hgi hat uunern Drüppenfalle stöhn (von einem, der eine Glatze hat) 
Mett 'er Düer in 'et flius fallen 

Jgider feje für süiner Düer — seu werd de ganze Stroote r^jjen. 
Dat Beste in 'er Mitten — see de Duiwel, do gink 'e twisken twgi Papen. 
Ugi es den Duiwel van 'er Koern fallen. 
Do schloe d9ch Ggtt 'n Duiwel däut (Interjektion). 
Motten es 'en Duiwelsdank. 

Et es nenn Duiwel seu graut, hgi hätt süinen O^werduiwel. 
De Duiwel schitt jümmer upp 'en grgttsten Häup. 
Je maier de Duiwel hätt, je maier begehrt hgi. 

Do 'en schönen Placken es, Schmitt de Duiwel 'en Kläuster heun, ähr 'en 
Eddelmann. 

L9tt 'en 9rst man den Duiwel in 'e Kärken kommen, sitt 'e äuk bäule upp 
'en Altar. 



59 

Wenn 'eu van 'en Duiwel kührt, sitt 'e upp 'er Hekedüer. 
Wo Geld 68, do es de Duiwel — see jenne Kerl un henk 's Obends süine 
Büxen, wo gin Penng iune was, upp 'en Hoff. Den annern Mpem was se weje — 
Sgih je niu, dat eck Recht hall? — see bgi däu. 

Wer vür der (oder: in 'er) Höllen wonnt, mott 'en Duiwel Heem hpiten. 
Wo de Duiwel nich summst hennkommen kann, do schickt hgi 'en äult 
Wüif henn. 

'n dullen drupp! (zum Tanze). 
Duwwelt najjet, h^lt better (ritt nich). 
Eddelmann es Eddelmann -— Beddelmann es Beddelmann. 
De Eddelmann will jümmer dat Messt hoben in 'en Schappe h&bben (bean- 
sprucht die meiste Ehre). 

Eeten un drinken es süin beste Handwerk (sagt man vom Taugenichts). 

Wenn dat Eeten düer den Hals es, seu es et ollens glüik. 

'n geuer Eeter es äuk 'en geun Arb9Jjer. 

Sülmst eeten makt fett. 

An 'en grauten Ees hgert 'n graute Büxen. 

Ehre yerloern, ollens verlohrn. 

Wässet de Ehre spannenlang, 

Wässet de Däwwerhgit (Torheit) eelenlang. 
Ehrlich wohrt upp 'et längste, wüil et w^inig briuket werd. 
Dat dicke Enne kümmet noh. 
Enne geut, ollens geut. 

Wat sali 'en söjjen, wenn dat Enne teu k^ert es! (Misslungen.) 
Söi biwert Qsse Espenläuf. 

Et es jümmer watt — Es et nich düt, gs et datt. 
Vulle Fätter klinget nich. 

Büi enkelten Fedderkens plückt man den Vurel kahl. 
Nemmes spihe süinen Füind teu minne an, man mott datt Fell nich 9er 
verkäupen, osse bett man 'en Foss hätt. 

Wenn de Ferken Teil sind, werd de Drank dünne. 
Fett schwemmt hoben un es et äuk man Rüenfett. 
Wer aett dertig ritt, de mott melt vertig teu Feute gohn. 

'n fiulen Fewwermann (Führmann) 

Spannt l^iwer iut ^sse an. 

Unjefangene Fiske 

Bringt nich vell te Diske. 
'n äulen Fisker kennt Karpen. 

Steck 'en Finger in 'e Eern un riuk, in wecken Lanne datt 'e bist. 
Wenn man laileck süin sali, bräckt man 'en Finger in 'er Neesen äff. 
Do man den Finger inkriggt, do kriggt man äuk de Hand in. 
Hv makt Hut er Fisematenten. 

Anstatt datt de Fiule twpmol g^it, dräggt 'e Igiwer, dat et w^ihe doit. 
Dat passt 9sse de Fiust upp 'et Äuje. 
Wo Flass es, do sind äuk Schiewe. 

Flink upp 'er Stroote, 

In 'en Hiuse ebenmote. 
Fl^isk es dat beste Qemoise. 
Eck will düi watt floiten. 

Et es geut teu Feute gohn, wenn man sick moije rien hätt. 
Dat es 'en dummen Foss, de bleuss gin Lyck wpit. 
Wer vell fräggt, den werd vell säggt. 
Frech 9sse Oskar. 

Et werd nenn Freeter boern, ho werd 'er teu maket. 
Better 'n Stunne teu fireuh, gsse 'n Maniuten teu late. 
Da freub uppstgit, süin Qeut vertehrt, da lange schlöppt, denn Ggtt ernehrt. 
Fromme Luie sind grillig (geizig). 

Wenn de Ipiwe Qgtt teu 'n Narren häbben will, seu Igtt hgi 'n äulen Mann 
de Frabben affsterben. 



Frubben Äaje — de besfe Läuje. 

Dat mott 'en geue Däll 8üin, de twö Frubbensminsker draggt. 

(VeHrägUdikett.) 
Äuler Frubben Sterben — 
Es nen Verderben; 
Owwer Pgenrerräcken — 
Dat es 'en Schrecken. 
Da Frubbensminsker h&tt lange Hoer un kQrten Verstand 
Frubbensluie Roht un Bdckw^itensoot — Geroet blßuss olle sieben Jobr. 
Dat wiw w'e niu wall wier krüijen — hall jönne Frubben säggt, 9s se der 
Keuh Bottern upp dat Föwwer straik. 

'n gSue Frubben un 'ne gäue Katten häult olltuit 'et Hins röjjen. 
Qsse jenne Fruwwe säggt hall : Nowerske, laihn se mü ehre Saipen, eck 
will 'er nicks anne verderben; wenn Sek 'er mStt wosken häwwe, will eck se ehr 
wier bringen. 

Da Fruwwe verd^int maier mett 'en Leppel, 
Qsse de Mann inbringt mßtt 'en Scheppel. 
Oine Fruwwe kann maier mett ehr er Schlippen iut 'en Hiuse iutdrejen, os 
*er de Keerl mett v^er Peer'n infohrn kann. 

Wer nänne gSue Frunne hätt, de es nich wert, dat h^i liewet. 
Frünne in 'er Nftut, geht dertig (hunnert) upp ^in Laut. 
Wer 'n geun Fränd iinnd't, da hätt süin Dachl&un verdpint. 
FrQdach hätt süin pgen Wedder. 
Töu 'n Früjjen h^ert maier 9s 'en Paar Schöuh. 
Luit, deu de Äujen upp — Früjjen es kgin Pöerkäupen. 
Dr{^i Ossen, dr^i Kälwer un 'ne buntköppte Keuh, 
De gifft mü müin Vadder, wenn äck früjjen sali; 
Qi£Ft hgi se müi nich, dann früjje eck &uk nich, 
Un d^ie h^i näu watt, dann s^jje eck 'en ftuk nicks. 
Oin Früjjedaler gällt niejen Grössen. 
Olle Fri^jer rüike, olle Gefangenen arm 

In piner Stunne äs maier früjjet, psse in twintig Johrn verdpint. 
Wer früjjet in süinen äulen Johrn, 
De l&tt de geuen Daje fohm. 
Früjjen es seu soite psse broene L&mmerfoite. 
Wer dat Fuier npidig hätt, söggt et inner Askeu. 
Van 'en Funken brennt dat Hins. 
Geduld, Iptt dat Holt teu Kohle wehm. 
Wer sick nich in Gefohr begifft, kümmt 'er nich in ümme. 
Geiz helpet upplaen, pwwer nich drejen. 
Wo eck müin Geld vertehre, kann eck jiuchen. 
Wer Geld hätt, kann 'en Duiwel danzen spin (looten). 
Geld rajpert de Welt. 

l\'^ hätt Geld psse Hpch, man nich seu lang. 
Für Geld kann man Sucker käupen. 
Geld lütket Geld — see Kasper Beerend, do liewe hö näu. 
Hast diu 'en Seele, seu häwwe eck 't Geld (bei der Eideszuschiebung). 
Da Geldsack un de Bettelsack hanget nich hunnert Johr für piner Düer. 
Dat es pll wier Geld, wo de Fruwwe nicks van w{^it. 
seu göit et in 'er Welt 

De $ine hätt 'en Buil, de annere hätt dat Geld. 
Je gelehrter, je verkehrter. 

Häwwe eck 'en Genöit, seu häwwe eck 'en Verdrpit (Genuss und Verdruss 
sind umertrennlich). 

Wer in 'en schlecht Gerücht kümmt, es half hangen 
Sünte Geertriut, gpit de prste Görnerske iut. 
Datt es vell Geschrpch un wpinig Wullen. 
Datt maket vell Geschrpch pwwer wpinig Berpch. 
Wahrt juflf für Geutspjjen un Huiserbubben. 



61 

Wer hinnerlptt süin Oeat den rechten Erben, da kann geriuhig sterben, 
'n geut Gewissen es 'en gönt Riuhekissen. 
Seu gewannen, s€u terrunnen. 
Gissen es missen. 
Gissen es nngSwisse. 
Da es nich van gistem. 
'n feinen Giewel makt 'et Hins feia. 
Hv kickt 9llhand teu d^ip in 'et Glas. 
Da dat Gluck bätt, bringt de Briut no 'er Kärken 
Dat Glück, dat Glück es kiurelrund 
Un dräppt seu 'n manchen Lumpenhund. 
L^tt goen 98 et gpit (GleichgüÜigkeü.) 
Dat Langsamgohn kümmt yan sülmst. 

Dat gvit, datt et schnüfft — see jenne Junge, qs 'e upp 'er Snen rait 
Bfii denn gvit et: Kümmst 'e vandaje nich, seu kümmst 'e mpern (von einem 
langsamen). 

Seu psse man de Ggise wenket, seu goht se. 
Gptt 'er H€er IqU wall sinken pwwer nich yerdrinken. 
Wo da henträtt, do w&sst in «ieben Johr nenn Gras maier. 
H9 hpert dat Gras wassen un suit de Gpise pissen (von einem eingebildeten 
überklugen Menschen). 

Hv mott in 'et Gras büiten (muss sterben). 
H9 makt 'et nich lange maier (dasselbe). 
Et es 'er matt iut (dasselbe). 
Et will nich maier (dasselbe). 
Wer sick t§u Gras maket, denn frgtet de Kojje. 
Da Grillte kriggt phr denn Hals vull gsse de Keuh. 
Et kost wall man bleuss 'en Grössen, Qwwer 'et g^it 'er äuk donoh. 
Jpider will grgtter süin — 
Dorriut kümmt olle Püin. 
Da Grpttste es nich jümmer de Beste. 

Gruifken in 'en Kinn — 
H&tt dullen Sinn, 
Gruifken in 'en Backen — 
Hätt stüiben Nacken. 
Da mü nicks günnt un nicks giiTt — 
Mott lüin, datt mü dat Lieben blifft. 
Better ginen „Häbben** gsse twpi „Krügen**. 

l>at sasst diu h&bben, wenn Austern un Pingsten up ^inen Dach fallt 
Wenn da Hahn krajjet upp 'en Nest, 
Dann blifit dat Wedder seu 98 et es. 
Man mott watt ümme de Hand häbben, hadde jenne Fruwwe säggt, 99 se 
mett 'er Hand an 'en Schgndpohl schlgtten was. (Alles vorteilhaft deuten,) 
Twisken 'er Hand un 'en Manne 
Ggit vell teu Grunne. 
Wenn gine Hand de annere wasket, seu werd se bgide röjjen. 
Wer twälf Handwerke h&tt, h&tt drütgjjen Ungelücke. 
Wer 9in Handwerk düjet lehrt 
Kriggt'e Kost, wo hgi verkehrt. 
Drgi Handwerke tguglüik, sind siebenuntwintig Ungelücke upp ginmol. 
Handwerk kann wall sinken 
Owwer nich yerdrinken. 
Wer den H annig (Honig) licket 
Mott lüin (leiden), datt 'en de Imme steket. 
Wenn 'en Hansnarre prohlt werd, dann gngiset (schmunzelt) hvi, 9sse wenn 
de Isel D9ig (Teig) fr&tt 

Eck will düi mol wülsen, wo de Harke 'n Stell hätt. 

Willig Herte makt lichte Foite. 

Do liggt de Hase begraben (in 'en Popper). 



62 

Wenn de Hase in 'en Herwest 'n biutcrmoten dicket Fell hätt, gifft 'et 'n 
harten Winter. 

De Hase hüppe, seu wüit gsse hyi will, h^i huppet dpch wier noen Neste 
(AnhängUchkeit an das Elternhaus). 

Den Hasen, da nich Ipppet. will de Jäjer äuk nich häbben (äüzugefällig). 
Wenn de Haspel säggt knapp, 
G9it et in Jiudenbeernd siiinen Schapp. 

(J. war Garnhändler und •Vermittler.) 
Teil vell Hast batet nich 

Toif, diu bist für Häujen-Hamel näu nich beer (Hohen-Hameln = Galgen?) 
Wer de Neesen te h&uje dräggt, stptt sick de Teene in 
Haust, Knäust, Botterbräut, 

Schlyit 'e Mömmen mett 'er Kösken däut (Maulheld). 
Je gr^tter de Heem — je maier mott 'en smeern^ see jenne Keerl iut Deppel. 
Heern Befell es Knechte Werk. 
Graute Heern hätt lange Henne 
Strenge Heern raj^art nich lange 
Heer ehr Dpif — mett Gelle bist diu Ipif 
Wohr düi vöer vinen, denn iuse Heerggtt töikent hätt. 
luse Heergott hätt ollerhand Kostgängers. 
Heerg^tts Water ywwer Heerg^tts Mühlen läupen loten, 
luse Heerg9tt stuert de BQime, dat se nich in 'en Hemmel wasset. 
Oijen Heerd es Gold wert. 
Datt Hemd st^it ^inen naijer 98se de Rock. 

Eck will düi glüik ! — datt diu 'n Hemmel für 'n Dudelsack ansuist ! 
(Drohung). 

Wer 'et Hexen vinmol kann, rerlehrt et nich maier. 
Wer 'et Hexen verstgit, für denn es et kpine Kunst. 
Dat Heun leggt geern, wenn et man 'n Nest suit. 
Jung Hingest — jung Schinnermehre. 

Et es nenn Hius seu faste, et rejent 9U wenner (zuweilen) 'en siwwcrn 
Wind dordürr. 

öijen Hius un pijen Dack, 
Es glltüit 'en graut Geschmack. 
Wo man hennkümmt, do findt man süinen Wehrt teu Hiuse. 
Oinen noh Hius lüchten (heimleuchten). 
Et gyit 'er her gsse upp Matzen Hgchtüit (viel Lärm). 
Diu sasst upp 'er Hgchtüit dat beste Fickel naijest 'er Suen süin — säggt 
de Hgchtüitsbidder teu 'n Bruimen süinen Vedder (schöne Versprechnngen). 
Wenn man will upp'e Hgchtüit goho, 
Mott de Heut upp Vivat stöhn. 
Et werd nenne Hgchtüit seu droe vullbrvcht, 
Et es 9II wier 'ne ni^je teu Staune bracht. 
Vür der Hgchtüit most se wennen, 
Noh der Hgchtüit hätt't 'n Enne 
Da mosste Hoer loten. 
Da hätt Hoer upp 'en Tehnen. 
Do liggt 'n Hoer in 'er Bottem. 
Wer nich hperu will, mott foilen 

Hyi Schmitt nich henn, wo hgi hennewanket (von einem sich Verstellenden). 
Hgi najjer düer — wat giffst 'e, wat hast 'e. 

Wer vür der Höllen wonnt, mott sick 'en Duiwel teu 'n Frünne wahrn. 
Geht de Hönner in 'en Rejen, dann hätt et 'er Sinn teu (d<inn regnet es 
noch tüchtig). 

Wenn de Honner krajjet un de Katten Oijer lyjjet -- (Eulenpfingsten). 
Wenn man: „Küsk iut!** säggt, dat gellt den Honnern olle (allgemeiner Tadel). 
Mett den Hunnern te Bedde gohn 
Un mett 'en Schopen wier uppstohn (von Faulen). 



6B 

Dat häww eck yellmols hpern s^jjen, 
Sind schlechte Höoner, da hinner Ipjjet 

(die ihre Eier draussen hinlegen; Häuslichkeit), 

Dat kann man mett 'en Holsken foilen (Starke Stichelei). 

£ck mott Hülpe häbben, see de Biwwer, da hall 'e sick 'en Ewwcrt 
Schnapps halt 

Hunger es de beste K9ck. 

Inbillunge es schlemmer psse Pestilenz. 

Denn kost't dat Inboiten maier psse datt Backen (wenn 7nan mehr auf- 
tc endet, als der Zweck erfordert). 

H$i h&tt Infälle 9s *en äult Hins (wenn einer sonderbare Einfälle hat.) 

Watt man inplocket hätt, mott 'en iutfreeten. 

Better upp 'en Isel sitten, ^sse van 'en Peer fallen. 

De Isel un de Drüiver denkt selten ywwer^ine. 

Wat säggt de Isel, wenn 'e vür der Mühlen hgrkümmt? (sagt man einem 
unhöflichen, sich brüstenden Menschen), 

Dofur, dat de Isel tw^mol g9it, 
Dräggt 'e Igiwer, dat 'et wifihe doit. 

Da sick an 'en Isel schuert, kriggt 'er Hoer van. 

Wer teu 'n Isel geboem es, werd süin Lieben lang nenn Peerd. 

Wenn 't den Isel teu wohlig werd, seu ggit 'e upp 'et Üis un breckt 'et B^in. 

Jiujend hätt nenne Diujend, see jenne Fruwwe, do was ehr dat Kind iut 
'er Wyijen fallen. 

Da Dniwel trubbe 'n (traue einem) Jiuden. 

Schmüit den Jiuden düer de Heekeduer, 
Seu kümmt 'e wier düer de Nierndüer. 

J^ideröine w^it an 'en besten, wo änne (ihm) de Scheuh drücket. 

Wenn et du jucket, dann most 'e kratzen. 

Betten gelinner — spräckt de Kalenner. 

Kalfflyisk — Halffipisk. 

Wenn de Kärkluie natt werd, rejent de ganzen Wecken. 

Büi der Kärken es jümmer de grpttste Wind. 

Matt denn es schlecht Kaspern eeten. 

H^i ggit 'er ümme, psse de Hatte um' en h^iten Bruch. 

Man mott de Hatten nich in 'en Sacke käupen 

Wenn man de Hatten upp dat Speck binn't, seu frätt öe nich. 

Watt ?an Hatten kümmt, will miusen. 

Je maier man de Hatten striepet, je h9chter büert se den Steert. 

De Hatte l^tt dat Miusen nich. 

Hattend^if hätt Q9tt Igif. 

Da verdrejet sick osse Hatte un Rüe. 

Wenn de Hatte iutgohen es, dann spielt 'e Muise upp 'en Bänken herrümme. 

Ui, seu woll eck, dat eck katholsk wgr. (Ausruf der Verzweiflung, des 
Unmuts.) 

Noh den Häul un noh der Heuh, 
Mott man goen äff un teu. (Sorgfalt.) 

Häupmann te wern, es nenne Hunst, Qwwer Häupmann te blüiben. 

Vandaje Häupmann — mgern Läupmann. 

Qin Kawalierskopp un vin Giiflkopp sind selten te trubben. 
Häwwem upp 'en Sänne (ijn nassen Jahre) 
Gifft Hunger in 'en Lanne. 

Dat es 'n anner Häwwern — see jenne Möller, 9s 'e düer 'n Miasek9ttel 
bait. (Verwechslung.) 

H9i es 'en fläämsken Heerl (kräftiger Mann). 

Wer den ganzen Dach Heuken ett, mach 'en teleste nich maier. 

Hinner un Narr'n 89jjet de Wohrh9it. 

Wenn 'et Hind verdrnnken es, werd de' Säut teudöcket. 

Hinnern kann man mett 'er Hl9inigk9it 'n Pläsör maken. 

Yell Hinner, vell Sejen. 



64 

Kinnerbärte es lichte te stillen. 

Nenn Minske schloe suine Kinner däut, man wyit nich, watt 'er int wem 
kann (an die Zukunft denken). 

Et es better, dat *et Kind grinnt 9sse de Modder 
Oin Kind — Angestkind, 
Tw^i Kinner — Spielekinner, 
Dryi Kinner — vell Kinner. 

Wer kuppet es, da kann nich maier hangen wem. 

Watt man nich in 'en Koppe hätt, dat mott man in 'en Beinen b&bben. 

Se vell Koppe, sc vell Sinne. 

Vell Koppe, vell Sinne, see de Duiwel, psse h^i 'n Foer Höppers lahn hall. 

Wer man ^erst 'en Kprf hätt, kriggt 'er bäule 'n Vurel in. (Wer nur erst 
einen Korb, ein Bauer (ein Haus) hat, wird bald einen Vogel (eine Frau) hinein 
bekommen.) 

Rüijet juff, hadde jenne Küster sftggt ; hy hall Qwwer man vinen Schoiler hat 
(Grosstuerei.) 

Dat vergifft de Köster (nämlich ein leichtes Vergehen). 

Hgi Igtt sick nich in ^e Koten küiken. 

Man mott 'er mett ümmegohn, psse wenn man 'en Kottel upp 'en Spänne 
dräggt (sagt man von einem sehr empfindlichen Menschen) 

Da vine Krajje hackt 'er annern de Äujen nich iut (nenn Äuje iut). 

Do goe wü her — see de Krajje, qs se de Hawerk in 'er Miulen hall (Galgen- 
humor; vornehmer Umgang.) 

Wenn de Kinner nich andi\jent sind, dann däujet se nicks. 

Wenn dat Kind 'en Namen hätt, will j^ider Gevadder süin (gelungenes Werk). 

Klimpern hQert tea 'n Handwerk. 

Klinget et nich, seu klappert et doch. 

H^i hätt de Klocke luien h^em, pwwer h<^ w^it man nich, wo se hHnget. 

Upp 'en groben Kloss hpert äuk 'en groben Kail. 

'n fiulen Knecht wünsket, datt in 'er Wecken sieben Füerdare wpern. 
Wo Knoken sind, da düjet^ 
Do sind 9ck Rüens, da se müjet. 

H9 sitt upp hpiten Kohlen. 

De heilijen dr^ Könge goet teu Water, ehr kommt te. Water. (Wetterregel). 

Oinen den Kopp wasken. 

Da gl}it mett 'n Koppe düer de Wgnd. 

Wat de Kopp vergett't, mött't de Foite nohhalen. 

Wer den Kopp in olle Lecker steckt, kann liebte den Kopp verl^isen. 

Kopparbgjjet es nich licht, sea see de Biwwer, dat suit man an 'en Ossen. 

Kopparb^jjet grippet an, see de Osse, do taug h^i 'n Fleug. 

H^i es seu krank os 'en Heun. 

In 'en Kreuje kann man ollerhand für 'en Grössen watt teu wetten krOijen, 
watt 'en Daler wert es (in Gesellschaft erfährt man euweilen wohl etwas Nützliches). 

Datt liggt dürenanner, Qsse Kriut un Roiwe. 

Wer büi den Kröppels wonnt, lehrt dat Hinken. 

Büi den Kröppels lehrt man hinken, 
Büi den Fiulen lehrt man stinken. 

Wer kann für 'et Kruiz, wenn 'et Hius vuller Haspel sitt. 

Gvnk teu 'n Kuckuck 1 (Interj,) 

Da könnt sick verdrejen psse Kuckuck un Siebensteem (von unverträglichen 
Leuten). 

flvi stiggt iut 'er Küipen (verliert die Fassung). 

Kümmst diu müi seu — - komm eck düi seu (Vergeltung). 

FRANKFÜRT a. M. K. Wehrhan. 



65 



Niederdentscbe Gediclite ans den HannöYerscli- 
Brannschweigsclien Landen Yon 1684-1726. 

Die Originale der hier mitgeteilten Gedichte werden als Einzel- 
di-ucke aufbewahrt in dem Königlichen Staats -Archive, der König- 
lichen Bibliothek und der Bibliothek des historifchen Vereins für 
Niedersachsen in Hannover. Die Verfasser mehrerer Gedichte haben 
sich nicht genannt. Auch ist Ort und Zeit der Abfassung zuweilen 
nicht genau bezeichnet und hat leider nicht immer festgestellt werden 
können. Öfter ist es jedoch durch Benutzung anderer Gedichte 
gelungen, solche Gedichte nach örtlicher und zeitlicher Abfassung näher 
zu bestimmen, wie aus den eingeklammerten Worten zu ersehen ist. 

Mag der dichterische Wert dieser Stücke noch so niedrig sein, 
immerhin haben sie einige Bedeutung für die Literaturgeschichte des 
Dialekts, und vor allem bieten sie, wie von Seelmann im Ndd. Korre- 
spondenzblatt 19, S. 95 f. gezeigt ist, wertvolles Material für die 
Entwicklungsgeschichte der neueren Mundart. 

Hoehzeit Hansing / Bebling, Heyen 1684. 

Dree nadencklike Politiscke Fragen, Alse (Tit:) Hr. Johann Henrich 
Hansing, Mit (Tit:) Junff. Sophien Magdalenen Behlings, Syn Hoch- 
tiedtlicke Ehren -Fest in Hayen^) beginck Den 10. Junij dfisses 
1684sten Jahrs, Der JunflFer Bruet tho beantworen vorgelegt Van 
Einem öhrer Bekanden. 

Mit gUDsten dat ick jflck np jnwen Ehren-Dage, 

Juck, meen' ick, Junffer Bruet, timm dith un dat befrage, 

ün falle driestig tho, als Fleigen in den Bry, 

Doch hop* ick dat by juck synt alle Fragen fry. 

Tho erst, sch&m^ jy juck glyck, scholl jy ein' Antwort seggen 

Damb, dat ick jflck will thor sticken stund vorleggen: 

Wornmm hefft Lüxenborg, de Brnet, so lange tiedt 

Dem BrSgam sick versegt, de offt na ohr gefriet, 

Beth he mit Füer se twanck sick 5hme tho ergeven, 

Jy averst wilt so geern by juwen Brßgam leveu? 

Jy hefiTt nich, leeve Bruet, so einen stiefen Sinn, 

He dar£f nich, dat jy ohn tho Hayen latet inn, 

Ohn nemet np un an, juck twingen mit Soldaten, 

Mit Bomben, Stinckep^)tt'n un velen Hand -Granaten. 

Thom annem segget fisch, wat mack't by Babylon 

De Perser düsse Nacht, wat by jiick Hansings-Sohn ? 

Dat drfidd' yfs dat ick juck nn, smucke Deern, will fragen. 



') = Heyen, Braunschweigisches Dorf im Amte Escher shausen. 

NiederdenMohai J«brbnch XXXV. 



Segg't eift des Czaren Wieif ein jungen Czar will dragen, 
Un eift inn Jahres Schyn van juck verleefden twee 
Ick einen Hansing hier, edd'r eine Greitiug see? 

Hannover, Gedruckt bey Georg Friederich Grimmen, 
F&rstl. Hoff- Buchdrucker. 

Hochzeit Behrens / Hinüber, Hildesheim 1686. 

Dat in de vele Frierie gerahene Hilmfsem, Afs Dei Wol Edele un 
Hochgelahrte Here Docter Cunrad Bartheld Behrens^) Mit der 
Nudlichen un Fienen Junfer Annen Doriken Hinnflbers, Siener 
hartleven Brfitgen, Hochtyt heilt, Is deils ut VerwuDJerung, deils, 
seck den Hern Doctor tau Fr&nne tau maken, dusse Wunsch erdacht 
Van Hans Crenderich van Ostermolcken. Im Jahre Als de Hamsters 
use leve gue Kohrn sau stolen. (l Zeile ist durch den Buchbinder abgeschnitten.) 

Wo gait dat immer tau wat het dat vele fryen? 

Denn wo man seck henwendt da höret man von brüen 

Wenn eine Hochtyt ut, ein ander siene holt. 

De dridde socht den Dag de hier 5hm wol tau feit, 

Sau mögt ick wol erfahren wat vor Ohrsaken wohren, 

Dat seck dei jungen Ltt sau tan einander kehren, 

Dat sai sau ilet nun, un seck tau samen part, 

Eck wait gewis noch nich wat dat het vor ein Art, 

Wann eine Hochtyt orst vor acht Dag' ifse wesen, 

Da Word ein ander Paar den stracks üb affelesen, 

Ut maut doch sau wat syn, wat se dartau bewegt, 

Dat man de Jungferschop nicht ein halff Jahr möhr hegt, 

Doch wo eckt recht bedenck, wat gelt sau wil eckt seggen. 

De haite Sommer-Tiet de word seck nu bald leggen, 

Da kumt de Winter dann, wo alles wenst und kolt, 

Un man seck gruen mag tau wanjern in den Wolt, 

Da kumpt dem suer an de schal allone schlapen, 

Un de dat kohle Bedd sau maut all5n ankapen, 

Drum sind se klancke naug de düt jetzund anfangt, 

Un noch by warmer Tiet tau seyt dat se erlangt, 

Dat by uhm schlapen kan, dat se seck könt hübsch warmen, 

Un dörfft den fort nich mehr nah warmen Lakens karmen. 

Drum heft Heer Brodigam jetzund recht klauke dahn, 

Dat jy by warmer Tiet sind nah den Wifken gähn, 

Jy hefft nun wat jy wilt, jy drftfft dafor nich sorgen, 



1) Konrad Berthold Behrens wurde nach der Leichenpredigt von Pastor Just 
Martin Glaesener (Fol. 5) geboren am 28. August 1660 in Hildesheim. Sein Vater 
war dort ein berühmter Arzt und ältester Ratsherr. Er besuchte das Gymnasium 
Andreanum, 1678 das reformiete Gymnasium in Bremen, bezog am 28. April 1679, 
um Medizin zu studieren, die Universität Helmstedt, von wo er im dritten Jahre 
durch die im Magdeburgischen auftretende Pest vertrieben wurde. Nachdem er 
einige Wochen in der Heimat verweilt hatte, ging er Michaelis 1081 nach Strass- 
burg. Als er dort ein Jahr studiert hatte, reiste er nach Basel, dann über Koblenz 
und Köln nach Leiden, wo er den 15. November 1682 eintraf. Nach mehreren 
anderen Reisen verheiratete er sich in Hildesheim den 21. September 1686. Er 
starb am 4. Oktober 1736 als berühmter Arzt. 



(57 



ÜD k6iit nnn warme achlap'n, bet an den lehven Morgen, 

Ja wenn jy schon nt gabt nab einen fetten Scbmus, 

San heff jy nun de Frn de heuet in tau Hub, 

Un dat jy ock nun nich for Eortzwiel mftget sorgen, 

Min lev Herr BrSdigam, wann st&n jy up von Morgen? 

Mit juen dusent Schatz, schall eck üt recht utleg'n? 

San twiefl eck, ob eck noch darff Junckeselle seg'n, 

Main jy eck sah et nich, as jy jn nie Hosen, 

Antigen diesen Morgan un hadden noch völ Schossen, 

Mit juen leven Kind, ja eck wait flt woll, 

Doch wilit an besten syn dat eck üt noch verhol, 

Jy seht sau schnippisch ut, jy hefft sau^n bleicke Farve, 

Als wenn jy j&ck verjagt for einer schwarten Larve, 

Eck rah juck, bruket wat, dat jy wörd weder frisch, 

Dat jy nich as verjagt, sitt by der Brut am Disch, 

Eck bid jfick dusendmahl wat is jftck wedderfahren, 

Ai segt üt meck, eck wilt in mieneu Bnck verwahren, 

Eck wilt ock seggen nich, wat jy for Heimlichkeit, 

Begahn hefft dysse Tiet, gevt meck man gut Bescheid, 

Schall eck üt aver rahn, sau werd üt duUe klappen 

Eck segg* üt Ine her, eck will meck nich verschnappen, 

Doch weg'n des groben Schimps, nöm eck üt noch in acht 

Damit nain Minsche nich ob juen Hanjel lacht, 

Sau wil eck juck hernach einmahl allen anspreken 

Jy kont üt unjerdes, sau bie juck sülbst ut reken. 

Fahrt unjerdessen fort, in jner gauen Daht, 

Dat jy met jner Brut in deisen Glücke gabt. 

Wo is üt junge Fru eck hed meck bald verschnappet, 

Wol seggen Junfer Brut, wat is dat jy sau kappet, 

Mit juen breen Krag'u? üt galt juck midde an, 

Un main jy dat eck ock tau juck nich komen kan. 

Doch dat eck juck itznnd, nich afhol von den springen 

Un dat de Fedeln ock stets dyfsen Abend klingen, 

Sau schwieg eck, haitget ohra man stets mit Freud und Lust, 

Ja daut wat sünst noch mohr is guen Sinn bewnst. 

Wenn jy den meue sind von Springen un von Dantzen 

Un hefft de Glase drunckn by Halfen und by Gantzen 

Ja wenn de seute Schlap ju Ogen gantz tau drückt 

Un juck de Afent-Storn mit sienem Schien anblickt 

Sau gaht den weder hen nah juen weiken Bedde 

Un schlapet da vordan fin stn^ckig in de wedde 

Wenn jy jyck hefft tau erst den leven Gott befohlen 

Un mackt^) dat nah den Jahr dat gau nich blieff verholn 

Nun wünsch eck dat jyck mag dat Glück by gantzen Kipeu 

Inkomen und dat gaut by jeck sieck müchtig hüpeu 

Ja jue Saken seck by gantzen Scheppeln mehrn 

Und wat jy heffen wilt wat nur is ju begehrn 

Jy andern de jy noch im ledgen Stande levet 

Sümt ock nich lange mehr in dyfsen Stand jyck gevet 

Ut würd juck nich gerün dout man wat eck ju rah 

Nun schlapet alle wol die Tiet is dat eck gab. 



1) Druck: mack. 

5* 



68 

Hochzeit Glfimer-Engelbreeht, Hameln 1695. 

Das Gottliche Geschick, Und wahre Ehe -Glück, Zu Ehren Denen 
glücklich Vermähleten, Als dem Wol Edlen, Vesten und Hochgelahrten 
Herrn, Hn. Joh. Fridrich Glümern, FSrstl. Braunschw. Lfineb. 
hochbetrauten Cantzeley-Secretario zu Wollffenb&ttel ; Und der Wol 
Edlen, Grofs Ehr- und Tugendreichen Jungfr. Jfr. Dorotheen 
Margareten Engeibrechten, Des Hoch Edlen Vest- und Hoch- 
gelahrten Herrn Hr. Arnold Heinrich Engelbrechts, Churfl. Br. 
Lflneb. Hoch- Verordneten Hoffrahts auch Hochwürdigen Decani des 
Stiffts S. Bonifacii in Hameln Eheleibl. geliebten Tochter, Aus 
gebührender Observantz besungen von unten Benandten. An dem 
Vermählungs-Tage. War der 14. Jan. Anno 1695. 

Sonnet. 

Was 80 kommt, eh mans hofft, das hat GOtt selbst geschicket, 
Was 80 kommt, eh mans wünscht, das hat GOtt selbst gemacht, 
So über uns zum Heyl des Höchsten Sorge wacht. 
Und V&tterliche Sorg' eh man noch sorgt, erquicket, 
Er seine Margarit beperlt, mit Kränlzen schmücket, 
Er seine DOROTHEE gibt anfs, eh mans getracht 
Zu suchen, Liebe glimmt der GLüHMEB freundlich lacht; 
So kommet durchs Geschick ein Blick der uns beglücket. 
Was GOtt denn selbst gemacht, das woll Er auch yoUffihren 
Zu feinem Preifs, und Heyl dem neugefügten Stamm; 
Er woll mit Gnad und Fried, die Perlen-Gabe ziehren, 
Das Braut und Bräutigam dort folge nach dem Lamm, 
Das führt zur Sehligkeit, da längst die Engeibrechte, 
Im Engel-Glantze gehn. GOtt kröhne fromme Rechte. 
Aus hohem Respekt gegen die wolthätige Familie hat 
dieses gehorsamst darreichen sollen 
Frid. Lanr. Grupe, Seh. Hannov. Alumn. 

Ick schall Herrn Glflhmern ock mit Teechen glflkke singen; 
Wat schall ick 6hnen den, dat Wollgefalle bringen? 
Ik noch nich eine Sprak, afs n6dig is, verstah, 
Ick riem noch unger lernt, dat geit mik rechte nah, 
Kum, du Lufft-Stieger, her von Hameln, riem du better, 
Tho Ehren dem Decan, bett ickt ock lehre netter, 
De Bonifacius Tom Himmel, mack' it gut, 
Un gev dem Br5ddigam Glftck, Glücke ock der Brüht. 
So macked' it kort un got, der Jungfer Brüht 
jüngste Broder Georg Ludovic Engelbrecht. 
Hannover, Gedruckt bey Johann Peter Grimmen 1695. 

Hochzeit Mfimler / Blnme, Helmstedt 1703. 

Dei in user Mutter-Spracke oppesettette Hochtiedliche Fraiden 
Gedichte, op den Groetachtbabren längeren un Känstlicken Heeren 
Heeren Caspar Achates Mflmler, Vorneemen Borgers, un 
Parrficken Mackers hier in dussen Helmstfidde asse Bröegams: un op 



69 

dei Veel Ehre-Tagendbegafete, Gladde, Schmucke, un wrete Deeren 
Junfer Anne Phiecke Blaumen, Tit. Heeren Jfirgen Blaumens 
Vorneemen Borgers, Bruers, un Kercken-Vorstaers Lieflicke Junfer 
Tochter asse Bruet: Da sei obren Hochtiedlichen Ehren-Dag, dei ob 
den achtaienden Octauber in dässen tusend seewen Hunjert un dridden 
Jahre infeil, mit Gigen un Scharmeien in des Magnificus von der Hardt 
groten steineren Huese hohlen wollen, owergewen von Einen oprichtig- 
guen un der Brüht nechsten Blauts-Frfinne. Juck Allen bekand. 
Uelmstadt. Gedruckt bey Georg -Wolffgang Hamm. Univers. Buchdr. 

Herr Br&gam: veel Glücks than jnen nien Orren, 

Dat j& von Dage sint thau einen Manne worren: 

kohmt, un freuet juck, kohmt hAppet, dantz nn springt, 

Ud nah* der Rege weg ein lastig Leidgen singt. 

Vorwahr, ick schwebrt j&ck than, j& könt jAck gratulairen, 

(0 grienet man« sau nich, ick will j&ck nist vexeiren) 

Denn j& hefft hftte kricht san eine schmucke Brnht 

Dei wehrt is, dat jA 5hr von Harten bliewet guht. 

Un woll dehm, dei wie jA kan saune Deeren finnen. 

Dei yigellant un fix von vorren an von hinnen, 

Dei flinck an woUeteickt, dei overall is nett, 

Dei nich thau mager is, and dei oeck nich than fett. 

Dei k5hre Ogen hat, an ein Paar roe Lippen, 

Dei gliecksahm alletied yon Zackerkannich druppen; 

Un wat dat beste is, dei noch recht jang von Jahr'u 

Mit der jA alsaa jAck nah Wunsche kunt verpar'n: 

Nu darthau wAnsch ick OlAck, veel frehe, langes Lewen, 

Yeel Afganck, un wat guet woll juck dei Himmel gewen. 

Doch still! wat fält mick in? vorwahr 6 dat is guht 

Dat ick daran noch denck: h5rt höret Janfer Brüht! 

Wat kAnnen ja woll sAfs mick in dei Ogen seggen; 

JA wollen juck ja Dag thau keinem Manne leggen, 

JA woirn int Kloster thein, an eine NAncke sien, 

Un wiel jAck dat gefall, sau woirn jA gar nich frihn. 

Man m5ste von den Mann veel Kief, und SchlAg* henneemen 

Wenn man nicht alletied nah 6hm sick woll beqveemen 

Thau dem, sau hedde man von Krabben grote Nobt, 

Dat man den geeren Wunsch: man werre gar mursch tod, 

Un wat dergliecken mehr, dat kunnen jA vorwennen 

Afs' ju Gewetten juck schon sülvest mant bekennen 

Helft jA na toppe hobln? schafift raAffcken, schämt jAck wat, 

Ho ho jA sind beschimpt! vorwahr, dat lett nich glatt. 

Dei grote Uhle mag nu mehr den Junfern truen, 

Dei Knckack sAlvest mag op obre Wobre buen. 

Jn Mannes-Minschen hf)hrt: Wenn jA nu kortiseirt. 

Wenn jA die Junfern pipt, un seute Wobre feurt. 

Wenn jA sei alletied mien Kind mien Heuncken nennet, 

Un wat jA dencken kAnt thau juer Lust bekennet, 

Un sei segt: ö MuschA, ick will mien Leef nich frihn, 

Ick wil int Kloster thein: denckt, dat et lauter brAbn. 

Ja dat sei gar woll denckt: konstu ohn maus bekobmen, 



70 

SaD konn* dien Lief nnd Seil von Lust sien inne uohmen, 

Do sost dat Kloster mans ein Kloster lathen sien, 

Un leiwers starwen, als' dat du sost gar nich frihn. 

Will jü ein Bnspeel seihn, sau kieckt an Junfer Blaumeo, 

Wenn dei von Frieen bor', kon sei kein Water glaumen, 

Sei woU int Kloster thein: Nu /Indert sei den Sinn, 

Un krftpt anstatt der Zeir int Br5gam Bedd' hennin. 

Un saa is oeck ja Sinn jfl Jnnfem groet un kleine, 

Von jfick is keine dei ein rechtes Kloster meine: 

Ja wehrt mans nich sau roth? seiht mans sau sner nich nht? 

J& wair'n doch leifers hAt afs' morgen oeckne Brüht. 

Un ob jü glieck den Mnnd falsch in dei Pfinte theiet, 

Un mein't, jfi helfet fts sau Lunten voredreiet; 

Sau boret alle noch: Ja Zelte un jft Kl&efs, 

Da jft sau yeel von segg't, is jues Leiffsten Huefs. 

Drum mackt by tbüen') oeck dat jü mögt darin theien 

Labt Nunnen Nunnen sien, wer woU sick drum bemeuen; 

Swiegt mans von Kloster still, denn süfo verrab jü juck 

Dat jü gern frieben willt. Ja dencket mans an mick. 

Jü averst Junfer Brüht, jü jü hefft wolle daen: 

Dat jü wilt nich wie süfs alleen thau Bedde gaen, 

Ick lowe, dat juck nich dat Kloster mehr gefüllt, 

Un dat jü na ju Dann gantz anders hefft bestelt. 

Dei Himmel sü mit juck op allen juen Wegen, 

Hei latbe over juck an juen Leiffsten regen 

Veel Wollsien Glück un Heil, ja wat ohm mans gefalt 

Dat wenne hei juck thau, twiel jü sint in der Welt. 

Ju Huefs sie annefült mit Botter, Mehl un Schincken, 

Ju Keller gewe her dayon jü künnet drincken; 

Un dabie gew' juck Oott vergneugte Hartens-Lust, 

Sau dat juck beidersiets sie nist vom Leed bewnst. 

Un wat dat beste is: dat man mag balle boren: 

Kriegt kriegt dei Eija her, dat Huefs well sick vermehren. 

Na schluet ick minen Yersch, nehmt biemit sau vor guht, 

Ick macke einen Knix, adi mien Leid is übt. 

Hoehzeit Gericke / Rohns, Springe 1704. 

Bei der Vermählung [11. Nov. 1704] von Johann Christopffer 
Gericken und Anna Catharine Rohns, ältesten Tochter des 
Predigers Johann Friedrich Rohns in der Gemeinde zum Haller-Springe. 
Hannover, gedruckt bey Joh. Peter Grimmen, Buchdrucker allhie. 

SO gäbet nu tho Bedde, Da man allehn nich geren 

Und scblapet in de wedde, Krüpt in dat Bedde under, 

Jy weret ohne Sorgen De Kalle m5cht jetzunder 

Bet an den lechten Morgen De Jungfer Brut umbringen 

In juen sotben Armen Nu averst kan se singen: 

Einander fien er warmen. Wann andre in der H&Ue, 

Et wel doch Winter wcren, Byr alltbo groten KfiUe, 



1) Bei Zeiten. 



71 

Gantz hart and stiefe freiret, Eck kan nnnmehr geneiten 

£>at Leven gar verleiret, Ein recht vergneugtes Leyen, 

Schlap eck all 85th und warme Dat OOtt woU allen geven, 

In mienes Levsten Arme. De noch werd Junffern nennet, 

Moth eck 6hm schon verehren De dfisse Lust nich kennet. 

Den Jnnffern-Krantz ? Gar geren Et werd nich lange waren, 

Will eck ohm alles schencken. So werd se seck ock paaren, 

Wer well et my verdencken? Glieck als verleiffde Duven, 

Kohmt seihet myn Gelücke, Vorm Krantz de Fruen-Huven 

De wunderschönen Blicke, Erwählen, nn by Tyen 

De he na my let scheiten, Na Last nn Willen fryen. 

Mit düssen wenigen Regen, had de Junffer Brat 
siene Gedancken eröpnen wollen, de nich unbe- 

kandte Fründ ß. F. J. 

Hoclzeit Bielcke / Förster 1708. 

üp Dem Hochtiets Dage Des Woll-Edlen, Vest un gutstaddeirten 
Heern, Hn. Johan Felix Bielcken, Vornohmen un wietberäumten 
Bauck-Verkoper in Jena Un der Woll-Edlen, Wackern un Dugend- 
ricken Junfern, Jf. Rosina Anna Forstern, Des Woll-Edlen, Vest un 
Woll-vorn8hmen Heern, Heern Nicolaus Forstern, Wiet un siet be- 
räumten Hoflf-Bauckverkoper in Hanover, andern Junfer Dochter, Wolle 
tau gauer letz noch einmahl mit der Brut un Brogam, ehr Sei int 
Hochdfltsche Land togen, een paar platd&tsche Wore schnacken Ein 
olt dÄtsch Erfind den Sei baye woll kennt. Hanauver, Gedrückt in 
der Holwienischen Drfickery. 

Vor hannert dasend Sficke, wat raist dai Lüh vor Wege, 

Wat annern^mt sei nich vor harr an rahe Stege: 

Eck fragde dalje mahl, wat mag dei Lüh saa thain? 

Sei sän: Weista dat nich^ ot is ein sunderck Stein. 

Hasta nich olings mahl in einem Baacke lesen, 

Dat ja sann Wanner-Stein in düsser Welt schall wesen, 

Dei apne heimlcke Art dat Isen an seck thüt, 

Deit glicksam rucken kan, went schon ein reek draf liet. 

As eck düt nich verstand, an ock nich loven wolle, 

Un dachte hen an her, wor dat doch tan gähn schölle, 

Kam eck von Helmestäe up Bronschwicks Misse gähn, 

Un sach nich wiet vom Marck einen Marckschrier stahn; 

Dei hreng^O mit annern ock sann Ding hervor tau wiesen, 

Un sä: Sechter, ihr Herrn! hier hengt am Stein dat Isen; 

Herr Jeminai wat wort vorn Lärm apm Marcke wach, 

Afs lütck an grote Hans dut Wannerding besach. 

Olick achter my stand Caard, and Dreivs mit siner Exsen, 

Dei baien meynen gwifs, dei Kerel könne hexen, 

Su! su! sä Dreivs tan Caard: Wat na dei Duvel dait, 

Hedd' eckt myn Dag nich emeynt, dat dat hermaag? angait. 

Hierap fang eck glick an, an mien ohl Baack taa dencken, 



*) Druck: bteng'. 



72 



Dat schon vor ganer Tiet hefft leg'n nnnern Brücken. 

Eck sade in meck s&lyst, t'mag wol nein Brfient syn, 

Wat dei staddeirte Minsch hat schrefeu nht dem Sinn. 

Averst, Heer Br5ddigani, mit k6rt' von jock tan seggen, 

San mant eck jflck dat Ding een betten beter nhtl eggen, 

Wat meck san unyermant np dftsse Infali bracht, 

Hort meck een beten tan, nn nömt et wol in acht. 

Eck heff* vor d&ssen mahl ein klein weintzig abserveiret, 

Dat Lue dei san veel in Bänkern hefft staddeiret, 

Uht veelen Dingen k6nt ein wacker Glycknifs nohm'n, 

Un dat san nndelick in 6hre Schrifften qvem^n. 

Nn woU eck endlick wol von d&sseu Stein wat finnen, 

Dat schlimste aver is, ufs einer kant nich uhtsinnen, 

Ginge eck alle Dag' mit Leives Saken um, 

Woll eck een Carmen macken t'sol fleit'n afse dei Mnmm. 

Eck woll ju wackre Brat mit solcken Treck-Stein glicken, 

Un obre Eigenschopff von H5fft tau Fant hruht stricken. 

Dei Inf&U w6rnder wol, t'fehlt man an Tiet un Wie!, 

Drum schrieff eck man een Wort mit schwinnen Fedderkiel. 

Wenn jue Brut von Stain, un ji von Isen w5reu, 

Sau wör 6t keine Kunst dat Glycknifs uht tau fäuren; 

Doch dencke eck dat Ding paar mahl herum tau schern, 

Bet dat my dalje sölt noch ein paar Verse drut wehr'n. 

Dat Isen thet den Stein: dei Brut hat juck etogen, 

Dat ji sau dralle sind von Jene nah Henover flogen, 

Uu heffet jfick an Sei boU even annehängt, 

As dei Magneten-Stein dat harre Isen fängt. 

Dei Tog den ji hefft fault, maut temelck starck syn wesen. 

Eck 15ve t'is stärcker west, as eck im Bauck heff lesen, 

Tschint ock dat ji sind nau von einander gähn, 

As et Tiet wedder was tau wandern jnen Plan. 

Wat gelt ji hedden gern düs Tiet tau Henover hieven, 

As dat ji gantz alleen tau Jen hefft möcen leven; 

Min segget meck doch mahl, wo m5gte j5ck tau Maue syo, 

As ji dat leive Deern nehmn in den Ogen-Schien 

Do ji mahl olings schollen Heern Försters Deiner weeren, 

Wust ji Hanover bald dei Hacken tau tau kehren; 

Nu averst as ji schalt siener leivsten Dochter-Mann wesen, 

Schlenter ji ohm wol nah bet ben nah ohlen Dressden. 

Dat is Natürlick recht, as dei Magneten-Stein 

Dei wat nur Isen bet kan mächtig an seck thein. 

Un sau wert ji nun wol au dässen Steine bnmmeln. 

Et mag gaut Wedder syn, oder donnern un grummeln. 

Nein Minsche wert j6ck nu ju Leve von anner schei'n. 

Et sy denn dat einmahl dei knockern Eaickebeiu, 

Dei 6sck tau hope mahl werd von ei nanner stoten, 

Dat wie nolns volns mot Ehten un Drincken vergüten. 

Dei Heer dei jock nu sau hfibsch an eiuanner fängt, 

Labt jÖck byn anner lev'n, bet jäck all bay gemengt. 

He lat ju Hufs un Hoff an ricken Segen gräunen, 

Dat Glack[e] maut jock sülvst mit siner Gunst bedainen. 

Eck segge noch einmahl. Glück tau dem nien Stand: 

Eck sä j5ck boUe vermehrt in juen Thäruger Land. 



73 

Hochzeit Oppermann / Schirmer 1709. 

Dat seute Frien, Dat up Blandineken Dag im dusend seven 
hundert und negenden Jahr Dei Heer Amman Jürgen Christian 
Opperman mit de Junfer Marike Louisken Schirmers anfenck, 
un God gefe lange Jahr nich to ende bringen mag, Ein betgen lev- 
haiftig beschreven von einem guen Friind dei mit siener Greitgen 
Dat Frien Ardig Hat Probeiret. 

Blandinken leiflig Dag klahr np, an were helle, 

Beut an ein Leifes-Fübr dem Herren Br5ddigam, 

Dat hei mag as ein Mann vertreen sine Stelle, 

Wenn sine schmucke Brnth h^lt stille as ein Lamm. 

Dei Leifes-Schmeicheley, davon du werst genenuet, 

Nehm alle Glieder in der angenehmen Brnth: 

Dei Ogen, Mund un Brust, un wat hei noch nich kennet; 

Eck mein den schlanken Lief mit 5rer witten Huth. 

Herr JÄrgen leg nun af dei rechte Ridder-Proven, 

Dat hei in Venus-Krieg bestahe as ein Held; 

Damit in Wahrheit 5hm dei Bruth kau tapper loven, 

Dat hei in dem Gefecht beholen hat dat Feld. 

Doch denk dei Bidder hier, dat hei et nich so maket, 

Dat alle Lue et an sienen Ogen seit. 

Hei schlap ein betgen uth. Denn wenn hei ümmer waket, 

Sau steckt hei un [lies an] ein F^hr, dat ohm und ohr tau heit. 

Wenn man en schönen Guhl let immer galopperen, 

Sau wert de Bfiter stump, dat Perd werd ock tau matt; 

Und wenn den Vorrath man up einmahl wil vertheren, 

Sau klopt man altau freu offt an ein leddlg Fatt. 

Doch weit Herr Christian de Mate schon tau finnen, 

Hei werd nah Törcken Art et maken nich to grof. 

En ider lovet öhn, dat hei brukt siene Sinnen. 

Soll denn sien Wiefken pich 5m geven ock dat Lov? 

Dat Lov, dat hei sei kau mit Maten hart! ich schnutgen, 

Nich drficken alto offt ör honnig seute Brust. 

Up dat nich schlubre af dat plumen weike Hütgen, 

Un hei noch lange Jahr versenke d&sse Lust. 

Lonisken werd 5m twar tom speien nich andrieveu, 

Doch nah den Nahmen dauhn, den sey von speien föhrt. 

Et wol ja eischen stahn, dat sei wol mit 5hm kieven. 

Wenn hei et matig deit, sau as et sick gebohrt. 

Sonst werd dei Lust taur Last, dat seute werd denn bitter. 

Wenn man den Magen brav bot an den Halfs uppropt. 

Wenn kAmmt ein Regenfluth mit offterm Ungewitter, 

Erstickt dat sch5ne Eohm, dat sonsten gut nplopt. 

Sau kau Louisken wol Maria endlich weren, 

Dei 5ren Nahmen hat von Gall und Bitterkeit. 

Doch wer wol einem Lamm dei Wull upeius afscheren? 

Backofens nAttet nich, dei man maeckt alto heit. 

Drum denckt dei Opperman, dat hei wil mati^- Kien, 

Hei weit, Louisken hat den Nahmen ock Marie. 

Dat speien kan öhm nich, dat lüen nich gerüen. 



74 

Wenn hei man höret np, wenn sei r5pt öffters I. 

Sei werd mit ohren Schinn öhm nimmermehr verlaten, 

Un wen et Öbm ankfimnit, as et den Baren deir, 

Sau werd sei bie 6hm sien, an frfindlich 6hm ümfaten. 

Doch dat dei Ader let, is kein plamphafftig Fieit. 

Saa 18 dei Schirm nich schlimm. Doch Goddes Schirm is better; 

Dei is dem Bröddigam and ock der Brath sehr gath. 

Wenn Ehstand Wehstand wert, and kfimmt ein Ungl&cks-wetter, 

San nömm Gott beyde fest in siene Almachts-Hath, 

Intwischen ob ick glieck veel rieper an den Jahren, 

As Broddigam an Brath, wil ick doch wahren np. 

Ick wil mit minem Wansch ap orer Hochthit fahren, 

Un mine Greitge schal oock dautzen ein Hop Hup. 

Dei Breitge dei twar hat dem Amman appewahret, 

Un siene Meyersche drey gantze Jahre west. 

Doch dat sei hedde seck mit ohm in Bedde paaret, 

Dat kon and schol nich sien, hei socht Lonisken Nest. 

Spel-lue blafst denn ap, sey schal dei Arje singen, 

Dei twar den Tackt nich holt, an etwas fahle gelt, 

Dewiel der Hey ersehen nah seaten leifes Bingen 

Dei Discantisten Stimm in korter Tiet verleit. 

Arie. 
Leif lange taasammen 
Getraetes Paar! 
God late dei Flammen, 
Dei koppelt dät Jahr, 
As an dem Water de hüpigeu Wieheu, 
Ümmer in Wolsien, in Seegen gediehen. 

Hochzeit Napp / Bosenmeyer, Waldorf 1709. 

üp Herr Napps un Junffer Rausenmeyers Hochtiet in Wol- 
torp. Im Jahr 1709 den 10. Julii. 

De Baase deint taar Last, de Napp versorgt dat Lyf, 
Dat lüstet Ohlt an Jung, dat haget Mann un Wyf; 
De Napp mot Dag vor Dag bekleen ase Dische, 
De Baase ruckt darby tau Tyen ock all frische. 
De Bausenmaierin nahm Hasselhoffe treckt. 
Dar ward sey finnen dat, wat häbsch an fiene schmeckt. 
Dat ward Se maken schön tau rechte obrem Leife, 
Trotz! wat de beste Kock upgifft uth sienem Schleife, 
Se ward Oehm in den Napp braf gefen, by dem Mahl, 
Bagu an Fricassee, Warmbeir an Kohleschahl, 
Sallaat un Witten Kohl, ohk Gause-Brahn un Fische, 
De beter plegt tau glien, afs' Hau un Fledderwische. 
Bies Zucker an Cannehl ward Se dar ohck dann an ; 
Ja wiel Se sfilvest ohck de Baasen maien kau, 
Sau glitt Se woU taur Tyd darunner B a a s e n -Water, 
Dat behter schmücket, afs' ein Stück vam doen Kater. 
De Baasen, de Se ap den Band der Schötteln legt. 
Sind Leif an Friindligkeit, uprichtig, schlecht an recht, 



75 

Damit ward Se Oehn mehr un kräftiger erquicken, 
Afs de Gesundheits-Born de Krüppels up den Krücken. 
Wy wünschet Oehnen denn veel Segens in den Napp, 
Veel Bansen in den Gahrn, veel sentes in dat Schapp, 
Un dat, wan overt Jahr wy wedder Baasen plücket, 
De Baasenmai er in ein Ifttteck Näppken licket. 

Hochzeit Weige / Rensche, Langeisheim 1710. 

Des Wohl-Ehrwürdigen, Grofsachtbaren und Wollgelahrten Herrn 
Herrn Friderici Weigen, Der Kirchen zu grossen und kleinen Elbe 
Wohlverordneten Pastoris Verehrlichen, Mit Der Viel- Ehr- und 
Tugendreichen Jungfer, Jungfer Dorotheen Margarethen, Des 
Wohl- Ehren-Vesten und Vorachtbaren Herrn Herrn Georgii An- 
dreae Reuschen, Wollfihmehmen Kauff- und Handelsmanns in 
Langeisheim Eheleiblichen Jungfer Tochter, Welches den 2. Decembr. 
1710 zu grossen Elbe gebührlich angestellet und vollzogen ward, 
Wünschen durch folgende Zeilen alle Glückseligkeit Nachgesetzte 
Freunde. Gedruckt im Jahr Christi 1710. (Nach einem hochdeutschen 
GedichU folgt:) 

Do afs de lefe Gott Vader Adam hadde schapen, 

Un seck kein Deirtjen fand, dat by öhm k5une schlapen, 

Sprach Gott, et ifs nich guht, dat he aileene blifft, 

Hier maut een Wieffken sien, dafs ohm de Tiet verdriffb. 

Hiemp schleep Adam in as §hn de Nipp bedropen, 

Un was nht siener Siet en Füer-niet Wieffken kropen, 

Do lache ohm de Bart, he ticke de nien Bruet 

Un dachte by seck sfilfifst, sann Dinck ifs rechte-gnht, 

Vorhen wast Wetery: He was en rechten Stfimper, 

He was em Fischer glieck mit arrestertem Plumper 

Afs awrst de Menmke kahm, do ward he h&bsch un fien, 

Drum see de lefe Gott, sülfander ifs gut sien! 

Guth sindt se noch jtznnd! Wenn k&mt de Brut tanr Stidde 

Bringt se 6hr Tocheltüg nn (Ure Kisten midde, 

De woll begafet ifs, betahlt Papier un Black, 

Un manche Kanne Beer dehm hier un dort affstack, 

Up 6hren Penni-Bflhl! Guth sind se ock im tftchten, 

Knhm kan üsk negenmahl de Mahnd herümmer lachten 

San ifs de Wege wach, sau istr en Petermanu, 

De baiden ohr Bedrief mit Last erinnern kan; 

Guth siod se even ock by Dage un by Nachte, 

Des Nachtfs im Beddestroh, des Dages holt se Wachte, 

Dat jo nein Schade schAt, se seht np Disch un Banck 

Und loopt den Wachteln glick den Dag im Huefs eullanck. 

Guth sind se by dem Disch, se kockt dem Mann de Giütte, 

Se predigt ohm int Ließ, sau veel afs immer nütte, 

Verschnacket ohm de Tiet, se segg't van hier un dar, 

Bifswilen is et sau, bifswilen ock nich wahr, 

Wan dan de Avend kümt, sau gabt se mit tan Bedde, 

Sau sind se ock nich schlimm, se schlapt mit in de Wedde, 

Se wärmet ßhren Mann, se frag't ohn wo et stait? 



76 

ün wo et hier an dar, in sinen Sacken gait? 

Tan lest sau sind se guth, wen d* Uie tengt tau singen, 

Un mit klywit, klywit mnsiken tengt tan bringen, 

Sau koockt se en lesten Bry, se dr&ckt de Ogen tau, 

Un bringt den leifen Mann in sine lange Rau 

Is dan vam Fruen-Volck sau sehr yeel guths tau hopen, 

Sau hefft jiet woll emackt, so heif jiet woU edropen 

Herr Brogam, dat ji hilet taum Ehestanne griept, 

Und sau en wacker Kind up sine Schnütjen piept. 

Ji wert et numehr ock im Warcke sülrst erfahren 

Wat vor en Fr5lichait en Deern van achttain Jahren 

Mit in dat Bedde bringt, wat wilt jfick sachte dann, 

As wan uht Nierenhait ji plAcken ain jung Haun. 

Nu veel OelAcks dartau! Gott helpe juck tau hope, 

Ju Broot dat dye im Schapp', de Braihan in demStope, 

Be geef jftck Ayr un Fett, un alle Büdels ful, 

Verdriv* den Dulrian, den Hader, Toorn un Grul. 

He friste juck sau lang, bet jick nicht pudern dröfet, 

Bet ji fin lise gabt, un nemms de Kdken d&fet. 

Herr Brogam wanjert hen, de Bruet de is beret, 

Un sehet, wat se guths in öhrer Kisten hett. 

J. H. S. 

Hochzeit Stahl /Miras, Peine 1711. 

Der Wohlgerahtene Kauff, Welchen getroffen Der Wohl -Ehr- 
würdige und Wohlgelahrte Herr Herr Gasparus Julius Stahl, 
Wohl verordneter Prediger zu Hohenhameln, Mit Der Hoch-Edlen, 
Ehr- und Tugendsahmen Jungfer, Jungfer Catharina Maria, Des 
Wohl-Ehrwfirdigen und Wohlgelahrten Herrn, Herrn Johannis Caspari 
Miri, Ministerii Peinensis Subsenioris Jungfer Tochter, Worüber zwene 
Kauff- Leute am 27sten Octobr. 1711 folgenderweise discurirten. 
Gedruckt in obgemeldtem Jahr. 

Hr. Slyek so nach Hohenhameln reiset, trifft unter Wegens einen Hammel- 
Treiber an, welchen Er so anredet: 

Hr. Slyek. Glftck zu mein guter Freund! Wo kommt ihr her marschiret? 
Kommt ihr yon jenem Ort? da man die Saiten rühret? 
Hi^meltr eiber. Ja! ja! da komm eck her, un reise sau herum, 
Ick kope Hämel up, wat frage jy darum? 
In Hohenhameln dort sind sei all weggegreppen. 
Da sind sei numehr rahr, noch rarer als dei Schneppen! 
Hr. Slyek. Das war ja wunderlich! Ist denn aus Braband schon. 

Der sie zu kauffen pflegt, des reichen Kauffmanns Sohn, 
Daselbsten auch gewesen? Der handelt gern die Besten, 
Und reiset weit herum nach Norden, Süd und Westen. 
Hlimeltreiber. Dat wohl ifs hei da west, dei rieke Hämmel-Hans, 

Dei k5ft ja alles weg, heb' Schwantz od'r keinen Schwant^. 
Hei hett ein Schaap da kofft, da eck dat Muhl nah spitze, 
Dat her eck geren hat; des Nachts schlöp't in der Mütze, 
Da bet hei, 15fft jy man, en guen Kohp andahn, 
Defswegen wol hei ock, nich eir von dannen gähn. 



77 

Hr. Slyek. Was ist das vor ein Schaaf? Wie ist es anzaschauen? 
Das mufs was rares seynl Ey sag mirs in Vertrauen. 

Hämelt reiber. Hai ha! eck höre wol, dei Lecker s611 jeck ock 

Yelicht wol dahen stahn, nah dem Haputgen Lock. 
Alleen bement jeck nich, de Kohp is alle Schloten, 
Dat Ißift jy sicherlich, et het meck ock verdroten, 
Eck arme Lnmpenhund, hert wol sau geren hat, 
Eck kopschlang ock darnah, war doch sau vel als dat! 
Hr. Slyek. Ey! sage was dn meinst, ich kans noch nicht errahten, 

Man kan es doch nicht riech'n? Das Schaaf ist nicht gebraten? 
Du roust damit heraufs, eh reis^ ich nicht von dir, 
Darum thu auff dein Maul, und sag den Handel mir. 

Hu mel treib er. Nu hört, sau bort den tau: Dat Schaap dat is en Deeren, 
Dat ifs Ton guer Tucht, un werd noch Künste lehren, 
Et het en arig Schnütg'n^ un ock en gut Gesicht, 
Dey Huet ifs wit, wit, wit, dat harte leive Wicht. 
Et is en nfltlich Bild, dat kan kein Mahler macken, 
Ock nich en Schostenfeg'r, kratz hei ock noch sau faken, 
Dat Schaap dat schmeckt sau seut, noch seuter als en Not, 
Ja wat? et Overdrept den seutsten Honnig-Pot! 
Hr. Slyek. Nunmehr verstehe ich denn, und habe sat erfahren. 

Es sey ein solches Schaaff von sechzehn, sib'nzehn Jahren! 

Hfl mel treib er. Ja, Ja, sau is et ock, et het en brafe Bost, 

TJn mag thaumahlen gern Speck, Schlucken, Eyr un Wost. 
Dat Schaap dat het Herr Stahl thau siner Frue nohmen, 
Un wenn hei daby schlopt, sau werd hei nich verklomen, 
Un soll seck dat en Deiff tau stehlen unerstahn, 
Dei k&mt ind' Hunnelock, un werd nich fry utgahn. 
Hut wil dei Hochtiet syn, un daut seck wat tau gue. 
Hei piept sey, wenn hei will, den sachte, den mahl lue. 
Gott lat sey man gesund, un leefen mannich Jahr, 
Bet sey Grot-Oeller-Meum, un hei Grot-Oller-Vahr. 



Hey! hüte wilt klingen dei gläserne Humpen! 
Hoh'nhameln ifs lustig und let seck nich lumpen, 
Et wischet dei Schnuten un supet dei Gäste, 
Herr Stahlens Gesundheit, denn dei is de Beste. 



Georgs I. üebersiedlang nach England. 1714. 

Aller- unnerdanigste Glfick-Wunsch, an Usen allergnädigsten 
Leifen Herrn Konje, Asse Hei uht Sienen Leifen Hannover un van 
Sienen Dfltschen tr&en Unnerdabnen in Sien grote Riek Engeland ver- 
reisen wolle, upgesettet van Joust Gorries am Deisler. Drückt im 
September-Mant, 1714. 

Wat Gott heschloten h&tt daer plegt ot hie tau hliefen, 
ün kan dei Welt öt nich mit List noch Macht verdriefen, 

Denn Gott regeert alleeu, Gott is alleen dei Mann, 

Dei dfisse ganze Welt im Stann' erholen kan. 



78 

Wenn dei en Printzen will np siener leifen Eren 
Tan einem gr/^tern Herrn hier noch will laten weren, 
Sau mant ot ganz gewifa nah sienen Willen gähn, 
Un kan in düsser Weit nichts gegen öhn bestahn. 

Hätt nse Kahrfürst nich in Sienen Lefens- Jahren, 
Dat Gott alsan (jt holt, genang an Sek erfahren? 
Öt is jo Overall der Christenhait bekand, 
Dat Hei van Tied tau Tied vermehret hatt Sien Land 

Un Siene BÄdels ohk. Wie heflft Gott noch tau lafen, 
Dat hei Öhn wieer hStt recht wannerlick erhafen, 

Tan s51kem Konje-Riek, dat in der ganzen Welt, 

En ider dei öt kent, vort allerbeste holt. 

Hei is van Eönjes-Blant nht Engeland gebahren, 
Darfim is Hei nu ohk taum K5uje dort erkahren, 

Dat arvet Hei vordan np Kind un Einnes-Kind, 

Sau lange dei van Öhm im Lefen ofer sind. 

Dat is Hei ohne dem ohk wehrt vor annern allen. 

Den aller Welt hätt jo Sien Regiment gefallen, 
In Sienen Karkens maut dei Lehre rain bestahn. 
In Sienen Lännern maut dat Recht im Schwange gähn. 

Wie heflft, nechst Gott, dörch Öhn im Frede können bliefen, 
Dei Fiende könt ösch nich van Hnefs un Hafe driefen, 
Dei Fruens kaket ösch den Kohl tau rechter Tied, 
Un bringet gern dat Fleisch taum Kohle ahn Verwiet. 

Des Hinsehen Loif duert doch veel länger afs sien Lefen, 
Nu maut dem leifen Herrn dei Welt dat Tügnifs gefen, 

Dat Hei Sien Lief un Blaut gern waget vor Sien Land, 

Van leifer langer Tied is diit genaug bekand 

Man seih' in Boikern nah, wat hei in siener Jögend 
Vor Praufen afgelegt van Dapperkeit un Dögend, 
Vor Trier un vor Wien, dei Kaiser Leopold 
Dei was deshalfen öhm vor vehlen annern hold. 

Wie heffet unner öhm nich nöhdig hatt tau klagen 

Van groter Af erlast, van Exequerers Plagen, 

Denckt, wenn een Buer behölt sien Veih, sien Huefs un Gaut, 
Sau hett hei allemahl noch einen frischen Maut. 

Sau spieset man noch woU den Sondag wat vam Schincken, 
Un mögt des Afends geern darup en Pegel drincken, 
Hei Juchai, wünsche wie, dat an den Jüngsten Dag 
Dei leife Kuhrfürst doch in Snndheic lefen mag. 

Oet hett seck noch taur Tied in allen woU gefeuget, 
Dei Kuhrfürst ifs mit ösch, un wie mit öhm, vergneuget, 

Nu werd öt overluet, van Hnefs hie Huefs bekand, 

Dat hei ohk Könje wetd im Rieke Engeland. 

Dat is woll rechte gaut, wie günt öt öhm van Harten, 
Doch maket öt vorerst in usen- Härtens Schmarten, 



79 

Dat hei nn alle Tied bie 6sch nich bliefen kau, 
Darfim bedreufet seck im Lanne jedermann, 

Denn wie hoert overall, bie Jungen un bie Ohlen, 

Sei alle w611en öhm im Lanne gern beholen. 

Denn wenn een Lannes-Herr in sienem Lanne is, 
San gaiht 6t daer woll tan, dat glöfet man gewiss. 

Nu afer were wie woll Tranen gnaug vergelten, 
Un sei wilt mengem noch van sienen Backens fleiten, 
Ja gefet acht, dat werd im gantzen Lanne schein. 
Wenn sei, Herr Könje, erst werd juen Aftog seihn. 

Doch afer hape wie, wenn jie werd von osch raisen, 

Sau hole jie osch nich vor Vaderlose Waisen, 
Wie bliefet wat wie sind im Glfikke un in Noth, 
Dei Gott afwennen werd, getrue bet an den Doot. 

Wie alltauhope wilt bie Nachte un bie Dage 

Gott bidden, dat hei jöck bewahren mag vor Plage, 

Un waihet overt Meer in Engeland en Wind, 

So dencket dat darbie ohk use Süfzers sind. 

Wenn ohk eenst Fiende wilt jok dat Vergneugen stören, 

Dat gegen sei darum jie mötet Kriege föhren, 
Oet sie ohk woer öt will, so heffe wie den Maut, 
Vor jok in aller Welt tau wagen Gaut un Blaut. 

Jie wetet woll, jie hefft im Lanne S(Mke Eumpen, 
Dei, wenn 5t n^hdig daiht, sek gar nich latet lumpen, 
Sei m^get alle gern frisch vor dem Fiende stahn, 
Un ohnen nich en Schritt uht obren Wege gähn. 

Wie hapet overall, Gott werd in Gnaden gefön, 
Dat jie noch mennig Jahr mögt im Vergneugen lefen, 
Jie bruket jährlik doch den Brunnen tau Pyrmunt, 
Dat dout noch alle Jahr, sau bliefe jie gesund. 

Jie könnt jok denn darup erlustigen mit Jagen, 
Dei leife Kron-Prinz ohk, öt werd jok bayden hagen, 

Dat gantze Land werd jök bie Dage un bie Nacht 

Upwaren, asse sek gebührt, mit aller Macht. 

Wie wilt jök denn sau veel van Appeln un van Beeren 

Henbringen, dat jie sei nich alle könt verteren. 

Und wenn süfs noch wat mehr ösch im Vermögen is, 
San schall jök bayden öt tan Dienste sien gewis. 

Herr Könje wie wilt düt van juer Gnade hopen, 

Und wilt mit Fraiden jök entgegen alle lopen, 
Dat Vivat were jie woll hören dann sau wiet 
Wie raupen könt, wenn jie up usen Grenzen sied. 

Nu Gott bewahre Jök mit Kind un Kinnes-Kinnern, 
Un störe wat Jök will in juen Warken hinnern, 

Hei hole Jök altied vergnenget un gesund; 

Düt wünscht dat ganze Land uht Härtens- Grunn un Mund. Amen. 



80 

Pastor Marburgs Amtsjabiläum, Wendebnrg 1718. 

Die Freudö un Danck der Wennjeborgischen un der anneren 
Gemeinen.^) 

Herr Marborg dei hat üsch tansamen inneladen 

Up eine Koste van Gokoockten nn Gebraden, 

Darby denn ock noch schall ein gut Dranck Beier sieni 

Dat wie schult eten satt, an schult ock drincken fien. 

Wat schüll wie denn nu dann? schuU wie ()hm dat verseggen? 

Och ne, dat mocht hei ^sch wol gans nich gat uhtleggen. 

Wie sind ock ja sau nich, wat wie darmidde kAnt 

Man tan Gefallen dann, daa wie gern einem Fründ. 

Wat schall dat averst doch wol heten an bedüen, 

Dat up der Parre ifs saun groot üploepp van Lfien? 

Man si\ht dar in dat Huefs sau manchen Schwart-Rock gähn, 

Un sf^ht ock etlicke mit fariften Kleern stahn: 

Dar ifs ock Wiever-Volck, dat hat sick wacker patzet, 

Un ifs sau schmuck un glatt, gewifs, dat et man stutzet. 

Et lett, afs wenn sei helft dei besten F&hme an, 

Dei sei anteiet, wenn sei wilt nähr Hochtiet gähn. 

Drum koem wie Buerslü ock nich afs Suddelkocke, 

Wie heffet annetogn dei besten Sondags-R^cke, 

Dei Parre wart nu sau mit LAen anuefüllt, 

Dat man ball nich afsüht wo sei all sitten schallt. 

Dog düt ifs nich umsfifs, afs man all hett erfahren, 

Herr Marborg dei nu schon mehr afs vor fSfftig Jahren 

By üsch tau Wennjeborg hat use Heere sien, 

Un ifs ock noch Pastor, sau lang et Gott wel lien, 

Dei hat düt Lag bestellt, wiel hei by sienen Oller, 

Dat süfs gemeinlick ifs ein recht beschwerlick Moller, 

Alleen un ohne* H&lp sien Amt verwaltet hat, 

Un ifs dog noch keinmahl der Arfeit worren satt. 

Darinne hat hei nu usch meistens alltausamen 

Gedoift, un usch dabie enennt mit usen Nahmen, 

Dat der Gedofften sick elffhnndert föfftig find. 

Hergegen deren, dei van 6hm begraven sind. 

Der schüllt tausamen sien seffn hundert achtig fieve. 

Ifs dat 6hm nich ewest ein Last up sienen Lieve? 

Denn sind veirhundert noch un seffn un fofftig Paar, 

Dei hat hei Eobbeleirt im Amt dei föfftig Jahr. 

Hei freuet sick nu wol, dat sau veel Jahr verflooten, 

Wie noch veelmehr, dat wie hefft siener wol genohten, 

Hei hat üsch wol elehrt, un trülick up den Weg 

Nabu Himmel tau efeurt, un van den Laster -Steg 

Usch nangsam affemahnt. Hei hat mit sienem Leven 

Usch redlick voregahu, kein b6fs Exempel geven. 

Wenn man 6hm halen leit, et was bie Nacht un Dag, 

Was hei parat, keinmand et anders seggen mag. 



^) Die Mitglieder der Gemeinden Wendeburg, Twedorff, Wendezcll und 
Völckerode beglückwünschen ihren Pastor, Sebastian Marburg, zum 50jft,hrigen 
Amtsjubiläum am 5. Juli 1718. Gedruckt in Braunschweig. 



81 



Süss hat bei ock in Noth un Doet fisch nich yerlaten, 

Wenn wie nich fannen Bath im Dorp np allen Straten, 

ün gingen denn man ball nah usen Bicht-Vaer hen, 

Sau wflsten wie gewifa, dat et nich failen k5nn. 

Wie kfinnt dat 6hme ock mit Wahrheit wol nah seggen, 

Dat hei sick nich woll np dei fnle Siee leggen, 

Wenn man öbm säe vor: Hei w5re ein oelt Mann, 

Hei könne rauen sick, sau stund obm dat nich an. 

Ja keinman könne öhn man einmabl dartau kriegen, 

Dat hei, ohn h5ch8te Noth, ein andern leit upstiegen, 

Hei säe: de lope hen, wat schall dat n5dig sien? 

Jck kan et sfilfifst noch wol, ne ne, dat Amt ifs mien. 

Nu wie künt siene Trü un Arfeit nich vergellen, 

Doch will wie et ock nich in dat Vergetten stellen, 

Wie wettet ja darum am besten wol Bescheid, 

Sau m5te wie davon ock seggen lanck un breit. 

Wie Wennjebörger segt: ji hefft ftsch biegewohnet, 

Herr Marborg, föfftig Jahr, wat wie nich hefft bilohnet, 

Dat mag un will ock wol dei leive Heere Gott 

Belohnen riecklig juck, wenn ji schon sind all doet. 

Wie Wennjezeller segt: wiel ji üsch woll elehret, 

Herr Marborg, wünsche wie, dat ji nah düssen boret: 

Kumm her, du frohme Knecht, du bist getrfl ewest, 

Gah in des Heeren Freud, dat ifs ja wol dat best. 

ün wie van Zweydorp segt: wie sind wol underwieset, 

Herr Marborg, juen Fliet dei Kindeskinder prieset. 

Gott sie ju Lohn darvor, wie wettet jftck et Danck, 

Wie wilt et reumen ock all use Levenlanck. 

Wie V(>lckenroer hefft mehr Ohrsack noch tau sprecken, 

Denn jent ifs gegen fisch ball nig einmahl tau reken. 

Wat hat dei lange Jahr doch nig dei gue Mann, 

Nah usen Dorpe her veel sure Wege dahn! 

Im Winter hadde 5hn dei Kfille offt dorchtogen, 

Dei Schnie un Begen brav um sienen Koppe flogen: 

Wat hei tor Sommer-Tied manchmahl vor Schweet vergoet, 

Wenn hei her tau fisch kam, dat weit dei leive Gott. 

Dei will denn sienen Schweet, Fliet, Arfeit un dei Trfie 

Dei hei an fisch bewiefst, davor wie guen Lfie 

Oehm nich satt dancken kfint, belohnen ganfs gewifs 

Afs et 6hm nfitte hier, un dorten selig ifs. 

Hat hei 6hn sädigt hier mit einem langen Leven, 

Sau will hei 6hm darnah den Himmel dort wol geven. 

Dat wfinschen wie, dat wfinscht dei gantze Meine noch, 

Wie biddet all tauhoep: Gott erhör fisch dog! 



Pastor Harburgs Amtsjnbilänm, Wendebarg 1718. 

Afs Us' HeiT Marborg fisch ein Gastebott egefen, Nadem 
Oehn use Gott sau lange laten lefen, Dat He nu fofftig Jahr Sien 
Amt verrichtet hat, Recht, Afs' ein braf Pastor, Nich kranck, Un ohck 
nich matt: Do hat ein Buersmann hier dufse Versehe maket, Dei 

Nisderdeatiches Jahrbuch XXXV. Q 



82 

hier in Wenneborg Spinn't, Doschet, Pleuget, Bracket. Et is de 
Mann, De recht von Harten grunne schrift, Un uses Herr Pastors 
Sien trfle Parr-Kind Blift. Im Jahr 1718. 

H5rt Lue, hSret taa, ick heff juck wat tan seggen, 

Dat is vort erste wahr, et sind gar neine L&ggen: 

Tau dehme kamt et ohk nich alle Dage vor, 

Drnm gefet encke acht, un sparret up ju Ohr. 

Et is hier ein Pastor, den weer ji alle kennen, 

Drum et nich nodig is, wietloftig Oehn tau nennen: 

Doch scholl hier ja wer sien, de sau gar frommet lett, 

Sau segge ick et 6hm, dat he Herr Marborg hett. 

Dem Manne is van Gott ein temelck Oller gefen, 

Dat segg ick, un wer weit, wur lang he noch kan lefen? 

Al'l over achtig Jahr hat he darmidde west, 

ün is noch temelck starck, un up den Beinen fest, 

Des Ollers Scbwackheit hat he noch nich erfahren, 

He is ball noch sau kasch, afs ein van veertig Jahren: 

Wan he in Wenneborg hier up der Straten galt, 

Sau scholl ji Wunner sein, wur öhm dat frisch anstait. 

Wan glieck dat Steg is krum, kan he doch drover schlicken, 

Dat mauger, de noch jung, erst mott all woll bekieken, 

Un ohck übt Furchten woll biem Stokke drover galt, 

Dat he, eir he et sAht, nich plump int Water schlait. 

Ja he kan ohck taur Noht noch overn Grafen springen, 

Dat jungen Eerels wel nich allemahl gelingen: 

He kan tau Peere braaf noch komen up, un af, 

He kan frisch over Feld fortsetten sienen Staf. 

Düt is Verwunnerns wehrt: doch mott ick mehr verteilen, 

Dat wunnerlickste is, wat ick juck nu wil mellen: 

He hat all foftig Jahr up user Eanfsel stahn, 

Dat latet truhn einmahl juck recht tau Harten gähn! 

Sau lange leife Tiet hat he all motten leefen, 

Nadem he düfsem D5rp ia taum Pastor egefen. 

Ick löfe, dat et ohck all over foftig is, 

Sau, afse mick et dänckt, doch weit ickt nich gewifs. 

Denn afs^ Hr. Marborg kam, dat kan ick kuhme dencken, 

Ick satt in user Schaul noch up den Fiebel-Bäncken, 

ün itzund bin ick all van sestigen nich wiet, 

Dat is all lange hehr, et is 'ne lange Tiet. 

Scholl dat nu Wenneborg nich afs^ ein Glöck erkennen, 

Dat üt en solcken Mann hier Herr Pastor kan nennen? 

He bringt sien Preddig-Amt up sau veel Jahr hennan. 

De unner hunnerten kuhm ein aflefen kan. 

Ja, ja, wie wünscht ohm Guts, wat wy man kilnt ersinnen, 

Gott gef öhm wier Kraft van butten un van binnen: 

Un wan he endlich matt angefen mot sien Warck, 

Sau make Gott Oehn dort in sienen Hütten starck. 

Reise Oeorgs I. nach Hannover. 1719. 

Der ehrliken Hannoverschen Buren allerunnerdanigste Fraide, 
asse dei leife grohte Gott usen allergnädigsten Herrn Könje uht 



83 

sienem groten Rieke Engeland in sien dutsche trüe Kubr-Fürstendaum 
im Brakmande 1719 glüklik ohk gesund wedder kohmen leit, be- 
schrefen van Jaust Görries am Deisler. 

Nu süht man dat Jie §Bch Herr E5nje nich k5nt haten, 
Wie k5net ohk van J6k bet in den Dod nich laten, 
Un leift en Brc^gam gliek dei Braet van Harten sehr, 
San leife wie J5k doch Herr Eonje noch veel mehr. 

Denn wat man an Jök ifs, dat döuket ösch sau sente, 

Dat wie Jök overall gern piepeden dei Fente 

ün leifer afs dem Pafst, efft hei gliek Ablafs giift 
Un doch tan wielen ohk wol toernig werd nn kifft. 

Wie biddet Oott, dat hei in Gnaden wolle gefen, 
Dat Jie Herr K5nje mögt noch veel veel Jahre lefen 

In Sandhait an in Glük, denn alle wie Jie daut, 

Dat haget allen wol nn gaiht ohk alltied ganht. 

Dei Jök gekennet hefft in jnen Kinner-Jahren, 
Dei segten wat dei Welt bether an Jök erfahren, 

Dat Gnad' alltied bie Jök un Bedligkait will sien, 

Solk Lof au Könnijens an Fürstens klinget iien. 

Verstand an Bedligkait, dat segg' ek angelogen, 

Dei schienet düssen Dag Jök noch nht jaen Ogen, 
Drum werd ohk jue Kiek un Land im Flore stahn, 
Sau lange Jie dat Recht im Schwange latet gähn. 

Noch ningenst äffe wie dei Fraiden-Post verneimen, 

Dat Jie übt Engeland hen nah Hannouver keimen, 
Do was dei Fraid^ un Lust sau groht bie iedermann, 
Dat miene Tunge sei nich gnaugsam reumen kan. 

Dat Vivat hörde mau uht allen Hüsern klingen, 
Man sag do Oblt un Juuk vor groten Fraiden springen, 
Dei Ollern segten dar: Och Einner höret doch, 
Gott sie Loff, Priefs un Dank, dei Eönje lefet noch. 

Dei Maikens stünnen ap van öhren Spinne-Wokken, 

Un fingen an tau sek dei Eerels hen tau lokken, 
Sei grepen overall en anner bie der Hand 
Un sprangen, dat taum deel sei stöfen an dei Wand. 

Drup fingk en ider an nahm Danze siene Graitjen 

Up jue Sundhait fluks tau piepen un tau haitjen, 
Taum deele fingen sei tau Winkel drup tau gähn, 
Ek weit nich wat sei mehr up jue Sundhait dahn. 

Jie könt uht allem dem Herr Eönje gnaug befinnen, 

Dat necbst dem leifen Gott noch aller Lue Sinnen 

Im Laune dörch un dörch, et sie Mann, Wief un Eiud, 
Dei Maged samt dem Enecht, up Jök gerichtet sind. 

Ja öt kan weder ek noch annere beschriefen. 
Mit wat vor Lust man nu dei Tied plegt tau verdriefen, 
Wenn einer nu van Jök man segt en einig Wort, 
Sau segt dei anre drap dat Vivat gliek sau fort. 



84 



Up jue Sundbait will dat Volk in allen Saken, 
Ot sie ohk wo ot will alleen den Anfank maken, 

Un segt 6t gliek vorher nich allemahl dei Mann, 

Erinnert 6hne doch dei Fme gliek daran. 

Dat Jie Ssch na nich m&gt mit Overlast beschweren, 
Will wie Herr Könje J6k ohk Lefenslang san ehren 
Un dann mit allen Fliet wat minsch an möglik ifs 
Nah aser Scbnldigbait, dat glofet man gewifs. 

Jie ehret Gott an makt mit dem in allen Dingen 
Den Anfangk, darfim let hei wat Jie dant gelingen, 
Nein Fiend kan in der Welt wor gegen J5k best ahn, 
Wat Alberoni denkt dat mant den Ereftgangk gähn. 

Hei bmmde Anfangs sehr nn ärger as en Kater, 
Hei dranede mit Krieg tan Lanne an taa Water, 
Bet jae Flotte kam, do stand dat Spansche Blaat, 
Afs Hasens int gemein bie 6hrer Trammel daat. 

Dei Ammiral van Bings dei brochte Forcht an Schrekken 
Int Middelländsche Meer, hei schlang an allen Ekken 
Wat Spanisch heten woll, sei fochten as en Mnefs 
ün van den Spanjern kam fast nich en Schip taa Hnefs. 

Drap brochte Alberon taa hop^ en andre Flotte, 
Doch Word sei efen saa tan Schimpe an tan Spotte, 
Denn afs dei Spansche word der Englischen gewahr, 
Do word dei Spansche gliek van Stnnn' an nusichtbar. 

Noch leiten etlike yan Spanjern sek gelösten, 
Dat sei sek wageden noch over Schottlans Kfisten, 
Doch hatt sei Wigtmann san afs sek gebohrt belohnt, 
Sien Schwerd hatt nich, wat sek nich flak& ergaff, verschont. 

Na draaet Alberon noch mit dem Fege-Fuer, 
Drin schall dat Lachen Bings an Wichtmann weren dfier. 
Doch drinkt sei baide noch en rechte gant Olafs Wien 
Un hoept dat Fege-Füer schall ahtgel<^schet sien. 

Dat Jie Herr KSnje sind np jaen Thron erhofen, 
Dat mohtet overall dei Fiende süifest lofen. 

Denn dat Jie woll regeert jae K^DJe-Riek an Land, 

Dat maket jaen Baam in aller Welt bekand. 

Printz Fredrik folget J6k an let sek annerwiesen, 
Dat man den leifen Printz kan nümmer gnangsahm priesen, 
Dei ohn man seiht an h5rt bekennet alle frie, 
Dat Sienes glieken wol nicht licht taa finnen sie. 

Dat hilge Biebel-Bank h^lt hei vort allerbeste, 
Dat ifs alltied sien erst' an Afends ohk dat leste, 
Darnt ifs 5hm allmaist bekand wat sek gebohrt, 
Dat hei saa lichte nich van Fremden werd verfuhrt. 

Hei hatt mehr Böiker leif an legt sek nu ap Saken, 
Dei ohn könt mit der Tied tann brafen Könje maken, 



85 



Hei weit all Englisch, Fransch, ohk Ukerwensch, Latien, 
Un wat vor Spraken sfifs 6hin m6get nöhdig sien. 

lo Siener Kindheit konn' hei all sehr ahrtig danzen, 

Nu lehrt hei noch vordan den Vestangs-Bae un Schanzen. 

Dei Riet-Kanst weit hei ohk, wenn Hei sek exercert. 

Erwieset Hei, wo wohl Hei en wild Peerd regert. 

In vullen Rennen kan Hei hauen, steken, scheiten, 
Dat einem werd dat Blaut um siene Wunnen fleiten, 

Wenn Hei den Fiend enst drept, Hei dreppet in den Ringk, 
Wenn Hei nahm Ringe rennt, ganz vuUenkomen flingk. 

Dei leife Prinz h&tt noch drey junge gladde Süstern, 
Nah welken mit der Tied werd groten Prinzens lüstern. 
Sei sind ot ohk wol wehrt un fenget Gott 6t sau, 
Sau wünschen alltomahl wie veel veel Glücks dartau. 

Jie helft Herr K5nge jo noch brafe Krafft tau lefen, 
Dei leife Gott werd Jok vor 6sch dei Gnade geven, 
Dat Jie hier in der Welt regeret sau veel Jahr, 
Dat Jie tain-dubbelt noch werd Oller-Grote Yaer. 

Dat wünschet overall dei Armen mit den Rieken, 
Dei Christen nich alleen, dei Törken ohk desglieken, 

Sei hefft dörch Jok erlangt wat man öhr Wunsch begehrt. 
Drum holet sei sau wol afs wie Jok leif un wehrt. 

In Norden will dei Krieg veel Lue noch verarmen. 

Der Lue latet Jf)k Herr Könje doch erbarmen, 
Un helpet doch, dat dar ohk Frede weren mag, 
Sau biddet sei vor J6k mit 6sch ohk Nacht un Dag. 

Jie hefift in Meklenborg Gott loff 5t sau gefeuget, 
Dat Junker, Borger, Buer in allem sind vergneuget, 

Un jue Lue hefft sek dort sau overall 

Verholen, äffe Volk sek holen maut un sali. 

Dort in dem Lanne sind wol wainige verstorfen. 
Doch Maikens sind taum deel tau Nunnens ganz verdorfen, 
Un dei Verdarf kümt jo allene man dar van, 
Dat man taum Frien nich Kunsens erlangen kan. 

Man hatt jo in der Welt bether noch nich befunnen, 
Dat veel Soldatens sind getügt van Kloster-Nunnen, 
Heilt Adam sek doch nich im Garen an den Wind, 
Drüm s6cht en Kerel gern wor junge Maikens sind. 

Dei Maikeus könet doch dat Frient lichte lehren, 
Un frieden, gl5fet man, im Lanne hier sau geren, 

Afs annerswo mag scheihn, un wenn man Frient weehrt, 
San werd dei Maikens wol un Kerels ganz verkehrt. 

Ek horde gistern noch van velen Maikens schnaddern, 
Sei bidden Jok wol gern uht Dankbahrkeit tau Faddern, 
Un wenn man Fadder werd, dat staiht jo noch all fien, 
Dei Maikens mochten ohk gern alle Fruens sien. 



86 



Dat latet doch ohk tan, sau will wie alle bidden, 
Dat Qott J6k segnen mag van ofen, unuen, middeo, 
Dat jue Stamm un Eiek sau lange mag bestahn, 
Bet dat dei Erden-Kraifs nn Welt werd ganz yergahn. Amen. 



Innige Bitte der Pyrmonter Mädchen an Georg I. 1720. 

Der Pyrmuntschen Maickens Hertens-Wunsch un deimaidige 
Bidde an den Herrn Könje von Groten Britannien bei dessen Gott 
Loff! glucklichen gesunnen Ankunft tau Pyrmunt im Brack-Maende 
1720, beschrefen von Joust Otto Jörgens. 

Süh nu! s&h nn! wat wilt dei Maickens doch beginnen? 
Sei sind fast, afs nt schient, verwirt in (^hren Sinnen, 

Dei riepe sind, werd nu van grohteu Freiden vnll, 

Deels afer schienet gar im ganzen Bücke dnll. 

Seiht an, wat sei nu daut, sei springt uht allen Döhreu, 
Sei wetet nu van nichts afs Leffelie tau kören. 

Sei raupet apenbar; sei hedden frischen Maut, 

Den Öhre Saekeu sien im Frien numehr gaut. 

Hoho! eck marcke wol, sei heffet all vemomen, 

Dat Jie, Herr Eönje, sied uht Engeland gekomen, 
Un dat Jie afermahls den Brun in düsser Tied, 
Gott gefe Glück dartau, tau brücken willens sied. 

Nu hiUt im vorigen Jahr* öt Gott sau laten schlumpen 
Dat do en Maicken kreg en brafen frischen Kumpen, 

Jie afer schenckeden darbie blanck Geld der Brubt, 

Man puzde sei dartau an Juen Hofe uht, 

Sau glat wafs neine Brüht vorher bie ösch gepuzet, 
Sau wakker htUt vorher nein Brüht Fiedum gestuzet, 
Drfim leit dei Brögam ohk den Plaug im Felle stahn. 
Man sag sei baide flucks mit Lust tour True gähn. 

Nu hopet Overall dei jungen Quakkel-Taschen, 

In dusser Brunnen-Tied seck Eerels tou erhaschen, 
Meck afer düncket doch, öt galt nich alltied an, 
Dat man mit sölkem Gluck en Brögam kriegen kann. 

Den lät Gott Brögams gliek up riepe Maickens regnen, 

Werd sei dei Könje doch nich flucks mit Bruht-Schatt segnen, 

Wen ein un andern ohk dei Könje wat verehrt, 

Sou ifs öt andern doch nicht efen sau beschert. 

Geld ifs dei Los* nn werd ohk wol dei Lose bliefen, 
Denn, wenn dei Kerels seck gedencket tau bewiefen, 

Sau fraget sei vorerst, hefft ohk dei Maikens Geld? 

Dar kümt öt man up an, dat Geld erholt dei Welt. 

Ja hfitigs Dages sind veel Kerels sou gesinnet. 

Wenn bie den Maikens sei nich brafen Brnht-Schatt finnet, 

Sou wandert sei vorbie, wehlt nümmer eine Brüht, 

Un nah der Leffelie lacht sei de Maikens uht. 



87 

Daher werd in der Welt yeel Kerels Hagestolten, 
Wat DÜttet dei doch wol? sei scheitet 6hre Holten 
In fremde Schiefens hen, dei Vogel wilt np Echt 
An jange Maikens nich: bedenckt is dat wol recht? 

Mit s51ken Kerels word vorhen in ohlen Jahren 

Veel sch&rper asse nn in user Tied verfahren, 
Wenn do en Eerel sek des Frieens ganz begaf, 
Son kam hei van der Welt nich ahne Schimp int Graf. 

In Selschop droften sei sek n&mmer laten finnen, 
Sei kennen Aemter ohk un Gille nich gewinnen, 

Dat wafs erst Schimps genang, doch blef öt dar nich bie, 
Sei woren ohk gar nich van andern Straffen frie. 

Sei mosten overall in kolen Winters -Tieen 

Veel groteu Schimp an Quael van jnngen Maikens lieen, 

Denn, wenn dei Küir an Frost gliek wafs noch enst soa groht, 
Soa schlepde man sei doch herfimme nakkt an bloht. 

Sei plegten ohnen ohk mit frischen scharpen Kauen, 
Denkt wat dat schmartlik wafs, den Pukkel braf ton haaen, 
Bet dat sei schrieeden: Ach! Maikens holet in, 
Ek wil van Stannen an na endern minen Sinn. 

Ek wil mek eine Brüht aht jaer Riege griepen, 
Dei wil ek Dag an Nacht soa haitjen an soa piepen, 
Un dann wat mek noch mehr bie ühr tou daan gebohrt, 
Soa hefft dei Maikens denn toa haaen apgehort. 

Hort mehr, leit ohnen Gott gliek Geld an Gont erwarfen, 

Soa droften sei 5t doch nich arfen obren Arfen. 
Dei Ofrigkait alleen erkende sek ot toa, 
Doch ifs ot na nich mehr bie äsen Tieen soa. 

Dei Hagestolten sind in jaem Dfitschen Lanne, 
Herr Konje, hier an dar an fast in iedem Staune, 
Dorch sei werd Jue Land gar nich up Echt vermehrt, 
Sind s^lke Lfie den nich braf er Straffe wehrt? 

Nein Minsch* ifs in der Welt van Gott dartoa erschapen 
Im Hagestollten Bedd' alleene man tou schlapen, 

Gott sulfest segt: Vermehrt dei Welt doch man up Echt, 
Denn wat up Echt nich schuht, dat holt man nich vor Recht. 

Un wen ek jok noch darff wat mehr tou seggen wagen, 
Soa segg' ek frie beruht, wat Maikens plegt tou klagen, 
Dat ohnen Brüht -Schatt fallt; dei Mangel ifs all groht, 
Jie afer kont sei licht erredden übt der Noht. 

Wen jie man seeggen wilt den Hagestolten -Gästen, 
Dei heffet Geld an mehr afs ohnen deint toum besten. 

Wen ein arm Maiken werd toa siener Tieden Brüht, 

Dei stüret nu alleen jie Hagestolten übt. 

Veel Maikens wilt sek ohk gar nich np Echt befrieu, 
Emehret heimlik sek mit Winckel-Leffelien, 



88 



Dei Maikens achtet doch den Hagestolten gliek, 

Son kahmt sei wol tonr Baut* un ohk int Himmel -Rieck. 

Yerordene Jie d&t, son werd ohk andre Heren 
In 5hren Ldnnern iwol son ton yerordnen lehren, 
Dei Hagestolten werd denn twiefelsfrie bekehrt, 
Dei Welt werd denn np Echt nn Recht noch mehr vermehrt. 

Veel arme Maikens kohmt denn ohk jo wol ton Männern, 
Dat gl5fet man gewifs hier an in juen Lännern, 

Dei Brnht-Schatt- Mangel bringt sfifs Maikens Sorg' un Pien, 
Denn afer werd sei wol vuU Freid' im Büke sien. 

Herr E5uje, wo werd J5k dei Maikens denn lofen 
Bie Dage, hie Nachte van nnnen van ofen, 

Ja, Jue Raum werd wol sou lange bestahn, 

Bet Himmel nn Ere werd endlik vergahn. 

Man höret hier un dort mit Freiden jo bie allen, 
Dat Jue Bakken noch, Gott Lof! nich sind verfallen, 
Jie seiht sou kregel noch uht Juen Ogen nht, 
Dat sek in Jok noch wol verleifde mange Brüht. 

Wie wünschet unnerdes, Gott wolP in Gnaden gefen, 
Dat Jie in Sundhait mögt nah eignem Wunsche lefen, 
Un dat Jie dfissen Brnn mögt bruken hnnnert Jahr, 
Gif doch, leife Gott! dat 5t mag weren wahr. 

Sau hätt Prinz Wallis Rast mit Siener gladden Fruen, 
Dei Hei van Anspach Sek uht Leifte lateu truen, 
Dat Hei den Koojes Stamm mit Lust vermehren kan, 
Den Öhn un Sienen Stam ohk prieset jederman. 



Glückwunsch zu Herzog Angast Wilhelms Geburtstage 1720. 

Unnerdänigste Glük- Wunsch up den Fürstlichen. Gebohrts-Dag, 
Uses Gnädigsten leifen Lannes-Herrn, August Wilhelms, Regerenden 
Hartogen tau Brunswick un Luneborg, äffe Sr. Durchl. Dat Acht un 
fiftigste Jahr am 8. Martz im 1720. Jahre glüklich erfüllet hadde, 
Un Dat Negen un fiftigste Jahr mit aller Siener ünnerdahnen groten 
Fraide gesund wedder antrat; uppesettet van Johann Borries, uht 
Ohlkassen^) jonsiets dem Hilse. Brunswick, gedrükt mit Keitelschen 
Baukstaven. 

£k helfe veel gehört un in der Daht vernomeu, 
Woer Lue in der Welt tauhope plegt tau komen, 
Daer sprekt en ieder gern van dem, wat öhm gefält, 
Woer van hei in der Welt an allermeisten hält. 
Wat Erieges-Lüe sind, dei schnakket van Qvarteireu, 
Worin sei Dag vor Dag sek latet exerceiren, 
Un wat tau Felle sei vor Dahden hefPt gedahn. 
Wo sei up 5hren Fiend in Schlachten plegt tau gähn, 



^) Ölkassen, Kr. Holzminden im Herzogtum Braunschweig. 



89 



Wan afer im Qvarteir seit m5tet liggen bliefen, 

Sau pleget sei dei Tied gantz auuerst tau verdriefen, 

Sei heftet Wiefer deels gern in Knmmanion 

Un giefet 6hnen doch wol wainig Rost un Lohn. 

Die Geistliken sprekt gern van B6ikern an Postillen, 

Wat Advancaten sind, die sprekt van 5hren Grillen, 

Dei Doktors fraget flnks, eft andre kranken daut, 

Un heffet den darbie vor sek den besten Maat. 

En Eopmi^n trachtet ohk mit allen sienen Sinnen, 

Woer an van wem dat hei en Vordehl kan gewinnen, 

Un wenn en Jade gliek fief mahl verschneen ifs. 

Denkt bei doch Dag vor Dag noch nf Profit gewifs. 

Dei Maikens m5get gern nah jangen Fentjens fragen. 

Den Fentjens plegt dei Schnak gemeinlik ohk tan hagen. 

Doch werd en Maiken wol nich alle mahl ein Brnth, 

Un wat sei daut, kfimt doch fim veertig Weken übt. 

Wie Buren schnakket wol van usem Veih' un Gölen, 

Ohk usem Akker-Wark' an pleget nich tau hülen, 

Wen dat gaat Koren bringt, wen use Veih wol staiht 

Un use Arfeit recht in 6hren Schwange gaiht. 

Wie pleget fiuks darbie nahm Lannes-Herrn tau fragen, 

Eft man kan ünner 5bm dei Lannes-Last erdragen, 

Uq wenn dei gnädig ifs, so wünscht man Nacht an Dag, 

Dat hei up hunnert Jahr sien Lefen bringen mag. 

Nun, leife Lannes-Herr, wie kont mit Wahrheit reumen, 

Dat jie osch latet gern in usen Eigendeumen, 

Wie sind GOtt Lof bether van jök gar nich geplagt, 

Veel wainiger d6rch j^k van Huefs an Hoff verjagt, 

Afs anderswo wol schfiht, GOtt hätt osch Gnade gefen, 

Dat Acht und fiftig Jahr hei j5k nu Idt erlefen. 

Wie wünschet, dat düt man jne hälfe Lefen sie, 

Un noch sou veele Jahr van nieen komt darbie. 

Dat Wünschen höret man tau GOtt bie iedermanne, 

Dat glofet mek man tau, im gantzen Vader-Lanne, 

Öt mag sien groht un klein, 6t mag sien junk un ohlt, 

Druet spöre jie, dat wie jf>k hoch in Ehren bohlt. 

Dat ifs gantz recht un will ösch allerdings gebühren, 

Dat wie jek ehren daut mit Warken an mit Wohren. 

Denn wie sind Unnerdahn, jie sind die Lannes-Herr, 

Wie sorget nich vor j6k, jie sorgt vor Ssch veelmehr. 

Jie latet GOttes Wobrt 6sch klaerlik openbahren, 

Dei wat tau klagen hStt, dem maut Recht wedder fahren; 

Jie lefet sou, dat man jök alltied folgen maut. 

Ein gaut Exempel maekt dat Folgen alltied gaut. 

Jie latet Maikens nich nah jner Eamer schlieken, 

Jie höhlt jök man alleen tau juer leifen Fieken; 

Veel afer wundert sek, wo dat denn kan gescheihn, 

Dat E inner hier un daer j5k pleget gliek tau seihn, 

Darvan will ek j5k nu dei Wahrheit frie bekennen, 

Dat man begriepen kan mit Sinnen un mit Hannen : 

Dei jungen Wiefer bohlt jok air im Lanne wehrt. 

Van Männern were jie ohk overall geehrt. 



90 



Drum wilt sei alle gern, wat sei ohk daut yor Saken, 
Öt mag sieu, wat ot will, np jae Sandhait maken, 
Daer denkt sei an, wenn sei wilt hen tau fiedde gähn, 
£k merke wol, dat jie werd mienen Schnak verstahn. 
Afs ek ningst Hochtied heilt mit miener jnngen Graitjen, 
Do ginge wie tau Bedd' im Piepen an im Haitjen, 
Sei sagte mek van jök afs usem Lannes-Herrn: 
Wat du wut, dau ek nn up siene Snndhait gem. 
Drup gink ek do mit ohr im Stilken hen tan Bedde, 
Wie schleipen nich fluks in, wie wakten in dei Wedde, 
Mit vuller Fraid' an Last, dat Spei gefeil mek sau, 
Dat ek wol hedde gern drei Wiefer noch dartaa. 
Un wenn dei Lue segt hernechst um drüttig Weken, 
Wie w5ren wat tau frän tausamen all geschleken, 
Un en klein S6hnken m5cht* ohk komen vor der Tied, 
San denket, dat ot nich gescheihn aht Haat au Nied. 
Wenn man 5t seggen darff, san heffet jo dei Ohlen 
Sek all in öhrer Tied sou raine nich gehohlen, 
Dei ohle Adam will nich sau tau Grunne gähn, 
Dat nich dei junge s5cht van nieen up tau stahn. 
Drum sied doch gnädig ohk mit Straff un Earken- Baute 
Un höhlt in sölken Fall den Buren wat tau gaute, 
Dei ohle Adams -Lust vergaiht doch mit der Tied, 
Im Oller werd man jo der Adams -Lüste qviet. 
Wie hiddet alle GOtt, dei woir in Gnaden gefen, 
Dat jie so veel mahl noch mögt düssen Dag erlefen! 
Afs jie all hefift erleft an wol vordan regert, 
Sau werd jue Lof bet an den jüngsten Dag vermehrt. 
GOTT dei bewahre jok vor Hausten un vor Küchen, 
Dat jök nichts nöhdig sie van Appeteiker Jüchen, 
Ohk jaer Fieken nich un gantzen Bogen -Huefs. 
Dei Jüchen maket doch dei Nesen mangem Kruefs. 
Un könet doch*) tau lest vam Dode nich befrieen, 
GOTT gefe! dat jok mag all jue Dann gedieen, 
Dat jue Stam und Land bet an den jüngsten Dag 
Van allem Ungelük befrieet bliefen mag. 
Wie biddet GOtt darum allene nich in Rarken, 
Wie daut 6t alltied ohk in allen usen Warken, 
Wenn use Wiefer wilt mit osch tau Bedde gähn, 
Ohk wenn mit ohnen wie denkt wedder up tau stahn. 
Wie wilt nu düssen Dag mit Dudeldai un Lieren 
In user Naberschop tau juen Ehren fieren, 
VIVAT dei Lannes-Herr will singen iederman 
Dei gantze Nacht herdörch, bet^) dat dei Dag brekt an. 
Dei Wiefer wilt ösch up jue Sundhait danzen, 
Dei Maged un dei Knecht ohk alle lütje Panzen, 
Dei wilt desgliekeu dann, un wat noch mehr werd scheihn 
In düsser Nacht, werd mau tau siener Tied wol seihn. 
Hai Juchai. 



>) Druck: dach. *) Druck: bei. 



91 



Hocbzeit Stoer / Striepe. Wickensen 1721. 

Dei unvermautete doch glüklike Fisch-Fank up Hrn. Docter 
Stöers un Fr. Henrietten Sophien Striepen Hochtieds-Dag, Den 
Sei am 25. Feiberaries 1721. up dem Furstliken Arat-Huse Wikkensen 
heilden, beschrefen van Henneke Knecht uht Lauen-Steine. 

Der Männer List, segt man im Sprickwoer\ ifs bebenne^ 

Docb afer Fraen-List bätt nümmermebr en Enne, 

Ifs eine List vorbie, sau sind sei Dag un Nacbt 

Up fifftain annere mit aller Macbt bedacbt. 

Un dächten sei alleen up dat wat sei verstünnen, 

San konn^ un mochte man öt 6bnen wol vergünneu, 

Sau wiet sei kont en Dingk begriepen un verstabn, 

Denn wat man nich yerstaiht, plegt nich woi af tau gabn. 

Nu weiht dat f ruen-Yolk van Pleugen, Saien, Maien, 

Un sölker Arfait nichts, dat Spinnen, Haspeln, Naien 

Kunt sei am besten dann, un wat dartau gebohrt^ 

Obk ohnen in dem Bedd' heruechst tau dann gebohrt. 

Süfs hefT ek veel gehöhrt, dat Fischen, Vogel-stelien, 

Sie Overall Verdarff vor veelerlei Gesellen, 

Dei ot nich nbtgelehrt, den bringt ot wainig in, 

Dr&m dait nich wol dei half worup legt sienen Sinn. 

Herr Brüht, man bohret hier, dat beff ek Jök tau seggen, 

Jie wollen sälfest J5k up Fiscberien loggen, 

Sau gaiht dei Schnak heriim bie allen openbabr. 

Drum segget frie beruht, wennt in der Daht ifs wahr? 

Ja ja, sei segget all, Jie bädden nah Verlangen, 

En brafen frischen Stöer taum ersten mahl gefangen, 

Dei Fisch lät sek nich veel in usen Lanne seibn, 

Wo hätt dei Fank doch denn sau gluklich kont gescheihn? 

Man fängt den leifen Fisch sau lichte nich mit Angeln, 

Un stärker Fischer-Tüeg dat mochte Jök wol mangeln, 

Dat Fischer-Hand wark ifs obk Fruens nich bekand. 

Dar h5hrt veel Kräifte tau, daertau bohrt obk Verstand. 

Fief Kerels fengen enst obk einen mit der Senken, 

Dei Stöer konn^ afer fluks sek uht der Senke schwenken, 

Do was hei fohrt, ot ifs doch Jue Fank nich sau. 

Darum verteilet 6sch, wo gink dei Fank doch tau? 

Ek merke wol Jie mögt darvan nich geren hören, 

Un sorgt, sei möchten Jök den leifen Fisch entführen, 

Drum uöhmet öhn doch man sau gaut Jie könt in Acht; 

Dei Böfers rofet gern den Dag sau wol afs Nacht. 

Jie wehtet noch wol nich, wat Jie in sölken Saken 

Mit Juen nieen Fisch un leifen Stöer wilt maken, 

Hei ifs Jök noch taur Tied wol nich gaer veel bekand, 

Hei kämt ohk seilen hier in use Vader-Laud. 

Wenn Jie en wainig man wilt in Gedult verbliefen, 

Sau will ek, wo hei ifs un wo hei schmekt, beschriefen. 

Hei ifs nich afs en Karp\ hei ifs nich afs en Hecht 

Noch Weser-Fische sind, dat segg' ek Henke Knecht. 

In miener Jögend mocht' ek nich dei Pieuge kielen, 



92 



Drum mocht' in Laaenstein ek mek ohk nich verwielen, 

Ell Schepmau woir ek sien, doch afs ek an dei See 

Man hen kam, stnnd ek daer afs en verjaget Reh. 

Ek hobrd' am Aufer fluks dei starken Winne brasen, 

Dat mek in Rokk' nn Brauk ohk ankam schreklich Grnsen, 

Doch heff* ek süifest daer mit Ogen angeseihn, 

Wo in der See recht manht dei Fischerie gescheihn. 

Wat sei tanr Fischerie vor Nette brnhkt un Stangen? 

Wat sei ohk in der See vor Fische plegt tan fangen? 

Nn segg' ek frie hemht, dat in der ganzen Welt, 

Mek nich en einig Fisch sau afs en St^er gefällt. 

Dat mf)hte Jie gestahn, dat hier in nser Lenne 

Tau Wikkensen nein Mensch derglieken Fische kenne, 

Sei wehtet weiniger wo seftht^ en Stöer recht schmekt 

Un wat vor Abbetiet bie Fruens hei erwekt. 

Hei ifs vorerst en Fisch van nich geringer Länge, 

Un kumt hei in dei See mit andern int Gedrenge, 

Sau drengt Sien Rüssel d()rch, dei ifs spitz, lang un stief. 

Mit sienem Rüssel gaiht he andern np dat Lief. 

Sien Kop nn ganze Buek ifs wol en wainig dikke, 

Hei hett dennoch dabie en rechte gauht Geschikke, 

Dei Ogen sind wat klein, dei Mund fast zirkelrund. 

Doch afer nich en Tahn in siener runnen Mund. 

Drum sugen kan hei wol, doch afer gar nich kauen, 

Wat man nich kaut, kan silfs dei Mage nich verdauen, 

Yeir Zersen hat dei St5er afs einen dubbeln Bahrt, 

Neimand verwundre sek, sau ifs des Fisches Ahrt. 

Dei Feddern sind ^hm witt, twei sittet an den Kiefen, 

Twei andre sittet noch an düsser Fische Liefen, 

Am Schwanz' en andre noch, hei ifs doch ohk nich ganz 

Mit Schuppen andern gliek bedekt bet an den Schwanz. 

Doch hatt hei afs 5t schient, darin sehr starke Eräifte, 

Sien Fleisch schmekt angenehm, darin sind seiUe Säfifte, 

Un wimmelt hei den Schwanz, sau moht dei £op voruht 

Uli ganze Buhk dartau, wat dfinkt Jok doch Herr Brüht? 

En iSee-Fisch will nich licht übt sienen Water wieken, 

En Stöer mag afer wol in andre Strßhme schlicken. 

Darum verwarn' ek J6k, sali Jue Fauk bestahn, 

Sau Iahtet Jnen St^er nich mehr int Water gahu. 

Ek maut hierbie Herr Brüht J5k eine Lehre lehren, 

Jie m5tet n&mmermehr tau ohm den Rfiggen kehren, 

Sien Buhk ifs jo sau weik afs Jue Buhk kan sien, 

Sau schikt dei Bfike sek tausamen rechte fien. 

Mek dfinkt Jie k5net doch Jok noch nich recht besinnen, 

Wat Jie mit Juen Stoer s51t maken un beginnen, 

Verspere Jie 5hn gar nu in ein Hüe-Fatt, 

Dat ifs vor öhn tau klein, darin werd hei tau matt. 

Man segt Jie wollen öhn in Jue Kamer bedden, 

Nu will ek mieuen Haut un besten Brauk verwedden, 

Wenn dat geschäht un Jie Jok gefet sau wiet bloht, 

Sau kriege Jie van ohm en Kind in Juen Schobt. 

Jie kennt den Fisch noch nich, doch wenn Jie ohn werd profen, 



93 

Dat noch nich ifs gescheihn, sau m5hte Jie ^hn lofeD, 
£k kenn' 5hn all vorlengst an segge van ohm frie, 
Dat sienes glieken wol nich in der Weser sie. 
Sien Witte seüte Fleisch plegt Fruens recht tau hagen, 
Sei m5get 5hn ohk wol verschlingen in den Magen, 
Hei schmekket öhnen gant, dei dünnen mahkt hei rnnd, 
Darnht verspüret man, dat hei sie recht gesund. 
Dat dürfe ieife Fisch nich wainig muhte d5gen, 
Verspohrt man dar ohk uht, dat Maskau sienen Rogen 
Oar heu in Welschland schikt, da höhlt sei öhn sau rar, 
Dat up dei Taflfel 6hn ohk krigt dei Hilge Vaer. 
Vor user Öllern Tied helßft ßhn in Rohm dei Ohlen, 
Afs man in Beükern lest, in Ehren sau geholen, 
Wenn sei hefPt Güste hatt, dat sei den leifen Fisch 
Qar mit Trommitten Schall gebrocht hefft up den Disch. 
Dat daut bie Liefe nich, veelmehr daut man im Stillen, 
Wat hei mit J6k un Jie mit 6hme heift im Willen, 
Dat ifs vor bhn un Jok dei allerbeste Raht, 
Dat were Jie gewifs verspüren in der Daht. 
Hei werd sek düffe Nacht sau gegen J5k erwiesen, 
Dat twieer Minschen Kost Jie nn vordan mögt spiesen. 
Van düffer Nacht fluks an, kümt Martens-Dag int Land, 
Sau werd dei Wahrheit wol van Juer Kost bekand. 
Den Maikens möhte Jie jo nichts vam Stoer verteilen. 
Sei möchten süfs bie öhn sek int Geheim gesellen, 
ün naschen ohk an öhm, dat stünne Jok nich an, 
Drüm latet, segg' ek noch, dei Maikens jo darvan. 
Jie hefft Exempel gnaug van sölken Qvakkel- Taschen, 
Dat wenn sei einmahl man verwehnet sind taum Naschen, 
Sau bliefet sei gewifs öhr Lefe-lang darbie, 
Efft gliek dat Naschen nich ifs einen Minschen frie. 
Ek heffe Jök noch mehr van Juen Stöer tan seggen, 
Dat möge Jie bie Jök en wainig overleggen; 
Wenn Jie enst Güste hefft, sau latet düffen Fisch 
Ohk vor dei Güste jo nich komen up den Disch. 
Behohlt öhn man vor Jök, ek will en Raht Jök gefen, 
Dat öt am besten sie, taum Leiken up tau hefen 
Den leifen nieen Fisch, ek sei öhn davor an. 
Wenn hei gefaudert werd, dat hei gaut leiken kan. 
Dei Ohlen schriefft van öbm, hei lefe man vam Winne, 
Dat afer will dörchuht mek nich in miene Sinne, 
Doch wenn Herr Brüht Jie öhn braf drükt an Jue Bost, 
Werd hei am ersten satt van Juer Schnafel-Eost. 
Ek wünsche Gott woir öt mit Jök im Leiken feugen, 
Un Schnafeln, dat Jie blieft van nu an im Vergneugen, 
Ohk dat Jök Gott an Bost un Büke segnen mag 
Mit allen Juigen bet an den Jüngsten Dag. Amen. 

Mädchen bitten Geor^ I. um den Heiratsconsens der Soldaten. 1723. 

Der hochbedreufeten Maikens dägliche Klage-Lied wegen Mangel 
des Konsenses taum Frieen an Usen allergnadigsten Herrn König 



94 

van Grohten Britannien up eines Plumen-riepen Maikens Bidde 
beschrefen dorch Joust Gerkens. Gedrukt im Jahr 1723. 

Sau ifs doch use Wunsch un user aller Hopen, 

Gott sie Lof, Priels, un Dank noch endlich ingedropen, 

Dat use Konje kfimt, ja deels segt vor gewifs, 

Dat hei liefhaiftig all tan Heeren-Husen ifs. 

Seiht, wo dei Jungens uu vor grohten Fraiden springet, 
Hohrt, wat dei Maikens doch vor Fraiden-Leider singet, 
Dei Jungens griepet nu dei Maikens an dei Hand 
Un springet, dat taum deel sei st^tet au dei Wand. 

Och seiht 1 och seiht doch an, wo use grohte Graitjen 
Nah Öhren Hanse lÖpt, uht Fraiden öhn tau haitjen, 
Ek denke düsse Nacht werd noch wat mehr gescheihn, 
Davan man Teiken werd um veertig Weken seihn. 

Wie Öllern wilt Gott erst uht Härtens Grunne danken, 
Dat hei, Heer ESnje j5k, bewahret h&tt yor kranken 

Un hätt mit siener Erafft verbannet und verstöhrt 

Dei sek sau freventlich dort gegen jok empuhrt. 

Wie wünscht un biddet Gott hei wolP in Gnaden gefen 
Dat jie vergneuget mögt noch sau veel Jahre lefen, 
Afs jie all heift erleft un dat jie Jahr vor Jahr 
Sau kohmen mögt tau ösch, Gott lat' 6t weren wahr. 

Jie wilt Heer KÖnje wol vorerst im Laune fragen? 

£ft ein un annere worofer hefft tau klagen? 

Drup segg' ek frie, dat öht fast allen tehmlik gaiht, 
Gott sie gedankt un jök, ohk gaut im Lanne staiht. 

Eins afer mouht eck jöck doch un umgänglich bichten, 
Dei Maikens werd et ohk mit Tränen sülfst berichten, 
Dat sei fast overall sind in sau grohter Noht, 
Dat deels uht Ungedult seck w&nschen wilt den Dodt. 

Den van den Kautzeln ifs vorm Jahre hier befohlen, 

Dat de Soldaten sek des Friens solln entholen. 
Wen drin dei Oversten vorher nicht kunsenteirt 
Drum veel veel Maikens sind bedreufet un fixert. 

Deels Maikens singt en Leid, darin sei Öhre Sorgen 

Un grohte Liefes-Noht den Afend un den Morgen 
Beklaget un bewehnt. ek höre flietig tau 
Wen sei öt singen wilt un klingt dat Elag-Leid sau. 

1. Eck bin all van achtein Jahren, 
Wolle mek nu gern verpahren, 
Denke darup Nacht un Dag, 
Wo ek dar tau komen mag, 

2. Gott lät öt sek ohk sau feugen, 
Dat öt könne mek vergneugen, 
Tambour Hans dat leife Lam, 
Ifs nu all mien Bröegam. 



95 

3. Ek will sien bie 6bm gedullig, 
Den dat Lemken ifs tau willig, 
Wen ek will tau Bedde gähn, 
Lätt hei siene Trummel stahn. 

4. Hei dri&kt mek in sienen Armen, 
Pflegt dat Bedde mek tan warmen, 
Daiht tan wielen noch wat mehr, 
Dat osch beiden haget sehr. 

5. Eins will nse Lnst doch minnern, 
Ohk wol gar /^sch dran verh Innern, 
Dei Eunsens dei faihlt ösch noch, 
■^cggot; ^0 krigt man den doch? 

6. Dat mahkt mek nn Shm veel Sorgen, 
Damm ranp ek alle Morgen 

Alle leife Hilgen an 

Dei ek mau erdenken kan. 

7. du hillige Dorthiee, 
du hillige Sophiee, 
du hillige Sylvan, 
du hillige Florian. 

8. jie hillige Sybillen 

Helpet miene Noht doch stillen, 
Denket doch wat et vor Pien? 
Dat ek ahne Man mouht sien. 

9. du leife hilge Anne, 

Help mek doch tau einem Manne, 
Denke doch nu noch daran, 
Dat Sfint Jochem was dien Man. 

10. du hillige Catrine 

Dan doch ohk dabie dat diene. 
Den dek word de Mannes Stand, 
In der Jogend ohk bekand. 

11. Ohk du leife hilge Härmen, 
Werst dek over mek erbarmen, 
Hilge Berend Joust un Vied 
Helpet et ifs böge Tied. 

12. Will jie mek noch nich erhßren. 
Will ek j5k nich mehr sau ehren, 
Sftnte Jörgen raup ek an, 

Dei den Lindworm würgen kan. 

13. du leife hilge Jßrgen, 

Hast du kont den Lindworm würgen, 
Sau kanst du wol Wunner mehr, 
Drup verlaht ek mek nu sehr. 

14. Ek will drum tau dek mek wennen, 
Miene Noht okk frie bekennen, 



Dei lat dek tan Harten gähn, 
Sau kan Hans met mek bestahn. 

15. L/lt mek Hans sek ielig trnen 
San wer' ek taur echten Frnen, 
Den mien leife Lamken Hanfs 
Hatt all mienen Jungfern Krantz. 

16. Den kan hei in sienen Lefen 
Mek jo nimmer wedder gefen, 
Och san bin ek ovel dran, 
Bin en Wief doch ohne Man. 

17. du leife hilge Jörgen, 

Wut du dek vor mek verborgen, 
Dat ek kohm' nht dflsser Pien, 
Säst du dubbelt hillig sien. 

18. Use Konje daiht et geren 
Wen du man den leifen Heren 
Bringen werst in sienen Sin, 
Dat ek sau bedreufet bin. 

19. Hei un du hefft einen Namen, 
Biddest du sau segt hei Amen, 
Den mek dünkt dat gantz gewifs 
Ein des andern Fadder ifs. 

20. du leife hilge Fritze 

Dek stell ek noch an dei Spitze, 
Den vellicht in user Welt 
Diene Bidd' am meisten gelt. 

21. Werst du miene Sake driefen, 
Werd dien Lof hier ewig bliefen, 
Wen 6t man dien Erenst ifs 
Erleg ek den Eunsens gewifs. 

22. Nu sau lenkt des Eoujes Sinnen, 
Dat ek m<^ge Gnade finnen 

Un dat ek noch d&ssen Dag 
Mienen Hanfs bekomen mag. 

23. wo will ek 5hn den drüken, 
Wo will ek sien Mülken likken 
0! wie sind den Man un Wief 
0! wie werd den baid* en Lief. 

24. Davor wille wie mit Priesen 
Jok Heer Eonje Dank erwiesen. 
Wenn wie wilt tau Bedde gähn, 
Wenn wie denket up tau stahn. 

Dat Elag-Lied ifs bedreuft, wenn sau de armen 
Obk junge Maikens klagt, mag sek eiu Stein erbarmen, 
Man kan Heer Konje jok an juen Ogen seibn, 
Dat werd in düsser Sak obk wol van jok geschein. 



97 



Tan Eloster-Jnngfern werd gar wainige gebohren, 
Soldaten sind ohk nich tan Mönneken erkohren. 
Wenn sei nich frieen Mt, san nähme Dag nn Nacht 
Ein jeder Wehrt vomht dei Maikens wol in acht. 

Man süht jo overall de Goes gaiht nah dem Ganner, 
Woer sei tan hope kohmt, da trampet sei en anner. 
Dei Ahnten nn dei Drahk, de Hanen nn dat Hann 
Dei pleget openbahr jo evensan tan dann. 

Natnren latet sek san lichte nich verennem, 
Dei Maikens overall m6gt geren sien bie M&nnern. 
ün stflhrt dei ÖUern sei np Echt nich tiedig nht, 
Werd ein nn annere np unecht eine Brnht. 

Man sfiht en Maiken hier, dei h&tt noch keinen Frieer, 
Deint aver Eerels gern vor einen kahlen Drieer, 

Dei 5t van 6br verlangt, dei Lohn ifs nich gar groht. 

Doch noch veel gr5ter ifs des Maikens Liefes-Noht. 

Dei Pntje Snh werd nn bie 5sch nich mehr gefnnnen, 
Vor nsen Ogen ifs sei afs 5t schient verschwnnnen, 

Den 5hr Verdeinst dei was bie Nacht' un Dage schlecht, 
Un Neimand ging tan 5hr afs ein verarmet Knecht. 

Da nn bekand, dat jie Heer Konje nich wilt lieen, 
Dat Erieges-Lüe mögt nah 5hren Willen frieen, 
San finnet sek sau veel uht annern LUnnern an, 
Dat man dei Vogel hier nich alle laten kan. 

Van 851ken sind alhier noch vor gar walnig Weken 
Twei nht der Fremde her gantz heimlik ingeschleken, 
Dei make den sek flnks, woer sei gekont, bekand, 
Mit fieff un achtig Kerls up unecht ok verwand. 

Woer sek nu hen begeft sou liderlike Hören, 
Da wilt sei geren sien van anneren geschoren, 
Dei Nahrung glükket nich den Pnhtjens allemahl 
Der Fremmenden Verdeinst ifs dfltmal hier wat kahl. 

Den 851ke baide sind hier in Arrest gekomen 
Un wegen 5hrres Danns gerichtlik fluks vemomen, 
Dat Daunt was openbahr, sei segten nich ein Wohrt, 
Wat sei mit Lust verdeint, ging sau mit Unlust fohrt. 

Eft dflsse V5gel nu sek darup werd bekehren 
Un wo ok anderen dat Wark sie tan verwehren, 
Dat kan ek noch nich seihn un Iaht* 5t ung[e]segt, 
Dei Preisters hefft ot sülfst wol nich gnaug overlegt. 

Dem sie nu wo ohm wil, ek mag van solken Saken, 
Vor dfltmal ohk vordan nich wieer Pratens maken; 
Heer K5nje jie meint 5t mit Unnerdahnen gaubt, 
Dat maket overall ohk juen Volke Mauht. 

Kiaderdratsohes Jahrbneh XX XV. 



98 

Im vorgem Jahre hatt [/. h&tt] tau wielen Ssch ^grnet 
Wie afer heffet Qott noch allemahl Tertniet 

Un hei hätt osch erh5rt auch in den Stafifen-Jahr 

J6k np den Trohn bewahrt vor allerlei Gefahr. 

Dei werd stets juen Fiend mit siener Krafft verdrengen 
ün jne Levens-Tied noch enst sau veel vergingen, 

Dat jie bet in den Doht mögt wol vergnenget sien, 

ün.drinken alletied in Sandhait juen Wien. 

Sau wünschet jue Biek' un alle jue Länner, 
Sau wünschet Dag un Nacht dei Wiefer un dei M&nner 
Sau wünschet ohit un junk, sau wünschet klein un groht, 
Sau wünschet Knecht un Magd met mik [/. mit mek] 
bet an den Dohd. Amen. 

Bitte an Georg L um eine Verordnung zur Bekehrang 
der bSsen Weiber. 1723. 

AUerunnerdänigste Dankseggung, An Usen Allergnüdigsten Hern 
KoDJe, van Grothen-Britannien, vor einige uhtgelahtene heilsame 
Lannes-Verornungen, Mit Bidde, Dat doch dei bösen Wiefer ohk 
mochten bekehret weren, uppesettet van Mester Bastian. Gedrukt 
in dussen Jahr 1723. 

Sou wille Jie bie osch, Heer Eonje nich verwielen, 

Un übt Hannover nu nah London wedder ielen, 

Dat will osch allen hier sou sehr tou Harten gähn, 

Dat wie vor Angst nich mehr kont up den Foiten stahn. 

Wie hopeden, dat Jie en Jahr lank wollen bliefen, 

Wie dachten ohk dei Tied mit Lust Jok tou verdriefen, 

Dei Hopnung afer will nu waihen in den Wind, 

Dat mahkt, dat oyerall wie sou bedreuffet sind. 

Kan ot nich annerst sien, sou maut man sek drin gefen, 

Wie wünscht doch alle Jok Gesundhait, langes Lefen, 

Un wat an Seel un Lief Jök süfs noch deinlik ifs, 

Dat wünscht un günnet Jok en Jederman gewifs. 

Jie werd hier overall, Heer K6nje, sehr geprieset, 

Dat jie osch helft besocht, ohk gnädig Jok erwieset, 

Qott weiht, ek hüchle nich, den Jie sind Dag un Nacht 

Up Juer V<Mker Glük un Wolergahn bedacht. 

Man*) kan mit Wahrhaits Grunn* übt allen Juen Warken, 

Wat ek davan gesegt, vor aller Welt bestarken; 

Wie helft in korter Tied dar sou veel Praufen van, 

Dat ek den tainden Deel hier nich verteilen kan. 

Man darf sek nu nich mehr in Hüsern un up Straten 

Vor Stockfischs siener Rott' un R&fers gruen laten, 

Den Jie helft sei hier sou bestrafft dat Jederman 

Vor solken Pakke nu ganz seker schlapen kan. 

Dei Judens woUn tou veel Prafiet van Kristen spuken, 

Drum ftingen Kristen an tou murren un tou floiken; 

Doch afs dat Juden- Volk in Handel gienk tou wiet, 

1) Text: Wan. 



99 



Do bnede Jie Yor, 6t was ohk hog;e Tied, 

Sflfs hädden sei ösch gar gliek 5hnen mbgt beschnieen, 

Dat hädd' ek mienes Deels van Judens nich kont lieen, 

Mit mienem Kniep' hädd' ek sou gliek den ersten Dag, 

Dat 5hnen sülfst gedahn, wat ek nich seggen mag. 

Man kan nn Offezeirs nein Mahnd-Qelt arresteren, 

Dat Iahte Jie mit Einst dorch ein Befehl yerwehren, 

Gaht in dei Aillerie tonwielen sei hennnht, 

Oeft sei den Maikens gern, wat sei verdeint, yoruht. 

Wie Baren helfet J5k insnnnerheit ton danken, 

Den wen 5sch L&e Gott verfallen \ht in Kranken, 

En kundig Docter 68ch soogliek bes5iken maut, 

Dei Omnng ifs gewifs vor arme Buren ganbt. 

Wen een Stoudent hemechst bef5dert denkt ton weren, 

Dei mant wat d&gends sek beflietigen ton lehren, 

Dat in Vexamen hei den könne wol bestahn. 

Wen hei up Unverstait will mit Stipendjen gähn. 

Dat ifs na alle gaaht, doch kan ek nich verbargen, 

Dat noch wat n5hdig sie, wen mant nich will verargen, 

Veel Maikens wasset ap ohn rechte Tucht an Twank, 

ün bliefet böse Kräht 5hr ganze Lefenlank; 

Wen sei na, asse sek gebohrt, nich sind ertogen, 

Soa werd toa sienen Krftez en Kerel sehr bedrogen, 

Dei sei krigt an den Halfs, werd 5hrer wol nich quiet, 

Un werd mit 6hr geplagt dei ganze Lefens-Tied. 

Eft gliek in Jnen Lann* St gift veel brafe Fraen, 

TJp deren Redligkait man wol kann Hiiser baen, 

Dei daat wat sek gebohrt, doch sind nich alle soa, 

Dram gaibt 5t wannerlick mit hosen Wiefern toa. 

Man süht in aller Welt, da in den besten Koren 

Ohk wol toa wassen plegt, dei Diestelen au Deren, 

Dei Diesteln geiet man nu wol uht Koren übt. 

Doch afer nicht sou licht dat hose Wiefer-Kruht. 

Wen sei noch Maikens sind, bedekket sei mit Hüllen 

Dei Boshait 5hres Kops, doch wen nah obren Willen 

Sei enst gefrieet hefft, sou kämt dei Dullerjan 

Darin, dat Neimand weiht mit Shnen um tou gähn. 

Dei bSsen Wiefer wilt alleen wat 6hnen haget, 

Dei Man ward numehr jo nich enst um Bäht gefraget, 

Sei drillet 6hre Maus up Schotsch- un Hofe-Recht, 

Sei wilt alleen sien Heer, sou ifs dei Man nu Knecht. 

Den fanget sei gar an im Huefs herum tou basen, 

Schellt, kiefet, flankt dabie afs wen sei wollen rasen, 

Ja nu verkehret sek sou gar Shr Overmanht, 

Dat sei ohk hefFen wilt dei Hosen un den Hauht. 

Daer blift 5t noch nich bie, sei kieft un floikt ^ich minner, 

Wen sei ergrimmet sind, wol sülfst up obre Kinner ; 

Dat Wief will absulut up obren Kop bestahn, 

ün wat geschaht schall man nah obren Koppe gähn. 

Ja wen der Wiefer Grull h&tt Overhand genomen, 

Sou sch511 dei Henger woU uht siener Helle komen, 

ün halen alle weg, drup sei vergrellet sind. 

Doch Ifit Gott 5hren Flauk verwaihen in den Wind. 

7* 



100 



Nu denke man, wat will noch endlik darnht weren? 

IJn segge doch, wo ifs en solk Wief tou bekehren; 

Deels meint, man schöU sei noch tonr Schaale laten gähn, 

Sou kaihm en böse Wief noch wol up behtre Bahn 

Doch aver möcht' ek nich ohr Schaulen-Mester wesen, 

M5st' ek gliek Dag un Nacht den SArach f)hnen lesen, 

ün Sankertes darton, son w5r' et doch Amsüfs, 

Dat segg' ek all vorher, an weiht ok ganz gewifs. 

Den Sürach sWest will, mit Lanen nn mit Draken, 

Dat böse Beister sind, veel leifer Wohnung maken, 

Afs einen hosen Wief, in een sou böse Kruht 

Daer schliekt fief Gaister in, ehr einer krupt herut 

Dei wiese Saukertes dei fund ohk an Xanthippen, 

Sou heiht sien böse Wief, un öhrer ganzen Schlippen 

Ganz nich yergneugliches. Sei brnmde Nacht un Dag. 

Denkt, wat en Mann sek doch daran yergueugen mag. 

In düsser Sake weerd sek veel den Eop tonbreken. 

Sei möget, wo sei willt, dei Näs' in Böker steken, 

Sou helpet et doch nichts, ün uhse Heer Johann, 

Dei mek am nechsten wohnt, schnakt veel mit mek darvan, 

Segt afer frie, dat hei in aller Welt Postillen 

Ganz nichts erfinnen kan vor böser Wiefer Grillen, 

Dei Genneral lät sei hier schluten in den Blök, 

Deels annre Offezeirs stehkt sei ok wol int Lok. 

Dei Straffen sind wol gauht vor Rfiters un Soldaten, 

Doch maut en Buer sek noch van Wiefern brüen laten, 

Dat deels dergliken hefft, ifs overall bekand, 

Un öhnen ifs hie ösch noch keine Straff erkand. 

Deels Kerels wilt sei gern int Kloster laten föhren. 

Drin afer werd sei ganz den Nunnen- Stand verstören, 

Sei jagt dei Nunnen sulffst taum Kloster wol henuht, 

Sou werd uht Nunnen ohk en böse, böse Brüht. 

Schölt sei int Tucht-Huefs gähn, dat kan ohk nich gelingen, 

Den Tucht-Huefs-Mester weerd sei alle wol betwingen. 

Der bösen Wiefer sind, dat glöfet man, sou veel, 

Dat sei im Tucht-Huefs öhm verkehren könt dat Speel. 

Ek heff", un annre mehr bether in mienen Sinnen 

Bie mek gedacht, eft wol en Middel tou erfinnen, 

Dat böse Wiefer noch wol tou bekehren sien, 

Un f}llt mek in, öt ifs doch nich ahn alle Pien, 

Wen ösch dei Pafest man vergfint dat Fege-FÄer, 

Dat sei drin kohmt, sou ward dat Lachen öhnen dfier, 

Daer kohmt sei nich beruht, bet sei gerainigt sied, 

Doch höret wol dartou gewiss en lange Tied. 

Ek will mek nu nich mehr in dfissen Schnak verwielen, 

Da Jie, Heer Könje, willt in England wedder ielen. 

Wie w&nscht: Gott Iahte Jök noch leven sou veel Jahr, 

Afs Jie all hefft erleft, Gott Iaht öt weren wahr. 

Dei leife Gott dei ward doch Jue Sinnen lenken, 

Dat Jie in Gnaden mögt an ösch noch alltied denken-. 

Wie alle raupet Gott darum an Nacht un Dag, 

Dat hei in Gnaden Jök forthen bewahren mag, Amen. 



101 

Hochzeit v. Bülan / v. Plate. Hannover 1724. 

Einföldige doch wolgemeinde Glükwunsch up dat Bielager Herrn 
Baron Ernst August van Bülau Königlichen Kammer-Herrn un 
Herrn Gräfinnen Fieken Charlotten van Platen Dat sei am 
12. des Jenner-Mahndes im Jahre 1724 tou Hannover heilden, üp- 
gesettet van Karsten Geverds Fourier bie user Kumpanie. 

4 

Der Leifte seute Dannt ifs Minscheu angebohren, 
Dei Leift' h&tt jederman tou obren Deinst* erkohren, 
Del Leift' ifs ot alleen dei diisse gantze Welt 
Bet an den jüngsten Dag in obren Stann' erholt. 

Gliek sogt sek iutgemein, gliek plegt sek ohk ton finnen, 
Wen man im SMken süfs sek recht weiht tou besinnen, 

Wen Lfie dei sek soikt un finnet werd verpaart, 

Sau hätt dat Paren jo de allerbesten Arht. 

Nu ifs bekand un werd en jederman bekennen, 

Dat dat verparen wol geschaht in allen Staunen, 
Dei Hogen dauht 6t jo, dei andren efen sau, 
Ohk gaiht bie Buren sülffst up Dörpern öt sau tou. 

Wie Unner-Offezeirs ohk Röters un Soldaten 
Wie mohtet meistendeels dat Frient unnerlaten, 

Oesch mangelt dei Kunsens, dat maket grote Pien, 

Wie mohtet afer doch dabie gedflllig sien. 

Nu grabbelt yelen wol in Büke sien Gebleute 

Un mahket Dag un Nacht öhm Unrauh* im Gemente, 

Wie heffet jo sou wol afs andre Fleisch un Blauht. 

Dat Extra-gahn holt man osch ohk gar nich vor gauht. 

Wie wollen overall dat Extra-Gahn wol laten 

Un alle Loffelie mit andren Wiefern baten, 

Den sfiht' man im Qvarteir en Wief un Maiken au, 
Sau markt man, dat dei Wehrt 6t nich verdragen kau. 

Dei Maikens wilt sek gern nah usen Willen lenken 
Un plegt tou wielen osch, wen wie sei seiht, tau weuken, 
Sei segget, dauht 6t doch dei Hauen un dat Hauu, 
Sau moget 6t ohk wol wie Minschen-Kinner dann. 

Dei Preisters woUn up Echt dat Wark wol siUfest bilgen, 
Dei Maikens raupt dar&m ohk 6hre leifen Hilgen, 

Dei sei erdencken k6nt, in obren Leidern an, 

Dei Leider sind nunmehr bekand bie jederman. 

Doch wilt sek noch taur Tied dei hilge Viet un Härmen, 

Jaust, Berend, Tonnies an Anne nich erbarmen, 
Wen 6t tou Harten man dem hilgen Jörgen gaiht, 
Sau weiht man, dat bey 6hm dat allermeiste staiht. 

Sei stellet noch dabie den leifen hilgen Frizen 
Biem hilgen Jürgen sülfst an ohrer Bidde Spizen, 

Sei hopet, dat hei sie vor sei dei beste Staf 

Un latet drum ohk nich von obren Bidden af. 



102 



Herr Brftgam afer jie dr^ft vor Eunaens nich sorgen, 

Dat Teel veel andre daat den Afend an den Morgen 

Wen sei des Afends wilt nah 6hren Bedde gähn 

Un wen des Morgens sei gedenket up ton stahn. 

Ek hadde dfisse Nacht im Kleven-Dohr dei Wachte 
Daer kam en Maiken hen, vertelde flaks mich sachte, 
Dat ek sftlfst angehört! 6t keimme nu all uht, 
Jie hadden jök erwehlt en brafe gladde Bmht. 

Dei wolle sek mit jÖk noch hflte laten tmen, 
Son h&dde morgen jie sei all toar jungen Fmen 
Dat Bedde h&dde sei, dat Maiken sfilfst geseihn, 
Worin wat sek gebohrt scholl düsse Nacht geschein. 

Do grep en Eerel straks dat Maiken bie dem Liefe 
Un sprak ganz overlnht: Der \iViefer nehm ek fiefe 
Ehr düsse Nacht vergaiht, wen ek et h&dde frie 
Un daer en wainig man von sienen Middeln bie. 

Sei kregen alle Last toam Frieen in der Wachte, 
Dat Maiken woU* ohk gern noch Frae sien bie Nachte, 
Und segte frie heraht; der Maikens w6ren mehr, 
Dei nah dem Frien ohk verlangten jo soa sehr. 

Na will eck mienes Deels van veelen Maikens truen, 
Dei wie hier däglik seht, dat sei wilt leifer Fraen 
Afs Kloster-Nnnnen sien, den Monk' an Nannen Stand 
Mahkt Kerls an Maikens sek nich all tou gern bekand. 

Doch will 6t noch toar Tied den wainigsten gelingen, 
Sei mögt ohk wat sei wilt vor Klage-Leider singen 
Dram moht en Maiken noch an Kerl gedaldig sien 
Eft velen dei Gednlt gliek mahket grohte Pien. 

Noch glof ek annerdefs an seeg* et anbefohlen, 
In efen dfisser Nacht werd manger Hochtied hohlen 
Dem 6t nich ifs vergünt, dat ifs en Wark dat man 
Van denen, dei öt daaht, nich wol erforschen kan. 

Ek will juk doch nich mehr mit solken Prach verwielen 
Jie wilt Herr Brogam wol nah jaem Bedde ielen 

Mit jaer leifen Brat, 6t ifs ohk bohle Tied. 

Darin bethalt 6hr wol, wat jie 6hr schaldig sied. 

Dei Freister hätt jok jo gegefen diisse Lehren; 

Jie schollen frachtbaar sien an juen Stam vermehren 
Dat segt dei Preisters all' an glofet man gewifs, 
Dat dflsse Lehre jük, Herr Br6gam nohdig ifs. 

Den eft gliek jae Stam all ifs soa hoch erhofen 
Dat 6hu an sien Geschlecht dei gantze Welt mocht lofen, 
Den alldat wat sei daaht, dat ifs wol Lofens wehrt 
Doch lof ek nich dat sei den Stam nich mehr vermehrt. 

Taam ersten jae Vaer von dem jie sind geboren 
Dei hlt ap Kriegers Ahrt veel brafe Kerls ermoreu. 



103 

Un daiht 5t sAlfest ohk. Wat all van 6bm gescheihn 
Dat heffe wie taom deel in Braband angeseihn. 

Hei h&tt all Gänder gnaug erworfen sienen Arfen 
Un ifs noch ümmerhen bedacht mehr ton erwarfen, 
Im Bedde hätt hei doch nich mehr ton danhn vermögt, 
Afs dat twei Twiege sind von 5hm tour Welt gebrocht. 

Van sienen Brefidem twei wolln sek nich einst getrnen 
Ton Frieen, hadden recht vor Fmen-Volk' en Qrnen 
Un helfet öt ohk noch, doch weiht ek düssen Dag 
Noch nich, wat sei dartoa wol recht bewegen mag. 

Wie wehtet ohk Herr Brnht, dat jnen Stamm imglieken 
An Gänders Ehr* nn Banhm veel andre m5htet wieken. 

Im Bedde helft sei doch von^) §hrer Arfait Lohn. 

Dei Vaer nn Grohte-Vaer kuhm ieder einen Sohn. 

Doch mochte jie j5k nich an dei Exempel kehren, 
Jie mühtet jnen Stam Herr Br5gam mehr vermehren 

Tanm längsten moht gewifs den Dag nah Florentien 

En lAttek Sohneken in juer Wegen sien. 

Gott gift jok wol wen jie recht kohmet up dei Ennne 
(Dmp jue ÖUern noch nich sind in düsser Stnnne 

Ohk wol nich kohmen werd) npt andre Jahr en Paer 

San gäbet den hie j5k dei Wegens immerdar. 

Wie w&nscht nnd biddet Gott, hei wolP in Gnaden gefen, 

Dat jie veei leife Jahr mögt wol vergneuget lefen, 

Un jner baider Stam bet an den jüngsten Dag, 

Afs jie sülfst wdnschen mögt, beglükket bliefen mag. Amen. 

Hochzeit Möller / Thor Brfigge (Hannover 1724). 

Water up dei Möhle, Asse dei Möilersche un Taur- 
brüggische Hochtiet fyret word, Sette düsse Riemen up Det 
Mollers nöchste Nahber Dei Junge Huefsmann In düssen Jahre 
[14. Jan. 1724.] 

Wat gift öt ganes nie*fs, in dfissen nien Jahr, 

Dei Moller galt Tanrbrügg', dat well j&ck wat bedfien; 

Dat dait Hei nich umsfifs, dat weit eck enck nn wahr. 

Oet ifs Oehn nich tan dann um Slam nn dr5ge Klieen, 

Dat hat Hei in der Mohl, öt mant wat anners sien, 

Dat Hei Tanr Bröggen galt, meck dAcht, Hei hopt np Water, 

Hei sillht dat Water übt, dat Siene Möhl mag lien, 

Un wenn Hei dort nich kreig\ so brnmm Hei afs' en Kater. 

Dat Water mant öt ja by Water-Möhlens dann: 

Den wo*t an Water fehlt, so stait dat Kam-Rad stille. 

Und wen't tan hfipig kümt, son galt dat Rad in Staun; 

Un wenn öt overfrüst, afs' in der Winter-Kulle, 

Sou dait öt ock nich gant, dat gantze Möhl-Warck stait, 

^) Druck: vor. 



104 

Dei Bäder staht in Ifs^ afs Steine in den Muhren. 

Un süht Hei nich wol tau wen't noch allmalick gait, 

Maut Hei mit Siener Mohl npt Water lange luhren, 

Drum Water, Water her, wei well een Möller sien, 

Dei seih na'n Water nht. Drum galt Hei ock Taur Bruggen, 

Dei truete M611ers-Mann, nu ja dat dript Hei fieen. 

Hei leggt seck an dat Sehnt mit Sienen möyeu Büggeu 

Un keist dat Water uht, dat up dei Mohle past. 

Hei socht, Hei fund 6t ock, dat harr Hei rechte dropen, 

Oet glficket 5hn na Wunsch; Nu haut hei up den Quast, 

Sien M6hlwarck kan nu nich wol anners afs gaut lopen, 

Eck wflnsch Herr Moller Jfick veel gauTs un Glficks dartau, 

Dat Jue Möhlwarck mag in Bädern, Kam-Bad drieven 

Un Steinen flietig gähn, un dat Juck keine Kau 

In Juen nien Speel un Schwick-Mohl mag uhtblieven. 

Un wenn Jl overt Jahr: doch Ji verstaht meck wol, 

Un eck Jfick nich sou gaut. Eck wünsche langes Leven, 

Wat eck sfifs ohne düt Juck noch anwönschen scholl, 

Dat well dei grote Gott Juck ock na Wunsche geven. 

Glfickwimscli ssn Herzog Angnst Wilhelms Geburtstag. 1724. 

Fraiden-YuUe Glükwunsch up den Fürstliken Gebohrts-Dag, 
Uses Gnadig8ten leifen Lannes-Herrn, August Wilhelms, Regerenden 
Hartogen tau Brunswiek un Lüneborg cet. Dat Twei un Sestigste 
Jahr am 8. Martz im 1724 Jahre glüklich erfüllet hadde, Un Dat Drei 
un Sestigste mit aller Siener ünnerdahnen grohten Fraide gesund 
wedder antrat, uppesettet von Johan Borries, uht Oehlkassen 
jonsiets dem Hilse. Wulfenbüttel, gedrükt bie Christian Bartschen, 
Hartogl. Hoff- und Cantzly-Bokdrükker. 

DEi LAe dei hier sind van ehrliken Qehleute 

Bie osch nu helft in sek en rechte gauht Gemeute 

Vor usen Lannes-Herrn, dei sien jo Dag un Nacht 

Dem leifen grohten GOtt tau danken nu bedacht. 

Dei Gnade dei osch GOtt in vorgem Jahr erwieset, 

Dei ifs sau groht, dat sei werd nümmer gnaug geprieset, 

Ja siener Gnaden sind bie ösch sau veel, dat mau 

Mit hundert Tungen sei nich alle teilen kan. 

Wie^) helft insünnerheit dem leifen GOtt tau danken, 

Do use Lannes-Herr sau hart verfäir int kranken. 

Sau dat dei Süke fast bekam dei Overhand, 

Och GOtt in wat vor Angst kam do dat ganze Land. 

Mit miener Fedder weiht ek gar nich tau beschriefen, 

Wat grohte Klagen man bie Männern un bie Wiefen 

Do Hufs bie Hufs gehört, dei Maikens overall, 

Dei hadden neinen Trost un klagden ahne Tall. 

Do asse man, Herr Filrst, anfänk in allen Stännen 

Osch tau dem leifen GOtt mit dem Gebebt tau wennen, 

Un reipen alle: GOtt help osch uht düsser Nobt, 



^) Druck: Mie. 



105 



Dat nsen Lannes-Herm yenchonen moht dei Dohdt. 

Do segnede hei fluks dei Astenie' un Säfte, 

Hei stärkde Dag vor Dag des leifen Fürsten Kräfte, 

Up nse Bidde gink dei Krankhait do yorbie, 

Jie sind, GOtt Lof, Herr Ffirst, im yor dem Dobde frie. 

Wiel jie mit GOtt regeirt, lät hei in allen Dingen 

Wat jie yom6hmt nn dauht, J6k fimmer wol gelingen; 

Wor Goddes-Deinst ohk Recht alltied im Schwange gaibt, 

Yerspohrt man, dat 5t wol in sölkem Lanne staibt. 

Ek moht, Herr Lanne s- Fürst, hierbie J6k noch wat seggen, 

Jie denket jo wol nich öt öyel nht tau leggen? 

Dei Sake schient an sek ganz ehrbahr, hüpsch ohk fien, 

Un yeele Lue segt, sei wolle nohdig sien. 

In einer grohten Stadt, daer findt sek Patrioten, 

Dei rechte ganht gesinnt nn hefft bie sek beschloten, 

Dei Maikens asse sek geböhret tau erteihn, 

Un stellet yor, wo dat am besten kan gescheihn? 

Sei gefet all ant Lecht mit klaren Dühtschen Schriften, 

Dat böge Schanlen ohk yor Maikens sien tau stuften, 

Woher dat kohmen kan, wat daertau nohdig ifs? 

Dat ifs en Wark dat man jo priesen moht gewifs. 

In Silken Schaulen scbölt ohk sien Professorinnen, 

Dei wol erfahren sind nn heffet klauke Sinnen, 

Un en junk Maiken saa mit Fliete wieset an, 

Dat ot sien Eristendaum vorerst begriepen kan. 

Hernechst sau schall 5t ohk in siener ersten Jogend 

Wol unnerrichtet sien in rechter Tucht ohk Dogeud, 

Darneyen schall öt noch den Hufsholt lehrn yerstabu, 

Insünnerheit, wo 5t dem Manne yortaugahn. 

Wat düssen Pnnct bedrept wilt etlike erinnern. 

Wo Männern yortaugahn, dat m5ste man den Kiuuem 

Un Maikens sünnerlik nich seggen yor der Tied, 

Süfs gingen sei taum Deel vor 5hrer Tied tau wiet. 

Meck dünkt, en Mann kan sülfst in Ehe- Stands-Geschichten 

Sien eigen junge Wief am besten unnerrichten. 

Den mahkt dei Wiefer sek mit annern erst bekand. 

Kriegt sei gemeiniglik darin tau yeel Verstand, 

Verlanget heimlik wol mit annern tau pronberen, 

Wat wegen Männern sei yorhen hefft mohten lehren, 

Befindt sei den, dat twei mehr asse einer k5hnt, 

Sau werd up s51ke Wies' en Wiefeken yerwebnt, 

Ek afer moht hierbie vom Harten düt noch bichten, 

Dat um dei Maikens wol bie 5sch tau unnerrichten 

Vor sei en böge Schaul' im Lanne nohdig sie, 

Sau seggen alle Lue un bliefet ohk darbie. 

Darin jo mohtet wol ohk sien Praufessorinnen, 

Jie köhnt nu Dähmkens gnaug dartau geschikket finnen, 

Jie wehtet sülfest wol un jue Hof gewifs, 

Dat dei Bestellung ohk darin sehr nohdig ifs. 

Nu segget etlike hier yan der Fruen Wasen, 

Dei labte sek nich licht um 5hren Schnafel grasen, 

Ek bore nich, dat ot en Kerl mit ohr yersocht, 



106 

Weiht nich) wat einer hätt bie 6hr darin vermocht. 

£k h5re. dat sei drdgt gemeiulik eine Hosen, 

Mien Nahber handelt ohk darin nich mit Franzosen, 

Doch hätt in sienen Schrank^ hei eine Brank tan yeel, 

Dei noch nich ifs gebrnhkt in einen Leffel-Speel. 

Dei düsse Brank man seiht, dei pleget sei tan lofen, 

Wen sei verlangen werd dei Brank 6hr antanprofen, 

Sau handelt sei dei Bronk ahn Twiefel 6hm gliek af; 

Drägt sei am Liefe wol, bet dat sei kfimt int Graf. 

Nu mit der Wasen will ek mek nich mehr verletten, 

Doch will ek noch en Dink tau seggen nich vergetten, 

Staudenten mohtet jo gedeponeiret sien, 

Dat deponeiren schikt vor Maikens sek nich fien. 

Dei Wase werd dartau ohk wol nich gratuleiren, 

Eft gliek sau veele hier dei Kunst tan deponeiren 

Am Hof un in der Stadt up D()rpern ohk verstaht, 

Afs Vogel in der Luft un Fisch' im Water gabt. 

Staudenten pleget nu ohk Geld darvor tan gefen, 

K6hnt doch up Unversteiht afs brafe Kerels lefen, 

Schall en junk Maiken hier nu ohk Staudentin sien, 

Sau ifs, wen sei darin verschonet sien kan, fien. 

£k will hierbie noch man mit wainigen berühren, 

Wat in dem ganzen Lann' 6sch allen will gebohren, 

Dei düssen Dag bedenkt, dei werd mit mek gestahn, 

Dat man rooht fieerlik den leifen Dag begahn. 

Augustus Wilhelm ifs up dfissen Dag gebohren, 

Tau usem Lannes-Herrn vam leifen GOtt erkohren, 

Dei hätt bether sien Land un Volk sau wol regeln, 

Dat ohm dat ganze Land mit danken gratuleirt. 

Wie danket alle GOtt übt uses Härtens Grunne, 

Wie prieset 6hn davor mit Harten un mit Munne, 

Den Danken lokket GOtt tau mehrer Woldaht an. 

Drum danke GOtt dem HErrn mit Danken iederman. 

Wie w&nschet alltanmahl, GOtt woir in Gnaden gefen, 

Dat Hei noch sestig mahl mag düssen Dag erlefen. 

Hei gefe Dag vor Dag 6hm nieen Lefens-Saft, 

Verlangre siene Tied mit nieer Gnad' un Kraft. 

GOtt segne doch, Herr Fürst, ohk jue leife Fieken, 

GOtt segne Baide J6k ohk ganze Huefs imglieken, 

GOtt segne Juen Hof, GOtt segne Land un Stadt 

Un dei drin wohnt, bet dat dei Welt en Enne hat. Amen. 

Hochzeit Klainschmidt / Hecker. Hannover 1724. 

Am Hochtieds-Dage det Herrn Jost Wilhelm Klainschmedts 
un Junffer FiekenMarlenenHeckers wolle mit teegenwohrdigen 
Riemen den beyden jungen Lühen Glück wünschen Der Brüht Brauer 
A. F. H. Anno 1724 den lOten Octobr. Hannover Gedruckt bey 
Ludolff Heinen. 

San Süster recht! san recht! steckt deck dat in der Näiseu, 
Dat dn nnh mit der Täidt wnlt äine Fruwe weisen? 
Hastu deck nu so boir tan fryen resolvairt, 



107 



Wer hat in aller Welt Deck doch datau bek&nrt? 

Grawt deck wohr dat et ward ehn harre Wiuter wairen 

Dat du im Bedde mßgtst alleine gans verfrairen 

Aebr gruwet deck ohk wor nah et san lange Nacht? 

Dat du by guwer tiedt np selschnp bist bedacht. 

Wat hat in aller Welt deck doch dahrtan bewagen 

Dat du nuh fryen wult? Ick maut deck ais recht fragen: 

Ha! Ha! eck marck et wohl, eck woir et boUe rabn 

Gelt hat Herr Kleinschmedt nich deck wohl tau gaut anstahn. 

Nn Sftster du hast recht, du hast deck uhterlaisen 

En Kairel, dai yix ifs, Sien dauhn un all sien Waisen 

Dat ifs, gleuff mienem Wohr\ recht afs et schall nu maut, 

Von Harten ehrlck trfih, uprichtig braff un gaut. 

Gott Iahte Ju tohsahm in Freh' un Freude laiwen 

Un woir wat iu n&t ifs ohk dageliekes gaiwen 

Gott gew* dat du un Hai, Jy twe verleifde Paar 

Mägt in Vergneuglichkeit taubringen yeble Jahr. 

Schal eck afs ein Prophait deck noch ehn wahr Wort keuren, 

Gelt tjegen Jacobs Dag war' wyh wat n&ies henren. 

Doch höhlt! Ick segg' nich mair, nu will ick schwiegen still 

Und dencken by meck sülffst noch alle wat eck will. 



Hochzeit Lilie / Schuppe. Hannover 1724. 

üp dat Lilljen- un Schuppen Hochtieds-Feste wolle tom 
kortzwieligen Tied-Verdrief düt Betjen deinsthafiftig ohwergefen einer 
dei In Hannover tau Hues höret. Hannover Gedruckt bey LudolflF 
Heinen, den 26. Oetobr. 1724. 

As eck vor korter Tied in Cumpanie kämm; 
Da spröcken sei von nicks as yon den veelen fryent, 
Dat hier dei Luhe dehn von Ifltj' und grauten Stamm, 
Eck s&h' wo nu tom kranckt et is ja woU kein brübent: 
Neh, neh seh einer meck et schall kein brühent sien, 
H5rt tau un set't juck dahl et schall juck nich ger&hn. 
Dei eine sähe denn eck maut tor Hochtied gähn; 
Denn mien Hr. Vedder hat mit F. seck versprocken, 
Eck kau dar nich umhen eck schal bym Brogam stahn, 
Eck hefiT dat ja Word all von meck herrnhtebrocken; 
Sfifs weit en jeder woll dat Hochtied Penje kost, 
Un Yadder stahen is glieck efen Mnst as Most. 
Do seh dei ander ock, ja Yadder dat is nicks 
Enmahl tor Hochtied gähn dat lat eck noch passairen: 
Eck was vor korter Tied erst upper Kinder -Licks, 
Un maut am D6nner Dag, ock hen naer Hochtied feuren; 
Dei wait, dehm 2 mahl ward vor siene Dor ekloppt, 
Dat Hochtied, Vadderstahn, hen in tom Gelle lopt. 
Dei drüdde seh den ock hört doch en betjen tau, 
Wat eck juck seggen will, dar wnrren uppeboen 
Am Sondag 4 paar Volck, bort Nahfer is't nich sau? 
Ja, ja seh hei sau is't eck dacht et wören Doen; 



108 



Man as eck horde tan, wo dat sau dannig kämm 

Saa was dat erste Wanrt: viel Ehr und Tugend sahm. 

0! schwieget ji man still, eck wait noch beter wat; 

Hr. Schuppe wil nu bald sien ölste Deer'n uhtgefen 

Sprack einer dei was nich tau Huefs in dfisser Stadt, 

Hr. Lillje hat ailängst edacht mit sey tan lefeu, 

Dei Hochtiedt schall ock bald im Bruer-Huese sien! 

Dehm hAbschen Maiken ward dei Koop ock nich gerfihn. 

Mien leifife Fründ seh eck wo mag et woll tau gähn; 

Dat gegen Winter seck Hr. Lillje denckt tau paaren; 

Op öhm wor bange is hey kennet nich übt stahn, 

Wenn't kohle Winter gifi^; da doch in veelen Jahren 

Wie keine heffte hat: et maut wat anners sien: 

Denn döt holt keinen Grund un hat ock keinen Schien. 

Doch still meck fallt wat by, meck dünkt eck drep dei Kand: 

Dat Linien behagt im Winter seck tau paaren, 

Et kan woll m5glick sien dat in der Schuppen Land 

Ward Lilljen Saat esait by düssen sp&den Jahren, 

Un junge Lillien man k5nn im Sommer safn, 

Sau wor im Winter jo dat fryent recht eschein. 

Wo kummt doch Junffer Brüht, ey nnh in aller Welt 

Up den Sinn? dat sey ock an einen Koopman dencket. 

Glieck sprack en ander drup: ja handeln bringet Geld, 

Et mag woll längsten ock by den dei Ehen lencket 

Inn^t Bauck eschreffen sien: Drum schwieget ümmer still, 

Un günn't ohr dei Partie; Wiel dat et Gottes Will. 

Nu fehlet nichtes mehr: denn jeder was bedacht 

En Glück- Wunsch, Junffer Brüht, mit Früuden juck tau bringen, 

Un dem Hr. Br5gam ock, doch juck segg^ eck et sacht; 

Oehr Junffer Brüht will ick't in körten Biemen singen: 

Dei eine wünschde Glück, dei ander sah* hei stah 

Un falle nich enmahl. Mien wünschen kummt dernah. 

Eck as en Singer maut den grauten Glück-Wunsch dau'n 

In einen Leid, et gait dei Meldie: Trübte Deereu. 

Dei Stimme is wat groff doch kan eck fiene kau^n, 

Wenn meck man keiner dait in mienen singen stöhren. 

Dei Thon gaiht übt en G, en ander secht übt Gis, 

Dei Drüdde seh forwahr übt A gaiht hei gewifs. 



Himmel Iaht veel Seegen kohmen, 
Up düt nnh getrübte Paar: 
Dat sey möget übte nehmen 
Sien von aller hosen Schaar. 
Sy ohr Glücke nich entegen, 
Strahle sey mit Freuden an, 
Sau veel Drüppen in den Begen, 
Dei man gans nich teilen kan. 

Himmel kröhne sey mit Wunne, 
Dat sey mögen veele Jahr 
Seihen obre Glückes Sunne 
Buhten allerlai Gefahr. 



Labt ock sau veel Lilljen wehren 
As man ümmer mogelck is, 
Oehren Hupen tau vermehren: 
Sau blifft ^)hre Stamm gewifs. 

Nuh tau lest wünsch eck juck beyden, 
Dat Ji moget alle Tied, 
Sien Gesund in Lust un Fr&iden; 
Bed dei Dodt dartwischen süht. 
Denn sau labt dei leife Heere 
Juck tau Hoop in Herrlichh&it 
Kohmen, da den ewig Ehre, 
Da man nicks van truren wait. 



109 



Hochzeit v. Mengershansen / Wiesenhaver. Hildesheim 1725. 

Als der Hoch-Edle, Grossachtbahre und Fürnehme Herr Herr 
Anthonius Henricus von Mengershausen, Zu Mühlenhausen und 
Edesheim, Mit der Hoch-Edlen, Gross- Ehr- und Tugendbegabten 
Jungfer, Jungfer Sophia Margareta Wiesenhavern, Den 
16ten Augusti des jetzt lauffenden 1725. Jahrs Unter Priesterlichen 
Seegen zu Hildesheim Ehelich copuliret wurde, Weiten Jhre schuldigste 
Glückwünschung abstatten Innenbenannte. Hildeshelm, gednickt bey 
Michael Geifsmarn. 

IV. ^) 

Goden Dag, jy Heren alltomahl, 

San veel jner allhier sind an de Thal, 

Segt, tho wecken Enne sin jy her, 

Juck tho maken ein Plaser? 

Ohr wat schall et sünst bedün? 

Jy sied alle ja san degger fien; 

Ock dei Wiefer sind sau frflndlick, 

Ja sau schmück nn pfintlick, 

Dat sey sick san lustig maken 

In den K5hken ock sau kaken, 

As wannt ehne Hochtiet weire, 

Un der VerleiflFten 6hre Feyre, 

Man süht alles seck sau flieen 

As wann seck twey leiwe Luhde fryen. 

Da kfimmt her ein Junggesell med witten Haaren, 

Afs wann he sick med der Brut will paaren. 

He is dryst, dat 5hme nemfs ansüet, 

Dat dat Lopen 6hm thaur Ehr geschüet. 

Hei deit, afs wann hei nist darnah fregt, 

Dat man Br5gam thau ohm segt. 

Nodiget den Oast by 6hm tho bliefen, 

Um 6hm Thiet un Wiele tho verdriefen: 

Averst wann ick dumme Lannes- Knecht 

Dflssen Mann anseie recht; 

Sau maut ick de dfttscke Wahrheit seggen, 

Wu gehm he sick woll by siene Greytsche leggen. 

Un dat hei et geern den Gästen seggeu mögt, 

Wau 6hm um dat Hart is recht. 

Och hey n6dget j&ck, jy Gäste, man thom Schien, 

Un gifft jfick daby wol guen Rihnscken Wien; 

Averst hey woll leifer glieck tho Bedde gähn, 

As by jfick sau gär verdreitlick stahn. 

Drum packt juck man nah Hufs in aller Stille, 

Dat is Uses Br6gams gnAdger Wille. 

Dat jy sfilvsten ock med juen Greitchen 

E6nnt na Bedde gähn, un enmahl heytchen, 



^) Voran gehen 6 lateinische Hexameter nebst hochdeutschem Sonnet von 
Ant. Lüdw. Wiesenhaver, 6 jambisch - anapästische hd. Verse yon Justus Karl 
Y. Wiesenhaver und 12 lat. Disticha von Georg Christian Bodinus. 



110 



Ock jy JuDfern un jy Janfern- Knecht. 

He denckt: hedd' ick man erst dat, wat ick mocht. 

Averst jy wert jÄck et nich verdreiten laten, 

Dat jy keinen Haat dfifswegen np mick faten, 

Wiel mick dat Hart sau gar weihe deit, 

Bed dat jederman nah Bedde geith. 

Lefen Heren, nn jy gohde Fri^nne, 

Wann jy wüsten, wau meck sy tho Sinne, 

Un verlanget, eyr et Afend wäre, 

Dat ick mick med miener lefen Ddffken paare, 

Ock as wie dei Dnfen sfilvst sick schnäbeln, 

Un wat daby noch ward sünsten kröpeln. 

jy lefen Wiefer wettet, wat daby tho dohn, 

Dram weret jy dit nich vor Spott nn Hohn 

Glieck npnehmen, sflndem meck sien faoldt, 

Denn jue Fr&nschop is mick lefer asse Gold. 

Nu ja lefen Lue, et is Tiet, 

Denn de Avend is nu nich mehr wiet, 

Use Henner fleiget up, ehn Jedermann 

Kan nn wedder siene Strahten gähn. 

Eck marck' even nn erst, wat hier hernt kam. 

Da steit dei Brüht, nn da dey BrMdigam; 

eck wünscke jöck goot GlAck van Harten Granne, 

Dat jy jue Warck anfangt in gooder Stanne, 

Un med Leiwe lange Jahr thosamen schlapen, 

Ock ath jnen Fenster mögt gar f rundlich kapen, 

Dat et gahe juck na Wunsck an Willen, 

Dat de lefe Gott ja woll erfüllen. 

Na ick dämme Daffendop in düssen.Saken 

Kan nich veel mehr maken. 

Hedd'ick mick thanr Krabben-Tiet darnp gelegt, 

Hedd* ick wohl gedahn an etwa recht; 

Averst da leth ick dey B5ker Boker sien, 

Un fong an tho pleagen an ackern fien. 

Ick erwehlte mich der Haafshalt za ergeben, 

Welches ich aach schätzte für das beste Leben. 

Hol Ho! balle hadd* ick annefangen hoch tho schnacken, 

Un da kam de Grode-Vahr, stodde mick in Nacken, 

Darum ick by miner Mauer-Sprack maut bliefen, 

Eck weit nist mehr, as den Plaug tho kiehlen un to driefen. 

Jy verleifften Lyde wert med düssen Saaken 

Kein beschimpen dann, ick kan et ja nich bäter maken. 

Use Ehr- an Dugendsame Dehrn Sophie, 

Will nu nehmen ebnen Mann, an fryen, 

Ock se daby Margreite heit, 

Se will raisen, eyr dei Tiet vor^ffer geith. 

Nah den Orth, dei ryck van Wayten, Garsten, Havern, 

Glück taur Reise Junfer Wiesenhavern. 

J. C. T. A. G. 



I 111 

Hoehzeit t. Grote / y. Post. Schauen 1726. 

Platdütsche Schnaken, Van Post-Saken Asse dei Her Frie-Her 
Henrik van Groten, Königl. Geheime-Kamer-Raht mit Frl. 
Lischen Julianen van Post Up Sienen Frieherl. Huse Schauen 
Den 14ten Feiberaries 1726 Eine Post-Kumpanie makede, Uppesettet 
van Jaust Gerkens. Hannauver, Gedrükt bie Ludolph Heynen. 

VEel Minschen-Einner sind verennerlik van SinnoD, 
Dat andre sek nich k5hnt in 6hren Saken finnen, 
Dei eine dei will %fi% dei annere will san, 
Drum gaiht öt wnnnerlik bie sölken Lfien tan. 

Deels jnnge Fenten plegt mit Sorgen sek tan qnelen, 
Wen eine Lefens-Ahrt Sei wilt vor sek erwehlen, 

Doch moht man erst damp bedacht sien Nacht nn Dag, 
Dat ehrlik man sien Brodt nn Drank erwarfen mag. 

Dei dat nich wol bedenkt, den werd öt san nich feügen 
Sei sien ohk wat sei wilt, dat Sei sien im Vergnengen 
Oet Sie den dat Sei sölfst sau riek' an Middeln sind, 
Dat Sei hefft nnerholt vor sek ohk Wief nn Kind. 

Nn hätt dei leife Gott Her Br6gam, j5k gegefen, 
San veel, dat jie wol köhnt van jnen Qeüdern lefen: 
Jie sind ohk noch dabie Geheime-Kamer-Raht, 
Den Kamer-Saken jie vnlikomeu gnang verstaht. 

Noch halt dei Eönje jöck dat Over-Amt im Bnen, 

Wen hei wat bnen lät, jök laten anvertruen, 
Wie wehtet, dat van j6k betflgt dat ganze Land, 
Dat jok dei Bnknnst ohk tanr Gneuge sie bekand. 

Nn segt man hier, dat jie ohk wilt en Post-Man weren, 

Dei Werke kohnet ohk wol Bnren-Kerls lehren, 
J6k Lüen afer staiht dat Fohrwark nich wol an, 
Dat ifs vor jük tan schlecht, drflm bliefet man darvan. 

Den 8(Mk' en Fohrman moht dei Wagen-Peere klappen, 
Man hatt am Seelen-TAg' ohk iimmer wat tan läppen, 
Gemeinlik pleget osch dei Strikk' entwei tan gähn, 
' Van S(Mken wäre jie wol nich gar veel verstahn. 

Wie wehtet, dat jie gern en Jagt-Peerd mf)gt bestrien, 
Drnht schlute wie, dat jie ohk kont en Post-Peerd rieen, 
Dagegen segg* ek niks nn sie dahen gestellt 
Doch wiel dei Biet-Post jok vor andern sau gefält, 

San heif ek jok hiervan nothwennig wat tan seggen 

Jie denckt Ht afer wol nich 5fel nht tau leggen, 
Ek heffe nich alleen veelmahls dei Post geföhrt 
Ek weiht wol, wat der Post im Rieen ohk gebohrt. 

In mener Jogend most ek mit Stifteten jagen, 

Dat Jagen plegte mek tan der Tied sehr tan hagen. 

Sei segget ohk dat jie nein Fiend der Riet-Post siet, 

Sau rieet den dei Post in juer Lefens-Tied. 



112 



Do Jie bestennig wilt bie jnen Sinne bliefen 
Wil ek mit wainigem van solken saken schriefen 
Dei tau der Riet-Post man nohtwennig heffen raanht 
Wen man dei hätt, sau gabt dei Saken alle ganht. 

Tanm ersten möhte jie vor ein flinck Post-Peerd sorgen, 
Jie heffet Middel gnaug un dr^ft dartan niks borgen, 
Dei Qeld betablen kan, dei krigt obk wol en Peerd, 
En Post- un Riet-Peerd ist jo sienes Gelles webrt. 

Doh ningenst Veih-Markt vor Hanover word geholen, 
Do keibmen Peere drup van jungen un van ohlen, 
Doch k5fte jie nich Ein, daräm sprak jederman: 
Dei Heer hat all en Peerd, dat 5hn vergneugen kan. 

Dat Post'Perd dat Hei hätt, dat häct recht gladde Scheuen, 
Hei kan 6t ohk sehr wol tau sienen Ritt gewöhnen, 
Un wen en Post-Peerd erst des Rfiters Ritt verstaiht, 
Sau weiht man, dat 6t gern nah sienen Willen gaiht. 

En Rüter mauht sien Peerd wol hegen un wol plegen, 

Sau kan den Rfiter 6t in sienen Sadel drägen, 

Nümt man dat nich in acht, sau- werd en Post-Peerd matt, 
En Rflter werd den ohk des Rieens s&lfTest satt. 

En ungewehnet Peerd plegt Anfangs sek tau spehren, 
Wan man drup stiegen will, dran mauht man sek nich kehren, 
En Post-Ritt mauht doch enst getrost gewaget sien, 
Dat wagt un drinket man darup en gauht Glafs Wien. 

In juen Stalle sind mehr Riet- un Kutschen-^eere, 

Dei Peere iederman ohk h61t in groten Wehre, 

Doch ein moht Lief-Peerd sien, dem mahkct juen Ritt 
Bekand, sau dregt dat Peerd j6k ohk nah juen Schritt. 

Wen Jie kohmt up dei Jagt sau sitte jie im Sadel, 

Dat ohk dei Lästerers nich finnet einen Tadel, 

Sau hobp ek Je weerd ohk den Post-Rit wol verstahn 
Un wehten, wo man mauht darin tou Warke gähn. 

Wen Jie nn up dat Peerd stiegt, st6tet nicht int H6ren, 
S&st 16ppet jederman sau gliek übt sienen D6ren, 
Dei eine dadelt dflt am Post-Knecht* andre dat, 
Nah dummen Volkes Ahrt un wehtet sülfst nich wat. 

Wen Jie obk Jue Peerd in Rieen mogten drükken, 
Dat lichte kan gescheihn, sau m6bte Jie fluks schikken 
Hen nah der Schnellischeu, dei weiht dagegen Raht, 
Drup alle Peer-Artz^ hier sek ohk^) sau wol verstabt. 

Doch mohte Jie dat Peerd wol hen up veertig Weken 

Bedekken allemabl mit Juer eignen Deken, 

G16ft dat dat dekken 6hm den neinen Schaden daibt, 
Wen Jie dabie vardan gebrnbkt Bedachsamkeit. 



^) Dafür ist am Rande nich verbessert. 



113 

Van Posten is hierbie noch mehr wat an ton f6hren, 
Ek will mit wainigen dat 5frige ber6hren, 

Wat Jak in dflsser Tied tan seggen n^hdig is. 

Dat heff* ek längst erfahrn nn weiht ot vor gewifs. 

£n Postman manht sek np den Wege nich Verwielen, 
Hei manht veelmehr san veel f>hm moglik sien kan lelen, 
Doch nich galiop nn man en rechten sagten draf, 
Sfifs schmit en Post-Peer d ohk wol sienen Rüter af. 

Dei K5nje h&tt vorerst dem Post-Amt anbefohlen, 
Dat alle dei 5hm deint dei Ordnung schollen hohlen, 
Dei Post manht Dag yor Dag in 6hren Schwange gähn, 
Sfifs kan dei Handel jo nn Wandel nich bestahn. 

En Postknecht jaget wol tan wielen for Cnreier, 
ün drinket ohk dabie en Gl/lsken Wien nn Beier 
Canreiers maket sek dei Wege sfilfst bekand, 
Dei maisten gabt van hier nah Holl- nn Engeland. 

Yeel mühtet ohk nah Wien, Barlien nn Kassel jagen, 
Dahen tau jagen mögt' ek mienes Dehls nich wagen 

Man manht bie düstrer Nacht d5rch Wälder, Barg' nn Dahl. 

Dat mangen Postknecht bringt bie Nacht* in Angst nn Qnahl. 

In Norden gaiht en Weg den will ek nich verhelen, 

Jie werd, wen jie mek höhrt, den Weg wol sülfst erwehlen, 

Drnp ifs nein Barg nein Dahl van hier bet Haar borg tan 

Ja Biee Jie dahen, befinne Jie 5t san. 

Nah Haarborg heff ek sülfst all mangen Bitt gewaget, 

Dei Ritte helfet mek ohk allemahl behaget, 

Wen Jie daer kohrot, sau geft den Wachten en ganht Wohrt, 
Sau kohme Jie int Dohr nn up der Raise fort. 

Wen Jie dat nohmt in acht sau helfe jie tau hopen, 
Dat den dat Dohr vor jftk in Haarborg willig open, 
Daer rauhet den man übt, wen Haarborg jök gefült, 
Bet dat en Schep vor jok nach Hamborg ifs bestelt. 

Dei schlünig will van daer nah Hamborg over fahren, 
Dei mauht nich Kmsenbnsch, nich Rngenbarg berühren, 
Föhrt dorch den Raiger-Stieg un durch dat lange Lok, 
Daer kan jok overall nich hinnern Stok noch Blök. 

Jie hefft Heer Brogam nn mit wainigen vernomen, 
Wo jie dorch Haarborg kohnt nah Hamborg ielig komen, 
Heer Brüht erinnert 5hn man allemahl daran 
Un glofet dat Hei Sek den nich verirren kan. 

Meck dünkt jie Baide wilt in Post- nn solken Saken 
Dei n5hdig sind tonr Post nn Kumpaniee maken, 

Dat ifs jük baiden gauht, drum segg' ek baiden frie, 
Wat jie beschloten helft daer bliefet baide bie. 

Ntoderdeatsohes Jahrbach XXXV. g 



114 

Ek wfinsche baiden Glfik dartau nn Goddes Segen, 

Glük, Inter, Inter Glük np Wegen an np Stegen 
Da jie man gabt an staht, dat jie bie jner Post 
En anner Spiesen mögt mit seüter Scbnafel*Ko8t. 

Son ward dei Schnellische mit jok erfraiet weren, 

Un re Ahmen jaen Fliet tou jner Last obk Ehren 
Un hohpt darnp van jc^k gewAnigliken Lohn 
Wen sei jÄk bringen werd en leifen Ifitjen 8obn. 

Jie m/^htet baider Siets jok ohk dahen bestrafen, 

Dat wie m6gt alltemahl mit Jok dei Tied erlefen, 
Dat doch davan Bewiefs up Edemnndes Dag, 
Soa ifs dei rechte Tied, ant Licht jo komen mag. Amen. 

Hochzeit Grapen / Droste. Hannover 1726. 

Dei Gelfsene Koopenschop Ennes liuhren Dei hei Tau Marcke 
brochte Up dat Grupen-i) Un Drostenscke Hochtieds-Fest 
[22. Januar]. Worinne Tom grauten Dancke Vor veel Gaues In 
ennen Misch-Masch van Riemen Gratuleiret En Buhre In Harmsen 
Huse tor Horst. Hannaurer, gedruckt by Ludolph Heynen. 1726. 

WAt is et doch san schlimm nm ennen armen Bahren 

Hei kohme wo hei will san ward hei doch ehrAht, 

Dat dfit nich anners is, dat löfFt man: wann by Schahren 

Hei nah der Stadt eer sAfs na^m annern Ohre tAht. 

Eck fönrde mahl naV Stadt, an hadde Korn tan koope, 

Ja eck verkofft et ock mee tehmlicken Pranfit, 

Un dachte: Na da hast saa dühr verkofft, saa loope 

In't erste KrAnger Haefs, wyl daVt noch Dages Tied. 

Kaem hadd' eck mienen Fant in't Krftnger Haefs esettet, 

Un woll tor lincken Hand in ohre Domsen gähn; 

San h5rd' eck en geraap: kohmt, kohmet, helpet, reddet. 

Eck krieg' hier san veel Schliig:', eck kau et nicb ahtstahn. 

Eck leip san hastig hen nn wol ohm Hiilpe gewen; 

Mans eck kam owel an, sei fallen stracks np meck. 

Eck reip: Wat schall dat syn? Laht meck doch byem Lewen. 

Sei kehrden seck an nicks, sei schmeiten meck im T)r — . 

Up sanen graaten Lärm, kam glieck dei Wachte loopen, 

Dei was nich wiet darvan, dei neihmen fisch mee fohrt: 

Sey brühden üsch san veel, sei wollen üsch verkoopen 

By dei Soldaterie. Wie sprocken nich en Wohrt. 

Eck dacht in mienem Sinn, dat het: laht diene NAsen 

Übt allen Leckem weg, da't wat tan schnawen giift. 

Ol Wfthr eck nämmermehr in dufsem Hnese wesen. 



^) Christian Ulrich Grupen, im Juni 1692 zu Harburg geboren, erhielt 
seine Schulbildung auf der Martinsschule zu Brannschweig, studierte in Rostock 
und Jena, Hess sich 1715 als Advokat in Hannover nieder und wurde 1719 zum 
Syndikus und am 11. August 1725 einstimmig zum Bürgermeister der Altstadt 
Hannover gewählt. Dieses Amt bekleidete er über 40 Jahre und entfaltete eine 
hervorragende Tätigkeit, da er auch als Schriftsteller hervortrat. Er starb hoch- 
geachtet am 10. Mai 1767 in Hannover. 



115 



San bedd* et keine Nantb, dat man meck hier her driift 

Um'n lüttick mf)8ten wie tan hoop nah*m Heerens kohmen 

Dei Mugen meck nn erst: Wo dat w^hr tau egahn. 

Eck seh, eck wAst et nich, dat hedd* eck wol Ternohroen 

Dat sej tan Marcke hefft, np enner Stidde stahn. 

Eck hedd' man redden wolt, sfifs hedd* eck uicks verseihen, 

Un bat: sey möchten doch meck wedder labten lanfs: 

Do sprack en ahrig Mann; Wiel dat et is escheibcn 

San gab, un sy nicb mehr noch eis sau^n dumme Chrnfs. 

Weist du nicht was aldort by'm Wiesen Manne stehet: 

Du mische dich ja nicht in frembde H&ndel ein; 

Sonst wer da alletied, nach ünglfick sfilfifest gehet, 

Der kan ohn Schaden nicb sien Hfiescken wedder seybn. 

Eck dancke vor düt mahl, mien leiife schmucke Heere, 

Dat ji meck helft sau frie gemackt von den Yerdrufs. 

Eck fraug dar buhten tau: Wei doch dei Heere w5hre? 

Do s&h en Mann tau meck, hei heite Synnicus 

Eck kf)nn wehr frie un franck in mienem Dörpe wohnen. 

Eck gienck nah mienem Wieff, un ock in mien Gelacb. 

Dei annern mosten do den Pieper beter lohnen, 

Dei selten hen sau lang tom annern Marckde Dag. 

Nah langer tied hadd' eck eis Gäuse hen tau bringen 

Na'r Stadt, alwo dat Qeld vor Gänse tehmlick graut; 

Vor fette G&use mftst en Gi^llen flmmer springen 

Von mann'gen dei nicb hat tor Tied en betjen Braut. 

Meck wurren affekofft, up eis 3 fette G&use, 

Da m5st eck sfilwest mit nah der Betahlung gähn: 

Mans as eck kam int Hnefs, do was en Wieff sau bäuse 

Un leit meck aubne Qeld up 6hrer Dehle stahn. 

Eck dachte, teuff du maus, eck wil deck anners fabten: 

Gefift miene GSuse her! Weg waren sei tau hoop. 

Eck leip as dooif un blind, d<Sr grout un Ifltje Strabten, 

Und fraug nahm Synnicus dem woll eck düasen koop 

Uth mienes Hartens-Grund, warentigen Verteilen, 

Kein Minscke wüste wat von dftssem Synnicus: 

Sei sähen alltaumabl, dei Kock mee sammt der Kellen: 

Dfit is sfint Middag all en Börgemester Huefs. 

Sei sSben: wenn du wult nah siener Leivsten gaben, 

Vielichte is bei dabr, da du Öhm sprecken most, 

Ol hat bei enne Brnbt? sau mag eck hier nicb staben 

Was miene Antwoi|rt drup; Denn hat hei beter Lust 

Meck Recht in miener Sabck nppt allerbest tau gewen. 

Eck sprunck as'n Hartze-Bock nar Brüht obr'm Huese tau. 

0! wat en sk5nne Minsk, eck beff in mienem Lewen 

Nicb sau wat Gladdes seihn, eck wort recht angst un flaub. 

Doch faet eck meck en Hart un fraug nah*m Ober-Fester? 

Drup kam dei gladde Mann tan meck beruhte gabn. 

Un sah: wat will ji Mann? Ich bin der Bfirgemester. 

0! sau vergefftet meck, eck heffet nich verstabn. 

Tau erst wünsch' eck veel Glück dat ji tom B5rgemester 

In düsser Stadt emackt. GOtt labt jöck veele Jahr, 

As jenem oblen Mann, meck dfinckt bei heite Nester 



8* 



116 

Ock sau yeel Jahre seihn. San is mien wünschen klar. 

Ick he£Fe hier verkofft np eis drei fette G&nse 

Dat sint twei Dahler mans dämm bedreigt sei meck, 

Dat Wieff dei sei gekofft, dei was vertwiewelt b6se; 

Sei sah: tom Hnefs hennth, ji krieget uich en Dre-. 

Un alsan heff eck meck bemeuht, tan 5hni tan kohmen, 

Eck bidd' hei nehm et doch van meck san ^vel nich. 

Hei sah: die Klage hefiT van jöck ich all vemohmen. 

Sie soll bezahlen ench, und dieses ohne mich. 

Eck danck jn schmncke Heer, dat ji meck Becht egewen, 

ün bidd' hei segge meck doch sienen Hochtieds-Dag, 

San will eck ewen hier, wenn eck blieif by em Lewen 

Meck wedder Iahten seihn, wenn eck et wagen mag. 

Mein Frennd: was wolt ihr denn np disem Tage machen? 

Dafd ihr san flietig fragt? er heist Vincentius Tag. 

Eck will tan Marcke hier wat bringen, ji schalt lachen 

Wenn ji et seihen werd. Adjen tain dnsend Fach. 

Eck kreg hiernp mien Geld, by Heller un by Penje, 

Un fänrde Ogenblicks nah uhsem D5rpe tan. 

Eck kam san dra nich in, eck leip nah uhsem Hei^e, 

Un bat fjhm glieck um Rath, op miene melcke Kanh 

Eer Schwiene, Fedder-Veih, eck schul tau Marcke bringen, 

Dei B(^rgemester wull sien Hochtieds-Dag begahn, 

Un eck yersprocken heff, van veelen grauten Dingen 

Tau bringen np et Marckt. Labt meck nich kahl bestahn. 

Hei s&h: mien leiife Mann! wat will ji da mee macken, 

Sei nehmet kein geschenck eer Gawen in 5hr Huefs. 

Doch meck falt noch wat by: könnt ji van Riemen Sacken 

Wat dichten, wiel et is dat best by*m Hochtieds-Schmufs. 

Eck sah : en betjen wol, manns yor'm enfuld'gen P5wel, 

Vor hongeu Lfihden bin eck nickes informeirt. 

En Riem den mack eck wol, mans naem Buren Stewel, 

Von granten Wohren heff eck nickes nich elehrt. 

Dat is allgaut, s&h hei, den dyt kan granten Heeren 

Tom Tiedyerdrieffe sien, drum settet jfick mans dahl, 

Un macket wat daher, un Iaht juck nich verst5hren. 

Et sy rechts oder lincks, et stahe schön eer kahl. 

Eck schreeff en betjen hen, et was en Leiyd up*t beste: 

Eck mack'de dei Meldie ock recht na'm Buren Stoff, 

Herr Br6gam, Junffer Brüht, ja alle Hochtieds Gäste, 

Hört tau is't recht emackt, sau geff Ji mack dat Loff. 

Cantata. 
Arioso. Spelt lustig Viaulen, speit lustig Hauboien. 

Spelt lustig ton hoope un singet mee fliet: 
Becit. Wiel dat dei Hochtiet hfit 

Des Borgemesters is, 

Sau Iahtet juck noch einmahl hören. 

Den Bröddigam, der Brüht, un allen Gästen tau ehren, 

Wat denn? dat erste webr: wat mein ji sfifs? 
Arioso. Speelt lustig Viaulen, speit lustig Hauboien, 

Speelt lustig tau hoope un singet mee flieth. 



117 

Aria. 
Fr&ndig tan dem Hocbtiedts-Feste. 
Himmel giff ock dienen Willen, 

Tan dem Paare. 

Veele Jahre 
Mühten sei dei Leiffte stillen; 
Denn düt is dat allerbeste. Da Gapo. 

Becit. 
Herr Br5ddigam? Hei mant den Anfang maacken, 
ün drincken siener leiffsten Brnht, 
Am ersten tan vom besten Saacken, 
Dei Beven-Stamm nnt't Fat is noch nich nht; 
Drum sprecken ock dei hohgen Gäste: 
Arioso. Frändig tan dem Hochtieds-Feste. 

Becit Wo sitt Ji Jnnffer Brüht sau stille, 

Eck weit doch dat et is Ju Wille; 
Drum labtet Juck as nht en frischen Fat antappen. 
Dei Tied kamt ock Ji m6htet nnner kappen, 
Jfick labten Morgen seihen. 
Un wat schort den ock wesen? 
Ji sind jo längst, von obm all übt elesen. 
Arioso. Hei is dei Börgemester, Ji siene Caemmerinn, 
Un Hei sitt bowen, Ji heuet unner in. 
Eck weit Sei denckt: Ja ja et is escheiben. 

Aria. 
Lütcke Deeren sy nich bl5de 
Dencke dat et maut sau sien. 
Mancher maut by jungen Dagen 
Seck mit ohlen Junffern plagen 

Wor'n sei't man sau w§r et fien; 
Awerst wainlg sind tor Stede. Da Capo. 

Becit. 
Herr Br6ddigam! Ji hefft nich bebter rahmen kennen. 
Dei Brüht is Jfick tor Hand ewussen. 

Man kan sey noch 

Mit allem Bechte nennen 

En reine Junffer, doch 

Dit sind maus Füssen 

Denn hüt*ges Dages ward da nicks mehr van eboblen, 

Bald hat sey düs un dei der Junffer äff estohlen. 

Holt in! un schwieg van dnsseu Saacken, 

Du most den Brogam unner Brüht noch ennes maacken. 

Aria. 
Lange leeff dei Borgemester, 

Mit siener alierleiffsten Brüht. 
Alle wat man Unglflck nennet, 
Un vor Böse wart ekennet, 

Gab von dfissem Paare uht Da Capo. 



118 

Becit. 
Eck hoop ock alle, ja alle dei hier sind. 
Wehrt mit meck ennes Sinnes sien, 
Hei heite Mann, Frue oder Kind, 
Sei wehret alle schrien. 

Arioso. 
Lange leff dei Borgemester, 
Mit siener allerleifsten Brnht. 

Becit. 
Ün wie, dei wie üsch nennt van Masicanten, 
Dei enne mee der Fnest, dei anner mee dei Kehle, 

Un alle dei man kennt, 

Vor Musicalsche Anverwandten. 

Dei wehret ohne Fehle 

Mee gantz Hannanver raupen. 

Aria Tutti. 
Dei beiden Borgemesters schollt grennen uu bleahen, 

Tom Nutzen d&sser gantzen Stadt. 

OOtt gewe sienen Seegen, 

Up allen 5hren Wegen: 
Dem Bechte gewen sei dat Becht; 
Hei heete Herr, Frue oder Knecht: 
Sei achten nich 6hr Drenen, 

Van dehm dei Unrecht hat. Da Capo. 

Hochzeit v. Ullmann / Lestoqae, 1726. 

Blaumen-Struefs, Dei up des (S. T.) Hn. van Ulimanns ün 
der (S. T.) Mamsell Lestocks Lustigen Hochtiets- Feste, Dat den 
föfften May-dag des seebentain hunnert söfs un twintigsten Jahres 
in Hannauver vullentogen word, In Baider Verlaifeten Hannen van 
einem Garen-Frunne bemarcket word. Gedrückt im Jahr 1726. 

Tiet mienes Levens hev eck Lust tom Oaren hat, 

Is glieck dei Arvait offt mit Meu un Schweet verhunnen, 

Wenn üsch dei Sunne steckt hy Sommer heiten Stunnen, 

Ock wenn en Regen Schuer Asch maket pütte nat; 

Sau hev eck doch dahy mien üterste Behagen, ' 

Wenn miene Feller hläumt, un mieue B5me dragen. 

Un wat is in der Welt, wat mehr vergneugen kau? 

As wenn man upstund s&ht, wy seck dei Primeln brüstet, 

Man find Aurikulen, dat Asch dat Harte lüstet, 

Man drept dei Hiacinth mit schönsten Klocken an; 

Un dei Schonkiljen hefft, dei pleget ore Ni\sen, 

Thei Tulken komet ock nagrad tau oreu Wäsen. 

Wo konn et my denn wol anitzo möglick sien, 

Dat eck scholl in der Still in mienem Huse blieven? 

Ne! eck weit miene Tied veel beeter tau verdrieven, 

Wenn eck naen Garen gab, da alles h&bsch un fien 

In guer Omung staiht; un wo eck dat kau finnen, 



119 

Wat meck erfreuen kan nn miene seven Sinnen. 

Doch ae eck letzt darin by mienem Spaijes was, 

Un tanr Verniernng had en 8ch5n Gerichte stUkeu, 

Legt eck my schl&prig hen an enner greunen H&ken, 

Da dr&m my, as wenn eck düt nt der Tiednng lafs; 

Dei Mamsell Lestocks woll Seck n&chstens laten tmen, 

ün Herr van Ullmaun neim Sei an tau siener Fruen. 

Glieck kam eck tau my sülvst, un leip na Lestocks Hnefs, 

Da was sau olt as jung geschäfftig uptauflien, 

Dat witte Linnen-Tftg. Eck dacht, düt ward bedflen, 

Dat wy mit ehsten he£ft en fixen Hochtiets-Schmuefs. 

Eck teng ock mit der Brut yan mienen Drom tau kören, 

Alleen Sei stelle seck, as woll Sei nicks van boren, 

Nahero kam et ut, dat up den hfltgen Dag 

Dei Mamsell Lestocks woll den Junfern-Stand y er laten, 

Dat Herr yan Uli mann Sei as Leiffste wor umfaten, 

Da Word np einmahl my dat Hart im Lieye wach, 

Un as mien yorge Drom was richtig innedropen, 

Sau machte eck my np, un woll naen Garen lopen. 

Indehm dei Mamsell Brut en Fründ yan Blaumen is, 

Sau mein eck. Sei k5nn my dat nimmermehr yerdencken. 

Wenn eck en schönen Struefs tau obren Putz wör schencken. 

Doch eck besunt my glieck; denn eck wüst all tau wis, 

Dat Brut un Brödigam schon betre Sakeu bädden, 

As eck nich leffern kan yan mienen Blaumen-Bedden. 

Dei Brut htU Ogen-Trost an obrem leiyen Schatz, 

Un kan mit Öyermaat dei besten Blaumen brdken, 

Un Hei, Herr Brödigam, werd düt ock nich yers&ken, 

Dat Siene Brut Öhm schenckt den besten Garen-Platz; 

Sei is Sien Blaumen Stock, dei nich is tau yergliecken, 

Undehm dei Lilien un Rausen mutet wiecken. 

Doch will Hei ock darvan im Winter Früchte seihn, 

Sau maut Hei noch jetzund Öhn int Gewächs-Huefs föbren, 

Damit kein Kacht-Frost mag den schönen Stock yersebren, 

Alleen wat sorge eck: düt werd ohndem wol schein. 

Dei grote Gürner mag indessen Sei beheuen. 

Damit Sei Beidersiets könt yeele Jahre bleuen. 

Hochzeit Mayer / Ueilmann. Hannover 1726. 

Kortzwilig Tied-verdrief, Worre maket, As Herr Mayer ün 
Junfer Heilmanns wurreii Mann un Wief, Uppesettet Van ennen 
Dei sek en Naber hait, ün sülvst dat Drucken dait. Hannauver, 
Anno 1726. 

Yeel glucks Herr Broddigam taur fnnckel nien Brüht, 
Wo kumtet dat Ji seiht up hüt sau schnicker übt, 
Dat macket wiel Ji kriegt en gladde schmucke Dehren, 
Dei seck in Huese weit tau wennen un tau kehren; 
Ji sind nich dumme west bi dfisser Frierie, 
Un wetet ganfs gewifs dat Sei Jiick nütte sie. 
Ji schlecken offt henin nah Juer Brüht Qnarteir, 



120 

Eck dacht wat dait bei dahr drinckt hei wohr en glafs Beir? 

In dflsser Meinang wohrt eck lange Tied ebrüet, 

Doch h5rde eck taulest wo na dei Klocke liiet, 

Dat Junfer Heilmanns Hei kreg tan sien Tiedverdrief, 

Wiel Hei nlch leven k5nn in Hnese one Wief. 

Denn dat verstait man wol en Mann dei one Frn'n 

Dei draf nich Knecht un Magd in sienen Huese tru'n, 

Ji heffet jo dat Haes an ock noch wackre Tellers, 

Dartaa krieg Ji na ock dei Braht an brave Hellers, 

Dei wart wol achtnng dann ap 6hre Magd an Knecht 

San dat et alle gaiht in Haese lieck an recht. 

Ji sind Herr Brögamm na vergneaget an cantant, 

Ji nehmet Jae Braht bi 6hrer schmacken Hand, 

Ji danzet in dei qaer mit allen Jnen GSsten, 

Bet dat Ji gabt taa Bedd darin Ji jöck könt resten, 

Mit Jaer nien Braht, Ji schlapt ap 6hrer Bost, 

Dat Ji ock eis probeirt bi 6hr dei Leives-Kost 

Hefi Ji den ahte raaht bet an dat helle Locht, 

San hat den al verspeelt dei Braht f)hr Janfer- Recht, 

Drap ward Sei titaleirt Früh Mayern gnden Morgen, 

Dei Lfie fragt op Ji noch sind val Lei ves -Sorgen, 

Doch nee! Ji hefit na dat wornah Ji lange stahn, 

Un k5nt na alle Nacht mit ohr taa Bedde gähn. 

Eck wünsch Herr Brögam Juck ock na taa gaer lest, 

Dat Ji erlevet bal dat Kinnerdope-Fest, 

Un Oodd mag alletied den Segen bi Juck baen, 

Veel Glück in Jaen Hues, veel Glück taa Jaen Braeu, 

San dat Ji ohlt an kohlt taa hoope weren mögt, 

Bet dat Ji noch erlevt dat Kinnes Kinuer sogt. 

Hochzeit Werlhof / Plohi e. Hannover 1726. 

As dei Heer Docter Werlhof i), Mit siener harten leifen 
Brüht Der Junfer Plohren Hochtied hohlen wolle, Begaf 6t seck, 
dat Hans un Caurd twey Calcnbargische Eueren, darover tau sprecken 
kaihmen, Welcke Schnackerie dann uht Öhren Mühle nah geschreven 
hätt, En deger true Fründ dei glieckwoU nein Euer is, Van Taubolske 
uht Seiberien dei efen darup tau kam, afs dütt geköddert word. 
Gedrückt tau Bocksdehusen 2) uper Klappermöhlen. 1726. 

C Hans wo denckstn hen tau, wat sali dat na bed&en 
Dat da saa protschen kamst ap dienen Peere rien? 
H, Bym Docter Warlhof will eck böte meck anmellen: 
Sali eck by dflssen Mann vor deck ohck wat bestellen? 
San segg' ot glieck herraht. 



1) Paul Gottlieb Werlhof wurde am 24. März 1699 in Helmstedt geboren. 
Nachdem er Medizin studiert hatte, Hess er sich in Peine als Arzt nieder, siedelte 
1725 nach Hannover über, trat in die Praxis des verstorbenen Arztes Joh. Andreas 
Plohr und heiratete dessen Tochter. Auf diese in Hannover gefeierte Hochzeit 
ist das obige Gedicht angefertigt. P. G. Werlhof starb als berühmter Arzt den 
26. Juli 1767. 

>) Buxtehude. 



121 



G. Eck wilt jo nftmmer hopen 

Dat da all wedder hast den Balg tan yall esopen, 
Un hei deck nn davor wat sali tau br&ken gefen, 
Da sfihst meck nich gaaht aht da warst nich lange lefen; 
Denn ifst mit deck gedahn, drnm schone deck en betten 
Sei gaht sAfs mit deck fort an ifs dei Kese getten. 

K Dat hört hier jo nich her: dan da wat deck befohlen 
Da hast nich n5dig meck dat Snpen vor tan hohlen; 
Meck dfinckt Sei brnket nich den Finger deck tan beihen, 
Da kanst ohn den ohk woll dei Kannen leddig teihen. 
Meck wannert dat da magst saa in dat Tüeg hen spreken, 
Dei Dohd kan deck saa ball afs meck den HaU tan breken. 
Wann Tiedt an Stonne kamt, saa möte wy tomahlen, 
Hei sieh ohlt oder janck dei ohle Schnld betahlen; 
Eck hebbe neine Tied mit deck hier mehr tan k5hren, 
Damm gab' öt deck woll an Iaht meck na gewehren^). 

C. Hans höre noch en Wort: warst da den glieck saa böse 
Woll dat daahn will dei manht hen lopen manck dei Q6se. 
Stieg doch en betten af öt fängt erst an tan dagen, 
Labt ösch hier sitten gähn an d&ssen dicken Hagen, 
W'ie wilt den Brennewien tan sahmen erst vertehren, 
Eck weit woll dat man plegt daer driestig nah tan köhren, 
Dei Finckeljochen ifs tau Qaälenborge braet 
Oet ifs nein Lnrribam davor den L&hen grnet: 
Prost öt gelt deck eis hier aht düsser tennen Flaschen, 
Dei Stack eck h&te frea by meck in miene Taschen. 
Na segge meck doch wat van dienen annern Saken, 
Wat wnlta in der Stadt bym Docter Warlhoff maken? 
Ifs diene Frn wohr krauck dat da h&st mit öhr kefen, 
£f hasta sfifs öhr wohr wat am dei Bibben gefen? 
Dat da sei brahn an blag hast ganfs tan nichte schlagen. 
Eck weit dat da deck maast jo altied mit öhr plagen 
Dei Wifer intgemeln dei hoffet böse Koppe, 
Oet giffter mannigmahl verdüfelte Gelöppe. 

H. Dei Docter W^arlhoff ifs en Bröddigame woren, 
Hei krigt tan siener Fra dei ölste Janfer Plohren, 
Un hüte ifs dei Dag dat Sei wilt lastig lefen, 
Denn hei will seck dei Brnht taar Fraen laten gefen. 
Na hlitt meck dusse Mann, dat eck öt deck gestahe, 
San mannigmahl edeint mit sienen gaen Rahe, 
Drnm will eck dusse Brahn taar Hochtiet öhm verehren, 
Dat Sei mit gaaen Manht Sei möget rain ap theren; 
En krnmmen Lorens will eck öhme daby maken, 
San ball afs eck man kan öhm an dei Kante raken. 

C. Wo ifs dei Brüht den her? wat ifs Sei vor ein Mäken 
WoJl ifs Öhr Vader west? Iaht ösch hier wieer spreken. 

U. Eck marcke woll dat da daer nicks hast vanne höret, 
Da vcele Lfie doch van düsser Hochtiet köhret: 
Wann da öt wetten wult saa will eck decket seggen. 
Da maust öt aferst nich taum argen meck übt leggen. 



') Druck: ungewehren. 



122 



Oehr Vader was en Mann dei wainig sienes glieken, 

Oet mochten ohn, sau woU dei Armen, afs dei Rieken, 

Wenn 5hnen schahe wat, san hartlick geren bniken, 

Wat hei yerschreif dat was uht ener gnen Kruken. 

Eck wönsche meck dat eck in miener Taschen hedde, 

San mangen Güllen afs hei von den krancken Bedde 

Dei Lue hnlpeu hätt: Watt hedd' eck denn tau sorgen 

Un eck woll lange nich dat dfihre Koren borgen. 

Blanmharte dfisse Mann dei hadde Darm* in Koppe, 

Oet ginck 6hm lang nich san afs mangen Duven-Koppe, 

Dei seck dei Tähne stump erst ilppen Feddern kauet, 

Un ehr hei schrifft en Wort seck achtern Ohren klauet, 

Un helpt denn doch sau veel afst f5ffte Rad am Wagen: 

Dei Lfle leiten woll dat Tüeg uht obren Magen. 

Hei maket ohck nich afs woll dei Bedreigers pleget, 

Dei man den armen Lfih'n dei Kist un Budels feget, 

Dat Geld leiht hei seck ohck nich vor herruht betahlen 

Afs veele s&fs woll dauht: dei Henger werd sei halen. 

Oet was 6hm gliecke veel ef hei kreig enen Gfillen, 

Wann hei man sag davor der Liie g^^en Willen. 

Hei gaf nein Zettel uht wen hei had* all caureiret, 

Glf)f du et meck man tan dei Mann was nich tresseiret, 

Un glieckwoll hiUt hei doch en ehrlicks nahe Iahten, 

Dat sienen Kiunem nu ward kohmen woll tau bähten: 

Wenn eck en Güllen 6hm up sienen Disch woll leggen 

Sau si'ih hei: Wat will Jie mit Juen Gelle seggen, 

Dat nehmet wedder heu un gäbet nah der Schencke. 

Wenn eck au düssen Mann un s61cke Wohre dencke, 

Sau puppert meck dat Hart: <'>t staiht nich uht tau seggen 

Dat hei sau freu seck most int kohle Graift hen leggen; 

Doch dat ifs use Trost dat wie hefft wedder funuen, 

Wat mit den Docter Plohr up enmahl was verschwunnen, 

Dei junge Docter ward up düssen Ohlen abren, 

Ifs hei glieck noch wat junck hätt hei doch vell erfahren. 

Du warst noch Wunner seihu wenn 6hn dei Lüh' erst kennet 

Wo dat sei hupens wies nah 6hme seck tau rennet. 

Dei Fründlickeit süht jo den Manne uht den Ogen, 

Oet werd dei Junfer-Bruht mit ohme nich betrogen^) 

Afs Sei tausahmen man en W6rcken hadden sprocken, 

Do tohg dei Leifde seck glieck hen in 6hre Knoken, 

Sei w6hren up enmahl tau sahmen Schammereiret 

Eck wait woll wo dat gaiht; Eck helfet ohk praubeiret, 

Un wait woll wo dem ifs by solcken Warck tau sinne, 

Afs eck man miene Brüht greip heu na obren Kinne, 

Do was mien Harte meck afs wenn 6t s611e basten, 

Ja afs eck do man woll en Spanne deiper tasten, 

Do kon eck neine Lucht un neinen Ahden bahlen; 

0! dacht eck, du maust hier woll dat Gelach betahlen, 

Gesegt un ohk gedahn, eck was dar faste anne, 

Un w6ret nigge scheihn eck blefer noch nich vanne. 



*) Druck: betogen. 



123 

Wann nhse Docier nich den Dinge yohrekohmen, 
Sau hadde siene Brnht seck rainst all Tohrenohmen, 
Dat Sei np Lefens-Tied woU bliefen ene Nnnne, 
Man afs dei Docter kam, nn sprack nht hartens Grnnne 
Mit 5hr twey Wohre man: do was 6t glieck gescheihen 
Un Sei woU flucks darnp do uht den Kloster telhen. 

C Woramme mag Sei denn nich syn in Kloster blefen? 
Oet werd daer wisse wohr nicks in tan frien gefen? 
Sei heffet sfinsten jo darinne gue Dage, 

K Myn leife Vadder Canrd dat ifs en hoge Frage; 

San Teel knmt 5sch nicb tan. Dei will na allen fragen, 
Dei ward, afs man san segt, ofit yan der Schanle schlagen. 
Oet ifs genang dat 6hr dei Lnsten annekohmeUi 
Dat Sei den Docter hätt tanm Br5gam annenohmen; 
Un düsse Koep dei ward 5hr nfimmermehr gerfien, 
Dat Sei seck hätt erwählt den brafen Mann tan frien. 
Wo werd dat Yolck seck hfit tan springen nn tan kraien, 
Dn s5st dei Brnht mahl seihn wo Sei den Stert kan draien, 
Wat werd Sei stiefe gähn wo werd Sei seck tan putzen, 
Wo werd dei Broddigam in sienen Staat nich stutzen 
Den langen Halsedanck, den heff eck wolle seihen 
Un ohk den nien Bock den hei will hflet anteihen, 
Den Halsedanck h^tt 5hm dei Jnnfer Brnht verairet, 
Afs hei den man ansag do wohrd hei gans verfairet, 
Dei Mann mag woli gewis van groten Glflcke seggen. 
Wenn hei seck dfisse Nacht by ohr ward unnerleggen: 
Un damid brehk eck af van dflsser Schuackerie, 
Denn ot ifs hoge Tied dat eck van hier nn rie. 
Eck wfinsche dat dät Warck by dfissen gnen Lden, 
Wann Sei tan Bedde gaht wat nies mag bediien, 
Un dat Sei m5gt en Leid uht solcken Thone singen 
Darnp dei Schnelsche plegt en lutgen Sohn tan bringen. 

C. Hanfs raise glücklick hen nn stört nich mit den Peere, 
Oet ifs en bettgen stieff dei ohle schinner Meehre. 
Knm balle weer tan hues, wornm eck deck den bidde, 
Un bringe, wann dn kaust, en stftcke Stuten midde. 

HANNOVER. H. Deiter. 



124 



Über germanische Personennamen 

in Italien. 



Die romanischen Schriftsprachen sind seit langer Zeit und 
werden noch immerfort nach germanischen Bestandteilen untersucht. 
Weniger ist dies bei den romanischen Mundarten der Fall und noch 
weniger bei den Personennamen auf romanischem Sprachgebiet. Auch 
in diesen ist Tiel germanisches Sprachgut enthalten, dessen Aufdeckung 
der Sprachforschung zu statten kommen kann. 

In Spanien sind heute noch Personennamen wie Alberich, Balde- 
rich, Balaguer, Baldomero, Flamarich, Gumersindo, Guisnard, keines- 
wegs etwas seltenes. In dieser ursprünglichen Gestalt begegnet man 
in Frankreich und Italien den germanischen Eigennamen nicht häufig. 
Immerhin kann man aber den Kern bald heraus finden, sobald sich 
der Blick für die ziemlich gesetzmässigen Veränderungen geschärft hat. 

Die in nachfolgendem Verzeichnisse aufgeführten Personennamen 
sind in Italien gesammelt, aus Adressbüchern, Zeitungen und anderen 
Schriftwerken, gelegentlich auch aus dem geschäftlichen Verkehre. 
Die Beziehungen zur niederdeutschen Sprache sind ohne weiteres 
gegeben, denn ein grosser Teil der Namen steht auf niederdeutscher 
Lautstufe und ist altlangobardischer Herkunft aus einer Zeit, die vor 
der zweiten Lautverschiebung lag. Dass daneben für eine Anzahl 
Namen gotische u. a. Herkunft in Frage kommt, lässt sich weder be- 
streiten noch im Einzelnen erweisen. 

Es mag nicht überflüssig sein, wenn wir uns die Ereignisse ver- 
gegenwärtigen, die die Beseitigung der lateinischen Namen im römischen 
Reiche und ihre Ersetzung durch germanische herbeigeführt haben. 

Bei den Römern hatte sich, im Gegensatz zu den Griechen, 
schon früh die Mehrnamigkeit herausgebildet. Scipio hiess mit vollem 
Namen Publius Cornelius Scipio Africanus. Darin ist Publius der 
Rufname (praenomen), Cornelius der Stammesname (nomen), Scipio 
der Sippenname (cognomen), und Africanus der Beiname (agnomen). 
Dieser Gebrauch erhielt sich bis zum Untergange des abendländischen 
Reiches und selbst bis zur Vernichtung der gotischen Herrschaft in 
Italien. Ja, es scheint, als ob der Aufwand mit Namen noch in dem 
Masse zugenommen hätte, wie das Elend und die Unfreiheit. Von 
den Zeitgenossen Theoderichs des Grossen heisst Boetius mit vollem 
Namen Flavius Anitius Manlius Torquatus Severinus Boetius und der 
volle Name Cassiodors, des pomphaften Staatsschreibers Theoderichs, 
füllt zwei Reihen. 



125 

Daneben waren gennanische Namen im römischen Reiche etwas 
allbekanntes geworden. Vom ersten christlichen Jahrhundert an 
befanden sich dauernd germanische Besatzungen im Lande. Zwangs- 
weise werden vom dritten Jahrhundert an Germanen in Italien an- 
gesiedelt, Alemannen am Po, Goten und Taifalen in der Landschaft 
Emilia, also lange bevor das gesamte westgotische Volk auf römisches 
Staatsgebiet übertrat. 

Germanische Häuptlinge wurden Kriegsobersten und Staatsräte 
bei den Römern, und selbst unter den Kaisern befand sich ein Gote. 
— So hatte man sich also an die Einnamigkeit, die sonst ein Kenn- 
zeichen der Knechtschaft war, auch bei den Trägem der höchsten 
Staatsämter gewöhnt. 

Der grauenhafte zwanzigjährige Krieg, mit dem die Herrschaft 
der Goten in Italien ein Ende nahm, vernichtete alles, was sich in 
Italien an künstlerischer und wissenschaftlicher Betätigung erhalten 
hatte. Mailand, die grösste Stadt im Lande, lag in Asche. In Rom 
befanden sich beim letzten Einzüge des gotischen Königs noch 500 
Menschen. Keine Stadt, mit Ausnahme von Ravenna, die nicht von 
den Kriegesnöten heimgesucht gewesen wäre und den grössten Teil 
der Bewohner eingebüsst hätte. Die Goten waren von den Griechen 
in die Gefangenschaft geführt worden, die römische Bevölkerung von 
Burgundern und Franken. Ein Teil der Goten war schon vor dem 
Ende des Krieges vertragsmässig davon gezogen, vermutlich nach 
dem heutigen Tirol. Pest, Hungersnot und die Roheiten des viel- 
sprachigen Kriegsvolkes hatten ein übriges getan, sodass sich am 
Schlüsse des Krieges schwerlich mehr als eine Million Menschen im 
Lande befunden haben. 

Der Feldbau, der schon jahrhundertelang die schwache Seite 
der Römer und Germanen gewesen war, konnte infolge dessen auch 
bei gutem Willen nicht ausgiebig betrieben werden. Wo Gärten und 
Wohnstätten gewesen, schoss wildes Gestrüpp empor und gab den 
wilden Tieren Unterschlupf. Die Flüsse traten ungehindert aus den 
Ufern und versumpften das. Land. 

In dieser Wüstenei erschien 14 Jahre nach dem Ende des 
gotischen Krieges das Volk der Langobarden, verschrieen als das 
Roheste unter allen germanischen Völkern. Waren die Römer schon 
von den Griechen gedrangsalt, sodass sie Gesandtschaften auf Gesandt- 
schaften nach Bjzanz schickten mit Bitten und Drohungen : „Schützest 
Du uns nicht vor der Bosheit Deiner Diener, so müssen wir Hülfe 
bei den Fremden suchen ^^9 so bekamen sie nun das bitterste Brot 
der Trübsal zu kosten. Denn die Langobarden nahmen ihnen alles, 
Habe und Freiheit. Was bis dahin Herr gewesen war, wurde Aide 
(Metathesis von Leod, Leuten), d. h. in diesem Falle nach unserer 
Ausdrucksweise etwa so viel wie Erbpächter. Sie mussten den dritten 
Teil des Felderträgnisses den neuen Herren abliefern und so ist es 
geblieben, bis auf den heutigen Tag. Nur begnügt sich der italienische 



126 

Grundbesitzer heute nicht mehr mit einem Drittel, sondeni verlangt 
und erhält die Hälfte der Ernte. 

Von der Zeit an, da sich die Langobarden zu Herren im Lande 
gemacht hatten, nannte man Römer nur noch die Untertanen des 
oströmischen Kaisers und römisch, was sich darauf bezog. Für die 
Langobarden hingegen waren die Unterjochten weder Römer, noch 
Italiener, sondern je nach Stellung Alden und Schalke. In den Augen 
der Langobarden war ein vollfreier Mann nur der, der keinerlei 
Abgaben entrichtete und in keinem Abhängigkeitsverhältnis stand. 
Die Alden und Knechte waren untergeordnete Wesen, schon äusserlich 
an Haar und Kleidertracht kenntlich. Demgemäss nennen sich die 
Könige reges gentis Langobardorum, als ob die Unfreien in ihren 
Augen gamicht da wären. So tief stand der Knecht, dass das freie 
Weib, das sich etwa mit ihm abgegeben hatte, sterben musste, wenn 
es die Angehörigen nicht in die Fremde verkaufen wollten. 

Mit dieser gewaltsamen Vernichtung aller römischen Staats- 
einrichtungen und Bildungsmittel musste auch die Erinnerung an 
Stämme und Sippen, wo sie etwa noch vorhanden war, rasch ver- 
schwinden und es konnte deshalb auch fortan keine Stammes- und 
Sippennamen mehr geben. Es wäre doch wunderlich, anzunehmen, 
dass sich der verachtete Fröner mit mehreren Namen schmückte, 
während sich der Herr mit einem Namen begnügte. 

Auch die lateinische Sprache konnte hieran nichts ändern, 
denn sie war für die grosse Menge schon seit der ersten Kaiserzeit 
tot gewesen. Wer lateinisch konnte, hatte es erlernt, wie eine 
fremde Sprache. Die Langobarden konnten ihrer bei Verhandlungen 
mit anderen Völkern nicht entraten, weil sie die eigene Sprache nicht 
zu schriftlichen Mitteilungen gebrauchen lernten, im Gegensatz zu 
Goten und Angelsachsen. Aber bei ihrer grenzenlosen Gering- 
schätzung der Wissenschaften war ihnen das Schreibwerk verächtlich. 
Sie Hessen es deshalb von Knechten ausüben, und es war schon viel, 
wenn sie solche Hofschreiber zu Alden beförderten. 

Auch bei der Geistlichkeit war die Kenntnis der lateinischen 
Sprache eine seltene Erscheinung. Die niedrige stammelte notdürftig 
die Gebete, deren Sinn ihr oft fremd war. Vielfach konnten die 
Geistlichen überhaupt nicht lesen oder schreiben. Mit der hohen 
Geistlichkeit stand es nicht viel besser. Gregor von Tours, der sich 
rühmt, aus vornehmem römischen Geschlecht zu stammen, entschuldigt 
sich, weil er die lateinischen Deklinationen nicht aus einander halten 
kann. Papst Gregor der Grosse verbittet sich, dass sich die Pedanten 
über sein Lateinisch lustig machen. Das Wort Gottes hätte nicht 
nötig, sich unter Donats Lehren zu ducken. 

Unter diesen Umständen kann man im langobardischen Lande 
auf die Namenbildung keinen Einfluss von der lateinischen Sprache 
erwarten. Die war den Römern ebenso fremd wie den Langobarden, 
und darum mussten auch die lateinis(^hen Namen verschwinden. 

Erst am Ende der langobardischen Herrschaft erscheinen Namen, 



127 

wie der des letzten langobardischen Königs Desiderius und seines 
Zeitgenossen Paulus Diaconus, Warnefrids Sohn. 

' Zu dieser Zeit war die langobardische Sprache, die der angel- 
sächsischen ähnlich gewesen sein muss, noch in Uebung, wie aus 
beiläufigen Aeusserungen geschlossen werden kann. Papst Stephan II. 
schreibt nämlich im Jahre 755, also etwa 20 Jahre vor dem Einzüge 
der Franken: .... die Langobarden haben die Sakramentsgaben in 
unreine Gefässe geschüttet, die sie folles nennen. FoUes ist der 
langobardische Name für eimerartige Gefässe. Einhard berichtet zum 
Jahre 796: .... Pippin zerstörte die Königsburg der Hunnen, die 
;, Bringt genannt wird und von den Langobarden „ Campus*'. Dies 
Wort Campus ist natürlich nicht das lateinische campus, Feld, was 
hier keinen Sinn geben würde, sondern das langobardische kamp-hus 
(Kampfhaus), also soviel wie Stechbahn. Wie lange sich die Sprache 
dann noch erhalten hat, kann nicht bestimmt werden. Zeugnisse 
darüber sind nicht vorhanden. Vermutlich haben sich die Grossen 
bei den engen Beziehungen der Lombardei zu den germanischen Teilen 
des fränkischen Reiches auch fernerhin ihrer bedient, während die 
grosse Masse ein regelloses Gemisch von romanischen und germanischen 
Wörtern gesprochen haben mag. 

Unter fränkischer, sächsischer, normannischer und hohen- 
staufischer Herrschaft verbreitete sich der Gebrauch germanischer 
Namen noch weiter in Italien durch den neuen Zuzug von germanischen 
Lehnsleuten. Denn wenn sich unter der fränkischen und normannischen 
Ritterschaft auch viele befanden, die welsche Sprache angenommen 
hatten, so hielten sie doch an dem Gebrauche germanischer Namen 
unverbrüchlich fest. So kam es, dass bis zur Zeit der Hohenstaufen 
in Italien alles, was irgendwie die Öflfentlichkeit beschäftigte, 
germanische Namen trägt. Auch die Geistlichkeit machte davon 
keine Ausnahme, denn die Päpste erhielten erst bei ihrer Bestallung 
die vorgeschriebenen biblischen, römischen oder griechischen Namen. 

Um das Jahr 945 heissen die Vorsteher der Stadtviertel in 
Mailand, unter Weglassung der lateinischen Endung ;,us^: Otto, 
Arjald, Lanfrank, Arnold, Mainfred, Alberik, Anselm, Valvassore, 
Mainer, Arderik, Guazzo, Ugo, Wibert. Darunter ist also nur einer 
mit nicht germanischem Namen. 

Zum Jahre 960 wird eine Gerichtsverhandlung in Capua 
erwähnt. Dabei hiessen die Richter: Arechis, A ligern der Abt von 
Motecassiuo und Rodelgrim, die Zeugen: Teodemond diaconus, 
Mar jus diaconus, Garipert diaconus und notarius, also nur einer 
mit lateinischem Namen. 

Etwa 100 Jahre später, als die Streitwagen in den Städten 
aufkamen, gab man ihnen germanische Namen, wie Blankhard 
(Biancardo) d. h. den Weissen, in Padua Berta, den Glänzenden, in 
Cremona Gajardo, den Muntern, in Parma Regoglio, den Stolzen. 

Alle christlichen Helden in Tassos befreitem Jerusalem haben 
germanische Namen. 



128 

Die Feldobersten der Mailänder im Kampfe gegen den Kaiser 
Friedrich den Ersten hiessen: Anselm, Ubert, Anderich, Reinhold, 
die Konsuln bei Uebergabe der Stadt im Jahre 1162: Gottfrid, 
Anderich, Anselm, Otto, Amizone, Mainer, Aliprand. Die genuesischen 
Abgeordneten bei Uebernahme der Burg Voltaggio im Jahre 1121 
hiessen, immer mit Weglassung der lateinischen Endung „us**: 
Sigismond, Boemond, Marino, Ingone, Gerard, SigiiFred, Gotiffred, 
Rubald, Rinald, Martin, Ansald, Obert, Guglielm, Alberik, Goffred, 
Reiner, hatten also alle, mit Ausnahme von zweien, germanische Namen. 

Im 11. Jahrhundert, zu den Zeiten Konrads des Zweiten, begann 
nach beinahe öOOjähriger Knechtung die Freiheitsbewegung in den 
italienischen Städten, und mit ihr blühten Handel und Gewerbe auf. 
War es schon vorher üblich gewesen, wie noch heute unter den 
niederen italienischen Volksschichten, dem Eigennamen einen Spitz- 
namen anzuhängen, so wurde es fortan unerlässlich, den Einzeln 
auch amtlich genauer zu kennzeichnen. Die Leute wohnten in den 
elenden Holzhäusern eng zusammen, nicht selten bis zu 30 Menschen 
in einem Räume, und oft befanden sich darunter ein Dutzend desselben 
Namens. Daraus raussten Irrtümer und Missverständnisse entstehen, 
und der Arglist und Täuschung im geschäftlichen Verkehre wurden 
dadurch die Wege geebnet. Man gab also den Leuten einen zweiten 
Namen (cognomen), bei dessen Auswahl verschiedene Umstände be- 
stimmend gewesen sein konnten. Den Einen nannte man nach seinem 
Handwerke Wieland den Schmied, Gualando il maniscalco, Burland 
ans der Brüderschaft der Walker, Burlando dei gualchieri, oder nach 
der Wohnung Wirland beim Brühl, Ghirlando del brolo, oder nach 
dem Wappentiere, das Wirtsleute, Krämer und auch die öffentlichen 
Ämter am Hause führten, also Ulrich zum Steinbock, Ulrico dello 
stambecco, Richard im Sperber, Riccardo dello sparviero. Andere 
erhielten den Zunamen nach dem Aussehen oder dem hervorstechenden 
Wesen, also Herbert der Braune, Ariberto il bruno, Roland der 
Biderbe, Rolando il bravo, Heinz der Säufer, Enzio il trinchero, 
andere nach dem Zunft-, Orts- oder Kalenderheiligen, Meinhard 
Garibald, Minardo Garibaldo, oder nach dem Lehnsherrn, Heinrich 
der Mann der Gerhardinger, Enrico dei Gherardenghi. Zuweilen 
wurde aus des Vaters Namen ein neuer gebildet, also Firidolfo, 
Rudolfs Sohn, wobei fi di Abkürzung von filius ist. Daneben war es 
stets Gebrauch und ist noch heute in vielen Fällen gesetzliche Be- 
stimmung, dem eigenen Vornamen den des Vaters hinzu zu setzen. 

Pfahlbürger und Juden nannte man meistens nach ihrer Heimat, 
Elias der Marburger, Elia il Morpurgo. 

Mit der Zeit Hess man der Kürze wegen alles Beiwerk weg und 
nannte die Leute schlechtweg Wieland Schmied, Gualando Mariscalco, 
Isaak Ettlinger, Isacco Ottolenghi. 

Da nach der geschichtlichen Entwicklung von dem italienischen 
Adel ein grosser Teil germanischer Herkunft sein muss, so könnte 
man daraus schliessen, dass sich unter seinen Angehörigen besonders 



129 

viele germamBclie Namen erhalten haben müssten. Das ist aber nicht 
der Fall. Edelleute nannten sich nach ihrer Stammburg oder nach 
dem ihnen zu eigen gehörigen Orte und da die italienischen Orts- 
namen zum grossen Teil aus dem Mittelalter stammen, £^lso italienisch 
sind, so musste auch der Stammesname des Adels italienisch sein. 

Auch kam im Mittelalter unter den Adligen eine neue Art 
von Namensbildung auf. Als nämlich ihre Herrschaft und ihre Vor- 
rechte von dem aufstrebenden Bürgertume bekämpft wurden, schlössen 
sich gleichgesinnte Adelsgeschlechter zu einem Verbände zusammen, 
um auf die Weise den Bürgern wirksamer entgegen treten zu können. 
Diese Adelsgilden nannten sich den ^Adelsberg^, das heisst so viel 
wie den Adelsschutz. Die Genossen eines solchen Adelsberges, oder 
„albergo^, wie man zusammengezogen sagte, legten den eigenen 
Namen ab und führten von der Zeit einen gemeinsamen neuen. Bei- 
spielsweise nannten sich in Genua die Geschlechter Castello, Soprani 
und Franchi fortan Giustiniani, die Peverelli, Avogati, del Turco und 
della Curia nannten sich Gentili. 

Auch aus anderen Gründen traten Namenswechsel ein. So 
änderten die Tartaro in Genua ihren Namen in Imperiali, die 
Kaiserlichen, um die Anhänglichkeit an den Kaiser zu bekunden. 
Also auch hier Verdrängung der germanischen Namen. Doch trat 
gelegentlich ein Rückschlag ein. So, wenn Adlige und die ihnen 
nachäfften, im Mittelalter dem Namen die Endung ^ingi^ und enghi 
anhängten, d. h. unser deutsches „ingen^, um dadurch die Abstammung 
zu bekunden. Also nannte sich Lambert fortan Lambertenghi. d. h. 
aus dem Hause der Lamberte. Das war zu der Zeit, als Franz 
Sforza I. in Mailand Münzen schlagen Hess mit der deutschen 
Umschrift: ^Ich vergies nit*. Auch mag nebenbei bemerkt werden, 
dass einige italienische Adelsgeschlechter noch deutsche Wappen- 
sprüche führen, so: 

Anguissola-Tedesco : „Mit Zeit^ 

Benso di Cavour: „Gott Will Recht^ 

Botta: „Mit Zeit« 

Brivio: „Alzo vest vor Gotf 

Gioffredo: „Gaufried" 

Radicati: „Wann Gott WilP 

Saluzzo: „Noch Noch" „Leit Leit" 

Scaglione: „Leyd un Meyd" 

Settala: „Treu und fromm" 

Sommaruga: „Gerecht und treu" 

Torelli: „Yn Hoffen" 

Vasco: „Got du bist mein Got". 
Zu der Zeit, da die Zweinamigkeit eingeführt wurde, war man 
sich der Bedeutung der Namen nicht mehr bewusst. Sie mussten 
deshalb erstarren und Neubildungen aus germanischer Sprachquelle 
konnten nicht mehr statt finden. War der germanische Namen zum 
Familiennamen gewählt, so vererbte er sich und hat sich erhalten. 

NI«<lerdeiitooh«i Jahrbuch XXXV. 9 



130 

Wurde aber irgend ein Gattungswort, sUgen wir ein Handwerksname 
zum Familiennamen ausersehen, so wurde der germanische Name 
der Vorname und ging oft verloren. Fast alle Berufszweige in 
Italien hatten ja Benennungen, die aus dem Lateinischen stammten. 
Germanisch waren nur die Namen des Schmiedes (Mariscalco, 
maniscalco), des Büttels (Bedello), des Sackmanns, also des Tross- 
knechtes (saccomaono), des Mundschenks (scalco), des Verwalters 
(gastaldo), des Bockschlächters (beccaio), des Walkers (gualchiero), 
des Henkers (manigoldo), des Führers (guida, foriere), des Küchen- 
jungen (guattero), des Tischlers (genuesisch banchero). 

So musste sich die Anzahl der germanischen Personennamen 
vermindern und noch mehr traten sie zurück, als die römischen und 
griechischen Wissenschaften zu neuem Leben erwachten. Die Er- 
innerung an alten Glanz und Ruhm wurde dadurch erweckt, Gelehrte 
und üngelehrte bemühten sich, ihre Zugehörigkeit zu den Alten 
äusserlich zu bekunden, indem sie ihre Namen mit römischen und 
griechischen vertauschten. Was wir davon heute in Italien antreffen, 
stammt also aus der Zeit der Wiedergeburt der Wissenschaften und 
Künste und ist nicht etwa ein Ueberbleibsel aus der römischen 
Kaiserzeit. Davon war nichts mehr vorhanden. Etwas ähnliches 
haben wir ja auch in Deutschland erlebt, wo niemand die Quintus 
Icilius, Petri, Pauli, Agricola, Claudius,. Melanchthon, Erythropel des 
Namens wegen für Nachkommen der Römer oder Griechen halten wird. 

Viele in Italien suchten damals nach der lateinischen Form 
ihres Namens, von dessen germanischem Kern sie nichts wussten. 
Die häufige Endung „bert^ Glanz leitete man vom lateinischen 
^apertus" ab und machte deshalb aus Walbert Valapertus und Vala- 
perta, aus Mundebert Monteaperto. Andere Umformungen waren 
Vacca (Kuh) für Wakko, Carlomagno für Karlmann, Mons vici für 
Mundewik, Campo freddo (Kaltenfeld) für Fredekamp, De Mari für 
Hademar. — Der Name Ezzelins wird von ecce Unit hergeleitet, der 
seines Bruders Alberich von albus riccus. Hierher gehört auch der 
Name Alamannien, den man in Italien als La Magna (die Grosse) 
deutete. So und nicht anders wird Deutschland im Mittelalter von 
den Italienern bezeichnet, nicht aus Wertschätzung, davon sind die 
Welschen weit entfernt, sondern aus Missverständnis. Auf demselben 
Irrtum beruht es, dass der Doctor universalis, der Dominikaner Albert 
von Bollstädt Albertus Magnus genannt wird. Die Italiener nannten 
ihn Alberto della Magna, also Albert aus Deutschland und die 
Deutschen wollten in der vermeintlichen Wertschätzung nicht zurück- 
stehen und nannten ihn Magnus, den Grossen. Sicherlich hätte man 
einen Gelehrten von Alberts Art damals eher als Zauberkünstler vor 
ein Ketzergericht oder auf den Scheiterhaufen gebracht, als dass 
man ihn der Gelehrsamkeit wegen als den ^Grossen* bezeichnete. 

Durch diese Anlehnung an lateinische Wortformen musste ein 
weiterer Teil germanischer Namen verloren gehen. Trotzdem ist ihre 
Anzahl, wie das Verzeichnis zeigt, auch heute noch ziemlich gross. 



131 

Sie sind über das ganze Land verbreitet, hier mehr, dort weniger, 
vorwiegend auf dem Festlande, weniger auf den Inseln. Neben der 
vorwaltenden niederdeutschen Form kommt auch die entsprechende 
oberdeutsche vor. So haben wir neben dem niederdeutschen Garibaldi 
den bairischen Caripoldi, und die burgundisch fränkischen Giribaldo, 
Gribaudo und Gribodo. Neben Guelpi und Guelpa kommen Guelfi 
und Weif vor. Manche von den Namen enthüllen sich ohne weiteres 
als alte Bekannte, wenn man ihnen den Scblussvokal nimmt. Dann 
wird aus Ivaldi Iwald (Ewald), aus Aicardi Ekkert, aus Luzzi, Gozzi, 
Enzio Lutz, Götz, Heinz. Andere sind schwieriger zu deuten. Unter 
dem Namen Ovestagno wird man nicht ohne weiteres Oberstein 
vermuten. 

Die Namen sollten nach der Grundform auf ^,0* endigen. Er- 
scheinen sie mit „i^ am Ende, so ist dies der latinisierte Genetiv. 
Meinhard der Sohn Gottfrieds, Minardus filius Gottofredi. Das „i^ 
kann aber auch die italienische Mehrheitsform sein, also bei Gual- 
chieri ist hinzu zu denken ;,einer von den Walkern, aus der Walker- 
zunft. Bei einem Adligen, namens Ariberti muss ergänzt werden 
„von den Herbertern, aus dem Hause der Herbertinger*'. 

Weitere Anhängsel sind ;,ino, ello, one, etto*, d. h. nach den 
bekannten italienischen und spanischen Sprachgesetzen die Formen, 
durch die man den ursprünglichen Sinn eines Wortes leicht um- 
gestalten, erweitem, beschränken, vergröbern, verfeinern, verstärken, 
abschwächen kann. Fedrigo ist Friedrich, Fedrigone ist der dicke 
Fritz, Fedrighini ist Fritzchens. Die Endung „eschi", die zuweilen 
vorkommt, ist unser „isch^, ursprünglich also adjektivisch zu ver- 
stehen, dann aber als Hauptwort gebraucht, wie gelegentlich auch 
im Deutschen, die Bündischen, die Schwäbischen usw. 

Über die Vornamen der Italiener ist zu sagen, dass sie ledig- 
lich Sache der Mode sind, wie in anderen Ländern auch. Um Her- 
kunft und Sinn bekümmert sich kein Mensch, der sich nicht grade 
mit solchen Dingen abgiebt. Darum kann man aus den aufgezeich- 
neten Vornamen keinerlei Schlüsse ziehen. 



1. Italienische Eigennamen germanischer Herkunft. 

Accardo (i), Acchiardi, Adelardi, Adelario, Adelasio, Adelfio, Adereveno, 
Adinolfi, Adoaldi, Adorno, Agaldi, Aghemio, Agilberto, Agliandi, Agliardi, 
Agliarizzi, Aiardi, Aicardi, Aidone, Aimari (etto), Aime, Aimeri (ci), Aimerito, 
Aimetti, Aimo (one) (onetti), Ainardi, Ainerio, Aiolfi, Airaghi, Airandi, Airola, 
Airoldi, Alamanni, Alardi, Alarico, Albairati, Albergo (ghi), Alberenghi, Albergati, 
Albergotti, Alberico (ci), Alberigo (gbi), Alberti (o) (is) (eDghi)'(o), Abizzi, Alborghetti, 
Albright (gi), Albnino, Alcaimi, Aide, Aldegani, Aldegheri, Alderighi, Aldieri, 
Aldigeri, Aldighieri, Aldigieri, Aldimari, Aldini, Aldovino, Aldobrando, Aldrighetti, 
Aldrovandi, Aldnina, Alebardi, Alembardo, Alfaro, Alfieri, Alfridi, Algardi, 
Alghisi, Alibrandi, Aliberti, Alimondi, Aliverti, Aliprandi, Alleardi, Allemagna, 
AliemoDdi, Allisififrdi, Allodi, Alvarenga, Alvari. Alvisso, Alvisi, Amerigo, 
Almondo, Almando, Altani, Altrnda, Amalberti, Anialdi, Amandrudo, Amaraldi, 

9* 



132 

Amarighi, Amatruda, Ambiveri, Amboldi, Amoni, Americo, Andolfi (fatto), Ander- 
lini, Androvandi, Angoramo, Angeleri, Angrimaui, Annibaldi, Annoni, Annovazzi, 
Anolfi, Ansaldo. Anselino (i), Antaldi, Antnori, Anzaldi, Arbaadi, Arbino (i), 
Arbuffa, Arcardini, Arcimannii Arcimboldi, Ardemagni, Ardemani, Ardenghi, 
Ardinghi, Ardoino, Ardnino (i), Argiroffi, Arigo, Ariodante, Ariolfo, Arioli, Ariosto, 
Arlengbi, Arlotta, Armani (no), Armanasco, Armanni, Armelina, Armellini, 
Armelonghi, Amaboldi, Arnaldi, Arnaudo, Arneodo, Ameri(o), Amod, Arnoldi, 
Arnoifi, Aroldo, Aromando, Aromaunio, Arribaldi, Arrigoni, Arrigotti, Arrigncci, 
ArriDghieri, Arsnffi, Arvedi, Aschieri, Ascari, Asiani, Asmundo (io), AsnaghiCgo), 
Asnuldo, Asperti, Assaldi, Astaldi, Astolfi (o) (oni), Astengo, Astraldo, Astraudi, 
Atenolfi, Attardi, Audiberti, Audiffredi, Andino, Aadisio, Avaldi, Averaimo, 
Ayelardi, Averardi, Averganghi, A?eroida(i), Averone, Aycardi, Aymone, Ayroldi, 
Azzaldi, Azzali (ini), Azzati, Azzini, Azzo, Azzolini, Azzoni. — Badaglio, 
Badini, Badnini, Bagatti, Bagazzi, Bagatti, Baiardi (o), Baldacci, Baldl, Baldracco, 
Balisardi, Ballardini, Balocco, Balordi, Baltieri, Bancaro, Banchero, Bandera, 
Bandini, Bandieri, Banfi, Banti, Baraldi, Baratta (i), Baraffa, Barbitta, Barboglio, 
Bardella, Bardi, Barengo (gbi), Bareggi, Barezzi, Bärge, Bargio, Baringo, 
Bargagliotti, Barigazzi, Barisone, Barlondi, Bami, Baroffio, Baroggi, Baroni, 
Baroyero, Barozzi, Barsaghi, Barsi, Bartesagbi, Bartezzagbi, Barnfaldo, Bamffaldi, 
Barnzzi, Barzaghi, Battaggia, Battaglia (ino), Baucbiero, Bando (ino) (i), Banducco, 
Beda, Bedescbi, Begliardo, Begozzi, Belardini (nelli), Beldomandi, Belingardi, 
BeHsardi, Bellardi, Bellaudi, Bellengbi, Bellingeri, Bellinzaghi, Belli nzonl, 
Beltrami, Beltrandi, Belnardi, Bendaudi, Bendini, Benghi, Bensi, Bentini, 
Berardo (i) (ino) (esca) (engo), Berand, Berenzone, Berga (ia) (esio), Bergalli, Berganzoli, 
Berinzaghi, Bergonzi (o) ini, Bermani, Bermondi (o), Bernagozzi, Bernacchi, 
Bernardi, Bemasconi, Berneri (o), Bernocchi (occo), Bernolfo (i), Bemotti, Beronzo, 
Berra, Bertacci, Bertari, Bertelli, Berti (ini, iglia, ncci, ozzi, occhi), Bertinaria, 
Bertoldo, Bertoglio, Besio, Besozzi, Besenzaniga, Bestende, Bettonagbi, Bezozzi, Bezzi, 
Biancadi, Biancardi, Bianco (chi), Bianciardi, Biasca, Bicardi, Biccbieri, Bigardi, 
Bigatti, ^Bigotti, Bigliardi, Bignami, Biguardi, Binagbi, Biuda, Biondi, Biraghi, 
Birigozzi, Birindelli, Bisealdi, Biscardi, Bisignano, Bisleri, Bisotti, Bistolfi, 
Bistondi, Bizzi, Bizzozero, Biancardi, Blancbi (co), Biondi (ioli) (a), Bobbio, 
Boccardo (i), Boccbiardi, Bocchio, Boccbiola, Bocciardo, Bodaglia, Bodia, Bodio, 
Bodo (ini), Bodoira, Bodrero, Boffoli, Boglietti, Boiardi, Boidi, Bolchi, Boldi, 
Boldorini, Boldrini, Bolengbi, Bolgberoni, Bollardi (o), Bolongaro, Bombaglio, 
Bonardi (o), Bonandi (o), Bondi, Bonsi, Bordiga, Bordo (oni, one), Borghero, Borgia, 
Borgbi, Borgioli, Borgna, Borgogno (none) Borgondo, Boriani, Boringbieri, Borla, 
Borlenghi (go), Borletti, Bornagbi, Boschi (ini), Bosio, Bossaglia, Bovio, Bovero, 
Bracchi, Braibantl, Braida, Bramardi, Brambilla (asca)^ Brandi (ino), Brandimarte, 
Brandola, Brandaardi, Branbati, Branzolfo, Breda, Brega, Brembilla, Brenna, 
Brialdi, Briccbi (etti), Brigardi, Brighenti, Briglia, Brocardi, Broccbieri (o) Broffoni, 
Broglio (a) (atti), Brondi, Bronoldi, Brovelli, Brngo (ghero[i]) Brnggi, Braneri (ori, 
acci, ellescbi) Brandi, Brnni, Branicardi, Brnnoldi, Brusasca. Bruschetti, Bncchi (co), 
Bnffardi, Bugando, 'Bnldrini, Bnlgheroni, Bulzaccbi, Burcbiani, Burdino, Barengo, 
Borgo, Bnri (ioli) (onzo) (iani) (iasco), Baricchi, Bnrlando, Bnrleugbi, Bariini, 
Bnrlamaccbi, Barzi (zio), Busacco (a), Buscaini, Buscbini, Basdraghi, Bnselli, 
Basnelli, Bussardi, Butti, Buzzi. — Caimi, Cairati, Cairola (i), Caironi, Calamari, 
Calnaghi, Calvenzani, Camanni, Camardi, Camarlinghi, Gambiaghi, Camozzi, 
Camnsso, Candelbere, Canducci, Canevaro, Capurro, Garamagna, Caramanna, 
Carisagbi, Carlesi, Carletti, Carlevaro, Carlevero, Carmanni, Carnagbi (o), Carnoldi, 
Carobbio, Caroli, Carsana, Carsaniga, Carnghi, Carzaniga, Casaie, i, ini, Casalegno, 
Casarico, Caselle, Casingbini, Casiragbi, Gasöl i, Gastaldo (ini), Gastoldi, Gastaudi, 



13B 

Cataldo (ini), Cavanenghi, Gayannai Cavenago (ghi), Cavour, Celiberti, Geramondia, 
Cernaschi, Chiaramondia, Chiabert, Gbiabrando, Ghia£frino, Ghialemberti (o), 
Ghiamberlando, Ghiambretti, Ghiaverri, Gbiovenda, Giardi, Giboldi, Gicardi, Gifuni, 
Giliberti, Giminaghi, Gislaghi, Giyardi, Glavenzani, Gobianchi, Golbertaldo, Golciaghi, 
Comelli, Gonfalone (iere), Gonsali, Gontaldi(o), Gontardi(o), Gopraghi, Gorioaldi, 
Gormani, Gorradi, Gottolengo, Gozzi, Gravero, Grepaldi, Grescimauuo, Grippa, 
Grispoldi, Groari, Graari, GuDego, Ganiberti, Gnncio, Gnonzo. — Danovaro, Dasso, 
Daghero, Diotti, Doberti, Dodi, Dolfi, Doria, Dometti, Dorta, Drigani, Drisaldi, 
Droaudi, Drovandi, Drovetti, Dradi. Duberti, Dacco, Dughera, Dalbecco, Du- 
rando-, Dnrero, Dutti. — Eauda, Egardo, Einaadi, Elberti, Ellenghi, Elmi, Emma, 
Era, Erfinenghi, Eringio, Erloccbi, Ermoli, Esengrini, Eamenardi. — Faccardi, 
Fagnani, Faifofer, Fainardi, Faini, Falda (i) (ini), FalsirolH, Fanelli, Fanti(ino), 
Fara, Faraboschi, Faraldo (i), Faramia, Farenga, Faridone, Farinoni (e), Farolfi, 
Fasdelli, Fauda, Federici, Fedolfi, Fedrigo (oni) (gbini), Feo, Feroldi, Feraguti, 
Ferlinghetti, Fiamberti, Fiammengbi, Filangeri, Filardi, Filiberti, Filigardi, 
Finaldi, Finco, Fioccardi, Firidolfo, Fittipaldi, Focardi, Fodera, Fogolari, Folcheri, 
Folchi (chetti), Folcia, Folgbera, Folgbieri, Foliealdi, Folperti, Forcheri, Forestello, 
Forghieri, Forsenigo, Fraja, Francardo, Franchi (ini), Francini, Frandi, Franzi, 
Franzosi, Freda, Frediani, Fregnagbi, Frera, Frigeri (o), Frigo, Frisconia, Friser, 
Fri8iani(o), Friziero, Frizzeria, Frizzi, Frizzoni, Frojo, Frola, Froldi, Frosio, 
Fma, Frova, Fnlcberi, Fungardi, Furzi. — Qabotti(o), Gabutti, Gabardi (ini), 
Gaboardi, Gadola, Gadda(o), Gagliardi (ino), Gaiba, Gaido (ano), Gaifami, Galardi, 
Gaibarigi, Galbiati, Galbuaeri, Galdi (ieri, iolo), Galimberti, Galimero, Gallotti, 
Galmozzi, Galmnzzi, Galoppini, Gandelli, Gandini (diglio, dolfo), Gangia, Gangnzza, 
Garaffi, Garavaglia, Ghirayenta, Garavalda, Garbaccio, Garbarino, Garda (delli, 
denghi, dini, dino), Garegnani, Gargani, Gargiolli, Garginolo, Garibaldi (o), (boldi, 
bnldi), Garibotto \i)f Gariglio, Garlando, Garlaschelli, Garnero (i), Garroni, Garruzzi, 
Gamffa, Garzino, Gaslini, Gaspardi, Gastaldi (delli, detti), Gastardi, Gastoldi, 
Gastoli, Gauberti, Gandini, Gantieri, Gavando, Gaveri, Gaviraghi, Gechele, Gelmi 
(ini), Gelnardi, Gerardi, Gerbaldo (i), Gerbella, Gerli, Gesmundo, Ghelardi, Ghelfi, 
Gherardi, Gherlenda, Ghermandi, Ghezzi, Ghibaudo, Ghibellini, Ghiberti, Ghidella, 
Ghilandi, Ghilardi, Gbioldi, Ghirarducci, Gbiralduzzi, Ghirimoldi, Ghiringelli, Gbir- 
landa, Ghisalberti, Ghiselli (ni), Ghislandi (lanzoni), Ghisleni, Ghislieri, Ghisolfo (i), 
Giac<»rdo (]), Giaminardi, Giamnndo, Giancardi, Giandnifi, Gianfreda, Giardini, 
Gibertoni, Gilardi, Giliberti, Gioardo, Gioberge, Gioberti, Gioffredo, Giraldi (doni), 
Giramondo, Girardengo (ghi), Girando(i), Giribaldi, Giroldi, Gismano, Gismondi, 
Gisolfi, Gittardi, Ginbergia, Ginffrida, Giusbergia, Giuzzardi, Gnaga, Gnecco (ccbi), 
Gnocchi, Gnndi, Gobando, Godi, Godio, Goglio, Goldaniga, Goldoni, Golfieri, 
Golisciani, Gonzaga, Gontero, Goti, Gottardi, Gottarelli, Gottelando, Gotti, Gotti- 
fredi, Gori, Gozo, Gozzi, Grabbi, Gradenigo, Graffigna, Gramaglia, Gramegna, 
Gramignani, Gravagbi, Grazzi, Gregotti, Greppi, Gribaldi, Gribandi(o), Gribodo, 
Griffa(aldi), Griffanti, GrigoUo, Grillandi, Grimaldi, Grimoldi, Grisaldi, Grisolfi, Gritti, 
Grognardo, Groncbi, Grondona, Grnido, Gmmelli, Gnagliardo (i), Guainieri, Guaiti, 
Gnaccimanni, Gnala, Gnalandi, Gualco, Gnalazzini, Gnali, Gnallini, Gnaltieri,Guameri, 
Gnandolini, Gnanzani, Gaaraldi, Gnardengbi, Guardigli, Gnardncci, Gnardamagna, 
Gnareschi, Gnarini, Gnarmani, Gnarmero, Guarnaschelli, Gnameri, Gnarnieri, 
Gnarnoni, Gnascari, Gnasco, Gnassardi, Guastafredda, Gnastoldi, Gnatteri, Gnazzelli, 
Gnazzini, Gnazzo, Gnazzoni, (iuberti, (luelfi, Guenzani, G'nenzi, Gnerardesca, 
Gnercetto, Gnercilena, Gnerciotti, Guerino, Guermandi, Guermani, Guerra (azzi), 
Gnerri (ini), Guerrieri, Gnerzoni, (Juglielmi (metti), Guicciardi (ini), Gnidali, Guidi, 
Gnidieri, Gniobaldi, Gnidotti, Gnilard, Gnindani, Guizzardi, Gnizznrdi, Gnlberti, 
Gnlfi, Galmanelli, Gnlminelli, Gundi, Gneberti, Gusmano (i), Gnsmaroli, Gnzzardo, 



134 

Guzzi. — Iberti, Icardi, Ichino, Jelmini, Ilardi, Ildobrandi, Illengo, Imbeiti, 
Imerico, Inaudi, Ingaramo, Ingardia, Inghirami, Ingoldi (Agoldi), Iroldi,' Isalberti, 
Isnardi (done), Isnengbi, Isoardi, Isuardi, Isvaldi, Ivaldi, Izar, Izoardi, Izvard. — 
Laiti, Lambardi (ini), Lambertengbi, Lambrngo (ghi), Lambruschini, Lamperti, 
Lampredi, Landescbi, Landi(o), Landolfi, Lanfranchi, Lanfranconi, Lanfredioi, 
Lardinelli, Lecaldano, Leinardi, Lenzi, Leoffredi, Leonardi, Licciardi, Linardi, 
Linzaghi, Liprandi, (o), Littardi, Liuti, Livraga (gbi), Loaldi, Locati (elli), Lodovici, 
Loffredo, Lombardi (ini), Lonadi, Longobardi, Lotteringhi, Lotterio, Lottero, 
Lotti, Lnaldi, Luardo, Luberto (i), Luccardi, Lncotti, Lugatti, Lunardi (ini) (oni), 
Luoldi, Lnraghi, Luraso.bi, Luauardi, Luteriani, Lutteri. — Macciardi, Maero, 
Magoldi, Maghenzani, Magnagbi, Magnaldi, Magnani, Magnolfi, Magotti, Mai- 
fredini, Mainardi, Maino (noldi), Mairani, Maironi, Malaguti, Malberti, Manescalco, 
Manfredi, Manfrini, Mancardi, Mandrioni, Maneichi, Manganzini, Mangoldi, 
Mauildo, Mannini, Mannnccio (i), Mansuino, Mannsardi, Manzoni, Marabotto (i), 
Maraldi, Maranghino (geni), Marasso (sco), Marengo (co) (ghi), Marcbegiani, Mar- 
chelli (o), Marcbesi, Marcbier i, Marchisio, Marcoaldi, Marcora, Marco valdi, Marco- 
vigi, Marenzi, Marescotti, Margotti, Marolda, Marradi, Maryaldi, Mascagni, Mas- 
cardi, Masciardi, Masera, Masla, Masnadi (nata), Masoero (yero), Massetti, Mataldi, 
Mazzingbi, Mazzoldi, Mazzoranghi, Mazzucco, Melardi, Menagoldi, Menchini, 
Menegoi, Mengaldo, Mengarini, Menghi, Mengozzi, Merioldo {i\ Micca, Minardi, 
Mingaldi, Mingardi, Mingbetto (i), Miniscalco (chi), Mismetti, Mittero, Moiraghi, 
Monaldi, Mongardi, Montemanna (i), Morandi (o), Mordini, Morescalchi, Morgavi, 
Morimondo, Morlacchi, Morlandi, Morpurgo, Moslacchi, Motta, Mottana, Motterlini, 
Murialdo, Murnigotti, (Qal-) Mazzi. — Naidi, Nannini^ Nordi, Nascimbeni, Nasim- 
beni, Nebulone, Nordio, Norlenghi, Nosenghi (go), Nosaardi, (Notar)loberti. — 
Oddenino, Odarda, Oddera, Oddo, Oddone, Oderda, Odescalchi, Odiardi (o), Odiberti, 
Odifreddi, Odifredi, Odino, Odisio, Odoui, Odorici (o), Odoviglio, Offredi, Oggero, 
Ogliari, Ogliengo, Oglietti, Olcese, Oldani (o), Oldofredi, Oldoini, Oldoni, Oldrado, 
Oldrini(o), Oliboni, Onelti, Operti, Oprandi, Orando, Orengo, Orezzoli, Origo, 
Orlandi, Ormanni, Ornaghi, Orrigoni, Orseniga, Ortalda, Osnago (gbi), Osnengo, 
Oatengo, Oaterero, Oavaldi, Ottino (i), Ottolenghi, Ottolino (i), Ottorogo, Ovestagno. 

— Pacchiardi, Palberti, Pallastanga, Paltenghi (go), Panardi (o), Pancaldi, Pancaro, 
Pandolfi, Perardi, Perazzo, Percivaldi, Perego, Perelli, Perico, Perlaaca, Perlin- 
geri(gieri), Pernigotti, Perolfi, Perotti, Pertoldeo, Pettenghi, Piccardi, Pinardi, 
Pirelli, Poccardi, Pogliaghi, Poiagbi, Poldi, Policardi, Pollenghi, Prandi (o) (ini). 

— Quanardi, Quagliardi, Quaini, Qualmari, Quarengbi, Quario, Querengbi, Quelfi. 

— Raiberti, Baibaudi, Raimondi (o), Rainelli, Raineri, Raiteri, Ramacciotti, 
Rambaudi, Ramagnini, Ram belli, Ramero, Ramolfo, Ramonda (i) (ini), Ramozzi, 
Ramperti, Rampoldi, Rampone Ranaldi, Rancati, Randi (o, azzo, olino), Ranerio, 
Ranfagni, Raataldi, Ravaldini, Raverdino, Rayizzi, Rayneri, Rebandengbi (go), 
Rebecchino, Rebegbini. Rebugli, Rebuachini, Rebuacini, Rebuzzini, Redaelli, Redi, 
Regaldo, Reggiardi, Reggiarto, Regondi, Reibaldi, Reinaudo, Reineri, Remondi 
(ino, ina, ini), Renaudo, Renoldl, Reaeghini, Reanigo, Reata, Reataldi, Reta, 
Rezzaghi, Rezzonico, Reynandi, Riba, Ribaudi (ino), Ribero, Riberti, Ribighino, 
Riboldi, Ricaiardi, Riccardi, Ricceri, Ricchieri, Ricciardi, Richelmi, Richeri, Ricolfi, 
Ridolfi, Rigaldo, Righenzi, Righetti, Righi, Rignani, Rimaudo, Rimoaldi, Rimoldl, 
Rimondini, Rimorini, Rinaldi. Rinaudo, Rinero, Rinieri, Rinolfi, Riolfl, Riacardi, 
Rivaldo, Rivoreda, Rizzardi, Roaaenda, Robbiani, Robilant, Rocco, Robecchi (cco), 
Roda, Rodi (dello, dengo), Rodengbi, Rodegber, Rodigbiero, Rodolfi, Roffredo, 
Roggeri (one), Rolando(i),Rolfo, Romairone, Romancnghi (go), Romaido, Rombaldoni, 
Romnaldi, Ronando, Roncallo (caglia, cagliolo), Ronuardo, Roperto, Roaalinda, 
Roaegbiui, Roaingana, Roanati, Roaaanigo, Roaaari, Roaaigno, Roaaomando (i), 



135 

Rossotti, Rostagno, Rostano, Roti, Bovaldi, Rovasenda, Rovighi, Rozzarini, Roalto, 
Bubbiani, Raberti, Rabeschi, Radi, Rnffa, Raffinengo, Raffini, Raggero (gieri), 
Ruimeri, Raisecco, Raoppolo, Rosconi, Rasmigo, Rasnati. — Saccardi (o), Sacco- 
manno (i), Sala, Salagbi, Salamitto, Salardi, Saleago, Salmiraghi, Salmoi- 
raghi, Salvagni, Sameghini, Samengo, Sandi, Sangermani, Saralvo, Saroldi, Savoldi, 
Sbalordini, Sbarbaro (i), Sbardelli, Sbarbori, Sbertoli, Sbicego, Sbizzero, Sbri- 
ziolo, Sbrollini, Sbaelz, Scaffa, Scaiai, Scagnardl, Scalaberni, Scalcini, Scaico, 
Scalfo (i), Scalenghe, Scalvini (o), Scalmaui (a), Scapini (o), Scaramuzza, Scarioni, 
Scatolini, Scapini (o), Sceliingo, Schenardi, Schiera, Schietti, Schivardi, Sciamanna, 
Scialdo, Scierano. Scioldo, Scoffetti, Scrimaglio, Scaffi, Sdraffa, Segafreddo, Seidemari, 
Setroani, Seymandi, Sgaiaberni, Sgarabotto, Sgarbi, Sgaribaldi, Sgherlino, Sghirla, 
S^aldi, Sgaazzardi, Sgaizzero, Sibaldi, Siboldi, Sidraschi, Sicbaldi, Siffredi, Sifredi, 
Sigalini, Sigbaldi, Sigbinolfi, Sigismoadi, Siliberti, Siligardi, Siliogardi, Siiiprandi, 
Sinibaldi (o), Siniscalchi, Sinisgalli, Sismondi (a), Sissoldo, Siviero, Saidero, Soave, 
Soffredi (ini), Solengbi, Solimbergo, Sordobindo, Sormani, Sornaga, Sorregotti, Spa- 
gliardi, Spalvieri, Spangaro, Sparviero, Spelta, Sperlari, Spinardi, Spingardi, 
Springolo, Sqainobal, Sqaarza, Stafifolini, Staderini, Stalda, Stalla, Stalmondo, Stam- 
bazzi, Stambacchi, Stampacchia, Stanga (ghini, galini, ganini), Stathalter, Staarengbi, 
StavereDgo, Stecchetti, Stencardi, Stendardo, Stengardo, Stenghele, Sterno(a), 
Stevenazzi, Stildaga, Stilgada, Stillio, Stinca, Stinchi, Stiago, Stobbia, Stoccfaero 
(iero, etti), Stolzuoli, Stoppani, Storch io, Strambi, Strinchetti, Stringa, Stringhini, 
Strobino, Strocchi, Strolengo, Staardi, Stacchi, Stungari, Stapenengo, Saardi, 
Sabinaghi, Svanello (ini), Svaldi. — Talarico, Taliberti, Tancredi, Tangredi, 
Tangherlini, Tarenghi, Tasca, Tassinghi, Tealdi, Teardo, Tebaldi, Tedaldi, 
Tedoldi, Tedesco ^chi), Teobaldo, Terrenghi, Terzaghi, Tescari, Tibaldi, Tiberga, 
Tiberti, Todesco (chini), Toesca, Toia, Toldi, Toti (a), Tolaschi (ca), Tornaghi, 
Torvaido, Trabacco, Traldi, Tribaudino, Trincheri, Triaizi, Trivero, Traglio, Trotti, 
Tracco (cchi), Trassardi, Trazzardi, Tadisco, Tafanisco, Tati. — Ubaidi(ini,eili), 
Uberti (talli), Uboldi, Uf&edazie (ducci), ügliengo, Ugo (lini, lotti), Uldrini, Ulpiani, 
Ultrocchi, ünia, Upezzinghi, Usardi, Usberti, üslenghi, Usuardi, Usaelli, Usvardi. — 
Yacca, Vadilonga, Vagliasiudi, Valaberti, Valadeo, Valcarenghi, Valdemarca, Valde- 
meri, Valdengo, Valdergan, Valdivieso, Valfre, Valfrödi, Vallardi, Valsecchi, Valte- 
roni, Vandero, Vandoni, Varaldo (a), Varyelli, Varveri, Velardi, Venzaghi, Verardo, 
Verda, Verlecchi, Verlengo, Verigaldi, Viara, Viarengo, Viberti, Vicardi, Vidari, 
Videmari, Vido (ni), Vidmi, Viganego, Yigada, Viganotti, Vighetti, Viglierico, 
Yigone, Yigotti, Yildosi, Yilingiardi, Yiligiardi, Yiliegas, Yinardi, Yisca, Yiscardi, 
Yisigaili, Yismara (i), Yitrotti, Yivaldi (o), Yogliotti, Yolebele, Yottero. — Wizzari. 
— Zamaghi, Zambaldi, Zanardi, Zantedeschi, Zayoldi, Zerengo, Zilio, Zimbaldi, 
Zincardi, Zodo, Zoncada, Zaardi, Zuppardo. 

2. Germanische Vornamen in Italien. 

Ada, Adalgisa, Adalalfo, Adalinda, Adelaide, Adelchi, Adelelmo, Adelmo, 
Adelino, Adolfo, Adolinda, Aicardo, Agilberto, Alberigo, Alberto, Aldemiro, Aldo, 
Aldobrando, Aleardo, Alemanno, Aleramo, Alembardo, Alfonso, Alfredo, Alighiero, 
Almachilde, Almerico, Alaisa, Amerigo, Anselmo, Arduino, Ariberto, Armando, 
Arminio, Arnaldo, Aroldo, Arvino, Attilano, Averardo. — Baldomero, Baldovino, 
Baldaino, Benilde, Berardo, Berengario, Bemardo, Brigida, Brano. — Carlo (a), 
Chiaffredo, Clodomiro, Clotilde, Clotoaldo, Corrado, Cunegonda. — Dagoberte, 
Detalmo. — Edgardo, Edilberto, Edmondo, Edaardo, Egiiberto, Elda, Eldegardo, 
Emerico, Emeriglio, Endemiro, Enrico (a), Erardo, Erberto, Ermanne, Ermelindo (a), 
Ermellina, Ermenegildo (a), Ernesto (a), Etelredo, Evardo, Everardo, Ezio. — 



136 

Federico, Ferdinando, Filaredo, Filiberto, Fredesvinda, Frediano. — Geltmde, 
Gerardo, Greronzo, Gervasio, Gesaaldo (a), GildardOi Giraldo, Gisberto, Giselda, 
Ginffreda, Goffredo, Golfardo, Gomberto, Gottardo, Gualberto, Gualfardo, Guerrlno, 
Guido, Gnglielmo. — Ida, Idelfonso, Ildebrando, Ildegarde, Ildegonda, Isnardo, 
Irdegalda. — Lamberto, Leonardo, Leonilde, Leopoldo, Leoyigildo, Liduina, 
Linardo, Linda, Lodovico. — Manfredo, Matilde, Medardo. — Norberto. — 
Oddone, Oderico, Odoardo, Oldrado, Oscarre. — Badegonda, Raimondo, Rainero, 
Bambaldo, Baniero, Beginaldo, Biccardo, Bignardo, Binaldo, Boberto, Rodolfo, 
Bodrigo, Bomildo(a), Bomualdo, Bosalinda, Bosvaldo, Bnggero. — Sigismondo, 
Stellindo. — Teobaldo, Teodelinda, Teoderico, Terdelinda, Torvaldo. — Ubaldo, 
Uberto, Uboldo, Ugo, ülderigo, Ulrico, Umberto. — Valdemaro, Yaimiro, 
Viscardo, Vito, Volfango. — Walfredo, Widelmo, Wilbaldo. 

GENUA -Sampierdarena^ H. Saake. 



Topographischer Volkshumor 
aus Sehlesw^ig-Holstein.^) 



1. Dat is je*n afrikanische Hitt yundag! 

2. „Dor is'n Hund op^n BackaVn verhungert ** erklärt der Yolksmund den 
Namen des Dorfes Armstedtbei Bramstedt. Aus dem Ksp. Kaltenkirchen (B.) 

3. Se höllt den Kopp so pick as*n Bruwikersch. — Die Bardo- 
wikerinnen kommen mit Grünwaren und Sämereien nach Holstein; sie tragen 
ihren Korb auf dem Kopfe. Aus d. Ksp. Kaltenkirchen (B.) 

4. Hans vun Prowik, 

De harr sik bald verkiek; 

He kreeg Schulzengret op'n Saal bi*n Bock. 

De sä: Hans, rük an' Propp 

Un hol di jo nich op! Tanzlied aus d. Ksp. Kaltenkirchen (L) 

Prowik soll aus Bardowik verstümmelt sein, 
ö. In Bayern sünd v^l Maiern. Aus Schinkel bei Gettorf (Jk.) 

6. Du büst verrückt, min Kind, 

Du musst na Berlin, 



^) Yergl. Handelmann, Topographischer Yolkshumor, Kiel 1866. — Mitt. d. 
Vereins f Hamb. Geschichte 4, 142 ff. — Am Urquell, Monatsschrift für Volks- 
kunde, Hamburg 1890 ff, 2, 171, 172. — Zeitschrift des Vereins für Volkskunde 
16, 302 ff. und 396 ff 

Beiträge lieferten die Herren H. Bebensee, Lehrer in Kiel (B.), Iwersen, 
Lehrer in Hüttblek bei Kaltenkirchen (L), Johann Jöhnk in Schinkel bei Gettorf 
(Ik.) und 0. Schoer, Lehrer in Kiel (Seh.). 



137 

Wo de Verrflckten sind, 
Dor masst dn henl 
Tanzlied ans d. Ksp. Ealtenkirchen (I.) (yergl. unten Nr. 148.) 

7. In Berlin, seggt he, 
Op de Strat, seggt he, 
Steit en Pott, seggt he, 
Ynll Yun Schiet, seggt he, 
Un de L^pel, seggt he, 
Liggt dorbi, seggt he, 
Wer da ^ten will, seggt he, 
Steit dat fri, seggt he. 

Ans Pönitz, Fttrst. Lübeck (vergl. unten Nr. 110). 

8. In Berlin, seggt he, 
Op de Strat, seggt he, * 
Lopt de Swin, seggt he, 
Sp^lt Suldat, seggt he, 
ün de Ewer, seggt he, 
Is Offzier, seggt he, 
Het'n Hot op, seggt he,^) 
Yun Papier, seggt he. 

Aus POnitz, Fttrst. Lttb. (in Schinkel (Jk.) u. Kr. Rendsburg 
statt Berlin , Hamburg'). 

9. Wi wttllt na Bettlehem (d. h. zu Bett; Wortspiel mit Bethlehem. 

Aus Schwansen. 

10. Min Yader heet Hans Yagelnest, 
Weer Burvagt in Bimoehln, 
He weer ok mal op Beisen west, 
Drum kunn he wat yertelln« 

He sft: Jung, best en Dalers Geld, 
Dor reis mit in de wiede Welt, 
Denn kannst di wat versOken, 
Sünst bliffst du all diu L^f so dumm 
As Eken un as BOken. 
Bimöhlen, Dorf bei Bramstedt. Die erste, etwas veränderte Strophe 
eines Yolksliedes aus der Franzosenzeit ; vergl. , Niedersachsen' 11, 408. 

Aus d. Ksp. Kaltenkirchen (I.) 

11. Ik wull, dat du op'n Block sbarg seetst! 

12. Dat Mess is so stump, dor kannst mit'n blot'n Nors op na'n Blocks- 
barg ried'n. Aus d. Ksp. Kaltenkirchen (B.) u. Schinkel (Jk.) 

13. In de Nehjohrsnacht danzt de Hexen op'n Blocksbar g. 

Aus Schinkel (Jk.) 

14. Lat*t regen, lat*t geten, 
Lat*t Gott ni verdreten, 
Lat all de oln Hexen 

Na*n Blocksbarg henfleten. Aus Oldesloe. 

15. Dat schall hier bohnert sin, dat is ja ni mal schruppt, sä Krischan 
Mau, do gttng he lank't Dörp. Wortspiel mit Bohnert, Dorf in Schwansen. 



1) Het'n Knüppel, seggt he, 

To'n Gewehr, seggt he. Ksp. Kaltenkirchen (B.) 



138 

16. Wat Bökel na keen Fenstern? Bäh! seggt. de Bock. 

Spottwort aof Bökel, Dorf bei Barmstedt (B.) 

17. Von Bökel na HeidmoBhln 
Sttnd dat nich fief Miel? 

011 SoBg mit fief Farken,' 
Sund dat nich sOsb Swin? 

HeidmUhlen, Dorf zw. Neumünster n. Segeberg. 

Ans d. Ksp. Ealtenkirchen (I) 

18. Dat is jo 80 lang as vnn BornhOyed na Daldörp. 

Daldorf im Ksp. Bomhöved. 

19. Dor Bwömmt wi Appeln, sä de Pierkötel un swömm mit^n Bors- 
dörper de Bäk lang. Borstorf in Sachsen; Borstorfer Äpfel. 

20. Dat blänkert as Bothkamp in't Boklock. 
Bothkamp, adl Gut im Er. Bordesfaolm. 

Ans Schinkel (Jk.) (Vergl. Handelmann, Top. V. Nr. 26.) 

21. He sett sik in de Kant as de Braaker Deern. (Er nimmt viel 
Platz ein.) — Braak, Dorf bei Eutin. Aus Pönitz, Fürst. Lüb. 

22. Dat geit um as in Braak dat Backen (s. unten Nr. 131). 

23. .Kötersalendörp*' wird der östliche Teil des Dorfes Brackrade, 
Ksp. Bosau, genannt. 

24. De Herzog vun Braunschweig, 
De harr en ol Peerd, 

Dat harr son schewen Snuter; 
Dat een Og, dat weer em in'n Kopp verkehrt, 
Dat anner, dat bummel dor ruter 
Sup uter, sup uter, sup uter, 
Un wisch em af den Snuter. 
Aus Schinkel (Jk.). (vergl. Schütze, Holst. Idiot. 4, 229.) 

25. N. N. ut de H o s s mit'n Bickbeernvoss ! — Spottwort auf die Kinder 
aus Bredenbekshorst, Dorf im Ksp. Kaltenkirchen (B.) 

26. Ik will di Bremen sehen laten! — Drohungsformel, entstanden aus 
dem Ammenscherz, das Kind „Bremen sehen lassen*, es mit beiden Händen au 
Kopf und Ohren fassen und in die Höhe heben, (vergl. Handelmann, Top. 
Yoiksk. Nr. 32 u. besonders Ndd. Korresp.-bl. 29, 85 u. ö., unten Nr. 80.) 

27. Ut jedes Dörp *n Hund un utBttdelsdörp 'n Köter! (beim Karten- 
spiel, wenn man Karten der verschiedensten Farbe erhält.) — Büdelsdorf b. 
Rendsburg. Aus Bredstedt. (vergl. unten Nr. 163.) 

28. Dat ward Unweller, de Büsumer Yagels (Möwen) fleegt. 

Aus Dithmarschen. 

29. De Büsumer hebbt dat Höhnerschott all werr ni tomakt! — Die 
Möwen fliegen vom Meere her ins Land, es gibt schlechtes Wetter. Aus Dithm. 

30. Wo is dat? In Buxtehud*, wo de Hund mit'n Steert bellt. 

Aus Pönitz, Fürst. Lüb. 

31. Wo reist du hin? Na Buxtehusen, na't Lammerlusen. 

Aus d. Ksp. Kaltenkirchen (B.) 

32. Blinne Koh, ik leide di. 
Woben? 

Na Buxtehud'. 



139 

Wat schall ik dor? 

Stuten un Melk ^ten. 

Ik heff keen' L^pel. 

Gab hen un sOk di een\ Aus Pöuitz, Fürst. Lüb. 

33. Hannemann kümmt vun Jütland an, 
Hannemann bet man Holtscbob an; 
Hannemann mutt sik St^weln kopen, 
Denn kann Hannemann b^ter lopen. 
Hannemann bi, Hannemann bo, 
Hannemann löppt op bOlten Scbob. 

Der Spottname Hannemann wurde den Dänen in der Zeit der scblesw.-bolst. 
Kriege beigelegt. Aus Scbwansen. 

34. He sübt ut as de Dod vun Dassow (siebt bleicb, kränklieb aus). 
— Dassow, Flecken im NW von Meckl.-Scbwerin. Vergl. Nieders. 14, 21. 

Aus Pönitz, Fürst. Lüb. 

35. Dat weer dütscb! — Nu snackt be dütscb mit em! (deutlicb, 
grob). Aus Ealtenkircben (I.y, Scbinkel (Jk.) u. Pönitz. 

36. Ik gröt di in* Namen Dütscblands und all de umliegenden Dörper! 
(scherzbafte Begrüssung). Aus Pönitz u. Ealtenkircben (I.) 

37. Man ümmer rin in* dütscb en Bund! (scberzbafte Aufforderung 
zum Näbertreten.) Aus Pönitz, Ealtenkircben (I.) u. Scbinkel (Jk.) 

38. De Ditbmarscber Burn, 

De leggt sik op't Lurn. Aus Tellingstedt (B.) 

39. Dat is^n L^ben as merm in de Mascb, 

Dor backt se de Pannkoken in de Ascb ! Aus Tellingstedt (B.) 

40. Dat is en Leben in de Mascb! Alldag Speck pannkoken un Höbner- 
snpp to Vesperbrot! Aus d. Esp. Ealtenkircben (I.) 

41. En Ditbmarscber Magen is inwenni mit Blick beslan. 

42. He bet*n Ditbmarscber Magen. 

43. Hau sirrer o ob Mosk 
5 kiger ind i Husum. 

(Er sitzt in der Marscb und scbaut nacb Husum.) 

Aus Nord-Scbleswig, Gegend von Gramm (durch Lehrer Juler-Eiel.) 

44. Suck suck suck, Hawermann, 
Treck diu Vadder sin St^weln an, 
Bitts du as en Edelmann. 
Edelmann vun Spanien, 

Appeln vun Oranien, 

Figen ut de M a s c h. 

So ried de Einner to Gast. Aus Scbwansen. 

45. Da achter de rüge Bargen, 
Da weiht de kole Wind, 
Da körnen dree Snider 

Un dopen dat Eind. 

Mudder schall backen vun Bohnenstroh, 

Yadder schall reisen na Dithmarschen to: 

Da hängen de E^teln, 

Da klingen de Slöteln, 

Da piepen de Mtts, 

Da danzen de Lüs, 



140 

Da fiedelt de Back; 

Lett dat ni mal smnck! Aus d. Husamer Gegend. 

46. Gah na'n Donn nn klei Sand! (Abweis.) Donn: Dflne zwischen 
Geest und Marsch. 

47. Wonehr weer dat? Dat weer so twiscben Wihnachen un Eckern f 5 r\ 
as dat to Niejohr Ostereier geef. 

48. Allbot helpt, sä Michel, un piss in de Eid er. 

49. a. Allmannsbot helpt, sä de Mügg, dor spee se in de Elv (Elbe). 

b. Een helpt anner, sä de Mügg, un piss in de Ely (Jk.) 

c. Jede Drüpp helpt, sä de Dflwel, an piss in de Elv. 

Aus Pönitz, Fttrst. Lttb. 

d. Jede Drupp helpt, sä de Jung, do piss he in^t Haff. 

Aus Wyk auf Föhr. 

50. In Elmshorn 

Het de Kark keen' Tom. 

In Ite'ho 

Is't ebenso. 

In Nemttnster 

Staht de Stuten yör't Finster. 

Aus d. Ksp. Ealtenkirchen (I.) 
61. Dat Fehmarsch Wederglas (Anagallis arvensis) is slaten, dat gifft 
Begen ; — — de Blöt is apen, dat W^der blifft drOg. Aus Pönitz, Fürst. Lüb. 

52. Ik will na Fehmarn to*n Grasmeid'n! (scherzhafte Antwort auf die 
Frage: Wo wullt du hen?) Aus Schenkenberg, Er. Stormarn (Seh.) 

53. De Fissaer Tiff. (= Carreau-Dame.) Fissau, Dorf bei Eutin. 

Aus Pönitz, Fürst. Lüb. 

54. Solt'n Hering, Kapp 1er Bückling, 
Fockbeker Aal, Aalbeker Fock! (B.) 

55. a. Weisst du nicht, wo Fockbek liegt? 

Fockbek liegt im Grunde, 
Wo die weissen Mädchen sind 
Mit dem roten Munde; 
Bote Munde haben sie. 
Weisse Kleider tragen sie. 
Violett, violett, 

0, wat sünd wi Fockbeker nett, 
(so singen die Fockbeker Kinder am Schlüsse ihrer Laternenlieder.) 

b. In Schinkel (Jk.) heisst es: Weisst du nicht, wo Kiel liegt — 

wo all die hübschen Mädchen sind — — spitze Hüte tragen sie — — 

(vergl. Handelmanu, Top. Y. Nr. 152, Schumann, 
Volks- und Kinderreime Nr. 273.) 

56. De Koh het Franzosen (Tuberkeln). 

57. Dicht vor Friedrichstadtl (beinahe!) Aus Pönitz, F. Lüb. 

58. In Ghetto rp (Gettorf, Dan. Wohld) in de chude Chegend, dor chifft 
dat v^l Cbassenchrütt, un wenn dat de chifft, denn warr ik chanz chifti (will 
die in der Gegend gebräuchliche Aussprache des g wie ch lächerlich machen.) 

59. Im Kirchspiel Gleschendorf, Fürst. Lttb, ist folgender Spruch, der 
den Bewthnern aller eingepfarrten Dörfer etwas anzuhängen sucht, ganz oder 
in Bruchstücken im Umlauf. 



141 

De langen (rieken) Barkaner, 
De blanken (hochbOstigen) Kesdörper, 
Steenrader Wüpp-op'e-Klink,*) 
Havekoster Orotgeld, 
Wnlfsdörper Spring-in't-Feld, 
Sarkwitaser Mörbeern, 
Schnlendörper mög s' gern, 
Scbürsdörper Sandhasen (Yierthbasen), 
Schebeitzer (Scharbeatz) Strandlöpers, 
Peenser (Pönitz) Erückenten^) an 
de armseligen GleschendOrper. 

60. ,De Qleschendörper Aaenten" — Gleschendorf liegt an der 
Schwartau — werden die Bewohner des Dorfes Ton den Fönitzern genannt; 
Antwort aaf: ,De Peenser Krttckenten". Die Pönitzer heissen bei den 
Oronenbergern: , Peenser Parkers'', man raft ihnen nach: „Prüte, prüte, 
prtite — park, park, park!' and ahmt damit die Stimmen der Enten nach. 

61. De Qleschendörper Kamncken 

Mtttt sik Tör de Peenser backen! Aas Pönitz. 

62. De Qleschendörper Eosacken 
Hebbt Lüs in'n Nacken, 

Hebbt Flöhn in de Enaken, 

Eünnt gornix (liekers nix) maken! Aas Pönitz. 

63. In Qlinn 

Is nix to finn, 
Un in Qrann 
Is nix to pann. 
Gl in de and Grande, Dörfer im Kr. Stormam (vergl. Handelmann, Top. V. Nr. 65). 

64. In Glinn 

Is nix to finn, 
In Willnhasen 
Is nix to musen, 
In Oh 
Is't ebenso. 
Glinde, Willinghasen, Ohe, Dörfer im Esp. Steinbek, Kr. Stormarn. 

65. Einzelne Teile des ehemaligen Lehengates Gronenberg, Fürst. 
Lüb., führen im Volksmnnde besondere Namen. Am Wege vom Gronenberger 
Hofe nach Hafikrag liegen: ^Dat Lehmhas**, „de Yossbarg*', „de Getter', „Elba" 
(abgebrannt, nicht wieder anfgebant) and „de Esel". Die Gärtnerei aaf den 
„Hafifwiesen" wird „Kiwitt* genannt. (Aaf den Wiesen za beiden Seiten des 
„Gosb^k" leben zahlreiche Kibitze. „Dor kümmt de Kiwitt" wnrde früher von 
dem Besitzer der Gärtnerei gesagt). Die ehemalige „Messingmtthle" heisst 
„Stang'nmoBhl", weiter westlich aaf einer Anhöhe liegt „de Stang^nbasch", aach 
„Kreihnholt" genannt; von ^ier führt ein Fassweg, die „Himmelsleiter", hinab 
zum „Mück'nbasch" in der Nähe des Grossen Pönitzer Sees. Das Wirtshaus 
Gronenberger Krug hiess vordem „de Knickerkrog" (Knirkerkrug). Die beiden 
Hufen auf dem Gronenbergerfelde (Achterfeld) nennt man „Hunnmoehl" (vergl. 



^) 1793 wurde das Dorf durch einen Sturm zerstört ') wegen der zahl- 
reichen Enten, die den Grossen und Kleinen Pönitzer See bevölkern. (Mitget. 
von H. Stuhr, Landmann in Havekost). 



142 

Schröder-Biernatzki, Topographie I» 437) and ^Ritzkrog''. Aach einen ,01n 
Erog' soll es hier früher gegeben haben. 

66. , In Hackend örp is Wall stahlen'' sagt man in Pönitz, Fürst. Lüb., 
spottweise zn dem, der aaf der Hacke ein Loch im Strumpf hat. (vergl. unten 
Nr. 164). 

67. a. Min Soehn het schräw^n 

Ut Hadersläwn, 
Het acht Dag op^e See rümdräw'n, 
Het nix to frät'n kräg'n, 
Un doch noch an' Läw^n. 
Nä, so'n Läw'n 
Is gor keen Läw'n, 
Väl lewer will ik ja gomich läw^n. 
b. Jnnge, wat'n Läw'n! 

Min SoBhn het ut Härder (?) schräw'n: 

Sin S(£g het veertein Parken kräg*n. 

Soßm sünd an't Läw'n bläw'n 

TJn s(Bm sünd dod bläwn. 

Junge, wat'n Läw'n! Aus d. Ksp. Kaltenkirchen (I.) 

68. In H am barg steiht de Kark achteren Knick un de Orgel ward 
dreiht. — Hamberge, Kirchdorf zwischen Lübeck und Oldesloe. 

Aus Hüttblek bei Kaltenkirchen (I.) 

69. Na Hamborg is nich mehr wiet, seggt de Kieler, man kann all 
mit'n Finger henwiesen. 

70. Wenn dor de Weg na Hamborg güng, so bleef keen Hund un Katt 
to Hns. (wenn man beim Essen krümelt) Aus Pönitz, F. Lüb. 

71. Dor kannst mit'n bieten Nors op na Hamborg ried'n (stumpfes 
Messer). Aus Pönitz u. Kaltenkirchen (I) 

72. Hamborger Bodderbrot (halb Weiss-, halb Schwarzbrot). 

Kaltenkirchen (B.) 

73. He fragt, as wenn he ut Hamborg is. Kaltenkirchen (B.) 

74. Platz dor in* ROnnsteen, ik will dor ligg'n, sä de Hamborger to'n 
Alt'naer. 

75. Dat geit mi nix an, ik bün^n Hamborger, sä de Fohrmann. 

76. Wat ik bün, dor gab ik vor, seggt de Ammen in Hamborg. 

77. Wenn dat lütt Wort ^wenn** ni weer, kunn Hamborg ok in'n Buddel. 

78. Ik helf Hamborger Gewicht! (habe gewonnen, bes. b. Kartenspiel). 

Aus Pönitz, F. Lüb. 

79. Ik will di an den Hamborger Jud'n verköpen, de schall di in'n 
Sack staken. Kaltenkirchen (B.) 

80. a. Wullt du mal Hamburg un Lübeck sehn? 

Aus Pönitz u. Schinkel (Jk.) 
b. He lett em Hamborg sehn (B.) (vergi. oben Nr. 26). 

81. 0, du min lütt söde Deern, 

De Hamborger mögt de Kasbeem gern! 

Kaltenkirchen (B.) 



143 

82. a. I : Von Hamborg geit na Bitzebüttel, na Ritzebüttel : | 

ün 80 na 1 1 z e h e. ij Tanzweise ans Pönitz n. Kaltenkirchen (B.) 

83. Hia hia hnllera, 

In Hamborg hebV s' de Cbolera; 
In Glückstadt is de Düwel los, 
Dor gifft nix as Eartüffelmos. 
In Glttckstadt befindet sich ein Znchthans. Ans Pönitz, F. Lüb. 

84. Hide hida hidallera, 

In Hamborg hebbt's de Cholera, 
In Qlückstadt bebbt's all hatt, 
In Bramstedt Inrt's noch op. Ksp. Kaltenkirchen (B.) 

85. De Ealennermakers sitt in*n Hamborg er Elockentorn nn makt 
dat Weller. Ksp. Kaltenkirchen (B.) 

86. . a. R^g^nblatt, 

Mak mi nich natt, 

Mak all de Harn borg er Wiwer natt! 
Set'n achter'n Knick an et'n, 
Ik sä: G^vt mi ok en b^t'n. 
Se gewen mi*n Stück verschimmelt Brot, 
Ik smet 9r dat wedder in den Schot. 
B^g'n, B^g^n, rusch, 
Wat msselt hier in' Bnsch! 
b. B^g'nblatt, 

Mak mi nich natt, 

Mak all de Hamb orger Jaden natt! 
Se set*n op*n Dack nn et*n wat, 
Ik sä to ?r: G^yt mi'n Stück afl 
Se smet*n mi mit verschmimmelt Brot, 
Ik smet ^r dat wedder in den Schot. 
Dor slög'n se mi op*t Schallerblatt, 
je, je! wo baller dat! 
Ksp. Kaltenkirchen (I.) (vergl. Schamann, a. a. 0. Nr. 189). 



87. 



Wer dor gerne Figen mag, 
Seggt den Kramer goden Dag; 
Goden Dag, Herr Kramer, 
Lehn he mi den Hamer; 
Lehnt he mi den Hamer ni, 
Is he ok de Kramer ni. 
De Kramer steit vor de Achterdör 
Mit*n blagen Platen vor, 
Mit de g^Pn St^weln an 
Reist he hen na Amsterdam; 
Ynn Amsterdam na Rosenheim, 
Van Rosenheim na Hamborg; 
Hamborg hier, Hamborg dor, 
Hamborg op de Schinnerkor 

Ans Kiel (vergl. Schamann a. a. 0. Nr. 415.) 



b. ») vun Ritzebüttel na Hus — Tellingstedt (B ) 

c. *) van dorn geit hen to Mark. — Schinkel (Jk.) 

d. *) mit'n rod'n Kittel — Kr. Stormarn (Seh ) 



144 

88. Hest Lebberwnst nich sehn? 

In^n Bäckergang (in Hamburg), dor sfind se so schön. 

Ans Sievershütten bei Sttlfeld (I.) 

89. Nn wardst Nacht in'n Dom! (Hamburger Dom.) 

Esp. Kaltenkirchen (B.) 

90. Hansühn, Ettkelühn, Harmhoss un Fnhlendiek (Dörfer 
im Kr. Oldenburg), dat sünd de veer Hauptstäder» de de bereist het, kann 
Meister warm. Aus Pönitz, F. Lüb. 

91. a. Wo is dat? In Hansühn un Eükelühn, wo de Sliepsteen 

in^t üienlock dreit ward. 

b. He hört hen na Hansühn un Eükelühn, wo de Sliepsteen 

Aus Pönitz, F. Lüb. 

92. De Hük, de Hissel un de Grouf, dat sünd de Vörstäder vun 
Hassendörp. — Hassendorf, Fürst Lübeck. ,Huk" an dem Wege nach 
Brackrade, , Hissel' an dem nach M^jenfelde und , Grouf an dem nach WObs. 

Aus Majenfelde bei Eutin. 

93. Die Pönitzer sagen vom Südwestwinde, der ihnen Regen bringt: 
,Dat is de Havköster Wind!* Im SW liegt das Dorf Havekost, F. Lüb. 

94. De Schap de gabt na Heikendörp, na Heikendörp to Eöss, 
Dor gifft dat nix as Schinken, Fleesch un Wüss. 

Lat de Schap to'n Döster gähn, 
Heikendörp blifft doch bestahn! 

Heikendorf am Kieler Hafen. 
Aus Pönitz, F. Lb. (vergl. Zeitschr. f. Volkskunde 16, 307 Nr. 69). 

95. Wo is dat? In Hohenwiechel (fingiert), wo de Sliepsteen in't 
Ulenlock dreit ward. Aus Pönitz, F. Lb. 

96. Ik heff hollandsch Gewicht ! (habe gewonnen ; bes. b. Eartenspiel.) 

Aus der Beinfelder Gegend (Seh.) und Pönitz, F. Lb. 

97. He het'n holsteenschen Magen! 

98. Se gabt bald mit em oewer de Hu d au- Bruch (d. b. zum Eirchhof). 
Hudau und Osterau vereinigen sich in Bramstedt zur Bramau ; südlich vom Flecken 
führt eine Brücke über die Hudau. 

99. Wo kamt ji her? 
Vun Hüll! 

Wat hebbt ji lad'n? 
WuU! 

Wi hebbt ji lad'n? 
VuU! 

Wi heet de Kaptein? 
Krull! 

Wi is ju Nam? 
John Bull. 

Ach, ji Bund wull dull! 
Jawull ! 
(Soll das Gespräch zweier Schiffer darstellen, die sich auf der See begegnen.) 

Aus EI. Schenkenberg, Er. Stormarn (Seh ). 



145 

100. Keem*n oln Mann ut Hütten, 
Harr'n Rock vnn dosen Stücken, 
Harren knökern Angesicht, 

Harren Kamm nn kämm sik nich. (Habn.) 

Ans Schinkel (Jk.). — Gemeint ist das Gut Wulfs hagener Hütten, 
Ksp. Gettorf. — Im Ksp. Kaltenkirchen (I.) beginnt man: „Keem'n Mann vun 
Sievers bütten" (Dorf im Ksp. Todesfelde) oder „Dor keem'n Mann vun 
Krücken (Teil des Dorfes Weddelbrook bei Bramstedt) (vergl. Müllenboff, 
Sagen — — — S. 506 und Augnstiny, Acbtern Aben S. 103.). 

101. Jerusalem, 

krieg em bi*n Kopp (bi de Haar) un tusel em! 

Ksp. Kaltenkirchen (B.), Schinkel (Jk.) und Pönitz, F. Lb. 

102. a. He mntt wull ball na Ko'nnkarken! (Kaltenkirchen.) 
b. He is riep för Konnkarken (d. h. für den Kirchhof). 

Aus Hüttblek bei Kaltenkirchen (I.) 

103. Kalifornien liegt nich wied vun Bramsilien. 

Wortspiel mit Kaltenkirchen und Bramstedt (I.) 

104. Als in den achtziger Jahren die Erwerbung unserer westafrikanischen 
Kolonie Kamerun im Volke bekannt wurde, benannte man danach neue, 
auffällig erscheinende Sachen. Einen grossen Strohhut mit breitem, abwärts 
gerichtetem Rand nennt man noch heute allgemein „en Kameruner'*. 

Als damals die Bahn von Bhf. Gleschendorf nach Ahrensböck gebaut wurde, 
belegten die Pönitzer den Ahrensböcker Zug mit dem Namen „Kamerun", den 
er bis heute behalten hat. „Kamerun kümmt", „ik bün mit Kamerun herdal 
f5hrt' sind allgemein gebrauchte Redensarten. 

105. Karbyer Banditen 

künnt kum vor Knaken schieten! 

Aus Schuby, Ksp. Karby (Schwansen). 

106. a. Ab nach Kassel! 

b. He reist bald af na Kassel! (stirbt bald.) 

107. In Kiel sliept se Biel. Aus Schinkel (Jk.) 

108. Dat irst Gewinnen holt de Kieler (de Lübecker) Jungs ni vor 
god (b. Kartenspiel). 

109. Da 's de Snider vun Kiel (Carreau-Bube). 

HO. In Kiel, seggt he. 

An de Eck, seggt he, 
Steit en Emmer, seggt he, 
Is vull Dreck, seggt he, 
Un en L^pel, seggt he, 
Liggt dorbi, seggt he, 
Wer Apptit het, seggt he, 
Steit dat fri, seggt he. 

Aus Schinkel (Jk.) (vergl. oben Nr. 7). 

111. In Kiel, seggt he, 

An den Weg, seggt he, 
Steit en Fru, seggt he, 
Un de fecht, seggt he, 
Kümmt en Jung, seggt he, 
Nimmt en Steen, seggt he, 

NiedcrdeatBOhes Jahrbuch XXXV. 10 



146 

Smitt de Fra, seggt he, 

An dat Been, seggt he. Ans Schinkel (Jk.) 

112. DeKiadörper hebbt*n BuUn op't Dack trock'n. 

Eisdorf im Kap. Kaltenkirchen (B.) 

113. „Dat ol Wief nt Klenza'' wird in der Umgegend von Entin die 
Influenza genannt. ,He het dat ol Wief nt Klenzal' »I^ftt ol Wief ut Klenza 
kann gefährli nog warrn!" K lenz au, Dorf bei Entin. 

114. Ik will di verklagen 
bi Kopenhagen, 

de schall di den Kopp afsagen. 
Husnmer nnd Rendsburger Gegend (vergl. unten Nr. 151). 
115 Dat r^g'nt! — Ja, lat man r^g'n, so seggt se in Kopenhagen. 

Aus dem Schleswigschen. 

116. Rüter to Peer, Soldaten to Fot, 

Achter Kronshagen verlor ik min' Hot, 

Achter min Grossvadder sin Schün, 

Dor piepen de Mtts, 

Dor danzen de Lüs, 

Dor klingen de Klocken, 

Dor danzen de Poppen, 

Dor slachen se Swin, 

Dor drunken se Win, 

Dor schall min Itttt Heine 

Sin Hochtied sin. 

Kronshagen bei Kiel. — Aus Schinkel (Jk.) 

117. Wo wahnt Schnüt ? (Der Fragende fasst das Kind bei der Nase) 
Achter Krummdiekl 

Wat makt he dor? 

Leggt Eier. 

Wat förn schall ik hem? 
Bei der Antwort „de swarten'' kneift man, bei „de Witten* lässt man los. 
~ Krummendiek. Kirchdorf bei Itzehoe. Aus Schinkel (Jk.) (vergl. Zeitschr. 
d. V. f. Volkskunde 16, 310 Nr. 106). 

118. Dat ritt een in't anner as Krummwisch un Brembek. — Die 
Bewohner der Dörfer Krummwisch und Bredenbek, Ksp. Bovenau, waren 
vielfach miteinander verwandt. Aus Schinkel (Jk.) 

119. Dat is Krummwischer Goldl (Imitation.) Aus Schinkel (Jk.) 

120. Raus aus Leipzig! raus aus Metz! Ksp. Kaltenkirchen (B.) 

121. Ik weet en Leed, dat keener kann, 
Dat lehr mi oll Vadder Dock: 

Ik schuU dat Peerd den Tom andon, 

Ik sett mi dor woll op 

ün re^ dormit na Lübeck hen. 

Un as ik nu in Lübeck keem, 

Müss ik min eegen Wunner ansehn: 

De Fleddermüs de f^g'n dat Hus, 

De Mücken de drOg'n dat Üller rut; 

Achter de Schün 

Dor döschen veer Kappün, 

Se döschen veer Klapp Ha werstroh, 



147 

Dor wuUn se Beer vun bru'n. 

Dat Beer füng an to prusen: 

Stenner nt^n Hasen, 

Kalwer nt'n Stall 

Verlören ^m Fall; 

Höhner op'n Wiem'n 

Wnlln sik beswiem'n; 

Heister op'e Heck 

Föll mit de Näs in'n Dreck. 

Dor keem'n oll Fru, wall ok wat sehn, 

Föll mit de Näs rin 'n Rönnsteen. 

Ksp. Kaltenkirchen (I.) 

122. He is van all de Harken to Has kam'n, blots ui yun't Lenter 
Hannmark. — Der Jahrmarkt von M a 1 e n t e - Gremsmtthlen heisst in der Umgegend 
,,HaDnmark'. Aas Pönitz, F. Lb. 

123. Die Kirche in Malente hatte früher einen hölzernen Tarm, der 
— wie der Volksmand erzählt — in einen Schnppen gestellt wnrde, sobald 
schlechtes Wetter im Anzage war; so entstand der Spottreim: 

Dat Malent is prächtig, 

Aewer nich heel grot, 

De Kirchtorn de is mächtig 

hoch — eenantwintig Fot. 

Doch to ^rn Yergnögen 

Un dat he nich verfreert, 

Sett se em in den Drogen, 

Denn geit je nix verkehrt. Aas Fönitz, F. Lb. 

124. DeM^kelnbörger Jangs hebbt ^r all in de Macht. (Die Sonne 
beim Untergang.) Aas Schinkel (Jk.) 

125. Ik bün'n Itltt Deern nt Meimersdörp 
Un wall mi gern vermeden, 

Bün ik ni een lütt dralle Deern, 
Dat kttnnt ji doch wall sehn? 
De Grütt de kann ik kaken, 
Den Braden den kann ik maken, 
Un kümmt mi een van ja tonäch, 
So kriggt he wat mit dissen Sleef. 
Meimersdorf bei Kiel. — Aas Gaarden, Kr. Bordesholm. 

126. Dat gifft 'n Nassaaerl (Regenschaner.) 

127. „De kümmt direkt van* Nordpol", sagt man in Pönitz, F. Lb., 
von einem kalten Winde. 

128. Dat is Nürnberger Tand! (Schinkel, Jk.), Nürnberger War 
(Pönitz), Nürnberger Kram (Ksp. Kaltenkirchen, I.) 

129. Ik will mal na Naddeln (will „Nall" spielen im Skat). 

Nntteln, Dorf nördl. von Wilster. 

130. Wo geit di dat? — Ümmer op de Föt as de Olanner Gös, blots 
ni 80 wackelig. Alten Lande bei Hambarg. 

131. Dat geit um, as in Olslo (Oldesloe) dat Backen, de keen Mehl 
bet, den geit't vörbi an de keen' Backtrog het, sttrt (sänert) in*e Eck. 

Ans Pönitz, F. Lb. (vergl. Handelmann, Top. V. Nr. 142, Zeitschr. d. V. f. 
Volkskande 16, 397 Nr. 112, „Heimat" 1906, S. 181 Nr. 11 and oben Nr. 22). 

10* 



148 

132. VVat wullt iu Fahlen? 
Dor is nix to halen 

As en Paar St^weln ahn Sahlen. 

Fahlen, Kap. Tellingstedt (B.). 

133. Ok nich to verachten, sä de Po lack, do harr he op'e Lusjagd en 
Flöh fung\ 

134. He kann de Polacken (Reste) drinken! 

135. He snackt pol seh (unverständlich). 

136. He wahnt binah an de pol seh Grenz (abgelegen). 

Ans Pönitz, F. Lb. 

137. He is preusssch (erzürnt). Ans Schinkel (Jk.) 

138. Hut r^g'nt dat förn Bnrn preu'sche Dalers! (bei einem frucht- 
baren Begen). Ans Pönitz, F. Lb. 

139. So schnell schiessen die Preussen nicht* (nur immer langsam). 

Ans Pönitz, F. Lb. 

140. De hollt mehr as dree Probstier, de gornix holt! (wenn man 
einen Nagel eingeschlagen hat). Ans Wellingdorf bei Kiel. 

141. Dat kratzt in' Magen, sä'n de Probstier, do drttnk'n dree Manu 
vun een' Sösslingsschnaps. 

142. De Quarmbeker Eosacken 
Hebbt Ltts in' Nacken. 

Gut Qnambek, Ksp. Flemhude (Jk.). 

143. Ich als Prediger von Batekau! (von Selbstbewussten). 

Batekau, Kirchdorf im Fürst Lüb. — Aus Pönitz. 

144. In Bissen 

Eünnt se nix missen. Dorf Bissen, Ksp. Nienstedten. 

145. Kling klang klara, 

De Klocken gabt in Sara. 
Wer is dor dot? 
Hans Peter Fr^t-Brot 
Sin Fru is dot. 
Abzählreim aus Pönitz, F. Lb. — Sarau, Kirchdorf bei Ahrensböck 
(vergl. Schumann, a. a. 0. Nr. 282). 

146. Widde widde witt, min Mann is ut, 
Widde widde witt, wo is he hen? 
Widde widde witt, na Schlesien. 

Widde widde witt, wat het he di mitbröcht? 

Widde widde witt, en Sack vull Plumm, 

Widde widde witt, de smeckt ni dumm. 

Widde widde witt, giff mi*n paar af. 

Widde widde witt, ik kann keen missen. 

Widde widde witt, ol Giezhals! Ans Pönitz, F. Lb. 

147. In Sleswig an de 81 i het de Slachter en Swin slacht (zum 
Schnellsprechen). Aus d. Ksp. Kaltenkirchen (I.) 

148. Du büst verrückt, min Kind, 
Du hest'n Splien, 

Du muss na Sleswig hen 
oder na Berlin. 
Aus Kr. Stormarn (Seh.) und Pönitz, F. Lb. (vergl. oben Nr. 6). 



149 

149. He is ferti mit Sleswig-Holsteen! (mttde — Konkurs). 

Ans Pönitz und Schinkel (Jk.) 

150. Se gabt as de Sraalfeller to Kark (im Gänsemarsch). Der 
Kirchsteig von Schmalfeld nach Kaltenkirchen war so schmal, dass die Kirch- 
gänger einer hinter dem andern hergehen mussten (I.). 

151. Ik will di verklagen 
An Schönhagen; 
Morgan wttllt wi backen, 

Denn schall de Hahn di hacken. 
Schönhagen, adl. Gut inSchwansen. — Aus Schinkel (Jk.) (vergl. oben Nr. 114). 

152. Nu ward'fr Dag in Schönwohld, in Langenhagen (Dörfer in 
Ostholstein) hebbt se't Lieh' all anst^ken! (ihm geht ein Licht auf). 

Aus Pönitz, F. Lb. 

153. Ik btln in Schrum w§n, 
bün dun w^n, 

bün Yun'n Weg rummelt 
un in de Rönn trunnelt. 

Schrum bei Tellingstedt, Dithm. (B.) 

154. Nu brennt Säbarg! (Segeberg; Ausruf der Verwunderung.) 

Ksp. Kaltenkirchen (I.) 

155. Wat kost Sab arg! (zum Grossprahler — I) 

156. Da's ja'n sibirische KüU vundag! (I.) 

157. Dor sett ik ganz Sierhagen gegen! (adl. Gut bei Neustadt i. Holst.) 

Aus Pönitz, F. Lb. 

158. Das Schulhaus in Sierksdorf liegt »op'n Pannkokeubarg'' . Die 
Frau eines früheren Lehrers soll die Badegäste aus dem nahen Ostseebad Haffkrug 
mit Pfannkuchen bewirtet haben. 

159. Sievershütten (Ksp. Todesfelde) is russsch! (ziehe nicht dahin!) 
Auch: Poppenbtlttel is däusch! (I) (vergl. Handelmann, Top. V. Nr. 148.) 

160. „Keen'' het sik in de Boddermelk versapen 
Un is bi Störkathen weller rut krapen! 

(scherzhafte Abfertigung). Störkathen bei Kellinghusen (B.) 

161. a. Dat Köpp'n (Tasse) is so grot as de Susi er Döp. 

b. „Susi er Döp*' nennt man auch ein grosses Glas Kümmel, den 
sogenannten „ Wachtmeister *'. 
Süsel, Kirchdorf im Fürst. Lübeck. Das alte granitene Taufbecken, „de Süsler 
Döp", ist jetzt wieder in der Kirche aufgestellt worden. — Aus Pönitz, F. Lb. 
(vergl. Zeitechr. d. V. f. Volksk. 16, 400 Nr. 176). 

162. Der Jahrmarkt in Süsel heisst in der Umgegend „Süsler Mess- 
mark" gegenüber andern, bedeutenderen Märkten. 

163. Ut jedes Dörp 'n Hund un ut Teckelsdörp 'n Tiff. Techels- 
dorf bei Bordesholm. Aus Kiel und Umgegend (vergl. oben Nr. 27). 

164. In Tehnendörp (fingiert) is WuU stahln — (Pönitz). 
is Für (Schinkel. Jk.) (vergl. oben Nr. 66). 

165. De Borstier Kosacken, 
De künnt sick man packen, 
De künnt sick man wohrn 

Vor de Tellgnstedter Husorn. 

Österborstel, Ksp. Tellingstedt, Dithm. (B.). 



150 

166. Wo liggt Ton dem? An de Wid ... au! — Kinderscherz ; der 
Fragende gibt die halbe Antwort nnd veranlasst den Spielgenossen durch Kneifen 
in den Arm zur Vervollständigung der Antwort: au! (I.) 

167. Wann weer dat? Achteinhunnert un Wittkohl, as Steenbock vor 
Tonn in g leeg. — Der schwedische General Steenbock wurde 1713 bei Tönning 
gefangen genommen (vergl. Handelmann, Top. V. Nr. 178, Am Urdsbr. 2, 162 
und Nd. Jb. 30, 78). Aus der Husumer Gegend. 

168. He het'n Torgauer Dörchmarsch (Durchfall). 

169. De steit vör't Vaderland! (b. Kartenspiel). — Nu is't Vader- 
land in Gefahr! — Wi str§wt för't Vaderland! 

170. De kümmt ok bald na V echt a. — Aus 'dem Fürst. Lfib. In 
Vechta befindet sich die Strafanstalt für das Grossherzogtum Oldenburg. 

171. Dat geit na Waasten, na Waasten! (langsam sprechen). 
Dat geit na Botel, na Bot eil (schnell). 

Wahlstedt und Fehrenbötel, Dörfer bei Segeberg (B.). 

172. a. In de Wik, in de Wik 

Is Danzmusik. Stadtteil Kiel -Wik. 

b. In der Wik, in der Wik ist Feuer. Aus Schinkel (Jk) 

173. In Winsen, in Winsen 
Heff ik min Geld op Zinsen, 

Heff all de Pött den Steert ümdreit, 
Dor hebbt sik alle Lud to freit. 

Winsen, Dorf im Ksp. Kaltenkirchen (I.) 

174. Dar kamt de Wittb^ker Imm! (es schneit). 

Wittbek, Dorf bei Husum. 

175. Dat lüggs! (lügst du). — Lüggsche wahnt in Wöhrden. 

Aus N. Dithm. 

176. Die Wulfs dor f er (Ksp. Gleschendorf, Fürst. Lüb.) nennen den 
Teil ihres Dorfes, der östlich der Brücke liegt, „Fackenborg^, den westlichen 
„Stockelsdörp*'. — Fackenburg und Stockeisdorf, beieinander liegende Vororte 
Lübecks. 

177. He makt'n Gesicht, as wenn he Stockelsdörp verraden het (ist 
verlegen). Aus Pönitz. 

KIEL. G. F. Meyer. 



151 



Anzeige. 



Die Chroniken des Klosters Ribnitz, bearbeitet von Friedrich Techen 
[= Mecklenburgische Geschichtsquellen. Mit Hülfe des Freiherr 
V. Bielschen Legats herausgegeben vom Verein für Mecklen- 
burgische Geschichte und Altertumskunde I] Schwerin 1909, 
Druck u. Vertrieb d.Bärensprungschen Hofbuchdruckerei (Leipzig, 
K. F. Köhler in Komm.). 18* und 279 SS. 80. 
Zar Stärkung meiner Kenntnis der mittelniederdeutschen Sprache — und 
dazu für einige Nebenzwecke — pfleg ich alle neu ans Licht tretenden Texte 
zn lesen, und als ein dankbarer Leser, der an der saabern Editionsarbeit und 
den förderlichen Beigaben des Wismarer Stadtarchiyars seine Freade gehabt hat, 
möcht ich dieses Werk hier kurz zur Anzeige bringen und allen Freunden der 
niedersächsischen Mnndart empfehlen — za den Freunden der mecklenburgischen 
Geschichte wird es seinen Weg schon von selbst finden. 

Unser Band, geschmeckt durch ein Bild des Stifters, dessen hochsinniges 
Legat die wttrdige Ausstattung und wohlfeile Verbreitung der 'Mecklenburgischen 
Qeschichtsquellen' ermöglicht hat, bringt eine lateinische und eine niederdeutsche 
Chronik des Klarissen-Klosters Ribnitz (Franciscaner-Ordens), das zn dem meck- 
lenburgischen Ftlrstenhause nahe Beziehungen hat: denn zahlreiche seiner Mit- 
glieder haben es mit Wohltaten bedacht, und von den neun Äbtissinnen, die 
seit 1329 dort 'regiert' haben, gehören nicht weniger als sechs der herzoglichen 
Familie an (S. 191). Sie allein ftthren den Titel froyken, froychen (zuletzt 
fraulin), und dies Wort war also im Glossar S. 278 schlechthin mit '(unverhei- 
ratete) Prinzessin' zu übersetzen: durchaus in Übereinstimmung mit dem 
sonstigen Sprachgebrauch der Zeit. 

Die lateinische Chronik (S. 1— 61), die leider nach einem frOhem 
Druck wiederholt werden mnsste, da die Handschrift inzwischen Terschollen ist, 
war in der vorliegenden Ausgabe nicht zu entbehren, nachdem Techen fest- 
gestellt hatte, dass sie die Vorlage und fast einzige Quelle der deutschen ge- 
bildet hat, soweit beide zeitlich zusammenfallen. Als Verfasser ihres Grundstocks 
sieht T den Minoriten-Knstos Dietrich von Studitz aus Ltlbeck an, der 
1329 und 1330 als Prokurator von Ribnitz bezeugt ist und der das Werk wohl 
bis gegen 1340 geführt hat; später sind zu verschiedenen Zeiten andere Auf- 
zeichnungen angegliedert — sogar bis 1538 hinab. 

Dies Werk fand Lambert Slaggert aus Stralsund vor [den man zeit- 
weise für seinen Verfasser angesehen hat], als er Michaelis 1522 vom Minoriten- 
Kapitel in Hamburg her als Beichtiger nach Bibnitz kam. Wahrscheinlich schon 
im nächsten Jahre hat er die niederdeutsche Chronik (S. 65 — 217) begonnen, 
der er für die ältere Zeit das lateinische Werk mit seinen Erweiterungen zu 
Grunde legte, streckenweise mit engem wörtlichem Anschluss (wie gleich in der 
Vorrede). Seine Aufzeichnungen reichen in der Chronik bis zum Sept. 1532, 
in den Beigaben bis zum Aug. 1533. Er konnte für die seiner Anwesenheit vor- 
ausliegende Zeit manches vom Hörensagen hinzufügen, hat auch wohl hier und 
da anderweitige Aufzeichnungen benutzt, so solche von Marschalk Thurius, dem 
Fortsetzer der Kirchbergschen Reimchrouik. 



152 

Techen hat wohl Recht : Slaggerts geistige Qaben waren beschränkt, er ist 
nichts weniger als ein Historiker, obwohl es ihm an litterarischem und geschichtlichem 
Interesse nicht fehlte ; anter den Büchern, die er der Bibliothek des Klosters schenkte 
(S. 163: 19 an der Zahl), befanden sich u. a. 'sermones Johannis Geyler vel 
nayis stnltifera per totam annnm', ^carmina Sebastiani Brant cnm navi stnltifera', 
während unter denen, die er für seinen persönlichen Gebrauch zurückbehielt (16), 
eine zweite ^navis stultifera' (man kann schon an den Rostocker Druck des nd. 
Textes denken), die Lumbardica historia' (d. i. Legenda aurea) und die 'Wandalia 
doctoris Crans' aufgeführt werden. Stärker als seine litterarischen mögen seine 
technischen und künstlerischen Interessen und Fähigkeiten gewesen sein. Er 
nimmt an allen derartigen Vorgängen und Neuerungen im Kloster lebhaften An- 
teil, beschreibt Bauten, Kunstwerke, Maschinen und Instrumente mit offenbarer 
Sachkunde und betätigt sich auf allerlei Gebieten selbst. So erhalten wir aus- 
führlichen Bericht über die verschiedenen Umbauten der kleinen und grossen 
Orgel: 136, 20 ff. 166, 1 ff. 157, 11 ff. 169, 34 ff. 170, 23 ff. Die gemalten 
Fenster würdigt S. einer ausführlichen Beschreibung (207—209); als Maler von 
Altarbildern war er sogar selbst tätig: 170, 33 ff. 172, 3 f. Mit dem Pater 
Guardian zusammen mauert er Badeöfen und Badestube: 148, 39 ff. 150, 1 ff. 
— betont aber freilich auch gern die persönliche Handreichung, welche die 
fürstliche Äbtissin mit Zutragen von Backsteinen leistete (148, 42 f ). 137, 
18 ff. 22 ff. veranlasst er die Aufstellung einer neuen, ökonomischen Honigpresse. 
Diese Beispiele zeigen, dass seine Chronik uns in die Arbeiten und Sorgen eines 
Frauenklosters zu Anfang des 16. Jahrhunderts einen intimen und vielfach lehr- 
reichen Einblick tun lässt. Die Darstellung ist breit und lässig, sie haftet oft 
am Kleinlichen, ist aber dafür von einer entzückenden Unbefaogenheit. Köstlich 
ist z. B. der Anlass, bei dem wir hier den frühsten Beleg des Wortes slatti- 
pampen kennen lernen. Am 2. Sept 1629 gibt Bruder Valentin Körte, Prin- 
cipal in Rostock, im Kloster sine vardelave (verddage = Abschiedsschmaus), 
do he uth der cappe ujvde uth deme orden tvolde then — unter dem Vorgeben, 
er solle Hofkaplan werden, was aber Schwindel war — : Des hebben sich vele 
frouwet unde myt eme slampampet achte dage lanck. Das Wort, im DWB. 
zuerst aus Matthesius bezeugt, stammt offenbar aus dem Jargon des Klosters 
resp. des Konvikts oder der Burse. 

Slaggert durchlebte in Ribnitz keineswegs nur idyllische Tage, denn die 
Unruhen der Lutherischen, deren höhnisches Auftreten er schon vor seiner Her- 
kunft am 14. Sept. 1622 in Hamburg hatte erdulden müssen, pochten bald genug 
auch an die Pforten des Klosters. In Hamburg (S. 129) hatten die bösen 'Mar- 
tinianisten' : bofse scryften Wide posicien tho Dude an de kerkdoren ange- 
schlagen in sulker wyse: 

Questio. 

Kerst Hans wyl syck in vragen beleren. 

Darup scholen de grawen monneke disputeren, 

Utrum de monneke don syck hir thosamende schycken, 

Wat fenyns se noch wyllen laten blycken. 

War se uns uth Martinus Lutters saken 

Willen welke nyge Franciscus maken etc. 

In Ribnitz aber erschienen am 10. April 1626 (S. 134) die Bilderstürmer von 
Stralsund, darunter auch zwei verlaufene Mönche, und verübten gräulichen Unfug 
in der Kirche. Und obwohl es in der stillen Woche war, erbrachen sie die 
Speisekammer und eten worste unde flesk also Joden, hunde unde hatten. 
Später hören wir mehrfach, wie die Bewegung unter den Handwerkern des 



153 

Städtchens Bibnitz und unter den Bauern der Umgegend um sich greift und 
den Klosterinsassen übele Tage bereitet. — 

Für den Freund der Namenkunde enthält das Buch in den Familiennamen 
wie in den Vornamen viel eigenartiges und geschichtlich interessantes. Besonders 
ist das alphabetische Verzeichnis der verstorbenen Klosterschwestern, das sich 
in den Beilagen findet (S. 186 ff.), für die Häufigkeit der weiblichen Taufnamen 
und ihre niederdeutsche Gestalt ein wertvolles Document. Ich greife den Buch- 
staben T heraus (Überschrift ^süster T.'); er bringt 35 Schwestern, darunter 17 mal 
Tylse (= 't Ilse, Elisabeth), 14 mal Tale (= 't Ale, Adelheid), dazu 2 mal 
Tybbe und je 1 mal Tylike und Tnuie. Mit dem Herausgeber Tybbe als *Diet- 
burg' und Th^like als *Oietlind' zu deuten widerstrebt mir, da ich nicht glaube, 
dass diese Namen jemals in Mecklenburg im häufigen Gebrauch waren, eher 
wird man dort an 'Hildburg', hier an 'Ottilia' denken dürfen. 

Alles in allem: eine kulturgeschichtlich recht anziehende Lektüre, dazu 
sprachlich, ich meine lexicalisch, ungewöhnlich ergiebig, wie schon ein Blick in 
das vom Herausgeber beigegebene Glossar (S. 263—279) ankündigt Dr. Techen 
bat den Text nach durchaus zu billigenden, recht konservativen Grundsätzen 
ediert, sehr sorgfältige Interpunction eingeführt und bescheidene Anmerkungen 
beigegeben, in denen aber ein tüchtiges Mass von Arbeit steckt. Das gleiche 
gilt von den beiden Registern, dem Ortsregister und dem Personenregister: In 
dem letztem mache ich besonders auf den Artikel 'Ribnitz* (Stadt 225 und) 
Kloster 226 — 229 aufmerksam, der zugleich eine Art Realienindez darstellt, wie 
er bei der Unordnung, die Slaggerts Aufzeichnungen auszeichnet, dringend not- 
wendig war. 

GÖTTINGEN. Edward Schröder. 




LJ- V^- 



Niederdeutsches Jahrbuch. 



Jahrbuch 



des 



iU'^\.- 



Yereins fftr niederdeutsche SpracMorschnng. 



Jahrgang 1910. 



XXXVI. ^-ar') 



Mit einer Heliogravüre und zwei Aut'otypieen. 



NORDEN nsll LEIFZIß. 

Diedr. Soltau's Verlag. 
1910. 



Ausarbeitungen, deren Abdruck im NiederdeutsehetB Jahrbache 
gewünscht wird, sind dem Mitgliede des Redaetionsausschusses Pro/l 
W. Seelmamtf Berlin W. 15, Pariser Strasse 37 zuzusenden. Die 
Zahlung des Honorars (von 32 Mk, für den Bogen) erfolgt durch 
den Schatzmeister. 

Zusendungen, deren Abdruck im Korrespondenz-Blatt erfolgen 
soll, nimmt Dr: C, Walther, Hamburg 24, Uhlandstrasae 59 entgegen. 

Die Mitgliedsebaft zum Niederdeutschen Sprachverein wird durch 
Einsendung des Jahresbeitrages (5 Max'k) an den Schatzmeister des 
Vereins Herrn Jaks, E, Rabe, Hamburg I, Gr. Beichenstr. 11113 oder 
durch Anmeldung bei einem der Vorstandsmitglieder oder Bezirks- 
vorsteher erworben. 

Die Mitglieder erhalten für den Jahresbeitrag die laufenden Jahr- 
gänge der Vereinszeitschriften (Jahrbuch und Korrespondenz-Blatt) 
postfrei zugesandt. Sie sind berechtigt, die ersten fünf Jahrbücher 
zur Hälfte, die folgenden Jahrgänge sowie alle übrigen Vereins- 
Veröffentlichungen (Denkmäler, Drucke, Forschungen, Wörterbücher) 
zu Dreiviertel des Ladenpreises zu beziehen, wenn die Bestellung unter 
Berufung auf die Mitgliedschaft direkt bei dem Verleger Diedr. Soltau 
in Norden (Ostfriesland) gemacht wird. 

Bis auf weiteres können die Mitglieder von demselben auch das 
'Wörterbuch der Ostfriesischen Sprache' von J. ten Doornkaat Koolman 
(3 Bände gr. 8*^ kartonirt) für 15 Mark (Ladenpreis 44 Mark) post- 
frei beziehen. 

Bücher oder Sonderabzüge, deren Anzeige oder Besprechung 
gewünscht wird, sind mit dem Vermerk ^Zur Besprechung' oder dgl. 
dem Verleger oder einem der anderen genannten Herren zuzusenden. 



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Niederdeutsches Jahrbuch. 



Jahrbuch 



des 



Vereins für niederdentsclie SpracMorschnng. 



Jahrgang 1910. 



XXXVI. 



Mit einer Heliogravüre und zwei Autotypieen. 



KORDEN nnil LEIFZI&. 

Diedr. Soltau's Verlag. 
1910. 



Dmok Ton Diedr. Soltaa in Norden. 



Inhalt. 

Pomochelskopp in Beaten Stromtid, sein literarisches Urbild und sein lebendes 

Vorbild. (Mit zwei Bildnissen.) Von Wilhelm Seelm an n 1 

Die Landtagsszenen in Beaters Stromtid. Ein Beitrag zar Entstehangsgeschichte 

der bürgerlichen Partei des mecklenbargischen Landtages. D esgleichen 21 

Onkel Bräsig. Desgleichen 88 

Der Stavenhagener Beformverein. Desgleichen 48 

Das Goliath-Lied des berühmten Dichters (Stromtid Kap. 26.) Desgleichen 46 

Zar hochdeutschen Urgestalt von Beaters Stromtid. Desgleichen . . . 47 

Aas mecklenbargischen Einwohnerlisten von 1819. Desgleichen . . . . 48 

Der Knecht Friedrich in Beaters Franzosentid and Fiken Besserdich. Desgl. 62 

Nachbarreime. Desgleichen 66 

Za den Memoiren eines Fliegenschimmels. Desgleichen 74 

Von Fritz Beaters Vater. Desgleichen 76 

Niederdeatsche Gedichte aas den Hannoversch -Braanschweigschen Landen. 

VonH. Deiter 81 

Tiodate« Von N. Otto Heinertz 128 

Die Jagd aaf den toten Bochen. Von Job. Bolte 182 

Sprichwörter and Bedensarten aas Lippe. Von E. Wehrhan 186 

Mittelniederdentsche Postille v. J. 1468. Von M. Schneiderwirth ... 148 

Nachtrag zom Idiotikon von Eilsdorf. Von B. Block 146 

Alezander Beifferscheid. L Lebensdaten and Werke. IL Nachraf von 

J. Behmke 148 

Anzeige: Lasch, Schriftsprache in Berlin. Von Edward Schröder. . . .161 
Desgleichen: Kück, Baaernleben der Lünebarger Heide. Von 0. Günther .166 




/ 






Pomnchelskopp in Renters Stromtid, 

sein literarisches Urbild nnd sein lebendes Vorbild. 

Vorlag in der Festsitzimg der Gesellschaft für deutsche Literatur in Berlin 

am 19. Dezember 1906. 



In der vorigen Sitzung unserer Gesellschaft durfte ich zu Ihnen 
über die Erstlinge Reuterschen Humors, über seine Läuschen sprechen. 
Heute erbitte ich Ihre Aufmerksamkeit für eine längere Ausführung 
über ein Werk reiferer Kunst desselben Dichters, für jenes Buch 
Reuters, welches im vorigen Jahre seine ünvergänglichkeit dadurch 
bewiesen hat, dass es das in den meisten Exemplaren gedruckte 
deutsche Dichtwerk des Jahres war und in über zwanzig verschiedenen 
meist stereotypierten Ausgaben und vier Übersetzungen neue Ver- 
breitung fand. Läuschen und Stromtid stehen nicht auf gleicher Höhe 
der Kunst, aber ein Vorzug ist ihnen gemeinsam: die wunderbare, 
fast dramatische Anschaulichkeit, mit welcher in den Läuschen Typen, 
in der Stromtid individuelle Personen vor die Augen des Lesers treten. 
Die Lebenswahrheit der Gestalten legt den Gedanken nahe, dass der 
Verfasser gleich einem nach Modell arbeitenden bildenden Künstler 
lebenden Vorbildern die Eigenart und die Einzelzüge seiner Figuren 
abgesehen hat. Ein Gedanke, den Reuters eigene Worte zu bestätigen 
scheinen, die er am 3. Januar 1868 einem Freunde schrieb „Lies meine 
Bücher und du wirst finden, dass sie zum grössten Teil aus lebhaften 
Erinnerungen an mir liebgewordene Personen oder an mir liebgewordene 
Tatsachen entstanden sind. Ich bin keiner jener Schriftsteller, die 
sich hinter ihrem Schreibtisch mühsam irgend ein törichtes Problem 
aushecken, dies mit steif ausgeschnittenen Figuren bekleben, von denen 
man zuletzt immer noch nicht weiss, ob sie in Pommern „buren un 
tagen* oder ob sie an der Hand eines Chaldäers durch die Wüste 
von Mesopotamien gewandelt sind ; ich halte es mit dem Goetheschen 
Spruch „Greift nur hinein in's volle Menschenleben, und wo Ihr's 
packt, da ist's interessant.*' 

In der Tat sind bestimmte Personen namhaft gemacht worden, 
deren literarisches Konterfei die Stromtid bieten soll. 

Indem ich mir die Aufgabe stellte zu erforschen, ob und wie- 
weit diese Behauptungen zutreffen, verband ich damit die weitere 
Absicht, einen tieferen Einblick in die dichterische Konzeption der 
Stromtid dadurch zu erhalten, dass ich nach Möglichkeit festzustellen 

Niedordenttehei Jahrbuch XXXVI. 1 



versuchte, ob das lebende Vorbild und der ihm nachgezeichnete 
Charakter die Gestaltung der Erzählung und den Aufbau des Romans 
bestimmend beeinflusst hat, oder ob umgekehrt der Charakter gemäss 
der Funktion, welche er in der Erzählung zu übernehmen hatte, Yon 
dem Dichter umgestaltet worden ist. 

Ich hätte in Rücksicht auf die weihnachtliche Stimmung dieses 
Tages gern den Geist des braven und freundlichen Onkel Bräsigs 
heraufbeschworen. Aus gutem Grunde muss ich aber Pomuchelskopp 
erscheinen lassen. Nur in bezug auf ihn stehen meine noch nicht 
abgeschlossenen Ergebnisse bereits auf genügend festem Boden und 
ermöglichen, dem Dichter in sein erstes Konzept zu schauen, trotz- 
dem es uns nicht erhalten ist. 

Dass Pomuchelskopp — ebenso wie Slus'uhr und der alte Moses — 
nach dem Leben abgezeichnet sei, hat Reuter selbst ausgesprochen. 
„Slus'uhr und Pomuchelskopp haben wirklich gelebt^ äusserte er 
gelegentlich ;,und ich habe sie ganz getreu beschrieben, um sie damit 
zu geissein*'. Den wirklichen Namen seines Vorbildes verschwieg er 
jedoch. Auch Reuters Biograph Otto Glagau nannte ihn nicht, obwohl 
er in seinem 1875 erschienenen Buche angibt „allgemein bezeichnete 
man einen ehemaligen Gutsbesitzer, der nach Rostock gezogen war, 
als Pomuchelskopp^. Er mochte gleichfalls den Namen des gemeinten 
Gutsbesitzer der öflFentlichkeit nicht preisgeben, weil er diesen noch 
am Leben wähnte. Erst Gustav Raatz, dessen Buch ;, Wahrheit und 
Dichtung in Fritz Reuters Werken" 1895 die Forschung nach seinen 
lebenden Vorbildern eingeleitet hat, liess uns endlich wissen, dass 
Reuters Modelle für die Figur Pomuchelskopps und seines Küking 
der Gutsbesitzer Johannes Lembcke auf Alt-Sührkow bei Teterow und 
seine Frau Katharine gewesen sind. Raatz selbst verdankte seine 
Kenntnis eintr Mitteilung Fritz Peters', des Busenfreundes Reuters, 
und konnte zu ihrer Bestätigung nun auf einen Abschnitt in Reuters 
„Memoiren eines Fliegenschimmels" hinweisen. In diesen ist nämlich 
ein Gutsbesitzer Lembcke mit seiner Familie derartig geschildert, 
dass die Übereinstimmung mit dem Pomuchelskopp der Stromtid 
augenscheinlich ist, ja sogar die Namen der Tochter Malchen und 
ihrer jüngeren Brüder Nanting und Lipping erscheinen hier schon. 
Eingezogene Erkundigungen über die Lebensschicksale und den 
Charakter Lembckes haben Raatz dann in den Stand gesetzt, neben 
unläugbaren Verschiedenheiten zwischen den Schicksalen und Eigen- 
schaften Lembckes und Pomuchelskopps bemerkenswerte Überein- 
stimmungen aufzuweisen: beide waren, — um jetzt nur einiges hervor- 
zuheben — bevor sie in Mecklenburg ihr Gut erwarben, in Pommern 
ansässig gewesen, beide galten als „Leuteschinder** und beider Frauen 
noch für böser als sie selbst, schliesslich sind beide durch ihre eigenen 
aufsässigen Tagelöhner 1848 von ihrem Gute vertrieben und beide 
später nach Verkauf des Gutes als Rentner nach Rostock verzogen. 



ä 

Reuters eigene Worte, dass Pomuchelskopp getreu nach dem 
Leben gezeichnet sei, und die bestätigenden Nachweise, welche Raatz 
gegeben hat, haben bewirkt, dass man allgemein Pomuchelskopp als 
mehr oder weniger treues Abbild Lembckes aufgefasst hat. Dem 
gegenüber kann ich mit aller wünschenswerten Bestimmtheit erweisen, 
dass die Gestalt Pomuchelkopps unabhängig von dem Vorbilde 
Lembckes durch Reuter geschaflfen ist und nicht ihm ihre Einführung 
in die Stromtid verdankt. 

Ehe ich den Beweis für meine Behauptung erbringe und in die 
Einzeluntersuchung eingehe, ein schneller Blick auf die Entstehungs- 
geschichte von Reuters Stromtid. 

Die gedruckte Fassung des Romans „Ut mine Stromtid" ist von 
Reuter in den Jahren 1862 — 1864 niedergeschrieben und veröflFentlicht. 

Sie ist die freie Umarbeitung und Erweiterung eines handschrift- 
lichen, nicht vollendeten Konzeptes frühestens aus den Jahren 1848 
und 1849, der sogen, hochdeutschen Urgestalt. 

Schon vorher muss von Reuter ein nicht erhaltener erster 
Entwurf angefertigt gewesen sein. Reuter hat nämlich in einem an 
Adolf Wilbrandt 1862 gerichteten Briefe mitgeteilt, dass er 1847 
hochdeutsch das Buch zu schreiben begann und hochdeutsch voll- 
endete, das er viele Jahre später unter dem Namen „Ut mine 
Stromtid** neu bearbeitete. Die Jahresangabe 1847 hat ihre Bestätigung 
durch eine kleine von mir gemachte Entdeckung erhalten, welche 
zugleich sich als grundlegend für meine heutigen Darlegungen 
erweisen wird. 

Ich habe nämlich nachweisen können, dass eine Erzählung 
„Gerold von Vollblut", welche in W. Raabes Jahrbuch ;,Mekleiiburg" 
1845 erschienen war, die Entstehung der ersten Fassung der Stromtid 
mindestens beeinilusst, wahrscheinlich aber geradezu angeregt hat. 
Die Fortsetzung dieser Erzählung ist in dem Jahrbuche für 1846 
gedruckt, das Ende war für 1847 versprochen. Erst als der fehlende 
Schluss 1847 nicht erschienen war, ist Reuter, muss man annehmen, 
zu eigener Gestaltung oder Fortführung der Erzählung angeregt 
worden. 

Eine der Personen, welche im Gerold von Vollblut eine Rolle 
spielen, ist der Domänenrat Schuster auf Knüppelsee. Dieser war 
der Sohn eines Mühlenmeisters und hatte als tüchtiger Landwirt durch 
seine vorzügliche Ökonomie grosses Vermögen erworben. Reich ge- 
worden hat er den Wunsch geadelt zu werden. Er stellt sich ein 
Wappen zusammen, sucht den Verkehr mit Adligen und betrachtet 
es als grosse Ehre, dass ein Herr von Büflfelkopf Geld von ihm ge- 
liehen nimmt. Als er später mit dem Adel den Namen von Pech- 
vogel erhält und den Landtag besucht, macht er die üble Erfahrung, 
dass die Herren vom alten Adel ihn als Emporkömmling nicht in 

1* 



ihre Kreise aufnehmen und die bürgerlichen Landstände von ihm als 
einem abtrünnigen nichts wissen wollen. 

Fast alle Einzelheiten im Bilde des Domänenrates Schuster 
finden wir in der Figur Pomuchelskopps in der Urgestalt der Stromtid 
und in dieser selbst wieder, mit dem Unterschied freilich, dass 
Pomuchelskopp sich zwar ein Wappen hat anfertigen lassen und auf 
Nobilitierung hoflft, aber sie nicht erlangt. Besondere Beachtung 
als Beweise für die Benutzung des Gerold von Vollblut durch Reuter 
verdienen auch die Namen. In Gerold heisst das Gut, welches Schuster 
gehört, Knüppeldamm, in der hochdeutschen Urgestalt der Stromtid 
Knüppelsee. Femer stellt sich der Name Büffel köpf, welchen 
einer der Gutsbesitzer im Gerold führt, in seiner bildlichen Bedeutung 
neben den Namen Pomuchelskopp, was eigentlich Dorschkopf ist, in 
Mecklenburg aber die sprichwörtliche Geltung Dickkopf hat. 

Die Übereinstimmungen zwischen dem Domänenrat Schuster im 
Gerold von Vollblut und dem Pomuchelskopp der Stromtid müssen 
in diese aus dem ersten Entwürfe der Stromtid von 1847 übernommen 
sein, dieser muss also bereits wesentliche Züge der Pomuchelskopp- 
figur geboten haben. Wir sind also berechtigt auszusprechen: der 
Pomuchelskopp der Stromtid verdankt nicht seine Entstehung einem 
lebenden Vorbilde. Seine Figur war in ihren Grundzügen schon vom 
Dichter gestaltet, ehe dieser sie mit neuen, einem lebenden Vorbilde 
entlehnten Zügen ausstattete. 

Reuter ist verfahren wie ein Maler, der ein grosses Gemälde 
entworfen und die Umrisse der Hauptfiguren bereits gezeichnet hat, 
dann aber das Glück hat, ein Modell zu finden, nach dem er eine 
Hauptfigur ergänzen und ausmalen kann. 

Ein solches Modell fand Reuter an dem Gutsbesitzer Johannes 
Lembcke auf Alt-Sührkow bei Teterow, seiner Frau und zumteil auch 
seinem Sohne. 

Lembcke wäre bei der Abgelegenheit seines Gutes, das von Staven- 
hagen 24 Kilometer entfernt und weitab von der Heerstrasse lag, 
wohl nie in den Gesichtskreis Reuters getreten, wenn ihn nicht 1848 
ein damals viel besprochener Vorgang bekannt gemacht hätte. Er 
war am 25. April, dem zweiten Ostertage, einer Einladung gefolgt 
und hatte mit seiner Familie in einem Nachbarorte an einem Balle 
teilgenommen. Als er am nächsten Morgen mit seinem Gespann auf 
sein Gut zurückkehren wollte, wurde er am Eingange des Dorfes von 
sämtlichen Einwohnern unter Anführung eines Vorpflügers erwartet 
und sein Kutscher mit Gewalt gezwungen, abzubiegen und, begleitet 
von den Tagelöhnern, mit der Herrschaft nach Teterow zu fahren. 
Hier angelangt erklärten die Tagelöhner vor dem Bürgermeister 
Meinshausen, Lembcke und seine Frau nicht mehr als Gutsherrschaft 
haben und sie auch nicht wieder auf das Gut lassen zu wollen. Es 
blieb beiden in der Tat nichts übrig, als zunächst in einer Gastwirtschaft 
zu wohnen und die Vermittlung der Regierung anzurufen. 



5 

Die Aufsehen erregende Vertreibung eines Gutsbesitzers durch 
die eigenen Leute brachte den Betroffenen damals in Aller Mund. 
Man erzählte, dass er ein sehr tüchtiger Ökonom, aber ein ordinärer 
und dabei dummer Mensch sei. Er habe auch die Landtage besucht, 
und bei dem Festessen der bürgerlichen Gutsbesitzer 1846 im 
November in Malchin sei einer seiner Tischnachbaren, Gräfrath aus 
Altschwerin, so über ihn in Wut geraten, dass er eine Rotweinflasche 
ihm über seinen harten Schädel gehauen und zerschmettert habe. Er 
habe das von seinem Vorgänger verwahrloste und von ihm 1844 für 
75000 Taler gekaufte Gut wieder in guten Stand gebracht, dabei aber 
seine Gutsleute so über alles Mass geschunden und auf Betreiben 
seiner Frau in ihren Bezügen so geschmälert, dass er allgemein 
;,Schinder-Lembck^ heisse. Derartig seien die Zustände bei seinen 
notleidenden Tagelöhnern, dass darüber ein Gutsnachbar bei dem 
Ministerium Beschwerde geführt habe. 

In der Stromtid wird erzählt, dass Pomuchelskopps Tagelöhner 
wegen der gewaltsamen Austreibung ihrer Herrschaft ins Gefängnis 
mussten. In Wirklichkeit gingen Lembckes Leute straffrei aus, ja sie 
erreichten sogar, dass Lembcke anfangs sein Gut nicht selbst ver- 
walten durfte, sondern einem Inspektor anvertraute, einem Hünen, 
dem es nur dank seiner angestaunten körperlichen Kraft, wie mich 
sein Bruder versicherte, gelang, sich bei den rabiaten Hofleuten in 
Respekt zu setzen. Erst nach etwa vier Monaten, im August 1848, 
konnte Lembcke wieder auf sein Gut zurückkehren und seine Bewirt- 
schaftung übernehmen, die Hoftagelöhner hatten jedoch durch die 
Behörde das verbriefte Recht auf bestimmte Bezüge und Löhnung 
erhalten, und selbst denjenigen, welche sich auswärts Arbeit gesucht 
hatten, musste er eine Wohnung von vorgeschriebener Grösse und 
Beschaffenheit nebst Kartoffel- und Leinfeld geben. Wollte er ihnen 
kündigen und ihren Wegzug erzwingen, so durfte er das nur — eine 
Folge ihres Rechtes auf „Hüsung* — , wenn er ihnen auswärts eine 
volle bleibende Tagelöhnerstelle verschafft hatte. 

Lembcke und seine Frau Katharina hatten nur zwei Kinder, 
eine Tochter Dorette, die dem Malchen der Stromtid gar nicht ähnlich 
gewesen sein soll und in den 1850er Jahren einen Hamburger Ver- 
wandten ihrer Mutter, einen Tuch- und Seidenhändler Junghans hei- 
ratete, sowie einen Sohn, der etwa 1830 geboren war und gleich dem 
Vater Johannes hiess; in der Stromtid wird er Gustäwing genannt. 
Der alte Lembcke hätte seinem Sohne gern sein Gut übergeben, 
dieser war jedoch ein zu lebenslustiger Mensch, dem Alt-Sührkow zu 
entlegen war. Er zog vor 1855 Lambrechtshagen zu pachten, ein 
herzogliches Hausgut, welches zwischen Rostock und Doberan gelegen 
ihm den Verkehr mit und in beiden Städten ermöglichte. 

Der alte Lembcke war fast ein Sechziger, als er 1859 Alt- 
Sührkow für 180000 Taler verkaufte und mit seiner Frau nach Rostock 



6 

zog, um dem Sohne, den beide vergötterten, nahe zu sein. In Rostock 
ist Lembcke bis 1872 nachweisbar, er lebte also noch, als die Strom- 
tid erschienen war. Die Austreibung aus seinem Gute war damals 
längst vergessen, und es scheint nicht, dass sofort die Rostocker 
Leser der Stromtid wussten, dass das Vorbild Pomuchelskopps der 
Besitzer des hübschen Hauses Neue Wallstrasse 8 war, welches Lembcke 
1861 erworben hatte und bis 1870 bewohnte. 

Auch in der Stromtid zieht Pomuchelskopp nach dem Verkauf 
seines Gutes nach Rostock. Seine Frau, erzählt Reuter, lebt hier im 
ewigen Kriege mit ihren Dienstmädchen. Als eins derselben von ihr 
einen Hieb mit der eisernen Feuerzange über den Kopf erhält, be- 
sinnungslos hinstürzt und ins Krankenhaus muss, erstattet der Arzt 
Anzeige und Pomuchelskopps Frau muss ins Gefängnis. Die Rostocker 
Dienstmädchen verschwören sich, keine soll bei ihr wieder in Dienst 
treten. Ihr Mann nimmt deshalb eine Aufwartefrau an. Aus Furcht 
vor neuem Gefängnis wagt sie nicht, ihrer Wut durch einen neuen 
Hieb Luft zu machen, die Galle geht ihr ins Blut, sie stirbt nach 
drei Tagen und wird in Rostock beerdigt. Mann und Tochter ver- 
gessen bald, wo ihr Grab zu finden ist. Nur ihr Sohn Gustav kennt 
die Stätte. Um das vorweg zu bemerken: Feuerzangengeschichte, 
Gefängnis, Tod und Grab in Rostock beruhen auf freier Erfindung 
Reuters. 

Was ich hier über Lembckes Schicksale mitgeteilt habe, verdanke 
ich dem Einblick in Akten, welche in dem Landesarchiv in Rostock 
aufbewahrt werden, und Nachrichten von Leuten, welche Lembcke 
und seine Frau noch gekannt haben. Welchen Eindruck diese selbst 
von der Persönlichkeit Lembckes und -seiner Frau empfangen haben, 
soll im Folgenden ausführlich dargelegt werden, wobei ich möglichst 
die Worte meiner Gewährsleute wiedergeben werde. 

Wie sich aus den Rostocker Adressbüchem feststellen lässt, hat 
Lembcke 1859 — 1872 in Rostock gewohnt. Es war anzunehmen, dass 
hier noch mancher sich an ihn erinnerte. Eine mit meiner Frau be- 
freundete, mit vielen alten Rostocker Familien bekannte Dame, die 
ehemalige Besitzerin des grössten Warnemünder Hotels, bat ich des- 
halb gelegentlich hier und da nachzufragen. 

Als ich mit meiner Familie wieder Warnemünde aufsuchte, ward 
mir schon bei meiner Ankunft verraten, Frau Seumnich habe eine 
Überraschung für mich. Als wir sie aufsuchten, wurde schleunigst 
zu Mutter Peters geschickt. Ein altes Mütterchen kam und wurde 
gleich mit der Anrede empfangen: „Na, Mutter Peters, nun erzählen 
Sie mal dem Herrn Professor was von Pomuchelskopf!'' ^^Von Po- 
muchelskopf? den kenne ich nicht.*' — ;,Na, ich meine vom alten 
Lembcke, bei dem Sie gedient haben — ^ — „Ja, das waren gute 
Leute, da habe ich immer gutes Essen gehabt, in Lambrechtshagen 



war es schlecht, bei Kluge war es wieder gut* und dann kam ein 
Name nach dem anderen, mit dem ich nichts «nzufangen wusste. 
Ich stellte notgedrungen selbst Fragen. Aber das alte Frauchen, 
das seit fast vierzig Jahren kaum je von Lembcke gesprochen oder 
gehört hatte, schien aller Erinnerungen an das L* ben in seinem Hause 
verlustig gegangen zu sein und meinte: ;,Ach, mein Kopp ist schon 
so swach geworden.* Na, ich fing von anderen Dingen an zu reden 
und verabschiedete mich von unserer freundlichen \Virtin mit der 
Bitte, in den nächsten Tagen mitunter gleichgiltige Fragen, die Lembcke 
betrafen, z. B. ob er Skat gespielt, seine Frau ein Klavier gehabt 
habe, an die alte Frau zu richten. In acht Tagen möchte sie Mutter 
Peters dann mit uns zu einer guten und reichlichen Tasse Kaffe einladen. 

Als wir wieder am runden Tische beisammen sassen, flössen 
Rede und Kaffe gleich gut. Das Mütterchen war ordentlich aufgeregt, 
die alten, inzwischen lebendig gewordenen Erinnerungen an den Mann 
zu bringen. 

Mutter Peters hatte sich 1867, damals noch eine Diern, in 
Lambrechtshagen bei dem jungen Lembcke als Dienstmädchen ver- 
mietet. Sie hatte ihre Stellung gerade drei Tage inne, als die Mutter 
ihres Herrn, die alte Frau Lembcke, aus Rostock zum Weihnachts- 
besuch zu ihrem Sohn kam und fragte, ob er kein Mädchen für sie 
habe. In Rostock habe sich, hörte Mutter Peters später, kein Mäd- 
chen bei ihr vermieten wollen. Mutter Peters wurde gerufen und 
erklärte sich gern bereit mitzukommen. Sie hat das nicht bereut. 
Sie hat beim alten Lembcke stets gutes Essen gehabt und hatte auch 
sonst nie zu klagen. Gehorchen musste man freilich und immer 
ordentlich aufwischen, denn es musste alles blitzblank sein. Der alte 
Lembcke war ein guter Mann, der auch mit seiner Frau immer in 
Eintracht lebte, aber ihren steten Krieg mit den Dienstmädchen nicht 
liebte und erfreut war, dass wieder Ruhe im Hause war. Er hat 
der Frau Peters, wenn sie den Brunnen auspumpte, wozu sonst ge- 
wöhnlich ein Mann angenommen wurde, öfter ein Geldstück geschenkt, 
und wenn die Soldaten vorbeimarschierten, versäumte er nicht, sie 
mit den Worten an das Fenster zu rufen: „Fiken, kumm, de Sal- 
daten kamen l** Mit seiner Frau, die er stets Trining nannte, sprach 
er immer hochdeutsch. Mutter Peters ist nur ein Vierteljahr bei ihm 
in Dienst geblieben. Da sie durch Dienstvertrag an das Gut ge- 
bunden war, musste sie zurück, als Ostern (1868) ein neuer Pächter, 
Kluge, Lambrechtshagen übernahm. Die alte Frau Lembcke hätte 
sie gern länger behalten und hat ihr beim Abgange fünf Taler geschenkt. 

Mutter Peters stellt die Lembckeschen Eheleute zwar in ein 
günstigeres Licht als Reuters Schilderung die Pomuchelsköppe, be- 
stätigt aber doch einige Züge derselben. Gegen seine weiblichen 
Dienstboten war Pomuchelskopp, wie Reuter ausdrücklich hervorhebt, 



8 

immer freundlich Hei was in sinen Hus" ihmmr fründlich^ vor allen 
gegen de FnigenslOd, von sin Häuning an bet up't Kinnermäten runne. 
Seine Frau zeigte allerdings in diesem Falle gegen das wahrscheinlich 
wenig verwöhnte und willige Mädchen nicht ihre bösen Seiten. Dass 
es sonst anders zu sein pflegte, zeigt die auch von Reuter gemeldete 
Tatsache, dass die Rostocker Mädchen nicht bei ihr dienen wollten. 

Der nächste Sonntag sah mich auf der Wanderung nach Lam- 
brechtshagen. Der Vogt Westenhoff war der Bruder von Mutter 
Peters und vor langen Jahren Kutscher beim jungen Lembcke gewesen. 
Wenn er mit dem Wagen nach Rostock fuhr, hatte er allemal im 
Hause der Eltern seines Herrn anzufragen, ob was zu bestellen sei. 
Der alte Lembcke das war ein ruhiger Mann; seine Frau die furcht- 
bar dick war, die konnte aber wütig werden ! Wie oft, waren einmal 
die Hunde, zwei Teckel und ein Hühnerhund, mit dem Wagen mit- 
gelaufen. Als er bei Frau Lembcke Ordre holt, lässt diese sagen, 
er solle in die Stube kommen. Er lässt seine Hunde unter einer 
Wäscherolle, die im Korridor stand, und wartet in der Stube. Bald 
kam die Frau Lembcke und will mit ihm reden, als das Mädchen 
hereintritt: der Braten, den sie bringen solle, sei nicht in der Speise- 
kammer. Frau Lembcke ging nun selbst dorthin, und es ergibt sich, 
dass die Tür der Speisekammer aufgeblieben war und die Hunde den 
Braten geholt hatten. „Ganz wütend kam sie angepustet'', erzählte 
der Vogt, „nie sollte ich mich wieder blicken lassen. Ich flog nur 
so aus dem Hause. Seit der Zeit musste ich draussen auf Bescheid 
warten. Das war oft nicht angenehm. Nach etwa einem Vierteljahre 
traf es sich, dass der Brunnen ausgepumpt werden musste. Der alte 
Lembcke schenkte mir dafür fünf Groschen und sagte dann zu seiner 
Frau: Lass ihn nur wieder hereinkommen, er kann ja doch nichts 
dafür, dass die Tür aufgestanden hat. Seitdem durfte ich wieder in 
das Haus.^ Gegen seine Tagelöhner in Alt-Sührkow sei der Alte 
nicht so gut gewesen, die hätten nichts gutes von ihm erzählt und 
ihn Schinner-Lämbk genannt. Nach Lembcke-Sohn gefragt, ob dieser 
gut gegen seine Leute gewesen sei, antworteten der Vogt und seine 
Frau wie aus einem Munde: „He wir tou goud!" Sonst lobten sie 
ihn nicht, er sei nie zuhause gewesen, habe in Doberan alles verspielt 
und sei später in Berlin gestorben. Seine Mutter, die eine mittel- 
grosse dicke Frau gewesen sei und stets hochdeutsch gesprochen 
habe, sei in Doberan begraben. 

Von Lambrechtshagen wanderte ich nach Doberan. Als ich den 
weiten Kirchhof betrat, däuchte es fast aussichtslos, das Grab der 
alten Frau Lembcke zu suchen, doch stiess ich schon nach wenigen 
Minuten auf Gräberreihen aus der Mitte der 1870er Jahre. Ein 
hoher Grabstein mit aufgesetztem Kreuze, zu jeder Seite ein hoher 
Zierstrauch, alles eingefriedigt durch ein stattliches eisernes Gitter, 
zog meinen Blick auf sich. Es war das gesuchte Grab, das siebente 



links vom Hauptwege in der fünften Gräberreihe, vom Kirchhofstor 
an gerechnet. Auf dem Grabstein fand ich die Daten: 

Cathrine Lembcke 

geb. Buchholz 

geb. den 9. Dec. 1795 

gest. 11. Dec. 1876. 

Sie war also 81 Jahre alt geworden und hat ihren Mann um vier, 

Fritz Reuter um zwei Jahre überlebt. 

Am folgenden Tage suchte ich den Kornmakler Weber in Rostock 
auf. Dieser ist Inspektor bei dem jungen Lembcke auf Lambrechts- 
hagen gewesen. Jeden zweiten Sonntag kamen abwechselnd die Eltern 
und Schwiegereltern aufs Gut. Die alte Frau Lembcke war dick und 
untersetzt, sah aber aus, als wenn sie in ihrer Jugend mal hübsch 
gewesen war. Aber Augen konnte sie machen, wenn sie wütig wurde, 
dass man Angst kriegte. Sie pustete dann nur so. Der alte Lembcke 
war von ziemlich normaler Statur. Einen dicken Kopf hatte er nicht. 
Er war ein alter, ruhiger Mann, der nur Interesse für die Landwirt- 
schaft hatte und nur über landwirtschaftliche Dinge sich zu unter- 
halten pflegte. Was Raatz — dessen Worte ich vorlas — über sein 
Äusseres sagt, mag ziemlich zutreffen, doch stimme nicht, dass er 
höhnisch zu lachen pflegte, prahlendes Wesen und lauernde listige 
Augen gehabt habe. Sein Sohn, der im Alter von ungefähr 25 Jahren 
Lambrechtshagen übernommen hatte, war ein stattlicher Mensch. Er 
brauste gegen seine Leute und sonst leicht auf und war dann masslos 
heftig, war aber schnell wieder besänftigt und wollte es dann nicht bös 
gemeint haben. Er konnte sehr gutmütig sein. Bat ihn ein Tage- 
löhner um Stroh, Hess er ihm wohl ein ganzes Fuder anweisen. 
Wollten die Leute tanzen, Hess er Musikanten kommen. Das Gut war 
damals noch nicht dräniert, und er hatte durch schlechte Witterung 
einige schlechte Ernten. Schlimmer war, dass er spielte und im 
Verkehr mit Doberaner Offizieren, die auch auf sein Gut oft kamen, 
grosse Summen vertat. 

Frau Witwe Lisette Franke in Rostock, die in Lambrechtshagen 
zur Zeit des jungen Lembcke Gutsmamsell gewesen war, bestätigte 
die schlechte Wirtschaft auf dem Gute und das wüste Treiben des 
Gutsherrn. Sie erinnert sich, dass man seiner Mutter nachsagte, dass 
sie so wütend werden konnte, dass sie mit dem ersten besten Stück, 
welches sie in die Hände bekam, auf ihre Mädchen loshieb, auch soll 
sie diesen einmal bei der Wäsche heisses Wasser über die Hände 
gegossen haben. Als Frau Franke später die Stromtid las, sei ihr 
der Gedanke gekommen, ob vielleicht Reuter mit Pomuchelskopps 
Häuning die alte Frau Lembcke im Sinne gehabt habe. 

Von dem Lambrechtshagener Vogt hatte ich erfahren, dass der 
junge Lembcke seine landwirtschaftHchen Produkte an die Rostocker 



10 

Rheder- und Kaufmannsfirma C. H. Brockelmann in Rostock verkauft 
hatte. Ich hatte den Chef der Firma, den alten Herrn Georg Brockel- 
mann, schon vor Jahren kennen gelernt, ohne zu ahnen, dass gerade 
er mir die ergiebigste Auskunft über das Urbild von Reuters 
Pomuchelskopp geben konnte. Ich suchte ihn auf, und er machte 
mir folgende Mitteilungen, die ich sofort zu Papier brachte, um meine 
Niederschrift von ihm, falls nötig, berichtigen zu lassen. Der Herr 
Brockelmaun hat sowohl mit Lembcke Vater als mit Lembcke Sohn 
in langjähriger Geschäftsverbindung gestanden, beide verkauften ihr 
Getreide und ihren Raps an seine Firma und hatten bei ihm ein 
laufendes Konto. Der alte Lembcke war von Mittelgrösse, vordem 
in Alt-Sührkow war er fast schmächtig, in Rostock war er etwas 
stärker. Aber eigentlich beleibt war er auch hier nicht geworden, 
er sah nur normal aus. Seine Frau war etwas kleiner, untersetzt, 
sehr dick, mit einer Art Habichtsgesicht, durchaus keine Hopfenstange, 
wie Pomuchelskopps Frau in der Stromtid. Lembcke sprach etwas 
missingsch, seine Frau besseres Hochdeutsch. „Protzentum ist mir,*' 
versicherte mein Gewährsmann, „nie bei ihnen aufgefallen. Im Gegen- 
teil! Lembcke war sehr genau, er gehörte zu den Leuten, die jeden 
Schilling dreimal umwenden, ehe sie ihn ausgeben. Nur wenn es sich 
um seine Kinder handelte, scheute er keine Geldausgaben. Bei der 
Hochzeit seiner Tochter mit einem Hamburger Kaufmann war ich als 
Gast in Alt-Sührkow, und ich erinnere mich, dass Lembcke die 
Hochzeit sich hatte viel Geld kosten lassen, und es ungewöhnlich hoch 
dabei herging. In allen Dingen, welche über seinen Pflug gingen, 
war er furchtbar dumm und zugleich leichtgläubig. Nach Rostock, 
wo er ein Haus auf der Wallstrasse gegenüber dem alten Bahnhof 
erwarb, war er nach dem Verkauf von Alt-Sührkow als reicher Mann 
gekommen. Viel Geld kostete ihn sein Sohn, der Lambrechtshagen 
gepachtet hatte, sehr schlecht wirtschaftete, sehr leichtfertig und stets 
geldbedürftig war. Schliesslich verlor Lembcke Vater viel Geld durch 
einen gemeinen Kerl, einen Juden aus Darguhn, namens Ludwig Tobias. 
Dieser trieb Wuchergeschäfte, besonders mit Offizieren. Eines Tages 
kam er mit dem Wechsel eines Herrn von örtzen, also des Angehörigen 
eines in Mecklenburg sehr angesehenen Geschlechtes, zu dem alten 
Lembcke. Dieser hatte von Wechselgeschäften keine rechte Vor- 
stellung, und es gelang dem Kerl, Gott weiss wie, Lembcke mit der 
Vorspiegelung, dass er dem Herrn von Örtzen einen grossen Gefallen 
tue und es sich um eine reine Formsache handele, zu beschwatzen, 
einen auf 12000 Taler lautenden Wechsel mit zu unterschreiben. Als 
Tobias die Unterschrift hatte, versicherte er von neuem, dass Lembcke 
gar keine Gefahr laufe und dass er selbst jederzeit den Wechsel 
prolongieren würde, wenn wirklich Herr von örtzen ausser stände sei, 
ihn pünktlich einzulösen. Damit er aber die Reise nach Rostock spare, 
sei es das einfachste, Lembcke unterschriebe für diesen Fall zur 
Sicherheit schon jetzt Prolongationswechsel. Für die Ersparung der 
Reisekosten wolle er sich gern erkenntlich zeigen. In seiner Dummheit 



11 

kam Lembcke auch diesem Ansinnen nach und freute sich, so leicht 
für ein oder zwei Stuben die guten Tapeten, welche ihm der Jude 
für seine Gefälligkeit versprochen hatte, verdient zu haben. Er sollte 
sich nicht lange seiner Provision freuen. Als der Verfalltag des 
Wechsels zu Johanni kam, war Örtzen ausgerückt und der Wechsel 
ward Lembcke präsentiert Dieser stürzte wie ein Wahnsinniger in 
mein Zimmer, der ich von nichts wusste, und nur mit Mühe konnte 
ich von ihm die erzählten Vorgänge herausbekommen. Ich sagte ihm, 
wenn er seine Unterschrift gegeben habe, könne ihm kein Deubel 
helfen, und Hess ihm die fälligen 12000 Taler auszahlen. Damit war 
die Geschichte aber noch nicht zu Ende. Nach kurzer Zeit wurde 
ein zweiter, bald darauf ein dritter Wechsel über 12000 Taler 
präsentiert. Der Jude hatte nicht nur den Stammwechsel, sondern 
auch die Prolongationswechsel begeben. 

Als der dritte Wechsel kam, ward ich bedenklich. Lembcke 
wusste nicht, wieviel Unterschriften er gegeben hatte, es war möglich, 
dass noch weitere Wechsel liefen und sein Vermögen nicht ausreichte, 
sie zu decken. Ich selbst wurde durch die Vernichtung seines Wohl- 
standes insofern berührt, als Lembcke Vater Garant für das Guthaben 
der Firma an seinen Sohn und dieser stark im Schuldbuche belastet 
war. Ich veranlasste Lembcke Vater mit mir zu einem Rechtsanwalt 
zu gehen, den Konkurs anzumelden und die kriminelle Anklage des 
Tobias zu beantragen. Dieser wurde in Haft genommen, und es 
konnten noch 5000 Taler gerettet werden. Das Konkursergebnis 
war, dass dem alten Lembcke ausser seiner Frau Vermögen Haus 
und Grundstück und ein Kapital von ich glaube 7000 Taler verblieben. 
Seine Frau hatte übrigens, als der Konkursverwalter ein Inventar 
aufnehmen wollte, diesen aus dem Hause gewiesen. Lembcke starb 
während eines Besuches bei seiner Tochter in Hamburg und ist dort 
begraben. Seine Frau, welcher noch eine nicht unbeträchtliche Erb- 
schaft seitens einer gestorbenen Schwester zufiel, zog darauf nach 
Doberan, wo ihre Schwiegertochter wohnte. 

Sehr ^iel Geld, wie ich schon bemerkt habe, hat Lembcke an 
seinen Sohn verloren. Das war ein Tunichtgut, der lieber in Rostock 
bis ^n die Nacht hinein kneipte und dann mit den von ihm selbst 
kutschierten Pferden — einmal in seiner Bezechtheit über eine Strasse 
mit aufgerissenem Pflaster — nach Hause jagte, als hier die Wirt- 
schaft im Stande zu halten. Um seine Verhältnisse zu sanieren hatte 
ich von seinem Schwiegervater, einem Herrn von Schack, ein grosses 
Kapital erhalten. Ich hatte mir von Lembcke junior ein Verzeichnis 
seiner Schulden geben lassen und war dann sehr erstaunt, als mir 
von einem berüchtigten Gelddarleiher, der nicht auf der Liste stand, 
ein Wechsel des jungen Lembcke über 100 Taler präsentiert wurde. 
Ich liess mir von dem Präsentanten einen Schein ausstellen, dass er 
nie wieder an Lembcke junior Geld leihen wolle, und zahlte den 
Wechsel. Nachher erfuhr ich, dass der Kerl sofort in einem Restaurant 
mit dem jungen Lembcke zusammengetroffen war und ihm nach Ab- 



12 

zug einer Provision das erhobene Geld ausgezahlt habe. Die Sache 
war also die reine Farce gewesen, in Szene gesetzt, weil Lembcke 
junior bar Geld haben wollte. Ich vermittelte, dass sein Pachtgut 
unter annehmbaren Bedingungen von einem Herrn Kluge übernommen 
wurde. Er zog darauf nach Doberan und wurde hier Vertreter der 
Magdeburger Hagelversicherungsgesellschaft Er soll später (14. April 
1891 im Krankenhause am ürban) in Berlin gestorben sein.*' 

Zur Ergänzung dessen, was ich über Lembcke, seine Familie 
und Schicksale erkundet hatte, bedurfte ich nur noch weniger Daten. 
Ich erhielt sie von seiner Enkelin, der Tochter seines Sohnes. Ich 
erfuhr von ihr, dass ihr Grossvater am 1. Februar 1800 in Fährdorf 
auf Poel als Sohn des Hauswirts Gabriel Lembcke, ihr Vater am 
24. Oktober 1830 oder 1831 geboren war. So lang sie denken kann, 
hat ihr Vater graue Haare gehabt, und sie erinnert sich seiner 
Erzählung, er habe sie als Achtzehnjähriger in der Nacht erhalten, 
als seine Eltern von ihrem Gute vertrieben wurden, diese Nacht habe 
er versteckt in einer Hocke (Getreidemandel) verbracht. Wenn seine Guts- 
wirtschaft nicht so gewesen sei, wie sie hätte sein sollen, und er sie 
durch seine häufige Abwesenheit in Rostock und Doberan arg ver- 
nachlässigt habe, so erkläre sich das z. t. durch die stete Kränklichkeit 
ihrer fast dauernd an das Bett gefesselten brustkranken Mutter. Über 
allen Zweifel aber sei, dass er, auch gegen seine Leute, ein herzens- 
gutmütiger Mensch gewesen sei. Mit besonderer Verehrung gedachte 
sie aber ihres Grossvaters, eines ruhigen wohlwollenden Mannes, der 
wegen seiner Biederkeit allen seinen Freunden sehr wert gewesen sei 
und nur den Fehler gehabt habe, seinen Willen gegenüber seiner Frau 
nicht habe durchsetzen zu können. Sie erinnerte sich auch der roten 
Sammettapeten, die ihr mit dem Bemerken gezeigt seien, dass sie 
12000 Taler gekostet hätten. Als der Besitzer des Wechsels ihrem 
Grossvater zuredete, sich als Bürge zu unterzeichnen, habe er das 
anfangs beharrlich abgelehnt, und er sei erst durch seine Frau, die 
sich überreden liess, hierzu bestimmt worden. Sie erinnert sich nicht, 
dass ihr Grossvater, was Reuter im Schlusskapitel der Stromtid von 
Pomuchelskopp erzählt, die Redensart „vel tau wollfeil* im Mimde 
geführt habe, wenn von dem Verkaufe seines Gutes die Rede war. 
Allerdings sei aber seine und die allgemeine Ansicht gewesen, dass 
er Alt-Sührkow zu billig fortgegeben habe. 

Der Enkelin Lembcke danke ich, dass ich Ihnen Photographieen 
ihrer Grosseltern vorlegen kann. Sie werden bei dem Anblick der- 
selben überrascht sein. Jedesfalls zeigen auch die Bilder, wie so gar 
nicht die Schilderung, welche Reuter von Pomuchelskopps und seines 
Häunings äusserer Erscheinung gibt, auf das Lembckesche Ehepaar 
zutrifft. Auch die dicken Backen und ;,die kleinen Augen mit 
lauerndem, listigen und zugleich finster starrenden Ausdruck*, die 
ein Gewährsmann des sonst wohl unterrichteten Raatz von Pomuchels- 



13 

kopp auf Leinbcke übertragen hat, finden durch die Photographie 
keine Bestätigung. 

Wertvoll war mir auch, dass ich in mehrere Schriftstücke von 
Johannes Lembckes eigener Hand Einblick nehmen konnte. Sie zeigen 
eine ausgeschriebene, sehr gefällige Handschrift und beweisen zugleich 
die Unhaltbarkeit der ausgesprochenen Behauptung, dass Lembcke nicht 
im Stande gewesen sei orthographisch zu schreiben, und man ihm 
wohl zutrauen dürfe als Landstand — wie Pomuchelskopp nach Reuters 
Erzählung — Stimmzettel mit der Schreibung ;,iah^ statt Ja*' 
abgegeben zu haben. 

M. H. ! Es wird durch die hier beigebrachten Mitteilungen 
erwiesen, dass Reuter der Familie Lembcke oder dem, was man von 
ihr erzählte, nur einige wenige Züge für das Charakterbild Pomuchels- 
kopps und seines Häuning entlehnt hat. 

Die Entlehnung beschränkt sich auf folgendes: Pomuchelskopp 
ist nachgiebig gegen seine Frau, welche ihn tyrannisiert, freundlich 
gegen seine Dienstmädchen, sein äusseres Auftreten ist das eines ein- 
fachen Biedermannes, er ist so hart gegen die Tagelöhner, dass er 
als Leuteschinder bei ihnen verschrieen ist. Sein Häuning überragt 
ihn an Energie, lebt in ewigem Kriege mit ihren Leuten und leicht 
in Wut geratend misshandelt sie dieselben. Beider Sohn ist wegen 
seiner Gutmütigkeit bei seinen Leuten beliebt. Von Lembckes Schick- 
salen ist sein früherer Aufenthalt in Pommern, seine Vertreibung 
durch die eigenen Tagelöhner und die Umsiedlung nach Rostock ver- 
wertet. Davon dass Pomuchelskopp ein treues Konterfei Lembckes 
sei, kann keine Rede sein. 

Zum Schluss eine kurze Zusammenstellung dessen, was sich für 
die Entstehung und Gestaltung der Figur Pomuchelskopps ergeben 
hat und des weiteren ergibt. 

Sein Prototyp war ein Gutsbesitzer in der in Raabes Jahrbuch 
für 1845 und 1846 erschienenen Erzählung ;, Gerold von Vollblut^. 
Dieser Geschichte dankt Reuter nicht nur den Typos, sondern auch 
die Benennung. Wie er den Gutsnamen Knüppeldamm in Knüppelsee 
verschob, so vertauschte er den Namen Büffelkopf mit dem synonymen 
Pomuchelskopp. Dieser Name, der soviel wie Dickkopf besagt, ist 
bedeutungsvoll für die Ausgestaltung der Figur seines Trägers. Es 
ist ein redender Name gerade so wie Bräsig und Nüssler, Kurz, 
Slus'uhr und Triddelfitz. Der Name bedingte, dass Pomuchelskopp 
als Dickkopf in wörtlicher wie bildlicher Bedeutung des Wortes 
geschildert wird. Dem Kontrast zuliebe muss dann Häuning als lang 
und dürr, als „Hopfenstange" erscheinen. Dem „Gerold von Vollblut" 
ist auch entnommen, dass Pomuchelskopp die Nobilitierung erstrebt, 
sich ein Wappen zusammenstellen lässt und den Umgang mit Adligen 
sucht. Nicht übernommen, aber notwendige Konsequenz war, dass 



14 

Pomuchelskopp als Landstand sich der Adelspartei anschliesst. Dass 
Reuter ihn überhaupt den Landtag besuchen lässt, war durch die 
Zeit, in der der Roman spielt, bedingt. Li den ersten 1840er 
Jahren durfte kein mecklenburgischer Gutsbesitzer bei den Landtags- 
abstimmungen fehlen. 

Andere Züge, welche das Charakterbild und die Schicksale 
Pomuchelskopps und seiner Familie in der Stromtid aufweist, ohne 
dass hierfür das literarische Rrototyp oder das lebende Vorbild 
Lembcke von Einfluss waren, sind die Folge ihrer Stellung in der 
Handlung des Romans. Die Familie Pomuchelskopp hatte die Aufgabe 
zu den Idealgestalten Hawermann und seiner Tochter die Gegenrolle 
zu übernehmen, sie musste deshalb protzig, rücksichtslos eigennützig, 
unlauter sein. Ferner ergab sich aus der Tendenz des Romans, der 
mit dem Siege und der Belohnung des Guten, der Strafe des Bösen 
schliessen sollte, dass die bösen Pläne Pomuchelskopps vereitelt, die 
rücksichtslose Härte gegen die Gutsleute gerächt wird. 

Das so entstandene Charakterbild Pomuchelkopps empfing neue 
Züge aus dem, was Reuter über die Familie Lembcke erzählen hörte. 
Er übernahm jedoch nur, was in die psychologische und tatsächliche 
Entwicklung seines Romans hineinpasste, ohne dass seine konstruktiven 
Grundlagen verschoben wurden. Die wesentlichsten Züge, welche 
Reuter von dem lebenden Modell für den Charakter und die Geschichte 
Pomuchelskopps übernommen hat, habe ich bereits vorhin aufgezählt, 
und ich habe nur noch einige Worte über das hinzuzufügen, was der 
Roman der Hinzufügung dieser Züge dankt. Ohne sie würden Pomuchels- 
kopp und seine Familie leicht als blosse Constructionen erscheinen, 
als schematisch böse Menschen. Erst die entlehnten Züge tragen 
wesentlich dazu bei, Pomuchelskopp und Häuning als individuelle 
lebenswahre Gestalten erscheinen zu lassen. Auch Pomuchelskopps 
Gustäwing hat hierdurch gewonnen. Ohne das Vorbild des jungen 
Lembcke wäre er wahrscheinlich nur als gleich böses Gegenstück zu 
seinen Schwestern gezeichnet. Von Lembckes Schicksalen kommt als 
wesentlich nur seine Vertreibung durch die Gutsleute in Betracht. 
Ihre Verwertung vermehrte den Roman um eine zugleich wirkungsvolle 
und kulturhistorisch lehrreiche Episode und gab ein überaus geschicktes 
Motiv, im Sinne der Tendenz des Romans Pomuchelskopp zu strafen 
und seiner Wirksamkeit ein Ende zu setzen. 



15 



Beilage zu S. 1—14. 

Entscheidangr der meeklenburglseheii Reglenuig: Tom 1. Anglist 1848 betr. die 
Regelung: der Alt-Stthrekower Yerhältnisse. 

Da die seitherigen Verhand langen znr Regelung der Alt-Sührckower Ver- 
hältnisse eine Ausgleichung nicht haben finden lassen, welche den Wünschen 
aller Betheiligten entspricht, so wird nunmehr die nachfolgende Anordnung 
und zugleich Entscheidung auf den sowohl vom Gutsbesitzer Lemcke-Alt- 
Sübrckow, wie von den Alt-Stthrckower Gutsleuten gegen die commibsarische 
Bestimmung vom 14. v. M. ergriffenen Recours hiemit getroffen: 

1. Der Gutsbesitzer Lemcke wird ungesäumt durch einen landesherrlichen 
Commissarius förmlich in Alt-Sührckow wieder eingeführt, wobei er zu einer 
guten Behandlung der Gutsleute, letztere aber angemessen dahin zu vernehmen (!) 
sind, dass sie denselben als Gutsherrn und respective Dienstherrn respectiren wollen. 

2. Bei der bevorstehenden Einführung wird es allen arbeitsfähigen Tage- 
löhnern freigestellt, ob sie respective im Dienstcontracte zum Gutsherrn bleiben 
and in solchen wieder eintreten wollen, oder ob sie von dem bestehenden Dienst- 
contract entbunden zu sein wünschen. 

a. Hinsichtlich der in dem Dienstcontract bleibenden und der in solchen 
etwa wieder eintretenden Tagelöhner normirt künftig das in der Anlage A. 
enthaltene Regulativ, wobei es rücksichtlich der für die Leute jetzt im Felde 
mit Korn besäeten 70 DR bei der Bestimmung des Commissions-Protocolls vom 
20. Mai d. J. Anlage A. sub I. 5. verbleibt. 

Wie viel Heu zum Winterfutter und wie viel Stroh für die jetzt hinzu- 
gekommene Starke vom Gutsherrn herzugeben ist, wird durch 2 unpartheiische 
Sachverständige bestimmt und dem Regulativ nachgetragen. 

b. Bei denjenigen Tagelöhnern, welche nicht im Dienstverhältniss zu 
dem Gutsherrn bleiben wollen, wird der bestehende Contract oberpolicei wegen 
hiemit snspendirt und den Leuten gestattet, auswärts Arbeit zu suchen. Doch 
ist der Gutsherr verpflichtet, sowohl diesen Leuten, wie auch den früher aus- 
geworfenen Tagelöhnern Klahn, Lübz, Tiedemann und Heidtmann — sofern letztere 
nicht etwa in den Tagelöhnercontract, wie solcher oben in Anlage A regulirt 
worden ist, wieder eintreten wollen, was ihnen gestattet sein soll — die in 
der Anlage B verzeichnete Wohnung und Emolumente zu geben. Jedoch be- 
halten die Leute im gegenwärtigen Jahre dasjenige Kartoffeln- und Leinland im 
Felde, was ihnen bereits angewiesen ist. 

Hiefür haben diese Leute an Miethe Vstel des wirklichen, durch unpar- 
theiische Sachverständige festzustellenden Werthes an den Gutsherrn zu entrichten 
und in vierteljährigen Raten postnumerando zu bezahlen. Bleiben sie mit 
2 Terminen solcher Zahlung im Rückstand, so ist der Gutsherr berechtigt, ihnen 
sftmmtliche in der Anlage B sub 2—3 aufgeführten Emolumente zu entziehen. 

Ausserdem erhalten aber diese Leute freie Schule für ihre Kinder, auch 
in krankheitsfällen freien Arzt und freie Medizin, so wie die nöthigen kleinen 
Fuhren zur Hebeamme, zu Taufen, Begräbnissen pp. vom Gutsbeim unentgeltlich 
geleistet. Im Übrigen haben die Leute dieser Glasee Alt-Sührckow sofort un- 
verweigerlich zu verlassen, wenn der Gutsherr ihnen ein Unterkommen als wirk- 
lichen Tagelöhner an einem andern Orte nachweiset. Die Effecten der Leute 
hat dann der Gutsbesitzer Lemcke nach diesem Orte transportiren zu lassen. 



16 

c. Hinsichtlich der alten Leute and der Wittwen sollen kttnftig die in 
Anlage C. enthaltenen Bestimmungen normiren. 

Daneben wird aber noch bestimmt, dass den beiden alten Kannsierschen 
Eheleuten, so wie auch der Marie Wassmann ausreichendes Essen nebst dem 
nöthigen Zubrod vom Hofe zu Terabreichen und letzterer überdies ein besonderes 
Wohnlocal anzuweisen ist, falls solches nach ärztlichem Erachten nothwendig erscheint. 

d. Der frühere Schmidt Haacker behält bis dahin, wo ein anderweitiges 
angemessenes Unterkommen für ihn ermittelt sein wird, seine jetzige Wohnung 
und die ihm dabei jetzt angewiesenen, sofort genau zu specificirenden Emo- 
lumente, wofür er ^/stel des taxmässigen Werthes in vierteljährigen Baten post- 
numerando an Miethe zu zahlen hat. Bleibt er mit 2 Terminen solcher Zahlung 
in Rückstand, so ist der Gutsherr berechtigt, ihm alle Emoluniente bis auf die 
Wohnung zu entziehen. Daneben empföngt er aber unentgeldlich Schule für 
seine Kinder, Arzt und Medizin und kleine Fuhren, und ist ihm auf sein etwaiges 
Verlangen angemessene Arbeit gegen den üblichen Tagelohn fremder Leute 
anzuweisen. 

3. Die ausserordentlichen Unterstützungen, welche bei den stattgehabten 
commissariscben Untersuchungen den Leuten zugebilligt wurden, sind ihnen, in- 
soweit solches noch nicht geschah, ungesäumt zu verabreichen. Sollten aber 
nach sachverständigem Erachten die Leute auch Mangel an nothwendigem Hans- 
geräth oder Arbeitsgeräth noch leiden, oder sonst noch einer augenblicklichen 
Unterstützung bedürfen, so ist dem von Seiten des Gutsherrn sofort abzuhelfen 
und der Werth des solchergestalt Empfangenen billigmässig von den Sachver- 
ständigen ebenso, wie die Art und Zeit des etwaigen Abtrages dieser Schnld 
von Seiten der Leute zu bestimmen. 

4. Es ist der Bürgermeister Dr. Schultetus in Malchin zum beständigen 
Commissarius bestellt worden, theils um darüber zu wachen, dass der Guts- 
besitzer Lemcke alle ihm nach dem Vorstehenden auferlegten Leistungen pünktlich 
und gut erfüllt, und die Leute sämmtlich ordnungsmässig behandelt, und um 
bei befundener Richtigkeit etwaiger Beschwerden gegen den Gutsherrn die Leute 
zu vertreten, auch nöthigenfalls den letztern das ihnen etwa Vorenthaltene fflr 
Rechnung des Gutsherrn zu verabreichen, theils um etwaige Widersätzlicbkeiteu 
oder Gewaltthätigkeiten der Gutsleute gegen den Gutsherrn und dessen Familie 
sofort mit Nachdruck zu bewältigen, zu welchem Zwecke er mit den erforderlichen 
Mitteln versehen worden ist. 

5. Die in der commissariscben Bestimmung vom 14. v. M. vorgeschriebene 
Erbauung eines neuen 4-hischigen Eatens^) und Errichtung von Schornsteinen 
in 4 der jetzigen Katen wird zur Zeit bei Seite gesetzt, doch liegt dem Guts- 
besitzer Lemcke ob, bis zum 24. Oktober d. J. dahin Vorkehr zu treffen, dass 
alle seine Tagelöhner und sonstige Gutseiuwohner landüblich angemessene Woh- 
nungen erhalten. Insbesondere dürfen die Wobnungen nicht zu beengt sein, 
auch muss für einen gehörigen Abzug des Rauches wenn möglich durch Schorn- 
steine, und für genügende Dichtigkeit der Dächer gesorgt werden. Das Rauch- 
rohr, welches jetzt von der Kannsierschen Stube nach der Dobbertinschen Diele 
geht, ist von hier sofort zu entfernen und passend zu verlegen. 

Der Commissarius Dr. Schultetus hat am 24. October d. J. unter Zuziehung 
von 2 unpartheiischen Sachverständigen eine specielle Revision an Ort und Stelle 
vorzunehmen, ob den obigen Vorschriften hinsichtlich der Wohnungen genügt 
worden, und bleibt für den Fall, dass solches nicht geschehen, weitere ober- 
polizeiliche Verfügung vorbehalten. 



1) Haus mit vier Tagelöhnerwohnungen. 



1? 

6. Soweit nicht im Vorstehenden die verschiedenen Beschwerdepunkte 
gegen die commissarische Bestimmung vom 14. v. M. ihre Erledigung gefunden 
haben, werden die dagegen ergriffenen Recourse yerworfen. 
Schwerin den !*•» August 1848. 

Orossherzoglich Mecklenburgische Landes-Regierung. 
(L. S.) Fr. V. Oertzen. 

Anlage A« Regulativ für die TageDfliner zu Alt-Stthrkow. 

I. Die Tagelöhner haben jeder zu erhalten: 

1. freie Wohnung, bestehend aus einer Stube und 2 Kammern. 

2. Stallraum für 1 Kuh, 1 Storke, 2 Schweine, 2 Schaafe, und 1 alte 
Gans nebst Zuzucht; 

3. 40 DR Gartenland und 60 DR Kartoffelland im Felde, letztere da, 
wo die Kartoffeln für den Hof gepflanzt werden. Was am Garten lande jetzt 
etwa fehlt, ist im Felde zuzulegen, so dass jeder Tagelöhner seine vollen 
100 DR hat; 

4. zu Leinsaamen 30 DR fttr jede volle Wohnung. Wer einen Hof boten 
hfilt, bekömmt ausserdem noch 15 DR. 

6. An Korn jährlich 6 Scheffel Roggen, 4 Scheffel Gerste und 2 Scheffel 
Hafer Rostocker Maasse; dies wird den Leuten zur Hälfte vor Michaelis, zur 
andern Hälfte vor Martini jeden Jahres verabreicht, und damit schon im bevor- 
stehenden Herbste begonnen. 

6. Weide und Futter fttr 1 Kuh, fttr 1 Starke bis zum Alter von 
2 Jahren und fttr 2 Schaafe; ferner im Sommer Weide fttr 1 alte Gans nebst 
Zozucht, sowie Weidefreiheit fttr 2 Schweine. 

Die Ktthe und Starken sind unter den Hofktthen zu weiden und sollen 
mit diesen sowohl die Klee- als die Neben weiden benutzen. Ein Fuder Sommer- 
und 1 Fuder Winterstroh ä 22 Centner für Ktthe und Schaafe, so wie fttr jede 
Wohnung eine Wiesenfläche, auf welcher wenigstens 2 Fuder Heu, jedes zu 
18 Centnem, geworben werden können. 

Alljährlich kann ein Lamm aufgezogen werden; jedoch darf jeder vom 
24. Oktober ab den Winter hindurch nur 2 Schaafe halten. 

7. An Feuerung. 2 Fuder Wadelholz und 12 000 Soden Stechtorf. Nach 
Wahl der Gutsherrschaft ist den Leuten das Stechen des Torfes selbst zu ttber- 
lassen, oder es ist der Stechlohn fttr dieselben auszulegen und demnächst in 
Abrechnung zu bringen. 

8. Den Leuten, mit Ausnahme der Drescher, ist alle 14 Tage 1 Scheffel 
Roggen und alle 3 Wochen 1 Scheffel Gerste zu ttberlassen, und zwar der 
Roggen höchstens zu dem Preise von 1 Rthlr. Courant und die Gerste höchstens 
zu dem Preise von 36 S. Courant. Ist das Korn niedriger im Preise, so bezahlen 
die Leute nicht höher, wie den jedesmaligen Marktpreis. — Sollte eine oder die 
andere Familie Korn mehr gebrauchen, so muss ihnen dieser Mehrbetrag jedoch 
für den Marktpreis, von der Gutsherrschaft ttberlassen werden. 

9. Als Drescherlohn erhalten die Leute den 17ten Scheffel mit halbem 
Haufen und jährlich 16 Scheffel Kaff. Sollten ttber die Grösse des halben 
Haufens Streitigkeiten entstehen, so wird der ITte Scheffel kahl gestrichen und 
die Drescher erhalten statt des halben Haufens dann 2 kahle Metzen. 

Die Leute dttrfen aber regelmässig nur 5 Tage dreschen und muss am 
6ten Tage reingemacht werden. Auch dttrfen die Leute nicht in einem Lohn 
dreschen, sondern können höchstens nur vier Mann zusammen dreschen. 

10. An Tagelohn erhalten die Männer zu allen Zeiten täglich 9 Seh. 

XiederdentBohei Jabxbaeh XXXYI. 2 



18 

(Garant, jedoch mit Ansschlnss von 6 Wochen in der Erndte, wo sie täglich 
10 Seh. Cour, erhalten. Die Frauen erhalten zn allen Zeiten 5 Seh. Conrant 

11. Die Lente erhalten freie Schule für ihre Kinder, auch in Krankheits- 
fällen freien Arzt und freie Medizin fttr sich und ihre Familie. Jeder, der eines 
Arztes hedarf, hat sich vom Gutsherrn eine schriftliche Bescheinigung hierüber 
zu erwirken. 

Alle kleine Fuhren, z. B. zur Hebeamme, zu Taufen, Begräbnissen etc. 
sind von der Gutsherrschaft unentgeltlich zu leisten, ebenso, wie es sich von 
selbst versteht, dass den Leuten das Heu, die Kartoffeln, Holz und Torf frei 
und zur gehörigen Zeit angefahren werden müssen. 

12. Für die entbehrte zweite Gans hat der Gutsherr jedem Tagelöhner 
alljährlich haare 2 Rthlr. conr. dergestalt zu Gute kommen zu lassen, dass mit 
diesem Gelde eine Kasse gebildet wird, aus welcher jeder Tagelöhner, der seine 
Kuh verloren hat, zur Wiederanschaffung einer neuen eine haare Unterstatzung 
beanspruchen darf. 

Die näheren Bestimmungen über die Einrichtung und Verwaltung dieser 
Casse, ist wie über die Grösse der in jedem einzelnen Falle zu gewährenden 
Unterstützung sind von 2 unpartheiischen Sachverständigen zu treffen und dem 
Regulativ gleichfalls nachzutragen. 

13. Der Gutsherr hat den Männern durchstehende Arbeit zu geben. 
II. Hingegen haben die Tagelöhner Folgendes zu leisten: 

1. Jeder Mann und jede Frau müssen täglich mit Ausnahme der Sonn- 
und Festtage zur bestimmten Zeit treu und fleissig arbeiten. Von Ostern bis 
Michaelis müssen die Leute von Morgens um 6 Uhr bis zum Sonnenuntergang 
arbeiten. Im Winter beginnt die Arbeitszeit mit Tagesanbruch und dauert bis 
zum Dunkelwerden, vor 6 Uhr Morgens braucht jedoch Niemand an die Arbeit 
zu gehen. Nur die Ochsenhäker müssen von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang 
arbeiten. Für diese längere Arbeitszeit erhalten aber die Ochsenhäker täglich 
1 S. cour. Tagelohn mehr wie die übrigen Leute. 

Die Hirten sind auch an Sonn- und Festtagen zur Verrichtung der ihnen 
obliegenden Arbeiten verpflichtet. 

Im Sommer wird den Leuten zu Klein -Mittag Vs Stunde, zu Mittag 
iVs Stunde, zum Vesperbrod Va Stunde gestattet. Im Winter wird nur eine 
Stunde zum Mittag gegeben, Kiein-Mittag und Vesperbrod föUt dann gänzlich weg. 

In der Heu- und Kornerndte normiren alle diese Vorschriften wegen der 
Arbeitszeit nicht, vielmehr wird dann so lange gearbeitet als es in der Gegend 
üblich ist. 

2. Kann die Frau nicht selbst zur Arbeit gehen, so muss ein Hofgänger 
gehalten werden, welcher zu den Frauenarbeiten die nöthigen Fähigkeiten und 
Kräfte besitzt. 

3. Für jede volle Wohnung werden unentgeldlich 100 Frauentage geleistet. 

4. Von jeder alten Gans wird eine Stoppelgans an die Gutsherrschaft 
gegeben. 

Anlage B. Yerzelchnis dessen, was deidenigen Alt-Stthrekower TageVflinem, 
welchen gestattet ist, auswärts zu arbeiten, von dem Ontsherm verabreicht 

werden muss. [Auszug.] 

1. Wohnung, bestehend aus 1 Stube und 2 Kammern. 

2. Stallraum ftü* 1 Kuh, 1 Schwein, 1 Schaaf und 1 alte Gans nebst Zuzucht. 

3. 4. 80 OB- Garten- und Kartoffelland. Zu Leinsaamen 15 QB- 
6. An Korn 6 Scheffel Roggen, 4 Seh. Gerste und 2 Seh. Hafer. 



6. Weide und Patter für 1 Kah und 1 Schaaf. Ein Fuder Sommer- und 
1 Fuder Winterstroh, sowie eine Wiesenfl&che, auf welcher wenigstens 2 Fuder 
Heu jedes zu 18 Centner gewonnen werden können. 

7. 2 Fuder Wadelholz und 8000 Soden Stechtorf. 

Oesueh Lembckes d. d. 6. Oktober 1857 an das Ministerium In Schwerin. 

Durch das H. Regulativ de 1. August 1848 ist zwischen mir und meinen 
Tagelöhnern Bestimmung dahin getroffen, dass diejenigen Tagelöhner, welche aus 
dem Dienstverhältnisse zu mir herausgetreten, eine Menge in der Anlage B 
daselbst näher aufgeführter Emolumente gegen bestimmte Dienstleistungen ihrer- 
seits erhalten sollen, dass aber solche Emolumente wegfallen, wenn sie mit der 
Leistung säumig sind — bis auf eine Stube mit 2 Kammern. 

Unter Andern hatte nun auch der Tagelöhner Tüdemann die ihm ob- 
liegenden Leistungen mir nicht gewährt. Ich habe demselben daher gekündigt 
und auf Auswerfung in eine Armenwohnung bei den betr. Gerichten angetragen, 
bin jedoch mit der Bäumungsklage abgewiesen . . . 

Jene . . . Maassregel [des Regulativs von 1848] hatte nun offen- 
baar einen rein provisorischen und temporären Charakter ... So wie die Sache 
jetzt liegt bin ich . . . verpflichtet, diese Leute in meinem Gute zu behalten, 
ohne sie kündigen zu dürfen und daneben verpflichtet ihnen eine . . Wohnung 
zu geben . . Ich sehe mich daher zu der ehrerb. Bitte genöthigt 

Hob. Ministerium des Innern wolle das Regulativ de 1. August 
1848 insoweit wieder aufheben oder declarieren . . 

Reseript des Mbüsterlnins d. d. Schwerin 21. Oct 1857 an den Gutsbesitzer 
Lembcke auf Alt-Sührkow. 

Eurem Gesuche vom 6. d. M. . . . können Wir zu willfahren Uns zur 
Zeit nicht entschliessen ; jedoch wollen Wir euch weitere Resolution nicht vor- 
enthalten, wenn ihr Zwecks definitiver Regulierung eurer Tagelöhner-Verhältnisse 
die Bestellung eines Commissarius erbitten werdet. 

Eigenhttndiges Gesuch Lembckes an den Engeren Ausschuss zn Rostock 
vom 26. Oktober 1857. 

In dem tollen Jahre 1848 trugen meine, dermalen gewaltsam gegen mich 
aufgestandenen Tagelöhner auf Regulirung ihrer Verhältnisse zu mir durch einen 
Regierungs-Commissarius an, und wurde von hoher Landes-Regierung unterm 
1. August 1848 ein Regulativ erlassen. In demselben ist mir das grundgesetz- 
lich jedem Gutsbesitzer zustehende Recht der Kündigung genommen und bin 
ich verpflichtet, denjenigen Tagelöhnern, welche gar nichts mehr für mich thun, 
— nicht eine Armenwohnnng, sondern eine Stube mit 2 Kammern zu geben. 
Viele meiner Tagelöhner haben hiervon nützlichst Gebrauch gemacht ; sie arbeiten 
auswärts und verlangen von mir Stube und 2 Kammern ohne alles Entgelt. 
Auf mein ehrerbietigstes Gesuch an hohes Ministerium des Innern, diesem ab- 
normen, provisorisch eingerichteten Zustande jetzt endlich ein Ende zu machen 
nnd die Kündigungsbefugniss mir wieder unter Aufhebung der entgegenstehenden 
Bestimmung des Regulativs zu ertheilen, habe ich das ehrerbietigst gehorsamst 
angelegte ungewierige ') Reseript d. 21. October c. erhalten, wornach mir nach 



1) d. h. ablehnende. 

2* 



20 

wie vor die jedem anderen Cfutsbesitzer grnndgeset^lich «astehende EÜodigüngs^ 
frist entzogen und mir nur überlassen bleiben soll, die Bestellnng eines nenen 
Oommissarins eu erbitten. FOr einen solchen giebt es jedoch bei mir nichts zu 
thnn, da sowohl meine Tagelöhner wie ich selbst im Übrigen völlig zufrieden 
sind und keinerlei Nenerungen wünschen; ich wünsche nur allein die 1848 
provisorisch eingeführte Nenernng, meine Tagelöhner nicht kündigen zu dürfen, 
wiederum aufgehoben. 

Ehrerbietigst gehorsamst bitte ich daher diese meine Beschwerde 

auf dem nächsten Landtage zu vertreten 

ehrerbietigst gehorsamster 
Alt-Stihrckow den 25. October 1857. J. Lembcke. 



Das Justiz -Komitee des Engeren Ausschusses erstattete diesem darauf 
ein Gutachten« wonach Lembcke sich im Irrtum befände, wenn er annimmt, ihm 
sei das ihm grundgesetzlich zustehende Recht der Kündigung seiner Tagelöhner 
entzogen „Vielmehr müssten dieselben unweigerlich sein Gut verlassen, wenn der 
Gutsherr ihnen ein Unterkommen als wirklichen Tagelöhnern an einem anderen 
Orte nachweiset.' Der Engere Ausschuss beschied darauf Lembcke d. d. 25. Jan. 
1858, dass das Ministerial-Rescript auf den zunächst allein geeigneten Weg zur 
Beseitigung der TJnzuträglichkeiten hingewiesen habe. 



21 



Die Landtagsszenen in Reuters Stromtid. 

Ein Beitrag zur Entstehnngsgescliiebte der bürgerlichen Partei 
des mecklenbnrgisclien Landtages. 

Vortrag gehalten auf dem Niederdeutschen Yereinstage zu Rostock 
am 10. Juni 1908. 



Nach dem grossen Erfolge der Läuschen und Rimels, welche 
1853 und 1864 in zwei starken schnell vergriffenen Auflagen 
erschienen waren und ihren Verfasser in seinem Vaterlande zu 
einem allbekannten Dichter gemacht hatten, griff Fritz Reuter 
den längst gehegten Gedanken berufsmässigen Schriftstellertums auf. 
Um auch ausserhalb seiner Heimat Leser und Anerkennung zu finden, 
begann er in hochdeutscher Sprache zu schreiben. Seine hochdeutschen 
Erzählungen und Lustspiele vermochten seinen Namen im deutschen 
Reiche nicht bekannter zu machen. Als er 1858 an dem Universitäts- 
Jubiläum in J^na teilnahm, blieb er in der Menge der Festgäste un- 
beachtet, selbst seine ehemaligen Universitätsfreunde Hessen, wie einer 
derselben später bedauernd berichtete, den obskuren Literaten beiseite, 
dessen Name noch nicht über die engen Grenzen seines Vaterlandes 
gedrungen war. Ganz anders als er drei Jahre später wiederum 
Thüringen besuchte, überall ehrenvolle Aufnahme findend. Seine 
Ollen Kamellen waren inzwischen erschienen. Die Leser, welche 
Reuters hochdeutsche Stücke ausserhalb seiner Heimat vergeblich 
suchten, fand sein neues plattdeutsches Buch. Es hat seinen Ruhm 
im weiten deutschen Vaterlande auf ewig begründet. 

Die verschiedene Wertschätzung, welche Reuters hochdeutsche 
Versuche und seine Franzosentid bei ihrem Erscheinen erzielten, war 
gerecht. Wer würde heute seine hochdeutschen Schriften noch lesen, 
wenn der Ruhm seiner plattdeutschen Prosa nicht auch das 
Literesse für jene geweckt hätte? Im Vergleich zu dem Meisterwerk 
der Franzosentid erscheinen sie als gekünstelte Kleinarbeit literarischen 
Handwerks. Wesentlich verschiedener Geist und verschiedene Kirnst 
tritt in beiden zutage. 

Und doch liegt kaum die Spanne eines oder zweier Jahre 
zwischen der Entstehungszeit der Ollen Kamellen und Reuters letzten 
hochdeutschen Erzählungen und Dramen. Die Zwischenzeit ist zu 
gering, die Kunst zu verschiedenartig und verschiedenwertig. als dass 
man sich mit der Formel abfinden könnte, in den hochdeutschen 
Versuchen läge die unreife, in der Franzosentid die zur Reife ge- 
diehene Frucht Reuterscher Geistesentwicklung vor. 



22 

Wie erklärt sich diese plötzliche Höhe der Kunst Reuters? 
Ist die Frauzosentid fertig in ihrer Vollendung dem Kopfe des Dichters 
entsprungen wie die gerüstete Athene nach dem Mythos dem Schädel 
des Zeus? Nein, auch sie ist das Endergebnis einer langen Ent- 
wicklung. Wie Blüten, welche ein einziger sonniger Tag zu pracht- 
voller Entfaltung bringt, lange und langsam in der Knospe vorgebildet 
waren, so ist auch Reuters plötzlich vollendete Meisterschaft in der 
Erzählung nicht das Erzeugnis eines oder zweier Jahre. 

Zwei verschiedene Entwicklungen des Erzählungsstiles lassen 
sich bei Reuter erkennen und theoretisch scheiden. Die eine ist die 
des manirierten Stiles, welcher durch literarische Vorbilder der 1840er 
und 1850er Jahre bestimmt wurde. Diesem Stile begegnet man in 
immer mehr sich steigerndem Grade in allen gedruckten hochdeutschen 
Erzählungen Reuters bis zum Jahre 1858. Daneben geht die Ent- 
wicklung seines mündlichen von Manier freien Erzählungsstiles. 

Wir wissen, dass Reuter schon in seiner Jugend vortrefflich zu 
erzählen verstand. Seine Mitschüler in Parchim, seine Mitgefangenen 
auf der Festung haben das vielfach bezeugt. Auch Hoffmann von 
Fallersleben berichtet von Reuter, den er 1844 auf dem mecklen- 
burgischen Gute Scharpzow kennen lernte: ;,Er erzählte uns stunden- 
lang von seinem siebenjähngen Gefängnisleben so lebendig, so 
humoristisch, dass wir uns gar nicht satt hören konnten. Ich bat 
ihn mehrmals, alles aufzuzeichnen und gerade so, wie 'er es eben er- 
zählt hatte. Ich versprach mir den grössten Erfolg davon.* 

Reuter teilte aber nicht nur mit so vielen seiner Landsleute 
die Kunst, unübertrefflich gut durch Läuschen eine Gesellschaft zu 
erheitern, auch die Gabe der ernsten Erzählung war ihm zu eigen. 
Eine seiner Schülerinnen, die Schwester des bekannten Rechtshistorikers 
Richard Schröder, rühmte mir aus Reuters Treptower Zeit, wie gerade 
Reuter „äusserst gemütsreich* zu erzählen verstanden habe, und seine 
Tischnachbarin bei der Schillerfeier 1859 in Neubrandenburg, Frau 
Rittergutsbesitzerin Pogge auf Gevezin, erinnert sich noch heute, wie 
;,furchtbar ernst und ergreifend* er Erlebnisse aus seiner Festungs- 
haft schilderte. 

Die schlichte Weise der mündlichen Erzählung war Reuter 
nicht ausreichend erschienen, als er hochdeutsche Erzählungen in den 
Druck gab. Schon in seinen frühesten hochdeutschen Versuchen, noch 
mehr aber, als er als berufsmässiger Literat sich betätigte, leuchtet 
das Streben hervor, sich hochgebildet, geistreich und empfindsam aus- 
zudrücken. Der unmittelbare Ausdruck wird ersetzt durch möglichst 
blumenreiche Redensarten. Statt des natürlichen Humors tritt die 
satirische Zuspitzung in den Vordergrund. Damit verbindet sich die 
Nachahmung hochdeutscher Modeschriftsteller jener Zeit. Es ging 
ihm dabei der Vorzug eigenen Stiles um so mehr verloren, als er in 
hohem Grade das Talent besass, fremde Manier zu seiner eigenen zu 
machen und womöglich noch zu überbieten. Um ein Beispiel anzu- 
führen, der Gedanke, 'das fröhliche Wesen eines kleinen dicken 



23 

Gefährten heiterte uns auf, gewinnt bei Reuter folgende Gestalt: 
9 An den heiteren Sonnenblicken seines Wesens tauete unsere Lebens- 
lust wieder auf, seine kleine feiste wohlwollende Natur war der Brat- 
apfel, aus dem wir in den langen Winterabenden unseres Kummers 
Süssigkeit sogen, und noch mehr! Er wurde die Taube, die in unsere 
auf dem öden Meer der Langeweile schwimmenden Familienarche das 
erste grüne Blättchen der Freude brachte. *i) 

Der grosse Unterschied der Ollen Kamellen gegenüber den älteren 
hochdeutschen Schriften Reuters ist nun der, dass Reuter in jenen 
plötzlich jede literarische Manier, die sich nicht gut auf seine 
mundartliche Prosa übertragen liess, beiseite lässt, und mit ihr auch 
die satirische Färbung und gezierte Empfindsamkeit seiner hoch- 
deutschen Stücke. Er erzählt, wie er in Treptow mündlich erzählt 
haben mag : schlicht, ungekünstelt, gemütsvoll, mit dem Eindruck der 
Wahrheit. Indem er so die Gefuhlsteilnahme der Leser für die Helden 
seiner Erzählung erweckt und zugleich starke komische Wirkungen 
damit zu verbinden versteht, gelingt es ihm, sein erstes humoristisches 
Meisterwerk zu schaffen. 

Mit diesem Wechsel in Stil und Tendenz verbindet sich, wohl 
nicht nur zufällig, ein anderer Unterschied. Während für Reuters 
ältere Schriften in Bezug auf den Stoff vielfach literarische Quellen 
nachweisbar sind, scheint Reuter später bewusste literarische Ent- 
lehnungen stofflicher Art gemieden zu haben. Dagegen erscheinen 
an zahlreicheren Stellen und in grösserer Ausdehnung, als bisher 
bekannt war, Episoden, für welche wirkliche Begebenheiten aus Reuters 
Zeit verwertet sind Heute werde ich mich auf ein Beispiel dieser 
Art beschränken, auf den Nachweis der tatsächlichen Vorgänge, 
welche dem Kapitel 21 der Stromtid, in welchem Pomuchelskopps 
Auftreten als mecklenburgischer Landstand geschildert wird, zugrunde 
liegen. Vorgänge, welche von erheblicher Bedeutung für die innere 
Geschichte Mecklenburgs geworden sind. Ich glaube nicht zuviel zu 
sagen, wenn ich ausspreche, dass ich mit ihrer Darlegung die noch 
unbekannte Entstehungsgeschichte der bürgerlichen Partei des mecklen- 
burgischen Landtages bieten werde. 

Wenn Reuter zum Helden dieser Szenen Pomuchelskopp gemacht 
hat, eine Figur, deren Vorbild für mehr als einen Zug der Guts- 
besitzer Johannes Lembcke auf Alt-Sührkow bekanntlich gewesen ist, 
so sei vorweg bemerkt, dass mit all den in Kapitel 21 der Stromtid 
erzählten Begebenheiten in Wirklichkeit Lembcke nichts zu tun ge- 
habt hat. Allerdings hat, wie fast ausnahmslos alle Mecklenburger 
Gutsbesitzer der 1844er Jahre, auch Lembcke 1845 imd 1846 die 
Landtage in Sternberg und Malchin besucht, aber im Gegensatz zu 



1) Ans Reuters „Eine heitere Episode aus emer traurigen Zeit** (1865), alK 
gedruckt bei A. R ö m e r , Heiteres und Weiteres von Fritz Reuter (Berlin 1905), S. 90 



24 

Pomuchelskopp hat er nicht zum Adel, sondern zur Partei der 
bürgerlichen Gutsbesitzer gehalten und nachweisbar deren gegen den 
Adel gerichteten Schriftstücke mit unterzeichnet, i) Reuter hat viel- 
mehr mit der Freiheit des Dichters auf Pomuchelskopp Begebenheiten 
übertragen, welche ganz anderen Männern als Lembcke begegnet 
waren, und hat ihn im Einklänge mit seinem literarischen ürtyp, 
dem Domänenrat Schuster in Brinckmans Gerold von Vollblut 2) zum 
Typos eines aus selbstischen Zwecken adelsfreundlichen bürgerlichen 
Landstandes gemacht. 

Als der erste Band der Stromtid erschienen war, hatte Julius 
Wiggers in Rostock an Reuter geschrieben : „Lässt es sich nicht ver- 
anstalten, dass . . . Pomuchelskopp einmal auf dem Landtage zu 
Malchin oder Sternberg auftaucht, um seine legislatorischen Fähig- 
keiten zu verwerten? So ein Pomuchelskopp auf dem Landtage wäre 
gewiss dem Dichter nicht von Schaden und dem Politiker von grösstem 
Nutzen. Wie, wenn er dort, wie weiland ein Standesgenosse von ihm 
zu einem rotröckigen Landmarschall, der seine Stimmzettel zurück- 
weist, bei irgend einem Wahlakt, das vernichtende Wort spräche : ich 
bin ebenso gut des Grossherzogs Fasan wie Sie!* 

Reuter ist dieser Anregung gefolgt und erzählt im zweiten Bande 
der Stromtid, im Kapitel 21, wie Pomuchelskopp nach Malchin reist, 
um am Landtage teilzunehmen, und wie er, um die vorgeschriebenen 
Besuche bei den Regierungskommissaren usw. zu machen, in der 
Dunkelheit hinter dem Güstrower Bürgermeister Langfeldt zu dessen 
Ärger hinterhertrabt, der sich in gleicher Absicht mit einer Laterne 
auf den Weg gemacht hatte. Als Langfeldt sämtliche Besuche erledigt 
hatte und schliesslich seine eigene Wohnung wieder aufsucht, stürzt 
ihm auch hier Pomuchelskopp nach und antwortet in der Meinung, 
bei irgend einem Landrat zu sein, auf Langfeldts Frage, was er hier 
denn zu suchen habe »Herr, ich bin ebensogut en Fasan* — er 
meinte Vasall — »von dem Grossherzog wie Sie.* 

Dass die drollige Verwechslung der Wörter Vasall und Fasan 
in der Tat einmal einem mecklenburgischen Landtagsmitgliede begeg- 
nete, ist nicht allein dem oben im Auszuge mitgeteilten Briefe von 
Wiggers zu entnehmen, sondern ist mir auch von anderen Seiten 
bestätigt worden. Meine Gewährsleute erinnern sich sogar noch des 
Namens jenes Landstandes: es war der Gutsbesitzer C. G. Ch. Fuhr- 
mann auf Karcheez. 



1) Solche von LembcKe unterzeichnete Schriftstücke d. d. Stemberg 16. 
November, 2. und 4. Dezember 1845 sind im „Zehnten Sendschreiben an die Guts- 
besitzer bürgerlichen Standes in Meklenburg. Leipzig (1846)*^ S. 127. 169. 164 
abgedruckt. 

') Über Gerold von Vollblut vgl. oben S. 3 ff. Inzwischen ist als Verfasser 
des Gerold der durch seinen „ Kasper-Ohm ** später berühmt gewordene John Brinck- 
man von A. Römer nachgewiesen, und ein neuer Abdruck in „John Brinckmans 
Hochdeutschem Nachlass hrsg. yon A. Kömer^ Bd. 2 (1908) S. 49—147 gegeben. 



25 

Aber auch die vorangehende Visitengeschichte ist von Reuter 
nicht frei erfunden, sondern sie ist in den Hauptzügen einer wirklichen 
Begebenheit ziemlich treu nacherzählt. Ihre Kenntnis verdankte 
Reuter teils der mündlichen Erzählung eines mecklenburgischen Guts- 
besitzers, welchen er 1859 bei der Schillerfeier in Neubrandenburg 
kennen gelernt hatte, teils einem ihm von demselben Gutsbesitzer 
mitgeteilten Aufsatze von Pogge-Zierstor£F im ^Freimüthigen Abend- 
blatt", Jahrg. 1840 mit der Überschrift ;,Einige Worte über Land- 
tagsangelegenheiten " . 

In jenem Aufsatze schildert Pogge die schwierige Lage der 
damals den Landtag besuchenden bürgerlichen Gutsbesitzer, welchen 
wegen des Mangels einer Anweisung oder Geschäftsordnung die 
gewohnheitsmässigen Gebräuche wie die Formen, in den Gang der 
Verhandlungen einzugreifen, völlig unbekannt waren. Vordem mochte 
eine solche Anweisung entbehrlich gewesen sein, weil früher „die 
mecklenburgischen Landgüter fast ohne Ausnahme im Besitz des Adels 
waren, und- die Söhne der adeligen Gutsbesitzer von ihren Vätern 
über die Verhältnisse unterrichtet werden konnten.*' Pogge erzählt 
dann seine eigenen Erfahrungen in dieser Beziehung. Als er das 
erste Mal den Landtag in Malchin besuchte, war dieser bereits acht 
Tage beisammen gewesen. Mit anderen kurz vor ihm eingetroffenen 
bürgerlichen Gutsbesitzern erkundigte er sich, wo man sich melden 
müsse. „Niemand von den im Gasthofe anwesenden Landständen 
schien es aber der Mühe wert zu halten, mich darüber genau zu 
belehren." Er fragte einen und den Andern, aber niemand gab be- 
stimmten Bescheid, oder vielmehr jeder riet anders. Am nächsten 
Tage erfuhren sie von einem Bekannten, dass sie einen grossen Ver- 
stoss gemacht hatten, weil sie die üblichen Besuche nicht gemacht hätten. 

Trotz erkennbarer Übereinstimmungen zwischen der Visiten- 
geschichte und einzelnen Stellen in Pogges Aufsatze ist dieser doch 
nicht die eigentliche Quelle für jene gewesen, vielmehr hat sich Reuter 
in ihr viel enger an das angeschlossen, was ihm der oben erwähnte 
Gutsbesitzer 1859 mündlich mitgeteilt hat. Dieser hat ihm damals 
folgendes erzählt: 

„Wenn auch jeder Besitzer eines mecklenburgischen Rittergutes 
von jeher das Recht hatte, an den jährlichen Landtagen teilzunehmen 
und mitzustimmen, so pflegten doch früher die bürgerlichen Guts- 
besitzer dieses Recht nicht auszuüben und blieben bis auf vereinzelte 
Ausnahmen von den Landtagen fern, nicht allein, weil sie ihre Wirt- 
schaft nicht vernachlässigen wollten, sondern auch, weil sie mit der 
Geschäftsordnung des Landtages nicht Bescheid wussten. Es kamen 
eigentlich nur adlige Gutsbesitzer und auch diese nur in kleiner An- 
zahl, etwa zwanzig bis dreissig, welche durch Väter oder Verwandte 
mit den üblichen Gebräuchen und Rechten der Landstände bekannt 
geworden waren. Von bürgerlichen Gutsbesitzern fanden sich anfangs 
der 1830er Jahre nur zwei studierte Herren, Justizrat Päpke und 



26 

Dr. Schnelle, und ausserdem zuweilen der Gutsbesitzer Stever auf 
Wustrow ein. Eine bürgerliche Partei gab es also damals auf den 
Landtagen nicht. Die Änderung, welche hierin in den 1830er Jahren 
eintrat, hängt wohl auch mit den damals sich bessernden Erträgen 
des Landbaues zusammen. Der äussere Anlass aber war folgender. 
In jener Zeit erforderte irgend ein gemeinnütziges Unternehmen i) — 
ich weiss nicht mehr, ob es der Bau einer Chaussee oder eine andere 
Sache war — beträchtliche Aufwendungen. Der damalige Haupt- 
direktor des patriotischen Vereins Graf von Osten-Sacken, dem die 
Sache sehr am Herzen lag, wünschte, dass auch die Landstände Bei- 
träge bewilligten, musste aber befürchten, dass der Widerstand eines 
Teiles der adligen Gutsbesitzer den Antrag zu Fall bringen würde. 
Da es auf Mehrheit der Stimmen ankam, warb er solche und ver- 
anlasste auch eine Anzahl bürgerlicher Gutsbesitzer (1834) zur Ab- 
stimmung nach Malchin zu kommen. Da keine Tagesordnung vorher 
bekannt gemacht wurde und es ganz im Belieben des leitenden Land- 
rats stand, wann über den Antrag beraten wurde, mussten sie einige 
Tage warten, ehe ihre Angelegenheit an die Reihe kam. Der Beitrag 
wurde bewilligt. Der Graf v. Osten-Sacken sprach seinen bürgerlichen 
Stimmhelfem seinen Dank aus und meinte, nun könnten die Herren 
ja wieder nach Hause reisen. Diese hatten aber Geschmack an dem 
Leben als Landstand gefunden und blieben nicht nur, sondern stellten 
sich im nächsten Jahre in grösserer Anzahl wieder ein. Da sie in 
Malchin durch die Unterlassung der üblichen Besuche Verstössen hatten, 
wollten sie diesesmal in jeder Beziehung dem Beispiele der anderen 
Landstände folgen. Sie waren deshalb schon am Tage vor der Er- 
öffnung des Landtages (also am 18. November 1835)2) gegen Abend 
(in Sternberg) angelangt und machten sich, obgleich ermüdet von 
der langen Wagenfahrt bei kalter und regnichter Herbstwitterung 
nach eingetretener Dunkelheit auf den W^eg zu den üblichen Meldungen. 
Es regnete fortwährend, und die stockfinsteren Strassen waren so 
schmutzig, dass man oft bis über die Knöchel in der Dunkelheit in 
die von Wasser überströmenden Rinnsteine trat. Zum Glück be- 
merkten sie eine Laterne, mit welcher sich ein anderer Landstand, 
Hofrat Bölckow aus Gnoien, vorleuchten Hess. Diesem folgten nun 
die zusammen eingetroffenen Gutsbesitzer. Ich kann Ihnen z. t. ihre 
Namen nennen : es waren Pogge - Zierstorf und Pogge - Roggow, 
Manecke auf Neuhoff, Held auf Klein-Roge, Domänenrat Dencker auf 
Mierendorf. 8) Diese bemerkten wohl, dass sich Bölckow ärgerte, als 

1) In Wirklichkeit handelte es sich um die VeraDstaltung von Tierschauen 
und Pferderennen zur Förderung der Pferdezucht, welche damals in Mecklenburg 
einen tüchtigen Aufschwung genommen hatte. Auch der Grossherzog pflegte all- 
jährlich hierfür eine Summe zu bewilligen. 

^) Die von mir selbst ermittelten und emgeschalteten Daten etc. sind in 
Klammern gesetzt. 

^) Herr Gutsbesitzer F. Pogge-Bartelshagen, Enkel von Pogge-Zierstorf, teilt 
mir mit, dass nach der Erzählung seines Vaters der Laterne ganz in der von 
Reuter beschriebenen Weise ausser seinem Grossvater, Grossonkel usw. noch die 
Gutsbesitzer Engelbrecht-Ridsenow und Flügge auf Gr. Helle gefolgt sind. 



27 

ihr Schwärm ihm auf der Ferse in die einzelnen Häuser folgte, Hessen 
sich aber, dadurch nur ulkig gestimmt, — wie mein Gewährsmann be- 
richtete — durchaus nicht abhalten ihm weiter zu folgen. Schliesslich 
drangen sie, immer hinter ihm her, in Bölckows eigene Wohnung. 
Auf die Frage, wem sie hier ihre Aufwartung zu machen hätten, 
blickte Bölckow die Eindringlinge grimmig an, drehte ihnen dann 
seine Rückseite zu, hob die Rockschösse hoch und rief ärgerlich, 
mit der flachen Hand hinten aufschlagend: Doa wahnt hei!'^ 



Meine Herren! Sie werden mich fragen, woher ich denn so 
genau die Tatsachen und z. t. die Worte kenne, welche Reuter für 
seine Schilderung benutzt hat. Derselbe Herr — es war der 1821 
geborene Gutsbesitzer Friedrich Pogge auf Gevezin, ein Sohn von 
Pogge-Roggow, — welcher Fritz Reuter die Geschichte i. J. 1859 in 
Neubrandenburg mitteilte, hat sie auch mir erzählt, und dasselbe 
Exemplar des Aufsatzes von Pogge-Zierstorf im Freimütigen Abend- 
blatt, welches Reuter von jenem Herrn zur Einsicht erhielt, hat auch 
mir vorgelegen. 



Herr Friedrich Pogge erzählte mir noch Folgendes. Als junger 
Gutsbesitzer hat er mehrere Landtage der 1840er Jahre besucht. 
Damals wurde von der bürgerlichen Partei nach harten Kämpfen das 
Recht erstritten, dass in den ^Engeren Ausschuss* der Ritterschaft 
auch bürgerliche Gutsbesitzer als Deputierte gewählt werden konnten. 
(Am ersten Male geschah dies am 24. November 1846 in Malchin.) 
Die durch Stimmenmehrheit gewählten Gutsbesitzer waren Stever- 
Wustrow und Engel-Charlottental. Das grosse Ereignis wurde noch 
an demselben Abend von der bürgerlichen Partei (die 228 Köpfe stark 
zu dem Landtage erschienen war) durch ein grosses Festessen gefeiert. 
Hierbei geschah etwas bis dahin Unerhörtes. Der damalige Besitzer 
von Alt-Schwerin geriet mit dem anwesenden Besitzer von Alt-Sührkow 
Johannes Lembcke, welcher in seiner Nähe sass, in Disput und wütend 
geworden hieb er nach ihm mit einer Rotweinflasche. ;,Ich sehe in 
der Erinnerung immer noch,^ erzählte mein Gewährsmann, „wie über 
Lembckes Gesicht, der nicht weit von mir sass, Tropfen Blutes oder 
Rotweins herabliefen. ^ 



Job. Lembcke ist bekanntlich, wie schon vorhin von mir bemerkt 
wurde, das Vorbild für gewisse Züge des Bildes, welches Reuter von 
Pomuchelskopp gezeichnet hat. Nimmt man an, dass Reuter Kunde 
von dieser Begebenheit erhalten hat, so fällt ein besonderes Licht 
auf eine Stelle der Stromtid, Kap. 21 am Schluss. Pomuchelskopp 
wird von seiner Frau gefragt: ;,Pöking, wat dauhn sei dor eigentlich 
up den Landdag?^, worauf er antwortet ^^Ih, das weiss ich auch nicht. 
Der eine hau^t den einen über, und der andere haut den andern über.^ 



2S 

Freilich kann hier ^ hauen ^ nach mecklenburgischem Sprachgebrauch 
auch bloss ,,mit Worten hauen^ bedeuten. i) 

Ich beschränke mich heute auf die gegebenen Nachweise. Andere 
werde ich gelegentlich im Niederdeutschen Jahrbuche veröffentlichen. 
Sie werden den Ruhm des grossen mecklenburgischen Dichters, des 
grössten Humoristen, welchen die deutsche Literaturgeschichte kennt, 
nicht verkleinern. Die Nachweise werden zeigen, woher er einige 
Bausteine nahm. Wie die Kunst eines grossen Architekten nicht darin 
besteht, dass er seine Bausteine selbst herstellt, sondern darin, dass 
er sie zu kunstvollen Bauwerken zusammenfügt, so stand es auch 
Reuter wie vor ihm Lessing, Goethe u. a. frei, Baustoff für seine 
Kunstwerke zu nehmen, wo immer er auch zu finden war. 



Beilage zu S. 25. 

Aus dem im Freimüthigen Abendblatt Jahrg. 22 Nr. 1140 und 
1841 Schwerin den 6. und 13. Nov. 1840 Sp. 883 ff. gedruckten 
Aufsatze: ;,Einige Worte über Landtagsangelegenheiten. Vom Guts- 
besitzer Pogge auf Zierstorff.^ 

Sp. 885 befürwortet Pogge den Erlass ^ einer allgemeinen Land- 
tagsordnung, woraus jeder, der zum Landtage berufen wird, seine 
Pflichten kennen lernt und sich unterrichten kann von den Gebräuch- 
lichkeiten, und wie er sich zu verhalten hat.^ 

;,Die mehrsten bürgerlichen Rittergutsbesitzer waren früher 
Pächter und hatten so wenig Verpflichtung als Gelegenheit, sich um 
LandesangelegeDheiten zu bekümmern. Wenn sie als Gutsbesitzer 
zum Landtag berufen werden, so kommen sie in ein ihnen bis dahin 
fremdes Verhältnis, und sehen sich natürlich nach einer Anweisung 
um, wie sie sich hier zu verhalten und was sie zu leisten haben. 
Früher mag eine solche Instruktion für die zum Landtag berufenen 
Gutsbesitzer nicht erforderlich gewesen sein, weil die mecklenburgischen 
Landgüter fast ohne Ausnahme im Besitz des Adels waren, und die 
Söhne der adeligen Gutsbesitzer von ihren Vätern über die Verhält- 



1) Der Stavenhagener von Keuter oft erwähnte Apotheker Grischow war im 
August 1856 in Warnemünde und notierte dort in seinem „Tajediebbuch'', das er 
in einer Art Missingsch schrieb — er sprach und schrieb sonst tadelloses Hoch- 
deutsch — und seinem Freunde Moritz Meyer schenkte: „15./d „Jestem Abend in 
die Harmonie bei Ohlerich lass ich mir'n Jlas Zuckerwasser bringen, setz mir in^n 
Saal un phUosophir über die Menschheit un den Teufel. Alles bey mir rum trinkt 
Bier bey 24 <> W&rme, sogar ein Paster, mit dem ich mir vor'n Paar Tage mal 
IV2 Stunden geprügelt, d. h. mit Raisonniren un Streiten über Telogie." 



29 

nisse unterrichtet werden konnten, worin sie sich dereinst, wenn sie 
selbst als Gutsbesitzer den Landtag besuchten, befinden würden. 

Jetzt ist es aber anders. Der grossen Anzahl bürgerlicher 
Rittergutsbesitzer, welche als Landstände zum Landtag berufen werden, 
fehlt es an solchen die Verhältnisse kennenden Vorgängern, und dass 
sich dieselben mühsam in die Landtagsgebräuche hineinstudieren und 
jahrelang in den Versammlungen müssige und untätige Zuschauer 
machen sollen, ist schwerlich von ihnen zu verlangen. 

Die mehrsten von diesen bürgerlichen Landständen leiten selbst 
ihre landwirtschaftlichen Angelegenheiten und haben z. t. noch andere 
wichtige Geschäfte, können mithin selten ohne Nachteil vier bis fiinf 
Wochen vom Hause und aus ihrer Wirtschaft entfernt sein. Wenn 
sie aber dem allgemeinen Besten auch gerne das pflichtgemässe Opfer 
bringen und den Landtagsverhandlungen von Anfang bis zu Ende 
mit beiwohnen möchten, so hindert sie doch die Besorgnis daran, 
wegen Unbekanntschaft mit dem Geschäftsgang und den Gebräuch- 
lichkeiten nur eine untergeordnete Rolle zu spielen und wenig nützen 
zu können. Dieses ist der hauptsächlichste Grund, weshalb viele 
bürgerliche Rittergutsbesitzer die Landtagsversammlungen bis jetzt 
nicht besucht haben . . . ^ 

Pogge berichtet dann Sp. 887 ff., wie es ihm selbst bei seinem 
ersten Landtagsbesuch ergangen ist. ^Bald nachdem ich Gutsbesitzer 
geworden und den Lehneid geleistet hatte, erhielt ich die gewöhnliche 
grossherzogliche Ladung zum Besuch des Landtages. Es war mir 
indessen nicht möglich, mich schon zur Eröffnung des Landtages nach 
Malchin zu begeben; als ich ankam, war die Versammlung schon 
acht Tage beisammen gewesen. 

Bei meiner Ankunft erkundigte ich mich, wo man sich melden 
müsse ; niemand von den im Gasthofe anwesenden Landständen schien 
es aber der Mühe wert zu halten, mich darüber genau zu belehren; 
gleich unkundig wie ich waren andere kurz vor mir angekommene 
bürgerliche Gutsbesitzer, welche ebenfalls zum ersten Male den Land- 
tag besuchten. 

Wir fragten Einen und den Andern, aber niemand gab uns be- 
stimmten Bescheid. 

Wünschten Sie zur fürstlichen Tafel gebeten zu werden, dann 
müssen Sie sich bei den Grossherzogl. Gommissarien melden, sagte 
ein gegenwärtiger adeliger Gutsbesitzer zu uns, sonst brauchen Sie 
sich nur bei Ihrem Landmarschalle zu melden; brauchen 'bloss eine 
Karte hinzusenden, sagte ein Anderer. Unsererseits wurde erwidert, 
dass wir nicht darauf rechneten zur Tafel geladen zu werden. Nun 
gut, hiess es, melden' Sie sich nur bei Ihrem Landmarschalle. 

Ich würde Ihnen raten, sich auch bei den Landräten zu melden, 
sagte ein Dritter. Ist dies erforderlich? fragte einer der Unserigen. 
Das wohl gerade nicht, aber man tut es doch gewöhnlich, war die 
Antwort. 

Da erhob sich ein vierter Anwesender und sagte: Lassen Sie 



30 

die Herren doch tun was sie wollen, es liegt ja gar nichts daran, 
ob sie sich bei den Landräten melden oder nicht. 

In dieser Ungewissheit, worin wir J)Iieben, unterliessen wir uns 
persönlich zu melden, und schickten bloss eine Karte an den Land- 
marschall. 

Am andern Tage begaben wir uns in die Versammlung; hier 
war die erste Frage eines Bekannten, den ich traf: Haben Sie sich 
auch bei den Landräten gemeldet? — NeinI — So haben Sie einen 
grossen Verstoss gemacht. Jedenfalls müssen Sie sich dem versitzenden 
Landrat vorstellen lassen. Dies geschah denn auch, doch machte es 
uns nicht wenig betreten, als einige von den anwesenden Herren uns 
ihre Verwunderung ausdrückten, dass wir uns nicht am vorhergehenden 
Abend bei allen Landräten und besonders auch nicht bei den Gross- 
herzoglichen Commissarien gemeldet hätten. 

Pogge und seine mit ihm zugleich angelangten Standesgenossen 
glaubten dieses nun nicht gut mehr nachholen zu können, nahmen 
sich aber vor, bei künftigem Landtagsbesuch sich besser vorzusehen. 
Sie verweilten noch einige Tage in Malchin, wohnten täglich den 
Versammlungen, wenngleich nur als Zuhörer, bei und begaben sich 
dann noch vor dem Schluss des Landtages wieder nach Hause mit 
der einstimmigen Überzeugung nur einen geringen Begriff von ihrer 
Obliegenheit bekommen zu haben. 

„Im nächsten Jahre,** fährt Pogge fort, Nr. 1141, Sp. 905, 
„reisete ich mit einigen andern bürgerlichen Gutsbesitzern nach Stern- 
berg, wo wir am Tage vor der Eröffnung des Landtags gegen Abend 
anlangten. 

Wir folgten hier dieses Mal in jeder Beziehung dem Beispiel 
anderer Landstände, und obgleich ermüdet von der weiten Reise bei 
kalter und regnichter Herbstwitterung, machten wir uns doch ebenfalls 
nach eingetretener Dunkelheit auf den Weg zur üblichen Meldung. 

Es regnete fortwährend, und die stockfinsteren Strassen waren 
so schmutzig, dass man oft bis über die Enkel in die, in der 
Dunkelheit nicht zu bemerkenden, von Wasser überströmenden Rinn- 
steine treten musste. 

Zu unserem Glücke bemerkten wir eine Laterne, mit welcher 
sich ein anderer Landstand vorleuchten Hess; dieser folgten wir nun, 
so weit unser Weg zusammentraf. So ging es zuerst zu den Groas- 
herzogl. Commissarien, dann zu sämmtlichen Landmarschällen und zu 
allen Landräten von einem Ende der Stadt zum andern; denn der 
eine wohnte hier am Thore, der andere dort am Markt oder in dieser 
oder jener Strasse. 

Man präsentirte sich, verweilte einige Minuten und empfahl sich 
wieder. Die Herren Grossherzoglichen Commissarien, Landräte und 
Landmarschälle schienen auf diesen herkömmlichen Abendbesuch 
gefasst zu sein, der unausgesetzt so lange fortdauerte, bis alle 
Anwesenden entweder einzeln oder mehrere zusammen nach und nach 
ihren Vortritt gemacht hatten, und obgleich auch sie zum Teil an- 



31 

gegriffen von der Reise zu sein schienen, so waren sie doch alle sehr 
freundlich und unterhielten sich zwar nur kurz, wie nicht anders 
möglich, und über gleichgültige Dinge mit mehreren der Anwesenden.*^ 
Pogge spricht sich dann noch missbilligend über das Vorrecht 
der adligen Rittergutsbesitzer aus, auf den Landtagen die rote Uniform 
mit goldenen Epaulettes und Degen zu tragen. Ihm sei bekannt, 
dass manche Gutsbesitzer sich schon deshalb vom Landtage entfernt 
hielten, weil es ihnen empfindlich sei, sich hier gegen ihre jüngeren 
adligen Nachbaren in der Kleidung zurückgesetzt zu sehen. 



Beilage zu S. 25—28. 

Aus den angedrnckten ErinneruDgen der Fran Pogge -Roggow, 

geb. Behm.i) 

Mein Schwiegervater hat niemals seine Landstandschaft durch 
Teilnahme an den Verhandlungen des Landtages ausgeübt. Mein Mann 
und mein Schwager wurden erst im Jahre 1832 nach dem Tode ihres 
Vaters mit den Gütern belehnt. Im Jahre 1832 fiel der Landtag aus, 
weil die Cholera im ganzen Lande herrschte, ward aber im Frühling 
1833 nachgeholt. Graf Schlieffen wünschte sehr, dass mein Mann 
und sein Bruder dahin kommen sollten, da er allerlei Vorträge dort 
halten wollte und ihre Unterstützung dabei wünschte. Beide fühlten 
sich aber noch nicht eingeweiht und folgten nicht. Graf Schliefl^en 
hatte viele Kämpfe dort bestanden, für den Zoll -Verein gesprochen, 
und sich sehr feinsinnig geäussert, war damit aber nur auf Wider- 
sprüche gestossen und kam sehr entrüstet nach Hause. Das wieder- 
holte sich in demselben Jahre im November in Sternberg. Wir waren 
eben nach Roggow gezogen; gleich darauf verletzte ich mir einen 
Fuss so, dass mein Mann mich tragen musste; auch erlaubten ihm 
die Umstände keine längere Abwesenheit von Hause, und so ging er 
abermals nicht zum Landtage, so wenig wie sein Bruder. Zu der 
Zeit ward die Landstandschaft auf den Landtagen fast ausschliesslich 
vom Adel vertreten und man sah die bürgerlichen Mitglieder der 
Ritterschaft auch als wenig berechtigt dazu an. Es waren davon auch 
lange nicht so viele, wie bald nachher; mit wenigen Ausnahmen waren 
diese daher auch wenig unterrichtet und eingeweiht in ihre Rechte 
und Pflichten. Zu diesen Ausnahmen gehörte der Justizrat Paepke 
auf Lütjenhof p. p. Dieser war einer der gewandtesten und erfahrensten 
Landstände von Allen, und durchaus routinirt in Beobachtung aller 
äusseren Formen und Formalitäten. 



1) Kenntnis und Abschrift danke ich Herrn Rittergutsbesitzer F. Pogge auf 
Bartelshagen. 



32 

Dr. Schnelle-Buchholz und Stever-Wustrow hatten auch mitunter 
die Landtage besucht. Man erfuhr aber im Lande garnicht, was dort 
passirte; es wurde Nichts weiter bekannt, als was die Regierung 
später publicirte. Seit dem Jahre 1798 bestand im Lande der patri- 
otische Verein, doch früher unter anderem Namen, und damit in 
Verbindung waren die Tierschauen und Pferderennen zum grossen 
Teil durch Verdienste meines Schwagers entstanden. Der Grossherzog 
pflegte alljährlich bedeutende Summen für diese gemeinnützigen Zwecke 
zu geben. Graf von der Osten-Sacken war Haupt-Direktor und sehr 
tätig dafür. Er wünschte, dass auch das Land Beiträge zahlen solle, 
wusste aber, dass die Stände kein Interesse dafür hatten und wenig 
dazu geneigt sein würden. Da es auf Stimmenmehrheit ankam, so 
warb er solche und wandte sich auch an meinen Mann und Schwager. 
Beide interessirten sich sehr für das Institut und reisten zum 1. Male 
1834 zum Landtage nach Malchin. Da keine Tages-Ordnung statt- 
fand und es ganz in der Willkür des dirigirenden Landrats steht, 
was er vorbringen will, so mussten sie einige Tage daselbst warten, 
bis der Gegenstand beraten wurde. Der Beitrag wurde bewilligt. 
Mein Mann hatte diese Zeit benutzt zu seiner Belehrung und fand 
grosses Interesse an den Verhandlungen. Als diese Sache abgetan 
war, sagte ihnen Graf von der Osten-Sacken, sie könnten jetzt nur 
wieder nach Hause reisen, denn nun gäbe es für sie doch nichts 
mehr dort zu tun; sie fanden das aber nicht, blieben noch, reisten 
auch noch öfter wieder in dem Jahre dorthin und von der Zeit an 
alljährlich. Graf von der Osten-Sacken hat später selbst zu meinem 
Schwager gesagt, man habe ihm die grössten Vorwürfe und Unan- 
nehmlichkeiten gemacht, weil er ihnen die Bürgerlichen zum Landtag 
brachte. Er hatte ausser meinem Mann und Schwager auch andere 
dazu aufgefordert, von denen er wusste, dass sie sich für die Tier- 
schau pp. interessirten. 



33 



Onkel Bräsig. 



^In Reuters Schriften findet sich nicht jener subjektive Humor, 
der sich in den die Erzählung begleitenden Bemerkungen des Autors 
äussert, welche wie freundliche Schlaglichter auf die dargestellten 
Personen und Vorgänge geworfen werden. Reuters Humor besteht 
in der Kunst, in der Seele des Lesers Gemütsteilnahme und koniische 
Empfindung zusammenwirken zu lassen.^ 

Diese meiner Einleitung zu Reuters Werken (Bd. 1, S. 47* f.) 
entnommene Definition des Humors als einer Vereinigung der Komik 
mit Gemütsempfindung fordert die Scheidung des Bräsigs, welcher 
dem Leser in Reuters Stromtid entgegentritt, von dem Bräsig zweier 
älterer Schriften Reuters, nämlich der 1855 entstandenen „Briefe des 
Inspektors Bräsig* und der 1861 gedruckten „Abendteuer des Ent- 
spekter Bräsigs*. In diesen beiden Schriften ist Bräsig eine aus- 
schliesslich komische Figur, über welche der Leser lacht, ohne dass 
in ihm eine warme Teilnahme für dieselbe erweckt wird. Erst die 
Stromtid zeigt ihn als Träger des Humors, erst in ihr ist Reuter mit 
ebenso grosser Kunst als Erfolg darauf bedacht, seinem Helden das 
Herz der Leser zu gewinnen. Schon bei seinem ersten Auftreten, 
bei der Kinderszene im Hause Nüsslers, im zweiten Kapitel, gelingt 
es dem Dichter in vollendeter Weise die beiden Elemente, deren Ver- 
einigung den Humor bedingt, in der Seele des Lesers gleichzeitig 
wach zu rufen. Auch dadurch hat Reuter grosse Kunst bewiesen, 
dass in diesem zweiten Kapitel die komischen Elemente noch zurück- 
treten, so wohltuend sie auch von dem Leser empfunden werden, 
weil sie die gedrückte, durch das erste tragische Kapitel erzeugte 
Stimmung zu lösen beginnen. Die ernsten Elemente mussten in diesem 
Kapitel noch überwiegen, weil es vor allem darauf ankam, Achtung, 
Mitleid und Liebe für die Freunde Hawermann und Bräsig dem Leser 
abzugewinnen. Seine Teilnahme an ihren Geschicken sollte bei spä- 
teren Vorgängen nachwirken, die ohne jene Teilnahme rein komisch 
erscheinen müssten. 

Reuter hat es verstanden, in dem Bräsig der Stromtid eine 
Figur zu schaffen, welche die ganze gebildete Welt entzückt und alle 
theoretischen Ästhetiker, welche dem Wesen und den Erscheinungen 
des Humors nachgehen, beschäftigt hat und noch beschäftigen wird. 
Anderseits hat es nicht an Versuchen gefehlt ein lebendes Vorbild 
ausfindig zu machen, welches das Urbild für Reuters Bräsig gewesen 
sei. Alle diese Versuche konnten mit Aussicht auf Erfolg, da es sich 
nicht wie bei ähnlichen Fragen der Goethe-Forschung um literarisch 

Nl«derdeiit80h6B Jahrbuch XXXVI. 3 



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oder sonstwie bekannt gewordene Persönlichkeiten handelte, nur 
von Zeit- und Heimatgenossen Reuters oder auf grund von Auskünften, 
welche man von jenen empfing, angestellt werden. 

Die seitherigen Versuche dieser Art, welche sämtlich die Methode 
literarischer Feststellungen vermissen lassen, leiden an mehr als einem 
Fehler. Man hat sich mehr oder weniger mit der blossen Behauptung 
begnügt, da SS dieser oder jener alte Inspektor Reuters Vorbild ge- 
wesen sei, ohne genauer festzustellen, inwieweit, d. h. in welchen 
Einzelzügen Bräsig und sein vermeintliches Urbild übereinstimmen. 
Ferner wird der Leser über die Quellen, aus welchen die verwertete 
Auskunft geflossen ist, im Unklaren gelassen, er also nicht in den 
Stand gesetzt, sich ein Urteil über die Glaubwürdigkeit der Bezeu- 
gung zu bilden. 

In meiner Reuterausgabe habe ich die verschiedenen Behaup- 
tungen gebucht, ohne mich zu entscheiden. Ich glaubte auch an- 
nehmen zu dürfen, dass der Stromtid-Bräsig nicht das Konterfei einer 
einzelnen Person sei, sondern dass zu seinem Bild, dem Dichter 
bewuBst oder unbewusst, eine Menge von Anschauungen mitgewirkt 
haben, welche dem Dichter in seiner Heimat zugeflossen sind, z, t. 
auch solche, welche er schon zu Gestalten seiner früheren Werke, 
besonders zum Köster Suhr und Onkel Herse, verwertet hatte. Auch 
an einen gewissen, jetzt ausgestorbenen Typ alter Inspektoren dachte 
ich, denen man in Mecklenburg früher begegnete. Heute sind die 
Inspektoren und Oberinspektoren der grossen Begüterungen Mecklen- 
burgs Leute mit einer tüchtigen Schulbildung, welche sich zu ihrem 
Berufe auf Fachschulen vorbereitet haben. In der ersten Hälfte des 
vorigen Jahrhunderts war das anders. Es war keine Seltenheit, dass 
ehemalige Tagelöhner mit dürftiger Dorfschulbildung durch ausser- 
gewöhnliche Tüchtigkeit allmählich zu Schreibern und Inspektoren 
aufrückten und Gütern vorgesetzt wurden, welche heute mehr als 
eine Million Mark wert sind. Als Beispiel könnte ich einen ehemaligen 
Inspektor nennen, der vielleicht in Frage kommt, wenn man nach 
einem Vorbilde für den Hawermann der Stromtid sucht. Unter diesen 
alten Inspektoren begegnete man vielen, welche ausser ihrer Tüchtigkeit 
als Landwirte einen ausserordentlich guten natürlichen Verstand und 
einen stark hervortretenden Bildungstrieb hatten, oft auch in dieser 
Beziehung starkes Selbstbewusstsein verrieten. Die Folge waren ausser 
dem Missingsch, welches in ihren Kreisen herrschend war, Redeblüten 
der Art, wie sie Reuter seinem Bräsig in den Mund gelegt hat. 

Ich bin auch heute noch der Meinung, dass Bräsig keine nach 
einem einzelnen Vorbilde gezeichnete Figur ist, sondern — wie ich 
oben ausgeführt habe — von sehr verschiedenen Modellen seine Züge 
empfangen hat. Als eins dieser Modelle glaube ich in der Tat jenen 
alten Inspektor Schecker nachweisen zu können, von welchem die 
vox populi in Reuters Heimatstadt, als die Stromtid erschienen war, 
mit Bestimmtheit behauptete, er sei Bräsigs Urbild. Erzählt wurde 
mir, dass diese Behauptung besonders von einem Sohne des aus der 



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Franzosentid bekannten Fritz Sahlmann in Stavenhagen verbreitet 
worden und den damaligen Bürgermeister v. Bülow veranlasst habe, 
Reuter selbst bei seiner Anwesenheit zu befragen. Reuter habe 
geantwortet, er könne es ja zugestehen, da Schecker längst gestorben 
und seine Witwe und Söhne nach Amerika ausgewandert seien. Nach 
anderer Überlieferung hat Reuter diese Auskunft nicht dem Bürger- 
meister, sondern dem jungen Saalmann selbst gegeben. 

Zur Bestätigung der früher verbreiteten Annahme, dass Bräsig 
der Inspektor Schecker in Jürgenstorf bei Stavenhagen sei, hat Glagau 
in seiner Reuterbiographie auch auf Folgendes hingewiesen. In den 
ersten Auflagen der Franzosentid wird der Jürgenstorfer Inspektor, 
auf dessen Pferde der Bürgermeister Reuter aus französischer 
Gefangenschaft entflieht, Bräsig genannt, erst in den späteren Auf- 
lagen ist für diesen Namen Nicolai eingesetzt, vgl. Reuters Werke, 
Ausgabe Seelmanns, Bd. 3, S. 366, Z. 19. 22, S. 367, Z. 3. 

Von der in und ausser Stavenhagen sich verbreitenden Behaup- 
tung, dass Bräsig und Schecker eine Person seien, erhielt durch 
Briefe aus der Heimat auch ein in Amerika (in Elkader, Staat Jowa) 
lebender Sohn Scheckers Kenntnis. Merkwürdiger Weise, vielleicht 
weil ihm der Bräsig des ;, Unterhai tungsblattes** und des ;,Schurr-Murr* 
vor Augen stand, erregte diese Kunde seine Entrüstung, er glaubte 
durch diese Gleichstellung das Andenken seines Vaters beschimpft. 
In Briefen an Freunde und Fremde, auch an Zeitungen bekämpfte er 
auf das Entschiedenste die Vorstellung, dass Bräsig Schecker sei, er 
suchte wahrscheinlich zu machen, dass ein anderer Inspektor, namens 
Wiese, Bräsigs Urbild sei. Seinem entschiedenen Auftreten ist es wohl 
zumeist zuzuschreiben, dass die Suche nach Reuters Vorbild auf andere 
Bahnen gelenkt wurde. 

Als ich im Archiv der mecklenburgischen Ritter- und Landschaft 
vom alten Schecker selbst herrührende Daten über sich fand, glaubte 
ich, dass es zur Klärung der Frage beitragen werde, wenn Scheckers 
noch lebender Sohn eine Darlegung seiner Gründe und eine zuverlässige 
Schilderung seines Vaters mit einem kurzen Lebensabriss im Nieder- 
deutschen Jahrbuche geben würde. Er versprach es mir, indem er 
mir schrieb, er gehöre nicht zu den Leuten, die auf morgen ver- 
schieben, was sie heute tun können. Ich habe vergeblich sein Manu- 
skript erwartet. Kurz nach seiner Zusage hat ihn, den Achtzigjährigen 
(geboren 2. Januar 1826 zu Jürgenstorf, gestorben 13. O