(navigation image)
Home American Libraries | Canadian Libraries | Universal Library | Community Texts | Project Gutenberg | Children's Library | Biodiversity Heritage Library | Additional Collections
Search: Advanced Search
Anonymous User (login or join us)
Upload
See other formats

Full text of "Jahresbericht"



XL Jahresbericht 



.l.T 



©f f apaisefleU: ^ese. 



Bern 



r^9 / 



1891-1892 ^ 



Redigiert von C. H. Mann 




Bern 

Hallcr'sclic l>iiclulnickcrei 
F. Hallpi-Bioii 

IH'.tH 



613185 



Inhalts -Verzeichnis. 



Auszüge aus den FrofoloUen: 

I. Angelegenheiten des Verbandes 
II. Angelegenheiten der Gesellschaft 
lUipport de gcstion pour Vannee 1891^. 
Geschäftsbericht für das Jahr 181)1 
Kapport de gestion pour Tannee 1S'J2 
Gescliüftsbericht für das Jahr 18!)2 
Bericht über den V. internationalen Komjress der 



qeoqr 



Wissenschaften su Bern vom 10. — 14. August 1S91 . 

Vorträge und Mitteilungen: 

I. Penck, Alb., Etablissement et publication dune carle de l;i 

teri-e au 1 : 1,000,000 

II. Eötlilisberger, E., Ein Sti-eifzug in die Llanos von San Martin 

III. Mann, C. H., Massaua ....... 

IV. Mann, C. H., Verkeiirswege und Verkeiirsmittel in .\nii<a . 
Y. 3Iann, C. H., Rundschau über eingelaufene Gesciienke im 

.Tahre 1891 

VI. Mann, C. H., Sklavereiverbältnisse in Afrika 
VII. Häfliger, J. F., Der Bürgerkrieg in Chile .... 

VIII. Graf, J. H., Beiträge zur Topographie und Geographie tier 
Schweiz ......... 

IX. lii/ff. F., Las Dependances tlu Senegal .... 

X. Barth, E., Land und Leute in Dalionn^y .... 

.XI. Gohat, A., La Smithsonian Institution et ([uelques-unes de 
ses pul)lications ....... 

XII. TeUez, H., Erlorsehung der Höhion von Vt-sal . 

XIII. StecJi, Th., Die Wasserniassen des Thuner- u. Bricnzor-Sees 

XIV. Steck, Th., Die Denudation im Kandergebiet 

XV. Brüclner, Ed., Ueber die angebliche Aenderung der Ent- 
lornimg zwischen Jura und Alpen .... 
XVI. Zcller, H. JB., Die Schneegrenze ini Triftgebict . 
XVII. (fat-^chet, A. S.. Simn' niythic sforics of the yuelii imhans . 



Seito 

I 
III 

XXXIV 

XXXVII 

XL 

XLIII 

XLVI 



7!» 

* 

84 

95 

102 

115 
132 
149 

165 
174 
177 
1d1 

1S9 
19S 
22t; 



will. Sttuler. T/i.. \.\\u-v diu wissiMiscIinrtlicIieii S;iiiniiliiii^:i'ii ji 

l-ii l'latii 

XIX. MctlifesAcl, A., Nolizi'ii lilicr ili(> erste arcliiidhiiiisclic Ivxpc. 

(lititin in tit'r Proviii/. Catainaria 
\X. Grof, J. H., Dio Karte von GyKL'i- uml llnllcr ans ilcn 

.laliiv lG-20 . . . " . 

\\I. Giiillaume, Uno t.'xcursioi) cii Finlaude 
WII. Brücloier, Ed., Bericlit ülier das Projekt i-iinT llrdkaite in 

Massstall von 1 : l,OÜ0,00ü 

Will. Mann, C. H., Mitteilungen über den Ribliotiiekbestand 

\ \I V. Vtn'zoichnis d. etiniographisclien Gegenstände aus Daiiomey etc 

Geschenk des Herrn E. Barth. 
X N V. Mitjzlit^di'rv'^rzeicliiiis tlcv Geogr. Gesellselioft von Heni 



Spito 

234 

250 
205 

21)0 
:-}00 

;>()() 

3G3 



Auszüge aus den Protokollen. 

I. 

Angelegenheiten des Verbandes. 



Vortrüge. Das Komitee der Berner Geograpliisclien Gesnllschaft 
hat sich mit einer Reihe von hervorragenden Forschern in Ver- 
bindung gesetzt, um dieselben zu veranlassen, in den verschiedenen 
geographischen Gesellschaften der Schweiz zu sprechen. Der Afrika- 
reisende Borelli und der Guineareisende Coudreau haben sich in 
liebenswürdiger Weise zu Vorträgen bereit erklärt; leider verhinderten 
äussere Umstände deren Abhaltung. Dagegen hat Herr C. W. Rosset 
im Mai 1801 eine Reihe von Vorträgen über Indo-China gehalten. 

ÄfriJca- Fonds. Die Herren Carrard & Cie. in Lausanne haben 
den unter diesem Titel verwalteten Fonds Anfang 1891 mit Fr. 3864 
abgeliefert; derselbe ist bei der Hypothekarkasse des Kantons Bern 
zinstragend angelegt und zwar auf den Namen der Geographischen 
Gesellschaft in Bern, aber mit Beifügung der Bezeichnung: Afrika- 
Fonäs. Entsprechend den beigesetzten Bedingungen soll derselbe 
nur zu einem der ursprünglichen Bestimmung verwandten Zwecke 
Verwendung linden. 



* Das Komitee der Gesellsclial't liat auf Antrag der Redaktionskommission 
liesclil(jssen, den Inhalt der Protokolle der Komiteesitzungen nur insoweit zu 
veröffentlichen, als er die Angelegenheiten des Verbands berührt. Auch die 
Protokolle der Plenarsitzungen sind nur gekürzt mitgeteilt Avorden. Abgesehen 
von den wesentlichen geschäftlichen Mitteilungen dienen sie hauptsächlich zur 
Wiedergabe von Vorträgen, die im Manuskript niciit beigebracht und daiier 
nicht in extenso aufgenommen werden konnten. BezügUch dieser Vorträge betont 
der Herausgeber ausdrücklicii, um allen Missverständnissen vorzubeugen, dass 
er sicli nicht ausschliesslich an die eigenen Notizen gehalten, sondern gerne 
diejenigen anderer Mitglieder, wie der Herren Redaktor Hager, Dr. Tliiessing 
und Redaktor Burren verwertet hat. 

XI. Jahresberi.ht d. Geogr. Ges. v. Bern. l«!"1-lH(y. I 



— II — 

Vcrhandstag. Uebungsj^eniftss sollte der Verbandstag der schweize- 
rischen geoi,'raphischen Gesellschaften am Sitz des Vororts, diesmal 
also in Iknn, im Lanl" des .lahres is'.cj stattfinden. Die mittel- 
schweizerische geographisch-commercielle Gesellschaft in Aarau regte 
jedoch angesichts des Umstandes, dass Bern im Jahre lSi)l den inter- 
nationalen Kongress gehabt hatte, eine Verschiel)ung des Verbands- 
tages auf 18!);} an. Die andern Gesellschaften des Verbandes stimmten 
dem zu. Gleichzeitig wurde die Amtsdauer Derns als Vorort um 
ein Jahr verlängert. 

Colunibusfcier. Die ostschweizerisch-geogr.-comraercielle Gesell- 
sehaft in St. Gallen regte eine vom Verband der schweizerischen geogra- 
phischen Gesellschaften anzuordnende Columbusfeier an. Es wurde 
hiefür der 20. Oktober in Aussicht genommen. Von diesem Beschluss 
wurde den Gesellschaften des Verbandes Kenntnis gegeben mit dem 
Beifügen, dass den Gesellschaften eine den lokalen Verhältnissen 
angemessene Organisation der Feier anheimgestellt bleibt. 

Lamleshibliofhel: Die ostschweizerisch-geographisch-commercielle 
Gesellschaft regte im Dezember ls!)2 an, es möge der Verband der 
schweizerischen geographischen Gesellschaften beim hohen Bundesrat 
die Erriclitung einer Landes- oder Nationalbibliothek lebhaft im Sinne 
des Begehrens befürworten , das von der Centralkommission für 
schweizerische Landeskunde eingereicht worden ist. Ein Rundschreiben 
wurde dem entsprechend an alle Gesellschaften erlassen und von allen 
der Vorschlag auf das lebhafteste aufgegriffen. Dem hohen Bundes- 
rat ist von diesem einstimmigen Begehren der Gesellschaften Kenntnis 
gegeben worden, 

Welthongress in London.* Aus London ist von der königlichen 
Geographischen Gesellschaft die Mitteilung eingetroffen, dass sie zur 
Uebernahnie des nächsten internationalen geographischen Kongresses 
bereit ist, und dass derselbe im Monat Juni 1895 stattfinden wird. 
Vorsitzender des Aus'schusses ist Major Leonard Darwin. 



* Bezüglich aller Verliandluiigen, die mit dem Geographisclien Weltkongress 
in Bern, 10. — 14. August 1891 7Aisammenhangen, wird lüemit verwiesen auf 

1) X. .Tahresbericht der Geographischen Gesellschaft von Bern 1890 S. 165 
bis 175. 

2) Compte rendu du Yme Congres International des sciences geographiques 
tenu ä Berne du 10 au 14 acut 1891. 

3) Den unserm diesjährigen Bericht beigegebenen Spezialrapport des Herrn 
Professor Dr. Brückner. 



Auszüge aus den Protokollen. 

II. 

Angelegenheiten der Gesellschaft. 



141. IVIonatsversammlung vom 29. Januar 1891, 

abends 8 L'hr, im Cafe-Restaurant WeiJjel. 

Anwesend: 39 Mitglieder und Gäste. 
Präsidium: Herr Regierungsrat Dr. Gobat. 

Da Herr Direktor Guillaume durch Krankheit verhindert ist, 
den zugesagten Vortrag über Finnland zu halten, tritt Herr 
Professor Böthlisherger in den Riss mit einem Vortrag „ lieber meinen 
Aufenthalt in den Llanos von St. Martin. (S. Vorträge und Mit- 
teiluniren, pag. 23.) 

Die Eechnung 1890 wird auf Antrag der Rechnungsrevisoren, 
Herren A. G. Christen und Gerster-Borel genehmigt und als eine 
getreue und richtige Verhandlung dem Kassier, Herrn Paul Haller, 
bestens verdankt. 

Die Rechnung 1890 weist auf: 

Au eigentlichen Einnahmen Fr. l,G9t). 47 

An eigentlichen Ausgaben „ 2,072. 74 

Ausiiabenüberschuss Fr. 382. 27 



Aufnahmen : Als korrespondierendes Mitglied wird aufgenommen: 
Herr Dr. Albert Restrepo in Bogota. 

Als aktive Mitglieder werden aufgenommen die Herren: 

1. Herr Frey-Godet, B., Sekretär des internationalen Gewerbel)ureau 

in Bern. 

2. , Nationalrat Joost in Langnau. « 
;;. „ J. Lüthi, Weingrosshändler in Bern. 

\. ,, G. Schaller, Schulinspektor in Pruntrut. 

■», „ H. Tschanz, Sekretär der städtischen Schuldirektion in Bern. 

<i. ,, v. AUmen, Ingenieur in Bern. 

7. „ Otto Brunner, Begründer der Kolonie Bern-Stadt, in Bern. 



— IV — 

>. Heil- Kulm. Iluchliilntllcr in Biel. 
!i. .. 1'. Üiirrcn, Hcdaktor in Wem. 

10. ., eh. (lc'rl)er, .louriuilist in Hern. 

11. .. I'.rn.st Darth in Lagos, Westafrika. 

12. ,, Iliins IJooschü/, Fabrikant in IJcrn. 
.\ustiit.ts(.'ikl;lrung(Mi : 

a) llciT lüchanlet-l^ovet in Bern. 

//) .. Kodaktor Zuilindcn in Züric.li. 

(■) Ilorr Ho;^i('iMinfi,.srat v. Steii^er in l>crn. 

Wahl des Komitee. Es werden wieder gewühlt die Herren 
Davinrt, Duconmiun, (iobat. Haller, Lütlii, Miinn, Oncken, Stockmar 
und Studer. 

Neu gewählt: Die Herren Professor Hi'. l'.rückner und Konsul 
.1. F. HnHiger. 

l*rä.s'nHii)ii. /um Prilsidenteu der (iesellscliaft wird einstimmig 
wieder gewählt: Herr Kegierungsrat Dr. Gobat. 

J]Ilff('ilH)i(frn. Herr Professor Dr. Studer macht hierauf noch 
einige Mitteilungen über nicrJcwnräige Eishilddiu/cn. Hierüber hat 
unser korrespondierendes Mitglied, Herr ,1. Büttikofer in Leyden fol- 
gende-^" geschrieben : 

„Infolge der grossen Kälte, die wir hier hatten, hat sich der 
ganze breite Strand der holländischen Küste mit einer dicken Eis- 
kruste bedeckt, die bei Hochwasser (Flut) stets höher und breiter 
wurde, bis schliesslich ein hoher Eisgürtel entstand, der stellenweise 
eine Höhe von 4 Meter erreichte. Das Meerwasser selbst konnte 
lange nicht zufrieren, bestand aber aus lauter losen Eiskrystallen, 
mit Sand vermengt, die bei jeder Flut der Eismauer neues Ansatz- 
material zuführten. Endlich gefror das Meer doch und bildete soweit 
man sehen konnte, eine grosse EisÜäche. Der grosse Eiswall oder 
wenigstens die dem Meere zugekehrte Front desselben veränderte 
sich fortwährend, da sie bei jeder Flut unterwaschen und zertrümmert 
wurde, während sie zugleich neues Zuwachsmaterial erhielt. Auf 
diese Weise entstanden sogar grosse Eishöhlen, während die abge- 
schlagenen Trümmer mit sinkendem Wasser wegtrieben und ander- 
wärts später wieder zu grossen Trünnnerfeldern angehäuft wurden. 
Nun ist alles wieder verschwunden." 

^ Zur Veranschaulichung hatte Herr Büttikofer einige Photographien 
eingesandt, die Herr Professor Studer in Cirkulation setzte. 

Aus der Komitee-Sitzung vom 4. Februar 1891. 

KoHstitHuruny. Laut vj s der neuen Statuten wird der Präsident 
der (jlesellschaft von der Generalversamndung gewählt. Dies ist in 



der Versammlung vom ü!). Jcamiar durch die Wahl des Herrn Re- 
gierungsrat Dr. Gobat geschelien. Im Uebrigen konstituiert sich das 
Komitee selbst und wählt zum Vizepräsidenten: Herrn Professor 
Dr. Studer, zum Kassier: Herrn Paul Haller, zum Sekretär und 
Bibliothekar: Herrn G. H. Mann. 

Aus der Komitee-Sitzung vom 19. Februar 1891. 

Bihllotheli. Herr Professor Dr. Oncken regt an, ein vollständiges 
Sachregister des Bücherschatzes der Bibliothek herstellen zu lassen 
und dasselbe bei der mit dem Weltkongress verbundenen Schul- 
ausstellung auszulegen. Dies wird beschlossen und die Ausführung 
der Arbeit dem Bibliothekar übertragen. 

142. Monatsversammlung von 19. Februar 1891, 

abends 8 Uhr im CMfe-Restnurant Weibel. 

Anwesend: 50 Mitglieder und Gäste. 
Präsidium : Herr Regierungsrat Dr. Gobat. 

Herr Direktor Dr. Guühonne hält seinen Vortrag Ueher Finn- 
land. (S. Vorträge und Mitteilungen, pag. 205.) 

In der Diskussion macht Herr Pfarrer Kuhn einige Mitteilungen 
über Unterrichtsverhältnisse in Finnland und Herr Professor Stooss. 
der mit Herrn Direktor Guillaume am Kongress für Gefängniswesen 
in St. Petersburg teilgenommen hatte, zählt noch einige Symptome 
der Russifizierung Finnlands auf. 

Aufnahmen. Als korrespondierendes Mitglied wird Herr Dr. med. 
Maurrion de Laroche in Versailles aufgenommen. 

Als Aktivuiitylied : 
l;>. Herr Ph. Geelhaar-Xicod, Negociant. 

Austrittserklärung : 
(1) Herr IJaumeister Blau. 

143. Monatsversammlung vom 12. März 1891. 

An Stelle dieser Monatsversammlung trat der Vortrag des Herrn 
C. W, Rosset im Museumssaal. 

Herr C. W. Rosset sprach über ,,Indo-China und seine nocji 
wilden Völker''. 

Der Redner hat die Halbinsel in den .lahren iss7 — IMio durcii- 
reist. l)iesell)e hat in klimatischer Beziehung keinerlei Aehidichkeit mit 
den in gleicher geographischer Breite liegenden Teilen Afrikas. Einige 
Ueberbleibsel der frühern eigenartigen Kultur dieses Landes bilden 



- VI — 

die rrüinnu'iiVMor von Anjifkor. Dio lieutijien l\ciclie Barma, Si;im 
mul Amiain Itor.uen nur iioi.'li düi'ftijie Reste der ehemaligen Herrlich- 
keit. Ireiiiwohner leben noch am Flusse Mekong und /wischen diesem 
und der aiinainitischcn Küste. Ihre Ueberreste sciieiden sich in die 
Steiulis. Procus und MoTs, deren Sitten und (Jebräuche vom Redner 
in längerer Auseinandersetzung und auf (irund persönlicher P^rlebnisse 
lieschildert werden. 



144. iVionatsversammiung vom 2. April 1891 

im (Hiservatoriuiu. 

Anwesend: ca. 70 Mitglieder und Gäste. 
Präsidium: Herr Regierungsrat Dr. Gobat. 

Herr Professor Dr. Woher hielt seinen angekündigten Vortrag 
über die Bedeutung der Schliemannschen x\usgrabungen für die 
Kulturgeschichte, unterstützt durch den Projektionsapparat des Herrn 
Professor Dr. Forster. 

Der Vortragende entwarf in längerer Einleitung ein gedrängtes, 
aber doch alle Hauptquellen berücksichtigendes Bild der eigentüm- 
lichen Einflüsse und Wechselbeziehungen der babylonischen, der 
syrischen und der ägyptischen Kultur, aus denen eine gemischte 
syrische, von den Phöniziern später am Mittelmeer verbreitete und 
im besondern auch in die nachmaligen griechischen Länder getragene 
Kultur hervorging. Er zeigte, wie nach und nach der Westen diesem 
Eindringen Widerstand leistete, wie er sogar angriftsweise vorging, 
gegen Aegypten und Syrien, wie Westvölker gegen Osten wanderten 
und wie die Griechen in die Periode dieser Völkerbewegung ihre 
Heroenzeit verlegten, so dass bis zu einem gewissen Grade die grie- 
chischen Sagen eine allgemeine historische Unterlage haben. Indem 
Schliemann jene merkwürdigen Kulturschätze von Troja-Hissarlik, von 
Tiryns, Mykene, Orchomenos aufdeckte legte er den Boden frei, auf 
welchem die Handlung der homerischen Gedichte sich bewegt. Die 
kulturgeschichtliche Bedeutung der Schliemannschen Ausgrabungen, 
von denen die spätem die auf dem Hügel von Hissarlik gemachten 
Entdeckungen vollauf bestätigten und vervollständigten, liegt in der 
Aufdeckung jener eingangs erwähnten orientalischen Mischkultur, 
welche den Stempel des babylonischen und ägyptischen Einflusses 
trägt und sich in den syrisch-phönizischen Gebieten weiter entwickelte. 
Eine ganze Reihe von Abbildungen Schliemannscher Fundstücke 
wurden durch Projektion vorgeführt. Der Vortrag erntete den leb- 
haftesten Beifall. (Bund 1891, Nr. ü3 ff.). 



— VII — 
145. IVIonatsversammlung vom 14. IVlai 1891, 

abends 8 Uhr im Cafe-Restaurant Weibel. 

Anwesend: 40 Mitglieder und Gäste. 
Präsidium: Herr Regierungsrat Dr. Gobat 

JUtglieder-Etat : Aufnahmen. 

Es werden die nachfolgenden Herren als Aktivmitglieder aufge- 
nommen. 

14. Herr Sekundarlelirer Sägesser in Kirchberg. 

15. „ Niggli, Gymnasiallehrer in Bern. 
10. ., F. Vogel, Bankier in Freiburg. 

17. ., A. Aeschlimann, Kontrollingenieur in Bern. 

18. ,, Becheraz, Bankier in Bern. 

19. ,, Brunner-Abys, Negociant in Bern. 
'20. „ Dapples, E., Ingenieur in Bern. 
21. ., Eggenschw'yler, Redaktor in Bern. 

•2-2. .. Fankhauser, .1., Gymnasiallehrer in Bern. 

2?>. .. Fankhauser, F., Dr., Adjunkt der Oberforstinspektion in 
Bern. 

24. ., Feldmann, R., Lehrer, Felsenburg in Bern. 

25. .. Kernen-Ruchti, H. in Bern. 
2i). Michaud, Professor in Bern. 
27. „ Surbeck, Dr. med. in Zäziwyl. 

Als Ehrenmitglieder der Gesellschaft werden aufgenommen: 
Herr Dr. F. Nansen in Christiania. 

., Bonvalot in Paris. 

,, Dr. Junker in Wien. 
Prinz Henri d'Orleans, Paris. 
Prinz Roland Bonaparte, Paris. 

Hierauf referiert Herr Professor Dr. Studer über das Museum in 
La Plata und die ethnogrcqjhischen Ausgrabungen von Herrn Ad. 
Methfessel im Hochlande von Gataniarca. (S. Vorträge und Mit- 
teilungen, pag. 2o() und 2:-]4.) 

Herr Professor Dr. Brüchner spricht auf Grund einer russischen 
Abhandlung von Jadrinzew über die Verbannung nach Sibirien. 
Er schickt einige Erläuterungen über die klimatischen Verhältnisse 
des Landes voraus, welche geeignet sind, die landläutigen Begriffe 
über das sibirische Klima richtig zu stellen. Dann beleuchtet er das 
Strafsystem der Regierung, welches ursprünglich den Zweck hatte, 
(hirch die Arbeiten der Sträflinge die Schätze des Landes heben zu 
lassen. Die Zahl der Verbaimten aus den Jahren ls()7 — issl bezilfert 



— Vlll — 

sich mit Cil'J.ooo: wohl die Hälfte ist auf adiuinistrativeni Wege 
abge-^choben. da die Verschickung nach Sibirien (Jeuieinderecht ist. 
Die Strafart ist eine verschiedene. Die einen sind zur Internierung 
in bestiinnite Ortscliaften, andere zu zwangsweiser Kolonisation, wieder 
andere zur Zwangsarbeit verurteilt. Zur nilhern lleleuchtung der 
Verhilltnisse weist der Vortragende auf die ausgehängten graphischen 
Tabellen hin. Die Zahl der Verwandten, welche freiwillig ihren An- 
gehörigen in die Verbannung folgen, ist ziemlich beträchtlich und 
es kann die Bedeutung dieser heroischen Selbstaufopferung für die 
Entwicklung des Kolonialwcsens nicht verkannt werden. Uebergehend 
auf die gewöhnliche Reiseroute der Verbannten, macht Herr Trofessor 
Brückner darauf aufmerksam, wie namentlich die ganze Härte der 
Verbannungsstrafe durch den Zwang, die Reise zu Fuss zu machen, 
ihren Ausdruck fand und natürlich auch die Freiwilligen traf, die 
vom Augenblick ihres Entschlusses hinweg alle Leiden der Verurteilten 
mit zu erdulden hatten. Jetzt ist es insofern besser, als mehrfach 
Wasserwege und in Europa auch die Eisenbahnen benutzt werden. 
Eine Verschlimmerung der Leiden liegt in der Ueberfüllung der 
Gefängnisse. Die Beschwerlichkeit der Reise und die Ueberfüllung der 
Gefängnisse lassen den Prozentsatz der Erkrankungen und Todesfälle 
sehr hoch steigen. In Sibirien zerstreuen sich die Verbannten derart, 
dass die grössere Hälfte auf Westsibirien , die kleinere auf Ost- 
sibirien kommt. Die Desertionen sind häufig. Für die Kolonisation 
ist von dieser Strafart wenig zu hoffen; denn es sind sehr viele 
der Verbannten arbeitsunfähig. Es ist auch keine Aussicht vor- 
handen, dass durch die Deportation die Bevölkerung Sibiriens nennens- 
wert zunehmen könnte, da die Voraussetzungen zur Gründung einer 
Familie und eines Hausstandes fehlen. Diese Uebelstände sind der 
Regierung nicht verborgen ; es ist deswegen eine Kommission nieder- 
gesetzt worden, welche Mittel zur Abhülfe finden soll; dieselbe hat 
ihre Arbeit noch nicht beendigt. Eine wesentliche Besserung der Lage 
der Verbannten dürfte schon mit dem Zustandekommen der sibirischen 
Pacificbahn eintreten, einer Route von Samara nach Wladiw^ostok von 
8000 Kilometer Länge Dann dürfte die Reise der Verbannten noch 
2 — 3 Wochen dauern. 

Herr Professor Dr. Blösch, welcher der Versammlung eine 
Ftolemäusausgahe der Staätbihliothek vorwies, begann mit einigen 
Erläuterungen darüber, warum man die geographischen Lehr- und 
Handbücher im Mittelalter und noch zu Beginn der Neuzeit mit dem 
Xamen des Ptolemäus verband. Bald nach Erfindung der Buch- 
druckerkunst erschienen solche Ptolemäusausgaben auch im Druck. 
Es bestehen nicht weniger als 2:-; Ausgaben, darunter auch eine des 



— IX — 

berühmten Erasmus vom Jahre 15;;;;. Die Ausiiiibe der Stadtbibliothek 
ist im Jahr 14S2 am Ki. Juni zu Ulm gedruckt, muss indes schon 
20 Jahre zuvor als fertige Arbeit vorgelegen haben und gehört daher 
zu den sogenannten Incunabeln. Es ist eine Ausgabe auf Pergament; 
eine ganz ausserordentliche Arbeit ist auf die Karten verwendet; 
die Kosten sind unberechenbar; das Interesse für die geographische 
"Wissenschaft muss in jener Zeit gross gewesen sein. Der Vortragende 
charakterisiert sodann die Einleitung, sowie die Details der ;]2 Karten 
nnd ladet zu deren Besichtigung ein. 

Während viele Mitglieder von dieser Einladung Gebrauch machen, 
hält Herr Redaktor Manu einen kurzen Vortrag über Massmiu. — 
(S. Vorträge und Mitteilungen, pag. 74.) 

146. Monatsversammlung vom 18. Juni 1891, 

abentls 8 Uhr, im Cafe-Restauroiit Weibel. 

Präsidium: Herr Regierungsrat Dr. Gobat. 

Als aktive Mitglieder werden aufgenommen: 
28. Herr Professor Dr. Sidler. 
2U. ., A. V. Bonstetten, Ingenieur. 
30. ., stud. jur. Gobat. 
81. ., A. V. Meyenburg. 

Herr Professor Dr. OeftJl hält seinen angekündigten Vortrag 
Ueher die Heise vo)i Baalbeh sn den Cedern des Libanon. 

Der Redner erwähnte zunächst die Route durch Unter-Aegypten 
und Palästina und verweilte dann mit grösserer Ausführlichkeit 
bei dem Reiseabschnitt von Damaskus über den Antilibanon, Baal- 
beck, die Bekaa und den Libanon nach der Küste. Die Gesellschaft 
bestand aus fünf Reisenden mit einem Dragoman. Am ö. April 1890 
erfolgte die Ankunft in Damaskus, woselbst man sich einige Tage 
authielt. Am Vorabend der Weiterreise, Sonntag den 11). April, 
wurde noch eine Besteigung des Djebl Kasiun bei Damaskus unter- 
nommen, von dem aus man einen prächtigen Uel)erblick geniesst 
über das Häusermeer von Damaskus mit seinen flachen Dächern, 
überragt von den zahllosen schlanken Minarets und den Wipfeln der 
Palmen und weiter hinaus über die grossen sumpfigen Seen östlich 
von Damaskus und die syrische Wüste. Während der Aufstieg auf 
den behenden Pferden sehr angenehm gewesen war, war der Abstieg 
zu Fuss ziemlich halsbrcchend. 

Am nächsten Morgen schlug die Reisegesellschaft zuerst die nach 
Beirut führende, von einer französischen Gesellschaft gebaute 
Strasse ein, hielt dieselbe aber nur bis zum Dorfe Dumar ein, wo 



— X - 

^ie luith ivilits abbo^- iiiul nach üebersteigiin^i eines der Vorberge- 
des Amilibanen wieder ins Thal des Jlarada /iirilckgelan,i;te, welches 
sie aufwärts verfolgte. Die dortige Gegend verglich der Redner be- 
treffs ihrer landschaftliclien Keize mehrfach mit unsern Voralpen. 
Nachdem das Nachtlager in Zebedani unter den mitgebrachten Zelten 
abgehalten war, was ratsamer ist, als in den Hausern der Einge- 
bornen oder auch in Klöstern zu wohnen, überstieg man noch mehrere 
Ausläufer des Antilibanon und langte an dem vorläutigen Reiseziel 
üaalbek an, von dem der Porticus des Sonnentempels den Reisen- 
den schon ein Stück des Weges lang entgegenglänzte. 

Die ältere Geschichte Baalbeks ist in Dunkel gehüllt; doch ist 
zweifellos, dass es eine sehr alte phönikische Kultusstätte war. 
Sichere Nachrichten stamn.ien erst aus dem 1. und 2. nachchristlichen 
Jahrhundert; denn aus dieser Zeit hat man dort geprägte Münzen. 
Der Name, den es in der hellenistisch-römischen Zeit führte, Ileliopolis, 
ist die direkte Uebersetzung des alten semitischen Namens Baalbek. 
In der vorchristlichen Zeit muss der Platz eine richtige Handelsstation 
gewesen sein. Aus der Kaiserzeit stammen die grossartigen Bauten, die 
uns jetzt in Resten erhalten vorliegen und die an ältere semitische 
Anlagen anknüpften. Die christlichen Kaiser zerstörten dann wieder 
die heidnischen Tempel. Im siebeuten Jahrhundert eroberten die 
Araber die Stadt und seitdem w^echselte sie unablässig den Herrn. 
12(»0 erlitt sie eine furchtbare Zerstörung von Seiten der Mongolen 
und vorher wie nachher wurde sie durch heftige Erdbeben stark 
mitgenommen. Das letzte bedeutendere derselben fand 1759 statt 
und legte noch viele Bauten in Trümmer; ebenso hat die Habgier 
der Moslinien zerstört, was noch zu zerstören war. 

Die Stadt Baalbeck liegt 1170 Meter über Meer und liat jetzt 
etwa 2000 Einwohner verschiedener Konfessionen. Die Akropolis, 
jetzt eine türkische Festung, ruht auf 4 — !) Meter hohen Mauern. 
Von ihr aus geniesst man eine prächtige Rundsicht auf die malerische 
Gegend, den Libanon, die Bekaa, den Hermon etc. Da der frühere 
Haui)teingang jetzt vermauert ist, gelangt man durch ein niedriges 
Seitenthor zunächst in einen 140 Meter langen Tunnel, der Seiten- 
tunnel und stellenweise saalartige Erweiterungen hat, in denen Reste 
einer prächtigen Bildhauerarbeit beim flackernden Lichte eines 
brennenden Büschels Stroh erkannt wurden. Von da kommt man zu 
den Propyläen, 54 Meter lang und 11 Meter tief, mit einem jetzt 
völlig einirestürzten vorgelagerten Porticus und kühnen Ecktürmen. 
Durch den grossen sechseckigen Hof, dessen Boden ganz bedeckt ist 
mit den aus rotem ägyptischen Granit gearbeiteten Trommeln der 
zerbrochenen Säulen, kommt man in den viereckigen Hof, lo5 Meter 



— XI — 

lang und 120 Meter breit. Auf jeder Seite desselben liegen sieben 
Gemächer mit noch ziemlich gut erhaltenen Seitenwänden, aber ein- 
gestürzten Decken. Die Wände des Hofes zeigen zwei übereinander 
hinlaufende Reihen von Nischen, die obere Reihe mit Gibelabschluss, 
die untere mit Bogen, früher otienbar mit Götter- und Kaiserstatuen 
besetzt. Rings herum lief ein Porticus mit 40 Säulen an jeder Seite, 
die nur zu geringem Teil erhalten sind. Auch hier ist natürlich der 
Boden mit Trümmern bedeckt. 

Weiterhin kommt man zu dem sogenannten kleinen Tempel, der 
aber doch die ansehnlichen Dimensionen von (iS,') und SG Meter hat 
und dessen Cella vollständig erhalten ist. Auch hier lief rings 
herum ein Porticus von lö Säulen an den langen und s Säulen an 
den schmalen Seiten, also im ganzen 42 Säulen (da die Ecksäulen 
doppelt gerechnet sind). Alle Säulen bestehen aus drei Trommeln, 
die im Kern durch eiserne mit Blei eingegossene Klammern verbunden 
sind. Die moslimische Raubsucht ging soweit, dass die Säulen von 
aussen her zum grossen Teil abgeschlagen sind bis auf den Kern, 
um das Bischen Eisen und Blei herausnehmen zu können. Die Säulen 
sind 20 Meter hoch und 1,;»0 Meter dick. 

Das schönste Stück dieses Wunderwerks der spätrömischen Bau- 
kunst ist die Pforte des ursprünglich semitischen, dann von den Römern 
zu einem Heiligtum des Jupiter umgebauten Tempels. An derselben 
befindet sich die herrlichste Bildhauerarbeit, aber auch sie ist durch 
Hementarkräfte und rohe Menschenhände zerstört, besonders alle 
vorkommenden Gesichter sind zerschlagen. Hier, wie in den übrigen 
Teilen des Riesenbaus, begegnet man einer interessanten optischen 
Täuschung : Die noch aufrecht stehenden Teile erscheinen viel kleiner 
im Verhältnis zu den gestürzten am Boden liegenden Stücken, so 
dass man oft nicht für möglich hält, dass Teile, die offenbar früher 
aneinander sassen, in den Massen passten. 

Das grossartigste Stück, welches die Zeit aufbewahrt hat, sind 
die sechs gigantischen Säulen auf der Südseite des alten Sonnen- 
tempels; sie sind 20 Meter hoch und haben einen Umfang von (i bis 
7 Meter. Ursprünglich standen solcher Säulen rings um den Tempel 
herum, an den Längsseiten 1!), an den kurzen Seiten 10, also insgesamt 
r)4. Weiterhin ist noch eine Kirche in Trümmern erhalten, die jedoch 
nicht so imposant wirkt, wie die bisher besprochenen Teile des Bauwerks. 

Die ganze Akropolis, welche 300 X 1<*^0 Meter Flächeninhalt 
misst, ist rings von kolossalen Mauern umgeben, in denen sich Steine 
von unglaublicher Grösse befinden und zwar nicht in den untersten 
Mauerschichten, sondern weiter oben. Es wurden unter andern 
Monolithen konstatiert von den Dimensionen von 2o X ^ X 4V2 



— XII - 

Meter. In dem nahen Steinbrucli, aus welchem das .Material ge- 
wonnen wurde, fand sich ein zur WegschaÜung bereit gestellter noch 
grösserer Stein vor. dessen Gewicht auf IV2 Millionen Kilogrannu 
geschützt werden muss und zu dessen Transi)ort 2( ),<)(»() Menschen 
nötig waren: aus dem Vorhandensein solcher zur baulichen Ver- 
wendung fertig gestellter Steine im Steinbruch geht übrigens hervor, 
dass die liauten noch nicht zu ihrem Abschluss gelangt waren. Der 
grösste aller vorhandenen Steine in der Umfassungsmauer ist der 
Eckstein im Winkel der Nord- und Westfronte. Es ist einfach unverständ- 
lich, mit welchen Mitteln damals solche Massen bewegt worden sind. 

Das Material des Gesamtbaues ist ausser dem oben erwähnten 
roten Granit der gelblich-weisse Kalkstein, der dortselbst gebrochen 
wird. Tu der Abenddämmerung nimmt derselbe ein prächtiges Ko- 
lorit an; er scheint förmlich zu glühen, was einen wundervollen An- 
blick der Ruinen erzeugt. 

In der Beschreibung seiner Reise fortfahrend, schilderte Herr 
Professor Oettli den ^Marsch durch die saftig grüne Bekaa (das 
alte Cölesyrien), während dessen die wunderbare Erscheinung einer 
Fata morgana die Reisenden fesselte, dann den Aufstieg auf den 
Libanon, der jetzt nur noch spärlichen Baumwuchs hat und daher 
auch anfängt, Wassermangel empfinden zu lassen. Die Pferde zeigten 
sich wiederum sehr zuverlässig beim Aufstieg, nicht mehr jedoch 
dort, wo Schnee lag, vor dem auch die Eingebornen eine gewisse 
Scheu haben. Die Fernsicht vom Libanon ist herrlich. Beim Abstieg 
auf der Westseite trifft man auf den einzigen Cedernwald, den der 
Libanon jetzt noch von seinen reichen frühern Beständen aufzuweisen 
hat. Der Wald besteht aus etwa 400 Bäumen, meist jünggrn Exem- 
plaren; nur 10 — 12 Stück sind uralt und weisen einen Durch- 
messer von 10 — 12 Meter auf; doch sind diese nicht die schönsten, 
da sie meist vom Sturm zerzaust und gebrochen sind. Einige nicht 
ganz so alte gibt es, die von tadellosem Wuchs sind. 

Von hier aus traten die Reisenden die Heimkehr an. 

Hierauf referiert Herr Redaktor 3Iann iiher Verkehrswege und 
Verlcehrsmittel in Afrika. (S. Vorträge und Mitteilungen, pag. 7!),') 



147. Monatsversammlung vom 16. Oktober 1891, 

aljemls 8 Uhr, im Cafe-Restaurant Weiliel. 

Präsidiicm: Herr Regierungsrat Dr. Gobat. 

Herr Privatdocent Dr. Sajtschik erhielt das Wort zu seinem Vor- 
trag: Ueber die Art und Weise, wie Bnssland seine Kidturmission 
in Asien erfiÜU lud. 



- XIII - 

In seinem Vortrag knüpfte der Redner an das sogenannte 
Testament Peter des Grossen an und erörterte auf Grund desselben 
die Doktrin des heutigen Panslawismus ; die Art und Weise, wie 
Russland seine Kulturniission erfüllt hat, bezeichnet er als eine 
antikulturelle und bezweifelt auch die handelspolitische und selbst die 
mihtärische Bedeutung der durch General Annenkoft' erbauten Trans- 
kaspibahn, die im übrigen als ein Wunderwerk der Technik bezeichnet 
werden muss. Es wird dann die innere Naturnotwendigkeit der Er- 
oberung Mittelasiens durch Russland mit allen sich daran knüpfenden 
Folgen erörtert und eine summarische Uebersicht der bisherigen 
Eroberungen gegeben, durchwegs mit dem Nachweis, dass Russland 
überall schon auf eine höhere Kultur stiess und teilweise wenigstens 
dieselbe zerstörte. 

Es folgten dann noch eingehendere Mitteilungen über das heutige 
Sarafschan, die ehemalige Perle der Welt, und verschiedene Erörte- 
rungen über die Folgen, welche der Uebergang von der Natural- 
zur Geld Wirtschaft nach sich gezogen hat.* 

Mitylieäer-Etat : Aufnahmen : 

Aktivmitglieder. 

32. Herr v. Meissner, Gesandtschaftssekretär. 

33. „ Coulin, Ingenieur, 

34. „ Culmann, Ingenieur. 
3.5. ,, Frey E., Bundesrat. 
3(j. ., Girard, Dr. med. 

37. ., Girtanner H., Ingenieur. 

38. " v. Gratienried C, Ingenieur. 

39. ., Gribi G., Inspektor der Telegraphen Verwaltung. 

40. .. Häggi R., Amtsrichter. 

41. ,, Haendcke, Dr. 

42. „ Hirter J. J., Speditor. 

43. „ Höhn, Oberpostdirektor. 

44. ,, Huber Rud., Gymnasiallehrer. 

45. „ Hürzeler F., Notar. 

40. , Kaiser, Dr., Sim., alt Nationalrat. 

47. „ Kehrli H., Architekt. 

48. „ Kronecker, Professor. 
4i). „ Lang, Arnold, Redaktor, 
öu. „ Lanz-Jost. 



* Die Verantwortung für diese Ausführungen bleiljt dem Herrn Redner 
überlassen. Die Red. 



XIV 



51. Herr Lauterburg-Rohner. 



.■)i2. „ Leiioiiherger J., Sekuiuiarlelirer. 

.');>, „ Leiizinjier R. 

r>4. „ V. Linden H., Stadtingenieur. 

ö."). „ Loi'licr-Nydegger. 

.')(;. ., Lothniar, Professor. 

.')7. „ Lut«torf 0., Architekt. 

öS. „ Marti E., Nationalrat. 

'»;>. ,, Polikier, Professor. 

<iO. .. Rieser, Dr. 

»iL , Ryl^" in Fa. Wiesmann cl" Ryff. 

«i2. ,. Wyss, Dr., G., Buchdrucker 

(Sämtlich in Bern.) 

«io. „ Gösset Ph., Ingenieur in Wabern, 

«U. „ Marthaler, Pfr. in Biel. 

Ehrenmitglieder. 
Herr General Annenkoff in St. Petersburg. 

Diese Ernennung fand während des Kongresses statt und wird 
heute einstimmig genehmigt. 



148. IVIonatsversammlung vom 26. November 1891, 

im Cafe-Restaurant Born. 

Anwesend : Zirka 140 Mitglieder und Gäste. 
Präsidium: Herr Regierungsrat Dr. Gobat. 

Herr Häflujer hält seinen angesagten Vortrag : Ueber den Bürger- 
krieg in Chili. (S. Vorträge und Mitteilungen, pag. 104.) ' 

Hierauf gibt Herr Professor Dr. Graf einige Beiträge mir Topo- 
grax^hie und Geographie der Scluveis. (S. Vorträge und Mittei- 
lungen, pag. 115.) 

Mitglieder- Etat: Ehrenmitglieder : 

Zu Ehrenmitgliedern werden ernannt die Herren : 

Professor von den Steinen in Marburg. 

Professor Dr. v. Loczy in Budapest. 

H. Coudreau in Paris. 

Oberst Coello in Madrid. 

Graf Antonelli in Rom. 

Professor Baron Nordenskiöld in Stockholm. 

H. F. Blanford in Folkestone, 



XV 



149. IVlonatsversammlung vom 17. Dezember 1891, 

Call ■-Restaurant Born. 

Anwesend : ()2 Mitglieder und Gäste. 

Herr Kyö' erhält das Wort zu seinem Vortrag: Dependances 
•du Senegal. (S. Vorträge und Mitteilungen, pag. 132.) 

Derselbe ist durch ehie äusserst reichhaltige Sammlung anschau- 
lich gemacht, die grosses Interesse findet. 

Den zweiten Vortrag hielt Herr Professor Dr. Brüclmer: TJeher 
Wilähachverhcmungen in der Schweiz. 

Der Vortragende sprach zunächst über die Grösse der Ver- 
wüstungen, welche durch Wildbachausbrüche veranlasst werden, und 
denen am stärksten die französischen Alpen, im hohen Grade aber 
auch die Schweizer, Südtyroler und Venetianischen Alpen ausgesetzt 
sind. Die augenblicklichen Verluste an mobilen und immobilen Werten 
sind noch zu verschmerzen : die schlimmste Folge aber ist die Ver- 
schüttuug von Kulturland durch Gerolle, welche das erstere für Jahr- 
zehnte, ja meist sogar dauernd der Kultur entzieht. Die Oberprovence 
soll durch Wildbach-Ausbrüche vom 15. — 18. Jahrhundert die Hälfte 
ihres Kulturlandes dauernd eingebüsst haben, ja für den kurzen 
Zeitraum von 1842 — 1852 wird die Vernichtung auf ein Viertel des 
zu Anfang der Periode vorhanden gewesenen Kulturlandes angegeben, 
w^as allerdings fast als übertrieben erscheinen muss. 

Dass die Wildbachgefahr seit Jahrhunderten zugenommen hat, 
steht fest. Doch darf man die Ursache hiefür nicht in einer einseitigen 
Aenderung des Khmas suchen. Eine solche ist in keiner Weise nach- 
zuweisen. Wohl aber gibt es säkulare Schwankungen der allgemeinen 
klimatischen Verhältnisse in etwa 35jähriger Periode, die in der Thät 
einigen Einfiuss auf das Anwachsen und Abnehmen der in Rede 
stehenden Gefahren haben. Die Hauptursache der seit Jahrhunderten 
bemerkbaren Zunahme aber ist zweifellos in der Entwaldung der 
Höhen zu suchen. Der Waldboden saugt die Niederschläge wie ein 
Schwamm auf und lässt sie nur allmählich abtiiessen. Ist der Wald 
nicht mehr vorhanden, so verhert die Erdschicht ihren Halt und wird 
weggeschwemmt, die Wasser fiiessen rasch und plötzlich ab, GenUle 
und glaciale Ablagerungen werden dabei entblösst und bei starken 
Güssen mit fortgerissen. 

Schon frühzeitig wurden Korrektionen zur Verhütung des Wildbach- 
Schadens unternommen , früher aber irrationell und dadurch un- 
wirksam. Man unterscheidet im Lauf eines Wildbaches drei Abschnitte, 
das Einzugs- oder Sammelgebiet, in welchem die Wasser zusammen- 
laufen, den Abzugskanal, der als tiefer Tobel in den steilen Abhang 



— \VI — 

eingesoliuitteii isl. und das Ablagerungs- oder Verscliüttungsgebiet im 
Thale. Hrin.ut man nun, wie es frülier geschah, eine Thalspcrro am 
untorn Ansgaiige des Tobeis an, so staut sich das Gerolle hinter der- 
selbi'ii auf und erhöht hier den Thalboden; auch weiteres Erhöhen 
der Mauer hiltt nichts, endlich wird sie doch vom Geröll erreicht, 
überstiegen und zerrissen und dann kommen die (Jeröllmassen von 
Jahren gleich mit einem Mal zu Thal (z, B. bei llagatz). 

Statt dieser Partial- muss eine Totalkorrektion stattfinden, welche 
darin besteht, dass man im Einzugsgebiet durch Mauerbauten und 
Weidengefiecht die Sohle des Baches festlegt und die Gehänge ähnlich 
versichert. Dadurch wird das lockere Material festgelegt, so dass 
es nicht vom Wasser fortgerissen werden kann. Hand in Hand damit 
muss die Wiederaufibrstung der Höhen gehen. Diese Methode ist 
zuerst in den französischen Alpen angewendet worden, dann auf 
Veranlassung des Oberbauinspektors von Salis auch bei uns. In den 
österreichischen und italienischen Alpen ist in dieser Richtung noch 
sehr wenig geschehen. 

In der Schweiz sind bis jetzt 181 Bäche verbaut, teils nach der 
alten, teils nach der neuen Methode; davon entfallen auf das Fluss- 
gebiet der Ilhone 15, auf das der Aare 34, der lieuss 14, Limmat IG, 
Rhein 62, Tessin 15, Inu 11, Adda 7 und Etsch 7. 

Der Herr Vortragende schloss seine Mitteilungen, die sich viel- 
fach an das neueste Werk des Herrn Oberbauinspektor von Salis 
anlehnten, mit der Bemerkung, dass die Bevölkerung der Alpenländer, 
wenigstens der schweizerischen, jetzt die grossen Vorteile der totalen 
Wildbachverbauung eingesehen hat, und dass diese p]insicht das beste 
]\Iittel gegen die Wildbachgefahr sei. Die Durchführung des Systems 
erfordert zwar viele Millionen, aber der daraus entspringende mate- 
rielle Nutzen ist unendlich viel höher anzuschlagen als die Kosten. 

Die Diskussion wird benützt von Herrn Oberforstinspektor Coaz 
welcher noch speziell auf die Wirkungen der Lawinenstürze aufmerk- 
sam macht, von Herrn Professor Graf, der die vor 20 Jahren durch 
den Ratsherrn Jenni ins Werk gesetzte Verbauung in Niederurueii 
berührt, von Herrn Professor Thürlings, welcher die Verbauungen 
im Gebiet der Hier schildert, von Herrn Häfliger, der in den vom 
Bunde subventionierten Wildbachverbauungen, eine der schönsten 
Wirkungen schweizerischer Zusammengehörigkeit erblickt. 

MiUjUeder-Etat : Aufnahmen : 

Ehrenmitglied : 
Herr Bütikofer, Konservator am zool. Reichsmuseum in Leyden. 

Als Aktivmitglieder : 

65. Herr Jacot-Guillarmod, Ingenieur. 

66. „ Benteli-Kaiser V. D. M. 



— XVII — 

Austrittserklärungen : 
t) Herr Forstnispektor Frey in Delsberg. 

f) „ Dr. A. Pfander in Bern. 

150. lYlonatsversammlung vom 28. Januar 1892. 

(Restaurant Born.) 

Anwesend: 80 Mitglieder und Gäste. 
Präsidium: Herr Kegierungsrat Dr. Gobat. 

Herr Ernst Barth aus Whydali hält seinen angesagten Vortrag 
über Land und Leute in Dahomey. (S. Vorträge und Mitteilungen, 
pag. 149.) Derselbe ist durch eine reiche ethnographische Ausstellung 
veranschaulicht und belebt. 

Herr Dr. von Fellenberg benützt den Anlass, dem Redner auch 
die reiche Schenkung zu verdanken, die er der ethnographischen 
Ausstellung in Bern gemacht. 

Ueber die Schenkungen an die Geographische Gesellschaft gibt 
das Verzeichnis Aufschluss, das den Mitteilungen über die Bibliothek 
beigegeben ist. (S. Vorträge und Mitteilungen, pag. BßO.) 

Herr Regierungsrat Dr. Gobat erstattet den Geschäftsbericht 
pro 1891. Dessen Inhalt findet sich in dem Generalbericht auf Seite 
XXXIV— XXXIX verwertet. 

Mitglieder- Etat : 

Als Aktivmitglieder werden aufgenommen: 

67. Herr Schmid-Weber. 

68. y, Sekundarlehrer Stucki. 
Austrittserklärungen : 

g) Herr Falquet-Henzi. 

h) ., WendUng, Sekretär des Internationalen Postbureau. 

151. lYlonatsversammlung vom 18. Februar 1892. 

Anwesend: 62 Mitglieder und Gäste. 
Präsidium: Herr Regierungsrat Dr. Gobat. 

Das Sitzungslokal ist in einen förmlichen Palmenhain umge- 
wandelt und überreich nicht allein mit Blättern und Früchten der 
Palmen, sondern auch mit den verschiedensten daraus gewonnenen 
Produkten geschmückt. Herr Professor Tschirch hält seinen Vortrag 
über die Palmen , dem wir Folgendes entnehmen : 

Herr Professor Tschirch führte an der Hand zahlreicher Photo- 
graphien die Hörer aus unseren heimischen Treibhäusern, in denen 
wir hauptsächlich wegen deren ungenügender Höhe, die Palmen nur 

XI. Jahresbericht d. Geogr. Ges. v. Bern, iwu— isfiä II 



— will — 

in Yerkrüi)polteii Exemplaren kennen, nach der italienischen Riviera, 
an der zwar einiiie Palnionarten im Freien gedeihen, jedoch nur mit 
Mühe über die rauhe -lahreszeit hiuNveggebracht werden, ferner nach 
Aegyi)ten, wo sich die Dattelpalmen bereits bis zu einer Höhe von 
80 — 40 Fuss ausgewachsen vorfinden und endlich nach den Trojten. 
speciell der kleinen Insel MiniicoV; nach Ceylon, der eigentlichen 
Cocositalmen- und Edelsteininsel, und nach den verschiedenen grossen 
und kleinen Inseln des hinterindischen Archipels. Der pjudruck, den 
die Palmen hier, in ihrer Heimat, auf den Beschauer machen, ist aller- 
dings ein grossartiger und man begreift Linn^s Bewunderung, die sich 
ausdrückte in der Absicht, die Palmen nicht in sein PHanzensystem ein- 
zureihen, sondern sie als principes plantarum den übrigen PHanzen 
gegenüberzustellen. Indes geht doch Humboldt zu weit, wenn er be- 
hauptet, dass die Palmen die edelsten und schönsten PHanzen seien, 
ein Ausspruch, der ihm tausendfach gedankenlos nachgesi)rochen wird: 
es gibt auch in den Tropen manche Arten, die geradezu struppig aus- 
sehen und andere Baumgattungen, wie der Feigenbaum, der Brotfrucht- 
baum, können an Schönheit mit den Palmen vollständig konkurrieren. 
Die Mannigfaltigkeit der Formen geht bei den Palmen bis ins Unend- 
liche. Es gibt solche, die gar keinen Stamm entwickeln, deren Blatt- 
büschel direkt aus dem Boden herauswachsen (z. ß. Nipa); andere ziehen 
sich in Form von 30 — 40 J\Ieter langen und nur wenige Centimeter 
dicken Tauen durch den Urwald dahin, mit Stacheln an die andern 
Bäume sich anklammernd (Schling- oder Klimmpalmen, Rotangs). 
Die Mehrzahl der Palmen allerdings ist von schlankem Wüchse, der 
Stamm erhebt sich säulenförmig auf 80 — 100 Fuss in fast gleicher 
Dicke. Oben breitet sich der Blattbüschel aus, der am schönsten 
geformt bei der Tallpotpalme erscheint. Besonders mannigfaltig sind 
die Formen der Blätter und sie erreichen oft, selbst schon bei jungen 
Exemplaren, eine riesige Grösse. Die Palmen sind eingeschlechtige 
Pflanzen. Au ihnen hat vor etwa 150 Jahren der Botaniker Gleditzsch 
die Geschlechtsverhaltnisse bei den Pflanzen zuerst erkannt. Die 
Blütenstände sind stets von einer Scheide (Spata) undiüllt, die zu- 
weilen riesige Dimensionen annimmt. Viele Palmen blühen nur 
einmal in ihrem Leben und geben mithin auch nur einmal Frucht 
(z. B. die Talipot). Sie blühen sich, wie der Botaniker sagt, tot. 
Die Blüte setzt sich nämlich am Vegetationspunkt, der Spitze des 
Stammes an und stirbt diese ab, so hört das Wachstum der Pflanze 
auf. Bei der Tallpotpalme tritt diese einzige Blüte circa im 60. Lebens- 
jahre ein. 

Das Wachstum der Palme ist kein besonders rasches, jedoch da 
es stetig, ohne eine Unterbrechung durch die Jahreszeit vor sich 



- XIX - 

gellt, ist die Entwicklung doch eine kräftige. Jahresringe bilden sich 
nicht. Da die Palmen Monokotyledonen sind, erfolgt kein Wachstum 
des Stammes in die Dicke. Das Blühen und Früchtetragen tritt meist 
erst nach dem 50. Lebensjahre des Individuums ein, daher ist z. B. 
eine Dattelpalmenanpflanzung eine Kapitalanlage, welche erst ver- 
hältnismässig spät Zinsen trägt, dann aber um so reichlicher. 

In den Tropen kommen nicht überall Palmen vor. Die einen 
Arten wachsen an den Wasserläufen, die anderen am Meere, wieder 
andere im Gebirgsland; endlich gibt es auch solche, die unter allen 
verschiedenen Bedingungen fortkommen. Manche, wie die Dattel- 
palme, wandern aus den Tropen aus, dringen in die Wüste ein und 
bilden einen typischen Bestandteil aller Oasen. Die Früchte der 
Palmen bilden sich in den verschiedensten Grössenverhältnissen aus: 
die grösste Frucht hat Lodoicea Sechellarum ; andere haben ganz 
kleine Früchte, jedoch meist einen sehr grossen Fruchtstand, aber 
auch dieses nicht durchgängig. 

Es gibt fast keinen Teil der Palmen, der nicht vom Menschen 
verwendet und ausgenützt wird. Aus dem tauförmigen Stamme der 
Eotangs macht man Billardqueiis, Piohrstöcke, Stuhlgeflechte, Körbe: 
er ist ein wichtiger Exportartikel Sumatras. Aus der Sagopalme, 
die für ihr einmahges Blühen und Früchtezeitigen eine Unmasse 
Stärkemehl in ihrem Stamme aufspeichert (bis zu 2 Centner) wäscht 
man, nachdem mau den Stamm kurz vor der Umwandlung des 
Stärkemehls in Zucker, gefällt hat, das Stärkemehl heraus ; es ist ein 
unentbehrliches Nahrungsmittel derjenigen Tropenländer, die keinen 
Pteis bauen. Aus den Blattstielen der Sagopalme macht man Kisten, 
mit den Blättern der Nipapalme deckt mau Dächer; die mit Stacheln 
besetzten Teile verschiedener Rotangs verwendet man zur An- 
fertigung eines sinnreichen Instrumentes, mit dem flüchtige Ver- 
brecher von hinten her festgehalten werden. Den Zuckersaft aus 
den Blütenständen des Arenga saccharifera fängt man in Gefässen auf. 
die Zwecks Verhinderung der Gährung des Saftes geräuchert sind, 
wovon der Zucker beim Eintrocknen braun wird. Lässt man dagegen 
die Gährung eintreten, so entsteht Palmwein (Toddy) und destilliert 
man diesen, so gibt es Arrac. Aus den Früchten und Samen der 
Oelpalme presst man (neuerdings mit euro])äischen Maschinen) das 
Palmöl. Die Datteln der Dattelpalme sind für ganz Nordafrika nicht 
nur ein Genussmittel, sondern ein hochwichtiges Nahrungsmittel. 
Aus dem sehr harten Endosperm der Samen (Steinnüsse) der Elfen- 
beinpalme fabriziert man Knöpfe (vegetabilisches Elfenbein). 

Die nach der Talipotpalme schönste unter den Palmen, die Cocos- 
palme, ist auch die nützlichste; ihr Stamm gibt Bauholz, ihre Blätter 



— x\ — 

I>aclibetie('lvunfj:, die faserijie Hülle der Früchte i;i1)t die Oocosfaser, 
ein \vichtiires Ixoliiiiaterial der Textilindustrie; die Imrte Schale der 
Frucht verarbeitet man zu LotVeliu Schalen, Hechern etc. Die nilchstc 
Schicht, das Kiidosperm (Copra) gibt das Cocosöl und das Innere die 
fast wasserhelle Coco.sniih'h. Die jungen l^latttricbe endlich können 
als Palinkohl gegessen werden. 

llcitte der Schöpfer dem Tropenbewohner nichts weiter als die 
Cocosjialme ixegeben, so würde derselbe alle seine Lebensbedürfnisse 
aus ihr bestreiten können. Und dabei sind die PHanzen in ihren 
Ansprüchen an den Boden, auf (iem sie wachsen, sehr bescheiden ; 
sie sind also nicht nur schöne sondern auch äusserst nützliche PHanzen. 

Hierauf referiert Herr Piedaktor Mann über eingelaufene Geschenke 
(S. Vortrage und Mitteilungen, pag. S4.) 

Herr Kegierungsrat Dr. Gobat erinnert an den Tod des berühmten 
Afrikaforschers Dr. Willi. Junker und Herr Professor Dr. Brückner 
macht der Versammlung Mitteilungen über dessen Leben und Wirken. 
Es war derselbe auch als Gast des Weltkongresses erw\artet und 
sein Wegbleiben sehr bedauert worden. Nachträglich stellt sicii nun 
heraus, dass ihm gerade durch das Wegbleiben vom Weltkongress 
noch die Vollendung seines dreibändigen Reisewerks ermöglicht wurde. 

2l'dglic(ler-Etat: Als Ehrenmitglied wird aufgenommen: 
Herr Professor Cora in Turin. 

Als Aktivmitglieder: 
<;;». Herr Fritz Haller-Bion, Buchdrucker. 
70. „ Herrn. Kümmerly, Lithograph. 

152. IVIonatsversammiung vom 24. iViärz 1892, 

liistiiui'.int liorii. 

Anwesend: 1)8 Mitglieder und Gäste. 
Präsidium: Herr Regierungsrat Dr. Gobat. 

Der Vorsitzende begrüsst den Vortragenden des heutigen Abends, 
Herrn Jos. Ilg und ladet zugleich die Mitglieder zum Besuch der von 
Herrn Bg veranstalteten ethnographischen Ausstellung ein. 

Herr Bg möchte seinen Vortrag in die Form einer Diskussion 
kleiden und bittet, ihm Fragen zu stellen. 

Der mehrstündige Vortrag setzt sich denn auch aus den Ant- 
worten auf die gestellten Fragen zusammen. Wir geben ihn nach 
den ziemlich vollständigen Notizen unseres Mitgliedes, des Herrn 
Redaktor Hager wieder. 

Den Anfang seiner Mitteilungen machte eine allgemeine geo- 
graphische Beschreibung des Landes. Abessinien ist ein alter Kultur- 



— XXI - 

Staat, gelegen zwischen dem 8 und U) Grad nördlicher Breite, um 
einige Grad westlich von der Bab-el-Mandeb-Enge. Er zerfällt in 3 
Zonen, das TieÜand (Kwola) vun etwa 700 — 800 Meter Höhe über 
dem Meer, das Mittelland (Woina Dega) isoo— 2400 Meter hoch und 
das Hochplateau (Dega) ;!000 Meter und darüber. Jede dieser Stuten 
erzeugt natürlich verschiedene Produkte; man findet also die ver- 
schiedensten Kulturen in räumlich schneller Aufeinanderfolge. Die 
eigentlichen Abessinier wohnen nur in der liöchsten oder allenfalls 
noch in der Mittelzone; die übrigen Teile werden von Somali, Dan- 
kali und Galla bewohnt. Letztgenannte Völker sind Nomaden und 
treiben nur Viehzucht; sie sind von ziemlich wildem Charakter. 
Der Abessinier dagegen, der Viehzucht, Ackerbau und etwas Indu- 
strie treibt, ist zahmen und gesetzlichen Sinnes; es herrscht eine 
wohlgeordnete Verwaltung im Lande. 

Im 4. Jahrhundert n. Chr. fand das Christentum Eingang, 
Avurde aber bald durch den vordringenden Islam isoliert und w^ar nun 
im fortwährenden Karapt gegen diesen auf sich selbst angewiesen. 
Hätten schon früher Beziehungen zu Europa bestanden, so hätte sich 
hier eine blühende Kultur entwickeln können; denn dem abessinischen 
Volke wohnt eine gesunde, frische Kraft und grosse Bildungsfähig- 
keit inne. Das vortreffliche Klima des Hochlandes erhält dem Volke 
seine Frische; dort steigt die Temperatur nur bis 4- o-° und fällt 
selten unter O^ allerhöchstens bis — 2*^; im Mittel ist sie 18 — 20*^. 
Anders freilich ist es im Tiefland, wo Temperaturmaxima bis öo^ 
vorkommen ; die dortigen Bewohner sind nicht so kulturfähig und 
zudem meistens Mohamedaner. 

Als Gesetz gilt noch das des Justinian mit verschiedenen Zu- 
sätzen. Die Sklaverei wurde vor s Jahren abgeschafft. Jetzt können 
Völker nur noch in dem Falle, wenn sie sich zum dritten Mal gegen 
die Abessinier empören, zur Strafe 7 Jahre lang in Kriegsgefangen- 
schaft gehalten werden. Während dieser Zeit pflegen sie vieles von 
der höhern abessinischen Kultur anzunehmen und verbreiten dies 
nach ihrer Rückkehr in die Heimat weiter. 

Früher zerfiel Abessinien in Königreiche, von denen jetzt nur 
noch vier, Schoa, Tigre, Gondar und Godscham existieren. Ober- 
könig ist Menelik, der König von Schoa. In Tigre herrscht Man- 
gescha, der Sohn des ehemaligen Kaisers Johannes ; er ist aber noch 
nicht gekrönt. Gondar ist gegenwärtig in eine Anzahl selbständiger 
Provinzen unter verschiedenen Ras zerfallen. Alle abessinischen 
Herrscher haben das Erscheinen der Europäer an den Küsten mit 
Freuden begrüsst; freilich von der gewaltsamen Verbreitung der 
europäischen Kultur, wie sie jetzt an der Tagesordnung ist, wollen 



— XXII — 

sie niclits wissen. Vor I .laliren wurde von den Italienern eine 
Viehpest in Abessinien eingeschleppt, welche nicht einnuil das tausendste 
Stück des reichen Viehstandes verschonte. Die Kadaver, welche in 
solcher Masse dala.uen, dass ihre Reseitiuun^' unmöglich war, erzeu.Ljten 
Kpideniion unter den Menschen. Wegen des Mangels an Rindvieh 
konnte das Feld nicht mehr so gut bestellt werden; daher wucherte 
das Gras empor und beherbergte Milusescharen, welche die Fluren 
verwüsteten. Letztere Schilden wurden durch Abbrennen des Grases 
einigermassen zurückgedrängt. Aber das Jahr darauf fielen zwei- 
mal enorme lleusciireckenschwärme ins Land. Dieser Ausfall der 
Ernte in zwei .Taliren hintereinander erzeugte eine llungertyphus- 
epidemie, der von ls!)() — <)] ein Dritteil der Bevölkerung Abessiuiens 
zum Oj)fer ucfallen ist. 

All das Unglück wurde von der Bevölkerung den Europäern 
Schuld gegeben. Menelik aber erliess ein Edikt, welches dieser 
Anschuldigung entgegentritt. Im November und Dezember isni ist 
die Ernte sehr reichlich ausgefallen und der Notstand beginnt zu 
weichen. Vor den geschilderten Unglücksfällen kosteten 4 Zentner 
Korn 1 Franken, .30 Liter Honig 2 Franken und einer der grössten 
Krüge Butter ')() Rappen; jetzt kostet 1 Kilogramm Korn 50— (iO 
Rapi)en, der Honig ist zwar noch ziemlich billig; aber Butter gibt 
es gar nicht mehr, denn das Rindvieh wird jetzt nur zur möglichst 
zahlreichen Aufzucht von Jungvieh verwendet. In einigen Jahren 
können die schlimmsten Schäden geheilt sein ; aber für eine vollständige 
Wiedererholung Abessiuiens bedarf es eines Zeitraumes von 50 Jahren. 

Die Dynastie, welcher Menelik entstammt, ist, wenn man der Sage 
(xlauben schenken darf, uralt; denn ihr Begründer, Menelik L, soll der 
Sohn König Salomos von Israel und der Königin von Saba gewesen 
sein. Der jetzige Negus, Menelik IL, ist der 11:5. in der Reihe der 
rechtmässigen Könige. Die zahlreichen Usurpatoren, welche diese 
Reihe unterbrochen haben, werden in den Geschichtsbüchern der 
Abessinier nicht einmal dem Namen nach aufgeführt. In seiner 
Jugend war Menelik, als der ächte Tronerbe, Gefangener des 
Usurpators Theodorus, wurde aber in milder Haft gehalten und er- 
hielt sogar eine Tochter Theodors zur Frau. Unterstützt von 
dieser letztern entwich er. Theodorus, obgleich von Grössenwahnsinn 
befallen und in den zügellosen Launen eines Tyrannen sich ergehend, 
blieb doch ein grosser Charakter. Dies zeigte er, als ihn 1808 die 
Engländer in Magdala eingeschlossen hatten. Er persönlich begleitete 
die 42 europäischen Gefangenen, um sie vor der Wut der Abessinier 
zu schützen, bis an den Fuss der Festung, bat sie dort um Ver- 
zeihung wegen der Unbill, die er ihnen vorher angethan und zog sich 



— XXIII - 

dann wieder in das Fort zurück, um sich zu erschiessen und so der 
Gefangenschaft zu entgehen. Menelik, der seit 1SG8 König von 
Schoa war, hielt sich damals in der Nähe von Magdala auf, um, wie 
man sagte, Theodor den Ausweg nach dem Süden zu verlegen. Es 
war ihm aber damals noch nicht vergönnt, den angestammten Thron 
zu besteigen. Ein iieuer Usurpator, Johannes, König von Tigre, 
aus einer Seitenhnie des könighchen Hauses stammend, wurde zu- 
nächst Kaiser und drang auch 1878 in Meneliks Königreich Schoa 
vor, es unterwerfend. p]ndlich, nachdem Johannes gegen die Mahdisten 
gefallen, wurde Menelik Kaiser. 

Menelik ist eine sympathische Erscheinung, hat hohe Gestalt, zwar 
etwas Negertypus, aber schöne Augen. Der europäischen Civilisation 
ist er sehr geneigt. Er hat unglaubhche Arbeitskraft ; von morgens 
8 Uhr bis nachts 10 Uhr befasst er sich unausgesetzt mit den Re- 
gierungsgeschäften und zwar verrichtet er von 3 bis 4 Uhr die Königs- 
gebete, geht dann bis (i Uhr mit seinem Sekretär die eingelaufene 
Korrespondenz durch, wobei er die Antworten so schnell erteilt, dass 
jener nicht einmal Notizen machen kann; von 6 bis 7 Uhr findet eine 
Beratung mit den Würdenträgern statt, in welcher die übrige Zeit 
des Tages besetzt und das entworfene Programm auch sofort auszu- 
führen begonnen wird. Bei dieser Geschäftsüberhäufung kommt es 
leicht vor, dass man 4 bis 5 Tage antichambrieren muss, bevor der 
König einen anhören kann. Er hört nämlich jeden aus seinem Volk, 
der es verlangt, persönlich ; wehe dem aber, der nichtsnutzige Trölerei 
vorbringt. Mit Recht nennt sein Volk den Menelik „Vater der 
Richter'^ Wenn man ihm vorschlägt, doch die minderwichtigen Ge- 
schäfte andern zu übertragen, entgegnet er, es werde es ihm doch 
keiner recht machen. 

Eine gewisse Erholung in solcher aufregender Thätigkeit ge- 
währen dem König die Rundreisen im Lande, die er etwa alle sechs 
Monate macht und über zwei Wochen bis zu zwei Monaten ausdehnt. 
Er lässt vorher niemanden wissen, wohin er geht, sondern beruft nur 
die Beamten und die Heeresabteilung, die ihn begleiten sollen, dass 
sie sich, mit dem nötigen Proviant versehen, an einem gewissen Tage 
und Orte einfinden sollen. Wohin alsdann Menelik kommt, überall 
wird er mit Jubel empfangen. Die Einwohner bringen ihm Geschenke 
an Nahrungsmitteln uiul dergleichen und bitten dafür um Recht- 
sprechung, die, wenn immer möglich, unter freiem Himmel erfolgt, 
um Abstellung vorgebrachter Beschwerden u. s. w. 

Menelik ist genötigt, einen grossen Hof zu halten, der zunächst 
aus den Gliedern seiner Familie und ferner aus Generälen, welche 
den persönlichen Dienst bei ihm versehen, besteht. Der Chef dieser 



— XXIV — 

Generiile hat die Vcrprieiiuiii;- unter sich, die natürlich sehr koniiiliziert 
ist. Wie in jeder Ihuishaltunji', die gewöhnlich ;i() — 10 Personen unifasst. 
eine eigene Bilckerei, ein Honighaus, ein Uierhaus, Stallungen etc. 
vorhanden sind gemäss dem Grundsatze, dass jede Haushaltung sich 
selh.^t mit allen Bedürfnissen nuiss versehen können, so bestehen 
auch am königlichen Hofe alle diese Einrichtungen. Gasthäuser gibt 
es nicht. Wer von auswürts kommt, muss bei einem Freunde 
Quartier nehmen, und hat er keinen solchen, beim Könige. Ins- 
besondere allen Europäern wird dies zu Teil. So umfasst der Hof 
für gewöhnlich 2 — oOOO Personen, und bei solchem Umfang des 
Haushalts ist es nicht zu verwundern, wenn die Verpflegung auch 
einmal nicht ganz am Schnürchen geht, weshalb der Europäer gut 
thut, eiuigermassen selbst für sich zu sorgen. 

Ausser den schon genannten Räumlichkeiten gibt es im könig- 
lichen Palast einen grossen Empfangssaal, ein Gerichtshaus etc. Die 
Staatskasse und die königliche Privatkasse sind streng getrennt, 
Erstere erhält sich von den Steuern, letztere von Geschenken, den 
Erträgnissen der Krongüter und zuweilen Extrasteuern. Es gehen 
diese zum grössten Teil in Form von Flussgold, Elfenbein und 
Moschus ein und ihr Wert ist ziemlich hoch. Europäer nehmen dem 
König um Silbergeld diese Waren ab ; sie würden sich aber gewaltig 
täuschen, wenn sie glaubten, sie könnten den König dabei übervor- 
teilen. Er ist stets genau unterrichtet über die an der Küste geltenden 
Marktpreise. 

Ein besonderes Vergnügen ist es für den König, seine zahlreichen 
Bauten nicht nur zu überwachen, sondern auch selbst den Architekten 
zu machen (freiUch mit nicht viel Glück, es muss zuweilen ein Bau 
zehnmal eingerissen werden, ehe er steht, wie er ihn sich gedacht hat), 
ja sogar selbst Hammer und Beil zur Hand zu nehmen, Bretter zu 
sägen, Steine zu behauen, um seinem Volke zu zeigen, dass x\rbeit 
nicht schändet. Einmal hat er die schwersten Stämme mit aus dem 
Walde tragen geholfen, damit es die andern auch thun mussten. 
Aber er tindet nicht viele Nachahmung bei seinem Volke, denn es 
neigt zur Unthätigkeit. 

Trotz seiner schmerzlichen Erfahrungen mit den Europäern, hat 
er das Vertrauen in dieselben nicht verloren ; denn er weiss, dass er 
nur von ihnen die erwünschte Belehrung für sich und sein Volk 
erlangen kann. Karten studiert er mit grossem Interesse und ist 
erfreut darüber, dass die Richtung, in welcher die einzelnen Provinzen 
nach den Karten liegen, übereinstimmt mit der, welche ihm sein Natur- 
sinn angibt. Topographische Aufnahmen duldet er trotz der Gefahr, 
die darin liegt, wenn die Europäer sein Land zu genau kennen lernen: 



- XXV — 

es überwiegt eben das civilisatorische Interesse. Sehr gern schliesst 
er Freuudschaftsverträge mit europäischen Völkern ab; denn immer 
ist sein Blick auf Europa gerichtet, als auf die Quelle der Kultur. 
Alles in allem ist Menelik ein Mann, der die höchste Achtung verdient. 

Eine systematische Ausbeute der Goldminen seines Landes lehnt 
König Menelik ab; er will sich diesen prächtigen natürlichen Fonds 
aufsparen, bis er desselben wirklich bedarf. Leut\ die ihm in diese 
Angelegenheit zu vorwitzig die Nase stecken, weiss er nach Gebühr 
abzufertigen. — Die Haupteinahmsquelle des Staates ist der Zoll auf 
Einfuhr und Ausfuhr, der in beiden Fällen 10 7o des Warenwertes 
beträgt. Durch das ganze Land herrscht ein vernünftig angelegtes 
Agrarsystem, die Krongüter sind zu einem grossen Teil für billige 
Pacht an ärmere Bauern ausgeliehen. — Für Anlegung einer Eisen- 
bahn wäre der König schon zu gewinnen gewesen, wenn nicht die 
Italiener dagegen intriguiert hätten, weil gerade nach dem von ihnen 
besetzten Teil der Küste eine Eisenbahn wegen der Terrainschwierig- 
keiten unmöglich ist. Ebenso konnte es, trotz des Interesses des 
Königs dafür, bis jetzt nicht zur Errichtung von Telegraphen kommen. 
Die Post wird durch zu Fuss reisende Courriere besorgt, durch welche 
Einrichtung, trotz ihrer Primitivität, es möglich wird, einen Brief 
aus dem Innern nach der Küste oder umgekehrt binnen 16 Tagen 
zu befördern, was früher eine Zeit von mehreren Monaten erforderte. 

Höchst bemerkenswert waren die Enthüllungen, welche der Vor- 
tragende über das angebliche Protektorat Italiens über Abessinien 
gab. In dem 18.*^9 abgeschlossenen Freundschafts- und Handelsvertrag 
zwischen beiden Staaten lautet der § 17 im äthiopischen ürexemplar 
dahin, dass König Menelik für Unterhandlungen mit anderen europä- 
ischen Staaten sich der freundlichen Vermittlung des Königs von 
Italien bedienen kann; dagegen gibt er in der italienischen Ueber- 
setzung des Vertrages ein für allemal seine Einwilligung dazu, dass 
eine solche Vermittlung stattfinden muss. Begreiflicherweise herrschte 
in Abessinien grosses Befremden, als man aus Zeitungen erfuhr, dass 
in Europa allgemein die Ansicht von einem italienischen Protektorat 
über Abessinien verbreitet sei. Es kam zu neuen Besprechungen, 
welche der italienische Unterhändler, Graf Antonelli, sehr brüsk ab- 
brach. Obgleich nunmehr Menelik sich direkt an König Humbert 
gewendet hat, schwebt die Angelegenheit noch und hat gegenwärtig 
kein freundliches Aussehen. 

Nach einigen allgemeinen, kritischen Bemerkungen über x\frika- 
forschung schilderte Herr Ilg das Familienleben der Abessinier, die 
bei ihnen übliche Form der Eheschliessung, den reichen Kindersegen 
und das trotz der Frühreife häufige Vorkommen eines hohen Lebens- 



- XXVI — 

alt(MS. die ll(>riichkeit im geselliii;en Verkehr, den Stand der Scliiil- 
bilduni:, der ein iiiedri.Lier f^enaniit werden niuss, freilich auch in der 
Schwierifrkeit des konipUzierten äthiopischen Alphabets ein Hindernis 
hat. l>ie Iveliuion der Abessinier ist bekannth'ch das Christentum, 
und zwar nach Dogma und Ritus der Monophysiten, wie es ihnen 
von den Kopten überkommen ist. Der Christuskult wird fast über- 
wuchert durdi den Marienkult. Der Aberglaube ist stark verbreitet 
und tief eingewurzelt. 

Die letzten Ausführungen des Herrn Vortragenden galten dem 
enorm reichen Wildstand Abessiniens an Elephanten, Antilopen und 
Gazellen, Straussen, allerhand Affen und Vögeln etc. etc., einen Keicli- 
tum, der das Land zu unerschöpflichen Jagdgründen macht. 

Mit(/liede)'-Etat: Als Ehrenmitglieder werden aufgenommen 
König ^lenelik von Abessinien. 
Herr Jos. Ilg, Ingenieur in Schoa. 

Austrittserklärungen : 
i) Herr Bichsel, Sekundarlehrer in Brienz. 
Je) ., Oberlehrer Gloor am Breitenrain. 
l) „ Ch. Hoch, Internat. Postbureau. 

Aus der Komitee-Sitzung vom 28. April 1892. 

Es wird für Herausgabe des XI. Jahresberichts eine dreigliedrige 
Kommission niedergesetzt, bestehend aus den Herren Professoren 
Brückner, Studer und Piedaktor Mann. 

153. lYlonatsversammlung vom 28. April 1892. 

Cafe-Restaurant Born. 

Anwesend: 44 ^Mitglieder und Gäste. 
Präsidium: Herr Piegierungsrat Dr. Gobat. 

Der Vorsitzende erteilt das Wort Herrn Benteli zu einem Vortrag 
über Eine Heise in das Land der Mitternachtssonne. 

Der Vortragende unternahm die Reise im Sommer 1888 von 
Greifswald aus, wo er damals studierte. Er begab sich nach Stettin 
und weiter zu Schiff über Kopenhagen nach Göteborg in Schweden, 
von hier aus zu Fuss nach dem norwegischen Städtchen Moss, dann 
per Dampfer über den Christiania-Fjord nach Christiania, der Haupt- 
stadt Norwegens, dem Neapel des Nordens. Mit Vergnügen erinnerte 
sich der Reisende der dortigen Begegnung mit den bekannten 
Schweizersängern Geschwister Mühlemann, die ihm freundliche 



- XXVII — 

Führerdienste leisteten. Eine in der Richtung" auf Trondhjem an- 
getretene Fusstour wurde nach drei Tagen durch schlechtes Wetter 
unterbrochen und musste per Eisenbahn fortgesetzt werden. Von 
Trondhjem aus begann wieder die Schift'sreise die ganze Küste Nor- 
wegens entlang, durch den Vest Fjord, zwischen den Lofoteninseln 
und dem Festland hindurch nach Tromsö, von wo der Reisende einen 
zweitägigen Abstecher zu Fuss in das Land der Lappen unternahm: 
dann weiter durch das nördliche Eismeer nach der nördlichsten Stadt 
der Erde, Hammerfest auf Koalö und nach dem Nordkap. 

In anschaulicher Weise beschrieb der Vortragende die berührten 
Städte nach ihren landschaftlichen Schönheiten und ihrem Bauten- 
charakter, wobei er zur Illustration photographische Abbildungen in 
der Zuhörerschaft zirkulieren Hess. Mit Wärme verweilte er bei der 
Schilderung der grossartigen Szenerien von steil in das tosende Meer 
abfallenden zerklüfteten Felsen, die gekrönt sind von ewigem Schnee 
und bestrahlt werden von dem gelblichen Schimmer der während eines 
Teiles des Sommers nicht untergehenden Sonne. Die riesigen Gletscher 
(der grösste von 800 Quadratkilometer Flächeninhalt), der viermal 
täglich sich wiederholende Saltström in der Enge des Saitenfjords, 
der weniger wilde Maelström, die furchtbaren eiskalten Stürme, kurz 
die ganze Natur des Nordens in ihren gewaltigen Erscheinungen 
fanden ihre beredte Darstellung. 

Dabei hatte der Reisende die Bevölkerung der durchzogenen 
Landstriche mit Sorgfalt und sympathischem Interesse beobachtet: 
denn er gab viele charakteristische Züge von deren Eigenart durch 
seine oft mit Humor gewürzte Erzählung wieder. Auch beschrieb 
er die Gefahren, denen die kühnen Fischer sich aussetzen, wenn sie 
dem reichlich lohnenden Fange des Herings, Kabljaus, Dorsches und 
anderer Meerbewohner obhegen. Mit besonderer Ausführlichkeit ge- 
dachte der Redner seiner Erfahrungen bei den, in ihrem Aeusseren 
freilich sehr wenig anmutenden Lappen, die von der Renntierzucht 
leben. 

Herr Professor Dr. Graf zeigt eine Karte vor, von der er auch 
eine Facsimile-Nachbildung an die Anwesenden verteilte, welche, im 
Jahre 1068 von dem Pater Bonjour zu Landeron erstellt, die älteste 
ist, die das damalige Fürstentum, den jetzigen Kanton Neuenburg 
kartographisch darstellt, und trotz der bescheidenen technischen Mittel 
jener Zeit als ein vortreffliches Werk bezeichnet werden muss*. 



* Diese Arbeit erschien mit französischem Text im Bulletin de la Societe 
de Geographie ä Neuchntel, 



- WVIIl — 

Mitillivihr-Etat : Aufnahmen. 
71. Herr Alox. r.eck, Privatier im Marzili. 
7J. .. Held, Ingenieur, Topograph. 
7;!. .. Nuzzo Mauro. Konsul von Bolivia, in Neapel. 

154. IVIonatsversammlung vom 9. Juni 1892, 

Cal(''-Ueslaiu;iiil Üdi'ii. 

Anwesend: M(i Mitglieder und Güste. 
Präsident: Herr Regierungsrat Dr. Gobat. 

Nit(/Ueder-Efat : Aufnahmen : 
74. Herr Veron-Lanz. 

Austrittserklärungen : 
ni) Herr Giroud in Freiburg. 
h) „ Christen, Eisennegotiant. 
0) „ V. Lerber, Sekundarlehrer in Bern. 
p) y, Schwab, Sekundarlehrer in Hindelbank. 
'D n Werder, Direktor der Spinnerei Felsenau. 

Den ersten Vortrag dieses Abends hält Herr Prof. Dr. Brückner 
über Tiefseeablcujeriiugen. Er legt seinen Mitteilungen das kürzlich 
erschienene Werk Murrays über die wissenschaftlichen Ergebnisse der 
Challenger-Expedition zu Grunde. 

Der Meeresgrund ist durchgängig bedeckt mit Ablagerungen, die 
ihrer Herkunft nach in zwei Hauptarten geschieden werden müssen : 
a) solche festländischen Ursprungs und l) pelagische oder echte 
Tiefseeablagerungen. Die ersteren gelangen ins Meer durch die 
einmündenden Flüsse, durch Abschmelzen der bis ans Meer reichenden 
Gletscher, durch Windströmungen, welche Staub mit sich führen, und 
durch das Abbröckeln der Küsten infolge der Meeresbrandung. Inner- 
halb des Meeres werden sie durch die Strömungen fortgeführt, oft auf 
sehr starke Entfernungen. Sie sind der mannigfachsten Natur; bald 
ist es Sand, bald Thon, der sich aus dem ehemaligen Schlamm der 
Flüsse gebildet hat und zuweilen noch Pflanzenteile einschliesst. Die 
echten Tiefseeablagerungen werden dadurch gebildet, dass die im 
Meere lebenden Milliarden von kleinsten Lebewesen die im Wasser 
gelösten Stoffe, als Kalk, Kieselsäure etc., aus demselben extrahieren 
und sie zum Bau ihrer Gehäuse oder Skelette verwenden, die nach 
dem Tode der Lebewesen zu Boden fallen und sich hier aufliäufen. 
So entsteht der Globigerinenschlamm vorwiegend aus den Resten der 
Foraminiferen, der Radiolarienschlamm vorwiegend aus den Resten 
der Radiolarien, der Diatomeenschlamm aus den Resten der Diatomeen. 



— XXIX - 

Die höhere, zu den Molhisken gehörige Familie der Pteropodeii ergibt in 
gleicher Weise den Pteropodenschlamm. Die verbreitetste Ablagerung 
aber ist der sogenannte rote Tiefseethon, dessen Herkunft noch 
zweifelhaft ist. 

Die vom Festland herrührenden Ablagerungen tinden sich an 
allen Küsten und oft bis weit in das Meer hinaus, z. 15. sind der 
Grund des Mittelländischen Meeres, der der Nord- und Ostsee und 
des nördlichen Eismeeres vollständig von ihnen bedeckt. Die ozea- 
nischen Schlamme tinden sich in den entfernteren Meeresteilen und 
zwar der rote Tiefseethon in grösserer, der Globigerinenschlamm in 
geringerer Tiefe; ersterer beherrscht den pazifischen, letzterer den 
atlantischen Ozean. 

Die so gewonnenen Kenntnisse des Meeresbodens haben ein hohes 
geohigisches Interesse; denn indem man die derzeitige Kildung von 
Sedimenten beobachtet, gewinnt man eine richtigere Einsicht in die 
Bildung der früheren Erdperioden angehörenden Sedimente. Auch 
geographische Fragen werden durch die Tiefseeforschungen gelöst; 
so ist z. B. aus der Art der Bodenablagerungen jetzt nachgewiesen, 
dass am Südpol ein grosser übergletscherter Kontinent sich befinden 
muss, am Nordpol dagegen offenes Meer, w^elche letztere Thatsache 
eine glänzende Bestätigung dadurch gefunden hat, dass Ueberreste 
der an den neusibirischen Inseln gescheiterten Jeanettenexpedition 
auf einer Eisscholle am Pol vorbei bis an die Südspitze von Grön- 
land getragen wurden. 

Herr Professor Stiicler knüpfte einige weitere einschlägige Mit- 
teilungen hieran und zeigte dabei Proben der verschiedenen Schlamm- 
und Thonarten mikroskopisch vergrössert vor. 

Hierauf machte Herr Ptegierungsrat Gobat ^litteilungen über die 
Publikationen der Sniithsonian Institution in Washington. (Siehe 
Vorträge und Mitteilungen, pag. 165.) 

Anlehnend an diese Mitteilungen ermuntert Herr Häfliger die 
Mitglieder, vom Ptecht der Benützung der Eidg. Centralbibliothek, 
welche die betreffenden Publikationen besitzt, Gebrauch zu machen. 

Endlich referiert Herr Redaktor Mann über SMavereiverhältnisse 
in Afrika. (S. Vorträge und Mitteihmgen, pag. 95.) 

In der Diskussion, die sich an diesen Vortrag anlehnt, beklagt 
Herr Professor Oncken den Mangel an gutem Willen, den viele im 
Namen der Civilisation und des Christentums arbeitende Staaten 
an den Tag legen, tadelt auch gewisse selbstsüchtige Massregeln des 
Unabhängigen Kongostaates und beleuchtet, in dieser Richtung auch 
von Herrn Häfliger unterstützt, noch die Unterschiede zwischen Haus- 
sklaverei und Plantafiensklaverei. 



- XXX — 

Die IloiToii Trofessoren Studer und lUückner niadieii noch auf- 
inerksam auf den bovorstehenden Internationalen Anthropologischen 
und Zoologisi'hen Kongress in Moskau. 

Aus den Komitee-Sitzungen vom 27. IVlai und 28. Juli 1892. 

Als Delegierte unserer (Jesellschaft zur Colunibusfeier in Genua 
und in Hiielva werden die Herren Gobat und llätliger in Bern und 
H. Moser in Paris bezeichnet, als Delegierter für die Colunibusfeier 
in Hamburg Herr Professor Dr. Ik'ückner. 

An Stelle der 1")5. Monatsversammlung tritt 

Die Columbusfeier vom 27. Oktober 1892 

im grossen Museumssaal. 

Ausserordentlich starke Frequenz. 

Herr Professor Dr. Brückner, damit zugleich die Serie der 
Hochschulvorträge 1892—1893 eröffnend; spricht über die Bedeutung 
der Entdeckung Amerikas für Europa. 

Saal und Galerien waren überfüllt und viele Personen fanden 
überhaupt keinen Platz mehr um den Vortrag anzuhören. Der Redner 
pointirte seine Ansicht über Amerika dahin, dass dasselbe durch seine 
günstige Weltlage an zwei Meeren auf eine schliesshche dominierende 
Weltstelluug angelegt sei. In der nachfolgenden gemütlichen Ver- 
einigung im „Kasino" entbot Herr Direktor Dr. Gobat namens der 
Geographischen Gesellschaft den Festgruss. Herr Konsul Häfliger 
berichtete kurz über den Charakter der von ihm als Delegierten 
besuchten Columbusfeste in Genua und Huelva. Jenes habe aus- 
schliesslich pädagogischen Charakter getragen, während die spanische 
Feier in Huelva zu allgemeiner Ueberraschung von dem handels- 
politischen Gedanken einer Wiedervereinigung der südamerikanischen 
ehemaligen Koloniegebiete mit dem spanischen Mutterlande im Sinne 
eines Zollvereins getragen gewesen sei. 

!56. IVIonatsversammlung vom 25. November 1892. 

Cafe-Restaurant Born. 

Anw^esend 60 MitgUeder und Gäste 
Präsidium: Herr Professor Dr. Studer. 

Herr Häfliger beginnt seine Berichterstattung über die Columbus- 
feiern in Genua und Huelva, und beschliesst dieselbe in der Sitzung 
vom 24. Februar 1893. 



— XXXI - 

In der Sitzung vom 25. November 18i)2 eröffnet Herr Hätliger 
seine Mitteilungen mit einigen Worten über die ,, Kongressmeierei " 
und teilt die Kongressbesucher in drei grosse Grupiien ein: die 
Kongressbummler, die treue Phalanx derer, die bei allen Verhand- 
lunüen anwesend sind, um zu rechter Zeit Beifall zu klatschen, und 
die Matadoren, welche das grosse Wort führen. Eine wissenschaft- 
liche Frage könne eigentlich selten zur Lösung kommen und er könne 
den Kongressen höchstens die Bedeutung eines Verkehrsmittels und 
einer passenden Gelegenheit zu gegenseitiger Annäherung zuerkennen. 
Er schilderte hierauf die Reise durch die Lombardei mit allerlei 
Andeutungen über italienische Sitten und Zustände, sodann die 
Empfaniisfeierlichkeiten in Genua, in deren Details einzutreten jetzt 
keinen Wert mehr hätte. Aus den Verhandlungen wurden speciell die 
etwas turbulent verlaufenen über die Unterrichtsfrage und diejenige 
über die Auswanderungsfrage herausgegriffen und beleuchtet. Es wurde 
die prächtige Tour an der Riviera, die Galavorstellung im königlichen 
Palast, die Schlussfeier und die anfänghch herrschende Verwirrung 
wegen des erwarteten spanischen Schiffs beschrieben. Dieses Schiff', 
5000 Tonnen Gehalt, mit 23 Delegierten an Bord, bildete den Gegen- 
stand einer besonders begeisterten Schilderung; der Vortragende ver- 
l)reite'e sich noch über die Ankunft und den Aufenthalt in Barcelona, 
riocht geschichtliche Erinnerungen, volkswirtschaftliche Andeutungen 
ein über die Sierra Nevada, die Meerenge von Gibraltar. Trafalgar 
und Cadix und schloss den ersten Vortrag mit der Schilderung der 
Ausschiffung in Huelva. 

Erst am 24. Februar 1803 konnte wegen einer mittlerweile ein- 
getretener Krankheit des Herrn Häfliger der Bericht fortgesetzt werden; 
wir geben die Mitteilungen über den Verlauf dieser Sitzung nach 
den Notizen des Herrn Redaktor Burren wieder: 

Herr Konsul Häfliger entwarf ein ausserordentlich anschauliches 
Bild des ca. 15,000 Einwohner zählenden Städtchens Huelva mit seiner 
imposanten Brücke und des f^ranziskanerklosters von La Rabida, in 
welchem der Kongress stattfand. Er schilderte diesen letzteren mit 
seinen im ganzen recht geringen Leistungen und um so splendideren 
Festlichkeiten und Banketten, betonend, dass der Kongress immerhin 
den Erfolg hatte, eine gewisse Annäherung zwischen dem Mutterlande 
und den ehemaligen spanischen Kolonien Südamerikas zu erzielen: 
der Vortragende führte sein Auditorium weiter nach Palos, wo 
Columbus die letzte hl. Messe hörte ehe er das Festland verliess; 
er erzählte zur Freude aller Anwesenden, wie eines Abends in fröh- 
licher Gesellschaft in Huelva plötzlich die Klänge des Bernermarsches 
erschollen und in Erinnerung an den Berner Kongress allgemeinen 



— XXXll - 

•Iiibcl hervorriefon ; er malte uns das Riesenbergwerk am Rio Tinto 
vor Augen, berichtete von dem Ersclieinen der Königin-llegentin in 
Huelva und seiner kur/en Unterredung mit derselben, und von der 
BegeistcrunL;. welche sein (iruss aus den Scliweizerbergen, den er 
der edlen Ilisi)ania darbrachte, an dem von Canovas del Castillo ver- 
anstalteten Sehlussbankett erzeugte; er zeichnete uns seine Reise dem 
Guadalquivir entlang nach Sevilla mit seiner reichen Columbus-Biblio- 
thek und nach dem uralten Cordova, diesem ehemaligen Centrum 
maurischer Kultur, deren Lichtseiten es dem Herrn Referenten 
otlenbar so sehr angethan hatten , dass er völlig der Schattenseiten 
vergessen musste und fast die Verdrängung des Islam durch das 
Christentum bedauerte. Lebhaftem Interesse begegnete die spannende 
Schilderung eines Stiergefechts in Sevilla. In Madrid fand der Vor- 
tragende des Sehenswerten viel weniger als im Süden Si)aniens; denn 
Madrid entbehrt eines besonderen Charakters und präsentiert sich 
ganz als moderne Stadt. 

Am Schluss dieser Versammlung gedenkt Herr Prof. Dr. Brückner 
mit einigen sympathischen Worten unseres verstorbenen korrespon- 
dierenden Mitgliedes F. von Hellwald, namentlich seine Verdienste um 
Popularisierung der geographischen Wissenschaften betonend. 

Mitylkder-Etat: Aufgenommen wird: 
7.Ö. Herr Dr. Guillelminetti. 

Austrittserklärungen : 
r) Herr Tschanz, städtischer Schulsekretär. 
s) ,. Wirth, Hotelbesitzer in Thun. 

157. IVIonatsversammlung vom 16. Dezember 1892. 

Cafe-Restaurant Born. 

Anwesend (3'^ Mitglieder und Gäste. 
Präsidium: Herr Professor Dr. Studer. 

Der Vorsitzende erteilt das Wort Herrn Professor Röthlisberger 
zu verschiedenen Mitteilungen, deren erste, Erforschung der Höhlen 
von Yesal, als Beilage XII dem Bericht beigegeben ist. 

Die zweite Mitteilung befasst sich mit den klimatischen Verhält- 
nissen auf der Höhe von Bogota, die dritte mit der politischen Situation 
in Argentinien. 

Die Diskussion wird benutzt von Herrn Karrer, welcher die Ver- 
hältnisse in Argentinien etwas pessimistischer auffasst als der Gew^ährs- 
mann des Herrn Professor Röthlisberger. 



— XXXIII — 

Mitglieder- Etat: Es werden als Aktivmitglieder aufgenommen : 

76. Herr A. Vogt in Firma Häiliger & Vogt. 

77. ., Pfarrer Ryser, Bern. 

78. ,, Gymnasiallehrer Walser. 

7;). ., J. H. Behle, Buchdruckereibesitzer in Bern. 

Stundensonenseit. Auf Antrag des Komitee beschliesst die Geo- 
graphische Gesellschaft ohne Diskussion sich dem Vorgehen der 
St. Galler Gesellschaft anzuschliessen und beim hohen Bundesrat die 
Einführung der Stundenzonenzeit in der Schweiz zu befürworten. 



XI. Jahresbericht d. fJeoer. fies. v. Hern, iwii— iH!t2. III 



RAPPORT DE GESTION 

POUR L'ANNfiE 1891 



Le Congres international des sciences geographiques de 1801, 
evenement important pour notre modeste Sociöte, fera l'objet d'un 
rapport special. Comme il sera piiblie en meme temps que le compte 
rendu animel du president, nous noiis abstenons de parier du Congres 
et nous nous bornons, nous conformant a Fusage des annees pröce- 
dentes, a donner sur le mouvement Interieur de la Soci6te de Geo- 
graphie de Kerne, les renseignements qui peuvent interesser nos 
lecteurs. 

Le Comite, dont la plupart des membres faisaient en meme 
temps partie du Bureau du Congres, a consacre 11 seances aux 
affaires de la soci6t6. 

II y a eu assembl^es generales, dans lesquelles les sujets sui- 
vants ont ete traites : 

Un sejour dans les Llanos de San Salvador, par M. le professeur 
Piöthlisberger ; 

Sur la Finlaiide, par M. le D*" Guillaurae, directeur du Bureau 
fed^ral de statistique; 

Llndo-Chine et ses peuplades, par M. Rosset, de Francfort s/M. : 

Fouilles et decouvertes ä Troie, par M. le professeur Woker; 

Le Musee de la Plata et les fouilles etlinographiques de notre 
compatriote Methfessel a Catamarca, par M. le professeur Stouder; 

Statistique des exiles de la Siberie, par M. le professeur 
Brückner; 

L"edition de Ptolemee de la bibliotlieque de la ville de Berne 
par M. le professeur Bloescli; 

Massauah, par M. Mann, secretaire de la societ^; 
De Baalbek aux Cedres, par M. le professeur Oettli: 



— XXXV — 

Routes et moyens de communication en Afrique, par M. Mann; 
Comment la Paissie a compris sa mission civilisatrice dans TAsie 
centrale, par M. le D"" Saijtscliik; 

La derniere guerre civile au Chili, par M. Hftfliger: 
Cartographes bernois, par M. le professeiir Graf; 
Depeudances du Haut-Senegal, par M. Ryf; 
Corrections de torrents en Suisse, par M. le professeur Brückner. 

En outre, le President a tenu les membres de la societe au cou- 
rant des preparatifs du Congres au moyen de rapports sommaires 
presentes dans plusieurs seances g^nerales. 

La plupart des assemblees ont ete bien revetues; un grand 
nombre de nos membres temoignent de l'interet toujours croissant 
qu'ils Youent aux sciences geographiques. 

L'etat des societaires au 31 d6cembre 1890 etait le suivant : 

Membres honoraires 23 

Nouveaux membres regus en 1891 . . 13 
Total au 31 decembre 1891 36 

Membres correspondants 60 

Sortis comme membres honoraires . . 2 

Reste 58 

Nouveaux membres regus 2 

Total au 31 decembre 1891 60 
]\Iembres actifs habitant Berne ... 183 

jMorts ou sortis 7 

Reste 176 

Nouveaux membres 60 

Total au 31 decembre 1891 236 

Membres actifs externes 71 

Sortis 2_ 

Reste 69 
Nouveaux membres 9 

Total au 31 decembre 1891 7s 
Recapitulation : 

Membres honoraires 3(; 

Membres correspondants 60 

Membres actifs habitant Berne . . . 236 

Membres actifs externes 78 

Total 410 



- XXX VI - 

Nous avons \)vyA\i ]>ar deces cinq meinbres actifs : MM. Pfaus- 
Gasser; le major lüsohl; Ei:;i?enschwyler, rcdacteur: Hohl, journaliste, 
et Wober, restaurateur. 

La caisse de la socic^te preseiite au 'M docembre 18!) 1 un solde 
actif de fr. !I77. S8 eii augmeiitatiou de fr. (iöO. 15 sur raiinee 
Itr^cedeiite. 

La Societö de Geographie de Beriie est eii voie de prosperite, 
puisque le nombre de ses membres augmente d'aunee en annee. 
Lsperons que les laciines qui se prodiiisent par siiite de deces ou 
de demission se eomhleront toujours rapidement et que nous verrons 
eiitrer dans notre association toutes les personnes que leurs voyages 
ou leurs goüts attirent vers les sciences geographiques. 

Xous oll'rons, en terminant, nos sinceres remerciments a tous 
ceux qui ont bien voulu enricliir de leurs dons notre bibliotheque 
et nos collections. 



Benie, mars 1892. 



Le President de la Societe : 
D"" GOBAT. 



Gesehäftsberieht für das Jahr 1891. 



Der Internationale Kongress geographischer Wissenschaften vom 
Jahre 1891 — ein wichtiges Ereignis für unsere bescheidene Gesell- 
schaft — wird Gegenstand eines besondern Berichtes bilden. Da er 
zu gleicher Zeit mit dem Geschäftsbericht des Präsidiums erscheinen 
wird, enthalten wir uns an dieser Stelle aller Bemerkungen über den 
Kongress und beschränken uns darauf, gleich wie in frühern Jahren 
über den Innern Gang der Gesellschaft diejenigen Mitteilungen zu 
machen, die unsere Leser interessieren können. 

Das Komitee, dessen Mitglieder zu grösserm Teil auch dem Bureau 
des Weltkongresses angehörten, hat den Geschäften der Gesellschaft 
11 Sitzungen gewidmet. 

Es fanden ü Hauptversammlungen statt, in denen folgende Ge- 
schäfte behandelt wurden: 

Ein Aufenthalt in den Llanos von San Salvador, von Herrn 
Professor Piöthlisberger ; 

Ueber Finnland, durch Herrn Dr. Guillaume, Direktor des eid- 
genössischen statistischen Bureau ; 

ludo- China und seine Völker, von Herrn t. W. Rosset aus 
Frankfurt a. M. ; 

Ausgrabungen und Funde in Troja, durch Herrn Prof. Woker ; 

Das Museum von La Plata und die ethnographischen Ausgra- 
bungen unseres Landsmannes Methfessel in Catamarca, durch 
Herrn Professor Dr. Studer; 

Statistik der Verbannungen nach Sibirien, durch Herrn Professor 
Dr. Brückner; 

Eine Ptolemäusausgabe der Stadtbibliothek, durch Herrn Pro- 
fessor Dr. Blösch; 

Massauah, durch Herrn Mann, Sekretär der Gesellschaft: 

Von Baalbek zu den Cedern, durch Herrn Professor Oettli: 



— XXXVIII — 

Verkehrswoge und Vorkehrsiiiittel in Afrika, durch Herrn Mann; 
\Vie Ivusshmd seine Kulturniission in Asien erfüllte, durch Herrn 

Dr. Sajtschik; 
Der letzte Bürgerkriei,' in Chile, durch Herrn Häiiiger; 
l»ornische Kartogra]then, durch Herrn Professor Graf; 
D('pendances du Haut-lSenegal, durch Herrn Ryff; 
Wildbachverbauungen, durch Herrn Professor Dr. Brückner. 

Ausserdem hat das Präsidium durch summarische Mitteilungen 
die Mitglieder jeweilen über die Vorbereitungen zum Kongress auf 
(lern Laufenden erhalten. 

Im allgemeinen erfreuten sich die Versammlungen eines sehr 
guten Besuches, was ein stets wachsendes Interesse an den geogra- 
phischen Wissenschaften bei unsern Mitgliedern kundgibt. 

Der ^litgliederbestand auf 31. Dezember 1890 war folgender: 

Ehrenmitglieder 23 

Im Lauf des Jahres 1891 neu aufgenommen 13 

Total 36 

Korrespondierende Mitglieder 00 

wovon unter die Zahl der Ehrenmitglieder 
aufgenommen 2 

Bleibt 58 
Neu aufgenommen 2 

Total auf 31. Dezember 1891 60 

In Bern wohnende Aktivmitglieder ... 183 
Verstorben und ausgetreten 7 

Rest 176 
Neue Mitglieder 60 

Total auf 31. Dezember 1891 236 

Auswärts wohnende Aktivmitglieder ... 71 
Ausgetreten 2 

Rest 69 
Neue Mitglieder 9 

Total 78 



— XXXIX - 

Rekapitulation : 

Ehrenmitglieder 36 

Korrespondierende Mitglieder 00 

In Bern wohnende Aktivmitglieder . . . 236 

Auswärts wohnende Aktivmitglieder ... 78 



Total 410 



5 Aktivmitglieder haben wir durch den Tod verloren, nämlich 
die Herren Pfaus-Gasser , Major Risold, Redaktor Eggenschwyler, 
Journalist Hohl und Restaurator Weber. 

Die Rechnung unserer Gesellschaft weist auf 31. Dezember 1891 
einen Saldo von Fr. 977. 88 auf, gegen Fr. 327. 73 im Vorjahr. 

So ist die Geographische Gesellschaft in raschem Aufblühen be- 
gritfen, was die stets wachsende Zahl ihrer Mitglieder bezeugt. 

Hoffen wir, dass die durch Tod und Austritt entstehenden Lücken 
sich rasch wieder füllen werden und dass allmähhch Alle sich in unserer 
Gesellschaft vereinigen, welche Reisen und allgemeine Interessen zu 
den Geographischen Wissenschaften hinziehen. 

Zum Schluss statten wir auch allen denen, die unsere Bibliothek 
bereichert haben, unsern verbindlichsten Dank ab. 



Bern, im März 1892. 



Der Präsident der Gesellschaft; 

Dr. GOBAT. 



RAPPORT DE GESTION 

POÜR L'ANNfiE 1892. 



Nous annoncions clans le dernier anuuaire de notre societe, que 
l'assembloe generale bisauuuelle des Societes suisses de Geographie 
devait avoir lieii ä Berne en 1892. Dans le courant de cette annee, 
la socilite d'Aarau fit la proposition de renvoyer la reunion d'un an. 
Consultees a ce sujet, les societes de Geneve, Neucliätel et St-Gall 
adliererent ä rajournement. Les fonetions de Vorort de notre societe 
se sont tronvöes, par le fait, confirmees pour une nouvelle annee et 
nous aurons le plaisir de recevoir les del6gues et les membres de 
nos soci6t6s soeurs l'automne prochain. 

La remise de l'assemblee generale ne nous a point ete desa- 
greable. Apres les fatigues du Congres international, c'etait pour 
ainsi dire une annee de vacances que Ton nous accordait. 

Notre administration interieure n'a toutefois pas chome. Le 
comite a tenu neuf seances pour preparer les reunions mensuelles et 
soigner les aftaires courantes. 

La soci6te s'est reunie huit fois; les sujets suivants ont ^U 
traites dans ces assemblees : 

Dahomey, le pays et les habitants par M. Ernest Barth. 

Les palmiers, par M. le professeur Tschirch. 

Comptes rendus des recentes acquisitions de notre bibliotheque, 

par M. Mann. 
Sur l'Abyssinie, par M. Ilg. 

Voyage au pays du soleil de minuit, par M. Benteli. 
La plus ancienne carte du canton de Neuchätel, par M. le prof. 

Graf. 
Sur les explorations sous-lacustres, par M. le prof. Brückner. 
Quelques publications de la Smithsonian Institution, par M. Gobat. 
La question de Tesclavage, par M. Mann. 
Amerique et Europe, les rapports de ces deux continents, par 

M. le professeur Brückner. 



— XLI — 

Rapport de M. Häfliger sur son voyage a Genes et Huelva, ä 

Toccasion des fetes colombiennes. 
Explorations de cavernes a Yesel, par M. Köthlisberger. 
Le climat du plateau de Bogata, par le meme. 
Questions politiques dans la R6publiqiie argentine, par le meme. 

La Conference sur TAmerique et TEurope a 6te organisee de 
concert avec l'Universite de Berne, pour celebrer le quatrieme cen- 
tenaire de la d^couverte du Nouveau-Monde. En notre qualite de 
Vorort, nous avons engage les societes suisses de geographie k 
honorer egalement la memoire de Colomb par une manifestation 
semblable. 

Notre societe ne pouvait se dispenser de se faire represeuter 
aux fetes de Genes et de Huelva. Trois delegu6s furent d^signes. 
Un seul put remplir sa mission, les deux autres s'etant trouves 
empeches. 

La plupart de nos assemblees generales ont ete tres revetues. 
Nos proces-verbaux accusent les cbiffres de 140 et i)8 assistants. 

Sous les auspices de notre societe, M. Ilg, Ingenieur du roi 
Menelik, a fait a Berne une exposition abyssinienne. C'etait un 
musee tres interessant et tres riebe de produits du sol, d'outils 
aratoires, d'armes, d'instruments de musique. de tissus, de bijouterie 
et autres objets de l'art indigene 

Pendant son sejour a Berne, M. Barth, de Wydah, a aussi ex- 
pose un certain nombre de produits de Dahomey, notamment des 
etotfes tiss^es pour Tusage du roi et quelques beaux specimens de 
bijouterie travailles ä Lagos. M. Barth nous a fait don de plusieurs 
objets. Nous lui en temoignons encore toute notre reconnaissance. 

L'etat de nos membres au 81 decembre 1892 est le suivant : 

Membres honoraires o!) 

Membres correspondants 58 

Membres actifs a Berne 229 

Membres actifs hors de Berne .... 78 

Total 399 

Comme notre soci6te comptait 410 membres au 81 decembre 1891, 
eile a diminue de onze membres. La mort nous a enleve MM. Eugene 
Borel, directeur de l'ünion postale universelle, Willi, Conseiller d'Etat, 
Jules-Cesar Ducommun, Schupbach, et Zweiacker, inspecteur d'exploi- 
tation du J.-S. 

Nous avons eu aussi quelques demissions. Nous prions instam- 
ment nos membres de nous aider ä combler les lacunes. La Societ6 
de Geographie de Berne ne doit pas diminuer. 



- XLll — 

La cais.se de la sociöte prcseiite au ;!1 döcenibre ls;)ii im sohle 
de fr. KiOJ. '20, en augmontation de fr. <i2l. 'V2 sur re.\ercice precedeut. 
Les deruiers eomptes einbrassent les recettos et les depenses du 
Congrös intoniatioiial de l.SiJl, ce compte n'ayant pu etre bouclo 
que vers la tiu de 181)2. Encore ne l'est-il pas complctement, de 
maniere que Taugnientation iudiquce ci-dessus n'est pas definitive. 
Nous avons encore a regier un solde des frais d'impression du 
compte rendu du Congres et quelques petites notes. D'autre part, 
nous espörons toucher une certaine sonime de la vente de ce 
compte rendu. 

Le comite pense que nous n'aurons pas a subir une perte sen- 
sible du fait du Congres. Ce rcsultat nous permet d'apprucier d'au- 
tant plus le genereux secours de la Confederation, du gouvernement 
bernois et de la ville de Berne, auxquels nous presentons nos vifs 
et sinceres temoignages de gratitude. Nos meilleurs remereiments 
aussi a tous ceux qui ont bien voulu enrichir notre bibliotheque de 
leurs dons. 



Berne, janvier 189.3. 



Le President de la Societe . 
D' GOBAT. 



Gesehäftsberieht für das Jahr 1892. 



Im letzten Jalirbiicli unserer Gesellschaft stellten wir in Aussicht, 
dass die Generalversammlung des Verbands schweizerischer G-eogra- 
phischer Gesellschaften im Jahr 1892 in Bern stattfinden würde. Im 
Lauf des Jahres beantragte aber die Geographische Gesellschaft in 
Aarau, die Zeit des Verbandstages um ein Jahr hinauszuschieben. 
Die Gesellschaften in Genf, Neuenbürg und St. Gallen stimmten diesem 
Antrage bei, womit implicite unserer Gesellschaft die Funktionen des 
Vororts für ein weiteres Jahr übertragen Ovaren. So werden wir 
demnach im künftigen Herbst die Delegierten und Mitglieder unserer 
Schw^estergesellschaften in Bern begrüssen dürfen. 

Die Vertagung der Generalversammlung war uns nicht unan- 
genehm. Nach den aussergewöhnlichen Anforderungen, welche die 
Abhaltung des Kongresses stellte, durften wir für ein Jahr verhältnis- 
mässiger Ruhe dankbar sein. Die innere Verwaltung hat mittler- 
weile nicht gefeiert; zur Vorbereitung der Monatsversammlungen 
und Erledigung der laufenden Geschäfte hielt das Komitee 9 Sitz- 
ungen ab. 

Die Gesellschaft hat sich 8 Mal versammelt und in ihren Monats- 
versammlungen folgende Themata behandelt: 

Das Königreich Dahomey und seine Bevölkerung, durch Herrn 
Ernst Barth; 

Die Palme, durch Herrn Professor Dr. Tschli'ch; 

Piundschau über eingelaufene Geschenke, durch Herrn Mann ; 

Abessniien, durch Herrn Ilg; 

Heise ins Land der Mitternachtssonne, durch Herrn Benteli; • 

Die älteste Karte des Kantons Neuenburg, durch Herrn Professor 
Graf; 

Tiefseeforschungen, durch Herrn Professor Brückner; 

Einige Publikationen der Smithsonian Institution, durch Herrn 
Reg.-Rat Dr. Gobat; 

Sklavereiverhältnisse in Afrika, durch Herrn Mann ; 



— XLIV — 

Amerika und Enro]ta, die Beziehungen beider Weltteile zu 
einander, durch Herrn Professor Dr. Brückner; 

Bericht des Herrn Hätliger über seine Reise nach Genua und 
Huelva anlilsslich der Colunibusfeier ; 

Fund in den Höhlen von Yesal, durch Herrn Prof. Röthlisberger; 

Das Klima auf den Hochebenen von Bogota, durch Herrn Pro- 
fessor Röthlisberger: 

Die politische Situation in der Republik Argentinien, durch 
Herrn Professor Röthlisberger. 

Die Veranstaltung des Vortrages über Amerika und Europa 
geschah in Gemeinschaft mit der Universität Bern zur 4()0j[lhrigen 
Gedächtnisfeier der Entdeckung- Amerikas. In unserer Eigenschaft als 
Vorort haben wir unsere schweizerischen Schwester -Gesellschaften 
ermuntert, das Andenken des Columbus durch eine ähnli(*he Kund- 
gebung zu ehren, 

Ehrensache für unsere Gesellschaft war es, sich an den Festen 
in Genua und Huelva vertreten zu lassen. Es waren drei Delegierte 
bezeichnet; leider konnte nur einer derselben sich an den Festen 
beteiligen, da die beiden andern zur gegebenen Zeit verhindert waren. 

Die Monatsversammlungen waren meist sehr gut besucht, unsere 
Protokolle weisen 140 und 98 Anwesende auf. 

Unter den Auspizien unserer Gesellschaft hat Herr Ilg, Ingenieur 
des König Menelik, in Bern eine abessinische Ausstellung veranstaltet. 
ICs war eine äusserst reiche und interessante Sammlung von Boden- 
produkten, Schmuckgegenständen, Waffen, Musikinstrumenten und 
anderen Erzeugnissen abessinischer Kunst. 

Während seines Aufenthaltes in Bern hat auch Herr Ernst Barth 
aus "VMiydah eine grosse Anzahl von Produkten aus Dahomey, nament- 
lich aber auch gewobene, für den Gebrauch des Königs bestimmte 
Stoffe, sowie eine Kollektion von Schmuckgegenständen aus Lagos 
ausgestellt. Eine Anzahl dieser Gegenstände hat Herr Barth der 
Gesellschaft zum Geschenk gemacht. Wir sprechen ihm an dieser 
Stelle unsern herzlichsten Dank aus. 

Auf .31. Dezember 1892 hatten wir folgenden Mitgliederbestand: 

Ehrenmitglieder 39 

Korrespondierende Mitglieder 58 

In Bern wohnende Aktivmitglieder .... 229 

Ausser Bern wohnende Aktivmitglieder . . J73 

Total .399 



- XLV - 

Da unsere Gesellschaft auf 31. Dezember 18'Jl 410 Mitglieder 
zählte, so hat sie sich um 11 Mitglieder vermindert. Der Tod hat 
uns die Herren Weltpostdirektor Borel, Regierungsrat Willi, Jules 
Cesar Ducommun, Scliüpbach und Zweiacker, Betriebsinspektor der 
Jura-Simplon, entrissen. 

Auch hatten wir einige Demissionen zu beklagen. 

Wir bitten unsere Mitglieder dringend, uns die entstandenen 
Lücken ausfüllen zu helfen. Es wäre beklagenswert, wenn die 
Geographische Gesellschaft Bern in ihrem Mitgliederbestand zurück- 
gehen sollte. 

Der Kassabestand der Gesellschaft weist auf 31. Dezember 1892 
einen Saldo von Fr. 1()02. 20 gegen Fr. 977, 88 im Vorjahr. 

Die Rechnungsstellung umfasst auch den ganzen Kassaverkehr 
des Internationalen Geographischen Kongresses, der noch nicht in 
allen Teilen abgeschlossen ist, indem noch einige Druckkosten für 
Herstellung des Kongressberichtes zu regeln sind. Andererseits hoffen 
wir auch durch fernem Verkauf dieses Werkes noch einige Einnahmen 
zu erzielen. 

So darf das Komitee die Ueberzeugung aussprechen, dass der 
Gesellschaft durch die Uebernahme des Kongresses keine fühlbaren 
Verluste erwachsen werden. 

Dieses Ergebnis verdanken wir in erster Linie den reichen Unter- 
stützungen, welche uns die Eidgenossenschaft, die Regierung des 
Kantons Bern und die Behörden der Stadt Bern gewährten und es 
sei Ihnen hier unser aufrichtiger und herzlicher Dank ausgesprochen. 

Allen Denen, welche im Laufe des Jahres unsere Bibliothek 
durch Geschenke bereichert haben, sei hier unser bester Dank. 

Bern, im Januar 1893. 

Der Präsident der Gesellschaft: 

Dr. GOBAT. 



Bericht 

über den 

V. internationalen Kongress der geograph. Wissenschaften 

zu Bern 

ain lO. bis 14. August 1891. 
Von Prof. Dr. Ed. Brückner. 



Als die Geograpliische Gesellschaft von Bern sich auf dem Y. 
internationalen geographischen Kongress zu Paris im August ls89 
bereit erklärte, den nächsten Kongress zu übernehmen, da war sie 
sich der Schwierigkeit der Aufgabe voll bewusst. Zwar hatte sie 
sich schon vorher der moralischen Unterstützung ihrer Schwester- 
gesellschaften in der Schweiz vergewissert. Allein gleichwohl lag 
naturgemäss die Verantwortung wie die Arbeitslast vorwiegend auf 
ihren eigenen Schultern. Bern war im Vergleich zu den Städten, 
die die früheren Kongresse aufgenommen hatten, klein; auf eine so 
starke Teilnahme Einheimischer, wie sie früher beobachtet worden war, 
war daher nicht zu rechnen. Umsomehr musste auf auswärtige Be- 
teiligung Rücksicht genommen werden, um die nicht unerheblichen 
Kosten des Kongresses bestreiten zu können. Aus diesem Grunde 
wurde nach langen Debatten beschlossen, den Kongress unmittelbar 
vor der 700jährigen Feier der Gründung der Stadt Bern abzuhalten, 
die vom LI. bis 17. August 1S91 mit glänzenden Schaustellungen 
stattfinden sollte und voraussichtlich eine erhebhche Anziehung auf 
die Fremden ausüben musste. Dass eine Verbindung des Kongresses 
mit der Säkularfeier für den ersteren auch eine Reihe von Uebel- 
ständen mit sich bringen würde, lag freilich auf der Hand. Abgesehen 
von der Schwierigkeit, für die auswärtigen Kongressmitglieder Quartiere 
zu finden, mussten auch die bevorstehenden Festlichkeiten das Interesse 
der Bevölkerung I)erns am Kongress bedeutend abschwächen und 
hierdurch auf deren Beteiligung nachteilig wirken. Beiderlei Wirk- 
ungen haben sich denn auch deutlich genug gezeigt. Die Zahl der 
auswärtigen Gäste war eine relativ stattliche, während die Teilnahme 
-der einheimischen Bevölkerung lebhafter hätte sein können. Das 



— XLVII - 

letztere war besonders beim Besuch der Ausstellung zu erkennen. 
Im allgemeinen kann man daher wohl sagen, dass das Fest zum 
Gelingen des Kongresses nicJd wesentlich beigetragen hat. Es hat 
eine Reihe von auswärtigen Gasten angelockt, die der Geographie als 
Wissenschaft mehr fern stehen, während in vereinzelten Fällen Fach- 
leute sich durch die Verbindung des Kongresses mit den geräusch- 
vollen Volksfesten haben vom Besuch abhalten lassen. 

Von grossem Nachteil für die Vorbereitung des Kongresses war 
-es, dass erst im Juli IMUO vom Vorstand der Pariser geographischen 
Gesellschaft die Mitteilung eintraf, dass Bern definitiv zum Kongress- 
ort gewählt sei. Aus verschiedenen Gründen hatte nämlich der Pariser 
Kongress 1889 keinen bindenden Beschluss in dieser Richtung fassen 
können. Vielmehr musste die in Paris ausgesprochene Einladung von 
Bern nebst andern Auftbrderungen vom Kongresskomitee den einzelnen 
geographischen Gesellschaften vorgetragen und deren Entscheidung 
abgewartet werden. Da selbstverständlich die Berner Geographische 
Gesellschaft mit den Vorbereitungen nicht vor Einlangen jener offi- 
ziellen Mitteilung beginnen konnte, so blieb für die ganze Organisation 
des Kongresses der ausserordentlich kurze Zeitraum eines einzigen 
Jahres zur Verfügung. Aber auch diese Zeit konnte nicht voll aus- 
genutzt werden, weil die Ernennung des Kongresskomitees dem Ver- 
bandstag der schweizerischen Geographischen Gesellschaften vorbe- 
halten bleiben musste, der erst am 15. September in Neuenburg 
zusammentreten sollte. Das Komitee der Geographischen Gesellschaft 
von Bern hatte daher Ende Juli nur kurz offiziell den auswärtigen 
Gesellschaften und Vereinen anzeigen können, dass der V. internatio- 
nale geographische Kongress im August 1891 in Bern stattfinden 
werde. In Neuenburg erfolgte die Bestellung des Kongresskomitees ; 
dasselbe setzte sich aus folgenden Herren zusammen: 

Dr. Gobat, Regierungsrat, Präsident der Geographischen Gesellschaft 

von Bern, als Kongresspräsident; 
Dr. Brückner, Professor der Geographie au der Universität Bern: 
E. Ducommun, Generalsekretär der Jura-Simplon-Baha in Bern : 
Dr. Oncken, Professor an der Universität Bern: 
Dr. Studer, Professor an der Universität Bern ; 
Maret, Präsident der Geographischen Gesellschaft in Neuenburg: 
Knapp, Professor an der Akademie in Neuenburg; 
Bouthillier de Beaumont, Ehrenpräsident der Geograph. Gesellschaft 

von Genf; 
de Claparede, Vizepräsident der Geograph. Gesellschaft vonCienf: 
Dr. Stähelin, Präsident der Geographischen Gesellschaft in Aarau; 



— XLVIIl — 

Bührer, Konservator des Musculus in Aarau; 
Amrein, Professor in St. Galleu ; 
Andorejig, Redaktor iu St. Galleu. 

Die fünf Berner Mitglieder bildeten unter Beizieliung- des Herrn 

Redaktor Mann, Sekrot;lrs der (loograpliischen Gesellsdiaft von Bern, 
als Schriftführer, das Exekutiv -Komitee. Gleichzeitig wurde der 
Termin für den Kongress (10. bis 15. August 1891) genau bestimmt 
und der Mitglied-Beitrag auf Fr. 20 festgesetzt. 

Das Exekutiv- Komitee begann sofort seine Arbeit und ernannte 
zunilchst einzelne Kommissionen, denen bestimmte Aufgaben zugewiesen 
wurden. 

Eine Vortragskommission, bestehend aus den Herren Graf, Lüthi, 
Oncken, Rosier, Studer und dem Berichterstatter, liatte einerseits die 
einlaufenden Meldungen von Vorträgen zu begutachten und anderer- 
seits Gelehrte zu Vorträgen einzuladen. Dir fiel auch die Aufgabe zu, 
gewisse Fragen zur Diskussion zu stellen und hiefür Referenteu zu 
gewinnen. Endlich hatte sie die Gruppierung der einzelnen Vorträge 
in den Sitzungen vorzunehmen und in dieser Weise die Tagesordnung 
des Kongresses vorzubereiten. Dass diese Aufgaben ganz besonders 
schwierig waren, liegt auf der Hand. Die ursprüngliche Absicht, von 
jedem Vortrag, ehe seine Zulassung ausgesprochen wurde, einen kurzen 
Auszug zu verlangen, musste leider fallen gelassen werden, da die 
Anmeldungen zum grossen Teil ausserordentlich spät einliefen. Wo 
der Name des Redners und der Titel seines Vortrages Gewähr boten, 
hatte das nicht viel auf sich. In einzelnen Fällen aber war das Fehlen 
einer ausdrückhchen Bestimmung, welche solche Inhaltsangaben ver- 
langte, sehr unangenehm zu spüren. Es sind auf dem Kongress eine 
Reihe von Vorträgen gehalten worden, die lieber hätten fortfallen sollen. 

Noch grösser war die Arbeitslast, die der Kommission zufiel, 
welche mit der Organisation und Leitung der grossen Ausstellung 
betraut worden war. An der Spitze derselben stand als General- 
kommissär Herr A. Wäber in Bern. Als technischer Beirat fungierte 
Herr Architekt Davinet. Die Komitees für die einzelnen Sektionen 
setzten sich folgendermassen zusammen: 

Für die internationale schulgeographische Ausstellung: 
Dr. Brückner, Professor in Bern als Präsident. 
W. Rosier, Professor in Genf als Sekretär. 
Langhans, Gymnasiallehrer in Bern. 
Lüthi, Gymnasiallehrer in Bern. 
Dr. Hotz, Gymnasiallehrer in Basel. 
Knapp, Professor in Neuenburg. 



— XLIX — 

Für die internationale alpine Ausstellung: 
Dr. Dübi in Bern als Präsident. 
J. Held, Ingenieur-Topograph in Bern. 
Körber, Buchhändler in Bern. 
Montaudon, Bibliothekar des S. A. C. in Bern. 
Dr. F. A. Forel, Professor in Morges. 

Für die historisch-kartographische Ausstellung der Schweiz : 
J. J. Lochmanu, Oberst, Chef des topographischen Bureau in Bern 

als Präsident. 
Dr. Blüsch, Professor in Bern. 
Dr. Graf, Professor in Bern. 
Amrein, Professor in St. Gallen. 

Dr. Escher, Präsident der kartographischen Gesellschaft in Zürich. 
Dr. Riggenbach, Professor in Basel. 

Ueber die vielseitige Thätigkeit dieser Ausstellungs-Kommission 
sowie über die Ausstellung selbst findet man ausführliche Berichte 
in den Verhandlungen des V. Internationalen Geographischen Kon- 
gresses. " Wir brauchen daher nicht darauf einzugehen, Wohl 
aber möchten wir hier konstatieren, dass der grossen in CO Räumen 
des neuen Bundespalastes untergebrachten Ausstellung von allen Seiten 
ganz ausserordenthcher Beifall gespendet wurde; sie hat in hervor- 
ragendster Weise zum Gelingen des Kongresses beigetragen. Der 
Dank dafür, dass uns eine solche glänzende Ausstellung ermöglicht 
wurde, gebührt vor allem dem hohen Bundesrat und der Bundes- 
versammlung, die einen reichlichen Kredit für die Ausstellung be- 
willigte, sowie der eidg. Baudirektion, die uns das im Bau begriffene 
neue Bundesrathaus zur Verfügung stellte. 

Die übrigen Kommissionen , — das Wohnungskomitee und das 
Empfangskomitee, — traten erst unmittelbar vor Eröffnung des 
Kongresses in Funktion. Wir erfüllen nur eine Pflicht der Dankbar- 
keit, wenn wir hier die Namen der Mitglieder dieser Kommissionen, 
denen die Sorge für das leibliche Wohl der Kongressmitglieder 
anvertraut war, aufführen: 

Wohnungs-Komitee: Die Herren J. F. Häfliger, z. Z. General- 
konsul von Bolivia, als Präsident; J. Regh, als Vizepräsident; 
L. Gauchat, Sekundarlehrer , als Sekretär; Berchten; C. Blau: 



* Bern, 1892. Wir erinnern daran, dass den Mitgliedern unserer Gesell- 
schaft diese Verhandlungen (ein Band von 1129 Seiten), zum ermässigten Preis 
von Fr. 5. — bei Bestellung beim Kassier unserer Gesellschaft, Herrn Paul Ilaller 
in Bern, zur Verfügung stehen. 

Xr. Jahresbericht d. Geogr. Ges. v. Bern. 1891—1892 IV 



A. V. HoiisU'ttcn, liiuoniour: v. Knist-v. Steiger; Fassiiacht-Oesterlo; 
A. Frei, Gymnasiallehrer; l'ii. (ieelhaar: E. Jacot; 11. Kelirer; 
(r. von Miiralt; Nydegger- Haller. r.iichliändler; Dr. 0. Kieser; 
Streiti". Advokat; alle in Uern. 

Knil)i'angs-K<)Hiitoe: Die Herren .1. F. ilätliger, z. Z General- 
konsul von Dolivia, als Präsident; von Bonstetten-von Iloulet, als 
Vizepräsident; A. Dechera/, als Sekretär; A. Berdez; E. Brunner- 
Wyss, Förster; E. Davinet, Architekt; Dr, de Giacomi; E. (iobat; 
S. Karrer, alt -Nationalrat; L. Merz; 0. Ilytz; IL Scheuchzer; 
J. Stockniar, Regierungsrat; H. Walser; alle in l^ern. 

Besondere Sorgfalt war auf die Organisation des Sekretariats 
verwendet worden. Der Generalsekretär des Kongresses, Herr Du- 
comninn, und Herr Dr. Guillaume, Direktor des eidg. statistischen 
Bureaus, welcher als Leiter des letzten internationalen Gefängnis- 
Kongresses in St. Petersburg grosse Erfahrung auf diesem Gebiete 
besitzt, hatten bis in alle Einzelheiten die Funktionen des Sekretariats 
verteilt. Die Ausarbeitung der Präsenzliste und der Verkehr mit den 
Sitzungspräsidenten fiel Herrn Redaktor Mann, Sekretär der Geo- 
graphischen Gesellschaft von Bern, als Chef der ersten Abteilung des 
Sekretariats, zu. Hr. Dr. Brüstlein, jetzt Direktor des eidg. Betreibungs- 
u. Koukursamtes, war als Chef der IL Abteilung beauftragt, das während 
des Kongresses täglich erscheinende Bulletin zu redigieren. Ihm zur 
Seite standen die Herren Advokat Juat, Feer und Rossier, Journa- 
listen , zum Teil auch die Herren Röthlisberger, Borel und Imboden. 
Der vereinten Arbeit dieser Herren ist es zu danken, dass jeden 
^lorgen bald nach Beginn der Sitzung das Bulletin mit dem Bericht 
über die Sitzungen nnd Vorträge des Tages vorher ausgegeben werden 
konnte. Der III. Abteilung der Sekretariats, welche die Protokolle 
der Sitzungen zu redigieren hatte, stand Herr Prof. Röthlisberger, 
Sekretär des internationalen Bureaus zum Schutz des geistigen Eigen- 
tums in Bern, vor. Unterstützt wurde er von den Herren Borel, 
Oberstaatsanwalt des Kantons Neuenburg , Imboden , Sekretär des 
eidg. statistischen Bureaus, Streiff, Advokat, und Schwarz, Stenograph 
des Grossen Rates von Bern. 

Wenden wir uns nunmehr dem Kongress selbst zu. 

Als ein gewisses Mass für das Gelingen eines Kongresses wird 
vielfach, — wie weit mit Recht, bleibe dahingestellt, — die Grösse 
des Besuches angesehen. In dieser Beziehung kann Bern zufrieden 
sein. Wir geben im Nachfolgenden einige Zahlen über den Besuch. 
Unterschieden ist hierbei zwischen den Mitgliedern des Kongresses 
überhaupt und zwischen den wirklich anwesenden Teilnehmern. Die 
letzteren Zahlen wurden von dem Unterzeichneten , so g'ut es ging, 



— LI — 

nach den Präsenzlisten in den einzelnen Sitzungen sowie nach per- 
sönlicher Erinnerung aufgestellt. Sie sind erheblich grösser als die 
viel zu kleinen Schätzungen, die der Bericht über den Berner Kon- 
gress in Petermanns Mitteilungen (isni S. 240) brachte und die auch 
in das Geographische Jahrbuch Bd. XIV Eingang fanden. Zum Ver- 
gleich füge ich nach der letzten Quelle die Zahlen für die früheren 
Kongresse hinzu. Für Antwerpen fehlen mir die Angaben. 







Anwes 


5eude Mitglieder 




Eingeschriebene 




Einheimis 


che 


Ausländische 


Summa 


Mitglieder 


Paris Ist.') . 


. . ;-;.')() 




250 


600 


1488 


Venedig 1881 


. . 450 




380 


780 


lO'H) 


Paris 188!) . . 


. . oOO 




150 


450 


530 


Bern 1891 . , 


, . 257 




245 


502 


5Ü8 



Die Zahl der anwesenden Ausländer war, wie man sieht, in Bern 
weit grösser als 188!) in Paris und fast so gross Avie 1875, während 
die Zahl der anwesenden inländischen Teilnehmer kleiner war als an 
den bisherigen Kongressen. Auf die einzelnen Länder verteilen sich 
die Besucher in folgender Weise: 





Bern 


1891 


Anw< 


jsende Mitglieder 




Eingeschriebene 


Anwesende 


Paris 


Venedig 


Paris 




Mitglieder 


Mitglieder 


1875 


1881 


188H 


Belgien .... 


6 


4 


27 


13 


9 


Deutsches Reich . 


55 


42 


57 


50 


5 


Frankreich . . . 


. 101 


81 


350 


100 


300 


Griechenland . . 


2 


2 


V 


^j 


V 


Grossbritaunien 


2ii 


23 


(i 


15 


9 


Italien .... 


2.S 


21 


14 


450 


27 


Niederlande . . . 


5 


4 


13 


8 


9 


Oesterreich-üngarn 


. 30 


27 


31 


50 


2 


Portugal .... 


3 


3 


4 


5 


14 


Rumänien . . . 


2 


2 


V 


V 


12 


Bussland . . . 


. 20 


19 


37 


20 


13 


Schweiz .... 


. 204 


257 


i) 


14 


12 


Skandinavien . . 


() 


3 


2(i 


12 


( 


Spanien .... 


3 


3 


7 


10 


.5 


Europäische Türkei 


1 


1 • 








Asien 


1 


— 


,s 


l(i 


(i 


Afrika 


1 








Amerika .... 


12 


!» 


15 


10 


20 


Australien . . . 


2 


1 


y 


y 


5 



1.11 — 

Nicht vertrotiMi waren von ilcn europilischen Staaten lUil^'arien, 
Dilneniark, luixcnibury, Montenegro, Serbien; von den anssereuro- 
pilischen Kulturstaaten Argentinien, Bolivia, Chile, Costarica, Ecuador, 
Guatemala, Honduras, Japan (ein eingeschriebenes Mitglied), Nicaragua, 
der Oranje-I''reistaat, Paraguay, Salvador, die Südafrikanische Repu- 
blik, Uruguay, Venezuela. 

Die Teilnahme aus den verschiedenen Kantonen der Schweiz war 
sehr ungleich ; sie ist aus den untenstehenden Zahlen zu erkennen. 





Einge 
Mit 


ächriebene 
glieder 


Ai 
M 


wesende 
tglieder 


Aargau . . . 




4 




•■> 


Hasel-Stadt . 
Bern . . . 
Genf . . . 




6 

IsGi) 
1!) 




(i 

1 oo 9\ ') Davon 168 aus der Stadt 
loo -) Bern. 

\f) ') Davon 165 aus der Stadt Bern. 


Glarus . . . 









2 


Graubünden . 




2 




2 


Luzern . . . 




3 




.'» 


Neuenburg 




s 




s 


St. Gallen . '. 




.") 




5 


Schatfhausen . 




1 




1 


Solothurn . . 




2 




2 


Waadt . . . 




12 




12 


Zürich . . . 




18 




10 


Zug . . . . 




1 




1 



Nicht vertreten waren die Kantone Appenzell Inner-Rhoden und 
Ausser-Rhoden, Basel-Land, Freiburg, Schwyz, Tessin, Thurgau, 
Obwalden, Nidw'alden, üri und Wallis. 

Auf die Verhandlungen des Kongresses im einzelnen einzugehen 
liegt keine Veranlassung vor, da dieselben in extenso erschienen sind. 
Nur das Facit derselben gestatte man uns hier zu ziehen. 

Im Ganzen wurden 68 Vorträge gehalten und 3 Abhandlungen 
eingereicht. Von den 'Vorträgen waren 37 in französischer Sprache, 
20 in deutscher, 10 in englischer und einer in italienischer Sprache 
abgefasst. Diese Zahlen sind gross genug. Die Ergebnisse und die 
Bedeutung eines Kongresses hängen jedoch nicht von der Zahl der 
gehalteneu Vorträge ab, sondern weit mehr von Diskussionen und 
Beschlüssen, die für die künftige Gestaltung der "Wissenschaft von 
Bedeutung sind. An Resolutionen war auf dem Berner Kongress 
kein Mangel; nicht weniger als 18 sind gefasst worden. Das ist zu viel; 
denn es ist klar, dass mit wachsender Zahl der Resolutionen die 
Bedeutung der einzelnen sinkt. Es ist gewiss nicht in der Ordnung, 



— LIII — 

wenn sich fast jeder Redner für ein von ihm verfochtenes Lieblings- 
projekt vom Kongress eine Empfehlnng in Form einer Resohition 
geben lässt; das heisst denn doch den Kongress missbrauchen. 
Etwa die Hälfte der Berner Beschlüsse gehört der Kategorie solcher 
Wünsche an und ist ohne jede Bedeutung. Glücklicherweise sind 
aber ausserdem eine Reihe von Beschlüssen gefasst worden, die nicht 
unwichtig zu werden versprechen. Mehrere derselben stehen mit dem 
Haupttraktandum des Kongresses, der Frage der Schaffung einer 
Erdkarte im Massstab 1 : 1 Million im Zusammenhang. Auf Antrag 
des Urhebers des Projektes, Prof. Penck in Wien, der vom Obersten 
de Lannoy-de Bissy in Epinal unterstützt wurde, beschloss der Kongress 
die Initiative zum Studium einer einheitlichen Erdkarte im Massstab 
1 : 1 Million, die als Gradabteilungskarte zu denken ist, zu ergreifen. 
Der Kongress setzte zu diesem Zwecke eine internationale Kommission 
unter dem Präsidium von Oberst Lochmann in Bern ein, die das 
Projekt allseitig diskutieren und seine Ausführung vorbereiten soll. 

Lii Zusammenhang mit der Frage der Weltkarte war die Frage 
des Anfangsmeridians und der geographischen Rechtschreibung auf 
die Traktanden gesetzt worden. Leider kam es nicht zu der er- 
warteten einheithchen Kundgebung für den Greenwicher Meridian, 
sondern nur zu dem Wunsch, es möchte der schweizerische Bundesrat 
bei den verschiedenen Regierungen Schritte thun, damit endlich eine 
Einigung erreicht wird. Keine Aussicht auf Beachtung hat leider der 
vom Kongress ausgesprochene sehr berechtigte Wunsch, es möchte die 
englische Gelehrtenwelt in Zukunft nicht mehr die alten englischen 
Masse, sondern nur noch das Metermass benutzen. Ebenso aussichtslos 
ist die Befolgung des in der Frage der Orthographie geographischer 
Namen gefassten Beschlusses, da dessen zweiter Teil nur den Wünschen 
der Franzosen gerecht wird; derselbe schreibt für alle Länder, die 
sich nicht des lateinischen Alphabetes bedienen, die von der Pariser 
Gesellschaft vorgeschlagene Transskription vor. Wichtig und ohne 
Frage sehr glücklich, weil allgemein befriedigend, ist dagegen der 
erste Teil des Beschlusses, wonach für alle Länder, die sich des 
lateinischen Alphabets bedienen, ohne weitere Transskription die 
dort übliche Schreibweise angenommen wird. Durch diesen Beschluss 
dürfte schon einiges erreicht sein. 

Nicht unwichtig verspricht ein Pjeschluss zu werden, der für alle 
Kulturstaaten die Ausarbeitung und Publikation umfassender landes- 
kundlicher Bil)liographien nach dem Muster der schweizerischen 
emptiehlt. 

Endlich hat der Kongress die von dem internationalen meteoro- 
logischen Komitee beschlossenen Regeln zur Anstellung und 



— LIV - 

Piil>likntion nieteoroloiiischer Beobaditiin^en auf Reisen adoptiert 
sowie sich für die (Gründung- von geograi)liisclien Lehrstühlen an allen 
Hochschulen und für Förderung der antarktisclien Forschung aus- 
gesprochen. 

Auf die übrigen Resolutionen einzugehen liegt keine Veran- 
lassung vor. 

In diesen Resolutionen, vor allen der betreffend die "Weltkarte uiul 
der betreffend die Bibliographien der Landeskunde liegt das Resultat 
der Arbeiten des Kongresses vor. Es ist die Aufgabe der vom Kongress 
eingesetzten internationalen Kartenkomniission , sowie der Central- 
kommission für schweizerische Landeskunde, die vom Kongresskomitee 
mit der Ausführung des Beschlusses betreffend die landeskundlichen 
Biblio.i:ra]»hien betraut wurde, die nötigen Schritte zur Verwirklichung 
beider ]3eschlüsse zu thun. 

Diese Schritte sind heute z. T. schon gethan. Im Augenblick 
der Niederschrift dieses Berichtes ist bereits über eine Reihe der 
wichtigsten Punkte des Projektes der Weltkarte im Massstab 1 : 1 Million 
Klarheit gewonnen und eine Reihe von Blättern sind fest übernommen, 
so dass die Realisierung des Projektes in greifbare Nähe rückt. Des- 
gleichen wird die Anregung, landeskundliche Bibliographien herzu- 
stellen, gegenwärtig in verschiedenen Staaten erwogen. Einige haben 
sich schon bereit erklärt für ihr Gebiet die Aufgabe in Angriff' zu 
nehmen. Welch einen Einfluss einerseits eine einheitliche Karte in 
1 : 1 MiUion, andererseits umfassende landeskundliche Bibliographien 
für die wissenschaftHche Geographie werden haben müssen, liegt auf 
der Haiul. Es ist kein Zweifel, dass die Ausführung dieser beiden 
Beschlüsse dem Berner Kongress für die Dauer einen Ehrenplatz 
inmitten aller internationalen geographischen Kongresse sichern wird. 




Vorträge und Mitteilungen. 



I. 

Etablissement et publication d'ane carte de la terre 

an 1 : 1,000,000. 

Propositions du Dr Albrecht Penck, professeur ä l'universitö de Vienne. 



La seconde moitie de ce siecle a produit im materiel cartogra- 
phiqiie embrassant la presque totalite des terres et en donnant le 
figure a iine echelle relativement grande. 

II existe, en effet, des cartes speciales, ä une echelle superieure 
au 1 : 200,000, de l'Europe presque entiere, de grandes parties de 
TAnierique du Nord, de quelques regions de l'Afrique et des Indes 
anglaises, ainsi que des cartes marines, ä une 6chelle peu inferieure, 
d'environ les ^s de toutes les cotes. On a publie des cartes d'ensemble 
a l'echelle de 1 : 500,000 a 1 : 1,000,000, de quelques Etats de l'Arae- 
rique du Sud et de TAmerique centrale, de grandes r6gions de l'Asie 
occidentale, meridionale et Orientale, ainsi que de l'Australie. Enfin, on 
a dresse ces dernieres annees les itineraires d'explorateurs dans les 
contr^es encore insuffisamment connues de l'interieur de FAmerique 
du Sud et de l'Afrique, ä des echelles le plus souvent superieures 
au 1 : 1,000,000. 

L'emploi, d'une maniere scientifique et pratique de ce materiel 
cartographique, comprenant des milliers de feuilles, sera evidemment 
rendu difficile d'abord par son inegalite, tant sous le rapport des 
echelles que sous celui de la methode de projection, et sous celui de 
la teneur des cartes; ensuite par le fait que ces difförentes oeuvres 
cartographiques, ayant paru dans les centres les plus divers, seront 
difficiles ä se procurer. Enfin, il faut tenir corapte de ce que beau- 
coup de cartes qui ont 6te publiees dans des journaux ne peuvent 
etre achetöes s6par6ment, sans parier des cartes, qui, pour un niotif 
ou pour un autre ne sont i)as dans le commerce, sans pour cela etre 
des documents secrets. 

XI. Jahresbericht il. Geogr. Ges. v. Bern. 1891—1892. 2 



C'eliii qui, de iios Juiiris, eherclic u rassembler Ics (luivres ciU'to- 
grai)liiques concernant toutes les parties explorces de l;i surface de la 
terre. so lunirte k de serieux obstacles. et meine rac(iuisiti()n des cartes 
se rai)i)ortaiit a une roiiion dötenHinee, presente des difticultes i)ai-fois 
insunuontables. A c6t6 de cela, il est d'une i;rande utilite, pour le 
göograplie de ])r()fession, de pouvoir ])osseder tout ce qui existe de 
materiel cartographiqiie de la terre, dans les liiiiites de eertaines 
^chelles d6termin6es; la vie pratique des peuples civilises reclame 
aussi et toujours davaiitage des cartes de teile ou teile regioii. 

Les cartes absolument indispensables de la mere-patrie sont 
demand(5es par ses habitants dans des biits multiples; Celles de 
r^gions reculees sont demandees pour des intörets commerciaux ou 
missionnaires ou pour des entreprises coloniales, sans i)arler des 
innombrables cartes employees pour l'enseiguement et de Celles ne- 
cessitees par des övenements, specialement les guerres, toucbant a 
l'histoire du nionde. 

Pour ces buts divers, le matöriel cartographique existant est 
loin d'etre toujours a la hauteur des besoins; P^clielle des cartes 
speciales est souvent plus grande qu'il ne faudrait, celle des cartes 
d'ensemble souvent trop petite. 

Pour obtenir une vue d'ensemble de r^gions limitrophes, on est 
oblige d'employer des feuilles de difterentes cartes, Präsentant les 
diversites les plus grandes, tant sous le rapport de l'echelle que 
sous celui de l'execution ; et tandis que pour une certaine region on 
a de bonnes cartes d'ensemble, on n'a rien pour la contree imme- 
diatemeut voisine. 

L'elaboration, au moyen des tr^sors cartographiques existants, 
qui ont 6te etablis a des points de vue si divers, d'une oeuvre uniforme 
comprenant la surface de la terre entiere, serait donc d'une grande 
utilite pratique. Cette utilite ne saurait mieux trouver son expression 
que dans la persuasion oü sont toutes les personnes cultivees, de 
l'avantage qu'il y aurait ä pouvoir non seulement consulter, mais 
encore se procurer des cartes de quelque' partie que ce soit du 
globe terrestre a une echelle unique, de sorte qu'au premier coup 
d'ceil on puisse se rendre compte des distances dans les pays etran- 
gers par comparaison avec son propre pays. Mais ce n'est pas 
seulement pour des motifs pratiques que l'etablissement d'une grande 
carte homogene de la terre aurait une valeur incontestable, c'est 
surtout dans l'interet de la geographie elle-meme que son utilitö 
serait grande. En effet rien ne pourrait favoriser davantage les 
explorations, que la vue d'ensemble de tout ce qui existe en fait de 
cartographie pour la terre entiere, et le fait que l'on pourrait donner 



ä chaque explorateur des cartes sur lesquelles ressortiraiont claire- 
ment les vieles a remplir, vides que l'oii rencontre souvent encore, 
meine dans des regions connues. 

Dans ces conditions on doit saluer avec joie le fait que le V® 
Congres international des sciences geographiques, a Berne en 1891, 
a reserve une place dans son programme ä la question de l'ölabo- 
ration d'une grande carte homogene de la terre. 

A Toccasion du Congres, le plan de la carte tut expos6 dans un 
court rapport/) apres avoir ^te brievement developpe.^j L'auteur 
d'une des plus grandes cartes de notre temps, M. de Lannoy de 
Bissij, ^) qui a dresse la carte d'Afrique a Techelle de 1 : 2,000,000, 
appuya l'.entreprise de son jugement autorise, et apres discussion 
du plan de la carte par une commission, le Congres prit l'initiative de 
l'etude d"une grande carte de la terre, ä Techelle du 1 : 1,000,000, 
et nomma une commission a cet effet.^) Depuis lors, M. R. Lüddecke 
ouvrit une discussion sur le plan de la carte, ^) discussion a laquelle 
prirent part M. HahenicU^) et Fauteur de ces lignes.'') Dans cette 
discussion on s'occupa principalement de Teclielle de la carte et du 
mode de projection ä adopter; sur ces deux points le Congres avait 
dejä pris des resolutions, puisqu'il a choisi Techelle de 1 : 1,000,000 
et decide que les feuilles seraient « de preference » limitees par des 
meridiens et des paralleles. 

Echelle de la carte. 

Pour que la carte de la terre puisse servir aux buts qu'on se 
propose, eile doit representer fidelement toutes les parties de pays; 
pour Fobtenir il faudra rassembler toutes nos connaissances topo- 
grapliiques et orographiques actuelles des pays qui n'ont pas encore 



*) A. Penck, Die Herstellung einer einheitlichen Erdkarte, im Massstabe von 
1 : 1.000,000. Compte-rendu du V^ Congres international des sciences geogra- 
phiques. Berne 1892. Annexe IV. 

2) A. Penck, Die Erdkarte im Massstai)e von 1 : 1,000,000. Beilage zur Allge- 
meinen Zeitung. München 1891. Nr. 169. 20. Juni. — A. E. Forster, Ueber die 
Herstellung einer Karte der Erde im Massstabe von 1 : 1,000,000. Das Ausland, 
1891. Nr. 31. 

^) Quelques details sur la carte d'Afrique au 2,000,000^6^ ä propos de la 
question de l'elaboration d'une carte de la terre ä, l'echelle du 1 ,000,000n>e. 
Annales du Congres, annexe V. Separat: Epinal, Impr. Tricotel. 

*) Premiere resolution votee dans la seance de cloture. 

*) Zur Erdkarte im Massstabe von 1 : 1,000,000. Ausland, 1891. Nr. 46. Nocii 
einmal zur Erdkarte im Massstabe von 1 : 1,000,000. Ausland, 1892. Nr. 11. 

«) Ausland, 1892. Nr. 1 und Nr. 19. 

'j Zur Erdkarte im Massstabe von 1 : 1,000.000. I. Ausland, 1891. Nr. ''2. 
11. Ausland, 1892. Nr. 19. 



I 

etO levi'S, et faire un ehoix de ce que noiis possedons des Etats qui 
ont ete leves exacteiiient. 

Dans ce bat il faudra choisir i)our cette carte iine projection 
qui donne le niiniinuiu de deformation, et une echelle pas trop pctite 
poiir les pays qui out deja «Hc niesures, pas troi) grande pour ccux 
qui sont encore peu connus. A cöt6 des cartes speciales de certains 
Etats de TEurope, il existe des cartes, dress6es pour les buts mili- 
taires surtout, coniprenant de plus grandes regious, et pour les- 
quelles ou a adoptö des 6chelles, telles que : 1 : 2(H),0()(), 1 : 2öO,()()(), 
1 : HO(),()(K), 1 : 820,000, 1 : 420,000, 1 : 500,000, 1 : r)7(;,000, 1 : 750,000, 
1 : 800,000, 1 : 1,000,000. On n'a dresse jusqu'a present qu'exception- 
nelleraeut des cartes de certaines r6gions de l'P^urope ä des öchelles 
plus petites (ä partir de 1 : 1,000,000), tandis que les Atlas usites 
donnent rarement des cartes des difl'erents Etats de l'Europe, ä des 
echelles plus grandes que le 1 : 1,500,000. Par cons6quent pour que 
les feuilles de la carte de la terre concernant l'Europe r6pondeut 
aux interets pratiques, elles doivent etre ä une echelle sup6rieure 
a 1 : 1,500,000, et pour qu'elles puissent etre comparöes aux cartes 
d'ensembles dressees jusqu'a ce jour, elles doivent avoir au moins 
rechelle du 1 : 1,000,000. 

Pour ce qui concerne les parties du monde qui ont et6 peu ex- 
plor^es et en considerant que bien des regions n'ont ete que rare- 
ment ou pas du tout mesurees par les explorateurs, une echelle 
notablement plus petite pourrait suffire pour les reprfeenter dans 
leurs traits principaux. Mais ces parties diminuent d'annee en annee. 
Rappeions ici que quoiqu'il piit sembler,^ il y a quelque vingt ans, 
absolument illusoire de vouloir donner une figure generale de l'Afrique 
a une echelle plus grande que le 1:5,000,000, il existe cependant 
aujourd'hui une carte de ce continent au 1 : 2,000,000, dont l'eminent 
auteur, M. de Lannoy äeBissij, declarait dejä en 1885, que dix ans plus 
tard on devrait prendre l'echelle du 1 : 1,000,000 pour repr6senter 
l'Afrique d'une maniere conforme aux connaissances qu'on en aurait. 
On possede en eftet dejä aujourd'hui des cartes de quelques regions 
de l'interieur de l'Afrique au 1:300,000, de grandes superficies au 
1 : 750,000 ou 1 : 1,000,000, et cette derniere echelle, ou une Schelle 
approchante, a ete tres souvent employee dernierement dans la publica- 
tion d'itineraires ; ce qui est bien comprehensible, car, si Ton considere 
qu'ä l'echelle du 1,000,000™« un kilometre 6tant represent6 par 1 mm 
(1 inch = IG miles, approximativement), dans des contrees relative- 
ment tres habitees des noras locaux devraient trouver place dans 
des espaces de 5 ä 15 milhmetres. « The Intelligence Branch of The 
War Office >> et le < Surveyor General of India > — et ceci vient 



certainement a l'appui de ce qiie noiis disons de Teinploi i)ratiqiie de 
cette echelle, — ont piiblie des cartes de tonte la Perse, rAfgliauistaii, 
le Beloutchistan, les Indes orientales et dernierement de la partie 
anglaise de Tlndodiine a recheile de 1:1,01:!, 700 (i incli = 16 miles), 
de Sorte qn'environ un septieme de l'Asie est dresse a cette echelle. 
De plus, TEtat-major nisse a pnblie, anx deux echelles de 1:840,000 
et 1 : l,(i80,0()0, des cartes de toiites les frontieres meridionales de la 
Russie d'Asie, d'nne grande partie de la Siberie, du Tnrkestan pres- 
qne en entier, dn Caucase et de l'Asie minenre ; la France a dresse 
des cartes de Tlndochine, la Hollande des Indes holla ndaises exacte- 
ment a Fechelle du 1,000,000™*', qui a ete egalement adoptee pour 
des cartes de quelques Etats de l'Amerique du Sud et de TAmerique 
centrale, de la Republique dn Transvaal, de Madagascar, etc. Une 
autre preuve de la valeur pratique de cette echelle est Temploi qu'en 
out fait les « Geographische Mittheilungen » de Petermann pour la 
dixieme partie de toutes les cartes qu'elles ont publiees de l'Afrique. 

Enlin si, d'apres l'avis de M. de Lannoy de Bissy, l'echelle qu'il 
a adoptee pour sa carte de l'Afrique au 2,000,000™® devient trop 
petite pour exprimer les particularites orographiques et topographiques 
de ce continent, il est certain qu"il en serait de meme pour les autres 
parties du monde. 

Ce sont ces considerations qui nous ont conduit a recommander 
l'echelle du 1,000,000™® pour la carte de la terre. Dans la discussiou 
que M. Lüddeclie de Gotha a provoquee au sujet de cette carte, il 
conteste la valeur de l'application generale de cette echelle et propose 
comme süffisante une echelle du 3,000,000™« au 4,000,000™® pour cer- 
tains continents. Cette derniere echelle est cependant evideraraent 
trop petite; eile ne pennet plus d'exprimer tont ce que nous con- 
naissons de l'orographie et de la topographie des regions encore peu 
parcourues, et eile restreint dans des limites si etroites ce que Ton 
peut representer de la sixieme partie du globe qui a ete soumise a 
des mensurations exactes, que l'emploi pratique de ia carte en souft'ri- 
rait. Preuves en soient les cartes qui existent dejä ä ces Echelles ; par 
exemple dans l'Atlas de Stieler : Tonte l'Europe, l'Asie mineure, les 
Etats-Unis de l'Amerique du Nord sont donnes au 1:3,700,000; pour 
tonte l'Europe centrale, occidentale et meridionale, on a du alleger 
ces cartes en y ajoutant des cartes au 1 : 1,500,000, et la oü on ne l'a 
pas fait, comme par exemple pour l'Amerique du Nord, les cartes sont 
surchargees. On peut conclure de la que l'echelle de 1 : 3,700,000 est 
trop petite pour une grande carte de la terre devant repondre aux 
besoins les plus divers. M. Lüddecke pretend ensuite que notre con- 
naissance geographique de la terre est encore beaucoup trop inegale 



poiir en pennettre uiic repivsoiitatioii iiniforme 11 est vrai quo tandis 
que des iv.uions coiisiderables ont ('tö rei)i'c,seiitees au 1:25,000, uuo 
(k'hello du 2,ooo,ooo"'^', ou iiiouie plus petite, est encore süffisante poui- 
repre.^onter certaincs contrees, en eiiard aux connaissant'es rc>;treintes 
que nons en avons. ^lais il ne s'a.nit i)as, pour une ^raiidc carte 
homogene de la terre, de choisir une (Schelle qui reponde exactement 
a nos connaissances de tel ou tel pays, c'est ce que Ton a deja fait 
pour les noni])reuses cartes originales qui existent; notre fache au 
contraire est de choisir une Schelle qui nous permette de repr6senter 
tonte la surface tcrrestre avec le plus d'honiog6neit6 possible. II est 
evident qu'une teile echelle, pour bien des regions, sera plus ])etite 
que Celle qui lui conviendrait, tandis que pour d'autres eile pourra 
provisoirement paraitre trop grande. Mais ces espaces non encore 
explores ont deja bien diniinue et sont devenus plus restreints que ceux 
qui ont ete lev(§s en detail, comme cela ressort de la table compara- 
tive de Bartholomew (Scottish Geographica! Magazine 1890, p. 293 et 
575; 1891, p. 124 et 586). 

Voici les donn^es de ces tables en 1000 kilometres carr6s : 





Lcvcs 
de detail. 


Laves topo- 
graphiques. 




'S 'Ä 

c oj 

S ü 

O G 

ü ß 
c:; 


X 
CD 


Europe .... 
i^frique .... 
Asie 

Amerique du Nord 
Total 


8840 
520 

3880 

2980 


1900 
1140 
4070 


6000 

i(;ooo 


12367 
21340 

5400 


9800 
1940 

1420 


10600 


16200 


39 


710 


39107 


13160 



On voit d'apres cette table, que les regions levees represen- 
tent deja la moitie de la surface des terres, que sur le reste % 
sont connus par des reconnaissances, dont les r^sultats sont tres 
souvent donnes par des cartes au 1,000,000™«, de teile sorte qu'il ne 
resterait que Vs de la surface des terres, pour lequel cette 6chelle 
pourrait etre trop grande, tandis que pour la moitie eile serait trop 
petite. II est certain que ce sont justement les espaces inexplores 
dont Tetendue va le plus vite en diminuant, et que pendant le cours 
des annees necessaires a Fetablissement de la carte de la terre, ils 
disparaitront en grande partie, de sorte qu'il ne nous semble pas, 
qu'ä cause de ces regions il faille recommander une echelle plus 



petite qii'on ne clioisirait pas sans leur existence. II ne nous 
scnible pas non plus iiiclique d'avoir a une echelle plus petite que 
le reste les regions en grancles parties inexplorees, car la grande 
valeur pratique de la carte ressort justement de l'uniformite de 
reclielle, qui permet, par simple examen sans l'aide de mesurages, 
de se rendre compte des rapports de distances et de surfaces. La 
repr^sentatioii a une echelle inferienre au reste, des parties de la 
terre qui ne sont pas encore connues, ne serait qu'une mesure 
provisoire. 

Quoique bien des considörations engagent a choisir le l,0()(),()()(pe^ 
il ne taut pas m^connaitre qu'elles ne recommandent cotte proportion 
que dans ses traits generaux; aucun doute quo des eclielles comme 
le l,200,000'"e ou le 900,000™^ ne rendraient ä peu pres les memes 
Services que le 1,000,000"'^. La superficie de la carte, et en meme 
temps les frais d'etablissement augmentant comme le carre de Teclielle, 
une carte au 1 : 1,414,214 serait deux fois moins grande et deux fois 
moins cbere qu'une carte au 1,000,000"»^. C'est pourquoi la question 
de savoir si Ton ne pourrait pas, dans le but de diminuer les frais, 
reduire legerement l'ecbelle de la carte, est certainement digne d'atten- 
tiou. Cependant nous opposons a cette consideration le fait que Tecbelle 
du 1,000,000"'^ est incomparablement plus comraode qu'aucune appro- 
cbante; töute mesure metrique est, sans autre, une echelle pour la 
carte : 1 mm = 1 km, 1 mm^ = 1 km^ 1 cm correspond ä 1 myriametre, 
1 cm^ = 1 myriam^. Ceci präsente un grand avantage pour l'emploi de 
la carte dans tous les pays qui se servent du Systeme metrique. En 
outre, a cette echelle, on a presque le rapport de 1 inch = 10 miles 
(1 : 1,013,760) et un pouce = 25 werstes (1 : 1,050,000), c'est-a-dire 
avec une approximation teile, qu'en tenant compte de la contraction 
du papier, on peut, pour l'usage courant, consid^rer ces rapports 
comme exacts. 

Projectioii de la carte. 

La carte projetee ne pourra pas, a cause de ses grandes 
dimensions, ottrir une vue d"ensemble de la terre entiere, ni meme 
des differents continents. Dans ce but il faut user de cartes a plus 
petite echelle; ou a cette öchelle, de gigantesques cartes murales. 
Quon relltichisse seulement que l'Asie, au l,00(),0()ome^ donnerait une 
carte murale de 8 m de haut que Ton ne pourrait embrasser du 
regard qu'a une distance considörable, distance a laquelle les d^tails 
de la carte ne seraient plus visibles. La carte de la terre ne pourra 
donner de vue d'ensemble que de parties restreintes, telles qu'on 



puisse 11 uiie distance de vue normale Fembrasser d'un seul cou]) 
d'a?il. Klle donnera en outre la represeiitatioii de la surface ter- 
restre, on iionibreiises sections, coiniuodes pour Tusage manuel; 
eile sera par la iine carte daiis le g'enre des cartes speciales de 
divers pays dont personne ne songe a assembler les feuilles. On pour- 
rait donc, conune on le fait souvent pour ces cartes speciales, lui 
donner le titre : -Atlas de la Terre >. Du reste que Ton donne la 
lireference ä teile ou teile denomination, on peut en tont cas de- 
clarer que la carte de la terre ne pourra janiais fournir siniulta- 
n6ment une vue d'ensenible, sauf de ])arties relativement restreintes 
de notre globe, et qu'il ne sera janiais necessaipe de Fassembler en 
un seid tableau; tout au plus sera-t-il necessaire de röunir autant 
de feuilles que Ton pourra de maniere a obtenir une vue d'ensemble 
d'une etendue restreinte. 

Dans ces conditions on n'est pas oblige d'adopter pour la carte 
de la terre une projection qui represente la surface entiere du globe 
sur un plan, comme celle que recommande le projot de Sir James 
(Journ. 11. Geogr. Soc. XXX, p. KXi). Une autre projection, la, projection 
polyeärique, qui a et6 dernierement appliquee aux cartes speciales de 
Prusse et de l'Empire allem and d'abord, puis en Autriche-Hongrie, 
en Italie, en Espagne, aux Etats-Unis d'Am^rique, ainsi qu'au Japon, 
est prcferable pour la carte de la terre. Cette projection presente le 
grand avantage de rendre aussi bien les surfaces que les angles, a tres 
peu de chose pres dans leurs proportions exactes. Cette projection ne 
permettrait pas, il est vrai, la juxta-position de toutes les feuilles en 
un seul plan; la necessite de le faire n'existe du reste pas. Ceci ne doit 
donc pas etre un obstacle, surtout si Ton considere que, si les besoins 
pratiques le demandent, on pourra assembler 4 et meme feuilles sans 
difticulte. Tandis qu'il est generalement usite de dessiner des cartes 
rectangulaires, les feuilles de la carte de la terre ex6cut6es d'apres 
la methode polyedrique presenteraient des trapezes limites par des 
paralleles et des m^ridiens convergeants vers les poles; ceci n'en- 
traine d'ailleurs aucun inconvenient; car aucune plainte ne s'est 61evee 
ä ce sujet dans les pays qui ont adopte cette methode pour leurs 
cartes speciales. On s'habitue ä la forme trapezoidaie des feuilles 
aussi bien qu'ä toute autre, du reste il y a des siecles que des 
cartes de cette forme sont en usage. 

11 y a deux manieres d'employer la methode de projection 
polyedrique : ou bien en projettant Timage cartographique sur autant 
de plans qu'il y aura de feuilles composant la carte (projet en 
facettes), ou bien en projettant cette Image sur des surfaces de cönes 
tronques qui correspondent aux diiferentes zones de la sphere 



terrestre (projet tronc - conique), Avec la premiere maniere, on 
obtient des feuilles de forme purement trapezoidäle, et Ton peut 
assembler coinpletement les feuilles d'iine meme colonne oii Celles 
d'une meine zoue; avec la deuxieme maalere les feuilles prendront 
la forme de trapezes dont deux cotes seront des courbes, et qui 
iie pourront s'assembler d'une maniere exacte, qu'autant qu'elles 
appartiendront a une seule et meme zone. Dans les deux cas il se 
produira des Solutions de continuite entre les diiferentes feuilles, 
lorsqu'on voudra assembler des sections appartenant a des zönes ou 
a des colonnes differentes. On s'apercevra toutefois que ces Solu- 
tions de continuite seront plus petites que celles qui se produisent 
habituellement par le fait des contractions que subit le papier des 
diverses sections d'une carte que Ton assemble sur un plan. Avec 
le mode de projection par facettes planes, independantes les unes 
des autres, il se produirait des deformations qui ne sont pas abso- 
lument sans importance; les parties rapprochees du cadre ne se- 
raient pas exactement semblables a celles du milieu, de plus, en 
assemblant les feuilles d'une meme zone, les paralleles presenteraient 
une brisure, toutes choses qui seront ^vitees par la methode de 
projection tronc-conique. C'est pourquoi cette derniere devrait etre 
choisie de preference. 

II y a difterentes manieres d'executer le plan polyedrique, sur 
un polyedre Interieur ou ext6rieur ä la sphere, ou sur la surface de 
portions de cones Interieurs ou exterieurs. II est ä recommander de 
choisir un cas dans lequel la longueur des cotes des feuilles se rap- 
proche le plus possible de la portion de meridien ou de parallele 
a laquelle eile doit correspondre, de sorte que la longueur des paral- 
leles servant de limite entre les feuilles (p), ainsi que la distance 
de Tun ä l'autre (m), et pour la methode tronc-conique aussi la 
longueur des meridiens-limites, soient donnöes exactement. Pour les 
deux modifications de la projection polyedrique nous aurons ainsi la 
surface d'une feuille de la carte (B) : 



ß ^ Vi + 1'2 



m. 



De cette maniere, la surface de la feuille est trop petite d'ulie 
quantite insignifiante. Si la distance des paralleles- limites est de 
2 '^ degr6s, nous avons comme rapport de la surface de la feuille a 
la surface a repr^senter (F) (ensupposant la terre strictement 
sph^rique) : 

B : F = arc cf : tg cp 



10 

De plus, lo parallolo du uiilieu est trop court, ])uisque sn lon- 
fXueur (pm) n\'st ö.nale qu"a hi moyeune des deux parallcles-limites de 
In t'euille, tandis (pi'en realite (IV sur la sphere) il est ögal ä cette 
moyenue divisi'e juir le cosinus de la nioitiö de la difference de lar- 
iieur des pavalleles-liuiites, de sorte (lue nous avous requatiou : 

-j;-" =^COS:p 

Ou voit par la que la surface d'uiie feuilie se rapproclie d'au- 
taiit plus de la portiou correspondante de la surface spherique, et 
que le parallele uK^dian de la feuilie se rapproche d'autant plus du 
parallele qui lui correspond sur la spliere, que la distance des 
paralleles-limites devient plus petite. La table suivaute montre cela 
pour diverses longueurs d'ecartemeut des paralleles limites : 



•2 cp 


T 

tg 9 


cos cp 


1» 


0,!)!)!)!)7r) 


0,999962 


oo 


0,!)!)!)899 


0,999848 


3« 


0,999772 


0,999658 


4" 


0,999594 


0,999391 


5» 


0,999365 


0,999048 


()° 


0,999086 


0,998630 



Ou voit qu'un trapeze d'un degre n'est trop i)etit que de 
25 millioüiemes de sa surface et que son parallele-median n'est trop 
petit que de 38 millioniemes partie de sa longueur, tandis que pour 
un trapeze de Cfi les diminutions atteignent deja 914 millioniemes et 
1370 millioniemes, c'est-a-dire qu'elles sont devenues environ 36 fois 
plus fortes. La diminution de la surface de la feuilie et celle du 
parallele-raMian augmente environ en raison directe du carre de 
l'ecartement des paralleles limites. 

On voit, par ce qui pr6cede, que plus les sections de la carte 
seront petites, plus elles se rapprocheront des dimensions v6ritables. 
Mais d'un autre c6t6, au point de vue pratique il serait bon de les 
avoir aussi grandes que possible ; en eilet, plus la feuilie est grande, 
moins on aura besoin d'impressions differentes, et par suite on re- 
duira d'autant le coüt de l'ouvrage. La grandeur maximale d'une 
feuilie est limitees par les dimensions du format dit « imperial »^ 
^Veo cm ; il ne serait pas recommandable, comme pratique, un format 
Interieur a celui employe par de nombreux atlas, soit de ^Vso cm. 
Dans ces limites, on ne peut songer, pour Fechelle du 1,000,()00'"<', 



11 

qu'ii deux dimensions poiir les feuilles du projet i)olycdrique, celle 
coiiiprenant o degres et celle coinprenant 5 dögres comme hauteur de 
zöne, car au i)oiiit de vue pratique il est n^cessaire que la distauce 
de l'equateur aux poles soit divisee en un nombre entier de zoues. 
Pour une hauteur de feuille de ?> degres de meridien, la superficie d'une 
feuille serait de 22s millionieines trop petite et le parallele-median trop 
petit de 342 millioniemes de sa longueur ; pour une hauteur de feuille 
de 5 degres de meridien les chitfres correspondants seraient (ioö et 
952 millioniemes. Le plus long parallele qui puisse etre considere, 
celui de 2^2", serait, pour une longueur de 40082 mm, dans le 
Premier cas trop court de 14, dans le second de 38 mm, total qui 
etant divise egalement dans le premier cas par 90, dans le second 
par 72 largeurs de feuille de la zöne, donnerait pour chaque feuille 
une largeur trop faible dans son milieu de 0,15 ou de 0,53 min. La 
premiere de ces quantitös (0,L5 mm) peut ä peine etre rendue dans 
une execution tres exacte ; la seconde, par contre, peut tres bien etre 
exprimee, raais disparaitra en tenant compte des dimensions de la 
feuille, et restera bien inferieur ä ce que produisent les contractions 
inegales du papier que subissent les feuilles de cartes. En pratique 
on peut donc concevoir le projet de la carte et l'admettre comme 
Sans erreur, aussi bien en feuilles de 3° qu'en feuilles de 5" de hau- 
teur de zöne; il n'est pas necessaire de projeter d'emblee les feuilles 
mathematiquement equivalentes, en faisant, par exemple, d'apres la 
maniere du plan de Bonne, les paralleles proportionnels ä la realite^ 
ou en se tigiirant un trapeze de 3° ou de 6^ comme coinpose de 
9 ou de 25 trapezes d'un degrö ; si Ton voulait le faire, les meridiens 
servant de limite aux feuilles seraient courbes, et celles-ci ne pour- 
raient plus etre assemblees en zones. 

Dans chacune des deux manieres d'appliquer la projection po- 
lyedrique, la convergence des meridiens vers le pole n'apparait pas 
seulement dans la forme trapezoTdale qu'aüectent les feuilles, mais 
eile se fait encore remarquer par le fait que pour une meme ditfe- 
rence de longitude entre les meridiens -limites, les feuilles des 
ditterentes zones deviennent de plus en plus etroites a mesure 
qu'elles s'approchent des poles. On peut reni6dier a ces incon- 
v6nients en faisant grandir peu a peu la dift"6rence de longitude 
entre les m^ridiens-liinites en approchant des poles, diftcrence qui 
doit en tout cas rester i)artie aliquote de 3(i0''. Si Ton adoi)te le 
format habituel des atlas i*'^/^^ cm), on pourra repr6senter des 
trapezes de 3 degres de meridien i)our la hauteur et de 4 degres 
de i)arallele comme largeur de colonne entre l'equateur et le 30'"^ 
deure, de 5 deures de parallele entre le 3()'"e degre et le 48„e, de 



1-2 

<) eutrc lo -is'no et le (!()""= de,m\''. De meine pour le forinat dit 
* iiiilierial ('^7ßo *^'") ^n pourrait eniployer des trapezes de 5" jusqu'aii 
l)arallele de iJö", de H5° a 5')° des trapezes de (i** de largeur de co- 
loiine, etc. II ivsulterait, il est vrai, de cctte nianiere de proceder, 
que les diverses zones de la carte de la terre irauraient pas toiites 
le meine iiombre de colonnes, et qiie, par conseqiient, les feuilles 
appartonant a des zones voisines auraient les limites les plus diverses. 
En prösence de cet inconvenient on se demande s'il iio serait pas 
pr6f«^rable d'adopter des formats divers. La diminution en largeur 
des feuilles limitees par des meridiens determin^s n'est pas rapide, 
ce n'est qu'au parallele de (»()*' que les feuilles deviendraieiit d'une 
largeur moiti6 moindre qu'a l'equateur. On pourrait, jusqu'au pa- 
rallele de {i()° partager les zones en un nombre deterniine de co- 
lonnes et a partir de ce parallele en deux fois nioins de colonnes; 
on obtiendrait ainsi des feuilles simples et des feuilles doubles qui 
pourraient toujours se raccorder pour l'usage manuel. Le fait que 
pour les zones du milieu (au-dessous de GO'*) les feuilles seraient plus 
liautes que larges, n'entraine aueun inconvenient pour la pratique, 
comme Pont dejä prouv6 les cartes d'Autriche et de TAm^rique du 
Nord (cartes d'un degre). 

Cette division de la carte, en colonnes et doubles colonnes, est 
possible quelque seit la largeur clioisie, quoiqu'il seit certain qu'elle 
devient surtout pratique si Ton clioisit une largeur relativement 
considerable. Si Ton adopte des zones de 3*^ de hauteur et 4° comme 
largeur de la colonne, les feuilles atteindront, dans les latitudes 
moyennes, le format du folio, elles seraient donc trop petites comme 
cartes generales. Si, par contre on choisit comme hauteur de la zone 
et comme largeur de colonne 5°, on obtient, aussi pour les latitudes 
moyennes, des feuilles qui ne sont pas trop petites et qui corres- 
pondraient, quant au format, ä la carte de l'Europe centrale de 
rinstitut geographique militaire L et R. de Vienne et ä celle, en 
feuilles d'un degre, de TAmerique du Nord. II faut ajouter que la 
division de la carte en trapezes de 5° perraet un groupement qui 
donnera de bonnes vues d'ensemble, qu'elle s'adapte facilement au 
Systeme decimal, qu'en outre eile reduit considerableiiient le nombre 
des feuilles en comparaison de la division en zones de 3 degres. 
Ces considerations ont engage l'auteur a recommander ä Berne 
dejä, en Opposition avec son premier projet, l'adoption de ces tra- 
pezes de 'j^. 

Si l'on adopte pour la carte de la terre, en tenant compte des 
considerations precedentes, les trapezes de i)^, on obtiendra 18 zones 
de part et d'autre entre l'equateur et les poles, que Ton pourra 



13 

(listinguer eii zones-iiord et zönes-sud; on obtiendra de meine Sß co- 
lonnes de chaqiie cöte du meridien central qui poiirront se distinguer 
en colonnes-ouest et colonnes-est. 

En multipliant le numero d'ordre des zones, et celui des colonnes 
par '), on obtient la latitude du parallele faisaiit le cadre septen- 
trional pour les zones-nord ou möridional pour les zoues-sud et la 
longitude du meridien faisant cadre le plus eloigne a Tonest ou a 
Test du meridien initial. Ainsi, en disant simplement: zöne XI N., 
col. 3 E., on trouve immediatement qu'il s'agit du trapeze situe par 
50 ä 55° de latitude nord et 10 a 15" de longitude est. 

Dans le tableau I (p. 2!:)) sont donnees les mesures des paralleles- 
limites des feuilles et de leurs ecartements pour des trapezes de 5°, 
telles qu'elles ressortent du projet polyedrique propose, d'apres les ele- 
ments du spbero'ide terrestre de Bessel. A cote sont donnees : la super- 
ficie que represente la feuille (F), la superficie de la feuille (B) et 
leur difference (D). En outre, on y exprime les angles de base des 
trapezes rectilignes du projet en facettes (ß), calcules d'apres la formule 

cotg ß, = ^f^ 
Oll 2 m^ 

Le tableau II (p. 30) contient les elements necessaires ä Fetablisse- 
ment du projet de surfaces coniques, c'est-a-dire : les rayons des paralleles- 
limites des feuilles (R et r), les demi-angles d'ouverture des surfaces 
coniques developpees (aj, puis les distances des angles des trapezes 
au meridien median fdemi-cordes) (S et s), enfin les distances, me- 
surees sur le meridien median, de ces cordes aux arcs formes par 
les paralleles (T et t), c'est-ä-dire la fleche de l'arc. A l'exception 
des paralleles de 0° et de 90°, ce tableau donne pour cbaque parallele- 
deux rayons, suivant que ce parallele est considere 'comme cadre du 
cote du pole de la zöne inferieure (r), ou qu'il soit considere comme 
cadre du cote de l'equateur de la zöne superieure (R). Entre ces. 
quantites existent les relations suivantes : 

Po - Pl ' Po — Pl 

arc a, = — ^'°- — -J^ 



"•i 



2 Rq 71 2 r^ 71 
Sg = Rq sin Xj ; s^ = i'j sin a, 
T,= 2 Ro sin^ -^ = Sotg 4^ ; t, = 2 r, sin^ "^ = s, tg ^J^ 



14 

Oll a dit (lue la piitjectioii eii ])(>lyö(lrc poiir la carte de la 
terre entraiuerait uii graiid inconvenieiit (voir Lüädcelcc dans 
< Das Ausland s), celui de iie pouvoir assenibler exactement plusieurs 
feuillos eiisemble. En effet, avec le projet de la carte en facettes, 
coiiiiiie iKHis Tavous deja vu, on ne i»eut joindre (jue les feiiilles 
(ruiie meine /.one ou d'une nienie colonne; avec le projet de sur- 
l'ace conique on ne peiit joindre que les feuilles qui a])partiennent 
11 une nieme zöne, et Ton obtient des Solutions de continuitc des que 
Ton veut assembler, en un seul morceau et sur un plan, des feuilles 
de differentes zones et de differentes colonnes. Avec le projet a 
facettes, si Ton adapte a une colonne de feuilles les feuilles de la 
colonne voisine, de maniere a ce qu'elles soient exactement contigues 
le long du möridien limite, il se produit entre deux feuilles aiiisi 
adaptees a la premiere colonne un angle vide, les deux paralleles 
faisant cadre s'«^cartant Tun de l'autre. Si Ton ajoutait de la meme 
maniere aux feuilles deja assemblees les feuilles d'une troisieme co- 
lonne, Tangle de vide deviendra deux fois plus grand, trois fois avec 
les feuilles d'une colonne suivante, et ainsi de suite. On peut en 
dire autant pour ce qui concerne le projet ä surface conique, avec 
cette difiereuce que les angles ne croissent pas par saccades de 
colonne ä colonne, mais d'uue maniere constante, il se produit dejä 
un vide entre les feuilles d'une meme colonne que l'on aurait as- 
semblees exactement en leur meridien median. Alors tandis que 
l'angle de disjonction croit en progression arithmetique avec le noinbre 
des feuilles que l'on assemble, la largeur de cette disjonction croit en 
progression geometrique. Le tableau III (p. 31) donne les valeurs de ces 
angles et de ces distances maximum (ä Fextremite des feuilles op- 
posee au meridien de depart) pour une, trois et cinq colonnes des 
feuilles, ä partir du meridien central oü elles sont exactement contigues, 
cela dans le cas du plan en surface conique. On verra en meme 
temps par ce tableau que les angles de disjonction (W) et la largeur 
de la disjonction (d) sont plus grands pour les zones des latitudes 
inferieures que pour celles des latitudes superieures. Ces valeurs 
sont tirees des formules: 

Simple colonne: 

Wi = ag — «1 ; 



cli = Msr-S,)^+(T;-T,i^ 



= -2 ]/r: 



sm" 



2 r^ Ej sin -^ . sin -J^ • cos --^- + R^j sin^ 



15 



Colonue triple: 



d/ = nV-Si'f + (T/-V)^ 



= 2 J/ i\^ sin^ ^^ — 2 i\ El sin — * . sm -^ • cos 3 -y- + R\ siii^ — ^ 

(Sj — Sj) ayaiit des valeurs tres petites, 011 peut sans erreiir sen- 
sible poser: 

dl = T, - t, 
d', = T\ - t\ 

Ces Solutions de continuite n'entrameront en pratique aucim 
inconvenient, tant qu'elles ne d^passeront pas les limites dinexae- 
titude resultant des deformations du papier par le fait de l'impression. 
La contraction du papier par suite de l'impression dimiuue la lon- 
gueur des cartes de 1 a 27o, la surface par consequent de 2 ä 47o; et 
cela d'une maniere qiii n'est pas egale dans tous les sens, de teile 
Sorte qu'il est fort rare que les cartes presentent le rectangle 
exactement tel qu'il avait ete dessine. Aussi longtemps que la lar- 
geur des vides est plus petite que la diminiition des feuilles provenant 
de la contraction du papier, on pourra en pratique n'en pas teuir 
coinpte. Pour des feuilles d'une liauteur moyenue de 555 mm les vides 
entre les feuilles d"unecolonne simple n'atteignent que 1,1 mm delargeur 
en maximura et par consequent ne deviennent pas embarrassants ; 
donc, gräce ä la contraction du papier, les feuilles d'une colonne dans 
le Systeme de projection a surface conique pourront aussi bien s'assembler 
que les diverses sections d'une carte projetee sur un plan. Pour une 
double colonne de feuilles la largeur du vide sera au plus, d'apres 
ce que nous avons vu plus haut, de 4 mm ; c'est-ä-dire pas meme le 
1 7o de la hauteur d'une feuille ; on pourra par consequent sans obstacle, 
assembler 4 feuilles de la Carte de la terre en un trapeze de IG*', ce 
qui equivaut a une planche de 1,2 m'* de superficie, sans que les 
vides qui doivent se produire entre les feuilles genent en rien. Si 
nous prenous maintenant une colonne de trois feuilles, les vides 
prennent, pour les zones des latitudes interieures, une dimension de 
10 mm environ, c'est-a-dire a peu pres 2 7o de la hauteur d'une 
feuille, de sorte que Ton peut encore assembler trois colonnes de 
feuilles sans döpasser pour les vides qui s'ouvrent entre les feuilles 



10 

lertet (luo i)ro(liiit, la coiitractioii du paitier. Oii pouiTa, par siiite, 
Ibriner avec los sections de la carte de la terre un trai)eze de 
ir>" hien assemble, qui couvrira uiie planclie d'un carre de 1,7 ni 
de cote, ce qui est la plus i;raiide surface quo pennette vine boiiiie 
vue d"enseml)le, saus ])erdre de vue les details de la carte. Nous 
concluons de la que, a Töclielle du 1,()()(),()0(P^ les trapezes de 5" poiir 
les sections de la carte se pretent a Fassemblase autant que peuvent 
le deniander les exigences de la pratique, Eu adoi)tant iine echelle 
plus petite on ne pourrait plus atteiudre ce but. II est vrai que la 
largeur des vides est, a l'echelle du 2,()()(),()()(F'', de la moiti6 moindre 
que les valeurs donnees dans le tableau III; mais les feuilles de la 
carte deveuant quatre fois plus petites, un trapeze de 15° ne cou- 
vrirait qu'une planche carree de 0,8 ra de cote ; sur une planclie de 
1,7 m de cote on pourrait, a Techelle du 2,000,()()(Fe former un 
trapeze de 80°; mais alors les vides atteindraient deja presque 20 mm 
de lar2:eur entre deux zönes voisines, c'est-a-dire plus de 7% de la 
hauteur d'une feuille, valeur qui n'est plus n6glig6able et dörangerait 
l'assemblage. L'echelle proposee pour la construction de la carte de 
de la terre appartient aux plus petites que Ton puisse choisir, en 
adoptant le Systeme de projection poly6drique, si l'on veut obtenir 
des feuilles de dimensions eiicore süffisantes, d'un bon usage manuel, 
et pouvant s'assembler facilement. 

Les donnees expos6es plus haut pour les largeurs de vides se 
rapportent aux zones äquatoriales. Pour les zönes au-dela de GO" 
de latitude les angies et les largeurs de disjonctions sont sensiblement 
plus petits; entre les zönes XII et XIII, par exemple, ils sont en 
moyenne 4 fois moindres qu'entre les zönes I et IL II rösulte de lä 
qu'entre les doubles trapezes proposes pour les hautes latitudes les 
vides demeurent plus petits que pour les trapezes simples des lati- 
tudes inferieures, de sorte qu'ils n'y a aucune objection a elever 
contre l'idee des doubles trapezes au point de vue de la possibilit6 
d'assembler les feuilles. 

Toutes ces donnees en chiffres ne se rapportent qu'au Systeme 
de projection en surfaces coniques. Quant au Systeme des facettes 
oü les angies de disjonction croissent par saccades, il en est de 
raeme pour les largeurs de disjonction lesquelies atteignent des 
valeurs insensiblement moindres a l'angle des feuilles que dans le 
Systeme de projection sur les surfaces du cöne. Les vides qui se 
produiraient entre les feuilles d'une colonne de trois rangs de feuilles, 
par exemple, seraient en moyenne d'un neuvieme plus petits que 
ceux qu'indique le tableau III. Les feuilles en forme trapezoidale du 
Systeme des facettes seraient donc meme, dans une faible mesure. 



17 _ 

plus appropri^es ii Tassemblage que Celles derivant du Systeme des 
surfaces coniques. Ce leger avantage est cependant de peu de 
valeur en comparaison de ceux que nous avons signal6s pour ce 
dernier Systeme ; Tutilite de l'assemblage des feuilles en grandes 
surfaces ne se presentant que fort rarement, comme M. H. Habenicht 
l'a eprouve daus sa longue pratique de cartographe (Ausland 1892, 
N" l'J). 

L'adoption de la projection polyedrique et Tetablissement de 
la division des feuilles suivant des m^ridiens et des paralleles de- 
termines qui en resulte , rendent fundamentale la question du cliolx 
d'un meridien initial pour la construction de la carte. Le raeridien 
de Greenivich simpose comme tel, vu son emploi presque universel. 
Employ6 sans exception dans tout le royaume de la Grande-Bretagne, 
ainsi que dans les Etats-Unis de TAraerique du Nord, ce qui repr6- 
sente dejä presque 1/5 de la surface des terres, il Test aussi par 
les ecoles de TEurope centrale, et par la majoritö des navigateurs. 
Enfin son adoption a dejä 6te recommandee par le congres geod^sique 
international de ßome, et introduite pratiquement par les m6teo- 
rologistes. Son emploi pour 6tablir la division des feuilles et les limites 
de celles-ci n'exclut pas la possibilite, comme l'a dit et d^jä mis en 
pratique M. de Lannoy de Bissy (Voyage du R. P. Mercui, carte, 
Epinal 1802), de noter 6galeraent sur le cadre des feuilles des 
pays qui n'ont pas encore adopte le meridien de Greenwicli, une 
autre division des meridiens. II n'est cependant pas ä recom- 
mander de dessiner ces meridiens au travers des feuilles, il est pre- 
ferable de s'en tenir pour cela aux meridiens partant de Green- 
wich de degre en degre ainsi que les paralleles de degre en degr6 
egalement, 

Contenu de la carte. 

Pour que la carte de la terre reponde bien aux diö'6rents buts 
qu'elle se propose, eile ne doit pas donner trop d'importance ä une 
de ses parties aux depens des autres. II faut eviter de mettre au 
Premier plan tant les Clements politiques que les Clements de g6o- 
graphie purement physique. Elle devra reprösenter: Thydrographie, 
le figure du terrain, les frontieres d'etats et autres, les voies de 
communication, toutes les localit6s importantes ainsi que leurs noms, 
et ceux de certaines r^gions et contröes. II est n^cessaire aussi de 
faire une distinction catögorique entre ce qui est positivement connu, 
ce qui a ete arrete apres informations, et ce qui est de pure 
Combi naison. 

XI. Jahresbericht d. Geogr. Ges. v. Bern. 1891—1892. o 



Le tigure des caux dcvra so faire eii coiileur hkuc; on devra distin- 
guer les Heuves permanents des teinporairos, et pour autaiit (jue Fuclielle 
du l,()0().()()()°'ö le permettra, leur donner une larj:;eur pi-oportionnelle a 
la realito. P(Mn- les nappes d'cau doiit le niveau est sujet a de sensibles 
variatioiis periodiques (Great Salt Lake, par exemple), on devra, la oü la 
chose sera possible, dessiner les lignes marquant les basses eaux, les hautes 
eaux et le niveau normal ou nioyen. Pour les .grands lacs, si röchelle 
le permet et s"il existe pour cela les documents, on notera des pro- 
fondeurs, et Ton traitera les rives comme les cotes maritimes. On 
representera les marais, ainsi que les glaciers. On traitera les 
cotes de la meme maniere que dans les cartes marines, en distinguant 
les terres qui emergent constamment de Celles qui sont temporaire- 
ment immerg^es, Dans les bas fonds on donnera de nombi-euses cotes 
de profondeur et, bi oü cela sera faisable, on dessinera des courbes 
de profondeur, principalement celle de 10 m au-dessous du niveau de 
Teau, courbe qui limite la navigation pour les plus grands navires 
actuels. On indiquera pour quelques points la bauteur de l'estran 
ainsi que les bas fonds importants ; car plus les donneeshydrographiques 
et maritimes seront nombreuses, plus la carte sera employee comme 
carte d'ensemble par les marins, pour autant du moins que Teclielle 
et le but de la carte le permettent. 

La carte devra exprimer d'une maniere claire les differences de 
niveau absolues et relatives. On ne peut obtenir ce resultat d'une 
maniere parfaitement exacte qu'au moyen des courbes de niveau; 
mais pour cela les mat^riaux uesessaires manquent en general et en 
outre les courbes de niveau ne donnent une Image plastique que 
pour autant qu'on les combine avec des teintes diff§rentes suivant 
certaines altitudes, ou avec des teintes d'ombre. Ce second Systeme 
a ete tres heureusement appliqu6 jusqu'ici pour de grandes ecbelles, 
mais n'a pas encore 6t6experiment6 avec succespour des petites echelles, 
et ne serait pas ä recommander, surtout si la carte est passablement 
cbargee. D'un autre cöte la distinction de zönes d'altitudes au moyen de 
nombreuses teintes, teile qu'il la faudrait pour une representation 
plastique des raontagnes, serait fort couteuse. II semble donc con- 
venable de choisir pour le figure du terrain une representation par 
bächures ou par teintes d'ombre brunes; c'est du reste ce que re- 
commandent M. de Lannoy de Bissy et M. Habenicht. Si l'on peut 
completer ce mode de representation des hauteurs absolues par 
quelques teintes plates exprimant les hauteurs relatives, ce serait 
certainement un avantage. C'est ä cette combinaison de bächures, 
de teintes d'ombre et de teintes plates pour les zönes d'altitude 
que les helles cartes provinciales d'Italie, publiees par « l'Istituto 



19 

geogratico italiano », doivent leur effet de relief; ce proccde a ete 
employe avec un egal succes poiir les cartes provinciales de FAtlas 
Dches, pour les 6coles, ä l'^chelle du l,000,00ü'"'^ ou a des echelles 
un peu plus petites. En choisissant, pour representer le terrain par 
ce Systeme combiiie, l'altitude des gradins de teile sorte qu'ils re- 
preseutent des superficies ä peu pres egales, leurs limites resulteront 
directement de la configuratiou du pays et il ne sera plus necessaire 
de les ötablir conventionuellement d'apres un des systemes ordinaires 
de mesures. On obtient ainsi des gradins, dont les ditferences d'al- 
titudes relatives croissent avec Felevation absolue, comme on l'a 
generalement fait pour les cartes ä zones d'altitudes ä petite echelle. 
Pour remedier ä l'arbitraire inevitable qu'entraine ce procede, on 
peut employer le moyen suivant, qui pose certaines regles deter- 
minees: 5 gradins seraient suffisants pour Tetablissement des zones 
d'altitude absolue de la carte de la terre; si ces zones doivent avoir 
des superficies ä peu pres egales il faudrait les choisir comme suit: 
de 0— lUOm, 100—300, 300—500, 500—1200, et 1200 et au-delä. 
En choisissant pour les deux premieres zones le vert, pour les deux 
suivants le brun clair, tandis que la zone superieure resterait blanche ; 
deux planches de couleur sufiiraient. 

Dans les pays oi^i la topographie est deja suffisamment avancee, 
on pourra delimiter par une ligne de demarquation les zones 
d'altitude, tandis que pour les autres regions, et ce sera le cas pour 
une tres grande partie de la terre, on s'ahstiendra de dessiner la ligne 
de Separation des zones. Pour le figure du terrain, l'eniploi des 
hächures et de Testompe permet une represeutation tantöt detaillee 
tantöt generale de sorte qu'elle semble admissible, soit qu'il s'agisse de 
la represeutation de regions tout-a-t'ait connues, soit qu'il s'agisse de 
contrees qui n'ont encore ete que peu explorees. De nombreuses 
cotes (Valtitudcs viendront du reste compl6ter la represeutation des 
altitudes. Cette question des cotes exige une entente sur l'unito de 
mesure ä employer. L'unite de longueur la plus repandue est le 
pied\ anylais, qui est employe dans tout le royaume de Grande- 
Pretagne, en Russie et dans l'Amerique du Nord, c'est-a-dire par 
un tiers de l'humanite. Mais cette unite est trop petite pour ces 
donn^es, tandis que le mein; est d'un usage plus pratique, et 
presente en outre l'avantage d'etre un deriv6 des dimensions de la 
terre, et d'ajjpartenir, comme Techelle proposee, au Systeme decimal. 
Si Ton considere comme une concession faite a l'Angleterre et ä 
l'Amerique d'avoir choisi comme möridien initial celui de Greenwich, 
en revanche lAngleterre, l'Amerique et la Piussie peuveut considerer 
comme une concession ä faire de leur cute, d'admettre le metre pour 



les altitudos. coiicessioiis qui aiiniit'ut pmi)" conscHiiieiice retahlissenient 
(riino iiiiiti' poiir Tonploi des inesiires foiuhuiiciitales les plus impor- 
tantes en geographie. Conime seuleinent dans les pays qui out ete 
soumis jusqu'a present a une cartographio exacte, les d()iHu''es de 
hauteurs vout jusqu"a rapproxiniatiou d'un nietre, il sendjlerait 
indique de donner les altitudes en d^cametres, avec decimales dans 
des cas exceptiouuels ; on aurait ainsi des cotes de trois chift'res au 
maxiniuin. 

La carte devra donner les limites territoriales des Etats, des 
provinces: mais il t'audra renoncer a Temploi des teintes, qui nuiraient 
a la representation du terrain. 11 suffira, en g^neral, d'indiquer les 
frontieres en uoir, tout au plus en les rehaussant d'un lilet de 
couleur. II faudrait renoncer ä exprinier les limites de divisions 
territoriales trop petites, plus petites, par exemple, que les d6parte- 
ments fran^ais ou les comtes anglais. La carte devra donner, 6gale- 
ment en noir, les principales voies de communication, les chemins de 
fer, et pour les pays oü il n'y en a pas ou dans lesquels ils sont 
rares, les routes et chemins principaux, en designant aussi les lignes 
telegrapliiques. On exprimera par un signe conventionnel les points 
jusqu'oii les fleuves sont navigables et flottables. L'echelle de la carte 
ne pennet pas d'exprimer les cultures , telles que : cliamps , forets, 
prairies ; il serait cependant d^sirable , et on pourrait le faire par 
quelques signes conventionnels sur la planche du noir, de representer 
les grands espaces inhabit^s ou peu habit6s et recouverts de forets. 
Pour ce qui concerne les localites, on ne prendra, dans les pays 
tres peuples, et dans les r^gions qui ont deja des cartes topographiques 
exactes, que les plus importantes, entre autres les chefs-lieux adrainis- 
tratifs, les stations de croisements de lignes ferr^es, ainsi que les autres 
stations d'une certaine importance, autant que possible les bureaux de 
poste, tous les ports fluviaux, maritimes ou des lacs, de plus les sieges 
industriels importants, tels que les mines, par exemple; enfin les 
communes de plus de oOOO habitants. II ne faudra s'ecarter de ces 
regles generales que dans des contrees industrielles extraordinairement 
peuplees, et en prenant garde aux localites que Ton eliminera. Quant 
aux regions moins connues et sur lesquelles Ton ne possede que des 
itin^raires d'exploration, on indiquera, autant que faire se peut, 
toutes les localites connues en distinguant les villages et bourgades 
fixes des simples campements. On admettra comme regle generale 
que l'ecriture devra exprimer par sa grandeur la valeur et l'impor- 
tance de la localite, tandis que la dimension du signe conventionnel 
en exprimera la grandeur. 



Orthographe de Ja carte. 

La question de la legende et de la lettre est une des plus epineuses, 
qui se pr^senteut. Pour traiter cette question il ne faut pas oublier, 
que, si la plupart des peuples civilises se servent (Tun snd aiphabet, 
les diverses lettres de Talphabet ont des prononciations difterentes, 
de teile sorte qu'il est absolument impossible de savoir comment se 
prononcent les differents noms, sans connaissance des langues aux- 
quelles ils appartiennent, et cela sans parier d'exceptions telles que 
Chemnitz, Soest, Reading, par exemple. Un changement de l'ortho- 
graphe des noms locaux de TEurope occidentale s'imposerait en 
premiere ligne si Ton voulait resoudre radicalement la question 
de la transcription en etablissant un aiphabet uniforme; or ce 
changement n'est point a prevoir, et empecherait la realisation de 
la carte. La carte de la terre devra donner les noms qui se 
rapportent aux pays qui se servent de Faphabet latin dans leur 
orthographe officielle; par cela meme la possibilite d'une orthographe 
uniforme est exchie. On devra rester bien loin de Fideal d'une 
maniere d'ecrire strictement phonetique et uniforme. 11 serait meme 
superflu de vouloir introduire une teile orthographe pour quelques 
regions, pui^que la terre entiere est partagee entre les dilferents 
peuples civilises. On se heurterait aux plus serieuses difiicultes si 
Ton voulait par exemple ecrire les noms indiens autrement dans 
l'Amerique du Nord qu'a la maniere anglaise ; ou pour le Bresil autre- 
ment qu'avec Torthographe portugaise. Le fait que le meme nom 
s'ecrit diöererament dans l'Afrique Orientale sous le protectorat 
allemand , que sous la domination anglaise n'entraine pas plus d'in- 
convenients que les orthographes differentes des memes montagnes 
slovenes sur territoire Italien et autrichien. La seule chose ad- 
missible pour la lettre de la carte de la terre consiste ä adopter 
les differentes orthographes nationales des divers peuples civilises qui 
se partagent la surface du globe: ce n'est pas une tache inter- 
nationale, mais cela doit rester une täche nationale queTetablisseraent 
des regles qui doivent servir a cela Preuves en soient les propositions, 
dignes de tout interet, des Societes de geographie de Paris et de 
Londres, au sujet de la question de la transcription des noms, propo- 
sitions qui ont une signification exclusivement frangaise ou anglaise, 

La majeure partie des peuples civilises employant l'alphabet latin, 
c'est le choix de celui-ci qui se recommande pour la carte de la 
terre. Si Ton adoptait en outre en principe Torthograjjlie appli(iuee 
par chacun de ces peuples, la question serait resolue pour rAnieri(|ue 
entiere, i»our l'Australie, pour l'Afrique sauf sa partie septentrionale, 



jtour tonte TlMirope ;\ l'exception de l;i piii tie Orientale, et })Oiii' toute 
l'Asie ineridioiiale. Pour les autrcs parties du i^lobe iious trouvons 
l'alphabet cyrillc ehez les Riisses et los Slavcs, et Talphabet grec en 
Grece. Dans les pays de Tlslani doniinent Tarabe, le tnrc, le persan, 
dans r.Vsie Orientale le chinois, le jai)onnais et le siamois. Ces langues, 
a l'exception dn chinois, possedent des alpliabets, ce qni pennet la 
transcription d'une orthograplie officielle. Cette transcription se ferait 
de preference par une traduction litterale de chaque lettre, au moyen 
d'un tableau etabli et conibine d'un eonimun accord. Pour les lan,u,ues 
slaves de PEurope Orientale et m^ridionale, il serait indique de prendre 
Talphabet des peuples slaves voisins (pii se servent des lettrcs latines ; 
le Serbe, par exemple, peut etre reproduit exactenient par le croate, 
le russe a peii de chose pres par le polonais ou le tscheque. On 
ferait facilemeiit aussi la transcription du grec moderne, tandis 
qu'on aurait les plus grandes difficult^s a mettre en accord la trans- 
cription des langues des r6gions islamique et bouddhique, difficultes 
qui seraient encore plus grandes pour ce qui concerne le chinois. 11 
serait certainement juste d'accorder aux Etats, qui prennent interet ä 
la question de la transcription des noms de leur territoire, de l'in- 
tiuence sur la determination. Cet interet devrait etre grand; cela 
aurait-il, par exemple, une importance pratique pour la Russie que 
Ton d^cide d'6crire Charkow ou Kharkof, Ural ou Oural, Jekaterinosiaw 
ou Ekaterinoslav. D'un autre cote il est naturel que des transcrip- 
tions qui sont dejä acceptees, et pour ainsi dire inveterees, soient 
conservees, et que dans les regions en rapports constants avec l'une 
des nations civilis6es de PEurope, on donne la preference a la 
forme usitee des noms par cette nation, comme on peut dire que 
c'est le cas pour PIndochine, ou les noms ont une forme frangaise 
d6ja employee et la Chine oü la forme anglaise est dejä souvent 
adoptee. 

En tenant compte des considerations precedentes, nous ex- 
posons les propositions suivantes pour ce qui concerne la lettre de 
la carte: 

< On emploiera pour la lettre de la carte exclusivement Pecriture 
latine. Pour les pays qui se servent de cet aiphabet, pour leurs 
colonies et pour leurs spheres d'action et d'interets on adoptera 
Porthographe officielle de ces pays. Pour les noms des localites on 
prendra les noms officiels du pays ; cependant pour les pays oü regnent 
plusieurs langues, on ajoutera au nom officiel le nom usuel dans la 
localite, dans le cas oü ils ditferent notablement, et on l'^crira en 
lettres deliees et entre parentheses, par exemple: Bruxelles (Brüssels), 
Lemberg (Lwöw), Derpt (Dorpat). Pour les autres pays on transcrira 



•23 

les iioms litteralement d'apres des regles qui seront posees soit par le 
pays dont il s'agit, soit apres une enteilte prealable. » 

Ces propositions pour Tecriture de la carte ne s'opposent en 
rieii a ce que Ton public des editions speciales avec ime autre 
ecriture pour de grandes regi'»ns, telles par exemple, que Fempire 
de Russie, qui emi)loyeiit d'autres alpliabets que Falpliabet latin, 
chose que Ton obtiendra tres facilement en faisant une planche 
d'impression ä part pour la lettre. 

Nombre des feuilles de la carte. 

La carte de la terre figurant toute la surface des terres en 
trapezes de ö degres, comprendrait, comme le niontre le tableau IV 
(p. o2j, 844: feuilles, ou 734 seulement si l'on publie en doubles-feuilles 
les 220 trapezes de 5° qui sont au-delä du 60'^ parallele. Ces feuilles 
ne donneront pas seulement les continents et les iles principales, 
mais aussi la plupart des mers interieures. On a considere dans notre 
tableau comme admissible, dans 43 cas, oü la terre ferme ne depasse 
que de peu de chose le meridien limite de la feuille, de prendre 
cette partie sur cette feuille ; l'inconvenient qui en resulterait par 
le fait que ces feuilles seront un peu plus 1 arges que les autres de 
la meme zone, est d'autant plus insignifiant, que les feuilles ont dejä, 
independemment de cela, des largeurs differentes suivant les zönes. 
On n'a d'autre part admis qu'a titre exceptionnel et dans 18 cas 
seulement, que les feuilles depassent legerement le cadre d'une zone 
dans l'autre, afin de ne pas exagerer d'une maniere sensible la 
hauteur des feuilles. Gräce aux dimensions propos6es pour les 
feuilles de la carte, la plus grande partie des iles tombera dans les 
trapezes deja comptes. Pour donner en outre tous les archipels im- 
portants il faudrait ajouter encore 30 feuilles de trapezes de 5", 
et ceci reduirait a 39 le nombre des feuilles depassant leur cadre 
lateralement. II ne resterait plus que les petites iles oceaniques qui 
•ne figureraient pas dans le cadre de la carte. II n'est guere a 
recommander de faire figurer ces iles et ilots sur des trapezes de 5°, 
il serait absolument süffisant de les publier en papillons avec leur 
voisinage imraediat et de donner a une petite öchelle la disposition 
generale de Tarchipel. En resume, la carte se composerait en tout 
de 880 feuilles oü figureraient toutes les terres continentales et les 
iles principales, formant ainsi une superficie de l!)l,4 m*^. Chaque 
feuille de la carte portera comme titre et legende: la zone et la 
colonne a laquelle eile appartient, le nom soit (Fune localite principale 
soit d'un autre objet caracteristique de la rogion qu'elle repr^sente : 



24 

Heiives. lacs oii nionta-ines. Par exemple: Feuille Paris, Zone X N, 
Coloiiue 1 M ; eii outre, des eclielles en kiloinrtres et eii milles aii,ü;hiis, 
et pour les mesiires de loiifiueur prindpales des pays auxqiiels la 
carte se rapporte ; iiiie explieation de rortli(),ura]tlie eiiiployee ])Oiir 
la feuille ou pour dift'örentes parties de la feuille, le noin de l'editeur, 
la date de fin de la rödaction et de rimpression. 

Execution de la carte. 

En ce qui concerne l'execution de la carte nous ne pouvons niieux 
faire que de renvoyer aux rcmarquables deductions qu'exi)Osa 
M. de Lannoy de Bissy ä l'occasion du Congres de Berne. II nous 
semble cependant bon d'y ajouter que, en consideration de l'^tat si 
different d'avancement des explorations g6ographiques suivant les 
ditferents pays, 11 ne parait pas ä propos d'adopter la meme metliode 
technique pour toutes les feuilles ; en effet, tandis que pour certaines 
rc^gions les connaissances geograplüques sont assez avancees pour que 
l'on puisse obtenir une Image, pour ainsi dire, definitive et teile que 
pendaut une longue suite d'annee il n'y aura aucune amelioration ;\ 
apporter, pour d'autres pays, au contraire, chaque annee amene des 
changements dans les conaissances g^ographiques. Si l'on s'efforce dans 
le Premier cas d'obtenir une repr6seutation minutieusement exacte, 
et que l'on emploie, ce qui semble le plus approprie, la gravure sur 
cuivre, une reproduction moins rigoureuse devrait suffire pour un 
grand norabre des feuilles, jusqu'au moment oü les explorations geo- 
grapliiques seront assez avancees pour que l'on puisse livrer ä la publi- 
catiou une representation definitive. 

Les planches necessaires ä Timpression de la carte seraient les 
suivantes : 

1) hydrographie 1 

2) figure du terrain 1 

3) et 4) zones d'altitudes 2 

5) Situation (voies de Communications, reseau des 

degres, frontieres) 1 

0) lettre 1 

Dans la regle, et pour la plupart des feuilles, on pourra cependant 
n'avoir qu'une planche pour la Situation et la lettre; pour bien des 
feuilles situees dans des plaines basses ou sur de plateaux Kleves une 
seule planche suffira pour les zones d'altitude ; on pourra aussi souvent 
employer des chablons pour douner les telntes de ces zones, de teile 
Sorte que l'on atteindra le but avec ?> ou 4 planches par feuille. Si 



25 

Ton renongait a la represeutation par des teintes de couleur des 
altitiules relatives, cliose qui n'est du reste guere ä recomiiiaiider 
dans Tinteret de Teftet plastique de la carte, et si l'on y remediait 
en gravaiit un graiid nombre de cotes, on arriverait a n'avoir plus 
que o planches; le nombre des planclies pourrait meme etre reduit 
en cas de necessit^ ä 2, ä la condition de graver sur la meme 
planche la lettre, la Situation et Fliydrographie. Ces deux planclies 
sont en tont cas absolument necessaires pour une represeutation 
claire du pays. 

Explications et repertoire alphahetuiue des noms employes 
sur la carte. 

II serait dime grande utilite de publier pour certaines series de 
feuilles de la carte de la terre des explications qui donneraient des 
renseignements sur les documents employes et sur le point de vue 
auquel on s"est place pour l'elaboration de la carte. On pourrait 
ajouter a ce texte explicatif les regies pour la prononciation des 
noms d'apres l'alphabet employe. Si l'on r^alise, ce que nous esperons, 
le desir exprime par M. de Lannoij de Blssy et par M. A. E. Forster 
(Ausland 1891, W 31, p. 612), c'est-ä-dire que l'on etablisse un 
repertoire alphabetique des noms employes sur la carte, des notes 
sur la prononciation des noms g^ographiques avec transcription 
rigoureusement phonetique seraient ä. leur place dans ce repertoire: 
il faudrait aussi ajouter a chaque nom l'ecriture du paj'S dont il 
s'agira. 

Ainsi cet index comprendrait : 

1) Les noms employes sur la carte, ranges en ordre alphabe- 
tique et leurs positions geograpliiques ; 

2) leur prononciation; 

3j leur orthographe originale. 

Frais de Vetahlissement de la carte. 

La carte de la terre, dont le contenu vient d'etre discute point 
par point, se presente, comme le montrent les considerations expo- 
sees ci-dessus, comme une uiuvre colossale qui reclamera toute la 
force de travail de nombreux collaborateurs et demandera de lourds 
sacrifices pecuniaires. La carte entiere couvrirait une surface de 
l,914,.-)80 cm2, soit plus de 191 m^; or, si l'on evalue tous les frais, 
dessin, gravure, Impression, papier pour un millier d'exeniplaires, ä 
raison de 2V2 francs par cm-, Evaluation moyenne que Ton peut 



26 

döclarer saus hösitation elev«^e, rcciivre entiere reviendrait a 4,7.s5,!)50 
tVaiU'S. Mais, en supposant qne Von vende Tödition ontierc a raison 
de 1*72 iVancs cn nioyeniie la i'ouille, ce qiii reprösenterait uiie re- 
cette de 2,20(),<)0() francs, il ne resterait que 2,50(),()()() francs a trouver 
pour coiivrir les frais. Certes la somme est considcrable, iiiais This- 
toire des sciences nous presente plus d'uii exeinple de fortes sonnnes 
obtenuos dans im but semblable. Que Ton songe seulement aux millions 
de livres Sterlings que l'on a trouves dans les annees 1840 a 1850 
pour les explorations aux pöles, et dans les annees 1870—1880 pour 
les expeditions en Afrique. Que l'on considere, qu'il s'agit lä d'une 
Oeuvre internationale, et que bien souvent deja les ötats civilises ont 
accorde des sonimes importantes pour une action commune. II n'y 
a que peu d'ann^es, des apports d'une valeur egale aux frais de la 
carte projetee ötaient acquis pour une seule annee d'observations 
m^teorologiques dans les regions polaires. D'autre part on est 
actuellement en train de cr^er une ceuvre, qui aura des rai)ports 
sensibles avec la carte projetee, et cela de la part des differents 
6tats. En eftet en 1887, le Congres international d'astronomie de 
Paris, a d6cide, sur la propositiou de M' Mouches, l'elaboration d'une 
grande carte uniforme du ciel, qui aura de telles diraensions qu'une 
minute d'arc aura une longueur de 1 mm, tandis qu'elle aurait sur 
la carte de la terre une longueur de 1,8 mm. L'etablissement de 
cette carte n'exigera pas moins de 21,000 6preuves photographiques 
de la sphere Celeste, on devra construire des telescopes speciaux pour 
l'elaboration de cette carte, et tout cela ne constitue que les travaux 
preparatoires de l'executiou de cette oeuvre qui prendra des dizaines 
d' annees et coütera des millions de francs. On a nöanmoins entrepris 
avec enthousiasme ce travail monumental et les etats en ont pris les 
frais ä leur Charge avec la plus louable emulation. On ne peut 
pas douter, apres experiences, que pour une oeuvre analogue d'interet 
geographique, qui, en outre, l'emporte sur celle-la par sa valeur 
pratique, l'on ne puisse se procurer les moyens necessaires. On 
peut s'attendre a ce que les differents etats civilises contribuent a 
l'etablissement de la carte soit par une part proportionnelle ä leur 
importance, soit en prenant directement a leur Charge le travail 
des sections qui les concernent. 

Pour avoir une id^e de la part qui incomberait a chaque etat, 
le mieux est de voir le nombre de feuilles le concernant; le tableau 
suivant donne ces nombres, en adoptant la division propos6e plus 
haut pour la carte de la terre: 



Grande-Bretagne et ses colonies .... 222 feiiilles ^) 

Kassie 192 2) -> 

Etats-Unis d'Amerique du Nord .... (iö ^) » 

France 55 » 

Scandinavie et Spitzberg 54 *) » 

Chine 45 » 

Etats Unis du Bresil 28 » 

Egypte et Afrique septentrionale . . 



27 



Pays-Bas 24 

Venezuela, Colombie, Equateur, Peru et 

Bolivie 22 >> 

Empire Allemand 21 » 

Empire Ottoman . 18 > 

Espagne 16 » 

Argentine 15 > 

Mexique lo 

Italie 10 

Japon 10 

Portugal 8 > 

Etat du Congo 8 

Autriclie-Hongrie 7 

Chili 7 

Etats de PAmerique Centrale 

Perse 4 

Belgique 1 

Suisse 1 

Grece 1 >> 

880 feuilles. 

On voit par la que les nations maritimes: Angleterre, Russie, 
Amerique du Nord, France, Scandinavie, Pays-Bas, Allemagne, 
Espagne, Italie et Portugal comprennent plus des % ^^ l'ensemble 
des feuilles de la carte, tandis que le dernier quart se partage en 
17 autres etats. On peut conclure de la que si les 10 nations 
nommees en premiers lieu participent ä l'etablissement de la carte, 
Tex^cution de Toeuvre entiere est assuree, surtout si d'autres 6tats 
se joignent ä elles, ce qui est fort a esperer; on peut admettre en 
effet que pour les pays qui ne participeraient pas officiellement a 



V) y compris 57 feuillos pouvant former des feuilles doubles. 

*) i> 100 ') « » )) » )) 

') » 12 )> » » » ^) » 

*j 12 feuilles tombent dans l'interieur du Grcenland. 



26 



rentreprise, il se trouverait des amis des sciences geo.m-aphiques, 
des Sücicies ou des dtablisseiiients i;c'OgTai)hiqiies, voir mOiiie peut- 
etre d'autres etats, qui prendraieiit part aiix frais d'exöcution. 



Mais avant de rciiiiir les forces et les moyeus nccessaires a 
raccoinplisseiueiit de cette grande tache, il est necessaire d'etablir 
le plan de l'entreprise daus tous ses details, pour avoir une base 
solide pour soii execution. Le premier but de cette 6tude est de 
provoquer une discussion et des resolutions au sujet des details 
de l'execution, dans le sein de la conunission uommee au Congres 
des Sciences gi^ographiques de Berne, a Teffet d'ctudier les questions 
relatives a la carte. L'auteur desire en menie temps attirer Tattention 
des cartograplies de profession sur cette entreprise. 

Nous considererions enfin comme un succes, si ä l'occasion de 
Tetablissement de cartes de regions quelconques on faisait l'essai 
pratique de Techelle et de la methode de projection propos^es ainsi que 
des autres details d'ex^cutiou que nous recoramandons pour la carte 
de la terre. Rien en effet ne saurait mettre mieux en lumiere la 
valeur des dift'örentes propositions faites plus haut, que de somblables 
essais, et donner en meme temps des renseignements sur le coüt de 
l'oeuvre entiere; ce n'est qu'avec de tels essais que Ton pourra 
juger et decider de Topportunitö de l'application de quelques-unes 
des propositions faites ici. L'auteur estime donc qu'une des täches 
importantes des membres de la commission de la carte consiste a 
favoriser et provoquer l'execution de feuilles d'essais, dans des jour- 
naux geographiques, par exemple. 

Lorsque, apres des deliberations et des essais pratiques, le plan 
definitif de la carte aura ete etabli dans tous ses details, et que 
Ton aura pu executer quelques feuilles comme echantillons et modeles 
pour les autres, le moment sera venu pour les differents etats ou 
pour des etablissements et instituts geographiques de mettre la main 
a l'oeuvre et d'en commencer l'execution. 



29 






-Co ,« 



8«= n. 



W 

< 



E 
O 

o 

o 
o 
o 



fc)0 



»ö 



o 






»Ö 






« ■= 



Ol ~ 



<» CO 

Ol 09 

3 — 



O^ l>^ ?£>_ , 5 5 

i>^ xd" (n" o CO cc 

<M <M CO lO CO rti 



^ 



eo o t- ■>* <M 



rH CO C- 



t— CO --1 O 



o -^ -^ CO CO CO CO 



asasciasajQOooQOcoQOcot-t-t-c-c-c^t— 

CO0OCOCOGOCOaDGO0O'3DCOa0COCOCOGOC»0D 

II II II 11 II II II II II II II II II II II II II II 



CO. OQ. OQ. OQ- 03- Q3, COU OCX- QQ, cn. OO, 



ro m. OQ. OQ_ cr2- ■"'^ 



,— , .'/^ r/-i t-- t^ ^ j£; -^ CO O) 



CO 00 r- 



co Ol CO cr> Oi 

t^ O ■<* CM 



II II II II II II II II II II II II II 11 II II II II 



Q 


Q 


P 


Q 


Q 


Q 


P 


Q 


Ö 




Q 


Q 


P 


p 


P 


P 


p 


p" 


oo 


^1 


•^ 


^ 




m 


•«* 


CM 


■M 


Cj5 


'Tti 


•c 


I-- 


r- 


CT) 


^ 


o 


t>- 


CO 




r- 


CO 




CO 


CC 


i-; 


^ 


m 


-M 


CM 




lO 


GO 




CO 


o 


X 


fM 


ifj 


lO 


-^ 


fM 


;_j 


tH 


«r> 


1^ 


■^ 


^. 


irs 


CO 




lO 


c=- 






rn 


^ 


cn 


<-> 


lO 


i-X) 


Cl 


n«) 




CO 


u> 


CO 


r- 


o 


CO 


o 


?; 




TO 


1^ 


^o 


^ 




o 


(!() 


•o 


■^ 




^^.l 


^ 


"*! 


T— 1 




CO 


CO 


CN 


c^^ 


CM 


CM 


(jM 


CM 


C-NJ 


1—1 


r-{ 


1— 1 


i— ' 











II II II II II II II II II II II II II II II II II 



m 



CO lO Oi 

tO OO O 

"*i <Xi !>. 

O "" '^ 



■^ 'M CC O 1>- CO ""-O ^ 



iCCOCM^^COGOXiO 

«^ o lC' X' er. CO «5 CO 

CO -^ CM O X <X> ^ 



o ^ 'ti ^ iS 



t_J ^_J ^^' i,,. (j: 1— ^i^ ^T jM ^.^ l.#^ ^.k^ ^T^ T— < W- ,^ ^1 I ■ 

COCOCOCM3^lCMCM!M(M(M^Hi— IrHi— I 
II II II II 11 II II II II II II II II II II II II 11 



JI^feE^C^f^E^fs^fi^&^f^fi^foP^P^f!H 



Pm 



X^0^7--<^cq^cq_0,'#^a5^-^oq^cq_oo_(M^cq^o^ 
(m" (m" CO*" co" cd" •^'~ ■^'~ ■*" »o" itT crT ^ t-^ t-^ t-" 

OOuOiÄiCOiOiOunOiOiOiOiOiO 

II II II II II II II II II II II II II II II 

^^ Ti ?; ■*?' 1-1 ^ t- ^ C3 O >-t ff» CO "f lO 

ssssgagaasssa's"s" 



T-<_ cq_ ■*, 

xT co" ccT 

lO O lO 

lO lO tCl 



aas 



CD ^ X f- 



t- CM.t^'^'* ''^'^■^"..'^'^'^„''^-'^'^'^ 



.-. -^^ _ ... -^ -- o^ »n 

X lO CM C5 o rS i^ CO 

rl^ CO CO CO CM (M 



O 'i^ C- X O 
- '^ti 05 ';ri 



II II 11 II li II II II II II II II II II 11 II II II II 



^ ^ > 



^B>> 



> >■ >■ t^ X X X X X 'X X X X 



30 



TABLEAU IL 

Elements pour la Constrnction de la projection ä surfaces coniques 

(Trnpözus de 5"j 





(Trnpözus de 


[>'•) 




1 

Rayons des cercles 
paralleles 

en millimelres 


Demi-angles 

d'ouverture des 

feuiiles 


Demi-Cordes 

des cercles 

paralleles 

en millimölres 


Distance des 
Cordes aux 

cercles 
paralleles 

en niillimülres 


R = 146231 
r 1 = 145678 


a , = 0» 6' 32,5" 


S u = 278,3 
8 1 = 277,2 


T = 0,27 
t , = 0,26 


R 1 = 48(;90,1 
V, = 48137,2 


a , = 0« 19' 34,4" 


S 1 = 277,2 
s, = 274,1 


T , = 0,79 ; 

t , = 0,78 1 


R „ = 29027,4 
r ; = 28474,3 


cc 3 = 0° 32' 27,5" 


S . = 274,1 
s ; = 268,8 


T = 1,29 

t ; = 1,27 


R3 = 20498,5 
r 4 = 19945,1 


a 4 = 0« 45' 5" 


S s = 2G8.8 
s , = 261,6 


T 3 = 1,76 
t, = 1,71 


R , = 15671,8 
r 5 = 15118,2 


a 5 = 0» 57' 23" 


S 4 = 261,6 
s , =z 252,3 


T 4 =z 2,18 
1 5 = 2,10 


R 5 = 12528,0 
r e = 11974,0 


a G = 1" 9' 15" 


S 5 = 252,3 
s « = 241,2 


T 5 = 2,54 ! 
t „ = 2,43 


R e = 10290,8 
r, = 9736,4 


a V = 1" 20' 34" 


S 6 = 241,2 

s, = 228,2 


T „ = 2,83 
1 1 - 2,67 


R. = 8593,7 
r 8 = 8038,8 


a 8 = 1° 31' 17" 


S 7 = 228,2 
s « = 213,4 


T , = 3,03 
1 8 = 2,83 


R s = 7243,4 

: 19= 6688,0 


a 9 = 1° 41' 18" 


S 8 = 213,4 
s 9 = 197,0 


T 8 = 3,14 
1 9 = 2,90 


R 9 - 6128,8 
1 r,o = 5572,9 


aio = 1" 50' 33" 


S 9 = 1Ö7,0 
Sio = 179,2 


T 9 = 3,17 

tio -^ 2,88 


R,, = 5178,8 
1 i-n = 4622,5 


a„ = 1° 58' 58" 


Sio = 179,2 
s„ = 159,9 


Tio = 3,10 

tu = 2,77 


R,, = 4348,2 
r,, = 3791,5 


ai2 = 2" 6' 28" 


Su = 159,9 
8,2 = 139,4 


T„ = 2,94 
t,, = 2,57 


Ri. = 3605,1 
r^; = 3047,9 


ai3 — 2» 13' 0" 


S,, = 139,4 
Si3 = 117,9 


T,., = 2,70 
, t,; = 2,28 


i R,3 = 2926,4 
ri4 = 2368,8 


au = 2» 18' 32" 


S.3 = 117,9 - 
Si4 = 9o,4 


T« = 2,38 
t,4 = 1,92 


Ri4 = 2294,6 
ri5 = 1736,7 


0,5 = 2° 23' 1" 


S,4= 95,4 
Si5 = '2,2 


T,4 = 1,99 
tiö = 1,50 


Ri5 = 1696,5 
ri6 = 1138,5. 


ai6 z= 2" 26' 24" 


S16 = 72,2 
Sie = 48,5 


Ti5 = 1,54 
tie = 1,03 


Rie = 1121,0 
rn = 562,7 


a„ = 2" 28' 40" 


Sie = 48,5 
81; = 24,3 


tn = 0,52 


1 R^; = 558,4 
i-is = 0,0 


ai8 = 2« 29' 48" 


Sn = 24,3 
S18 = 0,0 


' Tn = 0,53 
ti8 = 0,00 



31 



1^ ^ c» « o 5c 55 CO I- o ^^ CO <N. ^, .c:^ =o cc ^^ o, 
cS CO ^ >r -'■^ o" <rT crT 1-" -o" o -* r: -m r-i o o o o 

'ii li 11 Vi Ti Ti !i II II II II II II II 11 II II II 'I 



Fi 



'C'C'Ö'Ö'Ö'^'O'Ö'Ä'Ö'Ö'^'^'^'^ 



O iC •* CO 



II II II 



II II II 



»ö 



»ö 



^' i ^ ^^i^i^ i ^ ^ ^ ^ '^ ^ ^ ^ ^ 



t£ S S 5< ?i ^^ S ^^ ^^ «t =^ '^- ^- ^- "^^ ^- ^- ^- '^- 



o" c" o o C^ o 

II II II 



f^ r5 'ö -Ö "Ö 'S "O 






<1 



1=) 






»ö 



bO 
c3 



t-;_ CO_ l£^ , 5 5 

CO '^ S CO in 



a; CO iC lO 



— ^'Vi?-i'iOCOCMOt--iOC<l 

^ CO CO CO CO CO CO — -^ '^^ '^' '^i 



ro CO CM rM CM 



G^ X -^ O 



(T. --O CO O ^O CO 



II II II II II II II II II II II II II II II II II I' 

^^ i i i i i i ^ i- ^' i i 'i i ^ i i ^ ^ 



O S5 S ^ ^ 5 -^^ CO CO CM (M — I ^^ ^^ O, O. O. ^^ O. 

o" o" d~ o" o" o" o" o~ o" ö" o" o o o o o o o o 

II II 11 II II II II II II II II II II II II 11 II II ii 



'S -r t; rs 



r^ -C TT '^ 'C -Ö 



1=) 



bo 



!rv Ij" --X~ -^" an ^1 5^ CO ^ »o O Ö 53 £J Oi CO sD ^ O 

cbcbi>i5'i^i^'-'i>^^^'^^'^"*'^'^'^ 

in ViVi Ti II II li V V II II II II II 11 II II II II 

i, i ^' ^ ^ ^>' ^ p:' ^ ^" ^" ^ ^ ^' ^'" ^" ^ ^ 

^ K^ := s ^ > > > > ^ ^. ^ ^< ^ >< ^ >^ ^ ^^ 



N 



32 



TABLEAU IV. 

Nombre des feuilles par zönes. 



Zones 

1 


Feuilles 
pleines 


Feuilles depassant 
le cadre 


! 
lies 


Nombre 
total 
des 

feuilles 


Superficie 
des feuilles en 


laterale- 
ment 


en haut ou 
cn bas 


i 

■ Zone XVI. N. 


^?8 


2 


_ 





38 


25460 j 


» XV . . 


m 


3 




— 


46 


43240 


» XIV. . 


68 


— 


6 


— 


68 


80920 ' 


' » XIII. . 


68 


1 


3 


2 


70 


10080(J 1 


» XII . . 


53 


2 


1 


— 


53 


88510 


» XI . . 


4i) 


2 


— 


6 


55 


103950 


» X. . . 


45 


1 


— 


2 


47 


98230 


» IX . . 


44 


1 


— 


— 


44 


100320 i 


» VIII. . 


41 


1 


— 


— 


41 


100450 


i » VII . . 
» VI . . 


39 


1 


— 


— 


39 


101400 


35 


1 


— 


3 


38 


104120 


» V. . . 


36 


— 


— 


2 


38 


108920 1 


» IV . . 


32 


4 


— 


1 


33 


97020 i 


>> III . . 


27 


4 


— 


1 


28 


840(J(J 


» II. . . 


27 


3 


2 


2 


29 


88450 


» IN... 


22 


2 


— 


1 


23 


70610 


1 »IS... 


28 


1 


— 


3 


31 


95170 


» II. . . 


25 


1 


— 


5 


3U 


91500 


>> III . . 


22 


1 


— 


4 


26 


78000 


» IV . . 


21 


3 


— 


2 


23 


67620 1 


» V. . . 


23 


1 


3 


2 


25 


46250 


» VI . . 


19 


— 


— 


— 


19 


52060 


» VII . . 


16 


2 


1 




, Iß 


41600 


» VIII. . 


9 


1 


1 


— 


9 


22050 


» IX . . 


6 


2 


— 


— 


6 


13680 


» X. . . 


3 


2 


— 


— 


3 


6270 1 


» XI s. . 
Total 


2 


1 


1 


— 


2 


3780 


844 


43 (39j 


18 


36 


880 


1914380 ! 












i 



II. 



Ein Streifzüg in die Llanos von San Martin. 

Vortrag des Herrn Prof. Ernst Böthlisberger in der llonatsversummlung vom 

29. Januar 1891. 



Den 7. Dezember 1883, morgens 5 Uhr, galoppierten vier Reiter 
auf schnellen Rossen durch die in Dunkelheit gehüllten Strassen der 
Hauptstadt der südamerikanischen Repubhk Colombia, Bogota. Vom 
unebenen Strassenptlaster sprühten unter den Hufen der Pferde 
Funken empor. Geheimnisvoll und dunkel wie die Nacht lag die 
Zukunft vor uns, und der Gedanke, dass es galt, ein unbekanntes 
Gebiet zu durchstreifen, dessen Gefahren der Einbildungskraft doppelt 
gross erschienen, erfüllte unsere Brust mit einem fast behaglichen 
Schauer und einer anziehenden Furcht, da wir uns ebenso tapfer 
und muthig wie bedroht erschienen. Die alten, in der Jugend mit 
verzehrendem Eifer gelesenen Geschichten von Löwen- und Tiger- 
jagden, von Zusammenstössen mit wilden Indianern, Vieh- und Büflel- 
herden, von einem Lederstrumpfleben tauchten in der Phantasie 
empor. Das Gespenst des gelben Fiebers grinste uns an, uns mit 
Todesahnungen erfüllend. Es war uns, wie wenn wir Bogota zum 
letzten Male sähen, der Civilisation ein letztes Lebewohl sagten . . . 
Schweigend, fast trübsinnig ritten Avir dahin, heimlich auf Augen- 
blicke die Expedition bereuend. Niemand aber schaute zurück. Als 
der Tag gegen 6 Uhr rasch anbrach, waren wir schon auf dem 
Wege, der von Bogota in südlicher Richtung an der Ostcordillere 
hinanläuft. Die Geister begannen sich zu beruhigen, und frohe 
Lebenslust erwachte. Scherzend und singend ritten wir davon. 

Es war aber auch eine gutgelaunte, junge Gesellschaft, bestehend 
aus zwei in liöhern Semestern stehenden Medizinern, einem 17jährigen 
Gymnasiasten und mir. Einer der Mediziner und der Gymnasiast 
waren Söhne des grössten Besitzers von Land und Herden in dem- 
jenigen Teile der Llanos, welchen wir durchstreifen wollten, Söhne 

XI. Jahresbericht d. Geogr. Ges. v. Bern. 1891— IWÖ. 3 



34 

einer dunli Arbeitsamkeit ausgezeichneteu Familie, deren Haupt, 
Dr. Hostropo, sich diircli rastlosen Eifer, hohe Kenntnisse und 
gewandte Führung seiner Advokaturgeschilfte eine hervorragende 
Stellung in Bogota, besonders unter den Juristen und liberalen 
Politikern erworben hatte. ^' Der zweite Mediziner war aus dem 
Staate Cauca gebürtig, el ncfjro Äbadia genannt, ein Mischling 
zwischen Neger und Weissen, strebsam, sehr geschickt als Student 
und ebenso dienst- als schlagfertig und witzig — ein ausgezeichneter 
Reisebegleiter. Es fand sich zusannnen, was so selten auf lleisen 
beisammen ist: Vorkenntnisse über das zu begehende Land, Beob- 
achtungsgeist, angenehme, vertrilgliche, gesunde Persönlichkeiten, 
sowie der nötige Ernst, da man nicht dem Sprichworte huldigen 
wollte: Mentitur qui multum vidit. 

I. 

Nach 0V2 «bündigem , scharfem Ritt hatten wir die Passhohe 
d. h. den Sattel der Ostcordillere erreicht, w^elche wie eine Rampe 
der Savaua von Bogota nachgeht. Wir standen auf dem Boqueron 
(Schlund) von Chipaque, 3223 Meter. über Meer. Ein eisig kalter 
Wind blies. Fröstelnd hüllten wir uns in unsere Ruanen und suchten 
so schnell als möglich an dem armseligen Kreuz aus Holz vorbei- 
zukommen, das links auf der Höhe stand. Auf steinigem Hohlwege 
ging es auf der andern Seite ins Thal hinunter, das dichter Nebel 
verbarg. Wir bogen bald von der Strasse ab und ritten etw^a eine 
Viertelstunde links zu einem Landhause hinüber, das in einer von 
dem ältesten Sohne Felix Restrepo verwalteten Hacienda noch in 
ziemlich kaltem Klima lag. 

T>\^peones, Arbeiter derselben, sowohl Indianer wie Indianerinnen, 
hatten sich zum Frühstück wie Zigeuner um grosse Kessel herum- 
gelagert, in denen eine Suppe, aus Kartoffeln, Reis, Mais und juca 
genährt, brodelte, die sich jeder mit seinem Lööel herausschöpfte. 
Die Indianer dieser Gegend sind denjenigen der Savana (Hochebene 
von Bogota) ähnlich ; sie waren unter eigenen Häuptlingen einst dem 
Zipa von Bocatä unterthänig gewesen, standen somit unter der gleichen 
politischen und rehgiösen Gesetzgebung wie die chibchas. Wie diese 
sind sie noch heute folgsam und sanft. Interessant ist die Namen- 
gebung derselben, da die Spanier eigentliche Geschlechtsnamen für 



* Eine besondere Meldung verdient die ausgezeichnete, unerschrockene 
Gattin Herrn Restrepo's, die denselben auf gefahrvollen Reisen begleitet hatte 
und deren Füi'sorge auch ich mich dankend erinnere. 



35 

sie nicht zur Haud hatten; viele heissen nach Orten: Bogota, Cipaque, 
Bojaca oder dann Fiernagoräa, Dickfuss, Cliiso, Laäino. 

Nachdem ein einfaches Frühstück eingenommen war, ging es hinab 
ins Dörfchen Cliipaque, dessen viereckiger Platz in Abdachung liegt und 
von einer Kapelle, einer Kirche und einem Amthaus umgeben ist. 
Umsäumt wird das Dorf durch tiefgrüne, mit hohem Oras bewachsene 
Weiden und Getreidefelder. Um die Häuser herum laufen Hühner 
in grosser Zahl ; Schweine werden mit dem vielen gepflanzten Mais 
gemästet. Chipaque hat seit mehreren Jahren grosse Fortschritte 
im Ackerbau gemacht; es ist heute ein Bild der Fruchtbarkeit und 
der Arbeit. 

Etwa eine Stunde weiter unten vertauschen wir die Pferde mit 
Maultieren, da der Weg nun schlechter wird. In scharfem Abstieg 
gelangen wir in das Thal des Flusses Caqueza, der schon in heisser, 
Wohlgerüche ausströmender Gegend (üerra ccäiente) dahinrauscht. 
Das Dörfchen Caqueza ist aber sonderbarerweise nicht unten am 
Flusse, sondern etwa 300 m über demselben erbaut, so dass alle 
Strassen und auch der Platz, auf dem ein mächtiger Feigenbaum 
steht, schief liegen. Von hier aus hat man eine schöne Aussicht auf 
die Felsenstöcke, welche los Organos, die Orgel, genannt werden. 

Wir machen die Wahrnehmung, dass der Fluss sich immer tiefer 
einfrisst, aber nur auf der Seite Land wegschwemmt, die nicht be- 
baut ist, auf der linken Seite, wo die Ufer steil abfallen und erst 
weiter oben Absätze bilden, auf denen hie und da ein sonnenbe- 
schienenes Häuschen eines Indianers freundhch aus Pflanzungen heraus- 
schaut. Auf dem rechten Ufer aber liegen schöne gelbe Zuckerrohr- 
uud Maisfelder, welche das Eingreifen des Menschen in den Zer- 
störungsprozess der Natur sehr lohnend machen. Nach Art der 
Weganlage der Spanier folgen wir nun aber nicht dem Flusse, um 
aus dem Thale herauszugelangen , obschon der praktische Blick des 
Herrn Piestrepo diesen natürlichen Weg erkannt und er denselben 
bereits abgesteckt hat, sondern mit Aufwand von vielen Kräften 
reiten wir hoch über die Gebirgsjoche hin, welche dem Flusse folgen, 
speciell über den alto de Guatoqiie. 

Unzählige Falten und Runzeln der Cordillere thun sich auf, 
die alle gegen Osten zu sich abdachen wollen. Es ist ein wahres 
Labyrinth von Gipfeln, ein Hochgenuss oder ein Schrecken für den 
Berufsgeographen. 

Vor uns sehen wir ein grosses Thal sich öff"nen, aus welchem 
der Ptionegro, das Schvvarzwasser, herausfliesst; beim s])itzigen, niesen- 
ähnlichen Vorgebirge Santa Ana vereinigt er sich mit dem Flusse 



36 

räiiueza, und /usamnioii driuip'en sie sich durch kahle, treibe, ab- 
schüssige Ilahlen, au denen nicht einnuil Weiden angelegt werden 
könnten, da hier einst wohl barbarische Abholzungen vorgenommen 
worden sein mögen. 

Mit Singen und Schiessen auf Schnepfen, welche aus den Ge- 
büschen am Wege auHlattern, vertreiben wir uns die Zeit, iiber- 
schreiten endlich den letzten Hügelkno])f, der das Thal einzwängt, 
und steigen gegen .'> Uhr abends über einen steilen Weg herunter, 
zu dessen Seiten hübsche Cactuspflanzen blühen. Wie die Sonne 
hinter den Bergen verschwindet, gelangen wir in eine posada oder 
ein Pseudowirtshaus, wo nach einigem Kapitulieren mit der Wirtin uns 
ein frugales Nachtessen gereicht und ein noch bescheideneres Lager 
angewiesen wird. Zwei schlafen draussen im Hofraum unter dem 
Dach in Hängematten ; zwei liegen in einem dumpfen, übelriechenden 
Zimmerchen am Boden und machen Bekanntschaft mit dem Ungeziefer. 
Wir müssen uns nun langsam gewöhnen, die Nacht in Hängematten 
zuzubringen, was zuerst sehr ermüdet, bis man die richtige Stellung 
erlernt hat. Diese besteht darin, dass man sich nicht der Länge 
nach, sondern quer schräg in die Hängematte legt, so dass dieselbe 
in der Mitte möglichst ausgespannt ist und der Kopf nicht zu hoch 
liegt. Wir lachen über die Herberge, uns wie Don Quijote einredend, 
wir hätten in einem fermoso castillo, einem herrlichen Schloss, ge- 
schlafen. Auch die Tiere haben magere Kost gehabt und traben 
am andern Tage nicht munter davon. 

Um 7 V2 Uhr morgens setzen wir uns in Marsch, und es erfolgt 
eine erste Prüfung. Nicht w^eit von {\qy posada war früher eine eiserne 
Brücke über den zwischen zwei Felsblöcken eingeengten Strom ge- 
legt gewesen, so dass man diesen Punkt den piiente de hierro nannte. 
Man hatte sie mit grossen Kosten von den Vereinigten Staaten 
kommen lassen, aber .... mau höre und staune! .... zu kurz 
bestellt, so dass die beiden Enden nur einige Centimeter auf den 
Pfeilern auflagen. Statt die Brücke nun sorgfältig zu überwachen, 
Hess man sie zerfallen, und die Einwohner des gegenüberliegenden 
Dörfchens Quetame gingen in ihrer Dummheit und Bosheit so weit, 
der Brücke den Tod zu wünschen. Dieser erfolgte eines schönen 
Tages, indem die Brücke in der Mitte einknickte und in den Fluss 
stürzte! Nun führt allerdings ein Kabel, an dem ein Korb befestigt 
ist, von einem Pfeiler zum andern; aber wir mussten mit unsern 
Tieren übersetzen. Glücklicherweise war der Fluss nicht besonders 
tief, und wir hatten nicht zwei oder drei Tage zu warten, wie das 
denjenigen geschieht, die ihn hochangeschwollen treffen. Man gab 
uns einige Verhaltungsmassregeln an, und hinein ging es. Das 



Wasser kam den Tieren bis an die Mitte des Sattels hinauf, so 
dass wir eher auf den Pferden Lagen, als ritten. Es muss der Reiter 
es sich nun zur Pflicht machen, nicht das Wasser, sondern das Pferd 
anzusehen, sonst wird er betäubt und ist verloren; es erfasst ihn 
Schwindel, und er wird, wie dies jedes Jahr einigen Unerfahrenen 
zustösst, weggeschwemmt. Es scheint nämlich alsdann das Wasser 
nicht zu fliessen, sondern eine unbewegliche Fläche darzustellen; der 
Reiter aber scheint mit der Schnelligkeit des Wassers abwärts zu 
gleiten. Mit etwas sonderbaren Empfindungen langten wir am andern 
Ufer an, jedenfalls mit eingenommenem Kopf. Erst nach einiger Ue- 
bung konnten wir später ohne Verwirrung über solche Flüsse setzen. 

Der folgende Weg ist durch die Regierungsingenieure ausnahms- 
weise gut oben an der Bergeswand des linken Plussufers ohne 
grosse Steigungen und Senkungen, aber nur ein Meter breit angelegt 
worden und folgt den Einbuchtungen kleiner Bäche gelehrig. Lehne 
ist keine angebracht, so dass einer der Unsrigen, als ein Maultier 
plötzlich in übler Laune ausschlägt, absteigen muss, um nicht etwa in 
das mehrere hundert Meter tiefer fliessende Schwarzwasser hinunter 
zu rollen! 

Es ist der 8. Dezember, der Tag des Festes der unbefleckten 
Empfängnis, das sich merkwürdig schnell in Colombien eingebürgert 
hat. An allen, auch den armseligsten Häuschen sind Tücher an 
Stangen fahnenartig herausgehängt, meist weisse Mousselintücher 
mit blauen Bändern verziert, bei den Armen al)er, wo solche nicht 
erhältlich sind, Halstücher, farbige Schnupftücher, Bett- oder Fenster- 
vorhänge, auf die etwa ein oder zwei Buchstaben aus Goldpapier 
genäht sind. Bei den Aermsten hat man Büschel aus glänzenden 

Beeren oder Rosen herausgehängt, den Schmuck der Natur! 

Es hat diese Einmütigkeit der Katholiken, ein solches Fest zu feiern 
insofern etwas Erhebendes, als man sich in einem christlichen Lande 
fühlt und somit die ursprüngliche Barbarei etwas bekämpft sieht. 

Nach Monte Redondo, dem runden Berg, an dessen Abhang 
Indalecio Llevano eine Zuckermühle mit eisernem Räderwerk ange- 
legt hat, wird die Route sehr interessant. In das Schwarzwasser 
mündet der Rio Blanco, der vom Paramo von Sumapaz herabkommt. 
An den abschüssigen Halden dieses Flusses entlang muss im Jahre 
153.S der Deutsche Federmann mit seinen 165 Mann und einigen 
Pferden aus den Llanos auf die Hochebene von Bogota hinaufgelangt 
sein .... eine unbegreiflich kühne Leistung, da diese Gegend heute 
einfach unzugänglich ist. 

Wir konnnen zu dem weiten Seitenthale von Chirajara, in dessen 
Tiefe ein wildes Hochwasser, das Felsblöcke mit sich geschwemmt 



38 

liat, rauscht. Der Weg liliit't an den SeitcnwiUuleu in einem Bogen 
von einer halben Stunde liin. Einige Stellen, wo Al)rutscluingen 
stattgefunden, sind /u einem so engen Fussi)fad geworden, dass man 
hier niemandem begegnen darf, weil man nicht ausweichen könnte, 
und dieselben passiert, nicht ohne mit einiger Besorgnis in die Tiefe 
zu blicken. Von der andern Seite des Halbkreises aus sehen wir 
Lasttiere mit breiten Fellen beladen, welche die Seitenwand streifen, 
ganz ungescheut diese gefährlichen Stellen überschreiten, aufs neue 
die unvergleichliche Marschsicherheit eines guten Maultieres dar- 
thuend. 

Das folgende Stück Weg hatte der llegierungsingenieur Dussan 
über Abgründen ein bis zw'ei Meter breit in Felsen hauen lassen. 
Man wird dieser Weganlage, die leider in Colombien zu selten nach- 
geahmt wird, die Anerkennung um so weniger versagen können, wenn 
man bedenkt, dass die Arbeiter vom oben liegenden Urwald aus mit 
Seilen an den Felsen heruntergelassen werden mussten, um Pulver- 
löcher zu bohren und die Sprengungen vorzunehmen. 

Die Felsw'and tritt zurück, die Seitenthalwand wird zugänglicher, 
einige Bergwasser sind so wundervoll von Gebüsch und Urwald umgeben, 
dass sie wahre Landschattskleinodien bilden. Neben der Schönheit 
die Gefahr! Die Holzbrücken, welche über die reissenden Wildbäche 
führen und etwa aus einem, höchtens zwei Balken mit darüber- 
gelegten Brettern und Erde bestehen, ohne dass eine Lehne schützend 
wirkte, sind dazu nicht einmal in gutem Zustande und oft durch 
Ptutschungen beschwert. Wir überschritten eine solche, die zwei Tage 
später unter einem Viehtransport einfiel. 

Gegen Abend kamen wir nach Susumuco, einer Hacienda des Herrn 
Restrepo. Unten im Thal liegt ein Wohnhäuschen mit einer Zucker- 
mühle. Eine Viertelstunde weiter oben in ganz schweizerischer, 
speciell emmentlialischer Weidelandschaft liegt das Landhaus der 
Familie Restrepo, die in diesem stärkenden Klima oft einige Monate 
zubringt. Das Thal ist eng; gegenüber liegt dichter Wald, ein sehr 
ergiebiges Jagdrevier, wo der Jaguar ' haust. In der Nähe von 
Susumuco, wo ich die ersten Chinarindenbäume sah, stürzt ein 
prächtiger Wasserfall aus einer Felsenspalte zu Thale. 

Sonntag den 9. Dezember begegneten wir vielen Viehherden, die 
in Partien von 20—80 Stück langsam und unter stetem Geschrei der 
Führer gegen Bogota zu getrieben werden und den Reiter oft auf- 
halten. Der Transport dauert für die armen Tiere wenigstens 
sieben Tage, und die Entbehrungen, die sie wegen Mangel an Tränke- 
plätzen und Futter leiden, sind gross, trotzdem man einige Weiden 
am Wege angelegt hat; namentlich aber ist die Ermüdung und die 



39 

Verwundung der Klauen derart, dass auch die schwersten Tiere 
manchmal ganz abgemagert auf der Savaua ankommen und wegen 
der durchgemachten grossen Temperaturunterschiede Lungenkrank- 
heiten und gar nicht selten der Tuberkulose zum Opfer fallen. 

Uns erheitern besonders die Vögel, so die mochücros mit gelbem, 
glänzendem Gefieder, welche ihr Nest in der Form von hänfenen 
Beuteln hoch oben in den Palmen befestigt haben und ab- und zu- 
fliegen, sowie die kleinen Colibris, welche durch die Luft schwirrend 
einen Farbenstrahl hinter sich zurücklassen. 

Heute wird man sich dem Genüsse der Natur ganz hingeben 
können, indem der neue, von Herrn Restrepo von Susumuco bis in 
die Llanos angelegte, ziemlich breite Weg beendigt ist. Die Seiten- 
bäche werden durch denselben umgangen, während man damals in 
solche von 100 Fuss Tiefe fast senkrecht hinabsteigen musste. Der 
ausgezeichnet entworfene neue Weg, dessen Vorzüge wir deshalb 
schätzen lernten, weil wir noch einen Teil des alten fast bodenlosen 
Weges kosteten, führt in einer Steigung von höchstens r27o, meist 
aber nur 57o auf die letzte Höhe der Cordillere hinauf, auf die Höhe 
von Buena Vista. Einige mächtige Baumstämme waren von oben 
herunter schräg auf die Strasse gelegt worden, so dass der Reiter 
absteigen und, sich bückend, das abgesattelte Tier unter diesem Verhau 
hin durchführen musste. Auf der andern Seite standen neben ihren 
Pferden einige kecke Gestalten von Landbesitzern aus den Llanos, 
die uns zum Willkomm entgegengeritten waren. Nach cordialer Be- 
grüssung sahen wir uns erst nach der Landschaft um. 

Wer beschreibt unser Erstaunen und Entzücken, als wir plötz- 
lich die unabsehbaren Ebenen der Llanos vor uns ausgebreitet sahen ! 
Es ist schwierig, sich eine Idee zu machen und sie auszusprechen 
über die Unermesslichkeit und Grossartigkeit dieses Panoramas, das 
jedem Beschauer unzerstörbar ins Gedächtnis gegraben sein wird! 
Wir stehen auf dem letzten Ausläufer der Cordillere, nur 700 m über 
Meer, im mächtigsten Urwalde. Rechts brechen Flüsse aus Schluchten 
in die Ebene hervor. Links sehen wir die Cordillere sich gegen 
Norden zu verlieren. Sie sendet in die Llanos noch einige Ausläufer 
hinaus, die in bläulicher Ferne wie vorgeschobene Festungswerke 
erscheinen. Es sind die durch ein Defile vom Hauptgebirgszug ge- 
trennten Bergo von Medina. Vor uns aber in einem vollkommenen 
Halbkreis von ;5() Stunden Radius die Llanos. Es könnte kein er- 
greifenderer Gegensatz gedacht werden, als der zwischen den mas- 
siven, unentwirrbaren Cordilleren, die bis in die Region des ewigen 
Schnees aufsteigen, und dieser tropischen, gleichartigen Ebene. Gross 
und majestätisch ist in seiner Einsamkeit und Geschlossenheit der 



40 

Ozean; jiTösser uiul erfircifcndcr sind die Pampas. Die Fluten sind 
starr und tot, ein Bild des (Irauens und der blinden Gewalt. Die 
Pampas sind farbenbewegt und mannifit'altig, ein Bild des Le])ens, 
das dorn Mensclion docli niclit seine ^ilnzliche Olinnuidit predigt, in 
ihm iloch wenigstens Hoffnungen erweckt, wie sie in den GefiUirten 
Colons aufstiegen, als sie das zauberische „Land! Land!" rufen 
hörten. !\Ian hält die Pampas für einförmig; sie sind es, von hier 
aus gesehen, nicht. Denn unzählige Ströme durchschneiden langsam 
die Ebene wie Silberbänder und scheinen sich in der Ferne selber 
aufzurollen. Alle diese Ströme sind mit dickem Urwald umgeben, 
so dass sich drei Farben mit einander streiten, das schimmernde 
Grau der Flüsse, das saftige Grün-Grau der Weiden (erhöht in der 
fruchtbaren Regenzeit) und die dunkeln Schatten der Wälder, die 
wie Flecken das Grün unterbrechen. Und über allem liegt jene 
niederschmetternde Jungfräulichkeit der Natur, die souverän etwas 
Einheitliches, aus einem Guss Geschaffenes uns vor Augen führt, 
etwas, das in seiner mysteriösen Unendlichkeit und Unerschöpflich- 
keit uns an unsere eigene Nichtigkeit erinnert und die Allmacht zu 
versinnbildlichen scheint 

n. 

Nach anderthalbstündigem Abritt treffen wir in Villavicensio, 
dem „Hauptort" des Territoriums von San Martin, ein. Dieses Dorf, 
an die Cordillere angelehnt und erst 1S42 gegründet, besteht aus 
einer längern Gasse, die sich gegen die Cordillere zu öffnet und durch 
die von dort herunterblasenden Winde bestrichen wird, aus einem 
mit Gras bewachsenen, grossen, viereckigen Platz und einigen unbe- 
deutenden Nebengässchen. Ein paar hundert Einwohner nehmen die 
unansehnhchen, mit Palmstroh gedeckten Häuser ein, die nur Boden 
aus gestampfter p]rde haben und sehr primitiv eingerichtet sind. 
Auch die Kirche mit ihrem Strohdach und Lehmboden ist über- 
einfach, eine Art grosser Speicher zu nennen, in dessen Hintergrund 
ein bescheidener Altar, mit einigen schlechten Bildern eingerahmt, 
errichtet ist. Post und Amthaus, Sitz des Präfekten und des Ge- 
richts, sind auch solche ranchos. Aber ferne sei es von uns, diese 
Beschreibung in spöttischer Absicht gemacht zu haben ; dafür sind 
uns die Bewohner von Villavicensio und namentlich einige Typen 
derselben viel zu lieb und wert geworden, als dass wir dies könnten. 
Die treuen und guten Seelen haben uns bei aller Einfachheit mit 
einer seltenen Dienstfertigkeit und Zuvorkommenheit aufgenommen 
und bewirtet — und jedem diesen Leuten sympathischen Reisenden 



41 

wird es gleich ergehen. — Ja, die ausgezeichnete Hausfrau Don Ri- 
cardo Rojas', dem Hauptassociö Herrn Restre])os, die doch viele Mühe 
mit uns gehabt und die abweclislungsreichsten culiiuirischen Künste 
gezeigt hatte, Hess uns nur unter Thränen von dannen ziehen, ein 
Beweis der treuen Anhänglichkeit dieser Leute, die wir auch seither 
immer zu erfahren Gelegenheit gehabt haben. 

Villa vicensio liegt etwas über 21 Stunden von Bogota entfernt, 
die wir in 272 Tagen zurücklegten. Doch haben in Ausnahmefällen 
Dr. Ivestrepo und andere Lianeros dies an einem einzigen Tag gethan, 
indem sie Tiere wechselten oder einzig gute ritten. Der Ort hegt 
nur 455 m über Meer und hat eine mittlere Temi)eratur von 28'^. 
Federniann soll hier ursprünghch eine Schmiede errichtet haben, um 
seine Pferde zur Besteigung der Cordillere tauglich zu machen. Die 
Umgebung ist früher Urwald gewesen, der sich in einem breiten 
Streifen der Cordillere nachzog. Abholzungen machen sie jetzt zu 
einer freundlichen; häufig ist die Sensitiva, SinnpHanze (mimosa 
pi(dica), welche bei leisester Berührung ihre Blätter einwärts zieht. 

Bevor wir die Umgebung durchstreifen, wollen wir einige allge- 
meine Notizen über die Llanos geben. Dieselben teilen sich im 
colombianischen Gebiet in drei Teile, in die ungeheuren Ebenen des 
Caquetä (Staat Cauca), in die Llanos von San Martin, in denen wir 
uns befinden und in die nördhch liegenden von Casanare (Staat 
Boyacaj. In diese 805, (»40 Hektaren, also fast ^3 des Gesamtgebietes 
Colombiens umfassenden Ebenen, die circa zwanzigmal so gross 
sind wie die Schweiz, teilen sich der Orinoco nördlich und der Ama- 
zonenstrom südlich mit ihren Nebenflüssen; hier leben noch circa 
100,000 wilde Indianer, eher mehr als weniger. Das in der Mitte 
liegende Territorium San Martin, früher dem Staate Cundinamarca 
gehörig, wurde von diesem der Unionsregierung 18()7 abgetreten und 
seit 18()8 durch einen Präfekten verwaltet, der direkt vom Präsidenten 
der Republik ernannt wird. Seine Ausdehnung beträgt nach den 
einen circa 117,000, nach den andern circa 105,000 Quadratkilometer, 
also fast neunmal mehr als der Kanton Bern. Der Orinoco bildet 
im Osten auf 50 Stunden die Grenze gegen Venezuela. Der Haupt- 
nebenrtuss desselben ist der Meta, dessen Lauf 220 Stunden beträgt. 
Ein wunderbares Netz von Strömen aller Grösse durchfliesst die 
fruchtbare Region; selten braucht man mehr als vier Stunden zu 
gehen, um wieder auf einen Fluss zu stossen. Die Jesuiten waren 
die ersten, welche in diesen Gegenden Niederlassungen gründeten, 
die sehr hohe Einkünfte brachten. Bei der Aufhebung des Ordens 
aber wurden sie 177;> auch aus Coh)mbien vertrieben, und die ge- 
wonnenen Kolonisationsergebnisse gingen wieder verloren. Erst seit 



42 

20 .lahreii ist das Territorium wieder zu IiCl)eu erweckt, dank na- 
uieutÜL'h der Fürsorge Dr. Rcstrepos, der die luteressen des Landes 
nüt AVärnie überall und als comisario (Delegierter) auch im Kon- 
gress vertreten hat. Die Zahl der civilisierteu Bewohner des enormen 
Landstriches von San ^lartin beträgt nur etwa 4()()() Seelen; der 
wilden Lidianer mögen in demselben wenigstens 2(;,0()0 hausen. Die 
civilisierteu Bewohner haben sich lilngs der Cordillere angesiedelt und 
dringen nur langsam in die eigentlichen Pampas vor und zwar von 
Westen aus Colombien her und von Osten aus Venezuela. Auch am 
Laufe des Meta haben die Weissen schon Posto gefasst, so dass 
dieser Fluss eine natürliche Verbindungsstrasse mit der Aussenwelt 
bildet. 

Die /u unternehmenden Streifzüge gingen nun entweder bis zu 
den ilussersten Grenzposten der civilisierteu Bewohner, etwa 20 bis 
80 Stunden von Villavicensio in die Llanos hinaus, oder aber zuerst 
der Cordillere entlang, wo sich ein Streifen des üppigsten Urwaldes 
ausdehnt, in welchen besonders viele Palmarten, Quiiia- und Kautschuk- 
bäume vorkommen. In früheren Jahren hatte man aber barbarisch 
unter den Chinabäumen von der guten Art der China lancifolia auf- 
geräumt, indem man, um deren Ptinde zu gewinnen, sie einfach 
umhieb, die Henne also öffnete, um ihr das goldene Ei, das sie jexlen 
Morgen legte, wegzunehmen. Auch die Kautschukbäume fällte man, 
statt an denselben Einschnitte zu machen, die hereinrinnende Milch 
in Gefässe zu sammeln und sie durch Verdampfen des Wassers und 
Wegnehmen der unreinen Stoffe zu verdichten. 

Nachdem man Villavicensio verlassen, das Bächlein Parado, dessen 
durchsichtiges Wasser zum Bade einladet, und die erste grosse ha- 
cicnäa der Herren Restrepo und Ptojas, el Tr'mnfo genannt, durch- 
schritten, gelangt man etwa 15 Minuten nördlich vom Orte zum 
Flusse Quatiquia, der aus der Cordillere hervorbricht und dem Meta 
zueilt. Er mag hier circa 60— so m breit sein, hat klares Wasser, 
ist fischreich und ziemlich reissend. Das rechte Ufer ist abschüssig. 
Hoch über den Fluss hatte Dr. Restrepo ein Kabel aus Draht hinüber- 
legen lassen, an dem ein an einer Rolle hängender Korb lief, in 
welchem man hinübergezogen wurde. Damals war die Maschine 
gerade in Reparatur, und so setzten wir etwa 5 Minuten unter dem 
Kabel, beim sogenannten imso, wo das Wasser nicht so tief, aber 
noch immer reissend genug war, über den Fluss. Auf dem andern 
Ufer trat man in einen allgewaltigen Urwald. 

Achtzig bis hundert Fuss hohe Stämme von mehreren Metern 
Durchmesser erheben sich da majestätisch, umrankt von einem 
Schlingpflanzengewimmel, dessen Dekoration das Auge staunend 



43 

])etrachtet. Da erkennt man den biblischen Cedernbaiim, den Eben- 
holz- nnd den Sandelbauni, den caoba, den clivid'wi, den unzerstör- 
baren eisernen guayacan, den diomate, die duftige aloe und insbe- 
sondere verschiedene Palmenarten. Die Hauptaufmerksamkeit lenkt 
sofort die Art des corneto auf sich, dessen schlanker, polierter Schaft 
bis zur Höhe von 28 m emporragt. Die verschiedenen Wurzeln 
steigen vom Boden aus 12 m an den Stamm hinan und umgeben ihn 
unten wie mit einem Trichter, wie mit einer Pyramide von Gewehr- 
läufen. Die Frucht hat das Aussehen einer grossen, etwa manns- 
hohen Traube, die übrigens nach Andre 50 — SO kg schwer ist. Dann 
war da die Palme corozo, aus deren Fibern Kleider gewebt, und die 
Palme cumare, aus welcher sehr widerstandsfähige Stricke verfertigt 
werden. Am nützlichsten aber ist die Mauritio flexnosa oder gewöhn- 
lich moriche genannt, die 15—20 m hoch wird und reich belaubt ist 
mit Fächerblättern, die wie ein offener Regenschirm ausgespannt 
sind. Diese Blätter werden zum Decken von Häusern verwendet. 
Das Mark des Baumes gibt eine Art Brod; ebenso können die Früchte 
genossen werden. Aus dem Stamm zieht man den Palmwein, und aus 
den Fasern macht man Stricke, Netze, Hängematten. Das Holz lässt 
sich gut spalten und wird zum Bauen oder zur Anfertiiiung von 
Bogen gebraucht, so dass diese Palme für die Indianer des Orinoco 
wirklich Alles ist. 

Der Wald lichtet sich nach und nach. Viele Stämme, halb ver- 
kohlt, liegen umher, andere stehen wie hohe Säulen, zeugend von 
verschwundener Pracht: um Pflanzungen zu erhalten, hat man 
nämlich den Urwald einfach abgebrannt, welche Operation desmonte 
(Reutung) heisst. Wir treten auf eine wohlunterhaltene, wasserreiche 
Wiese, deren Gras jj«ra genannt, in feuchtem und humusreichem 
Boden gedeihend, bis an die Schultern eines Mannes reicht,* Auf 
dieser Weide sah ich eines Tages 98 von den fettesten Kühen und 
Ochsen zusammentreiben, zu deren Verkauf ein Durchschnittsgewicht 
von 7 Centnern per Stück berechnet wurde. Gefordert wurde für das 
nach Bogota hinaufzutransportierende Stück durchschnittlich 45 fuertes 
(nominell 225 Franken).** Einige der Kolosse konnten sich kaum 
mehr recht bewegen, so überaus dick waren sie. Wie diese Herde 
nun erst aus der Einfriedigung wieder auf die freie Weide heraus- 
gelassen wurde, da erzitterte der Boden wie beim Auffaliren eines 
ganzen Artillerieregimentes. Es war imi)osant. 



* Eine andere eingefülirte Grasarl Guinea wird nielir für trocki'iicu, sandigen 
Boden benutzt. 

** Mageres Vieh beiden Geschleciites von 2 '/j Jaliron aufwärts galt, nacl» 
Bogota gebracht, 17.60 fuertes = 88 Franken. 



4-1 

Hinter den potvcros (Weiden) liegt das selir geräumige, wolin- 
lii'lu'. liiibscho Ilaus der Familie Eestrepo, welches die ganze Ha- 
vienda, /« ViDKjuardia (der Vorposten) genannt, dominiert. Kings nm 
das Haus geht ein gedeckter Korridor, von dessen Ostseite man eine 
herrliche Aussicht auf die Llanos geniesst, insbesondere auf die 
blühende Besitzung selber. Da Herr Kestrepo diese Hacienda erst 
im Jahre 1871 im dichtesten Urwalde angelegt, so musste man seinem 
Unternehmungsgeist, seinem Fleiss und seiner unbezähmbaren Energie 
hohe IJewunderung zollen. 

Durch die Zuvorkommenheit meines gastlichen Wirtes und 
seiner Söhne, sowie durch öfteres Herumreiten auf den verschiedenen 
Haciendas ward es mir ermöglicht, einen ziemlich genauen Einblick 
in das Leben des Llanos zu erhalten. Abends wurden unterhaltende 
und lehrreiche Gespräche, die sich besonders auf diesen Gegenstand 
bezogen, geführt. Die Temperatur war dann höchst erfrischend, der 
Himmel voller Sterne ; die cocuyos (Glühkäfer) leuchteten in der 
Finsternis undier, und tausend Glühwürmchen hatten ihre Lichtlein 
angezündet. Der ferne Horizont aber erhellte sich vom Wetterleuchten. 
j\Ianchmal brach in weitester Ferne ein Gewitter in den dunstge- 
schwängerten Wolken los, und die Blitze zuckten unaufhörlich. 
Was meine höchste Verwunderung erregte, war das Schauspiel, dass 
sie nicht schräg oder senkrecht zackig zur Erde niederfielen, sondern 
horizontal weitergingen, so dass der ganze Halbkreis eine Feuerlinie 
bildete. Ja es kam vor, dass sich diese Blitze krallenförmig spalteten 
und dass einige dieser Strahlen in prächtigen Schlangenwindungen 
schief nach oben zu ausliefen! 

Ziemlich zeitig legte man sich schlafen, und zw^ar in Hänge- 
matten, bei offenen Fensterladen. Die Fächerpalmen rauschten uns 
das Schlaflied zu, auch einige Cocuspalmen, die man aus dem 
Staate Tolima hieher versetzt hatte, stimmten ein. Gegen 6 Uhr 
wurde man wach. Man trat auf die Altane : Feuerrot stieg über dem 
fernen Horizonte, gegen welchen hin man die Wölbung der Erde 
deuthch sah, der Sonnenball empor, ungewöhnlich gross und strahlen- 
los, so dass das Auge den Feuerschein ungestraft ertragen konnte. 
Rasch wandelte das Gestirn hinauf; gegen 7 Uhr hatte es in unsern 
Augen schon seine gewöhnliche Grösse, sowie seine hitzespendende 
Ausstrahlung erreicht. Wir ritten denn auch in den frühesten Morgen- 
stunden aus. Es galt für die Hacendados, das Vieh zu besorgen, die 
Weiden und Pflanzungen zu besichtigen, zu säen und zu ernten. 

Vorerst werden zur Betreibung der Schweinezucht und zur Ge- 
winnung eines der wichtigsten Lebensmittel grosse Maisfelder ange- 
lest. Die Kultur derselben ist übereinfach: Die trockene Jahreszeit, 



45 

der Sommer, el verano, beginnt in den Llanos anfangs Dezember 
und dauert bis ^Nlitte ^lärz, also nur :> ^j^ Monate. Die Flüsse haben 
a])iienommen, die Luft ist klar und durchsichtig, die Nächte sternen- 
liell und prächtig. Diese gute Jahreszeit wird benutzt zum Ausreuteu 
von Wäldern oder zum Anbauen der Savaneu. Auf dem durch die 
Asche gedüngten Boden wird das Maiskorn einfach eingesteckt. Von 
Mitte März an fallen nun immerwährende Platzregen, die jede Arbeit 
draussen verunmöglichen. Diese Kegenzeit (el invierno, der Winter) 
wird nur während etwa l-t Tagen im August unterbrochen, während 
welcher das Mais, ohne dass man das Unkraut hätte jäten müssen, 
gewonnen wird. Es hat eine 150 — oOOfältige Ernte gebracht! Auf 
diesem Boden lässt man nachher entweder gutes Gras wachsen oder 
man besorgt eine neue Maissaat, welche ebenso gut ausfällt. Vom 
August bis Ende November regnet es wieder ohne Aufhören, so dass 
in den Llanos mit Ausnahme der wenigen Tage im August eine 
Regenzeit von wenigstens 8 Monaten herrscht ; dabei kann aber auch 
zwei Mal geerntet werden. 

Noch primitiver wird das Reis gewonnen. Will man es nicht 
in die Erde einsetzen, dann verfährt mau folgendermassen : Man 
umzäunt ein Stück Land. Statt es zu bestellen, d. h. zu bepflügen, 
treibt man in die Umzäunung circa 50 — 60 Stück Vieh hinein, damit 
diese das Erdreich möglichst zerstampfen. Scheint die Erde genügend, 
etwa 2 — 3 Zoll tief gelockert, dann wird das Reis beim ersten Regen- 
guss von Hand ausgeworfen. Das Vieh wird wieder hineingetrieben. 
Einige Reiter jagen ihm zu Pferde nach und taumeln es gehörig 
herum, so dass es den Samen in die Erde hineinstampft. Nach 
vier Monaten wird Reis von wirklich ausgezeichneter Qualität, Grösse 
und Form 80 — LöOfältig eingeheimst und von den wohlhabenden 
Besitzern in einigen aus Nordamerika eingeführten Maschinen ge- 
schält. 

Das grösste Erstaunen über diese unerhörte Fruchbarkeit des 
vegetabilischen Striches an der Cordillere erregte in mir ein Besuch 
in der Hacienda ,,e? Tigre", die von der Vanguardia aus in 25 Mi- 
nuten zu Pferde erreicht wird. Der Weg führt durch niederen Ur- 
wald, in welchem sich die herrlichsten, blauen, handgrossen Schmetter- 
linge wiegen. Wenn nun aus dem dichten Blätterwerk, das den Pfad 
überspannt, plötzlicli ein Sonnenstrahl auf ihre Flügel fällt, so ist 
der Anblick zauberhaft. Beir ersten Lichtung treten wir in ein 
Zuckerrohrfeld, dessen Rohre von armsdickem Bau eine Höhe von 
wenigstens zwei, ja bis vier Meter erreichen. Man hat dieses Feld vor 
zehn Monaten bepflanzt, heute steht man vor einem solchen Reich- 
tum I Wirklich bringt die dabei errichtete Zuckermühle, welche mit 



46 

i'ineni unten liochkamiii iiiid l-Usenwalzeii versehen ist, dem nnter- 
nelinienden Herrn Restrc'po für seine Mühe nnd sori;taltij^e lierech- 
nnnu hente hohe Hinkünfte ein, «hi der Ivohziicker (punclu) bis daliin 
vom Markte von Bogota liernb in dieses Eldorado gebracht worden war 
Weniger gnt scliien mir eine Cacaoijtlanzung geraten zn sein, die 
<ler gleiclie Herr in seiner Ilesitzung Jü Salifrc angelegt hat, in deren 
kristallhellem Flüsschen wir übrigens ein sehr erfrischendes Bad 
nahmen. Der Cacao wächst in den Llanos wild in kleinen Kolben 
von 124— ;;o Kornern. Er wäre sehr einfach zu gewinnen und könnte 
ohne Maschinenbenutzung nach blosser Trocknung verkauft werden. 
Vielleicht sind jetzt andere zahmere Arten in die Llanos verpflanzt 
und dort heimisch geworden. 

Aber damit ist die Aufzählung der Reichtümer noch nicht er- 
schöpft. Die Cordillere birgt deren noch andere. Beir Vanguaräia 
trifft man auf viel Roheisen. Eisensteine, die bei uns viel Gold wert 
wären, werden dort zur Errichtung von Einfassungsmauern gebraucht ! 
Ebenso warten noch enorme Steinkohlenlagi^r zukünftiger Ausbeutung. 
Auch enthält die Cordillere Petroleumquellen und Gold, wie denn 
solches im Sand der Flüsse gefunden wird. 

Als hätte die Natur aber Alles geben wollen, hat sie auch noch 
eine Salzbank dem Menschen zur Verfügung gestellt. Auf einem 
schlechten Waldweg zogen wir zu dieser vier Stunden nördlich von 
Villavicensio gelegenen, in 4 Stunden erreichbaren Saline, die anders- 
wo unbezahlbar wäre. Die Saline von Upin liegt in einer engen 
Waldschlucht zur Linken des Bergwassers Upin. Die neun Meter hohe 
Salzbank ist von einer Schicht Erde bedeckt, die von den steilab- 
fallenden Seitenwänden heruntergerollt ist und durch herabrieselndes 
Wasser in eine wahre Kotgrube verwandelt wird, so dass das Salz, 
sonst kristallrein, ganz schwarz und kotig erscheint. Beginnt nun 
anfangs Dezember die trockene Jahreszeit, so muss erst die Schlamm- 
schicht mit Hacke und Schaufel durch eine Schar von etwa 20 Ar- 
beitern, die tief darin stecken bleiben und bei dieser ungesunden 
Beschäftigung oft an Fiebern zu leiden haben, weggeräumt und in 
den Fluss geschwemmt werden, was mindestens 14 Tage in Anspruch 
nimmt. Erst dann kann Salz gewonnen werden, und die schmutzigen 
Salzstücke werden in einem elenden Schuppen, Magazin genannt, 
aufgespeichert. Der Salzpreis ist allerdings billig und muss es auch 
sein, damit die Lianeros Salz für ihr Vieh beziehen können. Allein 
die ganze irrationelle Betreibung, zu deren Verbesserung ich keine 
Vorschläge machen will, indem jeder Leser sich dieselbe von selbst 
zurechtlegt, erhält besonders darin seine Bestätigung, dass der Er- 
trag der Saline von Upin und der benachbarten von Cumaral jährlich 



uur etwas über 10,()()() pcsos, die Ausgaben aber fast 4()00 pesos 
betragen. So ist es denn auch möglicli, dass von Venezuela lier den 
Metatiuss hinauf Salz eingeführt wird, statt dass die Llanos ihren 
iJedarf aus dem vorhandenen Schatze leicht deckten, den Preis 
herabsetzten, die Viehzucht dadurch beförderten und endlich noch 
Salz ausführten. 

Noch haben wir erst in das Füilhorn der Gaben hineingeschaut, 
welches die Natur über diese Gegend ausgegossen. Natürlich gedeiht 
die nützlichste Frucht dieser Zone sehr gut. Es ist die Banane oder 
der pldtcuw, das Hauptuahrungsmittel des Armen, welches keinen 
^lenschen in Amerika Hungers sterben lässt. Ausserordentlich reich 
ist ihr Ertrag hier, mannigfaltig sind ihre Unterarten vom grossen 
harfon bis zum süssen, fleischfarbigen, dem Apfel an Geschmack 
ähnlichen und nach ihm genannten mansano. Die Banane kann 
verschiedenartig zubereitet, gesotten, gekocht, gebraten, gebacken 
werden. Jedenfalls ist sie, wie die hier sehr gedeihenden Pflanzen 
yuca und tavena, ein gesundes Nahrungsmittel. 

Früchte gibt es, da die Pflanzung von Fruchtbäumen in den 
Llanos sehr vernachlässigt worden ist, verhältnismässig wenige. 
Orangen, Citronen, aguacates, niangos, caimitos und der cainiaron, 
dessen feinduftende, aber sehr klebrige Creme ein Zuckerbäcker kaum 
nachahmen könnte, fehlen nicht. Von andern Pflanzen erwähnen wir 
die Vanille, die im grossen gepflanzt werden könnte, die Sarsaparille, 
die ipecaciiana, die tagua oder das vegetabilische Elfenbein, die 
copaiha, aus welcher ein wichtiges Oel gezogen wird, der cumarc, 
der pKilo hresil und verschiedene Balsame und Harze. Nicht zu 
vergessen ist der Tabak, der ziemlich gut befunden wird. 

Ein Hauptprodukt aber ist der Kaffee, der geradezu ausgezeichnet 
schmeckt. Er wird in grossen Quantitäten gewonnen und ausgeführt. 
Ich besuchte zwei Kaffeepttanzungen, diejenige von Ocoa und die- 
jenige, genannt el Buque (das Schiff), angelegt und besorgt von dem 
sehr inteUigenten, belesenen homöopathischen Arzt Dr. Convers. 
Daselbst stehen ca. 8(),()0() Sträucher. Gewöhnlich geht mitten durch 
die Pflanzung eine Allee, mit Fruchtbäumen besetzt, Ihr parallel 
gehen die Strassen der Katteesträucher, die in regelmässigen Abständen 
von 2Vs m von einander stehen ; die kleinern sind durch j)Za^(t)jo6' 
beschattet. Maschinen zum Schälen, auch eine sinnreiche Trocken- 
raaschine fehlen nicht. Es ist denn auch endlich die Sorgfalt des 
Üesitzers, der hier viele Jahre den Unbilden des Wetters und des 
Klimas getrotzt und in dem ausgereuteten Terrain seine Gesundheit 
auf das Spiel gesetzt hat, heute belohnt, indem Herr Convers Kattee 



_J8_ 

sowohl nach nouota hiiiautl'iilirt. als auch doii Mota hinunter nach 
Kumpa exinutieren kann. 

Wie viel wäre aber iu diesem .gelobten Lande noch zu erringen ! 
Wie viel MedizinalpHanzen sind in den Willdern verborgen oder zu 
wenig bekannt wie der conloncillo, der zur Vernarbung dient! Wie 
viele andern Ttlanzen könnten einen höhern Ertrag geben. Eines 
Tages fragte mich ein Llanero über die Art und Weise der Besorg- 
ung der Zimmetbäunie um Auskunft, welche ich ihm leider nicht 
geben konnte. Das mitgebrachte Muster war kösthch, aber noch 
sehr veredlungsfilhig. An die Arbeit, künftige Generationen! Noch 
ist die Welt keinesAvegs zu eng und die Natur keineswegs stief- 
mütterlich gegen euch! 



III. 

Mitte Dezember endlich sollten Avir in die Llanos hineinreiten. 
Es galt einige Tage in dem sogenannten hato (Farm) Los Pavitos 
zuzubringen. Der Weg führt zuerst wohl zwei Stunden lang durch 
hohen Urwald nach Osten. Wir brauchten aber zur Durchlegung 
dieser Strecke eine viel längere Zeit. Da die Regenzeit erst auf- 
gehört hatte, so lag die Rinne, welche den schrecklichen Weg be- 
zeichnete, voll Wasser und Schlamm, der in Bew^egung versetzt, 
Miasmen und Dünste vieler fauler vegetabilischer Stoffe ausströmte. 
Wir lagen mehr auf den Maultieren, als wir ritten, um nicht nass 
zu werden, denn das Wasser erreichte die halbe Sattelhöhe. Der 
Boden war aber nicht nur schlüpfrig, sondern voller Baumwurzeln, 
so dass die Tiere fortwährend strauchelten und sich manchmal in 
den knorrigen Wurzeln verfingen. Wir mussten unsere ganze Ge- 
wandtheit aufwenden, um durch Gleichgewichtsübungen uns oben zu 
behalten und das Tier vor dem Falle zu hüten. War der Weg gar 
zu schlecht und voll cdmohadas, kissenartigen Erhöhungen, welche 
quer über den Weg liefen und nur Raum für tiefe Pfützen Hessen, 
so ritt man wohl auch seitwärts ins Gebüsch, das uns durchnässte 
und Gesicht und Hände peitschte. 

Das einzige Intermezzo in diesem Kampf mit dem Wegdrachen 
w^ar die Begegnung einer grossen Schar Brüllaffen, die lustig von 
Zweig zu Zweig hüpften. Sie bilden gewöhnlich eine Bande von 20 
bis 30 Köpfen, grosse und kleine, und sind wegen ihrer Intelligenz und 
Mutterliebe bekannt. Zwei Gefährten gaben auf die Affen Feuer; 
ein kleiner Affe stürzte herab, ein markerschütterndes Geheul der 
Mutter erfolgte, die auf dem Baume oberhalb uns blieb, w^ährend 
die andern erschreckt flohen. Man schoss auch noch auf das Weibchen; 



49 

nachdem es sich getroffen einige Sekunden lang am llaume fest- 
gehalten hatte, tiel es mit dumpfen Falle uns zu Füssen. Es war 
ein grausclnvarzes Tier von ;> Fuss Länge und 2 Fuss Höhe mit langem, 
zottigem Haare. Wir Hessen es liegen, da das Fleisch nicht essbar 
ist. sondern einen ül)eln P)eigeschmack haben soll. Schon damals 
Aviderte mich die unnütze Schlächterei dieser beiden Tiere an, und 
ich sah ein, dass ich wohl für einen Jäger zu sentimental sei, denn 
der Tod dieser Geschöpfe tliat mir wehe. 

Kaum waren wir aus dem Walde getreten und in der sogenannten 
Boca clel Monte (Waldmund) angelangt, so wurde Halt gemacht. Ich 
vertauschte, nachdem ich meine nassen Füsse mit Branntwein gehörig 
warm gerieben, mein Schuhwerk und meine Strümpfe mit andern 
mitgebrachten, was ein Hülfsmittel ist, um Fiebern zu entgehen; 
dann nahm ich ein Gläschen Brandy mit einer Pille Chinin, um 
die eingeatmeten Miasmen zu neutralisieren, und wir ritten weiter. 
Wir kamen nun in die grossen Sabanen von Apiay, die sich zwischen 
den Flüssen Rionegro und Guatiquia ca. 18 Stunden in der Länge und 
10 Stunden in der Breite ausdehnen und nach Restrepo 40,000 Stück 
Hornvieh und 4000 Pferde nähren können. Diese Sabanen bilden 
aber keine unteilbare Fläche, sondern bald durchritten wir etwa 
lialbstundenlange Weiden (sahanas), die mit einem graulichen, ziemlich 
dürren, nur etwa 2 — o Fuss hohen Grase bewachsen waren; bald 
gelangten wir wieder in ein Stück Wald, das sich etwa längs eines 
Baches, immer nur da. wo Wasser Üoss, ausdehnte. Die verschiedenen 
Sabanen, durch diese Waldstücke abgegrenzt, waren also kleinere 
oder grössere Wiesenpartieen, jedoch von so ähnlicher Art, dass der 
Ungeübte sie nicht von einander zu unterscheiden vermochte und 
ohne Führung sich nur allzuleicht verirrt hätte. Auf dem ganzen 
fünfstündigen Wege trafen wir nur eine einzige, armselige Farm. 
Gegen Abend, als die Sonne mit ihren Strahlen die Sabanen golden 
färbte, langten wir an unserem Bestimmungsorte an. 

Los Favitos bestand aus einem mit Palmstroh gedeckten Pancho. 
Es waren in demselben zwei Zimmer, die sala (1), in welcher ein 
Tisch und mehrere mit rohem Leder bespannte Stühle standen, und 
ein Nebenzimmerchen, wo zwei Holzpritschen aufgeschlagen waren. 
Hinter dem geräumigen Hofe, wo Klein- und Federvieh sich tummelte, 
lag ein anderes Hüttchen, die Küche enthaltend. Hinter derselben 
erhob sich an der Seite eines etwa 10 Fuss breiten, klaren, aber 
langsam fliessenden Baches Wald oder vielmehr Gehölz. Rechts der 
Hütte friedigten mehrere grosse Umzäunungen (talanqueras) aus 
Palmholz oder Bambusstämmen Areale von un.yleicher Grösse ein, 
die zur Aufnahme des Viehes bestimmt waren. 

XI. Jahresbericht d. Geogr. Ges. v. Bern. 1H91— 1892. i 



50 _ 

Am fol.uentlcn Taiie erregte meine Aufmerksamkeit besonders 
eine 20 Fuss lange, iVg — - l""'!!^^ breite Uoaconstrictorliaut; die 
Schlange war bei der (xründung der Farm in dei' Nähe erlegt worden. 
^Vie wurde ich verblüfft, als unsere Gesellschaft zum Bade in den 
naheliegenden Bach ging. Der Anführer unserer Expedition, mein 
Gevatter Fernandez, wie ich den ausgezeichnet gearteten, etwa M) 
Jahre alten Mann nannte, hatte sich entkleidet und warf nun zuerst 
einige Steine in den Bach hinein. Auf die Frage, warum er dies 
thue, antwortete er lächelnd, es geschehe nur, um allfällig hier sich 
aufhaltende Schlangen zu verscheuchen; dann legte er sich in den 
nur etwa 1 Fuss tiefen Bach der Länge nach nieder. Ich gestehe, 
dass mir vor diesem Bade zuerst graute, um so mehr als der Bach 
völlig überdeckt war und die vielen Baumwurzeln der geschäftigen 
Phantasie wie ebenso viele Schlangentiere erschienen. Schliesslich 
aber legte ich mich auch in das erfrischende Wasser. Nie sah ich 
so klar wie hier, dass der Mensch ein Sklave der Gewohnheit ist. 
Schon nach dem dritten Male hatte ich mich so sehr an diesen Bade- 
platz und au das Werfen der Steine gewöhnt, dass ich an die Schlangen 
gar nicht mehr dachte. Ja, am letzten Morgen vor unserm Abritt 
badeten wir etwa um halb drei Uhr noch in dunkler Nacht in dem 
Bach, bevor wir zu Pferde stiegen; trotz der Finsternis legte man 
sich ganz gemütlich ins Wasser. Es schien mir dies damals selbst- 
verständlich, heute aber immerhin etwas sonderbar. Uebrigens ver- 
liert man in den Llanos die Furcht vor Gefahren und namentlich 
vor den handgrossen giftigen Spinnen und vor den Schlangen. 

Letztere greifen den Menschen nur in den seltensten Fällen, 
d. h. wenn sie getreten werden, an; sonst fliehen sie ihn gewöhnlich, 
sogar die Klapperschlange thut dies, auch die giftige eqiiis, die ein x 
auf die Haut gemalt zu haben scheint. Der durchaus glaubwürdige 
Dr. Convers aber erzählte, er habe in seiner grossen Kaft'eepflanzung 
viel mit Schlangen zu kämpfen. Manchmal gelüste es ihn, sie zu 
reizen, sie wütend zu machen, was die Lianeros mit dem Ausdruck 
torear bezeichnen, dem gleichen Worte, welches auch „den Stier wild 
machen" heisst. Die Schlange züngelt und zischt, und mit wilden 
Augen will sie sich auf den Menschen stürzen, der ihr mit flinken 
Bewegungen ein Taschentuch oder Handtuch entgegenhält. Schliesslich 
wirft er ihr dieses Tuch zu, und die wilde Viper beisst sich mit ihren 
Zähnen darin so fest, dass sie, ohne sich losmachen zu können, am 
Platze verendet. Gewöhnlicli wirkt ein Schlag, mit einer recht 
biegsamen Gerte gegeben, am besten, um die Schlange unschädlich 
zu machen. In den Llanos sah ich w^ohl viele Spuren von Schlangen, 
aber deren nur wenige. 



51 

An einem der folgenden Tage nun sollte sich das Hauptereignis 
unseres Aufenthaltes, das Zeichnen der Viehherden, die herrnnza, 
abspielen. Früh um drei Uhr schon sassen wir auf flinken, aus- 
dauernden Pferden und galoppierten auf einige Stunden im Umkreis, 
die Herden einzutreiben. Bei Tagesanbruch wurden wir deren an- 
sichtig, wie sie in Haufen von 12 — 20 Stücken in den verschiedenen 
Sabanen getrennt grasten. Zwei oder drei Reiter scheuchten die Haufen, 
mit wildem Galopp sie umreitend, auf und trieben sie vor sich hin 
den schon aufgejagten zu. Manchmal entrann ein Rind, und der 
eine oder der andere Reiter musste ihm eine halbe Stunde oder noch 
länger nachgaloppieren, bis es eingeholt war. Nach und nach wuchs 
die Zahl der Rinder an, und gegen 10 Uhr hatten wir eine Herde 
von mehr als 1000 lantbrüllenden Köpfen beisammen. In langer 
Kolonne, voran zwei Reiter, zu beiden Seiten deren vier und hinten 
drein noch zwei, ging es in wuchtigem Trabe mit der ganzen Herde 
der Farm zu, wo sie in die Einfriedigungen hineingetrieben wurde. 
Dann nahmen vdr das Frühstück ein, mit welchem gesegneten Appetite 
nach dem anstrengenden, mehrstündigen, rasenden Ritte, wird man 
sich leicht vorstellen. Hernach schritt man zur Absonderung der Tiere. 

Die ältesten blieben im grössten und vordersten „corml", dann 
kamen immer kleinere und jüngere, und schliesslich nahm man in 
die hinterste Umzäunung die während des Jahres geborenen, noch 
ungezeichneten Kälblein auf. In der Mitte jeder Einfriedigung lag 
ein grosses Stück Salz zum Lecken; sonst bekam das Vieh keine 
Nahrung und blockte deshalb unaufliörlich, namentlich kläglich die 
von ihrer Mutter zum ersten Male getrennten Kälber. 

Diese sollten nun mit Eisen gebrannt, den Herren zugeteilt, ge- 
zählt und so die Vermehrung des Viehstandes der Farm berechnet 
Averden. Zu diesem Behufe sprangen die halbnackten Knechte den 
Kälbern nach und ergriffen sie am Schwänze. Mit einem merk- 
würdig gewandt ausgeführten Rucke, .wussten sie dieselben zu Boden 
und zwar auf die Seite zu schleudern und ihnen geschwind die Füsse 
zu binden. Man nahte sich mit dem brennenden grossen Eisen, 
das z. B. einen Decimeter grossen R. vorstellte, und brannte es auf 
der Flanke des Rindes auf. Dann konnte das geängstigte Tier 
wieder fortspringen. Welche Geschicklichkeit al)er zum Einfangen 
und zum Niederwerfen der Rinder nötig war, sahen wir daraus, dass 
inelirere der unsrigen die noch kleinen Kälblein auch am Schwänze 
niederzerren wollten. Dieselben hatten aber eine so grosse Kraft, 
dass der ungeschickte Manipulant ganz einfach von ihnen in der 
zerstampften und kotigen Bahn herumgezogen wurde, so dass ver- 
schiedene Reisebegleiter wie Mohren aussahen. 



'r2 

Da die Ilori'oii licstrcpo und Fornandez die Farm gemeinsam 
l)osassen. indem der letztere dieselbe leitete, der erstere aber zum 
J>etrieb das nötige Kapital vorscboss, so wurde ein Kalb dem einen, 
das andere dem andern Besitzer zugeteilt und mit besondern lUich- 
staben gebrannt. 

Aber trotz des Fleisses der Leute, denen der Schweiss von der 
JStirne rann, wurden sie an einem Tage mit ihrer Arbeit nicht fertig. 
So blieb das Vieh die ganze Nacht eingepferclit, laut brüllend vor 
Hunger und Durst und Sehnsucht nach Freiheit. Es war ein 
betäubender Lärm. Am folgenden Morgen ward die Arbeit beendigt, 
und gegen 11 Uhr wurde endlich das Thor des Hauptpferches geöffnet. 
Ich hatte mich auf einen wenigstens zwanzig Fuss hohen Pfosten am 
Eingang der etwa drei Meter breiten Palissadenöffnung gesetzt, um 
den Ausbruch der Herde zu überblicken. Noch jetzt wird mir bei 
der Erinnerung an dieses Schauspiel der Kopf wirr. Kaum waren 
die Stangen weggezogen, so drängte sich alles Vieh zum Ausgang. 
Ein Wald von Hörnern und Geweihen wurde unter mir sichtbar ; der 
Boden erdröhnte wie bei einem Erdbeben. Mit aller Kraft musste 
ich mich auf dem zitternden Pfosten festhalten, um nicht schwindlig 
zu Averden und hinunterzufallen, was den sichersten Tod zur Folge 
gehabt hätte. Nach und nach verlor sich der donnerähnliche Lärm 
der davoneilenden zweihalbtausend Köpfe starken Herde. Merkwürdig 
rasch fanden sich die einzelnen am vorigen Tage aufgejagten Gruppen 
wieder und sprangen unter ihrem Oberhaupt ihren getrennten Savana- 
weideplätzen zu, nicht jedoch ohne vorher in einer grossen Lagune 
gemeinsam zuerst den brennenden Durst gestillt zu haben. Nach 
einer halben Stunde war um die Hütte herum fast kein Vieh mehr 
zu sehen. 

Das gleiche Ereignis wiederholte sich am folgenden Tage; 
doch trieben wir auf einer andern Seite der Farm bis gegen 9 Uhr 
morgens nur noch circa 700 Stück Vieh zusammen ; die ganze Farm 
zählte etwas mehr als 2000 Stück. Mittags schlachteten wir ein 
prächtiges, feistes Kalb. Es wurde regelrecht ausgelegt, in seiner 
ganzen Grösse an einen wohl thürhohen Bratspiess gesteckt und über 
einem prasselnden Feuer aufgehängt. Nach einigen Stunden war 
das Fleisch gar, das Fett träufelte hinunter. Nie glaube ich etwas 
schmackhafteres gegessen zu haben als jene Stücke Fleisch, die man 
mit dem Waidmesser einfach in Riemen vom ganzen Kalb abhieb 
und mit den Fingern in den Mund steckte, wobei der Saft über das 
Kinn hinunterlief . . . Ein naturwüchsiges Schauspiel, aber ein Bild 
echten Farmerlebens ! 



Andern Tages Hess man auch diesen zweiten Teil der Herde 
wieder los. Doch behielt man einige Kälblein da, da die einen 
Wunden hatten, in welche ireches Ungeziefer Eier gelegt, andere aber 
von den garrapatas^ ins Fleisch dringenden Würmern, gequält waren. 
Man säuberte die armen Tiere. Rührend war es zu sehen, wie die 
zugehörigen Kühe nicht fortgegangen waren, sondern in der Nähe 
der Farm herumirrten und ganz elend blockten. Abends kamen sie 
dann hinzu, um das Kleine zu säugen. Nur ganz wenige Kühe 
werden nämlich eiugefangen und deren Milch auf der Farm zum 
Trinken oder zur Zubereitung von etwas Käse gebraucht ; die meisten 
Tiere laufen frei umher und geben ihre Milch den Jungen. Die 
Vermehrung der Herde ist denn auch eine sehr rasche. In vier 
Jahren, so rechnet der Llanero, verdoppelt sich eine solche Herde 
von ganaäo vacuno (Ilindvieh), wenn man jährlich den zehnten Teil 
bei der Berechnung in Abzug bringt, sei es, dass man alte Stücke 
schlachtet, dass sie absterben, dass einzelne Tiere verkauft oder vom 
Jaguar verzehrt werden. 

Die Arbeit des Llanero besteht nun gerade darin, die Tiere an 
den hato, die Farm, zu gewöhnen und sie zahm zu machen. Nicht 
nur giebt man ihnen zu diesem Zwecke Salz, verbindet die Wunden, 
die sie im Kampfe untereinander sich beigebracht haben, sondern 
man bewacht sie auch während vier Monaten sehr strenge, treibt sie 
auch jeden Abend gegen die Farm, bis sie sich gewöhnt haben, in 
den umliegenden Savanen zu bleiben und allfäMige Hülfe oder ein 
verlornes Glied bei der Farm zu suchen. 

Durch die vielen Gefahren, denen sie ausgesetzt ist, ist die 
Rasse Intelligent geworden. Bei Ueberschwemmungen der tieferen 
Teile der Llanos im „Winter" flüchtet sich das Vieh auf höher ge- 
legene; zum Schutze gegen den Jaguar legen sich manchmal die 
Gruppen im Kreise herum, die Köpfe gegen aussen, so dass die 
Hörner einen Wall bilden. Die Kleinen werden in die Mitte genommen, 
und der Jaguar wagt nicht oft, sie aus der Hörnerburg im Sprung 
herauszuholen. Interessant ist auch die Vertraulichkeit des Viehes 
mit einem kleinern Falken, dem sogenannten yarrapatero, der auf die 
Rinder fliegt und ihnen die Zecken aus dem Fleische frisst, was 
erstere ruhig hinnehmen. 

Im Allgemeinen ist die von den Spaniern eingeführte Rasse gross 
und stark, von seidener, sammtener Haut, sauber und glänzend. Der 
Kopf ist klein, die Augen sehen klug in die Welt, der Hals ist unge- 
mein zierlich. Die Hörner sind eher klein zu nennen und hübsch 
geschwungen. Das Vieh ist von Natur aus ziemlich zahm. Ver- 
mochte das Klima dasselbe wie den Menschen etwas gleichgültig zu 



54 

inachoiiV Nie hörte ich von Ueberfällen böser Stiere. Freilich könnte 
man diesen anl" den raschen Pferden enteilen. Nenerdin.ns hat man 
dnrch Einfiihrnng' von Znchtstieren ans Heretbrd die Kasse zu ver- 
bessern gesucht, Sie bildet den Hauptreichtum der Llanos, und bei 
ihrer raschen Reproduktion kimnen durdi Viehzucht grosse Vermögen 
gemacht werden. 

Auch die Pferde- und Maultierzucht würde lohnend sein, denn 
die dortige Rasse ist schön, gewan<lt und ungemein ausdauernd. 
Wenn man bedenkt, dass während fünfzehn Jahren im Unabhängig- 
keitskriege (1810 — 1820) sowohl von den Spaniern wie von den 
Republikanern fast alle Tiere aus den Llanos genommen worden sind, 
so muss mau anerkennen, dass die Llanos sich für diesen Zweig der 
Viehzucht ausnahmsweise gut eignen würden. Auch Schafe und 
Ziegen könnten gehalten w^erden. 

Fast alle Nachmittage zwischen vier und fünf Uhr gingen wir 
mit uusern guten Gewehren auf die Jagd. Gegen Al)end kommen 
nämlich die vielen Rehe und Hirsche aus dem monte, aus dem Walde 
heraus, um in Gruppen im hohen Grase zu weiden. Man ritt gegen 
irgend einen solchen monte hin, machte einige hundert Meter davor 
Halt und schlich sich zu Fuss den Tieren näher. Das Habichtsauge 
meines Gevatters Fernandez entdeckte die Tiere schon von Weitem. 
Für das gew'öhnliche Auge des Städters war deren Farbe von der- 
jenigen des Grases nicht zu unterscheiden. Der geübte Jäger schlich 
sich dann hinzu, und das tödliche Geschoss ereilte die Weidenden, 
deren Fleisch ein ausgezeichnetes Mahl gab. Fehlte aber einer der 
Unsrigen den Schuss, dann sprangen die Tiere in wilden, gewaltigen 
Sätzen dem Walde zu. Das schien mir beim Mangel an jeder rabies 
venatoria das Schönste zu sein, und die springenden Hirsche hatten 
in meinen Augen die Freiheit reichlich verdient. 

Auch Schnepfen, pavas oder Wildenten und Truthühner trafen 
wir oft an den Lagunen, jenen grossen mit Bäumen umgebenen 
Weihern voll schlammigen Wassers. Wir pulverten tapfer drauf los. 
Ein Schuss aus meinem schweizerischen Ordonnanzrevolver hat mir 
Herzeleid verursacht. In einem Teiche schwamm ein weisser Reiher, 
den man dort garza nennt, „la gentil gar^a"! Einer machte den 
Vorschlag, das Tier zu töten, und da das schwierig war, so amüsierte 
uns das Spiel. Schon w'ar der Reiher verwundet, als eine Kugel aus 
meinem Revolver ihn in den Hals traf. Das Tier hob sich krampfliaft 
empor, reckte die Flügel, senkte den Hals und verschied. Wegen 
meines Schusses wurde ich belobt, blieb aber traurig ; wir hatten 
Wildpret genug und nahmen die gar^a, die gentil garza nicht mit. 

Nach achttägigem Nomaden- und Jagdleben sollten wir zur Feier 



55 

des Weilinachtstages nacli Villavicensio zurückreiten. Wir brachen 
um :'. Uhr morgens, nachdem wir uns gebadet, auf. Die Reittiere, 
welche den Fussweg gut kannten, eilten in der frischen Morgenluft 
rüstig dahin. Ein Reiter folgte schweigsam dem andern, ohne den 
Vordermann in der Dunkelheit zu sehen. In der Ferne war der 
Himmel an einigen Stellen gerötet wie von Feuersbrünsten. Es 
waren einige Savanen, welche angezündet worden waren und deren 
dürres, hohes Gras niederbrannte, um einem frischen, sprossenden, 
vom Vieh sehnlichst verlangten Graswuchse Platz zu machen .... 
ein sehr bequemer, nicht kostspieliger Futterbau! 

Zwischen vier und fünf Uhr erstarben die Sterne und bleichte 
schon der Himmel gegen Osten. Um 5 Uhr aber — es ist dies eine 
von mir mehrfach beobachtete, sonderbare Erscheinung — scheint 
die Nacht während zehn Minuten noch einmal mit dem Tage streiten, 
alle ihre Kräfte zum Kampfe aufbieten zu wollen. Es wird wieder 
ganz dunkel. Dann aber lässt ihr Widerstand nach. Der breite 
helle Streifen im Orient wird immer grösser; die Wolken werden 
deutlicher, markierter, zuerst weiss^ dann broncegrau, dann hell und 
hochrot. Um Uhr schiesst, von Feuergarben angezeigt, die Sonne 
hervor. Die Vögel singen und zwitschern. Die Papageien, loros 
und pericos und die grössern glänzenden gnacamayos kreischen und 
schwatzen ungesäumt. Die Fliegenvögelchen, tominejas, schwirren 
in ihrem bunten Gefieder umher. Alles ist neu belebt, und den Reiter 
ergreift auf seinem fröhlich wiehernden Tiere unnennbares Wohl- 
behatien. Morgenlust, o goldene Freiheit ! 

IV. 

Weihnachten ist herangerückt und damit der grösste Festtag 
des Jahres für die Colombianer und für die Llanosbewohner, Die 
Noche huena, gute oder heilige Nacht ist das Ziel aller ihrer Wünsche, 
die Zeit, in der sie an den Hauptort gehen, um den nach ihrer 
Meinung unvergleichlichen Kultus zu sehen und ihre Einkünfte für 
das ganze Jahr zu machen. Mehrere Abende hindurch hatte man 
auf der plaza von Villavicensio, vor der Kirche, Prozessionen aus- 
geführt, an denen die Leute voller Devotion teilnahmen und wobei 
die alten Heiligenbilder herumgetragen wurden. Raketen flogen auf, 
schwergeladene alte Gewehre und Musketen wurden dicht an unserm 
Ohre abgebrannt. Alles war freudig erregt. An einem solchen Abend 
wurde auch eine Rakete so ungeschickt, schief abgelassen, dass sie 
auf ein Palmstrohdach fuhr, ohne dass glücklicherweise Schaden an- 
gerichtet worden und Feuer aufgegangen wäre. 



51) 

l>ei dieser Gele.uenlieit lernte ich den Pater Vela, den ich schon 
als Privatmann hochschätzen gelernt hatte, anch als Hirten seiner 
Herde kennen. Es war der Pater, wie man ihn kurzweg nannte, 
ein grosser stämmiger, etwa vierzigjähriger Dominikanermönch mit 
ausdrucksvollem, freundlichem Ciesichte, roten Backen und einem, 
mit Erlaubnis seiner Obern getragenen schwarzen, schönen Vollbarte, 
in seiner weiss-schwarzen Kutte eine schöne, milnnliche Erscheinung. 
East nie trug er jedoch sein Ordenskleid in jener heissen Gegend, 
sondern steckte in Civilkleidern, allerdings dann eher einem robusten 
Müller gleichend. Es war seine Lust, zu Pferde zu steigen und der 
Lianeros Leben zu teilen. Ja, er war selbst ein Llanero im besten Sinne 
des Wortes. Auch er hatte eine bescheidene Earm, zog Vieh auf und 
verkaufte es. Er musste dies schon deshalb tun, weil die Regierung 
die Subvention an seine karge Besoldung nur ungenau auszahlte und 
weil die Llanosbewohner gar nicht etwa besonders generös gegen 
ihren Geistlichen gewesen wären. Es war die Seelsorge auch eine 
eigene Sache, denn das Volk, gewöhnt, den grössten Teil des Jahres 
ohne geistlichen Trost zu verbleiben oder während der Abwesenheit 
des Paters auch ohne geistliche Hülfe Beerdigungen vorzunehmen, 
liess sich vom Geistlichen nicht sonderlich imponieren. Irgend ehi 
Zelot oder ein Pfarrer, der die Religion stets im Munde geführt, wäre 
deshalb in den Llanos biild unmöglich geworden. Pater Vela da- 
gegen hatte sich durch seine natürliche Geradheit das volle Ver- 
trauen der Leute erworben. Bei seinen Missionsfahrten den Metafluss 
hinunter wusste er auch den wilden Indianern Respekt und Ver- 
trauen einzulösen, so dass sich immer einige von ihm taufen Hessen. 
Stets dienstfertig und verträglich, war Pater Vela eher ein Berater, 
eine Art Socialpolizei von Villavicensio und seiner Umgebung ge- 
worden. So bestieg er denn auch am folgenden Abend nach dem 
verunglückten Raketenexperiment die Kanzel und hielt der ver- 
sammelten Gemeinde eine sehr vernünftige Ansprache darüber, dass 
man nicht durch solch mutwilliges Gebahren die Sicherheit des ganzen 
Dorfes gefährden und dasselbe in Brand stecken sollte etc. Diese 
väterliche Ermahnung trug da sicherlich mehr Früchte als irgend 
eine Polizeiverordnung. 

Da die Kirche in jenen Gegenden neben der Erbauung die 
einzige Zerstreuung bietet, so wurde sie auch, namentlich in der 
heiligen Nacht, stark besucht. Die Frauen kauerten auf dem 
Lehmboden nieder. Ein Harmonium, auf welchem man auch Tänze 
zu spielen sich nicht scheute, erhöhte mit seinem Spiel die Feier. 
Ja einige sehr gute Guitarre- und Tiplespieler Hessen in der Kirche 
ihre volkstümHchen Weisen ertönen, Tänze, hambucos, etc , zur 



Vcrberrlichuiig des Abends. Es Avar das Ganze ein naives, herz- 
liches, schönes Volkfest, an dem Jedermann sich freute. 

Nach Weihnachten wurde es stiller. Um sich die Zeit zu ver- 
treiben, wurden hie und da einige barbarische Hahnenkärapfe auf 
offener Strasse veranstaltet, die uns einfach Grausen einflössen und 
Abscheu einjagen. Die Hähne der Llanos sind tapfer und gut, ihre 
Sporen scharf geschliffen, ihre Wut und Erbitterung gross. Nur 
ganz übel zugerichtet, lässt der Schwächere vom Kampfe ab. 

Dieses sonderbare, halb heitere, halb barbarische Verhalten ver- 
anlasst uns, den Typus des Llanero zummenhängender zu schildern. 
Der Bewohner des Llanos ist, wenn auch gebräunt durch die 
Tropensonne, meist von weisser Farbe, trotzdem er ein Mischling 
der Weissen und der Indianer ist. In der Regel ist er sehr muskulös 
und gut gebaut. Nicht selten sind bei den Männern rote Wangen, 
während die Frauen in jenem Klima leicht bleichsüchtig, chlorotisch 
werden. Der Sohn der Pampas, nur etwa mit Hemd (heute wenn 
möglich Flanellhemd) und Hose bekleidet, ist im höchsten Grade 
freiheitsliebend; die Pampas haben für den Unabhängigkeitskrieg des 
Landes die besten Soldaten geliefert,todesmutig im Kampfe. Dem Anprall 
der Reiterscharen der Lianeros widerstanden die Spanier selten; 
ihren Lanzenstichen und Säbelhieben erlagen sie massenhaft. Der 
Lianeros ist im Kriege so furchtbar, dass er ein Künstler des Todes 
genannt worden ist. Nach dem Siege will er ohne Belohnung und 
Geld sofort wieder heimziehen, denn die Llanos liebt er mit wahrer 
Begeisterung und hat an dem Nomadenleben die grösste Freude 
trotz der vielen Gefahren ; diese besteht er mutig. Er schwimmt 
vorzüglich; seine Lust ist es, die wilden ungezähmten Pferde einzu- 
langen und zu bezwingen. Er ist offen und frank und blickt stets 
gerade heraus drein. Seine Redlichkeit ist sprichwörtlich. Mit den 
Guten ist er demütig, gegen die Stolzen hochmütig. Er ist empfind- 
lich, nachtragend, aber nicht eigentlich rachsüchtig. Flr liebt Spässe 
und Streiche, welcher Art, das zeigt folgende Begebenheit. 

Im Jahre 1876 war der französische Reisende Andre in die Llanos 
von San Martin gekommen ; er schien, wohl mit Unrecht, vielleicht 
infolge der Sprachverschiedenheit, den Lianeros ein süffisanter, hoch- 
nasiger, mit nichts zufriedener und absprechender Mann zu sein, und 
sie dachten bei sich: „Warte, wir wollen dir deine Barschheit uns gegen- 
über eintreiben." Gesagt, gethan. In der Nähe von Villavicensio 
fuhren sie plötzlich in ein Nest grosser Wespen, die fürchterlich 
stechen, und ritten davon, sich hinter Sträucliern verborgend. Arglos 
kam der Reisende mit seinem Begleiter heran und wurde nun von 
den wütenden Tieren angefallen. „Hormigill, horniicjiU!" habe er 



_ j»8 

aiisgenifeiK was so viel Messe als „Ameiserei I'' Die Llanoros laclitoii 
sich fast zu Tode. Herr Andrö aber schrieb in seinem Ucisebericht 
im „Tüur du Monde", in den Lhmos gebe es eine Wespenart, welche 
den Menschen direkt angreife. Es gibt keine solche. Dies ist der 
mir von den BeteiÜLiten selber verratene, wahre Sachverlialt. 

In allen seinen l)e\vej'unj>en ist der Llanero lebhaft und voll 
von einer gewissen natürlichen Anmut, .galant und leidenschaftlich 
nach seiner Weise; frei,u;ebig' gegenüber seiner qurrida, seiner Ge- 
liebten oder seinein Weibe, aber stets fort Don Juan und auf Er- 
oberungen erpicht. Dem Spiel und dem Vergnügen gibt*er sicli bei 
den ihm so selten dargebotenen Gelegenheiten mit Passion hhi. 
So kannte ich in der hacienda Los Pavitos einen jungen, aufge- 
weckten Burschen von etwa l(i Jahren, der dort während eines halben 
Jahres gearbeitet und sich einige Dollars verdient hatte. Dieser 
Bursche, fast noch ein Knabe, kam nun um Weihnachten nach Villa- 
vicensio und begann da in einer unserm Hause gegenüber liegenden 
Schenke anisado (Schnaps mit Anis) zu trinken. Verschen zu singen 
und dazu tiple (eine kleine Guitarre) zu spielen. Er spielte die ganze 
Nacht unaufhörlich, sang und kneipte; morgens zwischen 7 und 8 Uhr 
sang er noch weiter .... Nachmittags :» Uhr begegneten war ihm 
in der Umgebung, wie er ganz ergeben auf seinem Tiere davonritt. 
Er hatte aus all dem mühsam ersparten Lohne einzig einen braunen 
Filzhut kaufen können, den er uns lächelnd zeigte. Von Reue über 
das weggeworfene Geld und die durchgebrachte Nacht war nichts 
zu sehen. Im Gegenteil ritt der Bursche selbstbewusst und fröhlich 
davon. 

Besonderes Talent hat der Llanero zum raschen Begreifen und 
Reden. Ausspotten und höhnen dünkt ihn lustig. Namentlich liebt 
er Gesang, Poesie und Musik, aber er übertreibt dann seine Gedanken 
und ist nur einfach in der Vergleichung mit der Natur; sonst 
schneidet er möglichst auf. Seine heroischen Strophen (galerones) 
handeln grosssprecherisch von einem Stier, einem Pferde, einer Lanze, 
einem Weibe, einem Zweikampfe. Bald heisst es darin, er fasse die 
Kaimane nur so mit der Hand, bald, er töte Tiger mit einer Ohr- 
feige, bald, er lasse mit einem Fusstritt einen Stier einige Meilen 
weit fliegen. Alle diese Verse, die originellsten, kleinen zwei- oder 
vierzeiligen Strophen improvisiert er mit erstaunlicher Leichtigkeit 
und Sicherheit. Er begleitet deren singenden Vortrag mit den mar- 
racas (Rohre, mit Steinen oder Körnern gefüllt, und im Takte ge- 
schwungen), mit dem tiple oder der handola, kleinen Guitarren, die 
entweder geschlagen oder mit einem Hornfederchen gezwickt werden. 
Seine Stimme ist stark, da sie weithin vernehmbar sein muss. Seine 



_ 51) 

Aussprache ist etwas sonderbar. Statt 11 sagt er y {cabajo statt 
caballo, cabcdjo), er spricht s, r und 1 am Ende der Worte nicht 
aus, sagt statt ido und ado in den Endungen io und ao und spricht 
sie in langgezogenem, singendem Tone. 

Der Llanero vergegenwärtigt das Uebergangsstadium zwischen 
unserer Kultur und der Barbarei der wilden Indianer, zwischen Ge- 
setz und absoluter Freiheit, zwischen Gesellschaft und Einsamkeit, 
zwischen gänzlicher üngebundenheit und all unsern zum Teil kon- 
ventionellen Beschränkungen wie Mode, Polizeiverordnungen, Par- 
lamentarismus etc. Seinen Kulturstandpunkt illustriert sehr hübsch 
folgende Anekdote, welche von dem gut katholischen Blatte La Nacion 
in Bogota veröft'enthcht wurde. Kommen da eines Tages zwei ganz 
unwissende Lianeros in ein Dorf des Innern des Landes und sehen 
zum ersten Male eine Kirche. Verwundert betrachtet der eine, der 
zuerst hineinzutreten wagt, die Kostbarkeiten des Dorfkirchleins. 
Da kommt der Geistliche, befragt ihn um seine Herkunft u. s. w. und 
will dann auch sehen, wie es um seinen Glauben stehe. „Glaubst Du, 
dass unser Herr Jesus misshandelt und gekreuzigt wurde und am 
dritten Tage auferstanden ist?" fragt er den Lianeros. Dieser ant- 
wortet ganz ausweichend und sucht sich eiligst der Gesellschaft des 
Geistlichen zu entziehen. Draussen findet er seinen Gefährten und 
sagt zu ihm : ^,Du, nimm dich in Acht, wenn du in die Kirche gehst. 
Sage ja nichts! Sie sind eben dran, eine Untersuchung vorzunehmen 
über einen Mord!'^ . . . 

So ist eben der Llanero ein Naturtypus, eine Mischung von 
Civilisation und Naturwüchsigkeit; seine Augen sprühen bald wilde 
Leidenschaften, bald wieder höchste Milde und Naivetät. Behandelt 
man ihn liebevoll, so ist er der sanfteste, uneigennützigste und 
treueste Mensch und Freund. Beschimpft man ihm, so wird er zum 
Tiger. Bei ihm ist noch fast alles Instinkt ; er kennt nicht die lange 
Ueberlegung oder das abwiegende und abgewogene Handeln des 
Kalturmenschen. 



Die rechten Llaueros sollten wir erst noch kennen lernen. Am 
Tage nach Neujahr 1.S84, das ganz still vorl)eigegangen war und auch 
als ein Zeitabschnitt im Sommer nicht besonders gefeiert wird, 
machten wir uns wieder nach der Farm Los Pavitos auf, ritten aber 
fast ununterbrochen Ki Stunden lang in der Richtung gegen den 
Meta zu. Zu essen bekamen wir beinahe nichts. Ausgezeichnet schmeckte 
aber der in den Taschen der Lederhosen (.mmarros) aufbewahrte 



(50^ 

llühzuckor, die pitnda, welche Hunger und Durst zu stillen schien. 
Wir ritten an der Loma vorbei, einem mitten in der Ebene gelegenen, 
mit l'rwald last verdeckten Hügel von etwa 20 Meter Höhe, der als 
der einzige seiner Art auf viele Stunden hin sichtbar ist. Hinwieder 
sahen wir den Wassern entlang Palmenalleen, Tempelsilulen, Dome 
hihkMid. Hie und da, um die Lagunen lierum, erhoben sich wahre 
Ami)hitheater oder llundplätze von moriches. 

Am zweiten Tag-e, morgens gegen U) Uhr, gerieten wir in 
dichteres Gras hinein, das bald dem Reiter bis an die Brust reichte. 
Das Vordringen der Tiere war äusserst erschwert. Eine Zeit lang 
glaubten wir unsern Pfad verloren zu haben, und es bemächtigte sich 
unserer eine gewisse Aufregung, da wir nur Himmel und Gras um 
uns sahen. Endlich konnten wir uns durch in der Ferne winkende 
Palmen orientieren. Während wir im hohen Grase uns mühsam 
vorwärts arbeiteten, sahen Avir ganz nahe einen Tapir, danta, der aber 
entfloh. In unserer Lage dachten wir nicht daran, ilni zu verfolgen. 
Sein Fleisch, hiess es zudem, sei nicht schmackhaft. 

Um die nämliche Zeit begannen die Passatwinde von Osten, d. h. von 
der Meeresküste her, zu blasen und gaben uns ziemliche Kühlung. Diese 
Sommerwinde, die während sechs Stunden täglich wehen, sind in dieser 
tropischen Hitze gar angenehme Reisebegleiter. Nachdem wir gegen 
Mittag eine recht sandige, dürre Wüste (vega) voller Schlangen passiert 
hatten, näherten wir uns einem Arm des Rionegroflusses, der hier 
in der Ebene langsam und träge dahinfliesst. Da derselbe eine lange, 
aber sehr enge Windung bildet (wie die Aare bei der Felsenau) und 
die eingeschlossene Halbinsel ganz mit Urwald bedeckt ist, so war 
der Ritt im kühlen Schatten mit dem Ausblick auf den Strom zu 
beiden Seiten, der hier und da durch das Blätterwerk schimmerte, 
ein wahrer Hochgenuss. 

Gegen 2 Uhr nachmittags gelangten wir vorn an die Spitze der 
Windung. Der Fluss mochte dort etwa oü Meter breit sein. Wir 
riefen mit lauter Stimme hinüber, um unsere Ankunft anzuzeigen. 
Niemand erschien. Nach halbstündigem Warten entschloss sich unser 
Freund Abadia, der Gaucaner, entweder eine Furt aufzusuchen, um 
mit unseren Tieren überzusetzen oder aber jenseits des Flusses irgend 
einen Kahn ausfindig zu machen, dessen Vorhandensein man annehmen 
konnte. Er warf sich ins Wasser, schwamm hinüber und fand richtig 
eine ccuioa (langer Kahn aus einem ausgehöhlten Baumstamme), in 
welchen wir unsere Sättel warfen und übersetzten, die Tiere zum 
Schwimmen nötigend. Wir klommen die kleine Anhöhe auf dem 
andern Her hinan und nach einem Ritt von 20 Minuten erreichten 
wir die mitten in den Llanos stehende P'arm Jacuana, gebildet aus 



_61 

einem rcuicJio (palmstrohgedeckte Hütte), einer Küche und vielen 
Einfriedungen, Diese Farm bildete den Mittelpunkt einer grossen 
Besitzung, in welcher nach ungefährer Schätzung bei zehntausend 
Rinder weideten. Antonio Rojas, ein Typus eines Lianeros, nahm 
uns auf und hiess uns willkommen. 

^Yie erstaunten wir zu vernehmen, dass wir einer grossen Gefahr 
entgangen waren. Etwa 20 Meter weiter aufwärts von der Stelle, 
wo Abadia einen Kahn losgelöst hatte, ging nämlich eine sehr gut 
passierbare, uns leider unbekannte Furt durch. Zwischen derselben 
und der Kahnstelle hauste ein mächtiger Kaiman, der erst am Tage 
vorher einem Hund der Farm aufgelauert und ihn verspeist hatte. 
Trotz Aufsteilens vieler Fallen mit vergiftetem Fleisch, trotz vielen 
Nachstellungen hatte man bisher den bösen Gast nicht töten können. 
Abadia war also, bei seinem Hinüberschwimmen, Gefahr gelaufen, 
nicht nur von einem elektrischen Fische, deren es dort viele gibt, 
getroffen, gelähmt und dann vom Wasser weggeschwemmt, sondern 
auch vom jagdmachenden Kaiman verzehrt zu werden. Wir waren 
sehr froh, dass unserm Freund keine Unbill zugestossen und nahmen 
uns aus dem Vorgang eine ernste Mahnung. 

Wie wir am nämlichen Abend plaudernd um die Hütte lagen, 
die einen in den Netzhängematten (ckincJiorros), die andern am Boden, 
rief plötzlich Antonio Ptojas: „Sie sind drüben auf der andern Seite 
des Flusses." Wir strengten unser Gehör umsonst an, um zu ver- 
nehmen, was gehört werden könnte; Antonio lauschte wieder ; dann 
rief er bestimmt : „Es ist der Neger Brizuela, der kommen soll, um 
das Vieh zu zeichnen." Wir legten uns auf die Erde, wir spähten. 
Nichts war hörbar. Antonio liess einen lauten Faif erschallen, dann 
behauptete er, die späten Ankömmlinge hätten einige Hunde bei sich 
und näherten sich nach geraumer Zeit unserer Hütte. Erst als die 
zwei Knechte (peones) ganz nahe waren, merkten wir ihre Anwesen- 
heit. Hätte ich dieser erstaunlichen Gehörprobe nicht selbst beige- 
v/ohnt und konstatiert, dass Antonio auf eine Distanz von einer halben 
Stunde, allerdings bei Nacht und völliger Stille, die verscliiedenen 
Stinmien unterscheiden konnte, so würde ich das Ganze für eine 
unmögliche Leistung halten; so blieb meinen Gefälirten und mir 
niciits übrig als die organische Vortretilichkeit dieses Sinnesorgans der 
Lianeros zu bewundern. 

Unsere Hütte war sehr einfach, aber merkwürdig möbliert. Ich 
sddief auf einer Pritsche, die mit einer doppelten Schicht von Fellen 
belegt war. Da waren Felle von Jaguaren, von pumas oder ameri- 
kanischen Löw^en, von schwarzen Bären und von langhaarigen, wie 
mit Stroh behaarten Ameisenbären. Man schlief mit träumender 



1)2 

Phantasie ein und genoss eine vorzü.uliche Nachtruhe. In der zweiten 
Nacht aber sollten wir unsanft aus derselben i^estört werden. Es 
ertönte phitzUch der Ruf „Feuer", und wir erwachten inmitten eines 
entsetzlichen Qualmes. Ich ergriff meine neben mir liegende Brille und 
fühlte im gleichen Moment einen durchdringenden Stich in der Hand. 
Wir sprangen hinaus ins Freie, schlaftrunken und unwissend. Das 
Feuer war unterdessen rasch gelöscht worden. Es war eine Kerze 
auf eine Kor bHa sehe als Kerzenstock gesteckt gewesen, und der In- 
halt hatte Feuer gefangen; durch den aufsteigenden Rauch aber 
waren die im Dachgiebel unter dem Palmstroh nistenden grossen 
Wespen aus ihren Nestern aufgescheucht worden und stürzten sich 
auf ihre vermeinthchen Angreifer. Abadia war zuerst gestochen und 
aufgeweckt worden; er machte Lärm, glücklicherweise frühzeitig 
genug, um uns vor grösserm Schaden in diesem rancho zu behüten, 
der ja wie ein Kartenhaus aufgelodert hätte. Die gestochenen Stellen 
schwollen bedenklich an und waren sehr schmerzhaft. Abadia war 
in die Backen gestochen und machte unwillkürlich Grimassen, die 
grosse Heiterkeit erregten. 

Zwischen 5 und Uhr morgens stand Antonio Rojas an unserm 
Lager mit einem Halbkürbis (totunia) voll schwarzen Kaffees, den wir 
mit Behagen tranken. Es ist der beste Kaffee, den ich je genossen, 
und Alle, die in den gleichen Fall kamen, werden dieses, immerhin 
subjektive, durch die Zeit, die Umstände und das dortige Leben be- 
beeinflusste Urteil bestätigen. Gegen G Uhr stand man auf und 
nahm ein Gläschen aguardiente (Feuerwasser, Schnapsj aus einer 
Flasche, in welche viele Kräuter eingelegt waren, welche gegen 
Fieberanfälle gut sein sollten. Dann ritt man aus; erst später 
frühstückte man. Man sass dabei allerdings etwas unbequem, die 
einen auf dem Boden, die andern auf den Panzern der Landschild- 
kröte, die eingefangen und gemästet wird, um als Leckerbissen ver- 
zehrt zu werden. Schliesslich dient das Knochengerüste als Schemel. 
Ich sah tortiigas (Schildkröten), die (i() cm lang und 4ö cm breit 
waren und ausgezeichnete Schalen, allerdings von erdgrauer, unan- 
sehnlicher Farbe lieferten. 

Der von der Jacuana aus zu unternehmende Hauptausflug galt 
diesmal dem grössten Nebenfluss des Orinoko, dem Meta, den man 
in circa zweieinhalbstündigem Ritt gen Norden erreichen konnte. 
Auf dem Wege dahin frühstückten wir in einem kleinen Schuppen 
(vier Pfählen mit Palmstrohdach), in welchem verschiedene Tiger- 
schädel lagen, aus denen ich nicht ohne grosse Mühe mit Kiesel- 
steinen Zähne ausbrach, die in der Heimat zu Schmucksachen ver- 
arbeitet wurden oder mein Museum zieren. Dabei erzählte man sicli 



Ü3 

Tigerjaiidgeschichteii, die ich hier nicht wiedergebe, weil sie gewöhn- 
lich in Europa spöttisch überlegenem, ungläubigem Lächeln begegnen, 
so sehr sie auch für denjenigen, der sie aus dem Munde der ganz 
natürhch erzählenden Panipasbewohner vernommen, den Stempel der 
Wahrheit an sich tragen. 

Unter muntern Gesprächen gelangten ^wir etwa um 2 Uhr nach- 
mittags an den Metatluss, an einen Punkt, der la Bandera genannt 
wird. Wir waren circa 45 Stunden von der Hauptstadt Bogota und 
circa 362 Stunden von der Mündung des Orinoko in den Ozean ent- 
fernt. Aus dem den Fluss begleitenden, gegen den Strand hin sich 
senkenden Wald heraus traten wir auf eine etwa acht Fuss über dem 
Flussniveau sich erhebende Sandbank. Der Meta ist hier etwa 
200 Meter breit, romantisch und wild wie der untere Magdalena ; seine 
Wasser sind wie die jenes Flusses schlammig und trüb. In denselben 
tummelt sich ebenfalls der Kaiman herum, und wir sahen einen 
grossen Vertreter dieser hässlichen Flussräuber unten im Flusse 
schwimmen. Wir banden die Maultiere und Pferde an die Bäume 
entledigten uns der samarros (Reitlederhosen), legten uns auf 
dieselben nieder, betrachteten das uns gebotene Naturschauspiel und 
plauderten gemächlich von der Zukunft des Flusses. 

Der Meta ist bis hieher gewiss schilf bar, wenn auch die vielen 
Windungen und Sandliänke die Fahrt nur ganz kleinen Dampfern 
ermöglichen. Wie wichtig ist diese Verkehrsstrasse! Jetzt muss 
man, um nach Ciudad ßolivar oder Angostura am Orinoko, wohin 
die grossen Dampfer vom Meere aus noch hinkommen, hinunterzu- 
fahren, einen vollen Monat in den unbequemen Ruder- oder Segel- 
booten zubringen, der Hitze und der Mosquitoplage ausgesetzt ; beim 
Aufwärtsfahren und bei ungünstigen Winden dauert die Fahrt noch 
länger. Wie viel kürzer wäre dieselbe auf einem Dampfer. Von dem 
Landungsplatz, wo wir uns befinden, könnte ein guter Reiter in 3 — 4, 
Lasten in s Tagen die Hauptstadt Bogota erreichen. Das Innere des 
Staates Colombien hätte dann wenigstens zwei grosse Zufahrtsstrassen, 
den Magdalena und den Orinoko-Meta. Nicht umsonst hat Herr Bonnet, 
ein französischer Handelsmann, auf dem Meta viele Waren eingeführt, 
angelockt durch die versprochene Zollfreiheit, die für das grosse 
Risiko einigermassen Ersatz bieten sollte. Bei dieser Aussicht auf 
kommerzielle Vorteile war es denn auch nur eine Frage von Monaten, 
dass ein Dampfer, den Herr Bonnet bestellt, hieher gefahren wäre. 
Die Regierung hob aber die Zollfreiheit dieses „Hafens'' wieder auf 
und störte dadurch die Privatinitiative auf die empfindlichste Art. 
Noch heute ist das Projekt, für das Herr Bonnet uiiermüdhcli arbeitet, 
nicht verwirklicht. 



(il 

Wir spriicheii ferner von allerlei -laj^den, iiiul es wurden dabei 
auch die Wildschweine, yff/>a?vV.s' oder cafac/ics, erwähnt, die in grossen 
Herden durch die Wiilder ziehen, den Rüssel zur Krde geseidvt. 
Aufgehalten durch einen Schuss oder dgl., schauen sie empor und 
wehe demjenigen, der nicht irgend einen Anführer derselben weg- 
schiesst! Sie stürzen auf ihn los. umlagern den Baum, auf den er 
sich getiüchtet, zernagen denselben, fallen über den Unglücklichen 
her und zerfleischen ihn. Wer aber bei ihrer Annäherung auch nur 
einen Meter hoch auf einen Baumstamm steigt und sich ruhig ver- 
halt, der wird nicht bemerkt und sieht die Herde vorüberziehen. 

Hierauf fingen wir an, auf langbeinige Störche jenseits des Flusses 
zu schiessen und dem Kaiman im Flusse drunten einige Kugeln zuzu- 
senden. Unterdessen hatte sich ein Geräusch erhoben, das dem Trampeln 
einer Viehherde glich und immer näher kam. Auf einmal riefen die beiden 
Llaueros aufspringend und ganz bestürzt: „Los cafuches, los cafuches! 
(Die W^ildschweine, die Wildschweine!) Los cabaUos, los cahallos! 
(Die Pferde, die Pferde!)'^ Wir vier „Bogotaner^^ stürzten uns auf 
die sechs Reittiere, während die zwei Lianeros die zwei mitgebrachten 
Gewehre ergriffen und sich ins Dickicht hineinwarfen. In aller Hast 
und mit grosser Mühe konnten wir in die pjamarros schlüpfen, die Tiere 
losbinden, uns hinaufschwingen und den Wald hinauf ins treie Feld 
hinausgaloppieren. Da ich meinen Revolver bei mir hatte, kehrte 
ich zu Fuss zurück, um mit den Lianeros zusammen zu kämpfen. 
Ich kam gerade in demselben Momente wieder bei denselben an, wo 
die Bestien rechtsumkehrt machten und in wilder Flucht grunzend 
davonjagten, w^obei wir durch Flinten- und Revolverschüsse noch 
einige verwundeten. Wir standen an einem etwa zwei Meter breiten, 
nur etw^a einen Meter tiefen Graben. Diesseits die beiden Lianeros. 
Die wilde Herde w^ar herangekommen, und schon hatte eines der 
Tiere den Graben passiert, da mein Gevatter Fernandez in der Auf- 
regung den Mechanismus des Hinterladers vergass, der darin bestand, 
dass zum Losdrücken zuerst eine bestimmte Feder berührt werden 
musste. Schon hatte ein Eber seine Zähne in die Wade von Antonio 
Rojas gebohrt, der bedeutend blutete, als es durch einige gute 
Schüsse gelang, die Schweine zum Umkehren zu bewegen. Es blieb 
uns diese Umkehr rätselhaft, da sonst die Tiere nicht Kehrt machen. 
Wir konnten dieses Glück uns nur dadurch erklären, das eines der 
kleinsten Tiere, das vorangelaufen war, der Chef der Bande war, 
obschon er keinen weissen Fleck auf der Stirne trug, wie dies bei 
den gewöhnlichen der Fall sein soll. Ist der Chef getötet, dann 
reissen die Tiere aus, wie das wohl hier geschah. Die FKehenden 
mochten 800—400 an der Zahl betragen und sprangen davon, dass 



65 

der Boden zitterte. Auch wir zitterten. Wir hatten ein grosses Tier 
und den kleinen „Anführer" getötet und ein anderes Tier schwer 
verwundet. Auf unserer Seite zählten wir die Verwundung von 
Antonio, den Tod eines Hundes und die schwere Verwundung eines 
reizenden schwarzen Hündchens, das ganz zerfetzt war. Die übrigen 
Hunde, wohl dreissig an der Zahl, unansehnliche, kleine, aber sehr 
zuverlässige und zur Jagd abgerichtete Tiere, waren unversehrt. 
Nun schleiften wir die beiden toten Schweine mit Anstrengung ans 
Ufer hinunter. Das grössere wog gewiss mehrere Centner; es war 
kleiner als die Wildschweine, die ich in Europa gesehen, aber ebenso 
hässlich und mit ebenso spitzen Hauern. Dann riefen wir die auf 
der Haide wartenden Kameraden mit den Pferden wieder herbei. 
Man nahm die Eber aus, hieb jedem ein Paar Schenkel ab, band diese 
zusammen und legte sie auf den Ptücken je eines Pferdes hinter den 
Sattel. Das übrige Fleisch wurde dagelassen. Dann wurde der 
Rückzug angetreten. Ich nahm das verwundete Hündchen auf den 
Sattel, es winselte jämmerlich; am folgenden Tage starb es. 

Auf der Farm genossen wir das Fleisch der cafuches und fanden 
es, entgegen der landläufigen Meinung, saftig und gut; doch assen 
wir wenig davon, es hatte niemand so rechten Appetit, wenn er 
an diesen Ueberfall dachte, der übel hätte enden können. Wären 
wir auf Bäume geklettert, so hätten unsere Reittiere in der Angst 
gegen die Schweine ausgeschlagen ; diese hätten aufgeschaut und uns 
belagert. In den Fluss konnten wir auch nicht, denn da hauste der 
Kaiman. Ein schalkhafter Streich hätte die Lage noch komplizieren 
können. Der Gymnasiast Simon Restrepo hatte uns Allen während 
der Reise mancherlei knabenhaften Schabernak angethan. Einer der 
Mitreisenden dachte am Meta-Ufer, er wolle ihm dies vergelten, und 
schnallte seinem Pferde den Bauchgurt auf. Wie wir nun in aller 
Hast den Wald hinaufflüchteten, da glitt der Sattel des jungen 
Restrepo mit demselben hinten über das Pferd herab. Glücklicher- 
weise nahm weder der Reiter Schaden, noch entrann das Pferd. Der 
mutwillige Junge musste aber mitten in aller Gefahr sein Tier noch 
geschwind satteln, um zu entkommen! 

VI. 

In zwei folgenden Tagen unternahmen wir noch Ausflüge in einer 
andern Richtung. Einmal nach einer grossen Lagune Dunasita, die 
ca. r, stunden lang ist, also einem See gleicht. Wie eigenartig war 
dieser See I Palmwälder rahmen ihn ein in graziöser Umfassung. Im 
Morast seiner Ufer hausen die grossen Boas. Wir schössen auf viele 

XI. Jahresttericht d. Goofr. fies. v. Bern, isiil— 1892. 5 



GG 

Wildenten, die henuntlojicn und .unr keine Miene machten, zu cnt- 
tiiehen. Ich traf eine soU-lie etwa :'A) Schritte vor mir auf sclicinbar 
tnukenem Uferboden. Zum Glück warnte man mich, sie zu liolen^ 
denn plötzlich erhob sich etwas wie ein Kopf aus dem Morast und 
weg war die Ente. r)er lloa wünschten wir gute Mahlzeit. 

Am dritten Tage endlich ritten wir bis zum cano Fachaqularo und 
zwar auf dem Wege, der zur Farm der compania de Colomhia, der grössten 
Grundbesitzerin dieses Teiles der Llanos und nach dem Dörfchen San 
Martin führt. Um die Mittagszeit lierum standen wir am genannten 
Flüsschen (cano), das, wie einer unserer Gebirgsbäche bei gutem 
W^etter, kristallklar fliesst. Wären wir nicht zu erhitzt gewesen, so 
hätten wir uns zum Bade in das einladende Wasser gestürzt. Wii- 
thaten es glücklicherweise nicht. Etwa eine halbe Stunde waren wir 
am heissen Strande gesessen und hatten unser Mittagsmahl zuzu- 
bereiten begonnen, als wir im Flusse etwas sich regen sahen. Wir 
gaben Feuer und sahen bald einen Körper ans Ufer treiben. Es war 
ein kleiner Kaiman, cachirro genannt, jener Art angehörend, die auch 
die Stromschnellen passieren und in den obern Flusslauf hinaui- 
dringen kann. Wir feuerten noch mehrere Schüsse auf den Ver- 
wundeten ab. Als er nahe am Ufer war, trat ich herzu und sandte 
ihm eine Kugel senkrecht auf den Schädel, der durchbohrt schien. 
Wir zogen den vermeintlich Toten ans Land. Es war ein schmales 
Tier von etwa einem Meter Länge, aber mit verderbendrohendem 
Rachen. Ordentlich fuhren wir zusammen, als es auf einmal mit dem 
Schwänze den Sand zu peitschen begann ! Einer band einen Strick an 
diesen Körperteil und zerrte das Tier umher. Noch fast zehn Minuten 
schlug es um sich und zwar einmal mit solcher Gewalt, dass einer 
der Uusrigen umgerissen wurde. Endlich verendete es. Das gab 
uns eine Idee von der bekannten Zählebigkeit der grossen Kaimane. 

Auf diesen Streifzügen hatte uns auch ein Jüngling begleitet, 
dem ich einige Worte widmen muss. Er hiess Macstre, Meister! 
Woher hatte er diesen Namen ? Maestre war ein Kind eines wilden 
Indianerstammes. In der That wohnten wir nur eine Tagreise von 
denselben weg, und der benachbarte Stamm kam immer nach der 
Farm, um Vieh zu stehlen. Wegen der Einsamkeit, in der sich Antonio 
Rojas den grössten Teil des Jahres hindurch befand, und wegen 
seiner geringen Knechteschar musste er suchen, mit den Wilden gut 
auszukommen und die Züchtigung auf später zu verschieben , denn 
Selbsthtilfe hätte nur dazu geführt, dass ihm eines Tages das Haus 
über dem Kopf angezündet worden wäre. Ich könnte nun über diese 
wilden Indianer, die Guahivos, Salivas, Cabres, Achaguas, Chucumas 
Vieles berichten, das ich von durchaus glaubwürdigen Leuten gehört. 



Ich unterlasse es, weil ich nur Selbstgeschautes erzählen und nicht 
gewisse Reisende nachahmen will, von denen ich ganz sicher weiss, 
dass sie nie bei jenen Wilden waren, die aber dennoch ganze Seiten 
über sie berichten, ja sogar Abbildungen von ihnen zum Besten 
geben ! Der einzige wilde Indianer, den ich sah, war Maestre. Antonio 
Rojas war einst über Feld geritten und befand sich in der Nähe des 
Indianerdorfes, als ein Knabe weinend aus einem Gebüsche trat und 
ihn um Scluitz anflehte. Antonio nahm ihn mit sich und lehrte ihn 
etwas spanisch, da er natürlich kein Wort dieser Sprache verstund. ' 
So erfuhr Antonio, dass der Vater des Knaben wegen irgend einer 
Blutrache getötet und letzterer ausgesetzt worden war. Maestre 
wurde nun auf der Farm zur Arbeit angehalten und arbeitete auch 
langsam, aber tleissig. Vor einem Jahre war er vom Pater Vela 
notdürftig in der Christenlehre unterrichtet und getauft worden. 
Jetzt war er ein schöner, kräftig gewachsener Jüngling von etwa 17 
Jahren, ganz dunkelbraun, mit grossem, fast viereckig scheinendem 
Kopf, schlaffen, schwarzen Haaren, breiten Schultern und prächtiger 
Muskulatur, ein Naturkind im wahren Sinne des Wortes. Maestre 
aber blieb stets schweigsam, sprach fast nichts, und es schwebte über 
seinem Gesichte eine Wolke von Melanchohe, welche nie einem 
Lächeln wich. Auf unsere teilnahmsvollen Fragen gab er nur kurz 
und ausweichend Antwort. Antonio folgte er wie ein Hündchen. 
Ritt derselbe nach Villavicensio und gab er ihm Befehl, bei irgend 
einer Palme auf dem ISstündigen W^ege seiner zu warten, so war er 
sicher, dass beir Rückkehr Maestre unter dem bezeichneten Baume 
lag, mochte er auch stundenlang gewartet haben. Er war eben im 
höchsten Grade geduldig wie jeder Indianer. Man hat uns später 
über ihn erzählt, er habe eines Tages voll Sehnsucht zu Antonio 
gesagt, er wolle hinziehen zu seinem Stamme, um sich zu ver- 
heiraten 

Der Tag der Abreise rückte nur zu schnell für uns heran, denn 
wir hatten uns schon sehr an dieses Streifleben gewöhnt und fühlten 
uns auch gesund wie die Fische im Bache. Den Rückweg schlugen 
wir über Los Pavitos ein und brachten dort den Sonntag der h. Drei 
Könige zu. Eben sassen wir draussen im Hofe beim Frühstück, 
einer golden gebratenen Henne den Garaus machend, als ein Bote 
heransprengte mit der Meldung, el tiyre, d. h. der Jaguar hätte auf 
einer benachbarten Dependenzfarm in der letzten Nacht ein grosses 
Kalb zerrissen. Aufspringen, die Waffen nehmen, die Tiere satteln, 
die Hunde zusammenrufen, war das Werk weniger Minuten ; wir 
ritten mit den Boten auf die eine Stunde entfernte Farm zu. Die 
Sonne brannte füi'chterlich. Ge^en 1 Fhr kamen wir an Ort und 



Stelle. Iviihi.u' weidete die Herde. Da fiilivten uns die llimde mit 
lautem Gelieul au eine Stelle, wo das Gras zerstampft und blutiii 
war. Man sah, dass liier der Tij^er seine Beute gepaekt und sie trotz 
verzweifelten Widerstandes weiter gegen den Wald zu geschleppt 
hatte. Wir folgten der Schleifspur im Grase und kamen etwa so 
Schritte weiter zum Kadaver des Oi)fers. Da lag es mit geöfl'neter 
Brust, deuu der Jaguar liest sich immer zuerst diese für ihn schmack- 
hafteste Stelle des Bindes aus. Die Eingeweide hingen heraus, und 
schon waren die Aasgeier versammelt, die leckere Speise zu ver- 
zehren. Vier Mann hatten Mühe, das robuste Opfer nur einige Zoll 
hoch vom Boden zu erheben, so schwer war es. Der Tiger war auch 
ob der Arbeit, es in den Wald zu schleifen, erlahmt und hatte etwa 
00 Meter vom Walde entfernt seine Beute verlassen müssen. Er 
hatte sich gesättigt oder war über seinem Schmaus gestört worden 
und wollte wahrscheinlich in der folgenden Nacht zurückkehren. 

Nun ging es in den Wald hinein. „Aber wo ist der ijerro tigre, 
der Tigerhund?" hiess es von allen Seiten plötzlich. Durch eine 
unverzeihliche Nachlässigkeit hatte man gerade den wichtigsten von 
allen lU)— 40 Hunden in Los Pavitos zurückgelassen, denjenigen, der 
die Fährte des Tigers aufspüren sollte. Man musste wieder auf die 
Farm nach ihm schicken. Erst um 3 Uhr kam er herbei. Er 
schnüffelte lange und heulte zum Himmel, dann ging er resolut in 
den Wald hinein, die Meute stürzte nach, hinter ihr die Jäger. Zwei 
volle Stunden liefen wir nun in dem Wald herum, die einen mit 
offenem Gewehrhahn, ich mit gespanntem Revolver. Es war im 
Walde kein Weg vorhanden ; wer nicht schnell den Voraneilenden 
nachlief, der verlor sie im Gebüsch aus den Augen und stand ratlos 
da, nur durch das Hundegebell zur Orientierung gebracht. Ein 
Straucheln, und die Waffe konnte sich entladen. Zwar war nicht zu 
befürchten, dass der Jaguar, gesättigt wie er war, uns angreifen 
würde; das thut er nur, w^enn er Hunger hat, im Notfalle. Es war 
auch nicht anzunehmen, dass er von oben herab, von den Zweigen 
eines Baumes, aus auf uns herabspringen würde ; er musste irgendwo 
in einem Schlupfwinkel liegen. Dennoch waren es zwei recht un- 
heimelige Stunden, die wir im Walde derart zubrachten. Leider 
verlief das Suchen resultatlos. Der Tigerhund w^ar zu spät am Nach- 
mittage zur Fährte gekommen. Die Sonne hatte mit ihrem Brand 
den Geruch schon verflüchtigt. Wir mussten leer abziehen! An 
einem der folgenden Tage aber wurde der Jaguar, nachdem er noch 
einmal ein Kalb getötet, erlegt, und das Fell blieb in unsern Händen. 

Es ist die Jagd auf Jaguare nicht so gefährlich, wie man ge- 
wöhnlich annimmt. Die Hunde stöbern den Bösewicht auf und treiben 



69 

ihn gegen irgend einen Felsblock oder einen Baumstamm, wo er sich 
verschanzt. Sic umstellen ilni im Halbkreis und bellen ihn wütend 
an, damit er nicht entwische. Hie und da wagt sich ein Hund zu 
weit vor, der Jaguar erhebt seine Tatzen, holt aus und zerreisst den 
Unvorsichtigen. Bei jeder Jagd gehen so einige Hunde zu Grunde. 
Die Jäger, mehrere an der Zahl, nähern sich den Hunden und 
schiessen über diese hinweg im Rotten- oder Salvenfeuer die Bestie, 
die sich selten zum Sprunge entschliesst, nieder. Man braucht nur 
ruhigen Blutes zu bleiben. Etwas anderes ist es, wenn der Jaguar 
auf offenem Felde jemanden anfällt. Da soll er durch Geistesgegen- 
wart des Angefallenen nur dadurch aus der Fassung gebiacht werden, 
dass letzterer, während der Tiger den grossen, sicher bemessenen 
Sprung auf seine Beute ausführt, ja nicht vorher, einen lauten Schrei 
ausstösst, wodurch das Tier zusammenschreckt, die Sicherheit des 
Sprunges verliert, an der Seite des Angegriffenen niederfällt und nun 
von diesem durch eine rasche Wendung mit der Lanze oder dem 
Waidmesser in die Flanke gestochen wird. Dies wird namentlich von 
einer Frau erzählt, die noch in den Llanos lebt und die im ent- 
scheidenden Augenblicke ihrem Manne die Lanze aus der Hand ge- 
nommen und das Raubtier erlegt habe. 

Gesättigt von all diesen Eindrücken gelangten wir nach Villa- 
vicensio zurück, wo die Familie Rojas nicht wenig erstaunt war, mich 
so munter zu treffen, da ich beim Wegzug einen Fieberanfall gehabt, 
aber dennoch auf der Beteiligung am Streifzuge bestanden hatte. 
Zur Fürsorge nahmen wir alle Chinin; es mochte dies auch nicht 
unnütz sein, denn zu unserm Leidwesen mussten wir erfahren, dass 
einige Tage später in der gleichen Farm Jacuana, nahe beim Meta, 
einige von den Arbeitern, peones, die zum Zeichnen des Viehes an- 
geworben worden waren, wohl infolge von Durchnässung oder üeber- 
anstrengung von heftigen Fiebern befallen worden waren. Und 
in der gleichen Hütte, wo wir so gesund und frisch gelebt, lagen 
einige Tage darauf drei Leichen, diejenigen von zwei Erwachsenen 
und diejenige eines jungen Burschen. Ein anderer hatte noch nacli 
einem halben Jahre mit dem Fieber zu thun. Und doch waren die 
Opfer Bewohner des Landes selbst, nicht Zugereiste wie wir! Dieser 
Vorfall warf auf all das Geschehene und Erlebte einen düstern 
Schatten .... 

Vll. 

Meine Eindrücke über die Llanos kann ich folgenderniassen zu- 
sammenfassen. 



dewiss sind die Llaiios iiiclit gerade ungesund zu nennen; sie 
sind gesunder als ihr Kuf. wenigstens in den trockenen Monaten. Es 
genügt, sich dann vor Exzessen jtujlidicr Art zu hüten, die grösste 
Massigkeit, namentlich in Bezug auf geistige Getrilnke, zu beobachten, 
Insolationen oder langes Durchnüsstsein, namentlich nasse Eüsse zu 
vermeiden; es genügt, zur rechten Zeit, nach der dortigen Methode 
lU'echmittel zur Säuberung des Magens und dann darauf Chinin ein- 
zunehmen, Abreibungen mit Branntwein zu machen, nur Wollenzeug 
zu tragen, früh zu Bette zu gehen, früh aufzustehen und sich 
möglichst zweckmässig zu baden, um leidlich gut davon zu kommen. 
Aber für denjenigen, der immer in den Llanos leben muss, ist doch 
das ganze milieu kein durchaus gesundes. Das beweisen namentlich die 
Frauen, die fast alle bleich und blutarm sind und schnell verwelken. 
Es ist richtig, dass die Llanos eine ziemlich gleichartige Temi)eratur 
haben und dass man dort nicht unter zu drückender Hitze zu leiden 
hat, wie an gewissen Orten des Magdalenathales, z, B. in Honda, 
denn der Regen, der Windzug über den Flüssen, die Passatwinde 
kühlen ab. Die mittlere Temperatur beträgt etwa 27" an der 
Cordillere. Die Mosquitos plagen wenig, nur die garrapatas, welche 
die Hosen heraufkriechen und sich in das Fleisch einbohren, sind 
lästige Gäste. Es ist richtig, dass eigentlich wenige Partien in den 
Llanos ganz überschwemmt werden, wenn auch das Wasser viel zu 
lange in den Pfützen, namentlich in den sogenannten Wegen im 
Walde stagniert. Es ist ferner richtig, dass der Landerwerb ausser- 
ordentlich billig ist, indem eine Hektare, die auf der Hochebene von 
Bogota 50 — 250 Dollars kostet (und gegenwärtig noch mehr), hier auf 
IY2 — 2V2 Dollar zu stehen kommt. Allerdings braucht man hier auch 
nur wenige Stunden im Tage zu arbeiten, um nicht nur genügend, 
sondern im Ueberfluss leben zu können. Es ist schliesslich richtig, 
dass noch MiUionen von Hektaren völhg unbebaut und herrenlos, 
d. h. sogenanntes tcrreno hcddio sind, und durch die Bebauung ge- 
sunde Einwanderer entschieden zu reichen Leuten machen könnten. 

Aber dies alles hindert uns nicht, auch die Schattenseiten der 
Llanos hervorzuheben. Das Land ist fruchtbar, aber nur der Cordillere 
entlang, wo eine dicke vegetabilische Schicht liegt. In den eigent- 
lichen Pampas aber sind die Gräser ziemlich geringwertig und müssen 
jedenfalls später noch gehörig verbessert, ferner muss das Erdreich 
durch richtiges Pflügen gelockert werden. Dazu fehlt es aber heute 
an Arbeitskräften, die nicht kommen wollen, weil sie in der Dauer 
doch dem Klima nicht recht gewachsen wären und nach und nach 
ihr Organismus durch Fieber geschwächt wird. Es fehlen auch die 
nötigen Verkehrsstrassen, und daher finden die Produkte nicht den 



Absatz, den sie tindeii könnten. Es wird dabei nur das Unentbehr- 
liche gepflanzt, und das Land bleibt arm. Ferner ist das Eigentum 
nicht immer gut abgegrenzt ; dies befördert die Entstehung von 
Prozessen, die bei der absolut primitiven, ja darniederliegendeu 
Justiz dieser Gegenden zur Qual werden. Auch sollte der Grund- 
besitz viel besser, viel intensiver verteilt sein, indem die grossen 
Grundherrschaften nirgends zu richtiger Bebauung hinreichen. Es 
ist eine zu sanguinische Hotinung, zu glauben, dass im Territorium 
von San ^lartin (;00,000 Tiere — geschweige denn, wie Andre behauptet, 
drei ^lillionen — leben könnten ; denn zu deren Besorgung brauchte 
es auch eine entsprechende Anzahl Menschen. Zu deren Unterhalt 
wären andere Pflanzungen als die heutigen nötig! 

„Nur die Arbeit wird die Llanos umgestalten", heisst das Axiom 
der Llanosbewunderer. Gewiss. Der Mensch muss aber Alles in der 
Natur mit schweren Opfern erringen. So wird es denn auch noch 
HeJäatomhen von Menschenleben kosten, bis die Llanos der Zivilisation 
langsam zugänglich gemacht und langsam invadiert werden und zwar 
von den Tüchtigsten, seien es nun die Colombianer, die von der Cor- 
dillere ausgehen, seien es die Venezuelaner oder Brasilianer, die von 
der Küste durch das Flussnetz hinauf gegen die Anden vorrücken. Nur 
da, wo der Mensch schon viele Mitmenschen verloren hat, wird, so 
paradox dies auch klingen mag, ein Klima infolge der notwendigen 
aufgespeicherten Erfahrungen gesund und bewohnbar. Es verdienen 
deshalb die heutigen unscheinbaren Llanosbewohner als Pioniere der 
Menschheit für ihre Vorarbeit volle Anerkennung, denn das scheint 
uns gewiss, dass in kommenden Jahrhunderten die Llanos der Sitz von 
Kulturstaaten sein werden, die unterstützt durch ein einzigartiges 
Wasserstrassennetz, ^lillionen von Menschen Lebensunterhalt und 
Glück verschaffen dürften. 



Sonntags, den 2o. Januar 1884, nachmittags, warfen wir einen 
letzten Blick auf die unzähligen Cordillerengipfel zurück, die in 
unübertroflener Grossartigkeit si(di rings um uns herum erhoben, untl 
wir sahen von der letzten Cordillerenpasshöhe hinabreitend wieder 
auf die savana von Bogota herab. Wie ernst erschien uns die Gegend, 
sie die baumlose, duidvelgrüne Hochebene mit den stillen Flüssen und 
den Lagunen. Und doch entzückte sie unser Herz, sollte uns ja 
nacli anderthalbmonatlichem Umherstreifen wieder ein Kulturzentrum, 
eine Stadt aufnehmen. Als Bogota mit seinen Kirchtürmen und 
seinem gewaltigen Häusermeer sichtbar wurde, da durchströmte uns 



ein Woiint\uefülil , als sälicn Nvir die Fata inorgana! Frierend , al)er 
möglichst martialisch sprengten wir mit übergehilngtem Jagdgewehr 
dnrch die von 8paziergilngeru wimmelnden Strassen. Mit unnenn- 
barem Lächeln sahen wir den ersten Menschen an, der einen Cylinder- 
hut trug. Freudig begrüssten wir die Kameraden. 

Aber erst wollten sich unsere Augen nicht an die Dimensionen 
der Stadt gewöhnen. Der Hauptplatz, die Plaza Bolivar, erschien 
uns eng, die Strassen wie Gässchen : wir hatten nun schon so lauge 
nur grosse Strecken, weite Ebenen mit den Augen gemessen. Wie 
klein, beschrankt und zusammengedrückt kam uns nun alles vor! 
Mit Recht. Unser Blick hatte sich durch das Betrachten so vieler 
Wunderwerke der Natur, durch so manche Erlebnisse und Aben- 
teuer geweitet, und wir kehrten mit grösserm Gesichtskreis, freierm 
Herzen, männlicherem Sinn und praktischerer Lebensanschauung in 
das Kulturleben zurück. 



-©^^^ 



in. 
Massaua. 



Bibliothekiiotizen* von Carl H. Mann, vorgetragen in der Monatsversamniluii^ 

vom 14. Mai 1891. 



„Pondichery ein warmes Bad, Aden ein Ofen, Massaua die Hölle!" 
Mit dieser britisch-indischen Bezeichnung glaube ich die Madreporen- 
Insel, über die ich einiges sagen möchte, so vorteilhaft wie möghch 
eingeführt zu haben. 

Klimatologisch zwar ist Massaua besser als sein Ruf, doch nicht 
eigentlich ungesund oder etwa endemische Fieber erzeugend; nur 
reicht die zu Zeiten herrschende Hitze hin, um eine aus europäischen 
Soldaten bestehende Garnison gänzlich dienstuntauglich zu machen. 

Diese Garnisonierungsfrage bedeutet Opfer, die für den Besitz 
dieses Seehafens gebracht werden müssen und es schliesst sich hieran 
ohne Weiteres die Frage: Ist der Besitz der aufgebrachten Opfer 
wert ? Darauf muss uns der Handelsverkehr die erste Auskunft geben 
und es ist von vorneherein anzudeuten, dass man hier nur von 
Zwischenhandel reden kann. Dieser Umstand erschwert es einiger- 
inassen aus der Statistik des Warenverkehrs alle notwendigen Schluss- 
folgerungen zu ziehen ; mau ist wohl über die Provenienz orientiert, 
nicht aber über den Bestimmungsort. Einige Andeutungen sind gleich- 
wohl möglich. Ich fand Ziflern aus den Jahren 1884 und 188!); die 
vom Jahre 188!) sind mit einer etwas überschwenghchen Einleitung 
über die italienischen Verdienste um Hebung von Massaua versehen : 
es sind jedoch die Armeelieferungen absichtlich ausgesondert. Dar- 
nach belief sich der Gesamtwarenverkehr oder nur Import auf 
circa 11 Millionen Franken, wobei hinsichtlich der Provenienz Aden mit 
G,2()8,!)4ü Fr. obenansteht; dann folgt Ceutral-Afrika mit 2,"')r)(;,414 Fr., 



* Die Bibliotiiek jjesitzt liis daiiin kein selb.ständiges grösseres Werk über 
Abessynieii. Die in diesem Aufsatz enthaltenen Notizen sind den 27 kleineren 
Broscliüren entnommen, welche im Sammelband 47 enthalten und auf pag. 280/287 
unseres IX. Jaiiresberichtes spezlliziurt sind. 



74 

(hiiiii JMiropa mit l,();;:),;;i 1 Fr., dann dio italienischen Besitzungen 
am Koten Meere mit ss7,!»2s Fr., dann F^ypten mit S4 l/jso Fr. nnd 
endlich die türkischen Häfen Asiens mit 'M'),\\\)\) Fr. 

Ganz bedeutend hat sich der Handel mit kostbaren Metallen 
gehoben, zugenommen die Kinfiihr an Getreide, chemischen Produkten 
und Medicamenten, an Tieren und tierischen Stoffen, während hin- 
gegen die Finfuhr an Droguerien, Tabak, Baumwolle und Seide, Wein, 
Spiritus und Gel im Rückgang begriften war. Unter den Waaren ita- 
lienischer Provenienz figurieren nur Wein und Tabak mit Sununen 
über 100,000 Fr. Der betrettende Artikel vergleicht nur zwischen 1888 
und 1881). Gehen wir indes um fünf Jahre weiter zurück, so müssen 
wir uns zwischen inne liegend alle Schwankungen denken, denen die 
Ereignisse im Sudan und die Kämpfe der abessynischen Herrscher 
und Prätendenten diesen Handelsverkehr unterworfen haben und um 
diese Nachwirkungen zu würdigen, nmss man sich die handelsgeo- 
graphische Bedeutung von Massaua noch etwas mehr vergegenwärtigen : 
als Stapelplatz für den Verkehr mit dem Sudan, mit Indien und 
Europa. Der abessynische Katfee, den man als den besten der ganzen 
Welt bezeichnet, geht über Massaua nach Suez, Aden, Savakin und 
Beirut, der abessynische Honig nach Savakin, die Elephantenzähne 
nach Aden und Suez, Perlmutter nach Alexandrien, Ochsenhäute 
nach Alexandrien und Suez. 

Bei der Zusammenstellung vom Jahre 1884 nun ist der Ge- 
samtwarenverkehr des Jahres 1884 auf 10 Millionen Franken be- 
ziffert und zugleich der Ueberzeugung Ausdruck gegeben, dass eine 
wesentliche Hebung dieses Verkehrs kaum denkbar sei und die Ziel- 
punkte kaufmännischer Initiative wesentlich in thatkräftiger Aus- 
nützung der jeweiligen politischen Situation liegen. 

Nun hat es allerdings mit thatkräftiger Initiative in Gegenden, 
deren Temperaturverhältnisse zeitweise dem Europäer unerträglich 
sind, eine eigentümliche Bewandnis und wenn die Kaufleute auf das 
Wohnen in Massaua selbst angewiesen wären, und ohne die Möglich- 
keit gesunder Villeggiatur, so dürfte man von Initiative wenig zu 
spüren bekommen. 

Dass Abessynien selbst, das absolut nach einem Seehafen ver- 
langt, in Massaua den einzigen ihm dienlichen erblicken und um 
dessen Besitz kämpfen muss, leuchtet beim Blick auf die Karte von 
selbst ein und es wird daher Massaua stets eine piece de resistance 
bilden. Indes kann ich im Rahmen des heutigen Vortrags weder 
über die Bestrebungen der abessynischen Herrscher und Prätendenten 
sprechen, noch die italienische Kolonialpolitik in ihren Ausgangs- 
und Zielpunkten verfolgen. Hier verweise ich alle, die sich näher um 



75 _ 

die Frage interessieren, auf das Werk unseres Ehrenmitgliedes, des 
Herrn Camperio,* welcher unter der Devise: „Erst erforschen tinä 
dann hekämpfen /"' sowohl die Besetzung von Assab als diejenige von 
Massaua als einen Missgril!' bezeichnet, indes mit der einmal vollen- 
deten Thatsache rechnend, weitere Ratschläge erteilt. 

Ich habe vorhin von einer Villeggiatur der Kaufleute gesprochen. 
Dies ist Monhdlo, nach den einen V2 Stunde, nach den andern 
1 V2 i^tunde von Massaua entfernt, auf breiter sandiger, mit dürftigen 
Akazien bewachsener Landstrasse errichtet, 127 Fuss über dem Meeres- 
spiegel und mit gutem Wasser versehen. Während der ganze Bezirk 
Massaua ()5,()00, Massaua selbst 1(),()()0 Einwohner zählt, hat Mon- 
kullo deren 15,000. Hier befindet sich auch das Stationsgebäude der 
schwedischen Mission; diese sucht namentlich unter den südlichen 
Gallas zu wirken. Unter den zerstreuten Bibliotheknotizen fand sich 
ein Plan, zwischen Monkullo und Massaua einen Aquädukt herzustellen; 
ebenso ist der Gedanke an eine Eisenbahnverbindung schon 188G bei der 
itahenischen Regierung aufgetaucht; indes scheint bis zur Stunde 
noch keines der beiden Projekte verwirklicht zu sein. 

Was übrigens die Eisenbahnverbindung anbetrifft, so geht dieselbe 
weiter als bis Monkullo, sie ist mindestens bis nach dem ziemlich 
hoch gelegenen und strategisch äusserst wichtigen Saati geplant, 
das man nach vollendetem Eisenbahnbau von Massaua aus in einer 
Stunde erreichen könnte. Saati und das herrlich gelegene Desset, 
wo man den Einfällen der fanatischen Derwische am meisten aus- 
gesetzt ist, sollte nach dem Rat kundiger Männer in Verteidigungs- 
zustand gesetzt werden. Desset muss, sowohl nach den vorhandenen 
Resten als nach den Ueberlieferungen des Volksmundes zu schliessen, 
schon zur Zeit der Römerherrschaft besiedelt und befestigt gewesen 
sein. 

Während also über Verwirklichung der Eisenbahnprojekte mir 
noch nichts zu Gesicht gekommen ist, wurde hingegen im Februar 
dieses Jahres sehr eifrig mit den Strassenarbeiten für Massaua-Saati- 
Keren begonnen. Sie sehen auf der ausliegenden Karte, die wir eben- 
falls Herrn Camperio verdanken, dass diese Route einen kleinen 
Bogen beschreibt; allein es ist bemerkenswert, dass im Zielpunkt 
Keren, das als Schlüssel zum Sudan bezeichnet wird, die ausein- 
andergehenden Ansichten italienischer Kolonialpolitiker wieder zu- 
sannnentretfen. Zwischen Keren und Massaua besteht nun eine wesent- 
liche Differenz hinsichtlich der Niederschlagsmengen. Während Mas- 
saua die Südgrenze der an der Westküste des Roten Meeres fallenden 



G.iiiiperio, M. Da AssjiI» a Do^-'uli. 



7(1 

WinteiTegen bildet, herrschen in Keren bereits die FrühUngsregen. 
Keren ist das wichtigste Dorf im Lande der Bogos, das als in jeder 
Hinsicht zur Kolonisation geeignet eniplohlon wird. Was die der- 
zeitige Entfernung von Massaua nach Keren anbetrifft, so wird sie 
in nördlicher Richtung mit Kamelen in 7 Tagen, in südlicher Rich- 
tung mit Maultieren in 4 Tagen zurückgelegt. Sie finden in den er- 
wähnten Geschenken Camperios namentlich das Itinerar des Prof. 
Sapeto und dasjenige des Grafen Pennazzi angedeutet. 

Mit dieser Andeutung über vorhandene und projektierte Verkehrs- 
w^ege und Verkehrsmittel möchte ich einige Mitteilungen üher die 
Vergangenheit verbinden und um etwa sechs Jahrzehnte zurückgehen, 
in eine Zeit, da Massaua noch den Ausgangspunkt eminent fried- 
licher Unternehmungen bildete und da Arkiko noch der Schrecken 
aller europäischen Reisenden war; ich meine die Zeit der ersten 
Missionsversuche. Bis auf das Jahr 1834 freilich, wo die Missionare 
Gobat und Isenburg die Reise nach Adua unternahmen, ersterer zum 
zweiten Male und Avegen schwerer Krankheit zu längerem Aufenthalt in 
Haila, dem ersten Christendorf im abessynischen Hochlande, genötigt, 
kann ich nicht zurückgehen, da wir die betreffende Schilderung nicht 
besitzen ; dagegen ist die leidensvolle Reise des Missionars Krapf 
vom Jahre 1842 in einem Fragment unseres Sammelbandes behandelt. 
Derselbe war in Gatira von dem Häuptling Adara Bille gänzlich 
ausgeplündert w^orden und musste sich von Gatira bis Massaua voll- 
ständig und unter unglaublichen Gefahren durchbetteln. Die Reise 
von Gatira aus bis Massaua, wo der damalige französische Konsul, 
Herr von Gontin, allen Leiden des schwergeprüften Mannes ein Ende 
machte, dauerte genau einen Monat. 

Im Jahre 1855 befand sich Krapf neuerdings in Massaua, wo er 
unter dem Schutz des englischen Konsuls den Gang der Ereignisse 
in Abessynien abwartete. Es war zur Zeit, da Kassai unter dem 
Namen Theodor us zur Herrschaft gelangte. Die Reise ging auch diesmal 
über Arkiko, das ungefähr vier englische Meilen von Massaua entfernt ist. 
Allein diesmal war man von Arkiko bis zum Schumfeitoberg mit Kamelen 
und von da an bis Adua mit Maultieren und mit Packträgern ver- 
sehen und legte die Strecke von Halai bis Adua in 6 Tagen zurück. 
Gerhard Rohlfs hat von Massaua bis Adua 15 Tage gebraucht, wo- 
bei ich den Aufenthalt in den Zelten aes Ras Alula nicht einrechne. 
Im Jahr 1886 hinwiederum war der Bote des Grafen Salimbeni, 
welcher von Massaua aus gleichzeitig Briefe von König Johannes, 
damals zu Adua und von Ras Alula, damals in Asmara zu über- 
bringen hatte. 29 Tage unterwegs. 



So unbeschreiblich mühselig" auch die Reise des Missionars Krapf 
war, so wurden gerade ihm um des langsamen Fortkommens willen 
am meisten die Augen geöffnet über die Kolonisierbarkeit des durch- 
reisten Landes und wir stossen in den Tagebuchnotizen dieses Mis- 
sionars auf mannigfache Andeutungen dieser Art. Nach dieser Rich- 
tung dürfen wir es wohl auch am besten würdigen, wenn dasjenige 
Land Europas, das den grössten Prozentsatz seiner Bewohner an die 
Auswanderung abgibt, Italien, sich Kolonisationsziele sucht in der 
Afrikanischen Schweiz. Mit diesen Kolonisationsbestrebungen ist nun 
für das in Aussicht genommene Gebiet auch ein neuer Name aufge- 
konmien, Eritrea. Sie finden denselben bereits vollständig adoptiert 
in einer interessanten Broschüre, die uns kürzlich durch Herrn Professor 
Borsari übersandt wurde und die ich auslege mit dem Beifügen, 
dass hier der Lithograph dem Verfasser durch Verwechslung der 
Farben einen kleinen Streich gespielt hat. — Bis zum April 1891 
haben die Beamten und Ingenieure 4900 Kilometer dieser Kolonie 
vermessen, nämlich die Umgebungen von Massaua bis zum abessy- 
nischen Hochgebirge, im Norden bis Ras-Jurik, im Westen bis zu 
den Umgebungen von Ailet und im Süden bis Zoulo. Dieses Eritrea 
kommt annähernd dem gleich, was auf den alten Karten als spina 
mundi bezeichnet ist. 

Massaua ist in letzter Zeit oft genannt worden in Verbindung 
mit einem Ereignis, das, wenn alles sich bewahrheitet, in der Ge- 
schichte der europäischen Civiiisation als ein Schandfleck bezeichnet 
werden müsste, das aber auch je nach Behandlung der Schuldigen 
für die italienischen Kolonisationsbestrebungen verhängnisvoll werden 
könnte. Die Verträge, welche König Menelek mit General Orero 
als dem Vertreter der italienischen Regierung abschloss und die im 
Lauf vorigen Jahres nach der Unterwerfung des Ras Alula durch 
pompöse Versöhnungsfeierlichkeiten in Axum und in Adua gefeiert 
wurden, hatten ja nie die Bedeutung, ein italienisches Protektorat über 
die weiten Staaten Abessyniens anzuerkennen oder dieselben von der 
Zone italienischen Einflusses irgendwie abhängig zu machen, aber 
auch der geschaffene modus vivendi könnte durch Menelik erschüttert 
werden, wenn die Vorgänge in Massaua und deren allzu milde Be- 
urteilung ihm dazu geeigneten Vorwand böten. 

Dieser Vorgang darf auch nicht ausser Acht gelassen werden 
bei Beurteilung des neuesten englisch-italienischen Vertrags. Diesem 
Vertrag zufolge hat die englisch-italienische Demarkationslinie für die 
beiderseitigen Interessenzonen noch eine Vervollständigung erhalten, 
insofern als das Territorium zwischen dem Blauen Nil und Ras Kasar 
am Roten Meer dem italienischen Einfluss unterstellt ist, Kassala 



78 

hingegen unter englischem Eintiuss bleiht. Diese Stipulationen hängen 
in der Luft, so lange die Situation in ^lassaua nicht gründlich ah- 
gekliirt ist. 

In der Kirche zu Gondar hangt ein Bild, das den Durchgang 
der Israeliten durch das Rote Meer darstellt. Dieses Bild stimmt 
aber nicht zur Andacht, denn es ist dem Künstler ein fataler Streicii 
passiert, indem er die geretteten Israeliten samnit und sonders in 
französischer Uniform aufmarschieren lilsst. 

Aber wia harndos ist der Anaclironismus in der Kunst gegen- 
über dem Anachronismus in Politik und Kolonisationsbestrebungen ! 



— -Vtp-ite:^- 



IV. 

Verkehrswege und Verkehrsmittel in Afrika. 



Hililiotheknotizen von Carl H. Mann, vorgetragen in der Monatss'prsaininluiiL 

vom 18. Juni 1891. 



Sie geben sich keiner Täuschung darüber hin, dass Sie weder 
einen Forscher noch einen Gelehrten, noch einen Reisenden vor sich 
haben, sondern nur so eine Art Hausvater, der aus dem gemein- 
samen Besitz Altes und Neues hervorbringt. 

Mögen Sie nicht sagen müssen : Was Du Neues bringst, ist nicht 
walir und was Du Wahres bringst, ist nicht neu. 

In Afrika, wo nach den Erfahrungen der Mission nichts so 
schnell geht als krank werden und sterben, hat die Frage nach 
den Verkehrsmitteln und Verkehrswegen eine ganz besondere Be- 
deutung. 

Vergegenwärtigen wir uns die ganze Stufenleiter der Verkehrs- 
mittel: der Eisenbahnen, der Schiffahrt, der Post, der Ochsenwagen, 
dann Elephant, Kamel, Rind, Esel und Maultier bis hinab zum mensch- 
lichen Träger, dem Neger, dessen Tragkraft auf 40 Kilo geschätzt 
wird, so beginnen wir uns schon zu interessieren um Versuche, wo 
das bisher angewendete Verkehrsmittel mit einem neuen vertauscht 
wird. 

Heute zumal wird ja der ehemals unbekannte Weltteil nach 
allen Richtungen und zu allen möglichen Zwecken durcliforscht. Sie 
finden in Tunis und in Aegypten die Altertumsforscher und Aegypto- 
logen, die in den Eingeweiden der Erde wülilen, im Süden von 
Algerien und im Norden der Sahara die Franzosen, welche Brunnen 
uraben und iMuöden in Oasen verwandeln und wieder andere, die 
unermüdlich nach den richtigen Verbindungswegen Algeriens mit 
Senegambien ausschauen, in Abessynien und den Somaliändern die 
Italiener, Avelche neue Kolonisationsziele suchen, in Ae(iuatorialafrika 
die Forscher, welche den letzten Rätseln der Wasserscheiden nach- 
gehen und wiederum die Beamten des Kongo-Staates, welche das ganze 



«0 

Fliisssystem von Centralafrika auf seine Schiffbarkeit untersuclKMi, am 
Fiisse clts Kiliniandjaro im Osten dio AtVika-Berüsteiüer und wieder- 
um im Westen im Kamerun- und Togogebiet die Pioniere der deut- 
sclien Kolonisation, im Süden nicht allein die Missionare, die nach 
neuen geeigneten ^lissionsniederlassungen ausschauen, sondern auch 
die (ioldgrilber, welche nach dem Transvaalgebiet vorrücken. 

Kurz das Alles muss doch suchen, wie es am besten vorwärts 
kommt und wird in Ermanglung richtiger Verkehrswege sehnsüchtig 
ausschauen nach einer schönern uml bessern Zeit. 

Nun beachsichtige ich keineswegs in alle Details einzugehen. 
Es wäre ja in den Tagen, wo unsereins an den sämtlichen Werken 
unserer verehrten Landesväter hinreichend zu studiren hat, ein Ding 
der Unmöglichkeit, vertiefend in alle die Entwicklungsstufen einzu- 
dringen. 

Noch weniger kann von irgend einem System die Rede sein. 
Systematisieren hört auch in Afrika auf. Wir wissen ja nur zu gut, 
dass z. B. auch Dr. Junker nicht an ein System sich hielt, als er 
die achtzehntägige Reise durch das Barakatal auf einem Esel machte. 
Den grössten Teil der Reise bewährte sich dieses Verkehrsmittel 
und ermöglichte dem Forscher rasch und oft abzusteigen und Auf- 
nahmen zu machen, aber wenn es durch dorniges Gestrüpp ging, 
wurde der Esel als Reittier sehr unangenehm und Dr. Junker be- 
neidete seine Gefährten, die auf hohen Kamelrücken sassen. 

Wiederum ist ja aus den belgischen Expeditionen die Geschichte 
mit den Elephanten bekannt. In wie mancher Beziehung sich diese 
Tiere auch bewährten, ein einziger ungelehriger Elephant, der mit 
beharrhcher Starrköpfigkeit seine Lasten abwarf, konnte das ganze 
Geschlecht in Verruf bringen und hat sich denn auch wirklich in 
der Geschichte der belgischen Expeditionen einen unrühmlichen Namen 
gesichert. 

Auch der Ausdruck „bessere Verkehrswege" ist gänzlich relativ. 
Wir lesen in den Reiseberichten eines Dr. Zintgraff, dass er im Ka- 
merungebiet einen bessern Verkehrsweg nach dem Innern schaffen 
wolle. Hier ist aber unter dem „bessern Verkehrsweg" nichts anderes 
als ein Durchhau durch Urwald verstanden, durch welchen eine gewisse 
Route um einige Tagereisen abgekürzt wird. 

Im neuesten Heft der Bremer Geographischen Gesellschaft finden 
sich Reisebriefe eines Bremer Kaufmanns, der nach dem Süden 
Afrikas gereist ist. Hier lässt sich der Anfang der Reise von der 
Küste landeinwärts recht hübsch an. Er fährt mit Eisenbahnen von 
Lorenco Marques bis Ladysmith. Dann „begibt er sich", ich weiss 
nicht wie, von Ladysmith über Lydenburg nach Middelburg und von 



81 

Middelbiirg aus führt ihn nun ein voll bepackter Postwagen nach 
Pretoria. Wir haben also hier zwischen Lorenco Marques und Pre- 
toria eine Postfahrt, aber eine sehr beschwerliche; denn es geht über 
mehrere Flüsse, aber es sind keine Brücken vorhanden, die Ströme 
sind angeschwollen und man muss entweder warten, bis sie ablaufen 
oder hinüberschwimmen. Hier müsste man also an Brückenbauten 
denken, wenn man von „bessern Verkehrswegen" spricht. 

Wie schade, dass die zahlreichen Ströme Afrikas teils gar nicht, 
teils nur auf kurze Strecken schiffbar sind! Noch in den neuesten 
Nummern der Deutschen Kolonialzeitung wird geklagt, wie unendlich 
langsam man von der Ostküste nach dem Innern gelangt. 

In dieser Beziehung nun, geehrte Herren, möchte ich aufhören, 
wie eine Wespe von einem Teil der Karte nach dem andern zu summen, 
hier wünschte ich vielmehr einigen der angedeuteten Versuche primitive 
Verkehrsmittel mit bessern zu vertausclien, näher zu treten und 
einiges über die Flüsse zu erwähnen. 

Da will ich nur über einige Flüsse Ostafrikas einige An- 
deutungen geben und zwar zunächst über den WamiÜuss, der sich 
etwas südlich von Zanzibar in den Indischen Ozean ergiesst. Dieser 
wurde im Jahre 1876 von Lieutenant Smith, O'Neill und Mackay, 
dem bekannten Freunde Emin Paschas auf seine Schiffbarkeit 
untersucht. Die Strömung erwies sich ausserordentlich stark, die 
Krümmungen des Laufs unzählig, der Wasserstand doch zu niedrig. 
Kurz, der Wami wurde aufgegeben und man versuchte es mit dem 
Kingani, der bei Bagamoyo ins Meer fliesst. Allein auch dieser Fluss 
bot die gesuchte Strasse ins Innere nicht. 

Bei den Untersuchungen am Wamifluss war man ins Dorf Saa- 
dani gekommen, das nur eine Stunde von der Küste in äusserst un- 
gesunder Lage sich befindet. Hier setzte ^Missionar Price ein, der es 
versuchen wollte, in Ostafrika mit Ochsen zu fahren. Diese Keise 
über Saadani bot damals den grossen Vorteil, dass man schon während 
der ersten Tagereise in höher gelegenes Land kam, während die 
frühere Route von Bagamoyo nach den Usagarabergen mehrere Tage- 
reisen durch ungesunde sumpfige Gegenden führte. Was Missionar 
Price damals erkunden wollte, ob die Pteise mit Ochsen gemacht 
werden könne, hat er erkundet; er brauchte 20 Tage bis Mpuapua 
und die sonst so gefürchtete Tsetsefliege hatte ihn und seine Ochsen 
nirgends belästigt. Die Rückreise konnte in l(i Tagen gemacht werden, 
die Kosten der Hin- und Ptückkehr beliefen sich auf loOO Mark. 

Ueber die Strecke zwischen Mpuapua und dem grossen Sklaven- 
inarkt Tabora kann ich nichts genaueres sagen ; dagegen erlau])e 
ich mir noch eines Flusses zu gedenken, der durch die Abgrenzung 

XI. Jahresbericht d. Geogr. Ges. v. Bern. iHnt— 1«<)2. 



82 

iler ileutsdien und eiiglisdioii Interessensphäre besonderes Interesse 
beansprucht — des llovnmd. Dieser Fluss ist schon vor Jalirzehnten 
auf seine Schiffbarkeit untersucht worden und zwar damals, als IJi- 
schof Mackenzie, durch Livingstone angeregt, die central-afnkanische 
Mission begann, genau vor :!() Jaliren. Einen Vorzug liat der Rovuma 
allerdings vor vielen andern in den indischen Ozean ausmündenden 
Flüssen, den nämlich, dass keine Sandbarre die Einfalirt versperrt; 
nichts destoweniger waren die Ergebnisse ungünstig, man hatte ein 
trefflich gebautes Schiff, den „Pionier" mit 5 Fuss Tiefgang, konnte 
aber nur 75 Stunden stromaufwärts kommen. Weiterhin hinderten 
Felsen und Stromschnellen. 

Ob es seitdem gelungen ist, weiter landeinwärts den Rovuma zu 
erforschen und über ihren Ausfiuss aus dem Nyassa-See ins Klare 
zu kommen, weiss ich nicht. 

Lassen Sie uns aber einmal an der Voraussetzung festhalten, 
dass nach Ueberwindung aller Hindernisse doch ein Wasserweg ge- 
funden sei vom Indischen Ozean nach dem Nyassa-See, so wurde sich 
dann zur Verbindung zwischen Nyassa und Tanganika die sogenannte 
Stephenson- Route bieten, zwischen dem Tanganika -See und der 
Araber-Station Njangwe besteht eine vielbegangene Karawanenroute, 
die Route der Sklaventransporte und von da aus ist wieder Schiff- 
fahrtsverkehr zu den Stanley-Fällen. 

Allein dieses Schiftahrtsgebiet steht bekanntlich gänzlich unter 
der Macht und dem Einfluss des schlauen Tippo Tipp und angesichts 
dieses Umstandes müssen alle diejenigen Forschungen besonderes 
Interesse erregen, welche die Schiftbarkeit der südlichen Nebenflüsse 
des Kongo zum Gegenstand haben. 

Dieses Interesse steigert sich noch durch den Umstand, dass im 
Jahre 1890 durch Dekret des Königs unter dem Namen Koango 
oriental dem Kongo-Staat ein zwölfter Distrikt einverleibt wurde. 
Dieser Distrikt umfasst das ganze Gebiet östlich des Koango bis zum 
Sankurru-Lubilasch, mit andern Worten genau denjenigen Teil von 
Inuer-Afrika, den Wissmann auf seiner zweiten Durchquerung teil- 
weise zu Lande durchwanderte. 

Allein wir haben aus seiner Durchquerung Andeutungen nicht 
nur über den Landweg, sondern auch über die Schiffbarkeit ver- 
schiedener Ströme und es ist doch gewiss bezeichnend, dass der 
Kassai, der Sankurru, der Lomami fast durchwegs schiffbar sind bis auf 
die Breite von Niangwe und dass es genau besehen, nur noch ent- 
sprechender Landwege bedarf zwischen Niangwe und der Schiffahrts- 
grenze des Lomami und hinwiederum zwischen dieser und der Schift- 
fahrtsgrenze des Sankurru, um mit gänzlicher Umgehung des grossen 



Ho 

IJogens, den der Kongo beschreibt, in den Stanley-Pool zu gelangen 
und sich von Tippo Tipp durchaus unabhängig zu machen. 

Wüsste man nur, was zwischen inne liegt! Aber hier setzen 
wir die Schilderungen ein aus der zweiten Durchquerung Wissmanns 
vom Jahre 1886: Er brauchte vom Sankurru zum Lomami sechs 
Wochen, vom Lomami nach Niangwe 20 Tage. Auch wenn wir in 
Betracht ziehen, dass seine grosse allmählich auf 900 Mann anwach- 
sende Karawane unter gewissen irrigen Voraussetzungen reiste, so 
bleibt doch die Thatsache bestehen, dass die Reise nicht bloss durch 
offene Gras-Savanne, sondern auch ganze 13—20 Tagemärsche durch 
undurchdringlichen Urwald, durch Hungerland, durch entvölkertes 
den Sklavenzügen zum Opfer gefallenes Gebiet führte und dass zwar 
nichts Unmögliches, aber doch eine Riesenarbeit zu überwältigen ist, 
wenn zwischen Niangwe und Luluabay eine direkte Verbindung her- 
gestellt werden soll, offenbar zunächst vermittelst Durchhau und 
Brückenbauten, später durch geeignete der Neuzeit angehörende 
Verkehrsmittel. 

Die Gegend enthält schöne und zur Viehzucht vorzüglich geeignete 
Prairien und die Wahrnehmungen Wissmanns, der auf dieser Breite 
nie der Tsetsefliege begegnete und auch den Stier als Reittier be- 
nutzte, decken sich vollständig mit denjenigen von Missionar Price, 
dem die Tsetsefliege bekanntlich auch nichts zu schaffen machte. 

Der Gedanke an eine direkte Verbindung von Niangwe nach 
dem Stanley-Pool scheint heute noch etwas von Zukunftsmusik an 
sich zu haben. Vergesse man aber nicht, dass nunmehr der Tanga- 
nika-See im Gebiet der deutschen Interessensphäre und wie ich vor- 
hin bemerkte, das ganze Gebiet vom Lomami bis hinüber zum Kongo 
im Gebiet des Kongostaates liegt, so wird man die angedeutete 
Verbindung nicht unmöglich finden. Während nun auf dem untern 
Kongo von den Yellalafällen hinweg zur Kongomündung die Ingenieure 
des Kongostaates sich tummeln um die Lücken der Schift'barkeit mit 
Schienensträngen auszufüllen, versucht manja auch von Westen her 
in möglichst gerader Linie auf den Wasserwegen des Ogowe und 
Alima zum Stanley-PoM zu gelangen und wird eben auch hier zwischen 
den schiffbaren Stellen genannter Ströme die geeigneten Landwege 
herstellen müssen. 

Es bleibt also für die Erforschung Afrikas noch immer ein 
schönes Gebiet offen. 



V. 

Rundschau über eingelaufene Geschenke 

im Jalire 1891. 

Vortrag von Carl H. Mann, gehaltüii in d(.H' Monatsversannrilung vuni 
18. Fe))ruar 1892. 



Es ist zwar an und für sich ein recht dankbarer Stoff', über ein- 
gelaufene Geschenke Bericht zu erstatten. Nichtsdestoweniger bietet 
dessen Verarbeitung zu Händen einer öffentlichen Versammlung 
etwelche Schwierigkeit. 

Der Dank, welchen wir den verehrlichen Gebern schulden, er- 
heischt möglichst vollständigen Bericht. Nun aber eignet sich doch 
eine nur trockene Aufzählung der Titel und Geber schlechterdings 
nicht für mündliche Berichterstattung. Sie muss dem gedruckten 
Jahresbericht beigegeben werden. Um gleich wohl der Pflicht der Voll- 
ständigkeit, Irrtum vorbehalten, schon heute zu genügen, lege ich 
das handschriftliche Verzeichnis über eingelangte Geschenke zu 
jedermanns Einsicht auf. 

Meine Auffassung über die Aufgabe der mündlichen Bericht- 
erstattung lehnt sich an die Schilderung, Avelche uns seinerzeit unser 
lieber Herr Häfliger über die Aufgabe des Schürfers in Atacama 
machte. Die Berichterstattung kann nur auf die Adern verweisen, 
wo die Wissbegierde hinabsteigen und sich aus den Tiefen ihre 
Schätze holen kann. Sie kann daher nicht gründlich, sie muss ober- 
flächlich sein. 

Demgemäss wird sich auch der Vortrag *auf eine Auswahl be- 
schränken müssen, um Zeit und Geduld der Zuhörer nicht ungebühr- 
lich in Anspruch zu nehmen. Um auch da nicht durch trockene 
Aufzählung von Titeln Ihr Gehörorgan zu martern, habe ich durch 
hektographische Wiedergabe der zur Besprechung gelangenden Titel 
gesucht den Rundgang zu vereinfachen. 

Dabei muss ich mir noch eine Bemerkung erlauben. Sie wollen 
es freundlich entschuldigen, wenn ich etwa einen fremdsprachigen 
Namen in der Aussprache maltraitiere. 



85 



Kiuleituug;. 

Es gereicht mir nun zu grosser Freude, die Ptundschau über die 
im Jahre 1891 eingelaufenen Geschenke und die sonstige Bereicherung 
unserer Bibliothek eröffnen zu können mit einigen Bemerkungen über 
Nordensl-iölds Facsimile- Atlas, welcher auch an der Internationalen 
Geographischen Ausstellung die Abteilung Schweden zierte und dort 
einen grossen Preis erhielt. 

Es ist die Ausgabe mit englischem Text. In der Vorrede führt 
Professor Nordenskiöld aus, dass die Geschichte der Geographie zur 
Zeit der grossen Entdeckungen nicht verstanden werde könne, ohne 
gleichzeitiges Studium der damals vorhandenen Kartenwerke. Eben- 
sowenig vermag man ohne Kenntnis der damaligen kartographischen 
Darstellungen einzudringen in den Gedankengang des Entdeckers. 
Diese Wahrnehmung hat Professer Nordenskiöld bewogen zur syste- 
matischen Kollektion der bekanntesten Karten aus der frühern Pe- 
riode der Kartographie. Es mussten dabei allerdings einige wegge- 
lassen werden, die in der durch den Raum gebotenen Verkleinerung 
bis zur Wertlosigkeit entstellt worden wären. 

An dieses grossartige Werk zum Dienst der Geographie im all- 
gemeinen lehne ich einige Mitteilungen an über Geographische 
Unterrichtsmittel und beginne mit 

Rosier, W., Geographie generale illustree, von welcher ich den 
ersten Band hiemit auslege und zirkulieren lasse. 

Wie sich die meisten Mitglieder der Gesellschaft erinnern, wurde 
seinerzeit ein Preis ausgeschrieben, für das beste Lehrbuch der Geo- 
graphie für die Hand des Lehrers und für den Selbstunterricht. Es 
sind damals nur zwei Arbeiten eingelaufen, von denen keine den 
gestellten Anforderungen entsprach. Dagegen wurde dann Herr 
Professor Rosier in Genf als Verfasser der einen Preisschrift um 
entsprechende Umarbeitung ersucht, unter Bedingungen, über welche 
alles Nähere aus dem VII. — IX. Jahresbericht der Gesellschaft zu 
erfahren ist. Es dürfte Sie nun doch interessieren, das Werk selbst 
zu Gesicht zu bekommen und einige Andeutungen über dessen Plan 
und Anlagen entgegenzunehmen. — Es setzt sich aus 3 Teilen zu- 
sammen, von denen der erste: Europa, Ihuen heute in französischem 
Text vorliegt. Der zweite Teil wird Asien, Afrika, Amerika und 
Ozeanien umfassen, der dritte der physischen Geographie gewidmet 
sein. 

Die Reilienfolge der europäischen Staaten ist meines Wissens 
neu, aber einleuchtend. Da dieses Lehr- und Lesebuch in erster Linie 
für die Schweiz bestimmt ist und auch überall, wo es gegeben ist. 



zu Vergleichuiigon mit unsorii Verhältnissen auÜ'orclert, so beginnt 
es mit unserm Vatoiiande und motiviert dies auch (himit, dass in 
unserer Schweiz die Quellen der grössten Ströme liegen. 

Es folgt dem Stromlauf, nimmt von den uns umgebenden Staaten 
Deutschland und Oesterreich-Ungarn vorab dazu, um nicht das Studium 
der deutschen und lateinischen Bevölkerung auseinander zu reissen. 
Dann folgen Frankreich und Italien mit Spanien und Portugal, dann 
die Niederlande, Lielgien, Grossbritanien, der skandinavische Norden, 
Ixussland und die Balkanhalbinsel. 

Bezüglich der weitern Anordnung des Stoffes ist der Verfasser 
der naturwissenschaftlichen Unterrichtsmethode gefolgt, er hat alles 
vorweg genommen, was sich aus der Beobachtung der Karte ergibt. 

Endlich verdient noch speciell hervorgehoben zu werden, dass 
viel mehr Gewicht gelegt ist auf die Beziehungen zwischen der phy- 
sischen Natur des Landes und der materiellen wie auch moralischen 
Lage seiner Bevölkerung, als auf Anhäufung reichlichen Memorier- 
stoffs. 

Eine andere Einteilung findet sich bei Levasseur : Freds de la 
geograpliie physique^ politique et economique. 

Die Dreiteilung besteht auch hier, Europa und die andern Welt- 
teile sind ebenfalls in zwei besondere Bände ausgeschieden; dann 
ist aber ein dritter Teil Frankreich speciell gewidmet. Jede einzelne Ab- 
teilung zerfällt wieder in eine Abhandlung über physische und eine 
über politische Geographie und als siebenter Teil und Krönung des 
Gebäudes folgt dann noch ein Bändchen über den Weltverkehr. 

Gar nicht übel erscheint der Gedanke, dem Büchlein in gleichem 
Format und in genauester Anlehnung an den Stoff den Atlas beizu- 
geben. Es hat dies den grossen Vorzug der Handlichkeit und das 
Studium ist so weitaus leichter, als wenn die Karten einen Bestand- 
teil des Lehrbuches selbst bilden. Ich spreche jedoch ausdrücklich 
nur vom Gedanken, nicht von der Art und Weise der Ausführung. 

Als drittes Lehrmittel erwähne ich : y/ Äscaso, Bernardo Monrealy 
Curso de Geografia. 

Dieses Werk lässt einige Lehrsätze der Geometrie vorausgehen 
und führt dann über auf einen Kurs der astronomischen, physischen 
und politischen Geographie, indem es nach angedeuteter Reihenfolge 
jede dieser Wissenschaften besonders behandelt. Unter dem Titel 
„Modei'ne Geographie" folgt die Beschreibung der einzelnen Welt- 
teile und Staaten. Hier möchte ich noch speciell auf die typogra- 
phische Ausstattung aufmerksam machen; sie hat den Vorzug grosser 
Uebersichtlichkeit. 



Nun komme ich auf ein Geschenk zu sprechen, welches dem 
Weltverkehr dienen will; nämlich: Dr. Poitssie, Manuel' de con- 
versation en trente langues. 

Der Verfasser bezeichnet dieses Büchlein, das sich recht hübsch 
präsentiert, als eine Frucht zehnjähriger Erfahrungen und Beob- 
achtungen auf Pteisen in Japan, im Malaiischen Archipel, in den 
Gegenden des Himalaja und in Afrika. Er soll dem Reisenden in 
verschiedenen Bichtungen Dienste leisten. Er kann sich den Weg 
zeigen, sich servieren lassen, mit der Bevölkerung des Landes, welches 
er durchreist, sich dürftig unterhalten und die Route interessant 
und augenehm machen. — Es hat mich speciell interessiert, wie 
der Verfasser der Auffmdharheit Rechnung getragen hat. Sie finden 
von Seite 54 — 15G ein Vocabularium von 600 Worten nach dem fran- 
zösischen Alphabet. Nun möchten Sie wissen, wie das deutsche Wort 
Abend in den andern 2i3 Sprachen heisst. Dazu dient Ihnen ein 
alphabetischer Index, wie er für die deutsche, englische und spanische 
Sprache beigegeben ist. Da linden Sie im deutschen Index römisch X 
beim Wort Abend die Verweisung auf arabisch Seite 143, wo das 
Wort Abend in allen 30 Sprachen steht. Auch das Volapük ist nicht 
vergessen. 

Uebergehend auf die einzelnen Staaten betreffend Geschenklitte- 
ratur will ich bei 

^Europa 

der Anordnung des Herrn Professor Rosier folgen und mit der 
Schweiz beginnen. 

Ich lasse Nr. G, ein Album der Jurassischen Seen cirkulieren, 
ohne Bemerkung, da dieses Buch für sich selbst reden kann. 

Bei Frankreich erlaube ich mir zunächst das Bulletin de la 
Societö languedocienne de geographie ä Montpellier zu erwähnen. 

Da ich mich voriges Jahr vielfach mit dem Inhalt der Bulletins 
befasste, ist mir aufgefallen, wie sorgsam und intensiv in einzelnen 
geographischen Gesellschaften die Heimatkunde gepflegt wird. Bei- 
läufig erwähne ich unter unsern schweizerischen Gesellschaften die- 
jenige von Neuenburg, unter den französischen ausser der hier zu 
besprechenden auch die societö d'emulation zu Epinal, die belgischen 
Gesellschaften in Brüssel und Antwerpen, die finnische Gesellschaft 
in Helsingfors, die deutsch-geographischen Gesellschaften in Karls- 
ruhe, in Jena, in Halle, und in Stettin, die ostasiatische Gesellschaft 
in Yokohama, die australischen Gesellschaften in Melbourne und Sidney, 
die Soci6te Khediviale in Kairo ; den deutsch-wissenschaftlichen Verein 
in Mexico und den Verein in Santiago. Es soll diese Erwähnung 



nicht allein dazu dienen, auf die Publikationen der genaniiteu (le- 
sellscluiften als wahre Fundgruben für die Kenntnis der betreffenden 
Liinder und Völker hinzuweisen, sondern auch deren Zusendung auf 
das ^Värnlste zu verdanken. Noch nu)chte ich dem Missverständnis 
vorbeugen, als bildete ich mir ein, das Verzeichnis der die Heimat- 
kunde pflegenden Gesellschaften erschöpft zu haben. 

Was nun speciell die Sociöte languedocienne betrifft, die uns 
voriges Jahr ihre ganze Kollektion zur Verfügung stellte, so möchte 
ich nur auf die Methode aufmerksam machen, tvie die Heimatkunde 
gepflegt wird. Die Mitglieder werden zu Arbeiten aufgerufen über 
das Departement Herault, das hekannthch aus Bestandteilen des 
ehemaligen Languedoc zusammengesetzt ist. 

Eine Geographie des Departements ist in Aussicht genommen. 
Bausteine soll jeder Kundige herzutragen. Damit jedoch keiner ver- 
gebliche Arbeit macht, geht eine vollständige Bibliographie des De- 
partements voraus. Eine sichtende kundige Hand ordnet alles zu 
einem einheitlichen Gebilde und dieses liegt hier vor. 

Ich wüsste nicht, wie man den Wert einer Bibliographie der 
Landeskunde besser zur Anschauung bringen könnte. 

Der Weltkongress und ganz speciell die Einladungen, die wir 
zu dessen Besuch erliessen, hat uns mit einer Reihe von neuen Ge- 
sellschaften in Tauschverkehr gebracht. 

Es sind dies: 

der Geographische Verein in Finnland (Helsingfors) ; 
die Physikalische-Oekonomische Gesellschaft in Königsberg; 
der deutsch-wissenschaftliche Verein in Mexico; 
die Societe languedocienne Montpellier; 

die k, Russische Geographische Gesellschaft in St. Petersburg; 
die American Philos. Society in Philadelphia; 
die Geographische Gesellschaft in Santiago. 
Wiederum mit der Geschichte unserer eigenen Gesellschaft ver- 
knüpft ist der stattliche Band: 

Prince Boland Bonaparte, une excursion en Corse. 

Wie aus dem Vorwort zu ersehen ist, bildet dies die Wieder- 
gabe des Vortrags, welchen der Verfasser und Geber am 18. De- 
zember 1889 im Museumssaal in Bern gehalten hat. 

Es würde mir nun sehr wohl anstehen, aus der ansehnlichen 
Bereicherung, welche unsere Bibliothek über Portugal einerseits und 
Piussland andererseits erfuhr, einige Mitteilungen zu machen. Zu 
meinem herzlichen Leidwesen bin ich weder mit der portugiesischen 
noch mit der russischen Sprache vertraut, es wurde mir eben nicht 



89 

an der Wiege gesungen, dass ich einst die Bibliothek einer Geogra- 
phischen Gesellschaft bedienen sollte. Ich habe ein Verzeichnis der 
Titel hektographiert und verdanke die Uebersetzung der russischen 
Titel speciell dem Herrn stud. Saposchnikoft". 

Sie werden, was Portugal anbetrifft, den Verzeichnissen sofort 
entnehmen, dass hier die Kolonialpolitik vorwiegt. — Bezüglich der 
russischen Litteratur möchte ich namentlich aufmerksam machen auf 
den Abschnitt Landivlrtschaft auf der zweiten Spalte des ersten 
Blattes. Bei Kenntnis der Sprache würde man hier vielleicht schätz- 
bares Material finden zur richtigen Würdigung der gegenwärtigen 
Verhältnisse. 

Afrika. 

Die Mitteilungen über Geschenklitteratur aus Afrika beginne ich 
mit dem sprachlichen Werk von Gast, Sketch of the modern languages 
of Africa. 

Es stimmt die hier zur Anwendung gebrachte Haupteinteilung 
ganz mit den au andern Orten vorkommenden: die Semitischen 
Sprachen im nördlichen Afrika und in Abessynien, die Haniitischen 
in Egypten und an den Küsten des Roten Meeres, die Nubischen 
Sprachen hinüber bis zur Westküste bei Senegambien und hinab bis 
zum Yorubalande, die Negersprache zwischen Senegal und Niger, am 
Tschadsee uud in den obern Nilgegenden, das Bantu im ganzen 
Afrika südlich des Aequators mit Ausnahme der Sprache der Busch- 
männer und Hottentotten und die Sprache der letztern im äussersten 
Süden in Afrika. 

Es würde natürlich Zeit für einen besonderen Vortrag erfordern, 
in diese Klassifikationen des Nähern einzutreten. 

Ein zweites Werk allgemeinerer Natur über Afrika ist: 
liiheiro, Begras e Preccitos de Hygiene Colonial. 

Es ist dies ein ziemhch kultiviertes Gebiet, Die Theorien sind 
schön und einzelne Reisende, wie z. B. Kopp, der Begleiter unseres 
zu früh verstorbeneu Dr. Junker hätten sicher wohl getan, sie mehr 
in Praxis umzusetzen. 

Ebenfalls in portugiesischer Sprache verfasst sind die prächtigen 
Werke über die 

Portugiesische Expedition in das Gebiet des Muata-Yanivo, 
von denen wir nicht weniger als 15 Bände zum Geschenk erhielten. 

Ich habe den Band mitgebracht, welcher von dem Klima und den 
Produkten des zwischen Malange und Lunda liegenden Territoriums 
handelt und zwar deshalb, weil die schönen Illustrationen auch deu 



;k) 

Herren, welche mit der portugiesisclieii Sprache auf ebenso gespann- 
tem Fusse stehen wie ich, eine Ahnung beizubringen vermiigen über 
den Wert und die Anhige des ganzen reichhaltigen Werkes. Am 
geographischen Kongress ist durch Herrn Gauthier aus Paris speciell 
auf den Wert dieses Werkes aufmerksam gemacht worden. 

Es bleibt mir nun noch Einzelnes zu berühren, wobei ich mit 
einer einzigen Ausnahme alle Broschüren kleineren Umfangs übergehe. 

Ich erwähne: 

Sahatier, Touat, Sahara et Soudan. 

Es ist dies, wenn Sie es genauer durchblättern, ein förmliches 
Lehrbuch, in der Einleitung reich an Erörterungen über die karto- 
graphischen Aufnahmen. 

Interessant ist, dass der Verfasser alle Hindernisse, welche den 
Franzosen begegnet sind bei den Versuchen, Beziehungen zwisclien 
französisch Algerien und dem französischen Sudan herzustellen, auf 
geheime Intriguen des Sultans von Marokko zurückführt. Von deutschen 
Reisenden ist es namentlich Barth, dessen Erlebnisse dem Verfasser 
zum Ausgangspunkt seiner Mitteilungen dienen. Durch Besetzung des 
Touat seitens der Franzosen hofft er das Prestige des Sultans bei den 
Tonangebern der Wüste gründlich zu erschüttern. 

Die Ausnahme, von welcher ich gesprochen habe, bildet das 

Projet d'une ligne de chemin de fer reliant VEgypte ä la Sijrie par 

Arthur Youssef Louftij Bei/. 

Der Verfasser und gleichzeitig intellektueller Urheber des Projekts 
hat darüber in der Geographischen Gesellschaft zu Kairo einen Vortrag 
gehalten; er zählt zuerst die Menge der Linien auf, welche für 
Türkisch-Asien konzessioniert und im Bau begriffen sind und schätzt 
die Länge der von ihm projektierten Route von Ismaila nach 
Tripolis auf 600 Kilometer und glaubt, sie würde Aegypten aus 
seiner Vereinsamung retten und Aegypten und Syrien gemeinsam 
heben. Die Sitzungsberichte der Geographischen Gesellschaft in 
Kairo vom März 1891 sind noch nicht in unseren Händen, so dass 
ich zur Stunde nicht sagen kann, wie das Projekt dort aufgenommen 
wurde. 

Asiieu. 

Für jede Bereicherung der Litteratur über Asien sind wir speciell 
dankbar, da dieser Weltteil in unserer Bibliothek relativ am schwächsten 
vertreten ist. — Ein sehr schönes Geschenk hat uns unser Mitglied 
Herr Henri Cordier in den Tagen des Kongresses gemacht, durch 
Zustellung des Reisewerks von Odorich de Pordenone. Die Reise 



J 



\)\ 

wurde im XIV, Jahrhundert ausgeführt und Cordier zollt dem Glauben 
und der Hingebung des Mönches alle Bewunderung. Indes hat 
Odoridi diese mit vielen seiner Glaubensgenossen damaliger Zeit 
gemein und dies ist auch nicht der Grund, weshalb Cordier dieses 
Reisewerk veröft'entlicht hat. Der Grund besteht vielmehr darin, 
dass die Schlichtheit und Naivität seiner Reisebeschreibung durch 
Asien im Beginn des XIV. Jahrhunderts den Odorich von Pordenone 
einem Marco Polo an die Seite stellt und letzteren, der nur 20 Jahre 
vor den Reisen Odorichs aus Asien zurückkehrte, vielfach ergänzt. 
Die zahlreichen kritischen Erörterungen über die Personalien Odorichs 
übergehend, kann ich an dieser Stelle nur hervorheben, dass der- 
selbe im Jahr 1318 Padua verlassen hat und im Jahre 1331 nach 
Friaul, seiner Heimat, zurückgekehrt ist. — Die etwa zwölfjährige 
Reise führte ihn von Konstantinopel aus über Trapezunt und Er- 
zerum nach Persien, über Farsistau und Khonzistan nach Chaldäa, 
zurück zum Persischen Golf, wo er sich in Ormuzd nach Indien ein- 
schiffte, die Küste von Malabar bereiste und der Koromandel-Küste 
entlaug nach Ceylon gelangte. Von da begab er sich nach Sumatra, 
dessen Name in seinem Reisewerk zum ersten Mal erscheint. Ferner 
ging die Reise nach Java und der Insel Borneo, deren südlichsten Teil 
er bei Banjermassing berührte, dann endlich nach Kantou in China, 
nach Hantschou und auf dem Wege des Grossen Kanals über Lint- 
sing, nach Khan-Balik, wo damals Monte-Corvino, sein nächster Vor- 
gesetzter noch Erzbischof war. 

Gerade hier bewahrheitet sich, was Professor Nordenskiöld im 
Vorwort zu seinem Facsimile-Atlas schrieb. Es ist ja auch die 
Nomenclatur damaliger Zeit eine ganz andere. 

Sie finden z. B. auf Seite 135 — 243 den Besuch der Sunda-Inseln 
beschrieben, unter Bezeichnungen, die uns heute nicht mehr geläufig 
sind. So ist unter Lamori eines der Königreiche von Sumatra zu ver- 
stehen, unter Sinohora Sumatra selbst, unter Fana Java, unter 
Natum Borneo, unter Campe Annam, unter Vacumeran die Nicobaren, 
uuter Sillam Ceylon, unter Dondiin werden die Andomanen ver- 
mutet, aber die Beschreibung Odorichs ist hier zu undeutlich und 
unbestimmt. 

Die Erwähnung der Sunda-Inseln bietet willkommenen Anlass, 
eines der schönsten Geschenke hervorzuheben, die uns im Lauf des 
vergangenen Jahres gemacht wurden, ich meine den 

Atlas der Niederländischen Besitzungen in Ostindien. 

Wir verdanken dieses prächtige Kartenwerk Herrn Eeckhout aus 
Ratavia, welcher in den Tagen des Weltkongresses hier einen Vortrag 



02 

hielt über die Fortschritte der Eisenbahnen auf den Sunda-Insehi, 
ijenaiun- .uesaut, über die Fortschritte, welche daselbst durch den 
Eisenbahnverkehr bewirkt wurden. 

Auch die Reisen des Grafen Szechenyi in ungarischer Sprache 
bilden ein wertvolles Andenken an den Weltkongress. lieber die 
Reisen des Grafen Szechenyi in China hat ebenfalls eines unserer 
neu ernannten Ehrenmitglieder, Herr Professor von Loczy am 
Weltkongress einen Vortrag gehalten. Dieser erste Rand enthiUt seine 
geologischen Studien und eine geodätische Karte im Verhältnis von 
1 : 1,000,()0(). 

Hier bietet sich nun der beste Anlass auch der Reisen Przewalskis 
zn erwähnen, die ich trotz der russischen Sprache ebenfalls mit- 
brachte. Sie erstrecken sich über Sibirien, China, Tibet und die Mon- 
golei und da wo dieser kühne Reisende seine Forschungen aufgeben 
musste, beim Lob-Nor-See, sind dieselben vom Prinzen Henri von 
Orleans und von Bonvalot wieder aufgenommen worden. 

Noch möchte ich eines Werkes gedenken, das uns ebenfalls von 
einem unserer kürzlich ernannten Ehrenmitglieder Herrn Blanford in 
Folkestone zugestellt wurde und den Titel führt: 

A Practiccd Guide to the Climates and Weather of India, Ceylon and 

Burma. 

Es ist dies ein praktischer Leitfaden für Laien bestimmt, deren 
Blick zuweilen mit resignierter Verständnislosigkeit von der Fülle 
meteorologischer Tabellen sich abwendet, obschon ihr Beruf als Land- 
wirte, Marineoffiziere und Seeleute ihnen dringende Veranlassung 
böte, sich ganz intensiv um Sturm und Wetter zu interessieren. Es 
handelt sich also um ein Buch für den praktischen Gebrauch. 

Da wir doch einmal von Sturm und Wetter sprechen und Herr 
Blanford uns in seinem Werk hinausführt auf den weiten Ozean, so 
geht es wohl am besten an dieser Stelle einzuflechten, dass uns noch 
beim Jahresübergang ein Werk über die Expedition des Challenger 
geschenkt wurde. 

Es war jene Expedition ja speciell dazu bestimmt, die Tiefen 
der Ozeane zu erforschen und es liest sich die vorliegende von 
M.H. Wobeser besorgte Uebersetzung der englischen Reisebescbreibung 
sehr augenehm. 

üeber die wissenschaftlichen Bestrebungen in Australien werden 
wir durch die reichlichen Zusendungen der Gesellschaft in IMelbourne 
stets auf dem Laufenden erhalten, auch Herr r)aron von Müller 
übersendet uns von Zeit zu Zeit wertvolle Geschenke, die meistens 
ins Gebiet der Botanik und speciell der Ptianzengeographie eingreifen. 



m 

Amerika. 

Ich wüsste nun in der Tliat keinen bessern Uebergang zu finden 
zu der reichen Geschenklitteratur über Amerika, als das WerkPattersons 
über Tiefseeforschungen im Golf von ^Mexico. Es handelt sich hier, 
wie die verehrten Herren sofort erkennen werden, um eine Schilderung 
der zur Anwendung gebrachten Vermessungsmethoden und Instru- 
mente; da zudem die ganze Sache durch prächtige Tafeln veran- 
schaulicht ist und der Verfasser mit voller Genugthumig die guten 
Erfolge jener Forschungen konstatieren kann, so hielt ich es der 
Mühe wert, den Band mitzubringen. 

Wie Forschungen und Vermessungen der Tiefsee, so sind wir auch 
über die der Küstenstriche des amerikanischen Nordens vorzüglich 
orientiert. 

Diesen Umstand verdanken wir verschiedenen gelehrten Gesell- 
schaften, die uns mit ihren Zusendungen erfreuen, speciell muss aber auch 
der reichhaltigen Sammlung wertvoller Karten, die uns am Geographi- 
schen Kongress durch Herrn Major Post zum Geschenk gemacht wurden 
und deren eine ich zur Besichtigung mitbrachte, gedacht werden. 

Die Herren finden in dem schwarz gebundenen Katalog, der auf 
den Tischen ausliegt, ein vollständiges Verzeichnis dieser Karten in 
der Weise, dass es im Norden der Atlantischen Küste beginnt und 
die Pacific- Küste von Süden nach Norden beschreibt. Die grosse 
Karte, welche an der Wand angebracht ist, verzeichnet mit grüner 
Farbe diejenigen Territorien, auf welchen das Geodätische Institut 
der Vereinigten Staaten Forschungen veranstaltet hat. Mit roter Farbe 
und in anderer Weise sind die Territorien bezeichnet, die von anderen 
Instituten und Gesellschaften erforscht sind. 

Ihr Referent ist hier mit allem Wunsch nach Planmässigkeit dem 
Embarras de Richesse zum Opfer gefallen und vom Titel des heutigen 
Vortrags ein wenig abgewichen aus rein praktischen Gründen. Die 
verehrten Herren sehen, dass zu Ihren Händen eine kleine Ueber- 
siedlung unserer Reichtümer aus der Stadtbibliothek in unser Ver- 
sammlungslokal veranstaltet wurde. Es ging nun in einem zu, einige 
compendiöse Werke mitzunehmen, die zwar schon vor 1891 geschenkt, 
aber auch noch nie zur Sprache gekommen sind. Ich habe die Aus- 
wahl gerade deshalb getroffen, weil mir dadurch Gelegenheit ueboten 
ist, die Zermarterung Ihres Gehörorgans zu reduzieren und Iliuen 
dafür eine kleine Augenweide zu bereiten. 

Sie finden hier ein Werk Beckers ül)er die Quecksilberminen in 
Kalifornien, dessen Verfasser Ihnen zugleich in der Einleitung über die 
Quecksilberadern der ganzen Welt Aufschluss gil)t. Und was da ge- 
schrieben ist, findet sich zur Anschauung gebracht nicht allein im zu- 
gehörigen Atlas, sondern auch in den Karten, welche dem Werk selbst auf 



Seite 11 beiiiegeheii sind. Seite 1—5;; enthalt eine vüllstäiidif^c Geo- 
graphie aller (.^uecksilberniinen, sowohl derer, welche erschöpft, als 
derer, welche in der Ausbeutung begritten, als auch derer, welche 
infolge mangelhafter und unkundiger Ausbeutung eingegangen sind. 

Der Hauptteil des Werkes nebst zugehörigem Atlas ist dann 
der Schilderung der Minen in Californien gewidmet. 
BccJcer G. F., Geolog/j of fJic Comstoch Lode and the Washoe Distrkt 

(mit Atlas), 
ist unter cooperativer JNlitwirkung vieler Interessenten und Fach- 
männer entstanden. Die Comstock-Mine ist jedoch nicht nur vom 
geologischen Gesichtspunkte aus interessant, sondern dieses ausser- 
gewöhnliche Golddepositum, welches auf das Münzsystem der ganzen 
zivilisierten Welt Einfluss ausübt, verdient auch nach seiner ökono- 
mischen, industriellen und technischen Wichtigkeit alle Würdigung. 

Die Comstock-Mineu liegen nordöstlich von Nevada und es hat 
ihre Ausbeutung im Jahre 1859 begonnen. 

Es wurde die Zahl der Minen- Arbeiter in den Jahren 1800—1870 
auf 1500, in den Jahren 1870—1880 auf 8200 geschätzt; von da an 
ist es etwas rückwärts gegangen. 

Ich komme zu Dutton, Tertiary history of the Grand Cannon 
Distrid, mit Atlas, (1882). Das Buch ist mit sichtlicher Begeisterung 
geschrieben. Die erhabenen und unverlöschlichen Eindrücke, welche 
der Verfasser auf seinen geologischen Exkursionen erhielt, verun- 
möglichen ihm trockene wissenschaftliche Darstellungsart. Der Cannon 
District liegt nordwestlich von Arizona mit einer Abzweigung in der 
Eichtung nach Utah. Sie bekommen hier in zugegebenen Illustra- 
tionen und Atlas soviel zu sehen, dass ich Sie mit weiteren Auseinan- 
dersetzungen nicht ermüden will. 

Zum Schluss erwähne ich als in denselben Ideengang gehörig: 

Emmons F. ä, Geology and Mining Industry of Leadville. 

Die Stadt Leadville liegt in Colorado, am Ausgang des Arkansas- 
Thaies. Bevor die Eisenbahn gebaut wurde, war Leadville schwer 
zugänglich. Die erste Erforschung dieser Gegend erfolgte durch 
Fremont im Jahr 1845 Die eigentliche Entdeckung des Goldlagers 
und deren Ausbeutung greift ins Jahr 1859 zurück. Später wurden 
dann auch die Kohlenlager entdeckt und nun finden Sie in dem aus- 
gelegten Werk mit zugehörigem Atlas die ganze Geschichte der Ent- 
deckung und Ausbeutung auf das Eingehendste geschildert. Da ich 
mit einem Bergwerksvergleich begonnen habe, wird es angezeigt 
sein, bei der Minenarbeit abzuschliessen. 

Es soll mich ausserordentlich freuen, wenn es der oberflächlichen 
Berichterstattung gelungen ist, zu Schürfungen in die Tiefe zu reizen. 



VI. 

SklaYereiverMltnisse in Afrika. 

Vortrag von Carl H. Mann, gehalten in der Monatsversannulung vom 

9. Juni 1892. 



Es handelt sieb um ein wenig anziehendes Thema. Ich hotle 
indes gleicliwohl, dass Sie demselben einiges Interesse entgegen 
bringen. 

Wenn von Sklaverei gesprochen wird, so denkt man nicht ohne 
Weiteres an die verschiedenen Abstufungen in Haussklaverei, Sklaven- 
niarkt, Sklavendepot, Sklaventrausport und Sklavenjagd. Man steht 
unter dem allgemeinen Begriff einer eiternden Wunde, welche Afrika 
verwüstet, Europa betrübt und die Menschheit entehrt. 

Die gesetzgebenden Akte, die Kongresse und Konferenzen müssen 
allerdings, wenn sie nicht bloss akademischer Natur, sondern von 
praktischer Bedeutung sein wollen, die Sklaverei nach ihren ver- 
schiedenen Erscheinungsformen behandeln; sie müssen unterscheiden 
zwischen der Haussklaverei, die sich in einzelnen Absatzgebieten 
der Sklavenmärkte durch vielhundertjährige Tradition eingelebt hat 
und zwischen dem eigentlichen Menschenraub und Sklaventransport. 

Würden sie dies nicht thun, so wäre es völlig unverständlich, 
wie der Sultan der Türkei, der Schah von Persien und der Sultan 
von Zanzibar dem Brüsseler Kongressakte vom Jahre 1890 hätten 
beipflichten können. 

^lan darf an diese Herrscher nur erinnern, um zugleich der 
Thatsache eingedenk zu sein, dass die nach der Ostküste Afrikas 
verschleppten Sklaven zum Teil nach Arabien und Persien, zum Teil 
aber in die türkischen Harems gelangen und, soweit es sich um 
Knaben handelt, der Verstümmlung zur Erzielung des Eunuchen- 
dienstes anheimfallen, zum Teil aber auch in den zanzibarischen 
Küstenstrichen in der Sklaverei verbleiben. 

Erschöpft ist mit dieser Andeutung noch lange nicht, was mit 
den Sklaven an der Ostküste geschieht, ich glaube Sie indes un- 
merklich hinübergeleitet zu haben zu der Erkenntnis, dass wir in 
einer kurzen halbstündigen Uebersicht unmöglich von der Sklaverei 



Sprechen können, ohne die i^mvAe Frage in ihrem iiinern Zusammen- 
han.u' zu würdijien. 

Wir lassen jetzt die Frage vorderhand unerörtert, was mit den 
übrigen Sklaven geschieht, welche verschifft werden, aber weder 
nach Arabien, noch nach Persien, noch in die Türkei gelangen. Bei 
der Heimlichkeit, mit welcher, namentlich in der Nähe der deutschen 
Niederlassungen die Verschiffung betrieben werden muss, wird es 
ohndies nie möglich sein, ein richtiges Zahlenverhältnis zwischen 
den an die Küste verbrachten und den verschifften Sklaven zu ge- 
winnen. Wir fassen jetzt zunächst zwei durchaus verschiedene Ge- 
biete Afrikas ins Auge, welche uns indes gleichwohl zu einer gewissen 
Parallele reizen : Marokko und Südostafrika. 

In beiden Territorien begegnen wir der sogenannten Haus- 
sklaverei in ihrer milden Form, dort am Nordrand bei den vor- 
nehmen Volksstämmen, an der ostafrikanischen Küste bei den soge- 
nannten Banianen, den aus Indien eingewanderten KauHeuten, bei 
den Häuptlingen der Küstenstriche und den vornehmen Eingebornen. 

Denke man sich nun einen Eeisenden, der bei Tanger oder bei 
Kilimane nahe der Zambesimündung den afrikanischen Boden betritt. 
An beiden Orten tritt ihm die Sklaverei in ihrer mildern Form ent- 
gegen; er lernt vielleicht auch Sklaven kennen, welche von dem 
hohen Wert persönlicher Freiheit nicht die leiseste Ahnung haben 
und — vor eine plötzliche Wahl gestellt, das sorgenlose Essen und 
Trinken in der Knechtschaft dem mühevollen Kampf ums tägliche 
Brot in der Freiheit vorziehen würden. 

Gibt ihm dies aber ein richtiges Bild? Ganz gewiss nicht. 
Hinter der milden Haussklaverei in Marokko liegen die Sklaven- 
märkte in Fez, in Mesquinez, in Rabat, in Tendouf, hinter dem 
Sklavenmarkt in Tendouf liegt der etwa 25tägige Sklaventransport 
von l'imbuktu nach Tendouf, hinter dem Sklaventransport von Tim- 
buktu nordwärts liegt Sklavenjagd und Menschenraub im Sudan, in 
den Gegenden zwischen dem 10. und 15. Grad des Aequators bis 
hinab nach Kong, wo einer der grössten Sklavenmärkte sich befindet. 

Hinter der milden Haussklaverei in Kilimane und von da süd- 
wärts in den portugiesischen Niederlassungen bis zur vielgenannten 
Delagoabai liegt der Sklavenmarkt in Senna, hinter dem Sklaven- 
markt in Senna liegen die Sklaventransporte aus den westlich ge- 
legenen Territorien, hinter diesen Transporten liegen die Kriege der 
Eingebornen unter einander und hinter diesen Kriegen liegen die 
satanischen Einflüsterungen der Agenten, welche die Banianen im 
Innern des Landes unterhalten, Einflüsterungen an die Häuptlinge, 
dass man ihnen ihre Kriegsgefangenen als Sklaven abkaufen wolle. 



97 

So reizt die Aussicht Kriegsgefangene zu machen und verkaufen zu 
können zur Kriegsführung und zum Sklavenraub. 

Rücken wir etwas weiter hinauf gegen Cap Delgado zu, so 
tinden wir allerdings eine harte Sklaverei bei den nach der Insel 
Pemba verschilften, auf den Gewürznelkenplantagen beschäftigten 
Negern und eine ebenso harte auf den Zuckerplantagen der Komoren- 
Inseln, eine mildere in den Küstenstrichen von Zanzibar, wo sie 
überhaupt einem Vertrag zufolge, den seinerzeit England mit dem 
Sultan Said Bargasch abgeschlossen hatte, ganz ausgerottet sein 
sollte. 

Allein, meine Herren, hinter der milden Sklaverei in Zanzibar 
liegen die Transporte aus den vereinsamten Gegenden der Seeregion, 
des Nyassa, Tanganika und Albert Nyanza und des Schirwi-Sees, in 
diesem Transport liegt all das namenlose Elend der Sklaveukara- 
wanen geborgen, dessen Einzelheiten Ihnen aus mancherlei Schilde- 
rungen bekannt sind, hinter diesen Transporten liegt Mord und 
Totschlag der arabischen Räuber und Mordbrenner in der Seeregion 
selbst und in den Gegenden des Kongobeckens. 

Nicht anders stand es mit der Sklaverei in Aegypten vor dem 
Aufstand der Mahdisten, beziehungsweise der segensreichen Thätig- 
keit von Gordon Pascha. Brachten sie nicht nach den Sklaven- 
märkten in Chartum und Kairo ihre Ware aus Darfur und Kordofan 
und Bagirmi, wo der Sultan auf seine eigenen Leute Jagd machte 
und war nicht Goudokoro der berüchtigtste Sammelplatz jener Sklaven- 
jäger, die in Chartum zu 100 7o Greld entlehnten, um die Völker 
des Südens zu überfallen? 

Und welche Bedeutung erlangte Tripohs für den Sklavenhandel 
von dem Augenblick hinweg, wo die sudanesischen Sklavenjäger und 
Karawanenführer in ihrer Wut über die Schritte Aegyptens die 
Richtung der Karawanen änderten und nordwesthch zogen gen 
Murzuk ? 

Wie wäre es denn unter solchen Umständen möglich, für eine 
einfache Betrachtung der Dinge den Faden zu zerreissen, der zwischen 
der Ausmündung des trüb n Stromes und seiner Quelle besteht? 

Man hat vielfach auch als Quelle des Sklavenhandels die Art 
und Weise bezeichnet, wie die Araber den Elfenbeinhandel betreiben. 
So lange sie nur totes Elfenbein suchen und dasselbe durch Träger 
nach der Ostküste bringen mussten ohne geeignete Verkehrswege, 
ist allerdings viel Richtiges in dieser Bemerkung. 

Allzu sanguinischen Hottiuingen wird man sich in dieser Be- 
ziehung nicht hingeben dürfen. Nach Lagos wurde ehemals auch 

XI. Jahresberiiht <l. fieogr. Ges. v. Bern. 1891—1892. 7 



OS 

Elfenbein diirdi Trauer g'ebraclit, nunnielir ist dieses Transport- 
mittel übertiüssig; aber die Sklaverei bat nicht aufgeh()rt. Raub 
und Mord wird schliesslich da, wo der Nebenzweck dahin fällt, 
Selbstzweck. 

In den letzten Jahren zumal konnte man sich des Kindrucks 
nicht erwehren, dass die Araber an ein Verwüsten gehen, als 
fürchteten sie von heute auf morgen ihrer Lust am Verwüsten nicht 
mehr fröhnen zu können. Man vergegenwärtige sich nur ihr rasches 
Vorgehen von Osten nach Westen. Ehemals war Tabora die am 
weitesten nach Westen und ins Innere vorgeschobene Station der 
arabischen Sklavenjäger; dann drangen sie weiter westwärts nach 
Niangwe, das nun freilich nominell zum unabhängigen Kongostaat 
gehört; seit der Gründung desselben bis zum Jahre lsi)l sind sie 
vorgedrungen bis zum Zusammeniiuss des Kongo und Arruwimi. 

Das ganze Gebiet zwischen der Fallstation und dem untern 
Arruwimi ist von arabischen Lagern besetzt; sie sind selbst über den 
Rubi nach dem Ubangi gedrungen und haben in Djabbir am Quelle 
eine der nördlichsten Stationen des Kongostaates erreicht und Stanley 
sind sie auf seiner Reise vom Arruwimi zum Nyanza-See Schritt für 
Schritt gefolgt und haben diesen Spuren folgend Stationen angelegt, 
die sie mit ziemlicher Truppenmacht befestigt haben. 

Unverkennbar geht ihre Tendenz dahin, die Verbindung mit den 
Sklavenjägern des Sudan herzustellen und die Herrschaft am obern 
Kongo an sich zu reissen. Um dieses zu erreichen müssten sie ihre 
Eroberungen bis Bangala, das nördlich der Aequatorstation liegt, 
ausdehnen. 

Es dürfte sich also hier ein grosser Entscheidungskampf ab- 
spielen, den der Kongostaat um seine Existenz kämpfen muss. 

Der Berliner Kongovertrag vom 2G. Februar issn enthält in 
den Artikeln VI und IX das Prinzip, wonach der Sklavenhandel und 
alle Operationen, welche, zu Lande oder zu See, diesem Sklaven zu- 
führen, als verboten und völkerrechtswidrig anzusehen seien, und 
gibt nur einige wenige Andeutungen über die Art und Weise, wie 
jenes Verbot, insbesondere innerhalb des konventionellen Kongo- 
beckens durchzuführen sei. 

Die Brüsseler Konferenzakte vom 2. Juli 18!)0 stellt in bindender 
Weise eine grosse Reihe von Einzelmassregeln fest, deren Zweck die 
Unterdrückung des Sklavenhandels in dem ganzen weiten Gebiet ist, 
in welchem derselbe heutzutage noch vorkommt. 

Dem gegenüber ist es nun gewiss von Interesse, auf den Fort- 
schritt aufmerksam zu machen, der zwischen dem Protokoll der 



Berliner Kongokonferenz vom 2G. Februar 1885 und der Brüssel ei- 
Kongressakte vom Jahre 1891 liegt. 

Wir finden noch verschiedene Formen der Haussklaverei im 
Zambesibecken, wiederum in Dahomey, im Kamerunlande, soweit es 
die Gegend hinter den Kamerunbergen betriift, und im Sudan. 
In Bailundu und Bihe sind die Missionare auf die Intriguen eines 
portugiesischen Branntwein- und Sklavenhändlers verjagt worden, 
womit indessen nicht die Nation als solche angeklagt sein soll. Silva 
Porto, der seit 30 Jahren in Bihe niedergelassen und gleichfalls Por- 
tugiese ist, hat dem König über sein Vorgehen ernste Vorwürfe 
gemacht. Derselbe hatte den Missionaren geschrieben : Ihr habt 
mich gut behandelt, allein Ihr gebt meinen Häuptlingen nicht, was 
sie bedürfen, weder Branntwein noch Pulver noch Gewehre. Wie 
es sich mit den angeblichen Sklavenverschiffungen in Whydah, dem 
Hafen von Dahomey verhält, haben Sie vor wenigen Monaten den 
^Mitteilungen des Herrn Barth entnommen; Sie werden sich auch 
erinnern, dass kein Eingeborner von Dahomey Sklave ist, dass die 
hier befindlichen Sklaven meistens Kriegsgefangene, aber nicht ge- 
halten sind, jede Stunde des Tages oder jeden Tag der Woche für 
ihre Herreu zu arbeiten, so dass sie, wenn sie von Hause aus in- 
telligent sind, es zu etwas bringen können. 

Hinter den Kamerunbergen haben die deutschen Forschungs- 
reisenden Territorien getroffen, wo die Bevölkerung eines Dorfes im 
Sklavereiverhältnis steht zur Bevölkerung der benachbarten Stadt. 

Nach der Westküste werden im Ganzen nicht mehr viele Sklaven 
gebracht; von Sierre Leone aus werden Streifzüge auf Sklavenkara- 
wanen unternommen und es haben schon Befreiungen in grossem 
Massstab stattgefunden; in Senegambien wird jeder Sklave frei er- 
klärt, welcher den Boden der französischen Kolonien betritt; man 
hütet sich nur davor, dass man die landeinwärts befindlichen Sklaven 
nicht zum Enttiiehen provoziert, weil durch ein massenhaftes Ent- 
fliehen derselben den Kolonien die ernstlichsten Verlegenheiten ent- 
stehen könnten. 

Im Sudan hat sich indes die Sklaverei derart in die Institutionen 
und Anschauungen des Volkes eingelebt, dass dem Sudanesen wohl 
nicht ohne weiteres der Gedanke an Entweichung kommt. Oder 
wenn zwei aufs Mal befreit und eine Zeit lang sich selbst überlassen 
würden, so würde der Stärkere bald den Schwächern zu seinem Sklaven 
erklären. 

Diese verschiedenen Erscheinungsformen bezeichnen auch den 
Weg, den man bei der Abschaffung der Sklaverei zu gehen hat. 



100 

/iir Mr/ieliuiiii" der iiekiicchtetcu \'('>lker für den IJei^ritt der 
l»ersöiilicluMi Freilioit, zur allniälii^en riiiwaiullmii; der Volksaiiscluui- 
ungou und Würdigung der redlichen Arbeit um das tägliclie Hrot 
geli(">rt die geduldige Wirksandceit der Mission und sie hat überall 
das gegebene Mittel, wo dir in der Nilhc der Niederlassungen befreite 
Sklaven zugeführt werden und wo sogenannte Honies für solche 
Sklaven gegründet sind. liier ist der Berührungspunkt zwischen 
den Missionsgesellschaften und der Wirksamkeit der Antisklaverei- 
gesellchaften. 

Letztere gehen allerdings stellenweise, namentlich in der See- 
region auch mit Gewalt gegen die Sklavenjäger vor und Kapitän 
Joubert ist diesen gegenüber wie ein Löwe und den befreiten Sklaven 
gegenüber wie eine zärtliche Mutter. 

Seine Unternehmungen werden durch die Regierung des unab- 
hängigen Kongostaates in jeder Weise gefördert; aber es muss nach 
meiner unmassgeblichen Auflassung einen Moment geben, wo die 
Stellung, welche dem bekannten Tippo Tipp bei den Stanley-Fällen 
gegeben wurde, den Kongostaat in eine äusserst missliche Lage 
bringt. 

Im Norden des Nyassa-Sees hat nun die Mission der Brüder- 
gemeinde eine Station anlegen können in der Nähe der grossen 
Karawanenrouten. Hier handelt es sich in allererster Linie darum, 
die Wunden zu heilen. 

Die Aufgabe der englischen, deutschen und portugiesischen 
Kolonial-Behörden und des Kongostaates besteht darin, den Sklaven- 
raub zu ahnden, den Sklaventransport am Ausgangspunkt und auf 
den Karawanenrouten, soweit dieselben ihr Gebiet berühren, zu ver- 
hindern, die Sklavendepots und Sklavenmärkte zu unterdrücken und 
die Verschiffung zu verhindern. 

Die Aufgabe ist erstaunlich gross und wenn auch ül)erall der 
beste Wille vorausgesetzt werden darf, den Verpflichtungen der 
Brüsseler Kongressakte gerecht zu werden, so darf man nicht zu 
viel auf einmal erwarten. 

Man hört ja zuweilen Ausdrücke der Verwunderung, dass diese 
wohlgemeinten Absichten sich nicht viel rascher verwirklichen. Für 
unsere Ungeduld und für den ohnmächtigen Zorn, den wir über den 
Gräuel der Sklaverei empfinden, geht es allerdings viel zu lang. 

Indes dürfen wir denn doch gerade bei uns in der Schweiz uns 
nicht gar zu sehr verwundern. Seit 1874 besitzen wir ein Gesetz 
über die Militärorganisation und noch heute vor 8 Tagen musste 
der Chef des MiUtärdepartements klagen, dass es in 18 Jahren in 
einem seiner wichtigsten Bestandteile nicht durchgeführt sei. Seit 



10 1 

17 Jahren besitzen wir ein Gesetz über Jagd und Vogelschutz und 
es ist offenes Geheimnis, dass ihm in einem unserer Kantone keine 
Nachachtung geschenkt wird. Seit 15 Jahren haben wir ein Gesetz 
über Wasserbaupohzei im Hochgebirge und auch dessen Durchführung 
lässt viel zu wünschen übrig. Und doch sind wir Herren und Meister 
im eigenen Lande. 

Wie können wir denn nun erwarten, dass die in numerischer 
Minderzahl befindlichen und unendlichen Schwierigkeiten begegnenden 
europäischen Kolonialbehörden und der noch im Kindheitsalter be- 
findliche Kongo-Staat rascher marschieren in Afrika? 

Immerhin fällt diesen' Behörden, soweit es sich um das Vorgehen 
gegen die Sklavenhändler handelt, nicht die Arbeit der Geduld zu, 
sondern Akte der Gewalt und unnachsichtlicher Strenge; diese Bande 
von Räubern und Mordbrennern sollte es einmal zu fühlen bekommen, 
dass sich dier Ring um sie enger und immer enger schliesst. 

Dann kommt aber den Behörden auch die Aufgabe der Gesetz- 
gebung zu — was in Dahomey möglich ist, die Kinder von Sklaven 
von einem gewissen Zeitpunkt hinweg frei zu erklären, das sollte 
auch in den südafrikanischen Staaten möglich sein, mit welchen die 
Portugiesen Verträge abgeschlossen haben, und im Stromgebiet des 
untern Kongo und anderwärts; ferner, wird die scheussliche Ver- 
stümmelung zum Eunuchendienst auch mit gesetzlichen Bestimmungen 
getroffen werden müssen. 

Kurz, es ist ausserordentlich viel zu thun und es erfordert 
rasche Arbeit, um die schönsten Gegenden Afrikas vor endgültiger 
Verwüstung zu bewahren, es erfordert gewaUtliätige Arbeit, um den 
Sklavenjägern das Handwerk zu legen, es erfordert iveise und um- 
sichtige Arbeit, um durch Erstellung neuer Verkehrswege und guter 
Transportmittel jeden Vorwand zum Sklavenraub und Sklaventrans- 
port zu nehmen; es erfordert geduldige Arbeit, um auf die An- 
schauungen des Volkes einzuwirken und dasselbe zum richtigen Ge- 
brauch der Freiheit zu erziehen, es erfordert gemeinsame Arbeit 
aller derer, die eines guten Willens sind. 

Wo aber dieser Wille vorhanden ist, da ist auch ein Weg! 



VTI. 

Der Bürgerkrieg in Chile. 



V(irtrnK von ./. F. Iläjliger, Generalkonsul von Bolivia, in IJoni, grii.iHL'ii in d 
.Monalsversauimluny vom 26. November 1891. 



Nach dem Titel meines Vortrages handelt es sich heute Abend 
eigentlich um einen historischen Stolt', al)er ich glaube, wir werden 
unserem Charakter einer Geographischen Gesellschaft keineswegs 
untreu, indem wir uns zur Abwechslung hie und da erlauben, der 
Zwillingsschwester Historia einige Aufmerksamkeit zu schenken. 

Vielleicht erfreut sich unsere Gesellschaft gerade deshalb einer 
so stattlichen Mitgliederzahl und eines immer ansehnlichen Besuches 
ihrer Sitzungen, weil wir nicht fortwährend den gleichen Stein 
schleifen, sondern einige Vortragsabende zur allgemeinen Belehrung 
und Erbauung nehmen, gleichsam um uns von den Anstrengungen 
rein wissenschaftlicher Arbeiten zu erholen und auszuruhen. Und 
wenn ich noch einen weiteren Grund anführen sollte, das gewählte 
Thema in unserem Kreise zu entschuldigen, so sei es der, dass wir 
vor allem aus Bürger eines freien Landes sind, denen die allgemeinen 
Volksrechte, die Achtung vor dem Gesetz mehr am Herzen liegen, 
als die Gesetze einer Specialwissenschaft; ich spreche daher mehr 
zum Bürger als zum Geographen. 

Die geographischen Punkte, die dabei vorkommen, werden ihre 
Erläuterung auf der vorliegenden grossen Karte von Chile finden. 

Wir Schweizer haben an den Vorgängen in Chile ein specielles 
Interesse, denn .-]000 unserer Landsleute sind in den letzten Jahren 
dorthin gezogen und teilen nun das Schicksal jenes Landes. 



Chile war bis heute eine bis in die geringsten Details centrah- 
sierte Republik; das munizipale Leben stand unter der direkten 
Vormundschaft der Kegierung, insofern die Gemeindepräsidenten 
Regierungsbeamte waren und das Vetorecht gegen alle Beschlüsse 
der ihnen unterstellten Räte hatten. 



103 

Ks fehlte also an einem freien Gemeindewesen nnd ohne dieses 
ist keine gesnnde KepnbUk denkbar. Die Provinzen, viele unter ihnen 
so gross oder noch grösser als unsere Schweiz, entbehren gänzlich 
einer autonomen Verwaltung. 

Die obersten Gewalten liegen in der Hand eines Parlamentes, 
aus einer Deputiertenkammer und einem Senat bestehend. Auf je 
20,000 Seelen kommt 1 Deputierter und auf je 3 Deputierte 1 Senator, 
jene auf 8 Jahre, diese auf G Jahre gewählt. Taggelder und Vergütungen 
haben sie keine, dürfen auch kein reutiertes x\mt bekleiden. Alle 
Bürger von 21 Jahren au, die lesen und schreiben können, sind 
stimmfähig. 

Die Exekutive: ein Präsident, auf 5 Jahre wählbar, und (J Mi- 
nister, von diesem ernannt. 

Der Staatsrat von 11 Mitgliedern, von denen 5 der Präsident, 
() das Parlament ernennt. 

Der Richterstand: ein Oberster Gerichtshof von 7 Mitgliedern, 
vier Appellatioushöfe. Diese Kichter sind auf Lebenszeit gewählt, 
unabsetzbar und unabhängig von der Regierung. 

Die chilenische Verfassung hat ausserdem noch einen andern 
Faktor eingesetzt, den wir in unserer Schweiz nicht kennen, nämlich 
die Kommission Conservadora, die aus einer Delegation von je 7 Mit- 
gliedern aus Kammer und Senat besteht. Es ist dies eine Art von 
Aufsichtsbehörde, die dafür zu sorgen hat, dass die Beschlüsse der 
Kammern in der Zwischenzeit der Sitzungen ausgeführt und über- 
haupt nichts Verfassungswidriges von der Exekutive vorgenommen 
wird. Diese Delegation hat u. a. auch das Recht, den Präsidenten 
aufzufordern, die Kammern zur Sitzung einzuberufen. 

Sie kennen nun die Hauptfaktoren des chilenischen Regierungs- 
apparates. 

Der Präsident der Republik wird vom Volke indirekt, d. h. ver- 
mittelst Wahlmännern — 3 auf 1 Depurtierten — erwählt, und als 
an der gleichen Quelle der Volkssouveränetät geboren, betrachtet er 
sich wenigstens dem Parlamente oder Kongress ebenbürtig ; ist er ja 
auch der Erkorene des Volkes. — 

Dieser Umstand führte in Chile zum Bürgerkrieg. Diejenigen, 
welche unseren l>undesrat direkt durch das Volk wählen möchten, 
können hierin eine Lehre hnden. 

Bei einer solchen Organisation, wo die zwei ersten Regierungs- 
organe ebenbürtig, fast als Rivalen neben einander stehen, können 
sich Zustände entwickeln, die absolut keine andere Lösung als die 
durch Gewalt zulassen. 



104 



Der chilenische Präsident kann die Kannnein nicht anl'liisen, 
kann aber auch nicht re.i^ieren, wenn diese seine Minister nicht 
unterstützen oder gar das lUidget nicht bewilligen wollen. Wird also 
eine von diesen Gewalten steckköptisch, so ist der unvermeidliche 
Zusammenstoss da. 



Die öffentliche Meinung sämtlicher Staaten Südamerikas liegt 
nicht in den Volksmassen, die eben noch nicht zu einem i>olitischen 
Bewusstsein herangereift sind, sondern in den verhältnismässig sehr 
engen Kreisen leitender Klassen. Man begreift daher die fortwährende 
Beehitlussung der ausserhalb derselben liegenden Wählerschaft durch 
jegliche Mittel, besonders durch Einschüchterung oder Gold. Die 
politischen Angelegenheiten werden im Ministerrat oder in den Ko- 
mitees gewisser tonangebender Klubs verhandelt und bereits endgültig 
festgestellt; die öffentliche Abstimmung wird jeweilen genau so aus- 
fallen, wie es im Kreise Weniger abgemacht worden ist. Von dieser 
allgemeinen Regel machen nun die iüngst stattgefundenen Wahlen in 
Chile eine ehrende Ausnahme ; es ward eine vollständige Wahlfreiheit 
garantiert und das Experiment ist vollständig gelungen, d. h. alle 
Fraktionen fanden dabei eine naturgemässe Vertretung und wir wollen 
hoffen, dass Chile auch hierin den südamerikanischen Staaten den 
richtigen Weg gezeigt hat. 

Ich komme nun auf mein eigentliches Thema zurück, nämlich 
den Konflikt zwischen dem Präsidenten Balmaceda und der chileni- 
schen Volksvertretung, der zum offenen Bürgerkrieg führen sollte. 

Balmaceda hielt sein Ministerium fest ; die Kammern waren zu Drei- 
viertel gegen dasselbe, verweigerten jede Vorlage, besonders aber das 
Budget für 1801 und den Effektivbestand der Land- und Seemacht. 
Balmaceda erklärte nun die Sitzungen des Kongresses für geschlossen ; 
die eingangs erwähnte Aufsichtsbehörde forderte ihn auf, die Sitzungen 
der gesetzgebenden Körper wieder aufzunehmen, was er aber nicht 
Avollte, und als der 1. Januar da war, erklärte er, vorläutig ohne 
Kammern regieren zu wollen, bis deren Mandat abgelaufen sein 
würde. Also die Diktatur. 

Der Kongress erklärte ihn daraufhin als unwürdig, sein Amt zu 
bekleiden, und setzte ihn ab. Eine provisorische Regierung wurde 
eingesetzt, welche das Volk und besonders die Land- und Seemacht 
aufforderte, zu dem verfassungstreuen Kongress zu halten. Die träge, 
unwissende Volksseele regte sich bei diesem Rufe kaum, das Land- 
heer hielt zu Balmaceda, nur die Marine, aus aufgeklärteren Elementen 
bestehend, sagte sich zum grössten Teil von der Diktatur los. 



105 

Die provisorische Regierung, aus den angeseliensten Persünlich- 
keiten zusammengesetzt, schiffte sich auf eines der grossen Panzer- 
schiffe ein und es begann nun ein Bürgerkrieg, wie Südamerika noch 
keinen gesehen, der dem Lande unendlich viel Blut und Geld ge- 
kostet hat. 

Es würde zu weit führen, wenn ich nun berichten wollte, was 
die provisorische Regierung für eine Aufgabe hatte, die nötigen 
Mittel und Kräfte zu organisieren, um der gewaltthätigen Diktatur 
beizukommen, die in kürzester Zeit ein wohlbewaffnetes Heer von 
oO,00() Mann um sich scharte, dessen Sold nm 50 o/o erhöht und die 
Offiziere mit allgemeinem Avancement bedachte. 

Die Kongresspartei musste ihre Mannschaften an der nördlichen 
Küste des Landes sammeln, eindrillen und bewaffnen; letzteres war 
besonders schwierig, da der Vorrat an Waffen für eine Landarmee 
an Bord der Kriegsschiffe natürlich ein sehr geringer war, und solche 
vom Auslande zu beziehen, war sehr langwierig und schwer aus 
Rücksichten der grossen Entfernung und der hindernden Neutralität, 
denn ausser bei dem Nachbarstaat Bolivia fand die Junta de go- 
hierno nirgends die nötige Anerkennung als kriegsführende Macht. 
Dieser Umstand war ohne Zweifel vorderhand die schwerste Sorge 
für die provisorische Regierung. 

Auch die Beschaffung der nötigen Geldmittel war gewiss keine 
Kleinigkeit, wie man sich wohl denken kann. Es standen freilich 
die reichsten Leute des Landes auf der Seite der Opposition und sie 
haben eine harte Probe glänzend bestanden, indem sie kühn und 
freiwillig ihr ganzes Vermögen der guten Sache zur Verfügung 
stellten und so ihr Privatinteresse, ja die Existenz ihrer Familien 
dem Wohle des Vaterlandes unterordneten. 

Es ist eine schöne Sache um militärische Tapferkeit, aber der 
Mut jener Civilisten ist denn doch unendlich verdienstvoller, umso- 
mehr da sie auch in der Schlacht ihren ]\Iann stellen mussten. 

Solche Männer sind überall mit Ehrfurcht zu begrüssen, man 
sollte ihr Beispiel nie vergessen. Ein Baum, der solche Blüthen 
ächter Vaterlandsliebe treibt, wird gewiss auch schöne Früchte zei- 
tigen. 

Nun, so ganz aus Privatciuellen flössen die nötigen Geldmittel 
auch nicht, und der Ausfuhrzoll auf Salpeter, wovon monatlich un- 
gefähr 700,000 Zentner zur Verschiffung kamen, und andere Ein- 
nahmen im Norden, den Balmaceda räumen musste, brachten der 
Kongressregicrung etwa :; Millionen Franken i)er .Monat ein. 



UM) 

Ulli die Lage der beiden kriegfülireiiden Parteien anscliaiiliclier 
/ii machen, müssen wir uns zu der geo,i;rai)liisclien Karte von (üiile 
wenden. 

Wir sehen da den lau^-gezogeuen, schmalen Streifen Laii(U;s, der 
sich vom IS/' bis .")(i.o südlicher Breite ausdehnt, also nahezu soo 
Schweizerstunden lang ist. Diese Küste lässt sich iu I Zonen ein- 
teilen, d. h. im industriellen wie iin klimatischen Sinne: 

1. Die Wüste mit den Salpeter- und üuanolagern. 

2. Die Wüste mit sandigen Hochebenen und kahlen Gebirgs- 
zügen, wo ebenfalls auf Kui)fer- und Silbererze gebaut wird. Diese 
Region wird von bewässerten, sehr fruchtbaren Seitenthälern von den 
Cordilleren nach der Küste hin durcliquert. 

;-.. Die landwirtschaftliche Zone, das eigentliche Centrum und die 
Kornkammer Chiles; eine von der Natur reich bedachte Region, 
die sich etwa vom 32. ^ bis zum 43. " erstreckt und in deren Mitte 
die Hauptstadt Santiago, sowie die Hafenstadt Valparaiso liegen. 

4. Das silvatische Gebiet mit seinem grossen Waldreichtum und 
Fischerei. 

Politisch ist das Land in 22 Provinzen eingeteilt und diese 
wieder in Departemente; jene von einem Intendanten, diese von 
einem Gouverneur regiert, die beide von der Centralregierung er- 
nannt werden. 

Chile hat 3 Millionen Einwohner; heute wahrscheinlich einige 
Hunderttausende mehr. 

Die provisorische Regierung bemächtigte sich der ersten und 
eines Teils der zweiten Region im Norden des Landes, d. h. der 
eigentlichen Wüste. Wir haben bereits gesehen, dass diese Gegenden, 
wenn auch völlig arm an Wasser, reich an Mineralien sind, die eine 
ganz bedeutende Rolle in der Volkswirtschaft spielen. 

Um aber Herr jener nördlichen Landesteile zu werden, mussten 
die dort stationierten, gar nicht unbedeutenden Streitkräfte des Dik- 
tators bezwungen werden, unter anderen eine ganze Division von 
circa 3000 Mann, die im Hafenort Iquique und den umliegenden 
Salpeterorten lag. Es wurde da viel und äusserst hartnäckig ge- 
kämpft, bis die sehr blutige Schlacht von Pozo Almonte, wobei die 
Division Balmacedas fast ganz aufgerieben wurde, den ganzen Norden 
unter die Botmässigkeit des Kongresses brachte. 

Die in diesen Kämpfen eroberten Waflten und Kriegsmaterialien 
ermöglichten es der Junta, mehr Mannschaften einzustellen, während 
die Kriegsflotte die südlichen Häfen, besonders Valparaiso, fortwährend 
beunruhigte, ohne eigentliche Zerstörungen vorzunehmen. 



I 



107 

I)ei einer dieser Geleiieiüieiteii erlitt die Kongre>;siiiarine einen 
ausserordentlich schmerzluil'ten Verlnst, indem ihr bestes und stärkstes 
Schiff, die Panzerfregatte ,, Blanco Encalada", von zwei kleinen 
Torpedobooten im Hafen von Caldera samt ihrer Bemannung von 200 
Mann in Grund gebohrt wurde. Jene raschen Torpedo waren ganz 
neu, kurz nach dem Ausbruch des Krieges aus Europa angekommen 
und durch einen fatalen Zufall dem Diktator in die Hände gespielt 
worden. Ihre Furchtbarkeit bestand in den modernsten Apparaten, 
Torpillen auf ihre Gegner loszulassen, sowie besonders auch in ihrer 
Geschwindigkeit. 

Der gewaltige „Blanco Encalada^*^ lag ruhig vor seinen Anker- 
ketten, als er in der frühesten Morgenstunde von jenen Mordge- 
sellen überrascht wurde ; seine Maschinen waren nicht unter Dampf, 
eine unbegreiliiche Sorglosigkeit des Kommandanten, und in diesem 
Zustande der Hülflosigkeit musste er sich zur Wehre setzen, denn 
keiner dachte daran, das Schiff in die Hände der Angreifer fallen 
zu lassen, und noch war einige Hoffnung da, sich dieselben so lange 
vom Leibe halten zu können, bis die Cylinder den nötigen Dampf- 
druck haben würden. Dazu liess man ihm aber nicht Zeit ; eine erste 
Torpille platzte in der nächsten Nähe, es folgte eine zweite, dritte, 
vierte, fünfte, die das schöne Schiff' umdonnerten, bis es endlich der 
sechsten Höllencigarre gelang, bis an die Schiffswand zu gelangen. 
In einer Minute war der „Blanco" unter den vom Kampfe dampfenden 
Wellen verschwunden. — Es war ein harter Schlag für die Kongress- 
isten, aber er wäre noch viel schwerer gewesen, wenn das Schiff" in 
die Hände von Balmaceda gefallen wäre. 

* * 

Mittlerweile waren die Agenten der Junta sowohl in Europa als 
in Nordamerika ausserordenthch thätig in der Beschaffung von Waffen, 
Transportschiffen, Kohlen und was alles zu einer so grossartigen 
kriegerischen Unternehmung gehört an einer Küste, wo alles mangelt 
ausser wetterfesten, kampflustigen Männern ; wo jeder Mundvoll von 
Lebensmitteln, jeder Bündel Heu Hunderte von Stunden weit her- 
geschafft werden muss, während der Gegner mit seinen wohlbewaff- 
neten, wohlgenährten oO,000 Mann im Centrum des fruchtbaren 
Landesteils den Angriff* ruhig abwarten konnte. 

Wer die Energie und Zähigkeit der Chilenen nicht kannte, mochte 
\\o\i\ an dem endlichen P^rfolge eines solchen Unternehmens ver- 
zweifeln. Eine Koalition aller Parteien hatte sich zwar gegen den 
Diktator gebildet, und das fremde Element, obschon ganz neutral, 
hatte sich derselben moralisch zugesellt, besonders der englische 
Handelsstand, der die Exploitation der Salpeterfelder nun desto 



ins 

eifritiiT betriol) und auf diese Weise der Junta bedeutende Ein- 
nahmen in Ausfuhrzöllen sicherte; aber so lange r)alnia('eda in den 
Staatskassen die nötigen Mittel fand, um seine Soldaten gut zu be- 
zahlen, war er immerhin ein gefi\hrlidier Gegner. Er hatte versucht, 
Geld zu machen, indem er die sequestrierten Gilter und Liegenschaften 
seiner reichen Widersacher zu verkaufen suchte, es fanden sich aber 
keine Käufer dazu, oder nur scdche, die eben auch kein Geld hatten. 

Die Umgebung von Balmaceda war eine recht buntscheckige 
und wenig achtunggebietende; sie hatte einige Aehnlichkeit mit der 
Gruppe, die den General Boulanger umgab : die naiven Enthusiasten, 
die immer den anbeten, der das grösste Maul hat oder sonst arro- 
gant auftritt, die Ehrgeizigen, die in gewöhnlichen Zeiten im Dunkeln 
bleiben müssen, und dann besonders die grosse Phalanx der Geld- 
gierigen. Diese letzteren waren überhaupt schon seit langem ein 
recht schmutziger Parasit in der Regierung Balmacedas und haben 
nicht wenig zu dem allgemeinen Unwillen beigetragen, als man sah, 
dass die alte Ehrlichkeit der chilenischen Verwaltung in Geldsachen, 
die Beamtentreue im allgemeinen nach und nach auf eine recht 
schiefe Ebene zu geraten drohte oder bereits geraten war. 

Als Diktatur war sie aber unzweifelhaft eine mustergültige; sie 
erklärte, vorläufig sämtliche öftentliche Gewalten zu übernehmen, 
suspendierte alle Gerichtshöfe, erklärte alle Kongressisten als Verräter 
des Vaterlandes und sequestierte ihr Vermögen, kein Notar durfte 
mehr einen Verkauf oder eine Uebertragung irgend welcher Natur 
bekräftigen, alle Zeitungen ausser zwei regierungsfreundlichen Blättern 
wurden unterdrückt und sämtliche Druckereien geschlossen, Hunderte 
der angesehendsten Bürger wurden eingekerkert und viele von ihnen 
infam misshandelt, keine Familie war mehr sicher vor nächthchen 
Ueberfällen und Hausdurchsuchungen, wer auf oppositioneller That 
ertappt wurde, wurde meist sofort erschossen. Kurz, eine Herrschaft 
des Schreckens in ihrer fluchwürdigsten Form. 

Die Vertreter der fremden Mächte suchten wohl ein Abkommen 
zwischen den feindlichen Parteien zu Stande zu bringen, doch ihre 
Anstrengungen fruchteten nichts. Nur der Gesandte der Vereinigten 
Staaten blieb in einem zweideutigen Verhältnis der intimsten Freund- 
schaft zu Balmaceda und die Geschichte wird nicht zögern, sein Ver- 
halten klar zu stellen; möge es ihm gelingen, sich und die Regierung 
der grossen Union von dem Verdachte reinzuwaschen, eine hässliche 
Rolle gespielt zu haben. Die Neutralität der Mächte, welche die 
Kongressregierung nicht anerkennen wollten, wirft auch ein sonder- 
bares Licht auf den internationalen Billigkeitssinn und die pedantische 
Auslegung des Völkerrechts. 



109 

Wir kommen mm zu den eigentlichen Kriegsoperationen, denn 
es war endlich der Kongressregiernng gelungen, ein Landungsheer 
von 10,000 Mann mit Gras- und Mannlicher-Gew ehren und Krupp- 
Kanonen zu bewaftnen, die zum Teil erobert, zum Teil gekauft worden 
waren. Das Mannlicher-Gewehr hat sich, wie es scheint, ganz be- 
sonders bewährt. 

Die militärische Führung war dem Obersten del Cauto, dem 
Sieger von Pozo Almonte, anvertraut ; sein Generalstabschef war ein 
Offizier der preussischen Armee, Körner, der seinerzeit von der chi- 
lenischen Regierung als Instruktor der Armee kontraktlich engagiert 
worden war, aber zu seiner Ehre und seinem Vorteil, sowie zum 
grossen Nutzen der Kongresspartei zu dieser übergegangen war. 
Oberst Körner, nun wie del Canto zum Brigadegeneral befördert, 
hat sich um die ganze Campagne hochverdient gemacht, und zwar 
sowohl bei der Instruktion der Offiziere als auf den Schlachtfeldern; 
ein schulmässig gebildeter, tapferer Militärsmann. 

Es war wohl selbstverständlich, dass man es nicht wagen durfte, 
die kleine Armee von 10,000 Mann der Hauptmasse des Diktators^ 
die ja dreimal stärker war und mehrere Bataillone erprobter Linien- 
trupi)en hatte, entgegenzuführen. Tiefes Geheimnis umhüllte den 
Punkt, wo man landen und nach der Hauptstadt Santiago hin ope- 
rieren würde. Man musste Balmaceda zwingen, seine Macht so viel 
als möglich zu zersplittern, und fing mit Scheinangriffen an ver- 
schiedenen Punkten an. 

Die Landung eines kleinen Korps von drei Waffen im nördlichen 
Hafen von Huasco und die Besetzung des dahinterliegenden Thaies 
gleichen Namens liess vermuten, dass es auf den zunächst südlich 
gelegenen, sehr bedeutenden Hafen von Coquimbo abgesehen sei, von 
wo aus leicht in der Piichtung nach Santiago operiert werden konnte 
und wo dem Angreifer bedeutende Vorräte und Hülfsmittel in die 
Hände fallen konnten. Die Distanz zwischen Coquimbo und Santiago 
ist etwa oOO Kilometer, das Terrain ausserordentlich coupiert von 
querliegenden Höhenzügen und tiefen Thaleinschnitten, diese recht 
saftig und fruchtbar, jene aber öd und sandig. 

Es mag etwas gewagt erscheinen, eine ganze Armee einen so 
laugen, ermüdenden Weg einschlagen zu lassen, um am Ende des- 
selben auf einen ausgeruhten, wohlvorbereiteten Gegner zu stossen; 
der chilenische Soldat ist aber ein unverwüstlicher Fussgänger und 
seine körperlichen Bedürfnisse sind dabei fast unglaublich gering; 
dieser Marsch von Coquimbo nach Santiago wäre freilich nur eine 
Promenade gewesen im Vergleich zu den Leistungen in den ganz 
toten Wüsteneien von Atacama und Tarapaca, sowohl im früheren 
Kriege gegen Peru und Bolivia, als auch in diesem. 



110 

Das wiissto lialinac'cda £iar wohl, und um die Kon.m-essisteu sclion 
beim Aussein tlen zu ordriu'keii, legte er S(H)i) Manu nach Coquimho 
und La Serena. hielt auch die kleineren Häfen von Los Vilos und 
Pai)udo. Er fürchtete sogar, der ganze Lärm um Coquind^o könnte 
NYohl nur eine Finte sein und der Hauptschlag im tiefen Süden, z. B. 
in dem grossen Hafen von Talcahuano, ausgeführt werden. Auf diese 
Weise konnte der Diktator seinen Gegnern nirgends mehr als 10,000, 
höchstens 10,000 Mann entgegenstellen, und das war ja gerade, was 
bezweckt wurde. Dass die Junta das ganze Spiel auf einen Wurf 
setzen würde, indem sie ihn direkt vor seiner stärksten Stellung, 
nämlich Valparaiso, anfasste, war ihm nicht denkbar und er betrachtete 
die Streitkräfte, die er dort und in Santiago stehen hatte, eher als 
ein Depot, denn als ein Centrallager. 

Dieser Irrtum sollte für ihn verhängnisvoll werden, denn der 
Angriff erfolgte in der kleinen Bucht von Quinteros, etwa 15 Kilo- 
meter von der Stadt Valparaiso. 

Die Junta ordnete und sammelte ihr kleines Herr in drei taktisch 
getrennte Divisionen, die jede für sich ein Ganzes mit den drei Waffen 
bildete. Die Schiffe, die sie nach dem Süden führen sollten, bildeten 
ebenfalls drei Geschwader, und im Moment des Auslaufens wurden 
den Kommandanten derselben die versiegelten Befehle mitgegeben, 
von denen sie auf offener See Kenntnis zu nehmen hatten. Diese 
Instruktionen bezeichneten das Stelldichein der drei Geschwader und 
das Verhalten im Falle eines Angriffs von Seite der vorhin erwähnten 
Torpedoschiffe „Condell'' und „Lynch" oder des sehr raschen Kreuzers 
„Imperial", die einem, wenn auch unter Begleitung eines Kriegschiffes 
segelnden Geschwader von Transportdampfern unter Umständen sehr 
gefährHch werden konnten und deren Hauptaufgabe natürlich die 
war, die Operationen der Junta im Norden auszukundschaften und 
wenn möglich zu durchkreuzen. 

Kastlos ging es nun an einem bestimmten Tage an das Ein- 
schiffen der Truppen, Pferde, Maultiere, Kriegsmaterialien, Mundvor- 
räte, Ambulanzen und was alles noch zu einer solchen Expedition 
gehört. 

Man darf aber nicht glauben, es müsse auf jenen Schiffen 
chaotisch ausgesehen haben; für alles war zum voraus Schiff und 
Platz bestimmt. Die Truppen freilich waren dicht gedrängt und 
mussten sich unter und auf dem Verdeck unterzubringen suchen, 
wie sie eben konnten, jedenfalls hatten sie 4—5 unkomfortable Tage 
und Nächte zu gewärtigen, w'enn es auch nur wegen der unvermeid- 
lichen Seekrankheit gew^esen wäre. 



ni 

Einige Pockenkranke wurden einfach in ein kleines I>oot aus- 
gesetzt und an einem langen Tau nachgeschleppt. 

Man darf gar nicht an die Folgen denken, wenn jene schwim- 
menden Menschenknäuel von den schnellen Torpedoschiffen umschwärmt 
und angegriften worden wären; sie hielten sich aber ausser Sicht 
der Küste und trafen alle wohlbehalten zur bestimmten Zeit an der 
Sammlungsstelle ein, nämlich am 19. August, GO Meilen vor der Bucht 
von Quinteros. 

Dort stellte sich die stattliche Armada von 2(1 Kriegs- und 
Transportschiffen in einem weiten Kreis um das Flaggenschiff auf, 
dessen Signal einen grossen Kriegsrat an Bord rief. Es mag ein 
erhabenes Schauspiel gewesen sein jener Kreis von Schiffen, die das 
Glück und die Hoffnung einer ganzen Nation trugen, deren beste 
Bürger dort zusammenstanden, um den härtesten Strauss zu wagen 
für Freiheit und Vaterland. 

Die dampfenden Schlote, die brausende Musik, die gegenseitigen 
Zurufe von 10,000 Männern lösten während einiger Stunden die 
ewige Stille des Ozeans ab. — Kampf war ein Bedürfnis geworden 
und der grimme Kriegsgott mag freundlich auf die Heldenschar 
niedergeschaut haben. 

Ohne Licht und ohne Lärm näherte sich während der Nacht 
die Flotte der Bucht von Quinteros. Ernst erglänzten im Morgen- 
gold die Gipfel der Cordilleren; der unbezwungene Aconcagua und 
Tupungato wollten Zeugen sein der Thaten ihrer Söhne, deren Be- 
geisterung auf dem Höhepunkt angelangt war. 



Es handelte sich nun, keine Zeit zu verheren, denn in wenigen 
Stunden musste die Laudung in Valparaiso bekannt sein und man 
durfte sich nicht während derselben überraschen lassen. Landungs- 
brücken waren in Quinteros keine vorhanden, es ist nur ein armseliges 
Fischerdörfchen, aber die See war ruhig und die Schitisboote und die 
flossartigen flachen Fahrzeuge, die eigens zu diesem Zwecke erbaut 
worden waren, konnten den seichten Strandboden anlaufen; die 
Pferde der Kavallerie und die Bespannung der Geschütze wurden 
einfach über Bord geworfen und schwammen ans Land. Schwieriger 
war das Ausschiffen des ganzen Kriegsmaterials, aber gegen den 
Abend stand die ganze Heersäule wohlgeordnet auf den umliegenden 
Höhen von Quinteros. Ein riesiges Tagewerk war glücklich vollbracht 
und man hatte bloss einen einzigen unangenehmen Vorfall zu be- 
dauern, nämlich das Erscheinen des nordamerikanischen Admiral- 
schiffes „San Francisco", das von Valparaiso auslaufend herange- 



112 _ 

koinmen war, dorn Treibeii eini.ne Zeit zuschaute und dann schnell 
wieder nach N'alparaiso zurückkehrte 

Admiral Brown ma^ eigentümliche Begriffe von internationaler 
Diskretion in solchen Fällen haben, und der Ijiebesdicnst, den er 
seinem Freunde Balmaceda /u erweisen glaubte, wird kaum zur 
Fhre der nordamerikanischen Marine verzeichnet werden. Wäre er 
aus kriegstechnischen Gründen hingegangen, hätte er die dort ver- 
sammelten Kriegsschiffe begrüsst und um die ErlaulTnis nachgesucht, 
sich die Operation anzusehen, so wäre sein Vorgehen insoweit korrekt 
gewesen, aber auf diese Weise heranzuschleichen, die Situation aus- 
zuspähen und ohne weiteres wieder in Feindeslager zurückzukehren, 
das mag selbst einem gewöhnlichen Matrosen etwas stark erscheinen. 



Wenige Kilometer südlich von Quinteros mündet der Fluss Acon- 
cagua, von den Cordilleren kommend, ins Meer, musste also von der 
Kongressarmee überschritten werden. Er ist ein vielarmiger, rasch- 
ffiessender Fluss von der Grösse unserer Aare, hat keine Brücken, 
aber viele Furten und ist an beiden Ufern von meistens sehr steilen 
Anhöhen eingefasst, die eine spärliche Vegetation und viel niedriges, 
dorniges Gebüsch haben. Zur Zeit führte der Fluss mehr Wasser 
als gewöhnlich und viele seiner Furten waren kaum für Reiterei 
passierbar. Eine Abteilung Reiterei machte einen schneidigen Ritt 
etwa 30 Kilometer landeinwärts, wo sie in La Calera die Eisenbahn- 
brücken und Telegraphen zerstörte und damit Santiago von Valpa- 
raiso abschnitt. 

Am Morgen des 21. August hatten die drei Divisionen auf den 
Höhen des Flussufers Stellung genommen und der Uebergang sollte 
an drei Stellen zugleich erzwungen werden. 

Auf den gegenüberliegenden Höhen stand die Armee Balmacedas 
etwa 12,000 Mann stark in meist gedeckten guten Stellungen. Unter 
einem heftigen Kampfe der beidseitigen Artillerien rückten gegen 
11 Uhr die Kongresskolonnen ins Thal hinab, um das erste Hindernis, 
den Fluss, zu überwinden. Die braven Leute hatten oft Wasser 
bis unter die Arme, sie hingen aneinder wie eine Kette und wehe 
denen, die losliessen, sie wurden fortgerissen und viele fanden so den 
Tod. Dieser höchst kritische Moment war aber bald überwunden 
und die triefenden Bataillone rasteten eine Stunde am Fusse des 
langen Hügels, der ihnen einigen Schutz gegen das Feuer ihrer 
Gegner gewährte. Nun ging es unverdrossen hügelan; es galt der 
feindhchen Artillerie und nach heisser, blutiger Arbeit ward sie ge- 
nommen: 18 Kanonen und 2 Mitrailleusen waren die Beute und 



113 

damit der Tag entschieden ; gegen 4 Uhr war die Armee Balmacedas 
in ungeregelter Fkicht; 1500 Gefallene bedeckten die Wahlstatt. 

Die Sieger machten mehr als 2000 Gefangene und da die meisten 
von ihnen zum Dienst gepresst worden waren, so schlössen sie sich, 
natürlich mehr oder weniger freiwillig, ihren Ueberwindern an, so 
dass del Cantos Armee nunmehr nach der Schlacht an Zahl stärker 
war als vorher. 

In dieser Schlacht, die den Namen von Concon führen wird, kam 
in Chile zum ersten Mal die „zerstreute Gefechtsmanier'' in An- 
wendung, die durch Oberst Körner eingeführt worden war; die alte 
Massenstellung der Diktatorialen hat sich jener gegenüber nicht be- 
währt ; die Wirkung der Shrapnels scheint auch von niederschmettern- 
dem Erfolg gewesen zu sein. 



Del Canto und Körner ruhten nicht lange aus auf ihren Lor- 
beeren und griffen Tags darauf die Villenstadt Vinna del Mar dicht vor 
Valparaiso an, kamen aber in die Schusslinie des starken Küstenforts 
Callao, dessen O-zölhge Geschütze gar derbe Boten herübersandten. 

Das Fort schlug sich gleichzeitig mit den angreifenden Panzer- 
schiffen, die ihm nichts anhaben konnten. 

Die Nuss schien wirklich zu hart und del Canto entschloss sich 
ohne weiteres Zögern, seinen ganzen Angriffsplan zu ändern. Val- 
paraiso sollte umgangen werden. Das war aber ein Manöver, welches 
mehrere Tage erforderte und die Mannschaften im höchsten Grade 
ermüden musste, denn die ganze Region ist ausserordentlich coupiert 
von vielen steilen Höhenzügen und tiefgefurchten Thälern, die eher 
Schluchten genannt werden könnten. Ein wohl 40 Kilometer langer 
Bogen musste landeinwärts gemacht werden und der kühne Plan ist 
brillant gelungen. Am 28. August stand das Kongressheer neuer- 
dings dem Diktator gegenüber, aber dieses Mal südlich von Valparaiso, 
nämlich bei der unbedeutenden Ortschaft Placilla. 

Ich verzichte auf eine Beschreibung der Schlacht ; Sie haben am 
Aconcagua gesehen, wie der chilenische Soldat sich schlägt. Die 
beiden Obergenerale Balmacedas fielen und seine Armee wurde total 
aufgelöst, die Sieger zogen unter klingendem Spiel und in strammer 
Haltung in das kosmopolitische Valparaiso ein, dessen Bewohner sie 
mit offenen Armen empfingen. 

Sieben Tage lang seit Concon hatten die Truppen des Kongresses 
die Waffen nicht aus der Hand gelegt, unter keiner Decke geschlafen, 
nur von gebratenem Fleisch ohne Salz und warmem Wasser mit 
Zucker gelebt. 

XI. Jahresbericht d. Geogr. Ges. v. Bern. 1891—1892. 3 



lli 



Ehren wir soldie Soldaten. 

Vierzelm Tat^e später erschoss sich der Diktator in seinem Asyl 
bei der argeutii\ischen Gesandtschaft. 

Die Junta verfuhr milde und hochherziti" mit seinen Anhängern. 



Dieser Bürgerkrieg hat volle acht Monate gedauert; er hat ungefähr 
loO Millionen Franken verschlungen, hat Handel und Industrie ins 
Stocken gebracht und dem Lande ungeheuer geschadet, denn ein 
materieller Verlust für ein menschenarmes Land ist auch die Einbusse 
an Arbeitskräften, die öffentliche Last an Kranken und Krüppeln. 

Die Spuren dieser Uebel werden indessen bald verschwinden, 
denn das Land ist unvergleichlich reich an natürlichen Erwerbs- 
quellen und seine Bewohner sind ein fleissiges, massiges, sehr unter- 
nehmendes Volk. 

Die beiden grossen Kriege, die Chile in diesem letzten Jahrzehnt 
geführt hat, haben ohne Zweifel viele böse Instinkte geweckt, die 
angeborene Kampflust der spanisch-araukanischen Rasse angeregt 
und es wird längere Zeit des Friedens und der Arbeit bedürfen, bis 
das jetzt etwas überreizte Volkstemperament beschwichtigt sein wird. 

Die Elemente, die nun an die Leitung des Staatsschiffes gelangt 
sind, bürgen jedenfalls für eine ehrenhafte Verwaltung. 

Man wird auch zu der Einsicht gelangen, dass sich die guten 
Schulen, die bessere Bildung, die man seit Präsident Monts Zeit dem 
Volke gewährt hat, nun nach und nach im politischen Leben fühlbar 
machen; dass das chilenische Volk keine Herde mehr ist, die nur 
geführt und gehütet sein muss. 

Die Zeit wird gekommen sein, wo billige Reformen nötig werden, 
besonders im Gemeindewesen und der provinzialen Verwaltung, wo 
die Rechte der Volksvertretuug und die Kompetenzen der Exekutive 
in ein demokratischeres Verhältnis zu einander gestellt werden, sich 
ergänzen anstatt sich zu bekämpfen; wo endlich die letzten Spuren 
der einstigen spanischen Kolonie in einem neuen, wirtschaftlich und 
freiheitlich für Südamerika bahnbrechenden Volke aufgehen. 

Voraussichtlich wird diese Aera nun anbrechen und es wären 
die grossen Opfer des letzten Bürgerkrieges vielleicht nicht umsonst 
gebracht worden. 



YIII. 



Beiträge znr Topographie nnd Geographie der Schweiz. 

Vortrag von Herrn Prof. Dr. Graf, gehalten in der Monatsversammlung 
vom 26. November 1891. 



Zu der grossen Karte von Thomas Schopf üher das Bernhiet 
hatte Joseph Piep, Baumeister und Ingenieur in Bern 1G38 eine 
Handkarte für den täglichen Gebrauch gemacht, eine Reduktion der 
Hauptkarte, lediglich dadurch wertvoll und wie auch durch die Bei- 
gabe eines Stadtplans von Bern. Piep hatte verschiedene Gebiete des 
Bernerlandes kartiert; so erhielt er am 25. Februar 1625 für einen 
Plan von Lenzburg 24 Kronen. 

„Die wyl Herr loseph Piep der Mathematik wohl berichtet und 
im Fortificiren etliche Kenntniss an den Tag gelegt, möchte man auf 
Anleitung Meister Valentins* an underschiedhchen Orten im Ergäuv 
dies practiciren." (Kriegsrathsmanual von Bern.) 

Nach seinem Tode wurden durch die Regierung von seiner Witwe 
seine sämtlichen nachgelassenen Pläne um einen könig'schen Thaler 
gekauft. Um diese Zeit hatte in Zürich sich Hans Conrad Gijger 
bereits durch seine kartographischen x\rbeiten einen Namen gemacht. 
Wundern wir uns daher gar nicht, dass in Bern auch das Verlangen 
rege wurde, ebenso schöne und ebenso genaue Karten wie Zürich 
zu besitzen und vom Kriegsrat Bern ging die Initiative aus, sich der 
tüchtigen Hülfe des genannten Mannes zu versichern. 

Unter dem 30. Juni 1659 wurde die Regierung durch den 
Kriegsrat ** angefragt, ob sie es für gut halte, dass der Mathematiker 
Geiger bestellt werde, etwelche particulare Landkarten des Bernbiets 
zu machen. 

Man scheute aber für einmal die Ausgabe und so sollte der 
Landvogt von Lenzburg Geiger nur fragen, was die Aufnahme der 



* Valentin Friedrich Löscher. 
** Die folgenden Notizen rühren Iier aus ücn Krii'gsratsmanualon 11. 12. 13. 



29. 30. 36 



IIG 

Grafschaft Lenzbiirg koste." Dann trat man in Unterliandlung mit 
Jakub Meyer (KU I — UiTS) von Basel, der im September IG'»!) ange- 
fragt wnrde, was er für seine Aufnahmen fordere. Man fand die 
verlangte Summe zu hoch; man wollte bloss 20— ;{() Pistolen bezahlen, 
jedoch müsse die Karte von Lenzburg nach derjenigen von Königs- 
felden angefertigt werden. Im November 1G()2 wurde dem Landvogt 
von Lenzburg, der eine Karte des freien Amtes zum Verkauf ange- 
boten wusste, befohlen, dieselbe für ä — (J Dublonen zu kaufen und 
an den Kriegsrat zu senden. Im April lG(i() hatte Hofmeister Engel 
von Köniijsf'elden die Karte des Amtes Eigen, die er hatte machen 
lassen, dem Kriegsrate geschenkt; er wird der Regierung zur De- 
lohnung empfohlen. Nichts hindert uns anzunehmen, dass dies die 
Karte ist, welche im Schauenburgischen Nachlass sich vorfindet und 
entschieden in diese Zeit gehört. Diese Karte von Süden nach 
Norden orientiert, beschlägt Königsfelden und das Eigenamt und ist 
ganz in der Manier Gygers verfertigt, ein sehr schönes und wohl 
erhaltenes Stück. Der Landvogt von Lenzburg ist im April IGGo 
neuerdings in Unterhandlung über den Ankauf einer „Luzernischen 
Landcharten"; er solle sie um 5 — G Pistolen kaufen und einsenden 
und am 7. Januar 1GG4 wird gemeldet, dass die Karte um 12 Du- 
katen gekauft ist. Hans Konrad Gyger hatte damals noch einen 
eigentümlichen Auftrag. Die Berner Regierung hielt bekanntlich auf 
dem Genfersee eine ganze Kriegsflotille und Gyger wurde wegen 
„Ryssen" von Kriegsschiffen, die er im Auftrag der Regierung ge- 
zeichnet hatte, mit 10 Dukaten entschädigt. Aus Späterer Zeit, 
1703, wird angeführt, dass alt Goubernator Weiss eine Karte vom 
Waadtland gemacht habe, die auch die Gegend von Gex beschlug; 
Ingenieur von Diesbach wird beauftragt die Karte, auf welche Weiss 
3G Tage Arbeit verwendet hatte, zu taxieren und schliesslich ent- 
schädigt man Weiss*" mit 70 Thalern. Auch diese Karte, eine 
Federzeichnung findet sich im Schauenburg'schen Nachlass vor. 

1704 scheint man in besonders guter kartographischer Laune 
gewesen zu sein; von Regierungswegen werden Karten von Piemont, 
Savoyen, der Dauphine, Provence, sowie eine Generalkarte und vier 
Spezialkarten der Eidgenossenschaft angekauft. 1713 gibt mau dem 
Schreiber Schalhammer für seine grosse Karte 10 Thaler. 



* Die Unterhandlungen hatten schliesslich doch ein positives Resultat, 
indem bei Gyger eine Karte der Grafschaft bestellt und von ihm auch abgeliefert 
wurde. Vergl. die Notizen über die Schauenburg'sche Sammlung in dieser Arbeit. 

** Graf, Geschichte der Mathematik etc., II 68. 



117 

„Dem Schreiber Abraham Schalhammer, welclier M. G. H. eine 
grosse Landkarten vom Bernbiet vorgewiesen und gegen eine Dis- 
cretion überlassen wollen, haben M. G. H. befohlen, aus der Kasse 
10 Thaler zu geben.'' 

Es betrifft dies wohl Abraham Schalhammer, der eine Topo- 
graphie des ßernbiets verfasst hatte, die im Manuscript geblieben 
ist und sehr umständlich gewesen sein soll. Haller sagt, er habe 
von Berg zu Berg, von Dorf zu Dorf alles aufgezeichnet und nebst 
nützlichen Sachen auch viel Unnützes und Lächerliches gegeben. 

Vom älteren P. Wülomet (s. Graf, II 68. 69) finden sich noch 
folgende Pläne: 

1) Grundt-Riss der Herrschaft pimplitz mit ihren anstössen nach 
dem march-Brieft' von Anno löOS verzeichnet durch pierre 
Willommet von pätterlingen im Jahr 1688. 152/70 cm, Mass- 
stab: 1 cm = 20 toisen. Berner Staatsarchiv, 

2) Plan de la difficulte wentillante entre L. L. E. E. de Berne 
au Baillage de Bipp et l'Estat de Soleure sur les montagnes 
en vu lieu nomme Schmidmatten par P. Wülomet de Payerne 
1693. 2 Pläne und 3 Detailpläne. Berner Staatsarchiv. 

Im Kriegsratsatlas Nr. 3 (Berner Staatsarchiv) findet sich 

3) Plan d'Yverdon 1699 par Wülomet. 

4) Plan d'un canal par d'Ependes pres Yverdon. 

5) Plan de TEcluse. 

An Freiburg wurden abgegeben: 

Plan d'une partie du marais par Wülomet 1695. 

Plan du cours de la Broye. 

Plan du bois de Charmontel 1698. 

Vom älteren Wülomet findet sich noch die Notiz, dass er für 65 
Tage Feldmessen ä IV2 Thaler 97V2 Thaler erhalten habe. ' 

Du Flessis-Gouret de la Peimee soll 1668 die Pässe gegen Bur- 
gund in Charte legen. 

Arnaud von Chamhlon soll 1686 einen Plan über die Befesti- 
gung von Iferten ausarbeiten. 

Vom jüngeren Willomet findet sich im Berner Staatsarchiv: 

Plan du village de Gieresse de la maison du vertueux seigneur 
David de Büren etc. etc. leve fidellement par son tres-humble P 
Wülommet Geometre 1723. 131/87 cm; 1 cm = 2V7 toisen ä 10 
Bernfuss. 

Von andern Geometern und Topographen nenne ich; 

1) Johann Friedrich: 1624 Plan des Städtchens Aarberg. 

2) Ivoy: 1669 Plan des Städtchens Aarberg. 



HS 

All Ivoy, Ingenieur von Genf, der in liüllilndisclien Diensten 
war, wandte man sich Kiiil wegen der Konstruktion von 
Barkeu auf dem Genfersce. l(l!)i) erlullt er loo Tiialer; er 
maciite einen Plan für einen Seehafen in Villcneuve und 
beurteilte auch die Pläne von Willading. Er wäre wohl fest 
angestellt worden, wenn er nicht vorgezogen hätte KJTo wieder 
nach Hollaud zu gehen. 

3) Valentin Friedrich Löscher — er figuriert nur unter dem Namen 
Meister Valentin — scheint ein richtiger Festungsingenieur ge- 
wesen zu sein; von ihm rühren her 1()28 ein Plan von Lenz- 
burg, 1G38 ein Plan von Brugg, 1039 ein Plan von Nidau, 
1089 ein Plan von Morges, ein Plan von Nyon; mit Joh. 
Georg Werdmüller von Zürich, der selbst 1657 einen Plan 
von Aarberg verfertigte, machte er im gleichen Jahr nochmals 
einen Plan von Brugg. 

4) B, V. Erlach verfasste IGiiiJ einen Plan von Nidau, 

5) Masset: 1G8G Pläne von Yverdon, Ballaignes, Ste-Croix, Petra 
felix. 

G) J, J. von Diesbach: Plan de la Grotte et du cours du Rhone, 
1G96 Plan von Morsee, 1G99 Plan von Yverdon, bestehend in 
zwei Karten. Er und Sigismund von Diesbach erhalten zu- 
sammen 184 Thaler 20 Bazen. 1G9G nahm er einen Plan von 
Oberhasli auf. Er war 1G98 Stuckhauptmann und wird im 
Januar 1699 zum Feldzeugmeister gewählt. Von ihm datiert 
1714 ein Befestigungsprojekt der Stadt Bern, das 22 Redouten 
mit einem Kostenaufwand von 80,000—90,000 ^ vorsah. 

7) V. Weiss, wahrscheinlich alt Gubernator: Plan von Morges 1673. 

8) Willading, wahrscheinlich geboren 11. April IGll, der Bür- 
geren 1645, Geleitsherr 1648, Landvogt in Saanen 1650, des 
Rats 1656, Trachselwald 1660, 1666 Welschseckelmeister, 
1670—82 wieder Venner, gestorben 5. Januar 1694: Plan von 
Aarberg 1655, Weissenau 1655. 

9) — : Plan der Laupenbrücke 1676, Nidau 1688, Yverdon 1686 
und 1688. 

10) Von G. F. Meyer von Basel finden sich zwei Pläne von Hü- 
ningen 1684. 

Als weitere Geometer nenne ich: 

11) Joh. Ludwig Erh von Solothurn arbeitete 1723 an Grenz- 
bereinigungsplänen zwischen Bern und Solothurn. 

12) Johann Jakob Fischer von Bern, geb. 1709, Kommissar, ledig, 
gestorben 1753, vermass 1732 die Landmarch zwischen dem 



119 

Walleubucli und dem Laupenwald, den Plan von 01)erried und 
den Graffenried Zehnten 1748. 

13) Joh. Ludwig Reinhard von Bern, später Zoller bei der Neuen 
Brücke bei Bern — sein Geschlecht starb aus — ist ein äusserst 
eifriger und sehr sorgfälti.ser Geoineter gewesen. Er nahm 
folgende Pläne auf: 1727 Worblaufen und Papiermühle und 
Trachselwald, 1729 das Dorf Köniz, 3 Pläne über den Schachen 
von der Langnaubrüche bis Bärau, Plan von Ranflüh, 1730 
den Aarlauf vom Schützenfahr bis Fahrhubel, 1731 den Gür- 
benlauf von Watten wyl bis Seihofen 5 Pläne, 1734 das Sami- 
stahlholz, Plan des Emmenlauf von Wendellohnfluh bis 
Gotschesfluh, 1739 Pläne von Rapperswyl, Gsteig, Hinterholz, 
Rötheholz, Wierezwyl, Schüpfenwald, 1740 vom grossen Hab- 
wald, Rätli, Asti, Bietlohn, Zeissenberg, Hasli, Stossgarten 
Oberholz, Schupfen, Linde Tannholz, sodann 3 Pläne über den 
Kanderlauf bis zum Thunersee. 

14) Bittliger, wahrscheinlich Älbrecht Anton von Bern, geb. 9. V. 
1704, Notar, Sekretär der Kammern, des grossen Rats 1745, 
Obervogt in Schenkenberg 1755, gestorben 3. VI. 1780. Er 
verfertigte in den Jahren 1740 — 1752 einen grossen Atlas 
über viele bernische Herrschaften mit 65 zum Teil ordentlich, 
zum Teil aber auch llüchtig gezeichneten Blättern; ausserdem 
machte er viele Detailaufnahmen und ist wohl einer der 
fleissigsten Geometer gewesen. 

15) Stephan Kocher von Büren verfertigte 1743 einen Plan des 
Aarlaufs von Aarberg bis Büttigen, 35/473 cm, also von bedeu- 
tender Grösse. 7 cm = 600 Schuh. Das Ganze ist eine sehr 
nette, lleissige Arbeit. 

16) Albrecht Knecht von Bern, geb. 17. L 1701, Kommissar, 
später Schaffher in Frienisberg 1755, starb Juli 1783, machte 
sehr viele Aufnahmen in den Jahren 1733—1762. Die Arbeiten 
sind unschön. 

17j Joh. lind. Kilpfer von Bern, geb. 25. HL 1727, Notar und 
Geometer, Hauptmann, des Rats 1764, Vogt von Landshut 
176(J, Frutigen 1782, starb ohne Mannesstamm 21. L 1792, 
machte ebenfalls viele Aufnahmen. 

18) Beat Sifjismund Augshurger, geb. 1702, Appellationsschreiber 
1732, des Rats 1735, Landvogt zu Aelen 1743, des kleinen 
Rats 1751, Venner 1754, Welschseckelmeister 1759, gestorben 
16. IV. 1771, machte Aufnahmen, wovon noch Pläne aus 1751 
vorhanden sind. 



120 

Ferner sind zu nennen: 

19) üossine: Plan des Schlosses und der Stadt Tliun 17'iH. 

20) Vissaula machte einen Grundriss des Murtensecs in 4°, in D. 
Herrlibergers Topographie der Eidgenossenschaft erschienen, 
gestochen ITöä von Ilerrliberger. 

21) Pdtolas von Freiburg: Plan von Albligen 1742. 

22) Giiillot: ITöO Plan von Wallenbuch. 

23) Paris: Grenze von Damvant gegen Frankreich 172!J, Grenze 
von Pruntrut gegen das Elsass 1748. 

24) Marquis, wahrscheinlich aus Neuburg, das mit Bern verbürgert 
war, Grenze gegen Frankreich besonders bei Damvant 1721), 
projete par Gh. Kemeling 1728. 

25) Samuel Pioseng : Plan von Schwarzenburg 175o. 

26) 1758 offeriert Em. Hortin, Buchdrucker, dem Rat eine Karte 
vom Toggenburg; Willading soll sie ansehen und taxieren. 

27) Magnin Samuel, Geometer von Vivis, macht einen Plan von 
Aarburg 1G67. 

28) Hontet, Ä., Plan de Vivay avec le dessein de sa premiere 
fortification de Tan 1656. 27/6!). 5 weitere Pläne. 

29) Loup-Samuel von Bougemoat, Plan von Villeneuve. 

30) du Romain, Plan d'Yverdon 1717. 31/43. 

31) Küchherger, Befestigungsplan von Yverdon. 1704, 61/79. 

32) Steiger, Cäsar, Befestigungsplan von Yverdon. 31/44. 

33) Oberst de Mandrot erhält für Grenzvermessungen, die er mit 
Gubernator Wyss von Beaumont 1698 gemacht hat, 150 Thaler; 
1700 erhält er nochmals die gleiche Summe. Er starb 1704, 

Vergleiche auch das demnächst erscheinende Fascikel II c der 
Bibliogr. der Schweizer, Landeskunde. 

Hieher gehören nun auch die Karten aus dem Nachlass des be- 
kannten Generals Schauenburg. Wir sind im Fall darüber folgendes 
mitzuteilen: Herr Bundespräsident Welti erhielt am 17. Dezember 
1880 einen Brief des Herrn Oberbibliothekar Dr. Barak von Strass- 
burg, worin derselbe aufmerksam machte, dass im Nachlass des 
Barons von Schauenburg auf Geudertheim, einem Enkel des ehe- 
maligen Generals Schauenburg, in der Bibliothek auch eine Anzahl 
Karten und Pläne sich vorfinde, die auf die Kriegsgeschichte Berns 
und der Schweiz Bezug hätten und offenbar dem Berner Kriegs- 
archiv entnommen worden seien. Beigelegt war ein Bericht des 
Herrn Prof. Dr. F. A. Flückiger, damals in Strassburg. Diese Karten 
werden von Herrn Dr. Barak der Schweiz zu einem massigen Preis 
angeboten, nämlich für 500 Franken, dies in Anbetracht der vielen 



121 

Beweise von Güte, welche die Schweiz gegenüber der neuen Universitäts- 
bibliothek in Strassburg und der Universität überhaupt gezeigt habe. 
Nachdem das Eidgenössisclie Generalstabsbureau (Chef: Herr Oberst 
R. v. Sinner) am 23. Dezember 1880 seine Zustimmung zur Erwerbung 
gegeben hatte, wurde Prof. Flückiger mit dem Abschluss des Kaufs 
beauftragt und es langte die ganze Sammlung, bestehend aus 27 ein- 
zelnen Blättern und einem Band Karten und Pläne anfangs Januar 
in Bern an. Die Angelegenheit fand darin ihren Abschluss, dass Herrn 
Oberbibliothekar Dr. Barak am 11. Januar 1881 der Dank des Bundes- 
rats votiert wurde. 

Die äusserst wertvollen Karten wurden der Kartensammlung des 
Eidg. Generalstabsbureau einverleibt, wo sie sich jetzt noch vorfinden 
und durch die Güte des Herrn Oberst Keller und des Herrn Oberstl. 
Leupold teilweise für einige Zeit uns zur Bearbeitung überlassen worden 
sind. Die Karten sind sämtlich dem bernischen Kriegsarchiv nach dem 
5. ]\Iärz 17ü8 entnommen worden und gehörten also eigentlich ins ber- 
nische Staatsarchiv. Dort findet sich der Schwesterband, der nur Haud- 
risse über Befestigungsanlagen enthält, während der vorliegende mit 
seinen handschrifthchen Karten und Landschaftscroquis sclion mehr 
Interesse für französische Ofiiziere darbot. Deshalb hat sich Schauenburg 
wohl ohne Weiteres desselben bemächtigt. Mit feinem Verständnis 
hat er auch der berühmten Privatsammlung von Karten, die Joh. 
Friedrich Byhiner (1732—1802) sich mit Eifer und Sachkenntnis 
angelegt hatte, die Stücke entnommen, die ihm passten, wie man 
denn auch genötigt war auf der Stadtbibliothek den zu Landesver- 
messungszwecken hergestellten grossen Azimuthaikreis von Ramsden 
zu zerlegen und in eine Kiste verpacken zu lassen. Dass die Franzosen 
auch für andere Gegenstände voll und ganz das Recht des Eroberers 
für sich in Anspruch nahmen, ist bekannt und manches andere Land 
hat in dieser Beziehung das Schicksal der Schweiz geteilt. Was 
speziell die Annexion der Karten anbelangt, so ist dies ja vom Stand- 
punkt des Eroberers aus vollkommen begreiflich und es ist sicher 
jeder kriegführenden Macht erlaubt in Feindesland sich aller der- 
jenigen Mittel und Gegenstände zu bemächtigen, die den endgültigen 
Erfolg der Waffen sichern, und dazu gehören vor allein gute Karten. 
Dass also Schauenburg seine Generalstabsoffiziere mit der Konfis- 
kation dieser Objekte betraut hat, kann man ihm schliesslich gar 
nicht so übel nehmen. Nicht so oft kommt es aber vor, dass einem 
Lande Gelegenheit geboten wird, sich wieder auf legale Weise in 
den Besitz der einstmals fortgenommenen Gegenstände zu setzen, 
wie dies in Bezug auf die Schweiz und speziell auf Bern diesmal 
der Fall war. Die Erbin des Enkels des ehemaligen Generals von 



122 

Sdiaueiibiirir offerierte den .uaiizen Naehlass, bestehend in Pai)ieren und 
Karten anno isso der llochscluilbibliothelc in Bern. Dank unserer 
musterhaften Decentralisation auf dem Gebiete des Bibliothekvveseus, 
(huik auch eines Mangels an Devination^ wo der Brief abgegeben 
werden könnte, blieb derselbe zwei Monate liegen, bis er schliesslich 
doch in die Hände des jetzigen Herrn Oberbibliothekars der Stadt- 
bibliothek, Prof. Dr. lUösch, kam. Eiligst suchte Herr Blösch sich das 
Angebot zu sichern. Leider waren aber alle Objekte bereits an die 
Universitätsbibliotliek Strassburg verkauft und ohne das freundliche 
Entgegenkommen des Herrn Oberbibliothekar Dr. Barak und die 
Intervention unseres Landmannes Prof. Dr. F. A. Flückiger in Strass- 
burg wäre das Eidg. Generalstabsbureau nicht in den Fall gekommen, 
die wertvolle Kartensammlung zu erwerben. 

Dieselbe besteht aus folgenden Stücken: 

1) Karte des südlichen Teils des Bern er Jura 1701. 1 : 16,000. 

2) Karte des untern Aargau bis an die Wigger 1705. 1 : 19,000. 

3) Karte des Amtes Königsfelden von Bodmer mit Hülfe von 
Eman. und Sara. Otth. 1705. 1 : 20,000. 

4) Karte des Toggenburgs 1712 von Emanuel Gross. 

5) Karte des Freiamts 1727. 1 : 16,000. 

6) Königsfelden und Eigenamt. 1 : 15,000. 

7) St. Gallen und Umgebung. 1 : 15,000. 

8) Das Gebiet von Bern bis zur Sense, Saane und Zihl. 1 : 38,000. 

9) Das Gebiet zwischen Bern und Burgdorf. 1 : 14,000. 

10) Das Gebiet zwischen Bern, Aarburg, Basel, Biel. Verkehrt 
orientierte Handzeichnung mit den Feuerzeichen, offenbar eine 
Karte des Generalstabs Schauenburgs zur Invasion Berns. 

11) Grenzkarte Waadt-Frankreich von H. Exchaqu et. 43/179. Hand- 
zeichnung in Farben. 

12) Entwurf der Grenzen des Hasli- oder Wyslandes. Eine Copie, 
wahrscheinlich von J. A. Riediger, von dem nachher zu be- 
sprechenden Plan des Em. Gross, wie man sich des Klosters Engel- 
berg bemächtigen könnte. Beide Karten zeigen in auffallender 
Weise den nämlichen Fehler: das kleine Melchthal wird in 
seinem Auslauf bis Sarnen geführt, während es ja faktisch 
bei Gyswyl ins Haupthai von Unterwaiden einmünden sollte. 

13) Plan du Comte de Neuchätel Nov. 1793, reconnaissance militaire. 

14) 4 Karten des Waadtlandes zu militärischen Zwecken. 

15) Carte topograph. des environs de la ligiie de defense projötee 
en 1792. Nyon-Bonmont von Bei. 

16) Befestigungsplan der Schlucht ])ei Reuchenette 1792. 



123 

17) Befestigiingsplan für die Stadt Nyon. 

IX) Festiingsplan von Aarburg IfUiT. 

lij) Festiingsplan von Aarljurg durch Lanz und Her bort 1795. 

20) Zwei Befestigungspläne von Aarburg. 

21) Projekt um sich des Klosters Engelberg zn bemächtigen oder 
Grenzen des Hasli- oder Wyslandes v. Em. v. Gross 1712. 
41/73. Sehr schön ausgeführte Handzeichnung in Cavalierper- 
spective. Für die Nomenclatiir der Gegend interessant, z. B. 
statt Meiringen: an der Gass, Landhaus an der Gassen. Riediger 
copierte diesen Plan, siehe Nr. 12. 

22) Befestigungsplan der Stadt Bern 1730. 1 : 27,500. 

23) Plan und Umgebung von Bern 1798 mit dem Lager der 
Schauenburgischen Armee auf dem Beundenfeld. Die In- 
fanterie kampierte 12 Bataillone stark da, wo der heutige 
Exerzierplatz sich findet, der Artilleriepark da, w^o jetzt die 
Kaserne und die Zeughäuser sind. 

Unter diesen Plänen und Karten ragen unbedingt hervor: 

Karte des Amtes Königs feldeii von Samuel Bodmer. Bodmer 
hat diese Karte im Jahr 1705 mit Hülfe seiner beiden Schüler 
Emanuel und Samuel Otth verfertigt. Die letztern sind Söhne des 
Hans Jakob Otth (1649 — 1713), Assessors des Schulrats. Samuel 
Otth studierte die Mathematik und Feuerwerkerei, wurde Artillerie- 
hauptmann, kam 1718 in den Grossen Rat, wurde Landvogt in 
Bonmont 1730, 1737 Generalfeldzeugmeister und Bombardieroberst 
und starb im Febr. 1772 ohne Leibeserben. Sein Bruder Emanuel, 
geb. 1()85, machte den gleichen Bildungsgang durch, wurde Ingenieur 
in holländischen Diensten und kam 1709 bei der Belagerung von Lille 
mit andern Schweizern, z. B. dem Oberstlieutenant v. May ums Leben. 

Bodmer hat mit seinen Schülern Otth, Grqss, v, May vom 
Jahr 1700 an das ganze damalige Bernbiet vermessen. Ausser dem 
Marchbuch mit seinen Detailplänen machte er viele Spezialpiäne 
und Karten und arbeitete von 1700 — 1707 hauptsächlich im untern 
Aartiau an vorliegender Karte: 

Plan und Grundriss vom ganzen ampt Königsfelden, wie selbiges 
in seinen limiten und marchen, Situation und Grundtveste liegendt, 
wo die Natur selbsten ,i;abende Gelegenheit zeigedt, wie vohrtrefflich 
diese Landschaft liegedt als nicht nur eine Defension für sich selbsten, 
sondern zeigedt und praesentirt sich als eine Vohrmuhr zwischen 
Osterreich und Nüchtlandt etc. 

Dimensionen 113/200, Massstab 1:20,000. Orientierung ver- 
kehrt N — S. Beigegeben ist ein Plan von Windisch. 



124 

Dio Karte ist reclit anscliaulich und zci^t silnitlirlio Haui)tol)jekte 
dieses Dczirks, wie l)rui;g, Kdiii.usi'cldoii, Wiiidiscli, Uabsburg- mit dem 
Habsburgerbad (Sdiinznacb), Sehloss Brunegg etc. etc. Im Text maclit 
r>odmer Vorschlage zur Befestigung und Verteidigung des Amtes. 

Die zweite Karte, welche ich einer speziellen Betrachtung 
würdige, ist die topograph. Karte der Grafschaft Toggenburg von 
Emanuel Gross. 

F^nicanuel Gross, Sohn des Hans Jakob Gross, Obervogts zu 
Biberstein (KiSl — 1742), war ein Schüler Bodmers, den er von 1700 
bis 1710 auf seinen Reisen begleitete. Er war auch dabei, als sich 
Bodmer von der Grimsel aus über den Griespass eine Spritztour ins 
Domo-d"ossola leistete, um die dortige Gegend etwas in Augenschein 
zu nehmen. Da wurde er mit Bodmer und May als Spion gefasst 
und auf Befehl des Kriegssekretärs in Mailand nach Mailand ver- 
bracht. Erst auf Intervention des Rates in Bern und Fürsprache 
des edlen Prinz Eugen wurden die Berner wieder nach Hause 
entlassen. Im Jahre 1710 kam Gross in den Rat, er verfertigte eine 
Karte des Fürstentums Neuenburg und Vallengin, die dem König von 
Preussen präsentiert wurde und die Veranlassung gewesen sein soll, 
dass er Hauptmann in preussischen Diensten wurde. Sicher ist, dass 
er mit Ausbruch des sogenannten Toggenburger Kriegs sofort seine 
Dienste Bern zur Disposition stellte, das ihn gar gut brauchen konnte. 

Noch im Jahre 1711 hatte er verfertigt: 

Topograph, und scenograph. Karte des Münster- und St. Immer- 
thals und besonders der dortigen Pässe 1711. Dieser grosse Hand- 
riss wurde im Auftrag der Regierung aufgenommen, wie nachfolgen- 
des Aktenstück zeigt: „Mein Eman. Gross Rechnung wegen der aus 
M, G. H. H. Befelch gethaner zweyen Reisen in das Münsterthal und 
nach Basel, so beschehen anno 1711. Empfang 480 Kr., Anforderung 
-234. 05, vorbleiben 240 Kr. 05." Schon 1700 hatte er für MO Tage 
Aufenthalt im Münsterthal 50 Thaler erhalten. „Was die Münster- 
thalkarten in 4 Stucken und beigelegte Description ansiehet, wie 
auch die 4 Stuck von Basel darin die projectirt. Linien enthalten 
sampt ihrer description und diesorts gehabter vielfältiger Müh, werden 
mich M. G. H. H. in Consideration ziehen etc. etc." 

Vor dem Beginn des Krieges sandte ihn Bern als Kundschafter 
ins Toggenburg und zwar mit dem Sold eines Oberstlieutenant. Er 
sollte in Erfahrung bringen, wie es daselbst mit den Schlössern, 
Klöstern, dem Proviant und der Kriegsprovision stehe, die Stimmung 
der Leute erforschen, alles nach genauer Instruktion. Als Resultat 
seiner Bemühungen finden wir auch: Topograph. Karte der Grafschaft 



125 

Toggenburg. Saint meiner Emanuel Grossen substanzliche beigefügte 
Relation dessen was vorgenommen worden sowohl in Defension der 
toggenbnrgischen als in der Attaque der Abt St. gallischen Landen 
sonderlich der Stadt Weyl in Thurgau. Lichtensteig, den 2. Juny 1712. 

Die Karte — kolorierte Handzeichnung 120/156, 1:15,000, 
Orientierung von Osten — Westen — ist vorerst ausgezeichnet durch 
ein wunderschönes Titelornament. In Behandlung des Terrains vom 
Standpunkt der schiefen Beleuchtung ist Gross geradezu meisterhaft ; 
ich verweise da bloss auf die prachtvolle Nuancierung der Churfirsten 
— abfalls gegen den Wallensee. Interessant ist auf der Karte die 
Angabe, welche Rolle Gross daselbst gespielt hat. Als die Zürcher und 
Berner vor Wyl lagen, übergab Gross dem General der Zürcher 
Bodmer, einen Plan, Wyl zu bombardieren, der dann schUesslich an- 
genommen wurde und zur Folge hatte, dass die Garnison Wyl Reiss- 
aus nahm. Jedoch konnte der Kommandant die belagernden Zürcher 
und Berner durch eine Kapitulation so hinhalten, dass Gross mit 
Bedauern bemerkt, wie man dadurch in Bezug auf 23 „schöner 
Canons" und 20 noch „schönerer Mörsel"^ das Nachsehen gehabt 
habe. 

Was die weitern Schicksale Gross' betrifft, so will ich hier nur 
andeuten, dass er dem Projekt Bodmers, die Kander in den Thuner- 
see abzuleiten, eifrig aus hier nicht zu erörtenden Gründen Oppo- 
sition machte.* Gross ging in die Verwaltung über; er wurde 1714 
Landvogt in Lauis, 1721 in Laupen, 17.34 in Mendrisio, 1738 wieder 
in Lauis und 1740 in Tscherlitz, einer Landvogtei, die er durch seinen 
Cousin germain Friedrich Bondeli als Amtsstatthalter verwalten 
Uess. Er selbst trat mit seinen Söhnen als Oberst in die Dienste 
Modenas, wurde 1742 Generallieutenant, Gouverneur und Komman- 
dant zu Rheggio ä la Mirandola, stürzte im Juli 1742 vom Pferd 
und starb an den Folgen dieses Unfalls, wenige Tage bevor er ge- 
zwungen gewesen wäre, seine Festung an die Franzosen und Spanier 
zu übergeben. 

Der dritte Geometer und Kartograph, den ich hier anreihen 
möchte, ist Joh. Anton Herport (1702 — 1757) mit seinem Stadtplan 
von Bern aus dem Jahr 1730. Derselbe ist 130/171 cm lang und wohl 
einer der schönsten der Schauenburg'schen Sammlung. Der Plan 
ist überaus interessant. Abgesehen von den wahrhaft prachtvollen 
Titelvignetten, zeigt er die Stadt Bern im Grundriss. Die öffent- 
lichen Gebäude, wie der Christophelthurm, die alte Spitalkapelle, 



* Vergleiche meinen Aufsatz: Der Kanderdurchstich im Berner Oberland,. 
Schweizer. Rundschau 1892, 8. Heft, S. 181—194. 



126 

<las Zeughaus mit der frnnziisisclien Kirche, das Koniliaus, das alto 
Inselspital, Zeit.ulocken, die jetzii;e Hochschule und Hihliothek, das 
Stift, das Münster, Rathaus, Nydeckkirclie und die untere Brücke 
mit der Felsenhurtr sind in Ansicht gezeichnet. Die Korrektion des 
Aargaucr Staldeus ist noch nicht ani;eführt, auf der Altenberiihöhe 
und am ]\Iarzilithorrain prangen die schönsten Weinberge. In der 
(lOgend zwischen den Häusern Pilum-Javal und dem gegenübcr- 
liegenden tummelt sich im Bärengraben noch fröhlich das Wappen- 
tier, der Bär. Der innere Kranz der IJefestigungen, wie sie von 
Agri]>pa d'Aubign6 herrühren, umzieht die Stadt; ein äusserer Kranz 
von Erdwerken, gestützt durch 18 kasemattierte Refugien, umgiebt 
in mehreren Stunden im weitern Kreis dieselbe; das Kirchenfeld 
Avird mit einem imponierenden Fort gekrönt. Der Plan ist auch für 
die Umgebung der Stadt ausserordentlich orientierend; doch habe 
ich den heutigen fröhlichen Tummelplatz von Jung und Alt, das 
Egelmösli nicht darauf finden können. 

Der Verfasser dieses wichtigen Stückes ist Job. xAnton Herport '% 
geb. den 18. Mai 1702; derselbe widmete sich früh den mathe- 
matischen Wissenschaften und war ein Sohn des Johannes Herport, 
Strumpffabrikants. Mit obrigkeitlichem Stipendium und auf Staats- 
kosten wurde er nach Ungarn geschickt um sich im Ingenieurfach 
auszubilden; so diente er in Belgrad unter Prinz Eugen 1734 und 
schon vorher in Italien. Hierauf trat er in herzoglich württerabergische 
Dienste, wurde Kommandant der Festung Hohenstauffen und hatte 
als solcher den famosen Finanzmann Süess in Gewahrsam und kehrte 
als Oberstlieutenant und Kammerherr in sein Vaterland zurück. 
1735 wurde er Grosser Rat, 1743—50 Landvogt in Morges und starb 
1757 im Oktober an einer unheimlichen Krankheit, die niemand er- 
klären konnte. 

Herport war eine Autorität auf dem Gebiete des Befestigungs- 
wesens; die vorliegende Arbeit des 28jährigen Ingenieurs legt dafür 
beredtes Zeugnis ab. Er verfasste: Nouvelle maniere Suisse de forti- 
fier les places etc. Augsburg 1734. Auf ihn bezieht sich die Notiz 
im Ratsmanual, wonach an den Gouverneur von Belgrad geschrieben 
werden sollte, damit Herport veranlasst werde, alle auf Bau und 
Befestigung bezüglichen Pläne in seine Vaterstadt zu senden. Sein 
Bruder Samuel, von dem die Stadtbibliothek ein Porträt besitzt, das 
ihn in muselmännischer Tracht zeigt, diente als Hauptmann ebenfalls 



* Vergleiche seine interessante Biographie von Bertold PleilTer (Stuttgart, 
in den hern. Biogr. XIII. S. 393-395. 



127 

in Ungarn und kam dann bei Anlass des traurigen Friedensschlusses 
von Belgrad 1739 mit andern österreichischen Ofl&zieren als Geisel 
nach Konstantinopel. Bei der Rückkehr nach Ungarn starb er 
im Jahr 1740 während der Quarantaine zu Oedenburg.. 

Endlich findet sich noch im Schauenburg'schen Nachlass ein 
ganzer Band mit Karten und Plänen, der ebenfalls dem Kriegsrats- 
archiv Bern entnommen worden ist; denn dort existiert heute noch 
ein ganz gleicher, der aber vor Schauenburg keine Gnade gefunden 
hatte, weil er bloss Pläne und Detailarbeiten über bernische feste 
Plätze enthielt. Diese Karten sind summarisch nach Verfassern 
und chronologisch geordnet folgende: 

Vallentin Friedrich (Löscher) 1616. Orientierung: S. N. 

1) Karte des Reusslaufs. Kolorierte Handzeichnung, 52/29, sehr 
originelle Karte mit Projekt einer Schiftbrücke und zweier 
Brückenköpfe und Schanzen bei Gnadenthal. 

2) Karte des Luzerner-, Zuger- und Zürchergebiets zum Teil. 
Kolorierte Handzeichnung ohne Autorangabe aber sicher von 
Val. Friedrich (Löscher), IG 16. Cavalierperspective mit Be- 
festigungen der Reusslinie, vom Zugersee bis Luzern, von 
Rapperswyl - Hürden, Zug - Baarerboden, Hallwyl - Meilingen, 
Gnadenthal, Bremgarten. 52/61. 

:3) Karte über den Lauf der Reuss und Lindmxitt. Kolorierte 
Handzeichuung ohne Angabe des Autors, 1616, sehr schön, 
Cavalierperspective, 44/76, sicher von H. C. Gyger, ist eine 
Copie der Karte von 1620, Zürcher Staatsarchiv. 

4) Valentin Friedrich (Löscher), Befestigungsplan von Bern, nur 
Schanzen, 1616. W — 0. Alter HirUengraben oder Schützen- 
mauer in der Gegend des Gartens vom Stiftsgebäude etc. 

Guhernator Weiss: Grenzplan gegen Frankreich bei Nyon, Hand- 
zeichnung a cheval, 21/34, nicht viel wert. 

Du Plessis : Carte du plan des passages de entre le Baillissage 
d'Yverdon et la Bourgognie. Kolorierte Handzeichnung, schlecht. 
NW- SO, 49/90. 

Pierre Cuenet: Befestigungsplan der Stadt Bern. Kolorierte Hand- 
-zeichnung, 32/41, mit drei Forts samt Contreminen: 

1) Eines auf dem jetzigen Schänzli. 

2) Eines in der Schosshalde (v. Wattenwyl Gut). 

3) Eines auf dem Kirchenfeld (Villa Grenus etc.) 



_ 128_ 

Dedication : 
Illustres Iliiuts Souverains Seigiieurs, 

Le Soiibsigue, Tres humble, Tres soumis, tidelle serviteur et 
sujet, de Vos E. E. s'ötant appliqu6, des sa tendre jeunesse a se 
rendve iitille au service de Vos E. E., II a par La grace de Dieu 
ses voyages, ses soins et son Etüde trouver le Moyeiit d'oser rai- 
soiiner, sur la Calit6 d'iine forteresse, ayant eii le bonlieur, de voir 
bien soixante places Forte, tant en AUcmagne, qii'aux Pays Bas, 
d'une partie desquelles il a veu les rriiicipaux eiidroit et Tirer 
le Plan, Vos E. E. ne trouveront, peut-etre pas Mauvais s'il prend 
la Libert6 avec tout le Respect, Convenable de leur presenter un 
dessein tout recemmeut fait de sa Main de la maniere qu'il trouve 
que ron pourvoit faire une tres-forte place de leur Cappitalle. 

La ville de Berne, Ettant naturellement fortifiee de trois Cotez 
par La belle et Grande Riviere de l'Aare Et du magnifique fosse 
qu'elle baigne, outre l'Escarpe et Contreescarpe que la Nature Luy 
a donnez il ne s'agiroit pour mettre ä couvert cette Ville que 1* 
de rendre un peu plus Ptegulliers les ouvrages qui y sont d6ja et 
de les assortir de bons deliors comme ce dessin le montre 2" de 
Construire Trois forts dessus les trois Eminences qui sont au Tour 
de la ville qui fussent bien contreminez comme on le void en La 
figure 2. Recevez Illustre souverain selon vötre Bonte cet ouvrage qui 
n'a pour but que votre gloire Pierre Cuenet. 

Boämer und Otth 170G. 

1) Grenzplan zwischen Pfeffikon und Rinach, worin sich Bodmer 
^^ beklagt, dass Luzern die Marchsteine immer weiter hinausschiebe. 
^ Die kolorierte Handzeichnnng ist von Otth. 39/52 

2) Bodmer. 4 Ansichten der Gegend von der Stilli, Villingen, 
Mandach, Laubberg. 23/28 

E. Gross. Es fehlen dem Band : 

Prospekt von Bruder Clausen im ünterwaldnerland . 1712 

„ „ Faulenberg 1712 

„ „ Flüelen und Sarnen 1712 

„ „ Galgenfluh nach Longeren u. dem Sarnersee 1712 

„ der Brück bei St. Niklausen gegen Flüelen . 1712 

„ vom Sustenberg gegen das Urnerland . . . 1712 

Vorhanden : 
1 ) Basel, Grenzen von Rheinfelden bis Hüningen. Handzeichnung, 

26/22, a cheval gezeichnet. Orientierung 0— W. Sehr sauber 

kolorierte Militärkarte. 



129 

2) Basel, Grenzen bei Angst. Kolorierte Handzeiclinung, 4s/;ij. 

Sehr schön a cheval gezeichnet. 
;•)) Profil der Linie bei Rothenhaus. Sehr schönes Aqnarell, J'.)/ol). 

A. Herhört, 17:28, Projekt einer Citadelle von in der änssern 
Enge bis znr jetzigen grossen Schanze. Da wo heute der Tiefenau- 
strassentunnel ist, hätte man 292 toises Erde zu graben und dann 
würde die Aare direkt von der Engehalde zur Felsenau geleitet. 
Grossartiges Projekt, ;{5/40, Federzeichnung. 

Fred. Fischer, Plan von Zürich, sehr schön, NO — SW, 44/64, 
kolorierte Handzeichnung. 

Plan von Bern, sehr schön ; der Altenberg ist noch gegen das 
Schänzli hinauf ein Rebberg. 80/47. 

J. H. Locher, Grundriss des Härder Felds mit der Aufmarchung 
so vom Centro in Allweg BODO Sehne haltet, Anno 1712 usgemessen. 
W — 0, 51/78, kolorierte Handzeichnung. 

J. A. Rüdiger. 

1) Der Undertheil des Freyenamts, wie selbiger durch eine gerade 
Linie von Oberlunkofen nach Farwangen ist aufgemarchet und von 
dem obern Freyamt vertheilt worden anno 1712 samt dem Amt Eigen 
und Königsfeld in Grund gelegt durch Joh. Adam Rüdiger anno 1714, 

pjithält : 1. Den Ort des Trefiens bei Vilmergen 165(). 

2. Die Einnahme des Berges Meiengrün, 21. May 1712. 
o. Ort des Treffens bei Bremgarten, 20. May 1712. 

4. Schlacht bei Dinticken auf der Langelen, 25. 
1712 (zweite Vilmergerschlacht). 

5. Den Ort, wo in der Bünz viele der Fünförtigen 
ertranken. 

Der Plan, Originalhandzeichnung, fein und sauber, ist dem Hof- 
meister Steiger in Königsfelden und erstem Landvogt des untern 
freien Amtes gewidmet, 1715, feine Vignette, 27/41, 15 mm = 2000 
Bernschritt. 

2) Plan et Projet de Ptappersville. Die Werke wurden von Li- 
genieur Kauffelin projektiert und von A. Rüdiger gezeichnet; 
sehr schöner Plan, prachtvolle Vignette, 41/58. 

:i) Ein grosser Befestigungsplan von Genf. Handzeichnung, 82/llü, 
mit Legende, der Zeichnung nach von Rüdiger, kann aber auch 
von Micheli du Crest herrühren. 

M. Jahri'sl.cii. lil <1. (icoj;r. (U-^. v. Uern. 1H!)1-1H!)2. >) 



Kalten deren Autoren ich nicht ausfindi.u' machen kann: 

1) Plan vom Gouvernement d'Aigle dejinis IJex jusqu'au lac 
Leman. 32/109, Handzeichuung, sehr alt, 1 7. Jahrhundert. Orien- 
tierung NO— SW. 

2) Ph\n der Gegend zwischen Neuenburger- und IJiclersee (Ny- 
dauwersee, Lac de Neurol) von St. Moritz zwischen Landeron 
und Neuenstadt. Kolorierte Handzeicliniing, sehr schön. Grund- 
riss der Orte; 50/74, a vue gezeichnet. Choulemont-Jolimunt. 
Altes Bett der Zihl, Heidenweg zur kleinen Insel. 

y>) Alter Plan: 1. Der Rielersee. 

Derselbe heisst: Nerol, der Nidowersse 

Neurol, Lacus Nidoviensis 
Nurol 
Nuiruil, 
niemals ßielersee. 
2. Die Gegend zwischen den drei Seen bei einer 
Ueberschwemmung, Zwischen Zihlbrugg, Sanct 
Johannsen, Landeron ist alles ein See, Sugiez 
ist ganz im Wasser. 17. Jahrhundert. Grad- 
netz, 50/95. 

4) Carte topogr. contenant la Terre de Coppet et parties du 
Ballisage de Nyon et Bonmon avec la Terre de Selligny 
entre la ditte partie. Kolorierte Handzeichnung, NW — SO. 
wahrscheinlich von Wyss, schlechte Zeichnung, 4(i/<»5. 

5) Kleiner Plan, Route von Coppet nach Genf, ein Militärplan, um 
Truppen dorthin zu werfen, wenn der See nicht praktikabel wäre. 

'V 1668 (?), Federzeichnung, wahrscheinlich von Wyss, 22/32. 

6) Strassen durch das Frickthal in die Schweiz. 15/21, feines 
Aquarell. 

7) Karte der Gegend Iferten-Joigne. Kolorierte Handzeichnung, 
sehr alt, 47/75, ä cheval gezeichnet. 

8) Carte militaire et topogr. de la partie occident. du Pays de 
Vaud. Verteidigungspläne mit Batterien von Nyon bis zum Jura, 
kolorierte Handzeichnung, ärmlich, 54/78. 

9) Karte: Verteidigungslinie Bielersee-Neuenburgersee, St. Johann- 
sen, Landeron, Zihlbrugg. 31/43, kolorierte Handzeichnung. 

10) Karte: altes Schloss Baden. Federzeichnung, 27/40. 

11) 2 Pläne: 1. Die Aare abzuschliessen. Kolorierte Handzeich- 

nung, 28/32. 
2. Profil von Wällen. Kolorierte Handzeichnung, 14/32. 



131 

12) Ein Plan : innere Ringmauer von Bern. oS/Tii. 

13) Zwei Plane von der Hauptwacht bis zum Marzilitlior , von 
Zebender. 

14) Drei Pläne : Grosse Schanze. Handzeichnung. 

Gewiss, werden alle einverstanden sein, dass dem Eidgen. General- 
stabsbureau durdi die Güte des Herrn Barak, die Intervention der 
Bundesbehörden und die Bemühungen unseres Landsmanns Prof. 
Flückiger ein kartographisches Material zugeführt worden ist, das 
enorm wichtig für die Topographie und die Kriegsgeschichte unseres 
Vaterlandes ist, und wir tragen nur einen geringen Teil der Schuld 
der Dankbarkeit ab. wenn wir uns durch die obigen Darstellungen 
bemüht haben, den wiedergewonnenen Schatz in das reclite Licht zu 
setzen und auf seinen Wert zu prüfen. 



IX. 

Les Dependances du Senegal. 

Confrroiior par Monsieur F. It'jJ}', iImt.« la Stsuiro du 17 UOccjuiijre IbDl. 

AFRIQUE OCCIDENTALE 

Les Dependances du Senegal qiii ont re(,'u ces jours-ci le noiu officiel de 
GUINEE FRANgAISE. 

Situation entre le 9 et 1 1 '^ lat. de N. lö et 17" long^. Oiiest du M. de Paris. 

Nord. Les limites au Nord furent dressees par uiie commission 
Franco-Portugaise en 1888. Les envoyes frangais furent MM. le ca- 
pitaine Brosselard, le lieutenant St-Clere, Galibert 

Les limites ratitiees par les deux puissances partent de la Cöte 
Occidentale entre le Rio Cassini et le Kio Compony, cette derniere 
riviere reste consideree Franraise; du point indique sur la carte les 
limites montent vers le Nord-Est en s'approchant du Rio Grande 
jusqu'au KjO long. Ouest du meridien de Paris et suivent en ligne 
droite vers le Nord. La France s'est reservee la spliere de son in- 
tluence pour Tinterieur du pays, en sorte que la grande colonie du 
Senegal, separee de la Guinee Frangaise sur la Cote par la Gambie 
anglaise et par la Guinee Portugaise, pourra etre reliee avec le temps 
et les chemins de fer par le «Hinterland». 

Je fais remarquer ici que depuis peu de jours seulement cette 
colonie a obtenue le titre officiel de Guinee FranQaise>, avec un Gou- 
vernement colonial dont le siege est a Conakry, sur la presqu'ile 
Turabo >, laquelle se trouve entre Tembouchure de la riviere Maneali 
et la petite baie de <Sangareab>. A peu de kilometres au large de 
Conakry, on remarque les petites lies de Los formees par l'Ile -Factory», 
nie <Tainarrah», File «Withe», Tlle «Crawford' et l'Ile «Corail». 
Je vous presente ici une pierre curieuse par sa rondeur polie, resultat 
du mouvement des niarees contre les plages rocheuses de File Corail > . 
Ces pierres s'y trouvent par milliers de formes pareilles, temoins 
du travail i)erpetuel des elements. — Les lies de Los quoique 



133 

situees sur iine cute Coloniale Frangalse, appartieiinent aiix Anglais 
et relevent de leur Colonie de Sierra-Leone. Elles fönt Tobjet d"uii 
bail a !)'.! ans contractu en isiii entre le royaume Uni et les chefs 
indigenes de la cote rapprochee. 

Sud. Au Sud les limites sont formees par les rives droites des 
Grandes Scarcies, alors que leurs rives gauches forment les limites 
Nord des possessions anglaises de la Colonie de Sierra-Leone. 

Est. A l'Est les limites ne sont pas definies, la domination de 
la France s'etend toujours davantage par des traites plus ou moins 
onereux avec les chefs ou roitelets noirs. De fait la domination 
frangaise ne s'etend pas encore au dela des rivieres accessibles aux 
navires niarchands. 

Ouest. L'Ocean Atiantique forme et deforme les limites de Tonest. 
L'entree des rivieres est generalenient dangereuse aux navires de 
commerce, les pilotes indigenes sont cependant assez sürs pour 
indiquer les bons passages de barre. 

Montagnes. La chaine principale est situee entre le l;! et 15 " 
longitude 0. du M. de Paris et s'etend du S au 13^ de latitude Nord- 
Est; cette chaine est connue sous le noni de Massif du « Foutah- 
Dijallon>. On estime de 12 ä 1.500 metres la hauteur de ces cimes 
peu connues et qui attendent encore les explorateurs et les ascen- 
cionistes. — La plus haute niontagne visible de la mer par le travers 
de Conakry est le Kakulimah (8so metres d'altitude). 

Fiivü'res. D'inombrables cours d'eau prennent naissance dans le 
massif du Foutah-Dijallon ; de ceux qui traversent la Guinee Fran^aise 
pour se reunir a TOcean Atiantique, je citerait en partant du Nord : 
le Rio Compony (Candiafara et Cogon), 
le Ptio Nunez (Kakande et Tiguilinta), 
le Capatches (Cataco). 

Bramaya (Councoure), qui descend du petit lac de l>adi dans 
lequel se jettent le Kakriman et le Kekoulo. 

Dubrecca fSoumba), qui se deverse, ainsi que le Bramayah, dans 
la petite baie du Sangareah. 

Maneah. 

Morebaya. 

Fornk-ariah. 

INIellacor^e. 

Ü'autres cours d'eau descendant du massif du Foutah-Dijallon. 
fönt des trajets plus longs avant de se reunir ä la mer. Ce sont: le 
S(^negal (Bafing), la Gambie (Bah Diama). le Bio Grande (Koli), les 
Scarcices, la Pioquelle et si nous nous ecartons quelque jieu, nous 



trouvoiis non loin les sources du Niger, d^couvertes en 187!) par notre 
(■oin])atriote J. Zweifel accoinpagne de son ami M. Moustier. 

Le ])arcours superieur des ri vieres de la GiiiMee Fraiu;aise est 
cncore tres peii coniiii et ainsi que pour rinterieiir du i)ays, les 
explorateurs aurout eneore bien des changements a apporter aux 
eartes actuelles dont je puis vous preseuter ici quelques speciuien. 
.le vous rends atteutif surtout ä celle de uotre comi)atriote M. Louis 
llaur de Bale. 

Explorateurs. Les explorateurs ([ui out i)asse dans cette regiou 
du ("outiueut noir sout les suivauts a ma connaissauce : 

Major Pcddie, Chef d'uue expeditiou anglaise partie du Rio 
Nuuez en LS16; eile fut repoussee par les iudigenes du Foutah-Dijallon. 

li/me CaiUe partit du menie poiut en ls27, seul et avec peu de 
ressources il traversa le Foutah-Dijallon, passa par Timbouctou et 
arriva en 1828 a Tanger d'oü le vice-consul de France lui procura 
un passage pour Toulon. Une modeste colonne elevöe dans la coui- 
du poste fortifie de Bok6 nous rappeile que Rene Caille etait parti 
de ce point. 

Le lieutenant Lambert partit egalement de Roke en 18G() en 
niission du Gouvernement Frangais, il se rendit aupres de FAlmamy 
de Timbo et retourna au Senegal en suivant le cours de la riviere 
Faleme. 

Le Dr. Baijol a la tete d'une expedition equipee par le Gou- 
vernement frangais tit le menie voyage en 188L II ramena en 
France quatre messagers de TAlmamy de Timbo; a la suite des 
entrevues, le Gouvernement alloue a l'Almamy une reute annuelle 
de fr. "')()00 et de fr. 2500 au chef du Labe. Ces rentes sont remises 
par Tentremise du commandant du poste de Boke. — L'expedition 
Bayol devait continuer de Timbo vers le Sud pour reconnaitre la 
decouverte des sources du Niger qu'avait faite en 1879 Zweifel et 
Moustier, eile renonca ii ce projet et regagna le Senegal par les 
routes indiquees du lieutenant Lambert. 

Les messagers de l'Almamy de Timbo furent rapatries par l'entre- 
mise de la maison C. A. Verminck de Marseille dont je fus alors 
Tagent a Conakry. Ils arriverent par un vapeur de cette maison le 
«Foulah», je les fis embarquer a bord d'une goelette pour le Rio 
Nunez et ils s'en retournerent a Timbo en passant par Boke. Voici 
un passage des Instructions que je recus de M. C. A. Verminck en 
fevrier 1882 : 

^Je desire que ces envoyes ne restent que le moins possible ä 
Conakry, je desire surtout qu'ils n'aillent pas ä Sierra-Leone. Etant 
venus en mission aupres du Gouvernement frangais, il ne sied pas 



135 

qirau retour ils visiteut le sii'ge du (jouvernement auglais de la 
(.V)te. > 

Une petite expeditiou partit de Boke eu 1883, commandee par 
un docteur venu de Paris et qui s'avanga dans Tinterieur accom- 
pagne seulement d'une demi-douzaine d'indigenes. A deux jours de 
marclie la petita equipee reucontra uii üls de FAlmamy de Timbo 
se rendant, a la tete d'une caravane au Rio Poiigo ; apres echange 
de quelques paroles de courtoisie, le docteur et ses porteurs furent 
garottes sans autres preambules et laisses siir place completement 
denudes, ils purent se degager et regagner Boke en se promettant 
sans doute de ne plus recomraencer dans de pareilles conditions de 
protectorat. 

Le Dr. Gouldsburg, Gouverneur de la G-ambie Anglaise traversa 
le Foutah-Dijallon en 1881; parti de Ste-Marie Bathurst, il gagna 
Sierra-Leone eu trois mois. 11 a evalue la distauce parcourue a en- 
viron 3000 kilometres. 

Gahorkmä et Änsaldi. Expedition equipee par M. Olivier Pastre 
de Marseille, partit de Boubah dans le Rio Grande en 1881. Elle se 
rendit ä Timbo et revint sur Boke pour regagner la Guinee Portu- 
gaise par mer. 

P. Bonnard de Marseille egalement equipe par M. Olivier Pastre 
en 1883, tomba malade sur la route de Kade, il rebroussa chemin, 
arriva mourant ;\ Boke, porte par ses fideles compagnons indigenes, 
il expira au poste de Boke sans avoir repris connaissance. 

Louis Baur de Bäle, sans avoir des pretentions d'explorateur, a 
(•ei)endant parcouru en tous sens le littoral de 1878 en 1880. Pendant 
(•es huit ans qu'il y a reside il a pris une quantite de notes et a 
('tabli une carte du pays que j'ai l'avantage de vous presenter ici. 
C'est certainement la carte la plus exacte qui existe de ce coin du 
continent noir jusqu'ä ce jour. 

Hahitants. Les indigenes de la Guinee Fran^aise (ci-devant De- 
pendance du Senegal) sont de trois races assez distinctes: 

1'' Les Bagas. 
2" Les Sousous. 
3^* Les P'oulahs. 

Les Bagas representent le type du vrai negre fonce, premiers 
occu])ants sans doute, ils auront 6te refoules par les Sousous et par 
les Foulahs dans les contrees les plus malsaines et marecageuses de 
la cote oü ils s'adonnent ä la chasse et ä la p^'che, a la culture du 
riz et du mil, ä la recolte de Thuile et des amandes de palme. 
liCS Sousous dominent les Bagas et les Foulahs dominent les Sousous 
'»u les rendent tributaires. Les Bagas sont fetiches, de mo'urs anti- 



diluviennes, ils fiiient les autres rnces qui en tont leurs esclaves do- 
mestiqups. Ils s'adomuMit facilement a la boisson et fönt trcs ])eu de 
cas d'ötoftes d'habillenient. Ils voyafient i)ar eau, dans des troncs 
d'arbres creux pour aller öchanger leur r^colte d'huile et d'amandes 
de ])alnies contre de l'eau de vie et des ])acotilles dans la factorerie 
la plus proclie. 

Lc Sousou un peu plus civilise, s'habillc raieux, apprend ])lusieurs 
langues, est musicien (balafond), professe meme la religion inusul- 
mane sans toutefois renoncer a, la boisson. II est eniploye dans les 
factoreries comme ouvrier, interprete, laptot etc. U s'6tablit aussi 
commergant intermediaire, cliercliant des produits dans l'interieur du 
pays pour aller les echanger chez TEurop^en. Les Sousous, originaires 
des environs du Niger superieur, ont ete i>ousses par les Foulahs et 
les Timnehs dans les pays des ri vieres Scarcies, Mellacor^e et Forre- 
careab, ils dominent actuellement les Bagas jusqu'au Rio-Nunez. 
Ils construisent des pirogues a volles pouvant conteiiir jusqu'ä liuit 
tonnes de marcbandises et servent ainsi le cabotage. 

Foulahs. Les Foulabs sont musulmans fervents et tiennent stricte- 
ment aux prescriptions du Coran, ils fönt partie d'un peuple venant 
de l'Est qui fait la propagande de l'Islam. 

Le Foulab est g^neralement de haute taille, au teint brun-jaune 
(cafe au lait), bouche moyenne, nez aquilain, cbeveux moins crepus 
que le negre ; il meprise les races fetidies qui Fentourent, leur fait 
ime guerre continuelle, les traine ä l'esclavage et sans le protectorat 
de la France et les commergants Europeens, les Foulahs auraient au- 
jourd'hui la domination complete de la Guinee Frangaise, ce qui au 
point de vue commercial ne serait pas regrettabie. 

Le Foulah s'occupe d'agriculture, de l'elevage du betail qui 
prospere sur les päturages des montagnes du Foulah-Dijallon. Le 
betail est de taille plus petite que celui de nos races en Suisse; des 
essais d'exportation furent faits, mais le trajet jusqu'a Liverpool et 
Marseille avait trop eprouve ces pauvres betes. Moutons^ chevres et 
volaille venant de Tinterieur forment une partie des provisions des 
factoreries d'Europeens, lesquelles factories sont toujours sitnees a 
proximit6 d'une eau navigable. 

Autres races. Outres ces trois races principales de la Guinöe 
Frangaise, j'en citerai encore qui y sont de passage et qui y resident. 

TouhaJcay. Venant de Touba, resident au Rio Nunez et au Rio 
Pongo, y cultivent des arachides, mais retournent souvent dans leur pays. 

Mandiugnes & Seracoles descendent de l'interieur en caravanes 
ponr echanger leurs produits consistant en or. ivoire, tissus du pays 
teint a l'indigo, caoutchouc, etc. contre des marcbandises d'Europe. 



137 

Le Yoloff OH Wolojf venaiit du Senegal, le plus souvent de 
St-Louis, s'etablit traitant ou tiafticaiit, t'ait un peu le commerce 
d'esclaves domestiques et retouriie a St-Louis (luand il a amasse plus 
ou moins loyalement une petita fortune. 

Lc Sierm-Leonnais, negre, sujet anglais de race iVkou ou veuant 
de rinde occidentale fait egalement un commerce d^intermcdiaire et 
reussit souvent raieux que le Yoloff. 

Le Mtddtrc. Descendant de plusieurs races, reste dans le iiays. 
il est employe dans les factoreries et retombe le plus souvent dans 
les moeurs et liabitudes des indigenes. Au Kio Pongo la famille 
royale descend de negriers Portugai«. 

Le Croeman, est Touvrier des factoreries pour les gros ouvrages. 
il est tres-apprecie. Les Croemans viennent de Cap Palmas a Sierra- 
Leone d'oii ils sont engages pour les factoreries dans les diverses 
rivieres. Les Croemans furent engages dans la derniere guerre des 
Ashentees ; aussi dans la derniere guerre des Anglais en Egypte : 
beaucoup furent employes comme ouvriers au Canal de Panama. 

DominaMon de la France. 

Les döpendances du Senegal, aujourd'hui officiellement appelees 
< la Guinee Francjaise ., sont ou plutöt est sous le protectorat de la 
France. Le siege du Gouverneur est a Conakry, il fait nommer les 
commandants de cercle. Ces cercles sont au nombre de quatre : 
celui de Rio Nunez; 
de Rio Pongo , 
de Dubrecca: 
de la ^lellacoree. 

Les commandants de cercle occupent un poste : 

ä Boke pour le Rio Nunez (fortitie): 

ä Boffa » Rio Pongo : 

ü Conakry Dubrecca; 

a Benty » la Mellacoree (fortifie). 

Les commandants de cercle placeut des douanes aux emboucliures 
des rivieres, afin de faire controler le mouvement commercial et d"en 
retirer des droits: ils fönt leurs rapports au gouverneur pour ce qui 
concerne la ])olitique du pays, ils veillent au maintien des ti-ait^s 
des cliefs indigenes avec la France. i)rojettent des traites nouveaux, 
empechent ou provoquent les guerres des indigenes entre eux. Ils 
ont pour leur propre protection une vingtaine de soldats negres du 
Senegal, deux ou trois sous-officiers Frangais, un ou deux artilleurs 
et un medecin. — Les commandants de cercle sont g^neralement des 



rnpituiiu's de riiifanteiie de Miiriiie en scrvice actif et, ainsi qwo. 
lour iiersonnel, ils sunt releves tous les deux ans 

Aetuelleinent le Gouvernement de la Guin^e Frant^aise est coni- 
pose d'envii'on ;!() Europeens et d'environ 2()0 indigenes ou soldats 
du Seneiial. Pour gouverner un ])ays de la superfido de notre Suisse, 
il taut croire que ce gouvernement est d'autant nioins süffisant que 
le pays niauque de voies ferrees et du t616gTaplie ; les lArandes routes 
des caravanes ne sont que des sentiers sinueux. II n\y a ({ue les 
rivieres accessibles aux navires, bateaux et chaloupes (pii servent de 
nioyens de comnninication au commerce. 

Depuis issii cette colonie est reliee a l'Europe i)ar le cable sous 
marin qui atterrit a Conakry. 

Historique. Le premier pas pour domiuer ce pays tut fait par 
la France en IHOö^ au haut du Rio Xunez, dans les circonstances 
suivantes: 

Le Roi Douka de la tribu des Landoumas a\ ait malmene deux 
commervants du Senegal etablis ä Boke qui demanderent aide et 
protection au gouvernement du Senegal. Un petit aviso de l'Etat 
fut envoye dans ces parages et un traitc tut conclu avec le roi 
Douka et avec le roi Joura de la tribu des Nalous, traites dat6s du 
V decembre 1805 Ces traites furent acceptes d'autant plus volontiers 
que le roi Douka (mort en 1878) touclia des lors une reute annuelle de 
fr. 2000. — en especes et le roi Joura ()nort en 1885) une idem de 
fr. öooo. — Le pays des Nalous s'etend de Victoria ä Rappass et 
oecupe la partie du Rio Nunez navigable pour des navires calant 
jusqu'a cinq metres. 

En 18G(3 le poste fortitie de Boke fut construit; les Foulahs de 
rinterieur du pays s'en inquieterent et faisant cause commune avec 
le roi Douka, ils voulurent attaquer et detruire les fortifications Le 
commandant eut vent de l'aft'aire, fit empoigner Douka et un tils de 
TAlmamy de Timbo; ce dernier fut fusille au but du Wharf de Boke 
et Douka fut gracie sur promesse de ne plus recommencer. En 
tenant compte de ce qui le poste n'etait protege que par une tren- 
taine d'hommes dont quatre Europeens, il faut admettre que les indi- 
genes nY'taient pas difficiles a tenir en respect. 

Une niaison de douane fut elevee plus tard ä Victoria pres de 
Tembouchure du Rio Nunez, en vertu du traite conclu avec le roi 
Joura. Jusqu'ä present la douane preleve des droits sur les produits 
exportes seulement et qui sont de 5 7o ^^ 1^ valeur des produits, 
valeurs publiees tous les six mois dans le «moniteur du Senegal». 

Nous sommes ici devant un fait bizarre, la France protectionniste 
preleve des droits d'entree dans la Colonie du Senegal sur les marchan- 



139 

(lises iiiiportees et ncn i)relcve point dans la Giiinee Fran^aise»; 
eil voici rexplication eii taut que cet etat des cboses durera : 

L'AngleteiTe, libre echaiigiste, preleve des droits d'iniportation 
>ur plusieurs articles arrivant de pays civilises dans la Colonie de 
Sierra-Leoiie. — Dans les annees 1851 et 1852 l'Angleterre a conclu 
des traites avec les cliefs indigenes d'alors se trouvant entre la 
Mellacoree et le Rio Nunez. En vejrtu de ces traites, les chefs indi- 
genes garantissent entr'autres ne vouloir prelever aucun droit oii 
charges quelconques sur les niarcliandises importees dans leurs ]iays 
(«tlie Import of all mercliandise into their countries free of duty or 
customs dues of any kind>) par contre le gouvernemeut de Sierra- 
Leone donne entree libre, sans aucuus droits a tous les produits 
arrivant a Sierra-L^one et provenant des pays situes entre Mella- 
(■oree et le Rio Xunez. 

Par ee qui precede nous remarquons qu'anterieurement aux 
traites de protectorat avec la France, il en existent d'un autre genre 
avec l'Angleterre. 

Le Rio Pougo passa seulement dix ans plus tard sous le protec- 
torat de la France, soit en 187G, si je ne me trompe. Suivant le 
commandant Chs. Bour qui fiit a la tete de ce cercle de 1883 en 1885, 
sa Position n'a pas toujours ete des plus enviables parce que selon 
le traite avec les indigenes, le Gouvernement Fran^ais avait promis 
de ne point elever de fortifications. De ses reflexions sur les maisons 
de commerce, je citerai le passage suivant de son livre page 04 — 
La jeunesse etrangere occupe presque tous les emplois dans les 
maisons de commerce de la Compagnie Franyais de FAfrique Occi- 
dentale. Les jeunes Frangais se destinant au commerce se trouveraient 
cependant a tres bonne ecole dans ces parages moins insalubres 
(|u'on le dit generalement. » 

Ayant fait partie de la jeunesse etrangere de la dite compagnie, 
je puis repondre a ce qui precede que les comptoirs et factoreries 
en sont geres par des employes frangals et suisses, qui g6ii6ralement 
tont bon menage ensemble, quoique les postes bien retribues soient 
attribues ä des Fran^ais quelqefois plus pretentieux que capables. 

Bramayah. Le royaume de Bramayah passa sous le protectorat 
de la France en Lss;;. William Fernandez qui descend de negriers 
Portugals, connu sous le nom de roi ' Woulli > , demanda un traite 
de protectorat par l'entremise du commandant Clis. Bour du Rio 
Pongo. II comptait sur l'appui de la France au cas oü les Bagas de 
(obah, attaques par un cbef sousou nomme Tomas, sortiraient victo- 
rieux de la guerre et envabiraient son territoire. — Les 15agas eiireut 
la victoire sur Tomas et la paix put immediatement etre conclue 
par Tentremise du roi P.ala Demba de Dubrecca 



140 

Diihrccca. Le roi Bala Deiiiba de Dubrecca, chet du Tabounsnn 
et de Caloune, a siffne un traiti« de protectorat avec la P'rance eii 
ISSO. — Ce traite tut jjrovoquc' par un connnerrant de Mar.'^eille, 
J. Gaillard, habitant les iles de Los. Pour oviter des desagrements 
avec le gouvernement de Sierra-Lt'one, il cbargea un de ses dients 
(Stabil au Dubrecra qui decida le roi et ses ministres a se rendre 
au poste de Benty oü le traitr tut conclu. Le roi obtint une rente 
annuelle de fr. i2()()(). 

Les Anglais tacberent alors d'obtenir la presqu'ile Tunibo sous 
pretexte qne suivant leur traite, eile rentrait dans la zone des iles 
de Los. Cette pretention tut toutetbis abandonn^e. - En iss-i le 
seul comptoir connnercial 6tabli sur Tile Factory des iles de Los tut 
transfere a Conakry, sur la presqu'ile Tunibo. L'agent s'ötait prea- 
lablement pourvu d'un traitö avec le roi du Dubrecca, lui assurant 
port franc tant pour les marchandises que pour les navires se rendant 
dans ces parages. En LS84 une maison allemande vint s'^tablir a 
cote de Conakry et sur l'encouragement du Gouvernement allemand 
qui y avait fait faire escale a deux navires de guerre, le cbef de la 
maison allemande conclut des traites avec les rois du KabytaT et du 
Cobab. — Les envoyes du Gouvernement allemand, feu le D"" Naclitigall 
et le D' F. Bucbner, illustres par leurs grandes explorations au centre 
du continent noir, etaient les premiers pionniers en quete de colonies 
pour Tempire d'AUemagne et la presqu'ile Tumbo fut leur i)remiere 
Station dans ce but. 11s visiterent le roi Bala Demba et lui presenterent 
de la part du vieil empereur Guillaume un sabre d'bonneur et une 
medaille en argent ; Bala Demba tut tres toucbe de Pattention de 
son illustre contemporain et regretta beaucoup de ne pouvoir con- 
clure de traite dans le sens desire. 

Les traites avec le Cobab et le Kapital' furent ratities plus tard 
par l'Allemagne, mais annules quelques mois apres en suite d'une 
entente avec la France qui ceda certains droits sur le pays de Togo. 

Le Gouvernement du Senegal envoya en 18S5 un officier a Co- 
nakry, atin d'etre mis au courant de ce qui pouvait se passer dans 
ce pays. l\ nomma ensuite un lieutenant gouverneur pour les de- 
pendances du Senegal, ei>fin un Gouverneur fut nomme relevant 
directement du ministere des Colonies et les Dependances du Senegal 
recurent le nom de < GÜINIÖE FRAN(^AISE > pour faire pendant a 
la « Guinee Portugaise » de la frontiere Nord. 

Lois. Les lois des Foulabs sont bases sur le Coran, des leur 
enfance les jeunes gens apprennent a lire et ä ecrire, leurs maitres 
appeles Sberifis, remplissent les fonctions d"enseigner les lois religieuses. 
la lecture et Fecriture: ils fönt ecrire l«urs Kleves sur des plancbettes 



141 

cu bois desquelles Tecriture s'ettace facileiiient au lavage ; i'eaii de Tecri- 
tiire effacee de certaiiis passage du Coran sert quelquefois de inedecine. 
— Les Sousous apprenuent volontiers l'ecriture arabe, tandis que le 
Bagas prefere rester dans Fingnorance et fuit ce que nous appelons 
la civilisation, il n'en accepte que ce qui lui convient, soit priuci- 
palemeiit les boissous toxiques. Les lois du Sousous et du Bagas 
se basent avant tout sur Tusage. Ils ont recours a leurs auciens 
et si ceux-ci ne sont pas d'accord ils en appellent ä leurs cbefs, puls 
si le cas est grave, au roi. Lorsqu'il y a des differends entre tribus, 
les chefs se parlemeutent, si les differends sont trop imj.'ortants, ils 
ont recours a des cliefs d'autres tribus, se fönt des allies et au besoin 
connnencent une guerre. Ces guerres sont interminables ; il y en 
a chaque annee dans Tun ou l'autre des districts de la < Guinee 
Frangaise ». 

Dernierement les Timnehs de la colonie auglaise de Sierra-Leone 
ont devastes le pays jusqu'au Dubrecca. Ou disait qu'ils etaient 
soutenus par les Anglais, ce qui est cependant peu probable, vu que 
les Anglais sont eux-memes obliges d'organiser des expöditions mili- 
taires contre les Tinmehs. 

Uesclavaye. Tous les tribus ont des esclaves domestiques et le 
gouvernement tolere ce trafic entre iudigenes pour ne pas ronipre 
les traites et aussi pour ne pas etre mis en deineure d'organiser de 
fortes expeditions militaires. II ne serait cependant pas bien difficile 
dimiter les Anglais dont la Colonie de Sierra-Leone est en bonne 
prosperite, malgre l'abolitiou complete de l'esclavage en dedans leur 
jaridiction imraediate. Les Anglais ont fait de grands sacritices pour 
clever les negres qui, a Sierra-Leone, fönt partie du Gouvernement 
Colonial, occupent plusieurs eniplois, sont commer(;ants, avocats et 
niedecins, etc., il y en a meine qui sont maries a de veritables Auglaises 
de la Grande Bretagne. 

Jlissionnaires. II y a des stations de Missionnaires a Conakry 
et au Rio Pongo, protestants et catholiques; ces missionnaires ont 
jusqu'a present peu de succes chez les indigenes qui se tournent 
[dutot vers rislani, quand ils eprouvent le besoin de sortir des cro- 
yances fetiches. 

Les negres Kleves chez les missionnaires sont göneralement em- 
idoyes dans les factoreries comme interpretes et employcs subalternes: 
,)us(|u"a present ces employes de couleur vienneiit plutot de la C'ülonio 
Anglaise de Sierra-Leone. 

Commerce. Le siege des maisons faisaiit lo trabe dans la Giiiiire 
Frangaise est soit a Marseille, au Havre, ä i^iverpool-Manciiester, soit 
a Hambourg. 



U2 

C'es iiiaisons ont ctablis des coini)toii's sur plusieiirs points acces- 
sibles aux bateaux a vapeiir et vuiliers veuaut d'Europe. Les 
comptoirs ötablissent des factoreries dans les rivieres, bras de mer et 
marigots, sur des points accessibles aux bateaux faisant le cabotage 
et qui preniient des chargements de deux jusqu'a cent tonnes. Ces 
tactoreries a leur tour etablissent pour la saison de traite qui dure du 
niois de decenibre au uiois de uiai, des sous-factoreries, fout quebiues petits 
credits ä des cliouts, etc. et elles regoivent directeineut les caravanes 
veuant de Tinterieur. Les chefs des factoreries de quelque importance 
sont toujours des euiployes d'Europe et la Suisse en fournit une 
graude partie. Les sous-factoreries instantes pour le plus fort de la 
Saison sont toujours situees pres d'un cours d'eau, ne serait-il navi- 
gable que pour un canot, parce que le transport par terre serait 
trop coüteux et la liquidation prompte trop difficile en cas de guerre. 
— Les chemins sont partout de simples sentiers crees par le passage 
frequent du pied noir et foiit le plus souvent des sinuosites in- 
utiles. 

La forte saison pour la traite des produits avec les caravanes 
veuant de Tinterieur du pays, dure de decembre en avril, pendant la 
saison seche. C'est ä ce moment que le Foulah et autres tribus se 
mettent en marche pour echanger dans les factoreries les divers 
objets dont ils ont besoin contre leiirs produits. Ils i)artent avec 
esclaves, femmes et enfants, ils marchent par caravanes de 10, 2<) 
jusqu'a •200 individus, arrivent souvent musique en tete precede du 
maitre de langue et par til indienne dans la cour d'une factorerie. 

Le clief de la caravane arme d'un sabre et d'un fusil ou d'un 
arc, porte un grand chapeau et est couvert de grigris le garantissant 
d'agressions ennemies et de maladies, ses gens portent sur la tete les 
paquets recouverts d'une natte de bambous liee par les deux bouts 
en forme de saucisson droit plus ou moins gonfl6 selon qu'il contient 
ou des ustentiles de cuisine ou des produits tels que caoutcliouc, 
peaux de boeufs, etc. 

Si la caravane amene des bestiaux, des moutons et chevres, c'est 
tout une histoire jusqu'a ce que chaque animal soit attache. 

Le chef de la caravane, apres un long palabre avec le chef de 
la factorerie, donne ordre ä ses gens d'ouvrir les paquets. On procede 
immediatement au pesage et au mesurage, on debat les prix et on 
donne ti chaque proprietaire un bon sur lequel est indique la somme 
convenue en dollars, demi dollars et quart de dollars. Si un individu 
apporte pour moins d'un quart de dollar en produits, il ne lui est 
pas delivre de bon en papier, on lui remet immediatement la contre- 
valeur en ce qu'il desire, ceci l'exclut du benefice d'un cadeau qui 



143 

est obligatoire avaut le depart de la caravane poiir rinterieur du 
pays. — Les priiicipaux produits venant du Foutah-Dijallou. dans 
les factoreries sunt les suivants pour rexportation en Europe et eu 
Amerique : 

Le caoutchouc, la cire d'abeilles, les aracliides decortiquees, les 
«raines de sesanie, un peu d'or, de livoire et des peaux de banifs. 

Les produits formant un commerce interne sont: 

Les bwufs, les moutons, les chevres, les poules, les canards, les 
pintades, les nattes de banibous, les calebasses, le riz, le mil, le 
beurre vegetal, des articles multiples en cuir, etc. 

Lorsque la caravane est debarassee de ses produits, le maitre de 
langue assigne aux individus un emplacement pour passer la nuit; a cet 
eft'et chaque saison l'agent de factorerie fait construire des petites huttes 
couvertes de branches d'arbres ou de paille, afin d'abriter les indi- 
genes ; ces huttes sont alignees par deux raugees et suivant Timpor- 
tance de l'eudroit il y a .jO a 2()U compartiments; dans chaque coni- 
partiment assez de place pour deux ä trois individus. La natte qui 
sert d'emballage est etendue par l'indigene pour lui servir de lit. 
Les ustensiles de cuisine composes d'une marmite en terre, de quel- 
ques calebasses, d'une grande cuillere en bois sont installes en plein 
air et dans quelques instants le riz se cuit dans la marmite, au 
grand i)laisir de ceux groupes autour. 

Apres s'etre concertes sur les evenements, apres avoir bien dis- 
cute sur la reception, sur les cadeaux regus a l'arrivee, sur les prix 
acceptes, les Foulahs fönt d'un air grave leur tournee d'inspection 
aux magasins de vente, observent la maniere de traiter du vendeur, 
puis ils vont voir leurs collegues qui se sont disperses dans d'autres 
factoreries, concurrentes voisines, commencent par acheter quelque 
petite chose avec une boule de caoutchouc qu'ils ont gardes dans la 
grande poche sur leur poitrine. — L'un d'eux s'approchera mystö- 
rieusement de Tacheteur pour lui monter une petit bague d'or pour 
laquelle il s"attend recevoir au moins dix fois la valeur, etc. 

Quand les caravanes sont nombreuses, elles sont plus pressees. 
Ln Premier lieu elles demandent les chargements de sei pour chaque 
porteur, ce sei est donne en cadeau, chaque porteur (g^neralement 
les esclaves) enlevera de :-!() a 40 kilos, il est emballe en paquets 
de feuilles vertes d'environ 10 kilos et c'est tont un travail jusqu'a 
ce que chacun ait sa Charge quelqueiois trop lourde, ce dont 
chaque individu ne s'apercoit qu'aprc'S avoir fait un certain trajet 
sur le mauvais petit sentier qui doit le reconduirc dans son pays. 
II jetera alors un i)aquet dans les brousses, raais bien ä regret. Des 



i-liefs de caravanes qiii forcent leiu'S esclavi^s a eiilcver des charf^es 
trop loiirdes s'eii repenteiit souveut, car de peur d'iine forte puiiitiou 
forporelle, ils jetteront toute la cliarj,^e pour se saiiver daus les 
hrousses. Ils sont alors arretes par le premier venu qui ijjeneraleiuent 
011 protite pour aller le revendre dans un village 61oign6. — Je me 
rappelle d'iin cas oü un esclave se sauvant avec deux autres reussit 
a les vendre; plus tard il tut enipoignö et juge par le roi des Lan- 
doumas qui ordonna de le tuer et de le jeter en päture aux caimans. 
Cet ordre fut ex6cute sans que le commandant du poste de Bok6, 
intbrme du fait, s'y opposät. — 

Pres de Boke, dans le Rio Nunez existe la tribu des Mouglii- 
Fores qui est entierement composees d'esclaves 6cliaj)p6s. Ceux-ci a 
leur tour ont des esclaves a leur Service. En g(^neral le sort des 
esclaves n'est guere plus penible que celui de leurs niaitres avec les- 
quels ils partagent les joies et les miseres. Les esclaves sont genö- 
lement considerös comme des membres de famille. 

Toutefois si un komme libre tue un esclave, il est puni par le 
roi, qui lui fait enlever la valeur de deux esclaves. Au cas contraire 
Tesclave est immediatement mis ä mort, n'aurait-il fait qu'une ten- 
tative tres menagante ou gravement Insulte son maitre, Si le maitre 
ne peut corriger un esclave ou s'il n'est pas content, il le menace 
de le manger, ce qui veut dire qu'il le vendra pour faire une fete 
de famille de la valeur qu'il en obtiendra. 

Je reviens au commerce d'echange avec les caravanes : Quand 
la caravane s'est reposee un ou deux jours et que chacun s'est rendu 
compte a quoi il peut aspirer pour la contrevaleur de son <bon>, le 
clief s'avance et dit que lui et ses gens sont prets a recevoir les 
marchandises. L'un apres Fautre vient a son tour presenter le bon» 
et la difficulte est de satisfaire le premier qui, une fois les prix de 
la marckandise accept6s, aidera au marchand pour que ses gens se 
depechent de prendre paiement. 

Les marckandises que le Foulah 6change contre ses produits 
sont des fusils ä silex neufs, bois peint en rouge, dont trois qualites 
ont cours, des lames de sabres, de la poudre de fusil, du tabac en 
feuilles , de Talcool parfume, des pieces de tissus de coton ecru, 
blanc et bleu, de l'indienne, des verroteries de toutes dimensions, 
de l'ambre, du corail, des pierres a feu, des liame(;ons, du fil, des 
aiguilles, etc. etc., selon leurs multiples besoins. — 

Quand la caravane est payee, qu'elle a son chargement de sei, 
et qu'elle a quitte lelogement, completement ticele tous les paquets 
on remet le cadeau d'adieu qui consiste selon l'importance des pro- 
duits apportes en une piece de tissus et toujours 



145 

(rune poiiiuee de poudre, 

deux i)ieiTes a feu, 

iiiie i'euille de papier blanc, 

un satalas (especes de gamelle), 

quelques aiguilles, 

uu couteau de table (ou un paire de ciseaux) 

une bobine de fil blanc, 

un petit miroir, 

une veiToterie quelconque. 
Apres avoir vainenient essaye d'obtenir encore un deruier cadeau 
('iFannäa-^), le chef sur Pappel de ses gens, tend la main au blanc 
lui dit adieu a peu pres par ces paroles: 

« aouah ! mi alii, mi liauti dijonni, addiou hake » 
ce qui veut dire: «Eh bien je pars, mais je reviendrai bientot, ne nous 
en veuille pas. > A quoi on lui repond hake o alla», etc., il n'y a pas 
de mal entre nous, que ton retour soit heureux. » 

Par contre si la caravane, par malheur, n'est pas contente, ce qui 
arrive rarement, il n'existe pas de mal qu'elle ne dise sur la facto- 
rerie en rencontrant d'autres caravanes, eile mettra des branches 
sur le chemin pour laisser un signe a ceux qui viennent qu'il ne 
taut pas se rendre dans teile factorerie, quelque tois les indigenes 
de l'eudroit se mettent de la partie et tandis que toutes les factoreries 
sont bondees de caravanes, il y en a l'une oü l'autre completement 
deserte. C'est ce qu'on appelle mettre le «Tondij», qui ne peut etre 
enleve que moyennant certains cadeaux au chef du village, et en 
envoyant une petite caravane equipee sur la route pour nettoyer le 
chemin et dire tout le bien possible de la factorerie. 

Pendant la saison de traite la vie dans les factoreries et dans 
les comptoirs est des plus actives. Le matin le travail commence ä 
six heures ; le personnel se prepare pour etre present ä l'appel du 
second coup. de cloche. Les employes Europeens fönt la revue du 
l)ersonnel, distribueut le travail par corvee de quatre ä six hommes 
avec un headman, s'il y a un d6barquement ou un embarquement a 
faire, on previent les indigenes du village qui viennent pour etre 
engages ä la journ6e ou a la demi-journee. Ils sont payes pour leur 
travail en marchandises du magasin de detail. Le caf6 est pris le 
matin seance tenante, apres la distribution du travail. L'employe 
Kuropöen auquel incombe les soins du menage, donne au cuisinier 
iiidigene le menu pour le d(^jeüner qui est pris entre onze heures 
et midi. 

A une heure le travail est repris jusqu'ä six heures du soir, 
plus tard s'il le faut. 

XI. Jaliieslicrirlit d. Geogr. Ges. v. Bern. 1«!)1- IHDa. ' ]() 



IM} 

Ajuvs six lieures oii preiui le repas du soir coiiipose d'iiii [lota.^e, 
d"iiii plat de viaiide ou de volaille au riz, a defaut du conteiiu de 
boites de conserves, de pommes de terre, d'un röti, d'un plat doux 
de fruits, un peu de Gruyere ou de Eoquet'ort et pour terniiner 
une tassc d'excellent cafe du pays, qui vient de Kio Nunez ou de 
liio Pongo ou il croit a l'etat sauvage, les plantations de cafe out 
ete abaudonu^es et ou u'eu exporte de la Colonie que loOO a ITiOO kilos 
l)ar an. Ce cafe n'est counu qu'au Sen6gal, ä Sierra-Leone et ä 
^larseille. 

Apres le repas du soir qui est g^neralement pris sous une Ve- 
randa, on cause des evenements de la journee, on ecoute les chefs 
de caravanes qui viennent faire leur causette; eux-memes, ainsi que 
les liomnies libres de leur tribu, ont fait leur priere au monient du 
coucher du soleil dans un eniplacement design6 ä cet ett'et, appele le 
«Salibanqui», le plus äge de la bände commence ä haute voix, la 
face tournee vers l'Orient: < Allahcoubar» etc., les autres repetent ;\ 
voix basse en suivant tous les mouvements. 

La plus grande partie de la nuit est vouee par les caravanes 
ä la danse, les indigenes forment une cercle ä quelque endroit de 
la cour, allument un feu ;i cote duquel se place le joueur d'un 
instrument bizarre quelconque dont je vous presente ici quelques 
specimen. Au son de Finstrument les assistants tappent des mains 
en mesure et un danseur apres Fautre execute sa danse, a la grande 
joie des spectateurs. Des sroupes se reunissent pour chanter douce- 
ment quelque chant monotone et triste. — Dans un autre groupe 
il y aura un danseur au sabre qui attire le plus de spectateurs, il 
est aftuble d'un bonnet de fibre et a entoure sa taille d'un jupon 
court de balleteuse en feuilles vertes. 

Ces danses durent souvent jusqu'a Faube, ce qui n'empechera 
pas quelque musulman fervent de lire, aupres d'un mauvais feu, des 
passages de son Coran ecrit a la main, ou un autre de reciter toute 
la nuit assis dans le < Sali banqui > les memes paroles : 

« Lahi-lahi-hillalah > , ce qui doit certainement lui faire obtenir 
une place speciale dans le paradis de Mohamed. 

Lorsque le chef de la factorerie voit les produits s'accumuler et 
les marchandises diminuer dans les magasins, il prepare un envoi au 
comptoir, et s'il n'a pas de pirogue ou de chaloupe assez grande, il 
envoit un courrier au comptoir, atin de se faire enlever les produits 
et de se faire regarnir les rayons du magasin de marchandises. 

Le chef du comptoir fixe les prix auxquels les factoreries peuvent 
acheter les produits, il est en relation directe avec FEurope, au 
courant du marche et du passage des navires, il fait preparer les 



147 

produits pour rembarquement, il tient les agents de factoreries au 
couraiit, afiii qirils envoient les chaloupes et embarcations pour le 
monient vouhi, etc. 

Le mois de mai arrive, on procede a la fermeture des sous- 
factoreries, on prend Tinventaire des factoreries, puls celui du comptoir. 
Les employes ayant droit a un conge profitent de la premiere occasion 
pour aller se refaire la sante en Europe. L'agent prepare ses com- 
mandes pour la uouvelle saison, il se rend eii Europe pour choisir 
les marchandises. Dans les comptoirs et factoreries ouvertes toute 
Tannee, on s'occupe de la traite d'bivernage qui consiste, pour l'ex- 
portatiou, dans l'acbat de Thuile et d'amandes de palmes et de gonime 
copale, de rares caravanes descendent encore de l'interieur avec du 
caoutchouc et quelque peu d'ivoire. 

La Saison des pluies qui s'est annoncee par une serie de tornades 
depuis le mois d'avril, commence en juin et continue en juillet, aoüt et 
septembre; les grandes pluies durant quelquefois quinze jours sans 
discontinuer, amenent bien des desagrement : les fievres intermittentes 
et paludeennes dont aucun Europeen n'est epargne, les moustiques de 
trois ou quatre especes differentes, les fievres bilieuses, hematuriques, 
les rhumatisraes, les crocros, especes de tumeurs crouteuses. Chaque 
factorerie a une petite pharraacie dans laquelle on puise les remedes 
les plus usites. 

En outre le climat exerce une influence debilitante sur le corps 
et dispose ainsi ä des habitudes sedentaires auxquelles beaucoup de 
personnes se laissent entrainer, surtout parrai les employes euro- 
peens du Gouvernement. Ces habitudes sedentaires, l'habitude des 
spiritueux, la bonne chere sont cause de fievres toujours pr^cedees 
d'un manque de digestion, de mal de tete, de degout pour toute 
nourriture. — Le tenia est tres rupandu dans la « Guinöe Fran- 
^aise '. — ^ Le < Gigao» ou « Chique >, petit insecte presque invisible, a 
la specialite de loger une poche d'd'ufs de la grandeur d'un tont petit 
pois dans la peau des pieds. Parmi les negres on constate la petite 
veröle qui regne par epidemies. La maladie du sommeil, la lepre. 
Telephantiasis fönt aussi leurs victimes. 

La fievre jaune n"a pas encore ete constatee dans la Guinee 
Francaise, toutefois les autorites du Senegal pretendent que cette 
maladie epidemique qui a fait tant de victimes au Senegal, y a ete 
importee par les traitants venus de cette colonie. Aussi des le mois 
de mai, tont bateau provenant de la Guiuf'ie Fran^'aise, est soumis ä 
une quarantaine d'observation de cinq jours. En 1885 j'ai passe ces 
cinq jours au Lazareth de Dakar; nous 6tions !)9 passagers du Sud 



148 



nrrives ä bord du ])etit vapeur vHoquelle», nous sommes sortis lOO 
de la quarantaine, iine naissance ayant eii Heu. 

Chassc. Ell fait de distraction pour FEuropeen 61oigue de la 
patrie, je citerai surtout la chasse par eau. Dans les rivieres de Rio 
Nuuez, de Bramayah et de Dubrecca j'ai chasse le crocodile. Thippo- 
potame, quantite d'echassiers, Taigrette, le pelican, le courralier, le 
caiiard sauvage, etc. Sur terre nous recontrons diflF6rentes especes 
de singes^ le leopard, le cliat-tigre, le serpent noir, le serpent vert, 
le serpent corail, le serpent boa, le porc-epic, le büffle, le lievre, 
des bidies et gazelles, des pintades, des perdrix, des rats palmistes, 
des merles m^talliques, des colibris multicolores, etc. 

La mar^e se fait ressentir dans les rivieres jusqu'a quinze lieues 
dans riiiterieur du pays. C'est a la raaree basse que Tindigene 
cherclie dans la vase a l'entree des petits eriques, sa provision de 
poissons de tonte espece quMl attrappe au moyen de pieges ; les 
rives sont alors couvertes de vase dans laquelle Tindigene patauge en 
entongant quelquetbis jusque sous les bras; il est difficile d'accoster 
ii ce moment-lä les petits wharfs construits pres des factoreries, 
generalemeiit les indigenes portent leur Europeen a terre sur leur dos 
DU ils Uli coustruisent un pont avec les avirons, etc. Les indigenes 
sont tres serviables et meritent quelquefois plus d'estime qu'on ne' 
leur attribue. 



X. 



Land und Leute in Dahoniey. 

Vortrag vnu Herr» Barth, gehalten in der MuiiatsversaiumluHL 
28. Januar 1892. 



Im ]\Iärz isitl riefen mich Geschäfte von Lagos nach WJujdah, 
der Haupthafenstadt von Balmnen. Da die Seereise wegen der 
schlechten Brandung in Whydah und der Menge Haitische, die sich 
dort herumtummehi, sehr gefälirUch ist. beschloss ich, die Landroute 
einztischlagen. 

Am L'4. März verliess ich Lagos in Gesellschaft meiner Frau und 
mit dem nötigen Personal, wie Diener, Koch u. s. w. per Dampfbarkasse 
und gelangte nach achtstündiger Fahrt, abends 10 Uhr, nach Forto 
novo, der französischen Besitzung, wo wir in einer befreundeten 
deutschen Faktorei Gastfreundschaft genossen. Am nächsten Vor- 
mittag wurden die Vorbereitungen zur Weiterreise getrofl'en , da 
vorher eine grosse Barke gemietet werden musste. Letztere wurde 
nun mit dem nötigen Gepäck ausgerüstet, mit einem Sonnendach 
aus Strohmatten versehen und so komfortabel als möglich einge- 
richtet Was nicht in diesem Canoe Platz hatte, wurde in zwei 
andere kleinere plazieit und gegen 11 Uhr gingen wir von Porto 
novo ab, nachdem wir alle nötigen Formalitäten mit der Zollbehörde 
erfüllt hatten. Gegen :; Uhr gelangten wir endlich nach harter 
Arbeit gegen den Strom in die grosse Denham-Lagune, welche an 
Ausdehnung dem Neuenburgersee gleichkonnnt. Üa wir gegen die 
Brise steuerten, konnten wir unsere Segel nicht gebrauchen und 
mussten uns mit Hülle von Bambusstangen fortbewegen. Bei Ein- 
l)ruch der Dunkelheit wollten die Canoeleute die Reise unterbrechen 
und uns in einem Fischerdorf landen, um dort die Nacht zuzui)ringen. 
Ich weigerte mich energisch und schliesslich gelang es mir, die Leute 
zur Fortsetzung der Reise zu bewegen. Ich that gut daran ; denn 
was uns an jenem Abend noch bevorstand, hätte ich nicht um viel 
Geld in der grossen Sonnenhitze des nächsten Tages durchgemaclit. 
Bald darauf wurde das Wasser seichter und sumpfig, so dass wir mit 



150 

(liMi vollueladpiieii ("anoes nicht mehr vorwärts kommen konnten, 
Kini's der drei ("anoes wurde in die andern übergeladen und zwei Mann 
machten sich unterwegs, um Leute zu holen. Es dauerte nicht lange, 
so waren schon bei zwanzig kleine Boote bei uns, welche ein (iei)äck- 
stück nach dem andern ans Land brachten, bis schliesslich nur noch 
die Passagiere übrig blieben. Es brauchte über JO ^lann, um unser 
ca. 40 Fuss langes P)Oot durch den tiefschwarzen, dicken Morast zu 
ziehen. Auf beiden Seiten hielten sie sich fest und brachten das Boot 
langsam vorwärts, indem sie in dem bodenlosen Grund, bis zum Nacken 
im Morast, sich fortzubewegen suchten. Ueber drei Stunden dauerte 
diese Fahrt und was wir während dieser Zeit durch infernalen Ge- 
ruch und Mosquittos auszustehen hatten, ist unbeschreiblich. Es 
war nahe an Mitternacht, als wir das Dorf Soho erreichten, wo unser 
Gepäck aufgestapelt und unsere Lagerstätte aufgerichtet war. Um- 
sonst versuchten wir zu schlafen; die Mosquittos Hessen uns keine 
Ruhe und wir beschlossen, den Rest der Nacht im Freien bei einem 
grossen Feuer zuzubringen, wo wir uns mit Mosquittosjagd amüsieren 
konnten. 

Schon vor Sonnenaufgang gab ich das Zeichen zum Aufbruch 
und ^Qg^w 8 Uhr langten wir per Hängematte in der glühendsten 
Hitze in GodomeJi, einer Ortschaft mit zirka 2000 Bewohnern, an. 
AVir bezogen dort auf den Wunsch des Königs das Haus oder die 
Hütte eines Schwarzen und konnten leider die freundliche Einladung 
der zw^ei dortigen französischen Faktoreien nicht annehmen, obschon 
wir dort mehr Komfort gehabt hätten. Während unseres zehntägigen 
Aufenthaltes in Godomeh machten wir in der freien Zeit in Hänge- 
matten häufig Ausflüge nach dem zirka 5 km entfernten Meeres- 
strande. Auch unternahmen wir einen Abstecher nach dem 7 km 
entfernten Äbomeh-Calavi, welches in der Nähe der obenerwähnten 
grossen Lagune liegt. Der Weg zwischen Godomeh und Abomeh- 
Calavi, zuerst durch einen von Krokodilen wimmelnden Sumpf führend, 
ist wunderschön ; man kann sich keine schönere Vegetation denken, 
frächtige Laubdächer wechseln ab mit Palmenwäldchen und schön 
bearbeiteten Aeckern und Wiesen. Meine Frau war die erste weisse 
Dame, welche in Abomeh-Calavi Einzug hielt und deshalb war der 
Zusammenlauf der Bevölkerung ein enormer. Die französischen 
KauÜeute besitzen dort prächtige, einstöckige Häuser und wir konnten 
es uns wieder einmal w^ährend 24 Stunden bequem machen. In 
Godomeh machte ich nach meiner Rückkehr Vorbereitungen zur 
Weiterreise nach Whydah und bestellte zu diesem Zwecke Gepäck- 
und Hammakträger. Der Chief oder Dorfschulze bereitete mir dabei 
viel Schwierigkeiten und er, wie noch ein anderer untergeordneter 



151 

Chief wurde dann auch von mir beim König schriftlich verklagt. 
^Vie alles reisefertig war, setzte ich meine Abreise auf morgens früh 
.; Uhr fest, um nicht zu viel während der heissen Tageszeit 
reisen zu müssen. Von Godomeh aus hat man 7 Stunden bis ^Yhydah 
und wenn alles gut ging, konnten wir um 10 Uhr in Whydah 
eintrett'en. Ich bemerkte den Chiefs, dass ich schlags 3 Uhr mit 
meiner Frau abreisen und keine Minute länger warten werde. Wenn 
nicht alles bereit sei, würde ich mich zu Fuss auf den Weg machen 
und sie für alle Folgen verantwortlich halten. 

Richtig war alles noch in tiefstem Schlaf, als wir zwei bereits 
reisefertig waren; wir verliessen bei der grössten Dunkelheit in Be- 
gleitung eines kleinen achtjährigen Jungen und eines Lagosmannes 
das Dorf, verfolgt und geplagt von Hunderten von Mosquittos. Der 
Weg, der sich meistens durch Gebüsch wand, war höchstens lV/2 
Fuss breit, sehr sandig und uns noch unbekannt; nach einiger Zeit 
beschlossen wir, die ISachzügler abzuwarten, welche uns auch, aber 
erst bei Tagesanbruch, nach 5 Uhr, einholten. Nach einem sechs- 
stündigen Marsch durch Busch, Sumpf und Steppe, wobei meine 
Frau von den Trägern einmal durch Unachtsamkeit aus der Hänge- 
matte geworfen wurde, kamen wir um Mittag in Whydah an, wo 
man uns das Haus eines frühern portugiesischen Chiefs als Wohnung 
übergab. Am nächsten Tag besuchten wir die Chiefs von Whydah, 
welche uns noch am gleichen Tag im Namen des König^i ein schönes, 
grosses W^ohnhaus als Faktorei anwiesen. 

Nach Abwicklung meiner Geschäfte verliess ich Whydah am 
IT). April nach achttägigem Aufenthalt, langte am gleichen Tage 
wieder in Godomeh an und begab mich von hier nach Kotonou, 
wo wir im dortigen Telegraphengebäude freundlichst aufgenonnuen 
wurden. Zur Rückreise nach Lagos benutzten wir ein Canoe, welches 
uns nach 82stündiger Fahrt wohlbehalten dorthin brachte. 

Am "io. August letzten Jahres musste ich wieder nach Whydah, 
diesmal allein, benutzte aber die Seeroute. Der Dampfer brachte 
mich schon nach lOstündiger Fahrt dorthin. Meine Absicht war, 
den König vor meiner Rückkehr nach Europa noch einmal zu be- 
suchen. Durch den Haupt-Chief in Whydah Hess ich einen Boten 
an den König absenden, um ihm zu sagen, dass sein Freund Moyea, 
unter \velchem Namen ich in Yorula und Dahomey bekannt bin, ihn 
zu besuchen wünsche. Erst nach drei Wochen kam der Bote mit 
des Königs Scepter und der Meldung zurück, dass der König sofort 
t'inen seiner Chiefs absenden werde, um mich zu holen und nach 
Abomeh zu begleiten. Zwei Tage nachher kam derselbe an und 
nach weitern zwei Tagen verliessen wir Whydah in der Richtung 



152 

nach Abomeh. Von den Wliydah (.'liiefs beRleitetcMi mich die zwei 
ersten, so dass ich von drei Chiefs ])e,t'leitet war, wovon jeder eine 
Anzahl Soldaten mitnahm, im ganzen ungefähr 100 Mann. An Trägern 
waren zirka (>() vorhanden. Obwohl es hiess, dass wir morgens friili 
abreisen würden, konnten wir doch erst um 1 1 Uhr weg, da die 
Chiefs noch nicht ganz bereit waren und mir auch die Hänuematten- 
träger nicht zuschickten. Des langen Wartens müde, begab ich mich 
um 7 Dir in Hegleitung meines Bedienten, eines Eingebornen von 
Dahomey, auf den Weg und schritt rüstig vorwärts, bis mich ein 
Sumpf am Weitergehen hinderte. Die Chiefs von Whydali sandten, 
sobald sie von meiner Abreise unterrichtet waren, meine Träger 
nach und um 11 Uhr waren wir alle zur Weiterreise fertig, die 
Chiefs und Soldaten ausgenommen, welche uns erst am Abend ein- 
holten. Der Weg führte zuerst über bebaute Wiesen und Aecker, 
dann durch einen wunderschönen Laubwald nach Savin, einem etwa 
(i km entfernten Dorf. Von hier gingen wir nach kurzem Aufenthalt 
weiter, durch einen Sumpf, in dessen Mitte eine schwimmende Brücke 
errichtet war. Die Passage war äusserst schwierig und ich bereute 
es, nicht aus der Hängematte gestiegen zu sein, denn jeden Schritt 
lief ich Gefahr, in den bodenlosen Schlamm geworfen zu werden. 
Der Tag besserte sich aber zusehends und bis Torri, einem gegen 
7 km entfernten, grossen Dorfe, führte uns der Weg stets durch 
Busch und Wald, so dass ich die grösste Strecke zu Fuss zurück- 
legte. Abends gegen ß Uhr langten wir in Torri an, wo mir ein 
grosses Haus als Nachtquartier angewiesen wurde. Ich muss nach- 
träglich noch bemerken, dass ein Deutscher, Agent einer Hamburger 
Faktorei, die Reise nach Abomeh zu gleicher Zeit machte ; es wurde 
ihm ein anderes Haus zur Verfügung gestellt. Mein schwarzer Be- 
gleiter, der bereits die erste Reise nach Abomeh mitmachte, gab auf 
das Gepäck Achtung, damit nichts verwechselt werde. Am folgenden 
Tage waren wir bereits um (j Uhr unterwegs und gelangten nach 
zweistündigem Marsch nach Asochweh, wo wir ein einfaches Früh- 
stück einnahmen und wo uns die Chiefs und Soldaten, erstere zu 
Pferd, unter Sang und Klang einholten. Die Chiefs schnitten böse 
Gesichter, denn seit dem Vortage der Abreise von Whydah bis 
Asochweh hatte ich sie nicht gesehen und mein forciertes Weggehen 
am Vormittag des ersten Reisetages hatte sie nicht freundlich ge- 
stimmt. Wir wären aber an jenem Tage nicht weggekommen, wenn 
ich nicht dieses ]Mittel angewendet hätte. Ich wusste, dass noch 
Reibereien bevorstanden, verhielt mich aber vorläufig ruhig bis zur 
nächsten Stadt Alladah, der Fetischstadt, welche wir gegen 11 Uhr 
erreichten. Der WeR ist dort ein endloser Tunnel durch Wälder, so 



153 

scholl und kühl, class man es nicht besser wünschen kann. Diese 
angenehme Art von Weg besteht zwischen Savin und Appeh, d. li. 
auf einer Strecke von über 40 km. In Alladah wurden wir und 
besonders die Whydah-Chiefs so freundlich aufi;enommen, dass letztere 
beschlossen, bis zum nächsten Tag zu bleiben; der in der Stadt vor- 
handene Schnaps wird die Ui'sache dazu gewesen sein. Alle meine 
Drohungen und Vorwürfe taugten nichts. Ich allein konnte nichts 
ausrichten, denn mein deutscher Reisegefährte zog es vor, sicli dem 
Willen der Chiefs zu fügen ; wir zwei vereint hätten die Weiterreise 
gut erzwingen können. Die Chiefs gaben als Antwort auf unsere 
Frage, warum sie hier bleiben wollen, folgende Lüge zum Besten : 
im nächsten Dorfe , Henvin , sei kein geeignetes Haus um uns 
Weisse zu beherbergen; in Alladah hätte es dagegen sehr schöne 
Häuser. ^Man führte uns nun ein gutes Stück von der Hauptstrasse 
ab in einen grossen Häuserkomplex, w^o man jedem ein kleines, 
feuchtes und schmutziges Vordach als Lagerstätte anwies ; das sollte 
also besser sein, als in Henvin! Letzterer Ort konnte ganz gewiss 
nichts Schlimmeres bieten. — • Ich reklamierte sofort und erhielt 
dann auch ein schliessbares Häuschen für mich allein, in das man 
aber fast auf allen Vieren hineinkriechen musste ; es war darin gerade 
Platz für mein Feldbett. Abends besuchten mich die Chiefs und der 
eine bemerkte ganz unverfroren, indem er zur Decke em])orguckte: 
„Dies ist in Alladah als das beste Haus bekannt." Ich hatte Mühe, 
das Lachen zu verbeissen, denn ich hatte im Gegenteil erwartet, 
dass er es als das zweitschlechteste erkläre. Während seines Be- 
suchs kamen die Nachzügler der Lastträger an. Bei einer Frau, 
welche eine Kiste mit 12 Flaschen Wein trug, vernahm ich ein 
Klingeln von Scherben und richtig fand ich beim Nachsehen 7 zer- 
brochene Flaschen. Doch hatte ich nicht das Nachsehen, denn in 
Zeit von ') Minuten erhielt ich eine andere Kiste mit 12 Flaschen, 
so dass ich 5 Haschen dabei gewann. Freilich war der Wein, ol)- 
schon wie der meinige auch Bordeaux, nicht so gut, aber er ging 
an. Der König hält nämlich in jedem Ort an der Strasse Whydah- 
Abomeh und haui)tsäclilicli in seiner Residenz, Vorräte von allerUi 
europäischen Waren, speziell Proviant, um den ihn besuchenden 
Weissen im Notfall aushelfen zu können, Man kann auf Anfrage 
alles bekommen: Bier, Wein (selbst Champagner), Cognac, Mehl, 
Reis, Salz, Zucker, Butter, Oel, sogar Petroleum für die Küchen- 
apparate, nur leider keinen Emmenthalerkäse und infolge dessen 
auch keine Fondues. 

Bevor die Chiefs am folgenden Morgen wach waren, marschierten 
wir beide rüstiu in der Richtung nach Henvin. wo wir nach zwei- 



ir.4 

stüiuli.uom Marscli durcli i)nk'hti,ueii lUisdi und Wald anlangten. 
Die Chiefs ludten uns trotz ziemlich langem Halt dort noch nicht 
ein, sandten aber beim folgenden Ort Wehhoh einen Boten iiacli, 
der uns Halt gebot. Ich ahnte nichts Gutes und erfuhr auch, dass 
es beschlossen war, in Wehboh zu übernachten, einem Dorfe, das 
nur einige armselige Hütten zählte, welche aber unter der speziellen 
Aufsicht eines uns begleitenden Chiefs standen. Natürlich wollte 
dieser in seinem Dorf die Nacht zubringen. Dies pnsste mir nun 
nicht und nachdem ich umsonst den mit mir reisenden Weissen auf- 
gefordert, mit mir vorwärts zu gehen, ging ich in ])egleitung meines 
Kochs und meines Jungen weiter, bis ich im Laufe des Nachmittags 
Ap})r/i erreichte, wo der schöne Waldweg aufhört und die grossen 
Lamn-Sütnpfc anfangen. Auch hier wollte ich nicht bleiben; al)er 
weil mich der Chief der Ortschaft nicht gehen Hess und mir die 
Schrecken des Sumpfs vormalte, entschloss ich mich, den Nachzug 
oder eigentlich den Hauptzug abzuwarten. 

Ich fühlte nun ziemlich Hunger und liess deshalb durch meinen 
Koch einige Eier auftreiben, das einzige, was zu haben war; Bananen 
waren nicht erhältlich. Wie es nun ans Zahlen ging, hatte ich 
keine Cauris, das an der Westküste Afrikas übliche Kleingeld, und 
Silbergeld kannten die Leute nicht. Ich bekam aber die Eier 
schliesslich auf Kredit, bis die Nachhut eintraf. Die Chiefs machten 
mir wieder böse Augen; einer bemerkte sogar, wenn es so weiter 
gehe, könne ich wieder nach Whydah zurück gehen. Ich liess mir 
dies nicht zweimal sagen und wohlwissend, dass die Chiefs unter 
Gefahr ihres Lebens nicht ohne mich vor dem König erscheinen 
durften, machte ich mich auf und ging den Weg zurück. Ich 
w^ar aber kaum 200 Schritte hinter der nächsten Biegung des 
Weges verschwunden, als auch schon ein Bote mich einholte und 
mich bat, zurückzukommen, es sei nicht so böse gemeint. Ich ging 
aber nicht sofort darauf ein, sondern machte ihm seinen Auftrag 
so sauer als möglich. Bei der Rückkehr ins Lager sah ich keine 
bösen Gesichter mehr, sie hatten den freundlichen Platz gemacht. 
Man wies hierauf uns Weissen wieder ein kleines Haus zum Nacht- 
quartier an, wo aber zur Zeit bereits über 20 Mann dicht bei- 
einander schnarchten und die Luft aufs angenehmste parfümierten. 
Entsetzt sprangen wir zurück und gingen dann einfach zum Palaver- 
haus, wo die Chiefs ihre Beratungen abhalten und nahmen Besitz 
davon, indem wir alle unsere Koffer und Kisten dort unterbrachten, 
ringsum Matten befestigten, damit nicht zu viel Neugierige herum- 
stehen; wie alles fertig war, fühlten wir uns wohl und heimelig, wie 
noch nie zuvor seit der Abreise. Wir legten uns bald zur Ruhe, 



155 

denn wir hatten am nächsten Tag eine Strecke von Ki km durch 
Sumpf zu gehen und weitere s km durch baumlose Ebenen. 

Ohne Zögern ging es am Vormittag los und lachend fingen wir 
die schwere Arbeit an, trotzdem wir zu Fuss marschierten, da die 
Durchquerung des Sumpfes per Hängematte doppelt schwierig ge- 
wesen wäre und dreimal länger gedauert hätte. An solchen Orten 
ist man lieber auf seinen eigenen Füssen, als auf denjenigen anderer^ 
seien es auch ^wei Mann. 

Der Sumpf war zu jener Jahreszeit, im September nämlich, 
zienüich trocken; doch erforderte es einige Uebung, um ohne Unfall 
vorwärts zu kommen. Wir merkten bald, dass das Vorwärtsdringen 
im Laufschritt das beste w^ar, da es auch den Vorteil hatte, dass wir 
nach 8V2 Stunden, einschliesslich einer kleinen Rast in Hodonu, einem 
Dorf inmitten des Sumpfes, das Ende desselben erreichten. Der Sumpf 
ist in der Regenzeit fast unpassierbar, kauptsäclilich für Weisse : 
denn bis zur Hüfte sinken die Hammackträger in den dicken, schwarzen 
Schlamm. Indem wir ihn im Laufschritt durcheilten, konnten wir 
das Einsinken vermeiden. 

Aiwedji, auf der Nordseite des Sumpfes, ist meistens von Yoruba- 
Leuten bewohnt und so konnte ich mit Hülfe meiner Kenntnisse in 
der Yoruba-Sprache einige Früchte erhandeln. Interessant ist es 
den Weibern zuzusehen, wie sie den Schwarzen kleinere und grössere 
t^Kiantitäten Wasser, sowie allerlei andere Artikel, wie Jams, Mais- 
mehl etc. verkaufen. Wenn der Käufer reklamiert, so entwickelt 
sich gewöhnlich ein hitziges Wortgefecht, welches meistens damit 
endet, dass die Wasserverkäuferin noch eine halbe Calabasse oben- 
drein gibt, welche kaum genügt, den durch den Streit erzeugten 
Durst zu löschen. Wir hielten uns hier nicht lange auf, sondern 
setzten die Reise noch bis Agrimch fort, wo Avir die Ankunft der 
Chiefs abwarteten. Wir hofften, an diesem Tage — es war erst 
Mittag — noch bis Canna vorwärts zu kommen. In Agrimeh wartete 
aber schon ein Bote des Königs, der uns befahl, im nächsten Ort, 
Sohodomeh, so lange Quartier zu nehmen, bis weitere Ordres ein- 
treffen. Dies wollte sich nun mein deutscher Reisegefährte nicht 
gefallen lassen und verlangte Weiterreise bis Canna. Ich Hess ihn 
zuerst seinen Zorn austoben, bis die Chiefs mich baten, meinem 
weissen Freunde zuzureden, dass er sich füge. Ich sagte ihm, dass 
ich, so lange ich unter (hxlre der Chiefs stand, mir jede willkürliche 
Anordnung verbitten musste, wie ich bereits Gelegenheit hatte zu 
zeigen, dass aber von nun an, weil unter direkter Ordre des Königs 
stehend, jede Reklamation unnütz sei. Ich riet ihm, sich wie bisher 
in alles zu fügen. Ueberhaupt hatte der König eine Extrabotschaft 



15(1 

an mich Liesnndt welche dahin huitete, dass ich meinem Reise,t;efülii'tcn 
die nötigen Verhaltungsmassregeln erteilen nnd ihm mit Uat und Tat 
zur Seite stehen solle, weil ich kein Neuling im Lande sei. 

Agiimeh ist eine Ortschaft, von der man von der Strasse aus 
nicht viel bemerkt, so dass die Einwohnerzahl nicht sicher zu taxieren 
ist. In Sübodomeh zogen wir gegen Abend ein. Es kam auch bald 
wieder ein Bote vom Kihiig an, der uns mitteilte, dass ein Trupp 
Krieger durch das Dorf ziehen werde und dass wir uns deshalb 
nicht zeigen, sondern zurückziehen sollten, bis die Soldaten vorbei 
würen. Diese Solldaten hatten den J'.efehl, in das nordwestliche be- 
nachbarte Gebiet Dahonieys einzubrechen, um dort Gefangene zu 
machen, welche ohne Zweifel für die deutsche Faktorei in Whydah, 
d. h. für den Eisenbahnbau im Kongogebiet bestimmt waren. Der 
König verkauft seine Gefangeneu zum Preise von =£ 12. 10 bis 18 X 
In Sobodomeh verbrachten wir den ganzen folgenden Tag, ohne Be- 
fehl zur Weiterreise zu erhalten. Erst um Mitternacht kam ein 
Bote daher, welcher uns aufweckte und nach Canna zu bringen hatte. 
Das Gepäck konnte erst später das Dorf verlassen. 

Gegen Morgen erreichten wir Canna, wo wir in dem schon früher 
von mir bewohnten Hause Quartier nahmen. Ich wusste aus Er- 
fahrung, dass wir hier wenigstens eine Woche zubringen mussten, 
ohne uns nur eine halbe Stunde vom Hause entfernen zu dürfen. 
Es besuchten uns hie und da königliche Chiefs mit ihren Soldaten 
und der Musik, um uns die ewig gleichlautende Botschaft zu bringen : 
,,Der König schickt seine Grüsse, fragt, ob Ihr gesund und wohl 
seiet und meldet, dass Ihr ihn bald sehen werdet. '' Wie oft ich diese 
Worte schon gehört, kann ich nicht sagen; jedenfalls habe ich darauf 
keinen Wert mehr gelegt. 

Am G. Tag unseres Aufenthaltes machte ich wieder entschiedene 
Miene zur Rückkekr nach Whydah. Alles wurde eingepackt und ich 
bereitete mich auch schon abends 5 Uhr zur Abreise vor. Die 
Hängeniattenträger wollten natürlich, weil im Dienste des Königs 
stehend, nicht riskieren, mich zu begleiten; es stand mir deshalb 
eine grössere Fusstour bevor. Gerade als ich weggehen wollte, kam 
ein Mann, der im Dienste des Königs thätig war und mich wiederholt 
begleitete, mich auch im Namen desselben zweimal in Lagos besucht 
hatte, angeeilt und bat mich zu warten, bis er vom König, zu 
dem er sofort gehen werde, zurück sei. Der Mann kannte mich 
und wusste, dai-s ich keinen Spass in solchen Sachen verstehe. Ich 
liess ihn also laufen. Nach etwa vier Stunden kam er mit der Mel- 
dung zurück, dass wir am folgenden Tag abgeholt würden. Das 
Mittel hatte auch diesmal gewirkt und sollte es noch ein drittes Mal, 
wie ich weiter unten erzählen werde. 



157. 

Dem Köniu- hatte ich durch meinen Boten sagen lassen, er 
werde es mir jedenfalls nicht übel nehmen, wenn ich Sehnsucht nach 
ihm hätte und ihn sobald als möglich zu sehen wünschte. Diese 
Worte erzielten den nötigen Effekt und schützten mich vor den 
"Wutblicken der ^yhydah-Chiefs, welch letztere meinen EniÜuss beim 
König noch nicht kannten, da ich auf meiner frühern Reise von 
Osten her nach Abomeh kam und somit nichts mit den Whydah- 
Chiefs zu thun hatte. Folgenden Tags, den 2(). September, wurden 
wir richtig früh um 5 Uhr geweckt; in 20 Minuten war das Ein- 
packen beendet. Gegen (i Uhr machten wir uns auf den Weg in der 
Richtung nach Abomeh auf der etwa 2() m breiten Hauptstrasse. 
Alle Fetisch- und Götzenbilder an der Strasse waren frisch ange- 
>1 riehen und hatten ein festliches Aussehen. Bei solchen Stellen 
mussten wir die Hängematten verlassen, um zu Fuss vorbeizumar- 
schieren. Um 7 Uhr war der halbe Weg zurückgelegt und wir 
mussten in einem Dorfe bis 2 Uhr warten. In Goho, vor den Thoren 
der Stadt, liess man uns wieder rasten, um die Chiefs des Königs, 
welclie uns dort begrüssen sollten, abzuwarten. Endlich kamen sie 
an, in endlosen Reihen, jeder mit seinem Sonnenschirme von 2Ya 
bis o m Durchmesser, dem Zeichen seiner Würde und von 150 bis 
2(10 Soldaten begleitet 21 Kanonenschüsse wurden in der Stadt ab- 
gefeuert, die Soldaten eröffneten ein endloses Feuer, aber immer nur 
gruppenweise. Jeder Chief hatte seine Musikbande und tanzte vor 
unsern Augen, nachdem er uns die Hand gereicht. Zuletzt kamen 
die Fahnen, komische, mit allerlei Figuren bemalte Tücher, auch eine 
alte englische und eine französische Flagge befanden sich darunter. 
Den Schluss bildeten ein Dutzend Schwarze, welche mit Totenschädeln 
„gezierte" Stangen trugen. Gegen (i Uhr abends durchschritten wir 
das von Schädehi ebenfalls garnierte Hauptthor der Stadt und ge- 
langten in langsamem Temi)0 auf den grossen Platz, auf welchem 
sich der königliche Palast befindet. Unter einem weiten Vordach, 
umringt von seinen Weibern, sowie von den Amazonen und seiner 
männlichen Leibgarde, sass der König, der sich nach der ersten Be- 
grüssung erhob, auf drei Schritte näher trat und uns willkommen 
hiess. Es freute ihn hauptsächlich, seinen Freund Moyea wiederzu- 
sehen. Der ganze Platz war von Soldaten besetzt; ich schätzte deren 
Anzahl auf zirka 7()00. 

Schon ausserhalb des Thores konnte ich die Fortschritte be- 
merken, die der König seit meinem ersten Besuche gemacht. Alle 
Soldatenkompagnien waren extra uniformiert, natürlich niclit durch 
einen Zuschneidekünstler, jedoch hie und da mit Geschmack. Das 
Exerzieren und Defilieren ging glatt und mit einer Regelmässigkeit 



.158 

ab, die vielen europäischen Heeren als Muster dienen könnte. Die 
Anführer von jedem Corps und einige der ersten Krieger traten 
hervor und unter dem Gesang der gesamten Kompagnie wurden 
Kriegstänze aufgeführt. Das Exerzieren geht stets singend vor sich. 
Bei diesen Kriegstilnzeu treten manchmal einige Krieger bis auf 
10 cm Gesichtsentfernung zum besuchenden Zuschauer, und sie 
schneiden hiebei Gesichter, dass einem bange werden könnte. Auch 
die Amazonen sangen und tanzten. Das Amazonencorps, zu dessen 
Chef ich im Vorjahre ernannt wurde und welches sich immer rechts 
vom König befindet, trat zuerst vor und sang ein Kriegslied, worin 
mein Name iMoyea den Refrain bildete. Sobald ich meinem Corps 
durch Hutschwenken ein Kompliment machte, brachen diese weib- 
lichen Krieger in ein Freudengeheul aus und hoben ihre Waffen in 
die Höhe. Letztere sind riegenweise verteilt und bestehen aus Ge- 
wehren, Hauen, Säbeln, Spiessen, Streitäxten und Dolchen. Die 
Amazonen sind ungefähr 1.50Ü an der Zahl; doch hält sich nur zirka 
der dritte Teil als Leibgarde in der Nähe des Königs auf. Es wird 
vielfach angenommen, die Amazonen seien des Königs Weiber. Dies 
ist eine ganz irrige Auffassung. Der König hat etwa 15 Haupt- 
frauen und kommt absolut in keine nähere Beziehung zu den Ama- 
zonen, welche ihre Keuschheit bis zum Tode bewahren; man kennt 
kein Beispiel, wo ihr Gelübde dem König gegenüber gebrochen wurde. 
In keinem andern afrikanischen Reiche werden die Gesetze so streng 
gehandhabt und sind dieselben, ich möchte fast sagen, dem Volk ein- 
gefleischt. Was ihre Macht im Kriege, ihren Mut und ihre Kalt- 
blütigkeit anbetrifft, so übertreffen die Amazonen ihre männlichen 
Kollegen. 

Der König verfügt über ein stehendes Heer von 12,000 Kriegern^ 
inklusive der Amazonen. Bei dieser stark bewaffneten Bevölkerung 
ist eine Einnahme des Landes fast unmöglich. Alle Wege führen 
grösstenteils durch Busch, so dass man absolut nicht sieht, ob auf 
beiden Seiten des Weges sich Feinde versteckt halten. Wie leicht 
kann da eine ganze Kompagnie europäisch geschulter Truppen ohne 
Verlust für die Eingebornen niedergeschossen werden! Dazu herrscht 
Wassermangel. Um Wasser zu finden, muss man je nach dem Ort. 
w^o man ist, 50 bis 80 Fuss tief graben und die Dahomeys machen 
bei einer Cisterne eine solch kleine Oeffnung, dass sie mit Erde in 
einer Minute leicht gedeckt werden kann. Ferner ziehen sich von 
Osten nach Westen die berüchtigten Lamu-Sümpfe hin 

Nach ungefähr zweistündigem Tanzen und Singen wurden wir 
von allen Chiefs und ihren Soldaten in unsere Quartiere begleitet. 
Auf meinen Wunsch hin wurde mir das von mir während meiner 



159 

ersten Reise bewohnte Haus zur Verfügung gestellt. Den Chiefs 
mussten wir Schnaps und Liqueure ofterieren und es wurde dabei 
ein ziemlich grosses Loch in den für Geschenke bestimmten Vorrat 
gemacht. Erst spät kam ich zur Ruhe. 

Einige Tage später hiess es, der König wolle sich nach Jebeh 
bei Abomeh begeben, wo sich ein Palast befindet ; sobald er bereit 
sei, wolle er uns rufen lassen. 

Am 2. Oktober, morgens 11 Uhr, wurden wir von könighchen 
Gesandten abgeholt; wir mussten auf dem Platz vor dem Palast 
warten, bis der königliche Zug kam. Gegen 4 Uhr verkündeten 
Kanonenschüsse das Herannahen der Soldaten. Kompagnieweise 
zogen sie bei uns vorbei, die Musik voraus; dann folgte der Haupt- 
mann zu Pferd mit seinem obhgatorischen Schirm und zuletzt defi- 
lierten die Soldaten, ihre Gewehre abfeuernd. Sämthche Krieger 
zogen hierauf immerfort um den grossen Platz herum, bei uns vorbei ; 
jedesmal mussten sie eine Salve abgeben, worauf wir dem Haupt- 
mann durch Hutschwenken unsere Anerkennung zollten. Nach einer 
Stunde befanden sich bei 4000 Soldaten auf dem Platz: dann erst 
erschien der König, in einer Hängematte, getragen von einigen 
starken Leuten, mit seiner silberbeschlagenen Tabakspfeife und selt- 
sam, aber wahr — — mit einem Respirator, damit er den vielen 
Staub nicht einatmen müsse! Der König verbietet zwar den Import 
von Tabak, damit seine Krieger nicht durch Rauchen während des 
Marschierens ihre Lungen doppelt in Anspruch nehmen. Dreimal zog 
der König an uns vorbei, gefolgt von seinen Hauptweibern, alle zu Pferd, 
sowie begleitet von den Amazonen, welche ebenfalls ihre Gewehre 
abfeuerten; alle waren diesmal mit dieser Waffe versehen. 

Nach dem dritten Umzüge verliess der König die Hängematte, 
setzte sich auf ein von mir geliefertes Kanai)ee nach europäischem 
Muster und liess sich nun von seinen Weibern H. Klasse ebenfalls 
drei Touren tragen. Hierauf verschwand er und wir glaubten, nun 
den Augenblick gekommen, von ihm in Privat-Audienz empfangen 
zu werden. Doch wurden wir in unsern Pk"wartungen getäuscht ; 
denn dieser König der Nacht, der seine Besuche zu jeder Nachtzeit 
empfängt, nur nicht tagsüber, der seine P)eratungen während der 
Nachtzeit abhält, dieser König liess uns sagen : ,,Es ist zu spät für 
heute, morgen sehen wir uns wieder." 

Am nächsten Tag fänden die gleichen Zermonien statt, doch 
wurden wir bei Einbruch der Nacht in den Palast eingelassen. Die 
Hauptchiefs des Königs gingen voraus, wir zwei Europäer mit unsern 
Beuleitern und dem königlichen Dolmetsch hinterdrein. Dreimai 
warfen sich die Chiefs auf den Roden, um den König zu beurüssen. 



1(^0 

Audi unsere Grüsse wurden ausgericlitet, die z. B. bei mir lau- 
teten: „Moyea okujio", was übersetzt lieisst : „Moyea erkundigt 
sich nach deinem Betinden." Nach dreimaligem Anhalten kamen 
wir in die Nähe des Königs, der sich unter einem schön dekorierten 
Vordach am andern Ende des Hofes befand. Die Chiefs stiessen bei 
dem langsamen Vorwärtsgehen stets ein langgezogenes „Aah" aus. 
Wenn der König hustet oder spuckt, so müssen die Chiefs das 
Gleiche thun; wenn er aufsteht, rufen ihm die Chiefs : „Te-te, te-te" 
zu, was „sachte", „behutsam" bedeutet. Man hiess uns Platz nehmen 
auf Stühlen, die wir selbst mitbringen mussten. Gleich nach den 
ersten Worten bat uns der König, uns etwas zu stärken und wies 
uns einen Tisch an , wo mehrere Dutzend Sorten von Getränken 
sich befanden. Er selbst verliess seinen Platz nicht und sass nach 
Art der Orientalen auf einem brodierten Kissen. Wir wählten eine 
Flasche Champagner, der auch vorrätig war, und tranken auf des 
Königs Wohl. Der König bemerkte hiebei, dass sein Wohl einige 
Kanonenschüsse wert sei, und kaum war das Wort ausgesprochen, 
so fielen ausserhalb des Palastes auch schon drei starke Schüsse. 
Die Amazonen links und rechts wechselten nun ab mit Kriegstänzen; 
alsdann erhob sich die Amazone en chef rechts und verkündete mit 
lauter Stimme alle die Ehren und Titel des Königs. Sie wurde 
dabei unterstützt von ihrer Kollegin links und abwechselnd wurde 
während einer vollen Viertelstunde das Lob des Herrschers aller 
Dahomeys geschrieen. Ich wurde hierauf gebeten, mich ein wenig 
zurückzuziehen, weil der König mit meinem Reisegefährten, dem 
Agenten der deutschen Firma, einige Worte zu sprechen habe. Die 
Unterhaltung dauerte ziemlich lange und, indem ich und mein schwarzer 
Begleiter uns auf unsern lehnenlosen Stühlen gegenseitig Rücken 
gegen Rücken unterstützten, schliefen wir dabei ein. Gegen Mitter- 
nacht wurden wir aufgeweckt und zum König beordert, der uns Euro- 
päer, unsere Begleiter und den Dolmetsch bat, etwas Nahrung ein- 
zunehmen. Ein grosser Tisch von vielleicht (i m^ Fläche war ganz 
besetzt mit Speisen und Getränken, erstere in feinen Schüsseln nach 
neuester Mode und von gleichem Dessin. Die Speisen waren schon 
kalt, aber ganz ausgezeichnet gekocht : Hühner und Enten, mit und 
ohne Reis, Rindsbraten, Schafskoteletten, ganze gebratene Lämmchen 
und Ziegen, Omelettes, Pudding, kurz alles, w^as ein europäischer 
Magen nur verlangen und vertragen kann. Der König hält nämlich 
stets einige Köche, welche früher in Faktoreien gedient haben Die 
Chiefs fielen wie hungrige Wölfe mit ihren Fingern über alles her, 
als sich der König für einen Augenblick entfernte. Alles verschwand, 
trotzdem ;5ü gefüllte Schüsseln vorhanden waren. Teller waren leider 



161 

keine da, wahrscheinlich hatte man sie vergessen und wir benutzten 
deshalb an ihrer Stelle die Schüsseldeckel. An Getränken konsu- 
mierten wir einige Flaschen ziemhch guten Bordeaux und etwas 
süssen Chami)agnei, während die Chiefs über die billigen Liqueure 
herfielen, bis schliesslich alles in etwas animierter Stimmung war. 
Nach beendigtem ^lale kam an mich die Reihe der Audienz. Der 
König, welcher inzwischen wieder erschienen war, trug mich nach 
meinem Begehr. Ich antwortete, er werde sich wohl noch erinnern, 
dass ich ihm bei meinem ersten Besuch versprochen habe, ihn vor 
meiner Rückkehr nach Europa noch einmal zu besuchen und hier 
sei ich nun, ihm Adieu zu sagen und mein gegebenes Wort einzu- 
lösen. Die Unterhaltung war nicht von wichtiger Natur; schon nach 
einer halben Stunde verliess er mich und in Gesellschaft des deutschen 
Agenten verhess ich den Palast. 

Während den folgenden Tagen mussten wir uns die Zeit so gut 
als möglich vertreiben. In der Stadt zu spazieren ist nicht erlaubt. 
Donnerstag den 8. Oktober wurde ich um 3 Uhr nachmittags plötz- 
lich gerufen, was mir auffiel; denn der König hatte mich noch nie am 
hellen Tag empfangen. Die Träger brachten mich auf einen Platz 
in der Nähe des königlichen Palastes. Aber nach einer halben 
Stunde mussten wir wieder den Platz wechseln und man brachte mich 
zu einem Häuserkomplex, ein paar hundert Schritt links. Von hier sollte 
ich nach zwei Stunden wieder weg, um bei einem andern Weissen, der 
in ganz anderer Richtung wohnte, zu warten. Ich weigerte mich, 
da ich wohl wusste, dass dies nicht des Königs Ordres waren, son- 
dern dass ein Whydah- Chief aus Rache sich diesen Scherz mit mir 
erlaubte. Abends nach Einbruch der Nacht kam wieder ein Bote, der 
uns bat, wir möchten wieder zurück in das Haus, da der Tau uns 
schaden könnte. Mein Entschluss war nun gefasst : Der Chief 
oder die Chiefs, welche mich auf diese Art chikanierten, mussten 
ihren Lohn haben. 

In meinem Nachtquartier angelangt, sagte ich meinem schwarzen 
Begleiter, dass ich nach Canna gehen würde, wo ich ihn am folgenden 
Morgen mit allem Gepäck erwarten wolle. Ich selbst zog andere Kleider 
an, machte Miene, als ob ich vor dem Hause auf- und abspazieren 
wolle und versteckte meinen Stock in meinem Aermel. Draussen 
angelangt, machte ich mich allein unterwegs, vorerst nach Canna. 
Mein Wegzug wurde aber sofort bemerkt und man lief mir nach, 
mich beständig bittend, doch zurückzukehren. Besonders meine 
Hammakträger waren besorgt um mich, baten mich auf den Knieen, 
umzukehren — , ich antwortete während den ersten 74 Stunden kein 
Wörtchen. Nur einmal, als sich ein Schwarzer erlaubte, mich am 

XI. Jahresbericht d. Geogr. Ges. v. Bern. 1891—1892. U 



_W2 _ 

Aermol zu zuitfcu, drelito idi midi um und drohte mit dem Stock, 
wenn er noehmals das Gesetz des Landes, wouadi kein Weisser an- 
i^erührt, misslmndelt oder getötet werden darf, vedetze. Das half, 
denn in der Folge blieben alle nur nadirennendon zirka ;>() Mann 
ein paar Schritte von mir entfernt, aber ohne mich zu verlassen 
Nadi zweistündigem Marsch langte idi in Canna an und setzte mich 
ganz ruhig vor das früher von mir bewohnte Haus. Die Schwarzen 
setzten sich in einiger Entfernung auf den Boden, und ich konnte 
deutlich bemerken, dass sie sich über meine Flucht, als etwas noch 
nie Dagewesenes, unterhielten. Sie, wie ich, warteten der Dinge, 
die da kommen sollten. Nach einer halben Stunde hörte ich Ge- 
klingel, Pferde- und Soldatengetrampel, sowie laute Stimmen durch 
die Nacht ertönen. Bei mir angelangt, sprang der Chief vom Pferd 
herunter und machte Miene, als ob er mich fressen wollte, obschon 
er kein Kannibale ist. Er brüllte mich nun zuerst in der Dahomey- 
Sprache an, dann besann er sich, dass ich Yoruba besser verstehe, 
schleuderte mir in dieser Sprache allerlei Zornesworte ins Gesicht, 
bis ich ihm ganz gemütlich sagte : 

„Miommo motiwi, lounpe akowi oba!" 
d. h. : „Ich verstehe nicht, was du sagst, gehe und rufe des Königs 
Dollmetsch." 

Er konnte nichts anderes thun, als meinen Wunsch ausführen 
und sandte einen Boten ab, den Dollmetsch zu holen. Zum Glück 
für den Boten war derselbe schon unterwegs, in Gesellschaft eines 
Whydah-Chiefs, welche nun alle drei sich das Vergnügen machten, 
mich anzubrüllen wie gereizte Hunde. Ich bheb ganz gleichgültig 
dabei, sagte aber doch schUesslich : „Wenn Ihr' Euch ereifert, so er- 
eifere ich mich auch und dann könnt Ihr nichts mit mir anfangen, 
wenn ich in Aufregung bin ; besonders der Dolmetsch soll schweigen 
und sich anständiger auftühren. Er habe nur die Worte zu über- 
setzen, nicht das Geheul." 

Nach und nach beruhigten sich die Chiefs, obschon sie noch 
immer vor Wut fast erstickten. Sie wollten mir Vorwürfe machen 
wegen meiner Handlungsweise. Ich bemerkte aber, es sei besser, 
diese Frage vor dem König zu entscheiden; ich wolle nur wissen, 
warum sie mir nach Canna nachgezogen seien. 

Es sei des Königs Befehl, wurde geantwortet, ich solle mich 
unverzüglich wieder auf den Weg machen. Ich frug nach der Hänge- 
matte. Diese war aber nicht mitgebracht. „Der König '^, hiess 
es, „hat gesagt, ich sei zu Fuss weggegangen, und könne auch 
wieder zu Fuss zurück." Ein deraenti formel war meine Antwort und 
ich fügte bei, dass ich mich beim König beklagen würde. 



Während dieser Unterredung kamen immer mehr Leute, meistens 
Chiefs und Sohlaten, so dass schHesslich über 500 Manu um mich 
versammelt waren, welche mich nach Abomeh bringen sollten, und 
dabei durfte mich keiner anrühren. Ich kehrte dem König zu lieb 
um, weigerte mich aber zuerst, wie ein Gefangener bewacht, zu 
marschieren. 

„Ja, das gehe nicht anders, ich könnte wieder durchbrennen." 

Ich sagte mir nun, dass die Leute nicht schneller als ich mar- 
schieren könnten, und schlug deshalb ein Tempo adagio an, welches 
die Chiefs fast zur Verzweiflung brachte, was Ihnen aber nichts 
nützte. Ich ging meinen gemütlichen Schritt vorwärts und ant- 
wortete auf die Frage, warum ich nicht schneller gehe, nur, dass 
ich durstig sei. Einer der Chiefs gab mir nun seine Schnapsflasche, 
welche Bahia-Rhum enthielt und woraus ich einen tüchtigen Schluck 
nahm. Ich ging aber deswegen nicht schneller vorwärts, so dass 
die Chiefs mit dem grössten Teil der Soldaten schliesslich voraus- 
zogen, uns noch anempfehlend, ja recht schnell zu gehen. Ich brauchte 
aber zur Rückreise doch über 3 Stunden, anstatt 2 wie bei der Ab- 
reise. Wie ich dann 2 Tage später bei dem König erschien, war 
er gar nicht böse, sondern fiel vielmehr über die Chiefs her, weil er 
erfahren, dass ich am Donnerstag von Pontius zu Pilatus geschickt 
worden war. Furchtbar hat er sie durchgeprügelt und wie dann noch 
die beiden Chiefs von Godomoh, welche mir auf meiner zweiten 
Pieise mit meiner Frau solche Schwierigkeiten bereitet hatten und 
deshalb extra zum König beordert worden waren, um sich in meiner 
Gegenwart zu rechtfertigen, auf allen Vieren vor den König krochen, 
um ihre Strafpredigt zu hören, da trauten die Leute ihren Augen 
und Ohren kaum, und wie ich nachher ausserhalb des Palastes war, 
kamen sie alle hergerannt, schüttelten mir die Hände und wollten 
wieder gut Freund mit mir sein. 

Der König gab mir zum Abschied 10 Bündel Cauris und zwei 
feine Tücher, nachdem er mir ein paar Tage vorher einen Ochsen, 
zwei Schafe, fünf Ziegen, zwei Schweine und zwanzig Hühner geschenkt 
hatte. Auch die Hauptfrauen des Königs wollten nicht zurückbleiben 
und gaben mir einige Schafe, Ziegen und Hühner, was ich als eine 
grosse Ehre betrachten musste, besonders da ich bei diesem Besuch 
keine Geschenke weder für den König, noch für seine nächsten 
Untergebenen mitgebracht hatte. 

Um !) Uhr kam ich in mein Quartier zurück, gab Ordre zum 
lunpackeu und verreiste schon eine halbe Stunde später in der 
Kichtung nach Canna. Niemand bat mich diesmal, umzukehren. 
Um schnell vorwärts zu kommen, ging ich bis Canna zu Fuss. Von 



1(>4 

dort benutzte ich wieder die H;lnj2;cniatte; aber eine halbe Stunde 
später, gegen 1 l'hr nachts, wurde der vordere Trilger von einer 
giftigen Schlange in die Ferse gebissen, welcher Unfall uns zwang, 
für einen Augenblick abzusatteln. Die Wunde wurde sofort ausge- 
sogen, das Bein unter- und oberhalb der Wade fest zugeschnürt und 
nachher von einem zufiillig vorbeimarschierenden Fetischpriester ein- 
gesegnet. Eine Flasche Schnaps wurde dann vertilgt, auch der 
Invalide bekam seinen guten Teil. Wir Hessen den armen Mann in 
Gesellschaft eines Lastträgers zurück und setzten unscrn Weg nach 
Lobodomeh fort. Dort gab ich dem Chief den Auftrag, für den 
Kranken zu sorgen und ihn zu pflegen, wenn er dorthin komme. 
Bis Agrimeh ging ich wieder zu Fuss und hoffte, dort nach zwei- 
stündigem Warten von meinen Leuten eingeholt zu werden. Aber erst 
in Appeh, nachdem wir den Sumpf passiert und vier Stunden Rast 
gehalten hatten, kam ein Teil der Begleitung an. Ich hielt mich nun 
nicht länger auf und ging vorwärts, bald zu Fuss, bald per Hänge- 
matte bis Alladah, wo wir abends 10 Uhr anlangten. Da der Hänge- 
mattenträger wegen des Schlangenbiss zurückbheb, konnte ich die 
drei andern nicht zu viel in Anspruch nehmen, sondern ging meistens 
zu Fuss. Wie bekannt, braucht man zwei Träger für eine Person und 
da nur noch drei waren, konnten sie nicht genügend abwechseln und 
ausruhen. 

Wir verliessen Alladah morgens vor Tagesanbruch und langten 
nachmittags um 3 Uhr, also nach vierzigstündigem Marsch, in 
Whydah an. 

Der andere Europäer kam erst 3 Tage später an, als ich schon 
unterwegs nach Lagos war. Ich benutzte dabei wieder die Land- 
route via Kotonou-Porto novo; von Kotonou bis Lagos fuhr ich per 
Canoe, was diesmal nur 22 Stunden in Anspruch nahm; denn wir 
hatten günstige Brise und konnten die Segel gebrauchen. Ich war 
auf dieser Reise genau S Wochen abwesend. 



XL 

La Sinitlisoiiiaii Institution et quelques-unes de ses püblications. 

Conference de Monsieur le Dr. Göbat, en seance du 'J Juiii 1892. 



La plus grande et la plus celebre Institution scientifique des 
Etats-Unis doit son existence a un Anglais coutemporain de la guerre 
de rindependance et des victoires de Washington. James Sraithson, 
tils naturel dim haut personnage de l'aristocratie de la Grande- 
Bretagne, ne croyait pas a la revanche, mais prevoyait au contraire 
le developpement de la patrie de Franklin, lorsqu'il leguait sa fortune 
aux Etats-Unis de FAmerique du Nord, pour le cas prevu et a peu 
pres certain oü son unique heritier, un neveu, mourrait saus laisser de 
prog^niture legitime. La mort de l'oncle survint en 1829, celle du 
])arent six annees plus tard et le Gouvernement americain, apres 
avoir du soutenir un proces, fut mis en possession, en 1838, du legs 
de Smithson, qui s'elevait ä la somme de 120,000 livres, trois millions 
de fraucs. Aux termes d'une clause testamentaire, le legs etait 
(lestine a une fondation scientifique. 

L"institut smithsonien, dont le chef est le President de la re- 
publique nord-americaine en personne, a pour objet le developpement 
et la ditl'usion du savoir (of Tinoivledge). II s'occupe principalement 
d'ethnologie, de geologie et d'astronomie. II entretient plusieurs cen- 
taines d'observatoires, organise a ses frais des expeditions scientifiques 
pour faire des etudes ethnologiques et linguistiques dans les anciens 
foyers de peuples disparus ou chez les Indiens de l'Amerique, cor- 
respond avec plus de deux mille savants europeens, monte une immense 
bibliotheque et un important musee d'histoire naturelle. Un de ses 
urands merites est d'avoir etabli les Behanges internationaux de 
püblications scientifiques et d'antiquites ethnographiques. Le premier 
venu peut oft'rir a l'institut smithsonien une publication nouvelle 
quelconque contre une de Celles de l'institut; sa proposition sera 
immediatement accueillie et a moins qu'il n'ait ete trop modeste 
dans ses exigences, ce ne sera pas lui qui sera le moins bien par- 
tag^. Les Behanges internationaux s'operent sans frais pour le 



destinataire. C'est un servicc public qui, organisc i)rimitivement 
entre rinstitiit siiiitlisonien et certaius pays de rEuroi)c, sc met 
auioiii;d"liui a la dispositioii de tous. Jl n'est plus transatlantique 
seulement. 

Les eclianges iuternationaux ont pris uiie immense extension. 
Les envois que l'institut fait se comptent par milliers de caisses par 
anm^e et lui occasionnent une grosse depense. 

Jetons un regard sur les i)ublieations de l'institut smitlisonien. 
Elles sont tres nombreuses; il y a les Contrihutions to hnoivledge 
et les rapports generaux, qui se publient toutes les annees en deux 
forts volumes in quarto; puis les innombrables monographies des 
dirterentes sections de l'institut et leurs tres remarquables rapports 
annuels. 

Les plus interessantes au point de vue des sciences geographiques 
sont Celles de la section d'etlinologie (bureau of etJmology). Disons 
en passant qu'un des principaux collaborateurs de cette section est 
un Bernois, membre honoraire de notre soci6te, M. S. Albert Gatschet. 
Chargö, a plusieures reprises, d'explorations scientifiques, il a public, 
tant pour son propre compte que dans les oeuvres officielles de 
l'institut smithsonien, un grand nombre d'ouvrages d'ethnographie et 
de linguistique, concernant les populations aborigenes de l'Amörique du 
Nord. Pour son dernier ouvrage, The Klamath Indians of south- 
western Oregon, l'institut smithsonien a depense oO^OÖO dollars. II 
s'agit d'une etude historique et ethnographique approfondie, accom- 
pagnee d'une grammaire et d'un dictionnaire Klamath-Anglais et 
Anglais-Klamatb, d'une tribu d'Indiens qui habite la partie Sud-Ouest 
de l'Etat de l'Oregon. Oeuvre de longues et patientes observations 
faites au milieu meme de la tribu. 

La section d'ethnologie public chaque annee ses Contrihutions to 
nortli american etJmology; en outre, un rapport annuel en un fort 
volume richement illustre. 

Ouvrons-en un. 

Voici le sixicme rapport ; il a paru en 1888. Apres avoir enumere 
les publications faites dans l'annee sous les auspices de la section, 
le rapport donne d'abord un aper^u des explorations qu'il a organis^es. 
Elles sont de plusieurs categories : l'exploration des mounds (anciennes 
constructions des indigenes) ä l'Est des montagnes Rocheuses; re- 
chercbes dans les anciennes ruines du Sud-Ouest; collections en 
l)rovenant et etude comparative de ces objets avec ceux que les 
indigenes actuels confectionnent ; 6tudes linguistiques faites au milieu 
des populations indiennes; enquetes generales sur differentes branches 



1H7 

de retlinologie des tribus indiennes. Nous voyons qiie (luiiize explo- 
rations ont eu lieii dans rannee. 

Piiis vient le compte-rendu des travaux de cabinet, C'est le 
classement des r^sultats obtenus par les explorateurs, leur etude pour 
la publication, la preparation des grammaires et dictionnaires, des 
eartes et des atlas. 

Enlin le rapport contient iine serie de nionographies aussi inte- 
ressantes que savantes. 

L'a)icien art dans la province de Chiriqui nous presente d'abord 
la topographie de cette contree, qui est situee entre le Costa-Rica 
et le Panama. Puis nous faisons la connaissance de ses habitants. 
Ce sont en general des Indiens agriculteurs, dont les ancetres devaient 
avoir atteint, a peu pres a l'epoque de la conquete du Mexique 
par Fernand Cortez, un assez baut degre de civilisation. On a de- 
couvert un grand nombre de cimetieres dans les vallees, sur les 
collines et les montagnes et jusque dans les forets les plus profondes. 
La construction des sepultures temoigne du soin avec lequel les 
cadavres etaient preserves de toute profaiiation ; ce sont des exca- 
vations en maQonnerie, ä une profondeur süffisante. Chose curieuse, 
on y a a peine trouve la trace des corps qu'ils doivent avoir contenus. 
En ecbange, il en a ete extrait une grande quantite de poteries et 
autres objets, entre autres des ornements remarquables. Les anciens 
babltants du Chiriqui savaient travailler la pierre, Tor, le cuivre et 
l'argile. Les objets de leur Industrie recueillis dans les cimetieres 
ne sont pas l'oeuvre du premier venu. Leurs idoles representent des 
tigures humaines taillees dans le basalte. Des tables bien tournees 
de la meme matiere, supportees par deux ou quatre pieds, dont 
quelques-uns aÖ'ectent la forme d'animaux parfaitement reconnais- 
sables, servaient sans doute de meules pour moudre le grain et le 
cacao. Comme sieges, nous voyons des blocs de pierre sculptes, dont 
la base — ce que nous appellerions les jambes — sont des tigures 
humaines ou d'animaux. Puis viennent les haches bien polies et les 
pointes de fleches. 

Apres Tage de pierre, Tage des metaux. Les Chiriquiens etaient 
habiles dans Part de les travailler. L'or, l'argent, le cuivre se trouvaient 
en grande abondance dans leur pays, qui etait peut-etre TEldorado 
tant reve par les Espagnols du temps des Christophe Colomb, des 
Cortez, des Pizarro et dont la decouverte coüta la vie a des milliers 
dlndiens. Ils connaissaient aussi la composition du bronze. Comment 
les indig»'nes travaillaient-tls les metaux ? On ne remarque sur leurs 
produits ni soudures, ni la trace de la forge. II faut donc admettre 
qu'ils etaient coules dans des moules. Ce qui etablirait une similitude 



Kit; 

de procedes che/, les iiietalluri>istes de rAmurique o.t ceux. des i)opu- 
lations prehistoriques de l'P^urope; car ou a trouve, daus les statious 
lacustres, les moules dont ils se servaieiit i)our fabriciuer leiirs oriie- 
ments. Dans le C'hiricpii, les objets eii or se sont rencoutres daiis 
un petit nombre de toiiibeaux seulement; la distribution inegale des 
riehesses ne date ])as d'aujourdlnii. Ce sont des ti,u;urines re])re- 
sentant des fonnes huniaiiies, la plnpart grotesqnes et fantasti(pies, 
ou des animaux, le puma, ralligator, la grenouille, un oiseau. 
Quelques-unes etaient ])robablenient des idoles ou des emblenies ; la 
plupart servaient de breloques. Nous savons par l'histoire de la 
decouverte de l'Amerique que les indigenes portaient suspendus a 
leur cou des objets d'or et d'argent. 

L'art dans lecjuel les Chiriquiens excellaient etait la poterie. 
Les sepultures en ont fourni des exemplaires en nondjre con- 
siderable ; un seul explorateur a trouve plus de dix inille pieces. 
Toutes les formes s'y rencontrent, les simples et les composees. Nous 
voyons le vase le plus ordinaire a c6t6s renfl^s et Tamphore, le vase 
reposant sur des pieds plus ou moins ouvrag^s ou orne sur ses 
faees de figures et de dessins, menie de bas-reliefs. Ces poteries 
sont de couleurs difierentes qui s'obtenaient probablement par la 
cuisson: plusieurs sont peintes. Les polychromes marquent le point 
culminant de l'art, autant pour ce qui concerne la purete et la 
noblesse des formes, que pour la perfection des dessins et des pein- 
tures. Nous nous trouvons evidemment en presence d'une Industrie 
bien organis^e, dans laquelle des outils et des appareils perfectionnes, 
comme le tour du potier, s'alliaient ä l'habilete manuelle. La matiere 
dont les artistes se servaient etait un melange d'argile et de sable 
pulverise, dans lequel on decouvre frequemment des parcelles de 
quartz, de feldspath, d'augite, d'oxyde de fer ; comme si le potier 
avait voulu donner plus de ton ä la composition qu'il travaillait. 

On se demande ä quoi ces vases servaient. Les habitations de cette 
tribu indienne, dont il ne s'est d'ailleurs pas conserve de ruines. 
etaient des plus primitives et les besoins de la population aussi 
simples que bornes. Les poteries sont bien conservees; on dirait 
qu'elles n'ont pas ete employees pour un usage domestiques. De toutes 
ces circonstances on pourrait tirer la conclusion, que I'industrie de la 
poterie 6tait, du moins pour une partie, une annexe du culte des 
morts; qu'une quantite de ces objets avaient pour but unique d'etre 
deposes dans les sepultures. 

Cette Observation ne s'applique pas^naturellement aux sifflets 
en argile. Les petits sifflets introduits dans les friandises qui se 
vendent a la foire aux pains d'epice ne sont donc pas le mouopole 



__m 

des potiers de Bonfol. Xon, les Indiens du golfe du Mexique en 
fabriquaient deja il y a cinq cents ans, et de perfectionnes : car le 
gargonnet auquel ils servaient de jouets pouvait en tirer non pas 
un seul son, mais trois et meme huit. 

Le äevcloppement de la forme et de l'ornement dans Vart textile est 
une etude tres interessante du goüt qui presidait, chez les differentes 
tribus indiennes, ä la confection d'objets tisses en laine, en paille 
ou en roseaux, nattes, tapis, corbeilles, vases, etc. Le lecteur y suit 
les progres du sentiment du beau, qui se manifeste dans les formes. 
dans les couleurs et dans les dessins. Ici eucore, il s'agit d'un art 
qui avait atteint une haute perfection au triple point de vue qui 
Interesse l'esthetique. 

La troisieme monographie du sixieme rapport annuel de la section 
d'etlmologie traite une question de paleographie americaine. En 1740, 
le conservateur de la bibliotheque royale de Dresde decouvrait un 
mauuscrit mexicain ecrit en caracteres, absoluraent inconnus et couvert 
de tigures hieroglyphiques peintes en differentes couleurs. Un Espagnol 
reveuant du Nouveau-Monde l'avait apporte en Europe; de mains 
en mains, en passant par Kome et Vieune, il 6tait devenu la pro- 
priete d'un particulier qui en avait fait don ä la bibliotheque de 
Dresde. 11 s'agit de dechift'rer ce mauuscrit. Travail plein de diffi- 
cultes presque insurmontables. Les hieroglyphes des monuments 
egyptieus n'ont presque plus de mysteres, parce que nous connaissons 
mieux la civilisation egyptienne que la mexicaine; d'ailleurs on a 
trouve la clef qui les explique. Le mauuscrit mexicain contient, outre 
quelques caracteres d'ecriture proprement dits, dont on croit com- 
prendre le sens, une grande quantite de figures emblematiques dont 
la signification doit etre etudiee. C'est le travail de benedictin 
auquel se livre l'auteur de la monographie en question. Son etude 
n'est pas encore suffisamment avancce, pour que Ton puisse se faire 
une idee meme approximative du contenu du mauuscrit. 

L'etude des idiomes indigenes de l'Amerique a donne lieu ä d'in- 
teressantes decouvertes. Ainsi, chez les Indiens Osages, il existe une 
societe secrete comprenant sept degres, qui a pour mission speciale 
de conserver les traditions de la tribu. Un dessin emblematique tatoue 
sur la poitrine des adeptes ainsi qu'une espece de litanie longue et 
monotone renseignent les Osages, ä für et mesure qu'ils sont inities 
aux mysteres de la soci6t6 des gardiens des traditions, sur leur 
origine et sur la maiiiere dont ils sont devenus des etres humains. 

La derniere monographie nous transporte sur les rives de la mer 
de Baffin, de la baie d'Hudson et du Smith Sound, au railieu des 
tril)us (VEsquimaux, au nombre de vingt, qui habitent ces contrees. 



170_ 

Sous i'os latitmles inclömeiites, qui ne itroduisent pas de VL'<;t'taiix en 
sufrisance pour conserver la vic de riioinme, Tindigene est forcement 
caruivore et la poursuite des aniinaux l'oblige de raener uiie vie 
uoinade, dont les diverses vicissitudes d^pendent essentiellenient des 
iiiiuratious du gibier. Comme eile doit etre ardente cette cliasse 
qui (Iure autant que la belle saison — pas longtemps! Car les 
l)li()(iues, les morses, les reunes, les elans sont la providence de 
IKsquimau; leur chair le uourrit, leur huile l'öclaire pendant cet 
hiver de neuf niois qu'il passe dans sa hutte de neige, leurs peaux 
Uli procurent des vetements et la tente portative sous laquelle il 
s'abrite la nuit pendant la saison de la chasse. 

Parmi ces nombreuses tribus diss6min6es sur les cutes Nord-Est 
de l'Amerique, quelques-unes paraissent avoir entre elles des aliiances 
traditionnelles qui en fönt comme une fa^on de famille; elles ont des 
relations faciles et assez frequentes. II est moins aise aux autres, 
a Celles qui se sont restces reciproquement etraiigeres, de voisiner, 
a cause d'une sing:uliere coutume. Bien que toutes ces tribus d'Esqui- 
maux vivent en paix et ne se fassent jamais la guerre, un visiteur 
doit se soumettre a certaines formalit^s empreintes d'un temperament 
belliqueux. II est tenu de se battre avec un homme de la tribu dans 
laquelle il se rend. Quelquefois la mort d'un des cliampions est la 
suite et la fin de ces salutations d'un nouveau genre. 

Pas de gouvernement chez ces nomades. L'autorite des chefs de 
famille est seule reconnue ; encore se borne-t-elle a maintenir les 
traditions, ä empecher les contiits, ä presider aux ceremonies reli- 
gieuses. Les Esquimaux sont payens ; leur etre supreme, Sedna, appar- 
tient au sexe feminin. Ils n'ont pas de pretres proprement dits; 
quelques membres de la tribu sont charges de conserver les legendes 
mytliologiques ; ils remplissent en meme temps l'office de medecins. 
Heureux ceux qui meurent de mort violente : ils continuent leur existence 
dans le Qudlivun, le pays des bienheureux. Aussi le suicide-par 
pendaison-n'est-il pas rare et tout horame a le droit de tuer ses 
parents äges. II fait oeuvre meritoire : car il envoie ainsi au paradis 
ceux que leur vieillesse exposerait ä mourir tranquillement sur leurs 
grabats de peaux de rennes, sans espoir de voir jamais le pays des 
bienheureux. 

A quelles occupations se livrent les Esquimaux, durant ce long 
hiver pendant lequel ils ne chassent, ni ne pechent ? Ils fabriquent 
ou raccomodent leurs harpons, leurs kayaks, leurs arcs et leurs fleches, 
les harnais de leurs chiens, les poupees de leurs enfants. Les femmes 
s'occupent du menage et des vetements. Diff6rents jeux, auxquels ils 
se livrent avec passion dans leurs huttes, rompent la monotonie des 



1 71 

jouriiees. Les Esquimaux ne sont pas restes tout a fait etrangers 
aiix arts ; ils sculpteut dans le bois des animaux marins et des ours 
blancs; ils dessinent des scenes de chasse ou de peclie, des rennes, 
des ours, la carte geographique de leiir pays, des bonshommes qui, 
chose curieuse, ne representent ni leurs types ni leurs vetemeiits. 

Enfin, ils composent des poemes qu'ils chantent en choeur au- 
tour de la lampe fumeiise d'huile de phoque. 

Le dernier rapport annuel du bureau d'ethnologie contieiit trois 
longues monographies : Les familles des idiomes Indiens de VAmerique 
du Nord (ä Texception du Mexique), la grande societe de medecine 
des OJibwas et les formides sacrees des Cherohees. 

D'apres le premier de ces travaux, les familles d'Indiens, y com- 
pris Celles qui peuvent avoir disparu, raais dont le dialecte a ete 
conserve dans des dictionnaires, des vocabulaires ou des traductions, 
sont au nombre de cinquante-huit, considerees au point de vue de 
leur langage. C'est donc la langue parlee qui caracterise cliaque 
famille et qui est la base de leur groupement. Certaines familles 
comptent plusieurs tribus ; ainsi celle des Algonquins, qui se compose 
de trente-six tribus, celle des Athapascans, de cinquante-trois, celle 
des Esquimaux, de soixante-dix tribus. L'auteur a fait les etudes 
linguistiques et confectionne les vocabulaires Indiens, premiere condi- 
tion de son important et interessant travail, sur place, au milieu des 
populations meines; il a compl6te ses informations par les fort nom- 
l)reux ouvrages qui out paru sur cette matiere. La plupart des 
idiomes presentent des difficultes, surtout pour la prononciation ; celui 
des Adais, par exemple, tribu eteinte ou ä peu pres, est si difficile 
qu'aucune nation du monde ne pourrait en parier dix mots. Chaque 
famille k son histoire sommaire ; on sait d'oü les tribus sont venues, oü 
elles se sont etablies et dans quels territoires de TAmerique du nord 
elles habitent aujourd'hui. La population de chaque famille, de chaque 
tribu est indiquee. Elle serait actuellement, pour toutes les tribus 
indiennes et esquimaudes, de 3oO,0()0 ämes environ. Les Algonquins 
comptent encore i)5,ß(j() individus, les Iroquois 43,000, les Sioux 42,000 
et les Esquimaux 34,000. Teile tribu ou famille, puissante jadis et 
occupant des territoires immenses, n'est plus representee que par une 
vingtaine de sujets. Son temperament belliqueux ou la civilisation 
europeenne ont aneanti le reste avec autant de rapidite que les 6pi- 
d^mies les plus terribles deciment les i)opulations. 

Une societe de medecine parmi les Peaux-Rouges? Hätons-nous 
de dire quMl ne s"agit pas de doctes Esculapes et que les Ojibwas 
ne donneraient peut-etre par ce nom ä leur Midewiwin. Les Ojibwas, 
de la famille des Algonquins, sont etablis dans le Minnesota et le 



172 

Wisconsin. 11 existc che/ oux, depiiis un teuips ininieuioritil, une 
sociiHc secrete, dont le but est de conserver les traditions et les 
mytlies de la tribu, comme aussi et surtout de donner a ses inenil)res, 
au nioyen d"un pnHendu pouvoir occulte, Tintluence necessaire i)our 
vivre agreablement aiix depens des crödules. Gnice ä cette association, 
les Ojibwas se sont niontres recalcitrants an christianisnic et les 
eglises et les sectes n'ont pu les atteindre, du moins pas les classes 
dirigeantes, c'est-a-dire les membres de la Midewiwin. La societe 
l)ratique accessoirement la m6decine ; les recettes sont: la diete, 
dormir, transpirer; lorsque le malade ne peut sortir de son lit, 
les Jongleurs viennent lui remonter le moral en dansant et faisant 
mille grimaces autour de lui. 

La MidewiNvin, qui admet des membres des deux sexes, a quatre 
degres. La Charte de la societe est une bände d'ecorce de bouleau 
couverte de dessins emblematiques, qui presentent Tinitiation succes- 
sive ä chacun des degres. Chaque degre est figure par une löge, dans 
laquelle les candidats entrent apres avoir subi les menaces d'un 
certain nombre de serpents, d'ours et de pantheres imaginaires. Le 
Premier degre n'est qu'une Initiation aux suivants. Au deuxieme, 
le Mide — ainsi s'appellent les membres de la societe — regoit le 
pouvoir de lire dans Pavenir, de tout entendre, de faire, meme ä 
distance, des attouchements bienfaisants ou malt'aisants ; ses Services 
sont recherch6s par les gens de la tribu, pour supprimer des ennemis 
ou des individus genants. L'initie du troisieme degre correspond avec 
le monde invisible, ce qui lui permet d'interpreter les songes. Enfin 
le quatrieme degre procure la maitrise en necromancie et en magie. 
Les inities de chaque degre se distinguent par la peinture du 
visage. 

L'initiation a lieu dans des halles speciales, apres une longue 
pr^paration sous la direction d'un parrain, au milieu de ceremonies 
interminables agrementees de litanies mystörieuses. Chaque Initiation 
coüte au candidat une certaine quantit6 de tabac et quelques orgies. 
C'est le salaire des initiateurs. Quant a l'initie, il se recuperera de 
ses depenses au centuple, en exploitant les talents surnaturels que 
sa qualite de membre de la Midewiwin lui confere. 

Les formules sacrees des Cherokees, dont la troisieme mouo- 
graphie du dernier rapport annuel du bureau d'ethnologie traite, 
sont des recettes ayant plus ou moins un caractere religieux, con- 
cernant la medecine, Tamour, la chasse, la peche, la guerre, la sor- 
cellerie. EUes sont 6crites en caracteres Indiens. II y en a pour 
toutes les occasions; elles se chantent avec accompagnement de cer- 
taines ceremonies ou de certains breuvages ; le medecin ou sorcier 



173^_ 

eil est le depositaire et le dispensateur , moyeniiant tiiiance, bieii 
enteiulu. 

Le court rösiime qiie nous venons de faire de quelques travaux 
et iiublications du bureau d'ethiiologie de la Smitlisonian institatio^i 
suffira pour douner une idee de la somme enorme d'6tudes, de re- 
clierches, d'explorations auxquelles cette savante societe se li^^re. Dans 
aucun pays les populations primitives n'ont ete etudiees avec autant 
de soiii que dans TAmerique du Nord, sous toutes leurs faces et de toutes 
mauieres. On connait leurs religions et leurs moeurs, leur liistoire et 
leur civilisation, leurs Industries, leurs arts, leurs idiomes, que Ton 
a fixes dans des dictionnaires, des grammaires, des vocabulaires. Les 
mysteres meme sous lesquels ils masquent et exploitent leurs super- 
stitions ont ete penetres. Les publications de Tinstitut smithsonien, 
ses innombrables photographies, cartes et plans, les inilliers d'objets 
amonceles dans ses collections, armes, outils, Instruments, poteries, 
ornements d'or et d'argent, meubles, nattes, tapis, tissus, idoles, des- 
sins, Chansons, nous presentent une claire Image de cinq cents ans de 
vie indienne. L'institut u'epargne ni peines niargent; le seul Service 
du bureau d'ethnologie lui coüte quarante nnlle dollars par an. IMais 
aussi quels resultats! 



<i^^^ 



xn. 
Erforsdiung der Höhlen von Yesal. 

Brief von Uni. Heliodoro Teller, ül)ersetzt u. mitgeteilt von Ilni. Prof. JiJ. Röthlisherger 
in der Monatsversammluiiu- vom lO. Dezeinher 1892. 



Valle de Jesus, den 22. März isiil. 

(Dei)artement Santander, Coloinbia.) 

Den lö. September 18 . . veiiiess icli, in Begleitung meines uner- 
müdlichen Gefährten Belisario Tellez 0, Valle de Jesus, das in 0° ;-5' H5" 
östlicher Länge und ')^ 40' IG" nördhcher Breite in einer Hölie von 
1927 m ü. M, gelegen ist und eine mittlere Temperatur von 20° hat. 
Unser Ziel war die Thalsenkung genannt Pescadero, die zur noch 
wilden und verlassenen Gegend des Flussgebietes Carare gehört. Mit 
Ausnahme von einigen Beschwerlichkeiten vollzog sich die Reise 
glücklich, und wir gelaugten an einen Ort, genannt Los Bancos, auf 
einer kleinen Höhenabzweigung der Cordillere gelegen, von wo aus 
mau eine prächtige Aussicht geniesst und zwar besonders auf unsern 
Mississippi, den Magdalenastrom, der auf diese grosse Entfernung 
hin gar majestätisch aussieht. Der 18. September verfloss unter 
Aufschlagen eines Lagers und mit Vorbereitungen, worunter die Her- 
stellung einer grossen Leiter zum Hinuntersteigen in die Höhle. 

Auf einem leichtgeneigten Terrain zeigt sich in unregelmässiger 
Form der Schlund der Höhle, 25 — 30 granadinische Varas (Ellen) im 
Diameter. Die Felswände fallen an einigen Stellen ganz senkrecht 
ab: sie sind sehr zerrissen. So geht es über 18 m hinunter. Der 
Boden der Höhle ist mit Vegetation bedeckt. Das Gestein ist Kalk- 
gestein. Ueberall und beständig sickert das Wasser durch die Ritzen 
und Rinnen der Felsen herab und hält Wände und Boden in Feuchtig- 
keit, Schimmel und Schwämme erzeugend. Die Kälte ist sehr em- 
pfindlich. Drunten im westlichen Teile der Höhle zeigt sich eine 
gi'osse Grotte, die mit einem gewaltigen, von der Natur ganz kunst- 
voll angelegten Bogen beginnt, der sich 18 m hoch erhebt. Durch 
eine etwa 15 m lange unregelmässige Galerie gelangen wir, nicht 
ohne plötzlich rasch abwärts gehen zu müssen, in einen zweiten Saal, 



175 

der etwa 2 Ciiadras (Blocks von je Ho m Seitenlänge) misst und den 
wir ganz mit unsern Lampen durclifürscliten. Dabei waren wir freilich 
stets in Angst, von einem der vielen über unsern Häuptern hängenden, 
(lurchfressenen Felsstücke erschlagen zu werden. An verschiedenen 
Stellen wühlten wir den Boden auf, denn wir kannten die Tradition, 
wonach in diesen Höhlen Individuen aus andern Rassen und ent- 
fernten Zeiten gewohn hätten. Wir fanden aber nur unbedeutende 
Spuren von Bewohntheit. Indem wir mit Stemmeisen grosse Massen 
Steine wegschafften, gelang es uns, menschliche Knochen herauszu- 
befördern, worunter zwei vom Knöchel und ein Kahnbein (scafoides) 
und einen andern, sehr wenig deutlich erkennbaren Knochen. 

Viel grösser sind aber die unterirdischen Grotten im nördlichen 
Teile, in welchen wir dadurch gelangten, dass wir uns fast senkrecht 
an einem von uns mitgebrachten Seile hinunterliessen. Die Durch- 
forschung fingen wir mit einem Stollen zu unserer Rechten an, der sehr 
(Mig w^ar und im übrigen vollständig den künstlichen Stollen im Salz- 
bergwerk von Zipaquira glich. Eine grosse Masse der mannigfaltigsten 
Galerien öffnete sich bald vorn, bald zur Linken, zur Rechten, zu 
unsern Häuptern, ja sogar in tiefen Rinnen zu unsern Füssen. So 
gingen wir ca. 180 m weit bis an eine Wand, die uns Halt gebot. 
Dort floss ruhig eine durchsichtige Quelle, an deren reinem und an- 
genehmen Wasser wir uns nach diesem ersten Tagwerk labten. 
Da ich gesehen, wie leicht man sich hätte verirren können — befand 
ich mich doch plötzlich in grösster Finsternis und Stille, als ich ohne 
Licht über eine steile Stelle hinaufkletterte, während meine Gefährten 
schon um zwei Ecken herumgebogen waren, — so markierten wir den 
Weg mit besondern Zeichen jedesmal, wenn wir in einen neuen Stollen 
einbogen. 

Hierauf, nachdem wir unsere Laternen wiederum gespeist, ging 
es von der grossen Höhle aus zur linken, und wir kamen in zwei 
oder drei Galerien, die uns viel solider schienen; denn sie waren aus 
mächtigen Bogen gebildet, während der grosse Saal, wie die vielen 
Ilutschungen bewiesen, stets Gefahr von Einstürzen bot. Wieder 
rechts gehend, durchwanderten wir ein Labyrinth ohne Ende mit 
grossen Gemächern. Während zwei Stunden eine Strecke von einer 
Viertelstunde zurücklegend, bewunderten wir dort die vielen präch- 
tigen Erscheinungen: die majestätischen und gewaltigen Rotunden 
und Kuppeln, die in phantastischer Beleuchtung erschienen, die 
mäclitigen Säulen, d(Mi Wiederhall einiger Gemächer, deren einem 
wir den Namen Rednerkammer (camera de los oradores) gaben, die 
Sonderbarkeit und Eleganz der tausend durch die Kalkformation 
gebildeten Figuren, unter denen unsere besondere Aufmerksamkeit 



erregten: ein wiindei-voUer Blumentopf, eine Reihe von Kerzen, auf- 
gestellt nach IJcii'räbnissitte und ein mächtiger Stalaktit (gewöhnlich 
calichc genannt), mehr als 1 Meter lang uiul heller und schöner 
erklingend als eine Glocke. 

Inmier weiter gings auf jenem Alluvionboden, in jenem eisig 
kalten Ort, dessen Stille nur etwa durch das Flattern einer auf- 
gescheuchten Fledermaus unterbroclien wurde. Auf Nachtvögel aber 
stiessen wir bei unsern Wanderungen sonderbarerweise nicht. Dass 
der menschliche Fuss je hier durchgeschritten, dafür sahen wir keinen 
Beweis. Immer links uns wendend, hörten wir ein stets zunehmendes 
Geräusch. Wir begriffen endhcli, dass dasselbe von einem Wasser- 
laufe herrühren müsse, der durch den Felsen gehe. Von einer schrägen 
Rampe aus erreichten wir einige Felsstücke, von wo Avir den vor uns 
liegenden Raum beobachten konnten. Es war das Bett des brausenden 
Baches.' Wir stiegen in diesen hinein und konnten nun mit unsern 
Lichtern ein so durchsichtiges Wasser bewundern, wie wir es noch 
nie angetroffen, sodann den kalkartigen Niederschlag auf dem Boden 
des Bachbettes, der, so weit wir sehen konnten, für den Wasserlauf 
eine Art Polster bildete. Noch mehr erstaunten wir über die An- 
wesenheit von Fischen, von denen einer von uns beobachtet wurde. 
Er war etwa 1 Dezimeter lang, ganz weiss und bleich, den Pflanzen 
vergleichbar, die ohne Luft und Licht wachsen. Zudem war er blind. 
Die gleiche Beobachtung machten wir an Spinnen und andern Insekten, 
die jene Höhle beAvohnen. Die Natur passt eben die Organe der lebenden 
Wesen stets den sie umgebenden Elementen an. 

Da wir unsere Reise während der Winters-(Regen-)zeit unter- 
nommen hatten, wagten wir es nicht, den unterirdischen Bergbach 
in seinem Laufe zu verfolgen. 

Zur Durchforschung der Höhle von Yesal brauchten wir drei Tage. 

Wir könnten der Geographischen Gesellschaft versprechen, unsere 
Forschungen weiter auszudehnen, obschon wir keine Instrumente 
besitzen, um genauere Beobaditungen zu machen. So könnten wir 
eine vollständige Beschreibung der Hydrographie der Gegend des 
Pescadero und einer grossen Zahl noch unbekannter Flüsse jener Region 
geben, ferner eine Arbeit über das sandsteinartige Terrain und seine 
geologische Lage, über neue Anwendungen, z. B. diejenige des Hetero- 
dromus. Wir skizzieren diese Themata bloss, wir könnten aber 
darüber in ausführlichere Korrespondenz treten. 

Heliodoro Tellez. 



XIII. 

Die Wassermassen des Thuner- und des Brienzer-Sees. 

Von Theod. Steck in Bern. 



Ein Blick auf die Karte des Alpengebietes zeigt uns das Auf- 
treten grösserer und kleinerer Wasseransammlungen im Vorlande, 
wie in den sich nach demselben öffnenden Thälern. Da wo die Rhone 
das lange Thal des Wallis verlässt, tritt uns das grösste Seebeckeu 
der ganzen Alpenkette, der Genfersee entgegen; die Aare durchfliesst 
vor ihrem Weg durch das Molassegebiet den Brienzer- und Thunersee; 
die Reuss durchläuft in mehrfacher Aenderung ihrer Richtung den 
eigentümlich gestalteten Vierwaldstättersee ; nur einem unbedeutenden 
Flusslauf finden wir den Zugersee eingeschaltet; dem Linthgebiete 
gehören an der Walensee und Zürchersee und im ausser sten Nord- 
osten der Schweiz, dient, ein Gegenstück des Genfersees, der aus- 
gedehnte Bodensee dem Rhein als Läuterungsbecken. Im Alpenvorland 
behauptet die Gruppe des Neuenburger-, Murten- und Bielersee 
weitaus den Vorrang gegenüber zahlreichen im Moränengebiete 
zerstreuten Wasseransammlungen. Analoge Verhältnisse treffen wir 
weiter nach Osten, wo ein vielbewunderter Gürtel von Seen in Nordtirol, 
Südbaiern und dem Salzkammergut uns entgegentritt. 

Auch den Südfuss der Alpen begleiten eine Anzahl von Süss- 
wasserbeckeu, von denen nur ein kleiner Teil dem Schweizerboden 
angehört. Im Alpengebiete selbst finden wir ausserdem noch eine 
.ü;ewaltige Zahl von Seen, die zwar meist von geringer Ausdehnung, 
in neuerer Zeit ein beliebtes Objekt der Untersuchung, sowohl in 
geologischer Beziehung, als auch hauptsächlich in Bezug auf die in 
ihnen enthaltene Pflanzen- und Tierwelt gebildet haben. 

Die Seen der deutschen Alpen sind vor einigen Jahren Gegen- 
stand einer geographischen Monographie geworden, in welcher der 
Verfasser, Dr. Alois Geistbeck, nicht verfehlte, auch die schweize- 
rischen Seen in den Kreis der Betrachtung zu ziehen. Der Genfersee 
bildet seit Jahren das Objekt eifriger Durchforschung durch Herrn 
Prof. F. A. Forel in Morges; auch Prof. Heim in Zürich bat sich 

XI. Jahresbericht d. Geogr. Ges. v. Bern. 1891-1892. 12 



17S 

eiiiiicheiKi mit einer x\iiziilil scliwei/erisdier ISeen besclUlftiut. Eine 
zusaininenlUUigende Darstelluiii;' der geograplüschen Verhältnisse 
unserer Seen bleibt aber wolil ein Wunsch, dessen Erfüllung noch 
längere Zeit auf sich warten lässt. Indessen möge es gestattet sein 
einige Daten für die betreffende IJearbeitung durch Bestimnnmg des 
Volumens zweier grösserer Becken — des Thuner- und des Brieuzer- 
sees — zu liefern. 

Die Volumenbestimmung der Seen erfolgte vermittelst der liyjtso- 
graphischen Kurve, Diese Methode gestattet in eleganter AVeise die 
verschiedensten Volumenbestimmungen vorzunehmen und hat auch 
bereits schöne Resultate zu Tage gefördert.* Joseph Führnkranz liat 
über die dabei erzielte Genauigkeit im Bericht über das XIV. Vereins- 
jahr des Vereins der Geographen an der Universität in Wien 1888 
und August Böhm in den Verhandlungen des VIII. deutschen Geo- 
graphentages in Berlin 1880 sich ausgesprochen. Die Methode sei 
hier in kurzen Worten beschrieben. 

Vorerst wurden vermittelst des Amslerschen Polarplanimeters 
Nr. 14,021 von Kern & Cie. in Aarau, die von der Uferlinie und den 
einzelnen Isobathen umschlossenen Areale auf der Siegfried-Karte 
1 : 50,000 ermittelt. Ich erhielt so beispielsweise für die Oberfläche des 
Brienzersees 1169 partes des Instrumentes, für die Isohypse 420 m 
798 partes u. s. w. Um diese Einheiten des Instrumentes in absolutes 
Mass zu verwandeln, wurden in gleicher Weise die auf der Karte ein- 
gezeichneten, nach Konstruktion genau 9 km^ Fläche darstellende Qua- 
drate gemessen. Diese Methode hat den grossen Vorteil, dass durcli sie 
der oft sehr wesentliche Einfluss der Kontraktion des Papieres eliminiert 
wird. Jene Quadrate sind nämlich, wie die ganze Karte bereits auf den 
Stein gezeichnet und haben daher beim Druck auf dem Papier die 
gleichen Verziehungen erfahren, wie alle Flächen der Karte. Solcher 
Quadrate wurden immer mehrere umfahren, um die Verziehung für 
die einzelnen Teile der zu bestimmenden Fläche genau zu erhalten. 
Auf diese Weise wurde für jedes Kartenblatt apart die Konstante des 
Instrumentes bestimmt, mit der dann die Umrechnung der partes 
der Isobathenflächen in Hektar vorgenommen werden konnte. 

Die Entfernungen der einzelnen von den Isobathen umschlossenen 
Flächen von der Oberfläche des Sees wurden nun auf Millimeterpapier 
auf einer Abscissenaxe aufgetragen, so dass z. B. einer Tiefe von 
30 Metern eine Strecke von 3 Centimetern entsprach. In den ein- 
zelnen Endpunkten wurden Ordinaten errichtet, deren Länge den 



* Vgl. Franz Heidericli die mittlere Hölie Afrikas in Petennanns Mittei- 
lungen 1888, Heft VII. 



179 

einzelnen Flächen proportional gemacht wnrtle. Wenn man nun die 
Endpunkte der Ordinaten durch eine stetige Kurve verband, so stellte 
die von der Abscissen- und Ordinatenaxe und der Kurve begrenzte 
Fläche uns den körperlichen Inhalt des Sees graphisch dar. Der 
Inhalt dieser Fläche wurde ebenfalls mit Berücksichtigung der Ver- 
zerrung des Netzes durch die Kontraktion des Papiers vermittelst des 
Polarplanimeters bestimmt. * 

Die Kenntnis des Kubikinhaltes der Oberfläche und Länge eines 
Sees ermöglicht uns dessen mittlere Tiefe und dessen mittlere Breite 
zu bestimmen. Erstere Zahl wird erhalten, wenn wir das Volumen 
durch die Oberfläche, letztere, wenn wir die Oberfläche durch die Länge 
des Sees — durch die Mitte des Sees gemessen — dividieren. 

Der Brienzersee gehört ebenso wie der Thunersee nach der Klassi- 
fikation von Rütimeyer in die Gruppe der Randseen. Er wird im 
Norden begrenzt von der Kette des Brienzergrates, im Süden von 
der nördlichen Kette der Faulhorngruppe. Sein östliches Ende wird 
gebildet von einem langgezogenen Aufschüttungsgebiet, das von der 
Aare in schwachem Gefälle (8,2 7oo) von Meiringen bis Brienz durch- 
flössen wird. Sein südwestliches Ufer stellt das flache ,,Bödeli'^ dar, 
das als ein durch die Lütschine von Süden, und den Lombach von 
Norden her gebildetes Delta die einstmals verbundenen Becken des 
Brienzer- und Thunersees getrennt hat. Die mittlere Meereshöhe 
des Seespiegels beträgt 5üG,4 m und die tiefste Stelle liegt im Nord- 
westen des Sees in 305 m Meereshöhe ; der See hat mithin eine 
grösste Tiefe von 261 m. Die Oberfläche misst 29,3 km^; dieselbe 
wird durch das sich beständig vergrössernde Delta der Aare im 
obern Teile und der Lütschine im untern Teile stetsfort verkleinert. 
Die auf Grund der Karte 1 : 50,000 vorgenommene Bestimmung des 
Kubikinhaltes ergab 5,17 kni^. Die mittlere Tiefe beträgt ITO m, 
die mittlere Breite 2,15 km. 

Nachdem die junge Aare ihre mitgeführten festen Bestandteile 
im Brienzersee abgeladen und in einem annähernd H km langen Lauf 
das Bödeli mit 1 7oo Gefälle durchflössen hat, tritt sie als ein meist 
schön blau gefärbter Strom in den im Mittel um 0,2 m niedriger als 
der Brienzersee spiegelnden Thunersee, der eine Länge von 1<S,20 km, 
eine mittlere Breite von 2,65 km hat und an seiner tiefsten Stelle im 
obern Teile 217 m lothet. Derselbe hat eine Oberfläche von 4S,l km^ 
und sein Volumen beträgt bei mittlerem Wasserstand 6,50 km^* Aus 
diesem Kubikinhalt ergibt sich eine mittlere Tiefe von 135 m. 

* Genaueres ülier diese Metiiorlo fiiidct sicli in der oben angcriilnlen Ariicit 
von Franz Iloidericli. 



ISO 

Veriileiclu'ii wir die mittlere Tiefe jedes Sees mit seiner mittleren 
Breite und der Länge, so erhalten wir folgende VerliiUtniszahlen: 
Brienzersee 1 : 12 : 7S, 
Thunersee 1 : 20 ; l:!"). 

Die mittlere Tiefe verschwindet also gänzlich im Vergleich zur 
Breite und Länge. Die Becken als solche sind nur unbedeutend. 
Dies drängt sich uns noch mehr auf, wenn wir die Umrandung der- 
selben ins Auge fassen. 

Der Nordrand des Brienzersees gipfelt in dem Brienzerrothorn 
178Ö m über dem Seespiegel; auf der Südseite überragt das Faulhorn 
die Wasseroberfläche sogar um 2117 m. Am Thunersee erhebt sich 
der Niesen bis zu einer relativen Höhe von 1800 m, das Gemmen alp- 
horn bei Beatenberg bis zu einer solchen von 1504 m. Eine Trocken- 
legung der Seen würde angesichts solcher Höhenunterschiede das 
Kartenbild nicht wesentlich beeinflussen. 

Zur bequemeren Vergleichung stellen wir zum Schluss noch 
sämtliche Zahlen für den Brienzer- und Thunersee in extenso 
nebeneinander Brienzersee Thunersee 

in km^* km''* 

Oberfläche 29,332 48,075 

Fläche der einzelnen Isohypsen: 540 27,G35 43,350 

510 25,702 30,800 

480 23,807 34,375 

450 22,075 31,000 

420 20,030 26,850 

390 17,620 21,700 

360 14,006 13,650 

345 ? 2,260 

3.30 9,613 — 

315 5,898 — 

Länge 13,75 km 18,20 km 

Mittlere Breite 2,15 km 2,65 km 

Grösste Tiefe 261 m 217 m 

Mittlere Tiefe 176 m 135 m 

Volumen 5,17 km^ 6,50 km^ 

Während die Oberfläche des Thunersees mehr als das l,6fache 

des Brienzersees beträgt, ist das Volumen nur etwa 1,2 mal so gross, 
was von der bedeutenderen mittleren Tiefe des Brienzersees herrührt. 
Bern, Geographisches Institut der Universität. 

Februar 1892. 

* Das statistische Jahrbuch der Schweiz Bd. II, pag. 33 (Bern 1892) gilit 
für den Brienzersee eine Oberfläche von 29,95 km* und für den Thunersee 
47,92 km^ an. Diese Zahlen sind durch die obigen zu ersetzen. 

-»•>•? o<- 



XIX. 

Die Denudation im Kandergebiet. 

Von Thcoä. Steck in Bern. 



Nirgends im ganzen Umfange des Tliunersees, in den zahlreiche 
Wasseradern von den teilweise steilen Abhängen hernnterstürzen, hat 
sich die Wirkung der Denudation oder Abtragung durch die Wasser- 
läufe so deutlich ausgeprägt wie bei der Einmündung der Kander, 
wo uns ein mächtiges Delta die fortwährend im Flussbette rollenden 
Geschiebemassen verräth. Nicht von jeher fand die Kander im jetzigen 
Gebiete des Thunersees den Ablagerungsplatz für das aus den höheren 
Gegenden des Kander- und Simmenthals entführte Material. Sie 
floss bis zum Jahre 1714 durch das jetzige Glütschbachthälchen über 
den hintern Teil der heute als Exerzierplatz benutzten Thunerallmend 
nach Uttigen, und staute mit der ihr fast gegenüber einmündenden 
ebenfalls geschiebereichen Sulg den Abüuss der Aare aus dem Thuner- 
see, die ganze Gegend zwischen ihrer Vereinigung mit der Aare und 
dem See allmählich der Gefahr des Versumpfens entgegenführend. 
Lange dauernde Beratungen der Behörden, über die wir in den 
Schriften von Koch*, Bachmann''* und Graf*** Genaueres finden, 
führten endlich zu der Ausführung eines für jene Zeit grossartigen 
Werkes, der Ableitung der Kander in den Thunersee. 

Nachdem bereits im April des Jahres 1711 ein breiter Kanal auf 
der Südseite des Strättlinger-Hügels in Angriff genommen war, der 
sich durch den ganzen Hügel bis zum See erstrecken sollte, wurde 
in Abänderung des ursprünglichen Projektes im Jahre 1712 ein Stollen 
durch den Strättlinger-Hügel getrieben, der bei dem bereits ange- 
fangenen Kanal ausmündete. Es ist nicht bekannt an welchem Tage 



* Koch, K. Bericht der Schweüeiikoimnission über die Korrektion der Aare 
von Thun bis Bern. Bern 1826. 

** Rachmann, Isidor, Die Kander im Berner 01)erhuid, ein ehemaliges 
Gletscher- und Flussgebiet. Bern 1870. 

*•"* Graf, J. H., Der Kander(bii(lisli<li Im Berner Oberland. Sciiwi i/piiscbrt 
Rundschau 1892. 



1S2 

die Kaiulor in das neue Bett eintieleitet wurde, docli scheint dies im 
Juni oder Juli 1714 vor sich i;eg'ani>en zu sein. Die zu dieser Zeit 
bedeutenden Wassermassen führten rasch eine Erweiterung' des Stollens 
herbei, die Decke desselben stürzte ein, die Seitenwände wurden 
unterfressen und nach vielfach wiederholten Einstürzen erhielt der 
Durchbruch bald die wilde Gestalt, die er jetzt hat. Den 18. Au- 
uust 1714 strömte bereits die ganze Kander in den See herab und 
ihr altes Bett lag trocken. 

Wie ein Blick auf die Karte (Blatt o");') des Siegfriedatlas) zeigt, 
hat die Kander nach dem Einleiten in den Thunersee ein nulchtigcs 
Delta in denselben hinausgeschoben. Seine über den See ragende 
Obertiäche belief sich für die Jahre 171G bis IcSo? nach den Angaben 
Bachmanns, für 1871) nach meiner Ausmessung auf der im Jahre 1.S7!) 
revidierten Karte: 

im Jahre 171(1 auf 222800 m^ 

1740 „ 478700 „ 

1777 „ (;i!)200 „ 

1857 „ (54<SO()0 ., 
„ 187!) ,, 762G00 „ 
Bachmann (1. c. p. 42) ist nun der Ansicht, dass das jetzige 
Kanderdelta ein älteres (praeglaciales) überlagere, da schon die ersten 
Messungen eine unverhältnismässig grosse Oberfläche des aus dem 
See ragenden Deltas ergaben. Nach dem gleichmässigen Gehänge 
des das Südufer bildenden Geländes zu schliessen, erscheint aber 
eine solche Annahme kaum gerechtfertigt. Sie wird auch vollkommen 
widerlegt durch eine im Originalplan für den Kanderdurchstich * 
eingetragene, in ungefähr 30 Meter vom damaligen Ufer ermittelte 
Tiefe von 20 Metern. Es ist vielmehr sicher, dass die Kander 
gerade in der ersten Zeit nach der Korrektion eine ganz gewaltige 
Geschiehemasse in den See hinausgeführt hat. Dies war bedingt 
durch das überaus starke Gefälle, das die Kander bei der Korrektion 
erhielt, fast (5,5 %• Infolge dessen grub sie in kürzester Zeit ihr 
Bett tief ein, so dass der Punkt, wo sich Kander und Simme ver- 
einigen, gegenwärtig 21 Meter tiefer liegt, als vor der Korrektion. 
Ferner wurden bei dem Strättlinger Moränenhügel gewaltige Nach- 
stürze bewirkt und endlich trug die Simme eine mächtige Geröllah- 
lagerung ab, die sich in Folge des früher unbedeutenden Gefälles 
aufwärts bis zur Simmenfluh im Laufe der Zeit angesammelt hatte **. 



* Plan- und Grundriss von dem sogenannten Kanderwasser im Dezember 
1710 durch Samuel Bodmer, Geometer. Bernisches Staatsarchiv. 

** Bachmann, die Kander pag. 26 und 27 und Karte des Simmen- und 
Kanderlaufs in Grund gelegt durch Beinhard im Sept. 1740. Bern. Staatsarchiv. 



183_ 

Alle diese bei der Korrektion nicht vorgesehenen nnd teilweise sogar 
bedrohlichen Veränderungen im Flussbett der Kander und Simme, 
die in kurzer Zeit eintraten, mussten gleich anfangs ein gewaltiges 
Anwachsen des Deltas bewirken. 

Ein lUick auf die Tiefenkarte des Thunersees zeigt uns, dass 
die Isobathen längs des südwestlichen Ufers ziemlich gleichmässig 
verlaufen und erst im Gebiete des Deltas von der Richtung des 
Ufers, das sie sonst in gleichen Entfernungen begleiten, abweichen 
und seewärts einen stark ausspringenden Bogen beschreiben. Es 
ist daher anzunehmen, dass vor der Einleitung der Kander in den 
See der Verlauf der Isohypsen im jetzigen Deltagebiet em ähnlicher 
war, wie er sich noch heute im übrigen Teil des Südwestufers dar- 
stellt. Wenn wir daher die ursprünghchen Isohypsen, wie sie vor 
der Bildung des Kauderdeltas bestanden haben dürften, dem Verlaufe 
weiter oberhalb entsprechend, als dem Ufer ungefähr parallele Linien 
rekonstruieren, erhalten wir einen Körper abgegrenzt, der uns genau 
die Form des Deltas wiedergibt und dessen Volumen wir in gleicher 
Weise bestimmen können, wie wir oben für die W^assermassen des 
Thuner- und Brienzersees angegeben haben. Ich erhielt so für die 
Masse des Deltas, das sich hier in 152 Jahren, d. h. von 1714 — ISGß 
abgelagert hatte '% den Betrag von 

r)(j,7r)(),00O m^ 

Danach betrug der durchschnittliche jährliche Zuwachs circa 
:)7M,()0i) m^ Da jedoch das Wachstum des Deltas infolge der Erosion 
im Kanderdurchstich anfänglich ganz unverhältnismässig gross war, 
so sind, um zu einem mittleren Werte für die späteren Jahre zu 
konunen, diejenigen Massen, die aus dem Nachstürzen des Strättlinger- 
hügels, der Vertiefung des Flussbettes der Kander bis Mühlenen 
einerseits und der Simme bis zur Simmenfluh, der dort bewirkten 
Abtragung aufgespeicherten Gerölles andererseits stammen, in Ab- 
rechnung zu bringen. Ich bestimmte die genannten Massen zu rund 

10,000,000 m^, 
so dass also für das aus den obern Gebieten stammende Material 
ein Betrag bleibt von 

46,760,000 m^ 
Darnach wurden aus dem Gebiete oberhalb, jährlich etwa 307,000 m^ 
herausgeschaftt. 

* Die Ermittlung der Tiefeiiverliäitnisse des Tliunersees durch die Herren 
.racky und Lindt erlolgte im Jahre 1866. Bei der im Jahre 1879 vorgenommenen 
Revision des Blattes wurden keine neuen Tiefenmessungen vorgenommen, wohl 
aber sind die Umrisse dos Deltas auf den damaligen Stand nachgetragen worden, 
wie ein Vergleich der Originalkarte mit dem Blatt 355 des Siegfriedatlas ergibt. 



184 

Kinc iHn'cehiuuig des Zuwachses des körperlichen Inlialtes des 
Kanderdeltas wilhreiid einzelner Zeitabschnitte, für welche wir leider 
nur über Ani^aben der horizontalen Ausdehnuni»- des Deltas, aber 
nicht über entsprechende Lothungen im 8ee verfügen, ist unsicher. 
Wir verzichten daher auf eine solche Berechnung, obwohl wir uns 
nicht verhehlen, dass gerade die in Zahlen gegebenen Aenderungen 
im Zuwachs des Deltas einen wichtigen Beitrag zur Bestinnnuug 
der Ablagerung und damit der Geschiebeführung während bestimmter 
kleinere Zeitabschnitte liefern würden und begnügen uns mit einer 
Schätzung. Es ergibt sich aus dem Vergleich der Oberfläche des 
Deltas in den Jahren 171(1, 1740, 1777 und 187i), dass anfänglich der 
Deltazuwachs gross war, sich aber rasch verkleinerte, was leicht 
erklärlich ist, da infolge der Korrektion die Kander eine Störung ihres 
Gleichgewichtszustandes erfuhr. Die Erniedrigung der Erosionsbasis 
belebte die abtragenden Kräfte an Stellen, wo sie vorher erloschen 
waren. Erst allmählich begann sich wieder ein Gleichgewicht her- 
zustellen und damit nahm die Geschiebeführung des Flusses ab, um 
sich einem gewissen konstanten Betrag zu nähern. 

Die oben gegebenen Zahlen für die Geschiebeführung in den See 
von 373,000 resp. 307,000 m^ per Jahr sind nur als Minima für die 
Menge des überhaupt aus dem Kandergebiet entführten Materials 
zu betrachten, da die suspendierten Sinkstoffe und alle gelösten Stoffe 
nicht im Delta zur Ablagerung kommen, sondern sich weit über den 
See verteilen und sogar von der unweit abfliessenden Aare weiter 
verfrachtet werden. 

Prof. Heim* hat bei der Betrachtung der Denudation im Reuss- 
gebiet die über den See verteilte Schlammmenge auf 7* der ge- 
samten Geschiebeführung, d, h. auf Vs der Ablagerung im Delta 
geschätzt. Machen wir dieselbe Annahme für die Kander, so er- 
halten wir für unser Gebiet einen jährlichen Abtrag von 
307^000 -\- 102,000 = 409,000 m^ 

Verteilen wir diese Massen gleichmässig über das Gebiet der 
Kander. Das Sammelgebiet derselben beträgt, mit Einschluss des 
25,95 km- messenden Daubeuseegebietes 1120,54 km^**. In diesem 
Areal sind aber selbständige Sammelbecken für das aus höhern 
Gegenden stammende Geschiebe eingeschaltet, wie das eben genannte 
Gebiet des Daubensees, dasjenige des Oeschinensees mit 17,()3 km* 



* Albert Heim: Ueber die Erosion im Gebiete der Reuss. Jahrbuch des 
Schweizer Alpenkluli, Jahrgang XIV, pag. 388. Bern 1879. 

** Bachmann 1. c. pag. 9 gibt, mit Weglassung des Daubeuseegebietes, 
1060 km*, also eine um 34,9 km- zu kleine Fläche für das Sammelgebiet der 
Kander an. 



185 

uiul endlich dasjenige des Ueschinenthälclieus mit 2,si km-. Da diese 
Becken das aus ihrem Gebiete stammende Geschiebe zurückhalten, so 
müssen wir auch deren Areale bei der Verteilung der Geschiebeführ- 
ung der Kander über deren Einzugsgebiet in Abrechnung bringen. 
Das Areal, aus dem die Kander Geschiebe in den Thunersee entführt, 
bemisst sich sonacli auf 1073,15 kni^ Infolge dessen ergibt sich auf 
den Quadratkilometer eine jährliche Abtragung von 381 m^. Danach 
bedarf es um das Sammelgebiet um einen Meter abzutragen eines 
Zeitraumes von 2G25 Jahren. Vergleichen wir diesen Wert mit dem- 
jenigen, den uns Prof. Heim für das Eeussgebiet mitteilt, nämlich 
von einem Meter in 4125 Jahren, so scheint die Uebereiustimmung 
nicht sehr gut. Ziehen wir aber, worauf es bei derartigen Bestimm- 
ungen ankommen muss, die Gesteinsbeschaffenheit und die jährliche 
Regenmenge (Ic.;! cm im Kandergebiet gegenüber 180 cm im Reuss- 
gebiet) in beiden Gebieten in Betracht, so müssen wir das Ergebnis 
als ein völlig entsprechendes bezeichnen. Während wir nämlich im 
Reussgebiet die der Verwitterung grossen Widerstand leistenden 
Urgesteine in überwiegendem Masse antreffen, kommen im Kander- 
gebiet die sedimentären Formationen (Fljschgesteine, Kreide und 
Juraschichten) in weiter Verbreitung vor. Einzig im oberen Gasteren- 
thale stehen die Urgesteine an, dagegen liefern die zahlreichen 
Schuttwälle, die von Kaudersteg bis Frutigen das Kanderthal erfüllen, 
und von Prof. Bachmann für Moränen gehalten, jüngst aber von 
Prof. Brückner als Bergstürze erkannt wurden, der Kander ein leicht 
ablösbares Material. Unter solchen Umständen muss selbstverständlich 
die Abtragung im Gebiete der Kander rascher vor sich gehen als in 
dem der Reuss. 

Die dem Thunersee durch die Kander zugeführten Geschiebe- 
massen würden genügen, um den See in ungefähr 1(),000 Jahren 
auszufüllen, sofern sich die Massen über die ganze Fläche des See- 
bodens verbreiten könnten und unter der weitern Voraussetzung, 
dass sich der Betrag der Denudation für die betreffende Zeit nicht 
ändert. 

Selbst mit Berücksichtigung des Schlammes, der im See verteilt 
wird, sind die oben gegebenen Zahlen für die Abtragung zu klein: 
denn die gelösten Gesteinsmassen sind darin nicht berücksichtigt. 
Diese Menge zu schätzen ist nicht leicht. Im allgemeinen nimmt 
man an, dass die Flüsse gelöste Substanzen im Betrage von Yuooo 
der Wassermenge mit sich führen. Da nun eine direkte Bestimmung 
der Wasserführung der Kander nicht vorliegt, so sind wir genötigt, 
vermittelst der Karte von A. Benteli über die Niederschlagsverhält- 
iiisse der Schweiz die jährliche Wassermenge zu bestimmen. Wenn 



18(5 

wir die mittlere Ueiienliöhe im Kaiuler,i4ebiet talleiule zu l,(i;; iui- 
iiehmeii, so betrügt die gesamte Menge des jjlhrlich fallenden llegens 
zirka 1, 7r)0,0( )(),()()() m^ Davon tliosscn nacii gcwölmlichcr Annahme 
70 7o' ^l- ^- ^>^'^^^ 1,'22."),()0( ),(»()() m^ ab. Diese Wassermasse führt 
204,000 Tonnen per Jahr in gelöstem Znstande aus dem Gebiete fort. 
Dieses Gewicht entspricht einer Gesteinsmasse (spec. Gew. = 2,0 gesetzt) 
von TS. :)()() m^ Es betrügt sonach die Abtragung im Jahr 
400,000 + 78,500 = 487,500 m^ 

Demnach würde die durchschnittliche jährliche Abtragung im 
Kandergebiet pro 1 km^ 45 J m^ betragen, oder es bedürfte, um das 
Kandergebiet um 1 Meter zu denudieren, eines Zeitraumes von 2203 
Jahren. 

Da Heim in seiner Arbeit über die Erosion im Ileussgebiet die 
gelösten Stoffe unberücksichtigt gelassen hat, so wollen wir unter ] 
den obigen Annahmen auch für das Reussgebiet die ganze Denudation 
bestimmen. Es beträgt nach Heim die Niederschlagsmenge im Reuss- 
gebiet ungefähr 1,070,000,000 m^ 70 7o derselben, die abtiiessen, 
führen jährlich 125,000 Toiuien d. h. 4s,ooo m^ gelöste Stoffe lort. 
Mit Berücksichtigung der gelösten Stoffe wird also die Abspülung auf 
jeden der 825 Quadratkilometer des Reussgebietes 800 m^ betragen, 
oder es würde sich das ganze Reussgebiet in or};];] Jahren um 1 Meter 
erniedrigen. 

Die Intensität der Denudation, die uns für das Kander- und 
Reussgebiet durch die Anzahl der Jahre gegeben wird, die nötig 
sind, um die ganze Fläche um 1 j\Ieter zu erniedrigen, scheint im 
obern Rhonegebiet noch grösser zu sein. Nach Forel* soll es sogar 
bloss 1500 Jahre bedürfen, um die Gegend oberhalb der Einmündung 
der Rhone in den Genfersee um 1 Meter abzutragen. Diese Zahl 
scheint mir nicht ganz einwurfsfrei, da sie unter der Voraussetzung 
gefunden wurde, dass die Führung von grobem Geschiebe in der 
Rhone derjenigen bei der Reuss proportional war. Das ist nicht sehr 
wahrscheinlich, weil die Rhone weit grösser ist als die Reuss und 
bei grossen Flüssen das grobe Geschiebe, das auf der Sohle bewegt 
wird, immer relativ viel geringer ist als bei kleinern. 

Die Bestimmung der Intensität der Denudation im Gebiete der 
Kander gibt uns Veranlassung, noch einer anderen Frage näher zu 
treten. 

Es unterliegt keinem Zweifel, dass die Becken des Thuner- und 
Brienzersees in früherer Zeit in offenem Zusammenhang gestanden 

* Forel. Le Leman t. I. jwg. 376. Lausanne 1892. 8". 



187_ 

haben und dass die l)reite Verbindung beider durch die Ablagerung- 
der Geschiebe der Lütschine von Süden und des Lombachs von Noi'd- 
osten her gestört wurde, so dass sie heute auf den Aarlauf beschränkt 
ist. Das Bödeh, das als eine ausgedehnte Fläche heute die Seen trennt, 
ist als Deltabildung der genannten Gewässer zu betrachten. Die Grenze 
dieser Delta lässt sich allerdings nicht mit Sicherheit ziehen. Wahr- 
scheinlich ist, dass eine kleine Ausbuchtung des Sees gegen Gsteig 
hin auf der Südseite und eine solche gegen den Schuttkegel des 
Lombachs auf der Nordseite vorhanden war. Doch kann man an- 
nähernd die Konfiguration des Seebeckens vor Aufschüttung des 
Bödelis rekonstruieren. Denn da die Höhenlage des Bodens (35(> 
und 330 Meter) der beiden Seen auffallend gleich ist, so dürfte der 
Boden des Brienzersees sich unmittelbar in den des Thunersees fort- 
gesetzt haben: es wurde daher die Höhe des alten Seebodens im 
Verbindungsstück auf 340 Meter geschätzt und die Seitenböschungen 
entsprechend denjenigen im Brienzer- und Thuuersee gedacht. Die 
in beiden Seen gegebenen Isohypsen wurden daher einfach dem- 
entsprechend verbunden. Den körperlichen Inhalt der so abgegrenzten 
Aufschüttung bestimmte ich zu 2,32 km^. Unter der Annahme, dass 
auch für das Lütschine- und Lombachgebiet der für die Kander 
gefundene jährhche Betrag der Geschiebeführung (mit nur teilweiser 
Berücksichtigung der suspendierten Sinkstoffe) von zirka 300 Kubik- 
meter pro Quadratkilometer des Einzugsgebietes Geltung hat, kommen 
wir für das Lütschine- und Lombachdelta mit 340,6, resp. .50,6 km* 
Einzugsgebiet auf einen jährlichen Zuwachs von zirka 120,000 m^. 
Um also die heutige Masse des Bödeli aufzuschütten, bedürfte es 
eines Zeitraumes von ungefähr 20,000 Jahren. 

Ein Analogon zum Bödeli treffen wir am obern Ende des Brienzer- 
sees. Derselbe wird von einer Alluvion begrenzt, die sich von Mei- 
ringen weg in einer Länge von 10,8 km und einer durchschnittlichen 
Breite von 1,2 km ausdehnt. Hier fliesst jetzt die Aare in einem 
künstlichen Kanal durch die ausgedehnte Ebene, die sie früher viel- 
fach ihren Lauf verlegend, geschaffen hat. Denn es ist sicher, dass 
dieses Gebiet einstmals den obersten Teil des Brienzersees in Form 
einer schmalen Zunge gebildet hat. Lassen wir die Isohypsen in 
ähnlicher Weise wie im jetzigen Brienzersee auch in dieser Alluvion 
bis gegen Meiringen verlaufen, so erhalten wir wieder einen Körper, 
dessen Inhalt sich bequem in der früher angegebenen Weise fest- 
stellen lässt. Das Volumen dieser Auffüllung bestimmte ich zu 
2,2 knil Da das Einzugsgebiet der Aare bis zum Brienzersee sich 
auf 611,2 km^ beläuft, so kommen wir auf einen jährlichen Zuwachs 
der Alluvion von 1 ;;;'),( loo m'\ wenn wir wegen der nun schon in 



btHleuleiidciii Masse voiiiciTsdienden Urgesteiiismasseu das Mittel aus 
dem von Prof. Heim für das Keiiss,i>el)iet und von mir für das Kander- 
gebiet gefundenen Betrag der Denudation mit 250 m^ pro Quadrat- 
Idlometer als massgebend annehmen. Es bedurfte demnach eines 
Zeitraumes von 14,000 bis 15,000 Jahren, um das Ufer des Brienzer- 
sees vom Kirchet bis zu seiner jetzigen Lage zu verscliieben. Berück- 
sichtigen wir, dass oberhalb des Kirchet das Becken von Ilasle im 
Grund mit den Geschieben der Aare und deren Nebenflüssen aus- 
gefüllt ^Yurde, ehe die Ausfüllung der Meiringerbucht des Brienzer- 
sees begann, so lässt sich wohl sagen, dass der Beginn der An- 
schwemmungen oberhalb des Brienzersees und derjenigen beim l^ödeli 
ungefähr in die gleiche Zeit fällt. In dieser Zeit müssen jene Gebiete 
bereits eisfrei gewesen sein. Die diluvialen Gletscher waren also 
bereits verschwunden oder doch stark verkleinert. Daher , stellen 
uns jene Zahlen eben ein Minimum für die Dauer der Postglacial- 
zeit dar. 

Bern, Geographisches Institut der Universität. 

FeJiruar 1892, 



<^^^^ 



XV. 

Ueber die 

angebliclie Aenderung der Entfernung zwischen Jura und Alpen.' 



Von Prof. Df. Ed. Brückner. 



Die Veranlassung zu der vorliegenden kleinen Untersuchung gab 
eine Bemerkung in C. Schmidts vortrefflicher, populärer Zusammen- 
fassung „zur Geologie der Schweizer Alpen'^*='= Seite 50 spricht Schmidt 
von der Fortdauer der Gebirgsbildung im Gebiete der Alpen und des 
Jura, auf die sich die meisten schweizerischen Erdbeben zurückführen. 
„Die dadurch hervorgerufenen allmählichen Niveauveränderungen — so 
fährt er fort — sind freilich meist zu gering, um in dem kurzen Zeit- 
raum, aus welchem uns einschlägige geodätische Beobachtungen zur 
Verfügung stehen, besonders hervortreten zu können. Bei der neuern 
Revision einer vor etwa 30 Jahren ausgeführten Messung des Dreieckes 
Lägern-Rigi-Napf hat sich allerdings gezeigt, dass die Entfernung 
dieses Juraberges von den beiden Voralpengipfeln in den ?>() Jahren 
sich um ca. 1 m verringert hat," Der letzte Satz führt sich auf A. Heim 
zurück, der ihn mehrfach in seinen Vorlesungen ausgesprochen und 
auch an einigen Stellen publiciert hat. *** Darnach wäre hier zum 
erstenmal durch strenge Messungen eine Aenderung der Lage zweier 
Gebirge zueinander infolge allgemeiner tektonischer Vorgänge nach- 
gewiesen. Bei dem grossen Interesse und der Tragweite dieses 
Schlusses schien mir eine genaue Untersuchung des zu Grunde 

* Vortrag, gehalten am 17. Dezember 1892 in der Berner Naturforschenden 
Gesellscliaft. Vgl. das Protokoll in den Mitteilungen der Bei'ner Naturforschenden 
Gesellschaft aus dem Jahr 1892, S. XXI. 

** Basel, 1889. 

*** So in A. KirchhofTs Länderkunde von Europa, Band II. S. 355; ausführ- 
licher im Aufsatz: Zur Prophezeihung der Erdbeben. (Vierteljahrsschrift der 
Naturforschenden Gesellschaft in Zürich, 32. Jahrgang, 1887, S. 133 f.) Von hier 
ist die Behauptung in verschiedene Aijhaiidlungen übergegangen, z. B. auch in 
„Himmel und Erde" V S. 127. 



190 

lieiiciiileii Materiales auf .seine Beweiskraft liin wiciitig' zu sein. Da- 
bei habe ich niieli nicht auf das Dreieck LJlgern-Napf-lligi l)eschränkt, 
sondern auch die andern Dreiecke /wisclien -Iura und Alpen in den 
Kreis meiner Detrachtung gezogen. 

Zunächst einige Worte über die Geschichte der Vermessungen! 
Die alte Trianguhition der »Schweiz erstreckte sicli über einen lungern 
Zeitraum und wurde von mehreren Beobachtern ausgeführt; sie hatte 
den Zweck, der Karte im Massstab 1 : 10(),()00 (Dufourkarte) als 
Grundlage zu dienen. Die Dreiecke der westlichen Schweiz, von der 
Linie Chasseral-Belpberg nach SW, waren schon l.s21 und 1822 durch 
IL Pestalozzi gemessen worden. 14 Jahre später, 1835 und 18.30,. 
wurden dann durch Eschmann und Buchwalder die Winkel der übrigen 
Dreiecke zwischen Alpen und Jura revidiert, nachdem sie schon vorher 
mit weniger guten Instrumenten bestimmt worden waren. Die Beob- 
achtungen dieser Revision sind es allein, die Eschmann in Verbindung 
mit den Beobachtungen Pestalozzis in der Westschweiz publiziert hat. * 
In den Sechziger- und Siebenzigerjahren wurde auf Veranlassung der 
schweizerischen geodätischen Kommission ein neues Dreiecksnetz 
vermessen. An den Beobachtungen beteiligten sich vor allem die 
Herren Denzler, Gelpke, Jacky, Lhardy und Lechner, ausserdem auch 
noch die Herren Stambach, Pfändler, Haller, Koppe und Scheiblauer.''^* 
Während man als zeitliches Centrum der ersten Triangulation das 
Jahr 1830 oder 1835 betrachten muss, gilt als Centrum der neuen 
das Jahr 1870. Wenn nun ein Vergleich der Resultate dieser beiden 
Triangulationen gesetzmässige Differenzen ergeben würde, die sich 
nicht auf Fehler zurückführen lassen, so müssten wir in der That 
unbedingt auf Verschiebungen der Erdkruste schliessen, die sich 
innerhalb der 35 bis 40 Jahre vollzogen haben würden. 

Die Zahl der Dreiecke in den beiden verschiedenen Netzen erster 
Ordnung ist verschieden. Das alte Netz enthält deren weit mehr 
als das neue. Im alten Netz treten als Eckpunkte von Dreiecken 
folgende Bergspitzen auf, die im neuen fehlen : Mont Tendre, Chasseron, 
Montoz, Römel, Moleson, Belpberg etc. Dafür enthält das neue Netz 
die Punkte Colombier, Trelod, Colonne und Naye, die im alten nicht 
vorhanden sind. Daher ist nur ein Teil der Dreiecke beiden Netzen 
gemeinsam. Selbstverständlich können uns hier nur diese angehen. 
Es sind die Dreiecke, deren Ecken durch folgende Punkte repräsen- 
tiert werden: 



* Eschmann : ErgeJjnisse der trigonometrischen Vermessungen in der >! 
Schweiz. Zürich 1840. 

** Das schweizerische Dreiecksnetz, herausgegeben von der schweizer, 
geodätischen Kommission. Bd. I— V. Zürielj, 1881—1890. 



1!»1 



lui Jura: Dole Kisoj m, Suchet 15Uü,.s m, Chasserai IGoo.c. iii, 
Röthiriiih lo!)8,l m, Wiesenberg 1004,3 m, Lagern 857,() m. 

In den Alpen: Berra 1722,(i ni, Napf 1408,4 m, Kigikulm 1800,4 m, 
Hörnli 1 '253,1 m. 

Ueber die Lage der einzelneu Punkte und die durch sie bestimmten 
Dreiecke gibt die beistehende kleine Skizze Aufschluss. 











Lagern 




^ 


Wiesen ber^ 




/ \ ■'-^„..^orn// 


^ Chasserai^ 


Röthiflüh 


<^ 




\\/ 


^^ 1 


\ 






Suchet^^ 


\i 


X 


Mpf 

? 


/ 


^^„„"-^^ Berra 


V 


Das Dreiecksneti zwischen 


/ ^^-^"^^^^^^ 


^ 






ALPEN und JURA 


"^^ 






l'.rBJSOOO 



Eine Frage von fundamentaler Bedeutung ist zunächst zu be- 
antworten, ehe wir an den Vergleich selbst uns machen können: 
Fallen die Centren der Stationen des neuen Netzes genau mit den 
alten Centren zusammen? Nur dann, wenn das der Fall ist, lassen 
sich überhaupt Schlüsse ziehen. Ich habe mich deswegen an das 
eidgen. topographische Bureau in Bern gewendet und von Herrn 
Ingenieur Jacky, der zum grossen Teil die neuen Beobachtungen selbst 
ausgeführt hat, in zuvorkommender Weise alle Aufschlüsse erhalten, 
deren ich bedurfte. Herr Jacky hatte die grosse Liebenswürdigkeit, 
auf Grund des Aktenmaterials im eidgen. topographischen Bureau eine 
Vergleichung der alten Eschmannschen Stationscentren mit den neuen 
Gradmessungscentren durchzuführen. Er schreibt mir darüber: 

„Nach meinen letzten Untersuchungen (November 1802) sind 
die Stationscentren bei nachfolgenden Punkten identisch (mit Aus- 
nahme des Hörnli): 
I. I)6le. Der neue Signalstein (Granit) vom !). Oktober Ls^3 wurde 

genau an Stelle des alten durch Jacky und Grivaz entfernten 

Steines gesetzt. 



102 

■J. Suchet. Der neue Sigiialsteiii wurde am iM. Okt,o1)er iss;; durcli 
Grivaz genau au Stelle des alten versetzt, und jener zerschlagene 
am !). September 1S!)1 durch Jacky mit einem Magenwyler in 
derselben Vertikalaxe ersetzt. 

8. Chasseral. Der neue Signalstein und Pfeiler vom IT). September 
1880 wurde an Stelle des alten durch Jacky genau in der Vertikal- 
axe des alten Eisendornes gesetzt. 

4. Röthißuh. Der neue Pfeiler wurde durch Denzler genau an Stelle 
des alten Signalsteines gesetzt. 

■>. Wiesenberg. Der neue Pfeiler vom 2!). April 1868 wurde durch 
Denzler ohne Zweifel genau an Stelle des alten Signalsteines 
gesetzt; doch ist das nicht schriftlich dokumentiert. 

(i. Lägern. Das alte und das neue Centrum (Wachthaustürmchen, 
später Pfeiler) sind ohne Zweifel derselbe Punkt. 

7. Berra. Kopfmitte des alten Signalsteins = Stationscentrum. 

8. Napf. Ob der alte Signalstein LSG!) durch Gösset genau durch 
den neuen Pfeiler ersetzt worden ist, ist wahrscheinlich, doch 
nicht schriftlich dokumentiert. 

!». Bigi. Altes und neues Centrum sind nach schriftlicher Mitteilung 

Denzlers mit grösster Wahrscheinlichkeit gleich. 
10) Hörnli. Das alte Centrum lag 0,133 m unter Azimuth v. G° 54' a/Th. 

südlicher als das neue Gradmessungscentrum." 

Soweit die Mitteilungen des Herrn Jacky. Aus ihnen geht hervor, 
dass von dieser Seite dem Vergleich der beiden Netze nichts im Wege 
steht; nur beim Ptigi und Napf ist das Zusammenstellen des alten 
und des neuen Centrums nicht absolut sicher, sondern nur wahr- 
scheinhch. Beim Hörnli ist der Abstand der beiden Centren bekannt 
und lässt sich daher in Rechnung ziehen. 

Eine andere Frage betrifft die Genauigkeit der Beobachtungen. 
Dass die neuen Winkel-Beobachtungen allen Anforderungen, die man 
heute zu stellen gewohnt ist, entsprechen, braucht nicht erst erwähnt 
zu werden. Da die einzelneu Winkel aus vielen Beobachtungssätzen 
verschiedener Beobachter mit verschiedenen Instrumenten gewonnen 
wurden und jeder Satz wieder eine Reihe v^n Einzelbeobachtungen 
umfasst, so sind die definitiven Winkel jedenfalls sehr genau; die 
ganzen Sekunden sind absolut sicher.* Dagegen lässt sich über die 
Genauigkeit der Eschmannschen Winkel direkt kein Urteil gewinnen. 
Eschmann sagt zwar, der wahrscheinliche Fehler jedes einzelnen 
Winkels erreiche nie den Wert einer Sekunde. ** Allein da an jeder 



* Vgl. hierüber „Das Schweizerische Dreiecksnetz" Bd. 1. 
** a. a. 0. S. 64. 

* Eschmann a. a. 0. S. 68. 

** Das schweizerische Dreiecksnetz etc. V. Band, S. 177 und 179. 



193 

Station nur ein Beobachter mit einem Instrument beobachtete, so 
sind in jenem wahrscheinlichen Fehler die Instrumentsfehler mit 
eingeschlossen. Die benutzten Instrumente werden uns allerdings als 
zuverhissig geschildert; doch halten sie jedenfalls den Vergleich mit 
den modernen Instrumenten nicht aus. Eschmann beobachtete z. T. 
mit einem zwölfzölligen, z. T. mit einem achtzölligen Theodoliten von 
Stark, Buchwalder mit einem zehnzölligen Kreis von Gambey und 
Pestalozzi mit einem achtzöUigen Theodoliten von Keichenbach. Wir 
werden Gelegenheit haben, im Verlauf unserer Untersuchung Schlüsse 
auf die Güte dieser Instrumente zu ziehen. 

Weniger sicher sind die Resultate der Messungen der Basis- 
linien, besonders der Messung der alten Basis bei Aarberg. Glück- 
licherweise ist diese Fehlerquelle für unsere Frage gänzlich ohne 
Bedeutung, sobald wir nicht die Dreieckseiten zum Ausgangspunkt 
des Vergleiches machen, sondern die Winkel. Diese Frage leitet uns 
über zur Besprechung der bei der Vergleichung zu befolgenden 
^lethode. 

^lan könnte in der That zuerst geneigt sein, direkt die Dreiecks- 
seiten mit einander zu vergleichen, wie sie in Eschmanns Werk 
und im abschliessenden Band des schweizerischen Dreiecksnetzes 
publiziert sind. Doch ist das nicht statthaft ; denn in den Seiten- 
längen Eschmanns steckt eben der Fehler der alten Basismessung: 
Die von Eschmann zu Grunde gelegte Basis ist etwas zu klein. 
Em diesem Fehler aus . dem Wege zu gehen, hat die geodätische 
Kommission den Fehler der Eschmannschen Basis zu bestimmen ge- 
sucht. Das geschah mit Hülfe der im alten wie im neuen Netz als 
.\nschlussweite vorkommenden Strecke Chasseral-Röthittuh. Eschmann 
hatte ihre Länge auf Grund seiner Basis zu 38 128,66 m gefunden; die 
neue Berechnung auf Grund der Vereinigung der drei neuen Basislinien 
bei Aarberg, Weinfelden und im Tessin ergab 38 120,46 m. Daraus 

wurde der Felder der alten Basis zu ,^^^, berechnet, d. h. es sind 
die Eschmannschen Seitenlängen um -7.=7r^rr^ ihres Wertes oder ihre 

^ 4/Ü61 

Logarithmen um Ol Einheiten der 7. Decimalstelle zu vergrössern, 
um den Basisfehler zu eliminieren. Das hat die geodätische Kom- 
mission bei dem von ihr durchgeführten Vergleich der Resultate der 
alten und der neuen Triangulation gethan. Da auch dieses Verfahren 
für unsere Zwecke unbrauchbar ist, verzichten wir hier auf eine 
Wiedergabe der ganzen Tabelle; man findet sie im V. Band des 
,,Schweizerisclien Dreiecksnetzes" S. 171. Wir begnügen uns damit, 
die Seitenlangen für das Dreieck Lägern-Napf-Rigi aufzuführen. 

XI. Jahrosberii'ht d. Geogr. Ges. v. Bern. IWM— 1X92. !?> 



r.ti 







r,;iiig 


( ■ (IUI 






|)i('i('cl\s>fit(^ 


iKich (i. lU'Ui'U 


iiucli il. ;ilteii 


Uitlciviiz 


iiai'li 


ItilVcrenz 




Netz 


auf die neue 

Basis reduz. 

Netz 




KscliMiann 
direkt 






A. 


B. 


A— B. 


C. 


A-C. 


Lägoni-Xapf 


63 552,33 


iVd 550,18 


+ 2.15 


63 548.86 


+ 3,47 


Lägern Rigi 


47 GG0.41 


47 059.76 


+ 0,52 


47 058,67 


-h 1.74 


Rigi-Napl" 


•11808,03 


41 807,51 


+ 0,65 


41 805,65 


-4- 2.38 



Alle diese Zahlen, mögen wir nun direkt die Esclimannschen 
Seiten nehmen oder die reduzierten, weisen auf eine Vergrösserung 
der Entfernungen zwischen den drei Eckpunkten des Dreiecks hin. 

Allein auch der Vergleich der reduzierten alten Seiten mit den 
neuen ist für die vorliegende Frage nicht ausschlaggebend; er zeigt 
zwar im wesentlichen an, wie weit das alte und das neue Dreiecks- 
netz mit einander übereinstimmen, gestattet aber nicht auf Ver- 
änderungen in der Zwischenzeit zu schliessen. Der Grund hiefür 
liegt auf der Hand. Das Dreiecksnetz ist ausgeglichen. Diese Aus- 
gleichung ist nötig, um die Ergebnisse für die Karte brauchbar 
zu machen. Sie hat den Zweck, die Fehler zu verteilen und dadurch 
die Diskontinuitäten, die selbstverständlich in der Karte nicht vor- 
kommen dürfen, zu eliminieren. Die ausgeglichenen Werte sind die 
wahrscheinlichsten, wie sie sich aus dem vorliegenden Beobachtungs- 
material durch Eliminierung aller Fehler ergeben. Die Fehler be- 
stehen nun aber nicht etwa nur aus Beobachtungsfehlern ; im Gegenteil, 
die Güte der Instrumente und die Sorgfalt und Zahl der Einzel- 
beobachtungen, die dem neuen Netz zu Grunde liegen, lassen grössere 
Beobachtungsfehler als sehr unwahrscheinlich, ja eigentlich unmöglich 
erscheinen. Viel wichtiger ist die Eliminierung der Fehler, die aus 
Störungen entstehen, die ausserhalb des Beobachters und seines 
Instrumentes liegen. Die aus der Witterung und der von ihr ab- 
hängenden Refraktion entspringenden Fehler lassen sich allerdings 
durch eine geeignete Auswahl der Tage und Stunden für die Beob- 
achtungen unmerklich machen. Dagegen ist das mit dem Einfluss der 
Lotabweichungen infolge der lokalen Attraktion der Gebirgsmassen 
nicht möglich. Schon Eschmann hat die sich bei den Dreiecksschlüssen 
ergebenden Feliler zum Teil den Lotabweiclmngen zugeschrieben und 
damit sicher das richtige getroffen ; denn die Lotabweichungen beein- 
flussen die Aufstellung des Theodoliten und daher auch die Winkel- 
messungen. Die Grösse dieser Störung ist für die einzelnen Stationen 
noch ganz unbekannt; sie ist es hauptsächlich, die man durch die 
Ausgleichung zu beseitigen strebt. Die Art und Weise der Ausgleichung 



195 

bringt es nun mit sieb, dass jede neue Basismessung, ja jede neu hinzu- 
tretende Beobachtungsstation eine Verschiebung der Werte verursacht. 
Daraus geht hervor, dass sich für unsere Frage mit ausgeglichenen 
Werten gar nichts machen hisst. Einzig und aUein die Vergleichung 
der Winkel, wie sie sich direkt aus den Beobachtungen ergeben, kann 
zum Ziel führen. 

Ein solcher Vergleich ist in der nachfolgenden Tabelle für die 
Dreiecke zwischen Jura und Alpen durchgeführt worden. 

Die Beobachtungen wurden so angeordnet, dass die parallaktischen 
Winkel für die gleiche Strecke, aber von verschiedenen Stationen aus 
gemessen, zusammengestellt wurden. Bei den Differenzen ,,neue 
Messung — alte Messung" bedeutend + eine eingetretene Ver- 
grösserung des Winkels, also auch der Strecke, — eine Verkleiner- 
ung beider. 

Winkel 



Visierte Strecke Beobacli- nacii Escinnann nach d. neuen Differenz 

tungsstation Messung 

E. N. N.-E. 

I. Dreiecksseiten zwischen Jura und Alpen. 



Döle-Berra 


Suchet 


115° 24' 


34,S" 


115» 24' 


29,8" 


+ 


5.0" 


Suchet-Berra 


Chasseral 


59« 14' 


m.\j" 


59" 14' 


50,2" 


+ 


o..:i 


Ciiasseral-Berra 


Suchet 


52" S6' 


3S.G" 


52° 36' 


32,6" 


- 


6.0" 


Ciiasseral-Xapf 


R.lthitluh 


11G° 49' 


41.9" 


116° 49' 


41.9" 




0,0" 


RöthilluliBerra 


Chasseral 


100" 54' 


17.7" 


100° 54' 


18,5" 


+ O.S" 


Röthifkih-Napf 


Wiesenberg 


64" 50' 


53,2." ') 


64° 50' 


52,9" 


- 


0,3" 


Röthilluh-Rigi 


f W'iesenberg 
1 Napf 


109" 18' 
129» 25' 


29.0" 
10,9" 


109" 18' 
129° 25' 


31.1" 

8,9" 


-f- 


2,1" 
2.0" 




( Röthifluli 
Lägern 


73" 4' 


56.3" 


73° 4' 


54,5" 


- 


1,8" 


Wiesenberg-Napf 


44" 4' 


46,8" 


44° 4' 


46,0" 


- 


0.2" 




1 Rigi 


48" 11' 


33,5" 


48° 11' 


34,0" 


+ 


0.5" 


Wiesenberg-Rigi 


\ Lägern 
\ Napf 


85° 17' 
87° 20' 


15.1"-) 
55,1" 


85° 17' 
87" 20' 


14,8" 
53,0" 


— 


0.3" 
2,1" 


Lägern-Napf 


j Wiesen) )erg 


97" 9' 


33.3" 


97" 9' 


31.3" 


- 


2.0" 


t Rigi 


90° 12' 


25.1" 


90° 12' 


' 28,2" 


+ 


0,1" 




I Wiesen berg 


52° 41' 


57,3" 


52° 41' 


55,4" 


- 


1.9" 


Lägern-Rigi 


Napf 


48° 35' 


11.0" 


48° 35' 


6,9" 


- 


4.1" 




1 Hörnii 


62° 4' 


43.0" 


62° 4' 


43,4" 


+ 0,4"^) 


Lägerii-Hörnli 


Rigi' 


52° 14' 


25,4" 


52" 14' 


25,6" 


+ 0.2" 3) 



*) Nach Eschrnann S. 9; dagegen nach S. 68 52,8", was die UifTerenz -f o.l" 
ergeben würde. 

'^) Nach Escinnann S. 11 ; dagegen nach S. 08 15.7", was die Differenz — 0,9" 
ergeben würde. 

^) Bei Berücksichtigung der Verlegung des Centrunis der Station vergrössern 
sich die Sekunden dieser Difl'erenzen um 1 bis 3 Einheiten der ersten Decimale. 



lit(i 
II. Dreiecksseiten im Jura. 

Suoliet-Cliasisoral lloira 68" 8' 41,3" CS" .S' 42,5" -f- 1,2" 

Röthitluli-Wiesenberg .Napf 42" 4' 15.8" 42" 4' 15,9" -1- U,l" 

f Xapf ::5s'i 45' 44,1" 38" 45' 46,1" + 2.0" 

Wios.'HlM.i-fV-I.a-rni -j |,_ ^.^„ 0' 51,G" 42" 0' 54,2" + 2,<i" 

III. Dreiecksseiteil in den Alpen. 

,. . ( Wiesen) )erg 44» 27' BG.O" 44» 27' 35,7" —().:;" 

^"''' '"^' i Lägern 41" 12' 2'J,4" 41» 12' 28,3" — 1.1" 

Rigi-H.irnli I.rigorn 05» 40' 50.1" 05" 40' 55,7" — 0.4" ») 

Ueberblicken wir die Tabelle, so erkennen wir, dass ein be- 
stimmtes Gesetz in den Differenzen der alten und der neuen Winkel 
fehlt. Die Parallaxen der Dreiecksseiten zwischen Jura und Alpen 
scheinen zum Teil vergrössert, zum Teil verkleinert. Doch wäre es un- 
richtig, wenn man alle positiven Differenzen als Vergrösserungen und 
alle negativen als Verkleinerungen auffassen Avollte. Da die neuen 
Winkel die ganzen Sekunden genau geben, die alten aber jedenfalls 
einen geringeren Grad von Genauigkeit besitzen, so können überhaupt 
nur die Differenzen als reell betrachtet werden, die mehr als 1,0" 
betragen. Winkel, bei denen die Differenzen zwischen + 1,0" und 
— 1,0" liegen, müssen als gleich betrachtet werden. Derücksichtigen 
wir dieses, so sprechen 

Zwisclicn Jura u. Alpen 
für Vergrösserung der Entfernung 4 

„ Gleichbleiben „ ., 8 

., Verkleinerung „ .. 7 

Die Differenzen, die für ein Gleichbleiben der Winkel sprechen, 
überwiegen also durchaus über die, die eine Veränderung andeuten. 
Unter diesen haben die Winkel, die für eine Verkleinerung der Ent- 
fernung sprechen, bei den Strecken zwischen Jura und Alpen das 
Uebergewicht, im Jura dagegen die für eine Vergrösserung sprechenden. 
Doch darf dieser Erscheinung keine reelle Bedeutung zugemessen 
werden; das zeigt schon ein Vergleich der Aenderungen, die die 
Parallaxen der gleichen Strecke, aber von verschiedenen Punkten 
aus gesehen, erfahren haben. 

Betrachten wir die Seiten des Dreiecks Rigi-Lägern-Napf. Die 
Parallaxe der Strecke Lägern-Napf hat sich vom Rigi aus gesehen 
um o,l" vergrössert, vom Wiesenberg aus gesehen aber um 2,0" 
verkleinert. Die Strecke Lägern-Rigi ist vom Hörnli gesehen gleich 
geblieben, dagegen vom Napf und Wiesenberg gesehen kleiner ge- 
worden. Solche Widersprüche kehren auch bei andern Strecken 
wieder, so bei der Strecke Röthiffuh-Rigi ; hier sind allerdings die 
Dreiecke sehr schlecht gebaut. Aber auch die gut gebauten Dreiecken 



Jura 


in den Alpen 


Summe 


?j 





7 


1 


2 


11 





1 


8 



I 



197 

anseliöreiiden Strecken Wiesenberg-Napf und Wiesenberg-Rigi zeigen 
die gleiche Ersclieinung. Alles das deutet direkt darauf, dass die 
Differenzen offenbar nur auf Instrumentalfebler der alten Triangu- 
lation zurückzuführen sind. Nur beim Rigi scheint auch noch etwas 
anderes in IJetracht zu kommen. Hier weisen nämlich die Beob- 
achtungen der Strecke Röthifluh-Rigi, Wiesenberg-Rigi und Lägern- 
Rigi häutiger auf eine Verschiebung nach Westen hin, als auf eine 
nach Osten. Da jedoch für den Rigi, wie wir oben sahen, das Zu- 
sammenfallen des Eschmannschen und des neuen Stationscentrums 
nicht absolut sicher ist, so können wir hieraus nur auf eine geringe 
Verlegung des Standorts um noch nicht Va ^^i nach. Westen schliessen, 
keineswegs aber auf eine Bodenbewegung. Lassen wir alle Strecken, 
in denen der Rigi als Endstation vorkommt, fort, so sprechen drei 
Winkel für Vergrösserung der Entfernung zwischen beiden Gebirgen, 
sechs für ein Gleichbleiben und drei für eine Verkleinerung. Diese 
symetrische Verteilung der positiven und negativen Differenzen kann 
nur als ein Anzeichen dafür angesehen werden, dass die Entfernung 
beider Gebirge von einander sich nicht geändert hat. Wir müssen 
also unser Resultat dahin präzisieren: 

Ein Vergleich der aus den Beohachtungen direkt, ohne Ausgleichung 
abgeleitetenWinkel der cdten und der neuen Triangulation, ivie er allein 
für unsere Frage massgebend sein kann, ergibt gar keine Anhalts- 
punkte, die einen Schhiss auf eine lokale oder allgemeine Verkürzung 
der Entfernung stoischen Alpen und Jura gestatten ivürden. 

Unser Resultat ist negativ ; die alten Beobachtungen haben sich 
als nicht genau genug erwiesen, um solche Schlüsse zu ziehen, wie 
sie Heim und Schmidt gezogen haben, Dass gleichwohl die von ihnen 
verfolgte Methode des Vergleiches der Ergebnisse von Triangulationen 
aus verschiedenen Zeiten einst solche Aenderungen ergeben und uns 
in dieser Weise direkt die Vorgänge der Gebirgsbildung offenbaren 
wird, darüber kann kein Zweifel bestehen.* 



* iJie vorliegende Untersucliung war bereits abgeschlossen, als mir Herr 
Prof. Heim schrieb, er halte gegenwärtig nicht mehr so unbedingt an der Ver- 
schieljung fest, auf die ihn Herr Dr. Koppe, der Geodät der Gotthardttunnelaxe 
aufmerksam gemacht liabe. sondern gebe, veranlasst durch Aeussorungen des 
Herrn Dr. Messei'schmidt, die Möglichkeit von Instrumentfehlern zu. 



XVI. 

Die Sclmeegrenze im Triftgebiet. 

\ 011 11. H. Zeller in IJerii, 



(nhnlt: Begriff der Sclmeegrenze. Die Methoden ihrer Bestimmung. Die Höhe der Schneegrenze eines 
Gletfchers ist glcii'h der mittleren Höhe seiner Oberfläche. Kartenmaterial des Triftgebietes. 
Messung der Flächen und Bestimmung der mittleren Höhe. Orographie des Triftgebietes. 
Schneegrenze im Triftgobiet 2750 m. Vergleich mit der Finsteraarhorngruppe. Einfluss 
der Exposition. Als Ursache des tiefen Standes im Triftgebiet die geringere Massigkeit der 
Erhebung. Einfluss der Gletschergrösse auf die Höhe der Schneegrenze. Kleine Gletscher 
extrem. Schluss: Rückblick auf die Ergebnisse. 



Die Schneegrenze ist die untere Grenze der dauernden Sclinee- 
bedeckung oder die durchschnittliche äusserste Meereshühe, bis zu 
welcher im Sommer die zusammenhängende Schneedecke zurück- 
weicht. Im engern Sinne verstehen wir darunter die klimatische 
Schneegrenze, d. h. jene Linie, welche uns die untere Grenze der 
dauernden Schneebedeckung unabhängig von der orographischen Be- 
günstigung oder Benachteiligung angibt. Das ist, wie Richter* zuerst 
hervorgehoben hat, nur auf horizontalen Flächen der Fall; daher 
definiert er die klimatische Schneegrenze als diejenige Isohypse, an 
der auf horizontalen Flächen der im Laufe eines Jahres fallende 
Schnee gerade geschmolzen oder gerade nicht mehr geschmolzen 
wird. Infolge des Fehlens von horizontalen Flächen in den Gebirgen 
und des ausserordentlich wechselnden Gebirgsbaues lässt sich frei- 
lich die klimatische Schneegrenze in der Natur nur selten, in den 
Alpen überhaupt nicht direkt beobachten. Daher ist es sehr schwer 
einen von den orographischen Verhältnissen möglichst unabhängigen 
Wert für die klimatische Schneelinie zu gewinnen. 

Die ersten Versuche die Schneegrenze zu bestimmen reichen 
in das 18. Jahrhundert zurück. Der französische Physiker Bouguer^'* 



* E. Richter, die Glet.sclier der Ostalpen. Stuttgart 1888. pag. 278. 

** A. V. Humboldt, Centralasien. Berlin 1844. II. Bd. pag. 160. Vergleiche 
für die früheren Zeiten Fr. Klengel, Die histor. Entwicklung des Begriffs der 
Schneegrenze von Bouguer bis auf A. v. Hunibohlt, 1730—1820. Mitt. des Ver. f. 
Erdkunde zu Leipzig, 1889. 



109 

l'ührte den Begriff der Sclineegrenze in die Wissenschaft ein als 
jener Linie, welche die überwiegend mit Schnee bedeckten Teile der 
Erdoberfläche von den überwiegend schneefreien trennt. Seine Be- 
obachtungen, die er stets am Fusse der Gebirge anstellte, führten 
ihn zu dem Schluss, dass die Schneegrenze mit der Isotherme von 
(1° zusammenfalle und daher von der geographischen Breite abhängig 
sei. Noch in diesem Jahrhundert (l.S(i4) wurde ein Zusammenhang 
der Schneelinie und der Lufttemperatur von Renoir vertreten, eine 
Anschauung, die in neuerer Zeit Stapf^-^ dahin modifizierte, dass die 
Schneegrenze nicht mit einer bestimmten Isotherme der Luft, sondern 
mit der Geoisotherme von 0'' zusammenfalle. In Beobachtungen an 
;i Gletschern des Gotthards glaubte er für seine Ansicht Beweise 
gefunden zu haben. 

Gegen die Verwendung von Jahresisothermen zur Bestimmung 
der Schneegrenze wandten sich schon früh H. JB. de Saussure^^-^* 
A. V. Huniboläf'^'-^'^ und L. o. Biich.j Sie wiesen darauf hin, dass 
nur die Sommertemperatur für die Schneeschmelzung in Betracht 
komme, die Wintertemperatur aber gleichgültig sei. Als neuen Faktor 
führten sie die Menge des Niederschlages ein, dessen Einfiuss WaJilen- 
hergjj und v. Bachfj-f in Norwegen, HumbokUfjjf im Himalaja 
hatten kennen lernen. Sie hatten hier beobachtet, dass auf der 
niederschlagsreichen Gebirgsseite die Schneegrenze tiefer lag, als 
auf der niederschlagsarmem. 

Eine eingehendere Anwendung zur Bestimmung der Schneegrenze 
erfuiiren diese klimatischen Faktoren — Temperatur und Nieder- 
schlagsmenge resp. Schneemenge — durch K. v. Sonklar. § Er ging 
dabei von dem Satze aus, dass an der Schneegrenze Wärmemenge 
und Niederschlag einander proportional sein müssen. In verschiedenen 
Teilen des Gebirges wurde die jährliclie Schneemenge gemessen, an 
einigen Orten auch die Jahrestemperatur an der Schneegrenze. Mit 
den hieraus abgeleiteten empirischen Formeln glaubte er dann die 
Temperatur für die Schneegrenze anderer Orte, deren Schneemenge 

* Renou, Coiuptes rendues. 58. (1864. I.) pag. 370. 
■^* Zeitschrift der deutsch, geolog. Gesellschaft. 34. pag. 516. , 
^*" H. B. de Saussure, Voyages dans les Alpes. § 937 u. IT. 
**** A. von Humboldt, Ceiitralasien. 11. 149. 

-j- L. V. Buch, Schneegrenze in Norwegen, in Gilberts Annalen der Physik. 
Xbl. Bd. Ibl2. 

f-j- Gilbert, Annalen der Pliysik. H. XLI. 1812. 
-'r'rf L. V. Buch, loc. cit. 
"Ittt A. V. Humboldt. Centralasien. 

S K. V. S(jnklar, die GeJjirgsgruppe der Hohen Tauern. Wien 1866. pag. 
:;ß u. tf. 



2()0 

bckaiiiit war, l)ereclinen zu kijiiiieii; hatte er in dieser Weise die 
Temperatur au der Schneegrenze gefundeu, so koimte er aus dem 
schon vorher für das betretende (iebirge festgesetzten Gesetz der 
Temperatural)nahme mit der Höhe die Höhe, in der jene Temperatur 
herrschte, und (h\mit die Höhe der Sclmeegrenze bestimmen. Die 
Anzahl der meteorologischen Daten, welche K. v. Sonklar damals zu 
Gebote standen (ls(;4), war aber viel zu klein, um zuverlässige Re- 
sultate zu ergeben, ganz abgesehen von den Einwürfen, die sich gegen 
seine Methode erheben lassen. 

Den Eiuriuss des Gebirgsbaues auf den Verlauf der Schneelinie, 
also des dritten Faktors, der neben der Temperatur und der Nieder- 
schlagsmenge die Lage der Schneegrenze bedingt, haben schon ältere 
Forscher, wie de Saussure, Wahloiherg, und Ä. v. HwmholcW' be- 
obachtet. In der That fällt ja sofort der Unterschied in der Höhe 
der Schneelinie bei Nord- und bei Südexposition auf. Zugleich er- 
möglicht es dei' Gebirgsbau stellenweise auch, dass kleinere Schnee- 
flecke weit unter der dauernden Schneebedeckung den Sommer über 
in schattigen Runsen oder Mulden liegen bleiben, da die sommer- 
liche Wärme hier nicht hinreicht, sie zu schmelzen. Diese Firn Hecke 
veranlassten Hegetschiveiler** eine besondere „Linie des geschützten 
Schnees" aufzustellen (1825). Später (188(i) kam Fr. BatseV'^-'-' wieder 
darauf zurück und bezeichnete Hegetschweilers Linie als „orographische 
Firngrenze". Von dieser wollte er die klimatische Schneegrenze streng 
unterschieden wissen als diejenige Linie, „oberhalb deren Firn ver- 
möge der niedrigen Lufttemperatur und seiner Masse auch ohne den 
Schutz orographischer und geologischer Begünstigung nicht mehr 
wegschmilzt". Damit eliminiert Fuitzel aber nicht den Eintluss der 
verschiedenen Exposition und seine klimatische Schneegrenze fällt 
daher nicht mit dem zusammen, was wir nach PdcJifer gleich im 
Anfang als solche definiert haben. 

Der scheinbar nächstliegende Weg, die Schneegrenze zu bestimmen, 
ist die direkte Beobachtung in der Natur und wir sehen schon früh 
mehrere Forscher ihn einschlagen. Man suchte zunächst, die Schnee- 
grenze auf dem Gletscher direkt festzustellen. Dies führte zur Auf- 
stellung des Begriffs der „Firnlinie", die von ä<^<**='^* als jene Höhen- 
linie definiert wurde, „bei welcher über dem Gletscher der jährliche 
Schnee nicht mehr ganz wegschmilzt". Sie wäre also die Grenze 



* Loc. citat 
*'=■ J. Hegetscliweiler, Reisen in den Gebirgsstock zwischen Glarus und 
Graubünden in den Jahren 1819, 1820 und 1822. Zürich 1825 pag. 26. 

'^^^Zur Kritik der natürlichen Schneegrenze. Leopoldina. XXII. 1886, pag. 212. 
^»sij Ueber die Wesen der Gletscher. Pag. 69. 



2()1_ 

zwischen Absclimelziings- und Samnielgebiet auf dem Gletscher; da 
aber die Eisunterlage für die Erhaltung einer Schneedecke sehr günstig 
ist, so liegt diese Linie tiefer als die eigentliche Schneegrenze an 
den den Gletscher einschliessenden Gehängen, wo die Schneedecke 
auf Eels ruht. 

Auch Pay€r\ der wegen des unregelmässigen Verlaufes der 
Schneegrenze die Existenz einer allgemeinen Schneegrenze überhaupt 
leugnete, verlegte sie auf den Gletschern dahin, wo das Eis aus dem 
Firn hervortritt. 

K. V. SonUar^'^^ wandte dann die Firnlinie zur Berechnung der 
Schneegrenze für die Oetzthaler-Alpen an und setzte dabei voraus, 
dass die eigentliche Schneelinie 200 m höher liege, als die Firnlinie 
auf den Gletschern. 

Diese ^Methode der Bestimmung der Schneegrenze mittest der 
Firnlinie leidet an zwei grossen üebelständen. Einmal ist das Ver- 
hältnis der Firnlinie zur Schneegrenze kein konstantes und zweitens 
ist erstere in der Natur viel seltener zu beobachten, als es den An- 
schein hat. In warmen Sommern wird oft oberhalb der Firnlinie 
das blanke Gletschereis sichtbar, so dass diese nicht mehr die Grenze 
zwischen Sammlungs- und Abschmelzungsgebiet darstellt, oder aber 
es lassen uns die häufigen Schneefälle in jenen Regionen die Firn- 
linie nur als den momentanen untern Rand der Schneebedeckung 
auf dem Gletscher, nicht aber als das Maximum der Höhe autfassen, 
bis zu der die Abschmelzung im betreffenden Jahre emporgrift'. 

Ein anderes Verfahren, die Schneegrenze zu bestimmen besteht 
in der Vergleichung „der eben noch vergletscherten und eben nicht 
mehr vergletscherten Gebiete-', wobei man zwei Grenzwerte erhält, 
zwischen denen die wahre Schneegrenze liegen muss. Diese Methode 
wurde von Simony, Partsch, Peudc und Brückner angewandt. „Ueberall," 
>agt letzterer,**''^ ,,wo wir einen Gletscher in freier Lage auf dem 
..Gehäuge eines Berges antreffen, müssen wir schliessen, dass Teile 
..^einer Umgebung in das Reich des ewigen Schnees emporreichen. 
..Hieraus folgt, dass die Lage der Schneelinie tiefer ist als die Höhe 
-der den Gletscher umgebenden Gipfel; es ergibt sich für die 
..Bestimmung der Schneelinie eine obere Grenze. Stellt man 
..andrerseits fest, dass trotz günstiger Gestalt zahlreiche andere Berge 
..von geringerer Höhe der Gletscher entbehren, so darf die Höhe 



" l'eber die Firnliriie und die sog. Schneeliiiie. Mitteil, der Geogr. Ge- 
llsciialt in Wien 1800, \)u\i. A'62 u. fl". 

** K. V. Sonklar. Hohe Tüuern. S 42'.» 
*^" Meteorologi.-^elie Zeitsclnift 18.^7. pag. 31. 



202 

.»dieser Berge als untere Grenze der Sclineelinie betrachtet werden.*' 
Angewandt wurde diese Methode von den oben erwähnten Forschern 
namentlich zur Ermittlung der diluvialen, dann aber auch der recenten 
Sclineelinie. 

Einen anderen Ausgangspunkt für die Bestinnnung der Schnee- 
grenze bietet die Höhenentwicklung der Gletscher. Ein Versuch von 
Höfer'', die Höhe der Schneegrenze als Mittel aus der Höhe des 
Gletscherendes und der mittleren Höhe der Umrahmung eines Gletschers 
zu berechnen, ergab unbefriedigende Resultate. Immerhin wurde 
hier zum ersten Mal das Prinzip der Höhenentwicklung angewandt, 
welches dann in den spätem Methoden von Brückner, Pächter, und 
Kitroicski stets beibehalten wurde. 

Zunächst stellte Brückner'^'''' eine Methode auf, deren (irund- 
prinzip den neuen Arbeiten zu Grunde liegt. Dieses Prinzip besteht 
in der Anwendung der orometrischen Messung auf der Karte. 

Man unterscheidet bei jedem Gletscher das oberhalb der Schnee- 
linie gelegene Sammelgebiet und das unterhalb derselben gelegene 
Abschmelzungsgebiet. Brückner nimmt nun an, dass diese sich im 
Mittel verhalten wie o : 1. Er misst das vergletscherte Areal einer 
Gebirgsgruppe und teilt es im Verhältnis von 3:1. So erhält er die 
Grösse des oberhalb der Schneelinie gelegenen Gebietes. Er untersucht 
nun, welche IsohypsenÜäche des Gebirges demselben an Areal gleich- 
kommt. Die Höhe dieser Isohypse ist dann ein Maximalwert für die 
Höhe der Schneegrenze des betreffenden Gebietes. Ein xMaximalwert 
ist sie, weil das Verhältnis 3 : 1 ein Minimalwert ist und weil die 
oberhalb der Schneelinie gelegenen schneefreien Felspartien in das 
Gletscherareal einbezogen sind. In dieser Weise bestimmte Brückner 
die Höhe der Schneegrenze in den Hohen Tauern. Doch lassen die 
erwähnten beiden Fehlerquellen, wie Pächter*-'* zeigte, die An- 
wendung der Brücknerschen Methode nur für die grossen Thal- 
gleischer rätlich erscheinen, da bei diesen Sammel- und Abschmelzungs- 
gebiet sich wirklich ungefähr wie 3 : 1 verhalten und andrerseits das 
Gletscherareal mit Ausschluss der Felspartien gemessen werden kann. 
Ed. Richter wandte daher die Methode Brückners in seinen Unter- 
suchungen über die Gletscher der Ostalpen""** nur bei den grossen 
Thalgletschern an, während er bei den kleinen Gletschern die Schnee- 



•^ H. Höfer, Gletscher- u. Eiszeitstudien. Sitz.-ßer. d. Kais. Akademie der 
Wiss. Wien. LXXIX. Bd. 1879. 

** Ed. Brückner, die Hohen Tauern und ihre Eisbedeckung. Zeitsclirift 
des D. u. Oe. A.-V. 1886. 

*** Ed. Richter, die Gletsciier der Ostalpen, Stuttgart 1888. pag. 41 u IT. 
•K^s* Daselbst. 



2QS 

ureiize scliiltzungs- und vergleichsweise zu bestimmen suchte und 
l'.iebei gute Resultate erhielt. 

Auf dem gleichen Prinzip, nämlich der orometrischen Messung auf 
der Karte, beruht die neueste Methode von Kurowshi.^ Er fand 
gelegentlich einer Untersuchung über das Areal der Oetzthaler 
(•letscher, dass die mittlere Höhe derselben mit der Schneegrenze 
beinahe zusammenfällt. Es gelang ihm, sowohl diese merkwürdige 
Uebereinstimmung theoretisch zu begründen, als auch an einem 
Gletschergebiet ersten Ranges, der Finsteraarhorngruppe in den Beruer 
Alpen, ihre Richtigkeit nachzuweisen. KuroivsTci geht von dem Ge- 
danken aus, dass auf einem Gletscher genau soviel Schnee fällt als 
auf ihm geschmolzen wird, dass also auf seiner gesamten Oberfläche 
dasselbe Gleichgewicht zwischen Schneefall und Abschmelzung 
herrscht wie längs der Schneegrenze. Dies weist, wie er richtig 
bemerkt, auf eine Beziehung zwischen der Höhe der Gletscher- 
obertiäche und derjenigen der Schneegrenze hin. 

Da in den verschiedenen Höhenlagen Niederschlag und Ablatio n 
verschieden sind, so lassen sich die diese beiden Faktoren als Funk- 
tionen der Höhe auffassen. Der schneeige Niederschlag n lässt sich 
als Funktion der Höhe h ausdrücken durch /"„ \]i\ und ebenso die 
Ablation durch /« [h]. Da an der Schneegrenze in der Höhe h^ Alation 
und Niederschlag gleich gross sind, so haben wir als Bedingungs- 
gleichung für die Höhe der Schneegrenze. 

oder /"n[/i*] — /a[^*s] = und mit einer positiven 
endlichen (jrösse m multipliziert: 

in fn [h,] )U fa [hs] == 1. 

Wie oben gesagt, sind auch auf dem ganzen Gletscher schneeiger 
Niederschlag und Ablation einander gleich. Der Gesamtniederschlag 
auf dem Gletscher ist gleich der Summe der in den einzelnen Höhen- 
stufen fallenden Niederschlagsmengen. Zerlegen wir die Gletscher- 
obertiäche in m Einheiten, so ist der Gesamtniederschlag 

X = m 



* L. Kurowski, die Höhe der Schneegrenze mit besontlerer lierück.siclitigung 
der Finsteiaarhorngnippe. Peneks geograph. Abhandlungen. Bd. V. Heft 1. 1891. 



•204 

und analoL;- die (iesaintaltlati(»n 

.C = III 

a- = 1 
Für den .uanzen Gletsclier üilt die CTleichunff 



N=Ä oder K — A = () und obige Werte eingesetzt; 

c: = 1 X = 1 

2 /'"t^'-^J -]S /'«l"^^-] = 



X = j/j a; = m 

Kombinieren wir Gleichung 1) und 2) so erhalten wir: 

X = m 
m ifn \hs\ - fa {hs\) = 2 (/■„ [/..] - /„ \h4) ;i. 

Daraus können wir /i«, die Höhe der Schneegrenze, berechnen, 
sobald wir wissen, was für Funktionen der Höhe der schneeige 
Niederschlag und die Ablatiou sind. Meteorologische Beobachtungen 
haben erwiesen, dass Ablatiou wie fester Niederschlag im allgemeinen 
der Höhenabnahme' resp. Höhenzunahme proi)ortional sind, so dass 
sich die Ablatiou als Funktion der Höhe fa [7?] darstellen lässt durch 
die Gleichung 

a = t + uh und ebenso der Niederschlag durch : 
n = o + p h 

t, n, und p sind konstante Grössen. Setzen wir diese Werte in 
Gleichung 3) ein, so lautet sie: 

X = m 
m ([t + nJis] — \o +p^/s]) = ^ i\t + «/<x] — [o +phr.]) 

X ^ 1 

Durch Umordnen fallen t, o, « und j; fort und wir erhalten den 
Ausdruck : 

X=l 

^'^ = .12 ^'^ 

X ~ VI 

X =m 

— ^//x ist aber die mittlere Höhe der Gletscheroberfläche und diese 

X=^l 



205 

ist also gleich h « , der Höhe der Schneegrenze, vorausgesetzt, dass 
der schneeige Niederschlag und die Ablation genau proportional der 
Höhezunahnie resp. Höheabnahme sind. Ganz genau genommen 
wächst nun allerdings der feste Niederschlag etwas langsamer als 
die Höhe und die Ablation nimmt rascher ab, als die Höhe zunimmt ; 
daher gibt die mittlere Höhe eines Gletschers nur einen Maximalwert 
für die Schneegrenze ; doch kommt dieser der Wirklichkeit ausserordent- 
lich nahe, wie Kurowski zeigt. Die Eintührung eines quadratischen 
Gliedes in die obigen Gleichungen verändert nämlich die Höhe der 
Schneegrenze für einen Gletscher, dessen Ende in 2000 m und dessen. 
Wurzeln in 3900 m liegen nur um 23 m. 

Mau erhält also für jeden einzelnen Gletscher durch Bestimmung 
seiner mittlem Höhe einen Näherungswert für die Schneegrenze, in 
welchem der orographische Eintluss berücksichtigt ist. Die auf diese 
Weise gewonnene Schneegrenze ist aber nicht die klimatische, sondern 
die örtliclie Sclineeyrenze, Avie sie Brückner'^ genannt hat. Bei einem 
grossen Gletschergebiet wird dagegen das Mittel aus den Werten 
der einzelnen Gletscher der klimatischen Schneegrenze ziemlich ent- 
sprechen, weil bei den verschiedenen Lagen der Gletscher die Nachteile 
und Begünstigungen des Gebirgsbaues und der Exposition einander 
auflieben dürften. 

So ist es Kurowski gelungen, eine Methode aufzustellen, welche 
die Individualität eines jeden Gletschers genugsam zum Ausdruck 
bringt und uns eine grosse Anzahl ziemlich genauer Werte an die 
Hand gibt, aus denen wir das Gemeinsame leicht ableiten können. 
Während die frühern Methoden sich meist auf sporadische Einzel- 
beobachtungen stützten, basiert die vorliegende auf dem Schatz von 
Massenbeobachtungen, der in den topographischen Kartenwerken 
enthalten ist, also auf einer Grundlage, die an Genauigkeit und 
Grossartigkeit niclits zu wünschen übrig lässt. Die hieraus abge- 
leiteten Resultate übertreffen daher die aus einzelnen Beobachtungen 
gewonnenen in dem gleichen Mass an Zuverlässigkeit, wie etwa eine 
Angabe der mittleren Regenhöhe für ein Land, die sich auf die Beob- 
achtungen von Hunderten von Stationen mit langjährigen Beobach- 
tungen stützt, einen aus nur zwei oder drei Stationen mit ganz 
kurzer Beobachtungszeit berechneten Wert übertrifft. 

Als unmittelbare Fortsetzung der von Kurowski untersuchten 
Finsteraarhorngruppe treffen wir im Osten, von dieser nur durch 



* Ed. Brückner, Refi-riit lilxn- Kiu'DWskis Arlcit iji d'M- M« 
Zeitsclirift 1891, p.'ig. 46 u. 11". 



206 

das tief einueschnittene Haslitlial getrennt, ein anderes vergletschertes 
■Gebiet, die Gruppe des Dannnastockes oder, wie es gewöhnlich nach 
einem seiner grössten Gletscher genannt wird, das Triftgebiet. 

Die Begrenzung dieses Gletschergebietes ist eine sehr scharfe. 
Von der Grimsel durch das Haslitlial hinab bis nach Innertkirchen, 
wo die Gadmer-Aare einmündet, bildet die junge Aare die Grenze; 
der tiefe lilinschnitt des Gadmenthales, der Sustenpass und das 
urnerischc Meienthal scheiden unser Gebiet von der vorgelagerten 
Gruppe des Titlis und der Spannörter. Bei Wassen, wo das Thal- 
Avasser des Meienthales sich mit der Reuss vereinigt, folgt die Grenze 
der letztern hinauf nach Andermatt und weiter durch das liebliche 
Ursernthai zur Passhöhe der Furka. Von dieser jäh absinkend zum 
Gletscherl)oden des Rhonegletschers, steigt die Grenze ebenso steil 
wieder hinauf zur Passhöhe der Grimsel. Das so begrenzte Gebiet 
hat die Form eines unregelmässigen Viereckes, dessen Eckpunkte in 
den Ortschaften Innertkirchen, Wassen, Andermatt und Gletsch liegen. 

Im topographischen x\tlas der Schweiz im Massstab 1 : oOOOO wird 
das Gebiet dargestellt auf den Blättern : 



Nr. 393 Meiringen 
„ 394 Wassen 
„ 397 Guttannen 
„ 39S Andermatt 
„ 490 Obergestelen 

Die Aufgabe bestand nun darin, für jeden Gletscher dieses Ge- 
bietes die mittlere Höhe zu berechnen, dadurch die Höhe der Schnee- 
grenze eines jeden zu erhalten und aus diesen Werten das Mittel zu 
bestimmen, welches die klimatische Schneegrenze der ganzen Gruppe 
darstellen musste. Das Verfahren w^ar folgendes: Alle Messungen 
wurden mit einem Amslerschen Polarplanimeter von Kern & Cie. in 
Aarau (Nr. 14,021) ausgeführt. Dabei musste die Kontraktion des 
Papieres des betreffenden Kartenblattes berücksichtigt werden. Das 
geschah in der Weise, dass für jeden Gletscher die Konstante des 
Instrumentes neu bestimmt wurde. Hiezu waren die in die Blätter 
des Siegfriedatlasses eingezeichneten Quadrate von je 9 km^ Fläche 
vortreflich zu gebrauchen. Für jeden Gletscher wurden die Quadrate, 



AuliiahiiiL' 


Publikation 


im .Jahre * 


im Jaiire 


1861 


1873 


18G1 


1875 


1872 


1874 


1800 


1871 


1879 ** 


1881 



* Ich verdanke diese Zahlen einer gütigen Mitteihmg des Herrn Ingenieur 
Held vom eidgenössiscken topographischen Bureau in Bern. 

^* Die Rohnegletscherzunge wurde in diesem Jahr revidiert. 



207 

in denen er lieg't, mit dem Planimeter aiisgemessen und hieraus dann 
für den Gletscher die Konstante des Instrumentes berechnet. Es war 
wichtig, in dieser Weise die einzelnen Quadrate und nicht gleich das 
iianze Kartenblatt zur Bestimmung der Kontraktion heranzuziehen, 
weil es sich herausstellte, dass die Kontraktion in verschiedenen Teilen 
desselben Blattes eine sehr wechselnde war. Eine Planimetereinheit 
ist gleich lü mm-, sollte also im Massstab 1 : 5(),0i)0 gleich 2500 Hektaren 
sein; sie schwankte aber in den einzelnen Quadraten der von mir 
benutzten Blätter : 

Guttannen von 2,545 bis 2,551 ha, 

Wassen ^ 2,507 „ 2,535 ha. 

Andermatt „ 2,514 „ 2,542 ha. 

]\Ieiringen „ 2,494 „ 2,500 ha. 

Nach Bestimmung der Kontraktion mass ich das Gesamtareal 
des betreftenden Gletschers mit Ausschluss der schneefreien Fels- 
partien. Ebenso wurden die Areale der einzelnen Höhenschichten 
von 150 zu 150 m bestimmt und zwar, da das tiefste Gletscherende 
bei 1350 m, der höchste Punkt aber 3633 m hoch lag, die Jsohypsen- 
flächen von 1350, 1500, 1650, 1800, 1950, 2100, 2250, 2400, 2550, 
2700, 2<S50, 3000, 3150, 3300, 3450 und 3600 m. Durch Subtraktion 
des Areals zweier benachbarten Isohypsenflächen wurde dann das 
Areal der zwischen den betreuenden Isohypsen liegenden Höhen- 
stufeu gefunden. Diese Zahlen sind in der beistehenden Tabelle zu- 
sammengestellt. 

]\Iit diesem Material konnte die sogenannte hypsographische 
Kurve konstruiert werden. 

Der Entwurf der Kurve geschah auf Milhmeterpapier, dessen 
Kontraktion ebenfalls genau bestimmt und in Rechnung gebracht 
wurde. Auf einer Abscissenaxe trug ich die Höhen der verschiedenen 
ausgemesenen Höheustufen vom Gletscherende weg bis zum höchsten 
Punkte des betrefienden Gletschers auf; über diesen Höhen wurden 
senkrecht darauf die entsprechenden Areale aufgetragen, so dass über 
dem höchsten Punkte die Ordinate den Wert Null besass, über dem 
Gletscherende dagegen das Gesamtareal des Gletschers als Ordinate 
stand. Die Verbindung all dieser Ordinatenendpunkte gab die hypso- 
graphische Kurve, welche die Höhenentwicklung des Gletschers gra- 
phisch darstellte. Der von der Kurve und dem Axensystem um- 
schlossene Piauni ist proportional dem Volum des durch das Profil 
dargestellten Gletschers. Dieses Areal wurde mit dem Planimeter 
gemessen und, um die mittlere Höhe des Gletschers zu erhalten, 
durch das Gesamtareal des Gletschers, also durch die Länge der 



208 





10|Miii.i,ir;i(i! 
ui III jiiv 
ui UI azu8jO 
-aaugos - 
eijpH 8J9|U!W 


§|i|SSS|S 


5ii|S|||| 8|iSS||| 


2 c 


illillS 


g 










u3je)^eH uj 

9|B9JBHUES93 


CSC-tOOOJX x-*x 
•* p l--' C C l~ i l--^ w 

;ft X 1^ O -rt CC 56 ■* SM 


i>.-*i^tc;Ci-;qeow qq .niomirtio-* 
«SmoaSinccwec ««imm^iMiox 

5<l 5J vH 


ccin»H 
;c' o>i co" 

SS'" 


M q i-_ x lO CO q 
5J X in d ifi oi x" 
-^ ^ in i^ 1^ CO Ol 






E 
Oi 

L. 

ee 

J£ 
a> 

X 

c 

1 

CO 

a> 

:o 

X 

:- 

O) 

•s 

es 

i " 

< 


|.iS 


1 1 1 1 1 1 1 1 1 1^ 1 1 1 1 ! 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 MI 1 1 1 1 1 1 1 


q 


• 


e o 
S.So 


^1 1 1 1 1 1 1 1 


X !CiO 

1 ^ M M 11 1 1 1 M '-^ M 


1 1 1 


M M 1 1 1 


IS 


CA 


CO"~CO 


C0X9 

«« 1 1 1 1 1 1 1 


»n CS05 ■*<M 

l|l 1 ISdll 1 1 ligsM 



in 1 1 


M M M 1 


IM 


0) 

Ö5 


« — CO 




in X ;o -* t^ 

IS M I^G M 1 1 1 ISS5 M 

(N T-lt-l 


■Hl> 

S2 1 




IC 

CD 


S r O 

g.i« 


mcciMOv^oxx 


C»-*«*0 01tH OiO 

i|«=;j'"^^ II ' 1 1 lil 1 1 


coxq 
10 X in 


xco ocoin 

^■^ 1 igi«^^ 


X 
1 




§.xg 
!>. - 00 
M~CM 

CM e^ 


C{NXd>ca<is«*i> 
t= •* :c d d i>: «5 OD ö 

O 1-- lO «5 O tH ■* 


C05«C0l>T-ll> in (NO 

"^gS^SSS IS 11 11 II II 


COMOO 


^ wcoin thcc X 
QÖ iri (N oi X lö i> 
X-rt(M toeocn 


X 

i 


t^O<CXXOM>n-H 
▼-1 iH 


X-*005iO-*5C IM 00005OT 


toqin 
•rt inco 

Ci-*IN 


tH C5 X -rt CO in CD 


•* 

CD 


CA 
SU 


xo;c;Ne;^x-*q 

dcCuJ-rtWWSäcÖM 

xc;i> cOT-imoT-i 


iCZi wc^o*<ii»nir:) inininxincin 
i--^ th I d -t ■* CO 5g oi 1 (N M !m' -i f^ d sä 
^«1^5^-* l(M^«^«c» 


ocox 


CO X 1-; M cn> •* 
CO 03 d in t-^ T-I in 

X -rH ^ CO ^-il 


i 


o ,o 
o H;»" 
•*■- in 

CJ — CM 


t^ X CO X q o i> 
in c^ t^ 1 cö »fj CO *ri 1 


eoq QOinqcoq .ci>inc;u-.ncco 
•rtx |eöiNi>irix 1 Nx'CTddiNOT-; 


xin 
gg~ 1 


q in-*cocc 
CO 1 l-^coto'^ 


i 


0) 
CA 


sn.io 


.n lO q c>_w_ 
^cvj 1 1 d 1 <NI> 1 


CS th X inxo •*Kino 

1 X 1 1 1 1 d 1 t^xd Ig^t-:^ 


CO 

gl 1 


CO in CO w 

S 1 1 =^Sg 1 


in 

CO 

K 


g/g 


X o 

g 11 1»^ 1 1 1 1 


Ci Iß »C CO CO 

13 11 II M 1 ^M^M;:| lg 


81 1 


S 1 M S'-' I 


C5 
1 


0) 
C5 


in.io 


s 1 1 IS 1 1 1 1 


il M 11 1 1 1 ^M Ip ll 


(N 

Sl 1 


1 1 1 1« 11 


§ 


w 
S^ 


S2-^2 


S 1 1 1 i 1 ! 1 1 


l| 1 11 11 1 1 11 ll|o M 


j 1 1 


11 M II 1 


cd' 







1 1 1 1 1 1 M 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 |S 1 1 1 MI II 11 1 M 



in 


o 




1 1 1 M 1 1 M 


II 1 1 1 1 1 M 11 1 1^ 11 1 


1 1 1 


M II 1 11 



in 




m 


M M 1 1 11 1 M ! M 11 1 1 M 1 ll M 1 MI 1 11 M M 


>n 


UI U! 

e|iugjai40s;8|g 

saJ3)un 


iiillisil 

•rHOJCMSMOlNOICVKN 


-?i^occsm(Mcol^:d t^oi>i:^ioxin^ 

«n r- P; --^ CO ■* CO --0 c-. co — co co X im ffi 


SS5 
£Sg 


N oi oi CM 5i M ?j 






CO 

I- 
a> 

ll 

Z CS 

CO 
Ol 


. . .,. 




1 . ^ 


1 -zl • • ■ • 

s -IJ • • • • 

i 1^ ■ • • • 






Uli -lU 


s ' M og ! 

-=■■■§■■ -c-« 


S • p — 

^ •;= £ 

— c.tt 

- . Ä t- 

E .^T5 

x" T X '-5 






^ 


-o,x-.-.-xi.xc-. 


— n; 2i 2 2 '_; ;i, iü ;; s 5ö fi S ri yi ?; 


jg >j?i 


S - ?:' M S ^ i^ 






209 

Ordinate, die dasselbe darstellte, dividiert. So bekam ich die mittlere 
Höhe des Gletschers über dem Gletscherende und brauchte nur diese 
Zahl zu der Meereshöhe des Gletscherendes zu addieren, um die 
absolute mittlere Höhe zu erhalten. 

Jede Fläche wurde zweimal gemessen. Wenn der Unterschied der 
beiden Messungen 2 Planimetereinheiten nicht überstieg, so wurde 
tlas Mittel aus beiden genommen, andernfalls die Messung mehrfach 
wiederholt. Um ein Mass für die Zuverlässigkeit der Messungen zu 
erhalten wurde die mittlere Abweichung derselben bestimmt, indem 
die Summe aller gemessenen Areale durch die Summe der einzelnen 
Abweichungen von den Mittelwerten dividiert wurde. Es ergab sich, 
dass die mittlere Abweichung 0,3 7o betrug. Um mich auch davon 
zu überzeugen, dass meine Methode der Messung die gleichen Resul- 
tate liefert, wie die Kurowskis, und dadurch die Vergleichbarkeit 
meiner und Kurowskis Zahlen darzuthun, mass ich auch einen Gletscher 
der Finsteraarhorngruppe, den Oberaargletscher, und bestimmte seine 
mittlere Höhe. Meine Bestimmung differierte nur um 3 m von der- 
jenigen Kurowskis. Meine und Kurowskis Zahlen sind also durchweg 
vergleichbar. 

Die Kammglieäeriinfj des Triftgebietes ist verhältnismässig ein- 
fach. Wie im östlichen Teile der Finsteraarhorngruppe treffen wir 
hier zunächst hohe Hauptkämme, die im allgemeinen von N nach S 
verlaufen. Ein erster solcher Kamm beginnt im Benzlauistock 2531 ra 
ob Innertkirchen, steigt allmählich an zum Thieralpistock 340G m, um 
dann langsam an Höhe wieder abzunehmen und im Nägelisgrätli an 
der Grimsel aufzuhören. Nebenkämme entsendet er bedeutendere 
nur im Grat der Gelmerhorner einerseits und dem Schaubhorngrat 
andererseits, welche zusammen das einsame Becken des Gelmersees 
und das Diechterthal einschliessen. Durch einen östhchen Querkamm, 
der in der Triftlimmi (3100) seine tiefste Erniedrigung hat, ist 
dieser erste Hauptkamm mit einem zweiten verbunden, der parallel 
dem Thieralpikamm el)enfalls N- S verläuft. Von der Passhöhe der 
Furka ausgehend, erhebt er sich bald zum Furkahorn 3028 m, bildet 
die schöne Kuppe des Galenstockes 3597 m und kulminiert im Damma- 
stock 3G33 m, dem höchsten Gipfel des Triftgebietes. Im Schnee- 
und Eggstock behauptet der Kamm noch eine ziemliche Höhe, um 
dann allmälich gegen den Massplankstock 3400 m und die Thierberge 
3343 und 3001 m abzusinken. Nach einer kleinen Biegung gegen W 
erreicht er im Uadlefshorn 2G04 m sein Ende. 

Der Ausgangspunkt eines dritten N — S verlaufenden Kammes 
ist die Passhöhe des Susten 2202 m. Schnell erhebt sich der Grat 
über den Sustenspitz zum Sustenhorn 341)2 m; etwas weiter südlich, 

XI. Jahre.sbericht d. Geogr. Ges. v. Bern. 1891—1892. J4 



21U 

bei Punkt 8;;ri9 m steht der Kamm durch die Einsattehmg der Susteu- 
limmi uiui den Quergrat des (jwilchtenhorns mit den Thierbergen in 
Verbinchmg. Zugleicli ändert er an jenem Punkte seine Riclituug, 
indem er noch eine kurze Strecke weit gegen SE verläuft. Die 
Neigung, aus der N-S Richtung alhnähhch in die NO-SK Richtung 
überzugehen, ist noch deutlicher ausgeprägt in dem folgenden vierten 
und letzten llauptkamm, der vom vorigen durch das Voral]Uhal und 
den Wallenbühlgletscher getrennt ist und nur im Sustenjoch mit ihm 
zusammenhängt. Im Griesenhörnli 2853 m erhebt er sich aus dem 
obern Meienthal, kulminiert in der prächtigen Pyramide des Flecki- 
stockes 3418 m, sinkt aber bald im Winterberge und Kühplanken- 
stock auf 3200 m hinab und endigt im Salbitschyn bei 2889 m. 
Nach dem ^Icienthal entsendet er mehrere Querkämme, die zwar 
kaum selbständige Bedeutung erlangen, aber die Gletscherbildung 
sehr begünstigen, indem sie den Abhang der Hauptkette in tiefe 
Mulden und schattenspendende Kämme gliedern. 

Quer vor die beiden letzterwähnten Ketten lagert sich endlich 
als fünfter Hauptkamm im Süden der Grat der Spitzberge, der in 
der wilden Schlucht der Schöllenen beginnt und im Bätzberg und 
im Spitzberg bis zur Winterlücke nie 3000 m erreicht. Erst von 
da weg erhebt er sich im Winterstock 3231 m und im Gletschhorn 
3307 m zu grösserer Höhe, um sich bald im Tiefenstock 3512 m der 
zweiten N-S verlaufenden Hauptkette anzuschlifessen. 

Ueberblicken wir das ganze Gebiet, so überrascht uns die ausser- 
ordentlich starke Gliederung in der Nord-Süd-Richtung, ungefähr senk- 
recht auf das Streichen der Alpen. Ein eigentlicher Haupt- oder 
Centralkamm, wie wir ihn im westhchen und südöstlichen Teile der 
Finsteraarhorngruppe antreffen, fehlt hier vollständig. Wir haben 
unabhängige N-S streichende Kämme und dazwischen entsprechende 
Thäler, die wegen ihrer Höhe meist stark vergletschert sind. Die 
Kämme sind ausserordentlich scharf und gleichförmig, liegt doch 
das ganze Gebiet in der krystallinischen Mittelzone des Aarmassivs, 
das sich vom Lötschenpass bis zum Tödi erstreckt. Die Gleich- / 
förmigkeit des Materials, bestehend aus Protogin, Gneissen und 
krystallinischen Schiefern, alles dazu steil aufgerichtet, erklärt uns 
den einförmigen Charakter der Gebirgsformen. Der Kalk fehlt bei- 
nahe vollständig; der grosse Berneroberländer Gebirgswall, der seine 
Mächtigkeit den eingefalteten jurassischen Sedimenten verdankt, hört 
hier auf, da die Kalkfalten gleich in der ersten Hauptkette am Pfaflfen- 
kopf ob Innertkirchen auskeilen. Dafür haben wir unserem Gebiet 
vorgelagert die Pultformen der Gadmerflühe und der Titliskette, eines 



21 1 

geologischen und orographischen Analogons der Blümlisalp am west- 
lichen Ende des Aarmassivs. 

f]ine weitere Eigentümlichkeit der Hauptkämme des Triftgebietes 
ist der Mangel an tiefern Einschnitten, obschon die Gräte, der 
krvstallinischen Natur ihrer Gesteine entsprechend, sehr stark zer- 
sägt sind. Eigenthche Gletscherpässe aber, die dem Alpinisten er- 
lauben, die Ketten zu traversieren und die tiefere Einsenkungen 
voraussetzen, sind selten. Der erste Kamm, Mährenhorn-Gelmenhorn, 
besitzt einen einzigen im Furtwangsattel 2593 m. Im Hauptkamm 
des Dammastockes erreicht der Tiefensattel die Höhe von zirka 
3300 m, der Dammapass 3500 m, der Zwischenbergpass 3000 m. 
Die Steinlimmi liegt analog dem Furtwangsattel schon mehr da, wo 
die Kette gegen das Gadmenthal zu absinkt. Der dritte und vierte 
Hauptkamm haben gar keine eigentlichen Uebergänge. 

Entsprechend diesen steilen, scharfen, wenig tief eingeschnitteneu 
Gräten dürfen wir zwischen denselben lange, tief ausgebuchtete 
Firnmulden erwarten, die durch niedrige Querkämme und be- 
quem zu begehende Joche mit einander in Verbindung stehen. 
Dies ist auch in der Tat der Fall.. Die grossen Querthäler zwischen 
den Hauptkämmen sind für die Firnanhäufung äusserst günstig und 
bergen deshalb auch die grossen Thalgletscher unseres Gebietes. 
Daneben haben wir in den kleinen Nischen, welche die Erosion an 
den Abhängen der Hauptketten herausmodelliert hat, eine Menge 
kleiner Mulden, die je nach Grösse, Höhe und Exposition eigentliche 
Gehängegletscher enthalten oder bloss mit Firn ausgefüllt sind. 

Zwei der grössten Thäler sind diejenigen des Rhone- und des 
Triftgletschers, beide zwischen der ersten und zweiten Hauptkette 
gelegen. Durch die Einsattelung der untern und obern Triftlimmi, 
2900 und 3177 m, stehen beide Firnmulden in Verbindung. Zwischen 
der zweiten und dritten Hauptkette verhindert der schräg hinüber- 
gehende Querkamm des Gwächtenhorns eine so schöne, regelmässige 
Muldenbildung. Verbunden werden die beiden Firnmulden des 
Stein- und Kehlegletschers auf beiden Seiten des Gwächtenhorns 
durch die Thierberglimmi 31R0 m westlich und die Sustenlimmi 
31 is 111 östlich des Gwächtenhorns. Zwischen dem dritten und vierten 
Hauptkamm endlich ist die Wasserscheide im Sustenjoch 2(557 m 
soweit nacii Norden vorgeschoben, dass nur das südliche Querthal 
einen Thalgletscher beherbergt, während die nördliche Nische bloss 
einem kleinen Kargletscher Raum gibt. 

Das Thal des Kehlegletschers sowie dasjenige des Wallenbühl- 
gletschers (Voralpthalj, welches im Sustenjoch beginnt, münden nicht 
direkt ausserhalb unserer Gruppe wie die bisher betrachteten Thäler, 



212 

sondern sie vereinitien sieh im (löschcnentluil, dem grössten 'Ihul 
des Triftgebietes. Tief eingesclinitten weist es auf energische Ero- 
sion hin und erldilrt uns, warum die Wasserscheiden des Gwächten- 
horns nnd des Sustenjochs so weit nach Norden vorgeschoben sind. 
Das Thal hat entgegen den im Westen und Norden unseres Gebietes 
herrsclienden Verhältnissen ungefähr W-E-Richtuug, bis es an die 
Kette des Dammastockes anstösst und gegen NW umbiegt. Im 
Süden lehnt es sich an die Kette der Spitzberge und steht durch 
die Einschnitte der Alpiglenlücke 2778 m und der Winterlücke 
2880 m mit dem Urserenthal in Verbindung. Vermöge seiner tiefen 
Lage (Thalsohle bei Wicki 1320 m) liegt es zu einem grossen Teil 
unter der Schneegrenze. Herrliche Weiden bedecken die untern 
Hänge wie die Sohle und der Mensch hat sich dauernd auch für 
den strengen Winter hier niedergelassen. 

Dass bei der gescliilderten Bodengestaltung und der bedeuten- 
den Höhe das ganze Gebiet verhältnismässig stark vergletschert ist, 
darf uns nicht wundern. Die Anzahl der Gletscher beträgt oG ; davon 
sind ö Gletscher erster Ordnung oder Talgletscher und zwar sind 
es, der Grösse nach geordnet, folgende: 

Flächeninhalt in Hektar. 

Triftgletscher 2225,0 

Pihonegletscher 2167,2 

Steinengletscher 1232,5 

Wallenbühlgletscher 702,0 

Kehlegletscher 586,6 

Die übrigen sind Gletscher zw^eiter Ordnung, wenn sie auch 
manchmal bedeutende Dimensionen annehmen, wie der Winter- 
gletscher mit 654,9 ha und der Tiefengletscher mit 480,6 ha. Weit- 
aus die meisten aber sind kleine Kargletscher. 

Das gesamte Gletscherareal beträgt 116 km 2, ist also nur so 
gross wie im Finsteraargebiet der grosse Aletschgletscher allein. Die 
Höhe der Gletscherenden schwankt zwischen 1350 m (Triftgletscher) 
und 2700 m (Gletscher im SE der Gerstenhörner), also um volle 1350 m. 

Die mittlere Schneegrenze des ganzen Gebietes wurde auf zwei 
Arten bestimmt. Einmal zog ich das Mittel aus den für die einzelnen 
Gletscher gefundenen Werten; diese Methode ergab als Höhe der 
Schneegrenze 2710 m*. Bei dieser Mittelbildung erhielt jeder kleine 



* Diese wie alle folgenden Höhenzahlen lür die Schneegrenze wurden nach 
der Berechnung auf 10 m abgerundet. 



2i:-i 

Gletscher das gleiche Gewicht wie jeder grosse. Eine andere, often- 
bar bessere Art der Mittelbildung ist die, dass man jedem Gletscher 
ein Gewicht proportional seinem Areal gibt und hieraus dann das 
Mittel ableitet. Auf das gleiche kommt es heraus, wenn man die 
Areale der Höhenstufen für alle Gletscher addiert, wie das am Fuss 
der Tabelle geschehen ist, hierauf die hypsographische Kurve kon- 
struiert und aus dieser die mittlere Schneegrenze für das ganze 
Gebiet bestimmt. Diese Methode ergab 2750 m als Höhe der kli- 
matischen Schneegrenze des ganzen Gebietes. Dieser Wert ist be- 
trächtlich höher, als der auf die erste Art gewonnene. Das deutet 
darauf, dass die Grösse der Gletscher auf die Höhe der Schneegrenze 
einen gewissen Einlluss hat. Im folgenden ist unter der Höhe der 
Schneelinie im Triftgebiet immer der Wert 2750 verstanden. 

Es überrascht, dass die Sclmeegrenze in der Trift so bedeutend 
— um volle 200 m — niedriger verläuft, als in der benachbarten 
Finsteraarhorngruppe, wo sie nach Kurowski bei 2950 m liegt. An 
der Realität dieser Differenz kann man jedoch nicht zweifeln; denn 
sie kehrt auch im Einzelnen wieder, wie wir gleich sehen werden. 

Auch in unserem Gebiet spiegelt der Verlauf der Schneegrenze 
den Einfluss der Exposition auf das deutlichste wieder. Gletscher 
mit Nordexposition haben die tiefste Schneegrenze. 

Höhe der Schneegrenze. 

Triftgletscher 2740 m 

Wanggletscher 2530 m 

Gigligletscher 2490 m 

Thaleggligletscher 2520 m 

Steinengletscher 2700 m 

Alpiglengletscher 2740 m 

Spitzberggletscher 2630 m 

Als Mittel für die Nordlage erhalten wir, wenn wir einfach aus 
obigen Werten das Mittel bilden, den Wert 2630 m, mit Berück- 
sichtigung des Areals der Gletscher aber 2710 m, also fast loo m 
mehr. Die Amplitude beträgt 250 m. Auch hier ist der Einfluss 
der Grösse der Gletscher unverkennbar; bei den kleinen, eingesenkten 
Gletschern liegt die Schneegrenze tief. Ja der Kalchthalgletscher, 
ein von hohen Felswänden eingeschlossener Kargletscher, zeigt so 
abnorme Verhältnisse (Schneegrenze bei 2220 m), dass er bei der 
Bildung des Mittels ausgeschlossen werden musste. 

Gletscher mit Nord-West-Exposition sind keine vorhanden, wohl 
aber solche mit Nord-Ost-Exposition. 



214 

Ilölic der Schneegrenze. 

Griessenfirii 2(i()() m 

Riitifirii 2740 m 

Karti^eltini ii(i;5() m 

Eothtirn i>7()0 m 

Dainmatirn (Wintergletscher) 2n7() in 

Das Mittel beträgt auf beide Weisen berechnet i2()7() m. Der 
Dammatirn hat allerdings auch Ostexposition und kann deshalb bei 
dieser nochmals in Rechnung gebracht werden wie folgt: 

Höhe der Schneegrenze. 

Dammatirn (Wintergletscher) 2670 in 

Rohrfirn 2770 m 

Stockgletscher 27.So ni 

Der Mittelwert für Ost-Exposition ist 2740 m, mit Berücksichti- 
gung der Areale 2720 m, wobei jetzt der grosse Dammatirn das 
Mittel herabdrückt. 

Süd-Ost-Lage haben folgende Gletscher: 

Höhe der Sclineegrenze. 

Gletscher S-E des Gerstenhorns 2830 m 

Gletscher S-E des Mütterlishorns 2740 m 

Tiefengletscher 2860 m 

Gl. S-E des Mährenhorns (Weiss-Schyngl.) . 2820 m 

Bei Süd-Ost-Lage liegt also die Schneegrenze im Durchschnitt bei 
2820 m beziehungsweise 2840 in. 

Für Südexposition haben wir nur wenige Beispiele, nämlich : 

Höhe der Schneegrenze. 

Rhonegletscher 2900 m, 

Siedelengletscher 2780 m, 

Lipfersteingletscher 2700 m, 

Gletscher S-E der Sustenlimmi 2900 m. 

Hier gehen die beiden Mittelwerte infolge der stark wechselnden 
Grössenverhältni-sse (Rhonegletscher 2167 ha, Lipfersteingletscher 
21,8 ha) weit auseinander, da das einfache Mittel 2820 m, das mit Be- 
rücksichtigung der Areale gewonnene aber 2890 m ergibt. 

Folgende Gletscher haben hauptsächhch Süd-West-Exposition: 

Höhe der Schneegrenze. 

Firnfleck S des Fleckistock 2820 m. 

Gletscher W des Furkahorns 2890 m. 

Alpligletscher 2960 m, 

Drosigletscher 2710 m. 



•215 

Die Mittelwerte sind 27!)() m und bei Einbeziehung des Areals 
2S8() m. Wenn wir den Drosigletscher, der in einem tiefen Kar ein- 
gebettet ist und eine sehr niedrige Schneegrenze besitzt, ausser 
Spiel lassen, so erhalten wir als Mittelwert 281)0 m. 

Verhältnismässig hoch liegt die Schneegrenze bei West -Expo- 
sition, wie wir aus folgenden Beispielen ersehen: 

Höhe der Schneegrenze. 

Firnfleck W. des Stuebelistock 2870 m, 

Gerstengletscher 2840 ni, 

Gelmergletscher 27(jO m, 

Diechtergletscher 2870 m, 

Hohmadgletscher 2480 m. 

Den kleinen Hohmadgletscher mit seiner abnorm tiefen Schnee- 
grenze schliesseu wir bei der Berechnung der Mittelwerte aus. Hin- 
gelagert in eine Nische am Fuss der schneefreien Steilwände des 
Kilchlistockes und des Gwächtenhorns, scheint er eher ein grosser 
Lawinenrest zu sein. Die erste Mittelbildung ergibt 2840, die zweite 
gleichfalls 2840 m. 

Die gewonnenen Mittelwerte für die verschiedenen Expositionen 
sind aus zwei Gründen nicht sehr zuverlässig. Erstens ist je weilen 
die Anzahl der Gletscher etwas zu klein, um daraus eine so 
wichtige Zahl wie die Schneegrenze bei gewisser Exposition zu be- 
rechnen. Andererseits entspricht diese Einteilung nach 8 Richtungen 
der Natur wenig ; denn selten ist ein Gletscher nur nach einer Richt- 
ung hin exponiert, so dass man oft unschlüssig ist, welcher Exposition 
man ihn zuteilen soll. Zwei Beispiele aus unserm Gebiet illustrieren 
dies deutlich. Im Voralpthal liegt der Wallenbühlgletscher in ty- 
pischer Süd-Ost-Exposition ; sein Firnfeld aber, der Brunnenfirn, der 
an den Abhängen der Sustenhornkette liegt, hat ebenso ausschliess- 
lich Nord-Ost-Exposition. Genau im gleichen Verhältnis stehen der 
Kehlegletscher und sein Firnfeld, der Massplankfirn. Dennoch ging 
es nicht an L'irnfeld und Gletscher zu trennen. Die Höhe der Schnee- 
grenze ist folgende: 

Massplankfirn-Kehlegletscher 2540 m, 

Brunnenfirn-Wallenbühlgletscher 2<t50 m. 

Diese Höhen sind niedriger als die Mittel der Nord-Ost-, Ost- 
und Süd-Ost-Exposition, was bei der Grösse der Gletscher — es sind 
beides Thalgletscher — sehr autfallend ist. 

Um nun jene beiden üebelstände, die zu kleine Anzahl der 
Gletscher und die Einseitigkeit der Exi)osition zu eliminieren, habe 



21G 

ich Mittelwerte für die vier Himmelsrichtungen bestimmt und dabei 
die benachbarten Richtungen jeweileii zur Berechnung herbeigezogen. 
Um z. B. das Mittel für die Nord-Exposition zu erhalten, fasste ich 
alle Gletscher mit Nord-, Nord-Ost-, und Nord-West-Exposition zu- 
sammen. Auch hier wurde der Mittelwert sowohl einfach mit Hülfe 
der Einzelwerte der Gletscher gebildet (Mittelwert H), als aucli mit 
Berücksichtigung der Grösse der einzelnen Gletscher (Mittelwert I). 
Die Mittelwerte I. sind die massgebenden. Zur Vergleichung setzen 
^Yir gleich die Mittelwerte der Finsteraarhorngrupi)e nach Kurowski 
dazu (nach Art von H. gebildet ). 

Triftgebiet. Finsteraarhorngruppe. Differenz. 

Mittelwert 1. AiiUehvert 11. Mittihvcrt II. 



Nordiage (12 Gl.) 


2740 iii 


2620 n» 


2850 in 


230 ni 


Ostlage (12 Gl.) 


2780 m 


2740 ni 


2860 m 


120 IM 


Südlage (12 Gl.) 


2870 ni 


2810 in 


3010 m 


200 in 


Westlage (8 Gl.) 


2860 in 


2820 ni 


2900 111 


SO ni 



Aus dieser Zusammenstellung ersehen wir zunächst, dass in 
beiden Gebieten übereinstimmend die verschiedenen Expositionen in 
Bezug auf die Höhe der Schneegrenze eine bestimmte Reihenfolge 
einnehmen. Bei Süd-Exposition steht die Schneegrenze am höchsten: 
die Westlage ist für die Abschmelzung günstiger als die Ostlage und 
hat daher höhern Stand der. Schneegrenze. Nordlage bedingt äu 
beiden Gebieten den tiefsten Stand. Ueberall aber sind im Trift- 
gebiet die Höhen bedeutend niedriger als in der Einsteraarhorn- 
gruppe und zwar wechselnd um 80—2.30 m. 

Gehen wir noch mehr ins Einzelne in unserm Vergleich mit der 
Finsteraarhorngruppe. Da orographisch das Triftgebiet einfach die 
östliche Fortsetzung der Finsteraarhorngruppe ist und, von der ge- 
ringeren Erhebung abgesehen, ganz ähnliche Verhältnisse aufweist, 
so erwartet man schon im östlichen Teile der Finsteraarhorngruppe 
ein Sinken der Schneegrenze und eine Annäherung an diejenige des 
Triftgebietes. Die Gletscher an der Grenze beider Massive, also 
diejenigen rechts und links des Haslithals, lassen sich aber leider 
nicht vergleichen, da die zum Finsteraarhorngebiet gehörigen 
typische Ost-Exposition mit relativ tiefem Stand der Schneegrenze 
(circa 2sc)0 m) haben und die entsprechenden Gletscher des Trift- 
gebietes bei ebenso typischer West-Exposition relativ hohe Zahleii 
für die Lage der Schneegrenze aufweisen. Immerhin ist bemerkens- 
wert, dass die Höhe der Schneegrenze dieser letztern Gletscher mit 
circa 2860 m immer noch 100 m unter dem Mittel für die Finster- 
aarhorngruppe zurückbleibt. Suchen wir nach vergleichbaren Glet- 
schern in ähnlicher Exposition, so bieten sich uns solche in den 



217 

Südketten beider Gruppen. Da weist zunächst im Triftgebiet der 
Kamm Spitzberg-Tiefenstock eine Anzahl Ideinerer und grösserer 
Gletscher auf, deren Schneegrenze trotz ausgezeichneter Süd-Expo- 
sition durchgehend sehr tief ist, wie man aus folgenden Zahlen er- 
sieht : 

Höhe der Schneegrenze. 

Schneefieck am Mütterlishorn 2740 m, 

Lipfersteingletscher 2700 m, 

Tiefengletscher 28ßO m. 

Siedelengletscher 27so m. 

Gletscher W des Furkahorns 28!»0 m. 

In. der Finsteraarhorngruppe dagegen finden wir au der süd- 
^' liehen Kette Siedelhorn -Wasenhorn (vgl. Blatt Obergesteleu) bei 
gleicher Exposition folgende Werte: 

Höhe der Schneegrenze. 

Schneefleck E des Löffelhorns 2900 m, 

Münstergletscher 8020 m, 

Bächigletscher P.OIO m. 

Gl. zw. Wasenhorn und Vorder-Galmihorn . 2980 m. 

Auf der Nordseite desselben Kammes geht der Gratfirn bis auf 
2500 m hinab, der Spitzbergfiru und der Alpigengletscher im Trift- 
gebiet auf 2280 bezw. 2370 m bei gleicher Lage. Auf der Südseite 
der beiden Massive ist also vorerst kein allmähliches Sinken der 
Schneelinie gegen Osten resp. ein Ineinauderübergehen zu konstatieren. 

Aehnlich sind die Verhältnisse auf der Nordseite der beiden Ge- 
birgsgruppen, wie sich aus der Yergleichung folgender, gegen Nord 
exponierter Gletscher ergibt: 

Höhe der Schneegrenze. 

Oberer Grindelwaldgletscher 2810 m 

Rosenlauigletscher 2910 m 

G auligle tscher (NE-Exposition) 2780 m 

Im Triftgebiet dagegen haben der 

Höhe der Schneelinie. 

Triftgletscher 2740 m 

Steinengletscher 27()() m 

Also auch hier bedeutend tieferer Stand der Schneegrenze ohne 
Uebergang. da der Gauligletscher mit NE-Exposition nicht streng 
vergleichbar ist. 



218_ 

Wilhrend im Trit'ti^ebiet eine Höhe der Sclnieelinie von 21100 ni 
nur bei einem Grletscher auftritt und zwar in der an sich schon eine 
hohe I^age aufweisenden Süd-Westexposition, treffen wir im Finster- 
aarhorngebiet eine Anzald Gletscher in Nord- und Nordwestexposition, 
deren Schneegrenze über /WUO, ja selbst über ;U00 m liegt. Ich nenne 
den Roththalgletscher (Silberlaui von Kurowski) mit 8030 m : ferner 
den Giessengletscher am Nordabhang der Jungfrau mit ;50HO m; den 
Eigergletscher mit 3080 m. Dann finden wir im Lötschenthal am 
Nordabhang der I)ietschhornkette den innern und äussern Standbach- 
gletscher mit 30'JO bezw. 3120 m Höhe der Schneelinie. 

Durchgreifend ist auch der Unterschied beider Gebiete in Bezug 
auf Südexposition, wie wir schon bei Vergleichung der beiden Gruppen- 
mittel gesehen haben. Die Ketten, welche das Finsteraarhorngebiet 
gegen das Rhonethal abschliessen, sind teilweise sehr hoch, wie die 
Bietschhornkette, bald erreichen sie bloss 21)00 m wie der Kamm 
Riederhorn-Eggischhorn. Oestlich des Vieschergletschers ist die süd- 
liche Randkette wieder sehr hoch und erhebt sicli im Wasenhorn 
und den Galmihörnern bis über 3500 m ; dann senkt sie sich langsam 
gegen die Grimsel bis auf 2700 m im kleinen Siedelhorn. Diese 
Ketten tragen nur in ihren höchsten Teilen Gletscher, deren Schnee- 
grenze sehr hoch, immer über 3000 m liegt; die niedrigen Teile wie 
die Ketten Riederhorn-Eggischhorn und Löft'elhorn-Grimsel weisen 
gar keinen ewigen Schnee auf. Im Gegensatz dazu finden wir im 
Triftgebiet an der südlichen Randkette Furkahorn-Bätzberg eine 
Menge grösserer und kleinerer Gletscher mit teilweise sehr niederer 
Schneegrenze. Ich erwähne nur 





Areal in ha 


Höhe der Schneegrenze. 


Schneefleck am Mütterlishorn 


32,7 


2740 m 


Lipfersteingletscher 


21,8 


2700 m 


Tiefengletscher 


460,8 


2860 m 


Siedelengletscher 


277,4 


2780 m 


Gletscher W. des Furkahorns 


60,0 


2890 m 


Rhonegletscher 


2167,4 

10 aKimn-n f 


2900 m ' 

iofo Sr»linppcrrpn7P fiii» 



Südexposition auf im Vergleich zur Finsteraarhorngruppe. Der Grund 
dieses Verhaltens ist nicht recht klar; man wäre eher geneigt, anzu- 
nehmen, dass das relativ hohe Urserenthal (Thalsole bei Realp circa 
1500 m) in Verbindung mit dem südlich vorliegenden Gotthardmassiv 
gerade als Plateau wirken und also die Schneegrenze am Südrande 
des Triftgebietes in die Höhe treiben würde, während das umgekehrte 
der Fall ist. 



219 

Vielleicht Ulsst sich die ausserordentlich hohe Lage der Schnee- 
liuie am Südrande der Finsteraarhorngriippe durch eine Eigentüm- 
hchkeit des begrenzenden Thaies erklären. Das sehr tief einge- 
schnittene Rhonethal ist ein intensives Wärmecentrum. Diese Wärme 
wird durch die täglichen Thalwinde, den Gehängen entlang hinauf- 
geführt, so dass diese aufsteigende warme Luft, die sich wegen ihres 
Feuchtigkeitsgehaltes nur langsam abkühlt, vielleicht schon für sich 
allein ein Zurückweichen der Schneegrenze bewirken kann. Ein 
zweiter, nicht zu unterschätzender Faktor ist jedenfalls der Föhn, 
der als heisser und trockener Wind aus den zahlreichen N-S ver- 
laufenden Querthälern des Wallis hervorstürzt und an die südlichen 
Randketten der Finsteraarhorngruppe anprallt. Diese beiden Faktoren 
fehlen am Südrande des Triftgebietes; das Urserenthal ist eher ein 
Kälte- und kein Wärmecentrum und die relative Erhebung des Haupt- 
kammes der Gotthardgruppe ist zu gering, mn schon im Urserenthal 
heftigen und wirksamen Föhn veranlassen zu können Der Südwind 
gewinnt seinen Föhncharakter hauptsächlich erst beim Fall von 
Andermatt nach Göschenen. Vielleicht sind das die Gründe, warum 
wir hier eine Anzahl Gletscher und Firnttecke treffen, deren Existenz 
in gleicher Höhe am Südrande der Finsteraarhorngruppe eine reine 
Unmöglichkeit wäre. 

Mögen diese Ursachen auch vielleicht zum Teil die Differenz 
in der Höhenlage der Schneegrenze am Südabhang des Triftgebietes 
und der Finsteraarhorngruppe erklären, so dürfen wir doch nicht 
vergessen, dass die tiefere Lage der Schneegrenze keineswegs auf 
die Südhänge beschränkt, sondern eine ganz allgemeine p]rschein- 
ung ist. Es muss daher auch eine allgemeine Ursache wirksam 
sein. Diese allgemeine Ursache dürfte die geringere Erhebung des 
Triftgebietes im Vergleich zum Finsterarhorngebiet sein. Richter 
hat zuerst darauf aufmerksam gemacht, dass die Gebiete hohen 
Schneegrenzstandes mit den grossen Massenerhebungen der Gebirge 
zusammenfallen und dass Gebirge wie die Alpen sich ähnlich ver- 
halten, wie Plateauländer, in denen die Schneegrenze von aussen 
gegen innen ansteigt. Für die Ostalpen hat er dieses Verhältnis 
sicher gestellt. Die Westalpen und speziell die Schweizeralpen sind 
darautliin noch nicht untersucht. Gerade das Sinken der Schnee- 
grenze im Triftgebiet gegenüber der Finsteraarhorngruppe dürfte 
mit den Resultaten Richters vortrefflich stimmen ; denn das Triftge- 
t)iet ist bedeutend niedriger als die Finsteraarhorngruppe. Der höchste 
Gipfel, der Dammastock, erreicht nur 'MuV.) m; im ganzen Gebiet ist 
kein einziger Viertausender und nur wenige Spitzen gehen über 
;;•')()() m hinaus. Das Finsteraargebiet dagegen kulminiert im Finster- 



220 

aarhorn mit 427;') m, hat an 10 Viertausender und schier unzählige 
Gipfel, die den Danuuastock an Höhe übertretlen. Unser Schluss 
bestätigt sich, wenn wir weiter nach Norden gehen ; hier treffen wir 
auf die noch niedrigere, aber doch verhältnismässig stark vergletscherte 
TitlisgrupiJe und ein Blick auf die Karte genügt, um uns zu zeigen, 
dass die Schneegrenze hier noch beträchtlich niedriger liegt, als im 
Triftgebiet. 

Im Finsteraarhorn- wie im Triftgebiet sind die örtlichen Ab- 
weichungen von der klimatischen Schneegrenze sehr gross und zwar 
in letzterem 200 m nach oben (Alpligletscher 2!)50 m) und oOO m 
nach untenhin (Schneefleck NE des Mährenhorns 21!)0 m). Die 
Amplitude beträgt also 7(30 m und ist trotz der verhältnismässig 
geringen Anzahl von Gletschern (36) noch um 50 m grösser als in 
der Finsteraarliorngruppe mit 101 Gletschern. Die gewaltigen 
Schwankungen der Schneelinie rühren allerdings zum Teil davon 
her, dass Firnflecke berücksichtigt wurden, die nur der orographischen 
Begünstigung ihre Existenz verdanken. 

Schon mehrfach, namentlich aber bei der Bildung der Mittel- 
werte, hat sich deutlich gezeigt, dass die Höhe der Schneegrenze 
und die Grösse der Gletscher miteinander in Zusammenhang stehen. 
Die Berechnung der Amplitude, also der Grösse der Schwankung 
des Schneegrenzenstandes, gibt uns Gelegenheit, die Art und Weise 
dieser Abhängigkeit zu untersuchen. Wir haben gesehen, dass grosse 
Gletscher eine relativ hohe Schneegrenze besitzen: also sollten wir 
bei Weglassung der kleinern Gletscher eine Verminderung der Ampli- 
tude erhalten. Dies ist auch der Fall, wie folgende Zahlen beweisen : 

Amplitude sämtlicher Gletscher . . 760 m 

„ der Gletscher über 50 ha 730 m 

„ 100 „ 430 m 

,, ,. „ ,, 200 ,, 380 m 

Lassen wir bei den Gletschern über 200 ha den Massen- 
plankfirn weg, der mit der Schneegrenze bei 2520 m weit unter den 
übrigen bleibt, so nimmt die Amplitude noch um 100 m ab und 
reduziert sich auf 270 m. Die Schneegrenze der Gletscher über 
500 ha, wieder mit Fortlassung des Massplankfirns, schwankt 
um 250 m und die der Gletscher über lOOO ha nur um 200 m. 

Das gleiche Verfahren auf die Finsteraarliorngruppe angewandt 
ergibt noch bessere Resultate ; der Einfluss der Grösse lässt sich viel 
genauer verfolgen, als im Triftgebiet, weil die Zahl der Gletscher 
grösser ist. Wir haben hier als 



Amplitude sämtlicher Gletscher .... 72<) m 

„ „ „ über ")() ha 7i2() m 

, ^ „ „ im „ 670 \n 

„ „ ;, -200 „ 640 m 

„ y, „ » 400 „ 510 m 

„ „ „ „ 800 „ 430 m 

Von 800 ha an ist keine Abnahme mehr zu konstatieren, da 
einzelne sehr grosse Gletscher (Gauligletscher z. ß.) von da an die 
Amplitude immer auf 430 m erhalten. 

Diese Abnahme der Amplitude ist in beiden Gebieten sehr be- 
deutend und erfolgt fast ausschliesslich von unten her durch das 
Wegfallen kleiner Gletscher; sie weist daher ohne weiteres auf einen 
Zusammenhang zwischen der Gletschergrösse und der Höhe der 
Schneegrenze hin. 

Es könnte hieraus zunächst hervorzugehen scheinen, dass die 
Zunahme der Gletschergrösse ein Ansteigen der Schneelinie bewirke. 
Doch ist das keineswegs der Fall; nur bei einem Teil der kleinen 
Gletscher liegt die Schneegrenze sehr tief, bei einem andern Teil 
dagegen sehr hoch (Alpligletscher im Triftgebiet 2950 m, Triest- 
gletscher im Finsteraarhorngebiet 3210 m.) 

Die kleinen Gletscher stellen die Extreme in Bezug auf die 
Höhe der Schneelinie dar, während die grossen Gletscher mittlere 
Verhältnisse aufweisen. Die Ursache der ausserordentlich grossen 
Schwankung der Höhe der Schneegrenze bei den kleinen Gletschern 
liegt in den abnormen Verhältnissen, unter denen sie sich oft be- 
finden. 

Ein sehr hoher Stand der Schneelinie bei einem kleinen Gletscher 
wird durch eine Lage auf einem steilen Gehänge verursacht, wo der 
Schnee sich nur zum Teil halten kann, zum Teil durch den Wind 
herabgeweht oder von den Lawinen zu Thal gefördert wird. 

Der Nordabhang der Bietschhornkette mit den zahlreichen kleinen 
Gletschern, die trotz der für Abschmelzung ungünstigen Exposition 
eine sehr hohe Schneelinie besitzen, ist ein typisches Beispiel für 
den EinÜuss der Lawinen auf die Höhe der Schneegrenze. Die Ge- 
hänge sind sehr steil und zwar gleichmässig von der Kammhöhe bis 
hinab ins Lötschenthal. Die Gliederung ist nicht sehr stark. In 
gleichen Abständen folgen sich einfache Runsen; eigentliche Nischen, 
wo der Schnee sich ansammeln könnte, sind selten (Distelberggletscher). 
Die mächtige winterliche Schneedecke vermag sich nicht zu halten 
und stürzt zu einem grossen Teil als Lawine zu Thal, wo sie bald 
geschmolzen wird. Dadurch wird die Dicke der Schneedecke in der 



222 

Höhe vermindert; die sommerliche Wurme kann daher das Gehftnge 
in Mölien ganz von Schnee befreien, wo das bei einer normalen 
Dicke der Schneedecke nicht inü^lich war: Die Schneelinie rückt in 
die Höhe. 

Auch anderwärts finden wir genugsam Belege dafür, dass die 
Lawinen die Schneegrenze in die Höhe zu treiben vermögen. Wohl 
am schönsten zeigt sich dies beim Bristenstock ('M)l') m) im Kanton 
Uri. Derselbe ist der Typus einer Pyramide; die Neigung seiner 
Hänge beträgt vom Fuss bis zur Spitze stets zirka HO'*. Das Ma- 
terial ist äusserst homogen, die Flanken des Berges nicht tief durch- 
furcht; dafür begegnen wir typischen Lawinenzügen. So kommt es, 
dass der Berg trotz seiner Höhe beinahe schneefrei ist; der meiste 
Schnee geht als Lawinen zu Thal. Nur ganz oben zwischen den 
Gipfelgräten vermögen sich in kleinen Nischen einige Schneeflecke 
zu erhalten. Desgleichen dürfte auch die hohe Schneegrenze der 
bereits erwähnten Gletscher am Nordabhang des Berneroberländer 
Gebirgswalles (Roththalgletscher ,3030 m, Giessengletscher 8030 m, 
Eigergletscher 3080 m) durch die Abtragung der Schneedecke durch 
Lawinen (zum Teil auch GletscherlawinenJ zu erklären sein. Bei 
den kleinen Gletschern mit hoher Schneelinie überwiegen also die 
die Schneeanhäufung hindernden Faktoren. 

Bei den kleinen Gletschern mit tiefer Schneegrenze sind die 
Verhältnisse gerade umgekehrt; bei ihnen findet nicht eine ab- 
norme Verdünnung der Schneedecke, sondern eine ausserordentliche 
Verdickung derselben statt, so dass die sommerliche Wärme nicht 
mehr hinreicht, die Schneeraasse zu schmelzen und dadurch die 
Schneelinie herabsteigt. Diese Gletscher finden sich nur in tiefen 
Mulden, in eigentlichen Karen; diese sind für die Ansammlung des 
Schnees ausserordentlich günstig. Der Schnee gelangt von den um- 
gebenden Gehängen durch den Wind oder als Lawine in die Mulde 
und trifft dann dort bei der starken Beschattung durch die ein- 
schliessenden Felswände für seine Erhaltung ausserordentlich günstige 
umstände an. 

Kleine Gletscher sind meist zu klein, als dass sich auf ihrer 
Fläche die begünstigenden und die benachteiligenden Faktoren aus- 
gleichen könnten. Das gilt selbst noch von Gletschern von 3 — 500 
ha Fläche. Ganz anders ist es bei grossen Gletschern. Hier 
findet mehr oder weniger eine Ausgleichung jener Verhältnisse statt, 
die einen sehr hohen und einen sehr tiefen Schneegrenzenstand zu 
veranlassen streben. Die obersten Gehänge eines grossen Gletschers 
sind allerdings meist auch so steil, dass der Schnee nicht haften 
bleibt und durch den Wind weggeweht wird oder als Lawine zur 



223 

Tiefe geht, aber er geht in diesem Fall nicht zu Thal, sondern fällt 
auf den Gletscher selbst, dessen Masse vermehrend. Was dem einen 
Teil des Gletschers genommen wird, wird dem andern zugeführt. Zu 
einer einseitigen Schwächung oder Verstärkung der Schneedecke 
kommt es nicht. Andrerseits wird durch einen grossen Gletscher 
eine Mulde oder ein Thal derart ausgefüllt, dass die Beschattung 
durch die umgebenden Gräte, die die Abschmelzung hemmt und die 
Schneegrenze deprimiert, durch die freie Lage der centralen Partien 
des Gletschers, die hier für die Abschmelzung in der Regel sehr günstig 
exponiert sind, wieder wett gemacht wird. 

Wegen dieser Ausgleichung stellen die grossen Gletscher mehr 
die normalen Verhältnisse dar als die kleinen und darum muss ihre 
Schneegrenze sich der klimatischen Schneegrenze des ganzen Gebietes 
mehr nähern. Dies lässt sich direkt nachweisen, wenn wir die 
Gletscher von bestimmter Grösse zusammenfassen und das Mittel 
ihrer Schneegrenze mit denjenigen des ganzen Gebietes vergleichen, 
wie folgende Tabelle zeigt, in der wieder der Wert I. das mit Be- 
rücksichtigung der Areale gewonnene, der Wert IL das arithmetische 
Mittel darstellt. 







Höhe der Schneegrenze. 




Gesamtareal. 


Mittelwert I. 


Mittelwert IL 


[000 ha 


2024 ha 


2790 m 


2780 m 


500 ha 


7568 ha 


2750 m 


2700 m 


300 ha 


8820 ha 


2750 m 


2810 m 


200 ha 


9584 ha 


2750 m 


2730 m 


100 ha 


10 642 ha 


2750 m 


2760 m 




11 567 ha 


2750 m 


2710 m 



1-2 

36 

Diese Zahlen zeigen sehr deutlich, dass die aus den grossen 
Gletschern allein abgeleitete Schneegrenze mit der klimatischen 
Schneegrenze des ganzen Gebietes übereinstimmt, ist doch die Diffe- 
renz gegen den Wert aus allen Gletschern bei Berücksichtigung 
der Gletscher über 500 ha Fläche nur 3 m, so dass sie in den 
abgerundeten Zahlen gar nicht zur Geltung kommt. Man könnte 
das dadurch erklären wollen, dass auf die 6 grossen Gletscher der 
grösste Teil des Gletscherareals des Triftgebietes entfällt und dass 
diesem gegenüber das Areal der kleinen Gletscher verschwindet. Das 
ist aber nicht der Fall; denn auf die Gletscher mit mehr als 500 ha 
Fläche entfallen nur (;5 7o ^e^ gesamten Gletscherareals, also nicht 
ganz zwei Drittel. 

Genau das gleiche gilt vom Finsteraarhorngebiet. Ich habe aus 
den 10 Gletschern, die ein Areal von über 1000 ha besitzen und 
zusammen doch nur etwa 71 7o <^6S Gletscherareals der Gruppe 



224 

bilden, die Sclineeurenze zu •2'.)')0 m bestimmt, also g'eiiaii den gleichen 
Wert gefunden, wie Kurowski aus allen Gletschern. Dies beweist, dass 
man zur Bestimnnmg der klimatischen Schneegrenze eines Gebietes 
nicht alle Gletscher herbeizuziehen braucht, sondern sich auf die 
griissern beschränken kann, ohne grosse Fehler befürchten zu müssen. 
Ferner zeigt die Vergleichung der Mittelwerte I. und IL, dass es 
absolut notwendig ist das Areal der Gletscher zu berücksichtigen um 
bei der Mittelbildung jedem Gletscher den Eintiuss zu sichern, welcher 
ihm seiner Grösse nach zukommt. Denn die Mittelwerte IL als die 
einfachen arithmetischen Mittel zeigen weit grössere Abweichungen 
von der klimatischen Schneegrenze als die Mittelwerte L 



Fassen wir zum Schluss unsere Resultate kurz zusammen! 

Die klimatische Schneegrenze liegt im Triftgebiet bei 2750 m. 
Die Lage der örtlichen Schneegrenze ist abhängig von der Exposition. 
Für das Triftgebiet liegt sie bei den verschiedenen Expositionen in 
folgenden Höhen : 



Nordexposition 


2740 m 


Ostexposition 


2780 m 


Südexposition 


2870 m 


Westexposition 


2860 m 



Von Einfluss ist auf die Höhenlage der örtlichen Schneegrenze 
auch die Grösse des Gletschers. Bei den grossen Gletschern entfernt 
sich die örtliche Schneegrenze viel weniger von der klimatischen 
als bei den kleinen. Die kleinen Gletscher sind die extremen. Der 
Grund hiefür liegt darin, dass bei grossen Gletschern die Gebiete 
mit abnorm verdickter und abnorm verdünnter Schneedecke einander 
ungefähr die Wage halten und daher ihren Einfluss auf die Höhe 
der Schneegrenze gegenseitig mehr oder minder aufheben, was bei 
kleinen Gletschern nicht der Fall ist. Hier überwiegen vielmehr ent- 
weder die die Schneeanhäufung begünstigenden Faktoren wie z. B. 
bei ausgesprochener Muldenform des Bettes, oder aber die die Schnee- 
anhäufung hemmenden Faktoren wie z. B. bei der Lage an steilen 
Gehängen, wo durch Wind und Lawinen die normale Schneedecke 
geschwächt wird. Je nachdem rückt die Schneegrenze tief lierab 
oder hoch hinauf. 

Unsere Resultate bestätigen die Ergebnisse Kurowskis für das 
Finsteraarhorngebiet, zum Teil ergänzen sie sie. Als durchgreifender 



225 

Unterschied zeigt sich, class die Schneegrenze im Mittel für das ganze 
Gebiet wie auch für die einzehien Expositionen im Triftgebiet 200 m 
tiefer liegt als im Finsteraarhorngebiet. Die Ursache dieser Differenz 
dürfte in der geringeren Massenerhebung des Triftgebietes im Ver- 
gleich zur Finsteraarhorngruppe zu suchen sein. 

Diese Abweichung ist ebenso unerwartet wie interessant. Zu 
ihrem vollen Verständnis wird es freilich nötig sein, die Untersuchung 
auch auf die benachbarten Gletschergebiete des Titlis, des Tödi und 
des Gotthardt auszudehnen. 

Bern, Geographisches Institut der Universität. 

Dezember 1892. 



XI. Jahrcsiicricht d. Ueogr. Oes. v. Bern. IWH-IWÖ. I5 



XVII. 

Soine niytWc stories of the yuchi indians. 

By Alb. S. Gatschet, lionorary meml^ei- of tlie Berne Geographical Society. 



The myth explaining the origiii of dry laiid is so widely dissemi- 
nated in North America, that there was probably no tribe east of the 
Interior Basin wbich had no knowledge of it. This wide circulation 
caused it to be recounted in many different ways. I have obtained 
one of these relations, as modified by Yuchi story-tellers, froni a pupil 
of the niission-school in 1885 at Wialaka, Creek Nation, on the banks 
of Arkansas River near the present Settlements of the Yuchi. Here 
the Creator is introduced as agent, although he is scarcely in any 
way helpful in the creation of the land. The other land-creation story 
difters in some interesting particulars from the first one and omits 
the mention of a creator or great spirit, which is perfectly illogical 
in this connection. George W. Grayson of Eufaula, Ind. Ter., obtained 
it from Noah Gregory some years ago. 

The Yuchis believe themselves to be the offspring of the sun which 
they consider to be a female. According to one myth, a couple of 
human beings were born from her monthly efilux, and from these the 
Yuchis afterwards originated. Another mythic story pretends that 
the of the sorcerer who tried to kill the sun at the time of sun-rise, 
was suspended to the cedar tree; the blood trickled from it to the 
ground and gave origin to the Yuchi people, while other particles of 
the blood feil upon the cedar itself and caused it to become red- 
grained. The history of the three or four hunters crossing the chasm, 
from which the sky is rising, at the peril of their lives, appears to 
be only a variant of the wizard losing bis liead. It is found among 
the Cherokees, Shawnees and other tribes of the Territory. See 
"American Anthropologist", 1893, pag, 04. The myth below in its 
Yuchi modified shape was obtained by me in the Yuchi language from 
a young man of that tribe at Wialaka, as stated previously. The 
purpose of the myth is twofold : it attempts to explain the quicker 



227 

motiou of the siin in its morning path and tlie origin of the reddish 
or brown color of the cedar wood texture. 

In the populär belief of the hilä or mysterious being is depicted 
sometimes as an ogre or other dangerous raonster, at other times as 
an animal vvith human or rather superhuman faculties. The present 
Story makes of the hiki an instructor of the people in the useful arts 
of life. Every Indian Nation has a culture-hero of this description, 
comparable to Quetzalcoatl, Bochika, Flint Boy, Apollo and others, and 
these culture-heroes are usually personifications of the sun. No doubt 
that tlie monster hilci is the sun ^lersonified in a %nanner to suit the 
belief of the Yuclii people. 



The origin of dry Land. 

Wlien the Creator had resolved to make a home for the living 
beings he had no solid matter to start with and hence called a 
Council of various animals to deliberate upon. Among those that 
he had gathered were the wolf, the racoon, the bear, the tiirkey- 
buzzard, the craw-fish, the loon and the ring-necked duck. They 
decided that earth should be taken up from the bottom of the 
waters, and selected the loon for the waters purpose, as he was 
kuown to be the best diver. The loou put white beads around his 
neck and plunged into the water. But the water was deep and its 
pressure forced the beads into the skin of his neck so that they 
could not be removed again and are now sticking there. As he 
returned to the surface without obtaining any earth or mud, the 
beaver was ordered to accomplish the task. He dived, but the water 
suftbcated him and his dead body reappeared on the surface largely 
swelled up. This is the reason why all beavers now show a thick, 
swollen exterior. Another beast had to plunge down ou the same 
errand; the crawfish took a dive and soon yellow dirt appeared on 
the water's surface. He came near being drowned, but on reappe- 
aring again he stretched up his claws whicli were examined by the 
animals assembled. They found some mud sticking on the inside ot 
them between the extremities and handed it over to the creator. 
He rolled it out to a flat mass, spread it on the surface of the 
waters and it became land. The fish wliose domain was the bottom 
of the water noticed the Coming down of the crawfish and pur- 
sued him, for the theft, but the crawfish managed to escape to the 
surface. 



228- _ 

The earth was all water; inen, animals and all insects aud 
created beings met and agreed to adoi)t some plan to enable them 
to inhabit tlie earth. They nnder.stood that underneath the water 
there was earth and the probleni to be solveil was how to get the 
earth or dirt up to the top and spread it out so as that it migiit 
beconie inhabitable. 

They chose first one aud then auother animal, but uone of tlieui 
could hold their breath long enough to accoraplish the work. Finally 
they selected the crawfish, who went down and after a long time 
brought up in hii» claws a ball of earth; this was kneaded, mani- 
pulated and spread out over the waters (the great deep). Thus the 
land was formed: at first it was in a half fluid State and not well 
habitable. Now the turkey-buzzard was sent out to iuspect the work. 
He was directed to tiop his wings while soaring over the lands and 
inspecting them. The turkey-buzzard on his tour of inspection 
obeyed Orders very well, but when he had almost completed the 
inspection, he became so exhausted as to be forced to tiop his wings, 
in Order to support himself. The effect of this upon the almost 
fluid earth is to be seen to this day in the hüls, mountains, and 
vallys of the earth. 



Why the Cedar-Tree is red inside. 

An unknown, mysterious being once came down upon the earth 
and met people there, who were the ancestors of the Yuchi Indians. 
This being (hiki or kala hiki) taught them many of the arts of life, 
and in matters of religion admonished them to call the sun their 
mother as a matter of worship. Every morning the sun after rising 
above the horizon makes short stops and then goes faster until it 
reaches the noon-point. So the „Unknown" inquired of them what 
was the matter with the sun? They denied having any knowledge 
about it, an said: „somebody has to go there to see and examine." 
„Who could go there? and what could be done after he gets there?" 
The people said: „We are afraid to go up there." But the „Unknown" 
selected two men to make the ascent, gave to each a club and in- 
structed them, that as soon as the wizard who was playing these 
tricks on the sun, was leaving his cavern in the earth and appeared 
on the surface, they should kill him on the spot. „It is the wizard 
who causes the sun to go so fast in the morning; at sunrise he makes 
dashes at it, aud the sun being afraid of him, tries to flee from his 



229 

presence. The two brave men went to the rising place of tbe sun. 
watcliiug the orifice where the siin is einerging from. The wizard 
appeared at the mouth of the cave and at the same time the sun 
arose from another orifice beyond it. The wizard watched the fiery 
globe and put himself in position to rush and jumb at it at the 
moment of its appearance, When the wizard bald up is head, the 
two men knocked it off from bis body with their clubs, took it to 
tbeir tribe and proclaimed that they had killed the sorcerer who 
had for so long a time iirged the sun to a quicker motion. But the 
wizard's head was not dead yet. It was stirring and moving about, 
and to stop tbis, the man of mysterious origin advised tbe people 
to tie the head ou tbe uppermost limbs 'of [a tree. They did so, 
and on the next morning the head feil to the ground, but was not 
dead yet. He then ordered them to tie the head to another tree; 
it still lived and feil to the ground tbe next day again. To insure 
success, the „unknown" then made them tie it to a redcedar tree; 
there it remained and its life became extinct. The blood of the head 
ran through it; benceforth the wooden grain of the tree assumed a 
reddisch color and the cedar tree became a medicine tree. 



^^-^^^- 



«■(ri^5)(2^Ä^' 



XVIII. 

üeber die wissenschaftlichen Sammlungen in La Plata, 

Hauptstadt der Provinz Buenos Ayres. 

XiH'li den VerölTentlichungen des Miiseo de la Plata von Francesco P. Moreno. 
Von Dr. Th. Studer, Professor. 



La Plata, die Hauptstadt der Provinz Buenos Ayres verdankt ihre 
Gründung dem Bedürfnis der Provinz Buenos Ayres nach einer eigenen 
Hauptstadt mit dem Sitz für die Regierung, nachdem die Stadt Buenos 
Ayres Hauptstadt der argentinischen Republik geworden war. Die 
Gründung fiel auf den 1!). November 1S82 und schon im Jahre 1884 
konnten die verschiedenen Departemente der Provinzialregierung dort 
ihren Sitz einnehmen. Ebenso wurden dorthin alle Institute über- 
gesiedelt, welche aus den Finanzen der Provinz subventioniert wurden. 
Eine Ausnahme machte nur das Museum von Buenos Ayres, das von 
Bivadavia im Jahre 1823 gegründet, eine Weltberühmtheit erlangt hat 
durch die palaeontologischen Schätze, welche der greise, jüngst ver- 
storbene Direktor, Dr. Hermann Burmeister hier anhäufte und durch 
seine wissenschaftlichen Arbeiten zu klassischen Monumenten der 
Vorgeschichte Südamerikas gemacht hat. 

Die Stadt La Plata liegt auf offener Pampa am La Piatastrom, 
30 Meilen S-0 von Buenos-Ayres. Im Jahre 188!) zählte sie schon 
60,000 Einwohner, deren Zahl jetzt auf 100,000 gestiegen sein dürfte. 
Die Häuser bestehen aus Stein oder Fachwerk, das mit Stuck über- 
zogen ist und zeigen eine elegante moderne Architektur. Die Strassen 
sind breit, die breiten Trottoirs vielfach durch Baumalleen beschattet. 

Im Osten der Stadt, am Ende einer der Hauptavenuen, ist ein 
prachtvoller Park angelegt, der über 1000 Acres einnimmt. In diesem 
soll sich eine Anzahl wissenschaftlicher Institute erheben, von denen 
bis jetzt vollendet sind, das astronomische Observatorium und das 
Museum von la Plata. 

Das letztere, einen Flächenraum von 6000 Quadratmeter ein- 
nehmend, ist ein monumentaler Bau in griechischem Stil, gemischt 



231_ 

mit archäisch südamerikanischen Motiven. Den Eingang-, zu dem 
mau auf einer breiten Freitreppe gehingt, bihlet eine Säulenhalle in 
korynthischem Styl, während an den einfacher gehaltenen Seitenteilen 
die alt-indianische Architektur vorherrscht. 

Das Gebäude enthält die archäologischen, etnographischen, palae- 
ontologischen und zoologischen Sammlungen, sowie eine Gemälde- 
galerie. Der geniale Direktor der wissenschaftlichen Sammlungen, 
Francesco P. Moreno verfolgte bei deren Anordnung und Zusammen- 
stellung die Idee, dem Beschauer die Geschichte Südamerikas von 
den ältesten Zeiten der Erdgeschichte an, bis zum Auftreten des 
Menschen und dessen Geschichte auf dem Boden Südamerikas bis 
zur Neuzeit nach erhaltenen Fossilen und lebenden Zeugen vorzu- 
führen. Die Grundlage dieses Materials bildete eine reiche Sammlung 
anthropologischer und ethnographischer Gegenstände, welche Francesco 
31oreno aus allen Teilen Südamerikas zusammengebracht und dem 
Provinzialmuseum zum Geschenk gemacht hat. Es enthält dieselbe 
400 Schädel der alten ludianerrassen aus der Zeit vor der Conquista, 
100 Schädel der gegenwärtig die Provinz bewohnenden Indianer, 
eine Reihe Altertümer aus Cataraarca von den ausgestorbenen Cal- 
chaquies stammend u. v. A. Ferner wurde die Sammlung von Fossilien 
Südamerikas von Dr. Florentino Ämegliino im Jahre 1886 durch die 
Regierung käuflich erworben. Seither fliessen dem Museum beständig 
neue Materialien zu. Die Bearbeitung dieser Schätze hat schon mit 
einer Reihe wichtiger wissenschaftlicher Arbeiten begonnen. Abge- 
sehen von dem grossen Werke Ameghinos über die Fossilien Süd- 
amerikas, begannen bald regelmässige Publikationen des Museums 
von La Plata durch F. Moreno und unseren Landsmann Dr. Mercerat 
So sind wir mit zahlreichen neuen fossilen Säugetieren aus der 
Pampasformation bekannt geworden. Dr. Mercerat veröffentlichte 
ein schönes Werk über die fossilen Vögel, das uns ganz neue, bisher 
unbekannte Typen vorführt. 

Machen wir an der Hand der Darstellungen F. Ameghinos einen 
Gang durch die Sammlung, so treten wir beim Eingang in eine weite 
von Säulen getragene Rotunde, an deren Wänden Gemälde Scenen 
und Landschaften aus der Vorgeschichte Südamerikas illustrieren, 
von da gelangen wir in den ersten- Saal, der die Fossilien der ältesten 
sedimentären Ablagerungen des Landes enthält. So die Reste aus 
den palaeozoischen Schichten von Feuerland, Patagonien, Mendoza 
und San Juan; die secundären Fossilien aus den Juraschichten der 
Anden, mächtige Dinosaurierreste aus der Kreideformation Patagouiens. 

Der zweite Saal enthält Fossilien aus der Tertiärformation. Eine 
Sammlung aus der durch die Entdekungen Ch. Darivins klassisch 



232 

gewordenen Fundstelle von Monte llernioso in N-0 Patagonien, 
Fisch- und Vogelreste, riesige Schildkröten und Knochen von circa 
200 Arten verschiedener Säugetieren. Der dritte Saal mit einer Ober- 
Hache von 500 Quadratmetern enthält fossile Edentaten, darunter 2o 
ganze Rückenschilder von Glyptodonten, vier ganze Mylodonskelette, 
ein Lestodon und ein Scelidotherium nebst zahlreichen Schädeln 
und Knochen. 

Den vierten Saal füllen die Skelette und Skelettreste von Mega- 
therien, den fünften Toxodonten und Macrauchenien, darunter zwei 
ganze Skelette von Toxodon und von Macrauclienia, den sechsten die 
Pferdereste der Pampasformation, die Tapire, Hirsche und Auchenien 
(Lamas). 

Im siebenten Saal sind provisorisch noch Knochen von Glypto- 
donten und Mylodonten untergebracht, im achten die Mastodonten, 
im neunten Nager, Raubtiere und die Menschenreste aus der Pampas- 
formation, im zehnten die Ueberreste der grossen fossilen Wal- 
fische. 

Damit schliesst die Sammlung der Fossilien. 

Der elfte bis fünfzehnte Saal enthält die Sammlung der recenten 
Fauna. Der elfte die wirbellosen Tiere, der zwölfte die Fische und 
Reptilien, der dreizehnte die Vögel und Säugetiere, der vierzehnte und 
fünfzehnte eine vergleichend osteologische Sammlung, worunter vier 
ganze Skelette von Finnwalen, Balaenoptera. 

In dem Centralteil des Gebäudes, links von der grossen Rotonde 
sind mehrere Säle mit den anthropologischen und osteologischen 
Sammlungen angefüllt. 

Ein Raum von 400 Quadratmeter Oberfläche enthält iooo Schädel 
und 80 Skelette, wovon 7io "^^n Indianern Südamerikas von den 
ältesten Zeiten bis zur Jetztzeit, dann folgen im nächsten Saal die 
Ueberreste der Bewohner aus der ältesten Steinzeit von Uruguay, 
Cordoba, Buenos Ayres und Patagonien. In der Centralhalle ordnen 
sich die Antiquitäten von Paraguay und Argentinien. Hier sind von 
besonderem Interesse die Ueberreste der halben Kulturvölker der 
der Provinz Mendoza, deren Städteruinen und Mauern überall in 
den Anden gefunden werden. Man findet hier ihre Gewebe, ihre 
alten Werkzeuge und Schmucksachen aus Stein, Kupfer, Bronze, 
Silber und Gold. Ein eigener Saal enthält endlich peruanische Alter- 
tümer, worunter 800 Vasen, ethnographische Gegenstände aus Chile, 
dem Grand Chaco, Patagonien, Feuerland, Bolivia, Paraguay und 
Brasilien, ferner eine Sammlung polynesischer und alt-egyptischer 
Gegenstände. Diese grosse Sammlung illustriert die verwickelten 



233 

Züge der Besiedlimg Südamerikas und die Wanderungen der Be- 
völkerung. Die älteste Menschenrasse Patagoniens, welche noch mit 
den ausgestorbenen Riesentieren der Diluvialzeit zusammenlebte, war 
dolichocephal, dann traten andere, mehr kurzköpfige Rassen auf, die 
mit der erstem mannigfache Kreuzungen eingingen, bis zuletzt die 
eigentlichen Patagonier oder Tehuelchen auftreten. Einwanderungen 
von Norden fanden zu verschiedenen Zeiten statt, selbst polynesische 
und chinesische Einflüsse lassen sich nachweisen, auch ostatlantische 
Guanchen scheinen lauge vor der europäischen Einwanderung die 
Bevölkerung Südamerikas beeinflusst zu haben. 



XIX. 

Notizen 

über die 

erste arcMologisclie Expedition in der Provinz Catamarca 

(Republik Argentinien.) 
Von A. Methfessel. 



Im Jahre 1888 sandte die Direktion des Museums von La Plata 
kleine Expeditionen nach dem Süden der Republik zum Zwecke 
palaeethnologischer Forschungen und Ausgrabungen. Die letzteren 
sollten dem Institute neues Material bringen ; das Resultat dieser 
Forschungen fiel glänzend aus. Der thätige Direktor des Museums, 
Francisco P. Moreno beschloss nun, ermutigt durch die reichen Er- 
gebnisse, welche die Erforschung der Provinz Buenos Ayres und 
Patagoniens zur Folge hatte, eine weitere Expedition mit der be- 
sonderen Aufgabe archäologischer Erforschung nach dem nördlichen 
Andengebiete auszusenden. Dieselbe sollte auch die Ausbeutung von 
Fossilresten nicht ausser Acht lassen. 

Die Ehre der Leitung des Unternehmens wurde mir zu teil und 
so trat ich anfangs Dezember 1888 die Reise an. 

In nahezu schnurgerader Richtung durchzieht das Dampfross von 
Ost nach West die grasigen und mit blühenden Kolonien beglückten 
Pampas bis Cördoba und von da sich nach Norden wendend die 
sandigen Ebenen bis zur Station El Recreo. Die Nordbahn, welche 
nach Tucuman, Salta und Jujuy abzweigt, verlassend, eilen wir 
westwärts bis an den Fuss der östlichen Cordillerenparallelen. An 
deren Abhang liegt die Station Chumbicha. 

Dem Sockel des Gebirges entlang zieht sich ein breiter Wald- 
streifen, dessen Bestand besonders von Aspidospermum (Quebracho) 
zwei Spezies, ferner von Celtis tala, hin und wieder mit Prosopis 
(Algarrobo), drei Spezies, und andern Nutzhölzern untermischt, ge- 
bildet wird. Gruppenweise oder vereinzelt inmitten dieser Vegetation 
überrascht uns eine hochstämmige Chamoeropspalme die monotonen 
Kuppen der anderen Baumarten angenehm, malerisch unterbrechend. 



2:j5 

Der Charakter des Waklstrichs verändert sich gewaltig nach Norden 
durch das aUniähliche Auftreten anderer Baumtypen. In der Provinz 
Tucuman, erzeugt das feuchtwarnie Klima eine ganz verschiedene ur- 
kräftige Baumvegetation, begleitet von einer reichen Parasitenwelt. 

Der Ort Chumbicha (früher auch Capayan genannt) verdankt 
seinen Namen dem tapfern Caziken eines kriegerischen Stammes. 
Er verteidigte den bei genanntem Orte das erste Gebirge durch- 
schneidenden Engpass gegen Eindringlinge aus dem Süden und 
Westen. Der einstige Weg durch die Schlucht führte nach den 
grossen Ebenen, nördlich nach dem Fuerte Andalgald, sowie Belen, 
dem Cerro Famatina, von jeher bekannt durch seinen Gold- und 
Silberreichtum, und Tinogasta. In dieser Ebene, die rings von Ge- 
birgen umschlossen ist, beginnt für uns das Gebiet historischer 
Forschung. 

Von Chumbicha führt der Postweg durch genannte Quebrada 
del Cebilar (Schlucht mit kleinen Gehölzen des Cebils, einer Acaciacee) 
und von da fährt man einige Stunden auf unebenem Wege über 
Trümmerhalden mit spärlicher Vegetation, Bäume treten selten und 
niedere Sträucher nur zerstreut auf, dafür macht sich eine massige, 
niedere Cereusart im Gestein und Sand breit. Hier beginnt die 
Wasserarmut. Trotzdem finden sich hier schon unzählige Ueberreste 
von alter Besiedlung, Gruppen von Steinreihen lassen darauf 
schliessen. 

Zwei Posttagsreisen führen uns durch diese monotone Landschaft 
durch die kleinen Ortschaften Mazan, Gaujil, Pipanaco, Colpes, an 
Poman und dem einstigen Londres vorüber. Vor Jahrhunderten 
waren alle diese Gegenden stark besiedelt. 

Der Durchmesser der Provinz Catamarca von dessen Land wir 
eben sprechen, beträgt auf seinem Meridian ()7 (Greenwich) von Süd 
nach Nord 275 km und die grösste Breite 420 km. Die Parallele von 
28° begreift eine Oberfläche von 00,044 km ; die Provinz bewohnen 
nach den Aufnahmen des Jahres Lsso i)2,000 Einwohner, wovon die 
Hauptstadt Catamarca 8490, das Departement Fuerte Andalgalä 10,445 
auf einen Flächenraum von ca. GOOO km- und das Departement Santa 
Maria T!)!)0 auf ca. OOOO km^ zählen. Tinogasta, Gualtin und Belen 
sind in ungefähr gleichem Masse zu berechnen. 

Alle diese (zwischen Cordilleren gelegenen) Ungeheuern Länder- 
striche von Mendoza, San Juan, Cordoba, La Rioja, Catamarca. 
Salta und Jujuy sind selten durch kurze Gewitterregen, die vom 
Dezember bis Februar eintreten, begünstigt, wenigstens in den Nieder- 
ungen, während sich in den Höhen jene häufig einstellen. Jedoch 
versickern die seichten Berggewässer meist sehr rasch, kaum stunden-, 



236 

selten taiielango lierieselungen des Thaies gestattend. Die 'rrockenlieit 
wird l)esonders durch den Mangel an Quellen hedingt; die von Monat 
!\Iai his August und darüher (also zur Winterszeit) herrschenden, 
Iternianenten Nord- und Nordostwinde, hei stets unhewölkteni Him- 
mel tragen das Ihre dazu hei, ehenso die den Sandhoden durch- 
glühenden Sonnenstrahlen. Während meines Utägigen Aufenthaltes 
in l'ilciao, stieg das Thermometer auf 42^ C. im Schatten, ohne 
Rückstrahlungen. Pilciao liegt cS2() m üher Meer (die Beobaclitungen 
des Höhenharometers sind von mir täglich eingeschrieben und die 
Berechnung der Höhen in La Plata gemacht). 

Ist dieses Land so armselig bevölkert, gerade deshalb weil keine 
stets tliessenden Flüsse und Bäche die Thäler durchströmen, so scheinen 
die vor einigen hundert Jahren daselbst lebenden Indianer weniger 
von dessen Besiedlung abgeschreckt worden zu sein. Neben den 
Flüsschen, die eigentlich nur kleine Bäche darstellen, wie der Arroyo 
de Andalgala und folgende im Santa Mariathale, der Rio Pajanquillo, 
Ampajango del Vallecito, Andalguala, Llape und Siquimil, bauten sie 
sich selbst an den trockensten Orten munter an. Benannte Rios 
versickern meist ehe die Wässerchen in das breite Bett des Rio Santa 
Maria gelangen können. 

Noch heute trifft man uralte Berieselungsgräben, oft in Felsen 
gehauen, an. Bei unsern Ausgrabungen fanden wir öfters verkohlte, 
grosse Maiskolben und Bohnen. Die Rothäute wussteu die reiche 
Ernte der süssen Algarrobenbohne wohl zu benützen, nicht nur be- 
reiteten sie daraus eine Art Patay (Brot), sondern auch einen von 
ihnen sehr geschätzten Most, die Chicha; zu jeder Zeit ist die Reife- 
zeit genannter Baumbohne willkommen, denn sie bietet d-em Menschen 
Obst und Most und das Vieh mästet sich damit während der trockenen 
Jahreszeit, wo sonst oft genug nicht ein Grashälmchen weit und breit 
zu finden wäre. 

Auf unserer Durchfahrt längs dem Cerro Ambato fanden wir, 
dass die Ureinwohner mit Vorliebe die Bergabhänge zur Heimstätte 
aussuchten. Nie mag es ihnen an Jagdbeute gefehlt haben, es kamen 
damals und kommen noch jetzt teilweise vor, die Vicuna, die sich 
jetzt allerdings in die entfernten hohen Gebirge zurückgezogen hat, 
die Guanacos, Berghirsche, Wildschweine, der patagonische Hase 
(Doüchotis patagonica), die Berg und Thal bewohnende Biscacha 
(Lagostomus) , Strausse, Gürteltiere, Papageien, Perdices (Cryptu- 
riden), Tauben u. a. 

Nachdem wir auf stets wellenförmigem Sand und Geröllboden 
früher genannte kleine Ansiedkmgen passiert, gelangten wir an eine 
Salina. Wer diese zum erstenmale zu durchkreuzen hat, mag wohl 



237 

den Kopf schütteln und meinen einen See durchwaten zu müssen. 
Wie ein herrlicher blauer See sieht sie auch aus; deutlich erbhekt 
man am jenseitigen Ufer, auf 0V2 km alle hohen Gegenstände, wie 
Algaroben, die sich scharf auf dem glatten scheinbaren Wasser- 
spiegel abspiegeln. Je näher man indes demselben kömmt, um so 
mehr löst sich das . hübsche Gebilde in Dunst auf. Der stark 
salpeterhaltige sandige Morastboden ist eben an diesem Punkte über- 
mässig durchnässt, Abzug findet das Wasser nicht mehr. 

Glücklich ist man dem Versinken entronnen und auf ziemlich 
festem Boden eilen wir durch einen ausgedehnten Algarobenwald- 
Diesen hat sich Herr Samuel Lafone-Quevedo auserkoren, um mit 
dessen vorzüglichem Brennmaterial seine Schmelzöfen in Pilciao (im 
Walde selbst) zu nähren. Genannter Herr besitzt eine Kupfererzmine 
im Cerro del Atajo, von wo das Eohmaterial IY2 Tagereise weit auf 
Maultierrücken heruntergebracht wird. 

Ich darf diesen vortrefflichen Mann mit Ehren nennen und bald 
dürfte mein zukünftiger Chef der Expedition, Don Samuel in Europa 
einen bedeutenden Ruf erhalten durch seine hnguistischen Kenntnisse 
der Aymarä- und besonders der Quichoasprache. Mit Aufopferung 
seiner meisten Zeit betreibt er auch die Erforschung der früheren 
Geschichte und der Verhältnisse der Ureinwohner. Doch besonders 
als Etymologe geniesst Lafone in Argentinien eines grossen Rufes. 

Von Pilciao ab wendet sich der Weg in geradester Linie den 
stolzen Häuptern der Nevados del Anconquija zu, an deren Füssen 
das Fuerte de Andalgalä liegt; dort angelangt, hört jedes Fahren 
von selbst auf. 

In vielen geographischen Karten Südamerikas liest man Cerro 
del Aconquija, das ist nicht richtig, sondern es bedeutet An-Höhe; 
con = Eintritt oder Beginn; qui = Pic, Schneide; ja (aus ha-cea) 
= Fels- oder Bergkegel. Somit Anconquija. 

Der südlichste, höchste Gipfel desselben (4650 m) fällt in die 
Hochebene des Campo de los Pucaraes (Pucarä ^ Befestigung). Ueber 
letzterer erhebt sich südwestlich eine ziemlich abstehender Berg, 
Ausläufer der Kette des südhchen Ambatogebirges. Auf diesem 
stehen die noch bis H,0 m hohen und in Horizontalkurven angelegten 
Verteidigungsmauern. In diesen Höhen von 2800 m wird die Puna 
'dünne Gebirgsluft) schon bedeutend verspürt. 

Ueberall tritt dunkler Gneis ans Tageslicht, in den Trümmer- 
halden sich mit herabgerollten Granitblöcken mischend. 

Unter der nordnordöstlichen Verlängerung der Anconquijakette 
zieht sich das (Hochthalj Valle de Taffi und westhch bis Choga, fast 
am Fuss des Atajogebirges die grosse Sandebene, welche früher 



23ft 

erwähnt wurde, an deren südwestlichen Grenze der bekannte Cerro 
de Famatina deutlich zu erblicken ist. 

Oberhalb des alten Inaanianos und Cho.uas bei^innt der Aufstieg 
bis zum Pass des Atajoausläul'ers in dessen Höhe die Minas del 
Socabon de las Capillitas gelegen sind. Genanntes Gebirge, sich 
westlich vom Haupt des Anconquija (Los Nevados) ziehend, nuiss in 
Urzeiten einen Wall zwischen der untern südlichen Ebene und dem 
Valle Santa Maria gebildet haben. Vom Pass an nordwärts steigt 
man etwa HOO m hinab in die versandeten Trümmerhalden des 
Letztern. Sechs bis acht Kilometer lang erstreckt sich da nach 
Westen eine Keihe von ca. 1G,()— 18,0 m hoben aufgewirbelten Sand- 
hügeln und nicht ein Tröpfchen Wasser bis zur Punta Balasto, also 
einer starken Tagesreise von 14 geographischen Meilen, wäre da in 
sehr trockner Jahreszeit anzutreffen. Erst bei ebengenannter Estancia 
der Punta, avo der Rio Santa Maria eine starke Biegung beim 
Verlassen des Cajongebirges macht, rieselt das köstliche Bergwasser 
gen Norden und dies nicht immer. 

Auf dem ganzen Wege trifft man stets Guanacos in kleinern 
oder grössern Rudeln an. Es sind dies überhaupt eigentümliche 
Geschöpfe, währenddem sie anscheinend von Natur aus nur auf 
Gebirgshöhen zu leben angewiesen sind, wo sie allezeit genügend 
Nahrung finden, erblickt man sie sogar in den Tiefebenen, in den 
grossen Salinas zwischen den Provinzen Cördoba und Tucuman, 
immer mit Vorliebe den salpeterhaltigen Kräutern und höchst spär- 
lichen Gramineen nachgehend, trotz sengender Hitze in den unüber- 
sehbaren weissen Flächen, bei jeglichem Mangel an Süsswasser. Bei 
obgenannter Punta de Balasto (nicht Balastro), richtet sich der Kurs 
des Rio Santa Maria nach Norden bis Cafayate, seine Wässerchen 
mit Schlaramsand untermischt verlieren sich indes bei dem Pueblo 
de Santa Maria. Das Thal selbst und besonders das des Calchaquis 
wird besonders im Winter, dann während etwa drei Monaten, von 
heftigen Nordwinden heimgesucht. 

Fast täglich erblickt man im Sommer, durch Gegenwinde erzeugt, 
längs des Thalsockels eine Anzahl schwarzer Säulen von aufgewir- 
beltem Sande. Sah ich doch eines Tages eine solche von wohl 
400—450 m Höhe; davon zeugen die wandernden Sandhügel. 

Während in den Thälern auch hier selten ein segenspendender 
Regen fällt, so sind die Niederschläge, besonders auf der Ancouquija- 
kette, im Herbste und Frühjahr bei Südwind, von heftigen elektrischen 
Entladungen begleitet derart, dass das ganze Gebirge bis an den 
Fuss oben mit Schnee, weiter unten von oft fusshohen liegenden 
Hao'elkörnern überdeckt wird. 



239 

Der Mittelpunkt des Valle de Santa Maria und des Calcliaquis ist 
der Ort Santa Maria, 2520 m über Meer. Nur streckenweise breitet 
sich eine ärmliche Gesträuchvegetation aus und nur in guten Jahr- 
gängen tril^'t man hie und da mageres Gras, dagegen machen sich 
hier verschiedene Cactusarten geltend. Bald die oft 10 — 12 m, 
hin und wieder gehölzartig auftretende Cercus gigantea, die man 
merkwürdigerweise bis über osoo m über Meer an den Bergabhängen 
sehen kann und andere niedere Arten. Je höher an diesem Gebirge 
hinauf, desto mehr nimmt eine Alpenflora überhand, Calceolarias, 
Begonias, Mimulus, Solanaceen, Salvia neben Farnkräutern, wie 
Adiantum, Pteris, Gramineen u. a. Von Bäumen eine Alnus und 
Sambucus, doch nur sehr vereinzelt. Der Ackerbau beschränkt sich 
in diesen Gegenden auf wenige Produkte, wie Mais, Weizen, Bohnen, 
Kartoft'eln und Luzerne als Viehfutter. Wein wird überall gebaut 
und liefert ein ganz erträgliches Getränk. 

Der Menschenschlag, welcher jetzt angetroffen wird, ist spanisch- 
indianischen Geblüts, primitiv in allen seinen Lebensverhältnissen, 
unwissend und bigott, doch nicht unintelligent. In den Sierras Imusen 
friedlich noch ganze Familien reinen Calchaquigeblütes, von etwas 
Viehzucht und geringem Ackerbau lebend, soweit es die Bodenver- 
hältnisse erlauben. 

Die Gestalt dieser Bergbewohner ist mittelgross, kräftig mit 
stark gewölbtem Brustkasten, prächtigem Gebiss, von Farbe hell bis 
dunkelbraun. Die Augen sind etwas geschlitzt, die Stirn niedrig, der 
Hinterschädel länglich. Backenknochen stark hervortretend, die Kopf- 
haare sind dicht und lang, der Bart dünn. 

Ceramik. Bei den gegenwärtigen Bewohnern des nördlichen 
Teiles der argentinischen Republik hat sich, wie bei andern unter- 
jochten Völkerschaften der Sinn für gewerbliche Thätigkeit vollkommen 
verloren, besonders da, wo diese auf den jetzt verschwundenen reli- 
giösen Kultus gerichtet war. Selbst dem Abkömmhnge der alten 
Peruaner ist die Idee abhanden gekommen, seine Hausgerätschaften 
mit allegorischen Bildern zu bemalen und so die Kunst weiterzubilden, 
durch die sich die Bewohner der Cordilleren in der Vorzeit so sehr 
auszeichneten. 

Die alten dem Huyracocha gewidmeten Thongefässe, Chicha- 
töpfe trugen menschenähnliclie Gesichtszüge. Die Beerdigungsvasen, 
von hübscher Form, trugen die verschiedenen Insignien heilig ge- 
haltener Tiergestalten, wie die der Schlange, der Kröte, des Strausses, 
Den Zwischenraum füllen mystische gerade und gebrochene Linien, 
ein hübsches Ganzes, fast symmetrischer Natur bildend. Fast ohne 
Unterschied enthielten diese länglichen Vasen (Huirqquis) Reste eines 



240 

kleinen Kindes, sei es aiicli nnr den Schädel nnd einige Knochen. 
Die Benialniifj-en sind charakteristisch für das ganze Calchaquithal 
und die Ebenen vom Fuerte de Andalgahi bis nach La Rioja. 

Neben diesen kommen ausser rohen Küchentöpfen tassenartige 
Töplerarbeiten aus dunkler Thonerde geschwärzt und ciseliert, vor. 
Aus gleichem Material fast kunstvoll verschiedengestaltige Luxus- 
gegenstilnde, den Peruanischen ähnlich. 

Doch als wie unabhängig von diesen finden wir allhier eine ver- 
schiedene Bestattung der Toten als wie sie in den peruanischen 
Huaccas (Begräbnissen) vorkömmt. Höchst selten findet sich eine 
Topfgerätschaft, noch viel seltener weitere Hausutensilien, Waffen etc. 
bei dem Kadaver. Ich will nicht behaupten, dass dieses im ganzen 
Calchaquithal, Jocahuill (Sta-Maria) mit eingeschlossen, der Fall wäre. 
Gerne möchte ich vermuten, dass jünger emigrierte Peruaner-Familien 
ihren Sitten stellenweise getreu geblieben , aber wohl kann man 
behaupten, dass die Ceramik genannten Thaies während Jahr- 
hunderten ihre eigenen Motive und weitere Verzierungen erfand. Stets 
sind sämtliche Topfgeschirre in einem Pantheon isoliert, stehend, meist 
mit bemalter grosser Tasse bedeckt, 1—2 m tief im Sand oder weisser 
Thonerde zu finden. Ein oder mehrere Steine an der Oberfläche geben 
meist das Verscharrte kund. 

Begräbnis. Genügend bekannt ist, dass die Autochthonen von 
Araucanien, im peruanischen und bohvianischen Gebiet der Cordilleren 
bis nach Mexico ihren Toten eine respektvolle Bestattung gaben. 
Dem Kadaver, das oft mumifiziert w^ar, wurden Gerätschaften und 
Waffen beigegeben. Die Toten wurden einzeln oder in Gruppen voe 
Familien zwischen mehr oder w^eniger gut geformten Mauern, Be- 
hältern, Felsnischeu abgesondert, begraben. 

Aehnliches finden wir bei den Ureinwohnern der östlichen Cor- 
dilleren in der heutigen argentinischen Republik unter anderem in der 
Provinz Catamarcas. Wie die Ceramik gegenüber anderen Ländern 
verschieden war, so ist auch die Art der Totenbestattungen in eigen- 
tümlichster Weise modifiziert. Die ganz kleinen Kinder wurden vor 
der Körpererstarrung in die schmalen Huirqquis gelegt, von bemalten 
grossen Tassen bedeckt und in aufrechter Stellung etwa anderthalb 
Meter tief in den Boden versenkt. Bei Andalguala (Santa Maria) gruben 
wir einen ganzen Totenacker mit 48 genannter Beerdigungsvasen 
aus, kein Kadaver eines ausgewachsenen Menschen fand sich in 
diesem Gebiet vor. Dann treffen wir erstere wieder zwischen einzelnen 
Topfwaren und grossen Skeletten, aber je ungefähr ein Geviert und 
je nach dem ein oder mehrere Steine zur Seite, in Gesamtgruppen. 
Angesehene Persönlichkeiten wohl findet man teilweise bekleidet, 



« 



•241 

einzelne mit Grasschnur voller weisser und blauer Kügelchen und 
kleiner Rincjelchen. Diesen Leuten irgend einer Auszeichnung war 
ein kleines Gewölbe von etwa 3 — 4 m' vergönnt. Die runde, gewölbte 
Mauer ohne Mörtel ist von 0,80—1 m langen, schmalen Steinen aus 
Basalt bedeckt und 1,50 — 2 m tief unter der Erde. Bei den Ka- 
davern findet sich selten etwas, höchstens ein silbernes Blättchen 
oder eine kleine kupferne Gerätschaft oder eine Tasse ohne Inhalt. 
Hin und wieder werden 2 Skelette im Grabe gefunden, stets liegen 
sie seitlich, die Beine stark eingezogen und oft genug trifft man 
Gerippe ohne Kopf an oder ohne Kinnbacken, während denselben 
sonst kein Knochen fehlt. 

Gesamtgräber kommen häufig am Fuss lothrechter Felswände 
vor, wo Gewässer denselben nischenförmig ausgewaschen haben. Hier 
liegen dann die Schädel verschiedener Rassen zwischem einem 
Kunterbunt hinzugeworfener Knochen dergestalt durcheinander, dass 
nicht ein einziger kompleter Körper zu finden wäre und sollte einmal 
eine Auferstehung der Leiber stattfinden, es eine gewaltige Konfusion 
abgäbe, bis jeder Kopf seine respektiven übrigen Glieder beisammen 
hätte. Die dolichocephalen Schädel herrschen in diesen Gräbern 
vor, die von 10 — 15 Lidividuen eingenommen werden. Das Grab ist 
in der Regel von einer kleinen Mauer umgeben und von einem Erd- 
hägel bedeckt. Die Lage oder Richtung des Gesichtes ist eine Ver- 
schiedene, wenigstens erblickt man keine kulturelle Regel, etwa mit 
Gesicht nach Sonnenaufgang oder Untergang. 

Steinwaffen und Gerätschaften. Es finden sich Kugel, Hammer 
und sternförmige Waffen ohne Stiele, aus Syenit; ferner Lanzen aus 
Syenit und Pfeilspitzen aus Silex; letztere an den Kanten meist 
scharf gezähnt , dreieckig , daneben auch abgerundete aus Quarz 
und Obsidian, häufig auch aus Knochen der Berghirsche und Guanacos, 
ferner Steinäxte und Schleuderkugeln. 

Haus- und andere Gerätschaften aus Granit und Syenit. Der 
Maray, ein bearbeiteter Block mit Kerben, womit auf flacher Unter- 
lage Minerale verrieben wurden. 

Conando, ausgehöhlte, längliche Steine, je nach dem zum Ver- 
reiben von Mineralien, Farben, Mais bestimmt, je mit Zugabe eines 
länglich runden Steins. 

Mortero. Grosse und kleinere Granitblöcke, auf deren horizontalen 
Fläche bis 0,20 m Durchmesser haltende Aushöhlungen vorkonnnen, 
als Mörser dienlich. Zuweilen besitzt ein Stein 80 Löcher. Besonders 
kommen bei IJelen und dem Ambatogebirge vor: Gesichtsfiguren 
und Köpfe, sowie kleine Idole, tierähnliche Gestaltungen, sowie Flöten, 
meist aus Syenit. 

XI. Jahresbericht d. Geogr. Ges. v. Bern. 1891—1892 ](] 



242 

Ks soi bemerkt, dass der Ubsidian, welcher liäufifA' in den Grill)ern 
aufiiefunden wird, nicht aus diesen Gegenden stammt. Gibt es in 
Patagonien und Peru sogenannte bemalte Steine, so finden wir in 
unserer Kegion etwas Aehnlic.hes. Durch das Manganeisenoxyd ge- 
schwilr/.te Granitblöcke sind daselbst überaus häufig. Dies wusste 
der Autochthone geschickt zu benützen durch Einklöppeln hierogly- 
l)hischer Zeichen und Figuren und da die schwarzbraune glilnzcnde 
Schicht sehr dünn, so kommt bei nur geringem Einmeissein die helle 
Granitfarbe sehr rasch zum Vorschein. Zu unserm grössten Bedauern 
findet sich Niemand, der im Stande wäre, diese mystischen Zeichen 
zu enträthseln: unter diesen einzig sind leicht erkenntlich die Schlange, 
der Zickzack des Blitzes, Huanacos, Perdizspuren, alles Uebrige ist 
in mysteriösen Konturen gezeichnet und die Blöcke stehen als Mono- 
lithen da. 

Kupfergpgenstände. Noch ziemlich häufig werden Aexte in folgender 
Form: | | angetroff'en aus Kui)fer oder Bronze, und den Helle- 

bar- den ähnliche selten. Kleine Meissel und Ciselierstäb- 

chen Flache Glocken mit erhabenen Gesichtsfiguren ähn- 

lich _ wie bei Vasen. Scheibenförmige Embleme mit dito 
Figuren. Embleme wie beiliegendes Croquis zeigt, von Autoritäts- 
personen getragen. Dies ist alles, was ich zu Gesicht bekam von 
genanntem Metall. 

Aus Silber und Gold sind anderwärtig verschiedene Gegenstände 
ausgegraben worden. 

Idole aus Thon und Stein sind hier selten. 

Pircas. Unter diesem Titel bezeichnen wir Steinreiheu bis zur 
vollendeten Mauer, meist zu Behausungen eingerichtet. Letztere 
trifft man besonders in Städten an. Durchschnittlich besitzen die 
Mauern eine Höhe von 2 — 4 ra, mit oder ohne einen sehr schmalen 
perpendikulären Eingang. Mit Vorliebe wurden die dunklen, flachen 
Gneissplatten zu ihrer Herstellung benützt, sie sind von innen und 
aussen mit grosser Sorgfalt ohne Mörtel in- und auf einander gepasst 
und bilden glatte Wände von 0,00—1 m Stärke. Je nach dem ge- 
wisse Stämme Pucaras oder Städte besiedelten, finden sich bald 
schmale Gänge um die quadratischen Gemäuer, bald fehlen dieselben. 
Meist schliesst sich eine Mauer an die andere an, ohne eine Spur 
von Treppe, so dass man, wie auf der Loma Rica (Fuss der Loma 
Rica 2600 m; die Stadt derselben 2955 m; Andalguala 2810 m, 
Horizontalfläche ol") m), ohne Unterbrechung auf Mauern wandelt und 
nur hie und da auf enge kurze Wege stösst. 

Da die Jocahuill- und Calchaqui-Stämme stets unter sich Krieg 
führten, w^^ren die Besiedlungen auf steiler Höhe gebaut, an den 



24:> 

sehr abschüssigen Halden finden sich dann an zugänglichem Stellen 
pircas und etwa Gemäuer vor zur Verteidigung. Von Bedachungen 
ist keine Spur mehr zu sehen. Da die Wälder fehlten, mochten die 
trockenen Stämme des Cereus giganteus als Pfosten gedient haben, 
auf denen Zweige, Guanacofelle, die hier spärlich (an feuchten Stellen) 
vorkommende Ginerium argentea das Dach geliefert haben; es bleibt 
keine andere Vermutung übrig. Die sehr häufigen Felsgrotten, oft 
sehr grosse, welche man besonders im Anconquijagebirge antriftt, 
zeugen gleichfalls von einstiger Bewohnung. 

Eigenartig durch seinen labyrinthischen Bau ist Quilmes. Hier 
verteidigte sich der kriegerische Stamm gleichen Namens fast ein 
Jahrhundert lang gegen seine Nachbarn, bis sie schliesslich von den 
Spaniern dingfest gemacht und zur Dezimierung in der Zahl von 
Kiou Gefangenen in die Nähe des entfernten Buenos Ayres gebracht 
wurden, Ihre neue Heimat erhielt und besitzt noch den Namen der 
Quilmes. 

Das alte Quilmes im Calchaquithale nimmt eine hervorragende 
Stellung in den vielen Kriegen ein. Schon die architektonische An- 
lage erinnert an die Pucaraes Süd-Chilis und sind die Versionen des 
Chronistenpaters Lozano richtig, so kommt jener Stamm aus Arau- 
canien an der pacifischen Küste, von wo er, vor incasischer Verfolgung 
flüchtend, sich schliesslich hier ansiedelte. Ist diese Stadt aus- 
nahmsweise am Fusse des Sierra de Santa Maria erbaut, so sehen die 
Ansiedelungen der Punta Balasto (nicht Balastro) ganz anders aus. 
An steilem Abhänge eines südlichen Ausläufers sind die Pircas eine 
fast über der andern erbaut, gleichermassen die Ansiedlungen im 
Cajongebirge. 

Es scheint als ob das Gold und das Kupfer, die hier und an 
vielen andern Orten ziemlich an der Oberfläche sich fanden, eine 
besondere Anziehungskraft auf die meisten Stämme ausgeübt haben, 
waren doch die meisten Stännne den Incas tributpflichtig. 

Im Thale selbst scheinen friedliebendere Menschen gewohnt zu 
haben, davon zeugen massenhafte Ueberreste einstiger Bodenkultur. 
Was wünschte der Antochthone mehr als genügende Jagd, seinen 
Mais, Algarrobe, (jold und Kupfer, etwas Wasser, das Alles traf die 
Rothaut in diesem Thale selten wie anderswo. Deshalb wohl pflegte 
diese Gegend von Tausenden und aber Tausenden aufgesucht zu werden. 

Wie viele, nur den jetzigen Guanacojägern bekannte Schluchten 
zeugen von einstiger Besiedlung, unausgeforscht und geheimnisvoll 
winken altersgraue Mäuerchen an steilen Halden dem Forschenden 
entgegen; wie manches Interessante wäre da noch zu finden und 
zwar oft an den unscheinbarsten Orten. Ein strategisch wichtiger 



rmikt an der Scheide tViilier ixenannter beiden Thäler bildete das 
Fuerte Qneniado, es war das Centrum. Am Fusse breiten sich auf 
der Thalsandtlache ganze Strecken niederer Pircas aus. Am Abhänge 
stellen noch sehr viele 2—4 m hohe rtebüudemanern. Drei Ruinen 
cylindrischer niederer Türme stehen noch da und auf einer etwas 
isolierten Anhöhe von 195 m Hölie existieren auf dem schmalen Kamm 
Wegemauern und drei Ruinen einstiger Befestigung, ausgezeichnet 
als Observatorien, da der Ueberblick weit und breit die Thüler be- 
herrscht. Eine der Ruinen lässt, nach Lafosse und Andern auf einen 
Inti-huatana (Sonnentempel) schliessen. Die heutige und alte pobla- 
cion des Fuerte (^^uemado (verbranntes Fort) liegt 2:>0() m über Meer, 
der Inti-huatana 24U0 m, Santa Maria (Jocavil oder Jocahuill) 
2520 m. 

(TesclücliÜiches. Gross ist seit der Conquistazeit die Zersetzung 
sämtlicher Namen von Volksstämmen, Städten etc. und schwierig 
die Aufgabe der Etymologen das Chaos spaniolisierter und indigener 
Endsilben wieder in ihre ursprüngliche Namenform zu bringen. Gab 
es in diesen andinen Regionen ein eigentümliches Zusammenströmen 
verschiedener Volksstämme, wie die der .\raucaner, Chiriguanen, 
Peruaner, Bolivier, so war durchschnittlich die Cuzco- (Quechova) 
spräche die am meisten Vertretene. Geben wir einige wenige Bei- 
spiele, besonders die heutigen Provinzen La Rioja, Catamarca und 
Salta betreffend. Hualasto, (Gualastoj verwandelte sich in Balasto; 
Huatungasta in Batungasta; Ingamano in Encamana, Sahuil in San- 
jil, Huillahuil in Billabil. Aus den Endsilben huil bildete sich bil, 
vil, fil. Der Buchstabe H steht im Spanischen einem fast gehauchten 
W am nächsten, das B spricht sich fast wie W aus. Die Quichoa- 
sprache hat überhaupt eine so schwierige Aussprache, dass, wollte 
man sie sich in die Feder diktieren lassen, es nicht möglich wäre, 
sie einem Indianer lautächt und verständlich wiederzugeben. Bil, 
vil, fil leitet sich ab von huilla, Hase. Dieser Vierfüsser ist strecken- 
weise stark vertreten und es ist deshalb nicht zu verwundern diese 
Wortsilben sehr häufig zu hören. Nach Herrn Lafosse schhessen 
u. a. Fama-y-fil, Famatina, Fiambalao etwas anders in sich, als eine 
Transliteration mit seiner Korruption in Buchstaben und Silben. 
Letztgenannte drei Ansiedelungen gehörten fast mit Sicherheit zum 
Lande der Diaguitas. Eine gründliche Untersuchung ausgegrabener 
Schädel wird mit der Zeit manches Räthsel lösen, ob man es hier 
mit einer speziellen Rasse zu tun hat; immerhin gehörten diese 
GenauTiten zu denjenigen Stämmen, die den Incas von Cuzco Unter- 
tan waren. 



245 

Qiiilmes bildete seinerzeit die neutrale Zone zwischen dem Valle 
de Jocavil (Jocalmill) und dem des Calchaquis. Die nördlichen Nach- 
baren ersterer waren die Tolombones. Pacciocas, Colalaos, welche 
sich mit den Quilmes. wie es scheint schliesslich verbanden und den 
Stamm der Calchaquies ausmachten. 

Dies ist wenigstens die allgemeine Vermutung. Besonders ver- 
dienten die Quilmes den Ruf sehr streitbar zu sein und ihnen gilt 
wahrscheinlich folgende aus Calcha abgeleitete Benennung. Calcha 
heisst brav, tapfer, bös; Calchaquies, die sehr braven Leute. Nahe 
der neutralen Grenze, zwischen dem heutigen Santa Maria und Quil- 
mes, als dem eigentlichen Mittelpunkte der Thäler, stund ein wich- 
tiger Punkt der incasischen Ureinwohner, das Fuerte Quemado. 

Die hauptsächlichsten Kampeone während den blutigen Fehden 
indianischer Freiheit rekrutierten sich aus den Stämmen von Londres, 
welche einen grossen Teil der jetzigen Provinzen La Rioja und Ca- 
tamarca besiedelten. Zuletzt verbanden sich die Tolombones und 
Pacciocas nach einer Niederlage mit den Spaniern gegen die sich 
heroisch verteidigenden Hualfines. Durch die Verbindung der süd- 
lichen Stämme der Jocuviles, Angimaos, Albancanos, Andalgalas und 
Tucumangastas hatten die Spanier während fast hundert Jahren 
einen harten Stand, bis endlich auch erstere unter dem Regiment 
eines Mercado und Villacosta aufs Haupt geschlagen wurden. Cal- 
chaqui fiel und mit der Eroberung Tucumans war das Schicksal 
dieser Völker besiegelt. 

Nicht leicht hätte obig genanntes Fuerte Quemado einen strate- 
gisch günstigeren Platz an der Sierra de Santa Maria finden können. 
Auf dem Kamme eines etwas isoliert stehenden Berges lag das Ob- 
servatorium, von einer der jetzigen Ruinen nimmt man an, es sei 
ein Inti-huatana (Sonuentempel) gewesen. 

Eine Seite (gegen Westen) des 195 m hohen Bergrückens ist 
äusserst schwer zugänglich und überall wo solches thunlich, waren 
die moränenartigen steilen Trümmerhalden mit Verteidigungsmauern 
versehen. Unten am Fuss liegt eine ausgedehnte Stadt niederer 
Pircas. Am Südende stehen noch eine gute Anzahl 3 — 4 m hoher 
Mauern und an einer Halde drei runde Türme. In der Alles nivel- 
lierenden Gegenwart macht sich der daselbst ansässige Einwohner 
kein Gewissen daraus, diese Monumente so vieler Kämpfe zu zer- 
trümmern, um das schöne Steinmaterial zu Häusern und Mauern zu 
benützen. 

Die alte und neue Poblacion liegt 2;l()() m und der Inti-huatana 
und Observatorium 24!)() m über Meer. 



2l(i 

Die (ieiioiid war stark kolonisiert und konnte der durch das 
Valle de .loealiuill führende incasische Weg einesteils und der Tass 
aus dem gegenüber liegenden Ausgang aus dem lloehthale Tatis 
ausserordentlich gut vom Fuerte aus beobachtet und verteidigt werden. 
Hier boten die Incasischen den Kindringlingon des Calchaquies und 
Quilmes ihre Stirne. Ein Umgehen genannten Fuertes, etwa durch 
das westliche Valle del Cajon wurde durch das neun Leguas südlich 
gelegene Fuerte ßalasto bewerkstelligt. Die Fuertes von Famatina 
und Catamarca befestigten sich durch die ausgedehnte Linie der 
Diagnitas gegen die Horden des jetzigen La Riojagebietes ; San Juan 
und die Pucaraes der Hochebene am südlichen Fusse der Nevados 
del Auconquija wider die Lules et Jüries. 

Der erste Sitz der Domination von Cuzco in unserer llegion war 
Tucmahaho, oder Tucmao-Tucunian (aus dem Dialekte Kaka, der 
Muttersprache des Quichoa) und es unterliegt gar keinem Zweifel, 
dass die tucumansche Gesandtschaft an den Lica von Cuzco, zur 
Zeit der Inca Huiracocha deshalb dorthin gesandt wurde, weil die 
den Calchaquies und andern Stämmen zunächst wohnenden Völker 
immerwährenden Fehden ausgesetzt waren und Hülfe von Norden 
ansuchten. Wie früher erwähnt, beherbergten verschiedene Berg- 
gegenden edle Metalle, die sehr oberflächlich ausgebeutet wurden 
und wie gesagt einen Grund mehr darboten sich daselbst anzusiedeln. 
Der Chroniste Techo erzählt von den Calchaquies, dass sie liebten 
im Kampfe gegen ihre Feinde sich mit allerlei Zierraten zu schmücken. 
Silberne Spangen und Armbänder, kupferne Embleme wurden von 
den politisch und kriegerisch Bevorzugten als Auszeichnungen ge- 
tragen. Bei den Incasischen war es schon kunstvollerer Schmuck und 
auch nur auf Geheiss Privilegierten gestattet, Insignien umzuhängen. 
Eine der Letzteren wurde in Catamarca gefunden, wahrscheinlich 
stellt es den gottähiüich verehrten Huiracocha vor. 

Ein grosses Feld bietet sich dem Forscher dieser Gegenden dar, 
von Chumbicha an über Masan, Fuerte de Andalgalä bis Cafayate 
(Provinz Saltaj. Doch mein längster Aufenthalt war in Angalguala 
bei Santa Maria, dessen Ergebnis wohl reichlich austiel aber nur zu 
gründlich lokal realisiert wurde. Eine weitere Expedition wird dieser 
ersten folgen. 

Die Ausbeute aus den Gräbern beweist, dass allhier Arau- 
caner, Chiriguanos (die von von ihnen verwandten Guaramis) und 
hauptsächlich Peruaner ihre Wohnsitze aufgeschlagen hatten. Im 
grossen Ganzen herrschen die mesaticephalischen Schädel vor, Dolicho- 
cephalen sind in der Minderheit. Die Sammlung besitzt jedoch eine 
hübsche Anzahl schöner Exemplare sehr breiter und anderer sehr 



•247 

lang gepresster Köpfe. Viele konnten noch nicht bestimmt werden, 
da sich schon eine starke Mischung der Individuen verschiedener 
Rassen bemerkbar macht. 

p]ine neue Expedition wird ein besseres Resultat liefern. Die 
jeUiijc BevÖlherung hat noch sehr viel Typisches, besonders in der 
Koptiorm aufzuweisen, sowohl Brachy- als Dolichocephalie, obschon 
natürlich längst kehi Verzerren der natürlichen Form in der Kindheit 
mehr vorkommt, besonders lassen sich häufig die Abk(3mmlinge der 
Aymaras darin erkennen. 

Noch sind die Sierras von einer guten Anzahl von Familien rein 
erhaltenen Indianergeblütes bewohnt. Sie gehen bekleidet wie die 
andern Einwohner und sind soweit friedlicher Natur^ sobald sie nicht 
zu sehr dem Einflüsse der Chicha und des Branntweins sich ergeben. 

Im allgemeinen leben fast sämtliche Catamarcanos (die im Thale 
und Gebirge) von der Viehzucht und geringem Ackerbau. Mit Ehr- 
furcht, ja gewisser Scheu spricht der Indianersprössling von seinen 
Vorfahren und ihren Ueberlieferungen. 

Für die abergläubischen Menschen spucken märchenhafte Ge- 
schichten von den in den Gebirgen hausenden Seelen und Geistern, 
welche die Schätze behüten und denen die Aberwitz treiben, fürchter- 
liche Strafe bringen, ferner von nächtlichen Feuertiammen etc. 
Leider tut die katholische Kirche wenig oder nichts zur Entkräftigung 
solchen Unsinns, im Gegenteil ist ja das Volk mit seiner Ingnoranz 
und seinem religiösen Fanatismus nur das Material zu guten Einkünften. 
Nur ausnahmsweise gibt es geschulte Männer, welche sich die Mühe 
geben, den sonst hellen Kopf der geistig Unterdrückten zu erleuchten. 
Das Quichoa hört man unter Angehörigen noch oft sprechen und 
dies nur unter den armem Bergbewohern, doch findet sich die nun- 
mehrige spanische Landessprache noch stark mit Brocken des Qui- 
choa, selten des Aymara untermischt. 

Nachträghch sei mir gestattet, ein kleines Beispiel des Aber- 
glaubens zu erzählen. Eine etwa achtzigjährige Indianerin teilte mir 
mit, dass eben in dieser felsigen Gegend, all wo ich meine Aus- 
grabungen unternahm, in ihrer Kindeszeit auf halber Höhe eines 
etwa 200 m hohen Felsens stets die versteinerte Figur einer alten 
Frau zu sehen war. In der einen Hand hielt sie eine goldene Kugel, 
welche in gewissen Nächten leuchte, in der andern eine rote Tasse, 
Doch eines Nachts sei sie von hier verschwunden und dann anderswo 
gesehen worden, aber ohne benannte Gerätschaften. Was that sie 
dannV — Sie schien zu spinnen. 

Ein Weiteres. Am Tage des San Geronimo geht alle Welt mit 
Schaufeln und Hacken aus, um Nachlassenschaften der Vorahnen zu 



2-1 )S 

suchen, welche an diesem Tage angeblich oft ganz oti'en zu Tage 
liegen. Solches und Unzähliges mehr ist noch gäng und gilbe allhier. 
Was die Ceraniik anbelangt, ist und bleibt ihre Ausübung bei den 
jetzigen Einwohnern, ohne irgend eine Nachahmung, begraben. Nur 
die gewaltigen AVein- und die kleinern Chichathongelasse beliebt man 
in der ursprünglichen Form zu fabrizieren, weil sie so ihrem Zweck 
entsprechen. 

Im Verhältnis zu den alten Peruanen waren die hiesigen 
Autochthonen nicht ungeschickt in der (lewebeindustrie und scheint 
sich dies auf die gegenwärtige Bevölkerung übertragen zu haben. 
Wie in Belen, Qualtin und anderswo werden auf sehr primitiven 
Webestühlen sehr sauber gearbeitete Ponchos aus Vicuna, Guanaco 
und Schafwolle, sowie bunte, komplizierte Bettdecken, sowie Wollzeug 
zur Bekleidung bearbeitet. 

In geologischer Beziehung sei in Kürze gesagt, dass dunkler 
Gneiss in den Höhen, Granit an den Abhängen, besonders in Trümmer- 
halden auftritt. Weiter unten bis zum Thalbette in einer Länge von 
etwa zwanzig Kilometern bei einer durchschnittlichen Breite von 
sechs Kilometern tritt ausnahmsweise eine lokale tertiäre Formation 
zu Tage. Am ähnlichsten sieht die Masse der Molasse, hin und 
wieder durch Leisten von Nageltluh- und dünnen Gipsbändern durch- 
zogen. An vielen Stellen sind die bis oOU m hohen Bodenerhebungen 
mit plutonischem Geröll bedeckt. Diese Formation ist ähnlich und 
verwandt mit derjenigen an den Cordilleren und der am Rio Parana. 

In diesem Gebiete liegen in der meist fast steinharten Masse 
die gleichen Sippschaften von Tierfossilien, mit weniger Variationen, 
wie in genannten Gegenden als: Hoplophorus, Megatherium, eine 
noch unbestimmte Spezies Toxodon, Scelidotherium, eine im vulgären 
Carnicero (noch nicht vollkommen klassifiziert) genannt, sowie andre, 
kleinere Fossilien. Zum Schlüsse sei nocli zweier Phänomen in den 
hiesigen Gebirgsgegenden gedacht. 

Unter anderem erzählt Herr Lafosse, dass ihm und andern Leuten 
Seltnermassen folgendes auf dem Passe des Socabon de las Capillitas 
(bei seinen Minen, etwa 3'J()0 m über Meer) vorgefallen. 

Dass bei bewölktem Himmel, ohne zu einem Gewitter zu kommen, 
die Atmosphäre überaus stark mit Elektrizität beladen gewesen sei. 
Der Mensch sieht sich plötzlich von phantastischen, kleinen, hie und 
da auftretenden Feuern umzuckt. Entledigt er sich des Vicuna- 
ponch<»s, begleiten kleine Detonationen die leuchtenden Entladungen. 
Man glaube sich in eine Leydensche Flasche verwandelt. Genanntes 
Wollgewebe ist ein echlechter Leiter. Sowie die Hand über den 
Puchullo (Poncho) streift, flüchten, polarisieren sich die Sprühlichter 



249 

derart, dass sie überall lierumhüpfen, Eins das Andre vermeidend. 
Dies teilte genannter Herr einem seiner Minenadministratoren mit 
und erhält von diesem Folgendes erzählt. 

Es ist bekannt, dass in diesen Hochgegenden reiche Metailniinen 
noch unangebrochen existieren, ohne dass bis heute denselben jemand 
auf die Spur gekommen wäre. Dies schon aus dem Grunde, da wohl 
mancher Kenner und Wisser aus Furcht das Anboren unterlässt. 
Was hier nämlich öfters auftritt, sei ein helles, irrendes Licht, oft 
lodernd wie eine Flamme, indes ganz unähnlich dem Irrlicht auf 
morastigem Boden. Die Erscheinung ist hell, aber glühend wie ein 
Karfunkel. 

Es sollen in der That auch von weniger Abergläubischen an 
derartigen Stellen Gruben edeln Metalls aufgethan worden sein, die 
sich zwar nicht ergiebig zeigten. 

Das zweite Phänomen besteht aus der sogenannten Tembladera 
und dies wiederum in einzelnen Bergschluchten und Abhängen. Be- 
sonders im Sommer nach einem Regen und so lange noch einige 
Feuchtigkeit im Boden, entströmt der Erde ein gewisses Gas (ge- 
ruchlos), welches von Pferden, Maultieren und selbst Kühen, die dies 
unheilvolle Gebiet durchwandeln und besonders des Nachts zu ihrem 
Schaden eingesogen wird, worauf die meisten erkranken. Die Symp- 
tome der Erkrankung sind hauptsächlich Zittern, es ergreift das 
Tier die Ermüdung und, wird nicht gleich energisch eingeschritten, 
durch Einspritzen in Nüstern und Ohren von alkoholischer Flüssigkeit 
oder durch Anbinden gewisser Pflanzen, so stirbt es in wenigen 
Stunden dahin. Der Mensch, nicht einmal der Hund verspürt das 
Mindeste von dieser Krankheit, auch wenn er auf demselben Erdboden 
schläft. Indes sollen Letztere, sowie Condore. die von der durch 
diese Krankheit gefallenen Opfer fressen, meist auch vom Tode hinweg- 
gerafft werden. 



XX. 

Die Karte von Gyger und Haller aus dem Jahre 1620. 

Von Professor Dr. Graf. 



Hans Conrad Gyyer* wurde am 2:2. Juli l'yj!) in Zürich ge- 
boren. Sein Vater, Glaser und nachmaliger Ehegerichtsweibel, hatte 
als Bruder den Professor und Stadtarzt Christoph Gy(jcr und den 
deutschen Schul- und Rechenmeister Fhilipp Gyger (15GÜ— 1023), 
den Verfasser des „newen und kunstrichen Rechentisches, Basel 1609, 
der arithmetischen Stufenleiter, Zürich 1(J22, und vieler anderer 
Rechenbücher", den Nachfolger des schweizer. Adam Ries, des Hein- 
rich Strühi. Diese beiden Oheime übten auf die Erziehung des Hans 
Coni-ad Gyger einen grossen Einfluss aus und der Junge lernte zuerst 
unter Christo^jh Nüscheler die Malerei und es wird ihm von Fuessli 
nachgerühmt, dass er der Erfinder der Kunst gewesen sei, mit 
Schmelzfarben auf Trink- und Spiegelgläser zu malen, dass sogar 
seine Emailarbeiten so berühmt gewesen seien, dass sie vielfach als 
Geschenke an auswärtige Höfe gewandert seien. Gewiss ist es diesem 
hochausgebildeten künstlerischen Sinne zu verdanken, dass alle Arbeiten 
sich durch feine Ausführung und wahrhaft kunstvolle Ausgestaltung 
auszeichneten ; die Farben sind oft noch so frisch und rein erhalten, 
als ob sie von heute wären. Bedeutender sind seine Leistungen auf 
dem Gebiete der angewandten Mathematik, speziell der Topographie 
und es sei mir gestattet, dieselben kurz nachher aufzuzählen. Ich 
füge noch bei, dass H. C. Gyger zur Belohnung für seine dem Staat 
geleisteten Dienste in seinem Amte als Amtmann des Kappeier Hofes 
auf unbestimmte Zeit belassen wurde; er besorgte alle folgenden 
Aufnahmen neben der Verwaltung seines Amtes. 



* Vergleiche für sein Leben: Wolf, Biogr. zur KuUurgescli II. 47—56, 
Gescliiclite der Yermess. S. 25 — 35. 



251 

Seine Arbeiten sind: 

Politische und topographische Karten: 

1) H.C. Gyyer, Einer löblichen Statt Zürich eigenthümlich zugehörige 
Graft- und Herrschaften, Statt, Land und Gebiett, sampt deroselben 
anstossenden Wasser- Strassen- und Landmarchen etc. Zürich 
1GG7. 210/210. 1:32000. Diese Landkarte, Originalzeiclinung, 
ist das schönste Prachtexemplar früherer Topographie überhaupt 
und von unschätzbarem Wert. — Besitzer : Regierung von Zürich. 
Dazu gehört: 

2) H. C. Gyyer, Marchenbeschreibung über den Becirck und uni 
Kreyss des gantzen Zürichgebiets, so weit nämlich dasselbe an 
andere Herrschaften und Regierungen anstössig ist. 16(34. 400 S. 
Folio. Staatsarchiv Zürich. 

:!) Zweites Exemplar seiner grossen Karte. I(i(i7. 00 Bl. a 1 Q' auf 

12 Cartons ä 5(i/76 cm; ist eine Copie von Ingen. Joh. Müller 

1704; Stadtbibliothek Zürich. 
4) Oftenbare Fälschung: 

Geiyer Haus Conrad, Die Eidgenossenschaft mit dero Grenzen. 

löSS (?) 12V2/IÖV2. 1 : 2,000,000. Kupferstich. Stadtbibl. Bern. 

Meyer gab eine solche 1688 heraus, da hat einer 1588 gemacht. 
•'•) Gyyer H. C, Geraalte Wandkarte der Schweiz lOl/so, 14 cm ==10 

Stunden Weges. 1684. Staatsarchiv Zürich. 

6) Geyyer Conrad Hans von Zürich, der gantzen loblichen Eydtge- 
nossenschaft mit allen angränzenden Orten, gründtliche neuwe 
verzeychnus' und vertheylung nach geographischer Ahnleitung 
gestellt und in dies werkh gebracht. 1634. 188/168 2 Orts- 
wappen, ziemlich defekt. Staatsarchiv Zürich. 

7) Handkarte der Schweiz. 46/6.J. Kartenverein Zürich. 1635. 

^) Gyyer H. C, Helvetiae, Rhietia3 et Valesiaä Tabula nova et 

exacta. 1 : 700,000. 1635. 
\)) Gyyer H. C, Die Eydtgenosschaft, Pünten und Wallis. Helvetia 
cum confinis. 28/35. Holzschnitt, findet sich 
Merlans Topogr. 1642. 
Godefredi Archontologia. 1654. 
Theatr. Europ. 1734. 
loj Gyyer H. C, Karte der Schweiz, gemalt 1657. 5S/76. Karten- 
verein Zürich. 

Grenz- und IVlarchkarten: 

llj Gyyer H. C, Grundryss der Herrschaft Elgji'. 163!). Koloriert 
Handzeichnung. Kartenverein Züricli. 



252 

12) Gycicr IL C, Plan der Herrscliatt Giüniiigen. S'i/!)4. Kolorierte 
llandzeiclmung. Kartenverein Zürich. 

13) Die Vogtei Birmensdorf und Oberurdortt'. 1:8800. Kolorierte 

llandzeidnumg. Kartenverein Züridi. 

14) — - Einer loblichen Stadt Zürich zugehörenden Landschafft mit 
der angrenzenden Nachbarschaften, Neuwe etc. 1()4:!. 40/5.^, 
2 Exemplare, eines mit 'I'errainzeichnnng, das andere ohne solche. 
Staatsarchiv Zürich. 

15) Das Gebiet von Appenzell. Unbekannten Datums. 4ö/20s. 

Kartenverein Zürich. 

K)) (irundriss und ussgemässene Verzeychnuss des genannten 

Stadelhoffer Zehndens, des Stift von St. Eelix und Regula zum 
grossen Münster. 1650. 44/5!). Prachtstück auf Pergament. 
Erste Karte der Umgebung Zürichs. Photo-lithograph. Repro- 
duktion. 53/50. Hofer & Burger, 1889. 

17) Geometr. Grundriss und Verzeichnuss der umb das Schloss 

Kyburg liggender und selbigem eigenthumlich zugehör. Güter. 
1()66. 110/148. Hievon eine sehr hübsche Copie von J. INI. 
Däniker 1701. 

18) Grundryss der Landmarchen bey Baar und Cappel. 44/45, 

1049. 8;5 cm = 1100 Schritt. 

19) — -- Geometr. Grundryss der Märchen des Gerichts und Herrlich- 
keit des Gotteshauses Wettingen aus Gyger gezogen von P. Eugen. 
Speth. Prachtsstich. 

20) Grundryss über die Marchenstreitigkeit zwischen Kyburg 

und Winterthur. 31/40. 1600. 5,5 = 110 Ruthen. 

21) Grundryss über die Grenzen von Eglisau, Buchberg und 

Ruedlingen. 1. Ex. 55/57. 2. Ex. 27/50. 

22) Marchenryss zwischen Kyburg und Thurgau. 1. p]x. 21/27. 

2. Ex. 21/89. 

23) Grenze gegen Thurgau vom Hörnli bis zum Kloster Den- 

nikon. 15/41. 

24) Grundryss über die Grenzen zwischen Zürich und Schwyz 

zirka lOOO. 38/46. Nr. 10 — 23 befinden sich auf dem Staats- 
archiv Zürich. 

IVlilitärkaiien: 

25) Gpfjer H. C, Verzeichnuss, wahrhaff'te des Prättigaus, der Herr- 
schaft Meyenfeldt Gelegenheit umb Chur und Angräntzenden 
Landschaften sampt den Treffen so die Pündtner mit Ihren 
Feinden gethan. 1622. 1 : 200,000. 27/35. Kupferstich. Abge- 
druckt im Theatrum Europaeum. 



253 

'2C}) Gyyer H. C, Eigentliche Verzeichiiuss des Passes von der Steig 
bis gon Clmr in Pündten. 1(12!). 23/67. Holzschnitt. 

27) Des ersten Quartiers der Stadt Zürich — Verzeichnuss. 

KiiiO. ;{()/48. 
28) — — Des Trülllker Quartiers — Verzeichnuss. KiUO, 1:45,000. 
r)l/ö7. 

20) Des Winterthurer Quartiers — Verzeichnuss. KiiJO. o!)/54. 

;)0) Des Turbenthaler Quartiers — Verzeichnuss. IGßO. 4()/57. 

;ll) Des Zürichsee-Quartiers auf Küssnachtssyten — Verzeich- 
nuss. lG(iO. 88/50. 

:!2) Des Wädischwyler Quartiers — Verzeichnuss. 1650. 50/64. 

y>o) Des Freiampt Quartier. 42/76. 

;)4) — — Des Regenspärger Quartier. 42/76. 

;;5) Des Eglisower Quartiers. Eygentliche Verzeichnuss. 1644. 

42/55. 

Copien von Ing. S. Spitteler. 1800. 
Nr. 27 — 35 tindeu sich im Staatsarchiv Zürich. 
Unzweifelhaft sind aus dem sog. Schauenburg'schen Nachlass 
folgende Karten auch H. C. Gyger zuzuschreiben: 
36j Königsfelden mit seiner zugehörigen Landschaft, genannt das 
Eigenamt. 

Rechts ist ein Schild mit einem Bär, darunter links ein gelbes 
Feld mit einem roten Löwen, rechts ein Andreas-Kreuz, darunter 
ein Schild mit einem Engel. Dazu folgender Text: 
,Diess zweifache Mannen- und Frauenkloster Königsfelden ist an 
demjenigen Orth, der die uralte gross und mächtige, von dem grau- 
samen wutrich Atila aber gantz zerstörte Statt Windisch gestanden, 
von Elisabeth, König Albrechts von Rom (welcher von seinem Bruders 
Sohn, Hertzog Hansen von Schwaben am Fahr-Rain ermordet und 
an demjenigen Orth, da der grosse Altar in der Kilchen gewesen,, 
sein Leben geendet) geraahlin: Item von Friedrich Lupoid, Albrecht, 
Heinrich und Otto, Hertzoge zu Oesterreich, gestiftet und erbawen 
worden. Anno Christi 1311. 

Die Landschatft des Eigen Ampt genannt käme vergabungsweis 
an das Kloster Anno 1411 von Hertzog Friedrich von Oesterreich, 
Leopoldi Sohn, der Anno 138() vor Sempach mit viler seiner Ritter- 
schafft erschlagen und in der Kilchen zu Königsfelden begraben 
worden. — Wolenschwyl, den Kilchensatz, Gericht, Twing und Bahn, 
zusampt dem grossen und kleinen Zehnden haben dem Closter Königs- 
felden verkouftt, Johann und Heinrich von Sengen gebriidere Anno 
1345, Birmistorff", den Kilchensatz, Gericht, Twing und Bahn haben 
besässen, die fidlen von Trostberg und solches alles verkouHt der 



KiMiiiiiii Asines von rnuiiru. die es ^Icieh daroufK' dem Closter ver- 
jiabet Anno I.'Ki'). Ainio Mir» ist bei währendem Constantzisclien 
€oncilio uss gheiss Kaisers Sigisnmnds das gantze Ergöw, liieinitt 
aucli dise Lnndsclialft von einer Statt Bern bekrieget und Hert/og 
Friedrich von Oestcrreieh abgewunnen, von seinem Sohn Siegnuind 
hernach Anno 1474 in der domahlen aufgerichten Erbeinigung vöiig 
eedirt und uff die Keligionsreformation Anno lö'iS zugleich das Closter 
mit seinem gantzen Inkommen und habender Gerechtigkeit, an wol 
•ermelter Statt Bern gewachsen, die es bisshar ruwig besessen. Der 
Allerhöchste weil sy verners darbei friedlich erhalten." 

Unten findet sich bei der Angabe des Massstabes, ;") cm = 800 
Schritt, das Mellingerwappen ; das Gebiet der Karte schliesst oben 
mit Otbmarsingen, links mit Hellingen, unten mit Brugg, rechts mit 
Schinznach ab. 

Bei Königsfelden heisst es : rudera amphiteatri gegen den Süssen- 
bach zu. Ausgeführt ist die Karte wundervoll, ganz in der Manier seiner 
grossen Zürcherkarte. 
viT) Eine Karte ohne Titel, 70/44 cm haltend, mit den Grenzen Cham- 

Hochdorf oben, Rifferschwyl-Altstetten links, Regensberg-Stilli 

unten, Rynach-Lenzburg-Brugg rechts, 
ist unzweifelhaft eine Copie von der gleich zu besprechenden Karte 
Gygers aus dem Jahr 1020; wahrscheinlich sind sowohl Nr. 'M'> als ?>1 
im Auftrag der Regierung Berns von Gyger verfertigt worden. 

Nach einer so grossartigen und fruchtbaren Thätigkeit kann 
man mit Recht fragen, wie ist H. C. Gyger dazugekommen, ein so 
ausgezeichneter Topograph, ein Topograph ersten Ranges unseres 
Vaterlandes zu werden. Wolf-^ sagt auch: 

,,I)a leider alle näheren Nachrichten über die von Gyger zur 
Konstruktion seiner Epoche bildenden Karte angewandten Verfahren 
fehlen, so ist es doppelt interessant die den Kanton Zürich und 
dessen Umgebung betreffenden frühern Arbeiten Gygers kennen zu 
lernen, um so wenigstens zu sehen, wie er sich nach und nach zu 
immer grösserer Vollkommenheit aufschwang." 

Mit Recht erwähnt Wolf einer Karte aus dem Jahr 1G20, welche 
der Ingenieur Johannes Haller im Auftrag der Regierung Zürichs 
aufgenommen hatte und auf welche sich ein Manuskript Hallers der 
Stadtbibliothek Zürich, das sogenannte Haller'sche Defensional, ein 
Vorläufer des „Anno 1008 auffgrichteten Eidgenössischen Defensional- 
Werk", bezieht. Diese Karte war die eigentliche Arbeit, an welcher 
sich Hans Conrad Gyger zum Kartographen heranbildete und ist 
daher von höchstem Interesse. Bei Anlass der Enquete über das 



* Geschichte der Vermessungen, pag. 32, 33. 



255 

voiiiandenc Karteninaterial des Staatsarchivs in Zürich fand Herr 
J. Lahhart-Lahliart auf dem dortigen Archiv diese Karte und schrieb 
mir den Titel auf. Sofort erkannte ich, dass dieselbe von Wolf verloren 
geglaubte Karte von Johannes Haller resp. eigentlich von H. C. Gyger 
sei, von welcher nur eine von Johann Müller gemachte Kopie, in der 
Sammlung der mathematiscli-miUtärischen Gesellschaft in Zürich be- 
findlich, vorhanden schien. Diese Karte ist die eigentliche Jugend- 
arbeit Gygers, die er unter der erfahrenen Leitung des Meisters 
Johannes Haller 1020 vollendet. Sein Lehrmeister ist von Bern ge- 
liefert worden, denn Johannes Haller gehört jenem Zweig der Haller* 
an, die aus Wyl in St. Gallen in Bern einwanderten. Sein Urgross- 
vater gleichen Namens (1487 — 1581) war jener letzte Probst von 
Interlaken und Amsoldingen, der sich als erster reformierter Geist- 
licher verheiratete und zwei Söhne hinterliess, von denen der eine 
Johannes geb. 1523 der Fortsetzer der Linie in Bern wurde, der 
andere Wolfgang (1. L 1525 in Thun geb. — f 23. VL IGOl) nach dem 
Tode seines Vaters in der Schlacht bei Kappel in Zürich die Schulen 
genoss und als Probst des Chorherrenstifts ein so bedeutender 
Kirchen- und Schulmann wurde, dass man ihm in Zürich das Burger- 
recht schenkte. Daneben machte er von 1545—1576 regelmässig 
tägliche Auf Zeichnungen über die Witterung, die noch auf der Stadt- 
bibliothek in Zürich vorhanden sind und mit Recht als eine der 
ältesten Sammlungen dieser Art sorgfältig aufbewahrt werden, so 
dass man Wolfgang Haller getrost als den ältesten Schiveiser 3Ieteoro- 
logen bezeichnen kann. — Sein Sohn Johann Jakob Haller, Archi- 
diacon am Grossmünster, war ein grosser Liebhaber der Mathematik 
und hat zwei grosse Himmels- und Erdgloben verfertigt und seine 
Liebe für diese Wissenschaft unserm Johannes Haller, f 1021 als 
Ingenieur der Stadt Zürich, übertragen. Es ist ziemlich sicher, dass 
Hans Conrad Gyger die praktische Befäliigung zu kartographischen 
Arbeiten eben diesem Johannes Haller verdankt, sicher verdankt er 
ihm die Liebe zu diesen Arbeiten, die so stark wurde, dass sie ihn 
ganz von der Malerei abzog. 

Die Karte hat folgenden Titel am obern Rand hingeschrieben: 
„Der uralten loblichen Statt Zürich Graffscliaften, herrschatiten, 
Stett und Land diser zyt von ihnen beherrschet, auch derselben be- 
verbündet und angehörige und ihnen sonst mit Burgrecht und 
Eigenschaft zugethan als Appenzell, Apt und Statt St. Gallen, die 
Gratfschaft'ten Turgow, Baden, Toggenburg, Sargans, Windegg, 
Werdenberg und das Rhynthal, so by uralten zyten in pagum tigur- 
cinum gedient, an jetzo aber in anderem Stannd und Wesen sind, 

* Leu, IX, 452. 



■2')G 



ihr allerseits Orte und glegenheit in Grund gelogt und lebendig vor 
Augen gestellt. Anno 1(520." 

Diese Inschrift findet sich rechts und links vom liöwen mit dem 
/ürcherwappen verteilt. Links und rechts am Rande der Karte 
sind sich zwei Doppelreihen mit Wappen regierender (Geschlechter 
von Zürich und zwar links in folgender Anordnung: 
Joh. Hein. Holtzhalb, Burgermeister 



Die Reth 
H. Hs. Escher a. Sekelmeister 
H. Jak. von Knonaw Oberfeurw. 
H. Ludwig Vögeli 
J. Kunrad Grebel Obmann 
H. Hans Ludwig Holtzhalb 
H. Hans Peter Wolff 
H. Hans Heinr. Zumysen 
B. Matthys Stoltz 
B. Heinrich Löuw 
J. Conrad Grebel 
Hs. Jakob Schwvtzer 



Die Zunftmeister 
M. Hans Ulrich Wollf Sekelm. 
M. Hans Heinr. Müller Buwherr 
M. Peter Füessli 
M, Kaspar Hoffmeister 
M. Hans Jakob Burckhard 
M. Heinrich Bräm Statthalter 
M. Melchior Maag Statthalter 
M. Hans Rudolf Houffeler 
M. Hans Heinrich Häberli 
M. Rudolf Waser 



^l. Hans Heinrich Widerkeer 

Statthalter 
M. Hans Högger 
J. Hans Heinrich Wirtz 
Stattschriber 
Hans Escher. H. Adrian Ziegler. 
Archelyg. ('?)* Herren. 
Auf der rechten Seite folgt eine ganz gleiche Reihe wundervoll 
gemalter und noch gut erhaltener Wappen, nämlich: 
H. Hans Rudolff Rahn Burgermeister 



H. Rudolff Ulrich 



Her 



Die Reth 
B. Hans Kambli Sekelmeister 
B. Heinrich Schwytzer 
B. Heini-ich Ziegler 
B. Hans Heinrich Ott 
B. Hans Jakob Bürgkli 
J. Hans Jörg Grebel 
J. „ „ Escher 
B. Hans Ulrich Stampfer 
B. Hans Schüchtzer 
B. Heinr. Ruff 
J. Hans Escher 
B. Hans Jakob Steiner Oberster 



Die Zunfftmeister 
M. Salomon Hirtzel 
M. Hans Conrad Escher 
M. Jakob Hafner 
M. Rudolf Wirtz 
M. Conrad Kambli 
M. Heinrich Kilchberger 
M. Lienhard Vogel 
M. Hans Rütschi 
M. Hans Schmidli 
M. Heinrich . . . .* 
M. „ Balber Statthalter 



< 



* Undeutlich und mir unverständlich. 



257 

J. Jakob Wirtz Underscliriber 
J. Leonhard Holtzhalb, Hans ßrem. 
Archelyg (?) Lüdenampt. 
M. Hans Jakob Bürgkli 
Ingenieur. 
Unten findet sich neben dem Wappen von Hans Haller, Ingenieur, 
folgendes charakteristische Gedicht: 

Wo Gott der Herr mit starker Hand 
Nit schirmbt sein Volck, Stett, Lüth u Land 
So ist vergebens u. umbsounst 
All Menschlich wyssheit u auch Kunst 
Derselben der HERR Zebaoth 
Der best Pundtsgnoss ist in der Noth 
Was er verspricht ist schon gethan 
Mit Wort und Werk thut er bystan 
Er gibt und nimmt das Hertz allein 
Drum sond uf iu wol gründet sin 
All menschlich rathschlag und fürnemmen 
Weil er allein die Fynd kann demen 
Gschicht das mit glaub an Jesum Christ 
Kein besser Hilf auf Eid nit ist. 
Im Weitern heisst es: 

„Die Bedütung des Alphabets u. der obigen Nummern so in 
dieser Landtafel fürgelegt, findt man eigentlich in dem Buch darin 
die Usslegung dis Werks begriffen ist, durch den Authorem Johannem 
Haller geordneten Ingenieur der Statt Zürich beschriben. Anno 1620." 
Unten in der Mitte ist ein Schild mit dem sorgfältig ausge- 
führten Wappen Gygers, umschrieben von 

„Durch Hans Cunrad Gyger, in grund gelegt und gerissen'^; 
ferner die Angabe : 

„Die Lenge einer Stund Wegs zu gähn", was gleich 8,5 mm ist. 
Die Karte ist von Süden nach Norden orientiert und zählt 
L50/272 cm. Die äussersten Punkte sind 
SO. -Ecke: Maienfeld; 
SW.- „ : Sarnen; 

NW.- „ : Ober-Alphen, hinter Waldshut; 
NO.- „ : Isendorff, jenseits des Bodensees. 
Im S. : Schwytz. 
Im N. : Thayingen. 
Im W. : Sempach, Lenzburg, Brugg. 
Im 0. : Rhein von Maienfeld bis zum Bodensee. 

XI. Jahresbericht d. Geogr. Ges. v. Bern. 1H91— 1892 17 



258 

Die Karte enthalt demnach das Gebiet der jetzi^'en Kantone 
Zürich und Thurgau, Appenzell, Z\v^, den grössten Teil vom Kanton 
St. Gallen, Schaffliausen, Aargau, Luzern, Zug, Unterwaiden, Glarus, 
Schwytz und Graubttndon. Die pohtischen Grenzen sind nicht sehr 
markiert, immerhin sind alle Ortschaften charakteristisch angegeben, 
stets mit der betretienden Kirclie. Die grossem Orte sind im Grund- 
riss gezeichnet, so z. B. Zürich, Luzern, St. Gallen, Schaffliausen, 
Konstanz, etc. 

In orographischer Beziehung nennt Gyger nicht sehr viele Ob- 
jekte, immerhin führt er folgende Berge auf. Aus den Hochalpen 
gar keine, aus den Voralpen: 

Mürtschen M. 

Fronalp M. 

Freyberg. 

Glernisch. 

Sagberg. 

Miten beide sind verwechselt. 
Rigi Mons. 
Pilati Mons. 
Alpstein Mons. 

Unter den Vorbergen der Hochebene führt er auf: 
Histerberg, 
Dössstock, 

Schneehorn (Schnebelhorn), 
St. Gallenbrun 
Hulfsteg, 

Hohen Landenberg, 
Ufl' Hub, 

Batzerberg ob Fägschwyl, 
M. Ezel, 

Hoch Ronen Mons, 
Uetliberg, 
Lägeren. 

Die Flüsse und Bäche sind sorgfältig gezeichnet; Flüsse nennt 
er: die Lindt mit Sihl, die Lindt-matt mit Limatspitz, Räbpisch, 
die Rüss mit Jonen, die Lorentz (Lortze), die Emen, der Melchlluss, 
die Büntz, der Aafluss aus dem Baldegger- und Hallwylersee, der 
Wutterfluss, der SchluchtHuss und selbstverständlich den Rhein und 
die Aare; unter den Seen finden wir: den Bodensee mit Undersee, 
Walensee, Klönthalersee, Zürchersee, Pfeffikersee, Greiffensee, Aegeri- 



259 

see, Zugersee, Lowerzersee, Luzernersee zum Teil, Tüiiersee, Bald- 
egger- und Hallwylersee Sempachersee zum Teil, den Rothsee, 
Sowohl der Zürchersee als auch der Bodensee sind gar nicht so schlecht 
ausgefallen und viel weniger verzeichnet als in spätem Karten anderer 
Autoren, Schwierigkeiten hat ihm der Luzerner- resp. Vierwald- 
stcättersee bereitet, indem er Kerns auf die Seite von Hergiswyl 
rückt und die Sarneraa zur Melchaa werden lässt. In politischer 
Beziehung ist die Angabe von Ortschaften, Städten, Dörfern, Weilern 
eine fast vollständige, wiewohl auch Irrtümer bezüglich der Lage 
vorkommen. Die Terraindarstellung besteht in einer Art grober 
Schraffen in Tuschmanier und ist nicht übel gelungen, so dass ein 
Terrainbild dieses Landesteils entsteht, das sich weit über die zeit- 
genössischen Leistungen und über die Leistungen anderer Autoren 
in jenem traurigen Jahrhundert erhebt. — Bezüglich des Massstabes 
haben wii' folgendes Procedere eingeschlagen: 

Wir wählten die Polygone, die auch R. Wolf zur Prüfung von 
Karten dieser Laudesgegend verwendet hat. 

I Polygon 

a b c d e 

Egg — Weiningen — Sternenberg— Wald— Hütten — Maschwanden 

Distanzen. 





Gygerkarte. 


Vier 


blätt 


rige < 




mm 








mm 


Oa 


4.30 








92 


Ob 


400 








7(i 


Oc 


280 








(i7 


od 


230 








5(5 


oe 


420 








85 


ab 


740 








142 


bc 


160 








49 


cd 


430 








8(1 


de 


340 








77 


ea 


290 








S2 




S = 3820 


s = 


= S12 




im = 


s 


<S12 _ 


0,21 


2 



260 

II Polygon 






a 


Dattlikoii— ] 


[''euertha 


Da 


850 


ob 


200 


Oc 


580 


Od 


290 


Oe 


2()0 


ab 


100 


bc 


G90 


cd 


730 


de 


240 


ea 


370 



d e 

i-g— Weinin gen — Weyach 

73 

62 
104 

73 

56 

78 

81 
142 

60 

83 



S==3900 s = 812 

m, = -^ = 0,208 
^ 3900 ' 

also Reduktionsfaktor m = ^i + ^^ = 0,212 + 0,208 _ ^,^^^ 

somit IVIassstab = = 

250000 : 0,210 52500 

Auf diese Karte bezieht sich in den Rechen-Rathsmemorialien 
des Staatsarchivs Zürichs wohl die Stelle vom 0. Juli l(i25: 

„Myn gnedig Herren habent M: Gyger dem Maler für die ver- 
ehrte Statt : u. Land-Tatfeln hingegen 50 Rychstaler, über die 10 Du- 
caten, so er von H. Seckelmeister Wolfen seligen, deswegen em- 
pfangen, verehrt." 

und die Stelle in seiner Eingabe, wo er anno 1668 an die ehemaligen 
Burgermeister und Räte schreibt: 

„Nachdem ich von mynen jungen tagen an, nebent anderen Ma- 
thematischen Wissenschaften, einen sonderbaren Lust und Anmutung 
zu der Grundlegungskunst getragen, und disere myn Gemütsneygung 
von mehr als 50 Jahren von Fürnemmen Herren unsers löbl. 
Standes in obaclit gesogen iverden, so hat es denselben da mahlen 
gnedig gefallen mir anzubefehlen, diejenige Landcarten mi verfertigen, 
die von heutigs tags in JE. E. Weisheit Züghus befindlich, und die 
ziüischent dem Bi/n und der Rüss liggende Land begrgft." 

Das mit der Karte dem Rat eingereichte JDefensional ist auf 
der Stadtbibliothek Zürich noch vorhanden und lautet seinem wesent- 
lichen Inhalt nach wie folgt: 

„Kurtzer und doch grundtlicher Bericht über die LandttafeU 
welche da zeiget die Landtschaften einer loblichen Statt Zürich 



261 

zusampt der Pundtsgenossen und aiigehörigen Wie sämliche 

zu Kriegsgefahren in ein Corpus zusammen zu bringen . . in ge- 
schwinder gfahr aufzevvecken . . . mit Verzeichnuss der fürnehmsten 
Losungen und Wortzeichen auch allen Pässen, Strassen und 
Wassern lebendig abgemalt .... Alles durch eigene erfahrung uf 
jetzige Zytt gerichtet u. gemeinem Vatterlandt zu gutem in diss gegen- 
wärtig buch verzeichnet durch Johannem Haller der Statt Zürich 
geordnetem Ingenieur Ao 1G20." 

Die Zuschrift ist an den Burgermeister und den Kriegsrat der 
genannten Stadt gerichtet. Im Eingang erzählt Haller, wie er am 
U. September 1619 mit Hans Bürkli dem Jungen zum Ingenieur 
und Feldbaumeister erwählt worden sei und er sich gleich mit dem- 
selben daran gemacht habe, das Land zu besichtigen und in eine 
Landttafel zu bringen, „denn durch dieses mittel werden gethrüwer 
Patrioten Kinder ein Lust und Liebe gewinnen, damit sie den Augen- 
schyn selbst einnehmen und nicht erst in Kriegszyten sy dasselbig 
erst suchen müssent." Da aber nicht bloss die Kenntnis des eigenen 
Landes hoch von nöthen sei, sondern auch der Anstösser und der 
Pundtsgenossen, so habe" er alle diese auch in die Tafel einbezogen 
und „damit getrüwe fryend nicht von einander gethränt werden!" 
Dann mahnt Haller, wie man weiter Pundtsgenossen suchen solle, 
„Als das zur Ehre Gottes und Pflantzung syner heiligen Kirchen." 
Appenzell A.-R. und St. Gallen halten sowie so zu Zürich, im Thur- 
gau, Toggenburg, Rheinthal soll man den Leuten heimlich durch 
„verthrowte Männer" zusprechen lassen, damit sie der lang „ge- 
hreiten" Tyrannei im Fall eines Kriegs ledig werden und so Zürich 
in den Besitz des ganzen Rheinstroms und des Bodensees komme. 
Ein wahrhaft grossartiger Plan ! Das Gebiet des Abts von St. Gallen 
das diesem Vorhaben im Wege liege, würde zu Appenzell und 
St. Gallen geschlagen als „Ergötzlichkeit lür ihre Beschwerd die 
sy nun lang von diesem pfäffischen Regiment lyden und ustan müssen." 
In der Grafschaft Baden stosse man an das befreundete Bern und 
so sei man sicher und so habe er alles in diese Landtafel zusammen- 
getragen und durch des Mahlers Hand'' die Ort der Fortification 
löbendig E. E. W. vorzustellen. Das ganze Land sei so in 8 Regi- 
menter zu 27 Rotten eingeteilt mit je 1000 Mann und jedem soll 
„allzyt der nechste Pass bim Eyd in gheim verthroudt sein" und 
gesetzt man komme mit den V Orten in Krieg, so sind in der Tafel 
alle Päss, wo Zürich und Bern sich die Hand reichen können angeben 
und es wird gezeigt wie man den Y Orten im Aargau alles Land wie 
Bremgarten und die freien Aeniter abschneiden könnte. Dann macht er 



* Hans Conrad Gveer, 



L>r)2 

aufinerksnni wie daselbst Sclianzen zu errichten und Schiffbrücken 
zu schlatien seien, denn „so ein frümbder i)otentat sein Fnss dahin 
setzen sollte, wenns beyde löbliche Stette höchlich geplaget, insonder- 
heit aber unser Land, welliches in all wäg gegen dieser Grafschaft 
Osten und deren Hauptstadt Baden „ein über us wüst näst ist". Man 
sollte weiter Söldner dingen, „dan etwan an frommen Burgern und 
Landlütten welche man sonnst wage und in die Schantz schlagen 
müsste, es besser sei, wenn Volk drauf gehen solle, man kein sorg 
habe, dass jenen jemand nachschreye und eine ehrsame Oberkeit inen 
wyb und Kind erziehen müsste. Da man aber dem frömbden und ihren 
heerführern nicht immer truwen könne und etwan durch sie die aller- 
besten Rathschläg den Kräbsgang gwünend, so mus gsähen werden, 
dass man alzyt durch miet und gelt Lütli under inen habe, dadurch 
man ihrer prattiken verständigt seye und so werde man durch solche 
göttliche u. christliche Mittel scliaft'en, dass ein frey ingmuret volck 
allen ihren miss günstigen uachpuren ein dorn und schräcken syn 
werde, dann ich für gwüss weiss dass dieses landt zusammen das 
vestist und sterkist Orth der Eydtgenossenschaft wäre, wil sy mit 
notdurft aller Früchten wol versächen und damit von Gott wohl be- 
gäbet ist u. so kann man, wenn die gfahr gross, in gegenwärtiger 
Landtafel jedem Hauptmann anzeigen: Zieh du an dis ort, sieh das 
du dich dieses Platzes bemechtigst etc. etc. und so habe ich alles 
zwar mit grösser müyg und arbeit und schier mit schaden mynes lybs, 
sölbst in das werk gebracht und schliesse mit undertheniger bitt E.E.W, 
wolle sömliche myn ghepte müyg und arbeit dergestalt in Gnaden an- 
nehmen. " 

Die Schrift zerfällt in folgende Teile: 

1) Von den Losungen und Wortzeichen durch alle Landt — 
da man selbige in 2 Stdn. warnen und in die wehr bringen mag. 

2) Die Quartiereintheilung der Landtschaft Zürich. 

;3) Von der nothwendigen Fortification dieser Landen in Kriegs- 
gefahr. 

4) Beschreibung der Pässe. 

5) Beschreibung der Landstrassen. 

G) Wo Schitfbruggen zu schlagen seien. 

7) Wo frömbs Volck zelleggen seye. 

8) Von allerleig beschwerlichkeiten so gmeinem Land zufallen 
möchtin. 

ad. 1 und 2) Die Zeichen werden am Tag mit Schüssen und in der 
Nacht mit Feuern gegeben; jedes Quartier antwortet dem 
Nachbarquartier und gibt die Losung weiter. In jeder Ge- 
meinde soll auf dem Kirchturm ein Wächter sein, der ein 



263 

bestimmtes Glockensignal geben solle. Als Hauptwachtorte 
werden angegeben im Zürichgebiet: A. Zürich, B. Bürgien, 
C. Loubegg, D. Bachthal, E. Hörnli, F. Schauenberg, G. Thur- 
berg, H. Regensperg, I. Kyburg, K. Stadlerberg, L. Irchel, 
M. Kolltirst, N. Rodelberg, 0. Stammerberg, P. Stein-Egg, 
Q. Khngen. 

Ausser der Landschaft Zürich; 
R. Toggenburg, S. Rosenburg, T. Rettmont, V. Feiste Thaun, 
W. bei Herisau, X. oberes Toggenburg, Y unter Rynthal, 
Z. oberes Rhynthal und dann beschreibt er, wie alle Orte 
ineinander greifen sollen. 
Fortificationen sollen sein: 
ad. 3) 1. Bei der Hulftegg, 2. bei Wald, 3. bei der Mooshalden bei 
Rüti, 4. St. Nikiaus, 5. Hüllistein, G. Rüssel, 7. Schlatt, 
8. Schlatt, 9. Spitzhalden, alle gegen den Abt von St. Gallen und 
gegen Schwyz, 10. uf dem Esel (Ezel), 11. uf Stollen, 12. Bellen 
und Fellmis (Hüttersee), also im Gebiete der Wädischwyler 
Herrschaft gegen Schwytz, 13. Spyris Hölzli, 14. Barburg,* 
16. Schönenberg, 17. Seematt, 18. Aaberen, 19. Würmlis- 
höche, 20. im Ebaj, 21. Frowenthal, 22. Lumeren, 23. Brem- 
garten, 24. Meilingen, 25. Windisch, 26. Baden, 27. Fündigen, 
28. Lengnow, alle die letztern gegen Zug und Luzern und 
Oesterreich. 29. Roost, 30. Cobolentz, 31. Keyserstuhl, 
32. tEglisow, 33. Rhynouw, 34. Diessenhofen , 35. Stein, 

36. Constantz. 

ad. 4) Dieser Abschnitt handelt von den Pässen und zwar: 

37. Hulftegg, 38. Lüttispurg, ein Schloss des Abtes von St. 
Gallen, 39. Hummelwald gegen V-Orte, 40. Lauppenheim, 
41. Eerch, 42. Richterschwyl, 43. Sylbrugg, 44. Kappel, 
45. Knonauw, 46. Frowenthal, 47. Windisch, 48. Stille 
49. Keyserstuhl, 50. Eglisouw, 51. Rhynouw, 52. Schaifhausen 
53, Diessenhofen, 54. Stein. 

ad. 5) Strassen: 

1. Nach Basel über Baden, Brugg. 

2. Nach Kaiserstuhl und Schaffhausen u. s. w., so zählt er 
24 Strassen auf. 

ad. ()) SchittT^ruggen : 

1. Oltikon, 2. Bremgarten, 3. Wynigen, 4. Windisch, 5. Stille, 
6. Pilten über die Lindtmatt. 



* 15 fehlt in meiner Copie. 



264 



Am Scliluss sagt er: 

„Aber alles dies würde vil schirmen, so beide Stett Zürich und 
Bern die Herrschaft Baden zu iren Händen nehmen würden'^ und 
damit hat er schon l(i2() dem weittragenden Gedanken Ausdruck 
verliehen, der dann anno 1712 durch Zürich und Bern in die That 
umgesetzt wurde. 



'©^^^ 



XXI. 

Une excursion en Finlande. 

Par le D^ GinUaume. 



La Finlande est situee entre les 60® et 70* degres de latitude nord 
et les 20^ et 32^ de longitude a Test de Greenwich. Elle est entouree 
ä l'ouest, au sud-ouest, au sud et au sud-est, par les golfes de Bothnie 
et de Finlande et le grand lac de Ladoga, qui, par son etendue, est 
une veritable mer interieure. De tous ces cötes, le pays est ainsi 
entoure de frontieres naturelles. Au nord-ouest, au nord et ä Test, 
des rivieres, des lacs et des collines forment les limites qui separent 
la Finlande de la Suede, de la Norvege et de la Russie. 

Le pays a une superficie de 373,604 km^ c'est-ä-dire que son 
etendue est ä peu pres egale aux deux tiers de celle de la France 
et quVUp est ncur lois plus grande que celle de la Suisse. 

Les lacs finlandais representent le 11 7o ^1^ ce vaste espace, 
les marais le 20 7oi les forets et les rochers plus du 60 7o > de sorte 
que 10 7o ä peine sont des terrains labourables. 

C'est donc a juste titre qu'on a appele la Finlande le pays des 
1000 lacs. On fait deriver son nom du vieux mot allemand «fennen» 
= etang, marais; et Suomi, conime le pays est appel6 en langue 
finnoise, trouve son etymologie dans le mot finnois « Suo >, qui 
signifie egalement lac ou marais. L'elövation du sol au-dessus de la 
mer varie a l'intörieur de 100 a 125 m. Le pays n'est montagneux 
que dans sa partie nord, qui touclie a la rögion alpine de la Norvege. 
On y trouve des sommit^s qui ont une hauteur de 800 a 1200 m, 
c'est-ä-dire comme Celles du Gurten et du Weissenstein. 

Au sud du cercle polaire, le pays s'abaisse inseusiblenient; Tin- 
t^rieur est cependant encore relativement eleve, d'environ loo m, 



2(;('. 

tamlis que los cotes constitueiit des i)laines plus ou moins vastes, 
faibleuient incliuoes vers la mer. Cette partie de la cote forme en 
g^neral une lijine contiiiue, tandis qii'aii sud-ouest et au sud, eile 
est döchiquetee par des .uolfes et bordöe d'une ceinture d'inuombrables 
lies et ilots entre lesquels se trouve ainsi un labyrintlic de canaux 
naturels et de baies, que Ton d^signe en suodois sous le nom de 
« SJcärgaorä. » * 

Les roches qui composent le sol, sont presque exclusivement 
formees du schiste cristallin, de gneiss et de granit. Elles sont pauvres 
en metaux; on y trouve cependant du fer, du cuivre, de F^tain et 
du zinc en assez graude quantite pour etre exploites en quelques 
eudroits. La oü la roclie ne perce pas, eile est recouverte d'une 
puissante couclie de gravier et de sable glaciaire, couche qui a par- 
fois une epaisseur de öO a 100 m. Ces depöts de la pcriode glaciaire 
forment d'inuombrables coUines en dos d'ane qui, par leur groupe- 
ment, ont constitue, ä diö'erentes altitudes, des bassins, de nombreux 
lacs, dont les eaux se deversent de Tun dans l'autre en formant 
parfois des rapides et des cascades pittoresques. Ces coUines arrondies 
sont couvertes de sapins et de bouleaux ; souvent elles emergent des 
lacs en formant de nombreux ilots, qui donnent au paysage son 
cacbet particulier. 

D'apres ce que nous venons de voir, et en se souvenant que la 
partie nord de ce grand espace appartient en partie a la region 
polaire, on comprendra que le climat de la Finlande doive offrir des 
differences notables selon la latitude. 

La temperature moyenne du pays est de + 2° centigrades, tandis 
que Celle de la partie meridionale est de + 4*^ C. 

Compare a celui d'autres pays situ^s entre les memes paralleles, 
le climat de la Finlande est doux. Pour trouver la meme temperature 
moyenne, il faut descendre de 10" de latitude plus au sud. Cette 
douceur relative du climat est attribu^e au voisinage de la mer 
Baltique, qui subit l'influence du Golfstream. 

En hiver, c'est-ä-dire en j an vier, qui est le mois le plus froid, 
le thermometre descend parfois au-dessous de 30° dans la partie 
meridionale du pays. Les lacs sont geles, ainsi que les golfes de la 
mer Baltique, et la navigation n'est possible qu'au moyen de vapeurs 
construits specialement pour forcer les glaces. 

La fönte des neiges a lieu en avril; le printemps commence en 
mal; juillet est le mois le plus cliaud, et il n'est pas rare alors que 



* Skär (pron. Schär) = ciseaux, faucille — decoupure — falaise. Gaord 
(pron. gord) =: cour, espace. Skärgaord =: paysage decoupe. 



•267 

le therraometre marque 30° C, meme dans la region la plus septen- 
trionale, c'est-a-dire en Laponie. — Dans le midi du pays, le plus 
long jour et la plus longue nuit sont de 18 heures, tandis qu'au 
nord ils durent un et meme deux mois. Les nuits claires de l'etö 
fönt une Impression singuliere sur ceux qui arrivent pour la premiere 
fois dans ces latitudes. 

Eu Laponie, au temps du solstice d'ete, le soleil, comme chacun 
sait, ne descend pas au-dessous de Tliorizon; mais, meme dans le 
sud de la Finlande, ä cette epoque de Fannie, il n'y a pas de nuit, 
comme nous avons pu le constater. Entre le coudier et le lever 
du soleil, en juin et juillet, de !) heures du soir ä 3 heures du matin, 
regne un clair crepuscule, une lumiere sans ombre et d'un effet 
etrange. On peut encore, a minuit, distinguer les couleurs des fleurs 
et lire les plus fins caracteres d'un livre. C'est comme chez nous un 
quart d'heure apres le coucher, ou avant le lever du soleil. En re- 
vanche, Thiver est sombre; aux environs de Noel, dans le sud, le 
jour dure a peine six heures. 

Les essences forestieres qui donnent au paysage son caractere, 
sont d'abord, comme je Tai deja fait observer, le sapin rouge, le pin 
sylvestre et le bouleau, Celui-ci se trouve jusque dans Textrenie nord. 
En outre, Faune, le frene, le tremble, le saule marceau, le sorbier, 
le genevrier, y sont assez communs. Ce n'est que dans la Finlande 
meridionale qu'on rencontre des tilleuls, des erables, des coudriers et 
des ebenes; mais ils y sont en general peu abondants. 

Les cereales les plus generalement cultivees sont le seigle et 
l'avoine jusqu'au 67""« degre et l'orge jusqu'au GS""®. On cultive du 
froment, mais en petite quantite, dans le sud, le sarrasin dans 
Test, le lin jusqu'au (i4™^ degr6, le chanvre jusqu'au 65°"'. Enfin 
la pomme de terre, les choux, la betterave et les raves abondent dans 
tout le pays. 

La faune des forets et des eaux est encore variee et abondante. 
On rencontre surtout le lievre, le coq de bruyere, le petit t(^tras, 
la gelinotte, le lagopede et les nombreuses especes d'oiseaux aqua- 
tiques, eiders, canards sauvages, etc. La grue et le cygne sauvage sont 
communs, celui-ci surtout en Laponie. Parmi les carnassiers les plus 
r6pandus sont le renard, le loup et l'ours, et parmi les oiseaux de 
proie, l'aigle, l'epervier, le balbuzard et plusieurs especes de faucons. 

Les petits oiseaux sont en grand nombre. Ce sont les m(;mes 
que chez nous; les uns sont sedentaires et les autres ne sont que 
des oiseaux de passage. Le rossignol se rencontre souvent dans Test 
du pays; la grive, le pinson, la bergeronnette et le merle sont plus 
generalement repandus. 



208 

Dans le nord, siir les bords de la mer, ainsi qiie dans Tarchipel 
d'Alaud, 011 fait la chasse aii\ i)hoques; celle-ci est d'une certaine 
importance. 

Les poissons qui tont Tobjet de la peche la plus fructueuse, 
sont le sauinon, la truite, la brenie, la perclie, le brodiet, l'anguiUe, 
la lotte, mais surtout le « Strömming » ou petit hareng dont la peche 
constitue un des principaux moyens de subsistance des populations 
du littoral. Dans les lacs de riiiterieur, on peche d'enorines quantites 
de « inuikka > (Coregonus albula), une espece de poissons seinblables 
aux bondelles du lac de Neuchätel. 



Maintenant que nous avons donne un apercu de la Situation 
geographique du pays, de sa flore et de sa faune, nous devons 
consacrer quelques instants ä ses habitants. 

D'apres les renseignements donnes par Retzius, Ahlqvist et 
d'autres savants scandinaves et finnois, qui se sont livr6s a l'etude 
des antiquites, a celle de la langue, des legendes populaires, des 
usages et couturaes, on admet que le peuple primitif de la Finlande, 
les Premiers qui occuperent le pays, etaient les Lapons. On trouve 
des traces de Tage de la pierre, quelques rares vestiges de Tage 
du bronze et des objets qui ont permis d'etablir trois epoques 
distinctes de Tage du fer. 

A une epoque reculee, qu'il n'est pas possible de fixer, une 
peuplade de race mongole originaire de PAltai, venant du sud de 
rOural, se fixa d'abord dans Tinterieur de la Russie; mais eile fut 
im jour delogee par un flot de nouveaux emigrants. Cette peuplade 
appelee les Bj armes se dirigea vers le nord-ouest et se refugia, dans 
le 8* siede, en Finlande, refoulant a son tour les Lapons vers le 
nord. Les Bjarmes ou Finnois formaient deux tribus, celle des Tavastiens 
(en finnois Haimelaiset) et celle des Careliens (Karialaiset). Les 
Premiers s'etablirent dans la partie occidentale du pays, et les 
seconds, dans la partie Orientale. 

Les Finnois de cette epoque reculee ne s'occupaient pas encore 
d'agriculture ; ils Etaient essentiellement cbasseurs et pecheurs. Leur 
habitation etait la Kota, abri primitif, construit au moyen de perches 
plantees en rond sur le sol et dont les sommets etaient reunis de 
maniere ä former une hutte conique. Les interstices etaient calfeutres 
avec de la mousse, et en hiver cette espece de tente etait recouverte 
de peaux d'animaux. Les Finnois conservaient encore des habitudes 
nomades ; mais ils avaient cependant un commencement d'organisation 



269 

sociale. Ils formaient des groupes, qui constituaient des communes. 
Dans leurs assemblees, ils discutaient les mesiires d'interet göneral 
et nommaient leurs chefs. 

Plus tard, ils se mirent a cultiver la terre et constniisirent des 
demeures plus confortables, des «pörteT, type de maisons que l'on 
reucontre encore actuellement en Finlande et qui rappellent entierement 
les fenils et les chalets rustiques, les blockhaus de nos hautes 
Alpes. 

Ils n'ignoraient pas non plus ni la navigation, ni le commerce. 

L'ile de Bjverkoe; dans le golfe de Finlande, etait alors une 
place importante de commerce, oü se reuiiissaient des marchands 
russes, allemands et gothlandais. Les principales marchandises des 
Finnois consistaient en peaux de betes sauvages. Ils connaissaient 
le fer et Tart de le travailler. — Forgeron (seppä) etait un titre 
honoritique qu'on donnait ä celui qui excellait en quoi que ce fiit. Le 
cliant, la musique, la poesie, le recit de legendes, etaient leurs 
recreations favorites. Le poete, le musicien, portaient tous le titre de 
forgeron; p. ex., le poete portait celui de «runoseppä» (forgeron de 
vers) et le kantele, espece de cithare ou de harpe, etait l'instrument 
national. 

Les Finnois etaient renommes pour leur bravoure dans les 
combats et consideres comme pirates audacieux (Vikings). Leur 
religion etait le schamanisme, commun aux peuples ouralo-altaiques ; 
mais ils avaient admis dans le cours des temps des dogmes religieux 
empruntes aux peuples de race indo-germanique, aux scandinaves en 
particulier, avec lesquels ils s'etaient trouves en contact. Leur 
mythologie consistait dans la deification des forces de la nature. 

Quoique les croyances religieuses de cette epoque recul^e aient 
et6 supplantees par le christianisme, leur souvenir s'est conserve 
jusqu'ä nos jours dans certaines expressions de la langue finnoise et 
dans des proverbes et dictons. 

. Les hommes qui, par leur sagesse ou par leurs compositions 
po^tiques, s'etaient distingu6s, furent plus tard l'objet d'un culte 
religieux. Un de ces personnages legendaires est Väinenmöinen, 
l'inventeur du kantele (de la harpe nationale) et l'auteur des « runes», 
dont les chants devinrent populaires et se sont conserves jusqu'ä 
nos jours, ensuite le lorgeron Ilmarinen, qui avait construit la voüte 
du ciel, Lemmenkainen et plusieurs autres. Ce sont les hauts faits 
de ces h6ros qui fönt l'objet du poeme c^pique national le Kalevala. 
Les chants de ce poeme, semblables ä ceux de l'Edda, ont 6t6 
recueillis par El. Lönnrot. Ils d6crivent l'Olympe finnois et la vie 



du jjeuple finlandais et ont une gTande valeiir au poiiit de vue 
ethiiüiiraphique. 11s montrcnt (lue Ic niveau de culture intcllectuelle 
etait dt^ja eleve a cette epoque et que des aspiratioiis vers l'ideal 
trouvaient leur expression dans un langa.i^e noble et poetique. On 
pourra en juger par les speciniens suivaiits traduits du suedois. 



Sur la mort d'un enfant. 

Dors, (lors, mon enfant bien-aime! 
Dans ton berceau noir et glace. 
Sombre est la paroi qui lahrite; 

Dors, dors! 
I']t noire la main qui t'iiivile . . . 

Dors, dors ! 
Dors, dors, mon enfant bien-aime ! 
Dans ton berceau noir et glace. 

Dors, dors, mon pauvre et pale enfant I 
Au dehors, le pre verdissant 
Nous offre son herbe fleui'ie; 

Dors, dors ! 
Mais ta joue est froide et pälie, 

Dors, dors! 
Dors, dors, mon enfant bien-aime! 
Dans ton Jjerceau noir et glace. 

Dors, dors, mon enfant bien-aime ! 

Dans ton Ijerceau noir et glace. 

Les vierges de Mana, de leurs ailes fune])res, 

Veilleront desormais sur toi dans les tenebres; 

Dors, dors! 
Et Tuoni tendra vers toi sa douce main. 

Dors, dors, 
Mon päle cherubin! 

Dors, dors, mon enfant bien-aime! 

Dans ton berceau noir et glace. 

Mieux vaut reposer sous son aile! .v 

Dors, dors ! % 

La prairie est plus verte, et la berce est plus belle. y 

Et la mere, lä-bas, qui te veille, est lulele. 

Dors, dors! 
Dors, dors, mon enfant bien-aime! 
Dans ton berceau noir et glace. 



271 



Desespoir de Kullerro, Fabandonne. 

Ainsi chantait, assis tout seul et desole, 
un orphelin abandoniie: 

Olli put me mettre sur la terre 

Et me creer pour la misere, 

Moi qui, jour et nuit, sur les cliemins, 

M'en vais sous les cieux lointains? 

D'autres ont, ici-bas, un toit qui les abrite, 

Un foyer qui petille, un coeur qui les invite; 

Mais mon foyer, ä moi, helas ! est le desert. 

La bruyere est mon lit, frissonnant, decouvert; 

Le vent est mon ami; la pluie, helas! m'inonde: 

Je t'en prie, mon Dieu, ne niets plus en ce monde, 

Is'e donne plus la vie 
A l'enfant sans parents, sans amour, sans patrie, 

Abandonne de ses prochains, 

Au plus pauvre des orphelins 

Sans son pere et sans sa mere. 
Oublie, perdu sur la terre, 
mon Dieu, tu m'as cree, 

Etre digne de pitie, 
Gomme si, ne sur les cimes, 
J'etais un oiseau des abimes. 

Et le ciel pourtant eclaire 
Les petits oiseaux de la terre : 
L'hirondelle, le pinson, 
Jouissent de son doux rayon; 
Moi seul suis prive sur la terre 
De sa douce et pure lumiere: 
II ne se leve pas pour moi, 
Je suis sans espoir et sans foi. 

J'ignore quelle est ina patrie, 

J'ignore ä qui je dois la vie. 

Est-ce le pinson de la foret, 

Ou le canard dans les marais? 

Est-ce le courlis du rivage, 

Ou la mouette sur la plage? 

Orphelin, je vins sur la terre, 
Et, nourrisson, je fus saus mere; 

Mes parents sont morts tous les deux, 

Et les amis sont morts comme eux. 

Je restai seul et j'eus pour chaussure la glace; 
La neige me servit de l)as. 

Et, pour ne point laisser de trace. 

Je veux me glisser tout en bas, 

Dans le marais aux eaux tranquilles, 

Noires, profondes, immobiles. 



272 

Un peuple au sein diiquel, au s* siede de notre ere, surgissaient 
des poetes capables d'exprimor de pareils sentiinents, etait suscep- 
tible d'iiii developpement intellectuel et moral de i)reinier ordre, et 
sa selectiou avec l'^lement su6dois contribua encore a favoriser ce 
developpement et a faire de la Finlande actuelle un pays qui, par 
son desir6 61eve de civilisation, occupe un rang des plus lionorables. 

Les incursions reiterees des Vikings* finnois sur les cötes de la 
Suede attirorent Tattention des rois de ce pays. D6sireux d'aug- 
menter son pouvoir et cedant aux instances des papes, le roi suedois 
Eric, accompagne de l'^veque Henri, envahit la Finlande au milieu 
du 12* siecle et commenca d'y introduire le christianisme. Le roi fit 
construire le chäteau d'Abo aupres duquel une ville s'61eva bientöt. 
Les Finnois opposerent une r6sistance opiniatre, et il fallut une se- 
conde croisade entreprise un siecle plus tard pour soumettre les 
Tavastiens et les Car61iens et les forcer a accepter la religion chr6- 
tienne. Un autre cliateau fut construit a Tavasthus, et un troisieme 
a Vibourg. 

La Carelie, c'est-ä-dire la partie sud-est, qui avoisine la Russie, 
fut longtemps disputee par les Kusses et par les Suedois; mais, 
finalement, au commencement du 14^ siecle, ces derniers devinrent 
maitres absolus de tout le pays, qu'ils diviserent en trois provinces, 
Celles d'Abo, de Tavasthus et de Viborg. 

Chose digne de remarque, les Suedois ne traiterent pas la Fin- 
lande en pays conquis, mais y introduisirent leur civilisation et leurs 
lois et accorderent aux valncus les memes droits civils qn'a leur 
propre nation. L'esclavage fut entierement aboli en 1335. Avec les 
bienfaits de la paix se developperent Tagriculture et l'instruction 
publique, gräce aux ecoles fondees par les couvents. Sans doute que, 
comme ailleurs dans le moyen äge, il y eut de temps en temps des 
dissentiments entre les rois de Suede et la noblesse^ et des guerres 
civiles qui ralentirent le developpement social. A une certaine 6poque, 
le Danemark prit possession de la Suede et de la Finlande ; mais 
Gustave Vasa d6livra du joug danois sa patrie ainsi que la Finlande, 
et y introduisit la reforme religieuse (1525 ä 152S). II est vrai que 
Gustave I, comme tant d'autres princes partisans de la reformation, 
avait moins en vue le salut spirituel du peuple que l'accaparement 
des richesses du clerge catholique. 

II y eut une reaction, et Tun des fils de Gustave Vasa voulut 
rötablir la religion catholique mais les Etats g6neraux de Suede, 
dans lesquels figuraient les repr^sentants de la Finlande, r6unis ä 



I 



* Du «Vik», baie, habitauts des baies dans les «Skärgaords». 



273 

üpsal en 1593, deciderent que la religion lutherienne serait la seule 
et iinique religion en Siiede et en Finlande. Le grand Gustave- 
Adolphe monta sur le trone en Kill. II etablit en Finlande uue 
diete composee de quatre ordres, a savoir la noblesse, le clergö, 
la boiirgeoisie et les paysans. II institua des cours sup6rieures de 
justice, dont une ä Abo, la capitale de la Finlande. II crea des 
6coles et des gymnases. C'est ä cette 6poque que fut fond6e l'uni- 
versit6 d'Abo (1640) et que la prämiere imprimerie fut cr66e. 

La Finlande, qui portait dans les actes ofiiciels depuis la tin du 
16' siecle la denomination collective de Grand-Diiche, est consideröe 
surtout alors et depuis comme membre du royaume au raeme titre 
et avec les memes droits que la Suede. II ne pouvait en etre autre- 
ment. La superficie de la Finlande etait presque 6gale ä Celle de la 
Suede. La partie de la population qui descendait des envahisseurs 
suedois, s'etait habituee au sol de la Finlande et unie a la race 
finnoise ; eile considerait le pays comme sa patrie. Les Finlandais 
avaient coucouru pour une large part ä la preparation de la periode 
de grandeur de la Suede. Parmi les grands hommes qui illustrerent 
la guerre de 30 ans, on compte nombre de Finlandais. Avant et apres 
cet övenement, la Finlande fournit a la communaute des hommes 
d'etat 6minents, finlandais non seulement par leur origine, mais aussi 
par le sentiment conscient de leur nationalite. Tout ce qui etait 
fait ou decide en matiere legislative etait applicable ä tous, ce qui 
etait conquis sur le champ de bataille devenait propriete commune. 
Aussi la Finlande resta-t-elle inebranlablement fidele ä ralliance su6- 
doise. A vrai dire, ce n'etait qu'ä elle-meme qu'elle etait fidele ; car, 
en somme, eile ne d^fendait que la propri6te commune, que l'^tat 
constitutif commun aux deux pays. 

Je reproduis textuellement cette Observation de M. Meurman*, 
auquel j'emprunte d'ailleurs d'autres renseignements, parce que les 
journaux russes qui, depuis quelques ann6es, denigrent la Finlande 
et demaudent ä grands cris que l'on assimile le Grand-Duch6 aux 
autres provinces de l'Empire, soutiennent que la Finlande, ä l'^poque 
su^doise, n'avait pas de Constitution et ne possMait pas de droits 
constitutionnels. Cela est contraire a la verite. La Suede considerait 
la Finlande, non comme uue province conquise, mais comme un 
membre important du royaume, tout en respectant son individualite 
propre. 

Pendant les regnes de Charles X et de Charles XI, cousins de 
la fiUe de Gustave-Adolphe, en faveur desquels eile abdiqua, la Fin- 



* A. Meurman. La Finlande, Ilelsingl'ors. Evlancl. 1890. 67 pages. 

XI. Jahresbericht d. Geogr. Ges. v. Bern. 1H!»1-1S92. Jg 



274 

lande fit de rapides progres dans tous les domaines, ])ieii (pie do 
toinps en tenips la famiiie, suite de niauvaises recoltes, d6sole et 
deciine la population. 

En 1697, Charles XII monta sur )e tröne de Suede. Le jeuno 
tsai" I'iorre qiii regnait en Russie, desirait faire de sa patrie nn pays 
puissant et honorc, et, pour y rei)andre la civilisation europcenne, il 
convoitait les pays situcs sur les bords de la Baltique et qui appar- 
tenaient a la Suöde. Une giierre eclata en 1700. Le tsar fut battu 
a Narva. Satisfait de cette victoire, Charles XII se tourna vers la 
Pologne. Pierre, protitant de l'^loignement du roi de Suede, prit 
ringermanie et fonda, sur les bords de la N6va, la ville de St. Peters- 
bourg. Pendant les tolles guerres de Charles XII en Turquie, le tsar 
p6n6tra en Finlande et prit les villes de Keksholm et de Villman- 
strand en 1710. Deux ans plus tard, tout le midi du pays appar- 
tenait au tsar. En 1716, apres une guerre meurtriere, toute la Fin- 
lande tomba sous la domination russe. 

Toutefois, apres la mort de Charles XII, un traite de paix fut 
conclu en 1721 entre la Suede et la Russie. Celle-ci resta en posses- 
sion de la Livonie, de PEsthonie et de l'Ingermanie ; mais eile resti- 
tua la Finlande a la Suede, a Vexception de la province de Vihorg. 

Ce demerabrement exerga une grande influence sur Pesprit public 
des classes dirigeantes en Finlande. Les hommes d'etat finlandais 
sentaient que la Su6de allait s'atfaiblissant et voyaient leur pays 
morcel(^. L'importance de la Finlande comme partie intögrante du 
royaume en fut diminu(^e. Son pouvoir de faire valoir son individua- 
lite par rapport a son ancienne 6tendue territoriale, ä Vensemble, etait 
aifaibli, non pas tant par la cession de la province de Viborg que 
par la diminution de sa population, reduite alors a quelques centaines 
de mille anies, et par la devastation qu'elle avait subie et qui Pavait 
fait retourner presque a Petat de desert. Les Finlandais voyaient avec 
chagrin Pindifference de leurs allies su6dois, qui avaient abandonne 
la province de Viborg et envisageaient froidement Peventualite de 
la perte meme de toute la Finlande 

Les Finlandais pressentirent que leur ancienne Situation politique 
allait s'ebranler, et leurs hommes d'etat se pr^occuperent du sort re- 
serve a leur peuple et ä leur patrie, dans le cas oü ils laisseraient 
les evenements suivre leur cours. D^ailleurs la question de savoir de 
quelle maniere une existence historique supportable pourrait leur 
etre faite ne devait-elle pas primer toutes les autres? Quant au 
peuple, il n'avait naturellement qu'un vague pressentiment de ce qui 
se preparait: une sorte de malaise et de mecontentement s'etait 
empare de tous les esprits. On sentait vaguement qu'on allait 



au-devant d'un nouvel ordre de choses ; aiissi eprouvait-on une incer- 
titiide toute naturelle sur l'avenir. II va de soi que la force d'attrac- 
tion, encore si grande entre les deux parties de la Fiiüande separees, 
teudait a les reiinir ; mais il etait clair aussi qu'il etait dösormais 
impossible pour la Siiede de reconquerir la province perdue de Vi- 
borg. Le seid expedient j^ossihle, pensait-on, etait de passer sous 
le sceptre russe, tont en sauvegardant, si possible^ son existence 
nationale. 

Cette idee commenga ä germer dans les esprits. Mais le projet 
ne pouvait pas etre ouvertement diseute, car il impliquait im crime 
de haute trahison vis-a-vis de la Suede. Durant la guerre qui eclata 
de nouveau en 1741 entre la Russie et la Suede, l'imperatrice Eli- 
sabeth adressa aux Finlaudais une proclamation dans laquelle eile 
leur promettait Tindependance sous la protection de la Russie. Ce 
manifeste indique que l'idee de l'independauce de la Finlande couvait 
dans les esprits, aussi bien en Russie qu'en Finlande. Sous le regne 
de rimperatrice Catherine, une conspiration s'organisa parmi les 
ofiiciers finlandais, qui pensaient que le moraent etait venu de prö- 
clamer Tunion definitive de la Finlande avec la Russie. L"imiieratrice 
entra en pourparlers avec les conspirateurs et etablit les negociations 
sur la base d'une autonomie pour le Grand-Duche. Mais les ligueurs 
d'Anjala, comme on les d6signe, sentaient que la base morale man- 
quait ä leur projet; aussi n'oserent-ils pas compter sur la trahison 
au grand jour de la majorit6 du peuple finnois, lequel s'etait de tout 
temps distingue par l'observatiou rigoureuse de ses engagements 
legaux envers la Suede. La ligue d'Anjala disparut; toutefois eile eut 
pour resultat d'elucider davantage la question et de montrer le but 
ä atteindre. Du projet irrealisable d'une Finlande independante sous 
la protection russe, on en etait venu a l'idee dhm Grand-Duche 
inseparablement uni ä la Russie avec conservation de la Situation 
legale dont la Finlande avait joui durant Vunion suedoise. Les homraes 
d'Etat russes et finlandais savaient maintenant ce qu'ils voulaient 
et ce qu'ils se proposaient. 

Cependant la realisation du projet n'eut lieu qu'en 180!) et seu- 
lement apres une lutte acharnce, dans laquelle le peuple Finlandais 
combattit avec bravoure coutre l'armee russe qui envahit le pays. 
L'empereur Alexandre I, qui voulait achever la conquete de la Fin- 
lande, adressa en juin 1808, alors que Fissue de la guerre n'etait 
pas encore döcidöe, un manifeste dans lequel il declarait qu'en 
unissant la Finlande a la Russie, il garantirait pieusement le maintien 
des lois et Privileges du pays. l\ convocpia a Rorgo, eii 180!), les re- 
presentants de la Finlande, et la il renouvela sa promesse de respecter 



276 

et de inaiiitenir li'S lois fondaineiitalos du i)ays ninsi qne les privilciies 
et droits des Fiulaiidais. L'eiiipereur re(;ut riiommage et le sennent 
des i'ei)resentants du pays et fut proclaniö Grand-Duc de Finlande. 
I/acte d'uuiou veuait de s\acconii)lir ; il fut ratiti6 par le traite de 
paix de Fridrikshanini couclu entre la Russic et la Suode, le n sept. 
1809. Les Finlandais, pr6voyant l'issue finale de la guerre et l'im- 
possibilite d'uu retour au passi^, ne pouvaient pas li6siter a aller 
au-devant des promesses que l'empereur leur avait faites. En Suede, 
le roi etait detronö ; le gouvernement suödois, trop faible, n'avait plus 
d'action sur la Finlande, dont les Fitats reprösentaient de droit le 
peuple finlandais. Aussi aucune protestation ne s'61eva dans le pays 
contre l'acte d'union scell6 et proclamö a Borgo. 

L'union ainsi fondee fut caract6ris6e par un manifeste de TEm- 
pereur publie une aun§e plus tard et dans lequel il disait: 

« A partir du moment oii la Providence nous remit le sort de la 
Finlande, nous resolümes de gouverner ce pays comme une nation 
lihre et jouissant des droits que sa Constitution lui garantit. Les 
preuves de devoueraent que les liabitants nous ont donnees depuis 
le serment de fid61it6 qu'ils nous ont pret6 de leur plein gre par 
leurs representants reunis en Diete, n'ont pu que nous affermir dans 
cette resolution. » 

Je tenais ä reproduire ces passages de la brochure de Meurman 
et ä citer les paroles meines de l'Empereur de Russie, Alexandre I, qui 
voulait regner sur un peuple reconnaissant, mais qu'il savait jaloux 
de son individualite politique. Les resultats ont repondu a son attente. 
Si TEmpereur fut fidele a ses engagements et fit de son Grand- 
üuche un Etat constitutionnel, et si les tsars qui lui succederent 
suivirent son exemple, les Finlandais prouverent ä leur Grand-Duc 
un attachement reel et une loyaute sincere. 

L'histoire n'ofi're pas d'exemple d'une conquete portant de pareils 
fruits. Trois ans a peine s't^taient ecoules depuis l'union de la Fin- 
lande ä l'Empereur, que dejä les troupes finlandaises, sous un com- 
mandement finlandais, etaient en garnison dans la capitale de la 
Russie et cela pendant que l'Empire avait ä soutenir une lutte 
gigantesque avec Napoleon. Personne ne songea alors, ni depuis, 
k constituer un parti suedois dans le but de retablir l'ancienne union 
avec la Suede. Les troupes finlandaises ont pris part a la guerre 
contre la Turquie et ont vers6 leur sang sur les bords du Danube 
et dans les Balkans, et neanmoins les journaux russes pretendent 
actuellement que les Finlandais considerent toujours les Russes comme 
leurs ennemis hereditaires et ils demandent avec instance que 



277 

rEmpereur, en depit de son serment, convertisse le Grand-Duche en 
une province riisse et lui euleve sa Constitution et son autouomie. 

La frontiere entre la Kussie et la Finlande etait restee d'abord 
la meme que celle qui avait ete etablie par la paix de 1743 entre 
la Eussie et la Siiede. Mais TEmpereur Alexandre I ayant troiive 
utile de rendre a la Finlande son unite, decreta en 1811 la reunion 
de la province de Viborg au Grand-Duche de Finlande. La frontiere 
etablie alors subsiste encore actuellement. L'Empereur et Grand-Duc 
gouverne la Finlande conformement aux lois du pays. Le senat im- 
perial si^geant a Helsiugtbrs est a la fois le Conseil du monarque 
et le Conseil gouvernemental qui resout toutes les questions non 
reservees a TEmpereur. Le senat est divise en deux departements: la 
justice et l'economie. Ce dernier renferme six directions : celle de 
l'interieur, des finances, des comptes, du militaire, des cultes et de 
l'agriculture. 

Le Senat est preside par le Gouverneur general. Le Procureur 
general veille a Texecution des lois et il est le Conseil juridique du 
Gouverneur general. 

Le ministre-secretaire d'Etat, residant a St-Petersbourg, rapporte 
au Grand-Duc toutes les affaires concernant la Finlande. Tous ces 
fonctionnaires sont nommes par l'Empereur. Les Etats de la Finlande 
reunis en Diete representent le peuple finlandais. Ils sont avec TEm- 
pereur l'autorite legislative. Ils se composent de quatre ordres : la 
noblesse, le clerge, la bourgeoisie et les paysans, qui siegent separe- 
ment. Trois ordres doivent etre d'accord pour quime decision ait 
force de loi. 

Depuis 1807, la- Diete se reunit regulierement tous les 5 ans, 
et ces reunions ont toutes ete fertiles en oeuvres legislatives et en 
mesures financieres et economiques. 

Les autorites administratives sont, ou centrales, ou locales. Les 
premieres ont leur siege a Helsingfors et etendent de la leur action 
sur tout le pays, chacune en son doraaine. Le pays est divise en 
huit provinces (Laen) ayant chacune un gouverneur et un conseil pro- 
vincial; elles sont subdivisees en districts, pour la police et la per- 
ception des impöts. 

L'administration communale est entierement autonome. L'organi- 
sation ecclesiastique repose egalement sur le principe du self-govern- 
ment. Les paroisses, qui, en general, coincident avec les communes 
civiles, choisissent elles-memes leurs pasteurs, dont la nomination 
appartient au Grand-Duc. Les paroisses sont groupees en trois 
dioci'ses, administres chacun par un eveque et un chapitre. 



278 

11 y a. daiis les coinmunes rurales ot dans les villes, des tribu- 
luiux de proniiiTe instaiice, et au-dessus H coiirs suporieures de justice. 
lie d(^partement de Justice du S6nat fonctionne comme Cour d'appel. 

L'orjxanisatiou uiilitaire a die otablie ]mv la loi de ISTS sur le 
principe du Service obligatoire. Le service actif est de ;} ans. a partir 
de Tage de 21 ans accomplis, apres quoi on suit un temps de Service 
dans la rcserve, puis dans la landwelir, oü Ton reste jusqu'a Tage 
de quarante ans. La duree du service actif est abrögee d'un an pour 
ceux qui ont passe par une ecole populaire supörieure, d'une ann6e 
et deniie pour ceux qui ont passe par un lycee, par une öcole sup4- 
rieure de commerce agricole, et de deux annees pour les 6tudiants 
de rUniversit6. 

Monsieur le senateur Mt^cbelin a public un pr^cis du droit public 
du Grand-Duche de Finlande. C'est un ouvrage interessant, qui con- 
tient en peu de pages tous les renseignements desirables. 



Apres avoir donne un aper^u de la Finlande et de Thistoire des 
Finlandais d'apres des documents qui nous furent distribues, je puis 
commencer le recit de notre excursion dans ce pays. 

Pendant le Congres penitentiaire de St-Petersbourg, MM. les 
Senateurs Montgomery et Mecbelin, qui assistaient ä cette reunion 
internationale, adresserent au nom du Senat finlandais c'est-ä-dire du 
gouvernement, a tous les merabres etrangers l'invitation de visiter 
la Finlande. 

Le depart fut fixe au 24 juin a 10 h. du soir, qui etait le jour 
de clöture du congres. Ce jour-b\, ä l'heure indiquee, deux bateaux 
a vapeur, r«AbO'> etr«Oulu», ornes des drapeaux des nations reprt^- 
sentees au Congres et decores de branches de bouleau attendaient 
les nombreux invit^s sur le quai de la Neva (Wasili ostrow). Chaque 
excursionniste s'installa confortablement a la place qui lui etait as- 
signee dans les cabines, et bientot le Signal du depart fut donne. 
Comme on etait au solstice d'ete et qu'a 1 1 heures du soir il faisait 
eucore grand jour, personne ne songea ä se retirer dans sa cabine 
et tout le monde etait sur le pont. A peine 6tions-nous en route que 
>L le senateur Mecbelin, qui fut notre principal guide pendant le 
voyage, nous souhaita d'abord la bienvenue sur un vapeur finlandais. 
Puis il fit distribuer du Champagne. «C'est le seul remede efficace 
contre le mal de mer, » dit-il. Nous sommes encore dans les eaux 
tranquilles de la Neva, mais bientot nous serons en pleine mer, il 
est prudent d'employer les moyens pröventifs. II boit a la sante des 



279 

hötes de la Finlande et otfre des bouqiiets de Üeurs aux dames qui 
})i'enaieiit part ä Texciirsion. II repreiid ensuite la parole et dit que 
les congressistes constituent une societe qui discute beaucoup, mais 
que, sur un bateau, le capitaine commaiide et ordonne et tout le 
nionde obeit. Apres le Champagne, on servira le the et la biere et 
ensuite chacun se retirera dans sa cabine pour s'y reposer. Sur mer, 
ou dort bien, et il s'agit de puiser dans le sommeil de nouvelles 
t'orces atin de pouvoir supporter les fatigues qui nous attendent. II 
niet aux voix le Programme expose et la proposition est votee par 
acclamations. 

Cela n'empeche pas que plusieurs d'entre nous, seduits par le 
Charme d'une nuit sereine, resterent sur le pont jusque bien apres 
minuit. 

Les deux vapeurs passerent ä une certaine distance de la forte- 
resse de Cronstadt, qui garde l'entree de la rade de St-P6tersbourg. 
C'est une ile peu elevee au-dessus du niveau de la mer, couverte 
de batiments et de fortitications. Nous distinguons pariaitement les 
tours des eglises, Celles des phares et la foret de mäts des navires 
de la flotte russe. 

L'air etait lourd et Thorizon du cöte de la Finlande etait sil- 
lonne d'eclairs ; on pouvait s'attendre ä un orage. Le lendemin, une 
pluie tine et douce commenga ä tomber. A mesure que Ton s'approche 
de la cöte finlandaise, on entre dans un archipel, dans le skärgaord, 
compose d'un grand nombre d'iles et d'ilots ä forme arrondie et 
recouverts de Ibrets de sapins et de bouleaux. Les rochers qui bor- 
dent le rivage sont laves par les vagues et depourvus de Vegetation. 
ILs forment ä la base des iles une ligne de couleur claire. Ce sont 
des roches granitiques, a teinte rosee, qui sont polies comme Celles 
de notre Jura, lä oü elles ont ete soumises a l'actiou des glaciers. 
Dans un de ces golfes Interieurs se trouvait une escadre de la flotte 
russe. A 7 heures et demie, nous entrions deja dans le bras de mer 
qui forme le port exterieur de Viborg. A un certain endroit, Tentree 
est resserree par une ile sur laquelle sont des magasins et des depots 
de bois de commerce. 

De nombreux i)hares indiquent aux navires la route a suivre. 
Ces phares sont d'une construction particuliere et d'invention flnlan- 
daise. C'est une lanterne tixee sur un trepied qui s'eleve de 8 a 4 
metres au-dessus du niveau de Teau. La lampe a huile produit du 
gaz et pp.ut brüler jour et nuit ])endant quinze jours. On ne la remi)lit 
<iue tous les dix jours. La depense serait plus elevee si on voulait 
Tallumer tous les soirs et Teteindre tous les inatins. En ete, par les 



280 

uuits claires, les luarins ii'ont pas besoin de phares, et en hiver les 
longues imits exigeut un eclairage contiiiucl. 

La Finlande possede actuellement 140 phares semblables. M. Mdche- 
liii en a fait otablir 22 raiinee derniere. C'baque pharo coüte soo u 
1000 mk. La lampe seiile coüte Höo nik. Le mark tinlaiidais cor- 
respond exactement au franc et est divise eii loo ])enni. Lors de la 
r^union de la Finlande a la Russie en ISo!), la Diete avait adopte 
conune unitö monetaire le rouble d'argent russe. Celui-ci tut remplace 
en 18G0 par le mark, qui est 6gal a un quart de rouble argent. En 
1877, on introduisit Tetalon d'or, en prenant pour unite le meme poids 
d'or que dans le Systeme frangais. 

Nous traversons la passe fortifii^e et nous entrons, a 8 heures du 
matin, dans le port Interieur. Nous debarquons sur le quai de Viborg, 
aux sons d'une musique et aux acclaraations d'une foule nombreuse 
qui atteudait notre arriv6e. Tons nos bagages sont laiss^s sur les 
bateaux. Ils seront expedies par chemin de fer ä Helsingfors oü nous 
les retrouverons le lendemain. Les autorites de la ville nous souhaitent 
la bienvenue et le cortege se forme musique en tete ; nous traversons 
un pont en bois, et gravissons une colline au sommet de laquelle se 
trouve un chalet entoure d'arbres et devant lequel üottent de nom- 
breux drapeaux. C'est le cafe-restaurant de Ste-Anne, etablissement 
semblable a ceiui du Schrenzli. La, un dejeuner est prepare a notre 
Intention. Je vous fais gräce du raenu, cependant je dois mentionner 
une pätisserie particuliere ä Viborg, les <• Viborg s Kringlor » , espece 
de craquelins et le KnäcJcebröd, la galette que Ton rencontre d6jä 
en Danemark et qui se trouve sur toutes les tables scandinaves. 

Je vous fais egalement gräce des discours prononces ä cette 
occasion, et que je n'ai pas entendus, car je profitai de ce moment 
poür visiter ä la hate Tinterieur de la ville. 

Du haut de la colline de Ste-Anne, on a une vue etendue sur 
Viborg et sur ses environs. Les ruines imposantes du vieux chateau 
sont au centre du tableau, sur un petit ilot, et ä droite s'6teud la 
ville, qui borde la rive gauche du port Interieur. Elle est entouree 
d'un archipel assez pittoresque. Tous les ilots sont couverts de bou- 
quets d'arbres qui encadrent de nombreuses villas. Sur l'une de ces 
lies, au milieu d'un jardin particulier, se trouve la statue du forgeron 
Väinemöinen, le barde des anciens Finnois. Nous arrivons sur le 
marche, oü nous avons l'occasion de faire conuaissance avec le cos- 
tume national, qui, comme chez nous, tend ä disparaitre. Ce qui 
caracterise le costume des femmes, c'est le tablier raye aux couleurs 
vives et le bonnet rouge, qui est souvent remplac6 par un foulard 



281 

blaue, ou bleu, ou rouge, dont une des trois pointes tombe librement 
sur le dos. Ce costume rappeile celui de la Suede. 

Une particularite est la chaiissure, qui assez souvent coiisiste en 
une paire de catignons artistement tresses avec des lanieres d'^corce 
de bouleau. 

En general, Tecorce du bouleau est utilisee de diverses manieres. 
Sur le marche de Viborg, les leguraes etaient dans des corbeilles 
faites avec cette ecorce. Des paysans portaient sur leur dos un 
havresac tresse avec cette meme substance. Dans les menages, le 
sei est conserve dans des boites en 6corce de bouleau. On en fait 
des corbeilles, meme des berceaux d'enfants, des 6tuis, des objets 
servant a ditlerents usages. Les paysans confectionnent ces objets 
pendant les longues soirees de l'biver. 

Les rues de Viborg sont assez animees (la ville compte 17,000 
habitants), le genre de construction des maisons et des editices 
publics est celui des villes de l'Europe occidentale. Nous admirons 
le bätiment de F^cole primaire sup6rieure. 

Comme partout en Finlande, l'instruction publique est tres deve- 
loppee ii Viborg. Les habitants se distinguent aussi par leur esprit 
de bienfaisance. II existe nombre d'asiles, d'hopitaux, de caisses de 
secours pour les pauvres, qui doivent leur existence a des legs im- 
portants faits par de genereux donateurs. 

Viborg est une ville commergante ; eile l'etait deja dans les 
temps anciens, car eile h6rita des avantages qu'avait jadis l'ile de 
Björkö et on fait meme deriver son nom de Viborg du mot alle- 
mand «Vieh », car les marcbands allemands achetaient leurs bestiaux 
dans ce bourg. 

Quoi qu'il en soit, Viborg est un des principaux entrepots des 
bois destines ä l'exportation. Sur les quais, nous en voyons de nom- 
breux tas que Ton etait occupe a embarquer sur des bateaux mar- 
cbands. Le bois, avec les produits de l'agriculture et de Televe du 
betail, sont les articles d'exportation les plus importants. 

Sur le Chiffre total de !»0V2 millions que represente Texportation, 
le bois tigure poür une valeur de Hl millions, et les produits de 
Tagriculture et de l'eleve du b6tail reprösentent une valeur de 2!) ä 30 
millions. 

Mais nous devons rejoindre les excursionnistes, qui out dejä 
quitte le restaurant de Ste-Anne et s'embarquent sur deux bateaux 
a vapeur amarres sur le quai longeant le canal de Saima. 

Ce canal, d'une longueur de pres de (io kilometres, met en com- 
munication les grands lacs intörieurs avec la mer. II permet aux 



282 

iiavires de vaincre une differeuce de niveaii de plus de so nietres 
grace a uii Systeme d'ecliises etablies sur son parcoiirs. 

Nos bateaiix se metteut eii luarclie et iious proinenent a travers 
des Sites ravissants. Les bords du caual sont assez bien cultives et 
oriu's de nonibreuses villas occupees pe.udant Töte par les membres 
de la haute societe de St-Petersbourg. Le paysage qui se deroule 
de chaque cöte, est legerement accidente et recouvert de champs 
cultives et surtout de forets de sapins et de bouleaux. 

De teraps en temps, le canal döbouche dans un petit lac, seni- 
blable a celui de Bieiine, seulement les rives sont basses et le nombre 
des lies et ilots est plus grand. 

Nous passons plusieurs ecluses. Arrives a l'une d'elles, nous 
trouvons M. le senateur Bielototsky de St-Petersbourg, dont la 
campagne est dans le voisinage et qui invite quelques-uns d'entre 
nous a visiter sa propriet^ de Taipale. Les bateaux devant faire un 
assez long detour passeront devant cette campagne et s'y arreteront. 

Nous montons dans une voiture attelee de trois petits chevaux 
tinlandais et, dans 20 minutes, nous arrivons devant un charmant 
chäteau situe au bord du canal et en face du lac Raettijärvi. Nous 
sommes regus par la famille de M. Bielototsky. Le « samovar » etait 
en activite. On nous sert du the et un second dejeuner, assaisonne 
d'une aimable conversation. J'ai dejä dit que les families riches de 
St-Petersbourg ont Thabitude de passer l'ete sur les bords des lacs 
finlaudais. Ils y trouvent la fraicheur dans une contree pittoresque, 
les bains du lac, et l'occasion de faire des excursions en voiture, a 
cheval ou en bateau. 

Ce qui les offusque, c'est d'etre traites en etrangers dans un 
pays qui fait partie de la Russie. A peine ont-ils quitte la capitale, 
qu'ils arrivent a la frontiere tinlandaise, et la ils doivent subir la 
Visite de la douane, changer leur monnaie, acheter d'autres timbres- 
poste, en un mot etre soumis a un autre regime politique, judiciaire 
et administratif. Ce regime, qui est peut-etre meilleur que celui de la 
Russie, blesse les Russes dans leur amour-propre ; et ils supportent 
difficilement que la Finlande, dont la conquete a fait verser du sang 
russe, conserve cependant une certaiue independance et une autonomie 
qui ne sont pas en harmonie avec Tunite de Tempire. II est vrai de 
dire que nombre de Russes ne partagent pas ces pr6juges et com- 
prennent entre autres Favantage que presente, pour l'Empire, un 
Grand-Duche autonome, comme Station d'essai et jardin d'acclima- 
tation pour l'application de reformes proposees pour une meilleure 
Organisation administrative. 



283 

Bientot les bateaux arrivent ä la Station de Taipale et nous 
poursuivons iiotre route en traversant le charmant lac de Rättijitrvi. 

Puis nous nous engageons de nouveau dans le canal au bord 
duquel s'eleve sur une coUine, dans un site pittoresque, la campagne 
du ministre russe M. de Giers. A peu de distance de la nous d6- 
barquons a la Station de Rättijärvi. C'est de la que nous devons 
nous rendre en voiture aux rapides d'Imatra. Apres une collation 
eopieuse, nous montons en voiture. Je me trouvai dans celle oü 
s'^tait place M. le senateur Mechelin, et, pendant le trajet, qui dura 
environ 2V2 heures, j'eus le plaisir de jouir de sa conversation et 
d'etre renseigne sur la Finlande et ses habitants. 

Les chemins sont bien entretenus et ressemblent ä nos routes 
de seconde classe. On traverse des forets, des champs cultives, des 
prairies, oü paissent des troupeaux de vaches de couleur rouge uni- 
forme et de petite taille. 

La Finlande accusait, en 1887, 1,249,877 tetes de betail a cornes. 

L'annee avant, la Suisse en comptait 1,212,538. 

La Finlande eleve plus de moutons que nous, mais nous possedons 
en revanche plus de chevres qu'elle. Le nombre de reimes est de 
()4: ä 65,000, qui se trouvent surtout dans la province d'Ulloborg 
(en Laponie). Mais nous devons revenir a notre sujet. 

En route, a une montee de chemin, nous sommes salues par une 
troupe d'enfants qui nous oft'rent des bouquets de tieurs (pyrola 
rotundifolia) et des objets de l'industrie locale et qui nous disent 
Hywä päiwää! c'est le bonjour finuois. 

Ces enfants au teint rose et aux cheveux blond s rappelaient ceux 
des vallees de nos Alpes qui offrent des roses des Alpes aux touristes. 

M. Mechelin leur adressa la parole en finnois et j'ai eu Tocca- 
sion d'entendre i)arler cette langue, qui ne ressemble en rien a celle 
des peuples indo-germaniques. Vous pourrez vous en faire une idt^e 
en lisant l'oraison dominicale en langue tinnoise : 
Herran ßukous. 

Isä meidän, joka ölet taiwaissa. Pyhitetty olkoon sinun nimes 
Lähestyköön sinun waltakuntas. Tapahtnkoon sinun tahtos nun 
maassa kuin taiwaassa. Anna meille tänä päivvänä raeidän jokapäi- 
wäinen leipämme. Ja aiina meille meidän syntimme anteeksi, nun 
kuin mekin auteeksi annanime meidän welwollistemme. Ja älä johdata 
meidän kiusaukseen. Mutta päästä meitä pahasta. Sillä sinun on 
waltakunta, ja woima, ja kunnia, ijankaikkisesti. Amen. 

Arriv(^s ä la Station postale de Kaurnianpohjd, nous laissons 
reposer nos chevaux, qui avaient fait la course pour ainsi dire au 
galop. Ce sont d'excellentes petites betes, qui endurent la fatigue 



28 4 

d'iino maiiit're admirable. Pendant qiron leiir distril>uait une ration 
d'avüine, nous entrames dans la dianil)re de nn^nage du uiaitre de 
poste. Elle 6tait boisee, tres propre, et ornee des portraits de l'Eni- 
])ereur et de rimpöratrice et (l'une vue de la chapelle de Guillaume 
Teil. — yi. Meclielin me dit: < Votre pays est aime en Finlande et 
vous en trouverez la preuve dans les chaumieres les plus reculees. > 
Conime meuble, nous admirons un Rockingchair massif a deux 
places, dans lequel le maitre de poste et sa fenime ont coutume de 
se reposer en faisant la causette. 

Kuurmanpolija est une petit village qui represente le type de 
la plupart des localites rurales de la Finlande. L'agriculture et 
Televe du betail sont les occupations essentielles du peuple tinnois. 
Comme le sol cultivable et les paturages sont vastes, relativement 
au Chiffre de la population, les fermes sont isolees, et les aggloraera- 
tions d'habitations rurales, c'est-a-dire de villages, peu nombreuses. 
La ferme est la regle. Elle se compose de plusieurs maisounettes 
n'ayant d'habitude que le rez-de-cliaussee. De cette maniere, une 
terrae represente un hameau. 

L'habitation principale sert de logement au chef de la famille et 
aux jeunes enfants; on la reconnait ä la fagade rosee et a l'en- 
cadrement blanc des fenetres'. Dans des constructions avoisinantes, 
qui servent de greniers, sont des chambres habitables pour les enfants 
adultes. Ces greniers sont des blockhaus, reposant aux quatre angles 
sur des pierres et rappelant entierement les « gaden > de nos villages 
bernois. Ces greniers sont de petites dimensions. L'un est destino 
a recevoir le grain ; un second les vetements, le fil et la toile ; un 
troisieme les objets precieux ; un autre est le fenil. Ensuite viennent 
les etables. Une autre construction est le sechoir, etuve dans laquelle 
on seche les gerbes de seigle, d'orge et d'avoine, lors de la moisson, 
lorsque le temps est variable et pluvieux, ce qui arrive souvent. 

Enfin il faut mentionner l'etuve pour les bains de vapeur et 
parfois la <- Cota > dont nous avons parle ä Toccasion des anciens 
Finnois. 

Nous devons dire deux mots de l'etuve dont il vient d'etre 
question et qui se trouve a cote de presque toutes les maisons de 
paysans de la Finlande. 

C'est une petite maisonnette dans laquelle se trouve un fourneau 
primitif, qui n'est qu'un tas de pierres arrondies formant une voüte. 
Le long des murs sont des bancs pour les baigneurs. On allume le 
feu sous la voüte, et lorsque les pierres sont devenues incandescentes, 
on les arrose d'eau, qui se transforme immediateraent en vapeur. 
Tous les samedis, les membres de la famille, les domestiques et les 



285 

hotes, s'il y en a, entrent dans cette etuve et prennent un bain de 
vapeiir et de fumee, car Tappareil n'a pas toujours un tuyaii de 
cheminee pour econduire la fiimee au dehors. Daus cette etuve, la 
chaleur monte jusqu'a HO" C. Les baigneurs resteut la pendant une 
heure, se frotteut et se frictionnent avec des branches et des torchons 
d'ecorce de bouleau. Apres le bain, les baigneurs s'aspergent d'eau 
froide et, en hiver, vont se rouler dans la neige. 

On comprend que toutes les constructions qui viennent d'etre 
indiquees puissent ensemble former un petit liameau assez pitto- 
resque. 

La couleur des bois de ces blockliaus n'est pas la teinte brun- 
rougeatre de nos chälets des Alpes, mais eile est plutot d'un gris 
violet, comme celle de nos fermes du Jura. C'est la, que vit le paysan 
ünnois, en cultivant la quantite de terre que sa main-d'ceuvre et 
Celle des membres de sa famille lui permettent de cultiver. II ne 
prend des ouvriers que s'il en a les moyens ; car, me disait M. Mechelin, 
le Finnois a horreur des dettes. En 1888, les inscriptions hypothe- 
caires dans toute la Finlande representaient une somme totale de 
14 millions, dont la moitie seulenient interessaient la classe des 
paysans. En Suisse, les dettes s'elevent a des sommes beaucoup plus 
fortes. II est vrai que les conditious sont dift'erentes et qu'avec ces 
chiftres on ne peut etablir de comparaisons. Ce qui est certain, c'est 
que les Finlandais vivent dans une plus grande simplicite que les 
Suisses. 

Nous reprenous notre course et nous nous rapprochons peu ä peu 
du torrent d'Imatra, que l'on entend mugir ä 2 km de distance. 

Nous arrivons a l'hötel (genre chälet suisse moderne), qui est 
construit au bord des rapides. Le torrent du Vouksene est l'ecoule- 
raent des eaux du lac Saima. A Imatra, il est resserre entre deux 
parois de rochers ä pic, qui forment une gorge de 50 ä 60 m de 
largeur et inclinee de 20 a oOm sur une longueur de 350. On comprend 
que, dans de pareilles conditions, l'eau ne coule pas, mais se precipite 
avec une rapidite extraordinaire en jetant en l'air une ecume blanche 
qui, lors de notre visite, se trouva doree par les rayons du soleil. 
L'Imatra est la plus grande chute d'eau de la Finlande et eile nierite 
la reputation qu'elle a acquise. Les rapides du Rhin a Laufenbourg 
ne peuvent se mesurer avec ceux d'Imatra. La masse d'eau est plus 
consid^rable et la chute est plus grande. 

Apres avoir longtemps admir6 ce spectacle imposant, tous les 
excursionnistes assisterent ä un gai baniquet qui reunit tous les excur- 
sionnistes. Vous me dispenserez de vous parier des toasts portes. Ils 
furent nombreux et i)rononc6s dans toutes les langues de l'Europe. 



280 

Noiis tiuit.tAmes Imatra dans la soiree, remontruiies en voiture 
et suivimes la rive du \'iioksonc (c'est le nom de la riviere) jiisqu'au 
prochain port du lac de Saima. La, nos deux bateaux, qui avaient 
remontc' le i-aual, uous attendaient et etaient i»rets a nous rocevoir. 

La uaviiiatiüii sur le lac Saima, un des plus grands de la Fiii- 
lande, est des plus agröables, meme par une nuit claire comme Celles 
du nord. Les iles sont sans nombro, elles se succedent constaniment ;V 
mesure qu'on avance. Le ])aysaii;e est le meine que celui de Tarcliipel 
de Viborg. II est melancolique, mais plein de poesie. II est i'ex- 
prossion du cahne et invite au recueillement. Nous abordames aWil- 
manstrand, petite ville de liiOO habitants, pittoresquement bätie sur 
le sommet et les flaues d'une colline. 

Nous preuons ensuite un train special du chemin de fer qui nous 
«onduit ä Helsingfors, oü nous arrivons ä 10 heures du niatin. Re- 
-ception touchante ä la gare et souhaits de bienvenue. Des voitures 
nous attendent et nous conduisent a Thötel. La ville est toute mo- 
derne et coustruite regulierement au milieu d'un gracieux archipel. 
Elle compte 56,000 habitants. Ce n'est que depuis qu'elle est devenue 
capitale de la Finlande qu'elle s'est developpee ä ce point. C'est en 
1809, apres la reunion du Grand-Duclie ä la Russie, qu'elle est de- 
venue le siege des autorites superieures, du gouverneur g^neral, du 
s6nat, du commandant militaire, etc. 

Abo, qui etait auparavant la capitale, a encore cede a Helsing- 
fors le siege de l'Universite, cela en 1827, apres Tincendie qui de- 
truisit une partie de cette ville. Conformöment au programme, on 
nous conduisit en bateau mouclie ä travers le port et une baie voi- 
sine, qui est dominee par une colline sur le sommet de laquelle se 
trouve le penitencier de Soernaes, etablissement modele qui reuferme 
395 detenus condamnes ä des peines de 1 a 4 ans. Je trouvai lä le 
Directeur general des prisons, M. le D"" Grotenfeldt, dont j'avais fait 
la connaissance au congres de Stockholm douze ans auparavant et 
avec lequel j'etais reste en correspondance. Le temps ne me permet 
pas de vous parier de l'organisation des prisons et des moyens pre- 
ventifs employes en Finlande pour diminuer le nombre des crimes 
Qu'il suffise de dire que les Finlandais, a ce point de vue, sont parmi 
les plus avances. 

L'annee passee, ils avaient 61abore un code penal qui peut ser- 
vir de modele. Ce code aurait du entrer en vigeur le l"janvier de 
€ette annee; mais l'Empereur, qui avait donne sa sanction, a suspendu 
la mise en application, et cette decision est consideree comme un 
inauvais presage et le commencement de mesures destinees a priver 
la Finlande de son Organisation particuliere. Une coutume que je 



287 

dois mentionner et qui devrait etre introduite chez noiis, est celle 
qui consiste a parsemerle planclier des corridors de petites branchettes 
de sapin. Ces i)etits frasiiients repaiident une odeur agrcable dans 
tonte la prison. Nous avons rencontre ces brindilles de branches de 
sapin dans d'autres etablissements pnblics. De la prison on nous 
conduit au magnifique parc de Thoeloe oü un dejeuner nous attendait. 

Desirant visiter la ville, je quittai la societ6 et, accompagne de 
Monsieur Grotenfeldt, nous visitämes les curiosites d'Helsingfors, entre 
autres un magasin oü sont exposes les produits de l'industrie fin- 
landaise. 

Gräce ä la generosite de mes amis d'Helsingfors, j'aipu aujourd'hui 
Yous soumettre quelques echantillons des remarquables produits d'une 
fabrique de tissus de lin (Linen och Jern mannufactur Actiebolag) de 
Tammersfors, le Manchester finlandais, et des echantillons de tissus 
manuiactures dans le penitencier de Tavastehus. Ce sont des toiles 
rayees de differentes couleurs. Elles vous donneront une idee de ces 
tabliers multicolores qui fönt d'ordinaire partie du costume national 
des femmes. Tammersfors conipte treize etablissements d'industrie 
textile. Elles occupent 4000 ouvriers, et la valeur de la production 
annuelle est evaluee all millions. II existe d'autres fabriques, entre 
autres des papeteries. 

J'aurais encore ä vous parier des ecoles de la Finlande et des 
etablissements de bienfaisance et d'utilite pubUque, de la vie intellec- 
tuelle et sociale, mais je dois terminer cet entretien. Toutes ces 
questions pourraient a elles seules faire le sujet d'une Conference 
interessante. 

Qu'il me soit permis cependant de communiquer quelques chiffres, 
qui fönt entrevoir la dift'^rence de caractere et de tendances existant 
entre les Finlandais de race suedoise et ceux de race finnoise, deux 
races vivant eusemble de la meme vie et, comme chez nous en Suisse, 
dans une parfaite harmouie, malgre la difterence de langue. 

Le nombre des ecoles primaires dans lesquelles les legons sont 
donnees en langue finnoise, est, proportionellement a la population 
de race finnoise, le meme que celui dans lesquelles Tenseignement a 
lieu en suedois; Torganisation et le Programme en sont les memes. 
Mais, dans les ecoles superieures, les Kleves de langue suedoise l'era- 
portent pour le nombre de beaucoup sur ceux de langue finnoise, a 
l'exception des ecoles professionnelles ou des metiers. 

A r6cole polytechnique d'Helsingfors, on compte loo elevcs sue- 
dois pour 2:") eleves finnois. Dans les sept ecoles navales, 90 eleves 
suedois pour 20 eleves finnois. 



288 

Dans les six öcoles de commerce, 200 cleves suedois poiir 100 
eleves finnois. 

Ell revanclie, dans les 1(1 Cooles professionnelles, on rencontre 
880 Kleves de langue tiimoise et 120 seuleiiiont de laiig-ue suMoise. 

Daus les 14 ecoles d'agriciilture et les 17 ecoles de laiterie, la 
Proportion est a peu pres la meine. 

II existe de iioinbreuses ecoles du Dimanche pour les apprentis 
de metiers. Ce sont des ecoles complenientaires frequentees par plus 
de 2000 eleves. Sur le total, on compte 1700 eleves de langue fin- 
noise, et seulement o a 400 de langue suedoise. 

Ajoutons encore qu'il se publie en Finlande 117 journaux et 
revues p^riodiques. Sur ce nombre, GO sont r^dig^s en finnois et 51 
en langue suedoise. 

29 journaux politiques paraissent en tinnois. 
22 » » » en suedois. 

Les journaux finnois sont rediges par des Finnois, mais aussi 
par des Finlaudais suedois, car les deux langues nationales sont 
parlees indifferemment par tous ceux qui ont une Instruction quelque 
peu soignee. 

J'aurais encore a dire deux mots du type finnois carelien, dont 
le Corps est plus elance, mieux proportionn6 que celui du type tavastien : 
le carelien est moins lourd dans sa demarche, l'expression du visage 
plus fine, plus ouverte, plus sympatliique, quoique toujours serieuse 
et reservöe. 

Ce sont surtout des specimens de ce type que nous avons ren- 
contres pendaut notre voyage. Ces Finnois sont aimables, prevenants, 
et, parmi les femmes, on remarque des traits d'une grande beaut6. 
Les enfants surtout ont de charmants rainois, encadr^s de cheveux 
blonds; ils rappellent entiereraent ceux que nous voyons dans nos 
villages bernois et que le peintre Anker prend si volontiers comrae 
modeles. 

A 6 heures du soir, nous assistions k un banquet auquel la ville 
d'Helsingfors nous avait convies. Lorsque le moment de porter les 
santes fut venu, la serie des discours devint interminable. Le flot 
d'eloquence etait a comparer a celui des rapides d'Imatra. 

Les 6trangers ne savaient comment assez temoigner leur recon- 
naissance ä leurs amis finlandais et leur exprimer leur Sympathie. 

Les Suisses ne furent pas les derniers ä traduire en paroles 
leurs impressions et leur affection. 

Monsieur le professeur D"" Bernhard Riggenbach, de Bäle, qui 
fut notre «runosäppä >, improvisa les couplets suivants avec lesquels 
je veux clore cet entretien. 



289 

Suoiiii, Land clor tausend Seen, 
Mit waldumsäumter stiller Flur, 
Bei dir muss wahrlich flugs vergehen, 
Des Schweizerheimwehs letzte Spur. 

Mich mutet an mit Heimatswonne 
Des Landes wunderbarer Reiz, 
Und ob sich gleich verhüllt die Sonne, 
Ich jauchze zu der nord'schen Schweiz. 

Ich grüsse dich, du edler Finne, 
Dich schöne, blonde, nord'sche Maid, 
Ich ruf euch zu aus treu'stem Sinne : 
Bewahr' euch Gott vor allem Leid! 



XI. Jahresbericht <i. Geogr. Ges. v. Bern. IM'il— iHDü. 19 



XXII. 

Bericht über das Projekt einer Erdkarte 

im Ittassstal» 1 : 1 OOO OOO. 

Im Auftrage des Präsidiums der internatioiiaien Karteiikonuuission erstattet von 
Prof. Dr. Eduard Brüchier in Bern. * 



Den hervorragendsten Gegenstand der Verhandlungen des V. inter- 
nationalen geographischen Kongresses zu Bern im Jahre isiii bildete 
die Frage der Erstellung einer einheitlichen Erdkarte im Massstabe 
von 1 : 1 000 000, die von Prof. Penck angeregt worden war. Das 
Projekt wurde von dem Antragsteller in allgemeinen Zügen ausge- 
führt und ein Beschlussentwurf dem Kongress vorgelegt. Kommandant 
de Lannoy de Bissy befürwortete in eingehendem Vortrage über 
die Herstellung seiner grossen Karte von Afrika im Massstabe 
1 : 2 000 000 den Antrag Penck. Da eine Diskussion im Plenum des 
Kongresses in Anbetracht des Umstandes, dass die Mehrzahl der 
anwesenden Kongressmitglieder der Kategorie der Freunde der 
Geographie angehörte, kaum zu einem Ergebnis geführt hätte, wurde 
die ganze Angelegenheit an eine vorberatende Kommission gewiesen 
und diese beauftragt, dem Kongress in seiner Schlusssitzung das 
Resultat ihrer Verhandlungen vorzulegen. Auf Antrag dieser Kom- 
mission wurde in der Schlusssitzung folgender Beschluss gefasst: 

„Der Kongress der geographischen Wissenschaften zu Bern be- 
schhesst, die Initiative für das Studium einer Erdkarte im Mass- 
stab 1 : 1000000 zu ergreifen, deren Sektionen womöglich durch 
Meridiane und Parallele begrenzt sein sollen. Er ernennt zu diesem 
Zweck eine aus Gelehrten verschiedener Nationen zusammengesetzte 
Kommission, die bei den verschiedenen Regierungen Schritte zur 
Verwirklichung des Projektes thun soll. Die Kommission soll ferner 
darauf hinwirken, dass Regierungen, Gesellschaften, Zeitschriften und 
private geographische Anstalten, die Originalkarten publizieren, die 
Herstellung von Blättern der Erdkarte übernehmen '' 

* Der vorliegende Bericht Avurde dem X. Deutschen Geographentag in 
Stuttgart Ostern 1893 vorgelegt und gelangt hier mit Bewilligung des Central- 
ausschusses des Geographentages zum Alpdrücke. 



291 

Die Kommission wurde gleichzeitig ernannt. In ihr finden wir 
einerseits Vertreter der Geographie an Universitäten, wie Freiherrn 
V. Richthofen- Berlin und Penck-Wien, ferner Leiter topographischer 
und verwandter lUireauswie General v. Arbter-Wien, Major Powell und 
Mendenhall-Washington, General Walker und Sir C. W.Wilson-London, 
Eckstein-Haag, Major Selander-Stockholm, General Ferrero-Florenz, 
General Tillo-St. Petersburg, Oberst Coello-Madrid, Oberst Lochmann- 
Bern. Ferner hervorragende Kartographen oder Vertreter grosser karto- 
graphischer Firmen, wie Supan-Gotha, Ravenstein-London, Schrad er- 
Paris, Guido Cora-Turin, endlich Vertreter geographischer Gesell- 
schaften wie Ch. Maunoir- Paris, Scott Keltie- London, Professor 
Cordeiro-Lissabon. Als Präsident wurde vom Kongress Oberst Lochmann, 
Chef des eidgen. topographischen Bureaus in Bern bezeichnet.* Dieser 
stellte sich später mit Zustimmung der Kommission einen Beirat zur 
Seite bestehend aus den Herren Graf, Professor der Mathematik in 
Bern, Held, erstem Ingenieur-Topograph des eidgen. topographischen 
Bureaus und dem Berichterstatter. 

Um dem ihr gewordenen Auftrag nachzukommen, war es die 
Aufgabe der Kommission, die Diskussion über das Kartenprojekt ein- 
zuleiten. Als Basis sollte hiefür eine ausführliche Abhandlung des 
Herrn Penck dienen, in der er sein Projekt in allen Einzelheiten 
auseinandersetzte. Diese Abhandlung erschien im Herbst des vorigen 
Jahres in deutscher und französischer Sprache und kürzlich in eng- 
lischer. Eine russische Ausgabe wird von Oberst Vivkovski vorbe- 
reitet, so dass nur noch eine spanische Ausgabe fehlt, um allen 
Ansprüchen genügen zu können. Aber schon vor dem Erscheinen 
der detaillierten Penckschen Vorschläge war die Diskussion über 
flie Karte in Gang gekommen, einerseits in der Zeitschrift ,,Das 
Ausland", wo Herr Lüddecke gegen und die Herren Habenicht, Penck 
lind Hammer für die Karte eintraten**. Desgleichen hatte Raven- 
stein in der geographischen Sektion der „British Association" zu Edin- 
burg im August 1802 über das Projekt in günstigem Sinne berichtet***. 
Dem deutschen Geographentag ist offiziell noch keine Kenntnis von 
<lem Projekt gegeben worden. Da der Präsident der Kommission, 
Herr Oberst Lochmann, amtlich verhindert ist, einer bezüglichen Ein- 
ladung Folge zu leisten, hat er mich beauftragt, dies zu thun und 
gleichzeitig über die Ergebnisse der bisherigen Diskussion zu be- 
richten. Dass ein solcher Bericht in keiner Weise abschliessend sein 

* Compte rendu du V^e Congrcs international des Sciences geograpiiiques. 
Berne 1892, S. 105. 

** »Das Ausland« 1891 (Jahrg. G4) Nr. 4G, 52; 1892 (0.5) Nr. 1, 11, 10, 40. 
*** Proceedings Royal Geographical Society 1892, S. 710. 



2J)2 

kann liegt in der Natur der Sache; denn die sdiriftliche Diskussion 
des rrojektes, welche seither im Schoss der Konnnission geführt 
worden ist, hat die Frage noch nicht erschöpft, und von nianclien 
Konunissionsniitgliedern fehlen noch Aeusserungen über die einzelnen 
mit dem l*rojekt verknüpften Fragen. Zu einem gewissen Abschluss 
wird - die Diskussion erst kommen, wenn die Konnnission sich ver- 
sammelt und die Mitglieder mündlichen Gedankenaustausch gepflogen 
haben werden. Trotzdem lässt sich schon aus den vorliegenden 
Aeusserungen erkennen, nach welcher Richtung die definitiven Be- 
schlüsse fallen dürften, so dass schon heute eine Zusammenfassung 
der Diskussion nicht ohne Interesse sein dürfte. 

Eine fundamentale Frage, die über die Berechtigung des Projektes 
entscheidet, ist: liegt ein Bedürfnis für eine einheitliche Karte in 
1:1000000 vor? Diese Frage wird in der Diskussion fast durchweg 
bejaht. Dass Generalkarten im Massstabe von ungefähr 1 : 1 000 000 
für alle Kulturstaaten von grossem Wert sind, kann überhaupt nicht 
bezweifelt werden. Die grossen Atlanten, z. B. der Stieler'sche, ent- 
halten als grösste Karten fast nur solche in 1 : 1500 000 während die 
üebersichtskarten, so weit sie vorhanden sind, meist einen erheblich 
grössern Massstab als 1 : 1000000 aufweisen, so z. B. die prachtvolle 
im Erscheinen begriffene Karte des Deutschen Reichs von Vogel 
1 : 500 000, die Generalkarte von Mitteleuropa 1 : 750 000, die Karte 
von Frankreich 1 : 500 000 u. s. w. Dass solche Karten keineswegs 
eine Generalkarte im Masstab 1:1000 000 ersetzen, geht schon daraus 
hervor, dass es bei einer Karte nicht nur auf den linearen, sondern 
sehr wesentlich auch auf den Flächenmassstab ankommt. Dieser ist 
es ja in erster Reihe, der über die Handlichkeit einer Karte entscheidet. 
Die Fläche aber wächst proportional dem Quadrat des linearen Mass- 
stabes und ebenso der Inhalt, so weit er durch Schrift näher be- 
zeichnet werden soll. Während die linearen Massstäbe der geplanten 
Erdkarte und der Vogelschen Karte des Deutschen Reiches sich 
verhalten wie 1 : 2, verhalten sich die Flächen wie 1 : 4, so dass also 
die Vogelsche Karte viermal so gross ist als es eine Karte des 
Deutschen Reiches in 1:1 000 000 wäre. Die projektierte Karte 
würde wenig mehr als halb so gross sein wie die österreichische 
Uebersichtskarte von Mitteleuropa in 1 : 750 000. Daher ist selbst 
für Gebiete, die schon Karten in 1 : 750 000 und 1 : 1 250 000 besitzen, 
die Herstellung einer Karte in 1 : 1 000 000 nicht unnötig. Denn die 
Flächen der betreffenden Karten würden sehr verschieden sein und 
sich ungefähr wie .5:2:1 verhalten. Dass auch bei einem solchen 
Fall das Bedürfnis nach einer Karte zu 1:1 000 000 vorliegt, erhellt 
daraus, dass nach vertraulichen, dem Präsidium der Kartenkommission 



293 

gemachten Mitteilungen für Gebiete, die wohl Uebersichtskarteu in 
grösserem und kleinerem Massstab, aber keine solche im Masstabe 
1 : 1 000 000 besitzen, die amtliche Herausgabe von Karten in 1 : 1 000 000 
beabsichtigt wird. Das zeigen auch die neue Auflage des Andree^schen 
Handatlas, in der Skobel das Deutsche Reich, und der Atlas von Vivien 
de St. Martin, in dem Schrader Frankreich in 1:1 000 000 darstellen. 

Anders steht es mit den aussereuropäischen Gebieten oder besser 
gesagt mit den Gebieten, deren Kenntnis noch sehr lückenhaft ist. 
Lüddecke, der Verfasser der grossen Perthesschen Karte von Afrika 
im Massstab 1 : 4 000 000, bestreitet, dass hier ein Bedürfnis nach 
Karten im Massstabe 1 : 1 000 OOO vorhege, das irgendwie der Grösse 
der Arbeit entspräche. Allein dem Urteil Lüddeckes steht das Urteil 
anderer Kartographen ersten Ranges gegenüber, die gerade auch für 
die weniger bekannten Gebiete und zwar speciell für Afrika die An- 
wendung des Masstabes 1 : 1 000 000 empfehlen. 

De Lannoy de Bissy, der Verfasser der Karte von Afrika in 
1 : 2 000 000, hat direkt erklärt, wenn ihm noch einmal die Aufgabe 
zufallen würde, eine Karte von Afrika zu zeichnen, so würde er den 
Massstab 1 : 1 000 000 wählen, umsomehr für die andern Erdteile. 
Genau gleich lautet das Urteil des Kartographen der Londoner geo- 
graphischen Gesellschaft, E. S. Ravenstein, der schon früher einen 
Teil von enghsch Afrika in dem betreffenden Massstab dargestellt 
hat und gegenwärtig eine neue Ausgabe dieser Karte vorbereitet. 
Diese Neuausgabe würde gewiss nicht erfolgen, wenn nicht die Karte 
in 1:1 000 000 auch für jene afrikanischen Gebiete einem Bedürfnis 
entsprechen würde. Nichts aber zeigt deutlicher, dass der von Lüd- 
decke vorgeschlagene kleinere Massstab von 1 : 4 000 000 nicht genügt, 
als die Thatsache, dass, wie das Präsidium der internationalen Karten-; 
kommission erfahren hat, eine kartographische Weltfirma für ihren 
privaten Gebrauch sich eine Karte der Erde in 1 : 2 OOO 000 entworfen 
hat, die sie fortwährend auf dem Laufenden erhält und bei ihren 
Publikationen benutzt. Zieht man das P'acit aus den verschiedenen 
gefallenen Voten, so ergibt sich, dass fast durchweg das Projekt 
einer nach einheitlichen Principien herzustellenden Erdkarte im Mass- 
stab 1 : 1 000 000 warm begrüsst wird. 

Von grosser Wichtigkeit ist die Wahl der ProjeMion. Die ganze 
Erdoberfläche lässt sich in einer Ebene nicht darstellen, ohne dass 
sehr grosse Verzerrungen auftreten. Diejenigen Blätter der Karte 
würden dabei gut fortkommen, die der Mitte des zusammengesetzt 
gedachten Kartenbildes nahe liegen, dagegen sehr schlecht die 
Blätter am Rande. Bei einer Weltkarte, wie die geplante, darf das 
offenbar nicht sein. Hier nniss als erste Bedingung ausgesi)rochen 



•-'!t4 

werden, dass alle Blätter untereinander in Bezug auf Korrektheit, 
d. li. Abwesenheit von Verzerrung gleic.livvertig sind. Aus diesem 
Grund hat Penck von Anfang an das Prinzip aufgestellt: jedes Blatt 
der Erdkarte hat seine besondere Projekti()nsel)ene. Die Erdober- 
fläche wird also auf einen Vieltlilchner projiciert und zwar empliehlt 
sich von selbst eine Polyederproje tion, bei der die Begrenzung der 
Blntter durch Meridiane und Parallele erfolgt. Den polyedrisclien Ent- 
wurf kann num entweder so ausführen, dass man das darzustellende 
Gebiet auf ebenso viele Ebenen projiciert, als einzelne Blätter der 
Karte vorhanden sind — es entsteht der Facettenentwurf, oder man 
überträgt das Kartenbild auf Mäntel abgestumi)fter Kegel, die den 
einzelnen Breitenzonen der Erdkugel entsprechen. Bei der ersten 
Entwurfsart erhält man Blätter von rein trapezförmiger Gestalt; bei 
der zweiten erscheinen die einzelnen Blätter als Trapeze mit zwar 
geraden Seitenlinien, aber gekrümmten Basislinien. 

Von den verschiedenen Möglichkeiten, den Polyederentwurf auf 
die Flächen eines ein- oder umschriebenen Vielecks oder auf die 
Mäntel eines ein- oder umschriebenen Kegelstumpfs auszuführen, 
empfiehlt Penck speciell den Fall, in welchem die Masse der Blatt- 
grenzen denen der Wirklichkeit genau entsprechen, d. h. also in dem 
die Länge der Grenzparallele, sowie deren Abstand, beim Kegel- 
mantelentwurf sonach auch die Länge der Grenzmeridiane genau 
wiedergegeben Averden. Li beiden Entwurfsarten ist allerdings die 
Fläche des Kartenbildes um eine Kleinigkeit zu klein. Der Fehler 
ist entlang des mittlem Parallels jedes Kartenblattes am grössten 
und wird an den Grenzparallelen Null. Doch ist er im ganzen so 
klein (nur '-/s 7oo ^^^ dargestellten Fläche), dass er gegenüber der 
ungleichraässigen und viel grösseren Kontraktion, die das Karten- 
papier nach erfolgtem Druck erfährt, gar nicht in Betracht kommt. 
Mendenhall schlägt vor, diesen Fehler für das ganze Kartenblatt 
möglichst zu eliminieren und seine Höchstbeträge durch Anwendung 
der Eulerschen Projektion zu verringern, d. h. dadurch, dass man 
nicht die Grenzparallele in ihrer wahren Länge wiedergibt, sondern 
zwei Parallele, die um je ein Viertel der Höhe der Karte von den 
Grenzparallelen abstehen. Das ist theoretisch richtig, jedoch praktisch 
wohl ohne Bedeutung, weil die Abweichungen verschwindend sind. 
Jedenfalls betriöt es nur eine Nebensache; in der Hauptsache aber 
stimmt auch Mendenhall dem von Penck vorgeschlagenen Kegelraantel- 
entwurf bei und schlägt erst an zweiter Stelle als eventuell auch 
geeignet die in den Vereinigten Staaten viel gebrauchte Form der 
polykonischen Projektion vor. 

Nur von zwei Seiten, von Herrn Lüddecke und von einigen der Ver- 
treter Englands in der Kommission ist die Brauchbarkeit der Kegel- 



295 

mantelprojektion angefochten worden, weil dieselbe die Zusamnien- 
fügiing einer Anzahl Blätter nicht gestatte. In der That, wenn man 
die Mäntel der Kegelstnmpfe, auf welche die verschiedenen Breiten- 
zonen der Erde projiciert sind, einem Meridian entlang aufschneidet 
und in einer Ebene ausbreitet, ergibt sich, dass die Zonen nicht 
an einander anschliessen, sondern dass Schlitze anfldatfen. Dieser 
Schlitze wegen ist es in der That nicht möglich, Erdteilkarten zu- 
sammenzusetzen. Aber das verbietet schon der Massstab der Karte, 
würde doch Asien in diesem Massstab zusammengesetzt eine Höhe 
von 8 m, Europa eine solche von 4 m erhalten. Eine so grosse 
Karte vermag man nur aus einer Entfernung von einigen Metern 
zu überschauen. Um aber aus solcher Entfernung einen Ueberblick zu 
erhalten, bedarf es einer gleichsam mit dem Besen gemalten Wandkarte 
und nicht einer feinen Generalkarte, wie die Erdkarte es werden 
soll. Ein Zusammensetzen der Blätter der Erdkarte hat also nur 
soweit Sinn, als sie dabei lesbar bleiben. Die Grenze, innerhalb 
deren die Zusammensetzbarkeit wünschenswert ist, beträgt, 5°-Trapeze 
vorausgesetzt, in der Gegend des Aequators höchstens 9 Blätter, in 
der Gegend von Mitteleuropa höchstens 12. In diesen Grenzen aber 
ist die Weltkarte durchaus zusammensetzbar, wie ein einfaches 
Experiment zeigte. 

Herr Ingenieur-Topograph Held und der Berichterstatter haben 
eine Reihe von Blättern der Erdkarte in der Nähe des Aequators 
zwischen 0**— 10" Breite und l'i Blätter in der Breite von Mittel- 
europa (45® — 60° Breite) konstruiert Diese Blätter so zusammengesetzt, 
dass der Mittelmeridian des Tableaus eine gerade Linie bildet, zeigen 
deutlich die allerdings nur sehr kleinen Schlitze. Das Klalfen am 
Rande beträgt bei dem Tableau der 9 Blätter am Aequator, das also 
eine Fläche von löo Breite und 15" Länge darstellt, höchstens 4.7 mm 
bei einer Blatthöhe von 552.8 mm, bei dem Tableau der Blätter von 
Mitteleuropa, das eine Fläche von 15" Breite und 20« Länge darstellt, 
im Maximum 3.5 mm bei einer Blatthöhe von 556.8 mm. Es 
wurde nun einem geschickten Buchbinder aufgetragen, die Blätter 
sorgfältig aufzuziehen und dabei durch Dehnung des Papiers die 
Schlitze soweit möglich fortzuschaften. Das Experiment gelang 
vortrefflich alle Schlitze Hessen sich entfernen.* Da sich auch noch 
nach unten und oben, nach rechts und nach links einzelne Blätter an- 
hängen lassen, so ist die Zusammensetzbarkeit doch recht weitgehend. 



* Der Vortragende liatte 2 Paar Tubleaux ausgestellt, von denen das eine 
die Schlitze zeigte, wie sie sich nach Konstruktion ergeben, das andere die 
gleichen Blätter nach erfolgter Ausgleichung beim Aufziehen. Hier war von 
den Schlitzen nichts mehr zu sehen; die Blätter stiessen direkt aneinander an. 



2% 

Hieraus eriiibt sich, dass für siimtliclie Staaten der Erde mit 
alleiniger Ausnalnne von Russland, China, den Vereinii^ten Staaten, 
Canada, Australien und Brasilien aus den Blattern der Weltkarte 
Tableaux in einer Ebene zusannnengesetzt werden können. 

Diese beschränkte Zusamniensetzbarkeit der Karte haben schon 
Penck und Hammer hervorgehoben. Allein da noch in letzter Zeit 
in der Kommission die Frage aufgeworfen wurde, glaubte ich die 
Möglichkeit der Zusammensetzung hier noch ad oculos demonstrieren 
zu müssen. 

Oft ergibt sich die Notwendigkeit, Karten nicht nur zum Gebrauch 
zusammzusetzen, sondern zum Druck, d. h. aus mehreren zusammen- 
stossenden Blättern ein Blatt auszuschneiden. Auch das ist möglich. 
Denn da man niemals in die Lage kommen wird, Blätter zusammen- 
zusetzen, die grösser sind als die grössten Blätter der Erdkarte, so 
werden die aufklaffenden Fugen nicbt breiter werden, als sie zwischen 
zwei im Mittelmeridian zusammenstossenden Blättern der Erdkarte 
sind, d. h. nie breiter als 0.5 mm. Fugen von so geringer Breite 
lassen sich mittelst des Ueberdruckverfahrens ohne grosse Schwierig- 
keit ausgleichen. Die dabei entstehenden minimalen Verzerrungen 
kommen gegenüber der viel stärkeren Kontraktion des Papieres nach 
dem Druck gar nicht in Betracht; sie dienen nur dazu, den Effekt 
der Kontraktion um eine Kleinigkeit zu mindern. 

Der Einwand der Unzusammensetzbarkeit fällt also in jeder Weise 
dahin und es lässt sich als Ergebnis der Diskussion resümieren, dass 
für die Karte unbedingt ein Polyeder-Entwurf zu w^ählen ist. 

Weniger Uebereinstimmung herrscht über die Frage nach der 
Blattgrösse, die ja mit der der Projektion eng zusammenhängt. Penck 
hat in seinen detaillierten Vorschlägen proponiert, jedem Blatt eine 
Ausdehnung von 5" von Westen nach Osten und von Norden nach 
Süden zu geben, jedoch jenseits des 60sten Parallels Doppelblätter zu 
konstruieren d. h. die West-Ostausdehnung der Blätter auf 10° zu erhöhen, 
ßavenstein stimmt dem zu. Hammer und Coello vereinigten dann noch 
vom 75° bis 85" je vier 5° Felder zu einem Blatt. Es lässt sich nicht 
leugnen, dass die Form der Blätter bei Fünfgradfeldern in mittleren 
Breite nicht schön und jedenfalls ungewöhnlich ist, da sie stark von 
Norden nach Süden gestreckt sind. Coello möchte deswegen den Blättern 
nur eine Breitenausdehnung von 3° geben. In der That wäre das 
aus Gründen der Form nicht ungeeignet. Die mitteleuropäischen 
Blätter hätten dann kein besonders auffallendes Format. Vielleicht 
würde sich eine Blatthöhe von 4*^ am besten eignen. Dass 4 in i)0 
nicht ohne Rest aufgeht, thut nichts zur Sache, da sich die Umgebung 
des Nordpols, wenn wir einmal von ihr etwas wissen, sehr wohl als 



297 

Callotte von 88'' bis i»0" darstellen Hesse. Leider wird nur dadurch 
die Zahl der Blätter erhöht. In dieser Fraiie ist die Entscheidung 
dei' Kommission noch nicht gefallen. 

Anders steht es mit einer gleichfalls eng mit der Projektion ver- 
bundenen Frage — der Wahl des Änfangsmeriäians. Dassals solchernur 
der Meridian von Greenwich in Betracht kommen kann, liegt auf der Hand. 
Hierist nur vonSeiten der Franzosen Widerstandzu fürchten. Mendenhall 
schlägt allerdings als Anfaugsmeridian den Gegenmeridian von 
Greenwich vor, weil dieser zum grössten Teil durch Meer geht. 
Doch ist dieser Vorschlag für die Projektion gleichgültig; er betrifit 
nur die ganz unwesentliche Numerierung der Meridiane. 

Wichtig ist die Frage nach dem Inhalt der Karte und der Art 
der Darstellung. Hierauf sind die Mitglieder der Kommission bis 
jetzt noch nicht eingetreten. Dass das Hauptgewicht auf der Dar- 
stellung der physischen Verhältnisse zu liegen hat, wird allgemein 
anerkannt; wie aber das Gelände zu geben ist, ob durch Höhen- 
kurven, ob durch Schummerung, ob durch Schraffen und ob bei schräger 
oder vertikaler Beleuchtung, darüber haben sich die Meinungen noch 
nicht abgeklärt. Immerhin besteht die Neigung Isohypsen anzu- 
wenden, sei es gleichzeitig mit einer andern Darstellungsweise, sei 
es allein. 

Im Anschluss hieran ist die Frage der Masse berührt worden, 
die hauptsächlich für die Eintragung der Höhenzahlen wichtig ist. 
Die Vertreter Englands haben es leider strikt abgelehnt das Meter- 
raass auf ihren Blättern zu verwenden ; denn das würde die Karte 
von vornherein in England unpopulär und unverkäuflich machen. 
Umgekehrt hat sich Mendenhall auf das entschiedenste für die aus- 
schliessliche Benutzung des Kilometers als Längenmass ausgesprochen, 
damit endlich der Wirtschaft mit den verschiedenen Meilen ein Ende 
gemacht würde; dies dürfte offenbar auch die Annahme des Meter- 
masses für die Höhen involvieren. Jedenfalls sollte ein einheitliches 
Höhenmass eingeführt werden. Das geht auch unbeschadet des englischen 
Fusses, wenn sich nur diejenigen Länder, die sich dem allgemeinen 
Problem nicht fügen zu können glauben, entschliessen für die Höhen- 
zahlen sowie die mit diesen zusammenhängenden Isohypsen eine be- 
sondere Platte zu nehmen, die auf den für das Ausland bestimmten 
Blättern der Karte durch eine andere mit Meterzahlen zu ersetzen wäre. 

Die Karte muss beschrieben werden. Daher ist eine Einigung 
über die zu befolgende Orthographie der geographischen Eigennamen 
notwendig. Eine solche ist aber sehr schwer herbeizuführen: denn 
bekanntUch ist die nationale Empfindsamkeit auf keinem Gebiete so 
rege wie auf dem der Sprache und Schrift. In einem Punkte ist man 



298 

heute allenlin.us oinii^": Für die geograpliischeu N.iinon aller liiliuler^ 
tue sich des lateinischen Alphabets bedienen, suU die dortige Schreib- 
weise gebraucht werden. Misslich wird es dagegen für Gegenden, 
die sich des lateinischen Alphabets nicht bedienen, wo also eine Trans- 
skription nötig wird. Wie gering die Aussichten sind, hier einen 
internationalen Kompromiss zu erreichen, haben die Verhandlungen 
des Berner internationalen geographischen Kongresses zur Genüge 
gezeigt. Ob diese Transskription litteral oder phonetisch zu geschehen 
hat, ist noch eine offene Frage. Jedenfalls muss sie auf den lateini- 
schen Buchstaben basieren. Vielleicht ist da der beste Ausweg der, 
den Penck empfohlen hat — nämlich keine internationale, sondern 
eine nationale Transskription. Sein Vorschlag lautet folgendermassen: 

„Die Beschreibung der Karte geschieht ausschliesslich in lateini- 
scher Schrift und zwar für alle Länder samt Kolonialbesitz und In- 
teressenphären, die sich derselben bedienen, in der offiziellen Ortho- 
graphie. Als Ortsnamen gelten die offiziellen des Staatsgebietes ; 
jedoch ist in gemischtsprachigen Gebieten der ortsübliche, falls er 
vom offiziellen stark abweicht, in feinerer Schrift in Klammern bei- 
zufügen, z. B. Bruxelles (Brüssels), Lemberg (liow), Derpt (Doipat). 
Für die übrigen Länder sind die offiziellen Namen litteral zu trans- 
skribieren nach Regeln, die sei es vom betreffenden Gebiete selbst 
in Vorschlag gebracht werden, sei es durch Vereinbarungen fest- 
zustellen sind.'' 

Es würde also z. B. die russische Regierung selbst festsetzen, 
in welcher Weise die Ortsnamen ihres Gebietes mit lateinischen Buch- 
staben zu schreiben sind. 

Für Gebiete, die sich eines andern als des lateinischen Alphabets 
bedienen und die doch Karten in der eigenen Sprache anfertigen 
wollen, wie gerade das Russische Reich, wird dann allerdings die Not- 
wendigkeit entstehen, neben der Ausgabe mit lateinischer Schrift 
auch eine solche in russischer zu veranstalten, was durch eine be- 
sondere Platte für die Schrift zu erreichen ist 



Aus den obigen Ausführungen sieht man, dass die Diskussion über 
die Erdkarte bereits in vollem Gange ist und dass über einige Funda- 
mentalfragen wie über den Massstab und die Projektion eine Abklärung 
der Meinungen eingetreten ist. Ohne Frage wird die bevorstehende 
Sitzung der Kommission auch in andern Punkten eine Einigung erzielen 
lassen. Und das ist wichtig ; denn schon beginnt das Projekt aus dem 
Stadium der Vorberatung herauszutreten. Die Vorarbeiten zur Aus- 
führung der Karte haben z. T. General Kowerski begonnen, hat nach 



299 

einer Mitteilung des Generals Tillo soeben ein vollständiges Verzeich- 
nis aller Aufnahmen, die in Russland ausgeführt worden sind, als 
Vorarbeit veröffentlicht. Im Schosse der kais. russischen geographi- 
schen Gesellschaft wird die Anfertigung von Probeblättern der Karte 
angeregt. Von den Vereinigten Staaten ist die Beteiligung an der 
Karte zwar noch nicht bindend versprochen, doch in Aussicht gestellt 
worden. Das Gleiche gilt von Spanien, wo der frühere Ministerprä- 
sident Canovas del Castillo dem Oberst Coello als Mitglied der Kom- 
mission die Zusicherung gab, Spanien würde für die Kosten der Blätter 
für das Mutterland, und die Kolonien sowie auch in entsprechendem 
Verhältniss für die nicht unter die Kulturmächte verteilten Gebiete 
der Erde eintreten. Eine definitive Zusage hat bereits Holland ge- 
geben. Wie Herr Eckstein, Direktor des Militär-Topograph. Bureaus 
der Niederlande, unter dem 14. Dezember 1892 dem Präsidenten der 
Kartenkommission offiziell mitteilte, hat die holländische Regierung 
auf seine Anregung beschlossen, eine Karte von niederländisch In- 
dien im Massstab 1:1000 000 genau nach den zu vereinbarenden 
Normen der Weltkarte auszuführen. Sobald diese Normen festgestellt 
sind, wird sich das geographische Amt in Batavia an die Ausführung 
der Karte machen, deren Blätter insgesamt eine Länge von 5 m bei 
2 m Höhe haben werden. Endlich ist dem Präsidenten der Kom- 
mission vertraulich mitgeteilt worden, dass auch von einer andern 
Seite die Herausgabe einer, an Umfang allerdings kleinern Karte im 
Massstab 1 : 1 OOO 000 geplant wird und dass man nur die Beschlüsse 
der Kommission abwarten will, um mit der Arbeit zu beginnen. 

Damit ist ein Anfang gemacht. Von den 034 Vollblättern und 
105 Doppelblättern in höheren Breiten, im Ganzen also 73!) Blättern 
der Erdkarte, sind etwa 30 d. h. 47o definitiv übernommen; die Ar- 
beit daran beginnt, sobald die Beschlüsse der Kommission vorliegen. 
Rechnen wir dazu noch die Vereinigten Staaten und Spanien, so stellen 
deren 75 Blätter weitere lO^o dar. Dieser Anfang gibt Hoffnung 
auf das Zustandekommen des ganzen grossen Werkes. 



XXIII. 

Mitteilungen über den Bibliothekbestand. 



Von Carl H. Mann. 



Den Mitteilungen aus der Bibliothek glaube ich zu Händen unsrer 
vielen neuen Mitglieder, die sich nicht im Besitz früherer Jahresbe- 
richte befinden, voranstellen zu sollen, in welchem Verhältniss die 
Bibliothek unsrer Gesellschaft zur Stadtbibliothek sich befindet, 

Es besteht ein Uebereinkommen vom <S. Dezember 18So, dessen 
Art. 5, 7 und 8 folgende Bestimmungen enthalten: 

„Die Stadtbibliothek stellt der Geographischen Gesellschaft ein 
Lokal zur Verfügung, in welchem die zur Bibliothek der Geographi- 
schen Gesellschaft gehörigen Druckwerke und dgl. abgesondert mani- 
puliert werden können. 

Den Mitgliedern der Geographischen Gesellschaft werden in Be- 
zug auf die Benützung der Stadtbibliothek gegen Vorweisung ihrer 
Mitgliederkarten die gleichen Rechte eingeräumt wie den Abonnenten 
der Stadtbibliothek. Den letztern kommen dieselben Hechte bezüg- 
lich der Benützung der Bibliothek der Geographischen Gesellschaft zu." 

Die Mitgliederkarte berechtigt ferner zur Benützung der eidgen. 
Centralbibliothek und ich füge hier bei, dass deren Kataloge bis 
1886, und I. Supplement 1886—92 auf unsrer Bibliothek ausliegen. 

An die Universitätsbibliothek werden die eingehenden Periodica 
unmittelbar nach Eintreften zur Auslage in dem Lese- und Arbeits- 
zimmer abgegeben und am Schluss des Jahres zurückgenommen, um 
gebunden und eingestellt zu werden. 

Diese letztere Operation geschieht jeweilen auf Anordnung und 
Kosten der Stadtbibliothek, wie auch das Auswechseln der gebundenen 
Bücher durch deren Bibliothekare erfolgt 

Bezüglich der Ankäufe und Erweiterungen unserer Bibliothek 
erlaubt uns das Budget unserer Gesellschaft keine besondere Sprünge. 



301 

Wir sind nach wie vor auf die Bereicherung derselben durch unsere 
Freunde und Gönner und die uns befreundeten, mit uns im Tausch- 
verkehr stehenden Gesellschaften angewiesen. 

Von einer planraässigen Erweiterung kann somit vor der Hand 
noch keine Rede sein. Um so mehr habe ich es — im steten grund- 
sätzlichen Einvernehmen mit dem Herr Oberbibliothekar der Stadt- 
bibliothek für meine Aufgabe erachtet, in Vervollständigung der 
Sammelbände nach einer gewissen Planmässigkeit zu ringen und ins- 
besondere kleinere, wenig umfangreiche Brochüren und Karten vor 
der Nichtbeachtung zu bewahren. 

Es bildete dies auch einen Grund, wesshalb im IX. Jahresbericht 
unserer Gesellschaft, Pag. 281—330 nicht nur die vorhandenen Einzel- 
werke aufgeführt, sondern auch der Inhalt der Sammelbände spezi- 
fiziert wurde. Von jenem Verzeichnis sind noch Separatabdrücke 
vorhanden, die von unsern Mitgliedern zu 20 Cts. bezogen werden 
können. Auf diesen Separatkatalog ist in nachstehendem Bibliothek- 
verzeichnis fortwährend Bezug genommen. 

Unser diesjähriges Bibliothekverzeichuiss wird sich überhaupt an 
das soeben besprochene anlehnen, auch die dort getroffene Eintei- 
lung aus dem einfachen Grunde beibehalten, weil sie die wissenschaft- 
liche Anordnung soweit immer möglich mit der technischen Ausführ- 
barkeit versöhnt. 

Zuerst bringen wir nachfolgend das Verzeichnis der neu ange- 
legten Sammelbände, dann das Verzeichniss der Geschenkgeber in 
alphabetischer Anordnung und mit Verweisung auf die vollständigen 
Titel, sei es unter den Einzelwerken oder Sammelbänden des Katalogs. 

Es folgt darauf das Verzeichnis der Gesellschaften, mit denen 
wir in Tauschverkehr stehen. 

Hierauf folgt der Katalog in folgender Anordnung : 

1. Einzelwerke. 

2. Periodica. 

3. Sammelbände. 

4. Karten und Atlanten. 



302 



Neu angelegte Sammelbände. 

seit 

Uebernahme der Bibliothek 1887. 



Folio und Quart. 

1. Nord-Amerika. 
1 a. Canada. 

2. Süd-Amerika. 
.'5. Afrika. 

4. Oesterreich, Russland, Schweden. 

5. Deutschland, Schweiz. 

T). Frankreich, Spanien, Portugal, Italien. 

7. Geographische Zeitschriften und Probenummern. 

8. Allgemeine Geographie. 

n. Meteorologie: Erdbeben-Litteratur. Kliraatologie. 

10. Alpenbahnen I. 

11. Alpenbahnen IL 

Octav 

40 und 40 a. Afrika im Allgemeinen. 

41. Marokko. 

42. Algerien. Vergangenheit. 

43. — Gegenwart. ^ 

44. Tunis und Tripolis. Archäologisches. 

45. — — Gegenwart. 

46. Sahara. 

47. Abessinien. 

48. Aegypten. Reise- und Bevölkerungsstudien. 
4!). — Altertumsforschung. 

50. — Kolonisations- und Rechtsverhältnisse. 

51. — Novellen. 

52. Ost-Afrika. Allgemein. 
52 a. - Einzelgebiete. 
52 b. Rotes Meer. 

53. Central-Afrika. 

54. Kongo. Vor der Berliner Konferenz. 

55. — Seit der Berliner Konferenz. 
5G. Senegal und Niger. 



303 

07. West- Afrika. Allgeineiu. 

57 a. — Einzelgebiete. 

58. Süd-Afrika. Allgemein. 

5!). — Einzelgebiete. 

(iOa. Inseln der Afrikanischen Ostküste (ohne Madagaskar). 

60 b. Inseln der Afrikanischen Westküste. 

Gl. Die Insel Madagaskar. 

G2. Arabien und Armenien. 

Oo. Central-Asien; 

63 a. — W^erke in russischer Sprache. 

64, Kaukasus. 



65. 


Klein-Asien. 




65 a. Syrien. 




66. 


Persien. 




67. 

68. 


j Indien I./II 




60. 


Hindustan. 


Himelajaländer. 


70. 


— 


Bengalen. 


71. 
72. 


i Dekkan. 





7.3. Hinterindien. 

74. Birma. 

75. Indischer Archipel. 
75 a. Philippinen. 

76. Indo-chinesisches Reich. 

77. Toukin. 

78. Cochinchina. 

79. Ceylon. 

80. China. 

81. Japan. 

s2. Australien im Alluemeinen. 
s3. Sandwichs-Inseln. 

84. Papua-Länder. 

85. Inselwelt des Stillen Meeres. 
.s6. Polynesien. 

S7. Neu-Seeland. 

s7a. Neu-Guinea. 

SS. Polarforschung. 

si). Amerika im Allgemeinen. 

iio. Grönland und Labrador. 

!)]. Britisch Nordamerika (ohne Canada). 

!Ha/c. Canada I./III. 

92. Yereiniutc Staaten. Allgemein. 



ao4 

!»2a. Vereini,s2:te Staaten. Einzeljiebiete. 

\)o. C'entnil-Ainerika (olme Antillen und Costa-Rica). 

!)3a. Mexiko. 

OHb. Costa-Rica. 

!)3c. Antillen. 

!)4. Süd-Amerikä. 

!»4a. Argentinische Republik. 

!)4b. Santa Fe. 

!.)5. Brasilien. Allgemein. 

;)ö a. — Geschichte. 

95 b. — Provinzen. 

95 d. Paraguay und Uruguay. 
9(). Spanien. Allgemein. 

96 d. — Reisen. 
96 a. Portugal. Einheimisch. 
96b. — Kolonial-Politik. Allgemein. 
96 c. — Statistik und Geographie. 
96 e. — Kolonial-Politik. Einzelgebiete. 

97. Frankreich. Einheimisch. 

98. — Koloniale Politik. 

99. Grossbrittannien. 
100. Belgien und Holland. 
101a. Deutschland. Einzelgebiete. 
101c. — Grossherzogtum Hessen. 
101 d e. — Bibliographie. 

101 f. — Allgemeines. 

102. Schweiz I. 

102 a. Gotthardbahn. 
102 b. Alpenbahnen im Allgemeinen. 
102 c. Jura-Simplon-Bahn. 

102 d. Schweiz H. 

103. Oesterreich-Ungarn. Allgemein. 

103 a. Russland und Skandinavien. 
103 b. Rumänien. 

103 c. Oesterreich-Ungarn. Volkswirtschaft und Statistik. 
103 d. Russland. Allgemeine Statistik. 
103 e. — Bevölkerungsstatistik. 

103 f. — Europäisches. Bevölkerungsstatistik. j^j 

103 g. — Erntestatistik. 
103 h. — Finanzwirtschaft. 
1031. — Allgemeine Volks- und Landwirtschaft. 
103 k. — Wissenschaftliche Abhandlungen. 
1031. — Europäisches. Einzelstatistiken. 



I 



305 

KKlin. Russland. Eiiropäisclies. Landwirtschaft. 

itiou. — — Unterrichtswesen. 

lOHo. — Polen. 

lo;)}). — Kirgisensteppen. 

104. Griechenland und Türkei. 

l!)j. Allgemeine Geographie. 

10.') a. Geographischer Unterricht. 

105 b. Kongress-Litteratur. 

105 c. Statistik geogr. Gesellschaften. 

100. Kartographie. 

107. Anthropologie. 

108. Naturwissenschaft. 

108 a. Mineralogie. 

100. Sprachwissenschaftliches. 

109 a. Amerikanische Sprachen. 

110. Medizin. 

111. Handelsgeographie und Warenkunde. 

112. Mathematik. Astronomie. 

112 a. Meer. Seewesen. Schiffahrtskunde. 
112 b. Einheitl. Meridian und Weltzeit. 
ll;->. Litteraturgeschichte. 
114 a. Italien. Brochüren. 
114b. Italien. Karten. 

1' I Biographien I./II. 

117. Missionswesen. 

1 18. Auswanderungslitteratur. 
ll!i. Guinea-Küste. 

120. Sibirien. 

121. Hydrographie. 

Nachstehend folgt das Verzeichnis der Geschenkgeber. Für et- 
waige Lücken muss der Verfasser um Nachsicht bitten. Trotz der 
ganz bedeutenden Bereicherung unserer Bibliothek sind wir fort- 
während auf denselben beschränkten Raum angewiesen, in welchem 
von einem Manipulieren der eingehenden Werke absolut nicht die 
Rede sein kann. Ueberdies sind eine Anzahl Geschenke mit Be- 
zeichnung: „hommage de l'auteur" unter Kreuzband eingegangen; 
es ist nicht immer möglich, den Aufenthalt des Autors aus Titel oder 
Vorwort zu entnehmen. 



XI. Jahresbericht d. Geogr. Ges. v. Bern. IH'Jl- 1H92. 20 



o(Ki 



Verzeichnis der Gesclienkgeber. 



Ämrein, Professor, St. Gallen. S.-15. 102 c Nr. 1!». 

Anutschin, Professor, Moskau. S.-B. 1().'{ k: ül. 

JJarhanna, Dr. in Santjago. S.-li, 915: 18. 

Barbier, J. V., Nancy. Fol. S.-B. VIII. : (i. 

Bcaumont de, Bouthillier, Genf. S.-P». l()(i: !>. Fol. S.-B. VIII.: 7. 

V. Bcnko, J. S.-B. 75 a: 1. 

Bernaräo, y Äscasco, Montreal. Ciirso de geographia. 

Bei/, Artur Jonssouf Leepton. S.-B. 48 : 84. 

BioUey, P. S.-B. !)Hb: 1. 

Blanford, S. Folkestone. A practical giiide to the climates and 

weatlier of India. 
Bonaparte, le Prince Roland, Paris. Voyage en. Corse. S.-l). l(»2d: 

18, 14; 90: 14. Fol. S.-B. V.: Iß. Les variations p6riodiques 

des glaciers en France. 
Bortari, F., Prof., Neapel. S.-B. 47: 28; !)4a: 20; 105: 1!», 22; 

114: 18, 28/24; 45: 12. 
Y. P.ogulawski, G. S.-B. 121 : 4— G. 
Brüchicr, Prof. Dr. Ed., Bern. S.-B. 82, 17. 
Camperio, M., Mailand. S.-B. 52 b: (>. 
Chaix, F., Prof., Geneve. S.-B. 112a: 10. 
Charbonnier, Prof., Brüssel. S.-B. 100: 24; 110: 11, 12. 
Claverie, de, Vicomte, Paris. S.-B. 52 a: 25. 
Claparede, de, Ä., Gen6ve. S.-B. 75a: 2; 105b: 4; 102d: 22. 
Cordier, H. in Paris. Les voyages en Asie au XIX. siecle du bienh. 

frere Odericli de Pardenone. 
Cotteau, F., Paris. S.-B. 75: 15, 18. 
Cust, ü. Bohert, London. A Language Map of Africa. Sketch of 

the rjLodern languages of Africa. A comparative graniniar of 

the South African Bantu-languages. S.-B. 40 a: 89, 40. 
Dechy, Maurus, Budapest. S.-B. 64 : 5, 0. 
Delebecque, Ingenieur, Thonon. Tiefseekarten. 
Departement des Ausivärtigen, Bern. S.-B. 102 d: 2; 118: 7, 8. 
Dielke, W. S.-B. ()3: IG. 

V. Dingelstedt, 23 Maupas, Lausanne. S.-B. G4 : 9 — 11; G8: 15. 
Eckhout, I\. A., in Java. Grand Atlas des Indes Neerlandaises. 
Faure, Gh., Genf. S.-B. 99: 9; 102 d: 5, G, 4; 97: 47; IIG: 19. 
du Fief, G., Prof. in Brüssel. S.-B. 40 a: 29. 
Flemming. Sandf. in Ottawa. S.-B. 91c: 3. 



307_ 

Gatschet, A. S., Washington. Fol. S. I:S. 40. S.-B. I: 7, s; s». 

S.-B. 89: 14; !»2: 35; l)3a: 10; O'J a: 18; 107:3; lOSa: 1— 2!i; 

103: 28; UM): i) - 14, 17—19; 103a: 27. S.-B. 109a. 
Gay du Pallaud, mömoires justificatifs relatifs ä la construction d'un 

pont sur la Manche. 
Gesellschaft, kais. russ. geograph., in Öt. Petersburg. S.-B. lo3d— p. 
Gesellschaft für Erdkunde, Berlin. Kretschmer Konr., d. Entdeckung 

vVnierikas. 
Gesellschaft, geographische, Lissabon. S.-Be. 90 a, 90 b, 9(ie. 
Gobat, A., Regierungsrat in Bern. 8" S.-B. 50:9; 84: 12; 87:7 — 9: 

93 c : 1, 2 ; 94 : 35 ; 95 b : 18, 19 ; 98 : 10 ; 102 d : 27 : 103 b : 5. 
Graf Prof. Dr., J. K, Bern. S.-B. 102 d: 8. 
Gut/, Alf, Ingenieur in Oran. S.-B. 40: 22; 112b: 12, 13. 
Handelsministerium, französisches. Siehe Tonkin. Karten und Atlanten. 
Heushard, H. W. S.-B, 92 a: 0. 

Hoffmann, W. J., Dr. med. Washington. S.-B. 92a: lo. 
V. Höhnel, Ritter, in Wien. Fol. S.-B. III: 14 
Jacobs, Jul. in ? S.-B. 75 : 33. 

Jent& Gassmann, Buchhandlung in Bern. Spry, Expedition d. Challenger. 
Kartof/r. Institut Born. S.-B. 47: 29; 100: 10; 114: 10—22. 
Kaiser, Schulbuchhandlung, Bern. Schweizer Geographie in Bildern. 

Mit Erklärung von Stuki. 
Kohlgrath, Fei, in Neuchatel. Boillot-Robert, les lacs jurassiens. 
Ka)i, Dr. C, Prof., Amsterdam. S.-B. 105a: 7; 100: 20; 75: 2(i, 34. 
de Kovalevsky. S.-B. 04: 12. 
Leclerq, Jules, Brüssel. S.-B. 93a: 2. 92a: 8. 
Lannoy de Bissy. Epinal. S.-B. 52 a: 20, d. Congr. Ann. 82. 
Levassetir, Em., Paris. Precis de la göographie. S. 1. 
V. Loczy, Prof., Budapest. Szechenyi Reisen. Ungarisch. Bd. 1. 
Lullin, Ed. S.-B. 112b: 0. 
Marbyre M., 30 Rue de St. Peres, Paris. S.-B, !»7: 49. La poste, la 

telegraphie et le telcphone Album des Services maritime postaux. 

Fol. S.-B. V.: 14. 
Mann, C. If., Bern. S.-B. 102d: 3; 104a: 8a -d. I03c: 1—3; 

92a: 10; 112b: 9. 
31ayr Und , Revisor d. Oesterr. Ungar. Bank, Wien. S.-B. 4oa: 41. 
Moosney James, Bur. of Ethnologie Washington. S.-B. 92: 34. 
Morgan, Delm., London. S.-B. s2 : 17. 
V. Müller, Baron, Melbourne. Select extra trop. plaDts. — Australian 

Handbook. 
Muzzo, Mauro, boliv. Konsul in Neajiel. S.-B. J5: 12: 17: 2s ; 

S.-Be. !)la: 15—31; !H b und 91c. 
Nimt, John in V S.-B. 50: lo. 



HOS 

Nordenskiökl, Freiherr Professor, Stockholm. Facsimilie-Atlas. 

Palmen. Professor, llelsingfor^". S.-B. lOoa: 11—1:5. 

Penck, A., Prot., Wien. S.-B. l()(i: 14,1'). 

l'alacky, G., Prof, Wien. S.-B. los: 2(). 

Powell, Major, anierik. Ges. in London. S. Ver. Staaten. Kart. n. Atlanten. 

]*ecfor, Des., Konsul, Paris. S.-B. ÜH: 1!)— 24. 

Poussi6, Dr. Manuel de conversation en trente langues. 

J'itfier, H. S-B. !);!b: 2/3. 

Kyf F., in Fa. Wiesniann und Ryf Bern. S.-l}. öO: ]!), 

liappaz, V., Valparaiso. S.-B. !)4: ;)(). 

llegelsperger, Prof. Paris. S.-B. IKJ: 15; 102d: 10, 12. 

Rosier, W., Prof., Genf. Geographie generale illustree. S.-B. 40a: 36. 

Rosset, C. W., Frankfurt a. M. S.-B. 52a: 2(i. 

Sabatiei; C, anc. depute de l'Algerie. Sahara, Touat et Soudan. 

Smithsonian Institution Washington. S. Ver. Staaten. Einzelbände 

und Periodica. 
Schlegel, GusL, Prof. an der Universität Leyden. S.-B. 80: 26, 
Soci6te languedocienue de geographie ä Montpellier. Collection com- 

plete de ses bulletins. Duponchel, Geographie departementale 

de l'Herault. 
Schnyler, K, S.-B. 63: 17. 
Stockniar. Regierungsrat in Bern. Fol. S.-B. XI: 1 — 5; S.-B. 102a: 

12 14; 102 b: 10—10; 102c: 1—3, *), 11; 118: 6. 
Serrurier, S. S.-B. 81: 29. 

Strcmss, Louis, Consul, Anvers. Fol. S.-B. VI: 12; 111: 20; 100: 21, 22. 
Studer, Th., Prof., Bern. S.-B. 82: 17. 
Tompson, J. S., Brisbane, Australas. S.-B. 105: 16. 
Torres Campos, Don Rafael, Madrid. S.-B. i)6: 36; 105: 23. 
Urihe, Manuel, Medellin, Ver. Staaten v. Columbia. S.-B. 89: 19. 
de Vasconcellos, capit. de corvette portugais. S. Central- Africa: Einzel- 
bände. Portugal: Karten. Ribeiro, regras e precitos de hygiene 

colonial. 
Verein, Schweiz. Kaufm. S.-B. 102 c: 15. 
Verein der Geographen in Wien. S.-B. 112b: 8, 9. 
Wäher-Lindt, Ä., Bern. S.-B. 102 d: 17—19. 
Wächli, Dr., Buenos Ayres. S.-B. 94 a: 28. 
Wouters, A. J., Brüssel, Rue St. Bernhard 49. S.-B. 55: 29. 
Wichmann, Dr. H., Gotha. S.-B. 105b: 7, 
Woeilcoff, AI, Prof., Petersburg. S.-B. 64: 14, 15; 97:39. Fol. S.-B. 

VIII: 11; 112 b: 10, 11. 
Zicchinetti, D., in Cairo. S-B. 48: 32, Fol. S.-B. III: 11. 
Zubiaud, J. B., Buenos Ayres. S:-B. 94a: 26. 



309 



Gesellseliaften 

mit denen die Geogr. Gesellschaft Bern im Tauschverkehr steht. 



Afrika. 

Aegypteii. 



Institut egyptien au Caire. 
Societe khediviale au Caire. 



Algerien. 

Academie d'Hippone a Bone. 
Societe d'areheologie ä Oraii. 

Amerika. 

Argentinische Republik. 

Institute geografico argentino in Buenos Ayres. 
Bureau de Statistique niunicipale a Buenos Ayres. 
Bureau de Statistique de la Province de Buenos Ayres. 

Brasilien. 

Instituto Historico, Geografico, Etnografico do Brazil. 
Sociedade de Geografia de Lisboa no Brazil. 
Observatorio meteorologico Rio de Janeiro. 

Canada. 

Canadian Institute in Toronto. 

Geological and natural liistory Surwey in Ottawa. 

Societe de geograpliie a Quebec. 

California. 

Geografica society of California. 

Chili. 

Deutsch-wissenschaftlicher Verein in Santiago. 

Costa-Rica. 

Instituto fisico-geografico nacional. 



810 

Mexico. 

Sociodad Ciontirtca „Antonio Alzate", Mexico. 

Observatorio nieteorologico central Mexico. 

Sociedad de Goografia y Estadistica de la Republica Mexicana. 

Deutsch-wissenschaftlicher Verein. 

Observatorio astronoinico nacional de Tacubaja. 

Secretaria da Fomento, Colonizacion e Industria. 

San Salvador. 

Observatorio meteorologico y astronomico. 

Vereinigte Staaten. 

American geogr. Society in NewYork. 
American philos. Society PhiladGli)hia. 
Office of the Chief of Engineers, Washington. 
U. St. Geological Survey, Washington. 
Smithsonian Institution, Washington. 
Anthropological Society of Washington, 

Anien. 

Indochinesisches Reich. 

Societe des Etudes indo-chinoises. Saigon et Paris. 

Japan. 

Tokio Geographica! Society. 

Deutsche Gesellschaft für Natur- und Völkerkunde Ostasiens. 

Australien. 

Royal geographica! Society of New South Wales. 

Royal Geographica! Society of Australasia. 

Queensland brauch of the royal geogr. Soc. of Australasia. 

Royal Society of Victoria. 

Geographica! Society of the Pacific. 

Europa. 

Deutsches Reich. 

Deutsche Seewarte in Hamburg. ^.j 

Naturforschende Gesellschaft in Bamberg. 

Gesellschaft für Erdkunde in Berlin. 

Nachtigal-Gesellschaft für vaterländische Afrikaforschung in Berlin. 



>^l 



311 

Deiitsclie Kolonialgesellschaft in IJerlin. 

Geographische Gesellschaft in Bremen. 

Badische Geogr. Gesellschaft in Karlsruhe. 

Verein für Erdkunde in Darmstadt. 

Verein für Erdkunde in Dresden. 

Verein für Geographie und Statistik in Frankfurt a. M, 

Geographische Gesellschaft in Greifswald. 

Verein für Erdkunde in Halle. 

Geographische Gesellschalt in Hamburg. 

Geographische Gesellschaft in Hannover. 

Geographische Gesellschaft für Thüringen in Jena. 

Verein für Erdkunde in Kassel. 

Physikalisch-Oekon. -Geogr. Gesellschaft in Königsberg. 

Naturhistorischer Verein für Schleswig-Holstein in Kiel. 

Verein für Erdkunde in Leipzig. 

Deutscher -Palästina- Verein in Leipzig. 

Geographische Gesellschaft in Lübeck. 

Verein für Erdkunde in Metz. 

Geographische Gesellschaft in München. 

Verein für Erdkunde in Stettin. 

Württembergischer Verein für Handelsgeographie in Stuttgart. 

Frankreich. 

Societe commerciale de g^ographie a Bordeaux. 

Society d'emulation du Departement des Vosges a Epinal. 

Union geographique du nord de la France a Douai. 

Societe de geographie commerciale au Havre. 

Societe de geographie a Lille. 

Societe de geographie a Lyon. 

Societ6 de geographie ä Marseille. 

Societe languedocienne de geographie ä Montpellier. 

Societe de geographie de l'Est a Nancy. 

Ministere du Commerce, de l'Industrie et des Colonies a Paris 

Societe des etudes coloniales et maritimes a Paris. 

Societe de geographie a Paris. 

Societ6 de geographie commerciale ä Paris. 

Societe de topograi)hie de France a Paris. 

Societe academique indo-chinoise ä Paris. , 

Societ6 de geographie ä Piochefort. 

Academie de Toulouse. 

Societe franco-hisp.-portug. a Toulouse. 

Societe de geographie a Tours. 



812 

Aoademie du Var. 

Socii'te des sciencos naturelles et niedicales de Seine et Oise Versailles. 

Grossbrittaniiioii. 

Chanibre of Commerce, London. 
Royal Geographica! Society, London. 
Manchester Geographica] Society, Manchester. 
Anthropological Institute, London. 

Italien. 

Sezione Fiorentina della Societä Africana d'Italia. 
Sezione nai)olitane delle Societa Africana d'Italia. 
Sozieta Geogratica Itaiiana, Koma 
Specula Vaticana, Roma 
lustituto cartografico, Roma. 

4 

Niederlande. 

Soci^te de geographie a Anvers. 
Societe de geographie a Bruxelles. 

Konninldijk Listituut voor de Taal-, Land- en Volkenkunde van Neder- 
landsch-Iudie, Gravenhagen. 

Oestreich-Unsarn. 

Naturwissenschaftlicher Verein in Brunn. 

Meteorologische Kommission des Naturwissenschaft!. Vereins, Brunn. 

Societe hongroise de geographie ä Budapest. , 

Histor. Hofmuseum in Wien. 

Centralanstalt für Meteorologie und Erdmagnetismus in Wien. 

Geographische Gesellschaft in Wien. 

Verein der Geographen an der Universität in Wien, 

Rnniänien. 

Rumänisch geograph. Gesellschaft in Bukarest. 

Portugal. 

Sociedad de geographia, Lisboa. 
Associagao commercial do Porto. 

Russland. 

Societe de geographie finlandaise a, Helsingfors. 
Geografisca Foreningen Helsingfors. 

Ostsibirischer Zweig der Russisch-Geogr. Gesellschaft Jekatharinen- 
burg. 



^1 



313 

Kaiserl. Russ. Geogr. Gesellschaft für Sibirien in Irkutsk. 
Kaiserl. Russ. Geogr. Gesellschaft in St. Petersburg. 
Societe imperiale des naturalistes a Moscou. 

Skandinavien. 

Anthropologische Gesellschaft in Stockholm. 

Spanien. 

Associacio d'Excursion Catalana, Barcelona. 
Sociedad geogräfica de Madrid. 

Schweiz. 

Mittelschweiz, geogr. com. Gesellschaft in Aarau. 

Ostschweiz, geogr. com. Gesellschaft in St. Gallen. 

Societe neuchäteloise de geographie a Neuchätel. 

Societe de geographie ä Geneve. 

Ecole superieur de commerce ä' Geneve. 

Permanente Schulausstellung in Bern. 

Schweiz. Kaufm. Verein in Zürich. 



:;n 



Verzeichnis der Bibliothek. 

(AlijiC>.clll(iSsrii ;uil ol. .M;ir/. IW);!.) 



Geographie im Allgemeinen. 

In Eiiizelbändeii. 

Levasseiü', E., Pröcis de la i>eographie physique, politique et eco- 

nomique. 
Nordoisl-iölä, Facsimile- Atlas. 
Rosier, \V., Geographie generale illustree. 

Periodica. 

Bericht über das XV. und XVII. Vereinsjalir des Vereins der Geo- 
graphen an der Universität Wien. 

Boletim sociedade de geogr. Lisbonne 1891, 1S!)2. 1—5. 

Boletin de la sociedad geografica de Madrid 1892, 1 — 9. 

ßollettino della societä geografica italiana 1891, 1892, 1893 1/2. 

Boletin de la sociedad de geographia y estatistica de la Republica 
Mexicana, 1891, 3/4 (Vol. 11). 

Bulletin de la societe de geographie comnierciale de Bordeaux 1891^ 

1892, 1893, 1—4. 

Bulletin de la societe royale beige de geographie ä BruxeJles 1891, 

1892. 
Bulletin de l'Institut 6gyptien au Caire 1891, 1892, 1—6. 
Bulletin de la societe khediviale au Caire III. Ser. (i, 7, 9, 10. 
Bulletin de l'Union geographique du Nord de la France. Dounl 1890, 

1891, 1892, 1/2. Trim. 
Bulletin de la societe languedocienne a Montpellier 1878 — 1890. 
Bulletin de la societö de geographie commerciale du Havre 1891/92, 

1893, 1/2. 

Bulletin de la societe de geographie a 3Iarseille. 1891, 1892, 1893, 1. 
Bulletin de la societe de geographie dePEst k Nancy 1891 — 1892, 1. Trim. 
Bulletin of American geogr. society. New York 1890 — 1892. 
Bulletin de la societe neucliäteloise de geographie, I — V. 
Bulletin de la societe de geographie a Paris 1889 — 1891. 
Bulletin de la societe de geographie commerciale. Paris 1891, 1892, 
1893, 1. 



315 

lUilletiii de la societe de geographie ;i IlochefoH 1888 — 18!) 1. 

Bulletin special of the geographical society of California. 

Comptes rendus des seances de la societe de geographie. Paris 1891, 
18!)2, 1808, 1 5. 

Deutsche Geographische Blätter, lierausgegeben von der Geogr. Ge- 
sellschaft in Bremen 1891, 1892, 1893, 1. 

Fernschau. Jahresbericht der Mittelschweiz. Geogr. Gesellschaft in 
Aarau, IV. und V. Bd. 

Földrajzi Közlemenzek. Bulletin de la societe hongroise de geogra- 
phie a Budapest 1888—1890, 1891, 1/4, 8/10. 1892, 1—10. 

Geografiska föreningens Tidskrift. Helsingfors 1891, 1892, 1893, 1. 

Globe. Organe de la societe de geographie de Geneve 1892. 

Jahresbericht der Geogr. Gesellschaft in Greif sivalde 1883/8G, 1888/90. 

Jahresbericht der Geogr. Gesellschaft in Hannover, 9 — 11. Jahrg. 
1887—1889. 

Jahresbericht, VIII., des Vereins für Erdkunde in Kassel. 

Jahresbericht des Vereins für Erdkunde in Leipzig 1891. 

Jahresbericht des Vereins für Erdkunde in Met^ 1890/91, 1891/92. 

Jahresbericht der Geogr. Gesellschaft in München 1890 1891. 

Jahresbericht des Vereins für Erdkunde in Stettin 1888/1891. 

Journal of the Manchester geogr. society 1889, 1 -3, 1890 and 1891. 

Journal of the Anthropological Institut London, Vol. XXI, XXII, 1—3. 

Mitteilungen der OsLschweiz. Geogr. Commerciellen Gesellschaft in 
St. Gallen 1891, 3/4. 

Mitteilungen der Geogr. Gesellschaft in Hamburg 1891/92, 1. 

Mitteilungen des Vereins für Erdkunde in Leipzig 1890, 1891. 

Mitteilungen der Geogr. Gesellschaft in Lübeck und des Naturhist. 
Museums, 11./12. Hft. 2. Reihe, 1.— 3. Hft, 

Mitteilungen der Geogr. Gesellschaft für Thüringen in Jena, IX. Bd. 
X. 1—12. 

Mitteilungen der Geogr. Gesellschaft in Wien 1891, ls'.)2, ls!)3, 1. 

Naclirichten, geographische. Zeitschrift zur Verbreitung geogr. Kennt- 
nisse, 1892, 1893, 1— (5. 

Mouvenient göographique. Journal i)opul. des sciences g^ographiques, 
issü— ls!)2, IS!);;, 1—7. 

Proceedings of the royal geogr. society. London 1891, 18!)2, 1893, 
1—4 (von 1893 an unter dem Titel: The geographical Journal). 

Revue geographique internationale 1891, Januar— März, Juni — Sept., 
Dezember. 

Revue de la societ6 de geographie a lo^tri', 1890, 1 — 11, 1891, 1 — 3. 

Tour de Monde. Nouveau Journal des voyages 1892, II. Sem. 18!)3. 
1. Quart. 



Transat-tioiis aiul Prnceedin.us of tlie 1. Ai)i'il 18!)2, p. 7 — !). (leo.uTa- 

phical Society of tlie Pacitic 18!)2. 
Verhandlungen der Gesellschaft für Erdkunde in nerUnXW., XX 1. 
Zeitschrift der Gesellschaft für Erdkunde in Ihr/in ls!ii>. 

In Saiiiinelbäiuleii Folio und (^)uart. 

VII. Gcoyrapliisclie Zeitschriften, und Probemtmmern. 

1. Tii.' truc common wealtli. 1890, Vol. I, N" 9. 2. Mesquito Alfr, (. 
Crodito, .lonijil de economia e financas portuguezas 1891, N" 1. 3. Moiivc- 
moiit cdlünial 1692, 1 und 2. 4. First commercial Supplement tu tlic 
Ciiaiiilicr (if Commci'ce Journal. Sept. 1891. 5. .\jiicrica. A Journal im- 
.\mericans. 25. Juli 1889. Vol. 11. N" 69. G. Oestr. Monatsschrift f. d. Orient 
X. Jahrg. Nr. 2. 15. Febr. 1884. 7. Gazzetta italiana illustrata. Alla memoria 
di Aiessandro Manzoni. 22. Mai 1883. 8. L'Epoque moderne. Journal illustre. 
Paris 1890, 14./21. Aug. 9. Joriial de Viagens e aventuras de terra e mar 
1880, Nr. 62. 10. I/Explorateur. Journal geogr. et commercial 187.% Nr. 1-4. 
11. Hevuegeographique 1877 und 1878. Diverse einzelne Nummern. 12. Revue 
politique et litteraire de la France et de l'Etranger. 1880, Nr. 21 und 23. 
13. Revista de geografia comercial 1886. Nr. 25-80. 14. RuUetins de 
rinstitut geograph. international, 1 — 4. 15. II giornale delle colonie. Ras- 
segn'a economica, 1882, 476—495. 19. Kosmos, an eclectic monthly Journal 
of Nature, Science and Art, 1887. Vol. I, N" 1/2. 17. Weltpost, deutsche, 
1886, 1. 10. 18) Revue, Gazette maritime et commerciale 1888, 199, 206. 

Vm. Nr. 1—5 s. Spez.-K. S. 11. IX. J.-B. S. 286.*) 
Ken : 

6. Barbier, J. V. Lexique geographique. Epreuve. 7. Boitfhülier de 
Beaumont, H., de la projection dans la cartographie et de i'heure univer- 
selle. 8. Lucy, l'index geographique. I. Partie 1884. 9. Revue universelle 
des inventions nouvelles, 1892 N" 1. ]0. Strauss, S., Revue annuelle de 
1891. 11. Woeikoff, AI., der Einfluss der Schneedecke auf Roden, Klima und 
Wetter. 

In Sammelbänden. 

8" S.-B. 105. Nr. 1—!) s. Spez.-K. S. 10/11. IX. J.-ß. S. 285/280. 

Neu: 10. Estudio sobre la corteza de la tierra y su relieve. 11. Fer- 
reiro, M., Memoria sobre el progreso de los trabajos geograficos. 12. Ge- 
neralites historiques et mineralogiques. 13. Hahn, 0., Wanderung, Aus- 
wanderung, Kolonien. 14. Oppel, A.. Terra incognita. 15. Progres de la 
science au point de vue maritime. 16. Thomson. J. P., Practical suggestions 
to travellers. 17. Versuch, ein neuer, der Bestimmung der mittlem Höhen 
und Tiefen der Erde. 18. Krauss, J. F., Am Urquell, 1. Heft, II. Band. 

19. Vidale de la Blache et Dubns, Annales de geographie 1891, I. 

20. Kegri, Ch., Spedizioni artiche et africane. 21. Hübners geogr. statist. 
Tabellen aller Länder der Erde. 22. Borsari. F., l'Atlantide. Saggio di 
geografia preistorica. 23. del Valle, Programa de la asignatura de geografia 



* Abkürzungen. S.-B. =: SamuiHÜiand. Spez.-K. =r Spezinl-Katalog. J.-B.::: 
Jahresbericht. 



317 

liistorica. Cursu de 187-4 ä 1875. 2i. de Tillo, Xotice sur le coiigres des 
^'eographes aüeinands ä Halle (12.— 14. avril) 1882. 25. Mumm, E., Die 
Tätowierung bei Kulturvülkeni. 

]4^oiij;>'i*e.«>>ü»-I.<ittei*atiir. 

In Eiiizelbüiideu. 

Comi)te-reiulii du V^ Congres international des Sciences geographiques 
tenii a Berne du l(i ou 14 aoüt ]>s!)l. 

In Sainmelbündeu. 

s«^ S.-B. lor. b 

1. Bonola, Fred., Le Questionaire (Venise). 2. Catalogue de la section 
sui.sse de l'exposition accompagnee d'une notice historique. 3. Eieueo delle 
questioni presentati al III. congresso geografico internazioiiale. 4. Vilanova 
y Piera, conferencia sobre congresos cientificos. 5. Meidemanns, A., Le 
troisieme congres international des sciences geographiques ä Venise. 
6. Nachtigal, Gust., Bericht über den Dritten internationalen Geographen- 
Kongress und die damit verbundene geogr. Ausstellung in Venedig. 

^tatiistik g;eog:ra]>hisclier Oeisellschafteii. 

■s" S.-P). lo.'j c. 

1. Annaes da conimissäo central permanente de geographia. 2. Bericht 
über die Ausstellung des IX. Deutschen Geographentags. 3. Bartle Frere, 
-■Vdress to the royal geogr. Society, 22. Juni 1874. 4. de Claparede, A., 
.\nnuaire universel des societes de geographie 1892 — 1893. 5. Havenga, W. J., 
Voordracht gebenden in het Koninkljk Aardrijkskundig Genostschap op dem 
18. Januari 1883. 6. Bawlinson, H. C, Adress to the royal geogr. society 
24. .Mai 1875. 7. Wichmann, H., Geographische Gesellschaften, Zeitschriften, 
Kongresse und Ausstellungen. 8. Annuaire de la societe de la geographie de 
Rochefort. 9. Bulletins und Register zu den Ausgaben der Kaiserl. Russ. 
Geogr. Gesellschaft in den Jahren 1876—1885. 10. Bericht über die Aus- 
stellung des IX. Geographentags in Wien 1891 nebst Ausstellungskatalog. 
11. Rapport sur la marche et Tactivite de la societe de geographie de 
Geneve 1891 92. 



Geographischer Unterricht. 

lu Eiiizelbäitdeit. 

y Ascaso, curso do geogratia. 

In Saniinelbäiideii. 

N"^ S.-B. 105 a, Nr. l-.s, s. Spez.-K. S. IL IX. J.-B. S. 2.s(i. 

Neu: 7. Kan, C. M., het hooger onderwijs in Aardrijkskunde hier te 
Lande. 8. Projet d"ecole de geographie et ethnograpliie. Ge<igrai)hical 
education. 10. del Valle, Programa do l'Asegnativa de geographia liistorica. 



318 

Abo.sNiiiicii. 

In SninincIbäiKleii. 

8° S.-r>. 17, Nr. 1 — 27, s. Spez.-K. Seite 12. IX. J.-B. Seite 280. 

Neu: 28. Borsari, Ferd. Riblioteca eliopicti. Le zone colonizzaljili. 
deir Eritrea e doUe liiiiltinie regioni etiopicho. 29. Carta speciale dei pos- 
sessi e protettorati italiani nell" AlVica (irieiilalc 1 : 500,000. 30. T/Ilalia lu'l 
mar rosso. 31. Menelik II. 

Aegypteii. 

In Einzelbänden. 

Frobcnins, H., Die Heiden-Neger des ägyptischen Sudan. 

In Saninielbänden. 

8** S.-B. 48. 1. Reise und Bevölkeruugsstudien Nr. 1 — l(i s. Spez.-K. 
Seite 12. IX. J.-B. Seite 287. 

Neu: 17. Aegypten (missionsgcschichtlicli). 18. Aegyptens Neue Zeit 
(missiotisgeschichtlich). 19. Cliaille-Long on the Yuba. 20. Egypte et Soudaii 
egyptien. 21. Expedition italienne au Soudan. 22. Ganzenmüller, Konr., 
Das Gebiet des Schilluk und Bakara, Dar Nul)ab, Takleli usid Kordofaii. 
23. Häusermann, Bar el Gazal. Karte 1 : 5,555,000. 24. Derselbe, Haute Egypte. 
Karte 1 : 5,555,000. 25. Derselbe, Soudan egyptien, Karte 1 : 5,555,000. 26. Der- 
selbe, Grenzgebiete. Karte 1 : 5,550,000. 27. Les Italiens dans la Mer-Rouge. 
28. Da Kassala. 29. Mer-Rouge. 30. Das Land der Nilquellen (missions- 
geschiehtlich). 31. Englische Schulen in Kairo. 32. Schweinfurth, G., Une 
Visite au port de Tobrouk. 33. Zvcchinetti, Dr., Souvenirs de nion sejour 
chez Emin Pascha el Soudani. 33. Toda, E., Excursiones por el bajo 
Egypto. 34. Art. Y. Lupton Bei/, Projet d'une ligne de chemin de fer re- 
liant l'Egypte ä la Syrie, s. auch 4« Sammelbd. III. 11. 

8° S.-B. 45). Altertumsforschung. Ausgrabungen. Nr. 1 — 15, s. Spez.-K. 
Seite 12/13. IX. J.-B. Seite 287/288. 

Neu: 16. Gastine, L., La seconde vie dans l'ancienne Egypte. 17- 
Schweinfurth, G., Vne ancienne digue en pierre aux environs de Helouan. 
18. Societe khediviale de geographie par Fred. Bonola. 19. Statuts p. la 
societe khediviale. 20. Toda, Ed., Un campaniento a Memphis. 

8** S.-B. ')(). Kolouisations- und Rechtsverhältnisse. Naturwissen- 
schaftliches Nr. 1—15, s. Spez.-K. S. 12. IX. J.-B. S. 288. 

Neu: 16. Le regime de Bersini. 

8« S.-B. 51. Novellen. Nr. 1 (i, s. Spez.-K. S. 1,3. IX. J.-B. S. 288. 

Afrika im Allgemeinen. 

In Einzelbänden. 

Cust, B. N., Sketch of the modern languages of Africa. 
Junker's Wilh. Reisen in Afrika, 1875— 188G, 3 Bde. 



319 

Si^vers, W., Afrika. 

Riheiro. Regras e preceitos de hygiene colonial. 

Periodica. 

Africa illustrada. Archivo de contrecimentos uteis P. de Carvalho. 

Yol. 1, 9, K), 12. 
Afrique exploree et civilisee. Geneve LsOl, 1S9'2, isOri. 1/4. 
Bollettino della societa africana d'Italia. Napoli. 1891/1892. 
BoUettino delle sezione Florentine della societa africana d'Italia. 

1891/1S92. 
Revue de TAfrique. Paris 1892. 8—11. 

In Sammelbäiideii Folio. 
Fol. S.-B. in. Nr. 1—4, s. Spez.-K. S. 14, IX. J.-B., S. 289. 

Neu : 5. Bollettino della societa d'esplorazione comnierciale in Africa, 
Die. 1880. 6. Boletino official do governo geral da provincia de Mocam- 
bique 1882. 51. 7. Büttikofer, J., Einiges über die Eingebornen von Liberia. 
8. Le Congo illustre. Voyages et travaux des Beiges dans l'Etat indepen- 
dant du Congo, 1891, N«!. 9. Magadascar (Gazette) 1888, No 12—16. 

10. Eoland Bonaparte, le premier etablissement des Neerlandais ä Maurice. 

11. Zucchinetti, D^ , Souvenirs de mon sejour chez Emiri Pascha el Soudani. 
Origine de la traite. Cause de la revolte du Sudan, etc. 12. Revue de 
1' Afrique, 1, 2, 3, 7. 13. Heiderich, F., Die mittlere Höhe Afrikas. 14. v. Höhnet, 
L., Bergpro fil-Sammlung während Graf Telekis Afrika-Expedition. 

In Sammelbänden S^. 

8" S.-B. 40 und 40 a, Nr. 1 — 25, s. Spez.-K. S. 13/14, IX. J.-B- 
S. 288/289. 

Neu : 26. African, the, 1891 : I. 27. Chavannes, Karte der Regenver- 
teilung in Afrika, 1 : 30,000,000. 28. Convenio Luso-Britannico. 29. du Fief, J., 
Le partage de l'Afrique. 30. Explorations africaines, les grandes. 31. Ilis- 
toire de la iampe antique en Afrique. 32. Importation abusive en Afrique 
par des sujets anglais d'armes perfectionnees. 33. Machado, J., Questöes 
africanas P'orne cimento d'arnias a(js Matabelles. 34. Xomes vulgares de 
alcunos plantas africanas. 35. Bcymond, G., Africa, der dunkle Weltteil, 
im eigentümlichen Lichte unbefangener Anschauung. 36. Basier. M. W., 
Les caracteres generaux de Thydrograplne africaine. 37. Atlas von Afrika. 
50 kol. Karten auf 18 Tafeln. 38. Cordeiro, L., L'hydrographie africaine au 
XVIe siecle. 39. Cust, B. N., Gommunication sur roecupation de l'Afrique 
par les missi(jnairos chretiens. 40. Cust, R. N, Gommunication on thi' 
Occupation of Africa by tiie Christian Missionnaries of Europe and North 
America. 41. Mayr, B., Eine Afrika-Reise von 18 Tagen. 42. Tableau 
statistique du partage de TAfriquc en 1890. 



Karten und .Vtlantt'ii. 

S. >so S.-B. k): 27, ;;7. 
Ilabeniclit, Spez.-Karte von Afrika, 1. und :!. Lfg. In Rollen. 
V, Hardt, Schuhvandkarte von Afrika. Aufgezogen. 
Cust, R. N., a Language Map of Africa, 1 : .S,()(){ ),()()(). Auf Rollen. 
Manuel, John, Carte des sources du Nil blanc, 1:2,850,000. Auf 

Rollen. 

Algerien. 

Periodica. 

liulletin trimestriel de geograpliie et archcologie de la province 



d'Oran Is.siJ— 18!)2. 



In Sairimelbäiideu. 



-s« S.-B. 42. Vergangenheit, Nr. 1—18, s. Spez.-K. S. 14, IX. J.-B. 

S. 283. 

Neu : 19. A travers l'Algerie romaine. 20. About, Edm., En Algerie. 
Verne,.J., A Oran. 21. L'Algerie. Les elements de la colonisation eii Algerie. 
22. Colonisation frangaise et colonisation anglaise. 23. Comniunes rnixtes, 
les nouvelles. 24. Gontribution au recueil des monnaies frappees sous les 
dynasties musulmanes du Nord de l'Afrique. 25. de la Cucloa, F., Guerre 
de Tlemcen. 26. Docunients musulmans sur le siege d'Alger. 27. Geodesie 
algerienne. 28. Inscriptions inedites de la Province d'Oran. 29. Inscriptions 
neopuniques. 30. Mecheria, Legende et histoire. 31. Michel Francisq., Dia- 
logue sur les guerres d'Oran. 32. Mouvement du port d'Oran 1886. 33. Fallary, 
Determination de rantliropologie dans l'Algerie. 34. Pallu de Lessert, sa 
mission. 35. Population de l'Algerie. 36. Questions de colonisation. 37. Tifachi, 
Les monuments mithriaques de l'Algerie. 3S. Brunelle, Cam., Guerre de 
Tlemcen. 

^0 S.-B. 43. Gegenwart, Nr. 1—20, s. Spez.-K. S. 15, IX. J.-B. S. 289/290. 
Neu: 21. Bulletin de la soc. de geogr. de la Province d'Oran, 1878, 
Nr. 1. 22. Guenard, E., Notice sur le combat de Sidi-Brahim. 23. Hauser- 
mann, B., Cartes de l'Algerie 1 : 5,555,000. 24. Mhammed ben Bahel, A tra- 
vers les Beni Snassen. 25. Mouvement des ports de la Province d'Oran. 
26. Necessite d'un port ä Nemours. 27. Plateaux et deserts. 28. Statistique 
commerciale. 

Karten und Atlanten. 

S. 8° Sammelband 43: 23. 

Amerika iiu Allgeiueiueii. 

In Eijizelbänden. 

Kretschmer, Konr., Die Entdeckung Amerikas in ihrer Bedeutung 
für die Geschichte des Weltbildes. Festschrift zur vierhundert- 
jährigen Feier der Entdeckung Amerikas. 



;0 



321 

In SaniiiielbäiKleii. 

S.-B. 8!), Nr. 1 — 13, s. Spez.-K. S. 15, IX. J.-B. S. 290. 

Neu: 14. Gatschet, Alb S., Replique ä M. Dr G. Biüriton au Sujet de 
son article « Linguistique americaine ». 15. Günther, S., Colunibus und die 
Erweiterung des geogr.-kosm. Horizonts. 16. Marcon, Jiü., Sobre el origen 
del nonibre de America. 17. Schiihnann, Eich., Die Entdeckung Amerikas 
durcli Christopii Columlius am 12. Oktober 1492. 18. Topete, America ö 
Colonasia. 19. Uribe, 31., Colon-America-Medellin. 20. Aus der Odscliibwä- 
Mission. 21. Johnston, Th. C, Did tlie Phoenicians discover America ? 
22. Amerikanische Bewässerungsanlagen. 

Antillen. 

8^ S.-B. !)8 c. 

1. La Republique dominicaine ä l'exposition universelle de Paris 

2. Notice geographique et historique sur la Guadeloupe et dependances. 

3. B,ies, aus Jamaika. 4. V. Lehnert, J., Westindische Nachrichten. 5. Ober, 
F. A., Florida and the West-Indies. 6. Missionar Burchell in Jamaika. 
7. Jamaika einst und jetzt. 8. Stimmen aus der Mission über den Aufstand 
in Jamaika. 

Arabien und Armenien. 

8« S.-B. 62, Nr. 1— B, s. 8pez.-K. S. 1.5, IX. J.-B. S. 290. 
Neu: 7. Zarembas Reise in die Pi-ovinzen am Euphrat. 

Argentinische Republik. 

In Einzelbänden. 

Lelong, La Republique Argentine et l'emigration. 
Daireau, La Republique Argentine, 5 vols. 

Periodica. 

Annuaire statistique de la province de Buenos Äijres, 1888. 
Annuario estadistico de la ciudad de Buenos Ayres, 1891. 
Boletin del Institute geogratico Argentino, Bd. XII, XIII, 1 — 9, 1893, 1. 
Bulletin mensuel de statistique niunicipale, 1892, 1893, 1. 

In Sammelbänden. 



;0 



S.-B. 94 a, Nr. 1—17, s. Spez.-K. S. 1(1/17, IX. J.-B. S. 291. 

üt^r* Hier wurde alles auf Santa F6 bezügliche herausgenommen 
und ein besonderer Sammelband 94 b gelnldet. 

Neu kam hingegen hinzu : 18. Alemann, J., Ackerbau-Centrum bei der 
Eisenbaiinstation Guerrero. 19. Alemann, J., Neueste Mitteilungen aus der 
Argentinischen Rei)ublik. 20. Borsari, F., Una pagina di Storia Argentina. 
21. Bove, G., Projecto de una expedicion Antärtica Argentina. 22. Emi- 
granti. leggete questi cenni prima da partire! 23. Marquina, La pmvincia 
XI. Jahresbericht d. Geogr. Ges. v. Bern. 1891—1892 21 



H22 

ilc ■l'ucuiiiiiii. 21. Natitlio lioklaii ni fl lloniicjo. 26. Saläanbra, l.a province 
ilf Taraiia. 21!. Zuhiitiid, .!. B.. «MicUiucs iiidIs sur riiistnicfidu |)iilili(|uo 
et jn-ivre dans la |{('iMilili(|uc Ai-culiin'. 27. Wilde, E., AiTriiilamiciiln ilc 
las (ilita.s de .saluliriilad dr la rapilai. 28. »jucr durch Pal.ivionicii. Hrisc 
des I). Machon. (ArKfut. Wochnihlall, 1HI»2. Nr. 755/750. 

S. ancli I" S.-i;. Süd-Aiiievika H, Nr. S. 

AMieii im All^t'iiii'iiiou. 

In Ein/elbüitdeii. 

Sievers. W., Asien. 

Aiisiralic'ii im AllK'emeiiieii. 

In Kiiixclbäiidoii. 

V. Müller, Ferd., Select extra tropical plants, readily eligible for 
iiulustrial cnlture or iinturalisatioii. 

l'criodicu. 

Australian handbook (incorporatiiig- New Zealand, Fijland and New 
Guinea) and ■shiii[)er's and iniporter's directory for isii'i. 

Journal and Proceedings of the lloyal Geogr. Society of New Soutb 
Wales isiil. 

Proceedings of tlie Geographical Society of Australasia. Vol. I u. II. 
New montbly series. Vol. V, Nr. 1 — ;>. 

Proceedings and transactions of the Queensland brauch of the Royal 
Geogr. Society of Australasia. Vol. VI. Part. II. Vol. VII. Part. II. 

Transactions and proceedings of the Royal Geogr. Society of Austral- 
asia. Vol. III. und IV. Jan. 1SS5. Dez. ISSU. 

Transactions and proceedings of the lloyal Society of Victoria. Vol. 
XXIII, XXIV V2. New Series II/III. 

Transactions and proceedings of the Royal geographical Society of 
Australasia.' Victorian brauch. Part. I, Vol. V— IX. Part. lU/IV. 
Part. II. V(d. V— VIII. 

In Sanniielbänden. 

8" S.-B. S2, Nr. 1—10, s. Spez.-K. S. 17, IX. J.-R. S. 2\)± 

Neu: 11. A travers la PolyiK''.sie. 12. Jonan, H., Origine dos Poly- 
iiösioiis. 13. Bastian, Uobor die Wundersageri der Polynesier in Mythologii' 
und Geographie. 14. Döcouverte et sauvetage de debris provenant de 
rexpinlitinii de La Perouse. 15. Warhowrton, Journey across the Western 
interioiu- of Australia. 16. A. Australia (portugiesisch). 17. Morijau, Dehn., 
Ueiuarks on the early discovery ol" Australia. 18. Journal of the Central 
Australian exiihu-ing expedition 1889. 10. Kärtchen von Australien (Xe<i- 
Holland). 



ISel^ieii iiikI llolluiid. 

Periodic». 

Mouvement coniniercial, industriel ot iiiaiitiiuc ä Anvers llapport isDo. 
Heviie coiiiiDercinle isii-j. 

In Snininclbäiidoii. 

-s'». S.-r.. 100, Nr. 1—17, s. Spez.-K. S. 17/18, IX. J.-P,. S. 2i)2/2!);;. 

Xcu : 18. T.f conuiiorcc d'Aiivers A rexiiosilioii universelle de l&Bf). 
19, Hoch, C, C;nlr du l<i liLiire iieulre dit de Mnresiiet 1 ; 5(}0,(J(X). 20. Kmi, 
C. M., de beliuij^riksle lei/.cn <ler Ncijei'liuiders in de 11). e.'uw oudernonioii. 
21. Strauss, L., Tableau (•(incerii.ml Ics dmils d'enlreo sur les cöröale.s. 
2'2. Strans, L., Uaxwo ccMunicrciale el ni.iriiiiiie. 23. Nnmiiiii },feogr;ipliieit 
iieerlandica 1. Itrcl. 2-1. CJuirbonnicr, INiciliqiics el, lielliqueux. Ktude 
|iliysi(il(>;^i((ue. 

ISii'uia. 

.s" 8.-B. 71, llintcr-Indieii 11, lünna, Nr. 1— :{, s. Si)o/.-K. S. 'J7, 
IX. J.-B. S. ;;o2. 

Ken: 4. Vossion, L., I,;i l!irni,inie. .5. I.ii Biiniiuiie. (1. de la lionr- 
donnais et Marcel, her HiKldliisnius in l;inii;i. 

Itra.silieii. 

Poriodicii. 

Kevista del Instituto liistorico e gfeogralico do llrazil. 
Revista do ohservatorio. Hio di .Tanciro isüi, (■(Miipl. 

Iii SainiiicslbüiKloii. 

•s" S.-15. 1)5. AUfjcmeiiies, Nr. 1—!), s. 8i)ez.-K. S. is, IX. J.-B. S. 2!):{. 

Neu: 10. Kiirlc des Kaiscireielis Brasilien, 1H71, Hio de .(aneiro. 
11. de Krüfoyen, l'l;ine de les niini;u}li.dis de l,i ensla nieridional de 
l'uerto dcscado. 12. Navereao dos Norniandos parii o llrazil. 13. Schmid, F., 
Hü(;kl)licke auf vernnj^düokle Kolonisations-Versucln^ in Brasilien. 14. Silva, 
A l)andeiru iiaeional nioinori;i hisloriea. 15. Montolicu , /''. , Karle di'S 
lüfurcalionsgebietes des Oriii'K u und Bio Nej^ro. 

.s"S.-B. !):-, a. (Irschirhtr, Nr. 1— s, s Spez.-K. S. LS, IX. .1.-15. S. 2'.):; 

Neu: '.), Carlas du l'.idre Antonio Blaztjuez scdire o Brasil. 

s"S.-B. !i.-)l). Provinzen, Nr. 1 — In, s. Spez.-K. S. l.s/l!i, IX. J.-i; 
S. 2!);;/!)i. 

ISriH.scIi iV4»i'4laiiici*il4a (ohne Caiiada). 
N" S.-B. !H, Nr. 1-7, s. Spez.-K. S. lii, IX. J.-l!. S. •i\]\. 



P)24 



4'aiiada. 

In Einzclbäiuleii. 

Ells, Ix. W., Rapport siir les richesses mincrales de la province de 
Quebec. 

Periodika. 

Transactions of the Caiiadiaii Institute. Vol. I, Part. i2, Vol. II, Part. \A,, 

Vol. III, Part. 1. 
Proceedings of the Canadian Institute. 147, ir)L>, ]."):{. 
Annual archa^ological report of Canadian Institute 1 «!)(). 
Fourth Annual Report of the Canadian Institute 1890/91. 

In Samnielbänden, 

s" S.-B. 91 a. üanada I, Nr. 1—14, s. Spez.-K. S. 19, IX. J.-B. S. 2;;4. 
Neu: 15. Agostini, E., La France et le Caiiada. 16. Bernier, Alf., 
Le Manitoba. 17. Colonisation du lac Temiskamingue et du lac Kippewa. 
18. L'elevage des chevaux au Canada. 19. Esquisse generale du Nord-Ouest 
du Canada. 20. Fahre, H., Les Frangais au Canada. 21. Le guide du Colon 
frangais au Canada. 22. Notre Nord-Ouest provincial. Etüde sur la vallee 
de rOttawa. 23. La vallee du St-Maurice. Informations pour les colons. 
24. Ressources minerales du Canada. 25. Puissance du Canada. 26. In- 
dustries et manufactures du Canada. 27. Les forets du Canada et leurs 
produits. 28. A travers le Canada. 29. Les pecheries du Canada. 30. Le 
Manitoba-Champ d'immigration. 31. Notre Nord-Ouest provincial. 

80 S.-B. 91 b. Canada II. 

1. Chart of the world-showing New Route through Canada between 
England, China — Japan. 2. Map of the dominion of Canada shewing location 
of some of the princ. products etc. 3. Mappes Nr. 1 — 7 accompagnant le 
rapport annuel de la Comaiission geologique et d'histoire naturelle du 
Canada. 

s» S.-B. 91 c. Canada III. 

1. Cartes qui accompagnent le rapport annuel de la commission de 
geologie 1885, 1887 — 1889. 2. Proceedings and transactions of the Nova 
Scotian Institute of science. Halifax; Nova Scotia. 3. Fleming, Sandf., An 
appeal to the Canadian Institute on the rectification of parliament. 4. Annuel 
report of the Canadian Institute 1887/88, 1892, '/z- 5. Province Colombie 
brittanique, Renseignements pour les Colons qui ont l'intention d'y emigrer. 

4« S.-B. la. 

Neu : 1. Map of pai't of the dominion of Canada. 2. Map of the domi- 
nion of Canada, shewing the extent and Situation of its publics lands, also 
its geographical relation to the british isles, 1884. 3. Broionlee, J. H.. Railway 
and guide map of Manitoba. 4. Map of Canada and part of tlie United States, 

1883. 4. Dominion of Canada, Map of part of the North-West-Territories 
including the province of Manitoba, 1885. 6. Carte regionale de la province 
de Quebec, comprenant les comtes de Rimonski, Bonaventure et Gaspe, 

1884. 7. Map of Canada and part of the United States, 1871. 8. Map of the 



325 

dominion of Canada, 1886. Sliowing location of some of the principal pro- 
ducts. 9. Map shewing the railways of Canada to accompany annual leport 
011 raihvay staticics, 1884. 

Central- Afrika (ohne Kongostaat). 

In EinzelbäiKlen. 

de Carvallio, Etbnographia e historia tradicional dos provos da Lunda. 
de Garvalho, Descripgao da viageni a Massumba do Muatianvua. 
de Carvallio, Metliodo pratico para fallar a lingua da Lunda. 
Casati^ E., 10 Jahre in üstäquatorialafrika. 2 Bde. 
Marques, S., Os climas e as producroes das terras de Malange a Lunda. 
Jephson & Stanley, Emin Pascha und die Meuterei in Aequatoria. 
Stanley, H. M., Im dunkelsten Afrika. Aufsuchung, Rettung und 

Rückzug Emin Paschas. 2 Bde. 
Stanleys Briefe über Emin Paschas Befreiung. 
V. Wissmann, H., Meine zweite üurcliquerung Aequatorial-Afrikas 

vom Congo zum Zambesi. 
so Sammelband 5.3. Nr. 1— 10, s. Spez.-K. S. 20, IX. J.-B. S. 295. 

Neu: 17. Carte politique de TAfrique centrale, 1:10,000,000. 18. Karte 
(Aus Geogr. Rundschau). 19. Giraucl, Vict, Itineraire de Dar es Salam 
aux lacs Banguelo et Moero, 1 : 3,000,000. 20. Massacre de MM. Carter et 
Cadenhead. 21. Region des grands lacs, 1 : 5,500,000. 22. Wauters, A. J., 
Croquis hydrographique de l'Afrique centrale, 1 : 10.000,000. 23. Zusammen- 
stellungen der neuen Forschungsreisen in Westäquatorial-Afrika. 

S. auch 4" Sammelband III, Nr. 5 und 12. 

Central-Amerika 

(ohne Costa-Rica und Antillen). 
In Einzelbänrten. 

Memoria que la secritaria de estado en el despecho de foniento pre- 
senta a la Asamblea Legislativa de la Republica de Guatemala 
18i»l. 

PolaJcoicHh/, H., Panama- oder Nicaragua-Kanal? 

Periodica. 

Observaciones meteorologicas Rechas en el observatorio meteorologico 

y astronomico San Salvador l.s<)l/lS!)2. 
Annuario del observatorio astronomico y meteorologico del Salvador 

is!»;;. 

In Saininclbiinden. 

N» S.-B. !):{. Nr. 1—11, s. Spez.-K. S. 2o. IX. J.-B. S. 2!)5. 

ü^^ Hier wurden alle Artikel üUn- lUc Anlillen und Costa-Rica heraus- 
genommen und neue Sanmii'llj;inde 93 li und 93 c gel)ildct. 



a2(i 

Neu kam liingOj:;on hinzu: 12. Karle von Ceiilral-Aiiieiika. Aus der 
liundscliau. 13. Gutes ouesl de IWiiirrique centrale et du Mcxiqiie. 14. 
Y'iccnte, N., Kl canal de Paiiauui vn 1886. 14. Kcyes, liaph., Apunta- 
iiiieulos estadisUcos sobro la Hcpüblica del Salvailor. IG. Notice sur le 
Salvador. 17. licgg, E., Die Ereignisse in San Salvador. 18. Barberens, J., 
IJescriptione geogratla y estadistica de la Republica de VA Salvador. 19. 
Pector, D., Essai de localisation des babitants precolombiens de TAmerique 
centrale. 20. Pector, D., E.xpose somnuiire des voyages et travaux geo- 
graphiques au Nicaragua dans le cours du XIX siecle. 21. Pector, D., 
Notice sur les coUections ethnographiques et archöologiqu<^s. 22. Pector, D., 
Indication a|)proximative de vestiges laisses par les populations precolom- 
iiicns du Nicaragua. 23. Pector, 1)., La nuova cittä America ed il R. Prinza- 
pulka nel Nicaragua. 24. Urihe, M., Colon — America — Medellin. 12 de 
octobre 1892. 25. Von der Mosquito-Küste. 



Ceutral-Asieii. 

In Eiiizeliibäiuleii. 

Cordier, H., Voyage crOderich de Pordenone dans l'Asie centrale. 
Kaulhars, Atlas der Tiefen-Untersuchungen des Amu-Darja (Russisch). 
Maximovics, C. J., Historia naturalis Itinerum N. M. Przewalski per 

Asiam Centralem. Pars botanica. Vol. I, IL 
Gesandtschaft, die, Nukowskis zum Dsungarischen Chun-Taidschi. (In 

russischer Sprache), 1722 — 1724. 
Pantussoff' N. N. Ferghana nach den Memoiren des Sultans Babur. 

(In russischer Sprache). 

In Saminelbänden. 

6.3. Allgemein. Nr. 1—9, s. Spez.-K. S. 21, IX. J.-B. S. 2!)6. 

Neu: 10. Chavanne, Jos., Ethnogr. Karte von Mittel-Asien, 1 : 1,000,000. 
11. Chavanne, Jos., Central-Asien, 1 : 5,000,000. 12. Diverse Karten aus der 
Geogr. Rundschau. 13. Paquier, J. P., Esquisse sonunaire de l'Asie centrale. 
Pet. carte. 14. Przewalski/s Reisen durch die Wüste Gobi nach Tibet. 

15. Dingelstedt, V., Irrigation natural and Artificial in Samarkand a. Rokhara. 

16. Bielke, W., On the valley of the Ili and the Water-System of Russian- 
Turkestan. 17. Schnyler, E., A month's journey in Kokand in 1873. 18. 
Forsyths mission to Kashgar. 

63 a. Werke in russischer Sprache. 

1. Pantussoff, N. N., Ferghana nach den Memoiren des Suitaus Babur. 
2. Pantussoff, N. N., Geschichte des Fürsten von Ferghana Taarich Schach- 
ruchi. 

Ceylon. 

.sO S.-B. 7!). Nr. 1-3, s. Spez.-K. S. 21. IX. J.-B. S. 296. 



China. 

In Eiiizelbäiideii. 

S^echeni/i, Reisen in China. I. Bd., ungarisch. 

In Samnielbänden. 

8° S.-B. SO. Nr. 1-23, s. Spez.-K. S. 21. IX. J.-B. S. 2!)(S. 

Ui^" Aus diesem Sauiiuelband wurden die Biographien lierausge- 
nouuuen und dem Bd. 117 Missionsivesen einverleibt. 

Neu kamen liingegen liinzu : 24. Mackham, C, B., Travels in Great 
Thil)et. 25. Bemfrij, H. H., Patents India. Ceylon, Straits-Settlements and 
Hong-Kong. 26. Schlegel, Giist., Problemes geographiques. Les peuples 
etrangers chez les historiens chinois. I. Fou-Sang-Kouo. 27. Pantussoff, N. N., 
Angaben über das Gebiet Kvddscha in den Jahren 1871 — 1877. 28. Pantussoff, 
N. N., Der Krieg der Muhamedaner gegen die Chinesen in den .Jahren 
1871—1877. 29. Der Tien-Sclian (27 und 28), russisch. 

Cocliiiiclii ua. 

s« S.-B. 78. Nr. 1—8, s. Spez.-K. S. 22, IX. J.-B. S. 2'J7. 

Neu: 9. Barhet, Le Matra Nocor Khmer, l'illustre royaume de Cambodge. 

10. Tran-Nynyen-Hank, Coutumes et constitutions de la famille aunamite. 

11. Cocliinchine d'apres les documents les plus recents. 1 : 4,000,000 (Hauser- 
mann). 

Coista-Rica. 

Periodiea. 

Anales del Instituto Fisico-geographico nacional. H. Pittier 1880/1890. 

In Samnielbänden. 

8" S.-B. !»3b. 

1. Biolley, F., Costa-Rica und seine Zukunft, deutsch und englisch. 
2. Pittier, H., La flora de Costa-Rica. 3. Pittier, H., Resultados de la» 
nbservaciones practicadas en el anno de 1889. 4. Barrantes, Geographia 
de Costa-Rica. 1890. 

Karten und Atlanten. 

de Pesaltu mapa historico geogratico de Costa-Rica y del ducado de 



Yeragua. 1 : 1,000,000. 



l>ekkait. 



.s« S.-B. 71/72. Nr. 1—12, s. Spez.-K. S. 22. IX. J.-B. S. 2!)7. 

Neu: 13. Die Mission in Puna und Judepur. 14. .Mission unter den 
Canaresen und im Tulu-Lunde, 15. Gunäert, Beiträge zur Kenntnis des 
religiösen Lel)ens der Hindus. 16. Die Gussiicrsche Mi-ssion unter den Khols. 



328 

17. Ries, G., Ein kanaresisclios Fal)rikslä(lti'lien. 18. Roiselierichte von 
Missionaren aus der Halbinsel Dekkan. lil Stolz, C, Die Volksstäinnie dei 
Nilagiris oder Blauen Berge in Indien. 20. NelVenerbreclit in ]Malal)ar. 



I>eut$$chesi$ Reich. 

Periodica. 

Mitteiluiiiien des Vereins für Erdkunde in Halle, isiil, is!)-_>. 
Notizblatt des Vereins für Erdkunde in Darnistadt und des Mittel- 
rheinischen Geologischen Vereins. IV. lo — 12. 

In SammelbUiuleii. 

Fol. S.-B. V. Deutschland. Schweiz. Nr. 1—12, s. Spez.-K. S. 40. 
IX. J.-B. S. 315. 

Neu: Deutschland. 13. Krimibiegel, Fr., Zur Lage und Entwicklung 
der Stadt Freiberg mit besonderer Bezugnahme auf Bergbau und Industrie. 

In Sammelbänden. 

8° S.-B. lol f. Deutschland im Allgemeinen. 

1. Developpement de la marine inilitaire allemande de 1873 ä 1883. 
2) Zur hundertjährigen Jubelfeier der geogr. Anstalt « Justus Perthes » in 
Gotha. 3. Assmann, It., Die Gewitter in Mitteldeutschland. 

8" S.-B. 101 a. Deutschland. EinzelgeUete. Nr. 1—2."), s. Spez.-K. 
S. 22/23. IX. J.-B. S. 2!:)7/298. 

^ßF" Hier wurden Nr. 1, 13, 16 herausgenommen und ein neuer 
Sammelband 101 f Deutches Reich im Allgemeinen gebildet. 

Neu kamen hingegen dazu: 26. Steinecke, V., Das Saalthal ))ei Halle. 
27. Ule, W., Die Mansfelder Seen. 28. Ackermann, Bestimmung der erd- 
magnetischen Inklination von Kassel. 29. Bremen, V. und VII. Jahresbericht 
des Vorstandes der Geogr. Gesellschaft. 30. Meyer Sc Backwitz, Der Helmegau. 
31. Kuzen, J., Die Hochmooi'e Noi'ddeutschlands. 

Grossherzogtum Hessen. 

8° S.-B. 101 c, s. Spez.-K. S. 23. IX. J.-B. S. 298. 

Kolonialpolitik und Internationale Beziehungen. 
Periodica 

von Danckelmann, Mitteilungen von Forschungsreisenden und Gelehrten 

aus den deutschen Schutzgebieten. I — V. Bd. 
Mitteilungen der Nachtigal-Gesellschaft 1891/1892, 1893. 1—4. 
Deutsche Kolonialzeitung 1891/1892, 1893. 1—3. 



_329 

S" S.-B. IUI b. 

Der in Spez.-K. S. 23, spczif. Inhalt ist lierausgenommen (s. Periodica) 
und ersetzt dnrch 1. Brose, Max., Repertorium der deutschkolonialen Litte- 
ratur 1884—1890. 2. Hessler, C, Die deutschen Kolonien. Beschreibung von 
Land und Leuten unserer auswärtigen Besitzungen. 3. Ean, C. M., Les 
journees du 12 au 25 septembre 188G ä Berlin et leur interet pour la 
Science coloniale. 4. Liebscher, C, Revision der zwischen Deutschland und 
Japan bestehenden Verträge. 5. v. Scherzer, K., Die deutsche Arbeit in 
fremden Weltteilen. 

Bibliographie. 

101 d und e. Nr. 1— (i, s. Spez.-K. S. 23, IX. J.-B. S. 298. 

Neu: 7. Reicke Sc v. Schacl', Die landeskundliche Litteratur der Pro- 
vinzen Ost- und Westpreussen. 8. Kirchhoff, Ä., Bericht der Central- 
kommission für wissenschaftliche Landeskunde in Deutschland. 9. Lehmann, 
Blich., Ueber systematische Förderung wissenschaftlicher Landeskunde von 
Deutschland. 10. Mitteilungen der Centralkommission für wissenschaftliche 
Landeskunde, IS./IL 1886. 11. Bichter. P. E., Verzeichnis von Forschern 
in wissenschaftlicher Landes- und Volkskunde Mittel-Europas. 

£uropa im Allgeiueiuen. 

Levasseur, E., Supertice et population. Les Etats de rEurope. 
Levasseur, E., L'Europe. Extrait de la grande encyclopedie. 

Frankreich. 

In Einzelnbäudeii. 

Boland Bonaparte, Voyage en Corse. 

Periodica. 

Aniiales de la societe cl'emulation du departement des Vosges a 

Epinal LSiJl. 
Bulletin de Tacademie du Var, l.s!)o/i»l. 

In Sairiiiielbändeii. 

8<> S.-13. !I7. Emheim. Nr. 1-Hl, s. Spez.-K. S. 24/25, IX. J.-B. S. 2!)!). 
Neu: 32. Boiilangier, La frontiöre franc-italienne. 33. Melix, C, Sur 
une medaille puljüee par M. Fallue dans la Revue archeologique 34. Notice 
sur la societe de geographie de Toulouse. 35. Prompt, Remarques sur 
l'epitaphe de S. Lambert, eveque de Vence. 36. Rapport annuel du Conseil 
general des facultes de Toulouse (11. Dez. 1891). 37. Societö de topogra- 
phie de France. Nov. 1886. 38. Societe nationale de topographic pratique, 
1888, 2—6. 39. Woeikof. A., Klima des Puy de Dome in Centralfrankreicli. 
40. Akademie de Toulouse. Annuaire dos facultes 1891/92. 41. Revue sar- 
disienne. Publication mensuelle de la societe florimontane, 1889, 1/2. 
42. Tisserand, La rocheile de Bordeaux. 43. de Claparede, A., L'ile de Por- 
querolk'S. 44. Bulletin de la section de geographie de Lille, 1887. 45. Allain, 



:)30 

R., Sur r(^iisoigneini>ii). de geograpliio eu France. 46. Catalogue-Guide do 
rexposilion inUM'Daliouale 1884:. SociiHe de geographie de Toulouse. 47. 
Faure, Cli., l.es progres de FeiLseigiieinent de la g^ograpliie en Fr.ance. 
48. Geographie generale du departemenl lie l'Herault. Note sur le plan 
general de Touvrage. 40. Rolland et Mahyre, La poste, le telegraphe, lo 
telephone. 

Kolonialpolitik. 

Periüdica. 

Bulletin de la soci6te des etudes coloniales et maritimes, Paris 1S<)1, 

1S!)2. 1898, 1. 
8° S.-r>. !)8. Nr. 1—!), s. Spez.-K. S. 2r). IX. J.-B., S. 300. 

Neu: 10. Bulletin de la societö francaise de colonisation. Annuaire. 
Conipte-rendu 10. Dezember 18S4, 3. Dezember 1885, 3. April 1887. Guide 
de l'emigrant en Nouvelle Galedonie. Guide de l'emigrant en Oceanie. 
11. I<es Francais sont-ils colonisateurs '? — 12. Menard, G., L'instruction 
de la mousqueterie ä bord des bätiments et son emploi pendant le combat. 
13. Societe francaise et africaine d'encouragement , 2« Rapport annuel, 
ler avril 1883-15 mal 1884. 14. Gompagie frangaise commerciale, agricole 
et industrielle de l'Afrique Orientale. Dumont, Andre et Cie. Statuts. 15. Ex- 
pansion coloniale de la France. 

Grieclienlancl und Türkei. 

8" S.-B. 104. Griechenland Nr. 1—5 und Türkei 1—7, s. Spez.-K. 
S. 25 und 45. IX. J.-B. S. 300 und 320. 

Neu: 8. Uebersichtskarte vom Kriegsschauplatz: a) Herzegowina. 
b) Russland und Türkei, c) Serbien, d) Wallachei. 9. Kiepert, H., Kai-te 
der neuen Grenzen. 10. Hörnle, Kurze Beschreibung des Kurden volkes. 

Grröiiland und Labrador. 

In Eiiizelbäiideu. 

Nansen, F., Auf Sclmeescluihen durch Grönland. 2 Bde. 

80 S.-B. 00. Nr. 1—13, s. Spez.-K. S. 25, IX. J.-B. S. 300/301. 

Neu: 14. Roland Bonaparte, Note on the Lapps oi" Finnmark. 15. Pearys 
Gronlandexpedition. 

Oro.siiibritauiiicu. 

s» S.-B. !)<). Nr. 1—7, s. Spez.-K. S. 20. IX. J.-B. S. 301. 

Neu: 8. Delitsch, O., Karte der jährlichen Bevölkerungszu- oder Ab- 
nahme in Grossbritannien, 1:4,000,000. 9) Faure, Gh., Les progres de 
Tenseigneinent de la geographie en Angletei're. 



331 



CJriiiueaküstc. 

.s" S.-B. 119. Nr. 1— G, s. Spez.-K. S. 2(i. IX. J.-B. S. 301. 

Neu: 7. Mann, A., Die englische Kolonie Lagos. 8. Cote de Guinee 
Wliydah et Lagos. 9. Beccari, G. B., La Guinea superiore. 

Hiiiclustaii. 

S** S.-B. (il). Hirn dnya- Länder, Tipflänüer. Nr. 1 — 10, s. Spez.-K. 

S. 2(i. IX. ,1.-B."S. 301. 
.s° S.-B. 70. Bengalen. Nr. 1-G, s. Si)ez.-K. S. 2<i/-27. IX. J.-B. 

S. 301/302. 

Hiiiter-Iiitlleii. 

so S.-B. 73/74 Nr. 1-3, s. Spez.-K. S. 27. IX J.-B. S. 302. 

Japan. 

In Eiiizelbändcn. 

DmitrensTnj, S., Memoiren des Dolmetschers Otano Kigoro, (Russisch). 

Periodica. 

]\litteilungen der deutschen Gesellschaft für Länder- und Völker- 
kunde Ostasiens. V. Bd. 

Journal of the Tokio geographica! society (Japanisch). — 24. ]\Iai 
l«l)l. 

In Sammelbänden. 

>5" S.-B. 81. Nr. 1—25, Spez.-K. S. 27 und IX. J.-B. S. 302. 

Neu: 26. Aus Japan 1881. 27. Watson, B. G., Notes of a journey in the 
Island of Yezo in 1873, and on progress of geographie in Japan. 28. Me- 
moria sobre la campanna de la corbeta Donna Maria de la Molina en las 
costas de China y el Japon. Abril 1880. — Enero 1881. 29. Serrurier, S., 
Prof. Schlegels zoogenaamde Kritik van het Japansch — Xederlandsh en 
Japansch — Engelscli Woordenliock. 

Karten. 

Flanisteadt geological survey of Japan. Aufgezogen. 

Indien. 

In Eiii/clbänden. 

Blanford, S., a practical guide to the cliinate.3 and weather oflndia, 
Ceylon and Burma. 



332 

In SaininolbäiKloii. 

<s» S.-r.. (;7/i;s. Nr. 1-iio, s. Spez.-K. S. 2s. IX. J.-B. ö. -lo:; 

Neu: 21. Iter Upiuniskaiulal. 22. Walirsagerkünste der Hindu. 23. Ein 
Brief an die Brahma-Sekte 24. Die Itritisch-indisciie Provinz Assaiu. 25. 
Samuel lleliicli und der Göt/endienst in Taliparmat. 26. Tiimcvelly-Missinn. 

Iiidisiclier Archipel. 

PeriodicH. 

Bijdragen tot de Taal-Land-en Volkenkunde. Gravenli. isüi — isü.h. 1. 

In Saniniclbänden. 

8» S.-B. 7.-.. 1—22, s. Spez.-K. 28/29. IX. J.-B. S. 30,3. 

^^T" Au.s diesem Sammelbande wurde herausgenommen, was sich 
auf die Philippmen bezieht und daraus ein neuer Samniell)and 75 a ge- 
bildet. 

Neu kamen hingegen hinzu: 23. Guerre d'Atchiu. 24. Cyclone du 
29 octobre 1882 ä Manila. 25. Dru, B., La peninsule malaise. Projets de 
percement de l'Isthme de Krau. 26. Kan, C. M., Bodengesteldheid der 
Eilanden en Diepte der Zeeen van den Indischen Archipel. 27. Biedel, 
J. G. F., Note sur l'ile Rote. 28. West-Java und die Sundastrasse, das 
Gebiet des Erbebens vom August 1883. 1 : 2,500,000. — 29. Leben von Mis- 
sionar Bormeister. 30. Posewitz, Ch., das Gebirgssystem Borneos und ins- 
besondere das Centralgebirge. 31. Overzichts-Tavens indeelings-Kaart van 
het Grondgebied in Nederlandsch Indie, 1 : 12,000,000. 32. Timor (Portug.). 
33. Jacobs, Jul., de Badoejs. 34. Kan, C. M., Chronique bibliogr. trimestrielle. 
35. de Groot, het kongsiwezen van Borneo. 

Karten und Atlanten. 

Overzichtskaart van den Nederlandsch -Ost -Indischen Archipel. 

1 : (i/)()(),000. 15 Blatt. 
A Language Map of Fiirther India and the Iiulian Archipelago. 

ludo-cliinesisclies Reich. 

Periodica. 

Bulletin de la societe academique iudo-chinoise de France. IP Ser. 

IIP Vol. 
M6moires de la societe academique indo-chinoise. Tom. I, 1887/88. 

In Samnielbänden. 

8« S.-B. 76. Nr. 1— IG, s. Spez.-K. S. 2!)., IX. J.-B. S. .304. 

Neu : 17. A questao do Tonkin. 18. Svoijoda, Annam und das franz. 
Cochinchina. 



333 

Inseln der Af*rikani>%elien Ostknste 

(ohne Madagaskar). 
S*' Sammelb. 60 a. 4, 5, (i, 7, 8, 0, 10, s. Spez.-K. S. 20, IX. JA). S. ;]04. 

Insieln der Arrikaniselieu IVestküiste. 

8° Sammelband (iob. 2, 11, 12, 13, s. Spez.-K. S. 29, IX. J.-B. S. 804. 

Neil : 14. A Ilha de St- Vincente de Cabo Verde. 15. Boa vista. 16. Mazon, 
.!., El archipelago canario. 16. Nolire, Aug., Exploragao scientifica da Ilha 
de St. Thome. 17. Rapport sur la campagne scientifique du Talisman en 
1883, Ocean Atlant. 17. Sclmchai-dt, H., creolo de Cabo Verde. 

In Fol. S.-B. VII. 11—13: 

11. Posto meteorologico da Cidade da Praia da Ilha de S. Thiago de 
Cabo Verde. Resumos dos Observacoes feitas nos annos de 1875 ä 1879. 
12. Observatoi-io do Infante D. Luiz, Provincia de Angola. Resumo des 
Observagoes meteorologicos feitas no anno de 1880. 13. Observatorio do 
Infante D. Luiz. Ilha de St. Thome. Resumo das principacs Observagoes 
meteorologicas executadas durante o periodo de 9 annos decobridos 1872 
bis 1880. 

Inselwelt «les Stillen Meeres. 

8° Sammelband 8.5. Nr. 1—3, s. Spez.-K. S. 29/30, IX. J.-B. S. 304/30.5. 

Neu: 4. Transactions and proceedings of the Geograf. Soc. of the Pacific. 

Italien. 

In Sammelbäiideu. 

8° S.-B. 114. Broschüren. 1—12, s. Spez.-K. S. 30, IX. J.-B. S. 305. 
Neu: 13. Borsari, F., Etnologia italica, Etruschi Sardi e Siculi. 14. Bossi, 
B., VeritA e giustizia. 15. Fischer, S., Die Schicksalswege des Ital. Rheins. 
Karten : 16. — della strade ferrate italiane al 1. Aprile 1891, 1 : 1,500,000. 
17. — della Sizilia, 1 : 500,000. 18. — della pianta di Roma, 1 : 12,000. 
19. — della provincia di Napoli, 1 : 250,000. 20. — della provincia di 
Grosseto, 1 : 500,000. 21. — della provincia di Sierra. 22. Septimontii el 
Romale Quadratale Charta topographica, 1 : 5000. 23. Societä americana d'Ita- 
lia. Programma e statuti. 24. Rassegna delle scienze geologiche in Italia. 

8° S.-B. 114 a. Karten, enthält Nr. 16—22 hievor. 

Kaukasus. 

In Einzelbänden. 

Ostroumoff', J. G., Notes explioatives pour la carte ethnographique 

du gouvernement de Perm. (Russisch). 
Kusnezoiv, Elemente des Mittelmeerbezirks im westlichen Kaukasus. 

(Russisch). 
S. auch Griechenland und Türkei, S.-B. lo4: 10. 



In Sainiiiolbäudeii. 

^'^ Saiinnelhniul (i4. Nr. 1—11, s. Spez.-K. S. ;J(), IX. J.-IJ. S. ;U)(i. 

IJBJF^ UitT wurde Bnssisch-Äsicn lieraus|j;eiiominon, teils zu Samincl- 
Itäiuleu llussland 103 gelegt, teils neuem Suiniiiolhuud 120 Sibirien eiiiverieiht. 

Xeu kam liiugegen hinzu : 12. de Kovalcivslcy , Les Kourdes et les Ji'- 
sides Gu les adorateurs du demon. 13. Hegfelder, 0., Tianskaspien und 
seine Eisenbahnen. Nach Akten des Erljaucrs GeneraUieutcnant M. Aunen- 
kofl". 14. Wociloff, A., Kaukasische Exkursionen im Jahre 1888. 15. Woei- 
kolT. Heise durcii Europ. Russland und Kaukasus im Jahre 1800. Russiscii, 
s. auch Griechenland und Türkei. S.-B. 101. 10. 

Kleiii-AKien. 

Periodiea. 

Zeitschrift d. deutschen Palästina- Vereins isno— 18!)2. XIII.— XV. Bd. 

In Sanimelbänden. 

«^ S.-B. ().5. Nr. 1—10, s. Spez.-K. S. 31, IX. J.-B. S. .^OG. 

Qair* Aus diesem Bande wurde alles auf Syrien bezügliche herau.s- 
genonunen und neuer Sammelband 65 a Syrien gebildet. 

Neu kam hinzu: 11. Girard, B., Les cötes de la Syrie et de l'Asie 
Mineure. 

Kongo. 

In Einzelbänden. 

Arthur, G., Le Congo. 

Barosso, Padre Antonio Jose de Sousa, o Congo. S. Passado, Presente 

e Futuro. 
Cordeiro, Luc, Pro Patria. Diocese de Angola o Congo. 

Periodiea. 

S. Mouvement geographique unter AUg. Geographie. 

In Sanimelbänden. 

8° S.-B. 54. Vor der Berliner Konferenz. Nr. 1—20, s. Spez.-K. 

S. .31, IX. J.-B. S. 30G. 
8" S.-B. 5.5. Nach der Berliner Konferenz. 1—21, s. Spez.-K. S. 32, 

IX. J.-B. S. 307. 

Neu : 22. Baab, B., Der alte und der neue Kongostaat. 23. Inner-Afrika 

und der Kongostaat, 1:8,000,000. 24. Karte Häusermann, 1:5,555,000. 

25. Le Congo depuis TEquateur jusqu'ä l'Ocean. 26. Langhaus, F., Der 

Stanley-Pool, 1:200,000. 21. Stanley, H., Voyage d'explorations 1876/77. 

28. Wanters, A. J., Supplementkarten zu Mouvement geographii[ue. 29. Waii- 

ters, A. J., L'orthographie des noms geographiques au Congo. 

:S. auch 4» S.-B. III. Afrika. Nr. s. 



_335 

Ht' S.-r.. (iL Nr. 1 — 24, s. Spez.-K. S. H2, IX. J.-B. S. 807. 

Neu : 25. L'alTraiichisseinent des nögres africains ä Madagaskar 2 . 
Exploranao portugueza de .\ladagascar em 1613. 

Marokko. 

6" S.-B. 41. Nr. 1 — 12, s. Spez.-K. S. 33, IX. J.-B. S. 307/30.S. 
Neu : 13. Decouverte d'une Station prehistorique ä Oned-Inibert. 

Mexiko. 

In Einzelbänden. 

de Saussure, H., Coup d'ceil sur Thydrologie du Mexique. 
Patterso)!, Tiefseeforschungen im Golf von Mexiko. 

Periodica. 

Annuario del observatorio astronomico nacional de Tacubaja. 1893. 
Boletin de agricultura mineria e industrias publicado por la Secre- 

taria de Foraento, Colonizacion e Industria. 1891, 1 — 12. 18!)2, 

1—3. 
Boletin mensual del observatorio meteorologico magnetico central de 

Mexico. 1890, 1—4. 
Pemiafiel, Ant, Estadistica general de la Republica Mexicana. 1889. 

In Sammelbänden. 

8» S.-B. 93 a. Nr. 1—10, s. Spez.-K. S. 33, IX. J.-B. S. 308. 

Neu: 11. Judice para las materias cortenidas en los infoi'mes y docu- 
mentos, Julio 1888, Junio 1889. 12. Äncona, La isla de Arenas. 13. Seter, 
Ed., Mexikanische Küche. 

^"eu-fwuiuca. 

•8° S.-B. 87 a. Nr. 1—8, s. Spez.-K. S. 33, IX. J -P». S. 308. 

Neu: 9. Map of part ot' Southeast New Guinea. Knil)racing its northern 
and Southern waters. 

Neuseeland. 

•s" S.-B. ST. Nr. 1—5, s. Spez.-K. S. 34, IX. J -B. S. 309. 

Neu: 6. de Harten, La nouveile Z(Hande : llistoire, geulugie, ehmat, 
gouvernenioiit, institutions. 7. La region des Geysers et des sources ther- 
males de l'ile du Nord de Nouveile Zelande, 1 : 253,440. 8. Les lacs froids 
de rinterieur d'Otago Nouv. Z<'lande. 9. Les Fjords et lacs de l'Üuest de 
nie du .Milieu de Nouveile /.•'•hindr, 1:500,850. 10. The IV.ur cliniatic zones 
/'(■ N<'\v Zeeland. 



330 

OeNtei*reieli-|Iii}>;arii . 

In Saiiiiiiolbändcn. t*^. 

Fol. S.-l). IV. Oesterreich, liussland, Schivcäen. Oesterreicli, Nr. I 
und •_>, s. Spez.-K. S. 34, IX. J.-B. S. 310. 

Neu: 3. Bonelli, E., Progetto di una nuova via di couiunicazione fra 
r Unglicria ed il Marc adriatico. 4. Doscrizione dell' Ungheria nei secoli 
XV et XVI edita nell' occassione del congresso geogi-afico internazioiiale a 
Venezia. 5. Leiewel, Joacli., Geschichte Polens. Atlas enthält die clironolog. 
und genealog. Tafeln und die geogr. Karten der verschiedenen Zeiträume. 
6. V. Wohlgemuth, E., Vorbericht zur wissenschaftlichen Puldikation der 
Oeslerreichischen Polar-Expedition nacli San Mayen. 

II! Sammelbäiideii. s*^. 

8° S.-B. 103 a, Nr. 1—22, s. Spez.-K. S. 34/35, IX. J.-B. S. 30I)/310. 

ig^P" Hier wurde alles auf Volkswirtschaft und Statistik und alles 
auf Bumänien bezügliche herausgenommen und neue Sammelbände 103 b 
und 103 c gebildet. 

Neu kam hingegen hinzu: 23. Cantacuzeno, Antica Dada e Romania. 
24, Grissinger, Carl, Die Schneegrenze in der «Hohen Tatra». 25. Hoch- 
reiter, E. , Die Nationalitäten Böhmens in kartogr. Darstellung. 26. Sil- 
vania antica. (Regio transvallana Dacise porolissensis.) 27. Schmidt- Warten- 
berg, Ein Tyroler Passionsspiel. 28. de Gotida, B., La rögularisation des 
portes de fer et des autres cataractes du Bas-Danube. 29. Holub, E., 
Oesterreich. 

103 c. VoIJcsivirtschaft und Statistik. 

1. Bichter, K. Th., Betrachlungen über die Weltausstellung im Jahre 
1867. 2. Wangemann, L., Die Schule auf der Wiener Weltausstellung. 
3. Weher, B., Einige Ursachen der Wiener Krisis im Jahre 1883. 4. Die 
Ortsbevölkei'ung Österreichs. 5. Schwicker, J. H., Volkszählungsresultate 
in Ungarn. 6. Koposi, J., Erläuternder Katalog zur Ausstellung des statist. 
Bureau der Hauptstadt Budapest. 



0.«it-Afrika. 

In Einzelbänden. 

V. Höhiel, L., Zum Rudolph-See und Stephanie-See. 

In Sammelbänden. 

8« S.-B. 52. Allgemeines. Nr. 1—12, s. Spez.-K. S. 35, IX. J.-B. S. 310. 

8" S.-B. 52 a. EinsehigeUete. Nr. 1—19, s. Spez.-K. S. 35, IX. J.-B. 
S. 310. 

Neu: 20. de Launoy de Bissy, B., Voyage du R. P. Mercui des mis- 
sionnaires -d' Alger de Quilimane au lac Nyassa et retour. 21. Karte von 
Ostafrika. (Aus der Geogr. Rundschau.) 22. Der Zanzibar-Kanal nach den 
neuesten Aufnahmen. 23. Carta da provincia de Mocambique 1 : 3,000,000. 



337 

24. Camara, districto di Cabo Delgado. 25. de Claverie, H., Un peu de jour 
sur uu coin de l'Afrique Orientale. 26. Rosset, C. W., Expeditions- Vorschlag 
nach dfem Nyassa-See mit eingehender Behandlung der Kolonisationsfrage. 

Papnaländer. 

8° S.-B. S4. Nr. 1—11, s. Spez.-K. S. 36, IX. J.-B. S. 311. 

12. La nouvelle Galedonie ä Texposition universelle. 

Paraguay mul Uruguay. 

In Einzelbäiideu. 

Wanner, De las inclustrias etc. en la republica del Uruguay. 

In Samiiielbänden. 

S'^ S.-B. 9.-jb. Xr. 1—17, s. Spez.-K. S. 3(3, IX. J.-B. S. 311. 

Neu: 18. La republique du Paraguay. 19. Criado, La republique du Paraguay. 

Persien. 

>so S.-B. 6(5. Nr. 1—0, s. Spez.-K. S. 36, IX. J.-B. S. 311. 

Philippinen. 

■s« S.-B. T.-j a. 

1. von Benko, J., Das Datum auf den Philippinen. 2. de Claparede, A., 
Souvenirs des iles Philippines : de Manille ä Mayayjay. Notes de Voyages. 
3. Montero y Gay, Les iles Philippines. 4. Ilogauen. 5. Bliunentritt, F., 
De las estados indigenas existentes en Filippinas en tiempo de la conquista 
espanola. 

Polarforscilung. 

In Einzelbänden. 

Spry, Expedition des Challenger. 

Periodiea. 

Pubblicazioni del comitato centrale per la spedizione antartica italiana. 
Fase. III. 

Der Titel ist im IX. Jahresbericht in ungenügender Weise aufgeführt 
und wird deshalb hier wiederholt. 

In SammcIbUndcu. 

s*^ S.-B. SS. Nr. 1— ].-,, s. Spez.-K. S. 37, IX. J.-B. S. 312. 

Neu: 16. Chavanne, J., La expe(ncion italiana al Polo Sud. 17. Hov- 
gaard. Andr., Dijmphna. 18. Payer, Jul., The Austro-IIungarian Polar- 
Expedition. 19. Melintok, L., On Archic-Sledge-Travelling. 20. Pettersen, K., 
Det europajiske Polarhav, Sommeren 1886. 21. Smith, S., Franz Josefs Land. 
XI. Jahresbericht d. Geogr. Ges. v. Bern. 1891-1892. 22 



338 

Karte 1 : 8,800,000. 22. Smiüi Sound et l'expödition Greeley, Karte. 23. Libhey, 
W., Some iil' tlio geognipliiciil l'eatures oC South-Eastern Alaska. 24. Expe- 
dition italienne au pölo austral. * 

Polynesien. 

8« S.-B. 80. Nr. 1 — ü, s. Spez.-K. S. H7 und IX. J.-B. S. 312 (wo- 
selbst die Zahl 58 in 86 korrigiert werden soll). 

Neu: 7. Fidschi (eine brit. Kolonie). 8. Die Freundscliai'ts- oder 
Tonga -Inseln. 9. Burton, Y de la Serna, o archipelago das Carolinas. 
10. Jardin, Excursion dans l'ile de Noukaliiva. 

Portugal. 

Periodica. 

Relatorio dos actos des direcQao do Assosiagao commercial do Porto 

1891. 

In Sammelbändeii. 

Fol. S.-B. VI. (Siehe unter Frankreich) lü, 12, 13. 
8" S.-B. 9Ga. Portugal, Einheimisch. Nr. 1 — 17, s. Spez,-K. S. 38, 
IX. J.-B. S. 313. 

Ui^ Aus diesem Band wurde Statistisches und Bibliographisches 
herausgenommen und neuer Sammelband 96 e «Portugal, Statistisches» 
gebildet. 

Ferner Avurde alles auf Kolonialpolitik bezügliche herausgenommen 
und neue Sammelbände 96 b u. c « Portugal, Kolonialpolitik » gebildet. 

Neu kam hinzu : 18. Bases d'un plan d'etudes commerciales presentees 
au Con-gres international de geographie commerciale (Bruxelles 1879) de 
la See. de geographie de Lisbonne. 19. de Brito, Elegio historico do 
Presid. hon. e effect. d. Soc. d. Geogr. d. Lisboa o conselheiro Ant. Aug. 
d'Aguiar. 20. Coelho, F. Ä., Secgao de sciencias ethnicas. 21. Commissao 
infante D. Henrique. 22. Congresso nacional de instruccas publica e 
sciencias. 23. Homenageno a Luciano Cordeiro. 24. Goodölphim Costa, Les insti- 
tutions de prevoyance du Portugal. 25. Melhoramentos do Porto do Lisboa. 
a) Sub-Commissao commercial. h) Commissao especial. c) Snb-Commissao 
nautica. d) Sub-Commissao technica. 26. Pequito, B. Ä.. Do ensino com- 
mercial. 27. Seccao de sciencias ethnicas. 28. Pequito, B. A., Tretados 
do commercio. 29. Guerreiro, J. V. M , Notice sur lecole agricole de re- 
forme en construction ä Villa Fernando (Portugal). 

90 b. Kolonialpolitih. Allgemein. 

1. do Amaral, Novas exploracoes africanas. 2. Äranha, Subsidios para 
a historia do jornalismo nas provincias Ultramarinas portuguezas. 3. Bojas 
a Balisas Maritimas. 4. Choffat, F., Dos terrenos sedimentäres da Africa 
portugueza. 5. Colonias portuguezas em paices estrangeros. 6. Colonisagao 
africana. 7. A colonisacao portugueza ha 120 annos. 8. Compania africana. 
9. Cordeiro, Luc, Silva Porto. 10. de Coruche, A civilisaoao das colonias 
portuguezas pela agricultura. 11. Exploracao botanica nas colonias portu- 
guezas. 12. Incident anglo-portugais. 13. Machado, J. J., Cartographia 



339 

africana. (Subsidios.) 14. Malheiro, L., Kxploracoes geologicas e mineiras 
nas colonias portuguezas. 15. padroado portogtez ein Afriea. 16. Pona, 
Les champs d'or (Afrique portugaise). 17. The Portugucse in the track of 
Columbus. 18. Regresse dos benemeritos exploradores Capello e Ivens. 
19. Regulaniento privativo da commissao de direito internacional. 20. Re- 
latorio e proposta que apresenton a commissao das missoes Ultramarinas. 
21. Represeiitaeao portugueza no Pacifico e na Afriea Austral. 22. Servigo 
de obras publicas no Ultramar. 23. Silva Porto e Livingstone. 24. Trabalhos 
hydrographicos no Ministerio da mariniia e ultramar. 25. Uniformidade 
internacional de bojas e balisas maritimas. -26. Exposition coloniale du 
Portugal organisee par la Societe de geographie de Lisbonne. Catal. offic. 

27. de Gragta, Projecto de uma companhia agricola e commercial Africana. 

28. Ultimatum Brittanico. Correspondencia expedida e recebida pela 
sociedade de geographia de Lisboa relativamente ad Ultimatum dirigido ao 
Governo Portuguez pelo Inglez em 11. de Janeiro de 1890. 

90 c. Kolonialpolitik. Einzeig ehiete. 

1. Afriea oriental portugueza p. H. O'Neill. Angola. 2. Piano hydro- 
graphico do porto do Ambriz. 3. Corjao, M. R., Colonisagao do sul d'Angola. 
4. Cordeiro, L., Pro Patria, Diocese de Angola e Gongo. Congo. 5. Arthur, G., 
Le Gongo. 6. Barroso, Gongo, seu passado, presente et futuro. Guinea. 
7. de Barros, M., Guine portugueza. Lourengo Marques. 8. Os aconteci- 
mentos de Lourengo Marques. 9. d'Aranjo, Lourengo Marques. 10. d'Aranjo, 
Os acontecimentos de Lourengo Marques. 11. Colonias agricolas no districto 
de Lourengo Marques. 12. lUuminagao e balisagem em Lourengo Marques 
e no Limpopo. 13. Guzman, Lourengo Marques. Golonias agricolas. 
Maputo. 14. A Questao do Maputo. Mogambique. 15. Melhoramentos ne 
provincia de Mogambique. 16. Elementos para um diccionario choro- 
graphico da provincia de Mogambique. 17. Corpo expedicionario a Mogam- 
bique. 18. La question du Zaire. Memorandum. 20. A Questao do Zaire. 
Portugal e a escravatura. 

8** S.-B. 9() e. Statistisches und Geographisches. 

1. Cordeiro, L., Gatalogos e indices. As publicagoes. 2. Emigragao 
portugueza. 3. Emigragao 1872 — 1881. 4. A exposigao da sociedade de 
geographia de Lisboa em Antnerpia 1885. 5. Exposition coloniale du Portugal 
organisee par la Societe de geographie de Lisbonne. 6. Figueiredo (Borges de), 
Indices et catalogos. A bibliotheca I/II. 7. Figueiredo (Borges de), Estudos 
historico-geographicos. 8. Figueiredo (Borges de), Exposigao historico- 
geographica. 9 Travers, Les rogoes elementaires de archeologie. 10. Me- 
moria sobre a marinha de guerra portugueza. 11. A questao dos caminhos 
de ferro. 

Karten und Atlanten. 

Carta da Ilha di St. Thiago. 

Oceano Atlantico norte Afriea. Archipelago do Cabo Verde. 2 Blatt. 

Carta da Illia de Santo Antao 1 : 1()0,( )()(). 

de S. Nicoiao 1 : 100,000. 

.. de Brava 1 : ]oo/)00. 2 Blatt. 

., ,. do Sal 1 : ]()(),( )()(). 



340 

Carta da Ilha da Boa Vista 1 : l()(),n()(). 
Proviiicia di An.uola. llvdro.urai) bisch. 
Carta da Ilha de Timor 1 ; 7r)(),()(H). 

de Angohi ;; Ulatt. 
i'roviiK'ia de Mo(;ambiqiie. 4 Blatt. 
Carta das Ilhas de St. Vicente e Sta. Luzia 1 : loo^ooo. 
Sarinento, Carta do Delta do Zambeze 1 : .S00,000, 
Carta do Districto de Mauica 1 : •_>()( ),()()(). 

„ das Possessoes Portuguezas da Africa Meridional 1 : G,000,000. 
Carta da Guinea Portugueza 1 : öOG^OOG. 

, da Ilha do Principe 1 : 1()0,0()0. 

„ des Territorios de Cabinda, Molenibo e Massati 1 : 700,000. 

RotiieM Meer. 

.s^ S.-B. h-1 b. 

1. Baie d'Assab. Italiens en At'rique. 2. Manzoni, i veri nemici di 
Assab. 3. Antouelli, da Assab alja Scioa 1883. 4. Buonouio, il rendimento 
deir isolatore Pifre ad Assab. 5. de Fernant, V., L'A])yssinie et la Mer- 
Rouge. 6. Camperio, M., da Assab a Dogali. 7. du Caillaud, les droits de 
la France au sud de la Mer-Rouge. 8. De la colonie frangaise d'Obock. 
9. Cbannetant, Obock. 10. de Rivoire, Obock. 11. Amezago, Assab, 1882. 

Kiiiuäiiieii. 

Periodica. 

Biiletin publicat Prio Ingrijera. G. L. Lahovari, 1888 — 1891. 

In Saiiiiiielbäiuleii. 

s« S.-B. 108 b. 

1. Balladi, Les Hongrois en Moldavie 1889. 2. Geografia Comunet 
Bijgdana diu Plasa Tirgu-Simila, Judetül Tutova. 3. cV Hauterive, la Moldavie 
1785. 4. Jonnescu-Gion, G. J., Geografia in cronicarii Romani. 5. Notice 
sur la Roumanie. 6. Hethy L., Die Entstehung der Rumänischen Sprache 
und Nation. 

In Einzelbänden. 

S. Titel bei Sanmielband 103 d—p. 

Periodica. 
Fennia. BuUetm de la societe de geographie de Finlande. Vol. I— VIT 

In Sanunelbänden. 

Die hienach verzeichneten Werke wurden uns zu grösserm Teil kartoniert, 
zum Teil auch broschiert zugestellt. Aus den broschierten wurden Sammelbände 



341 

gebildet. Indes sind die Titel der kartonierten an gleicher Stelle aufgeführt und 
zwar in deutscher Uebersetzung. Die Uebersetzung der Titel aus dem Russischen 
verdanken wir Herrn stud. phil. A. SaposchnikolT. 

^" S.-B. lOoa. Riissland und Skandinavien, Nr. 1— s, s. Spez.-K. 
S. ;^(i. IX, J.-B. S. 818. 

p8^' Hier wurde nachträglich alles auf Skandinavien Bezügliche 
herausgenommen und ein neuer Samnielband gebildet. 

Neu: 9. Diiro. C. F., viaje impensado ä Norvega en al Siglo XY. 
10. Hoffmeyer, N., Strömungs- und Temperatur- Verhältnisse des Meeres bei 
Island. 11. Kihlmann, A. C, Bericht einer naturwissenschaftlichen Reise 
durch Russisch Lappland. 12. Kihlmann und Palmen, Die Expedition nach 
der Halbinsel Kola im Jahre 1887. 13. Bamsey, Wilh , Geol. Beobachtungen 
auf der Halbinsel Kola. 

Werke in russischer Sprache. 

1U3 d. Anyemeine Statistik. 

1. Statistik Russlands im Jahre 1883, 1884/1885, 1890. Serie II, Tbl. 18/19. 

2. Materialien zur Statistik der Dampfmotoren im Russ. Reicli. 

1 03 e. Bevöllierimgsstaüstilc. 

1873. 1874, 1875, 1876, 1877, 1878, 1879, 1880, 1881, 1882, 1883, 1885, 
1886, 1887. 

103 f. BevölkenwgsstatistiJc des Europäischen Itusslanäs 187G — 1880. 
OrtsJcunde. Orte im Gouvernement: 

1. Archangel, 2. Bessarabien, 3. Kaluga, 4. Kasang, 5. Kiew, 6. Kostrow, 
7. Kowno, 8. Kursk, 9. Minsk, 10. Mojelew, 11. Moskau, 12. Nischni-Nowgorod. 
13. Oloner, 14. Orel, 15. Orenburg, 16. Perm, 17. Plozk, 18. Rjasan, 19. 
Smolenks, 20. Sombiesk, 21. Tschernigow, 22. Wjetke, 23. Witebsk. 
24. Wladimir, 25. Wolhynien, 26. Wolojodsk, 27. Worrmsch. 

103 g. ErntestatistiJc. 

Die Ernte im Europäischen Russland in den Jahren: 1. 1883, 2. 1884, 

3. 1885, 4. 1886, 5. 1887, G. 1888, 7. 1889, 8. 1890, 9. Die mittlere Ernte im 
Europäischen Russland 1883 1887. 10. Hauptresultate der Ernte 1889/1890. 

103 h. Finansiüirtscliaft. 

1. Staatsfinanzon Russlands 1882—1884, 2. die allgemeine Miütärpflicht 
im Reiciie 1874—1883, 3. Veränderungen der administrativen Grenzen und 
Einheiten Russlands von 1860—1887, 4. Einnahmen und Ausgaben der 
Landesversammlungen im Jahr 1883. 

103 i. Ällf/emeine Volks- und Landwirtschaft. 

1. Alenizin, das jüdische Wirtschaftsgewerbe in Russland. 2. Alenizin, 
Die jüdisclie Bevölkerung tmd Grundl)esitz in den südwestlichen Gouverne- 
ments im Euro})äischen Uussland. 3. Depenses connnunales des paysans 
tlans 46 Gouvernements de la Russie d'Europe 1881. 4. Einnahmen und Aus- 
gaben der Städte in Europäisch Russland und Polen in den Jahren 1881 
bis 1884. 5. Der Landesbesitz in Europäisch Russland in den Jahren 1877 
bis 1878. 6. Preise des Landes im Europäischen Russland 1882-1887. 7. Ver- 
teilung des Landbesitzes im Europäischen Russland. 



342 

lo;> k. Wissenschaff liehe AhJiandliny/cu. 

1. Dii> tortsclireiteiule Jiowegung der Cycloiini und Aiiticycloneii in 
Kuroj);!, besonders in Ru.ssland. 2. Broiinoio, Resultatf^ der Vergleiclnmgen 
einiger wichtigen europ.äischen Stationen. 3. Bulgakowski, Ethnographie. 
4. Fansek, Materialien zur Frage der negativen Bewegung der Küste des 
Weissen Meeres. 5. Filippo, Ueber die Veränderung des Niveaus des 
Kaspischen Meeres. 6. Fedorow. Snlowetschikes Kloster. 7. Fürs, Resultate 
des Nivellierens in Siliirien. 8. ^Gowlatti, N., Jalu'essitzung düs Komitee zur 
Erriclitung eines Museums des praktischen Wissens in Moskau. 9. Hydro- 
metrisciie und hydrographische UntersucJuingen des schiirbaren Amu. 
10. Kaulbars, N., Apercu des travaux geograjjhiques en Russie. 11. Kaul- 
bars, N., Atlas der Tiefe-Untersuchungen des Amu-Darjn. 12. Kleiber, Einig(3 
Anwendungen der Theorie der Wahrscheinlichkeit. 13. Krasnow, Ge- 
schichte der Floraentwicklung im Süden des östlichen Tschjan-Schjan. 
14. Maiiiow, Das Gewohnheitsrecht der Mordwa. 15. Mainow, Resultate 
anthropologischer Untersuchungen. 16. Oschanik,W., Der geographische Cha- 
rakter der Fauna der Hemipteren. 17. Ostroumoff, J. G., Notes explicatives 
pour la carte ethnographique du Gouvernement de Perm. 18. Einige Re- 
sultate der Nivellier-Untersuchungen zwischen Orenburg und Kars. 19. Mau- 
mer, L.. Verstärkung und Bewaldung der flüchtigen Sandniassen. 20. Sawe- 
lien. Barometrische Forschungen auf den meteorologischen Stationen während 
der Reisen. 21. Sawelien, Ueber die Aufstellung des Thermometer zur 
Bestimmung der Feuchtigkeit und Temperatur der Luft. 22. Die Schnee- 
decke in Russland. 23. Schneringer, Ueber die Ursache des Fallens der 
Meeresküste bei Odessa. 24. v. Schulz. Einige Resultate der Nivellierunter- 
suchungen zwischen Orenburg, Aralsee und Kara-Tugai 1882. 25. Suhow, N., 
Hydrometrische und hydrographische Untersuchungen des schiffbaren Amu. 

26. Swerzon, Orographische Beschreibung des Pamirischen Bergsystems. 

27. Wilkick, Versuche über die Reifeldschen Pendelbewegungen auf Nowaja 
Semla. 28 Woeikof, Die Schneedecke und ihr Einfluss auf Boden, Klima 
und Wetter. 29. Woeikof, Die Trockenheit des Jahres 1885. 30. Woeikof, 
Neueste Untersuchungen der Gletscher. 31. *Änutschin, Ueber die geogra- 
phische Verbreitung des Wuchses der männlichen Bevölkerung in Russland. 

32. Kusnezow, Elemente des Mittelmeerbezirks im westlichen Kaukasus. 

33. de Tillo. Ä., Repartition geographique de la pression atmospherique sur 
le territoire de l'empire de Russie et sur le continent asiatique. 34. Unsere 
Flüsse. 35. Woeikof, Ueber die Temperatur der letzten neun Jahre. 36. 
Woeikof, Sitzungen des Petersburger Vereins der Landwirte. 37. Woeikof, 
Die landwirtschaftliche Krisis und die amerikanische Konkurrenz. 38. 
'^Woeikof, Briefe aus dem Ausland. 39. Woeikof, Reise durch Europäisch 
Russland und Kaukasus im Jahre 1890. 40. * Russischer Gedanke 1890, 
Dezember. Zeitschrift. 41. Woeikof, A. J., Ueber den jährlichen Gang der 
Temperatur in Petersburg und einigen andern Orten. 

• Die mit * bezeichneten Werke sind broschiert und in Sammelband 
103 k vereinigt, die übrigen sind cartonniert. 

103 1. Europäisches Hussland. Einzelstatistiken. 

1. Der Landesbesitz 1877 — 1878. 2. Preise des Landes. 3. Ochotschinski, 
Vei'such zur Anwendung der Interpoliration zur Bevölkerungsstatistik. 
3. Entwicklung der Frage der Bevölkerungsstatistik. 4. Die Klöster in 
Russland. 5. Statistique des incendies en Russie 1860—1887. 6. Statistik 



343 

dei- Blinden im Jahre 1886. 7. La Prostitution ä la dale de l/]3 aoüt 1889. 
8. Statistique electorale des institutions de Zemstewos en 1883 — 1886. 9. 
Statistische Sammlung des Europäischen Russland 1882. 10. Sterblichkeit 
der Kinder 1867—1881. 11. Die hauptsächlichsten Ansiedlungen in Europ. 
Russland II —VIII. 12. Statistik des Grundeigentums der bevölkerten Ort- 
schaften des Europäischen Russland. 

Xr. 3—10 sind broschiert in Sammelband 103 1, das Uebrige ist car- 
tonniert. 

103 m. Europäisches Paissland. Landwirtschaft. 

1. Ermässigung des Auskaufs 2. Materialien zur Frage über die Aus- 
gaben der Landbearbeitung. 3. Materialien des Central-Statistischen Komitee 
des Ministerium des Innern über die Auslösung der Bauerngüter. 4. Inter- 
nationaler Kornhandel. 5. Schulden des Grundbesitzes. 6. Die Preise auf 
Proviant und Fourage. 7. Der Preis des Weizen, Roggen etc. 8. Preise auf 
Weizen, Roggen, Hafer 1881 — 1887. 9. Depenses communales des paysans 
dans 46 Gouvernements de la Russie d'Europe 1881. 

103 n. Europäisches Russland. Unterrichfsivesen. 

1. Karte des Europäischen Russland mit Anzeige der Prozent der 
Schülerinnen in den Dorfschulen nach den Bezirken bis zum 20. März 1880. 
2. Landschulen in Europäisch Russland und Polen. 3. Spezielle Männer- 
und Frauen-Lehranstalten in Europäisch Russland und Polen. 4. Univer- 
sitäten und mittlere Lehranstalten in Europäisch Russland und Polen. 
5. Die Gemeindebezirke und die hauptsächlichsten Ortschaften des Euro- 
päischen Russlands, Lief. 3 und 7. 

103 0. Polen. 

1. Fimow, E.. Die orthodoxe Bevölkerung des Gouvernement Tomsk. 
2. Der Landesbesitz in Polen. 

103 p. Kirgisensteppen. 

Grodkojf, N. N., Die Kirgisen und Karakirgisen im Gebiete von Syrr- 
Daria. I. 

Nahara. 

In Eiiizelbäiideu. 

Sahatier, Touat, Sahara et Soudan. 

In Sammelbäudeu. 

8° S.-B. 4(i. Nr. 1-20, s. Spez.-K. S. 30, IX. J.-B. S. 314. 

Neu: 21. Carte des puits artesiens de l'Oued Rhir et du Hodna. 
22. Guy, Älfr., Le Sahara et la cause des variations que subit son climat 
depuis les temps historiques. 23. Itineraire Lenz. 1 : 12,500,000. 24. Pays 
de Wargla. Carte. 25. Route des caravanes de Ghadames ä Tripoli et ä 
l'oued Souf. 26. Sahara occidental. 1 : 5,55.5.000. 27. Sahara septentrional. 
1 : 5,000,000. 28. Soleillet, P., Transsaharien. Carte. 29. Tarry, H., Occu- 
pation dinsallah. 30. Touaregs et Kroumirs. 31. Les oasis de lOued Souf. 
Carte 1 : 1,000,000. 32. Bonelli, E., Viajes al interior del Sahara. 33. Bar 
diot, P., Le Transsaiiarien atlantique. 34. Bajolle, La question saliarienne. 



344 

$$aii(I>vu*lis-liiso1ii. 

8° ö.-B. S;^. 

1. Samhviclis-Inseln. Missionsgeschichtlicher Ueberblick. 2. Ein Uosucli 
aufTaliiti. 3. S;uuhviclis-Iiisolii 1871. 4. Van tl. Venia. Tahiti. 5. I.es Por- 
tugals ä Hawai. 

{!iaiita Fe. 

In Eiiizelbäiideii. 

Carrasco, G., La provincia de Santa Fo. 

In Sainmelbäiideii. 

8" S-B. 94 b. 

1. Message du gouverneur de la province de Santa Fe. 2. Santa Fe. 

Schweiz. 

In Einzelbänden. 

BoiUot-Piohert, Album der jurassischen Seen. 
Geographie in Bildern. Mit Erklärungen von Stuki. 

Periodica. 

Die Alpenwelt. Illustrierte Wochenschrift für Alpenklubisten. 1892, 
2.-4. Q. 1893, 1—12. 

In Samnielbänden. 

4" S.-B. V. 14, 15, 16, 17, 18, 19, s. unter Deutsches Reich. 

40 S.-B. X. Älpenbahnen I. Gotthardbahn. 

1. Actes concernant Fetablissement d'un chemin de fer ä travers les 
Alpes. 2. Akten betreffend die Erstellung einer Gotthardbahn. 3. Bedeu- 
tung, Die, der Gotthardbahn für den Kanton Bern. 4. Bericht der Eisen- 
Jiahndirektion des Kantons Bern betreffend die der Unternehmung der Gott- 
hai-dbahn zu bewilligende Subvention. 5. Beleuchtung, Kritische, der 
Gotthardlitteratur der Herren Koller, Schmidlin und Stoll. 6. Wetli, G., 
Richerche suUe linnee di concessione della Ferrovia Alpine Svizzera de 
Bellinzona alla flete Italiana. 

4° S.-B. XI. Älpenbahnen II. 

1. Les avantages du Simplon sous le rapport de la construction et de 
Fexploitation d'un chemin de fer. 2. Jaquemin, Charles, Developpements 
complernentaires d'un avant-projet de chemin de fer par le Simplon. 
3. Memoire du Departement föderal suisse des chemins de fer sur la cons- 
truction du chemin de fer de St-Gothard. 4. Schmid, E., Ingen., Die Ueber- 
schreitung der Alpen mittelst einer Eisenbahn. 5. Geolog. Tabellen und 
Durchschnitte über den grossen Gotthardtunnel. L. 10. 



345 

b° S.-B. 102. Nr. 1—10, s. Spez.-K. S. 4o, IX. J.-B. S. Mir.. 
102 d. Schweiz II. Neuer Sammelband. 

1. Amrein, K. C, Geogr. und kosmogr. Karten und Api^arate dei- Scliweiz 
an der Ausstellung in Paris. 2. Bericht des eidg. Departement des Aus- 
wärtigen. Geschäftsf. 1889. III. Auswand., Kommiss.-Abteilg. 3. Der grosse 
Brand von Grindehvald, August 1892. 4. Ecole cantonale de Geneve. 
1. Rapport 1891/92. 5. Faure, Ch., L'enseignement dela geographie en Suisse. 
6. Faure, Ch., Expose sommaire des vqyages et travaux geographiques des 
Suisses dans le cours du XIX« siecle. 7. Faure, Ch., La Suisse au dixieme 
congres des societes francaises de geographie. 8. Graf, J. H., Notice sur 
la plus ancienne carte connue du pays de Neuchätel. 9. Merz, J., Die 
Industrien im Berner Oberlande. 10. Begelsperger, G., Le congres interna- 
tional de geographie et les fetes du septieme centenaire de Bei'ne. 11. Begel- 
sperger, G., Sur la geologie des environs de Berne. 12. Rapport de la 
direction des chemins de fer au conseil executif pour etre soumis au Grand 
Conseil concernant le paiement de la Subvention au chemin de fer du Got- 
hard. 13. Boland Bonaparte, Assemblees democratiques en Suisse. 14. Bo- 
land Bonaparte, Democratie suisse. 15. Kaufmännischer Verein der Schweiz. 
XVI. Jahresbericht und Preisarbeiten 1892. 16. Verkehrsverein Bern. Be- 
richt der Verkehrskommission für das Jahr 1890. 17. Wäber. A., Eine 
Fussreise vor 60 Jahren. 18. Wäber, A., Zur Frage des alten Passes 
zwischen Grindehvald und Wallis. 19. Wäber, A., Der Krystallfimd am 
Zinkenstock. 20. Prei.sarbeiten des Schweiz. Kaufm. Vereins 1889/1890 1892. 
21. Memoire presente par la Societe suisse des commergants aux Chambres 
federales. 22. de Claparede, A., La Linneea. Un jardin botanique ä la haute 
montagne. 23. Comite international du jardin botanique alpin de la Linnsea. 
Prem. et sec. rapport 1889/1890. 24. Ecole cantonale d'agriculture de Geneve, 
1891/1892. 25. Hauptergebnisse der Volkszählung vom 1. Dezember 1870 
im Kanton Bern. 26. Glur, Joh., Medizin. Topographie des Amtsbezirks 
Aarwangen. 27. Vetter, F., Eidgenössisches Landesmuseum. 

8" S.-B. 102 a. Gotthardbahn. Nr. 1—11, s. Spez.-K. S. 40, IX. J.-B. 

S. 815. 

Ken : 12. An den Bundesrat der Schweiz. Eidgenossenschaft. Eingabe 
der Regierungen von St. Gallen, Graubünden, Waadt, Freiburg, Wallis und 
Genf. 13. Beyer im Hof, Der Kanton Tessin und die Alpenliahnfrage. 
14. Stamm, F., Gottardo o Spluga ? 

8^ S.-B. 102 b. Alpenhahnen im Allgemeinen. Nr. 1 — !), s. Spez.-K. 
S. 41 und IX. J.-B. S. HKi. 

Ui^* Aus diesem Band wurde alles herausgenommen, was sich auf 
die J.-S.-Bahn bezieht und ein besondtM'er Band 102 c « Jura-Simplon-Bahn « 
gebildet. 

Neu kam hingegen hinzu : 10. Anhang zum Bericht der Eisenbahn- 
direktion des Kantons Bern betr. die Alpenbalinfrage. 11. Deliberation du 
Grand Conseil du canton de Berne concernant les ciiemins de fer du Jura. 

12. Expertenbericht betr. die Frage einer Alpenbahn über die Grimsel. 

13. Planta, P. C, Der 30jährige Kampf um eine Rhätische Alpenbahn. 

14. Talliehet, Ed., Les chemins de fer suisses et les passages des j\lpes. 

15. Vogt A' Morillet, Geolog. Untersuchung des Terrains der Eisenbahnlinie 
zwischen Lausanne und dem Lac-de-Bret. 16. Seiler, J., Die Vorteile des 



346 

piKniniatischon Syst(Miis Ix'i Alpenhahnen. 17. Widnier, C, Die scliweiz. 
Alpenhahnen. 18. Zwickel- Welti, G., Die Eisenhahnen der verschiedenen 
Staaten und ihr Eintluss in wirtschaftlicher Beziehung mit hesonderer Be- 
rücksiciitigung der Alpenhahnen. 19. Die Alpenbahnen und die Griinsel. 

s«^ S.-B. lO'J c. Jura-Simplon-Bahn. 

1. Bulletin du tunnel du Siniplon 1882 - 1884. 2. Huber d' Lommel, 
Le cheniin de fer alpin par le Simplen. 3. Vauthier, L. H., Le percement 
du Simplen. 

Karten und Atlanten. 

Leuzinger, Uebersiclitskarte der Schweiz. In ihren Grenzgebieten. 
1 : 1,000,000. 
Gesamtkarte der Schweiz. 1 : 500,000. 
Oro-hydrographische Karte der Schweiz. 1 : 500,000. 
Chiir. 1 : 50,000. 
Bern. 1 : 25,000. 
Zürich. 1 : 100,000. 
Bern. 1 : 100,000. 
Evolena-Zermatt. Monte-Rosa. 1 : 50,000. 
Stockhorn-Kette : Jaun-Thim. 1 : 50,000. 2 Blatt. 
Thun-Interlaken. 1 : 50,000. 
Thun. 1 : 25,000. 
Dufour, Generalkarte der Schweiz, Blatt 1 — 4. 
Banclegger, J., Alpenland mit den angrenzenden Gebieten von Central- 
Eiiropa. Politische Ausgabe. 1 : 500,000. 
Dasselbe, Hydrogr. Ausgabe. 1 : 500,000. 
Keller, H., Wandkarte des Kantons Luzern. 
Topogr. Atlas der Schweiz im Masstab d. Originalaufnahm., Lfg. 40, 41. 

^Senegal nnd IViger. 

In Sammelbänden. 
8° S.-B. 56. Nr. 1—8, s. Spez.-K. S. 41 und IX. J.-B. S. .316. 

Neu: 9. Aumont, Andre, Notes sur le Senegal et son commerce. 
10. des Chesnais, Les stations catholiques dans la Nigritie Orientale. 11. Ex- 
pedition francaise au Niger. 12. Expedition aux sources du Niger. 13. Häuser- 
mann, Senegambie. Carte 1 : 5,555,000. 14. Lenz, 0., Voyage du Maroc au 
Senegal. 15. Lucet, B.. La conquete du Soudan. 16. Der erste Märtyrer 
in Bonny. 17. Die Niger-Mission und ihr Bischof. 18. Quintin, Le haut 
Niger. 19. Rf/f, F., Dependances du Senegal. 20. Sc1i(en, J. T., Tagebuch 
zu einer Reise im Niger-Strom in Westafrika mit der Niger-Expedition im 
Jahr 1841. 21. West-Afrika. Missionsgeschichtlich. 22. Zweifel et Monstier, 
Voyage aux sources du Niger, mit Karte. 

Karten. 

Binger, Carte du haut Niger. 1 : 1,000,000. 



347 

^ibirieu. 

Eiiizelwei'ke. 

Fimord, F., Die orthodoxe Bevölkerung des Gouvernements Tomsk. 

(Russisch.) 
Ohrntschew, W. A., Die altern paläozoischen Niederschlagsarten des 

Thaies des Flusses Lena. (Russisch.) 

In Sammelbäudeii. 

s« S.-B. 120. 

1. Sommer, Viaggio alle foci dell' Ob. 2. Sibirien. Missions-geschichtlicher 
Ueberblick. 3. Petri, Ed., Sibirien als Kolonie. 4. Nordenskiöld, A. E., 
Gm möjligheten att idka sjöfart i det Sibiriska Ishafvet. 5. Gondatti, 
Spuren des Heidentums bei den Völkern des nordöstliciien Sibiriens. 
(Russisch.) 

Skauclinavie u. 

Periodica. 

Ymer. Organ der anthropol. Gesellschaft in Stockholm. 1891, Vs- 

In Sammelbänden. 

8« S.-B. 103. 

1. Djurldwi, G., Lifvet i Kinds Härad i Västergötland. 2. Hasdius, 
Das Nordische Museum in Stockholm. 3. Hazelius , Führer durch die 
Sammlungen des Nordischen Museums. 

iSpaiiieii. 

Periodica. 

Butleti del Centre Excursion ista Catalunya. Barcelona. 1888, Juli 
bis Dezember. 1892, Oktober bis Dezember. 

In Sammelbänden. 

•s" S.-B. 9G. Allgemein. Nr. 1—24, s. Spez.-K. S. 42, IX. J.-B. S. 817. 

S^^ Aus diesem Band wurde alles auf Reisen in Spanien bezügliche 
herausgenommen und ein neuer Sammelband 96 d Spanien, Reisen, gebildet. 

Neu kam hingegen hinzu : 25. Acta de la sessiö publica inaugura 
delany 1883—1887 (Associacio Catalinista). 26. Espano romana en el Siglo IV 
de la Era Christiana. 27. Crouzel, A., La peine de mort. Etat de la ques- 
tion specialement en Espagne et en Portugal. 28. Ferreiro, M., Mapa de 
Espanna. 29. d. Diaz, L., Apercu sur les travaux de la section de geo- 
graphie et description de la province de Lugo (Galice). 30. Reglament de 
la associacio Catalinista d'excursions cientificas. 31. Suavedra, E., La 
cuestiön de Andorra. 32. Reglami^nto de la sociedad geografica de Madrid. 
33. Nogueiro, P., Execu(;ao de Pinto Madeira perante a historia. 34. Excur- 
sions al Montseny. 35. Camizares, Ligcras consideraciones sobre el stailo 



Üb 

de las positioiies ('S|)iiiiiiolas del golfu de Guinea. 80. La pi'inia e la soeunda 
colonia escolar. 1887/1888. HT. Deverell, F. II., Aii(l.»-ra. Map 1:80,000. 

S. auch 1*^ S.-U. VI Nr. If) unter Frankreich. 
IHi d Spanien, Reisen. Neuer Sanmielband. 

1. Aiisllug, ein, nach Madrid. 2. Dumeril, Los voyageurs anglais en 
Espagne. 3. Cau-Burhan, B., Etüde sur la vallee d'Aran. 4. Memorias de 
la associaciö Catalinista, II. & VII. 5. Sipiere, EL, Quarante jours en Es- 
pagne. 6. V. Solanas, R. A., Excursions ai Montseny. 

Fol. S.-B. VI. Frankreich, Spanien, Portugal, Italien. Nr. l — s^ 
s. Spez.-K. S. 25, ?,0, 42, IX. J.-B. S. 300, H05, 317. 

Neu: 9. L'Aveuc, literari, artistic, cientific, III. 1. 10. Anielioration du 
Port de Lisbonne. Documents parlementaires. 11. de Llauradö, A., La 
navigation interieure en Espagne. 12. Strauss, L., Conseil superieur de 
Tindustrie et du commerce. Notes et considerations de la 4® section sur Ic 
nouveau tarif douanier de l'Espagne. 13. Nieolan, E. B . Museo paleonto- 
logico pre-iiistorico espannol. 

Süd-Afrika. 

In Eliizelbändeii. 

Cust, B. N., A comparative graminar of the South Africaii Bantu- 
languages. 

In Samnielbänden. 

8<'S.-B. 58. Allgemein. Nr. 1-9, s. Spez.-K. S. 42/43, IX. J.-B. S. 318. 
8« S.-B. 59. Eimelngehiete. Nr. 1—20, s. Spez.-K. S. 43,IX. J.-B. S. 318. 
Neu hinzugekommen : 21. Moffat, Reise zu Moselekatse. 22. caminho 
de ferro de Lom'enco Marques. 

S. auch Portugal. Kolonialpolitik. 

I§üd- Amerika 

(ohne Argentinien, Brasilien, Paraguay und Uruguay). 

8<'S.-B. 94. Süd-Amerika. .Nr. 1—20, s. Spez.-K. S 43, IX. J.-B. S. 318. 
Neu: 21. JBossi, B., El vapor oriental «Charrua» en el Pacifico y re- 
giones Magallänicas. 22. Cr-evaux, De Cayenne aux Andes. 23. Notes sur 
les recentes voyages du D^ H. ten Kate dans l'Amerique du Sud. 24. Geraides, 
Guine Portugueza. 25. Host, F., Exploraciones en los Andes. 26. Hutchin- 
son, J., Across the Andes from Callas. 27. do Nascimento, Viagem pelos 
desconhetidos sectons de Guarapuada, provincia do Parana. 28. Notice 
politique, statistique, commerciale sur les Etats-Unis de Venezuela. 29. 
Peche, la, ä la morne. Terre neuve. 30. Max^paz, V., L'Uruguay. 31. Bicour, 
La carte du Maroni. 32. Rio de la Plata. 33. Soldan, Sistema Hidrogräfico 
del Peru. 34. Torresao, A Lenda de Sume. 35. Triana, J., La Colombie. 
36. Ascencion a el Pichincha. 37. Holmes, W. H., Textile fabrics of Ancient 
Peru. 38. Die Vereinigten Staaten von Columliien. 39. Grin, F., Nos com- 
patriotes au Chili. 



349 



In SainmelbäiKleii 4" und Folio. 

IL, Nr. 1—7, s. Spez.-K. S. 44, IX. J.-B. S. 31U. 

Neu: 6. a Costa, Mensaje del gobernador de la Provincia de Buenos 
Ayres. 9. Gfeller, J"., Etüde economique sur la Republicjue Argentine au 
point de vue special des interets suisses. 10. Morize, H., Esboco de uma 
climatologia do Brazil. 11. Wonner, E., De la industrias y del desarollo 
industrial an la Repüblica oriental del Uruguay, especialniente en Monte- 
video. 12. Wochenblatt, Argentinisches, vom 31. Juli 1890, und Tageblatt^ 
Argentinisches, vom 1. — 4. August 1890 (Juli-Revolution). 13. Südamerika- 
nischer Beobachter 1887, 10. 

Syrien. 

' S.-B. ()5a. 

1. Entwicklung der christlichen Missionen in Vorderasien. Die Nesto- 
rianer. 2. Die Inseln Cypern und Syrien. 3. Die amerikanisclie Mission in 
Syrien. 4. Girai'd, R., Souvenirs d'une campagne dans Je Levant. Las cotes 
de la Syrie et de l'Asie mineure. 



Toukin. 

H' S.-B. 77. Nr. 1— (>, s. Spez.-K. S. 44, IX. J.-B. S. 319. 
Neu: 7. Millot, La question du Tong-kin. 8. Aus Tonkin. 

Karten und Atlanten. 

(arte administrative de la Province de Bac-Xinh — 

> ■■> > ' » > Cao-Bang — 

s > > ^ » Cho-Bo — 

du Dao de Dich-Lam — 

;> » > > » Dong-Trieu — 

* ;> de la Province de Hai-Duong - 

> ;> » » Hai-Ninh 

» > » > » Hai-Pliong 

» ' * > » Ha-Nam — 

» > » > Ha-Noi — 

-> ' » » ' Hm lg- Yen — 

Hung-Hoa — 

Lang-Son — 

» Lao-Kay - 

> Luc-Nam - 

My-Duc 



du Dao de 
de 



a Province de Nam-Dinh 
Ninli-Binh 
» Quang-Yen 

'> r> Son-La 

» Son-Tav 



200,000. 
500,000. 
500,000. 
200,000. 
200,000. 
200,000. 
200,000. 
200,000. 
200,000. 
200,000. 
200,000. 
500,000. 
500,000. 
200,000. 
200,000. 
200,000. 
200,000. 
200,000. 
200,000. 
500,000. 
200,000. 



Carte administrative de la Province de TliaT-Binli — 1 : '2()0,()()(). 
> » » » » » Thai-Nguyeii — 1 : r)( )(),()()(). 

» » » » » » Tuyen-Quaii — 1 : 51 )(),()()(». 

du Dao de Viuh-Yeii — 1 : 2()0,()()o. 

Plan de la ville de Hanoi. 1 : 10,000. 
Carte du Tonkin. 1 : 1,000,000. 
Carte du Tonkin indiquant les postes militaires et les postes de la 

garde civile indigene. 1 : 1,000,000, 
Carte du Tonkin indiquant les Communications telegrapliiques et pos- 

tales. 1 : l,000,ooo. 
Carte du Tonkin indiquant les lignes ferrees et Celles de navigation 
ä vapeur. 1 : 1,000,000. 

Tunis und Tripolis. 

8» S.-B. 44. Archäologisches. Nr. 1 — 10, s. Spez.-K. S. 44, IX. J.-B. 
S. 819. 

Neu hinzugekommen : 20. Perroud, C. L., Coup d'oeil de la Tunisie 
ancienne. 

8° S.-B. 45. Gegemvart. Nr. 1—10, s. Spez.-K. S. 44, IX. J-B. S. 31<J. 

Neu: 11. Au Pays tunisien. 12. Borsari, F., Geografia etnologica e 

storica della Ti'ipolitana, Cirenaica e Fezzan con cenni sulla storia di queste 

regioni e sul silfio della Cirenaica. 13. Häusermann, E., Tunisie et Algerie 

Orientale, 1 : 600,000. 14. Corrispondenzia da Tripoli. 

Türkei. 

8" S.-B. 104. S. Spez.-K. S. 45, IX. J.-B. S. 320. 

Tenezuela. 

Eiiizelbände. 

La exposicion nacional de Venezuela en 1883, Tom I. 
l^otice sur le Venezuela. 

Tereinigte IStaaten. 

In Eiiizelbäiideu. 

Chesapeake Bay, and tributaries. 

Thorn, Methods and results geographics positions in the states of 

Massachusetts and Rhode-Island. 
Sixhee, Deap-sea sounding and dredging. 
United States Coast Pilot. 
Tide Tables for the Atlantic Coast of the United States. 



351 

Periodica. 

Annual report of the board of regents on the Smitlisonian Institution 
showing the Operations , expendictures, and condition of the 
Institution Ibr the year ending juni 80. 1889. Washington. 

Day, D. F., Mineral resources of the United States 1889 and 1890. 
Washington. 

First report on the United States Board on geographic names 
1890—91. Washington. 

Poivell, J. W., Tenth anual report of the United States geological 
Survey to the secretary of the Interior 1888 — 89, S. II, Irriga- 
tion I. Geol 1886/88, S. IL 

Smithsonian Institution. Annual Report of the Board of Regents of 
the S. J. showing the Operations, expendictures, and condition 
of the Institution for the years 1886 — 1889. Report of the 
National Museum. 

Sammelbände Fol. und 4". 

1. Science. Vol. IV. 74, 84, 95. XI. 281. 2. Monthly Weather Review. 
Juli 1884 (W. B. Hazen), Sept. 1885 (Woodruff). 3. Percement de l'Isthme 
auiericain. Expose succinct des divers projets et variantes susceptibles 
d'execution ä soumettre au choix definitif du Jury scientifique international, 
Mars 1879. 4. Council Five. Vol. XII, 1889, Nr. 3. 5. Cap Breton. Novo 
Scotia. Comp, by Gisborne & Hill. 6. Map of British Columbia 1883. 7. 
Glencho Chantanqua 1891 ; 4. (enthält Gatschet, A. S., Origine of the name 
Chantanqua ) 8. Gatschet, A. S., Oregonische Märchen. 9. Census Bulletin : 
1, 20, 24, 26, 50, 51, 56, 69, 91, 92, 105, 109, 110, 112, 114, 121, 122, 124. 
125, 126, 130. 

8« S.-B. 92. Nr. 1—28, s. Spez.-K. S. 46. IX. J.-B. S. 321. 

|3^F" Hier wurde Alles herausgenommen, was sich nicht auf Nord- 
Amerika im Allgemeinen, Stämme, Sprachen und Flüsse bezieht und ein 
besonderer Sammelband 92 a gebildet. 

Neu kamen hingegen hinzu : 29. Bland, T. Ä., A brief histury of the 
lato military invasion of the home of the Sioux. 30. Brover, J. V., Detailed 
hydrographic chart of the ultimate source of the Mississippi River. 31. Do?/, 
Dav. T., ßromine. 32. Day, W. C. Sulphur. 33. Directory of scientifique 
societies of Washington 1890. 34. Kirchhoff, C, Zinc. 35. Morney, J., 
Mythes of the Cherokees. 36. Gatschet, Ä. S., Linguistic and ethnographic 
notes. 37. Verzeichnis der Gemeinden der reformierten Kirche in den 
Vereinigten Staaten, in welchen deutsch gepredigt wird. 38. servico 
meteorologico dos Estados-Unidas. 39. Sumary of the mineral products in 
tho United States. 

31, 32, 34, 39 sind Doubletten, die auch unter Mineralogie aufge- 
führt werden. 

92 a. Einzelnffebiete. 

1 I, 'Alaska. 2. Lehhey, W., Seme of the geographica! foatures of South- 
eastern Alaska. 3. Les Indiens Californiens. 4. Haine, La Californie et 



352 

San Francisco. 5. de Savignon. L'ajiriciilturo oii Calil'ornio. 6. Ilenshaio, 
H. W., Porforated stoiies IVom Calilbniie. 7. Gross, W., On Ilyperslene- 
Andefite and on triclinic pyroxonc in Angitic Rocks. 8. Loclcrcj, .1., Les 
Geysers de la torre des mervcilles. 9. The State of Maine and tlie summer 
resorts. 10. Hoffmann, W. J., Folk-love of tlio Pennsylvania Germans. 
11. Loeio, 0„ Landsciiaften in Texas. 12. Lvdivig, E. D., Vortrag über 
Lonp-Croek in» grossen Kanowlia-Tiial (Wcst-Virgini(;n). 13. Wisconsin. 
Bevölkerung, Bodenljesclian'enlicit, Klima, Handel- Gewerbe- und industrielle 
Verliältnisse. M. Cliicago, Weltausstellung 1893. 15. Fong, P. L. The 
coUeetion of Koreau Morluary pottory in the United States National Museum. 
16. Müller, H. (>'., Oregon und seine Zukunft. 17. Thomas, C, Tiie circular, 
Square and octagonal carthworks of Ohio. 18. Gatschet, A, S., The Karap- 
kara Indians, the coast people of Texas. 

Karten uiul Atlanten. 

PoiccU, Karten des Geolog. Siirvey: Alabama I.o Blatt; Arizona i;-5 Rl.; 
Arkansas 7 Bl. ; California 'J BI. ; Colorado o BL; Connecticut 

Bl. ; Georgia 10 Bl. ; Illinois 7 BL ; Jowa 6 Bl. ; Kansas 31 Bl, ; 
Kentucky 7 Bl. ; Maine 2 Bl. ; Maryland 8 Bl. ; Massachusetts 
52 Bl. ; Missouri 30 Bl.; Montona 8 Bl. ; Neu Mexico 7 Bl. ; 
Neu Yersey 32 Bl. ; Newada ß Bl. ; Oregon 1 Bl. ; Pennsylvanien 
7 BL: Bliode Island 7 BL ; Nord- Carolina BL ; Süd-Carolina 

1 BL; Tennessee; Texas; Utah; Virginien ; Wiskonsin ; Yellow- 
stone. 

Scea Coast and Interiour Harbor of Washington from Grays Harbor 

to Olympia Including Washington Sound 1 : 300,000. 
Mount Deguh Island 1 : 40,000. 
]\[endeiihall, General Chart of Alaska 1 : 3,000,000. 
Davis & l^oschke, Boston Harbor 1 : 40,000. 
Hilgard Coast-Chart. Mississippi River From the Passes to Grand 

Prairie Louisiana 1 : 80,(»00. 
Thorn, Block-Island. Rhode Island 1 : 10,000. 
Mendenhall, Bay and Harbor of New- York 1 : 40,000, 2 Blatt. 
Hilgard, J. E., Pacific Coast from Santa Monica to Pt. Conception, 

including the Santa Barbara Channel California 1 : 200,000. 
Mendenhall, Coast-Chart N° 131. Chesapeak Bay Theet. No l 1 : 80,000. 
Blunt and Harrison, Narraganseth Bay 1 : 40,000. 
Hilgard, San Francisco Entrance. California 1 : 40,000. 
Mendenhall, Thames River. Harbor of New London and approacher 

Connecticut 1 : 20,000. 
Mendenhall, Catalogue of Charts and other publications. 



85S 

West-Afrika. 

In Eiiizclbändon. 

Mon/en, C, Durch Karaermi von Süd nach Nord. Reisen und 
Forschungen im Hinterlande, ISSO bis 1891. 

In Sainmelbäiuleu. 

4" S.-B., s. III. Afrika. Allgemein. Nr. 7. 

so S.-B. 57. Allgemein. Nr. 1—11, s. Spez.-K. S. 4(;. IX. J.-B. S. 321. 

Xeu: 12. Gollmers Reise von Badagry auf der Sklavenküste nach 

Altbeokuta im Königreich Jorulja. 13. 99 Sprichwörter in der Odschisprache 

IJr. Coello, F., La guestion dei Rio Muni. 15. Reisen von Lenz, Buchner, 

Flegel und Pogge im Auszug. 

N° S.-B. 57 a. Einzelgehiete. Nr. 1—1!), s. Spez.-K. S. 47. IX. J.-B. S. 321. 

■^S^ ^^^^ diesem Band sind sämtliche die Guinea-Küste betreffenden 
Artikel herausgenommen und dem Sammelband 119 einverleibt worden. 

Neu kam hingegen hinzu: 20. Carla de Angola. 21. Kaiser, D. W., 
Die portugiesische Expedition nach dem Quango. 22. Die Mission in Sierra 
Leone und ihre Tochter-Missionen. 23. Die Negerkönige in Alt-Calabra, 
2L Jlarial, W., explorations et choses du Soudan. 

Autlii'opologie. 

Periodica. 

Transactions of the Anthropological society of Washington. 

Saminelbäiide. 

M S.-B. 107. S. Spez.-K. S 47, IX. J.-B. S. 322. 

Auswaucleriings-liitteratur. 

s« S.-B HS. Nr. 1—4, s. Spez.-K. S. 47, IX. J.-B. S. 322. 

Neu : 5. Bulletin de la commission permanente internationale pour la 
protection des emigrants (1. Aug. 1891). 6. Em^grations suisses. Enquete 
aupres de Messieurs les consuls de la Conlederation. 7. Bericlit des Eidgen. 
Departement des Auswärtigen. Auswanderungswesen. Administr. Sektion, 
1891 und 1892. 8. Dreifuss, .1., Die ülierseeische Auswanderung aus der 
Schweiz im .Fahre 1888. 

Biograpliieeii. 

s^ S.-B. 115. I. F.d. Nr. 1—15, s. Spez.-K. S. 4S, IX. J.-B. S. 323. 

s" S.-B. IKi. IL Bd. Nr. 1—7., s. Spez.-K. S. 48, IX. J.-B. S. 323. 
Neu: 8. Burton, R. Fr., Sa vie et ses voyages (Regelsperger). 9. Co- 
Iniiiljo, Ciu-ist. 10. Colondj, Les successeurs de. 11. da Costa, Claudia Ma- 
nuel, commemoracao do centenario. 12. Faidherbe (Nekrolog in der Aka- 
XI. Jahresbericht der Geogr. Ges. v. Bern. 1H91— I8i)2. 23 



;!r.-i 

(K'iiuL- lli|i|)(iiie). 1'6. KiippkT, August. 14. Legouda liistorica memoria Jida 
j). .M. de Almeida. 15. von Sydow. IG. de Brilo, Gouus, Elogio histoi-ic(» 
do cunselhoim Autouio Augu^st(t d'Aguilai-. 17. Cordeiro, Lue. Silvan Porlo. 
18. llomeuagi'in a Lue. Cordeiio. ]*). Souvcuir de rinauguration du niounment 
eleve ä AniuhJ Gui/of. (i niai 1892. 



Uaudcliiijt-eograpliie iiiiil Wareiikuiicle. 

Periüdica. 

Bulletin luensuel de la societe des aiicieiis eleves de l'ecole hiupörieure 

de la ville de Geneve, 18!)2, 7 — 20. 
Jahres])ericlit des Würtembergischen Vereins für Handelsgeogr. I. — X. 
Cliambre of Commerce Journal, 11!), 122—124, 12(1, IMO— 18;-;. 
Der Fortschritt. Organ des Kaufmann. Vereins Zürich, isiii, i,s!)2, 

lsü.% 1 — 7. 

In Sainmelbäudeu. 

8° S.-B. 111. Nr. 1—17, s. Spez.-K. S. 48/4'J, IX. J.-B. S. ;-52H/24. 

Ken: 18. Dictionnaire de geographie commerciale. Pro))en. A — Almein. 
19. Eobert, Fr., Fleisch-, Gemüse-, Fisch- und Obst-Conserven. 20. Strauss, L., 
Regime economique. Legislation industrielle et commerciale. 21. Statistical 
abstract for foreign countries for each year from 1873 to 1885. 

Hyfli'ographie. 

Periodica. 

Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 1889 — 1892, 
1893, Vs- 

In Sanimelbäiuleii. 

80 S.-B. 121. 

1. Benteli, Ä., Die Niveau-Schwankungen der 13 grössern Schweizer- 
Seen. 2. Sieger, Mob., Die Schwankungen der hocharmenischen Seen. 
3. Bräclner, Ed., Die Schwankungen des Wasserstandes im kaspischen 
Meer, dem Schwarzen Meer und der Ostsee in ihrer Beziehung zur Witte- 
rung. 4. V. Boguslaiosld, G., Ueber einige Ergebnisse der neuern Tiefsee- 
forschungen. 5. V. Boguslawski, G., Meteorologische und physisch-oceanische 
Beobachtungen während der Ueberwinterung der Nordenskiöidschen Expe- 
dition bei der Beringstrasse 1878 — 1879 und Vergleich derselben mit den 
Beobachtungsergebnissen einiger anderer arktischer Expeditionen. 6. Hoff- 
meyer , N., Studien über die Stürme des nordatlantischen Oceans und 
Projekt eines internationalen wettertelegraphischen Dienstes in Bezug auf 
diesen Ocean.. 7. Hoffmeyer, N., Strömungs- und Temperaturvei'hältnisse 
des Meeres bei Island. 8. Unsere Flüsse. (Russisch.) 9. General insti-uctions 
for geographical works. 10. Ueber die Warmeverliältnisse der Seen. Die 
Entstehung der alpinen Randseen. 



liai*to;2;i'a|>liie. 

Eiiizehverke. 

Hilgard, J. 7'.'., Methods and resiilts tield work of the triangulation. 

— Standard topograpliical drawings. 

— A treatise on the Plane Table. 

— Tables for the projection of niai)S on a policonic development. 
Fatterso)!. C F., Methods and results. Determination of tinie, longi- 

tude, latitude and Azimouth. 

— Directions for measiirement of terrestrial magnetism. 
Schoit, C. Ä., Terrestrial magnetism. Magnetic declination in the 

United rftates for the epoch 1S90. 

Pei'iodica. 

Annuario dell' fctituto cartografico italiano. Roma, 188!). 

Annuaire de Tassociation nationale de topographie pour la vulgari- 

sation des sciences topographiques eii France et iinion militaire 

de ia jeimesse frangaise, 18so/!iO. 

In Sammelbäiuleii. 

S« S.-B. IOC. Nr. 1—8, s. Spez.-K. S. 49, IX. J.-B. S 824. 

9. Boidliillier de Beaumont, Presentation d'une carthographie generale 
pour le meilleur enseignement de la geographie. 10. Bascoi und Fritzsche. 
La rapresentazione orografica u. Luce doppia nella cartografia moderna, 
11. Derrecagaix, Les cartes topographiques europeennes. 12. Ferreira, M., 
Sur la projection zenithale. Equivalente de Lambert. 13. Ostrooumoff, 
Notes explicatives pour la carte etlmographique du gouvernement de Perm. 
14. PencJc, A., lieber die Herstellung einer Erdkarte im Massstabe von 
1 : 1,000,000. Vorschläge der Kommission. 15. Penck, A., Die Herstellung 
einer einlieitlichen Erdkarte im Massstabe von 1 : 1,000,000. Vortrag am 
Kongress. 16. Fritsche, H., Ueber die Bestimmung der geographischen 
Länge und Breite und der drei Elemente des Erdmagnetismus durch Be- 
obachtung zu Lande, sowie erdmagnetische und geographische Messungen 
an mehr als tausend verschiedenen Orten in .\sien und Europa, ausgefülirt 
in ilcri .lahi-en 1867-1891. 17. Whitehouse, 'Irois mrtos ptnIfMiiai((nf^s. 

liitteraturgeseliic'lite. 

Eiiizehverke. 

Bramhtetter, Ilepertorium iilier die in Zeit- und Sammelschriften der 
Jahre lsi2—ls!)oent]ialtenen Aufsätze und Mitteilungen schweizer- 
geschichtlicheii Inhalts. 

In Sainiiielbäiideii. 

.^^ 8.-B. Ii;;. Nr. 1 — lo, s. öpoz.-K. S. :>(», IX. J.-IJ. S ;i2.'>. 

Neu : 11. Bibliograpliie der Landeskunde. Fase. I u. Ha. 12. Cos' K 11 Ih . 



^latlieiiiatik. Astronom io. 

s» S.-Ii. IIJ. Nr. 1—1!), s. Spez.-K. «. -ll, IX. J.-IJ. S. H2(i. 

U^^ liier wunli' für riiicu besdiidcrn Saiiiinrlhaud 112 a lici'aus- 
.iroiimiinuMi. was sich auf Einheitlicher Mcrididii und Weltzeit bozielil. 

Neu kam iiiii.uc.m'ii hinzu: 20. Ackermann, K., Bestimmung dor urd- 
mat-nietischcn Inklination. 21. Bossi, B., Le maclii soiari cau.se ed efTecti. 

22. Bossi, B., Las manclias solares y ol estado actuel de nuestro plancta. 

23. Extrait dos rapports de la commission du ministero de la marine snr 
Fexposition d'electricitö ä Vienne. 24. Graf, J. H., Notizen zur Geschichte 
der Mathematik und der Naturwissenschaften in der Schweiz. 25. Tamborel, 
Tesis. Examen profesional de ingeniero geögrafo. 2(3. van Tricht, Des 
nivellements geographiques et du degre de precision qu'ils coniprennent. 

Eiiiheitlicliei* üleridian und Weltzeit. 

s" S.-B. 112 b. 

1. Crids, L., II meritliano inicial. 2. Documents relatifs ä rmiiiication 
de riieure et ä la legislation du nouveau mode de mesurer le temps. 
o. Fleming, S., Time-Rekoning for the twentieth Century. 4. Förster, W., 
Zur Beurteihmg einiger «Zeiti'ragen », insbesondere gegen die Einführung 
einer deutschen Normalzeit. 5. II meridiano iniziale e 1' ora universale. 
ß. Lullin, Ed., Institution d'un meridien central unique et d'une heure 
universelle avec maintien de Theure locale. 7. Osborne, W., Haben die 
vorgeschlagenen Neuerungen in unserer Zeiteinteilung Aussicht eingeführt 
zu werden ? 8. Wanvermanns, La question du premier meridien. 9. Graf, 
J. H., Die Einführung der Stundenzonenzeit und ihre Bedeutung für Handel, 
Verkehr und das bürgerliclie Leben der Schweiz. 10. d'Almeida, J. B., 
A (|uestao do meridiano universal. 

Hedizin. 

8° S.-B. 110. Xr. 1—1), s. Spez.-K. S. 51/52, IX. J.-B. Ö. 82(1/827. 

Neu: 10. de Ahreu, cholera morbus. 11. Charhonnier, Maladies et 
facultees diverses des Mystiques. 12. Charhonnier, Rapport fait ä la depvi- 
tation permanente du Brabant concernant l'erection d'asiles provinciaux 
d'alienes. 

Meer. Seewesen. Schilt'alirtsknntle. 

so S.-B. 112 a. Nr. 1—0, s, Spez.-K. S. 52, IX. J.-B. S. 827 (woselbst 
der Druckfehler -14 a in 112 a zu korrigieren ist). 

Neu: 10. Chaix, Em., La circulation oceanique generale. 11. Hots, Bud., 
Ueber Tiefe, Temperatur und Strömungen des Meeres. 12. Las semejanzas 
existentes en la geografia fisica de los grandes oceanos. 13. Sieger, Bob., 
Die Schwankungen der hocharmenischen Seen seit 1S(X) in Vergleichung mit 
einigen verwandten Erscheinungen, 14. Arosenius, J. F. N., Om terrain- 
laera. 15. Elfing, N. A., Om lorslagen tili Kanal mellan Atlanten och 
Stilla hafvet. 



857 



Meteorologie. Erdbebeii-Litteratur. Kliiiiatolog:ie. 

Periodica. 

Aniiuario del observatorio astronömico nacional. Mexico. XI. u. XIII. 
Bericht der meteorologischen Kommission des Naturwissenschaftlichen 

Vereins in lU'ünn über die Ergebnisse der meteorologischen 

Beobachtungen. 
Jahrbücher der Central-Anstalt für jMeteorologie und Erdmagnetismus 

in Wien, Issü/do. 
S. auch Central-Amerika. Brasilien und ]\Iexico. 

In Saiiiinelbäiideii. 

40 S.-B. IX. Nr. 1— (i, s. Spez.-K. S. 52, IX. J.-B. S. ;^.27/82.s. 

Neu: 7. IJoletin trimestral de Instituto meteorologicu iiaciiial. San Jose. 

I. III. 8. Forster, A., Die Schweiz. Erdbeljen in den Jalireii 1882-1886. 

9. Forster, A., Jalirl)üclier des Tellurischen Observatoriums zu Bern, 1881. 

10. Hann, J., Zeitschrift der österr. Gesellschaft für Meteorologie, 1880. Ser. 

II. Heim, Alb., Die Schweiz. Erdheben vom November 1879 bis Ende 1880. 
12. Meteorologische Betrachtungen, ausgeführt vom Meteorologischen Obser- 
vatorium tler Landwirtschaftlichen Akademie bei Moskau, 1890. 2. Hälfte. 

80 S.-B. 112 b. Nr. 1~8, s. Spez.-K. S. r>3. IX. J.-B. S. :-!2S. 

(NB. Ziffer 112 ist an betreflender Stelle in 112 b abzuändern). 
Xeu : 4. Blytt, A., On variations of climate in the course of time. 
5. Bossi, B., La causa principale dei terremoti e di altro perturl)azioni della 
natura. 6. de Lapparent, A., La role du temps dans la nature. 7. Mar- 
tinen, J. S., Un trou ä la terre. 8. Simony , Fr., Der Schlatenkees. 
9. Simony, Fr., Das Schwinden des Karlseisfeldes nach 50jährigen Beob- 
achtungen und Aufnahmen. 10. Woejlcoff, A. J., Ueber den jährl. Gang 
der Temperatur in St. Petersburg und einigen andern Orten. ll.Woe,il<ofl,A.J.. 
Ueber die Temperatur in den letzten 10 Jahren, 1882—1892.* 12. Guy, A,. 
Le Sahara et la cause des variations que subit son cliinat depuis les temps 
■ historiques. 13. Guy, Alf., La prevision du temps. Les grands mouvements 
de Tatmosphere sur la terre et sur le planete Mars. 14. Ackermann, C, 
Bestimmung der erdmagnetischen Inklinrdinn in Kassel. 



]fIis»ioiiMwe.«cii. 

<s« S.-B. 117. Nr. \-V.\ s. Spez.-K. S. 5;;. IX. J.-B. S. :;2.s. 

Neu: 14. Cust, E. N., Communication on the Occupation of Africa by 
the Christian .Missiunnarics of Kurope and Nortb-America. 

* In russisclicr Sprache. 



:i58 

31iii<'ralo«ie. 

.s^ S.-i;. losa. 

1. lliiiMx. 2. Dnniiiiir (l);iy). o. (.llii-oniiiiiii (Day). 4. Clniil (Asliliuniei'). 
5. CnluUt (Day). ('.. C.ipiuT (KiffliliolV, C). 7. Fcrtilitzei's. 8. Fluorspar. 
!). Gold aucl Silver. 10. Ciaiiliilo (Hali()i-;4). 11. (.lyiismu. 12. .lodiiie (Day). 
13. Maiiulacturo of Cooks (Wooks). 14. Miiiei'al iiaiuts. 15. .Miuiu^ law 
(Gould). 16. Nickel. 17. Nickel and Gobalt. 18. .Novaculite ('runiei'). 
18a. Platinium. 19. Pyrites (Rotliwell). 20. Quicksilvcr. 21. (Juicksilver 
retluction at New-Almadeu (Chi'isty). 22. Salt (Raborg). 23. Salt. 24. Striic- 
tui-al inaterials. 25. Strontium. 26. Sulpiiur (Day). 27. Suumiary ol" tho 
niineral products of the United States. 28. Tin. 29. Tin, Tinigstoii, Vlu- 
niinuni and Platinuni. 30. Ziue (KirchliolT). 

Die vorgenannten ßroscinii-eii sind Sep.iratal)/.üge aus d.Mineral resources 
ol' (ho United States». 

Xatiirwii^senscliaft. 

Periodicu. 

Aiiiialeu lies historischen Hofmuseums in Wien l.s;)l, iSii'J, I/i!. 
Bulletin de la societe imperiale des naturalistes a Moscou. 18i)(> 

bis 1892, 3. 
Bericht der Naturtbrschenden Gesellschaft in Bamberg, XV. 
Jahresbericht des Vereins für Naturkunde in Kassel. XXVIII. 
Memoires de la societe des sciences naturelles et medicales de Seine 

et Oise, Versailles. 14. Bd. 
Mitteilungen der Naturforschenden Gesellschaft in Bern. Nr. Ii21.'> 

bis 1278. 
Schriften des Naturhistorischen Vereins für Schleswig-Holstein, II 2, 

III— VIII, IX. 1/2. 

In Sainirielbäiuleii. 

8° S.-B. 108. Nr. 1-U, s. Spez.-K. S. 58/54. IX. J.-B. S. 328/329. 

Neu: 15. Coordes, G., Gedenktage der Naturforscher. 16. Llermo, J., 
El elefante fösil del vijo y del nuovo continente. 17. Mäe 3Iinha, Fauna 
dos Lusiadas. 18. Schweizerische Xaturforschende Gesellschaft. 19. Sipiere^ 
Zur Botanik. 20. Palachy, G., Die Verbreitung der Fisclie. 

Pädagogik. 

Periodica. 

Der Pionier, 1891, 1892, 1893. 1/2. 

Philosophie. 

Periodica. 

Proceedings of the American Philosophical Society Philadelphia. 
Vol. XV— XXX (Dez. l.sTO bis l.s9i) nebst Katalog I-IV. 



Boletin de la Acadeinia national de Ciencias eii Cordoba Rep. Arg. 

1>>!) : 4. ls;t() : 7. 
Verhandlungen des Deutsch-Wissenschaftlichen Vereins in Santiago, 

1.— (i. Heft. 
Puhlicazioni della Specola Vaticana, II. 1891, 
Memorias de la soc. cientitica Ant. Alzate Mexico, 189:2. l-fJ. 

Reisen im Allg'eiiieineii. 

Thomson, J. S., Practical suggestions to travellers. 

Politik. 

Periodiea. 

The Nation, 1891, 1892, 189» Januar— März. 
Revue diplomatique. Paris 1891, 1892, 1898. 1/13. 

Spracliwisseiisehaftliches. 

In Einzelbäiulen. 

Poussie, Manuel de conversation en trente langiies. 
109. Xr. 1—8, s. Spez.-K. S. r,5. IX. J.-B. S. 829/330. 

Xr. 1 wurde herausgenommen und mit neu lünzugekommenem Sammel- 
liand 109 a Spi'achwissenschaftliches: Amei'ikanische Spi-achen, vereint. 

Neu kam liinzu: 9. Os dialectos romanicos ou neo-latinos na Africa, 
Asia e America. 10. Phoenix seu Nuntius Latinus Internationahs. Probe- 
nunimer. 12. Etüde sur l'expression » Mot-Tamont «. 

8" S.-B. 109 a. Amerikanische Sprachen. 

1. Gatschet, a. S., Linguistic notes. 2. Gatschet, A. S., Verzeichnisse 
der von ihm verfassten sprachwissenschaftHchen Artikel. 3. Gatschet, A. S., 
Sex-denoting nouns in American languages. 4. Gatschet, A. S., Illustration 
of thp method of recording Indian languages. 5. Gatschet, A. S., Sinti, der 
erste Mensch. 6. Gatschet, A. S., Populär rimes from Mexico. 7. Gatschet, A. S., 
Archaeology. 8. Pilling, .1. (1., Biijliograpliy of the Siouan languages. 
9. Pilling, J. C, Bibliography of the Jroquian languages. 10. Wells and 
Kelly, English-Eskimo and Eskimo-English vocabularies. 11. Marinj, W., 
Le double' origine du francais demontree par le strosigraphio. 



— fsM^siP^- 



XXIV. 



Verzeiclmis der ethnographischen Gegenstände aus 
Dahomey, Yoruba u. a. 0., 

welche Herr ERNEST BARTH, Kaufmann in Whydah, der 
Geographischen Gesellschaft geschenkt hat. 



Die wertvollen Geschenke des Herrn Barth wurden, einem Be- 
schluss der Geographischen Gesellschaft entsprechend, der Ethno- 
graphischen Sammlung des Antiquarischen Museums übergeben, 
selbstverständlich unter "Wahrung des Eigentumsrechtes der Gesell- 
schaft. Nach einer Mitteilung des Direktors des Antiquarischen 
Museums, Dr. Edm. von Fellenberg, wurden diese Objekte im alten 
Museum aus Mangel an Platz provisorisch aufgestellt, um später im 
neuen Historischen Museum in schöner Aufstellung nach Gebühr 
gewürdigt werden zu können. 

Wir lassen hier nach einer gütigen Mitteilung des Herrn von 
Fellenberg das Verzeichnis der geschenkten Objekte folgen: 

1 . Einer/rosse Ccdehasse (Kttrbisschale) verziert durch eingeschnittene 
Zeichnungen in Bänder- und Zickzack -Ornamenten; auf dem 
Deckel zwei Schildkröten (Krokodile?) graviert. 

2. Eine Meine Ccdehasse (Kürbisschale) verziert durch eingesclmittene 
Zeichnungen in Linienornamenten ; der Deckel verziert durch 
ä joiir geschnitzte sternföi'mige Ornamente. 

r>. Eine Jdeine Calehasse von gelber Farbe, glatt poliert mit Deckel 
ohne Verzierung. 

4. Ein Stuhl der Häuptlinge aus weissem Holz mit drei Beinen, 
das Ganze aus einem Stück geschnitzt; die Sitzfiäche ist durch 
eine eingravierte Zeichnung, ein Kissen darstellend, verziert. 

5. Eine Streitaxt von Eisen mit braunrotem harthölzernem Stiel und 
Rückenschneide von Eisen ; die Schneide ist durch eine meertier- 
ähnliche Zeichnung verziert. 



I 



361 

f). Eine Axt von Eisen mit weisslicligelbem liartliölzerneni Stiel 
und Piückensdineide von Eisen. Die Schneide liegt quer zum 
Schaft und scheint eher als Fddhacke zu dienen. 

7. Ein sauber geflocJitener Korh aus Bastgeflecht mit dito Deckel, 
bemalt mit roten und schwarzen Strichen, in geometrischen 
Figuren. 

8. Ein Meiner Korh von derselben Arbeit mit gleicher Verzierung. 
J). Eine Anzahl (Ui Stück) kleinerer und grösserer Schnüre mit 

aufgezogenen Caivri- Muscheln. 

10. Eine Kopf mutze mit Troddel aus feinem Strohgeflecht, schwarz, 
rot, blau und gelb bemalt. Für Europäer verfertigt. 

11. Ein grosser flacher Hut aus grobem Rohrgeflecht zum Schutz 
der Weiber mit angehängtem Kinde bei der Feldarbeit. 

12. Ein silbernes Gehänge in Form eines Medaillon an einem Quer- 
stabe mit kugelförmigen Anhängseln, an einer dünnen silbernen 
Kette. 

lo. Ein Stüch Baumwollenstoff mit eingeflochtenem Grasgewebe von 
feinster Arbeit, naturfarben in grossen Carreaux dunkelblau 
und safrangelb bemalt. 

14. Ein StücJc Stoff aus feinstem Grasgeivebe mit Endefransen, 
naturfarben in blauen Strichen bemalt, mit Einschlag von Baum- 
wolle. 

15. Ein StücJc Baumivollenstoff mit Zeichnungen in Form von Qua- 
draten, in Linien abgeteilt, mit Einschlag in Grasgeflecht, blau 
und safrangelb bemalt. 

16. Ein StücJc Baumivollenstoff mit Grasgewebe von feinster Arbeit, 
dunkelblau und gelb gestrichelt. (Das Grasgewebe von Natur- 
farbe.^ 

17. Ein StücJc Baumwollenstoff von roter Grundfarbe mit gelben, 
grünen, hell violetten und schwarzen Strichen verziert, aus ein- 
heimischem Garn extra für den König gewoben. 

18. Ein grosses StücJc iveissen Baumivollenstoff es aus engliscJiem Garn, 
extra für den König gewoben, mit breitem blauem Rand und 
eingewobenen Verzierungen in Form von Quadraten, Kreuzen. 
Rhomben und anderen geometrischen Figuren in roter, grüner 
und schwarzer Farbe. Gesclienlc des Königs. (Wert 200 Fr.) 

1!». Ei)tc ScJiale ans getriebenem Messingblech mit eingepunzten 
Linear- und Blattornamenten, aus SoJcoto (arabischer Einfluss). 

20. Eine Kopfmütze aus feinem l^astgeflecht mit Quaste, mit schmalen 
und breiten schwarzen und schmalen gelben und roten Strichen 
verziert, 



:i02 _ 

21. Eine Arbcitstasehe aus Bast mit llenkoln uml lläniiesclmiireii, 
ver/iert diircli schwarze, satVan.uelbe und Itrauurotc Striche und 
geometrische Figuren. 

•J'J. Jviiie luwersierte Calehassc (Kürbisscliide) mit dito Deckel. 
Xr. 1—22 inkl. ans IJahomei/. 

2;>. Ein StiicJc Bitterlioh zum Zilhiiepiitzen aus Yornha. 

2 t. 7:7^/ Korb aus Jiast t/rflochtcu, inwendig aus braunroten, schwarzen 
und gelben Bastschnüren verfertigt, auswendig mit schivarsem 
Lcder Hbcr^or/nii, verziert durch geometrische Figuren in rotem, 
violettem, grünem und blauem Sammet (curopäiscli) und kleinen 
viereckigen Spiegeln (europäisch), eingefasst in hellblaue Leder- 
schnüre; auf dem kegelförmigen Griff des Deckels ein blauer 
Sannnetknopf, Yoruba. 

2.'). Ein Paar Fanto/fehi (Babuschen) aus dunkelgrünem Leder, die 
Sohle aus braunem Pelz, das Haar nach aussen, auf dem Deck- 
leder eine Verzierung in Wollenstickerei, eine sternförmige Zeich- 
nung in schwarz, blau, gelb und rot, darstellend. SoJcotb im 
Westsudan. 

2(i. Eine gedruclüe Grammatik in Yoruba- Sprache. (London 1S80. 
Church Missionary Society.) 



Diese Gegenstände befinden sich (s. o.) in der Ethnographischen 
Sammlung des Antiquarischen Museums. Der Revers bezüglich des 
Eigentumsrechts ist in unserm Archiv unter I .^ : 17s2 und 17i)0 
aufbewahrt. 



XXV. 

Mitglieder-Verzeichnis 



der 



Geograpliischeii Gesellschaft von Bern. 



I. Ehrenmitglieder. 

Zeitpunkt der 
Ernennung. 

1. Annenkort';, General, in St. Petersburg. 1891 

•2. Antonelli, Graf Pietro, Depute, Rome. 1S91 

?u Bonvalot, H., Paris. 1891 

4. Boutliillier de Beaumont, President honoraire de la Societe 

de Geographie de Geneve. 1880 

5. Büttikofer, J., Conservator des Museums in Leyden. 1883 C. 1891 

6. Caetani, D. Onorato, Duca di Sermoneta, President de 

la Societe de Geographie, Ptome. 1884 

7. Camperio, Red. de! Esploratore >, Milano. 1879 

8. de Coello, F , Oberst, President de la Societe de Geographie 

de Madrid. 1891 

9. Cora, Guido, Professor in Turin. 1892 
K). Coudreau, H., 4 Croix des Petits Champs, Paris. 1891 

11. Gauthiot, C, President de la Societe de Geographie 

commerciale, Paris. 1^79 G. 1884 

12. Hagen, Professor, in Bern. 1878 

13. Hennequin, F., President de la Societe nationale de 

topographie ])ratique, Paris. 1879 

14. Henri d'Orleans, Prince, Paris 1891 

15. Hubert, W., Vizepräsident der Geographischen Gesell- 

schaft in Paris. 
1<). Ilg, .Jos, Ingenieur in Schoa, Abessinien. 1892 
17. Lenz, Dr., Oskar, Professor in Prag. l-'^82 
In. Lindemann, M., Präsident der Geographischen Gesell- 
schaft in IJremen. 1884 



_804 

Zrilpiinkt (Ilt 
Ernennung. 

19. de Loczy, L. Professor in Uudapest. is'.tl 

20. Mauiioir. C'h., Secn-taire tit'iu'ial tle la Soci^t{> de Geogra- 

idiie de Paris. 1^78 

•Jl. Menelik, König von Abessynien. 1892 

22. Moser, H., Ciiarlottenfels, Schati'hausen. 188H 

23. Nansen, Dr. F., in Christiania. 1801 

24. Negri, Cliristoforo, Baron, Mailand. IsTi) C. I8s4 

25. Nordenskj(»ld, Baron A. Z., Professor in Stockholm. 1891 
2G. Pictet de Rocliement, Aug., Colonel, anc. President de la 

Societe Suisse de topographie a Geneve. issl 

27. Rabaiid, A., President de la Societe de Geographie, 

Marseille. 1879 

28. von liichthofen, F., Freiherr, Prof., Berhn, Universität. 1879 

29. Boland Bonaparte, Prinz, in Paris. 1884 C. 1891 

30. Schatter, Alb., Professor Dr., Nashville, 305 Main Street, 

Tennessee. 1878 

31. Scherrer-Engler, gew. Präsident der Geographischen 

Gesellschaft, St. Gallen. 1179 

32. Sprenger, Alois, Dr., Universitätsprofessor in Heidelberg. 187!» 

33. von den Steinen, Karl, Professor, Barfüsserthor 2s, Mar- 

burg. 1891 

34. von Stubendorff, 0., Generalmajor, Chef der Karto- 

graphischen Abteilung im Topographischen Depot, 

St. Petersburg. 187!» 

35. Vilanova y Piera, Juan, Professeur de Paleontologie, 

Madrid. 1884 

36. Watanabe, Hieronim, Secretaire de la Societe de Geo- 

graphie, Tokio, Japon, Nishikonyamachi , District 
Kiobasi 19. 1H81 

37. Wauvermanns, H., Colonel, President de la Societe de 

Geographie, Anvers. l''^79 C. Iss4 

38. VVoeikoff, A., Professor in St. Petersburg. 1888 

Dr. Willielin Junker in Wien und H. F. Blanford in Folkenstime, im .lahr 
1891 als Elirenmitglieder aufgenonimou. wurden uns durch den Tod entrissen. 

Im Jahr ls93 bis zur Fertigstellung des Berichts wurden noch 
unter die Zahl der Ehrenmitglieder aufgenommen die Herren 
Forel, Professor in jMorges. 
Penck, Professor in Wien. 
Wild, Direktor der Sternwarte in St. Petersburg. 



3(.»5 



II. Korrespondierende Mitglieder. 

Zi-itpunkt ilcr 
Ernennuiifr. 

1. Alemami, .!., Redaktor des ^Argentinischen Wochenblattes", 

lUienos-Aires. 188(> 

2. Amrein-Bühler, Professor in St. Gallen. 1870 
n. Audebert, Jos., Schloss La Haute Besoye, .Metz, Loth- 
ringen. 188,3 

4. Barbier, Secretaire general de la Societe de Geographie 

de TEst, Nancy. 1879 

.'». Blösch, Dr. Professor., Oberbibliothekar in Bern 1884 

(), Borel, Louis, lils, Bureau international des Postes, Berne. 188:> 

7, Brachelli, Hugo, k. k. Ministerrat, Wien IV. Wohlleben g-asse 14 

s. Brunialti, Dr. .\.. Professore, Via Bucheron IV Torino 

!i. Burkel, A., 7 — s, Idol Lane, London E. C. 

K). Ceresole, S. Victor, Consul Suisse, Venise, Italie. 1884 

11. Charpie, E., in Fa. Charpie & Cie. in Bombay. 1884 

12. de Claparede, Arthur, President de la Societe geographique 

de Geneve 1889 

18. Dechy, Maurus, Pest, Valerie-Strasse, Thomshof. 1879 

14. Espada, Jimenez de la, Professor, jNIadrid. 
1 •'). Farine, E , Bibliothekar der Geographischen Gesellschaft 

in Neapel. 
Iti. Faure, Gh., Redacteur de TAfrique exploree, Champel, 

Geneve. 1 >!>>4 

17. Du Fief, Professeur, Secretaire general de la Societe 

de Geographie de Bruxelles. 1879 

is. Gatschet, A. S., Postoffice-Box 591, Washington, D. C. U. 

St. N. A 1888 

1!». Hegg, Em., Pharmakolog, San Miguel, Kepublik San 

Salvador, Central-Amerika. 1884 

•Ji). Heiniger, Louis, Negociant, Medellin, Ver. Staaten von 

Columbia, Süd-Amerika. 1884 

21. Ilotfmann, W. ,J., Dr. med., Secretaire general de la So- 

ciete Anthropologique P. 0. B. 891, Washington, D. C. 

U. St. N. A. b^>"'> 

22. Kan, Professor in Amsterdam. 18s2 
28. von Korseritz, Karl, Pterlaktor der ., Deutschen Zeitung"' 

in Porto Alegre, Provinz Rio Grande do Sul, Brasilien. Ins:» 

24. de Laroche, Maurrion, Dr. med., Versailles. 1891 

20. Levasseur, Membre de Tlnstitut, Paris. 187s 

2t). Ll4ras-Triana, Professor der Geographie in Bogota. lss8 



/fiilpunkl (lor 
Ernennung. 

'21. von Marteus, Itr. Ed.. Bciiiii, Kiirfürstenstiasse ;!.'), N. W. Issi 
•Js. de Malortie, Baron, Club Khedivial, au Caire, Egypte Iss:, 

•J!». Mauzoni. Henzo, i)r. Adr. Sodeta Geografica Italiana. 

llouia. Issi 

:>(). Meiigeot, .Vlbert, Secretaire-Adjoint de la Societe de 

Geographie commerc, Rue Ste-Catherine 1 r.i, Bordeaux 1 s^i! 
:;i. Meulemauns, Aug.. anc. eonsul general. Secretaire de Le- 
gation, Rue Lafayette 1, Par's. 1ns2 
:i2. Mine, Albert, Professor, Xegociaut, Offlee d'academie, 
Seeretaire general de la Societe de Geograpliie. Dun- 
kirclien. issl 
Ho. Monner-Saiis, R., Consul general de Hawaii. IJarcelona. I.ss4 
H4. Nuesch, Dr. J., Professor in Scbaffliausen. issi 
/).'). Pequito, R. A., Professeur a. Tinstitut industriel et eoni- 

merciale ä Lisbonne. isj!) 

:>(). Pereira, Ricardo, Secretaire de la Legation des Etats- 
Unis de Colombie, Paris. bss;; 
H7. Petri, Prof. Dr. E., in St. Petersburg, Universität. 1887 
>)S. de Poulikowsky, A., Colonel, Professeur de Geographie, 

St-Petersbourg. 187!) 

;-)!). Pumpelly, Raphael, Director of the Northern Transconti- 

nental Sarvey, New-Port, Rhode-Island. U. S, N. A. 188.-) 

4U. Randegger, J., Kartograph in Winterthur. 1885 

41. Rathier-du Verge, Konsul der Vereinigten Staaten in 

Vivi, Kongo. 188H 

42. Regelsperger, Gust., Dr. jur., Paris. 188.-5 
4.3. Restrepo, Dr. Alb., in Bogota. 1891 
44. Restrepo, Vinc, Minister der Vereinigten Staaten von 

Columbia. 1890 

4.5, Robert, Fritz, Ingenieur in Wien. 1884 

40. de Sanderval, Olivier, Vicomte, Paris. 

47. Sauter, K^rl Ingenieur der Intern. Afrika-Gesellschaft, 

Seilergraben 2!i, Zürich. 1^*85 

48. Schmidt. Waldemar, Professor, Kopenhagen. 

49. Sever, Conmiandant, Chef d'Etat-Major, Bourges, dep. 

eher. 1-^7 

50. von Steiger, Marc, Ingenieur, care of M. Pfund-Ober wyl, 

St. Kilda, Melbourne, Australien. 

51. Strauss, Louis, Consul Suisse, Anvers, ;'.o, Rue Van Dick 

(Parc). 187;) 

52. de Traz, E.. a Versoix pres Geneve. 1880 



367 

Zeilpunkt der 
Eniennung. 

5o. Uribe-Angel, Manuel, Medellin, Ver. St. von Columbia, 

Süd- Amerika. I,s.s4 

54. Vämbery, Prof. in Budapest. 1870 

.')5. Warren-Tucker, William, l>oston.Massachusets,U. St. N. 15. IsSo 
■)(;. "NVälchli, Dr. Gust., in Bueuos-Aires. iss:-; 

")7. Wauters, A. J., Membre de la Societe Eoyale Beliie de 
Geographie, Bruxelles, Rue St-Bernard 4!). 

ill. Aktive Mitglieder in Bern. 

1. Aktienspinnerei Felsenau. 

2. von Allmen, Lorraine, Jurastrasse (i. 

o. Aeschlimann, A., Kontroiingenieur beim Eisenbahndepartement, 

Neues ßundesrathaus. 
4. Bahner, Dr., H. F., Privatdozent, Mattenhofstrasse 11. 
b. Baer, Bernard, Negotiant, Christoffelgasse G. 
G. Becheraz, Bankier, Eabbenthalstrasse 7!J, 

7. Beck, Alex., Privatier, Marzilistrasse 8. 

8. Beck, Ed., Piehefkartenfabrikant, ^larzihstrasse n. 

!•. Beck, Gottl, Dr. phil, Vizedirektor des Freien Gymnasiumi^. 
Gryphenhübeliweg 8. 

10. Behle, J. H., Buchdruckereibesitzer, Kramgasse 40, 

11. Bebra, Albert W., Negotiant, Bundesgasse oG. 

12. Benoit-von Müller, G., Dr. jur., Landhof. 

lo. Benteli- Kaiser, V. D. M., Muesmatt, Fabrikstrasse 1. 

14. Berchten, Wilh., Angestellter der Erzielmngsdirektion, Spital- 

gasse G. 

15. Berdez, Henri, Professor der Tierarzneischule, Tierspital. 

l(i. Bernische Sektion des Vereins für Handel und Industrie (Herr 

Ziegler, Vorstand des Verkehrsbüreau). 
17. Bessire , Em.. Lektor der französischen Sprache, Brücken- 

strasse 4. 
IS. t Biedermann, Aug., Kreispostkassier, Marktgasse SH. 
11». Blau, C, Negotiant, Schauplatzgasse 7. 

20. Blum-Javal, Anat., Negotiant, Bärenplatz 2. 

21. von Bonstetten, Arth., Ingenieur, Laupenstrasse 7. 

22. von Bonstetten -de Roulet. Aug., Dr. i)hil., Laupenstrasse 7. 
28. Bräm, Jak., Postbeamter, Keicheribachstrasse 1. 

24. Brückner, Ed., Prof. Dr., Stadtbachstrasse 42. 

25. Brunnor, Otto, Bauunternehmer, Länggasse (lij. 

2G. lirunner, Dr.. Rudolf, Nationalrat, Bundesgasse l(i. 



368 

L*7. l>niniuT-Al).vs, Hugo, llirscluMigraben .!. 

•Js. lirunner- Wyss, Ed., Forsttaxator, Spitalackerstrasse 38. 

'2\l r.rüstlein. Alfr., Dr. jur., Stadtbachstrasse 2(1. 

;>(). von Büren -von Salis, Eng., Sachwalter, Nydeckstrasse 17. 

;n. Burkluirt-lrruner, J. U., Bankier, Marktgasse 44. 

:»2. Burren, F., Redaktor des IJerner Tagblatt, Nägeligasse ;>. 

;->;-». Cadisch, J , Lehrer am stildt. Gyninasinni, iMarktgasse 54. 

o4. Coaz, J., eidgen. Oberl'orstinspektor, Neues Bundesrathaus. 

?)."), Cuenond, Arth., Privatier, Gurtengasse G. 

o<i. Cuttat, Alfr., Sekretär der Eidgen. Alkohol Verwaltung, Spital- 
gasse 28. 

37. Dapples, E., Ingenieur, Weissenbühlweg 12. 

38, Davinet, Ed., Inspektor des Kunstnmseums, Waisenhausstrasse 12. 
30. Desgouttes, L., Oberst, Pavillonweg 5. 

40. Devenoge, And., Inspektor, p. Adr. HH. Ernst u. Cie., l>ären- 

platz 4. 

41. Dreifuss, J., Vorsteher des Auswanderungsbureau, Administrativ- 

Abteilung, Zähringerhof. 

42. Droz, Numa, Vorsteher des Intern Bureau für Eisenbahnfracht- 

verkehr, Kanonenweg 12. 

43. Ducommun, El., Generalsekretär der J.-S., Schanzenbühl, Kanonen- 

weg 12. 

44. Ducommun, Jules, Dr., Staatsapotheker, Obere Villette, Hoch- 

bühlweg 3. 

45. Dumont, Dr., F., Arzt, Kramgasse 82. 

46. Eggli, Fr., Regierungsrat, Läuggasse, Zähringerstrasse 7. 

47. von Ernst -von Steiger, Ferd., burgerl. Domäneverwalter, Bundes- 

gasse 6. 

48. Fankhauser, Franz, Dr., Adjunkt des Eidgen. Oberforstinspektorats, 

Neues Bundesrathaus. 

49. t Fankhauser, Joh., Gymnasiallehrer, Lorraine, Jurastrasse 5. 

50. Feldmann, Rud., Lehrer, Felsenburg. 

51. von Fellenberg - von Bonstetten, Edm., Ingenieur, Rabbenthal, 

Nischen weg 3. 

52. Forster, Dr., Aime, Professor, Grosse Schanze, Sternwartstrasse 5. 

53. Francke- Schmidt, Alex, Buchhändler, Bahnhofplatz. 

54. Frey, Emil, Bundesrat, Länggasse 83. 

55. Frey, Dr., Hans, Gymnasiallehrer, Länggasse, Landweg 1. 

56. Frey, J., Revisor der Telegraphendirektion, Marzilistrasse 22. 

57. Frey-Godet, R., Sekretär des Internationalen Gewerbebureau, 

Rabbenthal, Oberweg 10. 

58. Freymond, Em., Dr. Prof., Junkerngasse 3. 



369 

59. von Frisching, Rud., Schlösslistrasse 5. 

60. Fütterlieb, A. L. J., Beamter der J.-S., Effiniierstrasse 65. 

61. Galle, H., Sekretär des lutern. Postbureau, Etfingerstrasse 48. 

62. Garnier, Paul, Xegotiant, Kätiggässchen 4. 

63. Gascard, F. L., Uebersetzer im Internat. Telegraphenbureau, 

Bundesgasse 82. 

64. Gauchat, L. E., Civilstandsbeamter, Xydeckgasse 15. 
(55. Geelhaar-Nicod, Phil., Negotiant, Bundesgasse 6. 
(jß. Gerber, Gh., Journalist, Bundesgasse 2. 

67. Gerber - Schneider, Christ., Kaufmann, Stadtbachstrasse 58. 

68. Gerster-Borel, Notar, Amthausgasse 5. 

69. de Giacomi, Joach., Dr. med., Bärenplatz 4. 

70. Girard, Prof., Dr. med., Laupenstrasse 1. 

71. Girsberger, J., Kaufmann, Zeughausgasse 24. 

72. Girtauner, H., Ingenieur, Zieglerstrasse 38. 

73. Gobat, Dr., A., Nationalrat, Laupenstrasse 1. 

74. Gobat, Ernst, stud. jur., Laupenstrasse 1. 

75. Graf, Dr., J. H., Professor, Lorraine, Friedau. 

76. von Graffenried, C., Ingenieur, Ptainmattstrasse 17. 

77. von Grenus, Edm., Oberst, Oberkriegskommissär, Kirchenfeld, 

Marienstrasse 11. 

78. Gribi, G., Inspektor der Telegraphenver^Yaltung, Belpstrasse 37. 

79. von Gross - Marcuard, H., Gutsbesitzer, Amthausgasse 5. 

80. Guggisberg, R., Turnlehrer, Breitenrain, Scheibenweg 5. 

81. Guillaume, Dr., L. C., Direktor des Eidgen. Stat. Bureau, Läng- 

gasse, Gesellschaftsstrasse 19c. 

82. Gurtuer, Dan., Bibliothekar der Centralbibliothek des Bundes- 

rathauses, Lorraine, Centralweg 23. 
«3. Haaf, Karl, Apotheker, Monbijou 8. 
s4. Haag, Dr. Prof., Breitenrain. 
s5, Hachen-Siegeuthaler, C, Negotiant, Aeusseres Bollwerk 17. 

86. Hätliger, J. F., Generalkonsul, Lorraine. 

87. Häggi, R., Amtsrichter, Spitalgasse 13. 
Ns. Haller, B., Privatier, Herrengasse 11. 

8!). Haller, Paul, Verleger und Redaktor, Marktgasse 44. 

90. Haller -Bion, Fritz, Buchdruckereibesitzer, Marktgasse 44. 

Hl. Haendcke, Dr., Länggasse, Falkenweg 9. 

92. Hauser, Mart., Kanzleisekretär der Telegraphendirektion, Inneres 

Bollwerk 8. 

93. Held, L., Ingenieur, Aarstrasse lOs (Aarzielehof). 

!t4. Hirter, J. J., Präsident der Kantonalbank, Gurtengasse 3. 
95. Hirzel, Ludw., Dr. Professor, Länggasse, Falkenplatz 1 1. 

XI. Jahresbericht d. Geogr. Os. v. Bern. IHiij— 1892. -' 



370 

!m;. llitz. Ed., Hauptbuchhalter der Kantonalbank, Lorrainestrasse 2.S. 
U7. Hohl, Dr., W. Journalist, Zeughausi;assc 14. 

98. Höhn, Edm., Weltpostdirektor, Neubrückstrasse li». 

99. Hörning", Alph., Droguist, Marktgasse ös. 

100. von Hoven, Gh., Kartograph, Mattenhotstrasse o7 (Brunnenhof). 

101. Huber, Kud., Gynniasiallehrer, Langniauerweg 12. 

102. Hürzeler, F., Notar, Länggasse, Vereinsweg 23. 

103. Jacot, Arth., Advokat, Amthausgasse 3. 

104. Jacot, Emil, Negotiant, Kanonenweg 14. 

105. Jacot -Guillarmod, Ingenieur, Marktgasse 13. 

10(). Jakob, Ferd., Sekundarlehrer, Lilnggasse, Erlachstrasse. 

107. Jenzer-Röthlisberger, Gottfr., Kirchcnfeld, Thunstrasse 7. 

108. Imboden, J. H. , Beamter des Eidgen. Stat. Bureau, Läng- 

gasse, Malerweg 17. 

109. Isch, Alex., Beamter der schweizer. Handelsstatistik, Neues 

Bundesrathaus. 

110. Kaiser, Dr. jur., Simon, Länggasse, Gesellschaltsstrasse 8. 

111. Kaiser, W., Negotiant, Muesmatt, Fabrikstrasse 1. 

112. Karrer, L., Vorsteher des Auswanderungs-Bureaus, Kommissariats- 

Abteilung, Pavillonweg 13. (Zähringerhof). 

113. Kaufmännischer Verein, Neuengasse. 

114. Kehrli, H., Architekt, Aarstrasse lOO (Aarzielehof). 

115. Keller-Schmidlin, Oberst, Chef des Generalstabsbureaus, Terrassen- 

weg 18, 

116. Kerneu-Ptuchti, Weingrosshandlung, Gesellschaftsstrasse. 

117. Kesselring, J. H., Sekundarlehrer, Waisenhausstrasse Hl 

118. Koller - Stauder, G., Ligenieur, Gryphenhübeliweg II. 

119. Körber, Hans, Buchhändler, Kramgasse 78. 

120. von Kostanecki, Dr. Sl., Professor, Neues Chemiegebäude. 

121. Krebs, Otto, in Firma Gebrüder Krebs, Hirschengraben 4. 

122. Kronecker, Dr. Professor, Bühlstrasse. 

123. Kümmerli, H., Lithograph, Länggasse, Hallerstrasse G, 

124. Künzler, J., Lehrer, Rainmattstrasse 10. 

125. Kurz, Otto, Inspektor des Norwich, Länggasse, Falkenweg. 

126. Lambelet, G., Statistiker des Eidgenössischen statistischen Bu- 

reaus, Kesslergasse 40. 

127. Lambelet, Osk., Revisor im Zolldepartement, Kesslergasse 40. 

128. Lang, Albert, Direktor der Spar- und Leihkasse, Länggasse, 

Zähringerstrasse 28. 

129. Lang, Arnold, Redaktor, Sandrain, Dorngasse 8. 

130. Langhans, Friedrich, Gymnasiallehrer, Junkerngasse 55. 

131. Lanz-Jost, E , Laupenstrasse 5. 



371 

132. Laiiener,Konr., Sekretär der Erziehungs-Direktion. 

133. Lauterburg-Roliner, Ernst, Alpeneckstrasse 5. 

134. Leu, Fritz, Beamter der Jura-Simplon, Mattenbof, Belpstrasse GL 

135. Leueuberger, J. U., Notar, Spitalgasse 7. 

130. Leuenberger, Jobann, Sekundarlebrer, Lorraine, Centralweg 27. 

137. Leuzinger, R., Handelsmann, Marktgasse 35. 

138. von Linden, Hugo, Stadtingenieur, Bundesgasse 14. 

139. Locber-Nydegger, J., Handelsmann, Kramgasse 8. 

140. Lochmann, J. J., Oberst, Cbef des eidgen. topographischen 

Bureaus, Kirchenfeld, Thunstrasse 21. 

141. Lotmar, Ph., Dr. Professor, Kirchenfeld, Feldeckweg 3. 

142. Lüscher, Rudolf, Kassier der Hypothekarkasse, Kornbausplatz 12 

143. Lütbi, Em., Gymnasiallehrer, Länggasse, Falkenweg 7. 

144. Lütbi, J., Weingrosshändler, Mattenhof, Besenscheuerweg 5. 

145. Lütschg, J. J., Waisen vater, Knabenwaisenhaus. 

146. Lutstorf, Otto, Architekt, Mattenhof, Seilerstrasse. 

147. Mann, Karl H., Redaktor, Sandrain, Dorngasse 8. 

148. Marcuard- v. Gonzenbach, G., Bankier, Gerechtigkeitsgasse 40. 

149. Marcusen, Dr. W., Professor, Herrengasse 5. 

150. Marcusen, Prof. Dr., Vater, Kramgasse 1(3. 

151. Marti, Ed., Nationalrat, Kirchgasse 2. 

152. V. ^leissner, W., russischer Gesandtschaftssekretär, Reichenbach- 

strasse 7. 

153. Meylan, August, Journalist, Rabbenthal, Sonnenbergstrasse 11. 

154. Michaud, E., Dr. Professor, Erlachstrasse 17. 

155. Moser, Dr. Christian, Mathematiker des Eidgenössischen Industrie- 

departements, Rabbenthal. 
150. Müller-Hess, Professor, Mattenhof, Zieglerstrasse 30. 

157. Müllhaupt, Fr., Kartograph, Niesenweg 3. 

158. V. Muralt, Am., Burgerratspräsident, Taubenstrasse 18. 

159. Niggli, B., Gymnasiallehrer, Kirchenfeld, Luisenstrasse 5. 

160. Nydegger-Hailer,E., Buchhändler, Länggasse, Zähringerstrasse 20. 

101. Oncken, Dr. August, i'rofesser, Schanzeneckstrasse 17. 

102. Oppikofer-Obrist, Job. K., Telegrapheninspektor, Engestrasse 17. 

103. Perlet, A., Sekretär der Jura-Simplon, Mattenhof, Brunnhofweg. 
I(i4. Perrin, L., Journalist, Gereclitigkeitsgasse 35. 

105. Pillichody, Ed., Redaktor, Nägeligasse 3. 
100. Polikier, H., Professor, Länggasse, Zähringerstr. 20. 
167. Pümpin, Em., Ligenieur, Stadtbach, Pavillonweg :). 
I(i8. Regli-Neukomm, J.. Negotiant, Kirchenfeld, Dufourstrasse. 
109. Rieser, Dr. (.)., Adjunkt des Industriedepartements, Schänzli- 
strasse s7. 



372 

170. Rilliet, Louis, Sekretär im Postdepartement, Wallgasse 2. 

171. Ringier. A., Lithoiiraph, Marktgasse '20. 

172. Ringier, G., Bundeskanzler, Rabbenthal, Oberweg 1. 

173. Robert, Jules, Gymnasiallehrer, Länggasse, Bühlstrasse. 

174. Roos, W., Adjunkt der Kreisinspektion. 

175. Roosdiüz, Hans, Kaufmann, Neut'eldstrasse 45. 

170. Rössel, Arn., Professor, Länggasse, Neues Chemiegebäude.' 

177. Rothen, Dr. Tim., Direktor des Intern. Telegraplien-Bureaus, 

Garten Strasse !). 

178. Röthlisberger, Ernst, Professor, Sekretär des Liternationalen 

Bureaus für geistiges Eigentum, Schanzeneckstrasse IH. 

179. Rubeli, Oscar, Dr. Prof., Breitenrainstrasse l(i. 

180. Ruchonnet, L., Bundesrat, Laui)enstrasse 40. 

181. RueÜi, J., Sekundarlehrer, Stadtbach, Wildheimweg 4. 

182. Ruegg, Herm., Papetier. 

183. Rybi-Fischer, Ed., Architekt, Spitalgasse 3!». 

184. Ryft', F.. in Fa. Wiesmann & Ryff., Marzilistrasse 10. 

185. Ryser, Pfarrer, Länggasse. 

186. Rytz, 0., Beamter der Mobiliar- Versicherungsgesellschaft, Amt- 

hausgasse 23. 

187. Santi, Dr. August, Arzt, Christoffelgasse 2. 

188. Schädelin, Ernst, Verwalter der Depositokasse, Bundesgasse G. 

189. Schärer-Zoss, F., Notar, Länggasse, Mittelstrasse 5. 

190. Schmid-Weber, Negt., Länggasse, Gesellschaftsstr. 1!». 

191. Schoch, H., Rentier, Laupenstrasse 3. 

192. Schoch, J. J., Kunsthändler, Bundesgasse IG. 

193. Schopfer, A., Ligenieur, Länggasse, Neufeldstrasse 10. 

194. Schüler, Alb., Redaktor, Hirschengraben 2. 

195. Schulthess, C, Zahnarzt, Waghausgasse 7. 

196. Schwab, Samuel, Dr. med., Länggasse, Zähringerstrasse 7. 

197. Sidler, G., Dr. Professor, Christoffelgasse 4. 

198. Spycher, A., Ligenieur der Jura-Symplon, Beim Zeitglocken 2. 

199. Stämpfli, Karl, Nationalrat, Länggasse, Falkenweg 11. 

200. von Steiger, Hans, Kartograph, Bierhübeliweg 13. 

201. Stein, Ludwig, Dr. Professor, Rainmattstrasse 1. 

202. Stettier, Christoph, Negotiant, Christoffelgasse 2. 

203. Still, A., Uhrenmacher, Kesslergasse 4. 

204. Stockmar, Josef, Nationalrat, Kauonenweg 12. 

205. Strasser, H., Dr. Prof., Laupenstrasse 17. 

206. Streift', Fürsprech, Junkerngasse 55. 

207. Stuki, Gottlieb., Sekundarlehrer, Kleiner Muristalden 3G. 

208. Studer, Dr. Theophil. Professor, Hotelgasse 14. 



373 

'209. Stucki, J. Verwalter, Sclianzenstrasse 28. 

•JIO. Siirbeck, Dr. med., Direktor des Inselspitals. 

211. Taillier, August, Handelsmann, Länggasse, Zäliringerstrasse 28. 

212. Thiessing, A., Dr. pbil, Journalist, Stadtbachstrasse 42. 

213. Tbormann- von Wurstemberger, G., Spitaleinzieber, Alter Aar- 

gauerstalden 80. 

214:. Thürlings, Dr. A., Professor, Länggasse, Gesellschaftsstrasse 41. 

215. Tiedie-Frey, Ad., Architekt, Mattenhof, Zieglerstrasse 25. 

216. Toggweiler, C. A., Beamter der J.-S., Länggasse, Zähringerstr. 24. 

217. V. Tscharner, Alb., Oberstlieuteuant, Laupenstrasse 45. 

218. V. Tscharner- de Vigneulle, Beat, Stadtbuchhalter, Junkerngasse 31. 
210. V. Tscharner- v. Wattenwyl, G., Herrengasse 23. 

220. Tschirch, Dr. Alex., Professor, Rabbenthalstrasse 77. 

221. Valentin, Dr. A., Professor, Theaterplatz 8. 

222. Veron-Lanz, J., Negotiant, Amthausgasse 20. 

223. Vogt, Alb., in Fa. HäÜiger & Vogt, Christoffelplatz. 

224. Wäber-Lindt, A., gew., Gymnasiallehrer, Neubrückstrasse 29. 

225. Walser, H., Gymnasiallehrer in Bern. 

22(i. Walther, Alb., Buchhalter der Hypothekarkasse, Läuggasse, 
Landweg 1. 

227. Wander, G., Dr., Fabrikant, Stadtbach. 

228. V. Wattenwyl- v. Medveczky, Mor., Gerechtigkeitsgasse 52. 

229. Weingart, J., Sekundarlehrer, Mattenhof, Belpstrasse 30. 
23<). Weissenbach, F. X., Ptentier, Rabbenthalstrasse 09. 

231. Werder, Dr., erster Sekretär der Telegraphendirektion. 

232. Wiedemar, Jul, Kassenfabrikant, Murtenstrasse 40. 

233. Woker, Dr. phil., Professor, Breitenreinstrasse 12. 

234. Wyss, Dr. G., Buchdrucker, Gurtengasse 4. 

235. Zehnder, F., Notar, Lorrainestrasse 3(). 



IV. Auswärtige aktive Mitglieder. 

1. Alemann, M., in Buenos Ayres. 

2. Bach, B., Sekundarlehrer in Steffisl)urg. 

3. Baehni-Ronget, S., in Biel. 

4. I)arth-Lner, Ernst, in Lagos, Westafrika. 

5. Bavier, Sim., Schweiz. Gesandter in Rom. 
0. Beguelin, Ingenieur in Delcmont. 

7. P)eust, Professor, Knabenerziehungsanstalt Zürich. 

8. Bögli, Hans, Gymnasiallehrer in Uurgdorf. 

9. Bohren, Seminarlehrer in Hofwyl. 

10. Brandt. Paul, Redaktor in St. Gallen. 



374 

11. Brechbühler, J., Sekundarlehrer in Lyss. 

V2. Burkhardt, Dr. G., Gymnasiallehrer in Burgdorf. 

18. Chodat, a. Gemeindsprasident in Münster, Jura. 

14. Claraz, George, Ilottingen b. Zürich, Steinwiesstr. 11. 

15. Duvoisin, H., a Deleniont. 

1(). Ecole normale d'instituteurs a Porrentruy. 

17. Edhem Ali Bey, Dr. phil., zweiter Direktor der türkiseken Staat ■:- 

fabriken in Konstantinopel. 

18. Elzingre, H., Professor in Pruni,rut. 

19. Farny. Dr. Em., Professor in Pruntriit. 

20. P'avre, Gh., Notar in Neuenstadt. 

21. Fe Graf d'Ostiani, ital. Gesandter in Athen. 

22. Felbinger, Ubald Matth. Rud., im Stift Klosterneuburg b. Wien. 
28. Flückiger, S., Sekundarlehrer in Oberdiesbach. 

24. Francillon, alt Nationalrat in St. Immer. 

25. Gatschet, Louis, a Moutier-Grandval. 

26. Gösset, Phil., Ingenieur in Wabern. 

27. Grütter, K , Pfarrer in Hindelbank. 

28. Guglielminetti, Dr. med. in Sitten. 

29. Gylam, Schulinspektor in Corgemont. 

30. HaaS; Otto, Gymnasiallehrer in Burgdorf. 

31. Hefti, Fritz, Fabrikant in Hätzingen, Glarus. 

32. Herzog, J., Dr. med. in Münster, Jura. 

33. Holzer, Ed., Seminarlehrer in Hofwyl. 

34. Joost, G., Nationalrat in Langnau. 

35. Imboden-Glarner, Karl, Fabrikant in Langenthal. 

36. Keller, H., Dr. med. iu Rheinfelden. 

37. Koby, Dr. F., in Pruntrut. 

38. Kuhn, Ernst, Buchhä,ndler in Biel. 

39. Landolt, Sekundarschulinspektor in Neuenstadt. 

40. Lang, Dr. Franz, in Solothurn. 

41. Lebert, Fdg., in Fa. Binswanger & Cie. in BaseL 

42. Lory, C. L., in Münsingen. 

43. Maju- V. Sinner, H. S., Gutsbesitzer in Muri. 

44. Manuel, Gustav, Eisenwerk Laufen b. Neuhausen. 

45. Marino, Nuzzo, Konsul von Bolivia in Neapel. 

46. Marthaler, Otto, Pfarrer in Biel. 

47. V. Meyenburg-Hartmann, Alfred, in Bümpliz. 

48. Meyer, Ed., Rektor der Kantonsschule in Pruntrut. 

49. Müller, Dr., Nationalrat in Sumiswald. 

50. Pequegnat, E., Progymnasiallehrer in Biel. 

51. Pfister, Seminarlehrer in Solothurn. 



' 375 

52. Pittier, H., Professor in Chateaii d'Oex. 

53. Pretre, H., Sekuudarlehrer in Münster. 

54. Ratz, Grossrat iu Corgemont. 

"i.j. Redaktionskommission der Fortbildungsschüler: Seminardirektor 

Gunzinger in Solothurn. 
50. Rickli, J., in Wangen a. A. 

57. Rickli, A. F. & Cie. in Wangen a. A. 

58. Ris, Dr. Med. in Thun. 

59. Rolliez, Louis, Geolog in Biel. 

60. Rosselet, J. Numa, Fabrikant in Sonceboz. 

61. Sägesser, J. U., Sekundarlelirer in Kircbberg. 

62. Saladin, Alf., Sekuudarlehrer in Grellingen. 

63. Schaller, G., Schulinspektor in Pruntrut. 

64. StämpÜi, W., Pulververwalter in Worblaufen. 

65. Tieche, Grossrat in Biel. 

66. Vogel, F., Banquier in Freiburg. 

67. Vollenweider, C, Gymnasiallehrer in Burgdorf. 

68. V. Wattenwyl, L., Grossrat in Rychigen b. Worb. 

69. de Watteville, Arn. Banquier, Boulevard d. Italiens I. Paris. 

70. Wyss, Jak., Sekuudarlehrer in Herzogenbuchsee. 

71. Zobrist, Th., Professor in Pruntrut. 



Komitee-IVlitgliedep. 

Fräsident: Dr. Gobat, Regierungsrat. 

Vice- Präsident: Dr. Th. Studer, Professor. 

Kassier: Paul Haller. 

Selcretär und Bihliothel'cir: Carl H. Mann. 

Fernere Mitglieder: Dr. E. Brückner, Professor. 

Davinet, Inspektor des Kunstmuseums. 

El. Ducommun, Generalsekretär der J.-S. 

Häfliger, Generalkonsul. 

Röthlisberger, Professor. 

Dr. A. Gucken, Professor. 

Stockmar, Regierungsrat. 



Zusendungen sind zu adressieren an den Sekretär: Herrn C. H. Mann, 
Sandrain, Bern. 



1 



■I 



XII. Jahresbericht 



der 






^^...,^1^- 



von 



Bern 



1893 



Redigiert von C. H. Mann 




Bern 

Haller'sche Buchdruckerei 

Fritz Haller & Co. 
18f)i 



Inhalts -Verzeichnis. 



Seite 

Auszüge aus den Protokollen über die Komitee-Sitzungen und 

Monatsversammlungen im Jahre 1S<)3 .1 

Rajjport de gestion pour l'annee 1S!)P. IX 

Gescbäftsberieht für das Jahr lSi)o XII 

Vorträf/f und Mitteilungen : 

I. Brückner, Ed., Schweizerische Reliefkarten .... 1 

II. MiXller, A., Die Sioux-Indianer oder Dakota ... 10 

Mann, C. H., Schlussbemerkungen zu obigem Vortrag 27 

III. Streun, G., Die mittlere Kammhöhe der Berner Alpen . . 35 

IV. Forster, A., Die Photographie als Hülfswissenschaft der Astronomie 40 
V. Mann, C. H., Mitteilungen ülier den Bililiothekbestand 48 

VI. Mitgliederverzeichnis ........ 64 

V orhanälungen des Verhandes der Schiveizer. Geographischen 
Gesellschaften hei seiner Tagung am 1. nnd 2. Septemher 
1893 jsii Bern : 

Protokoll der Delegiertenversanimlung ..... 1 

Protokoll der Hauptversammlung . ..... 6 

Protokoll der öffentlichen Sitzung ...... l'i 

A. Bosier, W., L'enseignement de la geographie dans les gymnases IS 

B. Brückner, Ed., Die Stellung der Geographie auf dem Gynmasium 31 
G. Guillaume, Rapport sur l'organisation et l'etat des travaux tle la 

liihliographie nationale suisso .... 47 

D. V. Hesse -Wartegg, Cliicago 52 

K. de Claparede, A., Sons la ligne : des l'liilippines a .Inva . 50 



-^1 



Auszüge aus den Protokollen 

über die 

Komitee-Sitzungen und Monatsv er Sammlungen 

im Jahre 1893. 



Aus der Komitee-Sitzung vom 7. Januar. 

Als Revisoren der Rechnung für 1891 und 1892 werden bezeichnet 
die Herren L. Karrer, Vorsteher des Auswanderungsbureau, und 
W. Berchten, Angestellter der Erziehungsdirektion, 

Aus der Komitee-Sitzung vom 25. Januar. 

Herr Paul Haller erstattet den Rechnungsbericht, der über 
einen ungewöhnlich starken Kassaverkehr, veranlasst durch Kongress 
und Ausstellung, sich verbreitet und der nächsten Monatsversamm- 
lung vorgelegt werden soll. 

Die Kongressrechnung zeigt bei einem 

Ausgeben von Fr. 06,460. 86 

Einnehmen von >> 65,171. — 

einen Ausgabenüberschuss von Fr. 1,289. 86 

und es wird der Vermögensbestand der Gesellschaft von Fr. 1689. 80 
durch Bezahlung der noch ausstehenden Rechnungen nahezu ab- 
sorbiert. 

Die Rechnungsrevisoren, Herren Karrer und Rerchten, sollen 
ersucht werden, wo möglich in nächster Monatsversammlung Rericht 
zu erstatten. 

Auf Antrag von St. Gallen hat das Komitee bei allen Gesell- 
schaften des Verbandes ein Schreiben zur Unterschrift umhergesandt, 
in dem die jüngst angeregte Gründung einer schweizerischen National- 
bibliothek 1)eim hohen Buiulosrat auf das wärmste befürwortet wird. 
Dieses Schreiben wurde dem llundcsrat zugestellt. 



— 11 — 

Den Austritt aus der Gesellschaft erklären die 

Tierren Silgcsser, Sekundarlelirer in Herzogenbuchsee, 
Hager, Redaktor in l>asel, 
Christen, Architekt in Burgdorf, 
G. von Muralt in Bern. 

Monatsversammlung vom 27. Januar, 

aheudö 8 Chi', im CHlV'-UeslauraDl IJorii. 

Anwesend : 45 Mitglieder und Gäste. 
Präsidium : Herr Regierungsrat Dr. Gobat. 

Herr Professor Dr. Graf halt seinen angekündigten Vortrag über 
die Karte von Gygcr luul Ilallcr ans dem Jahre 1020} 

Herr Professor Dr. Brückner macht Mitteilungen über Schwei- 
zerische Ecliefkarten (siehe Vortrag Seite 1) und über die Sce- 
forschuiif/en des Herrn Dclehecque in Thonon, 

Herr Delebecque in Thonon wird zum korrespondierenden Mit- 
glied, die Herren Professor F. A. Forel in Morges und Professor 
Dr. A. Penck in Wien werden zu Ehrenmitgliedern ernannt. 

Herr Professor Dr. Stein wird als Aktivmitglied aufgenommen. 

Herr Paul Haller legt die Jahresrechnung auf 31. Dezember 1892 
vor, welche vorbehälthch des Berichts der Rechnungsrevisoren geneh- 
migt und bestens verdankt wird. 

Herr Regieruugsrat Dr. Gobat erstattet den statutengemäss vor- 
geschriebenen Jahresbericht über das Gesellschaftsjahr 181)2.'^ 

Das Komitee wird in globo wieder gewählt, der demissionierende 
Herr Gymnasiallehrer Lüthi durch Herrn Professor Röthlisberger 
ersetzt. 

Ausserordentliche Versammlung vom 17. Februar, 

im grossen Kasinosaal. 

Vor zahlreichem Auditorium, welches den seitens der Gemeinde- 
behörde unentgeltlich zur Verfügung gestellten Kasinosaal vollständig 
besetzt, hält Herr Dr. 0. Nippold aus Jena den angekündigten Vor- 
trag über seine Reise nach Yeso, durch Ausstellung von Landes- 
erzeugnissen, Karten und Photographien veranschaulicht. 

An Bord der « Hamaschiro Maru » schiffte sich der Vortragende 
am 22. August 1891 nach Hakodate ein, nachdem er die Reise von 
Tokio nach Yokohama mit der Eisenbahn gemacht hatte. Da er nach 



' Der Inhalt dieses Vortrages konnte noch in den XI. Jahresbericlit aufge- 
nommen werden. S. pag. 250 — 264. 

"" S. XL Jahresbericht 1891/1892 : XLIII. 



— III — 

Ankunft in dem schönen Hafen von Hakodate drei Tage lang- auf die 
Abfahrt eines Dampfers nach Otaru warten musste, benützte er die 
Z\Yischenzeit zu einem Ausflug nach dem Vulkan Komapatake, der 
vom Dorf Inusaimura aus sich in einer Höhe von 4000' erhebt und 
sich in den kleinen Seen Snuma und Konuma wiederspiegelt. Nach 
Hakodate zurückgekehrt, fuhr er am 28. August an Bord des Niagata 
Maru nach Otaru und von da per Eisenbahn nach der Hauptstadt 
Sapporo, deren Schilderung zur Beleuchtung japanesischer Koloni- 
sationsversuche veranlasst. Mit einer Schilderung der Ainos, die er 
vom Dorf Tomockomai aus an der Vulkanbucht besuchte, schliesst 
der Vortragende seine Mitteilungen. ^ 

Monatsversammiung vom 24. Februar, 

im Cafe-Restaurant Born. 

Anwesend: 57 Mitglieder und Gäste. 

Präsidium : Herr Eegierungsrat Dr. Gobat. 

Herr Generalkonsul J. F. Häfliger setzt seine im November abge- 
brochenen Mitteilungen über die Columbusfeier in Spanien fort. ^ 

Am Schluss der Sitzung wird noch Kenntnis gegeben von einer 
Zuschrift und Einladung des Alpenklubs zur Teilnahme an einem 
Vortrag des Herrn Professor Dr. Boek über seine Reisen im Himalaya. 
Derselbe soll am 3. März im Kasino stattfinden. 

Die Herren Karrer und Berchten als Rechnungsrevisoren erstatten 
Bericht über die Rechnungen 1891 und 1892. Dieselben werden als 
getreue Verhandlungen genehmigt und verdankt. 

Aus der Komitee-Sitzung vom 20. März. 

Herr Professor Studer wird als Vice-Präsident, Herr Paul Haller 
als Kassier und Herr Mann als Sekretär wieder gewählt. 

Das Sous-Sekretariat der Abteilung Kolonialwesen Frankreichs 
sandte mit Zuschrift vom 24. Februar eine Anzahl Karten von 
Tonkin und offeriert Tauschverkehr. Wird mit Dank angenonnnen. 

Die jährliche Subvention der Regierung von Fr. 500 wurde Herrn 
Haller durch Herrn Professor Dr. Studer zugestellt und soll durch 
das Sekretariat verdankt werden. 

An den Deutschen Geographentag in Stuttgart wird Herr Pro- 
fessor Dr. Brückner delegiert. 

' Die Vorträge, welclie im Laufe des Gescliäftsjahres entweder in extenso 
in Zeitsclniften oder als intregierendc Bestandteile grösserer Werke ersciiienen, 
werden im Jaliresijericlit nur ganz summariscli wiedergegeben. Der oliige Vor- 
trag findet sich vollständig in : Nippold, 0., Wanderungen durch Japan. S. o9— 78. 

'-' XI. Jahresbericht 1891/1892, Pag. XXXI. 



- IV — 
Monatsversammlung vom 24. März, 

im Ca(V'-Rest;iuraiit lioni. 

Ausserordentlich schwacher Besuch, 

Präsidium: Herr Ke.^ierungsrat Dr. Gohat. 

Herr Rudolf Häusler hält seinen angekündigten Vortrag über 
die Maoris. Eingehend schilderte der Vortragende Land und Leute 
in Neuseeland, besonders die Maoris, die heute grossenteils wenig- 
stens äusserlich civilisiert sind. Ausführlich verweilte er bei ihren 
Beschäftigungen. Eine reiche Sammlung von Photographien veran- 
schaulichte die Ausführungen des Vortragenden. Besonders interes- 
sant waren die Photographien aus dem Gebiet des Vulkans Tarawera, 
der l'^SG ausbrach. Die Aschenablagerungen und die gewaltigen 
Erosionserscheinungen in denselben, die in ganz kurzer Zeit ent- 
standen waren, boten einen sehr lehrreichen Anblick. 

Monatsversammlung vom 7. April. 

im grossen Museumssaal. 

Anwesend : Ein zahlreiches Auditorium. 
Präsidium: Herr Regierungsrat Dr. Gobat. 

Herr Dr. Machon aus Morges, in der Vorzeigung von Projektions- 
bildern unterstützt durch die Herren Professor Dr. Forster und 
Inspektor Davinet, hält seinen Vortrag: «A travers la Patagonie. 

Der Vortragende hatte die Reise auf Veranlassung der Kolonisa- 
tionsgesellschaft des Baron von Hirsch unternommen und von zwei 
Seiten her Patagonien durchquert. Er verliess Anfang Herbst 1802 
Bahia Bianca, eine Stadt von 7000 Einwohnern, von welcher aus sich 
nördlich die « Pampas » erstreckt und südlich die Sierra Ventana 
ausbreitet. Er schildert eingehender die Stadt Patagoues und 
die Reise von da nach dem Plateau des Rio Negro, dessen Höhe 
zwischen 40 m und 150 m wechselt. In Roca, wo seinerzeit Manuel 
da Roses seinen Tod fand, erhielt Dr. Machon militärische Bedeckung, 
mit welcher er den Fluss Nenquen überschritt. Am 22. April wurde 
der Fluss Collen -Cura erreicht, von wo aus zum erstenmal die 
Schneeberge der Cordilleren mit dem 8000 m hohen Vulkan Quetru- 
pillau in Sicht kamen. Am o. Mai erreichte der Reisende den See 
Nahuel Huapi (Tigersee), den er mit dem Genfersee bei Villeneuve 
vergleicht. In Maquinchao hatte der Vortragende mit seinen I}e- 
gleitern die Grenze der bisherigen Forschungsreisen erreicht; es 
ging von da aus unter Führung eines jungen civilisierten Indianers 
durch Gegenden, die bis dahin nie von einer wissenschaftlichen Expe- 
dition berührt worden waren. ^lit der Ankunft in der kleinen 



Walliser Kolonie Trelew am Chubut war das Ziel der eigentlichen 
Forschungsreise erreicht. ^ 

Aus der Komitee-Sitzung vom 14. April. 

Für die Vorbereitungen zum diesjährigen Verbandstag wird eine 
Dreierkommission ernannt, bestehend aus den Herren Professoren 
Studer, Brückner und Röthlisberger. Die Gesellschaften des Ver- 
bandes sollen durch das Sekretariat ersucht werden, etwaige An- 
regungen und Anträge baldmöglichst an Herrn Professor Dr. Studer 
zu senden. 

Herr Sekundarlehrer Müllener in Wiedlisbach erklärt den Aus- 
tritt aus der Gesellschaft. 

Monatsversammlung vom 10. April, 

im iintrrn Knsinosaal. 

Anwesend : 50 Mitglieder und Gäste. 
Präsidium: Herr Ptegierungsrat Dr. Gobat. 

Herr Nationalrat Dr. R. Brunner hält seinen angekündigten Vor- 
trag über Aegypten, Land und Leute. Er beleuchtet zunächst die 
geographische Einteilung und beschränkt sich auf eine Darstellung 
Aegyptens im engern Sinne, der Bedeutung des Nils, der hydrogra- 
phischen und orographischen Verhältnisse, des Charakters der Nil- 
uferlandschaften, der Bedeutung des Stauwerks, der Vorteile und 
Gefahren der jährlichen Ueberschwemmungen, und geht dann über 
auf die Hauptperioden der ägyptischen Geschichte, um mit einer 
Schilderung der heutigen Bevölkerungsgruppen, ihrer Sprach-, Bil- 
dungs- und Unterrichtsverhältnisse und einigen Andeutungen über 
die Tier- und Pflanzenwelt zu schliessen.- 

Monatsversammlung vom I. Juni, 

im Carö-Rcstaui'Mnt Born. 

Anwesend: Circa .50 Mitglieder und Gäste. 
Präsidium: Herr Begierungsrat Dr. Gobat. 

Herr Professor Dr. Brückner hält seinen angekündigten Vortrag 
über seinen Aufenthalt in Andorra im Herbst isüj. 



* Für weitere Details verweisen wir unter gleicJizeitiger bozugnahme aul 
unsere Bemerkung zu Pag. III auf Geographische Nachrichten, 1893, 3/4. 

- Der Vortrag erschien in der « Berner Zeitung » und als Separatahdruci< 
und ist auch in unserm Sannnelhand 48, Aegypten, Reise- und Bevöikcrungs- 
sluchen, entlialten. 



- VI - 

Der Vortra.uonde hatte die Keise mit seinem K()lle,u;eii von der 
Wiener Universität, Herrn Professor Dr. Penck, unternommen. Von 
Toulouse aus gelangte der Vortragende ins Ariege-Departement nacli 
Ax-les-tliermes, bekannt durch seine lieissen Quellen, von wo aus eine 
prächtige Nationalstrasse über die Nordkette der Pyrenäen führt. In 
Hospitale verliessen die Reisenden die Nationalstrasse und betraten nun 
das aller Strassen entbehrende, nur von Maultierpfaden durchzogene 
Gebiet der uralten Republik Andorra. Der Fläclieninhalt kommt dem- 
jenigen des Kantons Obwalden annähernd gleich, während die Bevöl- 
kerung nur etwa 0000 Seelen zählt. Das Land ist sehr gebirgig und 
einzelne Gipfel erreichen Höhen bis zu oOOO'm. Viele kleine llochge- 
birgsseen beleben den Anblick des Landes von der Höhe aus, den man 
sonst nicht als einen freundlichen bezeichnen kann; denn die Wälder 
sind fast ganz ausgerottet, die Gegenden kahl, so dass von den Regen- 
güssen die gute Erde fortgeschwemmt wird. Das erste Dorf Soldeu, 
das etwa ein Dutzend Häuser zählt, macht einen durchaus guten 
Eindruck. Die herrschende Sprache ist die katalonische ; spanisch 
oder französisch verstehen nur wenige Leute. Unterhalb Soldeu 
gelangte man vorbei an einem Eisenwerke. Es folgte das Dorf Canillo 
und hierauf Encam, wo der gegenwärtige Präsident der Republik 
wohnt, dann Las Escaldas mit heissen Schwefelquellen. Redner 
erinnert hier an das Schicksal des Spielhöllenprojektes, welches dank 
dem \\'iderstand der französischen Republik nicht zur Ausführung 
kam. Dann geht er über zur Beschreibung des Hauptortes Andorra 
la Vieja, eines Dorfes mit 600 Einwohnern und liicht noch eine Reihe 
historischer Notizen über die Republik ein, deren erste Ursprünge 
sagenhaft sind. Wenig bequem war die Unterkunft in Andorra, doch 
entschädigten dafür reichlich interessante Beobachtungen, die über 
diesen Ort und seine Bewohner, besonders auch über die Casa de 
las Valles, d. i. das Parlamentshaus, zugleich Gerichtshaus, Gasthaus 
für die Deputierten der sechs Gemeinden und Staatsgefängnis, ge- 
macht werden konnten. Eingehend schilderte der Redner die merk- 
würdige politische Stellung Andorras, das zwei Souzeraine hat — den 
Bischof von Seo de Urgel, also Spanien, und die französische Regierung. 
Aeusserst altertümlich ist die Verfassung; nur die Familienhäupter 
haben Stimme bei den Wahlen. Die Hauptbeschäftigung der Andorresen 
besteht in Schmuggel. Von Andorra ging die Reise weiter, immer 
der schäumenden Valira entlang nach San Julia de Loria, das einen 
viel wohlhabendem Eindruck macht als der Hauptort und auch grösser 
ist. Seine Blüte verdankt es in erster Linie dem Schmuggel. Bald 
unterhalb San Julia wurde die spanische Grenze erreicht und damit 
verliessen die Reisenden das merkwürdige Ländchen, ein Ueberbleisel 
aus alter Zeit. 



— VII — 

Herr Wild, zur Zeit Direktor des physikalischen Centralobser- 
vatoriiims in St. Petersburg', früher Professor der Physik in Bern, 
der am 22. Mai sein 25jähriges Amtsjubiläum feierte, wurde zum 
Ehrenmitglied ernannt. 

Aus der Komitee-Sitzung vom 17. Juli. 

Es wird das Programm des Verbandstages vorberaten und der 
Entwurf der Subkomraission genehmigt. Man verständigt sich dahin, 
für alle Versammlungen des Verbandstages die Räumlichlichkeiten 
des Kasino zu benützen. Behufs Anhandnahme der technischen 
Vorkehrungen wird die bisher aus den Herren Professoren Studer, 
Brückner und Ptöthlisberger bestehende Subkommission durch die 
Herren Davinet und Haller ergänzt. 

Monatsversammlung vom 20. Juli, 

im Cafe-Restaurant Born. 

Anwesend: 39 Mitglieder und Gäste. 
Präsidium : Herr Professor Dr. Studer. 

Herr Professor Dr. Studer hält seinen- angekündigten Vortrag 
über die Ureinwohner Helvetiens. 

Es wird Kenntnis gegeben von den seitens der Subkommission 
für den Verbandstag getroffenen Vorbereitungen und das in der ersten 
Korrektur vorliegende Programm verlesen. Die Genehmigung des 
Programms und Erteilung der Vollmacht zu weiterm Vorgehen erfolgt 
ohne Diskussion. 

Monatsversammlung vom 2. November, 

im Cnfe-Restaurant Born. 

Anwesend : 9.3 Mitglieder und Gäste. 
Präsidium : Herr Regierungsrat Dr. Gobat. 

Herr Schulinspektor Landolt hält seinen angekündigten Vortrag 
über die Weltausstellung in Chicago. 

Die Herren Liechti, Kontrolleur der Telegraphendirektion, und 
Herzig, Kanzlist der Handelsstatistik, werden als x\ktivmitglieder 
aufgenommen. 

Aus der Komitee-Sitzung vom 16. November. 

Es hat sich die späte Veröffentlichung aktueller Themata im 
Jahresbericht schon oft nachteilig erwiesen. Daher wird in Erwägung 
gezogen, ob nicht der vorhandene Stoff" in kürzern Perioden ver- 



- VIII - 

ürt'entliclit werden könnte. Nach längerer Disknssion wird mit drei 
gegen zwei Stimmen Herausgabe von zwei Malbjahresheften be- 
schlossen. Ueber Stoft" und Erscheinungstermin soll die Redaktions- 
kommission berichten. Es wird ferner beschlossen, als Uebergang 
zu der neuen Anordnung noch einen vollständigen Jahresbericht I8i);{ 
und dann im Sommer ls!i4 den ersten llalbjahresbericht heraus- 
zugeben. 

Monatsversammlung vom 30. November, 

im ( ihserva*(iriimi. 

Anwesend: 71) Mitglieder und Gilste. 
Präsidium: Herr Regierungsrat Dr. Gobat. 

Herr Professor Dr. Forster beginnt seinen Vortrag über die Photo- 
graphie als JUllfswissenscliaft der Astronomie. Veranschaulicht durch 
zahlreiche Experimente und Projektionen wurden die eminenten 
Vorteile, welche die Photographie der wissenschaftlichen Förderung 
der Astronomie bietet und noch wird bieten können, (Siehe den 
Auszug des Vortrages S. 40.) 

Die durch das Komitee erfolgte Ernennung des Herrn Hofrat 
Dr. F. Simony in Wien zum Ehrenmitglied der Geographischen Ge- 
sellschaft wird genehmigt. Derselbe feiert heute seinen SO. Geburts- 
tag; es wurde das Diplom rechtzeitig abgesandt, so dass es bei der 
heutigen Feier des Jubilars durch unser Ehrenmitglied, Herrn Pro- 
fessor Dr. Penck ihm überreicht werden konnte. Herr Professor 
Dr. Brückner berichtet ausführlich über die reiche Thätigkeit dieses 
Nestors der deutschen Geographen — über seine Erforschung der 
Alpenseen, über seine anderen Werke im Gebiet der physikalischen 
Geographie, über seine Erforschung des Dachsteingebietes etc. 

Als Aktivmitglieder werden aufgenommen die Herreu Pucli- 
händler Lehmann und R. Leubin-Üebelin, Mathematiker. 

Monatsversammlung vom 7. Dezember, 

im Oljservatorium. 

Anwesend : 94 Mitglieder und Gäste. 
Präsidium: Herr Regieruugsrat.Dr. Gobat. 

Herr Professor Dr. Forster vollendet seinen Vortrag über die 
Photographie als Hülfswissenschaft der Astronomie. 



RAPPORT DE GESTION 

POUR L'ANNfiE 1893. 



L'annee 1893 a et6 marquee par l'assemblee generale des societös 
suisses de geographie, qui a eu lieu a Berne le 1^"^ et le 2 septembre. 
Les societes d'Aarau, de Geneve, Neiicliätel et St-Gall y 6taient re- 
presentees; noiis avions en outre le plaisir de posseder un membre 
de la societe de geographie commerciale de Paris, M. Ch. Gautbiot, 
son secretaire general, membre honoraire de notre soci6t6. 

Les affaires courantes de rUnion des societes suisses de geo- 
graphie furent traitees dans la reiinion des del6gues, le V septembre 
au soir. Nos lecteurs en trouveront le compte rendu dans le proces- 
verbal ci-apres. 

L'assemblee generale avait a son ordre du jour les objets 
suivants : 

L'enseignement de la geographie dans les gymnases. 

La bibliographie nationale suisse, rapport de M. Guillaume. 

L'exposition universelle de Chicago, Conference de M. de Hesse- 
Wartegg. 

Sous la ligne : des Philippines a Java, Conference de M. A. de 
Claparede. 

Pour le Premier, nous renvoyons au compte rendu qui forme la 
partie principale de cet annuaire. 

Le rapport de M. Guillaume donna ä l'assemblee des renseigne- 
ments rejouissants sur la bibliographie suisse; cette entreprise est 
en tres bonne voie. 

La Conference de M. de Hesse- Wartegg, remarquable aussi bien 
comme recit, que par la richesse de l'expose, accompagnee d'une 
exposition tres complete de vues de Chicago, eut un grand succes. 

M. de Claparede, ä son tour, recueillit les applaudissements de 
l'assemblee. 

La prochaine assembl6e g^n^rale des societes suisses de geogra- 
phie aura lieu a St-Gall, en 18!)5. 



— X - 

Le coniitr. que la socictr de geographie a confirmö dans ses 
t'ouctions poiir deux nouvelles aiinees, dans son asseinblce du mois 
de janvier 1808, en remplagant toutefois M. Lüthi, demissionnaire, 
par M. Röthlisberger, secivtaire du bureau international pour la 
l)rotection de la propriete litteraire, a tenu 12 seances. II a organiso 
Tassemblee g^nörale de l'Union des societ6s suisses et les assemblees 
niensuelles de notre socii^to. En outre, il s'est occupe sp6cialement 
de la publication de notre annuaire. 11 a d(^cide, a Teflet de donner 
un plus grand interet aux travaux de la soci6t6, de publier un 
compte rendu pour l'annee 1893, puis, pour l'avenir, un bulletin tous 
les six niois. Le preniier paraitra dans le courant du mois de juillet 
prochain. Le comit6 a ouvert un concours pour ses publications et 
conclu un traite avec Fimprimerie Haller pour une pöriode de 
trois ans. 

Le comite a 6t6 avise que le sixieme congres universel des 
sciences geographiques, faisant suite a eelui de Berne de 1891, aura 
lieu a Londres dans le courant du mois d'aoüt 1895. 

La societe a tenu 11 seances, dont deux publiques. Les sujets 
suivants ont ete traites dans ces assemblees : 

Le cartographe Gyger, Conference de M. le professeur Graf; 

Les nouvelles cartes en relief du bureau federal topographique, 
Conference de M. le professeur Brückner; 

Les travaux lacustres, de M. Delebecque, a Tlionon, Conference 
du meme; 

Voyage a Yeso, Conference de M. le D"" Nippold; 

Les fetes colombiennes a Huelva, Conference de M. Häüiger; 

Les Maoris, Conference de M. Häusler; 

A travers la Patagonie, Conference de M. le D'" Maclion; 

L'Egypte, Conference de M. Brunner, Conseiller national; 

Quelques jours ä Andorre, en automne 1892, Conference de M. le 
professeur Brückner; 

Les populations aborigenes de la Suisse, Conference de M. le 
professeur Studer ; 

L'exposition de Chicago, Conference de M. Landolt, inspecteur des 
ecoles secondaires; 

La Photographie au service de l'astronomie, deux Conferences de 
M. le professeur Forster. 

Nous avons ref;u pendant l'annee quatre nouveaux membres 
honoraires. Le nombre des membres correspondants a diminu6 d'un, 
par suite de deces. Nous avons perdu vingt membres actifs et regu 
cinq nouveaux membres seulemeut; le nombre des membres actifs 



- XI -. 

de ia societe se troiive donc de quinze inferieur j\ celui de raiinee 
1S02. Esperons que les lacunes se combleront. 

La mort nous a enleve MM. liiedermann, Fankliauser, maitre au 
gymnase, Karrer, ancien Conseiller national, Krebs Otto, lluchounet, 
Conseiller federal, Werder, secrctaire de la direction des telegraplies, 
tous ä Berne, D' Herzog, ä Montier, et Allemann, journaliste a Buenos 
Ayres. Nous conserverons ces collegues en aifectueux souvenir. 

Nous avons enfin pu boucler nos comptes du Congres interna- 
tional de 1891, dont l'etablissement definitif s'etait trouve retarde 
par la publication du corapte rendu. Somme tonte, nous nous en 
sommes tires sans perte appreciable. La fortune de la societe s'eleve 
ä fin 1893 ä la somme de fr. 1466. 65. 

Nous proiitons de Toccasion pour exprimer nos remerciements 
au Conseil executif du canton de Berne, comme aussi au Conseil 
municipal et au Conseil de bourgeoisie, au sujet de la Subvention 
que l'Etat continue ä nous donner et des subsides que les autorites 
de la ville nous ont accordes pour l'assemblee generale des societes 
de geographie. 

Nous continuons ä recommander la societe de geographie de 
Berne a la bienveillance des autorites, comme aussi a la sollicitude 
des amis de Tinstruction et de la culture intellectuelle. 



Berne, en janvier 1894. 



Le President de la Societe : 

D-- GOBAT. 



Geschäftsberieht für das Jahr 1893. 



Das Hauptereigiiis im Jahr ls!»;i war die General versaniinliiiig 
des Verbandes der sclivveizerischen geograi)hischen Gesellschaften, 
welche am 1. und 2. September in Bern stattfand. Die Gesellschaften 
von Aarau, Genf, Neuenbürg und St. Gallen waren vertreten; 
ausserdem hatten wir das Vergnügen, Herrn Ch. Gauthiot, General- 
sekretär der kommerziellen geographischen Gesellschaft von Paris, 
Ehrenmitglied unserer Gesellschaft, bei diesem Anlass unter uns 
zu sehen. 

Die laufenden Geschäfte des Verbandes wurden am 1. September 
abends in der Delegiertenversammlung erledigt. Die Leser werden 
den Bericht hierüber in dem nachfolgenden Protokoll finden. 

Die Hauptversammlung hatte folgende Traktanden auf der Tages- 
ordnung : 

Der geographische Unterricht in den Gymnasien. 

Bericht über die Bibliographie der schweizerischen Laudeskunde 
von Herrn Dr. Guillaume. 

Vortrag des Herrn von Hesse- Wartegg über die Weltausstellung 
in Chicago. 

Vortrag des Herrn A. von Claparede: Von den Philippinen 
nach Java. 

In Betreff des ersten Traktandums verweisen wir auf den bezüg- 
lichen Bericht, welcher den Hauptbestandteil dieses Jahrbuches bildet. 

Der Bericht des Herrn Guillaume gab der Versammlung erfreu- 
liche Auskunft über den Stand der Bibliographie der schweizerischen 
Landeskunde; diese Unternehmung befindet sich auf guten Wegen. 

Der Vortrag des Herrn von Hesse-Wartegg war sowohl in der 
Form als durch die reiche Fülle des Gebotenen ausgezeichnet, und 
wurde durch eine sehr reichhaltige Ausstellun