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Full text of "Jahrbuch für Landeskunde von Niederösterreich"

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JAHRBUCH 

fOk 



LANDESKUNDE yon NIEDERÖSTERREICH. 



KKDIOIBKX 

* 
TOK 



Db. ANTON MAYER 

N.-ö. LAKDS8-ARCHITAK UND BIBLIOTHEKAR. 



NEtTB FOLCAB, 
VIERTKR t7NI> Ftf>llfTE.-R JAHRGANG 

1905 yKD 1906. 



■■<-^ 



*^ -^ 




UlT ß T&ZT-ILLUSTR4TI0NEN, 1 TOPOQBAPU ISCHEN KARTE UHD 
2 TAFELN IN LICHTDBUCK. 



WIEN 1906. 
TMiLAS CID Bionnm du vrui«ks fOk lakdukchdi rnv aiiDiKOaTuanoM. 

DICCX TOM tlllURICH J&lMim IN WIM. 



J3 



r ANW» UNiVttSITY 

ueaARiei 








INHALT, 



3«iU 
OMchicht« d«r DonSiUregulieTDiigutbeit«!) bei Wien. (II, und III. Teil.) Von 

Dr. Viktor Thiel 1 

Di« HoßbuhiDsel and Breitenlee. Von Dr. Jotef L&mpei IW 



Du FraaenUoBler Himmelprorte in Wien (lirkft 1131— lb86). Von Alfooi tkk 137 
Die Babeabergische Ottmark und ihre' »trei comitstui*. (ScblaC) Von 

Df. Joaof Lampel 826 

Regiiter Von Dr. Viktor 'Miie'l 490 






GESCHICHTE 

DER 

DON AUREGULIERUNGS ARBEITEN 

BEI WIEN. 
D". VIKTOR THIEL. 

11. 

(TOM ANFANGE DBS XVIII. BIS ZUR MITTE DBB XIX. J AHB HUNDERTS.) 

UI. 

(VON DER MITTE DES XIX, JAHRHUNDERTS BIS ZUR GEGENWART. 



JOrtMh d. T. t. Laatetairi*. I«W. 



Kapitel I. 

EinleituDg. Rückblick anf die Grgobntas« doserstcn Teiles 

der Arbeit 

Im er*t<!n IVile d«r Arbeit:, welche im Jahrgang« 190? dea Jabr- 
bucbes crsebicncn ist, führt« ich die Gntwicklung der Donan- 
reguliwriing.'mrlwiteii bei Wien bis zum Schlnsse dce XVH. Jabr- 
huii<)ertH. Ich setzt« sa&ciDaDclcr, dnß <lcii bKtiptstlcblicbstcn Aaluil zu 
den KegulturuDgsvertinchen die Tendetu de» S^tromes gab, aeiiten La.uf 
melir nach Norden, von Wien weg dem MarcbMile znztin'cDden. 
«rodarcb die «tldlicbeu, Wien zonäcbBt tUeüi-aden Üunauanne zu 
TerMDden drohten. Da nun aber der südlichste Ann. der spätere 
sogenannte Donaukanal, al» natürliche Verkehrsader zur Hauptditadi 
de« Keichea vinu tii-f In das wirtscbuftliohp Loben elngmifcadc iJo- 
dentung beitaü, warden kUoiitliche Vorkelirungen versucht, um den 
tragen ZuDiiß in den nonnaann za beleben. 

Die K^chiiiHchen Mitte), deren man dich su diesem Zwecke 
bediuntr, wuruii verschiedener Art. üu Bagj^^run^n ecbeint man 
der Kostpieligkeil und der seitlich bcschrXnktcn Wirkang wegen 
nicht t>ehr hsolig und nur in der oberen Strecke des DonaaartneB 
Znflucbt eenommen zu hul»en: so wurden 1376 Baggerarbeiten unter 
Anwendung ron llnndbaggem, 1567/68 tn größerem HaQsube von 
Hans Oaateiger mit der von ibra erfundenen Baggermaachine vor- 
genommen. Einen dnuomden Rrfolg erboflie man sieb durch die 
Anlage von Treibsponien gegeuöbor Nußdorf, welch« die Sohwere 
de« tStromcs Tom linken Stmmafer ab- und der Einmtliiduag de« 
Donauamies anwenden ooUlen; mau wollte hiedurch einerttoit« 
daa nJlrdliclio Uivr vor Abbruch schützen. anderHeits mehr Wosaer 
in den Uonauarm drllngon. SoleUo Werke wartlea «chon am 
diu Mitte des XVT. Jahrhunderta errichtet, ohne jfrdocb eint 
nacbhalti;:e Wirkung xu erzielen. Es wurde daher um da<> Jabr 
1670 ditf RiiiinUndun^' des Uonauanne« durch Erbauung eine« 



1 



Teilangswerkea etwas weiter stromatifwärts verlegt und als sieb 
aoch dieses Mittel als anzureicheiid erwies, wurde am 1686 über- 
dies ein Gegensporn angelegt, um das Waaser der neuen MUndung 
ZQzatreiben. Seit dieser Zeit bürgerte sieb die Bezeichnung Donau- 
kanal ein. 

Kapitel 2. 

Handel und Verkebr auf der Donau im Zeitalter des Mer- 

kantiliBmuB. Projekte kUnstlicber Wasserstraßen. 

Die intensive Bautätigkeit, welche gegen Ende des XVJI, Jahr- 
bonderts auf die Verbesserung der Donaustraße bei Wien ver- 
wendet wurde, bangt mit der Hebung des gesamten Verkehrswesens 
zusammen, zu welcher damals das sogenannte Merkantilsystem, eine 
ganz Europa durch mehr als ein Jahrhundert beherrschende volks- 
wirtschaftliche Theorie, den Anstoß gab. Da nach dieser Theorie 
der Volks- und Privatreichtum hauptsächlich in edlen Metallen be- 
stand, mußte nächst dem Bergbau als der nützlichste Wirtschafts- 
zweig der Handel, besonders der Ausfuhrhandel, erscheinen, dessen 
Entwicklung hinwiederum die Förderung des Verkehrswesens zur 
Voraussetzung hatte. Der erste und hervorragendste Vertreter dieses 
Systems war Colbert, der Finanzminister KSnig Ludwigs XIV. In 
Österreich ging Gundaker Thomas Graf Starhemberg, welcher von 
1704 — 1717 in der Stellung eines Banko-Deputations-Kammerpräsi- 
denten die staatlichen Finanzen leitete und das vollste Vertrauen Leo- 
polds I. und seiner Söhne besaß, mit aller Entschiedenheit nach den 
Grundsätzen der Merkantilpolitik vor. 

Da die Theorie des Merkantilismus die Umwandlung des Staats- 
gebietes in ein einheitliches, nach außen möglichst abgeschlossenes 
Wirtschaftsgebiet als geboten erscheinen ließ, wurde bei der För- 
demng des Verkehrswesens auf eine innigere Verknüpfung der 
einzelnen Länder des Reiches mit dem Mittelpunkte desselben hin- 
gewirkt. 

Die Anwendung dieses Gesichtspunktes auf die Wasserstraßen 
mußte auf den Gedanken der Anlage eines zusammenhängenden 
Wasserstraßennetzes leiten, einer Verbindung der natürlichen Wasser- 
straßen insbesondere der nördlichen industriereichen Gebiete mit der 
Hauptverkehrsader des Keicbes, der Donau, mittels Kanälen. So 
entwarf um die "Wende des XVII. und XVm. Jahrhunderts der 
niederlfindische Wasserbaumeister Vogemonte das Projekt einer 



Vur1)indan{* der Donaa mit dar Motd»u, wobei er zwei Tra«ii«ii vor- 
eUiig. ilereti eine deo Kauij), die Zwettl und Laitisitz. dii; imdere 
lie FeLilaist io OberOstcrreich benUtKen sollte, ferner eüie» Kanals 
BtittoU der March und BecxwA zur Oder citil t-oD dor Oder aus 
mm Strotngobiet der Weichsel, ein Projekt, wctctea hinsichtlich dee 
ertlichen An^dehnung fast an da« jüngst Moktionierte Woitectr' 
Mrafienge^lz hioanreicbt Den Plsn eines Donan-Moldaukaoaleti mit 
Benutzung der MQbl »oblng 1711 der b^ilimtacbc Krcishauplmaan 
Frans Lopold Wöracziekv Ton Pabienow vor, während 1720 der 
OUT»twacbtmei*ter in Ungart.'>cb-Uradi«i.'h Norbert Wenzel Linck 
die Re{rtilieTun<; der March und ibre Verbindnng mit der Oder 
aber die B«c7.wa anregte. Ein Anonyinns projektierte in einer Ein- 
Rabe an den llufkriegarat eine WasscrverbinduD^ der Donau mit 
der Adrin mittel» «ine« von dor Ssvu zur MoenwktUtc zu gmboadon 
Kanoles. Solchen weitau^Acliancnden Plünen. welche immerhin l>^ 
leiolinRnd »iod Tur den knhnen l'ntemehmungsgeist dieser Zeit, 
standen jedoob unliberwiiul liebe Ilinderni^so entgegen; wenn aocb 
die damals bereite erfundene Kammerscblcufo die Überwindung 
von llühen unterschieden ermüglicbto und in Kof^land. Frankreich 
nnd Belgien um Jie»e Zeit bervit« eine Reihe großer Kanäle gebaut 
wurde, «o echeiterten in ÖÄterreicb solche Projekte inabpsondere 
an der iSobwerf^lIigkeit deN damaligen KapitaUweteus; die Idee der 
Kapilalsaamiziaiiuii war ja untt in dor Entwicklung begriffen und 
koimtv in üsierrfich nur schwer Bt>d«n (useon. 

Solche Kanalprojekte waren Obrigens damals »ckon nicht uco. 
nie docli schon Kuinor Karl IV. im .labre 1375 eich mit dem Ge- 
lankcn hrfaßt, ein<- dimkte Verbindung der Moldau mit der Donaa 
bersudtellen. am Uiedurcb Frag zum Miltolpunkle dea europaücboo 
Handels zu crheK'n; im Jahre 1626 wollte Wallenstein auf eigene 
Kosten die Donau mit der Moldau und 1633 Kaiser Ferdinand II. 
den Strom durcb dip March mit der Oder verbinden lattiien. 

U* der Verwirklichung von ktUistlicben Wasserairatten auch 
niK:h im Zeitalter d(% Mcrkunlilismaa ungeheuere >Scbwiengkciteji 
im V/cgv standen. muUte man sieb um ao mehr darauf Tcrlegen, 
wenigMtens die natürlichen WuMcrwege, inabesonder« die Uaupt- 
rarkehr«ider des Reiehea, die Donau, müglicbBt brauchbar aa ge- 
füllten. 

In außerordentlich fördernder Weise wirkten auf die Wieder- 
belebung des Donaubundeis die gUiazcnden Erfolge der kaiser- 



6 

eben Waffen aber die Tarken seit dem Entsatse Wiens hin. Durcli 
Anderthalb Jahrhunderte hatte die Herrschai^ des Halbmondes fast 
bis an die G-renzen Österreichs gereicht und während dieser Zeit 
var der Verkehr auf dem Strome zumeist auf die Schiffahrt ans 
den deutschen Donaustädten nach Wien, das äußerste, gegen die 
ttlrkiache Gewalt sichere Bollwerk, beschränkt gewesen. Nur selten 
wagten sich kühne Unternehmer bis nach Ungam hinab, um Roh- 
produkte heraufzuholen. Durch die Zurttckdrängong der Osmanen 
wurde der durch die zahlreichen Raub- und Verheerungszüge der- 
selben arg damiederliegende Handel und Verkehr im Donaugebiete 
wie von einem schweren Banne befreit und begann allmählich wieder 
aufzublühen. Schon 1690 weiß der venetianiscbe Gesandte Corner 
von der Bereicherung Wiens durch die Donauschiffahrt zu be- 
richten und hebt die gUustige Wasserfracht der Osterreichischen 
Monarchie hervor. Im Jahre 1696 richteten die Regensburger neben 
den gelegentlichen Fahrten nach Wien regelmäßige ein und vom 
4. März dieses Jahres ging allwüchentlicb das Regensburger >Ordi- 
nari«-Scbiff mit Ladung und Reisenden nach Wien ab. 1712 folgten 
die Ulmer diesem Beispiele und bald auch andere Städte an der 
oberen Donau. Immer größer wurde die Anzahl der Schiffe, welche 
in Nußdorf und beim Roten Turme im Kanäle landeten, und zu 
Anfang des XVIII. Jahrhunderts war der Verkehr im Donaukanale 
nach dem Nachweiae der Waasermautregister ein sehr lebhafter. 
Mit stetig reichhaltigerer Ladung langten Schiffe aus Bayern und 
Österreich hier an, ebenso wie immer zahlreichere Schiffe aua Un- 
garn mit Getreide, Vieh und Produkten heraufkamen.') 

Kapitel 3. 
Die Regulierungstätigkeit an der Donau bei Wien unter 

Kaiser Karl VL 

Bei der Steigerung des Verkehres auf der Donau mußte sich 
die Verwilderung des Stromes inabesondere bei Wien und die Er- 

'^) FranE Martin Majer, Ueichiehte C^terreicUi. II, 331 f. — Krouea, 
GMcbichle Österreichs. IV, 457 ff., 461. Anm. — Denkschrift Ober den staatlichen 
Wasserbau und die BchifTahrt im KSnignIche B8hm«c. Prag, 1891, S. S, 27 f. — 
KematmUlIet, Wuaerbaaten des Hofkriegsrates 1724 bia 1740, in: Hitteihingen 
des k. a. k. EriegsarchiTH. 111, F., Bd. III, S. 4 f. — Podhagsky, Regalierung 
dei Marcb, H, 3. — Winklar, Der Wiener Donauhaadel bis 1S74. g. 6. — 
Weifbauer, Die Denan und ihre Tolkswirtachaftliche Bedeutung, Wien 1880. — 
Birk, Die EntwicUnng der Terkehrsnege (Da* Wiuen fttr AUe. IV, 610). 



folglosigkeit ck-r bishcngen Bcnifllumn^Mi, «.lini- liiiidernisfn-it: Zufuhr 
auf dem aatdrÜch^n Verbindungswege bis unmittelbar !in die Haupt- 
stadt heran zu «rmßglicb«!), omw) oropfiDdlicber fühlbar machen und 
den Aoitporn zn neuerlichen Kegulierungsversiicbeii ^vben.') Die uatvr 
Kaiser Karl VI. gcpHogcncn Re^nlirrniignvcrhandlunppn hpfchrltnktea 
sich zwar aoeh nur darauf, einzig den Donaukanal «K^hiftlMr zu |^ 
stah«n. weüten j«di>ch in^oferne eine Vortiefniiß des Prublum« uuf, 
alu man sieh nieht mehr mit Vorkchrunpen unuiitlclbar an der 
Einmündung des Kanäle« begnügen wollt«. Hüiidern nunmehr iibeh 
dorn 'bekannten Ilaaptprincipiam bydrostaticuui < vurgebeo wullte, 
wonach >diu flUKS nicht auf einmahl zu fangeii, iiriiidem vun ferne 
SU leiten seyen«. Sehon 1712 hatte ein Freiherr von C'oronini emp- 
fohlcD, durch Abnpernmg der Abzwpigunffon orterlinM) Komeu- 
borgs. DanH'ntlich des Biberfaakens und der Schwarzen Lacke, so* 
wie den Armes b«i der Klixstornntihur^cr Vi(-hweiü<; das >>trombott 
bei KuUdorf zu einem einzijjen Rinnctale auszubitden, w<xlurch 
d«r 'CtiHiiß in den Kanal gesteigert werden wfirde^ eine Anschauung, 
welche bei den im Jahre 1717 stattgefundtmeii Keratongi^ aber 
die DonauregtilicrunK bei Wien allgemein geteilt wurde. Damals 
kam zum erotva MiJu auch dii' Kcgulierung der uiu Cbnos von 
Sandbänken bildenden Ansmllndaug dca Donaukanuls zur Sprache, 
deren Molwendif^ktfit durch den genteigerten Handelsverkehr mit 
Ungarn fühlbar wordc. 

Die technischen 3[ittcl, mit welchen man der prinzipiell an- 
cikanntcn Notweadi^keit der Konientratioa des Stromes oberhalb 
Nntidorf zu eiit«pr<-clien .luctile, standen indes in keinem Verbaltni)! 
zur Schwierigkeit der Aufgabe. Mild begnügte sieh nämlich, die gcfkhr- 
lichstcn AuHarlungeD des Stromes, vie die .Sobwarae Lacke, mit soge- 
nannten ■ FiFcherKCun» 7,n verlegen, wnehalb pich daher »uch kt-inehe- 
»ondore Wirkung einstellen konnte. Intensiver arbeitete uiau daf^gen 
aaf eine V«r(>csM.Tung des Donankaoalcii bin. etncrseit« dnrrli eine all- 
mshliche Fixierung der Ufer, allerdingii nor mitteln HulzbuficIilSchten, 
anderseits durch eine VerkorJung de» Unterlanfes mittnU eine« Durrh- 
achnittee beim Erdbcrgcr Mui^ -welcher im Jahre 172B au^^fuhrt wurde. 

Teb geh« nan im nachfolgenden d» nllheren auf die Regu- 
Berungstatigkeit an der Donan bei Wie» unter der Regierung Kaiser 
Karl« VI. um. 



') B«arcgiitnitui dw k. k. Hiai«t«rtinBadMlBa«xa, llo(l(a«>l«iaktsn. TO 10, 



flM. 03. 



8 

Im Jahre 1717 befahl Kaiser Karl VI., da die Donaa >sich 
mit aller gewald gegen das Marchfeld ihren auasbrnch zogewUii- 
sen bearbeitte imd gegen der alhiesigen Statt Wien sich der Donan- 
Ärmb and Hereinäuß aas villen obatacalis ahznweiiden beginne«, 
anverweilt die nötigen Gegenmaßregeln zutreffen, und trug der »in 
dem Donaa-Wasser-G^bäa aubdelegierten Hofkommission < auf, Vor- 
schläge zu erstatten. Nachdem >dnrcb offene zeitung derley Wasaer- 
Gebäa- Verständige« eingeladen worden waren, Entwürfe vorzulegen, 
einigte sich die Kommission zu dem Antrage, daß die Schiffmllhlen 
bei Tattendorf an einen anderen Ort versetzt und an den Bruoh- 
stellen daselbst ein Schntzwerk angelegt '). die Schwarze Lacke ferner 
durch eine Überfallswebre geschlossen werden solle, so daß zwar 
bei kleinem Wasserstande der Zufluß in den Donankanal erhöht, 
bei hohem Wasser dagegen einer Überschwemmong der tiefgelegenen 
Vorstädte Wiens vorgebeugt würde; endlich solle der Kanal > durch 
und durch gemauert nnd der zug beim ausfluss wohl präpariert 
werden«; von einer Geradestreckung des Unterlaufes mittels eines 
Durchschnittes durch den Prater — es wurde nämlich der Vor- 
schlag gemacht, ein vom Donaakanal in das Heustadel wasser durch 
den Frater führendes Hochwasserrinnsaal zum regulären Bette zu 
gestalten — sei aus Jagdrücksichten noch abzusehen. 

Die Kosten der vorgeschlagenen Bauten berechnete mau auf 
180.000 fl.; da zu einem solchen Aufwände der im Jahre 1700 für 
die Instandhaltung des Donaukanales bestimmte Zillenaufschlag, 
welcher jährlich 10.000 — 12.000 fl. abwarf, nicht ausreichte, sollte ein 
neuer Änfschtag auf das Bauholz eingehoben werden, von welchem 
man sich den gleichen Jahresertrag erwartete. Ein etwaiger Über- 
schuß sollte auf die »Illumination' der Stadt Wien verwendet 
werden. Hinsichtlich der Bauleitung kamen nur zwei Techniker in 
Betracht, nämlich der kaiserliche Ingenieur-Oberstleutnant Comte Än- 
guisBoIa und der kurpfälzische Brücken-Oberstleutnant Mayr; dem 
letzteren gab man den Vorzug, da er bereits »verschiedene stand- 
haffte und wohlperfektionierte Werkher« am Rhein und Neckar 
eingerichtet hatte. Doch kam das Bauprogramm nur teilweise zur 
Ausführung: bloß der Uferschutzbau beim Tuttenhof wurde errichtet 
und der Biberhaken, der Enzersdorfer Graben, die Schwarze Lacke 
und die Scheibgrube, sowie der Kiostemeuburger Arm bei der Vieh- 

') Schon im Jahre lt>08 war dieeer Antrag geatollt worden. Vgt.: Jahrbacb. 
n, 145. 



9 



«eid» »mit Fiathcracun- verlegt, koincswdgs aber grUndliob, daher 
•ucb cihao b«so[i<l<'ren Erf'jlu: 1735 wurd« die Absperrung der 
Nebenarme DOiteriicli auf gleiche Weise vor^nommcn. 

j\n5tatt der Maueruug der Donaokaualufcr entschied man »ich 
1725 wieder für die bi»hurigo Sichorungsart mittels BobsbctfcbUcbtea; 
jedoch sulli« allttiflhlicb der g&uze Lauf beidseitig auf diese Wai<ie 
fixiert und die BoMhUcbt« nicht mehr bloß mit Sehott«r und Sand 
busehutb-l. sondKni mit Su>int^n befiwtigt bürden. Damals wurden 
auch cinf! Itciln.' weilrjttr Malireguln zar Verbesserung des Katiales 
durckgefulirt; es irarde der alt«, oiobt mehr brauchbare Lasgsteger- 
sporn b(^i dvr KinmOnduDg vUllig ontfurnt, mehrere Sandb&nke, 
insbeftiindere im Ob«rlaufe bei NoUdorf und bei der RoOaa ^bgftragen 
nnd der Sporn bei den Weißgiirbem unterhalb der WienmUndung 
etwas s«brsger nach abwArtä »eaetKt; endlich wurde 1726. um den 
vielfach ^rwiindt-Dcn Unterlauf etwa« z« kUnwn, beim Erdbcrger 
Mais ein Durrbäcbiutt gegraben.') 

In den folgenden JahrEehulen wurde die Baamtigkeit anf die 
durch die ilochwasser drinj;'(>Dd erforderlichen Keparaturen be- 
tschrankL da die uhlrcicbcn schworen liriugoriachuD Vcrwicklaa- 
gen dieser Xeit die lioanzielleD Krafl« des Staate« vollauf in An- 
spruch nahmen. 

Kapitel 4. 
Über den Wirkungdkrein der Behörden hinsichtlich des 

Donaukanales. 

AI.« im J»hre 1745 der Douaukanal infolj^ der Hochwasser 
der vorher^.- kviiiii-n Jahre durch Sandbänke wieder verlegt worden 
mr, kaiu ea ^egentlieh der ßebebnng dieses ÜbeUtandes za einem 
Koni pfteiizst feile iwinchen der Ministerial-Bankn-Deputation und der 
niederöitterreiehiscben Kcgieruuf;. Es war nllmlich der WirkunK^kreia 
der beiden Bch>>rden hiruichtlich der Is^rhaltung dun Donnakunulcii 
m«Iinnalä gelodert worden; von 1701 — 1707 fohrto die niederöeter- 
reichi-icbp Rp{»ierung die Verwaltiinp der 2ur Krbaltnng des Ranale« 
dieneoileii (Jefillle; in diesem Jahre ging sie durch ordentlichen 
Kontrakt un die MiDLsterial-Iianko-Deputatiou Über, wurde jedoch 

M WieiHiT HtKdiatcliir, Kcfiitraiurnkten. Im BeaitM do* 8tadUT«Iii»«i 
boGiidni »icb aucli eim vom laj^nivai M. A, CantslUi »ugtfortiKtc Mapp« IIb«! 
4^ Rriltxrger Mail tu* ilciu JaLru 1748. «uf mlcbtr dir cargC'nAlitin*!)* lAitf' 
J(«mktloa tntchtlicti in. 



10 

1711, als Graf Welz, welcher Statthalter nnd zugleich Kondirektor 
des Banko gewesen war, starb, an die Regiemog wieder rtlck- 
tlbertragen. Im Jahre 1741 endlich wurde die gesamte GefaUeoTer- 
w&ltong, somit anch die WasserbaiigefaUenkBsse der Banko- Deputation 
tlhergeben *), weshalb sie anch die Besorgung der Waeserbanteit in 
Anspruch nahm, wahrend die Regiernng erklärte, es sei nicht ein- 
zusehen, warum man ihr diese Agenden entziehe. Auf die Beschwerde 
der Deputation bei der Kaiserin Maria Theresia über die Verwei- 
gerung des Gehorsams einer subordinierten Stelle entschied die 
Herrscherin, es sei >gef^net worden vom Statthalter, das .... die 
Subordination nicht besser beobachtet wird, welche absolute will ge- 
balten wissen; empfindlich aber mos der regiernng fallen, das alles 
zur Cantzlej gezogen wird, auch Sachen, die sie sonst allezeit trac- 
tiert und schonn angefangen gehabt, also sie anch mit rohe zu 
lassen in deme was ihr gebührt nnd alle solche mishelligkeit aus- 
zuweichen suchen; man hat ohnedem gnug jetzt zu thun«.^] 

Die Wasserbaukasse diente >zur alleinigen Erhaltung des 
Wiennerischen Donankanals«, eine Bestimmung, von welcher nur 
in AusnahmsfÄllen abgegangen wurde. Als 1729 gegen einen Aus- 
bruch der Donau in das Marchfeld Vorkehrungen getroffen wurden, 
befahl der Kaiser, für diesen Zweck zur Erleichterung des 'kaiser- 
lichen ärarii* 3000 — 4000 fl. der Kasse zu entnehmen, jedoch ohne 
Präjudiz. 3) 

Anderseits hatte das Wasserbanamt für die gesamten Kosten 
der Erhaltung des Kanales in schiffbarem Zustande aufzukommen. 
So entschied sich 1766 die Juatiz-Banko-Deputation in einem Streite 
der Kammerproknratnr als Vertreterin des Wasserbauamtes mit der 
Stadt Wien wegen Herstellung beschädigter Bescfalächte im Donau- 
kanale für die Herstellungspfiicht des Wasserbauamt^s, da dieses 
den 1701 statuierten Aufschlag im ganzen Wiener Donaukanale 
Ton allen ankommenden Schiffen, Flößen, Bauhölzern und Ge- 
stättenfuhren gewinne, der Aufschlag jedoch ex institnto (widmungs- 
gemäß) ausschließlich ft]r die Aufrechterhaltnng der Schiffahrt im 
Donaukanale von Nußdorf bis zum Erdberger Mais und zur Erhal- 
tung der Wasseranlagen bestimmt sei. In der Begründung dieser 

') Tezoer, Die landasfOntliche VerwftltuiigsTecbtspaeg^e in Öatorreich. In: 
Zeitwlirift für du Privst- and affentlicho Hecht. XXX, 107 ff. 
') Bkuregiatratnr. Fuz. 53. 
>) Codex Auitr. Soppl. U, 693 f. 



EntAclteidang wird aueb aof die au»sc)iließ)ich «u« araüiielnai'mttalill 
erfolgte Horslfllang des Doniitikaiiales verwiesen, sowie auf ein 
Dekret, mit welcbem anlfißlich der Kinfttbrnng des AafseUagM im 
JaJire 1700 der Stadt aasdrllcklich versichert wordea war, daÜ der 
Kunal »uhiic: Eiitgvlt gemeiner P>tudt besUlndig Iconservin verdaa 
«oUe>.'} 



Kapitel 5. 
Der Wasserstraßcnbaa unter Kaiserin Maria Theresia. 

Während «cb unter Knisvr Karl VI. diu Bautätigkeit an der 
iMnau bei Wieu im gansen in einem noch immer recht bevchei- 
deoen Rahinei) bewegte, wurdo nnt«r seiner NacbMgerin Maria.. 
Thereua das K«gulieruugsproblein weitau» gründlicher und euer- 
gibcfaer angefaßt. Die rege Tfitigkcit, welche in anderen europäischen 
Staaten, so in Frankreich. Holland und Preuüen auf den Bau Ton 
Wawserütrii&cn verwendet wiirdc. Mpornto die Kaiserin an. Osterreieb 
tiiüht Uli rUekateben zu laasini. Su war eie geneigt, ein von Albert 
Freiherrn von Sterndahl im Jahre 1762 vorgetegtea Projekt einer 
VcrbindnDg der Dooau mit der Moldau — Slc-radalil n-iillte die 
Feldai&t bi^ FruiUerg schiffbar gestalten und im Anschlutwc un eine 
Landstraße bia Hadweis herställen — trotz des KoAtenaufwaudeB 
TOn 20 Millionen Gnidea TCrwirkliehen zu lasAoo: doeh der mit 
der Bcj^ulacbtung des Projekt«!« betraute Oberst Brcquin sprach 
Btoh 1772 g^eti dasaelbo mit RUck&icht auf die KoKtopieligkeit and 
Schwierigkeit doa Uuternelimeiiä au».*) Im Juhro 1764 errichtete 
die Kaiserin oinü >iitvij:;Ation«-KominiBHion in Prag, wälehe 1770 in 
die NarigatiuDs-Hiiudireküoa umgeetaUet wurde'); im selben Jahre 
wurde eine solche auch in Wien organisiert'^ deren Leitung der 
Kxjesuit Josef W'alcber erhiell. Besondere Sorgfalt wurde der B»-, 
»eitigun^ der Scbiffahrtchindvmisse auf der österreichischen Donna 
Tcruendet; so wurde 1777 mit der Sprengung der Felsen bei Greis 



') T«xn«r, a. a. 0., 107 (T. — Dunal* fVpQogouo KadtfoiMliuagoD ai«b 
•(■■n OrgaaiMliiwMlatute dei WuMrbauuatM UUIx'n «hee £r||obtit>, 

'\ Ii«nk»(.'brift Qb«r den »tsatlklivD WMMtbkQ sud di« ScluIIalitt im KCoig' 
teldi« UBiimei). Ü. S7. — 1804 le^ie Ktttadabl oda I>K>«kt ecnerlicli vor, doch 
«M«r oliM Erf«% . 

>) Ebenda. B. Sa. 

') Kri>f>»i«cb«k, Saaulung. VI, 139. 



12 

begonnen.') Große KtÜinheit und Energie entfaltete man aber in 
der Behandlong des ausgearteten Stromes bei Wien. 

Kapitel 6. 
Sie Denkschriften Spallarte. Das Projekt Fremauts. 

Den unmittelbaren Änlati zu einer Regulierung bildeten wieder 
die Hindernisse, welche die Versandung des Donaukanales der SchifF- 
fahrt bereiteten. Eine nene schwierige Komplikation der Frage ergab 
sich jedoch durch den Umstand, daß die damals lebhafter gewor- 
dene Entwicklung der tiefer gelegenen Vorstädte Wiens den Schutz 
derselben gegen die Überschwemmungen der Donau erforderte. Es 
standen sich bo zwei verschiedene Intereseenstandpunkte gegen- 
über, welche sich miteinander in mehrfachem Widerspruche be- 
fanden, 80 daß von da an die Geschichte der Strombanten nächst 
Wien »die eines ununterbrochenen, offenen und versteckten Kampfes 
der verschiedenen Interessen« war.^) So manchen Bauten, dnrch 
welche der Schutz der Vorstfidte gegen Hochwasser am schnellsten, 
sichersten und mit den verhältnismäßig geringsten Kosten zu er- 
zielen gewesen wäre, so durch den gänzlichen Abbau des Wiener 
Donaukanales, wie er wiederholt angeregt wurde, das letztemal 
im Jahre 1890, oder durch Ablenkung des Hanptstromes gegen 
das Marchfeld, stellten sich die affentlichen ßdcksichten des Schiff- 
fahrts Verkehres und der Approvisionierung Wiens, sowie die Sicher- 
heit der Marchfeldbewohner gebieterisch entgegen. In diesem Wider- 
streite mußte das lokale Interesse gegenüber dem allgemeinen der 
Verkehrarücksichten stets im entschiedenen Nachteile bleiben. 

Auf die öffentlichen Übelstände, welche sich durch die unge- 
regelten Stromverbältnisse ergaben, machte im Jahre 1760 der 
Ingenieur- Hauptmann Spallart in drei Denkschriften aufmerksam.^ 
Er hielt das bisher beobachtete Verfahren, den Donaukanal ver- 
mittels der Absperrung der Seitenarme des Stromes ober Nußdorf 
und mittels des Teilungswerkes lebensfähig zu erhalten, für ganz 

^) (Jo««f Walcher), N&chrichten von den im J&bre 1778—1781 an dem 
DonauEtrudel zur Sicherheit der Schiffsfart vorgenommeaen Arbeiten, Wien 1781. 
— Derselbe. Nachrichten von den bis 1791 an dem Donau-Strudel fortgeeetzten 
Arbeiten, Wien 1791. 

') Äußerung dea Uofbaurates K. von Hitii bei den kommidion eilen Ver- 
handlungen im Jahre 1846. 

') StaatsarcfaiT, Bshm. Suppl. Kodex 397. 



13 



mit der Zeit arg vnrwjilir' 



Hfliti;;; »loch »ej es hüchju- Zeit, ilii 
lottton BftUt#a wieder instand zu setzen. Um aber die Wient-r Vor- 
stiulte Tor Überschwemmungen za bewahroD, sprach er »ich fQr 
den [iaii einer Schleuse bei der Einmündung des KanatüS, sowie ftlr 
die Errichtung vn Dämmen tui sciodii Ufcra aus; uucb der Prater 
solle durch Damme gepen Überflutung gesichert werden. Zur Ver- 
anschaulichnng de« Projekt«*.* encheint don Deok^chriftcm eine von 
dem In««nipiir-BnuptiuanD F*. HaulVr Ler^'estellto Kart» 3n(^esefalo6sen 
(Tgl. die RepruduktioD dciuelbcR auf der bnigegcbenen TafelX welche 
auch dadurch Inlereese bietet, daß sie ttber die damals ichon bc- 
Ktehenilen WÄ.<-*Hrbaut*>n tintorrichtet. 

Wann auch die Ucukschriften Spnllarta nicht in Verhanditing 
genommen worden «ein dürften — weniptens findet »ich kein Be- 
leg hicfbr vor — so ßcheinen sie doch nicht ohne Eindruck pe- 
bhVbc^n T.a sein. Hit-fDr »priclit nvnigtKcns, daß ^chon im iiRchstcn 
Jnbre, 1761. iimfangreirbere Reparaturen vor^renoni raen wurden, 
indem da» HauplbewhlB«htfl bei der Sehwaiz«n Ijickc. der dritte 

iSporn unterhalb derselben, das fieachlAchle bei dt^r .Scheibi^rube, 
4er KufiUorfvr Vorkopf, oodlicb stulk-owoiae daa UtorlKHciilaobto 
de« Unnuukanales, eo »anter der Ponkenscliopfen', unierlialb des 
Czeminschen Garten«, bei Erdbtir^ und in der iingcnannton Vorderau. 

.wieder indtaiid ^esetxl wurden: diä Roparaturkoslcn bolru^en GOOöfl. 
Ma.n bc-schr^inktr sich Inebei mit Rucksirht auf die durch den 
laRgandauerndeo Krieg mit Preatten verursachte Hnanziell« £r- 
•chüpfung auf die notwend igst*» AusbesKerungen. bei wclebeu >|>eri- 
caluiii in mura« war. ßei anderen Bauten, so beim Uferschutzbaoe 
in Tuttendorf. wo das Bescblächte .schon mitten im Wasser 16 Klafter 
vom Ufer eotfernt stand. hicJt man eine Reparalur fUr aufichiehbar.') 
Vstt nachdem der Siebenjnbripe Krieg «u Ende gekwmmcn 
war. begann man sich ornstlich wieder mit der Kcgulicning der 

iDonau xa befatuen. AI» 1765 etno Kommis.tinD, in welcher sieb der 
Genie-Oberst von Brequin und der Hydroiechniker Abb^ Marci bc- 
fBudcn, den Oonaukanal innpiKirrte. fand sie ihn mit Schotter und 
Oeroll anfiefültt uud faßte daher deu Dcschluß. um dem Kanäle 
■oine frllliure Tiefe wiederzugeben, ihn von NuDdorf bis tD den 
Pratrr nnlerhalb des grfinen Lusthaaees rnntnen za lassen, und zwar 
unter Verwendung ven iSildaten. Zur Ausnibmag diraea Vorschlages 

'I lt«ieli«fiBiui>«.Tiibiv, NJ«JM«*l«rr«ieliite)M< Uanksl«. Kmk. iU. - Aueb 
dM blgcadc boruki sul iltoscr QusU«. 



14 

wurde im März 1767 der >iii der hidraulique so berühmte« Kom- 
merzialrat Fremant aus Triest nach Wien berufen; mit ihm war 
man tataächlich an den richtigen Mann geraten, welcher von der 
bloßen Änwendang von FalliatiTmitteln, wie der mechanischen Äua- 
rfinmung des Kanäle» als einer fruchtlosen Arbeit nichts wissen 
wollte, sondern energisch darauf drang, daß vor allem das Übel 
an der Wurzel gefaßt werde, daß ferner die Sache nicht einseitig 
vom Gesichtspunkte des Schifiahrtsverkehres betrachtet, vielmehr 
allen in Frage kommenden Interessen Rechnung getragen werden 
solle. Als Ziele einer Regulierung der Donau bei Wien bezeichnete 
Fremant zwar in erster Linie die Schiffbarkeit des Wiener Donaa- 
kanales, in zweiter aber auch die Sicherung der nieder gelegenen 
Vorstädte Wiens, sowie des Marehfeldes, Ziele, zu deren Erreichung 
er ein kompliziertes Regulierungssystem vorschlug. Zur Erhöhung 
des Wasserzuflusses in den Kanal wollte er in energischer Durch- 
führung des Prinzips der Zusammenfassung des Stromes oberhalb 
der KanaleinmUndung in ein einziges Rinnsal einen Damm am 
linken Donauufer von Tuttendorf bis gegenüber Nußdorf bauen, 
welcher gleichzeitig auch dem Schutze des Marehfeldes dienen aollte; 
die Kanaleinmündung bei Nnßdorf wollte er kassieren nnd 
einen neuen Kanal vom Fahnstangwasser aus durch die Brigittenau 
graben, welcher bei der Roßaaerlände wieder in den alten Kanal 
münden sollte; um zu verhindern, daß in den Kanal das Gerülle, bei 
Eisgängen die Eismassen gelangten, sollte die nene EinmUndung in 
einem etwas schiefen Winkel zum Hauptstrome angelegt werden; 
zur Regulierung des Zuflusses beabsichtigte Fremaut Schleusen zu 
errichten, eine bei der Einmündung des Kauais, welche auf 86 Fuß 
(27*2 m), also zwei Drittel ihrer früheren Breite eingeschränkt 
werden sollte, die zweite bei der Schlagbrücke; durch die Wirkung 
der Schleusen hoffte er den Wasserstand des Kanales S'/s Futi 
(l'l m) höher als vordem der niederste Wasserstand halten zu 
können; aus militärischen Rücksichten sollte unter der ersten 
Schleuse eine Minenkammer gelegt werden. 

Die Kosten der gesamten vorgeschlagenen Bauten berechnete 
Fremaut auf 650.000 0; überdies verlangte er noch die Bei^tellung 
von 3500 Soldaten zur Aushebung des neuen Kanales und zur Ver- 
tiefung des alten Kanalbettes, soweit dieses erhalten bleiben sollte. 

Schon waren die Vorbereitungen zur Ausführung des Projektes 
getroffen, als die Kaiserin Maria Theresia in ihrem Entschlüsse, 



15 



dnuclbe realisiere» za loMen. wieder wankend wurde; sie fand den 
Flan Kremaat!« doch zu koNtApielig ond liinsicbtlich aeiues Crfnlj^es 

r-zu gewagt; eine eiufache KilumuDg de» Kanäle« schien ihr nicht 
nur billigor xn sein. Moadcrn uuch goriogeren Bedenken zu unter- 

Ljiegeu; sie ordnete daher die neacrliche Beratung des Projektes 

kOatcr BciziehuDg Bn-quimi, Marcifl und des HofmatbemstikeiY 

fMuge)') an- 

Das Ergebnis dor Vcrhundlungcn crltbtv Fremaot uidic mehr; 
er Alarb im Jahre 1768. Von leidenschaftlichem Khr^ize erfüllt, 
büttc der ktlfanc Mann sich mit Aufojilerndat^r lÜngebung dem 

lichwierigwn Uulernehuien gewidmet, welches 8«ner Kweifellcw be- 
di-ulenilcn ßc^abun^ Gelegenheit %a glal)«^ndcr BctAtigun«: bot, und 
iticU durch m.ehrer« Munale binduroh kaum die nüligc Nachtruhe 
gvgJHint; nicht oinmul die Kr»nkbi-it und der Tod seiner Frau in 
Triest, an welcher er mit (croßer Zärtlichkeit hing, vermochten ihn 
Ton iteiner Arbeit loRXtirciOen. Wohl infot^ der laiigandnueniden 
tlbermjlüi<;eii Anspannung »üuer geistigen und körperlichen Kräfte 
brach Promaut xosammoo. 

Die Kritik, walche sein Projekt durch die soitgcu iissischeii 
Techniker erfuhr, war eine geleilt«: von der einen Seile wurde ihm 
LubpreisuDtr xuteil. von der anderen scharfe Verurteilnng. Sowohl 
Bn-quin ule Marc! waren mit dem Plan« Frcmaatii, wotohcn ersterer 
ein tivdrotechniitches MeisteratUck naniilc im wesentlichen einvci"- 
ntandi*n: vun den Abllndcrungen. welche Bri^fjuin vtirtchlug, war 
die hutiptHdlchliobBte die, dall er die bisherige Kanalein mllndnng bo- 

rlasMn wollte: .außerdem beantragte Rre<)uin, dat^ die ^cweitc StrbU-uae 
aus militftriwfaea Grtiiiden erst unterhalb der bisherigen Wien- 
mtlndung iingolegt, dur WicnfluÜ aber durch die Wtüßgtlrber mittel» 
eines Durchachnitte« abgelenkt werde, um die LeopoldMadt aueh 
von dieser Seite her gegen eine Über»chwemranag zu siehem. 

') Dbtr du Aiat Mti«s llormatlioiDatiken ist nibere« nickt b«kaiiiil. Na^el 
uatAraaliin in MiB«r Slollime ridUch KciiMn lu oatuiwiMaiiifikafÜicbeii Ziirt«k»ii 
and liAltv die I<citun|{ de» |ihj«kft)i>chcti IIotk«biii«lt* inne. AuAcr einigt« g*- 
dnukuw Hobrircoa rdfaiDn foa ibm mehroro ll&Bdi«brifl«ii ia d«T Horbibltotkok 
Im, in oalchon «r beachte ntwvit« Baltrif« cur l>sitd««kuod« HtederC«t«rT«i«lw 
und ät«iMiiiuk« li«fot Von Ihta )iad aaeb swet PIKae der Sl&di Wisa aai iea 
itbttm IT'U und 17T1 «üfbiuidMi. — Vgl, br. C. Hatalbacb, Vit wi — » Bi chtft- 
thiliui lüikuntoiwa de« UoftiuihMBitlkan Jot. AaL Nifel ia NJedMfliMrrckb oad 
StoUnuuk. XVin. JahntlHticfct über da« k, k. JoMfttUUT Obet^fin&B«ti»u mr 
lUi Bebulithr 1888. 



16 

Dagegen äußerte der Hofmathematiker Magel gegen das System 
Fremants schwere Bedenken; darch die Einengang der Einmündung 
und durch die Anlage von Sehlensen werde die Verschlammung des 
Kanales nur zunehmen; durch die Konzentration und Einschrän- 
kung des Stromes ober Nußdorf aber, sowie durch die Errich- 
tung hoher Damme sei eine Aufstauung des Stromes und fur den 
Fall, als die Dämme bei Hochwassern ihren Dienet versagten, 
eine Katastrophe zu befürchten, wie sie ihresgleichen noch nicht 
gehabt hätte. Kagel hielt es für zweckmäßiger, vorläufig den Kanal 
durch Menschenhände räumen zu lassen, eine dauernde Vertiefung 
desselben jedoch durch eine kunstliche Änderung des Stromstriches 
ober Nußdorf — am besten durch einen Treibspom aus Stein am 
linken Stromnfer hei der Scheibgrube — herbeizuführen, um so 
dem Kanäle einen stärkeren Zuänß zu sichern. 

Kapitel 7. 
Das Projekt Huberts und seine Durchführung.') 

Da die Sachverständigen sich nicht einigen konnten, wurde 
im Februar 1769 der Ingenieur von Hubert, welcher im Dienste 
der angarisohen Hofkammer in Preßburg bei der Regulierung der 
Donau daselbst in Verwendung stand ^), nach Wien berufen und 
den Verhandlungen über das Projekt Fremauts beigezogen. Hubert 
war bereits mit dem Gegenstande wohl vertraut, da er mit Fremaat 
enge befreundet und in regem Gedankenaustausch über das Projekt 
gestanden war; er konnte daher schon am 14. März 1769 der 
Ministerial-Banko-Deputation sein Gutachten überreichen, in welchem 
er in wesentUchen Punkten den Plan Fremauts guthieß, in anderen 
jedoch verwarf. Hubert ging von dem Grundsatze aus, daß es haupt- 
sächlich darauf ankomme, den Donaukanal zur Vertiefung seines 
Bettes aus eigener Kraft zn beföhigen, ein Ziel, welches nur durch 



') EeichBfinanxaTcbiv, a. a. O. 

^) Hubert hatte die Aufgabe gehabt, den logenannten Neahäoieler Arm 
wieder schiSbat za macben. Als nach der Vollendung de* Werket im Jahre 1767 
ein Hocbwaiier eintrftt und den Anrainern dea Armes grollen Schaden zufUgfte, 
«choben diese die Schuld aaf die Bauten Hnberta and beschwerten sich Ober ihn 
bei der Kaiserin, welche eich damals zofsllig in FreSbnrg befand. Sie befahl dem 
Iudex cariae Grafen P&lffj die Sache eu untersuchen, welcher diese Aufgabe 
Fiemaat Übertrug. Dieser eckl&rle die BaufDbmng Huberts für zweckentsprechend 
und die Betchwerde für unhegründeL 



17 



die Regulierunj; de« Strumes ober Ntilldurf zu errcUheii wäre. Unter 
einfni rc^uHcrtt^n Slroine verHtaiid er iiber eiiißn 5ulchfi). 'desiien 
bi'iileraciti^e Utfer gleich weit aus eimuitler {feaeist sind, deftseii 
Wswer in dofm Bett bevAanitnen obnu Inseln nnd äKDdbtliik Kich 
befindet nnd wurinnpa gar koin U^^nschwAll uder Wirbel anzu- 
trctfi>n*. Der von Frumnut rorgt^ttchlagenc Datum titn linken Strom- 
ufer fand daher auch seinen Beifall, er wollte jt^lorh anch noch 
cini' tWJhv kurzer Sporne Tom Damme gegen den Strom zu «cnk- 
recht abzweigen lassen, uro biedurch den Abbrach den linken Ufers 
»n verhtlu*n iiml den Slronistricb ^egeo das rt-cbtv Uf*T der Aliiii- 
daug des Kanalee zo treiben, welcher durch die vermehrte StrOmung 
vun di;n Untiefen und Sundbunki-n befreit werden .scdltc. Die Anlage 
eines neuen Kanalbettes und die Krrichlunj; von ächleuseit hielt er 
fUr UbedlUHiig and nicht »n-eckcnti^prechoiid: der Vorteil dr^r 
SefaleuMDj den Kanal trocken le^n und so borincm reinigen zu 
kennen, nrerde iUnKoriiieh (remaohl durch den Nachteil, daß eine 
tiolcbe Ilfiumung umt«o hauti(;i:r vorgenommen werden mtisse. Y.av\ 
Sehutxu der Luopohlstadt und Rußau wollte Hubert Dllinme entlang 
dem Kanäle and dem Fabnatanj;waaeer anlegen. 

Wie man sieht, nahmen die VorwhUge Hobertit den Plan 
Frcinanta iu weHentUeheu funkten wieder auf, wicbeii aber auch in 
mehrfacher Hinsicht von ihm ao bed»utend ab, daÜ sie eich dcwh 
als ein neues, HelbsaAndigea Projekt darstellten, und ah solches auch 
in neuerlicb« Verh.indlung gcmirninvn worden. Bei einer am 19. Mai 
1760 siaitfiudendoD kommissioaellen Beratung, ao welehor General 
Spalliirt, Oberst ßrrquin, Akb6 Murci. der Hofmnlhcmiitiker Nagel u a. 
teilnahmen, sprach iüch die MajoriUlt fUr Ilubert^ System aas. 
weJclie.t sich in den Au^eu der K>ii»ini8»luii gegenüber dem Projekte 
Kremaut« auch durch den Umstand empfahl, daü es iufolgc dos 
Wegfalles der Sclden.4enanbigeund deNge|i)antou Durchiioliniltesdurtib 
die Itrigitteaau um ein Drittel billiger kam ab dieät»; ver luangrlff- 
nahmo der Arbeiten empfulil die Kmumission diu Anfcrtigtuig einer 
Strotiikiirto von KloKterneubnrg bi« zum l'rater. Kin gesomlerto« 
Öutuclitco gab KomniiAHiotiiiral Koczian ab. welcher den Plan Huberts 
vollsläDdJg verwarf und v» fllr das beste hielt, den Kanal durch 
cio paar Regimenter •Soldiiten rftumcn eu bissen; auch regte er den 
Elrsalz der ächlagbrUcke durch eine steinerne ßogenbrOcke an, ein 
Vorschlag, welcher damal.« bo ^tit wie unauafuhrbiti' !«chien und 
dklier aueb nicht weiter beachtet wurde, 

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W TrtfCx der im allfi^mcinen ];ansti]^D Beurteilan^ dea Hubert- 

»beit Projektes durch A'ic SacbvervtBniligen vcrgingeu mvbrcrc 
^iihre, bevor es die kaU^rltcbe Sanktion erhielt, da die Kulmheit 
ond dif Kosten dnii IToternebrocnA %u keinem EnticblunM kommen 
licAeii. Auch im eiiizetneD irat Hubert mit mancbea Keu«ruiig«a 
bffvor: üti t(:;.'U- vr diu Biitinun pvrpcndikiilllr znm Ufer aa. dtt 
biediirc.b die Ausbilduc;^ der neu«D Ufer rascher vor «ich ginge, 
wJibn?Di] xie iinnst unt«r einem scbiefeo Winkel zum Ufer «rriohut 
wunliii waren. Um daher die technische äeäcbicklicbkeil Hubenx 
and dtv Wirkung 6<iinor neuurtigcti Bnawuis« zu erpn>bi:&, ließ man 
iliQ 7or«rat eine Keihe kleinerer M'asserbauten aasfubren, welcbe 
jodoeb beri'its in tUn Kabmen «ein«» Etegubemogfityiil«)»» li«len und 
inabesundere die Verb^'sseruii^; ricg Donaukanalcs tum Gegortstande 
hmteo. Sok'j^vr 1769 rohn S]i<irrii bcidur Jcsnitonwicscim i'rntvran, 
1770IUuf Sporeo beim Scbmt«l. 1771— 1773 16 Sporen beidenCrd- 
befg«r und Simineringcr KriLutgürtttti und 1771 — 1 774 siubco Sporen 
bei der Schwarzen Lacke und oberhalb der grollen üonaubrllcke; 
177,') nahm er eine Ausbeüfierung de» Nußdorfer Vorkopfes vor, 
welcher durch die Eiag.'lnge nnd llnchwatiser an drei ätellen durcfa- 
Ljm'clu'n worden «■ar, und baiiu.- 1775 und 1776 vif .Sporen ao der 
rßpitieltu und '21 kurze Sporen an der Ungittenau; endlich fUfarte 
er in den Jabfvn 1774 — 1781 die Ver«ohUttung de« FugbAche« 
durch, an des^n be^itandener Mundang beim ^htlt[«l er sieben 
tipurcn anlegte, um «i» Kinruißcu de» Kunalufer» an dieser .Stelle 
za Tcrhindurn. Diu Wirkung diitsoT Wa^aerbaateii sprach zugunsten 
Iltibirrl«; dttclt nticb zOgerte man mitder »llerhjh^hsten Genebini^rung 
dt*# Pmjoktes. wolchea nunmehr noch dem Hofkrio^i>rate zar Kritik 
vi>rg>'lL'gt wurde, vrelchur den lieneral ik-chiird mit der Begutachtung 
betraute. Als diceer ntteb eingebender PrUt\ing Hubert vOllig bei- 
stimmte, befahl die KaiHeriu am 17. .\ugust 1771:^. die Kegulierung 
dffr lh>nau von Klosternenburg biü zur KannlausmUudung bei 
Äiiumering nach den VuraebiJtgeu Huberte durcbzufabreii. In den 
.•«icbro Jahren, wclebe seit der Vorlage des Projektes verHossen 
wart;n. hittten sieh »bcr die Smtmvcrtialliiifi'e bereitd wieder niellt 
nnfrhi-hlii'h i;e.1nderl, ein CniHtmid, vrolclier inebrvre Abwoiebungvn 
vum ur»prtlnglielien Haue nach sieh zog. Aof eine Bolcfae Kvcn- 
^oalititt hatte UhrisenH Hubert AnfaQgn subon mit Hockaicht auf die 
^oOKtante allmähliche Verlegung dea Strombette? gegen das 3larch- 
feld SU aufm^TkiiAin {[eniacbt. welche steh am dendieb-tt^m dann 



20 

zeige, daß altere Uferbauten im Laufe der Zeit in die Mitte des 
Stromes geraten waren. Der Kostenvoranschlag der Greneralregulierung 
wurde mit 334.307 fl. beziffert, uogerechnet die Diäten von 6&. 
täglich, welche Hubert als nngarischer Kameralingenieur für seine 
Verwendung auSer Landes bezog, sowie die Besoldung des Kechnungs- 
fuhrers von monatlich 30fl. 

Doch trotz der kaiserlichen Sanktion des Projektes blieb die 
Realisierung desselben auch fernerhin gefährdet. Fast ein volles 
Jahr hatte Hubert an der Durchfuhrung seines Planes gearbeitet, 
als wider alles Erwarten Oberst von Brequin, welcher die Brücken- 
and Wasserbaa-Admiuistration leitete, im Juli 1777 den Antrag auf 
Sistierung der Arbeiten und Demolierang der schon ausgeführten 
Bauten stellte, da die^e höchst schädlich und gefährlich seien, indem 
durch die Konzentration des Stromes die Überschwemmungsgefahr 
für das Marchfeld und die Stadt Wien bedeutend gesteigert werde; 
dem Zwecke der Vertiefung des Kanales aber genüge die Aus- 
räumung durch Menschenhände vollkommen. Der Einspruch Brequins 
kam sehr überraschend, da er sich bei den Vorverhandlungen lebhaft 
ftlr das System Huberts eingesetzt hatte. Die Proteatschrift des 
Obersten sowohl, als auch die Verteidigungsschrift Huberts wurde 
dem General Schröder zur unparteiischen Entscheidung vorgelegt, 
welcher die Einwürfe Brequins für ungerechtfertigt erklärte und 
auf persönliche Animosität desselben gegen Hubert zurUckführte. 
Die glänzende Rechtfertigung, welche so dieser durch General 
Schröder erhielt, festigten seine Position so sehr, daß die Banko- 
Deputation, welcher die Durchfuhrung der Strombauten oblag, be- 
BchloÜ, überhaupt auf keine weiteren Einwände mehr einzugehen. 
Als daher bald darauf im Jahre 1778 der Navigationsdirektor Abbö 
Walcber ') mit Bedenken gegen das Projekt Huberts hervortrat, 
welche jedoch nichts Neues boten, sondern schon bei den früheren 
Verhandlungen besprochen worden waren, wurden sie nicht weiter 
beachtet. 

') Mit Patent Tom 20. Jinner 1T7Ü wurde ein NavigationsdlrektoT auf- 
gestellt, welcher die Hindernisse der Schiffahrt auf der Donau von Pascaa bis 
Belgrad zu beheben hatte. Diese Stellung hatte bis ilS'i Walcher iune, worauf 
er AsaeBsor bei der Oeneral-Hofbaudtrektion und 1785 nach Bre<iuins Tod Leiter 
der Brücken- und Wasser baudirektion wurde. Er rührte unter anderem auch dla- 
1777 begonnenen Sprcngangsarbeiten bei Grein durch. Vgl. S. llf. 



31 



Kapitel 8. 

Die Fürderung der Donauropulierunp d u rc b Kai «e r Josef H- 
Die IIucfavraüHi^rkHtaatruplic im Jakru 17S7.') 

Der ßau der Regulierungswerke Uaberts fiel bereit« zum 
groUcQ Teile in die Kegieraogszeit Josefs II. 

Kaiser Joacf IL, dem Ziele »oiner Politik cotspreclieud, aas 
iem üdlerrvichischcQ Landorkonglomcrutc vineo glcicb förmig cin- 
aricIitvtiJD. MtrufT xencraliaiert«!! Einbeittistaat xu scluiflV>D. ent- 
wickelte eine QberauB reiche Tütigkcit «uf dorn Gebiete des V^rkebrs- 
weBons; in den wcniean Julin'ii fiuini'r [ii-;;ioruiig ent^tiandt^n vlnu 
£«ihe für de» liandelsverkebr sehr wirbtiger StraÜenzUge, Die lot- 
krftftigc Iniliative des Kdüwn wirkt« belubeud utid befrucktend aaf 
den L'ntcrncbniun^sgeiat ein uod gab den Anstoll zu «incr Reihe 
vuD l*ri>jckten, wolcbe auf die Vi^rbcAaemn^' d«r natürlichen ond 
auf diu Anlage neuer VVusHer^lratieLi abzielten, äo schlug 1TH4 d«r 
OltnUtzcr UnivcntitJitsbibliothekar Job. AIuJs Ituiikc') einen Dudhq- 

[Odvrknnal vor, vroraber er über Axfirag des KaiBer» eine UDge- 

idruckt geblicbvno AbbandluDg vcrfAlite'}, und l7äÜ projcktit;!!« ein 
be]^a«bor U;draalik«r F. J. Matre ein ßaazea System von Kanal- 
ibigen mit dein Zenlnim Wien; .«o einen Kanal tud der Donau 

' zur Adrta. ferner eißcii :(ulcben zur Elbe. Oder, Weiciiäel und zum 
I>niest«r. den Inn wollte er mit der Etsvb verbinden usw.*) 1789 
lieU Ftlrut 8c)iirarxenber]^ durch den Ingenieur Ruaenbei^r einen 
Hol t-schw-emink anal von der Moldau zur Mubl herstcllcD, wodurch 

,die Douau mit der Hloldau tatMlchlich verbunden erseheinl.^) Kin« 
sondere ßorKfalt widmetet der Kaiser dem Donauatrome aU dor 
nach dem Batkangebiete und dem Oriente führenden Handelutnitk* 
und mit bewundpruii^MwOrdigciii Kifcr und g;i'spttnntein Inlvrewt-» 
verfolgte er diu Durohfubrung des groüen Regutierungsworkes bei 

'i IUI«hBfltiAna>rcb!v. m. n. O. 

') Job. Aloii [lanke tod lliokMistaifl. Temrh Ober dlt Scli!lfbDnnacl)Dn)t 
lU* PIbmm Uarck uul n&nilluog il*r Mabrer. Wjmi und l'rsf 1<82, i. AaA. 
Brnnn ITM, 3. Ann. Wim lT9ä. 

') Cb«T 4U Vcr^iDli^ng it-i Od«i tnil der Mircli iiiul dar lluaxi tith^t 
eiaciB Plaao la »invr nordiacki'n IIxadliingvfMvIlfchntt. 

') F. 3- Ur>Ir>. tIcmrrkiRifian Ubrr d«n icnerra Ksoii-itial itt [Iui4)iib^ 
Id den Oabirrvicbiicb«!] KrbitaRlMi oia Entwuir der tu rrOffMadeu Khiflhartu 
WBMBRtraBaH ron «llrn lIci^irD Cnropu aadt Wien. Ldpiig 17B6. 

'') Weber in Micteilunfon de« Vorcinr« fit GMcbtcliln i»t I)«utMibtn 
in Ushni*B. XXIX Bd. 



22 

Wien. Zu wiederholten Malen fand er sich an Ort und Stelle ein, 
um sich über die Stromverbältnisse durch eigenen Augenschein zu 
informieren und seine Entschließungen über die ihm vorgelegten 
Anträge und Berichte tragen ein durchaus persönliches Gepräge 
und bekunden ein selbständiges, auf einer vollkommenen und 
umfassenden Beherrschung des Gegenstandes gegründetes Urteil- 

Wie auf allen Gebieten des öffentlichen Lebens, griff er auch 
reformatorisch und organisatorisch auf dem Gebiete des staatlichen 
Bauwesens ein. Am 15. Mai 1781 ordnete er die Einziehung >der 
zu den Schiffahrtsverbesserungsanstatten bestimmt gewesenen Fondi 
mit allen darauf haftenden Pensionen. Besoldungen und Bestreitungen* 
an, da die Erhaltung der Ufer und die Anstalten gegen das Ein- 
reißen des Stromes den anliegenden Dominien und Gemeinden ob- 
liege und diese auch die Vorbeugungsinaßregeln zu treffen hätten; 
nur in besonderen Fällen, wenn größerer Kostenaufwand erforder- 
lich sei. solle von Fall zu Fall ein Betrag ex canierali bewilligt 
werden. Die Aufsicht über den Strom behielt der Direktor Abbi 
Walcher, welcher auch die Vorschlage größerer Reparaturen und 
die Leitung derselben zu besorgen hatte.') 1785 wurde die 1770 
errichtete Mavigationsdirektion mit der neu organisierten k. k. 
Brtlcken- und Wasaerbaudirektion vereinigt, dessen erster Direktor 
Oberst von Brequin wurde. Als dieser im selben Jahre starb, folgte 
ihm Walcher als provisorischer Leiter. FUr die Oberleitung des 
gesamten staatlichen Bauwesens schuf Josef IL die aligemeine Ober- 
Hofbaudirektion, zu deren Chef er Ernst Christoph Grafen Kaunilz- 
Rietberg. den ältesten Sohn des berühmten Staatsmannes, ernannte. 

Beim Antritte seiner Regierung ließ sich der Kaiser von Hubert 
über den Stand der Regulierungsarbeiten Bericht erstatten. Mit 
Neujahr 1781 waren am linken Stromufer die Sporen 30 — 41 und 
der zugehörige Teil des Hauptdammes vollständig, die Sporen 42 
bis 46 im wescntliciien hergestellt; es war dies der schwierigste 
und geffthrlichste Teil des Baues, da er die Abdämmung der 
Schwarzen Laclie und Scheibgrube bildete; feiner waren die 
Sporen 1 und 2 ober dem Tuttenhuf größtenteils fertig, der Sporn 3 
angefangen und der Hauptdamm von der Korneuburger Püstcbaussee 
an auf 500 Klafter l950w,l der Vollendung nahe; die übrigen 
Werke, nämlich die Sporen 4 bis 29 und der zugehörige Hauptdamm, 
sowie die Sporen 47 bis 54 — der Hauptdanim sollte nur bis zum 

M NiederüBtcrreichiscbes Landesarchiv. Ij. A. 8, 16. 



S3 



Sporn -16 «rriehtei werden — gUnbte Hubert ia'^Rm^R^ Jahren 

>llen(li>ii XU kCnnrn. 

Tatsilcb licti war der Uumtn, deAsea Kern kuk Steinen in Farm 

Trockimniiiiirr WrgestpHt war, in «iner Hübe von 18 l''uii 
?0in) am Rnde de.-* Jahre« 1784 nusgcbftwU Durcli die Krrichtuop 
dt» Danuntrs ivurdc auub ein« Ableitung dea sogenanatcn Dodbd- 
grabeuB notwendig, welcher ursprünglich onireit der PoRtatmOe 
bink-r LAn^iiztrsdurf in di-r Uocluiu in di« Schwarze Lacke inUo> 
delt und DutiiuL'br tr'Jtz dos Fnitüslc» d«r unlii-gi-ndun Ucmcindeii 
«inen bodttutvnil kurr,i^r«n l^uf durch die Enzeredorfcr Äoker 
ortiult-'i 

Ndoh wälireiid na dem Damine am linken Stromufer g«- 
uiieitet wurde, wurdi-n bei der KanaltiinmtlnduDg und im Kanal« 
«elbst eine Reibe Ton Itauten durebgefUbri, 

Da-H NuUdortVr Tdiliingswirk war im Liiufv desXVlII. Jahiv 
buDdi^rts in Wrfall g^rraten. indüm der Stiom das Terrain an der 
Spitze der Bri^Utrnau arg durchwühlt und du Werk angegriffuu 
hottv. tijchini vor der Erriehlung des Teilungawerke halle sieh an 
der Spiue der Uri^ittüuau uine Durch brucbalellc befunden, durch 
wc'lch« da» WiisHvr aus dem bUber gelegenen Dunankunale in du» 
Fabnatangwaswr geilooseo und wviche nnlnßlicb doR Baoes desVor- 
kopfeii durch ein bölMjme« Werk vcrmjbloR^en worden war. Diese 
Stctiu war 1772 wieder durcbgcriMcn und 1775 von Hubert iiot- 
dOrftig rurn-uhrt worden. Im Jahre 1703 bugnna nun liuburt mit 
dem Baue eine.« DaniRien. welcher von der Miile dea Vorkopte» bis 
an den buhen lestcn Grund der Urigiltenau reichen «ollte, and legte 
au der Seite di-s Fahnncangwa&üers eint- Keibti von Sleinsporen an. 
17b4 war der Damm entlang dem Ufer des falmstangwaMorti bia 
All den Querdantm dcü Angartens mit dem KoAtenauf wände tou 
etwn laOÜOIl. v.dlundet. 

Am rechten Ufer den Strömen «her NuUdorf tanlch«! der 
KannlciiimdnduDg errichtete llnberl 1703 sieben kleinere Spuren, um 
d«n UfnrbrUrben da.selbat ku bc-gcgnen. Bald darauf im Uerb&te 17ä5 
riß etwa» weiter nbwiLrtit nnniittclbur l>ei der lilirimlliiduiig de.s Kaualea 
das üfcr «o weit ei», datl die Üeneral-Uofbaudirektion dio BefUrrb- 
tung auünpraeli, es werde sich der Kanal einen neuen Lauf durch 
dir Spitt«Uti in das alte Kinn^Pl bahnen; sie »clirieb den ITferhruth 

<) K. k. Aichlv rut NledMMtetrelcb. Fui. <ia. 8, 2- OSl ta» 16U. 
*) Vgl.: JabrbtMb. II, liiV. 



24 

der Wirknog der Uabertsclien Sporen am linken Donaaafer zn, 
durch welche der Strom allzu scharf gegen das rechte Ufer ge- 
trieben werde, and trag aaf die Versieberang des Ufers dorch 
ein Be^hlacbte an. wnbrend Hubert an der Bracbstelle zwölf 
kleine Sporen anlegen wollte. Doch der Kaiser hielt solche Vor- 
kehrungen nicbt nötig: >es sei wenig daran gelegen, ob die Donau 
gegen die Spittelaa etwas mehr vom Ufer weifreiße oder nicht« 
und er »begreife daher nicbt, zu was dieses ganze Ufer mit Be> 
Schlacht oder Sporen soll beschützt werden«. 

Zar Erleichternng des \'erkehres zwischen den volkreich go- 
wordenen Vorstädten an den Ufern des Donankanales ließ Kaiser 
Josef II. im Mai 1782 zwei bi3lzeme Jochbrücken errichten, die 
Roßaaer Brtlcke fAugartenbrtlcke) and die Weißgärber BiUcke 
(FranzensbrOcke). Bis dahin hatte nur eine einzige Brücke über 
den Kanal bestanden, die aus dem XV. Jahrhundert stammende 
richlagbrUcke, welche 1775 durch Brequin neu hergestellt wurde. 
Oberhalb der Roßauer Brücke bei der ehemaligen Reiterkaseme be- 
stand damals eine große, für die Schiffahrt sehr hinderliche Sand- 
bank, zu deren Abtreibung Hubert im Sommer 178Ö elf Stein- 
sporen baute, welche 8000 fl. kosteten. Unter der WeißgSrber Brücke 
legteer im Frühjahre 1785 einen Sporn an (^Kostenaufwand 2ä76fl.). 

Kaiser Josef IL fand, daß durch die Hubert'schen Strom- 
buuteii am linken Donauufer zu viel Wasser in das Kaiser- und 
Fahnstang wasaer getrieben und hiedurch der Hauptstrom zu sehr 
geschwächt werde. Die General-Hof baudirektion schlug im Sommer 
1784 drei Abweisungssporcn. je einen an der Brigittenau. an dem 
Wolfschutthaufen und am KubhUgcl tauch Kuhhagel geschrieben), vor 
und übertrug mit kaiserlicher Genehmigung die Ausfuhrnng Hubert, 
welcher jedoch noch einige Nebeiiwerke für nötig erachtete (Kosten- 
aufwand '62.2SG&.I. Die im Kaiser- und Fahnstangwasser, an der 
Brigittenau. am Stadtgut. au der Schuttinsel und Krieau bestehenden 
18 Mühlen wurden damals weiter auf-, beziehungsweise abwSrts an 
den Hauptstrom verlegt. Über besondere Anordnung des Kaisers 
legte Hubert 1785 fünf Sporen an der Stierwiese beim Tabor an, 
um das Stadtgut gegen die Einbrüche des Fahustnngwassers zn 
(•chutzen ("Kostenaufwand 27S:i fl.) 

Vom 28. Februar bis 7. März 1784 und vom 22.— 26.April 1785 
fiinden infolge des Eisganges und vom 14. — 22. Juni 1785, sowie 
am 28. Juni. 9. Juli. 4. August und 20.— 23. August 1786 infolge 



2ö 



■nlialicuder Rcgengll«*« ungewöhnlich atarke ('bergcliwemmungen 
der an Arr Donau f:t'lrpi;nfii VorclHdtc WiwnB slalt. I>ic Bewohner 
dcr.ti'ltM'n !Mj.lii)ben di« Schuld der sicli so rsacii wiederb'ilenden. 
piQtzlich eintretend i'ii Iberschveratnunpcn nuf iw Rauwrrku Elub«rt« 
id baten den Kaisep. Vorkohrunpcn au ihrem ;>chulzp zu ver- 

IjinliiMen Um den WnsM-rzufiuLi in den Donaiikanal zu verringern. 
voUi« Hub«n einen Dinschrankungsbau beim Nußdorfer Vorkopfe 
anbringi-n, zo welebi'ni Zwecke «r 1 4.000 fl. bewilligl «rbicU. DurcL 
diesen üan. sollte die KinmÜDdang. welche infolge der l'forbröche 
eine Breite von 80—90 Klaftern llöO— I70m) eriialien halt«, anf 
Klafter (57 m) verringert werden, entsprechend der Breite des 
[«tiaW bei der Schla^-brllcke von 2t* Klaftern (53'2»ii). Durch 
diitHir Riiieiignng HoHt4> einera«itH drr XuBuß bei HneliwNNKcrn und 
EügHugcn fidicmmt. andcreoil« dHi<i Itett det^ Ksnalcs vertieft werden. 
DieiPH Werk war in der Ausfubninf: begrifien. als im HerbBle 
(29. Oktober bis 2. November) 1787 ein Uochwnaser eintrat, welches 
zu einer Kutualropbe für Wien, noch viel uiebr aber ftlr das Mareb- 
fetd wurde.') Gs hielt nJtRilicb der Damm am linken Donanufor 
des Fluli^n niehl stand; t>r wurde tlbertttieeen und an 14 Stellen 
durchbrochen, am jirtlndlieh.'^tcn an jener Stelle zerstüit, wo er 
Ober die Schwarze Lacke lUbne. inful^desscn die Wogen vor- 
liL-crend in das Marcbfcld uindrangi^n. 

t>ie isflentlichen Meinung und Qberwiefnend aueh dn.« Urleil der 
^■ehmannor rerurteilte den lOrbaufir des Dammes. Hubert, daß er 
den Damm zu nahe an den Strom gebaut und diesen zu sehr ein- 
geengt habe. HiiIhti fllhrt in seinem Recht ferti^iinpfberichtc an, 
daÜ d&.s Hochwasser um xwei Zoll (öSöcw) hcilier gewesen sei ol« 
das grUDte vorhergehende vom .lahre 1643 und die ZcratOran|r des 
Dammes nicb lediglich als eine Folge seiner Übcruteignnjr durch 
die Fluten daralelle. Pacasüi (tlber ihn vpl. S. 38) .iprach «irh gc- 
Icf^iidich der Verhundlungca über die Wiedererbauung des Dammes 
im Jahre 1H07 dahin aus, daß der Dumm infolge seiner schlechten 
Jaoarl dem Hochwasser nicht Stand };ebaltvn habe; inabosundere 

Iflci die den Korn des Dammes bildende TrcM-kentnauer einer Kon- 
solidierung diMisetben hinderlieh gewesen,^) Dagegen flnfierte sich 
icmori (aber Ihn Tg). S. -43) tlber die Ursacfaun der 2ontt'iruiig 

i) Küi^hlklio Topaa»pblo XI, Sl?. - SmtuU «laMbiehle d«r OroD- 
sda Kluridtdorr. S » und 86 f. 
'> BMrDgUliktar. Fmz. &3. Z- 361 bd> 1907. 



26 

sei keine Klarheit zagewinnea; der Umstand jedoch, daß der Damm 
an alle □ jenen Stellen durchbrochen worden sei, wo er über 
Grähen and Vertiefungen geführt habe, welche eine höhere Aaf- 
dsmmnng erforderten, und zwar gleichzeitig, dieser Umstand 
mache es wahrscheinlich, daß die Katastrophe entweder aas der 
Setzung und Senkung des höheren Dammkürpers oder au» .Setzung 
and Trennung des höheren von dem daranstoßenden niederen 
Dammkörper erfolgt sei; im erstereu Falle könne durch die Sen- 
kung der Kappe ein Kappensturz verursacht worden sein, im letz- 
teren Falle hätten sich die Fluten durch die Spalten leichter durch- 
arbeiten können. Daß aber der Strom durch den Damm zu sehr 
beschränkt worden sei, sei gewiß nicht richtig, da die Breite der 
Donau zwischen dem Damm und dem rechten Ufer größer sei als 
die Strombreite zwischen Ofen und Pest.') Dieser Anschauung 
widersprechend, erklärte Ministerialrat Wex, der Oberbauleiter der 
Donauregulierung im 7. Jahrzehnte des XIX. Jahrhunderts, dafi 
das Ende des Dammes dem Hochufer von Kußdorf viel zu nahe 
gerUckt und htedurch das Durchflußprofil der Hochwasser von 
zirka 400 Klafter auf 210 Klafter verengt worden sei.',) 

Das Vertrauen des Kaisera, welches Hubert vordem im hohen 
Maße besessen, hatte er durch das unglückliche Ereignis gänzlich 
verloren. Auch Josef II. teilte die öffentliche Meinung, daß der 
Strom zu sehr eingeengt worden sei, und er ordnete daher mittels 
Handbillet un den Oberstkauzler Grafen Kolowrat vom 8. November 
an. daß der Damm nicht wieder aufgebaut werden dürfe. >weil er 
nichts tauge«; dagegen solle ein neuer Damm von der Hohe der 
Homer Straße bei Stockerau angefangen, bis an die March bei Schloß- 
hof den Strom entlang, jedoch in einer solchen Entfernung von 
demselben geführt werden, daü ein nach den bisherigen Erfahrungen 
ausreichendes Gebiet zur Ausbreitung seiner Hochwüsser verbliebe. 
Die neue Trasse befahl der Kaiser sogleich auszustecken und er 
persönhch nahm sie in Augenschein; von Laiig-Enzersdnrf bis zur 
Donaubrüeke war ein Alternativtrasae ausgesteckt, deren eine Jed- 
lesee in das Schutzgebiet einbezog, die andere den Ort ausschloß 
und seinem Schicksale Uberiieli; für die letztere entschied sich 

') liBuregiBtralur. Fasz. 53, Z. 264 am 18()7, und Fas7.. ö-i, Z. 7818 
auH 1826. 

'I Gnstav Wex, Die Donau regulierung bei Wien. In: Zeitccbiift äea Hster- 
reichiscboD Ingenieur, und ArchitekteDTereinei. 18T1, 7. »od 8. Heft. 



a? 



ler Kaiser. Da jedocb di« Marchfeldßemeiaden die tod ibnen eu 
IciüU'ailu Hnad- und Zugmbut vorweigi-rtco. ^vbut ivr Moottrch, 
döD ItAu zu uDt«riaMC-D. »Ich bin weit entfernt*. erkUrto sr, 
• meinen Untertanen i^inen Zwang anzulegen. Hondem will dieti«« 
onan^enfhmp Gencbuft der Dnnnu gans ^lein Uberlasoen and sdU 
sUo 1»^ dtfoie Orfatfihafteii darum nicbt vinki^mmeii. die gauEO Arbeit 
anterbteibcn.« Der überraschende Wechsel im Verhalten des Kaiseis 
illuiitriert trefTend die Spninghafti^keit seisef) Wesens, welche auch 
eeme be^istertsten Lobredner nicht in Abredo ätcUen konuen. »So 
raacJi, «nergiBOb. loan kann tut^n nickajchtalos, schoinhor kuino 
Schwiurigkuit IwrouhDcod oder allen Trotz bietend, «r an Unter- 
nehmungen }^)Ug, >K> plötzlich trat er toii denBelbeii zurQck, wenn 
er niif II Dor warteten oder krüftificren Widerstand stioU oder wenn 
die DurchfUbrang seiner Unternehmungen lAngere Ausdauer vr- 
forderlc«.') 

Der Kalier befahl numiiehr ihm über proriaorische Maßregela 
VorMhlAge zu en«tatteu, zu «-clcfaem Zwecke im JUntivr 1788 Ver- 
handlungen gopflugcu wurden, an welcbeu Hubert. Wateber, der 
Architekt des Wn.'iserbjiuamlps Krenner, der Vorstand der Buch- 
baliung in BauAucheo Lechocr und Oberst Freiherr von Struppi^), 
HoFrat bei d«r General- Hofbaudirektiim, teilnahmen. Di« Boratun* 
Ml nithmi?n jedoch nieht den vom Kaiser gewUoscbIcD Vorlauf, 
die Sucbvcralfindigen mit Ausnahme Struppis weder mit der 
projektierten Denen Trasse des Marchfelddammes Uberbaupt noch 
mit einem Provisvriuot cinverstundeo waren. Uubi-it hielt daran 
fesl, daU der Damm in Acmer bisherigen Trasse wieder aufgeführt 
und auch das xeretijrte Einüchrlinknng^werk bei der Einmllndnni; 
des Kaoales nonerlicb erbaut werden mUsü«; den projektierten 
Damm von 8|ockerau biü ^chlDÜhitf hielt er mit KlK^ksicht auf die 
Zudtlii^e der Donau für techniitcb zu achwieri^ und abcrdles für un- 
KwnttkmllQig, da dem Ahhrucbi* des Ufera durch den Strom nicht Kin- 
halt getan werde und daher der Strom acbließlich auch diesen Damm 

t) JKgvr, KaU«t JMof II. und lx«f>c>t<] II. Wien I8S7, 8. SOJ. 

*> TjaMni Pr<iih«iT too Siriippi. g«boroD IT-iii, ^»torboB in Wien 8. Jniti 

1810. Ei l*t (kb Im SleUinjKhrSgsa Kriog;« >]■ Getiit«ffiu«r riüimllcb iitrrot. er- 

l^taula in Ach «oliticrr Jaliren itta t^lnfi« von Zrpfff nacli KaiUlaili, eia nir äUt 

nali^vD iachpi*clieii VeditliuiMii nli KiMonnrrk au beMiehoondM lTDt«ni«kwMi. 

'Js niinl« b;i>i«t Hufiai und (sack dem Tixl« <ita Orafea Kaunlu-Blelberg) lArskior 

dcf liortoudirvkiion, »it trolchcr «r 18IU (t*il>. Kr wunla ab 9S. Hai 1779 ta 

(IcB freUivmoiUud nbobMi (Wunbscb, L«>iluio.) 



28 

trotz seiner EntfemuDg; erreiehen und zerstören werde. Auch Lechner 
trat für die Wiedererrichtung des Hubertusdammes ein, jedoch mit 
einer Abänderung in der Trasse ober Lang-Enzersdorf. wo der Damm 
ein Knie gebildet und hiedurch zur Aufstauung des Stromes bei- 
getragen hätte; unterhalb-des Schfibgrabens solle jedoch der Damm 
gänzlich rasiert werden, um bei Hochwassern dem Strome Raum 
zur Ausbreitung zu geben; die Seitensporen endlich sollten auf 
mittlere Wasserhühe erniedrigt werden. Das EinschrUtikungswerk 
bei Nußdorf hielt auch Leebner fur notwendig. Mit seinen Vor- 
schlägen waren im wesenilichen die übrigen Sachverständigen und 
auch die General- Hof baudirektion einverstanden. Letztere betonte 
überdies die Notwendigkeit, zu verhindeni, daß der Stromstrich 
sich zu weit gegen das Kahlenbergerdörfel ziehe, da er sonst eine 
fUr die Kanalctnmtindung nachteilige Richtung annehmen würde; 
es sei daher erforderlich, die Ufer der vor dem Kahlenbergerdörfel 
gelegenen Fuchscninseln zu versichern. Diese Anregung welche 
damals gar nicht weiter beachtet wurde, verdient besonders hervor- 
gehoben za werden, da die befürchtete Änderung des Stromstrichea 
in der Folgezeit tatsächlich eintrat, wodurch die Existenz des 
Donaukanales mehr als je in Frage gestellt wurde. 

Der Kaiser war über das ihm vorgelegte Ergebnis der Ver- 
handlungen, welches ganz und gur nicht seinen Intentionen entspracli, 
äutierst ungehalten und er gab seinem Unmnte unverhohlenen Aus- 
druck. >E8 sind schon bald drei Monate, daß die große Über- 
schwemmung gewesen ist. und was ist herausgekommen? Von allem 
was man durch die Experienz gelernt hat, und von dem, was man 
nach meinen Befehlen hatte vollziehen sollen, als nichts bis jezo. 
Dieser elende Vorschlag, von den nämlichen Pinseln, die an der 
Donau gepfuscht haben, verfaßt, wird wiederum von der Baudirektion 
heraufgegeben und bestens unterstützt. Es igt nichts für jezo zu 
machen, als wa.s Christ Struppi ganz bestimmt gesagt hat. nämlich 
die Einrisse des Dammes auf die mittlere Wasserhöhe auszufüllen 
und so das weitere bis im Sommer abzuwarten, bei dem Vorkopf 
aber auf gar keine Einschränkung mehr zu denken. Lechncr solle 
bei seinen buchhalterischen Rechnungen verbleiben. Krenner hei 
seinen Brückenschlag, und Hubert kann, wenn ja doch noch irgend 
ein Steinhaufen zu machen ist. dazu verwendet werden. Alle drei 
zusammen haben von der HydrauHque nicht die geringsten ächten 
Kenntnisse, welches sie sowohl in ihren Schriften und Vorschlägen 



29 



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30 



tb«orctiBch ftU dnreh die Folgen in ihren Arboiten praktisch bo- 
wiesea liabun.*') 

Oberst Fmhoir Ton Strappi hätte aumlich einen j^suudunen 
Bericht an den Kftixer enttattet, in w«Icliem er die AoBioht vertrat. 
(IbU c« einstweilen genüge, zum Scliutz« der Vorstildtc Wii-iw gegvii 
die HoabwaHser dem ätrume d«u AbäuU iu das Msrcbfeld offen zu 
halten nod daher die Brtlche des Ilubertusdiimmc» bloß bis nur 
mittleren WasserhISbe wieder aufzubauen. Obwtihl der Kaiaer den 
Vorftcblag Sirnppis gi^nctitnigtc. ücl^ er sich durch dringt'^adt; 
VorsicIlongeD uber die ecbweren Nachtede und Gefabren. 
wetehe die ßintttellong' der ICinftelirnnkan^ftarbeiten bei der Ein- 
mündung des Kanates fttr die nieder getegeoeo Voiwlfidle Im 
Uefolgo hatte, duKii bcwcgea dioaelK-n furtMtxcn zu lassen, ins* 
be«f>ndere da der Architekt Krenner aich erbot, mit nur 70U0 B. 
da« Werk zn rollenden. Freilich hatte Krenner den KoMenvor- 
aoscbl»^ irrtQinlich viel 2u iiiL>drig an|;e>iet2t und nie der Irrlom 
zQtogi! trat, gi-liot der RaiKrr, der dain;d.s durch den unglUnkli'^huu 
Verlauf des turki^heo Kri^es und die Unruhen in den }{ieder- 
landen in sehr ffcreizter Stiinmiing war, den llau vndgtltttg einzuftlellen 
und den alten Vorkopf wieder io Stand äu setion. Da jedoch dieser 
xnm grollen Teile nm Krenner bereits demoliert worden war, so 
hatte nach dem CrutachUin dtr Baabefaürden die Anaführung den 
kfiiäerlicht-n Befi-lilew noch viel mehr gi'koBtci a1« die Vollendung 
d«s Eiiischrtkukangewerkes, welches Uburdica wirdur liAile hexeitigt 
werden mllsaen. Nunmehr ließ der Kniiter, von Mißtrauen gegn die 
tifiterreicliischen Techniker erfüllt, den nngariselien Wasserbau- 
direklor üeppe aas Ofca aouli Wien turrufeu. um sein Urteil an 
hOrcD. Dieser erklärte aber, daß nicht nur der alle Vorkopf witdcr- 
hergeitleltt, sondern auch der neue vollendet und die Spitzen der 
beiden VorkOpfe dnrcli ein Vcrbindungsbcsehliicht verbunden werden 
mOfiten, so dall bei üocbwaseor daa uberäUüai^^e Wn^iur ubi-r daa 
in gleicher Ilatio mit dem alleo Vorkopfc zu urnchtendc Bi^cblflcht 
in den 1 lauplslmm aiurzen kiiiine. Dieser koHt^ipieltge Vorschlag 
Tennnchte nichtn weniger nU den Bcifull des Kuifiere xo erringen, 
welcher von den Wasserbauten, welehe ihm bereit« viel Ärger 
bereitet liatten, Überhaupt nichts mehr hdron wollte. Mit Eniaehließunjr 
vom U. September i7ä9 befahl .losief. die Arbeiten beim NuU- 
dorfer Vorkopfe in «latu <jao r.M belii«8cn. 80 blieb da* "VVt-rk un- 

*) K«»cb(ruiaiuarQhIv, a. a. O. — Bmiegiitratur. !■'«««. 63, Zi t>0 ai>» IttU- 



31 

■us^buul und durch m«hr alit ein Jahr ilcr Göfalir atisgefletzl, durch 
ein HoohwasRer wiwier z^wtflrt zu werdfii. 

I'!r$t nacb dem 'lodu des Kaiwnt Joser 11. drflngto dor in- 
teritniätistihe Leiter der niederüatcrreicIiiAchen ätattbaltcrei Graf 
Aiiomptirg mit Ktteksicht auf diu ßd^hrlichkcit diu««» ZostaRd« und 
auf ilic Hcanliwerdaii der .ScIiifFalt^utf^ Ub«r die Sebmeri^kflit der 
Ei»f«hrt in den Kanal auf den Ambna des Vorkopfes. Die Hof- 
küDiiei ordnete nunmehr neuerliche Verhandlungen an. bei wel- 
chen bfiachloMicn wurden, den Vorkopf mich dem Prujckte Hcppes 
2u rollenden, wobei die Kosten auf etwa 28.000 &. ber«cbnet war- 
den.') Die Aust'Ulirung irurdc mit Kofdekret vom 23. August 1791 
dem Abbt> Walcber Übertrugen und die Ingenieure Kreoner and 
Hubert^ siiwii; d»r nicderOatorrcicbische Oberbaudirektor Cerrini 
tur Mitwirkung: aaßewietten; an Stelle Krennor», welcher darouls 

[ntion krank war und bald damaf starb, tnt Kreiain^oiotir Exner, 
an Ställe llabcrlA. wek-her sich die Mitwirkuii'* verbeten faatte^ 
der bei der niederüsterreichtRoheii Oberbaudirektton angestellte 
Ingenieur UauptiitaDD Le Febure. Der neue Voi^opf hatte den 
Zweck, daU hei hohem \Va«»criitandc dur Donau nieht xu viel, hei 
kleiner«!» nicht zu weni^ Waaser in den Kanal herein komme. D&e 
erotere hoffte man durch den nencn Ein*phrimkungBhau zu erreichen, 
welcher über du^ bis xuni damaligen S^eitparikle bekannte grOßte 
Waewr erricbtcl. dir- EinmHnduiigr auf 2K Klafter finengle, da« 
letztere durrb das auf dem Plane {Abbildunj; S. 32) mit AFhe- 
t^inbnete Verbind ungitlieschllleht, welohex nur über den niederen 
WaitNerAlond hinaufreiebcn foWte. damit bei aoäcbwollcnder Donau 
da» Ubfirfltbsigi- Waüw^r frei darüber binwe-rströrnrnküniic. bei kleiner 
Ponau ciber daa ganie bei A ü herein ilieUende und das Bescblttoht 
Dielit Uber^ttcijwndi; Wiuaer beisammen erhalten imd g]<ucbsam durch 

leinen Trii-hter in den Kanal hineingeleitet werde. Der neae Vorkopf 
srbiell all^-mein die B^lnd(;^ba^e Bezeichnung *die Schere*. 

Gleicb»eiti^ wurde Walcher die Kegulierunp des DonaukanaU 
bei der Rcilerkaseriio auf^ftragen. wo schon ror vinigeu Jubren 
da» IV^ehllleht am linken l'fnr ninReriftsen wonlen war, wa« xur 
Folgi' biitli*. dnß »ich am ri'chten Ufer AindbAnkc nhta»:ertoD, welche 



' ) l>«eh ward« dot Voruuehlag weit IltMTMhfJttMi. iIb bis 17^ InUaslre 
auf illMvn Bna aa4 ruT dU KaaalragnlianiDg b«i dsr KollMkuvnM baniu &b»r 
fii.0U(1 fl. att«ir(>|[«bra worden waren 

'I jfucti llulwiit ntnrb balil ilamuf; 1 IDS «lird ar al* rentorkso •rnUtal. 



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33 



dßr ^hiffahrt «ebr hinderlich waren. Schon 1782 hatte Brequin 
die Wii;derhor8toltuDg ilür oltea Ufer vorgeschlagen, wobei er jfdocli 
riet, den neu eiiutandenen Seilenarm za uinem Winlerbafen sus- 
zu^<»titlten, eine Ide«, deren Verwirlcüehung tiuf äiv Einwendongen 
HulH'rt« nnlerblioboa war. Wntehcr ließ nunmcbr dns Seiten^rinDe 
ab^iiunmeQ und das Ufer mit t-inent ncacii BcKcblUcbt verechCD. 
Im Jahre 17U5 batt« er beide ibm Übertragenen Wasserbauten 
«tugefuhrt. 

Kapitel 9. 

Dor Wasecrslrafionbnu zar Zeit dur Kaisvr Franz und 

Ferdinand. 

Nicht zum Besten stand ea mit der Entwicklung des Verkehra- 
w, wie der Volkswirtschaft tlburhuupt in der Regicrungasett 
la Esif«rs Fraß« und aeines äobnes Ferdinand, in wctcfccr Oster- 
reich durch die lief in Keine Getebicke eingreifenden äußeren 
Verwickinngen ^ wie nicht minder durch eine von beacbrünkten 
Ocsiobbtp unkten ans geleitete Staatuwirtitchafi d«m jjolitischen und 
finanziulleo Baokerottc cntgt^geotrieb- Der Regierang febltc cioereeita 
die Kraft, um die M>hwerfftlltge StaalJtniasic'hine in die nßti^ Re- 
vcgung in sctaon. nndcKcit« mangelt« ibr, wie Uelfcrt äch onadrUckt, 
•die kOstliofae Gabe der fUr kuminendc Zeiten vursorgenden Weis- 
heit«; auf dic^e Gpoehe ^)ätorreicbs paßt daa geflügelte Won de» 
aohwediscbcn KansElera Oxenstjerna; *Quam pusilla «api«ntia regitor 
mnndos '). 

Bei der KarKsicbtigkeit und Befangenheit des vormflralicheii 
Rngierangsnyalem« kann e» nicht Wunder nehmen. daU es fUr die 
gewaltigen Uiun'alsungcD, welche darcb die Erfindung der Dutnpf- 
mascbinc auf dem Gcbioto dos Vcrkolirswesons uiigc-bubnt wurden, 
kaa rechtes Vemtilnilnia besaß und nur widcrälrebend die vom 
Oeiste dor Zeit mit nnwiderateblicher Miicbt verlangten Umgeatal- 
tongen vor sieb geben ließ. 

Bloli in der Verbesserung und Aaagestaltnng des Landstraüen- 
netses wurde in dieiter Xeit Ersprieliliche.t geleistet; anfravbtbarer 
«rwi«)) sieb liing«>gen die franziszcische Ära auf dem Gebiete dex 
WaseerBtrallenbauG«. wo bluU in Ungarn eine imeaeivcre Ttitigkoii 
«atfalujt wurde. In iXstcrrcich wnrden zwar neu« Anbtufe genjacht, 
^ie ('rage der Verbindung der Moldau, der Oder ood der Adria 

■) llelfarl. GtM^icbt« O^^rtnich« II, 9. 
JibiW« *. r. r. liiiiwtmJ« uo», 3 



34 

mit der Donau zu löaea: es wurde sogar der Kanal zur Adria in 
Angriff geDommen und in den Jahren 1797 — 1803 bis Wiener-Neu- 
stadt gefuhrt'); im Übrigen aber verliefen die Prtjekte in den Sand. 
Im Jahre 1806 bildete sich in Prag eine hydrotechnische Ge- 
sellschaft ftlr Hühmen. welche sich hauptsächlich mit der Anlage 
eines Donau -Moldau -K anales befaßte. Der Wasserbaudirektor für 
Böhmen, Gerstner, sprach sich jedoch 1813 gegen die Rentabilität 
des Kanales aus und schlug eine Eisenbahn von Linz nach Budweis 
vor; in gleichem Sinne äußerte sich 1819 Gerstners Sohn, welcher 
Professor am Präger polytechnischen Institute war,^) Hingegen trat 
1824 Hofbauratsdirektor Schemerl mit einem ganz Osterreich nm- 
fassenden Wasserstraßen projekte hervor. 

Auf dem Wiener Kongresse war nämlich, da durch die Kontinental- 
sperre der Handel und die SchifiEalirt eine unnatürliche Richtung er- 
balten hatten, der Grundsatz der freien Schiffahrt auf allen in den 
Kongreßstaaten äielJenden Strömen ausgesprochen worden. Im Geiste 
dieses Prinzips trat 1822 die Elbescbiffabrtskonvention ins Leben, 
1826 wurde die Fu-Schiffahrtsakte abgeschlossen und tlber die 
Abscbließung einer Schiffabrtsakte ftlr die Donau fanden in diesen 
Jahren Vorerhebungen statt, welche jedoch infolge des Widerstandes 
Rußlands und der Türkei ohne Ergebnis blieben.^) Da die wichtigsten 
Vorteile des EI bescbiSklirts Vertrages fUr den öäterreichischeu Handel 
erst durch eine Wasserverbindung der Elbe mit der Donau erreichbar 
waren, wollte Schemeri 1824 einen Kanal von der Donan mittels 
der Mareh einerseits zur Elbe über die Wilde Adler, anderseits Ober 
die Beezwa zur Oder und weiterhin zur Weichsel fuhren'); mittels 

') In doD letztBD Jahren des XVIII. Jahrhunderts bildete sich eine >prir. 
Cftnal- und Bergbau-Conip3gnie<, nciche unter anderem auch einen Kanal von 
der Donau zur Adria projektierip. 171)7 wurde der Kuuul nach dvoi Entwürfe und 
iiDtcr der l^eitung des FeldniarEcbaU-Leutnantfl -Sebastian von Maillard begonnen; 
1709 [Ibernahm der spiltere HuDiauratidircktor Schemerl die Direktion, welcher 
ihn bis Über die Leitha führte. Da der Kanal nach Breite und Tiefe durchaoa 
unxureicbend angelegt war. unterblieb inde» die weitere Äuafdhrung. Im Jahre 
\Bi>2 ging ur in die Verwaliung dosi Staates Über, nclcher ihn \8&3 an die Ente 
iidterreichischc Schiffabrtd-KanHl-Aktiengeaellacliaft verkaufte. (Wcibb in: Topo- 
^uphie von NiederÖ 6t erreich. I. IS.t 

-) Denksi'hrifc llber den Htnatlichen Wasserbau und die i^ehilfahrt im König- 
reich Bithoien. S. i]S. 

^,1 ßuuregiHtrutiir. Vasi. b3. 7,. \Wö aus 1K:>6. 

') Der Kanal sollte, um aucli der BowUtaerung des Maruhfcldes xu dieaon, 
durch dasselbe bi^ Güdinff. von (iüding bis xur S>'£>wamIlDdung mittels der Marcb, 



S6 



dieser Anlagett und miUuI« dur vun Kaiser Fr&Dz 1S22 aDbefohleD«!! 
FortsetJtang Öca Wienor-Nousiaduir Kanales bis Triest bot siph die 
Ausiiicbt, die Nord- und OstJiee, das Adriatische and Scliwarze Meer 
durcb WasserstraUea zu rerbiadeo. 

Sohemcrls Plane fttoduii jedoch nur wenig Aaklaog, da da* 
neae Vorkelir«mittel der KtBenbahnen bereits die alt^enaeine Aof- 
merk^mkeit absorbiert«. 

So trat Professor Oerstoer nenerlicb warm nir die Anlage rou 
EiecDbahDun ein, wclcbc zum Zwecke einer hommcrzicUun Ver- 
bindong den SchiffiiJirtskaßllleD vorzunelion seien. Trotz der Bedenken 
des Hofbaamte«, weleber vor einer Üb«r«cbll1zong d«r Ei;)(>Dbahn«n 
iramte, da »ie »nur »u kunen TranBportoti schwerer Waren ge- 
eignet« und »nar in solchen Fallen swcckmaßig* waren, nn wclolien 
die Ftlbrang von Kanälen techniscb unausführbar Qder luangels 
eine:» hiSheren kommerziellen Zwecke» zn kostaptelig wBre*, irotx 
dicäor Bedi^nkcD fand sich eine Privatttntemehniung, n-olchc die 
erste, allertlingK nur aaf Pferdebetriefa eingericht<^le Eisenbahn in 
Österreich darch Professor Gentner in den Jahren 18i!ti — 1&39 
TOn Rudwei!« nach Linz baoen ließ, l^ie Verhandlungen über da^t 
Wasaorstraücnprojekt i>cliemcrl8 tvarden xwar 1831/32 DochmaU 
anfgenommcu. doch blieben die Versuche der Regierung, eine AkUen- 
geaellschaft ins Leben zu rufen, welche mit staatlicher UDter>tUtaang 
das Uiitumebmeii dorcbfUhreii sollte, ohne Erfolg.') äeit dem glOaxeo* 
dun Siege, welchen Su-phenson« Lukonioti%-e >Rockct> ia dona Wott- 
bewerbe fUr die U&hnlinio LiTerpool-MaDCboster davongetragen hatte, 
vnrde den Wafiserstraßen gegentiber den Schienen weigeti nur mehr 
eine UEiiergeordnete Bedeutung üugeme&sen und so verschwanden 
die Projekte von .SchiSahrttikanälen in Osterreich von der Tagc^ord- 
nnog and kamen erst in den siebziger Jahren dos XIX. Jabrban- 
derts wieder zum Vorschein. 

Am krassesten zeigt sich der zurQckbultcndo, ja tatenscheue 
Charakter dett vormftrzlichen Verwaltangssyetcms io der Behandlung 
de» Ilcguhcningitproblenis der Donau bei Wien. Die Aktun über 
diese Angelegenheit entchicneo in fortwftkrendem Wandern bogrifibn, 



Ten hi«T mit B«nUtiuii^ dar &»«»• nnd J«r WiUaa Adler tat tSk« bei Konigfrtn 
RÜinia; täat AbtweiirBnf iIm Kuuüm wllle mll BeoUtniag Ü^r IkCEnt. OU», 
Ptctrobk« Dud Blalnit« (ar CM«r un<] w(II«rlilD tat \V»\ti»*l r*CTal«n «»rdoi. 
') Bauret'iitntur. Pmi. 53. Z, i'iÜi aas 1824, ZZ. i}.Oi-i oad 27.3H0 aas 
1830 nad Z. l».»J6 »w lifSä. 



37 



aoautigcsoUt wardon ErlitibungeD gepflogen, immer neuu Outacliten 
7on den Bebürden Dcd äuchvorstüodigon eiDgeholl, die Verband laugen 
a<^.hwolIoD so za einer unübersehbaren Akteninaase na, doch aogstlioh 
worde allen weitgreifenden Maßregeln xnsgewichen . Es wnrden zwar 
im Laufn der Jahrzehnte wiederholt ricbtunggeboDde allerbß('ji8te 
Ratscliließangea gefaßt, doch blieben sie ohne praktische Be- 
deutung, du hinterher -vrii>der neue Redenkea entstanden and die 
Sache wieder von vorne anfiung. So ist die l'rago in der ersten 
Qfilfte de« XIX. Jahrhunderts niemaU ganz zur Ruhe gekommen, 
faktbch gcsebeben ist aber so gat wie nicht», abgeeeheo von der 
Dfnriixierung de» Donniikanales nnd vi^n den verbnngnia vollen Ein- 
en^ nngs werken bei KaUdorf. durch wotctte die UocbwJlMor in den 
Jahren 1830 und 1862 zu furchtbaren Katastrophen fUr die niederen 
Vorstädte Wiens und fUr da« Msrchfeld wurden. 

Die Krgulierungalfltigkcit bcscbrUnktu sieb, uhnc das Qaase 
planvoll zu amfassco, auf die Bedürfnisse des Angenblicks, auf die 
notdCirftige Scbiffbarkeit de» Strome» und tcsbesondere des Donan- 
kanalcs. Es wurde nur stückweise ^bant und man ging hiebe! 
in der Inkonwqnenz so wuit, daß man selbst bei den stUckweisen 
Versicboraa:;eD bereits bestehende Werke nicht beaUtzte. Auf diese 
Weise wonlen Millionen vorachwendel. weil man nie den Mut batta, 
Uillionen mit einen) Slale anf «ine amfaasende Stromrcguliernng 
zu verwenden. 

Kapitel 10. 

^Oic RcgulierungatAtigbeit an der Donau bei Wien nnter 

Kaiaer Franz I. bis zum Projekte Schemcrls. 

Seit der Zerstörung de« UubertusdammM zu Alterheiligen 1787 
blieb durch mehr uU i>cchs Jahrzehnte eine der Hauptfrajicea der 
>ODauregulicruDg in der Wiener Strecke in Bchwebe. Sollu.' ein Damm 
am linken Slromufer wieder erbaut werden nnd in welcher Trasse? 
Sollte ferner die Schwarze Lseke wieder versperrt werde» nnd auf 
^welche Weise? Es traten unmittelbar nach der Hochwaaserkaiagtrophe 
Jahres 1767 Erscbeinangen in den Verhaltnieseii des Stromes 
zDtsLge, welche dringend auf die Lt)«UDg dieser Fragen verwiesen. 
So nahm die Vt-rtirfung tlvs Strome» an der Ausmtlndung der 
Schwarzen Lacke ia soleliem MaÜe zu, daü die linksseitigen Juehe 
der großen OonaubrQcke;, oberhalb deren die Schwarze Lanko 
tntlndetv, in die Gefahr des Cinaturtos gerieten, wahrend an der 



38 

rechten Seite des Stroiäes der BO^nannte Bruckbaufen entstand. 
Bbenso begann sieb schon anfangs der neanziger Jabre des X Vllf. Jahi^ 
handerts unmittelbar vor der EinmOndung des Kanales eine Sandbank 
zn bilden, welcbe die Einfahrt erschwerte, und auch im weiteren Laufe 
des Kanales vermebrteaicb die Versandung. Mebrjabrige Verbandlungen 
führten endlicb zur Aufstellung eines Begulierungäprogrammes (kai< 
serlicbe Entscbließung vom 29. Jnli 1797), nach welchem die 
Scbließnng der Schwarzen Lacke, die dammartige Erhöbung der 
Lang-Enzersdorfer Straße, die Regulierung des Donankanales auf 
26 Klafter (53'2 m) in der Breite, die gänzliche Verlegung des 
Treppelweges auf die Leopoldstädter Seite und die Anlage je einer 
Schleuse bei der Ein- und AuamUndang des Kanales vorgenommen 
werden sollte. 

Die näheren Modalitäten der Ausführung wurden eingehenden 
Beratungen unterzogen, bei welchen die AntoritAt des General-Hof- 
baudirektors, Generalmajors Freiherm von Struppi, den Ausschlag 
gab. Nach seinem Vorschlage sollte die böhmische Straße bis an den 
Bisamberg zwei Schub (QB'ivi) Über die größte bekannte Wasserböhe 
erhöht werden, um das Marchfeld vor Überschwemmungen zu 
schützen; die Schwarze Lacke aber und die übrigen Einrisse des 
Hubertusdammes sollten nur verkrippt werden. Da diese Voi^ 
kehrungen als die dringendsten angesehen wurden, wurde das 
Wasserbauamt — beziehungsweise die Oberbaudirektion, soweit es 
sich um die Straßenerhühung bandelte — zur sofortigen Ausführung 
derselben angewiesen. Der Bau der Schleusen wurde aufgeschoben, 
bis eine geometrisch genaue Karte des Stromes bei Wien vorläge 
und die Regulierung des Kanales durchgeführt wäre. Mit der Auf- 
nahme, Niveliierung und Sondierung des Douaustromes von Kor- 
neuburg bis Albern sowie des Donaukanales und der nahen Nebenarme 
wurde der Wasserbanamtsinspektor Johann Freiherr von Facassi') 
betraut, welcher diese Aufabe im Herbste 1797 begann.*) 

'} Gebocen 7.u Wien, nach anderen in Qärx im Dezember 1758 als Sohn 
des Ober-Hofarchitekten Nikolaus Pacaasi. welcher den Gebrauch der Steinkohlen 
in öaterreich eingeführt hatte und fflr seine Verdienste 1764 in den Ritteritand, 
1796 in den Freiherrenatand erhaben worden war. Johann Freiherr von Facaaii 
wurde 1797 Inspektor, ItilO Direktor des Wasserbau am tee, schließlich Hofbaurat 
und starb in Wien am S. Juni 1818 (Wurxbacb, Lexikon). 

-) Die Aufnahme kostete ungefähr 600 fl.; Pacasii hatte hiebei Ewei Schiffe, 
fünf Schiffleute und vier Tage werk er cur Verfilmung; erstere erhielten 30 Kreoser, 
letztere 20 Kreuzer täglichen Lohn; als sie mit dem Hinweise auf die bessere Be- 



3» 



Zar tatdäcb liehen Ausffllirun;; kam jedoch nur ein ^oriD<;t.T 
Teil il^s Il«gu)icrangs[>rogrumin<.^^ iiulcm bli>U di« Hügulierung ilva 
Donaukanalea in Angriff genommen wunle. In der Verengung dos- 
uelbra sab General Struppi das baute Mittel, das Kannlbett la v«r> 
ti^rru und von der Versandung zu befreien, zu welcher nach seiner 
'Meinung die zaklrcicli«n rerfallcuden llub*?rt«vbvn Slciiisporue bei- 
getragen bauen. Nach dem GatacJtten Strnppis sollte die Fixierung 
Lder UTer dureh Pitotierang und Stein pHasterung der BOecbnngen 
icrfülgt'ii. UieBt-stimmuns der KoniialbrciCu des Kanak-s auf 28 Klafter 
(53'2 tni wurde 18Q0 anf 20 Klufter (52-67 m) abgeändert, als Pacadi 
darauf hiowiee, daß swar m allen Plfloen und Akteu die Breite der 
EimnHndnng auf 28 KUfter angegeben und dementsprechend diu 
Normidbrcite dos Kanäle« von der Uofatellc wiederholt mit 28 Klaf- 
lem fertgesetsu worden «ei, daß jedoch tatHflohlich — wie er weh 
bei der Stromauf nähme i)ber7«ugl habe — die Einmündung nur 
36 KUfier breil sei, Oie Verengung de» Kanaleit urfnlgle unter dem 
Widerspruche der Schiffahrtaintereesentei). welche die Defllrcbtung 
ausBpraolien, dall unter ihr die bisherige Lebhaftigkeit der Srbtffnbrt 
aml der »uiigcheure Verkehr za Wasser' empiindlich leide» 
wttrdcn.') 

Mit der Regulierung der Ufer wurde 1707 in der Spittolau 
innen, sodaon die Strecke bei der WeiUgJlrber Brücke und unter- 
halb dcrsclbcQ in AngriiT genommcii, da die» der Bau der Ra«u- 
mofsky-BrUckc und der Umbau derWi-ißgflrher ISrllcke bcdiugte. Der 
ruwisclit; Botschafter (jiraf Rasomofsky hatte nümlich von Kaiser 
Franz 1797 die Rrlaubnin erhalten, von »einem Oiirti-n auf der 
Land^trAÜe, wcicbcii er von dem Fürsten Piuir erworben und mit 
gnittea Kosten verscbünert halt«, eind hillxeme JocbbrUeke tlber den 
Donaukanal in den Pralcr Rrhlngen zu lassen-), welche 1809 und 181U 
dnrch die Mi«giLnge zerstört wurde, worauf erst 1825 xunaeliAt dem 
Standorte der alten BrUcke die erat« Kettcnbrllcku in Wien erbnut 

taUuBg auf den WIraet Flllion (40—45 Knnur tl|t1icb) su (lieiken begaaoen, 
«wde tbr Lahii aof S6, b«xl«baii^w^«> SA Krcncar efb&hi; UbtrdtM Brhl*ll«n 
dl« SohifDiDt*. ilu iii*> vor doa l.iaion icmeadM irurdcn, dra ablioliMi Luido«* 
Mtng rflo 3 Kntnwrii. (K. k. Ircklr tat Nk-ilvr^lerivieb. ^u. 30. Z. iAM&S 
.ui 1797.) — 7.vr Zeil dor Kaiwria SJarU Thonua «rliitlton dt* Ti«l01iii«r M 
^4«« WBucrbaiiten lü Kreu«>r nir äau T«c. 4U Ikliiilloui« 21 Kr*uMr. (Uelalw- 
Aliaoxarobiv, NMaratierreiirliitcbfa Bnokal^t, Kmx. 49.) 

M K. k. Aruhiv rot NIcilcc:i»tenFlol>. (Ja. 3. Z. XÜA at» 1801. 
*) K k. AtchU mr Niedeinaterrcicli. tju. 2P. 2. 386 ua I?»7. 



40 

wurde. Die 1 782 errichtete Weißgärber Brücke wurde, nachdem sie 
durch den Eisstoß des Jahres 1799 vernichtet worden war, in den 
Jahren 1800 — 1803 nenerbaut und erhielt zu Ehren des Herrschers 
den Namen FranzensbrQcke. Sie galt damals als ein Meisterstück 
der BrQckenbaukunst sowohl ihrer festen Banart wegen — die 
Landjoche und der Mittetpfeiler waren größtenteils aas mächtigen 
Quadersteinen — als auch der Weite der Spannung wegen im Ver^ 
haltnis zur Flachheit des Bogens.'} Der Erbauer der Brllcke war 
Freiherr von Pacasai. welcher auch den Kanal bei der Spittelan, 
von der Schlagbrttcke bis zur Rasumofsky-Brücke und sodann beim 
Schanzel regulierte.'^) 

Im Frtlhjahre 1804 bereiste Pacassy die Hufscbläge an der 
niederöaterreichischen Donau, um Über den Zustand derselben Bericht 
zu erstatten. Als Ursache des schlechten Zustandes der Hu&chlage, 
von weichen 67.563 Klafter (128-37 ^nt) natürliche und 14.562 Klafter 
(2767 im) künstliche waren, bezeichnete er den Umstand, daß bei 
ihrem Bau das Niveau des Flusses nicht berücksichtigt worden war, 
weshalb die Hofkammer das Dekret vom 27. Juni 1804 erlieli, daß, 
die Hufschläge mindestens 1 Fuß (31'6cni) über jenem Wasserstand 
angelegt werden mußten, bei welchem die Schiffahrt noch stattfinde. 
Damit aber diese Wasserhühe richtig bestimmt und stets leicht er- 
kannt werden und zur Richtschnur sowohl bei der beabsichtigten 
Neuanlage der Hufscblage als bei der bevorstehenden Aufnahme 
der Donau sowie bei Wasserbauten Oberhaupt dienen kilnne, wurden 
nach Anordnung der Hofkammer an einigen Orten längs der Donau 
Wasserwerkpfähh; oder Pegel errichtet, an denen die Wasserhöhe 
bei dem niedrigsten Wasserstande korrespondierte, eine Einrichtung, 
welche in Holland und Norddeutscbland an allen Flüssen bereits 
eingeführt worden war. 

Im Donaukanale wurde zunächst der SchlagbrUcke bei dem 
JUnglingschen KafiTeehause^ in dem Geländer der Stiege, welche 
zum Flusse hinabführte, ein Maßstab von Blei derart in den Stein 
eingelassen, daß von 3 zu 3 Zoll (7*9 cm) eine kurze, alle Schuhe 
(Sl'ßomi aber eine lange Querlinie stand. 

') Übet die FtaaMusb rücke erfcbieneii Monographien mit Kupfert&feln ron 
Pieringer, Wien 1806. und Lanz, Wien 1808. 

-) K. k. Archiv für Nkderiliterreich. Qa. 3, Z. 24.008 ftui 1601 and Z. 2249 
BU( 1804. 

^f GegenwÄrtig II.. PraterstraOe 6 nnd Untere DonaoatnOe 6. 



41 



Pacasay wies anch auf diu Sclijidlichkcit der bislicr beim Bau 
der Hufschlllgu üblichen i«>(roti«nntPn Stcinworfi; hin. welche Bau- 
art «cltoD veraltet, und 'jltwobl durch da« llofdekret vom 1. H&rz 
1803. Z. 1875, ahi kunstwidrig und and dem Slrome sclildliob' 
verboten, dennoch bio nnd da ncuordins'9 an^wondct worden sei. 
Pacassy scbluf; den FascbiD^ubuu ri)r. vrclchur sieb in underou 
RmnlRndoni und b«nnndeni im Denlnchen Reiche als aebr otitKlinh 
erwiewn liab«. Dieser Vorftchlag wurde anj^eDoninnen und dem 
Preihorm 60tiS fl. 56 kr. zu den dringendsten Ruparaturvn bewilligt. ') 

Der Enucblull der Re^erung im -lahre 1797 die Erbühungr 
der Präger Reicba.<itra[^ und die Verspürrung der Schnrarzen ]^pku 
ftofort darchzufubren. wurde durch die Krifg-iwirrcn und durch diu 
bicniu« aicb orgebcndtrti Bnanzicllen .Scbwiuri^kciiea in seiner Au»* 
Rlfarung gehenimt. Die Folge bievon war. dnjl die Hoobfluten der 
Donau mehrmals die StraQo Ubcrttiogen und ad mehreren .Stollen 
dorcbbracboQ und Mcb immer weitere AbEWeigun^en von der 
Schwariu^iQ I^cke und von dem in nie mundenden llochauer und I..ang- 
Enxentdorfer Arm bildeten, welche iticb lief in da.« Marebfeld hinein 
orntreekten. Melirt-ren Gemeinden, insbesondere Jodlesee. drohte der 
volhttfindige Unturguiig dureh den Strom. So durchbrach 1803 der 
Strom die KoicbsstralJc oberhalb Jedlesee an der Grenie gegen .Streber»- 
dorf. wodurch ein I^ebenunn der Sobwarxcn Lacke gebildet wurde, 
welcher aioh knapp vor ihrer Mtlndung in dun Strom wieder 
mit ihr vereinigte, so daÜ Jedlesee nunmehr auf einer Innel lag; 
dia Darcbbracbstelle an der StroQe wurde durch eine 30 Klafter 
(57m) lange Brücke flberbrllckt (vgl. die Abbildung .'^. 18). Dil* 
Donau drohte sieb ihr Uauptbett am Bisamberge vorbei in das 
Marcbfeld zu bahnen, indem sieb der Stromstrieb gegen Tattendorf 
wandte, eine Vernnderung, welche niehl nur das Ufer bei TuttCd- 
>rf geftlhrdete, «onderu auch die Tendenz de« Strome« in sich 
bai;g, in der Richtung des lloehauer und LaDg>Gnsers<lorfer Armes 
du Bauptrinnsal in die Schwane I^acke tu verlegen.^ 

<) K. lu Arcltlr nir NioderntterralQh. Iju. ». Z. 18.376 au 1804. 

't DU SobxMH Lack« I>t<wD (m Jaliro \»yi elna Lln«« ron 3687 KlaR»» 
\b-Ml km) eia Gafallo von S FuD 9 Tloll ll-lSin) und ftlae Qc*cbti)itdi|!k«it tob 
t l-'aB 37.«II ilM ta^ Ul>«rball> *oii J«dh«M uüim •>« d»a uriK^fiiht SÖ4NJ KUfl.r 
tX-lltktH) Uajioii Hocliaopr Arm Ruf. velckcai der c(«u tXX) Klaftar (I ('-^»■) 
lang« I.«Qg-GaMrKlorrBr Ann iiillvB, Aook d«r Hocliaaor uod Lmag-Xat»anäowtct Am 
wsraa nietii nnbeto&nbtlicli und M Uocbwaaier lobr (tefUrlick. UatMbalb d«r 
Tereinig-iiDg d*r beiden Anna, xonlcbiit i*«lcb*r *icb dlo UurebbrnelMiallB in d*r 



42 

Seit dem Jahre 1803 langten wiederholt BittgeBnche der Guts- 
besitzer und der Gemeinden von Jedleaee, Strebersdorf und Florids- 
dorf, 1805 ein gemeinsames Gesuch der Marchfeldgemeinden an 
Kaiser Franz um Schutz gegen die Verheerungen der Donau ein. 
Mit Rücksicht auf dieselben wurden, ohne an die frllher gefaßten Be- 
schlüsse in dieser Angelegenheit anzuknüpfen, neuerliche Verhand- 
langen über die SchutzTorkehrungen gepflogen, welche aber infolge 
der Uneinigkeit der Techniker über die Tauglichkeit des Hubertus- 
dammes, beziehungsweise die Abänderung der Trasse desselben 
lange Zeit zu keinem Ziele führten. Als provisorische Maßregel wurde 
1606 auf das Drangen der Mehrzahl der Marchfeldgemeinden die 
überbrückte Durchbruchatelle an der Straße ober Jedlesee verschüttet, 
wodurch indes die Gefahr für Jedlesee und Langenzersdorf erheb- 
lich gesteigert wurde. 

In der Frage der Wiedererrichtung des Hubertusdamme» 
standen sich im wesentlichen zwei verschiedene technische Meinungen 
gegenüber. Während der erste Vorsteher des Wasserbauamtes, Exner, 
und der damalige Referent der Hofbaukommission, Regierungsrat 
Schemerl, sich wenigstens ftlr die teilweise Beibehaltung des Dammes 
aussprachen und nur die Strecke oberhalb der Abzweigung der 
Schwarzen Lacke durch einen neuen Damm ersetzen wollten, über 
dessen Trasse sie freilich wieder verschiedener Ansicht waren, hielt 
Pacassy den Hubertusdamm für gänzlich verfehlt und unbrauchbar 
und griff auf das Projekt aus der Zeit Kaiser Josefs II. zurück, 
einen neuen Damm von Stockerau bis SchloÜhof anzulegen. Beider 
Uneinigkeit der Techniker und der finanziellen Bedrängnis des 
Staates, welche einen kostspieligen Dammbau nicht zuließ, wählte 
die Regierung den Ausweg, eine endgültige Entscheidung durch 
die dammartige Erhöhung der Reichsstraße hinauszuschieben, welche 
1807 von Lang-Enzersdorf bis zum Spitz mit einem Kostenaufwande 
Ton 35.000 fl.; 1815') von da ab bis zur Donaubrücke durchgeführt 
wurde. 

ReicbsetraQe befand, b«g;ftnn der ÜbetBchweromniigBzug gegen das Marcbfeld, welcher 
dajBslbe in einen See rerwandelte und OTit ui der ungaiiEchea Grenze bei Harcbegg 
iich in dieMurcb ergoß. Welche Gefahr dieSchviane Lacke fOrdieDonftubrllcke bildete, 
zeigt lieb aus dem Umstatide, daC duTch den Druck des aus ibr itrfimenden Wauen 
beEiehnngsneiee Eieei, nelcher lich bauptBKchlich g^en die Joche 24 nnd 2ö rich- 
tete, diene imJahrelSO? auf eine Tiefe Ton 43 FuG(13-6nt) auigewaBCben Win». 
') Smital, Geichichte der Großg^emeinde Flaridsdorf. S. 274. 



ii 



Die Vt^rtuuidung der ächwai7.«n I^cke warde iinch dem Vor* 
Khlage des Kweiten Vorstebers des Wasscrbauainio*. Puca^tfV. da- 
dorcji vurWrcil«t. dnl^ an dor Ein- und AusinUndung dt-rsulben 
StrichzAune gcscblagen, ionerhalb des Armes zwei ÜberfiilUwehn^n 
crrichtpt «nd an beide« SeiWn der Wehren dio L'fer durch Kn- 
hciiiiienvrcrke verwahrt tfurden. Zu den Kogc«ii der V'ui-scblieDung 
der .Schwärmen Lücke, welriic an 1 1.000 ü. betrugen, trag der 
Uankalfonds über 8000 ä-. den Re«t die Stjinde beL ■} 

Da der ScIiiiIk Jwllefloe», welcher' noch di»W8eite der StraUe 
im Bereiche der Donnahochwasser lajr. bei diesen Vorkehrungen 
außer acht gelaüsen wurde, muüte sich die Gemeinde durch einen 
besondereo, der Scliw»rzen Lacke entlung nihreiideii Damm schützen, 
an welchen aich rcclttwinkeli;; der Augi;lKchut»)aniiii echlolV Eiiititi 
solofacn Qemeiadcdumtn hatten schon 1 786 die NcuanaledJer von 
FlnridKdnrf gebaut, um «eh gegen die Rackslanwiliwer vom >Iulil- 
■chDttelarm her zu verwahren.') 

Schon gelegentlich der Verhandlungen Über die Verwhlicßuog' 
der Schwarsen Lacke und über die Wiedererrichtung des HuhertoK- 
damme.4 trat Schemerl'l mit jener Idee hervor, wt-lcht* er vioigc 
Jahre später zu einem festgcfUntt-u SyKtem einer DonaureguÜerung 
bej Wien furmulicrte. Er kntlpfte an Fremaut und Hüben an, in- 
dem er die Konten trntion, die Bcscliriiokung der Slrümc fUr da» 
«■orxUglichAlv Mitlvl der Strombaukiinhl hinMellto. Flüjwe gegen ihrua 
Verfall zu bewahren; schon v..n lloflcin an mÜ6*e die Üönaa iti 



>f naitregUtralur. P»a. 1»B. 7.. üft. Ott, 2hd iiiiJ 984 mm \m7. - DE« mt- 
tngtletolBnjr und KJnlInCnahrap der ^tlDilc bri don WMacrbautcn. wdcUv ei unl- 
'«no he«lrilfcn «nHon, regelt« du NomKl» vom lO. Mütx 1M>1, Z. '>4i5 <K. k. 
_Arcliiv mr Nieder''iileneicti. Fmk, (Jti 3.) 
^ Smit«! >. H. O. S. 1S9 QDd 274. 

*) ilOHrSchrraerl Kltlvr van Lf^teobBcti Oo lautet die KtwOhnllche äclireibuiiK, 
■ahrMnI da* Ad«lailipliim ^hwucrl ron I.i>jrllienUai:li ootbällt BL'ti. in l^Aibach l7nS. 
am 1837. Vor oder bakt nach mtoeu Eäntritto ia den SMatabaudiuist anler- 
bni u ein« ii«roii>'l»i|w Kciae nacti Hollaad uod •» den lth<«ii, um ^e donSgen 
M'Ainarbaulcn to iluOierefi. 1773 fahrte er die Re^ullerDOg der Savo. 1788 die 
|1iVUde(herM«t1nDg lUr «irTalUnon Siratm !n Knln diireli I71H) ilhernaliiii er 'IIa 
IUI flb«r doD la Auirubning begilffcncn WlDDar-Nciutadlcr Schlffalintkiini). 
•lebea «r IKUJ kt* llWr <l)o I.oltU fllbrt«. 18U4 wnrie •( Uefeiont d«T UoT- 
kaanÜMiOD. IW>7 Direktor dos Itofliaurau. ia wticbet rttclliinit et bit ui iieiun 
CtiüTlrltte in <)«« Kuheilaih) vorblielt, wtliüi*r na^k ßSjKhiigDi Di«Dill«t>tiiit|{ oifotgte. 
I'ar Mine Vt(di«nH« erbieli er 1 81 1 da* Ititierkrviu des LeofiglilordeB* und nurd« 
»)aliileDg«ittB£ w dcD rrUindiiiclieii Uittcnintd arbobeB. (Warabacb, Lecilraa.l 



44 

ein Rinnsal konzentriert und der Stromatrich vom nördlicben Ufer 
des Stromes entfernt werden, wodarch in gleicher Weise sowohl 
dem Interesse der Marcbfeldgemeinden als jenem der Donankanal- 
echiffahrt gedient werden würde.') 

Kapitel 11. 
Das Projekt Schemerls. 

Den QDmittelbaren Änlall zu Sehemerla Regulierungsprojekt der 
Donau bei Wien gaben folgende Umstände, 

Wie schon bemerkt, vertiefte sich der Strom unterhalb der 
Mündung der Schwarzen Lacke am linken Ufer der Donau derart, 
daß die linkseitigen Joche der grolien DonaubrUcke in Einsturzgefahr 
gerieten. Im Jahre 1807 betrug die Stromtiefe bei den Brticken- 
jochen 24 und 25 43Fuß(13'6m) und beim Brückenbau im Jahre 
1809 waren für die Joche 29 und 30 69 Schuh {21-6 m) lange 
Jochpfkhle notwendig, welche nur 6 Schuh (l'9ni) tief in den 
Boden eingeschlagen werden konnten. Als 1810 die durch den 
Eisgang schwer beschädigte BrUcke wieder instand gesetzt werden 
sollte, erklärte das Wasserbauamt. die zu Jochstecken der BrUcke 
erforderlichen BSume ans eigenen Mitteln der hohen Kosten wegen 
nicht beschaffen zu künnen und verwies darauf, daß bei der nSch- 
sten Beschildigung der Brücke ihre Wiederherstellung am gleichen 
Standorte gar nicht mehr möglich sein werde, da das FluÜbett 
bereits so sehr mit eingeschlagenen Jochptlöcken UbersUt sei. daß 
kein Platz mehr zur Einschlagung neuer JochbAume gefunden werden 
könne. Zur Sicherstellung der Verbindung Wiens mit dem jenseitigen 
Ufer schlug der Wasserbauamtsdirektor Freiherr von Pacassy vor, 
die BrUcke an jene Stelle bei Nußdorf zu versetzen, wo heute noch 
die Überfuhr nach Jedlesee besteht, wobei sich der Vorteil ergeben 
h&tte, daß nur eine einzige BrUcke notwendig gewesen wSre anstatt 
der bisherigen vier Über die verschiedenen Arme führenden Brücken. 
Die von Pacassy vorgeschlagene Brücke, welche um 370 Klafter 
(703 m) vom Ende des Nulldorfer Vorkopfes weiter stromaufwärts 
verlegt worden wäre, sollte 190 Klafter (361»') lang werden und 
aus 22 Jochen bestehen, deren Öffnung zwischen 7 und 9 Klafter 
(13'3ni und 17'1 1») gewechselt hiltte; die Mitteljoche wären in der 

') Unter »nderem regte er audi di» schon wiederholt (1608 und 1717] ge- 
forderte Beiieitigaog der Schi ffm üblen bei Tuttendorf an. 



4& 



größten Tiefe «of 20 Schub (6 32mf ku schlagen ^nrttta. Die 
GesBmtkr>stcn an Brfl«b«^ wurdon auf mehr &ls 1,500.000 fl. 
veranscblagt, wobei aa( dun Brückenkuu wlbsl Dur 97.000(1. ge- 
r«cbnel, alle» übrige auf die erforderlich gewordene Verlegung der 
StraßentUpc und auf die VerroU^tundigungtibauteD ') iiiigG«etzt wurde. 

G«gen dienen Vuracblag erkliirle »ich der Hofbaurat aus lechai- 
■choa. Okonomiscbeo, miliuirlscbea und lokoluo QrUiiden mit aller 
Eotachiedeobeit und ttoUto ihm jooM I'rojekt entgegen, welches einen 
Markstein in dor (jeHchi«hte der Donauregaliirting bildet, da in 
ihm dem zu bewnltisenden Probleme bereits annfibernd jene LiisoDg 
gi^ebun (trächviul, welche c» nacb lanfjobh^eu und langwierigen 
Verbandlungen and Verwicklungen endlich Tor etwa dr^i Jabrsebnten 
tfttallehlich erhalten hat. E» iatdna iirivergangliebeVcrdienjtlSoliemerl«, 
welcher von 1807 bi« ISäft die Leitung dus Hofbauraics inue hatte, 
in der Frag« der Donna rugnliorung bei Wien bahnbrttcbcnd gewirkt 
KU haben. Vor Scbemerl hatte mnn auch nielit eiomal an die Hög- 
liclikrit gedacht, in datt Leben de^* gewaltigen Strome» in mi radi- 
kaler Wcii>e einzugreifen, wie er c« vorschlug, und es bedurfte der 
eisernen Reharrücbkeil und UDbengflainkeit eines lilannes wie SehemerL, 
Qtn immer und immer wieder trotz aller antichetnend nnoberwind- 
tieben Hind«niiH:ic und trotz aller Bedenken, welche fiut allgemein 
seiner Idee enigcgon gebracht wurden, aufdivselbc zarflekzukominen 
nad bei ihr unerachtltterlicli zu verharren. Das Wirken Schemerls, 
welcher xaersl durch seine Schriften tmd AasfUhrungen die Wasser 
b&ukuDst in Oaterreicb auf einen wisseiu^ehafdieben Slitndpuukl ge- 
bracht hat und welcher dArnuf hinwirkte, die Fortsebritto aaf dem 
Gebiete dervtbe». welche damalit in anderen Staaten, besonders in 
England. Frankreich und Norddeutschland schon mit groüem Er- 
lb]ge nutzbar gcnmcbl wurden, auch in Österreich in Anwendung 
CD bringcD^), das Wirken dieses Mannes erscbctot in rielfacbem 
Konflikte mit den damoJ.« herrarlienden Kurier ungaprin^ipien. Be 
ist einer dvr Widerspruche und Malbhüiteu, in welche stich da.* VOf- 
nllrEliebe .Svstem verKnrrcn muDte. daß man ihn zwar durch mehr 



') Aueh über di« äclmarM Laak« hlU« ein« Brfldie «rn«bt«t wanlen nBuMi, 
dl der Im JaUta t80< bargcaletli«, i[vu au* ScbMier atUipnilutii KoouDusikatJ»»»- 
dant» w«^BtiiMrD woiiieo nAr. 

') KixwD wmigtr g1ackIi•^ll«D Blick aod «Ine gwn ia m Eintslugkeii b«kua- 
iM tr iadM In *eintt SullBogBahia* gWgM ^m dasal* in d«r «ratö« EalwMk- 
loni iHKTtfooa ElMBt>nbaw«MOi vgl. 8. 30. 



46 

alg ein Vierteljahrhundert in seiner leiteadeD Stellang beließ, gleich- 
wohl aber unbekümmert um seine Warnrufe entweder einfach den 
Dingen ihren Lauf ließ oder sogar direkt gegen seine Ansichten 
■vorging. 

Scbemerls Regnlierungsprojekt der Donau bei Wien ging von 
'der Notwendigkeit der Errichtung einer stabilen Brücke aus, einem 
Bedurfnisse, welcbea gleichfalls schon seit Jahrhunderten empfunden 
worden war. 

Schon seit dem XVI. Jahrhundert hatte man davon getrSumt, 
wie schöu es wäre, wenn man die DonaubrUcken derart bauen 
könnte, daß sie nicht alljabrlich beim Eisgange in Trümmer gingen, 
und wiederholt waren Projekte einer stabilen Brttcke Über den 
Donauätrom bei Wien aufgetaucht; doch waren dies nur unreife 
Frühgeburten, welchen es an Lebenskraft gebrach. Schemerl ist der 
Krste. dessen Entwurf sich auf empirische GrrundsStze gründete. 

Schemerl verwies auf die dringende Notwendigkeit, von der 
seit Jahrhunderten üblichen BrUckenbauweise abzugehen und zu 
einer solchen zu schreiten, welche den Bedürfnissen des Straßen- 
verkehres und der Schiffahrt entspräche, ferner die Sicherheit des 
anliegenden Uferlandes, insbesondere Wiens, bei Eisgängen und 
Hochn-üssern verbürge und endlich der Bauökonomie angemessen 
sei. Der Versuch, welcher bei der FranzensbrUcke über den Donau- 
kanal ausgeführt worden sei. könne beim Donaustrome mit un- 
gleich größerem Vorteile ins Große übertragen werden. Die Wirt- 
schaftlichkeit und Stabilität der Brücke hänge von der Größe der 
Brückenöffnungen ab, da sich mit der Verringerung der Mittelpfeiler 
einerseits die Baukosten, anderseits die Hemmnisse für den Ablauf 
der Hochfiuten und Eismassen verminderten. Schemerl wollte daher 
die Brücke bloß auf zwei Land- und sechs steinernen Mittelpfeilern 
von je 40 Klafter (76 m) lichter Entfernung ruhen lassen, welche 
mit Sprengwerken aus Holz Überspannt werden sollten, so daß die 
Lange der Brllcke zwischen den Landpfeilern 300 Klafter (670 m) 
betratren liiltte. während die Strombroite von Ufer zu Ufer mit 
160 Klaftern (304 wj angenommen wurde.') 

Da jedoch der Bau massiver Brückenpfeiler in einer so be- 
deutenden Strömung wie jener des Donaustromes bei Wien ein ge- 

') fanetti gibt in seiner Denkschrift der Donauregiiliernng bei Wien von 
der Kiichelau bis Fisch amen d fiveluho blcU in wenigen lithographierten Elxemptareo 
eThftltea erscheiat). Hl. Aliscbniti, S. 15, irrtümlich andere Ziffern an. 



47 

wogte« un<t xrli wierigc!* Unli-riifliincn srliiea. wollte Scheiner) Aiv 
rOcko im Trockenen i« der Kiehlnnt! «k-« ln-stebenden .SlrjiU<>n- 
i^w in der KntMtrwi!^u. gcM-bützl durch d«ii i-urbeiUiufciidun 
^JtralkDdamm. baaen und naoli vollundvtotn Bau dca ätrom niitrel« 
einoj DurcliitcbiiittCK konxiritrieti — bloU der Donatikanal sollte 
rrli^ltfln bkibcn — und in ^rador Uii>littiiip iinti^r der Itrnekr 
durchrühren. Ih>r (tmndsHtz. daC die Donau bei AVieo. um ibren 
An-iannn^n nnd deren l-'olgen voiv.ubeiigpn. in ihrem Laufe kllDHt- 
licb buifcbrliukt wTrdcu niU»»'. waroiclil oen. jodoch mit »olcti^r 
ticbarfe vor Hcboiuerl nicht aüBgt?fiprochen vrordt-n. Kineo pcDid- 
Hntpcn Laaf ab^r wollte er dem SEramc |);6b«D. d& dnrth Ver- 
meidiiiig vnn KrdiiiuiuntfOD die l'lauplur»ache der Abln^cmn^ de» 
GwchicboB und drr KilduD;i; der Sii.udbftnke und in wcili^rer Kulgo 
dvr Scboppun^en bei Etsgao^n wi-gfulk-n wUrdtr. 

D«« V^rhshois d»it I)urch»r1itiittett. welclier 1000 Klnft«r 
[rH96/Mir luii;; ^ewonleii witrt*. r.u der cnUpreehiinden Kurve dwt 
3I11M von 20)0 Klaiwm |3792A-mi war 1:2. dwunacb lUr die 
AQflfobrnn^ K^instt?: npater sollte der Durchnticb hi» xur damaligen 
Au«inQTidung' du» Doiiftukanidt-K verlKogert werdon. 

Die KoHten de?i IVoii-kU-e bprachnctt; Kchrint-rl summnrincb ntif 
S'/i Millionen (iutdttn in liankoxetteln ' i. wobei zn bcachien i«t. daU 
dii-spr Voranwjlilag vor Erwbeinen di« berüchtigten Finnnipab^nU» 
vom 2('. Ffbrnnr iSI P) iiu^jrcarbeitet wurde, und er l)cabt«icliti}{tc 
diu guDZti Werk in einem Zi>itmum« von zubn .luhroo xu VfiUeiid(?ti. 

Auf kaiserlichen Befehl wurde der Antrag Scbeinerb< einer 
KrimmiH^nn nujjewieaen. welnbe unter dem Vortiiizo d«s Stntthniter« 
Griifcn Saurau au« Verln-l«ni alk-r inicrrasirrlen lit'hflrden bestand*); 
sie sprach sieb ein^^tiiumi); fUr das Projekt uue. auch Fp'iherr von 
PacJiaai, wftle.hcr iteinen fiijrnnen Antrag; £urtlRkKi:ij;. (tlcicbwohl schien 



; Jadcr £*i*clieu)>/(iler nrorde aitf lOO.UOOll., oin l^adjoeti m( l&U.OOOU.. 
Cid lUückcnreld auf 400000 . üi« ilbriirBn Arhuilnn aiitr imt nu« WlUoa Giild«n 
»DKC-f l{ Dir jgiJiw dvr UrAclt«nJD«lio ai'b«| uSni<iii Ituii^iTii hiukIi- r!n Jalir, fnt 
dt« Diir«lutloh»rbel(«n »wü Jahre gtreobnei. 

') n'kanatJiali i-nitiii*!! davMlIie ««n» N»<ir«g«latig do« f laldit«>*«ti> , Iniom 
M di« fiiBkouitsl nuf den filnRBn Tfjl Dirn üomiwanM barat'HlBU). Vgl. : 
Spr[nf«t, (ioichicliU (UttrreiKbt mIi dmi WUmar Prlcdnn IHO^ I, hW, 

'I Dm K«iBRii«ei(>B ^M>rl«ii an dar UtfriernnitMsl und H«nkiiltdniifii>U«lM' 
T^n Andot*, lIfftt«rua9tfBl von Uro»dUc, WMMrl«iiaintsdiTtkinr 1-'r»ikniT von 
■Mi, Bini«Ui>rilir(>ktdr von Oriai. nbnr'rhlraf nliupeklur Donin ai»! div In* 
encolivtsten voa Itftiioii ntid mti ^b«lt 



46 

der Entwurf nur wenig Aussicht auf Verwjrklichang zu haben, da 
die Zeitumstände fUr die ÄnsfUhrung eines so kostspieligen und 
weitblickenden Unternelimens äußerst ungünstig gestaltet waren; die 
Finanzen Österreichs befanden sich damals in tiefster ZerUttong, 
indem der Staat tief verschuldet, ohne Gleld und ohne Kredit war, 
und verhängnisvolle finanzpolitische Experimente trugen znr Zer- 
setzung des wirtschaftlichen Lebens bei, so daß völlige Anarchie in 
Handel und Wandel einriß.') Da geschah das Unerwartete, daß ge- 
rade von jener Seite, von welcher der Sachlage nach der heftigste 
Widerstand zu erwarten war, dem Projekte die mächtigste Forderung 
zuteil wurde. Seit dem Jahre 1810 stand an der Spitze der Hof- 
kammer, bei welcher die Entscheidung Über das Schicksal des 
Schemerlschen Planes lag, Graf Josef Wallis, ein Mann von rück- 
siohtaloser, brutaler Gewalttätigkeit, ein Freund radikaler Maßregeln, 
an dessen Namen sich die unheilvolle Finanzkatastrophe des Jahres 
1811 knUpft, durch welche zahllose Familien an den Bettelstab ge- 
bracht wurden.^) Es glückte Schemerl, das Interesse des Grafen fttr 
sein Projekt so sehr zu gewinnen, daß er den Plan als »eine große, 
glückliche Idee« bezeichnete, »deren Ausführung einen neuen Glanz 
auf Seiner Majestät Regierang verbreiten würde«, und nachdem >das 
kunstmäßige Urteil der Kommission die Ausführung des Vorschlages 
für unumgänglich notwendig erklärt habe, sei in der Größe und 
Ausdehnung des Planes noch keine Ursache zu finden, vor seiner 
Ausführung zu erschrecken, da die Wichtigkeit des Endzweckes 
dem Aufwände der Mittel angemessen sei.«^) 

Da mit Rücksicht auf die trostlose Lage der Staatafinanzen 
an eine unmittelbare Inanspruchnahme dereetben nicht zu denken 
war. schlug Wallis vor. die nötige Geldsumme entweder durch ein 
einer Privatgesellschaft zu bewilligendes Oktroi oder durch ein An- 
lehen der Stände oder durch eine zu eröffnende Lotterie oder end- 
lich — dieses Mittel hielt er für das zweckmäßigste — durch 
Seh.iffung t'ines eifjenen Fonds für diesen Zweck durch Eröffnung 
einer neuen Finanzquelle. >Eiii solcher Zufiuß wird«, meinte der 
Graf, xihne Bedenken und ohne Bedrückung des Eommerzes dnrch 
eine auf .■Mtmtliche in den deut.'ipben Erblftndern ein-, aus- und doroh- 

'■ äpriD)!er. a n. O,, S. llWff, 
■> Springer, a. ii. O., S. IMBf., 188. 

^1 lieicb^tinKDiarchiv, Niederitawrreichiiche» Bvtkale. F. 6, S, Z. 271, 
November 1811. 



49 



ziehtfod» KaafouuuugOter and Weine nach dem UenHohte zu legende 
miilligc Abgabe crhobeo werden kOnnpo.« 

Aia 14. Oktober 1811 ^enolimij^te Kniiter PranK die Dureb- 
ftUirutig <les Projektes und befahl, dati »ohiie Versug an dio Ver- 
lassUDg eines detaillierten Plane» und Kosten UbenchlagcK unter der 
Aafdicbt and I^eitunt^ des Unfhauratsdirektoni von Scbemerl Uand 
aogfilcgt und die AuBarbeitiuig; mößlicbst bescbleunigt werde.« Die 
fioansidle Fondiorung de« Projektes sollte dnrcb die vod Wallis 
vorgeonklagene neue Steuer erfolgen, doeb legt« der Kaiser Wert 
daraaf. «dail bei Ankündigung der neuen Abg'obe dem Pablikom 
der Zweck denetbeu bekanat gei^ben werde.« 

Der Realisierung der Idee Scbemcrla eohien nnn nicbts mehr 
im Wege zu »teben und Sehcmerl begann die Detailpläne auttxa- 
*rbeitai). eine Muhe, die jcdoeh Tcr^goblioh «ein aollte. Sowie der 
maßgebende EinDuC des Oraien WalUa die kaiserliche Sanktion 
des Vorschlages erwirkt hatte, m hing auch das Fernere Schicksal 
dasselbcD mit der Fersou dos ilofkamiiiur|inBideiitea innig xu- 
sanmen. Denn iwhoa der ViKepräsident der Hof kammer, Graf Her* 
beratein, war ein beftik'er Gegner dea Projektes nnd hattA in einer 
besonderen Schrift dem Kaiser die Grtlnde Reiner Opposition cin- 
gebeod dai^ele^L Imbumtdere wiea er auf die M'aghalsigkcit des 
Drackunbaues hin. da es uabercchcnbar sei, wii- tief mit KUcksioht auf 
die auüerordendicb reißende Striimung bei dem neuen geradlinigen 
Laafc die l'foiler angelegt werden rnOßten; auch sei «ebwer za beütim- 
men. »wie weit slromaufwarls der neue Talweg der Donau mit groflen 
Dämmen werde versichrrt werden mtlsacn und ob nicht dadurch 
bei dem geringitten Durchbrechen der^lbeii neue und gr^&cK Über- 
schwemm ungsgef ab ren dem Marcbfcldc zngCKogeo wSrden«; endlieb 
sei die Kostensumme von 2'/, Blillioncn im Vergleiche xu den Kosten 
Über den Kanal fahrenden P ranzen abrücke viel zu niedrig 
riffen tind mUitse mit Kucküicbt auf die noch immer zutit-bmondc 
Teuerung wenigstens verfünffacht werden; nllea in allem l>Mwich- 

der Graf die AasfUbrung des Projektes als ein Riesenwerk, 
in Kowaltigang >die gegenwärtig disponiblen Kmfte der Nation« 
Uberstlugen.') 

Die länwrinde HerbentoiDs, welche unter Einem mit dem 
Vortrage des iMiianzministcra dem KaUer vorgelegt worden waren, 
blieben nicht ohni.^ Kindruck auf ihn und wvria er uaeh den Plno 



^) Hricli«fin«4ii> rchi V , KlodDrn«iorrekbi*e))«a BaBkoI», o. 
Jakitocb *. f. U iMtatha*. 19M. 



O. 



60 

Schemerls genehmigt hatte, ao ließ er steh doch dazu beadmineD, 
die nachträgliche Begatacbtung desselben durch den böhmischen 
Provinzialbaadirektor von Geratner anzuordnen. Dieser erklarte 
sich gegen den Entwurf Schetnerla nnd hielt den Standort der 
Brtloke bei Nnßdorf oder in der Brigittenan fUr den geeignetsten; 
nar für den Fall, als der Brückenbaa an keinem der genannten 
Standorte znstande kommen könnte, erübrige nichts anderes als den 
Vorschlag des Hofbaarates anzunehmen.') 

Die abfällige Benrteilung des Vorschlages dareh Qerstner, 
noch mehr aber die Enthebang des Grafen Wallis von der Leitnng 
der Hofkammer im April 1813 waren bestimmend für das Schicksal 
des Projektes. Nominell leitete nunmehr Graf Ugarte die Eofkammer. 
tatsächlich aber Graf Herberstein, der Gegner Schemerls, durch 
dessen Einwände der Kaiser wieder unentschiosaen wurde, so daß 
die Angelegenheit weiter in Schwebe blieb. 

Als proTisoriscbe Maßregel wurde, um die Donanbracke an 
ihrem bisherigen Standpunkte erhalten zu kSnnen, 1812 ober dem 
linken Landjoche neuerlich ein Faschinenspom gebaut^; ein solcher 
Sporn zum Schutze der linksseitigen Brtlokenjoche bestand schon 
seit alter Zeit, nachweisbar seit der Mitte des XVIII. Jahrhunderts 
(vgl. den S. 12 eingefügten Plan Spallarts). 

Kapitel 12. 
Das Projekt Osterlams. 
Schemerl war jedoch nicht der Mann, sich durch die Hinder- 
nisse abschrecken zu lassen, welche sich ihm entgegentürmten. Un- 
beugsam behielt er seinen Plan im Auge und konnte er auch nicht die 
Bewilligung zur AusfUhrang desselben erwirken, so tat er alles, um 
die Realisierung seiner Idee vorzubereiten, indem er die Vorschläge 
zu den von Fall zu Fall sieb ergebenden Wasserbauten bereits im 
Rahmen seines Regulierungaprogrammes ausarbeitete. Umso wirk- 
samer konnte er seinen Einfluß geltend machen, als er in den 
Jahren 1814 und 1816 interimistisch auch die Leitung des Wasaer- 
bauamtes über hatte. 



') BauTegiatratnr. Fuz. 35, Z. 5333 auB 1827. 

-) Der Sporn war 49 Klafter (931 m) lavg, u der Kione 3 Klaftai (&'? «■). 
an der Basis 15 KUtter 3 Fuß (29-4Ö m) breit, 2 Klafter 3 Fdfe (4 75 m) hoch 
und hatte 1133 Klafter 3FdB9Zo1I (7728-29 m^ KSrpermaO; er kostete 79.301 fl. 
33 kr. in Bankozettelp oder 15.840 fl. l&Vi kr. W. W. (K. k. Archiv Ol mrüvr- 
Oiterreich. Fasi. Qu. 3, Z. 184 aus 1812.) 



51 

Als 1814 ober cnd bei Komenbarg zum Schatze gegen die 
Einbrüche der Donan Vorkehrungen nötig worden, achlag Schemerl 
drei Faschioenwerke vor, deren eines den Korneabarger Seitenarm 




Skills dar Da n»ii einbrach* bei Korneuboru im Jihre 1814. 
(Nirder9sti.TreiebiecbetLBndr9uelilv.) 

schließen sollte, während die beiden anderen, welche ungefithr 
ÖOO Klafter (950 m) lang werden sollten, den Zweck hatten, den 
Strom vom linken Ufer hinweg gegen die Mitte seines stark ver- 
sandeten alten Bettes naher an die Gebirgsscite zu treiben,') Die 

■) Schon 1B06 hAtta Schemerl auf die Notwendigkeit hioffe niesen, den 

Btnmrtrioli vom nOrdlicheu Ufer zu entfernen. 

4# 



52 

Kosten wurden anf 92.000 £. veranschlagt, woza zwei Drittel das 
Ärar, ein Sechstel das Land und ein SecKstel die Anrainer beitrugen. 
Mit den beiden Treibspornen wurde begonnen; doch noch ehe diese- 
Werke vollendet waren, war der Gesamtkosten-Voranschlag bereits 
überschritten. 

Mittlerweile war im Spatherbste 1815 Osterlam zum definitiven 
Direktor des Wasserbauamtes ernannt und aufgefordert worden, 
sich über die noch schwebende Frage der stabilen Donanbrttcke 
und der damit zusammenhängenden Haaptreguliemng des Donao- 
Stromes gutachtlich zn flußern, fUr welche Aufgabe er sich eine 
längere Frist ansbedang. Noch vor der Abgabe seines Gutachtens 
trat indes bereits seine gegnerische Stellung za Schemerls Projekt 
offenkundig zntage, indem er den Bau der Kornenburger Treibsponie 
mit dem Hinweise auf die Überschreitung des Kostenvoransohlages 
einstellen ließ; der für ihn mailgebende Grund aber war, daß er 
den Absichten Schemerls entgegen den Strom sowohl bei Komeu- 
bürg wie bei Wien in seinem bisherigen Laufe belassen wollte. Die 
Folge der Baueinstellung war die Zeistörung der noch nicht hin- 
reichend widerstandsfähigen Wasserbauten durch ein Hochwasser 
im Frühjahr 1816, so daß durch die Uneinigkeit der techniBchcn 
Organe mehr als lOO.OOOil. nutzlos geopfert worden waren. Die 
hierüber sich entspinnende Kontroverse, in welcher die Hofkammer 
für Osterlam Partei ergriff, nahm bei der offensiven Natur Schemerls 
bald einen persönlichen Charakter an und die zum Zwecke einer 
Einigung unternommenen kommissioneilen Beratungen blieben bei 
der Hartnäckigkeit beider Teile erfolglos, so daß die Entscheidung 
über die Hauptfrage, die Führung des Stromstriches in der Strecke 
Korneuburg-Wien , bis auf den Zeitpunkt der in Aussicht ge- 
nommenen Gesamtregulierung der Donau bei Wien verschoben 
wurde, während zum Schutze Komeuburgs gegen die Einbrüche 
des Stromes nur provisorische Vorkehrungen getroffen worden, 
welche allerdings die stattliche Summe von 79.000 fl. kosteten.') 

So wurden die Absichten Schemerls durch die Opposition 
Osterlams durchkreuzt, dessen mehr konservative Grundsätze in 
der Regulierunggfrage vermöge ihrer minderen Kostspieligkeit der 
Hofkammer besser zusagteu. 

BauKgiitrktnr. Fuz. Ö3, Z. US «us 1817, Z. 34 au 1816; Fuc M, Z. 69, 
75 und 443 aai 1816. 



53 



Osterlam Kielt eit fUr «tu« urivrlumiche Vor»t^lt ku «ioem 
ÖenePuIresulierniigBpUuedcr Donau bei Wien, daß oine genaue hydn»- 
toehouchi' Aufnahme der Dunau von Pussitu bisTheben rorgeDommen 
werde, da bisher nur onroltmandi^ and un^nu^'nde Änftiabmfln 
eintelner Strecken vorlagen, von denen div im .l&bre 1812 von 
Hftkftssy volltndcte grolio Stromkarle der Donao in Niederösterreicli 
in neun Sektionen noch die umfaKüetidste und gSDaaeste war.') 
Die neue Aarnabme der Donau wurde in den Jahren 1817 bis 1819 
im MaSstabc vuq 1 : 14.400 durchgeführt und suf Qrnnd derselben 
legte 0»terlam ein Operat aber die Kegalierunf^ dea Strome« bei 
Wien vor. Ost«r1am wnllte den HauptMrom in seinem damaligen 
Bette beUsiieu and eine tstabile Brücke, welche auf steinerneo. 
lotUels waiuenlichtcr. Ho^cnannter ceMipliscber Kasten in 6ns WasAer 
vcTBenktou I'feilern rabeo sollte, von der Bn|(itleuau zwiäcbeu der 
Schere and der KinraUndunp des EaiHerwa)i»i'r8 zur Schwarzlackvii- Au 
hinüber erbauen, ein Projekt, welche« mit Uaiserlieher Rntschließong 
vom 3. J Anner 1619 genehmigt imrde. Hie eigentliche RtumodalitiU 
der Brücke eelbet, die An der Vereenkun^ der Kitstcn und ihre 
Voreichcrung gegen den Strom wurde xum GcgcnaUirde einer öffent- 
liche» Prei.-uufgabe gemacht und ftlr die gelungenttte Lüaaiig der 
Preis von llJOUtl. in Metall festgesetzt. Bis in dem fe^tgesctzteo 
Termine, dem 29. Juni 1824, langten 76 Preisbewerhungeu ein, 
weiche einer Komroission unter dem Vorsiti» des niederßslerreichi- 
•eben Reßiorung«|}r.lMidonten zur Be(;utachtuDg vorgcte^t Murdon. 
Eb worden swar sechs Arbeiten als frelungen, gleichwohl aber zur 
Ansfbhrang nicht geeignet, inebeaondere der wesentlichsten An- 
forderung einer sohden Grllndung der Brückenpfeiler nicht ent- 
sprechend bezeichnet, weshalb mit kaigerlicber Entschließung vom 
28- Februar 1837 keinem der eingesendeten Katwürfe der Pn-is 
xuerknnni wurde, 

üelogentlich der Begntachtoiig der Preisarbeitea wurden mehr- 
faeh Bedenken namentlich vom tniliUlri«cheD Oesichtapnnkte «us 
gegen den im Jahre 1819 featgeeetztoD Standort der Rrllcko urhohen. 
welche nunmehr den Anlaß gahen, die Verbandluitgen ober die Wahl 
des Standortv« xo reaiuumicrt« und mit Rücksicht auf die Erfolg- 
lonigkeit der Frcüttkonkurrenz folgiMide drei Punkte den berufonon 
Behörden zar Erörterung nnd Beantwortung vnrzalc^n: 

•t K k, Archiv mr NI«d«rM(emlch Faia 3. Z.6848 au 1812. Ein Eu»- 
plar dar atrumkatt« liegt lioi diM«r Z»h\. 



64 

>1. Ob es nicht vor allem erforderlieh sei, den Laaf der Donao 
in der Nähe von Wien zu regulieren nnd in Trelcher Art dies zo 
bewirken wfire? 

2. Welcher Standpunkt der zo erbanenden Brücke mit gehö- 
riger Beobachtung aller dabei eintretenden, also anch militfirischen 
Rücksichten anzuweisen wäre? 

3. Ob der Bau einer steinernen Brtlcke nach der Beschaffenheit 
des Flußbettes mit Sicherheit ausführbar sei und durch Qberwiegende 
Vorteile einer ungestörten Kommunikation oder einer Ersparang 
gegen die gegenwärtigen Auslagen, welche die Brücken ober die 
Donau bei Wien verursachen, den Kostenaufwand gehörig lohnen 
oder welche andere Verfügungen zur Erreichmig des beabBiehtigte& 
Zweckes zu treffen waren?«') 

Der etwas langatmigen Resolution kurzer Sinn war der, daß 
die Entscheidung in der schon fast zwei Jahrzehnte ununterbrochen 
behandelten Frage abermals auf die lange Bank geschoben wurde. 
Man hätte denken können, daß bei den endlosen Beratungen und 
Verhandlungen die Frage genugsam erörtert und für eine Ent^ 
Scheidung reif geworden sei. Es war eben bei den entscheidenden 
Persönlichkeiten doch nicht das volle Verständnis für das Wesen 
und die Bedeutung der Frage vorhanden und nicht minder mangelte 
der Mut des Entschlusses, einen vollen Einsatz zu wagen. Und so 
wurde der Gegenstand mit der damals üblichen Umständlichkeit und 
Gemächlichkeit weiter erörtert und der Erörterungen wäre wohl 
kaum jemals ein Ende geworden, wenn nicht verheerende Kata- 
strophen in gebieterischer Weise die Notwendigkeit von Taten 
hätten erkennen lassen. 



Kapitel 13. 
Das Projekt eines Marchfelddammes. 

Ebenso unfruchtbar und ergebnislos wie die Verhandltmgen 
Ober die Regulierung des Donaustromes bei Wien verliefen anch 
die im dritten Jahrzehnte des XIX. Jahrhunderts wieder aufgenom- 
menen Beratungen Über die Errichtung eines Schutzdammes für 
das Marchfeld. 



') BkuregistratuT. Fa«z. 35, Z. 5333 und 11.969 aai 1827. 



55 



Im Jalire 182t sahln^ das Wasderbaunint Tor, den in der Zeit 
Kaiser Joaefs IL projektier (en Klarcbfclddamm in der Weise aas* 
su/abrca. daß von Laii^-Ei>i«r»dorf Iji« Kloridsdorf die neuerlich zn 
erfaOfaende Poststratio beotttst und von da an bis Sobloßkof elo neuer 
Damm gebnot werden soüte. Von einer weiteren l^habnng der 
Reicb»8trsUe wurde auf das Guucblen des Hofbaurates bin Abstand 
geDommen, welcher die WiederberAeiluRg dt» Habcrtusdnintnes 
mh elnif^o Modifikationen neaerlich beantragte, da nur ein Damm 
in der ßichlung und Laf:e de» Hubc^rhisdiimmt^s «ow-ubl Schutz dorn 
Morchfelde biet« iiU auch die im Interesse der Suhitfahrt erforder- 
liche t^xierung des Stromlaufea erreichen lasse; dem Wiederaufbau 
des Daniines etand indes die noch imuier nicht gelungene Verlan- 
dang der Schwarzen Lacke eutgvgui. 

Der vom Waeserhauarote projektierte neue Damm von Florid»- 
dorf bift Schloßhof stieß auf allen Seiten auf Wideraprueh. Kioht 
nur die .'ftflnde und beteiligten Gemeinden, auch die Diederüste> 
roiehisciie Regierung und <ius Kruiaunit Korneuburg erhüben Kin- 
wendungen and dieaem Widerstände gegenüber ftlhlten sich die 
obersten BebUrde» nicht berufen, uls hüber« Vtir^ehnng xu walten. 

Die Üppoxition gründete eich hauptsächlich auf d&d MiUver- 
haltnin zwischen d<-ni bedentendeji Kostenaufwand« von SOO.OOOfl. 
and dem geringen Nutzen, welchen der Damm dem Marebfelde 
bei dem wirticbaiVlieben Tiefvtaiide deiuielben biete» kruine. Die 
niedrige Stufe aber, auf welcher sich die landwirtschaftliche Kultur 
des Marchfeldes befand, hatte seine Ursache vorzUglirh in den Ver- 
bfiltnissen des Grundbesitztnms, in den althergebrachten Schranken, 
in welchen dasselbe eii)gvengt war. Durch den Bv»tiftung»zwang, 
welcher Dominikal- and Uustikalbesit« an einen nntrennbaren Kom- 
plex von Gründen band, wurde alle freiere Entwicklung de» land- 
wirtschaftlichen Itetriebes. wieaucb jede 'H'i^liere beweglich keit der auf 
Grund und ßodcn rerwcndetea Kapitalii-n unterbunden. Da ferner an 
demRustikalbesilz außer den landvsfUretlichenAbgaben noch drückende 
an die Privutdoininien tu leistende Geld-. Natural-, und Arbeits- 
leistungen hafteten und ihre Besitzer por»ötdicb der Jurisdiktion 
dersolbeo untergeordnet waren, blieb der RustÜtalbesitx an Peraonen 
gebannt, welche suwubl hin&icbtitch ihres GeldvermOgena ab ihrer 
Intelligenz auf der niedrigsten Stufe der Gej'ellÄ'hafi »landen, tber- 
dies reichte die viel zu schwache llevölkf^ni ug nicht bin. um die 
ausgedehnten GrQnde zu bearbeiten und so betrug der Bodenertrag 



56 



M 



kaum nivbr, nl» dio Nntur freiwillig' hi-rvorbraclite. Die Äcker 
liefert«» zwiLT )fm(ie Mssflen Sirob, aber i^ltcn uielir altt dos drei- 
facbc Saiiieiikorii. Dn die wcili' F.b<mo von kcirnrni H(l^ und keinem 
Baum ^scblltEt wurde, wurde eie von fUrchteriicbcn Windeo aaa- 
geErocknet und Btn'c.krnwei.sr von Fhigüancl ObtTXogen. go daß es 
iufolge der Darre Wiesen taal ^ar nicht f^oh, datier ancb iiiobt 
Uta» nötigen Viekstand. ulto« wcIcIivd dar Ackerbau nicht |^ 
deihen kann. 

Die nac-hteili^n Folgen desBcstiftungszwansres machton sich iin^ 
Marchfeld© um «o mehr geltend als die RnatikalbeaitRungen. welche in ii 
den vielen KriegAwirren, von denen diese» Gebiet heitngesochl wardo, ^M 
herreiiloä gieworden wat^D, anstatt daü»ie in freie Überlinde umgestaltet ^^ 
worden wttrun, unter Aafrcchterbaltung ihr«« geKtifletun Komplexes 
an GrQnden den übrigen Rusdkatbeaitxunj^n Doch zageteill wurden, 
wodurch viele mötiaträse Wirtschaften erwuchsen, deren der Kroisbudpt- H^ 
mann fzech eine Reihe in iteinem Berichte aafzfthtt. Einsichtsvollen^^ 

I 

und tiefer blickenden Verwaltungftbeamten, wie Czech nnd dem 
Hofrate Freiherrn von Droßdik, btiehen die Qriindtir»Hchco dcrl 
kulturellen RUck ständigkeit dt-s Marchfeldi-e keincswe^ verborgen 
und sie wagten es sogar, sie ulFi^n zu nenueii, allein ercatliafl an 
den VerfasüuDgsverbsItnissen rQtteln «a wollen. dnrOen we «ich 
nicht beifallen las$«a. da m&n an inaC;;e1>ender Stelle den unver- 
nndcrlen Bustaiid derselben aus potitiwihen RUokKichten fUr geboten 
hielt. Freiherr von Droftdik, welcher dna Referat Über diesen 
Gegenstand bei der Bofkanzlei ftlhrlc. stellte sieh auf den Stand- 1 
pankt, daß partielle Meliorationsmafircgelrt. wie die Erriehtnng 
TOD Schulzdnmmcu gegeu überstcbH'enimDngfD, die Anlugu eini» 
fiewILsserang^kanoleii, die Ucrstellung einer dus Marcbfcld durch- 
mehenden Ilaoptstrafle, die Vermehrung von Ratimptlanzungen naw. 
nicht imstande waren, einen nachhaltigen, winscliarilichcn Aaf- 
Hcbwung des Marchfeldea hervorzubringen, aelange das Cbel nicht 
aa der Wurzel gepackt werden dürfe. Dieacr Anschauung eobloP 
eioh die Flofkanr-lei an, eine Stellungnahme, welche di>r hi*torit*hen , 
Bedeutaamkeit nicht entbehrt, da nie scigt. dall die Erkenntnis vonj 
der Reformbedllrftigkcit der herrschenden Verfassongoznatttiide aocbl 
in die obersten Rcgicrungskrct«: gedrungen war. So wurde deuaj 
der Bau einea &Iarchfeldachut«daaimca fallen golaasen.^) 



'] naiiii'f1«u-stur. Vut. A4. Z 36^8 ooi IB^G nnd BSU aiu 1827. 



&7 



Kapitel 14. 



iie. RcgulieroDfEiarbeitfln am Donankanale. 

Wälipend die Entscheidung Ober die GesamtreguÜerung d« 
StroiDPS von eint'cn Jahnchnte zum andern versithobf n wu^dt^ Hchien 
■ ea mit dem daiaals nocli für Wien Tricbtigsten Anne dpsselben zu 
Eado zu gt'hva. 

Die schon im Jabrc !788 von, der General- (Inf baudireklion 
ftOBgBuproBhene Befürfthtang, der Stromrtrich werde rieh infnlp- 
der Werke am linken Ufer zu weit ge«en die Gebirgsseito uehen 
and eint! fOr die KuDideiDmOndnug uo^llnstige Richtung ni^hmcn, 
wenn nicht die FucUsenaa gegen Abbruch verBichert werde '), 
war eingetroffen. Die zwischen Kln<tterneuhurg und Koßdorf be- 
stehenden Inseln, der grotle und der kleine Fuche, sowie der Htlhncr- 
baulen wurden fa^t gänzlich, die Kuehelau zum Tetiv abgetrieben 
tud schließlich warf Mch der Strom mit seiner gnnsen Schwere 
an das rechte Ufer; infolge einer rib«r Nulldorf l)ef!ndliclien fdsigen 
UerTorragung aber nahm der Stromrtrich nunmehr nntcr einem 
weit betrllohtlieherRn Winkel u» der Abzweigungttstetlp deü Kanäle» 
vorbei die Kicbtnng zar Donaabracke. Diese Veränderung in der 
Strom richtung und die biedurch bewirkte VergrJBcning des Kin- 
munduDgEwinkeU »nm Stromstrichc vcrursachii; eine immer mehr 
zunehmende Versandung de» Kanales. indem dieser vom Strome nur 
das ftogenanntc lote Wasser erhielt, da eich die KinmOndang im 
konvexen Ufer, außerhalb des Stromstrichca befand. 

Scbuu 1601 hatte dalicr General von Bourgeois dio VerlaugC' 
mng der Schere angeregt^), ein Torsehlag. welchen Scliemerl 1814 
anföahm. Ks hatte lich nüralich eine Sandbnnk rnr der Einmdn'lung 
bei Noßdorf vorgelagen, welebe der Einfahrt der Scbiffti buchst 
hinderlich war. Sehrmvrl schlag daher als Fftlliatirmadrcgel die 
Versicherung der Kochelau durch ein Faschinen werk vor, um 
hieduroh einer weiteren Verschiebung des Strymstriehes ta hegrgnco. 
Um aber da« übel nach seiner Anschauung an der Wurzel «n 
packen, wullie er die KinmUndung des Kanäle« verbexsern, wobei 
der lecbniache Grundsalz beulracbtet werden sollte, dal) die Teilung 
Ml genau als m&gUch in der Richtung des Hanplllusse« an solcher 
Stelle angelegt werde, wo die Geschwindigkeit des Kanalea von jenem 
deaSlromatriches nicht au sehr veriwjljjedcn s^i. In Bcffilgunff diese« 
') VkI. S. 28, 

') K. k. Arvliiv fllr Kiod«ia«acreteh. Fua. (Ju- 3, Z, 12Ö0 aiu ISOl, 



GrunilfintziT» brabHichtifjlcScIirmcrldfin Kanal dnrch ein mitt^axcliioeii 
herf;e9telllea TeiluDKSwerk um 1500 Klafter (2-Qbkm] wrlnngcro, 
bis ein »olchür Punkt fUr div Wnsscrtciluag gewonnen werde, wo d^r 
EinHaß io den Kanal darcli eine mit dem Haupbitromstncbe parAllcle 
Richtung vollkommen geHichert »ei. GlcicIiMilig mit diesem Vor- 
flcblage leg;lc er ein uniCaaseodet) uad ausfubrlicbc« Prugrumin vor, 
wio der DonaukHaal in einen bmuchbarco Scbiffabrlskanal omzu* 
wandeln sei. ein Prograram. dessen DurchfUbrun gekosten er Huf 
gwoi Millionen Papiergeld berechnete. 

Schemerl hielt zu einer vollkonuneiieu Regulierung dea Kanäle» 
folgende Mallregeln für notwendig: Di« Rogulicrung dea llaoplstromi 
sohoD oberhalb d«-r neuen EinnKliidun^'. ili<* Eiiiengang do» Bettm' 
und die Fixierung der Ufer de» Kunalos in Meiner gaozon Lttuge, 
die Herstellung von BogenbrUcken statt der hölzeroQn Jochbrücken. 
die Verbesserimg der AuMntlndung des Aberhachef) und der Wien, 
(welche BchoD 1800 von General Ötruppi angeregt wordi-n war) 
die Herstellung eine» UufenB fUr die leeren Öcluffc und cudÜcrh die 
Vcibe»ierung der Kanalau&mti&dung mittel» Dnrchsohoeidung der 
KrDminungeD und luittcls If erstell un^ eine« Tcilungswerkee, am 
biedurch eine griiüere Geacbwindigkcit und eint-n mit der lUohtuog 
des Uauptatromed OfaereiosUminendeD Abtluß dea Kaiialwasseia zu 
gewinnen. 

Do» von Sohemerl auspearbeiteto Verbe*«erunpe»ystcin de» 
Donnakanaleü wurde einer Kommission, bestehend aus den Baa- 
direktoren von Prag, ßrUan und Graz (Gerstner, Gernrotb und 
Liwcnegg) Kur Begulachliing vorgelegt, welche e.s itwar fUr tech- 
nisch einwandfrei crklUrtv. jedoch nU ein zwar nicht so grtlnd- 
liebcs, dafür aber rascher wirkendes und billigeres Millel vor- 
schlug, den Kanal im Winter zu sperren, trocken zu legen und 
durch SIenschonbitnde auürltumea tu lai»«D, t<''^>(-'lii^'i>ig b«i der 
EiuaiUiidung eine JocbbrUeku mit einem FluÜri.-«hen xu errichten 
und die Unregehntiüigkeil dea Kanallanfea zu bebeben. Die Kc 
dieAor Arbeiten wurden mit 200.000 fl. berechnet.') 

Einen dritten Entwurf zur Kegulierung des Kanatea le^e Itilö 
WaaBerbaudirektor Osterloot vor, welcher nir YcrbcMerung der Eio- 
mDndung h\aji um linken Ufer der Donau ein dem Bracbafer der 
Scbwar/en Lacko vorliegendes Eaachinenwerk vor«ct!lig, hinaiebtlifth 
der Begnlierung des Kanallaufea aber sieb dem Antrage des iluf- 

*) Bauragittrstur. Pimi. nö, ai Z. 3t nu IKtl. 



59 



bauratea nflbert«; die Ko6t«n berechnete «r nnf ungefklir 1.400.000H. 
Der erstu Vorschlag Üsterlams. tlaji Fasohinuiiwerk bei der Scliwar- 
lea Lacke, wurde 1816 ausgeführt, der «weite Antrag dagcgKii 
wurdo am 30. September 1818 tori Kaiser greDehinJ^ and der 
L&af des KanalvH ullmlÜilicTli, mit grOHeriMn Eifur seit dem Jithrtt 1826 
eiaer Rystematiseben Kegulieruug untORo^icn, welcliu duriD bestand. 
daß I. di« beiden Ufer den Kanal») Dach ctiifacben Linirn gercgrJt 
and die »cliarfea KnimmuDf^n uod Ejabuchtun^n beeeitigt wardeiu 
3. dafi dum Kanäle eine glctcihf<)rtntgc Hrvite von 26 KIsfloT 
(52'&7wi) im Xiveaa des Nulln'ai»«n(tandea mit mOglicbeter Aus- 
reichung der Ufcrbahen auf 12 Schah (3-8m) ober Noll gegeben, 
und 3. dal) die Ufer nüit einer regelmflUifreii BUacbuiig von 1 : 3 
und einer PflaatfTuiig vvrsubuii wurden, welch tctztero Etri:rkcn> 
vreiae auf einer ITablwand, strecken weiüe auf einem Steinwurfe 
faQto. ') Durch dic«e L'fcnebutK' nnd Regulivrun^banten erhielt der 
ursprOniclioh imtDrliche und )i(.>br uoregelmfißigc. ati verschiedenen 

. Stellen 30—6(1 Klafter (öT-^lUm) breite FluiWni daa Aoacheo 

bciiiM durch die Kanst hergestellten regelmäßigeD Kanäle«. 

Am nrgatcn war die Verwilderung des Laufes an der Ans- 
mOndung des Kanatea. wo die Versandung infolge der vielen Krtlm- 
mungen und der fehlerhaften, unter einein zu großen Winke] er- 

ffolgenden HUuduug immer mehr zunahm, wodurch der Schiffahrts- 
vorkvhr euipäudLii:hc Svjruogen erlitt. Seit dem Jahre 1831 wurde 
über eine Korrektion de» Laufefi uiitlcla eines Durchschnitt«« and 
nutteU eines SejmrationswerkeA verhandelt: doch wurde die Vnrnahtne 
ieses WasBerbaues tail Rücksicht ittif seine Kostspieligkeit — der 
Hofb&urat schlug ihn 182d uuf 362.000 tl. un — immer wieder 
verzögert. Als provisorisohfl UaAreg«) wurde 1825 das Simmeringer 
Ufer gcgeu weitere Einrittse verwahrt (Kosten IG.OOOfl.), ebie mdi- 

E^kale Votkurzung des üuterlanfes aber erst nach dem Hochwasser 
Jahre« 1830 vorgenommen.') 
In enger Verbindung mit der Regulierung des Donaokanales 

Ratend die Frfigi- dor Umgestaltung der alten Jochbrücken, 
«eiche die Schiffahrt behinderten und bei EisgAngon Sühoppnogen 
verursachten. Als die seit 177& bestandene Brequinsche Schkgbraoke 

*) Saitrci^iftnloT. P'an. U. Z. M4S au* ISSS. 

*) Bnmcgluraiiit. Kau. at, Z. 2n.76ä >a> 1S3Ö: Fmx. &5, Z. 1094 sui 1^ 
oad Z. 9B5 an« 1828. — ArchiT in k. k. nnwiiminiitciiaiin. Z. 6601,'t'. M. U 
tau ISih. 



60 



cfaadbat't wurde, wnrdr 181U p'm Kcubau mit einem Mittelpfeiler 
Ms bfliaucncii Quadcwteiucn nngcorduct. wobei Rum «rstcn Mal« die 
in EngiAnd und Frankroich angewendete Fundierting mit einem Sonk- 
ka3t«n versucht wnrde; der Senkkarten ist 14 Klafter (36*6«) Inng. 
3 Klafter (5-7 «nt breit. ISScliuh (41 n»)tipf nnd ruht auf 413 Pilolea; 
KU Ehren iva Kn)npriujwa ^vurd« die neu» HrUckti FcrdinanElMbrllcIto* 
genannt. ') Die erste Kettenbrücke in Wien, jedoch nur Air Fo^^nger^ 
wurdi; lä24/26 an HUtWe der 18L9 xei-at» rL*m RaiiumofakyhrUcke 
unweit des Standorte» dcmdhen von einer Akticogc«cllsefaaft erbunt, 
welche die Bewilligun;; erhielt durch 40 Jahre tbi» zum 4. Oktober 
1U6ÜJ eine Maut von 1 Kreuzer pro Person eiDKubcben; nach der 
ErKheMopii Ä(ij)hii> erhielt sie dt-n Nanien Sopliie&hracice. UoCerj 
den glm'hcn Iledingungen erbnatu die Oeaollaebuft 1827/28 eiMn' 
Kettensteg an Stelle der Überfuhr Wim Sehanicel, welcher nsch Ers- 
Jierzog Fraiiü Karl Kartskctlensteg hieU.^i 

Trotzdem uuf di&sö Weise durch die luitiativc und mit dem 
KapitiLlu von PrivatgeMllschaften einem neuen BrOckcnbausysiom 
ßahn gebroehen wordei, zSgerte der Staat, diettein Beispiele m folgten. 
AI« 1828 die Augartonbracke. welche »eit 1H22 nur als Notbrücke 
bestand, umgebaut wurden muüte, befahl Kaiser Fraiuu, ciac dimor- 
liaAe Brücke tu errichten, jedoch unter den aueftlhrbaron Kon- 
Htruktionnnrten die »woIilfeilHte« r.u wllbleii. Sämtliche InKtauzen 
der tAchniAchen und politischen Ilehürden tragzen auf den Ban einer 
Kettenbrücke als die zwcckrailQigste an; der Kaiser aber ordnete 
den ßnii einer hölxemon Jochbrtlcke an, nach deren Abnutzung 
erst ein« KeltenbrDcke erbaut werden :tollte, mit der Motivierung, 
daß 'bis dahin die Ufer di» Donnuk anales ganz hergestellt, der 
Kanal celbst reguliert and die Erfahrungen aber die Kettenbrtickeii 
•weit mehr erweitert »eyn durften«.') 

■| Im weiMniliebeB bMteht i'w I-'«H[atU>iUt>rncl(« oach btatt In der aat 
dltMT Zeit ruhr«iul«a OMtalL i^a Ut gc^nowatriig die einii^ Brocke ilb«r des 
Doniinkiiiftl. welcli« nftcb eioea Mfttelpfeilv hU UBd imi H«ll karnnrnirrt iit. 
äi« »uil Jcilocti dMintclul xuai Vsobau« galugeo. 

^ Baur^ilralut. t'uo.äö. Z. S967. 11.44d, S7.196 siw 1S37, vtii Z.3S10. 
0016. U.WA Bui It^. — Ein« ausRlhillche KwclitalbaDg der damallsvu Svplil« 
hvfiek« lisf^rc Mili«. Dia Sophionbrllck« W!«b I8S6. Mit« Ka|>r-nar«Iii. Pi« 
DcOekt nsr nur fit t'uPfKagtr und ftcilcr Mngerichtc4 Ple »atd« tS71 durcb 
aibo muiiva l-'*lirkMt«nbrUck» M«aUt. An KuUa Im lUflihMUuitag«* irkt di« , 
18&4. 9it ecbJtuU Sta|ikani«brOck« 

*) BiancMtnttnr Tml 31t. Z 7E03 und ia77fl au« 183«. -- Db AuBUiei 
krteka irad* «r«l 187!) in ihnt geitonwKrtifr«» Oc*bilt «rtklitci. 



61 



Aach die seit 16'26 scIiwebcDden Verband lanpcn Über den 
UidIau der Fcrdjoaiids- ua<l Fr&axvnsbrllcke zu Kctteobrückco 
sogen sieb in die LSng«. wobei man ins1>osond«re darOber nicht 
einig werden konnte, ob der vorbanden« Mittelpfeilcr beibehalten 
werden solle oder niohl. 1834 entschied sich Raiiter Franz fUr du 
PriuJiip der HÄnir<'hrU«kcn und für die BcsntiguDg des Mittel jifrilor» 
docb wurden 1^37 dto Vorarbeiten fUr die Umgestaltung aus 6nan- 
ziellen (jrflnden wieder cingcstdlt. Ent nJ» die Franxentihrticke in> 
folge ihrer ßnufalligkcit in die Uefahr de« KineturzM geriet, tnirde 
ihr Umbau 1842 neuerlich angeordnet, doch erst nach mehrjährigen 
VttrliondlungeD Iti44 mit dem Baue begonnen and am lö. Februar 
1848 die nouH, ohne Mittelpfeiler t-rrichlcl« EettcnhrUckv dem Ver- 
krbro llbnrgcbon.') 

Kapitel 15- 
Der Bau der Einongungewcrke bei Nußdorf. 

WUhrond die R^'^uüeruDg de^ IJonankanalea im dritten und 
vierten Jnhrx^hntn des XIX. Jahrhundert« zwar langsam, aber doch 
allmflblieb ven statten gin;;, schwebte ein Unstern Über den Arbeiten, 
welche in dvn ZwAnr-i^L-rjubren kui der Kinmündnng de» Kanales 
vorgenommen wurden, Obwohl Scheinerl und Ostcriam mit Kach- 
drnak hervurgehoban bitten, daU die Schiifbarmacihung des Kunales 
in erster Linie eine Regulierung des Uaupt^troines bedinge, beging 
man in schlecht angcbraebtvr Sparsamkeit dtin T(;rhangDi«vi)lloD 
Fehler, ohne «ine Htromregullernng den Donaukanal lebensfähig 
gestalten xu wollen, nnd an kam jener Kngpaß bei XuCdorf zuBtundc 
saf denken Konto ein nicht f>eringer Teil der Schuld nn den ver- 
heerenden ÜberAcbweromungen der Jabrc 1830 und 1862 zv setzen ist. 

AU im Jahre 1818 der Antrag Osterlams. betreffend die Re- 
gulierung de» Donaukanalea genehmigt wurde, worden ftleichzcitig 
weitere Erhebungen angeordnet, ob nicht doch nuüer den von 
Osterlam beanlragteji Matiregeln die Vt^rlangerung d«s Donau- 
kanole« stromaufwärts nUlig «d. Wllhrond der Uofbuuratdicobt'zllg- 

<) BuiregUtr*lar. Fui. 36, Z «817 ku 1SS4, Z. 18.172 aua 18S7, Z. U44 
iui lUS. — Rio KU dtr FrasMiiAbrndc« riu itm Jahn I80H. «od S. Purgar g9- 
Mtclinet and von J. nluchc in Kupfer goMoeli««, lowie der niucn Ketunbrllcke ai« 
dun .Ittlitfl 1848. «ub Cirrmtk gunohoat uDil von 6ln1waiifi CMloohan. Iwlinilen 

i aäeb in MK'llincbfii Uuiptim. — In ibier gegoDwäTligaaGMlaJt wnrdsdi« t'caniem- 

[Mdw In iva Jtfaira lS9tli99 bergeKellt. 



62 



Itob 1>ei aeiner ÄDScbaaung verblieb — nor meinte er, daß woblj 
sobon ein« VrrlAngeruDg vnn 600 KUlU>m (1140)») ^enUg« — \ 
hiolt diia Wdäscrb&uAmt. an d<>6S6ri Spitze nach dem To<te Uiterianfl 
KndriaiTNky') trat, am linken Strntnnfi^r außer dem 1816 gebaatea 
Fa.scb inen werke bei der Schwa2T.«n Lacke aucb iiocb einen Troib- 
»poru ('KotftenvoraBschlftg 159.0D0 ä.) gegcuUbur Naßdorf und eine- 
Uferversieberung an der KucbeUu niid an dorn oberen Kachshaaiea 
mit SteiuwUrfen l'Ur erforderlich, welche Riuten za WeihoachtfiD 
1d20 genehmigt wurden. Der Treibsporn. welcbcr von dem Ufer 
der Scb^varzlackenaa ge^eu den Teilougspunkl der ^kerc zn, 
in scbrSgcr Bicbiuitg zum Iliiuptfttroin erbaut wurde, wnr auf 
eine Läng^ von 240 Klaftern iAbBm) beantragt, wurde jedocb nur 
210 Klafter (399«) lang aasgefUbrt. da er naeb dem Bericlit« des 
Wasserbaaaiatc« bei dieser L&ngc bereits eine gtUutige Wirkung 
au&crte; im Juli 1821 war der !5poni and die Ufei'Torsicberting 
an der Kucbelau vollendet.') 

Indes erwiM sich die gulv Meinung, wcicbu KudrialTsky von 
der Wirkung des Spornes hatte, als cüie Tänscbung. Zwar wurde 
durch ihn ein großer Teil der Sandbank, welche die Einmllndong 
UberäUgehe, abgetrieben, docli bildete sieb nun mehr uiimiitelUnr 
vor der Einmündung ein« nouo Snadbank, welche im Herbste 
1823 bäreita 3ö Klafter (66-5m) breit war und aber den >>ullpunkt^ 
beträchtlich her\'orragte; im Herbste 1823 war die Einfahrt selbs 
der kleiDsteu Fahrzeuge bereit» vollkonimea anmoglich. Daal 
■WaBserbauamt hielt aufeuglicb die Schötterbank für eine nacbküigu 
Wirkung de» NulSbnches und glaubte durch Errichtung eine« Sehotter- 
behillters an der NuUbaebmllndung Abhilf« nebaffen su kSnoea;! 
doch wies «ne bei KoÜdorf im Haaptätrom und im Kanäle VOT- 
geoommeoe Sondierung »ach, daß die Sandbank eine Folge dor^ 
ungQn«ligon StromatricbvcrhilltniEse eci.^} 

Kudriaffidcy erklärte nuiimebr die Trichterform der Eiointlndung 
als die Uauptursacbe der Versandung und »chlug zur Abänderung 
derselben vor, da« reokte, ohnehiu kanvex.e Ufer durch cineu Vor- 
bau oder Erddamm weiter Torxuruckcn, imi es in eine mit der 
Schere parallele Richtung ku bringen. Obwohl der Uofbaurat diesen 
Einecgungsdamm fUr zwecklos erkUrtc, da nicht die Trtchterfonn 

■) J«kaiiii Ton KndriaffiliT, gtb. tu Wim 87. Aogiut 178iC, k«*!. »benda 1840. 
*) D9t Plu d«r Soain lifKt Im Z. BÜ uu 1S24. BaungiMtator. faau 66. 



68 



die Vemndung bervorrafe, und seinen Voncblag «nf Verlitngernng 
des Teilan^Kwerkos als aioäg radikalea Äbbilfsmittel wiederholte, 
nailuii die Uofkamnier dea Antrag des Wasft'rbuitKiuU'fl un und livU 
ihn 1B2Ö durcbl'ülirOD (Kosten 26.633». C. M.). Dieser Bau maclitc 
die Vorlegang Aes Anliindplatxeit ron Xnßdorf notwendig, welclier 
anfange in der KDcbelaD. spitler beim Kablenbei:gerdörfel angewiesen 
wurde, was zu rielen Beacfawcrdun der Hchiffmdstcr AnluQ gab. 

KadriafiKky hatte zwar, otnerscite um dem Nullbache s«inen Ab- 
äoß xn aicbern. ftitdcneitt um an dieser Stelle eine Art Hafen und 
Umtauchplatz t'flr die SebÜTo zu gewinnen, den Dumm nicht roll- 
stäDdig an da.« bestehende Ufer angeschloMen, Bondeni nur bis ztun 
Punkte c de» S. 64 reprodnaiertea PUnea gefuhrt. Infolge der 
Seiclitheit des Kanales war jedocb die •Nußdorfor Lacke* al* 
H&fen unbrauchhar Dnd entwickelte Oberdius derartige aaoit&re 
Übelstdnde. daß sie IBSl grUSteoteiU verflchtlttet werden tnnl^le. 

Durch den 1821 erbauten Faschineiupom am linken Strom- 
ofer und durch daa neue Dammufer bei Nußdorf wurde der 
Strom auf 80 Klafter (152 m) Breite eingeschränkt, wodurch der 
Strom aufpefltant nnd infolgedessen die Schiffahrt sehr crMshweri 
and geßthrdot wurde. Doch auch der beabsichtigte iiCweck wurde 
durch die Etncngnngswerke nicht erreicht, indem zwar das Bett 
des Ilaaptstromes sich bedeutend vertiefte, im Kanäle aber sich 
([der II her die Kinmllndun^' eine neue Saiulhank bildete. Die 
durch die Hauten Kudriaffskys verursachten ecbweren ObelrtJlnde 
gaben zu neuen Verhandlungen Anlaß, welch« infolge der ünetoig- 
keit der Techniker und eine» mit dieser xusammenhitngrnden Kon- 
diktVtf der Hufkaaxlci mit der Uofkammvr aa&;rHt langwierig sieb 
geetaheten. Während der Wasserbaudirektor aar VcrrollstJlndigung 
»eines BaQ<iy<ttems noch die Schere verlflngem wollte^ i^rklürte Schenerl 
dw Nußdorfer Klneugungswerke nicht nur fdr zwecklos, .<iondem ftlr 
höelut gl^fflh^lich, da «io infolge der Stauung des Stn>mee bei Uoch- 
wasaer eine Überschwemmungskatastrophe herbeiführen mußten: 
neaerlich Irng er auf die Vi<rlnngerun^- des Kanales durch ein 
TflilunfTswcrlt an, welebo« ant^nglich proviBorisch durch eine Piloten- 
wand hergestellt werden könne. 

Eine Slinderheit der Hofkanzlei ritte, deren Stimmf^hrer Hofrat 
Freiherr von Meuhurp war. »prach .-»ich sowohl gegen Schemerl 
als auch gegen KuiinaS'dky aus und trug noch den Ausführungen 
Metzburgs auf die Herütcllung des Status quo an, also Abtragung 



64 




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IIUMFrMnioi 4** k, t. UDliMlaaa ilM Inntm. Ftn. U.) 



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tKt Naßdorfer EineD^run!^ werke und Erwta der serstCrten Init<>lD 
otior Naßdorf darf.h Tniilxtpciron, eveiiturll »oduin Herstellung uincs 
oeuen Kanales mitlels eines Ourctuclinitt«s dureli die Uri^ttenao. 
Fttr die radikaUte ReHeitigong der fVage hielt ÜJetzhurg, dt-n Kanal 
seinem Schicksale su Uberlaaien und eiue Eiaenbahn von NuBdorf 
iwcb ftimmcriu;^ zu b«uci). 

I Dagegen unterstützte den Antrap: SchomerU die Mehrheit der 

Hofkanzlei rate aof da.4 wArmMe und der Referent Hofrat von Ijroß- 
dik beantragte, mit Rücksicht auf die Dringlichkeit der AiigeIegoa> 
heit da« nuuu TeilangAWcrk. oIiqd vorher diu kui.icrticfae Ocnühmigun; 
einzuholen, ia Angriff zu nehmen, nachdem die nofkammer 182ö 
heim Bau« de« Kutidorfer Dninme-s in gleicher Weise vorgegangen 
wftre. Offen erklärte Hofrat von ÜroUdik, dall die bisher beobachtete 
Scheu vor den Kosten entschtedener Maßnahmen und die Wahl 
billiger Palliativ mittel ein buchst unwirtarhaftlieheB Vorgehen e>ei, 
da nicht nur die auf die Halliuttvbuutun vurwundutun Hundert- 
tausende verloren ginge», sondern aach die durch die verschlimmerte 
Lage nStig gewordenen Rauten ungleich größere Kosten rerurüaehten: 
die ErsparungsrQcksiehteu mllüten durch die Gebote entschiedener 
und unbedingter Nutwciidigkuit ihre Schranken finden.'; I'^cr Zwistig- 
ktttt xnrischen der HufkaiiKlci und der Hofkammer, welch letztere 
nach den Vur»chUgeo KwilrialT^kj'a vorgebt;n wullto. »elKte das 
kaiscriidie Knbinetsscbreiben vom 10. April 1826 ein Ziel, in 

r welchem die Einstellung aller weiteren Verfügungen hinsichtlich 
<ler KanaleininQodang anbefohleD wurde.') 

I>en Antrag auf Verlftiigerung der Schere ■wiederholte Kndri- 
oAky in der Folgezeit mebrmaU in verschiedener ÄblLndernng. So 
wolhe er die Schere verAUchsweiM bloß mittels Piloten verllngem, 

>) Ua»r*ci>tralHr. Km». b&. 7.. WSli «oi 18^6. — DrolMik macblo kUek 
%\ä die IiikonMquciii im THhsi>dliiSK*forfa)uon bei der DonaurogulictUD^ alohat 
Wl«a aufHkfrtuUD. ia*beioail«r« niif <(bd «rillkililir^a Gebrauch, wtlflier i-on den 
AMB^Oob«ii dei toohoix'hen it«lii^idu>i gtwftrht norden «ei. Di« fait va lCfl|r<l 
pir«rd«nD Beiiisbuiig fremder TFcliiiücr au ilea ItatBliugoa wollu DtoMiIe 
gmD4Uauitcli batci(i|[t nUaea; auch bei dea wicliUr«l«ii liauaiiceletieabiiloD •»IIa 
Biaa tieh auf Aaa Urloil der tiomfenen B*ul>«1tllid«a LtaulirlLnkeB litifen die tau 
der Btfriertinx K'Obte BevonagUBg d«r toHitXrtKfaaii ^w:li>«i«i and igen bei dra 
koonniuiaQfll«!! [Wralimgin iiprAcli »r «ich •!• *in VorsTtail au«. w»]e]i«a aua 

^siaw iStil BtMmitio, b nelcker nur miliiXil>clte Ltbraattullen (Qr c!n« Aubildnag 
tmBaiiw«*<n bMtamlrn h.lttea; mÜ dar ErrichtttBf; der Palj-Iechaik mi dU< ah«r 

I ntsMtlicti oaden gcwordcD. 

I '') Ebenda. 2. 4&36 aa« 1826. 



66 



spdtvr i^cltlug er vor, Jios mittels bi-wc^liclicr. wasserdichter Kasten 
zu bewerkätalligen, wobei i?r hiiiaicliUicli de.t oalieren Verrabninn 
tof R. Woltmonnü 'HeyiTügo sar bydnulischen Arcliit«ktfir> <I3d. IV. 
S. 262E) verwieg; da er hiemit keinen Anklang fand, trat er im 
Frühjahre 1828 nochmalfl mit dem Antrape liervor, die Scliero om 
40 Klaft«r (76 m) ku verUn};erQ, wobei ilim die U«terrttlllv.uu(; 
AvT niedorvlsterraichisclien Rc^ierang und der Bciftdl der Schiff- 
meister zuteil wurde, wahrend der Uofbanrat bei seinem Projekte 
verharrte. 'j 

Kapitel 16. 
Das Projekt Francefloonis. Das Hochwasser im Jabre 1890. 

Der Uoentschiedenheit in der schwebenden Vnge wurde erat 
durch die Berufung des Oberingenieure in Udine. Hermenegild 
Francesc^ni '), nach Wien im Jahre 1829 ein Ende gemacht, welcher 
zu Befpon de« JatireH !8W ein auül'ubrlichu» Oporat üb«r die Regalie- 
rODgdeitDonuukanuWuDd de« DonaustromesTorlG^c. soweit dieaer in 
Beziehuni; zmn Kanäle stand. Auch Franceaconi hielt die Einengnngs- 
bantcn bei Xalldorf fUr unzweckmäßig und schlug eine ndikole 
He^ulierung der KinmUndung vor. Diese konuo auf s^'cifache \S'eiae 
erfolgen; crMtvns mittels Verlängerung des Kanal»» Ifings dos NuÜ- 
dorfer Ufers, wobei das gegenwKrtijire Separatioaswerk glUizüch Und 
der Nußdorfer Damm wenigsten» teilweise nbgotra^ti werden mtiUte; 
zweitens durch FortsetzuDg des Kanäle» ]>arallel mit dem Nnßdorfer 
Oommo, welcher erhallen und entsprechend erhobt werden mttßte; 
in jedem Falle soDo der raschinens[>om am linken Stromufer 
abgetragen und die Überbleibsel oineJ> dort hetindlichon alten Sporne« 
beseitigt werden, $o daÜ der Strom bei der EinmUnduug de* Kanoles 
oinu Breite von 1.^0 Klaftx^rn C247ro) gewinnen wurde. Die xweite 
AlternatiYe hielt Franceaconi, obgleich beide Antrage dasselbe Prin- 
zip Tcrfolgten, mit Rtlck«icht auf die Lokalverhnltniaae und die 
gonnftere Störung' der Scbiffnhrc sowie aus BnanzicUen Gründen 
nir die zweckmäßigere. Damit aber der KaunI keinen größeren 
Kuöuß als nötig erbalte, »ollte die Einmandung auf 26 Klafter 

>) BaunvUlraiur. t'UK- bh. 7.. 4309 au« 1827, und Z. 16.498 ans 1828. 

'l HermeDtvild lUUci ron FrancMOoni. OcttarUj*lir «>•) Ort aob«kuiBtt 
ward« 1831 Uofliaanl, 18:f7 uacli Schswetla Todu Uirakur (Im Ilofteanua. Er 
w*r »ach «ntsr ■•ehnUe^vr Dinktor d«r Kardb«kn tiad «tAih an 8. Juat 18$2 
Ml fiacil» nlelut C*im(Uhw (Vntsbaob, I<«xiJu)a)i 



4 



I 



67 



(Ö2'ö7«t)<) eingeengt werden ealsprecbeod der Breite in Ata 
rcgDÜi^rUin Strecken aiiil dos ucuc äcparatiüaüwerk von 10 icu 
lU KUfcem (19 zu 19 m) nach MalJ^nbc de» Bedariiiisses gebAUt 
Trerdeo, bi« der Stromstricb geteilt enclieioe. Die Kosten berpcLtiete 
er nof 333.000 fl. C. M. 

Uinsicblliuli der AusmUndmig des Kanales liielt FVancosconi 
den schon früher gtunnchten Vorschlag änt» Durchschnittes fOr 
den zwecUiuaßigAten^); doch mCgo caerst die BinmUiidanje reguliert 
vcrdou, um durch den vermchrtcu ZuHul^ den X)urcKischaitt raKclier 
za vertiefen i^Koatf-nvoransohlag 222.82 1 fl.). 

Im Laafe de-i K&nalee hielt er innbesondere die Regulierung 
der Wit^nmlinduni; durch ein Teilung-iwerk tod 60 Klaftern (IHm) 
Ütnge, dexglcjchi-n ihr AUerbarbmllndung fQr wichtig. 

Franeeeconi achlug unter andurcm nucb vor, einen Wiiiterliafea 
im Prater an der unteren Streeke des Dondukanaliw herzuatellss, 
ohne jedoch Anklang zu tinden.^l 

Im ZuMiumeuhiiogc mit der Uegutieruug des Uuauukau«!«! 
Bollte der DonAu&trom von Nußdorf bis sur Kucbeliin durch all- 
Mähliche Konzenlhemng in einem .itabilen Rette nnd durt^h Verlandung 
und Uepdttnzang Kiuer Seitenarme reguliert, der Llubertusdaiuuj 
Terbcsäert und gegen die Urtlcke verlängert werden. Um Eisscbop- 
ptingOD zu vorbindcrn. verwiee Friiiiccsconi als der Erste auf die 
Kotwendigkeit. auch die Strecke atromabvrtirts und xwar bin Preß- 
fcarg einer Regntierang sa unterTtohen. *) 

Während der Verhandlangen llber die Äntrflge t'rancosconis, 
welche vun ^citc d^r t<x:hnifleh(tn ßubirrdfn, sowohl von Seite des 
Wasserbauamles wie de^ Ilofbaurated. im weseiitlichen volle Anerken- 
nung und Züiitiinmiiiig fanden, brach Ende Februar 1^(30 wUlircnd de« 
Xisgange« jene denkwürdige UocbwawerkataHtrophe heroiti, durch 
welche das MarcLfeld und die tieTgelegenca Voratadte Wien» auf 



') Paka>*r batle swmr Vi di'i »n itdi^n iv XIS. Jahrliuailvru «folctoi 
StnoiAiifaALiiie die KinmCindung Ana tüuwici PBt !K KItfter br«il j^tandca (v^. 
8. 99), 4<Kh Uu« ilo «(dl Mllbw wMor ntgMitrt. 

»J VbL 8. 59. 

*) In Jahr« 1831 luclii« d«r BoUItlsdItr Abiob l'nj aa, aUan Wlstw 
hiilea in in Brigiltenau «nf Mg*«« Ko*lrn ant«iro& so dQrf«n; (Ur 2«Htt£kaMJ 
a«Ut« 10« Efti»«ti»w«r siil«rlulb dta VoikopfM in doa llalta, dgr AbOulkanal 
ta icn Uontmkiuial atfvlirea. Pa» rfoj«k( wnrio tw» genaltiME^. j»d«u)i tüelil 
aaipftthrt, |Baui«ci»trat(ii. I'aca. &&, Z. 10,ti8J au 1891.) 

•) Baon^itratur. FaoL &ö. Z. I9^ä6 aai IB30. 



68 



Am argsiß lieimecsticht wurden.') Diese« Kreignis bezeichnete ds» 
Fiasko äci in der frarixismäclien Aru beobachteten Systems, aus 
klcißlicheD tind kurzsiclitiguu SpHri>Bmkttit«grtiDdvn mit IiHlbea 
llaüregein abbelTeo za wolleo, wo huhere 6e&icbt«piuikte einen 
vollen Ein*at8 di»r KrJiftf hatten geboten ewcheinen lausen, and in 
den Berichte» der politischen und leßhniBcbeD Behörden über die 
Urtiachvn der Üborschwcmmung drückt sich atich mehr »der weniger 
offen daa BevniUtaein der Unterlasaan^achold aas. Als beRonder» 
Tcrhangniavoll wurden von Scbemi>rl nnd Fnncesconi die Ein- 
engungswerke bei Nuüdörf l>e»iehnot und die durch dieselben ver- 
ursachte Subwollun^ auR den PmtokolIeD über die Wasserstande 
an den Pegeln bei NuUdorf und der bei Kuchelaa in den Jahren IH2S 
aiid 1829 nachgovficwn.*) 

Unter dem Eindracke der Katastrophe ordnete der Kaiaar am 
23. März 1830 an. die Mittel in Antrag «n bringen, durch weldie 
die Wiederholung eines solchen Ongltlck« verhindert werde. Ein- 
»tÜDinig wurde von üca Beburdeti als cinxig wirkäanie Vorkehrung diu 
Bcgaltomng des ausgearteten Donanlaufcs von Klnsterncubarg bis 
Mannswürtb und der damit in Verbindnng zu tietzende Hau einer 
Stabilen BrUoke über den Strom hingestellt; in der An nnd Weise 
der R^ulieruug gingen jedoch die Meinungen auseinander") 

Der Wusaerbaudircklor KudriafTskr legte in «incr umfang- 
reichen Denkiiehrift vom 1. Mai IA30 folgenden Regulierungs]dan 
vor: r>er Hnuptrtrotn «olle rom NuUdorfer Vorkopfe bis Stadlaa 
seinen Lauf beibehalten und anf die Breite von 1 15 Klaftern (2Hi'Ö m) 
bcachrnnkt werden; es künni:^ duhcr der Bau der etiibilrn Rracke 
sogleich vorgenommen werden^ da der Donaukanal fhr den bedeu- 
tenden KebifTahrta verkehr nicht auereiche und xu wenig LandmigS' 
plittzG be^flitze. die Leopoldatsdt ferner nach Norden und Ü»len «ich 
bereits bedeutend erweitert habe und in Zukunft erweitern werde, 
sei dae Kaiserwasser auf eine Brcitv von 40 Kluftern (76 m) zu 

*) Vgl: Sartort, Aiitli«atu«l>e ÜMcbreilKnig der ii»atli8ri«ii Db«»e h w«i » - 
nung der Uooam iiu JaliTc I^IO. Wien 1630. 

■) UBur«f,'i><r»vr. l'wit 55. Z. 670 aiu IS30 and 81.569 iiu 1K31 
') Uel«i:«Dllicb dar VcTbaniHuDgen (llwr dir VorkobruDgvn g^ftn riam 
WUderlKiluiig itr UbvncbwemaiiaK rvm Jahrs 1890 i&Mbta (H>«r{t<utiianl Fing« 
unWr noderviti auch den Vonchlaf. HcUtnnakantla in btUcn 9«1I«d d«« I>oii«ti- 
kaaiilM tnttileir*». >• vr«l<bs die UnrablianJIl« mllftden mI1I*ii. iia xa «•rliindcm, 
itt dureli dl«« 4aa Hodiwaistr la dt« nlidrig gtltgtncB Vorni'jt» dring«. 
llUungiaUaliiT. Ftn. 55, Z. 870 «u* IftSO.) 



6d 



rcgolicFCU, mit eiocm Teilimgawerkc an der EinmtlnJuDg zu ver- 
sehen und miiteb eines DurchscUnitte» in eiae bessere Richtung »u 
briDguu; i&Mgc der zu urwAHondcu Vclirkchrscntliutuiig gouUg« 
fbr den Donaukanal eine Breite tob 21 Klaftern ^399 m)'). Die 
Urfloki'i Ilbor den Strom oei nnr wenige Klafter rom damaligon 
ätandurlu zu erriubtoa und xvrar entweder als vioe gowUlbtt* 
(Kostenvoransclilae 6,000.0006. and zwar 4,500.000fl. über deoi 
Uauplatroin, 1. 500-000 H. ober da» Kaiserwast.*«r) oder a\» eine 
KcUcnbrflcko (Kosion 3,000.000 fl., und zwar i>,50Ü.0OO Ü. ^ 500.000 «.). 
Die Kosten der RegDliornog der Donaa von Nutidort' bia Stadlan, 
sowie des Kaiserwassen itcfalug KudnafTnky mit l,ä00.000fl. ao. 

Dem Ktilwurfe de« WaaserbauamteA gegenQber verharrte der 
Dircktur des Ilunmuratva, i>clivinerl, auf Keinem sohon im Jahre 181 1 
vorgebrachten and vom Kaiser Franz damals aanktiunierteaPfojekle 
einoit geraden Dorcbscbnitti-a dareh die Katsoraa gonen die Krieaa, 
du Dur biedurcb mu binderni» freier Ablauf der Uocbwü^scr und 
Eüagiinge erreicht werden kOnoe. Diu Kaimlisatieo de» Kaiäorwa&sers 
hielt äcbemert fur entbehrlieh und in tecbDicteber Hinsicht fOr 
«cbvri«rig lind boiUrnklivh. Auch bvnillnsrcllu er an dem Regnlirruiig^ 
ptaub KudriaiTiikj's. daÜ vr nur die Strecke vud Niiüdurf bia Stadlau 
berücksichtige, wätbrend doch auch die Strecke bis zum Kahlen- 
ber^gerdorfe einbezogen werden mllase. Kur sein Projekt eiaee 
Brückenbaues im Trockenen könnt« Sehemcrl nunmehr nur ia» 
Uoater der berühmten Southwark«- und Waterluobrlickv hinweisen. 
bü deren Errichtung angor rangdfimme in der Themse nicht ge- 
aclieat wurden, um nur die Pfeiler im Trockenen «eher und stand- 
haft aufxufuliren, n-HS mitteU Dampfmaschinen mit dem besten Er- 
folge durchgeführt worden Bei. Ftlr den Fall als die Donau nach 
dem Antrage Kudrioffiiky in ihrem bisherigen Laufe belafi««n werden 
•oUie, fand der Hofbaiirat Dur den Bau einer Kettenbrücke fUr dureb- 



') Di« tilcT »kMaunUIg iiI«J«rfDg«l«nDii AnuBkes d«r tob KndrUfbkf 
bcftBtrar**» (Ircllaii ntlmnitn otclit Ctiotdn niii d«n von Panatl!, l>«BlE»ckrifl i*T 
DonauKeuUcruDe, III. At«chD., 8. :!öf..dicwt>eil}plii:Jiang«nihrtoa ZabUn il^ Klüftor 
fSr den EUupl*Uoiii, 6ä Klaft«r lllr da* Kai*oTiir*«ter}. Dto llMachDni>(«n llticr 
die WuMriioiii am ligD iec l>(in«u lirpn in clem mli iw Tofkguag (MbnuUa 
Aktennial^Kalo nieht «d. 1i*eh Paxtti, a. a. IK S- 36. Aura. 10. bttnig dia 
WuMikuiiiiDatioa 1. bei vullbordjjrem Kluiae, d. 1. bat 12 l'at Ub«f Null pro 
SdEiind« V3().00Ü KuUkfuO. im D«pai>luu>a) '/„ davoD; S. bei 4 t-'uO B Zoll llb«r 
NnU 131.090 üutiikfuP. iai Dgoaukual« ',. dsrvBi 3. beim NnUwutsrataMl« 
(tS.ÜOO Koblkfott, Im DonaHkaBkle ■/,, daTon. 



70 



fDtirbar. Obwohl die Erbaltungakostcn einer JocKbrOokfr. welcb« 
nach dem Diirchgchnitte der Jahre 1822—1828 36.000 fl, jährlich 
betrageo, vruitaus geringer aeiea als einer stabilen Brflckc, sei der 
Bao einer solchen nua Öffentlichen Bocksichtvn notwcudig.') 

Die Hofk&nzJei brat zwar dem Keguliernnffsprojekte S^chemerla 
bei ond stimmte fOr den Bno einer KßttenbrQeke. hidt jedoch die 
Bewilligung von melireren Millionen bei den damaligen Finauit- und 
StaatEvcrhHltniiMtcn fUr uin sussicbtelosca Bvmtlben, weshalb sie die 
mederösterreichische Reperung anwies, Über provisorische Voj^ 
k«hniDg«n Vorsclililge zu erstatten. ',) 

Tatsftcblieh entschied der Kaiser am 18. An^net 1831. dafl 
die Regulierung der großen Donau einstweilen auf sich beruhen 
»oIIp, daß dagegen die Re^lierung des Donaiikanales, msboeoodere 
der Ein- und AuimiUndung desselben, nach dem Antrage Kranceaconis 
QtivcrzDglich durchgeführt werde'); c* wurde der UofkimiEtei zur 
PtUeht gemacht, im Einvoniohnien mit der Hitfkammcr darauf hin- 
zuivirkcn, dsß die notwendigen und dringenden Wasserbauten in 
N'iederOaterreicb keiner Hemmung unterlägen.*) Da bei der Daroh- 
fuhrung diiieer Arbeiten naeli diirnuf Beducbt genommeu werden 
ttollte. der damals in der Arlieiterbevi'dkemng herrschenden Erwerl>s- 
losigkcic abzuhelfen, wurden »ie zum Teile in eigecor Regie durch- 
geführt») 

Während dlo Laui^ndcrung dus unteren DonaukaaaJee mittels 
eine« 2000 Klafter (3800 m) langen geraden Durohstiches in einer 
besondera fllr die Sehiffahrt nogeme^aencn Linie im Jahre 183S 
ohne Hindernis dureligefUbrt wurde l vgl. die Skizze im .fahrbuch II, 
I26)*), stieß die von Franccsconi beantragte Korrektion der Kin- 
müsdang de« Kanäle» auf den Widerspruch der Scfailfmcistcr, welche 
die VerlAngcruDg der Schere purallol mit dem Nußdorfer Damm» 
ftlr zweckwidrig erklärten, da sie die Versandung vermehre md 
da.1 Einfabn^in der Schiffe gefitbrde: die Schere mOge in einer gegeo 
den Doiutuatrom aoagebogeucn Richtung wenigstens in einer Llngo 

'} BanniKUlratur. Ki«. M. X. 777 siu 1890. 

*) Ebenda. Z. 6fi66 >iu 1830. 

>) Etetida Z. 19.332 am 1831. 

<) Jlrehiv •!«• k k. Plnsnunintiilvrlania Z. 12..^i5,P.P. «jm IKtl. 

■) Basin^tnlur, Fiut üö, Z. 19.t^ aus IS31. ArcU« d«« k. k. Finanr- 
■Inütccinnu. Z. 50ä4/r.P st» 1832. 

"^I Iafol|[a tlan Dnickfeblen i*t in JafartxKb TT, ISfi, oU JahrMiabi der 
G«Tadc>tr«ckoiig iln rntcrUufeii 1636 •latt IßSä aagagchmi. 



I 



a 



71 



von DuKlaftum {9öm) wrlilngt^rt wurtU-n, so JitC (lic GioniHiiduDg eine 
früßere. die Einfahrt eriöichternde Breite orhalie. Der Hofbauraiii- 
fdirekior Scbemerl erklarte »war dea Vorschlag der Schiffmeistcr 
aU den bydrotechnisdieo OrniidsaiicD zuividerlaafend, hielt aber 
auch die Verllin;;erung dur Schert; imcIi dem Aiicni^o KruDCH^icoiiis 
ftlr Daehleiiifr, da sie aoter etDetn Winkel gogen den Ktromalrifih 
erfolge; die («ßnzlißho Aasfnbrbarkcit d^s Tei längs Werkes schien 
ihm überh»upl kaum denkbar zu sein, da der Bau in Feifkoder 
Strömung und in »ehr hcdcutcndco liefen (28'— 29'. d. i. &fib bis 
9*16 m) Tor sich gehen inUttse. Obwohl Francosconi, welcher niittler- 
ireilo Uofhaorst gowoTden war. auf der Fortsctxang des Bauci* bc- 
BUnd, wurde» die Arbeiten einstweilen eingeäteUt und bluQ der 
in AoRfdhrung bq?riffcne Bau in der Lange von 10 Klaftern voll- 
endet und ilio Schere, welche bereits 1807 von 4 auf 6 FuÜ(r26m 
auf li)m) erhijht worden waf. aunnichr auf 12 FuU (S'Sm) ober 
Nail erhüht; ebenso wurde der Xnßdorfer Damm von 8 FaO(ä'&in) 
auf 20 Faß (6'3ni} und der Brigittenauer Dnmro von 16 Fali(ötn) 
auf 20 Füll (6'3iii) erhobt und die im limero des Brigiltenaucr 
Dammes bestehende Maaer zur Erxiciniig einer g1eicfaf(lnnig«n 
SoÜditJtt des DammkHrpers herausg^noinmen. 'l 

Im Herbste 1833 legte die Wawerbaiidircttion einen Bericht 
tifcer die Wirkung der X^orlAngernng der Schere vor, in welchem 
fiie ausführte, daß der ZufluLi in den Kanal 9ich vermelirt. daR Bett 
desselben nicli vertieft und auch die früher beobachtete Ruckatauung 
sieh rermindurt hübe; dtoscn Bericht hatte in Abwesenheit der 
Baudirektoren KudriafTskv und ßaunigartner der Ingenieur Ferdinand 
von Miti? verfaßt. Der Flofb-iarat b(>«weif.>!te jedoch die Richtigkeit 
der Angaheu und iries vielmehr durch Kambinioniog der Öondcu 
aus frtibemn JabrcQ mit jenen aus dem Jabra 1835 nach. daB eine 
Vertiefang de» Kanates nicht stattgefunden habe.') Mitis heharrte 
aber bei seinvr Oarlegniig, verteldtglo sie in mehreren Eingaben an 
die Uofkanzlei und legte schlicUhch seine Ansicbtea Über die Ke- 
gatiemng de* Donaukanale-t in einer Dracksohrift nieder: »Qeaohichte 
lc9 Wiener Donsukamile^ und Daratetlung der L'nuieben aeioM uu- 
irollkoinnten Kchil1bari:n Zuslaudi.'«!. in welcher or zn dem Resultate 
kam, daß den noch vorhandenen Gebrechen des Kanäle« durch keine 



^) BanreglMninf. Pin. 65. ZZ. 10 490. 24.4S». U.be». WA9b aai 1832. 
!} ll*ur>fUir*tDT. f*** 56, Z. 10.897 an* 1834. 



72 * 

weiteren Badwerke, eondem einzig änrch Wegräomnng des Schotters 
mittela BaggermaBchinen abzuhelfen sei. ') 

Mit dieser Ansicht stand der schon 1832 geäußerte Wunsch 
der Schwemminhaber in Übereinstimmung, den Kanal ränmen zu 
lassen. Ein Versuch mit einer von dem Zimmermeister Grlln in 
Fischameod hergestelltea Maschine hatte sich bewährt, da sie mehr 
als 15 Menschen mit einer Handbagger leistete. Da Oberbaadirektor 
Baumgartner erklärte, daß in jedem Falle auch in der Zukunft 
eiae fristenweise Räumung der einzelnen Untiefen nötig sein werde, 
wurden 1833 10.000 fl. C. M. und 1836 20.000 fl. C. M. auf die 
Fortsetzung der Baggerungsversuche bewilligt. Ein Offert eines 
Andreas Lemair, für 300.000 fl. eine ausreichende Fahrrinne in der 
ganzen Kanalläoge auszugraben, wurde indes als zu kostspieUg ab- 
gelehnt. Dagegen wurde 1836, da die Versuche mit einer vom 
Mechaniker Botlinger verfertigten Dampfbaggermaschine von zwei 
Fferdekräften günstig ausgefallen waren, eine Maschine von sechs 
Fferdekräften. welche in einer Stunde 8 Kubikklafter (54668 m^) 
Sehott«r zu heben und unmittelbar in das Transportschiff auszuwerfen 
vermochte, um 9520 fl. gekauft.^) 

Doch trotz der in diesen Jahren vorgenommenen beträchtlichen 
Baggerungen war 1836 die Schiffbarkeit des Donaukanales eine 
unvollkommene, indem die Schiffe noch immer nicht den Kanal 
mit voller Ladung durchfahren und sowohl die stromab-, wie auf- 
wärts kommenden Schi&e in Nußdorf, beziehungsweise in Kaiser^ 
Ebersdorf umladen mußten, wodurch die Zufuhr der Bedarfsartikel 
wcBentlich verteuert wurde. ^} Nach dem Gutachten des Hof baurates 
war auch eine gründliche Verbesserung des Kanales durch die Aus- 
räumungen als eine bloß subsidiäre Maßregel gar nicht zu erwarten. 



') Der Hofbanrat iprach lich energisch gegen die Dracklegang dieier 
Schrift aus, da sie nur geeignet sei, die Behörden xa kompromitüeretl. Doch 
Btellte sich die Hof kanzlei in benierkensnert freitianiger Weite anf den Stand- 
pankt, daß seibat tadelnde Bemerkungen über Verfügunffen der Staatirerwaltung 
nicht ichlecbterdiagi von aller Publiiitftt annnschlieOen seien, wofeme der Tadel 
in einer beicheidenen und anat&ndigen Einkleidung vorgebracht werde; el sei 
vielmebr eine öfTentlicbe Erörterung des berührten Oegenatandea, wie technischer 
Fragen Oberhaupt, nur vorteilhaft und daher willkominen. — Baure^atratar. 
Z. 4468 BUB I83d. 

'-) Bauregiatratur. Faei. 65, Z. 16.373 aus 1833, ZZ. 4040, 6829 ans 18S6 
Z. 3463 aue 1837. 

3) Bauregistratar. Faaz. 65, Z. 8768 aoi 1836. 



73 

infolfredeasea die 18H2 aistierten Arbeiten an der RinmUndung des 
Kanäle« wieder in den Vurdetyrund des Interesses gertlckt wurden. 
1636 \vglb dor tnahrisch-si-iilcttiK-hc .StraßcDbuudirtktor Braumllllcr 
«io Projekt Tor, naoh wdcbem der 210 Klafter (399 m) lange Fa- 
schiiietiRporn am liiikun Stnimofar um 135 Klafb^p (256"&i") (:el<Qrzt, 
die Schere aber mittels eines Faschinenworkeft om 160 Klaft«r (S04 m) 
Tcrlingert und durch eine Weudiing gegen den Stn>rastrich trichter- 
i^nnig gestattet werden sollte; Braumtlllcr fand aber keinen Anklang.') 
Dagegen irat der Rfiforent der Ilofkanülei, Freiherr von 
Drolidik, und die Mcbncniil der UolVate der Uol'ksnxlci Olr die 
Fortsetzung und Vollendung deo Teilungswerkm aadi dem J'rojukte 
Knuitcsconi» ein. wobei l>roßdik den finanziell<-D Bedenken gegen- 
aber für den Gründsalz eintrat. dnÜ alles, was notwendig an SiaaU- 
atuituJten entcbeine. onbcdingt Knogefohrt und das Geld biezu 
faorbcige«chsfft werden mllsse. Gegen diuea Prinzip wendete 
sich der oberste KbukW Graf Mittrowsky mit Entschiedenheit, in- 
dem er erklärte, daß die Kueksicbt auf die Finaii/lAge des Staatao 
ma^obend «ciu ntUsse, mit welcher die Kostspieligkeit diese» Pro- 
jektes nicht vereinbar sei. Nichtsdestoweniger sprach sich Kaiser 
Ferdinand I. fllr den V'orttchlag FVaneasconis aU den twitten aus, 
ordnete jedoch eine nochmali^ie Ueratung desselben an, welche lur 
kaiscriichcu .Sanktion dos Projckh» um 7. Desembor 1839 fLlbrta.') 
Doch wie dies se.boD wiederholt vorf^kommen war, scheiterte die 
Ausfdbrung trotz der kaiMirliehen Genehmigung an den :*ich entgegen- 
stellondcn ännnzicltm :i^ebwicrigkeiten. Als Termin fUr den Heginn der 
Arbeiten war das.iHhrlBil festgesetzt worden: 1841 wurdo jedoch 
angeordnet, dal> die bereits geoehmigte .'Schiffbarmacbuag des Wiener 
Donaukauales wegen Maii>c<:li< der Mitt>^l zu unterbleiben habe.^) 



Ka|]itet 17. 

Die Verhandlungen Über die ätrnmregulierung im vierten 

und fünften Jahrzchate des KiX. Jahrhundert», 

Wie man rieht, verlief der durch diu Uochwasscrkatastropbe 
"rboa Jahre 1830 gegebene Impuls zur endlichen Inajigriffnubme 

') Biur»([li.trs«ir. Fti«. 56, Z, 6937 siu 1836. 

') BautBgUtratur. l'ui.fiS, Z.fHa» und 6886kiialSM| Z. 38.BßO »<>• 189». 
Arehir d«i k. k. FickniRiiniai«riuKS. Z. 7414, P. P. au 1839. 

>) BauDgijtTBtur. Fwi. 63, Z. S3.806 so* 1&41. ArcUr dt* k. k. Finsos- 
iiiInUl«riiuni. Z. Iblß/K F. und 2571.>1'. 1'. aai 1841. 



74 



einer radikalua Lüsuüg der Re^'ulieranu^sfrago trol» der anfilnglich 
tiefen Errfgnog der Gemtttcr scIiliuUlicti docli n-icdcr im Sande, 
obwohl (gerade in dieser Zeit ein neoer auf diu Kcgalierong des 
Stromes drüngcnder Faktor wirkaam wurde, indem in den Dreißi^er- 
jahren »uf der Donau der Betrieb mit Dampfern eingeführt wurde. 
An der Wende dc^ XVltl. und XIX. Jahrhunderts fandi;» die ersten 
Versuche statt, die große Krtindung James Watts, die Dampfmaschiiic. 
hU Tklittel der Kortbeweguog- [ii-akti!*pli zu verwerten. Im Jahre 1807 
bewegte sich das erste Dampfachiff atif dem Hudaonflusse, 1818 er- 
gchk<nen die ersten Dampfschiffe auf dem Khein und der Elbe und 
1825 fahr ein Dampfer von England nach Ostindien. Es war im Jahre 
1829'). al« einige Wiener ßaiK|tiier« den kühnen Riiutchluü faßten, 
im W<^- der KnpilaUAi<«o/.intion die Mitti^l zur Bvfjihrmig der Donau 
mit Dampfschiffen zu büschaffea. und am 17. September 1830 fand 
die Probefahrt des Dampfboot«« »Frans I.* auf der Strecke Wicn- 
Peäl und lurllok statt. Die verwilderten unregulierten Stromairccken 
int oben.'!) Teile der Donau verantaÜten jedoch diu neu t^ntstandetie 
Donan-Darapfecbiffahrtsgesellschaft, ihre Tätigkeit faet nur aaf 
die untere Strecke der Donan in Ungarn and in den DoDaufUreten- 
tßmern zu bescbrltnkcn. Er»t ala ea gelungen war. seichter gebeiule 
and dabei doonoch krUftigc Schiffe hensustollca, woleb« ioiKtande 
waren, »owobl die minder tiefen wie auch die reißenden Stellen des 
Stromes xa überwinden, begann iiibd auch die obere Donanstreck« 
zu befahren. Im Jahre 1837 wurdeo die Probefahrten von Wien 
nach Linz und im Norember 1843 im Wiener Donauknnale'J durcb- 
gcfdhrt. Einer gOiistif;en Entwicklung der Damplsehiffabrt anf dur 
üsterreichisehen Strecke alelhen sich aI.-< EinupthindürnisKt- der Wirbel 

^ l>a01iidMicbunfrabqTdioäiB>uverw>liutigau(i)««»ufk»mmeiida n«ii* Va^ 
kffarainlllel «roniffiuiu aunnnliMni wurde. bUfOr glbi du Uofdeknt vom 13. Juli 
Idlfl Zaufpiia, nkch w«1cli«m fllr die Krfindimg, kroA dur befrecbtMo tichlffe 
»bna AawMdung ron ZogtieFMi itromsafWfttle (k-iigmchaffl werdon kuraten, oia 
Prlrilagliim tn Aiinlcil gMtallt Hurdo, •owi* dai MoMtknt Tom 2i. Noreeiber 
1817, mil wfilc.hnm die B»dinj!ang?ti dtr Privitefienartellnaj- ftii di« i^clüftabK 
mit D&iDprbDottn vorUuibui wurden. (Woirbsuar, DI» Ooii»a und ihre volk*- 
wiritcbsfiliehe Bed«ulan];. H. läOf.) 

*^ L'n dio Seliiffahrt im WUntir DoonoknAele boiratb ttcli kI> Koolrarront 
der Denau-UampftcliilTahrigMtlUGbaft der Wiener bteeUxniler llellhiaj PlelcW, 
weteber ein« ltoutiaBitdetu|t(n)«achine crAiBiIei) kmtte, wolclie Dur ein Viftrtel der 
(•wOlinltcfaM Diunprtnaeohlnen nog und nnr ein Viert«! des gewilhaticliBil BfSail- 
■nleclale beestigte. eo daC di« Scbiffe für ««hr Michi« FIo*m sieb elgneUn. 
(Archiv de* k. k. »InaDuniiiiiteTiuiM. MWjf. V. au 1&4S). 



ta 



and Strodel bei Grein, die Zflrspliiiernng des Stronit>8 im Wiener 
Becken 5>owie die Jochbrürkcn bei Lins, .Stein und Wien cnt^ifTKn: 
der DoiiBukanal ern'iea »ich aar in seiner oberen Halft« fur 
soicbtgebeodv Dampf boote als bcfabrbiir und iiacb die» nar 
infolge der vorgenommenen Ba^fgorunpon und unter Rowissen Vop- 
Bichttmaßregeln. ') Trotxdem die Donau- Dum pfschiffahrLigi-scIl seh nft 
vriederbott nud dringend aaf die Notwendigkeit venvies, diesen 
CrbcbiUindvii ubxuhvlfun und mehrnmls empfindliche auf den HaocIcU- 
rerkebr «urück wirkende Störungen im äcbiffabrtebotriebc «eintraten, 
geschali so gut «i<! niohta, um ein« ße^tsening der SehifTafarla Ver- 
hältnisse herbeiiufUhrcn. 

Auch in der im Jahro 1B37 wieder uuftauchendeo Frage, m-if 
Wien nnd das Marchfcld gegen die HtiehwUsKor der Donnu zu 
MshStoeo «eien, kam man nicht über die Beratongen hinan». Dm 
onmittelbaren Anlab zu diesen Verhniidlungen gab folgender Um« 
fttand. Durch den Bau der KiAünbahndAmme der im Jahre 183t> 
begonnentio Xordbabn wurden zwei St-itennrmc der Donna n&chst 
Floridsdorf abgebaut, worin die 3!unltch»1 gelegenen Marehfeldge- 
mcindcn eine Erböhnng der Über^eliwemmungsgofiibr ftjr sich Pr- 
blickten. Auf ürund der Erhebungen, vrelche Ober Uirc Beachwerdo 
im Jahre 1837 gepflogen worden, sprachen sieh jedoch die teobni- 
sehen Behörden dnbin ans, daß diene Rauten keine Verflchlimmerang, 
idier eilte Vurbcescrnng der Fluß%'erb!tltni»^e he rlieiKuf Uhren geeignet 
Men. Im Laufe dieser Untersuchong vrurde die t'mge aufgeworfen, 
ob Qbt^rbiiupt für den Scbntx Wiens nnd seiner Umgobnng gegen 
Obersobwemmangen binlautrlicfa vor>^orf!;t sei and hiebet kam es 
zutage, daß die Vcrbandlungcn zur Beseitigung dieses alten Ob«ls 
tntx der energischen Mahnung durch die Katastrophe vom Jabre 
1830 m keinen hub reichenden Maßregeln geführt hatten. Da die 
Beratungen fast durchwegs von denselben I'erstinlicb keilen geführt 
wurden wie im Jahre 1830. ft>rdert«n sie keine neuen Oeikicbl»panklc 
zutage. Wie darauie war man zwar über das Prinzip einig, daß der 
Stnim in ein einziges Bauptrtnnsal mit gehririg befestigten Ufeni 
durch Absperrang aller Seitenarme zu konzcnirioren sei nnd llber 
das konzentrierte Strombett NCnkrccbt nur Richtung des Stromstriches 
eine Kettenbrücke mit zwei steinernen Mittelpfeilcm in der Rieh- 
ttmg des Strafienxugcs von der Taborlinie nach Ftoridsdorf erbaut 

*> ArcLir itu k. k FiDiniinini«l«ri<iiD*. ZZ. 0066 P. f. i»i< 9240;?, P. 
HU l)4S. 



76 

werden sollte, ohne eich, jedoch über die Trasse des Haoptrinn- 
sales, in welchem der Strom konzentriert werden aoUte, einigen 
zu können. Kndriaffsky verblieb bei seinem 1830 gemachten An- 
trage, die Donaa in dem schon vorhandenen Hanptrinnsale zu kon- 
zentrieren, trog indes abweichend von seinem früheren Vorschlage 
aach auf den Abbau des KaiserwaBHers an. Dem Entwürfe Kudriaffskys 
trat wieder Schemerl gegenüber, welcher neuerlich sein Projekt vom 
Jahre 18 1 1 wiederholte. Gegen Schemerl nahm namentlich Hofbaorat 
von Francesconi Stellung, welchem der Antrag desselben >ein 
riesenhaftes Unternehmen von zweifelhafter Durchführbarkeit ond 
zweifelhaftem Erfolge« zu sein schien, >dessen Schwierigkeiten und 
KoBt«ii in einem auffallenden MißverhältniBse zu den sich ergebenden 
Vorteilen« standen und welches «bedenkÜche Folgen fur den Wiener 
Donaukanal besorgen« ließe; der entgegenstehende Vorschlag Ku- 
driaffskys empfehle sich durch den Umstand, daß das beantragte Rinn- 
sal >schoQ von Natur aus gegeben« und die erforderlichen Konzen- 
triemngs- Werke zum Teile schon ausgeführt') seien, so daß in der 
kürzesten Zeit und mit möglichst geringen Kosten eine sichere Ab- 
hilfe zu erzielen sein werde. Auf das Gutachten Francesconis hin 
stimmte die Hofkanzlei dem Antrage Kndriaffkys bei, worauf mit 
kaiserlicher Entschließung vom 7. Dezember 1839 die Abfassung 
und Vorlage der detaillierten Bauprojekte und KostenUberschlflge 
anbefohlen wurde. ^) 

Im Februar 1840 überreichte die niederösterreichische Regierung 
einen summarischen Kostenüberschlag, nach welchem die Regulierung 
von NuSdorf bis Leiipoldau auf ungefähr 423.610fl., von Leopoldau 
bis zur Kanalmündung 550.000 ä.. der Bau der stabilen Brücke 

') OltnobI im Jalire 1831 die Frage der HaDplstromregulieraag nnentachisdMi 
geluaen noiden war, begann man in den folgenden Jahren dai rechte Ufer dea 
Stromea von der EinmUndang dei KaiserwaMera bij inr Fleridsdorfer Brücke 
nnd dai linke Ufer reu der EisenbahnbrUcke bis gegenüber der Ananiilndiuig dea 
Kaiaernasaera mit einem Steintalaa lu veraeheu. Oberbaupt wurde nach dem Jabre 
1830 KU einem beeaereo Bauaysteme übergegangen, indem die Uferdecknerke nnd 
PaiallelbanteD ana Stein immer mehr den Torepringanden Werken und Holzbanten 
vorgezogen wurden, (Paaetti, Notizen Über die Donauregnliening im Deterreichiacben 
Kaiaeritaate. Wien 1862, S. 13 f.) 

Zur Konzentrier ung dea Hauptitromea trug auch die dmch den Bau der 
Nordbahndämme bewirkte Abapenuag dea MüblachUttelannea nnd Lauferwaasen bei. 
Anfangs der Viersigerjahre wurde auch der Kagraner und Stadlauer Arm, sowie 
dar Arm beim Lanagrand abgebant. (Baaregiatratnr. Faaz. 63, Z. 33.806 an* t841.j 

*) Bamegistratur. Faaz. 63, Z. 28.927 aus 1838 und Z. 38.959 «oi 1839. 



77 



2,900-000 fl., die StraCc rom Tabor xnr BrOckc 752.510(1., die Cber- 
tohTremmun^sdamme 352.lXX)fl., im Oeeamten aof 4.428.120 0. so 
'stefacB kotiimcn sollt». Oic Bauten solltoo uuf cinL'n ^itrautn von 
tehn Jahren verteilt werden. Indes blieb das Operat bis 1846 beim 
HofUaurate liegen, dn inzwiRchen ein neue» Projekt einer Doppel- 
Kettenbrücke nir die Gi^mbabn und die Fahrstrate anfj^i-tancbi 
war und der Hofbunrat die dofinitiTC Entscbeiduug in dieser Sacbc 
abwarten woille.') 

Im JnJirc 1846 legte Uofbaunit ^'on Franuceconi ein nacb »einer 
Idee bei der Generaldirektion der Nurdbahn verfaliies Projekt einer 
Krttenbrtlcke mit zwei Etagen vor, deren untere fur die Eiaonbahn. 
die 'jbere für de» ^wobnlicbeii Verkehr dienea sollte (K"Stener- 
rorderni» 3,700.000 H.). Da« Pr<:'jckt wordo von einrm t«cliDi:<t)a>n 
Komitee des Uofbaarates ^prllft und entsprechend befanden. Die 
Hofkanzlei beantmi^e nricb. da« Qotacfaten de« Erbaner» der damals 
in Ausfabrun^ be^ffenen IVater Kettenbrücke, de« englischon In- 
l^nieim Trerney i'Iii.rkc, gegen ein LJonorar von 10.000 fl. einxuLolen, 
was jedoch Bber Einspruch der Uofkatnmer unterblieb. Ea wnrdc 
nninnelir die niederl)«terrHichii«>he Raudirekti'^ii T.nr Verfnasiing der 
EJetailprojekte angewiesen und Verhandlungen mir der Nordbnhn- 
dircklion bezüglich vincs Beitrages eingeleitet') 

Mittlerweile lernte im Herbste 1844 Kaiser tVrdiniind auf 
einer Donaur^iae vgn Linx nach Wien ann pent<tnlicber Anscbaanng 
die ninderniese kennen, mit welehcn die Donauschi fTabrt xn kämpfen 
halte. Die Initiative des Kaisers ^ah den AastuQ. daß man an die 
Idoo einer ayttematischen Regulierung der gauiien üflterreichiiseben 
Donaufttrecke von Pu».<ati bii« Theben herunirat. Die Hof kanzlei be- 
xbelltc 2ur Ausarbütung eines kombioiertcn Platte« eine eifrene tecb- 
niache Kommission, an daren Spitze Hofbaurai Spreuger «und, 
welefaem der niederiMerroichiArhc Waascrbauinapuklor Kauragartiior 
tind der Lin/er Baudirtjkltir Ha^enauer 7.ar Seile gegeben waren.') 

Doch zogen sich di« Erhebungen dureh mehrere Jaltre bin, ohne 

Lidaß die VerhaDdlnngon auch nur bis zu VorsehUgco gcdiebsn wireii, 

F^resbalb im SpRtKomroer 1847 die Donau-Dampf^tchinklitUgMallBobaft 

4er ItegieruDg eine ausfUbrlicbe Denkschrift Ober die baupt»Sch- 

licbtftcn ScbiffdbrtftbindomiMe vorlegte, in welcher nie die allmähliche 

1) BaanKiiirarur, Fmx. bS. Z. V3\ nna \k4!i 

*) Buraglunli». Fub. 53, Z, loS *u* IM?. 

>) It>ur«{|innit<iT. Vam, 63. ZZ. 32.474 unil 39.330 au 1M4. 



78 



Einengung der za breiten SiromBtrcckeD. die Adapüorun^'durßrOükcn 
bei Linz. Stein und Wien für die Durchfafart der Dampfschiffe'), 
die Einrichtung des Donankanalea für den gleichen Zweck und die 
Äolage eines nafens an demselben, wie ein solcber ehemals beim 
Roteaturnitore dein sogenoimtcii Untcr-Arsennie zunnpbst existtcrl 
habe, als driu^ead notwendig bioGtellte: nuDicntUch auf die Um- 
geslaltang des K^nales wnrde besonderer Xachdrack gelegt mit 
Uinsieht nnf den in angon-Shnlicher Zunfthmc nnd Entwicklung 
begriffenen Verkehr, bei weichten) nach Beendigung der gruUen 
£i»enbnhnlinien eine woiiero bedeutende Steigerung zu enirarten 
sei.^) Der Erfolg der Denkflchrift war ein recht bescheidener, iudeoi 
lediglich die Nnufahrtsj^cb« der beiden HrUokcn bei Floridiwlorf auf 
L2— 14 Klafter (22'8— 26*6«) erweitert wurden, um das Anfahroii 
der ächiffe an die Joche zu verhüten.*) 

Einen nicht minder geringen Erfolg hatte eine ungefjihr gleicb- 
zeitig im Zuge befindliche Aktion. wuJcho von Seite der durch die 
übcrflatangen der Uonan bedrohton tiefer gel^eneu VorstAdte Wiens 
auHgcgangen war. Da im Jahre L843 eine ttknücke Überschwem- 
mung gedroht hatte, wie sie 183U stattgefunden, baten im Sommer 
184.4 die VurelAdte ua der Donau gogcu eine Wivdurbülung uiuuj' 
solchen Katastrophe um wirksame Vorkehrungen, ala welche 
aie eine Koiizentrierung de« H.tapt8tromes und den Bau von DlUnroen 
entlang dem rechten Ufer deäselbea hinstellten, wobei sie darauf 
hinwieaeo. daß der bestehende Brigittenauer Damm nicht mehr wider- 
standsfdhig sei und in «einer Traa&e den geänderten Stromrerhslt- 
nisaen nicht mehr entspreche''); Überdies werde das Inundations- 
gebiet seit 1837 durch den 'J4 FuU (7'56 m) hohen, den ßngittcnaaer 
Damm um 4 Füll (1'2Cin) aberrageoden Kurdeis eobahndaniiD durcb* 
querk wodurch diu HüchwUKser im Ablnnfv gehemmt werde 

>l All I8S7 dl« DampruhirnihTi xwbchm Wisn nnd Lü» rflaliiitn muit, 
U«0 die GAollschATt aar eifcse Ko«ten dl* BrOclEMt hei Stein nacl Wien, ä» >le (Ur 
di< üinfolifahrt xu aiwlvr «uwi und xu •chnink JocIifetdsT Iiatteo, swtckeal- 
^^ncbend «bladera. (B»iiT«fi>tc*tur. Fan. 3i>, Z. 17. '10' au* ItöT.) 

<) Aratiir de* k. k. »'inaaualnUttritiiDi. Z. 7603 l>. P. am 1847. 

■} Baun^Mmtur. FaM. SS, Z. 83.321 au« 1S47. 

-<) Iter Brig[tt«aaa«f DamiD kot dein Pahanaagnawar «itJaag »rricbui 
wordaii, italeliM tait den teIxMa JabrK«liaia iIm XVIII Jahrtiund«n* [mnMr awliT 
trsraandMc und tdilleSlioL fut j;lnx]ieb auauocknot«. Kinig« Jahie vor 1830 
ward« der Ann irou dM eiuprattlioi daa Stlltvf Klo«i«ini»ubiirf abg«dEninit: 
damaU wuTdtn aucb iw»i kUlsa Brnaken, dio BmUbt nnd JobaDnMbrtleka vm- 
•elilltut. (BnuRgüinnr. Pimx. ob, Z. 870 nua 1830.) 



79 



sr Hofbaurat erklärte judocb, dali eine Konzeiitratitn des 
Hnaptetromes div vorherig« Er&otZDDg der JochbrUcke durcb eine 
stabile Brllcko beding weicht?, geotlgend tief gesclilugcn, xwittclien 
gehörig weit nb!>tchendcD Pfcitcm den durch da« erhslito tieOllle 
bedrohticbereo UocbwäRsern und EiBaiucboppongaii uinv friMe Passage 
gewahre; es mlkuHi daher vororst du Eii^ebnis der Vrrhandlangeo 
über den BrUckeobaa ab^Rwsrtet werden. Mit Rllck^cht abfir auf 
die durch den Nord eisen b«hn dumm gesteigert« (_ bfn(cliwemm«n!r«- 
g«fabr beamragte d«r Hofbaurat ein«n Ergänzutigsdamin. welcher 
vom Kußdnrfer Ttiilungswerke dem Kaiscrwaiiser entlang bi.« znm 
Nordbabndanime reichen und dieaen an Hübe Qberrageii solllu. ') 
Ein flolnliKr Damm genUgt« den Wuncchcn d«T Vorttii»dtbewohn«r 
nicht, da or sie nicht auch gegen die vom Donaakanol auEgehonden 
Überschwemmungen schützte^ weshalb sie auch die Anbringung 
Ton SchIeQB«D an der EinmUndnog^) and die Verbe-ü>serung der Aa»- 
mUndoDg des Kaualo« verlangten. Diu tccbni^ichen lichürdva sprachea 
sieb gi^gvn den S«blcasenbaa ans, gegenüber dessen Ko«tspicligkctt. 
Schwierigkeit nnd Naiihteiten die nur selten cintrctendon über- 
»chwemmnngen der VorstÄdtc das geringere Cbel wfiren; überdies 
wurden die aus der lieren Lage der VurstAdtc- bei HucbwA#«ern 
nnd Eisgängen entspringenden Xschteilc durch die tdlmlUi liehe, 
gleichmllßijce Ei-h»hun^ der Ufer de» Kanales sowie der StraAco 
nnd HftDMr auf den niederen GiUndcn von Jahr zn Jahr vermindert 

') 6«l*geiitlic^ Jtcaar V«>tianäluiigen •praob «ch Wu*crbkiiioa|i*klor NIkaUaa 
in OeiteDiatte tu dem nunmehr fait ron all«a SeiUa erbobeaem Kur« nach «in«r 
Ki>n»«ntrii^rufig d«a Sirotnoa (regSD di(««1lio, in»bgiK»ii]«re gegea Au Atapcrmng 
dM KiiMrifUMri all q!ii«d di« Dbertc]iwciumuDgi(r«falir«a crhttbMideii Vor- 
§»t^f »IU- Pdr dt» UtDg««Ulluii^ (Im KalasmMiaia au oln^ni l^cliiAtihrtikaaKlt- 
■pndi »ich auch Oberbaadiicktor Bauragamor aiu induniricütn nni) Miniilrco 
BncInUbtBn aiu. (ItautegUtratar. Paaz. bi. Z. 27.667 feu> lfll«,> 

-| t?o itieg licim EivanKe IMT inrolitc UuckHliwtlluDir durch dla an der 
KanalaDamDodani; angehüuflKi £iiinBM«n d^r Kanal aiir th Vnt 14*71 «•] «nd 
lllKman die LTei. Mthrond <U« Watttt im IJanptiironi ftleicbMiile nur eilte 
Ht^lie von 7 FbU (S-^l ni) orrdditB uad der ltrigillsDan«r iJwuim weder tnd B*e 
bedroht aocb tborroaBeoi wir. 

^ Eiac «oloha SptTTvorrtcKlnog bcätn EiaÜiitea de* Donau Itanate» war auok 
I8S6 b«i don Toibaadlun^i Dtwr ScbnntsinfirBgreLD gofcn «las ÜbvncbwtaiiDBagt- 
gabhr »am InconUur Obw«l von Vaccan! Iixntta ([1 werdsn; alo mUi« aiu «(ner 
KaJiMeninBucr u&d znei KiDacDkungafchlfToD befUhaa, walebe Im drohendeo Klt- 
gtagen eingoUnct wQrtlea. Eiiio dernillfs VorrlchlPDjc hatte Vaccaat lo Tfruloa 
beisi Uoek Rr KrieirMchlSi! KC*(Jien. (Baaregwtralur. t'aas.jIS, Z. 28.927 aua 183B 
noi 38.969 am 183D.) 



80 

Eine VerbeesernDg der Kanalaasmündong aber, welche bisher in 
einen Seitenarm erfolge, sei dnrch die Zuleitung des Hauptstromes 
znm Ausflüsse ohnehin beabsichtigt und bevorstehend. Es worde 
daher mit kaiserlicher Entschließang vom 13- August 1846 nur die 
Erbauung des Ergfinzangadammes genehmigt; doch verzögerte sich 
die Ausfuhrung infolge der ungünstigen Ergebnisse des LizitatioDs- 
verfahrens and infolge der Schwierigkeiten der Grundablösung, wes- 
halb am 22. April 1848 die niederösterreichiBche Regierung dieser 
Hindemisse wegen vom Dammbsu als minder dringhch und daher 
nicht zeitgemäß dermalen abzugehen beantragte. Doch schon wenige 
Tage spater erschien er, allerdings von einem ganz neuen Gesichts- 
punkte aus, als höchst zeitgemäß und so dringend, daß er über 
Hals und Kopf begonnen wurde. ') 

Kapitel 18. 
Die Strombauten bei Wien im Jahre 1848 und 1849. 

Die Sturmwellen des Jahres 1848 spielten, so sonderbar es auf 
den ersten Blick erscheinen mag, auch in die weit abseits vom politi- 
schen Getriebe des Tages liegende Frage der Donauregnlierung bei 
Wien ein. Seit der Zeit Kaiser Josefs II. war nicht soviel in einer so 
kurzen Spanne Zeit an der Donau gebaut worden wie im Sommer und 
Herbste dieses Jahres. Die seit mehreren Jahrzehnten äußerst umständ- 
lich und schwerfällig geführten Verhandlungen hatten fast kein an- 
deres Resultat geliefert, als daß die Akten sich zu schier unQberseb- 
bareo Bergen anhäuften und es war schon eine Tat, wenn hie und 
da der Donau etwas am Zeuge geflickt wurde, was nicht selten bald 
wieder aus der Naht ging; allen kostspieligen, wenn auch noch 
so dringenden Bauten ging man beharrlich aus dem Wege, denn 
an Schonung der Finanzen hielt man sich als den obersten Grund- 
satz, auch wenn darunter die vitalsten Interessen leiden mochten. 
Im Jahre 1848 wurde aber gebaut, ohne sich über die technische 
Ausführung, ja nicht einmal über die Kosten viel den Kopf zu zer- 
brechen; es wurde gebaut, koste es was es wolle. Es wehte eben dai- 
mals ein gar scharfer Wind, und man hatte alle Mühe, das seit gut 
einem halben Jahrhundert verwahrloste und vermorschte Staatagebände 
in den Fugen zu erhalten. 

1} BftaregUtntar. Fabz. 53, ZZ. 650, 6S32 und 27.667 au 1846, ZZ. 20.366 
und 37.2Ö2 au 1847, ZZ. 4110, 13.398, 14.766, 14.767 aot 1848. 



81 

damal» herrschende fnreibtbare wirtAclisftliohe Kotataad 
rflekte »ifth in vielen ta Tuenden von erwerbslosen, hang-ertKlen 
ontl daber gefkbriirben Kleiaenten ans und es muLiU-it Mitist 
und We;^ ^cäucbt wcrdvo, um dicfie raii der Reichflbanptotadt 
«]s dem Hauptfcuurherde »u entfernen und tlurch ihre ße- 
achjlftipunjr aulWbalb der Stadt d«r Hewe^iing an ZUiidj<toff xu 
«ntziohen. Ea vunlcn daher die sogenannten *Nul£taiidbauten< in 
AD^ffgeiiominen. als n-elcbe die RegnlieningHarbeiten od der Donau, 
wie der Minister fOr öffentliche Arbeiten Schwara sich äußerte, -sehr 
willkomiueii naren. da siu cincnviu die Arbeiter aus der Stadt and 
den Vnr^lJldlen entfernten, vorzü^tch durch Krdbew^ung HUnde 
in Anspruch nahmen und andcneiti; durch ihreAn^ftlhmng bleibenden 
Nutzen schufen*. Du die bedrohliche Situation k«iucii Zeitrerlasi 
fbr nsbero lechniecJie Vororhebungfn nulieli, wurde in dun eralen 
MairiLgen in grivßter ECüe mit den Bauten lK-gon»eti. Vom Mai bis 
Oktob<>r d. .1. vrurden ungefähr 1'/- Millionen Gulden') fbr Not- 
itnndbauten-), welche in eigener Regie geführt worden, atugo^boD, 
hievon etwa ''j Million (494.1)4711.') fßr die Hauten an der Donau. 
Es wurden folgende Etegulieruogsarbeiten damalain Angrilf^-- 
oommen, grüübenteilä aber emt in den folgenden .I»hren vollendet: dur 
ErglUizungsdomoi in der Brigiltvnau, welcher im Jahr 1846 zwar nur 
aufni.OOOH. »eranscblagl worden war, infolge der außsrordendieben 
Teoernng jedoch nunmehr auf 77,000 ti. «u stehen kam, die Ver- 
lungerung des Schulzdamme* in einer Höhe von 24 Füll I7'ä6«) dein 
rechton Ufer cntUng in den Fratcr. die Rrbwhung den Xatldorfer 
Dammca auf 34 Fuß (7-56 m), die Neuanlage der StraCte durch die 
Taburna. die vollstHndige Abüchlieüung der Scbwannen L:iekf*>, 
woleb'- durch .sechs Jahrzehnte immer wieder hiiiauBgeschoben 



*) Atittr daa Waweibauloa talha nocli tolgtaäo AiMlui In dl<«c Kategorie 
San der Altl*reh«tif(l<tor Ifarrkircko, d«a SohnlliMiiM In dar Jij^neile. d«> 
tatiwa« IrrenhauM«. l'DletcuDji der Wabrisf^ Ocr^traDe und iei SiraBc Ober 
den Winner Bcric. 

') AaC Utkonttniittioa*- iind KotucrrMioDttMiiWa. Mwl» RrflckonliaMeU nagen 
worden reraufr>bl im JnJit«. 1847 \79.iU ä , ha Jabre Iß48 491.047 fl., hn Jakr« 
1849 sib.ooua. 

*| Aii[ dem AbMÜiluBdunaD« der Sctinanan Lncko itvht haala nocb ain 
IJaniLakin, wvlelitr dlo Uuclistabea KKl'llU \K. k. rroviniialbaudirektioa), den 
Anbngtbnolwtabea äna loiiMidan WasacrbatüBgeniMu« llioiiikjniir. und dl« Jakree- 
[aabl 11^(8 tdgt (9m{t«1. GoKiucbto ttoiiibdaTt*. K. iMl). 

Ji^rkttb 4. V. t. l4<4Mku4*. 19I&. S 



wordeo war, die Wiederheratellung des HubertosdammeB in seiner 
urprllnglichen Kronenbreite von 6 Schall (L'19m) and seine £^ 
böhung bei Lang-Eazersdorf auf 15 Schab (4'74ni) and gegenüber 
Naiidorf auf 20 Schub (6*3 m) ober Null, die Verlängerang des Hu- 
bertusdanim^ bis Floridsdorf, die Errichtung eines Dammes von 
der Poststraße ausgebend bis zur Nordbahnbrücke in einer Höhe 
von 16'/} FdQ (5*21 m), die Regaliernng des Brnckbanfens bei der 
Ararialbrücke, die Herstellung einer Daramstraße über die Schwarse 
Lacke an Stelle der über diese führenden hölzernen Brücke ') und die 
Regulierung des Donaukanales bei der Sopbienbrücke. Um die Äus- 
mündnng des Kanales zu Terbessern, welche bis dahin in einen 
seichten Nebenarm der Donau erfolgte, wurde die Donaustreoke von 
etwas nnterbalb der Ausmündung des Kaiserwassers bis Fiscbamend 
mittels eines großen und starken Leitwerkes vom Schirtiagbaofen 
bis zum Schusterhaufen reguliert, wodurch die ganze Donau an der 
Kanalausmtindung vereinigt and der Stromatricb an die AusmOodang 
des Kanales verlegt wurde. ^j 



') Die Konmianikatioii der Stadt Wien mit dta uUrdllchen Provinzen wurde, 
RO oft die Donaabrücke dnrch ElementarnnfjUie xeretCrt wurde, darch die Überfuhr 
bei NoGdorf hergeitellt. Um die fast jährlich wiederkehrenden Ausgaben auf die 
Uentellang doa Weges von der Nulidarfer Überfuhr nach Jedlssee au eraparen, 
wurde 1S21 eine bleibende ZufahTtsitraüe durch die Schwarzlackenaa mit ainem 
Kosten aufwände von ]7,620fl. gebaut und über die Sohwarse Lacke eine Schiff- 
brücke errichtet (Banregistratur, Foiz. 53, Z. 212 aus 1821). 

-) Archiv des k. k. Finanzministeriums. ZZ. 1613, 2008, 2639, 4795, 4898, 
&733, 6171 aus 1818, Z. 11.251 ans 1819. Pasetti, Denkschrift. III, 23, 4Sff. — 
Nachdem im Zeiträume 1833 bis 1842 die Strecke bei Fiscbamend baupUIchlich 
durch einen Durchstich gleich unterhalb des Ortes reguliert worden war, wucd» 
in den Jahren 1850 bis 1861 der Hauptstrom, welcher bis zu diesem Jahre dnrcli 
den linkseitigen sogenannten MUhlleulnerarm ging, in den rechtuaitigen, sogenanntea 
DorfnaaEcrarm gelenkt. 



8S 



III. 

DIE DONAUHEGULIERUNGSARBEITEN BEI WIEN VON DER MITTE DES 
XIX. JÄHEHUNDERT8 BIS ZUK GEGENWART. 



Vorbemerkung. 

Entgegen meiner im ersten Teile der Arbeit (in .fahrbuch II, 
121) ausgesprochenen Absicht, die Darstellung mit der Mitte dee 
XIX. Jahrhunderts abzusehließen, führe ich nunmehr in einem 
III. Abschnitte die Schilderung der Rcguliernngsarbeiten an der 
Donau bei Wien bis zur Gegenwart. Wenn auch fUr diesen Zeit- 
raum Ijereits eine umfangreiche, zum groÜen Teile offizielle Literatur 
vorliegt, so dati einer Durchsicht der archivaliscben Quellen fast 
giUizlich entraten werden konnte, so nahm ich doch den j\Taagel 
einer zusammenhängenden und übersichtlichen Darstellung des 
Gegenstandes für diesen Zeitraum wahr. Aus diesem Gruijde, wie 
auch im Interesse der Abrundung meiner Arbeit schien mir eine 
wenn auch nur übersichtlich gehaltene Schilderung auch der letzten 
Bauperiode doch geboten zu sein. 

Kapitel 1, 
Die Regiilierungsverhandlungen in den Jahren 1849 — 1851. 

Es ist ein Irrtum zu glauben, dall die Bewegung des Jahres 
1H48 ohne Erfolg im Sande verlaufen sei. Zwar wurde die Bewe- 
gung mit Waffengewalt nifdergcrungon, doch ohnt! nachhaltigen 
moraÜMchen Erfolg ist sie nicht geblieben. Wenn auch die alten 
Trilger der Herrschaft wieder das Kurier in die Hand bekamen, 
so sahen sie sich doch gebieterisch auf den Weg der Reformen 
verwiesen. Die revolutionäre Bewegung gab trotx ihrer Niederlage 
den Anatoll zu einer tiefgehenden Umgestaltung des inneren Staats- 
leben (.)3terreicbs. eine Umgestaltung, bei welcher wesentliche 
Grundsiltze und EinrichtuDgen aus dem Programme und aus der 
Arbeit der Kcvolutionszoit übernommen wurden.') 



') Georg Kaufmann, \HiS. Vorlcaungen, gehalten im September 1904 in 
Salzburg. Ja: >Dai WUsen für Alle«. V, 17 f. 

6* 



84 

Die neue Ära ist eine Ära der Taten. Es ist, als ob Öster- 
reicli aus dem Schlafe gerüttelt worden und nun erst zur Besinnung 
gekommen wäre, daß es das seit 1815 Versäumte nachholen müsse. 
Es ist eine Ära neuer und höherer Gesichtspunkte, nach welchen 
das alte Österreich zu einem Staate im Sinne der Forderungen der 
Neuzeit umgewandelt werden sollte. 

In diesen Jahren reger Schaffenstätigkeit hatte es den Anschein, 
als ob durch die zielbewußte und schöpferische Tätigkeit des 
Ministers für Handel, Gewerbe und Öffentliche Bauten, Karl Ludwig 
Freiherrn Brück, welcher auf dem Gebiete der Volkswirtschaft eine 
bahnbrechende Wirksamkeit entfaltete, auch das Problem der 
Donanreguliernng bei Wien der endlichen Lösung zugeführt werden 
würde. Die Bedeutsamkeit des Donaustromes für die habsburgische 
Monarchie in volkswirtschaftlicher und politischer Hinsicht druckte 
er durch das lapidare Wort aus: »Die Donau ist der große Faden 
unserer zukünftigen Geschicke«. Der Schlaffheit und Schwerfällig- 
keit gegenüber, mit welcher die Regulierungsverhandlungen in der 
vormärzlichen Ära geführt wurden, tritt es umso schärfer hervor, 
daß nunmehr ein kraftvoller, entschlossener und weitblickender 
Geist die Führung übernommen hat. Schon bei Beginn seiner Wirk- 
samkeit — Brück trat nach der Niederwerfung des Oktoberauf- 
standes in das Ministerium Schwarzenberg-Stadion ein — faßte er 
die Frage der Donauregulierung bei Wien ins Auge und ordnete, 
um die erforderliche Grundlage zu gewinnen, die geometrisch- 
hydrotechnische Aufnahme der Donau zwischen Klosterneuburg und 
Schwechat an, welche im Jahre 1849 durchgeführt wurde. Die 
Aufnahme geschah im Maßstäbe von l Zoll = 40 Klafter, woraus 
sodann ein Übersiehtsplan im Maßstabe von 1 Zoll ;= 200 Klafter 
angefertigt wurde. Sie geschah in horizontaler und vertikaler 
Eiehtnng und enthält außer den nivellierten Höhen und sondierten 
Flußtiefen auch die konstruierten horizontalen Schichtenlinien in 
der Höhe von zwei und zwei Zehntel einer Wiener Klafter, so daß 
jede noch so geringe Vertiefung oder Erhöhung ausgedrückt ist und 
nach jeder beliebigen Richtung Profile genommen werden können. 

Ferner setzte der Minister zum Entwürfe eines Projektes für 
die Stromregulierung eine Kommission zusammen'), deren Aufgabe 
er durch ein Programm vorzeichnete. Dieses umfaßte: »1. Die 

') Die EomniiRsioQ bestand noter dem Vorsitze dee Sektion i-Chef« von Hoyem 
ftiu Dr. EiningeT. Stattbalter voo Niederfiaterreicfa. FeldinftrschaU-LentiiAot von 



eigcntiiclie Strorarfignlirrong; 2. di« Umgcslaltong des Wiener 
Dunaukanalea auA seinem dennalif;en Zuatauile eines natürlichen 
Uünuaanne« zu einem kQnstliohcn Schiffiikrtsknoalc: 3. d'm Hur- 
stcllun^ rinor 8iuadl)an«n Vcrbindtuig Über die Uonuu miltvls einer 
soliden, den jAhrlichi-ii ZcrstCrgngcD durch Uoehwsssur oder Gisf:flDge 
niclit unterlie^reiiden ßrUpke<. Die Vorlugen für die Beratunje; n-aniti 
«ii^«dehnt«rer Art nU «ie joiDAli« vorher auf^c^tüllt worden war«n 
and jeder Puakt de« Frograiuai« durch otlh«re ÄusfUhrungBn so 
•charf und innfaMend wie nur mUgtich präzisiert. 

In die Kommission waren auoh Abgeordnet« der Terschi-'dcMion 
Korporalionen suf^nommcn worden, damit die allseitigen \Vliii:^he 
and lRt4Tr»s4;n und die Art ihrer Bcfriucligung xiir Spruch« go- 
br.ichc werden k&notec, wahrend es Sache der lecbniaclicii 
filiwler der Kotnmi^^ion »ein »olllc. allen di««on iVnfordt'rungeu 
Fonn und bi^i der IVojf^ktabenrbcitung tun1i<^bAt6 BerDcksicIitigung 
zu geben. 

Die kommiasionellen B«ratu&gei), welche im Ftibruar, ^Ittrx 
nnd April lÖÖÜ ftattfAndirn, ftirdorton l'ol^Gnd^ Er^cbniss« lutage. 
Ka wurdv vcir allem klar gulcj;!. dali xuiu Zwecke einer uadi- 
haliigttii, niiionellen Ri^gnlierang ein größerer ond zwar ein natQr- 
lieber Terrain abaclinitl mit einem Male in Frage genommen wurden 
mQMe, wi<i v» im vürliogundon Fall« daa Wieni-r Bi-ckun von der 
Stromeiiiengun;; zwisoheu dem Kahlen- und Bisamberge bis zu 
Jener bei Hainbiirg und Tbebea s«i; es wurde femer die Kegu- 
tiernng des U'-nauätromeä al» die Hauptaufgabe erkannt 
nach der<;n Durchführung erst die nötigen Arbeiten am 
Donankanale und die Stellang einer atabllen BrUcke in Bracht 
kstnea. Die MajorilAt der KominiMion entschied sieb, den Serum 
vom Kahlcnberge an bis Kaisir-Kbersdorf in natürlich tlaRheo 
■Korron in dt-r von der natUrliclicu Urbildung dra Torrains auge- 
xeigteu. talartig aicli binzivhendun Vertiefung tcilweiae mittels eines 



Bjulali als Ali{««ri1nMen der AluulaulQ der Wltitniduftea. Sekitoniral Dr. Weift- 

lunti aU AbjtfOtdDul»!) dsa Miniileriuma (]«• InonB, KroUral S<ihl»M«r al« Ab- 
^gMtdoeicn der Stal(hnll«rel, den SeklloBsrlilcn dto llandelunliililprlDni« vonltopter, 
■ von Mllla. van frwt unj Pualli, Ob«riD«iiokt«r Xodtn, lBap«ktOT von CUcbor. 
loborlnreaüiut Waiitdl, Wuwrbaaiiupcktar Ntciriau*; Tinuir •)» AbgaordoMHi io* 

(l»metai)vr»t«>^ frofaMor irr Baakaatt Ki«a»t, ZbBm«nn«i«t*r 8«l)*onile, Jaka dm! 

Engel; ali AbfMcdatMa de» IngvaJeartcniaM: la^vnUur BeiaMber. 



86 

Durobscbnittes zu führen'), ein Stromlauf, welcher im wesenUichen 
mit dem 1811 ron Schemerl vorgefichlagecen zusammen&eP); ab- 
weichend von Schemerl wollte man auch das Kaiserwasser erhalten 
und dazu benutzen, um die erforderlichen Winterhäfen, Werfte und 
DoclcB anzubringen. Gegen einen Durchstich sprach eich mit aller 
Schärfe Sektionsrat Pasetti aus. wobei er die hohen Kosten und 
das zweifelhafte Gelingen desselben sowie die dabei sich ergebenden 
Gefahren geltend machte. Gleich Ost«rIam, Francesconi und Kudri- 
affsky wollte er das vorhandene Hanptstrombett bei Wien beibe- 
halten und bloü die bereits bestehenden ReguUerungsbanten er- 
halten und fortsetzen. Die Anschauungen Fasettis fanden indes nur 
bei einer Minderheit der Kommission Beifall. 

Das Konsumtionsprofil des neuen Rinnsals wurde nach den 
Erhebungen des verstorbenen Wasserbaudirektora von KudrlafEsky 
mit einer Breite von ungefähr 200 Klaftern (380 m) bestimmt, 
während die beiderseits zu errichtenden Schutzdämme in einer 
Entfernung von 400 Klaftern (760/«) von einander und mit einer 
Höhe von 24 Schuh (7-6 m) über Null — der Marchfelddamm 
sollte etwas niedriger sein — angenommen wurden. 

Nach der Annahme der Trasse war die Kommission Über- 
einstimmend der Ansicht, daß nunmehr von jenem Punkte des 
Minis terialprogrammes abgesehen werden könne, welcher die SchifF- 
barmachung des Wiener Donaukanales fUr Dampfer bedinge, indem 



') Zur KltLruDg der Ausichtea über den natürlichen Lauf der Donau im 
Wiener Becken trugen insbeiondere die AusfUhruBgen des reldmarschaJl-LentuaDtB 
Haiulab bei, welche darin gipfelten, daß sich nicht nur an den AuBnlindtiDgea 
der StrSme and FlUsse ächuttkegei anaetzeo, sondeni auch in ihren eigenen 
Betten überall dort, wo lie aas einer Einengung in eine Erveiterang Übertreten, 
infolgedewen sich eine Zersplitterung des Flaues ergebe; bedeutende Serpentinen 
an solchen Stellen seien als verwilderte Krümmungen aufznfassen, welche eich 
fortwährend Jindem milOten, wenn nicht durch iweckmilßige Bauten vorgebengt 
werde; der bleibendete und daher erwUnachtesto Stromlauf würde ein solcher sein, 
welcher sich zwischen festgelegten Ufern in möglichst sanften Kurven fort- 
winde und dessen Slromstrich müg'lichst in der Mitte des Bettes liege. Auch 
historische Gründe machte Uauslab flir die Durch itichatrasse als die natürliche 
Stromtiaue geltend, indem er darauf hinwies, daß ursprünglich das Kaiaerwasser 
der eigentliche Hauplatrom war und noch im Jahre ISl? an der Einmllndnog dei 
Kaiierwassers und im damaligen llaoptstramo gleiche Wassertiefen waren. 

') Eine ähnliche Trasie wiesen auch die 1826 von dem ungarischen 
LaBdea-Obar-BaDdiiektor RauchmQller und 1849 vom lombardiscben Bandirektor 
vm Negrelli ku eigener Initiative vorgelegten Projekte dem Strome zu. 



87 

nun tluri-b iHr Hsupislrumrir'biuiig die Hikfea iüv (iieDanipfwhilT>> dvr 
Stadt genogend oabu angclcfit wcrdvn kuiiiit^rn und dir F.rbultutiR 
«in«« FMbnVMMni im Kanäle für die bieberig Jlbiicbc» Schiflv alle 
AnforderuDgcn b«fri«dificn werde. E« vardo dnbcr bmchloiwiii, de« 
Wirncr DoDnakaiial tn seinom OamnliKiui Zoildride »h nailirliofavn 
Flal'nrm »u belassen, jedoch tur Vcrhtitung von Cbcrscbwemraunp»- 
gcfabrcn durch d«ns«lbcn ibn na «einer Einmllndimg niitteU einer 
ätatlüelilcaM; venioblielibar b^noricblen. 

Ferner stimmte die KommiTiiiion darin Ub«rein. dnß Itar eine 
Brücke Über den Strom pebnut werden solllß. welch« «owolil für 
Ha» f^wnhnticbe Fuhrwi.Tk urii- für die Kifteribabii<!n zn dient-n 
btlltc. ufitl xmir uu» r«»tcn) SJntorinle. E)i»en '.>der äteiii, und dati sie 
in die vcrlänjTvrte Riohtong der Jü^i-ntPÜL' ii*r.')I*n'tr«ll*) zn ver- 

le^^ wfirA. 

Endlich Word e der ItcschlnÜ "efaUt. dali naAb dem l'ru^Tiinime 
rin HauptbriTrissc-runfi>trrubcn fUr das Mnrrbfeld bei I^ng-EnMr«* 
dorf aas dem Ilnaptstroni© abgeleitet werde, der sieb IftOff* des 
Rande« der da» >tarcbf«ld lH;^renr.eiiden Hubvnxüg«- mil mÖglicbBt 
frerin<:&ni (i<-fiUle bis in den KaUbarh zu (>ratr«cki>n hatte. 

Nachdem auf dies« Wtiine die Qrundztl^ der VMr7.iin<>hmvndL-n 
Stromrtgotiening nnd der datnil In Verbindung stclieBtlen Han- 
aidageo fe«t»i'.iciKt worden waren, »ülltv an div DelailauNirbeitn»Ki?a 
gr«obritt«n wi-nlcn. Doch ehe diese in Auf^ifF ftenuninK-n w-unlen, 
wurde der Handel-iminiater Fwihcrr von Uniok. welcher die Stv\f 
der so verbeitinDctToll be<;onnenen Aktion war. im Mai 18&1 ent- 
lassen; er fiel als «in Opfer de» danialn sieh rollziehenden politiM>lieD 
System wccbjcla und durch meinen Sturz wurdv div Lösuu^ dwr 
Frage »«uerlieh hinauKge»cbobeii.') 



Kapitd 2. 

Die Denkschrift Pasettis vom Jahre 1H59. 

Itiiiek hatte zar tei-lmit>eb-adniiniitlntliveit Leilmig dt» Bau- 
diensn-s der Monnrehie Jiu Anlang des Jubn^a ISöO eiue Gcneral- 
BaudircktioD einpen^izt, an deren Spitjc Panctti pentelli wurde. Dieser 

"> Dk ItotokoUg in 1(W> >tAtt|:aftind«iieQ Bcrminngea aind (n Knf««r» 
AUpMiniaxr Run toi tili' f. IR£0, B. 41—137. abffdnMkt Irli babn ■!« In den wmfbi- 
Iklutra Punkten lelltrrttB wflrllleb )<ti«dcrrrK*''^B. Du Ptopomtn it*r Verband- 
Isngr«« IM ir«ilN>ckt b1«^. Iil«Atur oiu) AnicifftUaU. B. 2tS— Sl«. 



88 

faßte 1859 seine bei den Verhandinngen im Jahre 1850 geraachten 
ÄnsführungeR in einer ansfuhrlicfaen Denkschrift ') zuaammen, wob^ 
er nur insofeme von denselben abwich, als er das Kaiserwasser nicht 
mehr als Arm erhalten, sondern als Hafen einrichten, mit Eammer- 
Bchleusen Terseben, am oberen Ende mit dem Kanäle, am unteren 
Ende mit dem Haaptstrome in Verbindung bringen und den Donaa- 
kanal auf 6 Fuß (1'9 m) unter Null vertiefen wollte. Eine Reihe von 
Korrektionsbauten in diesem Sinne hatte er bereits in den Jahren 
1350 — 1859 durchfuhren lassen und er setzte seine Tätigkeit bis 
1866 fort (Gesamtaufwand 1,600.000 Gulden). 

Das Projekt Fasettis stieß jedoch auf den Widerstand des 
Finanzministeriums, dessen Leitung seit 1855 der frühere Handela- 
minister Bmck hatte. Sektionsrat Streffleur, welcher das Projekt zu 
begutachten hatte, legte demselben zur Last, daß es auf die wichtigste 
Auffassung des Gegenstandes vom nationalökünomischen Standpunkte, 
nämlich auf die Nutzbarmachung der Wasserstraße für Wien als 
der Hauptstadt eines großen Reiches und als einer Weltstadt nicht 
genügend Rücksicht nehme, da die bisherige, von Pasetti beibehaltene 
Stromfuhrung mit der Entwicklung Wiens zu einem Hauptstapelplatze 
für den in Aufschwung begriffenen Handelsverkehr nicht im Einklänge 
stehe; zu diesem Zwecke müsse der Strom möglichst nahe an die Stadt 
gebracht und die Eisenbahnen an den Strom gezogen werden.^) 

Doch wurden diese Verhandlungen nicht fortgesetzt, da die 
kriegerischen Ereignisse des Jahres 1859 die ganze Staatsmaschine 
ins Stocken gebracht hatten. 

Kapitel 3. 

Die Regulierungsverhandlungen in den Jahren 1864 — 1868. 

Einen energischen Anstoß zur neuerlichen Aufrollung der 
Frage gab die verheerende Überschwemmung im Jahre 1862. ') 

'; Denkachrirt Über die KegnlieruDg der Dorbu von äer Knchalsu bU 
FischamBnd. Die Schrift WDtde in eioigen Exemplaren lithographiert. 

') Archiv des k. k. FinftoK-UlDisteriums. ZZ. 1690 Dud 2076 itn« 1858, 
Z. t062 aus 1861. 

'} WieScbemett und Francesconi im Jahre 1830, so wies damal« Ober-Bau- 
rat Wei darauf hin, daP durch die Einbaue bei Nußdorf die Hochwasser in einer 
Dm 4 Fnä (l'26in) grCCeren Höhe in den Uonaukanal hineiagedr&ngt und hie- 
doTch die Überschwemmungen der Bt*dt Wien verheerender geetkltet wUrden. (Wex, 
tlie Dtnutnnpiliernng bei Wien, in : Zeitschrift des Uster reichischen Ingenieur- nnd 
AvddtektMi-Terdnea. 1871, 7. und 8. Heft). 



89 

CbLT rindrinplicl»' Verwendung des niederüsterreichischen Landea- 
aus8ebus»e^ und den Wi«&ur Qrmeiaderate« vmrdo niit allerbüclister 
Entschließung vom B. Fvbruar 1864 eine Kommission sur Feat- 
ateUung des K«f^ieningnpn>jektu «ingeitetxt, «elcbo ftbor infolge 
der diimaia herrachpnden inneren Krisen Oaterreieli« erst im Johrn 
18Ö6 einberufen wurde; nnch zvrv'i einleitenden Sitzungen eriitteö 
die Vvrhandloogcn durcb den Kric.-^ mit Preußen neuerlich eine 
Unterbrechung und wurden erat im Juli 18Cu wieder aurgeaontmt-c. 
Aus dijf Komiiiisiiion, welche aas den Vertretern des .SUata- 
□ÜJÜsteriuins i;MiuiHtcfiunu des Innern), des HandeU-, des Krieg»- 
uod des Kinanzminifitvriuma, aus den Abgeordneten der niederOster- 
reicliüclten ätatibalter«),dea nieder<KiicTreiabi«cbeii Laiideiiauoschnsae«^ 
dM Wiener Gomcindoratea. di-r niederi^terreiohischen Handels- 
kammer, der Doaau-DampfAebiffabrtä-G»:iellKhftft und der Kaiser 
Ferdinands- Nord bahn bestand, wurde «in engeres Komitee unter 
dem Wräitz« de« Oeueraluiujon Kreiberm von Scboll gebildet. ') 
Da« KomitPC sdzte znnfteh»t das I'rogramm fest, weichest in Um- 
ruise& bereitA bei den Verhandlniigen im Jahre 1866 klar gelegt 
worden war. Das Programm ginir wesentlich vom voIfcswirlwTbaft- 
liohiia (icitirhlspunklv itua und prsziiticrte die Anforder aogcii, 
welchen die DonaurcgaUernng mit Rflck^ichc auf die BedUrfoiaae 
der }^(It Wien und der Schiffahrt ku genUgeii hatte. AI» «Oogen- 
stand lies fe«t£a«etzendon Donaurcgulierungaprojekte«« wurde >die 
Regulierung;; der Donaustreckn bei Wien vun der Kuchelaa bia 
Fischamend« angenommen.^) 



') Ib d«r drIttoB KoniiDiMioa4«ilitiDg am 13. Jnli 18S7 kootti tuten e «ick 
9mm KenlU* am fol|;«nd«n Mil^ieäera: G«neralm*Jor freihtn von Seholl. 
HlBlmariiilrBt FrclbMT v«b pM«iti, MiBiit«ri*liBi K. roa Wvbli, ^cktintunt 
DobUr. Oberbsural Wex. I.andoikimefaall von Ciedlk, Bütg«m«iit«r.^U II Vertreter 
Dr, t'etdvr, Hiuiilel«k>Biiiiomi 1(. IJ, Scbatld, Rt^wuupmt lt. toii EJcMw. 
Ktgmvngtnt fLrovYafnÜt. I>iunpfiehiirabn«^ DJroklor TtiUn roaCawaa. Obar- 
inn^kior lUiier tod MeiOaor. E«(l Frciben von Suitner, Holkoniipiit Dr. Weatsr- 
Msyer. Im .iann«r 1R6S iruHo dar in den Kubeatand v«f«otitt UiBiM«rtalr«C 

Pkwiii durth Sektiontinl Waniefc er>«tet un^ im Jnli 19^8 trat fDf dcB Tor- 
itoTiMD«n UheriBipekior 3IelDaer S«kti«Mrii Chsmal ein. 

'-) Hl«l>«i irar tUe KrwlifUBg tg»Cg«beDil, •4aS <!!• K«guU«nin|f divacr 
Stfomttrwk« Mttwtitidlg ohne Cefokr duTebgeltlhrt werden kSiiDe. dall iemtr aa 
dl» RegolIeriiBg der Dobbd in iiDinIlirlIxirvr Nike einer *« bedeaivndes fitodt wi* 
WJKn snifrrr Anforderangen gCBlellt verdea und aach dl« t onUHlunendeB WuHf- 
l.aolCD aad<'ror Are »ein uüMMn ala dl«« bei «Iftom Ib offeiuma Lud« ek& hln- 
sJehaadan V\nm ganihBliek d«r Kall ni*. 



90 

Als Hauptzweck der Regulierung wurde biDgestellt, >clen 
ganzen Strom in ein Normalbett zusammenzufassen, alle Nebenarme 
abzubauen, durch eine entsprechende Führung des Stromes uud durch 
zweckmäßige Uferbauten die Stadt Wien und das Nebenland der 
Donau vor Überschwemmungen und schädlichen Seichwässern zu 
schützen, ferner die bisherigen SchiSahrtshindernisse zu beseitigen 
und die HerBtellung einer solchen Wasserstraße anzustreben, als sie 
für die gegenwärtigen auf dem Strome verkehrenden Dampf- and 
Ruderacbiffe grüßten Tiefganges im befrachteten Zustande erforder- 
lich« sei. 

Wie schon das Programm vom Jahre 1850, betonte auch das 
neue Programm, daß der Donaukanal infolge des Umschwungea 
der Verkebrsverh&ltnisse auf eine bloß lokale Bedeutung herab- 
gesunken sei und daher >die an demselben allenfalls nötigen Ar- 
beiten nur nach Maßgabe der an der großen Donau vorzunehmenden 
Regalierungsarbeiten festzustellen wÄren*. Gerade dem schwierigsten 
Teile der Frage jedoch, über welchen seit sechs Jahrzehnten ein 
heftiger Kampf der technischen Meinungen bestand, ob nämlich die 
Regulierung mittels eines Durchstiches oder mit Beibehaltnng des be- 
stehenden Stromlaufes durchzuführen sei, ging das Programm mög- 
lichst aus dem Wege. 

Funkt V desselben enthielt bloß die Bestimmung, »daß 
mit Rtlcksicht auf den Umstand, als die zur Hebung der 
Schiffahrt und des Handels nötigen Anlagen und Bauten einer- 
seits an den Hauptstrom verlegt, anderseits der Stadt Wien tunlichst 
näher gerückt werden sollten«, »die Verlegung des Hanptstromes in 
ein der Stadt näher gelegenes Bett der Regulierung des bestehenden 
Hauptstromes in dem Falle vorzuziehen sei, als durch diese Verlegung 
der Hauptzweck der Donauregulierung gleich sicher erzielt werden 
könne«. Die Majorität der Kommission war für die Regulierung 
mittels eines Durchstiches gestimmt und auch die vom niederöster- 
reichischen Landesaussehussp und Wiener Gemeinderate 1865 be- 
rufenen Experten, Oberbaurat KJnk, königlich ungarischer 
Ministerialrat von MihAlik, Oberinspektor der Generalinspektion der 
Eisenbahnen Riener und der jubilierte Baudirektor Baumgartner 
hatten sich für einen Durchstich. Jedoch nach verschiedenen Trassen 
ausgeäprochen. 

Dagegen verharrte Ministerialrat Pasetti auf seinem schon 1850 
und 1859 von ihm entwickelten Projekte und die damalige Regierung 



91 



Mbien fUr «einen Plan eiD|>CTionimen zu sein, um aus tlen durch dieae 
Stichtage geBobafien«!! Schwit'ri^^keiliL'ii einiin Ausweg zu I>abiien, »chlug 
die Komiuinaion Tor. 'vurujküscb lun-rkuantc NotiibilitttiirQ ini WaKsi-r> 
bau ak Experion zor Abgabe ihres Gntaclileae ^iozuUdvn, bevor 
da» Kumitoe die Peetitotxuiig darTruMi« ilus I>otiaaufcrH in Borutuiig 
ndbinu* . 

iMngt'tnali wurden als »olche Jame» Abernethy. /Civibogtuiivur 
in LoihJod, Uollfailf Hageo. köni^jlich preußischer Oberbaadirvktur 
iD Berlin. Gciirg J>fx»m.T. jsrroCtlKrzoßlivb biidUcbi^r Olwrliiiural 
in Karlarulie. und Albort Tosuin. kaifierlicli fraDzifsiscbcr tlcncrut- 
iupekhir. itputor (jeneraldiroktnr der SOdbiihn in Wien. eiDb(>rufui. 
Voll ihiii-n spratbeii »ich Aberuethy und Sexauer fdr die Rijpu- 
licrung mittcb nurcbsticht-s au», l'untain nrklilrte sieb cur mit Kock- 
aiciit auf dit* Kosten f;e^en ibn tind binll Hagen cnlscbied Hieb fUr 
dio Anacbaunng Pa^cttis. Freilich galt gerade Uugen sU bt^sondere 
AntoriUil im \Vn$6erbaufaclio und no blieb )M?in ontochiedeu uo- 
gtlDstigcs Gatöcblen über da» Durchstichsprtjckt nicht nhnc ticfco 
Eindruck. 

.Mittlerweile traten bi-deutunf^ÄVoIlt- Auderuiigeii in der Ke- 
gieruD^ ein. welch« einen onti^heidenden EinHall auf den Gang der 
Verbandliingen ausübten. In vollem VerstJlDdnis fUr die tiefgehende 
roUtawirticliafUichc Bedeutung de^ Gegeosiondes wirkte dos zu 
Eodc 1Ö6T uns Ruder ir<-*k<.iiiiiiieui: «ogeniionte Bürgenninisterium 
auf ein« gründliche, dvm komuaerxiullcn UeHiebisj>iinkt voll und guiis 
Recbiiang tragende LUsung der Frage hin; Pasetii wurde in den 
Kuhentand ver^elKt und an «eine Stolte trat äektiuusrat W'iiniek. 
welcher gemeinsam mit Oberbaurat TiVex und Direktor von Casaian 
über die Gutachten der Exporten dem Kouiitce da« Referut er* 
»Inttete, wumuf divoe« als Grundlage der Beratung angenommen 
wurde. Mit allen gegen kwci Siimmeii (Kicbler und MeiUner) er- 
kannte da» Koiiiiti'e, tdulb der bt-ubAicbtigte Zweck der Dunau* 
ri-|^tierung bei Wien nar durch die Fuhrung der Donau noch 
einer einen Durcluttich b»lingenden Tru.<ow erreicht werden IcOnne, 
welche den ätri<iii in xciincn natürlichen Lauf zurückbringe, die 
Cberaehwemmungii{:efahr fllr Wien am prllmllichsten behebe und den 
Bedilrfniji^en dea Handels und Verkehres und der Entwicklung Wiens 
am beaten zu pmUtten vennöge«, und e«ticbi»-d «ich unter den vin 
den lilxportcn Abernethy und Sexaacr, fcrnor vüq den &3terreicbi»cb(>n 
Ingenieuren Kink. Mih/dik und Riener lieanlrn^en Traascn fUr 



92 

die Trasae der Experten. Der am 23. Juli 1868 gestellte Scfaluß- 
antrag des Komitees enthielt folgende nähere BeBtimmangen: 

Die bei Nnßdorf in früherer Zeit eingebanten Sporne nnd ein 
Teil des Hnbertasdammes seien bis anf die Tiefe und Breite des 
NormalprofiU zu beseitigen; der Wiener Donaokanal sei als äießen- 
det Seitenarm der Donau zu belassen, jedoch durch Ausbaggerung, 
namentlich aus seinem oberen Teile bis auf acht Fuß (2'53 m) unter 
dem Kullwasserspiegel zu vertiefen; inaoferne nicht die Anlage von 
Sammel-Unratskanfilen beschlossen werde, sei der Donaukanal mit 
einer Abschlu 11 Vorrichtung zu versehen, um bei Hochwasser den 
Eünlauf zu beschränken; endlich sei ein Winterhafen zwischen dem 
Haaptstrome und der AusmUndung des Donaukanales herzustellen. 

Die Baukosten wurden fUr die Strecke von Knohelau bis zur 
Stadlauer Eisenbahnbrücke mit 16,800.000 fl. und ftlr die weitere 
Strecke bis Fischamend mit 7,800.000 fl. veranschlagt Im Jahre 
1877 wurde die Baukostensumme um 6,000.000 fi. erhöht. 

In eindringlichster Weise richtete Hofrat von Engerth als Be- 
richterstatter der Kommission an die Kegierung den Appell, un- 
gesäumt die Frage, welche die Hauptverkehrsader von Osterreich 
dem Handel und der Industrie dienstbar machen sollte, zu losen, 
wobei er die großen Vorteile der projektierten, rationellen Donau- 
regulierung im allgemeinen und insbesonders fUr die Hebung des 
Handels und Verkehres in erschöpfender Weise auseinandersetzte; 
er erkannte zwar an, daü alle Anstrengungen gemacht würden, 
um daa auf volkswirtschaftlichem Gebiete Versäumte nachzuholen, 
und außerordentliche Opfer gebracht würden, um die Verkehrs- 
anstalten, die Basis jedes Volkswohlstandes, zu entwickeln and zu 
vermehren. Da aber die seit mehr als einem Jahrhundert statt- 
gehabten Verhandlungen kein anderes Resultat als das eines schätz- 
baren Materiales für die Archive erreicht hätten and der verwilderte 
Zustand eines Stromes von der Bedeutung der Donau in der Nähe 
der Großstadt Wien ungeachtet beständiger Klagen und Hilferufe 
der bedrängten Stadt und des Landes durch viele Jahrzehnte fort^ 
dauern konnte, könne sich die Kommission der Besorgnis nicht ent- 
schlagen, daß auch ihre Arbeit im Sande verlaufen and zu den 
Akten gelegt werde. ') 

*) Bericht und Anträge des von der Konunission fOi die Donauregal ierang 
bei Wien emannteii Komiieei. Wien 1868. 



'Kapitel 4. 

Hb DurcbFflhrang ^«r Dnoauni'gulierung bei Wien 
{18Ö9-18S4). 

Der Appell der Kommis»ioD wur von Erfolg begleitet. l>«r 
Minister des Itmern. Oiskrs, von der Zwecktuübigkeit des Regalümngs- 
pp'jekle» Überzeugt, erwirkte dto allcrlKk^iiMf Genebniigung, welche 
am 12. September 1858 erfolgte. Des KoöleLpunkles wegen wurde 
die Op»«t2e»vurlugc an den Rpicli»ml. Jeo niedcriisUirnicbUchcn 
LaiidtJtg: und den Wiener Qemeinderal geleitel, wololie je ein IJrittel 
zD den Kosten beitragen twllten. F^ offpnlmrt'' «ich biobej. wplrb tief 
finpfundencm BüdtlrfniäiiedcrBevöIkfrun'; die KegulieruDg de« Strome» 
entsprach, indem alle Kürpcnschaftcn die t'rforderlichc UcldHUtntne 
eiDstimmig b(>n'niiglen. welobe durch etn f^enteinaRhaftlich aofgcnoia- 
menc«. innt^rhalb 50 Jahrun rtlcksiüdbnrc« Aiilvbcn budvckt wurde. 

Zar DurcblUbrun^ der Douuurt^^fulieruDK wurde «ine Korn- 
misiioD unter dem Vorstixe des Ministrrs de» fanem eingesetzt, io 
welche von der Kegierung, von dem veratürkleo niederüsierreicbi- 
scben Laudraiaasscliussc und von der Gemeinde Wien ju drei Mit- 
glieder mit be«chliel!ender Stimme entaendel wnrden; Qberdies 
wunlcn horvorrsgende Techniker aU beratende Mitglieder beigo- 
logen. Die so gebildete Donauregulierungä-Koramissioii. welcbi- sich 
am 17. März 1869 kotietituierte. wurde zur Bcnitang und Buficbluß- 
laadung über flümtliche mit der Donauregalierung nKchat M'ien nach 
dem «. h. genehmigten Projekte Terbundmon tinatiüicllen. admioi- 
Btmtiven uud teebuiäcbeu (icAchiifie benifi-iu 

Die Vorarbeile» xur Regulierung, deren Oberbau leittiug dem 
Mioinlennlnite Gustav Wex übertragen wurde, wurden sogleich bo- 
gonoL'n, Di« Arlwileii wurdtman L'nlvrnchmt^r iniOnV-Ttwego VL'ryt:b«n. 
Die ult4^'nNuiidorferWii«seri>ii<i werke wurden niilein^mKnslenaufwonde 
vonungefiibrrinerbalben Million Golden beseitigt, wobei bei 18,000 Ku- 
bikklaflert 12^.778 m') alten Bauea gebaggert und abgetragen wurden.*) 

Du» neue Strombett wurde aus xwei Tt'ilon gebildet, nümlich ans 
dem Uctte fflr gewöhnliche Waaser^tflode in der Breite von 9(H) FuU 

f )Caal* iro« kIioi SaiUVD wunl«D glvicbK^hl is (I«n t>|4it«r»D JaLnin agcli 
TinjcfniKiBii OQil liMciilirt. So wurden tokke aalaClkh von ätre>ingrun4tiDt«r- 
(uckiiBgoD 1903)13 Im Wlrnnr Durebutlch« ang«lToa«n und, da aU die r^cliiflabri 
baUadartaa, ani daai Smne antfemt. (Igtuu ttctimi«d, üio KiiCdorfer 8«b[Sahr»- 
hiadenuMD. Ibro BoMlII^ung and (iiiMkIchta. Im der *'£t\t»ciiiiti >)** niiBirelch!- 
*eli«i lo4roBi«ur- and Arclitukisn-Vardaa*'. IWt, St. S7.) 



^m 



94 

(284'5nOi """i 1"^ ^601 Bette für die Hochwasser mit der Breite von 
1500 Füll (4:7417 m). Die Trasse mußte sich an drei fixe Punkte 
anschließen, und zwar an einen am rechten Ufer bei Nußdorf in den 
Strom hineinragenden Felsen vorsprung, femer an den rechtsseitigen 
Pfeiler der Stadlauer Brücke, welcher noch vor der Entscheidung 
in der Regolierungsfrage fundiert worden war, nnd endlich an das 
sogenannte Lobauer Leitwerk, welches Über eine Million gekostet 
hatte und dessen Demolierong ebensoviel gekostet haben würde. 
In der 7000 Klafter {lB-21 km) langen Strecke von Nutidorf bis 
Albern wurden zwei große Durchstiche ausgeführt, und zwar der 
obere Durchstich bei Wien vom Roller bis zur Stadlauer Eisen- 
bahnbrUcke in der Lange von 3500 Klaftern {6638 m) und der 
untere Durchstich vom Stein spornhaufen bis Albern in der Lunge 
von 1350 Klaftern {2548 m). Da in der oberen Strecke eich die 
Lftnge des alten Strombettes zur Lange der projektierten Trasse 
des Durchschnittes wie 8:7 verhielt, wurde dieser Darchstich nach 
dem Antrage des Professors Sueß in der ganzen Strombreite und in 
der vollen mittleren Stromtiefe von 10 Fuß {3"l6m) unter Null mit dem 
Geaamtkörpermaße von 1,800.000 Kubikklaftern (12,277.787™:') aus- 
gehoben, einerseits nm die Realisierung des Durchstiches vollkommen 
zu sichern, anderseits um mit dem Materiale das Kaiserwasserbett voll- 
ständig auszufüllen. Der untere Durchstich (Lfingenverhältnis 15: 17) 
wurde nur mit einer entsprechenden Kunette ausgehoben. 

Um die Stadt Wien gegen Überschwemmungen zu schützen, 
wurde das stadtseitige Stromufer von Nußdorf bis zur AusmUndung 
des Donaukanales auf die Höhe von 12 Fuß {3'79m) über Null am 
Ufergrat und bis auf 18—20 Fuß {5-69— 6-32m) auf der Seheitel- 
linie erhühf, wobei in der Strecke von Nußdorf bis zur Stadlauer 
Brücke der Scheitel ungefähr 80—100 Klafter {151 — 189m) vom 
Ufer entfernt und die Anschüttung gegen das Stadtterrain sanft 
geböscht angelegt wurde, da ein abgesonderter Damm auf den Ver- 
kehr und die Entwicklung der Donauatadt hemmend eingewirkt hätte. 
Um der Überschwemmungsgefahr der Stadt Wien durch den Donau- 
kanal zu begegnen, wurde in einer Entfernung von 170 m unterhalb 
der Tciiungsspitze bei Nußdorf ein Sehwimmtor oder SperrsehifF 
angebracht, welches von Hofrat von Engerth konstruiert worden war. ') 

') Vgl. den nnheren: »Dels Schwimmtor.* Beschreibung des SpemcbiSeB bei 
NnUdorf. Von Wilhelm Freiberrn von Engerth. Wien 1884. — Für eioB Spen- 
vorrichtang am Kanäle hatte eich auch eine 186S znr Regaliemng des KanaloB 



B» 



Ztini Scliulze de» Sacbes Landes wurde auf ttor rechten Strotn- 
inita ron der alten AastnUndung des l)on&Dkan«kii bia ad dus Kitde 
-dee i^iec;li;r\TiU8ers anterbalb Idannswürtli ein IS fuiv <i>6Ur'i^ huber 
ond l'lJesH \nngw Dumm «rricJilcl. Auf dar linkvn Srito der Dooan 
wurde im AiiHcliluli an dec beditiht-uden Hubcrtuadamm öin 18 bis 
20KDli j'S9— 632in) bobor. innbesondere zum Schutze des Mareb- 
t'cldea bestimmter Damm (^ebauL welcher bis gegenüber von Uanns- 
würtb auf dirueJ dvs Gawtze« vom 3. Kcbniar 1869 eniebbct 
wurdf, von da an aber auf (irand dea (le^'tzeA für die Dotiau~ 
regulivruug in Niwlwriislcrreicli tortgcfübrt wirtl. 

Aus Schiffahrt«rOclEsiebteii wurde diir Donaukanal in der 
Fabrliiiic «uf unp-fahr 3 m iiusgcl»g{^Trt. ferner zwiifchcn d^r vcr- 
l&u^erten Tcasae des Wieuer ifuuaukuoalee und dem neuea ätrooi- 
bette mil BcndtKuiig* dos alk^a Donaubettc« diu Hnfeaterrain fQr 
ein«D WinterhftfeD Torbercitet. da mit KUcksißbt auf den danuütgen 
knappen .Stand der finanzi(>llcD Büttel des Rofn>l'»Fti<>$?^f<^nä'' ^'^1 
der vüllstiindi^eii Aosgcatailuu;^; vorläu6^ abgesebeu werden inuHte. 
Da in der ViAgvzch das Bedflrfni« iiacb tjinor eicborcn ii^iillachu- 
stHttc ftlr die Schiffe bei Hocbwaaser oder ICiatreibeii sich wicdiu^ 
bole drinifcnd coltend machte •■ in der Zwischenteil suchten die 
Sobiffe in den Altaroimi bei Komanbui^ oder in dt^r MOtidunf; der 
Fiscbn ärhuiz — , wunla der Hafen ia der Frvudcnau in dun Jobreil 
1899 — lOOi? aiiäj^baut und biebei derart t;c;;licdert und ansgestatlot, 
daß nicht nur w^hiX'nd de» WiDk-rvtandt-N ■.■in Wnn;nuiiuebla)t; Vim 
StraUen- und EiMobuhnea und auf aolehe müj'Iicb ist, aondera daU 
er auch im Itcdarfüfalle xo einem mod^men llandelnhafen ojngeatalcet 
werden kann.') 

Durch die Fixierung des Stroinluufes bi-i Wieu wurde dl« 
Krbauung der ^roUen stabilen DonaubrUckea bei Wien ermOgliebt. 
Da die Staats rerwaltung die ReiebastralleobrtlBke, vrelcbe bisher am 



«in^Rtito RammlMion niMur^iiTorhrn und Intolfrc dirtr« BmcIiIdim« baU« der Itaa- 
(llrithtor Jiuaf ron Duriu ein Prajoki m nEiur Sfmrrnnliig« Mtttdii «in»« lU v«t- 
Mnk«n<l«n HrliilTii rontaleifl. Uar läflT Iwnireiie lixiitrt« Juiwi Abaniatliy mUu^ 
flu JM Donanlmtal «umim dafpfllm AbadiliiA mt: niilulat «[ti«? Üruwiob1««Hw 
■Uto da« KinilrinffBa dor ItncbnMHr in ilcii Kanal abccwtlin. da|[a(^ dia Ein- 
tthn der Scbill'c itinh nioea ncutn mit e'tan KamiiMt*cbl«it«e verietunna Elnlaaa 
•rutAiIklii ntniitn tAirr*<l Itoialinlil, lUm RmttiliwnBg d*« tianaiikanaW in WIca 
D ABfanH dn SX Jnkriiiiniloru, 1. SlUf.i. 

) Der l-'mul«fiau*t llafvn in Wien. Dcnluclirifl inr EroAinnit d«t Fratf 
tdaiuuier ll>r«ti. am 38. OktoUt VJ&i. Wl«» 19CU. 



96 

Tabor war, in der verlängerten Richtnog der Jfigerzeile (Prater- 
straße) nnd der Sctwiramschulallee {Kronprinz Radolf-Straße) za er- 
bauen beabsichtigte, beschloß die Donauregulierungs-Kommission in 
Anerkennung der großen Wichtigkeit einer Donaubrüeke an der 
bisherigen Stelle die Erbauung einer solchen auf eigene Kosten zu 
bewerkstelligen; sie wurde entgegen der ursprünglichen Absicht, 
sie gemeinsam mit der NordbahnbrUcke als eine Doppelbrllcke 
za erbauen, getrennt von derselben ausgeführt. In dem kurzen Zeit- 
ranme von 1870 — 1876 wurden fünf Brücken errichtet und zwar 
die NordwestbahnbrUcke {1871 eröffnet), die Kaiser Franz Josef- 
Brücke (1874 eröffnet), die NordbahnbrUcke (1873 eröffnetX die 
Kronprinz Gudolf- Brücke (1876 eröffnet) and die Stadlauer Eisen- 
bahnbrUcke (1870 eröffnet). 

Am neuen Strombette wurden für die öffentlichen Verkehrs- 
anstalten sowohl wie für die Indtistrie- and Handelsetablissements 
große und bequeme Landungsplätze und Lagerrftnme errichtet, welche 
unter sich und mit den von Wien ausgehenden Eisenbahnen durch die 
Donauuferbahn verbunden wurden, welche auf diese Weise eine 
Zentralisation des gesamten über Wien gehenden Verkehres dar- 
stellte. 

Mit außerordentlicher Baschheit nnd ohne besonderen Zwischen- 
fall wurde die Donauregulierung bei Wien in der Strecke von 
Nußdorf bis Fischamend durchgeführt Am 14. Mai 1870 hatte Seine 
Majestät Kaiser Franz Josef I. den ersten Spatenstich za dem 
großen Werke getan and bereits am Schlüsse des Jahres 1874 war 
der Durchstich in seiner vollen Breite ausgehoben; die Eröffnung 
des Durchstiches wurde jedoch mit Rücksicht auf den kommenden 
Eisgang auf dos Frühjahr 1875 verschoben. Am 14. April d. J. 
wurde er eröffnet and am 30. Mai wurde die Schiffahrt im neuen 
Strombette in Anwesenheit Seiner Majestät des Kaisers feierlich in- 
auguriert. Im Jahre 1884 waren die Regulierungsarbeiten in dieser 
Strecke beendet.') 

') Berichte der Don naregulierun^ -Kommission itber Ihre Tätigkeit in den 
Jahren 1869, 1870, 1871. Wien 1870, 1871, 1872. - Beschreibung der Arbeiten 
derDonaureguheraDgbeiWien.HeTanggegebecTanderDonauregnlieran^-KommiMioii. 
Wien 1873. — Die DonanregalEeniDg bei Wien. Denkschrift aus AnlaQ der Er- 
-Offnung der Schiffahrt im nenen Bett von der DonaaregnIierungs-KoniiDiHion. 
Wien 1875. — Bericht der Denan reg ulierungs- Kommission über die VoHendnng 
der DonaateguUerung bei Wien und über die Fortführung in den übrigen Donau- 
.strecken NiederOsterreicha. Wien 1885. 



Kiipitcl ö. 

Die Regulierang der Donau in NicdtfrCSstorrcich von der 
leporbts Tbelieii. Die Ausgeolaltung der Donaareguliefuoj; 

bei Wies. 

Doch stellten iticli dem Verkdir« oborkalb and unterhalb des 
Diuvhftlicliefl aoch bodt^atcnd« Uiiidi>riiiBB« entgeg6D, so dkB mna 
die Erkcnntnift gewann, daß die Wirkttamkeit der Strumkürrektion 
erst dann zur vollen Geltung koiDin«n kilnne. wenn die Re^aliernQ? 
bei Wien durch syttti-matiecb und grtiudlicb aufgeführte sich daran 
wridie tlend« Stromkorrektionen fortgc-sctKt werde. Es wnrdc daher 
dio AusfflliruDg dor Regtiliemn|!«arbe)ten an der Donao oberhalb 
and imterbalb Wieiu, und xwar cinerKita von der Einintindun^ der 
[sper in die Doiutu bis NoBdorf und and«rBeibt von I'ischaiueDd 
bit» an die Landeagrcna« gegen Ungum b«i Theben durob das ReiofaH- 
gwatr, vum 6. Juni 1883. das Landasgoeotx vom gleichen Tsg^e udiI 
dnrcb den Beschluß do« Wiener Uemeindernti» vom 2. Dezember 1881 
der Duii&ur«guUerutig»-Kommi8sion als weitere Aufgabe Obertragen. 
Der anf 30 MtlHonca tiuldoo b«rccbnote Voranschlag wnrdv auf 
«iiie AUH äpar^mkeitsrUcksichten vorgenommene Reduktion de« 
liauprugrainiiiw bin um Millionit" geringer liedeokt. Zu den Kosten 
tragen der ätaut swt>i Drittel, das Land ein Viertel, don Kest die 
Staflt Wien bei. 

Naob dem dem Gesetze zttgrande liegenden Projekte sollte ' 
der DoDAuHtrom in Jiiederüsturruioh innerhalb fixer Ufer kooMn- 
triert, eine weeentlicbe Verbt»tterung der SchiffahrtsverhaltatMe er- 
reicht nod nach Uijglicbkcit aucb die Übenebwemmangagcr&brtiti 
fUr die im LuundatioQsgehiele gelegenen OrtacSiaften IjcMtifigt. in»- 
bofondere dnrcb Fortsi^zung dea MnrcbfeUl-Bochwoii&crdammea Ober 
Hof an der M.irch bis an die hohen Ufer bei Sehloßhof die Sicli«r- 
beit der Stadt Wien gegen Überacbweninjung^efabr dnreh KUck- 
«tau niilgltcbst erhübt und daa Mnrchftdd wirluam gesebutzt werden. 

Wahrend der AusflLhruug der ätromregulierungswerke konnte 
iniii'n diu fur div Buduktit'ii dee Bit uprogram Dies maischend ge- 
wi-Heni« Motiv der Sparsamkeit gc^nllbur der ICrkenntnis Her Noi- 
vendigknt der zorQck^atelttCQ Ilaaten nicht standhalten ood e« 
wurden daher eine Ketbe von Arbeiten im Kostenhetrage von 
7 ülilliouea Uuldcn tlDrcfagcfUbrt, welche im Progranuoe nicbl vor- 
gest'hen waren, so dall das Programm aus den bewilÜj^len Mitteln 

J^lta4 a. T. t. LMdMhmd.. 



98 

nicht volleodet werden konnte. Überdies traten im Lanfe der Bau- 
periode tiefgreifende Änderungen in den Stromverhaltnissen zutage, 
indem die WasBeratraßen an Wichtigkeit und Bedeotong io ungeahnter 
Weise stiegen; es zeigte sich, daß das dem Gesetze vom Jahre 1882 
vorschwebende Endziel den Bedärfnissen des Donaustromes als der 
wichtigsten Wasserstraße des Reiches nicht genUgen könne. 

Diese Umstände machen es unvermeidlich, ein weiteres Projekt 
einerseits zur Vollendnng, anderseits zur Ergänzung der durch das 
Gesetz vom Jahre 1882 festgesetzten Begulierungsbauten auszuarbeiten, 
welche programmäßig mit dem Jahre 1901 hätten beendet werden 
sollen. Das neue Programm betri&l daher den Ausbau der Donau- 
regnlierung vom Jahre 1902 an, welcher 1911 zum Abschlüsse gebracht 
und einen Kostenaufwand von 207 Millionen Kronen erfordern solL') 

Die Donauregulierung in Niederösterrreich hatte eich bisher 
darauf beschränkt, dem Strome fUr mittlere, bei Wien auch für 
Hochwasserstande ein geregeltes Gerinne zu verschaffen, eine Ke- 
gulationsweise, welche die nachteilige Folge mit sich bringt, daß 
der Stromstrich bei niedrigen Wasserständen infolge der Überbreite 
serpentiniert und seine Kichtnng häufig ändert, wodurch Untiefen 
und in den Konkaven Kolke und Stromschnellen entstehen. Beson- 
ders stOrend macht sich diese Eh;«cheinnng bei solchen Flüssen be- 
merkbar, bei welchen, wie bei der Donau, der intensivste Schiffahrts- 
verkehr in die Zeit der niederen Wasserstände fttllt. Es sind daher 
zur Beseitigung der besonders im Wiener Durchstiche immer wieder- 
kehrenden Gesehiebebänke regelmäßig kostspielige Baggerungen 
notwendig gewesen. Um in dieser Hinsicht eine Abhilfe zu schaffen, 
wird nunmehr in der Strecke Korneuburg-Älbem die Donanregu- 
lierung nach dem System für Niedrigwasser ausgebaut, ein System, 
welches in der zweiten Hälfte des XIX. Jahrhunderts in Deutschland 
sich entwickelt und in der jüngsten Zeit an der unteren Weser, 
an der Elbe bei Dresden und an der Rhone in Prankreich mit 
überraschendem Erfolge angewendet worden ist. »Das Wesen der 
Niedrigwasserregnlierung besteht darin, daß für die bei einem Flusse 



'} Bericht der DonauTegulierungB-Kommtseion xum ErgfinsimgvpTOJBkte für 
die Strecke von der iBpennUndnng bis Theben. Wien )H97. ~ RpeziaikataJog der 
AusslelJung (JubiläumgaDsstellnng Wien 1898) der Donauregntiemugi-KommiMioii 
bei Wien, S. 73lf. — Über Donanregnlieruagsbauteii bei Wien. Ton Rudolf 
Halter. 1d: »Zeittohrift des iteterreicbj sehen Ingenieur- und ArchitektenTereineat. 



99 

tnr Zeit der niedri;;Mten Wn&sorstiinde Torb.ind»iie WasaemeDge 
eio etpcns derart bescliaflTenes Gerione innerhalb der MittelwaBSCr- 
gnttixL-a gvbikk't wird, duO io demselben da» Niedrigvasser bei go- 
nOgendor Ureit« desOprionfls noch eine für dio Sdiifliihrt erfordcrücho 
Tief« orhnll. Die teohnjsohe AuafUlining besteht darin, daß klinitlliohe 
Werke, sei es nns Stein, sei es ans FascJiinen. derart in den FIhÖ 
ÜDgebaut wcrdoa, dall ah das beredinete Niedrigwasserprofil gleich 
eioCTO steifen und nnvcrrllc-kbarLii KnocbongerUtte um^beo nnd 
den Floti durch anverrUckbare SchEtblonen festle^n und leiten.*') 

Die Niedripwasserregulierung der Donaa bei Wien «rwie« 
neb als umso uoiweadiger, aU durch die groüArtigen. teils volleodetea, 
leiU in AnHfUbrnng oder Vurbexeilun^ bcgriflciien HafcDaulttgca 
Und durch die neu {)rc>jektierleit künstlichen Wassentraüen die Dodbu 
eil) moderner Großschiffahrtsweg werden hoIL 

Als die Vororte Wiens ira Jahre 1891 mit der Gemeinde 
WicD vereinigt wunli-n. tanchle drr Gedanke an die Errichtung 
großer Wiener Verkehrsanlagen auf; es wurde die Stadlbalin getaut, 
der Wienfluß reguliert SauimelkanWle zu beiden S«i<en de* Wien- 
flas»w and dei Donauhanales erriehtet und der Donaukanid zn einem 
Scbatzp und Handelahafen umgestaltet. Die DurchfUlirung aller diei>er 
Anla^D Mit der Hauptnacbo narh in das letzte .lahrzebnt des 
XIX. Jahrhunderte; dieUmwandltmg desDonaukanalesineüien Hafen, 
deren .-Vn^fllbrung die Dusaaregalieruoga-Eominijiiiiun auf Reohnang 
der Koiumiaeion t'Or Verkebrunlagen abernomiDcn hat. geht ihrer 
Vollendung entge^rn. Die Ginmdndang des Donaukanales wurde 
unterhalb des .S) terrae bilTes mittels einer Wehranlage abgeschlossen 
und die Verbindung des Kanäle« mit dem Strume durch eine 
Sohleasenknmmer beigestellt- Im Donantuuuüe selbst yrerden ncwh 
drei weitere Wehraulagen zur Ausführung gebracht, um dem Kanäle 
eine Uindesttiofc von 2tn za flichern.-l 



') SpatialksUlog. S. Vn(. 

') Bfiricbt ood Rocfanuii^iuthAcliluß dtr KonniMioii fUr TerkabHMlafOB in 
Wien Über ilie Jabre It^STifl. WitD ISMfl. — Diu Vn^Mtalluof d«* Wi«D«r 
Danaakanftl*« in tittn ll&Bddi- nni Wiiit«rbaf«ii. Von Sitgnnnd Ttatmg. In ' t£*it- 
•cbvfft ilw S*lerrei«hi*cl)ea lagenivnr- (utd Arcliiiektva-Vanioo**. Itttt?, Hr. 14) 16> 
In ireinieh«r WeU« «ri«iitl«tt ntumcht tlb«r den Auibau dtr Dosauitgulienitf bei 
W1«D lodMi loUUttJnlinMfaiitniilM Wvrli' iWmd nci Anr*ag« il«* XX. JahiliiindtH**, 
har>aie«9«b«B fom rt««rr*)olii«ekeii Ii>g«nfcnr- und AreliiulrttnVeMin, I. Bd. 
IL WuMrtiBUUD- Dt« DaiuuiT»ga)i«rui>g and Har«nl*nt«D, V>m Rudolf Ilali^r. 
Di« ttt||ulitrvtir iIm Docaukanale*. Voa A)tnä Ktfokold 



100 

Als Ergänzung des Donaukanalhafens erecheint der 1899 — 1902 
in einen benutzbaren Zustand gebrachte und fUr eine weitere Aus- 
gestaltung vorbereitete Hafen in der Freudenaa, sowie der in erster 
Linie für die Ruderfahrzeuge und Flöße berechnete Kncbelauer 
Vorhafen, zu welchem der beim Eachelauer Leitwerke abgebaute 
Stromteil adaptiert wurde. 

In dem Konkurrenzkämpfe zwischen Eisenbahnen nnd Waaser- 
straßen, welcher sich in den mittleren Jahrzehnten des XIX. Jahr- 
hunderts mit besonderer Heftigkeit in England abgespielt hatte, erwiesen 
sich die letzteren den Schienenwegen in der MasBenbefOrderung als 
überlegen und traten seit den Siebzigerjahren doreb ihre viel 
billigeren Beförderungskosten in den Vordergrund. In Osterreich 
tauchten daher die Projekte der Schiffahrtskanale wieder auf. So 
schritt 1872 ein Konsortium um die Konzession zur Erbauung eines 
Donan-Oderkanales ein, doch scheiterte die Finanzierung des Unter- 
nehmens an der Maikrise des Jahres 1873. Im Jahre 1883 wurde eine 
Verbindung der Donau mit der Moldau wieder angeregt. Bis auf unsere 
Tage ist die Frage der Schiffahrtskanale, insbesondere des Donau- 
Oder- und Donau-Moldaukanales nicht wieder zur Rohe gekommen 
nnd im Bereiche des öffentlichen Interesaea geblieben. Wahrend im 
Anslande schon in den letzten Jahrzehnten eine Reihe großartiger 
SchiffskanSle ausgeführt wurden, trügt nunmehr Österreich den lang- 
jährigen Wünschen aller an der Entwicklung des Verkehres interes- 
sierten Kreise durch das WasserstraßengeBotz vom Jahre 1901 Rechnung, 
nach welchem die Flußaysteme der Elbe, der Oder, der Weichsel 
und des Dniestrs mit der Donau durch den Bau von fünf großen 
Kanälen in Verbindung gesetzt werden sollen. Auf diese Weise 
wird ein zusammenhängendes Netz von Wasserstraßen in einer 
LKnge von beiläufig löOO fem und mit einem generellen Kosten- 
voranschlage von 800, beziehungsweise 900 Millionen Kronen ge- 
schaffen werden, welches insbesondere auf den bisher nicht genug 
lebhaften Verkehr auf der Donau als der Hauptverbindungsader 
befruchtend einwirken wird.') 

So bietet sich uns vom wirtschafts-geschichtlichen Stand- 
punkte aus bei einem Rückblicke auf die zweite Hälfte, ins- 
besondere die letzten drei Jahrzehnte des abgelaufenen Jahrhunderts 

') Vgl. dei Naheren da« in rorzUglicher Weise orientierende Kapitel: Schiff- 
fBbrtskanlle von Johann Uraaick in; »Wien nu Anfang dei XX. Jahrhondertt* . 
1. :^44ff. 



lOL 

Bild einer re?fD ununUTbrooheneD ScbufTviiBUiti^kcil. ein Bild, 
cbcH in erfrt- ulicliem (legcii^ittEe steht zu der Uniittigkeit und Un- 
frochtbarkoit auf rlicstm Gebiete im eraton RnlbjnlirhtindeTt. Den 
kilhoNten Wurf aber, den die staatliche InveslitioDisiiolitik bisher 
getan hat. bildet wobt diu Wu.*«(tr»tniI)cii^eEotz. mit wdchüm in 
f^lllcJcticher Wei»« da.K XX. Jahrhundert ioaTiguriert wird. Noch huher 
hIs die großen m.tt«Ti«Uca Wirkangen der tatkrHftigen ond weit- 
blickenden Investitionspolitik des Staates ist der morJiIistchi! Eio- 
äuli derselbcD auf die heimiüche Produktion anzanchlagi-n. du die 
kllbiie Initintive der IW^erung geeignet er»cheint. mit neuem Glauben 
und VcTtrauen in dio ZnkuofV <.>Ktvrr«iclis zu rrfallen. 



Vvrzcicknin ilrr in i]rr Arbnil i>üigf(Octen Tafeln nnti TexiilluAtmtionen. 

I. Dio [foaftn. Tou Aei WSht d» Loo|H^sbergei gcftohes. Uu Jahre 1688. 
Tulillaalralioii. (Jahrbucli. II. 152.) 

3. Du Projekt 8cbaatiaa Galli kut ilnn Jahn 1680. Tftxttlluitration. (JrIit- 
bncli. U. 1(».| 

9. Der L,iuf irt Donau bei Wien im Jtibn 17l>». Ttfel. (Jebrbiich. U, \6X) 

4. Der Lauf der beiden, bei NoCdorf «Inwaig^oilca Donauann« um die 
In« <1h XVIII. Jafarbunilert«. TestUIiumtiun. |J»lirUicIi. II, 123.1 

b. Du Pnitkt Hfaltarla aa» dem J»lire 17S0. T>f«l. (Jabibueli. IV. 12.) 

6. Dia Urlgiiuuu und tJptlldBU im Jotire 1769. Textilluuiatiuti. (Jak- 
IV. 80.) 

7. Die AtltniloTUS{ itec EinmOtiduDg (Im DonsukanalM in tien Jahrea 17B1 
hw 1795. T«itai.<RlrUioD. {Jalubuch. IV. 82.b 

8. Der Donatutniiu bei der Abtnol^ng der ifcliwarseii lAcke in Jahi« 17VS. 
TtlliUnalMliM, (JahibDcli. IV, Sä.) 

9. Di« D«ua roa der KuctieUu bi* bui DoaaubrUcke in den cntcn Jalv«a 
Sm XIX. JakikiiadcrU. TKxlitlwtrkÜon. (Jalirtiueli IV. 18.1 

10. ^ki/io dar Donaue inbrScb« bei KomeulnirK im Jahre 1614. Texi- 
illnftrtilML (Jehtbueb. IV. 51.) 

l].DieUB0ogaBe«>«erkvlitiA'uad<irfl8S&.TextiltiMtntioa.(Jitkrbiicli.lV,64.)> 
13. Die AumfladoBg d<a Docaukwtalei v«r und tiacli der im Jahre 1832 
"vorgeiMKnMDea Liufkeirektiou. TexUlluaUailon. (JahibiMli. II, 126.) 

Dia Amwuhl Jnt llliMlraLioo»n <rar durch die Lüchoalianiitkeit dee mir m 
Bebet« ^Uodcnea UaterUlee aa Karten a»d Fliaea «eaeotlicb eingetcluiBkt. 

'} Da aoftBit den tdd otir beMiduetea Teilee der (aoH Oitgiualplaa ia die 
K«(>r«diiktioit eotireaommaa viircte, llDt die Uluitraüea iDfolfo des bierdoteh v«r- 
ta kleineran MoBelahei die wlliMchea*w«ft< DeuUkhkeli miiaon. 



102 

iodem jaae Beitinde, welche die wichtigateo and &ufiichlaDreicIuten Pl&ne ent- 
hielten, teils ekartiert, teiU deneit unzag&ngticb sind. Die von dem ehemaligen 
HotbKorate heirilhroDden Pläne und Karten befanden lich bia «um Jahre 1899 in 
einem Kuten der BauregiBtratar dei Miniateriumg des Innern, wurden im aogefllhrten 
Jahre an die allgemeine Begittratur de* Hiniaterinms abge^ben und von dieaer 
1900 akartiert. Einige Stiche, dariteltend den Neabaa der Franzembrücke Übet 
den Wiener Donaukanal 1603.01 aind die ap&rlichea übeneate der reichhaltigen 
geschichtlich wertvollen Sammlung. Einen reichen Schatz von Akten- und Karten- 
material, weichet auf die Entwicklung des Verkohraweaens in Öaterreich-Ungam 
Beiug nimmt, beaitit dai k. u. k. Beichsfinanzarchiv (Hofkammerarchiv). Ein 
ilteiea Inventar orientiert Über den Beatand von Pl&nen, welche sich jedoch gegen- 
wirtig in Unordnung befinden und daher der BenUtcang entzogen aind. So war 
ich denn auuchlieOtich anf die vom ehemaligen niederOaterreichJachen Wasier- 
banamte herrührenden Plttne angewieaen, welche aich, jedoch auch nur lückenhaft, 
im k. k, Archiv nir Niederöalerreich (Stattbaltereiarchiv) befinden, sowie auf die 
wertvolle Sammtang des uiederflaterreichiachen Landesarchivs. 



DIE 

KUSSBACHINSEL UND BREITENLEE. 



VON 

DR JOSEF LAMPEL 



Zu so bedeatenden Inselbildungen. wie «c auf d«in Boden des 
Kü&igrciches Un£:aro erreicht, brin^ e« die Donaa im Bereiche 
anaeree Kronlaudea nicht. Zwar in Tulbier Feld und im Wiener 
Bocken leistet dur Struin ein ErklccklichL-s an Teilung in Anne 
und Kanäle; aber Inseln wie die heiden Schutt und otvra Czcpcl süd- 
lich von Pe»t-Ofon oder weiter sUdüch Szenl Margit zeigen aioh 
derzeit nicht 

Deneit. sagen wir — es liegt jedooh nahe und Uüt sich un- 
schwer nachweisen, daß ea in früheren Zeitläuften aacb auf iiieder- 
JTtxEvrrcicIii.icIiein Itoilen an »c-hr au»gedeli nt«n Inseln der Donan 
nicbi gefehlt bat. Jcdenl'uils hat vs nicht an ^»Uen AusgnifvD des 
Flüsaea ^ft^hlt. Heute aber ist go manche von jenen einstigen Inseln 
schon TOUig mit dem Fe»tlaude rerwachsen. Das gilt unter anderem 
von dem Bodeo, auf dun Kumeuburg stebt. Der Donangraben. wie 
nocb beute dor unter» Laut' des bei Karnabruno uiitspriogi-nden 
Loi- oder Lohbache.i genannt wird, ist wirklich Donanarm '), dessen 
obenr jetzt versandeter Teil beim Scbliefberg vomStuckeraDerArm« 
links ausbrach nnd nahe bei Leobendurf vurbeigiog. wo der Name 
der Scbwemmacker altes Überschwemm angs gebiet verrat. 

Aber auch bi'i auderen /uHUuien der Donau kann angenommen 
werden, duit ihr Unterlauf alter D"nAaArm iat. äo besonders vom 
Kullback, der bei DeuLsoh^AVagruni nahezu rechtwinkelig aus der 
uordoKi-sUdwestlichcn Richtang in die der Donau tibergtJit. ICach 
diesem Punkte bin xielien von Stamm ersdorf und Streberodorf her, 
an OeraMlorf. SUoooiibriinn und Advrklna vorbei, die n'^n]li<-b«ten 
von jenen Terrain wellen, die man auch jenseits dea Bisamberges 
am Korneuburg und im Innndatioasgcbietcdes Tullner Beckens wiihr- 
Dehmeo kann und *die »o angeordnet sind, dali swischen thnf^n 
zeitweilig Hncbwiuscrarme abtlicDen kUnnon«.^ Nordwärts von Oi-ru»- 
dorf hat eine solche Boden anschwellung schon ganz den Charakter 
des Wagrama: das benachbarle Deutsch-Wagrnm spricht für sich 
aelbat. Von hier bi-* Slarkgraf-Neusiedl ist die eiii*lni.ilifce Nordgrenze 

M 8iarz«c, OMohlubt« der landwfOnlliclieB Ktsilt EfrüMuburr, IT. 



106 

des Innndationsgebietes wieder dentlicb eingeschnitten. Freilich 
bricht sie hier plötzlich nach Nordosten ab und zieht von Wagram 
in schwachem Bogen bis Stripüng am Weidenbache. Neue Ansätze 
zeigen sieb bei Siebenbrunn. 

Es ist nicht za verwundera, daß der Donauarm, der hier 
einst vorbeizog, jetzt zumeist wasaerlos, ja sein einstiges Bett viel- 
leicht nicht mehr gut wahrnehmbar ist. Denn der weitere Teil, 
der mit dem RuQbach zur Donau zurückeilte, hatte zafolge des 
stetigen Nachschubes von der Hoehleiten und dem HUgellande um 
GroQ-Rußbach, ja sogar vom Karnabrunner und Ernstbrunner Walde 
her immer Wassers genug, um lebendig, sozusagen in Aktivität zu 
bleiben und sein Bett immer offen zu halten. Was dagegen ober- 
halb des Einflusses des Rußbaches in die Donau westlich Deutsch- 
Wagrara lag, also der Teil des weitest ausgreifenden Donauarmes, 
der von Aderklaa, Stlßenbrunn, Geraadorf und schließlich vom Fuße 
des Bisamberges, von Stammersdorf und Strebersdorf herkam, der 
verfiel in dem Maße der Versandung als die Donau selbst ihr 
kürzestes Bett tiefer ausfeilte. Dadurch kam die Sohle der Seiten- 
arme immer höher zu liegen und gerieten diese seitlichen Rinnsale 
schließlich ganz außer Betracht. ') 

Das sind Erwägungen, die uns schon die bloße Kenntnis der 
Erosionstheorie nahelegt.^) Zu allem Überflüsse fehlt es auch nicht 
an einem geschichtlichen Belege, der in unserem Sinne gedeutet werden 
könnte, mithin für einen über Stammersdorf, Gerasdorf zum Rufibach 
hinziehenden Donauarm, der auch den Rußbach unterhalb Deutsch- 
Wagram zum Donauarm stempelt. Und diesen Beleg schöpfen wir 
aus dem älteren Teile des Landbuches von Österreich und Steier. 
Dort ist u. a. von den drei Regensburger Luzen*) die Rede, von jenen 

') Die HüheuTerhftltnUge aber, die wir vorfinden, und die in dei Riclituiig' 
der Donaa streichenden Gräben gestatten die Annahme voUanf, daß hier Do&au- 
naiaer vor Zeiten gane regelniftOig geflossen. So haben wir in der MUblachUttelau 
am Donaunfer 16Öni, bei Streberedorf 164 m, im Hagen und im Hincbfeld sUdlicb 
von Stammersdorf 162 ni, zwischen Gerasdorf und SUQenbmnn 159in, bei Aderklaa 
löo und 154 in, mithin ein Gefiille «on 1 : 1000 bis 1800 m, am etarkiten zwi- 
schen Gerasdorf und Aderklaa. 

-) Ich habe aolche lietracbtungea hinsichtlich des TuUaer Beckens schon 
vor einiger Zeit angeatellt. (Blatter des Vereines für Landeskunde von Niederitater- 
reicb. 1899, XXXIIl. S. 445 f.) 

') Nur bezüglich des an erster Stelle genannten, des im heutigen Ober- 
Dsterreich gelegenen Gebietes zwischen Aist und Naarn und des dritten Luies bei 



107 



grötter«n LaDdLoseD, die gleich nnch den ältesten Landnahmen in 
Ost^TL-icli dem liayrucbeD Stift zngevieeen wurden sind uud Tom 
Bricilslieunilcii. dorn »üi nachmals za Lehen gcgebüti wurde« ')i 
bevogtet wurden. Das zweite ße^tisbnrn^r Lox wird dorti wie 
folgt. bcHchriebL-a : 

• Der ander luj; von Heyen.-Jiiurfli bevel sich an dpr Tey and 
got ttnz in die March iint bi dor Mftricb zftal unz in di Tanowc, 
neben der Tunowe tif tinz bins dem BAitm Ruspach, von 
dt!in Bowm Ruspacb unz in die Tey, als man aller gcricbtisl ge- 
mtcn macb an di Tey.«^) 

SckDn vor 3xha Jiibren. als icb die Ausgabe des Landbuvlios 
besorgte, nabm ich GelegenUeitr zu bemerken, daÜ dies« Darstellung 
den gegenwartig vorliegen düu VcrltHltnissuu streng genomiiiea niobl 
eotepreche. Nach dieser Darstellung mtiUte uiutilidi der Rutlbacb 
in die Donau mtlndeo. Er mündet jcdocb in dii- Murch. zwar knapp 
neben der^n LinduBoe iu den Stroua, doch immerhin lucbt in di^se»' 
Eft bmucbto dvmnacb der Donau in der Orejizbcschiwibuiig des 
Begensburger Luzo* im Marebfcldo eigentUob nicht gedacht zu 
wvrdeo. wenn die beutigon Verhiilliiissen den damaligen glicfaun. 



WUMlbarf vrlaicn nti olnai (icanucrc* UWr die ITcTkunft. Vff.- Vanc<&, G«- 
MJiiriitB na Ni«d«r- nnd i>l)erMi«micb I. H«ita 143 f. nud afi«r. ErwUisi «ird 
drr Lna an der Meucb !^. i'S. Koiae V«nBatiiiig Ober («in« Prorrnieni. ftl>«T 
doch di« Aonahnie. dtfi iLa> (i«l>iet an iltu Uxccb «cboo i» \l. Jabiliuuderi 
lU^Dibarg grlMrle. Labe icL Jftlirlindi, IU. 78 aa«gOB|<ro«hvi>. 

') DaD ilk fruhMto (rruodUge l&ndMherrlIc]ier llochl und landcitatitlklicr 
To^tl llbvr dvn voncbUdvacB g«UlIIch«n neslix \a d«r Hark, liochtlinilcli« t^lion 
varta. bclODt frbilc. Bczicbongra roD HImI iind Kircbc «c , 39 f.. wo is Aa- 
nicrlnu)2 3 wobi soi^h >uf MG. tX.'hr.. LII.ßSD. hutio biiiKawicasD wordon kOna»n: 
lüor ftird du Jahr 1377 ala Kntiiii.-hiinpijalir «aoa Baal t* rennte hn inen aacli* 
gcwisasD, V^. sack . HJlillur Jao Vi-rniaia für LandMknnda rmi Ni«dcrOit«rt«icli. 
SXXIl. U9S. 

'} MG. DClir. IU, 715 § ai, Z. 1—4: ebenda uaeb Anmcrktmj; 1. DaA 
ki«r ttad boi dtn •Liuwii* (ibotbnui>t roo Eklelinuult uiebl di« Uti* iat (a.a. 0.. 
8. 71t. $ 8, 8. '1^ Z. 3ff.. ü- TIS, Z I ffl uag; auffalicu. Kf««»(*t aber kelat« 
wibi<UD0t«a S^hluD Inf andcrwciüc»iU«obi. £var la $9 iU aiudracUlth voa dam 
SVoütagvc [ivbvQ die Red«, «tu ai»o bM den Lnuaa qaWtbleibt; gjltia avob aa 
•le«r andetec ÜUll«. «o ea licb um die Outk«r Leben dcaHtno^lvM 8(*i«iaafk 
bandelt <a. a. U,. ä, ^<>V. )) '|^} ■»■il't » a^t" K>Bgaa)rv nur, d»r Uenog LMinkar von 
»Men&ark -lttb«< dU Uarg UohlUch mii 600 tng«b3ng«n Hubeu ani tirfladra oad 
•TM b«l dMB Beriebt libor die Vertch«niihuDg dt« Ilonogi rim <'iai*rt4lck «rtefaeo 
«It, dal M tidi OB L«bea T»a Gark bändelt 



108 ^ 

Nnn entsendet freilich der Rußbach 3 — 4^ oberhalb seiner 
Mtlndang in die March,'^ etwas unterhalb der Kote 139, einen 
/l. Mündungsarm, der diese nach 2 — Shn'La.n.fea ly^fem oberhalb der 
" Mtlndang der March in die Donan erreicht. Allein schon dieser 
Kußbacharm ist unverkennbar alter Donanami, setzt sich als so- 
genannte Schwarze Lacke gegen Engelhartsstetten hinauf fort und 
läßt sich mit seinem Graben bis nach Witzetsdorf zarUck verfolgen, 
wo er von der Donau ausging. Aus diesem Grunde habe ich die 
Annahme zur Alternative gestellt, ob nicht der «unterste Laaf des 
heutigen Rußbach« altes Bonaubett benutze.') Heute gehe ich mit 
meiner Vermutung viel weiter. Sie wird auch in dieser Ausdehnung 
unterstützt durch eine sehr nahe liegende Erwägung. Denn das 
Landbuch beschäftigt sich in unserem Falle ziemlich eingehend mit 
dem Anteile der Donau an der Begrenzung des »andern luzes von 
Regenspurch« . Die March hinab bis in die Donau, diese hinauf bis 
zur Einmündung des Bösen Ruspachea. Das würde tlberÖUssig und 
es würde dem Schreiber des Engeren Landbuches gegenüber den 
ausgiebigen Strecken Thaya, March, Rußbach gewiß entgangen sein, 
wenn nur ein ganz kurzes Stück Donan oder Donauarm in Be- 
tracht käme. 

Die Bezeichnung als > Böser Rnßhach« ist ohne Zweifel Differen- 
zierung von einem anderen Rußbach, der vielleicht etwas weniger 
die Bezeichnung »böse* verdiente und dürfte sich nur auf das Ver- 
halten beziehen, welches der so übel beleumundete >Böse Ruspach« 
bei reichlichem Niederschlag oder bei Thanwetter im Frühjahre 
einnimmt. Vielleicht hängt nun folgende Tatsache mit dieser Differenz 
zierung zusammen. 

Oberhalb Pillichsdorf teilt sich der heutige Mittellauf des Ruß- 
baehea in zwei Arme, die hei Dentsch-Wagram wieder zusammen* 
kommen. Zwischen beiden zieht das meist trockene Bett des Ält- 
baches hin, das unterhalb Pillichsdorf von Rußbach ausgeht und 
bei den sogenannten Schmalzwiesen zwischen Groß-Engersdorf und 
Wagrara wieder zurückkehrt. Wichtiger sind aber fUr uns die 
beiden lebendigen Arme. Beide fähren den Namen Rußbach, der 
kürzere westliche aber auch den des Gießbaches. Das könnte der 
Böse Rußbach sein. Es ist bezeichnend, daß es in diesem Bereiche 
an allen größeren Ausiedlungen mangelt, während oberhalb Groß- 



') MG. DChr., m, 615», Z. 1—4. 



^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^ 109 

Engendorf uad PUlipliadorf und unterhalb Deutsch- Warrram gmvag 
Dikrfcr xm RnCbiic^hc lip^eii. Merkwürdig tut noch, daß di(> Bt!szi.-ich- 
DHDg Gieltbach nur oberhalb I^ouL^ch-Wagram vorkommt, »Iw noch 
Tor dor WcndongT^"^ ^'^r RuUbacfa in die Donnunchlun;; iiirnRit. 

Die einat blühende Ortschaft Stauern, die seit der Mitte des 
XVL Jfthrbandcrts üdo lie^ und nur mohr durch die: »ätaUinger 
Hatte* ewiächen SUßenbrano and Aderklaa asgedeat«! wird, ist 
wohl dem >Bt>Don Roßbnch« zun Opfer gcfullon.*) ,'^ **--^ -f^^ , 

Die Donau, die einstmals einen Teil vom bentigen Unterlauf 
dcN Rußhaohe> lK-ist<-llte — rtonst kannte sie im I^ndbuch nicht aU 
stldliclie Grenze dos Kcf^ensbiirger Luxes etscheinen — die Dtmatl 
Wfijftt dem RuDbunhc ihr cij^enes Gefälle an, wahrend er allfmi An- 
scbt'ine naoh, von Pillichsdorf und Groß-Engersdorf herabkomnieiid, 
in breiton F1ut«D di« Acker UberRohwemoKtn konnte. So bat er 
wohl auch den Oonauwagram zwiicbon jenpm verschollenen Stallin^ — 
Stallinger Hutt(> am •Abzugnfi'rahen« — und DeutRch-Wagmm 
T<)lltg wcf^eachliffen. richtiger wohl, ce gar nicht zur Bildung 
ein» Wa^fraoi«« in dieser Strecke kommen la«sien. Das QeAÜle von 
Pillichdorf bis Dcntsch-Wagrani botmgt 12 m, fUr das gleich groÜe 
ätUck von Deutsch- Wagrani oaeb Mark^af-Neusiedl nur die Elalfte. 
Durt koount die Absenkiuig de« Traun- und Uochleitenwaldes gegen 
die Douau zur Geltung, hier die weil mählichere des Donaatalee 
wlbst. Bis Doutflob- Wagram also hflttun wir alt«D>bäsen Rußhach« 
was weiter abwSrta tlietit. ist alter Donauarm. Dan alles hinderl nun 
nieht, daß der nisrdlich ausgreifende Donauarm umerhatb der ein- 
stigen BuSbachmündung schon fruhztütig al.s KuL^bacb bezeichnet 
vurdv. Ward vr doch bauptsllchlich vom Rußbavfa gespeist und 
finden «cfa ja auch Arme der Donau, die keinen sethstAadigen 
Sukkara haben und doch eigene Mamen fahren, ja als Bach be- 
zeichnet werden; ich denke nur uti den Fadenbach, der sOdlteb 
YOQ MuLltiritcn die Donau vcrlaCl, um sie bvi Kvkurtauu wieder zu 
erreichen. 

Nehmen wir aonach mit Reeht einen «iSnlüehen Arm der 
Ponnn an. der unmittelbar nach dem Durehhruehe dee Stromes 
«■isoheu Wiener Wald und liisaraberg bei Lang-F,nzer«dorf nach 

') Ob«r ätallinf it«lw: N*III, Tetwieb •invr Topaf^nphi* d«r <ra- 
MboDciMD ORMhifieu In KitdtriMerreleb. BUUer du Vpreinet nir laadHlntadi 
vom KkdcrtMMTakli. SV, .IM IT.. dar m allcrdinpi M^on im XV. Jabrhitndcn lud 
iwar doicli KriafiarcigniMt lagrund» geliui Ufii. 



_v< 



/ 



110 

links abzweigend in der Richtung der Wendekreise biß Deatsch- 
Wagram gelangte und von hier als heutiger Rufibach parallel mit 
dem Strome über Markgraf-Neneiedel zog, und sich hier wieder in 
zwei Arme teilte, deren südlicher Über Leopoldsdorf nnd Kämpfen- 
dorf nach Theben an die Marchmtlndung gelangte, während der 
nördliche, unfern von jenem als Stempfeibach zutage tretend, über 
Siehenbrunn^ nnd an Lassee vorbei dahin zieht, wo abermals eine 
I Verbindung der beiden Wässer erfolgt, und bei Hof an der March 

/' " in diesen Zufluß der Donau gerät — so haben wir eine ziemlich große 

Donaninsel. die wohl noch nicht die Ausdehnung der SchUttinsetn er- 
reicht aber doch sich mit Czepel und Szent-Margit wohlmessen kann. 
Mancherlei Benennungen, die wir in diesem Landteile finden, 
weisen auf den Charakter eines Inundationsterrains hin. So Jedlersee') 
und das verschollene Ringleinssee bei Floridsdorf oder Zwiscben- 
brUcken'i im oberen, Haringsee.leinst Horgensee^K und Lassee, ednat 
Louchse*^ im unteren Teile der Rußbachinsel. Ebenso die häufige 
Ortsnamenbildung mit Au und Aa = Ach. nicht immer hart am 
Donanufer: so Eipeldai^etzt Leopoldau, einst AI piltowe ^). dann Stadlaa, 

^ ' Wittau bei Groß-Enzersdorf, Schünau gegenüber der FischamBndung 

— Fischamend — endlich Pframa. einst (1025) Frumanaba '), und 

'I Zd Beginn dei XI. J&hrhunderlt ala Oatdneuew«. d. i. See itm Ui oder 
Ulrich begogineDd |,Topogrftpfaie ron NiederCatemicb. IV. ölö*; vgl. «nch; BUtter 
de« Vereinea fUr Landeskunde von Ifiedertiiterreich. XXIII. 399). 

-} Nein in: Bifitler des Vereines für Laadeaknnde von NiederOaterreicb. 
XV, 343. 

-I Müller in: Blätter des Vereinea fQi Landeaknnde von NiederSaterreich. 
XTin. iia. 

*) Beide in der kltenn Redaktion dei babenbergiichen Hobbachea Ter- 
celchnel. lOopich nnd Lerec. Oaierreichiarhe Urbare. 1, ä, g 11, neben Latihae 
im Eod. 49 (Nr. 19) dea StaaUarcbir», S. 181. noch Langsae (1314). Die 
panie Stelle Unlet: lAnno domini M°. COC°. XIIlj° feria aecimda proxima poat 
natiriiktein beate Tirginia obligaviinas fideli no^tro Oitoni a Teleinapriume pro 
auia serricüa versua Rennm (.gemeint aiod die BemühuD^n Herzog Fiiedridia 
am die deats<?lie König^krone) anper nrbora nostra apud Laagiae. XVj. modioa 
triiici pro CCXL libria denariomm Wienneniiam. tamdiu teneodam donec diclo 
■o* diclQ*' Otioni '.an* Otto'' de prefeta pecauia a nobia vel »ncceasoribna noatria 
pleae tatitfacnun fnerit et expeditam. Abgedruckt von Chmet in: ArdÜT. II, 
550, Nr. 92, nicht ohne IrrtQiner <,Lang9se statt Laugsae). 

- Vgl. mr Xamenaerklärung: B. Müller, a. a. O. XXI. 118 ff, 

') Stompf, 1683: Meiller, Babenberger Regealen. ä, 4 and 195. 26. Daa 
Laadboek ron Oaterreieh nnd :>tei«r, MG. DChr.. HI, 715. § 9, ireiat ackn ein« 
■tark fertgescbrittene Form Pfreömna naw, auf. 



in 



Eckartsau. Vielleicht gehurt auch Aderklaa. da« Aticblades Psssauer 
Zelii-ntrerwirliniBScii von zirkri 1280 '1 mi<l einer Kreisinger Urkunde 
zirka 1318-' iu (lU>'e Ge>ell:tvli.trt, obvrolil wir ch nocli H)>M«r in iw 
d«RMU Zu«ainiiicahaiigc werden ins Auge ftssea mtlss«ii. Sicb«rlicb 
ul>er kommen nocb alle diu Namen der Donauinsoln binzu, die 
meiütenf« ZusjtmmenRetzangdn mit An bilden.'' i Wabrscbeinlicb baben 
auch Kipcldau, das alte Alpeutowe. Wittau und ScbOuau dcreitiBt 
Oonauinseln gebildet; Ton SobOnan ^t das im gewissen Sinne 
noch lieuti^ 

Wohin Kagran einzureiben ist, Isßt sich nicht feet«t«Uen; die 
Torma!« belieble Zusammenbaltung mit Wagram «cheint wenig an- 
«preobtnd. Unzn-eifethaft aaf den nahen Strom zu beziehen ist 
jonos Wagram bei Pfruoia. nanhmaU Kroatisch- Wa^ram and durdi 
Laoüesgc^els von 1892') einiacb Wa^ram an der Donaa genannt. 
Anfdie der Anenbildmig cntsprecbondf ItjiumilonL scheinen Weiden, 
jctxt Nioderwoidon bei Höf un der March, ferner Aspam. «inet 
Asparen, hinzuweisen.-') 

Sehr vncbtig und bemerkenswert war in solchem Torrain, wo 
Irilg Hicßendc Witwer und Sumpf and See vtirhemicbten, das Auf- 
taachen frischer Quellen, Ati ihnen bildeten sich ^rne Ansiedlungea. 
Eine davuu lug tistlicb von Markgnif-Nensicdel schon außerhalb 
d«r RuÜbaehinsel bei den Sieben Brunnen, die andere innerhalb 
derselben zwincben Gvrasdnrf und Rreitenle« nahe dem versiegten 
Teile dea Uonanannes, es ist ätIUenbrunn. wobt narb einem 8izza so 
{(enaiini; riellviclit naeli jirncm Pfiletuincr Sieghard, dem Kat^-r 
Heinrich 111 das den Ungarn im Jahre 104Ö wieder abgowonottoe 
Gebiet aU Neue Mark ttbortragen and dessen Kosename Sizzr. in 
einigen KaiKrurkuuden eine irrtümliche Auflösung mit Sietrfried 
erfahren hatte -<— eine Quelle nocb heute nicht ganz gedämpfter 
Zweifel und Bedenken.*) 



t) U. Baiea, XXVIII'*. 479. 

*) PBA.% XSXVI 112, 

*l tAu> Ui iikcli Munnr, Nioo Vor«rMlM wir kIiatt«rr«iclib<:faN> Ort*- 
■amoikuDiln (BISitoT 4m Vetolniw für L»ti<l«rttindo von NiedMVai«TT«iclL. XHl. 
4&fl.>, dl« vor«rl«j{«nd g«bi>uclite Beielcliaunir fUr die DobsiiIiimId. 

•) I» U, 111. 1992, Nf. 40 - Klarier, LKc Käanttiiler(ia| dar Ürugandndon 
NltilttAiWrrtldiK. ^. 3-)1 lUellls« 101. 

'I M*l>r daf-ou Ul H. UUIIar, ■. «. O.. A. 5£ IT. 

*) Vgl. Über (ha )«iii^n Stand der Pfagc ranos, a. a. O., 8- 24& ff. 



112 

Außerdem finden sict aber schon recht zahlreiche Namen, die 
auf die ursprüngliche Absicht schließen lassen, menechtiche An- 
siedlangen zu begründen. Es sind Dörfer und Stetten. Stetten wohl 
nicht in der nachmaligen Bedeutung von area, womit eine der 
Behausung noch harrende Parzelle gemeint ist, sondern in der alten 
Bedeutung von Stätte, wie wir sie auch anderwärts und in der 
Kachbarschaft von St. Polten finden,') 

So ist also mit dem heutigen Hirschstetten, einst Hertstetten -) 
genannt, die Wohnstatte mit Herd und Küche, mithin wohl eine 
über die primitivsten Hütten hinausgehende Ansiedelung ge- 
meint. 

Hirschstetten liegt näher dem oberen Ende der Rußbachinsel, 
an ihrem unteren hatte ein gewisser Engelhart die Engelhartsstette 
gegründet; beiläufig mittelwegs von beiden befindet sieb ein Breitr 
stetten, mit dem wir uns im Zusammenhange mit unserer Hauptfrage 
noch beschäftigen werden. Halbwegs zwischen Breitstetten und 
Engelhartstetten liegt Kopfstetten. Nahe bei beiden jenes Stopfenreit, 
das, aus einem alten Stoutpbarich entstanden, jedenfalls auf uralte 
Pferdezucht in diesen Gegenden schließen läßt, vielleicht auch auf 
eine Station fUr Relsispferde zu den Postreisen entlang der alten 
BernsteinstraQe ins Mährerland. ^) Neben den wenigen Stetten ist ganz 
besonders das Dorf als Besiedtungsort des südlichen Marcbfeldes 
vertreten. Einige ältere Gründungen bezeichnen sich als Neusiede* 
luQgen, so Mazneusiedel, woselbst es aber auch wieder Inseln gab^), 



*) Vgl. die OTUaamen in der bekannten PoManer Urkunde (FäUchnng ?) 
von Eirba 985. Urkundenbnch ron Niederflit erreich. I. 8, Nr. S. 

') In dieser Form Überliefert in einer Freiginger Urkunde von 132ä. 
{FRA.'i, XXXV, 146; vgl: Winter, NiederfleterreichiBche Weiatilmer, 2(8), S. 299, 
Anmerkung.) 

^) ^B'' jetzt auch: Vancsa, a. a. O. 35 nnd ö'i. Der meines Wiuens snent 
TOD Meiller, Baben berger -Regelten, S. 202, Anm. 65, vorgenommenen Dentung 
von etoDlpharrich (1067, III, 6, Stumpf, Nr. 2701) auf Stopfenreit, der eich auch 
B. Muller vollkommen anschließt, scheint Vancsa, a. a. O., 828, Anm. 2, zu 
miUtraaen, obwohl er sie 8. 2äS ohneweitera hinnimmt. Vielleicht war Heiller 
nicht Fachmann auf dem Gebiete der OrtanamenerklSrnn^. doch hat er hier an- 
zweifelhaft das Richtige getrofien, (R. Müller in: Blätter des Vereines fQr 
Landeskunde von Niederösterreich. XXI. 6b S.) Eine zweite solche Station gleich- 
falls StBtpherich geheiQen, lag schon erbeblich nördlicher an der BemsteinstraBe 
bei Weikendorf nnd Tallesbrnnn (vgl.: Meiller, a. a. O., 204. Anmerkung 71), 
Jenseits des Weidenbaches. 

') Muller, a. a. O., 52. 



113 

und Msrkgraf-Nooaiüdi'l, lolztgciianntea Ticlleicbt anf tlie Zeit Tor 
1L5G luriickgelieod.'} 

Dali ZoummtinMtzuBgcQ mit Dorf io uoKtrem Boruicb Bber- 
«i«g«n, liegt im mirkiscben Charakter des Gebiete«. Hier war alle» 
aar Webrbafligkeit nngelegt Die UnterabtelluDg der liondemchaft, 
(]ie Trappe, der das Dorf entspricht') — mau vergleiche das 
niederdeutncJie Drup (br Dorf — maß <}u überall zu findi-u »ein. 
tileicliwolil sind wir ancb anderen BeDCBntmgiigrUnden begegnet. 
Einer der merkwunligttten iian, der zur uingehvndeti Uatentachun^ 
für seine ErmiUelang auffordern könnte, ist wohl der Name Breitcn- 
1m, den vir »oebea flUcktig ci-vrobiit haben. Ofl'enbar bandelt «b 
sieb aacb bier um ein bemerken» wertes ^loment. das in der Nameo- 
gebun^ feAtgtibAhcn wurdi;. Ibiii nun »ei die nnehrilgende ErOr- 
teniDg gewidmet, die aaeh einiges zur alten Oesekicbte von 
Breitenlee beisteuern oiOge. 



Qleieh bei ihrem erstca Auftreten erseheint die Ortschaft 
Breitenlee mit dem SebottuDkloster rerbunden. Am 28. Febrnar 1200 
boatAtigt Uersog Leopold VL der ^Stiftung meines GrroÜvaters 
Beiiiriob Jasomirgott unter anderem einen manso« io Preitenle*), 
der iunerbalb der letzten mehr oU 4Ü Jabre ihr zugewendet 
wordeo sei.*) 

Siebzehn Jahre spater schenkt derselbe Herzog den Scbotton 
dos Qut so Praitcnlce, dos bis dabin Leopold Schenk vun MSlicrsdorf 

') 11 «liier, Bftb«nberg«r-It*]i*tion,S. ÜOä,A.nin.fiö, ani nach üimTbftaaiag 
In den Fonidiaiigen lur deuttdiNiOMCbicbt«. IV. 31b. bmMtem du tOG7 (Stutnpf; 
Ü7ül. MailUr V. 9) «•ount« Moiüdok «uf U>rkxrsf-N«.i«i*4«l. Vi*l «ib«r lieft 
,aUariUiis> cioa Ueciobnng dlcK« OrtmuiMat »af lUU£iMuti«dcl. «»hui ■aaticb ancti 
ia i*t Top«{Tn[>iii* voB NiodortM«fT*ielt. VI. IBOa und ä8l n »uiipfielit, Llis 
Bsirtttu vaa Maikfcf-Kentied«! auuinl Meiller •. a. 0.. äU. Adbi. ISOvcbon lum 
Jalita IlSi («bcada iOf aa, wo *• &lt norellu» lannin narckioiiU bezeichnet wfid. 

') 8o Sehiädar iu (Ist »rilen Auilaea aaüiM Lahtbaohea dar datiUcban 
UMbtigaecliIclit«. 14, 12. Aern 1. In der awelleu AulUgo, 8. 16 f., Anm. 10, iat 
diete AulEuaunc al« fiir die K*cfai*gMcluobt« baCiuiKla« UageaMllt, Id der drlM«D. 
8l IT, Anm. y. niclil mahr emlbnl. 

') HU. ', XVUI, 19. -- Blaii4i de« Vcniii«« fUr Uodiakuide rm NlodM- 
netmafeb. XVl. 160. 

■) l'ai nUrdo auf dai oDT dircb tiat FUichaac oder docU rarffllKbtB 
Urtmada htUiftn Jahr 1158 lurflekwtüen. daa Ibrigaaa bAabit HabncbeiDlieb alt 
«Igvotudin Urilailoivfjalir uasaebta iai. 

jtiiihoii A T r. tjuJ>a)«Ui. loie, ä 



114 

lehenaweise innegehabt hatte. ') Um dieselbe Zeit durfte aach 
Kiostemeuborg in Breitenlee zd Gmudbesitz gekommen sein. Denn 
beiläufig im Jabre 1210 hatte sich ein gewisser Heinricos de 
Fraintlech dem Stifte anf 30 Pfennige jährlich zn Zins gegeben. 
Xach seinem Tode sollte das Benefiziam den KlosterBeabni^ern 
zafallen. Die Traditionsnotiz weist Zeugen aus Natterbach, Rohrbach 
und Pyrawarth auf.*) 

Im Jahre 1388 erhielt das Wiener Schottenkloster neuerdings 
Besitz, und zwar zu Fradlech, was allgemein anf Breitenlee bezogen 
wird, oud zu Trannfeld. Ea ist Wilbirg. Witwe Ulrichs von Hitindorf. 
die dem Kloster zu ihrem und ihres Gatten Seeleuheil unter anderem 
ein praedinm zu Fradlech widmet.') Wir werden uns mit dieser Form 
des Namens noch eingehender heschäftigeu. 

Ob in der Folge noch andere Schenkungen zu Breitenlee dem 
Schottenkloster zugegangen sind, oder ob die drei erwEihnten das ge- 
samte Ortsgebiet ausmachten; jedenfalls erscheint im XV. Jahr- 
hundert schon die ganze Ortschaft als Klostergut*), ja sogar als Mittel- 
punkt eines Verwaltungsbezirkes, der in den Jahren 1411 bis 1418 
Loimersdorf, Groissenbrunn, > Kotingneusiedt • , Breitenfeld, >Eybes- 

') FHA.>, X\'Ur. 23 f. — BUtKr dei Tereinog für Landeskonde von 
NiederOsterreich. XTI, 87. In der BeatfltigangBurkaiide tod 1200 sind BraitenlM 
und Mollersdorf (Maleidorf) uamittelbar aacheüiAnder durch je eine Hube ver- 
treten. Ei könnte demnach leicht den Anschein gewinuen, •!■ ob sie ent infolg* 
der Vorgänge von 1217 in der BeBttttigungiurkunde von >1200' hatten AnfhahmB 
finden kQnnen. Von dielen Vorgtngen hfttte sich im übrigen nur die heixogliche 
ZuatimmungBurknnde erhalten. Abgeeelien dftvon konnte die Zeaiion dei Schenken 
Leopold, zn der noch eine, keiner weiteren Bestätigung bedürrende. G&bnng in 
UoUeridorf hinmkonunen mochte, ganx gut als Scbenkong des Schenken er- 
scheinen und daher in dem Teile der Liste von > 1200c Plals finden, der nicht 
durch den Wortlaut der Stiftungsuiknnde von 1161 (a. a. O., 4, Nr. 2) gegebea 
war. Auffallen mal) jedeuf&llB, daß wir aber keine von den, als nicht vom Lmndes- 
faerrn herrührend, in der KonfiimatioDinrkunde von >1200< anfgeiSblten Ort- 
■cbaften eine ältere Beurkandang int Schottenarchive finden. Freilich sacht solcbes 
die Bestätigung dadurch in erklären, daQ die Unerfahronhoit der Schotten sie 
bisher von solchen Beurkundungen abgehalten habe. Allein diese Worte benehen 
■ich auch auf die herzoglichen Schenkungen, über die wir doch eine Original- 
urkunde von 1161 haben, die, wie schon erwähnt, diesfalls wortgetren in der 
Konfirmation vorliegt. 

=) A, a. O., IV, 174, Nr. 787. 

'j A. a. O, XVIII, S. 81, Xr. 66, nicht Pratlech, wie Topographie von 
Kiederüiterreich im folgenden Zitat schreibt. 

•) Topographie. II. 207 o. 



llfi 



I 



prtiim«. •Stttlarn, Prann« und Traunfeld. mithin ancli alt^-s Schotten- 
gut im BeruieliL' ävr RuDtiacliinsel. uuifiiiOte, ') 

Dieser Besitz hat «ich bis bcutv (-rhnltfn. Die Pfarre fireifeti- 
leo tut eiae SchotteDpfnrre geworden, auf deren Gottesacker sfit 
dvr Zoit Knig«r Jos«f« II. (1783) die Konveiitnulcn de« nlten B«niv 
diktini>rkii»tpra die letzte irdiitoba KubastHtte finden. 

Ursprunglich war. wie wir gesehen haben. Breitenlee herzog- 
lieber Bmtz; nicht der eiiizi<:e iu diesem Bereiche, (iauic nahe hig die 
landesberrlidii' nc«itxun^ Aspnm. Zn Breitctilev gab us nach dem 
Pasjukoer Venwirbniü aus der zweiten ilalfte dee XTIi..labHiundert8 
28 BaucmleheD, zd Aüparn 60'), bei beiden Ortschaften teilten »ich 
Bifli'hof und Heriug lu die Zelienten. Die Zeheuten zu BreitenW 
konnte llfiTKog Friedrich der Schüno um 100 Pfund Wiener Pfen- 
nige verpfänden.'') Aocb Sladlaa und ein wohl der Dunaa zum 
Opfor gi^fullones Wuljcendorf izehorten zu dicwin Komplex.*) Di« 
p«88aat!>^i-b[!n Xi.'ben(eu in Praitenlee und Uingebun); erhielt im Jtübre 
1389 Ulrich von Wallace auf 30 Jahre verpfändet.*) 

Aapeni hat, nach den Kontareu seines Hotters xa achlieficn, 
rormala mit Bruitrnle« eine Par^^elle gebildet. Die Östlichen Be- 
greiizun^alinien beider GemeindejCiebiete seblieflen iu einer Weise 
aneinander. daU «e eine einzige, nahexu gerade Linie bilden. 
Gef;cn dUdweaten aber entsendet der Hotter Ton Breitenlee einen 
loDftD, dtluDcu Ann, der i<icb Jenactts det KOf;:vQiiunteu Jedlesee- 
frrabeiia, eines vertrockneten Donaoaroies, handartig verbreitert und 
fast bift ans kleine Muhlvasser bei Htadlau reicht So sehiebt sich 
Broiteiileer G-fbiet zwischen Hirschetetten nnd Aspern hinein, eine 
Strecke laag und eben nur breit ^nug. um uincm li'eldweg Raum zu 



't BiattM Am VereiBM far Lkndfltkund« voa NiMleiOitenftich. XVU, 10, 

und 277 a.. l>0Mud4rw »;e~ä07. 

>J IL Bofca. XVIIl. 477. 

') Ci)<l. 49 iSr. 19) Af Wieoor Sta»iwirchi«-e». 8. J8'': Amo doqüiii 
II'COC^IIH" feria tercU pfuiicaa (mal naliritsilotti liL^lite rlrgiiiis oblig»riintt* 
B4oU Bott» tlan(u>idf) Zuai«r fta duupaii «t «ervlcilj dednaB la PrelMals 
(■nf Ruur) caiu ocnaibui «iii* altiocnaneitii fto C. libtia daBariorum Wt«nii«uiiun 
laavdiD alc. (rgl. otvs &. 110, A&ni. 44. JU>s«dnckl Ton Cbmal Im AicUv. 11, 

Ma St. 9a. 

*] D^ptoli and L»rce, a. b. O., 8, 4, nnd: Bllll«c 4m VtnuH lar LuidM- 
Itandt *oa Niai«raittm»e)i. SV, S. 128 und 171 f. 

^) Archiv ntr ««t«rreicliwcb« (tMchielit«. VI, 4U. — BlKttar dta >'«TeiBW 
nir Loadaiknndo roa NiederaMerelck. W'U. 391. 




116 

lasaeo, in den von Breiteolee her mehtere andere solche Wege za- 
sammenlaafen. Ihre Vereinigting erfolgt bei der so^^eDannten 
Ffaffenlacke, einer langgestreckten, mit der Dooaa gleiohlaafendea 
Wasserader, die einen großen Teil vom AaperDer Gebiet durch- 
zieht and jedenfalls vor Zeiten mit den Jedleseegraben nnd darch 
dieseo mit der Donao znsammenbing. Das allmähliche Zurücktreten 
des Stromes scheint das merkwürdige Nachrücken des Bargfriedens 
von Breiteolee, beziehungsweise jener langen, schmalen Landzunge 
mit bewirkt und buchstäblich nach sich gezogen zn haben. 

Und wie erklärt man nun den Namen Breitenlee? Bezeichnet 
der Ort mit dem Schottenfriedhofe vielleieht seit alters eine Grab- 
stätte? Welchen etymologischen Feststellungen und Vermntungen 
begegnen wir? 

Die in den politischen und Gerichtsbezirk Floridsdorf bei Wien 
gehörige Ortsgemeinde Breitenlee, nahe dem linken Donauufer, 
wird, was ihren Namen anlangt, in der Niederösterreichischen Topo- 
graphie ') auf ein nicht belegtes Breilejäewer zurückgeführt, folglich 
>auf einen künstlichen Schatzwall gegen das Ausschreiten des 
Stromes gedeutet, den man vor alten Zeiten durch einen breiten 
Erdaufwurf — lewer, mundartlich leher — zu bewerkstelligen 
suchte.« ^) Tatsächlich findet sich auch nördlich vom Orte, aber 
doch ziemlich in der Mitte seines Burgfriedens eine Erhebung, jetzt 
der Kellerberg genannt, an sich geringfügig und doch ansehnlich 
genug, um selbst auf älteren Karten sowie in der Generalstaba- 
Spezialkarte verzeichnet zu werden. Kellerberg heißt er wegen der 
Verwendung, die er gefunden hat. Mau sieht an seiner sehr steil ab- 
fallenden Sudwestböschnng mit Türen verschlossene Eingänge, die 
ins Innere führe». Schon der Umstand deutet auf festere Struktur 
dieser Erderbebung, noch mehr aber der völlige Mangel jedes An- 
baues, der doch knapp zu den Fußen des Hügels, in seiner nächsten 
Umgebung und im weitesten Umkreise, in jener Üppigkeit und 
Fülle prangt, welche die Fruchtbarkeit des Marchfeldes fast sprich- 
wörtlich gemacht hat. SpSrlicher Graswuchs, einige schmächtige 



1) II, 206 i, auf S. 211a kehrt diese Vermutang nieder. 

') Eine andere NamenBerklfiruiig wird ia Scbweickhardts iDarBtellung«, 
V. U. M. B., I, S. 117, versucht, indem das zweite Wort anf »Lach, Lab, bewer 
aber Lache« jurllckgefilhrt wird, wonach Breitenlee einen breiten Snmpf bft- 
deaten solle. Vergleiche dKzu: R. Müller, BlStter des Terein«§ für Landeikande. 
XXI, 103 ff. 



i^^ 



117 



I 



B^amclien. kaum cid biilb«» Datx«ncl, «Uo iT«it eotfcrot einen Halb 
oder AJn WlUdrhi'ii zu bilden, bedecken die Achon von n-eilem siebt- 
bare und aucb iwlUt in di^rcn wvUi)i:«o Umgebung schon ziemlicbea 
ÜbvrblicJc bieieDde Bodenerhebung. Nach deu Karlen iel sie «o 
IdDgliolier, balbtQondfbtmig gvkrUnimter Ritck«!). kratcrllbolich. also 
rielleicbt doch ein eioguatürzter Le«bfrrg. Diese 13udenati0ehwt.'llutig 
ist jedoch nur der letztR Aufbau, sozusagen die Kmo« der gBDz«n 
Rt^cbung. nuf welcher Br«itenlee liegt toq dem achon Sohweickhanlt 
von Sickin^en in ecincr 'Topt^mphiö« bcmcrkl. »ditC ob gKgea 
andere uiuf*ebende Dorfseliaften doch etwas höher und ent- 
fernter vün der Uoiiau liejtt'.'f Das konnte freilieh nicht biedern, 
dali Ureitenlee bei der groDi-n Flut vi>tu 1. Murt ISBO vun Westen uud 
Norden zugleicli Dbcrschwcmmt wurde. Aus der alJseiti^n Ab- 
dmhuug (Iva Bretieuleer Gebietes erklärt sich dieee MO^hchkeit 
hinlAngliob. Die Fluten der Duuftu drangen frllhor noch in da« 
tiefer gele^rene nördliche, der Donau ab^kehrte Geiitnde ein. als 
sie nach Breitenlee gelangten. Doch wollen vir nns mit diesem 
Hinweis einer geoaaereu ^Vardiguog des Kellerbeixes nicht ent- 
cogcn haben. t 

Vor allem ist klar. dal\ wir ea hier nicht mit einem Schsts- 
datnin gegen die Donnn xn tun haben. Einen «olcben wUrd« nun 
xun&ehst wohl gegen den Strom hin, aUü im Soden oder Stldwesteo, 
nirht al>er im Mordoaten der beatigeo Anniedlung errichtet bakon. 
Docli gesetzt, man IiStte >auoh* gegen Korden eineu Schntswall, 
ainen Lewer errichtet, der infolge seltener InaasprnchnRhme erhalten 
g«bliebt->D, wnbrend der Hildltcbe oder die sBdlteben ein Upfer der 
Donau geworden wftren — wird man dann einen snlchen Lewer in 
halbmondfiirmiger Oestalt mit dem Orte abgewandten, nordwärts 
gedrehten Hi^mem errichtet haben'-' — Zwischen dioeen Hörnern 
mUUte wobi das su schtltKende Objekt gesucht werden, wenn Über- 
haupt der imgenomineQe breite Lebberg irgend etwas tu schützen 
halte. 

Wie aber, wenn der Kellerberg weiter nicbta ist nie einer der 
tahllüBen Krdbnckel, die .tich in jenem Oohlude zwiitßheD ebenao 
sablloMin wurmartig gekrDtnmten Graben erheben: eine vormalig« 
DoDauiosel innerbnlb einstiger Donauanne. Nur ist er etwas huber, 
Bchroffer tun die nndcren und das wird wohl das fttusohlaggebendo 



Uant.U<tDg d*> f-.Mti*noglu>M« Ni«4«rM«rr«leb_ V.U. W.W. I, UH. 



118 

Moment sein, welches ihm zur Bezeichnasg als Le verhoUeo hat, 
wie denn anch allenfalls die gröUere Breitenerstreckong ihn als den 
Breitenlee erseheineo laaseo' könnte- Da der Xame sehr alt ist, so 
dürften Anderongen. die mittlerweile in der Grüße und Gestaltung 
dieses Erdwalles eingetreten sind, kanm in Betracht kommen. 

So weit wäre alles got and schön. Da tritt einigermaßen stOrend 
eine wo nicht gerade absonderliche, so doch anfallende Form des 
Kamen« Breitenlee im Jahre L28S dazwischen. Sie lautet Pradlech. Ich 
habe sie bereits oben erwähnt and schon einmal in Erwägung gezogen, 
als ich mich mit der Erkl&nmg des Namens Mochinle beschäftigte. ') 
Doch galten meine Erwägungen mehr dem zweiten Wortteile. Idi 
glaubte dessen eigenartiges Aassehen als Beleg fSr Verändemngen 
heranziehen zu können^ die ich aaf dem Wege von UochinlS zu 
Mallebem vermutet habe. VcHtndemngen. die sich als eine Art 
Verkehmogen darstellen, die zum Sehntze des langen Auslaut-^ in 
Mc>chinle. Schoterle u. ft. angebracht worden, um Entwertung and 
Verschwinden dieses Aaslautes zu verhüten. Wie hier ein Schotertö 
za Schoterlehen, so würde dort ein Freiticmle zn Pratlech und 
weiter za Praintlech geworden sein. Auf die Ausgestaltang tou 
)Iochinle za Mannlebem mag dieses Moment nun vielleicht keinen 
Einfloß gefibt haben. Das hindert freilich nicht, dalj es nicht tatsäch- 
lich eine Rolle in der sprachlichen Entwicklung gespielt habe.^ Bä 
unserem Pradlech aber ist eine solche Annahme gar nicht nStig: es 
gestattet ohneweitcrs slawische Ableitung. Bradlech ist die noch heute 
<:eltende Form eines slawischen Worlos. Doch darauf wollen wir 
zanächst nicht eingehen. Wir betrachten einstweilen Pradlech noch 
als ein deutsches oder doch »eingedeutschtes« Wort, 

Ein solches deutsches Pradlech birgt noch weit mehr des 
Interessanten, und zwar in seiner ersten Silbe, in dem Bestimmnngs- 
worle. 

Mit dem ersten Wortteile haben wir uns bisher noch gar 
nioh: ■?:ireiitlich berchäftigt. Xieht als ob wir die doch gewiß auf- 
i,i".^i;d'? Apok'.'pe »le? äexivifoh erseheinonden »on« gegenaber der 
V- i'eren Form Eerinsr angesclilatrtn hatten, allein es fehlte so 
A: ii. wie Xeigjng. uns auch mit dieser Frage zu beschäftigen. 
Leuji-rn kann man das Vorkommen solcher apokopierter Formen 

' P.'.iiicr dij Vereine* f^ Landeskunde t.iq N'ieJeK^sierwich SSXm. 467. 
Tv:-:'^raphle rj^ N;eätr~'iierreioh. V[. i~ ü . «o ancb die «infchligig» 
L!:eraf;T Teni:rh::ei :-:. 



119 



jedenfalls nicht, es warde ein Gcg«nätüek etwa zu Frankfurt statt 
Frankenfart, Oxford für Oxenfurd ( Oclisenfiirt) darrfelicn. 

Dr. liioliard Uuller milüte iinii Aoge&iclitK des filteren 
Brcitenle. du zu altem Lberäu»«« aucli dnrob cio ganz muderues 
Hrciienl&e j;i'3tlltzt wird, Pmintlech und ia weiterer Folge Pradiwfa, 
l'rAdlooh als TPrderbte Können bi-Kpicbiicn, wie dar, in sciueu Augen 
i[u«'liilev (1241) pefiientibcr MocliinK- i,L\ — X) ttoweaen ist '). janoch 
mrlir verderbt. Drnn »in MachUcv vun 1241 and ÜfeacfaolB von 
I235< niDÜt^ man uichl anbedingt >spAte und wertlose V«rdcrbiiiaac 
dvs XIII. Jnbrhundortit erkcnncD«, m&n k<Juiit<> nuch. tun vriedec 
mit K. 3IlllUr zu sprechen, annohinen, >daa a des schwachen 
Genetiw wäre v«rschlupkt, wie in Anxiberch ftlr Anainbere-) und 
vielen anderen FAllen«^). Hier aber, in I*raintlecb und Pradk-oh 
wftru nicht nur, v/k > in der wuitau» Ubt-r wiegenden Zahl der 
jüngeren Uelcge« fUr Alpiltome. Alpentowe, Alpitowe. >die«e Liquida 
cinfficti onsgcworfen, oder vielmehr als t<elb«t mit der Zange go- 
dprocben in dun nachfulgendcu Zungeiiümt* (die«mtü 1) »aufgelöst«*), 
tfondeni es w&re auch der letzte Tokaliflche ßeat der Flexion und 
damit der RUyüiinus des Wortes verloren ^egHitgen, was »o wenig 
dio A^cl ist. daü vielmehr, wenn schuD der Vokal ausfällt dann 
atosonichr die Liquida »lehcn bleibt, noi mit dem nnn unmittelbar 
vorhergehenden Konsonauten des Wortstarames eine Theiis zu er- 
zwingen. Es lUgi; mithin ein ziomlieb gcvr»lt»uiner sprachlicher 
KingriST vor, Hlr welehen man nicht einmal Fatecbnng vuranlwortlicli 
maohen kOnnle, vrin bin*ichtlioh der Urkunde von lall gettchehen 
ist'), oder etwa Unkenntnis oineä landfremden Kopiaten. die für dio 
Schreibung Meuchele van 123ä allenfalls in lietraeht kommen kfinnte. 
Ganz das Gegenteil scheint der Fall kq dein und ist nicht zn 
furchten, daß es auch dieamgd barndoiw Schreiber werden entgelten 
mOsMn. meinen Argumentationen Vuräcltub geleistet zu hnbeo. 

Nun will ich «war weder die rjriginalititt derjenigen Urkunde 
tu Zweifel- ziehen, welche dait erstemal Preitenlee bringt, obwohl 

>) BUa«r d«( V«r«{nM filr Uiid««fcQBd». XXXIV (l»Uüi, 161. Tgl. iltgafeD 
iriatEiaweBduagvatiidcrTopo^iiphic T«e S kdetVittircicfa, VI<;Uall«bMn), »ATt 

^ RlllUf in T«f«iaEi> tUr Landoikunile voa Siedor6«UmI«h. XSIIl (19>^> 
». 8?5. 

'I Cb«D<Ia. X.\X 11890). 2ttl. 

<l Eb«B<l«. XXI (ItJKTj, 8. 131. 

*) Vcrgloicb« jcut nacb <1«d Katalop ätt penBaotntea AujKlsllQDg de« 
k. «iimI k. Ilmu.. IJof- und StuittrcblTCK. & 'iV. Kr. lOK 



120 

vielleicht Bedenken vorlieven, die ich jedoch anderen za wflrdigen 
and zu begründen Überlasse '^. noch auch will ich anf den weiteren 
Umstand Gewicht legen, daß die andere Schottenurkoiide von 1217, 
die uns Fraitenlee bringt, nicht im Originale, sondern in Abschrift 
des XV. Jahrhunderts erhalten ist. Zeigt ja doch auch das ins 
Jahr 1280 versetzte Verzeichnis Passauer Lehen in Osterreich die 
Schreibung Preitenle für unsere Ortschaft > was freilieh angesichts 
des bald folgenden Hertensteten statt Hcrtstetten (Hirschstetten) nicht 
allzuschwer ins Gewicht fällt.') Ancb hier liegt dexivische Aus- 
weitung vor. ist jedoch nicht sieghaft geblieben. Entschieden aber 
beatreite ich, dali die Xamenstlberlieferung von 12S8 nur zwei ent- 
stellte, und zwar beide Male ganz gleichartig entstellte Formen von 
Breitenle überliefert. Denn wie das Preitenle nnd Fraitenlee von 
1200 nnd 1217. durch das heutige offizielle Breitenlee gleichsam 
legitimiert, mit dem Nimbus amtlicher Verwendung umgeben ist, 
so stehen dem Pradlech von 12i?8 zunächst jenes iiltere Praintlech 
vou 1210. dann aber noch mehrere teils im Burgfrieden von 
Breitenlee. teils in dessen nächster Nachbarschaft vorfindliche 
Nennungen »Breitet* zur Seite, die man unmöglich als Verunstal- 
tungen von Breitetilee ansehen kann. Doch davon erst spater, 
bleiben wir einmal bei den verschiedenen Formen des Namens 
Breitenlee selbst stehen, deren wir zunächst die wichtigsten, mit 
Datum der Nieder.ichrift und Provenienz der Aufzeichnung ver- 
sehen, in eine Reihe bringen. 

?1200: Preitenle (Schottenurkunde, herzogliche 

Kanzlei V), 
zirka 1210: Praiutlech (Klosterneuburger Tradition), 

1217 tXV. Jahrh."»: Fraitenlee l Schortenurkunde^i. 
zirk* 1280: Preitenle (Passau). 

1) So Mreit die älttiren Schotten Urkunden der WuUzeile gedenken, aind «ie 
omch der Überzeu;ruDg lueiaes jUngereo Amttkullegen L>r, von Mitis entickiedMi 
gefälicht. und zwar vielleicht in der Zeit, ivelcher das gefäUchte Privitegiotn maiu 
enttlammt. Doch schninl man auch iu die aonst unbedenküchea Urkunde tob 
12Ü0, in welcher Breitenlee zum ersten Slalc ErnÜlinung liudct. seineizeit Zw^fel 
gesetzt zu haben: denn es wird aus dem Jahre M'^'i berichtet, daß man lie «inem 
Echtheit älien- eise unterziehen muCtc. der — niit Zeugen u. a. geführt wurdo. Vgl. 
oben S. 114. Anm 1, 

■) Item in Preitenle XXVIII beneticia. diniidia decima domini epiicopi, 
dimidia domini ducis. M. Boica. XXVllI d, 47'J 

-I Item in llertenBleten XVllI beneticia utvr. 



121 



1288: Praaieoli (Schölten), 

1314: Preitenle (auf Riisur, herzoglicbe Kanzlei), 

1398: Pniileulcu (pnäMuiitch;, 

1411—1418: Praj-mk-o (in der Übcr«ehrifiJ, Praiti-nlce 

(im Texli (Scbatlcuurhar), 
tiegenviinig: Breitenlec (Niedorüsterr. AiaUkjJcndpr). 

Da» ScIiwADk«a in der SolireiliuDg iit» Anlaute«, wobei jcdr»cl) 
T«nuis üborwii'gt. wird von der bekannten Eigenart der b«jn*chon 
Mundart boeinflnßt nnd soheint nicht viel zu bedentpn. Wiclitigur 
[igt die Schreibung des Anslantes. no^elbst zweimal jene Aspiration 
rbcgi-gncl, von der hcIiod oben die Rede war. und zwsr genide nur 
bei alleren Beispielen: ganz vereinzelt ist Apokopo der scboiii baren 
Flexion de» ersten Worteä. Beisonder« Ai(^»e zwei letzten L'mstünde 
werden ans beschäftigen, wenn vnr jetzt an eine genauere 1^ 
ttachlun^ der Clicriicfiirung: herantreten. 

Da ist OS zunächst die Schmbung Frabillcob in jener Kloster* 
neuburger Tradition von xirka 1210 'f, die von Fischer gewiTi mit 
Recht auf nnser I{ri>iti.-iil<.''C l>07X>p:-n wird niid volle Aufmerksamkeit 
verdient. Ihre Richtigkeit vnnkUHgesetzt. int aie jedenfalls citi Beircis 
für die keineswegs sich erstehe »de «Schreibung Brnitcnlcc. Es ist ja 
in di<»«D) Falle, wiv ia dum Pradlecb von l38ö. eben wieder ein 
Infasae von Urcitenlee. dessen Namen man no nehmen mußte, wie 
man ihm vorfand, d.h. wi e er i hn bot. Anderseits aber könnte doeh 
wic-der Priiitn- in Braint- verlesen sein und wir bHtten in diesem AK* 
Fülle weiter niehla zu rcrzdcbiien, rU KUiiUcbM ein Übui^angs- J 
Stadium vom allvren ei zu einem späteren dialektischen u. wie auch 
sehf-n in dem IVaitenlee von 1217, i«owie AuüfAÜ de« unbclonLoo rrf>^ 
,e in der Flexionsfilbe. Dazu käme oocb. wenn wir nicht SchreJb- 
ahlcr oder MiOve raiandnia annebmt-n wollen, McIalhesU vnn OTaitn 
za Praint. Attzuhaufig sind dafür die Beispiele nicht, und es liegt 
im ganzen naher, diese Sehreibung als eine Art Mittelding, einen 
Au^/^b'ich zwischen der vulgaren Aasspraebt- de« D ialek te», der wohl 
auch in der Braint »ai^ie ftlr in der Breiten, und jener der Schrift- 
aprache aufzufassen. 

'I >'oniM renun atutriaeuu«. 1V>. ilt. St. 787. DU Dtlmtuif duke icli 
Herrn Dt. MiAricr. ilvr buffantlkli In HtU« du Klo*l«n*iiburg«r Salbncti dou 
ii«d dann'i itt titotrn Qricfaicbte NleiafMt«miiAi »am gnha Dianni 
vcteoa «in). V^i nbrigea« da» MoiiauhUit d«i TarsliiM fUr I^niMknado von 
NUdflMtiemieli. IV. Jalirg.. &. Wt. 



122 

Noch für das XIV. Jahrhuudert durfte Ubrigena die Schreibung 
des heatigen Xamen? Breitenlee uicht ganz sichergestellt sein. Aaf 
solche Vermotang bringt ein Blick auf jene Rasur, aaf welcher, wie 
schon üben bemerkt ' i. der Xame preitente in dem Pfandhache 
Kr-niar Friedrich des Schönen von Osterreich steht. Dies wird in 
der Anlage darch pbotograpbische Wiedergabe des betreffenden 
Stückes der Handschrift -i und durch eine beiläuäg 16fache Ver- 
größerung des betrefFenden Absatzes (Xr. 93) vergegenwärtigt 
Leider ist immerhin so gut radiert worden, daß man eine ganz 
einwandfreie Lesung des radierten Wortes nicht vornehmen kann. 
Doch gestatten gewisse Anzeichen den Seblaß. daC früher an jener 
Stelle eine kürzere Xamensform des heutigen Breitenlee stand.') 



■^ S. 115. Aom. 3. 

-I Kod. 49 des k. udJ k. Staalsarchives zu Wien (Lokat: Weiß 19). Ea 
handelt »cb um den zvceiien .^bsau von oben ',Ni. ^3 und hier nieder am dat 
zweite Wort der driKen Zeile. 

^1 Ala unbedingt »icher stehend muC (reiten, dafi äai radierte Wort kQrser 
war, beziebungweise mit den Mitteln mittelalieriiohcr Schreibknnit und dm 
damals und lange Zeit geiiränchlicben .^l'breviaturen kUner ^M;hTieben war, all 
das darauf loll ansgeschri ebene preitenle. Denn daC deiisen .Vnlauizeicben p nicht 
mehr oder doch nictt mehr ^anz auf Kasur steht, ergibt nicht bloD der Aagen- 
schein, sondern noch mebrdie Erwägung, dal) p dem vorangehenden Worte (in) ineiner 
Weiie nahe rückt, n-ie c* bei den iton «eigen WortabttftndeD der Handachrift 
durchaus nicht üblich ist. Xur die hantig begegnende Talsache, dafl die Kunr 
breiter aasiullt. als da^ cix tilgende Wort — eine Folge der Intensitlt des 
Schabecs — hat Jie^nial mitver^chulJet. wenn ]> überhaupt noch auf Baanr xa 
stehen kommt, Einigemale fuhr der Schreiber soweit mit dem Schabmeaser aoi, 
daü aacb der letzte Schaft ron i'i in Mitlt'idenscliafi gezogen wurde. Dar »tai* 
getilgte Buchstabe scheint ganz gm zwischen p und r ipreiienle) sichtbar tind 
Kine Entfemiing von in entspricht dem üblichen ALvtande von drei bii rier 
S;hafien. Ob diesem Sobaft eine Oberlänge zuk:Lm — auf eine Unterlänge deotet 
:::'.'hi« — oder ob die über der Zeile fiohtbsrea Flecke auf sogenannte litterae 
co'.'jir.cntae. das sind übergeschriebene Buchstaben, zurückgehen, kann mit Sicher- 
teit nicht entschiedsn werden. Ganz deutlich geblieben ist Jene l'nterllnge, Ü» 
nccb das i in tamdiu der nächsten Zeile spaltet. Ob zwischen ihm and dem 
kurjen Schaft zwischen dem ielzigen ]> und r noch Schrift zeichen gestanden. lUt 
»lc!i cU'bt fe$tsiel!ec. vor allem aber IS^'t es sich nicht bestreiten, da hier dl« 
Tatigk^i: dti Kadierens ausk'iebi^te Arbeit gehabt ;u haben scheint nnd Ober re 
e^n uagreci.ter. leicht geschwungener Kür^uugsstricb fichtbar gebliehen scheint; 
Joch ^:terr;igen solche IC [ir.:ungss triebe in un<erer Hand^brif^ nicht idten die 
L.inire drr Buchftabenrvihe. Wenn >iie vorbeschriebcne auä'allende UntnUnge, 
dercu oberer Teil heute durch das i in preiteolo teilweise gedeckt wird, eünen p 
oder P angeh'in baben folite. wof.li' vii'le Iltispicle vorliegen, so kSonle tn«a 



133 



Und wie steht es mit den ZKUgahKn iius der Ge^nwart? 

Um diea zu erfabren, frag ich bei einem Aasfluge, dea ich 
vor Jahren nacli lirvitenlee unternahni, einen Mann tia» Aem Volke 
nnch dum Kfinicn d«s Ürtus, d(Mi ich ja dü«h kannte. Die Auskunft 
Uateta — »Brailnleet. ..«<*.. .'^■«'a^>w-^««. 

Wfts jnmjchpt a slait ei anlanirt, ist es ohne Zweifel das noch '^/^ 
heut« Tübendigc dialcktiscbo bellt* ii. von dea »»gar Dr. P. Muller ''^^n 
meioeä Wi^srnä inrnferne Kotiz nimmt. aU er nach Willibald Kftgis 
Voi^ang '} «ugibt. daß am EDde_dM XIIL Jalu-hnnderta im Volke 
bereits fflr den Diphthong ei isi) die Atuspruphe ä oder h' ein- 
gobUrgi-rt war. ') Unser Pradlech wllrdc sich also, vraa den Vokal 
des ersten Wortea anlangt, unschwer mit den von Nagel beige- 
brachten gleich alten Relegen Bmtenit^ioh. 1383. Brateneioh von 
1276, von 1281 f. nnd lirnteoftch von 1272*] fUr dcu bekannten bei 
ilorn gelegenen Wallfahrtsort Breiteneich xusammenhalten lauen 
nnd wir wttrden dnrin nar ein neuen ßelc^ fllr dicTalttache haben, 
daß wurwlliafte-i e» m bnviTisch-örterr eich if eher Mundart .tchon *ehr 
früh wii* ht'Ufs u gesprochen, hie und du auch geschrieben wurde. 
Durch Nagels Ausführungen wird jedoch überzeugend dargeCan, daÜ 
der Satz auch umgekehrt gehe, dali aUo ftlr mundartlich helles a 
handschriftlich neben a und m überwiegend ci gesutzl wurde. Die^ed 
belle a nun tindet eich auch in verschiedenen, aus dem SlawiKohea 
Dbernommenen Ortxnamea und so wurde, weil man in der Schrift 
ir Kotches hclloii n da« Zeichen ftir wurzelhuftes ei k» s«t2eR ge- 
cibtit war, auch hier ci einge»chobi*n. In diestir Weise ul schon oben 

danuit tiod uu Jen Bbarirotehriabraoii BucliiUbiiB «tlfttifiüb anf den Antaut von 
Prall!« Mitr l'raitnlf^ ncfalieflcn. All«iti tu inaC ti«ia«Tkl werden, <\mt m hcIi gilll 
Diid gar niclit fiMltlclleii lUM, ob 1 run rrllher h«r ttelien geblieben oder neu blutu- 
gekoDiBMa ist; aus der USwereo Tfnt« ):hdii kein aicbe««r Sdilufi ^«««gcn «wrdea. 
Itiaier den I kSnat« ein a gMtandeu haben, abe dai e dshla koia, vUlleloht hat 
■aan ■• ab«i aacli liiar aiur mit «inig«D Anafkbru«^!! der n«cli alclit ^nitK f^ 
lrodca«t«Q Tinte der eraMa Sckrin m tun. I>anir idmat auch la fpitehta, daA 
dar auf prelivale fotgend« Pankl im Vcr^teidi so doa ••tbiil dlMfalls gobrüticb- 
Uckan AbiUnden etwas in nwati folgt ifgl. du IjuigoM in das olmcD Abutc). 
JedeafoUi folgt deuk 1 der rMhar«D Schrin k»En c. E* rerdicnl auch bsioerkt eu 
wvrdM. doli «Ilain Anubetae naeb die Botur «nt ortblfl«. aU tirreiu dar gnaia 
Ab«atbt gotcliriebaii war, anott wIm d«r lo doa timdin liin«inrag«ada Scbaft f^atii 
vaficliwnDdui. 

•) UUUor d«a VtTfioM fllr I^Bdeakaade. .Vt. XXIV, 138«. 

■) eti»DdA. 329. 

1 A. 0. 0„ 155. 



lU 

in der Zeit, au8 welcher unser Pradlech stammt, 1288, zum eretenmal 
ein Steingeinstorf aus Hlawischem ursprünglichem StanegeioBtorf, «chon 
für die Mitte des XII. Jahrhunderts belegt '}, zu verzeichnen. *} 
Ja, vielleicht geht diese Umdeutung vom hellen a in Worten 
fremder Herkunft zu ei noch weiter zurück. Das würde allenfalls 
dann angenommen werden können, wenn beispielsweise das römi- 
sche Stanaeum, das man bei St. Ägiden an der Donau in Ober- 
Osterreich sucht, sich deutlich in dem nahebei gelegenen Steined, 
dialektisch Stöanad^j, erhalten haben würde. Beide Ürtlichkeiten sind 
nur durch das Tal des oberen, einst Perlen führenden Perlbaches 
voneinander getrennt und büchstens 1200m Luftlinie voneinander ent- 
fernt Finden wir nun aber schon 1194 Wolfpazingen neben Wolf- 
paizingen, finden wir zu zirka 1 140 Gurzham (fUr Gurzbeim), also wieder 
Beweise, daü man wurzelhaftes ei dialektisch mit hellem agab^}, so 
gehört keineswegs dilettantischer Übermut zu der Annahme, daß 
man schon im XII. Jahrhundert ein Bradlech, welches sich als 
Name einer Örtlicbkeit fand, wegen des darin vorkommenden hellen 
a als Breitleh oder breiten Leb aufgefaßt bat und in die deutsche 
Lokativform gebracht, ze dem (zeme) breitenleve schrieb. Das 
schon ins frühe XIII. Jahrhundert gehörige Praintlech des Kloster- 
nenburger Saalbuches ist ganz geeignet, diese Auffassung zu be- 
ßtfltigen. 

Diese Annahme nun nötigt aber wieder zur angelegentlichen 
Beschäftigung mit dem zweiten Worte. Denn Pradlech (Praintlech) 
siebt nicht danach aus, als sei die zweite Silbe betont gewesen, es 
wUrde demnach überhaupt fraglich werden, ob wir es im ursprüng- 
lichen Worte mit einem Leb oder Lehberg zu tun haben. Und damit 
lenken wir bei jener schon oben angedeuteten Tatsache ein, daß 
noch heute geltende Flurnamen ganz entschieden fUr die UrsprUng- 
Itchkeit der jüngeren Schreibung Pradlech gegenüber der alteren, 
Schreibung Preitenle eintreten und dergestalt das Anciennitütsprinzip 
welches von der deutschen Sprachforschung so ängstlich gewahrt 
wird, über den Haufen werfen. 

'^) Z:ik in: Monatiblatt des Vcr(>ine3 für Landeskande von KiederQatemicli. 
III. Jahrgang, Xr. 10—11, S. ICl. 

-) Mililer. Blätter. B. a. O., 228 f: ebenda Nagel, S. 154. 

''I Das Vo rh and ea sein von Itauresten mag die dialektische Namengebung 
unterstUtitt haben. 

<) Ebenda, l.">7 und 1Ö9. 



V«l 



^f. Iw 



125 



Die in nerlialb ile» BnrgfriedenB von Breitenlee, zunXchitt derOrt- 
s«?linft»cll>!tt bt-^gnr-ndeNcnDanir >in Brdt«1n<.diF «ich «nch nnh« der 
Sudprenze und cahe der Nord-rn-nze. aber schon auf anstoßendem 
Asperncr und AdcrkliucrGcbict findet, ferner »dxt Brcitvl« im Norden 
tlvr Anaiedlunf; selbst, an ibrer Dr^iinark mtt Aderktna ond Su&cvi- 
brunn Icfcn die V«rmul(iiig nahe, dntt jenen in ßrfiU'iilot« solieinbar 
xnm zweiten Worte (reliörigo 1 niobt zii \i\ gondeni «u Breitel ge- 
b&rt^ nicht «in Anlaatsknnsnnunt int, Gondcrn im Aoslaut steht; 
oder sa^en wir zminrh^t fiiixchriinkend: ^wiß nicht nur im Anlnut, 
soudcrn sicher Jiuch in AuiOaiite steht, indem wir uin Brcitfl-lö 
anteratelle». das dann aUoBfnlts in der Schriftsprache zu Dreitenleh 
aosgeittfiltet wurde.*} Ganz gewiß aber mUR4en wir für die Entstehung 
des Numciis BreitenW diese beiden im Weichbilde der Ortschaft 
und in den bciiuchbarteo OrtDuhaftuD vorkummendeu N'cnuuogeo 
in Rechnung ziehen. Anderseits wird in Hetruoht kommen and 
noch weiter zu betrachten sein jen« nfirdücb von der Ansiedlong 
«twn in der ililtc des Gebietes vorkommende, nicht hohe aber auf- 
fallende und schon von vrcitum merkbare ßrderbebnn^, der schon 
icenannte Kellerberp. dessen Vorhandensein jedenfalU fUr die Ent- 
fttehung; de» deutiehc-ii Xamen Breitenleh matigebend war. die ab^r /* 
gewiß auch mit dem Namen •Breitel« wird in /.UMimmenhang zu / 
bringen sein. f^ 

Mtin knnnte erwidern, ich hHttc iteihi't durch jene Annahme / 
Ton Sicherungen fhr den AoBlaut e im Kompositam BreitenU- die ' 
Möglichkeit einer Vorsorge zugegeben, daß dieace ^ nicht allcnfnlU 
Abhanden komme. Wflre ea dann doch abbanden gekommen, so 
würde eben Breitel neben Breit.' pd )leh entataaden eeio. wie Welteicbt 
Mopl neben Mugii>le. Alleiu ich beatreite diese Möglichkeit nach wie 
Tor. Wenn man in der Schreibung de« Wortes Vorsorge traf, nm 
toDlose Aussprache von >lei in Breitenlee und Mochinle, mithin 
Entwertung des langen und betonten v zu verbitten, ao war 
anderseits, sobald einmal Rir di« Umwohner der Ürtscfaaft die Vor> 
Stellung des Leh vorlag, die Qeliihr behoben, es künnt« aticb bei 
ihnen, welche den Qiiver.Megbnren Born der richtigen Aussprache 
hüteten, «olohe Entwertung eintreten. 

*) Dbar dies» Alieralcroa to« I. ■. r vtrglüchn dUt inicrcMaatn Unter- 
Mi«biiiif[«n lt. Ulltlori uiin OrttaaiBaa J^lpillow*, spltar Eipsllau. heul« g*iM 
irris Ueopnidnu, liUitor dei Veraln« Ar Landetkniide -ran TüederCticmich. XXI. 
118C. bcionilon l'i'i«. 



L 



126 

Ka wäre nun vielleiclit doch gewagt, auf einer aolchen Be- 
hauptung festen Fuß fassen zu wollen, ala auf einer Grundlage 
fUr weiteren Ausbau, läge nicht ein Änalogon, ja mehr als das, 
eine ganz ähnliche Benennung vor, welche die flexionslose oder 
unflektierte Form von breit, brait als das prius, die flektierte als 
das posterius ergeben wUrde, eine Eatwicklong, die fast genau in die- 
selbe Zeit fallt, aus welcher wir unsere alteren Belege für Breitenl€ 
aus Braitle geschöpft haben. 

Bei einem Ausgleiche, der gegen Ende des XII. Jahrhunderts 
zwischen Abt Hiltper von Wilhering und Pfarrer Pilgrim von 
SchOnherin, mithin noch auf altmärkiaehem Boden, stattgefunden hat 
— ich denke hiebei an die Ostmark der Raöelstätter Zollurkunde — 
welchen Ausgleich Bischof Diepold von Passau durch Urkunde von 
1189, März, zu Efferding bestätigt, ist unter anderen Feldern von 
einem campo Breitloh die ßede. In diesem Felde erhält der Abt 
von Wilhering vom Pfarrer von Schönhering drei Äcker, die also 
offenbar, wie die in campo Kesingen prope Mulenbach (Muhlbach), 
oder in utraque Kesingen, wie Katzing noch einmal genannt wird'), 
und wohl auch die in campo Kemenaten im Bereiche von Wilhering 
und Schönhering, d. h. nahe dem rechten Donauufer gelegen sind. ^) 
Es ist ganz und gar nicht Überflüssig, auf letztgenannten Umstand 
schon jetzt hinzuweisen, weil wir ja in dem sprachlich gewiß nahe 
verwandten Breitenlee im Marchfelde es auch mit einem der Donau 
abgerungenen und nicht selten vom Hochwasser derselben heim- 
gesuchten Boden zu tun haben. 

Merkwürdig ist nun freilich, daß Breitloh in der Bestätigungs- 
bulle Papst Honorius' III. {1216—1227), welche Kurz») ins Jahr 1218, 
Stülz*) dagegen und mit ihm die Herausgeber des Oberösterreichi- 
scben Urkundenbuches^), die Verdachtsmomente konstatieren, ins 
Jahr 1216 setzen, nicht vorkommt, daß jene Bulle Breitloh 
nicht nennt, obwohl sie sich in der Kachbarschafl der übrigen 
1189 genannten Örtlichkeiten südwestlich vom Kürnberger 



') ijildlich vou Katzing findet Bich nocli heute der FlamameKstztoger Feld. 

-) Urkunden bncb ab der Enns, II, 416, nach einem Abdrucke, den schon 
KttUz in Bcinei Geschichte toq Wilhering, S. 487, ans einem Kopialbnche dM 
Stiftes bringt. 

=) Kurz, Beiträge. IV', 637. 

*) Stütz, Geschichte von Wilhering. 499. 

'■•) Urkundenbach des Landes ob der Enni. II, bSOff. 



127 



''NValdc<)zimulicblAngi-* aafbalt.') Aber es kann dem gvgeoUbcr geltend 
gemacht werden, daü <lie pUpKtllcbc Urkuadu nuUer diun KUrnberger 
Waldtt Fluraaiuen nicbt brio^t, aondero nur aololie von OrlacbaAeu. 
Damils entsprach vielleicht dem campue ßreiUoh noch keine »o ge- 
nannte ^ii-dclan^. Jedenfalls reicht das ächiveigen einer Pspstbulle. 
so ungern wir den Ausfall eines Bclcgoa fUr den Beginn de» 
XIII. Jabrhandertit sebeo, nioht aaa, tmi uqs vor weilerer Ver- 

kiblgtic<! do« 0rt«Dftmen8 abzuhalten. 

Im Jahre 1371 nun verleiht Abt Johann von WiUiering »einem 

■trewii diner Cbanraten dem Fnütcnlücber. . . g&t te Praitenloeh, 

fun&ig- pbening gehz ist . . . freizx aigeu'* de« Stiftes Wilheriug. 

Die Rourkondun^ erfolgt« am 25. Mftra genannten Jahres, die Ori- 

^ualorkunde int erhallen. ') Ohne alle Fragen haben wir M in 

lao Fsilen mit derselben Ortticbkeit zu tun und, wenn nicbt b&- 

[muplet werden kann, duü iliearaal die ttittre Schreibung korruin- 

fpiwrt, die jUrgere die richtige ist, so maß Weiterbildung von Preit- 
lob zu Praitenloch za gegeben werden. 

Wahrscheinlich balwn wir es hier mit der«e)bcn Ortlichkoit 

'xa tun. wo Melk seit dem Jahre 1388 durch Schenkung Lentholda 

Tur Kuenring ') und seiner Gattin Agnes von Feldsberg einen Hof 

nod Ewei Weinberge besall. Kr wird auch Breitenloch genannt, über 



') D«a Kllntli«r^ •prk'ht Alf. UUIIner nl> «UwiKb.<l«uUcliM Ranit>DailtiB) 
au bora \xaA -berg au. Liiuor VoUubUtt. 19iH. 

■) So find«a wir Ib Ibr Kdrkjiub*Tg. UULlbaclt, IvkUia|[, L«^hA(luitc 

(fUidea). Stitvmm (bei Kon, don tvohl du IkAriuUrD Yorlof, Maoftmo hti 

iSiOIk) — «■ »l XuiiDÜim. nSrdlicli tod MkKhtrook aa d»T Tntin — und. mcrk- 

'Trttrd^rer^*«i*o bereit* ■!« inxt» Tmaua bK«icliD«t. ItuoSiag (Budolfiof. Ruodol- 

&if«(i), Puabing und Hil\*gorlngtn, nanmth nJto dtmali die Trann oder eia 

L JUndungMnn danclbcn siaca mclir oOrlliclies Vcrtaiif i^oaimea l)&IU>, e(ir» bs 

yitt Stell« dei h«ulig«n aOfc-enaDatea Staadaehtuich«!. Mut kana diei«» wähl tueb 

aU oiaea UUadiuigMinn der Ttauii auÜMMa, du dur«h VetMudung d«a »ictit- 

baren Zuunateatianp mli dam Hnnpt^wAawr *efloreii hat. VerhX1ln[*a». d!« 

itwUck Btl«athalb«a b«gtga«D. Aocfa iddlicb todi Slandacbbacb danbicren aooli 

(iaif^ nenltaer dia Traun, m der Rachh«mn(rt>a«h und d«r P«rn«Bdbaeb, Km 

datn SivDfalirn Liegt. DioMi Xeofahrn dtut«! dAiaut bia. daP Htueraalt Ha TraaB 

«na aahr htoitn WAcwrIllLeb« h*'^^*' bab«n loocbl«. Virllcicbl Ittauraolcbs Var- 

bUiuU«« dai uiraiip xelmoillgv, fpttcr TollfUUidigo VciicbniBdes reo ürtlUvoli 

«nHlektanhMa. 

') Elienda. VUt, &1». 

•) Ilaelier. Amtria «x anUvli HelUeaa^ibcu Uliutrau. I. 30 j^.: Frlalt, 
DU llerMB roB KtuDring. K«fwi«B -UM. 



128 

Frieß ^ und nach ihm der faat aasschließüche Verfasser des ersten 
Bandes der Topographie von NiederOsterreich verweisen diese Ört- 
lichkeit in die Wachau, nahe bei Spitz, wie anch Keiblinger tut.^ 
Der Umstand, daß in der Wachaa nichts derart zn finden ist, hat die 
merkwürdige Tatsache gezeitigt, derzufolge der Artikel Breitenleh *) 
anf einen solchen über Preitenloch verweist, der unter den modernen 
Namen Breitenlach oder Breitlach abgehandelt werden wllrde. Man 
sacht ihn jedoch vergebens in der Topographie and könnte denken, 
ob er nicht für »P« aufgespart ist, wie derlei vorkommt. Doch ergibt 
sich aus dem ganzen, wie aus einer Notiz im Index ^), wo von »Preiten- 
loch (Breitenlach. Breitlach«) wieder auf Breitenleh verwiesen wird, 
daß Schreiber des Artikels die beiden Wilheringer Urkunden ge- 
kannt und die dort vorfindliche Örtlichkeit Preitloch oder Praiten- 
loch auf das Preitenloch von 1288 bezogen habe. Hat man vielleicht 
an die Breitenteiten bei Schwallenbach zwischen Spitz und Maria- 
Laach gedacht, in deren Nahe sich ein Sauloeh findet? itiUMi/.^trri. / 

Von Breitloh kann noch gesagt werden, daß sein Grundt^ort, 'Y"^ 
falls wir den Namen als Kompositum gelten lassen, auch in unserem 
Gebiete vorzukommen scheint, indem Aderklaa, einst Atichlo, ganz 
leicht als Zusammensetzung mit la, d. i. eben LSch, verwandt mit ''^ ' 
dem lateinischen locus oder lacus, aufgefaßt werden könnte.*) Deshalb 
jedoch Breitenloch anf unser Breitenlee zu beziehen, wäre durchaus 
unzulfissig. Noch wollen wir aus sudsteiriscbem Bereich ein© viel- 
leicht hieher gehörige Parallele beistellen. 

Am 8. Dezember 1439 gelobt, zufolge einer im k. und k. Staats- 
archive erliegenden Originalurkunde, Christoph Kwynntaler seiner 
Großmutter Katharine Bertholda von dem Forst Witwe, daß er ihr 
>gfleter, mit namen zu Kersteten zwo hüben, auf ainer Primas und 
auf der andern Gorsse iecz sein gesessen, item am Predla ain 
hüben, darauf iecz Herman ist gesessen«, welche seiner verstorbenen 
Mutter Anna, Tochter Katbarineus verpfändet waren, um den Pfand- 
schilling per 60 M.W. Pf. wieder zu lösen zu geben. AU Zeuge und 



1) Ebendii, S. 1B3 und 139, oder: Blätter des Vereines fUr Ludecknnde rea 
Niederösterreicb. VII, 260 f. und 257, wo abwechielud Preitenloch nnd Breitenloch 
geschrieben yi'vtA. 

■) Geschichte des Benedi ktioerstiftes Melk. I, 373 und II, 2, 137. 

') Topographie von NiedeiBaterreich. Bd. I, 207 a. 

*) A. a. O., 8. 781, Sp. 2. 

'") Müller, a. a. O., XXI, 103 ff. 



129 



üieglcr erscheinen fiitter Erasnins ron Liechwnbei^, llofineisler des 
Grafen von Cilli. und Konrad Sarauer, Bürger zu Cilli. Außer cloni 
kekannten Korchstvtl«n bfi Stuän in Krain vcrzeiohuct Raffeis- 
borgor noofa ein Kerntetten b»i Zirklaeh, nahe der steiriaohen Grenxe; 
dioBes dürfte hier gemeiDt «ein und hier iM auch l'redia xii »luehen. 
Aas domsvibcn l'mkreiae Hlaaimt nun vobl uuch ein Wulf^an^ 
Praitenlober, der nach einem OrigiDal desselben Arcbivea am 6. April 
1416 zu Cilli dem Grafein Hermann, als er ihn gefangen gemtzt hatte, 
Urfehde flcbfrurt. l^emnoch haben vielleicht ilie Formen mit und 
ohne Fli-xion des ersten Wurfes «ine zeitlanjr nebeneinander be- 
standen. 

Wo immer nun nbvr }en«a Breitenloeh der Sj(>lker Urkusdrn 
geaucbt werden müehtv. in einer Beiciuliimg i^t an uns s«br nHII- 
kommen. eben als Beweis, daÜ der erste Wortteil seine TerkUnie 
Koroi dorchaas nicht »pllterer Verderbnis danke, dali im Gegenieile 
das die Teudeos ^eweäen zu sein scheint, der kürzeren aber ur. 
aprUngticheii Form durch Anpa»Kung an dun deutschen Lokativ 
ein mehr popnlsrea Ausstehen zu geben. So wtrd atu Breitloeh: xe 
dem 'der) Breitenlohe, aus Preitlech: zc dem Breitenlee. 

Vielleicht wird mau diwalle* nun ah UberH(lflHi>:i-' Haarspalterf i 
ansehen und zugeben, daO Breitle« und Üruiiluch bald dektiert. bald 
unQektiert eraebeinen : aus der ersten Form habe sich da» Pradlech 
von 12SH entwickelt, die dekticrt« ist sieghaft geblieben im jederzeit 
gültigen Breitenleh. Ao JCngehiirigkeit de« l zum ersten Worte sei 
dämm noch eicht su denken; in dum nahen Broit«tvttcn habe man 
ein Beifljtiel. daß ander-teils wieder die Porin mit anilekliei1«i» Ad- 
jektiv durehgr-druiigcn »ei. Ja, mun wird vielleicht !^gar iriDe gewIsM 
Neigung ofdziuller Kreise zugeben, solche Hexiviseh erHcheinende 
Formen dort einzuschmuggeln, wo aie eigentlich keinen Boden hatten 
auch nicht Wurzel fi&ßten. Üo emcbeint Hertstelten. daji scbliolilich 
durch Ausfall dex ernten t zu ücrsletteu und m zu UirsolistetteD 
wurde, im Pafsauer Verxeicbui$ae ab Uerteneielen'y. Ebenno hHlln 
ea »1 einen) Breite natetten kommen können, wie wir etwa fUr nnicr 



,-a; 



1} U. BoicH. XXVIIt, 8. 47». Z. 19. £. Um« rr<-il><rb aoclt dtranf an. di« 
8ehr«lbuii( liM Fm»u«t Kodw tu piDfra. <let luiniiii&cb« KUrutngtn uiK«vttod*l 
(U kab«<l Mli«lal, M »war. lUO di« lieraiug»b«r d«r M. Boica daa aainitt«1l>ar 
darauf f<ilKaad( 'fttmittU V«id«t< itall > Pr«iieiir«Uor< laatu koanten. tAlim 
KoRfklar d«i dcrMiliiton I>ir*klott Dr. WintH an d»in Eiviiiplnr d«« k. nnd k. 
MlaaUarcliWa, in MUadiMi aafwlobu il«r JlsadachriA vorgcnciaiuoti. I 

JakiUth 4 V f LM*ata»d*. ifM. a 



ISO 

Kroissenbrunn ab und zu Rroiabruno begegnen. Allein der Gaminger 
Amtmann von PfaSstetteD, Leopold Preytlsteter aus dem Jahre 1344 *), 
ist, wenn er sich etwa tod unserem Breitstetten scbreiben sollte, 
nicht gerade geeignet, diesfalls beruhigend za wirken. Daß aber 
solche Häufung von Konsonanten, darunter drei Dentales, wie sie 
hier vorliegt {tlst-), Ausstoßung der liquiden Dentales bewirkt, ist nichts 
aoffallendes. Lauter Erwägungen, ganz geeignet, in dem ersten 
Worte von Braitenlee und Breitstetten etwas anderes als ein auf 
Lee oder Stetten zu beziehendes Adjektiv »breit« zu vermuten. 

Doch käme immerhin ein orographisches Moment in Betracht, 
das sich ganz gut in den Eingangegedanken unserer Erörterung 
einfilgt. Breitenlee und Breitstetten. beide liegen in der Mittellinie, 
in der Längsachse jener Rußbachinsel, die wir oben angenommen 
haben. Und dieser Langsachse entspricht wieder eine Boden- 
anschwellung, gleichsam der Wasserscheide zwischen RuObach und 
Donau, die. vor Raaadorf, nahe bei Breitenlee beginnend, über 
Rutzendorf nach Breitstetten zieht und in Kopfstetten verhältnis- 
mäßig die höchste Erhebung erreicht (161 m). um sich dann im 
nahen Loimersdorf vollständig zu verlieren. Es war ganz begreif- 
lich, daß man jener Stätte den Namen des Kopfes beilegte. Denn, 
wenn sie sich auch nur um 8m über Eckartsau und Fframa. ISm 
Über Haringsee, Loimersdorf und Witzeisdorf erbebt, so mußte sie 
in diesem Flachlande doch den Eindruck einer Kuppe machen, ftlr 
welche die Bayern so gerne Kopf gebrauchen. Der Name Kopf- 
stetten würde also an den von Kufstein erinnern, das im Volks- 
munde Kopfstein heißt.*) Und die Benennungen Breitelleh und Breitel- 
stetten sollten in keinem Bezüge zu dieser Bodenschwellung stehen, 
auf der sich beide begegnen ? Vielleicht, daß sie inmitten der 
sumpfigen, von Donaukanälen durchzogenen Umgebung kleine Flächen 
vorstellten und daher den Kamen erhielten, zu dem nun noch die 
Erscheinung des Leeberges hinzukam. 

Doch kehren wir zu dem etymologischen Moment zurllck. Es 
ist angenommen worden. Breitenice möge von einem Breitetlecb ab- 
geleitet werden, das anderseits zu Breitle. Bradle wurde. Der Form 
Breitenle wurde Ursprünglichkeit abgestritten, 

Wa,s haben nun aber jene verschiedenen Breite!, jene Flurnamen 
aus der Umgebung von Breitenlee, mit dem Pradlech von 1288 aa 

1) St. PSltener Urkucdeubuch. I, 318 und 306. 
^) Schmeller. I, 1273 f. 



131 



^^BeQ? Denn durch Alischwiichungeineslani^en BadvokalBtuBr«!!«! 
VIFbo wenig aus Breiienleh, Bradlech hervorgofangen, wir Mdgl 
ttBs Jlogile. Gloicbwobl liegt es, vriv geMgt, fast nabe, in jenem 
Breilenleb ein Breitok ta Baoben, und wnr ich geneigt, Mocliioti 
(Mo*il^wt von Mogilit (Mugl) abzuIeitM, «o bin ich genfrjgt, Bn^iten- 
lee vüD Breiiel abzuleiten. 

Wa« snB nnn aber »Breitet« bffdeuten? Eine kleine »Ereilet 
TielleichtV E« ist richtig, die Beaeichnong •Bt-eiten« fQr Ackerland, 
Kultarlaad Ilberhitupt. bugiignct in uniH;rcn Qcbietvn und aach in 
jenen Gegenden scbr oft. leb erinnere an die Jobannetibreite bei 
Rntzendorf, an die Breitlitwcn bei (SliaiteDdorf nnd Fuehsenbicge), 
an die Breite Acker und die Große Breite bei Groli-Enieradorf, an 
die linnge Breiten bei Pframa und diu Xcurißbreitcn bui Ort. an Abs 
Breiteiifeld, nordfiAtüch von Raasdorf u.a.m. Ka ist vielleicht damit 
im Gegen?atK zo den >Sobraal1ißn< ein auagiebigen Stnek fracbt- 
baren Bodens gemeint, hei dessen Verteilung mau nicht genötigt 
war, auf allerlei Terrainhitidcmisne Rücksicht xii nehme», welche 
die Boden behau ung erschwerten. Oder *rar es die I-age der Geivnnten, 
wi'lehor die Flur dann den Namwn vertUiiikt? In kcinuin Falte aber 
war doch daa Uenjinutiv am Platze. Wurde es dennoch gebraucht, 
warum gerade nur im Weichbilde von Breitenlee. und zwar sowohl 
in Stidea wie in Nurdeit desselben, dann nur in der ollernacbstea 
Nacbbarachuft. und aonet wo-it und breit nicht? Daxu kommt, daß 
der Boden von BreJtenleh niemlicb arg von Donangrflben durchsetzt 
ist, «o dnü der Begriff der Breite nicht leicht aufkommen konnte. 

Breitt^l vrinl wohl etwaa anderes bedenten, 

An daa •aus^ebämmcrtc Backblech* 'j zu denken, i^llt zwar 
9cbwor; aber die VerwnndlschafV zwi.ichen Backen nod Braten er- 
innert uns daran, daß wir aehon frllh ftlr Breiteule ein dialekliAch 
scheinendes •Fradleeb< finden; alsu darf man vielleicht sltervs 
Bratc l lur Breitet meinen, ein niterea Bnite(n,llH ftlr BrcJtcidoh. DoeJi 
Mlien wir uns nach nbuHcben Mamensformen in der Xachbarschaft 
um, und achten wir auf Inudschaftticbu Saeneric, ob nicht ouii ihr 
sieh et^'a.« zur Löaung und Wnrterklltrun^ ergeben wird. 

Für eine kleine Breite kennte man jene zwi.4cben Gaming 
und Greaten, aa der Waasertsolieide der Großen und Kleinen Erlaf 
(iegcDde, zwischen dem Runzelborg (986 nii und dem Vorderbeig 
(857 INI, einer dem Zllmer 1 1091m) vorgelagerten LIrbebung, eingc* 

' (;tlmni. WUcuriiuch. II, it^U 



132 

bettete Einsattelung erklaren, die in der Tat eine Ortschaft des 
Kamene Brettel trägt. Aber eine Breitelmllble bei IHmanns nächst 
Schandachen (Litschau) und eine wohl auf dasselbe BreitI zarück- 
gefaende BreitenmUhle in den Weinbergen oberhalb Markersdorf 
bei RetK, lieges in so engen Talern, daß man an Breiten wohl nicht 
denken kann. Oder sollte in beiden Fällen der steile Abfall nach- 
barlicher Höben den Kamen verursacht haben, dort bei Schan- 
dachen ein Ausläufer des Illmannser Waldes, und bei Prettel jener 
steil abfallende Vorberg des ZUrners? 

Nun be6nden wir uns aber in all diesen Fallen in vormals 
slawischem Bereiche, der wie IHmanns noch bis 1179 zum Böhmer- 
tande gehörte, auch jetzt der böhmisch-mähriacben Grenze nahe 
genug an einem Zufiosse des 1179 Schremelize (daher Sehrems) 
genannten Braunaubaches liegt. Ebenso bei Ober-Markersdorf, das 
in der Nachbarschaft des Pul kauf! ussea, zwischen diesem und 
der mährischen Grenze in einem Umkreise liegt, welcher die Stadt 
Ratz und Dürfer wie Retzbach, die beiden Fladnitz, die beiden Miznitz, 
dann Tlieras, Prutzendorf, Starein und — in weiterer Ferne Dal- 
lein. Fugnitz, Goggitsch und Geras aufzuweisen bat, von denen 
man kaum eines für deutschen Ursprung wird reklamieren können! 
Ja selbst das Brettel bei jenem Gaming. dessen Name noch in 
Ottokarischer Zeit genau so geschrieben wird wie der von Jamnitz 
in Mahren und nach Kämniel auf slawisch jama (Grube) zurück- 
zuführen ist*), lie^t in der Winidorum marca nahe bei Gresten, 
das man jetzt freilich nur mit Bangen auf slawisches hrvastu, 
Gezweig, sondern nur auf deutst-hfs Grazze, auch Gezweig, zorllck- 
führen darf.^) 

hl der »Topographie- ^) wird aber Brettel wie Fredil in Kärnten 
and Predul in Steiermark auf die sigwiscbc Bezeichnung für Paß 
zurückgeführt. Dahin gehört vielleicht auch das Predla der CiUier 
Urkunde von 1439, *J Aber auch Bratel, Bratlocb und Pratlech 
wird slawische Ableitung zulassen, kommt in slawischem Gebiete vor. 

Ein Bratelsbrunn westlieh von Nikolsburg, nahe der öster- 
reichischen Grenze; der BradelsCein im Sudetenkamm bei MähriBoh- 

') Aafiinge deutschen LebcnR in ÖMerreicb, 16Ö, Anm. 8. 
■=) Auch auf Gra/ien Mugl angewandt. MfUler, Bl XXXIV, S. 152. VgL 
dagegen KSnimol, u. u. '.)., Anm. 10. 
') 1, 212. 

•l Siehe oben. s. 128. 



ISS 



Keastadt (sl. Bra<Uow'i zeigen ans schon jene« Brate), dtta Trtr oben 
fUt jOn^cren .-«cliriftdeulscho'Ä Breitcl einroMcbicben gcwagi haben. 

Der BradeLstein im Sudetcnkatnm bei Mahrücfi-Neuatadt aber, 
ein Analogon zu den auf bühmiNcboni Boden begegnenden Hnm- 
bofKetu bietet tina eine ganz nnfragliob slawisch-deutsche Kom- 
position, deren zwvitcr unvurkfnnbnr vvontu«.'!! dvutscber Bestand- 
teil, nar Cbersetzuog des ersten u tn gedeutschten Wortes ist, denn 
Brato) oder Bradel ist nichts nndon?» ala bmdtn, Ploral bradla. Horo 
nichts anderes als j,'or«.'i 

W ir über künncti immerhin neben unevrum Pradlech auch 
jeneft Breitloeh in Betracht »eben und als verwandte Kimen auf- 
iMsen, falU hier sUvrischcr Ursprung «nxunehmen vflre. Slawen 
naren such durt gesessen. Di« deutsche Uiiideutun;; aber wäre mit 
Zuhilfenahme jenes fllr deutsche Ortsnuraensbildung tw oft ver- 
wendeten Lo ^ Las bewerketelligt worden.^) 

\\i» bedeutet nnn aber Brndlo. auf da« Jene« Breitlocb. wie ^ 
etwA Brndlech auf Bradle« xurllckgeht Bradlo bedeutet eine Klippe, 
einen Felsen, ein Riff. Da der Felsblocit aU Versteck des Ja^era, 
als Brustwehr gugon Feinde, gute Dienste leistet, trat bald der Be- 
griff d«9 Gelandera (bradlj) hintu und duniua entwickelte sich im 
modernen BöbmiBcb als Plural der Name des bekannten Turnge- 
räte«, des Barren«, nämlich uweier ncbeneinanderlaofender Geländer. >■ 

Den Plural bildet Bradlo mit ßradla und der Locatirus pluralia 
lantet: — Bradleoh (we Bradlech). D&a ist aber getmo dasselbe i 
Wort, welchce ant di« Schotten urkundo von 1286 anstatt de« 
BJBi nena BreJtenle bietet. All die Annahmen von Vorkohrnngen, 
«dche xiir .Sichernng eine« nlIfVilligen PradI« (Prcitel) in f>cinera 
Aaslante vurgebracht wurden, sind tlberflQssig. Pradlech lie^ schon 
im 8Iawisrhcn fertig vor and bedeutet; in den Klippen, Tiulleichl, 
in den fgleich gefährlichen) Sandbänken. D»nu aluo würden Slawen 
jener Umgebung des Kellerbergcs den Nomen gegeben haben, 
dieB«r Käme wurde sich durch die Überreate der mährischen Än- 
wohnencbuft jener Teile der Donau erhalten nnd sogar in eine 
Drknnde am Ende des Xlll. Jahrhundertti gerettet haben. 

Beispiele für Lucativi pluralis auf h, cb bieten die nItcrcD 
und apnteren bOhmüiehen Urktniden in groller Menge bald mit bald 

^Bll»r, m. ■• O., 8. 26 4m 8oo4««Mn»ok». 

^ R Maller In- DUllltr a« Ten4nM nr Lufaikud« ran Nlodor- 
Oturraleb. XXI. S. 103 ff. 



134 

ohne hinzatretendes lateinisches in. So eine Urkunde Herzog Sob- 
jeslaw I. von 1130 ftlr Wissebrad'): Sedlecih, zu Sedlec, Zettlitz 
bei Karlsbad; Latomericih zu Leitmeritz; in provincia Rokitnab; 
Wirsuicih, zu Vräovice, Werecbowitz; Janisevicib zu JenSovic«; 
Hualacb zu Cbvaly — oder eine Bischofsurkunde von 1131'): 
Kenacunicih zu Nenalovice; Cladrnbech zu Kladruby usw. Vielleicbt 
sind aucb die zablreicben, aus dem Slawischen übernommenen 
Flußnamen der deutschen Älpenländer, wie Liesnich, Fiestnicb, 
Persnich in dieser Form nach slawischer Lokativus, doch ist hier 
nicht der Ort, auf diese Frage einzugehen.^) 

Auf Grund dieser Beispiele ist Bradlech als Locativus pluralis 
zu Bradlo auch für die Zeit, die uns interessiert, vollkommen 
nachgewiesen. P für B im Umlaut ist bayrisch. 

Der Übergang zum deutschen Locativus singularis >zeme 
Braitenle< ist durch jenes Braintlech des Salbucbes von Kloster- 
neaburg hergestellt. Hier ist einerseits noch die Endung des sla- 
wischen Locativus pluralis erhalten, anderseits aber durch das in den 
ersten Wortteil eingelassene n der deutsche Lokativ angedeutet. 

Es ist unsere Aufgabe nicht mehr, darüber zu entscheiden, 
ob diese Vermutungen gerechtfertigt sind, uns genügen die beiden 
ersten Fälle, um auch slawisch Ähnlich klingende Kamen heran- 
zuziehen. Und da ist es merkwürdig, daß wir slawische Ortsnamen 
finden, die an das Pradlech von 1288 lebhaft erinnern. Bradle bei 
Neustadt an der Mettau nahe den Glatzer Qrenzgebirgen, Bradteä 
bei Münchengratz gemahnen schon stark an jenen Lokativ Pradlech 
von 1288 für unser Breitenlee. Allein auch Beispiele für Nomina- 
tivus singularis finden sich. 

Bradlo bei Massaberg nächst Chrudim in den bühmisch-mfih- 
riseben Hüben, und zwar auf böhmischer Seite, ein anderes Bradlo 
bei GroU-Braunau nächst Iglau, auf der mährischen Seite jenes 
Höhenzuges gelegen, der auch als böhmisch-mährigches Gesenke 
bekannt ist, erinnern wieder an das Melker Braitloch — Breitenloch. 
Bradleny bei Kunstadt, östlich gegen Nord vom vorigen im gleiches 
Bereiche gelegen, wie die beiden Bradlo. ftlllt wohl schon außerhalb 
unserer Erwägung. 



') Cod. dipl. epUt. regni Bohemi&e. I. Nr. 111, S. 113. 
=) A. «. 0„ Kr. 118, S. 118 f. 

') Vgl. die vielen Beispiele von FluQDamen, die R. Müller in Band 
XXVI und XXVII der Vereinablütter zu aam menge Hellt hat. 



136 

W«iiD <lic8os Bwdlo oder der Plural Umdla auch den «Brei- 
,leln* bei Breitenle« ieuf>ruDde liegt, so kennen wir Oio diitU^klii^ebun 
iatg»ftetz0 bereit», die hier obgevAJtct bnbon. Uelloa a als dialekttaefa 
lufgefaUt, wird sofarifldout^vh diirtrh ei ^gubeo. der unbetonie Aait- 
lutflTokal abgeAtoßcD. wenn es nicbt, wie aiiderwArt» vegcbeheit ist, 
durcli At:'f>iration geaicbert itit: ßrcitloh. Mi>glicborwc-iK- gebt auf 
I'rndlo auch unser Fratwr xurUck, nocb beuto eine InseL rielleicbl Tor 
Zeiten eine gulUbrliche Scbutterbank.') Der (Übergang rno Pratel 
XU Frater wlie unschwer zu erklären, die «cbrifldout«ebe Uuideutnng 
vum tictlen a zu ci utiterbliebco. vidniebr Kcigimg zur Verdampfung 
des a eiagetretcs, sobald eiamal der Beecbaftigungantme vorlag^. 

Dali e« an einem Überlange vom slawiscben Kradhrch zum 
denlReben ItrcitDolve nicht fehlt, ist im Laufe der Erörterung 
wiederholt betont worden. Er i«t dnrch das Praintlech der KIoMur- 
neubarger Tradition von 1210 vertreten. D)cm> Namenefürm Bt«'bt 
«ober seboii unter deutscher Äuffftssung. Vom min gcrmnnisti.-whcD 
Standpunkte scheint «ie vom scbrifldeutHcbcQ Breitenle zum dia- 
lektisehen Praillech (I2Ä8) binUheneuteiten. .Sogar di« Chronologie 
der übi'rlicftTun^ wllrd? dafür spreeben. Allein wir wissen, dail 
auch der umgekehrte Weg niO^dich i.->t und die 90 Jahre vom eret«ii 
Preitcnle bis zum ersten vollkommen <ilawiac.h nuHseheudcn Fradlech 
aind kein so grol^ Zeitraum, um nicht Vemchiebungen in der 
ÜiMrlioferuDg zu gestatten. 5v>lb.it verstand lieh Überwog im DL-utseben 
Reiche, in den dcatsciien FürMenkanaleien. bei der Geisiliehkcit 
zumal hei den landfremden (nur ftchriftdoiilsch unterrichteten 
Sohotti'iil dio rein srhriftdeut.-M^'hr Aufzeichnung der Nanicndfomicn 
nnd sie konnte ho früher zur (ieltung kommen, als das dialektische 
Moment. <his l'aKt nur in Zimninon von Personen SEUtagc tritt. 

Iiomorbin liegt noch keto swiufreiider Grund vor. Hlr Bri'iti^nleo 
um Jvnt-s Prudlech willen einxig und allein sluvrtttcbe Abkunft anzu- 
tit'bmen. EI« iät ja um die .Schreibung v>'d OrtBuameii in Urkunden 
t-tor vigono Sache. Wir wi^en nicht, wtu der vielleicht f>rt»fremde 
Schreiber gelesen r>der gar gehUrt hat. Und bo nnbt^ e* licgL den 
Ortsnamen Breitonlco mit den norh heute im engsten Umkreioe der 
Aofiiedelung begegnenden Brciieln aad diese FlornameD wieder mit 
dem Kellcrbvrgc in S^usaiumenhnng zu briogen, und so wenig leb 



t) Andm K. SlUlUr in: KUltiir d*« V«r«inB« vmj Nitd«r3«l»rrdch. XSl. 
9i 7&II.I dvr pfatua lUTVckwelRt und »n Iticbard LOwDBbvn denkl. 



136 

im ganzen Umkreise für kleine Breiten das DeminntiT fisde — /' 
/ 7 man sagt eher kurze Breiten — so wäre doch lokale eigenartige 
'/ Entwicklang immerhin denkbar, was dann deutsche Ableitang des 

Namens ergeben wtlrde. Die slawische würde aas Bradlo Über 
?reiÜo endlich Breitenloch, and ausBradlech über Pradlech, Breittech, 
Praintlech endlich Breitenleh ergeben haben. >In den Breitelni 
würde aber lin den Klippen« bedeuten, was eben rein slawisch 
»Bradlech* laatet, eine der Schiffahrt, zumal bei Hochwasser, ge- 
fährliche Strecke des Flnaaes. Vielleicht wird auch Breitatetten aas 
Breitlstetten und Breitlißen aus Breitellißen dahin gehören Dem 
scheint der örtliche Befund nicht zu widersprechen. Unter diesen 
Klippen ragte der Kellerberg, Pradlech, später Breitenleh, auffallend 
empor. 

Das letzte Wort in dieser Frage dürfte sonach einer genaaen 
Untersuchung des Kellerbei^es bei Breitentee zufallen; von ihrem 
Ergebnis wird es abhängen, ob wir in ihm eine natttrliche Klippe ' 
oder eine künstliche Brustwehr anzunehmen haben. 

., ^ ,-vi' y ■'■■»♦■. 






/ 



DAS 

FRAUENKLOSTER HIMMELPFORTE 

IN" "WIEN 
(zirka 1131-1586). 

ALFOXS 2ÄK. 



Uitten im ersten Wiener Bezirke, an der Ecko der Himmel- 
prort- und Rinhensteingassc siund bis zam Jabre ]7ä3 ein altebi^ 
würdiges Frauentlostcr mit dem TolkstOmlichcn Xumfii 'Himmel- 
|i forte« (Porta eofli)^ von welchem man lieutt- keine Spur 
iDoIir findet, wcU es schon Ungst nndcren nKxivrtieii EIllUMini') Platx 
mAcfaen muUt«. Nur der Name der Hintmelpfortgassa frClher 
Trai boten stml^c im ersten, and der im XVII. Juhrliuiidfrte vom 
Kloster ererbt« Uimuelpfurt^rund (io deo (lltesien Zeiten der 
Sporkenbohcl oder Dürre Ilu^el genannt) mit der Himmelpfortsttcge 
Im neanten Bezirke, datin etwa auch die IlauBmnIter oder «Himmel- 
pfiinncrlD*. eine viel rerebrte MarioDFitatue im Stephaiiitdome. stod 
die i-inKigc Eriniierung. 

Dickem FraaenkloHter. welches durch mehr als eio halbe« 
Jahrtiunend aU katholl^ipliei« Orden.4hatia bestanden und in aeiiien 
stiUcn Mancm den Wechsel der Zeit ziemlich verkostet hat. soll 
hier auB verschiedeaen Areliiven und literarisclivn Notizen, die 
leider nur äpltrlieh Sießen-l, als Beitrag Kar (jescfaichte der Stadt 

'] HMit« J»««ir H«u**Tkainpl9Xi d«n in der lUiibaatuInfmMO dl« Hftiuw 
Dil Hr. 4 and ö. In imt UftllgisM Nr. 3, 4. 6. H and in d«r Hiiain«l|ifortfMia 
Vr, 7. und 11 «tanobman, 

-) Tb. Thonbnnt»r8. J., Ortui ol projTSMUi iMdinn nlig- TintMU. 
(Wien 17S7). VT Fubrinanii, Ulitoriicb« liaschretbnog und kurrg^eftllt« Nach- 
rlckl von dar Ruideociudl Wion lib. 1766). P. Uariao, AiuirU tai-ri. IX. Har. 
na^r, Wien und xtinv G«aehicbie, II, 3 (ib. 1834). ."^ohlairei, Wienav :*kiu«in. 
U. BarinuaB, Alt- und Xiu-Wtcn Kubtmmvt, Uaaaltu Wian. Bebimnier, Wieu teil 
*e«b* JafarfaandertPD. A. Klein. Csicbkbi« 4«a Cbriatantuma in i!>>ie(T«ivh und 
tiulermiuk. II. Topographie ti>ii NiederiltterTCicb. 1 (geiitiga KuUttr) und lU 
<Oet»l. Frann Tacbltcbka. dawhiehl« der Stadl Wi«D. Karl Wollt, Oaaeblcbte 
ili>r »mh Wien. I Band (Wien IVSD. S. Urnnnar. Eia rhotierreBbadi (0«r«a). 
Blilller d«H Vcretnea fUr I..aBdt«kiin4c Tun >'ieJprnalerrei^h. 1899 ipcroag^). 
Kopallik-Uaartr. KegeaicQ tur Geichlrbie der Krtdlftteae Wlts I. 62 — H6 .aua 
dam Wietivr t>ii>i«>naUMty, (Quellen (lar i>e*cbieli(e dar ^itadi Wj«a (alle dr«i 
Tafle). Gluokind-Knleader. 1898. 8. 6S-S9. 8(. Vorbortaa-Blati. 1899. Xr. 10 
nad II. Uniar thaologtaeb-prahtiMhe ^lattaUrlirtTL I89B, S. 51. Kolb, Martanl. 
•eh«* Ni«darO««rT«l«b. 9, 10— ll.NcnMl«aa Or Anten May-»? im It. Band« dar 
vom Alieriuna VM«lBe ban<«*gegiib«a«ii Ge^olilchte der tttadi Wlaa. d. 87tl 0. 



uo 

und ErzdiiSzese Wien ein bescheidenes, aber mit viel Liebe nnd 
Freude gearbeitetes Denkmal gesetzt werden, wie es schon früher 
Dr. Wiedemann für die Wiener Frauenklöster St. Laurenz und 
Maria Magdalena (Salzburg 1883, 109 Seiten) und St Jakob (Be- 
richte und Mitteilangen des Ältertamsvereines zu Wien. XXXII, 
53 — 86) besorgt hatte. 

Das Kloster Himmelpforte mit seinem gemQtlichen Kamen war 
in Wien sehr beliebt. Man sprach nnr immer von den Himmel- 
pförtnerinnen. so wie man die anderen Ordenshftuser einfach als 
Jakoberinnen. Magdalenerinnen, Kikolaerinnen und Lanrenzerlnnen 
zu bezeichnen pflegte. 

Es ist aber vor allem eine alte, liebliche Wiener Mariensage, 
die ziemlich bekannt ist und den Kamen des Klosters für immer 
äußerst populär gemacht hatte. Sie berichtet, daß eine weltlustige Pfört- 
nerin des Klosters, welche das Marienbild zu pBegen hatte, gefesselt 
durch die Gestalt eines Ritters, dem Muttergottesbilde die Schlüssel 
in die Hand gab, aus dem Kloster entfloh und sieben Jahre in der 
Welt lebte, bis sie reuig zurückkehrte und ihren Fehltritt zum Er- 
staunen aller öffentlich bekannte, wobei sich ergab, daß die heilige 
Maria unterdessen in Gestalt der FfSrtnerin, ohne daß es die übrigen 
Schwestern ahnten, diesen Dienst besorgt hatte. Die Oberin berichtete 
dann über dieses Wunder nach Rom zum Papste, welcher das 
Kloster zum ewigen Andenken >zur Himnielspfürtnerin« zu nennen 
anbefohlen hat. Man nennt sogar die Namen: Die Oberin kommt 
als Meisterin Gertrud (1271), die unglückliche Pförtnerin als Schwe- 
ster Maria, der schöne Ritter als Chunrad (Chuno) von Asperch 
(Aschberg bei Krcmsmtlnsterj vor. Die reizende Sage wurde schon 
oft abgedruckt, z. B. in: Austria Mariana (1735). A. Coudenhove, 
Marianischc Gnadenbilder. J. Gebhart, Die heilige Sage in Österreich. 
J. P. Kaltenbacck, Die Mariensagen in Österreich. L. Donin, Die 
Marianische Austria; desselben: Stephansdom und seine Geschichte. 
Hormayr, Wien and seine Geschichte. 11,3, 50 ff. Schimmer, Wien 
seit sechs Jahrhunderten. S. 379. Bermann. Alt- und Neu-Wien, 
S. 274 u. a. Sic lieferte auch Stoff" zu vielen Liedern, besonders 
zur Dichtung Fr. Fouquös >Ruckkehr der Pförtnerin«, zur Theater^ 
legende »Von Himmel zu Himmel« von Max Hochdorf, zu man- 
chem schönen Bilderzyklus, z. B. neuestens für Prof, J, M. Trenk- 
wald, Marien-Legenden von österreichischen Gnadenorten, Kr. 6), ist 
jedoch in dieser Form für die Geschichte des Klosters nicht ganz 



lialtbar. Wegen der vi«len romantiacheo Beigaben lüUt aich hier 
Geichichtt^ nod Lcgeade kaum von einander trennen. 

KeuOD Klustern legte msD gerne vulkuUniücbe Kamen, oft 
nach dem KirchcQpatDO, oft nach Belieben bei, wie e« norJi beute 
gODchieht. Mnn kennt, z. B. die Kloster HogeUijfort«. Marienpfort^ 
[limmi-Utiltt, Hiinmcl«t.t]. üitninvkknmo. Hiiiinii-lsgartuD. Himmel- 
herg. Vielleifbt anlltc dadun-h die Lebensweise der Klostei^ 
bevohaer zum Autidrurk koinnien, die ihnen ein Weg oder eine 
Pforte eum Himmel schien. Denkt iimn bei dem Niimi'n BimmeK 
pforte an die heilige Maria, dnon fuUt »ofort der Titel auf, welchei) 
der K&tbobk so gerne der heiliget Jnngfrau beilegt, iijtniticb »Pforte 
de0 HimmcU* (Janun eoeli); hiemit UQt sich iibcr sovrohl die er- 
wtihnlc Sage, ai« auch der eifrige Msrienkult vieler Klöster in Ver- 
bindong briitgcn. TainArhlich linikl man ricle andere Kliietcr nameni 
HinimplHpfurle bei Milchen Orden, welche den Marienkvilt sogar in ihre 
StatutQD auf^'L-noinmeD liabf^n, und xwsr bei den Knrinu8t>rn Porta 
roeli niicbät Valencia in SpaDiea, bei den Präinouätraterueru das 
Chorbern-nstift Ilimmelspforic bei ßascl lerrichtot 1304. seit 1&23 
mit Belletay uaiert. aufgehoben 1803'), die meiMeo jedt>cb bei den 
ZisterzionK^rn. oamlirli die MCoehsklö^er Himmelpfort in Brandeti- 
bttrg *12Ö9), Thennenbach i l'ortn cooÜ) bei Freiburg in Ürei*.g«u 
<11Ö8}, Pforte (Coeli portaj an der Saale bei Naumburg (1127— ll:j2) 
UDd KU lleenintede i lleniclt^poort) bei ilaitriem iii HolIaDd (14ÖÖX 
tUnn die Fr(tueQkli>>U'r Riinmel pforte am Seht>al»ev in Mijvkie&burg 
(zirka 1S46). Himmclspfortco Izirka 1347) onvuit AroHburg sto Haar- 
Btrang (Wefttfalent. Himmelpfortcn hei Stade (Hannurerl, HirameU- 
pforteii bei Wnrxburg<'l231. jetzt Karmelitinnen) and HimtneUpforteo 
bei TiecbnowitK in Matircu (1^333,1^) 

Auf diesen Umstand muü man hinweisen, wenn man bedenkt, 
vtwt, un» die GeHchicbte Über den Ursprung des Wiener Frauen- 
kloetcr* Uimmelpforte berichtet. In der Reihenfolge der ehemaligen 
Wiener Fraueuklüsler isl ea seinem Alter nach das fanfte. denn 
nur St. Jakob auf der Halben mit neincDk sagenhaften Urspning 



>) L>mli*rl PtrifTJB, IKo Dbcntalis* PTAme«iim*tu«r-Abl«t »ITiin- 
»«■IspfoTtvi bei Wjbkn mi Bheia (BmcI, 1903. S. Anßigv, llTSotua). Hag«. 
Ann. Pnum. II. &T0-ä«4. 

^ L>.Janiiiicliek,Orie.<3*ter«. I. — 8, Bruaavr, Ein ZHieni«a<erbu«h.— 
Wt Aiunabm* d» \Vanburg«r Kloutri bat liek kela «iniiK« der gr*B»ntca 



U2 

(Jakober- und Riemergasse). St. Magdalena in der Roßaa vor dem 
Schotteotor (üchon 12.S1 genanDt), St. Niklaa auf des Landstrasse 
(schon 1200) vor dem Stubentore nnd dessen Filiale St Niklas in 
der Singerstraße (vor 1228) konnten sich eines höheren Alters ruhmen. 

Zar G-rUnderin hatte d&s Himmelpfortkloster die Königin- 
Witwe von Bülimen, Konstanzia, eine ärpädische Prinzessin aus 
Ungarn, Tochter des glorreichen Ungarkönigs B6la III. (1172 bis 
1196) und Schwester der Könige Emerich (1196—1205) nnd An- 
dreas II. (1206 — 1235). Sie war zuerst mit Friedrich von Schwaben 
verlobt, vermählte sich jedoch nach seinem Tode mit Ottokar I,, 
König von Böhmen (1198). der kurz vorher seine erste Ehe mit 
Adelheid von Meißen (f 1211) scheiden ließ. Als Königin hatte 
KoDstanzia eine ausgedehnte Verwandtschaft und eine zahlreiche 
Familie, deren Mitglieder sich vielfach durch frommen Sinn nnd 
durch Förderung kirchlicher, besonder» aber klösterlicher Institute 
auszeichneten. Sic war Tante der Kinder des Ungarnkünigs An- 
dreas IL, der heiligen Elisabeth und des Königs Bela IV. (1235 
bis 1270). der mit der griechischen Prinzessin 3Iaria verehelicht 
war. Konstanzias Vater. B^la III.. war ein treuer Sohn der Kirche, 
machte viele kirchliche Stiftungen, verpflanzte aus Frankreich 
den Orden der Zisterzienser nach Ungarn, übergab ihnen die Klöster 
Bahon3\ Pilis und St. Gotthard, vertraute ihnen die VeBzprimer 
Hochschule an und bestätigte ihnen auch alle ihre Rechte.') 

Ihrem Gemahl, dem Könige Ottokar I., der am 15. Dezember 
1230 starb, gebar Knnstanzia zwijlf Kinder, darunter den nach- 
maligen König Wenzel I. (1230 — 1253). die fromme Dagmar 
von DUnemark, die heiligmllßige Äbtissin B. Agnes (f 1282), welche 
zuerst von den Zisterzienserinnen in Trebnitz, dann von den Pra- 
monstratenser innen in Doxan erzogen wurde, und noch eine auge- 
nannte Tochter, die ebenfalls ins Kloster ging. Schon unter Otto- 
kar I. sah die Königin den Aufschwung der Prämonstratenseratifte 
in Böhmen. Mähren und Österreich, deren Zahl dort mit den 
Frauen k lüstern Chotieschau (1196) und Neureiseh (1211). dann mit 
dem Chorherren stifte Obrowitz bei Brunn (1200) vermehrt wurde. 
Bei der Einweihung der Stiftskirche zu Obrowitz (1211) war Kon- 
stanzias Nichte, die heilige Elisabeth, zugegen, welche man gerade da- 
mals als Braut aus Ungarn über BrUnu nach Thüringen führte. Die 

') CBiiday-DarvBi, Uie Geeciiichta der tJngarn. 2. Auflag«. I, 220. 
D. Fuxhoffer-CKin.ir, Monaster, IIud^. II, 75. 



143 



»elige Gertrud. PrSmonatratenscr-Äblissin in AUcnbctg, »oll eine 
TaßhUT der heiligeo Eliwbetli gewesen sein. 

Fast alle Mitglieder de« regierendtrn Haiisrs in Bühnicn er* 
wiesen ibrv Gunst dor Kirclic, vor allen KonHtaiiKiaii Tuchter Ägne«, 
Slifterio der Klarissen (1233 bei St. Klara, «pllter St. AgiiC!« ge- 
nannt) Dnd der KrenxherreD mit dem roten Stenie fl2S8) in Prag. 
welche selbst Klo«terfraa wnrde, dimn der Sohn König 'Wenzi'l I.. der 
1234 mit itriner Gattin Kunif^de das Zislcrzienscriimenkloater 
Mariental in $acbs?D etifteto nnd auch andere Ordvn mit seiner Huld 
boschenkti-. Kuni^unde allein gründete dem Ziaerzien »crordeo diu 
Frnui.^nklotft«r in ÜsiRwan (132ö. • Htiricntiü < ), Mnrkgruf W'ladishv 
Heinrich, (Htukarx 1. Bruder, da« iStift Welehrttd (1202); beide 
waren in Mähren gelegen. 

Konstanzia ivolltu keinontwt^g» zarllckblc^ibcn, und ihre Lieblinge 
klOBter durften die des ZimlerzienBer- und de« PrSimonatratcnBer- 
ordenx gen-eKca nein. Dabei interi':«»)crt« sie sich insbesondere für 
Hfihrcn. wo sie ron ihrem Gemahl die ProvinK Lundenburg als ihr 
Kaminrrgiit l>ekHrn, welches nie, vrie es au.i einer ßulle Grvgorü IX. 
Tom lU. Ajiril 1231 erhellt';, auch als Witwe behielt und unter 
Wenzel 1. 1237 mit einem anderen, wahrscheinlich mit BrUnn ver- 
tauschte. SchuD als Witwe gründete rIr 1233 das ZisterKienscrinnen- 
kUiflter in Tisehnnwjti (iirai) möglich bei St Peter in Prag, wo 
dann die Kreuzlierren eingerührt n-urden, geplant) und nanote es 
Hiramelpforte.^ 

Im Jahre 1230 ivuriie Konatanzia Witire, in iiem«'llteii Jahre, 
in welchem auch der vsterrtichiacbe Ilentog Leopold H. starb. Al» 
Witwe be^b sie aioh. wohl über 50 Jahre alt, nach Wien und 
führte hier mit mehreren frommen Frauen, die ihr Haus oiemal» 
verlieOeu und eben von diewr Lebensweisi.- Eingesoblossene 
(daminae indamc, reclttttwj genannt wurden, ein einsame«, der Ab- 
tötung, Betrachtung und anderen Übungen der Frömmigkeit ge- 
widmete« Leben. Die» war der Anfang der Wiener Uimmclpforte. 
irelehen man also mit Sicherheit in die .lalire 1131 — 1140 ver- 
Htzeu kanQ. 



t) Boosk. Cod. Dipl. ilorar Erb«s. IC«g*it*B. MI. 9^2. 

*} Aufgoboben 1782. Soaderbtrar Zuftll fn|:t« o». daQ lUeiM Klofter fa 
iBf ZpIi vo« UuienuJ in ftaehMa wicdvrliarfeaUllt «nrd«, ireI«llo«, ««I« 
gtaai^. KoDKianiia« Sofan Waai«) I. IS34 gvcritnd«! batu. 



144 

Von einer Ordensregel wird nichts berichtet, wahrend die 
Magdalenerinnen in der RoQau die ZisterzienBor-, dann bald nach 
1234 die Augnstinerregel, die Nikolaerinnen aaf der Landstraße 
and in der SingerstraÖe die Zisterzieoserregel beobachteten. Nnr 
bei St. Jakob lebten die Klosterfranen auch ohne beatimmte Ordens- 
regel (Begainen), erklärten sich aber apHter als Äugostiner-Cbor- 
frauen (1301). 

Ob Konstanzta selbst ihre Genossenscbaft Himmelpforte nannte, 
oder ob man erst später aus Pietät gegen sie dem Kloster diesen 
Kamen beilegte, muß dahingestellt bleiben. Die StiAinng in Tisch- 
nowitz darf jedoch dabei keineswegs übersehen werden. 

Allein auch in ihrem neaen, stillen Heim in Wien fand Kon- 
stanzia keine Ruhe. Sie, die im Staatssacben gut bewandert war, 
konnte durch ihre ungarische Abstammung auf die Verbindung des 
böhmischen und ungarischen Hofes und die sich daraus ergebende 
politische Lage einen großen Einfluß üben. Nun entstanden lang- 
jährige Kriegsfehden, zwischen ihrem Neffen B6Ia IV. von Ungarn 
und Friedrich IL von Österreich, der 1229 seine erste Gattin Sophie, 
Tochter des griechischen Kaisers Theodorna Laskaris, B^las Scbwfi- 
gerin, verstieß und schon 1230 Agnes von Meran, B^las Ge- 
schwisterkind, heiratete, um sich später (1243) auch von dieser 
scheiden zu lassen. Zuerst rückte König Wenzel I., Konstanzias 
Sohn, gegen Österreich aus, angeblich um die beleidigte Ehre des 
böhmischen and ungarischen Hofes zu raclien (1230 — 1232), nachher 
verwickelte sich Friedrich II. mit B6la IV. in blutige FeldzUge. 
Da verließ die Königin Witwe Konstanzia ihr Wiener Heim und be- 
gab sich (vielleicht aus politischen Gründen) in ihr Vaterland 
Ungarn zurück, wo sie auf einem ungeheueren Marmorblock, >dem 
roten Stein«, das weit sichtbare Schloß Bibersburg baute. Sie starb 
am 3. Dezember 1240, ohne das ganze Elend der Tatarennot in 
ihrem Vaterlande erlebt zu haben. 

Die von Konstanzia gebildete Frauenkommuuitftt in Wien be- 
stand fort, kam aber wegen der Kriegsunruhen, teils auch wegen 
Mangels des nötigen Schutzes und anderer mißlichen Zeitumstitnde 
in eine bedrängte Lage, durch welche auch die bisherige zurück- 
gezogene Lebensart gelitten zu haben scheint. Bald drohte dem 
frommen Bunde die gänzliche Auflösung. In diese Zeit dürfte 
die erwähnte Sage von der unglücklichen Himmelspfi)rtnerin 
passen. 



145 



Östorroichs Zepter fing indMsea auf Otiokar II., Koiiig von 
Bubinen, Uber, der »ich in Wien eebr gerne aufhieJi and auch den 
Oütwroioliüchci) Klfiotern viel« Beweise i*einer Huld gnb. ßelcaiint- 
lieh vurde eciue Ehe mit d«r 5&jfthri^n Künigin Margnreic 1261 
Lgescbicden. worauf der 32jahri|;e Küni^ nucb iii deinHilben Jahre die 
^DOge Enkelin U^las IV., Kuiii)i;uDde von Uslici. heiratete, ^lar^-arete 
Ichte mit ihrem Hofstaate zarUckgezoffen inKremKanderDonanodür m 
Kruman am Kamp und starb Im BtillonSchmcrac Iä67.aui2fi. Oktobor 
Unter Ott*>kar 11. wirkte iu Wien als Pfarrer bei Sl Stephan 
Jllwiler Gerhard, ein Manu ron f^roßem AnRehen und wohluitii^iu 
StBtt'), der orkundlich noch die Titel >Arehidiakon von Muzon 
(Oitaese Raabl. KaDonikas von I'a&sau und pJlpstlicbcr Kaplan« fuhrt». 
Einige Zeit hatte er aurh die große landesfUmtliche Pfarre Gar« 
am Kamp inne. Die Pfarre bei St. Stephan erhielt er in den J»hr«n 
L 12Ö1 — 12M. Unter ihm «^M^hah die Erweiterung Wiens durch 
' Ottobar nach d<^ii pro&cn BrAndon in den Jahr«n 1256 and 1262. und 
es iTird bereite das BUrgerspital erwühnt, welehe« nicht langv vnr 
1257 xnm Unterhalte aller mittelloser Bürger aaUer der Stfidt vor 
dem Kamtnertore gestiftet worden war. 

Gerhard hatte einen Bruder, 3lttiEb:r Diotrich ('llicudoncusj, 
der, cbenfallii sehr anji;e«eh«n. sich auch «roD Siebenbürgen* tioier- 
schreilit und Pfarrer in Altpülla war.^t Dieser LT»ch«int oft mit 
, tierhiird als 7j>Qge. oder al» 8chiodäriehter ond Wohltai^r io wiob- 
^tigen Urkunden. Die beiden Pfarren Gar» and Altpitlla (Polan) ge* 
bsriea zu den alteebeo des Landes vad waren mit deo Pfuren 
Klo«ierncubnrg, Hollabninn, Mistelliacli, Weitorsfctd n. a. «ehon 
lange v>>r 11^5 unter d«m Patronate des LandesfUraten. ') Aua der 
Verleihtinf; dieser Pfurren laUt eich annehmen, daß die bftiden 
Hrtidcr. die wühl hoch^bildet und vermS^^enü waren, boi CHtükar IL 
is VVicJi, wo sie rceidiurtvn^f. in gruUüm Aiwclien geetnndvn «lud. 

') Kn«bt 0|r**<er. Bi. Stephaa. 8. 161. d«T M<lut« bekaante Pfnxttr b«i 
Hl Supkan (I2&2— 1271|. H«ruinjt, a. a. U. U. B. 6Btr. «ad 116. 

^ llippolytDa, n. lt)&9. t? 9S— 96. flcMliichlli«!») K«tla|;e *u <l«ii Koa- 
•litorial Kiirrvodtn 4tt Witon St. P9ll«a. IV. 890—391. In d«r ättA*biUiolh«k 
Ml All«aliitrc hititnilat lioh «in RnAli, walrliM aiub d*ia TtlalUail« von TkfoJionea 
Stptimta*lftft'i ^Maw« m /'otou gttchrlelHn [it. 

*) Hantbal«r. K««. I. IM. 

*t Aaeb IH«trieli pcbcint mehr !■ Wien als in AlipOlla jre^'obat au bab«« 
im Allf^Ila IcMniiMn *. U. Iä74 (loiirnaJ. 1291 Uolbchdk jüj Min« Viku4 rot 
(roBloK renim iviu(cta«*runi. 111. 277, liO), 

jaiVu.u j V. r i4MlHtonl« im». 10 



146 

Gerhard nahm sich nun der verlassenen Eommanitfit Kon- 
staoziaa, die za seiner Pfarre gehörte nnd sich ganz in der N&he der 
Stephanskirche befand, tatkräftig an, so daß er ala zweiter Stifter 
und Reformator der Himmelpforte gelten kann. Sein Bruder Diet- 
rich stand ihm aoch hier treu an seiner Seite. Weil sieh Ottokar IL 
ebenfalls gegen das Kloster wohltatig zeigte, kann man verrnnten, 
daÜ dabei die Pietflt gegen seine schon lange verstorbene GroUmutter 
eine gewisse Rolle spielte. Da Konstanzia eine Ungarin war. und 
die genannten zwei Pfarrer von dort abzustammen scheinen, findet 
man ihr Interesse ftlr die Himmelpforte um so begreiflicher. Viel- 
leicht gab auch die verlassene Königin Margarete, die oft in Krnmau 
bei Altpülla verweilte ') und von dort mit Dietrich bekannt war^ 
einigen Antrieb dazu. 

Magister Gerhard zeigt sich überhaupt nach den noch vorhan- 
den Quellen als ein ganzer Mann. Wir finden ihn schon 1256 
als päpstlichen Kaplan in einer Urkunde^), dann am 26. Oktober 
1257 in St. Fölten als Zeugen bei dem getroffenen Übereinkommen 
wegen der Kirche in Hllrm^), 1258 in einer Zwettler Urkunde, 
dann 1261 und 1265 als fleißigen Zeugen.*) Ottokar II. ernannte 
ihn mit Ohunrad de Caekkinge zu Beiräten des Passauer Bischofea 
bei der Prüfung des Zustandes der üsterreichiscfaen Pfarren und 
Klöster (Wien. 1259, Oktober 16). Vom Passauer Bischof Otto 
erhielt er als Kanonikus von Passau ein Sehreiben wegen der 
päpstlichen Kollekte in der Diözese (Passau, 1260. August 13), von 
Radiger von Rodaun, genannt Zolre. einen Bauplatz in Penzing ftlr 
die zu bauende Kirche (Wien, 1267, .luli 27) und vom Passaner 
Bischof Peter die Bestätigung des Pfarrrechtes von St. Stephan 
(1267, November 3).') 

Derselbe Gerbard war auch der Stifter des Spitales (Siechhaas) 
für Aussätzige, zum Klagbaum genannt (Wien. IV., Klagbaam- 
gasse): das Mitleid gegen die mit dem Aussatze behafteten Armen 

') Doch untersei ebnete sie noch die Schenkung von Grafenber; an Lilien- 
feld 1266. (HippolytDi. II, 96). 

'-) Meichelbeck. T. II, P. II. pag. 111. 

') Hurwen. Die Legende de» SiegeU lautet: Sigitlum magittri QtrhartU 
nrcidi/aconi Mi$>onfii»u. M, Uoics. XXIX, P. II, pag. 112. 

*) Link, Ann. Zwettl. 1. 356. Fontes rerum augtriacarum. 111, 300. Hanlis« 
Germ. Sacr. I. 400. Duelii Uiit. O. TeiU. III. c. 2, 55, ann. 1253. Bern. Pei^ 
Cod. Dipl. II. 113. 

■) M. Boico. XXIX, P. II, Nr. 48, 57, 90 und 91. 



147 

bewug ibn, zu ihrer Uuterkanft und Pflef;« ein eigen«« Haus «amt 
einer dem Patriarchen .loh lals VorbitiJ der Leidendem geweihten 
Kftpelle zu erbauen nnd mehrere Platze für solche Kranke daiin 
zu stiften. Er gab dics4T Heiiier f^tiftung auch eino rigeoe Einrich- 
tung imd SatzDtif;en für die PfrUndner (tSSÖV') Mit dem ScliottCQ- 
kl<»U'r, dem er am 29, November 1261 eine AbtMjhrift »viiicr Privi- 
legien vom Jahro 1158 mit dein Bruder Dietrich beäiegello, hatte 
er langjährige Streitigkeiten wegen der Pfarrechte (1258 — 1269l, 
üu deren ächlichtung er selbst den I^andesftirHten und den DitjzeAan- 
biKhof licrunzofT. ^ Mit dem Kluatur M«riH Mugdalt.-n» vor dem 
Scbottentore ordnet« er in Wien am 27. Dezember L267 seine 
pfarrii&he Jurisdiktion 'X wobei wieder »ein Bnder Dietrieh al« 
/^uge ruii!;iertc. .Auch dieiKr Priester, dessen ^tarnen man bei der 
Ui III melp fürte oftcr antrilft, urBcheint in wichtigen Klüi^tururkundcn, 
s. B. 12A3 als Schiedsrichter in einer Urkunde von Lilienfeld, wo 
|tr en 1269 wiederum sein sollte, aber krankheitshalber nicht er- 
'Sebeiaen konnte. Im Jnbre L2T4 verglich er »ich mit dem Kloster 
Kweltl wegen einiger Ktritt><!cii J^hente (Mftrz 30X 12til war er 
im Pfarrliofe zu Altpolla selbst Zeuge einer Schenkung an dieses 
Kloster (Aprit 18,» und emptinj: von ihm 1290 ein für allemal 
10 Talente Denare «u« dem Vcrmachtni*sc Uadmara von Schöoberg 
ddo. 1289, April 24. •) 

iiieiscer Gerbard und aein Bruder Dietrich lietien sieb, wie ge- 
sagt, die Siehvntellung des FraueDkloslerii Hiiumel]! fürte sehr an- 
gelegen Eoin. (lerbard mud bereits 12äB mit seinem Plune fertig 
geweaen nein, weil das Kla<iter zur Himmelpfune und da» Spital 
St, Job zum Klagbaam. die beide »ein Werk ^nd. wahrend der 
KircbeQversamlung (Nutioniilitynode) in Wien, die daaelbsc am 
10^ IL und 12. Mai 1367 in di^r StcpbanAkircho abgehalten wurde-, 
vom Diözesen bischöf Peter aua Passau feierlichst geweibt worden 



'» Kl«iii, Oochkli«. in CbrUtcoiani* II, 832. Uatm^ji, V. rrksadcn- 
Uoh, Kr, l-.». S. VlI-IX, L«^ Cliwji. 11, F«!. M. 

') M. Boica. XXIX. V. IL Vt. 4*. daon Nr. 63 (Wi«n, IS^, AprU tt, 
Nr. 72 mH 7a iWl«>. 12G3. Ayril 7. und Si. r»ll*fl, 1263. A|tfi1 2oj, Nr 65 nnd 
1^6 IWIM), 126!», Auguit 8 uDil 31), Hr. 98 (ISfiS. SepltBilier 19), 100 (Vita, 
Ue») nnd Uli (Wien, ISeS, Juli 13). 

'.< U. Boica. o. a. 0.. Nr. 'J'i. Dt. Wltdcnman, a. t. U., & 2t. 

*> Urkuadlieh griahclnl «r aucb 1262 d* Ptmtnr ia AllpOlla 'M»a- 
ihaler. Kcc. I, ö9ß. Ilaniu, Genn. Sacr, I, iU. Liuk, 1, 406 nad 439. FoutM 
t«mn auairlauruRi. 111, 377, 120, 3113.) 

10- 



148 

eind. '} Diese Synode berief, wahracheinlieh auf VeranBtaltiing des 
Pasaauer Bischofs, der päpstliche Legat und Kardinalpriester Q-uido 
tit S. Laurentü in lucina aus dem Zisterzienserorden, der damals 
als Legat für Deutschland. Dänemark. Schweden und Polen in 
unseren Gegenden sich aufhielt und in Fassan einen Streit mit dem 
Bayernherzog Heinrieh zu beseitigen hatte. 

Bischof Peter (froher Domherr zu Breslau) war, so wie der neue 
Erzbischof von Salzburg und sein Schüler Wladislaw (frOher Propst 
auf dem Wyschefarad in Prag, Sohn Heinrieh des Frommen, Her- 
zogs von Breslau) dem Künig Ottokar IL treu ergeben. Durch 
die Wiener Synode sollten die Sitten verbessert und die Kirohen- 
zucht wieder hergestellt werden, mehrere Verordnungen sollten die 
Juden betrefTen. Anwesend w^aren nebst dem Vorsitzenden. Kardinal 
Guido, dem Passauer Bischof Peter und dem Salzburger Erzbischof') 
auch noch Gregor, Patriarch von Äquileja, die Bischöfe Leo von 
Regensburg. Konrad von Freising, Almerich von Lavant (frUher 
Abt in Rein), Bruno von Brisen. Egno von Trient, Johann von 
Prag, Bruno von OlmUtz und Heinrich von Breslau, nebst vielen 
Abten, Pröpsten, Erzdiakoneii. Dechanten und Priestern, besonders 
aus der Fassaner Diözese. In Anwesenheit dieser illustren Gesell- 
fichaft hat zur grollen Freude Gerhards die Kirchenfeier bei der 
Himmelpforte stattgefunden. 

Kurz darauf taucht die erste Urkunde (Wien, 1267, Juli 18)*) 
auf. die das erste sichere Licht auf die Einrichtung des Klosters 
wirft. Vor dem Dominikanerprior Leupold. dem Minoritenguardian 
Leo und Otto vom Hohen Markt, Stadtrichter in Wien (mit seinen 
Brlidern Konrad und Kuno. Vorstand des Bllrgerspitals), kaufte 
Meister Gerhard einen Weingarten am Fuße des Berges Albrecbts- 
revt, vulgo Pevnta in Mineriech genannt, mit allen Rechten um 
70 Mark Silber WienerMUnze. die er beglichen, vom Bruder Ortolf 
von Traiskirchen. Komtur des Deutschen Hauses in Wien, nach ein- 

') HaDsiz, Germ. Sacr I, 410. Kollar, AiiDaL Vinctob. 1, 1. Chron. Anat. 
et Chron. Lpob. I, Scr. rer. nuBtr. 630. Link. I. 381 und 384. Klein, O. a. O. 
220 fr. ZtitHcbril't des gchleaiacheti Alterttimi Vereinen. V, 66 ff. Dudik, Geichichte 
Mälirens. VI. 38. 

-) Voin Sshburger EfEbiachor Wladisiaus bceaC Gerhard einen Biief wegen 
melirerer (rciitliphen BcnefiEitn. (llanuiz, Germ. Sncr. II, f. 370.) 

') Original -Pergament im k. u. k. Haus-, Hof- und ätaatsarchir in Wien. 
Hormajr. a. a. O., Bd. V, L'rknn den- Bei läge St. tJXXX. Ogesser, St. Stephan, 
Anbang S. 36—41. Quellen zur Geschichte der Stadt Wien. I, 3, Nr. 2805. 



149 



freholter Erlaubnis des Ostermcbiiirbeii Gfnenilkoiiittiri und mit. 
EiDWtUigtmg des Ber^'inei«t«rA Ulrich Tön Kuhtenbcr^. tHesen 
Weinjiarieo «chcnktc er den FrauBn der Himmclpforte f/hminahn» 
de porta edij, die er dort auf seine Kodteo im et^etien Hause an- 
stdlto, unter der Budiogun^, dafi sie ala £iii)icK-.hluRRene fDanüw 
ttcttuel ihr KlosKr nicht verlnutseii. sondero in 3tren««r Klausur 
dort unter der Kugvl des heiliges Augustin ftirian lebea 
«nlltcii. widrigenfidiA der Weingarten An die StephanekirAlie ko 
fallen hatte. Zengen dieses Kaufe» und der Schenkang wart-o Mei- 
ster Dietrich. Pfarrer von Altpölla. Fr, Wilhelm uud Kr. Ortwin 
vom Deutschen Orden. Heister Otto, Subdiiikon und bcetandigcr 
Vikar b« St Stephan, Re!nboto Zelenb. Hermann, Sohn des Herrn 
Hiltnuir. Alhero von Simniering, Amold. genannt Renner u. «. 
Das Kluiter truji also bereits definitiv den Nainou liimmelpforte 
(nrie man es n-uhl schon frllhi-r nannte) und befolgte die Re^el des 
heiligen Auguslin, auf welche die Klosterfrauen tnit Wiesen und 
Erlaubnis de» Po^snucr Bischofs Pelru» vor dem Prior Leu]>o|d 
and tHxo Wrinz aus dem Dominikanerorden und vor dem Meister 
Gerhard selbst ihre OrdensprofeO abgelegt hatten.') 

Die folgende Urkunde Gerhards, ein förmlicher Sliftsbrief 
fUr das äiechhaas St. Jub zum Klagbanm iiud die Hinimelpforte 
(Wien. 1267. November 25)'), gibt tina noch mehr Aufschluß. Qer- 
bard bekennt feierlich, dal) er die beiden Stiftungen an» Dankbar- 
keit ftlr den Scbntx. unter welchem er aus der «olireck liehen Ta- 
tarennot in Ungarn und dem Dientsto des dortigen Königs Bi-Ui IV. 
geaund nach Ü&ierreieh kam. sowie uocfa fbr die vielen Gnaden 
Je* llcrzngs Friedrich 11.. des Pit*«iuer Hi*chof» ßertuld (1251 
tM« 1254) and de« KUuigs Üttokar U. aua eigenen Kitteln errichtet 
IC. Die Himmclpforte crtifTncte er »pro rirginibu». ()nae perpetuo 
innt reclusae .... pro residcncia continua et perpetna man«ionc. ut 



') ItaaBtHiMawaft iil, dnU mocti ioi Di)cniDik4ii«rfir<l«i> dt« Bnpi*tI»Mb« 
I[«<H beobacbui. Vielleicht bolTtcD äit Witim Pooiiiiikiaer, du ucoc Kl«ii«r 
il!Bnial|tfan« «ui(«r dl* Obhut Ihrei (>rd«tii eu bekomtnen, wie «« llin«n 1301 b«t 
den Ueiuineii im I.BiiteaKk[<urt«T (xtrUck«a dem Stuben- uad Boi»iilunnl«rt) in 
Wisn felaag. ilio lich jtdocb ipJUet I4SS «ift^r ia?0B ircantaD nad 14&0 iicb 
ala eis Aii|t»^iner-Chai(r«utnttin trkUrwa. 

■] 11. Boica. .>:X^1X. P. 11. Nr 92. mit vieUo DriMkrebleni ; ikii*g*il«ltt tob 

CMW, f.^naiiiciM KftUii' P«f»i>MM«*, /T#bitttM' m«rnm*u il Dömiii p<ip9 Cm/nlbnmM*. 
Vu *9it QHifiiigrBidio DokumcBi trug 18 filvg«). 



150 

ibidem omnipotenti deo iugiter famulentur', in seinem eigesea Hof 
in weichenburch (Weibbnrg), den er samt Bnrgrecht von Koarad, 
äcbwiegersobn des Notars Einher, mit Erlaabnis des KSnigs nnd 
der dst«rreichiscbeD Herzoge Friedrieb II. and Hermann, and mit 
dem Eigentumsrecbt von der Witwe des Konrad von Greifenstein 
aod ihren Kindern um 100 Pfand gekauft hatte. Die Schweatern 
befanden aieb schon frUher an einem Orte in Wien, welcher 
Oaize biell und dem Bruder Albert von Mariazell als E^bgot ge- 
hörte; dieser hatte das Haus mit Zustimmang seiner Matter and 
seines Bruders den Schwestern zur Wohnung uberlassen and nnn bei 
ihrer Übersiedlung groSmUtig ohne Widerspruch arkandlich über- 
geben. ') Äußer den beiden Stiftungen Gerhards sollte aach 
in allen ihm anvertrauten Kirchen und Kapellen, nämlich bei 
St Stephan, St. Michael, dann in Schwechat, Oberlaa, Dubling, Vösen- 
dorf, Lanzendorf, Simmering und in seiner Kapelle in Penzing, die 
er zur Bequemlichkeit seiner Pfarrkinder aus eigenen Mitteln er- 
baut hatte, femer in den BUrgerspitälem zu Gars, Eggenburg, Straning, 
Limberg, Flank und Stiefern mit Erlaabnis des Passauer Bischofs 
Peter an jedem Sonntag eine Messe von der heiligen Dreifaltigkeit, 
am Montag eine Seelenmesse für seine Eltern, Wohltäter. Pfarrkinder, 
Mitglieder der von ihm neu errichteten Bruderschaft bei St. Stephan 
und aller anderen Wiener Bruderschaften. fUr alle armen Seelen, am 
Dienstag um Nacblassung der Sünden, am Mittwoch vom heiligen 
Nikolaus und von allen Bekennern. am Donnerstag vom heiligen 
Geist, am Freitag vom heiligen Kreuz und am Samstag von der 
heiligen Maria gelesen werden. Die Klosterfrauen bei der Himmel- 
pforte haben die Regel des heiligen Äugustin zu befolgen, die ihnen 
P. KlemensIV. (1265—1269) durch sein Breve bestätigt hatte und 
welche sie für die Zukunft in die Hftnde des Bischofs Peter and 
vor Gerbard freiwillig gelobten. Sie verpflichteten sieh, auch andere 
Verordnungen Gerhards zu beobachten, keine wollenen Kleider mit 
Ausnahme der Oberkleider und der KopfhuUen zu tragen; ihre 
Tracht war eine weilte Tunika und ein offener Mantel (pallia in 
nioduni clamidisj mit Tuchzonen (Skapulier). wie alles in seinem 
Gedenkbuch nie dergesch rieben ist. Mit Berührung des Evangeliums 
beschworen sie. ganz verschlossen beständig in demselben Hause zu 

') Uraprling'lich wollte Gerhard sein Hkub zu einer Kamnier dci BElrg«r- 
spUal« tilr kranke Priester und andere Veteraaeu wie auch fUr Kranke »uf Hioe 
Kosten einricbten. was jedoch die Bürger nicht zugegebeo hauen. 



351 



verbArren und nur eolcbe junge Mudch^o nufzunehmen. die dem 
KIokut DicblM kiiatun und \ua iltini'a «h dorcli Eintritt in den 
t)rden an Kuchn-uoha oder andere Vorteile gewinne. Deren 
Zahl mU BIO 25 libontteigcD und nie mlh«ii «i« ohne AuiJento "Hot 
and L'rMßt^he. oder ohne Kriaufanis dea Saperiors ausgeben. Alle 
öflhwi-sieni und Bruder des Klostora versprachen Gerhard und 
spSter ihrem ordentticlien Soperior. den si« sich enrühlen werden 
und der vom DiosesanbisKtiof approbiert wurden maß, ku gi-horclien. 
Die Stiftongflfrtller, welche Gerliard der Uinunelpforte vermacKte, 
waren folgende: 

L 153 Mark alter Denare and 87 Pfund neuer Ucnare Wiener 
Münze bloti für die Nenbaaien. 

2. 7G Pfund 75 Den«r« neuer Wiener Münze xum Ankaufe 
dM T>Kndgutcfl in Willendorf. welch«« er von den den Wiener 
Borgern Heinrich Sebarrariua und Wolffcer Vischlin mit einer 
Wiese erworben hatte. 

3. Ein Weinparteo am FaÜe des Berge» Albrechtegereute 
(vulj^o Min«rleitb|'li <len er Tom Dcutechon Orden erworben hatte. 
lOö Mark alter Meiiare Wiener ilUnte. 

4. Für die Briefe des Papstes, des Kardinal« Qaido und des 
Bischofä Peter 9 Mark alter Denare Wiener IHUnte. 

5. Dos Buckerbaos, wclcbcü von den Klosterfrauen «elbM dem 
Vatxo iim 108 Mark '/. Denar aber Wiener MUnren verpfiludet 
war. und welche« Gerhard mit ihrer Zustimmung »einem Kirohen- 
dii-ner Volehold. dessen Weib und Kindern für die Einkonfte von 
den BegrAbniiMcn auf dem Friedbofr bei St. iStopban, die er ihm 
bi»ber fUr seine vielen Dienste überlassen hatte, anwies, die KtnkUnfte 
ran der LfOiehenbeAtattun^ aber den Ivlotüterfranen bis Eu fteiaem 
Tudp uberlieU. welches aueh der Bischof zu bestätigen versprach, 
wenn das Pauauer Dumkapitcl seinen Konsens biczu erteilen wtirde. 
Den Diener Volchold und seine FamiUe wollte Gerbard undt- rwarts 
eulHcbädiiifea. 

t>. S2 Pfimd fflr die Herstellung cles Dormllars. de« Ambitua 
and des Hauses der BrUder 

7. 42 Mark alter Denare znm Baa der Kuche, des Palatiumo, 
des StieyenbauseB und anderer Kflamc. 

8. Seinen Vespermantel von Goldbrokat, bordiert mit prtlner 
Seide, ei ne Kasel und eine Dalnatik von feinem ^rUnem Sammt 

•) 81«li« oben (1M7). 



152 

mit Goldqua&ten und Borten aus gelber, bester Seide; eine Alba, 
eiD Hamerale, zwei Korporalieo mit Futter aas grUnem Sammt and 
^Idgewirktem Forpurstoff mit Borten aus gelber Seide; ein 
Sarrociam, eis Saperpelliceum; endlich HandtUcber und Altar- 
polster, was alles 33 Pfand kostete. 

9. Als Legat den fünften Teil von allen seinen beweglichen 
und unbeweglichen Gütern, die bei seinem Tode vorhanden sein 
werden, wie es noch näher in seinem Testamente ausgedrückt ist. 

lü. Ein Missale und zwei Graduaüen. 

Femer bestimmte Gerhard, daß das Frauenkloster stets drei 
Schlüssel haben solle, nämlich einen er selbst lebenslänglich, den 
zweiten Bruder Ebro, den dritten die gegenwärtige Priorin oder 
ihre rechtmäßig erwählte Nachfolgerin. Den Schlüssel, den er be- 
wahrte, soll nach seinem Tode der Diözesanhiachof einem recht- 
schaffenen Bruder des Deutschen Hauses oder jemand anderen 
nach Belieben, den zweiten sollen die Schwestern und die Brtlder 
nach dem Ableben des Fr. Ebro einem diskreten Bruder des 
Klosters anvertrauen. (Nun folgt die Stiftung von St, Job.) 

Dies alles übergab Gerhard seinen Schöpfungen vom Tage 
der Gründung an bis zu den zwei nächstfolgenden Jahren, anßer 
anderen Gaben an Wein, Kömern usw., dergestalt, daß er und sein 
Bruder Dietrich, Pfarrer in AltpöUa, wenn nötig, diese Schen- 
kungen mit ihnen genießen dürfen, und mit dem Auftrage, daß einst 
bei der Himmelpfurte und bei St. Job sein Sterbetag, dann monat- 
lich der 7. und 30. Tag und alljährlich das Anniversarium für ihn 
und seine Eltern begangen werden. Schlechte und unfolgsame 
Schwestern und Leprosen sollten den Statuten gemäß nach drei- 
maliger Ermahnung aus dem Hause ganz ausgeschlossen werden. 
Sollten sie gar ihre Güter verschwenden, ihm and dem Diözesan- 
bischofc nicht folgen und sich lostrennen, dann haben Gerhard nnd 
sein Bruder Dietrich wieder das freie Verfügungsrecht über alle 
ihre Schenkungen, nach ihrer beiden Tode falle dieses auf ihre 
Nachfolger und die St. Stephanskirchc zurück. Sonst sollen sich 
sowohl die Klosterfrauen, aU auch die Leprosen immer des Schntses 
des Jeweiligen Pfarrers bei St. Stephan und seiner Hilfspriester ei^ 
freuen. Zur Vorsicht sollen die Siegel von der Himmelpforte und 
St. Job mit dem Schlüssel der Priorin, beziehungsweise des Fro- 
kurators. und Gerhards selbst versperrt sein, nach seinem (Gerhards) 
Tode soll dpr Diözesanbischof jemand anderen hiezu bezeichnen. 



B«ule Hftutter wurden von P- Kiemen« IV^ vom Kardinal- 
Te^Alcn Guido in Wiro, von ßi«phof lVt«r von PftK>an und K{}iiig 
Ottokar lt. daroh «i^iie :Schirii)ljri<;fn bestätig:!. FUr die Aiulagen, 
div Gerhard iidt der Reparatur des ^tlnzlicli verlasaencn und vom 
Pever öfter vertrQ«tcteii Pfarrhof««, mit der GrOndong der ganz 
noagcb-tutcn Kapelle cliendo'k mit dfr AnscltaiTunf; von Giitorii, 
kostbaren Paramentcn bei St Stephnn und «ndercn Sachen, mit 
dem iöjHhriv«n .Streite nm die Elire der Stephanskirche bei der 
ri'imiwhen Kurie gegen den chrmaliffen hflrelischen Pfarrer Meiator 
jupold ojjd mit dem Streite um die rfarreeblo von St. Stephan 
CjZi^n da» Scliotteiistift in Wien, wvlvhe Auslagoo tlber 200O Älark 
betTAgen hatten, gestattete der Diüu^anbiäofaofPetttr, daU die Kloster- 
fmoen und di« I>epro«eii jedes Plarrkind vim Wien zum Guttes- 
dienstv znlus^cn künoen. Siu durften jeduob ni<!mand bei ihnen be- 
graben, naßor ihre eigenen Personen and Belebe, mit welchen sie 
Ulgli4>li verkobren: aurh sollten kj«* nur uini: Glucke haben. Znm 
Zeichen der Uankbarkeit muLiten die ilimmelpfürtiierintien der 
Maiterkirchc bei 8t. Stephan jährlich eine .Stohi, ein SInnipel, ein 
Zitignlum und ein reines Korporale von ihrer Handarbeit liefern. 
n«b»tdvi» alle anderen Korporulii^n nnd Gv^vAndur d!i>ser Kirche 
reinigen, waschen. vorbpr<>it«n, nähen und herrichten, ao ofi sie 
darnm angegangen vruTxlen. 

Weiter bealimuite Gerhard, daü die Klustcrfranen allu seitie 
Nichten, ledige und verheiratete, di« ihm binhur treu dienten, tuu'b 
eeinem Tode Vorsorgen sollten; deren Knaben ^iollt^n nie aber nie- 
mnlH anfnebmon, außer «ie mOchten »ich in ihrem Hrum; dem 
OrdensatAnde widmen. Die KaplUnc der vorgenannten Oru>. die 
Schwestern und diu Leprosen »nllcn die Kollekten: »Prntege domine« 
and ■OmuipoteDS eempiterae Dens, cnjns misericordiae non est 
numerus« iille zwei Tage abwcehaetnd beten, und <lie dchvreetem 
sollen in der Wohnung der BrQder einen ehrsamen Ordenmann als 
Keichtvatt<r und Mesaeleser erhallen, der »ueh die Kapellen bei 
tii, Nikliis und St. Laxar anfierhntb der Stadtmauer versorg 
wAhrend dcrr KnpKin in Pi.'ii/.iu(r St. .lub zu TiT.<«chcii habe. Das 
^Onze nuÜrrbnlb den Klosters liegende tlans zur llimmelpforte aoll 
dem Meister Gerhard und «einem Broder Dietrich, «olango nie 



I) Wurde von Ot^liard an d«D Scliolatva Heinrich vttliabu uui) wIlM 
*|<ai«r ton iliai aocb nit 10 fftinJ Eink-Unftcn doiierl (tci^aa. 



151 

beide leben, nach ihrem Tode aber dem Kaplan imd Prokurator 
oder Offizial der SchwcBtern als Wohnung dienen. 

Von den Prozeßakten, die Gerhard im Streite gegen Magister 
Leopold ansaiomelte, lag ein Exemplar bei den minderen Brudem 
in Anagni, das zweite bei den Dominikanem io Pemgia. Die 
Schriften von dem Prozeß mit den Schotten lagen bei den Zech- 
meistern von St. Stephan, andere Privilegien und Instrumente wegen 
der Stiftnngen waren bei den Himmelpförtnerinnen hinterlegt. 

Von diesem nmfangreiehen Stiftabriefe deponierte Gerhard je 
ein Exemplar bei den minderen Brüdern, im Deutschen Hause, bei der 
Himmelpforte und in der von ihm errichteten Zeche bei St. Stephan 
zum ewigen Andenken. 

Bei der Himmelpforte werden auch die von den Schwestern 
hier getrennt lebenden Brüder erwähnt Die Oberin heißt Priorin, 
irgend ein bestimmter geistlicher Orden wird aber noch nicht 
genannt. Dies sollte bald anders werden. 

Die großherzigen Stiftungen Gerbards in Wien konnten dem 
Landesfürsten Otsokar 11^ König von Böhmen und Herzog von 
Österreich, nicht entgehen. Es war im königlichen Jagdhofe bei 
Jarmeritz am 16. Juni 1269, als Ottokar seine beiden geliebten 
Kapläne, Meister Gerhard, Pfarrer in Wien und Gars, und Meister 
Dietrich, Pfarrer in Altpölla. in dankbarer Anerkennung ihrer 
vielen Verdienste in seinen besonderen Schutz nahm, und zwar ihre 
Person, ihre Kirchen und Gläubigen, Kleriker und Laien, mit all 
ihrem Besitz, besonders aber jene Dinge, welche sie bei Lebzeiten 
oder im Todesfall den Himmelpförtnerinnen (sorores vli^nes de 
porta cell), den Siechen bei St. Job, deren Religiösen und Dienern 
bestimmten oder vermachten. Jeder königliche Richter oder Offi- 
zial u. dgl. sollte gegen die beiden Brüder Gerhud und Dietrich 
freundlich und gefallig sein und zu jeder Zeit ihre Rechte wahren. 
Die beiden Brüder, die Himmelpforte und St. Job dürfen aus den 
herzoglichen Widdern und Hainen abgefallenes, dürres Brennholz 
für ihren i'igenon Bedarf ohne weiteres entnehmen, jedoch ohne 
beträfhtlichen Schaden der Kulturen und des Wildes. Femer be- 
stimmte Oltokar, daß niemand gegen ihren Willen ihren Kirchen 
Kollekten auferlegen oder cigenmftcbtig über die Kircbengebfiude 
und alles, was der Kirche letztwÜlig von den GlUubigen gespendet 
wird, verfügen dürfe. Sie sind auch von aller fremder Gerichts- 
barkeit frei, mit Ausnahme des Totschlages, Diebstahles und 



155 



Haubeit. Minister (rcrbnril erhielt einen bcsoadereB landcaftlrsllicheti 
KoDM-ns. scino uod der Sloiihanstkirche Rechte gegen das HchoUfn- 
klosU'r und ^cgcu jcdc-rmnuu zu verteidigen und uDgcachtnalcrt m 
wahren und die Zebent« eiiixufordern.*) 

IndesRcn dachte Mngister Gerlinrd immer noch nn w<M'tero 
Vcrm«hrung seiner Sliflung bei der Hiinmelpforle. Am 23. Munt 1270 
verkaufte ihm fdilecto c«mpatri) Otto vom Hohen Markte (de foro\ 
Jn Wien der »choD 1237 Richter daaelbst war. seinen Weitigsrten 
Lembz. unch Lcmbtt. Lelmbs g(>nHnnt, in Grinzing um 110 Mark 
Silber und versprach darüber die Bestätigung Ottokars II. und die 
Einwilligung de« Herrn Zabnlo zu erwirken; Gerhard konnte »ich 
ao^KC ein Drittel des KauTpreiae« »urlickbehalleu. bis auch Ueinricb 
Prenzlio und suine Gattin Margnrcti% Ottoti Tochter, cingenittigt 
haben. Der Kauf geschab in Gegenwart den Bergmei&ters Dietrich 
TOD Kahlenbcrg mit Einwilligung Ottos Ooltin. Gertrud, seines 
dobnes Gri^To, seines Schwiegersohnes Ulrich Ulman und sUer Erben. 
Unter den Z«ugvn UcHt man Orloif. Komtur des Deutfidieu Uauxos'). 
Koorad, Propst beider Himmelpforte ( I'resbiier Prepoeitus ctaustri 
Tirginnm de Port* ccli), Magister Otto, Pfarrer der Kirche zu 
Sc Martin in Muhlbaeb, Rudolf und Hadmar. Diakone. Bergmeüiter 
Dietriob, Wenibard Speismagister, Pilrolf de Alse, Kourad Uese- 
nariiiB, Heidenreich de Kasohelo, Dietriob. ^bn des Hiouc, Paulus, 
Siegfrieds Vorw-andter. Notar AsquiD, Ueinricb, Neßi< des Meisters 
Oerhurd. Eberger, Kolor des Bcrgmeif^ters Dietrich, Krneat de Nen- 
burg, Ortolf von Grinzing, Dietrich, Diener de« Pfarrers n. a.') 

Schon am 2- April 127(1 gaben Ottos Schwicg(;rsubn. Heinrich 
PreozÜo, und seine Gattin Margarete im Wiener Pfarrbofc in öcgeo- 
wart des Meisters Qerhard ihre Rtnwilligung; jene van Zabulo 



') Ocgaban dnrcb Job kAaiglictien ProMaotar Clricb tn OegoswKrt dos 
Xliinnwtr Uaertlieb und HsiarUb. Orif^inil Ptryaineiit Im k. n. k. Hui-, Uef- 
«od ftUsunrdilr In WUe. ((}u«ll«ii ■<» OmclticJit« der 8Uth Wien. 1, 3, 

Kr. aaw.i 

~p DuiIUdo, lllit (Td Taut, tu, S8— fit>. 

*) Otto Tov Hohen Harkt* war mb SofcD H<7mM ton Ntubnigi aas 
«■■em HtlortictMn GeaeUoclil. (Las Rkion. IT, 2. Pltebor, Not. VIsd. II, 7.) 
Cb»r dao Kauf eiifücnn eure! OrliiaalorkuadBa Kt>>cliiii Itelnma, aber ror- 
•ibl«d(iRM> lulialtei: tn dtr *t*I«b feliltn die Zeuf«n lOriglnal Perfpunent im 
k. n. k. Hau-, Uof und Suuunrebir in Wien, l^ctlan tiir Oetclüebt» A*i Stadt 
WUb. I, 3. Nr. i^fi und 280S. lloroiajr, Wion. V. Urkusdea-BeiUg«. S. X.tl, 
Ür. 131. Koai«s rerun nualriacanui. 2. 1, Kr. 93). 



156 

(Zabilo) sollte bald folgen, und nun wurde der Kauf perfekt Wieder 
erscheinen der Komtur Ortolf, Magister Heinrich, Notar, Otto, Ffarrer 
von Mühlbach (Dekanat HadersdorfJ, Notar Asqnin, dann Wolffelin, 
Volchold, Weinrich, JohanneB. Ulrich, Dietrich, Konrad and andere 
Wiener nnter den Zeugen. ') 

Aber noch in demselben Jahre erhob sich im Frauenkloater 
znr Himmelpforte ein Sturm, der verhängnisvoll werden konnte. 
An die Stelle der Meisterin 

Adelheid 

wählte nämlich der unzufriedene Konvent eine andere Meisterin^ 
namens Wendla, zeigte sich gegen seinen Patron Gerhard ange- 
borsam und zog sich die Exkommunikation zu. Älhaid ist die erste 
bekannte Oberin bei der Himmelpforte. Die Streitigkeiten kamen sogar 
bis zum Passauer Bischof Peter, welcher in Wien am 3. Dezember 
1270^) die Angelegenheit entschied. Die Schwestern baten den 
Meister Gerhard um Vergebung und wurden vom Bischöfe losge- 
sprochen, sollten jedoch jene Buße verrichten, die ihnen von 
diesem oder vom Abte aus Geras auferlegt werden wird. Die neoe 
Wahl (Wendla) wurde fUr ungültig erkliirt und Meisterin Alhaid 
wieder in ihre Würde eingesetzt. Gewisse Versprechen, welche die 
Schwestern unbefugterweise getan hatten, sollten nicht gelten. Femer 
befahl ihnen der Bischof, die Regel des heiligen Augnstin d es 
Främonstratenserordons. zu welchem sie mit Willen und Bat 
ihres wahren Patrons (Gerhard) vom Anfang an freiwillig bernfen 
worden sind, wie es aus den authentischen, besiegelten Urkunden 
erhellt, von nun an und in der ganzen Zukunft genau zn beob- 
achten, und zwar nach den Bedingungen, die zwischen dem Abte 
von Geras und Meister Gerhard ausgemacht und im Rechte aus- 
gedruckt wurden. Der Wille des Bischofs war, daß die Klosterfiraaen 
zur genannten Regel und zur Observanz des genannten Ordens 
verptiichtet werden und nach der Stiftung Gerhards beständig ver- 
schlossen bleiben. Nichtsdestoweniger wurde auch den Nachfolgern 
Gerhards bei St. Stephan das Ehrenamt eines Patrons über die 

*) Original Feri^ameiit ebenda. Fonlea rerum aaBtriacRram. 2, I, Ni. M. 
Quellen Eur Geschichte der 6tsdt Wien. I, 3, Nr. 2809. 

■) Original Pergament im königlich bayerischen nllgemeinen BeJchtardilT 
in Manchen. Mod. Boica. 29, II, Nr. 110, S. 500-002. Qaellen, a. a. O., I, 4, 
Xr. 16. 



r 




liimmelpforl*' vom Bi»c1iof c-in»erKutnt. D«r Abt von Gonm sollte 
die Gewalt haben, all« ungfliorsainen Sehwcslom, diu «ch gog*"« ilin 
od&r den Riaehof. getreu die ^(eisterin. den Patron oder <len Pfarrer 
aaftehnen. ex«n)pl.ini*o1) za beMtrafen. I)f<n Richiersprach de» 
Bisobofs PctiT l>esiegt'ItL'n io Gest-nwart des Ma^ftler* Heinrich 
TOB Petronell, des Propstes Konrad von Hainbai^ nnd des Pmpstc» 
Leupold von Peraegg (Prlimoiistml4^iiKer-Oi'dem1 der H«ili^n- 
kreusutr Abt H^inricb und l**r. Ilarpern. Minislor, l''r. Lcupold and 
Oito HUB dem Uoraiiiikaufr-. Fr. Artusius aus dein Mitioriteu-<->nIen, 
Magister Friedrich, Johunti do Mcmvranrh, ... do Haydendurf, 
Pallram, Vatzo. PitmlT. ChUbar. A^ijuin 11. a. 

Am 4. Februar V21i »cbvnklu dünn Gorliard ') den urkauften 
WüiDg&rteu Lemlis in GriDKio|; dem Krauenkluflter Uiminelprorlt!. 
*daa ihm allein scincrteit untergeordnet war und den Brltdem ron 
Geras, die dortselbst Gott und den Scbwe»tera beständig dienen.« 
In Min«ni Ürief« bi- könnt Gerhard, dall or dtosc« Kloster fOr 
das Seelenbeil des Land«stUrsten. des DiSzeaanbischofs, des Wiener 
Pfarrers, seiner Gehilfen and aller Iahenden; fUr die Seelenruhe 
der Iler&oge Leopold und Friedrich, dca ebemullgcn PosaauiT Bh 
sehofe« bcrtold. der ihm di<.-) Wiener Pfnrro verliehen hatte, scinur 
Eltern und Vernrandten and aller seiner Sftrge Anvertrauten erbaut 
babo DiflM* Schenkunp bwi^elte Gerhnrd mit dem Gerader Ahle 
Ulrich in Gegenwart de« Pernegger Prcpsles luugenanntl. seine« 
ßraders MugiaMtr Dkitrich, Pfam^r» von AUpnlla. und Ottos. Pfarrvra 
von Muhlbacb. 

Am b. Mllr» 1271 ntellte Gerhard tlbur diese Sehenkung des 
Weingnrtvna Lomba noch eine andere Urkunde *j aoH. in welcher 
er bekeunt. daü or denselben rvin um Goitealohn verHchenkt 
habe, uns«i>cbtct er ihn mit der Kapelle im Pfarrhofe. die er 
gebaut bnitt?, frdbcu' aclion Heiniui Neffen Uctiuricb von Siebenbur^n 
<d« aeptom castrisj j^eMheakl, nun aber dieaea «iderrureo habe. 
Der NatKgi'HuU dts Weingartens soll jedoch dem MeiMer Gerbard 

'1 Xdniil nipli v>'iii<t(<'r Mirltter, KanoiilkuK von PaMaii. Pfarr«r In tVino uiij 
papilliQfceT Ka)ilmi, Onicinnt rorgajiiDni Im k. a. k. Hau* . IM- noi Stasuantilvs 
in VTicn, Uarmajr, II. LVIrnndcnbuch, Kr IVT. ^Italien aur Onokif-ble ivi 
8fadt V/ita. U 3. Nr. 2810. Üa* uajtoblUigt« Riedel de* Gfrawr Abtot tiricb iclgl 
i» ipilMvalon Keld« eine AMBgnr mit I>«duiu un4 Bu«k, und 41» JjtB«iid»: 
t 8. AB8ÄTIS ECTflE ICK<KKN(*lb. 

') Oiiginal I>ergain«iil cbccilB Tool«* nr«m anattücarait. 2, I, 9. 170 IT, 
ttw/an, a, a. 0. 1, », Nr. Sftll. 



158 

und seinem Bruder Dietrich, so lange sie leben, vorbehaltec bleiben; 
alles dieses wnrde von Gerhard und Fr. Hartpem, Minister, in 
Wien, besiegelt. 

Bald darauf starb Gerbard, der Uberbaupt ein sehr frommer 
und wohltätiger Mann war, an der Fest, die damals (1271) in öster- 
reich und Ungarn nnzahlige Opfer forderte.') 

Wie man siebt, waren die Klosterfrauen zur Himmelpforte 
seit 1270 sicher Prämonstratenserinnen, also Mitglieder jenes 
großen and berühmten weißen Ordens, welcher schon 1120 in 
Frankreich vom heiligen Norbert gestiftet worden war. Um 
diese Zeit hat er schon längst in Böhmen, Mahren, Österreich und 
Ungarn festen Fuß gefaßt und erfreut« sich tiberall eines großen 
Ansehens. Die Franenklöster zeichneten sieh durch ihre besondere 
Strenge aus. In Niederösterreich besaß der Orden schon llber ein 
Jahrhundert das Chorherrenstift Geras und das Fraaenkloster 
Fernegg, eines der ältesten FrauenklUster des Landes, welches dem 
Stifte Gert» untergeordnet war. Man wird es kaum bezweifeln 
können, daß (Gerhard nach längeren Unterhandlungen mit den 
kirchKchen und Ordensbehörden (1267 — 1270) die Himmelpforte 
endgültig dem Prämonstratenserorden einverleiben tieU^) und dem 
Stifte Geras unterordnete. Dadurch wollte er überhaupt ihren Be- 
stand sichern, weil sich achtießlich die Klosterfrauen, wie die der 
übrigen Klöster, für irgendeinen Orden erklären mußten, um durch 
den Ordensverband mit anderen Klöstern besser gedeihen, aber 
auch mehr Schutz und Kecht finden zu können. Die Wahl fiel auf 
den beliebten und schon damals sehr verbreiteten Orden von Pr^ 
monträ, der bis jetzt in Wien noch nicht eingeführt war, die Begel 
des heiligen Augustin befolgte und auch den Marienkult zu pflegen 
hatte; seine Chorfrauen mußten in der strengsten Klausur, von der 
Welt stets abgeschloaseD leben, das Stillschweigen beobachten, der 

') Scr. rar. auatr. C.836. Haniiz, Germ. 8acr., 413. Klein, a.a.O., 8.Wi. 
Andere setzen erat 12B'i als sein Sterbejabr an. Er aoll bei der Himinelpforta in 
der ionereQ Sakriitei, die damala Kirche war, begraben worden lein, wo aiio 
Grabstein zq seilen war. 

■) Im Orden blieb jedoch dsa Kloater Himroelpforte zu Wien wenig be- 
kannl. 80 wußte i.ß. der gelehrte Annaliiit des Ordens. Abt Karl Ladwig Hngo 
(t 1739), von diesem Frauenkloster nichis, Bbgeseben von der kleinen NotU bei 
dem Stifte Geras (Ann. Praem. I, 643), desgleichen Beb. Brunnen Cborbermi- 
buch. S. 776, 94, u. a. Hei der Bildung ron Ordanszirkarieu muCte die Himmal- 
pforte, wie Geras und Pernegg, zur bübmisch-m&hriacben Zirkarie gesfthlt weiden« 



BwtniohtuDg, dem Cliorgebct« uml violun oaden-ii Aßdachiün ob- 
U6g«Q'}, wahrend ü» io dtr Übrigen Zeit vemcliiedenarti^ mit 
Nahm Stioken, Weben and Wattcbeo. vereinzelt aueh mit dor Er- 
ziehung von Mildcben au» beMsercn Häusern bwchnftigt waren. 
Die» tillee mochte dem Meister Gerbard, welcher die Kluster gut kannte, 
für seine Idee einer >Uiaimälpforte< gut gepaßt haben, obwohl auch 
Raftere KinliUftse. vielleicht auch bistonaehe ErinneruDg bei der 
Wahl des OrJfOs maütiBbuiid waren. 

Dali die iliminclplnrle den Äbten voo Gens aotergeordnet 
warde, ergibt sich daraus, weil diow» das nlohate Ordeiustift der 
Prüm o n »raten »6 r wnr und nbnvhin schon doa Fmnenkloster Perae^ 
als Tochlerkloster unter seiner Obhut halte. Rh hat sich jedoeU 
nieniaU zwischen tieni.« und der nimmeJpfort« ein solches inniges 
VerhültniB enlwickelt wie bei Pcmesrg; mit Ausnahme weniger Ur- 
kunden, in welchen die Geraser Abte vorkommen, «nd nur die 
Kamen einiger Prioren (oder Pröpste^ dcit Frauenklo^ler.-« Himmel- 
pforte bekannt, die vom Stifte Geras zur Leitung der Scelsargo 
allein hierher entsendet wurden. 

An der äpitzv dea Konvents stand die von den Klosterfrauen 
gewählte Meisterin (iat ma^lra). ein beliebter Titel in vielen 
KlUstem der Pramimjttrntcnserinnt-n, namentlich in Deutschland, der 
aueh in Perneßf: 1266 — 1360 urkundlich vorkommt. Er wurde aber 
»pAtcr mit der Würde der Pritirin ersetzt, der eine Snbpriorin 
xar Seite stajid. Den Titel Meisterin Hlhrten (Ibri^na auch die 
berinnc-n anderer Wiener FraucnktUater, so z. ß. bei St. Jakob 
eil 133;t, apxter bei ät. Laurenz (H54): St. 3Iagdalena (1518) und 
SU HieroDYinus (nach 15&ä).-) 

Die Meisterin verwaltete daa Vermögen des KK-ftters ziemlich 
Ibstilndi^, Ihre Onlenscbweetcrti waren Chorfrauen («rnoBiVw*;, 
licn roll vre Stern oder Novizinnen. Die Kleidung war nach der Vor- 
aebrift der Ordenastataten ganx weiß. Ein weißer Habit mit Ska- 
pulier, beides mit eioen Zingnlum nm^Urlet. alle^ von Wolle, diente 
als Aitza^. der Hala and die Sürno waren mit weiltcr Leinwand 
verdeckt, wahrend ein langer Sohleier {tvium. Weihel) vom Kopfe 
ober die Sobuliern bertibfiel. Nur bei den Chorfrauen war dieser 

t) BUltor da4TttN<iaM far LaBd«4litinda voa XioilvtScIorrekh. XSXI I.IS97). 
8. 209 ff-, wo ilcb bei P«m«nt UcbniM Über iwa Onlca ßnd«t. 

■) UoKaUfelaU A«t Vtnio** ftlr l<«adf«kutiil« voo NM«tMI«>r«!<li. 1904, 
6. 1C3. 



160 

Schleier dllnn und schwarz auf weilier Unterlage, bei den übrigen 
ganz weiil. 

Am 6. Dezember 1272 erhielt 

Gertrud, 

Meisterin zur Himmelpforte und ihre geistliche Gemeinde {eongre- 
gatio eanctimonialium de Porta üeli in Wiennd) in Wien vom Wiener 
Bürger Albert Pipping käuflich einen an ihr Kloster stoßenden, 
den Schotten untertänigen Bauplatz in der Traibotenstnille (in strata 
Traibotonis. nun Himmelpfortgasse), von welchem Albert jahrlich 
12 Denare den Schotten zahlen mußte. Der Schottenabt Johann, 
der den Verkauf gebilligt hatte, wurde von Albert durch einen 
anderen Grund in der WiltwereherstraÜe (Wildwerker oder Pelz- 
händler, heute Wipplingeratralie), der ein Eigentum des Wiener 
Bürgers Johannes war, mit jahrlichen 12 Denaren Gcorgidienat von 
einem Hause entschädigt.') Auf diesem Grunde sollte wahrschein- 
lich das Kloster nach vorne hin vergrößert werden. Zeugen dessen 
waren Meister Dietrich, Pfarrer in Altpitlla, Prokurator der 
Klosterfrauen. Otto, Pfarrer von Mublbach. Wilhelm Scherant 
Konrad Camber, Ortwin ante Scotos, Ulrich Purchman, Attmann, 
Konrad Premo, Pitrolf, Lambert. Sifrid. Offizialen bei den Schotten, 
Heinrich, deren Kotar, u. a. Au^ dem Titel Dietrichs laßt sich 
sehließeu, daü sein Bruder Gerhard tot war. 

Dietrich beschenkte noch einmal die geistlichen Frauen zur 
Himmeipforte. die Gerhards, zum Teile aber auch seine Stiftung 
war. Zum Seelrnheile seines Bruders schenkte er^J ihnen am 24. Fe- 
bruar 1296 das vordere Haus samt Zugebör zu der Himmelpforte 
in Wien: sein Bruder, der bekanntlich schon das rückwärtige Haus 
geschenkt hatte, hatte ea ihm hinterlassen, Meister Otto hatte es 
jetzt inne. und hier schlief der Prior. Nur das beste Gemach in diesem 
Hof sollte für Dietrich, solange er lebte und so oft er hinkomme, 

' ) <.)riginal Peri^ament, besiegelt von äer Stadtgemcinde Wien und der 
Himmeipforte, im Schottens tifle zw Wien. Das zweit« Siegel i'it leider Abgefallen. 
(Pei, TLuaaur. VI. II. pag, 120. Kr. 213. Hormayr, I. 1. Urkundenbuch, Nr. 82- 
t'ontes rerum nusiriucuram. 2, XVllI. pa.g. 63. (jueUen a. d. O I. 1. Nr. 261.) 

') tlch mititter liielricli i'u'i tibenlivergen pharrer dali /iorlaii.< Original 
Porgament mit aeclis Siegeln (drei abgerisBuii, eines /.erbrochen] im k. n. k. Uaai-, 
Hof- und Ktaat^arcbiv in Wien. Hormsvr. V. L'rkuadeubucb. Nr. 131. Qa«llea, 
o. R. O. I, 3. Sr. 2891. 



idi 



rraerriert bleibea; will nber jemand anderer dort niii Zimmer 
haben, der soll es in erster Reihe voa den Klosterfraui^D «rbalt^n. 
31it dem Ätustell^r besiegelte die Urkunde aoch der gciatliche 
VdttT Abt ArBold von Geras in Gegenwart des Wiener Stadt- 
ricbters lireif von Maria Stiegen *f,dea Bradent Otto und Haimo, Land- 
Schreibers, de« Konrad und Ucinrich Broitonfoldcr, Ulrichs, Sohnei 
des Kann. Sifrid^ Sohnes de^ Leupold, d. a. 

War da» Klo.st'Kr Elimnielpforti? schon im Xlll. Jahrhundert 
unter verschiedenen Kecht^titeln mit Grund und Boden, uiit Licgen- 
aobaft^n uml billt^or UorbeiscbaBung von Naturalien beigabt wi>r- 
deo, Bo mehrte aii>b sein Itesitz namentlich tm XIV.. selbM noch 
im XV. Jahrhundert. Der uraprunglidien Fundation kam bald der 
religiöBeSinn der Wiener BevölkeniDg za Hilfe, »nd auch der Adel 
]i«ß CH nicht nn UntorstUtzung: fehlen. 

Am 13. Dexerober 1302 macbt(>n der Wiener Blircer Hier« 
an dem Griexze nnd Hoilke, seine Haunfmu, ihr IVstamfcf. laut 
des^n ihre zwei Weiagflrten in Ottakring Mer Pilichdorfer und 
die Erdi rm-kauft werden sollten, davon jpdi>rh der Weingarten 
• duz Nuzzel" tu 8 Vierteln zu li^flen war; von dem übrigen Erlt!«e 
waren daa Schot tenklostter und andere Wiener KlUitcr mit !x'gat»n be- 
dacht, BO mit je 5 Pfund die Dominikaner, die minderen Rrtlder, 
die Atigustiner. dir Nikolaerinnen, die Slagdalenerinnen und die 
Himmel pfortiierinnen. mit je 4, ät. Jakob und >St. LaureuK a. a.^ 

Am 23. September 1 304 vcrfDgte B lan ku, Herzogin 7on 
Österreich )+ !30ä), fttr den Kall ibros Todes ihr« Beisenang bei 
den Minoriten in Wien und scbaffte u. a. snch ö Pfand den 
Nonnen tiir Himmelpforle: die Vollfbhrung dieser Verfügung 
empfahl sie der römischen Künipn. auch ihrem Wirte. Uenwg Rudolf 
von (Jntorreieh, und ihrx>m Bcichtvalpr.*^ 

Am 10. April 1323 erscheinen in Wien Bruder Arnold. Prior 
zur Himmplpforte, and Bruder Niklaa, derzeit Anittnaun und 
Pfleger desselben Kloeter«, als .Siegler einer Urkunde, laat welcher 



>) Greir oder üriffo milet «rar 1787 taid 1396 (tteairiditcr ia Wien liUia, 
«. a. 0. IL 377. 

*) Original Pwf|am«Hl Im Aoli»ltMi«lin«. l'ontM i»nin «Mtriacaran. 8^ 
Xrm, 8. 109. QDtllttD lur OMchicbto dar ätadt Wiia. 1, 1, Xr. 274. 

>) Oriitloal tiD k. u. k. lUui-. Huf- and i^laiUacokive in Wi»B. I'«e. Tb««, 
aaecd. VI, S. f^. üOI, Nr. 2»4. Ilvrrf all. Mou. Au*l. IV, l, 8. VU. $ 1, Lleb- 
a«wakr. n. »fi. R««. 167. Qu^lUo. ■. a O. I. 3, Xr. SSM. 



162 

Stephao, Konrad des Cbjbnrger Diener, mit Erlaubnis seines Grimd- 
beiTD, des genannten Bruder Niklas, 2 Pfund Wiener Pfennig 
Überzins auf dem Hanse Wilhelm dea Lederers 'vor dem Werder- 
tor unter den Lederern, und auf seinem Garten, der hinten liegt, 
dem Wernbart Gerstenpaacb und seiner Hausfran Christein ver- 
kaufte.') ♦ 

Am 10- Angust 1326 wird eine geistliche Jungfrau Marga- 
rete zur Himmelpforte genannt, die vom Jordan zwei Rinder and 
zwölf Schafe (die besten) von seinem Hofe in Keinbardsdorf be- 
kommen hat: diesen Hof hatte er dem Kloster Heiiigenkrenz ver- 
macht.') 

Im nächsten Jahre begegnen wir der Heisterin 

Engel, 

die mit der Priorin Schwester Elzbet, der Subpriorin Schwester Gcr- 
draut und dem ganzen Konvent am 11. Kovember 1327 bekennt, 
daS die Himmelpforte auf Ulricb Zondleins ■'') Hause, gelegen im 
Fischhof an dem Hohen Markte zu Wien, ein Burgrecht von 
jahrlich 9 Pfund habe, das ibnen über ibre Klage wegen vei^ 
seasenen Burgrechts vom Wiener Kichter Konrad Gärtner zuge- 
sprochen und eingeantwortet wurde. Um diese Summe verkauften 
sie nun das genannte Haus an Frau Margarete Lamberin, Witwe. 
Diese und ihre Erben sollten die 9 Pfund Wiener Pfennig jährlich in 
drei Raten (zu Weibnacbtcn, zu Georgi und Micbaeli) dienen. Dem 
Grundherrn Martin, derzeit Kaplan der Kapelle Unserer Lieben 
Frau in dem Hause, das weiland Otto '), Sohn dea Haymo, gewesen 
ist. diente das Haus jährlich 3 Pfund Pfennig. Die Urkunde besiegelten 
der Konvent dessen Siegel daa erstemal vorkommt, der Grand- 
herr Martin, der Stadtrichter K. Gärtner. Niklaa von Ezlarn und 
Kiklaa Foll in Gegenwart des Stephan Chrigler (Bürgermeister von 
Wien 1327—1328, Richter 1323 und 1326, zugleich Verweser des 
Burgerspitala) ; zugegen waren noch Herbort auf der Säule, Heinrich 

'I Original Pergament im Wiener sUldtitcben Archive (BUrgeripitKl L 
1 1323). 

■) Original Pergament in Hciligenkreuz. (l'ontes rerum auBtrwc»rum. 2, XVI, 
S. 111, Quellen mt GaBchichte der Stndt Wien. I, 1, Nr. 616.) 

''I >?chon 1308 schenkte Margarete Zendel, Witwe nach Otto Zendel, dem 
Kloiter Zwcttl einen Weingarten im CbaeB Wassergraben in Sievering. (Link, 1,596, 
Fönte« rerum austriacarum. III, 431, a. a. 0.) 

') Otto war 12&5. I3Ö8. 1359, 1271, 1277 und 1290 Stadtrichter von Wien, 



1Ö3 

der Lanp. rTermann Snaecwl{1338 — 1834 BOrgermpisterK Hemiiinti, 
der Rudolfine Eiienchel von St. PöIien. Friedrich Gimctnliertel, Wil- 
helm bei dem rruunVD. Jiikob, dcsM-n Bruder. Wilhelm in dem 
StTohof u. a.') 

unter der Mt-istcrin Enpel erwftrb ds» Kloster Himmolpforle 
(ddto. Wien. 1328. Juni 23) käoflicb einige Wuingsrteu bei VVi«D. 
Propst Adam, denwit Pfleger de» Frauenklostcre zu Pernegg, Kli- 
sabctfa, die Mei^t^nn. R«iclikiir1, die Priorin and der ganze, Konvent 
eb«Ddort r»rkaiif^t^<n nach doin Rute dvx Vatrrabtos Gurhfirt von Qora« 
ihr Berjfirechi, 2 Kinier Wein von jedem Joch jährlich, von den 
25 Joeb Weingurten. liegend in dem Hard bei der Scbottenwieae, 
und ß Pft-nnig Vogtrecht um 40 Pfund Wiener Pfennig ibren Ordena- 
sobnestcrn Engel, dvr Meisterin. Elisabeth, der Priorin. und dem 
gsiixen Konvent Kur lli in mi-lp forte in Wien. Von dem Bergrecht 
sollte man der Sohn-e^ter Margnretc Glokkengiezzcrin 1 Pfund 
Wiener Pfcnnip bis zn ihrem Tod dienen. Die Urkunde wurde vom 
Äblc GcrhHrtl. Propst Adam und dem Kloster Pernegg besiegelt.-) 

Mit dem Jaltre 13D0 erftobeint die Meisterin 

Agnes Snaeczel, 

die wahrscbeinlicb der bekannten nlten und angesehenen Wiener 
Fuailio entätaminte, aus irelcber 1333 und 1334 Hermann Snaeczcl 
als Boi^ermoiftcr von Wien'i hervorging. 

Unter ihr verkauften Heinrich. Ortolf, dea Meesner Eidatn^ 
Dnd Kanigund. seine Dausfran. mit Erlaubnis ihres Gmndhomi 
Leibot. dery.«it PHegers und Meiüters des Siecbenbansea ta St. .lo- 
bann in SiccbenaU leiiie Art Vorstadt an der Ale im jetzigen 

'JOrigiiMil fotKititient mit rauf Siegtln imWicoerntlliltixclicn Ardiirc Quclltn 
mir GMcbkbie der !<t»ilt Wiea. II. 1. Nr. 109, wo «in lndot**t (Aafiwhrl/l (Im 
tiaiJMtn TtiMtlorich) erwOiot Ut. Von den 8i«i(tern «rucn N'iktai ron lltUrn 
(angwebene aUd Witovr FMnilic) 1306 and 1325. KikU* IMt ISil lUchtcr. 
Iwide aocli OfitT Snign^'neliUtr der Htäl WUa (Rtrman«. Alt- und »u- 
Wien. K3ff.). Wllfa«!» in dem Stroliof tioil lleiniicli der Lang aU Zciifen Vü^ 
Im Strohof« tu Wien tDr du 8t. Jikob-Klottier. (B«ricliie ucid Millei1tiii{en iIm 
AlUrlum-VarwIiw. XXXI1.S.54 nnd tA.) UenumD von ?t VfAttn 1316 «Dil 131«. 
Rttlaricb dtr Lange 1319 und 1330 UflrgeTineiiter ni VViop. 

') OriKinal PtrRuueBi Im k. n, k. Bau»-, Hot- und Staataarelüv« in Wlsn. 
I^arlleii, t. ■. O. I. 9, Xt. £903. 

<) Rormnnii, >. ft. 0. 06S. (Iu«)1*d. b. s. 0. I. 3. Kr. S009. rtlfrin mJ 
Anna, Keiorich und Hanrnretfi. JniivSiiMOol 134!) 1346 BDil 1877—1893. QiNlIm, 
■. ». U. II. I. 

It* 



164 

IX. Bezirke Wiens), der MeiBterin Agnes, der Priorin Margarete 
and dem Konvente zar Himmelpforte 1 '/i Pfund Wiener Pfennig 
Gülten auf einem Hause auf dem Neuen Harkt in Wien (neben 
dem Hanse Orlolf des Meczner) um 5 Pfnnd Wiener Pfennig (Wien, 
1330, Mai 12).') 

Fast gleichzeitig gestattete Meisterin Agnes als Bergfrau eines 
Weingartens in dem Hard, der '/j Joch war, nächst dem Weingarten 
der Herren von Altenburg lag und jahrlich einen Eimer Wein und 
3 Wiener Pfennig zu Vogtrecht diente, dem Ulrich Lindenast, diesen 
Weingarten nebst seinem Hauee^) in Wien seiner Hausfrau Mar- 
garete, Konrad des Hantscbuster Tochter, zu vermachen. (Wien, 
1330, Mai 17). 

In diese Zeit fallen die große Erweiterung und der Umbau 
der Himmelpforte, die von den Chronisten^) erwflhnt. und wie vor 
etwa BO Jahren, wieder einer Künigin-Witwe, der frommen Agnes, 
Tochter Künig Albrechts I.. Herzogs von Osterreich, und dessen 
Gattin Elisabet von Tirol, zugeschrieben werden. Agnes war 1284 
geboren. Mit 13 Jahren (1296) wurde sie mit dem verwitweten 
Künig von Ungarn Andreas III., dem letzten ans dem Arpäden- 
geschlechte, welches 400 Jahre lang über Ungarn geherrscht hatte, 
in Wien vermählt. Die erste Gattin Andreas'. Fennena, war 1296 
gestorben und hatte dem Künig eine einzige Tochter, Elisabeth, 
hinterlassen. Die zweite Ehe mit Agnes blieb kinderlos, da Andreas III. 
bereits am 14. Jilnner 1301 starb.*) 

Noch im Jahre 1298 wohnte Agnes als Königin von Ungarn 
mit ihrem Gemahl und der Stieftochter Elisabeth der glänzenden 
FUratenversammlung iu der Wiener Hofburg bei, in welcher am 12. Fe- 

^) ÜHginal rergament im k. u. k. Haus-, Hof- npd Staatnrdiive in Wion, 
Quellen zur Geachicbte der Stidt Wien, I, 3, Nr. 29S8, Das sinzigB Siegel der 
Urkunde zeigt im Wappenechilde den heiligen Johannes mit dem Uoiteilamm in 
der Linken und die Legende: t S. DOM. S. JÜUIS. 13APTE. IN. ALSE. 

-) Uieses Haus lag vor der Biirg in Wien nächst Peter Futerer. hatte des 
Kirchmeister Ton St. Michael, Konrad Atzgera dorfer, zum Grundherrn, ivarde von 
Ulrich Lindeuast gekauft und diente jährlich ^', Pfund Wacht der Michaeler- 
kirche zu Grundrecht. (.Original Pergament im k. u. k, Haus-, Hof- und Staata- 
archive zu Wien. Quellen, a. u. O. I, 'd. Ni. 2989.) 

^) Eine alte Chronik des Klöstern berichtete auch, daß das Kloster durch 
die Feuertbrüntte in W^ien 1376, 1318, später dann 1508 und 152q, son-ie auch 
durch die Einmile der BiibmeD arg gelitten habe. (Chron. Lazii. III, Fol. 10.) 

*) Csuday-Darvai, I. c, 308. 



166 



bniar die VeriobunR der Sii^ftwhter Elieaheth mit dem er« neun- 
jitlirigeii Primwn Wenxt;! lU., Subn de? KOnigs von Bühmeii, ge- 
feiert wurde. Am 27. Juli wurde dann ibr Vat«r AlbrMhc nach 
Adolfe falle zam KOnige von Deutschland genrnblt, n-Hcber am 
21. November seinen flltest«n Sohn Rudolf in Sllmberg mit Öster- 
reich und Stvivrmiirk belcbnlc. ■nubci der Wiener Burper Konrad 
Breiten felder, ein fleilliger Zeuge in Urkunden (f ISIlil da» Zopl«r 
hielt. 

Weazol lU., König von UObmen, löste 1305 sein Verlöbnis 
rait Elisabetb von Ungarn auf und heiratt-tä Viola von Teschen. Nacb 
(wiuem eotaetzlicben Tode (1306) wurtle Kudoif, dem im vorigen 
Jahn^ nein« Gfmiihlin ßUuka gpslorben war, KDDig von Röbmen, 
beiratete Eliaubetb von Polen, starb aber uiiTorhofft und kinderlo» 
am 4. Juli 1307 bei HoraidJowitx. Die Regierung in Öalerreich 
übernahm l'iOG sein jüngerer Bruder Friedrieb III. der -Scbliop. 
Am 1. Mai 1308 wurde der Vater Ki)nig Albcccbt in der Scbwei« 
unweit von der Hababurg von Jobann. dem Sohne eeinea Iftngft ver- 
torbenen Bruders Rudolf, nnd deeaen Mitveniehvrorenen raeucb- 
linps eriDürdet. 

Diese EreigniR!« mllssen auf das xarte GemDt der jungen 
Witwe und Königin Agnes — sie war beim Tode ihres Vätern 
erst 24 Jabro alt — eingcwirlit haben. Sie wird als eine Frau von 
tu fteror dem liebem GeiHt. von Jufiend an nl:< eine Feindin de« Ver- 
iQgcnü nnd der Praclii. al« eine Liebhaberin der Einsamkeit ge- 
KCbildert, die aehon als Kind gern in abgelegene Kapellen zu geben 
pflegte, um, wie sie aelbst sagte, eii hOren. waa Gott zu ihr rede, 
und durch Andacht den nogebcreneo Buebinut lu br«<^hen. Vor 
ihrer Vermllhlung mit Andreas erwehrte sie aich der Verbindung 
mit dem riimiaehon Grafen Colonnri. Nach dem Tode ihre« Vaters 
Albrecht begab »ie «ich nach der Schweiz, buute au der MonlslAtle 
zur Sühno das berühmte Doppi-lkUmer. das Katburini-uk luster des 
Minoritenordena in Kcnigsfeldeo, und wohnte dort «pater mit ihrer 
StieHochtiT Kliaiibelli, welche Aohoii 1 338 t\n* X^'iiliclie segnete, zwiacbeii 
beiden Klüäteru in einem kleinen, eio^men Hause bis au ihrem 
Tode im Alter von 64 Jahren'). Karl IV. hesueble einst die 
Greiaia und sagte, «sie habe an Weisheit und ^^inn kaum ibroa- 



>) Naoli: I.BKiRi, Witnvr Cbronlk. 111, 37, in Jalira 1364. KI»lo. a. a. U. 
it. S3I. III, 3&7. 



166 

gleichen gehabt«, wahrhch eine große Frau, wenn auch nur in ihrem 
Festhalten an einer Idee, einerlei Tos des ganzen Lebens.') 

Von dieser Agnes wird nun behauptet, daß sie vor dem Jahre 
1330 das Wiener Kloster zur Himmelpforte erweitert und mehrere 
Klosterfrauen aus den ungarischen Klöstern, wo die Prämonstra- 
tenscrinnen verbreitet waren und der ganze Orden schon längst in 
voller Blute stand, nach Wien gebracht habe. Sie erbaute hier auch eine 
größere Kirche zu Ehren der heiligen Agnes und heiligen Katha- 
rina, wonach dann die Himmelpforte auch Katharinenkloster, 
oder nach der königliehen Wohltäterin Agneskloster (St. Agnes) 
genannt wurde.') Die neugebaute Kirche des verstärkten Konvents 
wurde dann am Sonntag den 11. August 1331 von Peter, Bischof 
von Dionysia, feierlich eingeweiht, wobei allen Kirchenbesnchem, 
welche die Altäre ehren oder ihre Hand zur Ausschmückung der 
Kirche hilfreich reichen und dort Buße tun, am Kirch weihfeate, an 
den hohen Festen der beiden Patrone (»Hauptfrauen« St. Agnes 
und Katharina) und vielen anderen Feiertagen 4Ü Tage Ablaß von 
den Sundenstrafen verheißen wurde. In den Hochaltar wurden viele 
kostbare Reliquien eingelegt. Zahlreiche andere Ablässe der Bischöfe 
aus früherer Zeit, die Friedrich IL, Erzbischof von Salzbn^ (1270 
bis 1285). die Passauer Bischöfe Peter (1265—1280), Gottfried (1282 
bis 1285) und Bernhard (1285—1306), die Regensburger Bischöfe 
Heinrich n. (1262—1296) und Leo (1262—1277), der Gurker Bischof 
Dietrich (ni80— 1194), Bertold. Bischof von Bamberg (1258—1285), 
Heinrich von Trient (H. 1273—1289, III. 1310—1336), Ulrich von 
Seckau (I. 1243—1268. II. 1297—1308), Bernhard von Seckao 
(1268^ — ^1243), Johannes von Chiemsee, Dionysius von Raab, Konrad, 
Propst von St. Guido in Speyer und Gesandter am römischen Hofe 
(Bischof 1200— 1224?), endlich der schon genannte päpstliche Legat 
Guido, Kardinal priester tit. S. Laurentii in Lucina, verliehen hatten, 
wurden hier rekapituliert.^) Daraus ergibt sich, daß das Haapt- 

*) Hormaj-r, II, 3, S. iiö— 56. Cauday-Darrai. I.e., 308. Link, Ann. 
Zwettl. I, 597. 

-) Die erste Kirche, die mutmaQlicb aur zu Ehren iei heiligen Katbarin» 
Eewcibt war, aoll samt dGm Kloster ganz ein Opfer des Krieges (1298?) tmd 
der FeuerabruDst geworden Bein. Von einer gewisicn Stiftung der Königin Agnea 
bei der Himmelpforte ist nicbta zu finden. 

'') Nach einarfehlerhaften alten deutschenKopie imStiftsaTchivezuGenu. Einige 
Namen der Bischöfe passen aber kaum in den Hahmen der Geschichte derlliinnielpforto. 
Summe der Ablässe waren 630 Tage von den 1'od-, >i20 von den l&Clichen Sflndan. 



167 



mittel, einer Kircbc oder einem Kloster zu helfen, die Indulgeusea. 
aacb bei drtr Hitnmotpforte nicht fehlte. Mar sind iio ültcrrii Ablall- 
briefe nicht mehr vorhanden. Kin einxi^r solcher Ahlallbrief. der 
knrt vor der Weihe tue die Kirche *ad ptirtatn <;eli in Vieona« 
atisgesteUt wurde (Avignou. 1331. Uai 2d'), hat sich erbalteo. Er 
ßcnshaii^ 40 Tngc ÄbtaUstrafon tuid irurde vom Diöze«iiobischof 
Albert in Pa^saa bestätigt. 

Mno knnn anoebmen. daß vnn nnn an der Bestand dea (Vanen- 
klosicrs ßosichprt war. Bald folfrten iiahlreieho ??tiftun;;en l'ar die 
Schwi'stftm. für verschirdcne AhMre und mehren! Benefizien an der 
A^neiikirche. Noch ihrer v^ahl scheint diese Klrcho viellcieht die 
grOÜte von allen KonnenkUVatern in Wien gewesen ku Eiein. 

Im Jahre 1337 entstand die älteste bekannte Stiftung; durch 
Friedridi OnäinherCel^ Borger in Wien'''), im Qutieshauae bei 
Sl Agaue. Dieser stiftete dort zwei ewige MoaaeD, die erste am 
Agnesattar. die man tätlich frtih de ß. K. V. singen (Frllfaiuel^ 
Htjftnngl, die zweite xuni Pnulu«iiltar. die man nneb Waniieh der 
Chorfranen sinken uder lesen willle. FUr die KrUhuießatiftunfr prä- 
sentierte der Stiftor als ersten Kaplan Herrn Reicher, Pfarrer m 
Ebendorf. der diese Messe eelbst oder dnrch einen anderen Priester 
-rerrichten HoUte. Nach dem Todt^i de;« Stifters und dv» ersten Kaplans 
haben die geistlichen Fraaen innerhalb sechs Atonale das Pnueo- 
tatioDorecht für diese Stifiang. die ßesMIigang steht dem Hisehufe von 
PasMu HU. Ferner ivnrde bestimmt, daß dieser Measeleeer mit der 
Uesso, mit der Bviclit und anderen Sachen, welche bishur deii StiPla- 
borruD von Oeroa oblagen, nicht« au tnn habe. Auch sollte dic«e 
Stifluncr kt-in Ordenspriester erhalten, sondern sie sollte von efar- 
biimi Welt prieaerp besorgt werden.'^) Wenn aber die Kloaterfraaen 

*} Auailellor lind: ApMtoln* NJcbopoli archiopttcopaa. Alunumiu SraueiMi«. 
Jaeobtu cutreBiia, I'nulu* rolginoDsif. Ueloliiu fmlllpoIipatiDDitt. Rvdulpbm >ur- 
^ocstl«. Honifnciiii luUUoua, Jatdaaita ll«b)caut, Jiinlanu* ftceroran«. Beaediclui 
canlicentii. JokanoM Mrbi«)»)* et AatoniDi iKgrlonetuu oplicupi- lOrigüinl P«Tgku«Dt 
il urifrnnf [icb mOlf glegelo, ilSe abgerallen *1d(I. im ninlenMMliiinfch«n Kon- 
ialarcbiv« (U VVi*ii) 

*) l^ai Zeugnis de« Sindtriclilcra Stephan Ktiegler, VsrweMt 4m Wiener 
OllrgmiiluU. 4dt«. WI«b iai!6, FvbruaT 27, kaart«B FrindriGli OnimiMH«! nad 
MiDs lUiiKfinii Marfranto «cbiNi rrObsi melmtrc OUItcD fUr du BtUgoniiiul ia 
Wtea, noklio* dK*«ii 6 PAiad jlkritcb li»xl«h«ii aollt«. tOitglaal t>«r)|Biaml mli 
twai UiaitBln ioi Wiaoor äiadiarcbir«), 

'l D«niiit «rlielll. dkl) die PiÜbndialiflUBK voa dar Klo«t«ritiftung ("»^^ll 
fttrsoat war und dar blUlvt m verkUteB w«IIt«, di« tiiell* ilss IMohlTaWn 



168 

eich die Stiftung aneignen oder den Messeleser nicht Vorschrift»- 
mäßig bestellen wollten, dann sollte die ganze Stiftong für immer 
dem Wiener Burgerepital zufallen. Die Güter, welche Gnftmhertel 
za seinem and seiner Gattin (Margarete) Seelenheile widmete, waren: 
1. Zur Frühmeßstiftnng am Ägnes&ltar sein Weingarten mit der 
Maner an der Hohenwart, der 1 Joch war, Hermann den Lyech- 
tenekcher zum Bergherm hatte and vod dem man 3'/i Eimer Berg-, 
S'/j Pfennig Vogtreoht diente; dann 8 Pfand Geldes Wiener MUnze 
(davon 4 Pfand auf seinem Hanse in der Monzerstraße zu Wien, 
die abzulnsen sind, die anderen 4 Pfund auf Fleischbänken liegend, 
und zwar anf der Bank Konrad Fayers 9 Schilling und ein Viertel 
Unscblitt, aaf Siegfried Mortmezzers Bank 2Vi Pfund) und das halbe 
Haas bei der Himmelpforte, nämlich den vorderen Teil gegen die 
Straße. ') 2. In der zweiten Stiftung am Paulasaltar ein Weingarten 
an dem Reysenpergc oberhalb Grinzing (nächst den Weingärten 
des Klosters Zwettl), der 3 Viertel hatte. 9 Viertel Berg- und 9 Ort 
Vogtrecht diente, mit Zustimmuug des Bergmeisters Gerung Chol; 
dann 10 Ffnnd Geldes Bargrecht (davon 5 Pfund liegend auf 
Stephan Charstners Haus am alten Haarmarkte, '/^ Pfund auf Bert- 
bold Löflers Hause, dem Deutschen Hause gegenüber, 9 Schilling 
auf Michels Fleischbank, 3 Pfund soll Herr Reicher um 30 Pfund 
Wiener Pfennig kaufen) und der andere, hintere Teil des Hauses bei der 
Himmelpforte gegen die Presse. Zu den beiden Messen gab er noch ein 
Meß- and ein Mettenbuch. welche ihm auf seine Kosten Herr Reicher 
erzeugt hatte, ein Paasional, außerdem eine Bibel und andere Bücher zum 
täglichen Gebet und Studium. Der Messeleser hatte jährlich den 
Klosterfrauen 1 Pfund Pfennig zu leisten, und zwar immer Montag 
nach jedem Quatember 60 Pfennige, wofür sie an diesen Tagen 
eine Vigil und ein Seelenamt fUr den Stifter halten, im Falle der 
Versäumnis aber jedesmal mit 1 Pfund Pfennig gestraft werden. 
Für die FrUhmeßstiftung stellte Gnämhertel dem ersten Kaplan 
Reicher einen besonderen Brief (Wien, 1337, Juli 12) aus'X ^^^^ 

(KlosterpriorB aiu dem PrämonstratenBerordeD) mit der des BenetiiiSiteD eu rer- 
einigen. 

^) Voa dem grausen Haas diente man 12 Pfennige zum Liebfranenaltu bei 
den Schotten. 

-) Eine fehlerhafte Kopie davon liegt im fUntenbischöf liehen KoD«i»torial- 
arcbive zu Wien. Gegeben un äant Margareten Tag. Siegler : Der Stifter, dai Kloater 
Himmelpforte, Berthold Geaebramer nitd Ott«, Kaplan U. L. F. auf der StBtt«n, 
de» Stiften Brader, dann Berthold ScbUtcenmeieter, sein Oheim. 



169 



bald der eigentliche Stiflsbrief (1337. Jali 17| folgte.') Die I-'rUh- 
meüstiflung am Agncitaltar wurdu vum Paaeauer Bixcfaofo Alberl io 
Wien WsUiifft (1337. Septomber 21).^ Wie eiu ladoroat des 
StifubriofM RAgt. mr der AgncMltor »der vordere*, d. i der Hr>eb- 
aluu- »A\rsl. 

Am 4. Marc lä3S bearkundetcn in Pcrneg^ Reicbgart, diii 
Meisterin, Kalrey. die Prionn. und der Konrent ebenda, dall sie mit 
Erlnubtii» ibrirs V^ntvrablcs, Juliaiin vod GvnM. mit Guti.-'t ibres 
Proptas Johann xa l'erne;^ und mit Unnd ihrer Berjrfraa Anna, 
Marichart de» Janen Witwe, I',', Joch Weingarten in Oriniing. der 
Sfrab genannt, den sie von Steplian Krie;;ler erhalten') batieifand der 
itJcbsldt^-in Weingarten Ortolfs, Kupian dL-rFrAiicn 7mt Hitiiinclfirortp, 
jfelcjjpn war. der Priorin Agnes (SnaotxlinneJ jsur H immeipt'ortc um 
SS Pftitid Pfennijr verkauft hnbon. Nach Agne«' Tode üoUon ibn 
drei Mobmeii im KlnslorHimmelpforte, Schweiler Mnrgareie Snaeczel, 
Schwester Elisabct ^nnflczet und Schwester Klara Maeaerlin den 
Weia^arten erben; nach deren Tode soll er aber d«ni i^iecbenhans der 
Fraacn bvi der Himnielpfort« sufiklU-n. Siv^lur waren der Konvent 
KU Pi-mo],'};, der Abt von Geras, der Propst von Feraefig und die 
iJvrgfrnu Anoa.*) 

Schwester Aäoes, die Meisterin, und Elisabeth, die Priorin, ge- 
Btattci):n h)h Grundfntuon .Albreehc dein Lieclitehainmerer vor dem 
Widrnt-rthor und dessen Gmtin Gertrud, da« Hau« vor dem Widmor- 
thor an der Ecke neben dem Hiiusc NikUis Srioydur. welches jahr- 
lieb dem lliiiimelpforlkloster 46 Wiener Pfennig und I Pfnnd Burg^ 

'l Original P«rgaBi«at mit uripraogtlcli aivb«!! 81a(alii, von dtavs aar dr*l 
vorkandeii lind. im WUocr Sladtaichiro (R<lrf[«Mf>iial). Gp|r»tfin na land AlUii 
Tag Sifgltr; Der tliinor, 'i-M KlaiUr Iliininclpfuric, Bargb«ri llrnnasn LyocbUn- 
•kchvr. B«v)fm*iM«r CnriinR Cliol. Ki|ilno Otio tu V. t^ V. u( dor HialWn, 
jBnUM Qmwehniaee und It«riold !ichUtiuDmct>icr. 

'J OriirlBKl P«rii(un«sl in k. n. k. Htnt-, Hof- und Sunuarcbire in Wlva. 
'qactlM «u GcMtiicIite d«r »tadt Wien. L £. Nr. 160Ü 

^1 Tntiicblieb crbi«li du t'nnulkloK» PoTB«gc <ti«MB W*iefnrtMi ren 
KH^KltT in Wltn mk 26. tVbtuw 1333 dafllr, daK die SchirMlero nlljUitlieh 
Minen* Vater am Krtntat«ad nR«h Oatera timd Mliwr Uutter am ^i KBiLarinaibend 
•iavn Jahnrng mii Vigil, Kv|uieni( Get«l and Totmami kalivo «ollm. Zaug« uad 
8lerkr war tViedrieh GDftmbarM, it$ Stlttera Ohtln. rOrigiaal Pargaairai nit 
■wfli Sirgtln im rur*t«ntii»«b(ini«li«a KooBUliiriaUrcliir» n Wt«»). 

<t Orlfinal ftrgaineni in fiu*t«nblacU>fikbaa Kaiiilat«rialnekiv* u Wira. 
(ll^nalrtilXt d«> V*r«iM> Htr I^odeakuad» van NIodMüaiamkli. 1904, S. Iftl). 
MaeHr) kiefl aueh aln« alt«, SJi^ichcac Wi«B«T BUritcrfnnilio. 



170 

recht jährlich zu drei Zeiten diente, dem ehrbaren Friedrich 
Flachuffen, derzeit Herzogs Albrecht II. Kammerer, und Chriatein, 
seiner Haosfraa, zu verkaufen (Wien, 1342, Januar 1). Der Kauf- 
brief wurde vom Kloster Himmelpforte und vom Wiener Bürger 
Heinrich Würffei besiegelt.') 

Ein halbes Pfund diente dem Kloster ein Haus in der Kärntner^ 
Straße zu Wien, welches Albait die Vederlerinne nnd Konrad, ihr 
Bruder, am 8. Jänner 1338 verkauft hatten.^) 

Meisterin Agnes Snaeczel reversierte auch dem Herzog Al- 
brecht II. von Oaterreich, der 30 Pfund Wiener Pfennig geschenkt 
hatte, einen ewigen Jahrtag bei der Himmelpforte für seinen ver^ 
storbenen Bruder Herzog Otto, welcher Jahrtag immer am Quatember- 
mittwoch in der Fasten mit Vigil und Requiem nach Brauch des 
Prämonstratenserordens begangen wurde. Im Unterlassungsfalle 
haftete das Kloster mit einem Weingarten an dem Entzerabei^. der 
fünf Viertel war. (Wien 1342, August 19.)^) 

Kaplan Beicher, vormals Pfarrer in Ebersdorf, der von 
Gn&mbertel 1337 zum ersten Inhaber der Frühmeßstiftung am 
St. Agnesaltar bestellt wurde (Chapplan der geistleichen Chloster- 
vrawen ze Sand Anguesen datz der Himelporten Praem. Ord.), ver- 
machte selbst am 26. April 1346 auf eine ewige Messe (für sich 
und seine Vorfahren) bei St. Agnes am Paulusaltar znr Himmel- 
pforte 8 Pfund Geldes, von denen 2 Pfund auf dem Hause Ottos 
auf dem Graben nächst Heinrich des Znchswert Hans erliegen, femer 
45 Pfund Pfennig zum Ankauf von Gülten und drei Bücher im Wert 
von 15 Pfund, die man verkaufen und auf Gülten anlegen soll.*) 
Die Stiftung soll nach seinem Tod Herr Peter*) als Messeleser 

'} Origin&l Pergament im k. u. k. Haus-, Hof- und Staattarchive eu Wien. 
Quellen zur Geecbichte der Stadt Wien. I, 3, Nr. 3059. Heinrich der WUrfel war 1352, 
«ein Vater 13Ö1 nnd 1364, ein Micfaael Würfel Bcbon 133Ö Stadtricbter; anSerdem 
war Heinrich ISü!^, Niklas 1968-1370 und Paul 1396 ff. BUr^rmeuter in Wien. 

-) Quellen, a. a. 0. H, 1. Nr, 181, 

^) Original Pergament im k. u. k. Hau-, Hof- und Staatsarchive zu Wi«n. 
t*o ähnliche zwei Jahrtage Tür den Herzog Otto ddto. 1343, J&Doer 8 in GerftS 
ond Pernegg, urkundlich erliegen. 

*) Den vollen Erlös von lö Pfund filr die BUcher Toranigesetzt, belief sich 
das zur Anlage bestimmte Bargeld auf CO Pfand. Die damil zu erzielenden 6 Pfund 
Gülten Btetlen demnach eine 10" ^ige Verzinsung dar. 

'') Petrui. altarigta apad Celi portam Wynne, Pauauer DiSieaanprieater, 
war am 4. Mai 1347 in Wien Zeuge einet Vergleichet snitchen der Kariauie 
Mauerbach und dem Pfarrer von Hobenruppendorf wegen der Einkünfte dieser 



171 



lobfiiolnD^liüli iativliabea. aucbhcr Dur ein Wcltpriester, den dio 
HituiDi^lpf^nRerinReD Jörn Paüsauor ß»Rl)[>f lNii^DtvQ.t hiniK^n siH>I» 
McinatoQ pniii«i:itifiri;&. Reicher schenkte mit Kinwilligung df^r M«i«tcriB 
Agnes and Avs g^Dreu KonreiiU zu denK'ibt*» Metvu auch das 
kleine Ilftuschen b« der Kirche, das er von Grund aus hatte er- 
bauen la-tsen, mit nllem Reclit. n-^cbes das |;roße BenefiziauüihaiiH 
neben der Hiinmolp forte hat. Wird der Wille Kvicbarts vom Kloster 
nicht eingehalten, dann hat die Meitite mit ihren Gülten und dem 
Hiuseheo an das BUrt^entpital in Wien za fallen. Zn Vollfubrern 
dieses Veruiaohlnisaea bestellte K«iL'bart den PoAsauer Offizial Meister 
Andn-JiA, Btirtold Gnfwchraonir, Heinrich Wurffol unJ B«rlold 
c^chtltKenmeister. Den Stiftebrief besiegelten er selbiit. die Meialehn 
und der Konvent Wolfhart, Pricjiter von Fcldsberg. Friedrich von 
Tyrna, MUaemeister in Wien, und Olarichart, Spitalmeister des 
Wiener BUrtrerspilal». ') 

Das Haus in der St. JobanDesBtrsUe in Wien, das alle Jahre 
der Bimmel pforte l'/j Pfund Wieai^r Pfennig za Grundrecht 
diente, gehörte Konrad Hainhof dem Hold. Vuu diesem Hause vci^ 
kauften Juns ätaincpckc und Klinnbut. seine Hausfrau. I Pfund Burg- 
recht mit Iland der Orundfray, der ileiüterin Ajrnea. dem Wiener 
Bürger Leutold von Waidhofvii (Wien. 1347. Juli 3).') Von dcm- 
«elboD lI(LQi>« vi^rkanfte dunn Anna. Wilhelm» von dorn Prunnen Witwe, 
mit Erlaubnis dur U rund frau Agiies 4 Pfund 80 Pfennig um 43 Pfund 
80 Pfennig dem Pa»tauer Chorherrn llennann. derzeit Pfarrer inGau- 
bitsch, dem Pas«iauer Chorherm Itvinrich Haken, Pfarrer in Stoekerau, 
Qod Alexnuder. Pfiim^r zu Kmcredorf (.Wien, 1348, August 2B). welch« 
dioseGoitcn von demGelde erkauften. n:i>l«heit der verstorbene Ueister 
Andreas zum St Andreasalttre im Jakobskloster in Wien |;ewidmet 
hatte. Dad IIauj). Hainhof ^«uuQnt, gehörte Lcup<^ld dem Paur und 
diente 40 Wiener Pfennig der UimmelpfortL-. ') Auch Lrutuld von Waid- 

Plkm. (Orifliial PergaiDcnt im k. a. k. Hau-, U»r< DDd Stasuarefair* %a Wita. 
(fnaUM, «. •. a t, e, Nr. Ifififi.) 

') OriiHniü PnriiuiHtat im k. und k. Haiii-. H«f- and Staatoreliire In WioB. 
(}mD«ii ft. a O. I. 3, St. 16tH. Maiiwr Aeidrpu abnnda 134T. Mai 1. Nr 1G3S. 

■i AurgenooiiiiDn in niit TnuMuiapt »n w«lui«r 8l»ll«. ddl«. WUn. April 8, 
1S70, t» k o. k Haut-, ]lor- oad Sluiaarchtv« >a Wim. tjoellftn, «. a. O. I, i. 
Kr. IßSS. Steflar: Der AuwiaÜer, di* UoiMetia oad Wilbftlm tob dtm Pruansti, 
EllnbMha Uriidcr. 

') Ib (leniMlbtD TranMUdipl da* fiuantr IJonihvrm und Otfiiitla Uif- 
J«liJuiM>* an IttUict ttc«ll« al* (weiM« StOok au(d«r KUcItMito. (Jaelloo,* a. 0.1,8, 



172 

hofen UDd Margiirete, seine Hausfrau, verkauftes ibr Pfand Borg- 
recht vom Rainhof (Eigeotum Konrad des Held) den gecaanteD 
drei Pfarrern und dem Priester ßertold Gäuchramer fllr den 
Andreaaaltar bei St. Jakob (Wien, 1349, Jänner 21).') 

Das Jahr 1348 brachte der Himmelpfnrte eine neue große 
Stiftung der Frau. Feters (Fetrissa), Witwe nach Faul Maer von 
Kiederleis. auf eine ewige Messe am DreikOnigaltar (Träan 
Segum). Der eigene Stiftbrief ist nicht zu finden, nur seine Be- 
stätigung durch Gottfried, Bischof von Passau, ddto. Wien, 1348, 
September 27.*) Zu dieser Stiftang verkanften Berlhold von Pergau 
und Gertrud, seine Hausfrau, 13 Schilling ohne 9 Pfennig auf zwei 
Lehen mit Zugehör in Nlederleis, 57 Pfennig auf S'/j Joch Wein- 
garten am Zigoltsperg und Vi Pfund ohne 6 Schilling auf 11 Joch 
Acker an dem Hag um 22 Pfund Wiener Pfennig dem Priester 
Veit, Sohne Heinrichs von Niederleis, und allen seinen Nachfolgern 
und Kaplflnen der Messe. (Wien, 1349, März lO.)''} Ferner ver- 
kanften Ortolf Birbaumer und Elisabet, seine Hausfrau, ihren Hof zu 
Purstendorf mit 52 Joch Acker, S'/j Tagwerk Wiesen und einem 
Baumgarten um 33 Pfund Wiener Pfennig dem Seydeln, Obrechts 
Sohn, und der Witwe Peters Maer zu I^iederleia zam Dreikitnigs- 
altar für das gestiftete Benetizium derart, daß Seidel, Obrechts Sohn, 
oder wer den Hof besitzt, dem Priester NiktaB, Kaplan dieser 
Messe, und allen seinen Xachfolgern jährlich 1 Pfund Wiener Pfennig 
in zwei Raten (zu Georgi und zu Michaeli je Vi) geben aoll. 
(Niederleis, 1351, Oktober 31.)^) Am 23. April 13525) verkauften 



Nr. 1636 an3 1686. Siegler: Die Auii-teltenD, der Konvent luc Himmelpfotto, 
Gontngp der Chol, Eidam und Relnprecbt bei dem Prnnnen, Schwager clor 
Witwe Anna. 

') Ebenda an Biebentor Stelle, d. i. als erstes Stdck auf der RückMite. 
Quellen zur Geschichte der Stadt Wien. I, 2, Kr. 1638. Siegler: Der AuHteller nnd 
Agnes Snseczet, die Meifterin. 

-) Original Pergament im k. n. k. Haus-, Hof- und Staatsarchive ^a Wien. 
QaelUn. a. a. 0. I. 2, Nr. 1637. 

>) Original ebenda. Quellen, a. a. O. I, 8, Nr. 3097. Siegler: Der An»- 
■teller und sein Vetter Ulricb von Pergau. 

*) Original ebenda. Quellen, a. a. 0. 1, 3, Nr. 3110 und die folgende Urkandc. 
Siegler: Uer Aiiiiteller, sein Vater Friedrich Birbaumer, Jana der Haer, Niklaa 
Tanuer von NiedcrJeia und Jans von KreuzEtetten. 

') Original Pergament ebenda. Quellen, a. a. O. I, 2, Nr. 1640. Siegler: Jana 
der Maer von Puntendorf und Niklaa Tanner von Niederleit. 



173 



dmnn Seidel. Obrecht von Puntendorf und Marf;aret«. «eine Haui>- 
frao. l'/j Pfund WieBcr Pfrimigdtni KAplnn Nikla« um fllDf Pfunde. 
>i»gl(!ielicn Terkaufiun Ulriüli llulphanl vüq Nietlerltuii uod Kuiii- 
giind, »eine Hauefrau, von ihrem Eigen ohne drei Pfennljr '/i Pfund 
auf xwti Ilofetlttca «Amt 7.a<^ehür und 27 Pfennig aaf Äokeru zu 
Niederleis, und xn-ar 10 Pfonnig auf Ulrich Ilallols Acker. 
4 Pfonoi^ auf Schafieins, 4 auf Clirevrein. 4 auf Lodlein-i dca 
Fleistibhaiierä Acker. Ö anf Heinrichs, Dechanta und Pfarren in 
Obt-rifis. WinnEartcu (»Die SchUmpeu«), um Pfund demsell»<-n 
Kaplan NikUs fUr das Beoefisium am Drviküoigaltar. i^Oberlci«, 
»1353, Man-. 8.)') 

Am 12. Juli 1349 urkundelen Aj^ies, die Meisterin, Agnes, di« 
Priorio, und Margarete. dieÜubpriorio, daß die versturbeiifi ChriBlina 
Morling«rin 7 Pfund Wiener Pfennig lliir[:rechts dem Kloster 
Hintimelpforte fUr einen JabrUif;. der allJBhrltoli drei Tage vor od«r 
tnacli dür Stinnt-nwcnde mit V'igil and Suolänmoiwo ftr sie, ihre Kltoro 
'und alle Vorfahren zu begeben isl, dergestalt rermacbt habe, daü 
man davon 3 Pfund in die Pitans. 3 Pfand der Kirche, '/i Pfund 
den KaplAncii auf 30 Mest^en und '/} Pfund zum Frauenaltar 
im Kloster fUrs Wachs zur bcsftcreii Uoleuohtuii)^ gebcu soll. Wird 
dieaea verHüumt. dann aolle» die nAchsteu Vern-andten von diesem 
Oeldc Galten ankaufen und den Jahrtag besorgen lauen.^j Bm 
dieser Gele°reDheit wien auch die beiden angehHn<;:teu Siegel cr- 
wlluit., tvficbv, wie man obeu eicht, ntindcetciis evit dem Jahre 13ä7 
bei der Ilittimelpforle im Gebraaeh waren. Bdde Siegel sind spitx- 
oval, etwa ö:3om groß und kommen im «reißttn und grHuOa. epüter 
aacb im roten Wachs vor. Da« ersto. mit welt'hem die Mei.4terinneii 
siegelten. s»igt eini: ganze ütehcnde Heiligenfigur (St. A^nes mii 
Blumen), darunter ein ganz kleinoA ^cbildchen mit einer betenden, 
nach rcclits g<^wendelen Noune. Die Legende lautet: S. MAOISTRE. 
DE - POKTA . CELL Spater, z. B. 1370, erscheint daawlbe Siegel 
«twas kleiner und mit der Legende: S. rKIORIS^!E . DE . CELI . 
PORTA. Das zweite Siegel dea Kouvealea (51:31 mm) zeigt qufr 
to der Mitte eine mit fnltigt^m Tuche verdeckte Ti«chplatle; oben 



1^ Kkcb «ION ft^hltrhafiin Kopie im runlanbiaebsf11eli«at KoncwtariaUretilra 
iH WiMi. fiftelcr: Der AoMtelter. 1Uhd1<I, Wilbttma tjolin tob HoUabnuia uai 
JSrg dor Uaer von Ni*d«(l«t«. 

') Orifpiial r«rgaiBCBt mit nr«t Sbgota Im Wiener tUdiiacbea ArcUve. 
Quallen mir Veaehicble d» t^uai WUn. II, 1, St. 336 



174 

sitzen vor dem Tische die heilige Man'a mit dem Kinde, welches 
einen Krenzstab hält, rechts von ihr ist die heilige Katharina, anter 
dem Tische eine nach links betende Nonne. Die Legende lantet: 
t S. CONVENTVS . VIRGINVM . DE . PORTA . CELL ') 

Der Frauenaltar aber erhielt am 29. September 1349 eine er- 
hebliche Stiftang anf eine ewige Messe durch Dietrich, Chorherrn 
za St. Stephan in Wien. Dieser vermachte za demselben 10 Pfand 
Pfennig Bargrechts, von denen 2 Pfund auf dem Hause der Dominikane- 
rinnen zu TuUn bei St. Nlklas bei den Röhren (genannt >im langen 
Keller<'],2anf Konrads Haus *in dem Himmel* auf dem alten Fleisch- 
markt (gehörte weiland Kiklas dem Heckhler), 2 Pfand auf Peter 
des Fleiacbhackers Haus bei St. Laurenz hinter der Badstube, 1 auf 
Herrams Hans in der Kämtnerstraße St. Johannes gegenüber (ist 
weiland der Hausgräfin der Verderin gewesen), '/^ Pfund auf dem 
Hause des Bürgers Ulrich Pekh der Himmelpforte gegenüber, 1 auf 
Ulrich Lederlachera Hause vor dem Stabeotor am Graben and 
12 Schilling auf Konrads Haus ebendort lagen. 

Zu diesem Benefizium machte der Stifter zehn Substitutionen^) 
and gab dem Fraaenkloster das Präsentationsrecht. Der Benefiziat 
sollte täglich die Messe am Frauenaltare lesen oder durch einen 
anderen Priester lesen lassen. Im Vakanzfalle sollte die Meisterin 
einen ehrbaren Weltpriester, der kein Schuler ist and kein anderes 
Benefizium innehat, binnen drei Wochen vorschlagen und nnwürdige 
Benefiziaten innerhalb dieser Frist entfernen, widrigenfalls diese 
Messe mit ihren Gülten vom Ühormeister bei St. Stephan, dem 

') Die Scliatzkamnier und die KunatBUiiiiiI. io Kloiterneubarg (Wien 1889). 
S. 230. Sava, IV, l&l. Ant. U&jei, im IL ßaade der Geacbichteder SudtWien S.880. 

') In der jeUigeo Seitzergaeee und Tnchlaoben, hart am Seitzerhof, atrei 
Hfiaier, die bii 1616 ein Hau* bildeten. 

^) Der Beihe nach w»en es: Wolfbard von Feldsberg, Priester und Chor- 
herr bei St. Stephan in Wien, bis zu aeinem Tode; nach ihm Hermann Ton 
Laa, Kaplan des Prieaten Berthold Geulcrtuner, dann NikiBB, der junge Sohn dee 
Henael Ulnuach von Neuat^t bei Olmtltz, det Stiftera Vetter, falls er Prieeter 
wird, nftch ihm Niklaa bei dea HeTzoga Amtmann Kaplan in der Scheffatr*lle 
(F. Betmann, a. a, O., 8. 506) zu Wien. Der Fünfte war aein junger Vetter Niiclaa, 
Sohn des Eberhard Kraemm von Neustadt bei Olmtltz, wenn er Priester wird, 
dann Heinrich von PreuQen, Kaplan zn U. L. F. auf der Stetten, nachher der 
jugendliehe Konrad, des Stifters Schüler von K loste meob arg, falls er Prieeter 
wird; Peter von Troppau, Kaplan in dem Werd in Wien, Ulrich, Kaplan za 
V. L. F. auf der Stetten, endlich Jans weiland Schulmeister lu Perchtoldidorf, 
wenn er Priester wird. 



175 



Bürgermeister und dem Spicalmeisler in Wien fUr den Frauenaltar 
im WicDur ItUrgi.-r«[jital mit allen Rechu-ii UbergoboD u-erdun iM;lltc, 
und nrird «ie auch dort TorAlumt, dnnn «ollto aioli da« l'raaenkloBter 
St. KUra der Stiftung annehmen. 

Ferner vermacht« Dietrirh kq dietieiu T)<>nofiziuii) sein Daus in der 
SchulorntrAÜc. dAjniichstHrri-iiBcrthnldSchillzcniQeifller&HAiisla^, 
aUWobnungfUrdenBuDeözlal^uundrierandei« ehrbare, arme Priester 
(svei TOQ U. L. F. aaf der Stotten. einer vcn St. Stephan, einer von 
der Himmel pforteX von denen drei ebenerdig, der vierte oben je 
ein Ijimmcr ge^'n 60 Pfennige für Krhnitungskostcn crbnJteu. Wird 
ein PUtz leer, dann soll ihn der Benefiziat binnen ftcbt Tajren be- 
«txen. widrigenfalls er siwei Pftiitd Pfennig dem RUrgerspital zu geben 
bAtti- und von der Meisterin bei der Himmelpforte dazu •gezwungen 
wi'fden k{>nntc. Ein fUniWs I^immvr (ebenerdig, dum Uiiiise Huin- 
rifbs von Hrunne gegenüber) bestimmte der Stifter als Gruti^wohnu»); 
naf acht Tag« für einen iirmen, fremden Prierter, der sieh auf 
Reisen befindet. Außerdem gab der Stifter drei Pfunde Burgrecbt«, 
frdcguii auf der Hambotin llaa» in der WildTrcrkerstralle (ist weiland 
dea llarmiirtber gewesen', die mit t.^ Mark ?>ilber abzulösen und 
dnfür ändert- 'i Pfund r.a kaafen sind, wovon der Beiiefizint jähr- 
lich 2 Pfund dir die riteaen». Reparaturen und Dieuate i8'/... Pfennig 
Grundrecht, 12 Scbitliug Burgrecht) verwenden .süII, da« dritte aber 
mit einem aoderen auf der DUrgcrwage IlnoH lie>;eQden Pfund ftlr 
vitirn .Jahrtag angewendet vrird, welchen der Kaplan der lelzt- 
gonannteu ewigen Wcnse ftlr den Stifter am Sterbetage mit Vigil 
nnd Keqaiem halten soll Wird der Jubrtag vernnumt, dann bat der 
Kaplan xwvi Pfund in da» Burgerspilsl zn Wien zu zahlen.'} Die 
Urkunde wurde vom Stifter, vom Kloster Himiuelpfortc, vom Chor- 
meiater Jakob bei St Stephan, vom Bitter Hagen von Spielberg 
(1?)44 Bürgermeister) nnd Jaknb Maeseri, BUrgur in Wien, hesie^lt. 

Der Stiftsabt von Oera^i, Tbilraan», der um das Jahr 1348, 
am 6. Mal?., surb. ooll bei der Himmelpforte seine ßegrdbniHstatte 
gefunden haben {sepuUua Viennae ad jiortas cofii: Necr. Gera», ad 
fi. Mut). Der damalige Propst dos Frauenklostertt. Iniklaa, ein 



*) Kuti MB«t 9cbliiftkUHMl waren dIeM S Pfand Strnri;aM Amt nioitMt- 
pfoTW tt taMen ririititial Pwrtam«!)! im k. k. Arrhirr für Xi*derAitt«Treiok. 
Ogeatvr, ijt. ättpfa^n. Aoliui^ Nr. Vni mi* dem Ardiiro der I>«fD|>ro)iMel W 
Si. 8ii)|>bAa. VldiiDU* Toa 1894. iQuellmMartioKUcbleiliir Stadt Wien. 1,1, Nr. MS). 



176 

Främonstratenser vou Geras, soll 1347 Propat zu Schlägl geworden 
sein, wo er 1360 Btarb-') Im Stiflsnekrolog von Geras iat noch 
kurz zum 8. Jnli ein Prior Winrich'). zum 16. September ein Prior 
Christian, außerdem zum 23. April eine Chorfraa Dorothea, zum 
12, Mai die Priorin ([argareta Manwerbergerin, eine Wohl- 
täterin des Stiftes G^ras, dem sie alljährlich 1 Pfand gab, und 
zwar fUr ein Anniversarium, welches im Himmelpfortkloster abge- 
halten worde, zom 8. Juli Barbara und Klara (benefactrices), alle 
von der Himmelpfortc, angeführt. 

Auch im Jahre 1350 wird die Himmelpforte neben Geras ge- 
nannt, indem Papst Klemens VI. mittels zwei Schreiben (Avignon. 
IB. April und ö. Dezember 1350) den Abt von Geras, den Prior 
der Himmelpfortc und den Propst von Ferneo:g beauftragte, einen 
Streit zwischen dem Stifte Obrowitz bei BrUnn und dem Vaterabte 
Peter von Strahow in Prag, die Neubesetzung des äbtlichen Stuhlea 
in Obrowitz betreffend, zu schlichten.^) Zu erwähnen iat auch das 
Testament dcB Herrn Haug, königlichen Kämmerers, und seiner 
Gattin Jeut, laut welchem sie Anna, Enkelin der Erblasserin, >be- 
statt und gegeben haben in das vrowen chloster hincz der Himel- 
porten ze Wien«. (Wien, 1349, August 10.*) 

Am 23. Dezember 1350 war Jans, Kaplan des Paulusaltara 
(Reichersche Stiftung) als Grundherr mit dem Wiener Bürger- 
meister Dietrich Fluachart und mit Sieghart Prunner in Wien 
Sicgler und Zeuge eines Kaufbriefes-^), laut dessen Rudolf, 
Pfarrer zu Gutenstein, sein Haus in der Lederstraße, gelegen nächst 
Ortolf Fueterscbreibcrs Haus, um 44 Pfund Wiener Pfennig dem 
Priester Wernhart, Pfarrer in Neustadt, und Ulrich von Hainbarg 
verkaufte. Das Haus diente jährlich am St. Margaretentag 3 Pfennig 
zum Paulusaltar. 59 Wiener Pfennig zu Grundrecht und den Predigern 
in Wien '/j Pfund Burgreebt, dieses in drei Raten (,zu Michaeli, 
Weinachten und Georgi je 40 Pfennig). 

') Hoheneck. U, 366. Laurenz Prüll, Geschichte dei PriLmonatratenMr- 
Biiftes ScbUgl. Linz 1877, S. 55. 

-) £in Chorherr von Geraa desielben Namens encheint 1379. 

>) Woiny. Kirchliche TopoErraphie von Mähren. II. Abt. I, 189. Brsndl, 
Cod. dipl. Mor. VIII, Nr. 20. Vidimierle Abschrift im mährischen Landeiarcbive. 
Quellen Eur Geschiebte der Stadt Wien. I, ö, Nr. 4747. 

*) Original im Wiener stUdtischen Archive. Quellen, a. a. O. II, 1, Nr. 340. 

') Original Pergament im k. u. k. Haus-, Hof- und Staatsarchive in Wim. 
QaelUn, a. a. O. I, 3, Nr. 3104. 



177 

Am 12. Febraur 1351 quiuiertea ScliwmUir JUargarete. Priorin 
im St. Apneakloäter, and Schwester Christoin von St Polten. Sul>- 
prioria.mitilircui ICoDvcate 42 Pfund Wiener Pfcniii); ilervereitarbeDe» 
Fran Katbarina Kegunspurgorin, ivolofac dieses Kapit»! auf oia« 
Stiftniigmeiiai? bei St. .\^ne!i vermaebte. Um das Guld kauften di« 
KloBterfntu'a 4 Pfund Oulten. und EWar 2 Pfund auf Jörg des 
Kin^Kleini; Maunu in der vorderen Pckcbcnfttraßn ud der Ecke, 
2 Pfund auf dam tlaucie dea Pfarrers von Ganbitsch (iveiland Frau 
Engel grebCrig/ in dvr bintervo PoUebcn^tral^ ao d4:r Bck« ge- 
legen, die &)e alle Jahre zu der genannten Meeae in drei Raten zu 
zahlen gelobten.') 

Nocb einoml erscheint Agnes Snneczel alft Meisterin mit der 
Priorin Margaxtitc am 29. September 135S, als das Kloster Uimniul- 
pforte mit Hand des Grandberm Johann von Kappoch ein Haus, 
legQB inoerbatb des Werderiores zn Wien auf der Qoltsmit 
(nicbst KndleiDs des Singer Uau», eiiial Uetnricb Goy gehöngl. tnil 

Fallen Kocbteo dem Kürschner neinricb Goldbann und »einer Uaus- 
fran Margarete verkauft hatte. I>en Kaufbrief besiegelten auch 
Jobann von EUppiich, «i-lcheni da» Haus jllbrlich 30 Pfennig diente, 

. und .lukob Mues^^rl, derzeit landeäfUmtlieher Plleger und Verweser 

[dea Klosters. 'j 

Mit dem Jaiiro 1355 eraoboint ala Meialerin 



Katharina Jlaer. 

TOD XifiderleU ( Merinoe von Leixze), wo die Familie Maer 
lebte, und die Witwe Peters, wie üben gesagt ivurde, ein Beoe- 
fizium zum DrwkünigHllar bei der Uimmclpfortu etifWc (1S48). 

Katbarina beurkundete mit der Priorin Margarete und dem 
Konvent den über das strittige Grundre>oht auf der [..andatra&e und 
in der flirsebpeunl zu Wien zwischen dem Ktoxter St. Agnes und 
dem Wit'nür 8chuttvnkloacer unUrr dem Abte Kleinen» nbgcacblos- 
aenon Vergleich (Wien, XZbb, Mai 21), demach -St. Agnee den 
lotten von dios«m Umndrecht ßO Pfennig «u Micliaeü, 32 zu 
^0«orgi dioaon aoll.O 

'] Oiiffinnl PcrRaawni hu Wiener ^tudiarchlv«. Si(«ler: im Koaraat 
und Jakott MM*«t1. (({uellM aar O«*obicbt« der ütwli Wim H. I, St. Sfid.) 

*i Oritfin«] rerRasMt «iModa. QtMUeu. a. ■ 0. U. 1, N'r 143. 

*) KopUlbuclt Ulf Fug. M«c. XV. tfit Wlaoar ä<)lii>iuuH.ifM. t'onUi rocam 
auatriaurun. 2. XV][|. 8. Stt. Undleii. a. a. a I, 1, Ht. 3Ti. 

MMkai* 1. r. t Ublnhiia«*, ttOJ. 12 



178 

Meisterin Katharina erlaubte dann als Grandfran dem Konrad 
Urbetsch, der 1352 und noch Öfter Stadtricbter in Wien war, 
and Elisabeth, seiner Hausfraa, ihr Haus in der Batstraße zu Wien 
om 140 Pfand Wiener Pfennig dem herzoglichen Hofmeiater Hein- 
rich von Hackenberg zn verkaufen. Das Haus gehörte einst dem 
Falkensteiner, stieß hinten an das Haus des Johann Urbetsch 
(Konrads Bruder) und diente der Himmelpforte jahrlich 12 Pfennig 
und dem Kloster St. Jakob in Wien 12 Schilling zu Orandrecht 
(Wien, 1359, September 22).') 

Am 21. Oktober 1359 bestätigte Katharina Maer, Meisterin, 
mit der Priorin Margarete und dem ganzen Konvent, daß der ebr^ 
bare Bitter Purchhart Chuewzzer bei Ulrich PoU, Bür^r in 
Wien, und Engel, dessen Hausfrau, 10 Pfund Wiener Pfennig an- 
gelegt habe, wovon dieser jährlich 1 Pfund der Himmelpforte auf 
einen Jahrtag am Quatembersonntag vor Weihnachten fUr Chnewszer 
und seine Vorfahren zu zahlen sich acbriftlicb verpflichtete. Wenn PoU 
das Geld ablösen wollte, so sollte es wieder fruchtbringend ange- 
legt werden, und wenn der Jahrtag bei der Himmelpforte versäumt 
würde, so soll die Stadt Wien die Stiftung dem Btlrgerspital über- 
geben.^ 

Unter der Meisterin Katharina Maer erfuhr die Ägneskirche 
bei der Himmelpforte eine Erweiterung durch den Zubau einer 
Kapelle, welche von Ulrich, derzeit Pfarrer in Stetten, neu ge- 
baut und deren Altar der heiligen Katharina geweiht wurde.') 
Zu diesem Altar stiftete dann der Pfarrer Ulrich ein Benefizinm, 
nämlich eine ewige Messe, und widmete dazu sein Haus in der 
TraibotenstraOe gegenBber der Himmelpforte, welches früher dem 



') Original Pcr^ameDt im Stiftsatchive zu Znettl. fiiegler: der AnHtellvr, 
die Meisterin ron der Hinimelpforte, Johann L'rbettch, Heinrich Streicher (Btlrger- 
meiiter zu Wien) and Hainrich WUrffel (ßtlrgper zu Wien). Qaeilen inr Oeichichte 
der Stadt Wien, I, 1. Nr. 796. 

') Original Perganient im k. u. k. Haue-, Hof- und Staatiarchive m Wien, 
(Quellen, a. a. O. I, 3, Nr. 3184. Ebendort sieben andere Stiftungen gleichen Datonu 
und ähnlichen Inhalt! bei den Predigern, bei St. Michael, in den FraaenklSatem 
St. Magdalena, St. Niklas, tit. Jakob und St. Laureni, und am Gestade {St. 3179 
bis 3184 und 3186). 

') Diese Heilige war Namenipatronin der Meiiterin Maer und früher Pa- 
tronin der Kirche Eur Himmelpforte. Da der Hochaltar der heiligen Agnei ge- 
weiht war, sollte rielleicht durch das PatroEininm der neuen Kapelle der patrona 
secnnda ein Ersatz geleistet werden. 



179 



Pfiimr TOD Lassee ^bOrte. und svinen Weingarten in Medlinf!' 
(Tor dem Winut, genannt Oürtonheng:««) nebst 15 Pfond Wiener 
Pfennig (irnnd- and Bar^^rechl. von denen die erateii 4 Pfund duf 
einem \WingArt«n in Wolffvaitsing auf dem Tullner Feld«, di« Dbrigen 
aber auf verscbk'denen Wiuner HflusL-rn lagt'n.') AuOt^rdem spfionkte er 
ein ganzes Mcügpwand. einen Kelch und i-in Meßbuch. Die Messe 
Mlbflt behielt sich der Stifter lebeasUnßlicb vor, nach ibm »itit« 
die Meisterin innerhalb eines Monateit den BcneHziiiti'n bestellen, za- 
erat seinen Oheim Kiklos. ob er Priegtcr oder Scbuler »ei, dann 
einen ehrbaren, wirkltchen PHejiter. welcher dieüo Me^ü« nur an dem 
Katbarioeaaltar lesen oder besorgen mII. OerseJbeaoll aoeh alluMoniag« 
an di(»em Altar ein gCKun^cncs Scoleoaml faaJicn, vrobci die geiet- 
licben Frauen den Geaang zu beaorgen haben. Wenn die Sttflongs- 
obliegonbeileo vom KnpUn oder von der Meisterin nicht cingeliatten 
würden, dann sollrc der Kaplan 12 Pfennig in die Küaterei zur 
Hitnmelp forte fUr das Wachs zahlen, bezieh tingii weise der Stadtrat 
•ich des Benelieiuins annehmen. Femer sollte der Kaplan ftlr den 
Stifter und fUr alle Fürderer der Stiftung nuch einen Jnbrta^ 
halten, nnd ?,war um 2 Pfund Wiener Pfennig, die er van dem 
Sliftungskapital nimmt und hiervon 1 Pfund den Klosterfrauen, 
V, Pfand der Ktlsteria fllr die Kerten, '/« Pfund zwülf Priestern 
gibt, die un dems«lben Tage in der Agne-^kirohc oder In der 
Kntbarinaka pelle die heilige MeMu lesen, üen Jahrtag bntten 
die Klosterfrauen selb« tu überwachen, den Altar zu Bchmllcken 
and XU beleuchten nnd ihre Scbuler znm Oottesdienifle zu leihen 
(1359. Pczeraber I3f.') 

Ina folgenden Jabre verkauften Lakas Popphinger mit KUra, 
seiner Hausfrau, und Stephan, sein Bruder, beide Bürger in Wien, 
b Pfund 2 Pfennig Wiener Monte, geleyen a« Blindendorf aof 
einem (janKlohcu (6 Schilling] und zu Simmering auf behauaten 
Holden, Weingfirten, Ackern. Kruutgarien etc. (4 Pfund 62 Pfen- 
nig), um ßO Pfund der Uctutcrio Kalharina Maerin von Lvis 



*) Nlebt weniger kI< 13 »dkeiit HSnief »erden lai 8t)ftbriefe geniu Iw- 
leiekoet, I. B. bei >^t. Jskoti. in der Jeh«ni>eMU*aa. in ihr Weikbur;, vor dem 
WMKMilOTe, In <1ei KreoicenlraDe. la ilet I.R!iBgriibe «le. 

*) Hier 41* ernte Sjuir einer Kloeier*ebui*L Orlgrinal PergMBent Im 
k. a k. tiane-, Hof- itad 8<aau»flhint tn WCid. QnfUeß mr (tMClikhu fler Atadi 
Wie«, I, 3. Nr. S18ft. Siefler: der SilfUr Ulrleb, Konrsd fa» SchioU uad Kiklat 
Wlriing. beiil« Sllffw in Wies 

12* 



180 

der Priorin Margarete und dem Kloster Himmelpforte in die Pitans 
(1360, Dezember 23).') Aber aucb die Beneüzien erfuhren all- 
mählich eine Vermehrung ihrea Vermögens. So der Dreikönigs- 
altar, wo noch immer der Priester Niklas von Feldsberg Kaplan 
war, dem Jörg Maer nnd seine Erben S'/s Pfund Pfennig Gülten 
in Niederleis, 10 Schilling 6 Pfennig auf bestiftetem Gut behauster 
Holden und 18 Schilling ohne 6 Pfennig auf Uberländen mit allen 
Rechten um 57 Pfennig verkauften {Wien, 1362, Dezember 6).') 

Niklas kaufte diese Gülten zn der ewigen Messe, die Jörgs 
verstorbene Mutter. Frau Feters, 1348 gestiftet hatte. Den Kaufbrief 
besiegelten auch Jans Heifant, Jörgs Vetter, und Stephan Pursen- 
prnnner, sein Schwager. 

Zum Paulusaltar kaufte Pilgreim, Kaplan desselben, 1 Pfund 
Wiener Pfennig Burgrecht um 8 Pfund von Ott im Weyer von 
Purkersdorf und Klara, seiner Hausfrau, auf ihrem Hans am Kohl- 
markt, welches auch dem Priester Laurenz. Kaplan der Erasmus- 
kapelle unter dem neuen Karner auf St. Stephansfriedhof in Wien, 
1 Pfund diente (Wien, 1363. März Uy) 

Die Katharinenkapelle hatte 1365 den Priester Ulrich von 
Asparn zum Kaplan. Dieser stiftete dortsolbst eine zweite Messe 
und kaufte hiezu mit Zustimmung des herzoglichen Bergmeistera 
Jakob Strasper zu Medling einen Weingarten in Medling >bei der 
Urtail« gelegen nächst Ottos Weingarten von Grinzing, dem Herzog 
neun Viertel zu Bergrecht und lö'/j Pfennig Steckenpfennig dienst- 
bar, von Paul Maurer zu Medling, und Mathilde, seiner Gattin um 
45 Pfund (Wien, 1365, April 28). Ferner kaufte er mit Ulrich 
Velöchlein, Burgkaptan in Medling, einen Weingarten zu Gantnuns- 

') Original Pergament ebenda. Quellen znr (Jeachichte der Wachan. I, 2, 
Nr. 1654. Siegler; die Äusaleller und Heinrich der Üler, Ktarai Vater. Ein Wein- 
garten in SitnmeriDf, der einet Acker gewesen i«t und 40 Pfennig der Bimmel- 
pforte diente, kam 1368 käuflich an das Kloster Heiligen kreuz. (Fontei Tsram 
aufltriflcarum. 2. XVI, 287.) 

') Original IVrfniniont ebenda. Quellen, q. a. O. t, 8, Nr. 3919. Die ODltan, 68 
an der Zahl, darunter auch Heinrich der Maer von einer Wiese in dem Hoken 
mit 16 Ifennig, auDcrdem der Drittelzehent auf fünf Joch Weiuffärten lu Niadm^ 
leis, auf 1 1 Joch Äcker >in dem Gebag* und ein Holz werden im Kauf brietta 
ausfiilirlich iipeziliziert. 

^1 Original Pergament ebenda. Quollen, n. a. 0. I, 2, Nr. 1657, Dm Hau* Ia( 
nficbat dem Hause dos Magiatera Ortlein Smit. Der Kauf geachah mit ZutinunnBg 
de* Itürger- und Münxmeisten Jan« von Tyma und des Wiener StadtratM. Siagl«: 
die Stadt Wien und Kiklas Wilrtfel, ItUr^r daiclbst. 



181 



dorf an clt;ni Waripcrg (»der Üwichel» l neben dem \Veinf;art'!n der 
Wiener .lohaanitcr am 74 Pfund von Agni'», LuojHiid» Valmund 
Witwe, mit Ztutimmun^ de« herzoglichen BerKTOeistem Thomas -von 
Moleedurf zu Gumpoldskirchen. Der Wdngnrten dienle dem Herzog 
drei Eimer Wein Jierprecht. Nun solhe er bei den bi-iden rc- 
»tiftetea Measea der KuthiurinvocDkapellc bicibca (Wien. 136&, 
Juli 21).') 

Am It). März 1365 wnrdft unter dem Hersoge RadMf IV. die 
alte Wifuier Hauplpfarre bei St, Stephan äu eim.>r KullegialkirchB 
mit einer scfflrütetcn Propslci erhoben.^) Schon itn .Sommer 13(iO 
baue dieser Herxo;^ dareh mehrere Gesetze erklHrt. daß alle Ab- 
gaben und Lci«tangcii an Kirchen mc an n-ellliche Korponitionen, 
an Geistliche wie an Laien, von Grund- oder Burgreeht oder von 
VcrmÄohraiwen herrllhrend, nblrwbar Beien. Jeder Bezugsberechtigte 
«ollte auf Verlangen de^ Verpdicbleleii die Ablüstm^ der Kenten, 
Zinsen und Lci«tungun g«-statlcn, widrigenfalls vr nach Ablauf vincs 
Monatea »ein ganzes RecliC verloren haben sollte. Als allgemeine 
Norm wurde fc^t^setzt, daÜ die .Ablosunirsaumme Ans Achtfache 
der jährlichen Abgabe betra*.'eu soll. Dieises Uesetz wurde fUr Wien 
am 28. Juni i'Burgreehle) und am 2. August iGrundrechtc-) gcgebcn.'j 
In Auitfhhrung dieser Gesetze kamen auch bei den Priimonatraten- 
»eriiinen von drr Himmcipforte r-ahlreiche Ablßtnngen tot. So ISalen 
Katharina. Meisterin, und Margarete. Priorin, mit dem Konvente 
1 Pfund Pfennig Burgr€i:ht auf dem Hanse in der Bognerstraßc zu 
Wien dem Wiener Bürger Philipp Eteisenberger und dessen Gattin 
Klara um 8 Pfund ab i,Wien. 1365, Oktober 25).*) 

Da« bekannte Uenitixiatenhaus in der .'M^hale^6tralle. vrelcheg 
1349 der verstorbene Chorherr Dietrieh zum Franonaltare geslillet 



') B«id« Kaofbritfe in Original im Wiooee «liUÜMbra Arcbtv. Qnellaa 
s«r Q«*cbich(o d«r Siii4l Wien. 1], 1, Xr, $4^ und ^^yi. ijjexler d«r Moreug und 
Mich«! iler L'h«lb. Juiltariehiirr in MmHId^. bMi«hunEwweii« AlbtMht Sobcalc, 
b«ruigl[chei OI)«nlkdI«nuctitet, LukM ]*o)!pbicireT, HlrgwniMiMer in Wks, oad 
Th«Biu Swoniltin. BUrgti ifuelbtt. 

n llormayr. s. a. O. V. UrkuadenlKiob, pag. LXVl— Ct. Qnvllca, *. a. O. 
I, 4, St ShU unil Sd4&. 

*} llBt>cr, GMcUehto äv Utfwgi BodolC IV. tob ü*ivn«ich (lanibnok 

im). «. Ki. 

*| Origioa! rAtgUDeal Im Wl«««r StidlateUv». Qiisllaii, ■ a. O. II, I. 
Nr.6ä6. Dm Hau« lac aidiM Jakob HannolddM&obreiUn Hin* »nd jt'KOtlc ndM 
WBiUnd Meiner llcrtlolp dem Pt>^«r. Sleglcr: 41« Mtliteria m«4 dar Konveai. 




182 

hatte, wurde von Niklaa, Pfarrer von Aspam bei Stadlaa und 
jetzt Kaplan dieses Altars, verkauft, und daftlr ein anderes in der 
VVeihburg zu Wien bei der Himmelpforte, neben dem Bamberger 
Qisebofshofi) und neben dem Hause des Pfarrers von Hollabmnn 
mit Zustimmung des Bürgermeisters Thomas Swemblein und des 
Stadtrates zu Wien um 6Ö Pfund angekauft, welches dem Priester 
Konrad, Kaplan am Kathariuenaltar in Unserer Lieben Fraa Ab- 
seiten mitten in der Stephanskircbe, gehörte (Wien, 1367, Dezember 6).*) 

Mit dem Jahre 1368 taucht Konrad von Blnmaa (Ploe- 
menaw, Ftumnaw) als Kaplan des St Agnesaltars bei der Himmel- 
pforte auf Am 20. Dezember 13B8 kaufte er in Wien mit Zu- 
stimmung des Bürgermeisters Kiklas WUrffel und des Stadtrates 
vom Bürger Seyfried Amman nnd dessen Gattin Agnes ihre halbe 
Fleischbank, gelegen unter den Fleischbänken an dem Lichten- 
steg und Jakob dem Zwayphund, früher Meister Otto gebSrig, 
um 30 Pfund 60 Pfennig Wiener Munze zu seinem Altare bei 
St. Agnes. ^) 

Am 9. Mai 1369 löste er dann mit Zustimmung der Meisterin 

Margarete Vierdung, 
der Priorin Katharina von Passau und des Himmelpfortklosters 
dem Fleischbacker Öejfried Amman und seiner Gattin 2'/j Pfund 
Burgrecbt von ihrer Fleischbank am Lichtensteg neben Jakob Zway- 
phund um 20 Pfund Pfennig ab nnd legte sie wieder ftkr den 
Agnesaltar an die im Vorjahre erkaufte halbe Fleischbank an.^) 



') Mit diesem bildete SB früher ein Hrus und geborte einBt dem Ulrieli 
T&ckcber. Dia neiiaDgek&ufte Haui gehSrte dem Kaplan Koorod bei 8t. ätaphan 
7.ax Hälfte als Kauf^Dt, xur ll&tfte aU Erbgut uacli Stephan von Seti, weiland 
Kaplan Johaan Pollen, liürger in Preßburg,, in der Mnrtinakapelle bei St. Stephan 
in Wien. 

•) Original Pergament im L. u. k. Haai-, Hof- und StaatiaTcbire au Wien. 
(juellen zur GeiH;hichle der Stadt Wien J, 2, Nr. lt>73. Sleglor: Stadt Wien, 
Jakob der Cbeiner, Itat, und Stephan Lejlner, Bürger daselbet. 

>; Orit'inal Pori^nment Quellen, a. a. 0. 1, 2, Nr. 1679. Sieglei: der Aiw 
BteUer, die »tadt Wien und Jane von Tyma, Hub- und MUnzmeiiter in Wien. 2U 
Pfund zahlte der Kaplan aus dem ErlüBO der 2',, Pfund Uorgrecbt, die er von 
einer ganzen Bank, wo «ie lagen, dem verstorbenen Mert Meseer als Altariat ab- 
gelöst hatte, dag übrige zahlte er aui «einem eigenem Gut um des Seelenheilea 
willen! Quellen, a. a. O. 111, 1, Nr. 129. 

') Original Pergament, Quellen, a. a. O. 11, 1, Nr. 761. Sieglet: der Ana- 
steiler, die Meisterin und der Konvent bei der llimmelpforte. 



183 



Die neue MeUtorin dtlrfte dem b«kannte& Wiener GMchlcchl« 
*<3er Vierduui: eDUlammt sein, aiu welcbem Michael und Ortolf 
durch mi'hnirv Jahre Suiltiicbter von 'Wien varen.') Ben KapUn 
Konrad roa Bluiuau ]ialt«ii wir fllr eineo PrämonstraleoMr vou 
Qwm«, denn die Lffigfndv auf seinem spitzovalcn Siu^el ;4ö:2d. Hei- 
It^renäKor ntil einem Stabe in der Rechten) lautet: j S. CHVNRADI. 
PLßNI. la. JAFFAKS. und sowohl in Btamao ao der Wild als 
auch in .lapons (V. O. M. B.) war schon damals je eine dem Stifte 
Gera« inkorporierte Pfnrrc. Ein Gcnwcr Ch'irhpir namens Konrud 
kommt 1346 bIh Pfarrer zu Eibeitaleia. 1363 als Pfarrer In Slislau 
und Rnnzem bei Iglaa vor (Archiv zu Gcraa> 

Am 2& August lM)\i verkauften Heinrich Chranoest und 
Katharina, «eine tiaCtin, ','* Pfund GUlCen von ihrem IIuum am 
Kohlmarkt j^e^ntlber dem Kriedhnf bei St. Michael Dachül ^ev- 
fritfd dv« Schneiders Hans di-ni KWtcr Uiinmclpforto um 4 Pfund 
Wiener Pfonnig.^i Bald darauf verniacliie Stephan. Herrn Jakoba 
öcbrribcr des (.hettncr, Stadtrates ron Wien, u. a. dem Herrn Jana 
b«i der Himmelpforte »ein Kraoii^elienbucb (Wien, 1369, Ko- 
veiriber 191.') 

Im nächsten Jahre erhoben die Mciatenn Schwester Margarete 
Vierdung und die Priorin Kunigund vtm Grinzing im Namen de« 
Klosters eine He^chwerdö gegen Johann SnaecKcl wcgeo der Erb- 
güter zweier Konvcnt»cbweetom, Elisabeth und Chrietina, di« 
beide Tüchler Pilgmmfi. des Roten Mar<>hartji Sohne«, und »einer 
Gattio Anna, Herrn Lnka« Popphinger (1365 and 1366 Rurger- 
tneJBtcr in Wien) äcbwostor. waren. Snoeczel behauptete diene Krh- 
glltor fUr »ich unter dem Vorwande, daß die beiden Kloslerfmuen 
seine GencbwUterkinder »eien, indem ihr Vater Pilgram und »eine 
Malter rcM'hto Gc-tchiriEter waren. Thoma« ächwcmbel. BU rgerm eiste r, 
und der Stadtrat ron Wien entscbiedon jedoch den Streit zugunsten 
der Himmelpforte (Wien. 1370, Antust I0).|). 

Sebweat(>r Kunigund von Griuting 
erecheitit in demselben Jahre als die letzte Meisterin tur Himmul- 
pforte. Sie und jilargaret« die Andrelnn (ron St. Ändra?), damals 

iTd» •(«(« lim, 1367, 1368, VAU. 137*, im cw«iU 13M. 1399. llUO. 
Micba«! ^mt 136t>, OrloU 13W Jadtuktalcr, B«rninna, a. •. a. 8- 664 ui>4 66*). 
^1 (^ivIUb tat r:at«l>i«bln itt 8Udt Wi«]i. III. l. Kr. iOO. 
*) Original ot>*»d«. <^uell«a, ■. ■. O. lt. X, Nr. 767, 
*) (Mfiaal Parjianiciit. gavUee, a. a. O. U, 1. Nr. 186. 



i 



184 

Friorin, verkauften im Namen des Klosters mit Zastimmnog des 
BtlrgermeiBtei*B Schwembel und der Stadt Wien eine Brandstätte in 
der Weihbnrg zu Wien, die an einer Seite an den Klosterhof, 
an der anderen an das Hans des Otto Rostausclier stieß, dem 
Ulrich Chlokcber und dessen Gattin Margarete um 1 Pfand Pfennig 
Burgrecht (Wien, 1370, Dezember 16).') Dieselben Klosterfrauen 
verkauften am 20. Mai 1371 eine Brandstätte in der Jobannesstraße 
dem Jobann Semler und seinem Sohne Kiklaa aus erster Ehe um 
14 Pfund Pfennig tmd in demselben Jahre ihr Haus in der Krug- 
straße neben Heinrich Vilobeinander dem Wiener Bnrgenneister 
Schwembel am 14 Pfund.^) Hier verschwindet die Meisterin, und 
an ihre Stelle tritt die P r i o r i n an die Spitze des Frauenklosters. 
Am 15. Dezember 1371 verkauften der Konvent unter der Priorin 

Margarete Vierdung 

und Heinrich, Pfarrer bei St. Johann in Siechenais vor dem 
Schottentore, ihr Haas bei den Predigern neben Friedrich im 
Thnrndlein von Gantramsdorf dem Ludwig, Chronestels Schwieger- 
sohn, und dessen Gattin Gertrud um 3 Talente.'*) 

Margarethe erhielt einen Weingarten in Atzgersdorf am 
Liesingerberg ('/, Joch, »der Ger«), welcher den Karthäasern in Maner- 
baeh einen Eimer Wein zuBurgrecht und 3 Pfennig zu Vogtrecht diente, 
von Konrad Goarzz, Bürger za Wien, auf einen Jahrtag in der 
Woche vor Mitterfasten (Laetare) mit Vigil und Seelenmeaae. Der 
Stifter sollte jedoch den Weingarten lebenslänglich gegen 3 Pfund 
Wiener Pfennig genießen (Wien. 1372, Augast 13).*) Im Falle der 
Unterlassung wurde ftlr diese Stiftung das Wiener Burgerspital sub- 
stituiert. Am 2. April 1373 verkauften die Klosterfrauen mit der 
Priorin Margarete Vierdung ihr Haus innerhalb des Werdertores 

') Original Pergament ebeods. Quellen zur Geschichte der Btadt Wi«B 
11. 1. Nr. 784. Siegler: die Meiiterin [ähnlich wie 1349. Jali 12, kber kleiner), 
der KoDTent und die Stadt Wien. Ein Indonat (XV. Jahrhundert) lagt; >anf Ani 
hüugern in der Weichenporg die neiint ain haus »ind geweaen.« 

=) Quellen, a, a. O. III, I, Nr. 345 und 398. 

=■) Quellen, a. a. O. Nr. 394, auch Nr. 1404 und 1795. Daa Haut diente dem 
Kloster St. Klars 3 Schilling 8 Pfennig, der Ilimmelpforte 7 Schilling ohne 
4 Pfennig, dem Pfarrer in Siechenals 13 Schilling 31 Pfennig. 

*) Original Pergament im Wiener Stadtarchive (BUrgenpital). Siegler: 
der Konvent zur Himmelpforte und Heinrich, Prior «n Allarbeiligental in Maiur> 
bach, anstatt dee BergmeiBtera Konrad Sauter. 



185 



auf der GoldHcbmiede oebcn Pet«r Grueber iini 7 Pfand dem Ulrich 
Blind (Caecus) von riwbenhtlrgcn (de Septem CArtrijiJ.) 

1375 Termaoht« Kumgrund. Konradb) de» Sehöuaioher Witwe, 
ihnOD 8üwie den Klöstern St, Nikbu, ät. Lanrcnz, $t. Magdiduna, 
St. Jakob. Bt. Diebold. Heiliger Geist und dea Predigern 30 Pfand 
zu gleichen Tcilvn.^t 

Am 31. J&nner 1376 verkauften ne mit Znstimmnn^ dm 
JOrgO-rmast^n Bans an dem Kienmarkt und des ^tndtrat4!)i in Wien 
ire swei Teile (li-.-t Llau»ei) iu der hinteren 13äcke»»traL\e in Wien 
(niich«t Miohel Vierdung), und Ntklit». Knplun in Unterer Lieben 
Frau-Kapelle im alten Kathaas ii Ott üaymo« Stiftung;! seinen 'IVÜ 
diMeü UauHw. nelcbeii cinat dem verstorbenen Seifrld Reythulf ge- 
borte, und welehen dieser zur Ntkliu Messe stiftete, um löO Pfund 
Wiener Pfennig dem Wiener IlUrgor Ulrich Kbuer und Klara, seiner 
lansfrau allen Erben. Die zwei Teile der Himmel pfurte waren, 
vielleiebt aaeh die verkauften Hfiusrr bei doii Predigern und 
auf der Goldsebmied^. eben jene ErbgOter der PKUDuOfitrsteDserinnoD 
Elisabeth und f'hriütine Pil^ram, welche 1370 dem Fraucnklostcr 
gerichtlieli lugeäproobca wurden w&ren.') 

Am 21. Oktolx-r IS76 vormnebte Linbart Pnll. Barger zu 
Wien, den Frauen klflslern Ilimmelpforte. St. Kiklas. St- Klara, 
St Magdalena. St. Jakob nnd St Lauppnat je 15 Pfund Pfennig.') 

Seit 1.^70 balle der IJreikoniv^ahar bei der Uimnielpforte 
den Pfarrvr von Fraucndurf^ Gcurg Parssenpranncr, zum Kaplan.*) 
Üiescr kaufte am 8. Febmar 1375 mit Zustimmung des [tdrger- 
meisicra Johann an dem Kienmarkt und de« Stadtrates von Wien 
ein Hau8 in der C'hampluckeu nu Wien neben Thomas Schwemb- 
Ivins PrcaHcs v»n Konrad, Kiilam dra Ellenl» und deoMtn GalEiu 
Sliaahedi. um 2ö Pfund Wioncr Pfennig k 



iiieni 



ftiu» 6. Juli 1378 SL-unant wird'f und verkiiufie wieder doa Haut« 



I) (Jaell«n. UI. 1. St. i»2 uod ftn<?h 4&Ü. 

*) BmEtiuer. Cod. aii*u. difJ. 11, 2U. 

^ Orlgioftl Pergament nbcnda. Quell«g, a. a. O. [t, 1. Sr SW. und auch 
ni. I, Nr. 7i«, 

M iMgiiiRl Perk-anMtit eWoda. QucIImi. a h. Ü. II. I. Nr IMI. 

>] Uolvrtn S. Mat 1374 wird 1 Pfgiid Pfcsalg Ulssst *un tlavm IlaaMi 
vor ilvoi WvrdprlMK (u (li6M>m Altan proilinl, Qotlttn. a. a. 0. UI, ], Xr &81. 

•I Original Pngumiat «bctiaa. (^iiellca, a e. O. II, 1, 3!r. SOS and IU, I, 
St. H5E. äicsUr: Wlaa nad Jakot) Clx-Iliv^r, Bllrg*r da«*lUt. 

'} (fUFlIvo, a. a. O. lU. 1. Sx. IMV. 



186 

in der Obamplucken am 33 Pfand, Terschrieb jedoch ftlr 8 Pfund 
von dieaom Erl(3s 1 Pfund Bargrecht auf dem Hause des Ämt- 
mannett Jakob zu Dietersdorf, welches dieser und seine Erben dem 
jeweiligen Kaplan des DreikUnigsaltars zn zahlen hatten (Wien, 
1378, Öeptember 16). 'J 

Gleichzeitig beatfltigte Georg Maer dem Kloster Himmelpforte 
das PräsentatioDBrecht auf den Dreikünigeialtar, welchen seine Vor- 
fahren gestiftet hatten, und Übergab ihm die Lebeoschaft (Wien, 
1378, September 13.)') 

Reim Frauenaltar kommt am 12. November 1379 Kourad 
von Zisterodorf al» Kaplan vor.^) Der Katharinenaltar hatte 
am 1. Mnrz 1376 Martin von Stetten^), 1383 Philipp und nach ihm 
Andreas. Pfarrer von Zwcttl. zum Kaplan. Philipp löste dem Joden 
Izzerlein. Arous Sohn von Neuburg. 2 Pfund Wiener Pfennig von 
seinem Hause in der Judengasse zu Wien mit Wissen der Priorin 
Katharina von Passau bei der Himmelpforte als Lehensfraa and 
des Kaplans Andreas um 8 Pfund Pfennig ab. die zum Katharinen- 
altar gohürten (Wien, 1383, Juni 4).*) Der Paulusaltar wird zu 
dieser Zeit nur mit 2 Pfund Dienst von einem Hause auf dem Graben, 
mit 3 Pfund von einem Hauseim Huhnergäütein und 9 Schilling vom 
Hause am Lichtcnsteg, ein Altar der heiligen Elisabeth (?) mit 
9 Schilling und ein Viertel reiner Kanzleitinte (puri sepi) von einem 
Hause »in acie« (KftrntncrstrniJe} genannt (1371 — 1382).") Zn er- 

') ( trigiiinl IVrgaracnt ini Wiener $lftdtarchiv. Quellen cur Geschichte der Stadt 
Wii^n. II. 1. Xr, !U7. 8io|cUT: der AusoK^ller und Michel Ton MiMingdorf, iein Vetter. 

-) Oci);iDn1 rer|;»i:onI im k. u. k. Hans-, Hof- und StaKtiarehiro in Wien. 
(Jiiflle». H. n, O. 1. :t. Sr. SS.'il. 

'I (^turlten. a. a. O. 111. 1, Nr. 1184. 1 Pfund Pfennifr Dienat von einem 
ilaiiae rot dem MtibcDtore^ eu dic»em Altare in dtu Jahren 137ä — 1376 ebenda 
Sr. ikU, 1»3L> und 101:1. 

M (ju«Ileii. 11. B. O. Nr. 7i>7. Vemohiedene Uienite dieMi Altan nnd dar 
Kapvllc von einom Dause unweit St. Sle)>ban. am Fleiacbmarkt und bei im Himmel- 
)>fi<rie .ririoh vi>n Siebe nbürt;<-nt aus den Jahren 1377 — 1386 ibid. Nr. 906, 1008, 

1102, ms. ui;:;. ims und isti. 

> Orifiinal t\'ri:am<>nl iui k. u. k. Haas-, Hof- und Staaltarchive » Wiao. 
i^iii^ÜPii. a. a. O i. ;i, Nr. 33Sä. Sie|;ler: der Konvent lur Himmelpforte imd Haaa 
▼cn Tyiaa, ll::t<in<?itti>r in (%ieTTeii'h. Ein Dien«! lu diesem Altare unter Kaplan 
rbili)«)! von ^nci VierM Weingarten an dem Keinipvrg i,iiika 1399f) par 
40 lYeiinii: im Wiener »iadti«^chi-n Arehire. Quellen, a. a. U. II. 1, Nr. 336. 

>»J,wll*n a a. O, Ul. !. Nr 314. 3m, ÖOi>. 61*6. 890. 9*4. 1171, 1214, 
K^^4 ^'.cJ iäl 



187 



Ben wÄrea auch Hernumn |1384, Oktober 17) und Heinricli, 
fftfier bei der UimmelpfQrt« (1309, Juli 19), welch' k-lzlercr cia 
{laus in der Karnlneralraße neben Kaspar voq Staude rsber^, gegeo- 
uber der JobAiuMMtkftpolle. besafi.') 

Uuier einem taucht aaob schou d«r Allar d«s ht*ili<;ca 
Krcasss bei der Himniulpforle auf, der 2 Pfund Gulteu von einem 
Uaose auf dem Fleiacbmarkt (I38ö — 1386) oder 2 Pfand -von 
einem Huusc »un Hit ßin^rniaacr hinter der Hndstubt^n h«i St. Lau- 
renz* zu Wien «u Hurgrecht beaaß il.H86~1387t -| 

Mehrere Urkuiulen und die ältesten Wiener Kaufbtlcher er- 
wähnen durch eine lan^ Reihe von Jahren Kahlreicher Dienste, 
weldic dos KloHtcr Uinimclpforte selbst von verschicdüQcii Hftuftcm 
in Wien bezog. 

Da» Haas auf dem Hohen Mnrkt kommt mit 3 Pfund Pfennig vor 
(1308— 1372),jene8 vor Jem Widmertor und um Salxpriea miije 1 Pfund 
(1368), jent-s in der KAnKnerntraße mit '/^ Pfund (1368— 13äC\ in 
der Weibborg mit 3 Pfund (1369— t384:i, auf dem Graben mitSPfund 
27 Denar, hinter St. Paiiki-ax 1 Pfund und von zorei Hilu.<t«ra auf dem 
Lichten»t«g 30 Pfcnoig in die KUsteroi (1369), in der Bi^fpierttraüe 
von einem Hau»e 2 Pfund (1370 — 1386), auf dem Neuen 3Iarkt 
Vj Pfund*) (1370—1370), vor dem Widmertore 16 Pfund ohne 
24 Pfennig (1370—1382), in der Jobannesgaase >/, Pfund (1371 bis 
1382), in der Kflmtöcrstraßci 13 Schilling- (1372—1376). nnter doo 
Drechslern 12 SchUling 12 Pfennig und I Pfund (1372), dann 
ebenda 7 ^hillin^ (1375), bei den Predigern Schilling 26 Pfennij^ 
(1376). iin R«tg«ß!cin l Pfand (1876). in der Wollzeil« 12 Schil- 
ling (1377), in der Weihborg 1 Pfund (1378— 1385), am Uohen 

<) gBctloD mr riceUchw dor »ladt Wt«s. Jt, II, Kr. 1686 db«! II, 1, 
Kf. 1436 (Wtaner i^odureliir). 

■) (^»Itvn.a. a.O. Itl, I, Hr. I7S4, 1897, »iSiiaail, 1. Nr. 1106 (eboaiU). 
Ott Hau 1iM*ß Mtin i*T v«rnuilHina Konrkd WafnadroiMl nn^ Klara, ittin« 
OaUiB. von deiuin ca BüKc*, Konuloiiu S«bn, GomnK- ^r Kitclior <ron SchweolMt. 
und Kaikr«!. <!«■ Taniatb«ii«ii M«rt da* SebrcibMi Wilw«, trbt«n. di« »■ auf dMti 
90. Ajiril \58>^ iiin 22 ITuad mit ihrgin Kecbt an siao Fleitohbank nuf dem Uclii«it- 
«Uf d*m Wi«nar UUrfer l*»! VVageDdnizul und Mioer Ualtia Klars rarkaufien. 
DumIU tlMi« mti 2 Pfund Dl«wt stu i. Aagutt 1-109. (tq»ll«ii, ft. a. 0. II, 1. 
Nr. 1770 ItlMBds). 

*) Diaaaf lisni kftuft« am 12. F«braar 1379 d«r bano^llch» Hofmaitier 
Hsas v«a Li*obtotiil»in tob Hbdi d«m Slenoankeher sm ih ffund. Ori^nnl 
Pwfainanl in k. a. k, Haiti-, Il'^f- <ind ^taaiaatchtv« ca Wino. ijaoll«», s. n. O. 
1, S, Kr. 33&&. 



188 

Markt 6 Pfand') (1381— 1384), gegenüber der Himmelpforte 3 Schil- 
ling (1381), auf dem Kohlmarkt V^ Pfund (1382), in der Kfirntneratrafle 
■ in acie« 2 Pfand (1382), -von einer Badetabe vor dem Widmer- 
tore 15 Pfund 7 Schilling 6 Pfennig und von einem Hause nnter 
den Pfeüschnitzern l Pfund (1383), beim Stubentor 1 Pfund (1383 
bis 1387), gegenüber der Himmelpforte 1 Pfand (1384—1387), von 
der Badstuben in der Singerstraße 9'/j Pfund (1384), vom Hanse 
im Ratgüßlein 7 Schilling (1385—1386), bei den Predigern 1 Pfand 
(1388).^) Das vordere Haus an dem alten Fleischmarkt, weiches am 
19. September 1360 von Jans in dem Himmel, Bürger in Wien, 
verkauft wurde, diente 2 Pfund.^) Das Hau3 gegenüber der Himmel, 
pforte, wovon man alljährlich '/-^ Pfund dem Frauenkloster diente 
wurde am 7. April 1402 um 18 Pfund Wiener Pfennig verkauft*) 
Desgleichen das freie Eigengut der Brtlder Rudolf und Ludwig von 
Tyrna, unter andern der Dienst in Währing auf behaastem Qat, 
wo die FrHmon Straten sc rinnen von der Himmelpforte 12 Pfennig 
Dienst von einem Viertel Weingarten besaßen.'') 

Schon Ifingst gab das Kloster Himmelpforte der Straße, die 
vorllberführte, den Namen, und auch die nächste Umgebung, wo 
immer mehr Häuser entstanden, wurde in prägnanter Weise »bei 
der Himmelpforte* u. dgl. gekennzeichnet. So ist z. B. 1323 das 
Haus Hansen des Platzinsgut, 1353 — 1355 das Haus des KioBters 
St. Laurenz (Grundherr war das Schottenstift), dann Heinrich des 
Kaplans bei St. Anton vor dem Kürntnertore, 1387 Niklas, des 

') Diesel H&as wurde taa 2. Auguat 138-1 von Leopold Frennet, BUrger in 
Neustadt, verkauft Ein underea Haui auf dem Hohen Markt, welche* dem Kloater 
Himmelpfurte *- 2 Pfund diente, gehürto dem Wiener U^(eilBC^ reiber Wolfhaid tob 
Ämitetten, der er am 29. Jänner 1378 um ein Pfund Uargrecbt verkanfte. (Wisner 
Stadtarchiv. Quellen zur üe»chichte der Stadt Wien, II, 1, Nr. 1381 nnd 1378.) 

-) Die lange Reihe der Dienste ist .verzei(;huet nach dem Wiener Stadt- 
archive in den: Qaellen, a. a. O. III, 1, Nr. 48 und 438; 6<J, 73; 74; 85, 149,981,1129, 
1250, 1268, 16H1, 18ti3; 137 und 1661; 1Ö3, 206, 210; 235, 666, 1361, 1856; 
245. 639, 658, 822, 1083; 278 und 1434; iJ49, 4Ö8. lO'lS, 1381; 394; 418, &73, 
597. 645; 421; 442; 733; 777 und 806; 797; 879; 1027, 1030, 1066, 1098. 1139, 
1149, 1184, 1195, 1449, 1515, 1700 und 1800; 1317 und 1668; 1332, 1350, 14Ö4, 
1475. 1507; 1560, 15G2. 1971; 1679, 1716, 1857, 1924, 1966, 2026; 1701; 1798 
und 1866: 2058. 

') Original im Wiener Stadtarchiv. Quellen, a. a. O. II, 1, N'r. fiSS. 

') Original Fergrament im k. u. k. Hau-, Hof- und Staatsarchive in Wien. 
QueUen. a. a. O. I, 4, Nr, 4234. 

■■) Ebenda. Quellen, a, a. O. I, 2, Nr. 1735. 



18» 



Sclinuider» Ton Ruübach. 1399 Eberbergers Haus no jener Stelle 
bukannt'/ Eidc ßadetabe cbcndort neben Mictiel Binders Httu» (>ia 
der Trai boten« traUe bei der Himmelpforte«) wurde am 10. Febmar 
1357 dom Kloster St. Klurn geschenkt und nalilte 9 Sebilling' Barg- 
re«bts dt-ii Nikubierinn^o vor dem Stabentor in Wien, die am 
30 Mai 13t39 Hrsn-i'^fui eine Klage erhoben.*) Am 12. Juni 1392 
verkaufte das Kloster noilif^enkreuz diese Badstube bei der llimmel- 
pforte dem BUrgerspitnl um 301) PfunJ Wiener Pfennig ^J; sie 
wird -ipäter (1434, März 3) noch einnuil gensnnt, als der Bador 
Cbobcr und seine Oattin ihr Leibgi-ding daran dem Bllrgerflpital 
SDier dorn äpitalmeioter UertaaDn Perruan abtraten. 'j Selceoer 
finden 6tch diu Becitzaegen des Klostvrs aU Anrainer ror.^) Am 
19. Kovcmber 1^80 verkauften Niklas der Prechtel luid Evsal, tieioe 
Gattin, mit Znstimmunfr ihrer Grundfrau 

Knnifrund von Grinxiafc, 
Priorin im St. AimesklosKir bei der Himmelpforte, ihr Burgrecht 
'/, Pfund auf ihrem Hause und der Hofstatt i Weingarten) in der 
Landstraße Tor dem Stubentor In Wien, von -trelchL-n man dem Trauen- 
ktoatcr jährlich (14 Pfennig Grundrecht diente, um 4 Pfuitd den 
Ntkoluerinnen vor dem Slubeutorc.") Am 19. Jnnner 1383 testierte 
Kunigund Beichenstetnerin ihr Haus bei der Himuelpfurte auf einen 
JahriA^tindein Fenoter; als Priorin wird da Katharina von Pnanaa 
fungiert haben. ^ In den ollohaten Jahren begef;net man der Prioriu 

Agnes Maer, 
Tfirmatiieh aus dem achon früher genannten Qesehlechte von Xieder- 
leia. Sie willigte als Leheusfran des Kaplans Elans von Theras. 

■) Quellen lur Ociohicbto der RiadI Wie«. II. I. Nr. 86. IIIS und I4S4 
(n*Isii«r SMdlarchivy. Kontc* r«nnu aiutriacAriim. S, XVIII, S- 2tfl ),$cti«il«n- 
archtvl. timittncr, Cod. aartr dipL VI, B? (k. u. k. nana-, Hof- aad Siaataitcliiv). 
WiedeiDanB. 6l. Lnurenz. a. *, O. >l, 6. 

*) Zwei Orixioala fdr^-AOieut im Wiccei Kladtarcliir (Itari:vnfiitai) 

*) Original Pergament in UoUigcokreiu. iFont«« nruw sortriacarani. 
8. XTI. S81.) 

') Orijrinal Peruaiufnt in WUscr 8tadUTcl>iv« (BUrgtirapiuJ). 

*) Z. B. Wdngtrten (13fi4. JbIE 30. 1367, Febnur Ü); la k. U. k. Haua-. 
Hof- and )Staat«afcliln >.» WIm. QiwI1*ii, a. *. O. I. S, Nt. 1C61 uad 16fi9|. 136». 
Juli 11 ia Otiaiia; (dor UjdIm) und dlvOrOode ia älmmorlo; 1382. JuU 24), In 
WifMr StadlAMbi*«. Qoallen. a. a. O. II. 1. üt. 7&ä imÜ 1036V 

'> OriKiDal farpuaeat In Wioiier Slaatanliir«, Qaallra. a. a. 0. II, I. 
Nr. WM. 

>) gbenda. Qodlop. a. a. III, 1. Kr 1413. 



190 

der die Onftmhertelsche Stiftung am Paulusaltar (vom Jahre 1337) 
inneliatte, in die Ablöating von 9 Schilling Burgrecht, welche diese 
Messe aaf einer Fleischbank am Lichtensteg zu Wien nächst ROger 
des Munich Fleischbank hatte, um 9 Pfand dem Wiener Bürger 
Paol WagendrUssel und seiner Hausfrau Klara ein. (Wien, 1384, 
Mttrz 12.)') 

Am 25. April 1385 verkaufte sie das Haus des Klosters nächst 
der Himmetpforte neben dem Hause des Pfarrers von Lassee um 
35 Pfand dem Bernhard Esenhaimer nnd dessen Gattin Cfaristina, 
am 27. Mai d. J. verkaufte sie mit Elisabeth Hungerspergerin, Snb- 
priorin, und dem Konvent einen Gewandkeller (Kleidergeschftft), 
welchen der verstorbene Rampperatorffer auf einen ewigen Jahrtag 
dem Kloster testiert hatte, am 40 Pfund Ulrich dem Zink, gelegen 
unter den kurzen Tuchlanbeu in Wien neben seinem Glewandkeller'), 
und löste am 24. September 1 387 6 Pfund Pfennige KlostergUlten von 
einem Hanse auf dem Hoben Markt (neben Jakob Reisenberger dem 
GUrtler) um 48 Pfund dem Htins Wachsgiezzer und seinen Erben ab.*) 

Am 21. Juli 1392 rerersierte Cholman. Abt zu Heiligenkreiu, 
dem Schottenabt Donald als Grundherrn, das Schottenktoster in Wien 
gegen jede Forderung schadlos zu halten, die etwa Ulrich, Pfarrer 
zu Burgschleinitz and Kaplan des Panlusaltars bei der Himmel- 
pforte (»in der Traibattenstrozz * ). wegen der abgelösten Gülten er- 
heben wollte. 4 Pfund, welche der genannte Kaplan aaf der 
Heiligonkreuzer Badstube bei der Himmelpforte hatte, wurden ihm 
vom Äbte Cholman abgelöst.') Unter der Priorin 

Perchta von Ameis 

(Fericht die Amaizzerin) stiftete der Wiener Bürger Konrad von 
Zwettl. der znm Kloster »viel Treu und Lieb < hatte, einen ewigen 
Jahrtag in der Klosterkirche bei St. Agnes am nächsten Tage nach 
Simon und Juda. Im Unterlassungsfälle sollte die Himmelpforte dem 
Wiener Bürgerspital für die Armen ' '■, Pfund Pfennig verfallen 

*) Origioal Pergament ebenda. Qaellen zar Geichichte der St&dt Wien. U, 1, 
Nr. 106J. Siegler: Der Kaplan i47:ä7. hat den heiligen Paalui im Sieg«lfBldfl und 
die l.«frende; r. lohaonii. allamto ... ad . (?eli . portam . wienne>uad darKonTant. 

-) Ebenda. QuelEen, a. a. O. III. 1. N'r. 1764 und 1782. 

') Itriginal Pergament ebenda, Quellen, a. a. O. II, 1. Nr. 1134. 

*i Original Pergament im Wiener Schottenarchire. Ponte«. 2, XVID, 433. 
— Qaelieo. a. a. O. I. 1. Nr. 437. 



191 

■ein. CWien, 139S, SepUMnber 11.) Zum entenmale bemerkea wir 
hei An*9ielleni den oftiziellen Titel »des ordens von Premonstreyi. 
onil Aach Johann, Abt voii Gertiä, ihr geistlicher Vntcr, stellt sieb 
aU Siegbr ein.'} 

Am -i. nezeanher 1304 verniaehlfn JHkoh ßclirer. Ratslierr 
ta Wien, und Anns, seöne Oattio, je ä Pfuud dvn Wiener Pr«Qen- 
klUsl«m .St. Ma^oleua. ät. Klaru. Utmmdpfortc. f>t. Jakob. St. Nikba 
und St. Laurenz.^) 

Tin Jabre 139Ö nrwarb die Himniel|ifciri« von Laureni;.. Ricbter 
in Grinzin);. und Klünbetb, euinpr Uausfrau, kUuflieli t-iuon VVcin- 
farten in Orinziiifr, vor dem Hau>iii> des Richters und neben dem 
Weingarten Lipplein des Schmieds (lelejieii. irovon man jährlich 
dem Ujiui!« de» üichters 4 Pfennig und der vum vcralorbeneo Konrad 
Reycbuf UD Barbaraaltar boi St. Stephan in Wien gesciftoton Mwse 3 
Sohilling 10 Pfennig Cbersins dienie. Den Kauf oohloÜ die Priorin 
Ferchta von Ameis mit der Suppriorin Marij^rete Vier<.luo<.' ab; Nikia« 
der Crehcwir^ Meinler zam heiligen Geist vir dpin K<rmfrior and 
Onindherr des Weingartens, war mit dem Wiener Rst«berrn Jlirf; 
von JJikolitburg Siejrler dos Briefe«. (Wien. 1395. Juli 15.)') 

Am 29- Juni 1397 beurkundeten in Wien die östcrreichi sehen 
IlenEoge Wilhelm und AlbrMbt, daü weiland Ulrioh Zink, uberster 
Amtmann in Osterreich, die SKtze und Qulteo von Lnssee. darunter 
■voa den HimmelprUrlnörinnun 26 Mut II Mtilzen Wi'ieen, eingelöst 
habe.*) Am 19. Juli 1398 tcstii-rte Uans der WacbsgioUcr, Btlrger 
3!o Wien, anter anderem den franenklwRtern St IJiklas vor dem 
Stnbenior und zur Himmelpforte je lü Pfund Pfennii; auf einen 
Jahrtag.*) Am 2U. Juni 1399 uabm lionifiu IX. in Korn das KWter 



>) OrigltuI ferguBent i« WUner ätadtatdUr« (Ullrgm|iital}. Du »weit« 
8Ug*l wmr bUlitr ukbokMosii m iM gtta, tvrbrocbaB U&4 b««cliidlgt, letgt «Ina 

Iktfiffiir Kad di« Leireads: S ■ I . . . NNttf ATIS lEROCEKSIS In den- 

■elbvii Jatiro 1393 «tlflele KoatMd ron Ziiattl mti 8 Pfund riB«D Jahrtof bei 
St. Laimnt. (SmJitQiif, Cod. bnitr. dlpl II. 277, im k. ii- k. Hnu»-, Hof- und 
4tMttMTCliive in ^^'Jdii. 

'J .\rebiv dar I>onpr«pil*i bai ät. 8t«itham w Wi«B. 0(««i«r, Anliaaf 
Hr. XVII, & 99, uDd (i<iftll«a lur Gvichichl« der »adt Wlra l, 4, Nr. 4009. 

■| Origt&tl PargiiDent im k. a. k. Hum*. Hof- nad 8tMt«arehiv tu Wlaa. 
(jDflUo, D k. i>. I, S, Nr. 173i:t. 

*) Etwad«. Quell««. ■- ■ O. I. 4. Xr. 41S». LI«! Pfin« rra Lamm bMifi 
bdiuiiitUch ancli oId Hbim Bi«bH d«r ll{niDial]ir<>rt*. 

>■) Wimet Sudtarabk. 4)nel|«i, ■. ■. O. U, 1. Kr I40S. 



192 

Himmolpforli? O. Praem. in Wien mit «Uan seinen Personen unter 
»cintm pllpotliclicn Schulz und bL-stä,t)gle ihm sIluKccbt«, Freiheiten 
und den ^e&amtca B«aitz.'> 

Am 10. Febraar 1403 lOst« die Himmelprorte unter <l«r Friorin 
Per«bta von Atnois der Kran Elisiibotk Fnch«cndreehstin ','j Pfand 
Pfenoig Htir^ret-ht auf ihrem hüllien Haas gegenüber dem Kluster. 
neben Bernhard Esenhaynier gflegen. um 4 Pfund ab.') Von 
Htcpbaii LvttQur. Bürger zu Wien, bekam das Kloster um 5. Oktober 
140.% wie ik. Niklas, rit. .lakob und St. Magdaluna 5 Pfand Pfcnuig 
ala Legal.'') Johann der ArnstorlTer teittterte dem Kloster 10 Pfuod, 
velcho die VoUfUbrer seine« letzten Willens Hun» Zymast und 
lloHprunner beglictien; hierüber stellten 

Agnes Maer, 

wiederum Priorüu und die Subpriorin I'Catbarina lläffningerin im 
}^ainen de« Konvente« eine Quittung auit (Wien, 1407. Mai 24).*t tincb 
dem Konrad Vorlauf, UUrgenueister, und der Stadtrat von Wien da» 
Testament frUher beglaubigt hatten. (Wien. 1407. Mai 18.)*) 

.*\m 12. Janaer 1408 verkaufte Jakob Ernst iler WacbBgieJ 
BOrper in 'W'icn, mit Zustimmiinp dp* Wiener Bllrptrs Ulrich WolfJ* 
AmtmnRnes des edlen Ollo von Liechtenstein xu Muran. 18 Schilling 
Burgreclit von «einem Weingarten am ilennwpg vor dem Stuboitlor 
in Wien, der neben Konrad Vorlaafs Weingarten Ug und dem 
ürundht-rrn 40 Pfennig diente, am 20 Pfund dem Krhard Greiff. 
KapIfiD der Stettuer MeHae am Knlhahneualtar bei der Himmel- 
pforte (gei^tiftet 1359), tu seinem Altare, Erhard kaufte dte»e Oulten 
für die 18 Schilling, welche »eine Messe von dem Hause des Jakob 
Pokehel und seineT Gattin Agnes von einem Weingarten zn 
BreiteoBee xd boxiebon hatte.*) 



■) Origtn«) Pttgnm^M Im k. a. k. Maiu-, Hof- uaA StuiiMTchlro la Wll 
QodlsB «nr GMcbichi« der Stadt Wi«a. 1. 2. Nt. 1738. 

>) Origlnil l>«ig>nii*ul ebcnito. (jufUcn. >. *. O. t, 4, Kr. 4840. 

>) WiTOM »«arit»rehi»- gwllen. «. ■. O. II. I, Nr IMO. 

*) Originsl rafi«r im Wiener Stsdiarcfairo. Qaeltctt. ». ■, O. II, 1, 
Kr. 1697. 

') Ori^oal r«r):«iiioiit im k. v. k. S»u*-, Hof- und StMUsSTObire eq VVi«a. 
guellfto. B. a. U. I. 4, Nr 1305. 

') CPTif[(Dat i'erguiKDt in Wi«n*r 84adunibUv. QuAllan, ■. ■. O. II, 1, 
Vt. 172S. Siftgleri Der AnMtelUr. 4ct AntaaBa Wolf und Erhard ^hiej«!. Cbor- 
li«rr irti St. ätapbaa ia Witn ual l*fan«r au PiaobelKlorr. 



193 



Am 28. Febrnar 1409 löste die Himraelpforte unter der Priorin 

Katharina Hil%7iiiiiger 

anstatt der Jungfrau Barbara, PrJimonstratenserin des Klostera. Tochter 
des Hans Walthauser. von der Frau ChriBtine, Irsten des Gold- 
schmieds in Wien Ehegattin und Ahnel der Klosterfrau, 23 Pfund 
ah, welche Barbara auf dem halben Hause in der Krugstraße in 
Wien neben Hans Zimast liegen hatte. ') Zugunsten der Priorin 
Katharina und ihres Klosters verzichtete in Wien am 26. Oktober 
1409 Georg Stuchs von Trautraansdorf auf seinen Anspruch an 
das öde Haus bei der Hiramelpforte nächst der Badstube, wo die 
Schotten das Grundrecht besaßen.') Die Priorin bestätigte am 24. Jnli 
1411 in Wien den Empfang, eines Fuders Wein, welchen die beiden 
"Wiener Bürger Hans Mosprunner und Oswald Pauch, Testament- 
vollstrccker des Hans Arnstorffer, um seines und seiner Gattin 
Margarete Seelenheils willen dem Kloster gespendet haben.'') 

Eine gltlckliche Fügung bewahrte uns ein ziemlich genaues 
Verzeichnis (ddto. 1409, August 15^} der Einkünfte, welche das 
Kloster zur Himmelpforte um diese Zeit besaß. Man findet dort vor 
allem alle jene Weingilrten mit Angabe des Ausmaßes, der Lage 
und- der Verbindlichkeiten, die daran hafteten, und welche das 
Kloster selbst banen ließ. 





Lage 


Same 


A'itmoß 


Jiau 


l'erbiniHiehkeil 


GlinsinK 

> 




. . . Lemba 
. . . GreifTen 


- .2 
1 


Jocb 


kaum halb, 

k > 




» 




. . Oller 


1 ^ 


. 


S » 




> 




. . Clement 
. . Woidnor 

. 1 Hofstatt 


1 

I 

4 


1> 


mittel 

kaum halb, 
verdorben 
nicht recht 


secha Jofartage 


SieTTing 




. . . Heiter 


'm 


• 


kaam halb 


— 



KaDdorf 



. Stainpuchel 
. SnaeCEsl 



nicht recht 
fast »de 



zwei Ja hr tage 
im Kloster und 
14 Schill, für 
drei Johrtage 



i) Original Pergament ebenda. Quellen aur Geicbichte der l^tadt Wien. II, 
1. Nr. 1755. 

-) Original Pergament im Wiener Schot tenstifte. Fönte«. '2, XVIII, 8. 611. 
Quellen, I, 1, Nr. 458. Sieglcr; Der Aussteller und Wolfgang FMecbamender. 

^ Original Papier im Wiener Stadtarchive. Quellen, a. a. 0. II, 1, Nr. 1893. 

*) Original Papierbeft im k. u, k. Haua-, Hof- und Staatsarchive zu Wien. 
Quellen, a. a. O. I. 1, Nr. 1759. 

Jahrbneh i. V. t. Undeibunde. 190i, 13 



194 



Lagt Same 

Perchtoldidorf Ureut 

> lÖmperg' 

* Fieoner 

Um Wien: Hinter MaU- 

leinfldorf im S&te 

Wienerb«rg in H&uer . . 

Bei Meidling Schlüter 

Vor Widmertor Lange Mai 

In der Hiricbpoint .... 

In Twerchllefien 



OrieB . . . 
Im Mitterall 



in der Seci 
. Voazielier 

Pant 



Als 

St. Ulrich (Lerchenfeld) . . 

Im SacE in der Piaich 

MeiJling MUhlfeld 



ZuBamnicn , , 21' 



Autmoß 


Bau 


Verbiadlkhkeil 


1 


Jocb 


kaum halb 




'.* 




fe » 


iwei Jahrtage 


=.4 




nicht recht 




'■, 




> > 





1^ 




nicht halb 


ein Jahrtag 






mittel 


— 


3 




« 


ein Jahrtag 


l 




kaum halb 


ein Jahrtag 


1< 
.8 




1 > 


ein Jahrtag 


'U 






mit znei ewig. 




* 


Wochen- 


',2 




fast Dde 


meiien und 
ewigem Licht 


2''. 




> > 


ein Jahrtag 


' 4 




* * 




U 
.4 




V > 




% 




nicht halb 




■2i\ 


Joch, 


von denen 35 Viertel erfroren 



und vom Unwetter verdorben sind. Die gebauten Weing&rten waren wegen 
der groCen Armnt des Kloster« in solch trostiosem Zustande. Asban wegen 
20 Pfund Pfennig. 

Nun folgen die Weingärten, welche das Kloster zu halbem 
Ba.u hatte, und von denen man ihm den vierten Kimer entrichteD 
mnßte: 

Laye 
Qriozing Hand 



Xaiiie 


Aii4iniiß r.eUtung 


Bau 


VerbindliMtmt 


Hand 


'■ 2 Joch 2 Eimer 


_ 


ein Jahrtag 


> 


' . » frei 


— 




Schreibern 


' , > 2 Eimer 


— 




B 


' .. » frei 


. - 





> Saadtlein 

> 1 HofjiUtt 

NuQdorf Weide Leithun 

Kritzendorf .... — 

Kablenbcrg .... .Marschalch 

SieveriufT Hocbpera 

üuDlramsdorf . . . Peigelpackh 
Guuipoldskircben . TütImützBch 
PfalTstetten .... Sälkere 
l'iTclitoldsdorf . , . Vichparz 

* ... Twerchgwanten 1 



(Ide 



l . 


ö Eimer 


kaum halb 


1 ' . 

3 


frei 


fast über- 


' 1 ' 


,') Eimer 


schwemmt 


' 1 • 


■A > 




1 , 


frei 




4 


— 


fast öde 


3 Kachel) 

n 1' , 


2 Eimer 

i. . 





') Oio Kachel heißt ein Maß, nämlich ' « Joch. 



195 

T.ng« Kome Ausmaß Ltittung Sau Vfrbindliehkeit 

Brunn Perbettal 2 > l'/j * 

(SUreiner) 

> Maslein 2 i I';. > 

» Wienwegl 1 » */i ' 

> Taicbner 1 > Vt > 

* Zukhenmantel 2 > — ganz <iie 

HCdling ..... Öller (hinter '/g Joch '/j * 

Enzendorf) 

Hohennirt - . . . Onämhertel ' .i > ^ * 

Piit/leinsdorf ... — ''i ■ ' * 

Ottakriog .... — ', » frei 

Um Wien : Vor dem 

Stub«Dtor . ... in GeuCii l'/j Viertel 1 Eimer 

Bei der HaadsinUblo inderScheiben Vs -foch 1'/] > 

Vor Widmertor . . Kelberapant '/j > — ade 

An der Hobenwart . Kranest 1 > — • 

Wlbring Mittemberg 1 • — » 



GsrzeUberg 



'U 



Vor Stubeator ... in Oenfl ' ', » frei — 

NB. Zasanimen Iß Joch und einige Viertel. Auf 1 Joch gerechnet ein 
Drittel, 6 £imer für :1 ». Summa 16 Pfund Pfennig. 

Von allen genannten Weingärten mußte das Kloster alljährlich 
wegen der Stiftungen den Priestern bei 73 Pfund Pfennig geben, 
die Jahrtage des Klosters selbst nicht gerechnet. 

Das Kloster besaß anch an Grunddiensten von 3 Vierteln 
Weingarten vor dein Stubentore 5 Schilling 15 Pfennig, andere 
3 Viertel ebendort lagen Ode, so wie ein Weingarten zu Brunn. 
Von zwei baufitlligen, abgebrannten Häusern auf der Landstraße 
kamen ö Schilling 20 Pfennige, von einem ganz baufälligen Hause 
in der Brunnlucken nichts, vom Grlißfling zwei Weingitrten 40 Pfen- 
nige, vom Purgfeld 25 Pfennige zu Grunddienst. Von zwei Fleisch- 
bllnken in Wien am Lichtensteg kamen 2 '/^ und 9 Pfnnd, vom 
Kleubhof am unteren (jries 3, von der Klostermühle bei dem Para- 
dies (verpachtfit) 8 Pfund Zins. Zwei Wiesen in Salmansdorf (zwei 
and vier Tagwerke) waren um 12 Schilling verpachtet Ein Haus 
und ein Mostkeller am Lichtensteg zahlten 8 Pfund Burgrecht. Von 
den Klosterhnlden gab Künigsbrunn bei 70 Metzen Korn nnd 
13 Schilling Pfennig, wovon man dem Schaffner 7 Schilling zahlte, 
für einen Weinzehent von dort gab man nur 6 Schilling. Von den 
abgebrannten, öden Häusern in Hijflein lief nifhts ein.'} Von Mais- 

') Die Guter xu Klioigibrunn nnd Ilitflein gebiVrten in einem Jahrtag nnd 

zu einer wüchentUchon StiftiingimeMe. 

13» 



# 

birb.i"Jin kamoii bei zwölf Metzon \\>izi?n an<.J 3 Scbilling. von 
Sil»; r.siVlil bei zehn Stotzen Weizen, zu Aindlifflehen und Zuspacb 
o PiuEil. waren jetl (-h öd«.- umi mir der V.>:^ei des Prieschenk 
beschwer:, v. n M;jnnsw.'>rtii 70 Pt'imd. Summe der Gülten 43 Pfund 
CH.' Piennij. des Re;.'ister? 74 Pfund öO Pfennig. 

Am 27. Februar 1 4 1 ö verkauften die HimmelpfÜrtoerinnen 
unter ihrer Pri:rin Ka:hariiia das Haus in der Kiimtnersirftlle. 
welobes der verstorbene Heinrich v--.n Lenhorek seiner Hans- 
l'riu Katharina als Leib^edinj und nach ihrem Tode ganz dem 
K!os:er Himmelpforte auf einem Jahrras vermacht hatte, vereint 
mi: der Witwe Katbarira um ^ü Pfund Wiener Pfennig, und 
iraben dAV'.a 30 Pfund der Witwe für ihr Leibgeding. für die übrigen 
1:0 Pfu::de sTifietesi sie led.L-h einen Jahrtasr für den verstorbenen 
Hviarieh va Lenberck an seinem Sterbetage und verschrieben ihn 
a;:f ihren Weinjranen in Gr:nz:n;r. JtT Clement genannt. Dieser 
We;a;.ir:en iiatie da;;iaU den Aintnia:;» lies :»til'ies Klosiemeabui^, 
Tv. -.iwi V. .il. .'.:.m Pierjh-'rr!; iird .iii-:-.:-' diesem Stifte fünf Viertel 
Wo:v. zu Horjrecb: 

Am ."». .\iir:i 1410 ■i-jirti-r--.: .'•ohwester Katharina. Priorin, 
Ai:n.» Ersam Sulpriorin, -nd der K ■-■.ver.t den Empfang von 2 Pfand 
Geläes. we!ohe Erai Ar.r.a v^■^ W..!,:rr<berg dem Kloster auf 
tiner, .'.ihi",!::: z:i '.>-' rji ri:: Vij;!, ^o>-r.genem .Seelenamt und 
<,iere: U'i-,-rj:.r'' -.Lr.d lias W;e:.tr Bür^rspirai substituierte. Die 
•J :':".".r.-l s..'. •.vw. :;:-.;er t'.-e PHtüe:- .ir-d K! s:erfraueii teilen- auDei^ 
v'.--"'. r .-^j:-.:":- _- av.f ?ü M^'ssc-, ur.ä '.-'.i I'ienr.::r in die Sakristei 
a.;: v;er Ker,'-,:-. \::-\\:: }.:■.■ Vcr >■::': i':>r:vfw;re.e von den Kloster- 
i"r.-...'r, .\r.'. [-2. >!..;■.■ '.4'.7 v..',,:: ,;-!•.■. T .:e ior S::fter:n Anna von 
Wi. '.-. r<l>r^. wl:',;- .i r:r:L:-.ä:v,T::; '■■': vi-, r H::'.-.:a',\picne. ausgestellt. 

:: '..■.■.■.:(:;■:. l:e nv-iNiklas Herwärts 
K.T-.or: r !.=.j:en und dem Kloster 
i W;-.r.ur i>ur;er Hans Spevser 
,: w.-.r.--.:-., Vr. diesen 4 Pfund 
■v. .": -> IMr- rspital geben. 3 Pfand 
\:v :> lV.:v.- -•.■ Uli' Testierte Christian 

■: . S;:-;,->^. .i ,z::r.: - t«: pnchtvoUe bekannte 
:e iv;erer Sudurchire. 



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19T 



Reotter Ton Roteiiberg n. ». 300 Pfund PfeDoig iiuf eine ewige 
Messe bei der Hiuimelpfort«.') Am 12. l-'obraar 1420 »pracb die 
PHoriii Kntbannn Ja» tlitu« nm «Ittn FloifH'Iinurkt. writ-lK-* oinst 
Michael L'huenreuter gekauft und Tun welchem das Kloster 2 Piund 
Burgrvcht abgelöst batte, von jedt-r Schuld frt-i.^) Sie wilü^fte nio 
Ü. Juni 1421 im Nauieri der Jungfrau Aon«. PrJiaionstratcnwriB 
b«idurBiiiin)ül|iri<rtv, ciD^ditCdcri'iiScUwoBlvr KUru.Oiligdvftrii'iecb- 
haekers roii Krems On,lrin und Ji^rg Vorknacb' Tocliter. einen Wein- 
f^rten mit '/i Joch am Rennweg um 36 Pfutid Wionnr Pfennig 
vi^rseizie. dio der Juiii<rmu Aiiua xa^pfallon Hind.^) Sic nWmiihm 
am 30. Mni 1422 aus dem Nachlasse des vcrstürbeiicii Pctur Aldcr- 
man Vi Pfund Wiener Pfennig von den Tcetamentvollslreckoro 
Paul WUrtTfil. Paul Lombater und Jürg von ülrnAlbrunn auf die 
Stiftung eines .lidirtagCÄ am .St. Adriunttug für ^lldorman und 
wine Fri<undseha(\. am 10. Juli 1422 aber ann dem NachUsHe d«4 
verslorbencn Mvristcrs Hcrtcl Zicgl|)n;iiner ein Aclilel Weingarten 
Auf dem J<ru& vnr dem Stiibenture in Wi«n von Ulrich Kn-utlrvr und 
Koiirnd Witlmkvhur iiuf «inen .lidirtug für Ik-rtel i^ingljirüninT und 
die ganze Freunilsebuft in der Wocbo Tor oder nach Martini, beide 
JAhTlagr mit Vigil, Sp^lenamt, Bahre ond Kerzen in der Klreho 
bei 6t. Agne^ nur Himmel|ifurte.'| Am b. Juni 1425 kam noch ein 
Jabriag acht Tugo vor oder nach St. Veitstiigi- fllr den ver«ii>rbenen 
Hans Mo«|)ruuncr hiniu, der dort tnit 20 Pfund Pfennig unter 
der Priorin Kathnriiia und der Subjtriorin Barbara Waltliautwr ge- 

') Orifinal Ptrcament olwnds quellen sur CrCKbkhte ilcr Sudt Wien. II. 
d. Nr. 211». 

'■} Original l'KrKtuucni «be&da. ^jucllcu, a. u. O. II. 2, St. S12Ö. Diual^« hi- 
klbua« <lct KU»Ur> St. Unten« «b«a<lL> Kr. 21?2. 4dbi. Wim, 1420, JAnner 31. 

*| Ea nftiea 8 Pfund rtin «iamo Diitlcl Hau«, wolcboa Ht Juogtmt Anna 
Ritt thtm (ie*i'hwiiitviD bfJcain. nia n1u<ii Kl'CUrlnnitrkt m Wir» titiJ "iii Jnkoh 
tletbcr^r xu dva luiilcrvD knvcI Telko, dl« or t»tn bHlU, crkmud nurd«; ST ffumd 
btlüuii ■!• *U Mit|;ift von ilitem Vitlvr JCtü VorkiiM^b, !)•( W«iuBarloii Aul Jen 
Rannntc lag nobm >lcni ^V(jDKt>I'■«■> der Kinder dw {Mtorbeaau Mciobard aiir der 
LaDclftraCo und dienio der ttimmclpforle jütirlicb 3 Schilliug d Pfennige ürimdrcelil. 
1 rrlgiaal rorgamcnt im Wientr iSiailtorcliivc Quo1I«b, a. a. (I lt. S, Kr, Z107. Sieglet : 
dl» l'rledn und IJIric^h •fii Sl. IV.lt«n. Aicttaann in der Scbefetialle tu Wiro, 

') Beide Urisinale Fergsuieat iai Wiener ^tadturvliivt; (ttUrguiptUJ). In 
beidea l-'ftllen eollle die lliniuivlpforlo. fallt d«r JahrUg nDlorUH«D i*ird, dem 
Wiener BQrgvrefiiUl Je '^ Tfud Wlen«r rfeaoi« xahl«o Ttier Aldoiaiani Jilii' 
tag 'Olli Jakr« Hü bei H). Laiiteiu uiu lÜ Pfand. (Btnitnnr, t.'«d. aueu 
dipl 111, b7; b*i Sl. Jakoh oUadn.) 



198 



stiftet wurde. Diesmal waren Konrad Holczler, Ratsherr, Hans Aezinger 
und Wolfart Resch, Bürger von Wien, Vollführer des Geschäftes.') 
Zum Jahre 1432 wird wieder einmal der Gnamhertelsehen 
Frühmeßstiftung [vom Jahre 1337) am St. Agnesaitare gedacht^ 
die diesmal Meister Hans Seider, Lehrer des geistlichen Rechtes, 
1 als Kaplan besaß. Dieser löste seine Gülten vom Hause des verstor- 

benen Erhart Schatawer beim St. Peterefriedhof zu Wien ab und 
I kaufte dafür um 32 Pfund Pfennig von Erasmus Pokch. Bürger zu 

' Wien, and Kunigund, dessen Hausfrau, mit Erlaubnis des Schotten* 

;S abtes Johann 4 Pfund Burgrecht auf der Cberteuerung jener 

100 Pfund, die Wolfgang Tanner, Kunigundens Sohn, auf ihrem 
Hause auf dem Graben zu Wien liegen hatte. Das Haus diente jährlich 
i! ' 10 Pfennig Granddienst zu Michaeli den Schotten und lag einer- 

seits neben dem Hause des Schusters Paul Heiden, anderseits stieß 
;[ es an die Rötstraße, an der Ecke dem Pettauer Hause gegenüber.') 

.i (Wien. 1432, Dezember 8). 

[ Das Haus, welches die Himmelpforte in der Kernerstraße 

beim Kernertor in Wien (nächst Niklas Schwarz des Schusters 
Hause) hatte, wurde unter der Piioriu Katharina anstatt der Kon- 
',', ventualin Doruthea Kren, Tucbter des Tbomaii Wachsgiesser, dem 

Wiener Ratsherrn und Bürger Niklas um 90 Pfund Pfennig ver- 
[* kauft. Da aber Johann, des verstorbenen Veezen des Kramer Sohn, 

•1 und Agnes, seine Gattin, auf diesem Haus 5 Pfund Burgrechts 

i- hatten, wie es sich aus einem alten Kaufbrief, den Heinrich Pehem 

N der Hofpinder, Ähnl der Jungfrau Dorothea, hinterlassen hatte, her- 

I ausstellte versicherten die Himmelpfürtuerinnen mit Wissen und 

Willen ihres »obrlsten Prelatens des erwirdigen geistleichen Vaters 
.i und herrif Wilhelm, Abt von Geras, dem Bürger- und Keller- 

;! meister von Wien, Hans Steger. und dem Stadtrate, die das Haas 

; mit ihrem Grundtnsiegel gefertigt haben, das genannte Burgrecht 

j (Wien. 1434, August 9j.^) 

ill ■) Original Pergament im k, u. k, Ilaus-, Hör- und Staatsaicbivc lu Wien. 

Quellen zur Geujhichte der Stadt Witn. 1, 4, Nr. 4Ö30. Ein äbalicber Jftbrtag bei 
&[. Jukob in Wien, ddto. 1420. Mai 31, ibid. 

-) Original Pergament im Wiener Scbottenarcbive. Quellen, a. a. 0. 1,1, Kr. 491. 
8iegler: Michel Mllnicbner, Mautner am Scbottentoi zu Wien, und der Auiiteller 
Erasmua l'okcb. 

^) Original Pergament mit drei Siegeln (Wilhelm, Abt ?.u Gerfta. die Pri- 
orin und der Konvent zur llimmelpfortel im Wiener Stadtarchire. Quellen, ^ a. O. 
II, 2, Nr. 2im. 



'I 



ri 



100 



Di-lcMiotlich pab schon 1269 Ottokar II, der Himmelp forte 
<lt« Erl.*u)>iiii>. ddrrva Ik-gendes Brennliolx jv avtch ßüüarf «ns setnoi) 
Waldern fuhren zu dQrfen. Jelzt war aber die Arrnat des Kloi^tcra 
DJcbt derart, daß e» diese Gnade bcnötipt "hatte- Trntzdpm beirillipte 
ibia Friedrich IV. b!h Vormand seines kletnea Vetters K^^nr^ Ladi»* 
laus llber viuU* Bitten dvr Kluatcrfrxiicn dieses ÜeputHt uurb fcrn^r- 
hiD bis aaf WicdetTuf, mit der Auderan^. daU sie dub aUjShrtich 
3'2 Kudfr Bwnnho!?. mit i\rv\ Pferdrn nus »einpin Wiener Wald, wenn 
er zur üiilzabgabe nllj^em«iD otTen gehalten wird, gratis und ohne 
Aüiitiuid fuhren dürfen, und swar dort, wo ch ibnen sctu Forst- 
mi'tster oder Fflrster leigpn würde. Nur sollen sie es dem Forst- 
jwrsonale bek-innt g^bcn. dnmit niolit etwn undcre Loate in ihrem 
Kamen io den Wald fftbren und das Holz nobmeo (Wien. 1443. 
Oktober 12).') 

Aim*, p^boreue von Sleacritiwh. Witwe nach dem verelorbenen 
Leopold von Krcig. einigte sieb n»c-b dem Ti^de ibrcf Mann« mit 
Konrad and Jobann von Kreig, ihren Scbw.^^m und Leopolds 
BrDdem, wegon 1000 Pfund Pfennig, die »ic b«i ihnen Iiatte, über 
dieses Gold ftlr ihren Todesfall frßi vepfUj-on zn darfen. Demnach 
ti-stierte sie davon in Wien am (i. April 1443 u.a. der HimniL-Ipfuric 
100 Pfund Pfennig, damit im Kloster fUr ikra Familie auduchtig 
gebetet werde. Dn.-« StilV Gerast, wo ihre Tochter b^rabeu la^, 
polltc öO Pfnnd erhalten : andere Legate betrafen daa .Stif^ St Do- 
rotliea (400 Pfund) und die Prediger in Wien {äO Pfund), die 
Franaiakancr mit &0 und die Aagostinpr ebenda mit 15. die Wciß- 
spanier, die IluOerinnen bei St. Rieronvinus. St. Klara, St. Laarcnx 
nndSL Jakiib mit 10 Pfund vtc. Auch die Pfnrrhirehfn zu Fraltiiig 
und zn Staliek in Mahren wurden mit je 10 Pfund bedaebt.*; 

Wo» nnn die BcnoÜTJcfi anbelang^ so entapann sieb im Jabre 
141G zvriaehen der Friurin (Katharina) zur Üimmelpforte und Konrad 
Haer. Kaplan de» DrrikODigaaltars ebenda, ein Streit um da« 
Patroont^recht. Der KHpIaii bestritt die Gültigkeit des Verücbt»- 
hriefßs (itiuhe oben ddtu. W'iL'ii. 1378, September 13.) Georg des Maer, 
der aar ein Sie^l trage, aber Albrccbt V. bestätigte trc-tz alledem 



') Nsrli «iner nicht b«giBabi|rt*n K»pi« im mifinivliiTe xu GptKi 
') Otvinal Pergnnioal im fitifbarcliiTc lu Klo*<era«uburg <I>oratb»cr Ar- 
chiv. L. D.. Nr. i>) iineWta cur l]*iclü«lit« d«r Huult Wien. I, 8, Nr 23T1I. Wcfler 
Anna von Krily. Sie^baa ron ZtiViaf und [Mnimclu roo Eb«nd«rr. 




200 

ftiu '27. JilnDer 1416 liein Klof^ter das PräsentatioDsrecht. *) Am 
15. Mär^ 143^ kommt Konrad Xaczpekcher als Kaplan dieses Alturs 
vi-'P. Er war mit Magister Peter von Pischenbart. Lehrer der heiliges 
.■fohrili und Rektor der Wieuer Universität, TestamentvoIUtrecker des 
Masfisier Kaspar Maiseistein, Lehrers des geistlichen Rechtes, welcher 
dem lK>mkapiiel bei St. Stephan unter Domdechant Thoman Hadmar 
ÖO Plund Wiener Pfennisre vermachte.- 1 Reiopreeht von Walsec. Haapt- 
maau des Landes ob der Enns, verkaufte dem Kaplan Konrad Katz- 
peeher von Seppur^r zum Dreiküiiigsaltare einen Weingarten, genannt 

-der PrtlekU. um SO Pfand Pfennige il439. November lli.^p Am 
15. Mürz 1443 kUgte dieser Kaplan den Mert Stollen, den Messerer 
und K.'\tiiarins. st-in«? Gaitin. wegen 2 l'fund SU Pfennig versessenen 
iiiirgavhtos, die der l*reiki>i;igsaltar auf dem Hause im Euhner- 
g.^ssieii! zu Wien besaß. I\\ ilert StoIWe nicht zahlte, wurde am 
'20. Juli 144Ö vom Ji>rg Schsu-uter. Stadirichter in Wien, der Xer- 
k.i'.'.l dieses Hauses dem d.im:iiigfn Kaplau Simon Pokwicz um 
■■<> Pi'.;nd gcs:a:tot. angebÜoh wegen der vi-n seinem Voqränger 
K r.r.-..'. K.\cii>eelier gekhigter. Soh-jid. ' Am li». Mürz 14 J5 hieß der 
KÄil-is des l*roikon:gs;il:.irs M,ig:stor Litr-lun von Perching: dieser 
i,ib dviu Wiener Bürger MioLtel Ha-.:i". . 1: « Fiund Pteiinige. von seinem 
H.i::se in der W, V.zei'u' inneriia'b S:ui>-,T.:; r aV.zu'.osen und legte diese 
>u;r.::u" r.e".ervtxgs lur den A'.:^r .vii li-.-s S^meirjsciien Haus in der 
K-.r-.ers:r.i.e ar..- L.iat Sst.-.icUt'd';:. . Wi^s. 14711. Fi-brnar 26 waren 

-.-.:" K.-.;-'..i:-. lU s l*rtf;k:=:cs.=.l:.^res 17 Pfund Pfennig i;»hr;:eher Dienst 
....: -. .■.■.I-.;-. [•..;;;>o -.•.ilvv. de-.:! S: l\-:vr*:r:ed:-. : verschrieben.*; 

l^. r K .-. ; \: :. r i v. :> r. ,; '. : ~. r li..::e ; s':.ri;,.::g Erhart den Greif 

s '.■,:: ,■■.;•.•.; .l.-ir.r-.- '.4i.> jur.: K.ii Ur. .-.vr Siettcer Stiftung ^zweite 
y.-.>s, . l"*-.; >■: ;■.•, --.-.i': ...l-.:-. st::.-.'". N.\, l.f.lgirE stallte am 2. jAsner 
:,::> K:.i.; KAlhrv: K^;^^;^:ss^7 <ii.:v. S^liuldbrief über U Pfund 
;":;:■ -g .-iu*, ,-.:; .'::■? K'..r::..r.". 'ir-.::'. .iir i^^.l>.■.' r. ^nd Peier Messerer 
,. > -■.>:::...':?.:..:: -".: : Tr-i-.: >!?.7^.ir-,:-. >'}::;:i:ii bei Si. Anton, die 

..-: ..::,:.: : : >: ■.".- 

\ . A:::.^? I-.! M;:r. ;■■ i:i-t»j;:tli t*i St Stephan 

■■■ .■.:.- ^.•:: :rii :.-:r >:i£: \V:v:: : - N: .-Tiv\ 

:;.".-.; l-'rii- -.: ," « :;-. :7 Maiiirri.i; ^r^i'.'.ta. a. ». O, Sl. 2. 



diem Summe zum Katharineaaltare fj^schnfft gegeben habeo. (iri^'if 
kaariü von Paul Stamtc-ndioJ ku Wiea 2 Hfuod auf siunein Hausu, 
golcgcu bwiftclicn iliT Jcihiiunus- und Tr»ibiiU-n«tniUo hinter der 
RiDg:inauer. um It) Pfund; Über die Abifiauag des Burgreebtos wurd« 
vom Verkäufer ein Itevoi« aiwgiMtellt rWion. 1429. Aiiril SOV') 
Dasselbe tii-ld (2 Pfuriil; wird noch am Ü. Mai H'ää in einer Kla^c 
dos KurscbnerB und Burger» Vcii von S». Ulrich erwubnt. und am 
So. Mai 1433 war der Kaplan j;ezwan>r«n, Stainleacbol uod Ma^- 
d«J«Da suio« Uausfrnu vur dc'in Stadtricbter Lienhart Neuenhofer 
wegen ft Pfund. 4 Scbiilin«. 20 Pfennig voreewenen BurRrechtes 
ZQ klagen. Kerner vermacht« Grvif am 26. Aogust 1433 filr den 
Toduafiü] aeiuer Sc-Iiweitter Kaihrei. Hanreu des Kuefuesser Witwe, 
Meine vom vUiorlicW» Erbv urkauttc Flei««bb«nk auf dura Licbteusteg 
unter den FleiBchbAnken seiner eigenen Mesäcnsliftnng. Kurz darnuf 
maU IT !>clb.st eeMtnrben win. denn schon am 9. f^epteiDber I4't3 
präsentierte Katharina, Witwe des Wiener Borgers Johann Prcchll, 
.tU Fttlroriiii d(!in Biücbufu Lvvubnrd von Paiuau auf den durch 
den Tod Erhard CJreifs orli^digleii Katharineualtar Stephan Hcniglcr, 
WettprieAter dur Oruiu<r DiüsuKtn. wm vom lliücbofe bestfttifft. und 
Jakob, Propi -vou Goruok, deraeit Aliarist der Licbfrauenkapclle 
am GoHtade in Wien, mit der Intlallaciun des neuen BencliEiateo be- 
tragt wurde (Wien, 1434. Februar 15i.') Der neui- Kiipbiii Heiiigler 
-^•cbeiot gleichseitig atn Vern-eaer der <jenr^'tkapclle im llftUit« des 
FHiisiDger Bisebofs in Wien und ah bischiiflichi'r Anwalt (1437] 
JnH 15 und Sepicniber l'ä) and wird nocbiuaU in der Klage des 
Kllrschner« Veit von St. Ulrich in Wien erwjibm (U38. Juli 18).^) 
Am 21. Oktober WAG haue die^nes Il«ae6ziuni Andrea» Koeer. Pfurrer 
zu Gmnndcu, inno, dem Andre Dieinim, Btl^er zu Wien, drei 
WeingJlrteu um 140 Pfund l'fennig verkaufte, die vuii der.Flciacb- 
bank hcrrnbrlei), die ein^t Greif dorn Katharincnultor vermacht 
hatte. Am 13. Dcxetnber 1 456 nahmen Muiihua Langeamuui. Bürger 
zu Medliog, und Anna, seine Uanslmu, von Hoinrich Stupper, Chor- 
herrn bü St. Stejiban in Wien, anstatt de« Magister Hana roll 



t) Wi«!.!» ritadtaraUv. ()u«llui Bur G*ieUcbw jm- »tadt Wlui. U. 2, Kr. 32-11. 
SSll und tSi2. 

I) Ebmaa. Nr. S480. SiS6. UM. SlöS and 3166. Üio l«tit«T« L'ikona« iTÜRt 
«U Indonai. (.'«pelUnm domlons Gatmcl Pnyiw, pntbjUt i'Mtiiifeiitit divcMii 

>) Sboada. Nr. 2ti08. 81516 und :»U7, 



202 

Ärcum. Kaplans der Stettner Messe, einen dazu gehörigen Wein- 
garten in Medling um 10 Schillinge jährlich auf Lebenszeit in Be- 
stand. ') Am 21. Dezember 1458 hieß der Kaplan Fanl Obermair 
von R(jr, Bakkalaureus der sieben freien KUnste, dem die Stadt Wien 
die Stettner Messe verliehen hatte; er gelobte die Stiftangsgüter gut 
zu erhalt-en und die Messen vier Stunden in der Woche zu lesen. ^ 
Der mit 1385 genannte Kreuzaltar hatte am 27. April 1413 
Thomas den Sultzer zum Kaplan, da dieser mit Feter, Kaplan des 
Liebfrauen klosters in der Burgkapelle zu Wien, wegen ihrer beiden 
nebeneinander in der Weihburg zu Wien gelegenen Häuser einen 
Kechtsstreit hatte. Er kaufte am 7. Juni 1423 von Krietan Schamrer 
von Ottakring und Katharina, dessen Gattin, mit Zustimmung 
Heinrichs von Strasburg. Amtmannes des Stiftes Klostemenbnrg, 
12 Schillinge Wiener Pfennige Burgrechts, gelegen auf ihrem Wein- 
garten in Ottakring in dem Ameisbach, um 12 Pfund. Dieser Wein- 
garten diente dem Stifte Klostcrneuburg ^,'1 Eimer und 1 '/., Achtrein 
Wein zu Bergrecht und 5 Pfennige zu Vogtrecht.') Am 17, Au- 
gust 1435 wird wieder ein Haus auf dem Anger in Wien nächst 
dem Klosterneuburger Hause erwUbut. welches dem Pfarrer bei 
St. Paul in Erdberg und dem Kaplan Thomas Sulzer je 2 Pfund 
Burgreehts diente.*) Am 8. Jänner 1447 machte Andre Maußer zn 
Wien, Priester di'r Passauer Diözese und Meister der sieben freien 
Künste, eine Stiftung zum Kreuzaltare, dessen gegenwärtiger Kaplan 
Meister Hans. Pfarrer von Gara, war, mittels drei Weingärten in 
Müdüng. Den Stiftsbrief besiegelten der Stifter, die Priorin 

Elisabeth 

von der Himmel pf orte, Magister Hans von Gars, der Bergmeister, 
(mit dem königlichen Bergsiegel), der Marktrichter von Perchtolds- 
dorf. Amtmann Stephan Leiringer und Hans Steger, Bürger- und 
MUnzmeister in Wien. Am 14. Februar 1447 wurde diese Stiftung 
von Friedrich IV. bestätigt."'; 

Schon früher (Wien. 1445. Juli 10) hatte Magarete Auer, Bürgers- 
gattin zu Wien, in ihrem letzten Willen bestimmt, 100 Pfund Pfennig, 

') Quellen zur Geschichte der Stadt Wien. II. 2, Nr. 3193 und 3690. 
-) Eben.ia. II. 3, Nr. 3842. 

^) Zwei Originalp Pergament im k. n. k, Hann-, Hof- nsd Bta*tsarcfalv« 
lu Wien. Quellen, a. a. <) I. 4. Nr. 4:^73 und 4iV24. 

*) Wiener Stadtarchiv. Quellen, a. a. O. II, 2. Nr. 2540, 
') Nach zwei Kopien im Wiener Stadtarchive. 



fi03 



die sie den Uimmulplurtnennoun scbaldct, dalün zorUckzuiüthlen.') 
Die Klosterfrauen beobachteten seLon über swbii Jahre, wodl aus 
Antrii'b der Ordeiisohern. die rejialiire Zncbl und die ur*prUng- 
lichen Statuten des rramonBiralenser-Ordeus, die aich durch ihr« 
bcmndoro Strenge naHzcichnctea. Ein oigones StAtat tcbrio)) Akmu 
B<^uluru» gleiob \'om Anfanj; an beatUudi/e Rnlhaltuiig toh 
FleiiK'hflpeisen, welche weder im Refektnriom goiKVsseo n«:.oh in 
der Kloalorkllolie bereitet werden durften, und mit Ausnahme der 
Kranken (.■inen Abbruch vom 14. September (.KrpnirrrhrthuDir) bin 
xam hohen Osterfeste. IHe IlimiuelpfurlneriaseD hotTleii nun auf 
eine Miidvrunc; diuxer Vorschrifi und, um korrt-kl viirxug<.>heti. baten 
sie mit Betanun« ihrer Armut und bsutigpn Krnnkhuitf^fdlle um 
kirclilichß Dispens, welche ihnen unter der Priorin 

Magdaleaa 
der Kardinal diakoa Johanue^ lil. S. Angeli, pKpstlicber Legat in 
Dt!ui.-tchl;uic1, in Wit-a am 22 KorKinb«rr H47 erteilte. Demnach 
halten die Klusterfraaen während der genannten Zeit im Adireot 
und in der vienigtligigen FiiMcn nur am Montag, DieoFtag^ und 
Fntitag in der \\'i>che nach dem bisherigen lirauch zu* fasten, am 
Sunntag. Mittwoch und Donuer^tag war ihneu jedoch der Fleiscb- 
^nuO gestattet. 'j 

Dciiiielbi'n Kardtniil wurde DOch eine xweite Bitte von dor 
Priorin unterbreitet. Sie borichtctc, daß die reguläre ObservanE 
we^n Mangel an Ordens [lersünen fast in Vergeasenbeit frekommt-n 
^Are, wenn man das Kloster nicht viaitiert hatte. Dieses sei un- 
sSgliek arm. Darum bat die Priurin, man miige die Denelixien vom 
A^ne-ialtar. ferner das in der Johannen- und Kathnrinenks pelle *) 
dem Kli'sier sranz io korpur ieren. da da* Einkoiuuieu der Messen 
von den Wrin^ürtcn und das Patronatsreeht ohnehin dem Kl<-Hter 
gehören. Die ßenefiuaten weehselo oft. and hantig werden ununp?- 
nehme Personen au f-^ex wunden, Das Kloitler muß (iberdiev wegen 
des GüttCKlienstea und der liciehten einen Prflmonstrateniter mit Knst 



>J Bb«nd«. g<t«tkn «tir Oeiclilrfcu> der itiaat WI*d, II. 2. Nr 3\(H. 

'I Orifiaal ferfamtDt im k. o. k. Ifan*-. Hof- und HtialMKliiva in Wien. 
Qactlcii. s n O. I. ^. Xr 1^43, NikolauatV. cr1«ti)>icd«nOT>lmdrD tleUchgeonfl «odb 
auf UaiiRi. I'iim II. IwarhriinklF nut AaUa)c de« GcncrRlhiqiiteti rooi Jahre 1460 
da» Veibol auf «1I> Frclug«, tittasU^e. auf die AJroat- and Tüti^lg« KmImi*!). 

') L'gtor diTMnVilel komail dio Kap^tU (choa 1433 ror. Qoelleti. a. a. O. 
II a. Vr iihd. 



204 

und Kleidung versorgen. Der Kardinal, welcher die Verhältniase nicht 
kannte, übergab das Bittgesuch dem Kapiteldechant von St. Stephan 
in Wien zur Änlierung (Wien, 1447. November 24), aber der Wnnsch 
des Klosters, wie man später sehen wird, wurde nicht erfüllt. 

Am 28. April 1449 einigten sich die beiden niederiSster- 
reichischen Prämonstratenseratifte Geras und Pernegg dahin, 
daß ihre Freiheitabriefe kopiert, ihre Originale aber für beide 
Gotteshäuser zum gleichen Schutz bei den Himmelpförtnerinnen 
hinterlegt werden ; dazu sollen der Abt von Geras (Friedrich), der 
Propst von Pernegg (Gerhart) und die Priorin zur Himmelpforte 
je einen Schlüssel besitzen.') Kurz vorher hatte Michael Stadel, BUrger 
in Wien, der Himmelpforte 2 Pfund Pfennig vermacht (Wien, 1449, 
Jänner 13).-) Am 10. Februar 14Ö1 lies die Friorin Magdalena im 
Namen des Frauenklosters in das Grundbuch der Stadt Wien, 
welcher Konrad Hölzler als Bürgermeister vorstand, die Eintragung 
machen, daß Barbara. Witwe nach Stephan Wirsing (Stadtrichter 
in Wien, 1429, 1439, 1441), ihre Fleischbank bei dem Lichtensteg, 
die zweite von dem Ort, wo man aus dem Taschnergäßlein zum 
Lichtensteg ging, dem Himmelpfortkloster vermacht habe.^) Am 
19, Februar 1452 verpflichtete sich Hans Gruntreich, BUrger in 
Wien, für 5 Achtel Weingarten iu dem oberen Hardt, der Himmel- 
pforte mit ö Viertel Most Berg- und 3 Pfennig Vogtreclit dienst- 
bar, einen ewigen Jahrtag zu begehen,') 

Die Wiener Bückerzeche erbaute in der Agneskirehe bei 
der Himmelpforte einen neuen Altar der heiligen Erhard und 
Wolfgang und lieO ihn schön einrichten. An diesem Altare wurde 
nun am 26. März 1452 ein eigenes Benefizium (Bllckermesse) 
mit einem Kaplan c:estiftet. Die vier Zechmeister der Bäckerzeche: 
Wilhelm von Freising, Niklas Neusiedler, Thomas Leidner und 

') Origiaal Pergament im Stirtsarcbive su (iersä. Blftlter für Landeskunde 
von Niederüsterreich. XXXlll (lt$91)), S. l(i?. Quellen zur Gescliicbte der SUdt 
Wien. I. •'>, Xr, 4Tö8. — Ob es zur Übergabe der Urkunden, die beute doch in 
Geras vorlindig eind, ^ekoiiimen evi, läßt sich nicht aliiiebcn. auBgenommen, man 
nebne an. dall sie später, aU die Himinalprorte von Gera» getrennt wurde, 
wieder ausgeliefert norden sind. 

-) Original Pergament im Wiener Stadtorcbive. Quellen, a. a. O, II, 2, 
Nr. 3203. 

-) Original Pergament ebenda. Quellon, a. a. O. II, 2. Xr, 3427. 

') Archiv desMetropolitan-KfipileU bei St, Stephan io Wien, ebenda, Quellen, 
n, a. O, I, 4, Nr. 3S3!), 



205 



Wollftanj* Pobin>:vr Iwlcaimteti, dsÜ Her Wiener BUcker und Ilflrger 
r.riinril von ICiiidberg filr nieK. scino HnaBfnin Mnrgareie. TncBtor 
Pf^icrs des M(>linar8, und ftir die Vorfahren eine e«i^e Me^se bi'i 
St. Acne» gestiftet habr. AI» VoIJflllircr der Sliflung b^slimmi 
Erh&rd ecineii Vater iiieniQTiuus von Kindberg, damals Kaplan 
im Wii-iier BUriierspilsl vor dorn Kerm-rtor, dann twinen Eidam. 
den Bäcker Hans Prowftndl, den Sladtrntli and Bürger Huu» 
Z'irhmann, wdcbt; den gcnaimtcn vii;r /.ecbnieislnm vin HuitH bei 
der Ilimmelpfoi'te. Plliclie Weinparien ond bcwcglichi- fiHiür ids 
Stiftiingxkapilal abvrgsben. Dafür sollte die BllekerKech« dem Kn- 
ptuii dor iMuAsc an allen vier QDatvmbärAnmetAgon j(x 8 Pfiind Pfennig 
entrii'hton. Dir Kaplan niaßto täglich an dem ftenunntcn AIIbk;, 
besonder» an den Fpiertagen xar Ebre Gottes, Jlariil. der briligcn 
Erhard und Wolf^atig für Crbard Kiadberir, Margarete and Anna. 
seino (JultineD. Ibrc Kindvr, Vorfahren und die gunxv Buekrrzeciie 
dio ?deit.4c läsen, auilerdem am Mattbiastag ein Scclcnamt b.'Uten, die 
KIoKlerfrunen Rollten die Vtgilien Hingen. Dan Benetiziam wird von 
den jun-uitii^en Xecli meistern rerlieben. welobe einen Priester au^ 
Eindbergs FrruadacbiiCl uder au» der Bllclierstccliu bi;\urxii^>n 
imllen. Zur KrfUlluDg dieser Stiftung verbanden siob die Zeeit- 
moifiter boi Strafe von 5 Pfand Pfennig zum Bad bei Si Stephan 
in Wien und 5 Pfund lu St. Affn«»-') Auch sum 2. Augnst 1455 
irird die Priorin de« PrjtmonfltratoQtcrinncnkioslvrs Himmclprorle 
in Wien genannt, als Konrad Sachs, Priester der Passauer Diiizese, 
drei Prukurntoren in der ihm vom Pfii«.»auwr Bi»chofe Ulrich ge- 
fltattettin, an die Priorin eur Himnelp forte zu richtenden ersten 
Bitte bcBtellte. Di« Prokuraluren de« Priester» waren drei Pfarrer, 
oAtulich Jodok Uautmer, Doktor der Dekrete in der ät. Jobaiinea- 
klrehe. .lobaiin fioldner in Retxbacb und ChriKtopbur Piihinger in 
Kapporädorf. iVr BittMeller war waliivchcinlich Bewerber oiu ein 
Benetiziam im Frauuiikloster.'^) 

Am 10. Juni 1463 kaufte :$cbweeter Magdalena, Prinrin. um 
120 Pfond Pfennig iwoi Weingärten in Perchi-'l'Udorf tgelegen 



<) Dia Oii|[inal-t'ergaiii«DiarkaQilo laf in KlotlOioidiiTv lur Ilimmrlpfim« 
in V*«n. N'»ch «ia«r ««hi l«hI«rl)«nMi lc«ll>ti»iumleB AWliriff ddto 1768, Kebrau 
S, tan ninienbitdiijnicliQa KontiatoriiibrobtTe su Wien, 'ittgea lAta\iatii L«Iini- 
IioImt, Awttuann in i]«r äobcHitratle vor itm StubeBlore, imii llfti» Vierrckh, 
Hftrjicr tn \tUu. 

')OtiiIn«I ■'«rgamcol in WiMiBr StodUtaliWp. QiMÜMi.a.a. 0. II.8. Kr.BnHT. 



206 

an dem Viecbparczer beim Kreuz und am alteo ZiikchenmaDtel 
neben der Landstraße) zu zwei ewigen Messen, die sie wachentlich auf 
dem Ägnesaltar in ihrem Kloster lesen zu lassen gelobte. Sie kaufte 
die Weingärten mit der Zustimmung des Hans Pewntner, Bürgers 
zu Perchtoldsdorf, von den Testamentvollführem des verstorbenen 
Ulrich Schochtl, nämlich Wolfgang, dessen Sohn, Agnes, dessen Witwe, 
und Siegmund Schebtekch, Jägermeister und BUrger zu Wien, die 
anstatt Bernardin, Ulrich, Margarete und Elisabeth, Ulrichs un- 
mündiger Kindern, handelten. ') 

Im nächsten Jahre erteilte Kardinal Bessarion, Bischof von 
Tusculum, gewöhnlich Kicaenus genannt, päpstlicher Legat in 
Deutschland, der Priorin und den Klosterfrauen bei St- Agnes eine 
Erweiterung ihrer Patronatsrechte (Wien, 1464, Mai 20). In An- 
betracht der Abwesenheit und großen Entfernung ihres Vaterabtes 
von Geras, sowie der Armnt des Frauenklosters, welches mit der Be- 
stellung eines eigenen Beichtvaters, der auch sein Anwalt und Prediger 
war, viele Auslagen hatte, erlaubte der Kardinal den Kloster- 
frauen, das Beneäzium in der Kapelle der heiligen Johannes und 
Katharina im Vakanzfalle gleich dem Hausgeistlichen des Klosters 
verleihen zu dürfen, wenn nur der Schottenabt und ein älterer Meister 
der Theologie {Priester), der im Wiener herzoglichen Kollegium persön- 
lich wohnt, ihre ausdrückliche Zustimmung geben werden. Mithin 
war es nicht nöt'g, den Vaterabt darüber zu befragen. Das Ein- 
kommen des Beneiiziuras (Stettner Stiftung} war ungewiß, weil es 
meistens im Anbau einiger Weingärten bestand; das Patronatsrecht 
gehörte zwar schon früher dem Kloster, doch war es ein aas- 
drücklicher Wunsch des Stifters gewesen, daß der Benifiziat nicht 
zugleich Hausgeistlicher des Klosters sein dürfe, was jetzt abgeändert 
wurde.-) 

Es werden noch andere .Schenkungen und Gaben aus dieser 
Zeit crwilhnt. z. B. ein Steuernachlaß der Stadt Wien ddto. 1465. 
Dezember 20, unter dem Bürgermeister Ulrich Metzleinsdorf er, laut 
welchem der Himmelpforte und der Priorin 



't Original Pei^ament im k, u. k. Haus-, Hof- nnd l^taatsarcbivs zu Wien, 
Quellen zar Gesehicbte der Stadt Wien. I, 2, Nr. 1875. Den Kaufbrief besiegelten 
«nch Hans Wisanndt. REchtor und Verweser dar znr Rurg^ Perchtoldsdorf gebCrigen 
Gründe, und Wolfgang Mcwringer, Bürger za Perchtoldsdorf. 

-) Original Pergament ebeniia. Quellen, 8. a. 0. I. 2, Nr. 1868, 



207 



Margarete Zrllor 

(lie jahrlicli« Stadtslctier von 1 Pfund Ffenaic von einem Hans 
mit Sttdcl, Oarteii und iiwoi Hoffte« wt-in^mieln, welche sie vom 
WtCDcr nilrgor Aoclrons Galuiidur gekauft hatte, erlasaeo wurde Da« 
Hau« log im *ireu« vor dem Stubeiitore neb«« Kaspar Schwurz. dem 
Elttuc'r. und «.Ichst der Ga.sttf>, in welcher mno zur l'ircbiit^rioiuühle gin^. 
Der jeweilige tI«s(un<lJDhaher des Haiue«, wdrlien ilii; Klix^^terfrADeo 
nurnebmen. boU von seinem eigonen Gut die Stadtat«uer zahlen. Snllte* 
jedoch die tlimuidpfnrte das Hau!< verkaufen, «o verfallt der Steuer- 
nachbiU, mid dieser Freibrief wird utif^lti;;'.-) 

Am 29. Oktober 1467 vermacht« Anna, F.bej^ttJn ü**» Licnhurt 
Radau ner. Btli^rin Wien, welche frlthcr dea verstorbenen MuttbiuB 
Wi«1vr« Gattin ^cweM>n, u. a. dem Himmel pfortklo^UT ibre uraltf 
Mahl«, geDannt die WUrzburgcrin, tarnt der Ilufstatt Tur dem 
Stubeulor mit aller ZagehOr auf zwei wi'ivhentliche StiflangBrnesBen in 
der Liebfraaenkapelle hinten in der Klosterkirche, wofür der 
Kaplan dieser Me^^e jlitirlieh 10 Pfund Pfennig vom Kloster zu be- 
kommen bnL Auch würo später im ihrem Storbotage ein Jafai tag mit 
Vigil und Seeleiiamt in tlblieher Weise vom Kloater «u bepehtn und 
in der genuunten Kapelle ein ewiges Liebt za erbalten, altes fttr die 
Slifterin. ihren ersten Mann Matthias Wisler und die ganze Kreund- 
ecbaft. Zum ersten KupUiu wUbllc die Stirterin Erhard Hiiwgcn von 
Perchtoldädorf, dem aio außerdem 32 I'fomi Pfennig vermaehtf; spltter 
«ollten die Klo*K?rfr«nen den Kaplan präsentieren. Zn Vollfohrern 
des Tesiamentea bestellte die Stifterin ihren öalten, al« dessen Bei- 
»Ulndc Nikluä Ern^t, RatflhiTm. imd Widfgang Kdlart. Sp tteliiu-ister 
im Wiener Bürgers pital, beide Bürger in Wien, riicgier der Urkunde 
waren der Magister Paal von Melk, Lehrer der Heiligen Sehrifl and £>om- 
dechiint bei St Stephsn in Wien, und Veit Hindperger, Bürger diun-Ibst-'J 

HicF'jnymua Alram, Archivar zu (Jeraü [^pturben 182('). eri-Jlblt 
gans kura von einer ätifhing aus dem Jnhre 1473, die der Gernaer 



'*)Original Pergamvat t-beaix. tjuollMi LGMclikht« d.Stadl Wiea. 1,2. Nr. 1ST9, 
*) OciciBml FüTKaaifiit olwiula. {^»Ucn. «, a. O. U 2. Nr. I88S. litclorut- D!« 
IK'intburirer Uulil (ciiBtiiit iwiicbea Miilica- tind KJtraeilo«, tliainil iil lu vcibctMts, 
«lu IlorBkjr, II. 3, 8. ^9 von Setvr MllUe »itaii .Islifo XoVIi lai;!. Üttin Jaia« 
14B6 rniiit er die ikbonkDUi eine* üau^ot aaf dfr Lanilitrafte durcb ilcn 
gelehrten M»gi>t»i I'kqI roa Slelk an. die ntobt nU»er oruwct werden konnl«. Aacli 
die ddinJuiOK Clrtdu de« llelpluuit iit voa Hormsjrr <.a. m. O^ 8. fiS) raltch 
■OM Itöt »tall I3U aagir^lirt <m<l scfa&rt tum I)n knoIgMltar«. 



208 

Abt Oswald nU »obrister Vorsteher des Klosters Himmelpforte* be- 
Htiltigt habe.') Laut Vermerk einer Urkunde ddto. Wien, 1479, 
29 Juli, welche die Priläeiitation des Priesters Gabriel Rabel aus 
der Passauer Diüzese auf das Denelizium des Apostelaltars bei St. 
Stephan betrifft, ergibt sich, daß Heinrich Haiden und Anna, 
Mutter des Lorenz Haiden (Bürgermeister in Wien 1479 — 1484) 
und Hausfrau dea Leopold Hülczler, im Jahre 1470 eine ewige 
Messe bei der Himmelpforte mit vier Weingärten stifleten. 
welche zu Enzersdorf bei Brunn (»im Raucheskogel*, »im Perbes- 
thaU und >im Viiirklein«) und zwischen Sievering und Dübling 
lagen.-) 

Die schon frtther (1419) kurz erwilhnte Reutter-Mease wurde 
1457 durch den Tod des Kaplan Wolfgangs Egker frei und am 6. August 
desselben Jalires von der Stadt Wien dem Meister Paul Schweigker aus 
Bamberg. Baccalaureus jur. ean., verliehen, welcher die Messen drei 
Stunden wiicbentlich zu lesen gelobte. Diese Messe haftete am Drei- 
künigsaltar. Auch am 6. Juli 1463 hatte diese Stiftung noch denselben 
Kaplan, da er vor dem Wiener Stadtricbter Lorenz Schünberger 
das Haus Hansen dea Warnh(jfer im Herzoghof wegen 20 Pfund 
Hurgrechtdien.st klagte, der ihm wilhrend des Jahres 1462 ver- 
gessen war. Am 2Ü. Februar 1477 verkauften Kuiiz Lankhaimer, der 
Koch und Bürger zu Wien, und Pf'tronella, seine Hausfrau, 10 Pfund 
Burgrechts von diesem Hause im Ilcrzoghof um 100 Pfund, die von 
den 200 Plund Burgrechts herrUhrten, mit welchen man dem Kaplan 
dcr.Reuterschcn Messe (Hans Payr) .-^eine 20 Pfund abgelöst hatte; 
an demselben Tage wurden noch andere 9 Pfund 6 Schilling Burg- 
rocht von diesem Hause verkauft. Am 11. Miirz 1491 war Kaplan 
der Messe Wolfgang Giip])inger. Er kaufte für sein Bcnefizium 
10 Pfund Bnrgreebt von Il.in.s Hajicr. Bürger zu Wien, und Mar- 
garete, de.-"sen Gattin, auf ihrem Hans innerhalb des Stubentores 
um 100 l'fund Pfennig. Von dem Hause diente man jährlich 
12' j Pfund, die von der Stadt Wien aU Lehensherm im Ein- 
vernehmen mit Petei' Frank. Meister der sieben freien KUnste an 

>l Annalon de* l;>tLfCefi Cerun. Mscpt. III. T. im Stiftgarcbive ün Gera« nach 
r. WpinhoftTs ßoscbriebcnec Urkundi'nsoiiiinliin[r aus dem Wiener ßOrgenpitol- 
arcliivp. X.'iherc<B dariilicr kannte nicbt fEcfuniicn worden. Vielleicht ist e* eine Stiftnng 
qMtcrcn Uatiim« mit Mii|j;isti.T Oüwalil von Wcikeradorf als Obern dw Kloiten. 

') Original l'eri.-'umi.-nt im Wiener Stadiarchive. Qnellon zur OeBChieUe der 
.<tiidt Wien. [1, 3. Sr, 47l>t;. Interschrift der Verraerk»: Kaplan Gkbri«l Babel (wo?) 



I 



er Univcraiiat und Bovollmilcbti^ii d^» Kaphnt), ertniHigt 
wiiriinn.') 

Vor d«in Jabre 1460 muti noch dia unMhnlwbA Scbwollep- 
sche Stiftung von tiregur Sohirell«r. BUrirer xo Korneobiirg, und 
Margarete, seiner Ilausfi-ao, zu ihram beideneitigen äeelenbeite io 
der Iii£iut(frka)>6lle b^i der Ilimroelp forte erriobtet worden Mein. 
Am 19. Juli 144)9 crsebeiat StopbtiD l'opp aU ibr Kaplan, zu der 
Margarete. Wilwp dea gestorbenun 'ieorg von PäbcI. dM Zimnier- 
maon!». mir Zastimmun^ de» BurgeroieiiiterH Andreiu iSchöiibruckner 
unti der .Stadt Wien eine Brandatatt ^genDber der Himmelpforto 
nm 28 Pfand Pfunnij; (Ur div«^ %fenm giekauft hittte. am dort fUr 
Ncib und ibr« Kanbfolf^er ein Hans zu erbauen. Auf dieser ßrand- 
uaU iUcb«t Meinem Ulricb £Dscitp«rg«r HauR war mhao frober ein 
HnuB gestauden.''') Ad d«roHelben Tnfce, 19. Joli, |;eloble der Kaplan 
Btu dem 2'/, Joch tnesMiidcn Weingarten, den Gregor und Mar^urtile 
Sohwflller za ibrer Maase widiueo wollten, von jedem Fuder ge- 
feebaten und in diu Stadt ^ftlfartfn Weines, Moste« «xler Meisobeft 
der Stadt Wien 1 Pfund Pfuniirn zu entricbteo.') Ant G. November 
1471 bestätigte Kaiwr Friedrirb lll. in Wien diese Stiftung, die 
auf vier w(>cbeallicbe Mtisseii im Kloelcr zur Himm«<ipforte 
buitotv.') Am 17. Murz 1477 klagt« Atopban Popp vor dem Wiener 
Stadtriebter Tbomaü Teni^k auf weUund Ilfins UütirU. Ptlrg4«rB 
HU Wien, Ilau.s auf dem allen Kublmarkt gegenüber St. Micbael um 
60 Pfund PfeDDi^ Uauptgut, um 14Ü Pfund und 9 Pfund 40 Pfennig 
Burgn-chtödieiwl und »wurde der Cljerteuerunf; gewaltig gemacbt« 
(Wien, U77, Mare 24).*) DaÜ 9 Pfand 40 Pft-noig Burgrechta dem 
iüiplnn zogrstanden worden sind, erbellt aucb auB dem Briefe 
des Peter Zedlioser, welcher die»fs Uaua 1484 vom Wiener Bürger* 
metster Ritter Lorenz Ilnidtm um 32n riuldivn gisktniti und am 
11. Mai 1485 erkbirt hatte, daß ibin bei d^r Abreehnung des 
Suldea, d«Q ibm diu Gemeiudv Wien (ür wine Dieiwt« wltul^le, 



<> VüaT Qrigiaala •bonda. Quall*«, a a. O. U, 2. Nr. 87« na4 3,' Nr. 4067, 
iÜSS. MSI und MOS. 

t| KolUtlonfulc KopU dd(o. 17ää. Feknuu %, In fflnlfinMwliSfllfbcn Koa- 
•UWriakMliiTe aa Wton. äUglcv: Wi«a nad UwBwaa HnlatMa. IHfgvr vl'ttid». 

3) In Wiener Siadlu«hire. Qnaien, a. >. O. II, 8, Nr. 4S79. 

') OrigiM) PergOLtneiii im k. b k. Hm»-, Ott- nad StaMtarcMvn in WIm». 
QiMll«a. a a U. t. 1. \r. 1898. 

>) Im W\€an etadunltl*». (jnollm, a. a, a II, S, Sr. 4«3H 



2t0 

diese Summe Geldes und der erwähnte Burgdieast abgezogen 
Wurden sei.',) 

Als Kaplan des Agnesaltars-) kommt am 28. Mai 1473 
Simon von Meißau. Priester der Passaner Ditizese. vor. welchem 
Kardinal Markus. Patriarch von Aquileja und päpstlicher Legat, 
diesen Altar, ferner den Johannesaltar in der Kapelle des heiligen 
Moranduä und die Kirche in SoDnber<r verliehen und ihn auf diese 
Benetizien auch hatte investieren lassen. 

Nur nebenbei sei bemerkt, daß es auch in dieser Zeit zahl- 
reiche Häuser in der Nithe des Klosters in der Treibotenstraße ^b, 
die man einfach >bei der Himmelpforte« nannte. So 1402 ein Haus 
gegenüber dem Kloster ineben Bernhard Esenhaymer). welches Elsbet 
Puchsendreehalin von Katharina, des verstorbenen Christans tod Krems 
Witwe, und deren Kindern Christine. Gilgen des Ritter Hausfrau, 
und Hans um 18 Pfund zur Hälfte erkauft hatte. '^) Dann ein Hans 
beim Kloster gegenüber dem Stift.ihof von St. Polten, welches Peter 
von Mautern. Wiener Burgkaplan, von Meister Niklas von Hobersdorf, 
Puecharczt. um 170 Pfund erkauft hatte (Wien. 1411, Dezember 11 
und 1412, Jänner 22i. *) Andere Häuser gehörten dort z. B. Peter 
dem Grueber (1407). Hans Volkchl, dem Bäcker, und Christine, 
seiner Gattin (1421). der Witwe Trupp (1432). dem Kaplan Stephan 
Hölczl bei St. Stephan (neben des Schar Ifen berger Haus); »hinter dem 
Kloster^ (1433) der Katbrei Neusiedlerin (1435), dem Peter Spiegier 
(1440). dem Kaplan Ulrich Rosenfankch zu Guttar in Ungarn uod 
seiner Mutter Dorothea (14ö.'l hinter dem Kloster zunächst der Presse 
neben Gilig Paum'. Konrad Holzler. Hubnieister in Österreich, dann 
das Kloster .St. Hieronymus (1472 in der Weihburg hinter dem 
Kloster), ein Haus mit Stadl. gewidmet zu einer Wochenmesae auf 
dem neuen Karner bei St .Stephan (1479', Veit Widmer. Bäcker in 
Wien (1493) etc.-''i Auch das .Schottenklostcr kommt am 24. Man 
1496 mit seinem Grunddienst beim Kloster Himmelpforte, und am 

■'• Ibid. xr. mal. 

"•) Wahracheiniich die FrilhmeßstifCuDg. Ebeacla Nr. 4480. 

'-I OrigiDiil Pergament idi k. u. k. Haus-, Hof- und StaatMurchiv Ed Wwn. 
Quellen, a. a. O. 1. 4. Xr. 4^34. 

■i Ebenda Nr. 43Ö0, und: Quellen, a. a O. II. 2, Nr. 1908 (Wf«a«T Stadt* 
■rehiv ). 

■) Wiener StadlHichiv. Quellen, a. a. 0. U. 1, Nr. 1708: 2, Kr. 2160, 8460, 
2530, L>T;)4. ^03; 3. Nr. 444:>. 4T2.Ö. r>41M. Dann da» Archiv im HetropoUlaa. 
kapitelü bei St. Stephan in Wien. Quellen, a. a. O. 1. 4. Nr. 3769. 



SU 



19. Novcmbur U6:f das Kloster Hobimfurt mit einem Weingarten zu 
Nufidorf oebuo dpa tliintnelpfltrlaerinncn vur. ') 

Schwerter Slur^areie Zeller wird öfter als Priorin inr Himroel- 
pforie j^n«nnt. Am 13. Fcoruar 1470 etelttc ibr xa Bbenidorf der 
nKrrirto Erbknninierer in t Merreicb, Veit von Kbnrsdorf, uinco 
S«huld»ehGin »tif92Pfnnd Pfennig nna woTon er jilhrlicb 30 Pfund 
p .Scbilling 10 Pfi'iini^e zwiscben Micbaeli und 3Iana dem Kloster 
EurUckzuiahten gelobte. '^t Durdi die Jungfrao Jobanna, Tocbter des 
vcrs torb«n«?o\Viem:rBttrKer#Han--< Marcbart und Klottl<;rfraj, bekam die 
lümmclpfortc das Ht'cbt uuf viovii IVil ■!<'» Hitusc:« vor dem Kammcr- 
hof. welches »das Winterhans- bicö tind neben Jörg Khra&per^ränaus 
log. [>ioses Hftus vermachte tlaiiü Karchart seiner Gattin f^rbani. 
der 'IVdilur Johaonn und dt-m tfobne Marcbart, d^r jodocb bald starb. 
Nun Turzicbtoicn die Priorin Mui'gitrt-tc und diu Jungfraa Barbara 
ron diT Uiiiiiiielpforte im Wiener Grundbacii vor dem ßtlrger^ 
moister Andr*"»;! Scbi'.nbrupkner iiuf alle AnnprUehe ibrea Klo«ter8 
SU Uunslen der Witwe Barbara, die nun allein das iluun besitzen 
aoll (Wien, 1470, )(Iai2l\ DuKwIbe geschah «pater bezüglich zweier 
Unu«er im Gltßleiii bei den langen Tucblaubeo, xva man in die 
LnndskrjD gubt. and eJneit (.iewandgewülben itamnit Turm untvr den 
laugen Tucblauben (Wien, 1470. Jnli 5). ') 

Am 30. Juli I4T0 erteilten Angeln^ de» bniligeo Kreuze» in Jcni- 
aolem, FranK von f^t. Maria Nova. Theodor vom heiUgen Theodur und 
Johann von St. Luziu, Kurdinalv in Rum. einen Indu Ige nzb rief fUr 
die Agneskirebe, lautend auf 100 Tajic Ablaß atti Weibnachts- uud 
Oaterfvste, am Pust» Marine Hiniint-Ifahrt, St. Agnes und d«r Kirch- 
weihe. Sicher wurde divsiT Ablftil zur 20l)jflhrigeii Jubelfeier 
der f I tili mrtpf orte get^pendet. Da» Gesuch expedierten Doktor 
Nikolaus de Chrinzenacb und Ulrich Enizberger, Kanonikue von 
Passan und Lizcntiat der Dekrete, die boidrt Ucnetiziatvn de» Kreuz- 
mid Katharinenaitares im Klo&ter waren.'» 



') Wientr Scboii«ntrcfaW und SliflMrcliiT >u Klo«Uni«aburg. Quellen, •. &.O1 
t, 1, St. 583 »od 3. Ür. iiSß. 

*) OriK>B>l PaiHCT im k. u. k. Uau*-, Bof< nnd ^laftUuobiTc n> TTicn, 
QaelW, a. ». O. 1. 2. Hr. 1883. Siegln: d«f AtuaMlIvr nad dar adl« Braunni 
VvDcliUr. 

') BeiJfl Drigisftl» auf Papier im WiMtar Stadurclit*»- QocUbb. a.a. Oi II, 3, 
Dr. 4330 vttA 4:i31. 

*) Origüal PerjamtBl im tttr*l«nhtM:liSnielieD K«iuutari*lKrcIiiT« m Vi«A. 

14* 



212 

Am 10. Juni 147L verzichtete die Priorin Margarete mit ihrer 
Konventschwester Anna, Tochter des verstorbenen Fleiichhaoken 
Bans Prechssner und der verstorbenen Barbara, desaec Gatön, anf 
des Erbgut der Klosterfraa Anna zugunslen ihrer Gesehwiiter Kaspar 
Prechsscer und Mai^arete, Ehegattin des Wiener BUif^rs Niklas 
Holczlein. Hierilber warde am 19. Dezember 1472 dem Kaapar 
Preohsener rem Schottenabte Matthias ein Vidimus aaegestellt *) 

Im Kloster der Bußerinnen bei St. Hieronymas, unter der 
Meisterin Kunigund Zachleder, machte Konrad Holtzler, Babmeister 
in Osterreich, die Stiftung anf eine tägliche Messe, die er mittels 
eigener Urkunde, ddto. Wien. 1473. Oktober 29, der Anfbicfat der 
HimmelpfÖTtnerinnen nnterstellte. Diese sollten an alten vier Qna- 
tembem die Persolvierung der Stiftung Überprüfen, dafür jedesmal 
60 Pfennige und ftlr jede Versäumnis der Bußerinnen ebenfalls 
60 Pfennige bekommen. Wenn aber auch die Himmetpforte sich 
um die Stiftung nicht kUmmerii würde, dann sollte sich ihrer die 
Stadt Wien annehmen. -) 

Kach dem Tode des Benefiziaten Mag. Lienhart von Percfaiiig 
verliehen die Himnaelpfürtnerinnen die vakante Messe am Drei- 
königsaltare nach Rat des nllchsten Verwandten der Stifterin Agne8(?) 
Maer von Niederleis, Hans Hager, dem ehrbaren Priester Seebold 
Hertzog (1474, Oktober 17).') Unerklärlich ist aber die Verleihung 
des durch Leonhard Egerers Tod vakanten Nikolaialtarea (?) 
bei der Himmelpforte an den Pfarrer Rtorich von Gruventhal (Sai»- 
burger Diözese) durch Papst Sixtos IV., wobei die jähriichen Ein- 
künfte dieses Altars mit 4 Mark Silber angegeben sind.*) (Rom, 
1474, November 4). Am 27. Dezember 1474 verliehen in Rom drei 
Kardinale, Philipp. Bisehof von Porto, Franz vom heiligen Eustach und 
Franz von S. Maria Nova, wegen des Agnesaltars bei der Himmet- 
pforte einen lOOtSgigen Ablaß am Sonntag nach der Erenzerhühoo^, 

') Original Pergament im Wiener .Stadtarchive. Quellen, a. ft. D. D, t, 
Nr. 4460 und 4368>. 

-') Original reigament im i. u. k. Hana-, Hof- und StaatiarcUre hi Wim. 
Quellen, a. a. O. I. S, Nr. 1900. Hormayr, II. Urktindeabucfa. S. XXIV, Nr. 208. 

>) Qaellen, a. s. O. I. 2, Nr. 1902. Siegler: Hans Hager uad FrisAriob 
Weimer. 

*) Künigliche» StaatsarcliiT in Rom, Annat. Slit. IV. U76— 1477, f. 81. 
Blätter des VereinsB für Landeskunde von Ni«derJ)Bterreich. 1890, S. 849, osl: 
Quellen, a. 8. O. I, 1, Kr, 197. 



213 



Dach St, Atuft, Uli Somiitta: •RenjiBMotTC«. der boili|;eii Drvifultig- 
keü und am Tage der Deditcatioii di«aes Alurs. ') 

Am 14- AIiLtk 1476 vorpachtoton Mar^arot« Z*ller, Priorin, ond 
dor Konvent xur ütniin«lpfi>rtt< ihre Mshou 14fil durch äclienkaD); ttr- 
worbene Fleischbank aaf dem Lioh(eii»teg der Witne Kallirei, weiland 
' Jür^ ron Ror d« Fl«i«obb«ckers und Bürger» too Wie» EbfÄ»«tin, 
auf Lebcoslllnge um jübrliobc 10 l'fund Pfennig in drei Katen. ^} Am 
4. Mn» 147S stellte die Prinrin Margarete bei der ^tadt Wii>n da» Ao- 
sucliea, einen 8att per 20U Pfund Pfenni^r im Grundbueh xu lOsche». 
um welche VToirgiui); Zeller. Bürger in Wien, seiner äobvuster Jung- 
frau A^e». KWsterfr&a bei der HimniulpCone. Hein Haos in der E<.-rn«r- 
•tndte (nvb«ti der Wilwe de* + Bilckors Tanbnfer; vereei»! hatte. ') 

Am 7. Sejitember 14)10 wurde in dar ätephanskii'cbe die Erek- 
tionsbuUe vom Jahre 1469. .Inaner IS. feierlich publiziert Von nun 
An geborte die Hiiunielpfnne der Wiener DiCwee an. Da» Jabr 
1.4$2 bracht« die»<.ttn Fruuvnkloster auch zwei neue, gute .StiftunjireR. 

Am 9. Jaaner 1462 schenkte A^ea, Witwe nach dorn rer- 
3tiirb«nen Wiener HUrger .Stephan Khuefuesfter, dem Klo-uer 
400 Pfund Pfennig, ein Mellbui-b. eineu Kelch und ein bUu< 
damaütcnoi) MeJjgew;iud auf eine vwige KrUhmcwc am Andreas- 
altare, die ein eigener Kaplan an drei beliebigen Ta^ea wöchent- 
lich fUr die Slincrin. ihren Miinii, ibro Eltern und ihn- Freund* 
schalt le^en uder besurgeu nullte. Von dem Kapital butte 
der Kaplan Beinen LebenDuntorbnlt zu beziehen. Die ätifterin 
behielt sich lebenalanglich da» Patronat dieser Me:sde vor und 
verlieh »ie xuer»t ihrem Bruder Michael äikh, Nncb ihrem Tod« 
gefaSrte da« Patronat der jeweiligen Priorin des KKisters zu. Diese 
sollte stets einen sntcheo Priester wllbten. welcher dem Kloster im Be- 
darfsfälle mit Predigt und BetchthOren ausiuhelfen aioh verptlichtelc. 
W'tirde der Kaplau Miioo Moeec rersdumcn, dann mul^ er nach zwei- oder 
dreiiRaliger Mohnong dem Kloeter ein Pfund Wachs zahlen, und wenn 
ar aioh weigert, kann di« Priorin das BcncAnum ander« besfitxeo. ') 

') Orlf(a«I fBrgUBtMl in fOitursliisakk fliehen KaDKiMoriil«r«hiv« nt WIm. 

') Orlflml PtrgMieni im k. u h. Haur. Hof- uod SluUarcfai*« in Wien. 
Qavllon, m. b O. I, 3. Nr. 190i. «Ufflftt. Slaptwa llsrll, BUrgw, und UoUitr V«ii 
Qrtwtaprtii. äUitUcbraibw in W(«a, 

>} OriclMÜ l-ipUt In Wi»ii*r StuOutrchl.* Qu»ll««>, ■. a. a U. 3. Nr. WA 

'I Drieinat l'vrfunmi im k. a. k. Ilaiii.. Hof. nnd tHaatufchir« lu Win. 
QaaiUn.a. ■. (_) l.'J. Kt. lU-2t. tfU|cl*r: Enir*!ch ICopjii, Saubefr. nud UtUur Vait 
GtkiMpTkb. «uducliRiber 1& Wien. 



214 

Am 18. Jnni 1482 überg^ab Elisabeth, Witwe nach weiland 
Meister Martin G a 1 d ei n, Lehrer der Arzneikunde, der Friorin 
Margarete zwei Weingärten am Wartberg bei Müdling (>Nasthal* 
und »Demsling«) nächst dem Weingarten des Gunteradorfer Pfarren 
(Kleinzeth), dienstbar in das SchlolJ Laxenburg im Lesen eioea 
Eimer Most Bergrecht und fUr zwei Hühner 12 Pfennig, aaßerdem 
Vi Joch Weingarten bei Nußdorf »an der Weißen Leithen«, 
neben der Chorherren von St. Dorothe Weingarten, dienstbar dem 
Stifte Kloatemeubnrg mit "/i Most im Lesen zu Berg- und 3 Helb- 
ling zu Vogtrecht. Dafür sollte jährlich nach ihrem Tode an ihrem 
Sterbetag ein Jahrtag mit Vigil und Seelcnamt für die Stifterin and 
ihren Manu in der Klosterkirche begangen, außerdem sollten dort 
wöchentlich noch zwei Messen (Montag für arme Seelen, Samstag von 
U. L. F.) gelesen werden. Erster Kaplan dieser Stiftung war Thomas, 
welcher die beiden Weibjritrten in Mödling, die Stifterin aber den 
Weingarten bei Nußdorf lebenslänglich genießen sollte. Erst nach 
ihrer beider Tode fallen die Weingärten dem Kloster zu, welches 
für jeden versäumten Jahrtag 3. für jede versäumte Messe 1 Pfund 
Wachs der Stephanskirche in Wien zur Strafe geben maß.') 

Schon vor dem Jahre 1484 (unbekanntes Datum) stiftete der 
Wiener Bürger Siegmund Gwaltzhofer einige Messen in der Agnes- 
kirche bei der Himmclpforte, welche dort die Wiener Augustiner 
Eremiten, da sie die Einkünfte davon bezogen, am Agnes- oder Drei- 
faltigkeitaaltare zur Ehre Gottes und der heiligen Maria allwöchent- 
lich zu lesen hatten. Einige Jahre hindurch persolvierten sie dieselben, 
dann aber weigerten sie sich, es zu tun. weshalb der Stifter nach 
Rom rekurrierte. Innozenz VIII. bestellte nun am 26. November 
1484 den Wiener Domherrn und Offizial Wilhelm Gerhertl ZQIQ 
Schiedsrichter in dieser Angelegenheit.*) Am 13. Juni 1485 beriefen 
Leupold Pranntz. Doktor der Dekrete, Domherr und Generalvikar, 
mit Wilhelm Gerhertl. Doktor der Dekrete und Domherrn in Wien, 
über den päpstlichen Auftrag beide Parteien binnen zwei Tagen 
zur Verhandhing dicker Sache in das Haus des Generalvikars.') Der 
Sehiedsprucii wurde erst am 29. Jänner 1487 in Wien geßtllt. 

') Nach einer Ko[>ie im fii Täte nbUchüf liehen KouBiatoriaUrchiTO in Wi«a, 
^ieglcr: (ieorg JJSriger, Kirchmeiiler der Prarrkirche bei St. Michael (Schwager 
der Stiltprin). IlaDH Mllllbauäer und Hans Langhart. BUt^t in Wien. 

*) Original Pergament ebenda. 

i Alte Kopie i'benda. 



91 ö 



icnä^Luüliiimir. JJombL'iT um) Ofiiziat ilc^ l'A«»AUi.-r Siiftf^. Lelirt^r 
d«r tloiÜgen .Schrift und dur pupstlicbi'it Hechte. Ore^or. Propst di's 
^liftea Sl Darnthe in Wien, und Kiklaa von KreuUen. ebenfAlU 
Lctbrcr<lcr [letU^eii Sclirifi und der )iilptit lieben Rei-bteand Lektor der 
HdlipJD Scbrift im fürsüiehpn KoUcji der WieocrUiiiTerwiäi. schticb- 
teteo dou Streit sn-i&cbva Fr. Krbar<], l'rior, and dem Ati;ru5tiai;r- 
kloitter einerM;it;it. und ^io^tnund l-iwallKhofer. MUnsEineiaier in Öster- 
reich, inidorfloit^ dAhin. dal' die An^ti^tiacr zu jenen Mosten b(-i d«>r 
Uimiuelpfurte niebt muhr vorptlicbtet seit^n. soridera zuhause alle 
Woche» drei Mi!!i.ten auf dem kSelmtitiuniiJiar zu lvM(<n. Wi der 
UimiQelpfurto jei]t>cb nur üvn JahrUtfi:, d. i< alle Qmttember j« ein 
S«oloiiuint xn halten hAUcii. Die LlimmelpfUrlnurinnen itollon darttber 
nrachen, den Jahrta^; immer arRap}ii und dafür zum neuen Jahr 
42 Pfennig bekommen. FUr jede verstiumte Metse üder jeden Jnhrtn^ 
sollen ihnen die Aii^uhtiner I Pfund Waehs veben. Binnen lfiTa;;eu 
soll allvageor^loct »t;in. und wi-iin künftig tiiiivrder 8treitvnden gi^^D 
den Schiedsprach bandeln wUrde. so sollte er dem ander'^n Teile 
ond auch zum Bau der Dumkirche bei St. älepban in PasMu je 
4ü Pfund Pfennig zahlen.') 

Am 3. Svptvmbcr 14tJ9 bi:zcuj,t« Sixt DarnbultKcr. Kleriker 
dör Paitaauer Ditizew und Oßendicher Kotar. in lie^nwart der 
tUkkat-iurvi Mä»p. Koiintd Ciirrif«*x iium NUrnbtT^'. Priwltr der 
Biuubtjrp?r- und Map. Andre^i« Kosniölner. Priosier der Piwsauer- 
Dii>7.f<.-«e, dali Mallbin.<i Sntii,vell«r aas ObcrNulz, Bukkslaunus der 
Tbeotogie und Prior dea fUrätlichen Kolleg» in Wien, auf die 
Schn-ellerwhc :?tiftuDg. erriebtct ror dem Jnbi-i; 1409 vun Gregor 
und Jliirgjiretc Schweller au« Kurnenburp. prllaeittiert worden wi 
(14öeL Mai IiX naubdem ihm die StilVerin »i>lbBt als ihrem Atirer- 
vTAiidti-ip dietwtt Bcneti«iunt inni Albire der heiligen Dreilalti|[keit, 
heiligen MArta und alter .\po«tcl) im Vokanxfnllu xujjcangt halte.') 

Manebmal gab og aber zwischen dem Kloalur and dvii ziem- 
lieh selbRtlindigRn ßenefixtaten an der Agneskirche grüßcre nnd 
kleinere Dilferenzen. sif im Jahre 14Ht we^cn der Kcnslnr und 
einer 'i'llre im li«.-nrtiziatcnhuase. das »iCiugdbuus« ^naiint. in der 



f Orlpoi) riTgiaicnl Im k. n. h. H>Of, Hof- und SUsiMrcliii» in Wjna. 
Quelle«, n. a. O, 1. 3. Nr. 1^2(1. 

') OriciBSI t'ergiiiDciit bIhmkI«. (turllrn. a. n V. I, X Nr ll'U. Dnu Xt>ur 
«roTde von UHlUiias ^chwellor nur eise Kopia ätm SdivrollcrMbon MlfUbri«'». 
d»r letilor anbrkaaoi Ul. rMfcteft- 



216 

Traibotendtraße neben der Himmelpforte, welche aaa diesem Hanse 
in den Klosterbof ^ogea. Damm wollten die Elosterfranen dort 
einen Stadel aufbauen, damit niemand in ihren Hof sehen oder 
htneinsteigän künne. aber die Kapläne wehrten sich, weil ihnen 
durch den Znbau das Licht benommen würde. Über Ansuchen des 
Meiatere Oswald von Weikersdorf. Provisor der Himmelpforte, und 
Mag. Andreas von HUttendorf. Pfarrer zu Enzersdorf, derzeit Kaplan 
der GnlLmhertelschen Stiftung auf dem Pauluultar. als Vertreter 
der Benefiziaten. wurde vom Wiener Stadtrate eine EommisBion 
bestellt, die am 1. August 1491 an Ort und Stelle stattfand nnd an 
welcher Lorenz Taschendorffer. Michael Gandagker. Christoph Steger 
und Lorenz Huttendorfer. ntle Ratsberren von M'ien. dann Klemens 
Inprugker. Steinmetz, und Mert Fronhofer. Zimmermann, in Gegen- 
wart beider Parteien teilnahmen. Es wurde vereinbart. daU die 
Kapläne die fraglichen Fenster vei^ttem und die TUre vermauern 
sollen, die Klustcrtrauon aber den Stadel nur 6 Schuhe von dem 
genannten Haus und nicht höher als 7 Danmetlen auffahren dOrfen. 
Das Gaülein. welches sich bilden wird, soll vom Kloster gepflastert 
und beschüttet, das Wasser von durt in den Klosterhof abgeleitet 
werden, und wenn die Klosterfrauen nächst der Einfahrt auch noch 
etwas bauen wollen, darf es nur in Distanz auf 6 Schuhe von dem 
Benetiziatenhause geschahen. .\uch andere Fenster des Benetiziaten- 
hauses. die in lien Klosterhof filiiren. sollen vergittert, und ein großes 
Kreuzfraster im Zimmer, welches dem Kloster gehört nnd wo der 
KK'sterveistliche wohnt, vermauert, dafür aber ein anderes aof die 
Gas^e zu ausgebrochen werden.' .\m '2'i. Angust 1491 trat eine 
zweite Kommission zusammen, die wieder Lorenz Taschendorfier 
und Michel Gundagker in Gci;enwart lier städtischen beeideten 
Werkleute Klemens hiprutrker und Lorenz von Gammenz. Stein- 
metzmeisier. leiteten. Es handelte sich um ein Stubenfenster im 
Kekhause des Mag. Matthias Scbweller. Kaplan der Schwellerschen 
Stillung in der Inztnger Kupelle. und um ein Fenster unter dem Daeh- 
werk dieses Hauses treten die Klosterkirche zu und in den Hof des 
H,iUjt's deji Mag. Michael Ruep von Vitis. Kaplau der Stettner 
>[e?<e a:ii Preik'uirs.i'.Tar, öanii -m einen Bruccen and die Scheide- 
i!t;r.-,->r iar-own. Pas zweite H.ius l.ic .»~f dem Steig bei der BinuneU 

i' Li:ina' IVr^xtfBt «^<Dd.i vj-tilcj. a. a. O. ], i- Sr. 1935. Uatet den 
^:tf^t«rc v '::tU:o-.'= l'amfÜDj^vt und :Si(_-tB3E:i Aicxa::. Kirch m^ütvr bM St. SMpkaa, 



217 



pforte, TTo roaa in die Kemerstraܫ ging; beide BenctiziiiteDhiiuecr 
stieflen binien ziemlieli aDeinander. ',i 

Dasselbe Jahr brachte der Himmel pfnrti- eine weaentliche 
Äßderung in ihrem Rcchtsverbnltnisse zu dem PramonAtratonBcr- 

■ordun. Lbvr An-iuelien de» Kaifter« Friedricli III. lIV'.), dor sieb 
sroc inKirefaeosaclieo mischte und det^on A bneo daa Kloster fiT^Undet 

'und beiicbonkt haticu'.i. befreite lanozcnz VIIL dir 11 immelp forte 
voll dem Verbände mit der» Orden «Geras), der dort bislicr 
die Scclsorge zu leiten balle, damit dem BeKtandu des Klosters ge- 
hotfea. das Ärgernis und die Verdttchtigang der n^beii dem Kloster 
»U Beichtvater wohnende« Chorherren för immer be«eitigt. da* 
Kloster u)>er selbst von der Erbnliuug dieser Cborberreu uns einem 
•obr entfernten ätiftc befreit ircrde. iJcr Pi]ist unterwarf nun dAs 
Kloster «weijen besMrer geietücben Leitunfr* dem jeweiligen 
BiißUofe TOD Wien, vretoher den Klosterfmucn einen oder nrei ge- 
lehrte nnd taugliche Priester, die ntnoviliot sind, zu S)iirituH!en lie- 
niiDinea solL iRoro. 1491. Nnvcmber 2.)*) (ilcirh»-ilig lirauflra^ 
der Papst deo EntbiiHjhor von fiabiburg, den Bitschof von Wiener- 
Neu.stadi und den Propst von Klo!«t(*meuburg, den Wiener Bi«ehof 
in seioem neuen Rechte Über das Klo«ter gegen den tlbri?en Orden 
und gegen andere zu Mbtltzen und Uagegeafaandelnde mit /^nitnren 
KU belegen.^) Uieee KKcmplion brachte epRtcr noch mancherlei 

,6obvrierigkoiten mit steh. 

Im Dllchf^tvn Jnhir entstand i?in Zwist zwischen dem Kloster 
nod der Frau Donrtbea. Witwe weiland Lienbart Rndannerp. der 
bakaantlicb am 2^. Oktober 1467 seine Mühle (Würzburger) und 

^) Nach friner Kopie im Sliflttrchivc stu Gorni. 
^ Oenainl iiud wohl ili» KßDiginn«« KootUana unil .\gat>i. 
M OripnAl E^OTfaRient im fdrclencbiMiliSfliobcit KoniistorlatBrchiT« cn WI^b' 
Dil Icdtlach« Stelle Itutec . . . ■HoBiut«riain pnidictuai a ctini. mUeclIoiie. direc 
ÜOM. viailalioD«'. comrtJoai- «t nuperlvriui« PrtlatoiUMt •( Canon i«uruin dkl! 
,(itdinis aucwriiBle Bponlolica icoon pntonlium perfiMtio eximfinua tx lotalitwr 
lIWraBu* ar. rnrao. dlrf-Riioal, vUllalionl rl c«Tr»ctioni dlctl £|üi.ci>j>I rTIcnnoDd«) 
latgldinnt, nixnilinl»» «idtm KpTtcopo, iit d* crl«ro nnnaalnrin (iradiclo ac illiai 
Haylatr« tl OaaftDiui* de uno *«) duobiu in n«olo^a mafiitria miii oJiii ^donel* 
k oemftMorilKU. ilinclorilina et pvovitaribua, »»lato at movibiN inxtvKiia »c doctrina 
ormatia vt Denn ÜnantibiM, per •^qos ci« in s^titunlibui o[ipcTttin« prorideatitr. 
divUa ottcU cdletffeBUr peeniteniiaoque, oucbarlitlae et alia ecdealutica aocra- 
■«ota aiiniitnarar. ei i|cil ad ipaiiu Epbc«[>i Matun «moTibilM «aiaUDt. dtWoi 

l| Uti^inal Pbt^oi«o( «tianrla fglaiclie« PaliunV 



218 

einen Weingarten unter dem Spital in Wien den Klosterfrauen zu einem 
Jahrtajr vermacht hatte. Die Witwe behauptete, daß ihr verstorbener 
Mann diese ätiftuiigsgüter samt einem Hause ibr selbst fUr das zuge- 
brachte Heiratsgut vermacht habe, wogegen die Klosterfrauen die Mohle 
mit dem Weingarten für sieh beanspruchten. Diese wurden ihnen von 
Kaiser Friedrich Itl. {IV.) mit Recht zugesprochen, sein oberster Feld- 
hauptmann Dobescb von Boskowic und Cernahor und andere Rfite in 
Wien aber wurden angewiesen, der Witwe andere Güter in demselben 
Werte aus der Erbschaft auszufolgen. (Linz, 1492, September 26.) ') 

Schwester Margarete Strein 
kommt seit 1493 als Priorin vor. Sie stellte mit ihrem Konvente 
am 7. Mai 1493 in Wien einen Stiftbrief aus. laut welchem der 
verstorbene Pfarrer Mert Deymel von Staramersdorf und Kaplan 
auf dem Bftckeraltar (St. Erhard und Wolfpang vom Jahre 1452) 
in der Agneskircho dem Kloster 24 ungarische Gulden in Gold nsd 
18 Pfund Pfennig auf einen ewigen Jahrtag vermacht hatte, welches 
Geld auch von den Testamentvoll Streckern Mag. Oswald von Weikers- 
dorf. Mitglied des fürstlichen Kollegiums zu Wien und Oberstem 
der Himmelpforte, Hans Rockner zu Eysner, Küster bei St. Stephan, 
Lienhart Aygner, BHcker bei der Hinimelpforte, und Meister Ludwig 
Jluer. Bürgern zu Wien, richtig ausbezahlt wurde. Die Himmel- 
ptorte jrelobtc. den Jahrtag an einem Tage in der Fasten für den 
Stifter, seine Vorfahren und alle armen Seelen mit Vigil, Seelenamt 
und Kerzen zu begehen, ihn früher den Geschaftsherren anzasagen, 
im Unterlassungsfalle aber 2 Pfund Wachs der Knckerzeche aof 
ihren »Backenaltar« bei der Himmclpforte zu erstatten.-} 

Am 2. Februar 1496 teilte Maximilian I. von Augsburg aas dem 
Administrator der Wiener Diözese, Johann Vi t6z, Bischof von Veaz- 
prim. mit. dal! er das unter dem landesfürstlichen Patronate stehende 
und durch die freiwillige Resignation des Gabriel Rabl erledigte Bene- 
tizium in der Frauenkapelle bei der Himmelpforte dem Pfarrer von 
Sironsdorf, Martin Hosnestl. verliehen habe und ersuchte den Ad- 
ministrator, den neuen ßeneüziaten einzusetzen und zu investieren.^) 

') Original Parlier im Wiener Sladtarcbiv. Quillen, &. &. O. II, 3, Nr. »463, 
-) Original Per^raineiit im k. ii. k. Ilaaa-, Hof- and SlaatssTChire in Wion. 

CJuellen, a. a. O. I. -2. 1938, 

'') Oripaal Hergament im fUtsterzbiBcbüflichen Konsietorialarcbivs au Wien 

Indorsat: l'rcsenC. a<l capellam bente virtr. BpuO celi|iortaii cum domo in <lor 

Weichanburg pro pleli. alronetorA'. 



lo diesem Jahr« 1196 bekannte die Prioriu Marirardc mit ibrem 
CoHTonte. cIaU der verstfirbenp MeiRter MntthiAs Schw4>ller. Liz<>DxiAt 
dvr bfiligon Sdirift and Uomberr bei $t Stephan in Witin. dem 
Frauunkloctvr 80 Pfund Pfennig und einen Weingarten zu Nußclurf 
•um StalnjiUcM* za einem Jnhrtaf; in der Af^eRkir(rho rvmtarlit 
lube. Dil» Ortd «rurdp t)on*ilx irlo^t. Der WoinginnL-ii l.i^ zn^aoben 
dem AVeiDganun de» ätifb?» KIuHtvrueuburi^ und dem der Z««h« 
17. L. F. TOD Heilt^cnsiodt. dientn dem Kaplto de^ Antonialtars 
tiinteo aitf der Parkirchen U. L K. Kapelle nuf der SiiTiten in 
Wien I','; Einnjr Burp- und 6 i'rtb zu Vogtrccbt, '/.j Pfund dem 
Pfarrer von tleiligenstadt zu ^nera -labrtag in seiner Kirebe am 
SünnU^ vor Uartini. 30 Pfeimii; den Armen im Rur^rspita) tot 
dem Kcrncrtur iit Wien und äO Pfeunii; aufs Bivit für die armen 
Leute. Daj5 Tcsiutnent log in llandcn dca heiligvimudter Pl'urrers. 
MangeU eines Stiftbrlefe« ^lobte nan die Priori» selbst nach Rat ihre« 
Obersten M^g. (.►swaid von Weikersdorf. Lizentinl der nftilij:en S«'hrift 
und OoRiherr bei St. Stepünn in Wion, fllr den verstärbenen Mattliiaa 
Sehwcllrr ans Diinkbnrkeit alljabrticb in der ersten Fafilmwncdie cioeji 
Jabrtag mit Vigil, .Seeleiianit. darunter zwei Seelen inecsea. und Kerzen ^} 
abzuhalten. Der Jabrlig u)]l immer verkUndt't. fttr die xwci Seelen- 
messen nullen zirci Difminikaner ein^eluden werden, von denen ein 
jedtr 2t) Pfennig erblltt. Wird der Jabriug nicht gehalten, m verfallt 
doA KloAter d«!m Kaplan der .Schwi-llrrsehen Stiftung in der Friiuen- 
kapolle bei der Klosterkirche einer Strafe vdq 2 Pfund Wachs i I49ti).^ 
Am ö, April 14ä& errtehteU* Margarete .Strein. Priotiii. einen 
SUftbrief anf uinen Jubrbij; iVispl. äeelenmeF^se und Kerzen) acht 
Tage vor oder nach Johannes vor der Pfurien fUr den vrnitorbi-nen 
Meister Hau» Harrer, Doktor der HeiliKeii fchrifl and Doniherr 
bei Üt. Stephan in Wien, der 50 ung;arisehe Gold^ulden. aein ßett^ 
^wand. Uaos^erflte nnd Silberge-oehirr d<?m Kloster rcrm»chl hatte. 
Strafe für die Venummnis waren 2 Pfund Wachs dem Kirchmeister 
bei St. Stephan. Testamentsvollstrecker waren Mag. Lienbart Tom 
Keueu Markt. Duktor. und Mag. Oavrald von Weiker^dorf, LixcnliKt 
dor Heiligen -Schrift, h*-iJf Üomhorren bei St. i^tephan. der letztere 
ah Oberer der l]immelpf<>rtnerinnen. ') Die nnehsiu Stiftung erhielt 



■) SoIcIh Fomala dw Jahrta^M twgapwB lu» oft io Urkundui 
*} Hme\> cb«r Kojil« Im 6tin*krcbiv« au i"!«!»*. 

') Original P«r|pLa«nt im k. n. k. Haas-. Hof. uuil 8tuJ*anhiv« In Wlon. 
tjuetlos. a. n. U. I, if, St. IMl. 9i«g]«r: Dto frioiin aad -Icr Koavent. 



S20 

Friorin Margarete') am 13. März 1499 vom FaBsauer DiözeBan- 
priester Paul Terner aaf eine ewige Frtihmesse, einmal wöchent- 
lich nnd alle Qnatember ein Seelenamt, mit dem Kapital von 
100 Ffaod Pfennig. Davon soll der FrOhmesseleser, den die Friorin 
ernennt, alle Qnatember 1 Pfund Pfennig vom Kloster erhalten. 
Auch warde bestimmt, daU dieser Friesber das Zimmer im »Ziegel- 
haas«, das neben dem Kloster auf die Gasse gelegen war und der 
alte Stock genannt wurde, bekomnie, zu welchem der Pauaaer Welt- 
priester Wolfgang FUtzer von Niederleis ein ewiges Frauenamt an 
allen Samstagen gestiftet hatte und wofUr das Kloster alle Quatember 
ebenfalls 1 Pfand zahlen mußte. Somit sollte die Flatiencfae und 
Ternersche Stiftung mit dem genannten Zimmer vereinigt bleiben. 
Mit Wissen ihres Oberen Oswald von Weikersdorf gelobten die 
Klosterfrauen die genaue Beobachtung der Stiftangsoblie^enheit bei 
Strafe von 2 Pfund Wachs dem Kirchmeister bei St. Stephan.^ 

Als dann die Wiener Börgersfrau Margarete, Witwe nach 
Stephan Fuchler dem Eysaer. zum Sebastian ialtar hei St. Stephan 
einen Jahrtag stiftete, kaufte sie von der Himmelpforte um 200 
nngarische Gulden vom gesamten Klostergut 8 Gulden, wovon dem 
Kaplan laut eigener Verschreibung alle Quatember zwei Golden su 
reichen waren. Die Urkunde fertigten am 18. Jänner lÖOO^j Oswald 
von Weikersdorf, Lehrer der Heiligen Schrift und Rektor der 
Universität Wien, Margarete Strein, Priorin. und der Konvent xar 
Himmetpforte, endlich Erhard Hiertt. Bürger zu Wien. 

Über Ansuchen des Benc6ziaten Wolfgang Platzer, der bei 
der Himmelpforte, wie kurz zuvor erwähnt wurde, eine Samstag- 
stiftung errichtete, wurde in Bom am 10. Dezember 1500 ein Zn- 
dulgenzbrief (100 Tage Ablaß) fUr die Samstage der Quatember und 
der Kirchweihe der Agneakirche ausgestellt und vom Generalvikar 
Dr. Leonard Mulsing, Kanonikus, ratifiziert.^) Am 29. Februar 1504 



') »Sweater Margretha Streinjrn, Die leit Friorin Sand Agnewn Dar tMÜi^ea 
JunkfrawD gotahaus zu den Himeiparten tu wienn.i 

-) Ori^nal Pergament im Archive der Dompropitei bei St. Stephan in Wien. 
Ogeiser. Anliang. H. 106, Nr. XX. und; Qaellen, a. a. O. I, 4, Nr. 4078. Priorio 
Margarete Strein aaa einem edlen GeKhIechte Oiteneichs. Spener, L. 2. Part. 
■pec. Oper. Horald. Pag. 539. Bncellini, T. III, pag. 239. 

') Original Pergainent im Wiener Stadtarchive. VereitiBbUtter. TII, S. 8S0, 
Nr. .")49. 

*i Orif^inal Pergament im fUntenbJKhSflicben KoDaiitorial-ArelitTa m Wi«B. 
Georir. lliichof roa Albano. lliBronjinus, Biachor von Pali>atrina, Ludwig JohlSB 



221 



({nittierte Ha|gg|^|ll Sireiii. Pricrin. dem Dr. Haar) Trapp vod Wim 
nnd I>r. 0«wiila toh Weikpnuiorf ilon Empfiing von 200 Pfand 
Pfutnig^ AU» (Ivm Nflcblasae des Mag. Malthifia ScJi welter anstlber- 
Aulz, Lehrer (]er Beilißpn Schrift and Domherr bei St. Stophan, 
wclPhcr damit wönhenllich ein Hochaml vom tieilipen Krrti/. hei 
der HtinmBlpforte stiftet«. Dicsv« Amt sollte einen 'CJupennteo- 
denten* als Anfaeher haben und als erster Dr. Trapp ftin^ercii, 
dem das Kloster für jedes vortAamtc Amt ein Vierdun^ Wachs 
gebeo niQÜt«.!) Aon 21). Juli iäfM revenierten tienrg Karlinger, 
MUlloer und Borger zu Wien, ßtrbara. Keine Gattin, oiid Leupolü. 
ibr Sohn, daL^ ine von der Priorin Margarete und dem ICIoslor 
Uimmclpfnrte auf ihrer dr«i PvreonuD Lcbotag die Klost<>nntlhle im 
Piirad«i8 in Be^land genommen halwn. Die Qe.<tandiiiliAl>rr vc>r- 
pfiiehteten sich, alle nanlicbkeiten und Reparaturoo aus eigenem sn 
bestrciien, duni KJoacr 8 Pfund PfL-nnijrc «u Ororgi »Ib Zins zu 
udilen. jühi'Iieh 24 Mut Getreide ^atj« zu mahlen oder 2U scbroleo, 
die jedoch dan Klonter ^Ib&t führen, abholen nnd messen, auch zur 
re«htcti Zeit Hofem soll, dn die Mdhle tnanobtnal im Sommer k«s 
Wanwr bat, im Winter aber t'infriert. Sollt« der junge Karlinger 
frllhcr 8ierben. i^ind die Eltern berechtif^. eine« auileren Sohn tum 
B«Atan<linh»ber kq □rhrnen. Bei iitnennn Feaer sull der Pachter, bei 
ItnÜvirem Feuer da« Kloster d«^'n Schaden tragt^n und die Mdhle auf- 
bauen. Sidite die Muhle sohuldba^^^ Weise nach Gutachten d«r 
Kommission 7om PHeJiler f^at v«machlit4ai0 werden, so war du 
Klostvr »einer Verpflichtung enthoben, konnte die Mohle ztirUek* 
nebiuen nnd den Sehsdcnernatz beansprnehen.-) 

Am '24. Februar löUö erklärten Wolf^'ang, Sebastian und 

Aohjz Taiiieher. Vetter und Gtebrndcr. daß sie der Priorin Mar^'arete 

Strein tind dem Klo.'tpr tlimroclpfiirle da-s freie BurKrccht ihrw 

Hofea in der Pfarre Paltemdorf. jnbrlich ftO Pfennige za Georgi, 

[gosehenkt huben. Den Hof verkauften »ie dem Wiener Bürger 

[AitdreaA Viltd^haib nod ÜArbara. seiner Haiufma. Von den 60 Pf«D- 

tlt. IM. t Uor«B»l«rciiD, Dooiinlk lit S. ClemcotU, LaSMiu til. S. Marci, Mtf 
nrdls dt. 8. Crnob [n inlin. Jobaanrit .\ntnn lit. 89. Katvi ei AehiUel, Pmtu* 
tit. 6- Cbirimel I^«1>l, Franc tlL 8, EdmkUI ood Jatian lit. S8. S«Tp> ei Bacelii 
Kardtealdiikosa. waren Atu>Ull«r iwt rrkairi»- 

t> Orlgini) P«rfBn>Mit im k vad k. Uwm-, H»f- irodSlBMMnihive an W1«n. 
QiHllaa. a. a. O I. S. Xr VM6. 

^ Original PerguoMt obceda. tjaoUan, k. a. O. 1,2, Nr. 1947. tltogUr: Hbdi 
ISoUin« und EHurd Hiem, HOrrwr m Wtea. 



222 

□igen Burgrecht soll die Hinimelpforte alljährlich in der Woche 
nach Georgi fUr die Tanichersche-Villdshaibsche Familie zwei 
Messen lesen lassen, widrigenfalls die Stiftung anderswohin ge- 
geben wird.') 

Am Ö. Mai 1513 erklärten in Wien die Doktoren der Heiligen 
Schrift vom fürstlichen Kollegium, daß der verstorbene Pfarrer Cyriak 
Züpfl aus Patzmansdorf, dessen Testamentsvollstrecker Dr. Georg 
Lanntsch, Domherr Ijei St. Stephan. Wolfgang Weinberger, Pfarrer 
in Schüngrabern. und der Wiener Bürger Stephan Schlachindweit 
gewesen, zwei Wochenmessen am Anna-Altar bei der Himmel- 
pforte gestiftet habe, für sich, die Vorfahren und die ganze Freund- 
schaft, mit 250 Pfund Pfennig, wovon jahrlich 12 Pfund 4 Schilling 
dem Benetiziaten gereicht werden müssen. Die Aufsicht hat dae 
fürstliche Kollegium,^) 

Mannigfache Drangsale trafen mit Beginn des XVI. Jahr- 
hunderts das Kloster der Priimonstratenserinnen in Wien. Am 
5. September 1514 beauftragte Leo X, in Rom den Propst von 
St. Dorothe in Wien und Georg Hubert. Kanonikus und Offizia) 
in Wien, die Klage des Geraser Abtes Paul (Linzbauer) and des 
Fr. Bernardin, Chovhemi desselben Stiftes, zu untersuchen, die 
sich bei dem römischen Stuhle beschwerten, daß Georg Preuer und 
andere Kleriker und Laien in Wien angebiich als königliche Kom- 
missäre in das Frauenkloster zur Hirn nielpf orte, welches vom Stifte 
Geras abhängt (wie die Beschwerde sagt), gewaltsam eindrangen, 
den genannten Prämonstratenser Bernardin. der rechtmäßig vom 
Konvente der Klosterfrauen zum Beichtvater erwShlt and vom 
Vaterabte als solcher bestätigt war, die KlostcrschlUssel entrissen, 
ihn aus dem Kloster vertrieben und dieses selbst arg beschä- 
digten. Die beiden Richter sollten gegen die Schuldigen mit aller 
Strenge vorgehen, ■'} Leider ist der Ausgang dieses Prozesses nirgends 
angegeben. Man 6ndet nur die karge, unverbürgte Notiz cum 
Jahre 1516. demnach Magdalena {V), Priorin von der Himmel- 
pforte, einige Grundstücke »mit willn vnd wissen dez herm hem 
Paul vnsers obersten abten dez weissen ordens zu Jeruss> verkaaft 



') Original Pergament ebenda. Quellen, a. a. O. I, 2, Nr. 1948. 8i«g1ar: 
Wolrgaog Taaichar und der edle Ludwig FTonhamer, PHe^r auf Hoheneg;. 

') iSnch einer Kopie im Wiener stüdliäcbeo Archive. 

-') Original Pergament im StiFUnrchive za Geras. Quellen, a. a. O. I. &, 
Nt. 4763. Im Jahro 1502 nar ein I'r. Beruardiu StifUprior in Gerat. 



233 



habe, mo <1aü vjelleicbt der vor xwei Jahren eotstaDdene '/.vin zd* 
giuiM«n tles .Stiftc-a Oonis bcigfU'g; «rurdc.') 

AuH<leii folgenden Jabroo weitl man nnr von einigen Bcitetstun^on 
tder Beuetizica an Ave Klosterkirrlie, ro x. B. um Pnului>ultiir Ivom 
J«hrp ia4(j]. w-o Johann Aislcr, Doktor der Dekret« und (ii'neral- 
vikur des Ilisohufs .lohnnn in Wica, dem Mag. Clirialoph Fiscatoris 
(FiwIurrV Priester der Pa&sRUer Diiizeae, der voa den Klosiurfrauun 
urHaeoucrt worden war, die Me9^1««erHteIte vtrli«)]!'» hat, dk> durr.li 
deo T'>d des BcDefiziaten Gabriel KUrsich «rledipt war (Wien, 
1630, Mai 81j. Da aber auch Mag. ClirJsloph l>jild darjiaf ^scorben 
wU erhielt die-'ies Itenetizium GrcK^r Khlett, Priester der Diüieae 
Pa«MU, vom Bischoie Johann ic Wien am 7. ^'ovl■Iul>cT löüT. 
Ek taucht auch wieder der Frauenaltttr auf, der mit dem Altäre de« 
heiligen EraHinus und Georg bei St. Michael von Ferdinand ]. als 
PaimnaUiherrD dem Mivhaeler Pfarrer Vaientin .Sixil in Wien durch 
den Disobof Jobann verlicbeD wurde, da diooe beiden Bcnelizien 
durch die Rc»i};nHtioii do« Kriu^mus Guctvnberger erledigt waren 
(ddto. Ibii^hruek, 1Ö3K, April 1 1 1. Am 0. )Iai 1546 infonuicrto Mag. 
Nikolaus Politv^ di'n Wiener Buehof Frit'drieh Nausea, me der 
Domherr Georg Uieter das Beoefi^ium am Dfcikßnigxalliir hei 
St. .\gnes nach dem Tode desRiuiiius ir»45 crhtdtcn habe,*^! j^uller^ 
dem ist ncich einv Entscbeiduiiß Ferdinande 1. ddt». Wien, 1531, 
Juli 4, vorhanden, welche an die kaiaerliclien Vcr«>rdnetCn gerichtet 
ist and 'A2 Mwsen bei St. .Stephan und in den fllnf Wiener Frauen- 
kJOslcm belriflt, darunter die ^^ailv^clle^sdle .Siifiung bei til. Agoeo.*) 
Der grolie Mangel an geBchichlUchen <^aellen äus dieMr 
Zflit, »owie aueh der Umstand, daU die HimmetpfortL- iroti der 

>) II. Alraiii, Aiioal«)) dct btirici C«ru. Ute. II. 8. 11 nach einer «abt- 
kasBten irrkvBd«B«aininlung dw Exj^iaileti I'. \Viiüib«fBC. 

'I AJI« vitn »ri|ri>i&l l'otgMtaaiiirk. ien ninierit'wcli^lliclMtilEcwiiMrial-Arobiv« 
10 Wien. lIoaiDa« itarh .tm 1K Xo'i'vtiitMT lö4ä. 8o(ütt itam d*t Kaaoniktu liierter 
■lim DvHidvobiinWB rali d«r Uilu udi dn* llfDeflduui, welche« Uiui tc (.■•^owgot 
dM Umg. Kt4i>hsn lSf>ri«pl. Kanonikvi, TtnqtroeluB wurde, aocbioai ihn nuek 
NlkolBu« I'olil«! Biu Btiuaol, l'mr doi imberMglickcn Kollc^iuiu asd KvUalor 
■Im BcMlUitiin«, asf Hitl*n dar l'ri»ria pnLMintitrl hntit. Hold datanf wollt« 
du OfCtianl *<>a (»corit ilictvr niclita in«K«<i. >l«r LaBdratUrvt uDtKbi*d nb«r d«ii 
Klrcii >«i|un*icn HivUiK, du da* BeiKÜiiun Uiit klirttbrivr nJclil aultorlialb dar 
Unjt-Miitilt *riH«l>vti »«rdwn ilurf», Hiotvr »hvr oft bei d«r iliaiinolj>fone und 
für dl« LniveniUt J'r«dicleii hielt tiiul da* BcttaAilam rtrdlant«. Vit V«rleibtiiis 
g«i«bab «1*0 gkna r«(«l«iUlig und akfat »bo« WImvd Oder aalt Cb«tgahtinf d*« l>«k&D«, 

>) Wimer SudtaraU*. 



224 

zahlreichen Stiftnugen schon im XVI. Jahrhundert verscbaldet war, 
daher ihre Lage eine sehr milHiche wurde, läßt sich hauptsächlich 
durch den großen Brand in Wien am 18. Juli 1525 erklären, der 
im Zeughaus des CÜIierhofes vor Mittemacht ausbrach und sehr 
viele Häuser vernichtete, darunter auch die MichaeUkirche, die 
Kirche und den Meieriiof bei St. Jakob, das Kloster znr Himmel- 
pforte und St. Hieronymus mit allen Hausern in den Gassen rings- 
herum und die ganze Vorstadt vor dem Stubentor.') Bald darauf 
kam die TUrkennot (1529 und 1531). Wie viel das Kloster mit 
seiner Kirche, seinen H&usem und Besitzungen in diesen traurigen 
Tagen gelitten habe, wird nirgends Überliefert, der Schaden mtifi 
jedoch ganz bedeutend gewesen sein. Was aber damals für die 
KIüEter noch nachteiliger war. war der immer größere Mangel an 
passendem Nachwuchs, denn der Beruf zum Ordensleben wnrde 
immer seltener, die Disziplin selbst war gelockert, die Klausar wurde 
nicht gehalten, die Eostkiuder und Zöglinge waren eher schädlich 
als nützlich nnd nach und nach fand schon Luthers Lehre durch 
die Bücher selbst bei den Klosterfrauen freundliche Aufnahme und 
Kritik. Die Xot klopfte immer stärker von außen und innen an die 
Pforte des Klosters. Eine Andeutung gibt ein Erlaß Ferdinands L 
an die niederösterreichische Kammer. laut welchem in Anbetracht 
des verderblichen Feuerschadens und der Armut der W'iener Klöster 
befohlen wurde, dem Kloster Himmelpforte zur besseren Wieder- 
einlüsung seiner versetzten Güter 200 ä. rheinisch zu reichen, femer 
dem Frauenkloster St. Jakob das Refektorium und Dormitorium, oder 
wenn es mit den beiden nicht so schnell ginge, wenigstens vorder- 
hand das Dormitorium, dem Kloster St. Hieronymns das DachweA 
über der Kirche und dem Konvent zu bauen -1 (Wien, 1626, Mai 22). 
Über Auftrag Ferdinands fand auch 1543— 1544 die bekannte 
Visitation der Kirchen und der Klöster statt. 



■t FontM reram aastriac&nim. 1, 415. Notizenblatt. 1854, 276; 1856, 417. 
VereioBblätter. 1878, 8. 139. Quellen, a. a. O. I. 2, Sr. 1351. 
■) Wiener Stadtarchiv. Kloiterakten. F. IX. 42. 

(FartMtnnr Mft.) 



DIE 

BABENBERGISCHE OSTMARK 

I'KU UflE 

.TRES COMITÄTUS«. 

Vo« 

DR. JOSEF LAMPEL. 



JiliTliiicli d. V. f. Undeiktinde. 1905. 1A 



b) Fahnlehen und Blutbann. 

^94. Sollt« «a gflungra itcin. in den voraurj^etienden L'Dter- 
snchun^n die bayrische Lebcscbalt der Ostmark selbst Dar für tÜe 
Zeit Ottos ron Fix-isiug uml die wrste HillTtf! des XII. .fabrliaitdert» 
nochxuweiseii, die Lehenschaft der zu llayern gehörigen coraitutus attch 
nor irabrschoinlicb xu machen, 80 wird vielleicht dlt- nachfulgend« 
Reib« von Artikeln für Überflüssig erachtet vrcrden. Denn selbst 
nnr wahircbcitilich f^mucht. hat diu bavrtschc Lchi:nrtUirigkeit der 
• GraftfCharieiK doch ho viel zu bedeuten. daU jetzt (genauere li^r- 
klüruag d(!r AuBdrück«, wi« •OrafsohAftsreclit, Grafcnberocbti* 
gung« gefordert iverdfo kann, die man gegenwärlisr so gern für 
comitatui) »tntt des einfncheo >Qr.<ift>cbaft* unterschiebt. Ist damit 
Geriobtoreclil oder GerichtSK^walt'), ius diotrin^eadi. uder wie es 
im kanonischen Rechte und in den dadurch bc«inäaü)cn UrkumU-n 
BiUt, die gladit proprietas oder pote«taa-J gemeint, d. b. Blutbann. 
kann Ton bayrischer Lehenwbait nicht die Rede sein. d. h. viel- 
mehr utnfEekehrt vom ins distriogeiidi darf nicht geaprucheo werden, 
»ulnnge man nach dem Worllautv bui Otto von Frcising bayriwrhe 
Lehnscboil bobaopteL Denn, wenn man auch mit Brunner^) gelten 
UlÜl, daß die weltlichen Pllratcntatner Suddontscblaad« eiao B<h 
«ehrflnkung durch königliche Bannlciiie nicht fiekannt haben, so hat 
doch ohne Zweifwl der duulschc Künig nach wie vor ohne bayrische 
VurmitduDg dem OsterrcichischeD KeiohdbeaDiten ßluthann iiuget^ill, 
Wie hiltte der sonst RcicJisftint sein ktinncu? Und vn.'na man aach 
mit Berchtold*) und Znllinger') gegen Bruimer'l annehmen will. 

*} Aaf •AoidebDnng ior GtrlehttgovmH det BibantMigtari lliSt 
Doptcb« a. a O., tlOQ, leban etnea Herniuin *an Alukb 4ra Wort« Uttoi ron 
l>«ltlag d««t«t). 

*) Zalllnfsr )n den Mitt«iliui|[en d» Intiitulea fDr eaUrrticUidia G«- 
■diiebufondiiiiic. 3k, 3'.^, Adb. 2. Z. 

*) CraaitAgo itt doubchen Etech lagweh lebte (I90I). & ISS. 
■) Die LAQdMliftlMlt 0>t«(releli«. S- 1^9. 
^^^ *t Uleini) Butrti», i» Mi (icil Basen, a. *. Ü, &. 2i%. 

^^^P *1 Eso>npt{ocm««t>t il«r FUIiosbar)>«r. S!l>unf«l>er!ulilB der Akad*iiti« Set 

W v,'l.Mt>ivbaAeD. Bd. SLm, 9. 932 (SoodMabdnek S. 17). 



228 

da£ das Jahr 1156 dem Herzoge von Österreich »das Recht der Bann- 
leihe« gebracht habe, so ist doch gaoz gewiß vor 1156 nicht der 
Bayemherzog der zur Bannleibe an den Ostmarkgrafen Berechtigte 
gewesen, was doch dann der Fall sein mußte, wenn unter >comi- 
tatnB qaos tres dicunt« Gerichtsgewalt oder Grafschaftsrecht oder 
GrafenberechtigQDg oder mit welchem Äusdrncke immer man am 
die bekannten Worte der Gesta Friderici herumkommen will, mit 
einem Worte Blntbann gemeiat sein soll. Ist aber mit Grafachafts- 
recht der Inbegriff der gräflichen Gewalt nnd nicht bloß oder über- 
haupt nicht das vom Könige besonders einzaholcDde jus glsdü ge- 
meint, sondern die Gesamtheit jener Rechte, die vom Könige dem 
Fürsten mit dem Fürstentum geliehen worden und von den Fürsten 
angeblich, also vielleicht in der Regel, weiter geliehen werden maßten, 
was nnr für den neuen >Markherzog< nicht gelten sollte, ist also 
mit einem Worte ungeteiltes Ämtslehen gemeint, dann mUssen, ab- 
gesehen von den Bedenken, die gegen eine solche Auffassung bereits 
vorgebracht worden sind, doch vor allem jene vorgeblich in der 
Mark zusammengeschlossenen drei Grafschaften nachgewiesen werden, 
an welche Otto von Freising mit seinem comitatua quos tres dicont 
gedacht haben soll. Auch hierbei sehen wir von den bereits gemachten 
Einwürfen ab, nach welchen die drei Malstätteu des österreichischen 
Landrechtes, selbst wenn sie uralte DingstAtten gewesen wären, noch 
nicht dreien Grafschaften entsprechen müssen. '] 

§ 05. Diesen beiden möglichen Auffassungen ist aber bis sa 
einem gewissen Grade die Fahnenfrage gemeinsam. Denn einesteils 
glaubt Dopsch sich »gegenwärtig halten zu müssen, daß die Graf- 
schaftsrechte .... ein eigenes Leihegut darstellen, das vom König, 
bei welchem die höchste Gerichtsbarkeit ruhte, verliehen wurde«*) — 
und glanbt dabei auf Sachsenspiegel, III, 52, § 2, hinweisen zu dOrfen, 
wonach der König oder Kaiser »den vorsten grafscap liet«*) und 
annehmen zu dürfen, daß das eine »Lchensgut' von 1156, das mit 
Fahne verliehen wurde, die Grafschaft (beziehungsweise die Graf- 
schaften) sei. — Anderseits ist wenigstens in späterer Zeit bei Ei^ 
teilung der Fahulehen auch der Ulutbann, indem man ihn als 
Regal auffaßt, mit einem Banner, der sogenannten Blutfahne, ver- 

') Siobe obon. § 22 (Jahrbuch 11)03, 8. 50). 

-) JlitteiluQ^ea des lustltuteB für üBterreichiiclie GeachichtsfoncbuDg. 
XVII, 30B. 

') Ebenda, 307, Anm. 3. 



as9 



Itelicn worden, damit ihn dio xa Laadoaherren gflwordcncn Rpidu- 
beamtcm nn ihre Unterbpamten weiter leihen. So konnte iminfirhin 
die Frage entstellen, ob dies nicht aar alt<im Herkommen berufae 
imd ob nicbt innbotwiidere das Zerentoniell, das mit der Erteiliug 
dea Hinos, eben n»ct Ottos Bericht^ vcrbnndcn gewesen ist, in der 
ztreiten Fabne etwa dieBIutfabne versinnbildlicht habe, mit ihr also 
der Blutbann an den Herzog von l')8H'rrrich verliehen wordnn Mi. 
In jeder Hinsicht alao kann eine besondere Hirwftgung der 
rahneofraiiL' Kluning in die Anffiwfluiig de« r<.^iohsrocbtlioben 
Voiganges von Ilnß bringen, ja sie küunt« sogar eine tiefgeliende 
Umvnlzun^ in dt? bBher allgnnein .ingenommenen Anscbnanogen 
Ober die königliche nnd die fürstliche Bannleihe bringen. DeOD b^ 
deatct die eine Fahne bei (Xto too Frciting die gräfliche Gerichte- 
gewalt, mit anderen Worten den Blutbann, dann hat, im (Gegensätze 
ZQ nit dein, wus bisher geglnnbt und behauptet worden ist, der 
Herzog von Bayern bis I1&6 den Blutbaon an den Markgi-afen von 
Oiilerrcich vorliehcn; dieser war bis dahin iMiyrincher Hcaniter, was 
«ein Hcichi>ftlrBte»taRi, seine Reichsfltandscbaft \-ielleictit oicbt beein- 
trncliti<:'t hat, \renn solche OberhAU]>t auf Führung des Blutbannos 
beruhte, ^loicbgltltig, von wem derselbe geliehen war. Wenn aber 
dasKetcbsfursteQtumuuf unmittelbanr Kannleihe durch das Keich be- 
ruhte, dann ist der Markgraf von Cwerreich Oberhaupt erst durch 
f*eine Erhebung zum Herzoge zum Heichitfü raten geworden. Denn 
mit d^-n bi'iden Fabiifn. die zo den «iubcn biivriecben Fahnen ga- 
h;jrt«n. und dureh welche bisher der Markgraf von ÜBt«rreich von 
Bayern Mark nnd ürafschaften nach dem Zeremoniell von 11Ö6 
erhalten hatte, mit diesen swei Fahnen bdobnt ihn nunmehr der 
Kaiser direkt ohne liayriHeh« Vermittlung. 

§ 06. Die mangelhafte Unteräeheiditn^ zweier Momente, die 
aacb derSuehsenspiegel genaa scheidet, ist aber die oigentliebe Ur- 
saehe der Unklarheit, die bisher auch in der Trcs-e^mitatus- Frage 
gchemebt bat. Hcliarf st^beidcl das sscbsiscbc Landrcciil zwitichen (je- 
ricbt und Bann, indem es lautet: Die koning ne mach mit recht« 
niobt veig^eren den ban to tieae, ttemu it ^criohte gehtgen i«.') 
Da» Oericht leiht der Fllpst. in anserem Falle der Herzog, den 
Bana der Künig, nur in der Mark der Markgraf. Die AaffassoDg, 
der anob Dupitcli uoeb huldigt, Ik^ dall ganze Gericbl vomKOnig 
unter einem zu Lohen gehea. Man woiU nun wi>hl, dafl dvr Font 

■) aMh«wii|ii*sd, Lradraebi. in, M. « a. 



230 

das Gerieht an die Grafen seines Landes weiter leihen muß, was 
im Grunde ein Zugeständnis des wiedererstandenen Stammesherzog- 
tnmes ist, das >8ich am die Wende des IX. Jahrhunderts zwisclien das 
Königtum nnd die gräfliche Gewalt< eingeschoben hatte'); ein Zu- 
geständnis dieser meuen politischen Macht« an diealte karolingische 
Grafschaftsverfassong. Aber man übersieht, daß auch der König, 
der arsprUnglich einzig und allein hohes Gerieht, Grafen berechtigung 
zu leihen hatte, sich eine Mitwirkung in dieser PVage der Gerichts- 
Verleihung vorbehalten hat. Er leiht den Bann, die Gerichtsgewalt, 
so daß ein unerläßliches Moment der Gerichts Verwaltung im König- 
tum zentralisiert bleibt. Dies tibersieht man, und kann so den Unter- 
schied, der zwischen Markherzog und lierzog besteht, nur damit 
konstruieren, daß man das Dingen zu eigener Huld als Verbleiben 
des Gerichtes in raarkgräf liehen Händen definiert. Aber der Markgraf 
als Graf brauchte ohnehin das Gericht nicht weiter zu leihen, ganz 
wie der Graf, wenn er keinen Richter bestellte.'} Bestellte der Mark- 
graf aber einen solchen, so konnte er ihm mit dem Gerichte den 
Bann leiben, während Fürst und Graf ilirem Unterrichter zwar das 
Gericht leihen konnten, um den Bann ihn aber zum König schicken 
mußten. Daß nun den Markherzogen dieses markgräfliclie Bßcht 
gewahrt oder gegeben wurde, daß er seinen Richtern Gericht and 
Bann leihen konnte, das bedingte seine »Vorrechte«, nicht aber die 
Verleihung der Grafschaft oder irgend einer vagen »Grafenberechti- 
guiig«, die in dem Sinne, wie sie Dopech versteht, jedem Reichs- 
fürsten mit dem Fürstentum geliehen wurdc^j, und die in unserem 
Falle, wenn sie im Zeremoniell von 1156 mit der einen Fahne ge- 
meint ist, tatsächlich bis dahin von Bayern an den Ostmarkgrafen, 
allerding3 als Rcichsafterlehen, geliehen sein muß. So heißt es wenig- 
stens 1156. FUr Bayern also trifft ge;;en[iber Osterreich der Zwang 
zur Weiterverleihung der Grafschaft zu, der nunmehr ans Reich 
übergeht. Denn es sind ja zwei von Bayern aus der Siebenzabi 
zurückgestellte Fahnen, mit denen nunmehr der Kaiser dem nenen 
Herzog von Österreich die Ostmark und deren tres comitatas sym- 
bolisch übertrügt. Aus den bisherigen Reichsafterlehen werden an- 
mittelbare Keicbslehen. Der Markgraf von Österreich wird Reichs- 

') Brunnor, Grundziigo der deuUcben Koichsgeechichte. 133, 
'-) Vgl. SachBen^piegul, [II, öH, Glosse. 

'') Sachsenspiegol. 111. fii, §2: ... Die Keiser ne m&cb . . . . al nnjroriehto 
nicbt lichtcQ to alle tiet, du rummo liet he den vonlen gntficap 



231 



fllrot mi apttteren Sionc; im unprQnglicIicD Siane w&r or es sohon« 
weil er Ulutboon führte, ist es sonach klar, daß Ja der Erzählung 
TOD dem Zeremoniell von 1166 eine Korrektur ftlr die AnfTusuiif; 
vou den tree comitatus geboten erKiheinl. so empfiehlt es sich jcdeo- 
fall», dii»sc Fra^c viner ^uaaen Prufang zu untei'zichen, die um 
so mehr Krfolg verspricht, ala wir ja ^rade im ninbliclce auf 
Uayem in den Stand gesetzt sind, eine gcwis»« Kntwicklting des 
symboliitchen Bßlehnuni;ezercinonte11s nod eine uffi^nbnr bedeuteame 
Vermehrung der Fahnen zu vßrful^j^u. Vorher aber wullen wir noch 
auf einige nicht ganz «iclier fliehende Anschauungen oder mögliobe 
IrrtUtHLT iD don cinschlflgigiin Materien der <U-ut«cheQ Rechte* 
geaciiichte biowet^vn, die entweder nocli einer Aufhellung bedürfen 
oder doch wenigstens in dieaem Zu»Amtn«nhnng« hcrvin^eholwn 
werden mOnoD. 

§ 97. Es handelt sich hifbei um den Zusammenhang von 
ticricht und Bann oder, wie Brunner sich mit durchschlagender 
Klarheit aiisdtückt, um den jeweiligen Zuflaimnenliang von Ge~ 
ricbtaamt und Oerichtsgewalt*) faei Verleihung des Gerichtes, 
d*A ja nicht HlU^nlhathcn vom Kllnige selbst gehandhabi werden 
konnte. Wenn diesfalls iSchriJder behauptet: »Die IJannleihc war 
die königliche Retrtallung für alle Trager der grüflichcn Ueriehls- 
barkeil, welche dicaelhi* nicht unmittelbar, sondern erst in dritter 
iJnnd von dtra K«icbt> ompfiiigeii . . .* ''}. »o »oll selbatversUlndlich 
damit nicht ge^gt sein, daß der Bann niemaU in die zweite Hand 
geliehen worden sei. Ganz unzwtdfelhaft empfingen reichsunmittel- 
bare Orafen und die Henwge in Jenen tTrafsehaften, die ihr Fami- 
Itenerb« waren, mit dt^ni Amt!<leheu auch den Bann, und zwar vom 
Ksaigo. In solchen B^leo sind, wenn man will, Ämtskihe und 
Bannleihe zusammengelegt'), sie bildeten einen und densellMn Akt der 
hllcbsten Reichsgewalt: erst bei Verleihung in die dritte Hand fielen 
die»e beiden Akte aufeinander, indem dte Amtsleihe durch den 
BMchslebe&trRger, den Bischof, Herzog, l-'tIrstvD. die Bitnnleihv aber 
durch den KOnig vorgenommen wurde. Es .teheint keine Schwierig- 
koit obzuwalten, diese Vorftielluiig zu vollziehet!. Was nun in den 
Marken geschah, oh hier von selten de» Küniga unmittelbar Amt»- 
loifae nad Bannleihe an den Markgrafen erfolgte, der nun den Bann 

') Brunner, GnindEHge. S. IIS. 

t OfMXethm nidil tran«r; ig\. Liettnonikjr, V, Mr. I2!ft, 



232 

an seinen Landrichter oder Vizegrafen weiter leihen konnte und 
mit dem Sachsenspiegel zu sprechen, >hi sines eelves holden« dingte, 
— das wollen wir erst später ontersuchen. Es erhebt sich für nns 
ohnehin eine andere Frage, die nor zum Teil ans den Rechtsbtlchem 
leicht beantwortet werden kann. Was geschah hinsichtlich der an^ 
deren Grafschaften, die in einem Herzogtnm lagen and weiter ge- 
liehen werden mußten? Empfing auch für sie der weltliche FUrst 
den Blathann, also volle Belehnnng — da ja der König den Ftlrsten 
Grafschaft lieh, nor daß der Fürst den Bann nicht weiter leihen 
durfte — oder empfing er nur das Amtslehen zum Behufe der 
Weiterverleihung, so daß der Fürst Blathann gar nicht weiter geben 
konnte, weil er solchen, außer für seine Erbgrafschaften, gar nicht 
vom König erhalten hatte. In dieser Hinsicht scheint der Schwaben- 
Spiegel ganz deutlich Antwort za geben, wenn er sagt: »Si (die 
leigenfursten) lihent in (den ban) selbe wol, so eht si in von dem 
kanige enphahent mit rechte.«') Danach hätten die Herzoge den 
Banu anscheinend für ihr ganzes Herzogtum erhalten. Allein der 
Schwahenspiegcl zieht ja auch hinsichtlich der Weiterverleihong 
keine Grenze, er fordert für keinen von den in einem weltlichen 
Fürstentum amtierenden Eichtern königliche Bannleihe und daraus 
erwächst für ans eine Frage, die man nicht mehr als Neben&agc 
ansehen kann, die aber doch leicht Erledigung findet. 

§ 98. FUr Suddeutschland, das uns in dieser Untersnchnng 
um nächsten steht, entfiel nach der gegenwärtig herrschenden Auffas- 
sung die Frage nach jenem Können und Dürfen ganz und gar. 
Denn »die Markgrafachaften und die weltlichen Fürstentümer Süd- 
deutschlands — so laßt sich BruDner vernehmen, — haben diese 
Beschränkung nicht gekannt«, d. h. sie haben die Notwendigkeit 
für die in dritter Hand Belehnten nicht gekannt, den Blutbann vom 
König einzuholen. Demnach wdrde in Bayern und Schwaben der 
lilutbann vom Herzog verliehen worden sein, es würde sowohl 
ihm vüii Reichs wegen Amt und Gewalt zugleich geliehen sein, wie 
auch von ihm an die Grafen seines Herzogtums geliehen werden. 
Nur etwii die jMarkgrafen wären in dieser Beziehung ausgenommen; 
sie hatten entweder nur das Amtslehen von dem Herzog, den Blat- 
hann aber vom König erhalten, oder beides, Amt wie Befugnis, 
unmittelbar vom Reiche zu Leben erwirkt. Allein mir scheint es 

I) Schu-absp. Lchenr. 4t. Später onr dort, wo der Fürst Kicbt«r nnd Amtaleate 
setzen konnte, il. h. Landeebcrr nar; vgl.: Lichno wfik;, a. &. 0. von 1439, April 16. 



S3S 



sich auch hicria nur mit einer durch den Schwabwiapiceel horvor- 
gerufoiien aod selbst tub LcrvorrugvnUvn Bi-cbtsliistonkeni z&h 
fcst^bultonon Anacbauuiig zu liaadelo, die jedoch der R««huliige, 
dio in der Zeit des Minus vorirnltele, mit ntebten cntspraeb, jii 
liebt einmal dürjenigei). die ZQ der Zeit tierrsobte, da der Scbvaben- 
■piegel enlf^landon iftt. 

Muß mit Zalliii);er gegen Georg Hever angenommen werden, 
>daO der Begriff dvx Königsbannes im Saob^aimiiiegel Lein 
anderer ala im Schn-abcnspießcl« '), >daü die Verleihung 
des tCünigxbannea aU eiubeitÜcbe und allgemeine Insti- 
tnttiiD des mittelattertichen deutschen Betcbsrecfateft zv 
ibotracbton ȟi* ^), &o iut nicht einKusehon, warum in Sfiddeuiachland 
FfUr Itirblor des Laicnftlrsten nicht die Vorptiichlung b<.-»tnnd«n 
haben »ollle, Konigsbaiin ein3tnh<deD. Allerdtng» der Scbwabenspiegel 
sagt das^X ^bcr es Ist aoderiwits nie behauptet worden, daß es aicb 

*) UlluDiiagCD dt« iDiiltutc« rUr n«terrDlcliUcboG«(«blcbuforacbi>D|f S!,bä7. 

<) Ebond«, AAS. 

') leh «Ma« dio gaoM filello «na SoWabeoaidciicI, Lbt. 41 (LttOherg WS) 
lileriier, neil ne luch lur Frage der fabnUben Aofnuhlub gilili BUdiove {Ul und 
*an lfib«n ■ol d«r Künig' (^hdsiqii liboo. Alle tiitclia(i<re aii|>habptil Ton dfBi kAnif« 
, iD&JiEfD txai totVt uudp ütltcbe onpluliant van leliea und elliclu) wtltlicho gtnhlot 
S«U dvt törichte itt, das über litilt rAnm g;ut und ober deo Uuto^, «nfm dne 
d«r bbebor llbM. den lol or •ondc« mil idoeoi briere an den kticij:, d» er im 
dvn Imui llho. Bt'«r Ab*r uitnaefaMi bl&l riehui und d«n ban roa dem küni^ n&t 
enpbaDgcn bat, dem «ol dor kfini; dio iati|ra n» bcin«D niiddi) oder er itol »i 
Whq tmeb d«z känigei i^ecaden. Und rcrwil der klials ciii«cl dorn bücbov« oder 
fto et »iata brief leiidel, dsa er den bsD dem riblcr niit übet, ao ribtet dnr ribter 
ein Jar niit nbte oue den bau. oUo ob der biRcbor lin tabt von dem kCInig« ea- 
pliaiigeii bat . . . KIIIu die gericble, die nber liläl rünie and übei den 
lolstai; ^"at, die m&c mua all« von dvm ]£a«m»schoD k&niffe aa- 
pbabflu. DI« laigBsbnleD btdurfao Ir iLbtcn den bac loa dcni kAnic« nit 
bsiiMin eni'babNi, m IDiont ia atlbe «-ol, to cht *i in \oo dem kuniga «ophaliMil 
ati Toblo. Atta der h'tatt; Sti in»cbcn lande afii lai. »> mnstn der pbalTeu [unten 
libUr «el rikl«n aao haa, nnn in ein br!«f koni«l. — Oaoc übslicb I^df. § 93 
(Iiafiberf 8. 48) . . . Swer dei bannet nAi tatitt von dem k&n[|i<, dei mag nAl 
gerililrn van «• but nnd in baro. — Uii boMlioidcn v'it tdua (mit dUMn Worten 
l>«i:iniii oSfnbar eine (iloBMi) . bat ein pliaflc füTcto rosalia von den kulgo, dan 
mt^ ninaan davon deboioen bau frtlih«D. da e« don l&tco an U- ttp od«r an tr 
blftt gleoau gBt . . . uade nil et ttbl Uut, » m1 or den rlbler kh dem knalga 
«anden, d«tb «r nn gorikto Uhel, nndo mag der dat nAt koniea. >o Kol er. pbaff« 
rnrrto. «a»n l-oticn *ii dost küaiKO *tadeu, das or aiaetn rihlvr den kaa an einem 
kriero i«ndt: and« Ut uuoh rcbl. bin* ding« bedarf «io leige nül; der Kaiibt« 
•npbaboi tmi ileoi kouig^ d«r llkel wol den bai ilaeu rlblac. und der (ikier mag 



234 

immer so verhalten habe und im großen ganzen wird nar sehr frOliea 
Abgehen von der alten Kegel auf sUddeatschem Boden angenoromeo. 
Da hat nun aber Zallinger nicht nur nachweisen kSnnen, daß dem 
geistlichen Fürsten so Norddeutscblands wie Suddentschlands weit 
über die Änffassnng der Spiegler nnd die schmaleo Zagestandnisse 
des Schwabenspiegels hinaus noch vor Abfassung der beiden Rechts- 
denkmäler die Befugnis erteilt wurde, den Btatbann an ihre VOgte 
und Lehensgrafen zu erteilen '), sondern er hat auch ans der Zeit 
knapp vor Entstehung des Schwaben Spiegels — man mag dieaelbe 
so früh wie möglich, also mit Rockinger ins Jahr 1259 setzen — 
noch aus dem Jahre 1246 (Mai) künigliche Vcrleihnng des Blut- 
baunes an einen bayrischen Richter, der noch dazu wie sein Voi^ 
gftnger bayrischer Ministerial gewesen sein dürfte, nachweisen 
kijunen,^) WUrde dieser kai»erliche Akt sich auf schwabisches Ge- 
biet beziehen, man würde im Zweifel sein künnen, ob es eich nicht 
im Grunde schon um eine Äußerung herzoglicher UachtvoUkommen- 
heit handelt, gerade eo wie wir gesehen haben, dalj sieh auch im 
bayrischen Bereiche, solange das große Herzogtum zwischen Lech 
nnd Böhmerwald vorwiegend königliclie Hausmacht war, nicht immer 
klar unterscheiden läßt, ob irgendein auf die Ostmark bezüglicher 
Akt vom Reichshaupte als solchem oder vom Herzog von Bayern 
ausging. Aber ein kaiserlicher Akt auf bayrischem Boden in einer 
Zeit, wo schon wieder das neue witlelsbachsche Haus daran war, 
im Herzogtum festen Fuß zu fassen, ein solcher Akt kann keinen 
Zweifel darüber aufkommen lassen, daß es sich eben nur um könig- 
liche Machtvollkommenheit handelt, die hierbei zur Geltung kommt. 
Es mag dies wohl eine der letzten, vielleicht die letzte derartige 
Äußerung sein, immerhin läßt sie keinen Zweifel aufkommen, daß, 

in nüt furbnii gelihen, fod hat der laige f^Kto sunderlichiv gerihte, dn men 
iiber menschen btüt rihtcn aol. der to\ ir iegelicheii sinen bau bsBunder tihen. 

't Mitteilungen des Instituten für ijsterroicbische G esc hieb tgforschiuig. III, 
;; ' IQIS.; X, 230ff. 

!■ -) A, a. O. 111, S. 558r. Die l'rkunde, die das Datam 1245 Mki trl«t, 

■' gohöTt ins Jahr J24(). Vgl.: Bühmer-Fiker, Reg. Imp. V;l, Nr. 3ö5ß. Nicbt 

' uninteressant ist das Eegest, das Hormajr (Wiener JabrbUcher der Uteratnr. 

40, 1ö2i aeinom Abdrucke beigibt; es lautet; >Das Kichteramt, der eigentliclie 

Orarenbann oder Anibacht, wird unter dein Majeslätssiegel einem voa niodeven 

dienstpflichtigen oder ministerialen Adi-1 verliehen, < Zu den von Zatliugor sni 

(Juollea zur bayriichen und deutschen GeschicUto (Quellen und ErlSrterangen. T) 

;,, angezogenen Fraiienbergem kommen Tür die zweite HSirte dea XIII. Jaluhundttti 

I : ' auch zwei im OhetSsterreichischeu Urkundenbuch, Bd. III und IV, in Bttracht. 



235 



ao pewiU daa Amtaloheo sclioa langst vom Hexsog erteilt worde, 
underscits doch ebenso geniC nach in Bayern urüprQngliek der Bann 
nicht vom Ucrzog, sondern vom König gelielien wurde. 

g S9. Geben wir nun zu der Krage Qlier, was die Aufütellnogen 
des Scbwabenspiegplii fllr die Ostmark xu bedculrn liaben, bo mlttseD 
wir ans gcjonwurtig bnlu-n, duß rur Zeil der Abfasfung des Scbwabcn- 
Bpiegcls der Hersog von Ostcrrtricb gc-witt schon längst anter die 
IjiienfUriiten gehOrle und denselbea ebenbürtig war. Ja. für nein 
Gebiet muli sogar da» Vorrecht der Lait-nftlrstpn ppgenOher den 
gciütlichun. wie es der Sebwabenspiepel kennt, den Bann aumitt*-!- 
bar dem Richter leihen zu kOimvn »htiL- k^-nigUcbc Intervention, 
viel früher angenommen n-enten als fUr das übrige Farelenlnni. 
Der daran« erwaebsende Voming kommt im fllteren Spiegel, im 
Sacbsun Spiegel zum Ausdruck, der hiu»icLtlicb der Bannteibc noeh 
keinen Uotorüclticd zwischen geisUi<-iicn und wolllichen FürBten 
kennt, flie nlle binaichtlicb ihrer Rinliter zu königlicher Rannletlio 
vcrhitlt und unter den weltliehen Faritlen nur den Markgrafen das 
Keobt zugesteht. *b) sin selees buldcn< zu dingen. Aber irie wir 
t^l^eboD hnbrn, daß die Diirsteünng des ScbwabenspiegetH hinsieht- 
lllcb der laienfUrstljcbtrn ßlutbann leihe nicht ohneweiterfl auf die 
!£eit vor Abfaesuu;^ d<-:t Spii^l^elt uiigewHudt werde» d-irf, ho Mnd 
wir auch nicht berechtigt, anzunehmen, was der Sacbsenspiege] von 
dem Vorrecht des Klarkgrafen »ngt. habe Uberatt und zu »Heu 
^Seilen gegolten. Unter den Belegen, die Brunner beibringt, um den 
ttcfgchenden Untentchied icu kenoicei ebnen, der in der lande«herr' 
liehen Stellung dvs tisterrcichixchcn Rt^'icbshi.-amton vor und naeb 
1156 plntiprcift. findt-t sieh auch einer, d(?r whr geeignet scheint, 
die Aut't'aiiaung de» ^achsenxpiegetR hinsichtlich Österreichs xu er> 
pchlltiern. Nur fUr den »Markberxog« nach 1156, nicht fbr den 
Markgrafen vor Erteilung des Privilegium minus künnte jene Theorie 
Anwendung linden. Wenn almü Künig Konrad III. dem Hugo von 
Kmnicbberg im Jahre 1 L42 — nicht lange vor VoTleihtmg des 
Hiniis — mit dem (iute PelroneU nicht onr die KugebOrigea 
Xutzungcn und Fnnheift^n »rbi^nkcn icum Omnibus ulilitatibus ad 
idvrn |ir«-dium {tertinentibus. liherlalibuB)i, sondern anrh Oenclils-, 
Froibeil«- und LebenutrAfrecht urteilen konnte (indteio. ritienlo, 
patibukM. wbne dabei mich nur der seit llöli erforderliehen Zu- 
»timmimg des f^ndetifdrstcn zu denken, so ist zirmÜeh klor. dnC 
der Markgraf von ÖBlcrreicb vor 1156 nicht -bi sioca selves hulden 



236 

ding;te<. Denn von ihm mtlßte im anderen Falle der Blntbann za 
Lehen gehen. Aber die Daratellnng des SachBenspiegels wird ganz 
verständlich, wenn wir uns nur seine Äbfassangszeit g^enwartig 
halten and nicht an der für Österreich damals antiquierten Bezeich- 
nung »Markgraf« hängen bleiben. Wahrend die zwei wichtigsten 
Markgrafschaften des Herzogtoms Bayern schon in der zweiten 
Hälf^ des XII. Jahrhunderts zur herzoglichen Würde gelangt waren 
und der Schwabenspiegel Marken nicht mehr kennt, blieben die 
sächsischen Marken fortbestehen and bilden fttr den Sachsen- 
spiegel einen Cregenstand der Äufzäblnng. Aber aacb in den säch- 
sischen Mark hatte sich das ßecht geändert und derselbe Heinrich 
der Löwe, der widerwillig den Anstoß zur Entstehnng des Minus 
gegeben, derselbe hat wohl auch zur Steigerung der markgräflichen 
Befugnisse beigetragen. Diese sächsischen Verhältnisse zu anter- 
suchen ist selbstverständlich nicht unsere Aufgabe. Es sollte nor 
gezeigt werden, daß auch hinsichtlich des markgräflichen Rechtes 
in Osterreich die Angaben des Sachsenspiegels mit Vorsicht hin- 
genommen werden müssen. J3un wollen wir noch mit wenigen Worten 
einem Irrtum begegnen, der sich an die bisherige anklare Auffas- 
sung des Fahnen- und Lebenzeremoniells anknüpfen könnte and, 
wenn nicht beseitigt, die Erkenntnis, die sich aus Erwägung der 
Zeremonialfrage notwendig ergibt, beeinträchtigen muß. 

§ 100. Es könnte njLmlich den Anschein gewinnen, als ob das 
> Vorrecht« des Markherzogs dadurch begründet oder mitb^rOndet 
worden sei, daß die eine, lediglich 'Grafenberechtigung* bedeutende, 
Fahne, indem sie zu dieser Bedeutung emporstieg, aus einer bayri- 
schen Fahne zur Reichsfahne geworden sei. Ich will nicht gerade 
sagen, daß solches auch Dopsehs Auffassung zu sein scheint. Viel- 
mehr >wissen wir ja< nach seiner Meinung »von den comitatus bei 
Otto nicht, daß sie ein Lehensbesitz der Babenberger gewesen, nicht 
daß sie von Bayern rührten«.') Und da ferner nach ihm comitatoa 
nur Gerichtsgewalt, im gegebenen Falle »Ausdehnung der Gerichta- 
gewalt des Babenbergera« bedeute, so muß er konscqucnterweiBe 
bestreiten, dalJ die bis 11Ö6 von den Babenbergern geführte Ge- 
richtsgewalt von Bayern zu Lehen gegangen sei. Allein, wenn er 
nicht überhaupt annehmen will, daß die zwei Fahnen, mittels welchen 
der Kaiser den neuen Herzog von Österreich mit der zum Herzog 
tum erholiencn Mark und mit den trcs eomitatus belehnte, ganz 
') A. a. O. 301. 



2a7 



andere und von gaiiz anderer Bsuhlicher Bedeutang fsoweaeo sein 
aU die zwei, mit denen Heinrich der Löwe die Mark Österreich 

■eam comitatibos ad eani ex antic{uo pertinontibos dorn Itoiehe 
hei ni Mgte, «o mußte Do]tsc]i doch zu jener Auffasanni; mit Kot- 
wendij^keit gelangten. Die Identität der zwei Fahnen, wenigstens 
die IdentitAt der damit gemeinten Leheoitobjekte kaun nun nicht 
gT»t beiweifelt werden. Wir sehen ganz davon ab, dail im anderen 
Falle Otio «ich wohl erinnert hnbcn wUrdc. daß die kaiserliche Be- 
lehnung iCum alüs doobis vexüUs* stattgefunden habe, mDaüen nuch 

'beconeD, daC er doch wieder nicht sa^: »com eitdem etc.«, eon- 
dern bloß >cnni daobus vexillis« geuau wie hei der Aufiaiidung. 
Aber IdeuliUlt des Loheogntos steht feet; denn es iüt ja Itei der 
kAisorlichvn Bclchnunf; »ea marchta cum predicliii cuniitutibu», 
quo« trea dieunti. die xttm Horzogium erhobon, den Ilabenbc-rgom 
von Keichs wej^en übertragen nird. K& i«t dieselbe Mark und es 
innd dieselben Grafschiiften, um die es sich in der bayrischen Auf- 
findung handelte, die jetzt der Kaiser eeiaem Oheim Ueinrich vcr* 

l^leiht. Sonach Uc^t die Änderung, abgesehen von der doch unch vom 
Kaiser Torgcnommcnon Standescrhühun? der Mark, onzwdfelh&ft 
darin, daü was vorher von IJuycrn an den Markgrafen von ÖHlerreich 
jcclieben wurde, nunmehr vom Beiche an diesen überseht, mit an- 
deren Worten Österreich wird reiclisun mittelbar. Allein das >Voiv 
rucht* de« Markhcrxoga ontstammt dieser inneren Wandlung uiebt. 
Die ungebltohe Berechtigaog, die zam Herzog^ome gehDrigo» Graf- 

, wbailen nicht weiter leihen xu mOssen, ergibt sich nicht aus der 
miuiittellmren Keichslehn«! echlechthin. Viel eher mtlUte fraglieh 
erscheinen, oh den von llsyern onm comitatibus buU-hnten Mark- 
grafen daa Ueekt der Weiterxerleihung xukam. Und da« Vorrecht, 
seine richtorlichon Untcrboamten um den Blnibann nicht an das Reioh 
tiod den Koni^ weisen xu mllaseD, aoiidern ihnen den Bann selbst 
Übertragen zu künnen, wtirde nur dann aus der Umwandlung der 
bayrischen Fahiien in Reichitrahuea erwacbnen eein, weun entweder 

.doa eine vcxillum schon vorher Blnibann bedeutete — woraua dann 

, bayrische Bannlcihe an deu Markgrafen folgen wurde, vno wir sie 

■ erat nach 1180, erst im XIIT. Jahrhundert gegenOhcr bayriwhen 
Grafen aufkommen sehen — oder, wenn dann doch die eine Fahn«, 
von welcher nllgumein auch von Dapiwfa itugcnoinmen wird, daß 
Bie die tce« comitatua bedeutet habe, in der UancI des Kaisers reeht- 
lioh eine ganz andern Bedeutung Hngcoominen hatte, aht ihr bis 



238 

dabin zukam. Kur nach dem Geltungs- oder dem Wirkangskreise, 
der in Betracht kam — territoriell wollen wir nicht sagen — also 
hinsichtUeh des > comitatibas ad marchiam ex antqino pertinentibiiB, 
qoos tres dicuut*, wäre das zweite Banner nach wie vor dasselbe, 
aber hinsichtlich der Berechtigang hatte sie sich vollkommen ge- 
ändert. Wie das erste nicht mehr die Harkgrafschaft, sondern das 
Herzogtum bedentete, so biitte auch die zweite ihre Bedeutang ge- 
ändert. Was sie früher besagten, wissen wir nicht, aach Dopsch 
nicht; er weiß nur, daß diese Fahne, aas der Hand des Kaisers 
gereicht, »dreifache Grafenberecbtigung < bedeutete. Er übersieht 
ganz, daß sie dieselben comitatus betrifft, wie vordem bei der bay- 
rischen Heimsagnng. Wir kommen darauf noch einmal zurück. 
Aber jetzt ist es klar, daß das Lehenszeremoniell vom 17. Sep- 
tember llä6 durchaus nicht in obcrSächlicher Weise für die trea 
comitatus- Frage herangezogen werden darf, daß vielmehr nur eine 
genaue Betrachtung desselben Liebt bringen kann. 

§ 101. Als ziemlich eingehender, wenn auch nur aus der Er- 
innerung — Otto stirbt zwei Jahie nach dem Ereignisse (1158, 
September 22) — niedergeschriebener Bericht über einen Akt mittel- 
alterhchen und deutschen LehenszeremonioUs betrachtet, hat die 
Geschichte, die uns Otto von Freising von dem Vorgange auf den 
Wiesen von Barbing erzUhlt, jedenfalls eine zweifache Bedeu- 
tung, eine Bedeutung für das bayrische, und eine solche für daa 
österreichische Zeremoniell bei Belehnung der beiderseitigen 
Herzoge durch den Künitr, beziehungsweise den Kaiser von Deutseh- 
land. Der bisherige Herzog von Bayern gibt sein Herzogtum mit 
sieben Fahnen Kaiser Friedrich I. auf, mit sieben Fahnen empftlngt 
Heinrich der Löwe vom Kaiser das Herzogtum Bayern als Lehen 
vom Reiche, zwei Fahnen — augenscheinlich aus den sieben — 
gibt der Herzog dem Kaiser zurück, d. h, er stellt die durch diese 
Fahnen repräsentierten Teile seines Reichslehens Bayern dem Reiche 
wieder heim, nUmlich »marchiam orientalem cum comitatibus ad 
caui ex anti[|uu pcrtinentibus« und augenscheinlich mit denselben 
zwei Fahnen, die man ja von Haus aus als Reichsfahnen gelten 
lassen kann, belehnt nunmuhr als unmittelbar vom Reiche der 
Kaiser den neuen Hi-rzog von Österreich mit der zum Dnkat er- 
bobi^nen >marchia cum predictis CDmitatibus, quos tres dicnnt«. 
Wir haben es unzweifelhaft mit einem Üoppelakte zu tun, mit einer 
bayrischen und einer Österreich ischen Belehnung, von denen wir 



eunächst die bavriMibe ins A.age taäsea wollen, nicht bloß weil tue 
das üllerc ücnog:tum bctriift und weil ftua dem b«trcSendcii 
Teile de» Beleb niuiKsakte« der öeterreiebische gleicbsam borvor- 
wacbst, wio Ösliirroicb flolb« uas llavern licrvorgcwacbscn ist, son- 
dern haupisanblicb aua dom BchoD 2um Sobloß des vorigen Fsru- 
grik{ilien augofUbrtiMi Grunde, weit n-ir Dllmlich fQr ilitt Gcecbicbte 
des bayrisciicn B^^lchiiuiigszeroinouidll» t>iti verbal tiiiäroaGi^ ivißbee 
Material besitzen, nrlches ans in den Stand :ietzt. hub de-tn dadurch 
verbürgten l^twickluogsgailge gevisae Schltlsae auf die ßedeatnng 
der Knlinuu zu zielKin. 

Frcilicb kann iofolgede^sen das /herein oniell von U50 nicht 
gleich zur Eriirtvruii^ ßuUiigen. du wir ja nuK fiD«r Alteren Nach- 
richt ootnchmMi. daU dasselbe vor Zeiten bedeutend einfacher ^ 
wesen »ei, und ji^denfalU aus dieser Vemcbiedenheit and aus dein 
gleichwohl fortbcslebenden eiobeidichen Momente geirisee Erkcnnt- 
ai»te achspfon werdr-n. Davon «oll hier Anlaß geDommen werden, 
die cnir beh&unt gcwerdmen HeluhnDn[r<.'n vtrn LuicnfOrsten hin- 
aiebtliofa des Zeremoniells vt>r/ufubren. was um &n mehr willkummen 
sein dürfte nl» es an systoniati sehen KnaammenntclIuD^ica dieit- 
fillliger Nacbricbteo fast völlig gebricht. äe)b»tverstilndlir.h kann 
auch hier Erscböpfcndes nicht (leboten werden, 

§ 102. Wenn ScbWkler in seinem Lehrbucb der deutschen 
Rechtspeschichte behauptet, Uayera sei bis zum Aueechcidcn Orter- 
reic-hs mif aipben Kähnen verlieben worden '), »o entspricht aolchea 
kcincswe^ doii Verliftltniseen, wie sie lu vcriwhiedonen Zeiten ge- 
herrscht haben, zumal nicht dom ursprunglichen Zustande. Viel- 
mcbr scheint orsprtinglich nur eine Fahno bei der bayri- 
schen ßelehnung gebraucht worden zu »ein. Xacb dem Deriohte 
eine» Diotmnr von Meriwibarg war e« Kaiser Heinrich 11^ der selbat 
als der vierte soinoa Namens, wie einBlmals sein Vater tf 9!)5) Bayem- 
herxng und nnrh «n dessen Lebzeiten bayrischer Miln-itcnt gewesen 
(S9Ö — 1004) und da» Herzogtum auch nach »einer Künigswnhl (1G02, 
Juni 7) nicht proisgegebeo halt« — e» war Heinrich H., der nun am 
Sl. XlUrz 10Ü4 >aaf einem Landtage xa Kegensbur^ unter ZustitnmUDg 
der bayrischen Grollen seinen Schwager Ueiiirich oder Hoxilo durch 
Dbcrrcirhuiig der Pahnenlanw mit dem Hcruigtumi- Bayern« ^) 



■; § 40, Ann. 20. 

*) lti»Kt»r, U«kIucUi« B»;eniH. I. 47. 



240 

belehnte. ') Damals also ist aar eioe Fahne zur Änwendnng gelangt; 
ob dies einem feststehenden Crebrauche entsprach, mag dahinge- 
stellt bleiben. 

Nichts würde zu der Annahme berechtigen, daß anter >haBta 
signifera« alleofaUs auch mehrere Fahnen verstanden sein könnten, 
so daß man sich allenfalls an der einen Lanze mehrere Wimpel 
angebracht denken dürfte. Wenn dieser Gehraacfa Uberhaapt je im 
Lehenswesen geherrscht, dann ist er sicherlich erst spater aufge- 
kommen. Wir können sonach mit Bestimmtheit sagen, Bayern sei 
noch im XI. Jahrhundert mit nur einer Fahne verliehen worden. 
Wie lange dieser Gebrauch geherrscht, laßt sich allerdings mit den 
gegenwartigen Mitteln nicht feststellen. Ob erat 1156 und vielleicht 
nur ad hoc das neue Zeremoniell aufgekommen, ob es schon seit einiger 
Zeit im Gebrauche gewesen, ist schwer zu sagen. Zwar ist in Propst 
Gerhohs von Reichersberg Schrift >De investigatione Änticbriati« 
die Rede davon, daß die Bischöfe unter »vexillnm ducis« Gericht 
hielten, was ihnen Gerhoh sehr übel nimmt, aber es wllre sehr unrecht 
zu schließen, daß zu seiner Zeit nur ein einziges herzogliches Banner 
bei Belchnungen in Gebrauch gewesen sei. Ganz gewiß muß zwar 
dieses Banner mit der königlichen Belehnuug in Verbindung ge- 
bracht werden, wenn es auch bei verschiedenen Gerichtssitzungen 
in mehreren Exemplaren im Gebrauche stand und vielleicht war es 
dasselbe Banner, das bei der Belehnung mit sieben Fahnen noch 
immer als altes Üerzogsbanner Verwendung fand. Aber aaf die 
Einzahl darf fUr die Zeit Gerhohs daraus nicht mehr geschlossen 
werden. Denn jene Schrift ist ja erst 1162 auf Wunsch Erzbischof 
Eberhards IL von Salzburg geschrieben, und schon sechs Jahre frfiher 
war die Siebenzahl der bayrischen Banner zur Anwendung gelangt 
Wir können mithin aus Gerhobs Bericht nur entnehmen, daß entweder 
das alte herzuglich bayrische Banner auch Gerichtsbanner war, oder aber, 
daß eines von den sieben Bannern der Belehnung von 1156 Gerichts- 
baniier gewesen sei -), Übrigens handelt es sieh diesmal um Sendgeriohte, 

M Thiotniari Obron. Lib.VI., cap. 3. MO. SS. (in nt. 8cliol)135: rez . . . 
ad Katifibonum vcnit, ibiijiie babito re|;iLli placito militi eiümet generoqne Hein- 
rico, XII knl. Apriliti, cum onmium luude preBentium camiiaa huta ■Ignifara 
ducatiim dcdit.« Vgl. auch; Sejier, Geacbicbto der Heraldik. 2SI* ff. und 
TiW tt. 

-^ Gorhoh, De invcstigatiune Antichr. I, 37, ed. Scheibelberger, S. 81: 
At nunc ridemus iiuiddam terlium oi duarum poteslatum permixtione coB&etiini, 
dum ([Uiliuidaiu epiicopii colio iudicii lesidcntibus cnix dorainica, pontlficAtiu val 



SU 



Wovon noch su »prwliGn sein wird. Wir woRun bei einem Ver- 
suobv, ilen wir splUer an5tcUi?ii witcIvii, die ßodciilonf: der eieben 
Palmen zu erklareD, uus aueli der Sielte in Gorliobti pnloiniticbor 
Schrift erinnern. Für jotxt aber kohreti wir zu der «iotm ullen 
Fahne von 1004 zurUnk, um von ibrom StHiid}iUt£ aus Umsobau 
nach analogen VorgAngen zu halten. Und da küonttn wir allerdin^K 
sa^u. daU die mlCe bajriaclie Art der Verleihung eine« Herzo^ums 
mit nur einer Fahnu gavx nud gnr nicbt^t L'n^wilbnlicbps an sich 
bat und daU aacb zu anderen Zeiten und an anderen Orten ftowohl 
früher wie spnter Verle-ibungen ron Kürzten tOmern mit nor einer 
Fahne vorknoinien. Wir bolfen aas sulcbi-r Kuodschan einigen 
Qcwinn zu ziehen. 

§ 103. Ohne auch nar im entf«mie!it«n anf VoIlHtJindi|;keit 
Aiupruch erheben xa wollen, st«llo ich nun dnipi Fulle von Vor- 
leibungeu ron HerzogtUmvro mit nur einer Fahne aus 
anderrtn Bereich za^ummcn und beginnr mit dti^n für die Ekitwink- 
lung des Feudalwesen:« gewill buchst wichtigen KorntanDeBBtaaten 
in Italien, wobei nicht verschwiegen werden daif, daB hierfür 
»(«■hon im Glossarium mediac ot infimae latinitatb') oine AufhAiLftm; 

Caehr wertvollen Materiales vorliegt, die freilicli, um der Darstellung 
llUischaulichkeit geben r.a künnen, das Aafsncben der einachlAgigen 
Stellen erfordert. Übrigen» iflt dem stehnten Bande der »weiten 
Auitgabo von Ducunge noch einu sehr butchlenswerte Diwertation 
Favn» »Des Chevaliers hanneretH* beigGgi*l>en.^) 
I Schon lO&U hatte, nach den Annalen Rnmualds, Papst Niko- 

laiiÄ II. dein Koben Öuiseard die bisberijfc Grafschaft Apolicn als 
Herzogtum zu Leben gegeben: »tatim per vexillum invcsiivit eun- 
dem Robbertnm OuisCArdnm de bonore ducatoa aui cum tüta terra.') 
Ein Gleiche« tat Kikohias' Naebfolgor, Papst AlcxaiidiT It.; nachdem 
KübüH des Papste» »liggius homo«. d. i Lehenamaun geworden, 
Dacliduin er also Uuldv and den Eid geleistet, ump&ng «r vom Primae 
der katboUscheD Kirche >per vexillum . . . Icrram com honore 

cJulatlaaa« fauBiiliulia iiiiiRat, ac tiaul voiIIIuib duoi*. rMtUott od Tlndlc- 
tsn Biklaractoram » r»f« iiiiaiti aignani (»nfMnbtur. Quod nibf pro mM 
MMinKlione Dwnatraotuin p«tiui TU«iur. <|nBai, «t |>at«iii, ratlowi fiibntsim poii« 
domoMlMri. V|fl. «ciltr S ^ (S- ^)' ftjuat. ^«m1« mm opttilM« t<ttam »iiitcoiio 
ludiiMft »jmwdiUia biuuiiU; uUi>i»<|<ie p«i««Utii Laiigiüii . , . , 
>) Ducanir« (ed. 11). Favre IT, 417 f 

C*} A. ■. V. X, 31 ß. Oitaen. a. VUnArt de », Louy« IX. 
)) HO. na. XIX, 4M, Z. 14. 
JtittmA » T. t. Immt n l na t » . m». Iß 



242 

<iQcatu8<.'> Man sieht andern Fonnelhaften dieser Mitteilnngen und 
wird es iipilter noch besser erkennen, daß ein g^nau geregeltes Zere- 
moDiell befolgt wurde. Durch Bulle vom 29. Juni lOSO bestätigte 
der große Papst Gregor VII. das Lehensverhältnia.^) Aach Roberti 
Sohn Roger I. erhiilt am 16. April 1090 zu Amalfi als >liggius homo« 
von Pfthst Urban II.. und zwar auch wieder »per vexillnm . . . terran 
cum duratus honore«.') Ganz ahnlich heißt es bei Rogers Sohn 
Wilhelm von Äpuüen. dem 1115 Pasch al 11.^) und drei Jahre spätei 
dessen unmittelbarer Nachfolger. Gelasius II.. und noch weitere zwe: 
Jahre dessen Nachmann. CaÜxtus IL, nachdem der Herzog »liggios 
homo< des Papstes geworden war. >per rexillum« das Land and di( 
Herxogswürde übertrug. Bei diesen zwei letztgenannten Belehnungei 
überliefert Romuald auch den Wortlaut der Ansprache des Papstes 
die jedesmal eine kurze Lehensgeschichte bildet-"', der wir in beider 
F.lllea entnehmen, daii Papst Pasclial auch schon Wilhelms Vatei 
Roger in feierlicher Weise mit Apulieo belehnt hatte. In die knrzei 
Resnerungen der Päpste Gelasius und l'alixtus filllt nur je eine npnli' 
sehe Belehnung. X.ich Wilhelms kinderlosem Tode «ring desser 

•■ Kbenda. Z. 18 ff. 

-\ .I«ff.-. Ref. Poot. edilio 1!. 1. Sr. .MTB: ed. I. :^Kt8. 

>> Roiuuatdi SDoDlet. a. a. O. 41i', Z. 11 tf. 

-j Ebenda 41.'). '£. '20 il. . . . Giiil'.elmus dux dcveiiit ll^^us homo pnpi 
rsMshalis . . . ci i[>»« pnpa .«istiiu per ve\illuiu tnidiiil eidciu duci totam lemui 
cum hk'nore JiiL'alu? . . . 

l:on;,>aldi annalci illlS' MG. Komoaldi annalesi 112(11 MGS3. XE£ 

SS. XIY. 4ie. 7.. 2i f!. 417. Z. 11 il" 

Eddem nnno >[Uo p3|.>a OelaMus ordina- Menie Octobm iadictiaae XIV in Ben«- 
IUI) e»t. nieose M.ircii $>'il. i>die iaJirlione venli palaüa Giiillvlmii* dnx devenit Up 
XI in oivit.iU' Gaiotn . . . linUIrlmiis iii:\ giii'^ houio p.-ipe Calixti pei directniD 
lijjTgiiii i:tu» hiiiuo iure devrui;. «I «tatiiu idri'it' L'L>ncrii untiej b"miikej ^Völker 
il'ff !■»(>:; pi-r ve-tilliin; tr;tiiJil ddeiM reohtv. Et ipso ;iaj-a ?catiin eidem dne: 
.hK'i (01.-1111 ti-rr.ini «iiani i-uiu hi>ni>ro s:;i don.-ivii ei c^'r;i•esHt ac per T«xitlnoi 
ii'.:cat:is. lÜL'i'r.s t,>'.i^n:aäiiiod!ini(ire);'.Ti::> iraiiiiii ''niDem l-^rrani ip.<iui dacü cnin 
yxpa iraiiitLl i!I»i:i 1;oU>>.t:i> (i-.iUc^.r.'.k) 10:0 LoDuru duca;u« ipiiui dicea«: Ad 
:iv 1 ! ;■.! t-t sic'^: l'rlLir.;;,* pap;» i»::. II.'- hc-norvi:; Pei itc. . . - '-i'niKdima« tibi 
^•.ri'.' vAiri \:^.■^ l:ni!.ii: i't siv'.it r^i-ohaiis ii'rrai:; et ;i:[;tei!i i:oi:i!reini(aemciiniio« no- 
\K\yii eidvH! lU'^i'riii i'-.itri t;;o :-ri'i-i :'.la:;! ■'XTi iiri',!ci.'i, -j-.ref. v|d#;icf( psp» Xicolatu 
■■T p.'sto'i ri''! ir:i "tit. s;.' pi ej,-'' '.ral.,' tt .v:-T3rd..?r ai-\v.e i.lri-iiciriu* donsrenmi 
t:M eaüiiiT,! ;i'rrani e\'.i:\ hi-noro i''.-.n ILbiorii' <.i'.:i;<;ardoavo taaacdeiiidt 
ii;ii,':i'.'!.i ] uT i;!;d :/.eii; d.'n!;r.i a'.v.:': Viiar.'^f p^va ^t Pafcbalif eiai tncccUQi 
.■■'nsei;*!-.!;-, li: s;iv;rMV.: duci lloirerii.' p«ni rao idem' 

■.-,j r:if:hi:\i puftea atqae Gvlaaiaa papi 
d>>aaver,-,nt tibi. 



248 



Vetter, der GroSgraf tau StBilien, sofort daran, eich de« apuliscbeti 
F.r\w» zu lu-miiohtigen. Er M!tii4<Ut<! rTnnoriu» II. viele Oesclienke, 
versprach ibm Abtretung eioiger iSiadte, weun der Papst jba mit 
Apulieii btslrbutc, wozu sieb judocb Hoaoriun ciastvoQcn iilchl rcr- 
sti^hvD konnte'). Freilich sah er sich gar bald so völlig vcrUesen, 
daß Ar Rngem Wünschen entaproclißn mußte.'-) Ra ist aanh diesmal 
die Pelehnimtr mit nur einer Fabae. welche Art der ßelebnncg noch 
in dift Küiii^i^Kutl (1130— UM) bineinrctcht; Kogem vi-'rltiiht 1139 
InnoEcns 11. das Königreich Sizilipti per vexillam.') Vorher aber hatte 
dieser Papst geniein»am tnil. Kaiser I^har den Schwager und Gttgner 
Ro^eR, den Grafen Kainulf von Alifa mit dom Ucrzoirlum ApuUen 
belehnt »et electo vexilluD) ad hoDorei» dacatiui tradiderant«';, wobei 
ein Zeremoniell b«rol<:t wurde, das »choD dßsiislb »ehr inttirfiSMQt 
int, weil der ßeriobt darüber vollkumineD außer Zweifel ntellen kiuin, 
diiß diihci wio bisher immer aar eine Kahns zar Verwcndong kam. 
Es wanl nätnÜcb der .StoMt, der zwisehen Kaiser und I*ap&t wegan 
der Ijchcasboheil ausgebrochen war, vorlHiifig diihin gcachlichte*, 
daß bei der Cberpibe der Fapsi das vesillum oben, der Kaiser 
dagii^en unten halten sollte"), was aach zur Ausfllfarang kam und 

1} Kaloo B«nev«nunas. Untatoii S8. It V. 103. Sp. I. A. hei Dncang« 83B 
•rohl njwli usdan>r An*gahoJ: Miait pratlores dooiln» papao itiyaaiio tnunen innlla 
m*i «t urgauci, (xoUidianilo inin[ier etlam eiriinimii IVoianam at MenUinrutciUD, 
ul ilucatun et tbxIIIdiii M nomen largirotnr; ^nod nuD^iuni lempor« Illo praeJlcKW 
[lapa Ilonnrius ci concadvre difnitn* Ml. 

'I RomoaJdl ■niial«> (1128). MG. >iS. XtX. IIa. Z. 34 ff. Papa T«n> viaeoa 
M a baronilni« ilcrelkuun, BencTentuni redüi; iiuem dui Uogarliu « vwllgio prois- 
colua Ml «t bimU Dunciia 0«in «o cofiGoTäatiu eat (»U CapaaX m' üggiani 
boniitiiuRi fecil «t iuiamaDtum preililll, et ab tu Ea pQnte <)ul ett laiior Sabbalnm 
per Tpiilluui d« Jocau Aj>nli« inTOitla« *»1. (Zii S9.tib«tum wird b«nkukt: Bab- 
liola Aiini«a.) Ähnlich in Aleundri Teloini abb. lil'. I. cap. 16 [Mnrn(i>Tt T, 
paff. ßl8). Foit d!»in raro tritiim piaefala* lTu(i«rltu II. punllf«! ob «o nteitu* 
paaliilnin ab ailie piD);(nliliir ip»iDM|iM ot nioria erad boninio aujccpto coro 
vsiillo dui-ali oidcoi uiulidit regimen. — Fnlco in. a. O. 8p. 3, D) iprielit la 
äkmm KaMiiiiu«obaDj(e nur von falbung nnd De«llligun£, waa woU daxug«kftniii«a 
aela mag. 

>) Ebraita. 8, 13», ep. 1 C. (t.ni Uuesngo 33S> U«gi vtn Rogatio ■Ulim 
t4icilia« irgBuia ptr vwiUuin donaril, titu du«) Sit« dncalan Apulia«, princlpi 
alttri Atlo ciiu pHneipatum Cnpuaniini larc^hit eit. 

*) A. ■. <>, ». \-12. äp. Üy K. |»acti Diicaugo-Farre Sü^f. 

Ey >) BoBiaalili aanalM 1137 exujit. Aue- (UO. S*. XIX. 432. Z. 34 tT) Im- 

Ipanioc ima civllal* potlla« (Pi«») |t«captt« M> «i> f"> p«Ciuia abaidibo* • ciTiUiia 
farvdffn* nptiil Sitieuiia HeTarintun (MQ. HS. VJ, TTS) »ua ewlra toearlt, ib^ua 
1 '** 



244 

bei Anwendung: verBchiedeuer Fahnen fUr Kaiser and Papst ganz 
einn- and zwecklos wäre. 

Xoch ein Beispiel aus der Jugendzeit Friedriche II. soll roi^ 
geführt werden, als er noch als Kijnig von Sizilien ein Freund des 
Papstes Innozenz IlL war.*) Es ist schon deshalb interessant, weil 
es uns zeigt, wie auch Grafschaften durch Fahnen übertragen 
wurden, auf welche Möglichkeit in Hinblick auf die tres comitatos 
Dopscb bereits hingewiesen hat. Das Beispiel ist auch deshalb lehr- 
reich und als Analogen zu den Vorgängen von 1156 zu fassen, 
weil wir erfahren, daß neben der symbolischen Übertragung der 
GrafenwQrde an Richard von Segni, den Bruder Papst Innozenz III., 
auch eine solche per privilegium stattgefunden habe, genau wie bei 
uns der von Otto in den Gesta Friderici geschilderten Zeremonie das 
PriTilegium minus zur >Seite steht. Ich will darum noch nicht in 
eine genaue Parallelieierung eintreten, weiß auch nicht, ob der Wort- 
laut jenes Privilegiums zu beschaffen ist, und will nur noch er- 
wähnen, daß der König von Sizilien nach dem Bericht der Gesta 
Innoccntii III. die symbolische Investitur nicht selbst voi^eDommen 
hat. sondern durch irgend jemanden bat voriiehnien lassen. {«Nichts- 
destoweniger liegt königliche Belehnung vor und wird, was gleich- 

habito apoBtoIici et barouum coBsilio, comitem Ravdulfum ducem Apulie ordinär* 
disposait. Propter quod icter apoBtolicum et imperatarem magDB contentio «it 
oborta. Apostolicus enim iLscorcbst iDvegtituram ducatUB Apalie ad im Bomani 
pontificia pertinere et hoc a auis predcceesuribu« fuisüe Um longo tempore 6rmiter 
observBtutn. Imperator coatraTioairirina.l)at, hoc ad iub pertioere imperü, etdacatnm 
Apulie dobcre auctoriiate iinperaloria ordiaari. Set qnia uterque in procinctu «rat 
itiaerii et deficieutibus ad prcBens utriueque pattia inatruincatis et rationibua, contra- 
versia hec ad ptcnuni diliniri uon poterat, communi conseDsu ad huDc ßaem coocoidie 
deveueruat : ut spoilulicut et imperator per veiillum comitem Baidulfum de ducatn 
Apulie invesiircnt, et postmodum Labita oportunilale loci et temporia, Dtrimqne 
parlis allegatiouibus plcaius exbibitis et oEleDEi», hec conlroversla mediaute inatitla 
finirctur. Cjuod et factum est^ nam apostolicas acccpto vexillo a iDperiore parte, 
imperator ab inferiore comitem ßaidutfum de ducatu Apolie ioveitierant. 

'j Oestu Innocentii III papa, Muralori. 111, ^00, Sp. 2, C: (^aoi aadlena 
rex Siciliao admirans et gaudens civitatera l^oranani, et Boccam Sorellae, CMtmm 
arcie et Roccam ipsiu». Hroccum, et I'cEcliini nolidani, quae omni» eripaernnt de 
maaii Conradi. concessit per privilegium pratfato Kichatdo germano domioi puae 
ae eins berodibiin in perpetuam, conBtitucDs illum comitem et faciena eom de 
comitalu per rcgale voxillum, cjuod illi transmisit, salemniter ioTeitiri. (fKvre. 
DisnertatioQ aur l'istaire de Saint Louis, in Ducange, Glos», mediae et inOni. lat. 
(ed. 'J| X, S. 'iHh. Ainiti l'rudoric, roy de Sicile, inreElit Richard, frin da psp» 
Innocent 111, de comli: du Sori? etc ) 



245 



fnlU whr lulirrracli und wichtig Ut, die Lelieiiafabne aU regala 
vexillum, als k<''nt^liclie Kahoö bcKcielmet. Vielleicht ein Viflrlöl- 
jnhrhnndeit Tordom hatte Friedrichs GroUrater, »der Rotbart • die 
Belehnunß an Köln >imperiah vexJllo« Tornehmpn küntien. 

§ 104. Immerhin ^viireD die Tage der BelehDunp mit nur einer 
Fahne ^eE&hlt. Die i;ewaltigc Vermefaniitg des normuniiisubrn Bc- 
litsas in Italien, den Roger 11. anter einen Hat zu brin^n verstand, 
gttr bald Anwendung mehrerer L^lienssymbole xur Folge und 
in die Stelle der einen Fahnu traivii d^D drei. Ab daher 
in oben dttm Jahre, in dem joner für die Gcsi-hichti: ()st<:rrt-ieba 
bochwichü^e Akt vor den Mauern vun Regcnrtburg Kich vollzog, 
^1166.pApst lindrian IV'. iin KUn!^ Wilbdni die Leben oitciltc. ^ebrAucht 
er eine Fahne für das Kltni^reieh Sizilien, eine fUr dtu Herzogtum 
Aptilien and eine fUr das Furstentani Capaa.') Streng ße-tiommea 
halt« sich aUo hinsichtlich der apuliächcn VcrbßUniew nichts ver- 
ändert; nach wie vor blieb Apulien durch eine Fahne vertreten. Nur 
daß der eine Lehensmann nunmehr vorsehiedene Lehen aus ein- 
aud demelben Hand einpfUngt, hat die Vermobraug zurFolga Und 
lies tritt auch bei späteren Gelegenheiten zutage. Kaiserin Kod- 
izxik biUcl Jou Papst Innozenz >ut r^num Sicilia<.\ ducatum 
Apnliao et prtncipatum Oapuae cum celeria adincutiis eibi et iiUo 
10 ooneedere dignaretur.'; Diese üntorgoboidong der drei I^hens- 
»bjekte ist geniß auch in den Fahnen zum Ausdruck gekommen. 
Genau ao wird es sich noch ba einem anderen italienischen Ftlrsten- 
Cam jener Tage verhalten, bei Savojren. welohe-i laot der auf uns 
gekommenen HelchnungHurkuiide von 12Ü7, somit von KiJnig Philipp 
Ton Hohen stöufen, dem Urafeu Thomas mit drei Fahne» verliehen 
vrorde. Selbstverständlich; denn xu dem areUtLs^'hen Hesitz des sa{iau- 
bdiachon Grafenhausea, war vor 106U die Grarachafi Turin mit dem 
'■tltiliehen l'iemont getreten, and vivllcicht kiim auch «ehon die 1101 
verheheno and 1111 bucätigt« BeichagraronwQrde als aolclie in 
etracht, jedenfalb noch nicht die durob diu Urkunde von 1207 
^den Grafen von Savoy noch neu verliehenen llexirke von Cbtcri 

') Kotnoaldi innUM llfi6. Jnnl (KsTr«. aiioo lläS). Tiwat JtdHanu ptpa 
■Kam CKrdinillbiB «nl* ad •oelwiun atuicii Starciani, nwo pnpa CalMwn Barfum 
^«lu M (bei liwevMt) v«ai«iu, ngtm Wilhclmnin ad pedet iom bonlUter aoeadesten 
■Rlgns r«c*pit. <jui roet» luramsaio, di norii «rat, Ug^ua bona fapa darvidi, et 
[jap« ipiuin per unusi vrtUluei ilo ngKO f^ieili«, per aünd de diicatu Apnlie, |)or 
^Inm da priaeifata Capiie invHtifJt. (MG. ^S. XIX,, -fiS, 'f.. Alf.) 
') Viia liUMe. Itl pa[>a, Uuralori. 111, itK). 8p. I. I). 



246 

und Pertone. Übrigens kommen nicht bloß Territorien (terrae), 
sondern ancb Würden (honorea), wie wir an den apnliscben Be- 
lehnuDgen geseben baben, in ein und demselben Lehensakt znr Ver- 
leihung. Ein ganz besonders lehrretcbes Beispiel dafür werden wir 
noch in einem der näcbeten Faragraphe kennen lernen, die lothringi- 
sche Belehnnng. Hier wären wir sehr geneigt, gleich an die Frage 
heranzutreten, ob denn auch der Übergang von der Einzahl zur 
Siebenzaht im bayrischen Lehenszeremoniell auf derartige Ver- 
mehrungen zarUckzufUbren ist, da die bayrische Geschichte jener 
Zeit nicht recht zu einer solchen Auffassung stimmen will, was 
sonst die Vermehrung bewirkt hat. Doch wir ziehen vor, noch 
einiges Material ins Auge zu fassen. 

§ 105. Auch noch in späterer Zeit, also nach der Ei^ 
hebung Österreichs sehen wir die Einzahl der Fahnen bei Ver- 
leihung von Herzogtumern festgehalten, zumal im Geltungs- 
bereich deutschen Rechtes, also in Deutschland selbst und sogar 
in seinen Uatlichen KachbarlSndern. So %vird laut der Gelnhansener 
Konstitution das von Sachsen losgerissene Herzogtum Westfalen, 
obzwar es >cum comitatibus' geliehen ward, doch nur »vexillo 
imperialii — also nur mit einer Fahne — 1180 vom Kaiser dem 
Erzbischofe von Köln übergeben. Das ist auch aus dem Grunde 
bemerkenswert, weil seit 1 122 die geistlichen Lehen mit Ring and 
Zepter gelielien wurden und soll besagen, daß das neue, ans 
Sachsen ausguschiedene Herzof;tuin ein weltliches Fürstentum bleibt.') 
Wir kommen auf diese Belehnung, mit der wir uns ja bereits be- 
schäftigt haben ~|. demnitchst noch einmal zurück. Selbst aus dem 
späten XIII. Jahrhundert ist uns noch ein recht lehrreiches, sogar 
um mehr als ein Jahrhundert jtlngcres. allerdings aus einem ent- 
legenen Teile des Reiches stammendes Beispiel der Lehensaufsage 
eines Herzogtums auch mit nur einer Fahne bekannt. Herzog Kasimir 
von Opeln. Herr auf Beuthen, gibt 1289 dem König Wenzel II. Ton 
Böhmen sein Herzogtum >per vexiltum' anlicim mit allen Rechten 
desselben Herzogtums'!, um es als Lehen von Böhmen wieder zu 
empfangen, das selbst vor Zeiten mit nur einer Fahne geliehen ward. 

ij Schcffer-Boichorxt, Zcitachrin für Geschieh tiwUsenichitfi. UI,339f.; 
und obau § 98 das Zitat aus Buhwabemipie^el, Lcbearecbt. 

'1 Oben § 58 und il/ter. 

^1 Ori^iDullrangBumt ron 14^6, III, 20, des k. u. k. Stafttnaicbivei Qber die 
l.'rkundo von 1280, JSnner 10: Kaximima .... dox .... OpnlieniiB et dominoa 
in Bythum .... reiignftvi .... et exnuDc Toiigno publice per rezlllnm meam 



i 




tmbiHl 
MheUwt 



In den beiden letzten Fällen. Uorzogtum Wc&tfjtlcti. lläO. 
and HcrKr.gtmii Opflln. 1289, kann betont werden, daÖ es sich 
beide Male nur niQ Teile groDer lieTZoi^tUnier, der alten llentog^ 
tUmiT Suo.b»cii und ScbiesicD gebändelt liuJ>e. Auch das llenogtnii), 
daä 1004 dem Lotbrioger wurde, stellt niclit mehr dii? Uacht vor, 
<jie eüut den Künigs Vater b(!li«rRtblile, dean KUnftchsl Verona uiid 
Friactl (99b). dann aber tuicb ileinricbs Erfaeban^ suob KüriiteD 
war Tou Bdvern abgttronni worden. Gleichwohl war c» docli noch 
iiomer datt nlu^ ^'aii7.i; Ilcrzo^iim, daii •liaGta tii^ifuru« Ubt-rgulteii 
vrnrde. Wir künnen daher aus dem Bericht de« KeitgeDUAm»efaen 
Thiotmar von Mvr»<.>bur^. deraui:li ^^^ugcaiteu^ gßn-e««b sein dUrfl«'!. 
uabüdunklich enluobmc^n, daß, wie m so vielefi andcreii KalloD 

splttenr /^eit. noch zu Begino des XL .[ahrhunderts das Lehen»- 
symbvl fUr daa Q&rzo];iam Bayern ein einzifiiea Banner {{cw^sea fei. 

8 lOfi. Im Lapfe der nftchsten löO Jnhro muQ sich nun dieser 
einfaclie Vorgang bedfulend weiter entnickelt haben, ohne* daß wir. 
wie schon oben gexeigt^), irgend einen Anhaltspunkt besHiien, wann 
nnd wie divs geschehen sei, ob also mit einem älale an die Stelle 
ilur einf*n Fulini« deren sieben gt^lrcten üoien oder ob «ich eine all- 
mahUchc Entwicklung von der Einzald zur .StebcDxabl vollzogen 
luÜH. Wir wisiHsn ebus nur das eine: Tm Jahre Il&O erscheinoo 
btrcit« sieben Banner aU Lohenssvmbole Bavorns. Duü 
all« diese hieben I-'nhiien Bavern betrafen, daß keine von ihnen 
«ich anf ein Lebfnuribjekt bezog, weichest nicht in irgend einer 
Weiae mit dem Uerzogtum Bayern HtuutArccbtIich xusammcnhing, 
<tefat außer allem Zweifel. Jede gegenteilige Aofi&sauug wird durch 
die Darätellnng ansgeachloasen, die (Hin von Frctsing in ^iner 
Ge«lu Friderici bringt: Hcinrica« maior natu dncatum Baioa- 

•osdHQ dncatiiai et onnla ttira »iuailvra duot» cnn inribin ai itaal»Ui, qn« 
»tcbl, &Ui*, horodibu* ot auccwMrilmv meia untr«nU in twdani dacaui coiu|i41uiil 
.... Vgl. Cod. dl^il. SilM. VÜ.S, ». 123 (Nr. SU39), 

*) Zwar killn Thlalaar aacb L«pfaiib«iKa D«t«l«l1uiic don Kmiig Inblg» 
•taar Bvrvfnnf doroli uIn«B EnUlalHf Tteiao Ton Hagd^boiv unt t|>itier in 
ThhigiM bei KompUn gssoberi (HG, 8ä. |I1., 8l>), Z. 33 ir.. vg). 7ib. Aon. 19). 
AUeiu gerade j«na KatufuBg tthlgUi naeb ThiMmar von Augabntg an», wo Taglo« 
■ili dor Königin HiKOeligcblUbnn hu, uad Maclit *• valinclialaUeh, iMßl'i^tatu 
nlcki «eil i**gg«»«iaii mI ub<1 in dvan iotb Biara T«9 der Raiao Ki^aig Htiariehi 
durcb Tlilltinges, Franken nad Bayern bereiu niligMiuelit katt«. Danu muD tr 
Kolil aucti &a«l) lUgeaaborg galaagt «lia. 



248 

riae Septem per vexilla imperatori resignavit. ') Anderseits steht es 
doch wieder Bieter, daß wenigstens eine wahrscheinlich aber zwei 
von den sieben Fahnen sich auf einen Teil Bayerns, anf die Ost- 
mark, bezogen haben, and kann auch angenommen werden, daß 
z.B. selbst die erst 1180 dorch Erhebung des Markgrafen znm 
Herzog aas dem bayrischen Landes- oder Staats- oder Lehens- 
verbande ausgeschiedene Steiermark auch 1156 durch eine Fahne 
vertreten war. Ja man könnte noch zu weiteren Schlüssen gelangen, 
die wir aber jetzt noch nicht ziehen wollen.'') Allein man kann 
doch nicht, wie bei jenen italienischen Lehnungen, sagen, da£ die 
Vermehrnng der Banner aus einem Anwachsen der bayrischen 
Herzogsmacht hervorgegangen sei. Nicht einmal an vorübergehende 
Znsammensetzung der sieben Fahnen aus ftlnf bayrischen und zwei 
iisterreichischen gerade nur in den Händen der beiden baben- 
bergischen Bayemherzogo Leopold und Heinrich darf man denken, 
wenngleich für eine bayrische FUnfzahl etwa die noch zu erörtern- 
den fllnf lothringischen und die fünf böhmischen Fahnen, die wir 
gleichfalls noch in Erwägung ziehen wollen, herangezogen werden 
können. Unter dieser Voraussetzung hätten aber die zwei öster- 
reichischen Fahnen gar nicht an den Kaiser zurückgestellt und 
vollends nicht an Heinrich den Löwen abgegeben werden dürfen, 
denn sie kamen von rechtswcgen dem Ostmarkgrafen und Mark- 
herzog zu. An eine > Vereinigung mehrerer Fürstentümer* darf man 
also in diesem Falle und auch bei den fünf Fahnen nicht denken. 
Eher wUre anzunehmen, daß nach vorübergehender Lockerung gewisser 
Abhängigkeitsverhältnisse und bei Wiederherstellung des einstigen 
Verbandes man in der Weise den Tatsachen Rechnung getragen 
hätte, daß man die Teile eines Ganzen nunmehr als Sonderexistenzen 
durch je ein Banner vertreten Ueli, Dazu könnte noch ein Moment 
beigetragen haben, das gerade in die Zeit fällt, die für unsere Er^ 
ürterung in Betracht kommt. Es scheint nämlich allgemeine Tendens 
gewesen zu sein, die Zahl der Fahnen zu vermehren. Vielleicht war 
dies nur auf die Prunksucht und Farbenfreudigkeit des Mittelalters 
zurückzuführen und mullte tiefere, vernünftige Begründung erst nach- 
träglich hinzutreten. Kurz, die allgemeine Tendenz nach Meh- 
rung der Fahnen ist indirekt bezeugt. Derselbe Otto von Freising, 
welcher den uns so wichtigen Bericht über die Siebenzahl der 

■) Lii. II. 32. MG, SS. XX. Hb, Z. 10 f. SchuUusgabe. 128. 
-) Uttteo. §§ 109, 13b ff. 



249 



Ijax-riaichea Kalinun b«iM.'lll, bvrio.Iit«t BD nodcrer Stelle nneli io 
den Geetis Kridcrici imperaWri»'), es sei Gewohnheit gewesen, »ut 
regna per gUdium. provinciar per vexilluni a principe tntdanlar vei 
ivcipiaiuur*. Wie bei doD Künigreictiea ein äcbvrerl, so kam bei 
den FursU'ntOmeru eine Fuhno zur Icheasnymbolischen Anwcndnog. 
Nach dorn SdchHonttpiogcl nbor. d«r aehlzig.lalirc sptlter eotatanden 
ist. haben wir es Rehon mit vuxülis zu tun, die dem eioeji Szepter, 
das bei gebitiohen ßelebnungeo Verwenduni^ tänd, ecboo recht fühl- 
bar vat^r^'>-utreU.'ii.^) AnscbeiDOOil fcans unbewußt fiictSl bier die 
Mehrzahl di-m Schreiber in die Fcdor, doch fUr uns bewciifead. Ob 
die Siebenzabi vegen ihrer geheimnisvolleQ Bedeutung gewählt oder 
fostgehalten, beziehun^ifweise angextrebc oder niebt aberftclirittcn 
wurde, Intil sieh mehr annehmen ala behaupten. Wir werden in der 
Folge noch andere Müglicbkciten der ErklUrung kennen lernen. 
Dabei wird uns, wie schun angedeutet, yorschw^>en mDsaen, daß 
allem Anscheine nach die Worte Ottoa gcgtnttQO, ftlr jede von den 
sieben Fahucu eine bestiminte Bedeutung auzunebmeu. Zwei davon 
dürften die Ostmark mit ihren drei ßrafscbalten vorgcatellt haben: 
><^uibuM (sejUem vexitlis) minori (d. i. Heinrieh dem Löwen) traditi« 
ilk duobuH vexiltiit marchiain orientatein cum Cotnitatibu» ad eun 
ex antiquo pcrliuentibun reddidiu< Kine natere Erürterang dieser 
Mitteilung mUsiteo wir uns auf spUter sparen; sie wird steh auch 
mit der Frage zu beschüfUgea haben, ob wirklich von den beiden 
Fahnen die eine aofdaa Herxogtam Bayern, die andere auf die tros 
comitatus be»>g«u werden moU, was ja aaa Ottos Bericht nicht 
nnsdrcicklieh hervor geht. Fdr jetxt kehren wir zor Sicboniahl der 
bayriocben Fahnen zurück. 

g L07. Was dubet nicht uniDtercst^int erecbeint, dna 
ist die Gleichheit in der Fahnenzshl bei einem anderen ftlr die 
Reic'hfißeflchichte h<iohwichti]^eii Uun:<^gtume. das .lurh RCit den 
Oltonen bis in die Zeil der Uohenslaufen vielfach mit Bayern ge- 
mianaamc Wege gegangen ist Sieben Baonor sind auch das 
Labenaaymbol Sscbsons. Der SachseoBpiegel besagt nllmlioh: 
»Siben vahulehen Hint oach in dem laude nu Sachsen. Das hetzog- 



i> I.ii_ 11, C-ap S. MG. S!*. XX. 33*. Z- 28. 

<) FavfcUaGauge (ed. 2). Bd. X. UisMft. S. 34^ QbemUl: lei]io- 
ralor e0nf«ri eus aoeptro «plriiuBlibu« «t cun rwillU •Meolaribo* faud* oniKla 
llluitris dlpniuili, Nee licet ci f»adun rexillii Tuans ptr aanam et diem uon 
call&tiii» Wtiar*. (>)3wli»«iu|iic^e]. Itl. 6(1.) D«ch liad«4 «ich ancb d*r Stngulnr. 



250 

tam zu Sachsen und der Fhalenz; die marke za Brandenburg, die 
lantgravescbai^ za Doringen and die marke zu Missen, die marcke 
zu Losicz and die graveschaft zu ABchersleben.« Mit diesen Worten 
besagt nun freilieb das Werk Eickes von Repkow nicht daß das 
Herzogtum Sachsen mit sieben Fahnen verliehen wurde, vielmehr 
wird ausdrücklich das erste Banner dem Herzogtnm Sachsen «uge- 
wtesen, so daß also diese Mitteilung, genau genommen, denen anzu- 
reiben wäre, von denen in vorigen Paragraphen die Rede war. Ja 
noch mehr, die Stelle des Sachsenspiegels besagt auch nicht, daß 
das Land Sachsen mit sieben Fahnen verliehen wurde, sei es an 
einen oder an mehrere Reichsfürsten. Vielmehr gestattet die Mit- 
teilung, daQ in dem Lande zu Sachsen sieben Fabnieben seien, die 
Annahme, daß allenfalls eines von diesen Fahntehen mit mehreren 
Fahnen gelieben wurde. Nach einer dem Kloster Keinfaardsbrunn 
am Nordfuße des Thttringerwaldes entstammenden Nachricht hätte 
sogar Ludwig »der Springer« im Jahre 1130 die Landgrafschaft 
Thüringen »cum festiva vexillorum exhibitione nti moris est impe- 
ratoris largitione* M erhalten, wobei er in den Reichsfurstenstand 
erhoben wurde. Aber schon diese letztgetane Mitteilung Iflßt die 
Darstellung als von der Auffassungsweise späterer Zeiten heeinÖußt 
erkennen. Die thüringischen Obergrafeu waren als Vorsitzende in 
den sonst herzoglichen Landfriedensgerichten ^) ganz gewiß aeit 
jeher Reich sfürfiten. auch wenn man von der unfragiichen Führung 
des Blutbannes absieht. Aber als der >zwiachen 1198 und 121;f 
geschriebene Kern« der Reinhardsbrunner genealogischen Notizen 
über die Landgrafen von Thüringen entstand^), war schon die 
große Scheidung vor sich gegangen und man konnte sich den Über- 
gang aus der Mainzer Vasaltität in das ReichsfUrstentum nur auf 
einen kaiserlichen Gnadenakt zurückgeführt denken. Was also da 
zwei bis drei Menscbenalter spüter aufgezeichnet wurde, muß hin- 
sichtlich des rechtsgeschichtlichen Momentes mit großer Vorsicht anf- 
genommen werden. Eben damals aber führten die Landgrafen von 
Thüringen, und zwar schon seit 1180, die sächsische Ffalzgrafen- 
wUrde, also nach dem Spiegier auch wieder ein süchsisches Fabnen- 
lehcn, so daß wir uns über die Mehrzahl der Fahnen in jenem 

') HialoriBbrevispriDcipuniThuriDgie, cap. 9, MO. SS, XXIV, 82tf., Z.40ff. 
(nach Dncange, ed. 11.: >caput 18<). 

=) Schrüder, Lehrbnch. 2. Aufl. (1891), S. 490—540. 

') Wattenbach, Dentscblands Gescbicbtwiueilen. (1894), II, 369. 



2M 



I 



ßeriolite nicht wundern durrcD. Za allem UberflasHe liegen uns die 
Ruinlinrdiibmnner NacbrichtoD ^nr nicht mvhr in der Form vor. 
wie sie um die Wende de« XII. ins XII L Jahrhundert auffc^zeiobnet 
wurden, sondern in ein«r Bearbcitarig. die in die Jfthrc 1234 — 1240 
fiült, also wohl Docb vor dem Beginne dea Tiiilrineer Erbfolge- 
Ktreitcfw Min.'^I künnltr nlh-sfiilln ikh'Ii di.<r Wim]>cl d^^r mnrk{^flieli 
nieiL^DiB«lon Falmo den Uliok dpa Cbront£tcQ beirren. So wSre aber 
doob die Möglichkeit vorbanden, fUr jede von den bei der Bptob- 
noog Ludwig' des Springers angenommenen Fahnen nur ein Lehen 
za aotcnU'llcD, im Falle namlicb, aU Ucu Verfuscm der flltoron 
ADfzeicbnunf; und dem spat^rren Kcdtiktour die zoit^enüssischcn 
Verholtniäae 'rorj:eseliivebt haben sollen. Im anderen Falle ist nicht 
Mugeschkiftscn. daQ jene Mehrzahl xcm Fahnen, die ant;eblicli schon 
IISO xur AnweiuluD^ }:vlait^t Aoiu eoll. auf Kochoung de» .SrliiriÜRt« 
sa setseo ist, der im allgomuinon lo den BeinhardsbroDuer Auf- 
zeiehnaogen wahrsonebmen iat ') ond auch der aua hulebrenden 
Kaehrtcht Dicht gitoz gcbricbt^ Jedenfalls DioUte wundemehmen. 
wamm im Jahre 1130 die Landgr&fsc-bufl Thüringen durnh mehr 
ala eine Fabne Torgeatellt wurde. nachd<.-m sie nicht nar 1230aoch 
nur ein P.ihneiilebeti war aD<l, wie wir jfleich sehen werden, S4>ßar im 
XVI. JahrhuDiltrrt nar durch ein Hitaner veranwhaulicbt wird. Kbr^r 
wUrde man fUr dio spAtere Zeit eine Vertnehmog der FahoeD er- 
warten küDneti. 

§ lUö. Iat e8»oaach «ebr wahrscheinlich, dalldieaieben Fab- 
nenlehen den Lande« Sachsen nur durch aieben Fahnen und 
Hiebt durch mehr Tortreton aind, ond tritt d«rgMUlt eine gewi«* 
Analogie zu den bayrischen Hieben Fahnen von 1156 mehr 
in daa Licht, so wird man doch gewiß auf den tiefgreifendea Unier- 
Bobied immer wieder xurtlck kommen, der zwischen den Au»dracken 
■ Land* und Ilersogtum angenommen werden muß. Und g«wiC wird 
flULO aioh einem solchen Eindrucke kaum entziehen kSnnen. 

*r Watttabacli. a ». O. S. n7Q. 

•> HJiL brerii principom TtiBrinri«. e*p. 9 M tl3Ü, HO. «H. XlIV. Ül t. 
Z. iÜO. (Dac. ci|>. lOj. NiUK wvtv, ifnkUter prianu 5>rav[ads yrisotpi ooao 
iMittwiexi» iMBiin« ul tnatttni, bnritor noB>tr«nu». Nun ewn llannaaiiai 4» 
Wlnnnbcic rem nsteatstii «(eetm UoHauii ioipvrMwi* V*^ carnvl, pro ^ 
qitB4 BuichuiltiB eoMilMs (.ttcJiMtlMfntsMia iattrfiei dol« liuMtst. AbUetn traudi 
•IwdviQ l|>*i Tlnrlnft* prwel|>«>um evnm anloaniiiai« «o|ilaM r«r Moivadaa 
Isian kbiudi«arii al>|a* LmiIhiIMun Mptadkum euat fMiIrs vtulknia «ibtUllMk» 
Uli iD«ri> nt, infwatoris UrgitWH toiUoiBUw ntalit t( priaoiph ti utmm aytariL 



252 

Allein vergessen wir nicht, daß wir eine Quelle des XIII. Jahi^ 
hunderts vor uns haben, eine sächsische Quelle, eine Schilderung 
aus dem Lande, in welchem die ursprünglich zum Herzogtame go» 
faürigen Harken und Grafschaften schon sehr früh einen hobeo 
Grad der Selbständigkeit besaßen '), so daß sie nur mehr zum Lande 
Sachsen gehörten, nicht zum Herzogtum«. Ähnliches ist ja auch 
hinsichtlich Bayerns angenommen worden, sogar fUr die Zeit des 
HinuB and des XI. und XII. Jahrhunderts, und nun vollends der 
gewaltige Umschwung, der sich seit der llitte des XII. Jahrljon- 
derts vollzogen und schon 1180 zur Ausbildung des neuen iReichs- 
fUrstenstandes geführt hat, eben des Standes, der Fahnlehen trfigt. 
Sehen wir aber im Zeremoniell von 1156 zweien von den sieben 
Fahnen, mit denen dem Dukat Bayern das Reich aufgesagt und vom 
Kaiser weiter geliehen wird, eine bestimmte, mindestens zum Teil 
territoriale Bedeutung zukommen, und bedenken wir, daß auch die 
durch jene zwei Fahnen repräsentierten Lande nicht in der Hand 
des Herzogs von Bayern verbleiben, so kann man auch für Sachsen 
annehmen, daß noch im XI. Jahrhundert nicht das Land, son- 
dern das Herzogtum Sachsen mit sieben Fahnen verliehen wurde. 
Ja ich würde es gar nicht für ausgeschlossen erachten, daß die 
Persönlichkeit Heinrichs des Lüwen vieles zu einer solchen Ana- 
logie beigesteuert habe. Waren ja doch gerade unter ihm die 
wendischen Marken, die auch im Sachsenspiegel noch als Branden- 
burg, Meißen und Lausitz erscheinen, in ein besonders knappes 
Verhältnis zum Herzogtume getreten, worauf vielleicht sogar die 
Zurechnung dieser Marken zum »Lande Sachsen« zurückgeht, wie 
sie der Sachsenspiegel behauptet. An der Siebenzahl konnten aber 
selbst die tiefgehenden Eingriffe der Reichsgewalt in die sächsi- 
schen Verhältnisse nichts findern. Die Lostrennung Westfalens 
(1180) und die Errichtung des Herzogtums Braunschweig (1235) — 
selbst wenn diese noch vor die Abfassung des Sachsenspiegels (um 
1231) fiele, kommen für die Darstellung des Spieglers nicht in Betracht. 
Denn hier, bei Braunschweig, handelt es sich zwar um Verwand- 
lung von AHod in Reichslehen, also wohl auch Fahnenlehen, hier 
auch um Lostrennung eines Stuckes vom eigentlichen Herzogtame 
Sachsen, das gleichwohl das Fahnenlehen »Herzogtum Sachsen« 
blieb. Daß aber besonders das Herzogtum Westfalen nicht mehr 
zum »Lande Sachsen» gerechnet wurde, bestätigt nur die ursprttnfp- 
\) Vgl. oben, g 8». 



lieW IdentiUt des RegrifTes Land uDd llerKOfrtnm. WUrde auch West- 
falen docIi xnm L^ndtf SacLsvn gcivcliiict sein, )to inflIVt« «s mit einer 
Fahne encbeincD, 8airbKen also acht ('»htien Hufveisen. 

üin dies mit vollnr Sicherheit in erkennen, brauchen wir nur 
du siLcbstHche Lebcnszercmoniell des XVI. JabrhQnderis ins Äuge 
TM Taasen. Hier mOgc nur nueh crwftbnt werden, daß wir merk- 
würdig genng, aucli in eiucin anderen Bereiche welfie^her Macbt, 
die Siobcniuibl. wenn ancb ia Gtwns nndpror Weise t>crade im Ijeheii- 
hofe zntuge tri^tuQ eeben. So cnftblt die Welfencbronik und nach 
ihr die üraperger Cbrtraifc toq WcJf, dem Oheim Heinrichs dt» Löwen 
und Kaiser PriedricliB I.. daß er ahi Mark^af von Toskana ^wisso 
Uaronc »eine« Bcraicbcs mit siebua tirafscliaften durch obeßsoviele 
Fabuen belehnt habe. 'j FreiliL-h trele» bior zu der einen Mark- 
grafschaft noch sieben tirafscbafleii hinzu, wjis acht Fabnai er- 
ICeben wOrdc. Wohl muü aU fraglich erscheinen, ob diesen tuski- 
Hcticn GraftM^haftpn der Hun^ zakam, den die xu den Henco<;111moi'n 
S&ehHeii und Bayern gehl^rtpen Markgrafsohaiten und Cirafächaftca 
einii^cnonimen haben mßgen. Allein es ist doch möglich, daO es im 
jttngeren weltiechen Hanse Gnindsau geweaen wi. ebenfalls die 
Siebcnzabl fcstiulmltüo, sei kr, daß die GnifKcbaften mit dem Her- 
sogtome oder ohne dasselbe sieben Fabncnlebf^D ausmiicbten. Qaiis 
ähnlich wie wir nach einer sebon früher einmal zitierien Kacliricbt^) 
die I^ahl Xlt L'leicbfiani aU legitime Zahl der zn einem Herzog- 
tume gehilri^cii Orafsohaften dargestellt linden. 

$ 109. TataHcblich w^beinl ApUter in SacbscD wonigslens diu 
Zw&lfxahl an die Stolle der Siebenxahl getreten xu aeb. 
Im Jahre löü6 varen eg bereits xwölf, eigentlich dreizehn (-'ahnen, 
mit denen der Herzog von Sachsen hei Manofall oder Uermfall 
seine Lande fiberkam. Die erste war die Blntfabne, von der nacb- 
maU XII bandeln »ein ivird, es folgten die Ohurfabne, die des 
Herzogtums Sachsen, de» Laodgrnf^umx Thüringen, der Mark HeiUen. 
der Pfalz Sachsen, der (Trafschaft OstamOndc. üurgKrafsehaft AUgde- 
burg, PfnU Thüringen, Herrschaft Landnberg, ürafiscbafl Pleitlej 
Grafscbaft Aldcuburg und UerrscbaA Brena "), in der Schloß Wettin 

<) lliM. W«ironiii!. tum Jahr» 1160. M<i. S8. TU. 8. A(A>. Z. 91. und: 
BatelwHi Unpeigriuii cliroii.. tbld. XXtll, 6. 301. Z. 117 7.^ Ibl kwoalVii* Wrran 
ttllu Mfiem coniiuicM cain Mt mlllb dodlt Vgl. Karro ta: Dnciage. GliM. 

t) S *», Jkhrbucli 1804. S. ^7 f. 



^ Vsl. SayUr, 



IX 8p, bW t. 



^4 

\a^. Allerdings sehen wir hier nur jene tm Sachsenspiegel erwShnte 
Territorien als zam Herzogtum Sachsen gehörig aafgez3hh, welche 
dorn Hause Wettin unmittelbar zustanden. Es fehlen die Slark 
Brandenbarg and die beiden Lausitzen, sowie die Grafschaft Aschera- 
leben, die im äachsenspiegel genannt sich in anderen Händen be- 
fanden; dafür ist anderweitiger Wettinscher Besitz in das Lehena- 
verzeicbnis aufgenommen und darcb Fahnen vertreten. Dies Ußt 
neuerdings den Gegensatz zwischen 'Land Sachsen« and »Herzc^ 
tum Sachsen« ht-rvortreten. Aber es darf doch wieder nicht Ter- 
gessen werden, daß das > Herzogtum Sachsen« auch zur Zeit des 
Spieglers nur mehr von einem kleinen Teil des alten Herzogtoms 
gebildet wurde, nämlich Holstein und Lauenburg im Norden nnd 
im Süden jene Reste der alten Ostmark, in dem nacbmals das Haas 
Wettiii herrschte, und daü, wenn wir das »Land Sachsen« im 
strengsten Sinne nämlich als erweitertes altes Stammesherzogtom 
nehmen, wie im Sachsenspiegel gewiß — wie schon erwilhnt — das 
Herzogtum Westfalen und vielleicht auch das Herzogtum Braun- 
ttchwcig zu suchen berechtigt wären, als zum Lande Sachsen ge- 
hörig. Alles übrige kommt auf Rechnung der durchgreifenden 
Wandlungen in dem staatsrechtlichen Verhältnisse des Reiches, wie 
sich solche in den elf Mensclienaltern von Eickes Aufzeichnung 
(um 1230) bis zur Belehnung von lo66 vollzogen haben. 

Dann aber i.st on sehr lehrreich, zu sehen, wie sämtlichen zum 
Herzogtum Sachsen gehörigen Fahnen im Grunde doch territoriale 
Uedeutung zukam. Und wenn wir vielleicht annehmen dürften, daß 
ein innerer Zusammenhang zwischen dem sächsischen und dem 
bayrischen Gebrauche besteht und doch glauben dtlrfen, dafi 
wenigstens eines von dcsn bayrischen Bannern Territorium, nämlich 
die Ostniurk bedeutete — eine Auffassung, in der sich alle an der 
CumitatuH-Forschung Beteiligten treffen — so könnte man Schlüsse 
auf dit! Bedeutung der übrigen sechs Fahnen des Zeremoniells von 
1 1 TjH zuliUsig halten, annehmen, daß auch ihnen allen territoriale 
lli'dculung zugekommen sei. .)a die Analogie geht noch weiter. Von 
(liMi sieben Falmonlelien des Sachaenispiegels waren um 1230 nur 
drti Paare in je uincr Hand vereinigt, nUmlich Thüringen und 
ITulz, ."'iH'Iisen einerseits, anderseits das askanische Herzogtum 
S;i<-Iisen mit der Grafschaft Asehersleben und endlich die Marken 
Mc'ilieii und (Nieder-) Lausitz, während die Mark Brandenbarg der 
Hiteren asktinischon Linie gehörte. Ganz ähnlich sehen wir 1156 



zwei TOD der bayrischen Pahtienlelio den Bnbcubei^rD zseKbea; 
die andcrcu fUnf sind sicburlich nickt in cin<-r Uimd vFreinijjt ge- 
weseu. Doch erfordert die Frobu auf die Richtigkeit dieser Än- 
OAhme eine genauen; UntursucliDn^r. die jetzi noch nicht am Fiatx» 
ist, um 8o mehr als ja von Ke|»nenM'lier Seile die Berechtigung der 
Anonhmu rolUu-r Annlo^ie bestritten und bobaupict wurden kiutD, 
dilti zum n^tndcBten nicht Uborall den Fabnen durchvrega territo- 
riale Bedeutun^r zukam, d. b. dafl in anderen Teilen de« Roichea 
die B&nner Berugniase nicht Laadecliuftea vorstellleo. 

$ 1 10. In der Tat ist die heuti>re tres romitatus-FnrBchun^ im 
ganzen wenig geneigt, die verschiedenen Lehensfahnen auf Terri- 
torien zn bvxiebim, xiima) »urOrarriofanft«», und da» Ut begreiflich, 
nachdem sie aus einer mehr abstrakten Erklllriing des Wortes 
eomitatua ttetvinn ziehen will. Zwar ist ea gurade und zuerst 
Dopsch. der «ich »chon wieder etnigermnOen Ton der extremsten 
Bichcung entfernt — der sich ubrigcmi nunniefar auch Strnodt ent- 
frvmdet hat. Dopsch bat auf Grund mehrerer von ihm auch 
xitierter ßel^e xugeben roUiweit. daß Falinec >doeh auoh frlihxeitig 
»cbon bei Verleihung von Grnffwhsften« Vorwendung gefunden.') 
Allerdings ist nicht ersichtlich, ob i-rdabei an Territürieo denkt. Unter 
nudoru weist <.t aber auf eine Urkundv biu, die vor ihm Slrnadt 
hau pisili^hlicb «u dem Zwecke berangexogen bat, am ko «eigen, wie 
• Fabnen in der Regel keineitveg« Symbol eineB Tcrri- 
toritims waren«.') Ka ist das die Urkunde Ober »die Belehnung 
fiunog Frifdricbs von Lothringen dun^b den deulsrhen KOnig 
Alphons iiD Jabre 1258«.') Zeitlieb genommen ist das Iteispiel um 
bundcrt Jahre jUnger nln das Privilopiiim minuv, «bor um dreißig 
Jabr« alter aU dxg 6cfale«iKcho Beispiäl. der iirtlicbo Abstand mag 
noch höher eingewhützt werden. fJleichwohl ist di-r Fall M;hr Irhr- 
reieb und soll schon au5 diesem Omnde auch hier Betraebtung 
finden. Wir »eben da ftliif Fahnen beim Beleb nungwikte in Ver- 
wendung und erfahren aus dor Urkunde selbst zwar nichts Über 
das Anwehen derselben, wühl aber genug aber ihre Höieutung. Mit 
der dritten Kahne haben wir uns echon obeo *) vegen des cumitatns 



') A. ». o. ■A(19. 

M Gekatt ilci LBado* «b ilrr Knni. S. 80; 
') 110limor'l-'ick«r. Uc«-. Imp. V.J. Hr. bbOl tu 18&0. 
') S f<S' Js)i(biiob im V«TflInM Kt I.uid«tkiiad« von Ni*darD*terr«kk. 
III. äifL 



256 

Romaricensis einigermaßen beschäftigt. Das territoriale Moment isthier 
achlecbterdings nicht von der Hand za weisen, aach insofern nicht als 
es ja allenthalben die Erwerbang der Grafschaft war, die der spateren 
Landeshoheit den Weg eröffnet hat. Nicht Herzogtum, nicht Immanitat 
haben das vermocht, noch haben sie der Aasbildung von Territorien 
Widerstand entgegenstellen können, wohl aber die Hochgericbtabar- 
keit. Es ist das territoriale Moment aber auch deshalb nicht abza- 
leugnen, weil es sieh hier um eine ganz bestimmte Grafschaft handelt. 

Dem begegnen wir auch anderwärts. So haben wir im Sachsen- 
spiegel unter den «sieben Fähnenlehen<, die zu dem Lande Sachsen 
gehüren, anch die Grafschaft Äschersleben gefunden. Es wird noch 
damals gewiß viele Grafschaften im Sachsenlande gegeben haben, 
wie wohl auch in Lothringen, aber nur eine erscheint als Fahnenlehen, 
d, h. als reichsunmittelbar. Und wie jene Grafschaft Remiremont 
zur Dotation des lothringischen Herzogtums, zur Ausstattung des 
LandesfUrsten, zu dessen Hausmacht gehörte, so anch die Grafschaft 
Aschersleben. welche ja zum askanischen Stammbesitze gehörig '), 
eigentlich dem Nachfolger Heinrichs des Löwen im niederdea- 
tschen Herzogtume zur Stütze in den südöstlichen Teilen des- 
selben gereichte und bis 1315 dem Hause Anhalt gehörte. Allein 
auch für das bayrische Herzogtum der Babenberger bildete, wie 
wir schon früher gesehen haben, die Grafschaft in der Ostmark den 
Grundstock, was vielleicht auch in seiner letzten Zeit zum Aasdrucke 
kommen sollte. -) Inwiefern auch die Weifen und die Witteisbacher 
sieh innerhalb ihres Herzogtums auf Grafschaften stützen konnten, die 
sie nicht weiter zu vergeben brauchten, ist gleichfalls schon oben ^) dar- 
getan worden. Und das Gleiche gilt sicherlich von Bemiremont, wie 
denn auch Herzog Heinrich von Lothringen in der Urkunde von 1259 
als dux et comes angesprochen wird. Schon in diesem Sinne ist das 
von Strnadt angezogene Beispiel in der Lothringer Belehnungsurkunde 
nicht glücklich gewählt. Allein das territoriale Moment tritt doch auch 
bei den übrigen vier Fahnen von 1259 stark in den Vordergrand. 

§ 111. Gilt die erste Fahnenlanze*) dem Herzogtum — pro 
ducatu — , so ist selbstverständlich zunächst, wenn auch eigentliche 

'l Besaer bekannt als Gmfdchsft Anbalt. 
•) Vgl. § 79. 

') § «1- 

<) f>iehe unten den Schluß der AumerkuDg, welche von der fDnften Faluift 
btndelt, und § 115. 



257 

tennun^ njrlit i-rfolgt. da» dnmali^t- Lc>ibrin|:cn gemcinl'). bei- 
IhaÜg die Sudbalfie ron dem Oberlotbringea älterer Zeit. Ob es 
sieb nicht nach am ein«ii weiteren Umkreis Iianddt, werden wir 
später erfrügei). Das zweite Banner betrifft die daella iiobilium 
coinniorantinm inter Khcnuin et Mosam'), d. h. also die ^^richt- 
UcheD Zweikiiiupfe des zwiscbeo Kbein und Maas baDsenden Adels. 
Da» bedeatet freilich in erster Linie landesherrliche Gerichtt- tmd 
Lafidfriedoniigcn-alt tibcr die adeligen Insassen des Ucraogtuins, 
aber die temtunale Frage spielt auch hier hinein. Das Bereich, in 
dem diese Gewalt ausgeübt werden 90U, mnD doch zara mindesten 
dean alten üersogtum Oberlothringeo gleich kommen, sich unter 
anderen auch UbprdivGr.tfscl)nrti>n V'andcmont,S*im,j!jweibrllckeii usw. 
sowie über Saarwerden, welche (irafachaft erst 1790 eloAsaisoh wurde, 
ansdohnen, aber dem Wortlaute der Urkunde gemnß aach ober da« 
ElsaD aclbät^), das vielleicht seitdem Untergang des aleinaDnJsrhcn 
Heraogtams diesfalls als verwaist galt. Daß nnter alloti UmsUluden 
etwas andere» gemeint ist. aU da.<t mit der entten Fahne zur Be- 
tuhnnng gelangte and bei der vierten und fünften Fahne abermaU 
angedfluleie, weuu auch nicht genanate Herxttgtnrn Lothrinjjen jener 
Tage. diisbe»!iigtsehtin die cigcnartigo, audic<irc:ii«;ji von Lothare IL 
Reich ^mahnende ßestimmnng dca Gebietes zwischen Rhein und Haas. 
Daß man xich ilJe L:iiid fnedemigewalt de» Hcneoga von Lothringen 
nicht auch UberNiederluthringen ausgedehnt denken darf, selbst soweit 
es nicht tn dem östlich der MaaS; mitbin auüerbalb der gezogenen 



>) Calnel, HUtoire de Lorr^ne. SIttre Auigalw. II. Preavet diplomatique« 
COCCLXXXir. KU 12M (1269, Pick«r, K«g. Imp. V:^, (>60IJ. Friatmn vezUlani 
dsnraa HU pro docala In feadom, In quo ot p«r iiiiod de1>M cue mmini» Scenet- 
c^nt io aal& noatr« cEtra Rbtauni; at dnbc* nobli »rrlr» !d aBiiiialibut TmiI* 
de ptima forculo «quM. Et ä waügtiil ir« ad («rUinODtuni cum btbiIr conita 
ragam Pianciac, d»1ic« taett* nnbU utteeiutodiaat In enad« •! rotroeiutadlam In 
tadeando. El deb«* oobii (irOMtam in tcira dictl doniinatu« foram d« iMcpwariit 
«t viotaalibof, £t «i coati^ril no> ire »i jinwlium citra Kbnntun, dtbn« habere 
|iriuium ooaflkian «t d«be» tteiae aobit tnucuiiodiaiii in uundo ot rurueuiudian 
ia r«d«UBdo. — Cibn — >iliMwiU< — bciiclil tleh nithl viw« auT DeutachUnd, 
Modern auf Fraakiolch: denn dis Utknoil« in ru Toledo auigeitellt. 

^ 80 uicb fiaker. a. a. O.. der gavtiC di* Vorlag«. «4i) gl«ichuiti|:w 
Koplalboeh la Nucr, ni Bäte gatogen tut, nan wUrd« ninlluh >MeMlt arwarl«». 
Kaeh Calmai tautet dl» Stall», a. a. U.: SacvndDin Tcro t«i{Huiii daiiiu« tibi In 
•iKDiiiii. iinoil dibaa naccipcre dnplla nobilinm DOKunorsoliuiQ iDtn fibeoatn ot 
HooAj, p(«nt mata« aupar boc diilasta* dirldimt. 

>| Hencvf llvlntlcti entatsnimta alaar elaAuinbiD Pnmilia. 
JAihudi il r, r i j.<»t—4». IM». 17 



258 

Grenzen gelegenen Herzogtum Brabant gehörte, ist allerdings dnrch 
eine andere Urkunde K. Alfona' klar gelegt.') Allein, selbst wenn 
an eine so erhebliche Erstreckang nach N^orden nicht zo denken Ist, 
HO wird schon darch die Crreoze Khein-Maas ein viel größeres Ge- 
biet bezeichnet, als das damalige Herzogtum Lothringen war. 

Das Gegenteil ist bei dem dritten Banner der Fall, das die 
Grafschaft Remiremont, von der schon die Bede gewesen, betriffi;.^) 
RemiremoDt oder Keimersberg, Rimelsburg, wie es in deutschen Ur- 
kunden genannt wird, liegt allerdings noch im Bereich des da- 
maligen Herzogtums Lothringen, ist aber doch nar ein Teil des- 
selben, offenbar jene Grafschaft, welche der ja auch in der Be- 
lehnungsnrkunde als Herzog von Lothringen und Graf von Remire- 
mont bezeichnete Lehensträger, Herzog Friedrich, nicht weiter za 
leihen brauchte, sowenig wie die Weifen als Herzoge in Bayern 
ihre Grafschaften im Augstgau. oder ihre Nachfolger im Herzogtum, 
die Witteisbacher, ihre in einem früheren Abschnitte^) nach Riezler 
aufgezählten Grafschaften weiter verleihen mußten. Wir kommen 
im folgenden Paragrapbe auf dieses Moment nochmals zu sprechen. 
Mit der vierten Fahne erfolgte das Regal der Bewachung der Straßen 
des Herzogtums, nicht der Grafschaft, wie Strnadt meint^}; mit der 
fünften wurde der Herzog bedacht wegen der Regalien der Klöster 

i) 1257, Okt. 16. (Or. Staataarch. Wien.) Böhme r-Fickar, V/2 190S; dar 
Kbni^ gibt: >H. duci BralianE ac Lothariagie« Reicbavogtei & Brabknt nsqn» 
ad Renum ... et $■ terminia dioceaiB Treveraiisis in descengum Renbi usqne ad 
mare . . . (Vgl.: Kickar, Reichs fürs tonst. § 189.) Genau genommeD sindM^as and 
Rhein nur auf kane Strecke Grenze des alten karolingischen Lothringen, und 
zwar die Maas sUdlich, der Rhein nördlich vom 50. Breitegrad, dieser eu b«ideo 
Seiten der Mosel mtlndung, überdies noch daa ElsaC entlang, das 855 lom Reiche 
Lothars geschlagen ward. Erst in der Stauferzeit wird die Maas lo lieinlich von 
ihrer Quelle an bis zum Eintritt nach Niederlothiingen annähernd ao Beichigrenxe, 
wie Grenze des lothringischen Gebietes übeihaopt. 

-} Calmet, a. a. 0., Tertiam quoque vexiUtmi damui tibi in Signum pro 
feudo et nomine feudi de comitatu Romaricensi. — Eine bezeichnende KUrze, et 
ist die ganze Grafschaft gemeint, Land und Leute, Territorien und Qrafen- 
gerechtsame. 

=) § 81. 

*) Calmet, a. a. O. Quarlum (sc. veiJllam) aul«m, quod debeas habere 
custodias publicaram stratarum in dicto ducatu, tarn per aquam, quam per terram. 
Kicker, a. a. O., so auch Calmet, Histoire de Lorraine (2. Aufl.), III. col. ll&f. 
Hinsichtlich der vierten Fahne berichtet Calmet wie folgt: le quatriime etoit 
))0ur l'iovestiture de la Charge de Marches, ou de Grand Vojes de r£mpire dtiu 
toule l'etendue de Dache, tant sur la, terra que sur l'ean. 



259 

St. Peter und St. Martin zu Metz und der Knstodie der übrigen 
Klöster in seinem Herzogtam.') Es ist nicht zu leugnen, daß bei 
diesen beiden Fahnen die Befugnis mebr in den Vordergrund tritt 
und nur insoferne, als mit der fünften Fahne das durch Immuni- 
täten teilweise unterbundene landesherrliche Recht in den Immu- 
nitatsgebieten durch Reiehsvogtei wieder ersetzt wird, kann man 
auch hier von territorialer Vervollatändignng der Herzogsgewalt 
sprechen. 

§ 112. Wir können übrigens von der lothringischen Fahnen- 
frage nicht scheiden, ohne auf die eigentumliche Nebeneinanderatellnng 
aufmerksam gemacht zu haben, wie dies gleich in den ersten Worten 
der Urkunde von 1259 hinsichtlich der Bezeichnungen Herzogtum 
and Grafschaft stattfindet and uns lebhaft an das analoge Neben- 
einander erinnert, das auch in der Darstellung Ottos von Freising 
wiederholt platzgreift. Während von den fünf Fahnen, mit denen 
König Alfons den Herzog Heinrich belehnt, vier sich vorwiegend 
auf das Herzogtum und nur eine, gerade die mittelste, auf die Graf- 
schaft Remiremont beziehen, erscheinen die beiden Titel des Belehnten 
fast wie gleichwertig nebeneinander, wenn der Kaiser spricht: In- 
vestimus te ducem et comitem de quinque vexillis in signum quin- 
que dignitatnm, quas in feodum ab imperio teuere debes.^) Freilich 
kann man nicht verlangen, daß Heinrich viermal Herzog und nur 
einmal Graf genannt werde, aber man würde sieh nicht wundern, 
wenn der gräfliche Titel ganz in der herzoglichen Würde aufginge. 
Allein die Grafschaft ist auch hier gleichsam die Grundlage, auf 
der sich das Herzogtum aufbaut. Heinrich ist Graf von Remiremont, 
er und seine Kachkommen würden es selbst dann bleiben, wenn 
das Herzogtum auf eine andere Familie, auf einen anderen Zweig 
des Hauses überginge. Und diese Grundlage des Fürstentums kommt 
auch, nur mit anderen Worten und von einem anderen Gesichts- 
punkte aus gesehen, im Sachsenspiegel zum Ausdrucke, welche 
erklart, daß der König den Fürsten Grafschaften leihe, den Grafen 

') Ebenda: Quin tum dsmuB tibi in Eignam et investitarnin proregalibus oostrig 
in monasteTio caiicti Petri Metensis: et debea habere cuitodine eccleeianim in ducstn 
tno. £t predicta vexilla damuB tibi pro feudo et nomine feudi et pro inrestitnra 
et nomine iuvsstituie, invcHtientes te cum hastis st vexillia predictis de mann 
noitra in maau tua pro predictis omnibuB et aliis, de qaibna te imle inTCatire et 
infeodare debemus. 

-) Calraet, a. a. O. Vignier. Ui.'itoria AlaatenBis. 143. 

17* 



260 

aber Schultheißentum. Ob der Ftlrst die G-rafscbaften ah Hanserbe 
behalt oder zn Leheo weitergibt, immer schafft es ihm Macht, dort 
Hausmacht, hier einen Lehenhof, und das Gleiche kann man wohl 
hinsichtlich des SchnltheiOentnms von den Grafen behaupten. Aber 
aoch in den Worten Ottoa von Freiaing treten die Grafschaften sehr 
hedentsam neben das Fürstentum. Einstmals die Markgrafschaft, 
danach das Herzogtum wird als mit Grafschaften seit alters ver- 
bunden bezeichnet, das bildet offenbar eine wichtige Grandlage für 
die Erhebung der Mark zum Herzogtum. Von dieser Erwftgnng 
ausgehend, kann man die Richtung verstehen, in welcher sich die 
herrschende tres comitatus- Forschung seit längerer Zeit bewegte, 
wenn man auch den Abweg nicht mitmachen will, auf dem sie sich 
zuletzt verloren hat. Sie hat den Machtfaktor in den gräflichen 
Berechtigungen suchen zu müssen geglaubt, während es sich viel- 
leicht vielmehr um den Umfang handelt, auf welche das neue 
Herzogtum auf Grund alter Berechtigungen zu bringen ist Die 
Quelle drückt sich darin sehr vorsichtig aus, noch vorsichtiger das 
Minus selbst. Aber derselben Vorsicht begegnen wir ja in der lothrin- 
gischen Belehn ungsarknn de, die nicht einmal den Namen des Herzog- 
tums nennt, das Heinrich überkommt und die uns nur ahnen laßt, 
daß sich seine herzogliche Würde über mehr als seine Grafschaft 
Remiremont. Über einen Umkreis erstreckt, der offenbar nach altem 
Herkommen zu militärischen Zwecken dem Herzoge unterstellt war. 
§ 113. Zu der unter den letzten Karolingern hinzugetretenen 
Keiehs Statthalterschaft, selbst nur einer zeitgemäßen Umarbeitong 
des alten Volkskönigtums. war dem zu neuer Blüte gelangten 
.Stammesherzogtum die in seinem Kamen unveriöscht fortbestehende 
militärische Bedeutung vollauf geblieben und so maßgebend 
für die Reiehsgeschichte geworden, daß deutsche Kaiser und Könige 
bald fast nur mehr ein Ziel für ihre Politik hatten außer dem 
Imperium mundi: Schwiiehung der Herzogtümer. Unter den 
mannigfachen Mitteln, die dafür in Anwendung gebracht wurden, 
steht die Gründung neuer Herzogtümer als das wirksamste 
obenan. Sie ist auch für unsere Frage von besonderer Bedeutung, 
indem ja bei einem solchen Anlasse die tres comitatus plötzlich 
ans Tageslicht treten. In der Geschichte der welfisehen Macht in 
Deutschland kommt aber die Wichtigkeit jener Maßregeln ganz 
deutlich zur Geltung. Bei der Erhebung der bayrischen Ostmark 
zum Herzogtum llöG, dann bei den beiden Lostrennungen des 



261 



res 1180, im Norden Orandung des Ilerzo^ms Weatfnlen, im 
Sudvtt Krhrbuii^ der ■Steiermiirk xum Herzogtum und wobi auoii 
Boeb b«i der Feudalieiorung von BraQnepIiwßig uud LQueburg 1235 
liandolt PS itich in erster Linie darum, neue Reichnkontin^ntc zu 
begründen, die schon darcb die gegenseitige Kifersucbt ihrer Ueer- 
ruhrcr. der Herzoge, in gcntLgccdur Abhängigkeit vom R<^icbc cr- 
lialteD bleiben sollten. Wenigstens hoffte man so. Und man würde 
»ich HUflb in dieser Ertrnrtung nicht getauscht haben, hfltte man in 
Üurchfohrung jener Malirogel nicht doch wieder daraui" bwlacbt 
icda iDtlMcn. d«n nnocn Herzognn Überhaupt tinun HeerbaDn zn 
sinhem. Daa aber konnte nur go«cheh«n in atriUter Au.ibildun^ des 
für die HeenMorgAniMtion maUgebliclifn I^henssy»teins und brachte 
diejenigen Grafou, wulcbe ihre Amtslebeii von acdvrn Keicbsfllriiten 
geliehen erbielton, um die Rcirb.tstandschafl. Nur wenige von ihnen 
blieben Reich »ftlrsten, d. b. bie fUhrleii ihren eigenen Heerbann 
dem dcutschL'ü K*''nig<.' za, «c- fühlten weiterhin Ibr eigenes Banner. 
ihre Grafschanen blieben oder wurden Fahnenleben.') lÜe Obrigen 
Grafen kamen nur für diejenigen HenwgHlmer in Betrseh!, denen 
»ie zugeteilt waren. Ihr Kontingent folgte nach wie vor der bertog- 
licben Fabiiv. r>i« Markgrafen ullurdingx. die soit jcbitr für den 
Grenzkrieg gegen auHwtlrtige Feinde eigene HeeresfUbrang hatten. 
waren begreiflich erweise der Erlangung oder Beibchaltong der Reicha- 
standeebafl viel naher aU andere Grälen. Sie mußten unbedingt, 
soweit sie Oberhaupt noch ftlr die Grenzbat in Betracht kamen, in 
ihrer SelbaUlndigkeit Tr>n den benachbarten nerzogtUmern. mit denen 
sie mehr minder knnpp verbunden wnren, erhalten bleiben, be- 
sieh ungaweiao von ibnen emanzipiert werden, um nicht daa Lo« 
der tlbrigen Grafen ta teilen. Ita Jnhre 1156 liumnic nolches in 
der Weise zum Ausdruck, daü zwei Fahnen, mit denen bisher der 
Herzog von Buycm de» Mai-kgnü'cn, ofionbar von Reichs wegen 
lleermroacbt und sllenfalla — um der gegnerisebea Auffasonug 
varlüulig nachzugeben — noch nndcre Befugnisse in einem be- 
stimmten Gebtete tibertragen kitte, uumnebr vom Kaiser nnmittelhar 
dem Mnrkberzogo verliehen werden. 

Dazu kam in HuddeulKchland die Krbcbung )nim licrzogtam. 
aU be*ter Ausdruck filr die Tatsache, daLl in Hinkunfl der m»r- 
kiKcbe Reiehsbuamte vou Bayern nicht mehr ubhiiugig sein aolltc. 
Dieseu RUckscbluU gc&tnttet aazwoifelhafl daa Aufkommen des 

t)irickar, VoinR«cli»nHUiuUnd«.8.K^lll.Derflill>«,Vo«iiH<>»r»rbili],I16ir. 



262 

herzoglichen Titels für den steirischen Markgrafen. Der Öster- 
reicher und der tob Steier sollten hinfort ihre hesonderen Kontin- 
gente zum Reichskriege stellen, Österreich mit der Beschränkung, 
nur gegen Ungarn, Bühmen-Mahren (in regna), Bayern und Kämtcn- 
Steiermark (vel proviocias') zq Felde ziehen zu mtlssen. Es ist sehr 
bezeichnend, daß diese in ihrer Echtheit allerdings von sehr maß- 
gebender Seite *J angefochtenen Bestimmung im Minus Platz gefunden 
hat. Für die Echtheit möge noch die Tatsache sprechen, daß Otto 
von Freising jene beiden Worte im nämlichen Sinne und verwandtem 
Zusammenhange in einem Satze der QcBta Friderici bringt.') Am 
Schlüsse dieses Kapitels kommen wir darauf nochmal zu sprechen. 
§ 114. Überhaupt aber ist die Fahne in erster Linie Feld- 
zeichen. Das Banner bezieht sich zunächst auf den Heei^ 
bann; es ist das weithin sichtbare Abzeichen des Führers, d» 
Herzogs, bestimmt seinen jeweiligen Aufenthaltsort im Kampf- 
gewUhl alläcitig im Bewußtsein zu erhalten,*) Die Fahne, mit 
der Karl der Große dem Grafen Roland die Statthalterschaft in 
Spanien übertragt — tihet mirz lant — bedeutet auch nach Schrö- 
der zunächst >nur Übertragung des Befehls Über einen Teil des 
Heeres.«'') Die eigentlichen Fahnlehen sind Herzogtümer als mittel- 
alterhche Generalate und Heeresergänzungsbezirke. Selbstverständ- 
lich konnte dann der Herzog an seine Grafen als Unterfeldherm 
andere selbständige Fahnen abgeben, die dann wieder Feldzeichen 

^) Dui vero Austrie de ducatu auo aliud gerriciam Hon debekt impuio, 
oiai quod ad curiaa, quas imperator in BawBiia prefixerit evocatus Taniat, nnllani 
(juoque expeditionem debeat niai quam forte imperatur in regua Tel proTi&cias 
Anitrie viciuas ordin&verit. Schwiod, Dopsch, a. a. O. 

') Erben, Das Privilegium Friediicbs 1 Erben hätte vielleicht auch 

den 1156 aicbt ganz zutreffenden Ausdruck in regna .... Aiutrie vicinai toT' 
bringen kSnnen, indem damals nur ein Königreich, nämlich Ungarn, dem neaen 
Herzogtum benachbart war. Bühmen war 1086 vorübergehend, dana ent 1168, 
auch wieder nur Tor übergehend, endlich 1198 und durch die Best&tigong voa 
1212 definitiv zum KUnigreiche erhoben worden. Allein der Plural regna kann 
«benBowohl auf L'ngarn allein gedeutet werden oder im Gegensätze zn provincias 
eine geringere Abhängigkeit vom Reiche andeuten, als solche fDr die proTincias^ 
d. a. Herzogtümer und Markgrafscbaften, anzunehmen iet. 

') Vgl. oben § 106: ut regna per gladium. provinciae per Texillum a 
principe tradantur vel rccipiantur. 

') Nach .Stricker. V. 3662. Doch schon der Pfaffe Konrad bringt die Fahne ; 
Tgl.: SchrUder, Die tjtellung^der Rolandssäulen in der Bechtsgeacbichte. In: »Di« 
Rolande Deutschlande' von A. Böringuier. Berlin 1890, ij. 27. 

^) Ebenda S. 32, Anm. 3, Tgl. S. 29. 



S63 



_ von ifn frnnzOsIswb«!! clievaliers 

bnanen^ta " f ft ütjrt werden kann.') Das mochtv in gowi»s«m SJime 
[ van Rt-ifh» we^n gesphehen und bedingte i» Reiphmfteplehen. Ging 
^Hlber die j^nriiclie Fuhne aus den Uftndeii de^ IJenoi^ in die de» 
^HatHcrii ziirllek und ward» nun ron dit^scm dem Grafen udor Mark- 
P^rafen Terlieben, ro wurde die»er Reirhsbcamle ReiobsfUrst im spnterpc 
r ^innt!, d. h- reich sunmiUelbar. T)vr Markgraf moehte xiinltrhat bleiben. 
1 wan vr war, wie im Geltungsherichte dns sKchsisobeii Rcohlcg. oder 
zu berzt^iglicher Würde gelangen wie im bayriscben Berpiph. der 
GratdtvgleicheD oder gefUrsteier Uraf werden, die Hauptsache blieb 
docb. daß ur von nun bd HcJneD eigenen Hwrb«nn mit t^igeniT 
^^Dnif Hfal) ne fUhtt. Dazu niKgen nocb andere Befugniss« getreten 
^■eio. die ibn ebenso nuBmebr atti ri3}cht)U0initt«lbar danlellte, wie 
^v vordem Teicbsn)itt4>)bar pewcMii i»t. Dabin gebort tot allem 
^dic HofTahrtpfiicbt. die ja anch im Minus und bei den Fortsctsem 
^^ermonns von Altaich btirilbrt wird. Wahrend nacb den ebroniati- 
^Heheit Quellen bis 1156 der Markgraf von Östcrrtticb mit nocli drei 
änderen vorpllichtet gewi'sen, bayrische Hoftage zu tiuchen, d. 1l Bolphe 
die der Ilerw^ von ltayi;rn hielt, !«o verwandelle sich diese Ver- 
^oBiobtuof: ounmebr in eine solche gegen doa Keicb. auch wieder 
^Hiit der ICinicbrankang, daQ der neue Herzog von ÖMcrrvick nur 
^■■erpäichtet sei, vom Kaiser nat-b Dayem berufene Hof- oder R^oh»- 
pftige KU suchen, was. wie die Kritik gegen Erben nicbt mit Dn- 
I, re cht benrorgchobiiii hat. selbatvcrstandlich keinerlei EinBßhnUiktmg 
^He« Hechtes bedeutet. Hofiage wo immer su besacben.^) Es mag 
^■ein. daU auch f^r die HofTahrtpflicbt die Fabne in Betraebt kam. 
HSlaU je nachdem der Graf den herzoglichen und wenn den koia^er- 
I Itcbrai Hof, dann emt mit aeinein Herzoge zu tauchen hatte, oder üb er 
direkte reichshofiagpllichlig war, er das mit dem Barner ausdruckt«-, 

Knroh doH or sein Oefolgc zu^inmincnbielt. I>a£ uuvb GericblH- 
[>hc(i frllK oder gar in erster Linie durcb eine Fabno zum Aus- 
iituck gekommim wflre, scheint fraglieh, jedenfalls darf man den 
I Umatand, dat) auch Grafsehaften mit Fahnen geliehen werden, zu- 
^nttehsl nir^t mit der v<)rwii-gcnd richterlichen Stellung der filteren 
^Brafttu in Verbindung bringen, wie Scbr'Jder annimmt '), sondern 



>) DaeanuB {mt. S). X, DU*, fl. 81 tt. 
*) Vgl. weiter nnien, g IST. 

') Dt« SoUad» DaaUftliluidi. S. SS In Ann. S kÜJ tld) aaf Alt 1. Aat 
läge voB HchrMtn l.clirtiocfa iltr daniMCbnn K<cki<ftacliicbt«, .197 f., h«ui]c«a. 



k 



264 

nur auf den Umstand zurückführen, daß diese Grrafen ala solche 
eigenen Heerbann zu führen berechtigt waren. Wenn aber gegenttber 
dieser ältesten und ursprünglichen, stets festgehaltenen und erst in 
der allerjUngsten KriegfUhrang für den Kampf zorOcktretenden 
Bedeutung der Fahne, auf die schon Favre hingewiesen *] and die 
jetzt neuerdings Siegenfeld ^) hervorgehoben hat, und gegenüber ihrem 
Zusammenhange mit dem ja auch auf den Krieg zielenden Lehenswesen 
des Mittelalters, doch auch auf die Bedeutung der Fahne ftlr das 
hohe Gerichtswesen Gewicht gelegt wird, so soll auch darüber das 
Notwendigste gesagt werden. 

§ 115. Aus den iu aller Eile zusammengebrachten Beispielen 
für Kechtsh and langen, die unter der Fahne vorgenommen 
werden, ist deutlich ersichtlich, daß sie für die älteste Zeit den 
Gegensatz zum ordentlichen Prozeß regelmäßig hervorheben. 
Der Vorgang sub vesillo ist deutlich erkennbar an die Stelle 
des Verfahrens in placito getreten, ja es fehlt sogar in derBegel 
nicht an einer Art erklärenden, wo nicht entschuldigenden Hin- 
weises, und es ist daher ganz und gar nicht zulässig, »bei der wirk- 
lichen Hegung eines Gerichtes die Fahne als allgemein bekanntes 
Symbol des in Tätigkeit getretenen Gerichtes- ■') zu erkennen, oder 
wie schon ein Menschenalter vor Zöpfl Böhmer getan, zu behaupten, 
daß, »wenn der Kaiser Rechtshandlungen vornahm, dieses unter 
einem ausgestellten Banner geschah*.*) Vielmehr lassen die Beispiele, 
auf welche die beiden so hoch verdienten Männer der Wissenschaft 
hinweisen, den Ausnahmsfall deutlich erkennen. Denn sowohl in 
der Urkunde Kaiser Ottos 11., auf die Böhmer hinweist, als auch 
in jener anderen, aus den ersten Zeiten des jungen Herzogtums 
Österreich stammenden, die Zöpfl heranzieht, sind es eben Kriegs- 
zeiten, in denen eine der hohen Gerichtsbarkeit zuständige Über- 

>) Ducanje, Glossarium (ed. II, 1887), Bd. X, Dias. IS, S. 34»: .C«r 
comme la bAnDtere est une espece dV-iandart, soug leqnel \ei raasanx M nngeot 
pour aller ä la gnerre du princs, il eat constant que toutes 1e inrestitnrei qat ■« 
fönt deB terrea, de qnelqae qualiti.' qu'iliea soieal. qui donnent le droit k eeoz 
qai les pOBBedeat de conduire leurs vaasau^ ä la guorre, se loat toDJoan &it«a 
par la banoiere. 

-) Das Landeswappen der Steiermark (1900). S. 8 f- 

'] Züpfl, Die Rolaadssifule {Altertümer des Oeutichen Reiches und ReobtM. 
Bd. III), S. 153 (1861). 

*) In dem von Stieglitz 183^ herausgegeben ea Bericht an die Hitgliedei 
der Deuticben Gesellscbaft in Leipzig, 3. 12 f. 



266 



von Eigen «tattfindci. Aber ßubmer bat raerWardigerweiae 
Mieseo eiii»i] erklflrcnden ÜmstanU aus Beinen Zitatca weg- 
lassen') and Züpfl bicwieder dc>m dsrlb eine so selltuuno Be- 
deutuDg boigemuBsea. daß er i)olweadi<; an dem wefieotlicbcn M^ 
meate Torbcilficitca moütv.') Jvdunfiills liandell es aicb weder das 
^ine noch dun andere Mal um regelmäüiges Verfabryin im Gericht. 
Aacb die Urkande Otto« XX. von 982 bat offenbar die ungewOhn- 
lichon UmsIOade bervorbebea wolleiL ubgleieli sie din Übenragang 



k 1) MO. Dipl. II, SS6. Z. Dir. (Dipl. Oiio II. Kr. 380, ron 988. IX, SK). 

'Qu propter .... noTcili, qnalltet Caaridiu [Mm Itudolli <|aoiuluo uainitit ta 
dl» livlll quod foit laWt DOt et SaTT>c«n«*) cub fonooc nottro. boo mI tinpuriAlI 
rvxtllo, Iv^'bII rllu tradonduiD nobii canimcndavit omno prodiun *aaiu quod taabnll 
tn repao l.4liiAi!«nti .... Dio in Rlamnoc t«Mt*l«a Woito f*falen iit BAItmen 
Zinu Bad nach ^Uppraliocl:. d«T ioait Ux den MlikbclMii toiMbitagon, Bd. IV, 

i£. Viä, Amn. ! (1K45), k«)|«q USbmer polemuied (S. Hl), hnt dan t>«il«s)tlielion 
lIitQgol nicht autgermit. 

'') Di« Ton Znpf! *ua dem folilHltRflOB Dniek in Hund. M-.'(ra)>. 8»litb. III. 

[Ml (Stoylo IM» Sbiuie, d. i. Staate) anKeMgeo« t»tvll« Uul«l nach MC, VU, 
(78, und: Zabö. Goicbiclit« ron Henutein in Niedarttterivleli (B*ck«r II. 8). 

|8, 426 10: ctiOnradui com«« d« UiUMiiw abnaunciavll «moi qa«t«W luun feeent 

■iip*r pAirinioniani comilia SigbolonU in Flerrnndnleio*, «t in ocDni pUriino&Io 

i|Uod attinol ad idesi |iUriniaaiuiu, et lioc factun W £iono tiib vnsiilo dacl* 

Anatite ilarllo ntlixo. Huiua rei leelM *UDt — Mgtm 29 crntuntc £«tig«n — 

^■nnqitr omnci '(Ul adcraol lub T«;ii]li> dad«. - lud«» diu Züpfl di« Wort« «nb 

^VirtuH« . . . af&xo aU maaiuBieanohSrig b«lFRe1il«l (vgl, Ubrigfoi Ua«Ange, ed. ü, 

^■A, 900 C.) und do«Ilo fUr elBOO Dativ blUt. tcomint er dabin, di«*«« loutgovanst« 

Won, «bglcidt et dafür bei Ünewigo nni •Krt(«< and »Zw«ikampf< Torfand, al« 

JaloisiKbe Cbertetiunc too >Wicl)i lu n«btiien und von der l'abn« d«* Elunoga 

vca OiUrreicb lu iprccbtn, dl» an d«m Wie, Wig oder Wieb ita älojU (-) ba> 

Bfettifl vor und au» dtiu duollum idi« (ivricbt*-, Blni- oder KampraSnlai , nit 
einem Worte sine öoerrrieliiMh« Kolandi&ule *a naefaen. OifOfiM hat Uoiller, 
der I |lat>. itfg. H. 63 f., Kr. VS} eis aii*r<ihi1Iclio« KegMi il*rNotU im FalkenatolMr 
Koddx briast. in Ilinllick naf die usnixicll'xr folireade l'rbnnde (8. U, Nr. H) 
»ich an di« in da» lelilv Kegletaagejabt HoTxof IloiDcicbi faUeoden Klmpf« mit 
B&bnieB «rinnen i^. 233. Anm. 8491 datanf duello affiKo bexog*« nnd di«M Worla 
etwa nlt •wUrend d«a Krieg««* llb«TMiai. Zabo ftünint ibu darin bei (a. l 0. 
8. 38), Ra iil sl>er wobl nvn^Iif^k, ijnfi wir duollum afRfftro anf dan foriehtUcliüa 
2i*«ika*pr deuioD durften, der «tna anf den anKaboMaen uad *«pb Getaner ver- 
worfanan Eid nnvormeiJlieh c>w<>rd«n wlro. Wir erisnan ua« dnbei an dl« dsetta 
Rotdllofu. die aacb der loibringiacbon Urkuixle ro« 1Z&9 der Hanwg ant«r den 
it«eit«D vea den [Qaf Bann«ni raaedpere mnfite. Vi«llcJclil bedeuiel affigen Mt1«1 

»i*i« äxniareoder tigar». die in dicaem Zunwuoenbaag'e gobrna«hl wenieo. Ducanf;« 
(«d. U|, IIL SOB, «. Aber R»»iB iit >du«))a afliso« aU «In Ablativ and cicbt alt 
[Mtlr nad Ablativ aa D«bai«Q.Vgl. die Stelle ant A<enti« bei Zabn,», a-0„ Aan. IS 



266 

an den Kaiser als iegali ritn gefichehen erklärt. In den beiden Fallen 
hätten wir es mit Termügensrechtlichen Gerichtshandlnngen zn ton, 
beziehnngsweiae mit dem gleichfallß vor das weltliche Gericht ge- 
hürigen Zweikampf. Wenn aber im Sendgerichte die Fahne des 
Herzogs neben dem Krenze erscheint, wie Gerhoh von Reichersberg 
sagt, als »vesillum ducis, videticet ad vindictam malefactorum a 
rege missi, signum*'), so erinnert das freilich an die schon von der 
fränkischen Gesetzgebung geforderte Gegenwart des Grafen im 
geistlichen Gericht^), allein das Banner kann hier, wie auch das 
daneben anfgcstellte Krenz doch vornehmlich auf die Zasammen- 
setzung des weltlichen und geistlichen Umstandes gedeutet werden, 
welcher eben die SyuodaJgerichtsbarkeit bedingte. Dann symboli- 
sierte aber die Fobne den Herzog, den Träger des Fabnenlehens, 
wie den Bischof das Ereuz, das vexillum Christi. Allein wie die 
herzogliche Fahne strenge genommen vexillum imperiale '), vexillam 
regis war, so wurde sie altgemach znm Symbol des Königs und 
königlichen Schutzes. So weht sie auf Markten, wo sie doch viel- 
leicht nebenbei der zur Wahrung des Marktfriedens bestimmten 
Mannschaften ein Wahrzeichen ist, und zeigt sich an einigen wenigen 
Rolanden als >Freifahne<*), während diesen noch nicht ganz sicber- 
gestellten Wahrzeichen aus dem sächsischen Rechtsgebiet in der 
großen Regel das Schwert beigelegt ist. Jedenfalls kann man sich 
gegenwärtig halten, *daß die Rolandssäulen mit dem Küni^bann 
als solchem Überhaupt nichts zu tun hattem.''} 

§ 116. Ist die Fahnenlanze*') vor allem Zeichen des Krieges 
und findet sie in alle jene Teile des Belehn ungszeremoniells Cin- 

') Vgl. oben, g 102, Anm. 

-) Schrj}d«r, Lehrbuch, § 25. zu Anm. 101. 

=) MG. Leg. Sectio IV, 1, S. 386, vgl. weiter unteu § 120 daa Zitat. 

*) Sello, Die deutBchen Rolande (1890) [in; FoTSchunseu snr branden- 
burgiscfaen and preuBlEchen Geschichte. III. 417 (89)] mit einer sehr harten Kritik 
an K. Schröders Beitrag zur FestBchrift des VereincB für GeschichtD Berlina, 
der sich auch L'hlirE [in: Miiteilnngen des Instituts für ünterreichische Geschichta- 
Tonchung. XV, t>76ff. (ISi^-l)] angeschlosseii hat. In einer späteren Abhandlung 
«Marktbreuz und Rolandsbild«] in der Festschrift zar öUjübrigen Doktorjubelfai«r 
Karl Weinbolds (1896) S. 11 8 IT.] ist Schröder vielfach auf seine altere Arbeit 
ülier daa >WeichbUd< [in: Historische Aufsätze, deni Andenken an Georg Waiti 
gewidmet. Hannover 18^6. S. 3ü6ff.] zurückgegangen. Vgl. ühliri, a. «. O.XIS, !82. 

') Schradar, in der ernte rivfi,hnten Abhandlung. S. 1, Ann. 3. 

'-) Der baata signifera in der eralberichteleD bayrischen Belehnnng (siahe 
oben, § 102) siebt die Belebnnng com haatis et vexillis der lothringischen ron 1259 
an der Seite (§ 111). 



267 



gang, wdclie mit dem Kriege im D&beren oder ferner«n Zusammvn- 
b&ng BtehoD, 80 JHt i(nd«riteiti( Abzeichen des im Friodun ßcbegten 
Geriehtes der Schild. Schon stu Chlodwiohs Zuiteu war däs Anf- 
lehen des .Schildes ein Zvichcn, daß uin sjiirrAnkiKches Gericht 
geliegl wurde.') im Nordischen hat wohl auch der rot« ^hild Krieg, 
der woiUc FriiHk- xu IkhIi^uIvii, n-omtl da» duut-^cbe Wort Ut-vr^child 
zasADkmenbfiDgen ma^. Spat«r hat dor rote Schild aar mehr die 
BedeatUQg dm Geleites, also de« im Notrallü mit Waifcngßwnlt aas- 
^Qbteo Schutx««*, »0 i»t der rote Schild »zum Friedens- und später 
xum Markteobildo gowordcm.^) 

Du galt in der Folge auch Tua den als Fcldseicben niemals 
TOTWcndiyt«D UaniUchuh.') Den Schild kann auch und hat iteit 
Jeher das dickte KuiitigbllDdcl. zumal Bucb- ußd Tftmicnroiäij!, der 
Taiineowcdel, der HirkcnbuHCb, »ach daa >Scbab< Stroh vortruton. 
Wie die»« DatUrlicben Waffen wobl Eeit alten Zeiten gegen primitive 
Wurfgescho^m; des Feind«» St^hutz boten, so bHeb ihr« schützende 
Bedeattin^ anch in späteren Zeiten höherer Kattur; nnd beflonders 
das Knufgewerbe machte von diesem Sinnbild Gebrauch. Von den 
österreichischen Landwir1«hiliiMm int der bald natürliche biJd aue 
Blech gcsrlinilti-nu. grtln bwtrichuuv Taoneiir&cher noch nicht ganz 
verschwunden. Reisende drttckton nur mvbr dorcb ein grünes Kuis 
aus, daß flic den lifTcntliehen Sobutx in Anspruch tichmi.'n.'/ Auch 
der Hut iatin seiner primitivsten Form nur ein am Kopfe befe^igler 
Si^d gegen Sonnen xtrshlun, vielleicht nur der Kainpfacbild selbst, 
den der Krieger auf dem Marsche den l'fcileo de» Sonnengottes ont- 
gegenfatclt; «o konnte aunli ihm nicht fohlen. daU er bald in die 
Kechtasymbolik Aufgenommen nnd auf eine I.jnzc frc^teckt. .Sinnbild 
konigliclier und laiidcHberrücher Hchutzbotivit irnrde. In Ultoiter 
und späterer Zeit, und nicht btoU in A^-arnien LiUidcm, vorwiegend 
aua ätruh und \ia»t g^sfortigt — der ätrobliut iM geradeieu du»Ab- 
nncbcn des Sachsonalammos — hat der Hut mit dasn beigctrageo. 
dism Strobbtlnde), dem Strobwifich seine svmbnliscbc Bi'deutung xu 
erhalten^), die man auch im ifAtcrreichiHchcn Wcinlandv nur r.u gat 



'} Aobm, K»ich»- aai (JaticktaTorbamag. 371; Ottun, ItocLt«allarti)inM. 
SM; äcbrodvr, BolMduitulBU. IH, 24, iäS. 
>> 8olirSd«r. m. >- O. 18. 
^ SobtOdvr. Bolaadittaloa IS IT. uod 3S. 
_ *) »obrBdor. WtielibiU. 331; I£»tua»&«l«b 2L 
<)8iibradcr, Uolui* aalen. Itff. 



268 

kennt. Daß sehließHch all diese des Königs Bchutzende Hand vei^ 
sinnlichende Abzeichen mehr minder früher oder später darch die 
Fahne verdrängt wurden '), mag sich, wie schon angedeutet, mehr 
aus dem Umstände ergeben haben, daß des Königs Schutz praktisch 
doch nur durch ein Fähnlein Seharwache gehandhabt wurde. Viel- 
leicht wirkt auch der Umstand mit, daß unter all jenen Abzeichen die 
Fahne das am leichtesten zu beschaffende war. Aber in Zwickau, im 
südwestlichen Sachsen und in Oberfranken wird die Marktfahne 
noch immer als »Wisch* bezeichnet.^) 

§. 117. So gut sich mithin für das frühere Mittelalter die dem 
Kriege dienende Fahne von den Abzeichen des Gerichtes im Frieden 
unterscheiden läßt, so sicher ist doch anderseits in späterer Zeit 
die Fahne auch das Abzeichen der hohen Gerichtsbarkeit, des Blut- 
bannes geworden und spielt als Blutfahne eine wichtige Rolle in 
allen Darstellungen von Belehnung mit Fahnenlehen. Da könnte es 
nun leicht sein, daß die Blutfahne als solche schon in der Zeit 
aufgekommen ist, die dem für die Geschichte Österreichs so wichtigen 
Ereignisse vorangegangen ist, ja es könnte sein, da ja das Minus 
sozusagen als ein Prflzedens in der Fortentwicklung der deutschen 
Hechtsgeschichte gilt, daß damals die Gerichtsfahue zum ersten Male 
Anwendung gefunden, das Blutbanner seinen Einzug in deutsches 
Lehenszeremonieil gefeiert hätte. So entsteht denn die wichtige 
Frage, ob die drei Grafschaften der Gesta Friderici imperatoris 
durch eine von den beiden Fahnen dargestellt werden, und ob durch 
dieselbe Heerbann oder Blutbann geliehen wird. Das ist eben die 
Frage, um die sich alles dreht, und die besondere Frage dieses Ab- 
schnittes. Jedenfalls wird man zugeben mUssen, daß es sich fain- 
sichtHch der Grafschaften, die Fahiienlehen im späteren Sinne ge- 
worden oder gebliehen sind, bei der Fahnen Übergabe nicht um 
Blutbann allein, ja nicht einmal um Gerichtslehen allein gehandelt 
haben könne. Demgegenüber muß freilich auffallen, daß nach allem, 
was wir bisher wahrnehmen konnten. Grafschaften nur mit je einer 
Fahne geliehen wurden, und daß, wenn bei gräflichen Belehnnngen 
mehrere Fahnen zur Anwendung kommen, es sich dann auch um 
ebensoviele Grafschaften handelt, wogegen anderseits bei der Be- 
lehnung mit Lothringen schon jede von den Befugnissen des Herzogs 
als solche durch ein signum zur Geltung kommt. Man wUrde sonach 

'■) Schrüder. RoUndsaäQlen. 16 f. 

~ ■•) Ebenda. S. 20. 



269 



sncb bei GrafscliaftcD. wenn Hcvrbtinn und Oertchtabann rcrlieJicn 
«nirde, mehrere Fahnen orw-arK^n. Freilich haben wir hinwieder aiia 
eiuer CberzabI vud Bciopielen die Überieugung gewinnen kUnnen. 
daß auch doa Herzo^um in der B«gel nur unter einer Kahno ge- 
liehen wurdt!, und daH Mehrheit der Fsbacn eben nur aas einer 
Mehrheit von Territorien nich ergab. Aber mlbst &in genauen» Augen- 
merk nof die loÜiringiKebe Belebnung von 12ö9 wird ans die Ge- 
wißbcit hrini^en, daä es sich hä all den vier Fahnen, die das 
Hcraogtiim bntreffen, am ßefnigeficbaften bandelt, die an ein 
hecxofflicbeä Ba.nnar gewiesen waren, aber nur nicht immer an das- 
selbe. Als nur nm hundert Jahre jüngeres Beispiel von Belchnung 
mit mehreren Kabnon. deren Bedeutung kundgegeben ward, katuies 
jedenfalls f^r die Beiirteilaag von Ottos Bericht gute Dienste leisten, 
g 118.Zwarebenitugat konnte mandieMebrzahl der bei der 
lolhringisrheD ßelehnung snr AairoDdong kommendeD Fahnen 
wieder auf Gerichtswesen deuten, so gleich äas «wvito. die 
• dnclla Dobilium«. da ca sieh hiebet doeh nur am gerichtUchen 
Zweikampf gehandelt haben kann, die dritte aaf das Grafenrecbt 
im Gaue Rfmiremont, die vierte, die 'CUBtodinü publicaram strataruni 
in dicto ducalu« belreffcnd, auf lande.* herrliche» StraUcngcrieht, wobei 
besonders darauf Gewicht gckgt worden könnte. daÜ Straßen- 
geriehltibarkeit vielfaeh den tirafen erhalten geblieben ist. aa daß 
also anch die vierte wie die dritte Fahne grüfliche Gerichts bnrkeit be- 
irefft-n wUrde, nur diesmal auf das ganze Herzogtum cnslcekt. Das 
t^fti> und letzte Banner endlich konnte auf hübe Vogteigericbts- 
barkeit in- und außerhalb des engeren Hcrzogtama gedeutet werden. 
Kb wilrcn also die beiden ersten Fahnen hcrsooliche, die nnchston 
beiden grlilliche, dio ftinfte Vogteifahne. DaD all diese Akte von 
Gericht«barkoit nicht mit einer and derselben Fahne leibbar ge- 
wesen wHren. mDßte nicht auffallen, da sie ja aus verachiedener 
Grrundl.igii erwachsen und wenigitten» in filterten Zelten »ehurf von 
einander geschieden waren. Üurfto ja it. B. Vogtei and öffent- 
liche Geriebtsharkeit anter den Karotingero nieht von ein und der- 

:n Fersünlicbkeit uu.s<;cllbt werden *l, und aurh in aneerei» Falte 
der Herzog von Lutbringon die Kirchen vogtei gan» gcwill 

I ala Graf von Remiremoat aus. 



>) Walla, l>«aUfib* VMAManogigMebioliM. IV, 470. fScliril4«r, 3. Anflkg:*, 
% 169, d«r du Vwbet d«r Knmiilatioa Jidoeb nur aoob aar di» nMe» Toftai 
betogou )rfn«B irUI ; iL k. O. bttä. 



270 

Nun aber hatten die Landesherren längst die hohe Kirchen- 
yogtei größtenteils in ihre Hände gebracht, sie eben machte einen 
Teil ihrer werdenden Landesherrlicbkeit aus, und hatte ihre mili- 
tfirische Seite, weil der Vogt der natürliche Führer der von den 
geistlichen Immunitaten aufgestellten Kontingente war.') Denn der 
Vogt war nicht bloß Richter der Hintersassen einer geistlichen Im- 
munität, sondern übte auch deren Schirmvogtei aus, zumal in einem 
Falle wie hier, wo es sich in erster Linie um eine Reiehsvogtei 
handelte. Und ebensowenig erschöpften sich die Rechte und PSichten, 
die der Herzog von Lothringen mit dem vierten Banner ttbernabm — 
die ja zu den Obliegenheiten der Reichsland vogtei zählten — sie er- 
schöpften sich nicht mit Ausübung peinlichen StralJengerichtes. sondern 
betrafen vor allem den Schutz des öffentlichen Handels und Wandels, 
das Geleitc der Kaufherren und anderer Reisender, welche des 
>Königs Straße« benutzen mußten, und erst im äußersten Falle mit 
Ahndung all dessen, was dem Schutz bietenden Willen zuwider 
lief. Ausgeübt wurde dieser polizeiliche Schutzdienst wohl von an- 
derer Mannschaft als der Kriegsdienst. Was aber die Obliegenheit 
der zweiten Fahne anbelangt, die Verpflichtung des Herzogs, die 
duella nobilium reaceipere, so ist die Anwesenheit der Fahne des 
Herzogs bei einem Vorgang, den man als Einzelkrieg, als mono- 
machia bezeichnet hat, wohl aus dem Grunde verständlich, weil 
diese gerichtlichen Zweikämpfe immer im Beisein eines gewissen 
Gefolges vorgenommen wurden, nicht wie heute, in der Zeit des 
Duellverbotes, unter möglichstem Ausschluß der Öffentlichkeit. Wenn 
wir die oben aus dem Falkensteiner Kodex zitierte Stelle*) auf 
einen solchen wenigstens bevorstehenden Zweikampf deuten dürfen, 
so kann nicht Übersehen werden, dal^ am Schlüsse der Notiz noch 
aller jener summarisch gedacht wird, qui aderant sub vexillo ducis. 
Dieses Gefolge ist Umstand, Zengenschaft, die in bescheidenem 
Maße ja sogar dem heutigen Duell nicht fehlen. In welcher Eigen- 
schaft fuhrt er nun in all diesen Verhältnissen das Banner? Etwa 
deshalb, weil er eben ein Gefolge führt? Oder kommt darin seine oberste 
Gewalt über Leben und Tod zum Ausdruck, die ihm sowohl als Heer- 

'; Roth von Schreckenatein, ßitterwUrde aud Ritterdienit, 8. 447, lUt 
den »AdvocDtiiB mit seinen Unterbeamtea .... in allon weltlichen VerbSltniMen 
die Beschirmung' and die Reprüsentation des ImrounitKtsgebiet» nftch aoßeti hin 
Übernehmen'. V^l.: Schröder, Lebrbach. § 47 (AuB, III, S. ÖOO.) 

') § Hb. 



271 



nilirer, wie als Graf, me als Vo^ wie als oberster Ulitcr des 
Lanilfrieden» im Stml^cngericht und Duell doch wahrAcbeinliGb 
lukain. Dann inUlito überhaupt ern-ogen neniea. ob oiclit die Fahne 
geradezu Qmfongcwalt beduutctu. Ja uucli der Uorxog ist Ober- 
^ar. aiidarseitä der Uraf IIoorfHIirer, der Vogt in luUtor Lini« 
ImmunitäU^raf, (volixeilinhe Befngnisje atanden auch den Graten 
10 and dem ^ricli (liehen Zweikampf konnte er unzweifelhaft als 
oborstor cjchicdamann anwohoon. Für die zvä Fahnen der bayri- 
schen Belehnunß hiilte dieoe AaffaSiiung imiDerbin die F<]lg«, daß 
jetet ^«aa^t wi-rdi-ii mUßt^*, in welcher jirfltlichen EigeDBchaft dtr 
Oätorreichiscbo Ilerxof; das eine, in welcher er das audero Banner 
geführt hat, ond zwar vor und nach der Erhebung Österreichs zum 
ILenogtunie; denn offenbar hatte der Markgraf von Österreich auch 
Tor dor Erhobung vun 1156 nach dvai von Otto geAchildertea Zere- 
monioU zwei Fahnen geführt, zwei bayriaclio Fahoeo. die man nach 
der Andeatunj bei Hermann von Altaich jn iwgar nai'h denen 
des Privilegium minus auf tiefolpschaft im Krietie — lleerfahrt- 
pflicht — and Qefolg«cbaft in Friede» — Huffabrtpäiobt alao 
deuten kannte, die aus einer bayrischen zur ReichspBicht gemacht 
ward. 'j Mün sieht, an iiich eine Vielzahl von Müglichkeiten. die 
Banner ta orkUrL-n. die noch gar nicht in Knviigaug gezogen ist. 
g 119. Nun iat aber doch anderseits nicht zn abvnscheu, daU 
der Gegenstand, um den »ich unser« KrOrtorung dreht, der Ulul- 
bann, iu der lothringischen Bvlfhnungxurkundt.- von 1259 keine Er- 
wähnung tiodet. Nirgend)! vorlautet etwas davon, dt& dem Hcnog 
Heinrich die lutoritas iudicandi oder, wte es auch noch beiOt, regiuni 
hnnDum erteilt worden sei. oder — da dies als selbstverständlich 
an^nommeii werden könnte — (h«Ü ihm die Aucterita» iudicandi durch 
besondurus Baonor verliehen sei^ was dann die FoadatisieriiDg de« 
Blulbajiue.4. diu auadrUckliohe Recht der Weilerleihi> fUr den Her- 
ing Ton Lothringen, bedeutet haben würde. Aber vielleich ist eben 
diese» Rocht in der Belohnung impliziert? Indem wir die Frage 
•o dnhen. InteiresaiMt uns von diesen ninf Falmen soIhstTOrstflad- 
lieh am meisten die dritte Fahne, welche der lotfaringischeu 
Grafiicbnft RemiromoDt gilt. £« ist wiederholt betont wor 
den. dali hier dus lokal« Moment ganz besonders hervorlrtlt; und 
dnakonnbu gegen Stmadt anch uniEwcifelhaft hervorgehoben werden, 
welcher das reiue Rt^chtsiuoment in den Vordergrund stellt. Im 

') V|U. oboB, i 114, gtgtn Eodc. 



272 

Ornnde aber kann doch auch die Fahne von Reinireinont die 
Auffassang erfahren, daß eben mit ihr in diesem Teile von Loth- 
ringen dem Herzoge noch überdies Grafenrecht verliehen wurde' 
was fUr die übrigen lothringiachen Grafschaften nicht gilt. Nur' 
oder nur mehr in diesem südöstlichen Winkel seines Herzogtums 
war der Herzog von Lothringen auch Graf, nur hier übte er auch 
Grafschaftsrecht aus, nur hier den Grafenbann, den er wohl auch 
weiter leihen konnte. Dann also wäre die Fahne von ßemiremont 
vielleicht mit der sogenannten Blutfahne znsammeDgefallen oder 
zusammenzuhalten sein, die auch in späteren Belehnungen mit 
Reichsfahnenlehen eine bestimmte Kolle spielt und einen festen 
Flatz einnimmt. Denn was sonst als der Blutbann, der eben mit 
der Blutfahne verliehen wurde, was sonst als die oberste Gerichts- 
gewalt, das Recht über Leben und Tod, hätte dem Herzog Hein- 
rich zur Grafschaft Remiremont noch gefehlt, wenn ihr Territorium 
ihm mit dem Herzogtume Lothringen ohnehin schon verliehen 
war? Freilich möchte man nun an dieser Stelle wieder fragen: 
Was ist denn Territorium, Territorium selbst im mittelalterlichen 
Sinne, wenn nicht das Gebiet in welchem irgend jemand oberste 
Gewalt über Leben und Tod ausübte? Nicht als ob dieses Recht 
den Inbegriff der Territorialität ausgemacht hätte. Es konnte eine 
Stadt eigenen Blutbann haben und darum doch eine landsSssige 
Stadt sein, keine Reichsstadt. Anderseits hätte das Herzogtum Hein- 
richs von Lothringen wenig zu bedeuten gehabt, wäre nicht Landes- 
hoheit gewesen, wäre nicht mit der zweiten Fahne der Vorsitz und 
Entscheid bei gerichtlichem Zweikampf, und, was besonders wichtig 
ist, mit der vierten Fahne Strom- und Straßengerichtsbarkeit ver- 
liehen gewesen, also wieder Gerichtshoheit zugestanden worden. 
Denn aus Strom- und Straßenhoheit, wie sie aus den Reichs- 
befugnissen in die des Herzogs von Oberlotbringen Uberg^angen 
war, erwuchs demselben ja auch das Recht auf peinliche Gerichtsbar- 
keit, z. B. gegenüber Straßenraub. Blutbann über alle Insassen aber 
übte er nur in der Grafschaft Remiremont, nicht in den anderen 
Grafschaften Oberlothringens. 

§ 120. All dies nun gilt selbstverständlich nicht bloß von 
jenen lothringischen Grafschaften die längst vom Herzoge un- 
abhängig waren, wie die Gaugrafen schaft Bar. die, an der Grenze 
Frankreichs gelegen, sich bereits wieder auf dem Wege völliger Reicha- 
entfremdung befand, oder die Grafschaften Briey, Saarbrücken, Zwei- 



27a 

brücken. Dagsbupg, .SaJni. VauJumont usw. für dio die Uftrzogc 

von Lotfariiii^t?n sehen laugst auch tlit» Lehenskoliait verloren Iiatteii. 

die rcichauniiiiitelbRrgewonleD vraren, nnd wUrde in difseai Sinne 

■aeh von Beroircmont gegolten Italien, wtire solclie« in tndorem 

BmiU gefltandeii. anndern vs galt aucb Fllr die roiclistnittvlbarm 

Oeriehtji^fbieto d» «ligentliph lothrinßi£r.hen TeiTitoriam.i oder, wie 

«icb die Beleb irnngearkuDile von 1259 aasdrllckt. »in terra dicti 

domiDatuA«. Dto hier sitzenden Grafen waren zwar LchcRHlente^ 

aber nicht Beamte de« Ilerzogs von Lothrin^a, hatten also den 

Blutbann vom Bliebe. Und nur die mit der AuHUbiing der Hoch- 

(fericbtsbarkeit in derCnifsehnfe Kemiremoiit betrauten Richter bmn- 

eben vemiutlicb den Bann nicht vom Betcbc ku nehinen, sie sind 

herzogliche Beomtc, wie der Mark^of, oder wie der Hereog von 

Bayern zu oigeiitiu Mulden. Denn die Blatrichter im Gaue Remire- 

moDt Bind nur Viscgrafen, der eigontliebe nnd Erbgraf ist der 

Herzog .telbttt Ihm also mtlßte untt>r allen UiniitiindRn der Rtnt- 

bano vom Reiche geliehen werden. Er konnte zweifellos auch zu 

jeder 2eit die obcnte Ocrichlxbarkoit in eigenem Nnmen aiwtlboD, 

waa gan* sicher in den librip;pn Grafschaften des Dakats, ob sie 

noch herxogliebe Lehen Ailcr noch reichnunmittelbai* waren, nicht 

der Fall war. Wenn aUu unter alten Umständen Verloihnng oder 

in der rorsteclu-ndun Roget Verleihung einer Grafschaft nichts an* 

dere« wur, aU Verleiban^ de» ßlutbaune« in einem bestimmten Oc> 

biete, wnmit wir der '(irafeiil>en.'<:)itigui)g< am näcliBlon kommen 

durften, dann würden vielleicht bei der lotbrugiBchen ßclohnunf: 

die roten Fahnen an dritter Stelle Kur Verwendun^r gekummeii sein. 

wie diea aiieh bei den Anderweitigen Belehnungcn Imit Wort und 

and Bild vorgekommen ist. ') Ooeli wie denn iinnier »ei, ftlr die 

Ires eomitatiifi- Frage wDrdc die Uincialeitung dieser Auffassung von 

eomttatUB, nlimlicb als Gerichtahoheil eine entschiedene Wendung 

Tielleicbt zum besseren bedeuten. AllerdingB Hie GelnUausener 

Koostitutiün wurde dann nkht berongexogeu werden können. Denn 

nur mit einer Falme wird der wealMische Dukiil eum eomitotibo» 

vorliobcn "); »nd, wenn dies auch mit zwei Fahnen geachehen wSre^ 



>) V^. Dillen, i 12a f. 

*) MO. L««. 8«cUo IV, I. B. 389 r. Nm Ilqoa biblta eaiii inisidbui dtll- 
bmnUlvns. awRin«!)! IpaorKm coKiill» damani, •!«! illellur \V*MtAiU>; •( Aei|^« la 
dao itliriaiiiiiu •!.... cmaai iiarlem, can rldBllcet la^ in cfdoajAnm Colanl- 
cl per lolain I*M]i«bc«ni>ine(n ««|>iaeof«l<iin vlentlttMttBr, cum «oinl lur« 

JAitac* i. V. r. \änäKktt»u. nn. 18 



274 

konnte dann die eine Fahne Blutfaline Bein? Wenn ttberhaupt in 
einer, so führte der Erzbischof von Köln gewiß nicht in den, d. h. 
in allen Grafschaften seines Dakats den Blatbann. Hatte man ihm 
solches in einer seiner Grafschaften zogestehen wollen, so wtirde 
das die Belehnangsurknnde gewiß sagen. Aber eelbst zu Ende 
des Xlll. Jahrhunderts stand ihm die Blutbannleihe nur in be- 
schrankten Maße zu. ') Es gibt Privilegien für geistliche Immuni- 
täten, welche den Blutbann verleihen, allein in der G^elnhansener 
Urkunde findet sich keine von den wohlbekannten Wendungen, die 
Blutbannleihe zum Ausdruck zu bringen. ^) In der Gelnhausener Kon- 
stitution kann mithin durch die Worte cum comitatibus nicht Grafen- 
berechtigung auch im Sinne des Blutbannes also nicht volle Grafen- 
berechtigung angedeutet sein. Und von den zwei Fahnen der Gesta 
Friderici, sollte da die eine Blutfahne sein, und die comitatua quos 
tres dicunt, sollten die den Blutbann in der Mark oder außer der 
Mark bedeuten ? Bevor wir diese Frage ernstlich zur Diskussion 
stellen, wollen wir uns eine andere zur Beantwortung vorlegen, sie 
soll das Verhältnis des Bluttbannea zur Grafenberechtignng Über- 
haupt zum Gegenstande haben. 

§ 121. Ohne Zweifel macht Ausübung des Blutbannes 
einen Teil der Grafenberechtigung aus. Blutbann ist zwar 
Gerichtsgewalt, wird aber selbst wieder als Recht, nämlich als ins 
distringeiidi bezeichnet. Und wirklich liegt im Grunde nur ein Recht 
vor, von dessen Verleihung nach mittelalterlicher Anschauung 
so sehr die Möglichkeit der Ausübung einer Reihe von Rechten ab- 
hing, daß man dieses Recht als Macht bezeichnen konnte. Brunnem 
■ scheint die praktische Bedeutung der königlichen Bannleihe gerade 
darin zu liegen, daß der König allerdings den Bann verweigern 



et iuriijictone, videlicet cum comitatibiu, cum advocatiia, com coadnctibas, cum 
mBDBiB, cum curCibus, cum beoeficiis, etini ministerialibus, cum maacipUa et cam 
omoibuB ad eundeiQ ducatum pertinenttbaB eccIasiR ColonienBi lagitime donavimiis 
et de imparatoria übertäte contulimua. Et requigita a principibus aententla, an id 
üeri liceret, adiudicata et commnai principnin et totiua cnrie asBenau approbata, 
accedeote qaoque publico conaensii dilecti conaanguinei nostii dncia Bemhardi, 
cui relii]uam partem ducataa conceaaimaa, prememoratum archiepiscopam Philippnm 
portione illa dacataa bqp coUata ecctesir vexillo iraperiali aollempmter in- 
vealimua .... 

^) Zallinger in; Mitteilaagen des Inatitateg für öaterreichiache Oeachlchti- 
forsch un^. 111, 556. 

-) Zallinger, ebenda. 560ff. und X, 226 ff. 



27ä 



konnte, wenn die Gericlitsleili« don GrundaBtsEen Über das GeriditA- 
Ir-hen nicht ontsprnch. M>i p» nun in bezog auf Hin rcebtlicho Be- 
fkbij^uDg; dM Boliebeoen oder m be^uf^ aur die gesetzlioben Be- 
BcIirilnkanireTi der Wcilervcrlcilrnnp*.') AIh Blntbaiia kfmnte man 
Bo&acb aucb daa zu lediglicber Gerichtsgewalt zuaammen};ea4;Iiruni|irt4; 
und nur in diesi-m >Siuac d«r k9niglicb«ii Verlehnung vurhi-httlbcnti 
Riehteramt bezeichnen. Alles Übrige in der Gnfenberechü^uag ist 
Gerichbilolici), d. b. in T^fthen ningewandelte« Richleramt, <xler »die 
natEbare Seite der (Jcrichläharkeit«. Blutbann und Gerichts k-faeu 
zasaiinmen machrii daj* Omr«chnfisrcchl an». Bannleiho ond Ocrielit«- 
Ii'iho Kusnmmoo erwirken die GrafoDb«recbti^n^. Dopsch sobtiint 
b&fd das Hau pigf! wicht auf da.i Qen'cbtsiehen zu lepen. bald wieder 
an da« ius distringendi zu denken. Jene Aoffassung waltet vielleicht 
vor. Deuo Dur so laßt en sich erklären, vraruu er fUr den Mark- 
grafen, bcxichungaweise den Uarkbensog die Notwendigkeit, die zur 
Mark., beziehnn^weine zum Markhonogtnm gehürigvn Grar^chaftea 
Weiler zu verleihen, deshalb eotriillen lilÜt, weil dem Mark herzog 
nach Otto von Freising außer der Mark, dem Territorium, aoch 
die cotnitntus qaos trea dicuiit zu Leben gegeben werden. Da« ieC 
freilich ganx unnrlittg, wie wir schon oflmaU betont haben. Den 
Enbiüchof von Köln wnrde Westfalen com eomitatibu» verliehen, 
aber or mnO sie weiter leihen, dem Herzog von Kärnten cum comitiiii, 
aber c» gibt in Ksrnten Grafen von OrleDburg. Und nicht die 
• besondere Hervorhebung, die bei Otto von Fretsing< den comiutibu.', 
(]U»s tres dicunt, dpn comitattbus ad eam {marebinin) ex untiquo 
penine utibaü nuleil wird'-). Überhebt — die richtige Deutung dieser 
Orafschuften durch Strnadt und Konsorten vorausfiresetzt — sie also 
Überhebt den Markherzog nicht der PÜicht, anderen Grafen die drei 
Grafschaften weilor zo verleiben, aondei-n einerseitB der Umstand, 
doli es keine solehc drei GrafscbArt<-n, welche die Mark ausmachten, 
gab, and nndorseits, wenn man sich auf den Standpunkt deaSachsen- 
eipieiie!« sielli. der weiten: Umslanii. dafi dem Markgrafen vom 
König mit dem Gerichtelehen aucb der Blutbaan verliehen wnrde'^ 
nnd er ihn seineD Untcrricbtern weiter leihen konnte. Aua der Ver- 
kennnag dieses ^nz wc^eutlichcn Momentes ergeben sieb alle die 
Widersprüche zu den Tataachen und zu sich selbst, welche wir 

*>SiUiiBg>h«ti«bt«JtTlMl»<>riiclioiiAk»iI»«I«4»rWiMetMCbBnen.XLVII,:f.316. 

>) Dopieb. a. B. O. 306. ^Ken £nde.' 

*) Brnnaar, a. a. O. S37. Dopaeh dtitrl nur 8. B20. 

18* 



276 

Bchon wiederholt in den vorhergehendec Erörterungen bei Dopsch 
und all seinen Vorgängern konstatieren mußten. Wollten hingegen 
Dopsch und seine Gesinnungsgenossen dem entgegenhalten, daß 
offenbar mit dem, was Otto von Freiaing sagt, eben Bannleihe ge- 
meint sei — sie werden es vielleicht nicht tun — dann würde 
man ihnen sofort entgegenhalten können, was schon Brunner einem 
Berchtold vorgestellt hat'}, daß es nämlich dem Mittelalter durchaus 
nicht an der ja doch schon sehr alten Bezeichnung »Bann« gebricht. 
Außerdem aber müßten sie sieh sofort in neue Widerspruche ver- 
wickeln, deren erhebliche Bedeutung für unsere Frage aus einer 
weiteren Betrachtung des Institutes der Bannleihe, besonders der 
Anwendung der Blutfahnen sofort erhellen wird. Dopsch scheint, 
da er das Wort >Banu* sorgfältig vermeidet, um diese Wider- 
spruche herumkommen zu wollen, wie sich aus einer Zusammen- 
stellung der einschlagigen Stellen ergibt. 

§ 122. Welcher Auffassung Prof. Dopsch mehr zuneigt, ist, 
wie gesagt, nicht so leicht festzustellen. Schon an sich erhellt aus 
dem Wort »Grafenherechtigung« nicht viel. Ka kann darunter 
ebensowohl die Gesamtheit gräflicher Rechte verstanden sein, wie 
sie im XII. Jahrhundert je nach Ort und Gelegenheit sich sehr ver- 
schieden erhalten und ausgestaltet hat, als anderseits das Speziii- 
kum gräflicher Amtsgewalt, die hohe Gerichtsbarkeit, insbesondere 
der Blnthann. Diese zweite Auffassung möchte man Dopsch unter- 
legen, wenn man hürt, daß »Grafschaftsrecht . . . ein eigenes Leihe- 
gut darstelle, das vom König, bei welchem die höchste Ge- 
richtsbarkeit ruhte, verliehen wurde*. ^J Denn wenn Dopsch kurz 
Torher in demselben Zusammenhange bemerkt, daß wir uns >die 
Orafschaftsrecbte nicht etwa wie die niedere Gerichtsbarkeit mit 
dem Besitz von Grund und Boden an sich verknüpft« denken 
dürfen, so kommt man ganz von selbst zu dem Schlüsse, daß er an 
jenes Leihegut denkt, dessen Reichang sich der König nach der 
sonstigen Feudalisierung des Grafenamtes und aller höheren Gerichts- 
barkeit vorbehalten hatte als ein passendes Mittel, wie Brunn er 
sagt, »gegen jede unberechtigte Veräußerung und Verleihung der 
höheren Gerichtsbarkeit, als sichere Garantie gegen eigenmächtige 
Veränderungen der bestehenden Gerichtsverfassung«.^) 

^) BTonner, Exemtiona recht der Babenbecger. S. 332. 

') A. a. 0. 306. 

') Broaner, a. s. 0. 317 (Sonde rahd ruck 3). 



27V 



WeDD abpr Dopscli nnniitt€lhÄr rfarsiif »die Orafscliaftgrechie 
riigleiob mit tlem FUrslentuni vom Könige xu Irfhen' gehen, die 
Forsten aber v<frptlii.-lit4.-t «<uiti lillit. <]ic im Fimtcutnnt >eiilhAltenen 
'Irafnchaflen ((•erin))t-<lfihenl in die dritte Haad zuleüien-, ho kann, 
wcoigsteits für die Zeit, in der die Erhebung dnr Ostnuirk zum 
Henogtome erfolgte kd den BlutlKiim noch nicbt gcdaclit wtrd««. 
Üenit mag man auch mit IJerclitold nnd Zallingcr') das Uiitaii und 
dir Wtintbnrgcr t'rknndw ron 1108 ah dw Wrlüiifor jcntn« errt im 
XIII. Jnlirbundairl v&lli^ ziim l^urchbnicbc golikngtiM) Prozessos be- 
trarhli?n. wclph« mit allgwoieiner tZuppcUnunir «li>r bolieo <ierif'litÄ- 
i^evralt 7u den Kegalien, dem Inhnlte drs rarRtentnms « abschließt-) 
uad in diviter Aas^eaialtuag «r«DigsteQ» fUr die Laient^rsteu schon 
im Üculschvnspicgcl und ?>cbwabciispiej;i'lsum Ansdrackc kommt ^) — 
far dit> Mitto d«fl XII. Jahrhunderts iat doch noch keineovegs an- 
zuDehmen. dall irgend ein Porst *hr>\w Gerieb(!tg»n-all<. BUitbann 
also, an einen Grafen «eines HerKoglumes luut« leihen künoen. Die 
Bannlüibc- w«r «boii dem Kifiiig« vorbehalten. . . Onter Jonen »Graf- 
rti^biiften ((.»ericiitalvhenl«. die »in dritii* Hand« geÜeht-u werdi-n 
maUt«n, «nd nur di« orblichen nutzbaren Rechte der Grafschaft »i 
verstehen. Diesi' rutzbnren RerhlP. dit-sen Inli"'griff der (Trafschnft 
für »irb behalten 7.» dürfen, nicht weiter verleihen »u miifisen. war 
gar nicht da» >V<jrrec]it<. das >Grafenrccht> de* neu«ii Henogs 
Ton <^terreicb. Üio gegenteilige VerpHicbtting wUrdc ihn j« gemdo- 
zu zam Seheinfurüten treüteiupelt haben. Das Vorrecht de» Baben- 
berger« war. wenn wir nacli dem Sacliseiispiegel urleilen, vielmehr 
vfic auch epator nuch in NorddcutKChlaiid da» Recht des Mark- 
grafen, zu dingt'n 'bi hidus avlrvs hald<.>n> '}. 

Will immer die Inl'^rprelalion difser >duiikleo Stelle« *) aua- 
fallen mag. mno winl xagebeo mü^eo. daU hier ein gewisser Gegen- 
salz za den Dingen *het KänigAbann* ausgcapruchcD seiti soll. Bei 
KüDigsbaiui dinget, wer den Uuaii vom Könige empfangen bat.') 

■> LAQilMlMbeU Otferrakb. S. IM IT.. Laadwiboliail in DontMhlnd, 

e. mn. 

■} ZHllingcr. MittoilanEcn df Inatilnlcv X. ^!39 iinlni. 

') l>iutKlt«aiple)!«l, Landrvclit C 81, c, M. 'äehnibtoapitgtl, LuBdrcckt, 
C llü. I^bmiTtelit. c. 41. 

') SacliMvtjkiegel Ul. B5 uail 1 Ftonnajrr 

') Kall iuKPr. riiar den Kilnigibann. UittviliiDf^ii in IiulitaltB fttr Oater- 
rtlckiMba U«acliicl)l»roncIiiDg. 111, 56t. 

') tIncbioiKi'ioitiil. LnnilTtübl. I, W, | I. 



278 

Königsbacn kann niemand weiter leihen.') Folglich kann der bei 
Königahann dingende, d. b. richtende Ftlrst diesen Bann, weil er 
eben Königsbaon ist, nicht weiter leihen. Der von ihm mit dem 
Gerichte Belehnte maß den Bann vom Konig einboten. Weil dieser 
Grundsatz für den vom Markgrafen bestellten Richter nicht gilt, 
weil der markgrafliche Richter den Btntbann vom Könige nicht 
einznholen braucht, so dingt aoch der Markgraf naeb Ansieht des 
Sachaenspiegela >bi sines selves holden <.^) Ganz bestimmt besagt 
aber diese Stelle nicht, daß der Markgraf das ihm geliehene Geriebt 
oder auch nar den ihm geliehenen Bann nicht weiter leihen brauchte 
oder darf. Sie besagt aber wohl auch nicht, daß der Markgraf für 
seine Person den Blutbann nicht vom Könige einholen mußte. 

Doch gehen wir jetzt zu einem Versuche tlber, aus Nach- 
richten über besondere Verwendung einer die Blutgerichtabarkeit 
bedeutenden Fahne Anhaltspunkte zu gewinnen fUr die Beurteilung 
des zweiten Banners im Lebenszeremoniell von 1156. 

§ 123. Während im frUhen Mittelalter Einheit der Fahne die 
Regel ist, dann, als eine Mehrheit an die Stelle trat, allmählich auch 
Wappen auf die Fahnen kommen, tritt in der Folge wieder ein 
wappenloses Banner in den Vordergrund, dem aber eine ganz eigene 
Bedeutung zukommt. In keiner von den Belehnungen des spateren 
Mittelalters, oder in kaum einer fehlt ea an dem Blutbanner. Wir 
sind demselben schon oben^) begegnet, als wir eine der letzten 
Fahnenbelehnungen, die sächsische von 1566, aus anderen Gründen 

<) Ebenda. III, 64, § 5. Vg'l.: Brunaor, b. a. 0. 326, Anm. 1. 

^) Qenaa Uberaetzen l&Qt «ich der Auadrnck >de marcgreve diaget bi naea 
lelTea hulden« kaum, man kann doch nicht sagen, der Maikgruf übte Oeiicfats- 
gewalt aas dem Gmode, daQ er tich selbst Hnlde geleistet hat. KSnigsbann erhKlt 
und fuhrt aui, nachdem man eich dem Könige koromendiert bat, und zwar ganx 
besonders zum Zwecke der Führang des Banne«. Für den Markgrafen ergäbe sich 
demnach die oberste Qerichtsgewalt schon aus der Bslehaang mit den Kegalien 
selbst, Tür ihn wäre Blutbann schon Iftngst Begal. was «r für den Fürsten erst im 
XIII. Jahrhunderte geworden ist, OewiD konnte er den Banii schon lange vorher 
verleihen, ehe weltlichen nnd geistlichen Fürsten dieses Uecht eingeräumt wurde. 
Wahrscheinlich wird in all den einschlägigen Stellen der EechtsbUcher das viel- 
sinnige Wort >diugen< (vgl,: Grimm, Deutsches Wörterbuch. 11, 1170, 1) im 
weitesten Sinne soriel bedeuten, wie >das Gericht besorgen, bestellen, filr Recht 
und Gericht sorgen«, also auch Unterrichter einsetzen. Erst in diesem Sinne kann 
man ganz eigentlich sagen, der Harkgraf »dinge bi lines selve« bulden«, d. b. der 
Ton ihm bestellte Richter habe ihn und nicht dem König Hulde zu tun. 

■) § 109. 



279 



enrogeo liaben. Duch wollen wir zunacliBt ein anderes Beispiel 
ccwat gcuancr ios Auge fassen. t)ab«i Itaadclt c» etch \'orkufig 
aar darani. ein g&az cingentQmlicIies, inindestcns acbeiob&rea Ana- 
logon snir Bcleliniing von 1136, insbesondere zu der dabei zurVei^ 
Wendung g«lani;leD zvr«i Fahnen uns gegenwärtig zu balten: daraus 
■werden wir recht viel lernen. Ich meine die 1496 erfolgd- BKlehnnng 
der Orai«D von Kansan mit xwei Fahnen. Nadi Kacheobecker') 
n-urdon die bctdoo licfsiiicbcn V^cttcm auf dem Rotchstoge sii Wormei 
von Kaiser Maximilian mit zwei Fahnen belehnt. Anf der crstea, 
welche ein großes rotes Panier »liBt«. waren fünf Wappen zn 
8ofaen: Katzeneinbogen. Zicgeufaein, \Vatdek. Ditz undNidda; das 
andere »war das Blntfahnleb und bedeutet« die Reg&lta, nur ganx 
rut*. Demnach iüt ansundmen, daQ die erste Fahne Territorial-, 
die zweite 6oricl)t«grwalt bedontcte, und es wtlrde zunncK<>t dargetan 
sein, dtÜ eine ganze Reibe von Grafschaften oder Herrschaften nur 
mit einer einzigen Fabno geliehen wurden. Da erst in epAtcrur Zeit 
Qhlich wurde, auf die Banner Wappen t.u aetKen, am gleichsam 
anzuzctgfiQ. vr«l(^bi.' Territorien die oine Faboo symbolisierte, so 
kann, ncbeubei bemerkt, die zweite Fahni" der Belehnung von IJÖÖ 
nicht drei Orafschiiften im gewöhnlichen Sinne bedeuten. Allerdings 
hat ee mit den fünf Wappen auf dem große» Nadrauer Banner und 
mit den durch «io vorgestellten Territorien ein eigene» Bewandtnis. 
Denn gteieh unmittelbar und wenige Tage nach jenem Belohnungsakte, 
protestiert der Rrzbisehof von Trier wogen Dietz. welche Graffcbaf^ 
wohl aeinenseit Beicbslehen gewesen, aber durch einen alteren 
Grafen von Nastüia, der nach eciucin Grotlvater. viuem Qrafon von 
Mark, dco fOr Na^an nnd Norddeutschland auffälligen IViUteiaer 
Namen Engelbert führte, «um Trierer Leben gemacht worden war. 
Ebenso proteAliert Fulda wegen Ziegenhein und Nidda'^j und die 
Grafen mOsson »ich zu KrklUrungcn bequemen, die jene» After- 
lehensverhältnia atlerdinga anerkeuneo und ftlr da» AnAtüßigc der 
Führung solcher Wappen im Reichsbanner Aofklürung geben.') 
Man ersieht demnach sowolil ans den Verwahrungen von Trier ttnd 
Knlda, wie ans der Beschreibung vod Kuchen heck er, dafi die große. 
mit Wappen gezierte Fahne Territorien bedeutete, und in gewisBem 
Sinne ergibt sioh dies auch atis der hessischen Entgeguang. Strenge 

■) Zitinrt b«I: Htflsr, GeMhkfct« der Heraldili. &17af. 

>) Scbaanat, Piüdb«h*r Laliti-Haf, ilr» de CUnt^a Fnld«wl. Sil. 

*) Wiener Siaatiarekiv. Bsidurt gintratiir. Bi). K. 206 f. 



280 

genommen hatten alao nur die Grafschaften Katzenelnbogen und 
Waldeck im Banner figurieren sollen. Das Blutf^hnlein aber konnte 
nichtsdestoweniger fUr alle jene Gebiete, aach Air diejenigen Graf- 
schaften und Herrschaften.Bur Anwendung kommen, die nur Reichs- 
afcerlehen waren. Es könnte dabei die ältere Auffassung durch- 
leuchten; danach mußte, weil in diesem Falle die Lehensherren 
PfaffenfUrsten waren, die Führung des Blutbannes an deren Lehens- 
trüger übergehen. Da wird es wieder Waldeek gewesen sein, dem 
das Blutföhnchen nicht galt. Denn Waideck war um die Mitte des 
XV. Jahrhunderts zwar in Lehensabhängigkeit von Hessen geraten, 
blieb aber als Grafschaft noch immer in den Händen der Nach- 
kommen Heinrichs IV. des Eisernen von Waldeck, Ihnen also hätte 
der Deutsche König den Bann leihen milssen, während das Bene- 
fizium Hessen erhielt zur Weiterleihe an die Grafen von Schwallen- 
bach-Waldeck. Es ist höchst bezeichnend für die lang nachwirkende 
Kraft der zur Landeshoheit fuhrenden Kechtsauffassung und für 
das lebendige Bewußtsein, das sich davon erhalten hat, wenn noch 
im Jahre 1848 die hessischen Ansprüche auf Waldcck schieds- 
richterlieh beseitigt werden mUssen, in letzter Linie wohl aus dem 
Grunde, weil nicht die bloße Lehensoberhoheit, sondern die Aus- 
übung der Gerichtsgewalt allenthalben zur Landeshoheit geführt 
hat. Doch kehren wir zu unserem Thema zurück. Auch 1156 sind 
es zwei Fahnen, die laut Bericht Ottos von Freising zur Anwendung 
gelangen. Ist vielleicht auch hier die eine das Lehens-, die andere 
das Blutbanner? Welche Schlüsse gestattet uns die Nassauer Be- 
lehnung und etwa diejenige, die wir sonst noch heranziehen 
können? 

§ 124. Selbstverständlich handelt es sich für unsere Erwägung 
jetzt nur um das >Blutfähnlein< und was von seinem Aussehen 
und seiner Bedeutung gesagt wird: »bedeutete die Regalia, war 
ganz rot>. Und da dürfte es nicht überflüssig sein, uns nach ähn- 
lichen Berichten umzusehen, deren mir allerdings nicht gar viele 
zur Verfügung stehen. Immerhin kann ich auf eine noch in das- 
selbe Jahr 1495 — das überhaupt als eines der ersten Regierungs- 
jahre des prachtliebenden Maximilian I. mehrere solche Vorgänge 
gebracht haben dürfte — fallende Helehnung hinweisen, bei der 
unter sechs Fahnen auch eine »ganz blutroth« zur Anwendung 
kam. Es ist die württemhcrgische Belehnung, über die uns Michael 
Braun im 25. Paragraphen seines Werkes >Von des Adels Heer- 



281 



"»cliilde« erBJlhh'l. da. bi'itH te: xlas eraw Paoitr M-ar «las Würlian- 
tiergii<cli«. du unrlru dcl> hfrxoKlumi) Tekli, (la% dritte der ^rafftnliaft 
türDpel|;ar(l. das vitirlc der bcrnscliaft H<-ideDliciiii. diia runfl dn:t 
gelbe ßeicbsbanior mit dem Kchwarzen Adl^r. da« itecbsto dvr ganx 
hlutrotl.« In ein«>r ScItilderUDg: der zu Re^rennbiir^r 1541. Juli b 
L-rfdlglcD Ik-lubnung di;s Hertoea ^biUp[) Toii iSleilio-Fommern'O 
heiSit es: ■. . . in dem vierdca glivd ist der bofmanichalck Ollo von 
Wedel mit einem grois^o rotbeo Falineti. vi-jd aeidcntaft gemacbl, 
darJD ^ir kcio '«'appen, der btulfahn genannt.« Nun folgt die Aot'- 
xHblung, wie die t'abnun zur VitIoUiuu-; gelangt ^ud : darin beiÜt 
m: >erstlich den blutfabnen und folgend cini-m juglicbcn foneu 
iliAun>1(;i']iciti;it oacbeinander verliehen und bat nlleni»! der CburfbröC 
zu lirnDdcnlturg vermSgu dur vt*rtrflge . . . mit an den Fulmi!» gu- 
^ITci) . . . bat inaii «rstliob den blutfanea darnach einmi icglichea 
tancQ TOD den Landen nacbcisander von dem slal tinler da$ volk 
gcworfcD. dos dieselben urridstio.« Bei der BvIvbiiUDi: dos Hi>cli- 
and D«utscbnicist«r« aber >... wurden Eunacbet vor lico fUrsteol 
xweii fancn (j^^fUrt, nfimlicb ain Rotlnn trenannt äe* Keickit od«r 
pluttho , . . der aader fao war weiß und darin &a scbintrz crcu2.< ■*) 
Aach jene gluicbzeitigc Xucbriubt über die aächsischi' Ikilchnanj: 
Ton 1066. die wir Tvrftlbrtuj), als von der Sicbenzabl und ZwClf- 
xalll der sJtcti.«Mchen Fnbnoa die Itede war'), bringt die Klutfahnu 
aa crttor Sti-lle in do|ipoltcr Bcdeiitang. wie es scheial. a1« GoricbU- 
und KriegHfabnß: 'die blutfubne int roii Cbriatofleln vun Kngwitx, ' 
welcher dieselbe zuvor in chorfllrot MoritKcD (löblicher gt^lechlousy 
l>clebDiin;r aiicb M>n»t im'ftjlde ffefilbrel, bcTobteD wurden.«'") Aaf 
dio8t> zH-icfacbe Bedeutuag d«r Btutf&bnc mtlssen wir noch »u 
i)pre4-h(tn kniuiaeu. Ob sie auch auUerbalb der (jrenze des beihgen 
rilmiscbeu Reiches deutscher Nation zur Verwendung; gekouiineiU' 
bin ich nicht in der Lage, bestimmt xu sagi-n. Iti Fulcii, wu Fabaen- 
bvli;tinung aich noch bis isB XV'II. Jahrhundert erhallen hat, be- 
gegnet man der ßlutritime nieinaU, vielletcbt, weil man Trennung 
vun Gori<^hUli-ihe und Itannleibc niolil kannto. Ilciepielo aus Fnink- 
retcb und U.ilii.'n Htuhen mir tiirht r.u (teboie. l>iL> Fahne aua 



l> 21tlm M: 8«7I«t. (Ie«h:«blc d» lltrslilik. 517. 

*) Dm bMWv VM PuraoHfa l*b««ii«Mipbabuiig. So/Ur, a. a. 0. &18. 

1 goyUr, « s. O 618«. 

ist 107 9, U*. 109. 

>t äfyUr, a. a. 0. ftlR*. 



282 



rotem Tnfiet mitteilt nrelcher die Grafen von Gßn vom Dogen von 
Venodic; die Lehen empfingen, bat vrohl kaum Blutbann bedeutet.') 
Anfgiikoininea i»t die Blutfahno aU Belehnun^autonHil crei gegca 
Ende des XV. .Uhrhiindcrts. Nauclero« in seiper Schilderung der 
Bolehiuing des Burjjgrafeu Friedrich V, von NUrnherg dnrnh Kaüer , 
Sie^mund Hlö, die in Angelu» AnDiüef Marchie Brandenburvensis 
aufgenommen ist^), kennt nur »Aes barggrafiium Nurnber;; und de« 
MarggraSthumbe nrnndunburg falinon«, iibcr koino Ututfahne. Die 
Belehnang erfolgt mit der »Märekiseben Fahnec mit Zepter und 
ScbwerL Cnd nooli die iii« Jahr I4äS gcbörige Au^sbur^ger Aus- 
gabe von Ulrich ßeicbentbnls Darstellung des Konzils von KuoetanE 
zeigt in ibrc^m im Sbaatvarchiv crlio^nden kolorierten Kx«mplar 
kein !iolche.<) durch die rote Farbe erkennbarem ßlatbaaner. Ea 
kommen wobt rote neben rosenfarbeaen und weißen, auch blaocii 
Fähnebeu in den Hflnden jener MiniBterialen vor. die entweder den 
königlichen Thron umgeben oder da» Gefolge des Ilcntogs bilden. 
Aber nnter den Fahnen, die dem zu belehcienden Porsten vor- 
oder uachgetmgcD «erden, findet sieh nichts dergleichen, sondern 
nur Territorialbanner. 80 die beiden Bunner — noch mit den Zipfen 
versehen, du; hä der Bclehnung ubgt^sehnitlen wurden') — auf dem 
Bilde, das die Belebnung de« Bur^i^afeQ von Nürnberg mit Brandes- 
htirg veranschaulicht'), nämlich ein roter Adler im weißen Feld fur 
Brandenburg und der acbw&rzwciÜgevierte fOr Zollern. Die Bc- 
lehnung de« Grafen Adolf von Kleve zeigt uns den LehcnRtrflger 
mit dem roten Zipfhanner. darin das achlstrablige goldene Rad 
mit Lilien.*) Auf der Rückseite dieses Blultc« die bavriwhc Be- 
lebnung, in weli-iber der Lehenstrüger selbst die gerierte Wimpelfahne 
fuhrt, rotgekrTmter goldener LQwe in Sehwan: und den in d«D 
Zipf fortgesetzten bayrischen Wecken, genau wie die beiden pfnlz- 
bayriM^ben Banner auf Bktl XXXIU und XX^iX, wclobo die 
Degradi«rnBg und Hinrichtung von Haas und Flieronyinua darstellen. 
Endlich ntigt auch die D«tcrroichi«che B<ilehnong''' icnrar die reitenden 
Mannen mit abwechselnd weiUen und roten Kfihncheo, aber in der Haod 



*) Dacange, d. k. Q. nn* gsniv'tsff. KanigHe d'Italia. 

1) Fnokrart 1598. & 196. 

') F*vT« in: DncaDge, DiMvrtHlian iw l'iitair« <l« fikisi LQUjr». 32^. 

•) BUti XLVt* (Augabo von 1Ö36, Itliit XXXVI*). 

>> Blau XI.VI1* (Ä(i»g«b» vwB 1633, Wa« SSIVHM. 

*) Bl»t LXXV« imd LXX7I* (iiMgabe tos löüB. Blatt LTllPf;. 



283 



d«r vor dem Kaiser knienden nur da» ZipfcnbanDcr lO den Farben 
des ^sterreicliiscbvn Iiln<lenfK:hildcK ; der Uinde ist in der Mitte 
noebmala eivrta grüßer tler Bindenscbild aufgelegt Diesmal waren 
nlsu gar Hiebt einmal zwb! Banner zar Anwendung KekoiiuneD. Ba- 
greiflichcr Weise: Die VerbAltnisHe von 1156 eind lUiigrt eingelebt, 
JA selbst vergessen. 

% lä5. Von den versebiedenen Mumcntcn, die aiob tu» tu- 
geRichu der hier zasamniongcstellicn Beispiele ergeben, ist n-obl 
die Bezeicbnung äes oiiien bei Erceilung von Fabnealehen zur 
ADTrendong knirnneoden Banners als blatfabnlein oder blat- 
fabnc eine solcli«, die xnnMclist anser Int«riMt«o iTwcckt. Ist n-irk- 
lieb diese »BlutfAhne als Symbol der Blutgericbtsbarkeit« 
za betrsebt(?n. wie ZOpfl behaaptet?') Da tntiC nnn vor allem fest- 
gestellt werdt'n, daü aucli dieser Najne niclit bloU für ein anf höbe 
Oericbtabarkeit binweiiieude» Abzcicbcn gcbrfluchlicb in, »ondora 
dail vielmehr, alU-rdinge aus späterer üelt, aber doch io moor 
Literatur, welche mit ihrem Ansprüche, allgemein vcrstjtndlicb zu 
fein, ganz gewiß auf die gewülinlicbe titidoutnog des Wortes Rück- 
«ioht nimmt, der >'amu Blutfabni-, BlutOibnlcin doch wieder Tor- 
viegeod, wo nicht ausachließlicb auf den Krieg bo8ogen wird. Zu- 
niebat gilt dies von allen in GelirUder Grininiti Würterboch^) zu- 
Mmmeogcttelltoo Beispielen atis Fronspcrger (lebte etwa lö2U bis 
1075), Kisokart (lebte 1545—1590), Kirelihoflr(beiUufig I525-1C03), 
»Soltau (lebte 1745— 1827\ Thammcl (.kbte 1738—1817), welche 
alte nur fUr die >Scb]achlfuJiQe* aufkummim und für jene dem 
Seblacbtdngotte vorweg geopferten HJInflein Qvsellen, die man als 
verlnrun«- Poaton, jetzt gemeinhin als >Kanonniifatt«r< bezeichnet, 
die dsnialü aber iBlutfahne« genannt wurden. In einer anderen 
Bedeutung, zumal in der Berichte Über das Leben sKeremoniell der 
maximilinnischen Zeit da» Wort bringen. bcg<^not es in der Literaliir 
nicht. Da» legt die Vermutung sehr nahe, daß auch dieses Utensil 
des BelehnungnerentoniellE. wie die I^henafahne Uberbaapt. aus 
dem Kriegswesen in die miltelallerlichen Staatsünricblungen Über- 
nommen wordi-u ieL Sei ea, daß mau die ßlutfahnuu wie »ich im 
Felde unter ilir diejenigen aammelteu. die nicbtii zit verliere», viel- 
leicht eher eise Scharte auszuwetzen hatten, mut auch Über die 
übdUter 6atiflm ließ in jenem großen Keldzug der Gesellschaft 

') u, 181 r. 



284 

gegen solche, welche göttliche und menechliche Ordnung darchbrechen, 
oder sei es, daß durch die Blutfahne im allgemeinen die fürstliche 
Macht über Leben und Tod so im Krieg wie im Frieden symboli- 
siert werden sollte. Jedenfalls war der Gebrauch einer und derselben 
Blutfahne in Sachsen eine Zeitlang im Krieg und im Frieden tlb- 
lieh, wie wir aus der Aufzählung von 1566 ersehen.') Vielleicht 
hängt es dann mit dem nicht ganz Bicherstehenden Gebrauch des 
Wortes zusammen, wenn wir die Blutfabne erst ziemlich spttt im 
Lehenszeremoniell Verwendung finden sehen, was ihr allerdings nur 
eine kurze Herrlichkeit bereitet hat. Denn die eben erwähnte säch- 
sische Belehnang ist eine der letzten, vielleicht die letzte, die mit 
Fahnen geschieht. Die spätere Zeit räumte den Fahnenprnnk hin- 
weg, vielleicht nicht ohne Einäuß des immer mehr aufkeimenden 
absolutistischen Staatsgedankeus, der die Landesfürsten ihr Vasallen- 
tum gar zu gern vergessen und es zuletzt auch beseitigen ließ. Trat 
der Begriflf des Lehens, des Fahnlehens zurück, so konnte der Ge- 
brauch der Falme davon nicht unberührt bleiben. 

§ 126. Es macht nun einen seltsamen Eindruck und scheint 
auch darauf angelegt zu sein, ernst und nachdenklich zu stimmen, 
wenn das Blutbanner gelegentlich als »ganz rot«, ganz blutrot, 
bezeichnet wird. Einesteils soll damit angedeutet werden, wovon 
wir sofort sprechen wollen, daß auf diesem Banner kein Wappen 
sichtbar war, anderseits soll vielleicht die Farbe an Blut und Tod 
gemahnen. Allein ganz sicher steht diese Auffassung nicht. Die rote 
Farbe hat zu verschiedenen Zeiten ganz verschiedene Deutung ge- 
funden und wie sie heute die Farbe der Sozialdemokratie und der 
Revolution ist, so wurde sie vor Zeiten auch offiziell oder offiziös, 
wie man will, geradezu als die Farbe aufgefaßt, die den Frieden 
bedeutet. So spricht die Glosse zum Sachsenspiegel: .... 

»Tom drüdden heft he eine vane di {bedütet dat werhke vorsten 
deme ryke so gefolghet hebben pnd gedynet. Hirumme so lyet he 
|der König] en er leen mit der vane und dat is vanleen genannt. 
De vane is) vor rot und hindene gel. By deme roden is upgenomen 
dy wäre live, dy he tho godde hebben schall, by deme gelen is 
upgenomen dy rechverdicheit, dy he under dötliken luden hebben 
schall und den dot, den he den bösen anleggen scholl. Wen gele 
varwe beteekent den dot.'^) Demnach wäre es vielmehr die gelbe 

') Oben, § 122. 

-) Zitiert bei: Seyler, a. a. 0. S. 293. 



2Bä 



Farte. mit welcher die hflehate Gewalt Über Leln-n utid Tut] !»**- 
xeichiic-t wi?nl(-n ^olllc. nnd das RliitlMiDner i»iiL'>Ci> viclnic-lir gcllis«iii. 
Oder sollten wir «n liier würkticli nur mit einer ^elelirtca Unter- 
IcgiiDg za tun liabon, der id der Praxis de» LcbenKzeremoniells gar 
Diolit ^edaclit wurde. 

§ 127. IX-m m»g nun s«in wie immer. Glcicbwobl kann es 
kaum einem Zweifel unterü^^n. dtüH e» sich bei Keiobunff der Blnt- 
faiiiie eben um den Hlinbnnn iirebfliidett tiabe. Solch» ergibt sieb 
unlur audtTMu sclmu aus dfui UiuhtaiidL'. duU bei Nennung dieser 
FubDf niemals ein bestimmtes Gi-l>iut namhaft gemocht wird, dum 
die Blutfabiie, die ganx role Fabue bt^üondera zagewiesea wllre. 
Ja Ca wird nicbt nur über Wnppcn. die sich darinnoa befunden 
btltten, gimcbwiegcn. sondern sogar ausdrücklich cm-UliDC daß darin 
»gar kein VA'appßn* gbwtfea. Hü muß mitbin die Blmfabno f^r die 
GtvamtlifiL der Territorien gelieben werden, die sonst in den je- 
w^igen IV-lrbtiuDgcQ gonininl istnd. Die Blntfabnu xvitibolisiert also 
wirklich kein Territorium, sundern ein Befugnis. Mit diesem allge- 
meinen Charakter hitngt aber noch ein andere» BJonicnt EUftammen. 
das uua gaiiz besondcra erkennen Ijtßt. dall ea »ich bei ECrteiluog 
de« Blutlblinlcius. das gunz rot ist, nicbt oder nicht allein um 
dem Btutbann als solchen, soadern am das Keebt der 
Blatbannli^ibo ßohnndelt habe. Denn als ein ßcgal wird das 
mit dem Blutbantirr Verlieht-nt: bt-zeichnet. d. b. als ein vormaliges 
Vorrecht der dootschea Kroce. das nun xwar schon langal des 
Füraten ausgeliefert war und eigentlioh aU die KrOnang ihres 
Strebens nach Landcahoheit erscheinen muß. War dies gelungen, 
dann konnte wohl auch im landesherrlichen Wappen das Zuiehea 
der Klulfuhne als sogcnaiinlei) Kogalicn leid Aufnahme finden.') I>as 
kSDigliebe Recht betraf aber Dicht sowohl die Ausübung des Blut- 
baunc^ als vii-Iniehr die Verleihung demselben, die sich der KOnig 
durch lange Zeit urbalteu hatte. Dieses Recht war im Laufe dea 
XIII. Jahrhundert« an die Fur»len Übergegangen. Das Recht also, 
aiobt bloU den Gerichtsbeamten des Füratcntoms das Amtf^ehieC 
mit seinen KrtrflgiiisKCD zusuwei»eu, oder um nach fttierer mittel* 
niterlicher Weise cu aprechen, Grafen und Richtern das Ooricht 
zu leihen, d. h. daü .Amt.deben xu Dliertrugen. sondern auch da.i 
lleclit, diejeu laude» ftlrMticiien Beamten den Bann zu leihen, die 
ÜorichUguwalt au tlbortragen., da» Kecht der Banuluiho also wird 

') Vfl: Bsrai). Di« draj dMUclHU Fulwn (Ilonn 1848). 



286 

mit den Blutfdhnteia den Fürsten des Reiches znteil. Im nordöst- 
lichen Deatschland besaßen die Fürsten znr Zeit, da der Sachsen- 
spiegel entstand, das Recht der ßannleihe noch nicht, nur der 
Markgraf dingt im sachsischea Rechtsbereiche schon vor der Mitte 
des XIII. Jahrhunderts bi sin selves hulden, d. h. stattet seine Ge- 
riehtsorgane selbst mit Blutbann aus. Auch die lothringische Be- 
lehnungsnrkunde läßt mit keinem Worte erkennen, daß dem Herzog 
das Recht geliehen wäre, in seinem Herzogsbezirke die Bannleihe 
vorzunehmen, nar vielleicht für die Grafschaft Remiremont stand 
ihm dieses Recht zu. Nach den Schwabenspiegel hätten in der zweiten 
Hälfte des XIII. Jahrhunderts die LaienfUrsten schon das Bann- 
leiherecht besessen. Allein sowohl räumlich wie zeitlich muß sich 
diese Behauptung Einschränkung gefallen lassen, räumlich, als sie 
nur fUr Suddeutschland Geltung hat, zeitlich, als wir noch vor der 
Mitte des XIII. Jahrhunderts einen Beleg für königliche Bannleihe 
an einen bayrischen Richter haben. Aber vielleicht wurde ilöQ den 
Markherzogen von Österreich jenes Recht znteil, das der Sachsen- 
spiegel schon den Markgrafen zuerkennt. Dann ist möglicherweise 
für das zweite Banner die Erklärung gefunden. 

§ 128. Die Deutung des zweiten, bei Gelegenheit der Erhe- 
bung Österreichs zum Herzogtume verwendeten Banners auf den 
Blutbann, und zwar ganz besonders seine Erklärung als Blutfahne, 
als Symbol des Rechtes, Blutbann sowohl selbst auszuüben, als selbst 
weiterzuleihen, wtlrde ganz zu dem passen, was bisher Über die 
eigentümliche Stellung des Markgrafen, gfinz besonders der 
Markgrafen von Österreich gesagt worden ist. Auch Dopsch macht 
diese Auffassung geltend, und wenn er, gegen Strnadt polemi- 
sierend, die Ansicht vertritt, es ginge nicht gut an, mit der einen 
Fahne dem Herzoge das Territorium, mit der anderen die drei 
Grafschaften übertragen zu lassen, aus denen das Territorium eben 
bestand, so bewegt er sich schon stark in einer Bahn, die ihn dem 
Worte Blutbann hätte näherbringen müssen. Denn tatsächlich war 
ja das Herzogtum nur ein Obergrafentum'), lieh ja der König dem 
Fürsten Grafschaften und würde sonach unter jener Auffassung 
nicht nur die Territorien zweimal geliehen sein, sondern anch die 
Grafschaften. Was aber der König den Fürsten bisher nicht zu 
Lehen überlassen hatte, war der Blutbann. Dieser also könnte jetzt 
dem Herzoge von Österreich zur Weiterleihe mit einer besonderen 

■) SchTÖder, Lehrbuch. § ÖO. 



287 



FaKae gclitbon. kilsnt« fGucIaliBicrt worüen B«in. Freiticli «prvcbcn 
manoherlei Momcute (lo«h moder ^cgen di«se Auflusong. S«lbfit 
die Aimabme. daß hinfort das kcnigliche Regal der Baanleibe 
dem Herzoge von i'isterreich anstehen solle, oder nach anderer 
Erklilrung auch weiurliin dem Marklicrzogt; zutitvbeo solle, st^ßt 
sohon abf erbebliche Sebwicrigkoitea, denen nicht anfthn- 
licJi. die man bei bloßer Dentang nof Blatbann. nicht anf ßliitbanQ- 
]eibe, d. i. Feudaliiüerunt; de« Blutbanneis. iiiebt enlj^ulit-D kann» 
Zwar ist es wieder nicht die Ubliirbi; Üozugnabnii; auf dii: trca eiimi- 
(atiu, welche Schwierifckeiten bereitet, da «ioerseit» dies« Bexiehung 
nicht sicbcrgofttcUt i»t. nndcrscil« auch, wenn sie restlichen wUrdc, 
daraus ja nur jene Allgemeinheit folgen vttrde, die wir sueh in 
den Berichten rem ICnde den XV. Jabrbunderta den lilatfnhnen. die 
wappcolüs Batterien, innewohnen sehen. Es würde also dann die 
Blutbaniitcibc innvrbalb ji'iier vou altertber xur Ostmark ^t-bürigi^n 
und jt-lzt mit ihr zum llerzoghime erhobenen drei ürÄfschal'ten 
dem Murkberzoge zugefallen sein. Daran, d. b. an einer Boloheo 
Anwendung einer Annahme wiirde man nicht Ansloli nebmeu 
kitnnen. Wohl aber begognut man neuen Scbwiorigkollun, wenn 
man. wofür doeb der Wortlaut zn sprechen scheint, die beiden vom 
Kaiaer an Heinrich Ton Osterreich Ubergobenca Fahnen Hir die- 
■dben bftlt. welcbu Heinrieb der Löwe auH den siobeo bayrischen 
Fahnen »uruckg*:s(ellt hat. Dies festgehalten, müßte c» ja der Hi:rw>g 
7oa Bavem gewesen sein, der bisher dem Markgrafen von Oater^ 
reich nicht etwa nur dt-n Blutbann Hlr Österreich geliehen, »ondern 
auch daa ßannleibereeht in diesem Bereiche Überlassen bat. Es 
wOrdo zwar eine solche Anpassung in gewissem Sinne die TutKjicbe 
erklaren, dall das Haunteiherecbt dem Herzog von Bajern io Öster- 
reich nicht zustand. Abur dic-'c« wUrdu ilirm Baycrnhenog in der 
Ostmark nur deshalb nicht zugestanden »ein, weil er es oben als 
Regal an Osterreich Uberlaasen hatte and nicht weil er es nie be- 
awwa und Bannleibe in Öaterreich immer den Denuehen Königen 
zagestandcn wäre. 

§ 129. Nehmen wir hingegen an. die beiden Fahnen, die 
Ueinrtcb der LSwe beimgaMtellt. hBtt4:n im kuiserliobeu Belehnaugs- 
akt AQ l>&t4'rreirb nicht wieder V'erwendtiog gefunden, oder, wenn 
ja, doch eine Änderung iltri<r ßedentang erfaliren, so wissen wir 
bereits, daß diese Wandlung keine altza tiefgreifende sein kann. 
äie kann au* «iner Änderung in derBedcatung deasolbcn Objektes 



288 

»Österreich und seine Grafschaften* bestehen, und wenn von den 
beidmaligen zwei Fahnen, deren eine Österreich, einmal als Markgraf- 
Schaft, das andere Mal als Herzogtum bedeutet, die andere als »Graf- 
schaftarecht, Grafenbereehtigung« aufgefaßt wird, so kann sie nur im 
ersten Falle Blutbann, im anderen Blutbann leiberecbt bedeutet haben. 
Wäre also mit dem Herzogtume Blutbannleihrecht an den Oheim 
dea Kaisers gediehen, so hätte vorhin Heinrich der Löwe die 
Ostmark mit dem Blutbann dem Kaiser aufgesagt. Auch Dopsch 
würde sich wohl entschließen, zuzugeben, das, was der Weife 
dem Kaiser heimsagte, sei die Ostmark mit den (drei) seit alters 
ihr zugehörigen Grafsebaftsrechten gewesen. Allein ist selbst in 
solcher Abschwächung die Müglicbkeit vorhanden, sich dieser Er- 
klärung anzuschließen? 

Haben wir es im vorigen Abschnitte als sehr wahrscheinlich 
erkennen gelernt, daß es denn doch Grafschaften gegeben habe, die 
von Bayern zu Lehen gingen, und haben wir damit auf die Mög- 
lichkeit hingewiesen, daß auch Österreich solche Passivlehen von 
Bayern im Range von Grafschaften gehabt haben könne, so sind 
wir doch weit davon entfernt, eine solche bayrische Lebensrtlhrig- 
keit von Grafschaftsrechten anzunehmen, vollends wenn diese Graf- 
schaftsrechte sich in letzter Linie als Biutbann entpuppen. Das 
Recht, diesen an Österreich zu leihen, hat der Herzog von Bayern 
nur dann besessen, wenn er auch Deutscher König war. Dann aber 
lieh den Bann der Herzog als König, nicht der König als Herzog, 
Wie anders hatte sonst der König sich überhaupt Einfluß auf die 
Besetzung des markgräfliehen Amtes sichern können, wie anders, 
als wenn er sich ganz in dem Sinne, wie es Brunner aufgefaßt, die 
Bannleihe an den Grafen in der Ostmark, der im übrigen bayrischer 
Lehensmann war, vorbehielt. 

Aber zugegeben, daß durch den Akt von 1156 bayrische Blut- 
bannleihe an den Grafen in Österreich in den Händen des Kaisers 
zur Feudalisierung des Blutbannes geworden, findet das, wozu uns 
die Fahnen führen wollen, wirklich statt? Hat etwa aus jener 
königlichen Zeit Bayerns her sich das Recht der Bannleihe an 
die bayrischen Grafen, auch den Ostmarkgrafen erhalten und erhalt 
anderseits der Ostmarkgraf im Minus wirklich das Recht, den Bann 
seinen Richtern weiter zu leihen? Wenden wir uns sofort der Be- 
antwortung dieser beiden Fragen zu. Wir gehen diesfalls nicht 
mehr führerlos durch den Fahnenwald mittelalterlicher Belehnungs- 



2B& 



berichte, sondern varfUgeii über urkundlicha Xucbrictiten mit Ver* 
fachen. Be<-hL<)verhftltDiBae fisBttvIejfen. und nber nichtige RtVirterangen. 
Iheu ErurteruQgeii sind bereits soweit gediehen, dail heule die ereie 
TOD }ca«ii boidpD Kragca echoa nU b«ant*rortift gelten kaan. Un- 
beochndet der biijriaoheß Boldiiige von 987 ond vif^lUiebt 1002 <), 
uubosvhudet eioes naobwaigbaren Ahhiin^igkcitsverhJlltnisge« d«r Ost- 
mark TOD Bayern, wetchea tog»T im Belehn Qogsakte von llöti als 
Lebetisaesos erscheint, kann doch vor diosctn Jahr« too bayrixcher 
Banoleihe in Oaterrei<'h niemat« die R«de sein. Ana allem, was 
diesfalls Berchtuld aod Brunner zuiuiniineDg«tragen haben, ergibt 
sieh ZOT GoDQge. daU io der Oäimark der Deutsche Küni^ oberBter 
Gcricbt^hcrr gewesen lAt. der die Gerichls|cenalt deni ?ilnrk)crafen 
lieh. Nicbw aber deutet darauf hin, dat> solche tod Uuyern aas- 
gepatgea svi. IHUcbstcm» dati wir in dvr Z«it. dn die Maikgrafen 
aoeb Herzoge von Uayern waren, nicht klar zu aehen vermDgen, 
ob zwixclien der bayri«oben und öaterreichist-hen Gorichtahoheit ein 
Untvrscliicd ^-emacbi tvird und dali seit der VeracbwAf^eruDK ded 
Usrk^mfc-n Luupold III. mit Heinrich V. (1106) di<^ kaiwrlicho Ein- 
fluUnahme auf mUrkiscbe Anj^elegenheilen kaom mehr zutage tritt 
Nach lL5(i gar nicht, das versteht sicdi von selbst. Fraglich kßnnti! 
nur cr^cbeiiien, oh «eil jenem Jahre die Baiinleihe ia Österreich an 
den llarkhcntiog Übergegangen war, und ob, wenn dien der Fall 
aein sollte. anzunphioeQ ist, dies möchte auch b«i der Belehnong 
mit (tili) HiTKogturntt l >xlerr«ich durch Darrvichang dor einen 
Faha« zum Anadroeke gekommen sein. Zumal dieses letztere Ver- 
hältnis bat biHhor noch keinerlei eingebende Behandlung erfahren. 
§ 130. Wohl hat Uopsch auf dem Umn'cge tl her die Oeluhanse- 
Dcr KonMitutioii des X.I1I. Jahrhiiadert.'« and die Kamtnvr Bclebnung, 
sowie aber ein Ueimwerk des XIV. Jahrfaanderta den Zusammen- 
hang zwischen zwei nahezu gleichzeitigen und jedenfalU der Her- 
kunft nach einigenusUen verwandten DeDkniAlem des Xll. Jahr- 
booderts. dein lÜnuit und den Gflsta Fridcrioi, bereusttUeo goeucfat. 
Allein, vr hat na getan, ohne das mindeata erreicht an haben. Er 
but denn doch daa oomitatiliua uufl diojieit Gvsta Friderici tmpcratnria 
hinter das cum omni iure in jenem Minm niehl btneinzuzaubem 
Tonnoüht, und ob er das schon vermocht hiltte, bat er docb 
für die Fortdauer des angeblich inarkiächea VerhlllLnisii«« im 
neuen ll'-nu^am utwaa Beweisende« nicht liuigebmcbt. Lud doch 
'■üi. ob«a. M 36 aai 76 (J«hrbuck. 19W. & 90 md IST) tud noton, ( I3S. 



SM 



bat er andcnimts eine Stelle völlig; auUer acht ^lausen, die ihn 
riciiliger Wardi^an^, die ubrigeaa oichl cr&t er aozastellnu braaohcaf 
vi«! raacher an dem Ziele geführt haben würde, dn» er a&strebt, 
SU jA&em Kaobwäisc nftmticli, win das Minn« aacb diifOr geeorgt 
habe, daß dem nt!uen H^rzuge infolgi' seinifr Eriiebuiif! aiinh gegen- 
über den im Lasde begüterten lUiichBsUtndpn und ihren OrganeQ 
Dicht* &a der bisher ^flbten markgrxdichen Q«ricbt»herr)ichkeit 
Terloren gebe. Dabei stellen irir uns wieder einmal auf den Stand- 
pankt der hemcbenden AoffuMung. welche das vom Sachsenspiegel 
goacbilderto mftrkischc Verhiilmiis da« dergestalt allerdings für die 
crMlG Hnlfte des XLLI. Jahrbtuiderte belegt iat, uls »cbon vur der Milte 
des XIJ. Jabrbunderts nncb in Soddeutiicblnnd bostobeui] Honimint. 
Die frMgliehe Slelle im Miaos findet sich xlemhch ge^en Endo dvB 
Kontext««, ja. venn man will, am Ende dei ODStrettig echten TeÜee 
desnelbfn. namüch \'or den von Erbeu aU intt^rpoliert auegx>»cbie> 
deoen ßesiimmQn<;6n Ober die Hoftaga- ond die Fleerfahrtsptlicbt 
de« neue n Herzogs. St<*- lautet: »Statoimue qao<|ae^ at nulla magna 
▼el parra persona in eiusdem ducatns rvginiino »tue dacia 
coQfiensu vel permiaaione alir|unm iusiieiain preaamac 
exercere.« Da» ist doch ohne allen i^wcifcl pinc Vc^rfUgung, welche 
die ßuricbtxgewall des neuen Uerzoga innerhalb seines Uorzogtiuna 
hinaicbllinh ihrofl Umfangea aichcrzn stellen l>ei>timmt int Alk-rdiogs, 
wenn Herohtold*) daraus eiD aOBficfaliemiehoa Kceht dos M»rkhentn|rs 
•af ßannleihe innerhalb seines Hemogtoms folgert, «o konnte ihm 
Bmunor entgegenhalten, daD >die Worte ,sine daois consensn rd 
permiüsione'' nicht auf Erloilnng de« Banneit bezogen werden k'>Qoeii, 
ohne der ganzen .Stelle Gewalt anzutun« ^>. und seibat Zaltinger. so 
sehr er rieb der Anffa^snng Berehtolda nahort muß zugeben. daLl 
•seine Aufatellungen zum Teil einer verlMßlichen Begrtlndung ent- 
behrten.- *) Dos kräftigste Argumt'nt, das Brunner dieafall» vorbringen 
kanD. liegt jedenfalls tn dem Fohlen de« Ausdruckes fbannam« 
in dar angexogenen Stelle. iWenn aonst die KAicbskanalei den in 
Frage kommenden Gedanken durch den Ausdruck .bnnnam (de 



^) Pie lAndvtlMbeit •^Urratcliii okcb Aob seilten iiod nnwchlMi l-''reih«iti- 
brttfco. (MDaeb« 186i) 8. lüSff. 

*} Du garteUllteb« Examtionwochl d«r llab«sbct^r, WUaer ättmiag»- 
fwncbt«. XLVn, ». SS2. 

>) MiltaÜBagMi de« tuMitute* Ar SatorTBtcbiicIi« Q»««1üciiUfoncbiuig. 
X. aas. Vfl. andi: Srbik, B*ii«hatig«fi a«tidi«a Sisai und Kitdie. OÜM} 8. M). 



291 



pmano re^) ancipor«' bcKOirbncte, laßt mrh m'hh;cbtcrdiafi:s nicht 
eii>9cbeo, w&rum sie nicbt uacb im Pririle^um nnnaB sagte: nnlta . . . 
persona . . . prcsumiit uisi biinnom d« miinn ilacifl neeeperit. UftMor 

rSittz Rpriebt dagegen Ton .pftrmisaio und consensu«^*. <) So Hrattn«r; 

tda aber doch >a)iqn«m iuMicisiD exercerf« zumindest ancb auf 
Handbabunc des Knnio^«b»ii&eB beEogen werden kann, so lüfit sieh 
die Stelle dahin aufifasscn. daß dem Herzog aaf Ertcilang des 
Königsbann»! Einfluß KU^i-standen wnrdo. Sei e«. «laß der äu B«- 
lehnende ihm nominiert nnr! ron ibni aktepticrt Rftin moDt«. ihm 
alsu. wu auch wUrtIkh «n den Text des Miuus ankliiigl. GiaSuß 
auf die Wahl d«r Pefrfrijnlicbkcil xoatand. sei cn, daü ihm «(»^r da« 
Rrcht xiikAm, cl«n Nominierten za erapfehteti, oder endlich daU ihm 
diu erfolgte Bnnnleiht.- »u^^zcigl and Ton ihm jrcbi)li(;t sein mnßte, 
was mehr auf das tuBtioiam exercere') ginge, kure — das besagen 
dip Worte de« Minus nur zu klar — ohne seine Erbmbnis nnd Za- 
stimmon^ durfte Oerioht^barkeit in der «inati^n Mark nicbt aus- 

'goUbt wenJcn. Somit sied nur BercbtoldM weitere Polgerungen in 
die Irre (jegangon *,l in der Hauptaaeh« hat er Recht: dem llcreog 
stand KintluU su aal' die Rannleihe oder auf die AaRObunjcr de.« ^ 
liebeoen Uannes. Ob Urunncr auch den Umfang diener Befng'nts 
mit Recht besobrlinkuii wardo. wie er die Richtigkeit von Berehtotds 
Behaaptunf; zunflokst auf den Blntbann bcsehrllnki um dann auch 
diese Annnhmf^aUhionülif xn erweisen, will ich hier nicht nntersnehen; 
jedenfalls besagt da« »nnlla magna vel parra persona« sehr viel. 

[ % 131. Wenn Brniincr echlieDlieh dahin kommt, die Stelle 

nnr auf die mCglicbe Errichtung neuer Immunitäten, alao 
aof neue, kanftif^ allenfnllK geplant« gerichtliche Exemtiunen x^ 

•) A. •. O. MS. 

)) Du Wort eiercere bef«gaei Mkr hioSK In W«Ddimgea. dnroh wvIoIib 
Aaiabang d«t UlulfcaBa«« twMliibntt irird. Banitani imiwrli . . . conaltUnin* 
«i«ro*DdnB <IS54, GMolileiilM^tllaK der Prvvl« Sachmi. II, S7): . . . pot» 
•taUm indlcmdi äo »{ml»n <it lodlolam. uncntob asATcAiidl (t&T7, HB. St^, 
400); . . . duniM utclnriuitiini ntnrpciiilt iDsfiiin «l mixtnm imporiius. lioe «H 
MiunadvortMi^t la hciDorocoii et miltpudl tn poMcactonein «c nliu oiurcendi 
(UrfcondeatniGb dar Abtri Sl. OilUa. HI, !i97): . . . ae aliijua . . {lurMoa ... lu- 
Aicikrian |>ot«ital«Ki de prediü r«t Inoendiis mut de aHndjI« ivn Itraeßciia ■!▼• 
hooiiftib«! d«inc«p« nxeieesi ntd ntcu WirubufgeniU w^mopat (116H, HB.. 99*. 

I SM), aacBttieb xIUmi to«i 7.»\llaget. Uitt«tliHifM dM IniliMtM. III, Mit. und 
X, 249, Aniu. 1. ReMind«n «ktatln Mbefnl <lu VarkomiDeD de« betrelTeatlen Wort«a 
(n dar MiÜioh nnd *M)hli«li no nihaftahendas Wünbarpr Urkunde ton 1169. 

I *} Wnnllclie CberMtiuDg niul! ihn auch Oraoaar tiqt«ittbetL A. i. 0. 383 

L tfl* 



S02 



faesiolieo, »o weiclit aticli er vom Sinn« dur Stdlo ■!> and anterliej^t 
gegeilOb«r •Herehtotdü Au8l«guiig< Ji-r von ihm selbst berufonon 
*Geßahr . . .. keine be«st<r(> as d<;rea Stelle wtiton za küaoeD.« *) 
Kinmal ist schon die Einc«hrftnkot)ß, dall eicli die Worte de« Miniis 
nur aof koofüge, neu xu orricliteiiOe Immunittttcii beisieh«D kennten, 
aoageecblosscn. ICvin >d(:iDc>cps«. kein >exin(le<, karz keiu Wort in 
jener Stelle ermacktigt zu solcher Annahme. Strenge {>enOTiiineii 
mDßte sonnchatich in den bereit« bestehende Itnoiimitaten Ausübung 
der iueticia durch dea Iiumuniuiiäherrji und inline Organ*-, ttv'ü 
dem Uinits oa dvn hcnoglicliun, s»giin wir noch Dicht: laodc4>herr- 
lichen, Konsens j;ekn(ipfl worden sein. Das erleidet gtir ki'incn Ao- 
Btand, «olaogo man »iuKtioia* vornehmlich aal' >alta iuetiHa« 
dentet^ als *hobe Qericht&barkeit« auffaßt. Da aber doch andur- 
seilB gerade seit 1166 in den BearkunduBgen über gehchiliclie 
Exemlionen innerhnlb de« ülarkherrxtgtums der Aatidruok iuKticia 
nicht nur im Sinne von •iudiciiim- oder •iiirisdictio*, sondern auch 
in dem von Gh^recbtcamen und nulxbarcn Rechteo vorkommt^), so 
zei0 steh auch in dieser tiinsiclil die unmittelbare ^'irkunf; den 
.lufltiiEparagraphen im Minus ganz deutlieli. Zumal wae die Kui»u^ 
nrkaiidc von 1189 binKicbtlicli de» Freisicgergules ttiigt. ist h&clist 
lehrreich. Leopold V. und aoia Sohn Friedrich hatten dem Kaiiwr 
Heinrich VL aufgegeben, »omnem... iustieiam. r|unm per do- 

■) A. ». O. 8. 335; Utah Sth'ik. «. o. 0.. fnihl *in«n 8«I>rttl nfiLcr. 

>) DncftOfie. IV. ilH. 

>) AbfMwhoo mn den v[<IUebl nicht oMeh i'Mnirtieh uod Da«]> In cU« 
'li^rUcbe Zc4t Ileioricb* II. geMrifco F>U siil T«i;otiM««t ilcr ucb saf liutldaai . . 
•1 ioro «dvoftti« . . . besieht (Helll«r, Mi. 37), koinnt Htt 1163 ein* raoM 
BcUtc ciucbiagiger Urkundon in IliMrscbt. So orLUl Heinrich ItU der ItofMtvi 
K«iitin b«l Freiiinfc »qniuidun iottiei« in jmdi* «du in du«alu noctr« et ia 
marcliia BMba litb* (■.a.O, 40, 6S), 1IT2 «ebcokt er d«Di KlMi«r Ki, EneniB */a 
KagearfHug >iaitfeisiD . . . ijnam ittn brnpfictolt Wpnihernii d» Winoholniua 
vUu« Ml liAboio (B. •. O. &I, S3). Kalo s<Jii> [«opold V. ^bi 1179 na«LKI<^rter- 
luabufg MKSBta tai inrii iaitjtiiun, lualar» *id«licwi »t f^irecte iudidon in 
tribot rilU« ato.« lobenda bS, U); «r \ntnH 1181 du »:botieiikl«rt«r su WI«d. 
«hwohl dtoiMlbui lunlcbl. *vnri&s ac diTcnu iiulieiu in Icrr» »Mira iura rt» 
iiulroro* . . . dtODDcli >ab uomi iure . . . lasi » pUcilg pr«tiBciAli. umä tnlifD lan- 
ttidinch dicitiif. qaun a pabulo, qiud raarMslco nocUo tolrittir, vidtUwt nutdi- 
«Hier« (59, 1&). Und i«-tva Sohn irMar, t'ii«(tricli I. •b**ui'gl* dum Kto«tes 
KlaiKMaHiult mt uilical pro ooml luÜeJa priselpli tem noiplantnr ftnauMin 
■ BWMMvria dnodeeim •oivdi, »sospt« rapiu, iiivm iudai (irincifii* currigii, «1 
fon. qnt. ri ia loci* BoBMlorio ruUwtiu depr«b«Dtu» lattit. ciugDloMtint tadtcl 
priMipia um rvddatw {K ^ O. 79, JS). 



29» 



niiniMliiiPmiDfceMBificpiiicopiiqaonda.ni nh imperio poBBederant 
l^ia Anstria id est marbrecbt et laol^rihte et bar(ohWerch «^ue 
ip«oia]it«r ud usu» ipttorum rcitpic!ob>nnt tum in ofßcio EnziDstorf 
et Akra quam etiam in llolenbarcb et Eboradorf.« ■} Uit der Kon- 
lion (laotitUm ab imperio ist anxweifelbaft auf iHr durch dos Minus 
rÜehene Gerich tshoheit des Ilenso^a toq (_>9lerreich aucb über 
das FreüiDg«r Out in soincm B«r»ogtuni AD|En»p<fll> ÜKt die Be- 
ieatong' der kaiserliclion Intervention in diesem und in einem 
BpRteren Falle hat Brunner eranliüpfeßd (reliandelt und nneh bit^r 
•die llervorbobun<> d^ conseDKUs und dor bona voluntn« i» bezuR 
aaf die GeriditHbnrkeit« als cbarakleristiBcb bcrrorp^liobon: »aic er- 
innert lebhaft an don oonaonnae nnd die pormissin des Minas«.-) 

g 132. Im Ubrigvo dOrTt^ dio EinacbrJiDkung, die Brunnc<r 
der Wirluumkeit de« Minus widcrfahroD IfUMn will, fainMchtlicb 
der öffenliicfaen Gerichtsbarkeit ziemlich belanglos sein, daß nam- 
licb dio zitierten Worte des Minus nicht auf die »Tor llbQ \er- 
lieheneit loimunitflten* £U erstrecken aei, •w(»g^[en oicbta im 
Wege «lebe, die Stell» auf die Entstvhimg neuer, aof die Aua- 
.debnun^ liPiitehi'niicr ImmuuitSten zu beEieben. dureb welche di» 
öffentliche Genchtsbarkcii di-ji Herzojfs verkürzt worden warc.«'J 
Weni^tena für ^iatlichen Besitz ist derlei vor lli>(i kanni nach- 
weisbar. Dio von der Freiheit drr Pnsflaaiscben Huldbaft in Oater- 
reich handelnde Urkunde Kaiser Otto« III. vor 985. auf die sieb 
Brunner an erewr Stelle beruft, gftht, wie wir nben*l gesehen haben, 
gerade fainaicbllieli der ßeseitipung jener Pflicht, das Grafendinitr zu 
suchen, wofür die ungewöhnliche Wendung »ad comitatum iru« 
gebmucht wird, auf eine der sogenannten piljirinischen Fölaehungen 
xtkrOek. Ute um dieMlhe Zeit (987) entstandene • Bci^tiromang der 
^Keobte nnd Freiheiten, die dem Biätum Fassau hiDsichtUeb seiner 
Buitmngen in der Ostmark dorn Markgrafen gvfi:eiiUber zuatclicn'), 
ist iwar nicht, wie Brunour glaubte, eine F«li<chnng^). aber gebt 
dotib eben wieder aaf Pilgrim znrtlek; tlbri^ns bfltele man «ich 
damal«, von der Gerichtagew&lt des Mark^afen auch nur xn 

') Pontt» r«nim afnlriaeuvm '. XXXI, l'il, und MeltUr, a. a. O. 6^ 
Hr. 4a. Vgl.: Srblk, ■. a. O. 49. Aam. 1 ff. 
^ k. a. O. R4& bh SiS, bnoain, 317. 
^ A. a. O. a86. 
•H8&. 

*) Urknndfnhunh für Ni«d«rOitorT»ich, 1. 3, Kr. ^ 
^ A. a. O. .441 



SM 



Bprocton, ^csdiweigo denn »ie zu lieklltnpfcn. Iii (Ion flbrigmi. ont 
auti dum Xll. Jahrhuad«n stanmieadeii Urkuadcn. die geifttticlitin 
ReHitzrro in Österroirh irgendwelche Froibcilcn erteilen, i&t en Darb 
Brunners eigenem Urteile >»ebr sweifeUisft. ob hier gerichtliche 
Hechu: mit iBbegriffen deieni.') Dann aber muß e» überhaupt frtig^ 
iicb erscheinen, ob »ich gerade aus jener Stelle du Privilei^ium 
miuuH fUr dun Uerzug. uamittelb&r das Recht auf (Irteilung voa 
Immunität ableiten laßt. Denn strenge genommen und nach dem 
Wurtlaui« verblieb ihm auch dsjin uüoh, ho bei ultca wie bei neuen 
ImtQuoitAteo das Bechl, 1*111 die Bannleihe an Immunitats- 
orgaue das Exeijnatur zu erteilen, BelbatverstAndhcb auob in 
den von ihm selbfll iiUenfalls ge&ehiiflei)en ImmanitäteD. Diese ab«r 
ergab eich wühl vielinubr autt der fortech reitenden Bntnicklung der 
Landeshoheit. Und tatsachlich kann Brunner zwischea den vor 11&6 
aad den naeb diesem Jahre erteilten yertcbtlicbeii KxekutioneQ auf 
lujtrkiHcheni Boden nicht die «charfe Grenze ziehen -), die seine Auf- 
fasttuDg des Exequaturparagraphen. wie ich ibn nennen mßclite, 
rollaaf rechtfertigen wtlrdo. Damit i»x jednch ein Illoineot berllbrt 
worden, das uns nStigt, xu der Titelfrage t<iii Brunoers hier ange- 
gebener grundlfgendcr Arbeit einigennafien Stellung zu nobmen. 

§ 133. Diese Frage geht vor allem dahin, üb ee einen Vor- 
teil ftlr da« aeue Herzogtum bedeutet«, aeinen Fürsten gericbt- 
liohen Exempiionttreebl zu erteilen, lune aholicbe, im Weäea 
eigentlich die«clbc Frage ist nuo auch vor nicht gar zu tungerZuit 
hiu^ichtlieh jener zwei anderen Bealimmungen aufgeworfen worden, 
die unniittelbiir auf die Verfügung folgen, die jetzt den Gegen- 
stand unserer Erörteruug bildet, und den ich nach melDerAtiffuaftung 
soeben den Exeqiiaturpar«grapben genannt habe. Erben war 
es. der rundweg erklärt hat, die Besehr&nknng der Uoffabrt- und 
Hettrfahrtptlieht, wie »ic in der bekannten Be^timmnng dea Mino» 
enthalten seien, habe vielmehr den Charakter eiuer BueiuträchägaDg, 
al& d(^n eine» Vorrcchtea, eines Frivilt-giums., und hat dann mit Zu- 
hilfenahme einiger Ai^antente der formellen Drkundenkritik ge- 
glaubt, diese Worte xu Fall bringeu. aU «patere in die Zeit Fried- 
rich II. de« leteten Bnbcnborgen gohSrigc Interpolation darMclIen 
zu können. Da könnt« nun die Frage aufgeworfen werden, ob nicht 
auch der unniittelbar voraDgcbende Paragraph mit ala Interpolation 

»7 A. 1. O. 344, 

•) A. ■. O 8. 3iue. and SUff. 



296 



beseichoet werdeo mftfiite, ireiui er wirklicli nicLt« uidur«s aU |^ 
rielilliehee Kxt>mptionKrochl, d. h. das Recht des Uensoga bedeutete, 
von ihrer (jcriclit^burkeit lu befreien. Ju noch viel rnnhi mußte 
ait«oro Öiellc Bedoiikoo i^rrcgen. Vena mit Bctag auf d^a tiofiaga- 
uad neerfahrtHparn^ra)>}ien koniitv div Kritik'^ betoixia, duil ja 
nndlioh die dort aii«gi»prociionen Ornndfiltzo nur eine Krlcichteruug* 
für dun ( Istmurkfaento^ l)edeutRten, von der er nicht Gebrauch 
maeboa muUte. die ihm also keine Beschränkung auferlege. Sie 
bedeutete aUo wtrUiab einen Oewiuu ftir den Erwerber de» Minus 
und awiac Jiucbfolger. Kineo Uewinn bedeutete ee nun freilich 
auch, wenn der üerzog mit der uns ißterosäierende» Beiitiniinunfc 
dwA Recht erwarb, gefragt werden ku mlldscn. vreon der UHUlscfaa 
Köuiß ir^nd oini; ImuuoitUI im Ostlunde errichten wolltt;. Wofat 
einuD bcacbL'idenon Oowiui). aber immerhin eiuea Anfang, aus dexa 
dch zuletzt vijlli^er Au^Buit küniglicber Exeniption ntif tiuirki- 
■ebeai BodcD eatn-ickoln konnte. Aber das Kocht aozUBtrcben, aolebe 
ExemptioDen selbst vornehmen zu dürfen, la^ so wenig im Intoraue 
der Morkberzoice. enlepricht dem spateren Gange der Eotwicklon^ 
der vielmehr auf ßejtviti^un^ aller Kx<;niptii)n gericbivt int, in keiner 
WeiKe.^^ Jlrunner »elbet erblickt in ihr Verkürzung der Uerichte- 
biirkeit dei Herzog.-'') Und dall sich die 3Jarkherzoge hinateblhcb 
der hohen Gerichtsbarkeit wiche VerkUnungen augetuo hutteu. btllt 
sieh gar nicht iiachwcisrn. Dir Überladoung ikä >t)ccalare ... et 
forunne indicium* in I'irawarth, Diemtal and Uarras von 1179\i be- 
zieht aioh nieht auf ßlutfkll«^) und die Gewiüirung aa Klein- 
MnriazcU um etwa 1197 nimmt Blutffllle auedrfleklitb aus.<^) Zu 
geistlichen Imtnunitatcn. wie in dem llbri|:eD Teile des Keichea 
koanto es in Oaterreidi gar nicht konunen. Die Erteilung derselben 
dtueh den HerK^ «elbtit mllllte viuidernebmea und die Frage 
anreg«o, wa« fllr (^ewtnu deno dieser von d<tr vielumittrittenea 
Kla.usel de« Uinua hatte, weuu er sich nun selbst der daraus er- 
wadiseodeu Vorteile bemühen konnte und beraubte. l>ean diis bloüe 
Recht »elbsc Torucbmcn zu dUrfea. vro» ihm froher Dur der Kalter 



') Diu £aigoj|nu|«ii. dl* Erboa «rfabtsa bat, itslla ioli i 13fi luuauBsa. 

*) Srblk. a- II. O. S 54 ff. 

») A. ■- O, 8. a3i. 

'> Vfl. üben, f im, Anm. 3. 

») Vk).: Wintar, WaMOraai. U. 6611., baaoDdan B8. 

*t OhMi. jt ISI. deiMÜb««! Aiisi«rkuag ScUöP. 



296 



antan darfte und doeh nur in sehr beMlirBnktein MaDe Torgi?notnniPD 
bat, also dad Vorrecbt auf gerichlaherrÜdiea Selbstb«ficbrattkuQg wirdj 
nun nicht sU erwtliuclit«« Privitc^uiu aafroMen. (]ic<nU moilte de 
HeRog von dem KxentptJonsreohte keinen (iiebrsoob machen, ab 
w bedarf^ soin uberbanpt nicht, wahrend die Zn^MUndniMe de 
falffDnden Satz«», Bortabrt und HeerCnhrt betreffend, ibm «ne Er 
leichtcrung gewahrten, die ihm trill kommen sein konnte. 

Ganz anders, irenn diese Krteilunjf zwar eine Recbtswobltat 
ftlr (}eD Bi^tvilten, /.nmal ein Aofbürcn von Grldeintrciban^en, Ro 
boten und anderen Extroqmerungen bei meinen Untertanen un< 
Hiu[er«aiiaen und durch landeüberrhche Richter bedeutete, niehc aber 
Aufbtiren dee horzoplioben BinfluBsee auf die (jerichtsTerwalt 
wenn a.Uo der Markherso^ immer wieder bei Besetzung ebic 
RicHterpostenii, ja vielleicht aaptr bei AusUbang oinxeliitr wiobtigrer 
Punktionen am seine Zastimmiuii^ angegran^en werden mtißte ond 
HO vielleicht sogar in die Lage kam. KirchenvOgt« und ImmunitAta-j 
ri«bterau5 Aeinen Lcaten oder doch aus durchaus verlftlJlichen Kreiset 
gewählt zu «eben. Dann konnte vr von «einer Oerichbtgcwalt cxi' 
micren, soviel er wollte: in den meisten Fallen bedeutete das ja nur 
einti Kapitalisiernn^'' nutzbarer Reehte oder UmipandlDn^ «inoTj 
schwer einzutreibeodeu und ansichereu Giebi^eit in eine fe 
Rente. Abfir dea KintluMi» auf die Ausübung der Gerieb tdbarkeit 
ging er darum nicht verlustig, 

^ 134. Von ganz iMisonderer Wichtigkeit fOr die herxuglich« 
Gewalt im I^nde moüie jodoc-h du» Recht de|r Zustimmung zt 
AufltibuDg ricbUTlicher Funktionen den wetttichen Immunitäten 
gegeaober werden. I>eQn da war durch die Krbbchkeil der Lehen 
die Gefahr immer gegebun, dnO »chlictllich auch das bescheiduiiiit« 
R«eht auf oberricbterliche EinfluÜnahme aufhörte. Wahrend den 
Kirchen fnnileD gegenüber der Laie in ReohtsRaohen immer die Vor- 
band hatte, ao mußte die Mii^'lichkeit, irgend eine-n nicht genehmen 
Erben eines grnfierun oder kleineren Immunitut^gebletes an der Ana- 
Ubaiig des Gericbtühannes und mitbin auch am HeEUge der nutz- 
Imifqu Rechte zu verhindern, tlhoraun wertvoll werden. Durch »ie, 
aI« im erblichen Besitz« siebend, konnte allcrdtag« eine nachhaltige 
Schwächung der landesherrlichen Macht nnd eine dancrndo Knt- 
fremdnng ansehnlicher Territorien vom Berzoglume herbeigeführt 
werden. Cnd solche wultlmhe Iramunitittvn bat v» gegeben. Das eio- 
rige Beispiel fQr gerichtliehe Krerotion. da« Brunncr fUr dio Zeit 



397 



TOT 1142 beibringen kann'), betrifft weltlichen Betiilz ond beweist, 
gonnuer zugesehen, noch weit mehr, als Bruoiiör beweisen will. 
Das nuDtnirlir vob Kaiser Konnid III. unt«r undcrom mit >Goricht8- 
birkeit, Bann. Su^ck und Qalgea« aufi{^tatt«te Oat PetroneU an 
dor Donau war Afterleben FTogoa von Rmnichberg nnd (^^ehürte in 
Jl'ii großen Besitz zwischen Donan, Fi&cba und Leitba. dcu die 
Iklorkgrufim vnn Vtifaburg T<nn Rciehu zu Lehen hatten. Selbfttrei^ 
standlich waren auch sie exemt von der toarkgrariichen Gerichts- 
^wall. Bonm wHrde der Kaiser nicht anch dem bisher vobburgiachen 
Lohen Pcironell dic«c Ucfrcianf; erteilt haben, ebne welche e« ent- 
weder unter vohburgischer (ierichtsgewalt fortheAtanden hatte, oder 
anter ttie mark^rUf hcht! xnrUßkgekelirt wäre. Und da« gleiche, d. fa. 
die gleiche Freiheit von der Gerichti^gevralt de« uhernten Rdebs- 
beftmten in der Mark gilt jedtriifallii uacb von dem besitze der 
Grafen und Reiebsfreitm, den wir Dber ganx ( >!<lerreich aasgi^hreibet 
«eben. Oh nie durch datt Minna Kin»cbrankon|!; erfahren habe, mlllite 
Mcb Brunner bezweifch werden. Dem »trungen WorÜaute der 
Stelle »nalla magna vel parva persona* g^emaß könnte wohl etwa« 
derart angenommen werden. Vielleieht waren diese Herren hinfort ge- 
halteu, da» Gericht vom Uorvoge zu Lehen zu nehmen, was freiliub da» 
Ende ihrer Kbenbllrtigkeit mit jenen deotacheo Geaohlechtvrn be> 
deutet haben wurde, aus denen diu Grafen von Raabs und Pernuckj 
von Peilsteiu und Kiedertbur^, von Peiigen und Hardeck her\'or- 
gOj^D^n waren. Üoeh. wie dem immer e«i. viel scheint eine solche 
Einschrilnkunp nicht bedeutet zu haben. In den Ktand heneoigliehur 
Beamten sind jene Geechleehter' deren Verwandtschaft mit dem 
Uerzo^fljlfeAGhl echte vielfach besengt i»l. darch daa Minna jedenfalls 
aielit hi-rabgedrlleUt worden. Wunitiiitenit wird man e« nicht dahin 
doaten dtlrfen. wenn unter einem der beiden letzten babenbergiBchon 
l4e<>potde in «iner Streitigkeit zwischen der Pru[»itei Nuu.<>tift liei 
Freiaing und Ueriaann von Uohenau verhaudelt wird •coram do- 
min<j ßkkeberto de Pemekke, cni Doa vice nostra — wie der Herzog 
»a^ ~ causam et Deg*>tiam ipsorum iniunximns«.') Zwar entcbeint 
darin ein Sprostw aus einem äeitenzweige der tirafen von Raabs, 
mithin ein Ebenbürtiger des Landeaborm all Beauflagter des 



') A. ■. O. M3. 

') Maillor. BabrnktrsM^KafMU«, TS ood 70 ra IltM. wUkTMa d«r Druek 
la HB., a, 1)69 «i 7 » orlg. 4ai StüOt «n 1190 fidt: dagvfpo: Uvitler, o. a. O. 
S43, AniM 288, wn dieM Kiarnliiing k!t mlllkurlich b«««iclio<>l wird. 



aoB 



llenogs. aber doch nicht al» Rcamtor defl«oll>cii. Im Ubri^n aber 
und in ibrcD angeAtamiDtea Herracboften und Grafsdiaften werden, 
BL«li die Grafen von PdUtcin uod die von Schallu und Burgbaui 
und wie sie alle heUkta niCgcn. weder &h Beaoftn^fte deB Hei 
noch WL'tiifEfr aber ab seine Bc-amtcn ge^lhlt hubca. ImmcrhlD könnt 
das ihnei) jcdenfallit innerbalb üimä BesitKc« sSKtehende iasticiam 
nxerc«ru diircb diu Minus an Zustimmung des Herxogs gvkoUpft 
voird«n sein. Da^ muß sogar angenommen weiden, wenn man oicdit 
die betreffende Buslimmung des Minus als »in ganr. achtaüv.iibgaa 
ZngestAndnia auffassen wil]. ak ein Keciit ge^nober geistlicben 
Immunitäten, in das eich der Ideiovte Landuaborr auch auf prak- 
tiflcbem Wugo sctxen konnte. Allein im Uinbliok auf den weiteren 
Kai wickln n^Hgang der Asterreicbiacken Oeäohicbte scheint ca niebl 
an Andeatungen zu fehlen, daß selbnt von seima der weldiehen 
luunuuiUUeu jener cwnaenaus. jene permissio aliquoin iustictam 
Bxorcvodi rrfordcrlicb war. 

g 13Ü. Der Aoffaaaung wird wohl von voriiberein »tattfce^^'cben 
werden. daU der EKcqnaturpara^raph crbgeao^senen 6o* 
achlecbtern mit reichem, gefreiwn tirundbesiiz, «elbst wenn er gana 
rc^aUÜlig gebundbubt wurde, kuum als drUcki-ndu Maßregel 
fühlbar werden mochte- Ebendarum aber dUrfW er einer nnf der 
Bahn der Ztintralination rditti^ fortitehreilenden obc^reten Inntanx im 
Lande bald nicht inebr gouUgl habijn, Sie konnte »ich kein lichl 
daraus machen, daß belehnte Richter auf herzoglichen Tcrritnrivn 
in einem gaii2 anderen AbhaugigkciteverbAtlnisBe zur Zentxalgewalt 
.itanden aU jene Immunitätsherren. So «eben wir schon die Baben- 
bcrger jode Gelegenheit crtfreifcn. um das Eigen etwa verwandter 
Djriiatttenhfluser cinKuiiiehetL, uder sunBt ledig werdendea Gut aufxu- 
kaafeo oder sich testamenturiHch vermachen i:u lasnen. Do« soge- 
nannte Landbuch von Österreich und Steier'l gibt reichlich Aus- 
kunft Über »oloho Vui^ngo, wenn auch nicht immer in ganz ein- 
wandfreier Auffassung und Dantlcllang. Allein da« engere Landbach 
gibt auch zweimal Kunde von VorgAngeo, wo Kinaiehang wichen 
Gutes 7on gewaltsamen Mafirc^lo begleitet war. Doa eine Mol. wird 
crzAliit, daß «in solcher jouger Immonitataherr. dei- Graf Eckbert 
run l'cmcck. vietleiebt aU er eben daran war, sein väterliches Erbe 
anzutreten, desselben verlustig ging. Warum? >Dcr war ans nicht 
wert daz er das «igen biet*, upd warum das? »Der iva« ein oaire 

L> HU. ItCfc. 111. «87 C 



399 



Qod du toro tind ist nncb hinte.« So berichtet der gleichzeitige Ver* 
faescr dc-s Laadbucbe». ') G^en Schlaii des auf Österreich hezU|r- 
licbeo AltechiiiittTit «her enalilt or oiav merkwürdige Gtüchiciitii, 
die wir ihn am besten oüt aileo EinKelbeiteu wiedergeben Uaaen. 

■ Der viig;t von Perg« het vi\ mg&ns ant viel Hat in dem land. 
Do bei der herzöge Uu|>nlt, mina herreu €n, einen richter ze 
Niavenburch ant uf dein Murcbreld«, der bies Sintram. der t6t de« 
TOgts Hüten «o Icit. daz «m ze inngest eralöcb xc Kiwenborcb. Der 
mxM daz Unt nach grozxem unj^emaeh« rnmen. Doch te iungottt 
gcwan er hulde unt gab dem herzogen Liupo)t ouf atlez sin mgen 
unC nani oz iridcr sc leben von Jm unt din^t es wider mich ünem 
todc dem herzöge. Der storp ouch ao erben, /tu dem n:i^Q gebornl 
diAiu biia: Pergo, Albruchlüperge, Chuleup vnt tindor wigun vnl Hut 
TBdo ffot.«') 

Unter den hier aufgezahlten (jlutern befinden sich diejenigen 
Dicibt, am derentwillen es EUm Streite gekommen sein dorftc. Keines 
von ihnen \'tt<gl im B&niikreiiie de« l^ndricbter« von Neustadt- Wokl 
ikber liegt Gut der Uerren von Uacbland uabe der Grvnzu gegen 
Ufthren zu La:t und Staats, damaU wohl noch innerhalb des großen 
Euodert^ichaftsbesirkes von Neabarg. Es ist ganz klar, daß Land- 
richter Sintram, der keineswegs eine fabelhafte Person liebkeil 
ixt, von dem wir such Könnt bOren — insbexonderc hOreu wir tou 
seiiiem gewaltsamen Todo^) — in die macblAndisehe ImmonilAt 
ei^gcgriflen tiatie, denn es handelt sich in unserem Falle noi pa»- 
sauischett Lehen, ein Gebiet, das auch im Pasaaner Lutz zu socheji 
ist') Das tVabcr hinsiehtlicb de» PfarrKebeate sa Staatx, Fallbach 
and Gogittteh bf-^ittitndeue Al'terlehenKTerbnItniH, welches den 31ark- 
grafou zwischen Pnssau und die Maehlftnder scIk^, hatte 1147 
aafgebßrt.*; Eb ist klar. duU jeui der Eierzug nur deshalb mit 
Älbrccbt Yoo Perg in KonHiki geriet, weil er in weiteatcr Uand- 
h*bnng seiner Jgstix):ewalt von den Leuleo des Vogte« Oiebig* 
ketten durch den Landrichter hatte eintreiben Insiten. Ob der Vogt 
dem Uerzogo wirküehes oder vermeiotliches Keclit entj^egenzubiüten 



•) ElmidB. 718. i 10. A. IO4 d»n Aon. 4-6. 
') A. ■. O 721, g 2Ä (A. I»). 

*) A. fc O. AwB. 11. AlkHinp teieiat er in KilMlungMÜltda ««tkMtllobt 
Ri »IB. TgL l^eiilll«»!! der Wi«n«t Zoiluag. 1906. Nr. 161. 
•) A. «. O. 716, f 10 (A. 4). 
>) UrkBBdeabiKb d«« Linde* ab der Edbb. II. 3i9. 23& 



300 

hatte, läßt sich nicht mit Bestimmtheit sagen. Jedenfalls muß er 
sich gegen ein Hobeitsrecht des Reichsbeamten aufgelehnt haben, 
wenn es dabin kommen konnte, daß er in Acht geriet und >das 
lant nach grozzem ungemach rumen mnßt'.') Nor darcb Auf- 
Bandnng seines Eigens an den Herzog konnte er Hulde gewinnen, 
ward also seinerzeit durch Recht und Urteil aus dem Lande ge- 
wiesen^) und war in seinem nunmehrigen Abhängigkeitsverhältnisse 
jedenfalls aach in gerichtUcber Hinsicht vom Landesherrn abhängig, 
der schtießlieh sogar das Gat auferbte und nun ohne Wider- 
spruch der landesherrlichen Judikatur unterstellen konnte. Um 
dasselbe hinsichtlich des dem Herzoge verwandten jungen Grafen 
von Perneck und seines Besitzes zu erreichen, mußte dessen Un- 
mündigkeit vorgeschützt werden, die nach anderweitiger Nachricht 
jedenfalls nicht auf Blüdsinn beruhte.') Aber diese oder seihst 
allzDgroße Jugend konnte ganz gut als Vorwand dienen, mit dem 
Justizkonsens zurückzuhalten. Es kann aber auch hier gleich an. 
mittelbar der altgermaniscbe Grundsatz, wonach Idioten »weder l§n 
noch erve< überkommen durften, d. b. weder Lehen noch Eigen 
erben konnten^), zur Anwendung gekommen sein; jedenfalls machte 
auch diesmal die märkische Landeshoheit einen mächtigen Schritt 
nach vorwärts, und zwar zunächst auf dem Felde des wachsenden 
Besitzes und der steigenden Oericbtshobeit. 

§ 136. Es ist nun an sich nicht sehr glaublich, daß ein solches 
Recht der Zustimmung zur königlichen Bannleihe an eine magna 
vel parva persona in eiusdem dueatns regimine um die Mitte des 
XII. Jahrhunderts schon durch ein vesillum leb enssym bolischen 
Ausdruck gefunden haben sollte. In einem früheren Stadium dieser 
Untersuchung haben wir als fraglich bezeichnen müssen, ob das 
vexillum des Herzogs von Bayern, das Gerhob von Reicbenberg im 
bayrischen Sendgericbte neben dem Kreuze flattern sieht, etwas 
anderes als die gewöhnliche Herzogsfahne sein soll. Und doch wird 
dort ausdrücklich gesagt, es sei >ducis videlicet ad vindictam male- 



*-) Vgl.: J. Orimin, Deatsche Rechte altertUm er. 2, 733; daa Land T&nmen 
mußte der Geächtete nicht immer; der Isndr&umige Verbrecher beißt rumeluib 

=) Schmeller, Bayrischei Wörterbach. 1901, I. 

^) Blätter des VereineB fllr Landeskuade von NiederSaterreich. Xll (1878) 
193, XXI (1897) 26G. 

*) Sachienspiegel. I. 4. Zacher in: Zeitschrift fQr Recfategeicbichto. 
XXII. 55 ff. 



301 

fBCtriruin n rt'gv niiitei oigtinm*. du« Alixoichirn des von Konigi- zur 
Bealrafun^ dor l.'belUb'r geiMUidteo UerKOga. Diesem AbKeichrn 
kODDle Dian allonfnlU oineo Pktz auweisen in der Siebenzahl der 
bayrisclien Fabnen »eben der eigen tücIieD Hcrzoffsfahne, oicht nbcr 
d«m AuMtz xam 61utb«Qukihcrecht. das tms im Minaa begegnet. 
Zwar bat Hcrohtold die nalie VerwandtKcbaft nacbgt^wi<-i^n. die dem 
recbt«gi?jtr.hiehttichpn Inhalt des Minus mit dem nnr um zwUlf Jahre 
jDD)!eren Privilegium desselben Xaisern Friedrich I. für Wurzburg 
innewohnt'). £9 bat sowohl Brnnner daK aiiNdrlldclich anerkannt'-'), 
als Kicker »cbon vordeiii in Betracht gezogen*), doli beide ^uffenbar 
im wcfii-ntlirhcD ditHSvllic »nf^cm und h»t endlich Zallingcr ver- 
schiedene Itedc^nken vregfreranmt. die Orunnern noch verhindern 
konnten, sieh Hertholds Anschauung zu nähern »mit dem lünwpigc 
auf den direkten Widerapravh, in welchem sie xur Lehre der drei 
Rrehtsb ilphtr steht«.*) ÄIK^n dieser Hinweis war doch bo votlanf 
)(ereobtfrrti;;t. als es die BercbroId»che llnterBncbiing an einem 
sticbhnltigeu Beweine fllr die frUbi> Uurchbrechntig der im Sachsen- 
spiegel, im Dt-utschen* und iSchwal>enspiof!el aufgestellten GrundiUitz« 
und andcriteitjs ihre Nichuinwendbarkeit auf altere Verhnitnisee hat 
fehlen lassen. DaMlr scheint nun Znllin^r in Iwideo Htnaicbten auf- 
gekommen SU sein. Oleichwobl scheint er mir Uxitx der Zustimmung, 
tof die er sieh borulH. aueh hinsichtlich der Uboreinstinunong diis 
totern.-ictusr.bcn Minus und dejt Wur7l>ur;gcr Prinlega etwu in viel 
au sagen. Oder darf ir};end etwa» in nnaerer alteeteo staatsrecht- 
lichen Urkunde von 1156 jenen neuen Worten an die Seite gesetzt 
wcrdi-n. wolohc die Urkunde von 1168 am Schlnsae der ent'iehei- 
deiiden Furmel j^brauebt? >Damna et coRcedimus . . . plenam po- 
testatem faciendi iostitiam . . . ^e rapinbt et incendiia. de allodüs et 
beiii-licüs, de honiinifcns et de vindicta sanguinis statQcntcs . . , 
De aliijoaecctcjstastica sucHlarisvepononu . . . per totum Wintebnrgeosem 
epiacoputum at ducatnm et cometiBR infr» tomninoit opisröpAtns vol 
doetaus sitaa iudiciariam potMtatem de predis ve] incendiis ant de 
allrwliia seu beuelicÜA erive honunibus dcinceps cxerccat. nini solus 
WirzcbnrgeDsi» epiacopus et dux vel cui ipae commiserit?« 



<) ÜB. Sh, «W. Sttinipr. Wtfö. 
^ A. L 0. 8. S34 (8<tii<lor»bdr<Mk «)>. 

*> SltiiiBir«l>«rlchK- Her Wirtift Akii^tiBii: in WltMOMfanftcn. XXllI, 613, 
*i ZalKnriir i»- Mitl«il ■)»](.>» ifn loiilihil«« ftlr a*l»rTi)t(rliiiclu> UrMhiobu- 
fencLuuf. X, SV, Ann. I, and »,XU9, ftnvr «bvnda. lU. ÖWIT 



802 



Kri'ilidi kommt e* liifibei u'xahx auf jAne AutidrDcke an. dur^li 
Welche dtin Uischof von Wtlrsibnrg Blutbivnn TorIich«n wird, der 
den Markgrafen vcin östemiob als Lai^nrtlrstOD anzn-«if«lb8fl sa- 
Btaad, ibm gar nicht orst im Minns rerlirli'-n zu werden, folglich nucti 
keine ErwlOiDun^ xu tinden brauchte^ wRtirend in der an einen Bii^cliof 
^■ric;lik>ien L'rknnd«? buld nach Mittt^! du« XII. Jftbrlitindvrts allcrdiDgii 
davon eingebend ^bandelt worden ranCte. Aber ancb darin, om v&s 
e$ sich handelt, nm dw Strllang durt des MarkherzogA, hier des 
Bischofherzoi^ xar Aueubung der Gerichtebarkeit durch andere, ist 
doob ein mcrkbnror Untorscbiod oacbzuweiKD, Naob der Wont- 
burger Urkunde darf Uberhiiiipt niemand anderer ßlutbnnn äub- 
Ubfn als der Binchnf oder der. dem er übertragt- Die Dfclerroichüdie 
Urkunde besagt da« nicht Die Übertragung des BlatbannM mag 
noob immer von anderer Seite bcrkommen. nor daß sie nicht aine 
dani» conaensu vel permis»if>Qe erfolgen darf. Davon, daß er Bltit- 
ba.nn Uh<?rlrllgt. i«» noch nicht die Rede. Nur eine« maß man aU 
übereinstimmend anerkennte. In weitester AnsnDtznng ihres Prl- 
vUc^ konnton nftrolich der Herzog von (Österreich wie der Bischof 
von Wurzbnrg die einzigen werdeo, die den ßlutbann ausübten, 
dann nitmlicb, wenn »ie in keinemPalle jene Zustimmung und £r- 
laabim cnr AnsQbung der aliqua iustitia erteilten. Aber schon bin- 
siehtlich derer, denen der Markbentog Oerioht« lieh, kann os ftioh 
anders als im WtinibiirgiäcJien verhalten haben. Jener mnllie sie 
nacb wie ror zum Künig um den Bonn schicken, der Bisobof von 
WUrzbnrg vielleicht auch, wenn man ctjmmiscrit nur auf <4encbt»- 
leibe beziehen will. Ganz gewiß aber geben die beiden Maehtvoll- 
kommenheiten, wie schon gesagt hinsichtlich der Ausübung dea 
Gerichtes und Banne« durch dritte aus. lo dieser Hin&icfat gibt es 
im WUrzbnrgi sehen gar keinen Richteir, der niobt vom Blsehof- 
Ilenog allein abbing, nicht aein Beauftragter wilre. wflbn-nd dns 
Wohl von keinem jener Grafeugcseblechtor angenommen werden 
kann, die wir in Osterreich nebrn dem Landc.^hcrm mxehtig sehen. 
Ee ist ale« klar, daß die VVtlrzbarger Urkunde ficbon einen weiteren 
Sehriti «nr Aui<bilduDg <lei" Ocriehiahoheil darnrellt, weiter «1» den, 
der im Minus fQr Üsterretch ge«cb«h. Und dietor Schritt konnte 
wohl nicht getan werden, da der Einfluß des Kaisers auf Besetzung 
dcH WUreburger Bischofs- and Fierzi^tg.Mubles immerhin kein geringer 
war, wahrend gerade im Minua »ich dae Reicbsbaupt due lCiDäaiis«s 
voraossichtUefa auf lange begeben hatte, äo war ea mi}glieh4 iitt 



I 



30» 



u-Unburgiiichcn HorKogtam jed« dar bischoflicb-bcr^ogliofaen koB- 
karricrende GeriohtigewaU aüHEUsohlieÜRn; in <)itterr<.'ioli dugvgon 
empOtbl es siob noch immer, eine »olebe mOjrlich zu machen, au 
kziiserlich und — das mochte der andere Konlrahcnt t-rwägen — 
bursGog^licb bayrisch gesinnt« Ocschteclitcr und Kircbenftlrateii dort 
am Rinfloß zu erhalten. 

§ 137. Eine ei^ne Fahne al«o Tcrlohnt« das bischen Illut- 
Itnhe nucb nicht. daK d^m Markherzog von (Uterreich dnrcb 
las Minus verliehen wnrde. Wa-s aber bat dann die zweite Fahne 
im LeheoBseremonJell von llbQ tu bedenleo wenn Dicht Blutbaon- 
Nhe? Oder wollen wir otwu ganz von d«r bisher fe«tpt)hal(cn«a 

"Frap««tellnnR ahfrehen nnd vielmehr forschen: Was h©detiteten Uber- 
baapl jene beiden Fahnen? Wir wi^wn ja nur, daß Otto die Mark 
ORterretcb mit den seit jeher daxngehDrigeu Marken mittela zweier 
Fabnpti von HrtDricli dorn Ivuwen na den KtÜHt^r zurückgestellt 
werden läUt und dall er weiter da-i Hcrz<^am Österreich mil vor- 
smeldetea Graffwhaft^m. deren drei gewesen sein «ollen, vom Kaiser 

Edem neuen Herzog von Österreich wieder mittels uweier Fahnen 
Ubcrtrugcn werden luUt. Was Jedes von den bt-iden Banucrn 
«inaoln bedeattt habe, sagt Otto nicht, wcnigsteoa uu dieser 
6t«Ile nicht. Kr heht nicht hervor, dafl mit dem einen Banner die 
Ofttmiirk, bcjtiehonjjuweige da» Herw>tFtnni (Österreich beimgewigt, 
bwjchungn weise vorliehvu worden sei. nnd noch weniger meldet er, 
3a0 durch die andere Fahne die trea cumitatus ojrmboliaiert seien. 
Darauf wurde etchon hei früherer Gelegenheit hingewieaen. Aacli 
ut der M<>gliehkeit gedacht worden. daU altenfallB dna eine Banner 
der Herrschaft, das andere der Hoffahrt dienen «otite.') Da- 
durch erhielte ubrigeaa die von Erben als interpoliert erklAxce StcUe 
Uinu» eini; nvw^ Smue. Damit tHill jedoch gar nicht in den Kampf 

Mer UeiouDgon oing^^trpten sein, dar sich bisher in lebhafter Wuisc 
nm die Aufstellung fCrbons gedreht bat. Vim allem Anfang ver- 
bnrrte die Kritik in ziemlich ahlehnendiT ITaltong, die schon 
lie i Brea lftu bervuriritt') und die, aukoUpfend an dessen kane ße- 

<) OboB, g IM uBd g 118. 

1) KsuM Arnbiv. XXV1U, abü. i 2C4. ßti Mm AnnkcDniuiK fOr d«B 
irofco Onwinn, w«Ic1m Erbao* Arbeit dvr Diplomalik dM XII. JalirbuB<l(Mti 
bnagl, «ivht «Ima Braiiau lidt gtnfilift, ilBn AoafUhmigvn Etbtaa «ine Hiaiu 
KD «nUivbcD, di* Erben (3.70) i)cd UaMnadnuifca Bicslaa* (Uipl. H«>r, II, bOU) 
Mitaomnaii haL BMCkrtBkaBf d«r UMachapfliehl der UofUf« gUnbt Br«ilau 
■ut «Im in XII. JabrbniHl»t bcniU •abUolia PraKü* intttckfatir«* m kaanva 



merkung wegen dee Womifter Jad^nbriefds. vüq Simoasf^ld ') gsttth 
wird, der Erben schoß RtwHs mefar xu Leibe rUckl. Aach Tarba 

I) Dcaiacbe LiicritKin^iiung. IJKM, 6. 9901t. N>chd*m uieh fliin»B«fe14 
der >lb«nuii luirgl&ltigco, mlniitiAi^n ITBlenuchung'. i\t Erben Qher ■410 EnN 
H«bnng- d*a FriTilogiuniH in dvr k«ii0rlicb»n K<uifi*i< ^tUldt bmt. >ll» a«r«ckC^ 
keit nnd dem »oiigAnieiD «enrollcd DeiiiKg lun CrrfciiiKhiii>«Mii Pri«4rlckt L« 
Toll* A»«ikpDBDng liMt wldarfohton Ibmbii. nicht obno naf «oit^baadea £iDSiiB 
d«t Oad*x tldalrici Kiuih auf die BcbandluoK «UalnpchtliciieT Fraftnn hütm- 
MnUon, Kl bemorkt «t d»ch gl«ic]i tu Eingang ia den iie(ti«r«n4en Teil dar 
Erbonulien Unlonudiuiis, tlaB die £tbon m> uutUlige objektiv« Form dar be- 
aoaUadcUn 8tolI« dn Minna licb in donMelbun IKpkan nocb wifdovboll fodeC, 
ote« bei Crbea Il«d«iücen «uihgenirea «i bkben. tioth viel durdwcUagMular 
abt« «nd dl« AtgiuneDti». di« äimoaafcld gvgan dU von Erben wlbit tb wMr- 
lUlieli enebtete »lacbllcli« PrafUDg d» objakürm Stelle« fUlin. mobelSImonafeld 
ap tlr*tlao ankDUpn und «d dem tjclilna*« koBinl, iaß eti «ich elion. wri« bcj 
Bfihai«n, fltr w«lcb«i Erben anBerardtstllcho TorblltoiMe KngMUnden hat, *btor 
llftA bfrl dam nnuco ncRogrtam ^tcrtolcb ent raclu mn einen a«hr eizaptloHallait 
fall handelli« (!jää). Krban bat üit> [atAiiiionrn tVifdricb« 1, aiclil biiit6Mtknd 
^i*4rdi|t. dorn »JIm na einnc fricdlicbcn DcilDgnnK d» barriM^faca Streltaa lag 
nikd liegen maDt«, ««Iclitr Ktreit blutig werden und die titteltkrifte BaTenia hi&den 
koaat«. di« der Kalior docb fUr den Zag onefa Italiea benBtigte Da nocbto e> lieb«c 
(Hirnr daaernd) auf diu KoDltaKem dtt aeuen Kenoga tod Oitcfretcfa renucbUR. 
Kau folitt der towohl fQr die Heerfakrl nie fltr die Hoffahrl Tcrneadliato Ein- 
wurf, dali die ÖtterTeicli genotdene BogÜBCtigiiiig ibtn ja Hiebt die ßXnde band, 
gegebenen Falls — vielleicht |{«g«a neu* ZugeHkadnEana oder Eallobnuag — des 
Belebe auch Bndecn&rla Httfc tn leUten. Kichta iitl atit Otlo« Sohtieigea ni 
•ehl!e£eo, hIub «IgoittUni liehe OeticbIcrMatlucK >«hnoie1 aucb (liier ander* DeatlHi* 
muagm dei Minna; dsa >iit recolo^ tchcint fait aatndciitet). er «rollte (tcb Dirbt 
gut erianern. Die Werte Ott«» Aber die PriTtlegiumibentttüguiig ichrioea nluh 
euT «AiiitUche Beatlmiiiuigen dca Minna an beeidtra. Uta im Tkrita Abdcbnilte 
auCgealellten Venuutungnn über die Zeil der VeiflUiehang (rill Simosafeld 
ebenfalla mit acbi tachüclien Arsumooteu entgegen und leigt, daß gerade die van 
Erben fUr gaa> beeondor« geeignet bexalclinete Periode (Juni 1243 bt« Augosi 
1214) ao kun gqdamn and einer w TollalKadig gatadorlta Silaatlon Flau ge- 
nuuibt babe, daO Htnog F>iedr{«b II. »der fltieitbare* — der noeeblicliP Fhleeber 
oder Urheber der FilfcbuDf — fttglicb bdoo lUcuren bUle Toroebmcn laiven 
wllaetm >I>t bAtt» er doch gut getan, du EwiccboB Jmai 1243 und 1844 lotH- 
poBerle «Bajorn« im SoiBBur I24rj ror der kaitcrlicbeii iJeatfittguBg wiedot lu 
tUgan und dorefa nine asdoro Interpolation cn eraelacn* (99M. Aucb mit »einen 
!*chlafiaa*fUirB9g«n, di« glriobatm die EntcobaMinv ^M von Erben angeregten 
BtreJtei bi* mr AnfGodnag den iron ibm vcmutelea baffiaeben nickt interpolierten 
Ezenplarei rerfcbieb«]) aeUcn, hat Krbea bei ^Imotiffeld kein Qtdck, der dlee«r 
Frage nachgogaDgen i»l nnd witklieb dM I.«nd*buler Ksesplar bei Aventi« 
raiBe^odea bat — doch obn« dfo «i1iofft«D 3Uiigel- ttnd die*ei Landabnt« 
Exemplar «ird «tebl aucb im Ornnde daaMlb« «eia, da* nar»aaa van Alialek 
ibeebrelbva konate. reo ileai doob aa rieh akhl 'eranrntwtcen )*t, dab er eteli 



i 



80& 



der Erbens Äuafuhrungen nur im Kaebtrage zu oeiser eigenen Arbeit 
Ober die öcacfaicbte das Thronfolgerocbte«'.) burückiuchti^ii krinntc, 
weucletHiclif;«fpendesfien Ausführungen, alterding« uliiiedtimil in einer 
Kritik F«rd. Koglers Beifall zu ßndun.^l Diese fiut Feiiid^oligu Hnitung 
tat io letzter Xeit einer mehr beifilili^en AuFfftsaunf; guwichvin, der bMon- 
dem LoBchin von KbeDgreuth. ') Ynltelini '> und in gewissem riinne auch 

dM MlarrtfsliiKlitn >li)tMpoli«rl«D> SiQak«* b«diftiii haben wird. Wir kAniwii JsdMk- 
taUt il«r ««B SiMODafald diMfalli ««n|)n>«b««i>n Abhoadliaog mit ^paaanng 
MUg«9«M«kMi. Vgl, tmisD H. m, Adbi. 4. 1. 

') Taiba. Q«Kliicbi« dw Tkroololgancbt«« bt tun liaWiiirKbch«ii Laod^ra 
lii inr (MirnttinchM SuIctioB KuMf RuI VI. (1908) ». 4läff H>#r ofhitri 
Tncba in iot Anmctkao^ ta 8. -13 dit in d*r rordlcbtiirtM 8t«IU onwliin Bt^-Iilo 
ftli •ra Atta I.miid* bftft*ii4<, K*gt» w»1ch«n Au*dTuel( (leb Veilolini in «iiMf 
gUich Na (kiaiitnndcii Bsffirecbvti^ von Erb«D* UDUnnobaDg W9hl mit R««ht 
•OlfMpMebtB hat Di* UbriKan Einweniiiniteii Tnrbai irtfliiii j^rfanKiJU u und 
■iad, wie auch der tu 8, 3ti iicantraft* >n«ti« AbtaU« (S. 413) in Utxt«r Z«it ««■ 
UkllTK tuul Tangl auffr«Doinmeii und eiattbcnd bttfKind«t w«rd4a. 

>) Id «in«B ausfllbiliolKin K«ferat Obor Turbat Bnob kommt KofUr g;*- 
legeotUeli auf di« »Dban«ag«Bd»fi GrflodB< und tiiMnlicbe WalinMboiiiUclik«lt< 
tu ipreobeo, dta er in Krb*»« Atbail kogetrolTsn faaba. MoDalabUU da« Varatnaa 
far Landsik-inde ran Ni(d*T<W«>rr<ikh II (1903), ü. »44, Anm. 1. 

*| Miliotluiigea d^ IbbIIIuIm für OiWrralcblicti« Q«<ebicbtifonchuii|r- XXJV, 
112. LiiDnhis iai oiehl nur roll d«r Annrkannuaf nir dio AtutrUhriiaunD Rrbnaa, 
iOBil*m vuinag *ogai au> aigoncM Arbeit«kr«)sa Mn HotnMit boiiainLKon, da* 
altordiB^a auf dan *nUn Blick al« «in« abarau hriftice 8Ulc« dar Inlarpolaiiana- 
■naabiDo •nehünva rnnft. Die G«or|t«Dba>({«r HandfMin n«iiil ummeihlfaaft« ESa- 
«ebllb« obaa aoa dar Z«tt FriMlricl» da« tMr*ittiar«ii auf, Daratir nAhor aiainfabMi, 
lltgt bier kein AnUfi Tat; Uhliri uod l'ang-l lehn«n LaachiDi HogrIUldiiiig ab. 

'l Mitlailnnctn de« Liutluitu (Bt ftiteneiohiacti« UMebiehu(6r*ckunf. lÜLV, 
a&l (tWM). Valtnltai hal Dl«bt aar dan diptomatiacbea Toil toq Erb«na Arbalt 
bwoadan aebarf airaM und im gawkaea Siaae vatUaO. iad««ii er da« Miani ala 
Taaaeknrkuad« kamnaickaati ar palanlalart aocfa nbr glücklich in der lUnpl^ 
bag^ ob niaülcb die ron d«f «onaligM «nbiaktiani gpraebwaia» daa Mtaaa ab> 
BtaoliMid« »bjaklira Vom der rem Rrban vardldüigtaa 8l«U* alobl al»a au* alnar 
äilpnlailoa barUbargaanDnnan Min kOanta. Brbaa (ta^rt aKmlloh «mialmra tu 
•olWa, daS «Ib Vorrartr^ j«iio tta^iebe Baattmaiaaf gar aleht eoihalt«o baban 
kaoM, du t'Dniaa wSrdeB da« nia »vagBlwii kabas, aa kflaaa »■«■k laAiftüch am 
•Um kalaatUcfca Zaaa|« kaadala. Tolialini haaueiwi Doi«r Uiaar««« aaf lU« 
Xadincki Ottaa nm eia«ai >MA^am <)uod ian diu «cereui rauniwn ealatauta 
(HG. 88. Ul. 416, Z. S) di* wvit^'chead« Elamluckaa^ dar FOraiea uad balaai. daC 
dar Uirflintielua^itiKb «aitan« nickt aadcD Inbalt dicaM Vurrarlrapta hanagarakkt 
hab«, iadaaa janar aar dia Etbabnuf dar Hark tarn IlenofUini batiaf AboIi aadno 
«OB ErbsB nkbl uig«aa«ifall« B«ari«mann«p f|iD|t«o Miflkb roai Kaltar aiia. 
Weaa ValtBliai trobdaa dar Aadkaanaf EFban« taaaift. «o fMcUakl diaa 
nehr aaf Onmd daa aliiaiariackcn und rachukiaMriadNB M w aaglaai. Atiar aadi 
JakF»i«k 4. t. t. t—tnaatifc- l»M 2U 



306 



UhUn') Ausdruck Torieiben ond die, freilich erat Dich der sehr eb- 

hiar gdif 7oU«lliil MtbttlDdl« ror. NlcblweSI IIHnrieli voo Ovlerretcb Bicli mit dan 
IVagllcli««) Botliininua^n IlMlg* Onmmtt grwyBD batle. äis Haan i|iU«r gmr nlcbl 
tiageliftlleD «urdeu. Bimmi n Erbeua AnÜMHlig an, tooina wril Friedrich L 
■nictit ilsr Mann nur, »«ioo nftU doa Rvick«* S*cbM 1«tekÜtla praiMiigeb«n<. B»- 
(oi)d«ri leucbten Voltolloi 41« mit der llMtJinmuitg de« Hisni iiii:lii vtniiUwna 
rialan HolTmbrten n»raag l.«0|>oldt VI. aia, obwohl gutmä» hier bervorgvhabva 
«acdea kUnaU. diA Rrbaa d«BD dodi dia »euriai ... in Bnnnria' «i«h iagit* 
lieb nur mof don BoraJch in» inattlifta HorMifftiUDi cingvicIirKekl bnb« — m 
hetfil nicht io dncilu BRonrie — nai xwiKben Bnjom nnd Rnj«m düifta wohl 
•In LtBisnohM ta nneban mid. WUnburc, B»inb«rK. KUrnl>«rx, Ja ■slbat Efer 
kSsalMi xani triit wio «i HunogArnuifi ZeJUn nt> liajritcb« One x^lti^ii {Hienlvri 
OMoUehto ßk^craa. I. 333f.) und K«nog Heiniob Jaiomirgolt finden wir ntteb 
Utoicblicb, TOD seiner tUlknJMbftn Ktpeitiliaii kh(^Moh«i}. nur Mif llofU^on m 
KogaDtbntg and Bamberg. Auch wa* Volloliul nbar daa t'ivjarai^n Avr >M'ari>l 
nn der uagnriacb«n Orsiiia> Migt< will miT nicbl cinlaaebicn. Aiif nlle FUle Uoibt 
jsidorb der Einwand Sitn«Darald« nnfraclit, daB BaKlIntitittiicK nickt Kinachito- 
hting bedeute Kältet Friedrich «rnr au dnm friorinn EW-ttchoD feinem Obolm 
und aaäaam Naffan llbe«nDt *iol lalocaii. nt nlao wob) >u alnein Oftot 
•igtnwr Becbto btnit Daa Scbncigen OlWi rnn l-Veiaingt (ibtr dio frni!lkbn Bn* 
atlramniic ■naO «'ohl aueli Vollolini nutfallDn, doch aclion du OTJdachc •otrecoloi 
-- >H> riet ich mich erinneret den Rerichto« in den (ieatia Fridenoi iiD|ian(orM 
nimmt joacm SehnaigoD die äpitia. Uleiehnobl jat Voltclinj togtit necb aännn 
8cbTiK über £rben «eiter hinauaioiinngen nod bat dna ■alTectnndii, trelcbea der 
TOD Erben nofOiiTBifoltan ütelle voranagebt nnd von Brben gUicblalta b«na- 
•tnadet wird, anch *nn seiner formalen Seile in den Krei» de« i^weifeU Ee*o|rno. 
Uir«kt fraifl or 'wni hciOt dieiea aftnctnraVa Er vermutet eine itiliaÜBeli wvbl 
DiiManfteno AnafllUiinE einer Kaaur. >tuaScbil nirnea «ir ftviliuh nor. daJl >a&c- 
tare< >□ viol oio >xunendea< bedeuteu aoll. E* dUrfle ein, allerdinga niohl 
Usaaiachee inteMiruin ui afSoan ailn, das Ja auob In desi tilnn« ran >Jo«n4iidtn 
etiraa baibringan. «nfnpn«, mitbin aueb >xui>i*nd«a> ^ebraucbt wird- VergMoba 
Dbrifcna aaten, itai IThlira au dlMoni Pnnkt« bainwkL Et ial lolthln nocb nicht 
die Prag«, waa irobl ftlr niTeclandi Keatandan baben kjjnnia od«T »b an dar Stolle 
der InteTpelation (da* PanforiD BaganoaunoD werden maß. VolteÜai findet ibr 
h'eUsn allardin^ aabr Mfcnlltmlicli and auffallaad. 

>> IlUtoiiacbe ihittchrift. 91 |u. [. 6S>, S. 147fT. In betug nnf dtn «raten 
T«Q ««n Erbee« Arl>*it, dnt ja allfamein Beifall fiodat bebt IJblirK noch ina- 
htwiniliirii herror. daS Erben dar ftacbweia über die AnafortlgnQg aweier Kxemplare 
(8. IIS) voUkenunan falunyan aal. Dort, vre Ubllra mfien Erben aiiftrilL aeltl «r 
dooli deaaes weilgalwnd« Ob}tlElIvitlt aolbat (toRenttber der eJ^oDen Meinirag in* fv- 
bSiice lieba. Mit Koelit borUt«liloi L*bllri, defi >mil jeder KiMStkm tbeontlaob 
eine Rlabnfie rerbondeo* nnr (r|tL oben, S 132), Wie Telielini pilicblel aanh 
Chlirsdea AnafUhninge« Krbenakei, vre er van den Ulealan Pllaann der nUlrkiacben 
Webrpttiebt bandelt, irabt^«r glelcb wieder ab, aabsld «« dsa VerbSlmla daeKaiaen 
Friedrioli m aolcben Fragen gili. Trefflieli betont tlblira. Otto von tVeUa^ 
kISua, 'nla er teloea Bertebt niedenebticb, dae Piivilts nlcbt aur Hand fahatate 



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4 



4 



807 



gehenden, entschiedenen AbtebnuDg. die Erben koralicli durch Tingl') 

haben und »lieM^lirkiilie >!cli auf i^c bilde rang dar iiuBei«D Wrbiltniiue«. Auf B«- 
dfcüien. die Tavfil (Ntu*i Archiv. XXX. 47^ ff.j g*g»a VhWr'L rorbrinft, InnoM 
ieh MD QchhiMo narfleh. BmAgltoh dvr Dlipodttoa lUnw^ FHadridit U. mt 
PllKhUBf gibt Uhlirt blstdedtr Erben rocbt. hJUt aber gIcicbKob) lelac Beweis 
fUhrang ftlT ■iingaointn kUnadJch* "*>•! Dtcbt kankltufonl, KrImt t^iadrlck II. 
inocJil« imiiKrhin du Minii* nicht gckanni balinn, dtttbilb kano iw fani wohl in 
dar UlivrlirfotMa Kotm Taibaadcii geHewti »in. Turbs habs mit ■einer Annalmio 
Über dw Art, wie die tllKbnnc erfelft aeio niDVl« (fi. 413), revbc. VoTgleicbe die 
•ehr glUcklieke Anmerkaog Ubar diu franB&riicli« affiKter ciucUjue-ckoie ä quelque 
oMfB. lU. S. 148 ) Vgl. die vorige Abid. Diu ton Luicbln mt Hekrftftiguo{ der 
VcrniWbtiegtliypatti*«« uiigvMgaD» Georg; eabMger H»it4htlo «et in ihrer efftullaAun 
Fctm defUr nidu Terwaadbu 

t) Zaltaelirin der 8aTi|niT-Stiftuii|[ für l{«icbtairwcbiebte. Oeni. Abt. XXV. 
B. ibHe. In lüncr 2!l Seiten turken. eelbntJUiclIgeiv >die Kchthoit de* On«rrclcfa}- 
Mbso Pririlagium aimiu> bBgrUiidDDdoa Abband lang hat Tan^l lanlchat den Wart 
der diplemBtiacbes ttaite reu Grben* Arbeit beconder* bintiobUick der F^lg« 
der Formel tewBrdi^ and duio einen enten gelaairencn Vetmcli bepIlBt, mit 
der »lltuweil mmKodtbuteo AnwenduBi; der Theorie von >&npnagermaiftniK>)Bg< 
Bafrarliamen. [ler •Verfall der allen Beichikkiuleia iai elea no«l) nicht m iiait 
tntdiehm, »eno »ucb dl« KsBilel Khwncb betolst geweeea edn dürfte. Dactyen 
b««lr«itet Such Tani;l, deÜ die Erben M eobr «uffnlleod» >a!>jtkliv< gefoftte 
Stelle den Scblofi auf FUjchung geeutle. Gerede die wnit DichwolabueD Ver- 
iuediUuis»n lehres. daC neb Intarpolklionttn keiniuwoge durch objehliTO FMeimg 
rar dem Qbrigea Text der Urkunde eunciduen. Tsugl •maS daher mUchioden 
Etnapm^-b* da^egea erbeben, in dem belrelTeaden äatae dt* Uinw an «ich eebea 
PUteb«rt)raneli *.u (ubeo« (!j. £*}2), Aakoapf«nd an Oimonifelda Nacbwote, iut 
da« Hiniit noch andtr« »olebe «bjektive ADnandlung^n habe, bringt dann Tantrl 
eine Ken« iat«re«Mal« ZuMmoieiMleltung, werau« der •ohwaalEevd«, objekiive 
Oebraaih ikaleerlicta' und >keiii^i<ib< gerada In Diplenaen l-'riedrlebi I. ««-bellt; du 
aber <KMt KanxteibTmncli, Im Grunde, eo melol Tangl. wire lar Ktklftning 
dinaer irheinbMren Abnonuitlt sieht atamal Annahme eine* Vonkue nelweadig, 
Cl>srbsupt bittet «r, das Uioua «nicht naefa dem MaßKtmh landUolIger Darob- 
MhaHnarh ande a < «a maaem; te ataht ja nach aninam Koehtiinhalla elndg da. Nteb 
Darlagiint; der VDrg&nge, die ■um KretgniaH (on llb6 geführt haben <g>. 86&— 808), 
S«bt Tasffi auf »die KugeatKndniwe dea HLnua Im RiateJaMi* ein (& 969fJ. Ea 
wird der <Juellen«*n der KKlachun^ (Ht W. MaxiDiin bentorf^^oben (271) und 
iveaa amh Tsn^l viell«ioht «erad« deUialb nicht mit Uteht • KÜMberwillktlr« 
der aeblen Urkunde eaige;emh«lcaB ka&n, da ja auch die llUM>hi»K e*eh an gt- 
gebme TtchllnlM* kalten mod. ae kaaala doch er gewiS a«r daa Sini^Bifte dae 
Ulnua blnnelMO, iraleba* die tloffabriplljchl anf >BB7e«i allein« heacbrlaht, and 
daA aalbat die BllhawnkIMilfa trak ihrae Privilegi andn« al* gerade nur Hcftag« n 
NlUiiberg nnd Banbecg beancbt bab«n. DaD aie aaeb ÜMirtabrt olebi blöd iMwh 
Uallaa, aaiidan) auch an daa Niedarthein leiaMen, woiat Ta nrl gltcklieb aaoll ud 
beatreiua, dad dt« Ladungen aa leilwejae befrella Fanten niehl deeh ntgalmllUf 
ergangen leieD [ß. 878), Bbeoankaan «r telgea. daA Iteinrieh und eein !MhB I^eepold 

SO- 



JkpU 'UrAuf durcli Brandi') erfahren muBt«. jctst wieder Scli«ur«r*r 
1^ :^tengeJ^) kand^ebeo Wenn die von Erben an^egriffeoe Stelle 

uuftehlleb *Mw\ftvd ant lloflMfr, dl» Id t{aj«n> «uttfuidtti Bad 4i* Diir aaiBfthnw- 
■•iM acek ka4w« bMiicbt lubMi. j« üt f#blOB >aiif *If f»S«n toa*rb«7-*riMibMi 
R»lc1i>l»g«n* (S, 274). Wn« die ■pUcran Bmb«nb*rg«r knlangi, lo gibt Tmdgl mit 
KMhl tu badtdlue, AaS diu Erwarbm^ dv Suwrfnarfc di« PfliehlbMchrta kti»t bie- 
HcbtUeli d«r üofUin wAhncItpialiab uüfetebra hu (8. S77). DaB dar Vliivnfncb 
dar niiMB itafaa «olche He^ünillKitagaa cuaieht in B«traebt kun, konDle Tan gl 
ttbfa mm» Valtalinia AmnUiraBgeii ciatDcIiiiteci. Die ErteiltiDg oeikter Vor- 
neUi war mb fr«l»r AufluB kakarllckcr (Inade. Den Knldaag uch luli«« 
irM— 1162 erkWii Tangl lrcfl«nd aU • Kaeb4i«iiMi< de« Han««« fllr di* ItM 
TMlInmin LalMiiDf. da« äehi>6ig«B Ottat roa l-^ratalar >iu d«r beJlMk«« TMdvKa 
aaiaaa W*rkM, da* nur Privdncli* Varbnrrlicliuiig >aiilr<ibw, dai iua BlTsctMtdl 
SM der 1 166 aoek roangalBdtn nlbuilit&n KMkk«ii»n*ch>n dw i«m« Bfimgi. 
Abar kuck dam KatMr mIIi*l lunftt* aa «lUkavBimi ■«in, Im PalU da« klMdwleaas 
Ahlabao« im Olwim* nkbl «ri»der dta bajTNclHMamtekitclia Fraf« tan»hn wa 
1— lan. Wie *icti da^gvn T>b|;I du Wort aflbctaodi enUtaad'ii deaki, S»de Jcfa 
■«ttäfn cinltdCliUiad. BeitliniaiMi muH man ikm fficdffr. woiin er («rad« tMt dicMr 
i^lella dia kitltifat« Spcacb« K'V' AoniLluiie T«a Kabehnag d«rek den iMilm 
BstaDbergtr ipTwltaa lilt, dar jftdiMen Pmuiu aicki braucble. Endlidi balTii^l 
mmA Uia dar KlMtamaabar^r ObMiMettug de« Uiiiu* S«hlb*a« g«g«D Erbcaa 
AouhiM KMogao, dia f«i«lB b«tiffrzit;eatwer1 »iimL 
>) Tgl. OOMD. i 147. 8. ■iUt. Addi 4. 1. 
I <> DoKMckfii ^. 32Ö, Ann 4, 2. 

^ Biatoritcb« ViPr(e(jahTMcbri!t, VIII <IflÜÖ>, Silfl. Kdmnnd Stangal kcnn- 
nteluMi fldefaraUa tot tlltm Erbana i.tb«tt mit KMshi ab ainta •anller»r4«Dl> 
liekaa GeiriBa fllr dt« Mplanatlk« — In dar KlMDmar aoll a* itatt •Tnaya* 
vkttiaekr >Aranga< hviOaa — und acbli«fit •ick ancb ttaitarbin Krhen knappor 
aa ali brfiker« KtnooBrntcii. Sar muQ inlhal wf belanea. dafl gnndo d«Ri Diktator 
daa Mioat L'D»gelmkUi];k«i(en. «f« aaleba da« Minii* auftieiii, auch aaderwina 
a*kt kEiiHg aaiarUsfan; dock glaabi »r, dia >«bj«kti«« Waadaag* aaa •l*M»rli*]- 
traf der alten IiRBvnlittf aad Scknurorarin daa X. JahrbitnderU* ablcdtcu in 
tollaa. PUr dl* F^iboii daa Wagnuar Jodavbriaf*« tHii Stasyal In Uagorar 
Aiufniinnig anUcbiadaa ain, (rots 1111111): leck irr ^ülMicrangaiK, die in drf KanUai 
I-*rl«dricb* 1- hÜDfiR Kaang haf«ipi«n; daraat wicd daiia ancb fllr du Minua 
etxraa »btallea kuntun, wj« etwH roa dem (tlia iind Her der VorvrrbanillonKen*«' 
Auf di« AiuRlbnuigen im dritlaa Kautel d« Erbvnichcn Uatmuckang gibt 
ülflDfcl nicbl viel, MHeil m die llofUutpIlictit belriffl; er inl aber wabl. «enn 
*?r iDetal, •■ lieAe »ick dock olcbi dnis»! «oli«r auaniaflian. ob j«aa Bafraiuaj 
■icli aar die auAerbajrenackea llonage de* Kaiaer» oder dia bajriKfaeii doa Bayern- 
karaega boiiaken aaUt««. Gaa* eatMihledaa da« tnlerc, doon «« kaodalt «Ich an 
DIcnata, die »iiDpati»* au Itisteii liail. oad daA d« Hcnue roa Oalecrftioh niefcl 
gahalraw Kerdan kaaDia. HofU|;a it* Bay««Bk*ri«ifi an beinobaa. varalobt «tek 
gaiu iron aalbat Au meiaten loachl«n dem jOagMas Kiitik4<r Erban» anck daawa 
AiiafltlinniKan hiailcbtlick dar •ottaiürkltchao H*orn*|iilicb(> ain. in nclekcr er 
*<lan Aiiaf;aiif:«patikt aslnar gauiin UnieraiiokanE varmuiaii. i>kDa auch nur latk 



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309 

«rifklirli interpolieii int, wenn Aach Atta Wort afferisndi nicht im 
cchl«n Minus von 115t> vorgekommen »«in kunn, wie «tvlit ««i dnnn 
mit dem dazwiMben Hef^ndvn äatz. den ieh oben den Exequaiur- 
pani^AphtrQ genannl batx:, und welcher der RrklOrung unEWtfifßlbaft 
groÜe Ikbwieriffkeitpn berettet?*) Auch Toa diesem Statut apridit 
Otto TOD Frvisiiig keio Wort in seiner aus der Erinnenitig «nfgeEÜoli- 
oeten lohältsangab« des Minus. So sehr ich aber sotehus zu bedenken 
geben müü, und «o sehr ieh auf die Wif^durkehr jenur bwiden Worte 
Gewirht lege, mit denen OUo von Freising den Umfang der IIce1^ 
fahrlitpiliclit des Horau^a von Österroicb lunicbroibt: r^roB et pro- 
▼incisc, Wortv, di« dann in d«n (jestis Friderici begegnen, su ge- 
denke ich doch, von der eindohlftsrifren Stelle (ins Otto von Freifling- 
eiDen fllr unsere Prtigo viel durch&chlaj^endi^reD Gebraaeh xq mncheo, 
als nur um diu nach Krbcns Meinung interpolierte Htello des Minus 
SU halten Ich wollte «ben hier nur hervorheben, daß jene beiden 
Worle. die auN Ottos Feder in die Gcscbiehte .■■ci »es Neffen, de« Kainers, 
get)o8«en «od, wenn sie ucb im Minus offenbar im cflmlicbeo äinne 
winler 6uden, doch auf jenen Unterhändler hinweisen, der gewtU auch 
auf dir Fanaung der Stipulationen Einllufi genommen hat. Äua einem 
«olohen Vorverträge aber »ollen ja die angezweifelt*'« Worte herubcr- 
geiiomnicn sein. Dali nan die beiden Fahnen auf Uof- und Heer- 
fahrt-4|it1iAht gedeutet werden mUssen, well sieh ohne Frage anf den 
KarbingtT Wieaen die genannte Verptiichtung gegen Hayern in eine 
Bolobe ge^n das Reich verwandelt habe, wftre riellvicht aitzunvhmon. 
wenn nicht jene ander« Stelle in Ottos groilem Geachichtawerfc uns 
eine andere Deutung nahelegen, ja geradezu gehielertsch vor Augen 
stcllei) warde. Sieher erscheint nur, dafi die angezweifelte Stolle in 
Jeder Hituicht die Konsequenzen des so eageiiartig im Fahnen* 
seromoDiell symboliflicrten lobensrechllicheo Vorganges festlegt. 



«»m Woft« deo Gaag jener beaoadw«« Calenacbaiig «u skisdvreii. «elüielk 
SlftBjt»! ctwei uBvoroiaUt; «dU UBtrlichWt oiuBt iDlvtpol&lioii «TMbsik» *l«o 
imnierhia fegctiMii. Wmid » sieb abor uun llbcfbaupt am niciiU aadefM bandeln 

irOidv, al( DtD Putla^uDK A*r V«rpBichluD|[«o Ottttrivlcb* grgrti dkn BolcK sa^b 
üiucbaHt — tri« frtilief gogtn Bajftra m jutrt Komm da« Rctch — and 
"■«IUI elwm aiKrb Aiuiria wio kan r^rbot liawaria okao doealiu ia «intn weiten 
flioae r«ntand<iB oiMtv, der ja tatiacUicb ferbUii;;! ial [tgf. Ui«b. UUllet in 

SlUtfet d«« Vei«uiei für L«nde>l(u&de von ?'ied«iAaU)mii;lL XXXV, 4IOff.). dann 
•tnd aacfa dit ilalloDUcbcn FtldBÜ^'« Ueinricbt gtrettei, (tcaa auf lUtiea Iftfll licti 
da* •r*(Iia> du Mino» «b«iMa gut aDwendoH wl« auf IJo^n. 

■} Oben, S I9ä. Biaadi ball iIs allaxdinf« (Oi «laoaiidfrei. 



3U) 

% 138. WtlbreDd HnpAch »idi uiinndliob viel Uube gibt, Den 
die tres coinitatus aus dura cum omni iure i]ee MinoB hi>niuE- 
zutcsen. ditgegco ihre ZutiammeobulluDf^ mit deu beooBcia deraelbeo 
Urkunde uad ubcrhuupt ibrv Dcutan^ auf Ti;rritQriti» nllentbslbea 
ablebol, tibersiebt er f^nx und gar eine Stelle in eben jenem Werke 
dM Frei8ing«r ßisebof«. dessen Scbildcmng toq der l'^uen- 
betdmung er mit der Dttrle^uDK des MiQU» in EiukJang brineeo will. 
In jener von mir Bchoa Öfters idtiertoii SloUu') heiüt ee, die curi&, 
d. h. der kaiserliclie Uof, babe die O«pflc^;eol)eit gehabt, 'tit rugoK 
per gludiuDi, provinuia« per vexillum b priDoipe tradautur 
Tol fpcipiantur*.') Das bedeutet TUr uns eotioI als; Falinlofaon 
kUnoen nur Provinzen den Reichen sein, oder: mitte U 
Fahnen werden lediglich ProTiosen verliehen. Lassen wir 
vorlnuSg dabingeittellt. wie ttivtte provinciae xu oberKeUen »ind. aber 
Stollen wir die Tatsacbo fcat, daß Kabnieben nicht bloUe QrAl'schitft«- 
bereohtiguDgen. (irafenreebte gewesen Rein küiineo. Denn wenn 
OttOTon Frei»iflg gewoüt hatte. daU nur oinne ins und die ditruntcr 
initveratundeneri ct^milutu». uld aamlieb Grafsebuftärecbte, aulkir dem 
Dukut durch jene beiden l'aJinea seinem Bruder verlieben vri>rdn& 
aind, so wOrde er nicht a<> kurz und bündig in dem anderen Falle 
von provineio echleohthin ^esprocheo haben. Er, dem dcwb die 
Vor;^a<;c auf dum Kcgunsburger Reichstage gerade hiaHichtlich 
ihr^ir lehenGrccbtlicbeD and zercoioni eilen Seite $*j klar tot Augen 
ateben mußten, wQrde dann wohl nach den provinciaa ein vel inra 
OomitiB oder tumit <>in<s Wendung bcigesctet haben, wenn es noch 
andere Fahoenleheu gegeben hflttL>. vun dem apUier mit Blutfahoe 
geliehenen Rlutbuinre^&l ganr. abg?»ehcn. DaS solche Qrafscbafts- 
recht«, die in unserem Falle, wo di« Provinz OHerrelcb schon als 
mit dum erstell Biinncr geliehen angniunimen mird, abgoflondert an 
Lehen gehen würden, wäre ja mOglicb. unwahraehäinlich aber, dall 
sie dann mit Fahnen gelieheD wurden Allein vicIlcirJit sind solche 
Rechte unter dem inilven<taiiden. was Otto sowohl, wie daa von ihm 
inspiriert« Minus a!« provincin bfxviehiiet Untcr^uehen wir daraufhin 
neuerdinge die bisherige Auffassung des Uericht«» in den Gestis 
Friderici im|Kratori<i. 

§ 139. Professor Dopsch frlaubl tu wissen, daß von den zwei 
Fahaea, die bei der lilrbcbnng Oi^terreichs zam Uerzogtum in Ver- 

>) Otto Fri>. 0«st. Frid. II, b. Vgl ubvo, n 1C6 und 113. 

^ UG- SS. XX, 39S, Z. 29. 



Ü 



311 



wettduiij; ^kommen sind, äie eine dus Terntoriuni der Mark, di« 
andere die Grafscbaftsrecbte zu bedeuten gehabt bstle. hl das 
uB^lieh? Wir aprechfn nictt mehr davon, daß in dieser Pnhiiu 
das VAsillnm sKCf^incum, aoob |)r«otrinum g«nAiint. TOrtiegc. n-elcbe« 
die mit Blntbann verbundenen ReiebalebeD, b^iuhuoc^ivroiKP cbm Regal 
der Ulat^richtsbarkeit bedeateto, denn wir baben ja ge.->«ben. dafi 
diesw Re^ol in dem markiHcben Vorrecht de« OiD^n» zu dgcncn 
Uulden zwar rorbcrvitct, im Minus «bi^r dem Herzoge voa Oater- 
reicb erst in den frabästpn Anfügen zuj^Alanden var. M'tilclie 
Rolle hau« denn such dieses ßlutbanner in der Zertinoiiie von 
1156 dpieleo flollcn. Ndimon wir an, «a waren dio xn-ci Fahnen 
aus den siebeD UHnnrrn hcraaegcnommen. mit denen ßayeru 
zu Lelien ging. Dann l>«l'and aicli unter den «ieben baj'ri- 
sehen KaDiiero aaeh da« Blutbantier. Solche« kOnute man 
nllinifalls akzeptieren. Das BIntbunner und sechf andere Fabnon 
tiAite mithin tleinrich Jasomii^tt dem deutschen Kaiser zurllck- 
g«»tellt und dieser Heinrieb dem [.Owen mitsamt Bayurti, gluicbeaui 
alfl Symbol Bayerns. eingobXndiget Bis daher gebt altea gut. Wie 
aber erklArt man. daß Heinrich der l^üwe aus jenen »ieben baveri«chen 
üaiiueru irerade das Blutbanner zusammen mit dem die Mark 
bedeutoudca. zurflckutellu', da» Blutbanner, daii ja auch fUr ihn die 
oberste Gerichtsbarkeit im IIenof;tutn bedeutete, die Summe, den 
InbegrifT der Gmrenreebte, denn den Ftlnthsn lieb der Kaiiwr 
Qrafflohttft nach SachBenspie^l. Und diesem ÖraCscbafuireebteä hatte 
«ich diT Hf-rzojiE von BayCm beg«ben? Wa» blieb ihm dann? 8otlte er 
in aeinom Ucrzoi^tum Bayern nicht mehr ßlulbann fahren, nicht mehr 
Oraf!tchftft--'re<:hte ansllbpn? ti» i*t doch viel ober anzunehmen, daß 
mit den beiden Fahnen etwas dargestellt wurde, dessen sieh Heinneh 
der Ijiivnf ftlr immer entauOerte und entdoßem konnte. Das aber, 
dessen er sich begeben mochte, kiinnen ulchi die (jrafenrechte in 
•aiscm Uorzdgtum Bayeni gewoHcn sein, «ondc'rn nur etwa die 
Grarsciu ßarecbtc in der Mark, auf die er venuchtete. Da dies aber 
nur ein leilwei^er Verzieht war, »o konnte doch nicht wohl ein 
Bauuer ausgobitudipt wurde», das eto Qanze«. nllmlicb Biatbum im 
ganzen lionfigtam Bayern, zur Darstellung brachte. 

Da^ gilt nun a«lb9t dann, wenn man von dem Blutbaun ganz 
absieht und nnr roo Orafsebaftsrecbton spricht. i>enii sollte die 
eine Fobue (Jrat'scbaf^reehte in ganz Bayern bedeutet haben, so 
konnte man Heinriirh dem LOwen nicht wohl zumateu. daß er sie 



S12 



EurUokstellte — was blieb ibm d&un? — und Friedrich konnte ate nicbt 
wohl demneaeo Herzqg von Osterreicii Ube.r<rebeii. denn dersollb? doch 
nicbt Oraticbaftsrecbte in g&iiz Bayern besjtten. Besag'te jedoob 
dM ÜDc frft«liclic Bttnaor. wie Dopscli will, nur GmfscliaAarcclit 
to OitterFeicb. dann eiilftteht billig die Kraj^e, was denn die Übrigen 
ftnf Fahnen zu bodeaten faiitt«ii- Oie*c ¥nge c&tstobt auch dann, 
vnjnn man unter dieser Belebnung mit Urafsdiaftsrechteh gar uicbu 
ander«) verstehen will, als die ErmScbtiguog. die alicnfaU» im 
Fumtentumc CDtliiUteucn Orafscbuft«» uiclil weiter Ivilieu su tutlaaen^ 
also etwa die EmiUchtignng, die kleinen Provinwn. aus denen «Üe 
große Proviiit bestand, niolit lebeim weise zu anderweitiger Ver- 
waltoßg auHZutun. Demi gerade dieses Vurrocbt, das allerdings nur 
aus der Einheit der Ihlarkgrafschaft fließt, »if wir sehen werden, 
wird ja als lebeusmjtßig festgelej^s Charakterietikon der Mark 
auf^elaßt aitd mu^ daher auch den Ubrigeu Marken Baj^ems zu- 
geschriivben werden. 

^ 140. Es ist, ich wiederhole e«, eine billige, keine mUüige 
Frage, was die übrigen Banner bedeatateo. I^n gana oberflUclilicher 
Versuch, niitt dienu Budeuliing xa vergegenwUnigco, wird das er- 
siohüich machen. — Dana ist, wie aohon in den Tagen Kaiser 
Heinrich? II.. jedenfalls das Herzogtum Bayeni dnrch eine» der 
Banner vertreten, welche tleiiiricb von Österreich an Kaiwr Fried- 
rich 1. xuruck»t4-llt. Wenn frnier, die eine von den beiden, ibm 
wieder «urUekgestellten Fahnen <)eterre!ch voretellt«, bo ist weiter 
Ml Uli nehmen, diill auch die Ubri{!cn zu Payern goltürigen 
Marken durch je ein Banner veclreien waren, also die 
Steiermark. Islrien und die Mordmark'); damit wflrcD sebon fllnf 
TOD den Fabuen der Leheneseremonie von 1156 erklärt. Sollt« 
Duii eine Mtchste den Blutbanu fUr goni Bayern liedeuten. so kann 
die Biebeiiie nicht wubl Grafcnrcebte in Österreieh darstellen: denn 
derlei (rrafenrecbte gab es ohne Zweifel in den übrigen drei Marken 
auch. Und selbst wenn wir atinehmen wollen, es habe sich in der 
eine« Fabnc, die ich Jetzt diu eccbotv naoote. uicbt um den Blat- 
baon gebändelt, dieser sei vielmehr in der bavrischcn Irf-honHfaliDe, 
die ieh nunmehr an erster Stelle aafz^lte. mit inbegriffen geveeoD 



MG 88. XVII, 382. Z. 43 IT. Kam hiio naqua ijoaluor inBrebimM: AMtria 
»t 8Cjna, Yitttft. ChAmbeiwU. qul dtcebalnr d» Votibareb, »rocvtt »d celebrationem 
cutic dnc)* BaKari» voaioluuil, *ieut tt>di« (c. ISänt «piteopl et coiniie* ipdua 
lentt tactn ivrenlur. 



313 



— eioe ganz glaubliche Verrnntung. wie nben gezeigt worden tat^) 

— uod wcQii demnach das von mir frOher als Blutfahne aiige- 
QODunc-oc BauDvr nocb «reiche solche Grftfviircchu.-, ctvm i» uiDcr 
Anderen Hark, rielleioht in der Steiermarfc. ai)Z«i|^eii sollte, »o 
blioben noch immer zwei oder ear mehr hiniiicbtlic)) der Orafcn- 
reohte uQKedeckte Marken Übrig, d. b. solche, deren Grafscbarten 

^oder Grafsfib&fWocbt nicht durch FahncD versinnbildlicht gowcsen 
wttreu. 

Anders, wenn mit den zwei letzten Fahnen, deren eine von Otto 
von Preisini; rerwahrt trird, dio also in irgend einem Zusammenhang« 
mit Oatcrreich steht, und deren andere ich toehen auf Steiermark 

^bezogen habe, denn doch Territorien gemeint »ind, nur eben 
solche, die xnrur vim den belreflenileD Markgrafvn beseoMn waren, 
aber in einem anderen Wrbnltnisse bcaonderB xn Uayfim »landen, 
als die von ihnen verwalteten Markgebiet« selbst Die Worte des 
MiDQs. tiach welchen der Markgraf von Osterreich oder doch ein Ahn- 
herr deaaelbeo clnerdeit« außer sancr ilark noch ba,yerische Lehen 
hatte, und anderseits, was wir von den Rechten de« Kirutiier 
Markgrafen in alten Traungau im Lande ob der Enns wissen, 
ferner das aoi Geurgen berger Tage beendete, in den Berichten nur 
angedeatete, weil von der Mitwelt, von den geistlichen Cbronik- 
»chrvibi^m in seinem Bucht«mumcntc nicht ganz erfußte Bingen jen^r 
beiden FUi'aten am das Land, das epjttor den Hauptbestatidtifil von 
OberiSalerreich aaamaehte, niid nicht ituni wenigiit«n die spätere Hal- 
tOBg Bayerns in der oberüslerreitrhischen Frage, da« alles freist 
darauf hin, daß dt-r hier vorhundt-ne Kontliki auf alte, konkur- 
rierende L«<hensvcrhaltnisse xn Bayern sorUckgeht. Demnach wurde 
di« zweite Fahne bei Otto von Freiaing and würden Qberbaapt 
xvei Banner von den sieben, die 115ti auf der Wie«e za Barbing 
»or Verwendung kamen, sich dennoch auf Oberüslerreich hcuiehen. 
Eine von ilnicu ward entl^ültig dum neuen lU-rzog von Österreich 
eiugeli&ndigi; sie ist mit unter denei), ubvr welche des Herzogs Urudur 

ifweimal spricbl. Die undere wHr« noch in den Hluden den Uerxogs 
Toa Bayern verblieben, wie auch das Bunner, daa Steiermark bo- 
deatotc'i; ca bedeutete die Herrschaft Stcier, von der die Kurntncr 
Mark nachträglich den Namen acgeuommeu. — Freilich kann eine 
A.iüTassuiig Tdu den durch die zweite Fahne in Otloa Behobt aym- 

■) obM. I lue. 



314 

bolisierten Gebiete, von der anderen provincia, wie Otto aa^n 
würde, acBgiebigen WiderBprncbes ganz Bicher sein. Ich bin auch 
nicht der Meioang, sie mit dem soeben geschehenen Einwurfe bereits 
begründet zn haben und weiß, daß noch mancherlei Hindernisse 
beseitigt werden müssen. Allein eines kann schon jetzt gesagt wer- 
den. Wenn die beiden Fahnen der Gesta Friderici imperatoris iwei 
Provinzen bedeuten, wofür, wie gesagt, Ottos eigene Worte sprechen, 
so können sie nicht in dem VerhaltnisBe zueinander stehen, wie 
etwa der comitatns Romaricensia von 1259 zum Herzogtnme Ober- 
lothringen, wovon jener einen Teil bildet') Nicht als ob ich es un- 
bedingt für auBgeachlossen, für unmöglich hielte, daÜ ein bestimmter 
Teil Neu-^sterroicbs dem neuen Herzog in ganz besonderer Weise 
zn Lehen gegeben worden sei. Allein solange die Markgrafsefaaft 
eine Grafschaft ist — und das ist sie — und solange das neue Her- 
zogtum nichts ist, als die im Range erhöhte Grafschaft, dann wird 
man sich innerhalb ihrer Grenzen unmöglich eine dem neuen Mark- 
grafen noch besonders zugewiesene provincia denken können. Der 
babenbergiscbe Herzog von Bayern konnte innerhalb seines wei- 
teren Dukates noch besonders Markgraf sein und daher beide Titel 
brauchen. Es standen ihm zwei Provinzen zu, der engere Dakat 
nnd die Ostmark. Aber dem Markherzog von Österreich kann inner- 
halb der einstigen Markgrafschaft keine Grafschaft als besondere 
Provinz zustehen und nun vollends keine tres comitatus, die angeb- 
lich nur mit der Provinz Ostmark zusammenfallen. 

g 141. Was also bedeutet provincia? Unzweifelhaft ein Vei^ 
waltungsgebiet, sei es geistlichen Charakters, wie die Kirclienprovinz, 
sei es weltlichen, wie etwa die Fürstentümer des Reiches. Und 
gerade solche Fürstentümer scheinen in den Geetis Friderici gemeint 
zu sein. Denn wir können den Worten Ottos von Freising die freilich 
am sieben Jahrzehnte jüngeren des vetus auctor an die Seite stellen, 
der »cumvexillis saecularibusfendauraniaillustrisdignitatisi verliehen 
werden läßt. »Illustris« ist das ständige Beiwort des FUrstenstandes, 
wie Ficker nachgewiesen hat; »feuda illustris dignitatis« sind Lefaen 
von fürstlichem Range. Sie mtlssen vom Reichshaupte verlieben 
sein; denn >nullum est feudum vexilli, de quo possit illustris seu 
princeps tieri, nisi illud sibi a rege conferatur«.''') Allerdings zahlten, 
zumal vor 1180, auch die Grafen zu den illustres, daraus kann 

1) Vg]. oben. § 112 und öftem. 

■) Vom BeicbsfUritenitande. § 111. S. 151. 



aber nicht <2eful^rt irerd«», d«ß die Vrrloiliun); von Grafenreciitj 
ohne Amts^btvt. schon Fahnlehoo bc^Undvtc. Nimmt man aber 
lirafenberuchü^ang ala den Cnbalt des Ftirab^ntums, an mlUlte mas 
trotz Dopschs Kritik ui Strnadts Auffassung die Provinz Ost«i>- 
reich zwi-itnul mit Fahne verlieh«!) nrerden iuacn, einmal aiii Uark- 
bersogcaro. diu xneite Ual als Grafschaft, oder man muß zu dorn 
aadereo Schlusae gelangen, da£ Atitt von den ßaheobergcrn vormals 
als Mark. oacbmaU als Herzof^am verwalteio Qebiet aus zwei Pro- 
riuMQ bestand, weil tu mit zwei Fahnen auf^'eisundt und geliehen 
wurde. Itoch davon mehr im folgenden Paragraphen. Wir mOsacn 
ein Hauptmerkmal den IW^rifTe» |>r<>vineia, der ubrigentt ^elegent- 
lieb mit pagus gteicfage«tvllt wird'), aus der GcgenBberslellung zu 
CBgnam beraualeeen. weichea nach Ottua ßi>ricbl per ^ladium ver- 
Udien vird. Üb» regnam »fbl in aotchem Falle zam imperinm nar 
in Lebcnaverband, die provincia in »taaläreehtlichcui Verbiiudo. 
Bllhmfiiulso. duxiwlbstuts Künigr^ch noch perTuxilU vcrliuhi-ii wird, 
ist genau »o ein (iüed de« Römi»oben lUirbed wie Bayern, Kacbaeo, 
<_t]iterreich. E» iM eine provincia ^blieben. Dagegen Dfinemark, 
Arelat, Italien, Ungarn. Kugland^) sind oder wariui trotz allffllUger 
SchwiTtbctchnuog durch den dcrul^chcn K<)n)g nicbl Ri-icbsglivdt-r. 
Ale l'ruvinaen bezeicJine» noch in der aweiten llillfte des Xlll. .lalir- 
hundert» Thntnim Tuscna') die Lander Üatorreieh. Sieieniiark und 
Kuniten, eine Stelle, auf die wir dt^mDiichnt ziuUckkommen. In 
dvr i-retcn Hall'^c dt-tuwlbcn Jahrhnndt^rtfl jtrdoch trtrd in einem sehr 
heat; Ute UM werten, wenn auch nicht rechttkrüftig gewordeueii Instru- 
ntentv Rrain in eigen tl) ml icba'm Zusammenhange ala provincia be- 
Bicbnet. In der Urkunde uflmlieh. wolehe Kaiser FViedrich II. 
dir in Aussicht genommene [Erhebung von Österreich und 
Steiermark zu einem Königreiche bereita ausgestellt halte, ist auch 
von der Erhebung Kraina zu einem %'om IMcrrwicfaiHcbcn Künig- 
reiche abhängigen Uerzogtome die Rede — >ut de provincia Ciir- 
niolae ducatum laciaa«. Da Kraiii, uhne kamtnehachea Lehen tu 
1, doch als Mark ku KArnten gehtSrle, war es. wie die Ostmark 
)cr wie die Hioiurmark, proviuciu dca Heicfaca. Im ilabn: 1243 
allle nun Krain tli\s reichsprovinzieUeii Charaktera allerdings verlustig 

■} SebrSdor. $ 18. 

•) Die VeibUlni«» Ijgtn biw vwMliicdcni Über Arolat «teil«: K»dlieb. 
oir von HalMbiirg. J07 C 



316 

gehen; aber nicht etwa an sich darch die Erhebang zam Dakftt, 
sondern dadnreh, daß diese Erhebang dnrch den präsomtiren König 
Friedrich II. erfolgen and Krain reichsmittelbar werden sollte, eine 
Provinz des Königtums Österreich. Also doch provinoia. Dann 
wnrden wohl mit den zwei bayrischen Fahnen von 1156 zwei 
bayrische Provinzen an das Reich znrückgestellt and hierauf in 
Reichsprovinzen verwandelt. Von des Reichs wegen aber sind docatus 
und provincia durchaus keine Gegens&tze. sondern es gibt Provinzen 
von herzoglichem Range, es gibt aber auch Provinzen von mark- 
gräflichem und gräflichem Range, was eben fUr Krain hier erhellt. 
Ja selbst solche von königUchem Range gibt es. wie Böhmen bereits 
war und Österreich 124Ö werden sollte. Ohne diesen provinziellen 
Charakter wäre die Reichsmitt«lbarkeit Krains anmöglich. Auf die 
sehr interessante Tataachei d&Ü noch gegen Ende des XIII. Jahr- 
hunderts das Machland bald als Grafschaft, bald als provincia 
bezeichnet wird, kommen wir im vorletzten Kapitel unserer Arbeit 
eingehend zu sprechen. '} Sp&ter tritt au die Stelle von provincia 
das Wort terra, als Zeuge eines wichtigen Schrittes in der Entwick- 
lung der Landesberrlicbkeit und Laudeshoheit. Im Gegensatz daxa 
betont eben — ganz im Sinne der imperialistischen Politik der Hohen- 
staafen provincia die Unselbständigkeit des Fürsten, die Abhängig- 
keit des Landes vom Reiche, dessen Glied es ist. Die prenllisohe 
Provinz von heute und das uaterreichische Kronland von hente 
bezeichnen verschiedene Entwicklungsstufen dieser Abhängigkeit 
§ 142. Daß das Verwaltungsgebiet Heinrichs II. von Österreich 
aus zwei Froviuzen bestand, daß jede von den beiden Fahnen ein 
besonderes Fabnlehen repräsentierte, scheint ja dem bisherigen G^eb- 
nisse der Untersuchung zu entsprechen. Denn entgegen dem Satse 
Strnadts. nach welchem »Fahnen iu der R^el keineswegs Symbol 
eines Territoriums« gewesen wären ^), können wir mit Fug behaupten, 
daü Fahnen in der Regel Symbole von Territorien sind and 
daß bei Verwendung mehrerer Fahnen eine jede sich auf ein anderes 
Territorium bezieht. Freilich, Beispiele ans dem deutschen Inter- 
regnum und aus noch späterer Zeit scheinem dem zu widersprechen. 
Lothringen wird 12Ö8 mit fünf Fahnen verliehen, deren Besie- 
huug zur Territorialität mindestens nicht so einfach za ermitteln 

>) Vgl.: Haienöhrl, Archiv. LXXXIl, S. 468, und jeUt »ncli Uhllti !■: 
Jiihrbacher de» DeaUcheo Reiches unter Otto 11. und III. 23S. 

') V;l. oben, 8. 110; jeUt aach: Tang], Neuei Archir. XXX, 484. 



H17 



ist and dftvon jcdu oiiizelnu äicli gewiB nicht auf itTtkchifdene Terri- 
torien be/tebl ') Und bi-i <l«r Erhöhung <)ea Grafen von Oeldvrs in 
den ReicbttfUrüten.ttand koiniuen ^m zwanzig LebeiufMhnciD xur Ad- 
wenduDg. um priiioiputas dignitatom cum ioriboe sibi annexiu zu 
«yinboUsiuren, ^j Das war im Jahre 1317. und rs ist sicher, daß 
hier weai^Cetu einzelne Kähnen nur >iura*. nicht 'territoriii« hß- 
dentec haben inOsaen, ganz Bbnlich wie im Jahre 1268 in Lothringen. 
Allein, wft» nieht Ubencheo worden darf, e» stammen dies« Bei- 
spiele aus dt;m Suficr^iten Wf>sten des Reinbra, und ea kume noch 
zn unlersnchen. ob nicht vielleicht cloi;li die fOaf l(>tIiriD<;uch«n 
Kähnen iu eioein frtlheren Stadium Territorien udcr richtiger 
pruviiiciac^ d, h. verschiedeno FtlrstentUmor — GrafscbafteD nicht 
aa3^e.toM(>s««n — bedeutet haben; dann wltreti dteae vielleiebt den 
HersogOD abbanden gekommen, und man hsttfl den FaboeD. um 
ihre /^»hl nicht ruduziun-ii zu mtlsfien, andcn^ ßf^dcutun); nDt«Hc^t. 
Ich spreche jedoch diesen Gedanken nur mit Vorbehalt an». Un- 
zweifelhaft auf einem MiliverstHndni-tso beruht v». wenn ntifb zwvi 
&8terreic bischen Quellenschriften aus der Zeit um 1285 die Belchnnn/t 
ron [iülinien und Milbren mit 8Ö — »nge ■ifichsunddreillig — Fabnon 
Toi^nommon wurde. Wir werden auch dieser Nachricht mich 
ciniKo Brachiun^ schenken intli^sen, am bcBlea in einem der nMohston 
Pura^raphe. Nun wende ich mich der Frapo zu. welche zwei 
Proriozen denn mit den zwei Fahnen von 1 156 gemeint sein ml>gen. 

g 14:), Um dies« Untersuchung mit mehr Erfolg fuhren zu 
künnen, Inssen wir unseren Blick xtinnchüt anf ein Nachbarland 
( taterreicbs fallen, in welchem wir eine tbniiche Steigerung der 
Palinenzabl wie in Bauern finden, und bei einer buitimniten Ge- 
legenheit zwei von mehreren Fahnen bestimmten LKndom zugewiesen 

;') Ea ist dies Bßhm«ii, da» mit seinen üogeoannten Neben- 
aU Glied des Rümtsch-deutscben Reiche« gelb^itver^txndlirh 
Buob den Ktilwickluiigngun^ dcM duutavhcn l^i^heasHiremouiells mit- 
macht. Wie Bayern ist «neb BCbmen ursprünglich mit nur 
einer Fabn«.- rer liehen worden. *) Die frllheaten K&cbi'icbt«n 



l) Obri^oa ÜB rcnliiMliwr Ftll, i£«ib«kr. dar S«iigB]r-Sitfluii^ 23, I0&. 

') Ftokcr, 1. a. U. ä 77, ». 116. 

*) JiraJek. Ü»* Ütoht ia BSkaMi und Makrra. I I, i9. Vgl. oboa, % l(b. 

'I SIQ. tjä IX. 1(16, Z. 31 e.i li«m «1 bac ebtiauli (sc. dvx Btaddaiw) 
pTfcibna Bpod cveatiBOi, ut ein* (rktri Borivoj^ vvxillain djirtt «1 . . . BmbU 
. . . «Migusrot, quo pgit obitiiBi tatau fnirvm «lu Borirc? Hbl>auu«iil la sotiitm. 



318 



darBber stammen ron d«m 1125 Ferstorbeoen Praf^er Deohoni 
OosnoK, der die cnue Noiiz (^nrltbcr zum Jalirv 1(>ÖÜ, tli<- zirate 
schon zam Jthre 1101 ') bringt. Aoeh die beiden erstea Fort- 
setaungi-n des Co!<maH Pra^naiH wiitaen xa den Jabren 1 1 26 '), 1 198') 
and 1140*) nur von einor Fabn« zu luelden, worauf man dann in 
dem Prtt^r Oes«fiichiavrurk Iftnge Z«>t liWrlimapt kuiacr divsbc^ettg- 
licbcD Kunde begoffnet, erst bis xnr Kntftliluiig Über die Belclinang 
König Ottokara II. durch Kaiser Rudolf I. rom Jahre 12715. auf 
die wir spilter zurUckkoiamen. Doch sind wir aus Qerlaohs Kort- 
»etKUQ^ dca ViDseoz too Prag ans den zn-anei^ Jahrun bis 1199 
wieder hinreiobcnd tibor (lert«i Vorgange unterrichtet. Aber mvrk- 
wttrdif;:er weise treten schon in lierlacba erster RrwAhnung einer 
böhini«;hen Fnhnenlwlchnnng zum Jahre 1174 fünf Fahnen auf* 
wie auch in seinen vreitereu Notiisen zu den Jahren 1177'>, 1189'') 
und 1103*) stets reo einer Mebraabl von Bannern die Bede ist. 

1) Ebenda. 103. Z. 13 f. A i|UO (ic Vii4«Ii1cd waloTl fratr* tlorlvoj) cuur 
aCMfria ])ecuiiia dai jiibi ducatiit imifuia at vaxilltitii; sod in dooam elipodl 
ofctmlum ponit in «TbiWio Bovmoraai. 

•) Continuatia Suaransi«, cbeDda 1.% Z. 46. Et h««c i)I(!«im (teil, nt 
iMhmtia») tnuiadidil «i (wil. duoi 6obwl>u I) jmr msaucu ipaiKDo ducata* 
vcxillom . , . 

*) C»i>tta. WlMCgradenjis, ebonda 144, Z. 26 ff. Gratia (juoque ngis (»C 
Ooara^I III) rilil hvent« Id obtintül (m. dnx äobeilatu) ut Aliua (uiu Wladidwn 
In regtmeo dueaiua (•! «uee«der«t. Cul Uc«t poero v«xSt1uin jinaant« pntrt ■ 
Tvgm tradititm «d, ad qood oontimiiadnni omnoi Bobeni proceres (opta rtliipilM 
»anctarum coram rege >u;nuD«ala foconiDt. 

*) L'oQliD. WiKneirriidciDaiii, ebaDda I4li, Z. 3» f. Wladjilaiu (U) OM aak 
eonvull r»gan Conndain (Illj lerlmm Huna la urbo Batatwik. ot Ibl aeoftitto 
roxllla a reg:« ndili in lua 

>) Cootio. O«rtaoi MG. SS XVU, ti8tf. Z. 86 f. Deind* traditor duminign 
Bownlu rodftlric« In vsiltlii quinqn«, »ti EpM cenil i})»!« fntri luoZobralBO 
lUBf aau •Mtlairi . . . 

*) Ebenda. 689, Z. I7ff. . , . nam donalar «luiden (aeU. fridtrlcna) vexillla 
de ntaan CMarü, »«d mnllani tomporla inltrcodil, aauquaai Aal bulua T«t fiati, 
qtifa «4 ImpnralOT oon raoabat, tt Zoliettlaiti retitt«» puabst . . . 

^ Ebenda. 706, Z. 17 tT. TaliUr «tgo adoplna (iril. Cuoradiu iial m Otto) 
pTÜno ca«lmni, deinde Raemism ave aon ot favorein BoMnaram, Rati«|Mnun adiil 
et da aiaaa imponilorü in altima «int enria . . . reailla peceeph. 

") Kbenda. 707, Z. bff. Uuiu> ^uil Hoiniici e|iieoo|i!) Elle (ecil impAraut) 
twUe Blnlnm enduln*, prehtnni ducem Pr«iDi>laum lanquaia I«m« maUalatla 
et ledendM p«r*0Ba« reinn dacal« Boenla atdodkaTii h pro eo cfUcopnm ouin 
Texlllia, aiciit mo« e«i aolLespaller tnT«ailtain ia B««(aian reotieit, tnttiper «I 
uinM dtUiui dhaiilL 



31» 



M iilso iniltlorwcilo eine Vcrtnclirung der Fahntin auf fünf 
■tett(;efunden. Vod gerinf^orer ßedeuCang durfte eit sein, wenn (tonn 
in einer iSilä') DiR()ßrj*ci>ebri«bencn Notiz der größeren Ann&lcn 
von Köln zum Jahre L212') eioma] gar von iteohii F:ihDei) dio 
Kode ist /eitlie-b dem Erei^ni»sn Hube genug, mag der Schreiber 
der Haebricbi dudi durch dtut Biiixutrvtcu rAumUcbi^ EDtfumaug 
und durch den UmBttind. d^U er seibat nicht Auf^nzeage war und 
daß ja raliiAt Augc>nzeag«n Irrtümern in den Rini!«lheiten onur^ 
laofeD kOnneu, vcranlaÜt worden seil], die sechn Kahaen an die 
äioile der foof su rUcken. die «rir. freiliob mit gnaz cigcnurtigcr 
Bedeutung, wlbet noch iin dorn Bcluhnungsakte von 1276 VQrBnden. 
Allein, vielleicht wird man auch aus den Mitteüunjien ein«» ßer- 
Iflch, de» Abte« von Mublbanxcn. nicht ohneweiters «chlio&en dürfen. 
ea Mira p1<)txlicb im Jahre 1174 an die Stelle der bisher einen 
Fahne für Rülimen drren fünf gdrclen. 

§ 144. Vi^ darf nliinlirh nicht ubor»«ben werden, daßOcrlach, 
wie scboD Pangerl ') dargietac, erat gegen E^de des XII. Jahr- 
hunderts zu schreiben iwgounen hat, nach Erhebnn^ Mührens 
itumRcichsfUrstentume nnd nachZurQckfUhruDgdiese» Landes 
in blthmisuhe Abhaogigk^iit. Die Belubnung von 1174 aber liegt 
ein »ollcä Mim»chcnah«r, wo niohl weiter vor (jerlachs Tätigkeit 
alit (leschicliLHärhrciber, mit der Oerlacb nicht vor 1197 anhebt 
Insbesondere die Eroignioae dieses Jahres bringt er erst naeh 1214. also 
melir ala ein Vicrteljahrbundert später zu Fergarauat. Mit dieser 
AuffoMung stimmt auch so Kiemlicb die Wattenbachs, der das \Verk 
von V'\n7»t)K und Qerlacfa in neuerer Zeit bernuNgegeben hat^ und 
die Krcigni^c von 1176 an nach 1 19& medergesoh rieben sein UUt.') 
Ua kann aohon an sich ein Irrtum leicht unterlaufen; es können. 
wie wir oben bei Betrachtung der Thüringer Nnehrichlen gesehen 
haben") mittlerweile Vürbliltnistio eingetreten sein, welche die Auf- 
Jasning des Schreiben so sehr bveinÖuaaen, dafi «r ohne Bodenkt-n 

t) Ebrnda. S. 72«. 

^ lanab* Calon. muloii (Oo^frAdtn OiIodImiU) MO, »). XVII. 8S6, 
Z, 13 fr. B«ipiBin «tiam Boenie, ablodicatnai (Macrlo (I) rvgi per MBlenciun piilk- 
cipain, du» ip«tni praMiitlfaua (upaBi* *t phtrimls aobüibu* tarro cnm 6 vuIUU 
M*icnat. 

>) Codu !Urakar«<i>U. PRA >, &. |«f. XXXIV. 

'} MO. «i. IVIl. 65«. 

*) i 107. Oaia T«rgl»ichB (Ibrigcoa »neb: Flckvr, Vmu RatefaifUnUfi- 
Maod. $ 68. 8. IM. 



320 

das zu seiner Zeit flbliclie als das schon früher ond seit jeher G«- 
braachliche darBtellt. Es wurde das vielleicht auch den früheren 
Fortsetzen! des Cosmas widerfahren sein, hatte nicht zu ihrer Zeit 
noch immer die eine Fahne das Lehenssymbol von Böhmen ge- 
bildet. Zu Gerlachs Zeit war dies gewiß nicht mehr der Fall; zu 
Ende des XII. and zu Beginn des XIII. Jahrhunderts ist ohne 
Zweifel die Belehnung mit Böhmen nnd seinen Nebenlandem schon 
mit fünf Bannern vorgenommen worden. Ob dies jedoch schon 1174 
und 1177 der Fall war, ist mehr als zweifelhaft. Und da dürfte eben 
eines jener eingangs erwähnten Ereignisse, ja vielleicht dtlrftes sogar 
beide mitgewirkt haben, um Gerlach die Meinang beizubringen, 
schon in den siebziger Jahren sei Bühmen mit mehreren Fahnen 
verliehen worden. Die Erhebung Mährens zum unmittelbaren Belchs- 
lehen, mit welchen eben wieder Kaiser Friedrich I. »den Streit der 
Przemyaliden Friedrich und Konrad Otto 1 182* zu Ende brachte •) — 
ganz ähnlich wie er hinsichtlich Bayerns und Österreichs vor einem 
Vierteljahrhundert getan — hat jedenfalls die Wirkung gehabt, daß 
seither fllr M&hren ein eigenes Banner Üblich wurde. Daran ist 
nicht zu zweifeln. Allein Mähren erfreute sich dieser Unabhängig- 
keit von Böhmen nur sehr kurze Zeit. Vielleicht ist sie schon 1194 
in die BrUche gegangen, als Bischof - Herzog Heinrich M&hren 
wieder eroberte.*) Gewiß aber hat sie das Jahr 1197 nicht tlber- 
danert. Eben in dem Jahre, in dem Gerlach frühestens zu schreiben 
begonnen haben kann, macht der energische Wladialaw III. (Hein- 
rich) der Selbständigkeit Mährens dadurch ein Ende, daß er es 
wieder mit Böhmen vereinigt und seinem Bruder, dem durch Bischof- 
Herzog Heinrich verdrängten Böhmenherzog Przemysl Ottokar als 
bühmisches Lehen gibt') Das wird wohl bei den künftigen böh- 
mischen Belehnungen zum Ausdrucke gekommen sein; denn von 
rechtswegen war jetzt Mähren Beichsaftcrlehen. genau so, wie es 
ein halbes Jahrhundert später Krain gelegentlich der geplanten 
Erhebung zum Herzogtume hätte werden sollen,^) Der König oder 
Herzog von Böhmen Überkam bei seiner Belehnung außer dem 
Banner fUr Böhmen auch das für Mähren, das er dann mit der 
Markgrafschaft weiter leihen mochte, ähnlich wie wir es bei Oater- 

■) Ficker. s. ». O. § 71, S. 106. 

-] Huber, GHchichte Österreichs. I, ÜIQ. 

^) Ebenda. 382. 

') Vgi. oben, S 141 



381 



Teich annehmen mUsseo. fUr den FatI, daß Ate rielun baycriacben 
Falitii^n !ti>lii>ii vor 115() UMich gewesen aind. Kreilicli bleiben nun 
fUr Kühmcn und Msbreii iiocti ämi KnhDco zu eriduren. Vielleicht 
entfielon mehrere Fabucii auf Mähren, in wtilchi'in ©s ja xwci Pro- 
vinzen, OttnUU und BrtlDO, pab. Doch ist es nicht UDsei« Aufj^abe, daa 
fnstzust4.-llcn. Aiii» nnderen GrUndea verweilen wir noch einige Zeit 
bei diesem Thoiim. 

S 145. Die Annahme. dnU die Ftlnrzahl der bühniiscben Fahnen 
f rst dem Ende des XII. oder par dem Beginne des XIII, Jahrhandert* 
ontütamme. beruht liauptztUclilifb uuf dem Mangel beäundcrvr £r- 
eijiniiaw. die ein früheres Aufkommeu dieser Neuerung auf bohmi- 
scbrm Boden erkiflren könnton. Immerhin wRre doch eine ErklH- 
rnng zulllssi^. die allerdiD^s nicht iii cineni bestimmten Vorgänge 
innerb&lb der Gestchichtv Hohmi^ns r.u suchen i.it. Mindern außer- 
halb desselben. Ich denke dabei an die Möglichkeit gegen- 
seitiger Beeinflussung dt'r beiden Nnebbnrherxogtfitncr 
Havern und Bülhmcn. Ks wUrc immerhin znl&«8ig. an Nach- 
lihmung der bayerischen VerhftltniRse in Bdhmen zu denken, wie 
sie zufolge der Darstellung Ottos von Freising nach dein uns be- 
aoodcra intcrvesicrcndg Vorgang T«n 1 1 i)t\ sieh t-i^-Wn haben 
mÜMieD. }CaeU der Ausscheidung Österreichs aus dtm haverischen 
Lchensvcrbnnde. naob Hingabe der zvei Fahnen vonseiten de« 
Bayernherjsogs an da« Keieh und ronseilen des Kaiser« an den neuen 
Herzog von Ontrm-ich. mußte diis onbiprecbend gL-inindrrtc Bayern nur 
mehr mit fllnf Fahnen geliehen tvnnlen »ein. Und diese fUnfFtihnen 
künute man nllunfjüh nueh für d»H Heruigtiim Bithmt-it und scina 
NebcnlUnder akzeptiert haben, ja es i*it sogar denkbar, daß Böhmen 
voran^gangen und Rayern gefolgt wäre, und daß hier nur fUr 
den Vorgang von Haß zwei weitere Fahnen lehensaymbolisch bin- 
^^gctrct«^-!! wltrcD, was dann vrrnigstens keine Minderung der bayeri- 
'aeheii Fahnenzabl zur Folge gehabt hatte. L'nd xwar mtlUle du» 
eine otler da^ .irnlcre Vorkommnis gerade in jenen Zeitraum rallcn. 
der zwiseben der letzten Nachriebt der WiAWgrader Fnrtsetznrg 
dea Koemas von Prag (1140) und der ernten des Gcriarh al» Forl- 
■etxer de» Vinzenz van Prag (1174 > «ich ausbreitet, mithin gerade 
in die Zeitperiode, in deren Mittelpunkt die ftar Österreich bo 
wichtige Jalirll56 liegt. Gewiß iat es nieht unintere-iKant. dsll man 
in der Zeit vorher regelmütVig nnr von einer Fahne für Böhmen 
bort, und nachiicr nur von oichrcren, beziv'hungswcito von fünf 

3lMuk 4. T. t. tM4«kudi. IMS. ai 



322 

oder deren sechs. Sollte nun die eine oder die andere Vermutung 
über gegenseitige Einflußnahme Bayerns nnd Böhmens in der 
Fahnenfrage sich seinerzeit bestätigen — gegenwärtig ist es ledig- 
lieh Hypothese — so wUrde allerdings jene andere Annahme in 
Schwanken geraten, die wir oben aus der Siebenzahl der Banser 
in Sachsen, Bayern und Toskana '), als dreier Wirkangskreise des 
weifischen Hauses, geknüpft haben. Wie gesagt, ist ja auch dies nur 
eine Annahme gewesen, die der Bestätigung harrt und uns weiter 
nicht beschäftigen soll, um so weniger, als wir uns noch mit einer 
sehr wichtigen Wahrnehmung über die von böhmischen Fürsten 
geführten fünf Lehensfahnen auseinandersetzen müssen. 

§ 146. Wenn wir in einem früheren Paragraphen die Möglich- 
keit zur Erwägang gestellt haben, es könnten den fUnf Fahnen 
von Lothringen vorzeiten durchaus territoriale Bedeutung zugekommen 
sein und daß in der Folge, weil eines nach dem anderen von diesen 
Territorien bis auf das Herzogtum selbst und auf die Grafschaft 
Remiremont dem Herzoge abhanden gekommen, um nicht auch äußer- 
lich diesen Machtschwund zu dokumentiereil. den Fahnen anderweitige 
Bedeutung beigelegt worden sein, so seheinen im gewissen Sinne die 
böhmischen Verhältnisse eine Bestätigung jener Annahme zn bringen. 
In ottokarischer Zeit müssen die fünf böhmischen Fahnen 
ihre Bedeutung geändert haben. Allerdinga die Änderung hier 
im Sudosten des Reichcä ist ganz anders geartet, als jene dort im 
Nordwesten. Dem Schwinden der herzoglichen Macht dort steht hier 
ein mächtiges Anwachsen gegenüber. Immerhin hat auch diesem 
eine Änderung in der Bedeutung zur Folge. Denn wahrend man 
für ganz bestimmt annehmen kann, dafi die fünf Fahnen, von deren 
Anwendung bei der Belehnung Herzog Ulrichs Abt Gerlaeh im 
Jahre 1174 meldet, oder die sechs Fahnen, welche der Gewähra- 
niaim des Kölner Chronisten zum Jahre 1212 gezählt haben will^ 
und überhaupt die mehreren vexilla. von denen in der kurzen Zeit- 
spanne zwischen diesen beiden Jahren die Rede ist, sich sämtlich 
auf die Länder der Krone Böhmen hezieiieii, hat es sich bei der 
erzwungenen Belehnnng Ottokars 11. von Böhmen im Lager von 
Wien 1270 sicherlich anders verhalten. Zwei von diesen Bannern, 
die bei diesem denkwürdigen Akte, der die südöstlichen Marken 
des Reiches neuerdings und auf mehr als ein halbes Jahrtansend 
hinaus mit dem Deutschen Reiche in nahe Verbindung bringen 

') §§ 107 f. 



3S3 



Ute — nur zwei von den fbnr Bannen) werden auf ili«' buliiniscben 
Lande bexo^n, oinea auf da« ilauptliind, aar dnx K^inigjcich, ^an 
zvr&tf! auf «li« MÄrkgrafscliaft Maaren, die (ihrigen "Iret haWti unfrap- 
lich keinen liezuj; zu diesem Teile de» damaligen Dfutuclicn Rci<-b<'-< 
nnd der hcMtigon öBtorrcicb-uDgurisohen Monarchie. Eine genauo 
Schilderung des ganzen Elui^nges wird dies in rolle« Licht sety-en, 
S 147. König Rudolf I, hatte nicht so bald fiewiUheil gL-- 
woHDen. daß ihm die rüminchc Kuri« teiuer!« Schwierigkeiten bei 
Ordnung der Reichsangelegenheiten bereiten wUrdc, als er iiurb 
schon daran ging, die drnhvnd im SDdottt«» des Reiche!) stehende 
>cht des Böhrot^nköiii^K zu brecliuu. Auf dem Nürnberger Reichs- 
te kam ca eu einer pcremtoriHcben Fordcnin^ an Ottükar IL*) 
und, da derralben nicht Folge fceleistet wurde, «ura Kriege, Mit dem In- 
halte des an den mÄchtigeii P fem v:*!' den gestellten P»».-tulalP-i. «iweit 
es in untere Frage einschlügt, werden wir uns im ntteb^en Para- 
graphen beHchnfU^en, hier eilen wir zum vorläufigen AbsebtusK* 
dea üsterroichiscben Proitesaes. Ober den uns die im Prager Dom- 
kapitel eobitandeDe Fort^ctxiing de« KoKma.-^ be/.iebuu|;aweiM> der 
Ajinnlea Otocariani erwÖDBchte Auskunft geben--') Als König Otbi- 
kar üieh immer mehr vcreiniinmt Rah nnd die Wahrnehmung machen 
muDto, wie in densselben Malle die Machtmittel seine» Gegners 
wuchsen, du cnbwhloO er sich unt<T dem Rinflulie »iner Kat- 
geber xur Nacbgiebigk^t.^) Hoffeml anf vullige Begnadigung, Ubcrgnb 
er dem Di)iit!«chen Kllnige fünf Fahnen zum Z«-icheii der Unter- 
werfung und meinte, er würde difselhen fQnf Bonner mit den nh- 
getretcnen LJindcm sofort wieder zorUcWerbalten. Allein er Utoiicht 
sich sehr. Künig Rudolf, vorwhatieud und roraichlig. bllt mit seinem 
Anhange Kat und Übertragt nach rcifliefaf.T Oberlegung dem 
BOhraenkSnig Rwei Fahnen. Dieae zwei Banner vertreten die 
Lfinder Bohnion nnd Mitbren.^) lliaüiehtlieh der Übrigen 



1) fiodlleb, Sudolf von UabttniiK. 232 IT. 

») Ann«le. Oloc«ri»ni >d 1276 MO, SS. IX. Ifll, /.. 17ff. . . . Tnaon« (U' 
qne res Oloksru Ixtl conr-iedentiiHiB et amk-üU Kudoiro «lecto »o itiDctam, *d 
Iniualiam ijMiiM rt pi>tilion»in i^uiitiiiKlun otintn suotriin c«i»iliii mdirrlui mb ■)■« 
abcriüria gnllae «btulft (IM vsxilla i|aifl<|ua in liinni!) Miliicctiani«. «}«nini 
dbl »adow TDiilta cum t«rrli (|afta ro»i|;n**eiDl iaeanlinenti ri^*Liliii. 

") Rfiillleti. a. a D. 2^. 

*( RndoIAu TAro, ut vir ptarlia* •! dUcretni, ciun tat» priBUtibiu tnUr- 
locutaria liabiu, uui maturlori cosiilio rf>gi Oiftcara vaxllla dno rcatimil 
cun iBcrl* DohviuUs «t HarairlK«. 

*!• 



324 

Territorien nimmt ihm Rudolf zwar die Hoffbung auf Rückstellung 
nicht ganz, erklärt sich aber durch zwingende Notlage und (Geld- 
mangel verhindert. angenbUcklich auf seine Wünsche einzugehen.') 
Der Deutsche König macht hiemit offenbar von dem Rechte Ge- 
branch, erledigte Reichslehen durch Jahr und Tag is Heiner Hand 
behalten zu können. Andere Quellen wissen von der FUnfzahl nichts; 
die Historia annorum läßt die Belehnung nur sub vexillo regio statt- 
finden. Im übrigen berichten noch zwei Quellengruppen, daß bei 
dem Verzichte, bezieh unga weise bei dem Belehn nngsakte oder beide 
Male Fahnen zur Anwendung gelangt seien. Die eine wird durch 
die sogenannte >Continuatio Vindobonensis' und die mit ihr ver- 
wandte Wiener Dominikanerctironik vertreten, deren jede die Be- 
lehnung mit Böhmen und Mahren mittels 36 {\} Fahnen vor sich 
gehen läßt: die andere Gruppe bilden die zwei im Chronicon 
Sancti Petri Erfnrdensia zum Jahre 1276 aufeinanderfolgenden Be- 
richte, deren erster die Belehnung. der andere den Verzicht cum 
vexillis sich vollziehen läßt, ohne daß der eine oder der andere die 
Zahl namhaft machen würde; mit beiden Nachricbtengruppen werden 
wir uns unten beschäftigen.-) Was lernen wir aber aus der böhmi- 
schen Schilderung, die sich in der Hauptsache genau mit den Be- 
stimmungen der Friedensurkunde vom 21. November deckt'), viel 
genauer als dem Anschein nach die Darstellung Ottos von Freising mit 
den Feststellungen des Minus?*) Sie lehrt uns einmal, daß die filnf 

') . . . ponen« eum sub spe reBtitutiouis et aliarum terrarum, auereiu, m 
neceesitalibua ot iadigentiig au rcrum caientia esse praegravatam. 

'-) § 149 f. 

S) BHbmer-Rodlich, Reg. Imp. VI. 633. 

*) Ich hole hier jene beiden Beaprechimgen nach, auf die oben, 8. 308, 
Anm. 1 und 2. hingewieBsn ist: 

1. Oüttinger Gclebrle Anzeigen. Im Jahrgang 166, 1 (1904), 8. 991 fi. bringt 
C. Brandi Erbenb Untersuchungen unter einem mit Turbas Buch zur Besprecbang^. 
Er stellt Bich zunächst (S. !)!)'2 — 996) Bcheinliar auf Krbens Standpunkt und bietet 
so ohne jeden gti>rcndon Einwurf einen wertvollen Auszug. Dann geht er an die 
Kritik, beseitigt zuoBchtit die »l'räsumptiDti des Verdachtes*, Troboi er >die 8par, 
die durch Aventln auf eine verlorene bayrische Ausfertigung fuhren solli, fUr >kaaiii 
gangbar« erklärt. Die Berufung auf Otto von Freising. Erbens nirksamstea Arga- 
ment. ist hotTnungslos; denn der schweigt noch über andere Dinge, die daa HioDa 
enthält, ohne daß es Erben anstöHig ünden würde. iSo . . . scheidet sein Z»agni» 
einfach aaa< (S. 996). Die seltene Verwertung des Hoffahrts Privilegiums wird aach 
von Brnndi hauptsächlich auf Erwerbung der Steiermark (1193) lurilckgefllhrt, die 
von Erben selbst angebahnte Abichwächung dieses Einwurfes dorchgefOhtti 
weniger an ^Kltcksicfat auf Bedürftigkeit*, vielmehr an > Auszeichnung! habe maa 



^tt|,Oltokar heimgesafrteii Falineo diirckaiiä Territorion bedeuten — 
«rakBaf wir nlsbiild ziirUckltomiucu — und mc tebrt uns weiter, 

ttt denk«), lliniicbilichüich der lI»orfiüirtepflIcht knnn Urindi »clioa «uf di« 
Aibrit van Lwchoor (Miltoiliingcn doi InititulM fllr iS«terreiclii*«t»# OctchiubU- 
forKbaaic. XXI, 8j) biovreiacn, vor rIIdd saf die bemerlicaincrtc >Ai»cbKDUD{; 
äta SachMOi|ii«^U*. Vco dan •v«r«chiod«neti DculaDgon dlcMf Privila|l>niiiHil«Uni 
liM Erben diejcDici: |[D«ftliil, die ibia <lea jVu;iriir>|iiiiikI bietet. VJolfacL begebet 
man MhoO bei Ur&ndj den ADifUhtmigen äicnoa*f«lds und Voltoliiii«. 'Du 
UauptvriictMit« . , . itt luballbar', 8>ui nuS •du Etfceboi* Eibeai KcmJczu 
u«)teJiTeii' . iJor rao Erb-en erbrachte Beweia der Kmtil«imi&Eglt«it i«r>trcut von 

ronvtlcnin alle Bedoakts. dl« et nachhlntla c*t«n dte I-Ichtbcit varbnact 

AnlinS^end BS di*AuffnB<(ii>ir. dii^ltrandi hin»ielitlIol) d«T>ba;origcl>6DAutfiMliga>g* 
dM PiiTilefium utmw uußcri, kann man niiamobr auf ülinoDafeldf Aual&bntOCMl 
iudfen • t'or*irliaD(*B »nr Qaccbichl« fUtjara»- (XIII, 1 II'.) hin«*i>Ai>, dar all» Stallvo 
ao^ dtc Werken Aveolin* »orgfltltl|t laMvaaDfiatra^cii ixad gevrisMDliafi ^piUfl 
bat. l>arnach muQ nueh dor Uuto Aakvr, den Erb«ti nua^worfan, all uDbefrrUnd«t 
•Ingarogtn v«rden. Vgl. jcut aa«h Slcoadt im: Ardilr ftu Os1cn«iclit*che Gt- 
•ehieblft U4. S. KU 

2. ZtiUchrifi der Safitraj-Sllfiong. Genniuii»ii»elio Abieiluop. XXI, 8. 3BÄff. 
In dnai«Uiiin liandc, ia dem Tangl stiio« poiitlven AuratalliiagnD plrbon («ireii- 
llber T«r(uclit, bat llaoH ticbreocr nla Jaritt rom Fach Hcb lum Wort gemeldet. 
ZiiBlt«bit ubtcrrichtßt er imi ia deer *ebr wobltucnden .Summa über Erbcm Er- 
gtboii*. iJiti •ebj«kliva l-'nHiiii;;'- inli ihm eine »otxlraklt*, er hüll niclil ein Pak- 
tnn, wohl aber iS, 'SS3) ein 11 ofcaricbtt urteil für die priauulive Vorlage, über- 
gehuad Eun 'Inliatio der aDKccriffeoon !*telle< tiailvt ticlireuer 'KecbLifrage und 
Taifrage nicht gehnrig ai»etBaad«rg(t)«lteD. die Jurtiliaeb« Scita d«t Problunt 
nickt atmrelctieild erfallCi. Eben damal* bnb« ilcb ilIuITabrupdicIiti nur >l{oicb»- 
■landicbaft« aw^Mtalt»!. idie l'flicht Itat in den llinlerpiind und «in R«cht dsr 
TallnaliiDo an ili'u Iluflagon drangt vor*. «D!« Anknilpfung an DaTcro «ntipridit 
r<n^« im Jahre lln6 vortrutflieh dar hlatoriscben KontinuitUl, wAhrand Itlr daa 
XUI Jabrbundvrt dach etil nacb ratio iiali»((*cbpn GiQndaa gMuclit worden niiiS«, 
Da* hAbniiMb« pTint(rg ron ÜVi haba Erban xu tian patitio princi)ni vcrleitrt, 
abirohl aacb «r Hltero Vortag« iUBn«bme. 'Geiricbliger enehoinen Schionorn 
dl« Hedenhen. die Krhon bntrefTaBil dia ItoachrfiDknne 'itt Hcerrnbitiplliebt nir- 
btiu|;t,> Immeiliia kaoiDn die Reid nun nagen da* Hachu-uvpiegeU xu erwSgea. 
■ Aticb ki«c SDlcrliOl t* Krbes, twiackea Uechtalrajce und Taiftage su n»l«r- 
nbeideo.! Analogen tu Bakmen, dea Kaiaen Znajigalags kftman La Bouacht Ein 
«eiteret •aehrnm Badealten« (Erben. S. 100), daa SehwtIgMi Otto« vm Krebiaf, 
• Irbi aiicfa >*cbr«ner duruh jene« •iii rec«le' aligvM'h'Mftclit, Da* lua affectandl 
andlieh, *daa bereita tob Fickor nicht ola gani gtall paaaeocl «npfandan wurde«, 
barllhHSckraaar nur kari, iTrola »einea rieirac)> «bueiahandan Sfa»dp<inktoa bt 
«r walt «Biferai, über dl« Arbaii Erbena den 8iab *n l>rtch«B<; Erbon habe 
tdifl MOf^lotakaU «inar lnt*qii>tal!«n «it einer wlaaaBaelinnllcIieo diakatierbAren 
Fmc« «rbob«n(. ihm dank« iran > Krach tittarunf dn« bixbcriien D»j:iiia((. 

3. So konnte Tangl Im Neu«B Archiv (XXX. S. 44T C) «agcn, Scbrener *ei 
•aof balbam Wsfa aubto fabliabea*. Aoli&Opfend daran nnd icbou bwtiitt<>*bmeti<l 



A 



326 

dali nur zwei von dieseii fUnf Fahnen sich auf Ottokars Stamm- 
lande beziehen, auf Böhmen und Mähren, mit denen sie ihm auch 
vom Deutschen Könige sofort zurückgestellt werden. Nun ist es 
wohl möglich, daß dies auch schon früher der Fall war, seit über- 
haupt in der zweiten Hälfte des XU. Jahrhunderts fünf oder sechs, 
überhaupt mehrere vexilla bei den böhmischen Belehnungen zur 
Anwendung gelangten — wiewohl die gelegentliche Zweizahl der 
mährischen FürstentUmer nicht außer acht gelassen werden darf. 
Aber sicher ist, daÜ sich die übrigen drei Fahnen früherer Be- 
lehnung nicht auch auf Territorien, wenigstens nicht auf aoßei^ 
böhmische, bezogen haben können. Wie aber verhält sich das in 
dem Belehn uugsakte von 1276? Wir gehen sofort an die weitere 
Erörterung derselben, wobei wir uns allerdings genötigt sehen 

auf mittlerweile erscliienene weitere Besprechungeii fuhrt Tan^l einiges luta 
>Bericht Ottos von tVeising über die Erhebung Österreichs zum HerEOgtam*, wu 
gleich hier Beinen Pl&tz finden möge, obgleich ich erat gegen SdiluS meiner Unter- 
Buchungen mich auch mit diaaem Thema werde beschäftigen künnen. — Tangl 
lehnt nMmlich die Auffutung Kcbreuem, Uhlirzs und Brandis ab, als hätte 
Otto nnr aus Vergelilicbkeit dan Minus so lückenhaft zitiert. An der Hanä eioer 
Nebeneinanderstellung der Teite im Minus und in den Geatis, welche in eioer 
llinticfat weitgehende Verschiedenheit, in anderer auffallender Übereinstimmong 
ergibt, kommt Tangl zunächKt zu dem Schluß, entweder muß alles, was im Uiunt 
Ober die Geata hinauareiche, lnter[io1atiDn aetn, was aber ausgeschlossen ist, oder 
Otto verschweige, nicht weil er vergesiion hat, sondern weil er es »wider beiaeiea 
Wissen verschweigen wolltei (S. 480). Darauf hatte schon Simonsfeld den 
I-'inger gelegt; withrond er jedoch bei Otto Antipathie gegen den Bruder argwBhnt. 
so rM Tungl vielmehr auf RücksicbteD gegen den Kaiser. Demzufolge behanptst 
Tangl in tcilweiaer übereinftimmung mit Dopacb (a. a. O. BOß), daQ Otto >eeiiien 
llericbt an der Hand des Wortlautes der Urkunde niederschrieb*. Seine Venichertiiig, 
>ut recolu enthalto nur halbe Wahrheiii, durfte ebensowohl zutreffen als der Nach- 
weis, den ich luni Schlosae geben werde, daP auch das Minus nicht alles sag«, 
was zwischen Oheim und NetFen vereinbart worden und aus den Gestis zu er- 
gänzen sei. »Endlich aber demaskiert sich Otto geradezu, indem er die Echtnft- 
worte der Krkundo 'anno regni eius i|uiDto iniperii secundo* wörtlich in seinen B«- 
ricbten elnrUcktc (S. 481). Das ins atl'eclandi erachtet Tangl als durt^ die Uit' 
belehnuDg Theodoraa ivorbereitet«. In der Fahnenfrage stimmen Tangls Aas- 
fiihrungen vielfach mit dtn meinen überein; ich bedaure nur, sie noch nicht ge- 
kannt zu haben. aU ich schrieb. Besonders wertvoll wäre mir die Behauptung' ge- 
wesen, daß 'die zwei Fahnen, die schließlich in dos Österreichers Hand gelegt 
wurden, während der Vorgänge des Regensburger lieichstages keine Neadentong 
erfuhren (!j.483, vi;], oben ^127 f., 146 tf.) und doch, die eine erfährt solche Umdeatong 
(ß. 484;. sie wird zur Herzogsfabne. Zu einem abschließenden Urteile in diaaer 
Frage kommt Tangl natürlich nicht. (Wien, 10. Februar 1SC6.) 



327 



len, in der Folge nochmats aaf das btihmiscbe Belebnnngg- 
Bmonicll KurtlckEukoinmuii. 

§ 148. Es ist gar koiii Zwfifcl xu bügeo, daß «ich von den 
fUnfFfthnon, drei, welche racli dem ßericlite des Präger rKniilierrn 
1376 im Lager vor Wien von KOnig Ottokar dem Könige Riululf 
mit (ibcrgcbcn, von dteM:D aber nicJit zurUckgesUHIt vrerdeii, auf die 
%-on Ottokar usurpierten sUdüatlicbco Markon des Reiches 
bczivbca, von denen Krtrnt«n mit tMMtieo Vebt^ilflndern, bereit.t 
wieder an Philipp, den früheren Erwählten von Salzburg, verücbeti 
Fwar. Dieser Lande wegen bricht eji^ter der Streit ans, der Otto- 
kars Kode herbeifabrt, und das <;aDze Vorgeben ge^o Ottokar hat 
eben nur diofcn Kci^hsbodon gegolten. Bübnivu und Miibreii vrorcu 
niemala crnatlich in Uetraeht gekommen. Es fragt sich nur, welebea 
«ind die Unnde, die Ottokar reaigniert und aaf die »ch dio drei 
Fahnen bezieben! UieHC Frage Ut sieht so leicht beantwortet, aU 
man annehmen möchte. Denn sehr verschiedene Namen begegnen 
ja den Listen der beimge forderten Gebiete, mitunter ganz ahca- 
tcucrlicho. So Mhica gleich die Präger Cborherrn an der Spitio 
jene» Abnchnittei, dem wir die Sphildernng der ßelehnu ngaszene 
vuo 127G entnommen haben, nicht weniger als sechs Gebiete auf, 
die Künig Rudolf durch seine Ocaandlun dem BühmcnkOnig habe 
abverlangen lassen: Steiermark, Oslerrcicb, Kärnten, l'ordcnone, 
>Ftnletuni< l!) und Frtaul. ') Und Eurar bezeiehnot die Fortsetzung 
dM Kosuifta all dicüc Gebiete als terrae, so daß mon an Territrvrien 
und Fabniehen zu denken geneigt wUre. Man müßte dann einseblieD- 
lich der zwei bülimiH-hfin Hanncr nuf acht Fiihnen hinauf steigen 
nnd das ist nocb uicht die HocIiAtzahl, die erreicht -u-ird. En ist 
nnn freilich klar, datt zumal die drei letzten Nennungco oieht 
Reirhi» Provinzen betreflen. sondern nur Pertinenzen der größeren 
Gebiete, die Ottokar unter seiner Herrschaft vereinigte. Sn war 
Purdciiitne aquilejische« Lehen noch aus der Zieil dos letzten Baben- 
bergtTs her-) und auch der nbrigo friauliscbe Uesitz wohl oin- 
L*cblieQiich de* verderbten Floletum «tammte nooJi au.H der biiben- 
''borgisobeu Poriodo. ^j Für den vormals andechsischcn Besitz in der 

I) A. a. Q. ISO, Z, SC >ADiio «lalni« {'■) cl*ciioikIi »e ßudaUui inisit 
mmoiai kd Utactruin rcgnii Eloboniw pvttnj «ibi rottitni trrru videliCBi .Stiri>in, 
Aa«tTiam, KatialhiRtu. Partnin NK#nii. riolotuin, F«niiD Jalii, UMorena oa* 
ad inpL-riiitn |iertiDM* «t «ao doaiinia •obiacftii , . .* 

M«ilUt. Die 2iH. Aoin, iX*. 

*) Uli. IHTli Hl. 107. Anm. 7 IT. 



328 

Krainer Mark hat gleichfalls echon Friedrich IL. der ihn durch 
seine dritte Gemihlin Agaes von Meran erworben hatte, den 
Titel eines dominns Carniolae 1 232 aDgenommen. Aber merk- 
wOrdigerweise verlautet in dem Prager Bericht nichts von Krain, 
falls wir nicht in Fioletum eine arge Entstellong von Camiola vor 
uns haben. Dafur treten in anderen Quellen i^ieder andere Xamen 
auf. so daU Steiermark. Österreich und Kärnten, die man am ehe- 
sten unter den drei anderen nicht an Ottokar zurückgegebenen 
Fahnen verstehen künnte. sich immer wieder in irgend einer 
störenden Gesellschaft betinden. Besonders verwirrend wirkt in 
dieser Hinsicht der in den bübmischen Urkunden jener Zeit ge- 
bräuchliche Regententitel, der in dem einzigen Jahre 1270 sich tod 
der Fünfzabl. die ganz den fünf Bannern ftlr Bühmen, Osterreich, 
Steiermark. Kärnten und Mähren zu entsprechen scheint'), bis zu 
nicht weniger als neun verschiedenen Nennungen erhebt.^) Ja selbst 
im Frieden von 127ö, November 21, erscheinen als Länder, auf 
die Ottokar -simpliciter et precise» verzichtet: Österreich. Steier- 
mark, Kärnten. Krain. die Windische Mark ?). Fordenone und >das 
während des Zwischenreiehes besetzte Eger. ') Davon kommen 
Krain und Windische Mark als Pertinenzeu von Kärnten f&r das 
Fahnenzeremoniell nicht in Betracht, Pordcnone. wie schon bemerkt, 
entfällt als aqaileisches Lehen, als welches es jedenfalls mit Aquileier 
Fahne erfolgte. Eger hatte Ottokar schon im Jahre 1266 im Auf- 
trage Künig Richards als rechtgrbetnisches Reichsgut angeblich fUr 
den Künig besetzt '). eine Bt-Iehnung damit hatte niemals statt- 
gefunden. Nur eine ganz schwache Andeutung. dalJ nicht alle vom 
Reiche heimgeforderten und von König Ottokar abgetretenen 

>; 1270, Jünner 27, Erben-Enler. 11. Nr. 682: OltacliKroa BohemU« 
rei, dai Anatriae Stjriae et KKrintbiae marcfaioqiie Moravise. 

-j 1270. Auguit 28, Erbeu-EmlcT. Nr. 711: Otakams, rex Boemi«« dux 
Austriae, St vriae, Karin tbiae, inarchio Morariae, dominus Cuniola«, 
Slarchiae. Egrae hc l'ortui Naonis. Ebcnco Oktober 27, Emler-Erban 719, wtt- 
pegen in iwei Stücken vom 1. Oktober und in einem vom 28. Oklobet, Erban- 
EiDler. 71.') f. und 721, PorliiB Xaonis fehlt: in Erben- Emler, 728 (ron 1270, 
November 24) fehlen gar Egre und Moravio. Im Februar (7) und M&n (14) 
tcbeint nur der llinwets auf Bühmen. Oslerreicb, Steiermark. Kärnten, Mihnn, 
Krain und Mark üblich gewesen /.n eeio. (Erben-Emier, 69t und 694.) 

-I Huber. GcKchichlo Üiterreicb». I. 6(12: Bnbmer-Kedlicb, R«g. Imp. 
VI. 623. 

<; Kürschner. Eger und Balimen. 1870, S. 19 f.; vgl.: GradJ, GMchicht» 
des Egerlande«. 1893, S. 97 f. 



330 



Lande fur*t!i<>hpn Ran^fs wlcr, mit den Auctnr votas de beneficiU 
za «preclieii, iUtistris di{»niiaiis waren, bringt der Frieden vom 21. No- 
vember doch, indem er sagt: cedat . . . nnini iari ... in terris et 
bominiba» cuiuMinnqa« i>oDdiiionis es.tent '), worauf tU« luebon NamPii 
folgen. 

^ 149. Aber nicht btoil das Friedens! nn-trument von 127r> stellt 
mwetiie StebenzabI der an llcrbühnii sehen Territorien ah im 
BfiSiCxe Ottükard gewedener Lande dar, auch die jedenfalls »ehr 
beaebtensvrert« sogunanntc Continoatio Vindubononnis and — wie 
Wattenhach meint — ein Auszug derselben, die Conttnuatio Praedica- 
tomm Vindobnnenaium »clu-int uns die Siob«nzahl zu verbürgen. 
Ich »a;;e dio »»ogenanutt;« Contiiiuatio Viiidobonensix. Denn 
nach den gründlichen Erörterungen, denen vor etwa zohn Jahren 
L'hlirs dicAR (^uellenHC-hrift unterzogen bat, l<*nchtet ein. cLall die 
bisher an^nommunu Atitorschnft des Wit'ncr ItUrgers Pitltraiii VaIko 
auf einem MißverßlllndiiiäSB boruhi. Nur ein von Georg Leb aus 
E^gcuburg im XVI. Jahrhundert abgc-sclirlebuner Auszug jcn«r so- 
nannteo Continuatio Vindoboueasis wird \vu dem K<.>)ii9tcu einem 
gemssvD VnlKo zugcsclirivben. wobei nucli sehr frugÜch ist. ob 
damit der Wiener Paltram gemeint aein soll.-) Wir nerdeo aber 
gleich M-hen, dnO sich noch einige nnctcre Bedenken, aneh «olebc 
hiDsicbllicli der Glaubwürdigkeit einzelner Behauptungen des Arebe- 
typus urgvbon. Im gruben Ciauzeu isvigt sich freilich der Bcricbt* 
orstatter in der Conti n uatio Vindobonensis gut niiterricfatet. Waa er 
Über die wesentlichen Punkte de» Friedend tiud die cinfichlflpigen 
Vorgänge benelilel, IsUt in ihm einen Manu erkennou. der den 
GrugniiuwQ und den inaUgebcDdon Pernonun zieinlirli nabe gcfitanden 
haben muli. EiDKelne von äeinon Angaben, die noch bis vor gar 
nieht Iimger Zeit angefochten worden .«ind. babun nnehhinein ihre 
Bestfttigung gefunden.') Hiusichllieb unserer Krage weiü er zu 
melden: >quod rcx Rudolfiis regem Ottaearum torris suis videlicct 
Boemia ac Moravia tantumiundo, resignali» aliid sepiem terrio. 
iufcudan^t«. Also mit zwei Territorien, Bühinen und Mühren, soll 
Ottokar belehnt werden, auf sieben Territorien muÜ er verzichten. 
Du hat der ßerichteralattcr unmittelbar ami dem FriDdensdukamcnt 



*J Ulkumlenbuoh ob in £diu. III, 447. 

*) BlitUoT im Vtf^no» fOr l>anilo(kut)do raa Ni*d«raH«nalcb. iSX>, 
X.\ll, 8. 16 IT- 

*) B&lininr-ßadlleli. Heg. n. b. O., SchliiD 



330 

herausgelesen. Und so sei es auch geschehen, meldet er weiter, in- 
dem er zu den Ereiguissen zurückkehrt, »denn der König von 
Bühmen habe im Lager des Römischen Königs mit secbsnnddreißig 
Fahnen, mit gebeugtem Knie, in Gegenwart vieler Pfafien- und Laien- 
fUrsten seine Lande empfangon.* ') Also wohlgemerkt: schon die beiden 
Stammleheii Ottokars, Böhmen und Mähren, sollen mit 36 Bannern 
gelieben sein. Von den zwei Fahnen im Prager Bericht schnellt 
im Wiener Bericht die Fahnenzahl auf das Achtzehnfache hinauf. 
Wie erklärt sich dasV Die beiden Überlieferungen, die hier 
allem Anscheine nach auf einen gemeinsamen Archetypus zurück- 
gehen''), berichten hinsichtlich der Fahnenzahi insoferne jeden&Us 
unrichtig, als sie die 36 Fähnlein fUr Lehensfahncn zu halten 
scheinen. Der Schreiber des Berichtes in der sogenannten Conti- 
nnatio Vindobonensis trennt auch das »cum 36 vexillis« so aufftlUig 



') Ich ileüe hier die ein seh lag igen Berichte aoB der Continuatio Vindobo- 
nensis und der von ihr geBpeisten Continuatio Praedicatorum Vindoboneniium in- 
samnien. um die beiderseitige Arbeitsweise zu /eigen : 

Cont. Vind. (zu 1276) MG. SS- IX, Cent. Praedic. Vindob. (zn 1277) MG. 

708, Z. 28ff.: SS. IX, 730, Z. !6ff.t 

... (juod rex B. regem Ottacarom ...quodrexKudolfua legem Otacaram 

terriB suis videlicet Boemia ac Moravia terris suis ridelicet Boernia et Morkiria, 
tan tum modo, rasignatis restduis septeni resignatia alüs septem terris, tantummoda 
lerris, infeudaret. Quod ita factum est. infeodaret. Quad iia factum est, Nam rex 
Nam rci Bocmie in caatris regie Ho- HoeroiepacificcDanubiuni traniien* 
insDorum cum HS vexiltis ante in caatris ante Wionnam a predicto 
Vionnam circa Danubium, tleiis rege Kudolfo flexis genibas cum 36 Te- 
coram eo geoibus, ia presenti» niulto- xiilia terras in feodo auscipiens anpra- 
runi priocipum spiritualium ac secu- dictaa regi Rominorum serrire more So- 
larium terras siiacipiena supradictas lito iuratua in conspeclu multorum prin- 
regique Komanorum daincepa obedire cipum Hdeliter corapromislt. 
et aalare üdeliter iuratiis conpromisil. 

Zumal das nach »Viennai»' eingeflickte >circa Danubiumi der söge nannten 
Wiener t'ortset/.ung muß uns gegenüber der ganz versländlichon Mitteilung' d« 
Dominikaners auch hinsichtlich der Annahme Wattenbachs vorsichtig machen. 

■I Uhlirz, a, a. <). :^. 49, Anmerkung 3, betont die Möglichkeit, ja 
Wahracheinlichkeil. daß dieser Bericht in der Continuatio VindobonensiB nicht 
vom VerfnEser herrühre und erst 12S4 in den Cod. Vienn. 353 eingetragen 
worden sei. Vgl. S. 25, In der Vorlage mag es ßcheiOen haben: Natu rex Boftmje 
pacitice Daitubium transiens cum 3<< vcxiliis. in caatris anle Wiennam {circa Danu- 
biuiiji a prodicIo rege Hudolfo tiexis (coram eu) genibua . . . terrae ... im f«odo 
Buscipions. Jedenfalls wird nach den grundstlirzendon Ergebnisaen der UntersDChnng 
Uhlirzs auch da« Verhältnis der Conttnuaiio. Praedic atorum zur iVindobonenaia« 
neuerdings zur Erörterung gelangen müssen. 



TOD Hea auf daß ti^entlii^bon ßetehnan^iEakt bfjtagliclieii Worten, 
daß mnn unter IIt;ranziehiing deü Dnminiknnprb^richtOä gnaz wohl 
zur Annatiine berechtigt wflre, die 36 Kübuleia beiulgeu sieb auf 
dos Gvfolg« des Königs Ottoknr. dem »elbrtver^lAndlicb nicht mit 
iteinem gesamten Heere Kintrilt ins Lager RudallV j;ewahrt wurde. 
Aach haben trir bereits oben gesehen, daU sieh bei Belehnnogsakten 
aio Gefulge des xu Bulebnenden findet, das gleichrallti Fahnen 
nihrt'), die jedoch tqq den rigontüehen Beleb nungsfahncn zu 
untereobeiden siod. Die beiden Geistlichen, jener in Klontci'neB- 
biirg odur UciligcokreuK^), 'dieser im Wioner I>oiniuikanurklo*ter, 
die den vorliegendi^n Bericht exKerpierlen, ja vielleicht schon 
der BerichtoratatLer selb&t berichten mithin uogenno, geradeso an- 
geiuu^ wie der gleichfiiUs geistUcbe Schreiber der Uieloria annurum 
1264 — 1279. der Kunig Ottokar die Lander Bobmun und Mahren 
vom RöniiRriien ICünig nach Kai^crrecht mit (einem) kijnighchcn 
Banner empfangen lallte 1 

Freilich, die ßelebnungüurkunde vam 25. November, u-orin 
Kdni^ Rudolf btMcheiriigl, Ottokar belehnt za haben. >de regne 
Bobomit; .■<uiH()ue attincntüt«, nee non de marchiunuiu Moraviv 
ccteri«(]tie oinnibus. t\ae a nobis et imperio in feuduat 
obtinere de iure djgnoscitur* '), die Stelle kUnote leicht auf eine 
groUcre Zahl von Leheosfahnen bezogen irerden, als welche noch 
diu AnDale» Ottoeuriuni des Träger AnnaliMt-n angehen. Allein wir 

*) S 123. 

■} rhltTi. k. a. O. 8. mg.. bcaendttN ßl ff. Dkd iha dlg 3ß FahDleln nlchi 
ttutiif mackieD, iii nicbt ui Tontunilern ; «r «rblickt darin aur aintn Kawwi (Ur 
dt« OearUienbufUgkeit ran D-; ». &. O. S. 50. 

') leb «atte dsn Bericlit i»i Hiftoria annornin Iiiar noban den Ttirwudton 
Amt 'iBTlm Ktoilamvuburt^r Kartoetsung, aiif iie wir dUtcli xu iprccheo komnMti. 
vegen der Auakl d»r retlgDieiien FltntentDiDcr. 

Hliiorl« aiinoriiM (1:^77) MO. .SS. IS. Conltniiktio ClaaitroDcolmrgeiMi« 

fi6S, Z Sff: «iuan&(l3?6). HÜ. Ha IX. «4S.Z. SSV.: 

. . . ret DiwinoruM OUcban» cum ÜCiCAru« vtra rex Uaemic, cnm «aa- 

Aaitrle vt (itlrlegabeniicula if 4 «ncU dem leTr&niAuitriB uiiacuMi Kijrla 
jii'toaUr Ktili »ca[>tro t«p!<i i«iiiilui-i. Uno- H anni* giili«ma*>ci, tloleaitr coaolui 
dolßna onaciiu potcatia prefniai Icrriu In T«gl RotnaooiDin KadoUo TMt;n'*'''t> 
■nnaai iiaporniarlui italgnarlt, eoiif<<ttim ttocinUia al UuraTiam »vmaduro iura 
Booiniaai it Muraviani a r»ga RntnanoTnni imptrialia iu«[-iptani a ItudolTo r*g« 
Moandiini iura iii>[>etnior!a aub TdlM« KiMBanorniii. 
t«gi« lUMipianilu [ocvpil. Vftl. ob«n 

'I Ktboo-Kmlcr. Reg. Boomie at Slor. II, 430. Kr. l(&; vf L : BskM*r- 
Uedllch. ti$tnu inpeiii. Vl.l, Nr. 6ä&. 



332 

wissen ja doch bereits, daß nicht jedes Reichslehen mit Fahne 
ging, daß Fahnenleben eben Provinzen betreffen. So ist die An- 
nahme nicht ungerechtfertigt, die Urkunde würde, falls sich noch 
ein anderes Fahnleben, wenn auch nicht Territorium, unter den 
ceteris omnibus befände, dies nicht verschweigen, selbst wenn sie 
nicht von einer Fahnenbelehnung sprechen wUrde. Wenigstens in 
der Belehnungsurkunde für Herzog Heinrich von Lothringen werden 
die einzelnen Fahnenlehen, in diesem Falle allerdings nicht bloß 
Territorien, namhaft gemacht, die beiden Fahnlehen in unserem 
Falle sind aber daa Königreich Böhmen und die Markgrafschaft 
Mähren. 

Ganz unbrauchbar fUr unsere Belehnungsfrage ist der Bericht 
in dem Schreiben, das Erzbiscbof Friedrich von Salzburg, der doch 
bei all den Verhandlungen und sonstigen Ereignissen Zeuge war, 
mit seinen Suffraganen an Jobann XXI. richtet, um eben Künig 
Rudolf dem Papste zu empfehlen. Nachdem hier zuerst gemeldet 
wurde, wie der Römische König über die »principatas Austrie et 
Styrie signis victricibus triumpbavit«, heißt es später, König 
Ottofcar habe »fracto (^uidem animo, genibus incurvatis< Frieden 
erlangt, >resignati3 prius obsidibus, civitatibus, castris et oppidis 
imiversis. quae dictis principatibus attinebant*, was sich also nur 
auf Österreich und Steiermark beziehen kann; und hinsichtlich der 
Stammlande König Ottnkars: »De terris vero ßobcmie et Moravie 
prestito lidelitatis honiagio meruit investiri*. ') Von dem Fahnen- 
zeremoniell ist nicht die Rede. 

S lÖO. Steht es so um die ofüzielli^n und offiziösen Nach- 
richten über die Fahnenzahl bei der Belehiumg im Laj;er vor Wien, 
über den Umfang des ottokarischen Reiches und über die An- 
sprüche des Deutsehen Königs au den Pfetnysliden. so muß eine 
viel weiter gebende Unsielierbeit in den Chroniken, auch 
den gleichzeitigen, vollends nicht wundernehmen. Schon die Oon- 
tinuatio Vindobonensis nennt, wo von dfm außer böhmischen Besitze 
Ottokara gehandelt wird, obwohl sie, wie wir gesehen haben, mit 
der Dominikanerfortsetzung König Ottokar auf sieben Lande ver- 
zichten läßt, nur sechs, nur principatum Austrie. Styrie. Carinthie, 
iJarniolie, Marehic ac Portus Naonis-); von Eger spricht sie schon 

')HanHiK, (iernt. sacra. I, 41(if., vgl.: BöhiDet-Uedlich, Ktgeita imperii. 
Vh 1, Nr. ftäO. 

-) MO. SS. IX, 707, Z. 41 ff. 



333 



oicht mehr. Indem sie jedoch Ju Übrigen die Reibenfolge des Friedeoe- 
inoirumenteA einhält, ern-cckt eir dmi Anschein, als ob nie uIIl- di<- 
aufg«x!tli1ten Gcbifte fUr ForsteDtDtner, ftlr principalUM, naithin für 
FuhBlcliun bultpn wtlrdc. Die Dom Jni kotier forl^iutxung, gleiclifalU 
die Sieben zabl behauptend. lÄRt Kudolf durch d«n Frieden docli 
nur Austriam, Älyriam, Oariathiam. Carniolani') gewinnen. 
Id der CoDtiauatio CUustroneobar^^üis quarta und der vei^ 
wandten lUstoriJi ancorani 1264 — 1279 und der daraut« abgelbiteteo 
ForisetxuDg schrumpft hinwieder die Zahl der heimgesagten Lilndcr 
auf Ew<>i, <_Mtcrreich und Steiermark, xuiuitnnien. Daß ea jedoch 
mit diesem letist^nanntüu Uvricbte nicht f;ar xu genau ^iiommen 
trerden durf, indem ur ja die bilbmiscfac ßeb-hnUD^ Hub YexiUi> 
regio, anfirheinend also nur mit «inei' Fuhno Torgenünimen werden 
lAßt, haben wir schon am Soblustc de« vori^n Paragrapheo erörtert. 
Von den gleichfalls verwandten t'oniinuatio Zweilensis icrcia werden 
wir spflter sprrrhen. Wie .ibcr sieht cn nm atiswlirtigc Berichte? 
Die Attaicber Fort^tzung des UemianD von Altaicb berichtet, 
Otlokar, der fUoftc Bilbmcnkünig. hübe »Austriam, Styriani. 
Cariotbiam. Carniotam ac Poptam Naonis«. die er »tempoTc 
vacanli« impvrii' erbeutet, nicht zurückstellen woLlea.-^ Daß dann 
ein der Zeit und den Dingen viel ferner 8tebender Aator wie der 
des Chronic»!) Colmarieni»e. dem es Überdies aaf Tatsächliche« nur 
wenig ankommt*}, den >rex Boaemiae terrani Ravariae, Carintie. 
Cameole. Stirio- lange Zeit geruhig besitzen liiCl '), muß nicht mehr 
wundernehmen. Die sacbaische Fortsetzung der Bflabaischen Welt- 
chronik fl252— 1275) Iflßt Kimig Rudolf Klagci fuhren »obirKnnig 
Odnckur von Uehemcn uubc des ncbei> gut, umbe die cUad zu 
BgAF aade daz darzu gebort undc umbe duz hvrzogtbum zu 
Osterrieh unde die marke zu Stiger (!!> uude das herziigthum 
zu Keructin unde daz lant zu Krichen') — gemeint tnl Krain. 
Die etwas «pnterc eehwAbiscbc Fertoützang der Kuibercbronik 
(nm 128ÜJ berichtet Qlier Ottukar« Usurpationen, wie folgt: 
dar lao niiiil er doi» tleh» 
tioidia «tire nnd 0>ierl»Dt, 
dla Itüe fint Jm KcIim btAt, 

■> XiUl waitM- unt«». 

')1IC. 8». SVU. 410, a. Ulf. 

^ Bilbnitr-itoillieli. «. a O. S. 62ä. 

*) MO. tW. SVII, 2415. Z. 37 f. 

*) HG. tXriir. II. 286 1 



334 

dar SDO Kernden und Rrain mg 
und PoTtonouwe bi dem aS 
du* ino £ger aad dme laut.') 

Da mochte es wohl einem Heinricli von Haimbarg, der ia 
der kritischen Zeit sich in St. Pulten aufhielt, das Elugste er- 
scheinen, Über Namen und Zahl der von Ottokar nsorpierten and 
resignierten Ftlrstentümer mit Stillschweigen hinwegzugehen. ^ Ganz 
merkwürdig ist endlich die Art. wie sich die fast gleichzeitigen Ver- 
fasser des ChronicoD Sampetrinnm oder der Chronica Sancti Fetri 
Erfurdensis gegenüber den wichtigen Ereignissen an der Donan 
verhalten. Hier werden nämlich unmittelbar hintereinander zwei 
verschiedene wenn auch verwandte Berichte, vielleicht nur ver- 
schiedene Auszüge aus ein und derselben Vorlage gebracht, von 
denen der erste für unsere Frage eine Art Regest der Friedens- 
nrkunde bietet, der andere, sicherlich mit Benutzung desselben 
Instrumentes, die Darstellung versieht Der erste Bericht zfthlt als 
rückgestellte Lande auf: Österreich, Kärnten, Krain, Steiermark, 
Pordenone, Mark^), Eger. Der zweite Bericht scheint von einem 
Manne herzurühren, der den Ereignissen angewohnt und sich direkt 
vom Kriegsschauplätze nach Thüringen begeben hat; er nennt 
Steiermark, Kärnten, Krain, Pordenone, das Land Eger, Österreich 
jenseits der Donan*}; das diesseitige — von Erfurt aus gesehen — 
wurde dem Böhmenkönige als Pfand belassen.'^) 

') MG. DChr. 1,2, «6, TV. 443 ff. 

-) Heinrtci de Haimburg aconles (ad 127B. MG. SS. XVII, &. 715. Z. 48f. 
Besignatis autem teiris eaia et reddit« «ibi ßoemin et Morawia, pacitice cam rege 
confederatuB ad ptopria est reversas. Die Darstellung iit im übrigen ein guu 
kurzer Auszug aus der Coutm. Viudab., die ihren Dericht Über das Jahr 1276 
mit dengelben Worten schließt, a. a. O. IX, S. lOS, Z. 47 f.: Sicqoe rex Boemie 
reversus est ad propria. Ähnlich hat die Dominikanerfortsetzung : Sicq^u« rex 
Romanoram aepe dictns Austriam, Styriain, Karinthiam Cainiolam poMedit 
sollen) pniter, regresso rege Boemie ad propria cum «juiete. 

^1 Die windiache Mark, wie der Herausgeber Stübel bemerkt (vgl. du 
folgende Zitat). 

') D. h. Österreich südlich der Donau, da die niirdliche HXlfte für die 
Mit^ft der Braut des bShmiscIiBii Kronprinzen verpfändet wurde. 

^) Ich stelle im Folgenden die beiden Berichte nach StUbels Ausgabs io 
Geschicbtsiguellen der Provinz Sachsen, I (Erfurter DenkniKler), 112 ff. z;umuiiiii«ii, 
am dem Leser die Parallelität zu vergegenwärtigen ; ich finde nicht, daB Stfibd 
dieie offenkundige Wiederholung aufgefallen wftre. 



335 



^ 151. An^esiclit» dieser eigenarügeii Uneicherheit der Borieht* 

'entattung miil) e« imm(;rtiiii vnnvuaderD. iIaII dficli drei Qaelieo- 

schriftoii, von denen wir diu dugeiiaunte Conti iiuutiu WindoboncnriB 

scboD kennen golornt Iiabcn, eine gvwiflsv Glciehurtigkeit onf- 

weiivo, vineu ruhcndeti Punkt in dem WiiTHal dai^ftellcii, der auch in- 

Hofcrae willkummen ist, als er sich ntlllolbar mit dem Berichte diT 

Prag«r CliorhiTrun deckt, deren Danttdluu^ — Kcaigimtion mit fönf. 

buhmiscti-niahmche ßelebtiuog mit swci von den fUnf Danncni — 

ClmoicoB i4Bni|>«triDain m4 l£7ti. 

A. B. 

(A. IL O. 112; Tgl. aa«b Menckss. ^A.a. 0. 114; -rp. ouftk UvBsltCD, 

Sa RR. CO. 111. % im f.) t. m. O. &t. 389). 

Coni [gliar nx Boein«raiii muhU Hogibai laliur *lbi «z oppotilo 

«t «ariiR eoacuterdtur Wl» «b «xercitu iae«ntlbiu. muuhlo Briu^Mihtiri^ctuI« 
nglt Rud<}l]>hi, u«o vnl«Di rMishsie für- advrnieaa omtiiliu* «pitoiiia i«CUIB 
eiori. loKncioniia) raitiena. rsgnl «■, <|iic ummptU. eompotidoBbin lattt •«« fMit 
p»C» «um. Igitui T«g«* r««oiicilinti «iiiil, cvm cuaiuactiooc kIiijumtdui cvpiUariiBi 
Jomino di(|ienento. et fotiu« -cMiaipMt' «t r*«ignieien« ftliquArum ttrtA- 
cionii laÜH Hl' Kfi lloliOBiortiiit Kti- runi, videlictt Siiri», Cftrinttii«, CftT- 
dotfo rc^i UomaBärum bu lemu. vide- aiot«, Potia« tuaonii;!) t«rra Egro, 
licpi AuitriniD. Kttrinibiaiii, Car- Aittttie «x ilta parte Üanabii, ex 
nlollin, SliriKD) cuu domlnio uui parte in rndiutn foiiu in coptilb 
l*»ttuoBil Ol cum Harcbia, £Eia predioiü. Sicqu« ooDcotdoLii tegibtii 
Eimihtar «t llliAre rtMisnuvü. vt *ct}Ucnti dio poal fotiim SanciL- Kalks- 
rc^i Unarte, qoi cwofederaiai fueni irtp riDc. rex ßabeuüe traaifivUTJt DanuUQui 
Budalfupro pNiUiBdo ilbi suxilio e«airi «I cum vesilli* fetignarit larrai 
IpMini t«(r«iM BoniDorum, «mn«« isuai- |>red)CtA« iniiute poaeeea«. facc^u« ab 
cioae« iiuu ooperat olim. rMtituit atua- ulriM|iie iarata, Wieuia <>iviti> a(i«rilur 
lat«. Et nt hiiluanioiJi compuniciu ut et in ipaa omnia per liHecae tobon>lur. 
ordinacio inier HomanoruiQ et BostDornnn 
rege« inili»*olubiUl«r L-oaa«rvelur, r«x 
R«Baaururo dno* puero« ino«, vtdelicM 
tliun «t GlUun, rei B<«nierum Hlmni et 
filiaiu varaa vice ad invipem de*poa«a< 
iiiDt Acta funt tirc la oraatia» 
belle Kaibari an virnini» iiDln 
Wi|;esiiaai . . . Tol^n die Zeagoo tuiti- 
marieeh . .. Toae rei llo«mte prlaei- 
pntii* Buo* a reue lluiloiro uutu *•- 
xilli* Feeepii, liomaniuin hetan* . . . 

Im Texl« A e'kcniil luan dtuiücli de« Exi«n>l der Frledeonirktuide ; in- 
Hat dai »rimpaklur ci [ittctie«. da* die•^l)la in der BetJgDatloBakliuMl Iwimrl, 
oractieinl ia »aimillwr et Ubete* verderbt «4er rerlMan, aa der «itaprecb enden 
Stelle. Vgl olrti. S US BMeiU balonl id. dkC Texl S d«> BasBer M d«r llt- 
tebnung Ollokor», Text ü dw Viihaos liviia Vtnicbi goilpaki. VgL g UT. 



336 

logischerweise auf die nicht mehr an König Ottokar KurUckgestellten 
Gebiete drei Fahnen entfallen läßt. Nnn begegnen drei Lande, Aus- 
drücklich meldet nämlich die dritte Zwettler Fortsetzung der 
Melker Annalen. König Ottokar sei gezwangen worden, die Lande 
Osterreich, Steiermark und Kumten, nachdem er aie vier- 
undzwanzig Jahre lang regiert habe, zurückzustellen, worauf er 
secundum iura imperialia seine Länder — es ist nicht gesagt, welche 
— vom König Rudolf zurückerhalten hat. ') 

Bevor wir den bezeichnenden Überschau, den hier die dritte 
Zwettler Fortsetzung über die beiden anderen mit ihn so nahe ver^ 
wandten Quellen, nämlich die Historia annorum und die rierte 
Klosterneuhurger Fortsetzung aufweist, zu verstehen suchen, fassen 
wir noch zwei andere Schriftdenkmäler ins Äuge, die gleichfalls 
wie die dritte Zwettler Fortsetzung dort, wo sie auf das Ringen 
zwischen Ottokar und Rudolf zu sprechen kommen, allerdings nicht 
als beimgesagter Lande, ja sogar nicht immer in unmittelbarem 
ZuHämmenhange mit dem FriedcDsscbluß. bloO Österreichs, Steier- 
marks und Kärntens gedenken. 

Dafür kommt von (isterreichischen Quellen nur mehr die 

Continuatio Vindobonensis in Betracht. Sie läßt zwar, wie wir ge- 
sehen haben, Ottokar, abgesehen von Böhmen nnd Mähren, das ihm 
mit 36 Fahnen verliehen wurde, auf Septem terris verzichten, aber 
dort wo vom Ende der Böhmenherrschaft und dem traurigen Aus- 
gange Ottokars die Rede ist, erklärt der Wiener Fortsetzer plötzlich 

• a» jenem Tage sei das Joch der Böhmen über die Österreicher, 
Steiermärker und Kärntner gewichen, welches sie ihnen unrecht^ 
mäUigerweise auf lange Zeit angeschmiedet hatten*.-') Man kann 

>) Ich stelle den Zwettler Bericht mit dem mehr vernandten der Tieitoa 
Klostemcuburger Fortsetzung zuBammon ; vgl, auch die ZtUBmmenstellnDg der 
vierten Klee lerne ubur^er mit der Historia anuoniDi in § 14ij. 

Continuatio Zwctiensis tercin (MG. ; Continuatio ClauBtrosDoburgeiuU 

SS. IX, G:j7, Z. lOff.). j.umrta (MG. SS, IX, 648, Z. 38 ff.). 

.... iiuaiii vidolicet terram Au- | OtaknriiB vero rex Boemie cnm 

Htrie una cum .Styria ati|ue Ka-'eandem terram AuBtrie una com Stj- 
tintUiu Tcx Bohemie OtlukuruB, cum 1 ria {*) 24 annia gubeTDMMt, violentw 
24 annis ^tibernasset, violenter coactus . coactua regi Komanotum Badolfo n- 
re.^ignavit, »usci[)io[is aecuudum iura im- eignavit, Hoemiani et MorsTiam neoB- 
pcrialia terras aiiaa a memorate rege Ko- dum iura imperialia «uscipieQi & Bn- 
Dianorum. dolfo reg^o Bomanorum, 

-') MG. Uli. IX, 710, Z. 14 f. In illa die ccBsarit iagnm Boemomm iiipcr 
Australii, Stirienaia, Carenthinos, i^nod indebite per longa lempora affixsnuiL 



337 



diese anvennulete ßeschrfinkang ricbtig aar durch die Absicht de« 
Schreibers oder seines GewnUrsmannen erklnreo. die wichtigsten 
LUoder dea rormaU Tom Bühmenkonig okkupierten Gebiete» heraua- 
znheben. Cnd diese lianplbnde sind eben, wie wir ja wiiuen. die 
FUmtentUmcr in jenem Komplexe, <Jsterreich, Steiennark. Kiirnten, 
die mit Fahnen geliehen wurden. Fast intereseanter noch 'm jedoch 
die Art. wie der Minnrit IIioriaa Tnskus, der neitie Ge^ta im- 
poratorum et poBtifiouni in Florenz geschnoben bat, gcgeo Endo 
denielben Über die Lilnder bericlitet. die in den Krtiigniaüen von 
1278 in Betracht kommen. Dreimal nennt er sie, jedesmal kommen 
Österreich, Steiermark und Kiirnien vor, die beiden ernten Mole 
sogar in dieser Oblicben lleihcnfolgc, nor das eine Mal mitPordcnone '), 

rdas zweite Mal lose mit Kger '^) Terbanden. Das dritte Mal werden 
lehon die Vorginge nahe dem Ende Oitokars gemeldet, namlicb daß 
Rudolf mit weuigeu au» O&teneiob, Knrnteit und Steiermark zu- 
aammengcrafllt'n Leuten und mit den ungarischen Scharen Ottokar 
entgegengetreten .sei.^) Auch in all diesen Fällen kann nicht verkannt 
«erden, daü Ü8terreiob, Steiemurk und Kltrnten fUr den Chronieien 
die Baaptlande «ind, die er sogar mit dem für uns eo wertvollen 
Jtamen provinciae bezeichnet. Aber trotz die&vr Uervorhcbung nimmt 
Thomas denn doch zweimal andere Stücke mit in di-n Kauf, die 
wir scblcehthin nicht aU provinciae gelten lassen krtnnen. die jeden- 
falls keine Reiohtifatmenlebeu waren. Dadurch leitet lt hinüber zu 
den Hinsligen «ihlreicben Nennungen, denen wir begegnet aind, 
aber Joch nuch nur mit einem für ans »ehr vorteilhaften Erfolg. 
Eine Durchsicht der in dem letxtea Paragraphen zusammeu- 
geotellteii Zitate ergibt, daß in der Mehrxahl der Falle denn 
doeh Östorreieh, Stcicr und Kärnten an anter Stelle genaoat 

t) HG. 8S. XXII. M5, Z, 24t.: Kam oloo&mi rei daeMum Anitrie, 
Stirl* aiqa« Cbnrlathl» «I Porlum Iviioni* inlotlo «cca[i»v«r«t muIU<ia* 
•lia, i{a* ad ragnum i.'ii(carU ptrtinvbuit. 

*) Eb«Dd*. Z. Sbtf. ( . . . Olocata« res . . .) v«iiii bd podci lmp«Mlorii 
re««ptiiaqa« baDifn* contra tnultiladinem principam MXitaiter ad rv^on et 
«muc« dipiitale* •aa* et tibet »turo p^rmittilur, prvmlMlone iDiamcnio firanata, 
Hw4 »man« «hiid**. >iuai nalmliRl do Auttiia. StiiiB alqua Cariatbia. ad 
iinperatorviB reinitttrtt d onmia [oitalitia iatarun proTinciaram dw«t ei «t 
Efzam DAbiletn firitaiom. 

*) EUiBda. b26, Z, 8 ff. U«x autem Kodulfai altra DasDlijum oUrlam 
fftidnat occtirref« et t'tai coDalibiu obnare, bfttMiu MCBm BtUte» d« 4u*trla, 
Caiinlhia ali^ua Stirie vir duo milia .... 

J4krbi«k i. Y. I. UMimknnit, IMS >■ IW4- SS 



338 

werden, meist sogar in dieser Beihenfolge. die auch die Folge des 
ottokarischen Königstitels ist. £b werden ebeD gasz selbstTerstäDdlich 
sowobl io offizieUen als nicht offiziellen Kencangen die Fürsten- 
leben in erste Reih'e gestellt. Daß dann das eine oder andere Mal 
Kärnten wegfällt, ist vielleicb aas der Ungenaaigkeit der Schreiber 
zu erklaren, denen der letzte Name der üblichen Reibenfolge in 
der Feder stecken blieb, oder es ist auf ein politisches Moment 
zarUckzufübren. Kflrntea blieb nämlich nicht bei der durch Otto- 
kar zusammengetragenen Landergruppe, die größtenteils in habs- 
burgische Hände Überging, sondern war schon damals an Philipp 
von Kärnten uud ward nachmals an die Görzer verliehen. £k 
konnte daher in den Augen üsterreichischer Chronisten, die siclr' 
doch vorwiegend um die Vorkommnisse in nächster Umgebang 
kümmern, als minder wichtig erscheinen und für ihre Darstellung 
verloren gehen, obwohl Kärnten wie Österreich and Steier Reichs- . 
fahnenlehen war. 

§ 152. Das uns vornehmlich interessierende Ergebnis dieser 
Erörterung ist die Tatsache, daß nach gleichzeitigen Berichten 
Österreich in der Zeit Küuig Ottokars nur mit einem 
Banner verliehen wurde, wobei es fUr längere Zeit sein Be- 
wenden gehabt haben dürfte. Es beweist nichts dagegen, wenn 
König Rudolf am 27. Dezember 1S62 die principatus sive dacatus 
Äustrie, Stirie, Carniole et i^Iarcbte .... apud Äugastam sollempoiter 
cum vexillis et soUempnitate debita ') seinen Söhnen rerlieh. Denn 
in diesem Falle ist Mehrheit von Fahnen ganz selbstverständlich, 
zumal wenn nach der Auffassung des Belehnenden auch Krain und 
Mark wirklich als Herzogtümer gelten sollten. Aber wahrscheinlich 
ist durch die Alternative principatus sive ducatus angedeutet, daß 
nicht alle der vier nachher genannten Lande als Herzogtümer, 
wohl aber alle als Fürstentümer zu gelten haben. Das Agieier Leben 
Fordenone wird natürlich nicht mit genannt. Über die Zahl der 
1282 zur Anwendung gelangten Fahnen will ich mich gar Dicht 
in Vermutungen ergehen, aber nahe liegt immerhin, daß sie deshalb 
verschwiegen wurden, weil es sich von selbst verstand, daß jeder 
der vier Neunungen eine Fahne entsprach. Ganz sicher aber 'war 
dies zu Ottokars Zeit so, und das stimmt zu dem Umstände, dafl 
damals der Traungau gewiß schon mit der alten Ostmark zn einem 

') Scbwind-Dopscb, AuB^BwAhlte Urkunden zur VerCuiUDgigaMhiebt» 
dm deatKb-ödtarreicbiscbeii Erblandc im Mittelalter, (189&) 8. 132. 



339 



StaatakOrper TersvhmolzeD nar. Ufitte <Ue zweite Fahne dagogen 
Qral'enrechT ed beileulen and war sie daxu bcfitimmt. die un- 
tffblichc ünverlehniwrkeit <ler öaterreiphiwhen ires cwmilatus 
und den märkiBchen Charakter dwt Herwigtum» l >»t«rret<-Ii *u 
fächern, so wäre kein (jrand genesen, dieses BaDti<>r fallen an 
lassen, was freilich nicht liindert, daü auch ohne vtriterc ßcgrtin- 
üuni; diut Bannt-r ubhiindcn kummt. weil man seine Bedeutans: nicht 
mehr veratand. Auffallend und ungewühnlicli wfli-w «in .-solvhcK Vor- 
gehen immerhin, wml, wie wir nu» ver»cliiedeDen AnEeichen acblu-i^eo 
KU künnon glaubten, die Tendenz noch eher auf Mehrung d<>nn 
nuf Minderung dt*s Oeprilnpc* gehl. Wohl aber konnte nach der 
Kmerbun^ der Steiermark mit den reichen chienig;auiM:hcn6o«itzungcD 
im Trauufrnu, welche der zweiten Provinz erat einen Inhalt t;aben. 
Kein besondercH Itnnnvr um so mehr entfallen, nl« ja an» damulige 
pCWrreich üb der Enoa noch eiaige Zeit zur 8t«i«nDark ^'crGchoet 
wurde, bis endlich die großen £rwr-rbiin^en nm WeU und im 
LWcaten des Traunpaues sowie die mit dem Obrifren Osterreich ^e- 
'tnoincani« juiMtauisebe ZugoliOrit^keit die Lu^trennung de» Litndvs 
ob der Enns Ton der zar Sabtburger Metropole gehfiri^en Steier- 
mnrk herbeiführten. Duch ich greife mit diesen AuHfohrungen 
schon ober das TorlAofige Ziel der ÜDteräuchtin^ hinautt und ver- 
rate »0 eine Tendenz, die der jetzt berr«cbenden AoDcbuuiuigs weise 
ala ein eigentlicher KUckfatl in eine längst überirunden geglaubte 
Krankheit erscheinen wird. 

g löü. Versuchen wir e». den Eindrack, den wir an« den 

Hetsten Erlirtcrungcn dicKt-t AbAcbnitK» gewonnen haben, auf unsere 

Frage anzuwenden, so ergibt sich folgendes: Während e« nicht 

m&gliob ist. ohiit! weitere« von den beiden Fahnen der Qesta Fri- 

dwioi, wenn selion die eine auf die Mark, bezieh nngaweitie auf das 

Huxogtiun, so auch die andere auf die trcs comitatUK zu beziehen, 

ISO ki^nncn wir uno solches weit eher hinHichtlicb der im MiniiH ge- 

r nannten beiden territorialen Be«tandtuile der herzoglich bavvrischen 

ücimsagc crlnubrn. Der Mark mnfi une Fabne zukommen. Die 

mit ibr heiragesagten. dereinst von Bayern an einen Markgrafen 

dea Namens Ijcopold verliehenen benelicia werden zwar, wie Mchon 

Dopscli mit Recht bemerkt hat'), ei» zwcitce ^ul im Minus nicht 

genannt, d. h. nicht genannt ala vom Kaiser an <.)eterreicb Uher- 

L tragen. Man kanu zwar mit Grund aanehmeu, daß sie ins neae 

I i) UliwtluDg» dM InMllQti. XVII. S9». 

I »• 



340 



Herzog:tnni einbezfvgen sind, aber m«n künnte bezweifeln, ob dt 
beneficia nunmebr zum Falintehun erLobon waren. Aber es ist de 
sebr n.ibi^cfacioU(ib. daß dit /.wtili; Fiihnp der bayrrischou lleim- 
M^ lieb BuF jcoe beaeficia bexo^, da nie ja sOKUsageii bayerische» 
Fabnenlehen «ine» früliereii öaterreicKisehcn Hatkgmr«n ^wc»cn 
Aiad. Und so ma^ denn atioh bei der kaiserlichen BeJebniing aii 
ÖMerrcich das zweite RaDncr »ich auf diese vonn&U bayeriscbcn. 
nunmehr Rcichsteben be^oj^n haben. Aucb durfte dioeee Gebiet. 
das sich damals nirbt £ur Oftniu; in don Hunde» der Babenborger 
l)efaod — sOQBt hatte der Uinwcis auf «no <iitunduin marebio L«o- 
poldus kaum Sino — durchaus nicht onbedeuteDd gewesen sein. 
Sonst hutlen sich dir; Markhertoge durch einfache RUck^ube der 
bsyerischeo Lehen der Scbilde»Diedenin(; entKieben können, wie 
später Herzog Leopold mit den Qurker Lehen j^etan. 

Sonach sind die xwei Fahnen in erster Linie bernfen. für die 
zwei von Hertog Heinrich dem Löwen dt-m Kaiser resignierten 
Lcböuegruppen auf^uktfintncn. Vor aili-m tnulV fvetgebidten werden, 
datt sie marebiam AuBtrie (cum omni iure et) eum omnibus, 
beneficiia. qiie qaondam marcbin Leripnldtu habebat a dacatu 
Bawarie. symbolisieren. iJann erst kommt in Betracht, inwiefem 
man aucb diese beneScia ... a docatu Bawarie seit 1156 als pro- 
TÜrei« zu betrachten hat. bezieh ungswci»« ob sie eine ])r<.vinoia ao 
ausfüllten, daß man, wio das spILter bei Steiermark der Fall ge- 
wesen, die provincia mit verleüien mußte, und in welcher Weiso] 
die benelicla mit den trea cnmitatus zusammenhangen. DoB diese] 
zweite provincia nicht in der t.-t¥tvo, der marcbio. inbcgrüTcn »ein' 
kuun, ist klar, wenn es auch nicht notwendig ist, alle jene bayeri- 
schen beacfiein gerade nur in der zweiten zu suchen. Doch sehr nahe 
liegt e» infolgede»8eii. jenes Gebiet, um das sclion in der Grenx- 
besehreibung des Laudbucbes von Österreich und Stoier und noch 
den Urkunden von 1187'), vielleicht aucb schon 1180^ 1207'), 
von 1330 ') die einstige Ostmark Über die F.nns hinaus vormefart 
erMheint fUr das zweite Fahnleben von 11&6 und fUr einen von 
den tres comilatu« der Gustu Friderici de» Otto von Freising 



^) Strnadt. Gabun dei LaodM ob dar Emu. tj. SLi. 92f. 
■} KUaa». 100, aai Lanpal In: UMtor d«« V«t*1d«* fUr LftadMkutid« 
TOB Ni4id«rr>« terra icb. XXI. Sttl f. 

>) Strnadt, >. s O. i^ OOf 

*t Etendii. B. a. O. 101 f.i da^go« Lampcl. a. s. O. 383. 



aaiate 




zu Q«bineo und d&rin einen Teil, vielleicht so^ar einen großen Teil 
Jener vormaU bayeriscbeD btrnoäcia dm qnondam miurchio Leopoldas 
zu iiuchei), von denen da» Minus tipri<'iit. 

Wird nun uiite«teils bcfaftirlich btsirltien, daU es im heutigen 
Überüuterreieb drei solche Grafschaften gegeben — und mit Recht, 
man muß eben nicht alle drei in Oberüsierreich suchen — to 
mofiCea anderseits die oft erwithnten drei Malsllitten der üslerreichi- 
schflD RvcbtsbUchvr den GiKlanken nitlit; Ic^i-n, die drvi tiraf- 
flchafien als za jenen Mabitütteii gehörige Oerit^htdliezirke zu suchen. 
Und hatten sieh diese drei Grafschaften in die Auffassnng unserer 
ReuhlBhistoriker eingulebt. dann wieder lAge vor, irofregen das Minus 
angeblich vorbauen muCte, um das neue Herzogtum nicht aofort 
durch Weiterteihen der Grafscbafien in »eine Atome xerfallen zn 
pianeo, ciu cir^ulus vitiosus. Aber hat d^nn wirklich zu irgt^nd 
äner Zeit die babeiibergische Ostmark ans drei «ulohen Grafniehafleti 
bentanden ? B.S scheint nicht, nach dem, was wir schon gelegentlich 
aber das Alternieren der verechiedeaen Diagstatten bemerkt habea. 
Doch gehen wir der Frage nunmohr entschieden an dun Leib. 
Davon, wie hier die Antwort aasftUl, muß die letzte Kntscheidnng 
nbhlingeQ. die entscheidende Antwort nflmlicb, ob mit der zweiten 
Fahne nor irgendwelche Hechte oder nur Gebiete, mit den Geata 
Friderici zu sprechen, eine ProvioK vcrliebi-o wurde. 



1) Marchia et comitatas. 

g IM. Das in lctzfa;r Unler-suchung gewonnene Ergebnis robt 
vomehaiüch auf der Voraussetzung, daß mit jeder der beiden Fnbnen 
. je eine bayrütche Provinz von Heinrich dem LCweii an Kaiser 
Friedrich abgeircton und von diesem an Heinrich von Österreich 
wieder geliehen worden sei. nunmehr ahi KtMchsInnd. Die drei 
Grafachaften wurden vorUnfig aus der Erwftgnog ausge' 
scbaltel. S*e kDuoen aber nicht auf die Dauer ausgescballet 
bleiben. Schon an und fUr sich acbetitt die Vcmmtuiig Duhe zu 
liesQD, ja sie dringt sich gewissermnUeu auf und ist bisher altge- 
mein gehegt worden. daU nämlich die beiden Objekte der Belehnung 
uiuerscita die Uark, anderseits dto Orafs4^baften sind, nud daH eben 
sie durch die beiden Fahnen gedeckt werden, obgleich, wie oben 
betont wurde, Ottos Wort« zu dieser Annahme keineswegs zwingen. 
Demnach mtlßte die eine von den b«iden aogonommenen >pm- 



342 

vinciae« eben jene »cotnitatae quos tres dicuut* sein. Eine aas drei 
GrafBchaften bestehende, Tormals bayrische seit 1 1Ö6 ReichsproviDz 
wäre gar nichts Undenkbares. Damit aber scheint wirklich >die 
Annahme einer Vergrößerung der Ostmark durch drei bayrische 
Grafschaften' gegeben Da es nan «bisher nicht gelungen ist, diese 
im Sinne jener beiden Nachrichten (des Minus und Ottos von 
Freising) auch nachzuweisen < '), so muß immer wieder die Zu- 
sammenhaltang mit den drei Maistätten der österreichischen Land- 
rechte sich empfehlen.^} Die Fol^e davon ist Identifizierung der tres 
comitatus mit der Ostmark und die weitere Folge irgendein Ver- 
auch, dieselbe mit der Überreichung von zwei Fahnen durch den 
Kaiser an Heinrich von Österreich in Verbindung zu bringen. Dabei 
ist es freilicli bis herauf zu Dopsch immer unbeiUckBichtigt ge- 
blieben, daß der Verleihung des Dukata mit den tres comitatns 
durch zwei Fahnen die Heimsagung der Mark und der ihr seit alter 
Zeit zugehörigen Orafschaften durch Heinrich den Löwen an den 
Kaiser gleichfalls mittels zweier Fahnen vorausgegangen ist. Diese 
Tatsache muß Erklärung des comitatus als nur von Kaiser leheo- 
barer Grafenrechte ausschlieUen. Denn «Grafschaftsrechte stellen 
ein eigenes Leihegut dar. das vom König, bei welchem die höchste 
.Gerichtsbarkeit ruhte, verlieben wurde« '*), mithin konnte Heinrich 
der Löwe dieses doch auf Österreich bezügliche Lehngut unmöglich 
dem Kaiser aufgeben. Es hatte bei ihm ja nie »geruht«. Doch mit 
dieser summarischen Wiederholung der Erwägungen des vorigen 
Abschnittes werden wir diejenigen nicht überzeugen, welche immer 
wieder darauf zurückkommen, es sei «bisher nicht gelungen«, jene 
tres comitatus in Oberösterreich »nachzuweisen». Wie aber, wenn 
jetzt wir an sie das Ansinnen stellen, ihrerseits doch die tres comi- 
tatus innerhalb der alten Ostmark »nachzuweisen«. Der bloüe Hinweis 
auf die drei Dingstatten dürfte kaum schon genflgen. so bestechend 
die »Analogie« der beiderseitigen DreizabI wirken mag; hier drei 
Malstfttten, dort »comitatus quos tres dieunt«. Und nun gar die ver- 
schiedenartig vorgebrachten Einwände von »verblaßter Erinnerung« 

ij Dopsch in: Mitteiluagen de« loatttutes fttr öateireichiicbe GMchichti- 
forgcbnDg. XVli, 301. 

-I Vgl. Kiezler (in: HerzogCiim Bayern, S. 318, wo, trotz dea HinblickM 
auf OberJtaterreich, doch di« drei Grafacbaflen NiederOiterreichi angenoiDtneli 
werdoDj. 

^1 Uoptch. n. B. O. 306. 



343 



1. dgl. mehr sind ebt*n Aa$fl(lcbte, ivelche kitain 1i>'-lit;r Anzu»-li1»^cn 
als jenes Pochen auf xlon »ohldgcnd^tcn Rowci»*. cl*;r sict ao« 
dem noch niolit erbrachten Xachwetse des Oegenteileio orgHbon tcH\. 
Ri int aber jetzt an der Zeit, endlich einmal an die Stelle solcher 
äDctiliger, wenn &ucb riclk-icht auf den ersten Blick best coli ende r 
KinwQrfe viel mehr sorgfältige Untersucban^ treten zu lassen und 
wir gehen nicht ganz unvorbereitet an dieselbe heran. 

§ 155. Schon in früheren Abschnitten der Erörterung bat ffl 
an Versuchen nicht ^'efthlt, die trcs comitatus ionorhslb der OüE- 
inark aoslindig in machen. Dabei wnrdv da« bauptfüchliche Augen- 
merk auf flolcho gfSniehe Immunitltten j^^legt, M'el<^lie etwa 
K«inerzeit bavriachff I^buti dea ««luendam tnarehio Liupoidu»«, wie 
ihn das Minus oennl. gewesen — wir laHseii fuglieli dabin^wslcllt. 
welfber Markgraf I^Mpotd gemeint aein kUnnto*) — und die etwa 
aU Seknndo- and Tertiogonituren an verwandte DynaMei)hiiue>er 
gi'lan^I wien. Wir wiNseii, dsß einige vim diei-p» Geschlecbtoru noch 
«pfttcr ibr«n illnsammeuhiing mit der tUgontenfaniilie betonen kdnnen. 
Wenn ditsM. biwondera im westlichen Teile der Ostmark uufgt^ 
speioberlen granichen Immunitäten. beKiebuD^'»weii><e ihre in Gruppen 
^xuaam menge faßten Partikel mit Jenen cmniltituf c{a<>i trvH dicunl 
gemeint »ind. dann ift vielleieht die buflondere Vcrlt-ihungdenH'Ibi'n 
die n;it0rliche Konseiiueni: juner einen Bedtimmuog des Minus, 
welch« wir oben drn E\equaturE>ariigraplien genannt haben. Wir 
haben dabei auch der Uogliobkeit gedacht. dal> jene Beätimmung 
wöt mehr noch Avn wcltliclien linuiuuitlltvn gegolten habe, die in- 
nerhalb der (Jstmark gelegen wart-n. als den geistlichen. Da konnte es 
denn leioht von Otto so uufgefaQt werden, als ob der neue Herzog 
mit diesen «GrafochafieiK, obgletcli deren lmmiinitAt.-iheri«n bestehen 
blieben, neu belehnt wurde, »•.• dalS «l»o die »Grufuii* in der O't- 
mark nur von de« Herzogs tinndtMi iu^ticiam exerc«re konnten. Im 
anderen Falle hülte die Lostrennung der Mark v-on Bayern die Graf- 
scliaAen reiclisunmittelbftr gemacht. Die Verleihnng der obersten Ge< 
richtsgewalt in solchen ImmunitAten an dun Heruig. die Henib- 
drllckung der einstigen Immun itatslierren in drei Grafschaften zu 
LKh«iioleulen dea MarkherzogH, das w&re immerhin bedeutend und 
.wAre doch ctwaü under«(< als du problematische Heeht. die frag- 
'liehsn Grafaohaften. aus denen sich dl« Mark zusammensetzte, nicht 
weiter leiben zu mtisaen. AlleiD, wie weisen wir wieder solche »drei« 

•) Vgl « 661. JslirlKieh. lU (1904). ßSff. 



344 

Grafach&fteii nach ond noch mehr, wie weisen wir ihre bayrische 
Leheoscbaft nach? Allerdings ist es durchans bayrischer Hochadel, 
dem wir in jenen ImmnnitAten begegnen; einige von diesen Dynasten 
danken ihren Besitz im Ostlande wenigstens nach dem Zengnisse des 
Landbaches von Österreich and Steier nur der Verschwagerimg mit 
dem markgrftflichen Hause. ') Aber das sind alles nur schwache Be> 
helfe and es wUrde jedenfalls eingehender Untersachongen bedOrfen, 
die über den Rahmen dieser Arbeit allzusehr hinausragen mfißten, 
um nor halbwegs anf diese Weise den tres comitatus beixakonunen. 
Vor allem wurden sehr gewissenhafte üiitersncbungen notwendig 
sein, nm das Verhältnis solcher comitatus zar Ostmark and zum 
Markherzogtome klar zu stellen; wobei aach von der provincia die 
Rede sein maßte. Und dann finden wir ja unsere Gegner gar nicht 
auf diesem Gebiete. Die haben sich mittlerweile auf die ganze Ost- 
mark gestürzt, sie in drei Teile geteilt, die vormals Grafschaften 
gewesen seien nnd zu den bekannten Malstatten gehört haben sollen. 
Wenden wir uns ungesäumt dieser Frage zn; auch sie trifft tuu 
nicht ganz ooTorbereitet. 

§ 166. Wir baben bereits aasfuhren können, wie wenig aoa 
drei Dingstatten sich gleich auch drei Grafschaften ergeben. Daß 
einer ziemlichen Anzahl von solchen Grafschaften mehrere Mal- 
Stätten zukamen, ist bekannt und in früheren Kapiteln, insbe- 
sondere fUr den bayrischen Bereich dargetan worden, wobei wir 
uns Tornehmlieh auf die sorgfältige Unteraucbung Rieziera Btützen 
konnten. Die alte Einrichtung nun, daß der Graf — ob er nnn 
vom Herzog bestellt oder vom Kaiser belehnt war^) — abwech- 
selnd an den verschiedenen Grerichtsstätten seiner Grafschaft das 
echte Ding hielt oder durch einen ernannten Richter halten 
ließ, war zwar in späterer Zeit in Vergessenheit geraten; die 
fortgesetzte Teilung der Grafschaften unter gräflichen Erben hatte 
tatsächlich zu Grafschaften mit nur einer Malatätte gefHlhrt nnd 
in weiterer Folge zu der irrtümlichen Auffassung, drei DingstAtten 
müßten drei Grafschaften entsprechen. So dürfen wir annehmen, 
daß den drei Peilsteiner Grafschaften im ersten Anhange des Land- 
buches von Österreich und Steier^) nur je eine Malstätte zugekommen 
sein. Allein gerade dieser Umstand müßte zu der Vermutung 

■) MG. DCh. m, 716 f., § 61 f. 

-| Vgl. jetEt StrnKdt in: Archir. XCIY, 193. 

'^ UG. DCh. III, 722 ff. 



945 



fufaren, dem nocli nngeteilte granirb« H«urk von FeÜsitfin Büdüch der 
Donaa, der vod Melk bis binanr nach Strengberg rricbte, mUßlea 
dereinst drei Grafschaften entsprodten haben. Selbst dieser Zuetaod 
kftDii aber doch erM unter dem Aufkommen der Pcilüteiner in 
öaterreicb eingetreten bcid; man kann hier jedeiifalla nicht von 
markgraflicfaen Dingaiutten sprechen, dereo es vielleicht ia diesem 
Bereiche in babcnber^ischer Zeit nur eine oder gar keine ge^elic-n 
hiit. Wenigstens %-<■& den spateren MalstAUen des Ljindtuidings liegt 
köine im peilstoiniscben Ilereicbe sUdlich der Donaa. Maatern, di« 
meut westlich j^legene Landlaidiog^stUtlc, liegt am die ganze 
Wacliau von Melk entfernt^ das man allenfalls als den JlstlicbHlen 
bedeutcndea Ort der gru0i-n Grsfscbuft PcÜBtcin nrhmen künutc. 
Oder wollen wir behaupten, die Grafschaft Peilstein sei nur ein 
Stück, etwa die größere westliche Hftifle eines itixrkiKelM>u Gerichts- 
bezirkcd geweseD. dem Mauieni uder ein anderer in der Kfth« ge- 
legener Ort als MnlsUlltc dient, etwa St. Polten itdcT MurkerAdnrf 
a. d. Pielack, daa in spaterer Zeit einen aa^edehnten Laudfi-ehchts- 
sprcugcl aufweilten knim, der allerdings vielmehr aus dem Tulluer 
Landgericht hervorgegangen su sein scheint. Doch bleiben wir bei 
Maotern aU Malstätte für den ganzen Westen der Markgrafschaft; 
oelbst in dieaeni Falle kunnlen wir Mautern noch nicht a\s Ding- 
stnttc einer im Wceteu gelegenen mlirkisvbcn Oraf»chaft bvseicfancD. 
Es mag Malstiltte fUr dienen ganzen Bereich bis zur Ennsgrenze 
gewMni sein, darum aber ist dieser Bereich noch keine Grafschaft. 
Grafschaft wurde ein Teil davon erst dadurch. daU er in die Gewalt 
der limfen von Peilstein gedieh, die hier Iiiiintinilllt gcntkfisen, und. du 
sie selbn das Gericht aastlbten, von ihren Grafschaft ensprecben konn- 
lOD. Und dos Gleiche mag jenseits der Donau, etwa in bezng auf 
das Verhlltois der (Grafschaft Kaabs zur MaUtätie Neaburg gelten. 
wenn überhaupt, als ru jener Grafschaft derGrund gelegt warde, diese 
Neuborger Dingstmte bis dorthin ihre Geltung beseäseu haben sollte. 
Darum kommt der Malstatt Xenbarg noch keine Grafschaft 7.u nnd 
das Gleiche gilt ohne Zweifel auch von Talln. Schon bei früheren 
AnUtien ist denn auch auf das voIUtsndige Fehlen von Grafacbafts- 
lennuiigen nach diesen drei Dingatütten hingewiesen worden '). 
All dies hindert nun freilieh uichl. fUr einen dieser Bereiche 
ZugehUrtgkeit zu einer von den alten Karolingischcn Grafschaften 
anxanehroen Wir haben gleichfalls sebon zu Beginn unserer Unter- 

>) I SO, Jabtbocli- II (laOS), 8. li L 



346 

RuchongeD auf diese Möglichkeit hingewieseD <) nnd aaf die merk- 
würdige Tatsache, daß die Bezeichnung Grafschaft aich hauptsäch- 
lich in der von mir an zweiter Stelle vermoteten karolingischen 
Grafpchaft findet Ich meine jene, die ihren Schwerpunkt im Norden 
der Donau hatte und im Süden derselben lediglich die oft erwähnten 
drei peilsteinischen Grafschaften umfaßt zu haben scheint, nnd der 
nach der Raffelstatter Zollordnung Zollstfitten zu Linz und an der 
Url zukamen.^) Altein hat sich diese Grafschaft nicht in die baben- 
bergische Zeit herüber gerettet, wenn das beachriebene Gebiet über- 
haupt als karolingiscfae Grafschaft zu gelten hat? Es haben aller- 
dings in diesem Bereiche sich jene bayrischen Grafengescblechter, 
die wir in der Ostmark begütert finden, mit Vorliebe festgesetzt, 
und es mag sein, daß für die bayrischen Herzoge dieses Gebiet als 
besondere Grafschaft galt. Wie es aber in der karolingischen Zeit 
doch wieder zur damaligen Ostmark oder richtiger gesagt zur Hark 
AriboB gehörte, so gehftrte es auch zur babenbergischen Ostmark, 
mit dem Unterschiede, daß sie hier als besondere Grafschaft nicht 
ausgeschieden war. Das hat seinen einfachen Grund; das ursprüng- 
liche Gebiet der Ostmark dürfte kaum viel mehr umfaßt haben, 
. als gerade diese mittlere Karolingiscbe Grafschaft. Bekanntlich reichte 
die Mark Burghards und »einer nilchsten Nachfolger anfangs gar 
nicht we>t über die Wachan hinaus"), höchstens daß die Traisen- 
grenze erreicht war.*) Was tlann nllmähtich im Osten erobert wurde, 
wuchs einfacli der Grenzgrafschaft zu. wurde nicht gleich anderen 
als neue Grafschaft ausgeschieden : das würde dem Markenwesen durch- 
aus wiedersprochen haben haben. Erst im folgenden Jahrhunderte 
kam es zu einer solchen Au.'^cheidung. die jedoch auch nur von 
kurzer Dauer war. Wir denken dabei an die sogenannte Neumftrk 
Österreich, die eine Zeitlang: der rätselhafte Markgraf Sigfried- 
Siegbard inne hatte. Man sieht, wenigstens in der Entwicklang der 
Ostmark ist kein Grund gelegen, jene späteren drei Malstätten zu 
Mautern, TuUn und Xeuburg auf drei Grafschaften zu beziehen. 
TuUn und Neuburg sind jedenfalls erst spttter errichtete Hal- 

') §<i 3 ff. 

-) Jahrbuch. I (1902). S. 36 ff. 

') Siehe jetzt: VancBa. OsHcbichle von Nieder- and OherOBtemich. I, 19S. 
and: Stmadt, ICalgegnung. Zeitacbrift filr die QsterraichUcheii G^mnuiMi. tS88, 
18& nbeo. 

') H«ioiiöhrl in: ArchW für Üsterreichiicbe OeMhicbta. 88, 8. 464. 



347 

uBÜ wenn die anTrugs an kleine Ostmark deren Über- 
haupt mehr als drei be«e»sen bat, «> mlfgren 8i> in der mittleren 
GrafiwKaft der kari>lingif>cb«D Gegend geaacbt werden, die eine etwa 
XU V|>{t, die ander«- im lilaehland; ja e* ma^ iw^ar fraglicb er- 
riebeinen, ob Hsuleni tille Malstati war 

S 167. All dicKen ErwAeunfren tritt nun die derzeit bemtchende 
Auffassung in der (res com i latus- Krage mit dem Einwurfe ent- 
freien, die alten drei (Sraf^chaftea ^eien eben xu irgeuileiner Zeit 
abhandt^Q gekommen. E» «ei ^cielmohl eine *T&tBaehc. daß areprlln^- 
Hell die Slark sich aufl drei Orafscbaften zusammenaetzie', wofur 
gegen llnbcr und G^ngler schon frub^r Stmadt'L dann nasenübrl 
den N&cbwets erbracht butteo. E» sei jedoch in der Folf^ »Ver- 
schmelzung zu ciDom '■iDhcitliehcn Herrsclinfts^ebiete* er- 
folgt. Weil diee nun löfijfst pesfibehen sei. spräche aus dem qnoa 
dieant die verbtallte Krinnerung bei Otto x'nn Kreiaing. obwohl da- 
nial« und noch lange nachher dm iMalsUltten in V'erirendung 
.itaiideD. Ri-wvi»<^nd nber «ri daftlr. »n meint [)ii|>ttch^j. da* um die 
Witte des XI. Jahrhunderts eintretende Verflcbwinden de« Grafen- 
titeU ftlr dift Ontinarkgrafen und dpti.><Hn alleinige Rrsctzung dureh 
•mArcliio'. Auf Ha»enührl freilieb halte nich diesfalU Dnpscb nicht 
berufen Kollcn. Demi wunn llberbaupt der volligen Verdrängung de« 
coraes-l'itela dnrc-Ji den des marebio die Hedcutung »ukomint. die 
Dnpttcb gerne aonebmcn wOrde. »o kann denn doch von eiuer in 
'eine befitimmte Zeit faliondeu Erseizang de« einen durch den anderen 
— worauf es deich ankllme — gar nicht die Kede sein. Was ha* 
HniMiD'^hrl nachweisen kOnnen? «Burkhard wird »tetn aU niarchio 
Hexeicbnet«, de^^leicben Leopold I. zu Beginn neiniT Amtstärigkeii 
(976 f.J. im Jahre 986 wird er fowobl marchif». wie eome« genannt, 
um 987 nur nmrchio. Uotnrieb I. er«cbeint 998. 1O02. Not. ]. 
lOU und 1014, kIso Tiermal als marebio. 99ä. 1002. Juli I. und 
1016, mithin nur dreimal aU romee. Das aiehl doch etwas anders 
fta«. _ Weiter! Der dritte Babenberger, Adalbert. wird 1019 und Ut20 
abi marebio und 1U21 als comes bezeichnet. In den Jahren 1025 — 1040 
LTscbeini Adalbort auanahmslAü — nämliob secbamal — aU taarchio> 
1043 mit beiden Titeln. Seit IIH8 begegnet nur mebr marebio.*) 
Und daraun .hoII tiicb biit in die Mitte dea XI. Jahrbonderts Exiateiu 



<) G»biirt d«t Lsndoi ob in Enu. 81 ff. 

•) A. 11. O 30». 

■> Arefair. LXXXII. S. 431 



34S 



dreier Grafschaften ergeben, deren >Versclimelzun}; zu einem ön^ 
heielicben ilcrrachafUgcbicte< damol» erfolgt eei? Seit 972 bis lOii 
mithin durch rbnd siebzig Jahre neimzehnma] »Markgraf«, aad ntir 
flechsmal 'Graf* — das erinnert sehr an den Sirofahalm, DAch dorn 
«n Ertrinkender greift. Der JUarkgraf ist eben Graf, darum kann 
or auch Cornea genannt werden, weil aber jederzeit ihm als Mark- 
grafen eine besondere Aufgab« zaatand, danun wird er zu allci 
Zeilen nueb immer wieder marchio gi?rufeii. Uta die Uitto 
XI. Jahrhunderts ab«r ist Mark(;raf, ohne darin sciion einen hflberen 
Titel zu üehen'l, fUr den (Isterreicher so festgesetzt, dall man ihn 
allein zur Anwendung bringt. Zu solchen Festlc^ogen tftt es endlicl 
immer gvkummen. Unter einem Grafen schlechthin vcn^tand mim seil 
her einen im Innern des Reiches tfttigen Ti4ger des gräflichen Amt 
Daft ist allea. was sieb aaa der hOchat Bchwankendeti, aber immer 
hin ftir marchio jederzeit den Ausschlag gebenden Titulatur dufl 
Qslerreicliischen Markgrafen seit WiedererrichtUDg der Ostmark bi« 
gegen 1050 ergibt. Dopsch aber bfllte nur nocb den Nachweis ver 
suchen sollen, unter Klarkgraf Ueinrich L. der viermal als mnrchtr 
dreimal als comes erscheint, »ei ein Versnob gemacht worden, di^ 
Ostmark in drei Orafacbnflen zu zerle^tren, die jedoch nur ganz ror 
übersehend in Geltung waren, dann wArc er vielleicht n&ber >an die* 
Tat^aclie« heran^komraen. Doch sehen wir zu, ob Mch nicht auf 
Grund anderweitiger Nachrichten die Existenz solcher dred Graf- 
sohaften ergebe, deren deutliche Spur zwar nach der bi«ber 
herrschenden Anffuflsung die drei MalntJltlen zu Tulln. Maatern odc 
Neuburg, deren Zahl jedoch uaoli UiLHeii5hrl 'zweifelhaft*, nack 
Dopsch nicht mehr erinnerlich wttrc. vonwegen bereits erfolgtet 
»Ver8cbmclzHng<. Dabei wollen wir uns aber aUnch gogenwlrtif' 
halten, dab diese angenommene Vergeh melznng gans und gar Dicht 
als Qlutlutbleibliche Folge dauernder Vereinigung mehrerer Qrat- 
echafton in einer Hand eintretirn muß. Wir Mibcn die rerschicdeneii. 
bei einem und demselben Gescblechte begegnenden, oilmaU aaehj 
nur in einer Hand vereinigten bayriachen Grafschaften oocb 
BpJIten Zeiten sich deutlich von einander abheben und selbst 
sichttich der ungcbliehoD üatcrreichischL-n drei Grafachafteo 
solches im Hinblick auf die drei Jl&lstftlten bisher im Grunde 
genommen werden. Nnr daan, wenn man die-^e drei Diogxtätt«a alt 
ZQ «ner Grafschaft gehörig betrachtet, kann mun von Ventchmel- 

>) Vgl.! Piekcr. Von BeieUfBnieiutasd. 8. 73r. 



949 



I 
t 

I 



nung reden, falU nämlich der Nachweis ^eliogt, daü diese MalBtntton 
frubor zu wrscblL^di'Tivn Grafscbaften gebOrtoD. Dann aUo ist R«- 
daklion dreier Gr&fsciuiften io eine erfolg, und ea iat etwa au« 
den mehreren MaUtflrten der drei Grafschaften je eine heraasgo- 
boben und nur neaen Grnfsebaftätuiibtatte geworden. 

^ lö8. Wann aUo soll sieb jene Reduktion zugetragen 
kben, welcher die Umwandlung; der Mark ans drei Orafücliaften 
in ein« Gra&obaft ihren Unprung dankt? Doefa wohl ^raum« Zeit 
vor 1156; denn aU Otto von Kreising Über die Erbebung der Ost- 
mark zum Herzogtumo ^Iricbzcitis: Bcbriüb, soll ibn nur mehr »ver- 
blaut« Erinnerunj^* die Worte über jene comitalus (]Uos tres dicant 
eiiij;«g«ben haben. So wan>u vicU^cht 6U Bis 80 Jabro, vielleicht 
mehr dahingegangen, seit man aus den inelen MalsKltten der Mark 
drei herauKgrifl'. am eine neue Grafschaft mit den Ublicben drei 
MtüfiUlttea fllr die Notablenveraammlaag zu gründen. Diese Annahme 
fuhrt niu bis ins XI. JahrbandcTt zurOck, h\» etwa in die Mitte 
der Zeit, welche die Ostmark dureblobt hatte, ehe ihr das Frivi- 
le^tim minns wurde. Und vorher wäre dann die Mark in drei 
Komitate geteilt gewesen, die oacbmal« zu einem Komitate ver- 
cmigt wurden. Ktwa geschah dies in der Jüttcde« XI. .JahrhuiidcrtR. 
etwa durch jenes bekannte Uenricianum von 1058, das in seiner 
heutigen PtiriD als FaUum den Schaukasten des Wiener Staats- 
archivs Stert, dae aber, wie Tbausing seharfsinDig naebgetriewn 
bat'), mit der Verleihmig der sogenannten Neumark Ostcrrciclu an 
den Markgrafen Ernst in unrerkenn barem ZusanuDenbaogo »tebt. 
Daiiiitlr« wiire ja taleUichlieb eine Vereinigung wenigsten» «weier 
solcher Grafschaften erfolgt, nsmliob des Komitates, des«cß Ver- 
waltung Markgraf Ernst virn Deinem Vater Ädalbert Übernommen 
hatte, und des Grenzkomilates, das wir 104Ö in der Fland eines ge- 
wiszten Siegfried finden, für d<*»en mittelbai-eii oder unmittelbaren 
Nachfolger Tbuusing wieder einen lUi>r> verurteilten murchio Otto 
halt^), Tatattehlich erscheinen diese zwei Komitale seit etwa 1060 
als ein Komitat. richtiger gc«agt, die zwei Markgraffwbaflen ul.« eine; 
ein drille» Komilai aber könnte, wenn nicht schon vordem, m doch 
in (»nur Zeit nachher mit der babcnbergischeri Grafsebsft vereinigt 
worden sein. Daß die Vereinigung aller drei Grafschaften gleich- 
zeitig erfolgt sei ist ja mit nickten gesagt. Nur mußte diese weitere 

') Faruliuti^ta rar danttebeii OMoliicbl*. IV, S'6 ff. 
*) £b«a4a. ft71 1 



350 



Grafschaft vrmtlich vom alten 2darktKi<l«ii g««ticbt werden. Sie innor- 
lialb de» Mai-khurEogtums vor llbb xn konstatieren, durfte ftchun 
etwa.-« sctiffümr halten. Üoch auch Uie östliche GritfMihaft des Sieg- , 
fried pal^t schlecht isu uuserer Aunakme biQHicbtlicb der MaUtAU«, 
k«iao von du» drei L>tug«|utton der Mark Hvgt — wie sich lacht 
feslatelleii Ittlit — iß jeoor Neumark. Imtuerbin aber kann dus allenfatlA 
gegen jene Annabmi>. niitnlich eine nnlaßbch der Vemnigung snaxt- 
gefoudeue Reduktion der MHlatütten, nicht al.er gegen die Vereitii-I 
^ang fielb?;t gcllcud ^cmacbt meriicii. Kbensoirubl w&ie ja möglich.] 
daß die Gericht««tütten nur Einer Grafächuft fUr die Notablenver' 
«aminlun^' bedeutend wurden, die der anderen lediglich fUr das Volks-j 
gerieht in Verwendung blieben. wofQr ja viclftich g«naucres Ein-J 
gehen in die Laiidgerichtsfi-Age manche AithalU[iuDkte geben köQutv.j 
FUr uns ist jed<j«;h sehr wichtig and darf nirbl übersehen werden. | 
daß ja jeau Vereinigung der zwei Uarkgrufflchaften doch ei};entliobj 
reslitutiu In int>-grum wflre. Diu neue Mark ^f^eii Ungarn war. 
wie vrir noch t'<»i&uor dartegen werden, ein aus der alten Ütitmark 
hemusgehubuncr, einstweilen nur kleiner Körper, dem jcdnch eiu i 
weiter&s Wachstum zugedacht war. J>ie >Ver&chmelzuDg> ist in 
die»«m PnJI« eine Wiwler Vereinigung und gegenüber der Zumutung, 
die ich oben 't ati i)üp»ch gestellt habe, für die Zeit lleinrich 1. Unter- 
teilung der eiaeii Mark iu drei Crralsobafteii nachzuweisen, die djuin 
wieder in eine zutiainmeDgetjosHCD wären, könnte man sich gansj 
w<jhl auf dieoen Fall au.t de» Mitte des XI. Jahrhundert« bernftui.| 
§ Iä9. äolltu uiir nun d«i' Nochwuis docb gelungen «ein, daO 
iiDter den coinitatu^, von denen Utto von Freiaing an jener be- 
rühmten Stelle sprach, nicht drei zu den äp.iteren Landfaidingsmal- 
atfilten gehörige (Jerichtsbmirke geiueitit »ein iuli:<«en, ja uucb nur 
gemeint sein können, tüo denen spllter noch die Landgerichte ToUn 
und zum Teile auch Neuburg erhalten waren, so int damit doobH[ 
nuch nieJit Zu5aniinen>etzung der babenbergtachcQ Ostmark aus drupBj 
GrafeDschafteii widerlegt. Es künute sieb um ganz andere Önf- 
schafWn b&odelu. diu später verschwunden uder doch in den apAtAretiH| 
Kecbtsvcrhültnisscn ganz verms<:ht &ein küunten. Da [.-•t eA abvr tu^| 
DUehst fUr ErfatitiuDg der Frage wichtig, auf Jone hckunnte nah^H 
Verbindung voa marchia und comitatua eiuzugvbea, weleli^H 
in kuD)>;licbeu Urkunden für in den Grcn blanden, nncei^l 
anderen aucb in der Ostmark befindliche grafliebe Amtr^H 

>} I I&l. gBKDB Sode. _H 



4 



I 

I 



bezirke, bczichungsweioe dort gelegen« ÜrÜichkeito)i beliebt ffordi.-. 
Auf diesem Felde, diu muU «in);e«taiideii werden, danken wir 
Hasdnöhrl einen wichtigen Fortsehritt unserer iCrkeantui^. Er bat 
die Vermutungen, die «eiaermt Felicetli*) an daa nbw-vcb^langs- 
ruicbe Auftret4;u jeuvr Vorbinduog, bes&or gi*Bagt &n ibr Feblco odur 
Vorbandeusoin kuQ|)fL, als unzutreffend crnriesen. Ks i?t derchaos 
von keinem Belange, ob eine im Markgebiet ^legeTie Ori.«<chalt »h 
io ouu-cbiu alleiu oder als in comitatu nuirebiooia allein oder 
^mdlich uls in miu-cbiu et comitatu g<:lege[i bezcicbneC wird. Selbst 
^KelU Annahme, wonaeb Letzlerwäbnte Wendung fUr den ganzen 
Aiut^bereicl) des Markgrafen, ciarchia allein fUr das engere Grenz- 
gebiet, cumitatus für daj stJiatlicb geordnete Uinterlaud in Ver- 
wendung käme ^ im Grunde dcieb »uch Fclicottifl Meinung,* int 
wonigäleos f)lr Osterreicb nicht annehmbar. IJier werden alle jene 
Fonneln TriUkUrlicb durelieinander gebrauebt'), so »dall eine 
Scheidung des Landes uueb Mark und UraHtcbaft hier ein Ding 
der UnmOglicbkeit ist« '). UiJchslens dall man vielleicht einen zeit- 
ticben Wechsel in den AuadrUckeu realätellen konnte, der aber auch 
nicht — wie etwa in Istrien '^ — dureb Umgestaltungen in der 
Ostmark, sondern durch wechselnde Gebrauche in der Kanzlei »u 
erklären w&re. Mng nun dieses ^ebwauken in der AuMlrucks weise 
nur stilistischea Spiel sein, mag es dem BeniUben seinen Crsprang 
danken, da« eigeiitOinliche rnUrki«che Vvrhllltnui beiuer zu fassen 
und Kur Ans<.-banuDg ku bringen, so ist denn doch durch nicht« 
bewiesen, daü man in all diesen FfllUui mit veniehiede&eu Wen- 
doflgen verschiedene VerhAltnisäe andeuten wollte. 

über die Bedeutung von coniilatuH in diesen Verbind ungeii. 
bißt sicli nun Uascnübrl nicht nusdrücklich vcrncbnicn; duch scheint 
aas allem und jedem hervu»ugehcii, daß er au Qrafseiiaften. das 
heilet an grafliclie Amtügebietc denkt. Uns iO. gerade für uitücre 
Frage umsoweniger zweifelhaft, als Hascnuhrl einen UarkgralVu 
»entweder mohrure Grrafschaften < verwalten lallt, »wie wabr^cbuin- 
lieh in Osterreirh, oder auch nur eine Grafschaft , . . ., »ie z. ü. in 
Krain«.*) Wtlrdo nun Uu«onöhrl, uumiltclbar ankitCipfend an diOHe 

^ R«ltrl^ tat Knnd« Kii*miclii*cbor 0«achiclitM|ii*lleo IX, 40ff. 

') UaisDSlirL, a. s. O. 42ßn- and 431. 

») A. t. O. 4i& 

*) ilaiBoObrl, B. a O. iHät. 

1) A- ■. O, 410. 



I 



352 

Bemerkang Über Österreich, die Frage aafgeworfen haben, ob eich 
aus den von ihm so genau nntersucbteo Außernngen königlicher 
and kaiserlicher Diplome über die Oatmark eine zn irgend einer Zeit 
nach der Lechfeldschlacbt bestandene Mehrheit solcher oBtmBrkischer 
Grafschaften erschließen lasse, so würde er notwendigerweiBe za 
anderen Ergebnissen gelangt sein, als dies tatsachlich der Fall ist. 
Er aber zieht es vor, nachdem er noch zar Titulatur märkiBcher 
Reichsbeamten einige durchaus zutreffende Bemerkungen nieder- 
gelegt^), in einem vierten Paragraphen seines llber marchia und 
comitatus handelnden Abschnittes zunächst Über die krainerischen 
und istrischen Belehnungen des XL bis XIII. Jahrhunderts zu 
sprechen, aus ihnen für comitatus die Bedeutung >nicht . . , von 
Grafschaftsbezirk, sondern .... von Grafschaftsrechten« zu er- 
mitteln^) und mit diesem Ergebnisse erst tritt er an die Betrach- 
tung der tres comitatus bei Otto von Freisiog heran ^). Er nähert 
sich damit vielleicht der Erklärung Stmadts, die er jedoch nicht 
voll billigt, entfernt sich hingegen von der richtigen G^daoken- 
folge. Es liegt nun aber sehr viel daran, diese richtige Folge wieder 
herzustellen, das heißt zu untersuchen, was sich für die einatige 
Existenz dreier in der 1156 zwar zum Herzogtume erhobenen, aber 
etwa nicht vergrößerten Ostmark vereinigten Grafschaften — außer 
den, wie wir wissen, nichts beweisenden drei Malstätten der östeiv 
reichiscben RecbtsbUcher — und den von HasenOhrl angezogenen 
und vielleicht aus anderweitigen Urkunden erbringen läßt. 

§ 160. Es möchte auf den ersten Blick von wenig Bedentung 
scheinen, wenn in all den Diplomen, in welchen des ostmärkischen 
Verwaltungsgebietes gedacht wird, immer nur von einer Grafschaft, 
nie von mehreren oder einer von mehreren, also immer nur von 
comitatu, nie von comitatibus die Rede ist. Ich sage, das 
scheint wenigstens auf den ersten Blick belanglos. In der 
überwiegenden Mehrzahl der Falle ist es eben nur eine einzige 
durch marchia und comitatus festgelegte Ortlichkeit, von welcher 
die Urkunde spricht, oder ein solches Gebiet, oder wenn schon mehrere, 
dann so nahe nebeneinander liegende Ortschaften, daß alle in eioer 
von den angeblich mehreren Grafschaften beisammen befindlich 
angenommen werden können. Von derlei Einzelortea, Ortsgruppen 

*) Ä. a. O. S. 431 ff.: Tgl. ob«n, § 157. 

') A. ». O, S. 434 ff. Vgl. §§ 33-61 meiner Unter»nchung. 

>) Ebend« 436 ff. 



ZöB 



oder selbst r^anclstnchen iai immer vurauamsettiMi. dnU fUr sie our 
i'ine Grafjtchil't in IVtraclil k«iii, sL-lb»» w*nn Aic RaU-nbergyr Mark 
KU ir]{:endeitti.'r Zc'it aus mtbrL-reo, von nur i'ineni Grafon geleiteloii 
GriifschaFicn bestandi*» hiiben «ollte. Die regelmAßige ErwÄbnanji: 
von nur einer GrafVrhaft in Llrkunilen. di^ sich auf ostniitrkiscbe 
Liikal*^ b*^xii:h(-n, wtinlun un« mithin nuob nirhl bcrixlitigcD, eine 
Vielheit tod Grabcbaftea in der Hark ausEuacblieDen Denn auUer 
den Iiior gfleg«n<iii Ortliplikeiien sind ja aurb jene, die im Traon- 
gaa oder im Dooaugau xu suclicn sind, alle in eomitatu Liutpoldi 
achlcifihthiii gelegen und niemand «'ird glauben, dull dies in ullt-n 
FAlleii dieselbe GrafftcbafV veweHen sei. Regelnml'ji? bat man ea eben 
bi'i joilnr von den an):e/.i>geni'ti Ortobcstimniuiiffen nur iiiil etiifni 
Krimital zu tun. Oleicliw^lil würde c*» »AhM unter eolvlicr Voraus- 
setzun;; uiich ia jonea roarkieobeii Knlleu zum mindealeii niebt b«^- 
frewien, wenn m otw» anin:d hrißcn wtirdr: in der nilrdlinhen 
Oraf«cliaß Akt Alark oder in der sudliclien oder in der i>stlicbeD. in 
der obervn oder der unteren, oder wie Minst man «icL ausdrlickfu 
«'otlH. um da« Au&ucben des in der Urkunde ^nannten Ortes 
iuiiHrltalb dt>r weitlftufigen und ragen Qrt>nzen der Ostmark zn er- 
leiohitim. Da» »m so mehr, als os ja «uist an VerBuchen, za einer 
[geti&aeren Pestlejfung xu gelangen, nicht fehlr, aio gefehlt hat. 

§ 1€1. äolch ein ätrebc» nach genauer OrtebestimmuQg 
vmigen bcinpleUweitie die ftlr ()alerreielier ergangenen oder auf Ost«r- 
Ptrichijtclic I!«äitzungcit bezüglichen Diplome Kaiser Heinrich III. und 
Min« Sobne« Heiiiricb IV. in der Art. wie sie die Sobwi«rigkeii 
der OrtRl>f»timmitng lö^cn. In diewn Urkunden tritt nämlich KtinAcbat 
die Rrwäbnung der Mark in den Iliniergrund. dagegen taueben 
neben der >Grafschafl« andt^rweitige Bestimmungen auf, sicherlieh 
nur tn dem Zwecke leicbten^r Ermittlung des in Kede ««tehenden 
LokaleK. äu mnl IM3 •Briboaondurt'« hcxeiehuet als »siluni in 
cumtlotu Adftlberti comiti« et marcbioiiia et in pago Piciahe* '). Es 
liegt kaum ein Xweifel vor, daß vrir es hier nicht mit einer Oraf- 
«ehafV Pielni*h zu tun hülfen, ja vielleieht nicht einmal mit eiacm 
VerH'altuii';sgebielc', ubwobi i^jater das Pielaebial in seiner ganzen 

<) Heiller. llabenberKor KofeHtm. fi, lU. Vgl. Vanon. ■. n. 0. Si^l. 
Aam. 4, lUr jedoch oui dta durob Wilte* |f«ülrciobe Koejtuiklut Kuck nocb flli 
dl« ffiB»» i^il. mit lORO, waltrscli«inlicb gemadireD Ficiai:lij[aD b«nuiii«lit. 
VgL: Mii(«!luB(^o d«« Inililil* ror •l*t«in)i«kiaol>e Oeachiebofamüiniif. Er- 
jpuiaB|tabaa4. V. 338. 

, itkrWrt i. V. t. tMlMkanJa. IM •.. ItfM. 23 



354 

Erstreckung als Grafschaft and als selbständiges berrschafllicheB 
Dominium erscheinr, nümlich in der einen von den drei Peilsteiner 
Grafschaften des Landbnches fUr Österreich und Steier. ') Ganz sicher 
ist jedoch unter dem pago Pieiahe nicht eine von den Grafschaften 
zu verstehen, aus denen man sich schliefilich doch die seit 1156 za 
reinem Keichslehen erhobenen Gebiete der Babcnberger zusammen- 
gesetzt denken muß. wenn man den Worten Ottos von Freising 
Glauben schenkt und wie immer man sie aaslegen mag, Nach 
der ganzen Sachlage kann der pagus Pieiahe kein größeres Gebiet 
gewesen sein, auch nicht beiliiufig, nicht von ferne dem dritten 
Teile der Ostmark entsprochen haben. Es mtlssen auf ihn die 
Worte Haseniihrls voll und ganz bezogen werden, wonach der Aus- 
druck pagas in der babenbergischen Zeit »technische Bedeutung' 
vollständig eingebüßt bat und »ausschließlich zur geographischen 
Bezeichnung geworden ist. ^ Das hindert aber nicht die Annahme, 
daLi seine Erwähnung in der Urkunde von 1043 doch dem Bemttben 
zu danken ist. innerhalb der weiteren Mark eine Ortschaft genauer zu 
bezeichnen. Sie lag im Fielachtale, im Pielachgrunde oder immerhin 
im Pielacbgau, aber gewiß nicht in der Grafschaft Pielach. Ahn- 
liches gilt auch von dem bekannten, noch heute sogenannten Boig- 
reiche, das wir dem pagus Pieiahe als ganz ebenbürtig an die Seite 
setzen kiinnen. Denn pagus. aus welchem Worte das fraozQsische 
pays (sprich : pais) hervorgegangen, bedeutet Land, Reich. Wie also dort 
im Süden, so haben wir jetzt im Norden ein größeres Bereich in der 
Mark bezeichnet, einen Gau. für welches Wort sogar im bayrischen 
Sprachgebiete auch Reich gebraucht worden zu sein scheint.') Der 
Ausdruck Peuchrich^) begegnet zwar nicht in einem kaiserlichen 
Diplom, aber in einer Bischofsurkunde des XI. Jahrhunderta, dorcli 
welche Altmann von Passau zu seiner Stiftung 8t. Niklas zu Passan 
unter anderem auch gibt >in rure quod Peuchrich dicitur duas 
partes dccimationis in quatuor eoclesiis. videlicet Neunkirchen. Roren- 
pach, Molte et Rietenburch simulque oinnes decimas novalinm in 
Omnibus terminis earundem ecclesiarum. item in ecclesia Stregen 

■) MG. DCh. III, 727 f. (14). 

-j Haaeorihrl, a. B. O. 44S. Richter. MilteilnngeD des Inatitatfls. ErgAi»- 
Eungaband. I, 605. 

■'•) Vgl.: Schmeller, II, !>p. 30, und Richard MUller im leUten Butde der 
Blültcr des VereioBS für Landeskuiide von NiederQgteireich, (XXXV, 1901) 41«. 

') Die N'ameDüerkiarung bei MUller, a. a, O. 419. 



355 



^uu paites decinnkrom cum ipsis noi'alibus« . ^) Es sind laater 
wofdicli von Hom iin Gebiete der beiden Tatabilt^be. auf dem n» 
jrenaantea Homer Roden oder im ttoigrciche fEclegene Ortlichkeiten, 
wdobe Biacliof Alunaan dort aufiuiblt.-') An eine Grafschaft iataudi 
dieenat sanUcfast nicht zu decken, obwohl es selbst hier, wie dort 
im Pielacbtala mehrinala eine P^iUteiner (irafschaft. die Oraf^ichaft 
Ricdenbnrg, gab. JedenfalU aber ist e» Acta Aussteller der Urkuode 
willkommen, eine solche nähere Orubeatimmung- beruisichcn zu 
kSoDCD. Du» g;ill ebensowohl vi>n (K-r marrhia. lK)4!Juia'), su gewilj 
Aucli damit kein besonderes Verwalcungsgebiet, aondero eben nur 
Grenxland gi>eeii nühme» gemeint i^t. wo nieht f;ar, wie jetzt Vnnc«a 
wabrschuinliob macht, darunter die den Haben bergei-n verbliebeno 
Ostmark verstanden sein »oH, der hHuptsUchÜch die Rolle gegen 
bobmeo zufiel, n-Ahrend die aogeuannte iKeumark OaterreicJi^. auf 
rlie wir gleich zu «[irt^chen kommen, gt^^gcn lJD<;am erriehtct war.') 
Allein, wenn wir auejj die nähere Begründung dieser Auffasautig 
noch abwarten wallen, eines muU als siclienttehend gelten. Es lag 
die Absicht vor, durch diesen J^usats die Auftindong dett Lokales zu 
erloiehtern. Sei e» daß wir lua^wiesen werden, diu gegebenen 
lirtlichkeiten nahe der bühmiaebea U-rense so suchen, wo nach da- 
maligen Verh<lhni.t<i)en Mnilberg und Palkau anefa liegen, sei es daß 
angedeutet werden »oW, es mr<ge nur in dem Adslberl verbliebenen 
Teile der (^attnark gesuclit wtu-den. JedenfalU )?cdivnle eich, wenn 
Vane«as Annahme zatriffl., die Kanslei sofurt der Möglichkeit 
einer Unterseheidung. sobald sie nur geboten war und spraeh 
nieht tnebr nur im allgemeinen von der Ostmark oder welchen 
Auitdruck sie sonst gebrauchen wollte. Und da sollte man es 
vcrschmnlit haben, d ic versebicdencu Grafecbafleo. aus denen die Babcn- 
beider Mark zu irgendeiner Zeit bestanden hittie, nach wie vor ku ge- 
nauerer Festlegung der durch nmrchia et comitiitns doch nur ganz 

KlülgemeiD bestimmten Ortschaften heranzuziehen — wenn e^ Über- 
linupt jemaU i>olche Ürafficbaften Regeben bat und vulleiid.<t. wenn 

^dicse rafschaft'.'^n noch in den apAtcren, zu den drei märkischen 

^^~ ■) Hob. Bore». 4, »9 b. 

^^K ') Null HaavDdbrI. >. i. O. 3. 143, Aiuii«ikuii|E 52. nlr« du Paacbrlch 
^^^)ber&itl«rreicli cnitchm Uonaii und Dübioaii va »uclioo. Van rlnem Imuin 
kaiui maa dabo! sidil *pf«eb«n. hGeUjt«nt tob Dtnam V«rwhan; daaa elTvnbiu 
Khaben AiiiD«rlninK -' ^aä ü ilirp TlutM rcrisafcht 
i ^t Stumpf. 2iÜt. Hoillcr. UaUDbargüi-UoKttUB. ?, 1?. 

I *) 0«Kbicbte Nieder- onil ObetOtUrrdcbe. I, Hb. 

m 23* 



356 

DiDgstJttten ^ehürigeo Landgerichten erkennbar sein soUteB. mithin 
8tren£re genommen, nie untergepaniren wären! Warum nicht neben 
sonstigen auch die Bezeicbimn$r nach der Grafschaft nach dem 
Landgericht, die anderwärts, z. B. in Bayern und ganz besondere 
im Lande ob der Enns das Regelmäßige geworden ist? In dem aas- 
gedehnten Markgebiete würde sieh diese Forderung ganz von selbst 
gestellt haben. 

§ 162. Bevor wir, auf diesen Erwägungen fußend, einen 
weiteren Scliritt tun. wollen wir noch dem eben in der Zeit, die 
uns im vorigen Paragraphen beschäftigt hat, hüufig begeg'nenden 
pagns Ostrich einige Bemerkungen schenken '). Denn der ist 
unzweifelhaft umfangreicher als etwa der pagus Pielabe; ihm könnte 
mithin die Eigenschaft einer Grafschaft zukommen, und zwar in 
anderem Sinne, als er nach unserer bisherigen Erfahrung der Ge- 
samtheit der Mark zukam, also etwa im Sinne einer Untergrafschaft, 
wie auch hinwieder in der ersten, auf (>sterreich bezüglichen Kaiser^ 
Urkunde aus der Zeit des Markgrafen Ernst (1055, November 1") 
tatsächlich von dem comitatu Ernestonis Osterreich diclo die Rede 
ist. Es tritt nämlich beiläufig seit Jlitte des XL Jahrhunderts in 
Diplomen aus der zweiten Hälfte der Regierung Kaiser Heinrichs IIL 
als nähere Bestimmung für österreichische Örtlichkeiten neuerdin^ 
der »pagus« Osterreich auf. nachdem schon im Jahre 998 verein- 
zelt diese Bezeichnung gebi-aucht worden war. wogegen von einer 
Mark beidemal nicht die Rede ist. Da wird etwa 1048 dem Kloster 
Niederaltach in Orientali pago iuxta fluvium Snuarzha nominatum 
Gebiet geschenkt ^). Merkwürdig sind besonders zwei Urkunden aas 
dem Jahre 1051. Das eine Mal heißt es »predium Sigeharteacbiriha 
dictum in comitatu Adalberti marchionis in pago Ostiricha sitnm« *), 
das andere Mal >triginta mansus Gravenberch et circa eundem 
locum sumendos in pago Oaterricha et in comitatu predicti marchionis 
Adelberti sitos« "), Halten wir das fest, und nehmen wir an, es hfttte 
innerhalb der Ostmark oder des Osterlandes einen, insbesondere als 
Ostmark bezeichneten Gau gegeben und lassen wir dahingestellt, 

') Vgl. aucb R. Müllers oben erwähnte vortreffliche Untersachan^ Über 
den Namen (Jnterreich. Blatter dM Vereinee für Laadeskunde von NiedtcSatemich. 
XXXV, 418. 

-) Stumpf, 2486. MeMler. Babenberger-ßsgesten. 7, 1. 

") Stnmpr. 2346. 

*) Heiller, Babenberger- Ho festen. 7, lö. Stumpf, 3414. 

') Ebenda. 7, 16. Stumpf. 2416 



357 



ob (tie verschiedenen Kanzleien und Verfasser von Urkunden unter 
pngDA imiutT duBÄi-lbc vürsiandvD. Es wur laOgUcborwcinL' nuch ein 
rAamlivh (Ivbnburer IWgriiT. Küunt« d«r Pieluebgitu als ITnleriiaa den 
])Mgiu Osterricliti gedaclit w«rdea. so kjuin <■« docli uIh fmglifh tir- 
, ei^lK'iiiOB. ob man 977 nliDeivfiicis in dem pa(!o Tniuptiuae einen 
' üAti-Trvicliiiscbcn rnrei:^ii erblickte, obKlticfa da.i durt ingelnpene 
prediam Anesapurch glcivhfidU im oooiitdtu Luilbaldi g«l«)^war.') 
UnxM'eifcItiaft nicht xur Ostmark ^'«hilrt« der Donau^caii. der nach 
yH3 in der Grafi<«baft L«K>pold« lag.') Der Ostgau i»t dcnicacb 
weit<*r Oatlich su suchen. l>ufUr könnt« die Lage der in pago 
Oütcrrich aufgefOhrliMi OrtscluftuD ins Tn-ßcn gcfohii wordoD. 
^bKijhariekireheti im südlichen. Grafonber^ bei I')i;i;eubur^ im nürd- 
licbeo 'luilv d<.-f( Landes, mithin Ortfchaiu-n ustlich von Kiimp and 
Tniiseti. geborten in diesen Gau. Auch TomitsE, in einer Urkunde 
Ileiiihcb IV. v<m lOßti »Ternic« '> genannt und in pa^u Osterieh 
in marohi» Kmiittti inarchionü« ßele«^n. tat oocb dem üi<tlicben Be- 
reiche xuKUtJlhlc». wenn «^s auch im ^achbartalc dcf' PielHchgrund*» 
tie^ and ist bi5ehst wahrü^-beinlicb in der dritten, ((atlichaten (iraf- 
schaft .\rib<<^ zu üuofaeii. Selbst (JrllJchkt^iten. die im mahriticfaeD 
Üereicbe der Karoiintrer-Zeil, im ätreitgebiele der Üraten Wilhelm 
und Eiigelscbalk bigt-n. iverdea in unacrer Feriude in pagu Uatriclia 
in man;bu Erausii marchioiiis ;.'eAucbt. So nach einer Urkandu 
Hein rieb rV. au» derwilhen Zeit 1 10ft7)< .Ponngarlen. Sloutpliarrich, 
Motxidela. cjoad e»t prcdiiim marcbionig« *i, Auch hier künnie pa^s 
hIs L'ntert(;ilung der inan^ba Kciiommeu werden, ao dal! diese alft 
.weitere, jener *ls engere Ortöbcslimnmng gellen mUßu-. Und »war 
[ilLge dur Fall itnden:« aU bei den ^onsi mit mürehia und Romitatus 
l'bestinimten Fnlbjn. indem hier sowohl der psgus einen X.<iineii hat. 
als die tuarcbia, diu ja nach dem Markgrafen beioicbuet wird. Nun 



•) EbeadR. I. 2. MO. Dipl. 11 <0. It) llfÜ, Nr. 167. 

1 aiG. Di|d. It {O, II), 3(6, Xt. 2!M. 

') Ktnmff. 2690. IIeill*r (a. a (>. ». t<). il«rU)>«mrn eachit Wtikeniiijt 
und Kr«Hia anniiDnil, wolil inil UntorhI. M»y*r von Kuunan iHeinricli IV. 
1, $. 031, Ann. 70) glaubt aaa dem auamebrig«!! Aiiftr«wahriui(Jort« ierl'rkuade 
(OiiUwvig;) «itisii ScbliiA auf diu Lok*! berMfaUg«, 

>) SlUBipf. /7ul. Meiner. Buben Iwrv«r-Kege*(en. 9. 9. NhIi Mf jenr-n 
Knonnu lUvlnriuli IV., I, >SßH. Anm 3A) nm von Tbaaelng In: Kor'cliiingMi 
oiT doawlion (i^tclilolil«. IV. Ulb. taU Haunganea |iiel«tii<*yi SiDpreareut iioil 
vlsllricbt MaikcrnteoniiiMll IdoniJäilari, UUAcbllcli aWr «cttan Ton Mellltr 
(B. a (>. ^t})!, AaiL fl&i dRhiii ^dentvt. 



358 

ist aber einerseits der G-ebrauch von pagus, falls damit Qrafacfaaft 
oder Landgericht bezeichnet werden sollte, im Vergleich zam Be- 
dUrfhisse nach solchen einscbränkenden Bezeichnungen, denn doch 
ein viel zu spärlicher und ist anderseits doch gerade aus nicht viel 
späterer Zeit wieder Oaterriche als Name für die ganze Mark be- 
legt, nämlich dmrch eine Urkunde Heinrich IV. von 1074. März 22.*) 
In marcha suimet scilicet Osterricho liejit jene silva ßogacs, in 
welcher sich Markgraf Ernst bis zu 40 Königshufen aneignen darf. 
Das ßäabser Grebiet, schon westlich der Kamplinie, schon in der 
mittleren Grafschaft Äribos gelegen, lältt keine Zweifel Übrig, daß 
in diesem Falle Osterriohe als Name für das ganze Verwaltangs- 
gebiet des Ostmarkgrafen auftritt. Und sofort erinnern wir ans 
jenes Zitates zu Anfang dies^ Paragraphen, welches uns mit einem 
comitatu . . , Osterrich bekanntmacht, und erinnern uns weiter, 
wie wir unter »regione vulgari vocabulo Osterrichi* ■'J seit 996 die Ost- 
mark überhaupt zu verstehen und in diesem besonderen Falle Ge- 
biet, das ganz nahe der Enns liegt. Mit ein sprechender Beweis 
dafür, daß schon zu Ende des X. Jahrhunderts das ganze Land 
Ostlich der Enns Österreich hieß. Noch mehr; zwei Jahre später. 
998, erseheint Nöchling an der heutigen Grenze von Ober- and 
Niederösterreich "in pago .... Osterriche vocitatu ae comitatu 
Heinrici marchionis et inter fluviis Ispera et Sahinicha noniinatis.'j 
J[it einem Worte, pagus bezieht sich auf die ganze Ostmark, 
marchia bezieht sich auf die ganze Ostmark, comitatus bezieht sich 
auf die ganze Ostmark. Und wenn wenigstens einmal in einer Orts- 
bestimmung pagus Osterriche neben marcha Osterriche als Unter- 
teilung gebraucht würde! Aber beide Arten von Bezeichnung weichen 
sich ganz regelmäliig aus. Warum? Weil sie identisch sind, weil 
ihre Verbindung zu einer Ortsbestimmung einen irreführenden 
Pleonnsmns bedeuten würde. Wir müssen sonach auch in diesen 
Fällen pagus schlechthin für das spätere franzüsische pays nehmen. 
tj 163. Wir haben in der Untersuchung im vorigen Para- 
graphen kein Gewicht darauf gelegt, daß ja doch der vorüber- 
gehend angenommene Untergau Österreichs ganz und gar nicht den 
späteren mutmaßlichen großen Landgerichten entspricht, sondern 
deren mindestens zwei, den Sprengel von TuUn und von Neaburg 

M Meiller, ft. a- O. 9, 10. 

=) Meiller, a. a. O. 'i.2. MG. Dipl. II. 647. 

') Meiller, 3, 3. MG. Dipl. ebenda 711, Hr. 286. 



3^ 



uniraDt Ikaben wOnle. Jetxt aber vollen wir «-igen, dal) schon in 
den UllcstCD Z«itcn der bAb«nl>crgi«cben Oatmnrk OrUcbaftcn, dio 
oai'b spaterer Einteilung sich in rerschiijdenen LandgeriofataD 
befanden, doch in derselben Grafschaft gelegen sind. Nach 
«ioer Urkunde KtusurUeiurivh K. von 1014, Juli 5'), erhielt Paasan 
ik'^itz 'iD Oriontali rcgno«, d. h. in Österreich »in comitatu Uein- 
rici inarehioniü in his loots: Haruigenburcb loeara<, nacbmaU im 
'J'ullner Landgericht . . .. >in Creina^a aiiteiii et SigemareKArp-ret« 
aUenfalln im Lanilgfricht Muutern. joden fjilU weder Laudu;t.Ticht 
Tulln noch N«uburg . . . >Tohm exira civitatem* Landgt?r>cht TuUn 
und endlich »OiitcincMi'Vve*, wenn JedlcrKec, rtiinn im Landgeriobt 
Manjheffff''), einst vielleicht Nouburp gelegen. Alle diese in derDat- 
niark xersireul lie^cenden Ortxchafien lagen »in eümitatu«. nicht 
>in comilalibus Heinnci inarcliionis«. Uitbin gab es die vermutete 
Dreiteilung d«r Mjirk in Gmlk-liaflcii um 1014 emwedt-r nieht mehr 
odur Doch nicht. Auch zwülf Jahre später muU ea sich genau so ver- 
halten haben, denn 1025. Dezember 4, verleiht KOuig Konrad 11. 
detn Bistum Passau >oronen decitiialionein in Orieniali itrovincia*, 
d. i. in Öitivrreicb. •'situm in M-ptcfmtriunali jiane tiuutini:! Daiiulni 
io Comitatu voro Adulberti tDarcliiioiis in oroiiil>ua lucis confilructis 
et Conatrnendia. Demnach irird zum micdeiileii daa ganze Land 
nördlich der Donau nur uine Orafsehnfl gebildet haben und könnte 
BBr der ritiden iwtsclifn ÄlauUrrn und TiilUi geteilt gewesen »ei», 
was ganz und gar nicht den Verhaliniasea entspricht, nie sie sich 
auH npAieren Niichriclitcn rckoiiMruieren lii-t-ien. I)enn danach hat sich 
das I,andgericl]t Mautern auf b.'idcii .Seiten des Stromes ausge- 
breitet, wtthreud zur Malstölle Tulln nur Gebiet südlich, zur Ding- 
aUlttc Nuuburg dagegen Überwiegend nolcbea nördlich der Donau gcbttlt 
hul>en muß, Wurden uns iK'iiach die vurachicdenen Ver-tuche. aua 
tirkuiidlioiiL-n Angaben das Wirbundenscin mehrerer GrafMihnfton 
innerhalb der Ufiimark zu erschließen, zu widern precbondcu An- 
nahmen hinsichtlich der Krstreckung dieser Grafachaftcn fllhn-m, 
so lehrt die Urkunde von 1014. daß auch die in verscbiedenea 
Teilen der Mark, in verschiedenen Landgerichten gelegenen Ort- 



■)H0. Di]>l. U tOtW Ol), 710, Nr. ?tf&. Mtlllor. DalH»al<vr««rBe|<Ht«a. 4, U. 

■) üaeli d«tn im k. a. k, IJofkanuMraKliira «rli«s»iid«D Urban d«r 
Hemoknll Matcbcgfr ^«u 1499 ^«biHnv Vtmoc mit d«ii UtiDcti tTii|r«ld uftcli 
BlaKk«j;f, vtai voitiialijio li.ini)g<iiichtisiif«btiri|iuil bcwAiit. ila du lJ(if*ld gt- 



3G0 

scbaiten doch nur immer in derselben Grafschaft, im aelben Ver- 
waltuDgs^biete der Ostmark zu soeben sind. Und zu der gleichen 
Auffassung führt auch ein nüchterner Blick auf die Zahl jener Ur- 
kunden, die uns nur ein Lokal oder lediglich eine Gruppe von nahe 
gelegenen Ortschaften als in comitatu usw. gelegen überliefern. 
Nur ein gezwungener Erklärungsversuch konnte daraus Existenz 
mehrerer ostnilirkischer Grafschaften ermitteln. Deren gab es viel- 
mehr nur eine, und das einzige, was fraglich erscheinen könnte, 
wfire die Zugehörigkeit des Traungauea zu dieser oder zu einer 
anderen Grafschaft des ältesten Markgrafen Leopold. Das mag fUr 
den Fortganjr der Untersuchung belanglos sein; vorläufig und im 
übrigen kSnnen wir feststellen, dall die Markgrafscbaft Österreich 
stets und seit jeher nur als eine einzige Grafschaft erscheint und 
gegolten bat. Aus der ersten RegierungSzeit Markgraf Ernsts haben 
wir, wie der vorhergehende Paragraph lehrt, sogar wörtliche Belege 
dafür. Zum Jahre 1055: in comitatu Erneatonis Osterrich dicto — 
zum Jahre 1058: in marchia Osterriche et in comitatu Eruesti» 
marcbionis. In dieser Zeit also mußte die Verschmelzung eine voll- 
endete Tatsache sein. Heim comitatus und marchia decken sich hier 
genau. Doch war wohl niemals eine derartige Verschmelzung 
nötig, wie wir auch seinerzeit ermittelt haben'), daü innerhalb 
dieser Grafschaft dasselbe Ding an verschiedenen Malatätten gehegt, 
wurde, an jenen Malstiltten. die man irrigerweise als Zentral-Ding^ 
stAtten der einstigen Grafschaften auffassen zu dtlrfen geglaubt hat, 
die aber nur verschiedene Dingstatten derselben Grafschaft wa.ren. 
§ 164. Übrigens bat es ja doch nachweislich innerhalb 
der Sputeren Ostmark eine Grafschaft im Sinne eines graf- 
lichen Verwaltungsgebietes gegeben, das dann mit der Übrigen 
Markgrafscbaft vereinigt, wenn auch nur wiedervereinigt worden 
ist. Ich meine die sogenannte Neumark, die nach der Besiegnng 
Ovosaus dem den Ungarn abgenommenen Gebiete gebildet worden war. 
Ich habe sogar oben*) die Möglichkeit bedacht, diese Markgrnf- 
schaften unter dem trea comitatus mitzuverstehen. Aber gerade an 
dieser Neumark Osterreich können wir sehen, wie wenig die nach- 
maligen Hauptmal statten der Mark mit den alten, in die Ostmark 
aufgegangenen Grafschaftsgebieten gemeinsam haben. Wir kennen 
die Grenzen der Neumark Osterreich gut; uns interessiert haupt- 

'1 Jahrbuch, II. g 22. 50. 
'I Jahrbuch. II. S 7. U f . 



»61 



sÄcliIich die "Weatgrtn)!«. welclio im r^üdrn des Slrticnen dtircli «iie 
Fischa bie FUchameucl, im Norden durch eiiie Luftlinie wa 
Fischamend bis Tracht in MilbrcD gegeben war, mitbin durch i-inv 
Linie, die von äohünaa u. d. Donau tiber MtirkgrafDeutiiiMlei und Buck- 
Aieß Oftcb Piraw»rth lief und tihi hi^r an beilnnßg der Rcicb><«trNlVe 
Wien-BrUnn bis ^'ikoläbu^)E folgte. Von Nikoleburg bis Tracht 
durfte ticr mmdioDul pntruokl« Rie^vl du« M«idcTibi;i^(>» diu Grtrnze 
gebildet haben.') Der kürzeste Weg von die*er Markunj; zur 
tiKohsteii mitrkischen Dinf>«tAtr, uliKi ftwa von B^ickHieli bit« Ktitst^r- 
ueuburg oder Korncuburg. ist Ins] itpnnu «o Ung. wie der xur Altirch 
nud eiiriu kOrzcr aIs der nach Marchoigg. Aber Kvuburg liegt nicht 
nur außerhalb dieser neuen, opht^moren Grafsohiift. eotidvru ett hcguu 
auch die drei DingntRIten, welche wir wenigaiens in spfkterer Zeit 
ia ihrem Umkreise finden, durobaiw an der Ostgrenxe der Mark 
.Si^frieda Uic dnn dazugrhilrigcMi Landgerichte erfoUeii, wie aputere 
üntersucbungen be&ifitigea werden, einen aiemUcben Teil de« üv- 
bietea der imgetiannten Neuen Mark. Ka ist im Sudeii dca Stromes 
du Lnodfrericht zu Brück a. d. Leitha, dem alten Ascerieheübraka, 
uml u<)r(llich der Donau sind e<t die Laiidgenohte zu 3IarcJiogg uud 
.Stdifried. Die M*l8tlUt«n dieaer Lundtrerichte waren vielleicht vordem 
an anderen Orteo an der Mairoli gelegen: w«nii ja, dann offenbar 
in AnlixfEiin^ bnidigvr Erweiterung; jeneeit« der MBreliprpiixe. {;eunu 
8ü wie wir die drei Dingatniten der Mark mit KUeksiclit auf da« 
DCrdliche Land sümtlibh an der Donau liet^u üehen Mag man alw 
iiumerbio die >ieuniark Ütiterretch für eine von den »angeblich 
drei* OrafucliHflun halten, aus doQvn Otto von Frct^iug die Ott- 
mark «ich entstunden denken soll, mit einer der drei Uiiigstflttc-n 
dieser Ostmark hat Die nichu oder doch nur insoferne m tun, 
als der Landesadel wohl auch aus der einstigen Neomark «ich 
in Xoubnrg dem Ding xu üilfv stellen maßte. Iiu tibrigen hatte 
dioM mit tler (^mark vereinigte Grafschaft ihre vigennn MaIsULtt«-ji 
AD der Mareh, *-\v auch die spnter gleicbfnlls wieder mit iHterreich 
vereinigle westliebe rirafHchnfl mit dem TraaDgan als Hauptland 
ihre cigeoen DiiigsUltten hatte. 

Kieinala tritt in den Urkunden die»ct) einst selbständige graf- 
Hohe Verwaltungflgebiet, die Grafschaft Siegfriede, nach ihrer Wieder- 
Tereinigung mit der O^lmark uU büsuDÜercr Itestaiidieil der 



>) Vgl TbaittiBffiii romclinogoD «or denttdicn floMiblchie. IV, MSf. 



362 

Oätmark. mit der sie etwa 1060 wieder vereinigt wurde'), in den 
Vordergrund. HöchstenB insoferne dürfte sie abgetrennt geblieben 
sein, als sie wohl ihre drei gräflichen Diogstatten fortbehielt. Im 
übrigen aber erkennen wir sie nur in der Zeit, in der aie eben ein 
selbständiges Dasein führte, teils dadurch, daß gewisse Ortschaften 
als in ihr gelegen bezeichnet werden, teils daran, daß Ortschaften 
der Ostmark östlich von der Fischa und der Linie Fiscbamend und 
Tracht nicht erscheinen. In dieser Zeitspanne ist die neue Graf- 
schaft eben kein Teil der Ostmark, keine Grafschaft derselben. Doch 
schon bald nach dem Ämtsantritte des Markgrafen Ernst erseheioen 
1063, Oktober 2ö^), predia quedam in comitatu Ernusti marchioDiB 
ßita: Gowacisbrannen et Bovmgarden ac Chrubet — also Kötlas- 
brunn, Herrenbaumgarten und Böhmischkrut. Diese drei Ort- 
schaften fallen noch alle östlich der Brllnner Straße, die wir in jenem 
Bereiche als beiläufige Westgrenze der Neuen Mark kennen gelernt 
haben und erscheinen auch in Kaiserurkunden von 1055 and 1056 
der Ostmark nicht zugewiesen. '*) Wir stehen nämlich in diesen beiden 
Jahren schon in der Übergangsperiode, welche es zu einer be- 
stimmten Zuweisung jener Örtlichkeiten nicht mehr kommen Heß. 
Umso gewisser sind sie jetzt, 1063, dem Amtsbezirke des Mark- 
grafen Ernst zugeteilt, durchaus ohne jede besondere landschaft- 
liche Bezeichnung, ja sogar ohne irgendeine Bezugnahme auf das 
frühere VerhUltnis zur Neumark. Das Gleiche gilt denn auch, wie 
wir kürzlich gesehen haben *j, von den Ortschaften Poumgarten, 
Stoutpharrich, Motzidala, die wohl alle im Süden der Neumark 
liegen, und die sämtlich 1067 ohne den leisesten Anklang an frühere 
Zeiten in pago Ostricha in marcha Emusti marehionis lokaliaiert 
werden. Und um eben diese Zeit erscheint Markgraf Ernst schon 

^) Vgl. Thiinsing in: Forachungen zur deutschen Geachichte. IV, 367 ff., und 
jetzt: Me je r von Kdodb.u, Heiorich IV., I, 98. Zwar erscheiot schon lOÖö ATsrhilte- 
burcbatat als in comitata Erneitouia Oeterrich dicto geUgen (Stumpf, 2487; 
Moiller Babenberger-Regeatea. 7, 1). aber ea ist doch sehr fraglich, ob dmmit 
Äuerstal bei BockflieÜ gemeint Ut, das dann knapp au der Grenze Ijfg^. Meiller 
selbst atollt es ala fraglich hin (S, 199, Anm. 50); vgl,: Steindorff, H einrieb IL! . 
2, 32a. Anm. !. 

=} Stumpf. 2633. Moiller, Babenberger- liegest en. S, Kr. 7. 

^) Vgl. Meiller, a. u. O. 201 f, ^'ote G2. und zu GoH-ueibrunnen et 
Chmbaten. (Stumpf. ä488). Steindorff, a. a. O. 323, Anm. ü; tQ Poomgartaii. 
(Siumpf. 2504, 1056, VII, 10^ derselbe, S. 3l6f. Vgl, auch Meyer Ton Knonaa, 
a. a. O. 360, Anm, 1Ü2. 

<) Oben, g 163. 



S6S 



,' wieder »u volbtiintli); als Hl-it im Gebiete an dnr Murrh '), daß efilbsl 
hinaiclitlicli der V«riraltuiij^sverb5Uniflae kein Untereohied wakrj^- 
noramen werden kunn. SflbstverxtAndlicIi liabtro aucIi die Mark- 

[j:nifeB von Vohburg. die iiier sOdlicb der Donau begUtort waren, 
keiaerlei Amubcru^ai$sc aU Srarkf^rafun in diesem UmkreUc b<.>KCKM<rD. 
§ 1G5. Sti hat denn eine sorß:f>iItige L'nterüuchuDg rleä derzeit 
zugänglichen Matvriali» keinen Aolialtspunkt tM^bcn, diT fUr das 
Neben pinanderbestehcti verschiedener Grafacliaften im Rabmen der 
(Kitiiuii'k KU irgendeiner Xeit aprliclie. Inbeaonder« greift die Urkunde 
Kaiser Ucinricbs iL von 1014 mit ibron in den verecbiedcosten 
Talen der Mark, aber doch cur in cumiiatu Hcnrici marchionis ^e- 
It!g«noii Ortlichkciten-) so wril hinauf in die erei« Pcricidc dcrneuen 
Ostmark, dalt man fUglicb liohnupten kiinn, damaU habe die (*»t- 
mark nur ein« Grafschaft »vbildot. Und das wird n-ohl auch da;! 
Vorfasltnis gewcHen seiu seit der Kcu|i;rURduD); uad L>in weiteres Halb- 
jnhrbtindrrt herauf bin in dir Zeit. fUr die auch Diip»oh den TtJltigcD 
Untergang älterer Grafacbaften anniinmt. Mit anderen Worten, die 
babenbcrgiticbe Ostmark hat iiiemal» aus mehreren, immer 
nnr aus einer Grafschaft bestanden. Die dwi Grafschaften. 
deren Otto von Freising gedenkt, und von denen er B&gt. dali sie 
seit alten Zeiten zur Ostmark gehünon. kilnncn nicht die Graf- 
schaften »eiii, aqs denen sieh Stmadt, Hasenohr), Dopsrh da» dn- 
mali«:e Österreich zusainmen^'Kctzt denken oder ^'cdneht haben. Und 
dieser Erkenntnis int auch seither .Ausdruck verliehen vorden, 
l'hlin ist es, der im vierten Kxkurse zur Qeschicbte Ottns II. und 
Ottos ill.^1 sich wieder vi)Uig lossagt von der bisher herrschenden 
Aaß'assung und in die alten Uahnen einlenkt, die noeh Unchmann 
gegen Stmadt als die richtigen verteidigt: hat.*} Indem er Uasen- 
ührU Einwurf ffvpf'U Stmadl. wonach im Ifericfate Ottos von 
FreJBiug »der Kaiser eigentlich zweimal dasselbe verliehen httite«, 
aU einen sehr gtacklichen wieder aufgreift, betonter. >diegrunicbe 
Oericbtsbarkeil in der Mark — ala mit zum eigentlichen Inhalte 
das mark^rnflichen oder markherzoglichen Amtet« ^ehnrig'. la^e 



'l Uoillor, Dab«Dbcrpr-lt«(efiaii. 9. 11. 

■> 8l«li« abfü. S 163. 

*f JalirbUcber d«* DkiUc1i*d Ilelcbo« aale* Otto U. nnJ Otta ItL 1, 

6. sasff 

'J Zeiw^nti Dir di« 6«tomiclÜMibMi OTmnwien. XJUCV'ill (1S87), biA; 
vgl. nbe». i äS: Jotbrbudi. UI {VHH), 6. 5 



364 

lÄbsonderuDg derselben zu einem eigenen Fabnlehen höchst UDwahr- 
scbeinlicb« erscheinen.') Da ich diese gediegene Ausführung dort 
noch nicht benutzen konnte, wo die einschlsgige Hauptfrage, die 
oberüaterreichiache Frage, erörtert wnrde, so ist meinerseits, auch 
im folgenden, auch in der Fabnenfrage, jedes Eingeben aufUlilirzs 
Ansichten vermieden worden, um so mehr, als ich mich ja doch in 
der Hauptsache wieder gegen die letzten Ergebnisse dieses jüngsten 
Beitrages zur tres comitatus-Frage werde aussprechen müssen. Zam 
Teile ist dies nun schon von seilen Strnadta geschehen. Dieser hat. 
obgleich er nunmehr der Frage nach den drei Grafschaften vor- 
dicbtig als niclit zu seinem Thema gehörig und mit Hinweis auf eine 
Vermutung, die ich seinerzeit ausgesprochen^), aus dem Wege geht, 
doch insbesondere gegen eine neue Erklärung Stellung genommen, 
die Ublirz von dem quos dicunt gibt.*') Indem Uhlirz nämlich sowohl 
die >Zweifel' Hasenöhrls, wie die -verblaute Erinnerung« Dopschs 
ablehnt, glaubt er den einen, Otto von Freising «ganz geläufigen 
Gebranch« von dieere mit doppeltem Akkusativ (Nominativ) in der 
Bedeutung »nennen« verwerten zu sollen und behauptet kurz: »Wir 
können also nur übersetzen: die Grafschaften, welche man die drei 
nennt*. Indem nun Strnadt ') jetzt für meine Übersetzung von 
■ quus trea dicunt«. mit »von denen es heißt, daß ihrer drei sind« 
oder »deren drei sein äollen< eintritt, braucht er noch einige gewiU 
sehr zutreffende Bemerkungen ■"'), mit denen ich mich jedoch erst im 
nächsten Kapitel beschäftigen kann. °) Obwohl ich mich nun Strnadta 
Meinung insofernc anschließe, als auch ich IJhlirzs Übersetzung als 
unnatürlich! und 'den Sprachregcin zuwiderlaufend* ablehne'), so 
könnte ich mich mit dieser ja doch zufrieden geben, da Uhlirz, worin 
ihm auch Strnadt beistimmt, »auf die trea comitatus der karuUngi- 
schon Zollordnung' zurückgeht^) und wiewobl ich diesen karo- 
lingischen tres comitatus eine ganz andere Rolle und ganz andere 
Ausdehnung zuspreche.'*) Auf diese drei Grafschaften der Mark 

') Uhlin, 8, «. O. 233, 

') Jahrbuch des Vereinen für LaudeBkuiide von Niederla teteeich. U (1903), 
S 3, .S. 4 f. 

1 A. a. O. 23:^. 
') Archiv für öiterreichische Geschichte. 91 (13lj;p), S. 95. 
■) A. a. O. 37 ff. 
'') Unten, § 171. 
'■) titrnftdt. a. a. ü. 96. 
») Ebenda. 97. 
») Jahrbuch. I (1902), S. 34 f. 



3A5 

Aribos inuU ja acblicillirli die Suche hinaus fcommtn. Auf sie hübe 
ich <lenii auch sngar in die««m jetrt dem Eade zueiloiiden Kapitel 
hinge wiegen. Die in di^r kur>lin^incb«ii Markgrafsirliaft nn der Donau 
veroinigten Orafiphaftea mnd wirl£.Licb(> karoliiiofiMbo Grafsi> haften, 
und JH nacbtlt^Di man iliiipn Oualull and ÄUKdebnuni; ^bt. muß man 
HU den ottoniüehen cnraitatun qaoa tres dicunt Stellung nebmen. 
Vau jene ab<>r mit deu drei MniHttillen apjlt«rer Zeit Mblechterding" 
nicht« zu tun haben, daß »ic fUr div in drei tirafHcbnftpn zu 
teilende oder tum dm (iraf<icliaft«i> xuaammengeitelsle bab«n- 
Ijcrgisohe Ostmark nicht verwertet werden dürfen, irt bereit« ciar- 
^elan worden. Aber die Frngc nncb ihrer Lage und Erstreckung 
xwtni^ Uli.-« nun ncui-rdin^x. »uf i>br'ri>»tvrrvichiecb(.*n Roden hiiiüb«r- 
xii^cbvn. wohui L'blirz sie versctstftn raücUtp. li'iflVn wir, daü wir 
Tnn dort nieht xarUekkehren, obne wieder «ioen erheblirhen 8ebritt 
UNch vorn-Arte ^lan zu haben. 



k) Nochmals die oberösterreichiBche Frag«. 

^ löft. Dil- Notwcndifrkoit. auf diese Präge, die *ehon in einem 
der ersten Absehnitie bcbandt-lt wurden i*t '"i. ncuerdin-p» fiuzunfhen 
ist, wie schon anfcedcutet, im Grunde Ubltrs schuld ku geben 
üder. bester gone^t^ diese Kniwendi;;k«>it t»t ihm zu dauken. 
>i'dclidflm jwhon ISn^t all« die Vcr«uehe. die trei> eoniitatnf< auf 
eine YtTprölierunR der Ortmark im Lande ob der Enns lu deuten. 
widerlegt schienen, hat eben jener Graaer Profe«or dem i?ieg«*Kugc 
de« ■Grafitchaftsretitler ■ mit Einhalt geboten. In richtijter Erkenntnis 
der nicht mehr xu verhi-blendvn SehwJlchfii der gi:jrneri--'eheii .Stel- 
lung, die hinwieder alle tres eomitatii« auf niederüsterreichiachem Bodeo 
finden trill. hat UhhriE jene M-beinbsr abgetanen Vermutungen wieder 
»US der Grelehrten-Rumpelkanimer bervorfceancht und — iric sich 
niemand wird verhehlen kOniK-ii — mit all dem Scbarfeiiiiii. der 
eoast seine Unterduchungeo auszeichnet, wieder zu Ehren gebrneht 
Altein ich eluubc. doch nur fUr ^'anz kurze /eil. Nicht dort beginnt 
der Irrweg, den er »ehlielUicIi einscblHRt, nieht dort, wo er sich 
Oberhaupt entschlielW, das Laitd ob der Knnfs oder, richtiger gesagt: 
uh der Upcr wieder in den Krei« der Betrachtung xu ziehen, ob- 
wohl er auch darin fehlt, sondern der Hauptfehler, in den ühlirz vcr- 

') Hmji. «e) Die obnrOBltrrticliUcha HjpotkeM.« Jahtbneh. It (t90<l>, 

f to-i7, s. eoff 



366 

ftllt, ist im Grunde derselbe, in den seine Gegner verfallen sind. 
Wir haben ihn soeben angedeotet. Wie sie alle tres comitatos dnrch- 
aas in NiederQsterreich vereinigt denken, genau so will er alle drei 
in OberUsterreicb auedndig gemacht haben. Ja, er würde sogar ge- 
nötigt sein, da er dem eigentlichen Lande ob der Enns, dem 
einstigen Traungan also, mit ehrfurchtsvoller Sehen aus dem Wege 
gebt, seine comitatus qiios tres dicunt, seine • Dreigrafschaflen • . 
wie er sie nennt, in das Land zwischen Grolle Muhl und laper zu- 
sammenzupferchen, wenn er sich nicht eine kleine Amputation erlauben 
würde, von der noch öfter die Rede sein wird. Warum aber ist 
noch niemand auf den Gedanken verfallen, ob nicht die trea comi* 
tatus sowohl außerhalb, als innerhalb der Ostmark und in gleicher 
Weise so außerhalb wie innerhalb Oberüsterreichs zu suchen seien, 
das heiUt mit anderen Worten, daß sie sich auf Ober- und Nieder- 
üsterreich verteilen. Aus Ottos Worten ist kein Argument gegen eine 
solche Verteilung zu schupfen. Wenigstens die Worte >Marohiam 
orientälem cum comitatibus ad eam ex antiquo pertinentibus < geben 
schon durch ihren Hinweis auf entrückte Zeiten die MSglichkeit 
an die Hand, an eine altere Mark mit anderer Ausdehnung zn 
denken, wobei man noch nicht gerade auf die karoltngiache Ost- 
mark verfallen müßte. Freilieh, geht man von dieser aus, zu der 
auch der Traungau gehörte, dann ergibt sich alles viel leichter: 
man hat auch dann beiderseits die tres comitatus zur Hand, wie schon 
Uhlirz erkannt hat, und man hat sogar den Überschuß über die 
babenbergische Ostmark, eben das Gebiet zwischen Enns und Boten- 
aaJa, das ganz wohl durch eine Fahne im Lefaenzeremoniell von 
1156 vertreten sein kann; denn das ist unfraghch provincia. Doch 
wir greifen damit wieder über den Etahmen hinaus, den uns die 
nltchstliegende Erörterung zieht. Sehen wir ganz ab von einer 
anderen Möglichkeit, die tres comitatus sowohl der Zollordnung von 
Raffelstätten wie der Gesta Friderici zu erklHren und prüfen wir die 
Auffassung Uhlirzs nur aus seiner eigenen Argumentation. 

§ 167, Man wird die Frage, ob Uhlirz mit seiner Auffassong 
von den •Dreigrafschaften* sich der richtigen Lösung zugewendet 
habe oder nicht, gleich um ein Erhebliches der Beantwortung naher 
rücken, wenn man den Schluß seines Beweisganges ins erste 
Treffen stellt. Uhlirz kommt zu dem Ergebnisse, >daß die aus karo- 
lingischer Zeit stammende Benennung der tres comitatQB anf 
Ried mark und Machland eingeschränkt worden war and 



hier sidi erhalten bat.') Dm erinnert beinahe an das scliijno Ge- 
dicht Goeth«* vi>n den heiligen drei KOoi|ten und bildet ein Ge<rcii- 
Stück dazu. Iiuüferne bild«l es ein QegeustUck. als Goethe die Mii^- 
licbkcit eines viiTtea »Heiligen ärt-i Künigs* ins Au^e fassen Ulit 
wahrend Uhlirz angesiebt« zwingender Umstände sich mit zwei «Drei- 
Gmftchaftea < begnllgen wtirdc: Rtedmark und Mnchlaiid. Dort iat 
eia heiliger Dreikünig mclir, hier eine Drei^rrafschaft wanigcr. D^wh 
srherzeD wir nicht zu frtlb, denn Uhlirz betritt den AuAtref: unter 
allem Vorbebnit; dann scheint »einci Auffaasun;^ nns ja in gewisser 
Hini^icht Vorschub «u leisten. K* wUrde darau.t xunJichst hervor- 
gehen, da0 Otto von Freising denn doch, wie hüher von mir immer 
BHgenomtnt'ti wurde, die Verantwortmig fOr die DreixAhlung der 
Komitate von »ich ablehnen und auf seine Gewfihriuntlriner oder in 
dt08L-m Fallu auf diu gemeine Übung liberwülzeu wurde. Andcr«:ics 
aber mochten wohl Üvdunken enutvbon, ob nicht doch Otiu von 
Frci«ing »oxu.'iagen im Geheimen einen Anspruch seine» Bruder» 
auch auf die dritte Grafs^baA, also die Grafschnri im Traungau 

• betonen, oder sagen wir, andeuten n-olltc Daraua ließe sich viel- 
leicht erklären, warum spitterhin der Truangnn wirklich innerhalb 
der im [..nndbuche gezogenen (Trenzmark liegt. Allein da» meint 
Uhlirz gar nicht, und wir wollen 7.nnllchitt nns mit seiner Auf- 

ifassung beschAftigen. UhlirE sagt, die Bezeichnung •Drei Graf* 
5ch,tfli-n • huhi< in der 7.vit des !Minnii nur mehr auf Rii^niiirk und 
Hachland Anwendung; ^'efunden und Otto von Freiaing habe diesen 
»tatsUchlicheu Yerhltltniscen Rechnung getrogen, indem er nicht 
mehr von tre* comitatus sehlechlhin, wie die 2^11rollo (von Etaffel- 
stllllen um 907), sondum vnn trcs comitatus quo» tre» dieuut 
spmcb-. 

— — BcwuUt oder unbewalH? «o mllBHen wir fragen. Trti^t 
Otto von Frcising den gcändcrt<.'n Vorhilltiii*i?i.-n mit BcwuUtsein 
Rechnung, indem er dort noch die Dreizahl btutehon lallt, obwohl 
er weiü, sie (reife nicht mehr sn, oder gebraucht er die y^hlwciae 
nur, weil er glaubt, auch jenem Gebiete im Norden der Dooau 
komme die Bezeichnung »Drei Grafschaften* mit volk-m Rechte zu? 
Uhlirz muQ »cb notwendig zur ersten Annahme bekennen. Das 
beweist seine Auffassung von «dicaot« in dienern besonderen Falle, 
und alle, die sich seiner Meinung tlbcr die trea comitatus der Raffel- 
stAttcr Zollordnung anechlie(^n. und nm-h wir. wenn wir una dieccr 

I ÄTä. O. »6, 



368 

Auffassung anschließen könnten, müßten sagen: Otto weiß zwar, 
daß die Bezeichoano: »Drei Grafschaften- nicht mehr zutreffe, ge- 
braucht sie aber doch aus irgendeinem Grunde nnd beruft ^ich 
dabei auf die gemeine Übung: » . . . . dieunts — man nennt sie so. 

Unter dieser Voraussetzung liegt zunächst die Annahme sehr 
nahe, Otto von Freising habe die Lage der tomitatus quos tres 
dicunt genau gekannt. Dann aber mUssen doch wieder einige Ei^ 
scheinungen aU recht auffallend bezeichnet werden. Nicht etwa die. 
daß Otto von Freising uns so gar keine Andeutungen macht über 
die Lage jener »Drei Grafschaften!. Denn wenn dies eine seit 
Karolinger- Zeiten für Machland. Riedroark und Trauiigau einge- 
bürgerte, nachmals auf Riedmark und Machland eingeschränkte 
Bezeichnung war, dann konnte er sich die genauere Angabe der 
Lage jenes Bereiches ersparen, schon vielleicht deshalb, weil das 
Festhalten an der Dreizahl, da diese sich im Grunde auf den Traun- 
gau mitbezog. Empfindlichkeiten in Bayern oder in der Steiermark 
erwecken konnte. Freilich, solche Empfindlichkeit erweckte ja schon 
die bloße Nennung der Dreizahl: nicht nur Otto von Freising. 
sondern auch die Ratgeber des Herzogs von Bayern und des steiri- 
»chen Markgrafen konnten wissen, was die tres comitatus sind. Doch 
sehen wir ab davon. Gewifi auffallen muß jedoch eine andere Tat- 
sache, die wir sofort ins Auge fassen wollen. 

§ 168. Die Spateren, wie Hermann von Altaich, Otto von 
St. Blasien. und der Interpolator des Kimrad von Wizzonburg '), die 
nichts von den tres comitatus wissen oder zu wissen scheinen, die 
aber die Vorstellung von einer räumlichen Vergrößerung der Ost- 
mark durch Angabe von Grenzobjekten hervorrufen — die Spfltereo 
also nennen zwar alle ein solches Grenzobjekt südlich der 
Donau die »silva oder den fluvius RotensaIa»'0 — worauf ich vor- 
liiufig hinsichtlieh der Berechtigung dieser Angaben gar kein Ge- 
wicht lege — aber dieselben sp.'iteren Quellen machen kein 
Grenzobjekt nördlich des Stromes namhaft. Und doch sollen 
die zur Zeit Ottos von Freising bekannten tres comitatus ganz allein 
hier im Lande gegen Böhmen hin zu suchen sein. Nicht als ob man 
solche Grenzobjekte nicht schon gekannt hatte. Die noch vor Hot- 
mann von Attaich entstandene Grenzbeschreibung im Landbuohe von 

') Vgl. die Zitate bei: Strnadt, Geburt 69—76, 
'-) Vgl. oben g U, Jahrbuch. li (190;^), S. 30, 



309 



Oslerreicb and Steier') nennt diesfftUs den Großen MübliiuQ. Und 
wenn es auch, wenigstens nach Stmadt. ganz anricbtjg würe, wolltoo 
jene Quellen fUr das Jahr 1150 die Mohl als uOrdlicbeo Teil der 
WestgrcDsc dos neuen Hcrzogstuins aonaen — dritthilb Jahrhun- 
derte frtlhcr n-fir« sie allerdings noch die Wf>Bt<;rcnzo der karolin^f i&clien 
Oitinark gewesen''') — so ist anderseits eben Triedcrnaeh Stmndts Äuf- 
fHSüuiigdie Kennuug des Kotensallet«. die sie si^h zuscholdeu klimmen 
lassen, genau so unrichtig. Dann wKrde aber doch die Hcrror- 
beboag der Mohl^renze oder der Grenz? am Ilaaelji^abeii allein 
«der mit der Sullftgreuz-e beweiRen. daß auch noch in «pfttcrerZcit 
die Lage der »Uroi Grafsohaftcn* nürdlich der Donau bekannt war? 
Keine Spur dnvon. Flernunti und Konsorten machen dort kein 
Grenzobjekt namhaft. Sonach bxtte eich dad BewuUtaeiii von der 
' MDstigL^n 6t»uhafl*vnhcit Jener weslliebcn Gebiete der 'Drei Graf- 
Behnften« so vSUig verwischt, die Verwachsung wtirc eine tw innige 
, gewesen, dafi man. als ea aieh nm neuerhchc Dar-Mellung der Vor- 
LeBoge %'on 1150 handelte, die tfGs comilaias nur mehr in einem 
Iaht iiputur Österreich zugeitchlagvncn oder imcb Struadt richtiger 
Bayeni abhanden gekommenem Gebiete sOdlich der Donau erblicken 
darf?! 

Man kennte diese Auffassung einem Hennann von Aliaich 
4j|inc weitere:» zumuten, der ja. wie Stniudt gUubl, oiich andere Gründe 
gehabt haben mag, den Anfnll des Traungaoes an Österreich ins 
Jabr 1156 zu BOizen. Und die^e Auffawung, die nur das wichtigste 
Objekt der Westgrente jener tres comitatus nUdlich der Donau, die 
silva Rntensak nennt, konnte dann in ull die Ge<ichicbt5wcrko Dber- 
geben, die die:»falls Hermann von Altaich benutzten, in das Anctarium 
^remifaocnsu') — »seine Dar&leltuiig atmet den Geist Hermanns von 
Altaich«') — iß daa Breve Chronicon Austriacam. wo die •beztlg- 
liehe Stelle ■ . ■ . eine w«"rtliche Absebrifi aus den Annale» Iler- 
ouuins von Attaich < iM.') Das Gleiche gilt tattacbUch von der 
«ntsprechrndcn Stelhi in AiinalM SS. Udalrioi et Afre. die durch 

>) 310. DCli. HI, 6!%r Niehu dauut dataaf bis, doB diMe Oraatbtidirel- 
buig ent aaelitrKgllcli dem ü*ieTr«iclü>clieB Al>*efanit(e von El.. voruijM«Ut, h*- 
I BiabuastwoiM xviiclieii Ära «Mitttobun itod rmorrricluiioliaii Ittrkbt «iagowbobea 
«rank« *ei, 

■) Slraadl ia: Arebi*. XCIV, S. llSi 
I ') MO, 6ä. IX, ihi. 

^m *} Straadt, Gebori Ti. 
^P 'I älfnft<li, cUad*. Vgl. Pa«, Stf> t, 684. 
^^ Jiaihtdi d V, f. IxitatBii«!. IM II. II«, i4 M 



570 

Heinrich Steoro gleichfalls aus unserem Hermanu aehüpfen, und von 
der erst nach 1356 entstandenen Historia fuodationis coenobii 
Mellicensis, ') 

§ 169. Xicht so einfach scheinen die Dinge hinsichtlich des Int er- 
polators der Chronik des Abtes Konrad von Wizzenbnrg zo 
liegen. Zwar meint Strnadt auch diesmal, der Interpolator könne 
»die Nachricht von der Erweiterung Öaterreieha bis an die Roten- 

Hala, die er in seiner Urkunde für einen Fluß hält nur aus 

den Ännalen Hermanns von Altaich bezogen haben, da die Melker 
Annalen selbst zum Jahre 1156 nichts davon bringen. 'j Gewiß 
spricht die Bezeichnung des Roten Sala nicht »für wirkliche Kenut- 
nisse beim Interpolator«, wie ich schon oben g 12^) gegen Bach- 
mann hervorgehoben habe, sie spricht wohl auch, wie Strnadt meint, 
für »Unkunde«, also doch vor allem für Unkunde des Wortlaute» 
bei Hermanu von Altaich. Alle Ausschreiber seiner Annalen be- 
zeichnen, genau so wie er, Rotensala als einen Wald, warum, 
nicht auch der Melker Interpolator? Weil er wohl Hermanns 
.\nnalcn gar nie zu Gesichte bekommen hat. Wir finden seine Hand 
nicht über das Jahr 1278 hinaus, bis ins Jahr 1273 aber reicht 
Hermanns Annalenwerk. die Jahrzeitbücher, die freilich, wie Strnadt 
hervorhebt, sciion zu seinen Lebzeiten ein solches Auaehen genossen, 

') Der «Geist Hermanns^, der in der »DiirätelluDg des Auctarium Cremi- 
fiinenao atmel>. ist nicht stark genug, um mich Ilermanng Worte in der betreffen den 
Stelle hinlllQglicb i^ur Geltung r.n bringen. t>ie lautrt: >cui do terria Wkwarie 
a Silva PatnvicnBi addidit ustgue Anesum. ut fieret Auatria sie dnca- 
lus«. Wirkliche üliereinGtiniuiung zeigt rieb nur zniEchen rolgendem: 
Hermann von Altaich. MG. fSS. XVll. Brevo Chronicon Auitriacum. Poi, SS.I, 
382, Z. 41 f.: ßSl: 

.... iudiciariam poteslateiu [irincipi .... iudiciariam polestateni Principi 
Auntrie nh Anaso usque ad silvam prope Austrioe ab Annso usque ad ailvam, quo 
l'ataviara i|iio dicitur Kotensahi, proten- dicitur Kotenaala prope Pataviftm prat«ii- 
dendo. (.Um 1210.) dendo. (L'm 1^80.) 

Annaica S^. L'lrici ut Al'rao. ebenda. , . HiRtorin fundatiania coenobii Mellicen«*, 

ebenda 300: . . 
iiididariajii poteslaleiu l'riucipi Austrie ; ludiciariam potestatera praefato Principi 
ab .\nasci u^ijuo ad «ylv.im prope Paia- i Ilninrico et suia sacce^ioribua ab Anaso 
vi.iin, '[ue dicitur Kütcnsaln, protendendo. ! iiBijue ad svh-ain prope Pataviam, qua» 
lUiu I3.';0. vgl, S. A-2!' f.) \ .licitiir Rotensal, protendendo. (Um 136Ö.) 

~) A. a. O. 77. 
■■> Jahrbuch. II. S, 24. 



371 



daU ai« sofort kopiert warden und in den Übrigen KlSstom die 
Rande m*eht«D, wif ans der Textifrutig so vieJer nachfolgender 
Klust^ratinitleii unabwei^lich ^8cliloj.»eii werden maß.') Aosdenvon 
.Stmmlt fleih»! für unrterc Stelle AOj^'fzogcnen Quellva kaaa da« iiun 
freiltcl) nicht pes<^hlossen werdon, da di« idtvstif Ton ihuvn, das 
BrevB Chroniron. cr*t nach llermaiina Tod abg^fatit i«t- Muß aber 
doch von dio«oa (Quellen weitgehonde Cbereinstinimuiig mit Hermuius 
Wonrn zn^vfoben vrerden, so trifft aolcbes bei der Interpolation in 
der Chronik den Konrad von Wizzcnburg kciocswc^s zu. Üii: and 
Am Aactarium Cremifanense zeigen vielmehr eine weitgehende 
textlich« SolbstJIndigkcit von Hennftnn von Altaicb; ubenivivrtjhl kSnnte 
man von. einer Vertvandlscbafi d«r beiden untereiiiandinr »preuhen. 
Ich stelle nie hier zum VcrgleicL: 

Konrad von Wizzeiiburgs 



Auctnriutn Cremifanense: 

, . cui de terria Wawario a 



IiitL-rpuIution: 
Dilatis videiicet temiini« a Hu- 



BtlvA pAtaviiinfti addidit unju» i min» Anaso tiatjuc nd flurinm (|ai 
Aneeum, ut ävret Austria sie du* : dicitur Koleneala. uddito Pt comi* 
catns. jtAtu Po^eo. 

Ea mag zugegeben n-erden. daf>i die Interpolation derFa^aung 
bei nermnnn von Altaich ti«her steht, als die Stelle im Aaotarium 
Cnmiiranense, in der ao^ar die beiden Gretiaobjekte in nmge- 
kehrter Reihcnfolgu bcg«jnivn und der ^'atoe Botcnsnla feblb 
Keineswea-t aber ertribt sich aus der Erwithnang diese« Nanienii in 
der Melker lnt(*rpolation schon Ableitung die^r !>telle Htm Her- 
mann von Alliiicb. Wir haf)en bereit* obeo bemerkt, dall «ino noch 
tllt«re Quelle des Honaann die Roion.tsta untvr den Objitklcn äca 
liaterreicbiBchpo Gemtirkea nennt. Es ist diu* Laiidbucb von (»ater- 
reicb und Steier. Wie, wenn der rnlerpuhitur dex Konrad vun Wizaien- 
barg aus Aiosor Qnelle geschöpft blitte nnd aus ihm wieder die 
Stelle in die glcii^hzriti^'i-n Annalt-n divs Altaicher Abte?) ObtTgc- 
ge^angen witrc, uozu die arolien [teziefauiigeii der beiden Stiller 
vit>1 beigetragen haben. Die emlgenannte Vermutung gewinnt da- 
dorch an taubn-drdigkoit. daü auch im Gcmürko die beiden Namen 
Edhü und KotciiKala ffut unmittelltar nach einander auOrften. nur 
^eo gelrv^nnt diin-h da» nahe der Enn5 gelegene Sankt Ct^lleu in Hteim- 
mark. diu der Auuug im Konnid von Wizieoburg fUglich untci'- 



'1 Slrnadt, OrhoTt », th. 



U* 



372 

drucken mochte. Ein weiterer Name begegnet nicht zwischen jenen 
beiden Nennungen,') Außerdem aber erscheint im Gemärke ßoten- 
sala ohne jede weitere Bezeichnung; es wird nicht gesagt, ob es ein 
Berg. Wald oder Fluß sei und nichts läßt auf den physikalisch- 
geographischen Charakter dieses Grenzobjektes schließen. Wohl 
aber konnte das Femininum, das in: »der Roten Sala- vor den 
Leser trat, in ihm die Vermutung wachrufen, man habe es mit 
einem Flußnamen zu tun, da auch alle anderen FluUnamen des 
Gemärkes Feminina'), die Gebirgs-, Feld- und Waldnamen dagegen 
vorwiegend Maskulina sind.'') Endlich ist ja das Sallet bei Peuer- 
bach, in welchem man die ßotensala erblickt, ein sumpfiges Wald- 
gebiet. So konnte es leicht geschehen und war mehr als ein Grand 
vorhanden, daß der Intcrpolator aus den beiden unmittelbar auf- 
einander folgenden Grenzobjekten des Gemürkes zwei FlUsse machte 
und die Grenze Oberösterreichs a flumiiie Anaso usque ad äuvinm 
qui dicitur Rotensala vorrUcken ließ. 

§ 170. Ohne nähere BezeichnuTig wie im Gemärke 
erscheint aber die Rotensala auch in den vor 1250 anzu- 
setzenden, von Mon. Boic. mit 11. November 1249 datierten Ver- 
gleiche zwischen Bisehof Rüdiger und dem Grafen von 
Schaumberg'), worin sich dieser verpfiichtct, die passauischen 

Eigenleute nicht zu irren »in districtu, per Traungeu et 

Tunawetal. cuius termini usque Rotensala protendunturc*) — 
Worte, die ganz auffallend an die Stelle in Hermann von Altalch 
und seinen Ausschreibern erinnern, an die Worte nämlich .... usque 
(ad ailvam prope Pataviam que dicitur) Rotensala protendendo«. 
Da nun Abt Hermann seine Tätigkeit als Geschichtsschreiber um 

') MG. DCh. III. 713, Z. 1 ff., über die £ns datz Sant Gallen; nnde von 
dann aller rkfatUt ubcrx gepiri^e ge[ren der Koten sala. Dar noch neben dar Koten 
Sala nf über der Chezzeker wult gegco'm JohaDsstcin. 

*) Die Pystenicb, di Pjostenich, di Wilden La^iiik. bi der Saltu, di Ena, 
freien der Katen Sala, die Mubcl, di Oostejz, di Lunsoich (di Owcrgmbe?), die 
Tej, die Swar^.a, die Marcb, di Tunowe: dagegen nar: in den Chunigeiprann. 

') Mon tarn ])eTg, über den Ciolcb den perch, der Hut, Grederhal«, öer 
t'hesizelaer «all. ze dem .lohaniisteiD, dca Untampergen, nf den Sclieta, den Echoti; 
dagegen nur: di Uurrn veiibt, di Pircbinn alben, di Tekelins alben, ze der Guldioer 
EtudenC^). 

») Urkundenbiich ob der Enns. Ill, 161, H>2 und MB. 28 f, 203. 

■■) Vgl.: Sirnadt, I'eiierbach. S 3l6 und 382. 



373 

ISÖC bef;iiiQt'), dl« selbsiUndigcn Notizen aber, die «r di-n Altaieber 
ADiiak'ii i-infUgl, nocb Ün» Jalir 1137 utnfiUHon, und da vr mdUrh 
rno 1 146 an der Clirooik Otto» ton Fi^mng reichlich nrkuodlieho 
und chrrtnikiilische Xachrichten. die er anderweitig erlangen konnte, 
angefUs;! bat, ^o künnte auch ;tcin nsque ... Koieosala prntendendo 
aas einer Urkunde geschlüpft «ein, di« vivlleicht selbst wieder Vor- 
urkunde jenes Schauroburger Reverses waren. l>io nähere BezeicKnung 
d*>r RoteDÄalft mit ,*ilva pr«")pe Pntuviam könnte er aber wieder 
uintr (^Dcllc entnummea babtio, uua der »pAter auch das Auctarium 
Cremifanvase scbGpAt-, dtts rem der silva r^tuviciieis borichtct, \(m 
der KutenstJa dagegen nicht» weil^. Die silraio Patavicam macht 
«ehüti die RaffblstitttiT Zollurknnilc iinmhnft. Hier kOtiii1«n vrir es 
uUo mit einer sehr alten Nac bricht zu tun haben, die der Zeit Ottoa 
von FreiBing nahe sieht. Wie weit jedoeh Hermanns Xaohricht ülwr 
die Rotensalletgreoze zarflckreirht. d. h. wann dieio HeBtimmang 
cum ersten Male uuftauchl, ob er sie dem Landbucbu entnommen 
bat oder einer nor^h Itltereii (Quelle, das küaiien wir denteit 
allerding? Dicht fesiatellen. Aber die Tatsache, dnll, obwohl Abt 
tlerroatiDS .\litt«iliinf; oflVnbar aut' altere Kunde xurU<;k;;eht. lt docb 
von einem nilrdlich der Donan liegenden Teile dur Drei-Grafschaften* 
Grenee gegen Bayern nichtJi weiß, muß unter allen Umaitlndeu auf- 
rnlli-o. MllUte ddeh einerseits dieser Grenzzug unifiittttlhnr nach 11Ö6 
diu einzige Nouerung gowesra sein und mUlLte andernteüs Üermunn 
sich gewiß am den Grenzzug bekflmmcrt haben, wie er Überhaupt be- 
mtiht war, die Dardtellung eines Ovto toq Freieiog in jeder Uin- 
sicht zu erweitern, zu vcrvolUtündigcn und zu ergänzen. Wir werden 
anf dieses sein lieinOhen noch zu »preeheit kommen, n-ichdem wir 
vorher noch einer anderen Frage an^er Aogenmerk zugewendet 
haben. 

§ 171. Wenn Ubiirz *tres comitatua< als einen 'Kamuni 
auffuUt. so muß er damit notwendigerweirto einen wfieren Gebrauch 
dieser Uexeichnang fUr dio von ihm nU Drci-OrstscUaftea erkannten 
Gebiete zugeben. Mau kann das an uud fUr sieh nicht gut in Ab< 
rede stellen, wenn man die tres comitatus von 906 und die comi- 
tatus qnos tres dicaal von II56 für ein nnd dasselbe Bereich bfiU 
nnd 'dlennt* mit •uenDfu« oberaetzt. Dann hllttv fieb h!.<o <)n« 90Ö 
noch nicht als Name aufzufassende trcs eomitatuo mitdcrweile bis xur 



*) Lorant, DanuelilBBd« Gt(cbichU(iiitll«n. I. 179. 



374 

Mitte des XII, Jahrhunderts zum Namen gefestigt, verdichtet. Nun 
ist ea aber ganz merkwürdig, daß uns während eines Vierteljahr- 
tausends, in 250 Jahren, die zwischen der RaflFelatätter ZollroUe 
und den Gestis Friderici imperatoris liegen, dieselbe Bezeich- 
nung für das im heutigen Oberöaterreicli gelegene Gebiet niemals 
wieder begegnet, obwohl es dazu an Anlaß nicht fehlt. Und da 
Uhlirz genUgsam genUfT ist, um in der gegen Ende dea XIII. Jahr- 
hunderts vorkommenden Bezeichnung des Machlandes als einer Graf- 
Bchaft oder pruvineia'), einen Beweis für die Richtigkeit seiner An- 
nahme zu erblicken, so sind wir wirklieb in der Lage, zu behaupten, 
das Machland werdein vier Jahrhunderten sicherlich einmal Grafschaft 
und einmal provineia genannt, und zwar schon ziemlich gegen Ende 
dieser Periode, die man Über ihren Endpunkt hinaus victleicbt noch 
einmal so weit verlängern könnte — natttrlicb abgesehen von den 
beiden tres comitatus-Beispielen, von denen doch erst zu beweisen 
iat, daß sie sich auf Machland. Riedmark und Traungau beziehen. 
Aber es gebriebt nicht nur für die Zeit von von 906 bis llöti 
an allen Beiegon für die Existenz zweier Grafschaften im Bereiche 
der Riedmark und des Machlandes, es fuhren nicht nur die Herren 
des Machlandes niemals den Grafentitel -); es stehen jener Auf- 
fassung auch andere sehr gewichtige Nachrichten entgegen, die. ans 
dem XI. Jahrhundert stammend, hier eine Grafscbaftsverteilang 
zeigen, die Uhlirzs Annahme geradezu widerlegt. 

Bekannt ist. daß das Gebiet zwischen der Hz, die gegenüber 
von Passau in die Donau mttndet. und der schon oberösterreichiachen 
Rotel, welche oberhalb Wilhering in den Hauptstrom Österreichs f^t, 
nach einer Urkunde vom Jahre 1010 in der Grafschaft eines Grafen 
Adalbero lag''), dessen Verwechslung mit dem Ostmarkgrafen Adal- 
bert Uhlirz gewiii mit Recht verwirft.^) Allein diese Urkunde er- 
weckt noch mancherlei andere Bedenken, über die sich jetzt Stmadt 
ausfuhrlich verbreitet.'^) Ob jedoch dieser Teil des Nordwaldea noch 



') Vgl. H&««D<3hil in: Archiv. LXXXII, 46tj, 

-) Auf dieseo bezeichnanden Umttand bot Ecboa Kurz (BeitrGge. 111, 367ff.) 
aufmerksam gemacht und aU ganz besonders einleuchtend herroTgehobon, daß 
Ottos von Machland Gemahlin Jeutn trotzdem ala comitissa de Pllitein encheint. 
Ebenda. 369. 

') MG. DD. 111, 217. 

*) A. a. O. 335, Änm. ti. 

-) Archiv, a a. O. 276. 



375 



für <Iie ampatierten tres comiMtus in Betracht kommt oder nicht, 
iat jranz nchensttchlich. Wichtijt ist nur die Frag«, was fUr Uraf- 
«chaften Sstlioli von der Rntel lagen. Nach Uhtirz mUÜteii zffis<>heii 
jener in solcher Ausdohimiig friiglich<.'R Qrafseliart Adalberos und 
der Uatmark miiid&it«tis nooli zwei Lirafäeiiafien gclc^n mn. die 
nachmaligen Landgerichte Ried mark -Frcistadt einerseits^ Machtand 
anderseits. Sie liflttcii mit detii TrauD!;aa die irc& oniitatus uod 
xugluicli diu Gi-'biut ^-bildet, das 976 Miirk^raf Luijiold I. zu «einor 
Ostmark erhielt. Zwar weill auch Uhlirz um dio «psierc Ziigclißrig- 
koit jener nördlichen Oebidle xur Ostmark, al» der Traungaii bereits 
nieder andi>re Wege jjing. Allein er tröstet sich llber dieses Be- 
denken mit der Ik'merkung hiiiwcjC. daß ein gcnllgeiidt-r Beweis in 
dieser RichtuD}^- nicht erbracht n-erden kilnne. ',i Das ist nun freilieh 
eine Milt^amo Motirterung. Es mochk- L'hlirz recht willkommea «ein. 
daü alles, wasbtidiermdieserl-'ru^ vorgebracht wurde, ioseinenAtigen 
die Nott- >ganx ungeotlgcnd* verdiente, über Qm eine gegenteilige 
Bebuiuptung darauf zu bauen, ist dieser doch oor behauptete Mangel 
noch nicht haltbar gcntig. Es mtlGto das Gegenteil f eradüzu hewiciten 
werden. Jlit Hecht kann Strnadt nagen. > L'hlirz verwechsle die 
FÜicht der IIoweisList. er ignoriere die Regel: factum alleganti in- 
ciimbit probacio«.'-) Ob L'hhrz durch dnä 'Mark« im Namen der 
Riedmark* geirrt worden »ei, wie Strtiadt meint, mag- duhiogestellt 
bleiben. Jedenfalls aber findet Siriiadt hier einen treffüchen Anlaß, 
allcii, waa er bisher so oft fflr einstige Zugcburigkeit der Riedmark 
zur Ostmark vurgebracbl bat. neoerdings ins Treffen zu ftlbrea*). 
nachdcui schon .StUln im Jakrc 1852 ein cratM Wort in diesem 
Sinne ^sprocben hat. Das Schwergewicht der Beweisführung Iriffi 
allerdings das XI LI. Jahrhundert. Sowohl An* noch unter den IiHxlen 
Babenbergcm entstandene. uU aaeh den habsburgiHcbe Urbar bringen 
die landesherrlirhen Guter und Zehnte in unmittelbarem Anschlüsse 
an jene Aufiteicbnuagen, welche dta beutige Uaterreich antcr der 
Eons betreifen, und zwar in der otlokarischen Reduktion de.< haben- 
bergischen Hubhnehes ohne weitere ErwHltnungen aus dem heuligen 
Ober{!«lerreich. AtiiWrdem kann Strnadt auf eine L'rkande auü dein 
Jahre 1231 binwetscn, aas der sich die gencbtiiche Einheit des 



>> A., a. 0. SV, 

') Arokir. XCIV. 8. 99. 

^ A. a, O. 100 f. 



376 

in Rede ßtelieiideii Gebietes ergeben eoII. ') Was aber ergibt Bicb aas 
anderen alteren Urkunden? 

§ 172. Im Jabre 998 schenkt Kaiser Otto XII. seinem Neffen 
und Nachfolger in der Kaisern-Urde, Herzog Heinrieb von Bayern, 
das Königsgut Nüehling in pago . , Osterriche vocitato ac comitata 
Heinrici marcbionis et inter fluviis (!) Ipera et Sabinicba nomlnati» 
situm.^) Ich habe auf die Bedeutung dieser Urkunde für die ober- 
österreichische Frage schon früher hingewiesen und damals gemeint, 
sie beweise Zugehörigkeit der Biedmark und des Machlandes 
zur Ostmark schon seit den frühesten Zeiten.^) Man könnte das an- 
zweifeln; denn Küchling liegt ja auch beute in Niederösterreich und die 
Kaiserurkunde beansprucht keineswegs das ganze Gebiet zwischen 
Isper und Sarming für die Grafschaft des Markgrafen Heinrich- 
Ja selbst, wenn sie das besagte''), könnte aus dieser Urkunde, streng 
genommen, noch nicht Zugehörigkeit des Macblandea zur Ost- 
mark gefolgert werden, da ja anderseits gar kein sicherer Beleg 
vorbanden ist, daß das Machlnnd über die Sarming nach Osten, 
etwa bis zur Isper gereicht habe.'') Etwas weiter führt uns schon 
die Urkunde Kaiser Heinrichs III., durch welche er im Jahre 1049 
den Jagd- und Waldbann in comitatus Alberti marcbionis et inter 
geminas fluminum Sabinicha et Tuminicha'') auflas innerhalb dieses 

') UrkuDdeubach dei Landes ob der Eons. II, GB4, Kr. 476. Die hier ia 
Klammer gesetzten Namen sind offenbar fdr Stniadt ganz versländlicb und anb«- 
denklich. 

=) MG. DO. lU.TlOu. 786. MeiUer,BabenbergerIiegeHton,3,3. Stumpf, Hol. 

') § 12. Jabrbuch des Vereines für Landeskunde. 1903, 8. 26. 

') Das praedium NocbJlinge diiifto immerbin mindestens die sildSatlicbe 
Hälfte des Landgtricbes zwischen Sarming und Jeper eingenommen haben; denn 
1160 konnte Zebent ex diiabus villis Xochelingen ernithnt werden (Ried, Cod. 
Katisb. I, 33*2 f.) von denen eines Jliltemdorf oder Niedemdorf CitHch Toa 
Xöchling sein dürfte, das ja 1609 und spater bis ins XIX. Jahrhundert f«lbit 
wieder Oberniiorf genannt wurde. (Heil, Donaoländchen. 280,) 

'■') Solches behaupten zwar StrnadI (Linzer Zeitung. 1895, Nr. 281, 
reuilltton, Spalte 2) und schon vor ihm HaseniJhrl (n, a. O, S, 4G6), der seine 
Behauptung auch zu beweisen sucht. Allein weder findet sich in seinen Karten- 
heilagen. Taf. II (ilachland), eine Örtlichkeit iistüch von der Sarming eingetragen, 
noch auch in den auf S, ÖäU f. zusammen getragenen Beispielen eine solche genannt. 
Trotzdem spricht selbst Uhlirz von der eigentlichen Ostmark als >dem Lande 
unter der Enns und Isper«, nimmt mithin diesen FluÜ als Ostgrenze de» Mach- 
landes an. obwohl gerade ihm nicht sonderlich an dieser östlichen Erstreckan^ de* 
Macblandea gelegen zu sein liiauchtc; im Uegenteil. 

'■} Stumpf, 2309. Meiller, Babenberger- Kegesten. 6, Nr. 14. 



Bezirkes gelegene PaäSAoer Gut. das, wie gclion Meiller behauptet'), 
wabr^chcinlicli aus einer Scbeukung <ics Jahres 1037 tirrsUunmt^ 
'Hau stvbt doch n-onigetcn« £rbtrec-kung des markcrallichea Gebiete» 
b» zur Sarming fest, waa iiaeb dem ubeo Gcsagti-n nllcrdiD^s nncb 
kciuen «olcben SebluU go^laucl, daU auch dus Mftcltlaiid im KnmiUite 
de» OMniarkgrafeii gulegen sei. Das wUrde erst (ianii der Fall seio, 
wenn der andere Fluli Damens Tomiaichi im Tileireofeal dea Ober- 
CBtcrrcichischen Urkundenbucfaes richtig auf den ircatlieb tob der 
Sarminggelfff^enen Dimbnch beeogen wird.^) D»nti reiclite das Komitat 
At5.ilbert.< gans »icher auch ia* Maelilnml bincro. Di« Worte der 
Kaiserurkunde ioter gcininas tluniiaam Sabjnicbi et Tuminichi ripaa 
kijDntCB jene Äufriissuug bcAtJlti^<-ii, wuim man gotninas ripos nnr 
etwa bei beancbbartca tlUsaeo auebea dUifte.'j Deua nwischeo dem 
Dimbaelt und der Surmiug- inUndet tAt«i(eblich kein nur balbn-L-g« 
bedeutendes GevAsaer in die Donao. Aber einerseits urird gemini 
anch schlechlhin in der Bedeatang von ibeide« gebraucbt. ander- 
seits legen selbst die iLlietilen Formen, in denen der Nauie des Dtoi- 
bacbf^s »af uns gekomnica ist, einer Ablüituog von Tuminichi 
erhebliche Hinderaisso in den Weg. Oder hielte e» nicht, der Ktr- 
mologie Zwon^ nnlan, wollte man das Diininbach von 1147") mit 
dem Ttiininicbi von 1149 zudammvnbringi'n. dan jedeiifalU in jener 
ülteren Form Dumilicba von 10d7, dem Namen de-sThimtingbacfae^ 
UJllic-r «lebt, der unterhalb Gottadorf Oatlieb von der OrtAcbaft. die 
DocrU hcQlu den Narnua •in der L'ijn« fubri. der Dmiau zuwjtchitl 
und auf den auch ileiller beide Formen, die von 1037 nnd die 
von 1049. bezieht, indem er »ich gleichzeitig auf Reil» »Dtinau* 
landchen ■ btTufl.*) Rcil freilich bat im ^egaheasn Falle ansiveifel- 
haft mit der Thimling ta tun. der wir in den ErÜrtvruD^u dea 
folgenden Pitragra|>hütt n<>cb begegneu werden, 

g 173. Auf den ersten jltick Echon gchcincn zwei Jlltrre. auf d»« 
Gebiet xwischen der Sarming «nd der niederüsterreicbißchcn Tim- 



<) Itftl^CBbergrr-livgrM«!!. S. 199. Anm. -tl. 

') Mit. :»l. S. tu Nr. IOC. titkunil«iibi»li du Lande* ab d«r Rsut. 1.473. 
Nr. ttit. 

*) Dmu ball Bttinci \Viiu«n« nu£h äinuJt r«tL Gctuiit. 34. 

*) BUlt«r a«« VeieiDM für LandwIraBJe. XSVl), s. Mff. 

t^ l'rkuBdeabucb dt» UnJei ob der Bani. 11, 239 «na Vil. 

") Koil. Ua* Uunaultta<l«li«B <ltt kal*. kla. PatriBonlalhcrtMliancn in 
Vicn»! obetm UuburUbet^. (ItlÜä), $. St^f. 



378 

nichi sich beziehende Kachrichten die Möglichkeit auszuschließen, 
als könnte in der Tradition von 1037 und in der Künigsurkunde 
von 1049 die oberhalb Marbach mündende Timling gemeint sein; 
denn gerade an den Grenzen des durch jene beiden Flösse be- 
zeichneten ßannies, in dessen Mitte beiläufig Fcrsenbeu? liegt, finden 
wir im XII. und spätestens zu Beginn des XIII. Jahrhunderts Be- 
sitzverhfiltnisse. die Eigen sowie Jagd- und Waldbann von selten 
Passaas geradezu ausschlieUeD. Bis zum Jahre 1147 erscheint der 
zwischen Isper und Sarmiug gelegene Beinwald in den Händen des 
Burggrafen Heinrich von Regensburg, wie wohl auch das ganze 
Gebiet der Pfarre Nöohling: der Beinwald aber gehörte nach eiuer 
Urkunde König Konrads III. ad regiae exoellentiae usnm') und 
ging damals durch Otto von Machland in den Besitz von AVald- 
hausen über.^J Dies für die Westgrenze. Auf der anderen Seite aber, 
gegen Osten hin. kann Herzog Leopold V. oder der VI. einen 
zwischen Timling und Loja gelegenen Wald 1192') oder 1203*) 
an Kloster Melk schenken. Mit keinem Worte wird in dem einen wie 
im anderen Falle in den betreffenden Urkunden irgend einer pas- 
saoischen Berechtigung gedacht. Nun ergibt einfache Subtraktion 
dieser beiden Bereiche, in denen es 100 und 150 Jahre nach der 
kaiserlichen Bannleihe kein Passauer Besitzrecht gab. von dem 
Gebiete, das Meiller für die Schenkung Engeidichs in Anspruch nimmt, 
eine erhebliche Reduktion derselben. Man sollte demnach meinen, 
daß in der Tradition von 1037 und in der Königsurknnde von 
1049, wenn überhaupt damit die Nachbarschaft von Perseubeng 
gemeint ist, die Grenzen des Bereiches, innerhalb welchen Engeldicha 
Schenkung lag und Kaiser Heinrich III. Wald- und Wildbann an 
Passaii verlieh, viel zu weit gesteckt seien, indem weder zwischen 
Sarraing und Isper noch zwischen Loja und Timling solche Schenkang 
au Passau möglich war. Der Bezirk wiire besser durch Isper und 
Loja eingegrenzt worden, was so ziemlich dem Gebiete von 
Pcrsenbcug gleichkommt. Gleicliwohl kann angesichts zweimaliger 
Überlieferung der FluÜnamen an Emendation nicht gedacht werden. 
Und so driingt sich schon jetzt der Gedanke auf. wenigstens den einen 

') Stumpf, 3550. 

-) Oberltsterreichiaches Urkuodenbncti. II, 2J0. 

') So getit: Meiller, Balienberger-Uegesten. 71 Nr. 09, vgl. 8. 811, Anm.384. 
*} So: Huober, Austria ex archivis Mellicensibus illuitrsta. 10, Kr. 11, and: 
Schramb. Cbronicoo MetÜcense. 110, mit ihnen: Heil, Donaaländchen. SS3f. 



der beiden P'lllf«e anJvrwJirU *a euohen. Wl-dh mnn Am l'rugliobe 
Gebiet von 1037 and 1049 nicht geradezu «stlieh von OloxwaW 
und vom Weidenbadie. zwisoken diesem und der Upvr suclit, d»s 
ub«r d<x:h aucb burgprüflieh ist, oder ^aaz weit im Korden hinter 
dem Ikinwald und titidcr»eit« bititvr dorn Mvlker Uublbcrg na der 
Loja und Tiuüing — wofür aber der Lauf dieser lx'idi;n t'lUssu 
vriedor zu kurz isi. um dann nnc-b fUr eine weiter rUokwaria ge- 
legene Scbenkuii^ in Beiraelit zu kommen — bo liegt, urie gesagt, 
wenig Grund zu di.T ADnulimt- vor, zwischen Sarming und Timliiig 
habe sich je P»&sauer Orundbeaiiz mit Wild- und M'aldbann be- 
funden. 

Allein es wäre doch trioder denkbar, dsll ein derartiger Benitz- 
Eitel früh unterg^guDgen, eulireder durch V(>rleihnng an weltliche 
Herren, die »ich spater um ^'ei^lliehe Lehensherrlichkeit wenig 
kUmmerteji und sie gruDdfAtxh*eh Tcrscbwlegea, woftlr es geiiu^ 
Beispiele gibt, oder durch gänzliche VerÄutterung von eeiten PossauB. 
Freilich lilCt schon das. wns die Ebernberger Chronik über die Grafschaft 
PcTHenbeug aas eben jener Zt^t meldet, in der unbedingt solcher 
PasaiiutT Besitz vorhundcn govrcwn sein mußte, auch nicht die 
leiseste Spur daron erblicken. !•> muH als bezeichnend gelten, wenn 
in dem Berichte Über die beabKiehtigte Tradition der Grafschaft 
Peneubeug an den Grafen Weif mit keinem Worte p«i;9aui»chor 
Iiiterveiitiun gt^daeht wird, vielmehr Abt Altmann vun Kbcrbcrg 
als derjenige erscheiul. der dos Ueschjtft in die Wege leitet, uod 
dafür nach der übenseugung de« Chronisten den verdienten Tod 
infolge jenes bekannten Unfälle« findet, dem auch Kaieer Heinrich IIL 
mit knapper Kot entronnen ist. Überdies liegt, wie ich schon üben 
auHgcfubrt habe'), Grund für die Annahme vor. daü hier zu beiden 
Seiten vi>n Perw^nbeug Rcieh^land zu oucbeu i»t, aus dessen Be- 
vugtung die comitia I'eraenbeug hervorgegangen wäre. Doch stützen 
mr uns nicht auf den Eberabergcr Kericht allein. DeHAen Schreiber, 
geiriß ein MOnch, war vielleicht der Reehtsverhjlltnii^o viel nu !*ehr 
ankundig, um tatsachlich vorhandeno paasauiscbc Uereohtigung za 
erkennen oder auch zu sehr voreingenommen und parteiiech. um 
ihn zuzagehen. Sehen irir den Snchvt;rhaU mit den Augen Posuia? an. 

g 174. Eine recht günstige Gologonhoit. irgendwelche Anoprilcho 
geUend zu machen, bot sich dem BiBchof von Fasrati, als t» sich 



>> § 90, Jtüabacl III {Vm). S 13». 



380 

darum handelte, die durch daa Interregnum eingerissenen Miß- 
stände in Ordnung zu bringen; damals entstand jenes bekannte Ver- 
zeichnis, das die Überschrift trägt: Hoc est predium ecclesie 
Pataviensis in partibus Äustrie'), das sich unter anderem auch 
über unseren Bereich vernehmen laßt. Ich bringe die Stelle in Za- 
sammenhang mit den nächst anrainenden Vermerken, um den Unt«z^ 
schied der Angaben besser vor Augen treten zu lassen. 

Item ecclesiam in Fechlarn confert episcopus Ratisponensis 
et fundus est suus; sed decime sunt episeopi Pataviensis ex ntraque 
parte Danubii. 

Item ecclesia apud S, Leonardum pcrtinet ad episcopum Pata- 
viensem, que etiam vacat sibi a duce et comitissa. 

Item ecclesia iuxta Gozdorf apud S. Laurentium vacat 
ab advocato Ratisponensi et omnes proprietatea eedcm cum sylvis. 

Item ecclesia in Saerlinge vacat episcopo Pataviensi a comite 
Leutoldo de Piain com omnibus pertinentibus ad eandem. 

Item ecclesiam iu Kuprebtshoven contulit comes Leatoldos 
et comes Otto intromisit se de ea, scd nescitur quo iure. 

Item ecclesiam in Oberndorf contulit . , . (desgleichen). 

Item ecclesiam in Steinachirchen et in Wiselbureh (Wirvel- 
burch) confert abbas de Maense et advocatia vacat episcopo Pata- 
viensi et decime et termini, praeter quasdam advocatias que 
pertinent ad episcopum Ratisponensem. 

Item ecclesiam in Pecencbirchen conferunt canonici Patavienses 
et recipiunt decimas; sed episcopus habet terminos et decimas ad 
XXX modios et villam ibidem. 

Item ecclesiam in Ibs contulit dux, que jam episcopo vacat 
Pataviensi et termini pertinent ad eundem et decime ad canonicos. 

Danach scheint aber doch Passau wenigstens um Gottsdorf a. D. 
üätlich Persenbeiig begütert gewesen zu sein und es scheinen die in 
jenem Paragraphen an letzter Stelle genannten silvae sich mit 
denen zu decken, von welchen die Schenkung Engildichs und die 
Bannleihe Kaiser Heinrichs III. sprechen. 

Genauer zugesehen verhitlt es sich gleichwohl ganz anders. 
Allerdings handelt es sich um eine Kirche iuxta Gozdorf, mit 
welchem Ortsnamen, der ganzen Situation entsprechend, nur Gotts- 
dorf bei Persenbeug gemeint sein kann. Im Grunde aber betrifft 

') MK. XXvni, 490tT„ besonders 483. Aaieigo-Blatt der JahrbBcher d«r 
I.itorktuT. XL ( 1827), S. ^2f. ; dieser Druck verdient den VoTzng. 



88t 

did Stelle doch nicht Oottsdorf selbst, sondern die ecclesia npad 
sanctuiii Laarviitium iuxlA Oozdorf. n-iv die riclitige Wurtfitlge 
lauiea mußte, und ea »t viclmvlir da« GuUadorf gogvuUbor1ic^>nde 
SäuMMiKteio g«i»eiDt Denn nicbt oar daa spätere Zistfirzienserstift 
dunclbät wird aacl] düiu heiligen Laurcntia« genannt; ca hnt Kcbnn 
frtlher dort eint- tlifsem BliilzcugeD gewidmete Kirche an der Sielle 
der beatigen rfsrrkircbe gegeben') und in dem alten um 1233 cat- 
stAiidenca babenbergicclien Urbar nimmt das herzogliche Gut ad 
saDctum Laurentium eine gtuii: luiiehDliclKr Stella; ein.''j 

Jedenfalls aber hat Dopsoh unrecht, wenn er in einer An- 
merkung zn jener Stelle der beiden herzoglichen Urbare unsere 
piuMuiacbe Notiz auf tiottsdorf and tiicbt auf St. Lau reur- Sausen- 
stein boisicht. Nach diiiäor Notiz la^ ja das Patnmat der oecU-jtia 
iuxta Gozdorf apud S. Laureiitium beim Domvogt von Hegensburg 
oder war wenigHt<;n8 von ihm l^iig geworden, was jedenfalls Toa 
der Pfnrre Üottsdurf nicht gilt. l)euii oh man unn den Fassauer 
Bi-ricbt bald nach der Mitte des XIII. Jahrbundert» oder später 
setzt, immer frtand das dorltge Patronat einem bairiäcbcu Kl^äter 
zu, oAndicli bis 1209 dem einstigen Cbwrbcrrn-. seit 1 145 Zister- 
zicnBcrkloster Walderbacb bei Kodinsr am Regenäussc. seither dem 
Zisterüensertftifie Aldersbach bei Vilshufen in Niederbayern. Her 
Übergang war durch die Kriege vcranlallt worden, «reiche wahrend 
|<le9 Ostcrreiehificbcn Inierrcgotuns die Besitzungen von Walderbacb 
heiraaucbten, ao dal! jene }ilöuohe xain Verkauf Krhreiten muUten. 
In jeder der drei Urkunden, ivelehe nns Aber den B^^xitzn-ochsel 
erhalten sind, spielt nun die Pfurrkircbe run <]ottttdorf eine Rolle. 
In der eigentlichen Verkaufsurkunde vom 1. Februar 1268 wird der 
Besitz zu Ootiedorf verkauft cum purci|iienlvniibisiureib>demparrucbia- 
ii« ecclesie . . . . In der zweit«i Vi^rkaofsarkunde vom 3. Februar 1369 
wird das Uut verkauft cum transaccione parrorhialiseerlesieibidem und 
vom »elbcn Tage datierten Aafforderuiig der Untertanen von Gotla- 
durf an den neuen Herrn. Klostor Alderabacb. wird auch der Pfarrer 
fiilgendc^nnnUcD apo«iro|)hiertT Vif!^ igilur duniin^i« plebnnus a debito 
liresoutacionis, ({Uudhucusque babiiimiis, et colonira a turamento iiobtB 



Vi Erdioffcr oioh Kstbllnger* Notlua (■: Itikttar im V«rela«« Air 
LanilMkanile ton NI*drj«al«TT«icb. X ^l^Tß), Ü. 20, Anai. R. 

') I)o|iicb und LeT«e, Die Ikttdaaberrlioben tritei« von Obai* nnd Nivdcr* 
iMerffliGli- filS, 9 217. 



a 



382 

prestitn absoh'imua, rogantes diligentiBsime usw. '} In keiner Weise 
aber scheint der Bischof von Passau mit diesem Tausche zu tun gehabt 
zu haben. Das bestätigt sich sogar durch das Schweigen von der 
anderen Seite. Auch nicht mit einem Worte erinnert die Passaaer 
Aufzeichnung dieser geistlichen Besitzverhältnisse, also etwa der 
pfarrlichen Präsentation durch Walderbach oder Aldersbach. Ist hier 
also nicht Gottsdorf selbst, sondern das gegenüberliegende Sansenstein, 
d. i. eben St. Lorenzen. gemeint, so scheint freilich im Passaner 
Verzeichnisse ein am rechten Ufer der Donau gelegener Ort nach 
einem solchen am jenseitigen Gestade genannt. Ganz ungewöhnlich 
ist das nicht. Auch kommt die Möglichkeit in Betracht, daß die 
hydrographische Situation vor Zeiten eine wesentlich andere ge- 
wesen sei als sie sich heute darstellt. Ganz wohl kann man sich 
die so stark gegen Süden vorspringende Halbinsel der Donau bei 
Persenbeug und Gottsdorf als ehemalige Donauinsel denken, so dali 
das Gewässer das heute in einem verhältnismäßig schmalen Arm 
zusammengedrängt, eine umso schärfere Trennung der beiden Ufer 
bedeutet, sieh einstmals mehr verteilt habe, ähnlich wie es bei den 
beiden KrumnuKbaum und den beiden Pechlarn gewesen sein muß, 
wo der Strom um die Erlafmttndung her. einen starken Hang zur 
Inselbildung bekundet. Es läge hier ein ganz ähnlicher Fall von 
Bestimmung einer Ortlichkcit auf dem einen Ufer der Donau durch 
eine solche vom anderen Gestade vor, wie etwa ein bei Urfahr ge- 
legener Zehent in der ottokariseheii Redaktion des babenbergischen 
Urbars nach Linz jrenanut wird, weil Urfahr damals und noch bis 
ins XVIII. Jahrhundert in der Pfarre Linz lag.-) Wie aber die 
Passauer Notiz in unserem Falle eine Kirche auf dem rechten 
IJonauufer nach einem Orte auf dem linken nennt, so sind auch mit 
den Waldungen, die in diesem Absatz erwähnt werden, jene heute 
noch waldigen Hilgel jremeint. die hinter Säusenatein aufsteigen 
imd <la.s ganze Gebiet bis zur unteren Erlaf einnehmen. 

« 

' ) ÄiiB der von Winler flir den Kommentar zur AangHbe dea Itum- 
caidings von fiütlsdorf unil Mel/.ling beniitilvn Handschrift 12.4S9 der Wianer 
ilüfbibliothek, i'ol. Vi i,4) un.i fol. 31 (XXII rot.) 

-) Slrnadi (in: Linüer Zeitung. 1S94. Sr, 2fö, Feuilleton, Spalte 6) gegen 
Uopsch (in: JELltöiliingen des Imtiluts filr Jlstermchische GeBChichuromJmBg. 
XIV, 4ön woraiifDoimchinderUtbarausgabe (a. a. ü, lOü) §103, Anm. 2, «igent* 
lieh nicht reagiert, Aan Anm, 1 zti diesem § scheint «ich zu ergeben, daCDopach 
an Feiner rriiliuren Auffussung festhült. 



383 



I 



Gott*dorf selbst aber hnt nnzwüifelhnft in der 7^'H, in welcher 
ar fraglichen Tumttiobi gedacht wird, deraeltieu llerr«ebafl KU* 
gühOrt, wie Perscnbi;"^ und wie jem-s Wuldgfbict zwisclifii Loya und 
Ttniling, die im XII. Jahrhundert der Inodeslit^rrlichen I'ainilio zu- 
»tandon. &> kommt v*. daLi dit; BahvnWrßrrin Kichiirdi« .illgtrmcin mit 
der Boslifmng^ von Walderbacli mit Gottsdi.rf .n Verbindung pv- 
bracht wird. ') Mit vollsieni Recht, wie gar nicht bezweifrlt werden 
kann. So hat schon vor einem halben Jaiirhaitdert der Melker Biblio- 
thi'knr Thcwdor M«yr einige von jenen Ort^Ditmrn. die in der 
l-'undntio monasterii in Walderbaoh bald nach der Mitte des Berichtes 
aufgeiJiblt Verden'), nnd ootcr denen nuch Ornvendorf, Got^dorff. 
Ilunzh«?iiu und Biberbacb vorkouuncn. auf Österreich belogen. l)cai- 
nach ätuinmt dicMir ßccitz aua dem murkgruflichcn Oute in der 
Oetmark. Mmi sieht iiljüc fUr dt-ti ^■an7.t:ii ßereich zn-ischen dem 
Sarminghach und der «"'Stitehon Thimliiig sind wir hiosichtli^^h dvr 
BesitaverhflllKJitae ziemlich uuf: untorrieblöt. hüreii jedoch gar nichrB 
"von piissauiflcheni Kigen daselbst, Vielleicht werden wir «her noch 
einmal f^rade mit diesem Bcaitxe zu tau bekommen, mit dem wir 
nnH tibrturens zmn Teile «choo io eioein frflhorcn Pnra^ra|ihcn be- 
sch-iftigt haben. -''i Jettt f&saen wir die Uerrschaflsverhältiiissc in« 
Anjin, wie« $ie airischen der Sanning und einer obe rüste rreichiöch cd 
Tomnichi. dem Duiuin^er Hacb, nuchweisbnr dind. ob wir hier nelleicbt 
Anbulupanktc j;e^inneu. die einer Identitizierung mit der ::ehenk»n^: 
KogildicJiB daa Wort reden, 

tf 17d. IS« fohlt nftnitieh nicht an Anzeichen, daß jenv Tomnichi. 
welche die Aufzeichntingen den XI. Jahrhariderti« cnthslten, dotm 
diwh weltlich vom .Sarmin^biieh zu suehc'n sei. nllerdinps in noch 
etwas KrlWlcrer ICntfcnjung jds der r>imb.-icb. Iifüfluti;; in derselben 
EntfemuDK. welche die Ifstltche Turanicbi, also diu Tkimlinf, von der 
Sarminjt U'viint. lloch ft der Nachweis, daß i'a ■»ich so verhsltj 
nicht 10 leicht, führt zn keiiieswcfrs «eher Mehcnden Ergcbni*#en. 



' ) Aiir (JiudJ der .\n(iilt«D der itiif Mi«iuileii KitodAlie nioauicrii in Waldtr- 
bach ron Tbcod.jr Major. ArcliW Dir ?si«rr«kbi>cb« ÜMcbictilikuaiJe XII, 261 
llfii^lX und: Haiifrfd 3ia<r«(. Oewhicliio ilei IIiiifg<af«n v«u Btgnuburg. MT. 
(lt>t}JK UpHh Natu es* retten ii«lirn ikrcn L'nteciachiiDgBB ttnd AMrikhruni^on 
«Inoo AbJrnck drr Kuniialio beigeKBb«ii. 

h Vgl aueli Hipt>i>l}-tat.Tli«»ldgiMlieUoit«UMhr>ri<l«rDi.'SM«e^l.Pitlt«ti. 
J>riti«T AtKcliulii. (Archiv rar l>ln»MDahrDi>ik und -<i»Kliicblv ) S. iüä, Anm > 

>} S »0, Jatubaclt III {IWH. S 1^6 (. 



384 

hauptsfichlicli wohl zu dem Ergebnisse, daß. während zwischen dem 
Sarmtßi^bach und der niederösterreichischen Tumnichi, also dem Thim- 
lingbach. Passanisclier Besitz sich nicht nachweisen laßt, für welchen 
der Kaiser Waldbann hätte gewähren können, solcher zwischen der 
Sarming und der oberUstcrreichischen Timinichi, d. i. dem 
Teimingbach oder Deiminger Bach bei Baumgarte aberg 
Allerdings sehr wahrscheinlich ist. In diesem Gewässer nämlich, das 
südüstlich von Munzbach entspringt und mit anderen Tereinigt 
unterhalb Pitzing südlich vom Baumgartenberg in die Donau gelangt, 
bin ich geneigt, die Tuminichi ') von 1049 zu erblicken, was nicht 
hindern soll, noch einer anderen Vermutung zu gedenken. Es sind 
vielleicht mancherlei hydrographische Bedenken, die meiner Annahme 
entgegen stehen, auf die wir auch noch zu sprechen kommen, aber 
doch kein spruchliches. Denn 1141 erscheint der Deimingerbach 
als VBtus Timnicb ^1. eine Bezeichung, die noch naher zu erklaren 
sein wird. Hol und 1209 die daran gelegene Ortschaft Deiming 
als grangia Tymnich, de Timnike und predium Tunnic^J, lauter 
Wortformen, die dem alten Tumnichi aus der Mitte des XI. Jahr- 
hunderts noch sehr nahe stehen, jedenfalls näher als Dnninpah. 
Denn die Ersetzung des ersten Vokals u durch i in einer um ein 
volles Jahrhundert jüngeren Form ist durch den Umlaut, den das 
folgende i bewirkt, hinreichend erklärt, ebenso der Übergang von 
ti zu i, der noch heute im bayrischen .Sprachbereiche sehr hfiufig 
begegnet, und hier unmittelbar gefolgt sein muß. Ebenao un- 
bedenklich ist der Wechsel der Liquida n und I, den ja schon die 
beiden Urkunden von 1037 und 1049 aufweisen. Was uns aber znoflchst 
die Dumilicha der Urkunde von 1037 und die ihr vollkommen ent- 
t;preehende Tuminichi des Diploms von 1149 oberhalb, nicht unterhalb 
<ler Surmiug suchen laßt, ist eine erst kürzlich bekannt gewordene 
Xennung, die sich in einer zweiten Aufzeichnung der Tradition 
Engeidichs gleichfalls in jenem ultestcn Traditionsbuche dos Hoch- 
stiftes Passau tindet und jetzt durch Ztbermayr bekannt gemacht 

') Der Xamc int nicht selton im Donaiigebiete. So fiaden wir in dem Bftkbier 
l'rbar dng heutige Diemling bei (iroO-Eberharta im Bezirke Waidhofen a. i. Tb. 
sla Tiib^niche (Arcbiv, IX, H. 244) und in einer Originalurlcunde du SloatiaTchirM, 
1106, September 29, einen Chunrsd in der Tuminkch und eine Uof»tntt duelbat. Vgl. 
übrigem die Zusiimmcnsfellung bei Richard MUiler in B d. V. f. L. t. N. XXVII, ößff. 

"•) Urkunden buch des I.nndes ob der Enns. II. 193. 

^} Ebenda '259, 51<3 and äI9; jedenralb liegt Verlesung a<ia Timnich oder 
Tumnich vor. 



385 



ist.') Da wird zwar die alldlichc Begrenzung dea »a termico Danubii , . . 
usc|ne tiä äolavininam t(^rminuin< r^icbeDden Gesehenkt«. alno die 
Donawjrrenze unterdrUclct allein e» wird »Boinstein« als ÖcLwer- 
punkl do« ganxen Gebietes naniball gemacht. 

Zibormnvr mciot nun >□ Hioblick auf )lulk*ri( E^rOneruDgen 

ober Boienatoin oder Beienstein, der das Lokal an der Mtlndung de« 

Dimbaches (Nikolaerbnchesj in dem Rngenannten •Langsn .Stein< pe- 

fandcu haben will, daß BoinsUtD vielmehr vrestlicb davon z» suchen 

sei. Strnadt dugugcn int eher geneigt* an »die Burg Puhiii <>>. Nikqln 

in Scruden) an der ^^telle dea später genannten roptum caetrain 

pllomine üelcfain« ^) xu denken. Das ist nun wieder eine ilütlich vom 

Dimbaehe gidogene Örtliclikeil. und ich bin nicht in der Lage. 

■ darüber ein uhsnblioltende» Urteil ku ftülen. Jedenfnlls reicht, wenn 

rwan Zibermayrs Ansieht folgte der Dimbaeh aia Weatgrenie des 

1087 ge«cbenkton snd 1049 mit Wildbaon verMhaaen Qobiut«» 

nieht aus. Das -ruptnm cajitrum d&rainp Helchin« begegnet zum 

ersten Mnle in der für falsch gehalteotfn ürkuiid« Bischof Reginberts 

(br Waldhausen von 1147, Mai 16. Wien. Die topographische Frage 

bat bisher noch keine Klftruag erfahren.*) Vielleicht tragen diese 

Zeilen dsza einiges bei. Doch kchrL-n wir zu unseren Bemühungen 

nach Identitizierang der TumUicha oder Tuminichi mit dem Bei- 

llDiiigerbachfl znrtick. 

§ 17ß. Vor ullotn sprechen fUr unsere Aumdirac die Nachrichten, 
welche wir über die Geschichte dea (j«bietea zwischen der Sanning 
und der oherOiiterreicbischea Tuminichi erhalten haben. Dvon genau 
den Kaum, den diese beiden Flllßcben begrenzeB, erfüllen die älifts- 
tSUtiT. welche die von HJachland für die ZisterzieoHer zu Baum- 
q;anetiberg und die Chorberron zu Sarming-Waldhausen aosgedetxt 
luitten, jene Linie der Herrn von Perge, deren Be!>it» etwa von 
Tabrabaohe in der Pfiirre Arbing bis an die Ispcr reichte«,') Das 
enLspriebt auch so ziemltcii dem Umfange der machl&Ddiscbeii Be- 
«izungeD. Nach der Besintigung^urkund«*) Benog Leopolds von 

t) Mlitcilunsen lUi liiEiltutM nrCUfrreirliiMtlio OMdiicbiafencliniip. XXVl. 
41S, Nr. t» Vgl. 8. am. 

') AnbW. XCV. » 2«l, Anm, 2. 

') llii ihr boiobüniftt itch dir FaitKtipr dw ob«t)iaMn«i«lii«eh«n ITrlnmd*!). 
badlM, Obsni a Viktor Freili«r von ItaniJI-Slaislif. 

<) Stinadi in dar «Unwr Zaituag* von ISdö, UcxeinWt ?, Nr. S&f. 
r«BillU0B. »palt* 6. Qn4 jeW Arthiv. XL'JV, S. 139. 

'') Uikaoiltiibucfa iv L>n<)«« ol> iei Eeui». II, 192. 
Jthkwh iL T. r. U*44tkDnd*. itco «. IM. S6 



386 

Bayern-Öaterreicb aus dem Jahre tl41 bildet die »vetas Tinmich* 
die Weatgrenze des Weichbildes des >ca3tram Pongartinberch*. das 
den Reigen der Schenkungen für die Grauen Mönche führt. Es folgt das 
predium Modminsdürf, nach Kurz Mettenstorf oder Meunsdorf Bildlich 
von Baumgartenberg'), welches im Westen an Lawarin grenzt'), 
d. i. Labing, zwischen Mettensdorf und Mitterkirchen schnn nahe dem 
heutigen Donaulaufe der unmittelbar darauf ad austrum ab utroque 
termino als Grenze namhaft gemacht wird. Labing liegt mithin 
schon außerhalb der Schenkung. ^) Freilich heißt es spflter, daß anf- 
wärts, die Naam entlang'), noch 30 Manson dazu kommen. Allein 
wir können hier wenigstens nach dem Wortlaut nicht unterscheiden, 
ob es sich um den nahe Torbeiziehenden Unterlauf oder am den 
Oberlauf des genannten Flusses handelt. Doch läßt die päpstliche 
Bulle von 1151, welche unter den Baumgartenberger Gütern de 
silva Xordica triginta mansos vermeldet, deutlich erkennen, es bandle 
sich nur um Wald am Oberlaufe des KaarnHußes, den ja der 
Meridian von Baumgartenberg im obersten Laufe durchschneidet und 
eine Verlilngerung des Deiminbaches über MUnzbach hinaus noch 
im Mittellaufe trifft. Dieselbe Bulle nennt denn auch Grangiam in 
Nodemestorf, das Kurz eben wieder für Mettensdorf hält''), in 
Tymnich "J. in Gozoltinge». d. i. Gassolding ÜstHch von Baumgarten- 
berg, in Teuphenbach, Modmesecche und Cremesa, außerdem zehn 
Waldhufen in Nöchling. Wir sehen demnach Labing als west- 
lichsten Ort der Aufzählungen nicht mehr zur Stiftung gehörig und 
schon außerhalb der Grenzen der Maehlftnder Widmung gelegen. 
Mettensdorf selbst aber ist nach der heutigen hydrographischen 
Nomenklatur nicht mehr an der Dciraing oder Deinning, sondern an 
einem Gewflsser zu suchen, das Mühlbach genannt wird — die 
Mühlen zu Modniinsdorf gehörten mit zur Stiftung — und das eine 



') »tJtrÜBe. 111, 884. 

'•) ÜHÜLch Bii^Dt es an weiteren Macbland-Ucsilz, der uacb der Urkunds von 
1141 cuid&ni iiiaironc Kiisabetb gcbiirtu, die noch der Uikuude 1309 die SchwMMr 
i[iiDndaui lioatricia de Klamnip war. 

■) 120y wohl nioLl mehr. Vgl.: Kurz, a. a. 0. 406. 

'',1 I'raclL'rea sursuni iu\tn Naiduin. 

■} A. 11. O. 393. 

'-) HuqU der Beetütigtinggurkunde ller/.og l.ei)[iold V[. grenit da« prediluu 
Tiinnic in latere iino , , . ngris ville, «jne dicitur rridebnluiesdoif, in kltera viUe 
4uae Koll>ia;;cn ap|>ellatiir. Dm sind FrllhBlorf und Kolbing (a. a. O. 40ö), wor&iu 
man ersieht, daß damals die Tiiminichgrenze ichan übersehriilen war. 



387 



Fortsetzung dca »o^enannteD ^laanibaebei oder der attcn KaAm 
ist. Diesem Muhlbach wai-bsen oun RBdü.vilieh vun llaningarteiiber;; 
die vereinigten Gewilgscr des Arliinger-, Buclibergcr- und Deimin^- 
bftokes «1. Dea NaarnflusRea wird our to seinem Oberlauf gedaclil 
tinil doch dtin-liiFtihncidct er »ncli mudemcn Karlen das Wcicli- 
bild von Muttenudorr und fließr nucb der Spczialbarte nocb bi^i 
UBterhatb Saxen, freilich vielfach mit ihr vernetzt, neben der Ponau 
eiober. Und »o mag es »cb 5cboD im XII. and XIU. Jahrbunden 
verhalten bulH'rt. Denn naeti der Urkunde von 1209 hatte dio 
Bruderau oder wie es dort heißt iquoddam predium partim ouitum 
partim ineultum io uno latcre tcmiinuin ibabet) fluviam Naerden m 

Ealtero rallein — also doch ein attdwtli-t«! Terlaofendes Rinn^l — 
-^ac a Kii'chel<.-gc tKircbtttuttt^ii) ipsum distcnuinut, in tc-roio Lawam 
(Labing. bisher lat allee Wesiprenze) la quarto ModmiD§torf l'Oel- 
^axe g^ta McttenAtorf)- Diu gleiche !>cbeiut aieh aas der aa- 

^^ebonen Grenze des »Hard« z« ergeben, der a flnvio Naerden 

rliiMjue ad ugros viile StaenstDgun iStarzing au der Dnnan) lougitn- 
^inem Irahit, latitudinetn vero tcndit a prrdio qnod Zagvlowe dieitur 
Ucrfjue ad predioin quond^m Kberhardi de Broteistruin. ITnmiltelbnr 
-darauf hUren wir. daß dnnials das nahe Ruprechtsbofen auf einer 
Donauinael lag. was beute nicht mehr der Fall ist. Die Benennung 
Naara aU OrtKoamcn finden wir stromaufwärts am linken Ufi-r 
-der Donau caeüenweit von der Mondung des yaarnHiü^c's eiitreriit, 
an der doch ehur der Kuiiie gc-sutht vrcrdua möchte, nie Santiingntuin 
an der Mflndung dor Sanning. tps luw. Der Ort "Sa&ru liegt aber 
dort, wobin ulterdinga die Niuirn grlangcii niQÜtc, hrbifltc sic> ihre 
Haoptricbtung von Nordosten nach Sadwesten bis sur Donau bc; 
uad giDge Me nicht bald uuterbatb Pcrg in die Donaurichlung tlber. 
'Der alle Lauf iM noch beut« durch dto lebhaft gewundenen Mar- 
kaiigeu der (gemeinden Perg und Xuarii einerseits. Zi>iling;, Obei- 

Pwagrain, Brasd und Ai^^t aader^fitJ« erkennbar. Gast andera ge- 
«taltet sich das Flußbett nach dem Übci^iig zu eUdOstlicbcr Richtung. 
aU diT Ri<;htung der Donau. DiuM^r Lbergang i»t ji-duch ein kUn»'t- 
lieber. Vier KüomefT lang inl di*r «ihnurgerade Kanal, welehi r 
durch die SumpfvictiCn zieht die sich zwischen Berg and Baun>> 
garteoberg ajn Fu&o des {{»rdwalde^ auMbroitcn, auffatlcRd wenig 
beaiodtilt. Aber nuch hier wird man vielleicht sagca kSnoco, die«e 
-Sumpfwiesen, bexiehungs weise der Unterlauf der Kaarn sei ein alle r 
Donaaarm, Mhnlich wie ich vor kurzem n.tehweiM'n konnte, daß der 

L Sb* 



388 

nntere Rußbacblanf Donaolauf sei.') Das Donaagelände von Kaam bis 
Mitternkircb, der sogenaonte Langacker, war vor Zeiten Donan- 
insel. Dann aber mdndete der Deiminigerbaeh einstmals in die 
Donau, in den nürdlicben Arm der Donao oberbalb Baamgartenbergy 
der hente versumpft ist. 

Aucb gegen die Sarming hin ist reiches Machlitnder Gat vor- 
handen. Es dient hauptsächlich zur Bestiftung des nachmaligen 
Chorherrnstiftes Waldhausen (1146), im ganzen handert Höfe. 
Sarming selbst liegt westlich der Sarming, also innerhalb der 
geminas fluminum Sabinichi et Tuminicbi, wie hundert Jahre vorher 
die Urkunde Kaiser Heinrichs III. sagt. Der jenseits der Sarming ge- 
legene Beinwald muß schon wieder von den Burggrafen von 
Regensburg erkauft werden. Inter äuvios Dumilicha et Sabiniclja 
a termino Danubii usque ad Slavinieum terminum — so die Tra- 
dition von 1037 — liegen aber auch wenigstens annähernd die Kirchen 
MUnzbach, Pabneunkirchen. Künigswiesen, St. Georgen, Dimbach^ 
Kreuzen, Grein, Saxen und Mitterkirchen — die erste und die letzte 
schon westlich von Deimingerbach, wovon gleich zu reden sein wird 
— die Otto von Machland seiner Stiftung Waldhausen zuwendet. 
Allein auch wer sich von diesen Ausführungen und von der Identi- 
fizierung der Tuminicbi mit dem Dcimingbach nicht Überzeugen 
kann, muß darum noch nicht zur nicderosterreichischen Tbimling 
zurückkehren. Das Marktbucb von Grein macht uns mit einem 
Tumingbach bekannt, der das Weichbild des Ortes im Westen be- 
grenzt-) Er könnte die Dumilicha sein. 

§ 177. Sehr interessiert endlich zeigen sich die Fassaner 
Bischöfe an beiden Stiftungen. Die erste und die letzte von 
den genannten Kirchen, die ja auch schon westlich vom Deiminger- 
bach liegen, mit Saxen und Grein werden in einer freilich für 
falsch gehaltenen Urkunde und in einer erst um 1230 entstandenen 
Gesaratredaktion der Waldhauser Stiftung-'), einer Art Pancbarta^ nicht 

') Siehe die erete Abbandlung dieses Jahrganges. 

') llandel'Mazetti in iler UnteThflliuDgsbeilage der Linzer TageipoBt Nr. 49, 
Jahrgang l'iOb. Der Verfasser schreibt mir daxu unterm 7. Dezember 190ä kUft 
Linz: > . . . denn ergiCDs hat der Dimhnch stets Dumbach (!) in alter Zeit ge- 
heißen und -/iveitens hieQ und heiCt noch, zum Teil, hei den ADTeinern der tob 
Kreuzen gegen Grein herabkommende Bach, der knapp westlich von Greinberg' 
in die Donau mündet, der Tumingbach.« 

-'j Mein Kollege Dr. Mitis bttlt von den sechs Waldhauter UrkD&den^ 
die der zweite Band des Urkundenhuchet von Oberüsterrelch enthllt (Nr. 15& 



380 



untcrdca voaOltovoo MtLchland herrUlirendeD Kircben, sondern nebst 
St. Thomas and Neustadtl als Zngftb« (l«s Bifcbof« voo Pns»iu gc- 
nannl. BUcbof Kp^uibert bestiltigt die .Stifcanf; 6es Machllindors, 

' dem in seiner Todesatunde recht ban^c Zweifel kotninen. ob nicbt 
Paosau dcrdDBt ullea zcunmuicn wieder einstecken frerdc. *) Daher 

[«oll schon er eine Vereinigung der beiden Sliftungon ins Auge ge- 
faßt haben. Und tat^IIcbiich konnte bald nach der Mitte des 
XJII- Jahrhrniderti Ui^rraann x'on Alinicli im Codex Patavicnsis 
qiiurlus unter den pas^auiächcn Bci'ilzungeii in der Riedtuark >duo 

BCastrs Chlanime, item Uno cutra PlnKcrnaleiti rt omnes ministcniLJe« 
ad dicta cn»1ra pertinenle.* «put Machlant pr^ter iudicia, ilem .... 
dnorum monasturiorum adrocatiim. Paumgurti-operg^ vt Wnldhauscn 
iläm in vüIib et bubi-i in M»chlRiit redditus XXI librarum. iiiHaper 
unum fortira apui Munspach« aufz-llhlen aU ■prcdia et pos-icMiones, 
^uas ulini buoe mcmorie Otto et WaU-huuuB oubile» dicti du Mach- 
Innt et dumina dicta Peter«a traditcrunt ecelc«te Patavicnsi, qunado 
lioo faoere poterant et eas lihore po.isidebant . . . .• Dn» «iehl dncb 
fast aus wie Anerkennung und leiln'eise Ablösung alter passauiseber 
Lclienshohtdt durch die Hcrrt^n rou Macblaud. Jedenfalls kummrn 
die Paseauer ßischijfe so unglcicli \iv\ mehr für das Gebiet 
xn'iiKibcu der Snnnitig und der tibt^rifsterreichiacheii Tuminicbi. dum 
Deimiugerbachcs also, in Iletrsebt, als fUr die odbczu gleich große 
Strecke Uferlandes, unterhalb der Sarming. bis zur niederilster 
österreichischen Tuniinichi, d. i. der Tliinilin«;, ftlr welches Ciebiel 
uns gar kein« N.'icbriclit Über passttuiscbu Vorrechte, vielleicht von 
^rrilii nlichon Zi'hi^ntvn abgesehen, vorliegt. Wenn eine Kirche in 
diesem Bereiche Vorrechte halte, so scheint es die von Rcgonshtirg 
gewesen zu eein, welcher Mi^r da^ Pasiauer Verzeichnis in Peeh* 
larn Kirche und Kundus zugeitlcbcn und sieh mit den Zehcntcn zu 
beiden Seiten des Stromf» begnügen muD.-| Zwar die R<^gensharger 
Rejiizungen find weiterhin nur die Erlaf hinauf nachweisbar; aber 
vielleicht liegt in der Stellung, welche wir die Bur^rafen von 
Begen^burg oberhalb Pecblaru bis xur Sarining hin einnehmen nehen, 
noch ein Ilinweft auf die Stiftung de« heiligen Korbinian. Über- 



U* 100, ä. S27fr,), Xr. 157 f. dmA 180 ftlr Mht, di* andtm dr«l Kr Ftitehuagm, 
^ Vi'tBD mfino VonuiMUiiiig richliir i*(, lUnii «oUpraclMO die Aagabun Qb»r dl« 
X'forta in Nr, l.'>9 nni) lö^f. den Tatochea b»M<r alt dl« lo Hr. 1ö7, 
1) Kur». ■ ». O. 378. 

*} sufae obcB. i m. 



390 

liaupt aber hatte Regeneburg auch im Lande nürdlich der Donaa 
offenbar von alter Zeit her erhebliche Ansprüche. Zwei von jenen 
drei Regensburger Lnzen, die das Landbueh von Österreich und 
Steier verzeichnet, liegen im Bereiche des böhmischen Massivs. Der 
eine Luz betrifft das Land zwischen Äist und Naarn, der andere das Ge- 
biet zwischen March, Thaya und Rußbach.') In dem Gebiete zwischen 
Rußbach und Donau lag die regenabnrgische Herrschaft Ort, nach- 
mals Lehen der Schaumberger, dann der LandeafUrsten.^ Zwischen 
diesen beiden machtigen Landlosen lag als Bindeglied Pechlarn, 
eines der Ältesten Kulturzentren von Ostaricbi; wo nicht, hätte das 
Nibelungenlied den sagenhaften Markgrafen Rüdiger nicht nach Pech- 
luren genannt. Im übrigen begegnet zwischen den beiden Regens- 
burger Luzen nördlich der Donau schon viel passauiscber Besitz, 
so gleich der Luz von Passau, der sich als verhältnismäßig schmaler 
Landstreifen von der Donau bis zur mährischen Grenze ziehend, 
offenbar knapp an den östlichen Regensburger Luz anschließt. Es 
mag auch Urbcsitz gewesen sein. Im übrigen aber scheint Passan 
in viel spaterer Zeit in diesem Bereiche festen Fuß gefaßt zu 
haben. Wie es von Engildich erst gegen die Mitte des XL Jahr> 
hunderts Gut oberhalb der Sarming und vom Reiche den Wildbann 
darauf erwirbt, so verdanken wir auch erst einer späteren Aaf- 
zoichnung Kunde von passauischen Lehen der Domvögte von 
Regensburg im Aist-Naarn-Gebiet, In nächster Nähe von ihrem 
niächofssitze sind dann die Nachfolger Pügrims von Passau bis 
zur Erwerbung der Landeshoheit jenseits der Donau fortgeschritten.*) 
Viel Gelegenheit, die Grundlagen der Macht zu beschaffen, boten 
dem Diüzesan die Zehentansprüche auf die Neureute, die in der 
silva Nordwalt seit Ende des X. Jahrhunderts in immer rascherer 
Folge eröffnet wurden. Aber zu Beginn dieser neuen Kulturperiode 
haben die Siedelungen am nördlichen Ufer des Stromes gewiß nicht 
weit landeinwärts gereicht; das kann nunmehr als feststehend be- 
trachtet werden.'') Auch Engildichs Schenkung dürfen wir uns nicht 
liis an die Grenzen des heutigen Böhmen reiobend denken. Wohl 
aber können wir annehmen, daß es ein weit zurückreichender Be- 
sitz eines jener Geschlechter ist. die sich tatkräftig an der Er- 

') MG DCh. 1]I, 114 f. 

-) Blätter des Vereioea flii Landeskunde tod Niedeiüsterreich. XXXI, S39ff. 

■) Archiv. SCIV, 205 (f. (Sondcral.druck 123 ff.). 

'1 Ebenda. 91 ff. |S. A. 9. H.l 



391 



oberung oni BviticdluD;; der Osttiiark beleiligi haben. Darüber 
lttSM;D fiicb t.'iDigtj I)atoa zaxiiniinviiKlrltt'D. 

§ 178. Jener EDgildich Ist vielleicht, ja wahri'chuiDlii.-.K der* 
selbe EngilrlicQ mile», deo der sltestc Nekrolog vom Kloster Eb«R- 
berg znm 19. Apri! bringt.') Er ist wobi aach ziiitaraincngehalten 
mit jenem ersten 2^ugcn Engildico in dcrSelbstubcrgabe der nobiliü 
mtdier nomine Judita von Fasaaa, der in die Txit lÜHcliof Bervngars 
f^lllt (1013—1045)-). GehiSrt Kngildicli zu dem GeschUehte 
der Grafen von Ebersberg, su hat dt^run Besits., diu comiüa 
Personbeu^, mit dem angrenzenden Engitdiebs ein Gnnzes gebildet. 
Dos Ebcrsberger Gebiet dorfie scnsch von der oberCsterrctcImcben bis 
zur ni«:<l«rastcrrdc]ii»cJii-ii Tuminielii. d. b. vom DuioiiDgerbacb, 
Iteziobungswciftc von dem Tumingorbach bei Grein nnd Kreutzen 
bis zur Tbimling gereicht haben. Das int eine Krstreckung. welche 
»war von jener der angrenzenden drei Peilsleiner Grarschaften 
im Süden di^r I>oiinu noch bedeutend oburbwlt wird, «bor immer- 
hin aaf ehemalige Zu&ammengeliSrigkeit acbließen l£ßt. Der Name 
Engildiefa, nicht eben hiiutig, ist gleichtvob) im oberen Lniidc und 
in Bsvem nicht unbekanot. Wir linden ihn zum XII. und XIIl. Jahr- 
hundert in der Nachburschuft vud Sclilicrse« '*) sowie in FruitfingLT ^) und 
Formbnchor Traditionen und in solchen von Sl Nikla zu IVispau. 
Einmal um II.HO iat ein <><ilcher Engildie J^euge in der Sliftuoj; 
einet! pruediuui itu Thalheint durch Wolfgnni]; von Windbor}; nach 
Formbacb*); derselbe ist vielleicht jener Treuhänder, durch den 
Adalrani von Pbutmncn vier liolden stiftet.'-') In demselben Thal- 
h«im gibt «twii x«!bn Jaiire KpHter Ad&Irnm von FrigendorTGtit oncli 
tJt. ^^ikia; unter den Zeugen ist ein Engildich.',! Dann begegnen wir 
wieder dem IctitgenanoteD Adalraui von Frigendorf als Salmann in 
einer Schenkung zu Gaeitspach, und ala den Iclzirn Zeugen Engil- 
dich.") Kin andermal tritt wieder ein Engitdhiua ulti Sclieaker eiocs 
Gute» zu Anerbaeb*) auf. Wetzen dieM>s Gute« i«t um 1240 ein 

■) Ofvle. SS, RH. Boic. II. ]«•>: D. XIIL Kai. EngUdico niiloi «biit. 

<) MB. XXVIU-, 7Sr. Nr. 97. 

1 Mn. &a. XVm, 617. Z. S7. um d!« MUu <!*• XUI. Jahrhundert«. 

•) MB. rx. 5i$ tut««, in 1140. 

■) 1Jrkuo(l«obita)i it» LandM «b dar £dd». I $m, !6 

«) Kben4a. 719. NT. 510. 

^ Eband». 563, Kr 13«. 

•> Eb«d». 56J, Sr. 135. 

*) Ebenda. äW, Nr. 190. 



392 

Streit auegebrochen, den St. Nikla gegen einen Engilbertus de Norden- 
bach führt, der offenbar in einem gewiesen Verwandtschafteverhaltnisse 
zu einem Engildei steht, vielleicht sein Sohn ist. Seine Mutter hatte 
Güter zu Kalvesheim geschenkt'): auch eine zum Jahre 1190 ge- 
hörige Schenkung Ulrichs von Xodenbach gehurt in diesen Um- 
kreis.^) Doch unser obengenannter Engildich ist offenbar den Hoeh- 
freien zuzuzahlen, unter ihnen müssen wir seine Verwandten 
suchen. Ein Graf Engildeo, der Herzog Thassilos Zeitgenosse war, 
war ins Kloster Benediktbeuern eingetreten und beschenkte die 
Stiftung mit den Dürfern Penzing, Muhlhausen, Pui^n, Ummeu- 
dorf, Schondorf im Amte Landberg, woselbst wohl auch Salihedorf ') 
oder wie es in Necrologium von Diessen heißt: Salhdorf iuxta Hofstetten, 
zu suchen ist-"}. Mag er wohl mit jenem Hengildeo'') huius loci de- 
fensor identisch sein, den die Benediktbeurer Chronik an vierter 
Stelle als ersten defensor unter den Wohltfttern des Klosters aufzählt, 
unter denen auch die Sempt-Ebersbergcr Grafen von Ulrich an. er- 
scheinen, auch Ädulbero mit Kichlinde, dann Abt Altmann mit Her- 
zog Weif. '') Ob er mit jenem Engelhart comca zusammenzuhalten ist, 

M Ebenda. 618, 293. 

') Ebenda. 686, 221. 

^) Cbronicon Bcnedictoburauum. M6. SS. IX. 2U, Z. 36—39. 

•) MB. Vm, 307: beesei in MG. Necr. I, 26. 

=) MG. SS. IX, 221, Z. 31— 3J: 

I Ädaibero comes ( «c. Ebenbergenai«). 

comitissa I BicblindiE comitiBsa (uxor eins) 

Tnargns huius loci destructor. Altmauuus Eibbaa (EbenbergeDus), 

Hengildoo huiuB loci dcfecior. Weif dux. 

Arnolduj huius loci defeosor. Otto comei. 

Irininkardia comitiisa. Sikko ('» Sig'imar,Grar von Andecha, Vogt 

Heuticus buius loci defensor. von Michelbeuern unter Abt Gothelm.) 

Oudalscalch b. I. d, Cbiinradu» comes. 

Fridericus comeB defensor. Nickerus episcopua qoi sabitaneft morta 

AbrnbamuBepiscopus (FrisingensisOä? biB extinclus eat in Kaveana cüvitate, da- 
994). structar HborlatiB coeDobii aancti Bena- 

Oudalticu* Cornea h. 1. d. ' dicto. 

ChuniaduB h. 1. d. Judila doiatrii dcfeDsatrix hniua loci. 

Isti saut <iui pracdia sancti Uencdicti iu beneficiuni acceperunt vel qoi da- 
feosorca illim mali vel boni ex^titerunl. id eat aupradicti viri et feraiae. 

Nur zweien von den Genannten, dem zweiten, Unargua, und dem zwaitletctoB 
Biachof Kicker wird daa Zeugnia auBgestellt, daC eie deatnictorw, d. 1>. mali d«- 
fenaores gcwcacn seien. 

•"i MG. SS. IX, 221, Z. 21-3J. 



393 



<l«r im Breviariuin GoUcalolii erwilliut wird'), l)l«)bc lUliingcslclIt. 
Jinltnfnlls wußten die Benediktiner von Beuern nur gute« von ihm 
xa erfühlen und schätzen den ganzen Umfuiig »einer Stiftung aaf 
über 40 Manaen.-) 

Zu iliiien »cbeint ein gevrisser Graniftonus in Besüvhungun gc- 

»tandes zu sein, der einmal uomittclbar naob Kit^lhart comes. als 

milcs, vielleicbt als de!< Grafen GefolgsnianD'), denn ein zweites Mal 

in dem Chrouicon Buren»is monasterii frleiclifulls unuiittellMir nnch 

Engildeo, üb mJlcs (juid»iu adälcsexns mit seiner Scbciikung eiuc-r 

villa Oawa cam pralo Änlfranga erscheint*), was im Kommentar auf 

Au am Fluß(^ Loiwi siwiselien Garmisch und Eschi-nlobe. und auf 

lAmpIierang gedeutet mpd, vo Dacbinals Ludwig der Bayer das 

iKloHtcr Kttnl gegründet liut. Uns interessiert nur der N'ame. den ich 

in Grammastelten wiederzufinden glaube. Es wird das freilich auch 

l'Au jenen Gmmnn erinnern, der in der sugenanulen RnfftiUUttter 

TZollurkunde unter denen genannt wird, die aus der Grafecbaft 

Aribos über das Gefillswesen der Oiitmark eidlich einvernommen 

■werden; er entcbctni gleichsam unter Führung des drillen vicariufl 

iiamen:) Kigit. Übri^'eiis fiiidirt sich ftlr Oramniiutctten älton-s Greim- 

bartstetten. Doch kehren wir nuch einmal xa Gngildich zarUck. 

Auch nocli im X[. Jahrboiidert, eben in der Zeit, wo uns 
|die Schenkaitg Cagildichs und der Guntrada zwinelien Sarming 
lud Deimin;.'crbach Ixjgcgnet, erncliuint im Benediktbeurer Ucriebte 
wieder ein Engildeo unter jenen MOiicbcn des Kloster«^), von denen 
es heilit, da» sie Abt Gotahflm (1033, September 30, hin lOGS, 
Oktober 291 von Kindheit an nufgezogi-n buhe. Demnach kann er 
wohl nicht deni-lbe gewuseu sein, dum FaMiau die i?cfaenknng der 
nnchuiaUi muchlüiidischens Bodens zu danken bnt. 

g 179. Z«itli(dK-i) Überf^aiig und zugleich den Naebwci», daß 
der Xanie Engildeo in der karolingi lachen Kolooisutiunsperiodc 
Üitierreichs gldcbfalls eine Rolle spielt, bringt eine Notiz in den 
Gefitis arehiepiscopornm Salisburgensinm 'Converaio Baioariorum) 
«am .fahre t^O, wonach ein gen-i$»cr CbcKil ein Out *&icut ICngil- 
deo et lilii uiue duo et Ermperht presbj^ter ibi habuerunt* der 

1 EUmd«. 3S4. Z. SO. 
') Ebenda. 23a 
>) A. n. O. 224. Z. 3a 
') A. a. 0. SSiJ. Ü. 

*) uo. IX, 220, z. na 



394 

Kirche Ermprechts schenkte.') Kurz vorher hatte König Ludwig 
einem Diakon Engildeo die Kapelle zu Inzing bei Hartkirchen im 
Rotachgau auf Lebenszeit überlassen,^} Im Jahre 782 findet sich ein 
Engildeo als dritter unter sieben Zeugen der Schenkung Laot- 
prechtä zu Trattnach, "Weibern und Inn, was auch für ihn Besitz 
im Traungau wahrscheinlich macht.') Selbst jener österreichische 
Engildeo scheint im Traungau begütert zu sein, wie Zengenschaft ans 
seiner Zeit glaublich macht.'') Ja sogar an der Spitze der mitrkischen 
Verwaltung finden wir nach den Fulder Annalen zum Jahre 895 
einen »Engildeo Marchensis Baioariorum', allerdings Bchoa 
am Ende seiner Wirksamkeit. ■■) £s isfr^leser Eugildico, dessen Name 
das Excerptum de Karentanis nicht bringt'}, der bayrische Greni- 
graf, mit Dummler für einen »milchtigen Grafen< zu halten'), 
dessen Jsame. wenn er ein Nachkümmling Wilhelms ist. wohl anf 
seine Stammutter Engilrada zurückgeht,*) Gewiß war Engildeo Graf 
im Xordgau und im Donaugan, dem nachmaligen Wirkungskreise 
Luitpolds. Wir begegnen ihm zum Jahre 878^) im Donaugau. 884 
ebenda '"). 889 ' ') im Xordgau, zum Jahre 890 als ersten von 
den zur Begehung eines Gutes im Quinzuggau bestellten Grafen, 
also wohl wieder in der Eigenschaft als Donaugraf Er begegnet 
überdies in der betreffenden Urkunde mit einem Namensvetter in 



') MG. .SS. XI. S. 13, Z. -24. 

■) MUhlbacher, Ke^. Imp, S. 5S4 a. 

■' MB. XXVUl'', 41. Strnadi, Peuerbaeh. 25. 

*) Mß. XXVni", 37. ZibermaTr. der (in: Mitteil. d. Init. t örterr. G«- 
BcbichlsforBcbuDg. XXVI. 410 f.. Xr. ti). die Tradition cacb beiden FaMungeD sam 
Abdrucke briogt, rem-eist das Objekt der SchenkuDg >£auiitett<, wie ftnclt 
Strnftdt in der Karte zu »Peuerbaeh* nach Ästätt im Norden des Mattieea. aJaa 
in den südlicben Teil ded MataciigaueB. In der Fassung B der Tradition encfaeint 
jct^t Engildeo an letzter Stelle. 

') MG. SS. I. 410, Z. ^4 f.: Englldieo marchensiB BoiTaiiorum, honoriboi 
privatiiR est: in cuius locum Liutboldus, nepos regi»;, aubrogatUB est, 

'■) Ebenda. XI. S, lö. 

1 Archiv. X, 02. Vgl. desselben: Jahrbücher des Fr&nkischen Beichu. 
\± Auri., III, 3S)3rt'. 

') Ebenda. .01. 

^1 Bi.bnier-Mühlbacher, Ktp. Imp. 1537 <149i>i. 

' I Ebcnd;! IGW (l&4J>. Maroldicg^en. nie Fürätemann (Ortinameii. 10ä7) 
da« Mariingen der Urkunde lie^t. liegt alleidinga schon siidüstlich von Luidshat, 
aUo Bildlich außerhalb des Donaogflues. 

'-( Br.bDier-Miihlbachcr. lieg. Inip. 1819 (1770). 



395 



aer SSeugeiireUie. ') In der Zeit kurz vor seiner b^gliiubiglen Amts- 
tltigkeit beg^ncQ wir einem Etigildco als leiztoo uiiut vicrZxagm 
— per aurem attracti — in einer Gut im Traun^au betrofTeDden 
Tradition,^ Vielleicht ist es eise spiitere Eriiinerung an ihn, wenn 
tD oiiiem Diplom Köiue; Konrad I. ilb«r Gut zu Goldarn im Gau 
Viebbacb, «incin Untcrgtm de» Isengaucfi'j. um 916 Mcndt i-t Eni- 
gtldio et Fato als die drei vormaligen Besitzer dreier kSniglicber 
Eamincr^Qtrr g<.mnnnt werdco.*) Baß Kueh in dem Pr<M»koll UIkt 
dip Synode zn Mautcrn aua der Zeit Biicliof Pilgrims von I'aasau 
um 0d5 Mt'giDbart comcs — wubl ein Lambacher — Pato come», 
Kupo, Werinberi. Eogildico. Ei^il usir. als erste Zeugen erscheinen, 
»oll schon lU-i- VolUtitodi^keit Imtbcr nielit ver^rbwlcgen werden.^) 
"S&oh dem Traunpau and di>n wcstlicben tT^-gcndoo der ariboniaoben 
M:trk weist es dann auch, wenn noch im XII. Jahrhundert ein En^il- 
dich als Zen^r in der Selbstiradition der .Mcchlild, die weniffsten» nach 
der Wiedergabe den Munumcnla Uoica mit einer Trudition Huzos im 
Zasamtnecbange steht, in der ein Gottfried und ein Otto von Uana- 
ruek aU erste Zeugen eraeheineu. **) Diese Tradition vird zum 
Jahre 1112 gesetzt, zu 1130 eine nndcre, die ein Xinisterial des 
Jlurkgnilen Engelbert von Kraiburg. natuen» Anufld von Wi-aturu- 
berg, eben aacb an den Altar von Su Stephan zu Passau leitet, 
io der abemiaU ein Engildicb aU Zeuge erscheint. Da« niOge ge- 
nllgen, um das «tldöatliehe Bayern and das Land r>b der Enns and 
Isper als Heiranta- und Geltusgskreis dea Kanien^ Kngildich zu 
erweisen. Wir kehren nun za unserer Hauptfrage zurück. 

§ 160. Selbst. tTfiin die v>irtui gehenden Aosfuhrangen aich als 
uobegrQndct beraosstclIeD s-olltvn, d. b. vtl-iih wir fUr die .Mitte des 
XI. Jahrhunderts nnch keinen Beweis ftlr die Zugehörigkeit der 
Riedmark zum Amtä<rebietedesOsimitrkgrafenhmteo, somllßto 
Rolchcs für diis »patent XI. und diid X 1 1 Jahrhundert. mitbin fOr geraume 
Zeit vor Erteilung des privilu^iuni minus als ffstxtehond betrachtet 
werden. Ein sehr n-erlvolles Beispiel ans der Zeit um 1Ü7Ö bat 
Ra&onöbrl beigabraeht. ^) Danaph soll die Vogtei aber äas Passnuer 

<} Ebtoda. 1944 (1790). 

') MB. XSVIIIf. 34. 

') Risilcr. QMchicbte Baysrat I, 848. 

•j Ult. XXXt*, im. Nr. äT. 

•) MB. XXVIII". 8. 88 ood 207. 

*) ÜB. XXIX--, 2A1, »Btra. 

1) AtCkit. LXXXll, 467. Vcl : tthüadrabtieb dt* Lsade* «b d«i Knas. II, 1 13. 



396 

Gut in Oiterreict >item super predia circa Ybsam et in Machlant« 
dem Markgrafen Leopold II. zustehen, was eben nur auf seinen 
Amtsbezirk gedeutet werden kann. Weiter nach Westen führt uns 
ein von Stmadt angezogener Beleg. Denn im Jahre 1115 befreit 
Markgraf Leopold III.. nachmals der HeiUge genannt, die in der 
Riedmark gelegenen Besitzungen des Klosters St. Florian, nämlich 
Trefling, Steg. Reut, PrJJselsdorf.Willersdorf. Bairing und »Threbeia«, 
«sämtlich in der Pfarre Gallneukirchen, und zwar Willersdorf nnd 
Bairing zunächst dem Haselgraben« gelegen ') — von den ihm zu- 
kommenden Abgaben ^) wobei die Riedmark geradezu als sui regi- 
minis bezeichnet wird. Die betreffende Stelle hat nämlich folgenden 
Wortlaut: cnncta predia, siqua sunt a fidelibus illi ecelesie oblata 
vel adbuc a quoquam fuerint offerenda, a redibitione vel reditu 
mei iuris in Ricdmarcha vel in omnibus locis mci regiminis 
Irans Danubium positis. Daraus ergibt sich zunächst mit aller 
wünschenswerten Sicherheit, daß dem Markgrafen Leopold ebenso 
auf dem gesamten Stiftsgute in Ricdmarcha wie in allen Orten 
seines Amtsbezirkes jenseits der Donau Einkünfte zustanden, 
die nur als Gerechtsamen des Reichsbeamten angesehen werden 
können und die Riedmark als einen Teil vom Amtsbereiche des Ost- 
markgrafen erkennen lassen. Dies wird durch die nachfolgenden 
Worte nur noch deutlicher dargetan, WortC; die nicht etwa besagen 
wollen, es stünde außer auf dem Stiftsgute in der Riedmark auch 
noch in allen jenseits der Donau in seinem Amtsbereiche gelegenen 
St. Florianergute gewisse Giebigkeiten zu. Vielmehr soll es heißen: 
»in der Riedmark und in anderen jenseits der Donau gelegenen locia 
raei regiminis stehen mir. dem Markgrafen, Gerechtsame zu, auf die 
ich nun zum Teil verzichte.*- Kach dieser Urkunde gehurt also die 
Riedmark unzweifelhaft zur Ostmark und dasselbe ist nach einem 
Diplom König Konrad III.") der Fall, der 1142 auf dem Regena- 
burger Tage (bis Mitte Februar)*) dem Kloster Garsten vierhundert 
Mausen »in Silva nostra que vocatur Riedmaik* bis zur Aist hin 

') Slrnadt, (Jebart. 34; jetzt auch: Archiv. XCIV, 91 (Sonderabdruck 12), 
und: llaBenübrl, ebenda. LXXXII, 4ö0. 

'-) Urk an den buch des Landes ob derEmis. U, 119, St. 108. Tgl.: Stmadt, 
Geburl. 34, und: Archiv. XCIV, S. 91. 

'■') Stumpf, UU. 

^) Bernhardi, Konrad III. 2G1 — 261. Auch Meillor ( Babe übergor- Ho- 
geiten. XXIX. Kr. 1) setzt die Garstener Urkunde gleich Id den Beginn des 
Jahres 1142. Vgl.: Ilatenübrl, a. a, 0. 450, ivo noch andere Nachvreise. 



ocbenkt and dazu der Zustimmnng »«iitcs Hulbbrndcrs Heinrich 
bedarf, der hier nocb als Mark^af bezeichnet wird, zu welcher 
Würfle scLon ein Jnbr apilter auf dem Go«larurTagc die bayrispfce 
Htiniogswurde trat ';. Dio Zuetiinmun<,' de* Markgrafen nun kann 
nar wieder luf Zugchr/rigki-it des Gebietes xo »einem Verwaltungs- 
bereiche gedeutet werden. Das ist ofTenbar nucli Slrnadts Auf- 
fassung, ^j Dogcgen Icunti Crätreckuiig der Oi>IiiiArk bis xur Große» 
Mllbl, wie 6X6 lich aus einer St Floriancr Tradition zu dem Jahre 
1108 zu ergeben eehetnt, nach demselben (üewnhntmann nieht aii- 
genonimen werden. Denn die botreffende Notiz sei erst um 1200 
niedergeschrieben, iu welcher Zeit seit 1180 Bayern allerdings üc.hon 
bis an die OroUe Mixhl zarOckgcscboben ist. Bis dabin nOmlich 
•a!u^ui> ad banaricos terminos« soll der an Eppo von "tt'indberg in 
der Pfarre Xiederwaldbofen nach St. Flurian ge*clienkle Wald- 
Btriob gereicht hahen. ') Für unsere Frage 'ut da* gann gleicbgUllig. 
Es g(-nU;;t uns, zu wisscD, diifi sich di« Ottmark nocb lange vor 
-den) Jahre 1156 itueh Über die Riedniark erstreckt habci. Für die 
ipatero Zeit iat besonder« die (xarütener Urkunde von 1174 sebr 
wertvoll,') Wir kommen anf sie iu anderem Zusainmvnbangexurllck. 
Weniger brauchbar fUr iiruercn n.^nhsten Zwrck sind die von 
HMcnührl zufiaintneDgeäteHten Helege fUrZui^tändigkeit derScbranne 
KU Maatern auch für ninchlXtidisefae Angelegen heitc-u. Aber nicht 
in der »Verfügung Aes Uerzügs*, auf welche zweifelsohne ein 
solches Verfahren zurückging, dürfen wir die Unzulänglichkeit 
dieser Belege erblicken, »ondem nur darin, dull die Beispiele in die 
Zeit nnoh ll£tj, vi«Ueicht Mgar 1192 fallen. Immerhin «ind «liceo 
jaebw«i«e so iittcre«^nt. daß sie auch hier eine Beachtung finden 
allen. •Um 1190 erfolgt die Delegierung von Gutem des Klnslers 
Waldhan^en in Botlempnt Linpoldi ducis Aastrie placito apni 
Mutarn« ^) JedeufalU winl man hier nicht von einer Verfügung für 



') Bernhard!, efaead« 913. Pnraua vrgibt aich uniticitig «in gcwiM«! Kc&t- 
ibeiukrituiam der Oant«BM l'rkundc, da dIo kuri« niaikeriOicbo CtH von einem 
«lier leiclil bHtte ilbenehea n-vtilcn büDaen. DU »af i«in ctalo Kvgientiig»- 
Jitir w» Heliirtcb (Jawailrgolti immer Herzog and oeanl lidi nocb h> zatnx In 
bajrcrn, dann in <'>sietrficli. Vgl. oben, { TT (f. 

*) GetiKi. 34; imd jettt ia: Archiv XCIV, S. 100 

*i Stmadt, Gel>uri. 3Zt. 

■) EbMtda. 84. Weitem bet: Uate&Oiirl. «. a. O. UO. 

'•j llnaenahrL ■. a O. 467| nacli Urkandeobncb it* LandM ob der 
Edw il. 421. 



398 

den besonderen Fall sprechen können, wenigstens gewinnt man aus 
4er gesamten Darstellung nicht den Eindruck einer solchen. Es handelt 
sich meist nicht nur um >eine das Machland betreffende Angelegen- 
heit^, wie Uhlirz meint. ') Denn 18 bis 20 Jahre später, »1209 wird 
dem Kloster ßanmgartenberg die Freiheit von jeder anderen als 
der landesfurstlichen Vogtei in placito nostro Mutarn bestätigt«.^) 
Die Urkunde ist von Leopold VI. ausgestellt und gestattet jeden- 
falls den Schlull, daß es Überhaupt üblich war, die den Westen be- 
treffenden Angelegenheiten in Mautern zu verhandeln. Das scheint 
sich auch aus der Urkunde von 1253 zu ergeben, wonach der 
Herzog von Osterreich in Angelegenheiten passauischer Lehen nach 
altem Herkommen zu Mautern Gericht halten soll.^) Wenn aber 
Hasenohrl meint, auch das dritte von ihm beigebrachte Beispiel 
beweise Zugehörigkeit des Machlandes, beziehungsweise der Ried- 
mark zur Ostmark, dann ist er ira Irrtum. Der Streit zwischen 
Probst Herrand von Waldhauseu und Ulrich von Saxen wird 
allerdings von Herzog Leopold entschieden. Von welchem anderen 
Landesherrn hätte er denn erledigt werden sollen? Allein das 
»Actum in augea Renninge* *), das Hasenöhrl allerdings unter- 
drückt, entzieht seiner Beweisführung den Boden. Hier kann man 
nicht mehr sagen, >daU die Babenberger über das Machland die 
Jurisdiktion auf der alten Geriehtsstntte der Ostmark ausübten«. 
Wo immer wir die augea Renninge suchen sollen — wahrscheinlich 
ist eines der oberösterreichischen Raming gemeint — Mautem ist 
es eben nicht. 

§ 181, Kann sonach an der Anadehuung altüsterreichischen 
Gebietes auch über Machland und Riedmark, an Erstreckung des 
alt-babenbergisehen Amtsbereiches bis an die Rodel oder doch an 
den Haselgraben nicht gut gezweifelt werden, so entfällt wohl 
auch die Mügliehkeit, eine von den beiden Fahnen des Lehens- 
rituals von 115G auf diesen westlichen Teil der Ostmark zu be- 
ziehen. Das würde selbst dann gelten, wenn es Uhlirz beige- 
kommen und gelungen wäre, als dritte Grafschaft nördlich der 
Donau etwa VVachscnberg zu reklamieren. Es war dies eben so 

') Jahrbuch des neutschen Reiches unter Otto II. und III. 2D6. Aom. 8. 
-) Hasenührl. a. a. O. 

■■) Sir. 38'', 3V5, Nr. III. Vgl.: Hasenöhrl. österreichisches Landesrecht. 
165, Anrn. H, 

') Urkundenbach des Landes ob der Enns. II, 6G6. 



wunig statthaft, ytie Trenn wir alluafsIlK die ite» comitatus in riai^en 
innermärkiocheii gritflicben Itumanltaten hatten amfißdig maclien 
wollen, wozu e» jin ollichen AniJUJwn nicht gefehlt hat, uder 
wi« es uiiatattbaft war, die eine Fahne auf Grafen bcrucJitigung zu 
betiehen. Weder der Grafenberecbtjgung, nach dun binocn- 
larkischen laimUDitateti, Docb endlich den westlich der 
[»per gL'U-gcucti T«il«ii d«« houtigon OherOüter reich, 
dc^r damaligen Üattnark, wohnt der Charokicr einer be- 
sonderen Reicbsprovinz, einvs mit Fahnen lehnbaren 
Reich sftir»tentQ)ncs. eines Reichs fnUnleheus ione. Zwar 
kann uan von d«ni Lnnde westlich der bpcr auch nicht m<!hr 
ifiigvn uU Otto Ton Freising von den trea ootnitalus sa^. dnß 
es nSinlioh von Alters zur Mark <;ehi}rt habe, worauf Uhtir^ 

(^gewili hinweisen küiiiite. Aber mdit» dentct auf eine Stellung 
liesea Gcbiclt!^ nU uJDer HeichspniTinz. Wenn es iniicrlmlh des 
Herzogtumos (!)berl<>tbrinf(ea etoe Grafschaft RemiremoDt gab. 
und im nli<>rlfithringi«ehen LeheoKzcremoniell je eine Pahne so 
fUr den cr-miiatuB Kotomajtensie wie für den ducatu« Lötharin{.'iae. 
80 ist das verstilndlicb. Oenn auch im Titel wird jener Heinrich 
^wnhI llcTZQg von Lothringen, wie Graf von Kemiremont 

■genannt, ') l>ic«t.-e war sein Stammgut, suin hvsundere» Geichsleben. 
Und ebtmsQ verslftndlich ist es, wenn bie und da unser lister* 
reichiftoher lleioTieb dns Bawarie et niarehio Atutrie genannt wird. 

[Auch in diesem Falle war Österreich da» Slaoimland üeiuriclis. 

Fdoa ihm scl\)»t dann geblichen ist. ais er nayern •:r»ßenti.-ila 
wiodcr zurückstellen maßte- Er wUrde damals mit Rocht and wird 
wohl auch mi( v.woi Fahnen bei Hofi- cntchicnen K-iri. mit dfr von 
Bayern und mit der vou Österreich. Nichts aber deutet dnranf, daß 
jenem Endehcn Land zwischen Sarininir und Ilnselgraben sutcb eine 
Bedeutung innegcwuhat habe, wie der (irafacbaft Remircmout gegen- 
über Oberlothringen. der O-Mmark gegenüber Bajcm. Und daran 
-vermag auch die Tatsache nichts zo ändern, dali vor lläÖ diese:« 
Leheasobjckt noch bayrifiche^ Lehen gewesen »ein maß. ehe es Keiclis- 
leheii wnrrte: da* alle« gilt von i"tslern:ich selbst auch. Und »o wenig 

^nian dem L-lndchcn zwischen Linz und Pcraeobcug den Charakter 
einer provincia zusprechen kann, an gcwifl aueb nicht jenen 
maneherlel binnenmllrkiaehen grltfliehen ImraunitAtCD. aus denen 



>) Ob«o. i UQff,, iMMBdcn 113. 



400 

man etwa drei Gruppen bilden, drei Grafschaften konstruieren 
könnte. Man konnte zwar darauf hinweisen, daU sich für einige 
solche Gebiete in Österreich die Bezeichnung provincia findet. So 
haben wir znm Jahre 1256 einen rector provincie Bemekcensis in 
der Person Smilos von Braunau za verzeichnen '), dessen böhmischer 
Name Theodor Mayer auf den Gedanken verfallen läßt'^), provincia 
sei eine böhmische Bezeichnungs weise; schon im Jahre 1227 sei 
Petrus rector provincie Betovensis, d. i. Vettau.^) Allein darin irrt 
Mayer wohl sehr. Schon jene Notiz über die Landessynode zu 
Lorch und Mautcrn aus der Zeit Bischof Pilgrims von Passaa be- 
zeichnet die Ostmark als provincia inter Anasum fluvium et coma- 
genum montem. *) Wir haben es mithin durchaus mit einer allge- 
meinen Bezeichnung für Land oder Gebiet zu tun. Entsprechender 
wäre gewesen, wenn Mayer die provincia Bernekcensia mit der 
comitia Bemeck zusammengehalten hätte, von der nach der Urkunde 
Herzog Friedrich II. für Geras-Berneck die Ritter und Klienten des 
Ulrich von Berneck gewisse Güter zu Lehen hatten *); denn es ist 
ohne Zweifel die nächstliegende Annahme, dail sich comitia und 
provincia wenigstens in diesem Falle vollkommen decken. Und 
dieser Fall ist ganz und gar nicht vereinzelt. Um in der Nähe zu 
bleiben, ist die comitia Litschowensia ^), in welche die >Bärenhaat« 
die Örtlichkeit Zwetlarn iusta Waidhoven verlegt, ohne Zweifel zu- 
sammenzuhalten mit einer provincia gleichen Namens, denn von 
den duabus viltis in terminis Austrie constitutis circa partes pro- 
vincie Ragtz et Litschowe castrorum scilicit Munehrfit et ad 
Gerstenses, denen König Ottokar 1274 die freie Vogtwahl zuerkennt^, 
ist die eine mit Zwetlarn identisch. Im oberöster reichischen Muhl- 
viertel wird wieder bald nach der Mitte des XIII. Jahrhunderts 
von comitia vel districtu ecclesie Pataviensis gesprochen % während 
für das Boigreicb, d. i. den Homer Boden, die Verbindung >di8tric- 



1) Archiv. II, 33, Nr. 12. 
') A. a. O. Anm. 8. 

') Bocsek, Cod. diplom. Morav, II, 148. 

') MU. Ü8N 88 und 207. Vgl. dasselbe Zilat obon, lu g l49, SchlnO. 
^) Archiv, a, a. 0. XVI, Ni. ö. Meiller, BabeDberger-RegeBten. 171, 
■Sx. 100. 

') Fontes renitn auitriacarum. -Ill, 516. 

'} UikuDcIenbDch des Landes ob der Enns. III, 405, Nr. 442. 

>) ätrnadt, a. a. 0. 208 (SoDderabdruck. 126), Anm. 3. 



401 



tu« Pcuehreich« fast zur Regel geworden'), Übrigens ftuoh fUr 
Weitra beU;*! i«t In di^triotu Witriensi lAßt Abt Ebro die Villa 
Otien gelegen »ein ^) Doch ju;ebi)rt aucb dieses »dislricius« hiebur, 
vrcjxa auch Dicbt mit prorincia oder comitia zusauuncugcbracbt. 
Wir haboT» bereit«*) geseben, wie dtotrictus zunächst die Bedeutung 

rvou b&nnum büknm, am dAiin gnnz in den ävA Bannkr«ig«s tlltcr- 
ig«heii. In dieHuni Sinne spricbt maii 1075 vom WirkuDgäkmse 
des 09tn)ark<rrafen als von sni marcbionatas districtu; und wenn 
eioninl in fiocr Oloinker Urkunde üerzopä Friecb-icb IL von 
L2H3 von districtu uobilis dicti de Votcbcustorf ',) die Kcdc ist, &o 
erbellt, d&Ii auch dieses Wort schlteUlieh gua in den Hej^iff >Land- 
goricbi« nber^e^angen ist. Douh spricbt man auch von dorn districtos 
einer Bur° und meint den Burgfrieden. *> ProTiiicia und cotnilia tindcn 
wir noch ftli- dos Macbland uuch cret gv^eu Eodf des XTII. Jnbr- 
Iiuuderta*^) and endlicb prc>\-incia allein für ein Gericht im Ti-aun- 
l&Ki «um Jnhre 1217^). der »ndorscils nieder im Jabre 1249 zn- 
lammen mit dem Bonautal ats districtu» erscbeint. *) Zieht man 
DtiD Bocb die vereinigten obersburg-peilsteiniKcbcn Grafschaften 
heran, von denen kilrzlicb die Rede war, so hat man alles, was 

'^dicafalb in Betracht knmmeii künnle. Aliein die Frage üt nun die: 
Künueu aucb die bisher ala Kriterien für da« zweite kaiserticbc 
Falinlehen crmillelten litomvnte auf diese Grafschaften und Pro- 
vinzen zur An^endun^ kommen? Will man schon provincia im 
allgeuieinsteu .Siime, ohii«; Rüeksiebt auf ßitng und Umfang im all- 

tg!cmeitisten Sinne als gclicbonon G«riebtsb«£irk fassen — sowohl fOr 
das niedere Landgpricht ") wie (tir äas Ilentogturo. als dessen oberster 
Kichter auch der Herzog als iudex provincioliä '") bezeichnet wird 
— and wenn mau in wörtlicher Übcrsctiung der Stt'Uo bei Otto 



*) Fönte* niarD niiitriiKatuoi. Dljil. Ut. £11 (Zw«nl>. 

*) VUlBm in Olltii in diatriciu Wittiaoti (Fonta* r«riim kluilriMarum. 
Dipl. ni. 93). 

1) i 3.j Johrbueli 1{K)I. S. 11. Acin. 

*) Kui«, B«iuilg<. 111, 34:4, Aiiung; r«Ut In oberUrtfmicliitcbeD Dr< 
Jcan^Mibncb. 

^) Volulini. Ardiir. ICIV. B. 3l. 

^ Vgl. obM, i 171; und: HsaeofthTl. ArcUr. IJUiXll, 8 169. 

*! UaiesSbrl. OiurrsicfaiMliM Laudcwtckt. 16(i. 

■) Vgl. ob«». 5 170. 

^ Tgl.: Voltolinl, a. a. Ü. 8. 5, Aatu. S; 6.6. Aatu. 3, 

>^ VgL 4)Mn, $ S^ Jabrboah 1903. S. öS. 
Jttftaek « T. t UatttknaAr. IK» ■. lt)«9. S6 



402 

sogar mehrere Provinzen durch nur eine Fahne — proTincias per 
Texillnm — verliehen werden ließe: wo aber sind die tres comitatns, 
wo ist die bayrische Lehenschaft der im Innern der Ostmark 
belegenen gräflichen Immanit&teu: wie vor allem laßt sich nach- 
weisen, daß diese als provinciae oder comitiae bezeichneten 
Gebiete im XU. Jahrhnnderte den Bang von Grafschaften hatten? 
Daß auf österreichischem Boden die Bezeichnung Grafschaft mit 
Landgericht geradezu alterniert, ist oben gezeigt worden '), aber als 
Fahnlehen vom Reiche dUrfen wir sie gewiß nicht ansehen. Die 
einzige Grafschaft in Bzgaa, die schon die Wittelsbacher ab 
Fahnlehea vom Reiche geführt haben sollen, behielt selbst nach 
ihrem Übergange an Passaa diesen Charakter bei. Aber sie liegt 
eben außerhalb der Mark. Daß sie mit za den sieben Fahnlehen 
gehört habe, die 1156 durch ihre Insignien vertreten, von Heinrich 
von Osterreich an den Kaiser, von diesem an Heinrich den Löwen 
übergegangen sind, glaabe ich nicht. Es wird der Zeremonie, die 
1217 vorgenommen wurde, jedeafalls erst Abtrennung des Ilzgauee 
vom bayrischen Herzogtum vorangegangen sein, was dann selbst- 
verstandlicb Entfaltung eines eigenen Banners fUr diese Comitia 
zur Folge haben mußte. Höchst wahrscheinlich haben auch die sieben 
Fahnen von 1156 ähnlichen Ursprung. Daß aber die in Österreich 
begegnende Grafschaften im XII. und XHL Jahrhundert reichs- 
lehenbar gewesen seien, ist nicht bekannt. 

1) Die bayrischen Lehen. 

§ 182. Lassen sich die tres comitatns in keiner Weise als noch 
zu Recht bestehende oder auch nur als einstmals nach Wieder- 
errichtung der Mark bestandene Gerichtsbezirke mit Grafenberechti- 
gnng, in Grafschaftsrang also, weder in der gesamten Ostmark, 
noch in deren westlichsten Ausläufern, dem Machlande und der 
ßiedmark, konstatieren, so kann immer noch die Frage entstehen, 
üb nicht diese tres comitatus vielleicht ganz außerhalb der 
Mark gelegen sind, wenn es auch nach Dopsch bisher nicht hat 
gelingen wollen, sie in Oberösterreich nachzuweisen. Darin wird 
man ihm auch beipflichten mUssen, nur in den Folgerungen nicht 
mehr. leb will hier nicht wieder darauf zurückkommen, wie Stroadt, 



') Vgl. Qnch jeUti Voltelini, ArebW. XCIV, 8. 4, Anm. 1. 



^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^ 403 

wie Uasenohrl, wie eadlicli Dopsch selbst oich flber tlie Schwierig;- 
keit liioauszali<.-lfL-Q (^ucbt habi-ii, ttoIcIiu Idcntitizturong der «Drei 
Urftracbafteii ■ mit drei Landgerichten der Ostmark, die. in welcher 
Form iminor lie erfolgen mg, duoh jedesrnnl zwei Fahnen ftlr 
das^lbe Territorium erfordert, — ich will nur sageD. daü 
sio alle mit der Altvmativo, djo sie stellen, recht faabea mllsflen, 
wenn, — ja wenn uns die Worte eines Otto von Frelaing wirklidi 
keinen anderen Ausweg- Uäüt^n, als mit der einen Fahnu die Murk, 
bezieh« DgswGiso den Dukat Österreich, mit der anderen aber die 
drei Cirafsehaften zu HymboltHiereti. Kü ist aber »chon wietlerholt im 
Lanfe der Erürterncg bezweifelt worden, datt die Stelle in den 
^catis Friederici Iinju-rnti^rts n-Irklich xu solcher Annnhuio zwin^^t 
iAlloia M hat anch xu^gt'bt^'n werden nitlHscn, AnÜ dem KuUcren 
lAnscbt-iDa nach, diese Annabme die nJlchstlie^(>nda itt, und erst 
durch Heransuehung jener nndcren Stelle in drmüclben Werk« Ottois, 
welche das Banner für prorinciae vindiziert, konnten wir uns toq 
der bisbvrif^nZuisaniinenlef^aDg von tre# cumitatu« und Fabnenlanzc 
frei machen. Bleiben wir jedoch bei der alten Auslegung: und aefaen 
i wir, ob die tres comitatusauUerbalb derWark zu landen sind. Auch 
niier «toßcn wir «chon anf Ansatz« 2U «iner L<'>flung. Und nncb diese 
danken wir Dopsch. Habe ich mich in den voraufgehenden üntei^ 
tauchangun Tuet nnauflilJrlicIi zu den Darlcf^iingt'n de;« Herrn Pro- 
'fesaors Düpseh int GegeDsalKe befunden, in eintun Funkle muß 
ich ihm doch vollkommen bcipSichten. Wenn er sagt'}, man 
jjVtlTde fUr die drei Komitate des Otto von Freising, wenn 
damit drei IVrrltorica gemeint »ind, je eine, al»o drei Fahnen 
erwarten, so stimmt das vollkommen zu dem, was wir in froheren 
Paragraphen ') aus den verschiedenen Xachrichtcn Über Belehnungeo 
entnommen haben. Je eine Fahne ftlr Je ein Territorinoi; daä haben 
.wir durvligv fuhrt gefunden xvil den frtlhoHtca Zeiten, sobald man 
raberbaupt innerhalb der einem FUrMcn zugeteilten Lehen Unter- 
schiede zu machen begoonoo bat. Und auch wir haben boi dem 
Versuehe, nns die Bedeutung der sieben bayrl»chen Fahnen von 
llölj 2u vergegenwärtigen, die hcutv Lö»ung darin gefunden, datt 
wir für die mit Bayern vereinigten, aber anter besonderer Verwal- 
tung stehenden Marken je ein Banner angenommen haben, waa mit 

') MilttilUDfM ika loitiluiM nir MteirrichiielM (^«fchicbufonclning. 
XVII, 3. W9. »gl. «b«n. § 65. SthJuO. 

^_ SS* 



wm 



404 

der alten bayrischen Herzogsfahne bereits funf Banner gab. Ähn- 
lieh verhielt es sich mit den fünf böhmiBchen Fahnen in ihrer 
späteren Bedeutung. Daraus müßten auch wir folgern, daß, wenn 
von den zwei abgesonderten Fahnen die eine auf die Slark bezogen 
wird, dann die andere notwendigerweise nnr einer Grrafschaft gelten 
könnte, vorausgesetzt, daß hier die Grafschaft zur Geltnng kam. 
Freilich, eine Beichsprovinz mochte immer aus mehreren Graf* 
Schäften bestehen. Allein in unserem Falle sind doch die Reichs- 
provinzen aas bayrischen Provinzen hervorgegangen und es ist 
nicht anzunehmen, daß der Herzog von Bayern mehrere, also in 
diesem Falle drei bayrische Grafschaften zusammen, mit nur einer 
Fahne geliehen haben wird. Er mußte je eine Grafschaft mit je einer 
Fahne leihen. Wohl wäre denkbar, daß sogar bayrischerseits eine 
provincia verliehen wurde, die etwa aus einer Grafschaft und za- 
gehörigen Herrschaften bestünde. Aber das wären eben nicht drei 
Grafschaften. Man sieht, die Überzeugung, zu der Dopsch gelangt 
ist muß als eine sehr tiefgreifende in der tres comitatus-Frage er- 
achtet werden. Sie spricht lebhaft dagegen, daß die zweite Fahne 
mit den comitatus quos tres dicant identifiziert werde, allerdings 
auch gegen die drei Grafschaften, aus denen sich die Ostmark zu- 
sammengesetzt haben soll. 

g 183. Am ehesten läßt sich die zweite Fahne auf jene bay- 
rischen Lehen anwenden, welche außer der Ostmark im Minna zur 
Sprache kommen. Auch diesen ist man nunmehr, wie schon erwflhnt, 
etwas Düber getreten 'j und Stmadt hat sich sogar in letzter Zeit 
ganz ausgiebig mit einem Teile derselben beschäftigt. ^) Gerade diese 
Untersuchung hatte das merkwürdige Ergebnis, daß die An- 
sprüche, die König Ottokar vom Jahre 12Ö7 bis 1273 gegen 
Heinrich von Xiederbayem verfocht, und die sich auf D^gen- 
dorf und Bogen richteten, wenigstens was die erstgenannte 
Besitzung betraf, bis auf babenbergische Zeit zurückgehen. Ohne 
Zweifel ist Deggendorf als ein Rest der einst babenbei^schen 
Grafschaft im Donaugau anzusehen. Wenn dies auch von der Graf- 
schaft Bogeu gelten sollte — »die Bogener sind in dieser Grafschaft 
Nachfolger des Babenbergers Adalbert, der noch 1020 als Graf im 



>} Vgl. oben, g 63. leteter Absatz, Jahrbuch, III (1904), S. 62, Tind g 69; 
ebenda, S. 74. 

-) Archiv. XCIV, S. 101 ff. {Sonderabdruck 19 ff.) 



405 



DoiuHigfaii crBchoinl» ') — ilann iv»ro viclloiebt joii« bekannte, von 
Strnadt nachgewiesene InteqMiUlion in <Ler Chronik de» Cliunrat 
de WizEenberüfe ^ nicht to g»nz ntu der Lafl gcgriffcD. wlirdo nicht 
tbloU al* eine um die Zeit des Kriodeassclilossea Kwischun BUhmt-n 
limd Bayern 1273 bclk-btc Begründung fUr die Ansprüche Uerzo^ 
' KSni^ Ottokara JI. anzusehen sein, sondern aln eine in eiDf;(!weihl«u 
Kreiden nicht unbekannte Tatsache, die sich der Mehrxahl der Anoa- 
lislea allerdintfs ;iilnzliph entzog. Was aber jr^schali dann im Frieden 
ron 1273? UlUlkar verzichtet *anf die ßrafsrhnftun Bogen und 
Deggendorf, sowie auf die Burgen Schordiag, Floß und Parkstein 
(alles DiDg<\ dio er nie bi^se««ca, nur auf nichtige Grtlnd« hia he- 
aiupracht hattet *), wähnmd der Herzog dem USbmenkSnige Hger, 
Grüfemtein, Ehrenabrnnn. SehUttenhofen und die Burg Ried Qber- 
ÜeB.«'*) Man sieht, wie Ottokur ferne gelegenes Out preisgibt, um 
LVeine Monatcbie zu arrondieren. Aiiitcri«L^it< wird es Bayern nic^ht 
iwillkommen gewesen sein, tremde KnkUvca los zu werden. 
Sollten da nicht auch die ßahenb^rger, seitdem ihre im Herzogtume 
Bayern beßndlichen Besiusungea aus bayriscben zu Retchslehen 
geworden waren, diceolbeu buuQtzt liubco, um bei guter Gelegen- 
heit onher golegipnt» zu geninuoo. Und eollton etwa jene zwei 
Gräften Bügen und Deggendorf mit za den tre» comitatuit gebOren, 
Ton dcnon Ötio von I-'reisinfir spricht, Ks befremdet zwar, dali 
«ie mit einer dritten nur mit einem Banner soIUl-u zu Lehen ge- 
gangen sein. Aber noch mehr eoU uns verlangen, welches denn 
die dritte Grafacbafi j^wesen sei. Die Ostmark natUrlteb nicht, 
die hatte ihre eigene Fahne. Es maU ein anderes, voa Bayern ah> 
getrennte» und abtrennbaies (jSebiet aein. 

1) KitiUr. G«Kl>ichlit ItAjotn*. 1, 871. Vit.; DlrnKilt, a. a. O. lOfi 
(BoadermtidrKGl: 201. 

■) Strsadt, G«knrt. 7i IT. 

*) 6o Kiedvi; dwb du« ttt nidit caat rlcblij;. WetiiitttcD« «tu ^cli3rdiDg 
ulaDgl, niBun wir aui d«a AocUuiun Cr«iBi(aB«iiM (MG. iiS. IX. ä5t, Z. Wt). 
dall U«rio( L«v)>olil VI, mit U*iMhaai|[UBC Uenog Ladwlg« von Baytni läOS 
«.'Attriim Schkerdini^n .con&Iru.iit«. Wmn tu 1273 an B«]r»rii tiirvckkAtn, h 
wm«]« ci doch kMb 1310 wiedttT «oa Ilcraog Frivdrkl) dom ScliitnsD bglagMl, 
ki«rnb«i ihm Eniliiiiclinl Kiiond IV. roit S4litiurg lu HUr« kam; Im gaaion «ruftn 
1000 Mann »nfgobcncUt woidsa; MO. &ä. IS. 604, Z. tot. tCoatla. ZwciU, U[)i 
735. Z. Vi (Coiilin. Sflsctiio«DM*, 111}; 7&4, Z, 3 (Auctariom Albwti pltbani d« 
WaldkirclMD) : t2(>, Z. 37 0, (Coaiin, Caiionic. Sli Snporti g«1Ubatg.); G£&, Z. 4 
<&Bnal«t Uaiacen»«). Au«h In den Jahren 1367. 1363 f„ 1369 ipicit m «bo UMa 

') Bivitar, L ». O. U, IM. HCboatr, Wiuelib«cli»T R«gM(en. S. 81 



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An ein itoleiiea roin baTriacIien Herzogtums losgetrennt«* 
Gebiet, das Dnomobr darcli eine Fahne nh besonderes ba\TiM^lies 
LdicQ au Osterreicb und in der Folge ab solches Rcicbidelicn er- 
scheinen sollte. mOssen wir dann logiscbexweise aacl) b«i der Be- 
lebsun)^ von llöti denken. Nebmen wir &Uo an, daß annh die 
zvoite Fahne von Bay<>rn losgetrenntes Gebiet symboÜ- 
HierL Waa dorcb diese Fahne dargestellt wurde, iat insofern sehr 
klar, als es nach nascren gcgcnwartigt-n FestfitRllangcn nur aafter- 
hulb der obnebiu selbst wieder durch eine Faline »ynibt^lisierten 
ÜitmurL gelegen »ein muß. Nor wormus steh diese« LcLf-ngut ku- 
sammen setzt, kimnte fraglieh erscheinen. Teilweiee sind abtT gerade 
jene Forscher, welche bi.'üier die eine Fahne auf drei zur Ostmark 
verdnigie Grafschaften zu beziehen geneigt waren, gleicbaatn zum li^r- 
satz dafür, daß äv uns io Jener Richtung fesll^^n wollten, eifrigst 
darauf bedacht gewesen, die »bcneiicia qtic qocndam marchio Litt- 
poldna hahebal a ducatn Bawarie* festzustellen. Mia jetzt bat nmn ziem- 
lich viele solche Leben in der einstmals babenbergischcn Grafschaft im 
Dünaugau xnsunmciigebraeht und es liegt jedenfatLt keine Schwierig- 
keit vor, diG«o Leben aU vunnals bayrische irgend eines Mark- 
grafen Leopold und nachmals Keichalehen aafznfassen. Oh aber 
diefißiD Gute eolbst in seiner Gesamtheit die Bezeichnung einer 
provincia zukam, ist eine andere Frage, ton der wieder die wettere 
Frage abhängt, ob man denu vdrklicb dieses österreichische Streu- 
got in Bavem — wenn man ao sagen darf — mit einer Fahne 
verlehnt hat. Andent, wenn sieh unter diesen Lehen ein grullerer 
Kuiuplox befunden haben sollte, der ab KeicbsfUrsteutum gelten 
konnte, ala dessen ZugebDr dann immerhin jener Strcuhc-silz von 
Leben aafgefai\t worden konnte. Das wäre eine Möglichkeit, die 
oben »itierlen Worte des Mintm über die baYrisoheii Lehen de» «joon- 
dam marchio Liupoldus mit den beiden Stalten in Oito von Frei- 
sing in ßinkloiig zu hrtDgon; diese zwei ätollcn aind nnmlich die 
zum Jahre IIÖG gehüiige Slitt'^ilung von den zwei, beziehungsweise 
von der zweiten Fahne etnorsi;ils, und die andere Üb