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Full text of "Jahrbuch des Vereins für Niederdeutsche Sprachforschung"

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BEQUEATHED BY 

fßtovßt SiUUkcn dench 

PROFESSOR OF 

Germanfc Xanou^oes an& Xfteratures 

IN THE 

1896-1899. 



1 



mmmm 



\/5X 



Jabrbncb 



f 7«? V 1 



des 



Vereins für niederdeutsche SpracMorsclinng. 



Jahrgang 1885. 



XI. 





ä*S35*«> 



«ORDEM nnd LEIPZIG. 

Diedr. Soltau's Verlag. 
1886. 



Dmck Ton Diedr. Soltaa in Norden. 



Inhalt. 



Syntax dea Heliand. I. Das Vertnin. Ton H. Pratje , 
ScbTiftsprache und Volksdialect«. Bemerkungen zti einer historischen Urani- 

matik der niederdeutschen i^iiracbe. Von F. Jostes 
Beschreibung der HaudscbriftensammluDg des Freilierm August von Arns- 

waldt in Hannover, m. Von AI. Reiff erscheid 
Tier- und Pflauzennamen aus Ostfrieainnd, Von .T. ten Doornbaat 



Aus Eberhards von Wampen Spiegel der Natur, Von W, äeelmanu 

Fmgment eines Totentauxes. Von W, Seelmaon 

Klosternllegorie. Vuu K. BnrCscb 

Zwei niederdeutsche Hymnen. Von K, Bartsch 

SUndeuklage eines Versturbeneo. Von K, Bartsch . 

Lateiniach-oiederdeutschea Gedicht, Vou K, Barlscli 

Johannes Bediger, ein Dichter des 16. Jahrhunderts. Von 0. Walt he 

Moorkens-Vek Von G. Kalff 

Eine dritte plattdeutsche Posse vou J. Lauremherg, Von U. A, Nissen 
Eine niederdeutsche tbersetzang von Naogeargs Mercator. Von J. Bolte 
Risis Irenarom ach ia und Pfeiffers Pseudostratiotae, Von J. Bolte . 
Ermahnung an die Nonnen eines Klosters. Ton H. Deiter . . . . 

Fragment aus Jacob van Haerlanta Spieghel historiael, Ton C, Walt her 
Mittelniederlandischea Parthouopens- Fragment, Von W, Seelmann . 

Beimsprüche der Vägel, Von F. BuitenrustHettema 

Jesu Namen. Von H. Brandes . , 

Naogeorgs Mercator polnisch. Von J. Bolte 



Syntax des Heliand. I. Das Verbum. 

Seite 

Erster HaupUeil. Dun Verbum im einiViehen tielbstttndigen 
Salze. 

Kap. 1. I)a8 Verbum im Indikativ 1 

,, 11. Das Verbum im Konjunktiv 5 

„ III. Das Verbum im Imperativ 7 

Zweiter Hauplleil. Da» Verbum im zuHaiumengeiietBteii Natze. 

A. Beiordnung 10 

Kap. I. Asyndetischc Form der Beiordnung 10 

,, IL Syndetisclie Form der Beiordnung 15 

A. Kojiuhvtive Verbindung der Sätze 15 

B. Disjunktive Verbindung der Sätze 17 

('. Adversative Verbindung der Sätze 17 

D. Kausale Verbindung der Sätze 17 

K. Temjiorale Beiordnung 18 

B. l'nterordnun^. Krster AbKchnitt. Von Hauptsätzen abhänp^e 
Nebensätze . 18 

Kap. I. Substantivsätze im engeren Sinne is 

A. 1. Erklärende SubstantivsiitzL' 18 

2. Begründende Substantivsätze 21 

8. Bescliränkendc Substantivsätze Jl 

4. AI) hängige Aussagesätze 22 

5. Abhängige Ileischesätze 20 

(J. Absichtssätze 2i» 

7. Folgesätze •{(> 

B. Abhängige l'Vagen yS 

„ IL A^jcktivsätze 35 

A. IJneigentli(!he Belativsätze 85 

B. Piigentliche Relativsätze 3(5 

„ 111. Adverl)ialsätze 4(> 

A. Komparative Adverl)ialsätze 4() 

B. Temporale Adverbialsätze 51 

('. Lokale Adverbialsätze 54 

I). Kausale Adverbialsätze 55 

K. Konccjssive Adverbialsätze 5(> 

V. Konditionale Adverbialsätze 58 

Zweiter Abschnitt. Von Nebensätzen abhängige Nebensätze . . . ()3 

Kap. I. Nebensätze der abhängigen Aussagesätze 03 

„ IL Nebensätze der abhängigen Heischesätze (54 

„ 111. Nebensätze der abhängigen konjunkt. Absichtssätze (»5 

„ IV. Nebensätze der abliängigen konjunkt. Fragesätze . . (>5 

,, V. Nebensätze der Konditionalsätze (>() 

„ VI. Nebensätze sonstiger Nebensätze (Ki 

Dritter Hauptteil. Infinitiv und Partiripium. 

Abth. A. Kap. I. Einfacher Infinitiv (17 

„ 11. Vollere Formen des Infinitivs 73 

Abth. B. Kap. 1. Participium Praesentis 74 

„ IL Participium Praeteriti 77 




Syntax des Heliand. I. 

Das Verbum. 



KrNter llaiipUeil. 

Das Verbum im eJotacbeD selbstäDdi^en SaUe. 

Kup. I. 
Da« Verbnin Im Indlkaltv. 

1. Der Indikativ Praesentis. 

g I. Der Indikativ bezeichnet llaudlungen, welche als wirklich 
statttindend vorgestellt weiden; das Praesens drückt eine gegenwärtige 
Handlung aus: der Indikativ Praesentis wird hiernach dann gebraucht, 
wenn der Redende ein li^reigni» als eine in seine Gegenwart fallende 
Thatsat^he bezeichijun will. Die /eitart bleibt hierbei unberückEicbtigt, 
dasselbe Praesens steht bald vun eintretenden, bald von andauernden 
Handlungen. Auch braucht die Wirklichkeit sich mit der Vorstellung 
des Sprechenden nicht zu decken, dasjenige, was er ala Thatsacbe 
ausspricht, braucht in Wahrheit nicht 7M geschehen. 

g 2. Aus diesem (irundc kann der Indikativ Praes. von der 
Darstellung vergangener und zukünftiger Thatsachen gebraucht werden. 

Vom eigentlichen Praesens historicum ist mir zwar keiu Beispiel 
aufgestossen, dagegen wird nicht selten bei cuman. sowie bei den 
Verben hiiren, sehen, fragen, sagen und gebieten eine in Wirklichkeit 
bereits der Vergangenheit angehörende Handlung als eine noch in der 
Üegenwart fortbestehende hingestellt, 

Beispiele: te hui gi sus an gange cumat gifaran an fatbie, 55ß. 
nu cumis thu te minero dopi . . so scolda ik te thinero duan, 971. 
bihui cumis thu so mid thius folku te ini, 4835. — that gihorid her 
nu manno tilo, 5102. — ik gisihu Ihat gi sind . . tan cnuosle guodon, 
ü."»?. — te hui thu thes so eacos, 59ii7, — so thu mid thinon uuordon 
sprikis, 14S. 158. te hui sprikis thu thes, uuib, so tilo, manos mi 
for thesaro menigi, 2026. uuar ist that . . tbat thu sprikis, 3018. 
huat quiilis thu umbi gOxti, 32ii;i. — hetis for Ihit manno folc alles 
thines uuines that uuirsista erist brengan, 2057, ü 2062. so that 
lestean uuili that fan uualdandes uuordc gibiudit, 1074 vgl, 1528. 

g ;i Wo der Indikativ Praes zum Ausdruck einer noch bevor- 
stehenden Handlung dient, ersetzt er entweder geradezu das fehlende 
Futurum oder er steht von Handlungen, deren Ausführung schon be- 
gonnen hat oder wenigstens bpabsichtigt ist. 



Beispiele: ik fargibu thi himiles elutüas, 3072 M. ik an thiii& 
hendi befilliu minoD gest, 5634. ik gangu im ut erist tuo, 4819. ik 
duon tili mera thar thuo, 3250. iie uui it bc tbinon uuercon ni 
duot . . that uui thi aldres tuo ahtian uuelliat, ac uui duot it be 
tbinou uuoi'don, 3948. hui?der ledeat gi uuudau gold te gebu huilicou 
gumono, 554. ni gibu ik that ti rada rinco nigenon, 226. ik giduaQ 
tbat Gcin . . that, 2325. thau seggiu ik iu te uuaron nu fullicor for 
theson folke, 1453, ü. 1463, 15;>7, l'JSO u. 3. w. 

§ 4. Was nun die eigentliche Ersetzung eiues Futurums an- 
belangt, so sind uuerthan und cuman (Krdmann 7) ihrer Bedeutung 
nach von allen Verben hierzu die geeignetsten: that uuintit tbi 
uuork mikil, tbrim te githolonne, 501. tbes uuirdit bo fagin au is 
muode man te so managero stundu, ä99, vgl. 937. 956. 1313. 1336. 
1373. 1516. 1538. 1777. 1907. 3520. 3522, 3526. 3C32. 3919. 4049. 
4310 u. 8. w. 

cuman: endi ni cumid, thes uuiden rikies giuuand, ihes hie 
giuualdan scal, 267, vgl. 1324. 1525. 1692. 1700. 1901. 1915. 3074. 
4348. 4358. 4659. 

Auch in j^usammensetzungen ist diese Futurbedeutung von cuman 
deutlich erkennbar: bie ist uuisscumo eft an thesan middilgard, 921. 
iuu ist uuisscumo duomcs dag thie tnariu, 4352. 

Denselben Futurgebrauch des Praesens linden wir auch 
bei anderen Verben: 

er scalt tbu thi simla gisuonean . . . sithor mäht tbu meilmos 
tbina ti them godes altere giban: llian sind aia theni guoden uuertba, 
1469 f. thar ist thiu helpa gilang manno gihuiticon, 1112. ne sind 
im than thiu uuord fruma, 1910. uuirss ist them odron, gibidig 
grimmera thing, 1347, nis nu lang te tbiu tbat 2254, ä. 4087. thar 
ik im eft tegegnes biun, 5055. — tban babis thi (ihu Mj after thiu 
horth an himile, 3287. (han habis thu fri<!o sithor, 32ä9, :i. 3695. 
the hui habis thu thes eniga mieda fan gode eftha Ion an theson is 
liohte, 1547. — tban findis thu gisundan at hus magiungan man, 

I 2150. thar findat sia meti te cope, 2826. nu gi ina ni tindat hier, 

f 6851. — hie gildid is iu Ion . . au bimilrikie, 1G34. thau scinid 
thi leoht beforan. 17U8 — endi thie iuua fritho buiribit eft an 
inner selbaro sith, 1943. — so duot uualdand god an them marion 
dage, 2634. — otho biginnid im tbann is uuerc tregan, 3233. — 
than letiot us thob duom al'ter, 4001. — than ua liudi farad an 
ieridfolc, 4140. — gisuercat siu bethiu, 4311. — thau scedit hie 
tbia farduanun mau, 4388. — than togid hie iuu en guodlic bus, 
4541. — thes sia uuh lun uimat, 2288. tban hie that Ion nimid, 
4585. u. s. w. 

J 6. Hiiutig begegnet man im Ileliand einer Umschreibung 

l des Futurums durch eins der Praeterito-praeseiitia, doch sind diese 
noch nicht zu reinen Hulfsverben geworden, da ihre ursprüngliche 

L Bedeutung noch nirgend gansi erblasst, oft sogar noch recht deutlich ist. 




scutan. 1. sg. ik scal iu , . cuthian craft mikil, 397. 882. ISlt 
1873. 3038. 3030. 3527. 3531. 4563. 4640. 4661. 4767. 47Ö4. 4795 
5019. 5614. 

IL sg. than scalt thu eft uuard sprekan, 168. 264. 266. 275 f 
397 f. 480. 499. 1563. 2195. 30G6. 

///. sg. Bis tlies bodo gimaco enig obar erthu, ni nu after ni 
acal uuerthan an tbesaro uueroldi, 941 f. 126. 2lJ6. 275 f. 627. 
944. 1005. 1018. 1327. I32i). 1424. 1693. 1698. 1787. 1824. 2138, 
2759, 30U7. 3069, 3157. 3193. 3311. 3778, 3817. 4055. 4286. 4386, 
4580. 4605. 

/. pl. eftha uui sculun hier . . Rueltan an theson seuue, 2249. 
3307. 3807. 4147. 

II. jd. al so git hier . . tiacos gifahail, so bcuIod git noh äriQ 
barn halon, 1160 1623. 1875. 1888 f. 4677. 5527. 

///, pl. sculun eft naruam thing after iro hinfardi helithos 
tholoinn. 1350, 1356, 1763. 2140. 3068. 3035 3513. 3525. 4383, 5838. 

motan: 1. sg. nur ein einziges Mal in einem abhängigen Satze: 
that ik an thesaro uueruldi ni inot mid tnannon mer muoses anbitan, 4564, 

//, sg. than thu thi giniedon muost himilo rikies, 3275. 1558. 

III. sg. nu muot »niumo siindeono los manag gest faran an 
godes uuilleon, 1Ü14, 

//. pl, than muotun gi mid iuuon drohtine thar selljon sittean, 
3316. 1144, 1460. 1912. 4395. 

///. pl. thia muotun thea mariun ertha ofaittean that selba 
riki, 1305. 1307. 1309. 1310. 1315. 1318. 1319. 1796. 1920 u. 3. w. 

thtirhnn sinkt ebenfulls bisweilen zu einer Umschreibung des 
Futurums herab: ni tharft thu stum uuesan langron huila, 169. huat, 
tliu huergin ni thiirft . . an felis bispurnan, 1089. thann ne tharf 
mi thes enig tbanc uuesan, 5015. 

mtigaii. Hier gilt dasselbe: thar gi ina findan mugun, 403. thar 
mugun gi ena man seban, 4535. that thi noh te soragun mag uuer- 
than te uuite, 5360, oc mag ik iu seggean, 1389, ä. 2388. 3914. 4691. 

mnlliaii: theses uuilleo ik urkundeo uuesan, 998. than uuilleo 
ik it iu diopor nu furthor hifahan, 1436. than uuilliu ik iu leran 
nu, 1632. nu uuelliu ik iu , . marian, 2489. nu ni uuilliu ik iuu 
lang helan, 4665. thar uuilliu ik im an reht uuesan mildi mundboro, 
1980. nu uuelliu ik thi an helpun uuesan, 2956. met snlicoro ik 
thi gil>u uuelliu lonon thinon gilobon, 3082. huand hie im uuili 
ginathig uuerthan, 1319. god uuilit is alles radau, 1685. u. s. w, 

2. Der Indikativ Praeteriti. 

g 7. Mit dem Indikativ Praeteriti bezeichnet der Redende ein 
Ereignis als der Vergangenheit angehörende Thatsache. Auf die 
Zeitart wird hier eben so wenig Rücksicht genommen wie beim Indi- 
kativ Praesentis; besonders charakteristisch hierfür ist 977 f.: Johannes 
fltuod, dopta allan dag druhtfolc mikil, uuerod an uuatere endi oc 
iraaldan Crist . . an allero batbo them heston. Eine Hervorhebung 



der andauernden Handlung durch uuas mit dem Participium Praes., 
wie sie Otfried liebt, kommt im Hfliand gar nicht vor. 

Auch darin weichen beide DenkraÜler von einander ab, dass 
dort nur bei starken Verben das einfache Praeteritum für das wirk- 
liche Perfekt eintritt, vgl. Erdmaun 1, 21, hier jedoch auch schwache 
Praeterita oft diese Perfektbedeutung haben. Meist treten jedoch auch 
im Heliand für das Perfekt Unn Schreibungen ein. 

thu saidoB hluttar corn . . nu nt gisihit enig erlo than mer 
uueodes uuahsan, 2550. lesti thu inca uuinitreuua forth so thu dadi, 
321. theees uuilleo ik urkundeo uuesan an thesai'o uueroldi, huand 
it sagda mi uuord godes, 999 that is iu te miedu fargehan, huand 
gl hier err biforan arbed tholodun, 134(1. ni mcnda ik elcor uuiht 
. , te bidernianne . . thit sculon gi uuitan alla, 24.12. all liebbin ik 
so gilestid . . so ik is eouuilit ne forliet fan minero kindlski, 3279. 
uui quaroun hier an moragan . . endi tholodun liier manag te dage 
arabiiluuerco . . nu ni gibis thu us scattes than mer, 343(). huar 
quam that Judeono folc . . ni sia thi hiudu nullit harmes ne gidadun, 
3884 f. u, 8. w. 

Häufiger noch sind die Beispiele bei starken Verben: thes sia 
uuerc hlutuu, lehtlic longeld, endi so noh lango sculun, 2342, vgl. 
J22, 2lti. 222. 263. 272, 279. 571. 581.599. 624.734. 1428. 1740. u s.w. 

g 8. Auch die Bedeutung des lateiu, Plusquamperfects ist bis- 
weilen in dem einfachen Praeteritum enthalten. Besonders deutlich 
ist dies, wo es einer Umscbreibuiig desselben parallel steht: thar hie 
afuodid uuas endi . . auuohs, 2203. — that scoldun sea fiori thuo . . 
lingron scrihan . . that sea fnn Cristes crafte them mikilon gisahun 
endi gibordun, thes hie selbo gisprac, giuuisda endi giuuarahta, 32 f. 
so huilic so thar an unreht idis gihiuuada, that siu simla thena 
bedscepi buggean scolda fri mid iru ferahu, 308. tbur uuxs thes 
marien stuol an erdagon Dauides thes guoden, 361. mid them selbon 
sftcon . . them the hie Adame an erdagon darnungo bidroli, 1047. 
thena folco drohtin loboda . . huand hie iro mundoda, 2210. 

g y. Auf eine auch im Heliand durch etwas Ähnliches bestätigte 
Eigentümlichkeit der älteren Sprachen, dass sie nämlich in Segnungeu 
und Verwünschungen das Praeteritum statt des heutigen Praesens an- 
wenden, macht schon Grimm IV, 175 aufmerksam: „Segen und Fluch 
sind um so stärker, da sie als eingetreten und fortwirkend vorgestellt 
werden." 

uuG uuarth thi, Hierusalem, quathie, thes thu te uuaron ni uuest 
Ihia uurilgiscapu, 3691. uuah uuarth thesaro uueroldi, ef thu iro 
scoldis giuualdan, 5573. 

g 10. Schliesslich steht bei den Verben sollen, können, wollen 
bisweilen der Indikativ Praeteriti statt des erwarteten Konjunktivs, 
insofern die Notwendigkeit, Möglichkeit und Geneigtheit, etwas zu 
thun. als wirklich in der VerRangenheit vorhanden vorgestellt wird, 




trotzdem man weiss, dass dasjenige, was damals einer tLun sollte, 
konnte oder wollte, nicht ausgeführt ist: 

nu cumis tbu te minero dopi . . so scolda ik te thinero duan, 
972. thoh man im iio hertun an tue sniili midi suerdu, thoh ui 
mabta im io serora dad uuentan, 746 f. uueldun . . ina fahan eftha 
sten an uuerpan, ef sia im thero manno menigi ni audredin, 394U. 
uuelda ina . . gerne farlalan, thegan thes kesures, tbar liie is haTidi 
for thero thioda giuuald, 5354, vgl. 3062 f. ne mahtas thu that 
sellio gihuggian . . ne it ni mohta thi mannes tunga uuordun giuuisao, 
ac deda it thi uualdand seilio, 

Ku]i. II. 
Da« Verbnm im KonJanUtlv. 

1. Der Konjnuktiv Praesentis. 

g U. Obgleich der deutsche Konjunktiv seiner Etymologie nach 
ein Optativ ist, als dessen Orundhedeutung Delbrück Syntakt. For- 
schungen IV. 17 den Wunsch aufstellt, tritt diese Optative Bedeutung 
doch beim Konjunktiv I'raes. nirgend deutlich zu Tage; dieser Modus 
hat stets bortativen oder imperativen Sinn. 

g 12. Cotiiunctivus horlativus in der 1. Person Plnr. in Auf- 
forderungen, welche der Redende an sich und andere richtet: 

than faran uui thar nlla tun, halon it mid ussan bandon endi 
tbat hrencurni lesan subro teaamnc endi it an minon seli duoian, 
hebbean it tbar gibaldan , . endi tbat uuiod niman, bindan it te 
burthinnion endi uuerpan it an bitar fiur, laton it thar haloian heta 
logna, 2567 f. ,ni uuernian uui im thes uuillien, 31195. duan us alla 
BO, folgon im te thero ferdi: ni latan uae fera uuid tbiu uuibtes 
' uuirdig. 3998 f. nu uui an ihena sitli faran endi ina auuekkian, 4007. 

Anmerkung. Ob uuita mit Grimm IV, 90 als 1. Person Plur. 
zu erklären ist, die zugehörigen Verbalformen aber für Infinitive zu 
halten sind, vermag ich niclit zu entscheiden; letztere könnten formal 
auch Konjunktive sein Die Beispiele sind folgende: uuita kiesan im 
Ollerna niudsamana namon, 223. ac uiiit ea thiena fader fragon, 228. 
ac uuita im uuonian mid, tbuoloian mid usson tbiodue, 31>95. 

g Vi, Coiiiunctivus imiierativus. Zweimal findet sieb die 2. Person 
Plur., trotzdem hier im Imperativ die entsprechenden Formen vor- 
handen sind; an einer der Stellen freilich nur in M, während an der 
zweiten, wo allerdings C mit M übereinstimmt, die Nachbarschaft 
einer ganzen Reihe von Infinitiven den Irrtum schon in die gemein- 
same Vorlage eingerührt haben mag, wie dies Bebaghel, modi im 
Hei. § 13 vermutet: iuuuan uuelou geban gi tbem mannun, 1533 M, 
gibat L'. tbem ni seggian gi iuuan Terun uuiht, 1731. 

Die 3. Person bat nichts Auffälliges, doch kommt nur die des 
Singulars vor: hie niote ef hie moti, 224. uuerthe mi after thinon 
uuordon (eine Art Permissivus), 2S6. diuntba si nu drohtine selbon, 
41S. tban ni si hie im io so suitho an sibbeau bilang, nee iro 



magscepi so mikil, 1494. nee enig tirio barno ne suene bi is selbes 
liobde, 1512. hie seggie that uuara .. late im ginuog an thiu, 1521 f. 
duo allaro manno gihuilic adron inaDne frutna endi gifuori, 1536. 
giuuihid si tbin namo uuordu gihuilicu, cume tbin craftiga riki, uuertfae 
thin uuilleo, 1602 f. nio tbnt iuuar cnig iii dua, 1695 (diese beiden 
Beispiele fehlen bei Behaghelj. late man sia fortb hinan betbiu 
uuabsan {permiBsiv), 2564. so lata im thit an innau sorga, 2609. 
ne si iu foroht hugi, 2928. ni formiini ina an is mode, ac uuese im 
mildi an is huge, thiono im tbiolico, 3220. lata man sia selben 
keosan, 3405. so ganga iro selbo tuo endi sia , . sten an uuerpe, 
3869 f. 80 gange imo herod drincan te mi (fehlt bei Behaghel), 3913. 
ne druouie iuua herta, 4705. fare is dror obar us, 5483. 

Ursprünglich imperativischen Hauptsatz nehme ich mit Bebagliel 
§ 37 auch in den die Protasis eines Bedingungssatzes ersetzenden 
Formeln „ne si that" und „ni uuari ihat" (die Belege folgen ij 125, 1 
und 127, Ib) an, doch hat sieh hier der wünschende Optativ iu den 
Potentialen abgeschwilcht, vgl. die Ausführungen Delbrücks I. 27 f. 

2. Der Konjnnktiv Praeteriti. 

g 14. Den eigentlichen Optativen des Wunsches stellt Del- 
brück an der eben angeführten Stelle die abgeschwächten Optative 
gegenüber; solche müssen wir fast in dem ganzen Gebrauch dieses 
Modus im Heliand ansetzen; denn seine wünschende Bedeutung ist 
in unabhängigen Sätzen nur noch in wenigen Stellen erkennbar, wo 
er als Coniunctivus imperativus der Vergangenheit aussagt, dass etwas 
hätte geschehen sollen, aber nicht geschehen ist: thu sauui thi thes 
selbo = 'du hättest selbst darauf achten sollen', 5158, mid thius 
scoldis thu US hindag er gebon endi gomean, thann ib allaro gumono 
gihuilic githigidi te thanke, 2064 f, 

In einem anderen Falle bat jedoch dieser Konjunktivus Praeter. 
gar keine Vergangenheitsbedeutung mehr, sondern drückt in einem 
negierten Satze aus, dass etwas nicht geschehen sollte, was doch ge- 
schieht: hitbiu ni scoldi hruomian man te suitbo fau im selbon, 5046. 

g 15. Für den Konjunkt. Praeter, in selbstiindigen Aussage- 
sätzen gilt auch im Heliand, wie dies Erilmann I. 45 f, für Otfrid 
ausführt, ein doppeltes. 

Entweder bewahrt er die Bedeutung der Vergangenheit, wird 
aber durch die Vorstellung, dass eine Handlung in der Vergangenheit 
zwar geschehen konnte, aber, wie der thatsächliehe Verlauf gelehrt 
hat, nicht geschehen ist, zum Ausdruck der Nichtwirklichkett: huat, 
thu mahtis gitroian uuell, uuitan that te uuaron that cet., 2951, ähnl. 
2656 huanan scoldi (soldc M) im sulii; giuuit cuman. Andere Belege 
bei den Bedingungssätzen. 

Im zweiten Falle hat der Konj. Praeter alle Vergangenheita- 
bedeutung abgestreift, so dass er uur noch ein zu der thatsachlichen 
Gegenwart in Gegensalz stehendes Ereignis bezeichnet. Ist hierbei 



diis Eintreten desselben auch füi' die Zukunft als unmügltch gedacht, 
Bo wild der Kotij. Praet. zum Ausdruck der rnmoglielikeit Überhaupt, 
wie in den Konditionalsätzen; steht dagegen das Eintreffen jenes 
Kreignisses noch in der Zukunft zu erhoffen, so wird der Konj. Praet. 
zum Augdruck der Möglichkeit Überhaupt, zum nllgemeiDen Potentialis. 
Als solcher hat er den Konjunktiv des Praesens schon rollsländig 
aus diesem potentialen Gebrauche verdrängt. 

Die Belege spare ich bis zu den Bedingungssätzen auf und führe 
hier nur diejenigen Beispiele an, wo jener Konjunktiv schon geradezu 
eine dem griechischen Optativ mit iv gleiche Verwendung gefunden 
hat: uuari us that allero uutiliono mesta that cet. 60^, us uuari 
thes Öriuuit inikil, uuatdand, te uuitanne, 4007. ina quamun uui 
8okcan herod, uueldin ina gerno brgetan, 4847 M, wo C den Indikativ 
hat. huat, thu mahtis man uuesan . . iungro fan Galilea, 4957. 

Kap. III. 
Das Verbnm Im Iinper«tlv. 

g 16. Ks ist daran zu erinnern, dass die 2. Person Sing, des 
Imperativ gar keine Personenendung besitzt und die 2. Plur. der des 
Indikativ gleichlautet. Da nun im Indikativ die l. und 2. Person 
Plur, die Endung der ;!. Plur angenommen haben, so erklärt es sich, 
wie in C auch Formen auf nt, also deutUch gebildete Indikativformen 
der 3. Plur. für die 2. Plur. des Imperativ verwandt werden konnten, 
z. B. antfahent, 43U2. seggient. 4.^40. marient, 4645. gihuggent gi, 
4651. minniond, 4654. berend, 4660. 

1. Positiver Imperativ. 

g 17. a) Ohne Pronomen. 

aa) Im Singular: sagi {a M) 605. 922. 3812. 3855, scrid thi, 
1085. duo . . so seif: girihti us that giruni, 1594 f. gib us . . endi 
alat US, 1606 f. jat thi that an thinan hugi fallan, 1707. latus . . 
gihorian, 2424. mith iro, 2716. lat . . sehaii, 2750. biet (het M) 
. . gangan, 2936. halo . , endi Iah im is grimmuu uuerc, sac ina, 
3228 f. giduo it . . cuth, mari it endi lat . . uuitan, 3231. delian 
het armou mannon, 8286. cum thi . . folgo thi . . 3288 f seudi, 
3367, uuis US mildi, neri us, 3563 f. rad . . uuel, 3813. gang thi 
. . hinan, lat thi . . sorga, 3893. sih thi, 4 609. frumi . . duo that 
thu duon scalt, 4617 f. neri thik . . endi nithes atuomi, gang thi 
hei herod, 5569 f. gang thi . . nither, slopi thi fan them simon endi 
US samad allon hilp endi hell, 5584 f. giduo it . . sein, mari thik, 
0587 f. uuiss thi an is gisithie samad, 5616. uuisi ina mi, 5925. 

bb) Im Plural: hebbeat that te tegne, 405. nu latat . . hreuuau 
. . endi minon leron horeat, uuendat after minon uuordon, 879 f. 
hebbeat iuuan uuilleon tharod, 943. duot so ik iu teriu: latat . . 
scinan, 1399 f. duot im guodi's filo, togiat, 1456 f. lesteat . . sam- 
ood, 1646. hebbeat tharod iuuan hugi fasto, 1652. suokeat, 1795. 
kuthiat, 1797. hebbeat . . tegegncs, 1876. uuesat iu so giuuara, 



1882. andrüdad iu . . l'arabtiat , . frummeat, 19U7 f. uuesat . . 
mildia, 2491. horiat, 3(561. Intal iu . . aorga. 4377, niariad thit, 
4G45 M. hebbeat thit . . helag bilithi, 4647. habbiad ferhtan bugi, 
mioniod iu, 4653 f. M. antfabat ina . . endi im so adeliat, 5195 f, 
quetbat, 5883. 

g 18. b) Mit Prouomeii. 

aa) Im Singular: Bei nach gestelltem Pronomen: hei uuis thu, 
■259. nu lat thu aia , . sithon, 28^4. gibugi thu, 3376. — Bei vor- 
gestelltem Pronomen: thu bat>i grotan giuuald, 3075. tbu habi tbi 
selbo giuuald, 4516. uu tbu bier uuardon bet, 5756. 

bb) Im Plural: Bei nacbgestelltem Pronomen: thes latat gi . , 
an luston, 1342. tban duot gi, 1576. tiian quetbat gi, 1599. ruomot 
gi, 16S8. tbann nimat gi, 1786. gihuggiat gi, 1845, uuacut gi, 
4352, gilobeat gi, 4638. gibuggiat gi, 4643, ä. 4651 M. hebbiat gi, 
47ä5. ac bleotat gi thes alles, 5479. siunon uuesat gi an stride, 5885. 

Bei vorgestelltem Pronomeo: simla gi . . lerat, 2513. ia gi than 
, . seggiad, 4510 M. simlum gi fastu te gode berad iuuua breost- 
gitbaht, 46li0 M. 

c) Der erste von mehreren Imperativen mit Pronomen. 

g 19. aaj Im Singular: lesti thu inea uuinitreuua forth . . endi 
bald inkan friunscepi uuel, 821 f. so tiuh thu thena . . te tlii, ant- 
klemmi im thiu kinni, 3203 f. than uim thu ina sundar te thi . . eudi 
im is rada (rad M) sag],' uuisi im mtd uuordon, 3225 I'. than lath 
thu theua man faran, babi ina than for hctbinon endi lat iua tbi . , 
lethan, mith is, 3237 f. ac ili tbu . . eudi tutdi, 5935. 

hb) Im Plural: erot gi arma mau, deleat, 1540. gibat gi . . 
eudi ruomot, 1553 f. gerot gi . . endi than duot, 1687 f. tbanu 
uuesat gi . , dubon gilica, bebbeat . . enualdan bugi, 1884 f. simla 
kiosat (sokiad M) gi . . endi cutbiat, 1931 f. thanne gi . . mid im 
uuoDot mid uuilleon eudi im . . lonot, geldad . . eudi . . giuuibat endi 
seggeat, 1935 f. gebat gi . , uueniat, 2630 f. kumad gi . . eudi' 
antfabad, 4392 f. iliat gi . . gangat gablico endi duot it . . cuth, 5863, 

Einmal steht von drei Imperativen bei dem ersten und /weiten 
das Prouomen, nicht aber bei dem dritten: so uuesat gi . , helpono 
milda, lerat gi liudio barn . .: firinuuerc labat, 1848 f. 

2, Negierter Imperativ. 

Bisweilen sind die negierten Imperative mit positiven untermischt. 

g 20. a) Ohne Prouomen. 

aa) Im Singular: ni lat us farledean letha uuihti . . ac hilp us, 
1610 f. 

W)) Im Plural: ni latat iuuan bugi tuillean, 948. ni mareat it, 
1570. ni uuelleat fibu uuinnan . . ac uuirkeat, 1637 f. ni mornot, 
1663. ne latat . . thes uuirthi, 1852. ne forohteat te filo, 4706. 
ne ruokeat . . ac huggeat, 1541. 



J 



b) Mit Pronomen. 

aa) Im Shiyular: ni liabi tim uuekean bugi, ni J'orobti lliu, 
26ü f. ni uuis tbu Mariun uui-etb .. ni forhugi tbu »m, 318 f. ni kt 
thu sia thi tbiu lethrun, 323. ni kt tbu thi tbinan hugi tuitlean, 
328. ne galpo tbu, 1561. ni kt thu tbi tbinan ^etion suercan, 4040. 
ne sih thu, 4766. ne uuit thu that, 5159. 

bb) Im Plural: ni uuaneat ^i thes, 1420. tbann oi satanott gi 
hier sine, 1G42. ne groinot gi, 1(585. umbi that ni ktat gi . . 
tuiflean, 1896. 

c) Der erste von mehreren Imperativen mit Pronomen. 

g 21. aa) Im Singtilur: te blud ae duo thu it . . ac duo im, 
1553 f. ni uuis tbu te starc an hugie . . nt nodrof ni frumi; abunst 
alk forkt, uuis thinon eldiron guod, 3271 f. 

271(1 folgt auf einen positiven Imperativ mit Pronomen ein 
negierter obne Pronomen: habi tbu thar sulica minna tuo, ne sundeo 
thi te suilhuo. 

Ol') Im Flural: tbann ni duot gi that . . culb, ac mithat is, 
1631 f. ni gornot gi . . ac buggeat, 1662. ni andradad gi iu . . ni 
fortiat, 1903 f. 

1943 f. steht mitten zwischen positiven Imperativen, deren erster 
mit dem Pronomen verbunden ist, ein negierter: than gi . . farat . . 
cudi latat eia . . buon endi suokeat iu . . endi ni ktat thes ntetmes 
uuibt folgon . . ac scuddeat it. 

§ ä'2. Koncessiven Sinn bat der Imperativ 1576, konditioaaleu 
:i43. 1556. 1687. 1795. 1797. 3289. 5569, worauf ich bei Behandlung 
der betreffenden Adverbialsätze noch zurückkomme. 

^ "Jit. Dem Imperative oder imperativen Konjunktive mit mugan, 
scukn, thurban und abhängigem Infinitiv parallel: kt tbi th»t an 
tbinan bugi falkn . . tbann mahtu after thiu suases mannes giseon 
Bitbor gibuotean, 1 707 — 10. — bithiu ni thurbun gi umbi iuuua 
giuuadi sorgon. ne grornot gi umbi iuuua gigeruui, 1687 f. umbi 
tbat ni ktat gi . . sebon suicandian: gi ni ilurbnn an entgan sorgon 
uuesan, 1896 f. — hebbeat luuan muod uuider them so gkuuan te- 
gegnos . . for tbiu gi sorgon sculun, 187C f., vgl. 2715. 2927. 3150. 
3284. 4537. 5616, 

Auch an anderen Stellen, wo diese Verba keinen Imperativ zur 
Seite haben, können sie wegen ihrer Einwirkung auf den Modus des 
abhängigen Nebensatzes, welche der des Imperativ ganz gleich ist, als 
Umschreibungen eines solchen betrachtet werden, vgl. § 96a, 107a, 
110 (so buann so), 112 Schi,, 113. 3, 125. 

g 24. Von den imperativen Konjunktiven ist § 1.^ die Uede 
gewesen. Ausser diesen kann auch eine Trage zum Ausdruck eines 
Befehla dienen, z. B. ef tbu sis godes suno, quathie, bibui ni hetia 
thu thann uuerthan . . brod of theson stenon? 1065. 




10 ^m 

Auf(;e6pavt habe ich noch eine kleine Anzahl Stellen, wo der 
ImperRtiv in einem Satz mit that steht, niao abhiingig, aber unter 
Beibehaltung der Form der direkten Rede; nu biddiu ik thi (2990) 
that SU sia . . Rtomies, that tliu sia so arma egrohtfullo iiuamscathoD 
biuueri, 2993. thia helagan lera thia . . gibiudit, that thu man ne 
slah, ne thu mencs ni sueri, fori egarnis sia forlat, 32G7 f. oc scal ik 
iu gibiodnn (1565) . . that ^^ it than for odron uuerodo ni duot; ni 
mareat it for menigi, 15G9. than uuellia ik iu . . seggian, that gi 
im sin gebat , . endi uualdand godc selliat that ihar sin ist, 3829. 
vgl. 4666 M. 

Dasselbe gilt von den Umschreibungen des Imperativ: so is oc 
an buokoQ giscrjban, quathie, that thu ti hardo ni scalt herren thines 
fandon, 1093. buo it gibiudit .. that hie it .. scal san angeldan, 1531. 

Zweiter Hanptteil. 

Das Verbam im zosammengesetzteii Satze. 

Aliteiliing A. 

Beiordnung. 

Kbii. I, 

A»7n<letlHcbo Feriu der Befardiina|[. 

^ 2ä. Wenn zwei oder mehrere Vorstellungsinhalte, von denen 
jeder l'ür sich ein Ganzes bildet und von denen keiner auf den andern 
Einfluss ausübt, in Satzform gebracht werden, und nun diese Sätze 
neben einander treten, so entsteht die zusammengesetzte beiordnende 
Bede. Ihre einfachste Form ist die, dass jene Sätze ohne alle Be- 
zeichnung einer Verbindung einer nach dem andern ausgesagt werden, 
also die asyndetische Form der Beiordnung 

Am naturgemässesten ist diese in Beschreibungen und Schil- 
derungen von Ereignissen, welche zugleich und neben einander be- 
stehend gedacht werden, z. B. than uuas thar en gigamalod mann, 
that uuas fiuod gomo, habda ferehtan hugi, uuas fan them liudeon 
Leuuias cunncs, Jacobas suoueas, guodero thiedo: /acharias uuas 
hie hetan, 72 f. 

Auch in Gegensätzen hat das Asyndeton nichts Aufiiilliges, 
z. B. thit sculun gi uuitan alla, iungron mina (2434) . . them odron 
Bcal man be bilithon tliat gibod godes uuordon uuisean, 2438. 

Bisweilen ist das Asyndeton mit der Anaphora verbunden, z. B, 
liet ina gicunnon .. liet ina gisundion, 5031. So steht 592 f. drei- 
maliges „biet" u. s. w. 

Neben einfachen asyndetisch aneinander gereihten Satzkomplexen 
erscheinen solche, wo eine Reihe asyndetisch beigeordneter SiUze durch 
einen mit endi eingeleiteten abgeschlossen wird, z. B. 133 f. hie 
ijuath that thie guodo gumo Johannes te naman hebbean scoldi, gibod 
that gi it hietin so that kind than it quami, quait that it Cristes gl- 
sith . . uuerlhan scoldi, is selbes sunies, endi quad that sea sniumo 
herod . . bethia quamin. 





u 



g 2H. Sobald nun aber, wie Delbrück I, 98 es ausdrückt, der 

Gedanke gehoben, der andere gedrückt, der eine mit Pathos, 
der andere mit Oleichgültigkeit ausgesprochen wird, so ist hiermit 
schon der Unterschied zwischen Haupt- und Nebengedanken gegeben, 
wenn er auch in der Sprache formell noch nicht durch bestimmte 
Mittel der Satzverbindung bezeichnet wird. 

Darin liegt die Erklärung für die Erscheinung, daas zwei logisch 
auf gan;: verschiedener Stufe stehende Sülze doch als anscheinend 
zwei gleichberechtigte Urteile ganz unverbunden neben einander stehn. 
Dies will ich gleich hier durch eine Anzahl Beispiele belegen, damit 
ich nicht in Jedem Falle bei der Unterordnung darauf zurückzukomqien 
brauche. Eine Mannigfaltigkeit der Belege, wie sie für die gleiche 
Erscheinung Otfrids Sprache aufweist, bietet das im Heliand vor- 
liegende Sprachmaterial freilich nicht. 

1. EigentUcIie Snbstantivsätze. 

g 27. a) !m ersten Satze vorbereitendes Pronomen oder so: 

thuo uuart it san gilestid ao . . uuarth ald gumo spraka hilosid, 
170. duo thina iungron so seif, girihti us that giruni, 1595. dago 
gihuilikes duot endihueilar, uuanot eftha uuahsit, d*.>'2'J. that it enig 
uuero frumidi, that bruoder brud an is bed nami, 2713. tban dedun 
gi iuuana drohtin so samo, giuueridun im iuuero uuelono, 4440. so 
duot doloro ülo, gimedaro manno, dribit im mislic thing, 3467. deda 
thar SD hie giuuonoda drohtin selho, lerda thia liudi, 3961. duan us 
alla 60, folgen im te thero ferdi, 3909. so duot all thesaro uueroldes 
giscapu, teglidit grtioni uuang, 4:J85, vgl 0054. thar ti lat ni uuarth 
Simon Petrus: aprac, 3051. 

h) Im ersten Satze vorbereitendes Substantiv: 

thuo uuard . . gicuthid ia crafl mikil: uuarth thiu quena ocau, 
19üt. so cuth is US is cuniburd . .: auuohs all under theson uueroda, 
2056. hugi uuarth an forohton thero manno muodsebo: andriedun 
that cet., 2924. thuo uuaith thar seldlic thing giogid after thiu: 
Elias endi Moyses quamun, 3129. gaf im langsam Ion: liet sia . . 
sicora, 4208, vgl. 441 G: uuill iu . . lonon iuuan gilobon: gibit im lih 
euuig, 441ti. frumidun iro herron uuord: helagna Crist fuordun, 5265. 
thar mohta man thuo dereui thing harmlic gihorian: htouuandi tbar 
after gengun uuib mid uuopu, 5515. 

Auch excipierendc Sülze werden in gleicher Weise unverbunden 
angereiht: betbiu meth hie ia so an is muode, ne let tbat manno 
folc uuitan huat sia uuaiuhtun, 5333. thuo ni mohta . . mithan Maria 
for thero menigi: uuid mahtina sprac, 4079. mithan siu ia . . ni 
uuissa: uuelda ina gripan, 5931. 

2. Absichtssätze. 

^ 'iH. Sie SL'hliessen sich unverbunden an Verba der Ruhe und 
Uewegung, sowie der iiusseren Thätigkeit an, vgl. Erdmann I, 282, 

satun im thia gisunfader an enon sande uppun, brugdun endi 
buottun thiu netti, 1176, vgl. 383. 1280. 3590. 3612. 3642. 3737. 3707. 



Btuod uuerod inikil uaibi that barn godes, gihordun ina . . 
uuordon tellian, '2538, vgl. 3783. 3S72. 3900. 3928. 4230, 5280. 5'2«4. 
upp aetuod , . fuor im, 5770. endt nahor sted, aa is briosL hledit 
that gibod godes, 246S. 

lag . . an thero helliu, hriop upp tbanan, 33G4. 

habduii lliat bain mid im, lielagna, Ciist, suobtun im hus 
godes, 459. 

tbahtun endi thagodun, gihordun . . seggeao eu godes, 138(i. 

thuo giuuet im oc . . Joseph thie guodo, suolita im thia 
uuananion hem, 35G, vgl. 716. 1134. 2150. 298-3. 3034. 3172. 3183. 
3556. 3664. 5975. 

endi nahor gieng uobiuri tiond otbar sithu, fandoda is frahon, 
1075. 2007. 2311. 3155 3195. 3209. 4089. 4205. 4285. 4478. 4804. 
4819. 4900. 4937. 5061. 5463. 5501. 5584. 5722. 

huarf an that hus iiinan . . giuotta tbena godes suno, 5339. 

sithodun .ludeon . . leddon . . drolitiii te dode, 5511. 

quamun . . gangan te hus, iri) herreii sagduo, 2547, vgl. 2105. 
21 22. 3672. 4789. 

than farau uui thar iiUa tuo, lialon it mid ussan bandon, 2576. 
2UU8. 3541. 6957. 

hie uuarth garo san, stuop Tan them stamne, 2939. 

uuartb im . . te nah . . bisuek sia, 3596. 

uuendit ina . . te them farduanon man, sagit ini, 4417. 

thuo slogun tbar eft crud an gimang, uueridun im tbena 
iiuaston, 2409. 

megin samnoda . . uueldun tbia is suotiuu uuord helag gihoriau, 
■JO'JO f. 

thar sia netti tbenidmi, liscodnn an them Huode, 1155. 

tbia uuclliat te gode hnigau, liropat thiir te helpu, lüi7. 

scgcl upp daduu uuederuui»aman,Hetunuuindaftermaaon, 2238. 

uurtbun an letherun stedi .. foruuorpan, tholudun .. thiod- 
arabedi, 3599- 

sab . . upp mid is ogun, alat sagda them tbie, 4090. 

gihnegida thuo is bobid, helagon atbom liet fan tbemo lik- 
bamen, 5657. 

Selten ist dies bei den eigentlichen Verben des Strebens der Fall: 
endi gihuggiat an oder, uuirkeat uuamdadi, 1919. 

g 29. Fast ebenso häufig ist bei diesen Verben die Anreihuiig 
durch endi. Der Übersichtlichkeit wegen zähle ich die Beispiele an 
dieser Stelle auf. 

satun endi suigodun, 2413, 5238. 

Btuod . . endi afteruuaroda, 3758, 5238. 

thia muotun thar an Habrahames endi an Isaaces so seil' . . 
barmon restian endi betbiu gitbolon, 213(). 

thar Maria uuas . . endi iro suno habda, 792. 4632. 

giuuet im . . endi cutda, 873. 2802. 4185. 5159. 5743. 5870. 



gieng im thuo tegegnea endiinft gerno anfieng, 477. 2183. 2381. 
2544. 2598. 2770. 2820. 386*), 4027. 4828. 4838. 4070. 5Ü0I. 5150. 
5864. geng im . . iac im uppan an thena lierg gisteg, 4272. 

ac ili tliu nu oftslico endi . . cutili, 59'J5. 

quam .. endi aat im, 9.'^5. 08!l. 909. !):i2. 2101, 2,'ir)'!. 3257. 
3764. 4392. 4954. 5072, 

huurbun . . endi ina an saiide bigrugbon, 2793, 

uuarth san garo , . endi brahta, 5041. 

iipp ares , . endi sprak, 2251. &080. rjl75. 

I'orliet . . endi suohta, 1124. 1196. 

fellun ti tli^m kinde an kneobeda endi ina . . gruottun, 671. 
vgl. 2208. 

thuo sia landes uuard uuekidun . . endi sagdun im thes uuedarcs 
traft, 2247. 

than nim thu ina . . endi im is rnd sagi, 322.'), nam . . ondi 
gaf, 4613. namun ina endi ina thuo teddun, 512,-!, 

thit ik te erthu acal get>an endi giotan endi iu te godes rikie 
lo^ian, 4640 

halo thi thar O'lrau tuo giiodero gumono endi Iah im is giimniun 
uuero, 3228. 

sokiat gi in thena hei^ton san mann . . endi rulhiat im, 1932. 

3. FolgeaHtze. 

5} ."iW. a) Mit so oder sulic im ersten Satze: 

tlian unirtliil thoh huie oilrnn an is muode so gnim, litjas uueldi 
ina hitosenn, ot' hie mohti gilestian so, 1442, habit so giuiiehslut . . 
uuelono thena meston: ferit im an giuuald godes, 2488. sia sind so 
misiica helithos gihugida: 8um habit iro liardon strid, 2493. thuo so 
ßirragi uuarth . . leriendero best an thero iiuostunni: uuerod samnoda, 
fuorun folcon tuo, 2812. so egrohtfull ist thie thar alles giuualdit: 
hie ni uuili enigon irminmannn faruaernian uuillion fiines, 3503. 
huand thu tlii so maris endi sulic men sagis, gihis Tor theson Judeon 
that thu sis god selbo, 3952. ae uuaion im so uuretha uulanca 
thindo, muodag mancunni, habdun im morthugi, Inuuid an innnn, 4221. 
that hie ina so rikean teHd, gibid that hie god si, 5104, behui uuilt 
thu sulic uuoi'd sprecan, gruotls ina mid gelpu, 5591, 

b) Ohne Andeutung im ersten Satze: 

the hir rebto aduomead. ne uuelleat an runu btsuikean man, 1311. 
uueder stillodun, fagar uuarth an them tluode, 2260, thie uuas . . 
lithouuastmoQ bilamod, ni mohta is lichitmon uuibti giuualdan, 2301. 
thin thiorna spiloda, hruor after them huse: hugi uuas an luston, thero 
manno muodsebo, 2765 it undar iro handon uuohs, meti manno 
gihuem: thero meginthioda uuarth lif an luston, thia liudi uurdun alla 
sad, 2860. thuo uuarth thie gest cuman an thena likhamon: hie 
began is litbi hruorian, 4099. sinu huo thu nu gifastuod stes, suitho 
giserid: ni malit thi selbon uuiht balouues gibuotian, 5579, uurthun 
thiu fri an forohton, fuvthor ne gidorstun . . gangan, 5« 13. 



14 

4. KansalsätEe. 

y 31. a) Der vorhergebende Satz begründet den folgenden: 

ni biet er giouuibt so . . uses kunnes eftbo cnuosles. uuita kiesan 
iin oderna niudsamnna namon, 222 f. so fast bist tliu so felis thio 
hardo, hetan sculun thi Hrio barn sancte Peter, 3068. that (das 
Treiben der Wecbsler im Tempel) uuas tbem godes barne all an 
andon: dref sia ut thanan, 3739. 

b) Der folgende Satz begründet den vorhergehenden: 

huo mag that giuuerthan so, quathie, after an aldi-e? it h uuc 
al ti lat so te geuuinnanne, 141. bua mag that giuuerthan so, quat 
siu, that ik magu fuodie? ne ik gio mannes ni uuarth uuis, 271. ne 
uuclda sia . . meldon for menigi . . andried that sea manno bani 
libu binamin, 304. manag faganoda uuerod after them uuihe : gibordun 
uuilspel mikil fan gode seggian, 52G. Vgl. !)21 (hie is uutascumo), I04.S. 
1051. 1665. 1835. 2801. 3002. 3198, 3814, 4041. 4S23. 54G6. 5846. 

Bisweilen weist so oder bcthiu an der Spitze des zweiten be- 
gründenden oder begründeten Satzes nachdrücklich auf die vorher- 
gehende Behauptung hin, z. I!. that (das Kind) ni scal an is libe gio 
lithes abilan, uuines an is uueroldi: so liabit im uurdgiscapu roetod 
, gimarcod, 127. Johannes uiias er tbem herrosten cutli : betbiu muo»ta 

hie an thena hof innan thringan, 4949. 

Ö. Koncessivsätze. 

g 32. a) Der erste Satz enthält dem zweiten gegenüber eine 
Koncession : 

80 heida hie thia haltun man (23ri7) . . ne uuas io Judeo betbiu 
letbes liudscipes gilobo thiu bettera, 2360. bigan siu im th;ir lethea 
ßlo radan, endi ina rincos biet . . lithocospon bitucan: be them liudeon 
ne gidorstun tna ferahu bilosian, 2720 f. nis thit JuJeono folc erlös 
enuurdia (3041) . . alla sia mid uuordon sprecat, 3047. sia . . bilosiat 
mi libu: ik te tbeson liolite scul . . astandan, 3531. Vgl. 3H17 le 
hui gi . . fandot mi so fruocno? ne scal iu tliat te frumu uueitlian. 

b) Der zweite Satz entbillt dem ersten gegenüber eine Koncession: 

tbuo im ihat uuib ginam thie cuning to quenun, err uuarun iro 
kind odana barn be is bruother, 27Ü!). uuelda im te llieriisalem . . 
uuison . . hie Consta tlies uuerodea so garo heligrimman hugi, 3544. 
behui uuilt thu sulJc uaord sprecan, gruotis ina mid gelpuV stes thi 
hier an galgan haft, 5590, te hui tliu thes so escos? quathun sin, 
bist tbi fan Hierusalem, 5967. 

Bisweilen aber werden die beiden Sätze durch endi verbunden: 
hropat thar te helpa endi huggiat an oiter, uuirkeat uuamdudl, 19 IH. 
noh giuuand cumid bimiles endi erthun, endi stet min belag uuord, 4349. 
Vgl. 1714. 4910. 

T). BediugnngRBHtEe. 

g 53. Hier habe ich nur einen Kall angemerkt, der allenfalh 
hierhergezogen werden kann: ik gangu im at erist tuo, quathie, cussiu 
ina endi queddiu: that ist Orist selbo, 4820. 




Kall. II- 
SyudetUche Form der BelordDUug. 

§ 34. Wenn mehrere einander niclit bedingende Vorstellungs- 
inhalte durch den Hinzutritt von bestimmten Partilteln zu einer 
Satzeinheit verbunden werden, so entsteht die syndetische Form der 
Beiordnung. Die Verbindung der Sätze unter einander ist eine 
verschiedenartige, 

A. Kopulative Verbindung der Sätze. 

g 35. Positive oder negative I'artikelu der Anreihung oder 
Steigerung verbinden zwei oder mehrere Sätze, deren Inhalte ein 
zeitliches oder örtliches Nacheinander oder Nebeneinander bilden. 

1. Positive Anreihang. 

eiidi ist die häutigst gebrauchte der hier in Betracht borotnenilen 
Partikeln; es verbindet entweder einzelne Satzteile miteinander, ?, B. 
mid uuordun ende mid uuercun, 5, oder ganze Sätze, z. B. en nuas 
iro tbuo noh than tirio baruun biforan endi tliiu fiuui uuarun agangan, 
47. — Nicht selten folgt auf endi noch oc, welches die Verschieden- 
artigkeit der verbundenen Glieder noch besonders hervorhebt, z, B. 
thar iro bethero uuas thes helithes handmahäl endi oc thero helagnn 
thiomun, 300. 47«. 979 1417. 1559. I'.IIO. 2133. 3222. 3686. 3757 u. o. 

iac verknüpft ebenfalls einzelne Wörter mit einander, z. B. mi 
thunkit an is uuisu gilik iac an ia gibarie, 212, oder ganze Sätze, 
z. B hie im oc at theni gomon uuas iac hie tbar gicutda, 2003. — 
Bisweilen steht es nur in M, während C gie hat, z. B. 4407. 4744, 50S3. 

ok steht, wie schon angeführt, oft nach endi, aber auch nach 
der Negativparlikel nee, z. B, nee it oc god ni giscuop, 1746. — Dia 
Sätze, in denen es vorkommt, haben oft etwas l'ormelhafles, wie: ok 
mag ik in seggian, 13611. oc is giscriban, 1446. 1502. so is oc 
giscriban, 1092. than seggiu ik iu te uuaron oc, 1463. 147ä. \b21. 
oc scal ik iu seggian, 1475. 1(>2S, 1801. oc scat ic iu uuisean, 1771 M. 
— Natürlich ist dies nicht immer der Fall, z. B. oc quam hie herod 
iu freson min, 4663. thuo giuuet im oc . . .Joseph, 356. Simon uuas 
hie hctan; biet oc Bartholomeuse, 1270. quat that oc saliga uuarin 
madmundea man, 1301. — Die Stellung dieser Partikel im Satze ist, 
wie die angeführten Beispiele zeigen, eine wechselnde, sie richtet sich 
nach der Stellung des Wortes, zu dem die Partikel zunächst gehört, 

ge (gi, gie, gia) ist in C häufiger als in M, da hier, wie bereits 
bemerkt, iac oder ia dafür eintritt, — Einfaches ge verknüpft nur 
einzelne Begriffe, z. B. te them uuinde sprak ge te them seuue so 
seif, 2257. Vgl. 5837. 5870. 5893. Wiederholung der Partikel macht 
diese Verbindung der Begriffe noch um so enger, z. B ge hosk gi 
harmquidi, 1896. ge an erthu ge an himile, 2420 C, wo M ia— ia 
hat. bethiu ge licht gc lib, 4054 C, ia — ia M. gie land gie liudi, 
4373 C, ia — ia M. gie uuordo gie uuerco, 5480. — Doppeltes gi 
verbindet auch ganze Gedanken: lie im tho bethiu befal ge te 



16 

seggennea . . gift (ia C) he im geuualt fargab , . glac (ia C) he im 
selbo geliod, 1837 M. gie huat hie inenda . . gie bihui thiu niiiria 
bürg Hiericho hetit, 2423 C, ia— ia M. uuas im bethies uuo, gie 
that aea ina Bluogin simdia losan, gie it . . forlatan ne gidorsta. 5407 f. 
— Bisweilen folgt hinter dem zweiten gie nocb oc, z. B. that mugi . . 
bethiu atbengian, gie tbat hie . . odag libbie . . gie oc uualdand goil« 
te thanke githiono, 1656 f. that thar bethiu uuirdit ge thitt lera te 
frumu . . ge oc uuirdit the man gode, 2+83 f. C, ia — iac M, 

ia und WC wechseln in den Handai-hriften vielfach mit gie, mit 
dessen Gebrauch sie auch vollstilndig übereinstimmen, Doppeltes ia 
steht in beiden Handschriften 354, ia land ia liudi. 

Auch verdoppeltes so ergiebt eine positive Anreihung, freilich, 
da es etwas gan?. Verschiedenartiges oder Entgegengesetztes verbindet, 
mit disjunktiver Nebenbedeutung: endi sokit im oder lioht. so Hob so 
leth, so hie , . her giuuerkot, 1332. that ik giuualdan muot so thik 
te spildianne an speres orde, so ti quelianne an crucium, so i]uicaii 
lalan, 5346 f. 

2, Negative Aureibang. 

||} 'Mi. Hier kommt vor allem die Verdoppelung der Negation 
iir in Hetraclit, d. h die Fälle wirklicher Korrespousinn di'r beiden 
mit ne oingeleilett-n (ilieder, welche sehr strenge von der Aneinander- 
reihung mehrerer durcli ne negierter (Mieder zu trennen ist, z B. ni 
babi thu uuekean hugi, ni foroliti thu tliiuon ferahe: ni quam ik thi 
te enigon freson lierod, ne dragu ik eni drugi thing, 2G2 f. ni uuis 
thu Mariun uuretli . . ni forhugi tliu sia ti hardo, 318 f. . 

Durch korrespondierendes ne — ne werden entweder zwei Begrift'c 
oder zwei Gedanken verbunden: in diesem Falle steht bei dem zweiten 
Verb noch eine Negation: 

a) ne saca ne sundea, 85. ni uuarth scoiiera giburd, ni so 
mar! mid mannon, 27!). ne uuord ne uuisa, 28S. ne hi himile iheni 
hohon . . ne bi erlhu thar undar, 1509. Vgl. I.'ii2. 157R. 1737. 17(iH. 
1810, 2034. 2U6. 2687. 5088. 5211. 5280. 

b) nie thes bodo gimaco enig obar ertbu ni nu öfter ni scal 
uuerthan, 1911 f. ne muhtas thu that selbo gihuggian . . ue it ni 
mohta thi mannes tunga uuordon giuuisan, 3062 f. Vgl. 32G9. 3271 f. 
H340. 4217. 4961. 

Statt doppelten nc der einen Ilandsclirift schreibt die andere 
bisweilen ne— nee: ne latat iu silobar ncc gold uuihtt thes uuirdig, 
lä52 M, C nc — ni. thau ni si hie im io so suitho an sibbean bilang 
nee iro magscepi so mikil, 1494 C, M ne — ne. so theson minon ni 
uuili leron horean nee thero lestian uuiht, 1815 C, M ni — ne. Da- 
gegen stimmt 2793 C mit M überein: thie ni habda enigan gimacon 
huergin err nee after. 

Manchmal treffen wir ferner »ec mit nachfolgender zweiter 
Negation: nee enig firio barno ne suerie be is selbes hohde, Ifill. 
Vgl. 1561 C. 174G. — 1743 folgt auf nee noch o*-, das 4300 sich auch 
an ne anschliesst: ne it oc te uuaron ni cunnim godes engilos. 



1 



»oh nacli nc im ersten üliede ist selteo : ni unarth sitt noli err, 
TU. ne galpo thu . . noh enig gumono ne scal, 1561 M, C nee, 

B. Disjunktive Verbindung der Sätze. 
g 37. Sie entsteht durch Beiordnung von Sätzen oder Satzteilen, 
welche einander aussdiliessen. 

eftho mit seinen Nebenformen ist die im Heiland am häufigsten 

hierzu verwendete Partikel, Sie wird zunächst nur im zweiten Gliede 

' gesetzt, z. B. tliat io uualdand mer drohtin diurie eftho derbi thing, 

Srinuuerc fellie eftho fiundo nith, strid uuidarstande, 26 f,, vgl. 45. 

I 1329. 1484. 1530. 1542. I6ö4. 1742 u. Ü — Daneben erscheint ea 

\i auch doppelt gesetzt, z. li. hie scal . . o<Ier hueder enn farlatan, eftha 

lusti thes tichamen eftha lif euuig, IGGI. sulic uuastan . . eftha bereht 

eftha bitter, 1750. 

Für Doppelfrage ri kommt schliesslich noch the in Uetracht: ia 
it reht the nJs? 3814. hueder Um that fan thi selbon sprikis , . the 
it thi Odra hier erlös sagdun'? 520^j. (sia bigunnun ina tliuo fragon) 
hueder sia sia quica letiu eftha (the M) buat hie . . adelian uueldi, 3848. 



C. Adversative Verbindung der Sätze. 

§ 3S, Sie entsteht, wenn zwei zu einander einen Gegensatz 
bildende Begriffe oder Gedanken einander in der Weise beigeordnet 
werden, dass der zweite den ersten aufhebt oder beschränkt. 

Über thoh ist bei den koncessiven Nebensätzen § 119 f. im Zu- 
sammenhange gehandelt. 

ac. In der Kegel hat der beigeordnete erste Satz eine Negation, 
dessen Inhalt durch das folgende gegensätzliche durch ac eingeleitete 
Glied aufgehoben wird, z. B. sia ni uueldun es im thuo helan eouuiht, 
ac sagdun it im suotlico, 637. — Einmal wird es beim Übergange zu 
etwas Neuem gebraucht, das zu demjenigen, wovon bisher die Rede 
war, einen Gegensatz bildet: ik ni steg noh, quathie, te them himi- 
liscon fader; ac ili ihu nu ofstlico endi . . cutdi, 5935. — Auch sonst 
steht es in freierer Weise zu Anfang eines Satzes. In diesem Falle 
giebt es den Inhalt des vorigen Satzes zwar zu, beschränkt ihn aber, 
ohne ihn jedoch vüttig aufzuheben; es waltet also zwischen beiden 
Sätzen eine Art Konceaaiwerhältnis ob; forgaf im uppuuegos, himilo 
viki; ac thuo uuarth im thie hatnlo te nah, 3596. uueldun ina craf- 
tigna uuitnon thero uuordo; ac uuas thar uuerodes so älo umbi, 
4224, vgl. 4892. 4920, 

Eine ähnliche Verwendung weist auch iiu auf; thu saidos hluttar 
corn . .: nu ni gisihit enig erlo than mer uueodea uuahsan, 2551, vgl. 
3945. 3990. 

D. Kausale Verbindung der Sätze. 

g 39. Sie beruht auf der Verbindung zweier Sätze, deren zweiler 
die Begründung des ersten enthält. Alles hier Einschlägige findet sich 
bei der Darstellung der kausalen Nebensätze § 116 f. 




E, Tempurale Beiordnuu^ 
g 4l). Sie eutsteht, wenu man die Siitze nach der zeillichen 
Reihenfolge der in ihnen erzählteu Ereignisse aneinander reiht, aber 
nicht, wie meist in der Erzählung, unverbundeu neben einander stellt, 
sondern duroh Zufuguug von Tempuralpartikelu ihren zeitlichen 
Momenten nach sondert und eben durch diese Sonderung wieder zu 
einem Ganzen verbindet, z. B. er scalt tbu tbi simla gisuonean uuid 
theua sacuualdand, gimuodi gimalou: sithor mäht thu me<!mos thina 
tc them godes altere giban, than sind sia them guodou uuertha, U6!l f. 
gerot gi airola erist thea godes rikiee, endi than duot after them is 
guodon uuercon, ruomot gi rehtaro thiogo: thatin uuil iu thie rikeo 
drohtin gebon mid allaro guodo gihuilikon, KiST f. ef . ., than 8cal 
hie ina selboa err sundiono tuomiau . .: sithor mag hie taid w lerun 
uuerthan helitlion te helpu, 1717 f. 

Abteilung li. 
Unterordnung. 
§ 4l, Wenn zwei ^atzinhalte sieb gegenseitig so ergänzen uad 
bedingen, dass der eine neben dem anderen keine Selbständigkeit be- 
haupten kann, und wenn dies Verhiiltnis auch uusserlich durch Pro- 
nomina und Konjunktionen angedeutet wird, so entsteht Unterordnung. 
Denjenigen Satz, dessen Inhalt für die jedesmalige Geaamtauasage die 
grössere Wichtigkeit hat, nennt man Hauptsatz, den anderen Nebensatz. 
Diese Nebensätze kann man den Bestandteilen des einfachen 
Satzes vergleichen, man kann sagen: in dem zusammengesetzten Satze 
hat dieser Nebensatz dieselbe Geltung und Bedeutung wie im einfachen 
Satze ein Substantiv, jener entspricht einem attributiven Adjektiv, ein 
dritter schliesslich einem Adverb. Durch diese Übertragung der Ver- 
hältnisse des einfachen Satzes auf den zusammengesetzten gelaugt 
man zu einer Einteilung aller Nebensätze in Substantivsätze, Adjektiv- 
sätze und Adverbialaätze. 

Diese Scheidung soll auch im folgenden beibehalten werden; da 
es jedoch vielfach eine grosse Verschiedeulieit im Modusgebrauch 
bedingt, ob der Nebensatz Nebensatz eines Hauptsatzes oder Neben- 
satz eines seinerseits zu einem Hauptsatz schon den Nebenaatz bil- 
denden Satzes, also Nebensatz eines anderen Nebensatzes ist, behandle 
ich zunächst die von Hauptsiitzen, hierauf die von Nebensätzen ab- 
hängigL-n Nebensätze. 

Erster Abschnitt. 

Von Hauptsätzen abhängige Nebensätze- 

Kap. 1. 

8nb«tMiUvattUe. 

I. Gruppe. Substantivsätze im engeren Sinne. 

1. Erklärende Snbstantivsätze. 

a) Subjektssätze. 

§ 4ä. Da der Nebensatz nichts ist als eine Umschreibung des 

Subjekts, so steht der Indikativ, 



a&) Subjektaaätze ohne vorbereitendes Wort im Hauptsätze: 

anlthat im thuo liobera uuarth that hie is craft mJkil cuthian 
nnelda, 1123. hraii iua so bardo tbat he hatida . . farlognid, 5022. 
so härm uuartb im an is herten tbat man is herron thar bindan 
scolda, 4S6S. thuo uuartb . : them uuibon an uuilleon tbat sia gi- 
hordun sulic uuord sprecan, 5868. 

g 43. bb) Der Subjektssatz wird durch ein Pronomen im Haupt- 
satz vorbereitet: 

thuo uuarth that . . barm . . that hio . . so uundran scolda endi 
that Dl uuelda gihuggiau, ItiO. so eind that .. muodthracu .. that 
bie farlatan scal, 4772. that uuartb .. te sorgoo tbat hie tbia saca 
uuissa, 5421. tbat it im eft tc scamu uuertbe . . that iro uuillio ni 
dog, 1949, tbat is grotara tbiug that man bisorgon scal seola managa, 
I8b6. that is egislicost allero tbingo . . that aia sculun . . mahlon, 
2614, iL, that is egjalic thiog that, 4324. tbat uuas so mahtig thiog 
that . . anketinian scoldun, 5G7Ö. than uuas im that luttil fruma 
that hie it . . gihugid, 2505. ne ecal iu that te frumu uuerthan, that 
gi . . uuelliat mi forfuban, 3S[H. so cumit it all fan ubile eldibamoo, 
that erl , . ni uuili uuordu gilobean, 1526. so huann so that gi- 
uuirtbit tbat . . cumit sittian, 437ä. buo it thoh giuuertbau scal, 
tbat thu uuinlis so uuekmuod, 4C'J2. ni that l'urn ni uuas that sia 
tbik . . uuitnon hogdun, 398^. ni uuas it tboh is uuilleon that hie 
so uuar gisprac, 415S. ne uuas it thoh be enigero blodi tbat sia . . 
farlietnn, 4933, ne uuas it thoh be is giuurbtion giduan tbat ina 
. . aleddun te dode, 5109, 

§ 44. cc) Der Nebensatz schliesst sich an ein im Hauptsatz 
atebeudes Substantiv an, für dessen Apposition oder attributive Be- 
BtimmuDg er in manclien Fallen gelten kaun: 

so oft so is gigengi gistuod, that ina torohtlico tidi gimanodun, 
8'->. tbuo uuarth tbiu ttd cuman . . that scolda thena uuib godas 
Zacharias bisehan. 05, vgl. 7Ö8. 853 M. 3981. 4183. 4281. 4459, 
5524. so uuas tban thero Itudio (hau tbat , . scolda, 309, ä, 2732. 
ao uuas thero liudio landsido that, 454. than uuas landuuisa Judeuno 
tbat, 5405. so uuas iro uuiso than tbat, 5258. than uuar sido Judeono 
that. 5690, nu roi thie uuilleo gistuod, dago liobosto that ik . . 
gisab, 185, ä. 1013. thuo im bethion uuas tbiem uuibou sulic uuülio 
that sia . . uuissun, 4023. cumit im thiu helpa fan godo tbat im 
gilestid tbie gilotio, 34H1, tbat iro tbar sorga gistuod, tbat sia tbiu 
mikila niabt metodee tedelda, 511. tbat so liobeo man letb gistuodi 
that bie . . farlognida, 502G. quamuu ok uurdgiscapu . . orlagbuila 
tbat hie tbit leobt forliet, 3356. tbiu uurtb ist at handon tbat it so 
gigangan scal, 4779. tbiu uurtb nabida thuo . . that sia . . frum- 
mian scoldun, 5306. antthat is kindiski l'arcuman uuirdit, that ina 
. . godes anst manot, 3471. uuas im is lib forgeban, tbat bie is 
aldargilagu egan muosta, 4105 C. tbuo uuarth uuord cuman . , that 
. . he sprak, 679. tbin theonost ist im an tbaoke tbut tbu sulica 



► 



I 

L 



githabt habeg, 118. that uuerc . . that man an seo iniian segina I 
uuirpit, 2629. thuo bigaii im thJu dad . . hreuuan, that babda ia ( 
herron . . giaald, 5147. alt so is fard giburida, tbat thie guodea | 
8uno gangan uuelda, 3678, thcin babda ina craftig god ginerid, tbat 
ina nahtes tbanan . . erlös aleddun, 755. 

b) Objektssätze. 

g 45. aa) Der Erklärungssatz vertritt ein Objekt im Akkusativ. 

Er scbliesst sich immer an ein Pronomen oder Substantiv des 
Hauptsatzes an: bebbeat tbat te tegne . . that bie thar biuundan 
Ijgid, 40G. than uuelliu ik it . . quethan . . endi uc gilestian so, 
tbat ik thi . . eron uuiUiu, 2765. deda it tbi nualdand selbo . . tbat 
thu so forth gispraki, 3U65. so htiie so tbat , . giduot tbat bie 
. . forlatit, 3321. ne uui it bc . . nj duot . . tbat uui . . uuelliat, 3049. 
dedun im that te hoske tbat sia . . slogun, 3495. — riki babda, tbat 
im uuarun so gihoriga hildiscalcos, GS. that tbu giuuiild habis, that 
thu ina binan mabt helan giuuirkeaa, 2108, ä. 3442. hie babit tha 
mäht fan gode that bie alatan mah, 100^. tban motun gi thia fruma 
egan that gi muotun betan bebancuninges siini. 1461. ena dad frum- 
mean, that sia ina . . forgeban sooldun, 452. 

g 46. bb) Der Erklärungssatz ist Vertreter eines Genetiv. 

Es kommen nur die Ausdrücke guwohnt, würdig und bereit 
in Betracht. Hier berrscbt der Konjunktiv vor, weil sich diese Sütze 
mit den Ileiscbesätzen berübren. 

Dass sie sich an ein Wort des Hauptsatzes anlehnen, ist nicbt 
nötig: ne uuarun an them laade giuuono that sia . . gihordin, 1829. 
uuirdig ist thie uuarihtio tbat man ina uuel fuodie, 1862. ni sind 
sia uuirdiga thann that sia giborean, 1730. ne uuas in uuerth iouuiht 
tbat gi min gibogdJn, 4430. ik biun garo*) sinnon . . that ik . . gi- 
stande, 4679. 

Im Anschluss an das Adjektiv ^uuertb" führe ich die ent- 
sprechenden Verba an : 

tbat ina ne giuuerthot tbat bie it . . dua, 2448. thta gumon 
alla giuuartb that sia gihoobin ina te herrosten, gicurin ina te cu- 
ninge, 2883. 

Ebenso bäuRg scbliessen sich die ErkUiruugssätze an ein Pro- 
nomen oder Substantiv des Hauptsatzes an: 

that ik tbes uuirthig ni biun tbat ik muotig au is giscuobe . . 
riemon anbindan, 93t). ef sia tban tlies uuirdiga sint that sia iuuua 
guodun uuerc gerno lestean, 1934. ef im tban thes uuirdig ne si that 
hie tbi gihore, 322ö. — that hie uuari uuirdig nuelono gihuilikes, 
that bie erthriki egan muostt, 2880. so hie ist morthes uuerth tbat 
an ina uuttno, 5243. 

*) garo ist zwar im llcliaiid uirgpiid mit dem Genetiv verbunden, wohl aber 
, Beovulf geaio t'ynivrilce, 2II9. 



§ 47. cc) Der ErkUirungssatz schliesst sich an eioen Präpoai- 
tionalausdruck an. 

thuo ni uuas lang ti thiu that . . tjuam, 316, vgl. OfiO. '2017. 
2782. niat nu lang te thiu that, 2255. 4088. 

Auch die beiden folgenden Sätze fasse ii:h als erklärende Sub- 
stantivsätze, sie haben einen etwas anakoluthischen Bau: 

uuarun im thar gifarana ti thiu that aia . . faran uuoldun, 1229, 
habdun ina gicoranan te thiu . . that hie thes godes hiises gomian 
scolda, 4149. 

2. Begründende SnbstantivsJltze. 

§ 48. Bei Ausdrücken der Gemütsbewegung gtebt der mit thst 
eingeleitete Satz dasjenige Ereignis an, welches den thatsächlichen 
Grund des im Verbuni des Hauptsatzes ausgesprochenen Affektes ent- 
hält und verlangt darum als Modus den Indikativ: 

uuas im thoh an sorogun hugi that sea ertjiuuard egan ni 
muostun, 86. thann scal iu tango uuesan iuua hugi hruomig, that 
(than M) gi hellea githuing farlatat, 945. that uuib uuarth thuo an 
uunnon that siu muosta sulican uuilHon cuthian, 5939. 

Häufiger ist das aus that attrahierte thes bei Verben und Ad- 
jektiven, welche den Genetiv verlangen: 

thes uualdand god . . lo1>on . . thes hie iu sulica lera forgab, 
1404. diuridun . . thes siu , . mostun, .^5S4. thann ni tharf mi thes 
enig thanc uuesan . . thes ik . . biquam, 5016. te hui uuet thi thes 
' asa uualdand thanc, thes thu thtn so biülhis, 1552. thuo sagda hie 
. . thanc , . thes hie ina . , gisah, 476. 2156. 3682. alat sagda , . 
thes thu min uuord gihoris, 4092. that uuib faginoda thes siu . . 
muosta, 3030. that iu thes mag frahmuod hugt uuesan . . thes iu 
thie uuillo gistuod, 1012. so uuarth im is hugi blifli tbes im thie 
uuillo gistuod, 969. thuo uurthun thes so malsca muodag folc Juileono, 
tbius heri uuarth thes so hruomag thes sia . . muostun, 4926. gi 
uuerthat oc so saliga thes iu saca biodad liudi, 1336. than uuirdit 
im ser hugi thes sea .. fulgengun, 1353. uuas im ser hugi thes sia 
. . scoldun, 4772. uue uuarth thi .. thes thu .. ni uuest, 3691. thes 
sia noh Ion nimat thes, 2289. thes sia uuerc hlutun, lehtlic longeld 
. . thea, 2342. huat sculun uui thes te lone niman . , guodea te gelde, 
thes, 3308. thes scal hie geld neman, suitho langsam Ion, thes, 3779. 

Hierher gehören auch einige Fälle, wo der begründende Satz 
mit that sich an eine Interjektion anschlicsst: uuela that iu thes mag 
frahmuod hugi uuesan, 1011. uuola that thu uuib habis uuilleon 
guodan, 3024. uuolo . . that ik hebbiu mi so faruuercod, 5012. 

Schliesslich führe ich zwei durch Ihe eingeleitete Sätze an: 
uuithar thiu .. the man ina gerno bidit, 1794. uuider thiu thiu 
(tbe M) hie thesa mina uuord frumit, 172j. 

3. Beschrünkeade Sabstantivsätze. 

g 49. Zunächst kommen die mit notan that eingeleiteten Falle 
in Betracht: sia ne muosta helitho than mer, firiho barno frummian. 



88 



N 



' neuan tliat sia fiori te tbio . . gecorana uurdun, 16. hie ni uuas 
tboh cumao fon iro cnuosle, neuan that hie thuru tliea kesures thano 
riki habda, 6t;. vgl. 185. 653. 861. 3344. 4361. 5932, Für neuan 
that bat M immer bulan that, was in C nur 5596 vorkommt. 

Anders ist 27T4 zu erklären: biet that siu uuihtes ihaii er ni 
gerodi , . neuan tbat man iro Johannes . . hobid gabi 'nichts eher 
als dies, dass'. 

Von den durch formelhaftes ni si that und ni ttuari that einge- 
leiteten Sätnen ist § 125, 1 und 127, Ib gebandelt. 

g 50. Besondere Erwähnung verdienen die mit jie und neha 
eingeführten excipiereiiden, iin einen gleichfalls negierten Hauptsatz 
angeschlossenen Nebensätze. Indikativ und Konjunktiv wechseln in 
diesen mit einander ab; ersterer steht zum Ausdruck der Wirkbcbkeit 
des Satzinhaltes, wij.hrend da, wo letzterer eintritt, der Gedanke des 
Nebensatzes als abbüngig erscheint. 

a) Indikativ: thun ni uuas lang after thiu, ue it all so gUestid 
uuard, 243. that that ni muosta farlatan nigen idis . . ne siu . . 
forgeban scolda, 456. so ni mohta hie bimithan, ne hie . . sprak, 2049. 
gi biuuardou ni mugun . . ni gi tlies cornes to filo kitho auuerdiat, 
felliat under iuuua fuoti, 2563. that thes nist giuuand enig, ne thin 
bruother scal . . fan dode astandan, 4043, ^ nist tbi uuerth eouuiht 
te bimitbanne . ., neba thu sinnon tbat rebt sprikis, 3804. ni uuas 
im hugi tuifli, neba hie it all githoloda, 5301. 

b) Konjunktiv: that iu ni biUbit, ne hie thes Ion sculi . . ant- 
faban, 1968. er than it io bilibe, ni man is lof spreke, 3732. nis 
thes tueho enig gumono nigenon, ne sia im forguldin (fargelden M) 
san, 3191, thuoli ist mi luttil tueo, ao ik mid tbi bidan uuillie, 4682. 
— ne uuas im tuehono nigen, nebo sia . . uueldin obar thena seu 
Btthon, 2905. ni latan use fera uuid tbiu uuihtes uuirdig, neba uui 
, . mid im doian, 4000. ef it nu uuesan ni mag . . neba ik . . tbiod- 
quala tholoie, 4794. 

4. Abliängige Aussagesätze. 

1. Abhängige Aussagesätze im Indikativ, 

g 51, Unter abhängigen Aussagesätzen verstehe ich diejenigen 

Substantivs ätze, welche als das Objekt von Verben der sinnlichen und 

geistigen Wahrnehmung, des Glaubens, des Redens und Mitleilens 

gelten müssen. In diesen Sätzen steht der Indikativ, wo es sieb um 

die objektive Wahrnehmung oder Mitteilung einer Thatsache handelt, 

a) Nach den Verben des Wabrnehraens, Erkennens, Wissens, 

sehan, giseban: ik giaiho that gi sind . . fan cnuosle guodon, 

557. 4974, 5709. — giborian; tbat giboriil her nu manno tilo . . 

that hie ina so rikcan tclid, 5103. — antkennian: sia ne antkenneat 

that im cumana sind iro tidi tuouuardes, 3703, 3939, 4063. 4260. — 

farstandan: t'arstuodun that hie thar habda gegnungo godcundeas 

huat forseuuan selbo, 186, 423. C67. ISni. 2210. 2317. 2364. 2873. 

4335. 4656 M. — gifregnan: so gifragn ik that . , antfieng, 288. 



23 

367. 510. 630. 717. 800. 1020. 2621. 3036. 33t7. 3780. 3883. 3964. 
4065. 4452. — afsebbian: hie afBuof that siu habda barn under 
iru, 29'^. 3641. — giuuar uuerthan: ni mohta is man uuerthan 

giuuaro that hie sulic giauit ehta, «50. '2068. — undarhuggian; 
tbat mugun gi undaihuggian uuel that iu thie ubllo bom . . guodon 
uuaston ni gibit, 1745. — uudarthenkian: tbat hie it mugi uudar- 
thenkiaD uuel, tbat im thar uohold man after saida, 2555. — uuitan: 
so ik unet that it helag drohtin marcoda mahtig selbo, GOO, 719. 
826. 856. 975. 1741. 2428. 2663. 2678. 2799. 2808. 3705. 4093. 
4095. 4153. 4342. 4458. 4495. 4650. 5154, .'i:)43. 5430. 5432. 5457. 
5818. 5826. 5908. 5926. 

§ 52. b) Trauen, glauben, 

truon, gitruou; that sia gitruodin thiu bat that hie selbo uuas 
3uno drohtiims, 31 15. — Ferner einem Substantiv parallel: truodun 
sia BÜbor thiu mer an is muudburd, that hie habda mäht godea, 
2070 0, Eiu ni uucldun ^itruoian thuo noh thes uuibes uuordon, that 
siu sulic uuillspel brabte, 5945. — gitobian: ik gilobiu that tbu 
giuuald habia, 2107. 4038, 4061. 4638 — thoh tbes enigan gilobon 
ni dedun uuretha uuidarsacon that all an is giuueldi sted, 2689, 
wobei ich in der Interpunktion von Sievera abweiche, all hebbiu ik 
gilobon 80 . . that it so giuuerthan scal, 4046 f. 

g 53. c) Redeu, mitteilen. 

(]uethan: tbu quithis it . . that ik it selbo biun, 501J0, vgl. 
2755. — gitellian: that ik iu g. mag . . that hie thar biuundan 
ligid, 406. 42d0. — seggian: aagda them siu uuelda that sea habda 
giocana thea alouualden cralt, 294. 609 C. 702. 845. 1390. 1454. 
1464. 1479, 1531. 1952. 2020. 2131. 2453. 2926 C. 3104. 3830. 3916. 
3985. 4005. 4042. 4053, 4083. 4346. 4540. 4564. 4576. 4849. 5093. 
5604. 5834. oc scal ik iu seggian noh . . uuarlic bilitbi that cet., 
1803. — uuisian: im habda giiiuisid . , that hie ni niuoata er thit 
liobt ageban, 470. all so ik iu nu giuuiseau mag, seggean . . that 
gi . . Bculun Salt uuesan, 1362. — cuthiau, gicuthian: gicuthda 
that hie habda craft godes, 2003. 5387. 5837. 5936, tho uurdun 
tbes godes barnes cumi thar gicuthit, that hie so craftig uuas bi 
thero bürg utan, 4021. — dadun . . cuth . . that aia sulica lugina 
iiuoldun ahebbian, 5891. that uuirifit managon cuth . . that ik 
thes uuirtbig ui biun, 936. — niarean: that gi . . marean thesaro 
menigi that ik hiuu magtig (Jrist. 3084. ui uuelda . . is craft raikil 
mannou marian, that bie sulic megin ehta, 841. — bie gideda it . . 
mari, that sia thar oiahtina herron babduu, 995. — ik giduon that 
.. sciu . . that ik giuuald hebbiu, 2327. uuas that . . sein .. 
tbat hie drohtin uuas, 1208. — uuarun is guodon uuerc ferran gi- 
fragi, tbat hie so tilo aagda uuararo uuordo, 2977. — forgeban: 
ao hie maacunnca .. forgeban habda, that hie is himilisk harn .. 
seodeau uuolda, 247 C, uueldi M. — reckoan tbat giruni, that thie 
riceo Crist . . maritha gifrumida, 3, — scerian: scerida im tboo te 





u 



uuitie (teilte ala Strafe mit, Behaghel § 20) that bie ni mohta ( 
uuord gisprekean, 164. — aDbiodan: im anbiidun . . tbat iro bruother 
uuas Lazarus legarfast, 3972. — it uuas uuarsagono uu 
Bcolda giuuerthan so, 4'y.ib. — thesa '[Uidi uuertliat uuara, 
ni bilibit ne cet., 1967. — bie habit tLieses uuerodes so filo farledid 
mid ia leran . . tbat uiii m motun . . titisi geldaii, 5188. — that 
tbeB nist giuuand eoig (das» sich das nicht leugnen lässt) tbat bie 
thar nu bil'olban uuas fiuuar naht eodi dagos. 4084. — tbat it im 
eft te scame uuertbe, them uueroda te giuuitscipie, that iro uuillia 
ni dog, 1949. — scriban: oc is giscriban . . that maii ia naiston 
niudlico ecal minnioti, 1448. 1003, ~ gimanon: auttbat sia godes 
giscapu mabtig gimanodan, tbat sia . . scolda, 3'-i7. that hie manno 
drom ageban scolda, 3340. — menian: tbann meüit thiu lefhed tbat 
enig liudeo ni scal forfolgon is friuude, 14Ü2. that menda tbat barn 
godes . . tbat ni niobta er uuerthan . . thiu blindi gibuotid, 3635, 

2. Abhiingige Aussagesätze im Konjunktiv. 

g 54. a) Der Konjunktiv steht, weil die betreifende Person der 
im abhängigen Satze aufgestellten Behauptung die Realität abspricht; 
immer nur nach negiertem Hauptsätze. 

sia ni uueldun ankennian tbob Juiteo liudi, tbat hie god uuari, 
2340, — nu ik . . ni mag findan mid tblus folku tbat bie is ferabea 
si . . sculdig, 5318. — so neo Judeon umbi tbat . . thiu mer ni gi- 
lobdun tbat bie alouualdo altes uuari, 22G7. 

g 55. b) Weil es sich nui- um eine subjektive Meinung, nicht 
aber um eine objektive Tbittsache handelt. 

uuaniau: so ik uuaniu that ina . . god fan bimile sclbo sendi, 
213. 299. 799. 905. 10.''iÖ. 1062. 1420. 3432. 4081.5006,5273.5927. 
— thunkian: mi thunkit . . that bie si betera tbao uui, 212. 682. 
2498. Vgl. 4509 ni thunkit mi thit somi tbing . . that tbu mina 
fuoti thuahes. Hier lässt der Konjunktiv auch eine Erklärung nach 
Analogie der bei uuirtbig (§ 46) stehenden zu. — buggean; huggeat 
te iuuon liebon herren tbero gibono te gelde, that sia iu god lono, 
1543, falls der Satz nicht ünal gefasst werden muss. — gitruon: 
tbaa tboh gitruoda sin uuel . . tbat is . . belpan uueldi, 2030. truoduu 
. . tbat hie habdi mäht godes, 2070 M. — audradan: andried tbat 
sea manno harn libu binamin, 305. andried that bie . . gispuoni, 
271S. andriodun that it im mabtig Üoiid te gidruogi dadi, 2924. 

g 56. c) In eigentlicher indirekter Rede, weil die Aussage ab- 
Bicbtlich als die eines anderen bezeichnet werden soll. 

quetban: nicht gerade häufig steht der Konjunktiv nach einer 
Praesentialform : endi quithis that ik thin berro ni si, 46!)4. quithit 
that bie Crist si, 5192. that hie hebbian mugi cuningduomes namon, 
5362. hue quethat gi that ik si, 3052. ac quethat tbat iu mothi 
bugi ansuebidi mid slapu, 5883. so uuelJat uui ijuethan alla . . 
tbat thu sis god sclbo, 3060. (3859 und 3861 im irrealen Falle). 



26 



Hänfiger ist der Konjunktiv nacli einem Praeteritum: 

quail tbat hie im tyreas so ülo .. forgeban uuoldt, 133. 135- 
137. 520, 584. 58.^, 689. G43. 721. 723. 991. 992. 993. 1101. 1109. 
1168. 1300. 1304. 130G. 1316. 1320. 2095. 2101. 2125. 2321. 2541. 
2554. 2625. 2711. 2828. 2832. 2987. 2988. 3188. 3297. 3327. 3396. 
3412. 3415. 3441. 3537. 3716. 3741. 3769. 3689. 3977. 4255. 4480. 
4733. 4'.1Gl. 4963. 4982. 4986. 5477. 5642. 5816. — quathun that 
Bia uuiasin garoo, 620, 692. 2213. 2322. 3827. 3929. 4129. 4174. 4275. 
4472. 4700. 4343, 5073, ;il34. 5141. 5183. 5198. 5239. 5374. 5482. 

aeggian. Nach einer Prasentialform: sum sagit that thu Elias 
sie, 3043, ä, 3045. sagit tbat hie drohtin si, 5331. — Nach einem 
Praeteritum oder Infinitiv: 582. 609 M. 913. 2843. 3148. 3966. 4999. 
5331. (5556). 5575. 5754. 5758. 5921. 

sprekan, gisprekan. Nach einer Praesentialforio: alla sia 
. . sprecat that thu enhuilic sis edilero manne, 3048. — Nach Prae- 
teritum oder Infinitiv: 443.625. 2U50. 2879. 4171. 4490. 5107. 5337. 
568fi. — te hui scalt thu enan mann besprekeau . . that thu under 
is brauuon gisehas halm an ts ogon, 1704. 

geban: gibid , . that hie min iungro si, 1976. gihis . . that 
thu ais god selbo, 3953. gihid that bie god si, 5104. (5338). — 
aabiodan: huat gl mi . . anbudun that hie iuues uuerodes so tilo 
auuerdid babdi, 5316. — forgeban: that he is himiUsc barn .. 
sendean uueldi, 247 M, — hropan, nur mit folgendem coniunctivua 
imperativus, 3616, 3G56. — scriban: so is giscriban . . tbat scoldi 
fau Betbleem burgo birdi . . cuman, 625. biet . . scriban tbat that 
auari cuning Judeono, 5551. — it uuas uuarsagono uuord that, 
4935. gihogda thero uuordo tbat, 4998, a. 5859. (708). — brahta 
uuilspel uueron thnt stu . . gisauui, 5942. — starcan etb suithlico 
gisuor tbat hie ihes gisithes ni uuari, 4977. 

Bemerkungen über die indirekte Rede, 
g 57. Übergang aus indirekter Rede in direkte ist überaus 
häufig: quat that im neriendes ginist ginabid uuari, belpa beban- 
cuninges: „nu ist thie helago Crist .. cuman", 520 f. 164. 723. 1101. 
1158 1300. 1304. 1306- 1316. 1321. 2050, 2095, 21J25. 2711. 2822. 
2828. 2843, 2878, 2988. 3143. 3296. 3327. 3396. 3827, 4051. 4843. 
4963. 4982. 5183. 5239. 5374, 5S35 und 704, wo ein Imperativ die 
abhängige Rede absuhtiesst. 

Ebenso folgt auf einen Acc. c. inf. direkte Uede; biet bie tbuo 
fortb dragan te scauuonnc thia acattos . . tbia gi sculdiga sind . . 
geban, 3819. 

Bisweilen ist der Übergang kein vollständiger, insofern Kwar das 
Tempus, nicht aber der Modus der indirekten Rede verlassen wird: 
(juat tbat it gode uuari uualdande uuidarmuod that it enig uuero 
frumidi that bruoder brud an is bed nami „bebbie sia im te biuuon", 
2711 f, quat tbat tbes eniga thurufti ni uuarin „tbat sia . . mina 
farlatan leoblica lera", 2628 I'. <iuat that uuari rehtaro dad tbat 



tliar te bedu forin barn Israheles ,endi au thesumti niiuumu huse 
helpono biddean", 3741. 

Dieselbe Neigung des Dichters, die abhüugige Form der Rede 
zu verlassen, zeigt sich ausser den eigentlichen Aussagesätzen auch 
bei den abhilngigen Heischesätzen, aus denen bisweilen in einen 
Imperativ oder imperativen Konjunktiv übergegangen wird: 

a) oc scal ik iu gibtodan (1565) , . that gi it than for odron 
uuerodo ni duat; ni mareat it for menigi, 1570, vgl 2748. 3562. 5952. 

b) thera tbieda gibod, so huie so thar mit thurstu bithuungan 
uuari, „so gange im herod driucan te ini". 3911, vgl. 4704. 

In anderen Fällen bemerken wir einen Übergang aus dem Heische- 
satze in einen FinalsatE oder in andere Formen der direkten Rede: 

a) cutdn that sea . . iro selbaro sundea bottin, „that gi uuer- 
than hrenia", quathie. 875 (. 3388. 4472. 

b) biet that thiu uuiduuua uuop forlieti, kara after tbem kinde: 
„thu scalt hier craft sehan'', 219,'i, 2248. 3157, 3164. 3541. 5818. 

Auch bei indirekten Fragen erfolgt ein Übergang in direkte 
Fragen oder aonst in direkte Rede: 

a) fragode san huiüc sia arundi ute brahti nueros an thena 
uuracsid: „hueiler ledeat gi uundan gold te gebu huilicongumono?", 552 f. 

h) fragoda ef hie uuari that barn godes, „that hier lango iu, 
>iuathun sea, liudi sagdun uueros uuarlico, that hie scoldi . . cumau, 
yil. 2951. 5085. 5848. 

5. Abhängige Heischesätüe. 

§ 58. Sie sind auf der einen Seite den Aussagesätzen, auf der 
anderen den Absichtssätzen verwandt. Der Modus derselben ist der 
Konjunktiv. 

a) Eigentliche Htiischesätze im Konjunktiv. 

äie Bchliessen sich au bestimmte Verba und Ausdrücke an: 

aa) An Verba des Wünschens, üefehiens, Anordnens, Bittens, Ver- 
wehrens und ähnliehe, denen der Begritf der Nötigung gemeinsam ist. 

uuillian: ne uuelleo ik that gi it uuiodon, 2561. 1537. 3Ü83. 
3096. 3815. 5025. 5438. — gibiodan: gibod that gi it hietin so, 
134. 218. 642. 683 f. 865. 974. 1518. 1532 f. 1844. 3165. 3425. 
3429. 3851 f. 4210. 4218. 4252. 4703. 5260. — huo it thar an tbem 
aldon euue gibiudit that . . ni bisuike, 1477. — hetan: biet that 
fruod gumo foroht ni uuari, 115. 123. 129 f. 345, .396. 592. 638. 
729. 1140. 1158. rSO. 2034. 2194. 2252. 2701. 2373. 3157. 4704. 
4883. 5262 M. 581H. 5952. — anthetan: antbiet that hie iro ful- 
^ gengi uuell, 5617. — giscapan; ne it oc god ni gjscuop that thie 
guodo bom . . bari biteres uuiht, 1747. — gikiosan: ef thu it gi- 
kiosan uuili . . that man thi hier . . on hus giuuirkie, 3140. habdun 
ina giuoraiien te thiu . . that he . . gomian aooldi, 4149 M. — that 
ist thegnes cust that liie . . gistande, 3997. — biddeau: badun . . 
that sea muostin is huldi forth giuuirkian is uuilleon, 691. 482. ]5<)7. 
1614. 1791. 2022. 2122. 2248, 2749. 2949. 2987. 2991. 2997. 3010. 



3389. 3501. 35C2. 3575. 3734 3744. 3974. 4741 f. 5085. 5541. 5600. 
— ik Bcal an iuuero bedu etandan, that iu ni mugi . . gituitliaD, 
4662. — that sia .. enna haftan man abiddian scoldun, that im iro 
burges uuard ferah fargal)i. 5406. — thiggian; that sea hebancuning 
lethes alieti, lUO. 1575. 57*24. — uuerian: that sia . . so hludo ni 
hreopin, 3567. — lettian: that sia im lol' so filo uuordon ne uua- 
rahtin, 3725. — mation; that hie . . sendi, iSSü. — ni gitiu ik that 
ti radu rinco nigenon that hie . . uuendan biginne, 227. nist that 
rad enig (das darf uns Niemand raten, Behaghel § 11)) that iiui that 
githoloian, 4139. — uuisean: uuisda them uueroda, that sea uses 
uualdandes lera lestin, 186. — spanan: ef hie latit ina in muod 
spanan that hie beginne, 1481- 2720, 5415. ~ gihaldan: te thiu is 
seola . . that hie an lioht godes lithan muoti, 2537, 2645. — frubrean: 
thiu uuib . . that sia . . ni karodin, 4017. — lerian: thesa liudi . . 
that sea an hellea ni thnrbin faran, 898. that gi so ni uurekcan 
uuretha dadi, ac that gi . . githolian, 1533. — hiB gibit iu giuuit an 
briust, lustaama lera, that gi lestian forth thiu uuord endi thiu 
uuerc, 4712. — cuthiam: them liudeon cutda, that sea .. iro selbaro 
suudea bottin, 870. ac gi minon bruothron sculun tUesa quidi cuthian, 
that sia cuman, 5954. — quethan, giquethan: ef hie that giquathi 
that sia sia quika Uetiu, 3857. Mit folgendem scoldi 133. 137. 20,W, 
mosti 5933. — gispreean: that sia im ni Uetin iro muod tuehon, 
4171. that hie Heland te namen hebbean scoldi, 443. — seggian; 
that san ni suerie nioman enigan ethstaf eldibarno, 1507. Mit fol- 
gendem sculin 4119, scoldi 4998. — hropan: breopun . . that im 
mildi after thiu uualdand uurdi, 3ii4G. that hie im iro heli forliuui. 
3656. — antthat thi uuord cume herren thines, that thu . , ledian 
muotis. 708. — scriban: oc is , . giscriban . . that mithe mennethos 
mancunneas gihuilic, 1504. 

g 59. bb) An Verba des WoUens und der WiUeusrichtung 
überhaupt. 

that thes uuilleon habit that hie so gilestie, Sd4. 2148. 3266. 
3283. — uuas im uuillo mikil that hie sia so hclagllco haldan muosti, 
33.H. 446. 004. 872. 1168. 28l.'i. 2979. 5271. — the thar andtiuard 
sluod uurcthes uuillien, that hie iro uuord obarhordi, 3795'. — uuan 
it nu thiu uuiUio that, 4H6l. ef sia is uullliga sind that sia that 
bihaldan, 3400. — gern uuas hie suitho tbat hie it . . fremmean 
muosti, 93. 1922. 4!jiil. 5528. — geron (2774|. — sorgon: for 
thiu . . that ni mugin . . auuardian, 1881. — lat thi . sorga that 
thu . . so sundig ni uuerthes, 3894. — uuas im niud mikil that sea 
. . gisehan muostio, 426. — gihuggian: gihuggiat gi sinnon that gi 
thiu fulgangen, 4644 C. 4652 U. — thenkian: thei hier uuel thenkit, 
that hie hier behalde hebancuuingea glbod, 2087. — gomean: biet 
sia gomean uuel, that thiu leba thar forloran ni uurdi, 2865. — 
uuardon: oc sculun gi iu nuardon .. that iu thia luggiun ni mugin 
lerand bisnikan, 1736. 435G. 



1 



88 

§ 60. cü) All Verba der äusseren Thätigkeit. 

ni uuelduD thttr tuo cuman (kumen ni tnostun M) . , that sia 
gilobou . . gifengin, 4267. 

thes gigernean: that uuit erliiuuard egau muostin, 14d. — 
bethiu athengian gie that hie . . odag libbie . . gie oc . . githioDO, 
1657 f. — giuuercon: so huem so that giuuercot tbat hie muoti 
them is uuege folgon, ;^670. — huo hte that giuuirkie . . that hie 
muoti hebbian . . himiies riki, 2527. — duon, öfter nur zur Um- 
schreibung des einfachen Verbs: so huie so that giduot that hie 
hiniote, U34. 1697. 2448. 3259. 3320. Dasselbe gilt von gifrummian: 
that it enig uuero ftumidi that hruoder brud an is bed nami, 2713, 
giuuinnan: ni mahtuti giuuiunan .. that sia ina forfengjn, 383G. — 
gibtddean =:: durch Bitten erreichen: ni mohta g. that man im thes 
brodes thar gidragan uueldi, 3341. — helpan: uueldun is helpaa 
tbuo that . . tif ne binamin, 5437. — that sia an uuordhelpon 
Criate uuari, tbat hie muosti quicc libbian, 5445. 

g Ol. Einige Stellen bieten, wie Behaghel § 43 bemerkt, eine 
Prugnann: uuoldun uualdan Crist alethtan them liudun ('und dadurch 
bewirken'), that sia is lerun ni hordin, 1232. huo hie odarna eft 
gihuerhie meondadigan man ('herum und dahin bringe'), that is muod 
draga hluttra treuua, 2472. thoh . . habdin . . is hugiscefti, giuuit 
auuerdit, that hie uuodiandi fuori under them folce, 2276. habad 
theaaro liudeo so tilu, uuerodes auuardit, tbat sie uuapn frummien, 
25H8. ef gi sie amerriad . . that her ni motin . . diurien, 3729 M, 
muotun C. hie ni mahta is libes gitVeson that hie . . sueltau scoldi, 5322. 

g 02. dd) An Verba des Übergehens und Zulassens. 

rorge)>aD: im thia giuuald forgnf that he . . coston muosti, 
107'J M, vgl, 1841. 3254. 5729. antat he im iro heli fargaf, that sie 
sinlib gisehen muostin, 3652 M. uuas im is Hf l'argeben tbat he is 
aldarlagu egan mosti, 4105 M. biheld . . craftigna cuningduom, so 
ina im thie kesur gaf (fargaf M) . . that hie thar rehto gihuilic 
gifrumidi, 5254. — githoloian: that sia tbie ena man so alla uueldi 
faruuinnan, 4175. 

g ß3. ee) An Ausdrücke der Notwendigkeit, Vorteilhaftigkeit 
und Annehmlichkeit. 

tharf: uuas im tharf mikil tbat sia that eft gibugdin, 1584, 

ä. 242'J. US ist flrinon tharf that, 2429, ä. 336ti. us is thinera 
huldi tharf . . endi thinero uuordo so seif . . that thu us bedon leras, 
1590. Ebenso im Anscbluas an einen Genetiv 221)9. 3371. 3550. — 
(thurufti: that thes eniga thurufti ni uuarin that sia . . farlatan, 
2H29.) — scolo: uuas iro libes scolo, that sia firio barn ferahu bi- 
namin, 3844. 5135. — reht: nis tbat , . mannes reht . , that hie . . 
aftibe, 3015. — that hier ist hetera rad . . that mau hier enna man 
aldni bilosie, 4154. than is . . oder betera . . that hie ina fram 
uuerpe, 1487. — huo Hof ist that . . that man alate, 5036. 



b) Heiachesätzü im Indikativ. 

§ 64. Der Indikativ steht in Heischesätzen, wenn der thatsauh- 
liehe Erfolg einer Aufforderung hervorgehoben werden soll. 

gibiodan: huo gibodon hatiit is engüon alamahtig fader, tbat 
aia thi . . uuardos Bioduii, 1068. — gimarcon; it habit . . an oder 
gimarcod, tbat uui githolian sculun, 4*^94. — kiosan: aia uurduti 
gicorana te ibio that sie . . scoldun an buok scrihan, 13. thar . . 
gicoran habda tbat hie is godcundt . , ogian iiuolda, 3120, vgl. 3037 M, 
4149 C. — abiddian: er it at is friundo abat . . tbat man ina 
gangan liet, 4953. — gispanan: the ata iro inod gespon, that aia 
auord godes uuisean bigunnun, 2. — thena habdun sia giscerid te 
thiu, farspanan mid apracon, that hie sia an ena apunaia nam, 5648, 

— bisuikan: bisuek sia . . that sia . , forlietun, 3398. — giduon: 
thoh giduon ik, tbat it enig rinco ni mag uuordon giuuendian, 2758. 
falls hier kein Folgesatz vorliegt. — giuuinnan: nu ik giuuinnan 
mag that hie . . ald ni uuirdit, 7'26. — brengian: anttbat sia ina 
brengiat tbat thar betbiii uuirdit, 2483. — gihuerban: thuo uuarth 
thero magat . . muod gibuorban . . tbat sia , . gaman upp abuob, 276 1 . 

— gihelpan: uui gihelpat iu . . that hie iu harmes uuiht lethes ni 
gtleatid, .'(887. — auuerdian: habit thesaro liudeo so lilo auuerdit, 
tbat sia uuam frummeat, 2589. — forliuuan: im habda forliuuan 
liudo herro that hie muobta . . gihorean, 574 — forgeban: iu for- 
geban habit . . that gi uuitan muotun, 2436. 3073. 3662 C. 4105 C. 

Andere Fälle berühren sich mit den Folgeaützen und sind bei 
dieaon behandelt. 

Über die abhängigen Imperative vgl. § 24. 
6. Absichtssälze. 

§ K5. Sie werden durch einfaches oder durch bi Ihiu und ti 
thiu verstärktes tbat oiogeleitet und erfordern den Konjunktiv, da 
der Satzinhalt nicht als Tbatsache, sondern als das Ziel einea han- 
delnden Subjekts hingestellt wird. Von den verwandten Heischesätzen 
unterscheiden sich die Abaichtssätze dadurch, daas aie nicht von be- 
stimtnten Verben und Ausdrücken optativiacher Bedeutung abhängen, 
sondern sich in mehr unabhängiger Weise an den GesaDitinhalt des 
Hauptsatzes anlehnen. 

§ 6R, a) Durch (hat eingeleitete Absichtssätze. 

aa) Im Konjunktiv des I'raeaens: ik iu an uuatere sral gidopean 
diurlico . . tbat gi . . hluttra uuertbau tetliaro gilestio, 885, vgl, 878. 
895. 1161. 13(J4. 1401. 1407. 1412. 1499. 1562. 1732 M. 1799. 1879. 
1886, 1948. 1966. 2425. 2440. 2570. 3001. 3259. 3368. 3390. 3408. 
4008. 4095. 4473. 4476. 4648. 4654. 4712. 5757. 

bb) Im Konjunktiv des Praeteritum: thea (ac. hard haramscara) 
im helag god mahtig niacoda, that hie . . godes ni fovgati, 241, vgl. 
26. 354 M. 1224. 1236. 2304. 2350. 2384. 2579. 3011. 3114. 3188. 
3577. 3616. 3617. 3795. 379G. 4133 M. 4249. 4742. 5033. 5066. 5139. 
5444. 5448. 5859. 



J 



30 

§ 67. b) Durcli bithiu that und te thin Hiat eingeleitete Ab- 
sichtssätze. 

tbat ik bithiu quami tbat ik theua atdan cu irrean uuiliie, 14*21. 
that hie . . ia selbes auno seiidean uuolda, te tbiu that hie hier alosdi 
al liudstamna, 248, vgl. 1239. 1429. 3b:U. (4149 M> 4518. 4818. 
5225. 5439, 5882. 

Einmal tindet sieb eine dem latein. quo magis entsprechende 
Anknüpfung: sia hietun im thuo te hoske huit giuuadi umbi is lithi 
liiggiaii, tliiu mer hie uurtbi . . te gamne, 5293. 

Wie bei den lleiscbesätzen, so steht auch hier bisweilen der 
Indikativ zur Bezeichnung des verwirklichten Erfolges der Absiebt: 
liet ina thuo ledean thena liudscatbon tbat hie ina . . te them godes 
uuiba . . uppan giselta, 1081. leddun ina forth Ihanan, tbat sia an 
llabrahames barm thes armun mannes seola gisettun, 3352. gengon 
. . that sia uuid uualdand Crist uuordon spracun, 3723, ii. 3799. 

7. Folgesätze. 

1. Durch Ihat eingeleitete Folgesätze. 

1. Im Indikativ. 

g (18. Dieser Modus tritt nach positivem Hauptsatz ein und 
bezeichnet die Folge als eine wirklich eingetretene Handlung. 

a) Im Anschluss an ein vorbereitendes Wort des Hauptsatzes, — 
Indik. Fraes.: so buena so so saug rouot uuerthan . . tbat thes uuilleon 
babit, Ö93. tbia mi so gihoriga sind that sia thes . . uuiht ui for- 
latat, 2U6. sum sulican muod dreglt . . that ina ne giuuerthot that, 
2448. that thu uuinlis so uuekmuod . . tbat thu . . farlognis, 4603. 
liidik. Pratt.: thuo uuarun im Cristas uuord so giuuirdiga . . that sia 
. . iro aldan fader enna farlietan, 1183. than uuas tbar uuerodes so 
lilo tbat sia ina . . brengian ni mohtun, 2303. habda im thero Itudeo 
so tilo giuuenid . . that im uuerod mikil, folc folgoda, 23t)8. sum so 
aalig uuarth . . tbat it bigan an is muod bludan, 37S.'>. ni uuas iro 
so sicor enig that hie . . gidorsta, 3876. that uuas so mahtig tbiug 
tbat . . antkennian scoldun, 5675 (Subjektsaatz?). uuas . . so far- 
hardod . . that io so helag ni uuarth tecan gitogid, 5679. — Vgl. 
1226: thar uuas manag thegan so guod, thia iro alaniuosna . . gerno 
geliun (gabun M). 

^ fi9. b) Ohne vorbereitendes Wort im Hauptsatze. — Im 
Indik. l'raes.: babit unc eldi biaoman elleandaiü, tbat uuit sind an 
uncro siuni gislekit, 152 (SubjektssatzV). uuarth . . hugi giuuendid 
. . tbat bie . . ginam, 330. ef iu than uuirdit iuua muod te stark, 
that gi ni uuelliat . . alatan, 1021. cumat glau anduurdi . . that bis 
gisprikit, 1760. than uuerthat iu . . htmiliportun anthlidan, that gi 
. . gangan muotun, 1799. anthabit it tliiu stedi nitbana . . that it 
uuikan ni mag, 1814. uuirdit . . hugi auuekit mid uuinu, that sia 
uuel blidot, 2053. tbar it gegrund habit . . that it is reht habit, 
2478, giheftid is berta, that hie it gihuggian ni muot, 2525. thar 





mäht thu . . tüman guldiua scattos, that thu forgeldan mabt, 3205. 
anttbat is kindiski farcuman uutrilit, that ina . . godes anst manot, 
3471. im all thius uuerold folgot . . that uui im lethea uuiht . . 
gifrummian ni muotuu, 4196. huat habis thu harmt-s giiluan that 
thu so bittra scait beodi tholiuu, 52Ui. 

Im Indili. Praet.: habda them beriscipie Lerta giaterkid, that 
sia babdon btthuuugana tbiedo gihuilica, 56. tbat sia thiu berehlun 
giscapu MariuD gimanodun . . that iro . . suno odan uunrth, 36y. 
babda im . . al giuuisid , . tbat sea . . gaiigaa mabtun, 428. aDtthut 
uartb faroam Erodaee theua cuning, that bie failiet eldeo barti, 762. 
buo bie tbiu siabiun tue . . forledda . . that liudeo barn . . hellea 
BUobtUQ, 1037. them tbe hie Adame . . bidroh, that . . bie uuartli 
is drohtiiie letb, 1047. so bie ioa tbuo gihuiigraii liet, that ina . . 
biganti . . muoses lustean, 1060. tha it , . fuglos alaauu, that it . . 
□i muosta uuei'than te uuilleoii, '2404. babda it , . obarfangau, tbat 
it ni muosta (mabte M) te enigero l'ronm uuerthan, L!411. thuo auartb 
. . bittra gitbabtj Judeono tegaogaii, tbat iro eaig ni babda so grimman 
sebon, 2G&7. tbar muoses uuarth , . brodes ti lebu, that man birilos 
gilas tuelib fuUa, 266S. deda is belpa tbar tüo, tbat . . uurtbun 
ogun giopanod, that sia . . antkennian mohtuu, 3580 f. sithor im 
gibuotit uuarth, that Bia . . gisehau muostun, 3(iii2. antthat hie ina 
, . auuekida, tbat hie muosta (mosti M) tbes.i uueruld sehan, 4133. 
liabda ina . . uuerodu biuiiorpan, tbat ina thia uuidersut;oii . . fahan 
ne gidurstun, 4227. so uuarth oc that fiur cuman . . that thia bohun 
burgi . . logna bifeng . . that thar enig gumono ne gtnas, 4367 f. 
uurtbun undarbadoda that sia undar bac Tellun, 485 1. uuell im an 
innan hugi, that hie ni mobta enig uuord sprecan, 4867. sluog , . 
that thuo Malchus uuarth . . suerdu gimalod, 4875. hie uuarth an 
that hobid uund, that . . brast, 4878. legda . . lik tesamne, hobid- 
uunduD, that siu sau gihelid uuarth, 4902. uuas im god abolgan, 
that hie . . simon uuarahta, 51G6. babduii i' 
sia ne besuribun iouuiht grimmera dadio, 5311. 
giuuaraht . , that . . antkennian scolda, 5G60. 

that sia . . lif farlietun, ölüJ«, liet . . suithan, tbat . . uuarth aut- 
locan is lichamo, 5707. habdun gegangan te them gardon, that sia 
. . mahtun gisehan, .^795. suogaii quam engil . . that all thiu folda 
aoBciann, 57iJ8. uuarth . . antlocau is gitobo, that hie uuissa, 5!)U8. 
auartb . . gitogid , . that hie im muotta, 5'ä!jt). 

2. Im Konjunktiv. 

^ 7i). l!ei negiertem Hauptsätze hat tlial den Konjunktiv, den 
Modus Irrealis, weil das Nichteintreten dui' Haupthaudlung das Nicht- 
eintreten der Folge bedingt. 

a) Im Anschlusa au ein vorbereitendes Wort des Hauptsatzes. 
— KonJ. rraen.: buo mag that giuuerlbiin so (die I''i'ag<! steht der 
Negation gleich^ thut ik magu fuodie, 272 (berührt sich mit den er- 
klärenden äubstantivsätiten). nis gio so sabg mann that mugi . . bethiu 



. farsoundid, that 
uuarth . . uundartecan 
sia beiion bebracon, 



39 

atheogiab, 1656. ef sia than so saliga uuerthan ni muotun that sis 
iuuaa uuerc frummean, 1941. nio hie so uuido ni cao githenkeanne 
. . tbat it bibaldan mugi herta thes manne« that hie that . . uuiti, 
2532. so nist enig so spahi, that thero lerono mugi enodi gitellian, 
4245. — KonJ. Praet.: that iro eoig ni habde so grimmon sebon ni 
ao uuredou uuilleon that sie mahtJn . . antkennien cet, 2688 f. tboh 
sia ni uuarin so saliga te thiu, that sia it so farfengin, 3839. 
uuas iro so sikur enig that he . . gedorsti, 3S7ti M, gidorste C. i 
enig helitho so ald that ■ . gisauui, 5009. sia ni mohtun hndan so 
uureth giuuitscipi that aia . . adelian gidorstin, ^Ü68, ni sprac im 
gio , , so filo . . that hio it . . uuraki, 507i), that thar is so helag ■ 
Di uuarth tecan gitogid that sia tiuodin thiu bat, 51380, vgl. 2263. 
2650. 204 (im Anschluss an eine indirekte Frage). 4892 (form des 
irrealen Falles). 

b) Ohne vorbereitendes Wort im Hauptsätze. — Konj. Pracs.: 
that gi ni mugun . . uuiht uualdando forgeban, tbat it im uuirdig si 
te antfahanne, 14G6. — Konj. Praet.: erthun ni habda that it thar 
mobti uuahsan, 2392. that ni mobta er uuerthan . , thiu blindi gi- 
buotid, that sia . . gisauuJn, 3636. ni mohta lastares uuiht ßndan . . 
that hie is ferahes bethiu sculdi uuari, ri23l. hie ni mahta is libea 
gifreson, tbat hie .. sueltan scoldi, 5322. — Belative Folgesiüee: is ni 
uuas forlebit uuiht . . that for thia heri forth scenkion druogin, 2015. 
antthat thar eoig ni uuas . . thia . , uueldi, 3881. 

II. Durch so eingeleitete Folgesätze. 

g 71. Diese Sätze haben zwar die Form der Modalsätze, folgen 
im übrigen aber ganz denselben üesetzen wie die eigentlichen Folge- 
sätze mit that. 

1. so mit Indikativ. 

a) Im Anschluss an ein vorbereitendes Wort des Hauptsatzes. 
— Indik. Praes.: treuua sind so guoda gumono gihuilicon, so nia 
goldes hord gilic sulicon gilobon, 24^0, that hie muoti bebbian . . 
so endilosan uuelon, so that ni mag enig man uuitan. 2.^29. sum 
uuirdit than so suitbo gifruodot, so hie ni uuili is sundia buotan, 3493. 
that habit so bideniit , . so that uuitan ni mag enig maimisc barn, 
4298. that ik hebbiu mi so faruuercod so ik . , ni tharf olat seggian, 
5Ö12. ik hebbiu it so griolico . . gicopot, so ik uuet. 5154. ik hebbiu 
hier so filo . . seldlikes giseuuan, so ik uuet, 5457. it is iu so . . 
giscriban . . so ik it nu uueudian ni mag, 5559. — Indik. Praet.: 
thuo so stillo gibod mahtig barn godes, so it tbar manno filo ne uuissa, 
2038. all hebbiu ik so güestid . . so ik is eouuiht ne forliet, 3279. 

§ 72. b) Ohne vorbereitendes Wort im Hauptsätze, — Indik. 
Praes.: Hesk is unc afallan . . so mi thes uundur thunkit, 157. mi 
thunkit . . that hie si betera than uui, so ik uuaoiu that ina us gog- 
nungo god . . sendi, 213. nu ist thie helago Crist cuman . . so nu 
thes thinges mugun mendcan mancunni, 525. uui gisahun is bocon 
scinan . ., so ik uuet that, 600. endi iu thia giuuald forgibit . . so 



gi sia ni thurbun . . copan, 1847. babdun . . giborid bebancuningea 
belaga lera, so giu ie uueroldi sind . . spracono tbiu spabirun, so bue 
Bo tbiu spei gifraiig, 1990. hie giuuald habda . . so that ni mag 
gitellian man, 2IC3, tbat ik giuuald hebbiu , . seokau man te gi- 
heliflone, HO ik ina brinan ni tbarf, 2329. im lilo sagda uuararo 
iiuordo. so nist enig . . so spabi . . tbat, 424'^. so cumit tfaie dag 
mannon ..so it crr tbesa liudi ni uuitun, 4361. — Indik. Praet.: 
thuo iiuas eiu . . at them friiluuihe . . so siu nio thena uuib ni fartet, 
514. au tbem uuibe afstuod . . so ina tbiu muodor thar ne uuissa, 
799. tbar sat , . Crist alouualdo, so is thia ni mobtun ankennean 
uuiht thia, 813. deda guod uuerc . . so neo Judeon umbi that tbiu 
mer ni gilobdun, 2285. siu te them »labe gaf all . . so siu iro uuiht 
ni forlet guodes an iio gardon, 3775. uuas . . iungro Cristea . . so 
it thar mnnno älo ne uuissa, 5717. fuor im thuo thar bie uuelda, 
30 thia uuardos tbes uuiht ni afsuobun, 5777.*) 
2. so mit Konjunktiv. 
Nach negativem Hauptsatze 523G, nach positivem 48ä9. 5223. 
5070. 5077. 303. Die Beispiele gehören in Abschnitt 2 und sind 
dort aufgeführt. 

II. Gruppe. Abhängige Fragen. 
I. Im Indikativ. 

g 73. a) Nach Verben des Wahrnehmena, Erkennens, Wissens, 
Glaubens: sehan (gisehan): buo 656. 2751. 3823. 5578 — scanuon: 
huat, 5668. — borian: buo, 4.6. 3661. — ankennian: huo, 3621. 
huat, 3623. bihui, 3624. — afsebbian: buan, 5778. — farstan- 
dan: behui, 829. — cunnan: buo, 1033. — gicunnon: builica 
craft, 5031. — marcon: buo, 1672. — giabton: huat, 2164. — 
gibuggian: huat, 3376. 3496. huo, 4652. — uuitan: hues, 1666. 
huo. 2039. 3693. 3850. 5751. huat, 2533. 5394. 5542. buann, 4299, 
4345. huar, 4618. huarod, .5916 5918. — gilobian: huo lief, 5034, 

b) Nach Verben des Redens. Milteilens und des Gegenteils 
sprekan: thuru builik odmuodi, 374. huo, 3447, 4164 C. ~ seg' 
gian: huo, 494. 1476. 1528. 1629. 2389, 3176, 3392. 4108. 4691 
5943. bihui, 565. buar, 1702. huilic arhedi, 3519. buat, 2077, 
3181. 4068. 4251. 5454. fan huilicon cuonie, 5248. builica egiaon, 
5877. — tellian: huat, 2077. 2164. huo, 2730. 4454, huat, 3181, 
huilic tecan, 4308. — marian: huat, 2375. 2440. huo, 3216. — 
meldon: huilican muod, 1753. — menian: huo, 1752. — that sad 
tbat ia . . tbiu helaga lera bebancuningea, huo man thia marian scal, 
2444, — cudian: huilic bilitbi, 433. huo, 4657. — thuo uuart it 
cut: huo, 1203, ü. 2073. 5419. 5625. im cuth gidedun, buo, 2805. 
— noisean: huo, 1771, — lerean: huo, 897 C, vgl, 1593 so 

•) 148 ist meioer Ansicht nach hiuler gicoi ein Punkt zu setzen, ebeoso 
535 vor so. 

Mi*d(>d«>l(cbM JahibBch. XL a 



Johannes duot (= 'lehrt') . . is uuerod . . hao aia uuaMand sculnn 
guodan gruottean, 1593. — uuritan: huo, lO'*!». — helan: mid 
huilicu huggiu, 1394. huann, 4307. Iiuat, 46C6. 

§ 74. c) Nach Verben des Fragens: all scal ik iu . . fragon, 
iungron mina: huat ({uethat thesa Judeo lindi, 3u39. nu uui thi 
fragon sculun, riki thiodan, huilik reht habit thie keaur, 3803. 

Doch liegt eigentlicli gar keine abhüngige Rede vor. 

d) Nach Verben der Gemütsbewegung: so lata im thilt an innan 
sorga au is muodaebon, huo hie scal , . an rethiu standan, 2610. 
mi thunkid uunder mikil . . hui gi mi tlio ni fengun, 4906 M, fengin C. 

2. Im Konjunktiv. 

g 75. ft) Nach Verben interrogativer oder iletiberativer Be- 
deutung: fragen, forschen, aufachten, überlegen, sorgen, erwarten, 
zweifehl, wundern. — fragon: huat, 210. 2840. 3847. 3849. 5278. 
5341.5921. hues, 2772. te hui, 29.^j2. r)849. mid hui, 5181. after 
huem, 3820. huc, 3714. huena, 4840. huan, 034. huar, 4529. 4531. 
huederon, 5411. huedar . . thi, 3848. huilik riki mann, 3554. huilio 
arundi, 553. huilik reht, 3808. huilikes folkes, 4972. uinbi huilioa 
saca, 5904. ef, 911. 5205. 5024. — fregnan: huar, 017. huena, 
4840. — obarhorian: ef, 3796. — undarfindan: huat, 5278. — 
uuara nemau: huo, 5745. — ruokean: ImeJer, 1541. — sehan: 
sib thi huem ik hier an band gelje mines niuoses, 4009. — thenkean: 
huo, 303. 3 4. huann er, 594. thahtun endi thagodun, huat, 1284. 
Vgl. thagiandi: huat, 2775. — ahton: huat, 5157. — lat thi that 
an thinan hugi fallan. huo, 1708. — gihuggian: huo, 2520. — 
huan er . . erlös enuuurdia alla uurdin, huat, 5174 — keosan: 
hueder im suotera thunke, 3400. habda thero custeo giuuald, huar 
im liobost uuari te uucsanne, 2697. Um hiibi giuuald, huena thu 
hier gibindan uuillies, 3070. than thu giuuald habis huat thu thiggian 
uuellies, 4480. — radan: huo, 2608. 4471. 5003. — talon: huo. 
24M. huan er, 4492. — sprecan (sprechend überlegen): builic that 
. . uuari, 2262. huo, 2674. huie. 5791. — mornon: huat, 1603. — 
sorgon: huo, 1928 M, 2518 f. huilicun, 4591. bit^orgon aeola 
managa huo, 1807, an sorgun uuesan: huat. 1900 M, uuas thes 
an luston huat he them uucroda mest te uunnion gifrumidi, 2744. 
— thuo uuas thero dadio hruom .. huat sia mahtin harmes gt- 
frummian, 5112. — stuod .. uurethes uuillien, huo sia uuordheti 
frummean muostin, 3898. uuas im uuilleo mikit huat sia im bittres 
tuo bringan mahtin, 5644. — bidan: huan er, 105. 5707. — langon: 
huan er, 53T3. — us ist thes firiuuit mikil: huann 4293. uuas im 
firiuuit mikil huat, 4939 M, — uuudron: bi hui, 176. 303. 5024. — 
so mi thes uundur thunkit^ui, 158, ü. 4152. 4906 C. uuas im uundar 
mikil bi huilicon billthon . . aegglan bigunni, 2415. dadun it bi them 
uundre, huauan im mohti sulic uuord cumau, 3649. 



§ 76. b) Nach Verben des Mitteilena und Erfahrens, sobald 
eie mit sculan verbuDden sind und finalen Sinn haben: gibiodan; 
buur sia im eft tegegnes gaugan scoldin, 2898. — aeggian: huo man 
bimilriki gihalon scoldi. 133*J, ii.. 23G7. huand that giuuerthan sculi, 
4303. Vgl. 5S56 gihuggiao thero uuordo: huo hie scoldi gigeban 
uuerthan. — gicuthian: huar hie tbena cuning scoldi suokeao, 642. 
tellian: huo sea scoldin iro aelboro aundea buotean, 113Ü. buat 
uui im gelden scuiiti, 3811 M. — menian helagna gest huo tbena 
ürio barn tintfalian scoldin, 3'<)23. — scritjan: huo aia Is gibodscip 
scoldin frummian, H. — uuritan: huat sia tbat belaga barn hetan 
scoldin, 234, -- that uuarth tbuo all mid uardon godas fasto bifan- 
gan endi gifrumid after thiu, builic than liudscepi landcs scoldi 
nuidost giuualdan, 44. — leriau: buo sia scoldin iro gilobon bald&n, 
854, ä. 897 M. huo sia lob gods uuirkean scoldin, 1289, ä. 1985. 
— linon: huo sia lof scoldin uuirkean, 810. — hiotos uurpun: 
huitic iro scoldi hebbian thia helagun peda, 5548. — uuitan: huar 
uui ina Buokeau scoldin, <i04. huarod hie uuerthan scoldi, 5922. 

§ 77. Nur selten steht bei den angeführten Verben dann der 
Konjunktiv, wenn der Nebensatz als einfacher Aussagosatz anzusehen ist. 

huat quethat tbesa Judeo liudi buat ik manno si, 3040. — 
sagda: huilica uuarin gode uuerthostuu, 1298. builic thero uuari 
bimilrike gilik, 2623 mid huilicu arbediu tbar Lhea erlös libdin, 
2822. — that hie im that sagdi, ef hie . . uuari, 5085, — thuo hie 
thttt bitithi sprak, huo ihar .. uurohtion quamin, 3511. 

In den übrigen Beispielen hängt der Nebensatz von einem im- 
perativiscben Hauptsatze ab: gi sculun . . seggisn, blhui gl siu te 
tlieeon lande cuman, 5G1. sagi us, under huilicon hie si thesaro 
cunnio afuodtd, 605. sagi us, buat tbi thes thunke, 3812. sagi huat 
thu thes uuellies, 3855. 

Ka|>. II. 
A<IJ«bUvaat>e. 

§ 77. Unter diesen verstehe ich sUmtliche Relativsätze; die 
meisten Relativsätze entsprechen eben dem Adjektiv im einfachen Satze, 
vährend das Relativ in denjenigen Fällen, wo es substantivisch ge- 
braucht wird, einem substantivierten Adjektiv gleichwertig ist. Eine 
Scheidung in substantivische und adjektivische Relativsätze, wie sie 
Behaghel ■; 24 durchführt, halte ich nicht für nijtig,*) 
A. Unei^e&tiivhe Belativsütz«. 

Diese entatebn, wenn Pronomina in formal seihständigen, inhalt- 
lich aber einem Nebensatz analogen Sätzen anapborisch auf einen 
vorher erwähnten Gegenstand /.urückweiseo, vgl. Erdmann I, 212 f. 
Es sind dies 



*) Die von Behaghel ia leiner Ausgabe X angeführte Dissertalioo von Wil- 
hebn;, Die EinleitungeD der Relativsätze im Helinud, Leipzig IdSl, ist mir unbe- 
kannt gebliebea. 




36 

1) Persönliche Pronomina. — ik biun forabodo frahon minas, 
liobes berron: ik scal thit land recon, 932. — hei uuis thu, Maria, 
thu bist tbinon herron lief, 259. fader ist usa tirio barno, thu bist an 
tbem hoben bimilo rikie, 1601 C, the is M. — Häufiger sind die 
Beispiele bei der dritten Person: nu habit thit leobt ageban, quatbie, 
llerodes se cuning: hie uuelda is ahtean iu, 1772. im tbuo thena 
tiftan gicos; Matheus uuas hie hetan, 1192, ä. 1269. R315. 5719. 
gibuocnida .. li Johanne them guoden; hie uuas tbem godes barae 
thegno liobost, 4599. — thar im tegegnes quam en idis fan odroo 
thiodon, siu uuas iro cdiligiburdeo cunnies fan Cliaiianeo lande, 2985. 
— ni mag thar faran enig thegno thuru that Uiiustria: it ist hier so 
thikki undar us, 3386. — thar aatun tuena man bi uuega, blinda 
uuarun sia bethia, 3519. — thar ina megin umbi thiodo thrungun, 
mias im tharf mikil te gihoreaniie, 2376. — tliera is oder san uuid 
atrata endi bret, farit sia uuerodes filo, 1774, ä. 1784. — thar enig 
gumono ne glnas botan Lott eno: ina antleddun thanan drobtinea 
engilos, 4370 u. ö. 

Bisweilen steht dabei das Verb, wie im wirklichen Relativsatze, 
weiter von dem Pronomen getrennt, z. B. tbuo uueiida ina fon tbem 
uuerode uurethhugdig man, thegan kesares — hie obar tbioda uuaa 
bodo fan ßumuburg, 5202. 

§ 78. 2) Das Demonstrativ thc thiu that einfach zurück- 
weisend. — thar fundun sia enna guodon man . ., thie (the M) 
habda an them uuibe . . gilibd, 465. is erbiuuard: the uuas Archelaus 
hetan (7ti4) . . thie acolda . . uuerodas giuualdan, 766. biatet thar 
odor man, thei ist im iung endi glau, 2465. thann uuas thar en 
mari berg bi thero bürg utan, the uuas bred endi ho, 4235. than 
togid bie iu en guodlic bus, hohan solari, thie ist bihaDgnn all fagoron 
fratohon, 4542. ic scal , . iu sendiau helagna geat: lliie scal iu eft 
gifruofrean, 4709. — than uuas thar en gigamalod man, that uuas 
fruod gumo, 73, — than uuarun thob sia fiori te thiu under thero 
meniga, thia habdon mäht godes, 10. — ankendun sea thiu kumbal 
godes, tha uuaruD tburu Crist berod giuuaraht, 657. — samnod iu 
au himile . . fagnra febuscattos; that ni mag iu enig bund beniman, 
1648. — stuod eun mann garo, suitbo seuldig scatho, thena babdun 
sia giscerid te thiu, 5647. 

B. Eigentliche Relativsätee. 
1. Verkürzte Relativsätze, 
g 79. Sie entstehn, wenn dieselbe Pronominalform zugleich 
Demonstrativ und Relativ ist, Diese ist 

1. für beide Sätze (Haupt- und Nebensatz) in demselben Kasus 
gültig: sagdu them siu uuelda, 293, sia frumida thie (the M) mahta, 
659. quat that oc saliga uuarin thia her uuiopin iro uuammon dadi, 
1307. saliga sind oc . . thia hebbead iro herta gibriuid, 1315. quat 
that oc saliga uuarin thia hier (thie the M) frithusama . . libbeat, 




1317. tban uuopiat thar uuanscefti thia hier er an uunneon sind, 
1352. ik selbo biuD that thar saiu, 2582. Satanas selbo ist that 
thar sait after, 25B6. so egrobtfull ist ibie (ihe M) tbai- alles gi- 
uualdit, 3502. gilobda thie uuolda, 3961. duo that thu duon acalt, 
4618. nu uuirthit .. cuman midi cral'tu tbie (the M) mi farcopod 
habid. 4806. 

2. gehurt zu beidec Sätzen in verschiedenem Kasus und folgt 

a) der Konstruktion des Hauptsatzes: gehe thes thar uuar ist, 
1522. buotta them thar blinda uuarun, 235ti, 

Bei dem Neutrum eines ProDouiens kann man zwischen Nominativ 
und Akkusativ nicht unterscheiden: ciidi uualdand gode selliat thät 
thar ain ist, 3832, vgl. 4411 M. suitbuo uuarth im an sorogon that 
hie er selbo gisprac, 491)6. 

b) der Konstruktion des Nebensatzes: saliga sind oc them hier 
tuildi uuirdit bugi, 1312. 

II. Unverkürzte Relativsätze. 

§ 8W. I. Relativsätze, welche durch das relativisch gebrauchte 
Demonstrativpronomen te ihiu Ihal eingeleitet werden. Vorweg 
nehme ich 

a) diejenigen Fälle, in denen eine Attraktion vorliegt, insofern 
das Relativ in den Kasus des Wortes übergetreten ist, auf welches 
es sich bezieht. 

Am häutigsten ist dies ein Genitiv; tban lato ik thi brukan 
uuell alias tbieses oduuelon thes ik thi hcbbiu giogid hier, 1105. ni 
uuellead thes forlatan uuiht, mongithahteo, thes sia an iro muod spanit, 
1354. alles thes unrehtes thes gi odron hier gilesteat, 1625. that 
sia thes . . uuiht ni forltetin thes ^ia thie helago Crist hetan uncldi 
lestian, 2033, ä. 2117. that it (is M) them ecson uuiht aftor ni 
maosta uuerthan te uuilleon thes thar an thena oueg bil'ell, 2405. 
oi uuet helilho man thes uuilies uuideriagu thes ihur uueros thig{j;iat, 
2640- tbcru luiedun . . gimacun Ünctan ne thes uuclun ne thes uuilleu 
thes thar uualdand akerit, 2643. that man im thes brodes tharod 
gidragan uuoldi thes thar . . nither untfell, 3342. bethiu hie thes 
uuiht oe bisprac thes sia im . . ogian uueldun, 4924. suno thes 
libbiandes godes: thes thitt lioht giscuop, 5086 hleotad gie thes 
alles, gie uuordo gie uuerco, thes gi im her te uuitie giduau, 5480. 
— brosmouo fülle thero . . nider antfallan, 3021. 

Nicht immer steht, wie in den bisher angeführten Stellen, der 
das Pronomen attrahierende Genitiv vor diesem: thes hie selbo gisprac, 
giuuisda endi giuuarahta, uuntlarlicas tito, 36. ni scal iu derinn 
eouuibt thes gi hier seldlikes gischan hebbeat, 3158. 

§ Sl. ßei einem anderen Kasus als dem Genitiv ist die Attraktion 
seltener: than is im so them Balte them (the M) man bi seuues Stade 
uuido teuuirpit, 1370. thuo thiu magat habda gitbionot ti thanke . . 
allon them erlscipie them thar inne uuas, 2768. them mannon . . 
them thar i|uam<m at erist tao, 3430. allen them ando them thar 



quatQun at'erist tuo, 3435. fon them herrosten them thes huees 
giuueld, 3344 C. sagdii them alat them (tbe M) thar all giscuop, 
4636. — uuidar tliiu thiu (the M) hie thesa tnina uuord fruiuit, 1823. 

[i^iae altractia inversa, wo sich das Beziehungswort nach dem 
Kasus des Relativs richtet, ist vielleicht an einer stelle bei dem sonst 
nur mit dem Dativ konstruierten Verbum fulgangau anzunehmen: 
tbat gi tfaiu fulgangan thlu ik an theaun gomun don, 4644 M, thia C. 

j^ 82. b) Das Pronomen steht in dem vom Nebensatze ge- 
forderten Kasus. 

Bevor ich ^ur Behandhing der einzelnen Fälle übergehe, bemerke 
ich, dasa die Siiheidung des eigentlichen Relalivpronomens von der 
Relativpartikel Ihc manchmal äusserst schwierig und bisweilen wohl 
ganz unmöglich ist. Überall, wo vor the noch das Demonstrativ- 
pronomen tritt, oder wo dem the das persönliche geschlechtige Pro- 
nomen nachfolgt, mnss unbedingt in the die Partikel anerkannt werden; 
in allen iihrigen Fällen eebe ich in the nur dann die Partikel, wenn 
beide Handschriften übereinstimmen, wlihrend ich die Stellen, wo nur 
eine der beiden Handschriften die Schreibung the aufweist, in meiner 
Darstellung zum Pronomen rechne. 

Meine Einteilung habe ich nach der Beschaffenheit des Be- 
ziehungswortes im Hauptsätze getroffen. 

8 83. a) Das Beziehungswort ist ein Pronomen: 

Persönliches ungcschlechtiges Pronomen. — Gabriel biun ik helan, 
thie io for gode standu, 120. kumet gi . . thia (the AT) thar gicorana 
sindun, 4392. 

Persönliches geschlechtigcs Pronomen, — hie habda starkan hugi 
. . thie thes mester uuaa, 30. — it . . thes hie meat bttharf, 2525. 
^ im . . thie (the M) hier . , gisprikit uureht odron, 16114. — sia 
. . thia hier lango bidun, a539. suma sia . . gispracun thia thea 
hreuues thar hvodian scoldun, 5683, nur in C. 

Demonstrativpronomen. — thie ist an thit leoht cuman . . thie 
(the M) iu dopan sca], 889. thie , . thie (the M) hier gilobit tc mi, 
4056. HO it thie gimarcoda thie (tbe M) mancunnies foruuardnot, 
4i)7!). thie . , thie thes folkes giuueld, 5335, nur in C. — that 
scoldun sea . . scggean forth, that sea . . gisahun, 34. hebbeat that 
te tegne, that ik iu gitellian mag uunron uuordon, 405. so huilicon 
so that lestean uuiti that fan uualdandes uuorde gibiudit, 1074. so 
mag that an is hugi mera uucsan . . that hie hier uuammes giduot, 
1713. uuar ist that .. that thu . . sprikis, 3018. hue that unari 
that thar , . quam, 3714. hue scal that . . uuesan . . thie (that M) 
thi farcopan uuili, 4606. that that nuari te uuaron uualdandes suno 
. . that thar ivn them galgon sualt, 5685. — thera gernean thiu im 
gigangan ui scal, 1481. -^ lof uuirkean them 'thie (the M) thesa 
uuerold giscop, 811, a. 40a2, — so is thia ni mohtun ankennean 
uuiht thia (the M) thea uuihes thar uuardon scoldun, 814. hues thia 
hithurbun thia im hier thienot uuel, 1666. thia . . thia thes gerna 



sint, 1921. oc bebbeat thia sitDdeono mer thia mik thi btfulhun, 
S353, nur in C. — niaiiaga sind thoro tbin uuelliad . . te drobtine 
bnigän, 1917. — them te haroia Uiia (tho M) hormn ni uueldin, 498. 
uuirss is tliütn üdron . . thL<in tliia (tlic M) hier guod egun, 134B. 
biet thiem at eriet geban tbia tbat lest uuarun liudi cumana, 3427, 
nur C. iiilun them ungiltco thia (tbe M) ibar . . lerand iiuaruu 
acoraii, IS34. 

Iiidefimta. — alhiio liudio giLuilic . . tbie (tbc M) tbaii egan 
uutli aldnrlangan tir, ^GlÜ. tbat hie tbat ti uuaroii uuiti huat uual- 
ilaod god babit guodes gigcreuiiid, that alt gegiiiuuerd sted, 2534. 
antthat iro tbar eilig ni uuns thes üoudo folkes thia (the M) iro 
ftrab^s tüo . . ahtean uue)di, 3881. 

g S4. ;i) Das Beziehungswort ist ein Numerale mit Artikel. 
— thit! eno thie (tbe M) Ihar all giscuop, 3264. huederon theio 
lueio . . thia hier an feterou sind, 5411, nur in C thia andar . . 
tbie (the M) . . hobda bjlosda erl odifrna, 1445. tbcm odron . . thia 
hier ena huila uuaron, 3439, nur C. 

Y) all, filo. ~~ al that sea hibhdan egun, 41. all that sea tbar 
fehea ehtun, 1 185. all that siu babda uuclono giuuunnan, 3774. 
alla gihuilica (gelicu M) thia tbar iunc sind, 1408. — im filo sagda 
be bililbon . . thes aia ni moblun . . forslandau, :i371. so filo thes 
gifuolian, thie gio uiid hrihon ne sprnc uuord, 567G, nur G, 

In anderen Fallen betriebt sieb das Relativ nicht auf lilo, son- 
dern auf einen von diesem abhängigen Genitiv: Judeono tilo . . thia 
. . gicoran babdun, 3T3C. hlo Judeo liudo, thia tliiu uuib uuoldun . . 
fruobrean, 4017, nur C. 

S) Ein Eigenname. — Josepcs . , thie (tbe M) im er thia 
ntagat babda . . gibobt im li brudi, 296. Elias, thie (tlie M) hier 
HD erdagon uuas, 920. Erodes . . thie luuuan eo bican, 5320, nur C. 
Jesus fan Nüzaretbburb, thie tbar neglid sluod, ßö52, nur C. tbena 
likbamon Cristes . . thie tbar giquelraid stuod, 5725, nur C. solbon 
Satanase, tbie (the M) io an sundea spauit, 1031, Sodomaburh, tbiu 
h^r thuru sundeun uuartb . . buru bifallan, 1952. 

ß Sä. t) Das Beziehungswort ist ein Substantiv ohne Be- 
atimmuDg. — uuardos anfundeu thia tbar ehusualcos uto uuarun 
uucros an uuablu, 388. uurti tbea bir an t'eldo stad, 1673 M, ihe C 
Jethes tbat gi . . gifrumidun, 881. liudi . . thie hie im . . giuuarahta, 
1683. liudi tbia (the M) io tbit liobt gisahun, 2597. liudi . . thia 
(ibe M) tbar an them uuege fuorun, 365i^. scapuuardos, thia Ibar 
Bcoldun theva scola tbionon, 2U33. uuardos thia obar tbemo grabe 
eatun, 5^74, nur C. nuoros thia (the M) sia thuo uuisostun . . gitaldun, 
44i)7. hcland . . tbie (the M) tbit giuuerr frumiil, 4844. uucros 
thia . . gangan ([tinrauu, SÖlfi, nur U. 

Dazu eine Reihe formelhafter Zusammenstellungen zweier Sub- 
stantive: himil endi ertba, tbia nu bihlidan standad, 1425. land endi 
lindscipi . . that all an is giuueldi sted, 2SS9, sculdi endi scattos 



1 



40 



tbia imi giscerida siot, 3218. uuiti endi uunderquala, thja ik .. bcbI 
Iholon, 4568. 

§ 86. ^^^ Beziehungswort ist ein äubstantiv mit Adjektiv 
ohne Artikel. — hard haramscara, thea (the M) im god mahtig ma- 
coda, 240. godsprekea gumoD, tbia us . . gihelun, 5ti7. riki radgebo, 
tbie (tbe M) ribtiaa scal Judeono gumscepi, 627. tbie gillco duot 
uuison manne tbie (the M) giuuit babit, 1806. holda beririncos tbia 
mi so giboriga sind, '2115. gramberta Judeon, tbia thes godes barnes 
uuord afteruuaroduQ, 232J. diurlic drohtioes bodo, tbie (the M) hier 
dopida iu, 3046. idisi armscapana thia that all forsauun, 5742, uur C. 
allon elitbiodon, tha er . . ni ankendun, 4BS. uuordo endi uuerco 
allaro tbie (tbe M) hie . . giduot, 2612. folc manag thiu (the M) 
iuuua belag uuord borean ni uuilliat, 1725. gest manag . . tbei (tbe M) 
hier uuel thenkit, 2086. bürg odra thiu so tbicco uuas . . gtsetan, 
3035. gisuester tua, thia hie selbo er minnioda, 3969, nur C. 

Bisweilen steht vor dem Adjektiv noch so, wodurch sich die 
Relativsätze den Folgesätzen nähern: that bie im so marean sandi 
uuarsagon . . tbie im tbar sulican uuilHeon frumidi, 2215. Vgl. 1226 
tbar uuas manag thegan so guod, thia iro alamuosna . . gerno gebun. 

g 87. r) Das Beziehungswort ist ein äubstautiv mit cn. — 
en uuib . . thiu habda uuam gifrumid, 3841. 

0) Ein Substantiv mit Adjektiv und uDbestitnmtem Artikel. 
— en gil'ruodit man, tbie (the M) so ülo consta uuisaro uuordo, 208. 
en gelbert man, tbie (the Mj iru gaduling uuas, 221. (en giherod 
man . . thie (the M) uuas . . biscop thero Liudio, 4146) enn fecni 
uuib . . thiu enes Judeon uuas . . thiui, 4955, (en ruob reginscatho, 
tbie habda . . so blo morthes giduau, 5398, nur C.) 

Ein Substantiv mit Zahlwort. — tueliui gitalda treubatta 
man . . thia hie im te iungron . . uuolda . . bebbian, 1252. (huo 
hier uuegos tuena üggeat . ., thia farat liudeo harn, 1772.) 

g 88. x) Das Beziehungswort ist ein Substantiv ohne AdJektiT 
mit bestimmtem Artikel. — reckean that giruni tbat tbie riceo Criat 
. . maritba gifrumidn, 3. tbiu tid . . tbe (tbat M) thar gitald babdun 
uuisa man, 94. thiu muoder tbcs ktndes, thiu thena magu babda, 
215. thiena fader fragon, tbie (the M) ibar so girruodot sitit, 228. 
thia bodon . . thia . . cumana uuarun, 351. them liudeon te Höbe 
thia (tbe M) is lerun gibordtn, 497. thia liude tbia (tbe M) her nu 
tango bidun, 523. them mannon . . the (thea M) im . . bolda ni 
uuarun, 539. them uurekkean tbe (tbea M) thar . . uuarun ferran 
gifaraua, 632. thia man . . tha it . . fagaro anfengun, 676. that 
barn godes tbat . . liudi sagdun, 912. that lamb godes, tbat tbar 
losean scal, 1131. tha helitboa friignun thia tbar .. unarun, 918. 
thiu uuerc frummean, tbiu tbar uuerthat ahludit, 1071. thiu netti . . 
thiu sia habdun nabtes er forslitan, 1178. thia rincos the (tbie M) 
bir rehto aduomead, 1311. that oc saliga uuarin thia rincos thia 
(tbe M) rehto uueldin, 1321. tbia lera thia hie lestian scal, 1369. 



41 

tbin bnrh . . thiu an berge stet, 1395. thero furisagono uuord , . 
tbia gibndun, 1423. thero uuordo uuiht . . tbe (tbea M) si» . . gi- 
budun, 1427. thera sundea (sundeono M) thia gi . . giuuirkeat, 1617. 
so thiu uurt babit thiu hir an felde Btet, 1660. an them liudiua 
tbea thar ne uuillean gilobean to, 1733 M, the G. thia Cristes uuord 
. . tbea (the M) hie . . gisprac, 1836. thia man . . thia (the M) iu 
bier uuidaruuerpat, 1956. thiu uuerc frumid thia ik . . gibodan bebbiu, 
1983. thiu spei . . thiu . . sprac bavno rikost, 1993. thes manneB 
thie (ihe M^ merr .. güoboii babdi, 1^127. tbie helago thte hitniles 
giuualdit, 2211, nur C. ihat uunder Ihat under them uueroda gi- 
burida, 2313, thia man . . thia (the M) thena lefna lamon lange 
fuordun, 2308, tbat sad tbat ik iu sagda, 2442. that com tbat 
thar met kilhon ni mabta . . stedihaft uuerthan, 2453. thiu lera 
. . thiu (tbe M) fan is muthe cumit, 2485. bi tbero brudi thiu err 
Bines bruother uuas, 2706. thiu tbiorna . . thiu (the M) gio thegnes 
ni nuartb uuia, 2789, thia iungron tbia (the M) hie im habda . . 
gicorana, 3037. thero uuarsagouo thia (the M) hier . . lerdun, 3049. 
tbero bobidscatto thia (the M) aia . . scoldin tinsi geldan, 3189. 
Ibem mannon tbia (the M) uuid mi hebbeat lethuuerc giduau, 3243. 
tbia uuuruhteun thia . . uuerc higunnun, 3461, nur C. them mannon 
. . tbia thar . . quamun, 3491. thia dadi tbia hie so dereuia gifrumida, 
3498. thia uurdgiscapu thia (the M) tbi noh giuuertban sculun, 3692. 
tbem Judeon tbia (the Mj im err grama uuarun, 37^9. tbia lera 
Ibia (the M) . . gisprac, 3786. thie kesur fan Uumu, tbie (the U) 
im . . tinsi suokit, 3809. thia scattos thia (the M) gi sculdiga sind, 
3820. thia liudi . . tliia (the M) thi uuuldun libu bineman, 3887. 
tbero lerono . . thi (ihe M) hie thar . . gisprac, 4246. thiu iluod 
. . thiu (t)ie M) tliur . . liudi farterida, 4363. them mannon thia 
(tbe M) hier minnistun sindun, thia nu (Ihero nu M) undar thesuro 
nenigi standat, 4411. gimanoa iu thero mablu tbie ik iu manag bebbiu 
giuuisid, 4710, nur C. thia uuord endi thiu uuerc thia ik iu . . gibod, 
4713, nur C. thero uuordo . . thia (the M) im .. sagda, 4997, thia 
oueros thei (tbe M) sind fan uuaro cumana, 5228. them thiobe thie 
oft . . uusm giuuarahta, 5416, nur C, tliia muodcr . . them gio bani 
ni uuarth üdan, 6525. lag thie fano sundar mid them uu.is that 
bobid bibelid, 5904. 

§ 89. >) Das Beziehungswort ist ein Substantiv mit Adjektiv 
und Artikel, — godspell that guoda, that ni habit euigau gigadon 
huergin, 25. thie fruodo man, thie (tbe M) thar consta ölo mahlcan, 
225. thes uuideu rikies giuuand, thes hie giuualdan si-al, 268. thia 
helagan lera thia (the M) thar . . gibiudit, 3268. thea odagea mannes 
tbie (the M) hier all habit giuuendit cet,, 3302. thiu maria bürg , . 
thiu Ihar an Judeon stet, 3625, thiu suarun sundiun thia (tbe M) 
sia . . gidedun, 3648, ä, 5472 C. thia blindun man tbia (the M) thar 
, hreopun, 3655. thia is saligun gisithos tbia im simlon mid im 
aniliion uuonodun, 3958, nur C. bed ., thero torohtun tid thiu 







48 

(the M) im tuouuerd uuas, 4182. nlla tfaia engilos tbia l'the M) thar 
appa sind, 4382, an that fiur euuig tliat thar gtgeriuuid uuarth, 
4421. that feliH lacan . . Ihat er . . hei Imngoiia, Aüliö. 

\/.) Substantiv mit Demonstrativ. ^~ be thesou fuglon . . 
thi» hier an tbeaaro uueroldi sind, 1G68 an Iheson manne . . tbie 
(the M) hier so aeoc bgit, 2'i'2ü. tbesa sahga man , ,, tbia nii bierr 
huriat uuell, 2033- bi theson teknon tbia (the M) Ik iu talda hier, 
4344. tbit crat'tiga rilci, thit guoda tbat hierr gigeruuid stendit, 4393. 

g 90. v) Das Beüiehungswoit ist ein Substantiv ohne Artikel 
mit substantivischem oder pronominalen Genitiv. — godts engil . . 
tbie (tho M) im tegognos sprak, 395. (folc mikil) gude» cngilo . . 
tbia im aithor iungarduom ecoldun .. lostean, 1117. managcro mund- 
boro, thie allon mancunnie . . helpan uuelda, 1274. is ni uuas forlebtt 
uuiht , , that for thia heri forth scenkiou druogin, 2014. Criates lerun, 
thie hie cutda, 2345. libbeiidcru Itobost: „an thcm mi licod uuell", 3149. 
firio barn . . tbia (the M) hier an uuitie er satun, 3G40 godes en- 
gilos thia for im . . sindun, 4301. barn drobtines that thar gibundan 
stuod, 5431. herron aines Hiiiu, mid tbiii uuas er thie liubamo i'agaro 
bifangan, .'>902. — ik biun is sclbea anno, thie (the M) iu . . ecal 
mundon, 2930. is gisitbos . . thia im gitriuuistun . . uuarun, 4556. 
is silubar . . that man im er . . gaf, 5149. Vgl. 2348 is helag uuord, 
thie (the M) hie te belpu gisprac. 

^) Eigennamen mit Apposition. — Salomon thie cunirig, thie 
(the M) batjda sine mikil, 1675. 

n) Substantiv mit Possessiv. — gisitbos mina thia ni motun 
sueltan err, 3105. thiua uuidersacon, tha thi hier uurogdun te mi, 3885. 

§ 91. 2. Relativsätze, welche durch die Partikel the eingeleitet 
werden. 

a) the mit nachfolgeudem persnnJichen Pronomen. — manega 
uuaron the &ia iro mod gespon, 1. aaliga sind oc tbe aia iiier fru- 
mono gilustid, 1308. ni scal nioman Höht Ihe it haliit liudeon der- 
nian, 1405. 

b) llie mit vorangehendem Demonstrativ. — Es vertritt sämt- 
liche Kasus: Nont. sinij. allcro barno best thero th<; gio gibaranero 
(giboran M) uunfi magu fan muoder, 835, bist thu enig thero Uli 
hier er uuari uuisaro uuarsagono, 923. rikeau radgebon thena the 
all reht bikann, 1961. them berrosten . . them the tbes folcas thar 
giuueld, 2047. himiliscan herroo, theua the sia . . giscuop, 3608. 
uueroldkesurca fan Humuburg tbes the allMs thieses rtkea babid gi- 
uuald, 3828, mansterebono mest thero tliie (tbe M) gio . . suulti 
thuru Bubti, 4326. iro hcrrou bodo , . Ihcs thie (the M) gio giboran 
uurtbi, 5207. minemo iungron . . them thi hier geginuuard sted, 
5615, nur C. — Nom. plur. goduuilHgun gumun, them the god ant- 
kennead, 421 M, tbie thia C. quad tbat oc sauge uuarin tbie the 
fridusamo , . libbiod, 1317 M, thia hier C. ni cumat thia alla te 
himilo thia tho hier hropat te nii. 1915. inanagon mancunnie, them 



j 



4S 

tbie (tbe M) is mikiltin cr»ft ferran giTrognun, 3751. allon them Üie 
. . beroBt uuaruii, 3T!>0. — Gen. shitj. allaro maiiDo thee uuiBOsten 
thero tbie (the Mj queoa enig kintl gidruogi, 2780 f. — ßnt. sing. 
forgaf fegion fera, them tliie (the M) fusid uuas helit an belsit, 2353. 

— Dat. plur. mid ttiem selhon sacon . . them the liie Adame an 
erdagon darnungo bidroh, \t\iG. — Acc. siiuj. gisahun thena h fera 
pgan . . thena the err dod fornam, 221S, nur C. ina - . thena thi 
(the M) er euht fornam, 4111. neriendon Crist ., thena thi hier 
qtielidun, 5f^20, nur C. ^ Acc. pbir. mannon sagda . . them the hier 
, . gicoran habdu, 1290, raethomhordes mest thero tbie (the M) gio 
man ehti, 1676. nllaro IJtlio lofsamost thero the ik gio . . gisah 
huergin hebbean, 201)3. uundro crist thero the hie . . tegno gitogdi, 
2075. thero methtno thero the io manno barn giuunnun, 4407. 

S !)2. c) tke allein. 

Es tritt niemals für den Genitiv und Instrumentalis ein, für den 
Dativ nur 587; an them selbon dage the tna saligna an thesan middil- 
gard muoder gidniogi. Kür die übrigen Kasus übernimmt es häutiger 
die Vertretung. Acc. Sing. masc. thena suaron balcon the thu an 
thinero siuni habie, 1706. liet man simln thena enna biforan thio 
(the M) tbiu thiorna gibur, 27äO. thes mannes maguuini thi (theM) 
hie er mid is makie gibeu, 4981. thena grotan sten the sia obar 
that hreo sauim thia liudi leggian, 57i)2, nur (J. — Acc. Shig. veutr. 
so is thes alles gehuat the thu odrun geduos, 1549 M, so C. — Acc. 
Plur. masc. thia gisithos Cristes the hie im habda sclbo gicorana, 
2903. — Acc. Flur. fem. thea fruma - . the hie them liudeon sagit, 
1861. — Acc. Plur. ticutr. gihuggian thero uuordo tbe hie iu ., sagda, 
5864, nur C. — Nom. Sing. masc. manag gest . . tho mid treiiuon 
uuili uuid is uuini uuirkean, 1016. so uuirdit them the that godes 
uuiH'd scal mannon marean, 1373, fadar is usa tirio barno, the is 
an them hohon Limila rikea, 1601 M, thu bist C. ungiuuitigon uuere 
the im bi uuatares staile an sande uuili hus uuirkean, 1818. ina . . 
the so managaro scal seola bisuorgon, 1863. haldan thena holUiico 
tho im . . thena uueg uuisit, 1K70. hiet it thero gestio the at ihem 
gomon uuas them herosten an band geban, 2045. thic uuastnn the 
an them uuege bigan Hoilan, 2506. thena heritogon . . tlie betau 
uuas Ilcrodea, 2704. uuis uuarsago the hier iu lango uuas, 3044. 
libbiandeb godes, the thit Hobt giscop. 305S. fan themu beroiitun the 
thes huses giuueld, 3344 M, them C. than ni horiat sia oc them tlie 
hinan astet man fan dode, 3404. Erodeses thegan tho thar anduuurd 
Btuod, 37!>4. them herren thi (them Jl) Ihia hobos egi selbon seg- 
gieat, 453il. iungro fan Galilea thes the thar ginuuuar stet, 4958, 

— Nom. Sing. »eulr. that minnista thero uuiteo . , thi err giuuerlhan 
acal, 4332 C, the lier giuuerden sculun M. — Nom. Plur. masc. uuarun 
im glauua guomou, the thea gifa leddun. ü54. iuuuan oduuelon gibat 
gi them mannon the ina iu . . ne louon, 1553. brosmooo fülle the 
. . nithar antfaliat, 3021. so thea gibiodad the thea bok lesat, 340'2 M, 



I 



u 

thia the C. — Nom. Plur. neutr. nis that mianiEte thero uuiteo . 
the her giuuerden Bculun, 4332 M, thi err giuuerthan scal, C. 

§ 93. 3. Relativsätze, welche durch die Partikel so eingeleitet 
I werden. 

Das Beziehungswort ist: 

a) ein Pronomen: so ist thes alles gibuat so {the M) tbu odroa 
giduos, 1549 C, that thia sundiun sculun atlaro erlo gibuem ubilo 
githiban so im fruocno tuo ferabes abtid, 545!). 

b) ein Substantiv: af sulicon suhteou so tban nllaro suarostun 
an firio barn liund biuurpun, 1215, so leohJica lera , , so hie them 
liudun thar . . uuesan (uuisean M) bogda, 1277. an erthu so tliar 
uppe ist, 1605. uuider uurtion, so sia mohtun auuinnan mest, 5786. 
Vgl. 2S34 tbob uui hier te metic habdin garo im te gebaune, ao uui 
mahtio forgeldan niest. 

Bisweilen tritt zu so noch ein Pronomen: them is oc . . godas 
ing forgeban endi gestlic lib after te euuondage, so thes cndi ui 
cumit, 1324. quat that hie . . enna lefna lamon lango habdi . . so 
ina enig seggio ni mag haudon gihelian, 2097. Erodes biheld thar 
craftigoa cuningduom, so ina im Ihie kesur gaf, 5252. 

§ 94, 4. Relativsätze, welche durch Lokaladverbien eingeleitet 
werden. 

haar: thia stedi uuissa Judas uuell, htiar hin thia liudi tuo 
ledian scolda, 4816. 

thatian: quami te tbem cnuosle gibui, thananbie cunneasuuas, 347. 

thar a) 'wo, dorthin wo': te them uuibe, thar sea uualdand god 
. . thiggean scoldun, yS, vgl. 251. 359. 663. 716. 758, 808, 826 f. 
965. 1127. 1136. 1151. 1154. 1213. 1218. 1273. 1312, 1546. 1550. 
1558. 1654. 1693. 1700. 1735. 1746, 1777. 1809. 1878. 1995. 2001. 
2078. 2130. 2143. 2159. 2225. 2292. 2310 (final). 2314. 2386. 2399. 
2406. 2476, 25U. 2583. 2736. 2746. 2825. 3118. 3132. 3315. 3337. 
3345. 3360. 3589. 3991. 4013. 4074. 4126. 4214. 4215. 4465. 4479. 
4551. 4612. 4769. 4814. 4826, 4941. 4983. 4ü91. 5053. 5123. 5177. 
5210. 5218. 5269, 5299. 5304. 5356. 5370. 5410, 5441. 5461. 5474. 
5489. 5510. 5572. 5589. 5693. 5730. 5736 f. 5763. 5827. 5838. 5866. 
5872. 5917. 5960. — b) 'wohin': an thinan fridu uuaron faran, thar 
er mina furthron dedun, 463. fuor im thuo thar hie uuolda, 2694, 
ä. 2894. 

§ 95. 5. Als vorangestelltes Relativ in Korrelation zu einem 
folgenden Demonstrativ kommt schliesslich auch noch das Frage- 
pronoraen hiie in Betracht: 

thu habi grotan giuuald: hueua thu gibindan uuellics: them ist 
faetbiu giduan, 3076. sih tbi huem ik hier an band gube mines niuoses 
for tbeson mannon: tlie habit meugithat, 4610. 

g 96. Was den Modus der Relativsätze anbetrifft, so steht, 
falls sieb diese nicht an einen konjunktivischen Nebensatz anlehnen 



45 

(davon g 132 f.) in der Regel der lodikatiT. Der Konjunktiv findet 
sich nur: 

a) im Anachliiss an einem Imperativ oder imperativischen Aus- 
druck: iuuan oduuelon gibat gi them mannOQ the Ina iu . . ne louon, 
1558. iac gi than them lierren thi Ulla lioboa egl selbon seggient, 
4539. ac Uleotad gi thcs alles . . thes gi im lier te auitie giduan, 
1)480 iiu lat tbu sia . . sithon tliar sia selitha findin, 2825. Vgl. 
453» lliem gi Tolgon sculun an so hitilica gardos so gi ina gangan 
gisehan, 45;i8 C, giselmt M. 

Anmerkung. Den Konjunktiv iu den Worirn: sulikfro muotun aiu frumouo 
biknegan thia rinkoa the hir rehlo ftduomcad, ne uiielli?a( an runu liiauikean man 
tbar lia an mahlp gUbmii, 1312 C, sitiiad M, kann ich mir nur t-rhlilren, (nlls 
uuelleat all [nipi>rativ gerasst wird, was freilich einen aufl^lligen WechBel der Rede 
vorsusseizl. 

b) im Anschluss au einen Superlativ: allero barno best tbero 
the gio gibaranero (giboran M) uurdi, 835, ä. 5267. thie babda sine 
mikil, methomhordes mest tbero tbie gio man ehti, 1676. that uuartb 
tliar uundro erist tliero the hie thar . . tegno gitoßdi, 2075. allaro 
manno tbes uuisostcn thero thie gio an tbesa uuerold quam l_quami M), 
thero thie quena enig kind gidruogi, 2786 und 87, raanaterebono 
mest thero thie gio an theaaro middilgard snulti thuru suhli, 4326. 

c) im Anschluss an einen unbestimmten oder negierten Begriff: 
bist thu enig thero thi hier er uuari uuissaro uuarsagono, 923. ant- 
that iro thar enig ni uuas thero üondo folkes thia iro ferahes tuo, 
thero idis aldarlagio ahtean uueldi, 3881. is ni uuas forlebit uuiht 
. . that for thia heri forth scenkion druogin, 2014 

^ 97, In der Wortstellung herrscht das Streben, das Verb 
möglichst an das Ende des Satzes zu stellen. Hinter das Verb tritt 

1) bisweilen das nominale Subjekt: the thar gitald babdui 
Quisa man. 94. Vgl. 1312. 1574. 1772. 1993. Mehrmals ist di 
Substantiv, auf welches sich das Relativ bezieht, in den Relativsatz 
und damit in den Kasus des Relativ» übergetreten: tbero the gii 
gibaranero (giboran M) uurdi magu fan muoder, 835. Vgl. 923. 2553, 
3427. — Dasselbe kann übrigens auch mit dem Accusativ der Fall 
sein: so sia mohtun auuinnan mest, .'iTäG, Ü. 2834. 

2) das Objekt im Accusativ oder Genitiv: that ni habit enigan 
gigadon huergin, 25. Vgl. 225. 498. 1131. 1307. 1445. 1675. 1694. 
2619. 3628. 5676. huem ik hier an band gebe mines muoses, 4610. 

3) adverbiale Bestimmungen und zwar a) ein Dativ: that ik iu 
gitellian mag uuaron uuordon, 405, — b) Adverbia: thes ik thi hebbiu 
giogid hier, U05. Vgl. 1666. 2583. 3046. 3149. 4344, tbem thar 
quamun at eriat tuo, 3430. 3435. — c) PrÜpositionalausdrücke: thiu 
thena magu habda . . an iro barme, 215. Vgl. 296, 1601 M. 1915. 
3404. 3885. 4056. 4326. 

4) Infinitive; the mid treuuon uuili uuid is uuine uuirkean, 1016, 
1117. 1252. 1373. 1733. 1818. 1863. 1917. 2033. 2035. 2321, 2453. 
2605. 2930. 3105. 3887. 4017. 4568. 5792. 



b 

■ 1 






46 

5) PrÜdikatsnomiiia und zwar a) Adjektive: tha her . . uuftrin 
arniiL, 1301. '278^, — b) Substantive: thie uuas . . biscop tbero liudio, 
4146. 4955. — c) Participia: thia thar uuarun ferran gifarana, G32. 
1071. 1834. 1952. 3035. 4130. 5228. bb-26. 5904. — Ebenso bisweilen 
accusativische Participia: the hie im habda selbo gjcorana. 2903, 
ä, 3037. thie uuid mi hebbeat lethuuerc giduan, 3243. Vgl. 3302. 
3774. 3841. 4710. 5398. 

Kap. III. 

Adverbl»la«tE«. 

A. Komparative Adverbialsätzi«. 

g 98. Knthiilt der Nebensatz ein auch im Hauptsatzo vorkom- 
mendes Element, und werden beide Sätze hinsichtlich dieses gemein- 
samen Elements verglichen, wobei sich entweder Gleichheit oder Un- 
gleichheit herauastelU, so entstehn Komparativaätze oder Modalsätze. 
I. Modalsätze der Gleichheit. 

Sie werden meist durch so eingeleitet, welches entweder allein 
steht oder mit Adjektiven (Adverbien) und indefiniten Pronominibus 
(Adverbien) verbunden ist, und weisen uls Modus den Indikativ auf, 
da der Nebensatz eine wirkliche Thatsacbe ausdrückt. 

^99. I. Vergleichung durch einfaches so. 

a) Auch im Hauptsatze steht so 

aa) bei vorangestelltem Hauptsätze : it is unc al ti lat so te gi- 
uuinnanne 80 thu . . sprikis, 143. 158. 170. 243. 373. C21. 894. 1141. 
1331. 1414, 1578. 1690. 1831. 2153. 3027. 3278. 3401. 3522. 4351. 
4403. 4978, — Statt so kommt im Hauptsatze auch thiis vor: ef gi 
im Ihus fulgangan uuelleat so ic iu seggiu, 1690. — Häufig steht im 
Hauptsatze auch sulic: than ik hier garu standu te sulicou ambaht- 
scipie so he mi egan uuili, 284. 355. 1216. 1280. 1444. 1679. 1699. 
1749. 175C. 1761. 1444.5531. (quat that) en scoldi scinan himiltongal 
huit, sulik so uui hier ni babdin er, 590 f. 

bb) bei nachgestelltem Hauptsätze: alt so git her . . fiscos gi- 
fahad, so sculon git noh firjo barn balon, 1159. 

b) Nur im Nebensätze steht so. 

aa) so wird als Relativ in den Hauptsatz eingeschoben: thuo 
sia that geld habdun erlös an tbem alaha, so it iro euua gibod, gi- 
lestid te iro landuuiaun. 795. 994. 1517. 2157. 4517. 

bb) so als Relativ dem Hauptsatze nachgestellt: that scoldun 
sea . . scriban . . all so hie it fan tbem anginne gisprac, 38. IU. 
191.357.372. 444. 486. 529. 681. 694. 779, 873. 1313. 1360. 1399. 
1447. 1503. 1591. 1611. 1765, 1930. 2152. 2452. 2475. 2727. 2763. 
2935. 2972. 3215. 3249. 3564. 3677. 3835. 3903. 3960. 3983. 4271. 
4513. 4552. 4617. 4751. 4779. 4832. 4911. 4932. 5037. 5097, 5274. 
5307. 5333. 538,i. 5581. 5620. 5710. 5733, 5839. 5879. 5889, 

Besonders führe ich noch die mit so samo so eingeleiteten Ver- 
gleichungen auf: that gi iuua fiond sculon minnean . . so samo so gi 
iuua magos dual, 1455. 2522. 3490. 4362. 




47 

§ 100. Audi die excipierenden VergleichangflsÜtze mit neuan so 
(butati so}^) gehören hierher: hie ni mag thar ne suart ne huit enig 
har giuuii-keaD, neuan so it thie helago god gimarcoda magti, ITitS, 
thiu gio thegnes ni uuarth uuis an iro uueroldi, neuan so ina uualdan 
god fon hebanuuange lielagea gestas gimarcoda mahtig, 2790. 

Anmerkung, Ilifem Wpspq nikcb eeböreti auch die § 49 &ngefUbrteD Sub- 
sUniivBdti'.e mit neuan Chat xu den Kompatalivsäizep, intofern sie besageo, daae die 
im HauptuUie entbsltene VerneiDuiig nur in soweit aiifrecht erballen wordon kuia, 
all djp im NehcnaatzG bfbaaptele Ausoabmo gilt. 

g 101. Der Konjunktiv steht im Vergleichungssatze zi 
zum Ausdruck der Unwirklichkeit der zur Vergleichung dienendeu 
Thatsacbe: uuaa imo thuo an is uuastme . . all so hie thritig habdi 
uaintro an is uueroldi, 963 (worauf liinzuweisen § 'J3 versäumt ist). 

Ferner steht dieser Modus im Anschluss an einen Imperativ oder 
einen Heiachesatz: uuerthe mi .. all so is uuilleo si, 2!Ü6. alat us . . 
managaro mennsculdio, all so uui odron mannon duae, 1609. im so 
adeliat ..so it an iuuero aldniono euue gibiode, 5197. — duo allaro 
manno gihuilic adron manne fruma endi gifuori, so hie unellie that 
im firio barn guodes nugegin duon, 1.537. 

Auch nach einem Konjunktiv bei ikoh steht der Konjunktiv im 
folgenden Vergleicbungssatze: thoh uui hier te metie habdin garo im 
te gebanne, so uui mahtin forgeldan mest, i>ä:U (kann auch als Relativ- 
satz gefasst werden, vgl. § 93). thob sia ni uuarin so saliga te thiu 
that sia it so Farfengin so it iro fruma uuari, 3H39 (kann auch als 
Folgesatz gefusst werden). 

Schliesslich gebührt selbstverstämllich der Konjunktiv der indi- 
rekte» Rede: so quat be tbat ostana en scoldi scinan himiltungal 
huit, sulik 80 uui hier ni habdin er under tuisc erthu endi himil odar 
buergin, ne sulik barn ne sulik bocon, 590. Vgl. 38fi2. 5077. 5577. 

^ 102. Mitunter fehlt im vergleichenden Nebensatze das Verb: 
tban it im so Ibem salte sc. is, 1370. hebbeat iutian muod uuider 
tbem so glanuan tegegnos so samo so thie gelouuo uurm, 1877. thoh 
sculun sie her uuahsan ford tbea forgriponon gumon, so samo so 
tb«a godun man, 2590. endi bist tbi thoh man so uui, 3953. — 
Schliesslich mit anaphorischem so: nu ik iu sendean scal . . so lamb 
under uuluos: so sculun gi , . faran, lä74. 

g 103. 2. Vergleichung durch so mit Adjektiv oder Adverb. 

a) Adjektiv oder Adverb stehen im Hauptsätze, dann ist der 
Nebensatz nachgestellt oder in den Hauptsatz eingeschoben und meist 
durch ein so im Hauptsätze vorbereitet. 

bihui hie tbiir so lango . . frabon sinon theonou thorfti, so thar 
er euig thegiio ni deda, 178. ina so alaiungan so hie fan erist uuas 
.. giuuirkean. Ifi2. Vgl. 1277. 1882. 2G36. 2664. 38ti2. 5163. 5618. 

Wo der Konjunktiv erscheint, steht er in indirekter Bede: fragn 
in ixuamiu so niudlico an nabt, „so gi uuitlian nod 
> gihuiUcon", 4841, wo also der Modus, nicht aber 




L 



4g 

das Tempus der indirekten Rede beibehalkn ist. An einer anderen 
Stelle scbliesBt sich der Vergleichungsaatz an einen Bedingungseatz 
an: uuari it nu tliiu uuillio, tlian ni uuari ua uuiht ao guod so that 
uui her for usumii drohtine doan mostin, 4664. 

b) das Adverb steht im vorgestellten Nebensätze: all so thiof 
farit darno mid is dadion, so cumit thie dag mannon, 4359. 

Auch hier fehlt im Nebensatiie bisweiten das Prädikat: so fast 
bist thu so felis thie hardo, 306S. uuart is giuuadi so huitt so sneo 
te sehanne, 3127. hie uuas so bereth endi so blithi all so blicsmuD 
lioht, 6805. thann stund that folc Judeono ubilea anmuod so fan 
eriaton, 3897. 

§ Iü4. 3. Emphatisch gesetztes so steht sehr oft vor Verben, 
Adjektiven und Adverbien, wobei die Vergleichung sich aus dem Zu- 
sauimenhange ergiebt, z. B. ansuobun sia garao that it (das Kind) 
elcor so uuanlik uuerthan ni mahti = wie es nämlich war, 207. 
that gi so libbeandi thena landes uuard selbon gisabun, 1013. thiua 
uuerold uuas thuo so farhueribid, 3609. that uuas so salig man, 76. 
sea so subro drog , . helagna gest, 33 t. Besonders häufig ist so 
manag, 14. 23. 37. 156. 900. 1205. 1863. 2300. 2335. 2349. 2351 cet, 
und so ßlo. 

§ 105. 4. Modalsätze der Gleichheit entstehen auch, wenn beide 
Glieder durch than eingeleitet werden und jedem ein Komparativ bei- 
gefügt wird, „die gleicbmässig fortschreitende Steigerung der Intensität 
der beiden Handlungen bezeichnend", Erdmann § 197. 

tban mer tbe thiu bürg ni mag thiu an berge stet, boh holm- 
clibu bibolan uuerthan, uurislic giuuerc, ni mugun iuua uuord than 
mer . . mannon uuerthan iuua dadi bidernid, 1395. 

Dasselbe ist der Fall, wenn nach einer negativen Behauptung 
eine zweite negative durch than hold eingeleitete Behauptung folgt, 
welche besagt, dass die in ihr behauptete Thatsacbe eben so sehr der 
Realität entbehrt wie die zuerst behauptete: ni scal nioman . . Hobt 
dernian (1405) . . than bald ni sculuu gi iuua belag uuord . . liudean 
dernean, 1409. ni uuet helitho man thes uuitles uuidailaga (2639) 
. . than bald ni mag thero miedun man gimacon tindan, 2G42. 

g lOfi. 5. so mit indeüniten Pronominibus und Adverbien bildet 
Ausdrücke verallgemeinernder Bedeutung. 

a) bei vorgeatelltem Nebensatze; auch der nachgestellte Haupt- 
satz wird bisweilen durch so eingeleitet. — so huie so that giduot, 
them sculun liudio barn duot adelian, 1433. 1437. 1515. 1519. 1957. 
1971. 3320. 3915. 4896. 5362. so buena so thu eft nnbindan uuili 
. . them ist himilrici antlocan, 3079. so huat so ia mer obar that 
man gifrummiat, so cumit it all fan ubile eldibarnou, 1521, 1659. 
4409. 4413, so huiHc ao thar an unreht idis gihiuuada, that siu 
cet, 308. 1803. 1974. 

Die Zeitadverbien führe ich bei den Temporalsätzen an. 



b) bei nachgestelltem Nebensatze. Derselbe folgt dem Haupt- 
sätze entweder nach, ohne in diesem angedeutet zu sein, i.. B tbuo 
hie samnon biet so huat so . . uuarun, 612, oder er schliesst sich an 
ein Substantiv oder ein Pronomen des Hauptsatzes an, z. ß. thesa 
ijuidi uuerthad uuara, liudeon gilestid so huem so hier gilobit te mi, 
3920 thes muotun gi nietan forth so huie so gerno uuiü gode 
Ihionoian, 1145. 

Belege: so gio te uueroldi sind . . spracono thiu spahirun, so 
hue Bo thiu spei gifrang, 1992. 900 f. 1145. 2270. that ik thi eron 
uuilliu, BO blies so thu mi bidis, 2756, 1650. formon uuid them 
ferne so huem so . . uuiü, 1276 1788 (mehr i-d /.oivoO). 1981. 2147. 
3670. 3807. 3921. 4117. 5807. hie mag alloro manoo gihuena sicoron 
so huena so so salig muot uuerthan, 692. 2270. all biheld . . so 
huat so sia gihorda thia man sprecan, 437. Ijl2. "611. 1166. 1544. 
196.^. 1970. 2223. 245G, 2862. 3378, 4523. 4894. 5054. 5II9, 5291. 
5492. 5978. so duot liudeo so huilic so , , uuili, 1170, 1815. im 
forth giuuet an so huilicon (builik M) thero lando so im thann 
liobost uuns, 2283. that ist langsam r.id manno so huilicurao so 
. . gediit, 1459 M, that thu forgeldan mäht . . tinseo so huilican 
so hie US tuo auokit, 3207. that scal te frumi uuerthan gumono so 
huilicon so tliat gerno duot, 10J9. 1073. 1439. 2230. 2535, 2644. 
3507. 39G3. them gi folgon sculun an so huilike gardos so gi ina 
gangan gisehat, 4538 M. that ik giuualdan muot .. so hueder so mi 
selbon Buotera thunkit, 5348, obarsehau all sulic odas so thius 
ertha birid, 1099. 

^^ IÜ7, Der Konjunktiv steht iu verallgemeinernden Sätzen 

a) im Anschluss an einen imperativischen Ausdruck: so huie so 
giauit egi . . eftba gihorean mugi . ., so lata im thitt au innan sorga, 
2607. 30 huilik so iuuer ano si slitharo sundiun, so ganga iro selbo 
tuo, 38C8. succan (suliken M) so thu thar erlat mugis ösk gifahau, 
so tiuh thu thena fan them fluode te thi, 3202. them gi folgon 
sculuD an so huilica gardos so gi ina gaugan gisehan, 4538 C, gisehat M. 

b) wenn sie von abhängigen Nebensätzen abhängen. Vgl. Ab- 
schnitt 2. 

Aiitnerkuug. Die Lesart von M: ao huat so thu ia . , darno (;ideleai 
(gidelia C), so is usumu drohtirie uu^rd, 1569, kann man durch knuci'Ssivc Fassung 
des Satzei rechlferligpu. während ich mir den Konjunktiv von C: thu alla thina 
uunoia forsliti . . so huat so thi gibidig forth uuerthan scotdl, 3379, gar nicht er- 
k)&rtni kann. Auch Behaghel schreibt in seiner Ausgabe mit M sctide. 

II. Modalsätze der Ungleichheit. 

g los. Hier kommt nur ihan nach einem Komparativ in Betracht. 

a) bei negativem Hauptsatz steht der Indikativ: thuo ni 
gisah enig tirlo barno merun minnia thann lue thuo te them mannon 
ginam, 4498. 

AuÖallig ist der Konjunktiv 5691: tban uuas sido Judeono that 
aia tbia haftun man . . haugon ne lietin lengerun huila than im that 
lif Bcridi, thiu aeola besunki. Richtig bemerkt hierzu Behaghel S, 39, 



L 



der den Konjunktiv bei kuan er vergleicht, dass hier gar keine eigent- 
liche Vergleicbung vorliegt; auch der Konjunktiv bei dem lutehiischeD 
finalen dum Hesse aich zur Vergleichung anführen. 

b) bei positivem Hauptsatz steht der Konjunktiv: mer 3culun 
gi godes uuilleon fulgangan than odra Judeon duan. 1473. Vgl. 1200. 
1419. 1955. 2627. 2(557. — Auch in den Fällen, wo wir jetzt im 
Vergleichun gasatze „als dass" gebrauchen, steht einfacher Konjunktiv 
mit than: that is mera thing, than man hier an erthu üdag libbe, 
1640. Vgl. 1490. 1500. 1714. 3301. 3745. 4157. 

c) tlian in verkürzten Sützen. 

aa) das Verb fehlt: mi tbunkit that hie si betera than uui, 212. 
90 mikilu is hie betera than ik, 941. that im . . forgehan babdi 
meruii muhti than elcor enigon mannes sunie, 2338. that siu . . 
brahti mernn mikilu than elcnr enig mannes suno, 3770. ruomoduu 
rehte batt than thia rikun man, 3904. 

An einer Stelle ist statt des Vcrbum finitum ein Infinitiv ein- 
getreten: dod uuari tu than liohera . . than sulic liudio qualm te 
gitbolianne, 5530. — An einer Stelle erscheint obnr.* so buat so is 
mer obar that man gifrummiat, 1524. 

bb) der ganze Vergleich ungsbatu fehlt: ni habda liudeo than mer 
seggeo to gisithon, 1028. thie gio merr gilohon babdi than hluttron 
te himile, 2129. 

Diese Erscheinung mag mit einer anderen zusammenhängen, dass 
nämlich häufig der Komparativ gesetzt ist, ohne dass der verglichene 
Gegenstand angegeben ist, so dass der Komparativ ganz an die Stelle 
des Positiv getreten zu sein scheint: ni lat thu sia thi tbiu lethrun, 
323. anttfaat im thuo liobera uuarth that, 1122. thät tbio stromos 
sculun stitrun uuerthan, 2255. so neo Judeon umbi that mer ni gi- 
lobdun, 2286. ne uuas in Judeo gilobo thiu bettera, 2361. ni uuas 
io thiu latera bitbiu suno drohtines, 2.^65, nio gi . . thiu les lera 
mina nuordon ni uuisat, 2462. uuirdit im mildera hugi, 3467. tliat 
hie ni uuari ..tbem uuerode tbiu uuretbra, 5542. Vgl. Pratje, Dat. 
u. Instrum. im Hei. p. 52 und Sievers Anm. 323. 

III. Vermischung verschiedener Konstruktionen. 

g 109. sagdft that sia . . than mer garoes ni habdin, nouan 
(biutnn M) gerstin bruod fiuui. Hier ist der erste Teil so gebaut, 
als sollte ein Iha» folgen, während der zweite so eingeleitet ist, als 
ginge kein Komparativ vorher. — ni habda uunnia than mer, neuuan 
ti them enigan sunie all gilatan, 2I8S. that sia cuning odran ne 
habdeo . . neuan heran kesar fan Rumuburg, 5375. 

Ebenso, wie in diesen verkürzten Nebensätzen, folgt auf den 
Komparativ in einem negierten Satze — nur in solchen ist dies möglich 
— ein vollständiger durch neuan that (htUan that) eingeleiteter Satz: 
sia ni muosta helitho than mer . . frummian, neuan that sia 
thio gecorana nurdun, 16. Vgl. 861. 2774. 



ia tiori te J 

J 



ÄhDiich sind folgende Fälle: so it gio mari ni uiiarth than 
uuidor an thesaro uueroldi, neuan so is uuilleo gieng, 536. that gi 
ni sueran suitbron ethoa, merun mid luannon, neuan so ik . . gibiudu, 
1519. ni sculuD gi giuuades than mer erlös egau, neuuaa so gi tban 
an hebbean, 1856. wo der Imperativ den Konjunktiv veranlasst hat. 

Endlich gehört hierher 3139, nu ni gibis thu us scattes than 
mer thiu thu them odrou duos, wo der Relativsatz steht als ob vorher- 
ginge: „du giebst uns nur dasselbe oder dasjenige Geld". 

An dieser Stelle mag auch bemerkt werden, dass alleinstehendes 
»cuau ohne folgendes tkat oder so nach einer Negation ganz dem lat. 
nisi entspricht: that that ni mohti giuuerthan so, grimuuerc forgeban, 
neuuan (biutan M) god eno, 2323. nia thes tueho enig gumono 
nigenumu, ne sia ina forguldin san methmo custeon, neban iuua mester 
enn habit it forlatan (hinten iuue mester eno: he habad M), 3192. 

B. Temporale Adverbialsätze. 

g HO. Ha es sich hier um die Vergleichung zweier Handlungen 
in Bezug auf (ileichzeitigkeit oder Ungleichzeitigkeit handelt, so be- 
gegnen wir vielfach denselben Konjunktionen wie bei den eigentlichen 
Modalsätzen. 

so. t. den vorangestellten Nebensatz einleitend. 

a) von vergangenen Ereignissen. Auch der Hanptsatz wird meist 
durch so eingeleitet: so hie thuo that land ofstuop, so anthlidun tbuo 
bimiles duru, 984. 4019. 4569. 4620. 4048. &6a8. Sonst wird der 
Hanptsatz durch andere Partikeln eingeführt: thuo 3707. .'"»713, 5794, 
than lang 1054, thar 4533, oder er steht ohne einleitende Partikel: 
so hie thuo thena uuihrog drog (IOl<) . . . grurios quamun im, 112. 

b) von zukünftigen Ereignissen: so gi than gangan cuman 
(kumad M) . . thar mugun gi . . sehan, 4533, wo in C der Modus 
durch den Imperativischen Ausdruck des Hauptsatzes beeinllusst ist. 

2. den nachgestellten Nebensatz einleitend. 

a) von vergangenen Ereignissen: thnr im upp gluuet neriendo 
Crist, so thiu naht bifeng. 4238. an them uuihe stuod . . so liobt 
ostana quam, 4241. 

b) von zukünftigen Ereignissen: thia mugun gi antkcnnian san, 
so gi sia cuman gisehat, 1739. ni scal that licon uuell minon herroo, 
so mau it . . im cuthit, 3194. 

Der Konjunktiv steht in abhüngiger Rede: biet that uut im fol-' 
godin, so it furi uurthi, 596. 

rekt so mit Indik. Praet., im Hauptsatze ebenfalls so: rebt so 
hie thuo that uuord gisprak, so uuarth . , cuman, 409. 967. 2048, 
2221. 2315. 2945. 3143. 3975. 5840. 

San — so: thia mugun gi san ankennian, so gi sia cuman gisehat, 
1739. thuo uuarth siu san gihelid, so it thie belago gisprak, 3028. 

so oft so: than scolda hie gibod godes , . so oft so is gigengi 
gistuod . . so acolda hie . . uualdandes geld helag bihuereban, 88. 



58 

so kuann so: than seggiu ik iu te uuaron, so huann so theaa 
uuerold endiot endi the mariu dag ol>at' man farit, that Ihan cet., 
1950, ähnlich bei umgekehrter Stellung der SätKe 4046. — so huann 
80 that giuuirthit . . thann, 4378. — An piner Stelle steht der Kon- 
junktiv, wpil im Hauptsätze ein imperalivischer Ausdruck vorkommt: 
80 huann 30 gi thia dadi gisehan giuuerthan . . so mugun gi . . far- 
standan, 4333. 

so lango so, immer dem Hauptsätze nachfolgend, c. coni. praeteriti : 
2955 M. 5629. c. coni. praes. 1467. 3407, 3481. 4687. 

g 111. Ihan lang the: bei nachgestelltem Nebensätze, c. ind. 
praet. 363. 3497. c. ind. praes. 4454 und 4470, wo the fehlt. — 
Der Kunjunktiv steht, wo der Nebensatz von einem anderen kon- 
junktivischen Nebensatze abhängt: huo hie that giuuirkie than lang 
thie hie an Iheaaro uueroldi si, 2526. 

thuo. 1. den vorangestellten Nebensatz einleitend, im Hauptsatz 
steht ebenfalls Ihuo: thuo sea Erodesan fundun . ., tho i^ueddon sia 
ina, 548. 576. 786. 704. 1172, — thuo thiu magat habda githionot 
te thanke . .: siu uuoKla thuo iro geba egan, 2766 f., wo der Haupt- 
satz also auf das vorangehende thuo keine Rücksicht nimmt. 

2. den nachgestellten Nebensatz einleitend. 

a) im Hauptsatz ebenfalls thuo: absuotiun tliuo helagan sang, 
thuo sia . . uundun thuru thiu uuolkan, 414, 474. 804. 2866. 3560. 
4191. 4817. 5145. 5336. 5428 5623. 5G34. Einmal erscheint im 
Hauptsätze statt thuo thann: thanu uuas eft gihelid hugi iungron 
Cristes, thuo sia gihordun, 5893. 

b) ohne Partikel im Hauptsatze: it sagda mi uuord godes . ., 
thuo hie mi dopean hiet, 1000. 1035. 1130. 2010. 2944. 3510. 3634. 
4110. 5045. 5793. Vgl. 3420: sum quam thar te uonu, thuo uuas 
thiu niguda tid. ~ Bisweilen nimmt ihuo kausale Bedeutung an, 
z. B. 777: geruuida ina sniumo . . thuo sia thanan uuoldun. 

thuo erist: huo hie . , gisprac, thuo hie erist theaa uuerold 
giscuop endi thuo all bifeng, 39. Ebenso noch 446. 

§ 112. Ihan. I, den vorangestellten Nebensatz einleitend, dann 
steht auch im Hauptsätze gewöhnlich than. 

&) c. ind. praes.: oc scal ik iu gibiodan, than gi uuelleat ti 
bedu hnigan, that gi it than .. ni duot, 1565. 3313, 4340, und ohne 
than im Hauptsatze 1929. 

b) c. ind. praet. von wiederholter Handlung der Vergangenheit: 
than gi thia armoatun . . helitbos farhogdun . ., than dedun gi iuuuana 
drohtin so samo, 4436. 

2. den nachgestellten Nebensatz einleitend. 

a) c. ind. praes,: thu scalt kara thiggean . . thann ina helitbo 
barn uuapnon uuitnot, 500. 1613. 1898. 3484. 3489, 5601. Auch im 
Hauptsatze steht öfter ihan: 1579. 1857. 2490, 3234. 4019. 

b) c. ind. praet., öfter von wiederholten Handlungen der Ver- 
gangenheit: oft gideda bie that , . sein, than he , , tekean giuuarahta, 




1212. 1416. 4398. 4433. 4426. 5855; aber aucli ohne diese iterative 
Nebenbedeutung: hui gl rai thaiin ni fengin than ik under iuuon folke 
stuod, 4906. 5905. 

Der Konjunktiv stebt zunilchst tm Anschluss an einen anderen 
Konjunktiv: gibod tbut gl it bietin so tbat kiud tban it quami, 135. 
that bie godes ni forgati than hie im eft sandi is iungron tuo, 242. 
— Besonders häufig begegnet uns dieser Modus beim Imperativ: te 
hlud ne duo tbu it, than tbu bifelhes thina elimosina, 1.^55. thau 
gi uuelleao biddean . . tbaii duot gi that so darno, 1573. than gi 
god uuillean gruottean, tban quethat gi, 1597. thann gi iuua fastunnea 
frummean uuellean, than ui duot gi tbat ti managen cutb, 1630. 
bitbiu sculun gi sorgon, than gi an tbena sitb faran (fnrad M), 1927. 

g US. hithat: bitbat hie tbia uurth gisihid . ., than, 4581. 
sühor, stets bei nacbgestelltem Nebensatze 

a) c. tud. praet.: tbau uuaruD uui nu atsamne atsibunta uuintro 
gibenkeon endi gibeddeon, sitbor ik sea mi te brudi gicos, 147. 507. 
559. 2067. 2901. 36G1. 3606. 4119. 4257. 4625. 5949. Auch im 
Hauptsätze steht sUhor 5426: uuoi sitbor uuann, sitbor bie tbesa 
uuerold agaf. 

b) c. ind. praes. mit Zukunftsbedeutung: eftba hie scal ,. tharbon 
uuelon endi uuillon, sitbur hie tbesa uuerold agibid, 1330. sitbor 
mag bie mid is lerun uuertban helithon te helpun, sitbor hie ina 
hlutteran uuet, 1719. 

antthat (tmtlhat) 'bis' im nachgestellten Nebensatz, der ein Er- 
eignis enthält, dessen Eintritt, oder, wie beim Plusquamperfekt, dessen 
Vollendung den im Hauptsatz ausgedrückten fortdauernden Zustand 
abscbliesst, vgl. Erdmann I, ^ 210 

1) c. ind. praes.: tbann biginnit im thiu lera guodes an is huge 
hafton, antthat im thann eft an band cumit fehu te gifuori endi fre- 
mithi scatt, 2500. Vgl. 2483 2591. 3457. 3470. 3494. 3633. 

2) c. ind. praet,: sea so subro druog helagna gest . ., antthat 
sia godes giscapu mabtig gimanodun, 336. Vgl. 450. 541. 660. 671. 
1122. 1219. 218Ö. 2240. 2682. 2819. 2942. 2960. 2995. 3117. 3651. 
3880. 4011. 4071. 4132. 4188, 4232. 4825. 4857. 5005. 5269. 5284. 
5460. 5696. 5898. 5972. 

3) c. ind. plusqu.: geng . . antbat bie ginahid uuas, 5972. 

Der Konjunktiv steht bei antthat einmal im Ansebluss an einen 
imperativtschen Ausdruck: nu scalt tbu . . uuonon under tbem uuerode, 
aotthat thi uuord cume berren thines, 7U7. 

Dasselbe ist der Fall bei und er: late man sia fortb hinan 
bethiu uuahsan, und er beuuod cume endi an tbem felde sind fruhti 
2565, wo der Indikativ den auch nach dem Eintritt der ersten 
Nebenhandlung noch fortdauernden Zustand anzugeben scheint. 

g 114. er. Es steht ausser 1627. 2148. 2374. 2618. 3106. 
49S2. 5547. 5814 in Verbindung mit folgendem than. Ausser 641 iet 
der Nebensatz immer dem Hauptsatz nachgestellt; aucb in diesem 




54 

erscheint bisweilen er. Man kann zwei Gebrauchsweisen uuter- 
scbeiden : 

1) bei positivem Hauptsatz steht er mit dem Konjunktiv. — 
K<mj. Praes.: er acal bethiu tefaran . . er than thero uuordo uuiht 
bilibe unlestid, 1426. 2618. 3246. 3732, 4287. 4309. 4668. 5493. 80 
huem so thes uuilleon ni habit that hie ina alosie err hie thet Höht 
agebe, 2148, — Kon/. Praet.: uuit habdun aldres efno tuentig uuintro 
an uncro uueroldi, er than quami thit uuib te mi, 145. 844. gibod 
. , er than sia fuorin uuester forth, that sia im eft gicuthdin, 641. 

2) bei negativem Hauptsatz steht der Indikativ. — Ind. 
Praes.: thia ni motun sueltan er . . err sia himiles lioht, godes riki 
sehat, 3106. 165. 4447. 4566. — Ind. Praet.: thea sia ni mohtun 
undarhuggian . . err it im . . seggian uuelda, '2374. 3613 C. 3637. 
4597. 4952. 5547. 5814. 5920. 

Abweichungen, im habda giuuisid . . that hie ni muosta er 
thit lioht agettan, er than im thuo thie uuillo gistuodi, 471. gibod 
. . tbat sia ne sagdin thiu gisiuni: err than ik . . fan dode astaode, 
ariEe fon thero raatu: sithor mugun gi it rekkean forth, 3166. In 
diesen beiden Fallen mag der Konjunktiv die Folge der indirekten 
Rede sein, wenn auch in dem ersteren der unmittelbar vom Verbum 
dicendi abhängige Nebensatz nicht in den Konjunktiv verschoben ist. 
— Anders 1627: ac gi bcuIud is geld niman . . alles thes uurehtes 
thes gi odron hier gilestead an thesou leohtc, endi than uuid liudeo 
barn thea saca ne gisuoniat, er gi an thena sith faran. Hier ist der 
Satz mit Chan seinem Wesen nach ein den Riilativsatz anakoluthisch 
weiter führender Bedingungssatz (vgl. Behaghel S. 35), der nur in 
die Form des Temporalsatzes gekleidet ist. Da aber selbst im realen 
Falle die Nebensatze eines Bedingungssatzes öfter den Konjunktiv 
zeigen, so hat er auch hier nichts Auffallendes. — siu {die Hülfe) 
ni mähte im tho er uuerden er than . . mahtig drohtin is seluues 
sunu sendien uueldi, 3613 M. Da hier C uuelda hat, so ist der Kon- 
junktiv vielleicht einfach in den Indikativ zu verbessern; sonst muss 
man mit Behaghel a, 0. eine Vermischung vou temporaler und hypo- 
thetischer Konstruktion annehmen. 

huan er steht immer mit dem Konjunktiv, der jedoch auf 
zweierlei Weise erkliirt werden muss. a) biet sia thenkean uuel 
huann er sea gtsauuin ostana upp sithion that godes bocan gangan, 
594; hier ist es einfach der Konjunktiv der indirekten Frage. — 
b) in den übrigen Fällen, wo kuan er nach bidan oder langon steht, 
kommt ausserdem noch die finale Bedeutung dieser Verba in Betracht: 
bed . . huan er thie fruodo man gifrumid habdi uualdandes uuilleon, 
105. Vgl. 5172 und 5767. langoda Judeon huan er sia that helaga 
barn hangon gisauuin, 5372. 

C. Lokale Adverbialsätze, 
g 115. Sie werden durch die relativisch gebrauchten Adverbia 
huar, thanan und thar eingeleitet; die einschlägigen Fälle sind bereits 



55 

§ 94 aufgeführt. (Jber den konditionalen Gebranoh von thar verweise 
ich auf die Bedingungssätze § 123. 2, 125. 5, 127. — Das Lokal- 
adverb thar wird auch in temporalem Sinne gebraucht: an them mariun 
dage, thar ik allon scal irininthiodon duomos adelean, 3315. — In 
tinalem Sinne steht es mit dem Konjunktiv: tUuo biguunun thia man 
sprekean . . huo sia ina gidrogin . . an that uuerod innan, thar ina 
uualdand Ciist seltio gisauui, :J310 

D. Kausale Adverbialsatz«. 

g llfi. Sie werden eingeleitet durch 

1. nu. dessen Bedeutung Erdmann a. U. f, 84 dahin charak- 
terisiert, dass es auf die als vorhanden angeschaute Gesamtlage der 
Dinge in einer Weise hinweist, welche aus dieser Lage den folgenden 
Satz erklärt und begründet. 

a) den begründenden Sati^ einleitend, auch im begründeten meist 
nu. Vorangestellt: nu ik thi aulica giuuald forgaf . ., nu scalt thu 
im miltli uuesan, 3253. — Nachgestellt: nu ik tbie, herro, scal . . 
gerno biddean. nu ik aus gigamolod biun, 4St. nu mahtu an fnilu 
ledean that kind under iuua kunni, nu thie cuning ni lebot, 773. gi 
sind DU so druouuia nn gi minan dod uuitun, 4723. nu ni thurbun 
gi bidan leng . , giuuitscipies. nu im sulica uuord farad, 5101. — 
Ohne 7IU im hegriindeten Salze: ik iru selbo scal mithan , ., nu ic 
mi suitc men gisprac, 5020. alla gispracan that hie uuari uuirdig 
uuelono gihuitikes . ., nu hie sulic giuuit habit, 2861, ä. 3Ü31. 

b) im steht in zwei selbständig neben einander gestellten Sätzen, 
deren erster tbatsachlich den zweiten begründet: nu ik is aldar kan, 
uuet is uuintro gitalu: nu ik giuuinnan mag that hie . . ald ni uuirilit 
^= nun kenne ich — nun kann ich, 724. nu sind thina gesti sada . .: 
nu hetis thu her forth dragan allaro litho lofsamost, 2060. nu is iro 
dod at hendi . . nu bidditi ik thi . . that thu sia af sulicon suhteon 
atomies, 2989 f. nu habit hie all gilestid so , .: ilad gi nu forth 
hinan, 28G2 f. — Einmal hat der begründete Satz die Gestalt des 
Folgesatzes: nu ist thie helago Crist cuman . . so nu thes thinges 
mugun mendeau mancuniii, 525. 

c) nu weist an der Spitze selbständiger Sätze auf die im vorher- 
gehenden dargestellte Lage hin, meist vor Auftorderungen: sagda im 
. . that that barn godes slidmuod cuniug suokean uuolda ahtean is 
aldres: nu scalt thu tna an Egyptoland aledean, TOI f. hebanriki is 
ginabid manno barnun: nu latat . . sundea hreuuan, H98 f, ik hier 
quik brinnu . .: nu is mi thinero helpono tharf, 3370. Vgl. 418. 879. 
1014. 2149. 2439 u. ö. 

Eine ähnliche Verwendung hat Ihan gefunden: thuo uuartb thes 
auibes faugi after them arundie all gihuorban an godes uuilleon. 
„thann ik hier garu standu," quat siu, „te sulicon ambahtscipie so 
he mi egan uuili," 283. Vgl. 38211- 

Dass auch die temporale Bedeutung von sithor bisweilen &n die 
kausale streift, braucht kaum bemerkt zu werden. 



56 



g 117. 2. huand. Der dureli huaiid eiiigeleitete bugräudetide 
äatz steht Diemals vor, sondern wird 

a) der begründeten Behauptung nachgeateltt, 

aa) das Subjekt steht hinter anderen vor das Verb tretenden 
BeBtimmungen: huand im habda forltuuan liudeo herro, 573. huand 
it sagda mi uuord godes, 909. 1225. 1577. 1653. 1659. 2435. 2780. 
4120. 4178. 4731. 5047. — bb) das Subjekt steht vor dem Verb: 
huand hie habda starkan hugi, 29. 144. 280. 973. 1319. 1343. 1505. 
1509. 1510, 1512. 1548. 1644, 1649, 1692. 1741, 1767, 1812. 1823, 
1901. 1909. 1924. 2106, 2228. 2521. 2262. 2725, 3607. 3703. 4167, 
4423. 4443. 4474. 4721. 5542, - cc) das Verb steht ganz am Ende 
nach anderen Bestimmungen: huand hie simblon gerne gode thconoda, 
77. 260, 689. 906, 1346. 1439. 1516. 1698. 1722. 1775. 1891. 1913. 
2123. 2166, 2207, 2209. 2429. 2561. 2885. 2922, 3551. 3756. 3777. 
3836. 3950. 3951. 4082. 4161. 4240. 4396. 4413. 4729, 4921. 5170. 
5263. 5718, 

b) vor einem durch einen verallgemeinernden Ausdruck einge- 
leiteten Satze: 4378 vor so huattn so, worauf (kann folgt; 4696 und 
53GI vor so huc so, worauf hie folgt. 

c) parenthetisch: gihuggiat gi, quathie, huand iu ist thiu dad 
cumaa . . so gi sia ni thurbun . , miedon mid enigon methmon. so 
uuesat gi iro mannon . . milda, 1»45. Hier liegt, wie Behaghel a, 0. 
S, 13 bemerkt, ein Anakoluth vor. Statt nämlich zu schreiben: „seid 
darauf bedacht — denn auch ihr habt eure Wnnderkraft nicht zu 
kaufen brauchen — dass ihr die Tugend der Müde übt," hat der 
Dichter dem von yihuggiat abbliugigen Satüe eine selbständige Gestalt 
gegeben. 

§ 118. 3. so, den nachgestellten Begründungssatz einrührend: 
Erodas uuas an Hierusalem . . gicoran te kuninge, so ina thie keser 
tharod . . satta, 64, ä, 5252, siod unca andbari odarlicron, muod 
endi megincraft, so uuit iu so maoagan dag uuarun an thesaro uueroldi, 
156. hie sted hier . . allaro sundiono sicur, so hie selbo gio firina 
ni gifrumida, 5595, san upp ahled thie grodo sten fan them grabe, 
so ina thie godes engil gihueribida an halba, 5804. 

Als urspriinglichea Demonstrativ weist es an der Spitze selb- 
ständiger Sätze, wie hm, auf die im vorhergehenden dargestellte Lage 
hin und begründet damit die im folgenden aus gesprochene Behauptung. 
So weist Zacbarias auf sein Alter hin und begründet dann seinen 
Unglauben an die Verheissung eines Sohnes mit den Worten: so mi 
thes uundur thunkit, hui it so giuuerthan mugi, 157. Vgl. 213. 600. 
2690 und 1848 vor einer Aufforderung. 

Über das kausale ihat und thes vgl. die begründenden Substantiv- 
sätze g 48, über tfmo % Hl gegen Ende, über p/* g 127 Anmerkung. 
E. KonceNsjve Adverbialsätze. 

§ 119. Sie werden durch ihoh eingeleitet, „es deutet auf die 
vorhandene Situation in der Weise hin, dass es einen Widerspruch 



derselben mit dem neueingeführten Ereiguis hervorliebt, welcher aber 
im angeführten Falle nicht hinreichend gewesen ist, uoi das Gintreteu 
desselben zu hindern," Erdmann a. 0. I, 92, 

a) tkoh steht „in gelinderem Gegensatz und ohne Beziehung auf 
einen bestimmten einzelnen Satz", wobei es nie an der Spitze steht: 
biet tbat ik thi thoh sagdi, 129. than uuirtbit thoh huie odron an 
is muode so gram, 1441. merr is im thoh umbi thit helitbo cunni, 
1682. Vgl. 1750. 2846, 3591. 3840. 4035- 4162. 4308. 4580. 4784. 
4933, 5092. 5108. 5220. ef thu ni bist that barn godes, bist tbu 
than thoh Elias? 920. ef gi sia amerriat . . than Eculun it hruopan 
thoh barda stenos, 3730. 

b) im Nachsatz auf den vorhergehenden koncessiven Satz hin- 
weisend : 

aa) au die Spitze desselben tretend und das Verb an sieh heran- 
ziehend: thau duot gi that so daruo; thoh uuet it iuua drobtin seif, 
1576. sia ui cunnun enig tihu uuinnan, thoh gibid im drohtin god 
. . belpa uuidar hungre, 1Ö70. 1739. 2028. 2589. 3007. 3512. 

bb) es steht nach dem Verb: libdun im faruter laster . . una» 
im thoh an soragon hugi, 85. Vgl. 64. 2339. 3612. 3649. 3815. 
4854. 5539. 5964. 

Einmal steht ihoh iu einem durch cndi angereihten Satze: gihiij 
. . tbat thu SIS god selbe endi bist thi thoh man so uui, 3953, 

g 120, c) tkoh im koncessiveu Nebensätze regiert den KoDJuuktiv. 

aa) der Nebensatz steht von thoh ina eldibani . . diopo bidel- 
uuan, nis hie dod thiu mer, 4057. thoh uui rebt sprecan, ne thtbid 
uses thinges uuiht. 

In allen übrigen Fällen steht auch im Nachsatz thoh: thoh hie 
ni mugi enig uuord gisprekan, thoh mag hie . . brief giuuirkean, 229. 
537. 1786, 1904. 2113. 2119, 2757. 4675. 4680. — Eine gewisse 
Anakoluthie liegt 2272 f. vor: nio thie man so hardo ni uuas giserid 
midi Guhtion, thoh ina Satanases fegnia iungron . . habdin undar 
handoD . .: thoh im simla ferah foigaf heleudi Crist. Hier ist also die 
ursprünglich auf eineu Folgesatz hinweisende Konstruktion verlassen. 

Zweimal ist der Inhalt des Vordersatzes unwirklich: ihoh man 
im iro hertun au tue snidi midi suerdu, thoh ni mahta im io serora 
datl uuerdan, 746. thoh uui hier te metie habdin garo im te gebanne, 
so uui mahtiu forgeldan mest, ef uui hier gisaldin siluberscatto tue 
bund samad, tueho uuari is nob than, that iro enig thar enes gi- 
nami, 2836. 

bb) der Nebensatz steht nach dem Hauptsatze. Nur selten steht 
dann auch im Hauptsatze thoh; uuissun that thoh managa liudi . . 
thoh sia ina cuthlico ankennian ni mahtin, 857. Vgl. 1633. 3445. — 
Sonst fehlt im Hauptsatze thoh: uuart ald gumo spraka bilosid, thuoh 
hie spahan hugi bari an is briostun, 173. Vgl. 189. 323 382. 407, 
883. 934. 1221. 1740. 1780. 1784. 1964 (uuilleon lonot gumono _' 
huilicon, so huat so hie her guodes geduot, thoh hie . . manno huilicon 




K uuillai 

I wie B 



58 



uuillandi forgebe uuatares driacan =; „obgleich or nur", was also siebt, 
wie Behaghel a. 0. g 37 annimmt, dem lat. dummodo entspricht). 
2520. 2562. 3261. 3513. 3838. 4283. 4664. 4694 (nach einem ab- 
hängigen Nebensatze). 5606, 5920 und endlich mit wunderlicher Ver- 
tauschung des koncedieienden und des koncedierten SSatzes 5504: all 
uuas im that te hoske giduan, thoh hie it all githolodi, — Auch 888 M 
und 2888, wo Sievers die Sätze mit ihoh in Parenthese stellt, gehören 
meiner Ansicht nach hierher: endi under iu middeon sted, thoh gi 
ina selbon gisehan ni uuelleat, C, wofür M richtig uuillean. huand 
hie uueroldriki . . giuuarahta endi sithor biheld, laud endi iiudscepi, 
thoh thes enigou gilobon ni dediu uuretha uuidarsacon. 

§ l'il. Einmal ist der koncessive Nebensatz in einen anderen 
abhängigen Nebensatz eingeschoben: that ik thes uuirthig ni biun 
that ik muotig an is giscuohe, thoh ik si is scalo egan, an so rikeon 
drohtine riemon anbindan, 939. 

Auch zwei koncessive Nebensätze kommen in einen indikativischen 
Satz eingeschoben vor: othor mag man oluuendeon, thoh he si unmet 
grot, thuru nadlun gat, thoh it ai naro suitho, saftor thuruslopian, 
3299 f. Vgl. 1G74 f.: ni mohla . . Salomon thie cuuing, thie hahda 
sine mikil . . thoh nie mohta hie an is liba, thoh hie habdi alles 
theses landes giuuald, auuinnan sulic giuuadi; denn hier hat auch der 
Relativsatz koncessive Kraft, wie öfter, z. B. 1952, 4301. 5320. 5666. 

cc) der Nebensatz mit Ikali gehart gemeinsam zu einem vorher- 
gehenden und zu einem folgenden Hauptsatze: ni mohta siu (die 
Mutter) im (dem Kinde) nio giformou, thoh siu . . iru egan harn 
araman bifengi, thoh scolda it simblon that Hf ageban, 738. alla 
sculun sia thar era antfahan, thoh sia tharod te enero tidi ni cuman 
that mancunni, thoh uuilt im thie craftiga drohtio gilonon, 3505. 

Anmerkung. Wo der Koucessivaatr. die Fono des Modatsatzee annimmt, 
hat er uatltrlich auch den Modus deasclben, den Indibutiv: so deda thie drohtinei 
SUDO . . guod uuerc mid is iungron, io neo Judeon umbi that . . (hiu mer ni gi- 
lobdun, 2285. so thar uuas thie lielago Crist giboruu that barn godes, sia ni uueldun 
is gibodscipi ihoh anfahati forahtlico, 2G6!j. 

Auch der Imperativ katm einen Konct'ssivsutz vertreten : than gi uuellean . . 
helpono biddean . ., tban duot t;i that so darno ; tbob uuel it iuua drohliii lelf, 1567. 

F. Konditionale Adverbialsätze. 

g 122. Wenn ein Ereignis die Bedingung fiir das Eintreten 
eines anderen enthält, so entsteht ein aus dem bedingenden Neben- 
sätze und dem Folgerungssatze bestehendes konditionales Satzgefüge. 
Ein solches Verhältnis zwischen Bedingung und Folgerung kann auch 
obwalten, ohne dass es formal durch die Unterordnung des einen 
Satzes unter den anderen bezeichnet wird; die Bedingung ist in diesen 
Fällen in einem einzelnen Worte oder in dem ganzen Zusammenhange 
versteckt und wird meist durch ein den Folgerungssatz einleitendes 
than angedeutet. So hegt 5529 in den Worten: „dod uuari iu than 
allon liobera than sulic liudio qualm te githolianae" die Bedingung 
in dem Worte dod, während sie in folgenden Fällen aus dem Zu- 





sammeDhange entnommen werden muss: tban uueldi gerno gihuie 
uuesan . . menes ttiomtg, 2)315. nist that uuretharo dad, iiondo crafleB: 
nio it than te sulikero frumi ni uuiitbi, 3936, Andere Fälle später 
bei den abhängigen Bedingungssätzen § 130 und beim konditionalen 
Imperativ § 129. 

Wie than einen positiven, so deutet elcor einen negativen aus 
dem Zusammenhange zu ergänzenden Bedingungssatz an: elcor (wenn 
sich der Mensch nicht in Acht nimmt) bifalliat sia ina ferna te 
bothme, 2510. 

§ 123. Wir gehen nunmehr /u den eigentlichen Bedingungs- 
sätzen über und betrachten 

1. den Indikativ des Praesens im bedingenden Satire. 

Derselbe bezeichnet die Bedingung als eine in die Gegenwart 
fallende Thatsache, dabei steht der Bedingungssatz 

A, ohne Konjunktion: 

forgibit im uualdand selbo helag himiloriki, than is im giholpan 
sithor, 3503, wo ich einen Nebensatz, nicht alier, wie Sievers und 
Bebaghel, einen Hauptsatz annehme. 

B. mit Konjunktionen. 

1. ef. a) vorangestellt. — aa) im Nachsatz ebenfalls Ind, Praes.: 
ef inner than auuirdit builic, forlatit thia lera thia hie lesttau scal, 
than is imo so them salte, 1368. Vgl. 1374. 1616. 1620. 1911. 2109. 
2752. 3399. 3403. 3728, 4080, 4087. 4484. 4511. 4760. 4793. 5013. 
5040. 5886. Der Nachsatz enthält eine direkte Frage 919 und 1545. 

— bb) im Nachsatz ein Imperativ oder ähnliches: ef gi uuelleat minon 
leron horean, thann ne aamno.1 gi, lfi4l. Vgl. 1940. 2714. 3236. 
3265, 3282. 5193. ef hie uuil is fruma lestian, than scal hie ina 
selboD err sundiono tuomian, 17IG. 

b) eingeschoben: bihui ni hetis tliu thann uuerthan, ef ihn 
giuuald babis, allaro barno best, brod of theson stenon, 10<>5. 

c) nachgestellt. — aa) im Folgerungssatz ebenfalls Ind. Praes.: 
that ik . . ni godar uuendan mid uuihti, ef ik es giuualdan muot, 
220. Vgl. 1328. 1380. 1480. 1493. 1636. 1689, 1730. 2111. 2509. 
3139. 3276. 3323. 3619. 4482 (direkte Frage). 4678. 5048. 5244. 
5339. 5760, — bb) im Folgerungssatz Ind. Praet.: than uuas im that 
luttil fruma, that hie it io an is herten gibugit, ef hie it haldan ni 
uuili, 2505. Das Praeteritum uuas ersetzt hier gewissermassen das 
Futurum exactum und bat mehr Nachdruck, als das futurische Praesens, 
in sofern es die Handlung als vollendet bezeichnet. — cc) im Fol- 
gerungssatz Imperativ oder ähnliches: betbiu scalt thu sulic men 
aarekan . ., ef tbu umbi tbines herren ruokis . . friuudscipi, 53G6. 

— than ni si hie im io so suitho an sibbean bilang nee iro magscepi 
80 mikil, ef bie ina an morth spenit, bedid baluuuerko, 1495. queite 
nen ef it nist, 1523. — mer sculun gi after is huldi thionon . . ef 
gi auilleat egan euuan riki, 1474. 



Iji uuiiieuL o^au ttuuu, 



60 

2. thar, obgleich ursprünglich Lokal parlikel, hat ebeofalls bis- 
weilen deutlich konditioualeu üebrauch: oc sculuu gi iu iiuardon filo 
listeon under theson liudeon, thar gi after thesou lande farat, 1735, 
hebbeat iuuan muod uuider them so glauuuan tegegnes so samo so 
thie gelouuo uurm, uadra thiu feha, thar siu iro nihtscipies uuitodos 
uuanid, 1878. Vgl. 154«. 1550, 

3. so vgl. § 110, 2 b) letztes Beispiel. 

II. Indikativ des Praeteritum im bedingenden Satze. 
§ 124, Er wird gebraucht, qwenn ein vergangenes schon histo- 
risch gewordenes Ereignis nochmals bloss als möglich vorgestellt und 
ihm Tür jeden etwa faktisdi gewordenen Fall seines Eintretens ein 
dann mit ihm verbundenes anderes Ereignis zugesprochen wird," 
Erdmann a. 0. I. !)6. 

a) vorangestellt: et' hier odaga man . . era brahtun, methom- 
hordes manag, sie lietuu im mera at hus uuelono giuuunnan, 3771. 
mi thuukit uunder mikil, quathie, ef gi mi lethes uuiht lestian uueldun, 
te hui gi mi thann ni fengin than, 490.'j. 

b) nachgestellt: thoh im simla ferah forgaf helendi IJrist, ef hie 
to is haudon quam, 2278. that that ni muosta farlatan nigen idis 
under Ebreon, ef iru at erist uuarth suono afuodid, ne cet., 455. 

HI. Konjunktiv des Praesens im bedingenden Satze. 

§ 125. I. Ohne Konjunktion. — Es kommt nur das formelhafte 

HC si titat in Betracht: thie io for gode standu anduuard for them 

alouualden, ne si that hie mi an is arundi huarod sendean uuillie, 

121, Vgl. 3939. 47G1. 5363. Ähnlich: it si than thin uuillio so, 4763. 

2. Mit eft im bedingenden Satze, nur bei imperativem Hauptsatze. 

a) vorangestellt: ef thu bis godes suno, quathie, scrid tbi te 
erthu hinan, 1084. 2434. 3224. 3227. 3230. 5567. 5583. 5586. — 
ef man huem saca suokie, hie aeggie that uuara, 1521. — ef thu sis 
godes suuo, quathie, bihui ni hetis thu than uuertban . . brod of 
theson stenonV 1064 {der Fragesatz hat imperativen Sinn) 

b) nachgestellt: antfabat ina than . . ef hie si is ferahes scolo, 
5195. im so adeliat, ef hie si dodes uuerth, so cet., 5196. — hie 
niote ef hie moti, 224. 

c) der Hauptsatz steht ii-A aoivoO: ef thu it uualdand sis . ., 
het mi thann thitrod gangan , . druocno obar diop uuater, ef thu 
min drohtin sis, 2936. 

3. than im bedingenden Satze, immer bei imperativischem Haupt- 
satz, Die Beispiele siehe § 112 gegen Ende. 

4. so im bedingenden Satze: duo allaro manno gihuihc adron 
manne Cruma endi gifuori, so hie uuillie that im firio barn guodes 
angegiii duon, 1537, vielleicht reiner Modalsatz, vgl § 101. 

5. thar im bedingenden Satze: sulikero muotun sia frumono bi- 
knegan thia rinkos , . the oe uuelleat an runu bisuikean man thar 
sia an mahle aitteau, 1312 C = wenn sie in der Versammlung sitzen. 



Hier erklärt den Konjunktiv das einem Imperativ gleichwertige mtiotmi; 
M hat übrigens den Indikativ sUtiad. 



§128. 



Da in dieser Menge von Fällen der Konjunktiv des 
Praesens nur bei imperativischem Folgerungsaatz steht, so müssen die 
noch übrigen Konjuuktive, denen kein Imperativ oder ähnliches zur 
Seite steht, verdächtig erscheinen; es siud folgende Stellen: die erste 
lautet nach Sievers: ef sia thines libes ihann thuru eggia uith ahtian 
uuillian, fruo min thie guodo, ik gibu min ferah furi thik, 46S3. 
Diese Stelle ist nur in C überliefert und hier steht nur utiUlia, das 
Bebaghel mit Recht xu uiiilliad ergiinzt. — Die zweite Stelle ist 
548S C, sie lautet nach 8ievers: fare is dror obar us, is bluod endi 
is banethi endi obar usa barn so samo, obar usa abaron thar al'ter. 
uui uuilliat is alles plegan, quathun sia, umbi tfaena slegi selbon, ef 
uni thar eniga sundia giduan. Auch hier trifft Behaghel sicher das 
Richtige, wenn er die Worte uui tiuillial bis sethon in Parenthese 
setzt und den Satz mit ff als nachgestellten Bedingungssatz mit dem 
imperativischen Konjunktiv fare verbindet; dann reiht sich der Kon- 
junktiv fjiduan den oben augeführten Fällen an. — Endlich 3399 f. 
lauten nach C: cf sin is uullliga sind that sia tiiat bihaldan, than ni 
thurbun sia an thena hell innan an thal fern faran (faren M), ef sia 
Bo frummean (gifrummien M) so cet. Zwar kann man hier wegen der 
Nähe von faran an einen Schreibfehler denken, aber auch der Kon- 
junktiv lässt sich vielleicht halten, da, wie § 23 nachgewiesen ist, 
Umschreibungen mit thurhnn einem Imperativ parallel stehen, und der 
Umstand, dass im ersten Satze cf mit dem Indikativ steht, nicht sehr 
ins Gewicht fällt, da ein solcher Moduswechsel auch 1521 f. vorkommt. 

IV. Konjunktiv des Praeteritum im bedingenden Satze. 

g 127. Wir verweisen auf das § U über das Wesen dieses 
Modus Auseinandergesetzte. Kr steht: 

1. Ohne Konjunktion. 

a) als allgemeiner Potentialis: uuari it nun thin uuillio . , than 
ni uuari us uuiht so guod so that uui . . doian muostin, 4861. 

b) als modus Irrealis: huand uuissin sia that te uuaron that.., 
than uurthi im iro muodsebo giblodit an iro brioslon, thann cet., 5388. 
— Sonst kommt nur noch das formelhafte ni uuari Ihat in Betracht, 
vgl. 205. 5.S51. 

2. Mit den Konjunktionen cf oder thar. 

a) von in der Vergangenheit nicht wirklich gewordenen Ereig- 
nisBen: ef he that giquadi that sie sie quica letin, fridodi ira ferahe, 
than uueldi that folc .ludeono queden that he iro aldtron eo uuider- 
sagdi, 3857. ef he sie thau heti libu binimen . ., than uueldin sie 
queden, 38l>l. thar thu mi .. nahor uuaris, heland thie guodo, thann 
ni thorftig ik nu sulic härm tholon cet , 4030 f. ne gabin ina thesa 
liudi thi, thar sia ina er biforan ubilan ni uuissin, 5185. 

Über den Indikativ im Ilauptsalze vgl. § 10, 



k 



Aamerkung. In den Worten: that it (das Kora) ne muoau (mähte H) te 
tuigero fromu uuerthan, ef it ihn lliornos so thringiin muoatin, 3412, k&nn unmög- 
lich eine irreale Bedingung' enthalten Kein; i<'h glaube deshallj mit Geliiighpl a, 0. 
]i. 4'J den Konjunktiv muostin in den Indikutiv verbessern und einen Kansalsalx in 
konditionaler Gestalt annehmen zu müssen. 

g 128. b) voD in der Gegenwart noch nicht wirklich gewordenen 
Ereignissen — aa) mit Ausschluss des Eintretens derselben: libas 
uueld) ina bilosean, of hie mohti gilcstian so, 1442. ef uui hier gi- 
saldia siluberscatto tue bund samad, tuebu uuari is noh tban, tbat 
iro enig tbar enes gjnami, so luttic uunri that tbeson liudeon, 2835. 
ef ik uuid thesa scola uueldi . . uuigsaca frumniian, tban manodi 
ik . .: iro ne stuodi gio sulik megin samad folkes gjfastnod, 4864 f. 
ef it tboh uuari so, tban uuarin so starkmuode . . iungaron mine, 
5220, — hh) ohne AusBchluss des Eintretens derselben: ef it gio gi- 
uuertban muosti tbat ik samad midi tbi sueltait muosti, doian dinrlico, 
tbann ne uurtbi gio thie dag cuman tbat ik thin farlognidi, 469Ü. 
ef tbu ina mi giunisan mohtis, ef ik thik fragon gidorsti, ef thu ina 
hier . . ginamis (= solltest genommen haben), uuisi ina mi, ri92.3. 

V. Konditionaler Imperativ. 

§ 129. Bisweilen folgt auf einen Imperativ ein mit thttn ein- 
geführter Satz, welcher ein Ereignis enthält, für dessen Eintritt die 
Ausführung des im Imperativ ausgesprochenen Befehles die Be- 
dingung bildet. 

bebbeat iuuan uuilleon tharod, üudi iuuan gilobon: tbann scal 
iu lango uuesan iuua bugi hi'uomig, !)43. duo im (sc. tbina elimosina) 
tburu odmodian hugi gerno tburu godesthanc: tban muostbu cft geld 
niman, lü5<>. gerot gi simla crist thes godes rikies, endi than duot 
after them is guodon uuercon, ruomot gi rehtaro tbingo: thann uuil 
iu thie rikeo drobtin gebon mid allaro guodo gihuilikon, ef cet., 16^7 f. 
suokeat fader iuuan upp te them euuinon rikie: tban motun gl ina . . 
ßndan. 1795. kuthiat iuua fard tbarod . .: thann uuertbat iu antduan 
after thiu himiliportun anthlidan, 1797, cum tbi than gihaldan te 
tni, folgo tbi minero ferdi: than babis tbu frido aithor, 32SS. neri 
tbik fan tbero nodi endi nithes atuomi, gang thi hei herod; tban 
uuelliat an tbik helitho barn, tbesa liudi gilobian, 55G9. 

Dasselbe gilt vom imperativen Konjunktiv: mid tbius scoldis tbu 
US hindag er gebon eudi gomean, thann it allaro gumono gihuilic 
githigidi te tbanke, 2064. 

VI. Abhängige Bedingungssätze im Konjunktiv. 
§ 130. 1. Das Regens ist ein Praesens. — uuest tbu tbat te 
uuaron, t^uathie, tbat thu giuuald obar mik hebblan ne mohtis, ne 
uuari that it thi helag god selbo forgaui, 5350. than uuet he that 
te uuaren that im uuari oder (uuodiera M) thing betera mikilu that 
bie giboran ni uurtbi, i5B'^ (die Bedingung steckt in dem Satze mit 
that). Auch in unabhängiger Rede würde hier der Konjunktiv stehen. 
A. 2952 f.: tbu mahtis gitroian uuell, uuitan tbat te uuaron that thi 



_i 




es 

UnatereB ström . . ni mahti lagustrom gilettian, so lango so thu bnbis 
(habdes M) gilobon te mi. 

2. Das Regens ist ein Praeteritum. — eiidi that ni uuelda gi- 
hnggean, that ina mahti helag god so alaiungan . . giuuirkean, ef liie 
so nueldi, 163. uundrodun thes giuuLrkes, bihui it io mahti gluuer- 
than so . . Di uaari that it gibod godes selbes uuari, 205. — Ebenso 
in verkürzten Bedingungssätzen: antsuobun sia garao that it elcor so 
uuanlik uuerthan iii mahti, 207. farstuod siu . . that hie mahti gi- 
helpan managon, allon irminthiedon = wenn er wollte, 2211. — In 
den vorher aufgeführten Fällen würde auch bei unabhängiger Rede 
der Konjunktiv stehen, nicht aber in folgenden: quat that hie uueldi 
uueaan thes libes scolo, ef it mahti enig . . gjseggian, 4987. quat 
that im thann uuari hebanriki garo, 425.0. 

Kinmal ist nur der Hauptsatz in die indirekte Rede verschoben: 
quat that hie im that all so guodlic fargeban uueldi, hoha heriduomaa, 
„pf thu uuili hnigan te mi", llfll f. 

Zwiiter Abschnitt. 
Von Nebensätzen abhängige Nebensätze. 
^ 131. Diejenigen von Nebensätzen abhängigen Nebensätze, welche 
(las Verb im Indikativ haben, sowie diejenigen, welche zwar den Kon- 
junktiv zeigen, dies aber ebenfalls thuu würden, wenn der übergeord- 
nete Satz ein Hauptsat/ wäre, welche sich also von den von Haupt- 
sätzen abhängigen Nebensätzen nicht unterscheiden, sind bereits in 
Abschnitt 1 aufgeführt; es erübrigt also nur noch eine zusammen- 
hängende Besprechung derjenigen von Nebensätzen abhängigen Neben- 
sätze, welche nur wegen dieser ihrer Abhängigkeit von anderen Neben- 
sätzen den Konjunktiv aufweisen. 

Kap. 1. 
Nebenatttse <l«r kbbttuglE*» Aansageaälme. 
§ 132. Sind die übergeoi'dneten Nebensätze konjunktivisch, so 
Bind es auch die untergeordneten, 

1. Erklärende Substantiv sät ze: quat that it gode uuari 
uualdande uuidarmuod that it enig uuero frumidi that bruoder brud 
an is bed nami hebbie sia im te hinuon, 2713. , quat that uuari 
rehtera dad that thar ti bedu fuorin harn Israheles, 3742. quathun 
that sia ni mahtin githolian leng that sia thie eno man so alla uueldi 
uuerod faruuinnan, 4174. 

2, Aussagesätze: quathun that sia mohtin gihorian uuell that 
im mablidin fram muodiga uuihti, 3930. quathun that sia uuissin 
garoo that hie scoldi an Dethleem giboran uuerthan, 621. quadun 
Üiat sia nuissin garo that hie uuari selbo suno drohtines, 29(i9. — 
sorgodun huilican hie te thiu tellian uuoldj . . that hie habdi tbia 
scattos thar githingot, 4592. quat that . . ef it mahti enig . . gi- 
seggioD te auothen that hie thes gisithies uuari, 4987. quathun that 
u& ina aelbon aeggian gihordin that hie mahtig teuuerpan tbena uuih 




A 




godes, 5074. quathun that hie . 
gisithes giuuald, 5556. 

3. Abhängige Fragesitxe: sie quat tliat siu umbt iro lieri-o 
ni uuissi te uuareo huarod sia iiuertban acotdi, 5923. 

4. Relativsätze: hie quat that an tbem selbon dage tho ina 
saligoa . . muoder gidruogi, 587. quat that tbia saliga uuarin . . thia 
her an iro muode uuana arma, 1301. quat tbat oc saliga uuarin 
tbia her uuiopin iro uuammon dadi, 1307. quat that oc satiga uuarin 
tbia rinkos tbia rehto uueldin, 1321. quat that hie . . ni fundi gi- 
macon tbes mannes thie gio , . nierr gilobon habdi, 2128. quathun 
. . tbat hie im so marean sandi uuarsagon . . thie im thar sulican 
uuillean frumidi, 2215. 

5. Komparative Adverbialsäti^e: so quat be that ostana en 
scoldi scinau bimiltungal huit, sulik so uui hier ni habdin er, 590. 
uueldun sia quetban that hie bo mildaii bugi ne bari so acoldi behbian 
harn godes, 3802. sagda . . that bie . . suUca örinspraca hndan ni 
mabti , . so hie uuarj is ferabea scolo, 5236. tbu sagdas tbat thu 
mabtis , . teuuerpan tbat holaga bus . . so is elcor ni thorfti bitbihan 
mann, 5577, ä, 5077. 

6. Lokale Adverbialsätze: 8o huar so ik gisauui uuarHco 
thena helagna gest .. cuman mid craCtu, tbat, quat, scoldi Criat 
uuesan, 1001, 

7. Kausale Adverbialsätze: sia quathun thuo that sia ni 
tnuostin . . te bandbanon uuertban . . huand it ni uuari iro giuuono, 
r)200. (In M fehlen die Worte.) 

8. Konditionale Adverbialsätze: quat that hie uueldi uuesan 
thes libes scolo, ef it mabti enig thar irminmanno giseggian, 4987. 

Kap. 11. 
NebCDafttse der Rbbttngigen HelacbealUae. 

g 131t. t. Aussagesätze: biet that ik tbi tbob gicutbdi, that 
thi ktud . . odan scoldi uuertban, 123. biet that ik tbi thob sagdi 
that it scoldi gisith uuesan bebancuningea, 129. Vgl. 869: biet ina 
seggean that uuari bebanriki . . ^(iiiahid. 

2. Heischesätze: that ina oe giuuertbot that bie it bi iuuon 
uuordon dua, tliat bie mina lera forth leatian uuellie, 2449. uuas im 
uuilleo mikil tbat bie sulic folcscipi frunimean mosti, that sia simlo 
gerne gode tbiooodin, 2980. 

3. Folgesätze: than manodi ik . , tbat hie mi so managan 
engil herod ohana seudi uuiges so uuisan, so ni mahtin iro uuapan- 
threki man adogiaa, 4889. 

i. Abhängige Fragesätze: gibod . . that sia im eft gicuthdin 
huar bie thena cuning scoldi suokean, 642. bad that hie im that 
gisagdi, ef bie suno uuari thes libbiandes godes, 5085. Vgl. 1839: 
hie im thuo bethiu bifalab gi te seggeanne (::= dass sie predigten) 
, . buo man liimilriki gibalon scoldi. 



5. Relativsätze (so mit Inde&Ditiuii) : hiet . . that sia tbes . . 
uuiht ni forlietin, thes sia thie helago Cnst hetan uueldi, 2035. — 
het that sea . . hobdu binamiu . . so filo so thar giboraa uurdi, 731. 
than uuilliu ik in leran nu . . that gi . . all githülotan uuities endi 
unamtneB, so huat bo man iu an thesaro iiueroldi giduo, 1535. gibod, 
so hue so thar mid thurstu bithuungan uuari, so gange im herod 
drincan te mi, 3913. gispracuu . . so hiie so ioa . . findan mahti, 
tbat hie ina san gifeogi endi forth brahte, 4172, Vgl. 3864: uueldun 
eia so huetbares helagua Crist thero uuordo giuuitnon (=; daas ge- 
straft würde) thie (so M) hie . . gispraki. 

6. Temporalsätze; gibod tbat gi it hietin so that kind than 
it <]iiami, 135. hiet tbat uui im folgodin, so it furi uurUii, 596. 

Ka|i. III. 
N«beDBlklKe der Rbbttaglgeii ki>iijaiibUvi««hen Ab«loh(salllme> 
g 134. that sia truodin thiu bat an thia Cristes craft, tbat hie 
cuning . . ituari, 5G81. that tbat , . alla farstandan that gi sin (sind M) 
gegnungo iungron minn, 465« (Aussagesätze). — bigann . . uunder 
togtan, that sia an uuordbelpon Criste uuari, that hie muosti quicc 
Itbbian, 5445 (Heischesatz). — that gi tbea spraca godos , . ne for- 
leosan an them Üudiun thea thar ne uuillean gilohean to, 1733 M, 
unelleat 0. that hie thar gimanodi manno gibuilican thero bobidscatto 
thia sia te them höbe scoldin tinsi geldan, 3180 (Relativsätze). — 
that hie . . godes ni forgati, than hie im eft sundi is iungron tuo, 
242 (konditionaler Temporalsatz). 

Kaj). IV. 
Nebensttlie der aühttoKlBea bonjaubtiTlsclien Fr«g«BftUe. 
g 135. Es sind 

1. Erklärende Substantivsälze: uundrodun thes giuuirkes, 
bihui it io mahti giuuerthan so tbat under so aldon tuem odan uurdi 
barn, 204. sia it oc seggian ni mugun . . huand it (huan that M) 
giuuerthan sculi, that hie uuitlie . . änho fandon, 4304, taloda . . 
huan err uurthi im thiu tid cuman tbat hie ina mahtig faruuisian 
Quretbaro thiedi, 4493. 

2. Aussagesätze: sorgoda huilican hie .. te thiu tellian uuoldi 
. . that hie habdi tbia scattos thar githingot, 4592. 

3. Heiacheaätze: talot huo liie odarna eft gibuerbie menn- 
dadigan man, that is muod draga hluttra treuua, 2472. 

4. Folgesätze (Modalsätze): dadun it bi tbem uundre, huanan 
im mohti sulic uuord cuman . . that hie spei godes seggian cunsti, 
2fi50. lerean thesa liudi huo aia scutun (sculin M) era gilobon Iialdan 
thuru hlulterau hugi, endi that aea an hcllea ni tburbin faran, 898 
^ 'mit einem Herzen, das lauter ist und so beschaffen, dass', Behaghel 
a. 0. p. 58. sprakun, huibc that so mahtigro manno uuari that im 
80 thie uuind endi thie uuag uuordu hordin, 22G3. — bigan . . then- 
kean huo hie sia so farlieti, so ira thar ni uurdi lethes uuiht odan 
arbedies, 303. 




k 



5. Relativsätze: (bigunnun sprekean) huo sia ina gidrogin 
an that uuerod innan, thar ina uualdand Crist selbo gisauui, 2310, 
— Einmal steht auch bei übergeordnetem indikativischen Fragesätze 
im Relativsätze der Konjunktiv: sagda suothlico, huo iro suno scolda 
. . uuerthan . . tbem Hudeon te liobe thia is lerun gihordin endi them 
te harma thia horiao ni uueldin Cristes lerun, 497 f, 

fi. Temporalsätze: that hie it gihuggian ni muot . , huo hie 
that giuuirkie, than lang thie hie aa tbesaro uueroldi si, 2Ö2G. 
Kap. V. 
NebenatttKe der KondltlonalHaiBe. 

§ 136. In NebenBÜtzen irrealer Bedingungssätze erscheint der 
Konjunktiv regelmässig, mitunter aber auch nach denen der realen 
Bedingung. Im folgenden stelle ich sämtliche Fälle zusammen. Die 
Nebensätze, welche wegen des übergeordneten Bedingungssatzes da» 
Verb im Konjunktiv haben, sind 

1. Substantivsätze: ne si that hie mi . . huarod sendean 
uuillie, 121. ne si that im . . helpa forlihe, 3239. ne si that ik 
minan gebe lioban lichamon, 4761. ne si that ina im thie kesur gebe, 
5363. ni uuari that it gibod godes selbes uuari, 205. ne uuari that 
it thi holag god selbo forgaui, 5351. ef it nu uuesan ni mag . . neba 
ik . . thiodquala tholoie, 4794. ef thu is uuillion ni habis, quathie, 
te antfahanue that ik tbina fuoti tbuahe, 4512. ef it . . gtuuerthan 
muosti, that ik samad midi tbi sueltan muosti, 4697, ef sia than 
tbes uuirdiga sind, that sia iuuua guodun uuerc gerno lestean, 1934. 
ef im than thes uuirdig ne si that hie thi gihore, 3228. 

2. Aussagesätze und Heiacbesätze: uuissin sia that te 
uuaron that hie sulica giuuald habdi, 53H8. ef hie that giquathi that 
sia sia quika lietin, 3857. 

3. Folgesätze: ef hie than latit is muod tuehon, that hie ni 
uuellie .. spanan, 1375, ef sia than so saliga . . uuerthan ni muotun 
that sia iuua uuerc frummean, 1741, ef gi sie amerriad . . that her 
ni motin . . diurien, 3728 M, muotun C. 

Kap. \1. 
HebenHtttie soDHliger NebeoBttUe. 

§ 137. Sic haben selten den Konjunktiv; am häufigsten noch 
die KoDcessivsätze: thoh sia hebhean iuues ferhes giuuald, that 
sia mugin thena lichamon libu biniotan, 1905, thoh ina Satanases 
fegnia iungron . . habdin undar handon, that hie uuodiaodi fuori 
under them folce, 2276. thoh uui hier te metie babdin garo im te 
gebanne, so uui mabtin forgeldan mest, 2834. thoh sia ni uuarin so 
saliga te thiu that sia it ao farfengin so it iro fruma uuari, 3839. 

Seltener folgt der Konjunktiv auf einen abhängigen Temporal- 
satz: er than im thie uuillo gistuodi that hie selbon Crist giaehan 
muosti, 472. er than it io bilibe ni man is lof spreke, 3732. er 
thau that giuuand cume, that thie lezto dag liohtes sciae, 4280. 



J 



Dritter Haapttell. 

IntlDitiF ond Participlnm. 
Abteilung A. 

§ 138. Als dieser Abschnitt bereits ausgearbeitet war, ist mir 
Steig's Abhandlung über den Gebraucli des Intiuitiv im Altnieder- 
deutechen bekannt geworden (Zeitsckr. f. deutsche Phil. XVI, 307), 
an der mir nameDtlich der Nachweia der ziemlich häufig vorkommenden 
PasBivbedeutung des Infinitiv interessant war. Indem ich auf diesen 
auch die kleineren Denkmäler mitumfassendeu Aufsatz aufmerksam 
mache, bebalte ich im folgenden diejeaige Anordnung des Stoffes bei, 
welche ich nach Erdmanns Vorgange gewählt hatte, und behandle 
zunächst den Gebrauch des einfachen Infinitiv auf -an und dann den 
Gebrauch der volleren Formen auf anne. 
Kap. I. 
Elnraeher inanltlT. 

g 139. 1. Einfacher Infinitiv, abhängig von einem der 
Verba praeterito-praesentia. 

mugaii. a) der Infinitiv steht vor: hui it so giuuerthan mugi, 
i5B. 403. 405. 429. 725. 1008. 1407. 1417 cet. — Bei negiertem 
Verb: so uuit thes . . gigernean ni mahtun, 148. 207. 857 cet. — 
h) der Infinitiv steht nach: bihiu it io mahti giuuerthan so, 203. 
271. 52G. 564. 672. 574. 646. 724. 773. 818, 892. 901. 1012. 1243. 
1389. 1442, 1471. 1713 cet. — Bei negiertem Verb: that hie ni 
mohta . . gisprekeau, gimahlean, 161. 181. 189. 229. 354. 748. 813. 
850. 884. 1069. 1394. 1396. 1398. 1463 cet. — c) das Verb in der 
Mitte zwischen zwei Infinitiven: all so ik iu nu giuuiscan mag, seg- 
gean sucttico, 1360. — d) der Infinitiv muss aus dem Zusammenhange 
ergänzt werden: habdun ina for uuarsagon, so sia uuela mahtun, 
2727. aia frumida thie mahta, 659. — Zweifelhaft erscheint es mir, 
ob 2846 huat mag that thoh thesaro menigi der Infinitiv wiesan zu 
ergänzen ist, oder ob das Verb absolut steht. 

scidan. a) der Infinitiv steht vor: thar sca uualdand god . . 
thiggean scoldun, 99. 1.^4. 136. 160. 219. 234. 268. 309. 338. 443. 
452. 45T, 585. 604. 609. 618. 8.53. 867. 889, 1005 cet. — h) der 
Infinitiv steht nach: huo sia is gibodscipi scoldin frummian, 9. 14. 
24. 32. 45 46. 49. 91. 96. 112. 123. 125. 168. 195. 211. 261. 264. 
265, 266. 276. 277 cet. — Bei negiertem Verb: that ni scal an is 
litte gio lithes abitan, 126. 943. 1094. 1359. 1405 cet. — c) das 
Verb zwischen zwei durch endi verbundenen Infinitiven: thie rihtian 
scal Jadeono gumscepi endi uuesan is geba mildi, 627. — d) der 
Infinitiv muss ergänzt werden; so scal man thiodgode herren after 
is huldi sc. thionon, 1119. ne galpo thu for thinon geban te suithuo, 
nee enig gumono ni scal, 1561. uuesat iu so giuuara uuidar thiu . . 
so mau uuidar fiondon scal, 1883. thes sia uuerc hlutuu . . endi so 

5* 




68 

noh lango sculuD, 2343. tbat hie , . minniodi sia so milda so man 

is muoder acal, 561S. antfeng ina . . so man is frohon scal liobes 
lichamon, 5733. — In den übrigen Fällen ist ein Verb der Bewegung 
zu ergänzen: thuo hie thanan scolda, 576. that aia sculiu oc an thit 
uuiti te ml, 3394. ac gi an tbat fiur seulun an tbena diopun dod, 4441. 
muotan. a) der Infinitiv stebt vor: tbat hie it . . fremmean 
muosti, 93. 149. 311. 333. 364. 42G. 448. 472. 709. 872 cet. — Bei 
negiertem Verb: ef sia tban so saliga . . uuerthau ni muotun, 1941. 
2521, — b) der Infinitiv steht nach; sithor ik muosta thieses erlo 
folcaa giuualdan, 560. 509. 692, 893. 910. 995 cet- — Bei negiertem 
Verb; sia ne muosta belitbo than mer, firibo barno frunimiun, 16. 80, 
470 cet. — c) der Infinitiv muss ergänzt werden: hie niote ef hie 
moti, 224. 

g 140. thurhan. a) der Infinitiv steht vor: bihui hie thar 
BO lango , , theonon thorfti, 178, — b) der Infinitiv steht nach, das 
Verb ist immer negiert: ni tharft thu stuni uuesan langron huila, 169, 
899, 1090. 1684. 1847, 1897, 1924. 2197. 32U9, 3401. 3933. 4032, 
4730. 5024. 5077. 5100. 5577. 5699. 

cunnan. Es erscheint nur dreimal mit einfachem Infinitiv 
und steht zweimal vor demselben und einmal in der Mitte zwischen 
zwei Infinitiven: tbie tliar consta filo mablean, 225. sia ni cunnun 
enig fihu uuinnan, 1669. — tbat hie spei godes so suodhco seggian 
cunsti, ao craftlico giquethan, 2G51. 

uuitan. mithan eiu is thuru tbia minnia ni uuissa, 5931. — 
Acc. c. inf. 3338: thar bie thena odagan man inna uuissa an is 
gastselie goma tbiggian, sittean at is sumble, 

gidurran. a) der Infinitiv steht vor: ef ik thik fragon gi- 
dorsti, 5924. — Bei negiertem Verb: fragon ni gidorstun, 4596. 4228. 
5468. — b) der Infinitiv steht nach: that hie . . thera uuibe gidorate 
sten an uuerpan, 3877, — Bei negiertem Verb: that ik . . ni godar 
uuendan mid uuihti, 220. 1056. 2122. 2725. 4598. 5162. 5391. 5814, 

— c) das Verb steht zwischen mehreren durch cftha verbundenen 
Infinitiven: tbat sia imo uuiti bethiu adelian gidorstin eftha dod 
frummian, libu bilosinu, 5069. 

uuülian. a) der Infinitiv steht vor: ne si that hie mi . . 
huarod sendean uuillie, 122. 132. 183. 247. 284. 377. 703. 858 cet. 

— Bei negiertem Verb: thia horian ni uueldin Cristes lerun, 498. 
888 cet. — b) der Infinitiv steht nach: that uuolda tho uuisaro filo 
liudo barno lobon, 6, 546. 651. 715. 754. 772. 822. 895. 958 cet. — 
Bei negiertem Verb: ni nueldun menes gifrummean, 84. 161. 302. 
305. 636. 698. 720. 841. 934 cet. — c) der Infinitiv muss ergänzt 
werden: that mahti . . giuuirkean, ef hie so uueldi, 163. sagda them 
siu uuelda, 293, endi antfahis eft tban tbu uuili, 1552. habda ihuo 
giarundeod al so hie uuelda, 2157, fuor im thuo thar hie uuotda, 
2694. 2894. 5776. Vgl, 3855 sagi huat thu thes uuellies, wo aus 
3849 vielleicht adelian zu ergänzen ist, — Bisweilen muss ein Verb 



der Bewegung ergänzt werden: that hie thar uueldi mid is gisithau 
tuo, 643. thuD sia thanan uuolduD, 777. 

§ 14). 2. Einfacher Infinitiv, abhängig von biginna». 

a) der Infinitiv steht vor: that hie uuord godes uuendan bigione, 
■227, 2416. 3412. — bj der Infinitiv steht nach: im thero dadio bigan 
uundron, 141. 302. 314. 007. 688. 1060. 1075. 1145. 1481. 2401. 
2417. 2496. 2500. 2507. 2666. 2073. 2710. 2721. 2943. 3233. 3280. 
3326. 3450. 3486. 3495. 3567. 3785. 3646. 4099. 4274. 4587. 4605. 
4968. 5062. 5072. 5180. 5410. 5444. 5633. 5760. 5960. — c> der 
Infinitiv miias ergänzt werden: dadun all so sia bigunnun . . cuth, 5889. 

§ 142, 3, Einfacher Infinitiv, abhängig von Verben der 
Bewegung. 

Man kann zwischen dem phraseologischen, oder, wie Steig es 
ausdrückt, pteonastischen und dem finalen Gebrauch des Intinitiv 
unterscheiden. 

cuman. — a) der Infinitiv steht vor und ist: aa) phraseo- 
logisch: anttbat thar uueros ostan , . gangan quamun, 542, ä. 4533. 
5516. endi thar gifaran quamun, 3752. than ik sittean curau, 3313. 
antlhat im uuailan quamun . . hcta trahni, 5004. — /jb) final: thia 
. . uuirkean quamun, 3492. huena sia . . sokian quamin, 4840. te 
hui sia Cristan tharod . . suokian quamin, 5K50. 

b) der lutinitiv steht nach und ist: aa) phraseologisch: thuo 
quam tbarod oc en uuib gangan, 503, ä. 516. 2547. 4065. 4955. 
5072. te hui gi sus an gange cumath gifaran an fathie, 556. cumit 
. . sittian an is selbes mäht, 4381. all so dror cumit uuailan, 4752. 
— bb) final: quamun Ina suokean, 909. ina quamun uui suokean 
berod, 4846, quam . . uuison thes uuerodes, 3683. that . . quami 
tbarod is menigi uuison, 2214. quamun . . uuordon uuehslon, 3131. 
hie cumit iuuuaro seoluno . . freson, 4660. oc quam hie berod iu 
freson min, 3363. 

c) das Verb steht zwischen zwei phraseologischen Infinitiven: 
thuo thar suogan quam engil thes alouualdon . . faran an fether- 
bamOD, 5796. 

t/anga». Der Infinitiv steht immer nach und ist: a) phraseo- 
logisch: geng im thuo eft gisittian, 4526, ü. 5370. geng . . furi is 
thiedan stann, 4870. — i^ final: geng uuid iro kind sprekan, 2018, 
ä. 2770. 4838 und 5313, wo der finale Infinitiv von einem von giuuct 
abhängigen phraseologischen abhängt: giuuet im gangan tharod . . 
üüid thia thiod sprecau. im nahor geng . . uuid so mahtigna uuordon 
uuehslan, 2104, ü. 4029. geng uuid tbat riki Judeono muodag mali- 
lian, 6177, ä. 52-33. 5722. so hie . . umhi thena altari gieng , , rikeon 
theonon, 108. so gange im berod drincan te mi, .3913. thar genguo 
sia im nuermian tuo, 4945. geng . . au that graf innan seban seldlic 
Ihiug, 5907, 

faran. Es steht nur einmal mit nachgestelltem finalen Infinitiv: 
than fuoruQ thar thia liudi tuo . . that godes harn seban, 2648. 



J 






giumtatt. Der Infinitir steht immer nach und ist: a) phra- 
Beologisch: ginnet im thuo gangan, 873, ä. 4629. 4769. 4787. 5160. 
&312. 5730. 5743. 5762. 5871. 5900. giuuituo im te Bethleem .. 
8ithon,^,425, ä. 2974, giuuet im . . faran, 2168, giuuet im . . sundar 
gisittean, 1250, 4555, hie giuuet im . , an enna nacou stapan, 2238. 
— b) final: giuuet ina thuo uuermian, 4967. giuuitun im . . iro 
öuno suokean, 807, ä. dopi suokian, 9G!. suokian is gisithos, 4797. 

sithon. Es steht einmal mit nachgeEtelltem phraseologischen 
Infinitiv: aithodun . . te them grabe gangan, 5783. 

g 14Jf. Phraseologisch wird an einer Stelle auch das Verbum 
don gebraucht, aber nnr in M: dot im bedroregan, 4899; doit im 
drorag C. 

Dass bisweilen nach einem der Verba praeterito-praesentia der 
Infinitiv eines Verbum der Bewegung ergänzt werden muse, haben v^ir 
oben gesehen; eigentümlich ist nun, dass von diesem zu ergünzenden 
Infinitiv noch ein Infinitiv abhängen kann, welcher deu Zweck der 
Bewegung bezeichnet: ac gi an that flur sculun, an thene diopun dod 
dinbluu thionon, 4442. quat that hie thar uueldi mid is gisithon tuo, 
bedon te them barne, 644. 

Auch bei den Verben des Gebens steht mitunter ein finaler 
Infinitiv: thoh hie . . manno huilicun uuillandi forgebe uuatares drincan, 
1965. gibu ik in hier bethiu samad etau endi drincan, 4640. 

Schliesslich drückt an einer Stelle auch bei uuesan der Infinitiv 
den Zweck des Seins an einem Orte aus: thia thar . . ute uuaruD 
uueros an unahtu uuiggeo gomean, 389. 

g 144. 4. Einfacher Infinitiv, abhängig von einem Ad- 
jektiv oder Substantiv mit Kopula, 

Es kommen nur wenige Fälle vor: thar uuas hie upp giuuono 
gangan, 4720. thia scattos thia gi sculdiga sind an that geld (te C) 
geban, 3821, — huann ist thin eft uuan cuman, 4289. ik uuet that 
is in ist niud sehan an theson stene innan, 5825. 

8 145. 5. Einfacher Infinitiv, abhängig von einem Verbum 
der Willensäusserung, 

latan mit Acc. c. inf. — a) der Infiuitiv steht vor: so hie 
ioa thuo gihungran liet, 1059. that aea im iro harmuuerk maoag 
hreuuan lietin, 1140. that man ina gangan Uet, 4953. that sia thia 
haftun man ., hangen ni lietin, 5690. — b) der Infinitiv steht nach: 
ni tat thu thinan hugi tuifian, merran thina muodgithaht, 328. 880. 
943. 1080. 1096. 1097, 1104. 1374. 1400. 1480. 1578. 1707. 1945. 
1947. 1988. 2129. 2227. 2240. 2346. 2356. 2359. 2425. 2565. 2573. 
2633. 2638. 2750. 2825. 2908. 3016. 3233. 3237. 3406. 3480. 3501. 
3877. 4041. 4171. 4703. 4770. 4947. 4952. 5031. 5033. 5325. 5360. 
5385. 5394. 5562. 5706. — c) der Infinitiv muss ergänzt werden: 
ik biun garo sinnon, ef mi god latid, 467S. — Am häufigsten betrifft 
die Ellipse den Infinitiv uuesan: thes latat gi iuuan hugi sinnon lif 
I, 1342. — late im ginuog an thiu, 1423. liet man simla 



tbena enna biforan, 2788. — ni lat thu sia thiu lethrua, 323. lat 
ina tbi an thinon bugie lethan, 3238. letuu sia an iuuon hugie letba, 
4498. De latat iu silubar oi gold uuihti thes uutrtbi, 1862, ni latao 
use fera uuid thiu uuihtes uuirdig, 4000. — ni latat iuuan bugi 
tuiilean, hugi auicandian, 1896. 

In folgenden Beispielen dagegen, welche ich in meiner Dar- 
stellung des Accusativ p. 78 den vorigen fälachlich gleichgestellt habe, 
liegt keine Ellipse des lulinitiv vor: Het ina than helan uuidar 
bettindeoD, 228 1. quat that hie thena seocan man sundiono tuomian 
latan uueldi, 2320. liet sia lethes gihues, sundiono sicora, 4209. 
baeder . . thi aia sia quica lietin, 3848, ä. 3857. (3347. 

(fititialdan: that ik giuualdan muot so . . so quican latan, 5347. 

§ 146. hctan. — a) mit Infinitiv: aa) das Verb steht zwischen 
zwei Infinitiven: nu thu hier uuardon het, obar them grabe gomian, 
5756. — bb) der Infinitiv steht nach: biet im belpan tuo, 4101. biet 
..an crace scriban, 5551. biet sia (refl.) geruuean san, 595. bihui 
ni betis thu thann uuerthan . . brod of theson stenon, 1065. 2043. 
2046. 2062. 2383. 2781. 2848. 2851. 3286. 342G. 3571. 3819. 3840. 
3860. 4074. 4077. 4503. 5293. 5372. 5454. 5473, 5493. 5506. 

b) mit Accus, c. inf.: aa) der Infinitiv steht vor: than iu man 
. . gangan hetit, 1899. thes ik sia . . lestian hetu, 2117. thuo hie 
sia suokean biet thia gumou Hierusalem, 4532. ledian hiet ina lungra 
mann, 5298. dragan hietun sia usan drohtin, 5510. — bb) der In- 
finitiv steht nach: nu biet hie mi an thesan sld faran, 122. 579. 
593. 611. 637. 728. 868, 1255. 1268. 1271. 2201. 223fi. 2258. 2669. 
2745. 2780. 2804. 2897. 2936. 2939. 3517. 3724. 4097. 4556. 4733. 
4735. 4759. 

In folgenden Fällen hängt auch von dem Infinitiv noch ein 
Accusativ ab: hiet sia ina haldan uuel, minneon eia an is muode, 317. 
771. 1000.2036. 2041. 2059. 2083. 2231. 2722. 2857 M. 3202, 4136. 
4253. 4740. 5500. 5836 und 5509, wo das Objekt ergänzt werden 
muBS, — Anakoluthisch gebildet sind 2032 f.: hiet thuo thia amhaht- 
maan . . that sia thea ne uuord ne uuerc uuiht ni forlietin. 

Indäian. — a) mit Infinitiv: gihordun thena belaga Crist , . 
drincan biddian, 5641. endi bad gerno uuritan uuisbco, 233, im 
helpan bad, formon is ferhe, 5456. thuo badun thia liudi that uuord 
uuendian, 5555. — b) mit Acc. c. inf,: aeggian bad lieban herron, 
3306. ina gerno bad belpan hclagna, 2095. badun . . guodan drohtin 
antlucan tbia lera, 2579- 

manon. Es steht mit zu ergänzendem Infinitiv: fuor im so 
ina fiondo baru muodaga manodun, 51G4. 

g 147. 6, Einfacher Infinitiv, abhängig von Verben des 
Denkens und WabrnehmenB. 

huggian. — a) der Infinitiv steht vor: so leoblica lera so bia 
.. uuisean hogda, 1278. thar sia ina .. nitbar uuerpan bogdun, 2683. 
that sia thik .. uuitnon bogdun, 3989. — b) der Infinitiv steht nach: 




72 ' 

than hogda hie im te baneo uuerthan, t)44. thar tbu thi eft frumono 
hugis merr antfahau, 1547. tbar thu hugis eft gilic neman, 1550. 

uuanian: eelbon ni uuaDdun . . an land ciiman, 2918. ne 
uuandun ira fera egan, 5601. 

sehan, gisehan. — a) mit Infinitiv: aa) der Infinitiv ateht 
vor: thuo hie agetian gtsah ia drohtin te dode, 5145. — hb) der In- 
finitiv Bteht nach: gisabun iro megin Bpildean, 737. bo sauun sia 
tbar enn hreo dragan, 2180, thuo sia ina te hosche hebbian gi- 
sabun, 5295. 

b) mit Accus, c. inf. : aa) der Infinitiv steht vor: so gi sia 
cutnan giaehat, 1739. reht so hie ina thuo cuman gisah, 2315. thuo 
hie driban gisab tbena uuag met uuindu, 2943, thuo sia im sulic 
uuerod folgen gisabun, 4192. an so huilica gardos so gi ina gangan 
gisehat, 4538. buan er aia that helaga barn hangen gisauuin, quelman 
an crucie, 5373, — hb) der Infinitiv steht nach: gisahun finistri an 
tue telatan, 391. 395, 4T4, 594. 599. 602. 635. 662. 750. 1130. 1245. 
2652. 2739. 2920, 3162. 3685. 4111. 4334. 4808, 5093. 5567, 5608. 
5810. 5902. 5919. 

in den folgenden Fällen steht heim Infinitiv noch ein Objekts- 
accuBativ: so huar bo ik gisauui uuarlico thena helagna gest . . enigan 
man uuaron, 1003. 2217. 3761. 4536. 5010. 5793, 

ßndan. Meist mit siüean verbunden: fundun tna sittean thar, 
807, ä, 549, 819. 1152. 1174. 54G1. — fand sia that barn godes 
elapsn sorgondia, 4771. 

gikorian (horian 1432). — a) mit Infinitiv: aa) derselbe steht 
nach: gihordun uuilspel mikll fan gode seggian, 528. gihorda Beggean 
thuo that, 608. gihordun IB guodun uuord, suotia seggian, 3784. 
that Bia gihordun sulic uuord sprecan, cuthian thia craft godes, 5868. 
— bb) der Infinitiv steht vor: that sia gio fan suHcon er seggean gi- 
hordin uuordon eftha unercon, 1829. that sia thar uureht uuord . . 
adelian ne gibordin, 5140. thuo thie heritogo . . seggian gihorda, 5247. 

b) mit Accus, c. inf.; aa) der Infinitiv steht nach: reht so hie 
sia gihorda thuo seggian fan so siecon, 3976. gihordun ina , . uuordon 
tellian, 2540. Ferner 3180. 3552. 53G9. — Mit einem vom Infinitiv 
abhängigen Objektsaccusativ: so huat so sin gihorda thia man sprecan, 
437. 831. 1387. 1432. 2777. 3235. 4590. 5894, gihordun tbena 
helagan Crist . . drincan biddian, 5640. — f/b) der Infinitiv steht vor: 
that aia ina selben seggian gihordiu, 5063. 5337, — cc) mit Ellipse 
des Infinitiv: sprac , . all so hie thia thioda gihorda uurethan uuordon 
sc. sprecan, 5581. 

g 148. 7, Einfacher Infinitiv, abhängig von faktitiven 
Verben. 

Zweifelhaft ist 5188 duot im iro hugi tuiflian, da tuiflian der 
Accusativ des Adjektivs sein kann; sicher aber gehört hierher 5576: 
that thu mahtis . , all teuuerpan that helaga hus . . endi eft standan giduon. 

8. Einfacher Infinitiv, abhängig von lerian. 

that tbu US bedon leras, 1590. 



Vollere Formen de« IuIIoIUt, 

§ 140. 1. Im Anschluäs an ein Verb. 

a) an ein praeterito- praesens: nio hie so uuido ni can te githüo- 
keanne thegan an is muode, '2531. 

b) au ein Verbum der Bewegung: nu ist thte belago Crist cumau 
to alosannea tliia liude, 523. that thu sis eft an thit lieht cuman 
te uuisonne theson uuerode, 30i31. huan ist thin eft uuan cuman . . 
mauno cunnie te adelianne, 4291. huo sta giuuisodin . . an mahtigna 
Crist te giseggianne sundia, 5065. that ik iu sauda tharod te gi- 
geriuuanne mina goma, 4541. gisendid uuas hie .. te rihtianne tbat 
riki, 5128. — so man mik ni gaui . . te nuegianne te uuudroo, 5225. 
ne si tbat ik minan gebe lioban lichamou te uuegianue te uundron, 
4763. hiet hie thuo forth dragan te scauuuonue thia scattos, 3820. 

Auch scbliesst sich, wie bei Otfried (vgl. Erdmanu I § 351), ein 
Infinitiv als freiere konsekutive Ausführung an den Inhalt des ganzen 
Satzes an: uuarth im giuuendid thuo hugi an herten after thero heri 
Judeonno te uuerkeanne iro uuillion, 5471. 

c) an Verba derMeinungs- undWillensäueserung und des Denkens: 
loboda them liudeoo lera Criates herren sines endi bebanriki te gi- 
uuinnanne, 1023. hie im tbuo belhiu bifalab gi te seggeanne, 1838. 
nu thu eft undar thia stridigun thioda fuudos te faranne, 31191. ui 
menda ik elcor uuiht te biderniaone dadio miiicro, 2433. endi menda 
im all mera thing tirihon te gifrummeaone, 4525. 

d) au ein unpersönliches Verb: that us so girisit .. allaro rehto 
gihuilik ti gifuUanne, 976. 

e) an linon und giuualdan: huo thu gilinot habis liudeo menigi 
te blizzenua, 2752. — that ik giuualdan muot so tbik te spildianne 
an BpereB orde so ti quelhaoue an crucium so quican latan, 5346. 

g 150. 2. Im Anschluss an ein Substantiv. 

a) Verbinduugen von uuesati und uuerlkan mit Substantiven, 
denen einfache Verba zur Seite stehen: tharf: uuas im is helpono 
tbarf te githiononne, 1188. us is thinera buldi tharf, te giuuirkeanne 
tbinan uuilleon, 1589. uuas im tbarf mikil te giboreanne heban- 
cuninges uuarfastnn uuord, 2377. im uuas suüc (sulicaru M) tirinquala 
tbarf te githolonne, te nuinnianne sulic nuiti, 4919. — uuülio: ef thu 
is uuillion ni habis te antfabanne, 4512. — ijiuudd: hie giuuald babda 
te gitogianne tecan, 2163. that ik giuuald hebbiu sundea te far- 
gibanne endi oc seokan man tc gihelianne, 2228. thu babi thi selbo 
giuuald . . te thuahanne, 4518, 

b) nicht anders liegt die Sache bei folgenden Verbindungen, 
obgleich ihnen keine einfachen Verba entsprechen: us uuari thes 
firiuuit mikil, uualdand, te uuitanne, 4608. uuas im uuilspell 
mikil te gihorianne, 533Ü. thuo them uuibon uuas uuilliono mesta 
cnmi drobtiues endi Cristes uuord te gihorianne, 4027. that uuirdit 
uuerk mikil, thrim te githolonne, 502. 



c) der Infinitiv drückt den Zweck aus, dem das SubBtantiv dient: 
that hie eelbo uuas suno drohtines, betbiu ge lioht ge lib üudio 
baroon te astandenne, 4055. 




§ 151. 3. Im AnscblusH an ein Adjektiv. 

a) Adjektive des sinnlichea und moralischen Gefühls: 
huar im liobost uuart te uuesanne, 2696. dod uuari iu than 

allon liobera . . than sulic liudio qualm te gitbolianne, 6531. hueder 
im suotera thuiike te geuuinnaniie, 3407. so aueder so mi 
suotera thunkit te gifrummianne mid minu folcu, 5349. nis that . . 
. . guod te gifrummeanne, 3014. guod ist hier te uuesanne, 3138. 
leth m im suitbo uuiti te tholonne, 4784. uuas im tbiu uuanami te 
sträng, te suithi te sehanne, 5846. uuart im is giuuadi so huitt 
80 sneo te sehanne, 3r28. that it im uuirdig si te antfahanne, 1467, 
nist tbi üuerth eouuiht te bimithanne, 3803, ä. 4687. 

b) leicht, spät: 

otbi ist tharod te faranue, 1779. thoh hie so othi ni si firihon 
te faranne, 1787. ne uuas thero thegno enigon sulikes inuuiddies 
othi te gehanne, 4594. that uuari an godes riki unothi odigan man 
upp ti cumane, 3286. it is unc all ti lat so te giuuitmanne, 143. 

c) bereit, begierig. 

bie ist garo . . ti gebanne, 1794. thoh uul hier te metie habdia 
garo im te gebanne, 3834. habdun iro uuehsal gidago garo te ge- 
baune, 3739. min gest is garo an godes uuillion fus te faraune, 
4782. bie ist nu garo te thiu, fus te faranne, 5656. uuarun . . fusa 
ti faranne, 650. te hui bist thu so gern . . tharod te faranoe, 3988. 
uuas . . eines uuiltien gernera mikilu, thes godes barues uuord te 
gifrummeanne, 3903. Vgl. 5152: im that silubar bod gerne ti gebanne. 

Abteilung B. 

P a r t i c i p i a. 

g 152. Vom Participium bildet die Sprache des lleliand niemals 
Adverbia, dagegen gestattet sie sieb zweimal ZusammensetzungeD mit 
M«: unquetbandes so filo, 5661 ; er than . . uuiht bilibe uulestid, 1427. 

Gar nicht selten ist Substantivierung des Particips, jedoch selten 
von Sachen, nämlich ausser dem bereits angeführten Beispiele 5661 
und 222 ni biet er giouuibt so adalboranes uses kunneas, wo das 
Neutrum Personen bezeichnet, nur noch 1167 so huat so aea .. babdun 
giuunnanes. 

Häufiger bezeichnen substantivierte Participien Personen: 

a) Participium Praesentis: that that is suno uuari, libbendero 
liobost, 3149. thia seolithandiun naht neflu biuuarp, 2909. selben 
ni uuandun lagolithanda an land cuman, 2919. sia ti stada quamun 
lagolithaodia an land, 2964. cuningo gibuilicon, hemsittendion, 343. 
heritogo helmberandero, 765. is uuapanberan, 2779. uuretha uuapan- 
berand, 4810. uuigand, 5264. Vgl. 5271. uuirkit thie gebanes ström 
egison . . erthbuendeon, 4316. hettendero hop, 4915. bettendon an 
band, 5224. 5488. an hettendero band, 5858. — Am häufigsten aber 



dienen Bubstanti vierte Partie ipia zur Bezeichnung Gottes und des 
Teufels, so von ersteren beBOnders uuaidand und heliand, vgl, das 
Fonnelverzeicbnis bei Sievers. Seltener sind folgende: leriand, mit 
Artikel 3256. 3933. leriendero best, 2811. 403G. neriendea gioist, 
520, und mit Artikel 1M4. 2177. 3899. neriendero best, 4031. 5929. 
radendero best, Ü601. thero costondero craft, 4741. hettiandero 
herugrim, 4fi58. — Von menschlichen Wesen werden wtaldand und 
lerand nur selten gebraucht: uuid thena sacuualdand, 1469. thia 
luggiun lerand, 1336 C. 

g 153. b) Participium Praeteriti: latit thia forgripooun an 
gnind faran betliiiures, 2638. endi bte einnon bed giaromod tbar 
Ute, 3340. nu gi fau mi sculun . . faran so fariluocana an thut fiur 
euuig, 4420. — 835 C nimmt das Particip eine Mittelstellung zwischen 
substantiviertem und prädikativen Particip ein: allero barno best 
tbero the gio gibaranero uiinli magu fan muoder. 

g 154. Was nun den sonstigen Gebrauch der Participia an- 
belangt, so scheide ich drei llauptarten; den attributiven Gebrauch 
des Particips, wo dies ganz wie ein Adjektiv verwendet wird, und 
zwar, wie ich später ausführen werde, in zwiefacher Weise, den 
appositiven Gebrauch, wie ich mit Curtius Griech. Schulgramm. 579 
die Verwendung derjenigen Participia nenne, welche einem Substantiv 
etwas als eine nur vorübergehende Eigenschaft oder Tbätigkeit bei- 
legen, und schliesslich den prädikativen Gebrauch, wo Particip und 
Verb zusummen erst das Prädikat ausmachen, d. h. in dieser Ver- 
schmelzung nur eine einzige Handlung bezeichnou. — Im übrigen 
behandle ich der Übersichtlichkeit halber das Particip des Praesens 
gesondert von dem Partie. Praeteriti. 
Kap. 1. 
Partl€iplDm PrKeHentia. 
I. Attributives Particip. 

§ 155. 1, Das Particip bezeichnet eine dauernde Eigenschaft 
des Gegenstandes. 

ft) als Epitheton ornans i^um Namen Gottes und Christi: uual- 
dand drobtio, 26 und in umgekehrter Folge 1790. uualdand god, 98. 
riki god uualdand, 3096. god niahtig uualdand, 1040. uualdand Crist, 
905. thena neriendan Crist, llö6. 1279. thie neriendo Crist, 1267. 
neriendi Crist, 2237. helandan Crist, 1049. helendi Crist, 2278 C. 
Buno thes libbiandes godes, 5086. thar thie radand sat managero 
mundboro, 1273, 

b) von menschlichen Wesen: manoda ina thuo . . liggandan 
lamon, 2331. en biddandi man, 2334. filo uuerodes uuol huggiandes, 
3673. elithioda libbiandero liudio, 4385. filo uuopiandero uuibo, 
5687. uuopiandi uuib, 5744. 

c) von leblosen Gegenständen: scinandia sunna, 3438. brinnandi 
fiur, 3383. 4372. uuallandi fiur, 2602. faclun brinnandi, 4814. 
glitendi glimo, 3145. libbiandi fluod, 3917. rinnandi uuater, 3918. 



76 

2. Das Participium drückt, adverbial gebraucht, die Bescliaffen- 
lieit der Handlung aus, indem es sich au das handelnde Subjekt als 
ein dies bestimmendes Attribut anschliesst. Es kommt nur das einen 
Seelenzustand beneichnende Particip von miillian in Betracht: thoh 
hie . . manno builicon uuillandi forgebe nuntares drincan, 1965. huat 
iiie . . tholian scolda uuillendi undar them uueroda, 3182. Vgl. 3217. 
3431. 3756. 5597. 

n. Äppoaitives Particip. 

S 156. Selten steht dies Particip in einem anderen Kasus aU 
dem Nominativ: thar im godes eiigil slapandion an naht Bueban gi- 
togda, 680. sagda im an suefua slapandion on naht, TOI. fand sia 
. . slapan Eorgendia. 

Sonst steht nur der Nominativ, welcher dazu meist Üesionslosen 
Zustand aufweist: that gi so Hbbeandi thena landes uuard selbon gi- 
aahon, 1013. that hie muoti eft thesa uuerold sehan, libbiandi Uobt, 
4009. that hie giboran ni uurthi libbiandi te theson liohte, 4585. 
Ähnlich bei prolepliscbem Gebrauch des Parttcips: sia . . an iro 
lichamon libbiandi aatnodun, 5672. that hie scoldi . . Ubbiandi 
astandan, 5862. tban sea is theua eudi sculun sorgondi gisehan, 
1357. thuo bigan thero erlo gihuilic te odremo . . sorgondi sehan, 
4588. hno ik hier brinnandi thrauuuerc tholon, 3391. griot gor- 
noudi, 4071. gruotta ina greotandi, 2996. 

Besonders häufig sind diese Participia bei den Verben der Ruhe 
und der Bewegung, wo, wie Erdmann a, 0. p. 215 bemerkt, im Par- 
ticip der wesentliche Teil der Aussage liegt, während die Verba selbst 
nur den Rahmen der in dieser Ruhe und Bewegung ausgeführten 
Thätigkeit bilden: 

thar sat thiu muodar biforan, uuib uuacoiande, 384. griotandi 
satun istdi armscapaoa, 5741. sia satun im iamormuoda, helithos 
hriuonda, 5947. hie suigondi atuod thuru odmuodi, 5381. stodun 
uuiae man snido gornundie giungaron Ifristes, 4S59. atuod ,. griotandi 
obar them grabe, 5914. thar sia aorogondi bidun sulikero buota, 
5872. heouaodl geng Martha muodcarag, 5027. serago gengun 
suitho gornondia iungron Criates, 4717. geng . . diuuondi te dale, 
4931. hiouuandi thar after gengun uuib mid uuopu, 5514. hui gangat 
gi so gornondia, 5965. huarbondi geng forth, 4965. im eft te bürg 
thanan . . forun faganondi, 5982. that hie uuodiaudi fuori under 
them folce, 2276, thuo quam im thar thie helago tuo gangandi 
godes Buno, 5962. 

in. Prädikatives Particip. 

g 157. 1. Mit uucsan oder uuerthan: 

that thia muoder thes mendendia sind, 5524. thuo uuas im 
thcs an sorgon hugi, muod mornondi, 721. uurdun im is uuangan 
leohta, blicandi so thie berahto sunno, 3125. Schliesslich mit Ellipse 
des Infinitiv 1897: oi latat gi iuuan hugi tuiflean, sebon suicaodian. 



2. Mit Verben der sinnliclieQ oder geistigeu Wahrnehmung: 

thnt bie iu . . slap&ndia . . ne bifähe, 4356. f&nd sia slapandiä, 

4797. tbat siK im uualdand Criat tuo . . farandian uuissun, 4024. 

thar hie uuissa tbat godes barn, breo hangondi faerren eines, 5731. 

Knp. II. 

Partlclpinni Praeter itl. 

I. Attributives Particip. 

g 158, ein 13 gitliungan iiuib. 31!). uuarun im glauua giimcin 
endi gode uuertha, alesana under tiieni liudeon, 1235. idisi armscapana, 
5742. 5752. uundan gold, 554. mid gibolganu bugiu, 1464. mid 
megincraftu racod arifatid, 4278. neglid sper, 5704, neglidscipu, 
1186. — Ferner mit Artikel oder sonstiger Bestiiiimung: tbia for- 
gripanun gomon, 2590. thia faruuarabtnn sc. man, 2602. tbia far- 
duanun man, 43SS und im Dativ 4418. ibia faruuarabtun uueroB, 
4389. 4447. thia forgripanun mann, 4445. thero farduanun tbiod, 
5720. obar tbat fargebana land, 308. uppan tbem giuuendidan stene, 
."JSII, — en gifruodit man, 208. thar Fiindun sia enna guodan man 
aidan an them alabe, adalboranan, 4G4. en giberod man, 4144. 
tueliai gitalda, treuhafta man, 1251. tuena fartalda man, 5561. best 
allero giboranero manno, 993. buanan im mohti sulic uuord cuman, 
so spablico gisprocan, 2650. nah sind hier gisetaria burgi managa 
mid meginthiodon, 2825. 

II. Appositives Farticip. 

§ l.i9. Andere Kasus als der Nominativ sind selten: tbuo namuii 
ina uuretba man so gibundanan =- eum ut erat vinctus, 5122, ä. 5261. 
druog it an enon langan acafte gibundan an enon bome, 5650 lict 
sia eft gihaldana thanan uuendan, 2226. tbat man iro Johannes . . 
hobid gabi alosit fan is licbamen, 2776. 

Sonst steht der Nominativ: thar sculun sia gibundana , . thrauuerc 
tholon, 2603. thar bie liggeandi bungar tboloda, .^345. ageban uuarth 
, . narauo ginodid, 5489. 

Am hiluiigsten ist auch hier der appositive Gebrauch des Particips 
bei Verben der Ruhe und der Bewegung. 

sitlian: thie thar so gifniodot sitit, 228. tbar bie an is benki 
sat uuinu giuulenkid, 2747. — liggian: that hie thar . . biuundan 
ligid, 406. thar is horth iigit, sine gisamnod, 1655. thie hier eo 
seoc Iigit . . te uundrou giuuegit, 2327. lag tbar en felis bioban, 
hard sten bihlidan, 5076. eftha ik an feteron lag beclemmid an carcre, 
4400. nu ligid hie . . diopa bidolban, 5754. — hangon: that er 
managan dag . . uundron gistriuuid hei hangoda, 5666. — sUmdan: 
tbia nu bihUdan standad, 1425. tbc hier an felde stat, beretbltco 
gibloit, 1674. tliiu hir an felde stat fagaro gigeruuit, 1680. oft sculun 
gi thar .. gibundana standan, 1895. thiu thar an Judeou stet gimacod 
mid muroD, 3626. that hier gigeruuid stendit, 4392. iro ne stuodi 
gio sulik megin folkes gifastnod, 4801. the thar ginuuuar stet fa<Imon 
gifastnod, 4959. thar hie gibundan stuod, 4991. thar hie giheftid 




n 

staod, 5053. 5218. that thar gibundan stuod, 5431. thie thar neglid 
ataod, 5552. huo thu nu gifastnod stes, suitbo giaerid, 5578. stes 
thi hier an galgen haft, gibniocan an bome, 5592. thuo Iiie . . stuod 
fathoioo gifaatnot, 5635. ik standii hier . . uundron giuuegid, 5639. 
tfaar so beneglida stuoduD theobos tuena, 5G93. thie thar giquelmid 
stuod, 5725. — farati: nu muot sniumo sundeoDO los manag gest 
faraii an godes uuilleon, tJonon atuomid, 1016. ~- gangan: thuo gengun 
im thia gisithos tuo bittra gihugida, 3799. gibolgana gengun naher 
mid nitbu, 4856. thuo hie gibolgan geng . . stann, 4869. geng . . 
handon gibundan, 4930. geng im thuo gibolgan tbanan, 5001. thar 
hie an feteron geng bihlagan mid hoscu, 5300. — cuman: cum thi 
tban gihaldan te mi, 3288. 

III. Prädikatives Particip. 

A. Prädikatives Particip bei uiiesan. 

g ICü. 1. uuesan mit dem Particip transitiver Verben. 

a) flektiertes Particip. — aa) mit Ind. Praes. tbia imi giscerida 
sint, 3218. thia thar gicorana sindun, 4392. — bb) mit Infinitiv, tbia 
motun uuesan suni drohtines ginemnida, 1318. so muotun gi thar 
gidiurida uuesan, 3319. — cc) mit Ind. Praeter, err uuarun iro kind 
adana, barn be is bruotber, 2709. uuarun im is t'admos gibundana, 
5118. uuarun im . , ao forahta gifrumida, 5870. 

g ICl. b) unflektiertes Particip, — aa) mit Ind. Praes. that 
uuit sind an uncro siuoi gislekit, 152. huo thar (thie M) uurti sind 
fagaro gifratohod, 1G73. nu ist Crist giboran, 399. thie cuaing ist 
gifuodid, giboran, 598. them ist . . ainlib forgeban, 1302, them is 
. . godas uuang forgeban, 1323. thann is san tbiu leflied losot, 2110. 
that flesk is bifolahan, that fera ist gibaldan, 4059. tbat uuerod is 
gituiflit, 3001. them ist himilriki antlocan, 3081. them iat bethiu 
giduan, himitriki bilocan, 3077. that is uob lango sein, gicutbid craft 
godes, 648. tban is hie san afehid, 1443. thiu ist after them manon 
giuamod, 3626. tbat is tu te miedu fargebau, 1345. huand im nist 
biholen eouuiht, 1577. huand it an fastaro nis ertbu gitimbrid, 1824. 
elcor is it biholan allou, 4306. that it ist . . giduan, 4650. it is . . 
giscriban, uuislico giuuritan, &558. nu is it all gifuUid so, 1141. so 
is giscriban, uuislico giuuritan, 621. so is . . giscriban, 5333. oc 
is . , giscriban, 1446. 1502. ao is oc . . giscriban, 1092. — bb) mit 
Konj. Praes. under builicon hie si thesavo cunnio afuodid, G05. gi- 
uuibid si thiu namo, 1602. — cc) mit Infinitiv, thu scalt furi alloa 
uuesan uuibon giuuihid, 262. 

g 162. dd) mit Ind. Praet. tban ik bitbuungan uuas . . bifangan, 
4398. Erodes uuas . . gicoran te cuninge, 62. all so is gigengi uuas 
gimarcod, 192. is lof uuas . . gimarJd, 1248. thuo uuas .. kindiung 
aquicot, 2220. nio thie man so hardo ni uuas giserid, 2273. that 
thiu seola uuas helag gibaldan, 2809. uuas that odar thuo bihlidan 
himiles Hobt, 3163. thar uuas . . megincraft gimarid, 3216. uuas 



79 

. . uualdaodes uuerc uuido gicuthit, manogon gimarid, 3587. thar 
uuaa BO mahtigltc bilitbi gibocoit, 3589. thiuB uueroM uuas thuo so 
farhueritjid, bithuungan, 3li09. thiu idis uuas bifaogan an fariegarnisse, 
3842. thar Lazarus uuaa fuldu bifolhan, 4075. uuas im is lib for- 
geban, 4104. uuas im . . muod gihruorid, 4748. thar uuas . . fiur 
. . giuuaraht, 4944. uuas im god abolgan, 5165. fan huilicon cunnie 
uuas Crist afuodid, 524S. uuas im iro bugi . . baluuues giblandan, 
5288. thar thiu strata uanft felisou gifuogid, 5403. uuas im iro 
slithi hugi so farhardod, 5679. is seola uuas giaendid, 5701. huo 
thit riki uuas . . all gituiflid, uuerod giuuorrau, 5752. Hobt uuas 
tbuo giopauod, 5772. uuas fercal manag atitheftid . . endi . . uueg 
giuuaraht, 5773. tbaun uuas eft gibelid hugi, 5892. mid thiu uuas 
er thie lichamo . , bifangaii, 5903. mid them uuas that hobid bi- 
helid, 5904, uuas iro uiuodgithabt . . giblandan, 5916. is ni uuas 
forlebit uuiht, 2013. thar uuas gumono gitald . . üf tbusundig, 5870. 
thar gisamnod unas so mikil huarf uuerodes, 5370. uuas thar gi- 
sumnot filo . . liudeo, 4015. so huat so thar gisamnod uuas, 2862. 
im ni uuas biholan eouuiht, 417K. huat . . uuas belages bebangan, 
5679. thanau hie cunneas uuas, giborau, 348. thar hie afuodid uuas, 
tirlico atogan, 1136, ä. 2292. 2730. huo hie uuaa gimunitod, 3823. 
that he thar nu bifolhen uuas, 4084. gisendid uuas hie, 5127. hie 
uuas iu than to dode giscerid, 5446. uuas thar oc .. gilieftid, 5401. 
hie . , uuas , . manogon gicuthid, 5401. thuo uuas it all giuuarod 
so, 374. giscriban uuas it iu lango . . giuuritan, 1085. that uuas 
furn giscriban, 1431. nis it im te odroii freson giduan, 3979. it 
uuas .. giduan, 5028, ä. 5108. all uuaa im that te hoske giduan, 
5115. 5503, al so it giduan uuas, 5879. thuo uuas it all gifuUid 
80, 5712. thie uuas . . lithouuastmon belamod, 2301. thie an ertliu 
uuaa foldu bifalahan, 4131. thiu so thicco uuas .. mid sutharliudiou 
gisetan, 3036. thie ist bihangan all fagoron fratohon, 4542. so mi 
gihetan uuas, 48G. ac unas im so bibaldan fortb, 540. uuas im so 
biuundan thuo noh . . bihelid, 4100. tha uuarun . . giuuaraht, 658. 
thia . . lerand uuarun acoran, 1835. Cristea uuarun thuo uuord gi- 
fnllid, 2162. thiu scapu uuarun lithes alarit, 2016. gimerrid uuarun 
iro thes muodgithahti, 5919. — ee) mit Kottj. Praet. huan uuari thu 
bifangan so, bithuungan, 4403. that siu uuari mid suhteon bifangan, 
2988. that hie uuari gisendid tharod, 3187. after huemu thiu gilic- 
□i&si gilegid uuari, 3826. so hue so .. bithuungan uuari, 3912. that 
Lazaruses legar ni uuari giduan im te dode, 3978. 

g 163. 2. uuesan mit dem Particip intransitiver Verben. 

a) flektiertes Particip. — aa) mit Ind. Praes. ne sind miua noh 
tida (tidi M) cumana, 2028. that im cumana sind iro tidi tuouuardes, 
3703. thea sind fan uuare cumana, 5228. thia liudi sind forlorana, 
3003. — bb) mit Ind. Praet. thia fan them kesure cumana uuarun, 
351. sia uuarun fan gisustruonion tuem knuosles cumana, 1265. oc 
uuarun thar uulb . . cumana, 5610. uuarun im so acumana tbuo noh, 



1 




J 



5869. the thar . . uuarun ferraa gifarana, 633. uuaran im thar gi- 
farana te thiu, 1228. uuarun im .. gieuicana, 4932, so uuaruu thia 
man hetana, 18. Maria uuarun sia betana, 5747. 

g 164. b) unflektiertes Particip. — aa) mit Ind. Praea. Gabriel 
biun ik hetan, 120. ik biun . . cuman, B9G. nu ik sus gigamalod 
biun, 481. nu uuit bus gifruodot sind, 150. flesk is unc afallan, 152. 
is unca lud gilithan, lik gidrusinot, 154. nu ist thie helago Crist , . 
cuman, 522. nu is it all giuuarod so, cuuiau, 595. thie ist . . cuman, 
886. huand iu ist thiu dad cuman, 1845. alles is mi nu thes Ion 
cuman, 3374. hebanriki is ginabid, 879. nu is it iu ginabid, 1144. 
that tban is . . sumar ginabid, 4342. tbia tidi sind nu ginahid, 4620. 
thann is allaro accaro gibuilic giripod, 2593. tban bie is fruodot 
mer, is aldares afheldit, 3484. than is im giholpan sithor, 3504. 
ansuebit is an selmon, 4007. bio ist astandan, 5823. 5852. — 
l)b) mit Kofij. Praes. tbat thu sls eft an thit liobt cuman, 3050. that 
bie astandan si rikj fan raston, 5758. bihui gi sio te theson lande 
cuman, 51)1. — cc) mit Ind. Pritet. bie ni uuas thob . . cuman fon 
Iro cnuuste, ü6. that he uuas . . cuman, 85(j. thuo uuas thar 
uuerodes so tilo . . cuman, 2232. huo hie (gifuodid uuas), an liobt 
cuman, 2731. that uuas . . cuman beland, 3642, cuman uuas hie 
fan them kesure, 5127. that uuiti uuas thuo agangan, 239. anthat 
bio ginabid uuas, 2179. tbie fusid uuas helit an belsit, 2353. oder 
uuas afusid an feruuegos, 4754. thiu tid uuas tbuo ginahid, 3981. 
that astapau uuas Lazarus, 4005, thut iro drohtin uuas . . astandaD, 
5834. Zacharias uuas bie hetan, 76, ä. 468. 1192. 1269. 3335. 4147, 
5129. 5402. 5719. Maria uuas sin hetan, 252, ä. 504. the uuas 
Arcbelaus hetan, 7(!5. the hetan uuas Herodes, 2705. uuas . . auuabaan, 
860. uuas tbuo iu thiustri naht, suitho gisuorcan, 4631. thiu fiui 
uuarun agangan, 47, sea uuarun . . cuman fan is cnuosle, 366. tbat 
uuarun thia man uuestan gihuorban, 717. so is er . . btlitbi uuarun 
giuuordan, 372. — dd) mit Konj. Praet. that im neriendes ginist gi- 
nahid uuari, 520. tbat uuari hebanriki ginabid, 870. that iro uuari 
barm gistandan, 2987. 



B. Prädikativ. 



Partit 



i 



ip bei Huerthan. 

g 16!). 1. uuerthan mit dem Particip transitiver Verben. 

a) flektiertes Particip. — aa) mit Ind. Praes, ac uuertbat thar 
so forlorana iera mina, 2450. ^ bb) mit Injinitiv. than scal Juden 
tilo . . berouuoda uuerthan, bideüda sulicoro diurtbu, 2139. — cc) »lif 
Ind. Praet. sia uurdun gicorana te thio, 12. neuan that tbia flori 
te thio , . gecoraiia uurdun, 16. thuo uurthun thar giscerida . . uueroa 
te thero uuahtu, 5761. endi uurthun giogida thar, 5673. 

§ ifffi. b) unflektiertes Particip. — aa) mit Ind. Praes. huo 
thu noh uuirdis bihadd heries craftu, 3693. er than tbi magu uuirthit 
. . erl afuodit, kindiung giboran, 165. uuirthit allon .. liudeon alethid, 
1379. uuirthit tbat giuuadi forslitan, IH45. ac uuirthit teuuorpan 



81 

thanan, 1822. uuJrdit . . hugi auuekit mtd uuinu, 2052, it uuirdit 
all 80 gilesUd, 2153, ä. 3026 M. 252'2. 4350. so uuirdit all forloran 
ethilero spraca, 2455. uuirtbit im is arabedi all gilonot, farguldao. 
3459. sum uuirdit than so Buitho gifruodot, 3493. tbann uuirthit 
iuua gilobo .. gifestid, 4009. uuirthit uuig so maoag . , ahaban, 
4319. uuirthit . . farcopot endi an cruci giBlagao, 4462. er than 
gifulUd uuirthit himilo riki, 45G6. thau uuirthit thit riuco folc mer 
gimerrid, 5759. er than uuirdit gifullid so, luina uuord gluuarod, 
4347. tbiu tbar uuerthat ahludit fan thero betagun tungun, 1071. 
ogun uuertbal thi thar giopanod, 1709. thann uuerthat iu antduan 
after tliiu himiliportun anthlidan, IT98. tbar uuerthat mina hendi 
gibundau, 3526. fathmos uuerthat mi tbar gifastnod, 3527, mid 
linistriu uuerlhend bifangan, 4312, ^ bb) mit Kon j. Praes. that thar 
man ntgen - . bidrogan ni uuertbe, bisuikau, 1865. that biu im . , ni 
uuerihe lethlico (arloran, 1562. — cc) mit Infinitiv, that thi kind gi- 
boran , . odan scoldi uuerthan, 123. thanan aca! tbi kind odan 
uuerthan, 276. huar Crist giboran an uueroldrikea uuerthan scoldi, 
1617. that hie scoldi au Hethleem giboran uuerthan, 621. thes 
mnotun Bia uuerthan . . gifullid, 1309. ni niugun iuua uuerc mikil 
biholan uuerthan, 1393. ni niugun . . mannon uuerthan iuua dadi 
bidernid, 1398, thar scotda is namo uuerthan mannon gimarid, 2177, 
that that ni mobti giuuerthan so, grimuuerc forgeban, 2322. im ni 
mohta uuord enig biholan uuerthan, 3198. that ni mohti er uuerthan 
. , thiu blindi gibuotid, 3635, thar acal drohtinea lof . . gifrumid 
uuerthan, 397ö. ef nu uuerthan ni mag mancunni ginerid, 4760. 
huo hie scoldi gigeban uuerthan, gisaM selbo, 5856. — dd) mit hid. 
Praet. te thiu uuarth ik .. giboran, 5225. thuo uuartb thar gisamnod 
filo . . Judeo liudo, 96. thuo uuartb it san gilestid so, giuuordhan 
te uuaron, 170, uuart . . spraka bilnaid, 172. uuard . . thiu mäht 
godes gicuthid ie craft mikil, 192 uuartb tbiu quena ocan, 193, ne 
it all 80 gilestid uuard, 243. uuartb thes uuibes hugt . . all gibuorhan, 
281. uunrth hugi Josepes, is muod giuuorrid, 295. uuarth eft thes 
tnaunes hugi giuueudid, 329. that gibod uuarth gilestid, 348. that 
iro . . suno odan uuarth, giboran . , barno strangost, 369. huilic im 
thar bilitbi uuarth . . gitogid, 433. ef iru , . uuarth suno afuodid, 
455. thoh ni uuartb it . . gemarid, 53S. uuartb gisamnod . . man- 
craft mikil, 791. antat tbar gisamnod uuartb meginfolc mikil, 1220. 
thar hie te enon gomon uuarth gibedan, 1995. uuarth . . egison bi- 
fangan, 2216. so uuai'th thar all gisamnod seokora manno, 2222. 
uuarth that com farloran, 2393. uuarth . . muod gibuorban, 2760. 
uuartb uuind mikil, ho uueder ahaban, 2913, uuarth bred uuater, 
stromos gistilHd, 2962. uuarth aiu san gihelid, 3028. uuarth thar 
seldlic thing giogid, 3128. uusrth . . gihelid muod, 31G0. aithor im 
gibuotit uuarth, 3661- uuartb ., blindon gibuotid, 3755. uuarth thar 
allaro sango mest, hlud stemna ahaban, 3709. uuarth . . gihelid, 
3753. uuartb . . hugi giminsod, 3833. anttbat . . hugi uuarth gi- 
K hruorid, 4072, uuarth ., muod gihuorhan, 41 IS. uuarth tbar gumono 

I nf*d«rd«ntMbBi Jiüirbiah. XI. ß 



60 ölo giuuendid, 4254. bd huat so . . uuarth firJho afuodit, 4385. 
tbat thar uuartb . . giuuaralit, 4393. that. tbar glgeriuuid uuarth, 
4421. uuarth thar thegan manag slitlimuod gisnmnod, 44G3. uuarth 
im gisuorcan sebo, 4^71. thuo uuartb muod gumoii suitho gisuorcan, 
4670. gibolgan uuarth, 4865. Ihat thuo Malchus uuarth , . suerdit 
gimalod, 4875. thiu blast uuarth im farbauuau, 4Ü77. that eiu sau 
gihelid uuarth, 4902. uuarth . . banocrad ahaban, 4990. uuarth thar 
euaago . . manag gisamood, 5058. uuarth im giuuendid thuo hugi, 
54G9. ageban uuarth . . allaro gumono besta, 5467. uuarth . . mahti 
tecan uundarlic giuuaraht, 5G2I, buo tbiu sunna uuartb giBUorcan, 
5625. that giauerc uuarth thuo tesuungan, 5632. uuarth . . uundar- 
tecan giuuaraht, 5660. that uuartb . . antlocan is licbamo, 5708. 
uuarth , . eft menigi gisamnod, 5750. nuarth im . . antlocan is 
gilobo, 5906. uuartb . . drobtin gitogid, 5947. eiidi uuvdun tbar 
giledid thuo, 2224. that . . uurthun ogun giopanod, 3580. uurthun 
foruuorpan, 3599. so uurthun . . cumi gicutbit, 4020. — ee) mit 
Konj. Praet. tbat under so aldon tuem odan uurdi barn, 204. so filo 
80 tbar giboran uurdi, 731. that tbiu leba Lhar forloran ni uurthi, 
2865, that hie giboran ni uurtbi, 4584. thero thie gio giborau uurthi, 
5267, thann uurtbi im iro muodsebo giblodit, 5390. thann ni uurthi 
hebanrici antlocan, 5391. 

g 167. 2. uuerlkan mit dem Particip intransitiver Verben. 

a) flektiertes Particip. — aa) niit Ind. Praes. uuerthat eft iunga 
after cumana, uueros auuabsana, 3632. — bb) mit Ind. Prael. nie 
hier er sulica cumana ni uurdun eri, 559. uurdun . . cumana te 
Criste, 2225. thuo uurdun tidi cumiua, 2728. tbat thar . . cumana 
uurdun bodon, 3964. ol't uurtbun mi cumana tbarod belpa, 4400. 
uurdun . . eusagon alla cumana, 4466. untat sia .. cumana uurtbun, 
4825. uurtbun . . oc cumana, 5873. uurthun undarbadoda, 4851. 

b) unflektiertes Particip. — aa) mit Ind. Praes antthat is kin- 
diski farcuman uuirdit, 3470. tbes uuirtbit thoh giuuand cuman, 4726. 
nu uuirtbit . . cunian thie, 4805. noh uuirthid tbiu tid cuman, 5523. 
— bb) mit Ind. Praet. thuo uuarth tbiu tid cuman, 91 u, ö , z. B. 
249. 371. 410. 686. 699. 761. 787. 863. 925 cet. uuarth an af- 
grundiun . . bifallan, 1952, vgl. 2398. 2406. ao thuo gisegid uuartb 
. . hedra sunna, 57 1 3. uuarth thie helago dag Judeono fargangan, 5764. 

C. Prädikatives Particip bei bilihan. 
g 168. er than thero uuordo uuiht bilibe unlestid, 1427. 

D. Prädikatives Particip im Accusativ. 
§ 169. fittdan: fundun ina gifaranan, 5700. 
gisehan: huann gisah thi mann enig bithuungan an sulicou 
tharbon, 4406. 

uuitatt: tharsia ina. . ubüan ni uuissin, uuordon faruuarabtan,5186. 
egan: al that sea biblidan egun, 41. 



hehbian: a) mit flektiertem Paiticip. — kebbian ist aa) Ind. 
Pracs. tban habit hie . . sundca giuuarabta, 1482. so habit minan 
farth uuilleoQ giuuarahtan, 19ö9. hie habit sia iu furfarana, 5865. 
thia uurethtin hebbiat sia giuuiltiu binomana, 2990, — bb) iurf. Praet. 
tbat sia habdon bithuungana thiedo gihuüica, 56. that sea habda 
giocana thes alouualdea craft, 294. habde ioa . . giDeridan, 755 M. 
habda . . enna seo giuuarahtan, 1152. habda . . ahto gitalda, salda 
gisagda, 1326. the hie im habda selbo gicorana, 2903. habda sia 
forfangana fiondo crafte, ;-l032. thia hie im habda . . gicorana, 3037. 
habdun im uuidarsacon gehalodan te belpu, 3793. habdun ina gi- 
coranan te tbiu, 4147. babdun itn thes mannes hugi gramen undar- 
gripanan, 5165, habdua thuo thia ammun man alla gispanana, 5414. 
habduQ im farseiiuana sorogia ginuogia, 5746. hie habit sia iu fur- 
farana, 5865. — cc) Kouj. Praet. tbat hie ioa gicoranan habdi, 991. 

§ 170. b) kebbian mit unflektiertem Particip. 

I. Ohne Objekt im Acciiaativ. aa) Ind. Praen. so habit im 
uurdgiscapu metod gimarcod, 128. aa ibu habia selbo gisprecan, 
5568. huo gibodon habit . . alamahtig fader, 108G. huo thu giUnot 
habis, 2750. gitald habit, buat, 3810 farduan habit hie im, 5378. 
iu forgeban habit . . that, 2435. — bh) lud. Praet. so hie forgebau 
habda, 245. babda tbuo giarundeod, 2157. so thar gitald habdun 
fruodü folcuueros, 2729. all so .. hie habda gimarcud er, 5711. 
habdun mid iro gilobon te im fasto bii'angan, 1238. that sia babdun 
farfangan fiondon an uuillon liudi mid iro giloben, 2364. thuo thiu 
magad babda githionot te thanke thiodcunioge, 2767. habda iro tbuo 
gibolpan helendio Crist, 3031. thar uualdand Crist gicoran habda, 
that, 3119. babda iro thuo giholpan .. gifrithod ira ferahe, 3895. 
80 thiu fri habdun gegangen te them gardoii, 5794, im habda for- 
liuuan . . that, 573. im habda giuuisid . , that, 469. — cc) Konj. 
Praet. that iru that uuib habdi giuuardot so uuarlico, 300. 

g 171. 2. Mit Objekt im Accusativ oder Genitiv, aa) Ind. 
Praes. thes ik tbi hebbiu giogid hier, 1 105. all bebbiu ik so gileatid, 
3278. thiu ik Iu hebbiu .. giuuisid, 4711. that ik hebbiu mi so 
faruuercod, 5012. ik hebbiu hier so Hlo . . seldlikes giseuuan, 5757. 

— thaun babis thu nu uundarHco uuirdscipi thinao gimarcot, 2057. 

— habit unc eldi binoman elleandadi, 151. habit thit leoht ageban, 
771. habit im selbo mer finnuuerco gifrumid, 1716, suüc so hie an 
is hrioston habit gibeftid, 1757. habit uualdand god antfangan, 1960. 
habit all te thiu is muod gilatan, 2517. habit thesaro liudeo so filo 
uuerodes auuerdit, 2588. babit it forlatau, 3193. the hier all habit 
giuuendit an thena uueroldscatt uuilleon sinon, 3303. it habit . , so 
gifastnot, 3385. babit im gelpquidi letha gilinot, 3469. habit thit 
liobt ageban, 4006. that habit so hidernit . . iac so farholan, 4296. 
iuu habit giuuihid selbo fader, 4394. it habit . . an oder gimarcod, 
4893. hie habit thieses uuerodes so lito farledid, 5187. hie habit 
US so lilo lethes gisprokan, 5377. nu habit hie all gilestid so, gi- 




i 



84 

frumid, 5862. — tbia hebbead iro Herta gibrinid, 1315, forl&tan 
hebbiat uualdandes uuord, 3004. — bb) KonJ. Praes. hebbean it thar 
gibaldan, 2570, wo hebbian seine ursprÜDglicbe Hedtutung mehr be- 
wahrt hat. — cc) Ind. Prael. habda im helagoa gest faBto bifolban, 
21. babda . . farlmuan rikeo mcsta, 54. babda . . herta gislerkid, 
56. that hie thar babda . - godcundeas buat forseuuan selbo, 188. 
habda . . geld gilestid, 191, ä. 528. aia eu thegan habda Joseph 
gimablid, 254. tbia im er tbia magat habda . . gibobt im te brudi, 
29ä. that sea mahtig thing gimaiiod habda, 423. babda im . . al 
giuuisid, 42G. thie habda . . so filo uuiDlro . . gilibd, 4GG. babda 
ina gioerid, 755. habda is hugi .. giherdid, 1051. tbe hie .. gicorao 
habda, 1297. tbia habda sine mikil .. giuunnaD, lt>77. habda gi- 
lerid tbia liudi, 1985, babda te . . all gilatan, 2188. habda sia . . 
ginerid, 2265. babda im tbero liudeo so tilo giuueoid, 2369. huo 
babda . , manno thena mariston . . hohdu bihauuan, 2807. habda im 
oduueloQ allen giuunnaD, 3260. habda medmo filo . . giuunnan, 3293. 
habda uuelono genoh, sinkes gisamnod, 3329. habda thuo farmerrid 
thia moraganstunda, thes daguuerkes forduolan, 34G5. all that eiu 
habda uuelooo giuunoaQ, 3775. habda uuam gifrumid, 3811. babda 
ina . , uuerodu biuuorpan, 4227. habda im craft mikil . . tbiodo gi- 
samnod, 5131. that hie habda is berron . . gisald, 5147. babda . . 
so tilo morthea giradan, 53U9. huo thiu tbioda habda duomos adelid, 
5419. — habdun .. riki giuunnan. 57. the thar gitald hahdun uuisa 
man, 94. so it . . giaprokean habdun, 375. that sia that fridubarn 
godes fundan habdun, 667. thuo sia that geld habdun . . gilestid, 
796, thiu sia habdun nahteB er forslitan, 1189. habduii selbes uuord 
giborid, 1989. thia im thar corpstedi gicoran babdun, 3736. habdun 
thia liudi an tue . . gifangan, 3900. habdun ira ambahtscipi biuuen- 
did, 4212. babdun sia . . farscundid, 5311. thena habdun sia giscerid 
te thiu, farspanan, 5647. — dd) Konj. Fract. huan er . . gifrumid 
habdi uualdandes uuiUeon, 105. tbat im . . forgeban habdi mertin 
mahti, 2337. that man im mera Ion gimacod habdi, 3432. that hie 
im ni habdi gihetan than mer uuerthes, 3441. that hie habdi thia 
scattos thar githingot, 4593. buat hie .. gifrumid habdi, 5157, mid 
hui thie man hubdi mortbes giaculdid, uuities giuuercod, 5181. that 
hie im habdi harmes so tilo. letbes gilestid, 5184. — that sea te im 
habdin giuuendid hugi, 692. thoh . . habdin . . is hugiscefti, giuuit 
auuerdit, 2276. buat sia tbar ti meti habdin uuissos giuunnan, 2841. 

SOBtRNHEIM. H. Pratje. 




Schriftsprache und Volksdialecte. 

Bemerkungen zu einer 
historischen Grammatik der niederdeutschen Sprache, 



Bevor wir darftn denken können, den historischen Entwickelungs- 
gang der niederdeutschen Sprache richtig zu erkennen, ist es vor 
allem notwendig, uns darüber klar zu werden, in wieweit die Denk- 
mäler der Periode, der wir den Namen mittelniederdeutsch beilegen, 
die Mundart ihres Entatehungsortes getreu wiedergeben. Dass es 
eine nii. Schriftsprache im Mittelalter gegeben, ist allgemeine, wenig- 
stens von niemandem bestrittene Annahme; aber wie und unter welchen 
Einflüssen sie sich gebildet, welche Mundart die Grundffirbe geliehen, 
das sind Fragen, die zu beantworten man noch nicht versucht bat, 
Die Hypothese von der Schriftsprache drängt sich eben jedem, der 
sich mit dem Mittelniederdeutschen beschäftigt, unabweisHch auf, sie 
bietet einen sehr bequemen Ausweg aus den Schwierigkeiten, welche 
der Bestimmung der Mundart bei vielen Denkmälern im Wege stehen, 
aber so bequem sie ist, so schwierig ist es auch, ihren Charakter 
näher zu bestimmen. 

Das „Gemeiuniederdeutscfae" ist keineswegs einfarbig, entfernt 
sich gewiss auch nicht überall und zu jeder Zeit gleichweit von der 
Volksmundart, und es ist daher unbedingt erforderlich, dass für die 
einzelnen Gegenden bezüglich dieser Verhältnisse sorgfältige Unter- 
Bochungen angestellt werden. Denn es liegt auf der Hand, dass 
Formen, welche künstlich eingeführt sind und der Volksmundart nicht 
angehören, für die Erkenntnis» der Sprachgeschichte mehr hinderlich 
als forderlich sind. Diese Untersuchungen lassen sich indeas nicht 
von einem Einzelnen ausfuhren, da sie eine genauere Kenntoiss der 
beutigen Mundarten erfordern, als wir sie jetzt noch aus Schriften 
achöpfen können. 

Betreffs Westfalens habe ich schon vor einiger Zeit meine An- 
sicht kurz begründet zur Kenntniss gebracht'}, weniger um die Sache 
zu erledigen, als um eine Erörterung darüber hervorzurufen. Es ist 
aber keiner der Rezensenten näher darauf eingegangen. Das veran- 
lasst mich hier, jene kurzen Bemerkungen weiter auszuführen und zu 
ergänzen. 

Dass dem Westfälischen in der niederdeutschen Grammatik eine 
hervorragende Stelle gebührt, durin stimme ich mit Jellinghaus*) voU- 



') Johannes Vegle. Halle 1863. S. XLl— XLV. 
') Zur Eiatbeiluug der nieder de utschrn Mundnrlen. 
II nicht, wie er, niederfrftiikJBcbe Dialecte miteiarecbneD. 



Kiel ■ 



Kur darf 



zumal ( 
I bedieDtc 

k u, 

^ steil Ur 



ständig überein. Aber der Grund Hegt nicht, wie er meint, in dem 
Dialecte an sieb — als solcher hat er vor anderen, z. B. dem braun- 
schweigiachen gar keine Vorrechte — sondern in seiner hiBtorischen 
Bezeugung. Die UUesten Tiir sprachliche Untersuchungen ausreichenden 
niederdeutschen Denkmäler sind westfälisch: die Freckenhorster Hebe- 
rolle ist genau lokalisiert, die Sprache der Londoner Handschrift des 
Heliand ist, wie Braune nachgewiesen hat, ebenso wie die der Miin- 
chener westfälisch, wenn auch nicht frei von niederfränkischem Ein- 
flüsse. Ob die Münchener Handschrift, wie Heyne hat nachweisen 
wollen, dem Münsterlandü entstammt, mag dahingestellt bleiben, für 
mich ist sein Beweis nicht überzeugend. 

Die altniederdeutsche Grammatik beruht demnach auf westfäli- 
schen Denkmälern. Es leuchtet ein, dass wir uns möglichst auf dem- 
selben Gebiete halten müssen, wenn wir die historische Kntwickelung 
weiter verfolgen wollen. Sprachforraen der früheren Periode mit deoen 
der jetzigen zu vergleichen ist eine durchaus richtige Methode; aber 
es hat doch etwas Schiefes an sich, wenn z. B. Gallee in seiner Alt- 
sächsischen Laut- und Flexionslehre {Haarlem 1878) den Formen der 
alten Freckenhorster Mundart die der jetzigen Zütphener gegenüber- 
stellt. Zuverlässiger und auch ergebnissreicher ist es offenbar, die 
jetzige Freckenhorster Mundart zur Vergleichung herbeizuziehen. 

Die Sache hat jedoch auch ihre Kehrseite. 

Heinzel hat in gewissem Sinne ganz recht, wenn er sagt, von 
einer altsächsischen Litteratur könne im Grunde nicht die Rede sein. 
Die Denkmäler bieten uns gleichsam nur ein Augenblicksbild der 
Sprache, kein Bild ihrer Entwickelung. So plötzlich wie sie auftaucht, 
versiegt die Litteratur wieder. Auf Jahrhunderte bleiben die Eigen- 
namen das einzige Material für die Kenntniss der Weiterentwickelung 
des Niederdeutschen. Am Ende des 13. Jahrhunderts tritt es uns 
zuerst wieder vereinzelt in Urkunden entgegen; am frühesten in den 
nördlichen Hansestädten, am spätesten merkwürdiger Weise in West- 
falen. Es scheint, als wenn mau es hier vollständig verlernt hatte sich 
deutsch auszudrücken und vor der Wiedereinführung der heimatlichen 
Mundart Scheu empfand. Denn obwol Westfalen zu Köln namentlich 
in den innigsten Beziehungen stand, und die stets fortschrittlich ge- 
sinnte kölnische Kanzlei — wie sie denn auch gegen 1515 schon die 
kaiserliche Kanzleisprache annahm — bereits um die Mitte des 
13. Jahrhunderts mit der Alleinherrschaft des Lateinischen brach, so 
treten doch in den westfälischen Kanzleien deutsche Urkunden noch 
im ersten Viertel des 14. Jahrhunderts ganz spärlich auf, während. 
die deutsche Litteratur überhaupt im lö. Jahrhundert erst hier ansetzt. 

Damit war dem fremden Einflüsse Thür und Thor geöffnet, 
zumal da man sich bei der Abfassung der Urkunden Formelbücher 
bediente. 

Und fremder Einfluss läsat sich in der That schon in den älte- 
steii Urkunden deutlich genug nachweisen. 




Er konote ein dreifacher sein: eiD oberdeutscher, eiu raittel- 
friiukiscber (kölnischer) und ein niederfränkischer (niederländischer); 
jeder dieser drei lässl sich nachweisen. 

Die überdeutsche Lilteratur scheint auf Westfalen wenig EinSuss 
ausgeübt zu haben; die westfälischen Uilter waren nicht fein genug ge- 
bitdet, um an den Genüssen des oberdeutschen teilnehmen zu können. 
Wenn wir sie uns auch durchgehends nicht als rohe Haudegen vor- 
stellen dürfen, auf die meisten wird es gewiss gepasst haben, was der 
Papst über ihren niederrheinischen Halbbruder, den Grafen von Möra, 
sagte: Est pulcbra bestia, sed nescit loqui'), Sicher war er nicht 
im Stande, der Träger einer blühenden weltlichen Litteratur zu werden. 
Aber einige Bfkanntscbaft mit der oberdeutschen Litteratur. wenig- 
stens mit dem Minuf sänge, müssen wir in Westfalen doch annehmen: 
Sordhoff hat eine Anzahl westfälischer Minnelieder veröffentlicht'), die 
offenbar aus dem Oberdeutschen übersetzt sind. Ein höchst merk- 
würdiger EindusB der oberdeutschen Litteratur lässt sich bei dem 
Osnabrücker Albertus decanus wahrnehmen, der 1450 lateinische Be- 
tracbtuugen über einige Hymnen schrieb, denen er eine deutsche Über- 
setJSUDg beifügte. Diese soll offenbar oberdeutsch sein, aber wie 
wenig er des fremden Dialectes mächtig war, mögen folgende zwei 
Strophen beweisen. 

3. 4. 

Gemeyt der werlt crone, 
frow in des hemels trone, 
gar utzerwelt ein zunne, 
des manen schin eyn wunne, 
Gesunt mach du van zmertzen, 
de leb han dich van hertzen. 

Eine heimische weltliche Poesie blühte in Westfalen wol, aber 
für uns ist sie verloren. Diederich von Niem bezeugt, dass man die 
alten Heldenlieder noch sang, und die Angriffu des bekannten Osna- 
brücker Augustiners Diederich Vrye beweisen, dass man nicht nur 
Liebeslieder sang, sondern auch dichtete*). 

Ritter und Clerus wurden auch ausser etwa durch die Litteratur 
bei Reichsfesten, Turnieren, auf den Universitäten u. s. w. mit der 
oberdeutschen Sprache näher bekannt. Daher ist es denn nicht so 
aehr auffallend, dass wir schon in einem Vertrage zwischen Bernhard 
von Ahaus und seinem Vetter vom Jahre 1319 hochdeutschen Einffuss 
bemerken, ebenso wie in den gleichzeitigen Urkunden der Junker von 
Lüdinghausen '). 

') GeBchicblsquellen des Bisthunies Monster I, 244. 

>) Germania XVltl, 300 ff. 

■) ZeitEchrifl fQr vaterländisckt Geachiclite ii. s. w, Bd. 1U (lä5T), S. 903 ff. 

*) Vgl. meinen Aufsatz „Zur Qeschiclite der weBlfal. Predigt im MiUelalter". 
Ebd. Bd. 44, S. 1 ff. 

') Niesei-t, MüuaL tJrkuadeiisammluDg 5, S. 376^ ez, ist, daz, ocb, tzo, on- 
verbrochen. 



Trosterinne gotze, 

van Jesse ein rotze, 

Anna dyn moter dich geberte, 

zam der prophete dat gelerte"). 



Es ist nicht immer leicht zu entscheiden, ob oberdeutscher oder 
mittelfränUischer Einfluss vorliegt. Im Zweifel ist immer der letztere 
wahrscheinlicher. Beachtenswert, aber aus den Umstanden wol er- 
klärlich ist es, dasB sich der fremde Einfluss namentlich in den formel- 
haften Eingängen der Urkunden am deutlichsten zeigt. Wo auch im 
Übrigen die ndd. Endung et im Priisens Plural erhalten ist, da beginnt 
die Urkunde doch oft: wi docu kunt unde to weten, dat alle de dessen 
hreif seen unde hören lesen etc. ') Meiner Ansicht nach tässt sich 
diese Thatsache am besten aus den Formetbüchern erklären. 

Dem Einflüsse der kölnischen und niederrheinischen Kanzleien 
hat sich aber das Westfälische vielleicht noch mehr entzogen als dem 
des Niederländischen, dessen Spuren sich namentlich in der Litteratur 
sehr deutlich verfolgen lassen. Ursache davon war wol der Umstand, 
dass die aus den Niederlanden kommenden Brüder vom gemeinsamen 
Leben das Schreibwesen zum guten Teile in die Hände bekamen und 
als Schriftsteller und Schreiber zu hohem Ansehen gelangten. Bis in 
die Orthographie hinein wird die Sprache nach niederländischen Ge- 
setzen geregelt- Wer in Münster schreibt, schreibt deshalb noch 
keineswegs im münsterischen Dialecte, sondern oft genug in einer der 
niederländischen Mundarten, Auf die Spitze wurde aber die Sache 
erat von den Wiedertäufern getrieben, die ja vielfach Holländer waren 
und auch holländisch schrieben. 

Es ist, wie schon gesagt, sehr schwierig, die fremden Einflüsse 
zu unterscheiden, ebenso schwierig Beispiele für dieselben anzuführen, 
die schon auf den ersten Blick überzeugen. Dass der ganze Charakter 
der westfälischen Mundart durch fremden Einfluss verändert ist, das 
nachzuweisen gelingt uns nur auf Umwegen. 

Am geeignetsten für die Untersuchung sind Flexionseigentümlich- 
keiten, weil diese weniger leicht als der Vokalismus ins Schwanken 
geraten können. Im Alts, endigt bekanntlich der ganze Plural Prä- 
sentia auf et. Über den Stand des Mittelniederdeutschen in dieser 
Beziehung sagt Tümpel, dass die Endung et nach der Mitte des 1 5. Jahr- 
hunderts fast ganz schwinde. Soweit es die Urkunden anlangt*), 
stimmt dies auch für Westfalen; aber die Behauptung erscheint als 
unrichtig, sobald man die übrige Litteratur hinzunimmt. Bei Veghe 
(1500) halten ff und cn sich noch bald die Wage, bald überwiegt 
sogar et. Selbst bei dem Ahauser Holtman (1510) ist et noch die 
gewöhnliche Endung. Daraus folgt, dass die Ansicht derer irrig ist, 
die glauben, gerade in den Urkunden das zuverlässigste Material für 
sprachliche Untersuchungen zu hnben. Für die Zeit und Gegend 
wenigstens, die ich genau kenne, stehen sie durchschnittlich an Wert 
hinter den übrigen Denkmälern zurück. Denn dass et in den Urkunden 

') Z. B. Nicaert, Beitrage zu einem MOnaterischea llrk im den buche Bd. 2 
Nr. 66 {v. J. 1314). Niesen, Munst. Urkunden Sammlung 5. Bd. Nr. 49 (1336), 
Nr. 100 (1319). 

■} TOmpeU Unterauchung (P.B., Beitrage VIl. S. 1 ff.) stützt sich Blletn auf 
die Urkunden, 




um BO seltener wird, je näher sie dem 16. Jahrhundert liegeo, steht 
fest; dasa die Volkssprache nicht gleichen Schritt gehalten, beweisen 
eben schon die übrigen Denkmäler. Es lässt sich noch etwas anderes 
anführen: Die Praeterito - Praesentia haben schon in den ältesten 
Urkunden die Form et, obschon ihnen ursprünglich en zukommt'). 

Man könnte nun zwar wol daran denken, dass diese Verba mit 
den regelmässigen ihre Formen ausgeglichen hätten und et und en 
auch in der lebendigen Sprache mit einander gewechselt hätten, 
Dieser Ansicht steht aber als unüberwindliches Hinderniss der jetzige 
Dialect entgegen, der die Pluralendung e» im Präsens nirgends mehr 
kennt. Es bleibt uns daher nichts als die Annahme übrig, dass die 
Endung en im Mittelwestfälischen lediglich der Schriftsprache angehört. 

Einen zweiten festen Punkt gewinnen wir bei der Betrachtung 
von uns und den davon abgeleiteten Formen. Altsächsisch kommt 
nicht ein einziges Mal eine der P'ormen mit n vor, ein Anzeichen, 
dass sich auch schwerlich in der Aussprache noch ein Nasal erhalten 
hatte. Im Mittelwestfälischen heisst es durchgehende uns, mise; nur 
eine einzige münsterische Urkunde kenne ich, die us, usse hat'), keine 
Osnabrücker. Auch hier spricht die jetzige Mundart dafür, dass die 
Formen uns, unse ein Product der Schriftsprache sind, da sie jetzt 
ebenso wenig wie im Altsächsischen vorkommen. 

Auch der Vokalismus, wie er in der mittelwestfälischen Litteratur 
erscheint, kann nicht mit dem der Volkssprache identisch gewesen 
sein. In gewisser Weise ist das zwar in jeder Sprache der Fall, da 
der Laute überall mehr sind als man Zeichen hat. Hier aber muss 
die Sache doch noch anders liegen: der Usus hat Zeichen für Laute 
eingesetzt, die diese weniger getreu wieder geben als andere vor- 
handene. 

Zunächst will ich hier ein Beispiel anführen, das nur halb hier- 
her gehört; es ist die Behandlung des i vor Vokalen. Es ist eine 
Eigentümlichkeit des Westfälischen (mit alleiniger Ausnahme des 
Miiosterländischeu), dass i in diesem Falle sich in seine Bestandteile 
(ii, ij) aullöst, eine Erscheinung, für die es Analogien auch in anderen 
Dialecten giebt. Altsächsisch haben wir dafür kein Beispiel, »her im 
Mittelwestfälischen scheint sich das Gesetz schon früh eingebürgert 
zu haben. In einer Osnabrücker Urkunde vom Jahre 1416") kommt 
papen amiggen (amien) vor; es ist hier also schon ein I'reradwort 
nacb einer heimischen Lautregel behandelt. Es muss damals demnach 



') Z. ß. Niese« Bdlr, 11. Nr. aS |1H8B), Nr, 82 (1382), Nr. 45 (1326), Nr. 53 
(1361) willel, Nr, 191 (1367) scolet. III, 3 Nr. 2 (1900) 2 boUi. Nr. 6 (1308) 
■Uli. Nr. 9 (1420) soll u s. w. Vgl Tümpel a. u. 0. 

') Nieaert, Bcllräge I, 2 Nr. 59 (v. J. 133B). Eine OsnabrOckcr Urkunde 
vom 3. 1411 (Geschichte der Sudt Osn&brück Bd. 2, S. 172) hat zirar cininal us; 
es ist aber höchst wabracheialicb ein Druckfehler, di sie sonst uns bat. In den 
slAdtischen Urk, von Minden und Paderborn sind die Formen ohne n häufiger. 
Leider ist das Material zu unzurerlässig und gering, um hier endgültig den Tbal- 
bcttand fpststellen £u küiiuen. 

•) Geschiebte der Stadl Osnabnick Bd, 2, S. 176. 




90 

die Regi'l auch scLun ebenso fest gewesen sein, wie sie es jetzt ist, 
sonst wäre ein Fremdwort ihr nicht gefolgt, Wenn dalier in den 
Osnabriickischen Urkunden und Denkmälern le für igge entweder 
durchgehend» oder abwechselnd mit demselben erscheint, so muss das 
Kinfluas der Schriftsprache sein. 

Auf haniff habe ich schon früher aufmerksam gemacht ; die 
Freckeuh erster Heberolle hat durchgehenda diese Form'), im Mittel- 
westfälischen heiast ea hingegen stets honig, eine Form, die der jetzige 
Dialect wiederum gar nicht kennt; sie muss ihr Auftreten demnach 
der Schriftsprache verdauken. 

Altsächsiech finden wir an Stelle des o, daa dem gotischen a« 
entspricht, auch « geschrieben: neben böno kommt Mno, oeben ästar 
ästar vor u. s. w.; nie aber güd statt göd, ftükan statt flöltan u. s. w. 
Duraus folgt nicht, dass bald häno und bald böno, hier ästar und dort 
üstar gesprochen wurde, sondern daaa ein Laut vorlag, den weder « 
noch (! getreu wiedergab. Im Mittel westfälischen hat der Wechsel in 
der Schrift aufgehört; sollte sich der Laut auch in der Sprache zu 
•'i festgesetzt haben? Unmöglich! denn jetzt ist dieaes altsächsisch 
mit H wechselnde n zu au geworden'), während das alte ö ^ ahd. uo 
reines ö geblieben ist. Der Wechsel im Altsächsischen erscheint also 
bei der Vergleichung mit dem jetzigen Dialecte als wol begründet; 
daa Mittelwestfälische hingegen giebt den noch weiter von ö abge- 
wichenen Laut höchst mangelhaft wieder. 

Ein gleicher Wechsel findet altsächsisch zwischen e und i statt: 
geban und giban (Fr. H.) kommen neben einander vor, auch Bcepi 
neben scipi und beki und biki wechseln schon in den ältesten west- 
fälischen Ortsnamen'). In den ältesten niederdeutschen Urkunden — 
und, wie es scheint, nur in westfälischen — ist i statt e noch sehr 
häufig*). Auch das Bruchstück eines Marienfelder Glossars gibt 'rivus' 
durch 'bike' wieder*). Merkwürdig ist die Form kietelaron in der 
Freckenhorster Heberolle (538). Sie ist leider ganz vereinzelt, und 
man darf daher nicht zuviel darauf bauen; aber gerade sie giebt den 
Laut, wie er jetzt gesprochen wird, am besten wieder. Tümpel hat 
freilich in seiner Rezension der neuesten Schrift von Jellinghaus*) von 



L 



') Kindliügera Abschrift hat zwar eiumal honigas; auch wenn hier keia Ver- 
sehen vorliegt, was sehr nahrscheialich Ist, (ällt das nicht ios Gewicht. 

•) Das Westaiische zerföllt in /*pi Haup Im und arten; daa Müuslerland steht 
dem übrigen Westfalen gegenüber. Aus eigener langjähriger Beobachtung kenne ich 
nur dfts OsnabrQckisch-Tecklen burgische, das Raveusb ergische und Münsterländische. 
Alles, was ich hier „westfälisch" nenne, ist keincaw^ nun auch in jeder Mundart, 
namentlich ist es in <ler Mark vielfach anders. An der Sache ändert das aber nichts. 
Bei Jellinghaus werden die Grenzen, soweit ich es beurteilen kann, sehr richtig an- 
gegeben. 

') Althoff, Grammatik alt sächsisch er Eigennamen in wesifalischen Urkunden 
des 9.-11. Jahrhunderts. Paderborn 1ST9. 

') Vgl. Tümpel a. a. 0. Niesert, Beilr, 1. Th. Nr. 98 {\1U}, Nr. 9'J (1324). 

°| Diekamp, Ein Maiienfelder Bibliotheksrerzeichnlss aus dem 13. Jahrhundert. 
Zeitschrift für vaterl. Geschichte uud Allerthumskuode 43, 174, 

«) Jahrbuch X, 169. 




diesem dafür, dass „die westfalischeii guscliliffcnen, hez. gestosaenen 
Vokale urBprünglich sind und nicht vielmehr auf späterer Entwickelung 
beruhen . . . au» den altsächsischen Quellen den fürmliehen Beweis" 
verlangt. Ich muss gestehen, dass mir das vollständig unverständlich 
vorkommt. Dass schon im 10. Jahrhundert liäsen, buoven etc. ge- 
sprochen sei, wird Jellinghaus zu behaupten nicht einfallen, dass aber 
mwstf. und e in der Aussprache vom oberd. e und o verschieden 
gewesen und den Drang in sich gehabt haben, zu iä und uo u. s. w. 
sich zu entwickeln, das ist doch auch unbestreitbar, denn sonst hätte 
die P.ntwickelung nicht vor sich gehen können. Wie will man aber 
anderseits es erklären, dass es im 14. Jahrb. noch given, bike, dann 
bis ins 16. aber geven, beke lautet und im 17. plötzlich wieder given, 
bike') auftaucht? Dass der jetzige weslfäl. Vokalismus weit „ur- 
sprünglicher" ist, als man das gewöhnlich annimmt, das werde ich 
unten zeigen *j. Freilich, wer die Sprache der Urkunden für ein ge- 
treues Abbild der Volkssprache hält, dem ist überhaupt nichts zu 
beweisen. Wenn wir in der Sprachforschung „förmliche Beweise" 
verlangen wollen, wohin kommen wir dann? Es muss genügen, sonst 
unerklärliche Erscheinungen auf eine wahrscheinliche Weise zu erklären. 
Freilich steht der Annahme, dass wir in dem mJttelwestfälischeu 
c nicht den reinen e-Laut, sondern einen Zwittervokal (io) vor uns 
haben, das Gesetz der Tonlänge entgegen. Dieses Gesetz ist freilich 
als „förmlich bewiesen" angenommen, aber trotzdem muss ich be- 
haupten, daas seine Anerkennung ein grosser Fehler war. Dass die 
Tonlänge der Stammvokale mit der Schwächung der Endvokale Hand 
in Hand gegangen ist, bezweifele ich überhaupt. Denn dann hätte sie 
überall dort eintreten müssen, wo die Endungen abgeschwächt worden 
sind. Das Westfälische kennt aber bis jetzt noch keine tonlangen 
Vokale ausser dem a, und hier ist die Tondehnung auch neueren 
Datums"). Sicher ist es, dass das Gesetz im Mittelniederdeutschen 
nicht durchwegs Gültigkeit gehabt hat. Woher kommen denn die 
Doppelkonsonanten nach tonlangen Vokalen? Kann denn etwas mehr 
der „TonlUnge" widersprechen, als die Verdoppelung des folgenden 
Konsonanten? In den Gegeuden, wo (inlautend) Doppelkonso- 
nanten geschrieben werden, ist der vorhergehende Vokal 
stets kurz gewesen. Dass in manchen Gegenden schon im Mittel- 

') Über die plionetischen Werte dieser Zeiohen aieho Kaumann, Entwurf oiiier 
Laut- und Flexion alebre der MOasterischen Mundart. Münster lä84. (Disscrt.) 

') Dem Wechsel zwischen e und i steht der /wischen u und o gegenüber. 
In froheren Urkunden (Nicaert, Beitr. I. Nr, !^8) wird stine (Sohn), güde geschrieben. 
gud erhält sich auch mwBlf. neben göd. War u wirklich langV Die Jetzige Aus- 
Sprache Bpricbt dagegen (gudd) und a n Sali iger weise flodet man bei guten Scfareibem 
' refelroässig gnd geschrieben, wAbrend man doch guet ervarleo sollte, 

*) Das alle a ist jetzt vollständig an die Stelle des alten k getreten, wälirnnd 
dieaes zu an bez. ao geworden ist. iX miiaäte seine Stelle also schon geräumt haben, 
als a in dieselbe eiiirOckte, sontit wären Verwirrungen vorgekommen, was nicht ge- 
schehen ist. Da aber bis 1600 ä durch a (ae ai), nie aber durch o bez. au wieder- 
gegeben wird, so konnte die Tonläoge erat nach 1600 eingetreten sein. Aber wie 
viel Tradition herrschte wol in der Schrift?! 




w 



alter Tondehnung bestanden, kann ich nicht mit Gründen bestreiten, 
aber die aus der elenden mndd. Verstecbnik hergenommenen Gründe 
kann ich auch nicht als beweisend anerkennen; denn dass ein Reim 
ggven zu leven ein Haar schlechter sei als gäven zu leveii, sehe ich nicht 
ein. Eb scheint, dass die dem Vokale folgenden Konsonanten nicht 
ohne Einttuss auf die Dehnung gewesen sind. Soviel ist jedenfalls 
sicher, dass für weite Gebiete im Mittelniederdeutschen von ,Ton- 
lünge" keine Rede sein kann. Der Gegenstand ist einer eingebenden 
Untersuchung dringend bedürftig. 

Nach alledem ist es mir nicht zweifelhaft, dass die mittelwest- 
falischen e und auch o den wirklich gesprochenen Laut höchst un- 
vollkommen wiedergeben; ihn für die einzelnen Perioden richtig zu 
bestimmen wird wol unmöglich sein. Dass man die einfachen Buch- 
staben e und wählte, obschon sie sich nicht deckten mit den Lauten, 
ist nicht schwer zu erklären: es war zu schwierig oder unmöglich, 
ein passendes Zeichen zu finden'). Die umliegenden Dialecte sind 
dabei gewiss auch nicht ohne Einfluss gewesen, und nachdem sie ein- 
mal eingeführt waren, behielt man sie bei, obschon sich die Laute 
immer mehr von e und o entfernten. 

In den Schulen wurde zweifellos auch nicht der jedesmalige 
Dialect des Ortes schreiben gelehrt; das sieht man aus der Mün- 
sterischen Grammatik, die Wilken (Jahrbuch 1S77, S. 36 ff.) heraus- 
gegeben hat. Wenn der Verfasser legimus, legitis, legunt durch wy 
lesen, gy lesCTl, ae lesf» übersetzt, so hat das sieber zu keiner Zeit 
der münsterischen Volksmundart entsprochen. Ja man kann wol sagen. 
es war ein Bedürfniss für die Schule, eine Art von Schriftsprache zu 
bähen, und ebenso lag es auch in der Natur der Sache, dass die 
Schriftsteller das grob Mundartliche zu vermeiden strebten. Haben 
wir es doch noch jüngst erlebt, dass der „Frans Essink" aus dem 
Münsterischen in das „allgemeine Niederdeutsch" umgeschrieben ist. 
Wo dieser Dialect gesprochen wird, weiss ich nicht, aber das weiss 
ich, wenn mehrere die Arbeit zugleich unternommen hätten, dass das 
„allgemeine Niederdeutsch" sicher nicht übereingestimmt hätte*). Ähn- 
lich stelle ich mir die Sachlage im Mittelalter vor, ob richtig? Ich 
weiss wenigstens keine bessere Erklärung. 

Auffällig ist das verschiedene Verhalten der Kanzleien in der- 
selben Gegend oder gar am selben Orte, das man namentlich in 
Minden und Paderborn beobachten kann. Die Urkunden der Bischöfe 
und der Domkapitel sind viel freier von diabetischen Eigentümlich- 
keiten als die der Städte, Ritter u. s. w Erstere schreiben z. B. 
meist uns, unse, frie, nie u. s. w., während die letzteren meistens frigge, 
nigge und wenigstens nicht selten auch us haben. 

') Ich erinnere mich noch, nie es uns Kindern früher gar nicht geliogen 
wölke, Wörter wie liasen, wuenen richtig z» huchBt*biren. Der Westfale liest sie, 
wie Biu giiwühülich geschricbea werden, richtig, aber nur weil er weiss, welcher Laut 
mit iil, ue und uo gemeint ist. 

'I Dass durch ein derartige Verfahren die Dialectlitteratur, die heute auf 
ganz Budcrer Grundlage beruht, einen Selbstmord an sich vollzieht, liegt auf der Hand. 



Ich kenne nur zwei Falle, in denen in münsterländiBclien Quellen 
der Dialect einea Sprechers getreu wiedergegeben ist, Einmal läset 
der Biograph Ottos IV. von Hoya diesen, als er die Frau eines seiner 
Beamten eehr stolz gekleidet sieht, ausrufen: We is myck dat? ') So 
hat Otto genau gesprochen; das myck gehört seinem heimatlichen 
Dialecte an. Die andere Stelle steht in dtr Niesinkscben Chronik. 
Als 1525 die Unruhen in Münster losbrachen und der Haufe das 
Schwesternhaus stürmte, war man sehr erstaunt, nur II Webstühle 
darin zu finden. Ihr Anführer Klaus Munt hatte von 100 gesproclien. 
Als dieser deshalb angefahren wurde, suchte er sich mit der Ausrede 
7.U retteu: Se hun miV so gesachl!') Wir wissen sonst nichts über 
diesen Klaus Munt, aber dieser eine Satz zeigt deutlich, dass er kein 
Münsteraaer und kein Westfale war. 

Im übrigen reden bei den Chronisten alle Personen den näm- 
lichen Dialect. 

Dass mit den vorstehenden Bemerkungen, die zum Teil vielleicht 
sehr anfechtbar sein mögen, die Existenz der Schriftsprache formlich 
bewiesen ist, ist nicht meine Ansicht; aber wahrscheinlich glaube ich 
sie gemacht zu haben, und man kann es ruhig abwarten, bis die an- 
geführten Erscheinungen anderweitig besser erkliiit werden. Vieles 
ist noch dunkel und manches wird auch wol dunkel bleiben: Über 
eine Hypothese kommen wir vielleicht gar nicht hinaus. Mag die 
Ansicht auch immerhin Hypothese bleiben, wenn sie nur nicht mit 
den Thatsachen in ConÜict kommt und uns glücklich aus den vielen 
Schwierigkeiten hinausführt! 

Die grösete Wahrscheinlichkeit erlangt die Hypothese, wenn wir 
die Sprache über die Reformationszeit hinaus verfolgen. Weun wir 
die niederdeutschen Urkunden aus dem Anfange des 16. Jahrhunderts 
mit denen vom Jahre 1300 vergleichen, so erscheinen die Differenzen 
doch geradezu minimal. Wenn der thatsächliche Entwickelungsprozese 
dem entspricht, so hat die Sprache 200 Jahre in der Entwickelung 
still gestanden. Ob das wahrscheinlich ist? 

Mit der Reformation treten in der westfülischen Litteratur 
sprachlich grosse Veründerungen auf. Die Litteratur der Wieder- 
täuferzeit ist für unsere Zwecke kaum zu gebrauchen: sie bietet eine 
wahre Musterkarte von Dialecten. Der eine schreibt holländisch, der 
zweite holländisch -westfälisch, der dritte westfälisch-hochdeutsch. Alles 
ist in der grössten Verwirrung. 

In den letzten Lebensjahren des Bischofs Franz von Waldeck 
nahm die bischöfliche Kanzlei die kaiserliche Kanzleisprache an; die 
Beamten und vielfach auch der Clerus folgten nach. Kin Teil der 
Schriftsteller versuchte auch hochdeutsch zu schreiben, es kam dabei 
aber zuweilen das schönste „Missingisch" heraus, das sich nur denkeu 
läsat. Ein charakteristischer Vertreter dieser Gruppe ist der Dom- 



') GeachichtHquelleii des Bisthumea Mflnster I 
■) Duelbst II, 427. 




löO; vgl. I, 163. 



J 




94 

kantor Röchell, dessen Chronik (geschrieben gegen IGOO) im 3. Bande 
der Gescliichtsquellen nach seiner eigenen Handschrift abgedruckt ist. 

Viele hielten iudesa an der alten westfälischen Schriftsprache fest. 
Der jüngste, den ich unter diesen kenne, ist Rupertus Werlensis, 
Dechant an der Überwasserkirche in Münster, dessen Predigten 1608 
in Paderborn zum zweiten Male gedruckt wurden '). Von einigen 
hochdeutschen lünSüsscn, die als solche leicht erkennbar sind, und 
dem Umlaute — ob dieses auch auf solche zurückzufuhren ist, lasse 
ich hier dahingestellt — abgesehen, unterscheidet sich die Sprache 
von der der vorhergehenden Jahrhunderte gar nicht. 

Jetzt aber erfolgt auf einmal der Bruch. Nach dem Jahre 160? 
ist meines Wissens ein Buch in mittelwestfälischem Diatecte nicht 
mehr gedruckt worden*). Das Hochdeutsche drang in die Schulen ein; 
der Dialect hielt sich noch ziemlich lange auf den Dorfkanzeln, um 
dann (in katholischen Ortschaften) auf den Beichtstuhl beschränkt zu 
werden, wo er sich jetKt allein noch erhält. 

Im Volke lebte er jedoch ungeschwächt; aber die Tradition in 
der schriftlichen Darstellung war unterbrochen, man verlernte es, 
niederdeutsch zu schreiben. Zu komischen Zwecken wurde der Dialect 
zunächst wieder hervorgeholt. Das erste aus Westfalen mir bekannte 
Beispiel ist ein Spottgedicht vom Jahre 1G84, im Besitze des Herrn 
Assessors Geisberg hierselbst. In dem 1697 in der Jesuttenschule zu 
Münster aufgeführten Lustspiele Dimissio d. dominorum metaphysicomm 
ist Latein und Westfälisch durch einander gemengt; die Spottlieder 
sind rein westfälisch*). 

Nun ist aber die Sprache — die Darstellung der Laute ist in 
Folge des Mangels an Übung freilich unbeholfen genug — das jetzige 
Westfälische!! Es wird z. B geschrieben siggenbuck, wo Rupert von 
Werl noch segenbuck schreibt; eckertieffe — eckerteve; gieffet — gevet; 
renp — reep; begaut -— begöt; braut — bröt; uss — uns; Bvel — 
ovel; waupen — wäpen (o we, o waupen*); himht — hemt u. s. w. 
Sollte sich denn in der Sprache, die wir 3 — 4 Jahrhunderte fast ganz 
stille stehen sehen, auf einmal in den 76 Jahren eine derartige Be- 
wegung vollzogen haben? Kin einziger Mensch hätte ja den ganzen 
Entwickelungsprozeas miterleben können! Das glaube, wer will. 

Überdies wäre die Bewegung in vielen Fällen eine rückläufige 

') Postill, darin de lijligen Evsogelia up alle Fest und Fyrduge des gtinlecn 
Jahn gar Körtlick uud Catboliech uibgolecbt werden. DIr 1. Auflage etschien 
Paderborn 1597. (Für die Geschichte der katholischen Gegenreformation ist doi 
Buch nicht ohne Interesse.) 

') {Unterdessen habe ich noch kennen gelernt: Evaugelia und Episteleo | als 
de up alle Sotidage | oick besondere Feste und Fyrdage der Hiliigen GOddea dordi 
dat gaulzc Jahr na dem olden gebracke p;eholden | und dem ChristgelSvigen Tolelie 
vSrgedreggen werden. Gedruckt to Milnster in Westphalea j By Dietherich Raesz- 
feldt I Im Jahr 16tiä. 12^ Die Sprache ist der des Uuperlus ganz gleich; der 
Gegensatz springt daher noch stärker in die Augen.) 

^) Wiens, Beitrage xar Geschichte des Mansteriscben Schulwesens. Mlinster 1839. 

') Der Dichter war kein Hanaterl ander, sondern wo! ein Oaaabrücker oder 
Paderborner. 




95 

gewesen — wie bei us, gaut, gieven etc. — , die wieder zu demselben 
Standpunkte hillgestrebt hütte, auf dem wir das Altsächsische bereits 
finden, Giebt es dafür Analogien aus dem Leben anderer Sprachen? 

Ich muss aufrichtig gestehen, dass ich nicht umhin kann, für 
Westfalen wenigstens eine Schriftsprache anzuuehmen, die von dem 
Volksdialecte bedeutend verschieden gewesen ist. Anderswo mag 
die Sache anders liegen, aber für dieses Gebiet muas man daher be- 
haupten, dasa fiir die Erforschung der Sprachgeschichte die jetzigen 
Dialecte viel wichtiger sind als die mittelwestfälischen Denkmäler, 
womit ich aber keineswegs gesagt haben will, dass man diese ver- 
uachlüssigen dürfe. Bei einer Einteilung der Mundarten geht der 
hier viel sicherer, welcher sich allein auf die jetzigen Verhältnisse, als 
der, welcher sich allein auf die mittelwestfälischen Urkunden verlässt, 
Jellinghaus ^. B. hat bei seiner Einteilung der Mundarten keinen 
Fehltritt auf westfälischem Gebiete gethan, obwol er die alte Sprache 
ganz vernachlässigt; aber seiner Westfälischen Grammatik hat dieses 
Verfahren wesentlichen Schaden zugefügt. 

An diese Erörterungen lässt sich ungezwungen eine weitere 
Frage anknüpfen: Wie weit gehen die jetzigen dialectischen Ver- 
schiedenheiten zurück? Woher kommt es, dass die Übergänge von 
der einen Mundart zur anderen oft so schroff sind? Die Beantwortung 
dieser Fragen ist für die SprachgCbchichte und für die Ethnographie 
von gleicher Wichtigkeit. Die Sache lüsst sich nicht aus der Vogel- 
perspective betrachten: es ist eine sorgfältige Beobachtung der Kinzcl- 
lieiten notwendig, Wenn diese in hinreichender Anzahl vorhanden 
sind, wenn wir die Lebensgesetze der jetzigen Dialecte kennen, dann 
erst können wir auch die Sprachgesetze einer früheren Periode richtig 
erkennen, begreifen und bestimmen. 

Für das Niederdeutsche sind schon höchst dankenswerte Arbeiten 
vorhanden'). Über ein kleines, aber ich hoffe nicht uninteressantes 
Gebiet, will ich hier einige Beobachtungen veröffentlichen. 

Babucke hat neuerdings sich Tür die Identität der alten Gau- 
gränzen mit den jetzigen Dialectgränzen ausgesprochen. Seine Ansicht 
formuliert er folgendermassen : Lebhafter Verkehr verschleift die ge- 
sonderten Dialectformen, und erhebliche Hindernisse desselben er- 
halten die Besonderheiten der Aussprache auch in räumlich ganz nahe 
gelegenen Ortschaften, Wenn man sich in eine Zeit zurückversetzt, 
wo noch nicht Brücken über jeden Fluss, Wege durch jeden Wald, 
Fusspfade über jeden bewaldeten Bergrücken, Stege durch jedes Moor 
vorhanden waren, so erkennt man schon in Flüssen, Wäldern, be- 
waldeten Bergrücken, Moore die trennenden Scheidewände zwischen 
dialectischen Besonderheiten. Und die Wirksamkeit dieser natürlichen 

*) Creceliua, Über die Oränzen dca Niederd eulscheu und MIttelfräDkischen 
(Jkbrburh 1076, S. 1 ff.), wo weitere Litteratur angegebea ist. — Babucke, Über 
Sprach- und Qaugränzen zwischen Elbe und Weser. Daaelbat 1B8I, S. 71 ff. — 
Hordhoff, Ur- und KulturgeschichtlicheB von der Ober-Ems und Lippe. Zeitschrifi 
ffir preuuiiche Oesebicbte und LandeskundG 1683, S. IMS ff. 



J 




»6 

Scheidungen musate durch die wiederum von ihnen bewirkten politischen 
Verschiedenheiten nur noch stärker werden. Die Bauern hatten 
sicherlich leichter uud Öfter Gelegenheit und Veraulassung, etwa von 
dem Abhänge des Waldgebirges, an dem sie wohnten, drei oder vier 
Meilen weit zu einem Kloster in der Ebene ihren Zins hinzutragen 
als ihr Nachbardorf zu besuchen, das vielleicht V« Meile entfernt an 
der anderen Seite des Berges lag'). 

Ich glaube, dass hier Richtiges mit Unrichtigem stark versetzt 
ist. Wie, wenn auch das Kloster auf der anderen Seite des Berges lag? 

Babucke stellt sich die Sache offenbar so vor, dass die Diffe- 
renzierungen sich gebildet hätten, als die Bewohner zu beiden Seiten 
der Gränze schon so sassen, wie sie jetzt sitzen. Ich glaube 
aber — um das Resultat meiner Beobachtungen schon vorweg zu 
nehmen — : die Dialecte sind sich mit den Colonisten der 
verschiedenen Stämme entgegengerückt. Dass ist nun aber 
nicht so zu verstehen, dass dieselben schon zur Zeit der Colonisation 
genau so geartet waren wie sie Jetzt sind, sondern so, dass jeder die 
Bedingungen zu einer eigenartigen Entwickelung in sich trug. Diese 
Kntwickelung ist dann, wo zwei Diulecte an einander stiessen, nicht 
gegenseitig unheeinflusst vor sich gegangen. 

Es ist ja richtig, dass Flüase, Bergketten u. s. w. Dialeclg ranzen 
bilden, aber sollte das nicht deshalb ao sein, weil die Colonisten vor 
ihnen Halt machten? Warum bildet der Rhein u. s. w. keine Spracb- 
gränze wie der Lech? War er etwa ein leichter /.u überwindendes 
HiodernissV Zwischen Dorsten und Gahlen bildet ein Miihlenbacfa 
eine scharfe Sprachgiäoze! Aber man sieht es noch jetzt din Leuten 
an, dass er auch eine StammesgrUtize bildet. Es gieht Sprach- 
gränzen, ganz schroffe Spracbgränzen, die gar nicht durcii Hindernisse 
begründet sind. In dem Gebiete, welches ich hier im Auge habe, 
bildete bis in unsere Zeit der Teutohurger Wald ein sehr empfind- 
liches Verkehrshinderniss, aber keine Sprachgränze; diese — und wir 
werden sehen, dass es eine schroffe ist — wird durch eine ^ geo- 
graphische Linie gebildet. 

Es kommt hier, wie schon gesagt, auf Einzelheohachtung an; 
ich beschränke mich daher auf ein ganz kleines Gebiet, das ich aus 
dem Grunde genau kenne, weil es meine Heimat ist'). 

Die Südspitze der jetzigen Landdrostoi Osnabrück stösst an drei 
verschiedene Länder: Uavensberg (Versmold), Münaterland (Füchtorf, 
Miltc, Ostbevern) und Tecklenburg (Lienen). Nach keiner Seite 
hin ist eine Naturgränze vorhanden, ja der Teutohurger Wald 
schneidet die osnabrückiscben Dörfer Iburg, Glaue, Olandorf, Laer u. s. w. 
ganz von dem übrigen Osnabrückerlande ab; und doch sprechen ihre 
Bewohner denselben Dialect, der in den Dörfern nördlich des Ge- 
birges gesprochen wird, und zwar hebt sich dieser Dialect von dem 

') Jahrbuch 1881, S. 74. 

*) Eine Karte beizugeben war deshalb aber&QBsig, weil jede Provinzia) -Karte 

dieselben Dienste thut. 




utiosterlän^ lachen sc:barf genug ab'), Die Gränze wird nicht einmal 
durch die zwischen zwei Dörfern liegenden Fluren gebildet, sondern 
hiß ist, wie gesflgl, blos eine geographische Linie. Der letzte osna- 
brückische Bauer und der erste mUnsterlandische sprechen, auch wenn 
sie — was oft genug der Fall ist — keinen Steinwurf weit von eia- 
ander wohnen, doch den gemeinsamen Dialect ihres Landes. Die 
Hauptverschiedenheit der Dialecte dieser Bauern, die täglich mit ein- 
ander verkehren, mögen folgende Beispiele charakterisieren: 0. fnggen, 
M. frien; säggen — sajen; egger — aier; reggen — rain; teggen — 
tain; klait — kleet; bowwen — bauen; achüwwen — schüen; manne 
— mione; kault, kaule — kolt, koUe; vörgiaten — vöi-giaten. 

Ich glaube, sie reichen hin, um zu erkennen, daas die Ver- 
schiedenheiten nicht minimal sind. Dass der Grund darin liegen 
sollte, dass der eine Bauer Sonntags nach diesem, der andere nach 
jenem 1—2 Stunden entfernten Dorfe geht, während sie selbst tag- 
täglich mit einander verkehren und Jahrhunderte verkehrt haben, das 
wird niemand glauben wollen'). 

Solange diese Bauern neben einander gewohnt haben, können 
sich ihre Dialecte nicht soweit von einander getrennt haben. Jede 
Familie hat den Dialect ihres Stammes mitgebracht und mit 
ihm die Gesetze seiner eigenartigen Weiterentwickelung. 

Gerade hier läast sich das noch deutlich nachweisen. In Ur- 
kunden des 9. (10) Jahrhunderts, welche die Gränzen des Bistumes 
Osnabrück augeben, erscheint das jetzige Amt Iburg als ein grosser 
Wald. Die von der Hase kommenden Colonisten drangen mit ihren 
Rodungen immer weiter vor, bis sie zur Gränze kamen, an der auch 
die von der andern Seite kommenden Colonisten Halt machen muasten, 
Nach der Volkssage sind die südlichsten osnabrückischen Dörfer die 
jüngsten und aus den Urkunden lässt sich die Richtigkeit der Sage 
nach weisen. 

, Lebhafter Verkehr verschteift die gesonderten Dialectformen." 
Das zeigt sich auch hier; der Dialect des von allen Seiten einge- 
klemmten Glandorf weicht von dem der übrigen Dörfer, wenn auch 
nicht sehr bedeutend, ab. Am auSkllendsten ist dies hei e vor r ■+- 
Consonnnt. Die übrigen Dörfer sprechen gassen, kinncrkassea (Gerste, 
Kiodtaufe). die Glandorfer mit den Müuaterländern giässen, kinner- 
kiässen. Eine Mittelstellung nimmt das Dorf ein in der Behandlung 
des vor r -|- st: 0. host, G. buest, M buost (Brust). Das ist aber 
auch fast alles. 

Eine merkwürdige Erscheinung bildet das l'/i Stunde südlich 
von Osnabrück liegende Kirchspiel Hagen, das seinen eigenen Dialect 
bat. „Et lut alle sau siogerig, wat se > hier krüget un is röokelause 



') Ich lasse hier das VerbUltniKB des ÜBnabrücker Dinlecles zu dem tecklea* 
burgiKheii uad raveuslicrgischeu unbesprocben, weil es mich xa weit fUhreii würde. 
*) Die Schulen könnca duehalb wenig EinfluBB geUbt haben, weil, so lange 
e bestehen, darin hocbdeutscb gelehrt wird. 




nge J 



leige to Echniwen" Bagt Lyra in seiner Weise'). Der Dialect ähnelt 
dem 8Üd westfälischen so sehr, dass ich mich der Ansicht nicht ver- 
Bchliessen kann, dass die Bewohner wirklich von dort stammen und 
des Bergbaues wegen, der dort seit alter Zeit betiieben wird, herüber- 
gerufen sind. Lässt der Name „Hagen" auch darauf schlieasen? 

Man sieht hier recht deutlich, wie zähe eine Gemeinde allen 
äasseien EiuSüssen zum Trotz ihren Dialect beibehält. HiBtorisch 
läsBt sich über die Einwanderung nichts beBtimmen. 

Anderswo liegt die Sache nicht überall so klar vor wie hier; 
nicht überall sind die Colonisten auf einander gestossen. Breite 
Markenwälder, nach dem Verfalle der Markenverfussung /u „Heiden" 
geworden, Moore u. dergl. sind bisweilen die Stammes- und damit 
auch die Dialectgräozen geblieben. Anderswo wiederum sind die 
Rodungen schon früh abgeschlossen gewesen, der Gang derselben lässt 
sich nicht mehr historisch feststellen; in Westfalen wird das aber 
gewiss nur selten der Füll sein. 

Ob bei dieser Untersuchung die alte Gauverfassung schon so- 
gleich mit bineingezogeu werden darf, darüber bin ich sehr zweifeU 
haft; mir scheint, dass d>ts, was wir darüber wissen, viel zu wenig 
gesichert ist. Wollen wir nicht den festen Boden unter den Füssen 
verlieren, so müssen wir Si^hritt vor Schritt in die Vorzeit zurück- 
gehen und znsehen, ob die ji-'tzige Dialectgränze nicht auch die 
Rodungsgräuze eines Stammes gebildet hiit. Vielleicht erhalten wir 
aus der Summe der Resultate dann auch sicheren Aufschluss über 
die alten GauverhältniBse. 

Es giebt so viele, die sich für diese Fragen interessieren und 
Beobachtung darüber anstellen, aber sie künnen sich nicht zur Vei-- 
öffentlichung entschlieasen, weit sie dieselben für zu kleinlich halten. 
Gerade das müssen sie aber sein, wenn sie uns weiter bringen sollen; 
grosse Gebiete kann in dieser Weise niemand beobachten: je grosser 
sie sind, desto unzuverläsBiger werden die ReBultate. 
Wenn die Wässerlein kämen zu Hanf, 
Gab es wol einen Fluss. 



') F. W, Ljra, Plattdeutsche Briefe, Ersählungeu unJ Geiticlile. Ositabrüt'k 
1B6C, S. 107. Ich kann den Dialectforschern das Werk den oltcn Cani!lei-It«gistratora 
als Kiivertässig eDipfehlen. Ausser andern tlDvolIkonunenheLleii ist liesonilerH die zo 
rügen, dass er oft nicht xwischeu iä und iü scheidei, soadiTu hi'iites durch ie wieder- 
giebt. Au diesijr Stelle z. B. sollte liiür gtschrjeliea sein. 



MÜNSTER. 



Franz Jostes. 



k 




Besehreibung 

' der Handsehpiftensammlung des Freiherrn 
August von Arnswaldt in Hannover. 



ni, Handschriften in 4». 

Nr. 3113. Ppbs. mit Pgtbll. des 16. Jb. 2 Kol. fol. '201.') 

I) l.elie-n dm h. Auguxl'uMX ii. n, 
i. !■ HjT befjnt de hlltArle. lene ende mjrnckulen des wrlirktMi «nde 
fdoriofen hlUlfen bylTi-linitpe« ende weerdlplie leerres täcte Ad^Rjuiih ATgnjtinDs 
wort gejeget ¥& Angn/tus want Jo ala Angnjlus groit vnde rroem was vnder 
allen kei/ers. aljo whb ofk Angn/tiniifl grait in kü/ten vnde lieet in myiiae vnd' 
allen anderen leirea d" billiger kerken. — 

f. 106^ Ep ftifaoue Hpenbnringbe vä de edele Iterte des nuerlilUlgbe 
blffcboppes (acte Ani;iin7na. Hen leejt in der bi/t«rien dea erEebiy/ch&ppeü J^kete 
Sigil>enus , dat . he den auerhillige bijjchap /ücte AaguJ^ynn in der atre meejler 
pnieheit ei) deuouie liadde — 

f, 107* Ejn exempel th de lilllige gloriore bllTchtip AugnrDiu — folgen 
noch 17 Exempel. 

f. IIa*' lljr betont de hinnrie viin der uiieniueiiiige des eerticke bilTcboppe« 
tütte Augaltjna — 

f. 112<-' 1I)T l>eg:tnt ineRer Jordanus Tennoen \\t de verbefltn^K hinct« 
Anffaltjunt» — 

f. llfi» Ey exempel — fuly' iiorh riti iuvilf» Ekpinj)el. 
t. 116'' II}-r endet dat leuen eil uiyniitinile vi ßfrte Augultjuus. Hyr 
bc^nt de taffele ran dolTen boeke volrgefeiVDü — f. 119* Byn /ennoen ran Jynre 
verheffinge mei/ter .lordanns EQ twc exempelen. 

2) X sermonßn den meisler Jordanue*}, van den Ua» des h. Aufftuttintig. 
f. 119» Hyr volgliö .x, /ennonen de MeiJ^r Jordanns ghemaket heuet vau 
de lane /nntle Angn/tyna. eynde eyn /erniüeu dat ferrando de liif/chup van eni 
predicte vor den cardenailen. Dat eirfte /ermoen. Qliy /yd dat /alt der eerden 
— f. 119'' dat X. /ermoen. Alle myne beoe Jollen /egghe. here we is dyna 
ghetyck. Noch eyn /ermoen dat ferrando — predicte LHe IKUße der Kolumne 
und f. 119"'* kei- {. 120» Ohi /jth dat /alt der eerde ~ 

f. 143'' Dat tlende fenuoen meytl^r Jardano Oinia o/fa mea dicent dnä 
qais /imilis tni ps. — f. 114<> Anennydes dat gheleide /ynes alre ghetrnwe/ten 
linecbteB vn/es gndertymeu vadera /uncte Angn/tynns. A . H . G . N. 

3) Semtoen des Fenandu« to der eeren des h. Augustinus. 
f. 145* Dyt na volgliende /ermüen predicte nie/)«r ferrando van hi/panien 
bi/fchop van amonien to der eeren des glorio/e eerlicke leerrea eu biJ'/t;hoppes 

tfgeklebten VorseUf/lalt ein Bild des h. Äuguslina«. 

beriubtet Moll, Joh. Brugmann I, IGO fgg. 



') Auf dem 
gunentMI.: 1, la 

*) Ober Tier Hss. seiner Predigti 




A 



• 



Avgn^jma vp J^e fe/tlicke hoige dagh in t«gtienwoirdtcheit alle der carduiftli. 
Int ioer vu/ea beieu M.CCC. eude LIT. Spiritu» dni locutiis e p tne et fertno ei* 
p lingnä meä DoJ^fe woinle Jprekeii aliius voile iu dae//che. ^ f, löS** o «Ire 
hillig^fte glorio/ej^e leerre en') siynentliche va<ler Angujty') Amen. Deo graciai. 
God he*) lof. Waiket w&nte glij*) wetten Jach noch vre Xechl*) Der gröastt 
Teil der Kolumne iiivi f. 153"-^ leei: 
4) XXV sennonrn des h. Augnstinun to dfii broidcrn in der woeslenieH. 

f. 151* UjT begfnet Itinrt« An^iittjrnns rermone tlio At broldere In der 
noetteD)'^. vo efk ivair \|)ti tho Toebc Ig Uat elrft« vp ile hilDgiie dre oaulncge. 
Alre licue/teii broiders gliy hebbeu gbeboirt ilat ile alre hillcge/t£ dre coiiyDg'he — 

f 19!)'' eü vecbtet myt den vilde Jerpente ende ghy Jolt dat ewighe rjke 
vntfaiige Dat vns verlenc nioete de ghene de /under ende leuet eB regnJert. 
Amen. Byr eudet de ftinnone lüi-te Angoftyntut tlin den broldere in der iroeRcnkn. 
.')) Sermoen i/fj* li. Auguetimta van der ^e/iortiamfifit. 

f. 199'' Ilyr befjut wh'Ii ein ander Termoen tärU Augnltynue nin der 
gehitrlnnilielt JSyn alre liene/tiBn broidera ijt dat w; wUle verdiene dat loen 
des ewygheu leuena. — f. 301» Weluke geliorjamheit vna verliene mnite vnje 
here ihe/ua uriJlD» du iii der ewicheit J; gebcnediet. Amen lljr begynt de 
tnlTele der Termonen rücte AugnlfynJ — 

f. 201" liyr endet de laffele dar Jermonen — in der woe/teuyen eUi. 
Byt lM)«4;k van \ate hlUlfe glorinfe vitder Met« Angiiltyna hoert tbo den fUItcre 
vnn (weDelde tho uarienkrincke xü Tüele AugiinyoJ regel. rnde Is ^r. ynt Uer 
vnreN lierü. M. T?xxiy. Ilcrtlike lleae Tullere de yn d.it boeck wt mjne kelt 
nlUc rdirjUL' de be|?bert tiltjl In yune gvbede tb» Uyiien. f. 2DI' leer. 

Nr. S114. Pphs. des U>. Jh. 2 Koi. fol. 110. 

H Kalender und Kaleitdarisclies. 

f 2._7b Kaknder. f. 8»— ITti Kalendertafeln u. ü. 
2) Dickt ran sedtn der leken. 

f. 18" NvCt«lic is te weteu I myne wane die conjte te wetä hoe die mane 
die teken loepc elc maenjchyn dore eü vrant die mane hadde den core ons te 
lopeu alrenae/t hören lo|) mit gioten hae/t gaf hoer god van hemelryc te regieren 
ewelyc die werlt eil dat daer in waa efi wejen /al aljt ic las in enen faoeke die 
was fyn, in duytsche maectit dat latyn eü wanC daer in dat Jyt iiochtä niet 
allene gedoenen can mer ander [ilanete helpe haer e& letten /omwila uner waer 
— bierom /o willic aen vaeii hier een dicht van liaren J'eden des mi een vrient 
heeft gebede daer me yirne bekenne mach, wat goet ia doen op elken dscli uff 
([uaet of Inten off beghine wej" me verlie/an mach off wyne hoet weder is off hoet 
Xol kerü beginne wi in den uame ons berc Arie» — PKees Pijces hebben boer 
tijbeu — sie ic Jtaen in goda gbewoente gelyc den vijch nat eü cout f. IS** und 
die Hülfte iw* f. IH' leer. 

3) l'rediglen auf die Sunnlage und Feiertage nach der Ordniimj 
des Kirclienjithr". 

t 18° für die BibeMelle ist Itaum gdassm. ebenso f. 18^ vor dam 
Beffinn der 2. Predigt Wie /o ter rechter bejcheidebeit come wille die ylie 

Rande beschädigt, es felilen die letzten 



d« werh wyjheit. al/oe vele als an rai be/clieiUeiilieil. is, ivl/u vele bin iu gode 

f. 20'' dM derden TondaiitK In der adnenln (W-Mfl nmtben !□ illo t^ie cü 
andi/Jet iohanes in vinruHs op« xpi iniltes duos de di/riimlis Juis. Doe Jente 
iohu lioerde dat. hi ]ai?h gebonilRii in den kerker die worde ilitt is die mirai'ule 
ihc/n xpi /o /ende hi vt twe va Jlne iongere eB dede xpo vrageu — f. 21» Sich 
ic /einde myne engel voir dyn fien/thyn die dincn wech gereiden /al voir dy 
dftt Ih daer dtt komea Jnls Expotlcle Oui die ontbindinge derre etvangelien h 
W weteD — 

t. IIU' Tun lele merteleren In ifl attendite a fermento. On/e here /eide 
tot Jinen iongheren Jlet voir v off huedet v van lieffinghe der phari/een dats 
voir höre glieneiujlheit eil gheue diuc en is /o verborgen Jy eii /al geapenbaert 
werden ^ ivant ey /yt beler dau vele minj/theo Ic Jega /prac ihejns Jb wie 
Ijet den /on dat is lii Jeiue voir die liide des /al ic Ijen vor die mghe gods. 
Rxpoflt-te Pie /ake waerom on/e here /yne f. UO'i iongheren warde was de/e. 
want die iibari/een ende die /cribeu /t^nden daer nae dat /y on/e here /eine 
mocht« hegrypen in worden off in werchen onder den mantel der ghereebticbeideü 
— en ont/let v niet van den glienen die den licham doden hier ineile wille bi 
Jyne iongbere Xi/'ei Laijen frhleit. 

IV. Hondschriflen in rolio, 

Nr. SlOi». rphs. mit PgtWl.*) des 15. Jh. '^ Kol. fol. 17«. 

Ij Ikr sivkn truisl. ') 

f. 1" DEr /ielen Iroijl leget an heyÜg' leer van betorige der heylig' /crift 

wanl lyker wys aU dal lithä lenet vau ert/ctier /py/en /oe lenet die Jiele vi 

*) Pergamenthll.: 1,7,8, lt. — Von f. 49 und 50 ist die iirilere Ecke abgerissen. 

•) Der eigentliche Seelentrosl, ein niederdentsclies Werk ans der Mitle des 
14. Jh , behandeil nur die sehn Gebote, der Verfaiser wurde wahrscheinlicb an der 
Ausführung seines nm fassen deren Planes, vgl. f. I<1 — 2*, geliinderL Nach seinem 
Beispiele bearbeitoie ein epirerer die siebeu Sakramente, den andern oder kleiuen 
Seelentrosl, diese Arbeit wurde bald als zweiter Teil des Scelontroatcs aufgefaast, 
obgleich sie für sich bestehen sollle. Sie wurde nicht so beliebt wie das alte Werk, 
welches bald aber ganz Deutschland verbreitet wurde. Bisher sind folgende Hsa. 
bekannt: a. niederdcu lache 1) die Oldenburger Hs. wahrscheinlich aus dem J, 1407, 
Tgl. Merzdorf, Bibliothekar. Unterhaltungen 3 ff., 2) die Berliner Mss. germ, fol. 78 
vom J. Mi'i, vgl. meine Notiz Zeilschr. für deutsche I'hil. VI, 424, 8) die Külaer 
vom J. 1444. vgl. s. a. 0. VI, 424, 4) die Hannoversche vom J. U73, vgl, Bodemanu, 
Incunabeln der Kgl. Blbl. zu Hannover, 68 f.. 5) die WolfenbQttler aus Helmstedt 
418 vgl. Geffcken, Bilderkaterbismus, 47, 6} die Dessauer vgl. Oerm. XXIV. 127, 
7] die Stuttgarter vgl, Pfdffer in Frommauns Deutschen Mundarten 1, 174; b, hoch- 
deutsche 1) die GiPssrner vom J 14G0, 2) die Hamburger, vgl, über beide Geffcken 
a. L 0. 47 und 45, 8) die NOrnbergcr, früher im Reailz von Tuchers, resp. Carov^s, 
Bi i»t dieselbe, welche Pfeiffer a. a. 0. neben der von Tucherschen als von Grootesche 
Mffohrte. Vgl. meine Anmerkung Zeitscbr, f. rieuische Phil, VI, 424. — Unter den 
Hn., welche der Schreiber Diebold l.oulier in Hani^no« *""> Verkauf haue, war 
auch der Seelentrost. Ums .labr 14S6 befand sich eine Hs. desselben in der Künigs- 
berger Ordensburg, vgl, HaupU ZeiUchr. III, HU. Von dem 'andern Seelentrosle' 
kannte man bisher, ausBer dem Anfange in der Stuttgarter Hs., nur eine nieder- 
deutsche in Wolfenbüllel, Helmaiedter Hbs. 255, vgl. Geffcken a. a, 0. 47, Eine hocli- 
dentsctie aus dem J. 1458 fand ich in Küln auf der Bibliothek der kathol, Gymnasien, 
Tgl. ZeitMhr. f. deutsche Phil. VI, 424. Die dritte Hs, unten f. 111» ff. Von den 
dien Drucken enthalten die beiden Kölner, der Coilboff^he vom J. U74 und der 
Tou L. vao Rencben vom J. 1484, beide Teile. 




109 

hejUg* lere wät die my/cfae eu lenet nyet ftlleeu vaii den vytwedighe bmde tnet 
oyck van den wonlü <Ue dair gaen vyt de möde gAdes eQ dat ig die faeylighe 
Icrift die he gejprake heft doir die prophete Eü doir die heylige leerre eü noch 
alle dage Jprii^t' ■'ou' <l^f pdik' uoat. Kynt lieue dair um /altn g'ue le/en Eä 
höre die lere der heylig' Jcrlft dair der Jlele troi/t aen leget up claC die Jlele 
gejpy/ec werde eä ge/terket i allen gadü dingen EU neae een beeide an onje 
lieue h'en itm xpe die mit Jync vader in den tepel naliede den wy/en mey^'ea 
e& hoirde th vrogede vh der heylig' /orlft, VOele lüde /yn die leje werltUke 
boeke eil hoire dair na eil Terlie/en al oir arbeyt wät /y nyet en vynde der 
Jyele troij^ /oemyge lüde le/en boeke vä trij^rä vg h'en derick van de beme eis 
vä de aide hune die der werlde dyende eil nyet gade eü in den boeke en is 
gheen nat wät nie viod^ dair in njet der Jlele troij^ dat en ia nyet dan tyt- 
verdryf eö vur alle die tyt die wy önutlike t« brige muete wy gade rede van 
ghenen. — 

f. 1* hier om heb ick wil een boeck t« /criue vä der lieylig' /cryft yn dat 
dude/che to gades ere eÜ myne eue kerjte tu vrome. Llat boeck wil ick toe 
Eftme leze vä meuig'hande blome. Dat boeck Jnl beyte der zielen troijt. Dair 
yue wil ick Jcryueo vn de tjen gabade gades vä de heylige Jacmete vfi de 
acht Jftlicheyde vä de ^ene vreuile vnjer lieu" vrouwc vä de aene dagetyde vä de 
zene ghane des beyüge gej/t^s vü de zene boeftzonde v& de f. 2* zeue dogede 
en wat my got dair toe ghift. luk bid al die ghene die dyt boeck leze of ze 
V andere boeke jet andere viude be/crene dat ze dit boeck nyet dair y en ftraefiS, 
Wut ick beb des alzo geramet, wair die rede te lanck J^n eü verdroe^om dair 
wil ick wat an'Jlaen wair wat önntte ys efi önerjtedich dair wil ick wat toe 
Jette e& wat der wairbeit nyet en liket dat wil ick acht* late en wil kyze dat 
nntte ya dat wair y» dat zun'lick ya Bit dat troijtlick ye wät lyker wya als 
arjte die unt/te wort« lezet to Kia' ar/edye efi die duve dat Jchoenjte kom t« 
oeren /py/en alzo wil ick id to zame Jcryue — 

i. 107" Hier om /altn gerne halde die gebade gades ap dat wy dair nyet 
en cömen dair aleiander qua Jüder dat wy dair cöme moete doir alle gades 
beiige myt gade vervrenwen y jyne ewige ryke. De» help ona alle die vader 
efi die Joen eil die heiige geij^ Amen. Explicit ijte über Anno düi mUleno 
<luadrigeteJio Jext« in profej^ Katbe'ine v'gia. 

2) Verschiedene. 

f. 107'' Eyn tpigel alre mlnrohen irk rade v alle dat ghi v dair toe 
keert Ende ghi alle dage /tenie leert Wät got en heft ons nyet te weten ge- 
geue Woe läge wy /allen lene fJch woe wy» is hy die gadert eö /pairt Tgege 
die läge hySevairt — f. 107'' Hier om edel myfche voirdycke dy wel Ende 
wea töe de dienjle gadea Jnel DycDe/tu der werlt du blyefa bediage Als du 
mogea Jyen myt oghen. 

f. 107'' Twellef I>n grade d" oltniodlcheit MErcke XII grade der oyt- 
modicheit die Jete bildictna /etten y /yre regale. Die ier/te graet ia altoes oit- 
modicheit y den h'ten eü y de lychä to bewy/en eB oc neder te zyen an die 
erde — f. 108» Die tw elfte" graet ia dal ey onderdanicheit hewy/e Jyne onerJt6. 

f. 108» DAt ordel dat die Jcepen wy/e Dea en kan ick nyet gepryje, 
Ok en kan ick des gelnjtere nyet Wät it ia dui^k wal eer gefchiet Dat beide 
Jltte yn eenre banck (inde /cepe ende kranck — Den armen als den ryken 
Nn eö toe allen Jtonden Ala dat hier voirmaela ia gevöde. 

f. 108" Van der bojflielt des woekeuera. EEn woekener iä arger dau 
die boejel^geijt wät die boe|e geijt vluyt den heiige cruce eÜ den wywater mer 
die woekener nyet. Ite en woekener ia arger dan die belle wät die belle ver- 



lOS 

Jlyndet alleen die i[n«(leii, mer en woeken" verflyndsl. he.vlc gmle eii 'jDftden. — 
en woakeuer dSdet beyde ziele ei) lyt'. 

1 108i> DK lyn tejk«! des nennaendeii dodm DAt ierjle teyke is n&n'e 
ey kiftck m?Jehe voir Xyne houede royt. wonlet eii volr bleeck was — f. 108" 
Dat /e/le teyke Wän'e /yu ogen Irenen des Jy vuir nyet" eu pirtge te doen w'. 
Ftöb Tnbz i )i*nio pedibJ frigejidt iib yino Detes uiffre/cüt nnfi /ünoteDO Edh? 
Mete xabinittit. leuit* latrimat* ocelb. Hys r'th JlgiiiB mu'iens agnajcjtur ois. 

f. 10K° Die Uen ^bade gnebt t« ryme.*) Hyu/che tleo Jy d* gebeuie Die 
di gebade Jy v& g&de. Dat lerft bedudet da Jalt m^ne Dyue got TS alle /ynen 
?ä h'ten en van alre macht Zo hu/tu dut irjte gebot volbrachl, Auer an dejc 
Jelne gebade Verbudet he die afgade, Efi die nyet alleyne Die nu holt of an 
Jteyne Syn gegraiie of gemaelt Dair menich an bedwaelt Wat dy gades 
T*gete doet Dat /y mS wyf kyd' of guet Dat heit nie dyn afgot Hieran saltu 
dy bewaren Woltu na gade» gebade vnren. — f. lOa'' Soe wie /e haldet onte- 
b»ke AJ/ne hier voir is ge/prake. Die /al dair tnyt gade lene Dat moet got 
OQS alle geac. Au. 

f, lOab Eyn gedlelit VA pilftllk* inyne') IT ia tyt dat wy beginen mit 
un/en willen /chier te clymen in der mynen die tyt is nu albier — f. HO* En 
make ons des toeuaU quyt In de/en armen dale Efl hi na de/er corter tyt 
Ona allen tot om bale. Amen. 

f. 110' DU is eu merclleb lief*) Woe lüde sanck die lerer op der tyne 
Wie un yn /wäre Juden leecht he mach Jich w«l be/yne — f, 1 lö*" So saltu. 
halde die i gebot Zoe en word/tu nyet des diiuels /pot Dat hemelryck dat 
wordt dyn eygben. 

t. UOb Dlt Is ok en ft-hoen lief") Sv Jterk ons got yn on/er noit ick benele 
iiiy li*e yn dyn gebot laet ons de dairh genedeclicb aenjcbyne — f. llQo E^ 
wa/ch af al niy /Öde myt dyne beuge wende de« bid ick h'e dy. 

f. 110'' Ma'ia was oitniodich, voirhoedieh, /tedich, vredich, zedich, voil 
/wygede, gade v'krigede, reyn, gern alleyn, /atich, oa'itatich, armen v'duldich, 
/ypel en eyvoildich, /«hemel eu getrnwe. Alle de/e doechde had ons lieoe vrouwe 
Hod ick /e mede dal w"e niy guet Wut ick ommer /terueu muet. i?«- Hfilfte 
lifr Kolumne l'ci: 

3) Ein nwli-r fielen Iroiat rim den seven /laeratnenten.") 

i. IH' DEr fielen troe/t leget an heiliger leren eil an betrachtiuge der 
heilig* /oryfl want gelyker wys dat die licham leuet van der eert/cher J^i/en, 
al/o leuet die jsiele vnn der heiliger Jcryfture waut die my/che en lenet nyet 

•) Andere niedprd. Reime über die zehn Gebole ans WolfenbiitttiT Hsa. in 
Geffckeng Bilderkatevhismua 175 ff., kürzere aus eluer Halberiilädter Hs, Jahrb. II, 
30 f. Über hochdeulsche vgl. Gocdeke Grundr. 1*. 238 

^ Abgedruckt in von Arnswaldtg Vier Schrifteii von Joh. Rusbroek XXXVll ff. 

*) Dieses geisilicbe Wächterllcd von mir nach dieser Hs. mitgeteilt in der 
Zeitscfar. f. deutsche Phil. IX, 190 E, wo auch die von HofFmann von Fallerslebeu 
veröffeutlichlen Fassungen besprachen, 

") Die grosse Tageweise des Peter von Arlierg habe irli nach dieser Hs. 
a. a. O. 187 ff. herausgegeben, mit Bemerkungen lllicr die andern damals bekannten 
FaaiiiDgen. Seitdem wurden neu'' Ti'xte aufgefundi'n. Auf Qruad dieser Üher- 
lieferuDg gab Barrsch Germ. XXV, 220 ff. einen kritisch hergeslelllen Text mit den 
Abweichungen der Hss. 

'*) Dieser Titel ttebt in dem Register, Mit f 111* beginnt eine ursprOnglich 
■elbilAudige Hs,, welche iui J. 1436 mit der vorhergehenden vereinigt wurde. Damals 
wnrdea beide folüert und ihr Inhalt mit den spüterfn ICintragimgeu auf f. 148° Ins 
lee* registriert. 




US 



t04 

ollene van de brode iner oic van de woiide die dair gaeu vit den monde godefl. 
Oot U geljc ene vader die ^ne kinder /pi/et mitten be/ten brode dat he heuet 
want got /piTet ona hyr au de/en lenene mit ftljodftjii brode dat uns byi nn 
is, 9fie wäneer wy oa'come tot hem /u v/i\ lie ons Jpi/en mitten brode des wj 
hii nyet begripen mögen. KJut lieiie du lalt dat weteu dat ona got hyr /enender 
Uüde Jpi/e geeft, dal Jlnt die heilige VU /acrameteu die Ite ona gegeue heeft 
U> hulpeu tu den ewige leueii dat is dalr bewyjet an dat ou/e h'e ihs ipa tot 
eeure tyt IIU"' volkea /pijeden myt VII bruden iu d* woe/tenie eil ftic io ver- 
banne ou" dat vülü woül /y en hebben ujet dal /y et« laet ic /e bongerich uie 
jpije Jo verderue Jy in de wege — 

f. 148" Kiat lieue aldus qua die geejteüke gewalt boue die wetitlike. 
Dil heeft got gedaen der paepscap tu eren bir om j"al me fe ere. Kint lieue 
woltn wat weten vä deu gee/teliken teuen foe leje dat tloejter /pigel ooer dait 
yindejtu in dat ge/creue. Explicit dö gn ame. Anno dai MJJeJSmo ccce' xiiTi' 
nee non in profesto bte loaie inagda"' Scriptor /cpiV/^ >"> melio [i potuijjj. 
4) Verschicikneji. 

t 148° Dit Tyn hellge lere Toele lade wete voel mar om Jelue en wetö 
/y nyet eü vp dat wy ons /eine lere k^ne eü au'myds kyni/Je ons Jelfs voirt 
lere k^ne onje lieue h'en iTni xpni so Julie wy aen zyen die lerige die ons 
beiige leerre hebbe bejcrene die hier na Jtaen. Int icr/t /eget Jete Beraards 
die dach X^l d(*(>1i cöme dat bet* wejen Julie reyn h'te di Jchalke noirde e& 
gude o/cie dan vol budel. Aug' Dat ia ona Jeer Jubandelick te v'wyte dat wy 
der wyjbeit woirde myt de wercke nyet en doeu — f. 153' Thomas vi aq'ne 
Eyu myjche v'vult al die heiige Jcrifl y drie Jaken yu myue der ewig' dynge 
yn v'JinaeniJJe der tytliker dygen eü yu v'duldigeu lyde wederjtotea die um 
auer cämet, 

f, 153* Van der Mlger drjuoldltbet Täd' foen hellge gtiSt eyn Tclioeu ^- 
dlchte. ") heiige geijt vader eil Jone Die ey got is y drie pjoue — f. 154^ 
In lyde Jalt dy v verblydeii Ende leue yn verduldicheit I>it is dat Jlot d' 
heiig' dryuoldicbeit. 

f. 154'' Van diie dodeu könyngö eil rä drie lenedlgen könynghen") In 
eyre Juter aomer tyt. Soe nie wüuecliken Jiet Loif graa bloyme menigerleye 
Als om die tyt Tau den meye So wart eyn grote lacht gejtalt Vä drien here 
wal te mate alt Sy waren gudes eö moedea ryke Men en vant nergent oir 
gelyke In alle denen lande Soe wair men Jy bekäde — f. 156'' Dat wy Jyu 
hnlde v'weruen Eer dan wy Jteruen Des güae ons got vä hemelryck In Jynea 
throne ewelick ame, 

f. 156'' Prologns van puHlen otm here ibeHi crllll. DJe goue die begert 
ey warachtith medeiyder le wejeu des lydens ons here ibü ipi aljo id ge/chiede 
y ilker vre dea dagea doe hi gecruyjt wart die inoet om boede van lecke'n Jpyjen 
— Deje manyer J^ildy halde yn aeujchonwe des crucis Te raetten tyt Te 
mettetjde Juldy hebbe y nwö gedachte woe ons liene h'e iha xps had Tervult 
die tyt Jyre pdikinge eil jy leren — f. 165'* Hier yndet die pajjye ende die 
moet we/e toe laue eil toe ere onjen liene h'en Ihü xpo eil niarien JJne ge- 

") AuguBtinkens heilige DreifaltiKkeit 2f!2 Verae, vgl. Zeitacbr. f, deutaehe 
Phil. IX, 192. Bloramaert gab das Qedicbl nach der van Hulibemschen Ha. in 
BrliBsel heraus in aeJDeu Oudvlaemscbcn gedichten 111, 120 ff. unter dem Titel 'de 
scbeppiug'. Es hat dort HIB Verse. 

") Weniger gut ist der Text, der in Gifttere Bragur 1 (1791) -169 ff. uach 
einer Hs. Häsaleina, die sieh jetzt In Stuttgart befindet, abgedruckt iat, Baa Harte* 
bok der 1^'landerfahrer enthält eine stark Qberarbeilete jüngere Fassung, die bei 
blaphorsi, Hamburg. Kirche ngeschichte 1. 4 (IT3I), 263 ff. steht 




benediiler möd' eb Jyaea apo/toli wät /y alle mede doegeden myt ipo. Sa «ry 
iDoete »1/oe myt om doege e& lyde dat wj arme c*ature der voir/chreoere pftXfien 
nyet en moete v'gete raer altoes _deckBde wej'en y onje lite etl dat wy moetl 
cöwe myt de/en toede doege l«t ipm tot d' ewig' vreude. Dat moet die Joen 
des ewige vftders ons alle gfiiie die al/ne gepaJXyt eil gepynicht is np den gnde 
TTydach an der galge des crnces en ma'ia ff gebenedide mfider. 

f. Ißö') Viot nrh ey myrehe bei«yde lal le ontfan^e dat hellge brrament 
«Ba h'en Ibu xpl Twe dinge /yn die de my/che Jeer heblich make eb eyn 
bereitacop te untfangen dat heilige Jacramet — 

f. 167'' Defe na bererenen gebede lidme lefen eIk men dal hellte bcra- 
mnit ontfangen Tal. Here ick ga tot dy als ey kyat tot Jyne vnd* die id uyet 
late en wil — 

f. 168* Dete ua beFereiie gebede Talme \ftfa lik iiie ontfange heft dat 
hellge filFrament. Wale my dat ick ontfange hebbe dat heil def werlt — 
t. 168^ Efl ok tot ejre Terloe/Jlnge alle der die y de vegevuer /yn Amen. /Jw 
riKrtr Teil dn- Kohimrie, t leHe-J joht leer. Dann kfiniml auf t. Ißü»— 171° 
das Regintcr, 

f. 171° Vau uiaiieu ran Bgdpte noe ly bekeert wart vnn [hnden ET 
waa ey moniek die hiet zoiimas die tb kyde y ey cloejl' gewejl hadde dair 
voll beilg' raonike wäre — f. 174* Nu bidde vry dy mai'a egipciaca dattu on/O 
b'en bida voir tiaa dat hi oos gre geue dat leue der penitecien aljb ao ons te neme 
ilat wy om na volgen nioete eä come tot der blyt/cappe dair dujent iaer is als 
ey dacb die geleden in Amen. 

f. 174'' Van den tien dufent marteren woe ty gepnlllet norden om den 
berften inlouen nlUe f. 175* IN den tyde do Adrians eü Anthonins wäre key/ers 
Tan Bonie eü die vä rumen by nn alle die werlt hajde ouder oere dwanck — 
f. 176' de all engele eö hemel/cbe her /ond' nphBre laje eö becedin y ewicheideu 
Amen. Scriptum et apletü anno dOl M" eeee" xxxill Jpn düE mar«) ewägeURe. 

f. 176'' Ick") geloue in den naem des vaders des J'^^i'^ ^^ dea heiliget) 
gee/t Ic geloue dat deje dru i>eT/one een got is en anders geen got en/y myt 
de/er heiliger geloue kome ic to bychten gade van hemelryck Jynre Üeuer meeder 
ftl gaets heilige mync priejter in die Jtat gaets ind geue my /chnldicb in mynen 
in Jlen dat ic lieuer gejlen heb die ydelheit der werlt dan den dyenst gaets in 
hori dat ic tiener gehoenlt heb Drei Viertel der Kolimiiie leer. 

Nr. ^112. Pphs. des 15. Jh. 2 Kol. fol. ^65. 

J) Iturliard vtm S. Victor, op cantica caiiticorum.'*) 

f. 1* Hie b^junet die tafTele der capittel — 

f. 2* Hie begynnet eyn traelaet Hettter Rlehardes vnn Tüte uit-toer op 
«mtlea rantleorü. Wie got gefolebt wIrt In raRen ja van begerden ou merre 
graele xo Intfangen dat trlle eaplttel. In mynen betgyn hayn ich gej'oicht by 
nacht den niyne /ele mynt. Die /ele die got /oicket — 

f. 77* ihüs xpus der bruydgem der beiliger kirchen die leuet iiid regneirt 
van ewen zo ewen He endet der tradnet melRer Rlchardna van ranele lietolr 
•p cantle* eanüeorü dat XLI eü 

2/ Van ffee^Hikci- miHiie. 

f. 77» Korn in mynen hof myn /n/ter my bruyt min Jlele du bi/t myn lioif 

'^ Anfang äner Beichte, ron ■pälerer Hand. 
») Vgl. die Hs. Kr. 3166 in gross %". 



106 



f, 78* tiü wUcher wirtlcliftfft inyn /ujt«r ind bniyt com na <\e<a urbeidc 
Her Jtryden. Ameu Deo, gncias Du" Hälße der .SriVc vti^ f. 7H'' tum 
jrij.ixl.eii Teile leer. 

8) IfiV'ler Koiiirail. nm 'kr aiimkii ilrr ei<jeii.\vluifl. 

f. 78'' Vü der rei-nelrllcUer runde der ejsensvbAlT ne rorobUnlien die in n« 
Tsle^onse der heller lelrre f. 78° Js is zu wj/Xeii dat alle gei/tliche orde 
Älju vil der Jint in der heiiger Cry/teheit wie die geniit Jyat ind wer ^y gevoude 
hnit ll Jy Ba/ylius. Augu/tynus. BenedictuB Beruardiis So Jint fy gebouwet op 
dry Jeyl Dat is gehorjamheit reynicheit ind neit ejgens zo hauen — 

f. 81'' ind her vmb ir myn alre liefFfte broedere ind Ju/Ure ind ge/ponUe& 
ihn spi [y uch ey koirte leire gegeuen vre geloiffden dar na eo rechte ind 
genoick zo /yn Nu gait in vre conciencie ind bejiet vr leite in de/er koirte 
leire ind riclitet vr gedachte wort iud wercke dar na Ind na dem willen des 
almechtige gotx der uch ihüa xpns Jyme jbne gemagelt halt dar mit eine her- 
/chet in dem ewicheo riebe ind gedeuckt uuch au mich armen broder koynnüt 
dnt ich uuch moige komen in der engele Jchaire. Deo gracias. 

4> Von ilciii Au-''(i"ii(/p der Kuuli-r lurael min Ki/if/iten iiml Erklärung 
der -.eh,, Gebote.") 

f. Hl" He begannen die hellgo r^yn gebode irlt iiie die he patriitrehe gt- 
Imire norde Ind nie niolfes die kynder Tau iTmhel rs Egipte leide In die wollteiiye 
da 0' XL >a!r In iTiüran. f. 81° Xol) tlmere Ted defcende In Eglpti «{iiln In 
gent«ni nuignä farlum te Ibl Ego derrendam teeü lUor et Ego ndduoA te reiier- 
tente. (Tenelb) eapltulo XLVI. Alju J^it ge/chrene in dcme irjte hoich der 
ald' e. dat got /prach zo dem heiigen patriarchc Jacob Du iu Jalt dich neit voirte — 

f. iH= der hutten ejTi Jalttu dir /eluer bouwen ind du in woyne. Ind 
verdrnyJY dich in einre Joe ganck in die ander dattn vmraer in dg hutteu ind 
bi dem berge bliues Der joenger Nu wij^ ich gerne wal Jynues die X. gebot 
in en |etuer droege Jint nyemant eu mach behalden werde dun alleyne durch 
die gebot — 

f. 141» Der junger Sint dattn mir ge/acht liai/t wie dat vokk vs egipten 
quam Ind wie en got an dejen berge Jyn gebot gaif So wijl ich gerne wie it 
en vort erginge ind wie J^' vort van dem berge eoigen entgen dat geloifde lant ^ 

f, 155' ouch mich blinde mynjche in den Jelueu zile vjdes dat tds dat 
ind alle kirften min/chen wedervare dat verlene vm ä' vader Jon ind heilige 
geijt Eyn wair got ind dry itjbnen. Amen Deo graeias. Vnn den fielen die 
lervaren flnt van deltm eilende Ind dit holrt in dat rlerde gebot ere rnder lud 
moder da dIt zeleUen fielt -'^ der joenger fpr- f. 156'' Ich hegeren in dinre 
mjnnen dattn niyr etzwat /ages vis den /ielen die vervaren Jint vä doj'/em eilende — 

(. 15H» Jb /oilde he des dagea wenych me erjchrecken aljo hai/tu wail 
gemircket wie Jlch der min/che vur de doide richten Joüde. 
41 Van nlrelei siinden. 

f. löS" Vs alreley Tunde Conpendius Theololeo XXIllI ca. I>ie /unden 
dea hertzen Jint de/e gedenckenj/fe ind getujt ind verhencknifj'e ind hegeronge 
des boi/en — f. I58'> van der runden de» mondeK — van den Rinden der wen-ken 

") Vgl Anmerkung zu Nr. 3U2 in gross 8". Die Unterweisung Qber die 
zehn Gebote, von der Sprenger Jahrb. VII, 63 ff, ein kleines Bruchstück mitteilte, 
ist unser zweiter Traktat. I.Obben klagie a. a. 0. 70, dass von einem so hervor- 
ragenden Werke kein vollstilndiges nd. Exemplar auf uns gekommen, und nannte 
es einen in mehr als einer Hinsiebt pmpfind liehen Verlnst. — Vgl. noch Oeffcken, 
Bilderkai echismus 42 ff. 




— r. 158^ Jiuli ueit en bedro.vnet ran dem dnt eiue JcheiUioh h inil neit eti 
vergifft dat eme zo vnrecht weder »are jb Ind f. 159 Iffr. 

.'>) J'ihnn Ihighioec, von der sierheH der geistlicher i/rulofl.'*) 

f. lt)U> nie beglnt die txlerhelt der (reinUfher broulolTt die liei- JuhHii 
Ruyfbroet-h prieltor na irnjuendale bl brnlel niaehte In dnjUdier uilcn. Kue 
JVon/Ue veait eiite ubniü ei, Siet der braydigitni koniet guit t/z eme tzo geraoete — 

f. 213" DbI wir gebruycU liehen bejitäten moijzen die we/eliche eynicheit 
ind einheit dairlich be/chsnweD in dritieit dat geae oan die gntliuhe minne die 
gejne bedelar en verjaget. Deu graciaa Dit boicb wart geendet do men zait 
die jair odh beren du/ent vierhondert ind nnyn ind /enedicb op der heiliger 
mertler dacli felix Ind nabor ir reiiqnie rajten zo cole in dem doim Bit der 
JVhrinerfe die ewige rajt vnib gotz willen. 

fi/ fientioen tlex h. Hiernni/miix lYin der hemelvarl Marien. 

f. 213" nie beginnet des gluriolen Tant Jheronimiu Terraoene de he schreWt 
m der bellger iTnuweD imiiiIh fnd In-c Herdt)»r docfater KnRochlnm van der 
hemelTitrt murle der modcr fott. Die IrtleletM f. 213'* Ir twyuget raicb o 
paula ind Eiiytotliiii ind vorwair die leiffde ipi twynget mitb die icb van langen 
tzyden her plaub nch an so /precben mit hoichen Tan mir gedichtet dat ich nu 
in eynre nnwer wy/e be/cbrene eyn Jermoe mit latynjchen worden vau der int- 
fenckeni/Xe der beilger erwerdiger maget marien van de/er erden zo der ewiger 
Trend e — 

f. 228^ Flair byu JVhicket vr bertzeu vp dat waite X]idb der Jcinffranweu 
kint pcb olfeabairt in dem ende der werlt dat ir dau mit \pu er/uhyiiet in der 
ewiger glorien bic endet dit /ermoyn. — 

il l'erschiedenef. 

f. 228t> Sent brigitta vraigde die beilige jonffer uaria warvm der werdige 
lerre /ent Jheronims neit clairlicher en Jchrene jiuen /ermoeu dat Jl werc ent- 
vangen mit Jiele ind mit licham Do sprach maria Sent .Iheronimn halt honen 
nuüjje wail vä mir gejehreue ind en tJiwiuelde neit hie in /onder want he was 
eyn golden ba/oyne de' f. 228° wnirheit ind ain Terdilger der vugeluyuiiyger lud 
ej-n /nyl de' heiliger kirchen /o en tzemde em neit entliehen vur die gantze 
wairbeit zo /chriueu dan dat dat heilige ewangeliö Ind dat aide te/tament be- 
/chrinet ind betzuygii 

f. 228" Die beduttenllTe rp dnt aue uiaria Aue maria gracia pleua dominn 
tecü txo dir uaer/te coenynck myu alre mecbtichfte /cbepper myn alre liefjte 
bebelder ihü vä alle myme hertze van alle ininre macht ind van alle myme ge- 
dancken ich geuen dir genade ind gracie van dem dat da myn arme mynfcheit 
woldea vereinigen mit dinre hoger gotbeit — f. 231* ala behoirt zo der moder 
jonffere ind vren Jbi/fen /one tJot ind my/ch lenende /onder ende Amen 

r. 231* Dyt b) die bednyttenb«e yp Mae retiynn- »IIb felr troirtllehen 
rmn der moder fotz wie tf eyn moder bamihertxlehelt \» Hmyn Jiele doichter 
der heiliger kirchen off du woJt dinre moder volgen gm^ende die moder des 
hoifde« der heiliger kirchen maria jonfTer moder du Jbildes irjt betrachte die 
menichneldicbeit irre werdirheit — f. 234*^ o wie mtfllich my Jiele corgiereude 
wie mitlidende myn /andeu beclagende i) wie Joijlich du dinen Jon mit mir 
vereinigei /o lieSichen Ueo grarias, 

'*) Herausgegeben nach dieser lls. (C) von v. Amewaldt in den Tier Schriften 
von Jobann Ruabroek, 3 fgg. Tgl. die Anmerkung zu Nr. 3147 (in klein 8°), 
f. 110* (vgl. Nr. 3)48 f. 143 fgg.) nnd Moll Joh. Brugmann, 1, 41, der die grosse 
Beliebtbeit dieset Traktates bei den Schwestern in Deventer nnd Diepenveen hervorbebt. 





. wech Jcherp vp dat /i i 
1 der dinge die Jln iu dem 
der gebenedit is in 



f. 3340 Hte begliit eyn e|>in«l ivle viindliclien ilnt it U vp feiftUche Iml 
Koeden mlnrcben »> fprecheu l>en wech der wairlieit zo hekeuaeu ind to nijiiDe 

ind za wandelen Gaide vrant die worde die ich le/t van vch hoirt« do ich bi 
vch WBB hauen mir beknnimerange gemitcht iod ouch medelyden in myme hertze 
wanl mich mi/dinckt /eir dnt ir of einiuli kir/ten min/che aljulch gevoilen Julde 
hftin — f. 247'' vnj'a here mncht Jlnen vmnden den 
genoichde neit en nemen in dem wege Inil vergej/en 
vaderlande Tzo wilcheii vad er lande vns brengen 
ewicheic Amen 

f. 247'! Van der veruelrllclipr vermalerdydpr Luiden der «chter tlvsefae 
f. 248* l'une domine cujtodiä ori meo et oj^ü eircn/tancie labijs meia Al/ns 
J^richt ind beedet der beiige jiropliete iud konynck danid in dem /elMr Setze h'e 
hoede myme moiide ind eyn doir d* ijmjteude mynen lippen wnnt he wail wy/le 
dat vil Jiinden gelegen Jlnt in eyme vnbehuetten inende ind vil goedes koempt 
VÄ J'preche mit rechten vmbj^nde — f. 251*' dat wir behoeden vn/e aunge ind 
ore van achterclaffen ind vä allen anderen /unde al/o dat wir werdicb werden 
zo louen got den here ind hoiren moiß'en de loff gotz van allen engelen in der 
ewiger ewicheit Amen f. 'ibl'-'^ leer. 

Nl Der n}iii:gel ikr jouffereii. 1. ") 

f. 252* Hie begfait Dnt prolognii Tun dem Ifle^I der JoulTere Want 
ecklich mynjche Tan fynre uatnrlicher ee wegen gezoigeu wirt J)'u ir/te begiue 
weder zo /oicke In dem Jeliieu wirt he vermaynt alle vergenckliche dinge cleyne 
tzD achten ind die /eine behoirt alre tceyjte den ghenen zo die vS der Aniyyjingen 
der heiliger kirehen dem bemelrich eo geschickt /chynen zo fjn Dat ir o doichtere 
xpi mit eyme bereiden gemoide gedayn hait — _ 

f. 252' vp dat ejn eckliche joulfrauwe xpi die mynne zu deme worde 
gotz hait ind deje hoicber recht als doirch vyl keinpe ouerloilTet van menycher 
hande blomen. Dat is van geijtlichen Jlnne Eyn crone van mencheihande Tarwe 
machen mach vp ir hoifft zo /etze Dat Irrte bolvh 1h ran den blojmeu de« pais- 
dj'fes Theodora want ich vnr genome 1min van den blomen dea parady/es 
van der /choire rrnchten der heiliger kirehen van junfTerlichü lenen ind van 
materien der reynicheit mit dir zu Jprechen So wil ich alre ir/t beginen van der 
blome die Tan ir Jeluer al/ua ge/acht hait Ich bin eyn biomo des veldea ind eyn 
lelye der dalen — 

f. 263' Die zwejde eoUaele van der fontejii des paradjTes — 

i. 263'! Hie begjnnet dat nndcr boleh vnn der belljelTlngeii — 

f. 270^ Dat dirde nie der heilige treirt fprleht ind vnn der tzlerhelt der 
jonlTere — 

f. 3K2'' dat lierde vnn der honerdic ind van der oltmoldlcheit ~ 

f. 288'' die viinfFdc eollaele vä der tlnu'khelt der jonlfraiiwen Ind der 
ItAreker Trauwen — f. 309'' mer ir/t wil ich dir die materie in einre flgnren 
entwerpen off licht din mitge/elHneu neit en verjtunde dat /y liejen mer op dat 
Jy die meynouge vä deni /ynne in der äguren moichten myrcken Bit") ia tuI- 
bracht op de dach des gloriojen /eruacia In den jaire vna here dujeut vier hüdert 
tewey ind echtsich hid god vur die /chryuers 

") Die MiatBchappij der nederl. Letterkunde nu Leiden iKeiUt zwei voll- 
ständige Has, die^ea Spieitels (Der Maechden Spicghel. Sameuspraak lutachen Theo- 
dora een aenscouwester Godi en eeu Pelgrim in twaalf boeken), von denen die eine 
frOher den 'Suateren van 8l^ Kalhcriaen eii Si» Elsabeiha huus, wonende ler Ooude 
in K«gendaer gehörte, und eine drille, Buch VI— Xil enlhaltend, aus dem 'Convent 
tot Sinte ürsulea te Delft, in't Oesleynde'. Vgl. ihren Katalog, I, 22. 

") 'Dil — fcbrinera' von dem Rtibricalor autgestricheit. 



t. 310* Van der IjUkmlieil tnd wl« dat mcn Itr^dea fal w«der die n^ltreche 
— f. 325'' Na (lynre arbeide in der Jee Jaltu so eyiire goeder baue comeu Na 
dem wege zo dyns vadera lande na dem Jcbeitie Jalt du die f^enade des licbtes 
vynde Ind dan in Jnl it dich neit rouwe dat du luit vil arbeidea gelouffen hai/tes 
Deo gracias. Hier endet die callacie ran der lytfambeit dar got die ere van 
hauen mois. 

9) Van der bickte. 

f. 320° Santa Angiijtyuas /pricht wat /cbaems du dich so bicbten mynjche 
ich byn ey Junder als du ber vmb bicbte rayo/cbe dem nty/cbe /andige mynjcbe 
dem Jimdigen myo/clien. wat int/uy/tu dicb zo bicbte — f. 335'' want maclis 
dn bauen eynen gedanrken gewairiges rouwes du com/t op den wecli der ewiger 
/elicheit Deo gracias. 

lOJ Albertus Maijiuig, i-an wairen doigden. 

f. 3^6' Vit is nui wairen dolgdeu ind It Tehriuet der gröl» Albertus In 
dem nauien der heiliger vngedeilder driueldicheit Uat IrRe (.^plttel Van got- 
licber mynnen ind liefde. — f. S2G*' van der volberdongen XLI Dyt Ih die 
Torrede It J"int etzliche vudoichdeu die gar dick eyn gejtelt der doichden haue 
ind ertÄ03-ne al/o dat nien meynt J'y flu doichde ind /y /int doch wairüch viidu- 
gent jnd aljo meynt beeXllcheit ind gflmicheit J'y gerechticheil jnd bitt«rkeit des 
gemoides J'y emjticbeit iud verlaiJXenheit j'y geiJUiche vreude des gemoides jnd 
tratcheit off vnordeliche troiricheit J'y tApperheit der Jeden jnd lanwicli' /y be- 
Jcheidenbeit — f. H26= ind alj'o /al raen zo dem irjte niircken Tä gotlicbar 
mynnen die eyn moder ind eyn cleynoit is alre duigint Hie geyut an die XLI 
doegdcn dut Irlte eapittel Tan der wtürre Tolkomenre nijiinen gotz dat trit« eap 
Dit is wair vulcomen gotliibe mifle entgen got wanne /ich die Jlete mit al ire 
Imffte inbrnn/tliob in got gay^t — 

f. 3({5* Tan der folberdbige b\n tn dat eade dat iwey Ind velrtdchft« 
rap^el Dit IB waire beher&ge ernjtiger oeffüge in goe<lä wercke jledige vleij'/e 
EO Tolkomenheit geijtlicher dinge die al' neijjlehj'te behaldinge der genaden ind 
der duegent bis in den doit — 

f. 3Sö^ wät ioh dea gewys byn wer eyiie doegda vä dir hat der /eine 
hait Jy alle mit eyn ander ind wer in eynre wei/t der /eine weijt in dan andere 
allen mit eynandere ind wer in eynre mangelt der Jeliie in hait geyn want j'y 
jint mit genaden gaeyut ind vereynt Amen Explicit 



k 



Übersicht der leschricbetien Hanäschriftet. 



\. H9I 



a kic 



I B". 



Nr. 3129—3133, 3144'*), 3147, 3148, 31(i6, 
11. HsB. in groHB 8°. 
Kr. 3134—3146, 3154—3164. 

III. Has. in A". 
Nr. 3113, 3114. 

IV. Hss. in folio. 
Nr. 3109, 3112. 



'1 Nachtraglich bemerke ich, daag der Traktat f. 78» ff. der Hs. 3144 wol 
identisch ist mit dem 'Busaelkijn of boodekiJD van Ulixen, vergadert ende gecopu- 
leert van enen gbeeatelikcn ende seer vurlicbten brueder van der Minrebroederi 
oerden van die familie der obserranten in die provintie von Colen', welcbes die 
Maatschappij der nederi. Letterkande zu Leiden in einer IIb. des 16. Jb. besitzt, 
rgl. iliren Katalog 21. 





HO 

AusgescJtlossen von der Beschreibung blieben folgende Pphss. '") ; 
1. iu kl. 8» resp. 12». 
'. 3126*. 15. Jli. M. 28. (LELteinische HeBsgebeU.) 

'. 3127. 15. Jh. fal. 225. (Lateinische unil Aeutscbe Gebete und Betrotb- 
tangen.) 
15. Jli. fol. &8. [Die kü/t ztu Jterbe i ducKfch* /prathe.) 
15. Jh. 2 kol. fol. 117. (Raimundi siuamula confessonim. ") 

15. Jh. fol. 199. (Lateiniacbe Gebete.) 
IG, Jh. fol. 236. (Lateinische Gebete und Hymnen.) 

16, Jb. fol. 237. (Deutsche Oebele von verschiedenen Hunden.) 
16. Jh. fol. il5. (Lateinische Gebete unil Betrachtungen.) 

U. in 4«. 
15. Jh. 2 kol. fol. 139. (Zweiundzwanzig Predigten Tauler».") 



Nr. 3128*. 

Nr. 3150. 

Nr. 3161. 

Nr. 3152. 

Nr. 3153. 

Nr. 3166**. 



Nr. .^110. 
Nr 3111. 



15. Jh. fol. 161 (f. 160—163 2 Kol.) (Otto von Paasau, Die 
Tiemmlswauiig Alten"). 

") Ebenso die Bruchstücke von Pergamenthas., unter denen am wertvollsten 
das Bruchitäck der Vmarbeitung de» König Hothtr ist. 

") Sie beginnt: Tonism ut ait yeronimua secla post naufragiü tabl'a e culpa 
simpir' afit'i iie ipiciu min is trän tis pdeam tabula subm'gi »tingftt aliqü naufragantes. 
Ego Eaimüda fr ordiiiis, pdicator. minim' imo iniitilis senius ad honore döi iliü 
xpi et gloriofe u'giois mrif eis et be kat'erine pfente fümulft — diligcnli studio 
compitavi. 

**) Ursprünglich enthielt die Hs. 29 Predigten, die vier letzten Lagen fehlen 
aber. f. 1' Dis nach gefchribene predinen het gelert vü geprediet vnfer lieber 
vatler der däwler fälig. 1. f. 2--f, O^ = (liOipilger Aasg. vom J. 149») f. CXIX". 
2. f. 9e-f. W = f CXXni". 3. f. W-f 21° = {. CXXVK 4. f 2l'>— f. SOt 

= f. cxxxiin«. 5. f. 30b_f, a7d = f, ccxvii". e. f. 37'»— f. 44« = r cxxxvm. 

7. f. 44"— f 49* = f. GL»', a. f. 49»— f. SB*> = f. CXLVd, 9. f. ßSt-f. 621- = 
f. CLX«. 10. f. 62i.-f 68d = f. CLXU». 11. f. m^-i. li^ = f. CCXXVb. 
12. f. 74'1-f. 81^ = f. CLX.XII". 13. f 81d-f S?" = f. CCXXVIll«. 14. f. B7» 
big f. 91^ = f. CCXXXh. 16, f. 9H— f. 98" = f. CCXXXII^. 16. f. 98«-f. 103« 
= f CCXXXVIII« 17. t 103"-f. 110» = f, CCXXXV^. 18. f. 110»-f. 115« = 
f. CLXXXV«. 19. f 1 15«-f. I2ab = f. CLXIX«. 20. f. 122>'— f. 127« = f. CCXLVI«. 
21. f. 127»— f. 13Si> = r CXC». 22. f. ISSt-f. 139'' = f. CLIIU-^, 

") f. 154b Hye hat das puech ein enil Anno düi.eic. Got uns sein genad 
von hymi 1454 fend [T>us xps in CUÜ bSdicta la vlgil AuguflA 



GRIilFSWALD. 



AI. Reifferscheid. 





^^^^n ■ 


Tier- und Pflanzennamen ^t 


aus Ostfriesland. 1 


I. Tiernamen. | 


äbar, fwlebar, liäHebar, hädbar, 


filerke, filipper, filapper. Kobl- 


Storch. 


weissling. 


adder, Naltcr. Kreuzotter, Viper. 


flfite, Hat, Glattroche. 


aftas, aftaak. Eideckse. 


flidder, eine kleinere Art Scholle 


akkerraantje, Bachstehe. 


od. Plaftßsch. 


akater, hSkster, Elster. 


Hunder, eine Art Plattfisch (Pleuro- 


amel, Larve der Wiesensckiifcke 


uectes flesus). 


(Tipula praetonsis). 


güfe, gSpe, gßp, Hornhecht, Grün 


ante, änt, Ente. 


knochen (Belone vulg.). 


är, ärend. Aar, Adler. 


g,ai-, gel-borslje, Bothkehkhm. 


babel. aUes abgelebtes Pferd, Sckmd- 


geitel, Schwarzdrossel. 


mätire ttc. 


genät, geroät, Garnele. 


bäfer-buk, Bekassine, Heersrhiiepff. 


gnit,gQ&t,kleinesFliegengesehmeisa, 


baue, bau, Bremse, Stechflirqe. 


hes. die kleinen Eintagsfliegen 


been-püt, Roikkehlcken. 


od. Kriebelmücken etc. 


bigge, Ferkel. 


göse- od. ganae-arend, gemeiner 


bister, Blutigel. 


Seeadler. 


bleiü- biter, Wareenbeissfr, qros.'te 


greta, grita, Pfuhl sehne)) fe (scolo- 


Libelle. 


pax aegoceph.) 


blas-henne. Bloss- od. Wasserhuhn. 


grirtiog , sacdgrifling . Sandaäl, 


blutter, Staar. 


Sandspierlinq. H 


bömantje, Bachstelze. 


bäfki-, llahichi. ^^M 


hömbikker, ^echt. 


bäge-krüperke, Zaunköniq. ^^^1 


bÖmtike, Maikäfer. 


hfikt, Hecht. ^^M 


botter-fögel, Schmetterling. 


hSkater, s. äkater. ^^ 


bosse, verschnittener Eber. 


hän-rune, Kapaun. 


bresen, bressen, Brachsen, Bleie 


hart. Hirsch; — hart-buk, Hirsch- 


(Cyprin, brama). 


bock; — hartje, Hirschlei», klei- 


brumtike, Maikäfer. 


ner junger Hirsch. 


bunt-boratje, bunlbrüstige Meise. 


heid-, heit-rubintje, Blut- od. Roth- 


dakB, das, JDachs. 


Hänfling (Cannabina linota). 


dau-wunn (Thauwurm). grosser 


bemke, Heimchen. 


Begefitvurm. 


hemp-lüning (Hanfsperling), Hänf- 


dik-9chiter, Garten- Ammer, Orto- 


ling (fringilla caunabina). 


lane. 


hia, Pferd; — biake, Pferdchcn; 


drager, Schmeiss fliege. 


- hi8-fäl, PferdfÜllci. 


eike. Schaf, wetUickes Lamm. 


hof-singer, Grasmücke. 


ekerken, ekkerkeu, Eichhörnchen. 


höken, junge Ziege, Zicklein, Bock- 


ekkel-tave, Maihifer. 


fein. ^ 



IIa 




hfiner-arend, Weihe. 

hflting, BoUischwänechen (Sylvia 
plioenicurus). 

jöden-äl, Hornhecht (Belone vulg,), 

kalkün, Trulhahn. 

kapp er, Taube mit einer Haube 
(od. Kappe) auf dem Kopfe. 

karnütje, kernütje, kenfltje, koQtje, 
Hänfling. 

k<39, keshund, Spits, Spitehwnd. 

kidde, kid, kleines (nord.) Pferd. 

kikker, kikkert, Frosch. 

kinkhörn, kinkhörntje, div. gewun- 
dene gross, u. Idein. Schnecken- 
gehäuse ind. ihrer Bewohner. 

kipke, kleine Kappen- od. Napf- 
förmigc Hersmuschel. 

kiwit, itifit, Kihiie. 

kleis, Sieinimtt (Rhombus od, Fleuro- 
nectes inaximus). 

klem-fögel, Sperber, kleiner Habicht 
etc. 

knür-hän, Meerschwalbe , Knurr- 
Itahn (Trigia birundo etc.). 

k'ilke- od. kolk-äiitc, schwarze 
Taucherente. 

krabbe, a) Krebs; — b) Kom- 
bohrer, Kornkrehs (Oalandra gra- 
naria). 

kraie od. kreie, Krähe. 

kram-pötje, Imus, Kopflaus. 

krams-, krans-fiigel, Kramtnets- 
vogel. 

kreke , krike , krikke , Krickente 
(Anns crecca). 

ki'ubbe, Kellerassel. 

krum-tutL', Seexunge (Solea vulg.). 

kruperke, Zaunkönig. 

krüpke, Zwerghuhn. 

krüsken, krUsling, Karausche. 

küler, Trulhahn, Puter. 

katjenblik, gOtjenblik, Wachtel. 

kwäse. Blasenwurm (Coenurua) im 
Gehirn der Schafe. 

kwattel, Wachtel. 

kwatter, Slaar. 

kwik- od. kwip-stert, Bachstelze. 



labberdän, eingesalaener KaMiau. 
laf, Seezunge (Solea vulg.). 
lep, lep, Kibitt. 

leverke, lewerke, letzke, Lerche. 
Ilfe , Austernvogel (HaematopUB 

ostrealis). 
lintwurm. Bandwurm. 
löme, lummc, Polarente, Enten- 

taucher. 
I&ning, Iflnink, Sterling. 
meske, Meise. 
inig-amcl, mig-hamel, mig-etake 

etc., Ameise. 
mire, Ameise. 
mite, Milbe, Käsemilbe. 
mörke, Ctfpraeamusehel. 
mos-imme (Moos - Biene), 

hummel. 
mulken-töfer, Dämmerungs- 

Nachtfaltcr. 
mulle, mul, Mauiwurf. 
mdr-tike, Kellerassd. 
mutte, mut, Sau, Mutterschwein. 
nete, näte, Nisse, Lausei. 
nettel-könink, Zaunkönig. 
öljefaQt, Elephant. 
ör-tike, Ohrwurm. 
öster, Auster. 

päge, Pferd, Gaul, altes abgetrie- 
benes Pferd. 
padde, pudde, purde, purre., pur, 

Kröte. 



Erd- 



oder 



papje, _ _ 

patrise, Jtehhuhn. 

paulune, Pfau. 

pe-wipke, kleine Laus, Läuschen. 

pir, Wurm, Sandwurm (Arenicola 

piscat.). 
platlüs, Filslaus (Pediculua pabis). 
pogge, f)r«sch. 
poggen-glidder, -gludder, -glugge, 

-ritsel, Froschlaich. 
poggen-stert, Froschlarve, Katd- 

quappe. 
pur, s. padde. 
pUB, pAakatte, Katxe. 
püt-&i, Aalquappe (Qadus Iota). 




piitterke, StiegUte. 

rain, Widder, Schafbock. 

rap-hen, Bebhuhti. 

regen - gilp, regen - wilp, regen- 
wilster, Regen- od. Sirandpfeifer. 

reit-dump, Rohrdommel. 

reit-lüning, Bohrsperling. 

rö, rße, Rüde, grosser Hund. 

röd-boratje, Jiothkehlrhen (Sylvia 
rubecula). 

rödög, Barlte. 

rür-dump, BohrdommeL 

röt-göa, Rottyaiis, Itivgrir/ans. 

i-ubintje, Hnnfting (Fringilla cnn. 
uab.). 

rüne, Wullach, verschnittener He^igst. 

scbndde-wefer, Eoss- od. Mistkäfer 
(Scarab.ieus). 

schannelke, Utrsmusthel. 

acharn-tike, -wefer, i. q. scliadde- 
wefer. 

scharre, schar, Scharde (Kleuro- 
nectus tie8U9 od. ümanda). 

schtrke, eine kleine zu den Sumpf- 
Schnepfen gehörende Schnepfenart. 

schö-lapper, a) ininter Schmetter- 
ling (Fuchs); — b) Wasser- 
jungfer, grössere Libelle, auch 
schömaker genannt, 

schrifer , Taumelkäfer (Gyrimua 
natator). 

scbülpe , Bchülp , Muschelschale , 
Mnschel. 

schür- schotte, grosse Libelle, War- 
zenbeisser. 

Be-niis, Gotdraupe (Aphrodite 
acullata). 

slabbertje , ungesahetier magerer 
Hering. 

slakke, alak, Schnecke. 

BmÄDk od. scneot, Halbente od. kleine 
Eitie u. ewar sowohl die Kriech- 
ente (Anas querquedula) (tfsa»cA 
die Pfeifente (Anas penelope). 

snäke, snäk, kleine Schlange. 

snepel od. snäpel, Eheinanke (Core- 
gonas oxjrhynchus). 



snidcrke, a) Wasserscorpion (Nepa 
ninerca) ; — b) Taumelkäfer 
(Gyrimus natator). 

snigge, Schnecke. 

snippe, snip, Schnepfe. 

snök, Hecht. 

snüfer, kleiner Tarrbutt od. kleiner 
Steinbutt. 

snukke. anuk, kleines Haide-Sckaf, 
auch heid-snukke genantU. 

söge, Mutter Schwein, Sa«. 

spiiit-fögel, Specht. 

Blen-like, Kellerassel, 

stert-Ütse, a) Eidechse od. Schwam- 
molch; — b) Kaulquappe od. 
Froschlarve, 

Btikel-stag, -starg, Stichling, Gründ- 
ling. 

s[ikel-8win, Slachelschuiein, Igel. 

stitae, junge Kuh, die zum ersten 
Mal kalbt. 

stokkeling, einjähriges Kalb. 

swälke, Schtcalbe. 

lätje,/)HHeni;ci<7e/(totanuscalidri8L ) 

iSve, Hündin, Fetse. 

tike (7ihd. Zecke). Fast ausschliess- 
lich Benennung aller Arten von 
Käfern. 

trftbe, trttbke, Kalb, Kälbchen. 

tun-i'üpe, Bäretiraupe. 

tike-läke, Teller Schnecke, Posthorn- 
chen. 

tämler, Delphin od. Meerschwein. 

tün-kriter, Zaunkönig. 

tat, Regenpfeifer, 

tat, tfttje, Huhn, Hühnchen. 

iilke, Iltis. 

atse, Kröte. 

wal-häkster, Steinschmätzer (saxi- 
cola oenanthe). 

warte, wörte, Enterich. 

wepse, Wespe. 

widewäl, Vogel Pirol (Oriolus galba). 

wüster od. wildster, Regenpfeifer. 

wind- od. wint-wurm, Maulwurf. 

wip-stert, Bachstelee. 

wiapel, Wespe od. Bremse. 



J 



W "' M 


^^^p ^BV^^^I 


agtje, Spitzapfel. 


Auerker-blßme (Auri^itr^^p^ 


albee, Johannisbeere. 


genannt. 


alrüntje, Alraunwiireel. 


dissel, Distel. 


andel (Gljceria rnant.). 


döf-neltel, Taubnessel (Lamium ' 


äntje-flott. -flott, -flirt, -fliirt, 


alba et purpur). 


-plirt, Entengrihi, WasseYlinsm 


Aöi-r'ii.-'tüt, Hahnenkamm, Klapper- 


(Lemna). 


kraut (Rhinanthus crista galli, 


arfe, arf, Hühnerdarm, Vogelgras 


Rhin. major et minor). 


(Aisine med.). 


dop-heide, Kopfheide (Callun» 


arfte, arft, arte, art, Erbse. 


vulg). 


augurke, Gurke. 


drepae, drepa, Trespe (Lolium), 


aurin, ür!ii, Tausenägüldenkraiä. 


drö-blad, Fiel>crklee (Menyantheg 


bSf-eske, ZiUer-Espe, ZUter-Pappel. 


trifolium). 


bejönje, bijöoje, bugönje, biüne, 


dftfels-bit, Gifthahnenfuss. 


piüne, Päonia, Bauernrose. 


dttfela-dräd, Klebekraut (Galinm 


bente, bente, biünte, piünte, Binse. 


ap,). 


bifen, Haferrispeti. 


dflfels-drek (Asa foetida). 


hik-bee, Heidelbeere. 


dflfela-neigäm, Zaunwicke, Heekcn- 


blöm, Miiskalblüthe. 


windc. 


bölk-wurtel, Rctlig. 


dÖker-gra3, Stachelhirse (Paricum 


bßke. Buche. 


rru3 galli). 


botterblöme, Wie.ien - Hahniiifitss 




(Ranunc. bulb.). 


egelliere, Hundsrose, he. der Hage- 


bräm, Hasenhaide, Besenginster, 


buttenstrauch. 


Pfriemenkraut (Spart, scop J. 


eller, Erle. 


brummel-bee, Brombeere 


ellhörn. Hollunder. 


bubbelke , Wasserrose (Nymph. 


feld-krop, Rapunttl (Valeriana 


alba etc.). 


olitoria). 


bul-krüd, Wolfsmilch (Euphorb. 


fenköl, Fenchel. 


pepl.). 


fif-hartje, brennende Liebe (Lichnia 


buller - blad , Huflattich (Tussil. 


chalcedonia). 


petaa.). 


filelte, Nelke (Dianthus). 


h\A-niStGn,Hirschbrusl,Hirsektriiffel 


Hask-appel, Flaschenkürbis. 


(BolemuB cervinus). 


fledder, Flieder, Hollunder. 


büs-köl, weisser Kopfkohl. 


glen-bee, Johannisheere. 


büsemana-forke, Gabdkraut, Zwei- 


hSge - wipke , hageldörn - wifke , 


eahn (Bidens). 


FruciU des Weissdorns. 


dangel, a) Hohhakn (Galeops, 


hän, h-ine, hänt, Schilf, Schilfrohr. 


tetrah.); - b) Granne. 


häne-bolte, han-bolte, Schilf-Kolbe, 


danne, dann, Tanne (Abies). 


be. essbares Wurrelende des im 


dann-ekkel, Tannenmjifeii. 


brachen Wasser wachsenden 


dannettel, Hohlsahn (Galeopa. 


Schilfs. 


tetrah.). 


häne-füt, hän-föt, hän-pöt, a) Acker- 


dauüms-blßme, gemeine Wucher- 


spörgel; — b) Ranunkel, bes. 


blume (Chrjsantb. seget.), auch 


der Gifthahnenfuss. 



häotje nn hentje, Samenkapseln der 


krodde, krödde, a) AckerreUig, 


Bauern- od. Pfingstrose. 


Hederich (HaphanU raphanistr.), 


häotje-bläme, Hauhechel. 


auch krök genannt ; — b) Acker- 


bäse-birtme, Bauhechel. 


spörgel. 


heim, schilfartiges Diinengras (Ely- 


krÖa, a) Wasserlinse, Entengrün ; 


mu8 avenariU3, Arundo aven.). 


— b) Tang. 


hemp, üa»f. 


krük.föt, Glasschmale (Salicomia 


henn-bee, hentje-bee, Himbeere. 


herbacea). 


hera, hersk, hesk, gesk, Gersch, 


krul-lilje, Türkenbund [Uiiuia mar- 


Giersch, Geisfuss (Aegopodium). 


tagon). 


bester, bester, bcister, Strauch, 


krüp-arfte, Kriech-od. Zwerg-Erbse. 


Baumpflä ttüling. 


krüp-bone, Kriech- od. Zwerg-Viets- 


binget-wed, LomA schierlingsartiger 


Bohne. 


Pflanzen. 


krüp dör de tun, Geisfuss (Aego- 


hol-pipe,Sc/iacA(eMa?m{Equisetum). 


podium). 


hunde-biftme, Löwemahn (Leoiito- 


krü9-bee, Stachelbeere. 


don taraxacum). 


kükiiks-blöme, a) KukuksUume 


ile, IgelMbe (Sparganium). 


{Lychnis ftüs cuculi); - b) breit- 


ilöf, eilÖf, lilöf, Ephev. 


blättriges Knabenkraut (Orcbis 


ine, Granne; — iiien-k6rn(tf»aHneH- 


lalifolia). 


karn). Gerate. 


kumkummer, Gurke. 


iper, Ulme. 


kweller od. kweller-gras, feines 


jadde, jedde, Ackerspörgel. 


salzhaltiges Gras (Glyceiia ma- 


jflbkejebke «. jÖpke.jepke, Hiefe, 


rilima h. diatans). 


Hagebtitte; Hiefenapfel. 


kwendel, Glasschmale (Salicornia 


karvBl, Kerbel. 


herbacea). 


karse, kasse, Kirsche. 


lapelkes, Hirtentäschelkraul (Cap- 


katt-slerte, a) Schachtelhalm; — 


sella bursa paatoria). 


b) Weiderich (Lytrum); — c) 


lid-rüske, Schachtelhalm. 


einige Arten v. Ehrenpreis. 


liibatik, Liebstöckel (Liguaticum 


kiddik, a) Ackersenf (Sinapis ar- 


levisticum). 


TCDsia); — b) Ackerretlig, He- 


machandel, Wacklidder. 


derich (Rapbania raphanistrum). 


marlefke, mallefke, melefke, moder- 


kiwits-biöme, Wtesenschaumfcraut 


mArUtkeelc.,Marienblume,Mass- 


(Cardamine praet.)- 


liebe (Bellis perennis). 


kladde,klarde,klarre, ÄW/r( l.appa). 


tnär-röddik Meer-Rettig. 


klafer, Klee. 


melk-bömke, Wolfsmilch (Euphor- 


klif, R) Klebekraut (Galium aparinoj ; 


bia). 


— b) Zweisahn (Bidens). 




knobbe- garste, eine Art dicker 


Slüthenrispe, die voreugsweise 


Sommergerste. 


unter dem Roggen wächst. Ob 


knaf-lök. Knohlaueh. 


= nd. middal (Briza med.)?, 


knuUe, Knolle, weisse u. gelbe Rübe. 


u-as indessen hier nicht gefunden 


kölle, köllen, Pfeffer- od. liohneu- 


tvird. 


kraut (aatureja bort ). 


mire, mir, Hühnerkraut, Hühner- 


kr»D8-6ge, Krahenauge, Brechnuss 


darm, Vogelkraut {Stellaria od. 


(strychnon, nux vomica). 

i 


Alsinp med). 

8* 



116 



1 

L 



möder-krüd, Camillc (matricaria 

cbamomilla). 
nöder-marlefke, s. marlefke. 
mör, roggemör, mörkörrel, Mulier- 

körn im Roggen. 
mör-ekkel, Ucideeeker (Tormentilla 

erecta) 
müggeriit, mngger\(., Bciftiss (Arte- 

misia vulg.). 
müllerke, Ihicht des Weissdorns. 
iiägelke, a) Nelke, Gewürznelke; 

— b) Blume der Syringe. 
näkende wifke, Schneeglöckchen. 
negen-kne, Acker spür gel. 
neUel, Nessel. 
ögen-blöme, Buschmnäer- Höschen 

(Anemone nemorosa); — water- 

ögenblöme od, eär-ügenblome, 

Wasser - Hahnenfuss (Ranunc. 

aquat.). 
ögen-klär, Schöllkraul (Chalidonium 

majus), 
ögen-prokel, Bruiielle (Piunella 

vulg.). 
üje, Öje, Zwiebfl, 
padde-, padden-stöl, IlutjiiU, Erd- 

pilt, Erdschwamm. 
pännküks - blöme , Schliisselblume 

(Primula veris). 
ßäpen-mUtse, paters-kappe, Slurm- 

hui (Aconiluni napellus). 
päpen-pit, papen-pint, Schachtel- 
hahn. 
pekken, a) Glasschmalz (Salicornia 

herb.): — b) Igelkolbe (Spar- 

ganium). 
perde - bliime , Löwenzahn (Leon- 

todon tarüxacum). 
peper-bdm, Seidelbast (Daphne 

mezer.). 
peper-wurtel, Meerrettlg. 
pingBter-blflme, a) gemeiner Flieder 
.^(Syringa vulgaris); — b) TTifse«- 

schaumkraut (CsLTdsLmiae praet,); 
-TT- c) Gras- od. Sandnelke (^Sta- 

tice armeria). 
plat-säd, Vogelknöterig, 



jioggen - daler od. poggen - geld, 

}'ruschbi.Hs (Hydrocharis morsus 

ranae). 
poggen-stöl, Hutpilz, ErdpiU, Erd- 
schwamm. 
pöl-rüske, Sumpf- od. Meerbttise 

(ScirpuB marit.)- 
post, Forsch od. Gagel, deutsche 

Myrte (rajhca gale). 
prei, Forrfe (AUium porrum). 
prikkel-nöse, Brunelle (Piunella 

vulg). 
prQk- sei lere, Knolletisell^ie. 
pQske-graa, Wollgras. 
riijeu, Baigras, Lolch, Schwindel- 

hafer. 
riiddik, Reitig. 

r odenddet, grosser Ampfer (ramex). 
röd-schiDk, div. Unkraut w/ePolyg. 

avic. u, perB. u. Lapath. acut, 
riit-slert, Blülhenrispe des W(^- 

richs. 
riiderik, riiderk, Hederieh. 
i'unimenaase, rummelasae, Bettig. 
rüske, Binse (Scirpus «. Juncas). 
Bcbannelke, blaue Kornblume. 
Bcherke, Wasseraloe, Wasserscheer. 
8ch6n-6ge , Schön-Auge (Licbnis 

coron.). 
sef ke-sfid , Zilwer-Samen (Semen 

Cinae od. santonici). 
segge, Biedgras^ Sumpfgras, Schilf. 
seWe, Salbei. 
sigge, Qilmus. Auch Benetmung 

verschiedener Sumpfpflaneen und 

Irisarten. 
sip-sap-sipken, Vogelbeerbaum, 
slabbe- od. slubbe-gras, Schwaden- 

od. Mannagras (G\yccri^ fluitans), 
slauip, Wasserfaden (conferva). 
sraart-karn, Wusserpfeffer, scharfer 

Knöterich (Polygonura hydro- 

piper). 
amer-wurtel, Beinwurz, Scfiware- 

wurs (Sympbytum ofüclaalia). 
soör-bee, Brombeere. 
Böge-, BÖ-dissel, auch sö-Btikel, 



Saudistel, Gäiisedisfel (sonclua 



spis-krüd, Wttretl v. Curcuma Couga 
«*» Färben der Käse, 

spßle, spöl, Hirschbrunst, IHrsih- 
trüffehi (BolemUB cervinus). 

stik-bee, Slackelbeere. 

stikel, Stachel, Dorn, Distel. 

stinkende höfärd od. stjukblome, 
Afrikane od. Todtenblume (Ta- 
getes). 

atink-sigge. Benennung verschie- 
dener übelriechender Sttmpfpflau- 
sen und Irisarten. 

störke - blOme , a) Wiesenschaum- 
kraut (Cardemine praet.) ; — 
b) Wasser-SchwertlHie (iris pseu- 
dacorus). 

störke-bröd, Frucht von der Wasser- 
Schwertlilie. 

stüfer, a) senecio vulgaris ; — 
b) männliche Blüthe der Nuss- 
Stauden u. ähnlicher Gewächse. 

sülte, BÜltje, soltje, a) Meeratrands- 
aster (aster trifol.); — b) Glas- 
schinaU (salicornia herb.). 

sßrke-blad , Heiner Sauerampfer 
(rasaex acetus). 

swiilke-blflme, wildwachsendes Veil- 
chen, Fcldviole. 



swme-gra8, a) Krötensimse (Judcub 
bufoDius); — b) Vogelhiöterich 
(poligonium avic); ^ cjBorsteti- 
gras (nard. etricta). 

swine-krüd, schwarzes Bilsenkraut 
(hyoHciamua niger). 

uri-et, gesundheitsschädliche od. gif- 
tige «. ungenicssbare Pflanzen, 
wie X. B. equisetum arv. etc. 

wed od. weih, UnkraiU. 

wif ke «f. wibke, wipke, rothe Frucht 
des Hagedorns ^= »lud, wipeken, 
dem Dimin. v. älterm wipe =: akd. 
(mdartl.) Wiepe (Hagebutte) M. 
mnld. wepe (cornus). 

wilde grönte, Hmids2)efersilie. 

wilde hafer, Windhafer {avena 
fatua). 

■wilde hoppe,Hahne»kamm,Klapper- 
kraut (Hhinauthus cbrista galli). 

wilde kastanje, Boss- Kastanie. 

wilde wilge, a) schmalblt'Utr. Weiden- 
röschen (Epilobium angustifui,); 
— b) Gagelstrauch (Myrica gala). 

wilde winranke, Zannrülje (Brionia 
officin.)- 

wilge, Weide (salix). 

wir, Wasserriemen (zostera marina). 

würra , würmk , wurmk , würmt, 
Wermuth. 



Nachtrag (anfgegeben vod Herrn Prof. Dr, Metzger). 

a) Vägelnamen auf der Intel Norderney. 

heierk (heijark)? (Raubvogel). liev, bnui lic» (IlftematupuH oslreulegiis). 



klicken od. kEitten, kleinere Art fon Se 

tdtwalben, kleiner als k[ereii. 
kobbeo, Sül/trmöve und Manlelmöve. 



Echrakhea, Art Seeschwalt/en. 
tjarkel (Totanui calidris). 



1i) Tiernamen auf iuist. 



duiifbimcijcs (Littorina littorea). 
jlBkletlen (Emberiza nivalis). lirn Winters 

in den Dünen. 
kspkes, Schalen von Cardium. Telliiia). 
koen, Buccinum uadatum u. alle langen, 

gramen ii. spitzen Schneckenhäuser. 
melkUpelB (Fholas caadida). 
mollra, Schalen von Mja aieiiaria. 



i|ui(lden = quitteti, dasielbe wie auf 

derney klicken ud. klittcu. 
ruchbalshahii (Macbetes pugnax). 
siedeuwinders (Echinua miliaris). 
lannenschrappers, DoDax-ScAaien. 



NORDEN. 



J. ten Doornkaat Koolman. 



Aus Everhards von Wampen 
Spiegel der Natur. 



Das erste Buch Everhards sammt dem Prologus, welcher eine 
Übersicht über den Inhalt sämmtlicher vier Bücher giebt, ist Jahr- 
buch X, 119 — 131 zum Abdruck gebracht worden. Die nachfolgenden 
Abschnitte sind den drei letzten Büchern entnommen, von denen die 
Handschrift das vierte offenbar sehr verkürzt bietet, während das 
dritte atiToUständig ist, weil der Handschrift jetzt ein Blatt fehlt. 

(Aus dem zweiten Buche.) 

Dat ander bok is van der tid, 

Wo de minsche not lid. 

De bitte lidet van bitte, 

De kulde van kulde, 
5 Ik sette, de tid wandelt al dat levet, 

Na der tid de conplexcien strevet. [Bl. 163] 

De ver conplexcien liket gar 

Den iüj tide[n] an deme ganssen jar, 

Den mejen (unde] ok den sommer, 
10 Den hervest unde ok den winter, 

Der older der sind ver getalt, 

De hebben des sulven Uke(s) walt: 

De joget unde ok de kintheit, 

Dat older unde overolder leit. 
15 Ik like en ok de ver hovetwint 

[Osten], suden, westen, uordenwint. 

Dat ertrike ist noch sennewalt. 

Doch heft id ver ende getalt, 

De like ik ok den conplexcien mede; 
20 Jewelikes lande[BJ ende beft sinen sede, 

XII manen sint den conplexcien lik, 

Jewelik III hebbet ere tid. 

Dach unde nacht an ver getalt 

Der conplexcien hebben sc like gewalt. 
'25 Dar sind des dages unde des nachtes xxtiij stunde, 

De lopen an des gelikes bunde. 

XII teken de sunne umme lopet, 

De hebben den iüj conplexcien Hke bod. 

Dat is aries unde taurus unde gemini, 

, leaeol — 8. DeJ der — tyde — 14. is leit — 15. den — houetwinden - 
e den auden vnd« den westen vndc den nordenwjnt — 18. ver] vor. 



30 Dar na caucer, virgo, leo, des love mi. 
Dar [na] libra, Bchorpio, saturnua is, 
Capricornus, aquarius unde piscis. 
Seven climata Jik ok Bint, 
De soven planeteu en lik ok bind: 

35 Dat is luna, marcurius, sol, veous, 
Mars, Jupiter unde saturnua. 
Der anderen climata seven 
Wol wunlike land tempereret eveu, 
Unde de seven planeten dure 

40 De beten alder werlde sture. 
Etheu, drinkeu, ok vake slapeu, 
De Bint den cteinenten tik geschapen. 
De liken den conplexcien ok nocli best, 
Wente ae wandelen docb noch meat 

ib Alle toval [van] des minscben sele, 
[Ok] wandelen se der conplexien dele, 
Dat is lacben, vroude, getoeücheit, 
Torue, sorge unde drovicheit. 
De lucht unde des windes wedder, 

50 Magk unde ungemak dar wedder, 
Bat, äderen laten und de minno 
Liken wol der complexien sinne. 
Alle dease dingk nu genant 
Wandelen desse conplexcien ane dangk. 

55 Wo jewelik sin dingk meret, 
Also ein uugelik sin vorkeret, 
Islik nu desser an vere delet, 
Uk islik del nu sinei- conplexcien liket. 
Na sunte Peters dage an der vasten 

60 Scbole wi des meien tid antasten. 
Wan des aprilis calenden is angand, 
So wert dach unde nacht like langk. 
To handes durna geit de sunne 
An dat teken des arieten wunne. 

65 Dat was de erste dach, den god scbop, 
Dar beginnet des meyes rechte lop. 
De beste tyd, dat is noch de meyge, 
De ia ok liket der sangwinee. 
He is hct unde to niathe vucbt, 

70 Des jares heft he de besten lucht. 
An desser tid lidet sangwineus not, 
Sin overvlodiclieit is alto grot, 
Dat is nein grot wunder. 
War ij like dingk besunder 
. Copricoraus — -10. helen — iB. beste — 44. meste — 



130 

75 Tosamende komen, de metea den lop 

Unde ok swarer weghefu] by aod. 

Wil he sik desser not benemeo, 

So schal he sik desaer overmathe Bchemeii, 

Uth lateu utb der äderen sin blot, 
80 Dat is dat beste, dat he deiine dot. 

Eyn cleyoe arbeit is em gud, 

Bat undß minne vorminret sin blot. 

He mach elhen unde drinken ain gevoch, 

He heft bitte unde vucbt genoch. 
8Ö Wat der enen complexien is boae, 

Dat is wo] dicke der anderen lose. 

Desae tyd is der melancolien best, 

Se bettet unde se vuchtet se inest. 

Se is ok der anderen wol gnd, 
90 Bat unde mynne, dat mynret ere blot. 

Alle desse dingk also vorstat, 

Ofte de tyd eren rechten lop bat. 

Marcius, aprilis unde malus 

Des raeyentyd is ere bus. 
yä Ere kulde wert an cleyne belettet 

Und[e] wert myt der vuchte beliettet. 

De kiutbeit like deme meye, 

Ere beyder luat is meonigerleye. 

Ustert dar de sunne ersten upgeit, 
lOO Dat laud des meyeiilike bad etc. 

Ick raot den rym dicke brekeu, [BI- 158] 

Schal ik den ayu vulleo uthsprekeu. 

Beter eyn rym wen eyn s(w)yrL vorloren, 

[SprakJ Vrouwenlof bir bevoren! 
Wultu de sukc van deu hovcilc douwcii uiiile lozua sc (vude) do dar to du cabebeo ; 
wullu se douwi'it lozen van der Icvereii, ao do dartu stotea elpcnbeen *el saadelen ; 
wullu se douweo lozeii van der luiltcc, so do dnrtu gartkomen edder pertercilUen etc. 

Welk minscbe einen behenden ain bad IBI. 139] 

Unde dit bok wol recht vorstat, 

So eu is nein dingk up duascr erden, 

Er mögen ein del bir van bujpen werden, 

Dat is mannicb vroiiwe unde man, 

De dat nicht rechte besinnen kan. 

De meistere weteo der naturen lop 

Unde konen aturen vor lives not. 

Den meister') like ik deme sture manne, 

De mennicb Bchip leiden unde stören') kan 



77. 78, 83. 8J. he] sc — äi. 85. ein) ere — ') D>me meyaleje 



J 



121 



By winde, by love'), bi watera waghe, 

Kumpt under sin oghe eiuB barde vlaghe'). 

So kau dt! meiäter den seken Dickt hegen. [<*i- i<w] 

wo vele werden der sekeu vorsumet, 

Wan se der moister bock uiüht wol gumet'). 

Ok 18 mennicb aelssen vrouwe unde man, 

De hemelik to cnen Beken gan 

Unde sprekeu: Do dyt! clo dat! id also Bad! 

Dat is di beter wan dines meysters rad! 

Dat is de steiDgrund, de de ku[n]st stod; 

Stervet de seko, de mcyster is der lüde spot, 

Ok wil mennicb wunder wif unde man 

Einen meister vorsoken — den weaet gram! — 

Se laten twe water tu sameude an ein glas; 

De kunst wert nummer [unde] nu was, 

Dat ein meister koiide allent dat uthricbteu, 

Wan se twe water an eyn glas schichten. 

Van welken twen wateren dat is meist edder mechtegest, 

De mach he deune achten best. 

Du snode mynsche, kanstu utbrichtea dat, 

Kumpt Boltwater to vlessche an ein vath, 

Wer dar twe water edder ein ane si 

Edder welkor*) solt edder versch dar by? 

Noch vele min kan, du unloveghe kater"), 

Ein meister untscheiden twier manne water*). 

Wanne we mynen worden wil wedderstan, 

De spreke den wi8er[e| meister noch*) au. 

Vind be enen kunstigen sedigen mau, 

He loset mi uth straffen sunder wan. 

Ik clage gode, dat alle meistere beten') 

Unde vrouwen eynes mannes namen nethen! 

Ik byn de*) rainneste meister van den allen"). 

(Aus dem dritten Buche.) 
Aldus'") iiij complexien sint an deme minscbeu, iBI. löi] 
AU even sint se ok an anderen deren, 
Ad vogelen, wormen, an gyren, 
Se synt an den bonien, an den crudeu, 
An den grase [se] sik ok bebuden. 
Bi der grote unde bi der slerke 
Des deres cooplexien rechte merke. 



') ' 



gegen den Winif — *) vlaghe s. Mnd. Wteh. 'Sturm, Schauer'. 

vir» »cheiat tu fehlen — ') guiinet — *) welhor vgl. Jahrb. III, 33 — 

n In der Ha. lauten diese Verse Nocb mya kaostu 11 verache watwe vntacheydea 
ia vnlouege ktiter vele myn kanaiu eyn meyster wuter twjer manne vthricht«a to- 
mende K sint gemenget — ') iioth — ') meystere heten mesier — ■) de] de 
leyiter ~ •) Hierauf folgen die Jahrb. X, 118 abgedruckten Verse — ") Alle dusae. 



128 



L 



By den lope unde bi sioer vlucht 
Prove de Togele ok an der lucht. 
Bi sinen sichte, bi sioer hud 
Machstu Bine nalure richten ud. 
Snel lop, vlucbt, ok clene lichain(ine) 
Sint het, de groten trach kulde ban. 
De meistere spreken dat vorware: 
De swarta heft alle de bitte gar. 
De meistere willen') dat vor wis. 
De kulde bi der') wilte allent is. 
Bi deme love unde bi deme roke') 
[De] complexien an deme boke soke. 
Den bom prove bi siner vrucht, 
Also de mans bi er*) tucht. 
Welker vrucht smaket best, 
Mit scharpheit dat is mest. 
De complfixicn an deme crude 
De ma[ch]stu an deme roke duden. 
An den bomeu ok bi den bladen, 
An deme smake unde bi deme sade. 
De meister spreken dat ok also: 
De Ecbarpe smak beft de bitte io. 
De meister spreken, dat io*) vaken 
De kulde is bi den dannen smake, 
Gi en achten desser materien nicht 
Umme dat*) wil ik er don afpliebt. 

Sint de veer ulemeute bracht 
Nu an den lichamme so bedacht, 
Dat dar de complexcien van komen, 
Dede creatur beft genomen. 
An der complexcien so gemenget 
Got schepper ein Bele uth indrcnget. 
Alsus beft id nu allent sele wis, 
Dat dar levet') unde vruchlbar is. 
Wat van den elementen nemet vodinge, 
Deme god ene zele gevet. 
Des Bcbaltu di nicht sere schämen, 
De sele heft drierbande namen, 
De ene is gebeten vegetiva, 
De ander is gebeten seositiva, 
Intellectiva is gebeten de dorde 
Unde beslut der anderen sele veerde. 
Vegetativa is an deme bome, 
An grase unde an crude some. 
'] /. weUii? — ') den — ') grote — ') maoe bi siner - 



123 



Alle dusBe sele nu iodocb levet, 
Mit vodiDge crude, gras strevet. 
Des') deres sele sensitiva') sik wegot 
Mit vodinge, alao ok de vogele levet, 
Also levet de worm an der erden. 
De vie heft ok de suiven verde. 
Intellectiva des minscbeo sele vorsteit, 
Boven alle crefte se*) ok geit. 
Mit der miDsheit heft se des tovoren 
Dat den anderen is nicht angeboren*). 
Des mingchen sele nicht en stervet, 
De anderen twe gans vordorvet 
Mit deme lichamme, wan he*) vorgeit, 
Des minschen sele doch ewich steit, 
Wultu weten, wat des miuschen sele is, 
AriBtoteles sprickt dat vor wis 
An den anderen boken de auima. 
Merk nu, wo dar geschrevea sta. 
De sele is ein werkende dat. 
Des minschen levent an walt hat 
Mit alle sineu naturliken leden 
Unde mit alle sinen creften dar mede. 
Wultu nu weten, wat is de[r] sele dat, 
So horestu wo der sinne lop noch gad. 
Wat de dancke dar heft gedacht, 
Dat en wert nicht vuUenbracht, 
De sele geve vulbort den sinnen, 
So mach de sin ene dat gewinnen. 
Kumpt des dancken siu mit willen vort, 
So wert der sele dat denne behort. 
Westn, war nu si der sele walt? 
An des lichammes blöde mennichvalt, 
An dem blöde is der nature hette, 
An der hette sint denne ere krefte, 
An den creften sint denne digesten, 
An den digesten is denne de sele. 
Busse materie is ovel to beholdende, 
Ere lenge, dupe nimpt nenen ende. 

Luna mach wol beten de mane 

Mercurius is gebeten de middeler 

Venus mach wol beten de vriger 

Sol 18 rechte gebeten de soraer 

Mars is gebeten de dinger 

Jupiter is gebeten de dover [al. douwer] 

Saturnus is gebeten de sater. 



') Deases — ') eenlaliua - 






*) aagebarcD — ') se. 



124 




[Viertel Buch.] 
D&t veerde bok aldus aogeit, 
Wo de mJDBche sine Buntheit 
Beware mit eten unde mit drinken, 

Mit Blapen, mit waken, 
5 Mit deme ba<ie, mit der sele toval 

Unde wall he äderen laten Hchal 

Unde wan he bi aineti lives not 

Suveringe neme edder late neiu blot. 

Alle morgea schaitu kemmen dik, 
10 Darvan din bragen vorlustiget sik. 

Ein ciene vorgha di, er du eteat. 

Dar medc du dine tust upweckest. 

Na diner kost ene stunt scbattu stan, 

Er du hefst willen slapen gan. 
15 Wen du hefat den vlotesnuven, 

So en speie nicht mit dem leven duveu. 

Du schalt jok] nicht baden edder laten, 

Oftu mennige suke willest baten. 

Nen man an dussen boke mi vorkere, 
20 Dat ik unschemeliken spreke mine lere. 

Schal ik alle dingk rechte uth vinden. 

So en mach ik id nicht bat bewindcn. 

Wan dine mage ia vullcu vul geladen, 

So en schaitu nicht leven edder baden; 
25 Dine kost si vordouwet wol, 

So wert din licham luatheit vul. 

Sachte s[tr]ede, leve siede, dat du machst, 

Unde hehbe neue ovurvlotigc kost. 

Set bi tiden, wan di luat seth ta, 
30 Unde boven dine lust nicht cn do! 

Twier edder drier bände spise 

Is sunder geten dun menuigcr wiec. 

Vortie ethen, drinken mit diner lust 

Lever, er du di vuUest to diner brüst. 
35 Eth mer des morgens samerdages, 

Eth mer to der nacht winterdages. 

Tohant nicht speie mit der minne, 

üfte ik dat also rechte besinne. 

De leve minne is ein setsen dingk, 
40 De aller werlde lust bedwinget. 

Is he lustich mit der rechten mathe, 

IV, 1 ff. Du in den ersten Versen iit Aamickt gestellten Vorschriften folgen 
später nicht, der Text dieses Baches mass also nicht poUitändig überliefert sein — 
3. 4. vergi tu Buch I, 80. 81 — 0, bode — 8. Mit suueringe — 19. man my &d 

— 23. vi^ wol — 20. dyu — 35. Des morgens sainerdage» eth mer »en des tuendes 

— 86. Winterdages eth mer to der nacht. 



126 



So wert der leTe[n] minne bäte. 

Wert de minne mit lusten ovet, 

Se salwet, oldet, suket, dat provet, 
Ah To mathe levet bettet unde aterket, 

Ere overmathe sere Kettet unde vorswerket. 

We der leve[n] minne nicht en had, 

De vcttet edder quinen swinde gad, 

Ik dor er nicht neger spreken 
50 De de minne heft under der deken vorslapen. 

Schal he nicht met or konen 

Ofte se gerne wil vruchtbar bliven. 

Lust ane wedderlust wat helpet dat? 

Na deme alape is beter sin geinagk. 
55 Samers dagcs holt den sulven lop, 

Doch wert di grot lust, gelt de kop. 

Eya, dat wa8 gud, do men des placb! 

Wen di hungert, so is id middach. 

Vovgevel my, ik sprak alto viot, ( 

60 Ik wolde ju gründen alle dingk bi not. 

Ik geve umme ein bok nicht ein stro, 

Sin ende [en| were gemelicb unde vro. 

Mester Katlio leret unvorborgen, 

By stunden metige vroude de[nj sorgen. 
65 Gode lof, dat dyt bok ia vullenbracht, 

Mannigen minsschen to salden bedacht! 

Des hebbe ik allen dingen craft vunden, 

Myt körten worden an pnen hop wunden. 

Mester Everhard uth van Wampen, 
70 (Got late bernen sine lampen 

Ewigen myt dem wysen imvorgoten!) 

Der naturen spigel heft he gesloten 

An Sweden na godes bort M jar 

Drebundert vifl" unde twintich vorwar. 
F).<ipiicit Bpeculura natur«?. 



43. Vor diuem Verse schiinen tinige Verse tu fehlen — 44. saluet — 46, vor- 
swerket] dar atokket. Vgl. Bi. 15S Wan du kulde auke Biiveren wult Eid kleine 
gftlligans dar lo don BCholt Dat hellet den niagen uade sterket Der lozeden krude 
bothet vorswerket — 47. inyDne in — 49—53 sind unverständlich — 6*. menoige 
vgl. Catonis dist. III, 7 Jnterpone lais interdam gaudia curii — Tl. unvorgaten 
! — 72. gefliaten. 



BERLIN, 



Wilh. Seelmann. 






Fragment eines Totentanzes. 

Eia noch unbekanntes Totentanzfragment aus dem 15, Jahr- 
hundert befindet eich als Ms. germ, fol. 735 im Besitze der König- 
lichen Bibliothek in Berlin. Dasselbe bestellt auB einem einseitig 
bemalten und beachriebenen Stück Pergament, auf welchem vier Figuren 
von 1!,7 cm Höhe erhalten sind, zweimal der Tod, eine Bohle oder 
einen Sargdeckel tragend, ein Arbeiter mit kurzem grauen, ein Juoker 
mit etwas längerem bis über die Knie reichenden roten Rocke. Unter 
jeder Figur stehen die ihr zugehörenden Verse. Reste einer vorauf- 
gehenden Figur und einer folgenden (des Todes), sowie die Eud- und 
Anfangsbuchstaben von SchriftzeÜen sind noch erkennbar. 

Von dem erhaltenen Bruchstück sind offenbar links und rechts 
Stücke weggeschnitten worden. Das Stück Pergament, von welchem 
es ein Teil ist, muss in seiner Vollständigkeit eine Grösse gehabt . 
haben, welche die Möglichkeit ausschliesat, dass es zu einer Buch- 
handschrift gehört habe. Bei der rohen Ausführung , welche die 
Zeichnung zeigt, wird man vermuten müssen, dass sie nicht selbst 
Zweck des Zeichners war, sondern dass sie als Skizze eines monu- 
mentalen Totentanzes, der für irgend eine Kirche beabsichtigt war, 
hat dienen sollen. 

In dem nachfolgenden Abdrucke des Textes sind die Verse, 
welche im Originale nicht abgesetzt sind, in besonderen Zeilen, die 
nicht mit Sicherheit oder gar nicht mehr lesbaren Buchstaben durch 
cursiven Satz, die schon in der Handschrift fehlenden in Klammern 
wiedergegeben, Die Auslassungen des Schreibers oder Zeichners (vgl. 
Vs. 8 und 21) zeigen, wie wenig Sorgfalt er auf seine Skizze ver- 
wendet bat. 

Zeit und Heimat desselben lassen sich feststellen. Die Form 
ghet Vs. 11 und der Reim enlfh'n : sli-ii Vs. 10. 12 weisen in Ver- 
bindung mit der Form eyn für en Vs. 32 auf das letzte Viertel des 
1&. ilahrh. und das südliche mik-Gebiet oder das südliche Westfalen, 

Der Text zeigt keine Abhängigkeit von irgend einem der sonst 
bekannten deutschen Totentauztexte, dagegen stimmt er wörtlich — 
das einzige Beispiel dieser Art in Deutschland — mit der franzö- 
sischen Dane« macabre*). 



Fol! 




*) Zur Vergleichung mögen hinr die 
macabre folgen : 

Le Mort 
L&bourenr qui en soing et painne 
Aveü vescB tont voatre lemps 
Morir fault ceat chose 
Reculler m; vault ne i 
De mort deves estres c 
Car de graut soussy v( 
Approchez 






uide 



I,e Lsboureiir 
La mort ay aoabaite souvent 
Mais volenlier ie la fuisse 
Jamasse mieulx feisC ploye on vent 
Estre es vignes ou ie foiiisae 
F.DCore plus graot plaiair y prisae 
Car ie per» de peur tout propoa 
Or aeat — Jl qai de ce paa yase: 
Au monde na poiot de repm. 



■nUprecbeodeD Stacke der Dance 




de dot 

arbeyder de in groter pyne 

hebhet geleuet yuwe tijd 

.... deae stunde bei/ . . de to syne 

to steruenne dar gy yuwes lones seker syn 
S volgbet nu aunder beyden 

gy moten steruen van Btunt 

den rechten wecli wech wyl ik yu leyden 

wente be is [mi wol kunt] 
de greuer 

den dot hebbe yk wunscbet vele 
10 wente p!c wolde gherne der werlde entflen 

yt ghet hir nu vth dem speie 

wer kraff[tj eder macht by my kan steyn 

nemant kan mi helpen in dessen saken 

de dot beuet my gegrepen 
15 her got wat schal yk maken 

he wyl myt my henne siepen. 
de dot 

komet bere vrissch juuchere 

de van elken danse wet de kere 

den Speer drege gy nummer me[rej 
20 van hijr scbeyde[nj dat dot yu swere 

sprinck hir an dessen dans 

gy motten steruen wnde vorlaten 

aide werlde spei vroude al gaiiB 

alle dynck hebben schal 
juncbere 
25 ach lat wat schal ik nu maken 

de dot heuet my vangen vast 

dat yk den dot mot smaken 

dat ya mynem herten swara last 

bedenket de zele de wyle gy leuet 
30 vp den licham nummer mere 

de licham wert da/ he wesien heuet 

de zele eyn steruet nummer mere. 

.IN. W. Seelmann. 



Le Uort 
Avancea voub gent caciiiec' 
Qni uves de dancer ka lours 
Lance porties et escu hier 
Et hny vous finires vos iou« 
11 nest riea qui ne prengne coi 
Duices, et penaez de suir 
Vom De poves avoir secnurs 
D nnt qai morl puisse fuir. 



Lescuier 
Piiisque mort me lient pn 
Au moina que ie poUse u 
Adieu deduiH, adieu solas 
Adieu dames, plui ne puis rire, 
Pens» de lame, qiti deaire 
RepoB, De VOUB chaille plug taut 
Dn Corps qoi tous Ie« ioura empire 
TouB fault morir on ne acet qnant. 






J 



Klosterallegorie. 



1 



'Wolfenbiittler Üandschrift (367 Heimst. — v, Heinemamis Hand- 
schriften verKcicbnia Nr. 402. S. 297 ff). Nicht zwei Gedichte, wie 
V. Heioemann angiebt, sondern nur eins. Die erste Seite enthält den 
Schluas, die zweite das Mittelatück, die dritte den Anfang des Gedichts. 
Die Seiten sind zweispaltig gesehrieben, rnthe Buchstaben über den 
Spalten (a — f) zeigen die richtige Ordnung des Gedichts an." Abschrift 
von diesem wie von den nachfolgenden Stücken schickte mir auf 
meinen Wunsch Dr. Paul Zimmermann. 



Ik hebbe ghedacht en klosterlyn, 

dat mot an dem herten syn. 

dar scal en convent wesen 

van werden vrowen ut ghelesen. 
5 Caritas het de abbatissa, 

discrccio de priorissa. 

fides de bewaret de b5ke, 

spes de teppet unde henget de döke. 

castitas des schattes pleget, 
10 mundieia dat gerwet gevet, 

dat kör is contemplacio, 

de sankmeystcrsche is oracio: 

spirilualia leticia 

singet der vil gherne na. 
15 dat slapbus het gutes meiifis, 

disciptitia dar ynne raeystersche ia. 

dat reventer is sacra s^riptura: 

de vrowen komen alle dar na, 

leclio is de droatynne: 
30 vil mennich richte bringet se ynne. 

de kokene is erposicio, 

moralHas de koket yo. 

humilitas de scbottelen waschen nil, 

dat is ere vroude unde herten spil. 
25 allegoria schenket den wyn, 

devocio is de kellerj-n. 

dat gasthus is cdlacio, 

misericordia denet dar jo, 

dat capittelhus si/nderesis, 
30 justicia dar dat recht ys. 

, Hg. vn — 9. Ha. de schattes. 



[I>] 



8cal men dar de lectien lezen, 
so mot dar jncievcia weseD. 
confessio dat kloater veghet, 
contrjcio dar waters pleget. 
35 mcdilatio het de vmmeghRnk, 
den besorget veritas ane wank 
mitt eren waren worten: 
timor Blut de porten. 
wen godes denat ia ghedan, 
40 80 scolen de vrowen to capittel ghan. 
vrowG Caritas de mynue, 
discrecio de pryoriooe, 
de twe dat. captttel halden, 
wente se scholen erer aller walden. 
45 de vrowen allo attten ghan 

nach erem orden al sunder wan. 
humÜitas sprak erst ere schult 
umme ere broke unde vngedult. 
se moste ut beeiden ghan, 
50 dat de anduren ere schult mochten vorstan. 
dar vragede Caritas de vrowen alle, 
wat en an ere miavalle. 
se spreken alle 'nichtes nicht'. 
'nen' sprak mundicia, 'mj schelt ycht, 
55 se ys odmodich nach erem namen, 
des en darf se sik nicht scamen: 
iodoch mit erer odmodicheit 
uneret se de reynicheit, 
ere inantel ys unreyne unde de rok also, 
fiO ere hovet noch swarter wan en scho, 
unde ere kledere stinken alle: 
weme mach dat wol bevallen?' 
Caritas sprak 'ik hau dy wol vornomen, 
nu lat se wedder in komen'. 
ß5 do humilitas hadde böte entfan, 
do moste de reynicheit ok vtgan: 
men vragede en al ghemeynen, 
oft se icht wisten van der reynen. 
'ja', sprak kumilifas, 
70 'se is reyner unde pleget das, 
dat se ore reynicheit 
velschet mit der nutticheit. 
to prise settet se ere want, 
ere rise unde gordelbant, 
75 dat sei ..... rwelt fyn 

d haget in erem syn, 

unde heft ok yo de sede, 
raltoliai JikhibBolu XL 



130 



dar de bomot lopet mede'. 

do muvdicia ere böte entfynk, 
80 misericordia dar na ut ghynk: 

raen vragede, oft men icht van er wiste. 

de susleren spveken al dat beste 

unde dat se were ere trosterinne. 

do sprak jualicia mit synne 
85 'se volget der barmlierticheit al?.o vele 

an allen tiden unde allen speien. 

ae acolde aunde straffen unde vordriven, 

wolde se mit gliode blyven. 

we 80 den sundeo wil volbort gheven, 
90 de mot dicke sunder god leven'. 

do misericordia ere böte nam, 

justicia do ok moste utgau: 

dar vragede men umme ere, 

oft se ane broke were, 
95 'nen", sprak do misericordia, 

'vil rechte het ae justicia: 

ae ys so rechte nach erem namen, 

unde bedrovet uns dicke allensamen. 

se wil des dinges so vele bewaren 
100 unde mochte doch des wol wat hespare 

we wil vele spreken wat he süt 

beyde stille vnde over lud, 

de maket undult mit syneu synnen 

unde brecket dar ane de wäre mynne. 
105 wolde se unse priorissen discrecio bi sik han,^ 

se lete dikke er scheldent stau'. 

do iusticia hadde böte eotfaugen, 

do qwam oracio in gheghangen ; 

der eogaf men nene schult, 
110 de vrowen weren er alle holt, 

wente se de bedroveden tröstet Bunder wan. 

dar na moste sptritualis leticia utgan. 

dar vragede Caritas umme mere, 

oft se ane broke were. 
115 'nen', sprak do oracio, 

'se heft my den sank so ho. 

wer wil lüde singen, 

de mot ydel werden bynnen ynne. 

cruse stempnen unde krus gelat 
120 den was ik ie van herten hat, 

unde dlssolucio in deme köre 

merket mennigen alse enen doren', 



[i«^ 




m 



do dsBse vrowe ere böte entfynk, 

vor paciencia do utghynk: 
125 dar vragedp. men to den stunden, 

oft an er iclit arges were vunden. 

'ja', sprak veritas, 'se duldet vele 

böses Spottes unde ydel speie: 

warlieit unde logene gelt er allen, 
130 men scal logene stillen unde warbeit gen'. 

do paciencia ere böte hadde dan, 

do scbolde de warbeyt vore gan: 

dar wart gbevraget an den stunden, 

oft men wandel an er vunde. 
135 paciencia sprak 'se heft den namen der warbeit, 

unde dat kumpt er dicke in arbeyt. 

wer wyl de warbeit alto Tele spreken, 

de gift ortsake hovendes unde steken. 

swer wil spreken al dat sin berte draget, 
HO dem wert dicke de herberge vorsaget. 

est veritas vite doctrine iuslicieqJte ; 

primam semper habe, duo propter scandala linque. 

dat sprikt: en gud levent scalt du ban 

unde de anderen bowilen by siden gan\ 
145 do vcritas ere böte dar na nam, 

obcdiencia moste do vortgan, 

unde men vragede so vort, 

oft broke an er were ghebort. 

paupertas sprak 'so is horsam genant 
160 unde bolt den borsam in der hant. 

se wil doch eres willen wesen, 

des ik docb nicht ban gbetesen. 

dat er behaget, dat deit se gerne: 

wat er misvolt, dem is se verne. 
155 se ecolde doch io den wilkor gheven 

erem prelaten, wolde se leven. 

obedieticia is myn suster dar an, 

dat sc nicht eghens scal han. 

so dan liorsam de was ye 
160 seliger unde beter wan victime'. 

do obediencia wedder komen was, 

do ghink ut iiatipertas. 

'nu seggel alle sunder wan, 

hat se ok wol missedan?' 
165 'ja', sprak ohedicncia, 

'ik ban gheproveC gar na. 

is er egen acat bewilen teyt, 

' 126. vragedera to — 126. oft] icht. 




132 



BO wil se doch in der menheyt 

nene brake dulden. 
170 ach vrowe, by jiiwen hulden 

meo scal sik menniges dinges weren, 

di;8 rike lüde wol moten enberen, 

unde botde den armot recht na dem namon: 

des rades darf sik nement scamon'. 
175 paupertas hadde ere böte entfan: 

castüas scolde do ut gau. 

'wete gi icht vao der vrowen, 

dat saget alle mit nowen triiwen', 

disciplifia sprak 'kuschet ys er lef, 
180 doch heft se vil mennighen def: 

dar is timor ok achuldich an, 

wente se let io de dore open stan. 

castüas itiaket des sulven velo 

mit collacien unde ydelem speie. 
185 vruwen kosent unde lichverdicheit 

velschet sere de kuschelt. 

wer der kuschelt scat nll halden, 

de mot sere syner synne walden.' 

castüas ere böte uara: 
190 do was disciplina ok ut gan. 

do ßpreken al de vrowen, 

dat se wol mochte rowen, 

wente se yo sik drukket sere 

iu allen sieden wor se were. 
Idfj dar na moste spes ut gan, 

dar af fides ere rede nam, 

'nu raanet se, leve vrowe myn, 

dat se ere ghelfwort late syn. 

se sprikt, so sy vor gode rik: 
200 er is doch harde yamerlik, 

dat dar nemeot wisheit hat, 

de wile sin levent hiir stat'. 

alse sjKS de böte nam, 

do moste fides besyden gan. 
205 'nu spreket, vrowen, sunder wan, 

heft ßdes icht ovels gbedan?' 

spes üprak 'Caritas, leve vrowe myn, 

dat gi yummer zalich motet syn, 
ßdes bewerret sik dicke so lichte 
210 mit mennigher bände dichte. 

Be wil vele disputeren 

unde boven sik noch mer proberen, 



193. drukker ~ 206. raotet fehlt. 




133 

unde dar umme scole alle gy 

stede unde vast blyven by. 
215 we wil santkorne teilen unde watei- meten, 

de mot godes dicke vorgheten'. 

dit capittel lieft ende nomen: 

timor moste do vore komen. 

deme wart dar schult gegeveu 
220 umme ere vil unrechte lovent, 

dat 66 de dÖre nicht enslete 

unde io vrommede geste inlete, 

de dar brachteu böse meren, 

dar af de vroweu drovich woreu. 
225 'ja', sprak vrowe Caritas, 

'timor domini, plegest du das, 

dat schalt du gantsliken lau 

unde gode to hulpe han, 

de uns losede ut aller not 
'230 unde dorch uns leet den bitteren dot\ 

vier desse wort kau gründen bat, 

dat is al sunder myneu hat. 



r. 



221. de fehU. 
HEIDELBERG. 



K. Bartsch. 



Z\vei niederdeutsche Hymnen. 



Aus der Wolfenbiittler Handschrift Heimst. 442 (15. Jahrb.: 
Heinemann Nr. 477, Bd. 1, S. 443). 

1^ 

^^^L De laude dei. [3>] 

^^^^H YmnM cwn nofa de Christo pro suis Septem priacipdtihus. 

^^^^B Christus ys uns gheboren al recht: 

^^^^B des schulte wy uns alle vrauwen. 

^^^H he brengbet myd sek dat clare lecht 

^^^^p tho vroliken rauwen. 

^^^" 5 de gyf uns, o god here! 

Oraie» nunc otanes reddamus rforniiio etc. comueto modo. Grata n««c onmea 
redäamus domino deo, qtii iua vita sacrata ttoitratn imtruxit contra dyaöMiOM 
astuliam. 
Christus beft hir gheleret nicht laughe: 
dat sulve was oem albangbe. 
he beft uns ghelert den rechten wech, 
in den hyoimel dat stech. 
10 dar voere uns hen, o berel 



134 


1 


Oratt» ete. qui rm morte amara noa etc. 


H 


ChristuB ya vor uns alle ghestorven, 




dat wy ewych leven. 


^^^1 


he ys an synem lyve vordorven, 


^^^H 


dat wy nycht beven. 


^^^H 


15 matte uns sunt, o liei-e! 


^^^H 


Grales etc. qui sua reaurrt.tioite nos libtravü ete. 


^^^H 


Christus ya weder levendich gheworden 


^^^H 


an deme driddeo dache: 


^^^B 


dat ys vorkundighet van suden in norden 


1 


myd grothem behache. 


J 


20 help uns up, o here! 


^^J 


Grates etc. qui sua asctnsione nos lilieraoit etc. 


^^^H 


CbristUB ys in den hymmel ghsvaren 


^^^H 


myd synen hilghen vif naren: 


^^^H 


he Bande uns weder synen hylghen gheyst 


■ 


tho troeste alder meyst. 


1 


25 vorlath uns nicht, o here! 


1 


Hinc oportet ut canamus cum angtlia 'gloria in eiccelii^. 


' 


Christus kumpt weder openbar 


m 1 


uthen hymmel an dusse erden: 




^^^ he wel uns richten alle vorwar 


. 


^^^B myd wunderliken gheverden. 


J 


^^H 30 TOrschone uns, o god here! 


J 


^^B Christus sprikt uns allen tho: 


^^J 


^^^H 'koemet unde ghaet van hure; 




^^^ ik sluthe na ju vast allen tho 


^^^^1 


^ myd ewygher vure. 


^^^H 


35 koemet unde ghaed snel yn'. 


i 


99. m. wuDderken. 


2. 
De laude det. 


J 


Tinnits curn noia de trijxtdiiii matriB Christi, 


1 


Goddes soene wolde mynsche werden 


1 


van eyner juncvrowen umme uns up erden 




myd nyen gheverden. 


1 


Des vrowe dy, juncvrowe, vrolik vro: 


1 


5 benedicamus doraino. 


^ 


God sande synen edelen boeden uth 


M 


dy tho werden syn moeder unde bruth 




^— unsen allen guth. 


^^^^1 


^^K Des vrowe dy etc. 


1 



1S5 

10 Dyn vulbord nam de boede ghar snel: 

in dyn licbam godmyiische eyn kyndtken vel 
UDSen allen wel. 

Des vrowe dy etc. 

Dat kyndelin ys gheboren suiider pyn, 
15 dat wy scholden werden alle fyo 
utherkoeren syn. 

Des vrowß dy etc. 

Dat kyndelyn ys eyn man gbeworden 
alweldicli van suden osten in norden: 
20 de doeden oen horden. 
Des vrowe dy etc. 

He ys ghestorven unde weder up ghestaen: 
dar van wy alle vroude entfaen, 
dem doede entghaen. 
25 Des vrowe dy etc. 

He ys gbesteghen in den hymmel glians hoch: 
ayn vaeder gaf oem syn ghevoch 
uns allen ghenoch. 

Des vrowe dy etc. 

30 Syne moeder heft he naghebalt, 
myd ewygher leve by sik ghepalt, 
gans sere ghenalt. 

Des vrowe dy etc. 

Se hebben unae stede al wol bereth. 
35 salich ya de niynscho de se nicht vorleth, 
syn ynnyghe gliebeth. 

Des vrowe dy, saligbe, vrolik vro: 
benedicEunus domino. 



10. Ha. wlbord. 



HEIDELBERG. 



K. Bartsch. 




Sündenklage eines Verstorbenen. 

In der Wolfeubüttler Handsclirift Sfi9 Heimst, (v, Heinema&ns 
Handachriftenverzeichniss Nr. 424 S.3il), steht auf der Innenseite der 
hinteren Einbanddecke*), auf einem eingeklebten Papierblatte, dessen 
obere Hälfte fehlt, das nuchfolgeude Fragment eines in vierzeiligen 
Strophen abgefassten Gedichtes, worin ein Gestorbener den Lebenden 
sein sündhaftes Leben klagt. Die Stropbenabteilung ist nicht be- 
zeichnet. Das Blatt ist zweispaltig beschrieben; die ächrift hat sehr 
gelitten, manche Stellen sind unleserlich. — Cursiv gedrucktes ist 
ErgäDznng. 

dar umme de pine vullentig . . . 

my wert ummer mer ghegeven, 



Myne hende und vote deden sunde 
teghen de gotliken ee: 
5 myn herte und sunde neren vrunde, 
dat deme mynscben teraede n^. 

Nu merket rechte mynen tempel, 
de mik senket an de grünt. 
ek bin juk eyn bilde unde eyn Stempel 
10 de werld mik velachliken heft gewunt. 

De nicht nu wedder keren wil 
to ruwen umme de sunde sin, 
de komen an dat sulve tzel, 
dat ewyghe vur, dar ik bin. 

15 Nu ruwet juk, dat ys myn rad, 
sint dat gy hebben tiid ghenoch, 
unde waket er wen et werde to spad, 
dat juk nicht kome weynes vluch. 

Neyn minsche nu noh ny besuch 
20 myne pine, wu ae sy gh estalt. 



*) Auf der Inaenseite des vorderen Einbanddeckels steht auHser den bei Heine- 
mann angegebenen Spröchen noch : 

Mfme berten ist baage 
wenle ich ben gefangen 
dat wtr my kejn pin 
mochte ich er liff sin. 
1. wohl »ullentiglike — 10. Hs. gewut — 14. Ht. wur — 18. wives? wewee? 



137 

ero eiigestliken . . 
va . . . . den wert ghespre . . . 
yn des hoghesten richters tiid (V) 
dar mede . . bosheit wert ge . . . . 
25 god h 

Ek was yo der sunde ein d ... . 
goddes Ladde ik nejDen roch: 
dar en yegheo heft de strenge . . , 
mek Hier gegbeven 

30 Se siot gar swart gelik den kolen, 
de yuk lif unde sele vorradeu, 
wen ik groten yamer dolen, 
mut ymmer in den hellen braden. 

Su evene wu ik bin gestalt 
35 dorch der sundiglien bosheit kricb! 
Bta up van sunden, slape balt 
unde ga to ruwen, dat ya vor dich, 

Deme hellevure bin ik gegbeven: 
o we wat scholde ik yo geboren! 
40 dorch royn sundighe leven 

bin ik nu unde ymmer mere \orloren. 



38. Hs. lieilewurc 

HEIDELBERG. K. Bartsch. 



Lateinisch-niederdeutsches Gedieht. 

Nachstehendes Gedicht aus der Wolfeobüttler Handschrift Heimst. 
414 (BI. I, 15. Jahrh.: Heinemann Nr. 449, Bd. 1, S. 324). gehört 
der lateioiach-deutachen Miscbpoesie an, von welcher HoÖmann in 
seinem Schriftchen 'In diilci jubilo' zahlreiche Proben gegeben. Ganz 
ähnlich beginnt ein im Weim. Jahrbuch 6, 51 gedrucktes Venite ir 
lieben gesellen one sorgen (vgl. Goedekes Grundriss 2*, 35; Weilers 
Annalen I, 231. 25'J), und das Lied einer Wiener Handschrift (Nr, 
4558), das in Graffs Diutiska 3, U)6 f und bei Hoffmann a. a. 0. 
61 f. gedruckt ist. Mehrere iingedruckte ober- und mitteldeutsche 
lasse ich hier bei Seite. 

Venüe, myne gesellen, et audite: [l**] 

propormm vohis mynes hertzen grünt, 
unde lat uns confabuleren ahsque Ute, 
videtur bontim hoc to desser stunt. 
3. unde] v' Hs. 




138 

5 Mitatidum satis quare 
de werlt is kiveB tuI. 
dorate ek dat Bpreken absque male starr, 
niy dunket, de lüde in orbe de syn dul, 

Verumptamen in mundo 
]0 suhut suoder sake nicht: 

god richtet recht in sectdo rotutido, 

my care socie, n»j care socie, des wes bericlit. 

K, Bartsch. 



Johannes Rediger, 

ein Dichter des 16. Jahrhunderts. 

In der Hamburger Stadtbibliothek befindet sich der Einzeldruck 
eines geistlichen Liedes, dessen Verfasser ein bisher unbekannter 
Dichter Johannes Rediger aus Minden ist. Dieser Druck besteht aus 
vier Blättern oder einem Bogen in Quarto; die Blätter sind nicht 
paginiert, das zweite ist signiert Aij. Der Titel lautet: 

Des Küning» vnd | Proplieten Dauidi 33. Psalm, in | ein nye Ledt 
geslcllet, ] DorchJ Johann em Hcdiger van | Minden. ] Vode syn dorcli 
densülueu, de Krga- | men WolHysen Heren, de Borger- | meister vnd 
RSth der lüfFliken Stadt { Tunderen, vndo de samptliken ere | Mitbürger 
dar mit denstlik ] roreliret. | Idt wert gesungen vp de wyse des \ Chriat- 
iiken Loffgesangea. | Allein Godt in der höge s; Ehr. { Schleszwig. 
(Ohne Angabe von Verleger, Drucker und Jahr.) 
Bi, l*- enthält ein doppeltes Motto gegen etwaige schmäh- 
sächtige Kritiker. 

In Zolluin. 

Prouerb: 10. 

Parlurit os castum dininae semina frugis, 

FutiÜB liaec ea Irans perdcre lingua solet. 

AEgid: Sjneg:») 
Et nof(ro»< fpurret si bcslia eaern labores, 
Quid nocet? indomilo bealia wrde furit. 

,T. R. 
Von Bl. 2' bis 3' folgt eine Dedication „den Achtbarn Ersamen 
Wolwyaen Heren, Börgermeister vnde Radesuorwanteii, der löffliken 
Stadt Tuudern, sinen beslindern grothgünstigen Heren, vnde stvdes 



geleueclen Fründen in Chriato". „Negest erbedinge inügelikes denstes, 
geue ick juwer Ersamen Wyszheit van wegen juwer Leue vnde Gunst, 
roy jeder tydt erlöget, fründtlick tho vornemen, Wo dat ick etlike 
miner nyen Geislliken Gedichte tho Publiceren vnde in den Druck tho 
vorscbaffen bedacht. Vnde wowol byrinne mine vnuormögenheit be- 
findtlick, so js dennoch an mine besiinder geleueden Heren vnde gudeo 
Fründe (vnder welckeren juwe Achtbar Gtinste nicht de geringsten 
erachtet) myn gewisse Thouorsicht, se werden darinne minen flyth 
vnde denst, na Ghristlikeni gebor, erkennen, (Bl. 2'>) vnde sodanem 
minem gedachten vörhebben, edder vörgenaraen Godtsaligen Wercke, 
in gnoGten geneget vnde beforderlick syn. 

Vnde dat myn denst vnde willige gemöte an juwe Ächtbar 
Wyszheit, vnde an de F.rhafftigen, samptliken juwer Stadt Milbörger 
vnde Inwaner, warhafftich mochte gespört vnde befunden werden, 
Darümb hebbo ik dith jegenwardige Gedichte in de ordcuinge der 
anderen, tho juwer Ersamheit vnde der gantzon Börgerschop löffüker 
vnde ewiger gedechtenisse, doch vörnetalick tho laue vnde pryse der 
Gödtliken Gnade, voruatet vnde mede ingestellet " 

Er achliesst seine Widmung auf Bl. 3': „Juwe Ersame Wyszheit 
werden, na vngetwyueldem minem vorhapen, disae mine deustliken 
Erbedinge, gütlick vormercken, erkennen vnde annemen. 

Ick bya na vormiige Jw. Achtbar Gunste tho gehorsamen stedes 
willich, Vnd do Jw. Ersamheit, sampt allen Juwer Stadt heimgeseten, 
dem AUmechtigen, Barmhertigen Gade, in gelücklike, rowsame Be- 
scbü(tiQge Lyues vnd Leuendes, Ehr vnd Gudea, van Herten beuelen. 
Datum, Anno Chrisli 1587. Philipp! Jacobi (= 1. Mai). J. R. M." 
Bl. 3b: De Dre vnde Dortigste Paalm, 

in ein Nye Ledt voruatet, 
Wert gesungen vp de Wyse, Allein 
Godt in der Mge ay Khr. 

VistichOD. 

Laude Denm fumma mcrilo celcbramus ouantes, 
Nomea vbi et Dauid Numinis ipse cta&t. 

DEN HEren, vnse Gerechticheit,*) 
wy hoge pryan vnd ehren; 
Wy möten alltydt syn bereidt, 
vor em tho iubileren. 
8ynr Gnad wy dancken an vnderlatb, 
de wunderbar, Krafft. Helt vnd Ratb, 
sy gelauet tho ewigen tyden, 
2. BORger vnd Hussgenaten syn, 
ock in des Hemmeis Throne, 



1 



*) Im Origiaal >iad die einzelnen Verse innerbalb der SCrnpheii nicht ahge- 
tetet, eondern nur durch Komma getrennt; wo ein stärkeres InterpunktionEzelcheu 
tlebeo sollte, folgt ein grosser Anfangsbuchstabe. 



140 




welcker anlh end ane valschen Bcliyii, 
Gads Wordt bc waren schone, 
In Gödtliker Gnad dat Wordt so rein 
erholdt vnd vöret syn Gemein, 
dar ys Recht vnd Gerichte. 

GERN wil in vnaer truricheit 
de HEre tho vns kamen, 
de Hemmel dorch syn Wort besteit, 
he holdt dat Meer thosamen: 
So wil (Bl. 4') ock syn Gudtlike Wordt 
syn vnse Thoflucht, vnae Hortb, 
vnB YÜrn tho ewiger fröwde. 

THO aller tydt jdt moth gescheen, 
wat Gades Wordt vormoldet, 
dar moth jdt stan groth vnd kleen, 
de Heyden dariimb scheidet, 
Wo ere gedanken nichtea syn, 
weut er Rath js ein valscher schyn, 
Gads Rath bringt heyl*) mit pryse. 

THO Nemand wyl dyn. Herte kehrn, 
den tho dem HEru alleine, 
vnd willest sine wege lehrn, 
blytien in synr Gemeine. 

Went dat Volck, des de HErr (lies: Heer?) ein Godt js, 
ein Erue des Hemmeis js gewisz, 
vnd dem kan nemandt schaden. 

DE Ryke Godt noch steds bereit 
vam Hemmel süth vp Erden; 
He kendt vnd weth, wo jdt thogeith 
vnd wat hyr wil noch werden. 
Vor em nicht helpt des Könings macht, 
eines Resen gewaldt he weinich acht, 
Rosse mögn ock dy nicht redden. 

IN Truwen leret vnse Godt 
dorch syn Wordt syn Gesinde, 
wol em hyr klaget sine notb, 
wo de schütz by em finde. 
Ue wil vnse Heylandt syn allein, 

I Sünden he vns maket rein, 
dat wy nicht werdn vorJaren. 
(Bl. 4'') 8, GEachüdt**), wy gyn mit leyde vast 
als mit dem Dodt vmbgeuen, 
so wil he syn dar hy der Last, 
wil jiimmer vor vns streuen. 

*) 'bringt heyl' ist dorehetrichen und dafür iu alter HandBchril't 'geidt hoch' 
den Band gesetzt, vielleicht von dem Verfasacr selltst. 
♦•) weno es geschieht, dass. 




) vns erlöset van Hell vnd Dodt 
vnd stillet vnsen angst vnd noth, 
dorch en wy ewich leiien. 

MENN schall de hilligen Gnad des HErn 
vnd syn Wordt recht bekennen, 
ayn Loff mit högstem flyte vormehrn : 
Wy vnse Scliildt en nennen. 
Ach vnse Godt van Hemmelryck, 
help vnd bevfahr vns ewichlick! 
Dy allein vy vortrüwen. 

Den Scbluss macht ein, J. R. unterzeichnetes Octoatichon, Can- 

tilenae huic obiter additum, in welchem zum Lobe Gottes als einer 

segenbringendcD Pflicbterfüllung aufgefordert wird und solche Lob- 

gesänge, und damit auch der vorhergehende, gegen unbillige Tadeler 

in Schutz genommen werden. Diese Distichen lauten: 

SVmna perpi^tuo celebremns laude ToaantcTn, 

Sacra quoJ moDuit carmine Päaltnogrnphus. 

Cernimus ODiuipoteiis quanU jiietate miniBtret 

Omnia, qiiare omoi cit dignua hoaore, Pater. 
Aeqiiua non igitur ccnlbr cito cantica rpcrnct, 

Vitae ([lue ri^foDant fancta trophaea Dacis 
Crcde, lai ingpoij eBt is fructua sumnius IjabondiiB, 
Tttlis in lauilem si potes effe Dei. 

Der Verfasser Johannes Rediger war nach Jensen, Versuch einer 
kirchl. Statistik des Herzogth. Schleswig, 11 (1841), S. 535, von 15119 
bis zu seinem Tode 1591 Pastor zu Klanxbiill, einem etwa zwei Meilen 
südwestlich von Tondern am Haff gelegenen nordfriesischen Dorfe 
Jensen nennt ihn abweichend Redinger Das Kirchspiel Klanxbüll ist 
sehr klein und das Einkommen daher nur massig, so dass dem Dichter 
die Herausgabe seiner Gesänge ohne Unters tiitzung wohl unmöglich 
fallen mochte, wie er das auch in der Uedication deutlich kund giebt. 
Darum wendet er sich an Rath und Bürgerschaft der Stadt Tondern 
mit einem Appell an ihr Wohlwollen für ihn und ihr Interesse für 
solche Poesie und legt ihnen zur Beurtbeilung eine dieser Dichtungen 
gedruckt vor, in der durch die Anfangsworte der neun Strophen, 
„Den Borgern tho Tonder int gemen(n)'' d. h. den Bürgern zu Tondern 
insgesamt, die Widmung wiederholt ist. Er hatte sich aber die Zeit 
schlecht gewählt, denn vor sechs Jahren war fast die ganze Stadt, 
300 Häuser und das Ratbhaus, durch einen Brand in Asche gelegt; 
8. Carstens in den Nordalbingischen Studien, IV (1847), S, 117. So 
werden die Tonderer, abgesehen davon, ob ihnen die etwas massige 
Poesie gefallen haben mag, ausser Stande gewesen sein, für eina 
littersrische Unternehmung Geld auszuwerfen. Und da von einer 
Gesamtausgabe der geistlichen Gedichte Rediger's keine Kunde noch 
Spur überliefert ist, so muss man wohl annehmen, dass sie nie er- 
Bcliieaen sei. Möglich ist, dass das Manuscript sich im Kirchenarchive 
zu Klanzbüll erhalten hat. 



Für die Sprachverhältnisse im damaligen Tondern ist der Versuch 
des Verfassers, die Burger dieser Stadt für sein Unternehmen zu ge- 
winnen, bemerkenswerth, Tonderu liegt allerdings auf nordfriesischem 
Boden, und die Noidfriescn haben sich von jeher des Sächsischen ala 
Schrift-, Kirchen- und SchuUprachc bedient. Auch war Tondern mit 
bübischem Rc-cht bewidmet und hatte im sächsischen l.übek seinen 
Oberhof. Doch liegt es an der Nordgreoze des friesischen Uebietes, 
und die gew<3hnhche Verkehrssprache der Studt ist bis in die neueste 
Zeit der dänische Volksdialckl von Nordschleswig gewesen. I^s fragt 
sich aber, ob im IG. Jahrhundert nicht vielleicht das Friesische als 
Volkasprache geherrscht habe, welche erst später dem sog. Raben- 
dänisch gewichen sei. In der Schule galt die deutsche Sprache und 
ebenso Hir den Hauptgottesdienst; nur der Frühgottesdienst ward 
dänisch gehalten; s. Jensen a. a. 0. II, S. 363. 368. Uass die offi- 
cielle Sprache Tondern's schon im IG. Jh. die deutsche war, bezeugt 
auch das daselbst neuerdings aufgefundene Fragment einer nieder- 
deutschen Uehersetzung des dieser Stadt 1243 in lateinischer Ab- 
fassung niitgetheillen Lübischen Rechtes. Dass die Uehersetzung Tür 
Tondern bestimmt war, wird ausser dem Fundort dadurch bewiesen, 
dass in derselben Handschrift, welche nach den Buchstabenzügen ia 
das Ende des 16. oder den Anfang des 17. Jhs gehört, dem Lübischen 
Rechte die Uehersetzung des Jütischen Low von Erich Krabbe ange- 
hängt war; denn Tondern war diu einzige Schleswigsche Stadt, die 
mit dem Lübischen Recht begabt war, und in ihr galt neben diesem 
Rechte das Jütische als subsidiarische Rechtsquelle; s. Falck im Neuen 
Staatsbürgerlichen Magazin, X. (1841), S. 297. Darum hat es auch 
nichts auffallendes, dass Rediger in seiner Widmung und in seinem 
Unterstülzungagesuch Verständniss des Niederdeutschen und Iiiteressa 
für die Herausgabe eines niederdeutschen Buches bei den Bürgern 
Tondern's als selbstverständlich voraussetzt. 

Was die Sprache Rediger's anbetrifft, so ist sie ein für das Ende 
des 16- Jhs. merkwürdig reines Niederdeutsch zu nennen. Hoch- 
deutschen Kinfluss verräth höchstens „ein valscber schyn" in Str. 4 
und , schütz" in Str. 7 statt des am Schlüsse der Widmung gebrauchten 
„beschüttinge". Die richtigen Accusative „mine denstliken erbedinge" 
in der Widmung und „de hillige» gnad" der Str. 9 klangen für 
Rediger's Zeit gewiss schon sehr alterthümlicb, beweisen aber auch, 
dasa er die Grammatik seiner Muttersprache beherrschte. 



HAMBURG. 



C. Walthep. 



Moorkens - Vel. 

Door W, Seelmann, Mitteliiieilei-deutsche Fastnachtspielc (Norden 
1885), b!. XIV— XVill, en door J. Bolte in het KorreBpondenablatt 
8, bl. 43 werd gehandeld over 'Das New Morgens Fell, durch Martin 
Schmidder'. Wij lezen daar o. a. „Als seine Quelle giebt Schmidder 
oder latinisiert Fabritius. in der Vorrede das Büchlein Morgens 
Fell genandl an, aus dem er auch einige Verse entliehen habe," 

Ik meen de brun vnn dit stuk te kurinen aanwijzeu in eene 
Nederlandsche klucht, die mij onlangs ter band kwam. De verzame- 
ling, waarin zij zieh bevindt, is getiteld: , Veelderhaade Geneuchlicke 

dichten | Tafel-spelen | ende Refereynen üedruct om te ver- 

koopen by de dozijneii || Fn dter een begeerl macht oock wel mijnen," 
Aan het slot der verzameling leest men: „'t Antwerpen | by Jan van 
Ghelen | op de Lombaerde veste inde witte Hasewindt. Anno 1600'). 

Het stuk. dat ik bedocl, is daar opgenomen onder dit opschrift: 
„Moorkens-Vel | Vande quade Wyven". Daaronder leest men: 
Ick beii ghenaemt het Moorkrus-Vtl 
De ([iiade Wyven kennen my wel. 

In het Nederlandsche stuk viodt men in hoofdzaak dezelfde he- 
handeling der stoi als in het Nederduitsche; toch is er ook vrij wat 
Terschil. Zoo vangt de Nederlandsche bewerking aan met eeae alleen- 
Bpraak der moeder, waarvan in de Duitsche niets te vinden h. De 
oade vrouw geeft op onverbloemde wijze haar verlangen te kennen, 
om met een jongen man in kennis tc komen: 



h 



Och, wat leed bebben wy oude Vrouwen 

Met alle dese kratten ende klonwen, 

Het aensicht is my vol vouwen gheraeckt, 

Het weick myn sinnei^tDornich maeckt, 

Ick beb mijn ghesmeert met ghebraden Rapen, 

Tan ongbenaecbt eu mach ick qualick alapen; 



Zo wil ick my t^ben den Somer muytcn 
Ende oemen dan eenen jonghen gheselleo, 
Die zai my in gyn armen stellen, 
Ende drucken my aon sija Lijf 
Hely! dat waer my eeu lUBtich gUorijf, 
Ja, HO fijn ala ojt oudt wijf gbewan : 



Overigens heeft ons stuk hetzelfde verloop. De tnoeder slookt 
hare dochter op en deze bejegent hären man op bondsche wijze, als 
hij thtiis komt. De man klaagt 
Reynken'' 



zijnen nood aan zijm 
geeft hem den raad om zijne vrouw te genezen. 



door haar eenigen tijd in eene paardenhuid te laten üggen. Hij zelf 
vil hem zulk eene huid ter leen geven: 



') Zie Catal, 
2« Ged. p. 2U. 



. der MaatGcbappij vau Ifed. Letterk. te Leiden. 



r waarde, 
) paorde '), 
Het was oeii paert wel vwrtich gülden v 
Ir, Kjlsp u leenen, ist dat ghyBe liegheert. 

Als de mftu ten slotte de overwinnlng heeft hehaald, noodigt hij 
nijne sohoonraoeder bij zieh, om van KJjn triomf te genieten. Deze 
bemerkt al spoedig, dat de toestanden veranderd zijn en overlaadt 
hare dochter met verwjjten. Als Geerken echter bij liare tneeDing 
blijft en aaii hare moeder verhaalt, op welke wijze zij door hären man 
bekeerd geworden is, loopt de oudu vrouw toornig het huia uit. 

Dr. Seelmann zegt (t. s. p. XVIIL): „Von der bei Scbmidder .... 
sich findenden Erzählung weicht das niederdeutsche Fastnacbtspiel be- 
sonders in einem Zuge ab; während nämlich die Itosshaut dort rohes 
Ziichtigungs mittel ist, motivirt sie der niederdeutsche Dichter als ein 
auf ärztliche Vorschrift angewandtes Curmittei, damit sie das in dem 
Körper verbreitete Gift heraussauge. Eine liuelle, aus welcher dieser 
Zug geschöpft sein kann, ist nicht nachzuweisen" etc. 

Men vindt dezen trek ook reeds in de Nederlandsche bewerkiug. 
Wij lezen daar, dat de man tot zijne vrouw Geerken zegt: 
Nu sal ic u liiiideii in dit ghesouteu Paerts-vel, 
Hier in aal ic u lateo liggen, ib my ghehcten, 
Dat ghy u quaet Moet wat mciight ut sweten. 

Waar het Nederlandsche stuk gedieht werd, is niet nict zekerheid 
te zeggen. Vormen als: ^gaet hin", de „brouwersche van Brubach", 
misBchien ook de namen: Geerken, Reynken schijnen mij toe op 
het Oosten van ons land te wijzen. Daarbij zou wel passen, dat 
Schmidder volgens zijne eigene mededeeling schoolmeeater geweest is 
te Sittard (Limburg). De bundel, welks titel ik hierboven afschreef, 
werd in 1600 door J. v. Ghelen uitgegeven; zeer vele, raisscbien alle, 
stukken, waaruit hij is samengesteld zijo echter veel ouder. Een paar 
stukken behooren waarschijnlijk nog4ot de 15''° eeuw, een tot het jaar 
1500, een ander dateert van 154G, een derde van c, 1550. 

Van woordelijke overeenkomst tusschen het Nederlandsche stuk 
en het Middelnederduitsche is nergens sprake. 

Op „Moorkens-Vel" volgt in bovengenoemden bundel: „Een Boeren 
Vasten-avoudspel | seer ghenuechück om te lesen". Dil atuk is eene 
vrij goede, doch letterlijke vertaling van het door Dr. Seelmann uit- 
gegeven „Vastelavendes gedieht" (t. a. p, 21 — 29). Fragmenten der beide 
Nederlandsche stukken vindt men in de door Dr. van Vloten uitgegeven 
verzameling: Het Nederlandsche Kluchtspel I, 44—48 en 48—49. 



" 



') Moor (dim. Moorkeu) was de gcwone naam vaor eea zwärt [laard. Het 
is cenvoodig het Franscbe: more. Men vergpl. b. v. : 
C'est le pdnce d'Orsnge, 
Trop niatio s'est levu ; 
11 appela bod page: 
Mon more est-il bridi? 
(Vau Vloten, Ned. Oeschiedzangcn I, 244). De etymologie van Balte van; Marc, 
ctk, dat hij troDirens niet in het Nd. kan aaDwJjzeD, houd ik das ook voor oi^Dist, 

AMSTERDAM. G. Kalff. 



146 








Kine dritte plattdeutsche Posse 

von J. Laupemberg. 



Jahrbuch UI. (1877), S. 91 ff. hat Dr. 11. Jellinghaua zwei platt- 
deutsche Posseu von Joh. Lauremherg herausgegeben. Seine Vorla^ 
war ein Kopenhagner Druck vom Jahre IG48, der indessen ^ wie 
Prof. Ludv. Daae in seiner Schrift über Lauremberg*) bemerkt — 
eine verkürzte Ausgabe bietet. Kr enthält, wie Dr. Jellinghaua angibt, 
eine ausführliche Beschreibung der Vermählungsfeierlichkeiten mit bild- 
lichen Darstellungen des Festaufzuges und des Feuerwerks in Kupfer- 
stich. Darauf folgt dann der „Appendix"**"). Die hierin enthaltenen 
Comoedien waren indessen schon im Jahre 1635 „mit küoiglichem 
Privilegio^ ausführlich gedruckt worden — wie auch Dr. J. a. a. 0. 
ausdrucklich bemerkt — ; er hat aber diesen Druck wahrscheinlich 
nicht seibat gesehen, und es ist ihm dadurch der Zusammenhang der 
plattdeutschen Possen mit den Stucken, worin sie , agieret seynd", 
entgangen, sowie auch, dass noch eine dritte Bauern-Scene vorkommt. 
Diese letztere teile ich hier aus der Kopenhagner Originalausgabe mit. 

Zur Einleitung dürften ein paar Bemerkungen über die Anordnung 
der Stücke am Platze sein. Der Titel des ersten Drucks lautet: «Zwo 
Comoedien, darinnen fürgestellet 1. Wie Aquilo, der Regent Mitter- 
nächtiger Länder, die Edle Princessin Orithyjam heimführet: 2. Wie 
die Harpyiae von zweien Septentrionalischen Helden verjaget, und 
KiJnig Phint'us entlediget wird u. s. w. Präsentiret und gehalten za 
Copenhagen den 7. und 12. Octob. Anno 1634." — Die Dedication 
an das hohe Brautpaar ist unterzeichnet: „Soer, den 31. Mart. Anno 
1635. FE. HochFürstll. Durchll. unterthänigster Jo. Lauremberg, 
Mathem. Profess." Darauf folgt „Inhalt und kurtze Erklärung der 
Comoedien", dann ein franzüstsches Sonnett an dieselben Personen, 
gezeichnet „Jo. Lauremb.", und darauf die erste Comoedie „De Raptu 
Oritfajiae", worin am Schluss des ersten Aktes das im Jahrb. S. 97 
abgedruckte Interscenium gespielt wurde, ohne /u dem übrigen Inhalt 
des Stückes irgend welche Beziehung zu haben. In der zweiten 
Comoedie dagegen — „Comoedia de Harpyjarura profligalione" — 
sind die Bauern-Scenen als wirkliche Teile des Stückes zu betrachten, 
weil sie dem Gang der Handlung eingedochten sind. Sie bilden die 
Scena II und Scena VI (Schluss-Scene) des zweiten Aktes und sind 

*) Om Humuiisteti og Satirikeren Johao Lauremberg, ChriatiaDi.t 18B4, 3. 24, 
Rote I. 

**) Der letzte Satz der Nummer 0, ilnr im Jabrb. eine bo sonderbare Gestalt 
erhalten hat, lautet : „Wie anfs bcygefiigte KapfToratilcben mit mehrcm zd crGehen." 



146 ^H 

nicht, wie die oben erwähnte, ala „Interscenien" bezeichnet. Die 
Scena II ist unter der Ueberschrift „Scena I" im Jahrb. S. 92 abgedruckt. 
Zum besseren Verständnis dieser beiden Possen teile ich einen 
Au87.ug der Personen-Liste des Stückes mit: 

PhiiiC'ua, eiu tyrtnuischer König in Tbracico. 
Euaemon, Gcbeimpr Ratlu [oder Trabanten. 

Perimen^, Ilyperetes, Dorjphorua, Lonohaeus; Satellites, 
Ein 'räger, weläier die Post bringet vom Wilden Schwein«*, 

si) Diana dem Phin^o ins Land geschicket. 
Vier SchälTer, vier Schäffer innen, V oniU're Jäger, mit ihren Hun- 
den, und Jägergcräthc. 
Jupiter. MercuriuB. 

Chim ; Matz ; Baweni. Dei' VogdL 

Celacno, Aßllo, Ocypet«; Ilarpvjao, odi'r HOlliBche unfliltige 

Raub-Vögel, in Gestalt, als Jungfrawco. 
Diana, die WaldtOüttin. 

Orina, Hjlaässa, Drymotbia; Orcades, oder BergGüttinnen. 
Ein Bätir, Einer auls dos Phiof'i Dienern, WHlohrr atiff der 

.Tilgt von der Dianil In einen Bahr verwandelt. 



III. 

Heena VI. 

Chim, Mafs, Der Bühr. 

Chim. Matz, seegeste de drey schüTalecken Dinger') wol, de 
Ufa doen*) bejegneden, asse wy dat grote Swyn fangen wulden? 

Male. Wo sckuld ick se nich seen? Wafa ick doch hart by enn. 

Chim. Wanne! Wat wcerent duUecke Dinger, Idt mosten jo 
Spoüke weesen, Se seegen udt asse junge Grarsdiivels'), 

Matz. My waTs rechtsckapen bange vorn Eerse*), Ick mecnde 
se sckulden mick habben mit Huet unde Haar uppefreeten. 

Chim. Ja ick meene my würden de Hacken ock kort"), Ick 
weet balde sülvest nich wo ick dar wech quam. 

Mate. Y, se quemen mick ock dullecken vüer, Chim. Eer 
Knapptein"), de vürhecr ging, hadde Ohren an den Koppe asse Höner- 
flüchten'), unde hadde en Stock inner Hand, dar kröpen twey Sclinaa- 
cken riimmerheer, Idt muste jo en Quacksalvcr, edder Miisekenfanger 



') Die« Bind die Harjiyien, die Merciirius am SchluBS der vorigen Bauernwene 
einfahrt. 

*) damals, d. h. vorher. 

*) MeckleDburgiBcli-Fommeracher, auch von Friederich dem Qrosaen gebrauchter 
Ausdruck. 

•) rflcbt8ka]>en, wie bocbd. rcclitscbaffen ^ gehörig. — bange viirn Eerse 
d. h. so bange, dass es einem Bauchgrimmen macht, vgl. das IIoUC. „Bangaars" und 
das „sehr" volliEtamliche D&n. Adj. „sk ... angst". 

'I Wahrscheinlich: Die Hacken [Ferden) zogen sieb aus Furcht in die Höhe 
(zum Laufen). 

•) Kapitain, vgl. Knappral, Jahrb. S. 94. Es ist hier derMercuriuB 
dem die Bauern bei ihrem Eintritt bt^egnet sind, 

') FIQgel, Flederwische. 



147 

Chim, Ja Matz, idt fiuam mick dick') ock so nötlecken*) vöer, 
Segeste wol welcke rüge Heode unde welcke krumme Finger se hadden? 

Mate. Ja wo schuick idt tiich seen? Se hadden jo Neegel aeae 
Vagelklagen, Se sckulden wol eere Grotemöyrae udt der Erden krafat 
habben ']. 

Chim, Lat se iimmer ben lopen, de smelecken Teevcn, Wenn 
se man ufs nich wadder in de möte kamen. Man hoer Matz, se 
aeggen dick*), dattr noch welcke ander Wilde Deerte sckölen herum 
sckoduvelen lopen, dar möt wy ufs vor wachten*). 

Mutz. Wo, lat ufs ihosamen holden, wy wullen enander trülecken 
bystaen, Een Deert sckall ul's noch nich doen"), unde wennt ock en 
Wulff weere. Men vor dat grote Swyn dar staa ick nich vöer, dat 
ifs mick all tho en verbrüde') btJse Süüge. 

Chim. Süe, dar baffste myne Hand, Wo der wat kumpt, du 
skalt seen, Ick wil dick trüwlecken bystaan, asse en eerleck unde 
recbtsckapen Keerl. 

(Der Bahr richtet sicli aiiff, schiitlclt sich und brummet.) 

Moie. Siie dar Chim, dar kumpt en groot swart Baahr heer- 
slygen. 0! Staa nuh by my, biste en recbtsckapen Keerl. 

Chim. Nee Matz, dar staa ick nich, Wultu töven, So macbstu 
doen, Ick atrycker*) van. 

Mals. heet dat Affackoed^J holden? Chim, blieff hyr. 

ühim. Ja haddick man eerst vorn paar Sckillinge Brennewyn '") 
udtesaapen, So sckuldeck noch wol en Harte kreegen habben. Man 
ou ifs mick ock all tho verfuckeden ") bange. 

(Chim liiufft darvon, und siohet Kur Sccnpn heraufa, wie es abUnflt: 

Der Bäbr kümml uH" MutKea zugegangen, Matz feilt Tor Ihm nieder.) 

Matz. myn harte leeve Herr liaahr, byt myck doch nich tho 
doode. Ick bin man en Arm Mager Keerl, Ick hablie nich vcel Speck 
uppn Ribben, Ick bin ock lange kranck weest, Ick wil juw gerne en 
paar fette Hüner verecren, doet my doch nich beides, 
{Der Bahr fasset Ihn hej der Ilaiid.) 

O myn harte leeve Herr Baahr, Ick kau jo nich dantzen. 
(Kr druckt ihn ein wecig, Matz schreyet.) 

') Die Formen mick und dick stehen für Dative, deren letzter als ein dalivag 
ethicDS XU verstehen isL 

*) Bpassig, lustig. 

■) Auch Diln. Redensart; Was hast du fflr langf Niigi'l ; du kiiimlest wid 
deine Urgrossmutier damit aus der Erde graben. 

') Wiederum daiivuB ethicuB, 

') hüten; Diin. vogte. 

*) nichts anhahen. 

') Dem Sinne nach ^ vertrackt, verdammt, vgl. Richey und Brem. Nieders. 
Wb. bmen, verbrflet. 

') strike darvau =^ laufe davou. 

•) Abrede. 

") Die Dan. Aussprache von Branntwein, 

") Zum Weglaufen bange'/ vgl. vucken Mnd. Wb. ; oder sollte es ein Druck 
fehler geinV — Vielleicht aber auch aus fucken =■ zwicken, also = verzwickt? vgl. 
Mecklenh, Wb. von Mi. 



J 




U8 



6y driicben my de Hand ock all tho eeer. 

(Hat! reisst sich lofa. Der Bilhr fällel Ihm aulf die Schultpr.) 

gy syn all tho swaar, Ick kan juw nicb Hueckepacke') drägen. 
(Trügt ihn ein wenig herilmb, und atehnet hart.) 

ick arme Keerl, wu bin ick hierby kahmen? 
(liier bJäaet ein JägiT: Der Biihr erschrickt, und schleicht wieder iu Waldl.) 

dat was recht, Süe wo he nu achlycken geyt, de Hundesvott, 
de Hööts'), Kum man wedder beer, baffste Hart, Ick wil dy wol leeren. 

Chim. (Klimmt aufs seinem verborgeoeo Orte wieder.) Wo isset Matz? 
HaffBtu den Bahren all doet slaagen? 

Mah. Ja dn bist wol eu Wacker Keerl, kanst raick so hübeck 
in Steecke laaten. 

Chim. Ey segg idt niick docli. Wo iseet? Leeret he noch? 

Mate. Wat schulde noch leeveu, Ick habb em wol so ?eele 
geeven, dat he wol en ander maal noech bafft. 

Chim. Wat baffst em denne daen? 

Mate. Watck em daen habbe? 

Chim. (Ad Speciatores.) Höert man tho, Nu wart he mitnerGrooten 
Lögen uppteende kamen. 

Mals:. Höer dick^) man, Eersten stack ick em mettem Spoete 
in dem Halse henin, dat lie thom Eerse wedder herutb ging, Darna 
bouwede ick em beede Hinderpoete äff, unde leet era so wedder henlopen. 

Chim. Wor siind de Voete denn, dee de em affhauen baffst? 
Woer haffste se laten? 

Mate. de babb ick em wol so kleen houwen, asse Sandes- 
köerticken. Süe man tho, wo vuU Bloet myne Piiete*) noch sitt. 
(Fechelt mit der hlancken Wehre gi'schwiade hin uud wieder.) 

Chim. Ick kan der') neen Bloet uppe aeen. 

Male. Ick ock nicb. Ick habbet ock all wedder affwiscket. 

Chim. Y Matz, Nu see ick lycker"), welck eu grawlcck Lögener 
dat du bist. Süe, dar habbeck ataen, unde habbet alles anneseen, wo 
dapper du dy holden halfst. Phu deck an! Sckeme dick, dat du so 
lücbst unde praalst, unde biist doch en Veegen Hundt in der Huet, 
dar nichtes binden ils. Phu sckeme dick! 

Maie. Watseggestu? Segge my nicb tbo veel, edder ick kryge 
dy sülvest bym Kanthaacken 'J. 

Chim. Ho ho, Haffstu dar luat tho? Kum man an, Vor dy 
loopck noch nicb, Ick juil dick staan als en eerleck Keerl. 




') Huckepack, s. Grimm Wh, IV, II. 

IEigentl, hangendes ManI, Flabbc ; 
" ; auch Dan. 
') Wiederum dativus ethicus. 
') Pute, bochd. Piaute, Schwert. 
') Das tonlos gewordene dar. 
') gleich wol. 
') beim Genick, beim Schopf hrirgen, vgl. Meckl Wh. 



auch Schimpfwort, etwa „dunimes 



Matir. Y nee Cliim, wy wollen lycker gode Friinde blieven, Ick 
wii ufs eene Kanno Beer thom besten geeven, So sckallt alles wedder 
verdragen weeseo. 

Chim. Mynthalveu. So kumiu denn. 

(Rehen ab.) 

Die Kechtachreibung habe ich unverändert gelassen, nur habe 
ich, wo w oder v für u stand, den letzteren Buchstaben gesetzt. Iq- 
dessen iieigt ein Vergleich der beiden Drucke, dass in dem letzten 
viele Änderungen, Verbesserungen und auch Verschlimmbesserungen 
sind, die aber meistens ohne Belang sind. Nur einzelne von den 
Lesarten des älteren Druckes, die mir von Interesse scheinen, werde 
ich hier anmerken, indem ich die Seiten- und Zeilenzahlen des Jahr- 
buchs zu Grunde lege. So hat der ältere Druck: 

S. 92, Z. 3 (vom Anfang des Textes) mynem Lyve — ■ 7 tho briiden. 

S. 93, Z. "2 (und durchgängig) Süecke — 3 Kopp (in beiden 
Drucken) ^ 4 dat Harte in der Broock — 12 hyet; lüecker — 

19 ben st. dar hen — 22 darck; kaacken kau — 25 wor st. efft; 
künnen — 26 slaan — 27 radlecken. 

S. 94, Z. 1 my — 11 rasend — 17 Coden Dach — 19 vafftein 

— 21 „dog" fehlt. 

S. 95, Z. 3 Ick seede: Ick wil neene Haar, Ick habbe Haar noch 
uppn Koppe. Ick wil wat freeten — 6 mitmc — 10 Dat muten — 
15 Stöcke — 19 T'gelt — 22 Möymeus — 25 Sta du dar mitr (beide 
Drucke) — 32 lydon brösick, 'sehr stark'. 

S, 96, Z. 5 Kukuck (beide Drucko); wardt — 8 Vehemagot — 
21 Wydenstrüecke — 22 kanck st. kann ick — 31 kanst — 37 eer- 
lecken; es scheint also hier kein attentiertes Wortspiel, sondern ein 
Druckfehler vorzuliegen — 30 „se" fehlt. 

S. 97, Z. 2 „gerne" fehlt; wulden eine ander — 3 wedder — 

7 „wadder" fehlt — 11 todtschlagen — 14 en paar — 16 vor — 
17 tho vate — 18 ein gelücken — 22 „op vöt" fehlt — 29 kömpt 

— 35 wol — 38 Bytte; dän. y für deutsch U, wie auch wahrsch. 
32 Hyr gi für Hür gi, also: llort Ihr! — 40 gegen der Döre över. 

S. 98, Z, 1 de hadde einen roden Pelas an, unde hadde ein 
Varendeel (beide Drucke) — 4 sniickert — 8 ifs he dat uich_ — 
10 Kindermedten — 18 lyck — 27 ick moet dick vorteilen — 33 Ärse 

— 36 heraffer slahn — 38 Forcke; slabn. 

S. 99, Z. 3 uppedrügede — 4 wolden — 5 Etlicke de — 14 legen 

— 15 Wammes ■ — 16 Neynateln — 18 Dar lat ick se vür raden 

— 21 unde löpen blindelings — 22 op (zweiter Druck up) — 35 wultu 

— 36 nytte für nütte — 38 hewet, edder mit dem knuppel darup sleidt. 

S. 100, Z, 1 lehnen (beide Drucke) — 6 Nu sla ^nu mau — 

8 de störten strücke -^ 10 Äraknacken {zweiter Druck Arsknacken) 

— 14 drepen — 17 Ärsgatt — 18 hast mick man wat briidet — 

20 dar wil ick en hen (beide Drucke) — 24 tüif — 25 Jungfern — 
29 thoe; wenns gröfeste weg is — 31 Ärfs. 



Zum Scblnsa erlaube ich mir noch ein paar Bemerkangen zu 
den von Dr. JelUnghauB herausgegebenen Possen, indem ich seinen 

Notenzahlen folge: 

') versckare»; wol eher 'miagestaltet'. — *) Spittal; das Wort 
„Spetakkel" wird im Diin. als Schimpfwort gebraucht. — '") auch im 
Dan. nennt man das stellenweise Abfallen der Haare 'Kattepest'. — - 
Unter Kattepine versteht man eine unangenehme Putsche. — '^) die 
Dan. Bauern-Aussprache ist 'Skjersant'. ■ — '*) offenbar ein nicht ver- 
standener Dan. Satz, jedoch schwerlich der von Dr. J. angeführte, 
zunächst weil das keine Dan. Redensart ist, am wenigsten im Munde 
einer gewöhnlichen Dirne. Eher glaube ich, dasa der Dan. Satz K^s 
me (sc. mig) her gelautet hat, was, mit einer drastischen Handbewegung 
begleitet, eben das sagt, was er ku böien glaubt. — **) In der Dün. 
Volkssprache: Hva' vü I ha' ; — die nd. Worte heete Mate lauten 
entfernt wie die Dan. We Mad. — *") obwol ein „beknöcheln (be- 
kniicheln)" meines Wissens nicht vorkommt, scheint mir doch der 
GedaDke nicht fern zu liegen, dass hier etwas wie „befühlen, befingern, 
betaaten" gemeint ist — **) uprücken, 'aufriechen', d. h. ganz ein- 
saugen, so dass Andern nichts bleibt. — ") Püseken Strale ist eine 
drollige Verdrehung von Hiis(c)hen Straat , so genannt nach den 
Hiiuschen der unverheirateten hanseatischen Krämer (Pebersveode), 
die sich im Mittelalter dort anbauten; die Strasse, die noch die alte 
Lage und den alten Namen (Hyakenstrajde) bewahrt, läuft rechtwinklig 
auf den Scblosskanal und den linken Flügel des Schlossgebäudes. — 
Was Cheel in den nächsten Repliken erzählt, bezieht sich auf das 
Ringelrennen und Turnier, das auf der hinter dem Schloss gelegenen 
Rennbahn bei Gelegenheit der Vermäbluogsfeierlichkeiten am 17. October 
1G34 stattgefunden hatte. In dem von Dr. J. benutzten Druck finden 
sich S. 84 — 96 die für dieses Turnier erlassenen Gesetze und An- 
ordnungen sowie die ausgesetzten 'Dancke', und S. 121—124 ein Ver- 
zeichnis über die Gewinner, 



KOPENHAGEN. 




C. A. Nissen. 



Kine niederdeutsche Übersetzung 
von Naogeorgs Mereator. 

Vor kurzem erwarb die Königliche Bibliothek zu Berlio ein 
Exemplar eines ganz verschollenen niederdeutschen Dramas aus dem 
16 Jahrhundert, welches wohl an dieser Stelle mit einigen Worten 
erwähnt zu werden verdient. Es trägt folgenden Titel: 

«ine £h"^Urfc TRAGEDIA, | Die Soepman | effte iat (Dr&el gcttcetcn. | 
r>arr jtine üt f|0eiielflu(fcu offte | (SronbtI»ringen van Zwte Heligieii, 

iDtt) pactijigt Ufcn'ufft | o^ti üfftctie, fonber na llHacit;ttt unäc (Sc- | tuidjnis 
htt JjyUigtn £(l;rii|t, Kuitlirf oü | üaer tegcns (in anin II>o^^etl roet 
fflegfn | gejlelt. mit oorf öe pngelij rfe Wt^antf | rii Cinöen oan htfit 
Steringen. | Cerlij&es in btn Satijn, Boer Co- | mam ITaugttirgnm : Ho 
otnerß onoer Befc | PMlooltiige bitte« StrijWfaetfen , SecUrieti | Dn&e 
5d;aeTTng(n in in Heligion, mtlf bcr | pernufft »iiBe gtonbt bes paroeßboms 
mteß I entfptoten, Ser ernifolbige Ufacrfieit togti' | be, tvtli itn tatint in 
Daitfdie Spraer- | f« tronlid oner gefettet. | mit eine angefjencfte Slult Heben, 
tnfte Corte | Erinnerung ojfte Uernwiiunge, ttior «Elftifllitftn | Senidicit onS« 
SfformatioH, an Be Staten onbe | gcmene 3"'iefelen iex Uriefifdjeen 0m^ 
langen: | (Seflellct Beer einen iDtfjgeiiiefcn f ieff | liebber Bes Uaberlmi' | bes. | 
2 ■+■ 20'/t Bogen kl. 8». Aaf Bl, Xiüja Btelil; (Sebturfrt lo »rcmcn, | Sy 
Strrnbt Peterfs. | Biichdruckerzeiclien : Palmlmum in einem ovalen Rahmen 
mit dpr timschrifi: Invidiae Inlegritas Assecla. ] Jlnno isga. ] 
Wir haben also eine niederdeutsche Übersetzung des Isteinischen 
Schauspiels Mereator aus dem Jahre lüSÖ vor uns, in welchem 
Thomas Naogeorgus, der streitbare Schüler Luthers und zugleich 
ein genialer Dramatiker, die protestantische Lehre von der Recht- 
fertigung des Menschen durch den Glauben allein dichterisch gestaltet 
hatte, gegen das römische Dogma mit den wuchtigen Schlägen einer 
vollen begeisterten Überzeugung wie mit der Geissel eines aristopha- 
nischen Witzes ankämpfend. Über den Übersetzer giebt das an 'die 
ghemeene Stalen der Vrtesischeti Omlanden, dip de Rcimcheit des Euan- 
gelij erkennen vnde anneme», gerichtete Vorwort Auskunft; er giebt 
sich hier als einen um seines evangelischen Bekenntnisses willen ver- 
triebenen Friesen zu erkennen, der eben die Kirchenordnung des Menso 
Älting zu Emden 'mj(A den Latijne in Duitsche Spraeckc' übersetzt 
hatte, und unterzeichnet sich mit den Initialen D. V. A. Die den 
Zeitgenossen gewiss ohne weiteres verständliche Deutung dieser Buch- 
staben vermittelt uns eine mehr als dO Jahre spätere Neubearbeitung 
des Werkes von Huysinga: es war der Bürgermeister von Appingedam 
Dode van Amaweer, welcher sich wegen sfiner Neigung zum Pro- 
testantismus längere Zeit in der Verbannung zu Hamburg, Bremen 
und Emden aufhalten musste*). Sein Zweck hei dieser Veröffentlichung 

*] vgl. A. J. van der Aa, Bingraphbch Woordenboek der Nederlanden I. 
373—277. Amsweer wurde 1545 oder 1&46 geborea und starb um 1630. Sein 
Anfentbalt in der Fremde dauerte von IS80 bis 159i. 



war, die 'Schwachen und Einfältigen' unter seinen Landsleuten über 
den Unterschied der evangelischen und der papistisclien Lehre auf- 
zuklären und den Atheisten und Epikuräern, den hartnäckigen Roma- 
nisten und den falschen Brüdern ein ivarnendea Beispiel vorzuhalten. 
Dass dieser lehrhafte Gesichtspunkt bei ihm alle andern überwog, 
beweist die Vernachlässigung der poetischen Form seines Originals: 
in umständlicher Prosa sucht er^ den lebendigen Veraen Naogeorgs 
gerecht zu werden, ohne sich Änderungen oder Kürzungen zu er- 
lauben, selbst wo es die Rücksicht auf die heimatlichen Verhältnisse 
es nahe gelegt hätte; nur die Chöre am Ende der einzelnen Akte 
lässt er aus und am Schlüsse dos ganzen Dramas fügt er noch eine 
'Erinnerung' hinzu. 

Über Inhalt und Tendenz des 'Mercator' kann ich mich kurz 
fassen, indem ich auf Goedekes treffliche Untersuchung Everyman, 
Homulus und Hecastus 1665 S. 10!) f. und Erich Schmidts Würdigung 
Naogeorgä in der Allgemeinen deutschen Biographie 23 verweise. Die 
Hauptperson ist, wie der Titel augieht, ein reicher Kaufmann, der 
durch das Erscheinen des Todeshoten Lyochares mitten aus seinem 
gewinnsüchtigen Treiben aufgeschreckt wird. Weder die herbeige- 
holten Ärzte noch der katholische Pfarrer vermag ihm zu helfen, da 
auch sein Gewissen endUch in seinem Hause Einlass findet und ihm 
seine Sünden vorhält. Der Teufel spottet aller Tröstungen des 
Priesters, Christus aber sendet dem Kaufmann den Apostel Paulus 
und den himmUschen Arzt St. Cosmaa zu, die ihm die Lehre von den 
guten Werken auspurgieren und ihn anleiten, nur auf Christi Verdienst 
zu vertrauen. So vermag der Kaufmann vor dem Richterstuhle Gottes 
zu bestehen, während die andern von Lyochares Vorgeladenen, ein 
Fürst, ein Bischof und ein Franciskaner, in die Verdammnis geatossen 
werden. 

Die niederdeutsche Übersetzung des Stückes fand Beifall und 
Verbreitung. Dodo van Amswer selbst veranstaltete, in die Heimat 
zurückgekehrt, 1613 eine neue Ausgabe, in der er durchweg nieder- 
ländische Formen einzuführen strebte. Ihr Titel lautete: 

«en Cficiftelijfc THAGEDU j Die <£oopinaii | oft« bat (Docheel geljeeten. | 
T>aet\nnt iie l)ooei-^ac- \ fen oftc iSri>tit1ecrinji|cit :>an livee | Kdigieii, 
b\t Homifciic papi^ifd^e, cnbe bie | (5ttefDvmettbe Cuaiigelifdit : Xtict uyl 

Sat- I tv&igtie cernuft oftc affectic, fpti&er na IVaet-- \ t\eyl enb« (Setu^ffinis 
et ^efligt|tn -<t)nft, | bayllijcf mit darr tcgtjcns ttn anter motten | doot 
(DoOiittn 9t!ef)e[t. j iRet eene an$tie)ten(ftc 51uYt>Heben, | tnbt eotte oerma< 
iiin$iie, tat £I]tiftlijfen | »nidjeyt tnbt Reformation. 2Icn it \ Ctooincialt 
Statin van Staöl | ffiroeningen enie ©mmelaiiBtn. | VoormadB iu exüio 
gheftellet, ende al ou | ran oiens weder reviJerel doot ecaea VVt | ghe- 
vveken liefhebber des Vadcr-Landes. | Tot Groeniageu, j (Stiiudt by f}ans 
Sa» Soerfbturfer, | Unno !6|3. | 23'/i Bogen 8°. — Eiemplar im Haag, 
Kunigliche BiblJotbek. 

Eine dritte Ausgabe, welche nur um ein Vorwort des Druckers 
an den Leser vermehrt ist, trägt keine Jahreszahl: 

CHRISTELYKE TRA6E0IE, | Geuanint den | KOOPMAN, | OFTK HET | 
DORDEEL: [ Waar in de HooftAukken, of Grondleeringea vkn twee ßeligiea, 




(de GEREFORMEERDE | EVANGELISCHE en de ROOMSCHE | PÄ- 

PISTISCHJ') onparlydig eo na Waarheid l der H. Schritt, kluar eu duide- 
lyk, tegena den | anderen, worden voor oogen gefielt, | Eertvda in't ligt 
gebraut, door een, ter dier tyd 1 uitRewekeae, Licfhebber des Vaderlands 
en [ opgedrageo aan de Provintialo STAATEN I der STAD GRONINGEN 
ende OMME- | LANDEN. | Ende du, ten dienll der Waarheid minneade, 
op nieuw I herdruckt. ] t' AMSTERDAM, | By de Wed: JACOBUS VAN 
EBMONT. 1 op de Reguliers Breeftraat | U Bl. + 194 S. + 1 Bl. 8°. ~ 
Exemplar in Leiden, rniversitätsbibliothek. 

Eine vierte Auflage endlich veranstaltete im Jahre 1658 der 
scliOD genannte Prediger Huysinga, der nicht bloss über das Werk 
Amsweers ausführlicher im Vorwort berichtete, sondern auch den Text 
vielfach veränderte. 'Daer tcaeren', sagt er, 'oock in maniercn van 
spreeken die btf den Boogdui/tsen wacren onbekent, ende in hei hoogduyts 
Exemplar gans anders gestelt, behalven daer in wäre verscheydenc Sen- 
tentien^ die »iet wel gestelt ev waren, en by ons na onse ntanicre van 
spreecken mosten verändert werden\ Der Titel lautete jetzt; 

Een Teer | WONDERLIJKE | ende vermakelijckc { Samen fprerhiije | 
ICujfd^eii Derfd^eyben pcrfoo- | ntii Doniiimelijd een foopman, mit its | Dools 
Stntboit, acMiHtnie ten jtaet itr wact | iSelucrfalisbfft, matt in bie eanit 
Hoomftbt I Seligie met menfdjeltjrfe fecringlten eii in- [ ftttingen belaben, 
feer arbeyScii, om in'l | «uroig« leoen in te gaen, »acr en tegeii | Me 
Coepman, &oot Ben fj. (Se«(i | mebetijebooren cn&e Bcriidjl, «>■! ] giiena&en 
t;et entmige leeen | perfrij^);!. | Eerrt uyt die Boheemrcbe, eude ver- 
fcheyden { andere Taelen, inde Nederfaxifche ende nu | inde Nederlantsche 
Tale overgefellet. | door [ lüLIUM AYSONIUM HUYSINGA | Predicant 
tot Lexmonde. | In b'GRAVEN-HAGE, '' Bv Chriftojfd Doli, Boeckverkooper 
wooncode | Jude Pooten inde Bybel met 'Privilegie. I 7 Bl. + 108 S. B°. 
~ S. 1ä8: lu 'sORAVEN-HAGE, 1 Gedruckt by Johannes Uammaici/n, \ 
Boeckdrucker woonendc op de Veer | kney, inde Boeck drucke rye, | ANNO 
IbCe. I Die Torrede ist datiert: 'Haghe defea 12. Oct 1668.' — Exemplar 
in Leiden. 
Für die Würdigung der sprachlichen Seite von Amsweers Über- 
setzung wird die Mitteilung einer kurzen Stelle von Nutzen sein. Ich 
gebe daher den Anfang der den 1. Akt eröffnenden Rede des Lyochares 
zunächst im lateinischen Texte von 1540, dann nach den Ausgaben 
von 1593 und 1658. 

Naogeorg. 1540. 
Ne quis requirat qui sirn, paucjs eloquar: 
Lyorhari's uocor, atrae Bum mortis uum^iuB, 
Ke fortasae hominlbus notior ac nomine 
Nam Hemper inter illos uersor, nee pedcm 
& Alib ^ terris quoqnam conferre licet, lia 
Perpetuis uique fatignr hie negoiüs. 
Qiiae aint, uel stultua, opiuor, posset uoacere. 
Nolite lerreri, Trux aum et saeuus quidem 
Vcrbia faclisque (ila meus me uoluit pater) 
10 Non Dutiutn tarnen baberent ä me commodum 
Mortale^, si suis non ipsi incommodis 
Gauderent, haud quaquam curantes res suas 
Quantamuia moniti rectiuB diaponere. 
Ad nos Bane iam uil maodatorum adfero, 
IS Quare conädite nerbisqne animum aduortite: 
Nam auDt quae porrö uoa orones Ecire enpiam. 



154 



Amsweer. 1593. 

Oit Etnant hier jegeowordich iretcn 
wolde, wri dat ick bin, so sal ick mit 
corten mijn Name wthsprekeii : Ick liele 
Lynchares, viiile bin des wredea Dodes 
Seiidtbode. lek woene op Erden onder 
den Menschen, vnde bin mogplick doer 
mijöp Wercken der Mensche» condiger, 
als doer niijii Name. Wat mi.jne Wercken 
aijn, Can eia jeder die oiet geheel On- 
sinnich is, lichtlich aft'iiemen. Will v 
my niet verachricken, want hoewel 
ick na mijnee Vadere benel, van Naturen 
wreetb vnde vreselick bin, mit Woorden 
vnde rail Wercken : So cofien noclitans 
de Menschea, grote Vrcde vnde Auste 
hecomen; als se man inlijdes vemianet 
Bijnde, de goede Vernianunge tnl hoeren 
besten willen verstaen vnde annemen. 
Tot uwer voele die nv Doch starck vnde 
gesont SUD, bin ick van mijncn Heren 
noch niet geeonden : Daerom weeet ge- 
troestet vnde verslaet mijne Woorden, 
want ick begere, dat alle Menschen de 
moegen weten vnde hoerfn. 



iivoordigh 1 



Huysinga. 

Indien yemsnt hier tegenivoordigh 
aijndc, wilde weten vie dat ick ben, so 
sal ick in 't körte mijne name segghen. 
Ick ben ende heete Lyochares, des wreden 
doodts sendt Bode, een Blaende Engel. 
Ick woone op acrden ander die menschen 
ende ben door mijne wercken mogelijck 
den menschen beter behent, als door 
miJn nanie. Hoedanich mijn wercken sgn 
kan een yeghelijck die niet gana oyt- 
sinnicb is iii'htelijrk afnemen, verechrickt 
n niet voor my. want hoewel ick naer 
mijna TaderB bevel van natuyren wreet 
ende vreealijck ben in woorden ende 
wercken : soo können nochtans de men- 
schen, groote vrede ende rüste bekomen, 
als sy maer in tijdls vermaent Bijnde, de 
goede vermaninge tot hären besten gedaen, 
vergtaen ende aennemeu. Tot veele van u 
allen hier tegenwoordicli, die noch sterck 
ende geaont aijt, ben ick noch niet van 
mijn He<!re gesonden, aijt daerom getroost, 
ende verstaet mijn woorden, want ick 
wenscho ende begUeere dal alle menschen 
mijn woorden hooren, weten ende nakomen. 

Eine nicht ganz genaue Notiz über drei der eben beschriebeoen 
Ausgaben von Amsweera ÜbersetxuQg (1592 statt 1503, IfilS und ItiöS) 
steht in Christoph. Saxi Onomasticon literarium 3, 195. G21 (I7S0), 
der wiederum Aufzeichnungen des Hemmo Werameus in Groningen 
benutzte. Sie ist dann in Graeases Literaturgeschichte 3, I, 371 
(1B52) und in seinen Tresor de livres rares et precieux 4, 23 (1863) 
übergegangen, während Goedeke auch iu der neuen AuHage seines 
unentbehrlichen Grundrisses zur Geschichte der deutschen Dichtung 
nur von zwei hochdeutschen Übersetzungen des Mercator zu berichten 
weiss. Den eben genannten Bibliographen blieb jedoch ebenso wie 
Amsweer und Hujsinga unbekannt, dass längst eine gewandte holläo- 
dische Bearbeitung des Stückes existierte. Ich wurde wahrend eines 
Besuches der Leidener Universitätsbibliotbek auf dieselbe aufmerksam 
und vermochte sie später durch die Güte des Herrn Oberbibliothekara 
Du Rieu in Müsse hier in Berlin zu benutzen: 

EEN I Secr (Aoon £0= i mtiit oft Spei naiitien befcerbe (Eoop- | mon, 
macr inne Sie roaradjüghc totl gliefonbeeröc tn \ oorf 6ie raijdjc ongtttfon- 
SccrbEcR I pcrfeerSeHeligir | OFTKERCKE DEEN VANDEN ANDE- 1 ren 
naer d' leiien claer ^heprefenteerl eü af gemaelt ) wordt: om te veritaen 
vveick haerlieder | viertuyt, cracht ia. | (Dm te bt^xfien tUf Confrientie 
(Sie niElrfe | bner (oI goe met ttnta vegljelijrfcn enfte tjcm rolglien) | te« 
mutzen ootbetU ons ijceren | Jefum Clirifii. | Holzschnitt : ein Krug, im 
Hintergründe das brennende Troja ; auf dem ovalen Rahmen steht : TROIA 
STERK BRACK DVER VERRAET, ALS EEN POT OM HAER MI8- 
DAET. 1 THANWERPEN. ! Sy 3i»fpo' Croycns rooonen&c op Sie ffotte | 
ücjie iii&en Ceitnen Pot. | Anno . 1583. ] 4 Bl. + 175 S. B'. — S. 175 : 
(SiteSrnct tot antnterpen by Ilidaes ntollijns, | Un co^t ran 3afpat 
drof eti. I — Exemplar in Leiden. 



Ana dem Schlüsse iJer Vorrede: '■Bit werch is begast oucr te 
selten \ Metter kulprti Godss wilt hier oj) leiten. \ Den eerften, Metj, 
Anno, J550' geht hervor, dass uns nicht die erste Ausgabe vorliegt: 
der Name des Übersetzers wird ebenso wenig wie der Naogeorgs an- 
(;egeben. Das Verdienst des unbekannten VerfaBsers, dessen richtige 
Würdigung ich freilich einem Kenner des holländischen Dramas über- 
lassen muss, geht über die Übersetzerthätigkeit Amsweera weit hinaus. 
Nicht bloss einen theologischen Tractat in Dialogform, sondern eine 
dramatische Dichtung, deren Grossartigkeit er klar empfand, wollte 
er dem Publikum darbieten Daher wählte er die metrische Form 
mit der bei den Itederijkers beliebten kunstreichen Reim verschlingung*) 
und durch ein Doppelkorama angedeuteten Binnenreimen, bisweilen 
auch mit strophischer Gliederung, Die Rücksicht auf die Aufführ- 
bsrkeit, die Naogeorg im Eifer der Polemik öfter aus den Augen 
verliert, veranlasst ihn zu ausführlicheren Anweisungen für die Dar- 
steller und zu einer ganzen Reihe von Kürzungen, z. B. in der Rede 
des Paulus oder in der Gerichtsverhandlung gegen die unbussferligen 
Sünder. Er meidet gelehrte Ausdrücke und Anspielungen auf deutsche 
Verhältnisse: Lyochares, den der Augsburger Rulich 1595 als 'Stüren- 
frewd' verdeutscht, heisst bei ihm 'die Straffe Godts, ecn hcrout oft 
bode des daodts', der Franciskaner ist zu einem Mtnncnbroer geworden; 
statt des heiligen Cosmas, dessen Verwendung bei Niiogeorg, dem ent- 
schiedenen Gegner der Heiligenverehrung, auffallig ist, tritt der Evan- 
gelist Lucas auf, dessen ärztlicher Beruf im neuen Testamente bezeugt 
wird, während Huysinga sich durch den Zusatz 'Cosmas de Heißige 
Geest ofte Hemelscke Medicijnmeester' zu helfen sucht; für die zweimal 
erwähnte Frankfurter Messe, welche Amsweer und Huysioga unge- 
lindert beibehalten, steht S. 20 und 114 einfach 'Jaermert'. Bemerkens- 
wert erscheint noch, dass die der antiken Sitte nachgebildeten Chor- 
lieder am Aktschlüsse im holländischen Drama nicht wie in Deutschlaud 
mehrstimmig gesungen, sondern an drei Sprecher (deti Hoop oft gc~ 
mcijiile dry) verteilt werden; bei Arasweer sind sie ganz fortgefallen. 

Es scheint mir geraten, bei dieser Gelegenheit Goedekes sorg- 
faltige Angaben über Naogeorgs Mercator (2. Auflage 2, 134 f. 334 f.) 
ein wenig zu vervollständigen. Die erste Ausgabe o. 0. 'Anno XL' 
60 Bl, 8", deren Vorrede 'E:e Siillea 36. Maij Anno 1539' datiert ist, 
befindet sich in den Bibliotheken zu Groningen, Haag, Hamburg, 
Königsberg (Univ.), London, Oxford, Utrecht, Zürich, Zwickau, die 
zweite o. 0. 'Anno LX' 68 Bl. 8" in Bremen, Rostock und Wolfen- 
biittel, eine o. 0. und J in Prag, eine o. 0. 1590 auf der Nürnberger 
Stadtbibliothek. — Von den vier bei Goedeke genannten hochdeut- 
BchotJ Übersetzungen ist die erste mit der zweiten identisch und auch 
in Dresden, Leipzig (Stadtbibl.), London und Zürich vorhanden, die 
Kulicbs von 1595 auch in Danzig und London. — Von der fran- 
zösischen Übersetzung erwähnt Brunet, Manuel du libraire s. v. 



*) Meist nach dem Schema: 



156 1 

Naogeorgus sieben verschiedene Ausgaben von 1558, 1561, 1582, 1585, 
1591 und 1594; die von 1591 sab ich im Haag, eine andere in Zwickau; 
ein BrüsBeler Manuskript (nr, 14862) erwies sich als eine Abschrift 
neueren Datums, — Von einer böhmischen Fassung redet Hujsinga 
auf dem oben S. 153 wiederholten Titel seiner Ausgabe und in der 
Vorrede dazu; wunderticherweise hält er dieselbe für das eigentliche 
Original und bringt ihre Entstehung mit der huBsitischen Bewegung 
in Verbindung: ^Dit hoecxJcen ... is indc BoJieemsc/ie spraeehe voer , 
lange tydt getveest, ten tijde der Thaboriien, dacrom meynl nien dat hei 
ander die Waldensen al soude gehrnyckt si/n gheweest.' Ein Exemplar 
der böhmischen Übersetzunc; habe ich nicht aufzufinden vermocht, ihr 
Titel lautet nach Joseph Jungmaons Historie Literatury ceske, Prag 
1849 S. 206 (IV 1351 e): 'Tragedia nouä kupec aneb Saud recetiä atd. 
skrze Tomüse Naogeorga Straubinsleho sloienä i wydanä a nytii u> nowe 
8 lat. do cestiny prel. a w cestin'e pooprawenä 1597.' 

Endlich förderte der Wunsch, die über 3000 Verse enthaltende 
. Tragödie Naogeorgs buhnengerechter und übersichtlicher zu machen, 
eine Rücksicht, welche ja auch für den anonymen Verfasser der ersten 
holländischen Übersetzung massgebend war, später noch eine kürzende 
Bearbeitung des lateinischen Textes zu Tage, über die ich schon 
im Korrespondenzblatt des Vereins für siebenbürgische Landeskunde 
1885, nr. 12, Ö. 137 f. berichtet habe. Der Stettiner Martin Gra- 
viu3 führte als Rektor der Schule zu Mediasch in Überungarn die 
ersten drei Akte des Mercator mit seinen Schülern auf, indem er eine 
Reihe von Stellen, die ihm weniger wichtig dünkten, wegstrich, eigener 
Zuthaten sich jedoch gänzlich enthielt. In dieser verstümmelten Ge- 
stalt verötfeutlicbte er die Dichtung später, als er in seine Heimat 
zurückgekehrt war, unter dem Titel: 'Tragoedia nooa, in qua in con- 
spectum ponuntur ver'v Prop/ielica, Apostolica et Paptstica doctrina' zu 
Frankfurt a. 0. bei Friedr. Hartmann 1612 (Exemplar in Rostock), 
ebenda 1614 (in Berlin und Dresden) und Nürnberg, Abr, Wagenman 
1615 (in Bremen). 

Au diese ermüdende Folge von Büchertiteln sei es mir zum 
Schlüsse noch einen letzten anzureihen gestattet. J. J. Harkenroht, 
der in den 'Oostfrieache Oorsprongkelykheden, Tweede Druk Groningen 
173 L' S. 86 und 103 Amsweers Übersetzung des Mercator citiert, 
gedenkt S. 639 noch eines andern in Emden verfassten und 1639 in 
Groningen gedruckten ziemlich umfangreichen niederdeutschen Dramas: 
'Josephs Droef en Big eind Sj)el' in drei Teilen von Jan Tonnis. Ein 
Exemplar davon fiel mir auf der königUchen Bibliothek zu Brüssel in 
die Hände. Es mangelte jedoch an Zeit zu näherer Prüfung, und so 
muss ich auch einem andern zu untersuchen überlassen, ob das (in Leiden 
befindliche) gleichbetitelte Drama von A. E. Crous, Groningen 1721 
mit dem älteren Werke des Emdeners in näherem Zusammenhange steht*). 

*) vgl. auch RuthBchild iti seiner Ausgabe des Misti^re <la Viel Testainent 3, 
> LXVII (18B1). 

L BERLIN. Johannes Bolte. j 




m 



Rists Irenaromaehia und Pfeiffers 
Pseudostratiotae. 



Jahrbuch VII S. 106 ff. hat Gaedertz eine Ausgabe der latei- 
niBchea ÜbersctzuDg des sopbokleischea Aiax durcli den jüngeren 
Scaliger besprochen, welche der braunschweigisclie Sekretär Erasraus 
Pfeiffer im Jahre 1631 veranstaltete und mit deutschen Zwischen- 
spielen ausstattete*), unter den letzteren befinden sich vier nieder- 
deutsche Scenen, in denen Gaedertz die metrische Bearbeitung eines 
Zwischenspiels aus Rists ein Jahr zuvor erschienener Irenaromacbia 
erkannte. Durch den parallelen Abdruck beider Fassungen hat er 
die Abhängigkeit Pfeiffers von Rist einleuchtend dargelegt. Für die 
rechte Schätzung aber von Pfeiffers dichterischen Verdiensten wird es 
DÜtzlich sein, auch den übrigen, bei weitem grösseren Teil der deut- 
schen Interscenien, eines Blickes zu würdigen. 

Zunächst erscheinen (auf S. 21—35. 43—61. 81 — 109. 128—146) 
vier Akte einer zusammenhängenden Handlung. Zwei 'nasse Brüder', 
Klopffbans der Bötticber und Russheinlz der Kessler, ziehen schon am 
frühen Morgen ins Wirtshaus, wo ihnen die gefällige Wirtin Lauten 
Appel und ihre Magd Bärbel beim Weine Gesellschaft leisten. Aber 
ihre Weiber Kiefels und Hadergrete spüren sie auf, prügeln sie weid- 
lich ab und nehmen ihnen die Geldtasche ab. Da die beiden nun 
nicht heimzukehren wagen, verkleiden sie sich als Landsknechte, um 
sich als Einquartierung auf einem Dorfe verpäegen zu lassen, erbittern 
aber durch ihren Übermut das anfangs eingeschüchterte Bauern- 
ehepaar schliesslich so, dass sie von diesem mit Schlägen aus dem Hause 
getrieben werden. So bleibt ihnen nichts andres übrig als die Ver- 
zeihung ihrer Frauen zu erbitten, die ihnen, nachdem sie Besserung 
gelobt, zu teil wird. Auf diese vier Akte allein bezieht sich der Titel: 
'Pseudostratiotae, Ein Teutsches Spiel Vnartiger Lediggeoger, denen 
das Lauffen von jhren Weibern vnd der Müsaiggang aurf Landsknechts 

*] vgl. Gaedertz, Das itie<]<>r()eutsclie Schauspiel 1, 40—45 (1884) und E. Riedel, 
Scfanldrama und TlieMer (18»5) S. 31— 3G. — Das mir vorliegende Exemplar der 
Roitocker UniversiULUbibtiothck neigt auf seinem alten Einbände in GnldprPKsung 
ein fllratliches Watipen und die BaehatabcD : . 1 . E . D . G . | . D . B . E . L . {| . AF . 
D . H . I . 1631. I Ich lese JiMelben : 'Julius Erttestus bei Gratia Dax Erun»- 
vieentia Et Luntburgensis Adolfo Friderico ßuci Megali^oHtano' . Der Bmun- 
■ehweiger RerKOg bat für dies dem Meklenburger Hofe hpstimmte Dedikationsexemplar 
die Kompositionen der lateinischen Chorlieder aus der Strassburger Ausgabe von 
1667 abschreiben und mit einbinden lassen, da ihm eine Wiederholung derselben 
durch Notendruck wohl zu kostspielig war; denn natOrlich bestritt er, dem sein 
Sekretär das Drama unterthüiiigst widmctr, die Kosten der Drucklegung wenigstens 
luin grossen Teil. 



158 

Art getrieben, von Bawrea wol versaltzen wirt- Von newen ge- 
druckt.' Der letzte Zusatz lehrt, dasa PfeiffLT weit davon entfernt 
ist, den Ruhm eines selbständigen Dichters für sich in Anspruch zu 
nehmen, wenn er es auch nicht für nütig hült, den Leser über die 
Quelle, der er jenes Zwischenspiel entnommen, zu unterrichten. Für 
die Gebildeten seiner Zeit mochte dies zudem überflüssig sein, denn 
die Pseudostratiotae sind aus einem in Deutschland, Holland, Frank- 
reich, Fngland, DUnemnrk und Schweden weitverbreiteten Schalbuche 
des 17, Jahrhunderts, dem lateinischen Terentiua Christianus des 
Harlemer Rektors Cornelius Schonaeus (1540—1611), entlehnt. Sie 
erschienen 7:uerst allein 1592 zu Harlem*). dann seit 1595 in den 
zahlreichen Auflagen des Terentius Christianus. Die Bemerkung 'Von 
newen gedruckt' auf dem Titelblatte lüsst uns ferner vermuten, dass 
der ßraunschweiger Sekretär sich nicht selber die Mühe nahm, die 
lateinisclie Komödie in sein geliebtes Deutsch zu übertragen; er hätte 
sich dann wohl etwas selbstbewusster über seion Thütigkoit geäussert. 
Und in der Thal existierte schon eine deutsche Übertragung von 
Balthasar Schnurr, dem Amiishagener Pfarrer und Uearbeiter von 
Folengos macaronischem Epos Moschea: 

PSEVDOSTRATIOT^:, [ Das ift: { Die vermeiDton Laaillsknecht. | Eine 
fehr lärtige, { artige, kiirUweylige vntl /.u Ebr- | lieber Frewd vnd Ergcu- 
lichkeit dienen- | de Comocdi vnnd t'ngnacbt Spiel, Erflltch in [ Latein 
befchriebeD durcli den Hocb gelehrten, vnd weit- | berühmten Herrn Cor- 
uelium Sclioiuieuin Qoudanum 1 GymDaiiarchen der berühmten Schul 211 | 
Harlem in Nider- | landen, | Jetzund aber auff Bilt ebrlicber Leat | in 
Teutfchc vnd verMndliche Reymen j auffa fleiffigrt vnd trewlichft ver- | 
faffet, I Diireh | Baltbatarn Schnurrn vnn LendTidel, etc. | Oetmckt zu 
Franckfurt ara Majn durch | .lohafi Saurn, im Jahr 1| M.DC.VII, | 86 S. 8». 
(Exemplar in der LeipiiBer Sladibibliothek.**) 

Wie eine Vergleichung beider Stücke zeigt, wiederholt Pfeiffer 
diese altere Übersetzung Schnurrs, welche übrigens das Lob einer 
recht gewandten Verdeutschung verdient, wiirtlich und buchstäblich; 
nur die beiden ersten Verse des Arguments sind sein Eigentum, einige 
Verse des Prologs und des Schlusses sind fortgefallen; ebenso hat er 
den 4. Akt noch mit dem 3, vereinigt, so dass nun sein i. Akt dem 
5. bei Scbonaeus und Schnurr entspricht. Auffallend ist, dass er eine 
'Nota' seiner Vorlage ganz unberücksichtigt lässt; Schnurr S. 7 ent- 
schuldigt sich nämlich, dass er überall, wo der lateinische Autor Bier 
gesetzt, das Wörtlein Wein gebrauche, weil in seiner Heimat Bauern 
und Handwerker nicht gern Bier 'bantschen', und iiigt hinzu: 'Wil 
nu jemand dieses Spiel halten, wo man Bier zutrincken pflegt, der 

*) Exemplar in der UniverBitätebibliothek zu Amsterdam. 
••) In der aus Frankfurt a. M. den 17. Sept, 1606 datierten Vorrede S. & 
bemerkt Schnurr, dass seine Übersetzung des Triumphaa ('hrisli des Schonaeus (nach 
Uoedeke Grundriss 2, Aufl. 2, 511 1 Frankfurt 1607) bereits gedruckt sei; 'die Wiegen 
und das Kälblein' [Cimae und Vitalus] desselben Autors sollten bald nachfolgen. 
Gleichzeitig mit Schnurr verfasste zu Dresden (17. April 1606) Elias Gerlach eine 
von Ooedeke nicht verEeicbnete Übersetzung des Triamphus Christi, die in der 
Dresdener Handschrift M 261 (113 Bl, 1») enthalten ist. 



159 



«irdt dem Handel gar leichüich zuhelffen wissen'. Obwohl nun ßrana- 
schweig wohl schon damals mehr Bier ala Wein konsumierte, so 
scheint Pfeiffer doch auf eine lokale Färbung der Posse keinen Wert 
gelegt zu haben: auch bei ihm triuken die nassen Brüder nur Wein. 

Auf die Komödie des Scbonaeuw lasst Pfeiffer S, 150—212 als 
5. Akt noch Scenen folgen, welche mit derselben in keinem Zu- 
sammenhanj^e stehen. Kr betitelt dieatlben im PerBonenverzeichnis 
'ein andres mit hinangefiigtes Soldaten- Spiel' und bemerkt S, 159: 
'Actum Pseudostraliolartitn Germanicum utlerius extcndendi gralia quac 
sequuntar, aliunde kuc sunt translula' . Also wiederum eine Entlehnung 
fremden Eigentums! Genauer besehen, fallen diese Scenen in zwei 
völlig getrennte Handlungen auseinander. Während, wie durch Gae- 
dertz ausführlich dargetban ist, uns in Scene 4, ü, S und 'J eine 
metrische Bearbeitung Ristscher Prosa vorliegt, welche die nieder- 
deutschen Ueden der Bauern beibehält, machen die durchweg hoch- 
deutschen Scenen 1 — 3, und 7 völlig den Eindruck eines wenig ge- 
schickten Ausschnittes aus einer älteren dramatischen Dichtung, in 
welchem noch manches ÜberÜüssige und Störende auf einen ursprüng- 
lichen grosseren /usammenhang hinweist. Gemeinsam ist die Absicht, 
das harte Kricgsleben darzustellen, Aber welch unverkennbarer 
Unterschied in der Ausführung! Hier ein mit packender Naturwahr- 
heit geschildertes, sich rasch abspielendes Zusammentreiben zwischen 
den verwilderten Bauern, die den hochfahrenden Quartiermeiater aus- 
plündern und sich dann in thorichter Sicherheit roher Lustigkeit über- 
lassen, und den unbarmherzig an jenen Rache übenden Soldaten, dort 
mehrere nur loae verbundene Bilder aus dem elenden lieben der zucht- 
losen Landsknechte und der mit ihnen herumziehenden Dirnen, in 
denen sich Öfter der breite, lehrhafte Ton des 16. Jahrhunderts be- 
merkbar macht. Eine Stadtmagd Purla gesellt sich trotz der Ab- 
mahnungen ihrer verständigen Freundin zu den Landknechtsweibern 
Alheit, Brigitla und Madonna, um deren sorgenfreies Leben zu teilen. 
Mehr berichtet, als dargestellt wird, wie die marodierenden Lands- 
knechte, deren einem Purla zufallen soll, nur mit Mühe dem Galgen 
entrinnen, nachdem sie gelobt, wieder ins Feld zum Heere zu ziehen. 
Purla macht üble Erfahrungen. Elend und siech geworden, von ihrem 
Buhlen Verstössen, kommt sie in die Stadt zurück, wo der Bürger 
UrbanuB sie barsch fortweist; doch die Freundin erbarmt sich ihrer. 
Obwohl ich die Quelle dieser Partie, in der das Thema des verlorenen 
Sohnes leise anklingt, nicht nachweisen kann, ist vielleicht die Be- 
merkung nicht überflüssig, dass auch in Georg Bumiches Comedie vom 
rechten Ilirtenampt Jesu Christi (Magdeburg 15G5) eine Jungfrau 
Purla von Zauberinnen verführt wird, mit dem Teufet zu buhlen, sich 
aber dann bekehrt. Entfernter steht Bartholomäus Krügers Aktion 
vom Anfang und Ende der Welt (1580), in der gleichfalls eine Zau- 
berin Purle erscheint. 

Angehängt hat Pfeiffer schliesslich S. 212 — 214 noch einen kurzen 
unbedeutenden 'Auffzag Knaben, die gedrillet oder exercieret werden' 



1«0 

und sicli durch die Betrübnis des alten 'Friedmao' in ihrem krie- 
gerischen Spiele nicht stören lassen, mit der Bemerkung: 'Cum omnia 
ferc tdnqtie quid militare redoleant, annexa eft fequeits fcena pro libÜu 
inferenda', 

Gewinnen wir somit von Pfeiffers dichterischer Tliätigkeit und, 
wir dürfen zugleich sagen, von seiner Fähigkeit übereinetimmend mit 
seinen eigenen Äusserungen keine sonderlich hohe Vorstellung, so ist 
doch immerhin seine Arbeit als ein beachtenswerter Beleg für den 
Einfluss anzusehen, deu die langen Kriegsjahre auf den Geschmack 
des schaulustigen Publikums ausübten. Statt der alten Spässe der 
Narren und der derben Komik des Bauernlebens, welche für die Fast- 
nachtspiele des 16. Jahrhunderts und die daraus hervorgegangenen 
Zwischenspiele in der Regel den Stoff hergab, wollte man nun auch 
einmiil die Kriegsnot der Gegenwart in treuem Abbilde auf der Bühne 
vorgeführt sehen. Gerade die aus dem Lehen gegritfene, ungeschminkte 
Darstellung des Soldatenlebens frappierte bei den Ristschen Schau- 
spielen und verschaffte ihnen ebenso die Gunst der Zeitgenossen wie 
den Schilderungen Philandcrs von Sittewalt und des Simplicissimus. 
Allerdings gehorten die einzeln oder zu zweien und dreien bettelnd 
und Hühner stehlend als eine stete Plage der Dorfbewohner mit Schwert 
und Spiess im Lande umherstreifenden Landsknechte, denen einige 
ebenso verwilderte Weiber — 'Hürle' heissen sie bei den Schweizer 
Dichtern — das dürftige Gepäck nachschleppen, langst zu den ste- 
henden Charakterfiguren des Schauspiels; ja auch in den Drama- 
tisierungen der heiligen Geschichten des alten und neuen Testaments 
Hess man, wo es anging, solche rauf- und zechlustigen 'Gartenbrüder' 
wie den Marterhans, den Bruder Veit, den Hans Huhn u. a. gern 
auftreten. Aber diese lüstigen Gesellen traten doch nur als einzelne 
auf, und ihre Prahlerei und Bettelhaftigkeit erlaubte meist eine gut- 
mütigere humoristische Auffassung, die in der erzählenden Literatur 
entschieden überwiegt: bei Rist erscheint die geschlossene Masse der 
rohen Soldateska, welche das Bewusstsein in sich trägt, der herrschendo 
Stand zu sein, und Bürger und Bauern mit brutaler Gewalt behandelt, 
mit einem Worte, der bittere Ernst des dreissigjährigen Krieges. Ich 
kenne nicht alle gleichzeitigen dramatischen Versuche, weiche zur Ver- 
gletchung herangezogen werden müssten, trolzdem scheinen mir die 
Zwischenspiele der Irenaromacbia und des Perseus einen ganz neuen 
und dichterisch wertvollen Typus zu repräsentieren. Die zahlreichen 
durch die Hoffnung auf den lange ersehnten und die Freude über den 
endUch erfolgten l'riedensschiuss hervorgerufenen Schauspiele*) zeigen 



•) Hierher gehört z. B. ein am 27. Juli IG36 in Lewcnberg von dem Schul- 
rektor Chrjgoalomus Schultzp gehaltenes Schreck- und Trostspiel, welches sich 
handschriftlich auf der Breslouer Stadtbibliolhek (Ms. Rhedlg. 659) beSndet, — 
Christoph Schorer erzählt in seiaer Memmiager Chronik 1660 S. 185, das» dort 
1649 die Schaler eine schöne Friedens ComQdia, welche auch im Druck aurzgangea 
Bei, agierten und bald darauf die McistcrsiDger eine Comedie, das friedliebende 



J 



161 



eine ermüdende Gleichrörmigkeit. Überall derselbe allegorische Grund- 
gedanke: das personiücierte Deutschland lasst sich im Übermute zum 
Kriege verleiten, die Friedensgöttin entfernt sich und mit ihr die 
andern Tugenden, Mars hält samt den Lastern seinen Einzug, bis 
endlich jene zurückkehrt und der Krieg^gott weichen muss. Die 
Dürftigkeit dieser Handlung wird durch lange pathetische Reden in 
wechselndem Versmasse, denen oft ausführliche gelehrte Anmerkungen 
folgen, uud scenischon Prunk nicht verdeckt. So ists bei dem Fegnitz- 
Schäfer Sigmund von Birken, bei dem Helmstedter Professor Euoch 
Gläser (1049), bei dem Lübecker l'astor Johann Heinrieb Hadewig 
(1G51). Hier gilt wirklich Gervinus' kurzes Urteil: 'durchgängig 
hobU-s Scbellenwerk'. Hadewig versucht mit jenem Schema noch den 
Heilsratscbluss Gottea zu vereinigen, der das ungehorsame Volk Israel 
verwirft und Moses und Paulus zu dem heidnischen Deutschland sendet; 
er nimmt ferner ein mittelalterliches, auch im 16. Jahrhundert 
mehrfach bearbeitetes Thema, den Process um den MeSschen, wieder 
auf. Dagegen ist Schottelius nicht, wie (lerviuus, der seinen 
Friedens-Sieg nur durch den Auszug im Fruchtbringenden Lustgarten 
(1647 S. 287 — ai)8) kannte, meint, mit den Nürnbergern, sondern mit 
Ui&t zusammenzuhalten. Seinem 1642 am Hofe zu Braunschweig auf- 
gerührten und 1648 mit vielen Kupferstichen gedruckten Schauspiele 
ist mit Ilists Stücken nicht bloss die prosaische Form, welche aller- 
dings bisweilen dem hofischcin Opcrngeprünge zu Gefallen durch Ge- 
sänge unterbrochen wird, g<;meinsam, sondern auch die stärkere 
Betonung der vaterländischen Gusiunung. Manche Züge, wie die Ver- 
gleiühung der trüben Gegenwart mit den Anfängen der deutschen 
Geschichte und der glorreichen Zeit des Römerbesiegera Arminias, 
seit Hütten ein öfter behandelter Stoff*), oder die Satire auf die 
Sprachmengerei der Deutschen, ihre Nachäffung des Fremdliiudischen, 
kehren ähnlich in Risti erst 1G17 abgüfasstem Friedewünschenden 
Teutschland wieder; da sie aber auch sonst, z. B. bei Moscherosch, 
begegnen, braucht man hier noch nicht ein direktes Abbäugigkeits- 
verbältnis anzunehmen. Statt der SoLdatensceneu Rists lässt Schottelius 
als komisches Intermezzo einen Bauern mit einer Supplicazie an den 
Major, ein altes Motiv der Zwischenspiele*'*), auftreten, und mit 

Teutschlacd, rejiraeaen tieften. — RiDta Friedejuucbzeudea Deiitaehland wurde 1662 
TOD Schillern des Lütii.'burger Jobiinneums aufgcfahrt ; 1GS6 schlug der LOnebarger 
Konrektor Maibias MttzeuUürlf vier Siäcke zur AulFühruug vor, daniuler aa enter 
Stelle 'die FricdeDslinndlung uacli geentligtem dreisaigjährigetn Uiuiscbem Kriege', 
doch wohl wieUerum Riala Stück. Die aoderu waren S. von Birkena Androülo (1656) 
nod zwei latemische Stllcke: dei' Leo ArmeaiiiB dei Jesuiten Joseph Simon (1648) 
und der Diogenes Cynicus des Arnos Comenius von 1658. (E. Riedel in Deutsehe 
BahneogenosseDSchaft 1883 nr. 19, S. 2ia ar. 20, S. 224) vgl. Oaedertz, Das 
niederdeutsche Schauspiel 1, 56). 

*) Scberer, Geschichte der deutschen Literatur (1884) S. 363. 763. 

**) im Dämon und fythius dos Ümicbius 1678 Bl Kia bittet der Bauer 

fiarlelme« den Schreiber, für ihn eiae 'Kol>be!cati;ke' auf;susetKen ; in der oft Qber- 

KUten Uteinischeu Comüdie PUgiuiD von Cr um er 1693 III, 1. 2 kommt der KO hier 

Ghrumpius mit eiuer ähulichen Bitte su Säte lies. Man vi^rgleiche ferner Heinrich 




163 

Arrainius UDd Henricus Auceps, welche seinen niederdeutscben Dialekt 
nicht verstehen, zusiimnientreSen. 

Er bewahrte also hierin uoch seine Selbstiiudigkeit. Andere 
erkannten dagegen gerade die Zwischeiiapiele Rists als das Wertvollste 
und Wirksamste. Auf diesen wird der günstige F.indruck des Per- 
eeuB bei einer AuSuhrung durch den Rektor der deutschen Schule in 
Stockhoim, Petrus Pacbius, besonders beruht haben. Pachtus muäste 
die am 13. und 14. Februar IU38 mit seinen Knaben in .Tacob Grun- 
deis Haus veranstaltete Vorstellung auf den Befehl der Königin Maria 
Eleonore, bekanntlich einer brandenburgischen Prinzessin, am 9. April 
desselben Jahres auf dem königlichen Schlosse wiederholen, 'summa 
cum lamie et apjylausu', wie G. E. Klemming, Sveriges dramatiska 
litteratur, Stockh. Id79 S. 24 berichtet. Die sichersten Zeugnisse für 
die Beliebtheit der niederdeutschen Partieeu der Irenaromachia und 
der spüteren Stücke Rists sind die von Gaedertz beigebrachten Nach- 
ahmungen: die Dearbeitung Pfeilfers vom Jahre 1031, die ohne Jahres- 
zahl zu Breslau gedruckte Umsetzung in das schiesische Idiom*), 
ferner die dem Perseus entlehnten Zwischenspiele in dem 1648 er- 
schienenen 'Holofernes' von Christian Uose**) und das nach Rists 
Tode unter dem Titel 'Ratio status' zusammengeluaene Machwerk eines 
Plagiators von 1668. 

Eine fünfte ähnliche Nachahmung, die ich weder bei Gottsched, 
noch bei Goedeke, Gervinus und Weller erwähnt finde, will ich zum 
Schluss noch besprechen. Wohl um des lateinischen Titels und des 
teilweise lateinischen luhalts willen ist sie bisher übersehen worden. 
Der Titel lautet: 

GERMANIA | Luxtiriaiis, debdlata, lugens. \ COMOEDIOLÄ, 1 Ab \ 
ILLÜSTRISSIMIS AC CELSIS- | SIMIS PRINCIPIEVS ET 1 
nOMlNIS, I DN. LUDUVICO | KT | DN, GEORGIO, | FKATRIBU8 
GERMANIS. I Ramm Landgraviks, Comittbas in | Cattlmelibcmo, Decia, 
Zigenhai- | na, Nidda, Vrcnburgo & | Büdinga &c. | Exhibita 1 Idibus 
Martü Ä iterata IV. IduB Octoliris | Anno CIOIOCXLI. | MARPVR6I, \ 
Typis CASPARIS CKEMLINI. || MMC.XLIII. \ 146 S. 12". (Exemplare 
in Dresden, Gotha und Hamburg.) 

Der ungenannte Verfasser schrieb das Stück für eine Au£Fübrung 
der Kinder des Landgrafen Georgs II, von Hussen-Darmstadt im Jahre 
1641 zusammen. Der elfjährige Prinz Ludwig spielte darin ausser 



Julius vou Braunschweig, Susanns 1 593 1, 8 S, 37 ed. Holland. A y r e r, Dramen 
2, 921. 4, 2593 ed. Kdler. Hollonius, äomnium vitae hunanae 1605 111, 1. 2. 
Teweschen Hochtydt 1640 II S. 221 ed, Jellingliaus j aucb Val. Frölich, 
Couioedia von einom B«wreü 1G09 Bl, Avb. 

') Diese vm wohl identisch mit der 1648 von den Scliülera des Breslauer 
Magdaleneagymnasiunia im Zierotinischeo Ilau^ie agierten 'Ireoomachia'i vgl. 
J. C. Arlctius, Hiatorischer Entwurf von den Verdienaten der Evaugeliachen Gym- 
naaiorum in Brelzlau um die deutsche Scliaubliline. Progr. Breslau 1TS2 S. 3. 

•♦) vgl. Gaedertz im nd. KorrMpondenzblatt 7, 61>— 71. — Dagegen euthftlt 
eine Proaaerzähluog Kongcbls, 'Daa Vau dem Üugeratenfn Sausewind Ver- 
Buclite und verfluchte Kriega-Lebeu . . . Von Prutenio'. 24 S. 4° o. 0. und J. (1670?) 
keioR direkten Ankl&nge an Rist, obwohl der Titel es vermuten laaseo könnte : es 
ist die Geschichte des verlorenen Sohnes im Kostüme des dreisaigjalirigen Krieges. 




163 

dem Prolog und Epilog die Nemesis und Fax, sein achtjähriger Bruder 
Georg die I'rudentia, vier noch jüngere Schwestern andere Tugenden*). 
Die übrigen vornehmeren Rollen befanden sich in den Händen von 
gleichaltrigen Knaben aus adligem Geschlechte. Nur für den Mars 
und die Soldaten und Bauern des ZwiachenspieU hatte man passender 
Weise ültere Darsteller, 'Nobiles, Praeceptores et Iiiformalores auliei', 
wie düs Personenverzeichnis angiebt, gewählt. Eine solche Verpflan- 
zung der Schulkomüdie an den riirstltcheo Hof war schon im 16. Jahr- 
Lundfrl nichts Ungewöhnliches und durch den pädagogischen Nutzen, 
den man derartigen Aufführungen allgemein zuschrieb, leicht erklär- 
lich. Eins der bekanntesten Beispiele ist das Jahrbuch IX, 94 be- 
sprochene Weihnachtsspiel, welches im Jahre 1589 Kinder des branden- 
burgischen Kurfürsten im Berliner Schlosse aufführten**). 

Von der Erziehungsmethode an den FürstenLüfen des 17. Jahr- 
hunderts und dem Gewichte, welches auf die lateinische Sprache als 
Blldnngumittel gelegt wurde, giebt uns der Umstand eine kleine Vor- 
stellung, dass hier auch die kleinen hessischen Prinzessinnen bis zu 
der fünfjiibrigen Luise Christine herab alle in lateinischer Prosa zu 
reden hatten; die deutschen Rollen der Zwischenspiele waren, wie 
schon bemerkt, sämtlich durch ältere Dai-steller besetzt; jeder der 
fünf Akte wurde durch einen Maskenzug oder ein Ballet beschlossen. 
Kin Vorzug des Stückes vor vielen gleichartigen liegt jedeufalls darin, 
dass schon die Rucksicht auf die jugendlichen Schauspieler den Ver- 
fasser, den wir wohl unter den prinzlichen Erziehern zu suchen haben, 
zu knapper und leichtfasalicher Darstellung nötigte und vor ermüden- 
dem Wortprunk und Weitläufigkeit bewahrte. Die üaupthandlung 
geht allerdings nach dum bekannten Schema vor sich, wie eine kurze 
Inhaltsübersicht zeigen wird; von den deutschen Sceuen erweisen sich 
zwei als auszugsweise Bearbeitungen von Partien aus Itists Irenaromacbia. 

•) (jcnjHiere Angaben über die. Familie lies Landgrafen findet man bei 
V. Romniel, Geschiclilc von lU-esen 8. IG, Beilage (1813). Derselbe erwähnt jeilocli 
weder unsre AuffQlirung, noch die 'Comoedi von Tobia iind seinem Sobn', welche 
1632 2U Bulzbach vor Landgraf Philipp uod seiner Gemahlin agiert und zu Mar- 
burg gedruckt wurde (Ex. in Berlin, Yq 3871). 

■•) Zu Wien spielten am 1. .Tanuar IBTO die Söhne des Kaisers Maximilian II. 
in einer lateinischen Komüdie von der Wollust dieser Welt uod der Tugend mit 
(Mich. Sachs, Newe Keyser Chronica, 1G06, 4, 3Ö7 f.). ~ In Darmstadt nahm 1SS6 
am 15. Febroar der neunjährige Prinz Ludwig an einer süicheti AulTobruug Teil 
(Walther, DarmalJidter Antiquariui 1857, 54). — Der Übersetzer von Naoguorga 
Mercator, Jacob Rulich, erzühic 1595, dass diese Tragödie am 28. April 1691 zu 
Neuburg a. D. von Kindern des Pfalzgrafea und einiger Edelleute dargestellt wurde. 
— In Braunschweig gelaugte 1642 der oben erwähnte Friedenssieg des Schottelius 
übenfalla durch Kinder des Herzogs und adlige Knaben zur Aufführung (Qlaier, 
Geschichte des Theaters zu Braunsehweig lö61 S. 17). — Nach einer Dresdener 
Nachricht aus den Jahren 1630—36 agirten dort die jungen Chur fürstlichen Prinzen 
eine Cotnüdie, uod 1650 trat duselbat der dreijährige Kurprinz als Cupido in einem 
Ballete auf (FUratenau, Zur Gescbiehte der Husik und des Theaters am Hofe zu 
Dresden, 1861 1, 101. 128). — In Gotha nahmen 1668 die Kinder des Herzogs 
Ernst an der Aufführung des Truuerspiels von der streitenden Kirche, welches ihr 
Lehrer Daniel Richter verfasst hatte, Teil (Devrient, Zschr. f. thäring. Geschichte 
11, 9 and 17. 1882). 

11» 



164 



idern ans 1 
1 Ifemesis 1 



I. Ätt. Die Tugenden Gerechtigkeit , Frömmigkeit u. s. w. wandern i 
Deutschland, wo die Ratio stalus sie nicbt weilen läsat. aus. Als dann Ifeme 
erscheint, um das Übermütige Deutschland zu strafen, dehen auch ConcordU, 
KDtvu<p£>.(x und Paz von dimoeu. Zwei deuteche Scenen sollen den Leichtsinn 
und den Anfang der Strafe an konkreten Beigpieleo rerdeutlichen. Der junge Bauer 
Niclas trifft Greta vor dem Wirtshaus?, versichert ihr seine Liebe, trinkt und tanzt 
mit ihr, während sein alter Vetter Andres ihn vergehüdi zu einem gesetzteren Leben 
mahnt. Bald muss Kiclas auci) diesen um ein Darlehen angehen, das nach einigem 
Strauben bewilligt wird. 

Der lt. Akt fuhrt den (roi/igea Einzug des ^lars, welcher alsbald Germania 
in Fesseln schlägt, vor. In den deuiscben Zwischenscenen erscheinen ein Franeoie 
und ein Spanier, welche auf den Ruf der Werbetrommel erfreut herbeigeeilt sind, 
Niclas, welcher inzwischen das Amt eines HeimbUrgen übernommen hat, gerät in 
einer Risis Irenaromachia nachgebildeten Scene mit einem Qnartiermeister 
io Streit, mit Hülfe zweier anderu Bauern plündert er ihn aus und lisst ihn 
laufen ; aber bald kehrt jener mit den Soldaten zurück und schleppt ihn gefangen 
fort; er weiss jedoch dem Galgen noch einmal zu entgehen. Ein bekannter Schwank 
wird in den fetzten Auftritten des Akts erneuert (vgl. Osterley zu KirchLoS^ 
Wendunmut 1, 200) : Einem fran^^ijs Ischen Soldaten, der in seiner Sprache zu essen 
verlangt und, da Niclas ihn nicht versteht, wiederholt auf den Mund deutet, will 
dieser mit einer Zange den kranken Zahn, den er Lei ihm voraussetzt, ausreieien, 
woraus sich nntiirlich eine Prügel ei entwickelt. 

Itn 111. Akt steigt die Verwilderung der Bewohner Deutschlands. Entsprechend 
der vou Gaederlz in diesem Jahrbuch VII, 135—138 ausgehobenen Scene aus dem 
2. Akte von Rists Irenaromachia sucht Fax, von Concordia und Kotvw^eli« gefolgt, 
bei den Landlenten Unterkunft; aber Nielas, der ihre aufiugliche lateinische Be- 
grflssung missverstehl, begehrt den Frieden nicht, da er den gesetzloacn Zustand 
ntt vorteilhafter hält. Er will ebenfalls als Soldat rauben und plündern. Der 
Leutenant, bei dem er sich meldet, lacht zwar des bäurischen Benehmens und des 
rostigen Splesses, lelirt ihn aber dann rauchen, lässt ihm den Bart stutzen und zur 
Vollendung der AufnaLmeceremonicn 'den Wurm auanehmen'. Germania aber, der 
jetzt Mors auf des Mars Geheiss den Garaus machen will, bejammert vergebens, 
nicht den Rat der Concordia befolgt zu haben. 

IV, Akt. Pax, Concordia und Koivw'jiE/.ia kehren zurück und finden 
Germania elend und sie um Hülfe unllehend. lin Zwischenspiele Niclas des Eriegs- 
lebens überdrüssig und vor der Thiir seines Vetters Andres bettelnd. Bald befindet 
sich dieser in gleicher Lage. Von Haus und Hof getrieben, will er mit dem Stricke, 
den Mors ihm reicht, seinem Lehen ein Ende machen, aber Spes hält ihn zurück, 
und Nicias teilt mit ihm sein Brod. Als dann Mars von Fax zurückgedrängt auf- 
tritt, wagen es die beiden Bauern den wütenden Kriegsgott zu überfallen, um ihn 
zu binden ; er enteilt. 

Im V. Akte der Einzug der Tugenden, den Prudentia mit einem Gebete für 
das unglückliche Deutschland schliesst. 

Um vou dem Verhältnis des liessischen Dramatikers zu Rist eia 
genauereB Bild zu geben, lasse ich noch die 4. Scene des zweiten Aktes 
folgen, welche ich mit dem Band VII, S. 107 — 132 abgedruckten Ab- 
Bchjiitte der Irenaromachia zu vergleichen bitte. 

(8.69) Quartiermoister. Hola Juogl lau ff geschwind, sehe woderHeym- 
biu'ger') wohnt? 

(60) Diener. Ja Herr, alsobald. abil. Siehe dort sehe ich einen Bawern. 
Holla Vatter, wo wohnt der Heymbörgeri' 

Niclas. Was soll er dir? 



') Heimhürger, Dorfrichter, vgl. Vllmar, Idiotikon von Kurhessen. 1867. 



Diener. Siehe Baver, babe ich dir antirort zu geben? oder hftb ich der 
S&w mit dir Flegeln gehütet? Sage mir es bald, oder du Bolt etirtts anders 
gewar werden. 

Nie las. Siehe doch! bin ich dann eben aufF dich bestellt? du bist auch 
wol ein grcwlicher Saalat, datz ich mich für dir Cürchten solle. 

Diener. Halt, ich will dir Schelmen einen schic keo, der dich tribuliren soll. 
aäit herum, Herr, dort ist ein Bawer, der will mir es nicht sagen, »nd macht sich 
noch dazu vonütz. 

QuarticrmetBter. Wo ist der Schelm? adii. du langer Dieb, wie 
kompts dafz du meinen Diener nicht will zu recht weisen? wiliu Bchinnhund') 
■tösie haben? da denche, vnd schaffe mir aobalil den ReymbQrger her. 

(ßl) Niclas, Gott behüte vnd gesegne mich, wie thut jhr. Ich bin ea 
selbst. Was wolt jhr mir geben ? 

Quartierm. Tbcr Nacht will ich quartier in diesem Dorf haben, da sehe 
zu, dafz ich Tod meine ReutiT mit Haber, LIew, Stroh, Wein, Bier, Fleisch, vnd 
andern Sachen genugeamb versehen aeyea. 

Niclas. Hat Es ist hier schlecht bestellt, difz ist ein armes Dürfflein. 
Wir haben nit viel Haber hier, so glaub ich auch nicht, dafz Bier oder Wein hier 
aey, jhr thäiet besser, jhr msrchiret weiter fort. 

Quartierm, Den Galgrn auf deinen Kopf! Soll ich dir Rabenschelmen 
noch zu Gehatt stehen ? Ich werde dir den breiten Buckel salben, trolleslu dich 
nicht von stund an, vnd machst die ballet*) vnd verschajfest alles zur band. 

Niclas. Ich trolle [bin], oder trolle her, so ist nichts bie für euch xu 
bekommen. 

(62) Quartierm. Ha, du Dieb, ich sehe, du gehest nicht, ich prügele dich 
dann prat ab. tac, tac, tae. 

Niclas. Au! Aul Fewerjol Feweijo! kompt mir xa hülffl Fewerjo! 
Prafiliunt altquot ruftici. 

Theis. Was da? was da? 

Niclas. jhr liebe Nachbarn, kompt mir zu halff, ich werde sonsteo 
ermordet. 

Theis. Wie geht das zu? was du Bawrenschinder, soltestn mir meinen 
Vettern schwingen ? halte ein ! hürestu nicht, halle ein, oder ich deute dir binder 
(äa Ohr, dafz dir hüren vnd sehen vergehet. 

Quartierm. Bawer, schere dich hinweg, oder gebetitn mir so nahe, ich 
will dich etossen, daf^ dir die Därmen von dem Wanat hangen. 

Theis. Ja stofz mir etc. 

Niclas. medium & tergo compkctitur. Bchmeifz') zu, Immel*) Theisl 
Schmeisset auff den Mörder. 

(63) Quartierm. jhr Blutbuude, hallet, ich will euch widerbekomraen. 
Niclas. Was ? drUwestu noch ? lafz sehen , dann mustu besser dran. 

proflemunt cum humi. Immt'l, wir wollen jhm allctt nehmen, dem Lum penstieb er. 
fpoiianL 

Theifz, Den Dcgtn her! aufz mit dem Mutzen!*) 

Niclas. Ha! du StrQpfer<), wir wollen dich mores lehren. Drücke jbm die 
Kehle zu, Immel Clarzgen. Er mufz lod gemacht werden. 

Quartierm. Schencket mir doch das Leben, vnd macht mich lofz. 

Niclas. Wir wollen dir drauff thun, dafz ea ein Batz wird. 

Quartierm. Ich will euch mein lebetag nichts thun. 

Niclas. Wiltu noch quartier machen? 

Quartierm. Gott nein! nein! nein! 



') Schindhand. 
*) etwa: tanzest ab. 
*) Bchmsissen, schlagen. 
*i Immel, mir anbekannt. 
n der Motzen, hessisch ^ die Jacke. 
) StrQpfer, wohl = Streifer, Marodeur. 



166 



ir. Wie sobmecket dir der Wein vnd dafz 
t (64) vmbg Maul vnn dem Fleisch, das wir 
Qssen den Sclielmen tod schmcisscn, BOnst 



bitt ich umb, laesct mich lebe», Ich will euch 



Niclas. In Mockenstal ') « 
Bier? Sehet her; wie siebet er so 
jhm habet) au&getrugeti. Nein wi 
trincket er eg vns wider ein. 

Quartierm. Acb nein, da 
von bertzRD gern verxeibea. 

Niclaa. Wiltu? 

Quartierm. Ja, da habt jlir meine Hand vnd paroles. 

Niclas. Nun, so wollen wir jbn dan geben lassen. Ntfin warte, wir haben 
jhm den Keippesack') noch nicbt bemauset, /«nrffi expromit miirfttpium. Ha! 
sitzen da die Vögel? Nun ziehe hin vm] sage es deiner Mutter. Siehe 1 ich will 
noch redlich mit dir handeln, ich will mit dir beftten'), da! dafi du niehl biofzköpfig 
gehest, so Hetze meinen Hut aufF. 

Quartierm. Habt grofzen Danek, gnter Freund, ich will es wider vergelten, 
Nun Oott befohlen, abit, 

(6ö) Niclas. Ziehe hin. Deines vergeltens begehre ich nicht. Wie dQncket 
euch jhr Nachbarn vmb die Beute ? betten wir dem Sehclmen doch die BQctashoien 
auch anfEgezogen. Doch es helle gar hefzlich gestanden. Ach wir haben anfF difi- 
mahl gnug. Der Beutel ist zimlicb dick. 

Theis. Halbe Beule. 

Niclas. Das verstehet sich. AufF den Scbreeken solte einem ein Trunclc 
schmecken. Da! Clarzgen, lauffe geschwind hin, vnd hole vns ein paar maas Bier. 
abit. Bringe einen gantieri cymer voll, vnd ein stQck faul Küppelkäfjz *), vnd ein 
paar Lanbe Brods. Dafit er doch bald widerk&me, mich durstet fre; rechtschaffen 
auf den Scharmützel. 

Theis. Mich auch. 

Niclas. Ihr kamt mir eben recht, der Schelm hetle mir sonst noch jrgend 
grof« Leyd angeihan. Ich mufz das leddem Wamst ein weil anverso- (661 chen, 
induil coJobiunt. Hilff Theifz. cerevifia adfertur. Ha! Gläfzgen bistu da? das 
ist recht. Es gilt eins Vetter. 

Theis Gesegne Gott. 

Niclas. Da können wir noch manchmal lustig von se^n. Juch! wer jetzt 
ein grofz Olaaz bette, dafz wir in äuribus') trincken. Ha! hui! Aber jbr Herrn, 
ein Schelm, der seinen Gesellen Pi-ter verräht. 

Theis, Sehet da, Vetter Nickel, da hiibt Jhr meine Hund, elu Lauer, der 
den andern besagt 

Clafzgen. Auch meine. 

Niclas. Wan ich schon solle geradebrecht werden, so will ich doch von 
euch schweigen. Ihr werdet es auch so macheu? Omnes und voce: Awejal 

Theis. Wir wollen zusammen halten, wie ein Mawr. Jnch! Es wage es 
einer mehr, vnd komme vns! wir können sie daheim heissen bleiben. 

Niclas, Ich meyne dann, wir jagten den (67) dureh den däiisteru Wald, 
er wird vns wol so bald nit widerkommeii, 

Theifz. Ich wolle es jhm auch n " 

Gläfzgen. Was? Wir wollen i 

Theis. Es gilt e 






Recht so Immel Theis, Thut alle 
Nun gilt es sechszeheu schlürpfe vnd bejde Backen < 
Theis. Lasset her wischen, bibü, oller nun 
Theis. Gnug! 



ill. 



oofctnda f. 



'] die Muck, hessisch = die Sau. 
') Eeipe, oberhess. = Tasche; mi 
die darauf folgende Bücbsboscn. 

*) Klippel, der kleine Kopf. 
') Ringwaldt, Speculum mundi : 



der Zusammensetzung Kci 



dir das On zug vnd muck i 



floi 



El. Cjb: 'Wolan Ohm Cratz, ich bring 



Oberbreyer 1879) Kap. 9 nennt diese Trinkweise floi 



NiclsB. So ündt^t man sie Teihl. 

Theis. canit. Er hat Jen Suchen recht getban de,') 

Niclaa. TheiB, thue bescheid. 

Theis. Redlicb. 

Niclaa, Ulli! Luslig! wir wollen die gaDtzn Nacht schwermen. Jacht! 
Jucht! vber vnd drllber etc. Ileraufz mit dem Trüpflein. Soll irh dan nit lustig 
«ejn? luBtig guter dingen, (BS) Schmeifz dem Bawern die Fenster ein, dafz die 
lUbiDen klingen etc. 

Melator cum turvia militum. Sa! Sa! £a! Ihr Elcmentlscbe Diebe, Sal Sal etc. 
leb will euch Blutsrhelmen den Ttunck gesegoen. dats eucb die Schwarte kracht. 
Schlaget zu! dcblaget xu! Bulilaget die Diebe tod! 

Bußki: sa! au! aafugiunt omnea e^rcej/to Niclao. 

Quartiermeisler. Greift sie! greift sie! das ist der rechte Schelm, der 
hat mein Koller an. 

Nicias. Herr Obrister, BJe haben mirs vber Oewitlt angezogen, sie wollen 
sehen, wie es mir sitindr. 

Quartierm, Mn! du Dieb, du aoit hencken, einen Strick her, bindet den 
Dieb, ich will jhn hencken IsBeen, 

Nicias. Ach da bitt ich vmb, mein HaU ist ilefz henrkcns so gar vbel 
gewöhnet, hcncket die andern, die haben euch doch am leydsten gcthaii. 

Quartierm, Wo seynd mir die Si^helmcn hinkommen? 

(Sil) Nid aa. Ach Juncker, ich weifz, wo sie sejnd, ich will euch zu rerht weiaen. 

Quartierm. Ja du Schelm, das aollu doch ihna, vnd solt auch hangen. 

Nicias, Ach Herr Obrister, sie haben mich dazu bracht, dafz ich mich nit 
recht gegen euch gehallen hab, ich bette mich sonst gern von i'uch achmeissen lasten. 

Quartierm. Fort mit dir, du Oalgenbun, du solt mir alt gnu; se^D. 

Nicias. Au! Aul iitlranl, brevi retertitar Nicias. Nein, da muste ich 

gan, wan ich hatigcu wolte, so wolle ich eben so mehr au einem rechtschaffnen 
algen bangen, sie sollen mich wol heut nicht wider kriegen, morgen auch nicht etc. 

Uhlaods Volksliedern nr. 218 = Böhme, Altdeutwjhea 



I Lieder 



Johannes Bolte. 



Ermahnung 
an die Nonnen eines Klosters. 

Juw Sorores miit ick in sunderheit vormanen, welck eyn vn- 
ordentlick levcnt gy ynder |eyn] ander voren myt kyuende, myt legende, 
myt dregeude, myt stormende, myt ropeude. Vnder cyn ander sech 
ge') juw vnd wdrp juw vor allent, wat juw vnder den barten is; 
wüste gy niordt vnd bordt, idt mnt dar alle her voren in quadtbeyt, 
dar gy doch achuldich syn, iuwea negesten vehel to bedeckende. Ick 
hebbe hir nti draden*) baven de sostigesten jar in dusaen kloster 
weaen vnd hebbe niiwerlle sulk kyiiescbe, vnfredesamme Sorores seen 
edder hört, alse gy syn. Juycken vars*) geue gy ock so smelike 
vnvorsche[nie)de worde, dat idt auer de mate is; dat lat vnderwegen 

') = Kf- ') ^^- ') *'"'a = vaders 'patres'. 




1«8 



vnd leuet in leue vnd frede, wo ju behort, vnci dot fiit, dat dar 
rechte sungen vnd leseo wart, pauses vnd prodominantes holden warden 
vnd dat*) cntitrici, auccentrici truweliken helpen, vnd slaet nicht vnd 
Bwiget vod lattet se so nicht allen singen, wo vaken schut. Gy moten 
nu dar fliticb in sjn, idt wyl nu myt der tyd an juw lange, vp dat 
gyt deste beth wanen, wen gjt don schollen.*) 

Obige Ermahnung iat nacli einem schwer lesbarpn Schtiftstöckc des XVI, .lahrh., 
welches sich ia dem Archive der Gesellschaft fOr hildende Kuiist und vaterländiiche 
AlterlQmer zu Emden befindet, mitgeteilt. 



[*) I. dot. ^) Der leUte SaU ist unklnr, vielleicht ist waren tu bessern.] 

AURICH. H. Deiter. 



Fragment aus Jacob van Maerlant's 
Spiegel Historiael. 

Unter den aus Einbänden gelüsten Manuacripten der Hamburger 
Stadtbibliothek befindet sich ein Pergamentblatt, welches Verse aus 
dem Spiegel Historiael des Jacob van Maerlant enthält. Das Blatt 
ist 14 Centimeter breit und 95 Millimeter hoch. Das uvspriin gliche 
Format war grosser: es war etwas breiter und wahrscheinlich von 
Quarthöhe, Auf der einen Seite steht am Rande von einer Hand des 
18, Jahrhunderts geschrieben; Foüum hoc a bibUopolä (richtiger 
bibliopego) vet. libro agglutinatum fuit, In der Mitte derselben Seite 
steht in deutschen Zügen des 16 Jahrhunderts ein Name, wohl der 
des einstigen Besitzers jenes unbekannten alten Buches, welchem dies 
Pergamentblatt angeklebt war , und ausserdem einige undeutliche 
Kritzeleien. Der Name scheint mir Erasmua Rhomuer zu sein, doch 
ist mir zweifelhaft, ob ich den Znnameu richtig gelesen habe. Wenn 
das der Fall ist, so wUre vielleicht auf Erasmus Rumor, einen schles- 
wigschen Adelichen (f 1590), zu rathen; s. über diesen Nordalbing. 
Studien IV, 309 f. 

Die Schrift scheint dem 'i. Jahrhundert anzugehören; sie ist 
massig gross, kräftig, deutlich und gleichmässig. Auf jeder Seite 
stehen zwei Spalten. Die Verse sind abgesetzt. Der Anfangsbuchstabe 
jeder Zeile steht von dem zweiten Buchstaben etwas entfernt. Bei 
einer der vier Spalten ist die Reihe dieser Anfangsbuchstaben vom 
Buchbinder weggeschnitten. Während derselbe am oberen Rande die 
Schrift nnlädiert gelassen hat, ist unten soviel weggeschnitten, dass 
die Spalten nur noch 21 Zeilen zeigen, während sie ursprünglich 
deren 40 enthielten, wie sich bei einem Vergleich der erhaltenen 
Zeilen mit dem vollständigen Texte in der Ausgabe von M. de Vries 
und E. Verwijs, Leiden 1863, ebenso leicht wie sicher ergiebt. 



Die Fragmente entsprechen den SS. 205 bis 208 in Deel II dieser 
Ausgabe und zwar sind die Verse der ersten Spalte = Partie III 
Boek 3 § 49 Regel 30-50, der zweiten = P. III B. 3 § 49 R. 70—90, 



der dritten = P. III B. 4 § 1 R. 

B. 4 § 1 R. 54—74. 
1. 
FllnDorias die in otcidcDt 
Djie kejferlike rrone drouch 
Hjadde doe doghena genoocb 
W}aiit die graue flillicoen 
itte dan^oe al fiJD doen 
ie marfchalc van aldou riki> 
oe dat hi üradichlike 
en kejfer hoooriure antliue 
n fijn foene kejCer bliue 
ie eucherms biet binamen 
dede in gallen eome tefamen 
B ede dt? waadelen e^ de goteii 
" dat n met liaren roten 

roomfcbt- rike crankcn foudni 
I waendi noch des gewouden 
hi den föne ler crone brocble 
badde die föne in lijn gedoi'hie 
C'ame bi noch ter kejfer crone 
Dkt hi brekcn foude oufonc (bo!) 
Djer keyferbker kerken vrede 
'.]ü hadde den hejdinö belouet meiic 



14—34 und der vierten ^ P. III 



II. 
Dat 11 lioehlen leken kinden 
Dies fpreket van hem jeronimo» 
Die bifrcap feget auguhinus 
Dats hie die met finne') vloocli 
6 Boaen allen bergen hooch 
Ohelijc als die aren doet 
Maer dat gefciet andes bergh') voet 
Ne merct bi niet baidc wale 
Met fcoonre fuptijire tale 

10 Duerulieget hi bemel ein lucht 
Eü wal' met groter ulucbt 
Om fine fuptile wart 
Laiie de bloemen en fcruc') uort 
Der rechter hyrtorien ganc 

16 Um dat niemeu van (Inne cranc 
Jof ie lelue oee int gedicbte 
Mefdoen mochte der an lichte 
Hieröme eift dat» mi nie ne rocc 
Nv bort uort den vierden boec 

20 Die ftrijt in heuet eii parlement 
■ '* derde boec hier e " 



Von Z. 15 bis 21 laufen am Rande blau und rothe Schnörkel 
der Initiale des vierten Buches; diese selbst samt den Anfangszeilen 
des Buches fehlt bis auf einen Zug vor Z. 



111. 

Eii pijndc die kajtiue 
Hoe hi den zwager onlUue 
ES hi Hncn föne bedriue 
Dat bi come ter kcyfer croJic 
5 Die penfdi^ ene nicwc houe 
Hine rekent min no mere 
Dat bi onder den kejfer was here 
Hine wildene onleruen 
En al troüinfche lant licdenien 

10 E6 wat'l hi waB alü wi.jt buren 
Van den wandelen geboren 
Heuet bi ombode» dat fi tarnen 
Indeu duutfchea lande le fanien 
EE leden den rijn met allen 

IS ES camen int lant van galten 
8i aonden Ibant al foudcr were 
Grotcn fcat efi rike lijfncro 
Sine durfleu upten keyfer niet mecke 
Si fouden fine macht onlreckeii, 

20 Alanens') net (inen roten 

Die coninc vas up die «est goten 



') < 



IV. 

En al neest al te male fpaenyen 
Want bi fire ualtrber mort 
Quamen defe liede uort 
En fcuerden troomfcbe rike 
5 Als gbi fnit hören cortelike 
Want hi den z wager waent ufagen 
Jof al ulen rike iagen 
ES eucheriuB finen fueae 
Kejfer niaken omigone. 

10 Die wandelen eii die alanc 

En die zwauene mel meneg'' uane 
Cainen trecken in vranken lant 
Als die wilden alte liant 
In dat lant van gallen 

16 Jegen Lern camen geualten 
Die vrauken met ftoutcn moede 
Maer hen uerginc hem niet te goede 
Want die wandelen flougenfe omme 
Eü doder ene grote fomme 

2ü Der vranken beren waren do 
Marcbomerifl e& fumin 

gbes, ') «o slaU fcriue. *) so stall wät. 



C. Walther. 




J 





Mittelntederländisches 

Parthonopeus-Fragment 

Das Ms. germ. foi. 757 der Königlichen Bibliothek in Berlin 
enthält auf einem Pergaiiientblatt des 14 Jahrli. die nachstehend zum 
Abdruck gebrachten Verse. Dieselben gehüren dem Roman l'artho- 
nopeuB van Bloys an, und ein Teil dfrselbcn ist bisher noch gar nicht 
oder nur mit Lücken aus dem Fragment XIV der 'Ouddietsche Frag- 
menten van den Parthonopeus van Bloys, uitgegeven op last door 
J. H. Bormana. Brüssel 1871' S. 243 ff. bekannt, Dem Abdruck 
sind, ausser der Interpunktion, die Verszahlen dieser Ausgabe bei- 
gefügt; die neu hinzukommenden Versu sind durch die Buchstaben 
a b c etc. bezeichnet. 



SHBäDarhifitigeBefcomeiiboiieD (Spalte 1 
Dar ea In coene ende onucrvard 
Ende ander .xx. manue ward; 
Neware wordi in groler nopil 
Begre|>eii rnde in anxlc groei, 

B973Dan es bi van kranker were 
a Ende worl ondaeo, fo dat (ijn litre 
b An hem ne vint ni^ genen Iropfl. 
c Dit es dal mi an delen noert, 
d Die( maghie wel die wareit toKen. 
e Vao defen weten oaC gedogen. 
Iljer ef mijn here die foutaen, 

597fiDie hogefte prince fonder waen, 
Die nu in aldie werclt Icuet. 
Dat Aofora van heni gefeit lieuei, 
Van fire rikeit, van finen geflachte, 
Dochti mi fccgen wel bi rechte. 

assoEnde van fire mauheit 

Mach hi wel «ar hehhen gefeit. 
In tornoii' doel hijt fo uale, 
Dat icker ncgbene wndertale 
Ne wijle liouden; mar all' lii fiot, 

biSb Dat gaet te ftorme, dan ef hi niet 
Alfo on^emate, alf men fe^et, 
Dat hi derre faken pleget, 
Ende hi niet e( fo vrefelic dan 
Ende bi hem dan geinateu can, 

6990 lieb ic verfien ende wel verftaen 
Kndr^ wiir die wareit daen gel'taen. 
nar ghcne fcone, die gbinder ftat-t, 
Gheuc- lange, die dt^en neder flaH, 
Die ghenen feilt van feinere drageC, 

riHK'Grole cre hcuei hi bii;r beiaghet. 
Salmen recht vonneffe wifen, 
Men falne bouen hem allen prilen. 
Ah'e doegeden ef hi wkomcu, 
Dat wetic wel ende liebbe vcruomcu. 

6000 fSp. 3 

No felue die foutaen van l'orci, 



Die hier van grotea loue es, 
No van Siere die coning Sudes 
Sttlmer negenen prifen vore. 

iFi AI ghingeraen aldie werelt dore, 
Nen nevonde negliencn fo welgelcddet, 
So houefcb ende fo wel gefeddet, 
Niemene bebben fo fcooe vorme 
Sijt in lomoie, fijl in ftorme 

10 Sijt met groten volke Remene, 
Sijt tegeu enen oec allcne, 
Nemach hie nict verbetert wefen, 
Nu doet die wsrelt al verlefen. 
Sone vondire ne ghenen jnnc 

\b Bi't vulmaect in allen finne. 
Partou[a])eii3] hordickene nomen, 
Van den heften ef hi comen, 

IX Dat ef mi wel tevoren gefeit, 

3 Die men vint in carl^ineit. 

h Noch nie nt'qnam bi inder Doet, 

c Dar hi den anil hadde fo groet, 

'J Dat hijs falgierde van enen bare, 

« Neware alf hijs wort geware, 

/ Dat de Une worden ondacn 
Ende hi (<• fconfiert fiel achter gaen 

;ü Sonder coeuer ende Conder were, 
Dan es hi beter dan al thcre, 
Dan varil lijre oec tae alf .i. lioen. 
Dar niachmen menigen keer fien doen, 
AU' die valke vptcn reger doeL 

!B Dal hi fo eoene ef ende fo goet, 
Dut i'f te groten eren comen 
Den Franfoifen ende vromeu. 
An hem ne wetic genen lac. 
Dar bir die coning Clarin nu of fprae, 

10 Dat die foutaen fo riko ee, 
Wat hebbon wi te doene de« V 

[Sp.3 

S[.-ldpr dal hi met fire doeget [verwint] 
Die fi^onc PartD[uopenB] van Blois. 



SOS&Hen ^ue mirevrouwcn den FranfoiB, 
I)ao ef hi rike man van lamlc; 
Woudi oec, vp finc vianiile 
Mach hijB wiuncn alle dag)ie mcer. 
Die coning Clarin fpide Oi'c er, 

CV4e D»I die (oiilacn hem wildi' dneii dopen 
Ende Cijn volc ; dat mochte becopen 
Hier na tlant van GrieliPn fere. 
Want hijt clirlike dor onfen here 
Van hemelrike niet ne doet. 

RMADatiiea fcone beghin no goct. 

Sijn Tolc foudirR nl loe dningeo 

Ende huteu baren ville bringen 

An onfe gelouß, dar 11 hem l'ouden 

So fi nicirhten onlanxt nn houden. 

(050 Tcrfi dat n onfpr mrficr waren, 
Soudfire geweldelikc loe virea 
Ende runden wnrpen orifer wet 
Ende foiiden onr an boren Maumet 
Hat beduange doen gelouen 

eoM Of riiues mol tormenle roiien. 

DuB fouden vi die roede Iiouivpd, 
Dar men ont foude mede blounen 
Dif raerfes welea comeo aae 
Ende kiefen wi den edelen graue, 

«otODie geftade ef an onl'e wrt 

Ende talre doeget nlromen bei, 
D»n ienien inder werelt es. 
a Ic Wille die goede ivareit des 
b Selue doen ftaen ende vort bringen; 
c Of iemen wille dertrgeu diugi'ii, 
d Dat wil ic anden mct goeder iiuuiveii. 
e lone weet, Uoet becomt mire vrouwen 
/ Of foe» mi enigen oiidanc weet, 
AI wiftic, dal harc war« Icet, 
[fip-i 

eoe& Ic foude nocbtan der wareil volgeo ; 

BERLIN. 



Dat ne lietic dor niemens gedreech, 
Dit leide Arooud, ende alf hi (aech, 
Die coninghe, dicre fatcn bi, 
Wonderde hardc, dat hi 

'ODen coning Clarine fo inftac 
Ende fo fierlike jegen hem fprac, 
Do fpraker toe die heiferinne, 
Elinoud, (!) feit Toe, na vwen finne 
Spgdi ende bebt i vermeteD, 

'ü Dat gbi die warei' mnget weten, 
Dat ghi niet ne lieget dor mlnen daac. 
Von mi lidiJB fonder beduanc 
Nn inne drege y no jnne mane 
Vier vareit jet Ingane, 

'ONo ne biddo no noit ne bat 
Di meer no fe^ ick niet omme dat, 
Ghine dincker mi toe hebben gefeit 
Ware lale ende bouefcheit. 
Neuare dat meri rai buwelic dade, 

Ib Dar foudic met rechte fijn geftade 
Ende gednrich met goeder trnuwen. 
Bedi ward recht, dat die vrouwen 
Sagen, wien Ti fouden minnen 
Ende wettclike te manne gewinnen, 

10 Doegeden lieb ic genoccb gehört 
Viindien Franfois, nu wil ic vort, 
Dat ghine mi doei ontwapent fien. 
Es liijs wardich, fo macht gefeien 
Thuwelic tiifcbe[n] mi ende liem. 

iB Ncf hijs oec wordicli niel, ic bem 
Oerei't te nemene dien foutaen, 
Om dat gbi mi doet verftaen, 
Dat hi hem wille bekerea 
Edel Elinoud, neemt war mire ereu; 

lO Ende v allen, heren, blddiu dea, 
Alle lief alf v mine ere ea. 

W. Seelmann. 



Reimsprüehe der Vögel. 

W. Seelmail ri hat, wie ich aus dem „Niederdeutsches Reim- 
büchlein" (Einl. Villi ersehe, die Absicht, einige mnd. Spruchsamm- 
tungen mit Angabe r!er Quellen und Varianten aus Einblatt- u. a. 
Drucken herauszugeben. Hoffentlich kennen die folgenden Mittel- 
iQDgea hierbei verwertet werden , die einem unlängst durch die 
Uaiversit.äts-Bibliotht'k in Utrecht erworbenen ManuscrJpt entnommen 
sind. Das Ms., kl. ti" und im Katalog als MSS. var arg. Nr. 414 
vermerkt, enthält «tif 123 Pergamentblättern Notizen über mittel- 
ftUerliche Medicin, l'rof. üallee hat die Absicht, dieselben zu ver- 
öffentlichen. Dann folgen noch zwei Blätter; auf deren letztem stehen 
die Sprüche, um welche es sich hier handelt. Die Haiid, womit sie 



172 

gCEchrieben sind, gekört dem XV. Jalirbundert an. Sie sind im 
Bächsischen Dialekt verfaast, und es leuchtet ein, dass der dritta der- 
selben die altere und bessere Redaktion eines von Seelmann im Heim- 
biichlein mitgeteilten Spruches enthält. 

(1) Du scholt di then uan uelen luden [Bl. 125« 
wultu din ruchte unde ere behilden 
Tele scbinen gud und sint doch qwad 
malk see myt weme he vme ghät. 

(2) De barkhane. 
We to uele wil volghen gbuiien ghesellen 
de möt mer gan in haderen wen in pellen 
we sin gud vortert in doren wise 
dar vmme yV ene nicht sere en pryse. 

(3) De barkhene, ') 
We to laghe wil myt my drtncken 
vnde wil nicht gerne myt my klinken 
des lagbes jk alle ttd wol enbere 
wer he ok ea grod landes here 

(4) De tamme haue. 
Dorch qwade lüde scbaltu wakea 
dat se dy nenen schaden maken 
vnde holt dyn gud an steder höde 
80 deyaty seker alzo de vrode 

(5) De tamme hene. 
Ik bin alle nacht vul stede 
by mynem [manne] ") wol to vrede 
dede en jewelk echte wif alzo 
des were wol mennich [man vro]*), 

(6) Dat kuken. [Bl. 125- 
Wultu wesem [l. wesen] myt ghemake 
so bebbe an dy wise aprake 
wede gerne den luden sprekt qwad 
nicht vele gudes em dar na vpstad. 

(7) De duuerink. 
Wor de maghet gerne ouel met 
vnde de knecht sik au der schrift vorghet, 
vnde de werdinne to rekent gerne 
dar scbaloie myden de tauerne. 

') Seelmanu, Niederd, Reimb. p. GS, vs. 1987—199] ; 

„Wol tho gelage will mit mi drincken 

Und Dicht wil mit mi kliucken, 

Des geUges ick wol catbere 

All wpre lie ock ein Landes Here." 
'] im He. anfl^^Iassen. 
^ 'min TTO* nicht im Mb., da das Blatt nutm bcecknitten ist. 



(8) 



(9) 



De düue. 
Wel etn de dar heft sodanen stad 
de dar en bedderue wif had 
de rnnch wol manck bedderue lüde gan 
vnde sioe oghen vrolikeu vpslau. 

De Ringhelduue, 
Ach, du bedrouede ba[iire]yge 
Ik like dy eneme vulen eyge 
dat LS manck den luden gbar vnwert 
dat sulue heyl ia dy ok beschert. 
(10) De tertelduue. 

Ik bebbe nicht mcr wen eneti man 
deme 8ulue[u] jk vele gudes ghan 
gunde menniüh wif eren manne a[lzJo 
de[8] mochte sin herte wol wesen v[ro]. 

3LLE. F. Buitenrust Hettema. 



Die vorstebend mitgeteilten Sprüche sind das Bruchstück einer 
Vogelsprache, welche vollständig, aber van jüngerer Hand geschrieben, 
to einer Stockholmer Uandscbrift (vgl. Jahrbuch VIII, 33) vorliegt, 
und zwar entsprechen sie den Sprüchen nr. 35 — 41 43 — 4ü dieser 
Überlieferung. Wie Hettema richtig bemerkt, hat der Sammler der 
im Reimbiicbleiu enthaltenen Sprüche den oben als dritten bezeich- 
neten übernommen. Ausserdem hat er noch aus derselben Quelle die 
Sprüche Reimbüclil. vs. 1939 — 86 geschöpft, und auch der bekannte 
Spruch des Brautzimmers im Lübecker Kathskeller stammt zunächst 
aus ihr. Die Stockholmer und einige andere Fassungen der Vogel- 
spracben oder Vogelparlamente werden von mir später mitgeteilt 
werden, und ich werde dann Gelegenheit nehmen über diese ungemein 
verbreitete Dichtungsgattung eingehend zu handeln. Einstweilen ver> 
weise ich auf Niederdeutsches Korrespondenz-Blatt VII (1882) S. 83. 

W. Seelmann. 



Jesu Namen. 



Der Cod. IV D 5 der Üniversitäts-Bibliothek in Breslau, eine 
Ton verschiedenen Händen des 15, Jahrh. geschriebene Papier- 
h&ndschrift, enthält ausser mehreren Prosastücken die nachfolgende 
Dichtung. Über die Herkunft der Handschrift belehrt die Schluss- 
notiz: Dyt boechk is volendet by my brueder gemut van lewerden 



174 

jnt iaer ons heren MCCCCLXXXVI op Sunte Johannes onthoefdynge 
dach ende is hem geleent van fyn prelaten tot fynre behoeften. 

God de alle dynck hevet gewrocht, (1>I- 27') 

De gunne my myt syner cracht, 
Dat ic cen niaterye moet ontbynden, 
[)aer wy salicheit in vynden, 
5 Ende die wil ick begynnen aldus 
Van den gebenediden name Jhesus. 
Jhesus hevet an der letteren sesse, 
Die geve ic tot enen nyen jare ende tot eenre lesse 
Allen guetwilligen mannen ende vrouwen, 
10 Op dat si hera hierin spegelcn ende scouwen 
Ende nemeu dese ses l(?tteren waer, 
Het sal hem wesen en salich nye jar. 

Die erste lettor is en J, 

Dat sett ic, dat ynnycheit si : 
15 Ynnych in der kerken ende in cliisen, 

Waer gy synt in godes husen, 

Ynnych in den dienste ons heren, 

Op dat gy den luden moget leren 

Exempel, hoe si sullen leven, (bl. 27^) 

20 Ende mit ynnycheit dat to kennen geven. 

Innych, innych ende altoes ynnych 

Doet altoes guet ende dat voersynnych, 

Ende weset altoes innych in uwe memorye, 

Gy verdient darmede de ewyge glorye. 
25 Condy u hier we\ to bereyden. 

So en mocht Jhesus nummer van u scheyden. 

Die ander letter is een H, 

Hierby dat ic verstae: 

Gehoersamheit de edel doeget, 
30 Die Jhesus alte wol genoget. 

Gehoersamheit is een edel juwiel 

Beyde voer lyf ende voer siel. 

Gehoersam gode ende dynen oversten mede, 

Dat is een slot van allen salichheyden. 
35 Gehoersamheit en can ic nyet vol pryseu, 

Dat mach meii mytter scryfturen bewisen. (W. 23') 

AI war gy noch so ynnych in uwen gebede, 

Ende gy tegen de gehoersamheit deden, 

Dat en hevet Jhesus nye genoeget, 
40 Daerom is gehoersamheit een edel doeghet. 



36. Hs. bewisen mytter scryfturen. 



Die derde letter is een K gehetED, 

Daerom sal sie envoudich heten. 

Envoudich te wesen ende vakc alletie, 

Dat is een dueget int geraene, 
45 De JheBiis alte sunderlynge wel behaget. 

Aisdan een mensche tegen hem setven claeget, 

Ocb dat hi so ouuutteliL'k hevut gelevet, 

Dat hem sjn hcrte van bynnon bevet, 

Dat hi so luttel diiegeden hevet gewrocht, 
50 Ende de onse Lere Jhesus so duere hevet gecoft 

Myl synen hiltgen diieren biuede; |1>1- 28») 

Dat over te denclten myt enen aterken gemoede 

Eenvoldichlike op ene beijuame stede, 

Dat is cn alten groten saiicheit. 

55 Die vyerde letter dat is een lange S, 
Dat seg ic, dat sympelheit is. 

Sympelheit dat is een edel graet. 

Wie in rechter sympelheit alaet, 

Die is van Jhesus utvercoren, 
60 Dat heb ic dycwyl seggen hören, 

Wat Jhesus hevet dat selven bewesen, 

Dat hi de sympelheit gcpresen. 

Dat hemelrick hevet hi hem gegeven, 

Hierom so laet ons sympel leven 
65 Ende doen ons evenroensche, 

Als wy wouden, dat tiy ons dede, 

Ende mynnen so Jhesum boven al, 

Want hi ist, diet wel Ionen sal. 

Die vyfte letter dat is een V, (M. 29') 

70 Daerby wyl ic ordeneren nu 

Vredsainheit, die edel bloerae. 

Daer Jhesus selven wyl in comen 

Ende sueken daertnne syne rüste, 

Want hem nye nyet lievers en luste 
75 Dan een vredsam herte in deaer tijt. 

Sonderlyiige in uwen synnen 

So bebt altoes uoryge mynne, 

Sunderlynge paia eude vrede te maken. 

Dat is een alten edelen saeke, 
80 Ende en laet vrede de edele blome 

Nummermeer wt uwer berten eomen. 

I' 

te. DU ordeneren. — Nach v. 76 fehlt eiu Vers ; die eiuzelncn Abschnitte 
I 7 Reimpaaren, nur der erate hnt 6 Reimpaare. 



lU 



^^^^H Die seste letter dat is eea roade 

^^^^r Dat seg ic, dat sorchvoldicheit in. 

H Sorchvoldich in den henielschen dyngen, 

I 65 Dat sal laea prysen Bondorlyiige. 

1 Altoea sorchvoldiüh in den godesdyenste, 

■ Dat duQct mj wesen dat alrelienste, 

■ Dat wy in eertrike raogen mynnen. 

I Nu laet ons da myt aorchvoldigei' syrmeu 

^^^^ 90 JhQsiim bydden, onsea brudegum, 

^^^^L Dat in mynliken tot ons come 

^^^^H Ende neinen ona te samen in gyn geleide, 

^^^^^ Als siele endo lyf van een aal Bcheyden. 

^^^^ Dat gunne ons JhesuB de hemelsche vadei 

1^ 95 Nu segget amen allegader. 

r 100 




Nu weder op myo erste materye te comen, 

De ic voei' my fiadde genomen, 

Üaer ic in begonde aldua 

Van den gebenediden naine Jheaua, 
100 Laet ons dao Jbi'aum vruchtcn 

iMyt desen ses duchden 

In onsen gront niyt namen innych, 

Crhehoersam ende eenvoudicli, 

Sympel ende vredsam ende sorcbvomlicli. (bl. 30^) 

105 Is Jhesus myt deaen ses ducbdeii 

In onsen herten myt vruchten, 

Het waer wonder, dat iii van ons scheyden mochte. 

Laet ons desc ses duchdeii nauwe uemea waer, 

Het sal ons wesen eeo salicL nye jaer. 
Deo griLBjaa. 
S6. Hs. in den dycnste godes. 

BREMEN. ^_^ H. Brandes. 

Naogeopgs Mercator polnisch. 

ÜMhlrag lU a. 166. 

Ganz überseheu habe ich eine polnische Übersrtzung oder Bearbeitung von 
Kaogeorgs Metrator, welche von 0. C. Piaanski, Entwurf der preussischea Literilr- 
geschichte 1, 326 (1791) beschrieben wird, allerdings ohne Neunang dos lateinischeo 
OriginnlB : Kupieii to jat kttalt a Podobienstina saäa Botego ogUitecenego (der Kauf- 
mann, das ist die BeschAfFetiheit und Abbildung des jUugsten Oerichta Qottes) Köa^B- 
berg 1549. 1 Alph. und 8 Bogen S°. — Der Verfasser Joli&nn Seklucjau, um 
IBOO geb., wirkte 1541—1578 als polnischer Prediger in Königsberg für die Ver- 
breitung der Lutherischen Lehre und that sich als Übersetzer des neuen Testaments 
ubd als Herausgeber eines polnischcu Gesaugbnihs hervor; vgl. PreDSaisclie Samm- 
lung allerlei Urkunden 3, 77—91 (17fi0) and K. Kstreicher, Polnische Bibliographie 
des 16.-17. Jabrh. 1893 S. 38. — 'lu der Vorrede meldet er, der Entwarf kq dieser 
Ausarbeitung sei ihm von einem Ungenannten zugestellet worden, um selbigen weit- 
läuftiger auszuführen und praktisch einzukleiden, welches er denn auch getban habe . . .' 

BERLIN. J. Bolte. 



Jahrbuch 



(los 



YereiDS für niederdeutsche Sprachforschung. 



Jahrgang 1886. 



XII. 




i»i^iig(^f :;ö^=oc**g^ — ■ 



NORDEN DDd LEIPZIG. 

Diedr. Soltau's Verlag. 
1887. 



Druck vun Diedr. Soltau in Kurden. 



---■*. '^- • -. ^-. - '^'^N V/^.-W--V.^ 



Inhalt. 



Seite 

Nordthürin«ron. Von W. S e c l ni a n n 1 

Die Ortsiiameneudiing -leben. Desjrl 7 

Die Bewohner Dänemarks und Schönens vor dem Kindringen der Dänen. Desgl. 28 

Ptoleinaeus und die Sitze der Semnonon. Desgl 39 

Das norddeutsche Herulerreich. Desgl 53 

Der Hussegau und die llocsioburg. I)08gl 59 

Der Zetacismus und seine Verbreitunjr in Xiedersachsen. Desgl 64 

De Heinrico. Kin lateinisch-altsiuhsisrhes Gedicht v. .1. 952. Desgl. ... 75 
Thietmar von Merseburg, die Merseburger Glossen und das Merseburger 

Tütenbuch. Desgl 89 

Register zu den Abhandlunj;en Zur Cieschichte der deutschen Volksstämnie 

Norddeutschlands und Dänemarks. (S. 1—93.) 93 

Feder Smed und Arnt Huschman. Von W. S e e 1 in a n n 95 

Quetsche. Zwetsche. Prunus domestica L. Von K. K. H. Krause . . . 97 

Mittelniederländische Hruchstücke. Desgl 106 

Kricgspniphezeiung (Niederländisch). Von V. Granlund 119 

Föhringer Plattdeutsch. Von O. Bremer 123 

Hans unter den Soldaten, eine Posse des 17. Jahrhunderts. Von .1. Holte. 130 
Ein Königsberger Gedicht in niederdeutscher Mundart aus d. J. 1670. Von 

L. H. Fischer 141 

Marienmesse. Von .1 o h. L u t h e r 143 

Das Volksmärchen in Pommeni. Von Ulrich Jahn 151 




Das Land zwischen Klbe, Harz und Unstnit ist altthüringischer 
Boden, und noch lange nach dem sechste« Jahrhundert, wo die Sachseu 
sich desselben heniächtigten , zeugte der Name Nordthüringen von 
seioer einstigen Zugehörigkeit zu dem grossen thüringischen Reiche*). 

Während jenes altaJlchsische Gehiet, das sich jenseits des Harzes 
über die Gaue Ostfalens und Engema weithin ausbreitet, im Besitz 
(lesseihen Volksstammcs von Anfang unserer Geschichtskenntnis bis 
auf den heutigen Tag gehliehen ist, wogte eine Völkerwelle nach der 
andern über die nord thüringische Ebene. Völker und Heere kamen 
und zogen fort, aber mit ihnen verbreitete sich die Kunde dessen, 
was an den Ufern der l'nstrut geschehen war, zu Franken und Lango- 
barden, also den Völkern, deren Geschichtschreibung wir die Nach- 
richten über die ältere Geschichte Deutschlands nach der Völker- 
wanderung verdanken. Und die Schlachten und Kämpfe, in welchen 
sich hier die Franken, Sachsen und Thüringer gegenüberstanden, 
wurden Gegenstand der Heldensage, welche durch Jahrhunderte ihre 
Erinnerung bewahrte und den ältesten Chronisten der Sachsen überlieferte. 

So ist es gekommen, dass die Nachrichten für die Geschichte 
Nordthüringens in vorchristlicher Zeit, so spärlich sie auch immerhin 
sind, reichlicher fliessen als für das übrige Norddeutst^hland ins- 
gosammt. Die Geschichte des kleinen nord thüringischen oder wie man 
später sagte, ostsächsiacben Gebietes, das sich vor der Ottonischen 
Zeit weder durch machtvolle Stellung noch durch Heldenthaten ein- 
heimischer Fürsten über die benachbarten Länder erhob, erhalt so 
eine erhöhte Bedeutung, indem sie num Mittelpunkt der altsachsischen 
Geschichte, ja der des gesamniten Norddeutschlands für die Jahr- 
hunderte wird, welche zwisclien den Römerkriegen und der Einführung 
des Christenthums liegen. 

Noch eine zweite Quelle (liesst der Geschichte dieses Landes, 
die kaum benutzt, noch lauge unerschöpft sein wird: Mundart und 

*) V. Ledcbur, Nordthüringeu. Berlin 18G2,S, 30 ff. I) Eis cigestli che Thüringen 
heisst nie Södthüringcn, sondern stets einfach Thüringen. Doch wird im Gegensatz 
zum JJnrdtUürinBgaii der Thnringowe oder Altgnwe in den Urkunden Ludwigs v. 
25. Jon. äT7 und Ottos I. v. 4. Mai 947 und 21, A|ir. 956 Pagiia Suththuringa ge- 
nannt. Der Name Ostthüringer, Widsidh v. StS, ist auf das Gehiet üDtlich der Elbe, 
welches im G. Jnhrh. xnni thüringischen Reiche gehOrt hat, üu be:eiehen. Die v. 30 
erwähnten Thüringer sind dagegen die eigentlichen südlich der Unstrut wohnenden, 
nicht die nicderrh einlachen hereits i. J. 491 von den Kranken unterworfenen Thüringer. 



Ortsnamen. Das Slarentum, welcliea jenseits der Elbe, alles deutsche 
Wesen vernichtend, Sprache und Namen hin weggeschwemmt hat, stieas 
in Nordthüiingen auf den Volksstamm, weiehem bestimmt war, dem 
Deutschtum das an die Slaven verlorene tlebict dereinst siegreich 
zurückzugewinnen. Zahheiche Slaven durften auf das linke Ufer der 
Elbe übersiedeln, aber eine herrschende Stellung, welche die deutsche 
Sprache und die deutsclieu Ortsbezeichnungen gefährdete, tiat das 
Slaventuin nur in einem Teile der Altmark und dem benachbai-ten 
Drawen errungen, aber auch hier war seine Hei isihaft entweder nicht 
uusHcbliesslich oder nicht dauernd gemiR. iiiil ilii' ^illni Ortsnamen der 
deutschen Bevölkerung der Vergessenheit iuiluMizi thllcn zu lassen. 

Wir werden später sehen, wie in mundjirtliclien Kigeutümlich- 
keiten die Herkunft der iu Nordthiiringen oder Ostsa^^^bseu siedelnden 
Volksstämme sich noch nach einem Jahrtausend verrät, und wie die 
Namen, mit welchen sie ihre Niederlassungen benannten, zum vollen 
Beweise einer Mite» Volkswandeniii;; werilcii, deren Kunde keine (Ic- 
schicbte, keine Sage der späteren Zeit, liewabrt hat. 

Einer ßeibe von l'ntersnrliiiiit;eii. wcirhc bestimmt sind, mittel- 
bar oder unmittelbar y.m- Ki't'urMliurij; der älteren rieschiebte des 
sächsischen Stamnu's und seiner Siirucln' l)ei;^utraj;eii, wird es gut 
sein einen Überblick ülier dir liesieilelmiH des Litndes, welches zu- 
nächst in den Mitti^lpunkt di-r Fnrsi'bnng treten nmss, viiraiii^ufichicken. 
Die in demselben vorgetragenen neuen Ansichten werden iu den nacb- 
fnlgendeii und einer zweiten Folge von Abbandluugeu ihre liegriin- 
dung finden. 



Die ältesten Bewohner des nordthüringischen Gebietes, welche 
nns genatrat werden, wai'en suebiscbe Angeln, stammverwandt und 
vielleicht im hieratischen Bunde vereinigt den Semnouen in der Mark 
Brandenburg, ohne jede Verwandscliaft dagegen mit den ihnen gleich 
benannten Angeln in Schleswig. 

Im zweiten Jahrhundert tiind der grosse Suebenauszug aus Nord- 
deutschland statt. Die Semnonen und die ihnen verbündeten und b&- 
nachbarten suebischen Stämme geben ihre Sitze in Norddeutschlaud 
auf, welche sie mindestens zweihundert Jahre innegehabt hatten. 
Bekannt ist, dass sie unter dem Namen Schwaben und Alemannen 
im Beginn des dritten Jahrliunderts in Süddeutschland wieder auftauchen. 

Die Zeit, in welche der Aiifl)rucb der semnonischen Sueben fiel, 
lässt sich genauer bestimmen. Aus einem der Fragmente des Dio 
CaasiuB*) erfahren wir, daas i. J. 174/.i die in Oberungani ange- 



•) Dio Casaius, Epitome lih. LXXI c. 20 wTre xaX t^ü? KouxSou; (/.-A, 
y^povTK? Tiäv 'EjtiTEi/_iiT[idv [tETavcwTÜvai TKtvSr.fii ;tpöc Seavivot; '£;n;(Eip-üoai. 
i Se '.\vT<i)vtvgi TtpofiaQwv tTiV StsevoiKv ayröv, -ri; ^löSo'j; ino^pi^«; 
^xüXu^Ev. oÜtw? oü täv yiipxv scJTöiv tipo^xv/ioaiÖai, ilJi tou; ivöpwTTOu; 
Tv^j.btp-f.'nt^Tii iireöü^Ei. [Vgl. llaiimaim, Foracli. z. d. Gesch. IG, 223, dar bereits 
in fsst gleicher Bcgrlindung die Wandcniag ilcr Sueben um ITä setzt. Wegen dea 




äHitHiMicii Quaden infiilge der lieliistigungen, welche sie von der in ihr 
Gebiet gelegten römisclieii HeRiit/.iiiig erh-agen mussten, den Beschluss 
faasten, ihr Gebiet /.a verlassen und zu den Semnonen zu ziehen, der 
römische Kniser Marc Aurel aber ihren Abzug verbindert habe. Der 
BcMchluäx der Quaden hatte nur Sinn, wenn sie sich den zunächst in 
das »urniatisehe Tießitnd wandernden Seumonen als KampfgenoBsen 
aoschliessen oder, was weniger wahrscheinlich ist, deren verlassene 
Sitze zwischen Oder und Klbe einnehmen wollten. Denn dass die 
Quaden gegen die miuhtigeu Semnonen den Kampf aufnehmen wollten, 
ißt eheuso undenkbar, als dass sie ei-warten durften in einer Zeit, wo 
die Semnonen sclbtit neuov Äcker bedurften, freiwillig ni deren Gebiet 
aufgenommen zu werden. Wenn ferner Marc Aurel den Abzug der 
Quaden durch Besetzung der I'äxse verhinderte, so erklärt sich diese 
Mas8r«gel glaublicher aus der Besorgnis, dass die (juaden die Sem- 
nonen besliiumeu würden, mit ihnen vereinigt die Römer anzugreifen, 
als aus der Absicht, die Quaden zu strafen. 

Der Suebeuiiuwzug entvölkerte das nordöstliche Deutschland vom 
Harz bis zur Havel. Zwar liegt kein (iniud vor anzunehmen, dass 
die Semnonen und die übrigen Sueben bis auf den letzten Mann zu 
Marc Aureis Zeiten ihre norddeutsche Heimat verlassen haben, um 
gl^ch Goten, Burgunden und Viindalcn in Pannonicn und im Sarmaten- 
lajidc neue Sitze zu erobern, vielmehr wird sich zunächst nur ein Teil 
der Bevölkerung, vielleicht wie bei den Auswanderungen anderer Völker 
ein Drittel, auf die abcntcucrÜLhc Wanderung nach den verlockenden 
Gefilden des Süilens oint^eliisson haben. Aber wie es bei anderen 
Wandern iiijon iücmt Art geschah, mag es auch hier gewesen sein. 
.\iisgcwaTiilciti- iitid daheim gebliebene luiterhulten durch Hin- und 
HtTziiglcr Bi'zii!iiiiij:cn zu einander. Je besseres von den Schicksalen 
der orsleni in der Heimat verlautet, um so mehr ziehen ihnen aus 
dieser zu, und steht eine aussichtsvollc Eroberung bevor, dann kommt 
wohl fant das ganze Volk na^'h, um Kampf und Beute zu teilen. Die 
Kroberung des südwestlichen Deutschlands mag so durch die Gesammt- 
heit der semnonischen Sueben bewirkt sein. 

JedesfallR verscbwimiet der Name der Semnonen und Sueben 
fortan ans der (iescbiclitc des rechtsolhischen Landes, und die Reste 
der alten Bevölkerung, welche zurückgeblieben sind, gehen auf in die 
Volksstämme, welche später das Land in Besitz nehmen. Nur im 
äassersteii Nordwesten des alten auehischen Gebietes, in Schleswig-Holstein, 
erhielt sich der Sueboimame bei einem Völkchen, das neben Sachsen 
und Angeln seine Sitze bis zur Zeit der Meroringer festhält, den soge- 
nannten Nordscliwaben, wie sie von den fränkischen Geschichtschrcibern 
zum .Unterschied von den suddeutschen Schwaben genannt werden. 

Über das von den Sueben verlassene Gebiet ergoss sich eine 
Völkerwelle, welche von Jütland, den dänischen Inseln und Schonen 



kam. Ea waren Warnen und Heruler. Ausserdem drangen wahr- 
scheinlich von Osten die Rügen, welche vordem jenseits der Oder dii' 
Küste innegehabt hatten, vor und lireiteten sich bis* zu der Insel aus, 
welche noch heute üiren Namen trügt*). 

Während die Kugen am Unterhiute der ilder und die Heruler 
als ihre Naclibaren in dem alten Seniiionenlande Sit/t^ fanden, «iedelten 
sich die Warnen in Meklenburg und neben doli Reste» der links- 
elbischen Angeln in dem Gebiete an, weli:hes /wischen der Elbe, dem 
Harze und dem Thüringer Walde liegt. 

Die Siedeiungen der Warneu sind nachweisbar an der ihnen und 
den Hemlern eigontiiniUciien, bei den Angeln aber durchaus unge- 
bräuchlichen Ortsnamenendung , welidie jetzt -leben lautet. Diese 
Endung bezeichnet die Hinterlassenschaft, das P>be an Grund und 
Boden. Sie bezeugt, dass die warnischen Ansiedler das Recht des 
Sondereigentnma an Orund und Boden kannten und in ihre neuen 
Sitze, wo seither der Acker als tiemeindeeigentum gegolten hdtte, 
einführten. 

Über die Schicksale der norddeutschen Warnen- und Heruler- 
reiche .sind die mittelalterhchen Schriftsteller nicht unterriditet. Die 
Selbständigkeit dieser Reiche kann jedoch nur längstens bis zum 
fünften Jahrhundert gewährt haben. Im Beginn des folgenden Jahr- 
hunderts bilden sie bereits Teile des thüringischen Reiches, bo dum 
die drei Söhne des thünngisclien Königs Bisinus. nämlich Baderich, " 
Herminafrid und Herthachar, sich als Könige der Hcniier, Wameo 
und Thüringer in den Besitx des (Jesammtveiches teilen. 

Warnen und Heruler gehörten dem thüringischen Reiche bis zu 
1 Zusammenstürze i. J. .531 an. Mit Hilfe eines Sachsenheeres 
^ in diesem Jahre der fränkische Ki'mig Theoderich, der Hug- 
dietrich der Heldensage, dessen Name sich in dem alten thüringischen 
Ortsnamen Huüchtiicheshus**} wiederzufinden scheint, den letzten König 
der Thüringer Herminafrid. Als Lohn erhielten die Sachsen, wie aus- 
bedungen war, unter fränkischer Oberhoheit das Land nördlich der 
Unstrut. Die bisherigen Bewohner, die Warneu unil Angeln, hatten 
die Wahl, einen Teil ihres bisherigen Bodens als Halbfreie gegen 

*) Nsrh Ptolemaeiis II, cap. 11 § 7. 12 wolioea zwischen Oder inid Weichset 
die Por>Tix>Eioi und es belindet sich \d ihrem Gebiete der Ort pijii^-iov. Zeaat 
und Mfillenhnif wollen statt jenes Namens 'l'o'jpxfteioi "Tnreilinp' lesen. Die un- 
endlich häufige Verwechslung von T nnd P von Seiten der Abschreiber und Tadtua 
Germ, c 43, wonach neben den Gnthoncn am Ocean die Rugii wohnen, maeben 
fast zweifellos, dass, wie C. Müller vorai^hlAgt, \*oijfi/.y.siai zu lesen tat. E* lei 
hier zugleich Gelegenheit zii der Bemerkung genommen, dass Ptolemaeus stets in 
der Mdllerschen Ausgabe (Paris 1S63) benutzt ist. In allen Qbrlgen, auch der von 
Wilbcrg llBH» (f.) nnd MiÜIeuhoff (Anhang zu Tacitu» Germania, Berlin 1673, neuer 
Abdruck 1ä83) ist der kritische Apparat ungenau und es fehlt die Kenntnis der 
wichtigsten Handschrift, des cod. Vatic. 191. 

•*) Dipl. Ottos I n. 96. 97 (v. .T. 943) HuochtrickeskMi. in einer zweiten 
Ausfertigung Houclrichegkug Der Ort ThMtriehcxhun (Dieters hausen) ist dagegen 
eine Gründung aus dem .Anfang des 9. .Tahrh. 



J 



Zahlung eine« Tributefi weiter zu bebauen oder duB Land zu verlassen. 
Dil» k-tütori; Torzitliend, scheint ein grosser Teil ausgewandert zu eein 
und in den damals nouli unbewohnten Wald liegenden Htidliuh der 
Unstrut und an den Abhängen des Thüringer Wuldc» Land Kur Aus- 
rodung und als IfeMitz erhalt**!! ku habe«. Dmih sie und ihre Nairb- 
koinmen wurde der spStere (iau EnRÜiii und der Wemgau am Main, 
sowie eine An/ahl Orte in dem ThüriiifjeiwaJdi', Aufilt-nhuaen, Anglen- 
dorf, Anglemt u, ii. bevölkert, (ilcicli dein iiurdtbiiriiigischen Gebiet 
kam diis gesiimmte Land rechts der Klbi' in den liewitz des fränkiMchen 
Reiches, es erreichte dadurch die weiteste Ausdehnung nach Norden 
und Osten, die es je gehabt bat. 

Es sollte nicht allzulange den Rulini haben, Nord- und Ostaee 
als Grenzen seines Gebietes betrachten zu dürfen. Alboin, der Herzog 
der Langobarden, bereitete sich vor seine Sitze in Pannonien zu ver- 
lassen und rüstete zur Eroberung Italiens. Die Aufgabe, dieses Land 
dem oströniischen Reiche zu entreissen, konnte sein an Zahl audeni 
Stämmen nachstehendes Volk nur mit dem Beistand fremder Stammes- 
genossen zu eiTeichen hoffen. Zu den Sachsen, seinen alten Freunden, 
xa den hidsteinistdien Myrgingon, deren König seine Schwester gefreit 
hat, überall hin, wo er Zuzug erhoffen kann, tragen Boten und Spiel- 
leute die Kunde seiner Absicht und das verlockende Angebot, Teü zu 
haben an der in Italien winkenden Beute. 

Albnins Ruf und der von Osten drohende Angriff der Slaven 
entvölkern zum grossen Teil das Land zwischen Klbe und Ostsee. 
Vieler Tausende seiner Bewohner und seiner Verteidiger beraubt, wird 
es leicht die Beute der Slaven, die bereits um's Jahr 518 die Oder 
erreicht hatten. Zwei ilirer Zweige konnten vorrücken, im Süden die 
Sorben, im Norden lechische Slaven. Während jene um 57(1 Schlesien 
bereits io Besitz zu haben scheinen, aber erst im siebenten Jahrb. 
an die Elbe gelangen, dringen jene, als Alboin ItaHen erobert, unauf- 
gebalten bis zur Trave vnr. 

Auch die süchsischeu Eroberer Nordthüringens haben nicht lange 
Ruhe in den gewonnenen Sitzen. Im Bunde mit ihren siidthüringischen 
Nachbaren erhelien sie sich in d. J. 555 — 557, um die fränkische 
Herrschaft almuschütteln. Zwei oder drei blutige Keidzüge der Franken 
sind die Folge, die diesen schwere Opfer, den Sachsen keinen dauern- 
den Erfolg zu Teil werden lassen. Anderseits ergreift sie bei Alboins 
Ruf der Drang nach dem Süden, seinen gesegneten Gefilden und 
Wunschstädten, und zwanzig Tausend verlassen mit Weib und Kind 
i. J. 5G8 ihe neue Heimat, um sich Alboin anzuschliessen. Ihren 
Wunsch nach Ackern in ilcn Fluren Italiens sehen sie erfüllt, aber 
ie nach 1 an go bardischem Rechte 
ollen sie nicht hissen, schnell ent- 
wieder ihre Wagen, um nach Nord- 



man verlangt von ihnen, dass 
leben. Von ihrem Stammesrechte 
acbioHsen laden und bespannen si 
thüringen heimzukehren*). 



*) Paulus Diftcunus in u. 6 Certum est autem, hoa Saxonea ideo ad Itaüun 
I uxoribus et parvolig advenisae, ut in ea liabitarc deberent. sed quantum datur 



Die von ilinen ^erlasspnen Sit/e /wischen Unstnit und Botle 
liattDU m-twisthpn im Eiineihtamlms mit <lciii friiiiki scheu Kcimgc 
Schwaben und andere \ illv-st muii in Be'iit/ genommen. Die neuen 
Ansiedler bieten den li iii[l,i In u 1 i Sulisen, die sich anschicken, ihi" 
altes Gebiet mit Gen ill /u inhin u und die Eindringlinge zu ver- 
nichten freiwilhg erst an Diittil d mn die Hillte dann zwei Dritt«! 
alles Bodeni und ?ulet/t muh d»^ gesammte \ieh wenn sie friedlich 
mit ibiieii teilen und /usammen wnlinen wollten Da, wie e« beisst, 
die zurückkehrenden Sachsen suh auth dnniit nicht hepiiigen, kommt 
es zu zwei mordenachen fechlathten in denen sie unterliegen. Von 
sechsundzwanzigtdUheud Sachsen seien in der ersten Schlacht, berichtet 
Gregor ^ou Tours, /wanzigtausend, von sechstausend Schwaben aber 
nur vierhundertundat,ht?ig gefallen*) 

Welchen Yolksst inimen die Siegei, die vitrteii Besiedler Nord- 
tbüringeiis ungchoien, 'sagen uns die alten daunanien. Jenes Flüsachen, 
das bei Quedlinburg loiubeifliesst, die Bode, bildet in ihrem weiteren 
Laufe (be Nordgrenze des Schwahengaues, der bis zur Wipper reicht. 
In ihm liegt die Stadt Aschersleben, Weiter südlich folgen zwischen 
Wipper und Uustrut zwei sich neben einander hin erstreckende Gaue, 
westlich das Friesenfeld mit der Stadt Sangershausen, östlich, am 
Unterlaufe der Saale, der Hassegau mit den Städten Meraeburg und 
Eislehen. Es waren also Schwaben, Friesen und Hassen. Die letzteren i 
hat man im- Hessen erklärt. Aber nicht von der Werra und Fulda, 
sondern vom Gestade der Niedeielbe und der Nordsee sind die Hassi- 
gauer herheigewandert, und mit ihufn ihre Nachbiini, die Friesen und 
die Schwaben. 

Mit diesen drei Einwanderungen, erstens der Warnen, zweitens 
ostfölischer und nordelhischer Sachsen, drittens der Hassen, Friesen 
und Nordschwahen ist die Besiedlung Nordthüringcns, wenn man von 
den im 7. — 9. Jahrb. liier sesshaft gewordenen Slaven absieht, im 
wesentlichen abgeschlossen. Vereinzelte Zuzüge niederländischer ii, a. 
Einwanderer beeinflussten im allgemeinen die Volksmisehung so wenig 
als die Sprache, welche, entsprechend den Bestandteilen der Bevöl- 
kerung, starke friesische oder vielmehr nordelhische Eigentümlichkeiten 
urspriinglicb gezeigt und sich dadurch von der engrisch-ostfälischen 
Mundart imterschieden hat. Da die Angeln, Sachsen und Friesen, 
welche England eroberten, gleichfalls aus dem nordelbischen Lande 
gekommen waren, erklärt es sich leicht, dass die alte Mundart ge- 
wisser nordthüringischer Gaue in manchen Eigentümlichkeiten dem 

intellegi, nolucrunt Litugnbardonim imperii» subiacere-, scd ncqiie eis a Laujcobardis 
pcrmissum est in pruprio iure subsistere, idao<[ue aestitnantiir ad eiiam giutrium 
repodasse. — Vergl. Edictiim Rotbaris (MG. Leg. IV, 85) c. 367 ümaes waregaug, 
qui de exteras fines iii regni nostri linilius advenerint, aeque auli sciito poteslatis 
nnxtrae subdcderiut, legibiiB nn^tris Iituigobardoruin vivere debeaal, nisi si aliain 
legem ad pietatcm nüstram mcriierint, 

*) Gregor V c. 15 und hieraus Ubeniommcti Ilist. epit. c. 7üi Paulus Di&- 
.-oiiiis TII c. 7. 



alteiiglisrbL-n uml dem imbt' verwiiiifltfn alllriesischen niiticr staud als 
dem o«t- und wpstfiiliachi'ii. 

Das Cliristt'iithura liatti' licmts in diis hIU- thüringische Herrscher- 
liRUs Kinganji goliinden, und ilii' MprovingL-r wi^ die Vorfahren Karls 
des Grossen wj.r('iL seiiii' miifhti.sen FiirdL'ri'r. So war sdion l'riih die 
Möglichkeit B^hoten, diins in lliüi'ingen und Nord th «ringen einzelne 
Bekeliningen stattfanden, und (iie Predigt des BonifatiuH und seiner 
Nachfolger mag ihre Zahl gemehrt haben. Aber im allgemeinen zwang 
den Sachsen erst das Schwert Karls A. ür. die Taufe und den ge- 
liassteu Kirchenzehnten auf. Auf die Verehrung der alten Götter und 
riie Betdnichtung heidnischer Gebräuche wnrden die härtesten Strafen 
gesetzt. In Westfalen schworen die Katechumenen. welche an das 
Taufbecken herantraten, den Teufel, siviu gHp anda sinan mllon ab. 
An der (irenze Nordthürinpens war es, wo man allum dioholes uuercum 
and uuordum Thuner ende Uuoderi ende Saxnote ende allum tkem «n- 
kotdum the hira genotas sint aufsagte. Kiese Worte gehören üu den 
ältesten Resten zusammenhängender Rede in altsÜchsischer Sprache, 
und itu« Nordthüringen, dem Lande, das »[liiti-r die Wiege der mittel- 
oiederdeutsehen Litteratur wurde, reiht sich ihnen kein zweiter an. 
Nur Namen und einzelne Worte belehren uns über die hiw vom 
9. — VI. Jahrhundert gesprochenen Mundarten. 



Die Ortsnamenendung -leben. 

Von den Endungen der (Ortsnamen seheint keine durch die Fol- 
gerungen, die sich im ihre Verbreitung knüpfen, für die älteste Ge- 
schichte Nord- und Mitteldeutschlands wertvoUei-, als jene Endung 
-Ic&en, die dem von Osten her dem Harze zueilenden Reisenden, sobald 
er die Elbe überschritten bat, in der fruchtbaren Ebene allenthalben 
entgegentritt. Harz, Ocker und Ise, die alte Scheide zwischen Sachsen 
and Thüi-ingeru, sind zugleich die Grenze des Gebietes, in welchem 
sich die mit der Endung -leben gebildeten Ortsnamen finden. Dies- 
seits Ise, Ocker und Harz bis zur Elbe und Saale, der ehemaligen 
Grenze slavischen Landes, meist dicht gedrängt neben einander, hun- 
derte dieser Namen. Jenseits im alten Sachaengebiete kein einziger. 

Ein zweites Verbreitungsgebiet dieser Endung bietet Dänemark 
innerhalb seiner ehemaligen Grenzen. Auch hier wird sich zeigen, 
dass die Endung, in dänischer Form lef oder löf lautend, an das 
Gebiet bestimmter alter Vtdksatämme gebunden ist und deren Sitze 
nicht überschreitet. 

Es ist das Verdienst Cassels*), zuerst auf die Wichtigkeit dieser 
Ortsnamen für die Geschichte der Besiedelung Nordthüiüngens hin- 



gewiesen zu haben. In seiner AbliaDtlliuig über die Uiuringi seilen 
OrtKnamcn ütelltc l'I- auf Gruud einer Simimlang der neuen und alten 
Nameneformen den Umfang des südlieben Verbreitungsgebietes fest 
und legte dar, freilich ohne genauere Begrenzung, dass ein zweiti« 
eich in Schleswig und Dänemark finde. Er spracti die Folgerung au«, 
daSB ein schleswig-jütisiiher Vulksstamm, die Angeln, nach Thüringen 
gewandert und auf ihn die Ortsnamenendung zurückzuführen sei. 

Cassels Abhandlung, welche Fürstemann die beste Monograplüe 
nannte, die wir über eine einzelne Namenklasse besitzen, verdiente 
dieses Lob. Er hat mit grossem Fleisse sorgfältig gesammelt, er 
verlor sich nicht in der Fülle des Materialett tmd in unfiuclitbaren 
Etymologien, sondern hielt den Blick auf höhere Ziele j^eriihtet, er 
betrat die richtige Methode der Untersuchung, ohne sie freilich bis 
zu Ende durchzuführen. Wenn die Ergebnisse, zu denen er gelangte, 
falsch sind, so liegt einerseits die Schuld daran, dass er dem nörd- 
lichen Verbreitungsgebiete der Namen, vielleicht aus Mangel an Hilfo- 
mitteln, so gut wie gar keine Aufmerksamkeit zuwandte, ander^eita, 
weil er irrige damals verbreitete Ansichten über die Sitze der idten 
Volksstämme ungeprüft übernahm und somit auf falsche Voraus- 
setzungen baute. 

Seine Arbeit hat alle frülieren Versuche, die Endung zu erklären, 
verdienter Vergessenheit übergeben. Aber man ist auch später nicht 
über sie hinweggekommen, so oft auch die Endung von uTidem selb- 
ständig oder gelegentlich hebandelt wurde. Angesichts des grossen 
Fleisses und der Sorgfalt, mit welcher Cassel aus den Urkunden 
Thüringens und den heutigen Ortsnamen seine Belege gesammelt und 
verarbeitet hat, trat niemand an die vermeintlich undankbare Aufgabe, 
das Material neu durchzuarbeiten und zu ergänzen uder Cassels Vor- 
aussetzungen und Aufstellungen gründlich zu prüfen. Geftirdert hat 
nur Förstemann, insofern als er die Belege des 8.— 11. Jahrb. neu 
zusammenstellte, eine bessere «prachliche Deutung als Cassel gab und 
neben den Angeln auch den Warnen die Endung zuschrieb, Arnold 
hat wohl die Kenntnis der Bedeutung, welche die Endung für die 
ältere Geschichte hat, durch seine Schritten ui weitereu Kreisen ver- 
breitet, doch zeigt die Belehrung, die er über die räumliche Ver^ 
brcttung der Endung giebt, das» ihm selbst eine richtige und klare 
Vorstellung dieser Verbreitung gefehlt bat*). 

Die sprachliche Deutung der Endung leben, welche in älterer 
Sprache leiba, leva, leve, altengliscb law, Iww lautet, wird uns später 
beschäftigen. Wiclitiger als das etymologische, ist das historisch- 
ethnographische Interesse, welches sich an die Ortsnamen mit dieser 
Endung knüpft. 

*) Förstemann, Altdeutsches Nameiibui'li II. 2. AiiH. Sp. »HSff.; ders. 
Die deutsclien OrtsDUnen (1863) 283 ff.: W. Arnold, Deutsche Urzeit S. l(i&; 

jcrs. Ütudicii mir (leiitstheii Cultiirgestliichtc S. 4ö ff. 




Nur ein einziges hiatorischea Zeugnis ist mir bekannt, welches 
Auskunft giebt, v'iv alt irgend einer dieser Orte sei. Es findet sich 
Ihti Sasii Giammatit'us*). Kin Stadtiiame, s^gt derselbe, — er denkt 
an Hatliei-esleve, Leute HaderBleben — erinnere an den Tod des 
Hatlier, einex aM^n Helden, der im Kampfe gegen Harald Hildetund 
daselbst gefallen nei, Saxo's Nachiinliteu haben jedoch nur beschränkten 
liistorischen Wert, Seine Angabe**), dass Hannover, ein Wort, das 
'hohen Ufer, in alta ripa' bedeutet, Ursprung und Benennung dem 
alten Recken Hanef verdanke, neigt nur Genüge, wie wenig auf seine 
etymulogisirenden Sagen zu geben ist. 

Die noi-dthüringtst'he Endung -leben reicht iu eine Zeit zurüuk, 
welche weit vor Harald Hildetand, den man in das 6. — 7. Jahrhundert 
Tersetzt, liegen muss. Auf die Sachsen, welche 531 Nordthüringen 
in Besitz nahmen, können die Namen nicht zurückgeführt werden, 
echou deshalb nicht, weil das Verbreitungsgebiet derselben nach Süden 
weit über die Unstrut und somit über die vou ihnen eingenommenen 
Sitze hin überreicht. Ansiedelungen von Völkern, welche nach den 
Sachsen in diese (Jegenden gektimmen sind, können jene Ortsnamen 
auch nicht verbreitet haben, da sjiater keine Einwandemngeu statt- 
fanden, welche sich über das ganze Gebiet erstreckten. Es lileibt 
somit nur die sich auch aus anderen Gründen ergebende Annahme, 
dasa jene Ortsnamen ihren Ursprung Volksstämmen verdanken, die 
vor dem fi. Jahrb. ihre Sitze in jenem thüringischen Gebiete hatten. 

Für das hohe Alter dieser Oi-te spricht auch, dass dieselben, 
das Gebirge und die Sümpfe meidend, an den für den Ackerbau best 
gelegeneu Stellen haften. Die Familien des Volksstammes, welclie jene 
Orte gegründet haben, hatten also noch die Möglichkeit, fiir ihre 
Ausiedlujigen gutes, unbebautes Land in der Ebene vorzufinden. 

Mit der Annahme, dass die Ortsnamen auf -leben über das J. 531 
hinaufreichen, steht nicht in Widerspruch, dass eine Anzahl derselben 
jüngeren Ursprunges sein kann. Die alte Bevölkerung, welche diese 
Eadong liebte, muss wenigstens /.um Teil, wenn auch ihrer Äcker nach 
altem Brauch zu einem oder zwei Drittel beraubt oder zu Abgaben 
und Diensten verpflichtet, auch nach der sächsischen Eroberung ver- 
blieben sein. Und auch die Macht (1er Analogie hat nachweisbar 
dazu gefiihi-t, dass einzelne Orte an Stelle auderer, minder häufiger 
Endungen die Endung -leben annahmen. 

Die Ortsnamen auf -leben sollen, so ist die verbreitete Annahme, 
auf Angeln und Warnen zurückgehen, und besonders und vorzugsweise 
sollen die erstgenannten die Urheber dieser Endung »ein. Dass gerade 
Angeln die Urheber gewesen seien, muss entschieden in Abrede ge- 
stellt werden. 
I Worauf gründet sich überhaupt die überall nach gesprochene 

*) Ilistoria HanoTuin ed. Müller p. 362 (Harald) iiide Hatherum apud Jutiam 
oppuKuatam exsHnxit, miiiH ortasum perpeB nppidi vnrahulum indtoat. 

") ib. 2tW Quem (Hauef) Froflin traiectis per Albiam copiia apud vicura 
Honüfra taliter alt eo Diiüciipatiini uctidit. 



Annalmie, dass tlio Eudung anglisc^hen Ursprunges seiV Cassel sotztf. 
voruus, (las» jvne» TKinlsi^hli-swigschi' (iel)k't. wo sith gleichfalls die 
I'hidung findet, iiiti'« Angehiluiid sei. Diese ViiniiiBsetKung, wclelie 
Hucli S|niiner in der ersten AiiHage seinen liistoriHeheii Atlus teilti;, 
lierulit weder auf irgend einer alten Nnehricht noeh ist sie ulierhauiit 
hüweisbar, vieliuphr hat dcirt ein iindereH Vnlk gewohnt, von dem 
81>iiter die Rede sein wird. Und wo wirklich die Angeln in Schleswig 
unzweifelhaft angesessen gewesen sind, in der Landnehaft Angeln 
zwischen Sehlei nud Flenslmrger Forde, dn hietet auch nicht ein ein- 
ziger Ortsname die vermeintlich anglisehe Endung. Diese beginnt 
vielmehr genau da, wo die Landschaft Angeln aufliürt. Die Südseite 
der Förde ist noch auglisch, Jin der Nordseite findet sich bereits die 
OrtHchaft Wasserlehen. 

Wenn der füi- den anglischen Ursiining geltend gemachte Gmnd 
niclitig ist, so spricht dagegen ein um so gewichtiger. 

Wo auch immer die Endung sich findet, da tritt sie, abgesehen 
von wenigen Aiisnahmen, die sich besonders erklären, sehr üahlreich 
auf. Sind die Angeln ihre Urheber gewesen, so niÜBsle sie sieh in 
den von ihnen im l>. .lahrh. besiedelten englischen Provinzen beson- 
ders häufig finden. 

Es hat Uassel nicht übersehen können, dass der Nachweis dieser 
Endung in England wichtig und zur Bestätigung seiner Hypothese 
des anglischen Ursprunges nötig sei. Er hat sich vergeblich darnach 
umgesehen. Worsaae*), sagt er, der die langdauernde bleibende 
Niederlassung und Herrschaft der Dänen und Normannei' in England 
namentlich aus Ortsnamenendungen beweisen will, der es wagt, den 
grÖsBten Teil der skandinavischen Ortsiuinien in England als dänische, 
andere als norwegische zu bestimmen, indem er den Gebrauch der- 
selben Endung in Alt-England und in Dünemark und Noi-wegen nach- 
weist, der (i()4 Namen auf hy, 284 Namen auf thorpe, 83 auf thwaite, 
24 auf with, 16 auf toft, üi auf näs, 142 auf dale, i)5 auf feil usw. 
zählt, hat nicht ein einziges Beispiel dieser Endung in Englttiid ge- 
funden, obschon sie in Dänemark so häufig ist, sodass sie eigentlich 
die einzige von sämmtüchen Endungen Schleswigs mid Jiitlands von 
Bedeutung ist, welche keine Analogie in England itntrifft- 

Cassel findet sich gegen diese Thatsache mit der vieldeutigen 
Bemerkung ab 'welche SirliliisHe daraus gezogen werden könne», aus- 
zusprechen, sei hier in Kürze nicht gewagt". Der einzige mögliche 
Sühluss aus den beiden Tliatsachen, dass weder im anglischen Stamm- 
lande noch in dem von den Angeln eroberten Gebiete in Gross- 
brittunien die Endung gefunden wird, kann ofTenbar nur sein, dass 
die Endung mit Unrecht den Angeln beigelegt ist. 

Der Untersuchung, welchem Volke die mit der Endung -leben 
gebildeten Ortsnamen zuzuschreiben sind, musa eine Übersicht über 

*) Worsuae, Die Düueii uud Nordmümier iti England. tJ. 50. 



(las Verbreitungsgebiet tIer9eH)eii voraiifgehen. Dieüelhe ist um so 
mehr gehottm. weil selbst Cassei sich hcgiiiigt hut, aus dem nörd- 
lichen mir einige sthlesAvigsche Ortsnamen annuliibren. 

!n dem alten DstFalen sanimt dem Itiirdenlunde, in Kngern, West- 
falen, Osttriosland und den Niederlfluden kommt aucli nieht ein ein- 
zi{j;cr Ort mit (IIcmt Kiidinig vnr, so nahe diesolhe ivueh mit den Orten 
Wet/Iebeii, l'.iiiisiflii'ti, Lan^teleben u. a, der Ocker, ihrer Ostgrenze. 
und mit .Malsldioi ti. a. dem ISaifiengau nahetritt. Das einzige Bei- 
spiel eines altniichsisehen Ortsnamens dieser Endung, weiehes mir be- 
gegnet ist, schien das nach Tert/ an der Weser gelegene Hoekeleve*) 
xa sein. Es benihte, wie sich zeigte, dieser Name unfeiner Verlesung, 
die richtige Fnrm ist Hockeine, Das eiunige Beispiel seines Vor- 
kODUuens im Bardcnhmde würde ein Ort Langelave sein, welchen 
Hammers teins Karte des IJardengauea bietet**). Aber auch liier liegt 
wohl ein Irrtum vor. Die Identität dieses in den Corveyer Traditionen 
§ 117 genannten Ortc-^ mit ilem Dorfe Langlingen im Goh Ehbekestorpe 
ist eine wenip; wiiiiisiUriiilicln' Annahme***). 

In dem siidiiilirii W-rlirritungsgebiett', das nach Westen, Korden 
nnd Osten bis zur alten Ijrenze Ostfalens wie des Bardengaues und 
2ttr Elbe reicht, im Süden sich dem Main nähert, tindet sich di<' 
Endung mehr als 1290 mal, wobei der Zählung eine grosse An/uhl 
Wüstungen entgangen sein mögen. 

Nördlich einer Linie von Braunschweig zm- Mündung der Ohi-e 
finden sich in den Gauen Drewani, üsterwalde, Belesem und dem 
DarUnggaue mit Äusnalune seines südlichsten Teiles die Namen : Gor- 
leben, Marieben, Zargleben, Malslebeu, Bockleben, Tripplebeu, Kitz- 
lehen, Thieleve, Rathsleben, Rittleben, Jeggeleben, Erxleben, Wals- 
Icbcn, Altmefslebeu, Trippigleben, Gardelegen, Grobleben, Fiüleisleben, 
Grasleben. 

Südlich jeuer Linie ziehen sich «iie Namen in bald breiterem, 
bald schmäleren Streifen südwärts durch die Ebene. Das Ende er- 
reicht dieser Streifen bei Erfurt uiul Gotha, wo die Gegend Gebirgs- 
charukter amiimmt. 

Ji-nseits der Saale bis zur Elbe, also auf früher «laviscbem 
Boden, finden sich nur die beiden Paschleben. 

Südlich des Kammes des Tbiiringerwaldes tinden sieb nach Cassel 
bis zum Main: Dingsleben, Alsleben, Unsleben, Ettieben, Zeutzicben, 
Gunderslehen. 

Das nachfolgende Verzeichnis aller linkselbisuhen Namen giebt 
die Ortslage, um eine möglichst Raum sparende Bezeichnung zu bieten, 
nach den Zwölftelgraden der Breite an, und meist auch, in cursiven 
Lettern, ältere aus den Urkunden geschöpfte Können. Die alphabetische 
Reihenfolge ist gewählt, damit leichter übersehen wird, welche Namen 

*) Mnn. flerm. 1, Kiii nota. VerRl. Ledehur, Beleuchtung einiger Punkte in 
den Feld«(lgeD Karl» d. Qr. (1820) S. Wi. LeihniM filS. 2, 192. Meibom 88. I, G18. 
") ». Hammeratein-Lniten, Der Hardengnu S. 191. 
"*) I.angelavii wird sonst für I-aii-telchen in Braunsrfiweig erlil&rt. Vielleirlit 
liegt derselbe Fall wie bei Moialiageu vor, von dem spätor die ßede Bein wird. 



in den verschiedenen Gel)ietGn wiederkehren. Denn nicht allein, ilass 
die in der heutigen I'rovinü Sachsen verbreitute Endung ebenso liauKg 
in Dilitenmrk ist, sie kehrt hier vielfach in Verhinduiin mit denselhen 
Itestinimungswöi'tern wieder, vergl. Adersleben (alt AUcslevc) und Badrrs' 
leben falt Adeslev), Aislehen und Alslev, Antlerslehen und Anderslöf und 
zalilrcichf andere Namen. Auch für die Etymologie der Namen wii-d 
die Vergleichunn oft iiiit/lii'h si'iri und /. I!. iu Id'trert' des zulet;:t er- 
wälmten OrtMiiauu-Uh h'liifi], d.iss im ersten Wurtteile nicht, wie an- 
genommen ist, der christliche Niiijic Andi'rs (nekUrzt aus Audrwisf, 
Hüiidern altgeruianischcä And- steckt*). 

AderBleben 51, 60, AiUxlcve. BartenBleben (Kl., Gr.) 52, 10. Btr- 

Aherenlebe (»chwerlicb Harslebeu) Tr. lininkitc. 



Bdieben 61. 40. Bennenlece. 
Bendeleben öl, 20. Bendelect. 
BerbUIeben 51. 2ö. 
iierhlikslkhfi Trad, Fuld. 
Billeben 51, lö. Biencteba. 
Bilzingslebeu 51, 15. BithingtftUbcn, 
Binderaleben 50, Ö5. Biltei-aleibcn. 
ßirculei'i (hent« Bergsei bei Osterwieck). 
Biscliteheu 50, 55. Bixrlioffealeybin. 
Biaslebeu (wflsi bei Ei. Gar«). Bits^ 

leite. 
Bockleben 52, ÖO. 
BQseleben 50, 4ö. Boxilebo. 
Bursleben 61, 20. Jhireheslevo. 
Uorsleben (wüatbei Halberstadt), Doreha- 

Ifhm. 
liosstnki-c. (bei Halberstadt). 
Brandsleben 52, ö, 53, 5, 
— „ Alt-, Nen-, 52. Bramleslove, 

Blom}eg!t.ve. 
Brelleben 51, 20. Brella. 
Bninsleben (wUst bei Räpke b. EtJuigt- 

lutter). 
BUsaleben 50, 65. Bitmleba Tr. FnU. 
Buffleben 51. ButUeba. 
2?fitfr(Vft!</ere(Unterfranken)CaaMlS.197. 
Dedeleben Gr., Kl., 62. Dedatilctv. 
Deutleben 51, 35. 
Dingsleben 50, 25, 

*) Das Verzeicbuis beruht auf selbatlindiger i^ammlung, zu der vor ullem die 
Blätter der preusaischen General stabskarte, die Kreiskarten der Provinz Sachaen. 
und Papens Karte dos Kfmigreichs Hannover beniitit wurden. Die urkundlicfaeä 
Formen iind fQr die südthüringisclien Namen CaBsel, Iftr die übri)ieu verleb iedeueo 
Urk linden eamnilungeu auf die OewäJir der Herausgeber eutuommen. Nur in einer' 
Anzahl Fälle ist ahweii'liend von ihnen auf Grund eigener Uut«niuc:hung die 
Identität der alten und ueueu Namen festgestellt. Quellennachweise luid Aus- 
f&hrnngen zu einzelnen Namen sind ans Rücksicht auf den Kaum uuterblieben. 
Wenn die ältere und die neue Fonn der Natneu ganz oder xiemliub gleich war, ist 
jene meist rnit Absicht nicht angemerkt. 



Fuld, 
Alkersleben 60. 50. 
Alseh leben (wilat bei Gotha). 
Alsleben (Gr., Kl.) 51, 55. 

— , 51, 40, Aleslevc Elenleba. 

— , (Unterfranken). 
Altmersleben 53, 40. 
Alvenaleben 52, 10. Aln'nfli:.'<hiv. 

— t (wüst bei Sangershausen). 
Amfritliesleve- (wüat bei Uschersleben). 

CAnh. 
Ammensleben (Gr., Kl.) 52, 10. 
Ampleben 52, 10. 
Anderslebeu 32. Attileeleve. 
Andisleben 51, 5. Ansoldfjtlebo. 
ÄHcberslebea 51, 45. Attrgerenkhc. 
Aseleben 51, 25. AsUhe. 
Aemer»lere (bei Balleuatedt). 
Athensleben 52, 6. Attettcskrc 
Auleben 51, 25. 

Ansleben 52, 5. Aveskro, Oteehve. 
Backleben 61, 10. 
Badeleben 52, 5. 
Badersleben 51, 55. Baäeisletv. 
Ballersleben (wflst bei Quedlinburg;). 

Baleho'eskbe. 
BanBleben 52, 5. DanitUve. 
Barleben 52. 10. 

— , (Bichen-)62,10. StwEftarrffw/ece. 



Dodeleben, Hohen-, Nieder- 52, n. Ihi- 

duUm, Duilritijit. 
Doltilebea Hohen-, Sieden-, 52, 45. 
Domeraleben öä, 5. Donwnrulrix. 
Dreiieben 52, 5. DroipnJf^'o, lyrniv- 

hre. 
Ebeleben 51, 15. 
Brkfiriltaleheti .^1. 
Edersleben 51, 35, EiMchr.^Mm. 
Eilsleben 62, 5. Eylexlctv. 
Eimeraleben 52, 10. Eiiurtilet-/: 
Klsleben 61, SO, Oisifpa, Ixleve. 

— , (wüst bei Schi5nebecJ(). 
Eiflchleben 60, ÖO. 

Eilaleben 51, 30. KqiipxUha C. 17.^. 

Ekhleben 50, 45. 

Bireben 50, 50. 

Ellersleben 51, 5. Eh-irhUhrn. 

KUichleben 50, 45. 

Killeben 51. 50. 50, ÄlatiiwlffiMn. 

Emenleben 51, 55. Emfrinleve. 

Einleben 50. 50. ImilUie. 

Ermaleben 51, 40. AnfffriniP^leit. 

Erxieben 52, 10. 52, 45. Mwleif. 

— , Hohen-, 61, 50, Arrikfslera. 
B«chlebeu (wUat bei Gothn), 
Essleben 51, 6. Istnlehi. 
Ettgenleben 51, 56. OfiehivHlef. Adi- 

Ettiachleben 50, 50, 

Ettleben 61, 40, Etlai-f. 

EUleben 51, 16, 

Fallersieben 52, 25, üaUirexlfho. 

Fanleben 52, 15. Vardeshra. 

Felgelehen ö2. 

FenueTRieben 52, 6, Fi-viumnrexlflm. 

Rftdersleben (nitst bei Zappendorf). 

Frankleben (Ober-, Unter-) 61, 15. 

Freckleben 61, 40, Frekenlero. 

GarileleKeii 52, 30. Oardekre. 

Ofttenleben 61, 45. Oalisleva. 

— , Nen- 51, 50, 
OermerBleben, Or. Kl,, 53. Ofmtiiileif. 

— , Nora- 52, 10. 
Oeraleben 62, 10, 
Geveiulebeii 52. Gfvenmlevo. 
Gieraleben 51, 46. Oereflfi-o, 
Gisperslejaen 51, OinholisUben. 

— , (wflat bei yuedlinburg) ? 
Gorleben 53. 

Oorsleben51, 15. 51,30, ÖoiiriehfjilMha. 
Orabaleben 50, 55. Orai'e^leiljpti. 



H'isli-nfnleha. 
Hadislehit. 



Grasleben 52, 16, OrfiseUnv. 
Grimtileben 52. Oi'inütfreslfbu. 
Grobleben 52, 30. 
Gadersleben 51, 30, a. Ti'atimFJileba. 
fiüglebeu 50, 50, OiKjiUffbin. 
(JUntherslebeii 50, 50 (Ünterfranken). 

Gundfi-fMIf. 
Gnnderaleben öl, 15. 

— , (wüBt bei Wegelebon), Gitmles- 

IfVf.. 

GnnBlehen 52, 

Hadmersleben 51, 66. Hailhi^ifrKlrir. 

Haldenajebeii, Alt-, Neu- 52, 15. IIa- 

haMr«huo. 
Haraerslebeu 62, 
Hardialeben 51, 5, 
Harsleben 51, 50. 
Haaaleben 51, 
Hedersleben 51, S 
Hemleben 51, 1 
Hennin^nleben f 
Henschleben 51, 6, IlantachahfsU^. 
Tlerbsleben 51, ö. Neri'ersUihm. 
Hillenleben 62, 15. HM-nt^v. 
Ilütenaleben 62, 5. lliikinruluna. 
Holleben 61, 25. Ilunlem. 
Honaleben 52, 5 
Huslere (wüst bei Ostenrieck). 
Hieben 51, 

Ingeleben 52, 5, Ingfdmo. 
Ingeraleben 50, 55, fngerfslere. 

— , Oat-, Alier- 52, 10. 

Insleben (wHai bei Magdeburg). Inanlen- 

Ifim. Iitf.wleslm». 
Irxleben 52, 10. ErrikeMere. 
■leggeleben 62, 45. 
Kerspleben 51. Kirnperlrj/Iien. 
Kindleben 60, 55. Kintilfba. 
Kislevt (bei HelmaUdt), 
Entziehen 51, 10. Kofleniriba. 
Langeleben 52, 10. iMiigflaixi. 
Loderaleben 50, 25. 51, 20, Lttdfulftv. 
Maldmkrr (bei Oacheraleben). 
Halslehen 53, 60. Mahievf. 
Marieben 5:-t. 
Marsleben (wüst beiQnedlinbnrg). Merae- 

IfUO. 

Memleben 61, 15, Mtminlevu (b, Widn- 

kind), Jmiukiba. 
Mcrxleben 51, 5. MprgMlmba. 
Minaleben 51, 50. Minisleea. 
MolRrhleben 61. Magotdfslfbin. 



Horalebeu Ö2, 10, Marf^lebfi. 
Nickleben (wOst bei Calbe &. <1, Hilde). 

Nietlebeii Öl, 35. Nedensletvbett. 
Norlleve, {wO*t bei Oaterwieok). 
Nottleben äO, bb. 
( Ich ime »leben 52, 5. 
OfTleben ö2, 5. 
l)hr»Ieben 53, 5. Vrtikm. 
Olberaleben öl, 5. Albrecklslfi/lmi. 
Olilisleben 51, 15. Altlesleve. 
(}»cher»leben, Or -, K!.- 52. OnkernkLO. 
Oachmiirsleben 51, 45. 
Osmeraleben 51, 46. AsmerslfL'O. 
Ottersiebeu, Gr.-, Kl.- 62, 5. Otlerexläm. 
Ottlelien 52, ö. Otmleuf. 1108. (Die 

IJrkiiiKle (I. J. 97!) mit .selnroniee 

Ollilina ist nnecht.) 
Piiscblebeu, Or.-, Kl.- 51,45. I'iixlti«^, 

Pnareiovf: 
Pferüngaleben 50, 55. Pertüvalero 

Brev. Lulli. 
Polleben 51, 30. Polknieir. 
PutmaBsleben (wflst bei (iiiiulnu). Put- 

merglebeH. 
Pastleben 61, 26. 
Rftaisleben 61, 41). RothesUvf.. 
Ramnleben (wiiat bei Dardettbeim). Ru- 

merexliebn, lioniofkve. 
Rathsleben b2, 50. lianlnv, 
Reitleben (wüst im HannsfelderSeekreia). 
Retnkersleben 62, 5. JieinfhitiUfe, 

(lla/nelurresleee, Huniiernlorn?) 
Eieslebeu (wüst bei Utleben). 
Ringleben 51, 5, 51,20. Tticlienkhi-Y 
— „ (wüst bei Halle). 
Rittleben 52, 40. Rulkve. 
Ritxleben 53, 50. liUskve, Jiüxkce. 
Bodenalebeu, Or,-, Kl.- 52, 5. Bodetien' 

Irr-a. 
Rolilisleben 51, 10. 
RusalebeD 51, 15. Rustelere. 
Rottlebeu 51, 20. 
Rüttmersleben, Gr.-, Kl.- 52, 10. Hml- 

vmraaliiuu. 
Bndialeben 50, 50. liudolfeslebo. 
RUdeben 51, 25, Ritkersleve. 
S&lleralebei) (wüst bei QneiUiiibnrg). 

Kidereikint. 
Sanbleben 52, 5. Zampleiv. 
Sandersleben 51, 40. ^ixnderniebf, 
SanlPr9leben,<ir,-,KI,-52,10.,S'oH/«-s/«'o. 



Schvlelebeu 51. 60. Stadrniiftv. 

Scbake na leben 52, lü. Sr}uu-JcffU«loi¥. 

Scbkonlebeu 51, 10. 

Scbnataleben 62, 5, SnanbwUbe. \ 

öiebleben 50, 55. Sibtlebo. 

Siflgeralebeii 52, 5. 

Siersleben 51, 35. Sii/ej'slevo, 

Sinsleben 51, 40, Sinklew. 

Smlelfiic Tnid. Fald. 

Tatxlebeii (wüst Kr. Eckard tsberge). 

Teatleben 50, 65. 51, 5. THikiba. 

Thnlleben, Holz-, Stein- 51, 30. 

— , Wasser- 51, 15. 

Tihhe, Tieleve, heute Thielbeer bei Arend- 

Toiiflebeu(wüatbeiOutha). Tujiphikiben, 
TotÜeben51, 51,10. Tuli-kibn/Iliutile- 

Heim, Zulkliin. 
Trippigleben 52, 30. 
Trii)pleben 53, 50. Troj<i)devr. Drop- 

Irglu-n. 
Trflglebeii 60, 55. TrugeleUn. 
TUttlebeu 50, 56, TtUrkbt. 
Tundersieben 52, 10, Tniukrikvo. 
Udersleben 51, 20. Etinilebin^ 
Ülleben 50. 56. 
ührsleben 52, 10, 
Unslebeu (Unterfranken), l/nkihe. 
Uthleben 51, 25. Oiknkiv. 
ütxlebeii (wUat bei HnlbBratailt). Ullis- 

kua. 
Vrrskru (wiUt bei Jerxheim). 
Wackeraleben 52. Wnchereslehe. 
WaUigtrenleito Tr. dorv. 270. (Waltera- 

leben V) 
Walsleben 52, 45, l'ualdinkuo. 
WalBchleben61. WalaiMikbti, Uualdiet- 

km. 
WnUeraleben 50. 66. 
Wandersieben 50, 50, WandukÜmi. 
Wunslcben 51, 25, Utinnxkua, 
Wanzlebeu, Or,-, Kl.- 52, Wankskibo, 
Waralebeu 52, 5, 

— , Hohen-, Dahlen- 52. 10. Wanfcw- 
kre. 

Wasaerleben 51. 55. Wakrkf, Waier^ 
löge, Wakralevt. 

1t ufi'(f«ipte(Gudersleben?vgl. If'atoie«- 
wey 937, hente Oadenaweg). An 
Athenstedt darf nicbt gedacht werden. 

Weddersieben 51, 45. WidiierHlmv. 

Wefenaleben 52, 10. WkviifJilot'v. 



Wiuleben 50, 45. WiuienUhe. 

W't'relexlore (bei Helrastädt). 

Wofftebea öl. 30. 

Wullersleben 51, 25. 

Wolluiiralebeu 51, 55. Wilnif.-slrhii. . 

Wurmgleben 51, 30. Vurmarrah-m. 

Wurslrif IftlO Ibei Sceburff), WriTurh- 

WUlleraleben 50. ib. IVmrü'hrjilrba. 
Wunderaleben 51, ä. Gundttlrba? 
WuBcUebeu (wttHt Kr, Weissen fr In). 

Wwm-idelxin. 
Zirgleben 52, öä. 
Zenulsben (Unterf ranke n). Ztncleiba, 



Wegeleben 51, 50 

Wegerslebea, Nen- 52. M'tu/iaflu/ni. 
Welpsleben 51, 40. 
Welaleben 52, Uualitinileuo. 
Welzleben Ö9. 

Weruingsleben 50. 50. Wrrhi'jo-.exMiu. 
Wel«tebea 52, Widixlrir. 
IVu/^roitukba (Tmil, Fnlil,) 
Wiegleben 51. iri;iUifm. 
WÜAleben 51. 45. WütmloKo. 
ll'itttrachrftleibe (Tra4. Fnlil.) 
Wimhleben, Gr.-, Kl.- 51, 40. Um- 

gedevtscht kos Vuissirol». 
Wismannslebcn (wttst bei Scbafstedt). 

Wümerinlcir. 

Ostlich der F^Ibi-, also innerhalb den (lobioh's, in welehem vom 
7. — 10. Jahrhundert aiii^st^hliosslieh und iitipinp'si'hriiiikt Slnvcii gr- 
wa[t€t lind geherracht liabtTi, findet sich di{' Kmiiiiit; -Irl.i'ii imr in 
wenigi'n Ortsnamen. Sieht man vfin Niuncii. wii- l,;iii;;i'-^lclifii. Uuh- 
leben*) u. ä. ah, mit denen man Neubauten und Villen der neuesten Zeit 
benannt hat, so sind nur Iblgendo Ortstiiutieu mit ihr Kusammengi'KCtxt: 

Alvensleben, Nieiler- nni) über- (Pro?, Brandenbnrg. Kreia T^tnilüberg). 

BlaiCersleben {iteg.-Bez. Dresden, Amt MeinBen). 

Hassleben (Pcov. Bramknbnrg, Kreis Teinjilin). 

flerulfive, llerenkce. (l'rov, Bronilenburg, bei Prenziau). Vgl. Riedel. 
Codex dipl. Brandenbnrg. Namenverzeiuhnie von HefFter 2, 54, 

Niegleve (Mecklenburg -Schwerin, bei (Hlatmw). 1372 NirhU.rr., vgl. 
Heklenb, Jabrb, 4ß, 100. 

Radensleben (Prov. Brandenburg, Kreis Neu-Rnppin) all. llnilrxlrrr, 
Uorkiislj-U'r, Jinilislrhen, lifiiulrj-xklirn. 

lüni/imslere (Prov. Brandenburg, bei Templin). Vgl, Kiedel a. a, O. 
ebd. 3, 41. 

Ringsleben (Mecklenbnrg-Strelitz, bei Ftirstenberg), nini/rrslerf'. 

Kodleben (Anhalt, bei Rnsslau). 

Sargleben (Prov. Brandenbnrg, Kreis Westprieguit*), Snrkrlete-. 

Sassleben (Prnv. Brandenburg, Kreis Kalan), 

Striegleben (Prov, Brandenbui^, Kreia Weatprie^nita). Strii-Ir.ri: 

Teteleben, Gr.- und Kl.- (Prov. Pommern, Kreis Demmin), 

Walsleben (Prov. Brandenburg, Kreis Neu-Ruppiu). 

Walsleben (Prnv. Pommern, Kreis Naugardt), 

Zippeleben (Prov. Sachsen, Kreis .Terichow I.), Zcbeklnv. 
Anzumerken ist noeh, dass in Salzburger Urkunden des 9. und 
10. Jahrb. ein Name Dudleipa neben dem Namen liuginesfeld er- 
seheiut und dass es in Südböhmen und Ungarn Orte mit dem Namen 
Daudlebi, Daudlebc giebt. Es sei daliingestellt , ob man hier die 
deutsche Endung leiba oder sfavische Stämme an/unohmen hat. Die 
Slavisten halten die Namen für slavisch, ohne freilich eine befriedigende 



gende 

listein, _ ^ 

iclier^, ^^ft|H 

M 



Deutung zu geben. Schliesslich ist noch Wusslehen bei Pfranmberg 
im Kreise Eger 7.vt nennen, dessen Name aus einem siavischen ura- 
gedeutscht sein soll*). 

In Nordsehleswig und Jütland sowie auf der fünischcn 
und secländisclion Inselgruppe findet sich die Kndimg, hier -Irf 
lautend, in zahlreichen Ortsnamen, Bornholm und Island ist sie da- 
gegen fremd, in dem nachfolgenden Verzeielmisse**) ist den OrtH- 
namen, welche nach Seeland (nebst Laaland nnd Falster) geboren, 
ein S, den scbleswigschen Heb, den jütischen J, den füniscben F bei- 
gefügt. Unter diesen Ortsnamen befindet sich auKenseheinlich eine 
Anzahl, deren Endung aus einer andern ähnlich klingenden in ^r- 
aelben unorganischen Weise entstand , wie in einzelnen Fällen die 
deutsche Endung -leben für altes -lo oder slav. -laf eintrat. 
EiIhIbt J, 



Aaralev SFJ. 

Adslev J. 

Agustev P. 

Allelev J. 

Alleralev SJ. 

Ableben (mehrfach) Seh. 

AIsIbt SFJSch. Alaxlef. Ai<leu<f 

AlTerslev S. 

Anziehen Sei). 

ABhlev J, 

Avnalev F. 

Baislev F. 

Barslev J. 

Bederaler F. 

Bendaler S. 

BindüleT J. 

BirkelefF Seh. 

Bj0malev J, 

Blangalev S. Blatiguluffuf- 

Bollerslev Seh. 

Borlev J. 

Bnunslev J. 

Branilelev S. 

Brand erslev F. 

Brodslev ,T. 

BrOnderslev J. 

Dyriev S. Dyurtöffit*. 



Egelev F. 

Egeslev S. E^grslpf. 

Eiei-Blev J. 

Elev .1. 

Rmmelev FJ. 

Emmerleff Srii. 

Enilerslev S, JiHiiit'slf.f, Jalnegleff. 

Eni eben Seh. 

Enalev .1. 

Eirinillev F. 

Erleff Scb. 

Erslev J. 

Fftlkerslev F. 

FftUlev J. 

Ferritslev SFJ, 

Ferslev SJ. 

Fjallerslev J. 

Fjenneslev S. Fjalenilere. 

FjerritBlev J, 

Flttvlev J. 

Forle» S.I. Forwkif. 

Fraiulev J. 

Frainm erslev J. 

Freerslev S. FriOrisleve.. 

Fregerslev J. 

Freilev FJ. 




vgl. ( 
Philologie 8, 9. Pi 
B&umt mir aozunierkcn. 

*•) Benutzt ist ausser der dänischen Generalstahskiirte J. P. Trap, Statistik- 
topographiifk Beskriveise af Kongeriket Daumark, Anden tidgave. Peel G. Igahen- 
havn 1879 ; femer fQr Schleswig die General stabakarte ins deutschen Heiebei. Die 
cursiv gedruckten älteren Namciiaformcn sind dem AiifaatKe von M a d s e n, ^lelaodske 
Stedname imdcrsugtc med Ilensyn til Betj'duing ng Oprindclsc (Annaler Tor nordisk 
Oldkj'ndighed 1863, 8. 179 ff.) entnoraraen. 




FremmeleT P. 


Jerlev ^^^| 


Prerslev S. 


.Teralev SJ. ^^H 


Frenlev S. 


Ingalev F. 


PHJslee Seh. 


Ingerslev J. 


, Frtialey SJ. 


Joralev S. Jursl/ru-a. 


FtigWev J. 


Kappelev S. 


, Pmiesler 8. mUtief. 


Kaateler S. 


FBMlev 8,T. 


KiminersleT 8. 


, GMirieT J. 


KJBheiev F. 


Qjeriev SJ. Oerthaleff. 


Klipplev Süh. 


\\ OjeniieT S, OMte^•e. 


Koiigerslev J. 


, Ojestelev F. 




Gjoralev S, 


Landerslev S. 


Gislev F. 


Lora ine !ev P. 


OjetHlev S. Oölherslef. 


Ljderslev S. Li/urdhernkf. 


Oranslev .1. 


Maatev S. 


GiSTlev J. 


Markeslev S. Marckitxlöff. ^_ 


Grindenley J. 


Harslev ^^H 


1 Onllev J. 


^^H 


Gvnlerslev S. 


Nerlev ^^H 


GnnsteT F. 


Oplev J. ^" 


' HaarieT S, Hornlef. 


OrmidBler S. 


Haaralev SP. Uoraletiff. 


Ormalev S. 


1 Hadersleben Scb. 


Dteralev S. 


Hallelev S. 


ßaklev S. 




Randlev J. 


Harlev J. 


Ite(d)erslev S. 


' Hamdslev FJ. 


BiBlev 8. 


- Hamslee Seh. 


Roeralev F. 


Haalevqaarde i. 


Rorslev F. 


HaverBlev .T. 


RoHlev J. 


Havnelev S, HagiieUff. 


Seieralev .FSch. 


HellBf F. 


Serridalev J. 


Henunelüy S, 


Sigerslev 3, 


Hemmerslev F. 


Silleralev J. 


Herlev 9. Herlma. 


Sjmtev J. ^^ 


Herridslcv F. 


Skafielev S. ^^H 


' Hewlev SFJ. 


Skamklev ^^^1 


HjermesleT J. 


Skuldelev S. ^^H 


Bill«ri>)ev FJ. 


Sneslev S. 1 


1 Himmelev S. 


.Snoldelev S. 1 


HjoraleT F. 


Stjeraievftoarde J. J 


1 Holev F. 


Svogewlev 8. Sttaiiershf. I 


1 Hwbelev F. 


Siprxlev SF. ^^^fl 


Horiev F. 


Ssnderlev ^^H 


' HondeleT J. 


^^H 


Hnndiley F. 


Tersle-T S. ^™ 


BunBlev Seh. 


Tinglev %A. 


1 Hylderelev J. 


Torelev J. 


HBialev J. 


Triiggelev F. 


1 HBralevbole J, 


Tßrslev 8- Thvrenlöu-ir. 


Jenaler ij. 


V\(t)shi FJ. 




2 


^^ 


^^H 



üggerslev F. 

Üherslev F, 

BndelQfT Scli. 

Driev J. 

UtWrslflT SP. OUbersltf 

Varpelev 8. 

Veddeler S. 

VeB(g)erslev J. 

Veieralev J. 

Venunelev S. 

Venslev S. 

Vetteralev S. 

Vigerelev 8F. Wiktnkf. WiqesUif. 



Vilslev .1. 

Vinilelev .1. 

Vokslev .1, 

Voldernlev SF. 

Vollerslev 8, Wahlrrulff. 

Vreilev J. 

Vffreler 8. 

Wuseraleben Seil, 

Ouslev F. 

Orridslev F.T. 

Orslev SFJ, Odershf. 

ürsleff Seh. 

09lev J. 



In Schweden uiul Norwegen findet sich, wie Cassel S. 323 
und Försteinann, Ortsniimen S. 2«4 Itehaupten, die Endung nicht- Ein 
Blick auf die Blätter der schwedischen Geueralstahskarte des südlicfaeii 
Schweden zeigt, dass Schonen voll von Ortsnamen auf -löf ist, und 
dass sie verstreut sich auch in Hallaiid ßnden. Die nünllichsten Orts- 
namen, welche sie enthalten, sind die drei 57" 6' nördlicher Breite 
gelegeneu Träslöf und unt«r Sü" 45' Euslöf. In dem nachfolgenden 
Verzeichnis ist den schonischeii Ortsnamen S, den halländischen H 
beigefügt*). 



AlBlOf H. .Meerslöf. 


Olumslüf S. 


AsdenlOf S. 


(.Jimlüf S, 


Ankwlöf 8. 


Gualllf S. Uullurlef. 


Annelöf S. Anuniklö/f. Äudflilff. 


GnndritUif S. 


AniBlöf S. 


GlWdelßf S. 


Arlöf S. 


GörelBf S. Qiitliarskf. 


BaUiiiKsWf S. Batdhigglef. 


HamarlOf S. 


BenneslBf H, 


HaMlöf H. 


BjertBf S. 


Herelöf S. 


Brüneaiöf S. Brnnestef. 


HiminBlBlöf H, 


Burlöf a. 


Hylleslöf a. 


BSralöf S, 


HÄraWr S. Hygxlef? 


Efverlüf S. 


HÄslÜf S. 


EmülOf S. 


Nybelöf a. 


Ensltif H. 


NBbbelnf 8. NiibbiU. 


EslUf 8. 


OdaralBf S. 


FariBlitf a. 


QuarlUf 8. 


li:järiCf S. FSi/j^i-Möff. 


Betnraarlöf S, Rnlhmei 


FjerdingBlöf 8. Ftfeelenlööf. 


RenneslOf E. 


FrGslflf 8. 


ReslSf 8, mherslüff. 


Fäiiaf 8. 


BoalOf ä. 


Förelöf HS. 


RoBlQf S. 


Qeralur S. 


RftttelUf S. 


Gislöf S. 


iUbetSf 8. Rubbelo. 



i ni 



') Benutzt ist die srliwediaclie General stnbäkartc und Axel Kalkm 

Damnen i Skäne. Etyuolngiükt Fürsük. Lutid 1877. Diesem Buche sind 

gednickten älteren Namcnsformcn e 



Skepparelllf & 

SknmmeslOf H. 

Svalüf S. Stcttlln-e. 

Sfiritaisr S. 

SSnISf S. 

SOnnarslaf S. Sihtdernkff. 

Träslllf H, 

Varalöf S. 

Vardlöf H, 



Vemerlöf S. Wmmn 
Vest«rsl»f S. 
Vinslöf S. 

Visinarlöf 8. I'jMnsr 
Areaiaf S. ArfvUbli 
Äng&Iog S, Etigeicv. 
üllBf S. Ö(fiffc/: 
Öslilf S. Öthfisleef. 
österslftf S. 



Für England, wohin gleichfalls die Endung nicht gedrungen 
sein soll, gieht Kemble's Codex diplomatitma die nachfolgenden Belege. 
Die beigefügten Ziffern geben das Jahr der Beurkundung, sowie den 



Band und die ^>eite an, wo 
Dodduilww (tV, 47). 
i:BC£ea8lew (976; m, 131). 
üihcslewe (1066; IV, 178). 
HocBlew (1044; IV, 92). 



sie abgedruckt sind. 

Occansliew (»69; in, 48). 
Kugslawe (1004; in, 328), 
WeremundeBlswe {1368; VI, 221), 
Uiiiclnnnan (970; lU, 97), 



Die vorstehende Zusammenstellung zeigt also siwei umfangreiche 
Verbreitungsgebiete der Endung, das eine zwischen Elbe, Harz und 
Main innerhalb der Grenzen des alten thüringisulien Reiches, das 
andere nndasst Nordschleswig, Dänemark, Schonen und Mailand, In 
dem nördlichen i«t sie, mehr oder weniger dicht, überall verbreitet; 
in dem Hüdlichen beschränkt sich die Verbreitung auf das Flachland 
Nordthiiringens und bestimmte Striche Südthüringens, vereinzelt tritt 
we noi-dlicb der Ohre und an den Südahhängen des Thüringerwaldes 
auf. Im Norden wie Süden tritt aie nahe an alte Volkergrenzen, 
ohne sie zu überschreiten. Dort macht sie dicht vor den Grenzen 
GotlandK und Augeins, hier vor der altsächsischen und altbardischen 
Grenze Halt. Wir schliesaen daraus, dass sie an bestimmte alte 
Volksstämme gebunden und mit diesen vom Norden nach Süden um- 
gesiedelt ist. 

Nach den Ergebnissen der Alterthnmsforschung haben auf der 
SchJeswig-jütiacheü 'Halbinsel im Norden der Angeln und auf den 
dänischen Inseln, bevor die Dänen sich dieser Gebiete bemächtigten. 
Warnen, Juten und Hertder gewohnt. Eine nene Untersuchung, die 
in einem besonderen Abschnitte nachfolgt, wird diese besonders von 
Müllenhoff*) begründeten Annahmen bestätigen und zugleich gegen 
den letzteren nachweisen, dasa auch Schonen altes Herulerland ist. 

Es müssen also Warnen, Juten oder Heruler in jenes nord- 
deutsche Gebiet, wo die Endung -leben Verbreitung fand, einst ein- 
gewandert sein. Die Zeit dieser Wanderung ist bereits S. 9 bestimmt 
worden, sie muss vor das Jahr 531, in welchem die Sachsen Nord- 
thüringen eroberten, und nach 174, in welchem eine grosse Anzahl 
seiner alten Bewohner es verlassen hatte, fallen. Die neuen Ansiedler 
müssen sich jedesfalls über Nurdthuringen und den nördlichen Teil 



♦) Nordalbingisclje Studieu. Bd. I (1844) S. 118 u. ö. 




Siidthüringens, wo noch heute die Endung )täu6g ist, verbreitet haben. 
Ob ihre Sitze ostwärts über die Eibe reichten, muss einstweilen un- 
entschieden gelassen werden. Im (Jsten der Elbe sind fast gur keine 
altgerraanischen Ortsnamen ans der Zeit vor dem Fvindringeii der 
Slaven erhalten, und so beweist der Miingel der Endung weder für 
noch gegen die Annahme, dass dieselbe vor der slavisehen Zeit in der 
Mark und in Meklenburg ebenso bänüg gewesen sei, als sie es in der 
heutigen Provinz Sachsen ist. 

Es wird die Frage nu beantworten sein, ob die eben auBge- 
sprochene Folgerung, dass Warnen, Jiiten oder Heruler im .1, — 5. Jahrk 
in gewissen Teilen Norddeutschlands angesessen gewesen sind, in Ein- 
klang oder Widerstreit mit dem steht, was wir aus histonachen 
Quellen über die Geschichte Norddeutschlands wissen oder sonst ES 
folgern berechtigt sind. Es wird sich dabei auch ergeben, welche der 
genannten drei Völker in Betracht kommen. Wenn das Ereignis einer 
Einwanderung von den dänischen Inseln und .fiitland her und die spätere 
Besiedeluiif? bestimmter norddeutscher (icliii'lc diirrli W:irucn usw. 
durch keine einzige von irgend einem alten lliwtiirikiT ^ebiitene Nach- 
richt unmittelbar bezeugt wird, so darl' (Ucsch ini-Iit befremden und 
gegen die obige Folgerung angeführt werden. Die tieschicke des 
fernen nordöstlichen Deutschlands sind von den alten Geschicht- 
schreibem so wenig berücksichtigt worden, dass uns von ihnen nicht 
einmal die Namen der dort vom H. — fi, Jahrh, wohnenden Volker 
aaBdrücklicli genannt werden, Nur selten und gelegentlich erfahren 
wir Einzelheiten, welche sich auf jenes Gebiet beKiohon. 

Uns wird es zunächst darauf ankommen, /u erniittelit, was sich 
aus der historischen Überlieferung oder sonstwie für die Anwesenheit 
von Juten, Warnen oder Herulem in Norddeutschlauil im .1. — 5. Jahr- 
h ändert anföhren lässt. 

Von Jiiten, die in Deutscldand angesessen gewesen sind^ weiss 
keine Kunde*), aber der Heruler und Warnen ehemaliges Wesen in 
oder neben den Grenzen des thüringischen Reiches ist durch einen 
uns erhaltenen Brief Theuderichs gut bezeugt. Derselbe**) ist an die 
Könige der Heruler, Warnen und Thüringer gericbti-t, und man mnas 
ihm entnehmen — wenigstens hat man das allgemein gethan — , dass 
die genannten Könige beuachbart und befi-enndet waren. Erhalten 
ist ferner eine Lex Angliorum et Werinorum hoc est Tkoritigorum***). 
Die Handschriften derselben gehen auf eine Niederschrift zuriick, die 
auf Karls d. Gr. Befehl gemacht ist. Das Gesetz selbst ist jedoch 
nach den Untersuchungen Riebthnfens lange vor Karls Zeit und wahr- 
scheinlich im li. Jahrh. abgefasst worden. In dasselbe Jahrhundert 



*) Sie kfinnen freilirli unter dem Nancn der Warnen mit einliegriffen ge- 
wesen sein, wie nragekelirt der Jütennamc Im Heda, HIat. eecl. 1 <■. 15 die Beste 
der WameQ mit nmfasst. 

*•) ruBaiodoriiis, Var. III. 3. Der Brief wird in dem Abschnitte 'Über das 

norddeutsche Ileriilerreirh' zum Alidnuk koninien. 

"*) Ilerniisg, von v. Richthofen MG, LL 5, 103 ff. 



gehören wabracheinlich auch die Namfn des Werinofeldes zwischen 
Elbe and Suale, sowie des südlich von Soudershausea gelegenen 
Engdingaues. Wenigstens beweisen die Namen des Schwaben- und 
Hassegaues sowie des Friesenfeldes, das« ein TeU der Gaunamen Nord- 
thüringens erst nach der Kinwanderung der Nordschwaben, also nach 
d. J. 568 (vgl, oben S. ß) entstanden ist. Die Volksstänime oder 
Volksteile, nach welchen die Gaue benannt sind, müssen freilich, soweit 
sie nicht zu den 531 und um 56!) eingedrungenen i^achsen, Schwaben, 
Friesen und Hassegauern gehören, nämlich die .\iigeln und Warnen, 
schon lange vorher in Nordthüringen angesessen gewesen sein, und 
es kann keinem Zweifel unt^rliegen, dass sie vor der Einwandeiiing 
der Sachsen das von diesen später eingenommene Gebiet gleichfalls 
in Besitz hatten. 

Im sudlichen Verbreitungsgebiete der Ortsnamen auf -leben finden 
wir also eins jener Völker wieder, dem in Jütlnnd die Endung zukam, 
niunlich die Warnen. Ihnen haben wir die Verlireitung der Namen 
links der Elbe zuzuschreiben. In dem Lande zwischen Elbe und Oder 
haben aus Gründen, die später zur Sprache kommen, nach der Aus- 
wanderung der Sueben Heniler gesessen. Hieraus würde zu folgern 
sein, dass auch hier einst die Endung verbreitet war. I)»si<elbe gilt 
von Mehlenhurg, wenn hier, wie es scheint, nach dem zweiten Jahr- 
hundert gleichfalls Warnen gcBesseu haben. 

Die linkselbischen Wanien treffen wir in enger Verbimiung mit 
eitlem andern Volke, den linkselbischeu Angeln- Wahrend die Warneu 
erst nach dem zweiten Jalirhundert in diesem Gebiete sich festgesetzt 
haben, kennt die Angeln, die loui^^oi 'Af^edoi, als Bewohner desselben 
bereits Ptolemaeus, dessen Nachrichten über diesen TeU Germanien» 
aus den ei'sten Jahricehnten unserer Zeitrechnung herrühren. Die 
A&getn waren also die alte» Bewohner des Landes, die Waiuen spütere 
Einwanderer. Wie die Lex Anglioruin et Werinorum zeigt, hatten 
beide dasselbe Straf- und Dotalrecht, Warnen wie Angeln hatten 
ferner dieselben Ansätze des Wergeide», das für den Adaling das 
dreifache von dem betrag, was fiir den freien Mann, das zehnfache 
dessen, was für den Knecht beaiispiiicht wurde. Diese Kechtsverhält- 
nisse zeigen, dass die später eingewanderten Warnen die Angeln nicht 
etwa mit Waffengewalt sieh unterwürfig gemacht, sondern auf Gnind 
irgend einer friedlichen Übereinkunft sich neben ihnen niedergelassen 
haben. Der nach der Auswanderung der Sueben in der Heimat ver- 
bliebene Rest der alten Bewohner mochte weine Selbständigkeit ge- 
rettet haben, indem er den eindringenden Warnen einen, vielleicht den 
grösseren, Teil seines Gebietes einräumte und in Verbindung mit ihnen 
die Stärke gewann, Freiheit und Eigentum zu verteidigen. 

Es giebt in Nordthüringen Gegenden, in welchen die Endung 
-leben sehr vereinzelt, andere, in welchen sie in zahlreichen Namen 
begegnet. Zu jenen Gegenden gehört die Altmark und der Drawen, 
wie die S. 11 gegebene Zusammenstellung zeigt. Man könnte geneigt 




diese VeracliiedeDbeit mit darauf zuriickzufiiliren , dass die 
Gegenden, wo die Endung seltener ist, zu lien Teilen des Landes ge- 
hört haben, welche den Angeln nach der Ankunft der Warnen ver- 
blieben sind. Es würde hierzu stimmen, dass naeh v, Ledeburs An- 
nahme*) auf beiden Seiten der Tanger, also in der Altmark, Angeln 
gewohnt haben. Ich mochte jedoch die Seltenheit der Endung gerade 
in diesem Gebiete die Frage nicht entscheiden lassen. Auf der einen 
Seite wird man bei der engen Verbindung, die zwischen den nord- 
thüringischen Warnen nnd Angeln bestand, annehmen dürfen, dass die 
Endung sich auch in den anglischen Gebieten allmählich verbreitet 
habe, auf der anderen Seite erklärt der geringe Reichtum der Altmark 
an gutem Ackerland, dass hier die alten Ansiedelungen minder dicht 
waren. Um so sicherer wiM man aber behaupten dürfen, dass soweit 
die Endung -leben reicht, soweit sich auch das warnisch-anglische 
Gebiet, d. h. das alte Gebiet der suebisehen Angeln erstreckt habe. 

Es ist vorhin bemerkt worden, dass die Endung der Grenxe 
de» altsächsischen Gebietes, d. h. dem Harze, der Ocker und der Ise, 
und der Grenze des altbardischen Gebietes oder des Bardengaues sich' 
bis auf geringe Entfernung nähere, sie aber nirgend überschreite. 
Es berechtigt dieser Umstand, den Grenzzug fiir gewisse Sti-ecken, 
wo die mittel alterlicben Angaben in Stich lassen, auf Grund der Ver- 
breitung der Endung annähernd xn bestimmen. Andertieits recht- 
fertigt die ausBcliliessliche Zugehörigkeit der Endung an bestimmte 
Volksstämme aber auch die (auch sonst nicht bestrittene) Annahme, 
dass in diesem Gebiete die Grenzen des Harz-, Derling- und Drevani- 
gaues alte Stammesgrenzen sind. 

Für eine der nachfolgenden Abhandlungen ist die Kenntnis, wie- 
weit die Sitze der suebisehen Angelu nach Norden die Elbe hinab 
reichten, von Wichtigkeit, Gerade hier macht die Bestimmung der 
bardischen Grenze Schwierigkeit. Hammei-stein-Loxten hat ohne die 
Hilfe, welche die Endung -leben bietet, zu kennen und anzuwenden, 
auf Grund s(>ätercr territorialer und juridischer Verbältnisse die Greiw- 
linie genau bestimmt. Die Verbreitung der Endung bestätigt seiiie 
Ansetzungen und sichert sie. Ein merknürdiger Zufall vereint in den 
Namensformen eines hier gelegenen Hofes sogar verschiedenen Stämmen 
eigentümliche Endungen. Wie -leben wamisch, so ist für dieses 
Gebiet die Endung -ingen bardisch**). Der genau auf der bardisch- 
nordthüringischen Grenze, an dem Cateminer Bach***) gelegene Hof 
Moislingen erscheint nämlich auch mit der urkundlichen Namensform 



•) Atlgem. Archiv für die OeBcliicLtakunde dea PreusBischen Staates 13 
(1834), 75 ff. 

**) V. Hammentcin-Loxten, Der B&rdeng&u f^. 639 ^.Während diese (32) -ia^n 
nach OBten, Norden und Südou durchaus keinen Anscbluss haben, schliessen sie 
■ich nach Wentcn hin an einea reichen Scbwarm gleicher Ortsnajnen, von welchen 
der Loingo als dort gewiss reichster Namensfonn überfallt ist. Wir zählten 60." 

**•) Früher, laut Barskämpor Holtings - Protokoll von 1503 Schetiell, von 
Schedesdal 'Grenzhacli'. Khd. S. 43. 



Moysleve. Der genannte Grenübacli mündet zwei Meilen unterhalb 
der Jeetze, die bei Ilitzacker in die Elbe einHiesst, So weit hat also 
einst das (.iebiet der Angeln gereicht. 

Die iiordthiiiTiigiseben Angeln bewohnten also das von Stid- 
thüringen aus sich nordwärts erstrorfcemle und in einem Winkel aus- 
laufende Gebiet zwischen der Elbe und'der sächsisch-bardischeu Grenze, 
Von dem Winkel, den ihr Gebiet bildet, sind sie benannt, denn Angel 
(ahd. angul, ags. ongtd) bedeutet Winkel, Für die Annahme, dass 
sie den schleswigschen Angeln näher verwandt waren, liegt, wenn man 
Ton dem gh^ifhen Namen absieht, nicht der geringste Grund vor. 
Es gehörten vielmehr die link sei bischen Angeln zu den Herminonen, 
während die schleswigschen ingväonischen Stammes waren. Der Name 
iat aber ohne Gewicht, weil er bei jedem Volke, das in einem Winkel 
wohnt, wiederkehren konnte. So gab es ausser in Thüringen und 
Schleswig ein Angeln im norwegisehen Halogaland*), und bei einem 
slaviRcben oder slaviairten Volke**) an der Mündung der Donau, im 
6r^i/i%, begegnet derselbe Name. 

Südlich reicht das Gebiet der Endmig über die Saale in das 
bis zur Elbe und Mulde reichende Werinofeld, dessen Besiedlung durch 
Warnen schon der Name bezeugt, und über die Unstrut bis an die 
Vorberge des Thüi-inger Waldes. Zweifelhaft bleibt freilich, ob die 
Warnen sieh schon bei ihrem ei-sten Eindringen hier festgesetzt haben, 
oder ob hier vor den Sachsen zurückweichende Warnen sich erst im 
6, .Jahrb. niedergelassen haben. Mit grosser Wahi-scheinlichkeit wird 
man aber die zwischen Main und Thüringerwald sich findenden Bei- 
spiele der Endung auf spätere Niederlassungen zurückführen dürfen. 
DasB in dieser Gegend Warnen siedelten, bezeugt nach Arnold der 
Name der Wem. Die übrigen von ihm angezogenen Namen Werngau, 
Wemfeld und Wemeck sind freilich ohne Beweiskraft, da sie, wie 
bereits Riththofeu bemerkt bat, zunächst von dem Flussnamen Wern 
abgeleitet sind. 

Es erklärt sich gleichfalls, dass England einige und zwar wenige 
Ortsnamen mit der Endung lato bietet. Die auf Eroberung aus- 
wandernden VolksteUe verstärkten sich, wie wir aus vielen Beispielen 
wissen, durch Zuzüge von benachbarten oder befreundeten Stämmen. 
Dass sich den England erobernden Angeln und Sachsen anch eine 
Anzahl schleswigscher Warnen angescIUossen habe, ist au sich schon 
wahrscheinlich und wird durch die alteuglischen Ortsnamen Wernanbroe 
(Wambrook, Surrey), Wernanford (Waniford, Somers.), Wm-nanhyll 
(Wamhill, Berks.), Wernanwyl (Warnwell, Hants.)***) überdies erwiesen. 

•) Aunf^ll im Halogaland: Heiraakringla 3, 451. Foromanna aögur 7, 322. 
8, 184 (nach Zeusa S. 153 nota). 

*•) riie Uglifi, wie sie Perwolf, Archiv für slariBCha Philoloifie 7, 59 neniil. 
Ohne Zweifel niod sie die Onglun, velcho der im tO. Jahrh, in arabischer Sprache 
geschriebene Bericht de» Ibrahim ibn-Jakub (übersetzt von Do Go(je, und darnach 
von Wattenbach, Widukinda Sachs. Gegchichton 2. Aufl. S. 144) erwähnt 
***) Kemble, Cod. dipl- 6 p. 348. 




84 



Es bleibt noch die kleine Anzahl der rei^hta der Elbe sich fin- 
denden Ortsnamen auf -leben zu liesprechen. Es sind zwei MöglicU- 
keiten, denen ihre Entstehunf; oder Erhaltung zugeschiieben wei-den 
kann. Entweder reichen sie zurück in die vorslavische Zeit und sind 
Überbleibsel aus der grossen Anzahl der Ortsnamen auf -leben, welche 
einst im herulisch-wamischeii Gebiete von der Elbe bis zur Ostsee 
verbreitet gewesen sind, uder sie sind den Orten, un denen sie haften, 
erst von den die slavischen Gebiete neu colonisireuden Niedersachsen 
beigelegt worden, sei es, datts diese ältere slavische Namen etwa auf 
-ow oder -af mudeutschteu, oder Namen der alten Heimat in die neue 
verpflanzten. 

Die Namen l'ripslebeu ( t;cwölinlii'b Pripslaf genannt) und Tetz- 
leben sind sicher durch Uni<leutBchuiig entstanden, indem slavischea 
Prislaf und Tetzlaf zunächst zu mnd. Pritzlave und Tetzlave wurden. 
Auf eine derartige Umwandliuig deutet der Umstand, dass Prips- und 
Tetz- undeutijcb sclieineu und beide Orte inmitten violer anderer Orte 
mit der slavischen Endung -slaf gelegen sind, wie Batzlaf, Dargislüf, 
Prinzlaf usw. 

Bei de» anderen Namen lässt sich ilu- vorslaviselier Ursprung 
mit ausreichenden Gründen weder beweisen noch widerlegen. Wenn 
auch die in Deutschland eingedrungenen Slaven das deutsche Wesen 
vernichtet haben, so wird doch die Möglichkeit nicht gelüuguet werden 
können, dass von den vielen tausenden altgermanischen Ortsuamen 
wenigstens eine kleine Anzahl von den Slaven übenionimen sei. Belege 
und Beweise dieser Möglichkeit sind die Namen Geläi, JBrandenburg, 
Harlungeberg*), Ferffumia, Miriquidui und Schiesien**). Für die voi^ 
slavische Entstehung jener Ortsnamen darf vielleicht auch geltend ge- 
macht werden, dass sieh dieselben nur zwischen Elbe und Oder inner- 
halb eines Gebietes finden , dessen einstige Zugehörigkeit zu den 
Reichen der Heruler und Warnen sieher oder wahrsuheinlich ist, 
während andere ehemals slavische Gegenden, welche durch eiugewan- 
derte Nordthüringer colonisirt sind, wie Teile vcm Ostpreussen, Liv- 
land usw. keine Beispiele von Ortsnamen auf -leben, mnd- -leve bieten. 




*) Otlüi, Diplom Otln III, y. J, U'l, bei Uiedel, (.'odp;! di[il. liraiid. I, II 
S. 153 (eiu thUriutpschen Gelithi im Diiil. Otto I. ur. 1('>5 v. J. flSa; äiiir die f:iidmia 
vgl. Vönteiu&nu, OrtsDumeD S. 227, wonaeli sie uiir bei Thöriuf,'eni. Frinseii und 
ä«chReii vorkomint), später Gelt, heute slavisirt Geltow bei PotadHtn. — Llior Brunden- 
liurg und Ilorlungeberg vgl. Heffter, Gesdiicbte der Kurstadt Britiideiiburg S. 29. 

"*) Vgl. über diese Namen Flalner, FarBcliungen t. deutsch. Gcsrhichtc 17, 
442 ff. 434. Fergunna (vgl. got. fairguni 'Gebirge') heiast das Kr/gebirge im ('hruiiic. 
Moissiacense, MO. I, 3OT f., bei dem Feldiuge, den Karls d. Gr. gleichnamiger 
Sohn 805 gegen die Tschechen unternimiut. — Kiu Wald dieses Gebirges heisst in 
einer Urkunde Otto's n. v. J. r)74 Mirii|uido und bei Thietmar von Merseburg VI 
r. 8 Miriquidui (as. mirki 'duuker, widu 'Holz'), vgl, den altnord. Waldnauiea 
Myrkvidr. b. Nota 98 zu MG. SS. 3, 807, Grimm, Mytb. I' 398 ff. — Her Name 
Schlesiens ist vom Namen des vaiidalischcu Vulksstamnies der Siliugeii abgeleitet, 
der Gau, iu welchem der Zobteii liegt, hiesH im Mittelalter pagus äilensis, der Berg 
der inoos Sileutii, slav. Zlcnc, die Einwohner Sleenzane. 



85 

Die in dieser Weise kaum wiederkehrende Erscheinung, dass 
eine Ortsnamenendung die Ansiedlungeii bestimmter Volksfitämme 
scharf und bestimmt von Ausiedlungen benaehbarttr Völker st^heidet, 
fordert und tindet ihre Erklärung durch den Zusammenhang, in dem 
sie mit dem Recht und dem Ackerbau steht. 

Man bat riel über die Bedeutung der Endung gestritten, auch 
nachdem ihre Identität mit altsächs. leva als sicher galt"). „Man 
kann,'* sagt Forstemann, , zwischen drei Bedeutungen schwanken: 1) Es 
kann geradezu 'Haus' bedeuten und wie mansio (maison) zu manere, 
so sich begrifflich zu ahd. büiban, nhd. bleiben verhalten. 2) Es be- 
zeichnet den unbeweglichen Naclilass eines Vei"storbenen, wie in tot- 
leiba. 3) Es kann den Wohusitit der Kachgelassenen, der Nachkommen 
bezeichnen, so dass -leiba die Nachkommenschaft hiesse.'^ 

In den erhaltenen Denkmälern der alten Sprache kommt das 
Femininum icba «der leva, leiba usw. weder in der Bedeutung 'Haus' 
noch 'Nach komme uai-haft' vor, sondern es bedeutet altsächsisch, angel- 
sächsisch wie althoch deutweh ilas übriggelassene, deii Kachlass, das 
Krbatiick. In dieser Bedeutung kennt dasselbe auch noch die mittel- 
niederdeutsche Zeit in den Ciimpositis radeleve 'das Gerade der Frauen 
nach dem Tode des Mannes', eigentlich die Hiiiterlasseiiscliaft »a 
Gwäten; und buleve 'der Auteil, der dem Grundherrn an der Hinter- 
lassenschaft seines Hörigen zusteht', rielleidit eigentlich 'Hinterlassen- 
schaft des Bauren'**!. Hergehört auch ahd. totleiba mit derselben 
Bedeutung, altdän. konunglef 'Königsgut', lefve und eetelef 'Erbgut'. 

Man nahm au, dass die Endung ursprünglich eine andere Be- 
deutung gehabt und diese sich nur in den Ortsnamen erhalten habe, 
indem man sich darauf stützte, dass das Wort nie selbEtänilig uls 
OrtBbezeichuung vorkomme. 

Das ist ii'iig. Die Kemblesche Sammlung der angelsächsischen 
Urkunden bietet folgende Stellen : 

Nr. 709 fro Merewel! to BuBsluwe, Iro tlie Uwe to the foule putte etc. 

Nr. 751 dh sind dhöru .111. Itidft lundgemtera wt MytUoe. s rest on leo- 

menitii ä lie liealt'nu ntrcänie, afik of leomaniui uu dudduu \ivvi ; of 

däiu liewc vn dntie liämii poru etc. 

Ar. 1368 of niierdorne on Wereioundes läwe, Dnloiig fureiia on Were- 

mödes IHwe; donuu on EgaaumÜre on de grSndlc ctc. 

Diese Stellen beweisen, duss lätoe, altsächs. Uva auch in den 
Ortsnamen 'Nacldass, Erbe' lieisst und dass der in Acker bestehende 
Nauhlass, also wohl der mit Feld umgebene Hof, nicht das Haus, 
ureprünglich gemeint ist. Wenn leva, latoe blos das Haus liezcichnet 

*) Einige nkandinavificlie wie detitsdic Gelehrte cprechen iinnbliilngiK von 
einiuider die Vermutung aiis, da»» die Eoduiig lebeu, b/w. lef, mit alid. hUo, ass. 
Mow, Mow 'Hügel' zusammenliäDge. Das ist schon deahalli untnuglicb, weil die 
Uteüten Belege die Eudnng bereits uliiie anlautendes h liteten, obwul sie in eiiio 
Zeit zurüclircicbeD, wu li vor t noch nicht gesdiwiinden war. 

") bur wird iu Compositis häufig zu bu, vgl. Stliillei-Lüblien, Mnd. Würlci- 
buch I, 443. -Vndera Orinim, Rcchtsaltertlimer 364. 



1 



hätte, würde die Markscheide entweder nicht onlong furena on Were- 
modes lawe eiufugeii oder es würde diinn auch onlong furena Egsati 
mare nicht fehlen. 

Wenn die Endung -leben urspriiuglich den Ackerbesitz, welchen 
der erste Gründer einer Niederlassung seinen Erben hinterliess, be- 
zeichnete, so fallt ein heller Lichtstrahl anf die Geschichte des Eigen- 
tums und des Ackerbaues in Nordtbüringen. 

Wir wissen, dass das altgermanisehe Recht ursprünglich kein 
Sondereigentum an Grund und Boden anerkannte, sondern die ge- 
sammte Mark als gemeinsames Eigentum der Markgenossenschaft be- 
trachtet wurde. Soviel Markgenossen da waren, in so viele Loose 
wurde der für die Bebauung bestimmte Acker geteilt und ein jeder 
nahm das ihm zufallende Stück nur auf so lange Zeit in Besitz, bis 
wieder eine Teilung stattfand, was in den frühesten Zeiten jährlich, 
in den späteren nach mehreren Jahren der Fall war. Bekanntlich 
haben sich diese Besitzverhältnisse in gewissen Gegenden bis in die 
Neuzeit erhalten. 

Dieser Wandel des Besitzes war vollständig ausgeschlossen, wo 
die Ortsnamenendung leben aufkommen konnte. Sie bat das feste 
Sondereigentum an Grund und Boden zur Voraussetzung. Denn nur 
dadurch haben die Namen Weremundeslawe d. h. Weremunds Erbe, 
Langeleben d. h. Langes Erbe usw. zu bleibenden Ortsnamen werden 
können, dass sie an bestimmten, einzelnen Eigentümem zugehörenden 
und von ihnen vererbten Grundstücken hafteten. 

Die Folgerung, dass die Ortsnamen auf leben den Bestand des 
Sondei-eigentums hei den Warnen bezeugen, erscheint unabweisbar 
und ist für die Geschichte des Eigentums in Deutachtand um so 
wicbtigei', da die schi'iftlichen Quellen nur spärliche .\uskunft über 
die Rechtsverhältnisse des Ackerbaues im Innern Deutschlands ge- 
währen. Erwähnt sei, dass die Lex Werinorum das älteste deutsch- 
rechtliche, freilich erst dem 6. Jahrb. angehörende Zeugnis für das 
Recht des freien Mannes, sein Erbgut zu veräussem, also fiir des 
Bestand des Sondereigentums gewährt*). Bemerkenswerter ist fol- 
gendes. Die Stammlande der Heruler, von wo sie in Verbindung mit 
den Warnen nach Deutschland umsiedelten, waren Dänemark und das 
südliche Schweden. Hier in Schweden, bei den Suionen, scheint im 
Gegensatz zu den Bewohnern des eigentlichen Deutschlands das Sonder- 
eigentum, die Grundherrschaft, schon zu Tacitus' Zeit bestanden tmd 
Ansehen gegeben zu haben. Tacitus sagt nämlich „Es hat bei ihnen 
(nämlich den Staaten der Suionen) auch das Vermögen seine Ehre, 
und deshalb ist Einer Herr ohne weitere Beschränkungen und be- 
rechtigt unbedingten Gehorsam zu fordern"**). 

*) Libero homini licest bereditateni suam cui volnerit tradere. Vgl. Thndichum, 
Gau- und MarkverfasaunR S. 192. 

••) Gerninnia c. 44 (die Übersetaung ist mit Horkels Worten gegeben) Est 
apud illos et opibus lionos ; eoque uniis ünperitat, Dullis iani exceptionibus, i 
i parPndi. 




peritat, □ullis iam exceptionibus, non j 



über die mundartlichen Formen der Endung genügen wenige 
Worte. In Niederdeutschland lautete dieselbe üi altaäthsischer Zeit 
leva und leve. Letztere Form hat die Munditrt bi» zur Gegenwart 
festgehalten, so heisst Oschersleben bei seinen Einwohneni Ossersthieve, 
Hadjneraleben Hoimersleve. Nordlich von diesen Städten begegnet 
die Ausstossung des v, so dass Haldensleve zu Haldenslte wird, und 
anderseits der Übergang des v zu j (g), so das» die Möglii.'hkeit einer 
Vermischung der Endungen -leve, -lege und -läge eintrat. Da dieser 
Lautiibergang schon in der späteren mittelniederdeutschen Zeit sich 
auf das Gebiet nördlich der Ohre, die zugleich Grenze des mik-Gebietes 
ist, beschränkte*), so finden sich auch nur hier mit lege gebildete 
Doppelformen. Die Schriftsprache hat sie nur in dem Namen Garde- 
legen, woneben in dieser Stadt selbst noch Garleyen gilt, festgehalten, 
die älteren Urkunden bieten jedoch auch Dolslege neben Dolsleve, 
Droplege neben Dropleve (fiir Tnpplebenl, Graslege neben Gras- 
Ieve**t usw. Die Doppelformen Dodeleben und Dodelegen erklären 
sich dagegen anders. Die ältere Form lautete Dudido d. h. Dudohain. 
In dem dazu gehörigen Dativ, dem Casus, der bei Ortsnamen später 
als Nominativ gilt, lautete der Name Dudulon, in einer Nebenform 
(rgl. ahd. loh, mnd. loch) Dudologon, und diese wurde später unter 
dem Einfluss der Anschauung, dass jenseits der Ohre leve. love und 
lege, läge gleichbedeutend waren , volksetymologisch in Dudoleven 
umgedeutet und umgestaltet***). 

Neben altsäihsiseh und mnd. -leve kommen auch die Schreibungen 
-love und vereinzelt auch -lave vor. Dagegen sind die Schreibungen 
-leie(n), -leihe(n), -lieb, -lep (z, B. l'artunlep iur Bardunleve) u. a. hoch- 
deutschen Kanzleieinflüssen zuzuschreiben. 

Das schriftdeutsche -leben ist hervorgegangen aus der ersten 
der genannten Kanzleiformen, die fiir das süd thüringische Gebiet 
zugleich Form der Volksmundart war. Ein unmittelbarer Übergang 
aus einer mittelniederdeutschen schwachen Dativform -leven, bei dem 
die volksetymologische Deutung auf Leben 'vita' mitgewirkt habe, ist 
kaum anzunehmen, da der Volksmund die Nominativforra -leve fest- 
gehalten hat. 

*} Vgl. Seelmaun, Mnd. Fastnachtapiele S. XXtX f. ; Valentm und Namelus 
S. XXV 1. Derselbe Lautäbergang begegnet in Sobweden : Angalag, früher Engelev. 
*•) Beispiele bei Mülverstedt, Ad vocem Dodeleben. Beitrag übet die Orts- 
nunenendaDg -leben nnd -legen, ho wie ihr Verhältnisn «u einunder. Gescbirhtx- 
BWttar für Magdeburg 4 (1869), 11—26; ferner bei GOtJie, Der Name Dodeleben 
und die Ortsnamen auf leben, legen etc. Ebd. 203—217. 

•••) Wenn in Quedlinburg eine Strasse, welcbe »on Bewohnern den unter- 
gegangenen Dorfes Maraleben gebaut ist, Marschlingerhnf, in Halljenttadt ein Thor, 
neben wckhem Bauern au« Uar^leben sich angebaut hatten. Harelingerthor statt 
Harsleberthor heisst, so erklärt »ich dieser Wechsel dadurch, dass -lever (gen. plur.) 
nnd -inge als synonym galten. Dieses Sprachbewnsstsein geht darauf Eurllck, dass 
es ein maskulinisehes -lef (eigentlich Hinterbliebener) gab, welches wie -ing ur- 
sprünglich die Herkunft bezeichnete. 




:marks 
ilindringen 



Die Bewohner Dänemarks 

und Schönens vor dem Kindringen 

der Dänen. 

Ptolemaeus nennt in seiner Geographie die Pharodeinoi als Be- 
wohner der Ostseeküste zwischen Trave (Chalousfisj und Waruow 
(Sueboft). Dieser Volksnanie begef^et sonst nii'gend, und da er auch 
etymologisch nicht zu deuten schien, Termutete Zeuss, daas derselbe 
aua dem Namen der Suardones, welche Tacitus unter den Ul>erelbi8chen 
Völkern auffuhrt, entstellt und SpapaÄeivoi SouapÄeivoi ("lir (pocpxSEivot 
zu bcBaeni sei. Diese Vermutung sowie die feraere, dass die Heruler 
kein anderes Volk seien als die Suardones unter neuem Namen, ergriff 
und stützte J. Grimm, indem er Suardones und Heruli für Syuonymn 
tu'klärte, jener Name gehöre zu gotisch svaird ^ aiid. siiert, dieser 
zu got. hairus, beides bedeute '.Schwertmänner'. Aus diesen Ver- 
mutungen und Voraussetzungen ergab sieh die Fotgerunj;, dass die 
Stammsitze der Heraler an dem südwestlichen Winke! der Ostsee 
lagen*), und der Name der hei Lübeck in die Trnve nitindenden 
Schwartau (wahrse heinlich gleich hoehdeutsehem Schwarz» 'Sohwarz- 
wasser') schien, als Suai'donenwasser erklärt, vieleu diese Folgeruug 
aufs beste zu bestätigen. 

Jene Vermutungen waren ihrer Zeit so anspreehend, die Müuuer, 
welche sie vertraten, so bedeutende Äuctoritäteri, dass die aus ihnen 
gezogene Folgerung allenthalben Zustimmung fand und als sichove 
Tbatsache betrachtet wurde. 

Heute vertritt nach den Fortschritten, welche (intmmatik und 
Ki-itik gemacht haben, niemand mehi' jene Vermutuiigeu ; nicht einmftl 

•) Zeiiss, Die Deutaclipii iinil die Nadibarstämme (1887) S. 154. 47ß. — 
J. Orimm, Geschichte der deutuchen Sjirache S. 470 f. — H. Mßller glaubt iu seinem 
an Belbstandiiicn uod auregeuden Bemerkungnu zur alteu Ktlmoera|ihic rochen 
Buche 'Das altenglische Volksepae' (1883) I S. 27 atinelunen 7U üfirfen. dua die 
Schreibuüg *P%aa,izvnl deiiBelben laiitliihen Wert habe, als wenn ßapäivOL 'Bardeo' 
stünde und nielit in ilmeu die Headhobearden des Widsidh. l>aBH iu die Lautgruppe 
rd ein a oder o eingedrungen »ein küaue, wird mau :(ugeben, auch wetui man die 
Porahtaueo den Aribo (Acta SS. Spt. VI, ins) oder die Parathaucn dex Meginfried 
(ebd. !, 496 MG. SS. IV, 4.W) nicht für Ijuigobardeu (a. Rettberg, Kirchengesch. 2, 
101 {. und Itudbart, Arcliiv f. Uberfranken i, IIB ff.) halt. Dagegen ist unerbürt, 
da»B deutsche« anlautendem b (oder v) durch lat. f, grietli. ^ wiedergegeben 
nird. Die sarmatiacben tl'ooUYOyoiwvsc, s. Jahn r*. 29, Bind wohl nicht 'mit Not- 
wendigkeit' Burgunder, die bei Ptolemaeufl Boup-jTCjvTol heinieu, such liegt hä 
jener Namensfotm keine deutsche Lautauffassung vor. Vielleicht gehfirt der Name 
der Pharodinon zu ad. fard, an. feriihr 'Fahrt, Furt' und bedeutet die an den 
1-urten Wohnenden. Zu den Wohnsitzen, die ihnen Ptolemaeus giebt, stimmt diese 
Bedeutung gut. 



flip TOn Grimm gegebpiie Etymologie hat sich als haltbar erwiesen*). 
Nichts desto weniger begegnet man noch allenthalben der au» ihnen 
f;ezogenen Folgerung über die Heimat der Heruler. Das Resultat 
blieb bestehen, weil man vergessen hatte, wie es gewonnen war. 

Die Geschichte seiner Entstehung enthebt der Mühe, es üu wider- 
legen, und ich kann nunmehr auf eine für die alten Volkssitze selir 
lehrreiche Stelle <les Pvokop von Caesarea eingehen. 

Ein Teil der Heruler, wekher aus seiner Heimat ausgewandert 
war. hatte sich in dem heutigen Herzogtum Unter-Österreich nieder- 
gelassen. Als diese, erzählt l'rokop**), zur Zeit des oströmischen 
Kaisers Anastasius (491 — 518) von den Langobarden besiegt ihre Sitze 
aufgeben mussten, Hess sieh ein Teil derselben in Illyrien nieder, 
während die übrigen durchaus nicht die Donau überschreiten und von 
den Römern abhängig werden, sondern lieber am äussersten Ende des 
Erdkreises sieh niederlassen wollten. Diese zogen unter der Führung 
«shlreicher Mitglieder des königlichen Geschlechtes durch die Gebiete 
der gesanimten Sklabenenstiimme , durchschritten dann eine weite 
Einöde und kamen darauf in das Land der Warnen. Nach diesen 
durchzogen sie, ohne von irgend einem dieser Völker gehindert zu 
werden, das Gebiet der Danen. Dann am Ocean angelangt, schifften 
sie sich nach Thule ein und blieben auf dieser Insel. Zu den Be- 
wohnern derselben gehörte das zahlreiche Gautenvolk. In dessen 
Niichbarschaft siedeften sich die Uerbeigczogenen Heruler an. Prokop« 
Thule ist die skandinavische Halbinsel, nach Ansicht der Alten eine 
rings von Meer umflossene Insel, Von den Gauten führt die schwedische 
Landschaft Götaland, von Snom***) (lautland genannt, den Namen, 
welche nördlich von Hailand und Schonen gelegen ist. Hier in Ilalland- 
Schouen, neben den Gituten in Götaland, fanden nach Prokops Kericht 
die Heruler Aufnahme. Da die Ortsnamen auf -leben oder -lof, wie 



*) Aiirh Mnilenhoff hatte Nordalh. ültiid. 1, 119 n. fl. die ^iiitrdonea als 
Schwertleute gedeatet, ohne sie jedoch für Heniler wi halten. Z». f. d. Alt. 11, 
ÜClfi erkl&rte er Jedoi-h selbst diese Etymologie als unzulässig. 

•*) Proi'opiiiB Ite bello gotliiro II. o. 15 'Hvl^ck ■'Epoij)kOi .VxvvoflätpSüiv 

l; -ri iv ll.Äupioi; i^wpi«, oi 5e St; öXXoi (sc, 'Epou^oi) 'Icrpov ttotoijaöv 
Suiflgc(vEiv d'iÄxji'ü »Y^oüCJtv, iX/ s? a>JTBts ttou xi« i'r/ai.'rKLi; tu; oixou|UvT); 
iSpüoavTO. oiJTw YoOv -rtikX&v kit. toO ^«iiXgitnJ x^^xTa^ r.yüv^yiiiv oipi^iv 
{}iei<J'KV y.i■^ Tx £%>!xßr.vüv e6vii ift^fii ä-xvra, ifn^t ^i '/J^?'-'' Siscßäv-rc; 
IvOevSe iToX^r.v ic -ro'j( OJc^pvou; XK^»u|/ivou; zyiä^riixv. [j.iii' oü{ S'n KAt 
Sxt&i rx iövr T:9ip£Xp«|*öv vi ^a^o^ittav ipfi^ töv -rtiSe fiapfJaptuv. ivOevSe 
TS e; (ixEavdv i^ptxofjLevoi 'jvxutO.Xovto , 0ouX-y; te 7rpoa-/_6vT£; t^ viisw 
wrcoü EiABivKv . . . (Ea folgt eine Aufzählung der Volker Thules und die Schil- 
derung ihrer Sittcoj ovTw -iEV OoyllTai ^toOuiv. wv i9vo; Ev TioÄuivöpwTrov 
ol rscJTOi eici, TKtp' ov; S^ 'Ep6u7,(öv töte ol iiTn^ÜTai iSpucarro. lo detu 
letiten Sntsie heisst TTXp' otj; 'neben ihaeo', 'an ihrer Seite', nicht 'bei ihnen (^^ inner- 
halb ihrea Qehietes)', wie gewühnlirh falsch Übersetzt wird. 
'^j llciniskringla 2, 97. vgl. Zeiiss S, Bll nota. 



i_ 



30 



len oder 1 
icn und ^ 



(Ue vorige Untersuclinng (s. S. 19 ff.) gezeigt hat, auf herulischen i 
warnischeii Ursprung liinweiaeu und dieselbeu übei' Schoueu 
Hallaml verbreitet aind, wahrend Gotaland kein emsiges Beispiel bietet, 
so betitätigt sich vou dieser Seite die Nachricht des byzantinischen 
Scliriftstellera in vorzUgUeher Weine. 

Wie erklärt es sicli nun, das« jene Heruler, welche Rieh weigern 
die Douau su ii])eräeUreiteu, von Österreich aus iu das ferne, iiber- 
seeiäche Schweden wandern, otfenbar in der aicheren Voraussicht, dass 
ihnen hier bereitwillig Aufenthalt und Äckerbesitz zugestanden werde? 
Schimon, die Kornkammer Schwedens, besitzt den besten, fruchtbiirsten 
Boden, den es in Schweden giebt. Es wäre scliwer verotändlich, dass 
die zugezogenen Heruler von dem fremden Volke der Gauten erwarten 
durften, überhaupt Laud zur Bebauung zu erhalten. Widersinnig 
wäre es aber anzunehmen, daas ihnen gerade der be^te Boden des 
Landes von den Besitzern abgetreten worden sei. Man wird daher 
die soviel ich sehe unwidersprochene Annahme der meisten Gelehrten, 
dass die Gauten die Heruler in ihrem eigenen Gebiet aufgenommen, 
d. h, ihnen Acker zugewiesen Imbeu, fallen lassen müssen. Vielmehr 
ist die Nachi'icht Prokops nur so /u verstehen, dass die Heruler in 
die alten Sitze iJires Volkes zurückkehrten und hier bei den in der 
Heimat verbliebenen Stammesgenossen Aufnahme und Äcker erhielten. 
Daas das Hecht an den Ackern der Heimat den ausgewanderten Volks- 
genossen gewahrt wurde, lehrt z. B. folgende von Prokop mitgeteilte 
Nacliricht*). Als die Vandalen Paimonien verliessen, war ein Teil, 
der dem Könige Godegisel nicht folgen wollte, in den alten Sitzen 
verblieben. Als nun spater zu König Geisericha Zeit die ausgewan- 
derten Vandalen Afrika und Sardinien erobert hatten, sandten die iu 
der Heimat verhUebenen eine Gesandtschaft nach Afrika, um ihre 
dort zu neuem Besitz gekommeueu Volksgenossen zu bitten, auf ihr 
Anrecht an den Ländereien in der Heimat zu verzichten. Bekanntlich 
mussten die Gesandten heimkehren, ohne ihre Bitte erfüllt zu sehen, 
da in Anbetracht der Veränderlichkeit aller menschliehen VerhältniBse 
Geiserich und die Seinen auf den Rat eines weisen Greises ihre An- 
rechte festhielten. 

So müssen auch die Bender, welche sich vou der Donau nach 
Schweden hegeben, Rechtsansprüche an dem Grund und Boden in 
Hallaud-Schonen besessen haben. Diese Ansprüche auf Wahrung des 
Ei gentnmsr echtes an den Äckern in der Heimat erklären sich übrigens, 
was noch nicht bemerkt worden zu sein scheint, aus der hei den 
Nordschwaben und gewiss auch andern Übereibischen Volksstammen 
geltenden erbrechtiichen Bestimmung, dass der Mann von Männerseite 
ohne Beschr,änkung des Grades erbt und er sein Erbrecht durch Ver- 
jährung nicht verliert**). 

Der Mar.'tch, welchen jene Heruler einschlugen, um nach Schonen 

•) De Ijello Vandalico I c. 22. 

**) Vgl. äacliseDspicgel I 17 g 2, 18 g 1, 19 § 1. 29 nacL v, Richtbofen, 
Zur Lex Saxounia S. 40.^. 



zu gelanpicn. ging auf seiner ersten Strecke, von Wien bis Pommern, 
der gewöhnlichen Handels- und Vülkertttrasso entlang, welche durch 
das Karpathentbor führte und die Oder begleitete. Auf seiner letzten 
Strecke ist er offenbar durch die »ehr begreifliche Unmöglichkeit be- 
stimmt, eine genügende Anzahl seetüchtiger Seh iffsfahrz enge zur Eiu- 
schiffuug eines ganzen Volksteilen niitsamnit der Pferde und falirenden 
Habe, etwa von der Mündung dei- Oder hinüber nach Schonen, zu 
erhalten. Darum der Landweg, so sehr er auch Umweg war, durch 
Holäteiu untl Scldcswig, Der Übergang vom Festlaude nach Fünen 
bei Middeli'art, wo heute den Verkehr eine Fähre veradttelt, von 
Seeland nach Schonen bei Helsingör konnte gar keine Schwierigkeit 
machen. Die Überfahrt über den grossen Belt war wenigstens wesent- 
lich leichter als die Übeifahrt von Vurponunern nach Schonen zu 
bewerkstelligen. 

Die Heruler gelangen von den Warnen zu den Dänen, von den 
Dänen nai-h Schonen. In Seeland, vielleicht auch Fünen müssen dem- 
nach bereits im Anfang; des sechsten Jahrhunderts Dänen gewohnt 
«nd ihnen gegenüber, vielleicht in Fünen, jedenfalls aber auf dem 
Festlaudc Warnen gesessen haben, wenn l'rokops Itericht genau ist. 

Miilleiilinff*) netzt in der That die Wiinien nat^h Nordschle^wig 
und Siiiljüthiud, also gegenüber der Insel Fünen, und stützt diese 
Annahme niicli duiTJi folgende Grunde. Erstens weil Taeitua, der bei 
der Aufzählung der von ihm in der Germania genimnten Völker 
Ordnung und Reihenfolge wahre. cil[>. 40 Ueudigui, Aviones, Anglii 
Varini Kudoses usw. liintereinMider namhaft mache, müssen die Warnen 
uürdUch von Angeln, südlich von den jütischen Kudoses gesessen haben. 
Zweitens, weil von der ehemaligen Anwesenheit der Warnen in diesem 
Ciehiete der alte Name des an der Südseite des Apenrader Meerbusens 
gelegenen Ortes und Vorgebirges Warniti (in Waidemars Erdbuche 
T. J. 1231 WarnwM d. i. Promontorium Varinorum) zeuge. 

So vorzüghcli auf der einen Seit« die Nennung der Warnen als 
Nachbaren der Dänen auf die nordschleswigschen Warnen des Tacitus 
zutrifft, so wenig stimmt auf diese die weite Einöde, welche die 
Heruler durciiwandem müssen, bis sie zu ihnen gelangen. Vielmehr 
masB sie der Weg, sobald sie die im ti. Jahrh. bereits slavische Oder 
nberschi'itten hatten, durch den bis zur Ostsee reichenden Teil des 
thüringiseh-herulisch-waniischon Reiches, sowie die Stanimgebiete der 
Mordschwaben in Schleswig-Holstein und der Angeln in Schleswig ge- 
fuhrt haben. Zwar ueimt Helmold Wugrien, Beda**) Angeln eine 
Einöde, aber diese Bezeichnungen trafen doch erat tui' die Zeit nach 
der Schlacht von Cerdicesford zu, als die Bewohner dieser Gegend 
massenhaft nach Kugland ausgewandert waren. Auch waren zur Zeit 
des Herulerzuges die Slaveu noch nicht bis Wagrien vorgedrungen. 

Um HO besser stimmt die Angabe Prokops, das» die Heruler 

•) NnrdallnngiscIiP Studien I, 129. 

") Bcdu, Hisl. ecci. I c. lö. Qla patrift quae Angulus dicitur et ; 
pnre usqn<^ Imdic muiicrc dcBcrtus inter provincias Juturuni et Saxonuin 



J 



32 

zunächst durch alle Volksstämme der Sklabenen »ml dann eine weite 
Einöde durchgewandert «iud, ehe sie zu den Warnen kamen, wenn 
tlie warnische Provinü des thüringischen Reiches, xu der das heutige 
Meklenburg gehört haben niuss, gemeint ist. Das« diese oder dits 
thüringiach-warnische Königreich — denn zur Zeit des Hei-ulerzuges 
hatte dieses Gebiet einen Spross des thüringischen Kömgshau«ps zum 
Könige — ausser der heutigen Provinz Sachsen nördlich der Unstrut 
auch noch Meklenburg umfasste, ist, wie sich später ergeben wird, 
auch noch aus einem andern (trunde wahrscheiuhcli. Die Strasse, 
welche von Österreich nach der unteren Oder und Meklenburg führte, 
ging durch die heutige Neumark und durch die sumpfige, unbewohn- 
bare Oderniederung*). Die Neumark konnte mit allem Fug eine weite 
Einöde genannt werden, war sie es doch noch im 12, Jahrhundert in 
einem Masse, das» man tagelang in ihr reisen konnte, ohne auf 
Dörfer zu treffen. (Vgl. Meklenb. Jahrb, 6, 13.) 

Man rauss annehmen, dass Prokop beide wartiische Gebiete, das 
kleine schleswigsche Stamnihind und das thüringisch-wamische Oehiet 
zusammengefasst hat. Man kann das um so eher annehmen, weil 
Prokop an einer anderen Stelle**) die niedp.rrheinisehen Warnen mit 
den thüringischen gleichfalls als ein Volk zusammenfasst, wenn er sie 
nicht mit den Thüringern geradezu identiticirt, indem er sagt: die 
Warnen sitzen jenseits des Donaustromes bis zum nördlichen Ozean 
und dem Rheinstrora, der sie von den Franken und andern Völkern 
trennt. Dass Prokop den Warnen ein so grosses (iebiet zuweist, 
wird vielleicht dadurch begreiflich, dass das wamisch -thüringische 
Königreich ungefähr zur Zeit ■ des Herulerzuges oder kurz darnach 
die rührende Stelle im thüringischen Reiche einnahm. 

Die vorstehenden Erwägungen haben ergehen, dass im ersten 
Viertel des sechsten Jahrhunderts in Schonen Heruler. in Nordschleswig 
Warnen, in Seeland und vielleicht auch Fünen Dünen snssen. Die 
den skandinanschen Stämmen fremde Ortsnamenendung -lef, welche 
über Seeland und Fünen verbreitet ist. gieht den sicheren Beweis, 
dass auf diesen Inseln vor den Dänen Juten, Warnen oder Heniler, 
angesessen waren. Der geographische Zusammenhang Fiiuens mit 
Schleswig, Seelands mit Schonen weist Fünen vielleicht den Warnen, 
Seeland den Herulern zu. Eine ausdrückliche Bezeuguug sichert die 
letztere Annahme. Jnrdanes***) weiss, dass die Heruler aus ihren 
Sitzen von den aus Schweden gekommenen Dänen vertrieben sind. 



•) r>ie Richtung der Strassen, welche von der Donau durch das Karpathen- 
thor «der die Gratzer Schluchten, zunächst auf der rechten Seite der Oder und 
durch die Kurten der Warthe und Netze zun baltischen Meere führten, hat mit 
Hilfe der archtiologischen Funde und der ehemaligen hydrographischen Verhältnisse 
gonaaer zu hesrimmen versucht v. Sadowski, Die Handclustraasen der Oriecben und 
Römer durch dni FluBseelviet der Oder, Weichsel etc. Aus d. PoId. von A. Kohn, 
Jena 1877. 

•') De hello Gotico IV a. 20. 
•*•) De rebus Oeticia c. 3 Dani ex iiianrum (Scandiae cultnrutn) stirpe progresai 
BeniloB propriiä sedibus expuleruut. 




Da (lie Nachrichten des Jordanes auf Cassiodftr und Ahlavinn zurtick- 
geheu und gerade der ietütere Gewährsmann fiir seine Angaben über 
die Herulcr ist, so inuss sich auch die Nachricht von der Verti'eibung 
der Heruler dui-ch die Dänen spütestenR auf die Zeit des Ablavius 
beziehen. Dieser hat sein Geschichtswerk vor Ciissiodor, da <lieser 
ihn au SS i'h reibt, verfasst*), also zu einer Zeit, als die Heruler, wie 
wir gesehen haben, noch in Schonen sassen. Es kann sich demnach 
die Nachricht des Jordanes nicht auf Schoneu, aoudem nur auf See- 
land und vielleicht auch Fünen beziehen**). 



Ich kann mir nicht versagen, hier die nachfolgende Erwägung 
über die in früherer Zeit auf den Inseln Seeland und Füneii ansässigen 
Volksetämrae anzuknüpfen. 

Offenbar war Prokops Meinung, dass die Dänen auf Seeland 
noch dem l-'estlande, der eimbrischen Chersonea, augehorten. Erst 
bei ihnen lässt er die Heruler 7.u Schiß^e steigen, um die Fahrt nach 
der Insel Thule, die ihm mit Skaudia identisch ist, zu unternehmen. 
Mit der Anschauung, dass zwischen Skandia und der schleswig-jütiaehen 
Halbinsel der Üzean Hute, ohne dass geräumige, ganzen Valksstämmen 
Ranm und fruchtbare» Ackerland in Fülle bietende Inseln, wie Fiineii 
ond Seeland, den t'bfrgnng vermitteln, steht Prokop nicht allein da. 
Die alten Ptolemaeuskarten, sowohl die Wiener als die des Athos- 
kJosters, bieten beide nur die üblicheu drei Inselclien, die die Anwesen- 
heit mehrerer kleiner Inseln im Meere andeuten aollen, gleichwie vor 
der Elbmiindung drei Inseln der Sachsen, im Nordwesten Jütlands 
drei Alokische Inseln genannt werden. Auch der Text des Ptolemaeus, 
der auf Skandia sechs, auf der eimbrischen tjhersones nicht weniger 
als acht Volksstänune unterbringt, lässt die Existenz geräumiger 
Infieln, auf denen ganze Volksstämme wohnen, nicht ahnen. Dasselbe 
ist bei Tacitns der Fall, er zählt sieben Völker auf der Halbinsel 
anf, mehr als mau auf ihr unterzubringen weiss, er kennt die Völker 
nn der Siidküste der Ostsee, er ist über Völker unterrichtet, welche 
Schweden bewohnen — aber keine Erwähnung, keine Andeutung 
Fünens und Seelands. 

DasH Tacitns und Ptolemaeus eine verhältnismässig genaue 
Kenntnis der Völker sowohl auf der jütischen als auch auf der skan- 
dinaviBchen Halbinsel gehabt haben, ohne das geringste von den Be- 
wohnern der zwischen beiden gelegenen Inseln zu wissen, wäre nicht 

*) a. Mominseti'a Einleitung Kiim Jordanis R. XXXVII f. 
**) Dhss Secltiud der Ursitz der dänhrhen IlPtrsrliafl, welche aicli von liier 
ms nach Srlioncii und .lütland verlireitete, geweaeu ist, bat die mittelalterliche 
Tradition festgehalten, ('hroniroii Eriei bei Langehek, Striptt. 1. tfiO; Petri Oliii 
Chron., ib. 1, 77. Ö3 ; Annal. Esrora. ib. I, 223 f. Vgl. Ulrici, Die Völker am 
Ostaeebecken (1875) ü. 15, Desgleichen stimmt die Tradition, wnnai-h Kimig Dan 
ein Sohn des Hnmbliis aiia Schweden ist |.Saxo Oramm. p. 21 Müller) mit Jordan«^ 
in Betreff der Hchwedischen Herkunft der Dänen uberein, Dass Dänen Bundea- 
nicbl ätammesnanie ist, deute! Prokops Ausdruck lAxvüv ts iHvr, an. 



allein wunderbar, es iBt geradezu unwahi-Bcheinlich. Sollte diese auf- 
fällige Erscheinung dadurch sicli erkläre», dasn beide, nline genauere 
Keiiutni» der geugrajjhiBchen (liiederuiig der baltisi;hen Gebiete, tils 
Uewohner des ('esUaudes, ebenso wie es nai^hweislich bei Prokop der 
Fall ist, Völker aufgezählt haben, welche iu Wirklichkeit Bewohner 
von Fiinen, Seeland, Laaland und Falster waren V 

Die Hinzurechnung Fünens /.um Festlan^le kann eigentlich nicht 
einmal wunderbar erscheinen. Fünen ist dem r'eatlande so nahe — 
der kleine Belt ist am Noi^leingange nur ti50 Meter breit — , dass 
mau es allenfalls mit demselben Recht oder Unrecht zum Festlande 
rechnen kann wie den nördlichsten Teil Jütlanda, der in Wirklichkeit 
eine Insel ist. 

Bei der Voraussetzung, dass ebenso wie Prokop auch Tacitas 
und Ptoleniaeua die Fünier und Seeläuder fiir ISewohner der jütischen 
Halbinsel gehalten haben, erscheinen ihre Angaben in ganz anderem 
Lichte, wie die nachfolgende Betrachtung zeigen wird. 

Nachdem Tacitus, der bekanntlich die einzelnen Völker in ricli- 
tiger geographischer Reihenfolge zu nennen pflegt, von den Semnoaeu 
und dann von den Langobai-den gesprochen hat, verzeichnet er Ger- 
mania cap. 40 die Namen der dann (auf die Langobarden) folgenden 
Völker: Reuäigtii deinde et Aviones et Änijlii et yarini et Eudoses et 
Suardones et Nuit/iones. Der letzte Name zeigt in seiner erdtcn Silbe 
die undeutsche Lautverhindung nni und niuss gebessert werden. Die 
beiden Änderungen dieser Silbe, welche möglich sind, ergeben die 
Nameu Nurthanes 'Nordleute' und Vitkoius 'Waldleute" (vgl. widu 
'Holz, Wald'). Die letztere Besserung hat die Gewähr grösserer Wahr- 
scheinlichkeit und ist deshalb von J. Grimm und den meisten übrigen 
Editoren der Germania in den Text aufgenommen worden*). 

MüUenhoff bemerkte, dass dieser Aufzählung die thatsächliühe 
Aufeinanderfolge der Völker in der Richtung von Süden nach Nordan 
zu Grunde liege, und er versetzt demgemäss die vier ersten auf die 
Halbinsel, die Eudoses, deren Name mit dem heutigen der Juten 
identisch sei, in deren Spitze. Da er nordwärts von Jiitland Suardoneo 
und Vitbonen nicht unterbringen kann, versetzt er dieselben, eine 
selbständige zweite Völkerreihe annehmend, gleichfalls nach Holstein 
und ins Lauen bürgt sehe. Hiermit verstösst Müllenhoff freilich gegen 
seine eigene Voraussetzung einer strengen geographischen Reihen folge. 
Wären die Suardones und Vithones wirklich die Bewohner Lauenburgs 
und eines Teiles von Holstein gewesen, so müsste Tacitus diese Völker 
nicht zuletzt, sondeni gerade üuerst genannt haben, da die Suardones 
dann die nächsten Nachbaren der gegenüber von Lauenburg an die 
Elbe grenzenden Langobarden gewesen wären. 

Nehmen wir an, dass die Bewohner Fünens und Seelands mit 
aufgezählt sind, so würden auf die Reudigni und Aviones in Holstein 

*) Vgl. Mlilleahoff, Zs. f, d. Alt. 9, 256 und lie»<H)ders Müller H. 6. Näher 
Iftge es Doch, das htil. nuithones in umthoiteg EU äiidurn, wenn sich hioraue nur der 

Nam« dc9 Vet\d»yMeU (bei Adam v. Bi'ciiLeii : Weudilii insatal ubleiteu lieaae. 



S5 

die Anglii in der Landschaft Angeln und die Varini im nördliclien 
Schleswig und südlichen Jiitland folgen. Die Eudoses, Suardones und 
Vithtines würdon dann die Bewohner des nördlichen JütlandH, Fünens 
und Seelands sein müssen. Die Entscheidung, welches dieser drei 
Gebiete jedem einzelnen Volke zuzuschreiben sei, wii-d verschieden 
ausfallen, je nachdem man in der Eeibenfolge der Völker auf die 
Varini zuei-st die Nonijüteii dder die Ftinier folgen lagst. In jedem 
Falle hat man als alte Hewohner Seelands entweder die Suardones 
oder die Vithones anzusehen, ebenso hat man die Vithone« entweder 
in Nnrdjütlaud oder in Seeland zu suchen. Für die letztere Aimahtue 
spricht, dass die seelündisvhe Inselgruppe im Mittelalter Vitkealrt 
*Vithenfeld' genannt wird*). 

Fassen wir die Angaben des l'tolemaeus ins Auge, bo finiien wir 
bei ihm zwar gleichfalls die Völker in derselben geographischen 
Reihenfolge von Süden nach Norden verzeichnet , aber vollständig 
andere Namen. Zuletzt nennt er die Phun(d)usier im Westen, die 
Chamdes im Osten, und nördlich von beiden die Cimbern. Das Wort 
Charudes, zu ahd. /mrt -Bcrgwald, Wald' gehörig, fällt durch seine Be- 
deutung mit dem Namen der Vithones zusammen. Bezeichnen beide 
Namen dasselbe Volk, also die Bewohner Seelandea und seiner 
Nachbarinscln, des Vitheslets, so müssen die Phun(d)usier, welche nach 
Ptolemaeus westlich von den Charudes wohnten, die Bewohner Fünens 
gewesen sein. Ist diese Folgerung richtig, so scheint die Überein- 
stimmung des Ptoleraaeiachen Volksnainens mit dem spüteren Namen 
der Insel beachtungswert. Im fiegensatze zu andern Handschriften, 
welche die in die Texte aufgenommene Lesart •t'ouvSo'Jcioi gehen, hat 
der frühere so gut als unbekannte cod. Vatic. 109 (Müller's X), der 
anerkannt alle übrigen H.iudschriften un GUte übertrifft und oft allein 
die richtige Namensform bietet, die Lesart 'l*ouvoü>noi, eine Form, der 
lateinisches F^ntutü , FunisU , vielleicht auch Funesii entsprechen 
würde**). Hiennit vergleiche man nun, dass die Ülteate Nennung der 
Insel im Mittelalter in der Form f\i«ia geschieht •**)■ Fun- würde 
dem Ptolemaeischen 'houv- allerdings entsprechen. Da jedoch neben 
Funis die übrigen Namensformen Finnis, Fiunia usw. zu beachten sind, 
so würde man als Ptolemaeische Form vielleicht '('euvouaioi (*Fiun-) 
anzusetzen haben. 



■) Die Identität des Namen nimmt auch Mitnili. Annalur f. nnrd. Oldkviidighed 
1648 8. 371 an : 'Vuithones kau ikke vsere uoget aiidet l'olk, end de samne With-er, 
efter bvUke SJEeland med nft^rniest omligi^endo Üer engang havde Bit Nbvd'. Vgl. 
Langebek SS. I, 150 Tempore illo Dan. tiliiis Huiaiilie, de Sveda veoiens, regnavit 
ran«r SialaDdiam, Mniien, Kalater et Laland, ruins regntiia dk-ebatur Withcsleth. 
Femer ehd. 1, 74. 75. 77. 22.1. 224. II. 2ri». Zeiiäs H. RW f. 

•*) Vgl. XipOuSE?, lat. (im Mon. Aucjr.) Charj/dta; OJiTroul»?, Vialula, 
Vi»tiia, später Vgsla. 

—) Bei Adam von Bremen, MG. SS. 7, 2Ö2. 373; Formen späterer Jahr- 
hnaderte (Fionia Fiunia Fnonia Fjon Fi/nd usw.) bei Langebek SS. 9, 308. Die 
Bewohner werden FlintnseM, Phetmes, Fionu u, i. üennont. 

3* 




u 

Die Nactirichteu des älteren Plinius mÜRseit gleichfalls zur LÖBung 
der Tou uns behandelten Frage herangei^ogen werden. Es aJnd in 
seiner BeachreibiiDg des nördlichen Germanieiis zweierlei Angaben zu 
scheiden, erstens solche, welche mittelbar oder unmittelbar vtir- 
augiisteitichen griechischen Schriftstellern entnommen sind, zweitensNach- 
richten, welche die Römer bei ihren Feldziigen und Flotteufahrten ein- 
gezogen oder durch Autopsie gewonnen haben. Jl'uo ersten griechischen 
Nachrichten aus älterer Zeit sind unzuverlässig und znm grossen Teil 
Fabeln. Da Plinius bei einzelneu Nachrichten dieser Gattung seine 
üewährsmänner nennt und die Quelle der übrigen Pomponius Mela 
war, dessen geographisches Werk uns erhalten ist, so sind wir im 
Stande, die teils aus Mela, teils anderswoher übernommenen Angaben 
auszusondern. Die übrig bleibenden Angaben dürfen wir als gut ver- 
bürgt ansehen. 

Darnach liegt in oder neben dem Gebiete der Ingväouen*), zu 
wek'Hen Plinius die Chauken, Teutonen und Cimbern zählt**), also in 
der Nähe der cimbrischen Halbinsel der grosse mons Saeuo, welcher 
den bis zum cimbrischen Vorgebirge sich erstreckenden Sinus Codanus 
bilde, dieser sei voll von Inseln und unter ihnen Scatinavia die grösste. 

Der äinns Codanus wird also auf der einen Seite durch die 
jütische Halbinsel eingeschlossen. Die andere Seite der Budit, der 
mons Saevo, kann nicht Scandiuavia oder ein Teil desselben nach der 
Ansicht des Pünius gewesen sein, da dasselbe ja als Insel in dieser 
Bucht liegen soll***). Es muss also Seeland — das, wie wir obeu 
sahen, als festländisch galt — der mons Saevo und der Kattegat der 
Sinus Codauus sein. Es scheint zu der Annahme, dass letzteivr nicht 
die Ostsee sein soll, zu stimmen, dass diese an eüier andern Stelle des 
Plinius (IV, 27) mit dem Namen Lagnus bezeichnet wird. 

Sieber ist, dass das Bergland, der mons, welcher den Sinaa 
('odaims begrenzt, nicht einfach Saevo geheissen haben kann, d«ui 
Saevo bedeutet 'See', es muss vielmehr einen Namen gebabt haben, 
dessen erster Teil Saevo war, während der zweite durch mons wieder- 
gegeben wird. Seeland war, wie wir oben sahen, von Charndeu be- 
wohnt, Charud bedeutet 'Wald, Bergwald', der alte Name Seelands 



*) PlioiiiB Nat. liist. IV c. 27 riiancsioniin (ar. insulae) aliae, iu quibuB nuda 
aUn(|iii rorpora praeia'andes ipsonun aiires tnta contegant, Incipil deinde cUrior 
aperiri fama ab genie Inguaeomim quae est prima in Germania. Mona Saevo ibi 
immensus ner Riphacis iugis minnr ininaaem ad (.'imbroriim iisqiic pramuatariaul 
eflicit siuum. qui Codanus rncatur refertus inaiilia qiiaruDi clarisaima est ScatiDstia. 
Vgl. hiermit Mela », Ötl. 

**) N. h. IV r. 2tt alteriiiii gcniis liigiiaones qiinnim pars Ciinhri Teiitoni 
ar ChRucorum gentes. 

***) Auch an Norwegen darf man nnter der Annahme, dass Plinius dieses für 
ein besonderes von der Insel Si-atinavia gescbicdcneii Land halte, nicht denken, da 
nach der Anschauung des Plinius wie der Alten llberhaupt nürdlich van Kkandinarien 
der den Erdkreis umspülende Uzeun tlulet, also Plinius nicht die Vorstellung 
iiürdlii'b von ^catinavia gelegenen Festlandes gehabt haben kauii. 



■sieriimg eines 



müfiste demnach Saevochanid (* Saim-hnrnd) -Seeliard' 'Seeharz' ge- 
weeen sein*). 

Wie der atte Xanie Seelands *Saiva-karud skh allmiihlkh zu 
seinem heutigen iimgestaltet hat, lasst sicli aus der Vergleichung der 
beide vermittelnden mittelalterlichen Foniien vermuten. Der erste 
Bestandteil des Namenw saim- entwickelte sich in derselben Weise zu 
s«- (se-) und sin- (sio), ^^^e in anderen ComjiOBitis, Nicht so einfach 
verhält es sich mit dem Übergänge von -harad zu -land. Das Wort 
-hamd ist in älterer Zeit in Deutschland allgemein bekannt gewesen, 
wie die Namen des Harzes, Spessartea (d. i. Spehtes hart), des Ilothaar- 
gebirge!*, der Haardt, des Manhartberges nsw, zeigen. Dass die 
Charuden, (he alten Einwohner Seelands es kannten, zeigt ihr eigener 
Name. Im 3, — 5. Jahrh. bemüchtigten sich Seelands die aus Schweden 
gekommenen Dänen. Bei ihnen war das Wort ungebräuchlich, wie 
daraus zu achüessen ist, dass es keine der skantiinavischen Sprachen 
kennt, weder das dänische oder schwedische noch das nordische. Man 
setzte an seine Stelle das bei den Skandinaveu übliche Wort für Wald, 
das an. landr, im Dativ und Accusativ, den später als Nominative 
geltenden Casusformen alter Ortsnamen, lundi und lund lautet. Ks 
entstanden somit die Namensformen S<p- (Se- Sta- Sio-) lundr, -lundi, 
-Imtd. Die allererste Erwähnung Seelands bietet Tbietmar von 
Merseburg, l^ib. I c H : Est unus in his partibus locus, caput istius 
regni, Lederun (Dativ zu Ledern, der dänischen Stadt Leire) nomine, 
in pago, qui Selon äicitur. Selon"), von Thietiiiars eigener Hand in 
das Maniiscript eingefügt, ist Dativ zu Se-lö und bedeutet Seehain, 
ea ist also die Übersetzung des noch von Thictmai'H Gewährsmann 
Appellativ verstandenen Se-luudi 'Seehain, Seewald'. -Ittndi scheint 
übersetzt in -Ion zu sein, weil wie harud den Dänen, so lundr den 
I>eutscben unbekannt war. Den hier vo raun gesetzten altdänischen 
Namen Se- ("oder Ski- etc.) lundi treffen wir ferner in der Form Siu- 
liatti auf dem ältesten monumentalen Denkmal, welches die Insel nennt, 
nämlich auf dem zn Rük in Ostergötland gefundenen Runenstein***). 
'I Der Manliansberg (man 'Mond') lieUst bei Flolem&en» (s. Möller S. 3.'il) 
\oOva 'Ar,. So hätte auch Pliaius )iier riclit von einem groBsen Gebirge (Mona) 
sondern von eiaer Silva Hpreclien soUeu. Er oder vieluiehr sein Tiewaiirsinann /n|; 
die Üherseizuiig durch mon« vor, weil den Rümem das Wort hard gerade in 
deulRi'heiL I lebirgiinamen bekitnnt geworden war. In ähnlicher Weine beetnflusste 
der Nftinc Skandinaviens die Ansrhaunng der Alten. Schonen ist in der Tliat, ehe 
die Ilcliiiiig der Küste e» mit dem nördlichen Fesiiande verband, einmal Insel ge- 
wesen (vgl. Maak, Zeitschrift f. allg. Erdkunde. N. F. 'J (Iö60) S. 6; Pcschel, Neue 
Probleme. 2. Aull. S, Ol). Diese prähistorische Qeologie tSchoncus kann den 
spttteron Xamen Scandiiiavia weder bewirkt noch den Körnern bekannt gewexen 
Min. Aber weil das deutsche -avia Cnvijo) 'Waoserland, Insel, Halbinsel, .^ue' den 
[Umem besondern in Inselnanien der Nordsee (Austeravia u.a.) aU 'Insel' bekannt 
geworden war, deuteten sie ex auch in Scandin-avia alif Insel nud sprachen von 
der Insel Scandia, i<(att richtiger von der Halbinsel Scandia xu reden. 

■•) Seeland würde hei Thiefmar Seland oder Selond, im Dativ Setaune oder 
S^Omne lauten. Später beginnt in Nordthtl ringen auch h 'Wald, Hain' ungebräudilicb 
SD werden, so heisst das alte Widelo bei Quedlinburg später Widholi. 

—*) s. ßugge, Tolkniiig af Kuneindskriftcn pS Röksteuen (1878) S. 57 ff. 



L 



Der Name Sia-liuid wich bald einem anderen. Sei es, dass die Be- 
zeichnung dpi' Insel als 'Wald' in späterer Zeit nicht mehr zutretTend 
erschien, sei es, dass die Samen der umliegenden Inseln und benach- 
barten Länder (Langeland, Laalaod, Hallaud, Gutland, Smaland, auch 
Moyland *Möen") Einfluss übten, es entstand der bereits von den 
ältesten dänischen Geschichtsehrcibem und in den Sögur gebrauchte 
Name Sialand (Sioland usw.)*), den die neudänische Schriftsprac^be als 
f^aland imter dem EtnHusHe der Kanzleien festhielt, obwohl Sia- sonst 
im neudänischen Se- geworden ist. Dagegen ist der in däuisohen 
Dichtungen begegnende Name Sjelund 'Seewald' wohl ein poetischer 
Archaismus, der der Skaldeniwesie entnommen ist. Ausserhalb See- 
lands, liei den ältesten norwegischen und isländischen Skalden, hat 
der Name der Insel seine eigene Ueschichte. Sie empfingen ihn, ehe 
Se-land durchgedrungen war, also in der Form Selundi oder Selund 
(Dativ oder Accusativ). Sie hielten diese Form fest, fassteu sie aber 
teilweise un historisch auf, beeintiuBst durch die Analogie anderer 
Namen und Wörter auf -und, so dass vereinzelt Selund als Femininum**) 
begegnet, obwold (tiHrfr 'Wald' gen. masc. ist. Dergleichen unhisto- 
rische oder irrige Auffassungen von Eigennamen sind zu allen Zeiten 
zu häutig gewesen, als dass die Annahme einer solchen sehr kühn 
wäre. Seltener ist der Ersatz eines Wortes durch ein gleichbedeutendes, 
wie er in dem Übergänge von Saiva-Äarad zu i^e-lund(r) sich zeigt, 
zu belegen. Er kommt eben nur vor in den ältesten Zeiten, in denen 
die Eigennamen fast noch als Appellativa verstandeu wnrdeu, und wo 
der abweichende Sprachgebrauch verschiedener Volker wirkte. Ein 
lehrreiches Beispie! bietet die Eider. In der ags, Dichtung ist ihr 
Name Fifcldor; als sie der GreuztlusB der Dänen geworden war, heisst 
sie Agidora, Egidora, nord. JEgisdpr; jenes wie dieses bedeutet Sehrecken- 
thor. Hier treten die Synonyma in dem ersten Teile des Namens für 
einander ein. Der Name eines der Eider benachbarten Gewässers 
bietet ein Beispiel für den Eintritt eines Synonymum im zweiten Teile. 
In der Jomsvikingasaga heisst die Schlei cap. 0. lU Slesdyr, cap. 8 
heisst sie dagegen Slesmynni***). 

Vielleicht darf dem Plinius auch die Kenntnis des Namens der 
Insel Füncn ungeschrieben werden. Mela erzählt von Inseln, deren 
Bewohner (hsl. Sannali) so grosse Ohren haben, dass der ganze Körper 

*) Die veracliiedeuen Formen sind nuüam nie tigc stellt Laiigcbek i^S. D, 710. 
••) Sveiiilijörn Egilsiton, \ax. po£'t., verzeichnet 8. v. Stiund, f. zwei Stellen, 
an denen dflr Name Femininum \nt\ im übrigen kommt er nach ihm (h. v. Sielundr, vi.) 
nur als Mascuiinum, nach der Auffassung anderer nur als Neutrum vor. 

***) Bugge hält a. a. 0, das feminine Selund der Skalden fUr diu ursprüng- 
liche, die Formen der uordisiihen Prosa und der mittelalterlichen (deutscken, skan- 
dinavischen wie angelsächsischen) ßescbichtschreibiiug seien aus jeiicr durch toUib- 
etymologiücho EintlüBse entstanden, er erklärt es als »el- (vgl. nord. selr) mit dem 
Suffin -unii, also »Is 'Seehundsort'. — Sachlich gleich, xprachlicb ». T. abweich^id 
erklärte bereits Claudius Clavius (15. Jahrh.); Seäaadia guae a cane marino 
Sic appeUnla. Nordalb. Stud. 1, 186. — Munch erklärt den Namen als »teilend 
'glückseliges Land', vgl. nord. aaU 'glücklich'. Annaler Ih4U ^. 2tiH. 



durch sie bedeckt werde. Es kann kein Zweifel sein, d&ss die grie- 
rhisclie Quelle Melas die Inselbewohner Punntioi 'GanBohren' genannt 
hat — denn unter diesem Namen kennen jenes fabelhafte Volk eine 
Reihe nn<ierer Schnftsteller — und der von Mela genannte Name 
durch ein Textverderbnis weine Gestalt erhalten hat. Plinius hat die 
Nachricht von diesom Volke Mela entnommen, aber zweierlei selb- 
ständig hin zugefügt. Er weiss, das« bei den Inseln derselben das 
In gl' äon engebiet beginnt und er nennt ihre Einwohner Phanesii. Diese 
Lesart haben wir kein Recht liir ein Verderbnis der handschriftlichen 
Überlieferung zu halten, denn Solinus, der die Stelle aus Pünius in 
sein Werk übernommen hat, bietet genau dieselbe Lesart*). Man 
wird annehmen dürfen, das» Plinius an dieser Stelle, welche die 
aas Mela entnommenen P'abeln nbschliegRt und zugleich die auf den 
römischen Kriegszügen gewonnenen Nachrichten beginnt, hier An- 
gaben aus beiden Quellen comhinirt hat d. h. er wuaste von InBein 
der Phanesier, die neben dem Ingväonengebiete (Schleswig-Jütland) 
liegen, und hielt sie inr identisch mit den iu den Handschriften des 
Mela funnali (verderbt zunächst aus fannafi?) genannten Panotiern. 
Die Fannesier müsaten dann identisch mit den Phunusiem, also Be- 
wohner Fünens sein, deren Name, in lateinischer Form Funusii oder 
Funisii lautend, von Pliniu» der bei Mela vorausgesetzten Form Fannasi 
angeglichen ist. 

Bei den Combinationen, welche die beiden letzten Resultate er- 
gaben, musute mit conjecturelleu Emendationen anerkannt verderbter 
Namensformen gerechnet werden. Die Ergebnisse selbst beanspruchen 
deshalb nur als Hypothesen aufgenommen zu werden. 



k 



Ptolemaeus und die Sitze der 
Semnonen. 



Unsere Kenntnis der Namen und Wohnsitze der zwischen der 
Niederelbe, der Oder und Ostsee im Beginne unserer Zeitrechnung 
aogesessenen Völker stützt sich wetsentlich auf die Angaben des Tacitus 
and des Ptolemaeus. Die Nachrichten, welche beide bieten, scheinen 
»ich vielfaeh zu widersprechen und schwer zu vereinigen. Müllenhoff, 



*) Die (Stelle des Ptinius t>. ^^. 36 nat&. Bei MeU sind die jantifili UI, 6. 5B, 
bei SolinuB die Phanetii 19, T genannL Aus Holinua srlidpft Isidar, wie sodbI, auch 
XI, B, IP, wo er, mit BenuUuiig einer zweiton Quelle, die richtige Form Panotii 
«ineetzt. Vergl. Mommseu zu Solinus a. a, U. und Müllenhoff, Altertumskunde, 
Bd. 1 S. 491 nota. 




überhaupt geneigt, in allem, was Deutschland betrifft, die rönÜBche 
Überlieferung weit über die griw-hische zu stellen, die nur ein trüber 
ÄbfluBS jener sei, fülirt* diesen Widerspmch auf die Ungenauigkeit des 
Ptolemaeue zurück und macht Zenas zum Voi'W'urfe, dasx er den An- 
gaben des griechiei-hen Gedgruphen zu grosse Glaubwürdigkeit bei- 
gemessen und dieselben seinem Werke über 'die Ueutsclien und die 
NachbarBtämme' zu Grunde gelegt habe, statt sie nur in zweiter Linie 
zu verwerten. Der bequeme Ausweg, dass die ums J. 144 heraus- 
gegebene Geographie des Ptolemaens spätere Verhältnisse im Auge 
habe aU die fast ein halbes Jalirhundert ältere Uemmnia des römi* 
sehen Historikers, ist wenigstens nicht von rien kimdigeren Forschem 
beschritten worden. In Wahrheit dürfte es sich auch gerade umge- 
kehrt verhalten und Ptoleraaeus für dieses Gebiet nur alte, Tacitus 
dagegen jüngere Nachrichten benutzt haben. 

Es bedarf nicht erst des Beweises, dasa die Karte Germanien^, 
welche Ptolemaens vorgelegen hat und welche wir mit grosser Sicher- 
heit reconstmircn können, aus Eiuzelnachrichten, welche die Feldzüge 
der Römer, die Auskunft der Eingeborenen, die Itiuerare der wan- 
dernden Händler ergaben, von Ptolemaeus oder vielmehr seinem Vor- 
gänger Marinus von Tyrus in gelehrter Weise durch Combination«n 
hergestellt ist. Es war im grossen und ganzen dasselbe Verfahren, 
welches bereits dem vergangenen und den früheren Jahrhunderten 
emiöglichte, Karten des inneren Afrikas oder Nordasiens zu entwerfen. 
Bei dem Mangel zuverlässiger Aufnahmen der üreiten- und Ljinge- 
grade für die einzelnen Pimkte, welche in der Karte Aufnahme fanden. 
sahen sich die Kartographen gezwungen, die Entfernungen nach der 
Zahl der Tagemärsche, welche die Reisenden gebraucht hatten, ab- 
zuschätzen und durch Combiuation der Nachriflhten, welche Durch- 
quernngen einzelner Gebiete ergaben, ein Bild unbekannter Länder 
zu gewinnen. Die Unmöglichkeit, Entfernungen wie Himmelsrichtungen 
durchweg richtig zu bestimmen, machen Fehler unvermeidlich, ttnd 
das kartographische Bild wird in um so grösseren Widerspruch mit 
der Wirklichkeit stehen, je weiter die eingetragenen Orte von den 
Ausgangspunkten der Reisen, die zugleich die Stützpunkte der Com- 
bination bilden, entfernt sind. 

Die Irrtümer, welche durch falsche Abschätzungen und Uom- 
binationen verursacht sind, können zu kartographischen Aufnahmen 
führen, welche ein möglichst falsches Bild des Landes geben. Die 
Fehlerhaftigkeit der Karte beweist jedoch gegen die Glaubwürdigkeit 
der Einzel an gaben, aus welcher die Karte combinirt ist, nicht (fes 
geringste. Die Forschung muss also, wenn sie aus der Karte des 
Ptolemaeus Gewinn ziehen will, die ihr ku Gninde liegenden Einzel- 
angaben zurückzugewinnen suchen. 

Dass Ptolemaens vorzügliche Nadirichten benutzen konnte, be- 
weist schon sein Aufriss der norddeiitschen Küste imd besonders sein 
Umriss der Schleswig -jütischen Halbinsel. Seine verhältnismässige 
" igkeit war unmöglich aus blossen Beschreibungen des Landes 



41 

zu gewinnen. Nur Segelnotizen, welche der Küste entlang fahrende 
Schiffe aufgezeichnet hatten, ermöglichten einen so genauen Autnss. 

Nur eine einzige Gelegenheit bot sich, bei der die griechiseh- 
lateJnische Gelehrsanikeit no genaue Masse und Angaben, als Ptoleinaeus 
Geographie vorausBetzt, schöpfen konnte. 

Im Jahre 5 n. Chr. war Tiberius durch die Gebiete der Cherusker 
und Chauken bis zui- Elbe vorgedi'ungen, wo er die gegenüber dem 
heutigen Lauenhurg aiiget<essenen Langobarden niederwarf, er über- 
schritt zwar den Strom nicht mit seinem Heere, aber er führte den 
jenseits wohnenden und sich am L'fer des Stromes »animelnden Ger- 
manen die Kriegsmacht Roms zu Wasser und zu Laude vor Augen. 
Denn auch die Flotte war von der Müjiduug des Rheines herbeigesegelt 
und die Elbe hinaufgerudert. Bei dieser Gelegenheit war es, wo ein 
römiaibes Elottengeschwader jenp denkwürdige Fahrt entlang der Küste 
Jütlands bis ins Kattegat huiein unt«mahm, deren das Mnmimentum 
Ancyranum gedenkt. Nie war vordem, nie ist nachher ein Römer 
soweit gelangt*). 

Auf die Jlrkundigungen, welche die Römer bei dieser Flotteu- 
fahrt eingezogen haben, gehen augenscheinlich die Nachrichten zurück, 
welche Plinius und besonders Ptolemaeus über die nordelbischen und 
skandinavischen Gebiete mitteilen**). Tacitus muss dagegen seine 
Kenntnisse aus an< leren Quellen geschöpft haben. Seine Angaben 
stehen entschieden nicht im pjtiklant! mit den Nachrichten, welche die 
Gelehileu jener Expeditimi iiarli Rum brachten. Aus den officiellen 
Nachrichten, welche dus AloiiUNniilum Ancyranum aus der augusteischen 
iüeit überliefert, und durch l'liiiius erfahren wir, dass jene Flotte die 
Sitze der (.'iudicm im nördlichsten Teile Jütlands gefunden haben will. 
Hierzu stimmt wnlil die .\ngabe des l'tolemaeus, nicht aber die des 

•) Velleius Pftterculua 11 c lOG Fracti Langobardi, gen« etism Ger- 
maiia feriute feronor; denique qiiod uumqnam autea spe cniireptuoi, nedum opere 
temptatum erat, ad ijiiadringRiitesimuni milliarium a Rlieuo uaquc ad flumen Albim, 
qui Semnonuni HennundurDrumque tinen praetcrfliiit, Romauus cum gigniB petdiii'tufi 
exercitQv. et endem mira feliritnte et rura ducis, tein]iorum quoqiie obHervaiitia 
cIuBii. [|uar Oreaoi i-ircumnavigaveraf s'mw, ab inaudito at<|tie tncognito ante mar! 
flnmiiie Albi sabverta, i>1uriiiiBrum gentjum yii'toria (parta) cum abnndantiHRima rcnim 
onmtum cnpia exeri'itui ('»esariqiic se iunxit. — I'linius Nat. Hist. 2, 67, IßT 
SepteuIrioLialU oceauiu maiore ex parte Dsvigatus est auspicÜR divi Augunti, (ier- 
maniato claase rircumverta ad rimbroriiin promunluniim et iiidc immenso inari 
proapeclo aiit fama cognito Soj'thicatn ad plagam et iimore nimio rigentiu. — 
Honum. Aucyr. graece XIV, 1« SriXo; iu.ii 5ii wkikvoQ äin ariji.xT'ii 
'P)iTOU w! T:pö( ÄvaTo)«; t^XP' ^Övo^! Ki[tßp<uv Sti-^tuTEV. o!i o'jtc xaträ 
yfiv oÖTE xatTi Öä>ä(M«v Pci)[jiai(ov -n; ivpd TO'iroii toO ^fpövou irpoc^fliv. 
ätal K{[ippoi Kätl XiX'jßc; (UU. Charyde») jwl 2e[Avove( kX7.« te -mWi JOvvi 
rES[jLXV<3v (Tot, et eiitadem tractua alii Gcrmanorimi populi) Acte ~pE7ߣi<2v tt.v 
t|iW yiitxv xx\ T^v aT'iiwi'j 'Pü>[Aa(ci>v -Jrn^cavTO. 

•*) Dieielbe Ansicht vertritt bereits Möller S. 27, doch sollen natli ilim 
Tadlue' Nacliricliten und die aller äi'liriftst eller der ersten beiden Jahrhunderte 
auf jene Floitenlabrt zurückgehen. Davou kami hei Mela gar keine Rede 
und e« kommt ausser Ptoleinaeus nur Plinius in Hcdacbt. 



1 




J 



mannt«!) 
»e stimmt J 



TacätQB, der die Cimbern nicht unter den Germania cap. 40 genannt«n 
Dordelbischen Völkern nennt, sondem cap. 37 ziemlich nnbestimmt 
neben die Chauken au die NoiHlseekÜHte setzt. Deui Monumentuni 
Ancyranum ist feiner zu entnehmen, dasM das Volk der tlharuden 
bedeutend genug erschien, um neben den Semnonen Ton den Völkern 
genannt zu werden, welche GoBandtse haften zur römischen Flotte 
sandten. Ptolemaüus nennt die Charuden und weiss genau anzugeben, 
wo sie wohnen, Tacitus dagegen kennt nicht einmal ihren Namen. 
Das Monumentum Ancvranum bietet nur diese zwei Nachrichten zur 
Beurteilung der Angaben des Tacitus und Ptolemaeus, beide stehen 
im Einklang mit l'toleraaeus, keine mit Tacitus. Nehmen wir hinzu, 
dass Tacitus gerade jenes durch die römische Flotte genauer erkundete 
Gebiet, in wel<',hem Ptolemaeus so gut Bescheid weiss, die Sceretiora 
Germaniae, femer, dass er ganz andere Völkeniamen als Ptoleraaeus 
nennt, so ergiebt sich mit Bestimmtheit, dass wohl Ptoleraaeus auf 
Berichte der augusteischen Flottenfalirt Kuriickgeht, Tacitus dagegeu 
seine Nachrichten und Namen aus ganz anderer Quelle geschöpft hat, 
und dass sie, mittelbar oder unmittelbar, auf die Auskimft zurück- 
gehen, welche von Angehörigen anderer, vielleicht snebischer Volka- 
stänune iibenioramen sind, als bei denen die Gelehrten des Tiberius 
ihi'e Erkundigungen eingezogen haben. Dass auch nach dem .1. 5 
einzelne Nachrichten über Norddeutschland nach Rom gelangen konnten, 
ist nicht zu bezweifeln. Mau kann an die Anwesenheit des äemnonen- 
königs Masuos in Rom zu Domitians Zeit*), man kann aber auch an 
germanische Söldner und KriegHgefangene, sowie römische Händler**), 
welche auf der zur BemsteinkUste führenden Handelsstrasse Deutsch- 
land durchzogen hatten, denken. Bei beiden konnten die Gelehrten 
Roms Auskunft suchen und erhalten. Und besonders Tacitus, welcher 
nicht die Verhältnisse einer längst vergangenen, sondem die seiner 
eigenen Zeit schildern wollte, wird besonders auf solche neueren, wenn 
auch spärlicheren Mitteilungen sein Äugenmerk gerichtet haben. 

Die Benutzung der auf jener Flottenfahrt zum Kattegat und in 
die Elbe eingezogenen Nachrichten muss die Angaben des Ptolemaeus 
für das von der Flotte berührte Gebiet besondere gut begründet er- | 

*) Dio Caanius 67, Q. Aucli Plinius Natur, liist. II, 170 bezeugt Bczioliungen 
der Rümer zu eiuem Künige von Sueben, welche am Meere wnlmten. 

*■) I>aBB römische Händler von der Osfseeküste Bematein holten, wird durch 
keiue Notiz bei den allen Schrift steilem hezeugt, Jedoch durch Gräber- u. a. Funde 
bewiesen. So iat hei CElmikau an der Netze das Grab einen rümiarlien (etnisk lachen) 
Kaufinaniia, in welchem sich eine römische Maske &nd, entdeckt. (Sadowaki S. 153 tt.) 
Ferner ist iu der Nähe von Sackrau bei Hunafeld, Station der rechten Üderhahu, 
in einem Steinbau daa Hauxgerälh einer rüniisuben Haudel^etappe. die durch eine 
Oherachwemmung aberrascht worden zu sein acheint, blosagelegl. ^Vortrag dea 
Dr. Grempler vor der Deutschen Anthropologischen OesellBchaft hei deren Ver- 
sammlung in Stettin 1886.) ROmiache Opfermeeaer sind mehrfach gefunden. Sokheo 
Utlndlem hat sicli vermutlich jener romische Ritter angeschlossen, der zur Zeit 
NeroB von Carnutum bd der Donan mir Ostsee gesandt wurde, um eine grüBaere 
Menge Benjstein zu erwerben. 



echeinec lassen. An die genatiere Kenntnis dieses Gebietes muss sich 
aber auch eine Reihe seiner Combinationen über das henatihbarte 
innere Deutsuliland angeschlossen haben, und vor allem, die römischen 
Erkujidigungeu über dieses Gebiet, soweit sie Ptolemaeus wiedergiebt, 
sind in Bezug auf die Erkundigungsstelle, d. h. die Stelle, bis zu 
welcher Tibenus die Elbe hinaufgedningen war, gegeben und dem- 
gemäss zu erklären. Wie sehr der lokale Bezug die richtige Auf- 
fassung einer Mitteilung bedingen kann, ist augenscheinlich. Greifs- 
walder und Stralsunder können juit vollem Bucht die Auskunft geben 
'wir sind Pommern, und südlich von uns wolmen Meklenburger', wäh- 
rend die allgemeine Behauptung, das» die Meklenburger südlich von 
den Pommern wohnen, so falsch als möglich wäre. 



Ptolemaeus nennt vier in die Ostsee mündende^ Ströme, den 
ChalousoB, Sueboa, Viados und die Vistola. Gemeint sind, wenn man 
dem griechischen Geographen keine groben Irrtliümer oder Verwechs- 
lungen zuschreiben will, die bei Lübeck mündende Trave (oder Öchwartau- 
Wackenitz), die Wamow, die Oder und die Weichsel, 

Dass der Chalousoa, nach Ptolemaeus der Grenzfluss der neben 
den Sachsen angesessenen Pharodeinen, die Trave oder Schwartau- 
Wackenitz sei, ist fi'eilich nicht unbestritten. Möller*) denkt an die 
Eider oder die Halerau, ein kleines Flüsschen, das östlich von Dietr 
Marschen nordwärts zur Eider fliegst. An die Eider, indem die Römer 
sie als Nordgrenze der Sachsen erkundet, Ptolemaeus aus irriger 
Combination sie als Ost grenze angesetzt und in die Ostsee hatte 
münden lassen. An die Halerau, weil diese den Römern als Ostgrenze 
der Sachsen (dass sie es gewesen sei, ist Vermutung ad hoc) genannt 
sein könne, und der Name Chalousos darauf deute, dass dieser FIuss 
das Gebiet der Chaloi berührt habe, welche nach Müllenhoffs Ver- 
mutung an der Halerau gewohnt haben. Die Ptoleraäischen Chaloi 
haben al)er gar nicht in Holstein gewohnt, sondern viel nördlicher, 
und waren von den Sachsen durch nicht weniger als drei Völker- 
schaften, die Sigulonen**), Sabalingen und Kobanden geschieden. Bei 
dieser Saclüage ist die sprachliche Übereinstimmung zwischen Halerau 
und Chalousos ohne Bedeutung. 

Wir wissen , dass noch im sechsten Jahrhundert Sueben in 
Schleswig-Holstein wohnten, und man hat keinen Grund anzunehmen, 
dass diese nordalbingischen Sueben von ihren südöstlich an der Havel 
angesessenen Stammes genossen schon im ersten Jahrhundert zur Zeit 
ihrer grössten Macht durch zwischen wohnende Sachsen getrennt waren. 
Das raiisste aber der Fall gewesen sein, wenn — wie man Ptolemaeus 



•) S. 27 f., vgl. Mullenhoff, Stud. 1, 115. 

**) ^(YOÜXwvg; Rteht in der besten und mehreren minderwertigen Hand- 
Rchriften, dagegen liietet die Oruppc ^if'S' die Lesart AiYOÜluve;. Dadurch igt 
die Vermutung gegtaltet, dass die ui-siirüngliche Leaart 'AyYO'Jl.wvE^ (Bewohner 
AageluB, vgl, alid. angul) nur. 




auffasst — die Trave in ihrem ganzen Verlaufe Grenzfluss der Sachsen 
und der östlich wohnenden Pharodeinen gewesen wäre. PtolemaetiB 
sagt aber, genau genommen nur, dass die Siiibuen in Holstein wohnen, 
und daas sie irgendwo an die östlicher von ihnen zwischen Chalusos 
und Suebos Jingesessenen Pharodeinen grenzen*). Nimmt man an, 
dasB die letzteren etwa zwifichen Oldesloe und Segeberg an die Sachsen 
stiessen, so fällt jeder Grand fort anzunehmen, dass der Ptolcmaeische 
in die Ostsee mündende Chalousos nicht die Trave, sondern die Eider 
sei. Nur darüber kann meines Erachtens t^treit sein, welche der 
beiden bei Lübeck sich vereinigenden Gewässer der Chalousos war, 
ob die eigentlifhe Trave oder die später sich an den limes Saxoniciis 
anlehnende Kette von Flussläufen und Seen, in deren grösstem auf 
einer Insel die Stadt Ratzeburg liegt. 

Dass der Suebos die heutige unterhalb Rostock mündende 
Waniow sei, Ist gleichfalls nicht zu bezweifeln. Wenn Zeuss annahm, 
dass der Suebos die (Mcr sei und Ptolemaeus dieselbe in"tuuilich unter 
dem Namen Viados ein zweites Mal angesetzt habe, so ist er hierzu, 
wie sich späterhin ergeben wird, durch eine zweite irrige Annahme 
vej'anlasst worden. 

Lehrreich scheint der Wechsel des Flussnameus fiir den Wechsel 
der Anwohner. Wie Warnow, in ursprünglicher, vorslavischer Foith 
Vartiaku 'Warnenwasser' zu deuten ist, so niuss dem griechischen 
&)i/i!t)o; mTxjAÖ; deutsches Suevaha 'Swebenwüsser' entsprochen haben. 
Dieser alte Name hat zur Voraussetzung, dass der Fluss Sueben zu 
Anwoluiem hatte, dei- neue, dass später liier Warnen wohnten. 

Als feststellend nehme ich hierbei an, dass der heutige Name 
des Flusses in die vorslavische Zeit reicht, und er nicht etwa nach 
dem kleinen GauvJilkcben der slavischen Wamavi, deren Schriftsteller 
des 10. Jahrh. als Anwohner seines Oberlaufes gedenken, sondern 
dass dieses nach ihm benannt ist. Das Wort Wamavi bedeutet zwar 
in slavischer Sprache durchaus nicht, was es als deutsches iiufgcfasst 
hiesse 'Wamower', sondern ist 'Krähen' zu übersetzen, und weil Tier- 
nameu bei den Slaven auch sonst als Volkrsnameu vorkommen, könnte 
mau wold die Unabhängigkeit des slavischen Volksnamens von dem 
nach germani Beben Warnen genainiten Flusse folgern. Aber es wäre 
doch wohl kaum glaublich, dass die Warnow erst bei germanischen 
Warneu**), dann slavischen Waruaveu vorübergefloHsen sei, und diese 




•) Ptolemaeus 11 cap. U g 7 ^e^fl( (jeuscits der Eibe) 8e J-i TÖv Kiiyi'n 

Tfii Ki;A[ipwÜ; XepTOVTffO'j Si^ovs; y-tfi Sä toü; Si^ov»; iird toQ 

XstXo'joov iTOT«[toiJ jAEXF' "^^^ Sur,[io'J TJOTajxoO tl'Kpooeivoi. 

"■) d. h. den uordtliüringiachen Warnen, welche »ich ini 3.-5. Jahrh. iu der 
heutigen Provinz Sai'lisen und Mekteuburg festgesetüt liatteu. Die tacitciBirliisn VarinI, 
dae Slaioravolk jener, dürfen jedorh uicht (vgl. S. 31} an die Warnow gpsetzl werden, 
weil Ptolemaeua Kwiechen Sathseu und Sueven die Vinuioi setie. Oilfpouvoi münste 
roan in (.)üc(pouvO[ ändern, wenn die Vnrini gemeint wAreii. Gegen dieoe Änderung 
iRt zu hemerken, dass die Namen der in oder an ihrem Gebiete geleeenon und ducli 
wnhl niidi ihnen ^'enamilen Orte O'JtsovvQV und O'JiptTWv gleichfalls i zeigen. 




NamensUbercinstimumiig zufällig; sei. Eher wird man geneigt sein, 
das Wirken volksetyniolngiBcher Umdeutung anzunehmen. Der UniBtand, 
dasfi dafi deutsche Wort Warnavi ia glnviHcher Sprache eine Bedeutung 
hatte, die es als Volksuanie zutreffend eracheinen liews, hat bewirkt, 
dass der alte Name, wenn auch anders als früher aufgefaRst, nicht 
wie so viele andere unterging, aondem in siavischem Munde weiterlebte. 
Dieselbe Übernahme und Umdeutung eines Wortes fremder Mundart 
in eine andere beobachten wir auch sonst. So ist mnd. Holsten, 
eigentlich 'Hulzhewohner' hochdeutsch als Holstfin, mnd. Surland, eigent- 
lich 'Suderland, Süderland' hoclideutäeh als Sauerland Übernommen. 

Es wird jetzt möglich festzuHtellen, welchen (iebiet die Semnonen 
¥or ihrer Auswanderung im J. 174 innegehabt haben. Dieselben er- 
streckten sich nach Ptolemaeus, der allein ihre Sitze genauer bestimmt, 
jenseits des Teiles der Elbe, bis zu welcher die herminoniechen Angeln 
nordwärts reichten, östlich ItiB zum Suebns. Als westliche Nachbarn 
werden die bis zur Weichsel angesessenen Burgundeu, als südliche die 
Silingen, als nördliche oder nordöstliche Teutonen, Auarpen, Teuto- 
noareu und Virunen genannt. 

Indem man annahm, dass die Angeln nur bis zur Mündung der 
Saale nach Norden reichten, war man genötigt in der Angabe des 
Ptolemaeus, dass die Semnonen Östlich bis zum Suebos sassen, einen 
Fehler zu erblicken, denn die Warm>w ftiesst nördlich, nicht östlich 
von jener vermeintlichen Nnrdgrenüe der Angeln. Man vermutete, 
dasB Ftolemacus Suebos und Viadus verwechsele, oder dass beide 
Namen demselben Strome, der Oder, zukämen und Ptolemaeus durch 
den doppelten Namen zn der irrtümlicben Einzeichnung zweier Ströme 
in seine Karte veranlasst sei. Demgcmäss hnden wir in den Dar- 
stellungen der Germania antiqua die Semnonen südlich der Havel 
gesetzt und angegeben, dass sie auch die Niederlausitz innehatten, 
oder wie Zeuss S. 1^1 sagt: Semnonen sasseu noch an der schwarzen 
Elster und Neisse und begleiteten die Spree bis an ihre Mündung. 

Gegen diese Bestimmung der Sitüe der Semnonen erheben sich 
schon gewichtige Bedenken aus der Betrachtung der Bodeuverhältnisse. 
Altgermanischer liraucb*) war, dasa das fruchtbare dem Feldbau 
dienende Land, auf dem die Bevölkerung ansässig war, mögliehst in 
der Mitte des Gebietes lag, und dass unfnichtbare Einöden, ungehcb- 
tete Waldungen oder unwegsame Moräste als schützende Marken das 
Land umgaben, die es von den Nachbarn trennten und vor ihren An- 
griffen schützten. 

Das Gebiet, welches man den Semnonen anweist, kehrt nun die 
Sache gerade um. Die Nordgrenze bilden die fruchtbaren Acker- und 
Weidegründe der Haveluiederung, die Sudgrenzc verläuft gleichfalls 
in der fruchtbaren Ebene der Niederlausitz. Die Mitte des Gebietes 
umfasst dagegen den unfruchtbarsten Hoden der Mark und die Seen 
und Sümpfe des Spreewaldes. Die dürren Saudstreckeu und Boden- 

") Dahn, Im Xeueo Reich 1675 11 S. 407 II', Bausteine l, 407. 




erhebußRen, welche sich zwischen Burg und Ziesar, Wittenberg und 
Lühben sowie allenthalben in dem südlichen Teile der Mittel mark 
auebreiten, bieten bei allen Fortschritten der Landwirtschaft auch 
heute auf grossen Flächen gar keinen, an anderen Stellen nur dürf- 
tigen Ertrag. Wer je auf den sandigen Wegen, in denen die Räder 
tiefe Geleise ziehen, die Kiefem'aldungen, Uaiden und Feldbreiten, wo 
fast nur die Kartoffel erfreulich gedeiht und Weizen oder Gerste wie 
exotische Gewäclise anmuten, durchfahren ist, der wird mit Verwundern 
fragen, wie dieser Boden der Kern des Landes gewesen sein könne, 
welches das mächtigste aller suebischen Völker genährt und Jahr- 
hunderte ihm genügt habe*). 

Es war in der ITiat ein Irrtum, den die Forschung beging, 
indem sie anstatt der Havelniederuugen jeaen Gebiet sammt dem 
Spreewalde in die Mitte des SemoonerUandes legte. Ptolemaeus sagt, 
dasa die Semnonen von der Stelle der Elbe, bis zu welcher die 
binnendeutschen Angeln nach Norden reichen, ostwärts bis zum Suebos 
angesessen sind, und dass auf sie die Burgunder folgen, die sich bis 
zur Weichsel erstrecken. Wir sahen (R. 22), dass jene Angeln das 
linke Eibufer bis zur Mündung der Jeetzel, genauer genommen sogar 
bis zur Mündung des Catenuner Grenzbaches innehatten. Der Mün- 
dung dieser Gewässer gegenüber müssen auf der rechten Seite des 
Stromes nach Ptolemaeus Semnonen angesessen gewesen sein , sie 
müssen also die Elbe hinunter bis in oder an das heutige Fürstentum 
Lauenburg sich erstreckt und einen Teil Meklenburgs im Besitz ge- 
habt haben. Bis zum Suebos erstreckten sie sich ostwärts. Ein Blick 
auf die Karte zeigt, dass von jener Stelle der Elbe, also etwa von 
Lauenbui-g oder Boitzenburg aus, die obere Wamow (der Suebos) 
spöq «vatToli; d. h. 'ungefähr östlich'**) genannt werden kann. Dana 

*) Die irgendwo ausgesprochene Behauptung, dass die Oermanea im Beginn 
iinaerer Zeitrechnung grossen Wert auf gute Weidegrlinde gelegt , guten und 
schlechten Acker aber nicht zu unterscheiden verstanden hätten, wird durch Caesar 
de hello G&ll. 1 cap, 2B (ne proptcr honitatem agrorum Germani qui trana Rhenum 
incolebant e suis nnihus in Helvetiorum tines transirent) widerlegt. Richtig ist nur, 
dass die Germanen wie splkter die Slaven, im Gegeusatz zu den die Mark im Mittel- 
alter colonisirenden Sachsen, wegen ihrer hüliernen Pflftge, mit welchen der hente 
am meisten geschätzte stark thpnhaltige Acker schwierig zu bearbeiten «rar, den 
leichteren Boden bevorzugten. Über die Bodenverhältnisse der Mark vgl. Berghaus, 
Landhufli der Mark Brandenburg 1, 292 f!.; Meitzen, Der Boden d. Prcuss. Staates 
1, 248 if. 2, 176. 293. 339. 375 ii. 0. 

**) Ptolemaeus unterscheidet bei der Beschreibung Deutschlands nur die vier 
Hauptrichtungen der Windrose, so dass 'nst' auch die Bedeutung 'nordoBt' haben 
kann. Wenn er ferner die Stelle, bis zu welcher die Angeln nordwärts reichen, 
an der mittleren Elbe gelegen sein lässt, so beweist diese geographische Angabe 
nur, dass er sie auf seiner Karte an das mittlere Drittel des Elblatifes grenzen 
liess. Wie Blulime (Gens Langobardorura S, 18) und eingehender Alfr. Kirchhoff 
(Thüringen doch Hennundurenland, S, 2ß) darlegen, halten Strähn und Ptolemaeus 
die thüringische Saale für die obere Elbe. Dagegen entspricht die Ansetzung der 
Quelle eines unbenannten Flusses 4D* lU' L., Ti'J* 4ü' Br. der wirklichen Eibquelle. 
Es scheint, dass Ptolemaeus g^wci Angaben über die Eibquelle vorlagen und er 
sich für die irrige entschieden hat. 



folgten weiter in derselben Richtung die Burgunder. Ohne Kenntnis 
der eliemaligen B» den Verhältnisse würde mttn fnigem miisäen, dtiaa 
nach Ptiileoiäeus die Bur^uiidcu zwischen Waruow uud Weichsel 
Sassen. Diese Folgening wäre falsch, und miin darf sie nicht in die 
buchstäblich richtige Besfimniung des Ptiilemaeua hineindeuten. Bis 
zur Waruow saseen ostwärts die Semnoneu, EipE^f!^ d. h. auf das 
Semnnnengehiet folgte das Burgunderland. Hiermit ist nicht gesagt, 
dass das letztere bereits an der Warnow beginne, nicht einmal, dass 
das rechte Uderufer unmittelbar von den Burgunden bewohnt wurde. 
Vielmehr wissen wir, das» die untere Uder auf der linken Seite sich 
zu meilenbreiten unbewohnbaren Brüchen früher erweiterte*) und daas 
sie Huf der rechten Seite von einer laug gesti-eckten, nur durch Sumpf- 
siederungen unterbrochenen Einiide begleitet wurde**). Brücke und 
Einöde bildeten so die breite für altdeutsche Heere unüberschreitbare 
Marke zwischen Semnouen und Burgunditti, und es ist vielleicht kein 
Zufall, dass wir von keinen Bündnissen oder Kriegen der so getrennten 
Mocbbarvülker etwas vernehmen, während wir doch von Beziehungen 
der Seumoueu zu südlichen uud westlichen Völkern Kunde erbalten 
haben. Pbolemaeus berichtet nicht, wie die Nordgrenze der Semnonen 
sich von der Warnow iistlich oder südöstlich fwrtsetzte. Die Verhält- 
nisse des Bodens scheinen zu lehren, dass sie mit der Seenreihe eine 
Strecke zusammenfiel, zu welcher der Mürizsee gehört. Der weite, 
schwer durchdringbare Markwald, welcher nach altgennanischem 
Brauche die (rrenice hihlete, war noch im Mittelalter nicht niedergelegt. 
Tage brauchte Otto von Bamberg, als er ihn auf seiner Reise von 
Uavelberg am Mürizsee vomber nach Anklain zu durchwandern liatte***). 

l''ür den Zweck- dieser Untersuchung ist einzig die sicher fest- 
gestellte Thatsacbe von Bedeutung, daas die Semnonen gegenüber den 
Angeln die Elbe ungefähr bis Boitzenburg hinab sassen. Der Name 
der Angeln umfasst bei I'tolemaeus, wie allgemein anerkannt ist, das 
ganze Volk der Hermunduren. Erwägt man diese Umstände, so wird 
die Stelle des Veliejus (s. S. 41 nota) über den Zug des Tiberius an 
die Elbe in anderem Liebte erscheinen. 

Veliejus sagt, dass Tiberius das römische Heer an die Elbe ge- 
fuhrt habe, welche an den liebieten der Hermunduren und Semnonen 
vorübe rdiesse. Es ist nicht die Uewohnbeit dieses rhetoiischeu 
Historikers, der Tiberius auf seinen deutschen Kriegszügen begleitet 
und in seinem Feldlager an der Elbe geweilt hat, in die Darstellung 
der Geschichte seiner Zeit geographische Belehrungen eiuiliessen zu 
iaäsen, die nicht in unmittelbarer Beziehung zu den geschilderten oder 
angedeuteteu Begebenheiten stehen. In diesem Falle hat jene geo- 

*) Fontane, WuQiletimgeu 2 (1Ö68), 190—1%; Berghaiis a. a. 0. 1, 573 ff. 
Der Finer Brucli iat „der trocken gelegte Üudeu einea Lanilaees, der noch in 
hUtoriscIier Zeit in den Landen zwischen Elhe nud Oder itciuer Äuadehoung nacb 
du gräaste Wasaerberken war." 

") Vgl. S. 32 und das daselbst citirte Werk äadowski'a. 
•") MG. üS. 12, 802. 





graphisclie Notiz nur vollen Bezug, wenn angedeutet sein soll, das» 
Tiberius die Elbe hinauf bis zu den Grenzen der äeinnoneo und 
Hermunduren gekommen ist. Diese Auffassung der Worte des Vellejus 
war bei der bisherigen Annahme, das» die Angeln und Semnonen 
uördlicli bis etwa Magdeburg i'eichten, unslattbaft: durch das Ergeb- 
nis unserer Untersuchung, dass die herniinonischen Angeln den Lango- 
barden bena<.'hbart und den Semnonen gegeniiliersassen, wird sie zur 
Notwendigkeit. Diiss Tiborius im Bardongaue war, wissen wir, denn 
er hat die Langobarden niedergeworfen d. h. den Etutritt in ihr Gebiet 
erzwungen. Nach Durehaclireitung des Bardengcbietes befand er sich 
aber an der <JrenÄo der Hermunduren und den Semnonen gegenüber. 
Die Elbe zu überschreiten und diese anzugi-eifen, verbot der gemessene 
Befehl dos Augustus*), Vor den Augen der am andern ITfer »ich 
sammelnden Germanen die römische Kriegsmacht zu entfalten, schien 
nützlich; es wurde dadurch erreicht, das» die Semnonen durch eine 
tiesandftcbaft 'um die Freundschaft des Augustus und des röniischeu 
Volkes" baten, der römische F'eldhcrr durfte hoffen, dass der Anblick 
seiner Macht bei den Semnonen einen Eindruck hinterliess, der nach- 
haltig geimg war, sie im Fall künftiger Kriege zwischen Römern und 
link sei bis eben Deutschen ab;!u]mlten, diesen sich zu verbünden. 

Jenes Lager in der Nähe von Hitzacker an der Jeetüelmüiidung, 
welches Tiberius bezog, um die Gesandscliaften der EIhgermanea zu 
erwarten, war die Erkundigungsstelle, auf welche eine Reihe der An- 
gaben des Ptolemaeus zu beziehen ist. Von hier aus konnte man die 
obere Warnow östlich nenneu, die Sachsen bis zur Trave, die Angeln 
nach Süden zum (lebirge hin sich erstrecken lassen. Und auch das 
ist klar, warum die Hermunduren bei ihm Angeln heissen. Der Teil 
der Hermunduren, mit welchen Tibei-ius in Berührung kam. waren die 
Angeln. Mit ihrem Namen benannte I'tolenmeus den ganzen Stamm 
in dei-selben Weise, wie man in der Schweiz die Deutschen Schwaben, 
in Estland Sachsen, in P'rankreich und Italien Allemannen heisst. 

Von dieser Erkundigungsstelle konnte auch die mit Bezug auf 
sie vollkommen richtige Angabe ausgehen, dass das suebische Volk 
der Langobarden östlich von den .\ngeln wohne. Ptolemaeus über- 
nahm diese wie alle übrigen Angaben, ohne zu wissen, dass sie nur 
in Bezug auf eine bestimmte Stelle aufzufassen ist. Er setzt in Folge 
dessen die Sitze der Langobarden östlich vom Gesammtvolk der 
Hermunduren an und lässt sie etwa zwischen Sieg und Ruhr an den 
Rhein stossen. Dass hier ein zweites Volk, dass den Langobarden- 
namen führte, gewohnt habe, ist fast undenkbar, da sein Name dann 
jedesfalla in den Feldzügen der Römer, die gerade Westfalen unzählige 
Male durchzogen, genannt wäre**). 

•) Straho VII, 4. 1. 

**) Segen diese Möglichkeit und für die Identitül der rheiniachen Langobarden 
und Chatten, welche nach Tacitus Genn. c, 31 Haare und Bart nicht eher srhoren, 
als bis sie einen F'eind erlegt hatten, darf nicht geltend gemacht vcrdeD, daas 
Ptolemaeus auch an der Elhe Laugoharden keiuit, denn auch die Chatten würde 
er dann doppelt s 




4» 

Man könnte vielleicht annehmen, ilass der Zufall ermöglichtTiabe, 
eine Anzahl gengraphiacher Angaben den Ptolemaeus auf eine be- 
stimmte Ei'kundigungsstelle zuruckzufüliren und in Bezug auf sie an 
zu deuten, dann sie der Wirklichkeit entsprechen. Es ist deshalb au- 
gebracht, noch an einer zweiten Gruppe von Nachrichten zu zeigen, 
wie der Bezug auf den Ort, wo sie gesammelt sind, dieselben in 
besserem Lichte erscheinen lägst*). 

Der Mrlibocus ist dttn nürdlichäte der dem Ptolemaeus bekannten 
mitteldeutschen (iebirge, er beginnt naeh ihm in der Näh« der Ems- 
quellen, umschliesst die Quellen der Weser und verläuft zwischen 
Rhein und Elbe in östlicher Richtung vom 33. — 37. Längengrade. 
Zu bemerken ist, das» die Handschriften die Emsquellen unter dem 
ö2. Breitengrade irrtümlich ansetzen, die richtige (T}:^"), noch vud 
Man'ianus von Heniclea {cu, 4. Jb.) gelesene Brette ist von Müller 
bereits in den Test gesetzt worden, OleichfiiUs ist Luppia falsch 
onter -S-t " 30 ' L. gesetzt, das richtige scheint 33 • 30 '■ Der gleich- 
falls falsche Ansatz von Amasia unter 51" 30' Br. (statt 53" 30'?) 
kann ausser Betraiht bleiben. Beidemal soll der Name des Flusses 
offenbar irgend eine an der Lippe |lat. Luppia) oder Ems (Amisia) 
gelegene Übergangs- oder andere Stelle bezeichnen. 

Ein einheitliches Gebirge von der Ausdehnung und Richtung, 
welche dem Melibocus beigelegt ist, giebt es genau genommen nicht, 
wohl aber eiitspiiclit die Ansctzung desselben in schematisch richtiger 
Weise der diinli di'ii (icKiTimitz des norddeutschen Flachlandes sehr 
merklieb hcrvui'ti'cicinkTi 'l'liiitsache, dass -eine Anzald durch Hügel- 
landschaften Vfrliuüdfiicr (i ebu-gsketten (Osuing, Wiehengebirge, Süntel, 
Deister, Solliug, Harz) zwischen den Quellen der Ems und der Mittel- 
elbe, genau da, wo nach Ptolemaeus der Melibocus gelegen ist, in 
der Richtimg von Westen nach Osten aneinandergereiht ist. Wenn 
dieser Mehrheit von Gebirgen der Name Melibocus beigelegt ist, so 
muss der Name eines einzelnen Gebirges auf die Gesammtheit über- 
tragen sein, es ist, wie das bei geographischen und ethnographischen 
Bezeichnungen sn oft geschieht, der Teilname tiir den oft in Wirk- 
lichkeit nicht vorhandenen Uesamnitnamen gesetzt. Die dem Gebirge 
gegelieue Ausdehnung geht entweder auf die Auskunft eines Germanen 
zurück, dass vom Melibocus ab das Gebirge sich eine bestimmte 
Anzahl Tagemüi-sche hinziehe, oder sie ist aus einer Combination ge- 
folgert, indem Ptolemaeus wusste, dass die Angeln südlich an ein 
Gebirge grenzten. Wahrscheinlicher ist freilich, dass diese Gremt- 
bestimmuug, insofern als es sich um den Namen des Melibocus handelt, 
erst auf Combination beruht, da nicht der Harz, sondern der Thüringer 
Wald Südgrenze der Angeln gewesen zu sein scheint. 



*) Man wird ziim liesaercn Vcratändnisae der Unteraurhuög einer Reconstrurtion 
der Karte des Ptniemaeux nicht entrateu kiiunen. Am braurliliarsten ist imnier 
nocb die von Ultert, Geographie der Griechen u. ROmer Th. ü, Abth. 1 (1848). 
Die von Wislircnua seiner CiesctiifhCe der Elligcrtnsnen (IStlä) beigefügte Karte 
setxt Cherusker und Chamavnn irrig im Süden des Melibocus an. 



I 

J 



u 



6« ^m 

Das Gebirge, welches von den Üermanen Melibocus genaunt 
wonle, iimsfi der dem römischen Gewähramamie des I'tolemaeus bf- 
kaantere Teil der gesammten Uebirgsmehrheit gewesen sein, da das 
iinbekiinnte nur nach dem bekannten benannt sein kann. War dieser 
Teil kartographisch heBtimmt, so ergab sich der Findpunkt der Gebirgs- 
reihe von selbst, wenn Riiihtung und Ausdehnung erkundet war. 

Die Römer haben das nordostliche Deutschland von West und 
Nonlwest her kennen gelernt, und der Üsning ist das erste Gebirge 
gewesen, auf welches die von Castra Vetera (Xanten) und später von 
Köln ostwärts vordringenden Legionen stiessen. (xerade in seine 
Wälder ist das römische Heer unter der Fiihning des älteren Drusus 
wie der späteren Befehlshaber wiederholt eingedrungen, und sein 
grüner Kamm begrenzte den Horizont im Osten fiir die in Aliso an 
der oberen Lippe stationirte römische Besatzung. Der andere End- 
punkt des Melilmcus kann nur der Harü sein. In sein Gebiet sind 
nie römische Heere gelangt*). Folgt schon hieraus mit grosser Wahr- 
scheinlichkeit, dass wohl der Osning, nicht aber iler Harz der eigent- 
liche Melibocus gewesen ist, so wird die genauere Kenntnis des 
Osuingsgebietes noch dadurch bestätigt, dass Ptolemaeus in seiner 
Nachbarschaft mehrere auch sonst bekannte Grte relativ richtig an- 
zusetzen weiss, während er über das Harzgebiet anscheinend nicht 
näher unterrichtet war. 

In der Ebene, welche westlich und südwestlich dem Osning vor- 
gelagert ixt, sind die Kenntnisse gesammelt, welche Ptolemaeus von 
dem Melibocus und den ilm umwohnenden Völkern besitzt. Gerade 
in Betreff dieses von den Legionen oft betretenen (Jebietes sind wir 
durch die Berichte der alten Gesuliichtschreiber über die FehUiige 
der Römer sowie durch monumentale Reste hinreichend unterrichtet, 
um ungefähr zu ermessen, wie hier, zwischen Paderborn etwa und 
Warburg oiler etwa» westlicher eingezogene Erkundigungen lauten 
konnten. Sie würden im Wesentlichen in Bezug auf die bei Ptolemaeus 
genannten Namen ergeben haben, dass einige Meilen weiter nördlich 
die Ems und einige (römische) Meilen östlich von ihr die Lippe 
(AoviTTcEat Lippetpielle?) entspringe. Einige MeDen noch weiter östlich 
sei die Stelle, wo die Triipaea Druai — ihre Überbleibsel sind bei Dri- 
burg entdeckt^ errichtet seien. Das Gebirge im Osten sei der Meli- 
bocus, ihm entströme, so und so viele Meilen östlich unter der Stelle, 
wo Tropaea Drusi gelegen, die Weser; so und so viele Tage seien 
erforderlich bis jemand, noch weiter in östlicher Richtung fortwandemd, 
aus dem Gebirge in die Ebene und an die p^lbe gelange. Nördlich 
vom Melibocus seien zu beiden Seiten des Stromes (in Wirklichkeit 

"1 Auch nirht der ältere Dniaiis i. J. 9 v, Chr. Der Fliias Salas, den Strslio 
T, 1, S erwfthnt, änss wahrsrheinlirh nürdiich der Aller. Der N>nic beweist des- 
halb nichts fUr die Identität mit der thüringisi-hen Saale, weil er rocbreren KlUaseR 
femeinsani ist und «e^en seiner ehemaligea appellatiTen Gellung (KaUwasser, Soole) 
in aller Zeit iineh häufiger sirh fand. Ein niniiniiti« dc»3elbeu ist Seiko, alt Salila 
'die klciuc Saale'. 



der Weser, nach Ptolemaeus der Elbe) die Calucfines fader Caulci*), 
mid siidlicli vnn ihnen his nuin Melütnciis heranreichend Cherusker 
und Uaniaveii, südlich Tdm MelihDcus dagegen die (."hatten angesessen**). 

So konnten alte Mitteilungen ungefähr lauten, ohne in irgend 
einem PunktP falseli zu sein . anderseits gieht der liier gebotene 
Wortlallt eine Andeutung, wie es sich vielleicht erklärt, dass Ptole- 
maeus miasverständlii'h die Calucnnes an der Elbe statt an der 
Weser wohnen liiast. Aber nur dann steht der eben ans den Angaben 
des Ptolemaeus cnnstruirte Bericht im Einklang mit den Angaben der 
alten Historiker, wenn der Melibocns als Osning gedeutet wird, wäh- 
rend man auf uiilüslit'he Widersprüche stösst, wenn man, wie allgemein 
geachieht, den Melibocua für den Harz hält und in Folge dessen die 
Cherusker ain Nordharüe und die Chatten in Thüringen wohnen lassen 
muss, gauü abgesehen davon, dasn Emsquelle, Ära Drusi und Weser 
weit ab vom Harze liegen. 

Es kann nach alledem kein Zweifel sein, dass der Meiihocus 
nicht im Harze, sondern im Osning zu suchen ist. Dass aber nicht 
dem ganzen von der Egge bis ins Osnabruckische sich erstreckenden 
Oebirgswalde, der heute unter dem Namen Osning ron den Geographen 
zusammengefasst wird, der Name Melibocua ursprünglich gebührte, 
sondern nur einem Teile desselben, würde sich ergeben, wenn man 
(las Wort Melibocus, * wPU ■ b&«'i3 'Malbuchen'***), als Bezeichnung 
eines Buchenwaldes, der die (Irenze, oder anch eines solchen, in 
welchem sich die Malstütte des Volkes oder Gaues befand, deuten 
dürfte. Bei der letÄteren Deutung würde die Möglichkeit, dass der 
Tentoburger Wald der alte Melibocus im engem Sinne sei, beachtens- 
wert. Die Groteuburg, auf der jetzt, in nächster Nachbarschaft alt- 
germanischer Walheste, das Hermannadenkmal errichtet ist, soll 
Qämhoh eine alte MaistÜtte gewesen sein, denn nur für eine solrbe, 
nicht zu militärischen Zwecken seien jene Wälle errichtet wordeof). 



•) s. Mällenhnff, Za. f. d. Alt. 9. 2Sti. 

**) Sei PtoleiDäeuü findet sich, ^(^'''^■'»t vuu den etlinutfraphiachen AogaUeii, 
die Notiz, AhM unter (d. ii, südlicli von) dem Melihocus der Seoiuiua VVtild liege. 
Ist seine Kunntnia dpinsclhen Hericht wie Jene .\ngahen entnommen, so mQaKte er 
der HiUichtswatd sein. Der l'mstiiiid, dass er nicht xur Bestimmung der Vülker- 
sitKD verwertet i«t. spricht dagegen nnd weist auf das Donaagebict als Rrlnindigungs- 
atclle. In diesem talle würde er der Thüringer Wald, das Fichtel- oder En- 
gehirge eein künnen, 

***) In dem nhd. Mnl, mnd. miil (Merkmal und Versammlung) sind zwei alte 
Stämme Kusammengeflosaeii, vgl. as. mal und maUal. Hier kommt in Betracht got. 
wil, meti, as. *mrl, imil ''/.okiifii, Merkmal, Zeit', melifiökös sind atäo 'ein (Mcrk)- 
mkl bildende Blieben', und m:Ln kann wähl nur an ein (Ircnzmahl oder ein Merkmal 
för Versammln ngs- b/w. rcliniiisc Stätten denken. Per erstere Fall ist oben ausser 
Acht gelassen, weil die meisten Gehirge Vötkergrenzen waren, nicht der Touto- 
bnrger Wald allein, der Cherusker Marke war und der von den Westfalen, wie 
Scbierenherg (Die Rrimer im Chcruskerlandc S. 125) mitteilt, noch in neuerer Zeit 
«nch Mitrkioh (Orenzwald) genannt wurde. Übrigens bat der Wald, der heute bei 
Köhlst8,dt abbricht, früher bis Lippspringe ununterbrochen gereicht. 

tl Holzermann, Lokal im tersHchungen IlSTÖ) S. 114 erklart sie als militärische 
Statte, vg). aber auch S. 75 „Die Stätten für die Verehrung der heidnischen Oott- 





52 

Mag die Richtigkeit dieser Ansicht dahin gestellt sein, so steht doch 
fest, dass die Malstätte der Clierusker, wenn nicht auf jenem Berge, 
80 doch in seiner Nachbarschaft gelegen war, es bezeugt das der alte 
Name der unter der firoteuburg gelegenen Stadt Detmold, früher 
Theotmeili, Theotmalli (populi mallus) und des alten ebenso genannten 
Gaues um dieselbe. Schliesslich stimmt ku diesem Teile des Teutn- 
burger Waldes recht gut, dass von ihm der Ort Ringboke*), den man 
jetzt ziemlich allgemein als die Stelle betrachtet, wo das als römische 
Krkundigungsstelle besonders in Betracht kommende Aliso einst lag, 
nur etwa 3 — 4 deutsche Meilen in südwestlicher Richtung entfernt isL 
So gut dieser Umstand freilieh erklären würde, daas der Name gerad« 
des bezüglichen Gehirgsteiles bei den Römern zur Bezeichnung de« 
ganzen (Jebirges wurde, so ermöglicht er leider keinen Beweis. Eine 
zweite Möglichkeit, nämlich dass die Egge der eigentliche Melibocus 
sei, unterlasse ich zu erörtern, weil die tirümle, welche dafiir oder 
dagegen sprechen, nur zweifelhafte Schlüsse gestatten. 

Die in den vorangehenden Ausführungen geübte Methode, die 
Angaben des PtolemaeUs in Bezug auf bestimmte Erkundigungsstellen 
und Krkundigungsgebiete zu erkliireu, darf man natürlich nur für 
einzelne Gruppen von Nachnchten in Anwendung bringen und durch- 
aus nicht auf Gebiete übertragen wollen, von denen die Alton eine 
umfassendere Kenntnis besaasen, oder für welche, wie bei den Sitzen 
der östlich von der Oder und Weichsel und im Quellgebiete beider 
Ströme sesshaften Vülkeratämme, Itinerare römischer Händler vorlagen. 

Ptolemaeus oder der Geograph, dem er folgt, hat augenscheinlich 
zuverlässige und genaue Nachrichten über Norddeutschland benutzt. 
Seine Gewährsleute konnten aber immer nur über einzelne Gebiete 
Auskunft geben. Seine Aufgabe war, Angaben, welche ihm für das 
eine Gebiet vorlagen, mit den Nachrichten, die er andere Gebiete be- 
treffenden Berichten entnahm, zu verknüpfen. Diese Verknüpfung war 
oft nicht ohne Willkür oder Miasveratändnisse möglich, aber er war 
gezwungen, es auf die Gefahr des Irrthums ankommen lassen zu 
müssen, wenn er überhaupt Deutschland kartographisch darstellen 
wollte. Für die Beurteilung der Zuverlässigkeit, welche seinen An- 
gaben beizulegen ist, folgt hieraus, dass Irrtbümer besonders dann 
eintreten, wo die Verknüpfung von Nachrichten verschiedenen Ursprungs 
nötig war, nnd dasa man wegen dieser Irrthümer nicht notig hat, 
seine übrigen Angaben als unglaubwürdig zu verwerfen. 

bciten und die Gaugerichts atütten kommen so nft in inniger Beziehung eu deu 
Kriegslagen) vor, dass etc. Hier möge ea daher genügen, im Allgemeinen darauf 
hinzuweisen, dass jene Stätten fast immer vereinigt erscheiuen und meistens auf 
Hohen lagen, während man viele zu Kriegszwecken nrliaule Lager an den Tfern 
der Flüsse findet," 

•) An der MUudung der Elseiier Beke nder IJunne in die Lijipe. s. Hüluer- 

S. 70. 





Das norddeutsche Herulerreieh. 



(.'assiodoriiis. dvr Kanzler Theotl*-richs deh GruHBeTi und seines 
NachtblgiTs, !mt eine Anxalil der von ilim im Ntinien der ostgotisehen 
Könige ausgefertigten Schreiben iu einer Sammlung vereinigt und zur 
Belehrung jüngerer Staatsmiiiiiier verüffoiitliiht. In dieser Hammluiig, 
den Variaruni (sf. epistulanim ) liljri XII tiiidit sich ein Brief Theoderichs 
an die Könige der Heniler, Wiirticii und Thüringer, witrin dieselhen 
anfgefordert werden, gleich ihm und dem Burgundenkönige Gutidobad 
Oesandte nu dem fränkimhen Könige Chlodovech zu senden, damit 
eiu gemeinsamer Druck auf diesen ansgeüht und er von einem Angriff 
auf die Westgoten abgehalten werde. Diesem Schreiben, welches 
i, J. iJOIt oder 507. nach andern fiOu oder 501 erlassen iwt*), ver- 
danken wir die durch keinen Vieschiehtschreiher überlieferte Kunde 
selbständiger Königreiche der Warnen und Heruler in Deutachland. 
Sein Wortlaut ist folgender: 

Hemlomm. Gaarnflnim, Thoringormn regibuB Theodoricna Res. 
Superbiani Dirinitati semper exosam persequi debet genentlitatiA asscnsuH. 
Nam qtii vnlt opinabilem gentem volant«ria iniqnitate iiubTert«re, nun 
tlisponit caeteris instA servare, Fessima cansuetudo est dea|>icere Teri- 
latem. Credit aibi omnia cedere, si elatum contigerit in abominabili 
certamine Buperare. Et iileo vog, ijuos conscientiae »irtua erigit, et 
coDsideratio doteBtabiUs praeaumptitmis accendit, legatos Testros, unn 
cum meia et fratris Dostri Uiiudibadi regia, ad Francomm regem Lndaiii 
destinflte ; ut ant üe de VJaigotkorum ^^oaflictu considerata aequitat« 
HQSpendat, et lege» gentium quaerat : aut omnium patiatur incorsum, 
qui lantornm arbitriam iudicat esse tenmeodttm. ^uid i|uaerit ultra, 
cui offertnr absoluta institia? Dicam plane quod sentio : (ini aiiie 
lege Yult agere, cunctornm disponit regna qnassare. Sed melius est, 
nt inter initia pemiciusa reprimatur assumptio; ut sine labore perflciatnr 
omnium, quod certamen esse poterat singulonim. Recolite naniqne 
Eurici seniuris affectum, qnantis voa iurit semper mnneribns. quuties n 
vobis proiimarnni gentium imminentia bella suspendit. Reddite Kilo 
eins ((ratiam , quam tarnen agnuscitis vegtris ntiliiatibus attributam, 
Nam Bi tanto regno aliquid praevaluerit, vos aggredi sine dubitatione 
praesnmet, tiuapropter escellentiam vestram eplstolari aermone salntautea, 
per legatos noBtros Ülnm et illnm praesentium portitores, verbu vobis 
atiqna dicenda cominisimus; ut vos. qui nostmm Hequimini, Deo invante, 
ilispoaitnm, unus complectatur asBensns; et foris hoc agatis, ne in vestris 
provincÜH dimicare posaitis. 

*) Var. l. ni ep. S. Die Litteratur über diesen Uriet' verzeichnet Lippert, 
Beiträge zur älteren Gesehiclitc der Thftringer. Zs. f. thitring. Gesch. Bd. 11 (1883) 
S. 271, Hinzu^ufllgon ist Platner, Korncli, z. dtsch. (ieBch, 17, 469. Die fehler- 
baften Anflihningcu aun dem Briefe, die mehrfach begegnen, narcu Anlast denselben 
hier zum Abdruck zu bringen. 



k 



über die Lage des henilisclien Reiches lässt sich aus dietsem 
Ilriefi' nur entnehmen, dass es den Königreichen der Thüringer mid 
Warnen benachbart gewesen sein niuss, Genauer seine Lage zu be- 
stimmen, hilft folgendes. 

In der Kirchengeschiehtts des Adam von Bremen bieten zwei der 
Ijesteu Handschriften zu dem Namen der Heveldi qui iuxta Habolam 
fluvium sunt das nn^h dem 11. JahrhumU'rt angeliürige Glossem vcl 
Ileruli"). Ul)ernr»mmpn haben dinses /eugnis einer Zeit, welcher, 
wie Widukinds yachsongescliichte zeigt, Heldensage und Voikstradition 
novh reichliehe Kunde über längst vergangene Jahrhunderte über- 
mittelte, der sächsische Amialist ad a. 983 und Helmold, Ghronicou 
alav, I c. 2. Der Sinn der Stelle ist, dass die Hevelder, die Havel- 
bewohner, di«si'llien sind wie die alten Herul«r, oder diifh, dass sie 
dieselben Sitze innehaben. 

An die Havel vei-weiseu ferner zwei Namen, welche, jeder fiir 
sieh fast nichts bedeutend, vereinigt und in Verbindung mit der Notiz 
'Heveldi vel Heruli' beweiskräftig werden. Es sind die Namen der 
Stadt Brandenburg und des in ihrer nächsten Nähe gelegenen 
Harlungberges. 

Der Huiiungberg**) — so in einer Urkunde d. J. Ilüli und mons 
Harlungorum 1217 genannt — deshalb, weil Harlunge, agw. Herplitu/e, 
eine Ableitung des Namens der Heruler ist, welche die Zugehörigkeit 
zu ihm oder seinem mythischen Epoiiymus, also seinem königlichen 
Geschlechte ausdrückt. Brandenburg, weil die Brenden oder Brandinge, 
sgs. Brondinge, ein herulischer Volksstamm sind. Denn dass der Name 
Brandenburg***) deutschen Ursprungs und erst von den Slaven zu 
Jirennibor 'Grenüwald' volksetymologisch umgedeutet ist, ergibt sich 
nicht allein daraus, dass bei Brandenburg verschiedene Slavenstämme 
überhaupt nicht aneinander grenzten , sondern auch , weil bei deu 
Slaven für diesen Ort der Name Ssgoredcia (Jahrbücher f. meklenb. 
Geschichte 27, S. 127) gattf)- Ob Berg- und Stadtname bis zur 
germanischen Rückwandenuig an Grt und Stelle im Volksmunde fort- 
lebte oder ob er nur bei den nicht fernab wohnenden Sachsen sich 
erhielt, kann hier unerortert bleiben. Es genügt die Thatsache, dass 
die Namen auf herulische Ansiedtungen deuten. Ohne F'intiuss auf 
die Lösung der Frage, wo die Heruler angesessen waren, scheinen 
dagegen die übrigen Orte mit den Namen Hartingberg, Harünge- 
rode usw. Will man sie auf Heruler deuten, so kann man allenfalls 
au Heruler oder deren Nachkommen denken, welche vor den Slaven 
Hüchtend in den benachbarten deutschen Gebieten sich neu ansiedelten, 

•) Aflam Brem. II, IS. Mf".. SS. 7, 312 nnta o. 
**) Die iirkiindliihcn Belege der Nameiisrormen verzeiphaet Heffter's N&meu- 
vcriteichnii« 7.\i Itkders Codex dipl. Braiidenliurgensis. 

•••( Die alreiite Form ist Brendanbiirg (Dipl. Otto I. ur. Kß v. J. 918). 
t) Die Itis hierher aufgezfiliUeo Gründe, welche für Biwideubiirii als elie- 
inaligeu Horulersitx tipreclien, bat bereits Platuer Eusammengestollt und ausführ- 
licher besprochen. Die gegeu t>eine AbhandluDg tou anderer Seite gerichteten 
Einwendungen treffeu nicht die oben gegebene Begründung. 



Denn nur die Haupt- oder üi-nneorte werden niwh dem Volke, io 
dessen Gebiete sie Hegen, benannt, sonst deuten derartige Xamen nwr 
auf Ausiedlungen innerhalb eines fremden Volks»taumieB. Da»s Branden- 
burg aber Haujitort eines germanischen Volkes einst gewesen sei, wird 
auch dadurch bezeugt, dass sein Name in den nordischen Sageu fest- 
gehalten ist. 

Auf die Frage, welebe Ausdehnung das norddeutsche Königreich 
der Heruler ^fehabt habe, werden wir später zurückkommen. 

Der Brief Theoderiehs vom J. 511« erweist also, dass es au 
dieser Zeit zwischeu Elbe und Uder einen König der Heruler gab. 
Wie ist hieiTOit nun folgendes au vereinigen? 

Die sich im Beginne des 6, Jahrb. von ihren ätammesgenosBen 
trennenden Heruler (vergl. oben S. 2',t) ziehen nach dem Bericht des 
Prokop nach Schonen, ohne dass ein Teil bei deu norddeutschen 
Herulem verbleibt. Ja, dieselben werden nicht einmal erwähnt. 

Kerner, eine Anzahl Jahre später (nach 527 und vor ä'iSj 
wünschten die bei Singidunum auf römischem Boden angesiedelten 
Heruler, deren König bei einem Aufstande ums Leben gekommen war, 
einen neuen König. Da niemand aus dem königlichen Geschlecbte bei 
ihnen weilte, ging eine Anzahl ihrer Kdlen als tiesandtschaft nach 
Schonen, um hier einen Mann königlichen Blutes als König zu er- 
wählen und nach Singidunum zu geleiten*). Aus der Sendung nach 
Schweden miisste man doch folgern, dass es zu jener Zeit in dem 
näheren Norddeutscbland kein heruUsches Königshaus mehr gab, d. b. 
doss in der Zwischenzeit, also nach d. J. 5116 die norddeutschen 
Heruler in einem Kriege unterlegen waren und ihr Reich sein Ende 
gefunden hatte. Befremden müsste ferner, wenn keiner der Ueschicht- 
schreiber von ihrem Kriege imd Untergange eine Andeutung gäbe, 
sind wir doch gerade über die wichtigsten Begebenheiten aus der 
ersten Hälfte des sechsten Jahrhunderts, der Zeit des fränkiscbeu 
Theodeberts und des thüringischen Ermenfrieds durch alte Nachrichten 
leidlich imterrichtef. 

Es bleibt nur die Folgerung übiig, dass -was nachweisbar bei 
den Warnen der Fall war, auch von den Herulem anzunehmen ist. 
Oben (S. 4. '2.3) ist ausgeführt worden, dass in Nordthüringen Warnen 
angesessen waren und dieses Gebiet bis z. J. 531 ein Teil des grossen 
tbünngischen Reiches war. Der Wamenkönig, an welchen der Brief 
Theoderichs gleichfalls gerichtet war, muss also ein Prinz des thürin- 
gischen Königshauses gewesen sein, dem hei einer Erbteilung dies 
wamische Gebiet zugefallen war. 

Ebenso muss das Herulerreich — fernere Gründe werden später 
noch zur Spraclie kommen — einen Teil des Thüringerreiches aus- 
gemacht haben und sein König dem thüringischen, nicht dem berulischeu 
Königsbhite entsprossen sein. Uuter diesen Umständen konnten frei- 
lich weder die unter der Leitung von Mitgliedern des königlichen 



L •) Proco 



') Procop, de bcllo Goth. U c. 15. 




&s 

GeBcUe eilte s iia(;h Schonen wandernden Heriiler, die ihre Selhständig- 
keit bewahren und »k-h nicht unter tremde Obergewalt begeben wollten, 
KU ihren norddeutschen Stamm es genossen ziehen, noch bei diesen die 
Gesandtschaft einen König heniÜBchen Stammes finden. 

Die Könige der Heruler, Warnen und Thüringer, an welche 
Theoderich sein Schreiben gerichtet bat, können nur die drei zur Zeit 
jenes Briefes noch jugendlichen Söhne des thüringischen Königs Bisin 
gewesen sein, Jeren Namen Baderich. Herminafrid und Berthachar 
von Gregor von Tours n. a. genannt sind*). Ks wird so erklUrlich, 
dass Theoderich an sie ein gemeinsames Schreiben richten, und vor 
allem, dass er alle drei an die Geschenke des Gotenkönigs Eurichs 
und dessen Friedensvermittlungen, durch welche er ihnen Kriege mit 
Nachbarvölkern erspart habe, erinnern kann. Denn, da alle drei 
Brüder und Erben desselben Reiches waren, sind ihnen auch die Ge- 
schenke und Dienste Eurichs gleichmassig zu Gute gekommen**!, 
Dass dieser dagegen die Angehörigen dreier verschiedener Königs- 
häuser, deren Land von dem seinen in jedem Falle weit entfernt war, 
gleichmässig verijHichtet habe , müsste ein wenig walirscheinlicher 
Zufall gewesen sein. 

Nachdem die Thüringer mit Hilfe der Sachöen besiegt und im 
J. 534 der letzte der drei Königshrüder, Herminafrid, durch Meuchel- 
mord am frünkisehen Künigshofe in Zülpich beseitigt war, gehörte 
das Tliüringerreich mit allen seinen Teilen den Franken. Über die 
Ausdehnung, welche das fränkische Reich dui-ch diese Vergrösserui:^ 
gewann, belehrt der nachfolgende Brief***) de« Königs Theodebert 
V, J. 5;H oder Ö3-5, in welchem er dem Kaiser Justinian Auskunft 
giebt, wie weit seine Herrschaft sicli erstrecke. 

Doiniuo illDstri et praecellentissimo domino et patri Jnstioiuo 
Imperotori Theod^bertai Rei. Tbeodoms vir espectabilis cum Solouein 
venienB pariter literoa qnas imperii vestri demeutia deatiuavit, integra 
animi caritate et devotione Hnacepimas, quia cum de nobU curam geritis, 
sie latiuK per diversas gentee aique provinciaa Den amatam amieitiatn 
propagamuH. H vero qaod dignamiiti esse sollieiti, in r|uibnn pruvinciJa 
habitemus aut quae geotes nostrae sint, Deo adjuture, ditiani sobjectae, 
Dei iiostri mUericonlia feliciter aubactia Thuriogia et eoniin pruvinciii 
acquisitiü, extinctis ipaornm tnnc temporia regibua, Nursavoruin jl. Nor- 
Hnavoram] gentitt nobia placuta huOgbUs coIU subdidit Deoqiie propitiu 
WisigotiB, qni incolebaut Franciae septantrioDalein plagani, Pannoniam, 
cum Sasonibus Euciis, qui ee nabis voluutate propria tradidenmt, per 
Danubinm et limitem Pannouiae uaqne in Oceani littoribuB, cnstodienle 
Deo duminatio uoHtra purrigitnr. Et quia scirnus Au^nstam Celsitndinem 



*) Als blosse Vcnniituiitc spraeli diLüsclbc sdiou Li.'i) aun, vgl. I.ippert u. a. 0. 
13, 274. rber die Oesdiichte der Brüder hiiuddt nm leaien Gloel, FomJi. t. dtsdi. 
Oesdi. IV. 19B B'. 

*•) Der Ausdruck -iw SdiliiBs (ut) anus dos compUclalur aitenius raiisa sieb, 
wie Platuer S. 460 bcmorkt, auf alle drei Ki'mige beziehen, jeder für sich konute 
so nii'bt angeredet werden. 

"*) Bouquet, Scriptt. IV, 59. 





57 

Testram de profentu CathoHcarnm, aicnt eti&m litlerae vcBtrae testantiir. 

plena auimi jncunditate gaudere, iitco ext quod secundum Tolnntatem 

reBtiam, quae Dens nobis concewerit, simplici relatione mandaiDUB: 

degiderantibus animis exoptante», at felicibus profectibus Gloria vestra 

ita raleat, ut anliqaam retroactonim Principiim amicitiam coiiseivetia, 

et gratia, quam saepius pronittitiH, in coimnunt ntiliUte jungamiir. 

Theodebert fülunt sich also, dass nach Unterwerfung Thünngens 

und seiner Provinzen, d. h. der Heruler- uud Waiuengebiete. und iiiLchderu 

(die an diese grenzenden) NordschwHben und Eutionen seine Überlierriich- 

keit freiwillig unerkannt baben, sein Reieb bis zum Ocean reiche. 

Die Nordschwaben, von denen die Besiedler des Schwabengaucs 
an der Bode ausgegangen sind, hat Zeuss mit Unrecht für einen Teil 
der meklenburgi sehen Warnen erklärt. 

Für die Feststellung des Gebietes, wo die Nordschwaben ange- 
sessen waren, ist die Autiassung ontaeheidend, welcUe man den fol- 
genden Versen des Vidsidh giebt, einer augelsacbsischen Dicbtung. 
welche die geographischen Verhältnisse zu Ende des secfisteu Jahr- 
hunderts wiederüpiegelt. 

35 Offa weold On^le 

41 .... ane »weorde 

merüc ^emairde wid Myr5in5um 
bi Fifeldore; heoldon ford »ithtban 
En;le and Swa-fe swa hit Offa jeslo;*). 
Der neueste Herausgeher und Erklärer des Widsith*"*) schUesst 
aus diesen Versen, dass Schwaben und Myi-ginge verschiedene Namen 
desselben Volkes, jener der Staouuesname, dieser der Volksnanie seien, 
weil beide im Gegensatze zu den Angeln genannt werden. Diese Auf- 
fassung ist entschieden falsch. Dass Myrginge und Schwaben ver- 
schiedene Völker sind, zeigen Vs. 23 f. derselben Dichtung 
Witta weold Swtefum, Wada Hslsin^um. 
Meacii M.yrjinjuni, Mearcheald Hundin^um. 
Es mutts aUo die Eider sowohl für die Angeln als tiir die ilmen be- 
freundeten Schwaben der tireuKfluss gegen Myrginge (zwischen Elbe 
tind Eider) gewesen sein, und es ist Vs. 44 des Widsith gesagt, dass 
Angeln und Schwaben gegen die MjTgiuge ihre durch Offa festgesetzte 
Grenze behauptet haben. Füi' die Sitze der Nordschwaben ergeben 
flieh dadurch folgende Möglichkeiten: Dieselben sassen entweder nördlich 
der unteren Eider und westlich den Angeln, wo noch heute der Name 
der Stadt Schwabstedt an sie erinnert, oder östlich der oberen Bider 
und südlich von den Angeln, also im östlichen Holstein. 

*) Ofla hcrrsrhte über .Engeln, . . , mit dem Schwerte setzte er die Grenze 
feit eegeD die Myrginge au der Eider, fiirder walirten Angeln nnd ärhwabeu, irie 
es üok erfochten hatte. 

**) Müller I 2<i. I)a«i heatc, was liber die Eiitii (bei Venautius Fortunatus 

Eulhionei) gesa;^ ist, obd. S. W, duch deukt M. an Euteu, wokbe aus Schleswig 

iwch den Niederlaudeu autgewaudeil. seien. Diese .Auswanderung ist blosAe Ver- 

N tnatung und ofieuhar nur Biisgesprucheu, weil Sclil es wJg-Hol stein den Grenzen des 

1 frinkischen Reiches zu lern si-hieu. 



Der Hassegau und die Hoesioburg. 

Zwischen der Saale und ibren beiden Nebenflüssen AVipper und 
Unstnit breitet sich, im Norden von dem Sehwabengau. im Weaten 
von dem Friesenfeld begrenzt, der uordthüringische Hassegau aus. 
Man hat es nicht an Fleiss fehlen lansen, um in die Fragen, welclie 
sich an diesen Gau knüpfen, Licht zu bringen. Wenn es aber ge- 
lungen ist, seine Grenzen zu beRtimmen und vielleicht auch, sein Ver- 
hältnis zum Friesenfelde aufzuhellen, so bedarf die historisch wichtige 
Frage nach der Herkunft der Gaubewohner anderer Antwort, als sie 
bisher erhalten hat*). Denn die Meinung, die liieriiber mit der Be- 
stimmtheit einer historisfhcn Thatsache von allen Seiten ausgesprochen 
oder übernommen wii-d, dankt ihre Entstehung und Verbreitung nur 
einer aufialligen Unachtsamkeit auf den Unterschied zwischen hoch- 
und niederdeutschen LautüliergäDgen und ist leicht zu widerlegen. 

Besiedelt sind die transbadanischen Gaue bekanntlich ums Jahr 
5ß8 durch eingewanderte Nordschwaben u. a. Völkerschaften, welche 
das von den nach Italien gezogenen Sachsen aufgegebene Gebiet mit 
Genehmigung der frankischen Könige in Besitz genommen hatten. 
(Vgl. oben S. 5 f.J 

Der Huasegau soll nun nach der bisherigen Ansicht durch An- 
kömmlinge aus Hessen bevölkert und nach denselben benannt sein, 
während man in den Schwaben Nachkömmlinge der alten Semnonen 
oder auch Warnen sieht. Ein Hassigauer, H. Grössler, der sich um 
die Kunde dieser Gaue sehr bemüht und verdient gemacht hat, sagt 
in einem die bisherigon Forschungen und Ansichten über die Besied- 
lung zusammenfassenden Aufsatze „Slaven sassen damals noch nicht 
in unmittelbarer Nähe der Saale: diese konnten also die fränkischen 
Könige nicht, wie es später geschah, als Ansiedler im Grenzgebiet 



^ 



*) GrüBsler, Der gouioiusame Umfang der Gaue Kriesenfeld und Haasegaa. 
Zeitsclir. des Harzvereins 6, 267— S6. 9, 105 ff. — ders., Die Bcdeulung de» Hers- 
felder ZehntverzeiPlinisses fttr die Ortskiinde und Gesrliii'hte der Gaue Friesenfeld 
und Hassegau. ebd. T, tib—lSS, rgl. 11, 22f) ff. — ders., Die Kesiedelung der 
Gaue Friesenfeld und Hasfiegau. ebd. >i, S2 — 131. ~ ders.. Die ^Vüstu]lgen des 
Friesenfeldes und Hasnegaues. ebd. 8, 33.^—424. 11, 119— 2SJ. — ders., Binnen- 
grenzen der Gaue Friese de 1d undHassegau. ebd. 9, 51 — 1Ü5. — ders. u. A. Brück per, 
Die slavisehon Ansiedlungen im Hassegau. Archiv f. slav. I'hilol. 5, S33 ff. — 
ders.. Die Einführung des Chris tcnth ums in die Qaue Fricsenfcld und Hassengau. 
Halle 1883. — Ausserdem behandelten in neuerer Zeit den Hassegau; v, Richt- 
hofen. Zur Lex Saxonum S. 39« ff.: F. Winter, Zur Topographie etc. Zs, d. 
Harzvoreiiis 7, 282 ff.; Weruebürg, Über die Herleitung der Namen der Oaue 
SuoTon, Hassegau und Friesenfeld. Mitt. f. Gesch, v, Erfurt 12, 221—229. (Weme- 
burg erklärt sich gegen die Besiedlung durch Hessen und denkt an Einwanderer 
aus dem Housigau am Ammersee. Eine Widerlegung ist überflüssig, es genß^ 
darauf binxuireisen. dnss er Hansi- für 'eine lateinisclio Form' und Hohsi-, Hon-, 
Housi- sprachlich für gleich hält.) 



verwenden ; «iv nnhtnon snlche dahor aus denjenigen Gebieten, welche 
wegen ihrer natürlielien Besfhranktbeit sdion wiederholt an Über- 
bevölkeniug gelitten und wiederholt Colouisten auageKandt hatten, aus 
Friesland, dem Lände von Sincfal bi« ziu- EniK, das auch siiäter tiofh 
dem nordüätliehen Deutschland \iele Ansiedler geschenkt hat; und 
aas Hessen, welches schon Jahrhunderte zuvor die Betuwe und andere 
Landschaften am Niederrhein mit seiner überHchüsmgen Mannschaft 
hevälkert hatte. Dazu kamen nun noch als der Hauptkei-n der 
Colonlsten die Nordschwaben, ohne Zweifel der in der schwäbischen 
Urheimat zwischen Elbe und Oder zurückgebliebene, in »einer Ver- 
einzelung aber von den Östlich vordringenden Slaven bedrohte Rest 
des grossen, schon lange zuvor nach Süden ausgewanderten schwäbi- 
schen Stammes, der gewiss mit Vergnügen die sich bietende fielegen- 
heit ergriff, minder blosagestellte Wohnsitze und festeren Anschluss 
an die Volksgenossen zu erlangend Alles Annalunen, welche die 
Umsiedlung der Einwanderer erklärlich ersclieinen lassen sollen, tiir 
die angenommene Herkunft derselben aus Hessen, Westfriesland und 
der Provinz Brandenburg aber nicht das geringste beweisen. 

Auf ein wirkliches Beweismittel bei-uft sich Wilh. Aniold (Deutsche 
Urzeit, Gotha I67y, S. 172), wenn er sagt 'Der Hessengau veTdankt 
seinen Namen vermutlich einer hessischen Colonie, wie eine Ver- 
gleichung der hier vorkommenden Ortsnamen mit denen im Stamm- 
hmd zeigt.' Diese Behauptung gehört jedoch zu den in Amold's 
hübschem Buche leider so oft begegnenden Flüchtigkeiten. In seinem 
Werke über die 'Ansiedlungen und Wanderungen deutscher Stämme, 
S. 150 tl'.', wo er diese Vergleicbung vorgenommen hatte, sprach er 
als Resultat aus, dass diese Namen mit einigen Ausnahmen so wenig 
charakti'risch seien, dass es gewagt scheine, die Übereinstimmung 
für eine nothwendige und wesentliche zu erklären, zumal ein unmittel- 
barer Zusammenhang der Namen nut den hessischen fehle. 

Die Annahme der hessischen Abkunft der Gaubevölkerung gründet 
sich einzig und allein auf den Namen des Gaues. 'Dass das Gau' 
sagt Richthofen 'nach den Hassi hiess, scheint mizweifellmft ; und die 
Identität dieses Namens mit dem der Chatti zeigt Grimm Geschichte 
der deutschen Sprache p. 576.' 

Allerdings ist es eine uidäugbare Thatsache, dass aus den alten 
Chatti später Hassi, heute Hessen geworden sind, und ebenso unlüug- 
bar ist, dasw der von di'r Dieniel dürchtiossene Hessen- oder Hassen- 
B&n den Hessen seinen Namen verdankt. 

Aber wenn der Name der mitteldeutschen, also der »weiten 
Lautverschiebung ausgesetzten Hessen aus der Form Chatti entstehen 
konnte, ist damit bewiesen, dass auf dem niederdeutsidien Boden, dem 
der nord thüringische Hassegau angehörte, Hesse- Hasse- luder gar 
das noch ältere Hohsi-) sich gleichfalls aus ursprünglichem Chatti- hat 
entwickeln müssen oder nur können? Und selbst wenn man der 
Ansicht war, dass diejenige Welle der Lautverschiebung, welche 
lautendes t in s wandelte, um 5Ttl bereits das nördliche Mittel- 



le in- ^ 




60 

deutschtand erreicht hatte, so hätte die in die Augen fallende Ver- 
schiedenheit des a in den Namen beider Gaue stutzig machen miisBen. 
In den alten Formen des au der Dieinel gelegenen Gaus wechselt, 
wie ein Blick in Föistenumne Sammlung*) /.eigt, o nur mit c, im 
Namen des uordthüiingischen Hassegaues — der erat später als 
Hossengau bezeichnet wird — a nur mit o. Wären es wirklich Hessen 
gewesen, nach welchen der Gau benannt ist, so würde er Hettigau 
heissen, gerade so, wie die am Niederrhein angeHewHenen C'hattuarier 
sich sputer Hettuarier nennen, ührigens wird das Nebeneinander der 
alten Belege, in welchen der Gauname erscheint, genügen, um die 
Annahme einer hessischen Herkunft der Hessegauer für alle diejenigen 
zu beseitigen, welche wissen, dass ein inlautendes h in altdeutschen 
Formen kein Dehnungszeichen, sondern ein volltönender Laut ist. 

Die älteste Form bieten die Fuldaer Annalen (Mou. Germ. 1, 3(>8) 
ad a. !S52. Tranaiens lu-isst es per Angros Harudos Suabos et Hohaingos 
sei Ludwig der F'romme nach Erfurt gelangt. Wie Namen und Weg- 
richtung darthun, bezeichnet Hohsiirgos die Bewülmer des /wischen 
dem Schwabengau und Südthüringen gelegenen Hassegaues. Ent- 
sprechend heisst dieser Hohsegowe im sog. Breviarium S. LuUi (Wenck, 
Hessische Landesgeschichte Bd. '1 Urkimdenbuch S. 16). 

Diese beiden Belege bieten Fonuen des 9. Jahrb. Für die Er- 
kläiimg der späteren Formen kommen zwei Möglichkeiten in Betracht, 
Da nach dem Ende des il. Jahrh. iu Ostsachsen jener Lautübergang 
sich vollzieht, welcher ursprüngliches Sahso zu Sasse^ seks zu ses, 
wohs 'wuchs' zu leos werden Hess, so niusste auch in Höhst der Guttural 
oder Palatal dem nachfolgenden s sich assimiliren und Hossi- oder 
Jlassi' — der Vokalwechsel wird später seiue Erläuterung finden — 
entstehen. So erklären sich die Formen Hossegawe, Bassaga usw., 
die in zahlreichen von Fiirstemann u. a. angeführten Belegen vor- 
kommen. Eine zweite Möglichkeit, durch welche der Übergang von 
As zu SS, sc erklärt werden kann, wird weiter unten ins Auge ge- 
fasst werden. 

Diese Formen ergeben, dass die Gaubewohner sich Hohsi oder 
Ilocsi, später Hossi oder Hassi nannten. Wenn die Fnldaer Annaleu 
dieselben Hohsingi nennen, so ist diese Fonii eine Erweitemng der 
einfacheren, ohne dass in diesem F"alle ein Bedeutungswechsel vorliegt. 
So lautet der Name der I'olabzer bei Adam von Bremen und dem 
sächsischen .\nnalisten Polabingi, bei Helmold, Aniold von Bremen u. a. 
I'olabi. So werden die Vlamen auch Vlaminge, die Westfalen wohl 
Westfalinge genannt. Spätere Belege für die üoppelfonn des Namens 
der Hohsi sind Hassingi beim Annalista Saxo (Mon. Germ. Scr. 0, 599), 
Hassirtgewi (Höfer's Zeitschrift 2, -S.S9), und mit ausgefallenem Nasal 
Hassigam bei Widukind (Mon. Germ. Scr. .3, 438), und Hassegun 
(eigentlich Dativ I'lnr. = altem Hohsingum) bei Thietmar von Mei-se- 
burg (ebd. 3, 850). 



■) Altdeiitsdies Naiiienbucli Bd. U. d. Aufl. Sp. 761. 



Elle weiteres über die Hohsi oder Hohningi festgestellt werden 
kann, witd t>s niiti^ üeiii, das» auch wir uns mit der Hocstohurg, tlcin 
Gegenstände schnn so vieler gelehrter Untersuchungen, vorübergehend 
beschäftigen*). Ihr Name ist mit dem der Hohsi. wie sich zeigen 
wird, eng verbunden. 

Das castniin Bocseoburg, mich Hohsiohnrg, Hohselmrg usw. ge- 
heissen, wird in den Feldzügen Pi|jjjinH ^zfiuiiint. S<>inc Lage bestimmen 
am genauesten die Metzer Aiiii:ili-n ;iil ;i. T4S (M<.ii. Lierm. 1, 330), 
indem sie berichten, dass in dii'M'in .l;ihri' Pi]j|iiii dturh Thüringen in 
das Gebiet der Nnrdschwaben, al^o in den Schwabengau, gerückt sei 
und auf diesem Zuge das castrum Hocsehurg erobert habe. Dasselbe 
kann also nur in den von ihm durchzogenen aufstäudiBcheii Gauen 
der Sachsen, also zwischen Bodc und Unstrut gelegen gewesen sein. 
Über die genauere Lage weichen die Ansichten sehr von einander ab, 
doch neigt man sich im allgemeinen der auch von Pertz vertretenen 
Ansicht zu, dass die Burg im Hassegan gelegen und mit dem zwischen 
dem süssen und salzigen See in der Nühe Eisleliens gelegenen Urte 
Seebttrg identisch sei. Zu dieser Anniihnie hat offenbar die teilweise 
Übereinstimmung des Namens mit der in Einhards Annalen überlieferten 
Schreibung Hohseobttrg verfuhrt, obwohl Schloas und Stadt Seeburg 
in älteren Urkunden nie Hoch- oder Hohen-Seeburg genannt sind oder 
haben genannt sein kiinneu. Sie liegen nämlich im Gegenteil sehr 
tief, am Fusse von Anhohen am Ufer eines Sees. 

Der vielgedeutete Naine erklürt sich wehr einfach. Hohseo oder 
Uohsio ist ein regelrechter Genitiv zum Nom. Plur. Hohsi, Hohseo- 
burg bedeutet also 'Burg der Hohsi' und die vielen abweichenden 
Formen, in denen dieser Name in den verschiedenen Annalen erscheint, 
sind zum grossen Teil nicht sowohl Verderbnisse der Schreibung, als 
vielmehr mundartliche Nebenformen oder auch verschiedene Schreib- 
weisen derselben Laute, 

So weichen von der Form Uöliscolmrg, welche die ältesten Hand- 
schriften der Einhard'schen Annalen bieten, die Fonuen Hoohseotnirg 
in den .Vnnales I^auressenses, Ilocseoburg beim Aunalista Saxo, Hochseo- 
hurch bei Itegino walirscheinlich nur durch die Sehreibung ab, ohne 
dass eine Verschiedenheit der Aussprache bezeichnet werden soll. 

Lehrreich sind einige der verderbten und der Jüngern Lesarten, 
Saochaeburg in den Annales TiUani (MG 1, 21Ü) bietet, falls nicht wie 
beim I ersten auch beim zweiten Buchstaben ein Verderbnis vorliegt, 
das altertümliche ao, aus dem sich später a entwickelt. Die Formen 
Hasccfjurg, Hoscoburg, Oscioimrg, Osenburg zeigen denselben Ausfall 



*) Die urkundlichen Belege de» Namens sind von FürBtcmann, Namenbuch 
n* 772, V. Hichthofen. Zur lex Hax. S. 39S imd vollatändiger von v. Strombeck, 
Die Feste Heohiteoburg etc. Zii. d. Haravereins '>, Ö5 ff. gesammelt. Bei letzterem 
ist auch die Littcratur über die Hohaiohiirg verzeichnet, hinzuiufLigcn iat ausser 
V. Richthofcn a. a. 0. .t. Grimm, Gotting. Nachr. 185G S. 101 (Hnacoburg anll die 
richtige Fnmi sein und diese von alta. hogc 'Schimpr abzuleiten sein) und ürüssler 
Zs. d, Hariv. 7, 12ö ff., vkI. 287 ff. 



I ncmige r 

Zs. d, Hi 



u 



62 

des iiilantendeti h vde rlie Foi-men des GaunameDa, während ander- 
floits sc statt SS aiitfällig int und für die Annahm«« spricht, dass der 
LautwandM nicht durch Assiniilatiun, xondern durch Zetacismus be- 
wirkt Bei. Die Schreihung Hacksi/fhurg oder Hochsighurg schebt sich 
dagegen aus eiufm älteren Hohsittgoburf/ zu erklüren, alst) einer Bildung, 
zu welcher die erweiterte l''i>rni des Vi>lkanainens verwendet ist. Als 
Vei-derbnis dieser Form wird fenier die Entstehung der Schreibung 
Sigilinrc (statt Hohsifvjgiburc) begreiflich. 

Die verschiedenen Formen des Namens zeigen, das» die alten 
Schreiber durchaus niclit der Meinung waren, dass derselbe 'hohe 
Seeburg" bedeute — nicht ein einziger ist diesem Irrthume verfallen 
— und dasa ein grosser Teil derselben sich hewusst war, dasfl in 
jenem Namen der Volksname der Holisi enthalten ist. 

Die vorstehende Erörterung bestätigt die Lage der Hohaioburg 
im (iebiet der Hohm d. h. im Hassegan. Dagegen iat es mir weder 
möglich noch für die Zwecke der hier geliihrten f'iitersuchung von 
Belang, genauer ihre Lage zu bestimmen. Nur diiraiif kniiiint es hier 
au, daws die verschiedenen Erwähnungen der ISiir;,' den Vnlksnamen 
der Hohsi in Schreibungen zeigt, welche für die riclitige LnnlKud'nsRung 
vielleicht lehrreich werden. 

Die richtige Auffassung des Volksnamens nmsa sich, da es sich 
um ein niederdeutsches Volk handelt, auf die liegeln der nieder^ 
deutschen Grammatik stützen. Ea kann aber ein Fall vorliegen, bei 
welchem nicht sowohl die allgemeinen Regeln derselben, Bondern die 
Besonderheiten einer einzeln niederdeutschen Mundart wirksam ge- 
wesen sind. Es wird zu erwägen sein, welche Mundart etwa iji 
Betracht ktimmen würde. 

Die drei transbadanischen Gaue der in Nordthüringen einge- 
wanderten Schwaben, Friesen und Haasegauer standen in Rechta- 
gemeinachaft mit einander, indem bei ihnen erbrechtliche Grundsätze 
in Geltung standen, welche dem gemeinaächsischen Rechte fremd waren. i 
Schon dieser Umstand deutet auf die Herkunft der Hassigauer aus 
einem Gebiete, das weder zu Westfalen noch Engern oder Oatfalen ' 
gehörte. Ferner ist heraerkenawert, dasa die Gaue der Schwaben und 
Friesen mit den Namen grosser deutscher Stämme benannt sind, nicht 
mit dem Namen kleinerer diesen Stämmen angehöriger Völkerschaften. 
Dasa die Ötammesnamen eintraten, erklärt sich leicht. Die Trans- 
badaner waren v<m Altsachsen oder Altthüringern umgeben , also 
fremden Stämmen. Hinter dem Gegensatze des Stammes tritt der 
engere Name zurück, hier wie überall. In der Heimat unterschied«! 
sich Westfalen, Eugeni, Holateiner usw., iu der Fremde, sei es dasa 
Handel oder Auswanderung in die Ferne führte, heissen sie Sachsen 
oder auch Osterlinge. Aber nicht allein zu den Sachsen, auch unter 
sieb befanden sich die Transbadaner im Stammesgegensatz. Es würde 
dem Namen des Friesenfeldes und des Schwabengaues das unter- 
scheidende Moment gefehlt haben, wenn die Hassigauer friesischen 





6S 

oder suebi sehen Stammes gewesen wären. So wird man zu dem 
Sclilnss gedrängt, daas sicli in dem Namen de» HnHsegaiK's ein vierter 
Stamme Buame verbirgt. 

Wo befanden sich die Stammsitze desselben'/ Die Sehwaben 
waren aus Schleswig-Holstein eingewandert (s. S. 57). Eben dahin, 
nach Nordfriesland, weist der Name der Friesen im Friesenfelde. Die 
allgemeine Wahrscheinlichkeit spricht dafiir, dass die Hassegauer, deren 
engere Beüiehung zu den Friesen ilu- Gauverhültnis zeigt, gleichfalls 
aus Schleswig-Holstein gekommen sind. Jeden Zweifel an dieser An- 
nahme wird die folgende Untersuchung beseitigen, welche in der 
hassegauischen Mundart nordel bingische Eigentliiimlichkeiten nach- 
weisen wird. Bei der Erklärung des Namens der Huhsi, der Hasse- 
gauer, wird also mit Besonderheiten der nordelbingischen Mundarten 
gerechnet werden können. 

Der Vokal der Stammsilbe im Namen der Hobsi oder Hocsi ist, 
wie die Schreibungen 6 oo und ao ;;eigen, lang und wechselt später 
mit a. Ks ergiebt sich hieraus, dass es aus altem au hervorgegangen 
ist. Für das ihm vorangehende h würde bei einem altröniisehen Schrift- 
steller höchst wahrscheinlich ch eingetreten sein. Doch lässt sich die 
Möglichkeit, dass es auch durch blosses h oder überhaupt nicht 
wiedergegeben werden konnte, nicht in Abrede stellen*). 

Die dem Vnkal folgende Consonans ks es sc und ihr l^bergang 
in SS lässt eine doppelt« Autfassung y.n. 

Die eine Möglichkeit ist, dass As und — ungewöhnUch genug — 
auch CS und sc dieselben Laute bezeichnen, welche wir in den Worte» 
AS, Sahso, icöhsuv usw. antreffen. Wie bereits oben ausgeführt Ist, 
würde der Übergang in ss und die Verkürzung des Vokals den all- 
gemeinen Regeln der nd. Sprache entsprechen. Auch dass fiir ö 
kurzes a später eintritt, würde nicht befremden dürfen**). Da imn 
die in Bede stehende Consonans von den Alten als x oder ^ wieder- 
gegeben wird, 90 niüsste der Name der Hohsi, wenn er sich bei einem 
Schriftsteller der römischen Kaiwerzeit wiederfände, bei diesem in der 
Form (Ch)aua^, (Chiauxones n. ä. auftreten. Wenn man von einer 
comipten Lesart Aü^owe; in einigen Handschriften des Ptolemaeus 
(üeogr. II c. 2, 7) absieht, Hndet sich ein solcher Volks- oder Stammes- 
name nirgend. 

Eine zweite Möglichkeit ist nun, dass die oben angedeutet« 
mnDdartliehe Besonderheit, der im niichston Abschnitt besprochi 
Zetacismus des üassegaues, dem Lantiibergange von es, hs in ss zu 
Gmiiae liegt, also die Wandelung eines alten k zu einer palataten 
und schliesslich dentalen Spirans. Die Bedingung, dasa ein i folgt, 
iat in den Namensformen erfüllt. Mit der Annalimc, dass Zetacismus 
vorliegt, steht nun wohl die Schreibung es und sc in Einklang, aber 
desto auttiilliger muas, wenn man den Schreibgebrauch späterer Zeit 

•) Müllenhoff, Zs- f. d- AU. 9, 246. B 
') Vgl. Hannover, tVüLer Hän-ovrr, HOn-o 





64 

vergleicht, hs ergcheinen. Trotzdem findet aucli dieses leicht seine 
Erkläruug. Der sich aus dem palataleu k entwickelnde Sibilant war 
ein den Hochdeutschen wie den linkselbisclien Sachsen fremder Laut, 
fiir welchen es iu der karnlingi sehen Zeit keine traditionelle Schreibung 
gab und der sogar noch in der späteren Zeit den Schreibern zu 
schnfTen machte, wie die von einander abweichenden Schreibungen 
(s. K. 05 ff.) zeigen. Wenn nun Tür die Entwickln ngsphase desselben 
im '.I. Jahrhniidert es auch einen besseren Ausdruck bot, so mochten 
doch andere Schreiber auch auf hs kommen, wenn man nicht sogar 
aunelimen wUt, dass die ahd. Schreiher, denen wir die As verdanken, 
diese Schreibung tiir gleichwertig der iluieu fremdartigen und deshalb 
falsch scheinenden Verbindung es gehalten haben. Entscheidet man 
sich dafür, in der Conaonans es (hs sc) ss ein Produkt des Zetacismu» 
zu sehen, so muss altes k vorangegangen sein und der Name der 
Hoc1^i, Hohsi müsste sieh bei den alten Historikern in der Form 
Chaw.i, Chauciones n. ä. finden. Es bedarf nicht erst des Hinweises 
auf die berühmten Cliauci des Tacitns, I'liuius usw., welche an der 
Nordseeküste Kwisclien den Friesen und der Elhe nassen und später 
sich auch in Schleswig*) finden. Hemerkt sei noch, dass ihr Name 
in der Tabula Peutingeriana in Haci und in einer Pariser Handschrift 
des Julius Hnnorius als Caeei erscheint. Ich lasse dahingestellt, ob 
man in diesen P'ornien einfache Scbreibvenlerbniase oder den Ausdruck 
vollzogener Lautweclisel, in der letzteren Form den des Zetaeismus 
erblicken will. 



Der Zetaeismus und 
seine Verbreitung in Niedersaehsen. 

Der Name Ciceros ward von seinen Mitbürgern kikero ausge^ 
sprechen, heute lautet er bei den Italienern tscMtscherone, bei den 
Franzosen gigerait. Der Wechsel der Aussprache beruht darauf, dass 
iu den lomaiiischen wie rielen andern Sprachen altes k vor i oder * 
zu einem Zischlaute wird. Diesen Lautwandel hat Schleicher**), der 
zuerst sein Auftreten in den indogermanischen wie einigen andern 
Sprachen im Zusammenhang hehamlelte und den lautphysiologischen 
Vorgang, durch den er zu Stande kommt, zu eiklären versuchte, 

•1 Muller S. 99. 

••) A. Schleicher, Spniclivergleirhende Untersuch iingen I, Bonn 1848. Vergl. 
sonst noch Grimm Oescb. d. dtsch. Sprache S. 38G ff., ders. Zeilschr. f. d. Alt. 
7, 659 ff., Waltbcr, Hansische Gesch.-BI. 3 (1878) S. IIG, und zunächst in Benig 
auf slarische bezw. rnmnnische Sprachen Bühtlinel'i Beiträge zur russischen 
Grammatik, im Bulletin de la classe hist.-philol. de 1 acad. de St. P^tersbourg IX 
(1852) Sp. 50 ff. Mlktosit'b, Vcrgl. Gramm. I, 19fi ff. Schucbardt, Vnkalismus 
des Vulgärlateins 1, 150 ff. 




<5 

ZctacUmus genannt, andere Gelehrte bezeichnen Um 
A»Bibi1ation, Mouillirung, Zischung, Quetschung usw. 

Der Zetacisnius, dessen Einwirkung «ich übrigens auch auf au- 
rlere Laute als die Gutturalen ersti-ecken kann, stets aber dui-ch einen 
nachfolgenden palatalen Vnkal bedingt i»t, hat in den jungem Ent- 
vickluDgsphasen vieler und hesiinders der slaviscben Sprachen in ans- 
gedehntester Weise um sich gegiiffen und den alten Ci)n8«nantenRtand 
vielfach geiüidert. Von den gennanischen Sprachen ist er nur in 
einige, wie r.. H. das Schwedische eingedrungen, in welchem er ausser 
dem Gnttunil auch noch den Dental ergritfen hat, so dass man nicht 
allein schwcd. kisel 'Kiesel' wie tscHiael, sondern auch tjena 'dienen' 
vie tschena aussprechen liört*). 

Den ober- wie mitteldeutschen, den niederfränkischen wie nieder- 
aächsischen Mundarten der Gegenwart ist der Zetacismus vollständig 
fremd. Dagegen herrs;;lit er in den Mundarten West- und Ostfriesknds 
und in einem Teile von St^hleswig - Holstein. Mit den Mnndarten, 
welchen er eigenthümlich ist, mag er im Mittelalter ein etwas weiteres 
Gebiet als beute umfasst bähen, denn es ist bekannt, dass das Nieder- 
eäi;hsisL'he seit mehreren Jahrhunderten und bereits in mittelniedev- 
deutfi(;her Zeit den alten, gemeiniglich als friesisch bezeichneten Mund- 
arten der Noriiseeanwohner, indem es zunjlchst als Scliriftsprache 
«indrang, viel Boden abgewonnen und sie auf die Küsten und Inseln 
der Kfirdse« zurückgedrängt bat. 

Gemeinsam ist allen diesen Mundarten, dass der Zetacismus sich 
auf die Umwandlung alter Gutturale beschrankt. Verscbiedenbeiten 
zeigen sich darin, dass nicht in ;i11en Mundarten in gleicher Weise 
dieselben Wörter zclarisii-t sind. Wie weit für diese Unterschiede 
dialektische Verschiedrulicitrii ndiT Kiiifliisse der früher niederdeutschen, 
jetzt hoclideutscben SiliHt'ti-priiciic massgebend waren, bin ich ausser 
Stande zu ermitteln. Einzelne Beispiele zeigt die S. 67 gegebene 
Zusammenstellung friesischer und noriialbingiscJier FVirmen, 

Wenn in Gegenden, welche an das Gebiet der zetacistisuhen 
Mundarten heute angrenzen oder ilun nahe liegen, in älterer Zeit 
ZetiU'ismcn begegnen, so liegt die Erklärung nahe, dass diese jetzt 
niedcrsächsischen Gegenden einst zum Bereich jener Mundarten gehört 
haben. Es gilt dies z. B, vom Lande Dithmarscben**) und anderen 
Teilen Holsteins, sowie von einem Teile des Bremer Erzbistbums. 
Wenn ferner im nördlichen Westfalen, Hannover und Meklenburg 
hrate das Wort sfiver ■/.. T. neben dem urajiningtich identischen Worte 
iner 'Käfer' bekannt und gebräucldicb ist, so wird man hierin ein 
Lehnwort oder eiTie Lehnfnrra zu sehen haben, welche die nieder- 
sächsische Mundart aus irgend einer friesischen übernommen hat. 
Denn wie es Lehnworte ans fremden Sprachen giebt, so giebt es auch 
solche, welche aus mclir oder weniger verwandten Mundarten stammen. 

*1 (Sriiain Oesi-h. 3H8, Vjtl. Sievcra, Phonetik g IB Aum. 5. 
**) Einige Beispiele führt Neocorus ati, v^l. Waltlier, SA. -Itilirbucli a, 134 
(FrieaiBchea im Ditmursciien V). 



i 



In solchen Fällen wii-d das Wort entweder Uliverändert übernommen, 
wie es bei zever geschehen iet, oder es wird sein Lautstand in den 
der entlehnenden Mundart (oft nat'h l'alsclu'r Analogie, vgl. lat. census, 
ahd. Zins, nind. tin») umgestaltet. Zuweilen bestehen auch beiderlei 
Fonnen neben einander (vgl, as. rndtian, tiiuotpan, mhd. mu()ten; as. möt, 
muot 'ZusauimeTitreifen' ; uihd. muot neben möx muoe; hd. sanft neben 
nd. saeht; hd. Lock neben nd. Luke). Die vorliegende Untersuchung 
wird CS mit Spuren deutschen Zetneisnius zu thun haben, welche sich 
in und nach der sücbsisrben Kaiserzeit mitten in Nicdei-sacbsen, also 
weit ab von Sehleswif^-llHUiein und Fricsliiml (inilen. 

Zu ihrer Erklfirun^,' ii:it mim nur /\sifi<'lieii zwei Annahmen die 
Wahl. Nach der einen bo/eiigen Jenu Spuruti, das« dort, wo sie sich 
finden, einst nordelbische oder friesische Colonisten angesiedelt waren, 
deren besondere Mundart sich längere oder kürzere Zeit behauptete. 
Die zweite Annahme würde sein, dass der ZetaeiHmuR ursprünglich 
auch dorn altsächsisrhen nicht fremd war und er erst in späterer Zeit 
verloren ging. Man würde ihn etwa als eine dialektische Ausartung 
anzusehen haben, von welcher die Schreiber unserer altsächsiachen 
und mittelniederdeutschen HandKrhriftmi kciiie Notiz nahmen und 
welche schliesslicli in ilcii iiii'diTsiii'li^isi'lirii VulksinTnicIarlen au!)starb. 

Die Annahme l'unihiitiM r Aiuvriiilinii; d.'M Zc(;uisnuis in der 
altsächsischen Mundart ivii'd ilurcli Krwiij;iinj;rri jiriiicipivlicr Art wider- 
legt. Der Hergang müsate folgender gewesen sein. In einem weiteren 
Umkreis des sächsischen Gebietes entwickelte sich altes k vor t «11- 
mähliuh äu ks, ta und weiter in s, d. h. in einen auch akustisch ganz 
verschiedenen Laut, der nii'ht allein an einer weit abstehendou Mund- 
stelle, sondern auch in anderer Weise gebildet wird, fllcich/eitig 
hielten aber Angehörige derselben Mundart, welche neln'n und mit 
den Zetacisten znsamnienwoliiitcn, den reinen Gaumenlaut dnruli Jahr- 
hunderte fest. Sciiii.'sslicli niüjisti'n, da i-iiir nnniittcilnii'e Hüekbildung 
des Sibilanten zum Iniünnil nirlit nll"l^'lil'll ist. dii' Fdrnien mit dem 
Guttural die Zctii,isnicii wIi-.I.t aus di'in lichran.'li v.-rdi'Üngt tial.cu. 
Nun wird man freilich die Möglichkeit nicht leugnen dürfen, dass 
innerhalb einer Mundart dadurch vorübergehend Verschiedenheiten 
entstehen können, dass während ein Teil der Hewohner einen Laut in 
alter Weise artikulirt, andere seine Artikidatinnsstfllf etwas ver- 
schieben, und dass, tuichdem dieser Zwic^iialt eine Weile bestanden 
hiit, schliessücb doch die alte Weise das ("lier'^ewicht erhält und die 
Abweichung wieder schwindet. Dieser Fall ist aber nur bei in phy- 
siologischer oder akustischer Hinsicht nahe bei einander liegenden 
Lauten hegreiflich, nicht bei solchen, /wischen denen eine ganze Reihe 
von tlhergangsstellen liegt. Mit der Annahme starker hoch- oder 
mitteldeutscher Einflüsse, welche die alte Uutturalis neu einführten 
oder ihr zum Siege verhalfen, darf man, abgesehen von anderen 
Gründen, schon deshalb nicht rechnen, weil sich zeigen wird, dass 
gerade dort, wo diese Einflüsse nachweislich zuerst, am längsten mid 
/ugicieh am stärksten statt hatten, nämlich in den südlichen Gauen 



Nor(Uhürin(»en8, die ZetaciBmi'ii sioli iu reichstfr Fülle hiü in die 
Neuzeit liinein verfolgen lausen. 

Man kann deninacli die Zetacisnien, welche sich in ülterer Zeit 
im iiieilerdeutscheii Binnetilande lindeii, nur als die Spuren eheinalij^er 
nordalbingisclier oder friesisclier Einwanderungen oder Ansiedlungou 
deuten tUirfeu. Die Berechtigung hierzu würde gegen jeden Zweifel 
geschützt sein, wenn sich aufh in anderer Weise darthun Hesse, dasB 
dort, wo Zetacismen sich finden, einst Nordalbinger oder Friesen an- 
gesiedelt waren. In der That beschränken sich die hinnen deutschen 
Zetacismen im grossen und ganzen auf Nordthiiringen, also auf ein 
(iehiet, welches wiederholt von /ahlreichen Nonlalbingern hesiedelt 
ist. Die verschwindende Anzahl von Zetacismeu, welche weiter unten 
aus Ostfalen — Engern und Westfalen hoten überhaupt keine Bei- 
spiele — beigebracht werden können, sind nicht der Art, das» sie zu 
einem Gegenbeweise genügen. 



Einer Sammlung*) hinnendeutacber Zetaciamen mag zur Ver- 
gleichung eine Zusammenstellung der ä<'hreibungen vorangehen, in 
welchen das Wort Kirche, as. kirika, age. cyree in älteren und neueren 
friesischen Quellen erscheint. Wie schwankend die Wiedergabe des 
durch Zetacisums entwickelten Lautes auch bei demselben Schreiber 
sein kann, zeigt besonders Gysbert Japiks, ein westfriesisclier Dichter 
des vorvorigen Jahrhunderts. Das Wort Tjierl "Kerl" erscheint bei ihm 
ausser in dieser auch noch in den Schreibungen : l'sjerl, Tsyrl, Tsjerl^ 
Tjirl, Tejerl und Tjerl. Vgl. Wassenbergh z. Nysgierige Jolle vs. ISO. 
afr. ka-ks westfrie«. Ijereke (Bicbrhofen). 

, BÜuirtkf, xliurke Rnterlllnil. Ihbtco (ßichthofen). 

, Uierks, tifrh: Wursten »kehiraek (Nd. Korr.-Bl. 11, 36). 

, lBA,iurekf., txivrke Harl. xien-k (l-nd. Müller). 

, Imturekt, Ittiurk^ FOhringiBcli «ark (JohaiiHen 8. 108). 

, sxiureehe, miurke Angeln kir'k. kjerr'L 

, ^iltrke nordft. sjih-k [Üatzen, NiMen). 

, cAwr^te (MG. 23,511) nordfr. xjfrk (OntKen). 

Im nie de rsächsi sehen Binnenlande finden sich folgende Zetacismen : 
SalleralebeH, Gross- und Kleiji- (llarzgau), zwei Wüstungen 
bei Quedlinburg, deren Lage Brecht im Urkunden buche der Stadt 
Quedlinburg Abth. ü S. XCIX ff. genauer bestimmt. Der Name, 
welcher als Flurname heute noch lebt , hat folgende Wandlungen 
durchgemacht : 

*) Mit dem Zetariemiia sind nicht die regelrechten Üliet^ängc von »c ku ach 
btw. st fldci- ('itllc 7M verwechseln, in wekkeu durch Synkn|ie nder sonstwie orga- 
nisches s an einen zum t ver^cliobenen Outtiirnl tritt, wie n. B. in Hildmereesun, 
später UHlivr.riteni üi/gerikasen, später Et/geritien, Eygerzen, Eggeram. Daaselte 
ist hekanntlirh in dem nhd. Worte Blit« der Fall, acllistverständlifli hlieben ferner 
alle »lavisiiien Zetammeu nnherücksii'htigt, wie t. H. Caniki, heule (Uenlte; Lunkini 
hellte Lentien; Uuijgel» lieiite Uiitrcln; Makecherve, Maktaerre, Miirktl:trce heute 
AfajiJor/, 




if;, Kreis HalberstatlL 

hfiitige Zilly sei, tat 
(vgl. Föratemanna 



: 



961 KieleresUbtimj,lOaßla..22&. Cod.Anh.In.Sl. Quedl.Urk.-B.In.4. 
961 Kklercskhti Cöd, Ach, 1 n, 33- — Kitk^'ulphi Quedl. l'rk.-B. I n, ß. 
1137 CxüernUnv Cud. Anh. I n. 246. — difleralove Qnedl, Urk.-B. I n. 11. 
12S9 Sekelerskvi Queill. Urk.-B. 1 u. ä3. 
'"1 Shialersleve Cod. Anh. H n. 136. 
1841 TfalersUve Cod. Anh. n n. 164; dag. ebd. n. 155. 
13. Jh. SlaUersletv Eratb, Cod. dtpl. QueiU. p. 271. 
1311 ZaifTsiMt Cod. Anh. III u. 241, 
1319 SaUersleve ebd. UI n. 381. 
1332 Zallerakre ebd. UI n. 60U. 

1361 Otaüerglfve Qnedl. Urk.-B. I 162. 163. (dxgt. 1491). 
1387 SaU&rsietm Cod. Anh. V n. 84. 
U. Jh. Taaleralews (neben TxaUer^hre) Qoedl. Urk.-B. I n. 32. 147. 
1104 TxaUernlerß ebd. I n, 248. 
1434 CaUersktt ebd. I n. 330. 
1479 Saam-slf}}fH (coii.) ebd. U n. !). 
ZUly (Harzgau), ein Dnif bei Dcrenlni 
Daas der i. J. 944 genannte Ort Kinlinga das 
noch nidit bemerkt woi-deii, vielmehr hat n 

Namenbuch II* 94C) jenen Namen in Kat'linga (Heeklingen bei Staes- 
furt) bessern wollen. Die Identität von Kinlinga und Zilly ist zweifellos. 
Die Entwiekelung der heutigen aus der alten Fnrm ist in der Weise 
vor sich gegangen, dass das anlautende Ja durch Zetacisnius zu tsd, 
ei, das inlautende «t durch Assimilation zu U (vgl. Billehen, früher 
Bieneleba; Belleben, früher Benncnleve; Hnlleben, früher Hnnleva) 
wurde, und in der Endung -ing der Nasal wegfiel, geradeso wie (in 
uinem bei Halberstadt beginnenden und in das hraunsehweigisehe und 
hildeahoimisehe hineinreichenden Gebiete) mnd. äiiUink zu daüien, dally 
(Scheveklot 210, Mnd. Faatnachtspiele S. 5G) und perming zu penni 
werden konnte. Auch die historischen Momente stimmen. Der Aus- 
stellungsort der Urkunde, in welcher Kinlinga genannt wird, ist das 
Zilly benachbarte Derenburg, und wenn in jener Urkunde dem Nonnen- 
kloster in Quedlinburg ein tiut in Kinlinga geschenkt wird, so ergiebt 
die Urkunde v. J. 134Ö, dass die Äbtissin von Quedlinburg in ZUly 
Lehen zu vergeben hatte. 

944 Kinlinga Diplom Otto'a I n. 61. ürk. A. d. Könige I S. 148. 
1172 XüUngbo Urk.-Bo<;h des Kloster» IlBenbndi I n. 26. 
1211 Skiüingt ekl. I n. Ö2; Cod. Anhalr. I n. 784. 
1214 ScSlige (cop.) ebd. I n. 66; Cnd, Anli, II n. l.'t. 
c. 1320 OaHitge (nop.) ebd. I n. 58. 
1251 Zälinge ebd. I. 
1293 ChMlinghe ebd. I 144. 
c. 1346 Tkelinge Quedl. Urk.-Buch I u. 147. 
1S48 Tiiaingbe Cud. Anb. III 832. 
1473 Txiüingf- Quedl. Urk.-Buch II n. 492b. 
1480 (\iüinge ebd. n n. 575. 
16. Jh. Chilien, f'üUigen Dentsche Chroniken 11 p. 598. 599. — OiUiieH, 
(minge Ilsenb. Urk.-Bnch n s. 381, — Cx.yllyen ebd. n B. 391. 
16. Jh. cziüygeiieii (Adjectiv) ebd. Cr '"' 
1518 Ciiiligen ebd. II n. 531. 



ZettMng (Schwabetiguu), eine Wüstntig bei Ballenstedt, deren 
Numc auf eine ehemalige Fasanerie übergegangen ist und an den 
Uebäiideii derselbüu heute noL-b haltet. Füruien mit nnluut^iideiu Ic, 
die rorauHgeaetitt werden mu»Hen und Kifilinga tider KÜinga lauteten, 
sind nii-ht nachweisbar. 



1U19 Zrirliiiga 


fod. Anh 


I n 


103. 


1245 Srkielitigc 


ebd. 


n D 


167 


1071 S'-flini/ti 


ebd. 


I n 


145. 


1276 Zdincifm 


ebd. 


11 u 


463 


117-1 C-.elinqc 


eM. 


I u 


737. 


1293 Thinge 


ebd. 


I a 


737 


1194 CcUnge 


ebd. 


I n 


690. 


1298 Tsdinijhc 


ebd. 


I n 


803 


1196 TxclhHje 


ebd. 


I n 


701, 


1296 CxBlinghe 


ebd. 


U n 


HOS 


1220 Skrlinge 


ebd. 


U n 


38. 




ebd. 


II n 


S26 


1230 Tidinw. 


ebd. 


U u 


106. 











14. Jb. Ts/ielimjen Stkseihigc ScUiingc ebd. V ji. 373. 374. 

Severltnffeburff (Durlinggau) hies« eine Burg der Herzöge toh 
Brauusfhweig, welche (s. Weiland, Deutsehe Chroniken II S. 483) an 
der Mündung der Öcliunter unterhalb BraunsehweigH in die Ocker bei 
dem heutigen Orte (ir. Walle lag. Die verscliiedeneri Formen des 
Namens sind von .1. Urimni Zs. f. d. Alt. 7, 55!) fF. Kusammengestellt. 

1212 Kertrlitujehttrg Leibnitii Oriff. Gaelf. 3, 802. 
1218 Keverlingeburs ebd. 3, 363. MG. 88. 2, 221. 

1213 Centerlingeburg, SceverHugefmrg ebd. 3, 818. 
I 1213 Scheuerlimfebureh ebd. 3^ 648. 

^^^^K Severlingehorch, Zeverlingheborch Brannitcliw. Reitachiunik 1907. 

^^^H Möt^tsleben (Darlingguu) bei Sohüningcn. 
^^^^H 10. Jb. Hokiniulwiii Creceliua, l.'ollectae I, 5. 8. 
^^^M 10. Jh, Hokimulofu ebd. I, 7. 

^^^B 11. Jh. HokiimMtm^ (l. Hoknintskiof) V'\ts).^i\\\v/t.x\A. M(i. SS. XIU, 133. 
^^^B 1016 HokiniKslem Erbard, Zeg. Westf., u. 863. 
^^* 1289 Hotxftilerf. Falke Trad. Corv, 766. 

Hocxtmteve Cod. dipl. Anhalt. III u. 808. 

HotmeJileie ebd, IV n. 296. 

Boxmeshiv Neue Mitth. 1, 4, 30. 40. 

Kirchendorf (Hassegau) ist eine Wüstung bei Eialeben, deren 
älteste Namensform nach Grössler Scarnazandorf lautet. Ist das 
richtig, so miissten die spätem Formen volksetymologiach umgedeutet 
sein und es wüi'de die unorganische Stellvertretung des sc durch k 
ein Beweis dafür sein, dass dem Volksbewunstsein nhd. Kirche und 
dialektisch Zerke, Zerte etc. gleichbedeutend waren. 

1121 ÄnrTM'.^Muiw/' (Neue Mitlh. 3, 2, 97) vgl. QrUssler, Hara-Zeit- 
Bchrift 8, 367. 

1368 Zfxriendorff GrBsaler ebd. 

1432. 1463 Cierrietidorff dsgl. 

1579 Kirchendnrfpr Mark {Dreylianpt Saalkreis 1, 310—16) dagl. 

1609 ZerkmdiTTf dsgl. 

Zrcjictidorp Cod. Anb. IV u. 367 (vgl. Cod. Sax. I, 1 S. 234). 

LIt«eintfseburff(v<ü>it im Harzgan, vgl. Harz-Zs. 2, 3. RH, i)4) heisst 
und Hisimekebuuj i. i:i. Jb.; lOliÜ Isimieiburg; 1212 Isemiskeberch. 



t 



Sicktßf Niedem- und Obern- (Darlingpaii), Amt Riddngsliaüseu, 
l'/i Meilen siidüstl. von BraunachweiB- 

888 Kikihi Erhard Regesta. Cod. n. Zä. 
1060 Xiethi Leibnitii Orig. Gnelf, T. II p- 334. 
llßO Xiktim Prntz Leben Heinrichs d. Löwen 476. 
1297 Taxietc Urk.-Bnch der Herren v. Asseburg I S. 312. 
14. Jb. Tiiee StSdU-Chron. Braunscbweig 1, 42 n. 0. 
lö. Jh. (\k}Ue Zeitachr. f. Niedersachsen 18li2 S. 80. Harz-Zs. 4, 353. 
Kiaaleben {Darlinggau) ein ehemaliges Dorf bei Warberg in 
der Nähe Helmstedts. 

1022 KisminUue LUntzel, Diücene Hildesheim 3. Abb, 
1041) Kissimkre- Erhard Reg. nr. 1045. 
1160 ZUsenlfiff Nene Mitth. d, thüring. Vereins 1, 4, 38. 
1160 S-.itnenl&ir, ebd. 1, 4, 41. 
c. 1354 Kisnenleri^ Urk.-Butli d. HeraOge von Braunscbweig II n. 484. 
Schickelshetm (Üariiiiggau) ein Vorwerk '/* Meile uurdÜätlich 
von KönigHlutter, Krei« HelmMtcdt. 

1160 Serxelexheim Neue Miuh. 1, 4. 40. 
14, Jh. ScIiicIceUeiri Städte-Uhron, Braunscbweig 1, 52. 
Ritcksch^urg (Friesenfeld) wüst bei Möllendorf im Maus- 
felder Gebirgskreis. Vgl. Grössler, Zeitsehr. d. Harzv. 19, 337. 
1137 ÜeUfiuhurg 1420 EUxk^rg 

UOO mt^jorch 1609 Mtxebtirg. 

Atselnwen^e ( FrieMent'eld ), wüst bei Dankerode, beisst 962 
Acdanimtuni (üuni I'ersimi'nniinien A;iilan? Företemann I 22 f.), Cod. 
Anh. I n. 7ti. — l.'i:U Atzensehwevde, Assesehwende Grössler a. a. 0, 
Dtnlxerode ( FrieHonfeld) beisst 9!)2 I^ensciarurod Erath p. 987. 
Cod. Anh. I u. 76. 1H87 Dentekerode Harz-Zs. 111, 355. 

Etxkerode (Frieaenfeld), wüst bei Emseloli, hiess vor 90i> 
Eggihardesrot. Grössler a. a. 0. 8, 349. \'(\ 

MörchensofUe (Friesenfeld), wüst bei Öangersliausen heisst 
1246 u. ö. Ilerr-hensale. 1347 HerteensiAe Dreyhaupt, Saalkr. I 71. 
Vgl. Zeitsehr. d. Harn-Vereins 8, 359. 

Mekelnf^de (Harzgau), eine Wüstung bei Quedlinburg, heisst 
1137 Mesceletiveldc Krath p. 83. Quedl. Urk.-B. In. 11 : 1351 Mektlnt- 
fell ebd. I n. l«'i. 

Zeritigen (Harzgau), wüst bei llalberstadt, erselieint in den 
Formen CerinyiiH, Ceerytige, Sceringc, Tstringvn, Zerinye usw. Vgl. 
Cod. Anhalt, ti s. 49 s. v. 

Thietmar von Mefseburg (im Hiissegan), der ))ekamite 
Chronist der Zeit Kaiser Heinrichs II, — seine Mundart wird uns 
spUter noeh beschäftigen — bietet folgende Zetacismen: 
Thoiieierd (statt Thonkerd) Cal. Hera. 

WallUtixi, Walbizi (statt Walbeok, alt, WaUibiki) MG. 88. IV p. 769. 
772. 816. Hä3 (mann propria). 831. 839. 844. Die Form 
WaUibiki findet sirli ebd. p. 779, 
Wilierhixi (Wilderbach oder Böse Sieben) ebd. ).. 749- 821. 
Salho:i (Salbke, alt Salbiki) ebd. p. 864. 



-bach -beeh. Das« in ültereu Urkunden der Pi'OTiiiz Sachsen 
die Kndiiiig -lach, as, -infti, nnid. beke liüufig in der Fonn -hiei o. ii. 
ei-8cheint, lat nicht unbemerkt geblieben. Die Erkläning, die Fürste- 
uiann, Perwolf u. ii, hierftir fanden, dass slaviwrhe Kintliisse den Laut- 
wechsel veranlasst haben, ist narh der Ansicht Briickner's*) faläch. 
Gründe und wie die Fiimien anders zu erklüren seien, giebt di^rselbe 
nicht an. Der Nachweis, dass in Nordthiiringen deutscher Zetaeismus 
einst wirksam gewesen ist, scheint jetzt eine genügende Erklärung zu 
bieten und die ältere Ansicht, dasa Slaviainen vorliegen, zu wider- 
legen. Trotzdem wird man die Möglichkeit, dass in eiiiüeluen Fällen 
slavist'he Einfliisae docli vielieicbt wirksam gewesen sein künnen, 
nicht ausser Auge lassen dürfen, weil ein so hitutig begegnendes Wort 
wie biki 'Bach' bei den linkselbischen mittini unter Sachsen ange- 
siedelten Ülaven leicht Lehnwort werden konnte und als soh-hes, 
ebenso wie die aus dem ileutseben entlehnten Worte "Kirche' und 'Cella 
oder Keller', shtvis< licii l.iiut}ji'Net/eii folgen miisste. Fin Hi'ispiel aus 
linkselhisi'h.-rn (u-biete. wek'bi^i^ diese Anriabiiif geradezu notwendig 
Hiiu-ht, ist mir jedocb nirbl liekjiiint. id.i;lei<dL einigi- OrtsTi;iiiien die- 
selbe nahe legen. Wenn /.. It. im Nordthüringgau, in welchem sich 
deutscher Zetacisnius sonst nirgend nachweisen lässt, von den beiden 
Salbkes, die sonst Salabechi, Salbeeke heisse«, das von Slaven bewohnte 
Klein-Salbke Winediscun Salebini genannt wird, so regt die s|)rach]ich6 
Verschiedenheit der Namensformen dieser Orte an. hinter derselben 
eine ethnologische der liewobiier v.w vermuten. Wenn ferner sieh ver- 
einzelt Zetacisnius bei L'elle rindet, so möchte man auch hier eher 
au Slaven als an etwaige Frieseiicolonien denken. Gleichfalls bedürfen 
besonderer Erwägungen die Namen CherminhiUia und Beverbeeirc. 
Der erste bezeichnet im Codex Laureshaniensis nr-, H!l!) in einer 
Urkunde ilcs H. Jahrh. den Habiienbach bei Windesheim in der Niihe 
von Kreuznach**). Der zweite findet sieh in einer zu Allstedt im 
Hassegau ausgestellten Urkunde Otto's 1. und bezeichnet die Bewohner 
Beberbeck's bei Hofgeismar in Hessen***). 

Kölbtgk (Scliwabengau, bzw. Uarzgan). Colk-beese ijuad inlerpretalur 

lirunani7H riatu erlünteit (also 'Kolilenbach') der Libellus ds insti- 

tutiune Mersveldensis ecclesine HO. SS, 7, 140, vgl. f'ohuiif Archiv 

nir ätt dtMh. Gesch. 7, 431; 1021 ''nlbiu-e Änu. Sudeiut. SS. Ifi, 313 ; 

1036 riiokbUe Cod. Ani. I n. 111; 1043 Clwlibe: (Haragau) ebil. 

1 u. 117; später CuWeie. Hagdeb. ScLüppeiichruuik, Nd. KeimbUcIil. usw. 

aesihichtBbltitter f. Magdeburg 4, 173. Vgl. Zörbig, Kreis Bilterfeld, 

alt Curbiei, Zcitrbehe, Kiirheke- nsw. 
*) AI. BrIli'JiDer, Die »laviacbon .Ausicdeluuguii in der Altniark und im Magde- 
tiurgüchea. Lnipzig 1^79. S. 1)1, 

**) Slsvisrhe (Karmatinrh«) Niederlnssiiugni) wullte noch weiter westlich Marjtu, 
RheiDMrtio (IrtsnaiuoD lieft 4, Aarhcn 1rw4 narbwoisea. Vgl. Archiv für slnv. 
Phil. », 14ii f. 

***) TIrkuuden der dtsch. KOuige Otto I ii. 5«. I»er gemciutc Ort ist in Siideii- 
dorTa Braun w^hw. -l.fi neb. I'rk.-Hiidie 6 tir. aöü Antn. erwuhnt. fh\t Stbreiber des 
Diplomi verrät, wie es Brheiiit, Uuoutaeblossenheit, ob er llnaalbeJ,'« oder -ri 
»cbreibeu soll; kl ist uitcb getragen. 



J 



Miilincke (Harzgna) bei Uendeber heUat 1011 Mii&iii; c, 1210 Uul- 

hkikr. Leuckfeld Aun. Poeld. p. 280; Mulbiki Iheüb. Urk.-B. U p. 636; 

1303 Miilbeckc; 151!» Mohna-kc Vgl. v. Ledehur's Archiv 6, 106. 

ZeiUclir. f. Niedersachsen Jahrg. ISRä S. 419. 
Quarmbach (Uarzgau) bei Qaedlinborg !)36 Qiiemhetgi Dipl. Otto 1 

n, 1; 1137 Querenbtki. 
Sotb/ie (Nordthliringgau) Sallbeke Trad. Corb. § 252; 93G Sa/te/sc Dipl. 

Otto I n. 1; 937 Salhelxp Erath p. 3; Ü79 SalaWhi Höfer'g ZeiWdir. 

f. Ärchivkunde 1, 51G; 101« Salbecke. Räumer Reg. Brand, n. 436; 

1036 Winedim-un SaMnvi Eratb p. Gl. 
SttHcTi^nbarh, Kreis Qnerfnrt (Hasaegau) 1154 Sidckenbmlie Lndwig 

Betiq. msa. 10, U5 (Stninpf 3684). Cod. Anbalt. I n. 406; 13. Jh. 

Sideiceitbfkc Dentsclie Chrou. 2, 211; fSedekertbeke Städte-Chruu. Uogd«- 

bürg l, 129. 
Wfdbeck (Suhwabeugau) 98ä Wnlbfhi HOfer's Zeitsthr. I &26; c 090 

U'albiki Enith p. 28; 982 WaUiisci Erath p. 23; Cud. Äuhalt I n, 76; 

121Ö WaUebcke Mü, Leg. 2. 222. 
Walbeckf Kr. Gardelegen (Darlinggau) vgl. nuter Thietinar tou Uerae- 

burg, desuen (ieschi cht» werke vom Auaaliata Saio (UÜ. Scr. VI, 604) 

die sich bei ihm tindeude Form WaUebi:i cntuommeu ist, 
WUtlerbac/l bei Eisleben (Hassegaii). Beim Anualiste Saio (Svj. 6, 632) 

Willn-biri; in Chron. episc. Merscb. (Scr. 10, 165) Wiilerbixe. Brsteres 

i»t AU8 Tliietmar Ubeniommen. 

Ausser den bisher verzeichne teil Zetucisiiien aus dem Uebiete des 
alten Nordtliüriügens tinilen »iuh iiuf altem iiietU'r8iich8im;ht.'n Boilen*) 
im linkseltiistilien Himietilaiide imr folgeudü Zetafismen**): 

Snteribezl, Wihtlnblzl, Ibist lieiHseu iu einer in Goaiar H. Uai 

1060 gesell riebe nen Urkunde die in der Nabe von L'elle bei Schmarberk, 

Wiclitenbeck und Nieheck ftioMSenden Bilcbe. v. Hodenberg, Verdeuer , 

Uesuhichtaquelleu Heft 2 ur. 13, vgl. S. 211. 
WefHerktellli heisut 1Ü13 (Lftntxel, DiJk-eee Hildesheim i- 50) das auch 

KeUu, Kiellu (ebd. 345 f.), vielleicht anth TiHU, Sxelhn (ebd. 364. 

361) genannte Westercelle bei Celle, 
Bezxeni and Asblse iverden in einer unechten Urkunde v. J. 1022 

(LünUel 8. 358) nach Ahrena, Zeitachr. t. Niedersachsen 1876 S. 135 

die Orte Bekem und Esbeke im Gan Guddiugen geunnnt. Nach der 

Urkunde sollen sie iu pago Flenithi liegen. 
LiißcheurÖhren (wOet bei Hilde^heim) heisHt 1113 Luitskineumrde ; 

llbl. 1232 Lulsiiigeii-orden ; ll9b. 1282 LjAldughewordtn. S. Lnntsel 

S, 217. Hildesh. Urk.-B. I n. 13. 26. H 216. 
Sarstedt (bei HUdeBhoim) beisst 1221 SdtarxHlfdc, 1235 C/iersktle, 

1846 CMyarstidt, 1333 Tsersictk. Ebd. I, S. fi4ß, 

*) Urtsnomeu des alten t'.haukisch-frinsiscbon nebictex sind nicht v«ir- 
zeiclmet. Von diesen zeigt nordthür. ZetacJsmus die Form Butcin (Btttken bei 
Bremen) v. J. 9)17 (Urk. Otto 1 n. 18), eine Kanzleifnrm, da Iriesiftch und cngrisrh 
die Endung -i'ufi lauten würde. Ähnlich mag Beverbettre (%. 71) KanzlMform mid. 
**) Im Ilildeshe im Heben erklärt sich ihr Vorkommen dnrch weütfriemsche 
Colonien des 12. Jh., vgl. Borehgrnve, Histoirc des uolonics beiges qui s'i^tftblirent 
en .\llemai?np pcudant le XII. et XIII. siMe. ii. M (M(>m. couronniis T. XXXH. 
Bnixellcs i»ii.j). 



Die vor*t('lienrli? ZuHamDienstelltin^ weist die Verbreitung des 
Zetaeittiuiii) fui Hiisse^au, Friesenfelil. Scbwabeiigati wiu im Harz- iiiul 
Dai'linggau nach. Der Nortltliilriiiggaii ist (ingDgen frei von ihm, 
wenigstens habe ieh trotz eitrigen Siielienn ausser dem oben besproche- 
nen Öalbetse keine Zetacismen in ihm auffinden können. 

Eb ergieht sii'h liierans ersten«, dass iiiilit allein ilic trans- 
)iadani»ch<'n Gauf, sundern -.mvh Har/.- und I).'o-liii!;;;:iu cUtrch Ein- 
wanderer aus Oebiften, deren Mimdiirt dem Zel;iiisnius unterworfen 
war, niunlich dnreli NordallmigLT, limedelt sind. Ks können dumnacU 
aucli jene Sadisen, welche 531 Nordthiiringen eroberten und später 
nach ihrer Rüi:kke1ir mm Italien das Liind »wisiken Unstrut und Bode 
dureh Öehwaben*) usw. fti. 4 fi.) I)eset/t fanden, so das» ihnen nui" 
Harz- und Darbnggau verblichen, nielit uns l'iugi-rn oder Ostfalen 
stammen, sondern sie müssen gleielMVdis .ms SilileMv ig- Ho Istein ein- 
gewundert sein. Ks bericlitet iilso riie diui'li Widukind u. a. über- 
lieferte Sage von der HiTkiinft ilci' Nordtliüringen erobernden Saelisen 
mit gutem lirunde, d^iss dii'M'lli.'ii in das hnkselbisebe Sachsen zu 
Schiff geküiunien nnd /iier-it in ibnli>l!iun, d. i. in dem Holatt'in gegen- 
iilier gelegenen Lande Hadelii gelandet seien. 

Daraus, dass im liegensatü zu den anderen Üanen der Nord- 
thüringgau dem Zetacismiis nicht unterworfen war, ergiebt sich zweitens, 
dasB dieser nielit von Nordaliiingcrn bevölkert ist, sondeni den alten 
Bewohnern des Landes, den Nordthüringem verblieben war, und dass 
er nktht nach seiner Lage, sondern nach seinen Kewolmem benannt 
ist. Da der Nordthili-inggau ösllicii von den durch die nordelbisehen 
Sachsen besiedelten liauen lag, so wird man auf ihn eine Naehrieht 
beziehen iniissen, weicht' >-ieh in dem vor 'iliy geschriebenen Berichte 
von der l'berli'iigurig des li. .Vlexauder findet, 'Die Sachsen verteilten 
das Land,' wird (■r/;;Lhlt (MG. -2, i)75), 'durch das Loos, und da viele 
VOM ihnen im Kriege gefallen wareu und sie wegen ihrer zu geringen 
Anzahl nicht das ganze Land einnehmen konnten, so überliessen sie 
einen Teil desselben, und Kwar den am meisten nach Osten ge- 
legenen, gesell Triliiil an Ansiedler.' Dass diese Colonen Reste derNord- 
thüringrr »iinii, irfiibren wir durch Widukind I c. 14; 'Die Sachsen 
verdammleu die Itcste des geschlagenen Volkes ziir ZinspHichtigkeit.' 

Die Trarif- und t'i-*badaner sind i)31 und SUfl aus Nurdalbiugien 
nach Nordtbiiriiigen gcwitiulert. Bereit» im 6. .labrh. nmss also den 
Nordalbingern, wcmi ancli iiielit der ausgebildete Zetaeismus, so douh 
eine .\uBspraebe des !.i (etwa feß mit palatalem kj eigen gewesen sein, 
welche die späteren Kntwieklungspbasen ist, (si, si (letzteres mit stimm- 
losem, später erst stimmhaftem Sibilant) bedingte und zur Folge hatte**). 

*) Za S. 57 bemni'kc ich nachträglich, äam der freilich sagi-nhafte Berir.bt 
von der Hcrtmnft der fk-hwAhonRsner (Zs. f. d. Alt. IT 67) gleichfallx beKeiigt, dass 
ihre alte Heimat an der Ktifltc der Nord- nder Ostsee gelegen war: In plaga aepten- 
trinnali <[iiedam proriotia adiai:et mari, quam Swerinm aiunt uuncupari. 

•*) Bemerkt »ci, dass in Nordthüringen der Zetadümus sieh auf k beecltrinikt 
und ini Oei^ensatz zu UsttHesland, wo der Cherganf; von gi xu »i ix&u&g war, sich 
knin einnides aidicrcs Beispiel des zetadsirten (deutschen) g findet. Lehrreich 




Bprechtigen nun die urkundlichen Belege zu der Annahme, «lasw 
der ZetacismuB in seinen Anfanjjsphasen in so frühe Zeit hinaufreicht y 
Ich glaube, ja. 

Hätte der Zufiill gewollt, dasa Zetacismeu aus der Zeit vor I20U 
nicht überliefert wären, so würde die Thatsache, dass noch im 13. Jahrh. 
die Gutturalen (oder Palatalen) nebfu den Sibilanten erscheinen, den 
Ulauben veranlassen müssen, das» der ZetactanuiH erst da« Erzeugnis 
des 13. Jahrh. sei. Zum Glück hezeugeri schon die ältCHten Urkunden 
Nordthüringena sein höheres Alter und lehren jene Thatsache undci-B 
auffassen. Es liegt ihr der in so zatilreicheu Fällen wiedetkehreude 
Gegensatz der Sclu-eihung im lokalen Dialekt und im Gemeiunieder- 
deutsch oder in dem Mitteldeutsch der Kanziisten /u Gi-unde. Es ist 
derselbe Fall, wie wenn leila und leve neben cLLutndi'i' rrscheinen. Trotz 
dieser Schi-eibungen galt, so lauge uiL-ht die nhd, Sclirit't''prttche Ein- 
gnug fand, diesseits der Bode nur dir .\iiss|ir;iclii' Icve. So mögen 
auch die Hassegauer biei ges))i-ochen haben, wäbicjid die ostfaliscbeu 
und mitteldeutschen Schreiber -biki, -beke, die letzteren zuweilen auch 
-bach schrieben. Schliesslich verdrängten die thüringischen und ust- 
fiilischcn F'leraente in der Bevölkerung, welche das Bewusstsuin der 
sprachliehen Identität von ki und si lebendig erliielten, den Zetacismus 
auch aus der Mundart. Auch in den Namenwformen hat er sich fast ' 
ausschliesslich nur bei den Namen unbedeutender, beute meist wüster 
Ürte erhalten. Üass an diesen IJialekteigentiuulichkeiten fester als 
au den Namen in weiteren Umkreisen bekannter Oi-te haften, begreift 
sich leicht. 

Thictniar iiezeugt den Zetacismus tiir das Ende, die Urkunden 
von !}3(> M37, welche Queriibetsi und Salbetse biet«u, bereits fiir den 
Anfang des 10. Juhrb, Diese Formen mit ihren ts zeigen bereits 
spätere Phasen des Lautgirocesses, die älteren mit es müssen demutu'h 
bereits in heträchtlicli früherer Zeit möglich gewesen sein, so dass in 
dieser Hinsicht die S. 63 f. ausgesiirochene Annahme, dass Iloksingoa 
(^ Höxingo», Hocsingos) und Hocsioburg zetacistisuhe Bildungen seien, 
dureliHUs statthaft ei-scbeint*). 

ist, da^B sowohl iu den DordthUringist^licu Urkunden als auch iu den alten oatftie- 
siaclien Recliteu i^tutt ts, It häufig die Srhreilmng st, ath crgclieint, vf;l. xthereke S. 67, 
Slaütraleve S. CK, SthteUngf S. 69. WirltlicIicN nt kaiin hiormit nirht beKeichnet 
worden spin, denn sonat rnnsatc es vereinzelt iii den Ortsimmeii und jedcst'nll« hier 
oder dort iu den heuti^n trieBiHi'hcri Mundartnii festgehalten Beiu. Vielmehr wvist 
die doppelte Schreibung auf einen Laut, der geuau (^nomineo weder ts noeh st war. 
Ebenso Bchwankund wurde griecliischeB Zetu von den ruinlscheo Untmmatikem 
wieder gegehen, "wilircud die einen als Reine zwei Klenento it + » ansgabea, lio> 
haupteten andere, und du!( war die Mi^oritilt, ehi s -^ d j.m vcrneliuien". 

') Da die Werdener HelicregiHter, welche ostfricBiBthe Namen des 9. und 
10. Jh. bieten, diese leider iu die Mundart von Werden umHchricben Itahcn. und 
es keine frieBischen und uordulbingi scheu Urkunden gieUt, weklic ttlter ab die im 
10. Jh. bcginuendeu nordtbitringisrheii »ind, »o ist die »Iteate l.^lirauologie des 
Zetacismus auf die letzteren und auf t>i<hlii«»fi>lgeriuigen aiiiiewifscu. Mit den Formen 
Chenninbitzia (8. Jh., S. 71) und Caiw (S. IH), Hiiwie den Zctmisnien der Lex Salica 
wird mau uicht recbueu können, an lan^'o mau die Mogliclikeit romanischer u. a. 
Einflüsse auerkeuucu muBs. 




De Heinrieo. 

Ein lateinisch-allsächsisches Gedicht 



Text llllil riiersptziiiip. 



(Hanihehrifl) 
1 Nunc alnius tln'io ewiger» 

assia thiemim tiliu« 

benignus fautor milii 

thax ig ir. cnsan muoifi 
5 de qundatii duce 

tbemo lipron Heüii'icIiL' 

i[ui cum digiiitiitf 

tlierw Ileiiiru rii^lii.' bi'wariiilc. 

lutruiis ncmpe nuiitius 
tu tlie» ki'iüiii' imiiHida hi-r tliuä 
cui' sediK iiitit (Hdo 
ther Tinsar Veiwar guodit 
hin adest Hi'innrli 
bruotlier Iiera kuiiiglifli 
15 dignuiii tibi t'orc 
tliir Molvt' nmzf siiit- 

Tuiic i^uircxit Otdii 
Ukt unsar k(.'is!ir fiiioiln 
■lierrexit Uli nliviam 
20 indc vilo maiiig man 
et exi'.epit illuiii 
mid niihilon cruTi 

PnmituB qiiiHjiif lÜNit 
willicnmd Heinriib 
25 amho vos iHi|iiiv(ifi 
bethiu gt)<l;i i'ndi mi 
nee non et hdIü 
williruruo sid it^i tili 

Dato Tes]i(insn 
30 fanc H.'inrirlic sn sv.iti.- 

hfl- l.ida iiiii in lliH/ tsodcs hils 

]ietipruTit ;imi>() 

tliero fjodes geniitlieno 




(Herstellung) 
1 Nuui: tilmuK tliero ewigun 

assi» tiliua thiernun 

benignus fautor niibi, 

thiit ic it iÖHan möti 
5 de «luodam duce, 

themo hemii Heinrike, 

ijui funi dignitate 

tlieru Heiaro riki biwarode ! 

Intrans nenij>e imutius 
10 tlieiie kuning manoda Ue tUus: 

(rur Hedoa, intit, Oddo, 

tlie nnsa kuning gödoy 

Ine adest Heinrik! 

brötlivr, liöri, kuninglik, 
15 dignum tibi fore, 

tliu selvo niötifB ine! 

TuJie surrexit Oddo, 
tlie uusa kuning gödo, 
ptTvexit illi "Ijviaiii 
:>0 endi viln mani^' man 
et fxi'tii'it illum 
mid mikilun erun. 

Prirnitus tjunqne dixit: 
willieumo lU'inrik, 
Üfi ambo von aeijuivdci, 
bethiu goda endi mi! 
nee nnn et Botii 
williennui sid gl ini! 

Dato resjionNü 
;^(l t'ane Heinrike so aefino 
c-oniunxere iniimis, 
he ledda ina in tliat godes hüs, 
[letierunt ambn 
thei'n gndcs ginäthono. 



35 ÜnimiiK- fiirtu 

iiiitfeng iiiii aviT l)d(ln, 

iluxit in i-oiK-iliiiiii 

iiiid luikiluu eruii 

et rHniHit illi, 
4U aö hwat so he thär habdi, 

lii-aeter quud regale, 

tJit's thär Hoinrik ni Ki-rude, 

Ttiiic stetit al thiu sprake 
si[i> tirriKi Htiiirike. 
i') ijuii'iinid Oddn IVi'it, 
al nired it Heinrik. 
i|uiL'i]uid Hi; oiiiisit, 
tik girt'd it Heinrik. 

Hi(t 11011 tuit idlu!4, 
5U (thes hclihiu ik gödu fullust 
nohilibuH at; libt-m, 
that thit allan war is) 
cui iion fecisset Heini'ik 
allöri) rehto gilik. 



L 



35 Ofamine facto 

iateiegiuii aver Otdo 

duL'xit in ronciliura 

mit iniuhiluii L-ron 

et amiäit illi 
40 HO wa/, HO her thar liat'ndf 

praeter ipiod legale 

tUes tUir Heinrili ui goradu 

Tum: stetit al thiu spnikhii 
Bub tirmo Heiiinclin 
4ö (piii-iiuid Otdi> t'crit 
al geried in Heinrih 
i]tiic<juid ac amisit 
oui.h geried iz Heiurilii; 

Hiu nun fuit ullu» 
50 thes hatbii ig gitoda fiilleint 
nobiÜH ac liberis 
thaz tid allaz war i^ 
cui nou tet'isaet Heiniich 
allero rehto giliuh 

Überaeteun/j (Zeile 1—8) Nun sei du, der hiininliseheii Jungfrau 
teurer Sohn, mir als Heller gewärtig, auf class ich von einein Herzoge 
zu berichten vermag, dem Herren Heinrich, welcher mit Würde da« 
Baienireich gewalirt hat. 

(9 — 26} E» trat der Bote herein und mahnte fdi-wahr di?n Konig 
also: Was sitxetit du, hob er an, Otto, unser edler Königl" Heinrich 
ist da ! höre, königlicher Bruder, dans es deiner würdig sein wird, 
wenn du selbst ihm entgegen gehest. 

(17—32) Da erhob sich Otto, unser edler König, aog iJim ent^ 
gegen und gar mancher Mann mit ihm und empfing ihn mit grossen 
Ehreu. 

(23 — 28) Auch begann er allererst die BegriissUng : Willkommen 
Heinrich, ihr beiden Heinriche, sowohl Gott als mir! und ebenso auch 
die Genossen, willkommen seid ihr mirl 

(29 — 3i) Nachdem Heinrich ebenso lierzlich erwidert Imtte, 
reichten sie einander die Hand, er führte ihn in dan Gotteshaus, und 
beide baten um Gottes Gnade. 

(35 — 43) Nach vollbrachter .\jidacht empting ihn Otto ahermalii, 
er geleitete ihn mit grossen Ehren in das Concil und er überlieBS 
ihm alles, was er innehatte, abgesehen von dem königlichen Rechte, 
eicliOH Heinrich auch nicht begehrte. 

(43 — 4S) Da Ktand der ganze Ueichstag dem festen Heimich 
nach. Was auch Otto gethan hat, alles hat Heinrich geraten, und 
was er ku thun unterlassen hat, davon hat Heinrich abgeraten. 



(49—54) Da war nicht ein einziger, (es werden mir Edelinge und 
Freie bezeugen, duss dies diirc)iaiis walir i«t ! ) wt'Udif m nicht Heinricli 

sein volles Uevhl JüLtte ziitfi! werden lassen. 



I>as üediclit de tlpinriro iRt in der von einem Anfrelaarhsen den 11. Jahrh. 
gesrliriebenen Handarlirift 1!« j. 3."; (i-od. 1552) Bl. 437 der IlniverBitäts-Biblinthek 
KU Canitiridge erhallen und Kncrat yna J. O. Eccard, Vetcnim monumentorum 
qaalernio (17211) S, Tiii veruffcntlirlit norden. Die Lesarten, welclie eine neue Vet- 
gleichung der Handschrift ergab, *ind von .Iarf<< in Hanpt's Zeitüdirift U (tr<ti9) 
S. 451 lind K. Brciil clid. 3() {WHH) 1»7 nittgeleilt. 

Kriti«cli hergeHtollte Texte mit alth och deutschen Sprachfnrmen haben gegeljon : 
W. Wackernagel, Kimdgrulien herausg. von H. Hnffhiann 1 (1830) S. 3M); Alt- 
deutsches Lcncbuch (1861) Ü. 11)9. — K. Lachmann und K. A. Küpkc, Jahr- 
hacfaer des deutschen Reichs herausg. rnn h. Ranke Bd. I Abth. 2 (1838) S. 97. 
— 0. Srhade in Ibitfmann von FallersLchens In dnlri jubiln (1854) nr. 1; Veterum 
monumenlorum decas (I8r>0) nr. 2. — K. Millienhnff und W. Srherer, iieak- 
nuUer (l»64; 2. Ausg. 187.1) nr. XVIli. 

AusBerdem ist über das Gedirlit gehandelt «der sind auf dassellie bexügliclie 
Ansichten ausgesprochen worden von .1, firimm, Grammatik 1 (1819) S. LX; 
Docen, v. Hormayer's Archiv für ßescliidite ISiH S. S32; Lachmann, Über die 
Leiche, im Rheinischen Museum ü (1829) S. 429* Über Singen nnd Sagen (1833) 
S.4; Mone Anzeiger 1837 Sp. 317; I,. Uhland, Schriften Bd. 1,473— 7ß. 7,578—81; 
R. Winter. Heinrich von Bavcm. Inawg.-Dissert. Jena 1872 S. 76—78; Paul n. 
Braune, Beiträge 1, S. 42. öfi; K. Ilümmler, Kaiser Otto der Grosse S. 12(1. 160. 

Derer, welche von audem hergeBtellte Tcite oder ältere Ansicbten über- 
nommen haben, ist in dieser Littcraturnarli Weisung keine Erwähnung gethan. Doch 
mnss der Vollständigkeit wegen noch Ludwig Clarus, Die heilige Mathilde (lUfi?) 
genannt werden, wo S. 130 eine tlhersctzung vcrsuclit Ist, obwnl der Verfasser, wie 
sein Abdnick neigt, die deutschen Versh&lftcn fl'ir die vollständige Dichtung ge- 
halten liat. 

Bei der hier versuchten Herstellung des ursprünglichen Textes siud von 
älteren Verbesseniugeii folgende aul'gennumien : 1 eietgim Wackemagel 18äl. 
2 fiHn» thiernun dsgl. 10 manrida Lachmann. 1 1 aedet dsgl. 28 gi Wackemagel. 
30 scoBO dsgl. 34 genathono dsgl. 3!) omisil Lachmann. 51 nobilibu» dsgl. 

16 Kine befriedigende Besserung des sinnlosen abd. Textes, welche den 
Aolass der Verderbnis klar legt, ergibt sich, wenn man statt thir «tue irine schreibt 
lAa motes ine (= as. motie» ine). Das Wort möian, mniuan, as. miHian, mnd, 
mütan 'obviam ire' ist von dem Schreiber nicht verstanden ; sehr hegreiflich, du es 
in Ober- und Mitteldeutschland selten oder ungebräuchlich gewesen ist. Die mhd. 
und md. Form mtuA neben nutot =^ mnd. mote deutet sogar auf unmittelbare Ent- 
lehnung ans dem Niederdeutschen, wo Substantiv und Verbiun oft gebrauchte Worte 
sind. Dass übrigens in der mitteldeutschen (wie ich glaube hessischen) Mundart, welche 
die Hs. xeigl, moten ebenso gut als muoaca geschrieben werden konnte, zeigen viele 
Oltoiüsche Urkunden, welche ö neben uo bieten, fAr spätere Zeit vgl. Busch, Zs. 
r. d. Phil. 10, 2m ff. Weinbold $ 140 f. — In syntaktischer Beziehung vgl. Erd- 
mann, Untersuchungen I Ü 243; Otfr. 1, 25, 12 (luis limphit) wir mit willen giia- 
talih irfullen. 

IB ine (betont int). lH.er ine = ina vgl. Paul, Beitr. 4, 343; die Betonung 
eridlrt sich wie hei inan, imu, iru. unsich. vgl. Sclierer üu Denkm. XXXIV, 2, 8. 
Altndl. tnii erweist Franck, Mnl. Qramm, % 217. 

22 eruH. Die hergestellte Endung -un ist in Ottonischer Zeit in ostsächs. 
Mundart die herrschende. 

26 Otto bcgrüsst zunächst seinen Bruder Heinrich, er wiederholt dann seine 
Bewillkommnung. seinen KnkeX Ileinrirh mit einscblicssend, 

41 praeter q^uod sc, erat. 



43 fpi-iike. I>ie innd. Bczeitlmim? für Reiclis-, Land- und Gcricbtatag (als 
VeritaiUQiluaji: wie Beratiuigl K&lt auch mcIiuu in der Ottnueuxeit, wie die l'bersctxung 
C0U09U1UU1 Äunales Quedl. ad a. !)!>9. 1021 ; Urk. Ottu 1 n. 10». 20<l; Du Gange h. v. 
bezeugt. Die Endung -a ist nur dem Xa%a nu hiebe in -e verindert, für beides gilt 
in jener Zeit dieselbe Aiisupraclte -ü. Die Schreibung bevorzugt frcilirh bi« znni 
Ende der altsärhH. Keit. wnbl unter dem Kinfliiss der Uteini Beben Analogie, für die 
Feminina -a, doch bezeugen AuHspraulie und Schreibung x. D. intcr aquas Emiaa 
et Ilaaa dictas Otto I n. 7ü; iuxta fluviiim Emiga et Haae n. TT; inira conlintum 
aqturum ijue vocantur Orae et Bode n. 299; matroua nomine Aeddilae n. 20C; pr6 
socru Hua Ydc Wig. trad. Corb. 48; Tade 141; Bcnike IGtt; Albe 354; Abbe 3T&: 
Ide, Imme, Judihtte u. a. im Merseb. Tndtenbiich. [Vgl. Über colloquium 'Sprake' 
die reiche Stellensammlnng Waitz, Vcrf.-fSesch. fl, 320 tl., über -e Paul, Beitr. 4, 343. 
Zu bemerken ist eine mundartliche Abweichung am Nordhar^te, welche jenes s 
wohl mit o, nicht aber ndt e zu reimen gestattete.] 

44 Htinrike «tatt hsl. Heinricho wird durch den Reim erwiesen, ex hat somit 
der Dichter den siebeiunal vorkommenden Namen stetH in deutBcber, niclit latiniairtcr 
Form gebraucht. Das» deraclhe entgegen dem Kan^leigeb rauche, Oddo geachrieben 
liat, ist ^eichfaila anzunehmen, da auch die mitteldeutsche iisl, rberliefening nicht 
das kanzle igemüHiie OUa bietet. 

52 (düt», Wortstellung und Zusammenhang erfordern den Sinn 'durchaus'. 
Her Schreiber hat also den advcrbiellen Genitiv seiner Vorlage irrthümlich in aüns 
verändert. Ebenso scheint v. 4 is l'dadurclt' d. h. mit Christi Hilfe) das richtige 
zu sein, das beziehungslose t> ^= as. i( wüsste icb wenigstens durch keinen zweiten 
as. oder älteren miid. Beleg zu stfitzen, wo es in gleicher Weise gebraucht war?. 



11. 

Vortrag: gehalten in iler geineinsrlianiicheii Silznn^ 

des Vereins für ni^'derdent.iolii^ Sprach riirNCliung nn<l des hansisdien 

üeochichtMVf-i'eiiifj 

in Quedlinburg iini 1 li. Juni |f<Sfi. 

Das Lied de Heiiirico, das äittistn Heispiel deutsch - liiteinischei- 
Mischpoesi«, ist zum Lobe zweier Brüder verfasst worden, welche in 
dieser Stadt Quedlinburg aurgewiichseii sind, des spüteren Kaisei'» 
Otto d. ür. und des Baiemberzof^s Heinrich, Wir wissen, dass beide 
auch das Osterfest d. J. 941 in Quedlinburg zusammen gefeiert haben 
und bei dieser Gelegenheit Heini-ich im Bunde mit mehreren süchsiachen 
tirafeu seinen Bruder der Krone, vielleieht, des Lebcus hatte i>eraubeti 
wollen. Die Anschlä(;e der Vcrschwurcnen wei-den dem Kaiser vei^ 
raten. Heinrichs Mitschuld ige büssen ihre Absicht mit dem Tode 
oder der Verbuimniiff, ihm selbst gelingt es, sich der Strafe durch 
die flucht KU enlzicbcn. Später ergrifleu ivird er auf der Burg Ingel- 
heim in I^Lt't ycliiiltcii. Mit Hilfe eines Geistlichen entweicht er Nachts 
und eilt uiuli i'V;iiild'urt, wo Otto das Weilinachtsfest zu feiern ge- 
denkt. Im .Mii[f;i'iii;r:iuon der beiligen Nacht, als Otto soeben die 
Kirche zur i-'eii-r der Matiitin Iietrcteii hat, wirft stell ihm unvermutet 




Heinrich barfass mid im Büssergewande zu Füssen, reuevoll um Gnadp 
flehend, und Otto f^edatihte, wie die Nonne von Gandersheini be- 
richtet, der vom Altar ihm entgegenschallenden Mahnung dea Kvan- 
geliums 'Ehre eei Gott in der Höhe und Friede auf Erden den Menschen' 



und gewährte seinem Bruder Vi 
langer Jahre, ehe dieser, von di 
und ergebenes Verhalten da 
errang, dA ihn sieben Jahr spiiti 
und schliesslieh gegen den eigei 



eihung. Freilieh bedurfte es noch 

Mutter unterstützt, durch kluges 

l|c Vi-rtraueu rseines Bruders wieder 

it di'ui liernogtum Baiern belehnte 

rtei tiir ihn ergriff. 



Auf jenen Bussgang Heinrichs und die Versühnung der Brüder 
beüieht man jetzt allgemein jene Dichtung de Heiurico, welche Ihnen 
in einem besonderen Abdruck eingebändigt ist. Nachdem J. Urimm 
dieselbe in die Zeit Otto d. Gr. gewiesen hatte, begründeten Lach- 
mann und Köpke in einem besonderen Exoiirse der Jahrbücher Otto 's I. 
die Beziehung derselben auf die Vei-söhnungsscene v. J. 941 und 
sprachen xugieiili ■.\un. dii«s dieselbe nach 962 verfasst sein müsse, 
weil t)tti' K;ii-i r ^rii:irint werde. Die übrigen Gelehrten, welche dem 
Liede eiin' lir-uinliic rnlcrsiiclniii;; /iit;cwendct haben, wie Wacker- 
nagel, Schiidi', Miilli'iihiiff iinil Sclierer, vertreten sämnitlich dieselbe 
Aneicht und ihnen haben sich die Historiker angeschloKsen, nur Ludwig 
Uhlaud und ein jüngerer Historiker, Winter, in einer Heinrich von 
Baiem gewidmeten Dissertation, liaben erfnigln.s abweichende Deutungen, 
dieser auf d. J, !)45 und jener auf Ottd HI. ycrsucbt. 

In sprachlicher Beziehung glaubt Miillfuliolf (llenkmäler S. IX), 
dass das Gedicht de Heinri.'o als I'roduct der lUtniiischen Hofpoesie 
die merkwürdigi' Thatsache belege, dass schon im 10. Jabrh. am Hofe 
der aächsiscben Kaiser ein Hochdeutsch gesprochen wurde ganz von 
dem Typus wie spiiter im !'2, und 13, in den an das niederdeutsche 
angrenzenden Landschaften, also wie in Mitteldeutschland. 

Die Bedeutsamkeit, welche die kleine Dichtung als Beweismittel 
für die am t^ucdlirdiurger Kaiserhofe gesprochene Sprache empfangt, 
sowie ihre vernieintliche Beziehung aiif den denkwürdigen Vorgang, 
welchen Mühlera bekanntes Gedicht 'zu Quedlinburg im Dome' ge- 
schehen lässt, lassen dasselbe geeignet erscheinen, einem Vortrage 
gerade hier in tinedlinburg zu Grunde gelegt vm werden. Eine ge- 
nauere Untersuchung dci-selben und der Fragen, welche sich daran 
knüpfen, wird, glaube ich, die früheren Ai^nahmen lialttos erscheinen 
lassen und wenigstens einige Krgebnisae /.a Tage fiirdern, welche die 
Lösung jener Fragen vorbereiten. 

Ich lege zunächst dar, warum die Dentunfj des Gedichtes auf 
den Busaakt d. J. 941 unhaltbar erscbeitit. 

Wenn man von der einfachen Thatsache absieht, dass Otto und 
Heinrieb zusammentreffen und dass von einem Gottesdienste die Rede 
ist, 80 ist der Vorgang, welchen der Dichter uns vorführt, so ver- 
schieden als möglich von jener Bussscene. 

Während bei dieser Heinrich unvermutet seinem Flruder zu Füssen 






so 

fällt, als Eiisser Gnade erbittend, kündigt in der Dichtung ein Bote 
Heinrichs Nahen an und mutet dem Kiiiser /u, jenem zn Ehren sich 
za erheben. Bei seinem Biissgunge ist Ilcinricli nur von einem Diakon 
Ruodbert hegleitet. In der Dichtung tritt ir mit (iclolge imd in 
Begleitung eines zweiten Heinrich uul'. lli-i üiiriilit lässt Heinrich 
Ottu in diT Kirche ülierriiKchen, der Dichti-r liorirhtot. wie Heinricli 
von Otto ehrenvoll .■iiiiri*!i<.U iiiul dann in dii> Kiirhe geleitet wird. 
Schliesslich liisst di'i' I>ir!it<'r nach dem (iHtti'^dienst eiu L'unciUum 
stiitthnden und Icfit Heinrich den griissteri Kindti-^s :iuf den Kaiser 
hei, während er in Wirklichkeit deustdben erst nach .liihren erhielt. 

Die Widersiirüche zwischen Geschichte und Dichtung sucht 
Scherer durch die Annahme ku erklüren, dass der Dichter mit he- 
wusster Tendenz die Wahrheil eint';ieh hei Suite ixe-ichnhcn und das 
gerade Gegenteil dessen, was sieh wirküili /ii'„'elr,'if:en, herichtrt 
habe, um die Schmach des GeriinKni>scs und des I-'ii>sf;illes v<in Hi^inrich 
zu nehmen. Die Schwierigkeit, wcleiie die Krwiihnuny zweier Heinriche, 
der ambo neguivoci ergab, glaubt MiUIenhotl' durch die Annahme einer 
unheilbaren Verderbnis der Stelle aus dem Wege räumen xa dürfen. 

Man wird nicht liiugnen dürl'en, das» wenn hötische , Schmeichelei 
und poetische Freilieit sich vereinigen, um eine Tendenzdichtung su 
schaffen, ein Bussgung als Triumphzug ebenso gut ausgegeben werden •' 
kann als eine verlorene Schlacht als Sieg. Eine Bedingung muss 
dabei aber erfüllt werden. Dem Hörer darf nicht zweifelhaft bleiben, 
welche Schlacht oder welcher Vorgang gemeint ist, falls es sich 
nicht um eine Thatsache der jüngsten Zeit handelt, welche noch Aller 
Gedanken bewegt oder in Aller Munde ist. Es beihirf also eines 
Hinweises, welcher dem Hiirer andeutet, um welchen Vorgang es 
sich handelt. 

Eines solchen Hinweises auf die Weihnacbtsscene von tHl eiit- 
behrt das Gedicht de Heinrico durchaus. Wie sidl ein Ibirer ver- 
anlasst gewesen sein, an jene langst vergangene lli';,'elii>(ilieit /u ih'ukpu, 
wenn geraxle das Gegenteil des wirklich Üeschelieueii Ijcrichtct wird? 
Dieser Mangel allein genügt, die Deutung auf ilic ISussscetie abzu- 
weisen, um 30 eher, als ein Fussfall vor dem Kaiser weder sehr un- 
gewöhnlich noch überhaupt schmachvoll war. So hat Otto seiuo 
eigene Mutter, König Bereiigar die Königin Adelheid fussfiillig um 
Verzeihung gebeten und Waitz führt in seiner Verfassungsgescbiehte*) 



*) Bd. B, 249. ^ HiQ)C(^wiesen sei Eiuoli auf den eigcutümlifhea komiicheD 
Auftritt, den Wolfher in der Vita Godehardi c. 27 üdüldert. Der hildetheiniisclio 
Bischof und der Enebisrtidf rnn Mainz hatten lange Jahre um das Stift Qonilersheiiti 

gestritten, die erbitterten Oeguer hatten kein Mittel, seihet die Gewalt nicht, un- 
versiirht gelassen. Einmal treffen sie i>:ugamincn, 'hn priinh »ich der Ernhiüchof 
von aeinem bigchiiflichen Stahle, warf sich un^rrm riiui'li'ifc, ilcr st-radi- dasnelbe 
tbun wollte, zu Füssen, nnd hat ihn mit dciiuiti;.-i'r Miiii''. i'i- iiin'.n' iiim li.indcrslieim 
nirht Iftnger streitig niat'hon, da es ja xn seiner Iii.- .-i' uihi.if vin-i- ini-ir jliscUof, 
geistig lind kdrpcrlicli vor Gntt sirh dpmiitLL;finl. Iiiihil^ i;lL'iili1;ilK iiii^dcr,' So 
knieen beide demütig vor einander, um duiiii mii iil^ul^i KrliiiiciuiiK aus ein- 
ander /u gehen. 




eine ganze Reihe Fälle an, aus denen hervorgeht, dass eia Kniefall 
durchaus nicht ab Erniedrigung galt, wie denn auch Hrotsuith, welche 
von Heini-ichs eigener Tochter Gerherg ihre Information empfing, ohne 
jedes Bedenken Heinrichs Uussscene ins einzelne ausmalt. Die dem 
Dichter »[ugemutete Tt-ndtTn war al«o in dieser Beziehung ganz 
gegenstandslos. . -^ 

Entschlie.sst mau sich ilie Lachmannsche Deutung, welche vor- 
iiiusetzt, dasH der Dicliter, wie Sdierer treffend hemei'kt, das gerade 
liftgenteil des wirklich (Jeschehenen berichte, aufzugehen, so fällt es 
nioht schwer zu bestimmen, welches Zusammentreffen der Brüder ge- 
meint «ein ma»». Auadriicklicb sagt das Lied, dass Heinrichs Einfluäs 
auf den Kaiser so bedeutend war, dasa er duit'h seinen Hat allein 
sicit liestinmien liess in dem, was er that oder unterliess. Wie all- 
gemein zugegeben wird, ist diese Angabe nur für die letzten Lebens- 
jahre HeinriehH, der 955 bald nach der Schlacht am Lech gestorben 
ist, in Wahrheit zutreffend. Von einer Zusanimenkunft, die in diese 
Jahre lallt, nmss also das <iedicht haudeln. Beide sind ausser in 
Angshui'g i. .1. ^n'2 «onst noch einigeuial /usiimniengekommen, aber 
nur zu dem Augsburger Keichstage stimmen die von dem Dichter 
berichteten oder angedeuteten Einzelheiten, (iegen die Fritzlarer 
Zusammenkunft von H.">3, welche zunächst mit in Frage kommen 
könnte, liisst sich schon anfuhren, das» Heiniich mit seinem Heere 
bereits zu Otto gestossen war, ehe Otto in Fritzlar angelangt ist. 

Nach Augsburg hatte Otto im August 952 ein Concil berufen, 
24 Bischöfe luid Erzbischöfe aus Deutscldand und Italien nahmen an 
den Beratungen Teil, um, wie das erhaltene Schlussprotokoll lelirt, 
die Eintiihrung einer strengeren Kirchenzucht zu bewirken. Auf das 
geistliche t'oiicil fidt,'lc ein von Sachsen, Franken, Baiern, Alemannen 
und liondiarden liesuditcr Reichstag. Nur durch gelegentliche Be- 
merkuugen, welche sich liei einigen Schriftstellern finden, sind wir 
über ihn iint*rrichtet, aber schon da« wenige, was wir wissen, zeigt 
seine Bedeutuntr. (iriorhi^rhe Gesandte sind Zeugen, wie Berengar 
das italienif-iiii l\'."iil' i. i. Ii ms Ottos Hand zu Ijehen empfängt. Die 

Marken von V > i i \ lii werden mit dem Herzogtum Balem 

»ereinigt. Wirhi i iü innere deutsche Geschichte miigen uns 
UJibekaunt ^chli, l.i ni' Xm-.inni' sein. In Augsburg kommt Otto mit 
Ludolf von .Scli«;ili('ii nrui Krif<h'i<h von Mainz zusanuneu und ver- 
kehrt mit jeilcMi. «;■■ b.-/,cii-t ist, fr.'utuhi-hdl'lhi'h. Nach diesem Reichs- 
tage, nach den uu^HiTordi'otlLchen ttevorzugungen, welche dem von 
König uuil Königin begünstigten Gegner, dem Herzog Heinrich, zuteil 
werden, bereiten sie die vielbeimndelte Erhebung d. J. 9.13 vor. 

Wir sind, wie gesagt, über die Vorgänge auf dem Augsburger 
Beichstiit-'c nur dnrcli wrniyc ^iclc-rc-ntlicbe Bemerkungen unterrichtet. 
,\l« eine uciii- (ihidli', als der Bericht eines Augenzeugen wird die 
Dichtung de lleinriee iingi'selien werden ilürfen. Als historischen 
Bericht werden wir sie üunüchst zu prüfen haben. Stehen die in ihr 
berichteten oder augedeuteteu Vorgänge in Übereinstimmung mit den 

KledatdautiDh« Jkbrbiub. XU. 1) 




übrigen ZeugnisBen, oder erklären sie sich, wo diese fehlen, unge- 
zwungen aus den damaU vnrliegenden Verliältuissen, oder erkläreu 
sie selbst spätere Vorgänge, so wii-d man dem Dichter die volle 
historiBche Glaubwürdigkeit nicht absprechen dürfen. 

Die Schilderung der Zusammenkunft hebt mit der Meldung an 
— man umss vermuten, dasM Otto's Bruder, der Erzkapeltaii Bititi. 
sie dem Kaiser bringt — , dass der Hersiog Heinrich nahe. Quid sedi»':' 
malmt der Bote, er mutet also dem Eüuige zu, sich zu erhebeu und 
dem Herzoge entgegen zu gehen. Diese «Zumutung, die als das Recht 
Heinrichs fordert, dasK dieser von Otto eingeholt werde, diese Zu- 
mutung, welche in so krassem WiderBpruche zu der Annalmie steht, 
es handle sich um den Bussgang Heinrichs, wird durchaus begreidich, 
wenn es sich um die Ajikuiii't Heimichs auf dem Augshurger Reichs- 
tage i. J. 952 handelt. Die elirenvoUe Kiuhulung der zu den Reichs- 
tagen eintreffenden angeseheneren Fürsten, im 15, Jahrh. der Kur- 
fürsten, durch den Kaiser ist (lir die späteren Zeiten ausiirncklich als 
ein iiltes Hiirkomnien bezeugt, das der Kaiser beobachtmi müsse. 
wemi er nicht Krankheit vorschütuen wolle. Wie alt dieses Herkommen 
ist und welcher Kaiser es zuerst geübt hat, wissen wir freilich nicht. 
Auf Grund unserer Stelli? und eines um ein Jahr älteren Vorgangs 
dürfen wir aber annehmen, dass die Einholung angesehener Fürsten*) 
bereits zu Otto's Zeit eine Ptücht kaiserlicher Höflichkeit war. Der 
gemeinte Vorgang, den Widukind a. d. J. 951 berichtet, ist folgender. 
Als Berengar sich der Stadt Magdeburg näherte, wrj Otto den Reichs- 
tag versiunmelt hatte, kamen ihm eine Meile vor der Stadt die Heriiöge, 
Grafen und vornehmsten Beamten der Pfalz entgegen. Kr ward 
königlich empfangen und in die Stadt geleitet, doch wiirde ihm drei 
Tagn lang mcht gestattet, das Angesicht des Kaisers zu schauen, so 
duss sich der Herzog Konrad, in dessen Begleitung Konrad gekommen 
war, heleidigt gefühlt habe. Aus diesem Berichte ist zu entnehmen, 
dass Otto sich ciuem Herkommen fügte, indem er die Einholung 
Berengars zugestand. Diese Einholung verlor aber das Zugeständais 
einer besonderen Ehre, welche Berengar erwiesen wurde, da Otto nicht 
seihst an der Fanholung sich beteiligte. Nui- hei dieser Annahme 
läast sich verstehen, dass Otto den unterworfenen, seiner Gemahlin 
verhassten König, welchen er von vornherein mit Absicht erniedrigend 
hehandeln wollte, überhaupt einholen liess. 

AuÜiillig könnte allcnt'alU erscheinen, dass der Kaiser eher in 
Augsburg ist, als der Herzog, da sonst die dem Versammlungsorte 

*) lu den mittelaltprlichen Kpen, sowohl den hüKsrhcii als den Volksepen, 
liegegnet die Kinhnlun)( als fester Brani^h. Kn fordert Nibel. Not UYi Ilagen den 
KOoig (l^unther bei Siegfrieds Ankauft auf: Wir säten den jungen herren enphahen 
liesler bau, Dax wir iht verdienen dea »aellen recken hat. Ilarauf sagt (uach lis. 
BCU) Günther wir suUn im eitgegene hin nider tuo dem recken gan. H&gen 
äussert hierzu Das mugt iV wol mit ern tuon (vgl. vs. 15 dignum tibi fore), Er 
iit von tdelem ttiimr, ritui riehen kiinriis mion. Vgl. ferner Parcival 1H7, 1. 97«, 29. 
Itcinolt voit HoDtelban (Pfatf) »25, 



I 



Senaclibarten Fürsten den Kaiser gern erwarten oder mit ihrem Ge- 
folge unterwegs zu iluu stossen. In Augsburg erklärt sich das spätere 
Erscheinen Heinrichs, weil der Kaiser des geistlichen Conoils weyen 
bereits vor Begiiui des Keiehstages nach Augsburg gekoimuen war, 

Der Kaiser begrüast seinen Brnd«" mit den Worten : 'Willkommen, 
Heinrieb, ihr beiden Heinriche!" Diese Worte haben bisher trotz 
aller darauf VLTwendeten Mühe keine befriedigende Deutung gefunden, 
weil man kt-inen Heinnch kannte, dw den Bruder Otto's auf seinem 
Bussgange begleitet haben könnte. Es ist der 951 geborene Sohn 
des Herzogs Heinrich gemeint, derselbe, dem Otto zwei Jahre später 
das Herzogtum Baiern verlieh. Dass der Vater sein Söhnchen nach 
dem seinen Grenzen so nahen Augsburg mitgebracht hat, um das- 
nelhe dem Könige und der Königin, welche dasselbe noch nicht ge- 
sehen hatten. vorKUstellen und ihrer Gunst zu empfehlen, kann nicht 
auffüllen. Wer in Betracht zieht, dass die Mutter Otto's diesem gewiss 
aufgetragen hat, ihr Nachrichten über ihren Liebling senket, jenen 
zweiten Heinrich, y.u überbringen — wir sind ja über Matbildö's Nei- 
gungen gut genug unterrichtet — wird diesen Vorgang um so be- 
greiflicher tinden*). 

' Es folgt der gemeiusame Gang in das Gotteshaus, der so sehr 
dazu beigetragen hat, das (iedicht auf die Bussscene im Frankfurter 
Dom zu beziehen, und der Gang in das ('oncil. Ein eigentümlicher 
Zufall will, dass in dem Schlussprotokoll des Concils vom 7. August 
in Worten, die dem äinu nach vollständig mit V. IH ff. zusammeu- 
treffeu, eines Gottesdienstes und einer darauf folgenden Ooncilsitzung, 
an welcher der Kaiser ttilnahm, gedacht wiriL Es heisst nämlich in 
jenem I'rotukolle**). dass Otto na«ih Beendigung der Messe (messae 
ctdtbratioMe flmla) mit einem glänzenden aus den Vornehmsten 'be- 
stehenden Gefolge (cum insigni primatum turba) das Coneil besucht 
habe (synodum intravU). Es liegt nahe, Vs. 37 auf dieses geistliche 
Cuucil, nicht auf den gleichfalls stattfinden den Reichstag zu deuten. 

In den folgcTideu Versen, 3y ff., wird berichtet, dass Heinrich, 
.was er inne halte, doch idme-das Kijnigsrecht, von Otto erhalten 
habe. Gemeint ist, wie die Fortsetzung des fiegino lelirt, dass Hein- 
rich mit der von ihm bereits in Besitz genommenen Mark Aglei" be- 
lehnt wurde. 

Die beidun letzten Strophen heüeugen den grossen Einfluss, den 
Heinrich auf die KritschJie.ssungen des Königs gehabt hat. Wir- sind 
durch historische Hericlite über die Vorgänge, auf welche der Dichter 
anzuspielen scheint, nicht nntwrichtet, die Ludolfsehe Erhebung hat 
aber znr Voraussetzung, dass nicht Lndolf uud seine l'arteigenosseu, 
sonderH ihr Gegner Heinrich iu Augsbui'g seine Absichten durchsetzte. 




*) Vim Mahthildis pust. c. 2t): 8icut venerahitia reiftnH iiuni' (Hi 
«teris suis nutia dilexcmt, ita et fiUum eiua Heinriciun . . . uliis nepotihi 
iraeposuit. Vgl. DOiuinler S. 2(19, 



"Jl 



MG. Leu. 2, 27. Vgl, Dilimiiler S, 20Ü, 



J 



Die Schlussstrophe scheint auf die Gegner Heinrichs anzuspielen: sie 
Iiaben kein Recht gehabt, mehr zu verlangen, als ihnen zugestanden ist. 
Von den in Erwägung gezogenen Einzelheiten passen zwei, das 
Erseheinen eines zweiten Heinrich und die Anspielung auf die Be- 
tehuung mit Aglei, allein auf die Augshurger Zusammenkunft v. J. !)52, 
während alle übrigen sieh ungezwungen auf sie deuten lassen. Der 
Dichter gehört natürlich zur Partei Otto's und Heiuiich's. Das» ein 
Sänger der Gegenpartei anders über Heinrich'« Reditsainn geurteilt 
hätte, kann man zugeben. Der Herzog Ernst zeigt in der That, wie 
Ludwig Uhland und Dümniler dargelegt haben, dass in lieu Gesängen 
der Fahrenden das Andenken Heinrichs, des bösen Oheims, wenig 
rülimlich war. Und nicht besser waren dii; Geistlichen auf ihn zu 
sprechen, seihst in seiner Heimat, in Quedlinburg, ging bei ihnen noch 
lange nach seinem Tode das Gerücht, dass über ihn, den am Grün- 
donnerstage wider göttliches Gebot gezeugten, der Teufel Gewalt ge- 
habt habe. 

Auch die Entstehiingszeit des Liedes wird sich hestiinmen lassen. 
Es fällt zunächst in das Auge, das« der Hörer nicht erfährt, wo und 
wann die berichteten Vorgänge sich begeben haben. Der Dichter 
setzt also voraus, dass der Hiirer an nichts anderes, als den Reichstag 
von Augsburg denken kann, er setzt sogar voraus, dass der Hörer 
über die Vorgänge auf demselben vollständig unterrichtet ist, denn 
er ergeht sich im Wesentlichen nur in Andetitnngen. Bedenkt man 
ferner, dass auf keine einzige Begebenheit aus dem ereignisvolien 
dem Reichstage von Augsburg folgenden Jahre angespielt wird, dass 
ferner schon nach der Osterfei er Otto's und noch mehr nach dem' 
Frit'zlarer Reichstage' das Intei-esse au den Augsburger Vorgängen in 
den Hintergrund gedrängt und nach dor Frankfurter Zusammenkunft 
im Dezember nö2 dem Hürfr die Bezii-iniufj •.ml' ilic Aui^sbiirgfr Tage 
nicht mehr sofort gegenwärtig sein kmiMti', sn kmiLriit mi;iii zu dem 
notwendigen Schluss, dass das Lied nucli tiiitci- ileiti frischen Mirulruck 
des geschilderten i. .1. ÜTi'i gi'dichtet sein niuss. Wenn Otto in der- 
una erhaltenen, erst im IL Jabrh. angefertigten Abschrift zweimal 
Kaiser genannt wL'd, obwohl er diesen Titel erst seit 962 führt, aO 
liabei] wir liier den auch sonst vorkommenden Fall, dass spätere Äb- 
sehreiber den Kaisertitel anauhroniatiscb nachträglich eingefügt haben. 



Die Frage nach der Person ih 
Entscheidung, in welcher Mund;i]l 
ist. Dass die Mundart, in wel.liii 
die urs]iningli('lie sein kann. \\v\\i 
welche, wie licieifs Müllnihnir ;iii 
der um die gleiriie Zeit suiist -eh 
steht. Diese Uiigciiauigkeit aus de 
niseher und deutscber Wörter zn e; 



s Verfassers ist abhängig von der 
das (leilielit ursprünglich verfasst 
ilas (leilielit überliefert ist, nicht 
ist ilie liigcnaiiigkeit der Heime, 

;.' ik( hat, iiu Wiilerspruch mit 

• u eireir'hleii itelnlieit des Keimes 
■ Sebwierif^kcit der Bindung latei- 
■kliircn, geht uicht wohl 



HU, wie I 



das Beii^piet späterer latfinisch - deutscher Dichtungen zeigt, deren 
Reiiiif! allpii AnfordeninEeii t'utspi'pchen. Setzt man die mitteldeutschen 
Fnmien der handstihrifllitlieii Ülierliefemng in altsächsische um, wie 
sie der Laiitentwickhing fiitsiiiet'hen, welche die urkundlichen Orts- 
namen Niederdeutscldands im 10. Jahrh. aufweisen, s'o wird man ent- 
weder reine Reime oder doch Bindungen erhalten, welche in nieder- 
deutscher Mundart fiir erlauht gelten müssen. Die Vs. 23 und 45 
vorkummendf Bindung der Iiaute k und t entspriclit vollständig dei- 
von Walther im Niederdeutschen Jahrliuche für 187!) ausgesinochenen 
Beobachtung, dass man im Niederdeutschen, sobald man sich Reim- 
freiheiten gestattet- einerseits die stimmhaften Mitlauter verschie- 
dener Artikulation, anderseits die stimmlosen untereinander reimt, 
dass man dagegen, anders wie im Hochdeutschen, das Reimen von 
stiinnihal'ten mit »timmliisen dersidhcn Artikulation vermeidet. 

Der Dichter ist also ein Sachse gewesen und zwar, da er Latein 
versteht und er den Anfang des Gedichtes einem lateinischen Hymnus 
nachgebildet hat, ein Kleriker. Nun erfahren wir durch das Synodal- 
lirotoknll gan7. genau, welche Bischöfe in Augsburg anwesend waren. 
Darunter lielindet sich kein einziger aus Sachsen. Der Dichter kann 
alao nur im Giif(dge Otto"« nach Augsburg gekommen sein und muss 
es mit ihm Mitte August wieder verlassen haben. Da nun Otto nach 
Ausweis der Urkunden bereits am '.). Se[itember in seinem von Quedlin- 
burg wenig entfernten Jagdschloas Bodfeld und mindestens bis Knde 
Oktober in biesiger (regend weilte, so steht sein und seines Gefolges 
kürzerer oder längerer Aufenthalt auch in Quedlinburg kurz nach 
dem Reichstage von Augsburg fest. I'nd hier in Quedlinburg ist 
sicher dem Dichter des Heinrichsliedes die Kenntnis aller Verhältnisse 
und das persönliche Interesse an dem Ruhme des gefeierten Baiem- 
herüogs entgegengebracht worden, ohne welche seine kleine Dichtung 
nicht auf Anklang rechneu durfte. Hier in Quedlinburg lebte die 
Frau, der zu Liebe das Gedicht vielleicht verfasst sein mag*), die 
Königin Miihthilde, deren Lieblinge jene ambo aequivoci bekanntlich 
gewesen sind, und in den edlen Frauen des Stiftes, welche dem 
h. Servatius dienten, fanden sich des Sanges und des I^teins genügend 
bündige Sängerinnen, welche die Konigin mit der gern gehörten \Veise 
erfreaen konnten. 

Nachwort. Hei der dem Vortrage sieh iiiiscliliessenden Dis- 
cassion in Quedtinliurg hat die Annahme, dass das Gedicht de Ueinrico 

*) DiinB dsH Gedicht 'oliiic Zweifel iu die Umgebuntt des Kaisers «der eines 
MitKliedes spini-r Kamilie gehrirt', liemerkt Siiherer, Denkni. S. 327. Auwcseiid waren 
in Aii|i7<l>iirj[ Ottn's Bnider «rtiu, »ein Rnlm Wilhelm m und sein Verwandter Liiidolf. 
Wenn eini'r diener drei Kleriker Verfasser des fledichtes wire, sn würde die in 
einer hijtisi'hen IiiuhtunK immerhin aulISlIige Anrede Ottn's 'unss kimin)^ godo' iu 
anderem Lit'lil'- enrlieineii. Die >i. 75 gegebene Überaetzung 'edler Kr)nig' luf^ 
iniar der mitte liiiederdf>uti«ehe Siinu'hgebrauch (vgl. guderhande 'von edler Ahknnft') 
nahe, der des Heliand spricbt dagegen fltr die Übersetzung 'guter, giltiger Küni^'. 



L 




S6 

noch im Julirt- 952 vcrf'as»t sui, nicht dieselbe ZuistiminuDg gefunden, 
wid seiue Deutung auf den AugBlnirgtr Itt'ii.liat!if!*). .Teue Duticrung 
hat zur Voraussetaiuiig, das« Otto ur™tniiiit,']iil] ktining geuaniit war 
und erst später in einer ivmU ülto's Kiiisiirkriinoug iLn);t>fertigt«n 
Abschrift das Wort keisar eingfsiitzl ist, IScsutiilers wuixle hiergegen 
geltend gemacht, duss man im Mittehilter im Gehraudi des kaiser- 
lichen Titels sehr peinlich gewesen und es unerhört sei, dass ehi 
mittelalterlicher Schreiber deiiselhon willkürlich eingesetzt habe. 

Diese Päiidiuhkeit mag in den Kanzleien uml hei Erneuerungen 
von Diplomen gewaltet haben. Dass die Ciipisti'Ti anderer Schrift- 
stücke hin und wieder sich die Freiheit nahnicii, nach eigenem Er- 
messen den Titel uinzasetxen oder xii Ündern, scheinen folgende IStellfn 
zu beweificn: 

Aun. llildesli. (MG. SS. 3, 4li) Ann. Quedl. 

b45 Uor, aniii) monachi de HeroUes- Ö45 Hoc uiidci imiiiai-tii do Horolfes- 

felde cum Otgario recoociliati suiit, et felde rum Otkurio c]iisfop.i reennciliati 
codeni aunu Liidowiciis imperator sunt Bt eodem x ' ' ' 



ad idcm monastcriiim veiiit in II, Kai, 
NoTembris, at privilcgia et munitatcs 
luuuachis donavit ot sigilla muuivit. 



idem monasteriiira venil II, Tal. Novenihris, 
et )iriviteftia et iniiDiiiiitateR nioDachi« 
donavit ot aao aigilhi muuivit. 
(ilj. 3, bl) Aun. I.suibeni. 

ui Iiudo- H14!) Amoldus Imperator oliüt cui 

Ludnwicufl tili HR (>ius succeasit. 
(ib. 3, 178) Tod. ;i, 

Conradug 1038 (.'hiionrndiiH i m p e r 

UeueveDtum in inBuse Juiiin. 






Ann. Weiss eub. 
099 .-Vi'Uüldu« r e X obiit i 

Ann. Benev. 
1038 Meuse .liiuio venit 
rei in Beiiuveutiim. 

Des);!. |ib. 3, IKt) lieHgl. 

1061 Heinricu« imperator itenim lOMI Iterum Heiiiriciis res venit 

Roinam venit. Rnmam. 

Thietmar VII. 1. (ib, 3, 030) Cod. •!. 

Et tunc ab eodem unctioaeni (als Et tunc ab eodem iuuoctiunein rega- 

Kaiaer) et coronam cinn contertali eua lern et curoiiam t-uni cumectaü sua 
suscepit. siiBvepit. 

Zu guter letzt noch ein Beleg, welcher schon allein ferneren 
Einwand unmi>glicU macht. Im Cal. Mers. (s. S. 'M) f.) heisst es unter - 
dem 15. Mai GisUhertus fraler reginae Chuniyundae obiit. Gisilbert 
ist lÜÜ-l (Hirsch, Heinrich II. Bd. 1, 30H) gestorben. Verbessernd 
ist, offenbar nach der Kaiser krünung Heinrichs II. i. J., 1014, dem 
Worte rri/inae übergeschrieben : imperatricis. 



*) VrI. Korrespondenxbiatt f. tid. S| 
erxcbeiueadcn Artikel Otto I., Alh 
WJ bciMt: 'Wie gewaltig dii', M'II 
. dos nniilci'>! mul der juuB«'!' I*"i 



I l'riif. KrcRslau's 

I der f.luiist der 
< 111.^2) einnahm, 
spät. ■ 



1 < li-^iirachc abgefassten (.iedicht deutlich erkennen, das 

< hl nur die Vorgänge von Augsl>iirg beengen hat.' — Oegeu 

IUI V i'nuutung, da» (Sedicbt sei 'eiuJKc Jabmchnte' nacb 96:1 

ipii \ s. 18. I'cnn dann Otto noch lebti-, darf man, wie Schercr 

i deii Woi-ten 'tlier iiusar kalsar giiudn' scliliessen. 



Wenn in liistons^lien AufüeicIinuDgen derartige Willkiiiliplikoiten 
begegnen, so wird nmii sie auch bei einer tiötiachen Dii-htung für 
möglii-h halten dürfen, um so eher, als dem einer etwatt späteren Zeit 
angehörenden und vielleicht Kugar aus dem (ledächtnis das Lied uuf- 
Keiehnenden Schreiber die Bezeichnung Ottu's als Kaiser — lenkten 
doch drei 'Kjiisrr Otto" hintereinander die treschicke Deutttclilands — 
unwillkiii-licli in dir Feder Hiensen konnte. 

Zu dirsi r Aiinaliirie drängt anuh folgender Umstand. Während 
IHto in dcT lliiiidstliiift V». 10 12 lü Kaiser genannt wird, heisst er 
Vs. U 'kiiniglieher Bruder'. Diesen Ansdniek kann man, je naehdem 
man die Stelle deutet, auf Otto oder auf st-inen Bruder, den Herzog 
Heimich, he^iehen. Otto ist selbstverständlich nicht in demselben 
Atem von dem Dichter erst als Kaiser und dann als König bezeichnet 
worden. Aber auch Heinrieh hätte in einer hiltiH<.:hen Dichtung, in 
welcher Ottfi Kaiser genannt wtirde, nicht als 'königlicher', sondern 
als 'kaiserlicher' Bruder mit Hemsellion Recht bezeichnet werden müssen, 
nüt welchem scinr TnriitiT. dji' Alilissin tJerberg, von Hrotsuith in 
der Vorvede zu ilnvn l.c-rnd.n |r,l. Itarack ji. S) nicht königliche, 
sondern kaiserliiiic Nirlitr (iwiicrkilis neptis) genannt wird. 

ich nehme (ielegenbeit, auch auf einige andere Stellen des Ge- 
dichtes, die in Quedlinburg discutirt wurden, hier einzugehen. 

V. 4 wurde vorgesehtagen tu cösav statt it cosan zu bessern. 
DasB is (vgl. zu Ö2) die Bedeutung 'dadurch, deshalb' schon im Alt- 
säehsiscbeii hat, zeigen die von Hevno s. v. im Glossar zum Heliand 
verzeichnetrn S«-!!-ii. 

s. Wa- V) :\-'\o\\\\\n.\ heimrode soll, wurde behauptet, erweisen, 
dasK Hniiruh lni.-ii, Tiicht mehr am Leben gewesen sei, als das Lied 
gedichtet Hiinlr, \ im anderer Seite wnrde, nnd mit Recht, darin die 
Beziehung auf eine bestimmte Handlung Heinricb's getiiniltn. Gemeint 
iat der siegreiche Feldzug Heinriih's gegen die Ungai-n, welche Baiern 
80 oft gefährdet hatten. Vgl. Ann, Quedl, ad a. !t50 Bellum maqnum 
factum est inter Bamros et Ungaron. Lambert! Ann. ad 950 Factum 
est magnum proelittm intcr Baioartos et Ungarios. (Dümmler S. 181 f., 
541. Winter S. .'i-i ff.) Auch Hrotsuith, Gesta Oddonis 451 ff., rühmt 
Heinrichs Kämpfe gegen die Ungarn un<l sagt von ihm: Hishomitium 
motuiris hellis obstans iteratis. Ad noa pergendi calles secluserat omnes. 

9. Gegen die Deutung, dass Otto's Bruder, der damalige Erzkaplan 
and spätere Erzbischuf Brun, dem Kaiser die Meldung von Heinrich's 
Nahen übermittele, wurde eingewendet, dass dieser schwerlich bloss 
ÄÜt dem Ausdrucke 'uuntius' bezeichnet wäre. Dagegen ist zu be- 
merken, dass der Dichter augenscheinlich einen poetischen Bericht 
seinen Hörern bereits ui allen Einzelheiten bekannter Vorgänge giebt, 
er also nur annudentcn nötig hat. Das Wort 'nnntius' hatte im MitteU 
alter nichts herabsetzendes, und der päpstliche Nuntius wird schon in 
alter Zeit sii genannt, /.. 11. Thietmar V c. 26: (Tagino) cotisecratus est 
praesente rege ac Romano nuticio omnibus coepiscopis ad liaec faventibus. 





14. liachmaun und Miillenhoff, die von der Voraussetzunt; aus- 
gingen, daas Heiiiricli der königliche limder sei, hiiben eino dieser 
Deutung entapreohende Besserimg der hsl. Lesart hruotker hera kunig- 
lieh nicht ohne sehr starke Änderungen ku tindeu vi-rmocht. Jener 
sagt 'für hera sollte man (Am erwarten', dieser dachte an bruother 
hera htmü thi, eine Vermutung, welche der Reinibiiidung mit Heinrich 
keine Rechnung tragt. Die Stelle erhält sofort vollen Sinn, wenn 
man annimmt, dass der angelsächsische Schreiber einen eiuzigen, iifter 
von ihm verlesenen Buchstaben*), nämlich ein o als e auch hier ver- 
lesen hat — wenn man also hera in hora bessert. Dasa diese Form 
(= as. hori 'höre') in der hessischen**) Mundart desjenigen Hofgeist- 
lichen, welcher die altsächsiscben Worte des Liedes in das mittel- 
deutsche umschrieben hat, möglich war, aeigt folgende Stelle aus dem 
Pariser Fragment eines Psalmenkommentars***): Gehöret himile ich 
der sprechen; gehora eräa wort mutides mines (Deuter. 21. 1). 

Eingewendet wurde, dass die WortstelUing geündert werden müsse. 
Ich habe die Umstellung ku köri brother kuningliA nicht tiir notwendig 
erachtet, weil der Dichter, wie der Anfang des Liedes zeigt, künst- 
liche Wortsttdluugen liebt und in der altsächsiscben Dichtung viel 
kühnere Wortstellungen als die vs. 14 bandschriftlicJi überlieferte 
möglich waren. Ich verweise auf Heliand 58!): so i^uadh he, that 
ostatia en sholdi skinan himiltungal hicit und diu zahlreichen von 



Peters, Der Satuba 



'slflltcii Bcis]iie]e. 
das bsl. fore in 



ielbst ihm 



[ni reicht. 



i lleliai 
lit Wa>'k,.'niat;cl uinl Miillrubn 
fare ändert — imtwendif; i>t dir .Vinlcrnjn; diiirii. 
ZU übersetzen luiben ■Itedi', was ilciiier würdig i 
entgegen!' 

'il. Dass Ütto in feierlicher Bewitikommnuiig dii- Hau<l 
war eine ganz besondere Auszeichnung, vgl. Waitz U, 141). 

43. 44. 'Da stand der ganze Reielistag dem festen (d. h. nicht 
nachgebenden) Heinnch nach' (an Einfluss oder Ansehen bei dem 
Könige). Vgl. Ovid Her. 4, IKl nof/ilttas sttb amore iacct. Metam. 
8, 750 tanto silva sub hac, Silva qmttito fuit hertHX stA omni. — Iit 
Quedlinburg wurde die Ül)ersetzung 'Da stand der ganze Reichstag 
unter Heinrich's EinÜusse' befürwortet. 

Was schliesslich die Frage betritl't, ob man ihema, theru usw. 



^m g hn I I t h 

t tt doc t 

) \ f dl M dart d 




otkr Ihem, tkero, um odpr uns«, mikkftun inler mOcüuti in dem as. 
Texte herKuatelleu hat, so lässt sich nidits skiliuips ausmachen. Dass, 
wozu Reim und ostfälisehe Mundart nötigen, in den Dativen -un aus 
lißl. -Ott hergCHtellt ist, nötigt uicht, auch Iherti usw. au/unehmen. 
Ea lässt sich dieses an den deulHrlien Namen bei Tliietmar 7,eigen, 
der hierdurch von Widukind abweicht. Beide iiieteu jene Dative auf 
-Mii, die starken femin. Dative gehen dagegen bei diesem auf -u, bei 
jenem auf -o aus. 



Thietmar von Merseburg, 

die Merseburger Glossen und das 

Merseburger Totenbueh. 



In einer Mcrsclmr-rcr HaridM'hrin des 10. .11,, tindct sich eine 
kleine Aiizitld viin drei Kleiehneitif^cn Hiindi'ii ih-iu luteiriiselien Texte 
bcigetiigter niederdeutscher (ilnsMen. Dii'wellien /,ei:_'eii. wie Heyne 
Daiihwies, in ihren Laut ve rhu itnisseu derürli^'e ('iierciiistitiimungen mit 
den di-ntsehen Nanieiisi'iirMien in Thiotmars Chrcmik, das« niiin in 
beiden die Mun<lart ilcss.iben Ortew, miidi Heyne die des Kloster« 
Wiilheck an der Aili'i'. erkennen müsse. Walthcr**) bemerkUs ilans 
dieae Mund:irt dem Fiiesisciieii viel näher stand, als das AltsäehßiHche 
der übrigen Deukuiüler, und erkblrte diese nufTallige Erscheinung 
dureh die Annahme eiin-r altsachnischeu V(ilkssj)rache, welche — ab- 
stehend von der dmeh das Fränkische beeinHussten Litleratursjinwhe 
de» Heliand — die alten ÜbcreiiistinniiiLncen mit dem Krieniseheu 



treuer bewahrt habe, 
der )Ti den Merseburger UV 
Rieh dann 0. Itrenier***). ii 
keiten, welche v<.ni Altsiicl 
einNtimmun<! mit der S|)i'ii<'l 
trüliere Mittelalter iFiit lliH'i 
schliesseii nmss, nucliwies ni 
I^owandening vim Nurdalb 
erklärte. Diese nordalbiri] 
seien Angeln gewesen, mit 



7. besnii.leres VenlieM-t um die Kik.-nntms 

.seil sich urte.il.iirelldeii Muiiikirt crWrtrb 

lern er in den (rliiTtst'n die KigentUinlich- 

sisi'lii'ti aliwcieben, darlegte, ihre Über- 

:■ der Niiriialliiii^ier, wie man sie flir das 

des Allenfilisclien und Alt friesischen er- 

d diese tlhereinstimniung dureh eine »Ite 

irn nach dem nord thüringischen (iehiete 

len F.inwauderer, führt er weiter aus, 

hren Hosten hätt<'n sich liik-Ii nach der 



mg( 



•) Ileraiiag. tuletzt viiu itexxcnbnrKcr, Zs. i'. il. I'liil. Ci, aUl IT. ucid von ]li:yi[{ 
ire an. Denkmälor, 2. Aufl., S. 95 IT. ; vgl. Vorrede XIV f. 
**) Huin. Gc8chkht»bl. i, 114. 
••) Psul-Bratme, Beitrage 1), 57'J ff. 






90 



siilien Erütteruug Nordtliüriiigens ypiiieti 
Spratitie erhulten und fanden »icii in den Glossen wieder, 

Bremers Folgerungen scheinen zwingend, und nur insofern, als 
er die iiordiilbiiif^iHclien Einwiniderar für AugL'ln erklärt, liffindet er 
siili im Irrtum, und mit ilim diejüiiigen, wek-iu- begonnen haben, von 
einer 'angliscben Mundart' in Nordthürin^en nu sprei'hen. 

Wäre Uremer's Annalmie auHi in diiMM' liezielmnn rii^htig, so 
würde sich fiir die (iesehiebte der deutsi'hcn S|n\'iihe eine aulTallende 
Thiitwaehc ergeben. Jene Angeln in Nurdtliüringen, auf die sii:b 
Urenier bezieht und die nimh seiner Aimieht auH dem noi-dalbingischun 
Angeln eingewundert sein sollen, kennt bereits l'tideniaeuB in ihren 
linkMeliiisrbeu Sitzen. Ihre Einwimderung aus Schleswig müssto also 
sehon vor der Zeit seiner (tcwiüirsmaniicr |s. olien S. 41), also späte- 



und Allel 



. L;< 



In diese frühe Zeit 
bsisclii'ii, durch welche sieh 
lli-^i'lie übereinstimmend mit 
uiili'isi liridcu, iLinaul'itnchen. 
rli'Mlu'ili'M M>\veil /uriickgelien, 
er S|iraflic i\vv Westgermanen 
MiLixliirten erst in und nach 
dicMT /eil eintivteiiden und 
t;iiidi-s SU stftrk waren, dass 
i.'.ie /iirüektniten. Ein lehr- 
irig(di;i]'iien. Kei dem in der 
L Teile des Volkes gellt die 
■ (.der lileilit iliiu virliiielir gleieh. während 
li'ii ii;irli diT Vulkenvaiidenmg in mund- 
;ibei. un.l li^iirn, n^iiier flehen. ;,ls ihren 
>i'ü. Uass die niirdlhüriugisehen Angeln, 
kiil verloren hatten, mit grosserer Zähig- 
:i-\M;hen Stämme Mitteldeutschlands j«ien 
II. kann nnin uielit annehmen, vielmehr 
■iJiidei'heiteii iliicr Mundart sehr schnell 
aufgegeben, der von Angeln bewohnte (;;iii l'!iii;i'liu ü''li"i'te «chon zur 
Zeit der Ottonen zum Gebiete der Ihiiiinni-i-lieti. der liuu Nord- 
thünngen, wo ein grosser Teil der Angeln :iiigesiedclt war, aum Ge- 
biete der siichaiechen Mundart. 

DasM übrigens die Annahme einer alten Kinwanderung von Angeln 
naeli Nordthüringeu jeder historischen Stütüe entitchrt, ist in den 
vorangegangenen Untersuchungen gezeigt worden*). 

Bevor die Mundart, in welcher die Mersehurger Glossen und dÜ 
Namensformeu in Thietmars Chronik geschrieben sind, hestimEst 
werden kann, musis auf ein drittes viele deutsche F.igennamen bieten- 
des Denkmal hingeiviesen weiilen, in welchem sich die gleiche Mund- 
art findet, nämlich auf ilas sogen. Mei-sebui^er Calendarium, oder, 

*) Vgl. S. 23. 



stens zur Zeit von (■hri>ti (1 
mÜHsten also die Ahweirlmugi 
von diesem das AHfriesi-,rli. 
<ler Muii.larl d,-i- ^leiKrl.urK.'r G 
Dass die ^i.iileivti ili;ili>l;tis,li>>ii V 
ist unwiihrseheijdicli, weil die 8]ial 
in untereinander wesentlich alnveii 
der Völkerwanderung begiunt und 
sich verbreitenden Änderungen des 
die etwa vorhandenen kleinen l'i 
reiches Beispiel bietet die Spraelii' der 
alten Heimat im Bardengau vcrlilieli.' 
Sprache ins Altsiulisisrbe inif oder lile 
die narli Itall.'ii aus-rwaud.Tl.'ii narli 
artlieher l!e/i.'[iuii- -U-u Srliwabei. um 
norddeutschen S 
naehdeni sie ihi 
keit als die am 
Einflüsseu widn 
haben sie dit.' 



l!er 



fiil^i'iideii NHiiititi: Ilevetlun ' 

itsis fstiitl IlildiiiKshemensis) 

III. s. ]]: Umilmld IV. 3U; 

ill WiiJukiiulil I. li; Oonncs- 

itbnitjcnsis cIlriimluiiliiirKisth') 



wie pfl Duiiiiiilci nthtiger nennt, das alte Merseburger Totenhucb *). J 
Seine NamLU -.inil viii- und zur Zeit Tliietmars, drei von ilim selbst, 
ciDigti nach seintni Tode eingi'Keii'hnet. 

l-ine bemerkenswerte Kigentiiinlielikeit der Spracbe Tliietmar», 
aut wulLbt tiudi nicht aufinerlcoam );emac1it iHt, besteht dtinn, da»« 
bereits bii ihm Id und nd, wenn sie zwiseheu Vnkalen stehen, ku U 
nud «n w<iden können. i 

In dm niiiniiderdeutML-iien Mnndarteu der (legenwart ist diese 1 
AsHinid ition ^ll^l nieuM' Iti'trcl. Her ulten Spracdie ist sie dagegen »o , 
f^ut wn li md \iii iVülir^li'U srliciiit sie in mehr als vereinzelten | 
Ittir^i iil< LI n II Uli ^littfl- (iiliT Nii'ilei'rliein vornukommeu, weit Bpiiter, ^ 
iin Ij Jaliihiini ft i isi, iiiit -ir in Siedei-saehsen auf. Jahrhunderte 
fnihei als irgtndw(j hnderi wich leicbliche Belege dereelben bei Thietmaj | 
und im Meiseliuiger Tiitenimdie. i 

Bei Thietniar befieRnet sie /. B. 

I, e. (i. IV, 20. V. 38; WUUwshlrm.i 

II. li. III. 7. IV, 27; mUiward II. I I 
Scrlla Cäebülde') VI. 22; Wi<htUn>u i - 
Aeiiii i^taXi Gunäfsheim) IV. h. 3ü; iUtu 
IV, 42; Winnilgcrd (spüter Hnselieinouil duiili den Öehioiber selbst ia i 

Windilgerd g.bessertt II, 2«. J 

Im Tnteiibnche bieten .jene Aseimilatiimen die Namen: Hillidte§ \ 
Apr. 2B; Hdligcr Mai 2; UiUigad Okt. 3; Hilllumrd Apr. Iti u. ft.; ] 
WinnilstUh Sept. ISt (vgl. Wiiidilaumth Trad. l'«.rb. 13!!). 

Andere nuindartlitlie Kigentiüidiehkeiten, in denen Tliietmar und ' 
das Totenbui-li /.iisammentreflen, sind, iini mir einige zu nennen: 
on sUtt fi» in Smm'hild Nov. 2(i ; Thondmrg Dee. 25; Thmiflef U) 
Mai^!'; Tfionritrd \\\\:,. l.'i. Her let/.t f^cnannte Name würde gemein- 
Kächsisch Thanhhtird Ijuitcii, jene Form iisf also KUgleieh ein Beleg 
für den Abfall des die Silbe anlautenden h (vgl. Walterd. statt Walt- , 
hard. Thietmar III, S; Vitllerd. slAtt Vulhard ih. Ml, 5: EinmWIV,ll), | 
ebenso wie Berktüd Juni 3U. Aug. 24; Emtiild Apr. 13 u, it.; Heiniid | 
Apr. 13 u- a. Ferner c statt a in ÄHkeldeg Sept. U; Gerdeg JuH 7; | 
BiUidreg Apr. 2H usw. 

Von Belang tür die lokale Bestimmung der Mundart ist die 
Kenntnis des Ortes, an welelicm ÜlosHen und Namen niedergesebrioben 
sind. Heyne sagt, dass die Merseburger Glossen 'deswegen ein er- 
höhtes Interesse empl'annen, weil wir den Ort ilirer Entstehung mit 
ziemlicher Sicherheit t'eststellen können. Dieser Ort ist das Stift 
Walbeck, im ehemaligen Nord thii ringen üwisehen Brannsehweig und 
Haldcnslebeii gelegen.' Er vermutet, dass die Glosseidiondsebrift zu 
dem Bachern gehört habe, die Tbietmar von Walbeck, wo er Probst 
gewesen war, naeh Morseburg gebracht habe, und setzt voraus, dasS 

*) (ienrnte Ahdrürkc ucticn IlcxsB iu Hüfcrx Zcitxclir. Tür Ari'hivkiinde [, 
IUI — 150 1111(1 lirimmlcr iu dm Neuen MittheüunKen d. thür.-ititrlL'i. VeiciiiK M. XI. 
Vgl. uufli U. Wilnmiis, -\n-liiv f. all. dtscb. (iescliidilakunde XI, 1 U ff. 




k 



Thietmai's mit den Gloatieti woHentlifh ülioreinstiniinendc Mundart die 
von jenem Waibet^k sei. 

Thietmar ist, wie ans seinen eigenen Angaben hervorgeht, 975 
oder !»70 geboren und von seiner Tante Emnild, einer Nichte der 
Königin Mahthild, in Quedlinburg erzogen und unterrichtet worden, 
bis er, zwölf Jahre att, nach Magdeburg kam, um in den dnrtigen 
Klöstern als Kleriker ausgebildet zu woni«n. 1002 wurde er Probst 
des Klosters Walbeck an der Aller, 1000 UiRchnf in Mei-seburg, wo 
er in den Jahren 1012 — IM seine Chronik verfasste und lOlit starb. 
Das von mehreren Schreibern hergestellte und von ihm eigenhändig 
eorrigierte Originalmanuscript*) ist noch heute erhalten und befindet 
sich im Besitze der Kimigtii-hen Bililinthek in Dresden, Ausser in 
Quedlinburg, Magdeburg, Walbeck und Merseburg hat er lifter längeren 
oder kürzeren Aufenthalt auf den liütern seiner Familie genommen, 
nämlich in Retnierslehen bei Magdeburg, in Heslingen bei Zcven (also 
im Gebiete des chaukisch - friesischen Zetacismus) und in Eisdorf bei 
Merseburg. 

Mit diesen Daten lüsst sich weder die Wahrscheinlichkeit be- 
gründen, dass Thictmars Namen gerade die tügentümlichkeiten der 
ehemaligen Mundart in Walbeck aufweisen, noch der Gegenbeweis 
fuhren. Andere (iründe führt Heyne für seine Bestimmung der Mundart 
Thietmars nicht an, man wird aber niiiht fehl gehen, wenn man an- 
nimmt, das« derselbe die früher ziemlich allgemein verbreitete Ansit-ht 
geteilt hat, dass Merseburg nie dem niederdeutschen Sprachgebiete 
angehört habu, also auch nicht in lU-tracht komme. Dieser Grund 
fallt fort, nachdem Trnii]H'M'i ihiv;jrlci;t hat, dass Merseburg und über- 
haupt das (iel>i<'t lii-. zur rii-liiii in'.li im 14. -Mi. niederdeutsch war. 

Die Frage, wrlrluT Miiini^iii iln' (jlnssen uud Namen angehören, 
wird noch nicht dadurcli /.u l.iuijstcn Merseburgs entsi^hieden, dass 
Thietmars Clironik naehweislicli in dieser Stadt geschrieben ist, deun 
man kann einwenden, dass die Merseburger Sclu-eiber die Namen^ 
nicht nach ihrer eigenen Aussprache derselben, sondern nach Thietmars 
Concepten niedergesohrieben haben. Der Bemfung auf die Glossen- 
handschnft kann man, wie bereits bemerkt ist, die Vermutung ent- 
gegenstellen, dass sie aus Walheek nach Merseburg gekommen sein 
könne. Es ist flesliiilb wichtig, dass wir in di'in Totcnlmche eine 
dritte Merseburgcr Ihiiid-^rbiit't mit iLbi'n'iiistiniJoi'odi'ri niiiiiihirtlichen 
Formen besitzen, und (hiss, «.■im ir):iii :iiicli bii'r dir Wrniiitnrig ihrer 
Herkuuft aus Walboik uagcn wollte, dieselbe eine An/^ibl nachweis- 
lich ei'st nach d. .1. UlUtl, in welchem Thietmar Bischof wurde, also 
von Mei'seburgi sehen Klerikern gemachte Einzeichnungen bietet. Oline 
Autopsie der Handschrift ist die uaehträgliehe Eintragung in das 
Totenbueh freilich nur bei einer kleinen Anzahl Namen festzustellen, 
nändich wo das spütere Todesjahr der genannten Personen bereits 



•) Abgedruckt ist es MO. SS. 3, 7 
*•) Pmil BrauüB, Beiträge VII, 18 



mit Hilfe anderer Quellen ermittelt ist. Hergehören von den Namen, 
welchen mundartliche Merkmale anhaften, folgende; //iZ/ij^erd ( Herzogin 
Hildegard von Sachsen, gest. '^. Okt. 1011); Thicdcg {Bischof von 
Prag, geat. 10. Juni 1017); Liuftierrf (Markgrätin ijiutgard, gest. 
13. Nov. 1012t; Waltherd (Erzbischof von Magdeburg, gest. 12. Aug. 
1012); Liutherd (Priester, gest. 14. April 1018); Womt (gest. 
20. Aug. 1012 oder später). 

Hiernach winl es keinem Bedenken mehr unterliegeu, daBS den 
Merseburger Glossen und den Namen Tliietmars und des Totenbuches 
die Eigentümlichkeiten der ühemaligen Mundart den Hassegaues, dessen 
Hauptort Merseburg ist, anhaften. Diese dem Engrischen und z. T. 
auch dem Ustfälischen (in engerer Bedeutung) fremden Eigentümlich- 
keiten gehörten über nicht dem Hassegau allein au und waren über 
seine Grenzen hinaus in Nordthüringen verbreitet. Hierüber wie über 
das Verbreituiigsgehiet anderer sprachlicher Besonderheiten und ihre 
ethnographische BedeutuTig wird eine besondere Untersuchung Aus- 
kunft zu geben haben. 



S. 15 Zeile 26 fügt hintu Mssalebeu (HalhinHcl Scbw^ 

R. 23 „ 2 Uti Jcetxel statt Jeetüe. 

S. 32 nota Km Glatner utatl (iriit^i-r. 

S. 48 Z. 12. 15 V. II. lies wpstli.-h sititi üstlich. 



^ Acker, Scliätüiing der 46. 

Alboin ß. 

Angeln, Bedf^utuiig de»< Nauieux 23 ; 
Thöringen 2, 21. IK); iti Srhleswi« 9 

AMibilUion 64, 

Augiburger ReichsUg Sl f. ^6. 
, BardeuRau 22. 
~ BeJcbtfonneln, .\lt8ach3i91he 7. 

Berengar 82. 

-biki, -biti 71 f. 

Bnodenburg 54. 

Brun, Knibiscbnf US. Ü7. 

Burgunder 47. 

Cusiodoriufi 53. 
'ChalouBUH 43. 

Cbanides 35. 

tniaiiri 64. 

Claudius Clrtviiis -AH. 

Codouus stniia .16. 

Däneni&rk, Rcwulitier 2H L; 
10. 18 f. 

Dänen 31. 33. 



Register. 



slavinrlion Gi 



OrlsnaineD 




Deutsebe Orts 11 amen i 

biete IQ. 24. 
Dode leben 27. 
IlniaiiB 50. 
Eider aa &7. 
Kinbrjlun); der Fi'n 
Elbe 46. 

Engel in, (>aii r>. UO. 
Engliscbc Ortsnamen 10. 19. 23. 25, 
Erbrecht der Nordscbwaben 30, 
Kufii BT. 

t'lottenfabrt der IMnier zum Kaltegal 41. 
Frank iacb es Aeii^h 5, 

eaeii im UildcHbeiinisi^litu 72 not. 
Friesoiifeld &8. 63. 
Fünen 34; Ortsnamen Iß f. 
Fnnusii 3&. 

Fiiasfall, iJii Mittelalter 80. 
Gudehard Hü, 
Gütalaiid 29, 
Hadersleben 9. 
UadmerBleben 27. 



t Halerau 43. 


Pharodeinai 2S. |^H 




■ Handelso'eg an der Odci' 32. 42. 


Plimu» 36. ^^B 




' HaimoYer 9. 


Prtikop 2'J fi. ^^M 




hard 37. 


Ptolemacus 3<J ff. ^^H 




Harluiigbcrg 34. 


guaden 8. 4^H 




Huz 50 f. 


guedlinburg 27. 78 ff. ^H 




! Hasgegau 6. 58 li'. 74. 9a. 


»aale 46. 50. ^H 




Heinrich 1. von Baiern 7« ff. S7. 


Sbgv« mons 3G. ^^H 




Ileiiirico, De 75 ff. 


Salbke 71. '^^1 




HentiinalHd 4. 56. 

Heniler, Waudening iiai-h Norddeutacli- 


Salleralebeii HT. ^H 




Sauerland 45. ^H 




Und 3 f. 1» f. ; äibie in Schonen und 


Saxo Grauimatii^iis 11. 




Seeland 28 ff. ; im thUringisrhcii Rcirlie 


Scandiuavia :i7. 




53 ff. 


Schlei 38. 




nesMD 6. 5!l. 


Schonen, Ortsnamen 18 f.; Bewohner 




Ilocaioburg Cl ff. 74. 


28 ff 37. 




llohaingOB 60, 


Schwartau 28. 




Hugdietrich 3. 


Seeland, Name 37 f.; Ortsnamen IG f.; 




■inne statt -levtn 22. 27. 


Bowobuer 33. 




KftiBurtitel 80. 


Selon 37. 




Kinlinga 68. 


Semanus 51 not. 




Kölbigk 71. 






Langelam 11. 


dening 2 f. 




Langobarden ö. 29. 48. m. 


Severlingeburg tiü. 


] 


■Ugen 27. 


Sigulonea 4.1. 


i 


Lehn Worte, Mundartliche 05. 


»laveu 5. 


1 


Lex Angliorum 21. 2fl. 


Siiardoues 28. 34. 


j 


li statt Id 91. 


Sueboa 43 f. 40. ^^ 


j 


-lund 37. 


Suionen 23. ^H 


■ 


Mahthild, Küiiigiii 83. 85. 




■ 


Markloh 51. 


Synonyme Ortsnamen 38. ^^H 
Tacitua .13 f. 41 ff. ^H 


■ 


Meklenhurg 44. 46. 


■ 


MeU 3!l. 
MelibocuB 4!t ff. 


Teutoburger Wald 51. 


T 


Theodebcrl M f. 


1 


Merseburg 93. 


Theoderich d. Gr. 53. 


1 


Mcrse burger (Jloitsen Mil ff. 


Thietiuar von Merseburg 8!> ff. 




Meraebiirgcr Totenlm.-h !HI ff. 


Thüriiigisrhes Reich 4. 53 ff. 


BiHDf, muni 66, 


Tiliprins 41. 47 f. 


V 


MjTgingeu 5, 57, 




1 


Heiimark 32, 


Vandali'U m. 




HR aUtt nd Dl. 


Velleiiis Paterculiis 47 f. 




SordBchwaben 8. 6. 57. 73 not. 


Vithonea 34. 




Nordthüriiigeo 1 ff. 


Walbcpk. Kloater 91. 




Nordtfailringgaii 73. 


Wamavi 44. 




Nuitbones 34. 


Warnen a. 19 ff 29 «. 44. 56 ff. 




Oder 47. 


Waniow 44 f. 




Oogliin, SlaviBche 23 not. 


Watancalebrt 14. 


■i 


Uachersleben 27. 


Werinofeld 21. 23. 


1 


Oaniiig 4R. 


Womgau 5. 


i 




Westtrieaische (.'olonicn 72, 


1 


' üutthüringen 1 not. 


Widaidh 1. 57. 


1 


Otto d. lir. 78 ff. 






1 Otto vou Bamberg 47. 


Zctacisriius fiS ff 


A 


PanoKer 3!i. 




•] 


1' BEKLIN. 

L 


W, Seelmann. 


1 




Peder Smed und Arnt Busehman. 

Dos dänische Drama Feder Smed, mit dessen Neudmuk*) ürundtvig die 
Wirksamkeil des Siinifund lil ud'jivdse nf ^aniniel noniisk lUteralur erÖiTnet 
hat, ist eio Fast nach taiiiel der An, wie der einige Jahre frülier, aämlich 1523, 
Ton dem Mindener Humauisteu Budo") verfaaste Claus Bur. Wie das mittel- 
niederdeutsche Spiel füllt die vuu gleichem Geiste beseelte dänische Dichtung 
ein Streitgespräch, das sich niu Biertische Über die antikatholiscben Lehren 
Lnthere entspinnt. 

Die Rede kommt anch auf das Fegefeuer. Peder Smid, der Verfechter 
der refonnaturiflchen Ideen in dem dänischen StQcke, Ittugnet dasselbe nnter Be- 
mfuug auf die heilige Schrift, in der man von demselben nicht« Ande (vgl. Bog, Diüj*). 



Daraur entgegnet ' der Priester, Her Jens, mit der Frage, ob ihm denn das Kxempcl 
des Tanthalus. des Amt Buasmaud und anderer, die er ihm nennen könne, un- 
bekannt sei. 

flaffuer du icke lißrt cUer H]iort 

iiff 'l'anthaluB it Exempel 8t<irt 

lli: ttff Amt Bnssmand, hiiorledis det gick tu, 

ieg vet llere aaadanne upregne vil. 

Peder Smid antwortet, er habe wohl davon geliört, doch seien da« alle» Lligen : 
Jc^ haffuer vel hört der nieget sagd, 
i maatte end beider hatfue tagd. 
Mig tyckur, den, stßrst l^tni künde üude, 
som i niest iicuniuge met lcuu<le vindc etu. 

Amt liuxKmandü Bxempel, auf das sieh Her Jens als anf eine allgemein 
bekannte Sache bernft, kann sich nur auf die Visionen beziehen, welche das 
Jahrbuch VI, 40 Cf. abgedruckte Hirakel Arnt Baschmana erzählt. Wie in den 
Vorbemerkungen zu diesem Abdmcke von mir uacligewieseQ ist, war das Hirakel 
in rorreformatorischer Zeit in deutschen, niederlUndiacben und lateinischen Hand- 
schriften und Drucken überaus Terbreicet und in Deutschland wie den Nieder- 
landen allgemein bekannt. Das dänische Ürama zeigt, dass es auch in Dänemark 
bekannt war, wenn auch unentschieden bleiben mnss, ob der Dichter oder seine 
Landsleute ihre Kenntnis einem Drncke - - eine dänische Übersetzung ist bis 
jetzt nicht nachgewiesen — oder nur dem Hörensagen verdankten. 

Aus der oben mitgeteilten Stelle mflsste man ferner schliessen, dass der 
Natne nnd da« Schicksal des 'TanOinlux vor der Reformatinu in den weitesten 
Kreisen des Volks bekannt gewesen sei, obwohl von ihm, soviel ich weiss, keins 
der religiösen nnd weltlichen Volksbücher des 15, Jahrb. erzBblt. Noch wunder- 
barer ist, dass der mythische Bewohner der heidnischen Unterwelt von einem 
katholischen Priester zum Beweise des christlichen Fegefeuers genannt wird. 

•) Peder Smed. Et dansk rim fra reforniatjousliden {c. I530|. Efler det 
eneste hele tryk fra 1677. Vcd Svend Gnindtvig. Kebenbavn lö«l. S. 
♦♦) Vgl. Woeste, Zs. f. dtseh, Pbilol. 1, 2IJ. 





9« 

fia liegt hier offenbar eine Namen Verwechslung vor. Wer die Thatsache 
erw^t, da«9 die Vision des iriseben Ritters Tnndalns zu den rerbreiteBteu 
Wo nilerge Schi übten des späteren Mittelalters gehörte, dasa ferner*), wenn in der 
Keformationazeit Ärnt Buschmaus Erwähnung geschiebt , fast regelmüssig der 
Name des Tundalus ilaneben genannt wird, dasa schliesslich in zahlreichen Hand- 
schriften und Druckbänden die Mirakel des irischen und des niederrheinischen 
Visionnires sich zusammenfinden — wer diese Thatsaclie erwägt, wird sich der 
Überzeugung nicht verscbliessen kjtnnen, dass in dem Texte des Peder Smed 
Tundalti» (oder Totidalua) ans 'Ihnthnlus za bessern ist. 

Es erklärt sich leicht, wie in den Kopenhagener Druck v. J, 1577, welclier 
altein das 1539 uder lü3Ü verfasste Spiel der späteren Zeit erhalten hat. der 
74ame des Tantalus hineingeraten ist. 

Im 15. .Tahrh. nnd im ersten Viertel des Ifi, ,ffthrh. fand das Mirakel des 
TiiiidaluB in zahllosen Abschriften nnd immer neu erscheinenden i.lrncken eine 
ganü ungemeine Verbreitung. Diese» änderte sich und »war wie mit einem 
Sclilttge durch die Ikfurmation**). Vordem glBnbig gelesen, ward es jetzt als 
ein Buch voll Fabeln nnd Lügen bei Seite geschoben, es verschwand aus dem 
Betriebe der Dnickereien, die mit ihm keinen Absatz mehr erxielten, nnd bald 
auch ans der Erinnerung der neuen, heranwachsenden Oenerationen. Umgekehrt 
begannen diese aus den Ausgaben und Übersetzungen der Dich^r des Altertums, 
welche iu Folge der humanistischen Richtung jener Zeit sich schnell mehrten 
nnd verbreiteten, die griechische Hytbenwelt kennen zu lernen. In Bezug auf 
die hier in Betracht kommenden Nameu fand so ein vollständiger Umschwung 
statt. Während nm 1480 alle Welt wusste. wer Tundalus, ansaer wenigen Ge- 
lehrten niemand, wer Tantalus war, kannte hundert Jahr später fast niemand 
mehr das einst vielgelesene Mirakel des Tundalus, während von Tantalus und 
seinen Strafen viele gebärt und gelesen hatten. Auch der dänische Drucker 
V. il. 1577 geharte zn diesen, nnd er hat seinen Samen für den ihm unbekannten 
des Tundalns in dem goten GUaben eingesetzt, dass er einen Schreibfehler 
berichtige. 

Schliesslich nehme ich noch Gelegenheit, das ilahrbuch VI, 35 If, gegebene 
Verzeichnis der Handschriften und Drucke von Bnschnians Mirakel durch einige 
Nachweise zn ergänzen. 

Handschriften sowohl des deutscheu wie lateioisclien Textes finden sich, wie 
Herr Geh. Arrbivratb Harless mir mitzuteilen die (lilte hatte, auch iu der I^andcs- 
bibliothek in rJüsseldorf. 

Über eine Kogienbagener Hs. berichtet Jellmghang Nd. -lahrbnch VII, 14; 
Tiber die He, des Freih. v, Amswaldt Reifferscbeid ebd. tX, 134. 

Eine ndl. lls. busass früher das Barbarakliister in Helft, vgl. Germania 31, 342. 

Die Kgl. Bibliothek im Haag busitüt eine IIs. (nr, 289) und einen Druck 
(Antwerpen 1500) desselben. Vgl. a. a, (). 

Die Burgundüiclie Bibliothek in Brüssel besitzt drei Ilss. (nr. 1558. 1655. 8Tft5). 

Die llniversitäts-Bibliothek in Breslau besitzt eine Handschrift desselben in 
liochdentsrher Sprache. Vgl. KHckert, Entwuri' der sclilosischeu Mundart (IHTd) S. 1». 



L 



•) Vgl. Nd. Jahrbuch \1, 37 f, 
") Vgl. Weller, Rcpertoriura typograpbienm. Vor 



eelmann. 




»7 



Quetsche, Zv/etsehe. 

Prunus domestiea L..*) 



Die herrliche Pflaunienfrucht der Linn^ischen Prunus domefltica 
ist üherall in DeiitBclJaiid hekaiint; sie und der erzeupende Bnum 
führen in einem gnossen Teile unseres Vaterlandes den Namen 
Quetsche, Zwetsche oder eine Bezeichnung ähnlit-hen Klanges, hoch- 
deutsch wie niederdeutsch. Ängstliche Seelen mögen das Wort nicht 
achreiben, weil sie orthographisch zu straucheln iürchten'), die Wissen- 
schaft hat es zum unerklärlichen Fremd- oder Lehnwort- Gerumpel 
geworfen. tNoi-h Kluge sagt in seinem Etymol. Wb,*): „Zwetsche, 
Quetsche F. e^st nhd., in älterer Zeit Zwetzlein und Zwetschge. Der 
Name scheint von Osten her entlehnt zu' sein (Slav.?)." 

Indessen kommt eine mhd. Form „Quetzig" schon 1449 vor*); 
auch hat sich nocli kein fremdes Wort auftreiben lassfn, das un.sere 
Vorfahren so hätten verdrehen können. Die von Schmeller aus dem 
Cod. genn. der kÜo. Bibliothek zu München Nro. 601 fol. 114 heran- 
gezogenen ,Sebesten", „Sebestenpflaumen" sind schwerlich überhaupt 
Pdaumen je gewesen, obwohl Schmeller und Kehrein, die die Früchte 
nicht kennen, sie daftir halten*). Im MA. ist ja die Übertragung der 
Namen von Pflanzen zu Pflanzen ganz verschiedener Art etwas überaus 
gewöhnliches. Aber die getrockneten Sebesten (Sebestenae) waren 
stets nur medizinische Drogue imd gleichbedeutend mit Jujuben"), 
welche der ostindische von Linne Cordia myxa genannte Baum liefert. 

*) Ursprünglioli r.u einem Vortrag in Quedlinburg in der Vergaminlung des 
niederdeutsi'ben Sprachvereins liestinHot. 

') Ab Jungen wurde mir in Scliarzfeld erzählt, daa .^mt habe die BepHanzung 
der kahlen Abhänge um die „Steinbirehe" mit Zwetacben angeordnet, der Baaer- 
meixter nachher die I'flanzung von Apfelbäumen Bchrifllich gemeldet. Auf den 
masdliühen Vorhalt des AnTtniaimg, er habe Zwetscheii pflanzen sollen, erwiderte 
er: „'t sind och Bwetscbken, aber der dcibol schricwe das." Die Bcrglialdc war 
wirk] ich mit Zwetsi^hen bepflanzt. 

") 3. AuH. StraBsbiirg, Trülraer 1884 S. 391. W. Bleiirh will nur q statt qii 
■direibeii, weil q der gotii. DoppellionH. für kv sei. Vietor Ztgcbr. f. ürtogr. V 
Sro. 9 n. 10 S. 44. 

*) Schilter HI Gloss. tcuton. p. 69i> in einem Speisezettel von der ßischofs- 
irahl 1449 in Strassburg (doch nicht etrassburgiacb) alti 5. Tiericht des '6. Ganges : 
„Quetsig, Pdaumen". Es sind zweierlei Frflrhtc verstanden, nirbt — wie Frisch 
Wb. 11 458" daraus macht, — Pflaumen nur eine Überaetznng von „Quetag". 

*) Kehrein, Volksspr. und Volkssitte im Hzgt. Nassau II, 318. An die Mög- 
lichkeit dachte auch Bchmeller Bayer. Wb. 1. Aufl. IV, 311) {2. Aufl.: U, HW). 
Sachs, Etym. Wb. der franz. Spr., deutsch-fr. T., sagt ohne Quell eufingabe ; „Zwetsche, 
Zwetschge, Zwetschke, prov. Quetsche ^ prtmns acb&slicB. Franz. nur |)runc." 

') l'ritzel und Jessen, die deutschen Vnlksnauien der l'flnn/.en. S, 110. 

HleaaCdauUchM Jifaibncb. XII. 7 



1 



J 



r 



98 

Boguslav Sulek giebt daher das kroatische „Sehesten" auch richtig 
für Sebestena myxa'), 

Ebenso wenig kann „Damasceiia" den Namen gehefert haben'), 
obwohl die pruna damascena oder damasceni im MA. und im Iß. Jahrb. 
fnr Prunus domestira L. vorkommen, aiieh den englischen Namen 
damasyu, dainasce, jetzt damann erzeugt haben. Die entspreclienden 
deutschen Fremdwörter sind mäschen und maschen faus damaschen) 
und das nl. damast"). Dieser Name „Damascener" hat denn auch 
die Behauptung entstehen lassen, die Frucht sei von den Kreuzfahrern 
mitgebracht worden. 

Andere haben den Namen gar von „quetschen (quassare)" als 
leicht quetscbhare Frucht ableiten wollen. So Weiland im Groot 
nederd. taalkund. Woordenboek'), ebenso wie Frischbier") den 
preussischen Namen der Vogelbeere „Quitsehe", weil die Beeren „ge- 
quetscht" würden. Schon 1628 kommt dieselbe Erklärung in Her- 
boni") vor, welche indessen Kehrein wie Rohde (1. v.) mit vollem 
Recht ablehnten. 

Die Slaven kennen den Namen nicht"). Die Polen nennen 
die Fracht tiliwka, die Russen sliba, Kroaten und Slovenen Sliba, 
die Tschechen karlatky und im hannakischen Vulgärausdnick 
kalatken'^). Diesen Namen hat tschechischer Einflnss auch den 



l 



') DeutBch-kroat. Wb. AKram 18ßÜ, ff. 1050. — Dach hält man die von den 
Riimeni auf Sorbua gepfropften myxao für Pflaumen. Flin. nat. liist. IQ, 13, 12. 
Vergl. Vi(-tor Hein . Kultiirpll. und Haust, in ihrem Übergang aus Asien nach 
(Iriechenl. und Italien (I. Ausg.) S. 275 f. Er hält da« xoxitüu.7ilov der Griechen 
für Fr. domeBtiua L. — H. Juuii nomencl., 15ß7 Antv. Plantin., S. 118: „myxa, 
inyxeria .... vulgo Sebesten". 

*) Daran dachte namentlich Scbmcller 1. c, auch Kehreb 1. r. und schon 
Frisch, während Dr. I>. Rohde. Pflamtennamen (Weserztg. 1879 Nro. 11660 Morgen- 
auag. 2D. Juni S. 2, Sp. 3) meint : „Wie Frisch kii der Vermutung kommen könnt« 
... ist mir unerklärlich." Auch Hehn I. c. übernahm die Ableitung von Schmeller. 

») Diefenbairh GIobb. Lat,-fierm, S. 165« und 4(i9i> (nach Nomencl. rer. dom. 
Norimb. 1530). Duinuge v. adamaHchua. M&Ucr, F.tym. engl. Lex. 1, 309. — Nath. 
Chytr. nom. Utino-aaxou. (Lemgo 1590) S. 415. Junii uom. 1567, S. 116: Fruniim 
damaacenum: . . . Quetsche, blaw Spilling, pniyme van damasc. Dagegen Ausgabe 
von 1639: „Zwetskenn damaschk." Die Ausgabe Rosto[:k 1603 S. 479 Pruna dft- 
niascenik „Zwetschen". Alberus dict. Gg. 11^ (nach Vilmar Idiot. 'V. Kurhewen 
S. 309): „Pruna damasceai sind die besten (juotsken". Vergl. Scbmeller 'I, 1680 
('II, 641). Weigand Wb. 11, 1168 f. Kil. Duffl.; „daraaat pruyme". Pritzel und 
Jessen haben den Namen nicht fitr Fr. dnmestica, stellen aber f<. 315 „Mfthtscben" 
und „Mstaclien" aus Siebenbürgen xnr „Krieche, kreke" (Pr. insititia L.). Übrigens 
kannte Columella schon „ damasc i". 

*) Dordrecht 1859 S. 342: „kwets eene hekende pruim, die an den boom 
hangende, door regen cn wind op den grnnd »tortende, door den val ligt gekwetst 
irordt en berst." 

") Preuss. Wb. II, 205 von „quitachen = ijuetschen" t 

"i Pruna quasBata l>6i Z. Rosenbach nach Kehrein I. c. II, S. 31Ö. 

") Hehn 1. c. S. 276. 

") Benutzt ist: Lukaszewaki, Poln.-D. Wb.; Potocki, Rusa.-D. Wb. ; B. Sulek 
1. c. ; Dr. K. Lechner, „Eine tirolisch- bayrische Sprachinsel in M&hren" in Dr. Peter- 
manns Geogr. Mite. 32 (1886), H. 4, S. 'U9— 123. Eine Nachricht meldet, dass die 
Deutschen in Bühnien und Mähren nur „ZwetscliRcn", nicht „Zwetschen", sagen. 



tiroliscli-liayerisclien KoluniHteii in Mähren statt ihrer alten Bezeich- 
nung „Zwetschgen" uder „Quetsihen" aufgedrängt, welche letztere 
sie — in irgend einer l-'orm — schon im 14, Jahrh. mitgebracht 
habet! niüsHen. Umgekehrt haben die Tschechen in Böhmen von den 
dortigen Deutschen den Namen „Schwetscbka" '*), also nach der Form 
„Zwetschge", angenummen : die Schlesier dagegen brauchen nur das 
Wort „Pflaume", obwohl der Anbau der Fnicht dort sehr alt sein muss ''). 

So bleibt nm- übrig die verschiedenen Namensformen der Frucht 
zu vergleichen und dadurch zu dem Versuche zu gelangen, die ur- 
sprüngliche Form im Deutschen selbst zu suchen. Wir tinden dabei 
die Übergänge leicht in bestimmter, gesetzmässiger Lautwandelung; 
müssen aber wegen der später heranzuziehenden Baum- und Pflanzen- 
Namen vorweg hervorheben, tlass von dem hier besprochenen Wort^ 
stamme der Name der Quitte"), so ähnlich er mannigfach klingt, 
völlig fem liegt. 

Von jenen scheinbar höchst mannigfaltigen Formen des Nameus, 
deren Nachweise ich z, T. der Liebenswürdigkeit des Herrn Dr. C. 
Walther in Hamburg verdanke, finden wir nach dem ältest nach- 
gewiesenen „Quetzig" (s. o.J: Quacksker, Quakster, Quatscher und 
(Juackschter in Hildburgbausen, dem Itzgrund, Kohurg'^; Quatsche 
in Jena'*) und Salzungen"); Quätscha in Würzburg und bei Kulila"); 
Quetsch, Quetsche im Wcsterwald*'), Nassau"), Nordthüringen*'), 

Vaa Zwetschenmus ti.dic krude") süll dagegen bei Tschechen und* Hanaken pnwidl 
bciasen, was aher nur .,Mua" bedeutet; polnisch: Zwetfldienintia powidia vliwknwe, 
der Pflaumenhranntwcin }inln. und slavnn. : sUbowic. basniach nach Hehn I. r. 
S. 277 »limvim. 

'*) Nach der Aussprache. Frnmmann Mimda. IV S. Od sirhrejbt wiwefltka ; 
Adelung Wh. 2 S. )7i^5 und danach Kehrcin 1. c. Rsvrcstka: Schmeller, 'IV S. 320 
flswetska, 'S. 1184 Äweatka, Irgendwo fand ich aiirli die Form Nwestki (Druckfehler?). 
Schmeller I.e. dtiert„InterfnirtiiHphiB valent swcsknncii"alsbOliniisch(„liohemi['ant''). 

") Kerd. Cohn im Korrhl. Ges. Anthrnp. etc. XV (1834), Nr. 10. S. 103, 
Zwischen limcnicherbcn von „«ehr altem (Lausitzer) Typus" fand man bei Kreuz- 
barg an der Uxtgren/e Schlesien» eine Menge Kerne Tnn Prunus avium L. und 
Prunus douestica Fi. mit den dreikantigen lernen des wahrscheinlich als Kümer- 
fracht gebauten Polygonum (.'onvolvulus L., des Kletterhuchwei/en». Es ist daraus 
XU schlie«sen, dass die Urneo nicht m das eigentlich prähistorische Alter gehören. 
Ancfa in einem „anscheinend uralten Silo" in Ratihor fand man neben In Oeßissen 
ao^eapeicherten Knochtin (van Pökelfleisch?) Obstreste mit Kernen von Süaskirsche, 
AJilkirsche (Prunus Padus },.), Zwetsche, Schlelien, Apfel und Himbeere. 

'*] Vom grierli. Kudäviov, lat. cydonia, ma. lat. rotanus, coctamus, cotonum, 
quotanum etc. — Deutach : kutina, chutina, chutimbüum, cats, chutin, kiet, kitte, 
käten, qnedam, i(uede, quete etc. Ausser Graflf, Diez, Müller, Sachs, Fick, I.exer 
und Schmeller vergl. Genn. 26 (14) S. 403, 28 (P. Piper); Bayer. Glossar XIV. n. 
XV. Jahrh. in Herrig, Arch. 47 (1871) S. 432. Pritzel und Jessen 1. c. S. 286. 

'n Frommanu MA. II S. 192 und 217. 

'*) Mitt. Dr. K. Nerger's. 

") Frommann 1. c. S. 217. 

") Sartorius, Mundart der Stadt Würuhurg (1862) S. 98. Pritzel u. Jessen l. c. 

") Schmidt, Wcaterwald. Idiot. 1800. S. 154. 

**) Kehrein I. c. Dieselbe Form 1677 in }I. Junii nomencl. und 1691 bei Stieler. 

") M. Schultze, Idiut. der nordthür. MA. 1874. S. 42. (Um Nordhausen, 
nfeld nach ei|{enem Gehür) Ed. Damköhler s. u. 



1 



Henneberg"), durchweg in Hessen"), der Iserloliner Gegend in West- 
falen"), in Harahurg*'), ganz vereinzelt in Mecklenburg*'); mit fran- 
zösischer Aussprache quoeche, quoetche in Lothringen "); wieder 
quetsche in Köln""); vereinzelt kwets in Holland"). Die Diminutiv- 
form mit „kß" hat Quetscbke schon 1691 in Henneberg"), das ist 
auch die altere Göttinger Form**), im Einzelfalle verpflanzt nach Gera**). 
Mit „lein": „Quetzlein" 1545 hei Gudenus erinnert an Soliilters „Qnetzig" 
von 1449"), Auffällig wegen des auftretenden i ist das vereinzelt 
vorkommende, bei ten Doornkaat Koolman nicht verzeichnete ostfrie- 
sische „Quidse" ^= Pflaume bei Cadovius Müller"). Mit T anlautend 
verzeichnet Campe aus Norddeutschland Twetsche") und VA. Dam- 
köhler rät auf ein altes dwetse") vom Harz, das er aber nicht bewies. 
Mit Z lauten an : Zwetsche und Demin. Zwetschke an der Weser *•), 
ebenso ziemlich allgemein bei Campe , Adelung und bei Kramer- 
Moerbeck**) als deutsche Bezeichnung, vermutlich vnm Rhein her. 
„Zwetsche" wird auch aus Mecklenburg angegeben*'). In Süd-Han- 
nover, Grubenhagen und Göttingen heisst die Frucht und der Baum 
heute im Provinz, hd. „Zwetsche", ndd, swetsche, schwetsche, auch 



") Frc 

") Vilmar, Idiot vou Kurlitsseii, fi. mi9; srhnu aus Marbur^er Akten von 
lfi92 und aus Er. Albonis llict. (1540) in der Deraintit.-Forra yiietsdiko, vermutüdi 
aiia dessen Heintat, dem Darmstädtischen. 

") Woeste, Westf. Wb. S. 153, — Im giOssten Teile von Wcatfalen iat das 
Wort unbekannt. Baum und b'niclit heisst dort durcltgangi); prumc, eioxeln plume. 

•') Mit!., von Ilr. C. Walther und Dr. K. Kuppmann. I»aa Wort fehlt bei 
Riffhey, Idiot. Hamb., ebenso bei Schütze, Uolateiuer Wb. 

**) Wb. der mci^kl.-vorpomm. MA. „vin Mi", S. ÜÖ. Kr kommt hüchst ver- 
eimtelt vor, wahrscheinlich meist nur fär die uiogeflibrteii trnrknen Früchte; in 
Itoatock ist es ganz unbekannt, um Teterow wird es ueben dem vorwiegenden 
„plumme" gebraucht. 

") Adelung Wl), II, S. 17Ö5; danach Kehrein. 

») Honig Wb. d. Kölner MA. 1Ö77 S. 131. 

■') Kramer-Moerbeck, Ausg. 4 (1757) nicht im bolluiid. T. loi d.-holl. T.: 
„Zwetsche, Zwetschke een wilde" (d. h. wohl unveredelte) „pruim, kwets.'' AIm 
ein Wildling. Stiirenhurg, Oatfries. Wb. 1857. Aurich. S. 191 v. quidse.. 

■*) Stieler bei Kehrein. Campe Wb. II S. 968. — Pritzol u. Jessen S. 311. 

**) Fehlt bei Scbambaeh ; ist aber — nach eigener Knnde noch aus muner 
Jugendzeit — sicher. 

") Mitt. Dr. Ad. Hofmetater's. 

wj Bei Pritzel u. Jessen S. 314 iat statt „Schilter" irrig „Schlüter" gedruckt 

**) Cudo vi US-Müller, Memoriale linguae Friaicae (1700) herauag. von Kukelfaan. 
Leer. 1875. S. 34. Stürenburg Ostfries. Wb. S. 191. 

") Campe 1. c. II S. 968. 

") „Mundartliches aus Cattenstedt am Harz," Helmstedt. Progr. 1864 
fNro. 031) S. 5. Der Hezenaent H., im Korrbl. ndd. Sprachf. IX S. 79, meint: 
kwctsche, schwetsche „mu88 als Fremdwort gelten". 

") Pritzel und Jessen 1. c. 

•*) 3. Aufl. (1768) S. 382 v. pruim und pruimboom. 

•') Wb. „van Mi" S. 110. Vergl. oben Anm. 28. Das Wb. hat aber diese 
hd. Form unfraglich aus Xathan Ch^'traeus noracnel, Lat. sax, (1590 Lemgo. S. 415. 
1Ü13 Rostock. S. 479) entoommcii ; in beiden Ausgaben bildet die Be;ieichnung erst 
I, fremden Zusaf^. 



101 

im Dem. siliwetscliko*'), tiljütmu um tilado an der Nkid(;rßlbe*'j. DioHe 
ndd. Form gehen auch Uampo und Pi-itzel-Jessoii (1. c] und aucli ȟb 
Vorpommern ist sie (für die tru(.kene Frucht?) hezeugt nehen sthwetzo**). 
152y hiPBa in Liibork und Mecklenburg die troirkue Fruclit swetzke"); 
(las k (g) des Üemiii. hat auch Zwetschger in Franken**), Zwetschge 
neben Zwctschga in Augsburg, auch sonst in Schwaben, ferner noch 
in der Schweiz (Geaner) nnd in Tirol*^). 

Das t der '2. Silbe fehlt der bayrisch - tiroltachen Zwesche"); 
das z des Anlauts der aargauischen Wetschge *'). 

Zuletzt kommen die Formen, wo unter Ausfall des t das demin. 
k (g) der 2. Silbe iu einen p-Laut verschoben ist: Zweschbn in der 
Pfalz"), Zweapen und Zweschp'n in Tirol"), Zwespe (Zwespeusulz ^ 
Zwetscbenmus) im östreichischen und Uayrischen, Zweschpen in 
Bayern**); endlich tzweschpe"). Kin abgeschliffenes bese, bere steckt 
wohl kaum darin. 

Es sind also rein deutsche Gebiete, wu wir diese Namens- 
forraen tindeu, die urs|irüngliclisten sind erhalten im Frankisch-Thtirin- 
giuclien bis nördlich vuni Harz, ferner im ganzen bayrischen Stamm: 
in Bayern, Deutsch-Böhmen, Tirol, Ostreich, dann auf der schwäbischen 
Donau-Hochebene und in Schwaben überhaupt bis in die Schweiz 
hinein. Vom Klsass und Baden liegen keine Nachrichten vor. Vom 
D armstädtisch eu und der Pfalz an läuft das tiebiet wieder einerseits 
bi» Lotbringen, andererseits durch das Mainland und ganz Hessen; 
darauf in zwei immer dünneren Strängen rheinabwärts über Köln bis 
Holland und in Hannover zwischen Weser und Elbe, Hamburg mit- 
nehmend, bis zur See oder doch zur Linie Bremen-Ostemündung. 
Nicht mit Unrecht suchte mau im Hannoverschen den Ursprung des 
Namens in den „Zwetschenländern", ,,Zwetschenr eichen" d. b. in 



") Aus eigner Kcuntnis. Sdiiiinbattb liut seltsamer Weifte das in den Jahren 
1930—1850 allgemein goliraudite Wort nicht ; vemintlich weil er es für hd. hielt. 

") Au« wgener Kerintnis ; so uuch an der Oatc. Daa Bremer Wb. Iiat ebenso 
geltum d«« Wort ni.'ht, aui'li nirht im T. VI. Bremen 186il. Oelrichs, kl. Wh. zur Er- 
lernung der Ilelgolftuder Öpraclie, lB4ß, S, G4 hat „Zwetsrhe" als hd., hclgöl. : „plumm". 

") üihnert, Plattd. WIj. Stralsund 1781 S. 47ö. 

") Halt. Stud. 31 S. 208-210 (aus Barth a. 1010—1620 als I'rogno. also 
trockue Frueht). Rembert Gilshcim, in Lisch' Jahrbb. 3, 61, verordnete „Swetzkeu 
nnd hungarische Päaumon mit ('zugker" gegen die „Englische Schweiassucht". 

") Frommann I. i-. VI, S30. Birlingor, Si-.hwäb.-AiigBli. Wb. 1864 .S. 441. 
Seb. Sailer, Schriften im Schwab. Hiat. 1HI9. S. 14. 

••l Pritzel und Jessen 1. c. 

") SchmeUer 11, 1184 (TV, 310). Kehreiu I. <■. nach l'ater Abrtibam. i'ritzpl 
und Jessen I. c. „Zweschgenb&in". 

") Hunziker, Aarganer Wb. Aargau 1877. 

") Franz von Kobell in flieg. BlÄtter. IBTü Nro. 1703, 

•') Pritzel und Jessen 1. c. Frommann 1. i;. IV S. 6ö. 

•■) Campe Wb. I. c. Kehrein 1. e. St^hmellcr 1. u. Die Form „Zwcsuhp«" 
liesse sich für ein verkürztes „Zwcschpiin)" hatten ; da aber tüchmeller „Zweschpen, 
der und die" bemerkt, so ist in dieser Form bäm nicht enthalten. 

") Pater .\brabam bei Kehieiii l, •■, 





102 

Thüringen"). Sehr vereinzelt tritt das Wort in WeKtt'alen, nocli ver- 
einzelter in Holland auf, ehenso in Mecklenburg und Voriiommem, 
wo der Name im Handel mit Tliüringen und Magdeburg nur mit der 
gedÖiTten Frucht eingeführt zu sein scheint. Sicher ist er nur auf 
diesem Wege nai'h Schweden (als sviskon") und nach Dänemark (als 
svedske") aus dem ndd. gelangt. Der Name gilt also mehr oder 
weniger allgemein beim bayrischen, Bchwäbischen, fränkischen, thürin- 
gisch-hessischen Stamme und von den Sachsen hei üsttalen und Engem. 

Dass alle Formen des Anlauts und Auslauts der ersten (Stamm-) 
Silbe, von denen letzterer z. T. Anlaut der 2. Silbe wurde, auf ein 
ursprüngliches k zurückführen, braucht nach erfolgter tabellansebcr 
Zusammenstellung") nicht erst erwiesen zu werden. Dieses k hat 
sich am reinsten bei Thüringeru, iu Thüringen sitzenden Franken und 
Hessen erlialten. 

Solcher Sibilismus ist bekannt genug, dennoch sei auf einige 
weniger allgemein gekannte Beispiele in ndd. OrtHriiimen hingewiesen. 
Das durch den schniählichen Vertrag in der Welt Mund gekommene 
„Kloster Zeven (Seven)" im Bremischen heisst '.isii kivinan ä, im 
Transscript von 1379 kyvena geschrieben, aber 1141 tichon lautet der 
Name ecivena, dann weishselud anlautend mit cz, tz, tcz, sz, bis es 
zu Zeven und Seven wurde"). Aus Uuigauthorp (974) wird allmählich 
Oitzendorp"); dunkel freilich, wieV Pokeuthorp wird Poitzendorf. 
(8, 0. S. (14—74.) 

Der Name Quidse (oben Anm. 3ti) fiihrt uns aber zu noch drei 
anderen Bäunieo, von denen, um hier nicht die llntersuchung auf da» 
Wort „Weichsel" auszudehnen, die Vogelkirsche (Prunus avium L.J 
nur mit den Namen „Knicke" um Iserlohn, Quitsbeere in Holstein, 
Quisselbeere (nach Nemnich), Twieaelbeere, Tisselkirsche (nach 
Becht), Zwieselbeere*') genannt werden soll, während Wessel-, Weisel-, 
Wiselbeere deutlich zu wiss, wichsela, Weichsel, ahd. wisela gehören. 

") Meistens in gutmütigem Spott über die Kleüiheit. 

») Müller, Schwed.-deutsch. Wb. 2. Leipzig 1808 8. t. 

**) Molbecb, Duisk Ordbog. KjBbeubavn 1833 s. v. 

") Anlaut; qii = kw,(|ii = k(lotluir.), tw, dw{?), iw, tiw, sw(üdd.). t«diw(nnd.), 
Vokale der 1. Silbe: i (a. Anm. 36), e, « und a. 
Auslaut (Anl. der '2. Silbe) : cks, cktili, cket, ksirb, kscht, U,, t;<Bcli, teclig, 
tsL'lij, tsch, U, da (¥), seh (cli, tch lothjir.). f»chp, sohp, sdib. 

•*) V. Hodenberg, Bremer Geschiuhtsqu. III. Zevener Urk,-B. Hans. G.-Bl. 
1873 S. 166. 

**) V. Hammerst^iu , Bardengau ü. 7. Bekannter ist I.uuinki ^= Lenzen. 
Vergl. auch Cbrist, tx und tsi^h aus ktz etc. in Pick, Monatsscbr. f. d. Gescb. West- 
deutschlands VI, S. 81. Auf das umgekehrt abgewandelte Qnehle aus dwehle 
(duabila, Handtui'h, Waschtuch) und dwcü (Lappenbesen) ma(;he kb nur tlrichtig auf- 
merksam, weil A. V. Oibac im Litibl. f. gerra. u. rom. l'hil. 1880 Nro. 7 S. 268 not. 1., 
Quehle aus dem poln. tuwalnia, tnwalia, towalia scheint ableiten r,u wollen. 

") Woeste Westf. Wb. S. 153. — Suhütae. Holst. Idiot. 3, 263. — Pritisel 
und Jessen S. 312 f., wu auch die folgenden Namen. Die Herausgeber leiten diese 
alle, auch „Weichsel", von ijuist = .Vst licr. W^arum aber AstbeereV „QnJasel- 
beere" aucli bei Campe 11, S. 728. Vergl. Schambucb, Götting.-Gnibcnh. Idiut, 
S. 301 lind !)!!, 




103 

Aber auch das [i aus ZwetarUpe käme hier iii den ,,wi8perii" des (Wit- 
tingiwhen und der „Wispelbeere" der Uiiterwcser wieder, wenn hier 
ui(;lit vielleifUt im Göttingiai'hen eine Anlehnung an den andern Numen 
der Frucht: kespem (aus kashere, keraebere) stattgefunden hat. 

Kin „Twisseliaohi"" kommt im Iti. Jahrh. bei Salzhauseu iiu 
LHneburgischen vor, 1803 hiess es „Zwistelbruch"*')- 

Darauf folgt der vielnamige Hollunder «der Flieder, Samhueus 
nigra L. mit den IJe/eichmnigen; Quitschen (Bochst.), Kesken, Quesben, 
Kietneken ((iöttingen), auch pü»seke (Gott,), schetske (Schlesien), 
SchotBchke (Anhalt), ZetBchke (Bechst.), Zwitsche (Heppe). Zum Teil 
kommen diese Namen auch für Samhueus racemosa L, vor"). 

Am allgemeinsten aber und von Nordthüringen und dem Harz 
her über da« ganze plattdeutsche Gebiet (also wesentlich da, 
wo der Zwetschen-Nanie für Pninus domestica L. nicht gilt) bis nach 
Holland hinein und England hinüber, in Ostfriesland, Dithmarschen 
und im deutschen Koloniallandi': Meikb-tihurg, Pommern, West- und 
OstpreuMsen verbreitet, ja scllist naih Livliind mitgenommen sind die 
hierher gchörenilen Namen dei' Viif^i-Ihcrrc , Sorbus aucupuria L. : 
quükböm, ipiäkbee in Ostfriestuiid*'), iiiiiikheam, quickentree (engl.), 
Quekbeere im Bremer Wb., im Bremischen sonst quetse, quetske, 
auch quetsche, um Stade jetKt Quitsche und Quitze ; Queck- und 
Quickheere, Quitschen-, Quitschbeer- und Quictenböm"). In Dith- 
marschen heissen sie Quetschen ■* I ; in Göttingen und Grubenhagen 
Quitsche, Quitschere, Quitzere, Quideer"); in der Altmark der Baum 
quit, die Beeren quitsbäm"); im Lüneburgischen wieder Quitscher ■•), 
ich hiiite aucli „Quitsom" für die Beere; um Nordhausen und in 
NonUhiiriiit;i'Ti Quitschen (falsch erklärt in der 2. Silbe als ,,Quick- 
Ksche"'"). Im Oherharz finden sich ein Quitschenhai, südlich vom 
Brocken um Suhluftwasser, und ein Quitschenherg, am Brockenfelde 
zwischen Ecker und Obbe^"*). Aus Mecklenburg ist Quitschheer be- 
zeugt"), bei Rostock wird auch das einfache „Quitsche" gesagt. 
Schiller und Lühben haben das Wort nicht, in Meckl.-Strelitz kommt 



•') V. liainmerst.ein 1. c S. 295. 

•*) PritKel und Je««eu S, 3B0. 961. Wegcu des h ohne s wage ich <lic fol- 
gende Reihe nicht hierher zu ziehen: Quebeke, Schebirk«, Srhibbicke, Schibicken, 
ichiebke, SL-hipke, tii'.hirbicke, s(^hQbe, nrhClbirJie. — Die (lijttinger Namen bei Scham- 
bach, S. lOü und 161. 

**) StOreiiburg S. Ir48. ten Duoniknat Küolman 1, 426. 

**) Brem. Wli. 'S, 406; die heutigen Formen nach eigenem Gehör. Vergl. 
Campe II, S. 72ö. 

••) K. Müllenboff HIobb. zu KI. firoth's ^uickborn S, 353. 

") Schambach 1115. 

•f) Danneil, AKmÄrk- Wb. S. 167. 

") Frommann V, 61 (aus Fall ers! eben). 

•*) M. Schnitze, Idiot, der Hordthür. Mnndart S. 42. 

'•) 0. V. Bomsdorff SpeziaUiarte vom Harz (Magdeb., Rathke). Vergl. Ztschr. 
des Ilarzvercins XT, 445. 

") U. F. Becker, Bäume u. StriUiche, w. in Meckl. wild wachsen. Hoetock. 
. laoö. S. 102. Wb. „van Mi" S. 68. Quitzer hat auch Nath. Chytraeus. 




M 



') In Vurponimerii htusHt 
) iiinl tnithbiei bringt 
|{< II I iiih PreusMii") 
I Ulli lesstn (b 2b41 
I llittn aus Stol 
|i ]ic( 1 Quitten 
h II vM diest 



1) 



104 

ein ZitbLlieiibiULb und ein Quit?eubrui,b voi ' 

dei Baum QuitsthL") iiui FlbinR ibi ns( " 

ileu-^elben NaniPii ntbui Quitsdul (lui lit 

Qiut beben bäum wnd ui» I l\I u 1 \ \ / u^t " 

Hinnen nuüi (juRkuili ii lui b <■! dit 

berg QuctkcnbinrL iiis (Uli 

Quetbtben tun Art 1,1 u t i tl < i 1 

Bcaibreibung < r^i 1 t >l \\ bl |iif ; i iii li b Hiiiiiuitt bnsnt 

Manbmu.btni b b m Aisimmuib ilUii bi \ uu. u ti.M! Hiume 
uRbt eigenthib mebi aul den nd. i^uixklitil »dei dio i|uiikeiij, beides 
:= Bauniaibule odei dit bekiunte tjueke Qutike Quake (tr)tiL.um 
repens L ^') zuruik/ugcben um endhtb dtn geuiLmsameu Ausgangs- 
punkt BanimUnher beipmcbeucn NaniLU /u hnden Indessfu die Die 
bestrittene Ableitung der Quecke laast einige \(rindeite NameDS 
formen dit^ei PHaniie lebireub erbthemen in DitliniarBthm kuiumt 
, Quitsch ,n, neben iiui,k m \or") mi ÖiätmgisLben l&teinau) an 
der Unterelbe „Quetsch", „Teveken'' und „Zwecken" in Hrhlesien, 
„Wegg" in Unter-Toggenburg (St. Gallen)"*). 

Das sind genau dieselben Übergänge, die wir oben bei Prunus 
doniestii:a verfolgt babon*'|, und »ii gut die Queke (Tritiaini repens) 
auf ahd. quek, mhd. quek und kec, ags. cwie, as. ijuie. ^ vivus, 
lebendig") zuriiekfiihit, so sicher weisen auch alle oben geimmiteu 
Baumnamen auf dieselbi- Wur/el Kurüek. Di« Namen nennen sie als 
„quekende", zählebige und ständig neu sprossende. Es ist nicht erst 
mit Pritnel and Jessen (S. 312) auf „quist = Ast" /.urückzugyheit, 
so dass Quiaselbeere und QuetKclie ein sehr unpassendes „Astbeere" 
wäre. Denn kvista =^ Zweig, Blättorbiiscbet (an. kvistr, alid. questa, 



") P. Kuhnel, Slav, Ürtgnmneii iii Meckl-Strelitz. II. KlurantDcD. S. 25 (wo 
er das ZitBchenbruch zweifelnd vain nlav. Hcitü, Sirhilf, tthlbitet) und S. 27. 
") Dähnert S. 3G9. 

") Suhemionek, Ausdr. und It. K. der Elbingsuheu M.A. 1H81. S. 31. 
") Preuaa. Wh. II, 2üö. 
") Idiotikon der deutschen Spr. in Lief- und EHtland {von lluiiel). Riga 



179B. 



. 185. 



) Kraraer-Mnnrbeok 3. Aufl. S. 238. 

") Ibid. S. »86. QuAksuhoolebeiStflrenbuTKS. 189. Srhanthach Itil. Sturen- 
bürg 188. Mud. Wh. VI, 240 (uach WolO niieke = gramen diuretii-ura. — Schwed.: 
i|uickrot (Qucrkwiiriicl), Engl.: iiuickgraRH und quitsrhgrEiss, In Güttiugen, Lttne- 
burg, Stade, Mpeklenburp lieianen mith alle anderen wurhcmden GrSser qnekfiD 
oder querken; eheuao Tauuuciilus repena L. und uamcntl. Campannla rapunculoides L. 

*■) Müllcnhoff I. c. S. 353. Schütxc III, 25». Das Verb „(|uei:keD" lautet in der 
Soester MA. kviakn. Holthaiisen, in Forsch. V. f. uiedcrd. Siirai'hforsf h. l, S. 18, § 82. 

**) PritJtel und .Tensen I. c. (wu Steinau an die Unterweser versetzt iit). 
„Zweck engras" auch Campe II, 720 v. queck. 

•') Ähnliche im Namen der weissen Barlistelze (Motatilla alba L.); quick- 
stcrt, quipsterl, swirksteert, wipsteert; — ebenso (Jueekfaolder, Wechclter, Wacb- 
holder, Macbholler, .Tachandel. Marhaudei etc. ctu. Junipenis communis l., (Pritsel 
und Jessen 195 — 197); Namen, die r.. T. wieder zu Samhucns nigra, ä. racemOM 
und Vihumum Opulus übertrete». 

") Es sei hier ein seltenes mndd. N. pr. erwähnt: „Winqwyrk". fPralje) 
AltRs und Neues ete. VI S. 2+4 (vom .lalire 1478). 





106 

mhd. queste, koste, kiiMte — (|iiii»t) fiilirt Kick mit ulleji Ableitungen 
selber auf i|ukk, keck = iebcuilig. zurück"). 

Der ältpste Namp dieser Biiiime war also ahd. derselbe wie jenes 
Orases : kwecka, kweeke, au« iliin erwuchsen die Quetschen und Zwetsclicn. 

Ebenso liiessen ags. und as. rißlleicht uneli thüringisch Gras und 
Bäumt.' (juicke, cwice und liesaen die Quitite, Quitsche und die englische 
iinitch entstehen. 

Diiss dieses übersehen werden konnte, lau wold nur darin, dass 
uiaii die LelienseigeiiBehaften der betreffenden Bäume nicht ebenso 
sicher erkannte wie der ,, Unkräuter". Triticuni repens, auch Poa 
jirateusis L-, wie Ranuneulus re{)eus und Caupanula rapuncuioides, 
im Sande, besoudei-s der Dünen, auch Carex arenaria L., „de grote 
ifuek", sind, wo sie sich einmal festsetzten und das Land „verqueckten", 
fast uiiauarottbar ; jede unbeachtet gebliebene Wurzelfaser treibt neu- 
Ähnlich geht es Vogelbeere (Sorbus aucupaiia) und Flieder (Sam- 
bucus nigi'a). l>iirch Wurzelaufsehlag und Fmchtversti'euung, nament- 
lich 8anii'iivi'rtrai.'iiii^ durch Vögel, erscheiuen sie allüberall im lichten 
Knterli"!/., in Hi-ikeu, an Kainen. Und nicht viel anders ist es mit 
der Viifjf'lkiriit'lK' (l'runns anum), welcher ausserdem noch Menschen 
und, nach dem Abfallen, auch Vierfüsser zum unbeabsichtigten Wandern 
in den Vorhölzern verhelfen. Abgesehen von der Weide ist kaum ein 
anderer Laubbaum weniger emptindUch gegen die Unbilden des Ver- 
ütüniraelns, als diese drei, die auch auf jedem Boden furtkummen. 

Der Prunus domestica hat nun eine ähnliche Eigenschaft deu 
ileut«chen Namen gegeben. Von allen altbekannten und gebauten 
Obetarten ist sie die einzige, welche keiner Veredlung bedarf, kein 
„Queckreis" nötig hat; sie queckt selber**). Ihr Wurzelaufschlag, 
der oft sehr stark treibt, ist „echt", wie man im Göttingischen sagte, 
d. li. trägt ohne Pfropfen die edlen Früchte, und ihre Sämlinge thun 
desgleichen. Sie allein war der gebonie, duTL'h sich selbst lebendige 
Edelbaum, den auch die Misshandlungen des Landmannes beim Ab- 
ernten nicht anfochten, die echte „Quecke", Quetsche, Zwetscbe. 

**) Fick, Indogenn. Lex. VII 8. 66 v. kvivu. — Zu den Ableituugeu von 
qaeet, iiuftst: ijueBtRii. queasen, quetica, quotten, quisten (^ teilen?), qaitzett, 
quessen (= zwacken) Mndd. Wli. 3, 405 — 109. Zu dea letzten Wörtern tat m be- 
merken, dass eine schlank aafgearhoBXene (liastig und lebendig getrieben«?) Rate 
oder Gerte zum Seklagen in Stade und in Mocklenlmrg Qiiitze, Quidsche. Schwutacho 
heiaM; daher denn das v. iotr. quitschen und ..(lutirtien = pritdcheii" bei Campe 
U, 694, d. b. mit „Quitschen" adilagen. K. Bartsch, Sagen und Giebr. aus Meckl., 
11 Nro. 1386, giebt an, dass man am MaitAg- Morgen stillschweigend das Vieh mit 
QuitSfJien- Ruthen Bthlägt.. „Quit^sch und Quatsch", „Zwicke und Zwacke" ist das 
Necken der Geschlechter mit ähnlichem Schlagen, das in Kalenberg-Hildeshotm 
■ „fuen" beisst. Namentlich die bloaaen Beine der Mildchen wurden (und werden?) 
mit dem „FnebuHch", Hex aqulfolium L., gekitzelt. 

") Eiuxeliie andere Pflaumen, die dasselbe thun, sind — wie die kleine gelbe 
französische, b. g. AjinkoaenpHaume — erst in neuerer Zeit eingeführt. — Dass 
die Quitte auch „echten" ^tockaufschlag erzeugt hat neben dem miat. fremden 
Ktaromwort (.\)nn. Iß) dazu beigetragen, ihren Namen uft verdächtig den besproche- 
ata Bäumen anzugleichen. — S. jetzt auch H, v. Pfister, Mundartl. u. atammheitL 
Macbtr. xa Vilmar's Idintikmi. Marburii. IHHII, S. 21!). 



ROSTOCK. K. E. H. Krause. 



!ltL ^^ 



1 



L 



Mittelniederländisehe Bruchstücke. 



Die Rostücker Uiiivi'ifiitiitMbil)lii)tli(,'k bewiilirt unter der neuen 
Be/L'iclLnnng Mrh. philol. H4, unter der alten 1III> Nro. 104 zwei aus 
einem Iluclideckel gelöste I'erganient-Qunrtblätter in Hiihe von 271 nun, 
in Breite von 200 mm; auf allen vier Seiten je in zwei Columnen 
besehrieben. Die Hölie der Coluranen beträgt auf El. I fast genau 
215 mm, auf 2 genau 210; 2iri und 220 mm. Die AnfangNbuelistaben 
der Zeilen Kind in einem odei' zwei Grundstrichen ruth geatrioheu. 
Die Minuskel-Suhrift gehiirt dem 14, Jahrhundert, Welleitht schon 
dessen Anfange a,n; die Hand ist dnreligeliends dieselbe. 

Bei genauerem Betrachten ergiebt sich aber, dasß beide Quart- 
blätter ui-spininglieh in der Hiihe geknickt waren, und einem Pergament- 
uodex in SL-hmalem 8"" angehörten, folglieli 8 Seiten von je einer 
Columne bilden; jedes Blatt also 4 Seiten entlialt. 

Von Blatt 1 ist die erste Seite alt signiert: LXI, die dritte 
LXXII; es sind also nicht Seiten sondeni Blätter gewählt, es fehlen 
daher zwischen beiden 10 (letav-Blätter oder 5 Quartbogen, die mit 
dem ei'baltenen eine Lage von H Bogen oder 12 OetavblUttem er- 
geben. Die vorn fehlenden (iO Blätter bildeten alsu 5 soldier Lagen. 

Blatt 2 ist auf S. 1 signiert LXXXV, auf S. 3 XCVI; das er- 
giebt dieselbe Rechnung; zwischen den beiden erhaltenen Quurtbogen 
fehlen 12 8"-Blätter »der ß Bugen = 1 Lage. Der alte Codes hat 
also mindestens 8 Lagen k 6 Bogen oder lf)2 Seiten enthalten, 

Fol. LXI zählt auf jeder Seite 45 Zeilen; LXXII auf S. 1 
46 Zeilen, auf S. 2 31 + 10, dazwischen in einem freien Räume (für 
5 Zeilen) ein Äbschluss „Notabene" und eine tiberschrift „Van III Figuren" ; 
unten auf dem Rande eine gleichalte, durch eine rothe umzogene . 
Linie herausgehobene Zeile. 

Fol. LXXXV S, 1 hat 45 Zeilen, die untere läuft in einen Zier- 
sehnörkel aus. Fol. XCVI S. 1 hat wiederum 45, S. 2 aber 47 Zeilen 
und unten auf dem Bande Viedemm eine roth umzogene Merkzeile. 
— Unten auf LXXII S. 1 steht fast ausgelöscht in arabischen Zahlen 
vom Anfange des l(i. Jahrb. : 1517 (das Refonuationsjahr), 

Die ancinanderschlieasenden Seiten ergeben 4 Bruchstücke; die 
Überschrift „Van III iiguren" trennt ein fünftes (in der Reihenfolge das 
dritte) ab. 

Alle 5 Fragmente gehören einer Dichtung religiösen Inhalts an; 
es sind Umschreibungen biblisi:her Leliren, wie sie den Briidern vom 
gemeinsamen Leben, vielleicht auch den Predig erb rudern oder den 



107 

uiystiscli iingcliaiiuhteii Franfisi.'aiieni 'J entspreflieii würden. Man 
wird annobmen dürfen, diiKa der gauze Saud ein melir oder weniger 
itusammenb engendes Lehrgedicht umfasHte. Li seil, der die Blätter 
noi^h unauHgelüst sali und die Art der Gliederung des Codex nicht 
erkannte, begann Fol. LXXIl S. 2 zu lesen und fuhr mit Fol LXI 
S. I fort.. Er liess daher fJahrbb. d. V. für mekl. Gesch. xt. A. 8, 
S. 217 f.) als Probe die 10 Verse „Van III Figuren" (Bruchst. 3) 
und damit in unmittelbarem Zusammenhange die 45 Verse von Fol. 
LXI S. I (Bruchst. 1, erste Hälfte) abdrucken, wodurch das Ganze 
sinnlos wurde. Ausser diesem Liwh'schen Stücke scheinen diese Reste 
im Ül)rigen unbekannt geblieben zu sein, wenig.stens konnte icb — 
allerdings bei mangelhaften Hiilfsmittein, aber doch bei mehrfachen 
Nachfragen — keinen Druck finden. Herr Dr. Fr. Jostes in Münster 
Mite die (iüte mir auszusprechen, dass es eine Art „Kersten- 
»pegel"*) gewesen zu sein scheine. Auch „Der Seelen Trost" 
kntm mit seintjm Gedankenkreise in Frage kommen, von dem es hd. 
(Augsburger) .\usgabon giebt, und, von Dr. A. Hofmeister entdeckt, 
auch eine ndd, der Miilmebsbrüder in Rostock gedruckt worden ist"). 
Dass ähnliche Ideen iin I'i. Jahrb. hier im Schwange waren, Ichren 
unter andei'n die i klagenden Verse in der CliiuriLk vini ilvr Dom- 
febde*). Auch nach der Refoniiatioii laufen sir lirkanntlicii in der 
Litteratur in mannigfaltigster Weise um; sie tindi-n sich aucli in der 
handscbr. Lünebnrger Chronik des frohstes Jacob Schomakcr ft L^fi3). 

Dass niederlllndi seile Manuscripte verhältnismässig viel imcb 
Mecklenburg kamen, zeigen die Angaben bei Lisch, Jahrbb. H, S. 213 ß.; 
ausser den Welen Niederländern, welche in Rostock im 15. und 
16. Jahrb. studierten' und lehrten, z. B. Egbert Harlem (Allg. D. Biogr. 
10, 602) etc. etc. tiniien wir deren im Fraterkloster, z. B. Heinrich 
(Pauli) Arsenius; unter' den Miuoriten, /„ B. den Hamburger Refor- 
mator Steffen Kempen (Campianus), und im P redige rordeii, wie den 
berühmten (iornelius a Snecis (aus Snek). Das Vorhandensein rondl. 
Haudscbrifteu unter der niederdeutschen Bevölkerung kann also nicht 
auffallen. 

Als Lisch das Stück im Einband des Codes (Textus trium libr. 
de anima Aristotelis cum commentario etc. etc. Alberti magni, Colin. 
Job. Koelboff 1491. fol.) fand, gehörte der letztere noch als Nro. 95 



') Vergl. Fr. Jostcs. Beitr. zur niederd. Mystik, in K. Bartsch' Üenniuiift 
!B (an, S. 5 ff. 

•) Darüber, dass der Lübecker „Spepjl dee criatcnc niynsfhen" von 1501 
(G«ffeken, Der Bilderkaterhismus etc. 1, ti. l&Ü ff.) nichts aaderä sei als des weat- 
aüschen ÄugiiBtiner-, daou Mionritcn - Predigers Diedrirh Kolde (Colde, Coelde) 
-Kerstenspegel", vergl. l'r. Jostes, Zur Gesch. der mittelalterlicheu Predigt in West- 
falen (ZtBchr. f. OcBch. und .^Uertrimsk. Westfalens Bd. 44), Seji.-Abdr. MüDSter * 
1865. 8. 9. Über Kolde g. Allg. D. Biugr. 4, S. Hm ff. v. Coelde (von E. Annder 
Hey den). 

*) Wieckniann-IIolTn eiste r, Mecklciib. alttuedersächBiscbe Lit. 3, S. 96 f., wo 
die (.'itate. 

•) Heraii"!-, von Ki-nune, Rnflt.ick. (ijmu.-l'i'ogr. IWiO, S. 3. 



I 





108 

tlei' Uil)l. der MuneiikiiLlio in Roistuck, wcldiu uns dt;u Resten aller 
KlosterhihliuUieken gebiltlet war uud jutzt seit läiif^crei- Zeit in die 
Univ.-Uibl. liineingeKOgen ist. Dort findet sicli da« Buch noch im 
alten Kloxtereinband, nur Unna jene Blätter auxgelöbt eiiid; auch das 
Zeiclieu dt*r alten Kette hat «it-h bis heute erhalten. Aus welchem 
Kloster es stamme, ist nieht mehr nnch/iiwcisen. .Jedenfalls beweist 
der Einband, dass die Perßanii'ti1)i;i]iilsi')ii'irt mIihh /u Klosterzeiteti 
veniicbtet wurde, und nicht i'i'st ilciii VniiibiltsnHi^ der lutlierischen 
Bibliothek Verwaltung zuiu Opfer ürl, dun Dr. .Vd. Hofmeister aus deren 
Rechnungen so draHtisdi geseliildert hat'). 

Unfraglieh gehürten aber zu denselben verzettelten Kandwlirift 
die „einigen pergamentenen Blätter vol teutsclier Verse", welche einer 
der Herausgeber de« „Etwas von gelelirteu Rostocksehen Sachen"') 
in derselben Muricukirchenbibliothok im Einbände von M. Johanniu 
Versoris quaest. super metaphisieani et Ethicam Aristo telis etc. 
(Colon. Henr. Quentel, 1491) fand und daraus einige „Proben" mit- 
teilte. Dieser Band, einst Nro, si) der Marienbibl., ist verloren und 
mit ihm die eingebundeneu Blätter. Jene ,, Proben" scheinen drei 
vereehiedene Bruchstücke von 8, -1 (mit der Überschrift „Van drien 
kueren") und 34 Versen nu ergeben, also nicht einmal eine volle Seite 
der Handschrift. Ich lasse sie unten als Brnchstück Ö — R folgen; 
die einigeniitl bis zur Unverständlidikeit gehenden Verlesungen habe 
ich zu besseni vei*sucht. 

Die Interiiunctionen fehlen in der Handschrift und sind von mir 
beigefugt. Die Anfangs! mchstaben der Verse sind meist Minuskeln, 
einzeln, aber regellos, Majuskeln. Ich habe durchweg grosse Buch- 
staben eingesetzt. Die äuNserKt wenigen Abkürzungen {meistens nur 
efi für ende, dann einige n und en, einige e und er) sind aufgelöst; 
die regellos wechaebiden f und s sind durchweg in s verwandelt, die 
mehrfach für s gebrauchten z (oder umgekekrt) aber beibehalten; 
ebenso die scheinbar unregelmüssig wechselnden J i j y und ii, da 
doch ein durchschnittlich fester Gebrauch sich zu bilden schien ; nicht 
minder die nach sicherer (freilich nicht moderner) Regel gebrauchten 
u und V. 

Vor den 4 Versen: Bruchst. 1 v. 48, 49 und 79 und Bruchst. 4 
V. 66 steht in der Handschr. ein rotbes Uhrisma-Zeichen. 



k 



') „AuB alten Bibliotheksreclniuiiiren." Pelzlioldt N, Aiiz. f. Kibliop'. iiud 
Biblioth. 187a, S. 27a— 2öl. 

') „Drittes Jalir." 1739 (Rostock. M. Waiiiingck) S. tiötl f. Die Zeitethrift 
wird gewühnliob ala „Roütncker Elwss" zitiert. Die Herausgeber waren Jnli. ClinstiaD 
Burginanu, t 1775 am lö, Jan., und Krnsf Joli. Friedr. Mantzel der Ältere, f ain 
29. Apr. 1768. Ernteror (der in der Allg. I). BioRT. fehlt) wird der Herausgeber 
der „Proben" sein, flicr Maiit/el s. All«. I). Biojir. 211, S. 273 f. Die Herausgabe 
de.i „Rtwaa" ist dni't riirbt prwaliiil. 



{ 



. 



BniclistÜck I. Fül. LXl.'*) 
(Treue und flerecliti(tkeit im Bano.) 

Dit (Iticht my wonder int vevstaen 

Dat sii mit rouwen waren hemaen. 

Want wair \c raiin ogen siopch 

Dair iliiiht my yniedid'*') siin genfiech 
Tt Sonder namelic aldair 

Düse twee dreueii sulc misbair. 

Nv lust my /eer den /in te weeten, 

Mer qualic doraticx my vermeten 

Hern te vragen om tgeatant. 
10 Dat deed (web my unbecant 

Wie 80 waren nf waen sii quamen. 

Sii wrongen dit' lioir'*) liand tHaraeii 

Kl(! clai<!hde ander rüii verdriet. 

Doeh ueynsdio üeker wats geseift 
lü le sei die wairheit weten bei 

Wat bem deert of wat hem let") 

Dat aü dus groten rou driuen. 

Licht ic mochtet voirt bescriiien 

Teneii exenipel andren luden. 
20 Sei i« u die wairheit beduden 

le quam so na dat sii my sagen 

Diie lieten zii een deel hair elagcn 

Ende zagen nairstelic. an my. 

Ic, trat hem wat nairrc bü 
2'» Onde sprac mit goeden Inienen: 

God onse Heer moet u verlienen 

Beter rust dan ghii hier toont. 

Sie antwoirden: vrient god loont 

V want wii hadden u'*) wel te doen. 
.SO Rust die is ohb zeer ontvloen 

Wii en mogenre') nergent scouwen, 

Doe*) vraechdic*) hem die dus in rouwen 

Säten wat hem deren mocht 

Dat ßii hem bilden so onsoecht.') 
3.'] Sii seiden: vrient ons deert genoecli. 

Rou piin ende ongeuoeeh 

Sei uns lancsom al hegeuen 

Want wii siin tslands yerdreuen 

Dat ons mit recht toebehoirde. 
40 Doe vraedide ic na dese wnirde: 

1») V. 1— 4!) hat Lisch Jahrbli. 8, S. 217 f. abgedruckt als Fortsetzung von 
BruchstQck 3. "•) Lisch; bruecht. '«l Lisch: heic. '"i) Lisch: bet. '•) Lisch: 
Itaddens. ') = mögen ore (als Ren.) ? Oder vcrscliriclieu für mogcuHe ? >} Liscli : 
toe. *) Lisch : liracchdic. ") Iiisch : onsncht. 



I 




11« 



b 



Wt wat laii'd siidi*) gehnren? 

Woudj') my soggen sonder toren 

Hoe ghii qaaenit iii desen'] liden? 

Of ic u ergent meed verbilden 
4.1 Mach, dair bin lu tor hcret't.*) 
2) Want u lydeii is iiiy leet 

I)at ic an u beiden zie. 

Do antwftirden deze twie: 

Wii siin geboren van edel geslacht 
50 Onae ouders waren wel geaclit 

Ende geinint Sonderlingen 

Beyd mit Keyser ende coningen 

Oic mit Hertogen ende grailen. 

AI Sitten wii liier dus bescaueu 
BT) Tcorat al buten onsen stouden. 

Üoe wii to lione waren entliouden 

Stontet hof in groter eren. 

Wie dat boeslieit wilt leren 

En had te byf geen bedriif 
fiO Wii tetten arcbeit ende kür 

Die heran waren wel a\> yen. 

Der scalcker macht was bo dien 

Datier nyeinant nf en hilt 

Men viirde doe der eren seilt 
05 AI die werelt up ende neder. 

Nv is die scalc coraen weder 

Ende heeft der eeren seilt duerhouwei 

Hieroni siin wii dus in ronwen. ') 

AIm ic dit an hem vcrstoet 
70 Had ics gaern geweest vroet 

Van begin toten eynd 

Hoe sii ijuamen in dit ellej-nd. 

Ic seid: vriend en belebt u niet 

Gaern wist ic wie gÜ ziet 
75 üf wie u brocht iu tiesstT quael. 

Wciudüt my aeggen altemael 

Licht ic mochtet vriend togen 

Die ter werelt mit u dogen. 

Sü andwoirdeu uptie steed: 
80 Trou ende Gerechticheed 

Is onser twier naem gespelt 
. Ende wie te hone mit ona helt 

Die is nv in dogen zeer. 

Wairachticheit nioet ende eer 

*) Seid ihr. Lisch : sii di. ') Lisrb : Woudii — wollt ihr. b) Lisch : diseo. 
B) Dieses Punkt steht im Ms. Lisrh: heveet. Lisch I. c. 1^. 21 S setxt hier lünxu: 
„Ende Fol. LXL' Es ist aher nur Ende der 1, Seite von Vo\. LXL 



^^^^^ m 


■ 


85 Scaemt miltheit ende oitmoet 


■ 


Die sü wel waren behoet 




Siin UV l)lood ende zeer vereaeclit 


. ^^^H 


Stadicheit is zeer verjaiclit 


^^^H 


Ende vertbeuen mit gpwoiit. 


^^^H 


^^^ 90 Onser geen en is sn hout 


■ 


^^M Brnehstfick n. F»I. LXXII S. 1. 


■ 


^^H (Vertmucii auf nott.) 




^^^1 Dat bitter wee dat grote clagen 


^1 


■P Dat die ridder apenbairde 


V 


^" Eer hü troost an god begaerde 


1 


Die meester is van bogen priize 




5 Dat macbmen nien meniger wiis') 




^^ Wie dat troost an god begeren. 




^^^ Hü caD sacitt yisitereh 




^^^B • Vp dat wii yet volherden mögen. 




1^^^ Nye en bleef menBcli bedrogcn 




II 10 Die siin hopen hild an god. 




1 Hü is slotel ende slot 




L Ende der zaücbeden scriin. 




^H Doch hü wil gebeden sün. 


^^ 


^^^^V Die niet on bidt otn saUebeit 


^^^H 


^^^V ITi Graci is beni onbereit. 


^^^H 


^^^I Wie siin lüden can volherden 


^^^H 


^^^^1 Hern sei rück loon gewerden. 




^^^^1 God volherde selue sitn Ijden 




^^^V^ Om ons allen te verbilden. 




^^^m 20 Nv willen wn in weelden rysen 




^^H Uod vergeteu tlichaem spiseni* 




^^H . Kude ab wü god to verre ontgaeu 




^^^H So sendt hü cnis eeii liden aen. 




^^^H Wallt meii in liden god kent 




^^^V 2r> So wort onü liden toegesent. 




^^^^, Ende wie duldeliken liidt 




^^H Die inacb hopen al siin tut. 




^^H AI ist den lichaeiu een grout hinder 




^H God die loontet lüer of ginder. 




^^^B 30 Wie van god wort geloont 




^^H Die bliift rück ende ongehoeat. 




^^H Als die ridder was geuezen 




1^^ Sprac die eontnc: nv suldü wezen 




" Wat ghü wilt in minen dienet. 




35 Heer so wil ic kiezen tsienst») 




») So, ohne das e des Reimes, ^) = firien'st, im Aiigpnhliek, 


J^^H 




m 

Andwoini die ridder uptie s 

Alle dat ic ye gedeed 

Doer u ende doer der werelt per 

En mocht my helpen min noch raecr 
40 Noch aldie raeesters van u riick 

Eer Ic god oitmoedeliick 

Badt mit goeden hertt-n reyn, ' 

Die genae my alleyii 

AIr gliü wel ziet ttS'gedaen. 
45 Ic hab die boet van him ontfaen 

Nv wil io hem te dienst bliuen 

Die lUiB haestlic mach verdrillen 

Ziecte piin ende ongeual. 

Hü is die my wel troosten aal. 
50 Ic wil hem dienen al müh leuen. 
Die ridder gijic hem begeuen 

Ut*"!- werelt in een iiord 

D^ir hü luttel anders hoord 

Dan god dienen ende minnen. 
55 Die coninc ginc oic verzinnen 

Twonder dat liii had gezien. 

Hii wort veruaert ende na dien 

En deed hii anders niet dan recht. 
Heren vrouwen ridder kiiecht 
(lO In wat staedt ghii siit gerezen 

Ghii aidt altoia gerechtieh weesen 

Ende imtaien den bogen man 

Die aldas slaen ende »aliien ean. 

Der heren dienres meen ic met. 
fiS Ende wie hem te dienen set 

Die ael getrouwelic dienen 

End mit goeder herten inienen. 

Want wat der berten is contraer 

Die dienst wort elc mensch te zwair. 
70 Oic wien ghii dient in uwen dagen 

Ghii moecht wel god int bcrt dragen. 

E(iide ver)Ätaet') die nieninge wel 

Wan hii tloon of geueu sei. 

Men mach niet al den Ridder slachten 
75 Dan wii ims voir iniadoen pachten. 

Wond al tfolc in oorden varen*) 

Wie Houd dan die werelt naren? 
nota bene. 



3) Die eingekl&UDiGrten BiiclistabcD sind unlesbar. *) Das v vullig w 
hone. (Wollte sllea Volk in einen Orden treten . . .) 



113 

Bruchstück III. (Fortsetzung v,.n LXXII S. 2.) 

Vau HI fig;ureii. 

Exeiniiel ') viiitment vel*( lifscreuen 
Die van wüslii siin gebleueu 
Ende ^eset tonser leer 
Up dat wii den hoklisten heer 
5 Sou<Ien*) outsien*) in allen wercJien 
Ende oueri>eynsen ende niercken 
Of film wil ende unse liegeren 
Wel te'')Bamen eoncurderen 
Om te kriegen*) ewicli goet 
10 Biden wereken die meu doet. ') 
II auf dem Itandc von dorsclben Hand: 

Maelunen proeuen ende kennen. 

Brnchstfick IV. Fol. LXXXV S. 1. 
(Von den zehn Oeboten.) 



1 



Om dogen most end aldie zun. 

Nv leuen wii onder tyen gebood 

Die ona gegeiien siin van gond*). 

und so wiese houden eau te recht 
ö Die zel ten hemel comen siecht 

Sonder oirdel na dit leuen. 

Want doe sii MoyseB woi-den geuen 

Deed hem gnd dat selve Ionen. 

Wat meeater moeht hier sfriuen bouen 
10 Vorder dan ons die scriftuyer zeeeht'l. 

Nv wort die mensch meer ontweecht'") 

Dan wilde dier of ander beest. 

Want menHfhen hebben huIc volleest") 

In boren redeliken sinnen 
15 Dat sii dueeht'*) ende arch kennen'^). 

Dat en is den beesten uiet beuoleii. 

Nuchtau leuen sii Kouder dolen 

Recht al« hfiir natojer wiist. 

Wanneer hem tlichaem is gesiiiist 
20 Viin des sii v-inden vpter aerd 

So en iswer geeii die anders geerd 

>) Dax E, roth, erstreckt sich ilber 3 Zeilen. ^) Lisch : veet. ■) Lisch : 
■ondea. *) Li»rh : nDtüen. ^) Lisch : tn. *) Lisi^h : engen. '') Lisch, der irrig 
M der Überschrift (Bruchst. 111) anfing, ^hrt elieaso irrig mit Fol. LXl fort, ohue 
Interpnnrtinn. b) So statt god. *) So st. 2ccht, von zeggcn. i^*) v. ontwekken 

r= erweckt y "j volle Anlage V '*) Ks kfmnte andi drcrht gelesen werden. 
") So statt des lU-iniPs. 



L 



114 



Dan elc te nisten ainen tut 
Tot dattet weder hongw liidt 
Of dorst die bii natilren coonit')- 

25 Nv flp-il die mensi^h siin genoemt 
Redelic alst wel betaenit 
Die hem bii tyden luttel scaemt 
Dat hie bouen reden leeft*). 
Oif wat hem die natnyer geeft: 

30 Sii keren die Iioir redelicheit 
In ouervloedt ende onbesteit 
Dat geen maot en hoüt noch roden. 
In gulsicheit in bozen zeeden 
Breiten zu hoire selfa natuyer 

35 Ende goods gebot tot nieniger wr'). 
(>ic epreecter B«m operihair 
Het wair den mensch Teel te zw wir 
(«oodn gehoot te liouden al: 
De ia bedwange leuen zal 

40 Moet vro ouden ende gryscu. 
Nv wil ic int wair bewiieen 
Dat sii langer lenen /ouden 
Die de tien gebood bouden 
Ende veel minren arbeit liden 

45 Dan diese brekeii tallentyden. 
Finde leuen na der werelt eysch: 

Een menacb mit oüervloedieh vleyscb 
Zietmeu zeldeu out van dageii. 
Wan int vererigeu hoii- behagen 

50 Dogen*) sii hetteu ende eond: 
End eer hü dan coiuen ter oud 
So steruen sii die rokoloes. 
Of sii crigen sulke nooz 
An hair Uchaeni eer bü ateruen 

55 Dat aii leuens liifs') vorderuen, 
Snlc verghicht sulc wort lara') 
Hoß dit gefltiet of wair of tquam 
Dit laettic staeii ten goeden recht 
Ende wil my we<ider keren siecht 

GO An die niutery dair ic was 
Up dat ghii null gelonen das 
Dat een ygclic mensch wrl mach 
Sonder onsculd^) of gcclach 



1) st. coint. In dieBcm Teile sind überhaupt viele Uoppclvokate: oben v. 3 
good; vergl. 36, 37; goboot v. 37; leeclit v. 10; gceft v. Sit; gebood v. 43 etc. etc. 
'J Im Ms. beeft („dasu er über die Vemiuift binaiia lebt"). ») Uhr, Zelt, »t liuyr. 
') ,Zum ErUngen ihres BolingeDa, lasseii sie zu, luBeii sie sich gefalleu" (doogen). 
B) Lebendigen Leibes. ^} trostlos. '} Kotsehuldigung, Ausrede. 



^ 



Uie tien gtihood dair wii of spreken 
tiä Vel lichter houdeii daii breken. 

Dat eerste gebot neit die scriftayer 

Is dat wii mit Iierteii püyer") 

Ood ten vuui'steti sulleu minnen 

Mit ziel mit cracht mit allen zinnen 
70 Büiteii allen airtschen dingen, 

Gud te minnen Sonderlingen 

Data grote rust end aalieheed. 

Enen güd in unsen gebeed 

Mailimeu liubter roepen aen 
75 Dan vreemde good in dullen waen 

Geliic. den Juden uf den Heiden - 

Die up lozen waen ontbeiden — 

Waut sü staen int scriftuyer verUiren — 

Of licbteling die die doren 
SO Licht gelouen off hantieren 

Dat luttel vroomt in veel manieren 

Dan sii mit ongeloue dient. 

Men mach veel liebten wezen vrient 

Eneii beer dan vier nf viue. 
85 Dua wil ic bideii woirden bliuen 

Die ic den hozen »prac to leyd: 

Datmen mit minren arbeid 

Knen god mach anbeden 

Dan veel god in menigen steden. 



Brnchstück V. Fol. XCVl S. 1. 
(Liebet ench unter einander. Fu«bel vom Wirt.) 




Of wü sün ewelic verscouen 
Wt hemelrüc hier bouen. 
Dat dit wair is in orcond 
Leertmen noch van ziiien mond 
5 Die ons hiete broeders we^en 

Woud wii der ewiger doot genezen. 
Oic proeftmen bii naturen : 
Wil hier een man mit sün geburen 
Hoiiden bot" of driuen feest 
10 Twair die minste of die meest 
Een y^elic in siiure waird') 
Is gaern in vreden hier up aerd. 
Also natuyer in hein hegaert. 
End als versament bad die wairt*) 

1) Slolluug, Würde. ») Der W 




Om (!at wii machticli siiii te wrekcii 
tili So moßt (Ifiu wiiirt sifn lacli fiithrtkeu. 

Dair gliiit qualic ßi>ldRn moedtt 

Heft 11 god in macht geuneclit. 

Dairaf siildy heiii danckeii zeer 

Knde Tcrfteiii^n veet te meer: 
ti5 Dat ia die sculde sonder twii 

Die et(^ in macht sculdich sii. 

\):\\t mcii tri- werell nv clipn upatht: 

Heivii «-iii'dvn wTTcdt in miicht 

Krid inidi-T lii'ni van j^raed te graed 
TU Rvsol iiii.II ■■Tide .»iiK.'Maed 

Overdaet ende gnmt geueeht. 

Men st'uwet reden ende recht. 

Der doot heb wii dejTien ducht. 

Hoiiaird is ouer di« werelt jieuliicht 
75 Zo atarc: men canre niet ^ematcn. 

Min ziet men acliter laten. 

Oic iiiie 86 Rod verloren Ueeft 

'i'fole wort hert ende versteeft 

Optie wii voort te stei-eken 
80 Miu «n can dair niet in werken. 

Doch doen sii hem seluen geweit 

Die hüten (ler nun siin gßstelt, 

Honairde niidt ende jjiencheit 

Siin te dragen groot artieit 
8ö Heil ygelikeu iu ^inen stiiet 

Na dat hire veel nieed onime gaet. 

Wie in nydicheit leuet hier 

Dien wort bereit een ewich Wer. 

DuB vint die nydige siin tomient 
■JO Wei-wairt dat yn hene wendt. 

Kude min loont mit dueehden al 

Min en wiist ons genen val. 
Aul dem Räude unten steht von derselben Hand, roth iimzogea: 

Hier noch giiider wair wv kcren. 



Brnflhstiick VI. Ftwiis') etc. 3 S. 686. 



Wer*| stont oulaug in sin gebnicken 
Die doot ded liem wen egen lucken 
End hrochteii toten aertschen schie 
Den wisen mester van logic 
von gelelirten ItnstDi'kärhen Suchen". S. oben. 




5 Aristoteles die ilair wist 
Alte die natnyer ende die list 
Beyde liouen ende benedeii 
Ende woir de meesters yem mnstceden'). 

Bruchstück VII. Etwas 1. c. S. K«l>. 

Van drien kueren*). 
Wie kiesen mach') tot sinen baten 
Sei ymmer tquedste laten 
Ende kiesen tbcwte tsinen*) vromen 
Wair om wortt^') kiier") genomeo. 



Brnchstfick VIII. 

inte ein Vordcretiick v< 



Ebenda. 

u BnicliBt. 



(Es kimnte ein Vordcretiick voll BnicliBt. V seit),) 
Die attois na wrake wachten 
En willen met den genen schlachten') 
Die BÜns'") vaders doot vergaf 
Om Christus doot: ende tiet af 
5 Te wreken doe heet wreken mocht. 
Om dat siin vyant an hym soi^lit 
Genade mit oitmoede") groot 
Vergaf he hem siins") vaders doot 
Upsten goede vrydach. 

10 Ander wrake noch goclach 
En g«erde hy in gene tyden. 
Dit deed hy al om Christus lyden. 
Wie yeel vergeft'*) Ider up aerden 
Heni Hpl *) veel vergeuen werden. 

15 Tpater nostcr hout'*) van dessen — 
Als wyt wel te recht lezen — : 
Her") vergit ons onse misdaet") 
Als wy doen iu sulker maet 
An den gcnen wt?l on schyn") 

20 Die jegen") (tus misdadich"*) ayn. 
Diu aldua ten saurument gaen 
Sy mogent hugelic ontfaen. 
Die gaen ora tsacrenient te nemen 
Recht alst Judes sonder betemen") 



S) Etw. : omBtoeb'en. *) Etw. : kueren. ') Etw. : mandl. «) Ktw.: tamea. 
■>) Etw.: Worter. ») Etw.: koer. ») Da seh in den Brurhet. für m: so nach nicht 
vorkommt, wird im Or. Hclachten oder slachteu gestanden liabcn. i") Etw.: flOna. 
11) Etw.: citmoede. '«) Etw.: büiw. IS) Etw.: veerg.. '*) Etw.; seel. i*) Etw.: 
hont. ") Etw. : Hce, ") Etw. : Mifzd . . "") Etw. : anatlivn. '») Etw. : jegens. 
M) Etw.; mifKd.. >i) Etw. zieht diese 2 Verse zu den lioidun vorli ergehenden. 

ROSTOCK. K, E. H. Krause. 



Kriegsprophezeiung. 

( Niederlä ndisch. ) 



[. . .|ums') die woetfte meefter 

Hy feidp, dat foudp een Frideryu comen 

Luttel goets tut yemans vvomen*) 

Ende worden keyr*"" ißt romelTche rike 
' By Tymonien oft dier gbeUko 

Die keyfer Frederie fal rifen 

Als oiis die propheeien bewifen 

Ende vhii der derder gehört 

Des keyfers Fredprycs') fivl uoinuu voert 
I Een iongeline van fyndert gliebtiert 

Dat in kerfteric lali fyii viirlioecbt 

Ende in dien tien als wyt heleffen 

Sali een fwaer oirlogbe op beffon 

Onder die boechfte die mon wet^t 
i Die lieden fallen worden wreet 

In allen inden op malcanderen 

Niemimt en fal üekcr wandelen 

Die fyn in huyfen of in bürgen 

Süllen alle fyn in p;rot*n forgen 
I Ende hoiiden al dat bem by gheuaken 

Niemant en Tai mSgben niaken 

Vreede die mcn fal moegben bourlen 

Elc fal opten anderen vorbouden 

Wie beft fal moeglien metter daet 
I Sali den anderen doen (juaet 

"' ■ en fall vinden ghenadu gbene 

Die dingben füllen vorden al ghemone 

Daer ons allen well niacb af grouwen 

Ende dan fiiUen nee yernouwen 
I Alle wetten die noit waren 

Dat fal den liedeii meeft befwaren 

Die papen füllen luttel vroeden 

Niemant en fal bem weten hoedeu 

Vroetfi^ap fal lieui dmiken hinderen 
' Die clergie fal zeer mjndereu 

*) Die LeHiinK der erHten drei BiirhHtabeu ist zweifellrnft. [Vs. m hciHst der 
Prophet EutiebiuB. 

*) Der Anfang scheint dun'li eine Vera Verstellung iu Uuorduung geraten KU 
■ein. Vielleicht lautete er umprüngürh : die vn>ctKte meeeter hy scide Luttel gnets tot 
ymaos vromcn, Dat soiidc eeu Frideryc romcn Knde werden keyner int romessche rike. 

') Gemeint sind Kaiser t'riedrich Ut. und sein Urenkel Karl V. 



130 



L 



Gherechtigkeit die blilTt vorlori'ii 
Clofteren de fiil meii rtoercti 
Endo alle liiddt-nde onUiien mwli' 
Werden af gliedsien bv nicürhrdc 

40 Om (lat fv kevrei- Fredpivc') li.'l.lirii 
Ende duii keifei- Heynrie») vurg<>nen 
Keyfer Frederye- iinanit^r noi'de 
Mer liet iiuani meeft by fpaun gheboedu 
Dict dede doen wien liefl' «f leit 

45 Ende ineeft by Klipboprfjiinieheit 
P'nde dat die piedicaren 
Haddeii in liaren ftaren 
Knen Judas dat was lieni leit 
Die bedreetf fo leliken feit 

50 Want gotd liaddeii onder die fyne 
Hier by waert redetyi^ in feine 
Dat meii de quade altoes haette 
Knde die gode onfthnldieh laette 
Die altoes in dueebrfeii*) bnudeu 

55 Nu hoert wat die prophecien lioudeu 
Goede conditien gbaen te uiete 
AI dat leeft ftaet in groeten verdriete 
D«ii die tyt dat defe ioiigbe fal regeren 
Nyt en l'al liyr iiiet niet (!) cnnnen vei-weren 

60 Sonder iut eude van l'yneti tyde 

Als hy hem op beffen fal tot enen ftride 
Dan Tal de niat-bt al vitn erupen 
Met groften fcaren te gader loepen 
Ende dat füllen verfamigben op en velt 

65 Jx coninghen niyt groter gliewelt 

EuHebiuH die propbette doet oum eoent 
Dat hy eoninek fal fyn gbecroent 
Inglielant es die fmenfchen foiie heet 
Vraiicryc fal wefcn wreet 

70 Op eonun moegheude niecbtigen libaert 
Die fal trecken in des conincs aert 
Met eenen anervlodighen beere 
AI dat leeft fals Lebbeu gbeere 
Daer t** Gne dntter curunieu matb 

75 Om te ftriden den feinen dach 
Dits den ftryt dies gbeloefft 



') Friedricli II. soll nacU Angabe gewisser Chronist eu au Gift gestorben soin, 
«gl. Schirrniftther, Kaiser Friedrirb 11. Bii. 4, 4H7 f. Horb legte man diese V«r- 
giftunfr keinem Kleriker zur Last. 

') Gemeint ist Heinrich VII. von Luxemburg, desscu Tod vnu vielen einer 

vergifteten Hostie zuftet<cbriebeu ward, die ilitii ein Doiiniijhaner gereicht liabe. 
*) Die nndeutlidien Butbslulien sind i'iirnlv wiedergegeben,] 



Ende der meniL-U woert alwort j;lifri)n)ki'n 

Wallt den bant fal daer wurdeu ghebiokeii 
) Mettt'n fwacrde t^n feinen ftondeiv 

Daer al eertryc inet es gbebonden 

(Je hebt onei-waer gheweten 

Vau xxxij iiropheten 

Dil' alle Iven defer in-opliecien 
) Dat dion 'wecb !:i\ ii\v'(lyni 

\M\- aiixt--Hkc lin.'s:ii,- <iaet 

Sal trecken in diu d;i«heraet 

Eiidi' Zeel Tai dneieii htnghe 

Defon wecli fal fyn ftranglie 
) Siinder verfuchten eade kermen 

So fal dat volc te gader fwermen 

In der glielike oft waren hyen 

Dur fa! die moert foo groot gbeftiieii 

Dat nien niet en moehtc befcryuen 

> Die eeu fal den anderen met commer verdri 
\ an dl r ftedt cleyn nocli groot 

Meii «m bude fezydeu ter dont 
Sulkn fv bliuen liyer ende daer 
Die iirtpbet«.!! feggent ons ouerwaer 
) Dat up ditu dach daer inet fpoede 
Im diluun Impen fai van den bloede 
Daer um fal dat velt woi-den gheuüempt 
Dei »eefen atker alft dar tue e.oemt 
W ant men fal dar makeu wedeven 

> In diet bittuliken vreefen ende weefeu 
Ende wediiwen alfo vele mede (?) 

Dat noit man en iiuani te glieender ftede 
Daer dies glielike noit was gbeltoeit 
Defe vreefelike moert 
) Sali totter middernaeht gliediieren 
Ha dat dar füllen befueren 
Alle die hoechfte in beide zyden 
Ende dar naden feinen tyden 
Int barfte vandeu ftride bynnen 

> Die rroene van Vraneryu fal hy wynnen 
Dar na fal den ftryt eesfeeren 

Ende des menfclien zone fal keeren 
Metten aef daer hys begheert 
Dan falt kereii ter redene wcert 
) Want raen fal den ionghen man 
Die defe croene van Vrancryk wan 
Crüuen mit ij uronen rike 
Herde gruot vennughentiebüke 



132 

Ende hy ontGenlic worden 
125 Ende die bouen hem willen torden 

In Vrancryc of in Almaengen 

Die fal hy met ij battaelgen 

Jaghen ende al vordryuen 

Ende Telue machtich beer blyuen 
130 Dan fal hy niet erachten ende met nide 

Die landen in corten tyen wyden 

Ende maken dat vok in peyfe gheheel 

Ende trecken al aen fyn zeel 

Ende varen dair mede int helich lant 
135 Dat by wynnen fal met vromer hant 

Ende met wyfrn vroeden raede 

Trcct hy voert met eleynder ftade 

In heidenisfen totten drogen boemi? 

Dar na comt een paus als ic goeme 
HO Die hem volcht met fynder macht 

Dita daer na wy hehbeii ghewacht 

Ende dat ons menich werf ter warheit 

In propheden es voirghefeit 

Oontet ons godt dat wyt moghen leuen 
145 Dus helibent ons de propheten befcreuen 

Üyt es ons aldus ontbonden 

Gotd ions ons ter zaiigher ftonden. 

Das vorstehende Gedicht ist nach einer alten Papierhandsclirift ^ 
im Königlichen Reichaarchive in Stockholm znm Abdruck gebracht 1 
worden, Angenficheinlich liegt es hier in einer [stellenweise leider [ 
bis zur Unverständlichkeit fehlerhaften] Abschrift vor, welche dem 
Könige Gustav Wasa aus Deutschland von einem seiner Agenten über- ] 
Bandt worden ist. Auf dem Umschlage der Handschrift findet sich 
die Aufschrift: Anno 1529. copie des tokompstigen krigeU twsken J 
dem drudden na fredericum vnde dem fransosen oek van der nedder- 
lage der gestHken orden vnde andre vaer so wj jd ( 
vnde dagelikeß »cn vude hören vnde fort gat. 



STOCKHOLM. 



aer so wj jd sindeB yn banden | 
>rt gat. I 

Victor Granlund. | 

J 



m 



Föhringer Plattdeutsch. 

Der überall wiederkehrende Vorgang, dass eine Sprache durch 
eine andn-, ihr durch die Mar)it einer reichen Literatur überlegne 
verdrängt wird, dieser Viirgang, der die Lehen sfähigkeit der platt- 
deutschen Sprache in Fruge stellt, hat sich im Norden des platt- 
deutschen Sprachgebiets seit Jahrhunderten in gleichem Maasse za 
Gunsten dieser Sprache geltend gemacht wie im Süden zu ihren 
Ungunsten. Die friesische Sprache, ihrer Verwantachaft nach der 
englischen zunäclist stehend, hat der plattdeutschen weichen müssen. 
Nur das Wostfriesische ist bis auf den heutigen Tag noch lebens- 
kräftig. Die Reste des Ostfriesischen auf Wangeroog und im Sater- 
lande sind bereits so arg vom Plattdeutschen zersetzt, dass man sagen 
kann, die Sprache ist heute im Begriff auszusterben. 

Standliafter hat sich die nordalhingische Sprache gehalten, das 
sogenannte Nordfriesisch. Zwar ist auch ihr Gebiet wesentlich 
kleiner geworden, im Norden durch dänische, im Süden durcli platt- 
deutsche Sprache eingeengt. Ganz Eiderstedt, das nordwestliche 
Dithmarschen, Nordstrand, Pelwonn und einen schmalen, nach Süden 
zu sich verbreitenidcn Streifen am Rande der heutigen Sprachgrenze 
hat das I'lattdentsdie gewonnen, .\llein noch ein grosses zusammen- 
hängendes Gebiet hat die sogenannte nnrdfriesische Sprache behauptet 
An der Westküste von Schleswig von der Widau südlich bis Husum. 
Die altheimische Sprache ist zwar heute noch voll lebenskräftig, 
weicht aber an ihrer Grenze wie in den grossem Ortschaften immer 
mehr zurück. Wir wissen von einer grossen Zahl von Dörfern, die 
heute plattdeutsch sind, dass sie noch vor hundert .fahren die frie- 
sische Sprache bewahrt haben. 

Länger als die Sprache des Festlandes wird sich voraussichtlich 
die der Inseln halten. Helgoland freilich steht auf einer Stufe mit 
Wangeroog; hier steht das Plattdeutsche im Begriff die Alleinherrschaft 
anzutreten. Aber Sild, Föhr und Amrum sind diesem Einttusse nicht 
in gleichem Maasse ausgesetzt. Das Sildring hat nnt dem Hoch- 
deutschen zu kämpfen, welches die Einheimischen durch den Verkehr 
mit den Badegästen zu sprechen angewiesen sind. Föhr ist in seinem 
westlichen Teile ebenso wie Aiurum noch heute fremdem Einfluss so 
gut wie ganz verschlussen. Der Seemann freilich spricht ganz ge- 
läufig hochdeutsch un<i plattdeutsch wie englisch und grossenteils auch 
dänisch. Die Sprache des Hauses ist aber ausschliesslich aniring und 
föhring. Der F'remde, welcher dort eine Frau auf hoch- oder platt- 




(Ifutsfli itnri'dft, i'rhiUt rinc Antwort in der Liinctpssprachf. I'latt- 
deutticli, im ostlitlii'U Führ fast schon die herrschende Sprache, ist 
den Frauen und Kindern von Westerland-Fülir gradez« unbekannt, 
Besser verstehen und sprechen sie liochdeutsch. das sie ja anf der 
Schule lernen müssen, aber nur zu bald bis auf die ttibelBprache 
wieder verj^^essen. Die Wehsdringen — so heissen die Bewohner vom 
westlichen Föhr — , welche in dein rein plattdeutschen Fleoken Wyk 
ihre Einkäufe machen, zwingen die Kautleute daselbst fiihring verstehen 
KU lernen; denn sie können und wollen elien nicht deutsrli sprechen. 
Ganz ander» liegen die Vurhaltnisse in Osteiland-Föhr, Hier 
dringt das Plattdeutsche vi)n zwei Punkten aus mächtig vor, von 
Nieblum und besondei's von Wyk. Fremde Einwandrer haben hier 
die fremde Sprache eingeführt. Nach der grosHeu Stunnflnt des 
Jahres 1634, welche den alten Nordstrand zeratürte, flüchteten die 
bedrängten Inselbewohner schaarenweise nach der festen Geest von 
Osterland-Föbr. Sie liossen sich grösstenteils in Wyk nieder, das zum 
Hauptort der Insel herangewai'bsen ist, besonders zahlreich auch in 
dem Dnrfe Nieblum. Diese Auswandrungen haben sich seitdem fort^ 
während wiederholt; dazu ist in dicscni .liihrliundcrt ein starker Aus- 
wandrers trora vom friesischen Fr^tliindi' ^cknniiiici]. dci hiib iinf die 
andern Dörfer des östlichen Föhi- vcrtiMld'. ]■',<■ \i<'a;ii\u nun ein eigen- 
tümlicher Vi>rgang. Beiden, den l'jniu'iiuischei; wie den Zuye/ogenen 
war j)lattdeutsch von vorn herein eine fremde Sprache, deren sie ach 
nur im Handelsverkehr bedienten. Die alte Bevölkning sprach und 
spricht ihi- FiJhring. Die neuen Ansiedler, die Friesische sich nannten 
und genannt wurden, ajirachen zunächst die Spraclie ilirer Heimat 
weiter, nämlich friesisch. 17(iO heisat es in den Schlesw.-Holst. An- 
zeigen, S. 8 von der weihlichen Kleidung der FiJhringer, „dass sie 
nicht völlig algemcin :iuf Führ, dcmi in dem Flecken Wic.k und in 
dem Dorfo NibciiLin /imi 'l'lii'il, bedinu'! sicli das Krauen Kimm er sowohl 
der sogenannten IVli^siM-licii S|.r:L.'lir aU Kleidung." Zum Jalire 1793 
schreiben die Srldesw.-Unlst. l'rovinziulhcriclitc, S. 4: „Eigentlich 
wohnen zwei friesische Stämme auf Führ, welche in der Kleidung (der 
Frauenzimmer nämlich) ganz und in ihrem Dialekt nicht weniger ver- 
schieden sind. Sie werden auch noch immer durch die Benennungen 
Föhringer und Friesische unterschieden." Die ballig-friesische Sprache 
in Wyk und Niililuni ist, wenn man von den neusten Einwandrern, 
die nutürlirli iliri' Miitterspraclie zunächst bewahren, absieht, beute 
fast ausgestoriien. Au ihre Stelle ist plattdeutsch getreten. Der 
Unterschied zwischen föbrlng und friesiscb ist so gross, dasa die Leute 
sich nicht veratehen. Darum beiiueniten sich beide Teile, die auf das 
Zusammenleben mit einander angewiesen waren, zu der allgemeinen 
plattdeutschen Verkehrssprache. Dieser Vorgang wiederholt sich heute 
noch überall unter denselben Bedingungen. Kommt ein Föhring mit 
einem Hallig- oder Festlandsfriesen zusammen, so wird plattdeutsch 
gesprochen. In denjenigen Dörfern des östlichen Föhr, in welchen die 
föhnugiöche Urbevölkeiiing von 100 Prozent vor hundert Jahren auf 



J 



125 

etwa 75 Prozent beute znrücIcgpganjieTi ist. wird in den friesischen 
Familien von den Eltern zu den Kindeni plattdeutsch gesprochen, 
ebenso in den föhring-f riesischen, friesiBch-plattdeiitachen und fnhring- 
plattdeutscben Mischehen, So wächst das Gebiet der plattrleutsrhen 
Spraiihe weniger räumlich als vielmehr zeitlich überalJ da, wo sie 
überhaupt einmal Fusa get'asst hat. Wyk ist heute rein plattdeutsch 
zu nennen. Gi-fnlf^ sind die benachbarten Dörfer Boldisura und 
Wrixum, noch zu .\nfang dieses .Tahrhiinderts rpin tohring, heute fast 
ganz verplattdeutscbt ; in Wrixnm können nur vier Schulkinder noch 
ßhring. In Oevenuin, Midluni und Alkersum wird fBhring nur noch 
von gut Kwei Drittel der Bevölkrung gesprochen. Dabei ist überall 
au beobachten, dass, wer einmal von Jugend auf föhring sprach, auch 
zeitli-bens sein{;r Muttersprache treu bleibt, wenigstens im Verkelir 
mit seinen Sprach genossen. Aber von Jahr zu Jahr nimmt die Zahl 
der plattdeutschen Kinder zu. Mag sich das Verhüitnis des Föhring 
zum Plattdeutschen in jenen drei Dörfern för das Alter über fünfzig 
Jahren vielleicht wie !) : 1 stellen, die Zahl der plattdeutschen Schul- 
kinder hat baltl die der füliringincbfn eneicht. 

Die Verplattdeiitschung des östlichen Föhr geht von Wyk aus. 
Selbständig hat sich der gleiche Vorgang in dem Dorfe Nieblum 
entwickelt. Hier war seit der friesischen Einwandrung von iß.M die 
Bevölkrung eine gemischte tobrmg-friesische, während sie in Wyk fast 
rein friesisch war. Unter einander sprat'ben die Föhringen und Frie- 
üschen plattdeutsch, in ihrer Familie aber ihre Mutterspradie. Natur- 
gemäss hat sich das Föhnng länger gehalten als das Friesische. 
Fand erstres doch einen Anhalt an den benachbarten Dörfern, während 
letztres auf sich allein angewiesen war! So kommt es, dass in 
Niebium, wiewohl es heute ein rein plattdeutsches Dorf zu neuTien ist, 
noch' einige Ültre Leute leben, welche das alte Nieblumer Föhring 
sprechen; zudem sind von den benachbarten Dörfern so manche zu- 
gezogen, die unter sich föhring sprechen. Der plattdeutsche Nieblumer 
kann zwar kein Föhring sprechen, versteht es fütet im Allgemeinen, 
was von Wyk nicht gilt. 

Das auf Föhr gesprochne Plattdeutsch verrät deutlich den Grund, 
auf dem es gewachsen. Die Artikulationsbasis freilich ist so ziemlich 
die des west-'ichIeswiK-li"lstoiriisi'heu Plattdeutschen, wie sich bei den 
Kindern des s|i[-:i.-hlirli ;;''mi-;i-li)i'ii tlebiets die Aussprache des Föhring 
schon dem pi:ittili'iitsrhcn .M\iiiilr iiiihert. Aber so manche stilistische 
und syntaktisi-lii' Ki;;ciitiiiiilicliki>it , so manche Wortbedeutimg und 
besonders Vieles aus dem Wurtacbatz ist von der föhringer Sprache 
geblieben; zumal das Pronomen ist halb toliring geblieben, ähnlich 
wie an der Weser- und Emsniündung ostfriesisch. Alles, was von dem 
föhringer Plattdeutsch in Bezug auf Spuren des Föhring gilt, das gilt 
in erhöhtem Maasse von dem Plattdeutsch, welches in Niebluni ge- 
sprochen wird. Hier ist der Einfluss der alten Landessprache am 
mächtigsten gewesen. Der Nieblumer wird auf Föhr und Amrum 
überall mit seiner Spraclit^ geneckt. Der Wikse - — so nennt man den 



I 




i 



m 

Bewotner von Wyk — ist sich im Gegensatz zum Nieblunier bewiisst, 
dass er ein richtiges Platt spricht. Man verspottet das Niebluiiier 
Platt als svint(x)i8k d. i. schweinedeutach. 

Ich gebe hier eine Probe des Plattdeutsdien, wie man ea in 
Kieblum spricht. Es ist eine der zahlreichen „Düntjes", d. i. kleinern 
anekdoteuartigen Erzählungen, meist in Gesprächsform, wie sie der 
Nieblumer A. J. Arfsten zu einer besondem Gattung ausgebildet hat. 
Arfsten hat eine grosse Zahl solcher „Düntjes" geschrieben, auf' 
fohring wie auf plattdeutsch, und die eigenartige, humoristische Sar- 
etelluugs weise, die uns ein so getreues Bild des Volkstypus giebt, 
sichert dem Verfasser einen elirenroUeu Platz in der Literatur, weit 
über die Grenzen seiner Heimat hinaus. — Das folgende Stück gebe 
ich in etwas verkürzter Gestalt. 

Die Bechtschreibung des Originals ist zu wenig folgerichtig, als dass 
sie wiederzugeben ratsam wäre. Ich folge meiner eignen phonetischen 
Schreibweise. Jedes Wort ist in der Form gegeben, wie es ohne 
Abhängigkeit von den es umgebenden Lautgebüdeu oder vom Sats- 
akzent gesprochen wird. Ich schreibe die Vokale u o a e i ü 6. 
Mit & bezeichne ich ein etwas nach der o-Seite hin liegendes a. Kiir 
der leichtem Lesbarkeit halber schreibe ich a fiir den eben so weit 
nach der e-Seite zu liegenden a-Laut, da ein andi'es u in der Mund- 
art nicht vorkommt. Alle diese Vokalzeiehen gelten als oflfen, Ge- 
schlossne Längen schreibe ich ü ö e i fl ß. Offne Längen: a S 8. 
HiusichtHch der Bezeichnung der Konsonanten ist Folgendes zu be- 
merken: Y bezeichnet den stimmhaften gutturalen Reihelaut wie in 
pld. höver höher; x bezeichnet den gutturalen, /^ den palatalen (aber 
den einfaeli-, nicht erweicht- palatalen) ch-Laut. f ist erweichtes y^. 
a ist unser scharfes s, z das stimmhafte französische iind engliscbe z. 
■ ist gutturales n. v ist labiodentales w. 



Unerhnlni in Niblnmer Pladätsch. 

Tliine un Sine heven jüst A6 naxterth ') af an d&orl)! du^dix vath guds foD 
Bikh siilefst*) un nox fei mfr arix^ fon ajidcrn anaketh, do kh^m Andörte okh 
nox an alüfgen') un »öd: „fiiidn äoventh! HIr khüom ikh. Vulem*) iikli tlp- 
aitern*) heven?" 

Thiue; U*) Jf'giia bivSori timn')! Klimiist dflV I>ath ia jo grauRani') nlor')! 

f. =^ führing. 

') f. üilrixterth Abendbrod. 

•) Da» e von sfilefst nach f. aalef. 

') berangewakkelt ; f.. glöfgin Diminutiv 'in slofjn a<'.hlep|)pnd geliii, 

•J f. velem = vel jam wollt ihr. 

*i Aufaitzer zum Plaudeni spitt abends nach führingcr ^itte. 

•) f. fli Ol 

*) f. biv&ori man! bewahre eineal f. bi- := be-, 

*) f. grausam ventArkt das folgende Adjektiv in aehr hohem Grade. 

•} S. rior adiiin (amring rar sonderbar). 



1S7 



Seth dl DU man vath d&ol b! uusi Mao lißr na ana'*), vath ikb scgen vul: KSomen 
ar") nix ni^rn? 

AndÜTte; .Ua ikli Ißv") dänr khomth n liOlo HSod. Matije khomth ukh 
noi viB>'); ai h atli Jürgenc"). D&or sitns uiith alc man en !&■ uii thäiD brfid ihA 
the thütja'*) uD llotn sikh fon Maige Bbüiea"). Ikh khaa dath güar un gana nix 
bigripen")"), vft s* dalhales") so iijide Üifibltdn") sfn klian, vath man bilcvoii*')sgal. 

Thine; Sdil ans")! Ikh l6v"). dÄor kbmutli Elke Matros an knoltrn"). 
üph a") gaakh agiil ikh ath") al segeo. Nu «äd ikh dath nix. du »darfst noi nix 
10 g&u**), im sbrökou vi jüst fon di. Vath vul ikh nox segen: bist nix hi tb 
kopelfim"j veat? 

Klkc: l.iatli fenidäith aikb. So lau aa ikb krAjicn khan, bliv Ikli oix in tb 
hClB, ven däor u pbSor kapclfirf**) vardu. 

Tbine: Jüst bo gäith mi dath ukh; man'*) inln agürtldäkh ■*) is nii ao 
alontix")' datb ikh ar") lui gänr nix lenor luitb s^n läotn khan. Man b6r ans"), 
Tftth vul ikh noz segen: Datb is jn dox an**) dSzijn man^r, so bulterdepniter 
boxtbtd niänken, dath ar") nüinens via um vard"); nSdiJn ditor h^mlkh ala grAtn 
un Uotn jer*") ne^sdn altemäo]*) sito. Ib datb ukb dox an adll ! J. H. vir nkh 
sblitndol*'), he vi'r rüln (itb licin") Bjilefst*), un Bf>ph aikh fOr Ittter ferdr£th an 
unvlsD*<J h&orbQdl. I)ath dänr") gnltmanix") thflXi vath i« vnl fln väzn; s£ betb 
vol Qver a Mle kharkh sgünith**). 



lal = ii prnpns; 
} Flickwort, eigentlich: dort, da. 



1 plnmp nnd ungcacbickt etwas bandhaben. 



^'^ (. man barki nü ans, harki ua aber 1i 
einmal; man nur, aber. 

") f. ar kaum übersetzbar 

'*) f. Ifeven glauben. 

'*) gowias =^ f. vas. 

'*) f. ath bei; atb mit dem Genitiv des Eigennamens besieicbnet die Wohnimg 
dsB Betreffenden; so f. at Azmb bei na», in nnserm Hanse, in unsrer Familie. 

") f.tbctxin saui^en. Nach th A (f. t hii) fol)^ das Objekt des Inlinitiva nach 
f. Syntax, während es nach deutacber thu vorangebu würde; ebenso bei Kom- 

Iz. B, tbii amkhterD umzukehren. 
"2 f. sbüei wahrsagen. 
'5 f. gripen greifen. 
") Nicht etwa aus dem nochdeutschen, vielmelir f. alea alles. 
'•) f. bUdn Blätter. 
*•) f. bllevin erleben. 
•n Partizip von f. knoltri 
»5 t a bestimmter Artikel. 
"•) f. halb, ath es. 
■*) f. gau, gäv srhuell. 
"I kopulieren, trauen. 
••) f. agortldukb Schürze. 
"l f. alontex zerlumpt; alonth, Plur. : 
**) f. a u unbestimmter Artikel. 
••) f. Tis vurd gewähr werden 
■•) f. j a r ihre. 
■<) f. »Itamäol, altemiul allzumal. 
■^ t. sblitn zerplatzen. 
**) f. ham ihm, sich. 

'*) f. ün vis, eigentl. „unklug", dient zur Verstärkung doa folgenden .\djektivs, 
**) (. d i d I e r msc, J ü d f e r fem., dath dier, dadicr nie. eotspricbt un- 
gefähr unaerm Jener"; eigentlich heisst z. B. di dfer mSon der Mann da. 
") f. gratraÜnnex hnchfahrend. 
»») f. sgürncn Kliuzen. 



Lumpen. 



:, anaiditig werden. 




tss 

Elke: Dior kbanst dflrl uph gegen. Tkh hev lier**) rext upb un Mol, fen 

fdrn un fon «teni bisfin'). Se Iiir ßy rSoraen ia her") Bgörtldökh"), »a den d* 
bre"|'endflkli, ne ikb khun d*or vul för slilen, d* lii^le khopli sdokh ar") blovcn IHli 
dSr'°), SU stnal hür s df dAkh. Man s^ sflth ölciidix arix**) Ulli, un Bf s^Ih ukli 
in B") kliarkh thö redln") us sn n lilaksgitcr*'). Man") um ans") uph an*^ 
ander Sdükh thft khiomen : Heven jem") dath shil ukh hßrd, valli vi hfr mith Rode 
in O^dercnd härn 'f 

Thine: JSo tkh v£th val, dath hf mith n «ukh fnl slontu") flth thA de 
Vikh") vCr. Man dfl v^tst jo vis") beter hiBi>th. fertlid uns datli den doil 

Elke: Den muth ikh jem") dutii jo mix gau") fertheln. Ri'>de kh4>m, likb 
as th sin vis is, so dronken") as n svla fnn a") Ttkh*'). im aa M bt Kriln Aodnlfs 
h&8 is, dö bigOnd") h^ th(V theln ^(•n hfts. tvi» lifla, drS hÜs," d6 fand \ii an tbt 
sgSdni*'), un — perdauach! — do s^oth hi dAol uph a nes in tfa slober") un 
scxt „Kr hOs." As hi ou veder Dver end kravlt is, do dräith he dvaa af un gSith 
likb thö in in Ein BO Jitokops hfls, seih sikh dflol ßr Einher") beth unbigitud**) 
thA Qtreken'*); den h£ ni^nd jo, datli hi falix'*) anAx IbO htn vtr. As h^ tover 
d^ bUks ftth bär nn thö bed krdpcn viil, da sbriatb Ein likb (tili geyen bero**), gSith 
dör tli BlaKfenater*") ftth in a") hnf iin feradekth sikh in a") kli/il; den st mend 
jo, dntb v^r an*") naxtld-^er, RMc m^nd Anverst, dath Sisl man ans") Oth in a 
bof glAid*') thA phisn, krüptb thä bed nu ali'ipth gillkh tM un bikhünerth sikh ttkh 
nix "tir um Sisl un d& hMe veltb. As dat ö! sdakla") Ein do heludal") bikbülixt 
v(r, dA bigünd") s6 dflor thn boln") un thA Uvend mSokcn") in den kh6t, dath 
Nils Jebe niitb a") sraber") kb^m, un Jemens") Jan Hencrkh bb^in mith a") 
knSobenn81n")an lApen un m^nd, hf sgnldatb hWe dürphgau") th6ph")knÄobern"); 
man '') as iU- ßo man hHrd, vath d/tor thA bAIii v^r, do rend M gilikh um tbA 
KAde un knltubcrtb") hcm") so las initb abi knilohermSln ") fSr dr Arn, a« ht 
bem") väoken hSr, un d6 lirAxt be Rode ihA hfts tliA Sisl. 

Thine: m, vatb is dath dox an») kbßrl, d* dilor") RAde, bO is datb lös 



I ArtikeL 



■•) f. her ihr, sie. Gen. Dal. und Akk, des femininen Demnnstvativi 
fem. Poaaesaivura der dritten Person, 
"1 Ko f. ohne Artikel. 
"1 f. terex arg, schlimm. 
**) f. redlin zittern, beben. 
") f. blakh Tinte, sgitu seheigaen. 
•*) f. jam ihr, cucb, Plural der »weiten Peraon. 
**j So heiaat Wyk führing wie plattdeutsch, imme: 
**) f. droaken betrunken, 
"i f. bigand begann, 
"i f. 8g6drin wanket). 
'•) f. sldher Morast. 
*5 f. fÄolex ordentlich. 

"J f. alSoivfinea Srhiagfenster, släoidör Sdilagtur. 
") f. g 1(1 ei glotzen, atec-hen von kfirperlicheo Schmerzen, boscbeo. 
-j f. sdjokl adäokls arm = elend. 
**) f. blelndal [=^ hicl an-d al) ganz und gar. 
•*) f. bolio brüllen, 
« f. svaher Besen. 
*•) f. jamcns der Eurige. 

*') f. knäobrin klappern, k nitohernialn Klappermfthle. 
'") t h ö p h — t b .'. b A p li «io f. t li fl ]i h - t h u h fl p b. 





") fiäer nix, ^^n däor mf so rath 
en ih iikh df netade ju» gast") fBr 



129 

l&pen jo nix bitrßtli. I>A maxet ml nfl iRvei 

pnsfirth iip an nanteia**). ik)i vurd ddzix. im ' 

de Teltli vfr. 

t'Ake: Nil, mi, Tbine! Nu IRv") ikh dox, datb dQ bSoventh h&rth snakeHt. 
I Ven d8or n mAol ^n fnn d^ jiiB ftesde*') khem, den letat dQ hcm") fei thA gfrn uph 

bl dt kr(lp?i), 

Thine; JSn Elke, liRr ans"i, dath v'^r jn gn n sSfikli I Ikh v^th nix, ^ath 

ikb ,dAor tbf> seilen B)[al, Ikh hcv an*>i vfkea nathfir tm khaa nix gud n^ segeo. 

Ikh lßv"j dath vard mi al svSor um Nils Jebe aftusgüHn"). SS aegen jüsl, dath 

hem") de khoph d^ir I6pen is ; man ") dSor vard jo a^ fei IAhy^'I' 

Elke: Lln-j^nV Nu ditor khanat dßvl uph aegenl Man'*) alikeful") 

dSonini: NtlrJehe miith dox an") dum bfst sin. Den ikh ver nlB^jina") Pask- 
r halix-dÄoYe") ath jpm") um viith fldotn**) melkh, d6 sed hfl thA ml, dath bi? vul 

Dph in th haf") thft phorn sdriken'*)"!; he khtin th Sober nix fi"" 'ö a"l kalender, 
I Ten th eb vor: den be si>xt in tb fraxbf^kli'*) dflnr rum un meud, dath dath a 
■ kalender rer. 






'^ f. an uÄnxtem nacbta, altp 

■•) f. JOB gnKt junger Buranhe. 

") f, agafl Srhaufüt, a)zof1in schaufelt), an »gi 

") f. alik(e)lül gleichriel. 

") f. näig neulich, 
) f. Paesk Ogtem, balix lieiüg. 

") f. jar ihr, PogaeBsiv derdrilteti Peraoa: albja 
I **) f. fiedn abgenilimt. 
^ •') haf bt daa Wattenmeer, 

"l phor Oaraäle (Biiuillai. »driken atreichen; ! 
Stem Htreiehen. 

*•) Frajtehudi. d, h. Katechismus. 



fl f u ei 



n Korb bekummen. 



n hei ihnen, in Ihrem Hause. 






sdriken 



Otto Bremer. 




m 



7 



Hans unter den Soldaten, 

eine Posse des 17. Jahrhunderts. 



Welche Bedeutung Rists unter den Eindrücken des dreiesig- 
jftbrigen Krieges entstandene Zwischenspiele vom Soldatenleben durch 
ihren kräftigen Realismus und zeitgemästten Inhalt fiir die Kntwickelung 
der niederdeutschen Komödie hatten , ist von Gaedertü in diesem 
JaJirbuch VU, 101 — 172 austuhrlieh geschiidert und von mir ebenda 
XI, 160 f. dureh weitere Heispiele') begründet worden, Handelt« es 
sich dabei um Werke, welche durch den Druck der Naehwelt auf- 
behalten sind, so vermag ich jetzt ein handschriftliches Ürama mit- 
KUteilen, welches gleichfalls deutlich Rist« Eintluss verrät. Ein Streit 
zwischen dem Bauern Hans und seinem Weibe Talcke, in welchem 
der erstere den Kürzeren zieht, giebt ihm den verzweifelten Gedankea 
ein, unter die Soldaten zu gehen, um nicht dem Spotte seiner Nach- 
barn zu verfallen. Unterwegs aber gerüt er marodierenden Kriegs- 
knecliteu in die Hiinde, die seine Einfalt benutzen, um ihn, nachdem 
sie ihn zum Scheine angeworben und eineserciert, im Schlafe seines 
Geldes und seiner Schuhe zu berauben. So muss er sich entschliessea, 
die verlassene Frau aufzusuchen. Wider Erwarten empfängt diese, 
welche inzwischen in Not geraten und von einer wohlmeinenden Nach- 
barin zurechtgewiesen worden ist, den Heimkehrenden reuevoll und ohne 
Vorwürfe, und als versöhnte Eheleute treten beide in das Haus zurück. 
Abgesehen von der Figur der zauberkundigen Nachbarin, welche 
als ein auftalliges Gegenbild zu der in der erzählenden und drama- 



') Der Klageruf des Bau enik nahe ii in dtr Irenarotnachia (Jahrb. Vfl, 132): 
'0 Oott, Gott, lathct tiiy doch niyneii Vaer, ick licbbe yn man den einen Vaer' 
klingt wieder in i^iiK'i' .\iir'k(|r>ti'iisiimm!iinK 'Den Uhralleii jitii{ieD Leycr-Matzs Liiatiger 
Correap(indenti!-fii-i--i im'^ ■■ '■! m-, % (aurh im Ma. genn, quart Ulli iir. IH der 
Berliner Bibliotlicl. .■ > . ' , i.nlitige Beknitensceae des Perneiiä i.lulirli. VH, 

144— U7) erinu.'M ■! ■ h i: iPTiing der Kompagnie in dem 16M inilget'iilirten 
Kreiidenapiel des linrh.ii-i 1: in, iii'i/ii'liers I)aiiiel Richter vnn dem Xiiinen t'ried- 
liebeuder Gemflier (H, DniriMit, /cifsrhr. f. thüring. Gesch. 11, 124 f. lÖKSä); hat 
vielleicht Falstaff« Werheerene in Shakespeares Heinrich IV. (2. Teil: [11, 2) hier 
anregend f^wirkt? — Wie in der Irenaromachia (Jahrb. VII, IHß— 13H; ebenso in 
der Germnnia luxuriann IlUa lind in der Ratio nlatiiii ItHW) der Bauer die Friedens- 
giittia nirht bei sich l>ehertiergen will, weil er den gesetxhiHen Zustand des Krieges 
ITir V urteil bafter biLlt, sn weiat auch in einem üden, 167!) um Hnfe EU Weissenfels 
agierten 'theatralischen Diacur«' Jiihann Itiemers vnn der crlitatcn Oemuinia I, 7 
(Riemer, Der Regenten Bester Hoff-Mpiatpr Oder Lnatiger llnlf-I'arnHssus. Leipxig 
16öl 8. 1!M)— 1Ü4I der Bauer Parnl den um Consrieiitia und dem lustigen Uiencr 
Neutral ihm verheisseneii Frieden aus dem gleichen Gninde /ururlt. 



161 



tischen Dichtimg des IC. JalirhundertR so häufig als Stitrerin der eh&> I 
liehen Eintracht suiftretenden Hexe') ihre Kunxt nur zu gutem Zwecke j 
ausübt, sind dies alle» längst dagewesene Motive, wenn auch Ter- J 
stundig zu einem abgerundet«» (ianzen verbunden; auch in der A.U8- J 
fiihruug zeigt sich wenig dichterische Eigenart. I^eider ist uns d6r 
Namo den Verfassers nicht tiherlicl'ert; die Mundnrt weist, wie mir 1 
Dr. Seelmanri iVi-iiiMlIicIist uiittcill. .iu( •Vu- (Ic^fud am i.beren Laufe der 
Alter. Die h.kul.'ii Aii>[.iclLiri-cri mif S. 1 :17 i W-kcrMcl. 13üf. vermag ich ' 
lücht zu erklUriTi. HntsLimli'n ist iIils Slii.k jcdciiralls erst nach dem 
Erscheinen der Rbtschen Ireuuroiuachia und des l'grseUR, also nach 
lß34. Um auch einen Terminus ante quem zu erhalten, müssen wir 
uns die Handscluift, in welcher dasselbe uutliewahrt ist, genauer an- 
sehen. Zwar ist schnn IMUf) in einem Aufsatze der Altpreussiscben 
Monatsschrift 2, 228 — 244 'Aus der Üanziger Stadtbibliothek' über 
sie berichtet worden, doch hat sich der ungenannte Verfasser auf 
eine Inlialtwangabe der darin enthaltenen vier Dramen*) beachränkt, 
ohne auf die Herkunft derselben und die t^iellm der ^tc.ffe einzugehen. 
Die Handschrift behndcl sirli in der Dari/i^'cr Stmltbibliothek 
(X fol. 30), deren Vorstand mich ilurch Dhersendüug dersclbeu nach 
Berlin zu Dank verpHichtet hat, ist im 17. Jahrhundert entstanden 
und stammt, nach dem Einbände und der Schrift der ersten Partie 
zu scbliessen, höchst wahrscheinlich aus dem Besitze des 1703 ver- 
storbenen Dauziger Rataherren Georg Schröder'). Sie enthält 139 
Foliobliitler und zerfallt in vier urspiüngUch getrennte Teile auf ver- 
schiedenem Papier ( Wasserzeichen) und von verschiedener Hund : 
1) Bl. la — .')«'' Abschrift von Joachim von Sandrarts 1675 zn Nürn- 
berg gednickter Teiitsclier Academie. ^ 2) Bl, Gä» — ^I12b Zwei fünf- 
aktige Koniöilien in Prr»sa; die erste titellose handelt vom Herzoge ' 
von Ferrara*!, seinem Solme Tiherius und der Prinzessin Anabella von 



■ an den iift erzählten Schwank von dem bOsen Weihe, 
das den Teufel selber bearhamt iKirrbhcif, Wcadunmiil 1, 36B), und an die zulil- 
reiclien Dramen vun Isanka Heirat und vnn Tnbias , aus denen wieder andere 
enttetinen. 

*) Gerade Über aaaer SlUrk ist das Referat S. 229 sehr knapp und uugeuaii; 
*£e ist . . . mit einer kaiun lesbaren Handschrift iu einer Mischung von platt- und 
hochdeutsch geschrieben. Ein Bauer, seine Krau und zwei Soldaten sind die han- 
delnden Personen. Den Kern der Handlung bildet ein Hauh, der gegen den Bniier 
Ttrfilil werden sull, der über nicht [!] zur .^uüfiihrung kommt. rrQgeIcieu und 
UnflUtercicn jeder Art sind die drauiutlschen Mittel, die in dem Stlkke nur Er- 
werkung de» InlRressRH in .Viiwcuduu;.' fri^bnicbt wonlen sind.' 

*) ilhpr «'-iii hid'i'fvM' ;iii ai;i.iiiiriMlien Werken vgl. Ha«en, fiescbichte des 
Theaters in rri'iis-iii 1-:.| >■ '.r, n.j i:;t 139, Altpreuss. Monutsachrift 2. a28. 
W. Creixenncli. il'-liirM,. ,1,- V,.|k-. Uinisi.iel« vom Doctur Fausi R. 47. C. Engel, 
Du Volkm-lN)us]>i<'l ]>•■],<.;■ .Inliaiiii l':.!!"), -2. .\ufl. S. 33. 

*) WobI idniti-ili nur il. r lli.i..ii>' M>un Annabclla eines l]iit/..>(;rii l.ubter 
von« h'cri'iirii'. nrliln* li'.m ii]:iii,r in- kLuiiiidiantcn üu Ntirdliiigeii iiLiiin-" "ulliin; 
vgl. Traut loa IUI, .\iili. 1. I.in (ii--.,li l l, i;.;:.. [lagegen mag dad li.Jii /ii hn'-ilru 
aurgel'übrTc Stiu-k vr>iii lli'i/.-^ ><>ii l.'jr.ii.i, wie -tpAtere Anführuii^rni /m^i'U, i-ino 
VbcrBct/ung von Kleti bi.'irf M.inl o) llir Mill jtewesen sein (Fürsleoau. Zui Ue.^i 



d. Tliealers 



L [)ii:sdeo 1, 




Iieor. /ii 
katal.'u 
iipmerkt, 



m 

Mömpelgard, um welche dieser für seinen Vater werben soll ; die 
andre heiest; 'Der Stummp Ritter Oder Vntrew Schlecht lliren Eygen 
Herrn. Tragi-Comoedia' und ist eine Bearbeitung von Jakob Ayrer» 
Comedia vom König in Cypern'). — 3) BI. IIS» — 127'' Zwei kleinere 
Prosadramen von andrer, acliwer lesbarer Hand auf fünf in einander 
gelegten DoppelfolioblatteiTi von grosserem Formate geschrieben; die 
Flecken und Beschädigungen der äusseren Blätter /eigen, dass die« Heft, 
dessen 20 Seit™ vom Schreiber selbst numeriert sind, schon länger 
lose für sich bestand, ehe es mit den andern Teilen zusammengebunden 
wurde. Aus den vielen Korrekturen des Schreibers möchte ich scfatiessen, 
dass es nicht die Absclu'ift eines vorhandenen Testes, snudern einen 
Entwurf von der Hand des Verfassers enthält. Bl. 118« — 121'> steht 
das unten abgedruckte Possenspiel, dessen Titel erst auf ßl. 127'' folgt, 
während eine spätere Hand auf Bl. 117* einen neuen 'Kurtzweiliges 
Spiel' vorgesetzt hat. Bl. 122a — l27b enthält eine magere und dasu 
am Schlüsse unvollständige Dramatisierung von Valentin Schumanns 
'Historia von zweyen Liebhabenden, eines GralTen Son von Münipj>el- 
gart, genant Herr Obristoffel, auch eines Hertzogen Tochter auss 
Engelland, mit namen Ferouica' *), deren Inhalt mau in der Altpreuss. 
Monatsschrift 2, 229—231 nachlesen mag. — 4) Bl. 128»— I3!ll' Unter- 
richt Vom Buchhalten und Kaußmanschaß't zu treiben. Die Muster- 
quittungen tragen meist die Unterschrift: 'Jacob Schwab, Danzig 1593'. 
Es entsteht nun die Frage: woher kamen die Hanilfichriften der 
vier Komödien in die Hände des Danziger Ratsherren und späteren 
Bürgermeisters Georg SchröderV Sein Tagebuch aus den Jahren 
1665 — 1675, in welchem er nicht persniiliche Erlebnisse, sondern 
allerlei Wissenswertes aus Biicjinrn. (icsprücben und Predigten zu- 
sammentrug'), berichtet auafiilirlirli hln-j- dir Auflliliningen einer 1669 
in Danzig verweilenden Komodiiiiitiidüuidt' und giebt den Inhalt ihrer 
Stücke au. Die sich hierin kundgebende Vorliebe Schröders für das 
Theater lässt die Vermutung glaublich erseheinen, dass er jene Schau- 
spiele aus dem Besitze einer solchen Truppe erwarb; eine ganze Reihe 
von Schauspielhandschril'ten des IT. Jahrhunderte* ■^ind niis hrkunntÜch 
auf ähnliche Weise, durch das Interesse fiirstlii'bfr Pitmhicii, denen 
die Komiidianten sie zum Andenken an die Aiittiilinui;,' dedirii'rteii. 
erhalten. Leider sind wir noch zu wenig über dii' Waiiderzüge der 
einzelnen Truppen in dieser Zeit unterrichtet, um festzustellen, welcher 
derselben jene Stücke entstammen. Deutlich erkeimhar und liir die 

■lii I. -', i:il f. lind Schau- 

■ l'-i üfumt eigenen 

' i' ' Kiiiiiiiilinnl C'n«ji»r 

il ■ .i' iiiiuijrisrlien lleinoKe 

. .lüllLll. l, itö). 

L-^. daun ohne aeinea Namen 
den Leipzi((er Oitenneaa- 
' icdeke, r.nmdrim «l, 4m 



2 Vgl. viirlftufig Tittmann, Schauspiele 
3r engl. Komiidianten S. I,1V 1'. Uer 



') lluLids.'lii'ift di'i' iiaa/Anur 



i..tli.ik 111 A t.il. :-Hi. 




133 

Herkunft iiiisror iiiederdeutsdien Posse von Wichtigkeit ist der Zii*j 
sanimpnhnng mit Hnmburg. Ein Königsberger Andreas Gärtner, i 
welcher lfi4(i — 47 mit mehreren Studenten zu Hamburg unterschied- 
liche Trauer- nw\ Freudenspiele zum Teil nach Art der Italiener dar- 
stellte und Uist ii;ur Abfassung seinea Friedejauchzenden Teutachlaiidt 
veranlasste, ging von da nacti Danzig; Hamburger Principale, wieder 
oben erwähnte Caspar Still.T. Hi-inricb Miins'). Ad. Andreas Pandssen'), 
besuchten in den fulsirinlcii .riibr/rhiitru tlic grösseren Städte von 
Norddeutsdibind . b.'siiiiiliTs alicr biircii wir von der unter Carl 
Andreas Paul tider Carl Pauhiin steliendfti licscllschaft, aucli Carliscbe.j 
(lesellschaft oder Haudiurcisclic iüiiiiorlianten genannt, welche l^fiSj 
bis KiT'J an den verschiedensten Orten auftaucht: UKirj spielt s' 
Frankfurt a. M. und Basel, KifiS in Güstrow und Lübeek, lü74 inJ 
Dresden und Prag. 1079 wiederum in Dresden, ausserdem bereist siel 
Dänemark, Schweden, Lüneburg und lirannscbweig'). Vielleicht haben J 
wir dioclhi' ;iurli in ilcn nicht iiiilicr ln';^ciihneten Komödianten wieder- j 
zucrkcnrii'ii, «i'lilic liiili) bis zu Kndc (lc> Jahres in Danzig und Ifi70l 
in Köni^'sliiTj; ^inltr:Ltri|-'). Die n;74 in licr letzteren Stadt anwesende J 

■buililriii^'li.' (■ |iM^iiii'' wird auf der Reise von Berlin an Danzig 1 

iiidit mi iilirm, viiL'i II ^riii. ebenanwenig die im Januar ICffÜ dort er-J 
scbi'im mir Smi h-i-cln' ('cii[i|i;igiQe', welche indes schwerlich, wie Hagen 1 
nieinl. mit der 'rin|i|i<> .Inliaiin Veltens identisch ist, da diese damals 1 
im Westen Deutschliinds weilte^). Genauere Nachricliten werden sich] 
wühl noch iius den Danziger Uatsakten gewinnen laHseu, au» denen j 
liöschin nur beispielsweise tiir die Jahre IfiOI und 16!)5 die Gesuchs* 
fahrender Schauspieler ei-wähnt. 

Bei dem folgenden Alldrucke der Handschrift ist die Schreib- J 
Vfuise derselben genau beibehalten worden, doch schien es zweck- 
mässig, in der Setzung der grossen Anfangsbuchstaben, in der Ver- ' 
Wendung von ii und v und in der luterimnktiou den heutigen Gebrauch ' 
an die Stelle der alten Regellosigkeit treten üu lassen. 



') l(i(i2 iu ^■rHukru^t. K. Mcat/el, Artliiv f. KrftükfurtR fJcBch. Ü, Ül. 

*) Ilitiii in lluinlmrg. Cxithoer Thcnterkaletidcr lTä4, 44— 4('>. K Riedel in ^ 
K. K<i|>timniiii. Aiix IlamburKH Vurgaiiffcaiicit. iCnti; Folge insti S. 306. 

') l'l. MwiUcl, Aniliiv lur Frankfurts Gesirh. 9, 92 (1882). A. Burckhurdt, 1 
iii-itr>ii.'<' y.nr (icncii. von BaBcl 2, 2i>b (18!t9). Bäreiiiipruue, a. a. (). >'Qniteiiui, I 
Zur ii<'s<li ikH Theaters m Dresdou 1, 2U und 'Jibü. Teuber, OeHuhidite de« J 
rrHK'T Tlicaters 1, 78 {l«H3). 

•) <1. Lömliin, (ieBthidite Ilaniifts 2, !II (1H28). E. A. Hagon, a. ». 0. 103 f. , 

■) C. Heine, JohauueH Veiten. Ltis«. Halle 181^7 t>. 10. WahrsuheiDlich igt 4 
fyr Ptiiici]ial Jacob Kuhlmann aiiR itaurüsn gemeint, welcher in den Jahres J 
1666—1604 in liii-cl. hV:LiLkliiri, Prag und Wien Riiielte. Vgl. ßurckhardt a. a. Ol | 



Archiv f. Fm 
Wiener Skix/.ii\ 
■acht hat, ^i'ln 
"(liurfDrBtlkh >.i. 
in Dresden ii 



in Dresden i 
amar y forlu 



ll.ö f. Teiiliera' ft. D. I. 72. 7i(f. H4f. Schlager, 

>l. — Da-iB aber Veltonii Baude auch Üanxig lie- ' 

.ibund den 27. .August ii. J. datierten Zetl^ol dw J 

11 HotT-Comoediaalen' hervor, welcher eine auch 1 

gegebene Bearbeitung von Calderons Laneet dm ] 



yfoHunn ankündigt lAltiiruuss. MoniitiBchritt 4, 3B0. Ze. f. dtsch. Phil. 19,92^. I 



|iü7h| Hanss sieii \Vp;:;tog naiiiii Kriep' iiiiilc Werkniiffl. 

In 5 leiftlifke l'])toge gevatet, iinde tlelmie. deet wecteii will, henilit 
gpgHVen vonn einem, deet woll wiiste, sien Nähme isa sosh Tielkii 
Haweliinase, walinhiifftig dichte by sienem Naber, unde aieu Naber 
wass ein Ekbness. det wette noch woll .lau wisse, nsse sick de Megde 
dess Morgeuss dat Hembdt iiphuren, waii se seck wilt flaihen, dat wilker 
by segeu, im nlffnudtwintigst-eu ') Johre am taukunfftigen Tago. 

Ln8»j lAetus 1.) 

Haasfl. I'fii (Jatt ick nimmer gut schau, fist ein wenig still) wo 
mautt Bifk ein Kerl bnieii laten vam Wive! (stille ein wenig) V.eV mag 
Seggen, ot-k haffe FieTit ! (still ein wenig) Wo mag se nu bcn blieven, 
deftileMehrcV('s(yHejTalckt*! (siilU) Takke! (still. Talckii anlwoHvl: 
. . . der geken ... wo nii, wiiltii dn!l werenn'/t Wutter nidit herut 
iit den Flaien? (stille, utidt Tulcke untwordet : .\ii. ja, teiiff, Hans!) 
(iii t'ort un bringe nieeck min Wimuni's nict! 

Tali'ki;. t>k widck wat bansti.-ii*) : wuttet bam-n. sau balct; 
dar bist« Flonackc sidvest scblimm naucli tau. 

Hanas. Talcke. ga fort, aegge eck, (u- et willer »uess Stöte i-egen. 

Talcke. Ja, ja, lat sachte gan, Brawer; wai wait, wai täa 
anieren biem Koppe kncht? 

Hanss. Eck segge, Talcke, ga vurt, air eck wvi' teile; er eck 
wilek HDch aischen ummet liür bnsa gan'); iaset noeli nicht Tidt, 
datte npstaist? D« Snnne sit ja all Bornes hoch, auli cu veli fV]; 
wo nich balle gaist, sau wilckek balen. 

Talcke (iufnit). Ilritc.ker dr I'ivittiik l^l eiimiall ute loirt ut 
den LusenV Stiss lis^sle ja alle 'l'vl. Iict daltcik de Suune in teni 
Aho schienet. Sil doeb, Her rriau, bestii im mall den raschen Bartold*) 
kregenV I)u bi.st ein fin (.>a«t, dat nmgstc woll seggen. 

Hansa. Kumate nu, LieaentritV Seit, wo ae galt; Lamnieruititi», 
Güsche Meiborg, [Gerjtrut |Stlink[üv|elI, Ählhait Stinkfott, eck wück 
noch hüte de Schau uptain helpeii. Wome störten Sukke leate dat 
Wümmes henV Haate Boneii innen Obren':" 

Talcke. Du achast meck wat aniers daun, eck wil dien Maget 
sin, dar tüiff noch! 

Hun.'«s. Uat muüte den all de Sucke willen, schoick den den 
Hellvogel nich twingen können, dar ias ja suuimer de Veiten noch 
HoHh nauch im Lanje. (siehst uml suchet nach einem Knuttell und 
sciUegt fias Weib.) 

Talcke. Sehla. Schelm, schla, datteck faft'tig Tunneii vul ia 
tem Livu valii'e, du Daiff. du bijae Wigt (hier hört das Schlagen tiu/f), 



') AuBdiiu;k für eine unTnüglidic Zulil ; vpl Kuiis 
1 R. Köhler ia64 S. 152, !). 
') ausgeatrichon : scliietcn, 
•) etwa: via SdilaR iiinmct llrirliiis jjuvenV 
'1 'Ihiri.'hfair v[;l. daf? vulgäre 'sirliuello Katrine'. 



alte Km 



hrsg. 




(lat wilkek wer denckeii, iiier aiii Stuniio taum Knie gait, er pkV will 
eine ehrlose Sclinnkhaner sieiin. (gehet ale und holet das Wammess.) 

HaiiHs. Sil, dat woste liJitFeii, dar lia»te na ratiKenaiert, dat 
moste de ijjrote Krancket hafleii, datem dai i'Uemeiificheu Wiver 
nicht twiiigeii könue ; uain. man mauter Holt njikileii, datter dat Haar 
van atufft. 

Talcke (intrat). Su, dalir hastet; eek woll, datter mit am Bume 
hantlest. 

fllf*] Hans». Jucket deck Haiiren dai HufftV Schalrker deck 
■wer upkonien iippet Fell? 

Talcke. Ja tniff, erk dencke nfcwat; wai wait, «*ai Mewter ist? 

Hiinss. Seher her un helpot meck antain; kaneker doch nich 
ilikiuiLeii in ili> KlaterM. 

Till, kl' (helfet ihm. «nd windet ihm das Wammes itmb den Kopff 
und Afiiii: und spricht.) Uppeste') wilck deck den HiUlrian wer singen: 
SU dahr, "ai isa nii Mester? Wütte noch mcr dat Will" Scillaen V (Hansa 
ruffet.) Su, »au inautem den ellcmen»clieii Kerls deri[n] scliniercn, sau 
wettet sai, wo sc naen wcholt. 

Haiiss. Talcke, Talcke, liartelaiHe Tahke, hür uj), eck will 
alle min lifl'esehe Levetage nich mehr dann. (juarteir, Quarteir! 
Oh hitfink Irws, eck will gern from sin, eck will gern dann all, wattu 
raeok liest, min tnitste, leivste Wicff. 

Talcke, Ja toifl', wie mottcter noch bet an; hör, du Schwin- 
«gel, wnte uppcii anner Tit dick heter holen? (respond: Jn.) Wntte 
nich mehr in den Krauch gacnV (resp. Nein.) Wutte goni spinnen un 
haspeln? (resj). Ja.) Wutle meck ok nich wer schlaen? (res]i. Nein. 
hier leaset sie ihn loess undt gehet davon). 

HansN. Wan dat deck Ravenvell de Krotsnhenger') hale! Wo 
hat meck dai Hanr taugeret! I'fu, eck mag meck woll in tem Ai>ie 
Schemen; wo wilt ineek uu de aniern Kerlss triheleiren, nu darIF eck 
iMph mebi' hie öhn tau BUyr gan. Aterst eck weit woll, wat eck 
dauo will, eck will niicne PUiraen*) tau hopc kriegen un will nam 
Kriege lopen, eck willmck ein anicr Wiff geven laten und laten dusse 
böse Seven man hie sitteji i)iicven, ile will doch allclit Mestcr speien 
(gehet abe). 

Actus -1. 
Fritz undt Jeckell, zwey Soldaten. 

[Fritü.] lloi'stu ISmdor Jeckcll, ich wollt heim Kllcment gern 
aauffen, undt habe dnch kein Ocldt. Weistu nicht einen frischen An- 
schlag, wo wir kirnten (leldt machen? leh weiss, du bist ein rechter 
Maussknpf; wei.stu nicht, wo die Itauren das tieldt haben, oder wo 
eie das Vieh hingctriebeu? 

■^1 Fetzeil. (Sthambarli.) 

*) = up de stede; ebeasu unten S. 130. 

') Grericlitshcnker. 

*) Kleinigkeiten, eig. F'lanmfedem. 





1 

L 



13« 



Jeckell. Meüi Bnider Fritz, it-h weiss bey dem hnudeii tauseiidt 
Herigt woll einen praven Anschlag, da wollen wir l»ald zu Gelde kummeu. 

Fritz. Sag an, wass ists? Ich mache immer mit, ist wass zu 
mausen. Ich gehe fiii' die lange Weil mit; werde ich gehangen, ay 
werde ich gehangen, es muss doch gewaget sein, unser Ohcrster gibt 
unss doch kein Gel dt. 

[119»] Jeekeil. Lass dihr sageu, Bruder, gestern bin ich ini 
negsten Dorff gewesen, da habe ich veniommen, dass ein Bawr, welchen 
sein Weib geschlagen, sich furgennmmen, das er will in den Krieg 
ziehen, der wirdt bald diesen Pass herkommen, der hat Geldt bey 
sich, undt wirdt aucli gute Fresserey bey sich haben: den können wir 
anschnüren und gute Wordt geben, bis» wir ihn an einen sichern Ohrt 
bringen, so muss alless unsere sein, wass er hat, 

Fritz. Sa viva, der Anschlag ist gnht, ich weiss nicht, wass 
ich von dihr sagen soll, du bist ein rechter Partitenmacher. Ich 
glenbe, du kanst hexen, das du alle die Din[ge| kan.it erfaliren; weistu 
aber gewiss, das er diesen Weg wird herkonimeny 

Jeckell, Verstehestu dan nicht, du schlimmer Hundt? Meinsta, 
das ich keine Kundtscliat't habe? Alhier wollen wir unss verstecken, 
er wirdt woU halle antreten könneu. 

Fritz. Su will ich die Weil schauen, oh ich irgcnt den Uawren 
ein Hun stelen kan. 

Jeckell. Bleib hie, du Nar; mich ilaucht, der Dieb sei schon 
verhanden. (Hans hebet hinter der Decken^) au.) 

Hanss (intrnt mit einem altm Degen und Kuajisuck). 'It woll si(^ 
einmall utriden, sprack sick Meister Hillehrant ; wol uicck dci Wego 
dait wiesen woll in diia f'renihde Landt,'*) 

Jeckell. Hüer hir, Landsmann, wo so luatigV wo wiltii hinV 

Hanss. Nam Kriege, nam Kriege, immer landin, d;i de Piiiju-r 
wasset. 

Jeckell. Eile doch nicht so sehr, nim unss 
aucli Kriegesleuthe, 

Hanss. Wat segge jy? 

Jeckell. Wir sein auch Kriegers. 

Hanss. Sunt jy ok KriegersV 

Jeekeil. Ja. 

Hanss. Wette jy meck den nicht natowisen, 
Böversten andrepen kannV 

Jeckell, Wass wilstu dabi maclienV 

Hanss. Eck wol mcck ock iinnenien latcn, 

Jeckell. Da kouihstu ;iljcr recht, wir beyden sein Ofticircr vom 
;iemcnt; hastu Lust y.a dicni'ii. wulk'u wir dich Unterhalt gehon, 

Hanss. Ja, dat do eck woll. 

Fritz. Wiltn zu Pl'erdc oder zu Fnss? 



r Hiili 




1 sittfii, upiiet Lopeii 




137 



Huuss, Uper Mereii kau eck iiitli 
Stabe eck metk beter. 

Jecketl. Wollati, ich will dihr eine Mussquete geben, die 
Koltu trageu. 

[11!*''] HaiiKS. Eiik hiiffe hier eine Weren, de if/. also schai'p, 
de baffe eck mit dem Herikop insclmicrt; wau meu de uttut, sau 
ropse Christo fl'. 

Fritze. Dass Untergewebr ist saclit gut genug; waii das Ober- 
gewehr nur fix ist, da muatu am meisten mit acbai-nmtzireii (gibt ihme 
eine Mussquete). 

Jackcll. Litss »cbiiH'en, iiini auf dein (.lewebr: wie wirdt dirs 
anstehen > 

Hanss. I>at Dinck iss ja nich schwär, dat let sick wiiU driigen; 
wat wolck aeggen, wo mautem duase Schery') brücken, mautemer 
me schlaen? 

Fritze. Nein, du mnst darmit schiessen; kom, gebe mit uiiss, 
vfir wollen dicb ins Quartier lusirea, da wollen wir dir» weisen, wie 
du mit dem Gewehr solt umgehen. 

Haiiss. Ha hei Crasi'), nu will de Hunt uppen Arse rien'), 
DU bin eck ein Krieger. [Ja] gue Frunt, kriege wie balle wat to 
freien? Eck maut süss mienen Kuapsack hervorkriegen un mine 
Rampannieu*) tiillen. 

Jackell. L;iss deinen ijack su lange zufrieden; wir kunnnen 
bald ins Quai-tir, da wollen wir unser Speise zusanieu legen; licr- 
uacher soltu drillen (yehen abe). 

Actus 3. 
Jackell, Fritz, Hanss. 

[Jackell. I ('ehe her, Landsmann, du bist nun unterhalten, du 
must (leinen Nahmen von dihr geben: wie beistuV 

Hanss. Eck bet Hanss HawetiinHse, Winter und Üommer, binu 
TOD Wokenste, un niien Wietl' bet Tabake Surkuhll. 

Jackell. Wass gehet unsa dein Weib au, wan wir deinen 
Nahmen nur haben? Luas aelien, ich luuss dihr weisen, wie du drillen 
8olt (Hanss muss drillev, machts aber nicht recht, der Soldat weiset 
ik« ab). 

Hanss. Wat wölk seguu, wat krichteui den alle Wekeu, wau 
meu saune Muacaten drechtV 

Fritze. Man gibt dihr alle Wochen 1 Thaler, und wen du im 
Quartier bist, hastu von deinem Wirdt deinen Zerviaa. 

') Schererei, niich jiiton S. 13il. 

') = Kurafii, Cnim^e. Jahrb. VII, 150. S<h«U8|>. d. engl. Knmi-diaiitpii Ipimo 
8. K. H7. Kun8t iilicr alle Kiiuste \usg. v. U. Kühler Mii ü. 1 U, li Hht, Dichtuugeu 
farng. V. ßoedoke 1885 H. m. 1Ü6. 

*) Nuu bin icU mr Ruhe Rekommoii. V([l. J. .VRricoIa, S]iridiw"rter Nr. 3IK): 
Wann der hund nit ll'istig ist xu jageti, su reit er iifT dem arsg, Kut^t. über alle 
Kfluste 1864 S. 30, 11. 

•) GedArme. 





138 

[120»] Hanss. Vor saun Diuck I Thaler alle Weecken to dragen, 
wo sau will etkei- ja woll 6 draycu to lieke, sau kriege eck alle 
Wecken li Thaler, ho Im, sau wiick balle ein riek Kerll weren, sau 
wilcken praff niet Tug unaken laten, sau wilck einen grotcn Fernen- 
husoh kopen, un will ein syen Luken um dat Liff hinien, un will 
gallien Sakerment up da Boxen setten laten, un will den Bart uter 
Schnuten striken, sau scholt meck niiene Nabei-s de dummen Duvcls 
niih kennen, konie eck den wer int Dorp; eck will so sau tauacheren, 
Stelen, nemen, wat ek kriegen kau, ek will nich ein Haun leven laten. 

Jackell. Sie so, Hanss, so mustu nielit schnacken. Ich sehe, 
du wilt dich praff halten, ich will dihr aher sagen, wan du wilt stelen, 
HO hencket num dich an den Kaum. 

Hanss. Öe moget ja nicli duU sien, ek denie nich Hptohengen, 
ek kau nich enges ummen Halss lyeu, ek wol susu deinen etc. 

.lackell. So hör ich woll, du hast keine Lust zu henken, so 
mustu auch nicht stelen, aber so geringe Sachen alss Hüner, Gänsse, 
Endteii, Eier, Butter, Kost, Speck uun Brodt, solche» inagstu woll 
maus seil. 

Hansa. Dar binck ein VogcU up, usen groten Kater wilck vel 
tau vel sien mit niusen. 

Jakt'll. Hanstt, eck will dihr sagen, du must alhie nach diesen 
Schiltwacht sti-hen, hiss man tlicli ahlönet; aher komme, wir gehen, 
darnach soltu weiter drillen (ychrn abe). 

Actus 4. 
Fritz. Jeckell. 

[Fritz.] BiTider Jeckell, wie machen wirs mit dem BawrnrulpenV 
Es ist gahr ein grober Flegel, er taugt nicht zu einem Mussquetieren, 
durffen ihn audi nicht bey die Compagnic bringen, weil wirs keioeu 
Befehl haben, Volker zu werben. 

Jekell. Ich habe alle weille darauff gedacht, wir wollen ihn 
in eineu Wald fuhren uudt an einen Baum binden und ihm alle seine 
Sache nehmen, dar mach er so lange ruffen, hisB ihm einer erlöBet. 
Waas deucht dihr dabeyV 

[1200) Prit/e. Nichts besser alss fiir den Kopff geschossen, 90 
bleibte vorMhwicgiii; ich habe gesehen, das der Dich viel (ieldt hat, 
wass wdlh'ii wir ihn bissen lehenV Eyer in die l'fanncn, so kommen 
keine lliincr ihiranss '). 

.iekcll. l.iu bist auch ein mordtgicrigcr Hundt. Warumh wiltu 
ihn dötenV man hat ja mehr von lebendigen Leuten alss von den 
doten; wir wollen doch woll sehen, wie wir mit Fuge seiner losa 
werden. Ich muss ihn herruffen: hör, Hanss, wass machstu drinV 

Hanss. Eck liaffe mek ein Puut lichter maket. 

Fritz. Pfu dich, du grober Eaeli; du must her kommen; gehe 
fort, sage ich dihi'. 

r >) ebenso Rist, vgl. Jahrbuch VII, Uü und 130. ■ 



139 



Hau SS. Jii, ja, litt iiieck t'st ilo liriiiiuk wer vpbiimm, wut 
bretter da? ^ 

.(et'kell. Gehe her, du must ilicli eiiimali exercireu. 

HansB. Ay, wil de Scliery wer fort fjan, dat kan i-ik in miem'ii 
Kop nicli bringen. (Sie drillen ein Weil, darnach sagt der Jekell.) 

.lekell. AiisM dibr wirdt schwehrlit-h ein Offidrer werden, oder 
du muat dich andei's ber[uemen. Siehe, da soltu Schiltwache stehen, 
biHs ifh wieder komme. (Hanss stehet ein Weil, legt sick darnach 
schlaffen; die Soldaten treten wieder auff.) 

Frit/e. V.U'U (las ist« mit dem Lümmel. Pich nein, i^r licht 
uls« ein Ochss. 

Jak eil. Ja recht, itn ists Zeit, nun wollen wir ihn seines 
Voratlis berauben und davon geben und lassen den Dieb nur liggon. 
Greifl' ihn in den Sack und lange das Geldt; ieb will ihn die Schue 
abti-ecken. Schlaff nur fein sanfft, mein Sohn, wir wollen dieh Le- 
waehen, das du dich solt hinter den Obren kratzen, (gehen ab.} 

Han^s (erwachet). Wome dusent Sucke gait dat tau, wnr mag 
min Pagesi') ben kamen sin? Üat will alle de Veits Wunien baffen, 
■wor wilic nu wat to freten kriegen y Wanne de losen Schelme! Dat 
hedde ek nich gebapet; gat it im Kriege sau ber, sau mag de Henger 
ein KriegHmau sin. .\uwai, eck arme Kerll nuiut nu barvut lüjien; 
[121*1 lil'u. eck mach mek Schemen, dat ek sau wer na buss schall 
tain. Talke, were ek est weer by deck; ek wölk sau strepelen uim 
recht up de Klahben piiwn. Averst wai wait, in weleken Köuigriuke'j 
dat ek u|ipeste bin; ek maut niek iip den Weg maken, dar wart ja 
noch Lue biuncn ^in, (abit.) 

Actus 5. 
Talke. Knnike, Hanss, 

|Talke.| LeDe Naberscbe, wat baffe ek arme Haur ovel daen, 
dat ek mienen Kerll nicb beholen! Dat hedde ick iiich dacht, dat 
man sau vorarmun könne: ek Imffe wer to bieten er tau freten im 
Huse, de Muse wilt raek im Seh«i)pu vor schmachten. Wat geve jy 
meck vor einen Ttadt, wo scbla ecket it an, dat ik wat kriegeV 

Kunueke, Dat schat jok nicb; sau scholt allen bösen Wievem 
gaen, de ere Menner scblabet. Harre, wat iss joi^k nu de Kick inne- 
stöt! Ji schollen de Schnuten holen uii nicb »au wer bellen; wette 

Snich, dat de Man dos Wives Hovet issV Neu, dar weit ik at^ere 
aneren antosetten; wen mienc den Tevenass dicke sopen bat, sau 
schwige eck stille im denke, ein Brandt kau nicb lange allain brennen; 
averst des .Mur^icns sau lese ek eme de Polpredige*) diiget, sau maut 
hai iliiliti- Itcrbiih'u; dar maut averst ebie Mate bi sien; wan hc tcngt 
de Vidcn vurcn K.>|ipe tautain, sau ken cken woll, so scbwig ek stille 
UQ rarae den de Dür. 



') P'oiiragc y 

•) DiLH LokHl der HilikIIui 
'iippen iluteebcn Krayse' zu Bcii 

*) Gardinenpredigt, vgl. jiul 'Pfiilil' 



iinLestiiimit ; i^. Hü freut aich Ilans, wieder 




l 



140 

Talcke. Oili <?k will juen Lehr gerne folgen, ilat schulte ji 
leveii und spüren. Ick wait, dat ji aaii guen Radt den Lueii mit 
deilen kont; wette ji meck uich tau leren, wo ek den Kerll wer kriege? 
Ji sindt ja »au ftil Künste; helpet nieck, ek wil Juck li Loppe'j 
Gui'nes geven. 

Kunueko. Dat were dankens wehrt; ek maut in mien Bauck 
sain, dar hafTe eck de Künste inne staen. (stehet ein wenig ins Buch) 
Hier finne eck it inne stan'): jy acholt ncnieu einen Sclineppell vau 
tjinen BrogtimNliemme, un 3 Har van jueni Koppe, und daut dartau 
Meaterwort'), Baldrian, Loufflock*), SipoUen uun Violen van Teven'), 
un kocket dat in einen nien Potte mit juem eigen Water un getet 
dat up den Weg, dar hai henne gähn ist*. Wat gilt? ho kuuipt wer, 
wo he ausB noch levet; dat wilker by seggeu. 

[131"] Talke. JaisB, wo fallet jock doch de W^oir tau, ossq wen 
jy wai uter ChristaUen lesen. Wat wolle ji ein Ken Parner sien! Eck 
danke jock vor dussen guen Radt; ek will gan und et vorBokmi. 

Kunekc, Hat daut, Nabttrsdie: eck baffe hier noch ein krani;k 
Kind, dat wilk ok besniken. [geht ah.J 

Ilanstt. Uutt Loff, Ehr, Dank un Pryfz, dat ck wer uppen 
dutschen Krayse bin. Nu maut ek na nneuer Talkcn gaen, dat ik 
wat wer üver den Araa kriege. 

Taicke. Wanne, Hans, sinne gie dat? 

Hansa. Ja sinne gieh dat? 

Talke. min hartelaiffe Han«», ek hidde jock, vortyet mik 
alle de Oveldat, de ik jock bewieset haö'e; ek willt nicht mehr dauii. 

Hanss. Ja du scbost meck noch woll anjcre Wore gefen; mainato 
wer, |dat] du meck noch sau hrucn scbast asse tovornV Nain, ek 
haffe dey Welt umnie de Ohren schlau ; dat schastc wetten, ek bin nu 
nich mehr ein Hchlim Burkerll, dat lat dick man sagt äien. 

Talke. Mien leve Man, mien iillerleTeste Man, den eck in der 
Weidt haffe. eck bin ja ju laitfe Wifl', jy sindt Ja mien Hanss, Itttet 
doch Bann overt Harte gaen. 

Hanss. du bist meck eine vorschlagene Mehre; su, eck will 
dut Mahl noch ei« mit dißck lau Bodde krupen, averst dat segge ek 
dek tovorn: giffstu mek noch ein sclieiff krum Wort, sau wilker wer 
van stricken. — Ji levon Lue, it wil jock wol veel tau lange wahren, 
air wie wiher upstabct, jv luugct luivcr murgcn werkomen. 
■" Finis. 

') Lop, n. eine .\nxahl von zehn Gebindeu Garn (Si'humbacb). 

*) vgl. die ähnliche Anweisung, 'einen entlaufenen Mann herbei zu kochen' 
bei Jahu, iloxenwescu und Zauberei in Fommcni. lialtisclic Studien 3U, 334. 

») Meisterwur/., Imfcmtoria Oftrutlnuiu. 

*) Knoblauch; mnd. klnflök mit Bewahrung <leti alten Anlauts. Über seine 
und des Baldrians Zauberkraft vgl. Balt. Stnd. 3i>, 356. 358 nnd \i. I^cliiller, Zum 
meklenburfrii«'heu Tier- und Kränterbucbe 1, 16. ^3 f. (Itißl). 

') Hundsveilchen, Viola canina. 

BERLIN. J. Bolte. 




Kin Königsberger Gedieht 

in niederdeutscher Mundart aus d. J. 1670. 

Als flie DichtiP.rsenossenscImft, wi'khe in Künigsberp gegen IfiSO 
um Simon Üacli f!es(;hart war, nach Roberthin!), Albert» und Dachs 
Tode sich wieder aufgelöst hatte, verstummten die von jenen ange- 
schlagenen Töne nicht sogleich wieder, sondern bis in den Anfang 
des neuen Jahrhunderts liinein fand die Dichtung — meist freilich 
fi e legen hei tsdichtui lg — im Verein mit der Musik in Kiinigsberg eifrige 
PÜege. Neben den jüngeren Mitgliedern des Königsberger Dichter- 
und Freundeskreises beteiligt sich dabei Gertraudt Möllerin (MüllerinJ. 
In Könipsborg den 13. Oktober IIUI als eine Tochter des Professors 
der Logik F.iHer geboren, war sie mit 14 Jahren an den Professor 
der Mcilicio Dr. Möller verheiratet worden und hatte ihm 9 Söhne 
und t> Tüihter geboren. Nach 24jühriger Ehe lebte sie noch 25 Jahre 
im Witwenstande und starb am Hi. Fehruitr 170,t. Sie war eine ge- 
krönte Poetin und Mitglied des Blumenordens au der Pegnitz. Vom 
Könige Friedrich I., den sie bei seiner Krönung angesungen hatte, 
erhielt sie bis an ihren Tod ein Guadengehalt und wnrdn auf könig- 
liche Kosten begraben. Sie war eine fruchtb;!).' Di.littrin ; ausser 
vielen Gelegenheitsgedichten hat sie s Siimmhingfii \.in llodichten ver- 
öffentlicht. Die meisten derselben waren gcistliilie und sind in der 
Zeit ihres Witwenstandes ei-schienen. Das unten mitgeteilte Gedicht 
steht unter Nr. 60 in der ersten nnd bedeutendsten ihrer Sammlungen, 
welche die Aufschrift trägt: 

Krater Theil der Parnats-Bluinen Oder fieist- imd Weltliche Lieder, 
Welche hey mlisBiger Abend -Weile abgebrochen Gertraudt Müllerin, ge- 
bohme EifTlerin, Und in Molodejen iiberaetzet vnn Johan Seliutiani, 
Churfitrstl. ßrandenh. l'reiiraisrhen rapetl-Meister. HamburK. Verlef^ens 
Johann NEtiimann nnd Oeorg WiilfT, ßuch-Häudlern. Wolfl'enliiUtcl, dnirkts 
Pani Wcifs, tTirstt. BrannschwciK-LüiiebnrgiBchcr bestallter Ilofi'-Biich- 
drucker daselbst. Im .lahr 1672. fol. 

Wenn es an sich schon natürlich ist, dass Gertraudt Möüerin, 
da sie ihre ersten dichterischen Versuche machte, sich an die ihr 
zeitlich und riiumlicli nahestehenden Vorbilder anlehnte, so wird dies 
nur noch wahrscheinlicher, wenn wir aus noch erhaltenen Gedichten 
erfahren, dass sie zu einigen Miinncru i\o» Königsberger Dicbterkreises, 
wie siu Dach, Friedric^h iianii-lil timl .Inli. l'L'ter Titn in freundschaft- 
lichen Beziehungen stand. Wirklich Kinlcu sich in ihren Parnassblumen 
mannigfache Anklänge an bi-kininti- G<>di<litf' ienes FirnndcBkrrises, 
ja das berühmte Morgenlied Uriiuirh All.nts _)'iott (!<■- lliinnicls und 
der Erden" steht mit g.Tin^fii-i:„'eii AU;iiiilrnifii;eii (die Stn)i^ll^ \^t 
um 2 Verse erweitt-rtl unter .Nr. 2i im ersten Teile dersell.eii Saunii- 
Inng. Vii']lei<'1it hiil sich Gertraudt Müllerin /.n dem nachfolgenden 





142 

plattdeutsclieti Gedicht — dem einzigen der Sammtung — durch 
Dachs Anke van Tharaw anregen lassen, JedtinfiinK ist dii' f^itnation 
in beiden Gedichten sehr ühnHi-h. 



So) üclf popperlinates Hart, 
Blot Sni dieacnt wegen starvcn, 
Lang et Ja nirh wahren wart, 
Henii 81) mot uck gantz verdarvtii, 
Oess die dat min Dudcldasrhkeii, 
Denn so lef, du PoIvprHuachketi. 



Hell eck nich sn maurhen Ducli, 
Wenn eck liy den framen Si'.liitpi.>n, 
Üp dtm weken (imae liich. 
Tun der H^tt Iieg9nut tbn srhlapen, 
Mnn van di, min Dudeldasrliken, 
Stets gedrßmc. du PolverHasrhken. 

3. 
Wenn eck van dem Fflide kam, 
Va die Pipe opgehangen, 

Mine Leve Dudaag nam, 
Un tbo (juarren angefangen, 
Dacht eck, liartzel Dudeldaacbken, 
Mau du liist min Folvcrtlaschben. 



Velmahl gab eck di vorliy, 
Krieg eck di denn nii?h thn sprekeii 
Wi rerlftuget mi nati di, 
.la min Hart wel mi thobrecken, 
L'm di, hartzet Dudeldasclikcn, 
Alle riefet et Polvertlaachkeu. 



BERLIN. 



Kätkcn, denek an mine Pin, 
l'n verilrive niine Srhmarlen, 
W'cl eck docli diu Sebodork syn, 
l'n di dehnen recht van Horten, 
Leven di, miti tfudeldaachkea, 
As min lefateH Pulverflagrhken. 



Si eck glick en Buerkoerbt, 
Heb Sek du<-b noch ai:h5ne HSder, ' 
Mine Jluwen sin nicb aolik'iht. 
Heb niih SBster oder Hrf.dcr, 
Nehm mi man, min PudelduarLkca, 
Si min hartzet Poherliaachken. 



Bnerwiver liebbent ggt. J 

Kteu s&te Melck met Weggen, ^^^^^| 
KQnnon darnach fland un Foet, ^^^^^H 
Kn de «'armen Bedde leggen. ^^^^^H 
las denn dat, du Dudeldaschken, ^^^^^H 
Nicht fSr di, min Pulverdaachku^^^^^H 

KSni eck ok tbo di int Bedd, ^^^^^| 
y.y wie wurd wi nns tho schmdcWB^^^^ 

l'n thfi harten Bm di Wedd, ■ 

I)at et pmaalcn aol un knacken, ' 

Lerst und alSrvat min hudeldascbkea, . 

Un min bart/cl Polvi'rtlaschken. J 

L. H. Fischer. I 

J 



14a 



Marienmesse. 



Zeile 1 — -IG sind vierzeilige 
Von da ab haben wir Reim- 
Zaweileu finden sieb allein- 



Die nachstehend zum Äbilnick gelangende Mariendichtung steht 
in den (grösserenj Solhiuellensieu, Tom. IV. paß. Till- — 518, einer vier 
starke Folinbiiude umfassenden Papierbaudscbrift auf der Katliarineu- 
bibliothek zu Salzwedel, in welche der praktische Arüt Dr. Elias Hoppe 
aus Salzwedel uju die Mitte des voi-igen Jahrhunderts alle für die 
Geachicbte Salzwedels und der Umgegend wichtigen Nachrichten ein- 
getragen hat, 

I)ie vollstänilige Überschrift der Messe in den Soltquellensien 
lautet: Ein tu dtnen Zifitrn vor ihr Rrformiitwn faurli zwiifdsohni' 
in dvr SalUicedelfcheii Kirchen) i/iwöhtiUeh grwrfcm-s Lied, im X Vtni 
feado hei der Miffe entweder gpfungen odrr gefprochen, geeogen aus 
einem allen in Saitewedel gefunäenun, mit Mönclisfchrifft gefchridwnen 
Evatigelienliuehe, in gihrodun Folio, leofrlbft f.s hinten beygefüyet. 

Der Abdruck ist getreu nach dem Text der Saltquellensien, indem 
nur üflenbare Versehen verbessert wurden. Die vorhandenen Varianten 
finden sich angemerkt. 

Über die Form ist wenig zu sagen. 
Strophen mit je viermal gleichem Reim, 
paare mit fast durchweg reinen Reimen, 
stehende Zeilen, entweder zwischen zwei Reüiipaaren (Z. H7. 139. 236) 
oder gar zwischen den beiden Zeilen eines Reimpaares (so Z. 133); 
auch zwei reimlose Zeilen an Stelle eines Keimpaares (Z. 201/2). Ein 
Beispiel für gekreuzten Reim bieten Z. 221 — 4. 

Andeutungen tlir den Vortrag finden sich vielfach; so nament- 
lich das dreimalige: dit Ica drie Z. 48, 53. 58; ferner die lateinischen 
Bemerkungen Z. 105. 108. 127. 180. 225. 255. 278. 280. 

Maria, reyne knninginne, 
Du bift der engele kayferinne, 
Kumm vnde vtirlucbte myne fymie, 
Wente ik arme dyo btff beginne! 
5 Nement mach dy lauen werdichliken, 
Neyn creature kan dy gheliken. 
Alle engele ni5ten dy wikeu, 
Dine ere kan nement vnrdiken. 
Allen dat ik an groten lunden fy. 
10 Jo doch fo wil ik yummer louen dy, 

Kere dyue grote banuhertighe nghen to my, 
Vnde niake my van den fundcn vry. 

1 kiini^ciniie] vgl. kniiiiig 22, konig 196, konig : bring TT — fi laiieu (nie), 
noniU Kiels Ionen — 10 yumer — 12 Vn. 




Help mik, tlat ik Ay fo louen raSte, 

Dat myn heite fmeke djiier töte, 
15 Hir vmine fo vall ik vor dyue vöte 

Mit ener mynnichliker grote. 

ü hiüiglie (joden iiioder, 

Dyu föne is worden vid'e broder, 

AJfo Yfayas heft gefaghet, 
20 Du bift beyde moHer vnde inaghet. 

Altiedille weren we verloren, 

Were de kuning nk-ht vaii dv gheboren, 

De liemelnke vnde ertvike vnde alle ding let 

Van nichte werden, de he hefcbermet 
25 Vnde ok vorfteyt 

Mit fyner ewighen werdichejt. 

Alle de dyrie hochtid began, 

De Iftt nu d3'ne fanknifTe han. 

We fcholen yo Ionen vnde eren 
30 Den ewighen vader vnfen heren 

Unde .Tefum Christum fyn leue kint, 

Wente fe aller bamihertiche)'t yn vul fj-nt; 

Ok den hilghen geift an en beydeii, 

Dat we nicht werden van eni ghefcheden, 
35 Dat is de hilghe dueuftldicheyt, 

De an fik feinen mynnichliken fteyt. 

Alfo he helft funder amhegin ghewefen 

Vnde fcal ok beftan funder ende. 

Lat vna here an deffeme elende 
40 Vnde nn deffev werlt dynen nanieii Innen 

Myt dynen hilghen. 

Kirie, Tote Got Here Vader, 

Do vns barmherticheyt alle gader, 

Dn hift yo ejni Icheppere aller ding 
45 Eyn born der gnaden vnde ok en vrfpring. 

Dar vns al gut ia vtll ght'vlnten 

Vnde al foticheyt vt ghefproten. 
Dit Kjrie les drie. (^briste iiiiiue. 

XUiste enlinnie fune van Gode, 
50 Nu lat VHS vnrvullen dine bnde. 

Vil wwnderlikeu hiftu hnren, 

Dat hadden de proplieteii ghefprnketi, eleysti 
Dat lc9 drie. Kiric i^iis, 

Kjrie hilghe geft, du bift gut, 

Iti ntynicliliker — 21 alle beditle — 23 vn — vn — 2fi werhdirliejt - 
2rt rankiiUTe (lic) — 29 IcUnlonl frh nomit nur vor e. vgl. 24. 34. «. 224; 77. 101. l 
im, 2Ü1. 20Ö, und in (vn)rdmlde 254 ; dagegen fc »n; fr«l 3ö. 144. 1B5. IBO. Ifil, , 
IfiG. 170; rcallet 61 ; foare 232. 234; fielet 17«; foonen Öl; fcot 91. 152; befcowea 
fdi;«««'. — 31 Undeff/ift — 3ßmynii'hliken— 38.4.'jvn— 47vt)(herproken — 62hiMlen. ' 



Uö 



< Du liift eil Keniile vhv vnde gI6t, 

Vnftic-kc viiTi? Lertt', des is tit, 

Make vns fiifil van den fÄnden qnt. 
Dit les dric. Glorin iu esrelfis. oleyson. 

gi pngeli' Itivet 
I Viide alle ilat macb tunghen rorpn, 

Stallet wol an eme fconen done, 

(init ere l'y gode in fyrae trone. 

Here, der is vel in dime rike, 

Sende dyneu vrede in dat «rtrikc 
i Den iSden, de van gudeme willen fyn, 

I>en werde dyii ewighe vrede fcliyn. 

Wo lnuet dik aller engele lof, 

Wii rechte keyferliken fteyt dyn hof! 

Iti-nedit fil'tu mynnic^lilike got! 

t VHS iiüniuer werden der duvcle f]i'>t. 

IScnedit bere, we Inddel di in vnfen knen. 

Liit vns din benedide anüat Ten. 

\Ve eret dy Iiere, des fynt we plicht, 

Vnrget vrer in dyner ere nicht. 
I We fegget dy gnade, leue here, 

V in Die dyne gfide vnde ere. 

here got, hemelsche konig, 

got vador allerwerdegeste bring 

Vns drade, dar we in vrede rowen 
) Vnde dy Tunder ende befcnwen. 

here, enbiime fime >The«u Cbriwte, 

llehude vns vor der dftvele lifte, 

hilglie geft, der drnueghen troft, 

Oif, dat we werden van forghen loft. 
i Here got, godes föne,, du bift dat lain. 

Dat der weHde Funde v[t fik nam, 

Wantu harmhertieh bift vnde gut, 

Krbiirme dik ouer vns don-h dyn hilghe blot. 

Dn hel't der werlde funde draglien, 
) Eya lat vnfe beet dy behaghen. 

Entfa dat böte in dynen fcot 

Vnde help vns armen vt aller not. 

De dar fit t« dea vaderes vorderen hant, 

Erbarme dy ouer vns altehnnt, 
) Wentu yo hillich bift alleyne, 

Make vns van allen fSnden reyne. 

Du bift alleyne en weldicli here, 

Nu lat vns vorvulleu dyne lere. 

Du bift de hogeHte, Jhesu C'hriste, 



50 Vii ftirke (sie) — tit] ii 

diidiutubti Jahrbuch. XII. 



- WH Iraghen - 99 der. 





" . n 


100 Mit dyme hilf^hen geifte | 




In (lynes lipme!fi:h«ii vador ere, ^^^B 




Der luake vns delaftirli, leiie here, ^^^H 




Viide kt viiH louen dyneii naiiieii ^^^H 




Mit allen dyueii ciigeleu. umeu. ^^^H 


lor 


Uomitie exftudi orationem meam 1 j^^^H 




Here, uiyii bet fy van dy voriKimeu, '^^^H 




Vnde Iftt tnyo i-üpent to dy koiueii. ^^^H 




C^oncede nos fainulos. ^^^H 




We biddet dy, bere, altomale ^^H 


110 


All delTeiuc jammerliketi däle, ^^^| 




Vnriene vn», hcve, ilyiien kuecliten. ^^^H 




Dat we hir fn muten fi'K<^uechten. ^^^^| 




We fynt inyt deu riiuilen fere wuiit. ^^^^| 




Make vna vm myt der fwiglien lunt ^^^H 


U5 


An dßi- Tele- vmle iiti ,\v.iw tyiu>. ' ^^H 




(jif vnR. dat Wf jiminiiT U\ <\\ blyuen, ^^^H 




Viide tat vnn mitjiiu''r ilviu'i' vertveii; ^^^H 




Dat d.» doi-.:b .Ut bet IuiiLl- Maiien ^^ 




Vtide lofe vns van der druuicbeyt, 


120 


Lat vns bniken tiyner vroücheyt 




Vnde myt dy in der vrowede wotien 




Doreh .Thesum Christum, dynen föne, 




De myt dy myn[nlic,hlikeii voreynet is 


■ 


In deme liiigheii geyfte, dat is wis, 


125 


Eyii pneweldicb g»tt vnde en ene here 




In der ewigen gntheit junimer mere. 




Lertin libri sapieDtie. Ego vitis. 




Hir begint de Epiftole an, 




De befcrifft e>-n vil wis man, 


lüO 


Vnde (ynt dit Tunte Marien wort, 




Alfn fe van gode hadde ghehort. 




Se sprak: Ik bvn eneme winftiickp geliket, 




Dat ik byn evn moder der rcone[nl kerke, 




Mit alier dogliet wo! gheriket. 


135 


Van my is funti' roke vnti'tan. 




So wol der felejn), de den entl.in. 




Alle mjTie blomeken de fyiit Feyt 




Vnde iiut (ik eyn vnidit lier ewiclieyt. 




It h hewifet in deffeme hreue 


140 


Dea vrnchten vnde der hekennynglie 




Vnde der hilghen hoiienynghe. 




Ik bin der hilgen gnade eyn grot wolkenftar, 
eae beiden Verse wirdcrhnicn sieh mit fEcringrugigeii Sehwankungen 


' IOC. 11*7 n 


» noch 226 f., 24f> 


., 2Ö4 f. — 112 fegencrliteu - IIÖ lyueu — 118 durch] doch 


1 — 12H u, ü. Das 


in Klammeru einRcscIilosseiie felilt in der riiii»!»clirift — 125 vn 


fc^ — 132 Se] It« - 


137 sevt — !38 uwiclicit] erliclieit. 



l« 



So weme de warhcyt is worden Itifter, 

De fcal [tk tu luynefml weghe leeren, 
H.'i Ik wil enie drade de warliejt leren. 

Alle hopeninge de is in my, 

Dat L'wighe hue», dat metket gi, 

Vndo aller doget eyii out^rvlot; 

I)at in inaneghe[iiij l'undere gut. 
läü Komet to my alle de myner begeret 

Vnde noch myner [huUIe] vnberet. 

Mjni fcot der giiadf is vpgedan, 

Ik wil ju nu albedille vntfau. 

Dal ia ju funderen eyn troftlik wort, 
t5ö Jn fcal vorvullen myn hilglie bort, 

Smeket in juwftn feien alleiTueyrt, 

Hat honen liouiclt Tute is myn geyft, 

Min erue is fo rechte wunnicblik, 

Des honigex Tem is my nicht gelik, 
100 Mni hochenyffe de ne (va.\ nicht vorgan, 

Wente fe fcal ewigUken beftan. 

So we fyne rel[ej helft ghewecket 

Vnde myner Tutii-Iieyt gherniecket. 

Enie hungert yo na myner wunne, 
Ifif) Wente ik hin clarer wan de funne. 

So wf iiiy ilriiLckri. eiie fcal dorften fere 

Na niyiit:!' loliilu-yt vndti ere. 

So welk luyili'vhi' fuuderen fik to my vorlat 

Vnde ghvrne wil hören mynen rat, 
170 De fcal numer vorftoret werden 

In henieie noch vp erden. 

So we mik in lierten dreghet 

Vnde al fyn arbeit in mik leghet, 

De ne Tundiget nicht an ieuger tit; 

Dat is lin begheiinghe vnde vlit. 

So we niit loue mik openharet, 

An welker tid fe van lienne varet, 

So fcolet fe jummer mit my leuen, 

Dat wyl myn lenc Ibne en geuen, 
1H0 Bcncdicta et venerabllis es virgo Maria 

Benedict unde ok alto erlik 

HyTtu juncvrowe Maria myniiichlik. 

De une man in moder vunden 

Des heylaiiiles, de al vnfe wunden 

Heft gefaluet mit Cnen blöde, 

Ujipe dat he ^tis broclite to gode. 

Godefi moder, reyne juncvrowe, 
151 Jnl nie — 173 vn — 181 »Ite — lö2 jiitivrowe (sie) - 



■ 184 ^ 



lU'' 



148 



Got lieft an dy vunden fine rauwe, 

Den al de werlt iiidit begripen moclitc, 
lilü De vns an defme elende lochte. 

De is mynfche worden an dyme lyuc, 

Help mi, dat ik by dy bl_>Tie t 

Allpluja. wo rechte Tcone 

yiut der liilgen engele done, 
i;i5 Dar we dy an louet, leui- here, 

Du bift konig der ewighen ere. 

Dat de rode van YelTe is Rebloyet, vii 

Dat heft den duuelen fere geinoyet. 

Eyn juncvrowe heft to der werlde bracht 
200 An ener hilgen fimdaghes naelit 

Waren got vnde raj-nfchen. 
^ Darum heft he al der enjjele kor 

Mit der wcrlt vorenet 

Vnde heft vns fyiie hnlde vorlenet. [s]. 

205 Maria vrowe dy all funder var, M 

Maria vrowe dy eyn fpegel klar, 

Ein tempel der lioghen dryvaldicheyt, 

Aller juncvroweii eyn kurt'heit, 

Ene der gnuden vnde mildicheit, 
210 Maria nu vrowe dy openbare, 

Maria vrowe dy an vreden gare, 

Der ure eyn vulftrbynede klarlieit. 

Maria, vns is tn dem Herten fware 

Van bekoringe vnde drnuiebeit, 
215 Maria, belp vns albedille 

In deJTer tnanigher [hande] jamerheit, 

Dat wy dyn herte leue kint, 

Ane vare befcauen an finer gotheit. 

Maria alfe eyn wefterbar 
220 Reynige vns mit diner reynicheit, 

De tn den funden fo niannieh jar 

Leyder wefen hebbet rede. 

Maria fflte, nyni vnfer war, 

Befcherme vns van allem lede, 
225 Loqvcnte ilhcrii ad tiirlias. Rvnngelium, 

Here myn bet fy van dy vornomeu, 

Lat myn rupent to dy konien. 

Dat evangelium befcriuet funte Lucaa, 

De vnfer vrowen capellan was, 
230 In dere tyd ging got in ertrike 

Ünde fo wol von deme bemelrikc, 

197 dat] P (Sic) — 201 vnd — 205 suuden — 214 md — 3llt westerbär 
•T&afiin^ Tgl. JeroBObio 17:140 — 221 De] Dd — 337 rupent] «wirf rrtpent — 
231 von] soyiKf uteU vau - vude] vn, eba. 2Ü7. 242. 2Q1. 253. 254. 2(11 U. ö. 



149 



I 



|He| spralt to der frare mit rmem niiinde, 

Alf» de godt'B roae wol künde. 

Dar was en vrowe an der fcare, 

De rep ludtjr ftempue opcubare: 

Dut dy drocli, dat was eyn faliiili lif, — — 

Vnde falicli fuut de linifte, 

I><:r dik rujgcii] gheluftc. 

Du K|irak Jliefus ein kleyiio: 

De du ok aalich algemeyne, 

De gerne lioret spreken van gode 

Viide dar na hnlden fine bode. Deu 

De wiirt de hir fiiit gheJefen, 

De moten aflat vnfer funde wefen. 
I Here myn lict fy van dy veniomen, 

Lat myn ropent to dy knmen. 

Maria Moder vnde niaget, uff. le 

Wente dyn bet vus wol behaget, 

Wantu vor dyiien foiie fteift, 
I So bedenke vnfe aruiode myt dyn bunnliertivh 

Vnde fprik wat gndes vor vns, 

Dat lie fik erbarme dor dy ouer vns 

Vnde kere van vns fine vnlmldü 

Vnde vorgheue vus vnfe unfubulde. 
i Sanctus, Saniitus, Sanctus, liilge, bilge, hilge, 

Heve got roke vus dar bringen 

Drade, dar we dy funder ende ßngen 

Der hilgben eugele fank 

Vnde boren ok ereu futen harpenklank, 
I Dar fe dy vrolikon louen 

Vnde fo dugentlike vor dy houen 

Vnde dy fo gotliken eren, 

Nu is vor\TiUet allghelike 

De hemel vnde dat ertrike 
I Mit dineme loue vnde ere. 

Make vns falich, leue bere, 

Nu vnde junimere biftu benedyet Jhesu Clirifte, 

De komen i» an godea namen, 

Lat vns bere dynes willen ramen 
I Vnde make vns falicb an dyme rike; 

Dat do mylde got barmberticblike. 

Agnus Dei, vnbevlekede lam, 

Dat van dem ouerften trone qvam, 

Du lieft an denie cruce dreghen 
I Alle fonde, dar we ynne leghen, 



234 ff. Vgl. Liikaa 11, '11. — aH7 funtl »onsl fynt, 24i) fin — iUS Herr got 
roke vnsi dnt we dar lirinsen — 259 vnd — 2lis t)c komen | Bekomen — 27B fimde] 
sonfi stets funde ; vgl. Z. 9. — ynne leghen] ynnele leghen. 



Kibünnp dy oner vnfere bofheyt 

Dorch dyne groten barnihurticlieit. 

Agnus Dei, vnbevlekede lani, utrupi 

Gif vns dyiie[iij vrede ewit;hlikeii. 
280 Salkli vnde henedyet fy dat knn, Cö Ifca vifcera Marie. 

Ik meyne dat rejiie ineglietiti. 

Die fonder fere vnde fonder fwar 

Den fono des ewighen vaders iiar. 

Here, myn bct fy vim dy vernomen 
285 Vnde lat myn vopent to dy komen. 

Here got dortih dyne bannharticlieit 

Vnde dorch dyne grote miidichoit, 

Wan we krank fin van naturen 

Vnde jo nicht lange mögen duren 
290 An den bilgen degheden werke, 

So Turlene vnrer krankheit fterke, 

Unde we dynes fones moder begeyt, 

Unde hir jo na erme loiie fteyt, 

Vnde WC fe innichliken er et — — . 
2!)5 Biddet ok vor vns fote vader, 

Dat we by dy hliuen alle gader 

Dorrlt .Tbesum Christum dynen foiien, 

Den we nicht vul louen konen, 

De mit dy innichliken voreyiiet ia 
äüu In dem hilghe geifte, dat is wis, 

Eyn enewaldich got vnde here, 

In dynes gotliken ere jiimmer mcri'. 

Here myn bet fy van dy vomomen, 

Lat ni,>Ti ropent to dy komen. 
305 Set, de inüTe heift ereii ende. 

Gnade vnd ere fy got ane ende! Amen. 



280 viecem — 282 fonder] sonst Tunder 37. 38. Wl usio, — 2«6 barm)u»^-" 
theit] gonrt gtels mit e. vgl. IJ. 32. üH ii. li. — 2M7 mildicheit] milriclieit — 
degheden] (sie). 

SALZWEDEL. Johannes Luther. 



1 



Das Volksmärehen in Pommern. 

Vortrag, 

gclialtcii auf der dreizehnten Jahre nversam ml unjr des Vereins Cur niederdeiitschr 

Hprachforschiiiig 

iu Stettin am H\. Mai 1^87. 

Dan Volksmärchen ist, im Verhältma zu iitidem Zweigen des 
Volkstümlichen, in Norddeutachland etwas stiefmütterlich b<^haudelt 
worden. Selbst an die umfangreichsten Sammlungen von Sagen, Sitten 
und Bräuehen schliesst sich im günstigen Falle nur eine kleine Anzahl 
Märchen. Dies macht den Eindruck, entweder als ob die Forscher 
nicht mehr Material zusammenbringen konnten oder alf> ob sie dem 
Märchen im Vergleich mit der wisseuschaftticlien Ausbeute, welche 
Sagen, Sitten und Bräuche liefern, eine untergeordnete Stellung bei- 
massen. Nach meinen Erfahrungen ist das hiaterial dem der Sagen 
u. s. Vi. nicht nur an Umfang, sondern auch an wissenschaftlichem 
Werte vollkommen gleich, an ethischem Gehalt und poetischer Schön- 
heit iibertritft das Mäichen alle übrigen Scbüpfungen des Volksgeistes 
bei weitem. Ich hoffe mir darum hier einigen Dank zu verdienen, 
wenn ith mich des zurückgesetzten Kindes annehme und mich im 
folgenden über das Volksmärchen in Pommern auslassen werde. 

Wii findet sich das Märchen V Zur Beantwortung dieser Frage 
edaulip ich mir, mit kurzen Wurten iiuf die einzebien Klassen der 
Bevölkennig Pommerns einzugeben. IHt' rnteracbiede : Städter und 
Landvolk, Bürger und Bauer, lieich und Ann helfen uns hier wenig; 
anders steht es mit Gebildet uud Ungebildet. Die Gebildeten — 
Dickkiipfe nennt sie der gemeine Mann und begreift darunter den 
Edelmann und den Kanfherren, die studierten Leute und die höheren 
Beamten — also wer sich z« den Gebildeten rechnet, trägt fast nie- 
mals etwas Volkstümliches in sieli, in den weitaus meisten Fällen 
hasst und veraclitet er es sogar, wenn'» nicht gerade Modesache 
geworden ist oder vou oben gewünscht wird, liir derlei Dinge zu 
sehwärmen. Und die Herren, denen die Sorge liir die geistige Pflege 
des Volkes anvertraut ist, iiflegen iu der Verachtung des Volks- 
tümlichen, d. li. mit lindem Wortoi des wirklich Nationalen, obenan 
zu stehen. F^s ist eben in Pommern in dem Stücke nicht besser, wie 
anderswo im deutschen Vaterlande. 

Was nnn die Ungebildeten angeht, so sind auch sie für unsere 
Zwecke nur zum gelingen Teile /.u gebrauchen. In abergläubischen 
Vorstellungen, alten liriiiiriion und Sitten liefeni sie freilich dem 
Ethnologen allesamt MliiLlKhines Material, aber bezüglich der Voiks- 
poesie, die uns hier ulleiii ungebt, müssen wir genau den Kleinbürger 
und Hauer von dem sogenannten vierten Stande trennen. Der Hand- 



■ wcrksni 

■ Mühen 
[ Zoitiuia 



152 



k 



rksmeiäk'!' in detn kleinen Landstädtilien findet nai^li des Tages 
Mühen und Laoten seine geistige Krh"!\ing beim Glase Hier in der 
Zeitiuig. Auoh Büclier liest er gerne, ebenso wie seine Angehüngen, 
sie dürfen schal und tlaeb und abscheulich geschrieben sein, wenn hw 
nur dabei unpelieiierlich un<l wüst sind. Ohne gewaltig reiche Tauge- 
nichtse und edelmütige Räuber, ohne Fürsten und (Jrafen. ohne Moni 
und Todsclilag darf« nicht abgehen, er ist die HerKeusfreude und das 
rechte Feld des Zeitungs- und Sehauerronian- Schriftstellers. Ist der 
Meister streng kirchlich gesinnt, s<i genügt ihm gemeinhin, was sein 
yomitagshlatt bietet. Sonst liest er die Itihel, das Gesangbuch niid 
Krbauungssclirifteu. Ja er giebt oft betiiii-htlichc Sumnieu aus, um 
sich auf dem Gebiet eine kleine Hüchcrei zu verschaffeii. 

Der Bauer steht in geistigei- Beziehung noch eine gute Stufe 
niedriger. Sein ganzes Bestreben ist der Erwerb. Haus und Hof 
zusammenhalten, das Besitztuiri vergnisseni, guten Viehstand haben, 
Geld auf Zinsen legen uder hur im Kii>.tnn vcTf-chli essen, dann und 
wann etwas Tüchtiges driiiil' >;chrii liissrii, bii|irri> (Jiitcr kennt er ins- 
gemein uiebt. Wenn er iihcLli;ui|it fji'istiiic rii'iliirrni:-sc liy.1, so sind 
es dieselben, wie die des KlciTihiirgcrs. Ilic VolkslicdiT golflllcQ ihm 
wohl, aber die Tagelöhner singen sie, darum kann er sie nicht leiden. 
Das Märchen entspricht nicht den wirklichen Verhältnissen, wie sie 
sein kalter, nüchterner Verstand begreift, er venicbtet es. Nur an 
der Zote findet er Gefallen, uud zotige (Ii-m liiihlcn kuTin man vom 
reichsten Bauer so gut und in eben sulch-'r I'üHc lernen, wie vom 
ürmsten Arbeitsmann. Sie sind ein hartes GoiIiI-tIiI die pommerscheu 
Bauern und weicheren Gefühlen kaum zugänglich. Wenn sie sieb, 
was in vielen Gegenden noch das Gewöhnliche ist, mit ganzer Ent- 
schiedenheit zum Christentum bekennen, so habe ich sie immer im 
Verdacht gehabt, und von anderer Seite wird mir diese Beobachtung 
wohl bestätigt werden, sie tbun es nur, um für das unendlich lange 
ewige Leben sicher zu gehen. Die Anerkennung des höheren Standes 
der Edelleute und der vornehmen Stadtherren liegt ihnen im Blute, 
und sie würden ihnen, wenn es darauf ankäme, auch gerne im Himmel 
die nötige Ehrfurcht bezeugen. Dass aber auch der arme Schlucker 
in denselben Himmel kurameu und mit ihnen gleiche Rechte gemessen 
soll, dass es keinen besonderen Baueruhimmel giebt, kÖuuen die 
wenigsten begreifen. Allerdings, wie der Bauer im Himmel reden 
wird, kann ich nicht wissen, aber wie er hier auf Erden spricht, 
davon ein kleines Beispiel, welches voll und ganz die Verallgemeine- 
rung verträgt : 

Sehe ich da ein bildhübsches Kind, so von drei oder vier Jahren, 
in einem Bauerhofc und spreehe erfreut; „Das ist ja ein niedliches 
Kind!" Antwortet die sehr ehrenhafte, ihrer Meinung nach durchans 
christliche, steinreiche Bäuerin: „Das soll ein niedliches Kind sein? 
Das ist ja nur ein TaglÖhnersjuuge, den habe ich geholt, dass mein 
Kleiner mit ihm spielen müge." 

So bleibt dem Forscher als Quelle für da^s Volksniärchcn nur 



jrtü Stand üliri^, 



■.fllist .lei- ist 



uht in seiner pitiim-n 



Masise zu verwerten. In Almuft 7.» Iiringfn ist üiinävlist ilt-r Fabrik- 
arbeiter von Bemf und Geburt, der in dem Fabrikorte geboifu und 
«rzugen ist. Tot für den Forscher ist ferner der streng kirehlich 
gesinnte Arbeiter. Es ist merkwürdig, dann .jede» volkstümlicbe lAed 
und Märchen von diesen Leuten gescheut wird, wie die Pest. Sie 
furchten, dem Teufel nnliciiUKufullen, selbst venu üie den harmla»en 
Gi'schiihten nur zuhören, Kin Knecht aus ilem Hiuteriiüiuiuersdien, 
welcher in einer Gegend gross geworden war, wo die alten hejdnischeji 
VorBtellungt'n noch überall gäug und gebe sind, antwortete mir aul 
die Frage; oh bei ihm xu Haune die I.eute auch noch die wilde Jagd 
und die Unuerertschkeu und den DrÄk keimten, aus tiefster ühcr- 
zGugung: „Gewiss weiss ich 's; aber sagen werde icVs nie. Nachdem 
ich den Heiland angezogen bah*-, siireclie ich mit David: Mein Mund 
hasset die Lügen und redet die Wahrheit." Da hilft auch kein Zu- 
reden, denn die nuten Li'iite werdi'o in ihm- Vi.'i;tchhin{; des Volkn- 
tümli.licii licstlirkl durcli rivdiurr und l.rlin-i-, u..l,'lic die Volkslieder 



I M;irc 
l.i.'doi 



■11 i'ixt recht llil■llt^ wissen 

Lind MLii'cheii bekannt, sie 

aber verfgigeu sie die gute 

tidienden Mitteln. Am wirksamsten 

cister, und der moderne melir, wie 

wdclier dem Volke näher stand und 



■iihau.T ^clicltni und v<,ii d. 
wollen. Wiircn den llcircn dii 
würden gewiss anderer Mciiiiin^ 
Sache mit allen ihnen /ii (iilmtc 
wütet da natürlich der Oiirt'schiiii 
der Lehrer vom alten Sdilage 
gerne ein Auge zudrückte über manches, sieb wohl gar im Herüen 
darüber freute. Was Wunder, dass die jetzt heranwachsende Generation 
zum überwiegenden Teile durch die Schule der Volkspoesie entfremdet 
ist! Es bleiben also im grossen und ganzen nur die zum arbeitenden 
Stande gehörige Landbevölkerung, sowie die Fischer und Matrosen in 
den mittleren und reiferen Jahren, welche uns für das Volksmärchen 
Ausbeute versprechen. — Werden sie sich aber oH'en vor aller Welt der 
herrlichen Schätze freuen, die sich in ihrer Hut beilüden';' Der Herr 
Pastor würde tadeln, der Herr Schulmeister höhnen, der Bauer ver- 
achten, der Städter lachen und spotten; darum hört man die Märchen 
auch nur, wenn die sonst so lehena- und mitteilungslustigen Leutchen 
gauz unter sich sind oder mit harmlosen Kiudem plaudern. Sonst 
befleissigen sie sich einer ängstlichen Zurückhaltung. 

Damit muss der Foiscber rechnen. Er muss ins Volk gehen, 
er muss sieb mit iluu zu verijuicken verstehen, seine Sprache, 
seine Sitten, seine Gewohnheiten, seine Anschauungen anzunehmen 
vitfseu, er muss es durchsetüen, dass die Leute in ilmi einen der 
Ihrigen erblicken. Und wenn er dann ausserdem zur rechten Zeit 
den Groschen zu Schluck, den Dreier fiir Tabak und die Handvoll 
Zigarren nicht spart, wenn ihn das Glück mit den rechten Leuten 
zuHammen führt, so ist sein Erfolg sicher. Es kostet freilich Jahre 
mühevoller Arbeit, zu dem ersehnten Ziele zu gelangen; aber die Mühe 
belohnt sich in nJierreicbliehem Masse. Mir ist's gelungen, aus Pom- 
mern allein iler Za!d nach annähernd ebensoviel, dem Umfange nach 




154 

mehr Märchen zusaiuiuen /.u linngcn, als diu fiebriider flrimm in 
ganz Deutschland aus niiindlk'hen und suhriftikhen Quellen geschupft 
haben, üouh von den Märelieii selbst spiiter, bleiben wir noch ein 
wenig hei den Leuten, weleUe daa Märchen hegen und pflegen. 

Sie allesamt sind dann einig, das» sie ihre Märehen liehen und 
wert halten; aber die grosso Mehrzahl ist, wie der gemeine Mann 
sich aitadriir.kt, nicht gut behullig. Sie können nicht wicdergebMi, 
was sie gehört balien, und wiasen kaum einige Züge, und auch diese 
nur verschwommen, nachzuer/ühlen. Um so bereitwilliger preisen sie 
die grössere Behulligkeit eineH guten Freundes oder Gevatters an, 
der dann auch, wenn man ihn richtig ku nehmen versteht, die paar 
Märchen, welche er kennt, zum Besten gieht. Ist er fertig damit, so 
spricht er wohl sein Bedauern darüber aus, nicht mehr zu wissen: 
,Ja, wenn ich behulliger wäre!", und dann vereinigen sich der niclit 
Behullige und der etwas Behullige, die Vorzüge irgend eines Mannes 
zu schildern, der wohl ganze vier Wochen lang Tag und Nacht er- 
zählen könnte und doch kein Ende finden würde. Aiifangs glaubte 
ich nicht so recht an die Wahrheit dieser Reden; als ich sie aber 
immer wieder und wieder hören muaste, in welche Gegenden ich aiivb 
kam, so begann ich Jagd ku machen aui' diese W^undermäuner. Lajige 
gelang es mir nicht, irgend eines von ihnen habhaft zu werden — 
entweder sie waren schon gestort)en oder ausgewandert in die neue 
Welt: — aber wer sucht, der findet auch, und jetzt birgt meine 
Sammlung die Schätze der renommiertesten Märchenerzähler aus dea 
verschiedensten Teilen des Pommerlandes. 

Diese wahren Märchenerzähler, welche häufig einen Schatz von 
fünfzig, secbszig und mehr Märchen in ihrem Gedächtnis bergen — 
Märchenerzähleriiinen in dem Sinne giebt es kaum — sind in unsrer 
Zeit fast nur unter den Männern in reiferen Jahren zu finden. Sie 
sind klug in ihrer Art und Meister der Sprache, haben aber sämtHch 
etwas Schwermütiges, Träumerisches in ihrem Gesicht und werden 
deshalb oft von den Gebildeten, welcbe das Volk nicht kennen, im- 
dumm verschrieen. Von ihren Genossen werden sie bocbgccbrt, denn 
dieselben sehen in ihnen die ti'efflichen Bezwinger tötlicher Langweile, 
welche sich ohne den Märchenerzähler gar zu gerne einstellt: bei 
den Tagelöhnern an den langen Winterabenden, hei den Matrosen an 
Bord, bei grossen Erdarbeiten zur Regenzeit in den kunstlos autge- 
schlagenen Hütten und bei den fahrenden Handwerkshiirschen und 
Landstreichern endlich in der Herberge. Die Verehnmg für den 
Märchenerzähler geht in freilich seltenen Fallen hier und da soweit,. 
dass er von der Kunst ku leben vermag. Nicht nur, dass er in dem 
Hause, wo er erzählt, frei Essen und Ti'inken erhält, die Leute be-, 
schenken ihn obendrein mit Lclicnsniitti'ln und andern Gaben, dass er 
der Sorge um das tiiglirln' limd cntlinlicji wird. 

Wie weiss er aber .iin-ii >fiw Miirclu'n vurzutragen! Die Rede 
riiesst aus seinem Munde, die .Viigcn leucbti'tj ihm. und er reisst seine 
Hörer mit si<'h fort, dass sie samt und snnders den innigsten Anteil 





155 

nchnifii iin den Helden seiner Krzählrmgon. Die Spanimng di-r Ge- 
müter ist auf das höchste gestiegen, der waekere Held, welcher un- 
erkannt seinem Künig in der Schlacht geholfen hat, iat verwundet 
worden. Der König springt vom Rosa, reisHt das seidene Tuch vom 
Halse und verbindet ihm die Wunden ; dann üieht er die goldene 
Schnupftabaksdose hervor, nimmt daraue, reicht dem Helden, dass er 
auch nehme, und verehrt sie ihm sodann zum Geschenk. Der schöne 
Zug gefällt den Zuliürern, und nie äussern sich beifällig: aber der 
Märchenerzähler hat etwas auf dem Herzen, er wiederholt dieselbe 
Stelle zum zweiten und zum dritten Male, endlich ruft er laut: „Ja, 
der alte Kiinig gab ihm ym schnupfen aus seiner goldenen Dose, und 
dann schenkte er sie ihm! Ich wül ja gar keine goldene Dose haben, 
aber einen Sauren könnte mir doch jemand geben, sonst erzähle ich 
nicht weiter." Und das sehen die Zuh'irer ein, das Märchen wird an 
der spannendsten Stelle tuit erbrochen und nicht eher wieder auf- 
genommen, als bis dii.' Sr]iiiii|ift:il);tkH<lose im Kreise henimgewandert 
ist und auch der Ict/tc !;r^rlitiiiiil( lutt. 

Auch Trinknnt'TlnrrlLiiti;;iii linden statt und werden ganz ähnlich 
von dem Märchenerzülik-r iingciicailit, wie uns das von den Spielleuten 
des Mittelalters berichtet wird, wenn sie ihre Epen vortrugen. „Und 
da ward ein grosses Mahl gefeiert." sagt der Erzähler, „da gab's 
Kälberbraten und Schweinebraten und gebratene Hechte; und Bier 
und Wein gab's auch und Branntwein dazu, so viel einer trinken 
wollte. Mir ist die Kehle auch schon ganz trocken; ich dächte, man 
gäbe mir, daas ich einen heben könnte. Sonst muss die Gesohiehte 
hier wohl schon ein Ende haben." Selbstverständlich wird ihm sofort 
die Flasche gereicht, und nachdem sie gekreist hat, geht es fort im 
Texte, imd das Märchen wird zu Ende gebracht. — Die grösste Auf- 
regung bemächtigt sich der Zuhörer bei den eingeschalteten und an- 
gefügten Liedern. Ist ihnen die Weise geläutig, so singen sie allesamt 
mit; mindestens aber werden die Kehrverse gemeinsam gesungen. 
Man sieht es den lauten an, wie sie mit Leib und Seele hei der Sache 
sind und in ihren Märchen aufgehen. 

Doch ich rede hier immer von Märchen, und dabei wird man 
(las Wort schwerlich im Volke finden können, so weit es nicht durch 
die Gebildeten hinein getragen ist und dadurch hier und da eine 
scheinbare Volkstümlichkeit erlangt hat. Man wird diesen Fehler 
verzeihen müssen, denn man kennt in Pommern keinen allgemeinen 
Ausdnick. der dem hochdeutschen „Märcbcn" entspräche, sondern 
giebt nur den einzelnen Abarten ihre besonderen Namen. Mit dem 
Namen Historien oder Geschichten bezeichnet man die Märchen, in 
denen von Verwünschungen, erlösten Prinzessinnen, Drachen u. s. w. 
<lie Rede ist. Sind die Historjen sehr sentimental, so werden sie 
auch wohl genannt: „Wunderschöne Historien, wo die Frauen weinen 
und die doch gar zu schön sind." /weitens unterscheidet man Kinder- 
gcscliichtcn, wozu beispielsweise die bekannten Miirchen von Schnee- 
wittchen. Diirnröschcn. vom Alnchandcllmm, vom Fischi^r und seiner 




k 



m 

Frau (Idr Grimmsulusn Samniluiig gereL'hnct werden niiissten. Ihre 
Erzählung ühernehinen insgemein die Frauen. Der Märchenerzähler 
wehrt sie von sich ab mit der Bemerkung: „Ach, das sind ja Sachen, 
die hörte ich, als ich sü klein war.'" Aher aul' Zureden erzählt er 
sl^hliessIich doch, bcsimdors wfim er von Kindern umlagert wird. — 
Die Tremiärohen werden unter dem Worte Fabelwesen begriffen. — 
Dann kennt man Räubergeschichten, Seemannsgeschichten, Geschichten 
aus der Zeit, da die Leute uoeli so dumm waren, dass sie katho- 
lisch waren, und untrer Herrgott auf tlrden ging, um den armen 
Ment^chenkindeni zu helfen, Geschichten aus des alten Fiitzen Zeit, 
Geschichten vom dummen Han«. vom titarken Hans, vom starken 
Jochen otler eisernen Marteu, vom Wolfs-, Löwen- und iJärensohn. In 
die Reihe der Schwankmärehen werden wir eingefiihrt, wenn der 
Erzähler anhebt: aNun wollen wir etwas Listiges hören!" Schon 
bedenklicher ist's, wenn er sagt: „Jetüt kommt etwas Drolliges." Aber 
gar toll wird's, wenn er seiner Zünfte freien Lauf lässt uud mit den 
Ziitenmiuflien aidiebt. «cli'hi' ;iiiili wnhl genannt werden; ,Gesehicliteii, 
wo die grossen Dirnen jui'lirii nml die Frauen mit dem Tiiffel werfen, 
aber nicht hinauHgehen, und die Milnner lachen." 

Aus diesen Benennungen crgiclit sieh der Inhalt der Märeben 
von selbst. Es würde zu weit liiliren, darauf des näheren einzugehen ; 
betrachten wir das Märchen im grossen und ganzen. Auf drei Punkte 
kommt es dabei an: ich unterMcheide erstens den Kern des Märchens, 
zweitens die märchenhaften Züge und drittens die cingofloc-htenen oder 
angeMgten Lieder. Der Kern des Märchens ist der einfache Gang 
der Erzählung ohne alles Beiwerk. Er ist in Pommeni nicht anders, 
wie sonst wo in Deutschland, und es ist hier nicht der Ort des näheren 
auf die Frage einzugehen, welche von den Märchen kernen spezitiach 
germanisch und welche übertragen shid, und ob nicht vielleicht ein 
grosser Teil derselben auf allgemein menschlichen Grundlagen beruht 
und sich deshalb überall in der Welt in ziemlich gleiclunässiger Gestalt 
linden muss. Nur soviel sei hier erwähnt, dass Pommern auch reich 
ist an solchen Märchen, welche aus der Heldensage und dem Mythus 
entstanden sind. 

Gehen wir zu den märchenhaften Zügen über. Darunter ver- 
stehe ich die Vorstellungen, welche die mensebliche Phantasie in ihrem 
Hange zum Wunderbaren erzeugt und die unter gleichen Bedingungen 
ganz gleich bei den Deutschen wie bei den Chinesen, bei den Kaffem 
wie hei den Indianern sein müssen. Es liegt auf der Hand, dass 
einem durstigen, hungrigen Gemüt das vor ihm stehende TrinkgefUsB, 
der gedeckte Tisch das Verlangen und die Sehnsucht nach einem 
Trünke, welcher niemals versiegt, nach einer Speise, welche niemals 
alle wird, erzeugen nmss, und daraus ist dann der märchenhafte Zug 
von dem Glase-, Weine- oder Bechev-Nimmerleer, von dem Tischlein, 
Serviettchen, Tüchlein deck dich entstanden. Ebenso ist's gegangen 
mit dem Knüppel aus dem Sack, dem Zauberschwert, der undurch- 
di-inglichen Rüstung, der unverwundbaren Haut, dem Fniversalheil- 




n-i 



mittel, dem Wasser des Lebens, dcni Zauberspiegel, dem Heckethaler, 
dem Goldesel. Femer mit dem RieBenstarken, dem Däumliiig, dem 
fedeileichten Schneider- dem blit/aclmellen Läufer, dem Hasenhüter, 
dem ewig Hungrigen oder DiirBtigen u. h. w. Je mehr ein Volk seine 
Liehe zum Märchen bewahrt hat, um so reicher werden sich auch hei 
ihm die märchenhaften Züge finden, und dämm treffen wir dieselben 
in grosser Fülle in dwn pommersthen Märi-hen wieder. 

Selbstverständlich schreiten die mändienhaften Züge mit der 
Weltgesrhichte fort. Die Erfindung der modernen Gewehre und 
Gewchütue mit ihrer verlierenden Feuerwirkung lässt das Zaubersc.hwert 
in di'n heutigen Märchen mehr und mehr in den Hintergrund treten. 
Es Htellt sich dafür das Gewehr und die Kanone ein, welche immer 
wieder vim selbst geladen sind, sobald sie abgeschossen werden, also 
die höchste Potenz unserer jetzigen Mehrlader und der Mitnvilleusen. 
— Es wird einleuchten, dass sich dadurch die Gestalt des Märchens 
im Laufe der Zeit verändern muss, um so mehr, als, meiner Beobachtung 
nach, allenthalben, wo Märchen erzählt werden, ganz im Gegensatz 
zu dem ängstlichen Festhalten an dem Märchenkerne, mit den 
märchenhaften Zügen ziemlich frei umgegangen wird. Ahnliche 
werden mit einander vertauscht oder, noch häuüger, an einander 
gereiht, manche ganz neu hinzugefugt, so dass schliesslich scheinbar 
ein viillig neues Märchen entsteht, obwohl es seinem innersten Wesen 
uacli nur als Variante eines andern zu betrachten ist. Der Beweis 
für die Richtigkeit meiner Behauptung liegt darin, dass überall die 
Kerne der Märchen die grösste Verwandtschaft zeigen, während die 
Art und Weise der AnsschmUckung mit märchenhaften Zügen häufig 
schon in zwei an einander grenzenden Dorfschaf'ten eine grundver- 
schiedene ist. 

Eine andere Bewandtnis hat es mit dem dritten Punkt, auf den 
wir hei der Betrachtung des Märchens unser Augenmerk richten 
müssen, dem eingeschalteten oder angefügten Liede. Bekannt sind 
aus den bisher erschienenen Märchen Sammlungen fast nur kleine Reime, 
welche sich innerhalb des Ganges der Firzählung finden. Ich erinnere, 
um ein Beispiel herauszugreifen, an die bekannten Verse in dem von 
Grimm aus Pommern in seine Sammlung übernommenen Märchen vom 
Fischer und seiner Frau: 

.Mann (je, Manntje, Tirape Te, 
Buttje, Biittje in de Üet. 
Mrae Fni, de lUebill, 
Will Dich 80, u ik wal wUl." 

Von diesen kleinen eingeschobenen Strophen, die immerhin auch ihr 
Interesse beanspruchen dürfen, wollen wir hier nicht reden, ich meine 
umfangreichere Lieder, welche in poetischer Form kurz den Gesarat- 
inhalt oder grosse Teile des Märchens wiedergeben und, nachdem 
dasselbe vorgetragen ist, von dem Erzähler, oft in Gemeinschaft der 
Zuhörer, gesungen werden. Sie finden sich nur bei den sogenannten 
Historjen und den Häuher- und Seemannsgeschichten, also ernsteren, 



158 ^ 

und wenn ich mich so ausdrücken darf, heldenliaften Stoffen. Zum 
grö»Bt<>u Teile sind sie heute dem Vitiktigediichtiiis abhaiideii gekommoti, 
diu EriunerunR an sie hat sirh JimIdcIi noch iiherall lelieiidig erlialtcu, 
lind sie wt-rden und «iintvii nirlit nur im AumIiIuhs an Märchen, 
sondern auch im Aiisrlilits> :iii Sabril i^'csiiiifii'ii. Su ist z. lt. das 
Votkshuch von der hei]i^i:ii Getiuvitu, in üt^hliehter Mü.rL'heiiK<'^taIt 
unter dem pominer scheu Landvolk verbreitet. Wenn uun in fiiüge.D 
Gegenden der Krzähler die H i s t o r j e beendet hat, so singt er und 
die Zuhörer das Lied von der (ienovefa. weklies in kurzer, knapper 
Form nodi einmal die wesentlichen Punkte des Miircliens vor Augea 
fuhrt. — Nachdem ditt Sage von dem Liel)espaar, das sich auf Tod 
und Leben verscliworcn hatte,- da« heisst also die sogenannte Lenoren- 
sage, erzählt wjinl. wiirdi-, wir- all(;ciiieiii licrichl.-t wird, das Lied 
gesungen, dessen irli Iriihr l>is j.'t/.t nurli Jiii'lil lialu- lialilial't wi-rdcu 
kimneu. — H..HV'utli,li hin i,l, in ,1,t h,lj;,x<>il t^hnkii.lirr : denn es 
Ist ständige (icwohohcit auf dem Lande hei heidcn Ge.schlcchteii, vor- 
zugsweise aber bei den Frauen, alle Lieder, tlie iliiieu KohlgeEnll&n, 
aufüuschreibeii und sorgsam zu verwahren. Am Kode läset aich dos 
alte pommersche Lenorenlied dort noch auftreiben, wenn es niclit 
gelmgeii sollte. dassi'Mie aus iiiüinlli<lu>i' Qui-Ih- 7m erfahren. -^ Mit den 
eingesehidtel'-ii .idci anjicliij^lm LicihTii ist es alsn genau so gestellt, 
wie mit den M.,i,llhal.']i. ^M■\An■ vm, dm Itilnlc^lsangcrn verbreitet 
werden: rrst die Kr/ahhin- in !'n,s;i, d;om da^ (M.diclit. 

In eini'in Mäirhen nirinn' Sa Imi^'. ^^H('lM'>^ den auch sonst 

hekanntrn Siurt' mtliait, (l;iss i-inr Kiini^iiii in rilj;i'i'lraeht durch ihr 
Harfen spiel iliivn Gemahl dem tiJrldselieii Sultan ahjjewinut imd von 
der Sklaverei erlöst, ist das Lied, welches, heiliiufig gesagt, «ehu 
Strophen in je vier aechsfiiasigen Jamben die Cäsur in der Mitte ent- 
hält, in den Gang des Märchens verknüpft worden. Trotzdem wird 
es auch selbständig, d. h. losgelöst von dem Mlircbeii, gesungen, und 
in diesem Falle wiedarum erst dann, naclulem <lasselln' in uiigchundener 
Kede vorgetragen ist. Ich möchte glanljfii. ilas;. diese Verbindung 
Von gebundener nud migehundeiier Kede. vnin Sagen und Singen, 
uralt ist und dass aueh in suleliei Wei^e die Heldensage und der 
Mythus ursprünglich wieclcrf;e^clicn wurde. Nui- ^(^ liisst sich, meiner 
Üherzeugimg nach, begreifen, ilass die knappen, knr/.en Heldenlieder 
der Masse des Volkes, welche einer hreiten, gemütlichen Darstellunga- 
weise gewiss im Altertuine nicht' weniger, wie heutzutage, duruhaun 
bedürftig war, so wohl gefielen uiul wahrliaft volkstümlich waren. 
Die Lieder, welche noch heute im Ansehluss an die Historjen und 
Sagen in Pomiuem gesungen werden, ähneln in ihrer gedi'ungeaen 
Kürze und in ihrer Uuverstüudlichkeit ohne vorher gegangene ProU' 
erzähluug ganz den alten Heldenliedern, 

Man findet hauüg die Ansicht vertreten, dass die Märchen TOjn 
Volke mit starrer Ängstlichkeit überliefert würdeu, so dass in Jabi" 
liunderten kaum kleine Änderungen darin eintreten könnten. S» wdt 
«8 sich um den Kern des Märchens handelt, hat das seine Rictitigkwi, 
^enn die Märchenkerne ändern sich wenig mid sind sich zum teil 





wirldich im Laufe von Jahrhunderten »iichweisbar völlig gleich gehliehen, 
lui übri{?en ist ilas Märchen aber (Uuvhauä als etwas Lfhpndiges an- 
zus^heii umJ wächst als soicht'w, vfriüidert m-]\ iiml ist fortliildungs- 
fahig. Ifh machte Bclmri vorher auf die miir<lii'iili;it'ti'ri Züge auf- 
merksam, deren Verwendung seitens der Mürilicnir/iilil. r i-ine ver- 
hältnismässig freie genannt werden darf. Da/.n ki>iaui<'u nun noch 
einige andere Punkte, welche die Veründerliclikeit des Märebeos 
bedingen. 

In erster Keibe ist e» die Individualität des Erzählers. In uuRern 
Märe heu Sammlungen wird zwar, nach dem Vorgänge der Gebrüder 
Grimm, immer betont, dass die Märchenerzähler genau bei der Er- 
zählung bleiben und auf ihre Richtigkeit eifrig sind, dass sie niemals 
bei einer Wii-dcrliiihnif; in der Sii,-li.> <-U\:i^ aband.-ii] und ein Versehen 
miticii in der Sache [zici.li >AWy hr.serii, uml da^ i^l ;ukli richtig, 
soweit c> sidi um |jerlrkt.> MiirciicMci'/iililer niul um Kinder liandelt, 
welch lelz-terc sicii «(dau^c vurcr/lllilcii lassen, l)ia sie wortgetreu aus- 
wendig können; aber bis der Märchenerzähler perfekt geworden ist, 
wirkt bei ihm, werm auch ganz absichtslos, seine Individuaiität auf 
das Märchen ein. Ein Schuster pflegt alle bösen Menschen in seinen 
Märchen ku Schnüidem zu machen; ein Frauenzimmer stempelt jedes 
böse Weib zu einer Stiefmutter um, daher auch in den Märchen- 
sammlungen die vielen honen Stiefmütter, weil die Sammler fast durch- 
weg ErancTi zu ihren Quollen seli.iht Imbeii. Diis drastischste Bei- 
spiel für .Ins Ki.iwirkeii di'r ludU i.luidiüil des Kr/iil.lers auf seine 
Miircticu fand icli l„.i einem allen Kiierlit au^ dem Ceekermiimlifichen. 
Wocheiiliin;: hatte ich ViTsuiht, mir das Zutrauen ilcs Mannes zu 
gewinnen; ich wusste schon seine ganzen Familieugehe.imnisse, den 
Staud und die Geburtstage aller seiner sehntzbefoblenen Rinder und 
Schweine, ihre guten und schlechten Seeleneigenschaften, aber mit 
seinem Märcheusidiatze rückte der Mann nicht heraus, obgleich ich 
von anderer Seite her wusste, dass derselbe sehr beträchtlich wai'. 

Eudlich nahm er mich eines Abends bei Seite und sprach zu 
mir in der missingschen Mundart, welche sich im Verkehr immer mehr 
geltend macht: ^Junger Herr, wovor eachtimieren Sie mir wohl?" — 
^Wofiir soll ich Sie estimierenV sagte ich einigermassen verlegen. 
„Na, doch wohl für einen roten Husaren?" fragte er dringend. — 
„Das will ich meinen," versetzte ich raseh, „dafür habe ich Sie schon 
längst angesehen.'^ — ^Diivor habe ik Iliueu auch taxiert," sprach 
er fi'eude strahlend, „und nun will ik Ihnen auch verzählen, wie dat 
gekommen ist: Meine beiden Brüder haben bei die rote Husaren 
gestanden. Ik hatte wat untern Strich, aber dat kann man einen 
halben F'inger gewesen sin. Da haben sie mir nun in tiarz mang 
den Train gestochen. Bin ik nu aber nich von Rechts wegen ein 
roter Husar?" — „Schultz," sagte ich, „habe ich Sie schon inmier 
so estimiert, imn estimier ich Sie von Gotts und Rechts wegen 
für einen roten Husaren uud lasse mich darauf büngen." Damit war 
das Eis gebrochen, ich war sein Freund geworden und liess mir wochen- 
lang von ihm Abend für Abend erzählen, was er wusste. Aber alle 




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Soldaten, welche in seinen Märchen vnrkameii und etwas taugten, waren 
rote Husaren, und alle Prinzen und Konige trugen rote nnsarenutiifonn. 

Noch stärker ist die Umwandlung, welche das Märchen dadurch 
erfährt, dass es ganz dem Ideenkreis des Erzählers angepasst wird. 
Fremde Züge kann das Volk nicht vertragen, weil es dieselben nicht 
versteht ; und so sehr es sich scheut, den Gang der Erzühlung aiizn- 
tasteu, das Beiwerk wird seines fremden Gewandes beraulit und durch- 
aus volkstümlich gekleidet. Ich bin in der Lage, dies an einem in 
jüngster Zeit im Kreise Randow unter das Volk gebrachten Märchen 
nachzuweisen. Einem Dienstmädchen war von ihrer Herrschaft ein 
Auszug der Märchen von Tausend und eine Nacht zum I^sen gegeben 
worden. Die hekaniite Geschichte von Aladiu mit der Wunderlampe 
sagle ihi- am meisten ku, sie las sie solange, bis sie dieselbe aus- 
wendig konnte, und gab sie dann {gelegentlich eines Besuches in ihrem 
Heimatsdorf zum Besten. Ein Märchenerz übler lernte das Mäi'cheii von 
ihr und erzählte es dann, nachdem ungefähr ein Meuschenalter über dem 
Lei-nen vergangen war, vor Jahresfrist wieder, vor allen andern Märchen, 
die er sonst im Gedächtnis hatte, weil es aus einem gedruckten Buche 
stamme und dämm schöner sei, wie alle andern Historien, die er 
sonst wisse, Zug um Zug stimmte mit dem Originale, nur war dem 
guten Manne, er wusste wohl selbst nicht wie und warum, aus dem 
schmutzigen Aladiu der rothaarige, ohne Gottesfurcht aufgewachsene 
Dummhans geworden, der noch nicht lesen und schreiben und nicht 
einmal das Vatermiser heten kann. Den Garten, welchen die orien- 
talische Phantasie mit Obstbäumen bestanden schildert, welche Perlen 
und Edelgestein statt der Friichte tragen, machte er zu dem volks- 
tümlichen Fe hnus garten ; das Rocbei jedoch, das Ei des Vogels Koch, 
welches in dem Originale eine so grosse Rolle sjiielt und welches 
Aladin auf den Rat des Zauberers vom Geiste der Lampe als Kuppel- 
sohluss in seinem Schlosse einfügen lassen soll, behielt er Iwi, Es 
schien ihm zu wichtig für die Erzählung, als dass er daran zu tasten 
wagte, und so erzählte er denn, der rothaarige Ihimmhans habe zu 
guter letzt von dem Geiste gefordert, er solle ihm den König Reckei 
bringen und ihn am Schwibbogen anfliängen. Als ich ihm erklärte: 
was das heissen solle, einen solchen Namen gäbe es ja gar nicht, ant- 
wortete er gelassen: ,Wie wollen Sic ihn denn genannt wissen? Sie 
sind ja klüger wie ich, gehen Sie ihm doch einen Namen, der besser 
klingt. König Reckei heisst er, und so werde ich ihn nennen mein 
Leben lang. 

In noch höherem Masse, wie bei diesem jungen Eindringling aus 
dem fernen Orient, ist natürlich in den altheimischen Märchen das 
Gewand ein echt pommersches. Dieselben Vorstellungen kehren wieder, 
wie in den Sagen, und da diese durchaus germanischen Ursprungs 
sind, so sind auch die Märchen ein neuer Beweis für das unverfälschte 
Germanentum der Pommern, ziuial der mittleren und westlichen Hiuter- 
l)oramem, und femer für die ethnologische und mythologische Bedeu- 
tung, welche jede Märchensanimlung, die aus echten volkstümlichen 
Quellen geschöpft ist, für sich in Anspruch nehmen darf. 



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Endlich trägt sehr \ie\ zur Veränderlichkeit des MärchenB bei, 
die Sucht zu vervielfältigen und zu verbinden. Hat der Held eine 
Gefahl- bestanden, so ruht der dichtende Volksgetat nicht eher, bis er 
aus der einen Gefahr drei gemacht bat, und tÜese werden wieder, je 
nach dem, zu sechs und zu neun verdoppelt und verdreifacht. Aus 
einer vei-wünschten Prinzessin werden drei, ebenso aus dem bösen 
Drachen, oder er bekommt statt des einen Kopfes drei, sechs, neun 
oder gar zwölf Häupter. Aus einem Wunschding werden drei, und 
so weiter. — Dasselbe ist es mit der Sucht zu verbinden. Märchen, 
welche ähnliche Stoffe behandeln, sucht der dichtende Volksgeist zu 
kombinieren: aus den vielen kleinen Märchen vom dummen Hans 
erhalten wir wenige grosse, am Ende wohl gar eine umfangreiche 
Dummhansiade. Ebenso geht es dem starken Hans, dem Däumling 
und vielen anderen Stoffen. 

Das sind Jedoch nicht spezitisch pommerscbe Eigentümlichkeiten. 
Die Sucht der Vervielfältigung 6nden wir beispielsweise schon in dem 
Liede vom hörnernen Siegfried, und der Sucht der Verbindung ver- 
wandter Stoffe verdanken die Faust- und die Rübezalsage, das Buch 
von den Schildbürgern, Eulenspiegel u. a. w. ihr Dasein. Überhaupt 
verwahre ich mich vor dem Anschein, als ob, was ich hier aus dem 
pommerschen Märchen entwickelt habe, darum auch nur für die pora- 
merschen Märchen von Gültigkeit wäre. Genau wie die pommerschen 
Märchen sind, wenn auch vielleicht nicht ganz so altertümlich und 
reichhaltig, die Märchen der andern niederdeutschen Stämme. Es ist 
Schuld der Forscher, wenn sie über die Märchenarmut klagen. Wenn 
■£. B. Müllenhoff vor vierzig Jahren von den Schleswig ho Isteinschen 
Märchen sagt: „So also ist der Baum verdorret, der so lange grünte. 
Seine letzten Reisen und Blätter waren wir für unsern Teil bemüht 
zu sammeln," so entspricht das seibat heute noch nicht der Wirklich- 
keit. Ich habe mehrfach schleswigholsteinache Tagcarbeiter und Land- 
streicher kennen zu lernen Gelegenheit gehabt, die ebenso erzählen 
konnten wie die Pommern und deren Märchen dieselben Schlüsse machen 
lieasen, die ich aus meinen pommerschen Märchen gezogen und vor 
Ihnen entwickelt habe, Müllenhoff ist eben nicht genug in das Volk 
gekommen: das beweist schon, dass er das meiste aus dritter Hand 
von Kindermund sammelte. Zu der eigentlichen Quelle ist er gar 
nicht durchgedrungen. Und ähnlich, wie ihm, ist es den meisten 
andern Forschem ergangen. 

Der Baum ist in Niedersachsen noch nicht verdorrt, er hat noch 
grosse, starke Äste und dichtes, grünes Laub, aber an seinen Wurzeln 
nagen verderbliche Würmer, der Hasa und die Verkennung des Volks- 
tümlichen und das moderne Volks-Schulwesen. Es ist noch Mark 
genug in dem Stamme; man tbue den Würmern Einhalt, und dem 
Volke wird sein schönstes Gut, die echte Volkspoesie erhalten bleiben, 
deren es sonst unfehlbar verlustig geht. 

BERLIN. Ulrich Jahn. 



THE UNIVERSITY OF MICHIGAN 
GRADUATE LIBRARY 



JUN 3 1913 



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