JAHRESBERICHT
ÜBER DIE
ERSCHEINUNGEN AUF DEM GEBIETE
DER
GERMANISCHEN PHILOLOGIE
HERAUSGEGEBEN
VON DER
GESELLSCHAFT EHR DEUTSCHE PHILOLOGIE
LN BERLIN
SECHZEHNTER JAHRGANG
1894,
DRESDEN UND LEIPZIG
VERLAG VON CARL REISSNER
1895.
ZI
1031
Zz 5
Inhalt.
Seite
I. Allgemeine lexikographie 1
II. Namenkunde 4
III. Allgemeine und vergleichende grammatik, metrik 8
IV. Neuhochdeutsch 30
V. Deutsche mundartenforschung (ausser niederdeutsch) 44
VI. Literaturgeschichte 51
VII. Altertumskunde 58
VIII. Kulturgeschichte 87
IX. Eecht 130
X. Mythologie und Volkskunde 146
XI. Gotisch 193
Xu. Skandinavische sprachen 194
XIII. Althochdeutsch 237
XIV. Mittelhochdeutsch 239
XV. Das 16. Jahrhundert 267
XVI. Englisch 294
XVII. Niederdeutsch 332
XVIH. Friesisch 340
XIX. Niederländisch 347
XX. Latein 353
XXL Geschichte der germanischen philologie 357
Autorenregister 365
Sachregister 393
Eedaktion: Prof. Dr. E. HENRICI. Berlin, Sebastianstrasse 26.
I. Allgemeine lexikographie.
1. H. Paul, Über die aufgäbe der wissenschaftlichen lexiko-
graphie mit besondrer rücksicht auf das deutsche Wörterbuch. —
Aus den Sitzungsberichten der bayr. akad. d. wiss. 1894, I.
2. H. G-rinini und Otto Ho ff mann, Thesaurus linguae ger-
manicae. Preuss. jahrb. 1894 (2) 239-258.
H. Grimm erläutert mit neidischen Seitenblicken auf den latei-
nischen Thesaurus den plan zu einem grossen, nur den heutigen
sprachstand behandelnden Sammelwerke, das er durch spezialwörter-
bücher für die grossen schriftsteiler vorbereitet sehen will; Hoff-
mann zeigt an proben aus Herder in einleuchtender weise, wie not-
wendig eine solche arbeit ist.
Wörterbücher. 3. Grimms Wörterbuch. VIII, lief. 14 (schluss
des achten bandes) X s. u. spalte 2497 — 2684. (schellen — schiefe?)
IV, 1. abt. 2te hälfte, lief. 10. IX, 1. lief., sp. 1—192, (schie-
fein — schinden), je 2 m.
4. M. Heyne, Deutsches Wörterbuch. Leipzig, Hirzel. 5ter
halbband, R — setzen, 592 sp. 5 m. — vgl. jsb. 1893, 1, 2.
mit dem zweiten bände zusammen angezeigt. Lit. cbl. 1894
(19) G82.
5. D. Sanders, Handwörterbuch der deutschen spräche.
5. aufläge. Leipzig, Wigand 1893. IV, 1070 s. 7,50 m.
lobend angez. Österr. littbl. 3 (8) 239. — vgl. jsb. 1888, 4, 1.
6. F. Tetzner, Deutsches Wörterbuch. Leipzig, Reclam.
(Universalbibliothek no. 31G8— 70.) 331 s. 60 pf.
7. K. Duden, Etymologie der neuhochdeutschen spräche.
München 1893. — vgl. jsb. 1893, 3, 98. — von E. Wasser-
zieher, Archiv f. d. n. spr. 91 (2/3) 276 gelobt.
8. K. Faulmann, Etymologisches Wörterbuch. Halle a. S.,
1891 — 92. — vgl. jsb. 1893, 1, 5; — angez. von J. Eranck, Anz.
f. d. a. 20 (1) 81 — 83, der sich bemüht hat das buch ernst zu
Jahresbericht für germanische Philologie. XVI. (1S94.) 1
2 I. Allgemeine lexikographie.
nehmen, indes sieben lieferungen vergebens nach, einem brauch-
baren neuen einfall durchstöbert hat.
9. E. Kluge, Etymologisches Wörterbuch, 5. aufl. Strass-
burg 1893. — vgl. jsb. 1893, 1, 4. — angez. von Jos. Seemüller,
Zs. f. d. öst. gymn. 45 (G).
10. E. Wessely, Grammatisch-stilistisches Wörterbuch. —
vgl. abt. 4, 2. 2. aufl. Leipzig, 0. R. Reisland. X und 198 s.
geb. 2 m.
11. A. Schlessing, Deutscher Wortschatz. — vgl. abt. 4, 25.
12. Edwin Wilke, Deutsche wortkunde. ein hilfsbuch für
lehrer und freunde der muttersprache. Leipzig, R. Richter 1893.
VII, 278 s. 2,75 m.
der vf., der vielfach Schriften des verstorbenen Seminardirektors
Jütting citiert, hat nicht die absieht mit seinem werke die Wissen-
schaft zu fördern , sondern die fruchte der forschung der schule,
und besonders der Volksschule zugänglich zu machen, seine arbeit
zeugt von namhafter belesenheit und hingebendem fleiss , lässt
indes da, wo es auf eignes urteil ankommt, oft im stich, als hand-
buch für solche, die sich in die Wissenschaft erst hineinfinden
wollen, ist es des systematischen plans und der reichen litteratur-
angaben wegen wohl zu empfehlen, doch kann die leitung des
forschers dabei nicht entbehrt werden, dem schulmanne bietet
der vierte teil, die worterklärung, viel anregendes, nur sei er bei
den eigenen erklärungen des vfs. und bei denen Jüttings auf der
hut. — nach der anz. von K. Scheffler, Zs. d. allg. d. spr. ver.
1894 (7, 8) 15G, 157 ohne ausreichende Sachkenntnis geschrieben.
13. Alb. Richter, Deutsche redensarten, sprachlich und
culturgeschichtlich erläutert. 2. vermehrte aufl. Leipzig, Richter
1893. 190 s. 3 m.
eine nicht ungeschickte ausbeutung der grossen Wörterbücher
und umfassender lektüre. die erklärungen sind allerdings keines-
wegs immer ganz zuverlässig, aber die einflechtung des kulturge-
schichtlichen details bietet manches belehrende, und das büchlein
ist geeignet interesse für die beschäftigung mit der deutschen Ver-
gangenheit zu wecken. — angez. Lit. cbl. 1894 (30) 1069, wo einige
misslungene deutungen berichtigt werden, vgl. abt. 4,30.
Wortforschung. 14. R. Reichel, Kleine nachtrage zum deut-
schen wörterbuche. Zs f. d. phil. 27 (2) 251—263.
trägt die im wörterbuche nicht verzeichneten oder wenigstens
nicht so früh belegten ausdrücke aus dem 1732 zu Nürnberg er-
schienenen Chatolischen Geschichtsspiegel des de Royaumont nach.
I. Allgemeine lexikographie. 3
15. A. Braun, Deutscher Sprachschatz, beitrage zum Unter-
richt in der deutschen spräche. Cassel, Wigand. 87 s. 1 m.
IG. 0. Glöde, Volksetymologische bildungen. Zs f. d. d.
unterr. 7 (10) 686.
17. Heino Pfannenschmid, Virnasin = rückkehren, heim-
fallen. Alemannia 22 (1) G3 — 65.
belegt virnasit aus einer Murbacher Urkunde vom j. 1293.
18. W. Schulze, Samstag. Zs. f. vgl. Sprachforschung
33 (3) 366—386.
erweist aus einer fülle zerstreuten materials die griechische
lautneigung parasitische nasale vor den medien zu entwickeln und
erklärt so die entstehung der ahd. form sambaztac.
19. G. Meyer, Zur geschichte des wortes samstog. Indog.
forsch. 4, 326—334.
verfolgt das eindringen der nasalier ung aus dem semitischen
ins vulgärgriechische, vulgärlateinische und romanische.
20. F. Kuntze, Einiges über das wort alt. Zs. f. d. d.
unterr. 7 (12) 834—836.
verfolgt die bedeutungsentwickelung zu 'lieb' und 'verhasst'.
21. F. Kluge, Buseron. Zs. f. d. phil. 27 (1) 116.
weist J. Grimms beziehung auf bugiardo ab und verweist auf
florent. buggerare 'päderastie treiben' (W. Meyer-Lübke).
22. Kleinigkeiten aus der Zs. f. d. d. unterr. Kaimund Dun-
datschek [7 (10) 692], Albert Richter [8 (8) 539], Sebastian
Mayr [8 (8) 541] behandeln die herkunft von Gigerl. 0. Glöde
[7 (10) 686] 'Eulen nach Athen tragen — Thran nach Tromsoe
bringen'. — [8 (2) 123] Minlede = mein lebtage. — Anton Eng-
ert [8 (2). 126 — 129] Muskate in der bedeutung von kot. —
R. Sprenger [8 (2) 130] 'Binnen kurzem' bespricht die Verwen-
dung für 'seit kurzem'. — [7 (11) 758 — 760] 'Toast' widerspricht
einer deutung aus dem ndd. und erklärt es in der bedeutung 'trink-
spruch' als würzende zuthat. — Adolf Hausenblas [7 (11) 765 —
767], Zur erklärung der redensart: 'mit jemandem ein hühnchen
pflücken, rupfen', (hühnchen soll aus handel, händel, pflücken aus
pflegen missverstanden sein!; R. Hildebrand [7 (12) 785 — 788]
Nachträglich zu lehren und lernen, (bezieht sich auf 'Zur logik
des Sprachgeistes' vgl. jsb. 1893, 3, 37.) — Das wort sie sollen
lassen stan und kein dank dazu haben (weist auf dne minen dank
= 'unfreiwillig' hin) — Zu Herr (erinnert an die ähnliche bedeu-
tungsentwickelung bei senior, seigneur) ■ — O. Rössner, [8 (3) 198]
denkt bei 'in die pilze gehn', 'in die wicken gehn' an Vernichtung
durch pilze, wicken. — R. Sprenger [8 (3) 199] Zannen, sich sauen
1*
[ II. Namenkunde.
erklärt ersteres in anleknung an zahn, letzteres an got. taujan. —
F. Kuntze [8 (3) 199 f.] und Ludwig Fränkel [8 (7) 480—482]
erklären 'Schurle-Murle' aus dem jus potandi. — Schmitz ]8 (3) 201]
Schiessprügel (zum schiessen und schlagen.) 0. Brenner [8 (4) 258]
Dereinst von deheinest). Th. Becker [8 (4) 259] Zu 0. Glödes be-
merkungen über 'stein und bein klagen' VI, 577. (vgl. jsb. 1892,
10, 487.) Franz Kubin [8 (9) 598 f.] Einem einen baren auf-
binden, denkt im gegensatz zu L. Hertel [7, 263 f.) an die sitte
des angebindes. Felix Hartmann.
II. Namenkunde.
P6rSOU6DMincn. 1. E. Adamek, Das rätsei unserer deutschen
schülernamen; an den namen der österreichischen lehrerschaft er-
klärt. Wien, Konegen. 143 s. 4 m.
eine gediegene, wissenschaftliche arbeit, selbständig und kritisch.
2. P. Cascorbi, Die vornamen unserer mädchen. Mindensche
nachrichten vom 26. und 31. Januar 1894.
3. A. Erdmann, Über die heimat und den namen der Angeln.
— vgl. abt. 7, 66.
4. L. Fränkel, Zur namenkunde. Zs f. d. d. unterr. 8, 479 f.;
widerspricht den ansichten Mackels (abt. 2, 8).
5. Th. v. Grienberger, Aistomodius. P.-Br. beitr. 18,
393 — 397 übersetzt diesen namen eines germanischen königs mit:
mann mit aufflammendem mute, der aufbrausende (germ. aistlis od.
stf. aisto).
6. Grienberger, Dea Garmangabis. — vgl. abt. 10, 15.
7. L. Laistner, Germ, völkernamen. — vgl. jsb. 1892, 2, 5.
rec. von Hirt, Litbl. f. germ. u. rom. phil. 1894, april.
8. E. Mackel, Zur namenforschung. Zs. f. d. d. unterr.
8, 186 — 191. er untersucht die Umänderung fremder namen, wenn
sie zu deutschen familiennamen wurden, und kommt zu der be-
hauptung, 'dass bei den aus der fremde eingeführten namen die
niederdeutschen die fremde (in diesem falle die lateinische) accen-
tuierung beibehalten, die oberdeutschen aber die einheimische, ger-
manische betonungsweise durchgeführt haben.' eine erklärung hier-
für findet er in der grösseren Vermischung der norddeutschen mit
fremden, besonders slavischen stammen.
9. E. Mackel, Zu den vornamenstudien von G. Steinhausen.
Zs. f. d. d. unterr. 8, 483 — 87. er möchte nicht das aufkommen
II. Namenkunde. f>
o
der familiennameu als eine folge der Verkümmerung der vornamen,
sondern als ihren grund ansehen: als man der familiennamen be-
nötigte, da verfielen allmählich die vornamen; diese Verkümmerung
will er auch viel weiter als bis ins 7. oder 8. jahrh. zurücksetzen,
da die kirche, die doch sonst alles heidnische verfolgt hat, diesen
namen gegenüber gleichgültig ist.
10. B. Maydorn, Sinn und gestaltung der deutschen per-
sonennamen. Neue westpreussische mitteilungen vom 30. mai 1894.
11. W. Tobler-Meyer, Deutsche familiennamen nach ihrer
entstehung und bedeutung, mit besonderer rücksichtnahme auf
Zürich und die Ostschweiz. Zürich, Müller. 234 s. 4 m.
eine fleissige, hauptsächlich auf Heintze sich stützende Unter-
suchung schweizerischer familiennamen.
IIa. Karl Ondrusch, Die familiennamen in Neustadt O.-S.
1. teil, progr. d. gymn. zu Neustadt Ob. -Schi. [no. 198.] 31 s. 4°.
dieser teil behandelt die aus altdeutschen personennamen ent-
standenen familiennamen. der vf. ist mit den älteren epochen
unserer spräche und mit der namenlitteratur wohlvertraut , doch
scheint ihm die auf Müllenhoff (s. 3) und dessen 1872 abgehaltenes
namenprivatissimum zurückgehende Berliner dissertation von P. Feit
(De Germanorum nominibus propr. comp.) entgangen zu sein (s. 9).
— die hauptarbeit sollen die beiden späteren teile bringen, welche
hauptsächlich slavische namen behandeln.
12. Fr. Tetzner, Namenbuch; mit einer einleitung versehen.
Leipzig, Beclam 1893. univ.-bibl. 3107/8. — sehr abfällig kriti-
siert von F. Khull, Zs. des allgem. deutschen Sprachvereins.
1894. s. 43—45.
13. H. Tümpel, Häufigkeit des vornamen Johannes. Zs. f.
d. d. unterr. 8, 770.
14. R. A. Über deutsche vornamen. Berl. neueste nach-
richten vom 28. u. 29. juni 1894.
15. R. N. Namen-modethorheiten. Leipziger Zeitung vom
22. märz 1894.
Ortsnamen. 16. E. Brandis, Berg- und talnamen im Thü-
ringer walde, gesammelt und sprachlich untersucht. Erfurt, Neu-
mann. 74 s. Im. — erster versuch einer erklärung mit ge-
ringem urkundlichen material.
17. W. Golther, Über Ortsnamen auf -ingen und -ungen.
Süddeutsche bll. f. höh. Unterrichtsanstalten I, 3.
18. W. Hammer, Ortsnamen der provinz Brandenburg. 1. teil,
progr. der 9. realschule zu Berlin. Berlin, Gärtner. 32 s. 4°.
6 IL Namenkunde.
H. versucht die märkischen Ortsnamen zu erklären, indem er
auf die älteste, urkundlich beglaubigte form zurückgreift und das
altslovenische, polnische, tschechische und wendische herbeizieht;
unberücksichtigt bleiben die namen der gewässer und die flur-
namen. in dem vorliegenden teil werden die Ortsnamen der kreise
Teltow, Ober- und Niederbarnim untersucht, auch die älteren
deutungsversuche herangezogen und eine wissenschaftlich halt-
bare erklärung versucht, was dem vf. freilich nicht immer
gelingt.
19. J. Hei big, Die Ortsnamen im bezirk Friedland i. B., ein
etymol. versuch. Friedland, Weeber in komm. 48 s. 0,35 m. —
nicht geliefert.
20. G\ Hey, Die slavischen siedelungen im königreich Sachsen,
mit erklärung ihrer namen. Dresden, Baensch 1893. 335 s.
Gm. — nicht geliefert, rec. von 0. Böhme, Zs. f. d. d. unterr.
8, 204—207.
21. Gr. Jacob, Die Ortsnamen des herzogtums Meiningen.
Hildburghausen, Kesselring'sche hofbuchhandlung. III, 150 s. 4 m.
in einer etwas weitschweifigen und umständlichen einleitung
legt der vf. die grundsätze dar, nach denen er verfahren ist: er
geht auf die älteste namenform zurück, gestützt auf genaue Orts-
kenntnis, auf ortsgeschichtliche, kulturgeschichtliche und sprach-
wissenschaftliche Vorkenntnisse, die grosse hauptmasse derMeiningen-
schen Ortsnamen hält er mit recht für deutsch, einige für slavisch,
sehr wenige für keltischen Ursprungs; die einzelnen Ortsnamen sind
in alphabetischer reihenfolge genau behandelt.
22. Imme, Unsere Ortsnamen. Rheinisch-westf. ztg. vom
20. mai 1894.
23. P. Kühnel, Die slavischen orts- und flurnamen der
Oberlausitz, gesammelt und erklärt. Leipzig, Harassowitz in komm.
3. heft. 75 s. 1,80 m. — nicht geliefert,
24. Th. Lohmeyer, Beiträge zur namenkunde des Süder-
landes. progr. des progymnasiums zu Altena. VI, 7G s.
25. Th. Lohmeyer, Die hauptgesetze der ältesten deutschen
berg- und flussnamengebung, hauptsächlich an süderländischen bei-
spielen erläutert; Vortrag in Altena 15. mai 1894, erschienen in
den Verhandlungen des naturwissenschaftl. Vereins, 51. Jahrg. bd. 11,
s. 31—49.
die von ihm beobachteten gesetze sind: 1) er nimmt die suffixa,
also ableitungssilben, nur bei grundwörtern für fluss an, fasst da-
gegen die von anderen für suffixa angesehenen Schlussbestandteile
II. Namenkunde. 7
bei nichtgrundwörtern als selbständige grundwörter für fluss bez.
berg auf. — 2) ein deutscher flussname besteht, wenn er nicht zu-
sammengesetzt ist, aus einem einfachen grundwort für fluss; wenn
er zusammengesetzt ist, aus dem bestimmungswort und einem der
grundworte für fluss. — 3) bei den zusammengesetzten namen ist
ein bestimmtes der natur des geländes entsprechendes gesetz
beobachtet.
26. A. Lunglmayr, Über Ortsnamen mit besonderer berück-
sichtigung der Ortsnamen aus der Umgebung von Lindau. Lin-
dau, F. Th. Stettner 1890. 16 s. 0,50 m.
27. Chr. Schneller, Beiträge zur Ortsnamenkunde Tirols.
2. heft. Innsbruck. 112 s. 2 m. — vgl. jsb. 1893, 2, 29. Nach
begründung einiger früheren, von den kritikern angezweifelten ety-
mologieen behandelt S.: 9) das wasser in namen (s. 17 — 39).
10) landschaft, bodengestaltung (s. 40 — 102); den schluss bildet ein
namenregister. — recension des 1. heftes von W. F. im Littre.
centralbl. 1894, 602.
28. C. Schumann, Nachtrag zu den nur- und koppelnamen
des Lübecker Staatsgebietes, progr. des Katharineums zu Lübeck
1893. s. 61—69. — vgl. jsb. 1892, 2, 22.
29. E. Weinhold, Flurnamen aus dem Erzgebirge. 'Erz-
gebirge' 2. bd., 2. heft und besonders bei Renger in Leipzig.
29 s. 0,50 m.
Sonstige namen. 30. A. Englert, Muskate in der bedeutung
von kot. Zs. f. d. d. unterr. 8, 126—29.
31. L. Fränkel, Zu Schurle-Murle. Zs. f. d. d. unterr. 8,
480 — 2. er schreibt lieber scliorle-morle.
32. O. Glöde, Lüning, Lünken, ein name für den Sperling.
Zs. f. d. d. unterr. 8, 122.
33. O. Glöde, Der sperlingsname. Zs. f. d. d. unterr. 8,
267 f.
34. H. Menges, Der name des haushahns in der Schrift-
sprache und im Elsass. Zs. f. d. d. unterr. 8, 578 — 584.
M. möchte den auffälligen namen des hahns (== Sänger) teils
auf den mangelhaften kunstsinn der deutschen zurückführen, teils
ironisch auffassen; er versucht dann eine deutung der elsässischen
namen: hahn, goggel, güller zu geben.
35. Alb. Richter, Gigerl. Zs. f. d. d. unterr. 8, 540. leitet
es mit Pötzl von mhd. gigl = fex ab.
8 III. Allgemeine und vergleichende grammatik, metrik.
36. Gigerl. Grenzboten heft 13.
37. Seb. Mair, Gigerl. Zs. f. d. d. unterr. 8, 541. = gickerl
= hahn. [vgl. abt. 1, 22]. Wersche.
III. Allgemeine und vergleichende grammatik, metrik.
1. Rodolfo Lenz, La fonetica. Santiago de Chile 1892. —
vgl. jsb. 1893, 3, 5. — angez. von F. Aranjo, D. neueren spr.
2 (2) 97—100.
2. E. Sievers, Grundzüge der phonetik, vierte aufl. Leipzig
1893. — vgl. jsb. 1893, 3, 2. — die neue aufl. unterscheidet sich
zwar von der dritten nur wenig , wird aber grade durch die ab-
lehnende Stellung, die Sievers gegen die moderne experimental-
phonetik einnimmt, wertvoll, die sorgfältige beachtung der neueren
litteratur dieser richtung macht sich wohl bemerkbar; allein die
spezielle kenntnis ihrer methoden ist dem Sprachforscher im allge-
meinen entbehrlich, und nur die mundartenforschung zieht daraus
einen begrenzten nutzen.
3. 0. Bremer, Deiitsche phonetik. Leipzig 1893. — vgl.
jsb. 1893, 3, 14. — ■ das werk eröffnet in vielversprechender weise
eine reihe von grammatiken deutscher mundarten, für die es ein-
heitliche terminologie und transscription anbahnt, es sucht die an-
leitung zur experimentellen Untersuchung zu geben und fördert die
kenntnis der deutschen laute in mehreren punkten beträchtlich,
als sein ziel bezeichnet der vf. eine anleitung zur richtigen be-
obachtung des Sprechens, des eignen wie desjenigen anderer zu
geben, und er bezeichnet damit treffend den punkt, der für anfänger
im studium der phonetik die grösste Schwierigkeit bietet und am
leichtesten übersehen wird. — angez. von Wagner, Die neueren
Sprachen 1 (8). — von Pol, Museum 2 (1). — von V. Henry,
Revue crit. 1893 (46) 331—333, (sehr gelobt). — von Michaelis,
Archiv f. d. st. d. n. spr. 92 (2).
4. W. Vietor, Elemente der phonetik des deutschen, eng-
lischen und französischen, dritte verbesserte aufl. 1. hälfte. Leipzig,
Reisland. 160 s. 3 m.
angez. Rev. crit. 1894 (16) 307 f. von V. Henry, (zustimmend,
aber auf einige Unregelmässigkeiten eingehend.)
5. W. Vietor, Wie ist die ausspräche des deutschen zu
lehren? Marburg 1893. — vgl. jsb. 1893, 3. 17. — angez. Lit. cbl.
1893 (47) 168c
<3.
III. Allgemeine und vergleichende grammatik, metrik. 9
6. W. Vietor, Kleine beitrage zur experimentalphonetik.
I. aufzeichnungen der stimrnwellen durch die Mareysche luft-
trommel. II. bestimmung der zungengaumen-artikulation durch
die stomatoskopische methode. Die neueren sprachen 1 (10) beiblatt.
7. L'abbe Rousselot, Les modifications phonetiques. —
vgl. jsb. 1893, 3, 11. — weiter angez. von Georges Doutrepont,
Anz. f. indog. alt. 3, 135—140.
8. F. Auerbach, Die physikalischen grundlagen der phonetik.
Zs. f. franz. spr.-litt. 1894, 117 — 171. — ■ der artikel wird besprochen
und lebhaft bekämpft von R. J. Lloyd, Die neueren spr. 2 (5)
309—318.
9. R. L. Weeks, A method of recording the soft-palate
movements in speech. Harvard studies 2 (1893), s. 213 — 220.
beschreibt einen apparat der die bewegungen des weichen
gaumens registriert und giebt in holzschnitten beispiele seiner
leistungen.
10. O. Felsberg, Zur ausspräche des schriftdeutschen,
progr. der Alexandrinenschule zu Koburg [no. 43]. 16 s.
aus der thatsache, dass die nhd. Schriftsprache wesentlich in
Mitteldeutschland entstanden ist, zieht vf. den schluss, dass in
zweifelhaften fällen die md. ausspräche vorzuziehen sei, insonder-
heit die Koburger. die anwendung dieses grundsatzes auf g und b
(s. 14) ergiebt die ausspräche suchen (für sagen), Täch (tag),
lochen (logen), Sie} (sieg), träjt (trägt) und sogar die zulässigkeit
von Weüver (weiber), Farne (färbe), Siliver (silber) — wie 'wir
Koburger auch sprechen.' Hitt (hirt), hatt (hart), füht (führt),
nua (nur), Feua (feuer.i, bitta (bitter) — 'hierzu neigt auch unsere
Koburger ausspräche.' — die konsonantverdopplung in ursprünglich
kurzen silben heisst s. 4 eine 'Verlängerung der Stammsilbe' —
(himmel, donner), s. IS 'ein orthographisches zeichen für die kürze
des vokals' (sommerj. [Red.]
11. F. Max Müller, Die Wissenschaft der spräche. Leipzig,
1893. — vgl. jsb. 1893, 3, 26. — angez. von Chr. Bartholoraae,
der sich der harten beurteilung Whitneys anschliesst. letztere war
besprochen worden von H. Hirt, Anglia beibl. 4 (1) 2. — der-
selbe berichtet auch über den germanischen teil des buches Litbl.
1894 (1) 1—3, wo er äussert, das Max Müllers buch, soweit es
nicht den ansprach unfehlbarer richtigkeit macht, noch heute mit
gewissem nutzen gelesen werden könne. — ferner angez. von J. Zu-
pitza, Archiv f. d. st. d. n. spr. 91 (4) 427 — 430. — von F. Pabst,
N. ph. rundsch. 1893 (23) 363; — von P. Kretschmer, Wschr.
f. cl. phil. 11 (1) 1. Berl. phil. wochenschr. 1893 (52) 1651 f.
10 HI. Allgemeine und vergleichende grammatik, metrik.
giebt Kurt Bruchmann eine knappe, mit ausrufungszeichen durch-
setzte inhaltsangabe.
12. G. v. d. Gabelentz, Die Sprachwissenschaft. Leipzig
1891. — vgl. jsb. 1891, 3, 44.
angez. von E. Meringer, Zs. f. öst. g} r mn. 45 (8/9) 785
'wärmstens empfohlen.'
13. B. Delbrück, Einleitung in das Sprachstudium, ein bei-
trag zur geschichte und methodik der vergleichenden Sprach-
forschung, dritte verbesserte aufl. = Bibliothek indogermanischer
grammatiken. band IV. Leipzig, Breitkopf & Härtel 1893.
VIII, 144 s. 3 m.
das bekannte und beliebte buch ist über seinen früheren um-
fang nur wenig hinausgewachsen, obwohl das kapitel über die
neueste Sprachforschung ganz umgearbeitet ist. räum wurde nament-
lich durch die kürzung der abschnitte gewonnen, welche frühere,
jetzt allgemein aufgegebene glottogonische theorien behandeln,
beherzigenswert ist der rat, eine einzelsprache liebevoll und gründ-
lich zu betreiben, um im gewirr der neueren ansichten einen
sicheren anhält zu haben. — angez. Lit. cbl. 1894 (13) 438 von
H(ermann) P(aul), der über die änderungen berichtet, aber der
neuen kennzeichnung von Schleichers Stellung zu den lautgesetzen
nicht zustimmt.
14. A. Giesswein, Die hauptprobleme der Sprachwissen-
schaft. Freiburg 1892. — vgl. jsb. 1893, 3, 28. — angez. von
Gutberiet, Phil, jahrb. 7 (1). — von F. Misteli, Ungarische
revue 1893 (8/9) 513 ff. — von H. Ziemer, Wschr. f. kl. phil.
10 (18). — Polybiblion 1894 (2).
15. 0. Froehde, Litteratur-, kunst- und Sprachwissenschaft.
N. jahrb. f. phil. u. päd. 149/150 (1).
16. J. Baudouin de Courtenay, Vermenschlichung der
spräche. Hamburg 1893. — vgl. jsb. 1893, 3, 38. — angez. von
H. Bohatta, Österr. littbl. 3 (16) 495.
17. F. M. Magnussoii, Some applications of logical and psycho-
logical principles to grammar. Dissertation. University of Minnesota.
18. Gutberiet, Über den Ursprung der spräche. Philosoph,
jahrb. 7 (1).
19. J. H. Gallee, De wording van het woord en de ont-
wikkeling der taal. Utrecht 1892. — vgl. jsb. 1892, 3, 37. —
angez. von Friedrich Ka uff mann, Litbl. 1894 (6) 178 f., der den
ausführungen des vfs. in mehreren prinzipiellen fragen entgegentritt.
III. Allgemeine und vergleichende grammatik, metrik. H
20. A. Rosenstein, Das leben der spräche. Vortrag. Samml.
gemeinverst. vortr. von Virchow und Holtzendorff. Hamburg,
J. F. Richter 1893. 35 s. 60 pf.
ein mit guter kenntnis der einschlägigen litteratur geschriebener
aufsatz, der die einwirkung des kulturlebens auf die spräche, die
entfaltung der sprachlichen form und die entwickelung des reick-
tums der bedeutungen der Wörter anschaulich schildert. — angez.
von H. Bohatta, Österr. littbl. 3 (16) 495.
21. J. Renatus, Spaziergang durch die spräche. Freie
Studien. Bautzen, E. Hübner. 96 s. 12. 1,20 m.
22. Gr. v. d. Gabelentz, Hypologie der sprachen, eine neue
aufgäbe der linguistik. Idg. forsch. 4, 1 — 7.
ein Vorschlag, die Wissenschaft der allgemeinen grammatik
durch statistische aufnahmen, die sich auf die formalen eigenheiten
aller sprachen erstrecken sollen, zu stützen und neu zu beleben.
der vf. verspricht sich davon eine auf der vergleichung ähnlicher
sprachformen beruhende kenntnis der geistigen anläge und natio-
nalen Individualität der einzelnen Völker und hofft auch für die er-
forschung des historischen Zusammenhangs der Sprachgruppen unter-
einander wertvolles material dadurch zu liefern.
23. A. Lefevre, Les races et les langues. Paris 1893. —
vgl. jsb. 1893, 3, 30. — angez. Polybiblion 1894 (1).
24. F. Misteli, Charakteristik der hauptsächlichsten typen
des Sprachbaus. Berlin 1893. — vgl. jsb. 1893, 3, 44. — ferner
angez. von Oh v. d. Gabelentz, Lit. cbl. 1893 (47) 1679 f.
der die anordnung der Sprachstämme durch den vf. kurz dar-
legt, auf seinen abweichenden Standpunkt hinweist und dem
werk trotz seiner ungewöhnlich schwierigen form einen möglichst
weiten leserkreis wünscht — etwas ausführlicher von ebendemselben,
Idg. forsch. 3 (3) 171 ff. — von Fr. Stolz, X. phil. rundsch.
1893 (26) 408 f. 'vortrefflich'.
25. P. E. Rosenstock, Piatos Ivratylos und die sprach-
philosophie bis zum tode Wilhelm von Humboldts, progr. d. gymn.
zu Strasburg i. Westpr. 41 s. 4.
26. O. Jespersen, Fremskridt i sproget. Kjabenhavn 1891.
vgl. jsb. 1891, 3, 43. 1892, 16, 278. — angez. Litbl 1894
(6) 177 f. von Kauffmann: 'von Pauls principien ist auf das
schriftchen auch nicht der leiseste schatten gefallen.' — auf
H. Möllers beurteilung antwortet J., Nord, tidskr. f. fil. 3 r.
1, 36 — 41 in dem aufsatz: Grives der fremskridt i sprogene? en
antikritik.
12 III. Allgemeine und vergleichende grammatik, metrik.
27. 0. Behaghel, Sprachgebrauch und Sprachrichtigkeit. —
vgl. abt. 4, 24.
28. G. E. Karsten, The psychological basis of phonetic law
and analogy. Publications of the mod. lang. ass. of Am. 9 (1).
29. 0. Bender, Die analogie. ihr wesen und wirken in der
deutschen flexion. progr. d. gymn. zu Moersburg. 74 s. 4.
30. 0. Bremer, Relative sprachchronologie. Indogerm. forsch.
4, 8—31.
erörtert den methodologischen wert relativer feststellung des
alters der einzelnen lautgesetze und giebt zugleich ein beispiel,
wie er sich die forderung solcher sprachgeschichtlichen forschung
verwirklicht denkt , an der vorlitterarischen lautgeschichte des
anglofriesischen.
31. A. Darmesteter, La vie des rnots. quatrieme edition.
Paris. ■ — ■ vgl. jsb. 1889, 3, 44. ■ — angez. von G. Meyer, Berl. phil.
wschr. 1894 (23) 727. — von V. Henry, Revue des cours et Con-
ferences 2 (1. 4. G. 7. 9.)
32. A. Noreen, Om tavtologie. Nord, tidskrift för vetens-
kap konst och industri 1894 (3) 183—202.
33. Karl Schmidt, Die gründe des bedeutungswandels. ein
semasiologischer versuch, progr. d. kgl. realgymn. zu Berlin (no. 92).
44 s. 4. Leipzig, Fock. 1 m.
eine sehr dankenswerte gruppierung der umstände, die be-
deutungswandel herbeiführen können, der vf. unterscheidet 1. be-
dürfnis, 2. bequernlichkeit, 3. nachahmungstrieb, 4. beeinflussung,
5. sinnliche kraft des ausdrucks, G. deutlichkeit, 7. Zartgefühl,
8. zorn und scherz, 9. höflichkeit, 10. willkür, und er belegt diese
kategorien mit reichlichen und gut gewählten beispielen. obwohl
manches an der einteilung der änderung bedarf, ist doch die ge-
gebene anregung wertvoll.
34. K. Mühlefeld, Die lehre von der vorstellungs Verwandt-
schaft und ihre anwendung auf den Sprachunterricht. Leipzig,
Renger. IV, 60 s. 1,20 m.
35. Th. Kirchberg, Die etymologie und ihre bedeutung für
schule und lehrer. Pädagogisches magazin. abhandlungen vom
gebiete der pädagogik und ihrer hilfswissenschaften, hrsg. von
F. Mann. 27. heft. Langensalza, Beyer & söhne. 32 s. 0,40 m.
der vf, der sich im allgemeinen wohlunterrichtet zeigt, em-
pfiehlt die beachtung der etymologie im Unterricht und giebt ver-
ständige anweisungen zu ihrer benutzung. so dankenswert jede
belebung des interesses am sprachleben grade in unserer zeit ist,
III. Allgemeine und vergleichende grammatik, metrik. 13
musste doch stärker betont werden, dass nur auf tüchtiger kenntnis
beruhende beschäftigung mit sprachwissenschaftlichen fragen för-
dernd wirken kann; auf die gefahren leichtsinnigen spielens mit
wortanklängen hätte hingewiesen werden sollen.
36. E. Zergiebel, Grammatik und natürliche Spracherlernung.
Phonet. stud. G (1).
bespr. von A. Ohlert, Zs. f. franz. spräche und litt. 16 (2).
37. H. Gaidoz, L'etymologie populaire et le Folk-Lore. Melu-
sine 6 (8) 11.
38. R. Geete, Nägot om folketymologie. Ord och bild 1 (4)
164—173, (5) 205—211, (1/8) 289—294.
39. John Ries, Was ist syntax? ein kritischer versuch.
Marburg, Elwert. IX, 163 s. 3 m.
der vfs. unterscheidet in der bisherigen behandlung der syn-
tax drei Systeme, das von Miklosich (und Erdmann), das die syntax
als Satzlehre auffassende und das zwischen diesen beiden schwankende,
er deckt namentlich die mängel des erstgenannten Systems auf und
legt dar, wieso die Satzlehre nicht dem gesamten gebiet der syntax
entspreche, den schluss bildet eine wohldurchdachte gliederung
der gesamtgrammatik , bei welcher der syntax die lehre von den
formen und der bedeutung der wortgefüge zufällt. — angez. von
J. Gr. Talen, Taal en letteren 4 (4) 245 — 248. (empfehlende In-
haltsangabe). — von Speyer, Museum 2 (5). — von Förster,
Anglia, beiblatt 5 (3). — von Gustav Meyer, Lit. cbl. 1894 (27)
958 f., der den gedankengang des vfs. in kürze darlegt und seiner
anordnung der grammatik zustimmt. ■ — - von P. Kretschmer,
Wschr. f. kl. phil. 1894 (27) 743 ff. 'verdient die beachtung aller
Sprachforscher'. — ■ von Fr. Stolz, Berl. phil. wschr. 1894 (38)
1207 ff. (ähnlich).
40. R. F. Kaindl, Wesen und bedeutung der impersonalien.
Czernowitz, Pardini 1893. 39 s. ■ — sep.-abdr. aus d. Philos. monatsh.
XXVIII, 5 u. 6. 0,50 fl.
angez. Österr. litbl. 2 (24) 748 von H. Bohatta.
41. H. Schuchardt, Weltsprache und weitsprachen. An
Gustav Meyer. Strassburg, Trübner 1894. 54 s. 1,40 m.
S. hält im gegensatz zu G. Meyer seine ansieht von der nütz-
lichkeit und möglichkeit einer Weltsprache aufrecht und begründet
sie durch den hinweis auf die zunehmende Schwierigkeit inter-
nationaler Verständigung für die gelehrten und auf die entstehung
der mischsprachen. — angez. von W. Streitberg, Lit. cbl. 1894
(8) 243 f., der über Schuchardts ansieht berichtet, ohne ihr zuzu-
14 III. Allgemeine und vergleichende grammatlk, inetrik
stimmen. — von Symons, Museum 2 (2). — von V. Henry,
Rev. crit. 1894 (15) 282. der seine abweichende meinung, mit
einer höchst feinen und graziösen Wendung gegen S. aufrecht er-
hält. — von Löschhorn, Berl. phil. wschr. 1894 (34) 1079 f.
42. K. Brugmann, Grundriss der vergleichenden grammatik.
Strassburg. — vgl. jsb. 1893, 3, 47. — die indices sind angez. von
G. Meyer, Lit. cbl. 1893 (45) 1615. - - The academy 1131. —
R. Meringer, Zs. f. d. öst. gymn. 45 (6) 629— G32, erhebt ein-
wände gegen die anordnung von deklination und conjugation. — von
Fr. Stolz, N. phil. rundsch. 1893 (23) 364 f. (inhaltsangabe.) —
von T. C. Snow, Class. review 7 (9) 418 ff. — von 0. Bremer,
Berl. phil. wschr. 1894 (30/31) 964—976 (inhaltsangabe.) - • von
H. Ziemer, Zs. f. gymn. 48 (febr., märz) 145 f. eine weitere
selbstanzeige veröffentlicht B., Idg. forsch. 3 (3) 173 f., wo einige
druckfehler gebessert und die bedeutung des autorenindex noch
einmal begrenzt wird. — von der englischen ausgäbe ist der dritte
band erschienen (Strassburg, Trübner. 12,50 m.).
43. H. Hirt, Die Verwandtschaftsverhältnisse der Indo-
germanen. Idg. forsch. 4, 36 — 45.
eine modifikation der Schmidtschen wellentheorie durch die
annähme, dass Völkermischungen bei der dialektbildung in der Ur-
sprache und bei der Sprachtrennung eine wichtige rolle gespielt
haben.
44. M. May, Beiträge zur Stammkunde der deutschen spräche,
nebst einer einleitung über die keltgermanischen sprachen und ihr
Verhältnis zu allen andern sprachen, erklärung der perusinischen
(tuskischen) inschriften und erläuterung der eugubinischen (um-
brischen) tafeln. Leipzig, F. W. v. Biedermann. CXXX, 301 s. 8 m.
angez. von H. Gering, Zs. f. d. phil. 27 (1) 124 f., der das
buch ironisch abthut. — von J. Zupitza, Archiv f. d. stud. d. n.
spr. 92 (1). - von F. Skutsch, Berl. phil. wschr. 1894 (18)
567 f. 'blutigster dilettantismus'. — von C. Brugmann, Lit. cbl.
1894 (27) 962 f. 'im ernste gesprochen: die reinste maculatur.' —
von H. Hirt, Anz. f. idg. alt. 3, 183 f. (entsprechend.)
45. Frey, L'Annamite mere des langues: communaute d'ori-
gine des races celtiques, senritiques, soudanaises et de l'Indo-Chine.
Paris, Hachette. 5 fr.
socius malorum für herrn May.
46. A. Fick, Vergleichendes Wörterbuch der indogermanischen
sprachen. 4. aufl., bearbeitet von A. Bezzenberger, A. Fick und
W. Stokes. 2. teil: Urkeltischer Sprachschatz von W. Stokes.
III. Allgemeine und vergleichende grammatik, metrik. 15
übersetzt, überarbeitet und herausgegeben von A. Bezzenberger.
Göttingen, Vandenhoeck und Ruprecht. VIII, 337 s. 8,60 m.
die äusserst schwierige aufgäbe, die einordnung des keltischen
Sprachschatzes in das gefüge des Fickschen Wörterbuchs, ist unter
Bezzenbergers leitung in höchst dankenswerter weise gelöst, die
neueren Untersuchungen sind, soweit kontroliert werden konnte,
durchweg berücksichtigt, und durch die ausgiebige Verwertung der
keltischen namen, sowie der beachtung germanischer lehnworte im
keltischen und keltischer im deutschen wird das werk der deut-
schen forschung unmittelbar wertvoll, allerdings verrät es ander-
seits einen ausgeprägt individuellen Standpunkt; zahlreiche der vor-
getragenen vergleichungen sind höchstens vorschlage, und der per-
sönliche Standpunkt spiegelt sich sogar in der vorgedruckten
litteraturtabelle. — angez. von W. Prell witz, Wschr. f. kl. phil.
1894 (34) 913, 'fördert auch die andern sprachen erheblich,
namentlich das lateinische.'
47. W. Prellwitz, Etymologisches Wörterbuch. — vgl. jsb.
1893, 3, 88. — angez. Litztg. 1893 (6) von P. Kretschmer. —
Wschr. f. klass. phil. 1893 (30/31) von P. Cauer. — N. phil.
rundsch. 1894 (3) 41 von F. Pabst,
48. V. Henry, Precis de grammaire comparee de l'anglais et
de l'allemand rapportes ä leur commune origine et rapproches des
langues classiques. Paris, Hachette. 7,50 fr.
angez. The Academy 1131. — Revue crit. 1894 (16) 308—312
von H. Lichtenberger. (warme empfehlung.) — von H. Loge-
man, Revue de l'instr. publ. en Belgique 37 (3). — ■ von
H. Schmidt-Wartenberg, Mod. lang. not. 9 (6). — von
W. Streitberg, Idg. forsch, anz. 3 (3) 184—186. (berichtet
über anläge und zweck des werkes und giebt einige berichtigungen. )
49. H. Edgren, Jämförande grammatik, omfattende San-
skrit, grekiska, latin och gotiska. I. Ljudlära och nominal stam-
bildningslära. Göteborg. VIII, 124 s. 6 m.
vf. beabsichtigte, bei der Schwierigkeit der benutzung von
Brugmanns grundriss, eine einleitung dazu zu schreiben, er schliesst
sich an V. Henry, King and Cookson und Noreens Utkast an und
beschränkt sich in diesem hefte auf eine lautlehre und eine stamm-
bildungslehre. recht übersichtlich ist die anordnung, die z. b. bei
den einzelnen lautentsprechungen immer normales verhalten, an-
passung und analogiebildungen scheidet. — die neuesten Wand-
lungen der junggrammatischen schule hat der vf. übrigens trotz
seiner sonstigen abhängigkeit von ihr, noch nicht immer beachtet.
16 III. Allgemeine und vergleichende grammatik, metrik.
50. P. Persson, Studien zur lehre von der Wurzelerweiterung.
Upsala 1891. - • vgl. jsb. 1893, 3, 51. angez. Litztg. 1894 (33)
1031 f. von F. Hartmann.
51. M. Bloom field, On the so called root-determinatives
in the Indo-European languages. Idg. forsch. 4, 66 — 78.
setzt die entwickelungen des jsb. 1891, 3, 79; 1893, 3, 57 an-
gezeigten aufsatzes an verbalstämmen fort und sucht die gegen-
seitige formale angleichung der Wörter mit verwandtem begriffs-
inhalt darzuthun, um zu zeigen, dass 'wurzeldeterminative' eine abs-
traktion der modernen Sprachwissenschaft sind, mit der man nicht
vorsichtig genug sein könne.
52. R. Henning, Über die entwickelung des grammatischen
geschlechts. Zs. f. vgl. sprachf. 33 (3) 402—419.
sucht auf grund einer darstell ung des grammatischen ge-
schlechts in nichtarischen sprachen, den semitischen, Bantu-,
Hausa-, Somalisprachen und im hottentottischen, wahrscheinlich zu
machen , dass die entwickelung des genus in diesen sprachen der
in den arischen sprachen eingetretenen ähnlich sei; besonders ver-
folgt er femininbildendes -i als einen ältesten , vielleicht gemein-
samen kern und beobachtet die rolle, die die pronomina in der
entwickelung spielen, zwischen Grimms und Brugmanns ansieht
sucht er zum schluss zu vermitteln.
53. W. Streitberg, Die entstehung der dehnstufe. Idg.
forsch. 3 (5) 305 — 416. auch in buchform. Strassburg, Trübner.
III, 112 s.
konstruiert und erläutert in anlehung an darlegungen von
Bechtel und Michels das gesetz: betonte kürze wird vor ein-
tretendem morenverlust gedehnt, betonte länge geschleift, für die
idg. deklination und namentlich für die nicht thematische kon-
jugation werden daran weitgehende folgerungen geknüpft. — be-
sprochen Revue crit. 1894 (29/30) von V. Henry. — von
H. Hirt, Lit. cbl. 1894 (35) 1253 f. (stimmt den resultaten zu
und lobt die klare und elegante form des buches.)
54. F. Baudouin de Courtenay, Einiges über palatalisierung
(palatalisation) und entpalatalisierung (dispalatalisation). Idg. forsch.
4, 45—57.
stellt ohne beweis die hypothese auf, dass der Übergang von
e: auf der palatalen oder nichtpalatalen natur des folgenden
konsonanten beruhe.
55. Per. Persson, Om den grekiska, resp. indoeuropeiska u-
epenthesen. Uppsala studier, tillejnade Sophus Bugge, s. 180 — 193. —
III. Allgemeine und vergleichende grammatik. metrik. 17
vgl. jsb. 1893, 3, 56. — richtet sich in mancher hinsieht gegen
die ausführungen von P. Kretschmer (jsb. 1891, 3, 6G) und von
H. Pedersen (jsb. 1893, 3, 59); die annähme der epenthese sei
nirgend sicher; in einzelnen fällen scheinbarer epenthese sei der
nachweis anderer lautlicher entwickelung erbracht. — vgl. B. Kahle,
Litbl. 1894 (5) 145—147.
56. V. Michels, Metathesisim indogermanischen. Idg. forsch.
4, 58—66.
eine neue hypothese, die der prüfung empfohlen wird: 'über-
lange silben mit langem vokal wurden bereits idg. dadurch verein-
facht, dass der silbenschliessende konsonant vor den vokal trat,
für den fall , dass nicht diese metathese ein sonst im Idg. uner-
hörter silbenanlaut entstand.'
57. A. Meillet, De quelques difficultes de la theorie des
gutturales indo-europeennes. Mem. d. 1. soc. d. ling. 8 (4) 277 — 304.
sucht die Bezzenbergersche austellung dreier reihen als über-
flüssig zu erweisen.
58. Chr. Bartholomae, Zur Z-frage. Idg. forsch. 3 ('/<>)
157—197.
wendet sich gegen das von Bechtel verteidigte sogenannte
Fortunatovsche gesetz, dass aind. t, d dh n, wo sie für liquida -}- den-
tal stehen, einem ursprünglichen l -j- dental entsprechen; die von
Fortunatov und Bechtel aufgestellten vergleichungen werden zwar
überwiegend anerkannt, es wird jedoch durch beibringung weiteren
materials gezeigt, dass sie zur aufstellung eines lautgesetzes nicht
ausreichen.
59. H. Zimmer, Sind die altindischen bedingungen der
verbalenclise indogermanisch? Pestgruss an Rudolf von Roth zum
doctor-jubiläum. Strassburg, W. Kohlhammer. VI, 223 s. 12 m.
s. 173 — 178. Z. verneint die frage auf grund des keltischen und
warnt im allgemeinen vor Überschätzung des altindischen sowie
des altgriechischen für die recontruetion der idg. syntax.
60. J. Schmidt, Jon. yldooa und die flexion der idg. ia-
stämme. Zs. f. vgl. sprachf. 33 (3) 453 — 455.
behandelt noch einmal den auch im germanischen in einzelnen
beispielen vorliegenden stamm- und suffixablaut der t'a-stämme.
61. Chr. Bartholomae, Zur vokaldehnung im präteritum.
Idg. forsch. 3 (1/2) 1 — 63. behandelt u. a. s. 13 ff. formen wie
got. setum, s. 29 iddja, ags. eode.
62. D. Andersen, Reduplikationsvokalen i verbernes perfekt-
forrner. Festskrift til Wilhelm Thomsen.
Jahresbericht für germanische Philologie. XVI. (1894.) 2
18 III- Allgemeine und vergleichende grammatik, metrik.
63. G. Ehrisrnann, Die Wurzelvariationen s-teud, s-teub,
S-teug im germanischen. Beitr. z. gesch. d. d. spr. 18 (2) 215 — 227.
eine etymologische studie nach art der Per Personschen Unter-
suchungen, die indes dem vf. noch nicht vorlagen, die schliessende
media steht in der Überschrift als Vertreterin der reihe von explo-
siven, der sie angehört.
64. H. Osthoff, Präfix py- im griechischen; py-, bhy- im
germanischen. Beitr. z. gesch. d. d. spr. 18 (2) 243 — 259.
ausgehend von der annähme, dass py-, bhy- im germanischen
zu f- } b- wurden, erklärt 0. durch Zusammensetzung mit präfix
epi, ahd. fuhti, mnl. ontfarmen, ervarmen und sucht das durch
eine etymologische erklärung von ahd. faso, zu stützen, das mit
isl. ßs ahd. fesa zu wz. pis, pyes, pyos gestellt wird, sodann wird
als mit ebhi zusammengesetzt ausser bekannten zusammenrückungen
behandelt mhd. barmen, ahd. irbunnen, ahd. bald, ahd. balo, mhd.
bauchen, bauchen.
65. J. Wackernagel, Zu beitr. 18, 243. Beitr. z. gesch.
d. d. spr. 18 (3) 535.
bestätigt und vervollständigt die beobachtungen von Osthoff
über das Schicksal von anlautendem py- im ai. und griechischen,
(vgl. no. 64.)
66. L. Sütt erlin, Weiteres zum präfix germ. f- <^py--
Beitr. z. gesch. d. d. spr. 18 (2) 260 f.
fügt noch ahd. fehon hinzu, das zu ai. acnäti gehören soll,
und stellt fragend ahd. fendo, funden zu ai. atati.
67. C. C. Uhlenbeck, Indogermanisches b und germanisches
p im anlaut, Beitr. z. gesch. d. d. spr. 18 (2) 236—242.
sucht einige fälle von idg. b wahrscheinlich zu machen und
führt dann ausser got. paida, ahd. pfeit, noch nnd. prusten, hd.
pfauchen, engl, peg, ahd. phlegan, hd. pfad, nl. pal auf ursprüng-
lich anlautendes b zurück.
68. H. Pedersen, Lat. servas und servare. Beitr. z. k. d.
idg. spr. 19 (4) 298—302.
vergleicht ahd. sorgen, lit. sergeti und geht auf das Verhältnis
der formen und bedeutungen näher ein.
69. H. Pedersen, Die idg. form des wortes für Schwieger-
tochter. Beitr. z. k. d. idg. spr. 19 (4) 293—298.
sucht gegen Bartholomae snosos als grundform zu erweisen.
70. B. Delbrück, Vergleichende syntax. Strassburg 1893.
— vgl. jsb. 1893, 3, 48. die 88 s. umfassende einleitung bespricht
H. Schuchardt, Litbl. 1893 (12) 417—421, und geht dabei auf
III. Allgemeine und vergleichende grammaük, raetrik. 19
Humboldts Verdienste um die Sprachforschung sowie auf die not-
wendigkeit synthetischer Sprachbetrachtung für die syntax ein.
zum schluss begründet er eine abweichende auffassung vom wesen
des satzes. — den ersten teil beurteilt G. Meyer, Lit. cbl. 1893
(50) 1789 — 1791: 'erörtert in klarer ausführlichkeit die grund-
begriffe, belegt die erscheinungen der einzelsprachen mit reichen
beispielen und sucht durch eingehende und scharfe analyse die der
grundsprache bereits zuzuschreibenden gebrauchsweisen festzu-
stellen; im wahrsten sinne ein scripta ig ael uaX'lov Tj ayojvioiia
ig xb TcaQayor^ua ct/.oiEiv. — - von V. Henry: Revue crit. 1894
(8) 141 — 146 der über einteilung und methode berichtet und in
einzelnen punkten seine abweichende meinung geltend macht, aber
im wesentlichen zustimmt. — von H. Ziemer, Zs. f. d. gvmnasialw.
1894 (5). — von H. v. d. Pfordten, Wschr. f. kl. phil. 1894 (2) 33
(bewunderungswürdig). — von W. Streitberg, Idg. forsch, anz.
3 (3) 175 — 182. (unterrichtet über den prinzipiellen Standpunkt
D's. und legt seine abweichende anschauung für die fragen der
entstehung des gramm. geschlechts und der kasuszugehörigkeit der
adverbien dar.) — von F. Stolz, X. phil. rundsch. 1894 ( l j^) 8.
(höchst verdienstlich.) — Revue universitäre (8) 313. 'von grosser
Wichtigkeit.'
71. H. Winkler, Zur indogermanischen syntax" progr. d.
Johannesgymn. zu Breslau. 21 s. 4.
fortsetzung der jsb. 1892, 3, 80 verzeichneten arbeit, behandelt
namentlich deutsche und französische nebensätze unter dem ge-
sichtspunkt ursprünglicher formeller Unabhängigkeit vom haupt-
satz und nach ihrer entwickelung aus ursprünglich einfachen räum-
lichen oder zeitlichen anschauungen.
72. Gr. Authenrieth, Entwickelung der relativsätze im indo-
germanischen, progr. des gymn. zu Xürnberg 1893. 67 s.
73. V. Hintner, Die verba des befehlens in den indo-
germanischen sprachen, eine analogisch-etymologische Untersuchung,
progr. d. akad. gymn. Wien. 22 s.
behandelt fast ausschliesslich griechisch-lateinische verba. —
angez. Zs. f. österr. gymn. 45 (1) 86 von S. Frankfurter; die laut-
lichen Untersuchungen werden abgelehnt von V. Stolz, Berl. phil.
wschr. 1893 (43) 1368.
74. G. Hess, Geist und wesen der deutschen spräche. —
vgl. abt. 4, 49.
75. G. Wagner, Streifzüge ins gebiet der deutschen spräche.
Hamburg 1889. — vgl. jsb. 1890, 3, 77. — angez. von J. See-
müller, Litztg. 1893 (43).
2*
20 III. Allgemeine und vergleichende grarnmatik. metrik.
76. H. Paul, Grundriss der germanischen philologie.
bd. I, 6. bd. II, I, 5 — 7, II, II, 3 werden angez. von E. Mar-
tin, Zs. f. d. phil. 27 (1) 117—124. Martin wendet sich zuerst
gegen Jellinek (vgl. no. 77) Vogt (vgl. jsb. 1892, 10, 65) und
v. Bahder (vgl. jsb 1893, 3, 66), die sich auf einzelheiten seiner
früheren besprechungen bezogen hatten, und bespricht meist zu-
stimmend Mogks mythologie, kürzer Siebs', ten Brinks und Brandls
abschnitte der litteraturgeschichte sowie die arbeiten über folklore,
eingehend und mit ausdrücklichster Währung des Lachmannschen
Standpunktes Sievers', Pauls, Luicks und Schippers metrik. von
der abteilung II, II hebt er zum schluss v. Liliencrons geschichte
der musik rühmend hervor, ein gesamturteil lehnt er ab , macht
aber auf die widerspräche und die fülle der auf sprachlichem ge-
biet noch ungelösten fragen aufmerksam. — von S(igmund) Fleijst,
Zs. f. d. d. u. 7 (12). - - von K. v. Bahder, Lit. cbl. 1894 (16)
561 — 563, der kurz über den inhalt der letzten lieferungen be-
richtet und nur auf Sievers' und Pauls metrik etwas eingeht.
77. W. Wilmanns, Deutsche grammatik. Strassburg 1893.
— vgl. jsb. 1893, 3, 67. — angez. von H. Wunderlich, Zs. f. d.
phil. 27 (1)132 — 134, der das unternehmen lebhaft begrüsst und
kleine versehen berichtigt. — von M. H. Jellinek, Zs. f. österr.
gymn. 44 (12) 1084 — 1097 der eine anzahl erweiternder und be-
richtigender zusätze macht und namentlich eine ablehnende Stellung
gegen Hirt ausführlicher begründet. — von Symons, Museum
1 (12). • - von K. von Bahder, Litbl. 1894 (7) 217—220, der
namentlich in bezug auf nhd. lautentwickelung berichtigende zusätze
macht. — von W. Streitberg, Idg. forsch, anz. 3 (3) 186 — 190,
der plan und ausführung rühmt und im einzelnen seine von
Jellineks (vgl. oben) abweichende auffassung entwickelt.
78. A. Noreen, Abriss der urgermanischen lautlehre mit be-
sonderer rücksicht auf die nordischen sprachen, zum gebrauch bei
akademischen Vorlesungen, vom Verfasser selbst besorgte bearbeitung
nach dem schwedischen original. Strassburg, K. P. Trübner.
XII, 277 s. 5 m.
vgl. a. jsb. 1893, 3, 70. — die Übersetzung, bei der man nur an
vereinzelten stellen durchfühlt, dass des vfs. muttersprache nicht
das deutsche ist, wird dem sehr übersichtlichen werke gewiss einen
wesentlich erweiterten leserkreis schaffen, es zerfällt in zwei teile,
die sonanten und die konsonanten ; beide erörtern zuerst das indoeuro-
päische lautsystem, sodann urgermanische lautgesetze und zuletzt
spuren indoeuropäischen lautwandels. ein höchst ausführliches re-
gister erleichtert den gebrauch, zu den seit der ersten Veröffent-
lichung (1888) erschienenen forschungen hat N. überall schon
III. Allgemeine und vergleichende grammatik, metrik. 21
Stellung genommen; bemerkenswert sind dabei die Selbständigkeit
und die vorsieht seines Urteils, dankenswert die über die geschichte
der einzelnen fragen kurz (aber einseitig!) orientierenden fussnoten.
leider fehlt eine darstellung des accents. - - angez. von W. Streit-
berg, Lit. cbl. 1894 (35) 12G0 f. 'überraschend und reichhaltig,
übersichtlich angeordnet, fast durchweg zuverlässig.' doch die be-
handlung der ablautreihen wird abgelehnt.
79. F. Weidling, Über Clajus' deutsche grammatik. — vgl.
abt. 4, 18.
80. F. Weidling, Die deutsche grammatik des J. Clajus. —
vgl. abt. 4, 17.
81. C. K aurin, Den tyske betoning. bilag til en indberet-
ning om et stipendieophold i Tyskland. Kristiania, Gundersens,
bogtrykkeri. 32 s.
der vf. giebt weniger eigne forschung als eine fleissige und im
wesentlichen verlässliche darstellung der betonung in der korrekten
hochdeutschen ausspräche, auch der musikalische accent wird gut
behandelt und der hochdeutsche hochton der norwegischen tief-
betonung richtig gegenübergestellt.
82. R. Wustmann, Verba perfectiva, namentlich im Heliand.
ein beitrag zum Verständnis der germanischen verbalkomposition.
Leipzig, F. W. Grunow. II, 94 s. 2 m.
setzt die von Streitberg (vgl. jsb. 1889, 3, 142) fürs gotische
begonnene arbeit fürs altsächsische fort nnd bekämpft namentlich
dessen Zusammenfassung der ingressiva und effectiva, sowie seine
ansieht von der bedeutung des präfixes ga, gi. das gebotene
material ist nicht recht ausreichend; einige häufig vorkommende
verba hätten vollständig besprochen werden sollen, der allgemeine
teil bietet manches beachtenswerte.
83. W. Streitberg, Zur germanischen Sprachgeschichte.
Strassburg 1892. — vgl. jsb. 1893, 3, 69. — angez. von H. Möller,
Anz. f. d. a. 20 (2) 116 — 140. die eingehende beurteilung stimmt
den ergebnissen Streitbergs oft zu, weicht aber noch öfter ab,
teils auf grund des eigentümlichen accent- und Vokalsystems, das
Möller aufgestellt hat, teils auf grund der von Joh. Schmidt,
Bechtel und Meringer entwickelten abweichenden lehren über das
Schicksal der langdiphthonge in den idg. sprachen, hervorhebung
verdient die erklärung der -e- conjugation s. 131 ff, sowie die an-
sieht von der entstehung des schwachen Präteritums, bes. s. 119 a' 2 .
84. M. H. Jellinek, Beiträge zur erklärung der germanischen
flexion. — vgl. jsb. 1893, 3, 81. — angez. von K. F. Johansson,
Arkiv for nord. fil. 11 (1).
22 III. Allgemeine und vergleichende grammatik, metrik.
85. H. Lichtenberger, De verbis, quae reduplicatuin prae-
teritum exhibebant. Nancy, Berger-Levrault et Cie. 1891. - - vgl.
jab. 1892, 3, 93. - - angez. Anz. f. d. a. 20 (1) 83 von F. Holt-
hausen. (fleissig und klar gearbeitetes specimen eruditionis.)
86. R. Löwe, Das schwache präterituni des germanischen.
Idg. forsch. 4, 365—379.
erörtert das lautliche Verhältnis des Präteritums und des parti-
cipiums der schwachen verba und erneuert unter glücklicher heran-
ziehung der krimgotischen formen die alte hypothese von der her-
kunft des schwachen Präteritums aus der Zusammensetzung mit einer
form der wurzel dhe. Löwe entscheidet sich für den redupt. aorist.
87. Fr. Lorentz, Über das schwache präteritum der germa-
nischen und verwandte bildungen der schwestersprachen, eine
sprachwissenschaftliche Untersuchung. Leipzig, K. F. Koehler'b
antiquariat. 79 s. 2 m.
eine sehr vorsichtige, mit der vorstehenden in manchen punkten
übereinstimmende Untersuchung, die aber im gegensatz zu jener
die Zusammensetzung aus einem instrumental mit dhem und dhdm
erklärt und parallele bildungen der verwandten sprachen nachzu-
weisen sucht, neben vielen gelungenen einzelbeobachtungen ist
grade das hauptergebnis weniger überzeugend.
88. R. Hildebrand, Zum umlaut. Zs. f. d. d. u. 7 (11)
750—758.
89. R. Hildebrand, Zu dem aufsatze über den umlaut. Zs.
f. d. d. u. 8 (4) 220.
H. wendet sich in no. 88 gegen Scherers ansieht, dass die
mouillierung eine Vorstufe für den umlaut gewesen sei, und denkt
seinerseits an lautangleichung, wofür er die ostpreussische aus-
spräche von ei, ai anführt, in 89 weist er darauf hin, dass Scherer
selbst seine ansieht aufgab.
90. R. M. Meyer, Germanische anlautregeln. Zs. f. d. a.
38 (1) 29—53.
ein erster versuch, der nur für vokalisch oder mit einfacher
konsonanz anlautende Wörter nicht ganz ergebnislos verläuft, ich
glaube , dass daran das operieren mit wurzeln statt mit Wörtern
zum teil schuld ist. zweifellos richtig ist, was der vf. über den
wortisolierenden charakter des exspiratorischen accents sagt, doch
sind die anlautenden konsonantengruppen mit j als zweitem be-
standteil ganz übergangen und unter den griechischen lautgesetz-
lich entwickelten anlautsgruppen fehlen s. 52 f. die mit dental an
zweiter stelle.
III. Allgemeine und vergleichende grammatik, metrik. 23
91. R. M. Meyer, Eine urgermanische inlautregel. Zs. f.
d. a. 38 (1) 53 f.
betont, dass ausser in ss im urgermanischen nirgend zwei
Spiranten nebeneinander gestanden haben und verfolgt den einfluss
dieser erscheinung auf die lautverschiebung.
92. G. Burghauser, Die neuhochdeutsche dehnung. — vgl.
jsb. 1892, 3, 22a. — angez. von A. Heusler, Litztg. 1894 (11)
333 f.
93. H. Hirt, Grammatische miscellen. Beitr. z. gesch. d. d.
spr. 18 (2) 274—300. (3) 519—530.
behandelt in vier abschnitten (A. die germanischen kürzungs-
gesetze, B. die verben auf e, 0. die geschichte der w-stämme im
germanischen, D. zum pronomen) eine reihe von fragen, die mit der
früher vom vf. aufgestellten (vgl. jsb. 1892, 3, 49, 56) theorie über
die Schicksale der langdiphthonge mit geschliffenem ton zusammen-
hängen und die früheren aufstellungen wesentlich corrigieren. be-
sonders der dritte abschnitt enthält wohlgelungenes , obwohl
manches, wie namentlich die entsprechung von got. -a = ahd.
-0 = an. -i anders zu beurteilen ist. E. 'Die verba causativa im
germanischen' sucht ähnlich wie Streitberg (vgl. no. 83) eine ab-
stufende flexion zu erweisen. F. 'Zu den aoristpräsentien im ger-
manischen und zum nom. acc. plur.' nimmt mit Osthoff, Morphol.
stud. 4 einige präsentia mit ursprünglicher suffixbetonung an, er-
klärt aber im gegensatz zu diesem die länge des Stammvokals
wieder aus dem Verlust ursprünglicher nasalierung, und um diese
wahrscheinlich zu machen die ahd. nom. acc. plur. taga, ensti, situ
als ursprüngliche accusative. G. 'Auslautendes -s im westgerm.'
behauptet regelmässigen abfall des ausl. -5. H. 'Die auslautenden
längen im ahd.' nimmt drei kürzungsgesetze an, ausser den beiden
in A behandelten ein westgermanisches , das vor dem abfall des
auslautenden -s nur ungedeckte längen ergriff.
94. E. Sievers, Grammatische miscellen. Beitr. z. gesch. d.
d. spr. 18 (2) 407—416. — vgl. jsb. 1891, 3, 105. — behandelt
unter 5. 'Das pronomen jener'; gegen Solmsen (KZ. 31, 478) wird
der stamm jlna geleugnet, mit ihm und Jellinek dagegen in ahd.
jener das e aus e dem einfluss des anlautenden j zugeschrieben,
das im gegensatz zu dem 'spirantischen' von jesan, fehan, jetan (als
halbvokalisches gedeutet wird). 6. 'Nochmals das geschlossene e 1
(sucht die annähme, dass t ; aus ei entwickelt sei durch eine schwer-
lich richtige erklärung des e von Kreks zu stützen). (7. 'Zur ge-
schichte der ags. diphthonge' vgl. abt. 16. 8. 'Altnord. Vc'di und
Beißet heft 3, 582—584, vgl. abt. 12.)
24 III. Allgemeine und vergleichende grammatik, metrik.
94a. C. C. Uhlenbeck. Germ, ar, dl als tiefstufe zu er, el.
Beitr. z. gesch. d. d. spr. 18 (3) 561 f.
nimmt neben der stufe r, l indogerm. dr, dl an, das durch ar,
al im germ. vertreten sei.
95. E. Sievers, Germ. II aus ö£. Idg. forsch. 4, 335—341.
sucht den Übergang als urgermanisches lautgesetz zu erweisen
und durch herbeiziehung altüberlieferter eigennamen sowie durch
eine anzahl einleuchtender vergleiche zu stützen , ohne indes den
gegenständ erschöpfen zu wollen.
90. W. Braune, Germ, ss und die Hessen. Idg. forsch. 4,
341—352.
eingehende phonetische Untersuchung der ausspräche von alt-
germ. p und der Schicksale von tt in den germanischen dialekten,
woraus dann gefolgert wird, dass der Übergang von tt zu ss schon
urgermanisch ist und dass der name der Hessen mit der bezeich-
nung Chatti Xarroi nicht identisch sei. schon Jacob Grimm habe
nur Verwandtschaft angenommen, und darauf weise auch die Ver-
schiedenheit des Suffixes.
97. F. Kluge, Vulgärlateinische auslaute auf grund der
ältesten lateinischen lehnworte im germanischen. Zs f. rom. phil.
17 (3/4).
98. C. C. Uhlenbeck, Die germanischen Wörter im bas-
kischen. Beitr. z. gesch. d. d. spr. 18 (2) 397—400.
99. H. Schuchardt, Germanische Wörter im baskischen.
Zu beitr. 18, 397—400. Beitr. z. gesch. d. d. spr. 18 (3) 531 f.
lehnt die ansieht, dass baskische Wörter aus dem gotischen
übernommen sein könnten, ab und weist dagegen auf englische ein-
flüsse hin.
100. C. C. Uhlenbeck, Nochmals die germanischen Wörter
im baskischen. Beitr. z. gesch. d. d. spr. 19 (1/2) 320.
bezieht sich auf Schuchard (no. 99) teils zustimmend, teils
ablehnend.
101. E. Eckstein, Aus dem gebiete der wortdeutekunst.
Westermanns monatshefte, april.
102. E. Eckstein, Verstehen wir Deutsch? volkstümliche
Sprachuntersuchungen. 2. aufl. Leipzig, C. Reissner. V und
103 s. 2 m.
mit wenig Sachkenntnis und viel Sicherheit vorgetragenes ge-
rede, das auf grund irreführender bücher von Verfassern wie Klein-
paul die bekannte thatsache illustriert, dass der die spräche
sprechende laie sich des ursprünglichen sinns der von ihm ge-
brauchten Wörter nicht bewusst ist. der behandelte gegenständ
III. Allgemeine und vergleichende grammatik, metrik. 25
wäre wohl geeignet der beschäftigung mit der deutschen spräche
freunde zu werben; vor freunden wie dem vf. ist indes der leser
dringend zu warnen.
103. Th. Braune, Beiträge zur germanischen und roma-
nischen etymologie. progr. des Luisengymn. Berlin. 32 s. 4.
verfolgt die ableitungen aus einer wurzel kramp, slcramp, von
der nach abtrennung der präfixe und wurzeldeterminative schliess-
lich nur noch r übrig bleibt. — über Curtius' grundzüge ist der
vf. kaum hinausgekommen.
104. A. Bezzenberger, Etymologien. Beitr. z. k. d. idg. spr.
19 (4) 302 f.
1. stellt ahd. tnergil, aus mlat. margila, gall. marga zu
aqylkoQ, ctQ'/oq. 2. vergleicht ne-gligere mit ahd. phlegan. 3. will
das dechisto des Hildebrandliedes als Superlativ zu dem ir. dag
gut deuten. 4. langob. murioth 'schenkel' soll zu acymr. mordnit
gehören.
105. E. Windisch, Beiträge zur etymologie und bedeutungs-
lehre. Idg. forsch. 3 (1/2) 73—84.
no. 4. air. bess gewohnheit wird zu got. bansts scheuer, ai.
bhäsa stall, 5. air. cöim lieb, teuer zu got. haims, heimat, lit.
temas, 8. got. nati, netz zu gr. vr^i'g mir. naidm, fonaidm gestellt.
106. G. Ehrismann, Etymologien I. Beitr. z. gesch. d. d.
spr. 18 (2) 227—235.
behandelt 1. got. ubizva, 2. deutsch Tiäfter, 3. an. lopt, ahd.
louppa, louba, 4. altschwed. gyus, 5. deutsch harn, 6. ahd. scorn;
hert, herda, 7. deutsch scheuen, 8. an. hossa, 9. got. auliuma,
10. mhd. gäz, 11. deutsch trichter, mhd. trietne, 12. germanische
Zusammensetzungen mit -lang, -ling.
107. S. Eeist, Deutsche etymologien. Festschrift zum 70. ge-
burtstage R. Hildebrands.
108. J. H. Kern, Mist und die wurzel migh. Idg. forsch.
4, 106—112.
unterscheidet überzeugend zwei wurzeln migh mit velarem und
palatalem gh, und zwei deutsche Wörter mist, wovon das eine mit
der bedeutung 'nebel' zu einer wurzel mis gestellt wird, und nur
mist = got. l maihshts' zu migh 'harnen' gehört, ae. meox, fries. miux,
mjox werden als s-stämme erklärt.
109. Fr. Kluge, Germanisches. Idg. forsch. 4, 309—312.
1. stellt engl, strawberry zu lat. fragum, §<££. 2. erklärt ags.
heolfor aus heoru -f- br = idg. fcrü 'blut'. 3. erörtert den Über-
gang von inl. wl, wr zu Z, r unter ahd. sela. 4. ahd. gotan — mannan
26 III. Allgemeine und vergleichende grammatik, metrik.
nimmt die ursprünglichkeit des ahd. acc. des schwachen masc. an.
5. asächs. alomahtig nimmt neben air. nile einen germ. stamm
alwa an, der dem von got. twliswa neben deiwg entspricht. 6. mhd.
nhd. heiser neben ahd. heis, mhd. heisram wird als compositum
mit dem in an. rämr 'heiser' erhaltenen gleichbedeutenden adj. ge-
deutet. 7. anord. hei^ingi 'wolf wird nach Bugges Vorgang als
comp, mit gangja erklärt.
110. F. Kluge, Wortdeutungen. Festschrift zum 70. ge-
burtstage Rud. Hildebrands.
111. R. Koegel, Germanische etymologien. Idg. forsch. 4,
312—320.
behandelt unter 1. Heimdallr, der 'hell strahlende'. 2. die
namen der salischen (insel-) Franken, die Ubier, Usipeter, Sudinen.
3. die bezeichnung sualiternicum ('schwel-holz') für bernstein bei
Plinius. 4. spehhan u. verw. im ahd. (spell). 5. ahd. hatan. 6. ger-
manisch-baltische entsprechungen : ahd. uuitu-flna: lit.pmas 'Strauch-
werk'; mhd. hudele zu lit. slcütas fetzen; Schweiz, daube 'schlucht'
zu lit. daubä 'thal'; ahd. grüz weizenbier: lit. gnidas 'körn'; got.
skildus: lit. sMU/s 'abgeschnittene Scheibe'; ahd. waso 'rasen', lit.
ewasa 'feuchtigkeit in der erde', fledermaus wird wegen des
suffixes in fledermustro zu lit. muse, {.ivla gestellt.
112. E. Liden, Einige bildungen der wz. si-'mitto'. Beitr.
z. k. d. idg. spr. 19 (4) 283 f.
behandelt aisl. seilask die hand nach etwas ausstrecken got.
anasilan; mhd. sene verlangen, senen sich sehnen; ags. s'cene, mhd.
seine 'träge, langsam' ahd. lang-seimi.
113. E. Liden, Smärre spräkhistoriska bidrag. Uppsala stu-
dier, tillegnade sophus Bugge, s. 79 — 96.
no. 9, 5. 86, stellt nhd. segel zu lat. secare; 14. stellt ahd.
forhana forelle zu air. ore lachs, ai. prent gesprenkelt, 7iEQY-v6g.
17. vergleicht an. ha, got. haivi mit lit. sz'elcas grünfutter. die
übrigen no. s. unter XII.
114. A. Noreen, Etymologisches. Idg. forsch. 4, 320 — 326.
stellt unter 1. hals, sl. holo zu gr. relog, wobei die nordische
dehnung vor l -\- cons und die entsprechung von h und hv be-
handelt werden, und erklärt unter 2. 'germ. hexe und das part.
prät. akt.' hexe aus haga-hazus(sa), indem spuren des in got.
berusjos erhaltenen perfeetpartieips auch im westgerm. nachgewiesen
werden.
115. W. Prellwitz, Etymologische miscellen. II. Beitr, z.
k. d. idg. spr. 19 (4) 315—320.
III. Allgemeine und vergleichende granimatik, metrik. 27
IV. lat. prtvus, nhd. frei bestreitet die von einzelnen gelehrten
angenommene Verwandtschaft.
116. L. Sütterlin, Etymologisches allerlei. Idg. forsch. 4,
92—106.
2. ahd. nezzila 'nessel' gr. adr/.iq 'nessel'. 3. mhd. (schaber-)nac
ai. oghd- 'böse'. 4. ahd. zumpo 'penis' av. dumem 'schwänz'. 5. got.
ei ai. yad gr. c'(rt). (l soll ablautschwache nebenform des pro-
nominalstamms io sein). 6. gr. TQißco deutsch 'streichen?. 7. d.
'schlecht, schlicht' gr. Xiaoog lat. llma 'feile'. 8. gr. d&eQiUo deutsch
l gem\ 9. deutsch Jcot gr. deloa 'kot'. 11. gr. Irjöelv 'trag sein"
abg. lenu 'faul' got. lats 'trag' lat. lassus air. lese 'faul'. 12. gr. ein vir
lat. praeco ahd. jehan und eihhan 'sagen'. 13. ai. mahila für 'frau,
weib' got. mawilo 'mädchen'. 15. gr. voTog deutsch 'süderi.
16. deutsch 'sträng' ai. ragmi 'sträng'. 17. gr. gtItvoo, 'stengel'
deutsch 'stoppeV. 20. ahd. dühjan 'premere' (ags. 5«/V). 21. ahd.
cholbo 'kolben' air. gulpan 'aculeum'.
117. C. C. Uhlenbeck, Etymologisches. Beitr. z. gesch. d.
d. spr. 19 (1/2) 326—333.
behandelt 1. bai, 2. bakeljauw, 3. baro, 4. bock, 5. hafr, 6. hiitte,
7. karpfen, 8. sandarak, 9. sipj)e, 10. slawaeien.
118. G. Hempl, Is 'book' from the latin? Anglia XIV,
220—222.
begründet wird seine ableitung von buxum (vgl. jsb. 1893.
16, 299).
119. L. Duvau, Varia. Mein, de la soc. de ling. 8, 184—192.
weist u. a. auf das entstehen von ausdrücken durch Über-
setzung hin, so sei compagnon aus got. gahlaiba, ahd. anabözan
aus in-eudere, mhd. gegene aus rom. contrata übersetzt.
120. R. Westphal, Allgemeine metrik. Berlin 1892.
vgl. jsb. 1893, 3, 113. — angez. von A. Heusler, Anz. f. d. a.
20 (1) 86 f. 'das buch kann nur schmerzliches bedauern wecken, dass
der grosse verslehrer mit dieser that von dem schauplatze ruhmvollen
wirkens abtreten musste.' — Lit. cbl. 1893 (47) 1680—1682, wo
der referent dem verunglückten werk des verdienten gelehrten ge-
recht zu werden sucht, indes doch betonen muss, dass seit 1883 für
W. alles beim alten geblieben ist. — von R. Meringer, Zs. f.
österr. gymn. 45 (8/9) 784 f.
121. E. Meumann, Untersuchungen zur psychologie und
ästhetik des rhythmus. habilitationsschrift. Leipzig, Engelmann.
113 s . (= Wundt, Philosoph, stud. 10, 1—113).
28 HI. Allgemeine und vergleichende grammatik, metrik.
behandelt s. 76 — 100 den rhythmus des gesprochenen verses.
eigentümlich und bemerkenswert ist die durchgeführte Unter-
scheidung der objektiven grundlage und der subjektiven auffassung
rhythmischer gebilde.
122. E. Sievers, Altgermanische metrik. Halle 1893. —
vgl. jsb. 1893, 3, 114. — angez. von J. Franck, Anz. f. d. a.
20 (4) 337 — 343. kurze inhaltsangabe, in der namentlich der ver-
such den allitterationsvers aus der gäyatrl zu erklären abgelehnt
wird, verdienstlich ist, das F. zum schluss gegenüber dem, was
Sievers von andern forschern trennt, das gemeinsame hervorhebt. —
Revue de metrique et de versification 1 (1). — von K. Luick,
Anz. f. idg. spr. 3 (3. 4) 144 — 155, der über Ss. forschungsweise,
deren resultate und über die hypothese vom Ursprung des alt-
germanischen verses berichtet und die Verpflichtung der anhänger
der Sieversschen theorie hervorhebt, ihren Standpunkt gegen beur-
teiler wie Heusler (vgl. jsb. 1893, 3, 114) energisch zu betonen.
123. A. Heusler, Über germanischen versbau. (Schriften zur
germanischen philologie, hrsg. von M. Roediger. 7. heft.) Berlin,
Weidmann. VIII, 139 s. Gm.
eine principielle auseinandersetzung des vfs. mit Sievers, die
zuerst die grundbegriffe der metrik und die forschungsweise er-
örtert, dann zu einzelnen Streitfragen übergeht, im dritten kapitel
die taktzahl im Ljööahättr und im vierten die Vorgeschichte des
germanischen verses untersucht, die entwickelung ist durchaus
sachlich und führt an mehreren stellen zur betonung gemeinsamer
anschauungen und zur beseitigung lästiger irrtümer (so die aus-
führungen über rhythmus, grundmass, versfüllung, Alexandriner, ur-
sprüngliche anläge und zunftmässige ausbildung des germanischen
verses); die gewaltsamkeit einiger lesungen der zweitakttheorie
grade innerhalb des kunstmässig ausgebildeten versmasses wird da-
durch nicht geringer; auf die hauptstützen der Sieversschen an-
schauungen geht der vf. .indes zu wenig ein, und das letzte kapitel
weist zwar auf die schwächen von Sievers' hypothese hin, verfällt
aber selbst in ähnliche fehler. — angez. von H. Hirt, Lit. cbl.
1894 (11) 362 f. der seinen stark abweichenden Standpunkt zur
geltung bringt. — 0. Brenner, Lit. cbl. 1894 (9) 279 f. be-
klagt wie der vorgenannte referent den polemischen ton , steht
dem vf. aber in der auffassung wesentlich näher.
124. K. Fuhr, Die metrik des westgermanischen allitterations-
verses. Marburg 1892. — vgl. jsb. 1893, 3, 117. — angez. von
H. Hirt, Litbl. 1894 (3) 73—75.
verteidigt seine eigenen anschauungen gegen Fuhrs abweichende
III. Allgemeine und vergleichende grammatik, metrik. 29
lesungen und bemängelt dessen eigene lesungen und ansichten, so-
weit sie mit den seinigen nicht übereinstimmen.
125. J. Franck, Beiträge zur rhythmik des allitterations-
verses. Zs. f. d. a. 38 (3) 225—250.
eine reihe von bemerkungen , die aus der unter no. 122 ver-
zeichneten besprechung erwachsen sind. F. handelt besonders über
rhythmus und iempo; er geht von einem viermal gehobenen, zwei-
gipfligen verse aus, aus dem er die verschiedenen formen des allitte-
rierenden verses ableitet, erklärt aber vieles mit der Vortragsweise,
die doch hypothetisch bleibt, in der lesung stimmt F. mehrfach
überraschend mit Hirt (vgl. no. 123, 12G) überein; beachtung ver-
dienen namentlich noch die ausführungen über die schwellverse und
die auflösung.
126. H. Hirt, Der altdeutsche reimvers und sein Verhältnis
zur allitterationspoesie. Zs. f. d. a. 38 (4) 304 — 333.
H. kennzeichnet in kürze seinen aus früheren arbeiten (vgl. jsb.
1 892, 3, 113) bekannten Standpunkt andern forschem gegenüber, er be-
tont die abweichung von Kaluza und Möller-Heusler, die Verwandt-
schaft seiner ansichten mit ten Brink und Fuhr, zum teil auch mit
Franck (vgl. no. 125) und Sievers, und behandelt sodann Otfrids
vers, die kurzverse der Übergangszeit, die Kürnbergerstropke, die
vierhebigen zweiten halbverse und die überlangen verse namentlich
unter dem gesichtspunkt, dass neben vierhebigen auch dreihebige
verse vorhanden seien.
127. Trautmann, Zur kenntnis des altgermanischen verses,
vornehmlich des altenglischen. Anglia beiblatt 5 (3). — vgl. abt. 16.
128. M. Kaluza, Der altenglische vers. eine metrische
Untersuchung. 2. teil, die metrik des Beowulfliedes (= Studien zum
germanischen allitterationsvers, hrsg. von M. Kaluza. heft 2). Ber-
lin, E. Felber. IX, 102 s. 2,40 m. — vgl. abt. 16.
129. B. Hildebrand, Gemischter rhythmus. — vgl. abt.
4, 75.
130. B. Hildebrand, Zum daktylus. — vgl. abt. 4, 74.
131. B. Hildebrand, Bhythmische bewegung in der prosa.
Zs. f. d. d. u. 7 (10) 641—647.
behandelt betonungen wie unabsehbar, wäzsares.
132. B. Benedix, Katechismus der deutschen verskunst. —
vgl. abt. 4, 73.
Felix Hartmann.
30 IV. Neuhochdeutsch.
IV. Neuhochdeutsch.
Wörterbücher. 1. D. Sanders, Handwörterbuch. — vgl.
oben 1, 5.
2. J. E. Wessely, Grammatisch-stilistisches Wörterbuch der
deutschen spräche. 2. aufl. Leipzig, Beisland. X, 198 s. 2 m.
knappheit der darstellung, reichhaltigkeit, geschickte auswahl
von beispielen , dabei grundsätzliche beschränkung auf eins
zeichnen das buch vor Sanders ähnlichen arbeiten aus, aber es
mangelt an wissenschaftlicher durchbildung, daher nur mit vorsieht
zu gebrauchen. — angez. Zs. f. Realschw. 19, 309.
Fremdwörter. 3. H. Scheffler, Die fremdwörterfrage. Braun-
schweig 1894.
in einem artikel Ein neuer angriff auf den allgem. d.
sprachver. Zs. d. allg. d. sprachver. 1894 (7. 8) 146 — 148 weist
Dunger nach, dass vf, ein techniker, keine fach wissenschaftlichen
kenntnisse besitzt und die bedeutung der fremdwörterfrage nicht
versteht.
4. Fr. Kluge, Sprachreinheit und Sprachreinigung geschicht-
lich betrachtet. Zs. d. allg. d. sprachver. 1894 (10. 11) 201—211.
beleuchtet die bedingungen, unter denen fremdwörter deutsches
sprachgut werden.
5. F. W. Eitzen, Vom missbrauch der fremdwörter im
handel. Leipzig, Haessel. 52 s.
6. F. W. Eitzen, Fremdwörter der handelssprache. Leipzig,
Haessel 1894. 173 s. 3 m.
7. Grimmeishausens schrift Pralerei und gepräng mit dem
teutschen Michel (1673) hrsg. von F. Khull. Wissensch. bei-
hefte z. Zs. d. allg. d. sprachver. 7 (1894) 41—87.
abdruck des Berliner druckes mit auslassungen als beitrag zur
geschichte der sprachreinigungsbestrebungen.
8. P. Steller u. K. Bruns, Über 'schriftleitung'. Zs. d.
allg. d. sprachver. 1894 (2) 40. 41.
9. A. Koch, Die schule und das fremdwort. Essen, Bädeker
1890. — angez. Zs. f. d. unterr. 8, 141 — 143 von K. Menge.
10. G. A. Saalfeld u. P. Pietsch, Von der 'puristischen
modekrankheit' oder . .? Zs. d. allg. d. sprachver. 1894 (7. 8)
142 — 145. — gegen Cauers Kunst des Übersetzens.
IV. Neuhochdeutsch. 31
11. B. Klein, Der Taschen-Heyse. ein neues fremdwörter-
buch in neuer rechtschreibung mit berücksichtigung der officiell
eingeführten Verdeutschungen und mit aussprachebezeichnung.
3. aufl. Berlin, Neufeld & Henius. XIV, 270 s. 16. geb. 1,20 m.
vorangestellt sind alle abweichungen der preussischen schul-
orthographie von der alten Schreibweise in alphabetischer folge,
das fremdwörterbuch enthält 50 000 Wörter und reicht für das
praktische bedürfnis aus. mitunter sind jedoch die 'Verdeut-
schungen' wieder durch fremdwörter gegeben, manche erklärungen
sind nicht erschöpfend, doch im allgemeinen zuverlässig.
dlrailimiltik. 12. R. Meyer, Einführung in das ältere nhd.
zum Studium der germanistik. Leipzig, Reisland. VII, 99 s.
1,60 m.
ein leitfaden, der ausländer in das wissenschaftliche Studium
des Deutschen durch genaue Interpretation der ersten 55 Strophen
des hürnen Seyfrid (ed. G-olther) unter steter Verweisung auf die
fachwissenschaftliche litteratur einführen soll, vf, ein Däne, hat
fleissig studiert, und das büchlein kann von anfängern mit nutzen
gebraucht werden, aber unklar ist die idee, das ältere nhd. zum
ausgangspunkt zu nehmen , statt des ahd. die accentsetzung über
den versen nach iambischem schema ist falsch.
13. E. Frey, Die temporalkonjunktionen der deutschen spräche
in der Übergangszeit vom mhd. zum nhd. besprochen im anschluss
an Peter Suchenwirt und H. v. Montfort. Berl. diss. 32 s. [Ber-
liner beitr. zur germ. u. rom. phil. hrsg. von E. Ebering. Berlin,
Vogt. 104 s. 2 m.]
fleissige Zusammenstellung, angez. Lit. cbl. 1894, 1067 — 1068.
rec. wünscht statt solcher 'querschnitte' durch die entwickelungs-
geschichte dieser wichtigen Sprachperiode lieber 'längsschnitte', die
eine entwicklung durch längere Zeiträume verfolgen.
14. Th. Busch, Beispiele zur deutschen wortbildungslehre.
Zs. f. d. gymnasial w. 1894 (juli-august).
15. Gr. Burghauser, Die nhd. dehnung. — vgl. abt. 3, 92.
16. A. Procyk, Die wichtigsten abweichungen des nhd.
konsonantismus vom mhd. progr. Lembergl892. Leipzig Fock. 31s.
17. Die deutsche grammatik des J. Clajus nach dem ältesten
druck von 1578 mit den Varianten der übrigen ausgaben, hrsg.
von Er. Weidling. Strassburg, Trübner. VII, LXXVL 179 s.
6 m. [Aeltere deutsche grammatiken in neudrucken hrsg. von
J. Meier. IL]
32
IV. Neuhochdeutsch.
die ausführliche einleitung giebt ausser einer kurzen lebens-
beschreibung des Clajus, nebst Übersicht über die ausgaben der
grammatik, eine eingehende, für die geschichte der nhd. Schrift-
sprache wichtige darstellung des in Clajus grammatik auftretenden
laut- und formenstandes mit berücksichtigung seines Verhältnisses
zu Luther, dessen bibel von 1545 er zu gründe gelegt hat
(VII — XXXII), verzeichnet in alphabetischer folge alle in der
Schriftsprache ausgestorbenen oder wegen ihrer bildung interessanten
Wörter (XXIII-XLV), zeichnet dann den bau der grammatik mit
besonderer berücksichtigung der gleichzeitigen lateinischen XLV —
LVII), wobei sich ergiebt, dass er sich i. a. an das lateinische
schema (Donat, Melanchthon) hielt, aber nur 'insoweit es anging',
beleuchtet das Verhältnis des Clajus zu seinen Vorgängern, beson-
ders Oelinger u. Albertus (LVII — LXXI) und schliesst mit einer
Übersicht über die äussere geschichte des buches. — der folgende
text ist nach der 1. ausgäbe gegeben mit den Varianten der 2.
und 3. von späteren Varianten sind nur solche angegeben, die
mindestens durch 2 ausgaben gedeckt waren.
18. F. Weidling, Über Joh. Clajus deutsche grammatik.
Freiburger diss. 32 s.
ein teil der einleitung zu der oben (no. 17) angezeigten ausgäbe.
19. E- Wolff, Über Gottscheds Stellung in der geschichte
der deutschen spräche, in der Festschrift zum siebzigsten geburts-
tage Rudolf Hildebrands in aufsätzen zur deutschen spräche und
litteratur [hrsg. v. Otto Lyon. Leipzig, Teubner 1894, zugleich
ergänzungsband zur Zs. f. d. unterr. 8.] s. 208 — 297. — vgl. dazu
E. Wolff, Gottsched im kämpf um die aufklärung. Zs. f. d. unterr.
8, 633— G83. 713—757. 789—831.
20. A. Heintze, Gut deutsch, eine anleitung zur Vermeidung der
häufigsten Verstösse gegen den guten Sprachgebrauch und ein rat-
geber in fällen schwankender ausdrucksweise. Berlin, Regenhardt.
3. aufl. VIII, 202 s. geb. 2,50 m.
neben den zahlreichen neueren Schriften über den gleichen
gegenständ ohne besondern wert, aber auch durchschnittlich auf
gleicher höhe stehend. — angez. Zs. d. allg. d. sprach ver. 1894
(5) 99 — 100 von K. Scheffler, mit einer reihe von ausstellungen.
21. V. Steinecke, Die deutsche bergmannssprache. Zs. d.
allg. d. sprachver. 1894 (6) 106—114.
beleuchtet die fachmännischen ausdrücke, die durchweg gut
deutsch sind.
22. H. Dunger, Geratewohl, Geradewohl. Zs. d. allg. d.
sprachver. 1894 (7. 8) 150—151.
IV. Neuhochdeutsch. 33
die imperativbildung geratewohl wird als die richtige er-
klärt und auf ähnliche zahlreiche Wendungen hingewiesen.
23. Fr. v. Hoffs, Einiges über gewisse Sprachsünden. Zs. d.
allg. d. sprachver. 1894 (10. 11) 211—212.
über den indicativ in irrealen vergleichungsätzen und die Um-
schreibung des conjunktivs durch würde.
24. 0. Behaghel, Sprachgebrauch und Sprachrichtigkeit.
Vortrag im hochstift in Frankfurt a/M. wissenschaftliche beihefte
d. allgem. d. sprachver. 1894 6, IG — 30.
entwickelt des vfs. bekannte anschauungen über das leben
der spräche, die fortwährende Umgestaltung und die unzulässigkeit re-
gelnden eingreifens den Schwankungen des Sprachgebrauchs gegenüber.
25. A. Schlessing, Deutscher Wortschatz oder der passende
ausdruck. 2. aufl. Stuttgart 1892. — vgl. jsb. 1892, 4, 42 a. —
angez. Österr. Litbl. 1894, 112—113 von R— n.
27. Th. v. Sosnosky, Der sprachwart, sprachregeln und
Sprachsünden als beitrage zur deutschen grammatik und Stilistik.
Breslau, Trewendt. XII, 231 s.
eine anzeige in der Zs. d. allg. d. sprachver. 1894 (3) 65 — 66
von K. Scheffler macht auf viele mängel aufmerksam.
28. J. Renatus, Spaziergang durch die spräche. — vgl. abt.
3, 21. Bautzen, Hübner. 96 s. 12. 1,20 m. geb. 1,50 m.
29. W. Borchardt, Die sprichwörtlichen redensarten im
deutschen volksmunde nach sinn und Ursprung erläutert, in gänz-
licher neubearbeitung hrsg. von G. Wustmann. Leipzig, Brock-
haus. 4. aufl. X, 534 s. 6 m. geb. 7 m. — vgl. abt. 10, 377.
30. A. Richter, Deutsche redensarten. — vgl. abt. 1, 13
und jsb. 1889, 8, 43. die sprachlichen erläuterungen sind meist
treffend und werden durch anführung von stellen aus der älteren
deutschen litteratur gestützt, die vf. meist richtig auffasst. die be-
sprechungen der 1. aufl. hat vf. sorgfältig verarbeitet; die Samm-
lung ist bedeutend vermehrt worden (von 168 auf 190 s.), aber
durchaus notwendig ist noch ein register. — vgl. abt. 10, 378.
31. K. Erdmann, 'Gedankenloser' wortgebrauch und sein
nutzen. Zs. d. allg. d. sprachver. 1894 (2) 25—30. (3) 49—56.
behandelt die eigentümlichkeit der spräche, den ursprünglich
anschaulichen gehalt von begriffsbildungen selbst von bildlichen aus-
drücken durch mechanischen gebrauch der worte zu vergessen, diese
kunst des vergessens aber ist die quelle für neue Wortbildungen.
32. R. Hildebrand, Zur logik des sprachgeistes. Zs. f.
d. d. unterr. 8, 684—692.
erklärt die worte, bedienter, jetzt (im Verhältnis zum mhd.
Jahresbericht für germanische Philologie. XVI. (1894.) g
34 IV. Neuhochdeutsch.
iezuo) und den schon öfter behandelten conjunktiv in der be-
deutung eines gesteigerten indikativs {da wären wir endlich^).
33. R. Hildebrand, Wache stehn u. dgl. Zs. f. d. d. unterr.
8, 787—788.
der letzte, nicht mehr vollendete aufsatz des vfs. für die Zs.
wache = nom. (als wache), belegt durch volkstümliche Wendungen.
34. H. Dunger, Anzeigeblatt oder anzeigewblatt, Speisekarte
oder speisewkarte. Zs. d. allg. d. sprachver. 1894 (6) 119, 120.
entscheidet sich für die Schreibung ohne n.
35. Th. Matthias, Unmittelbarer mitgliederb eitrag — um-
zugskosten von Dresden nach Berlin. Zs. d. allg. d. sprachver.
1894 (7. 8) 148—150.
erläuterung derartiger Wendungen mit hinweis auf die möglich-
keit ihrer Vermeidung.
36. P. Pietsch, welcher und der in relativsätzen. Beitr. 18,
270—273.
führt mit bezug auf Minors aufsatz Beitr. IG, 477 ff. [s. jsb.
1892, 4, 28] äusserungen Schopenhauers an über das überhand-
nehmen von der, die, das, für welcher und andere pronomina in der
Schriftsprache aus den fünfziger jähren, vor 1850 etwa müsste also
welcher das herrschende relativpr. gewesen sein, und Schopenhauer
sieht in dem gebrauch, von der eine verhunzende 'bierkneipen-
natürlichkeit'.
37. Th. Matthias, Die nennform mit um zu. Zs. d. allg.
d. sprachver. 1894 (7. 8) 137—142.
geschichtlicher nach weis der ursprünglichen finalen bedeutung
und hinweis auf den unberechtigten gebrauch im sinne der folge-
sätze, der attributiven infmitivsätze mit blossem zu und überhaupt
des blossen bequemlickkeitsgebrauchs.
38. Welche und welches von Fr. Branky. Zs. f. d. d. unterr.
8, 115—118 und von Gebier ebda. 596—598.
Br. verteidigt den gebrauch für eine unbestimmte menge
z. B. gieb mir welche. Gebier beleuchtet die einzelnen fälle, in
denen es zu beanstanden ist.
39. J. Schmidt, Das pronomen der bequemlichkeit. Zs. f.
österr. gymn. 45, 205 — 208.
derselbe nur im sinne von idem. daselbst und dortselbst zu meiden.
40. H. Graf, Eine bis jetzt unbekannt gebliebene ausgäbe
des deutschen sprach verderbers. Zs. f. d. d. unterr. 8, 185 — 186.
ausgäbe von 1647 in der Wolfenbütteler bibliothek derjenigen
gestalt, in welcher er 1650 in Jo. Cocay Teutscher labyrinth erscheint.
IV. Neuhochdeutsch. 35
41. H. Wunderlich, Zur spräche des neuesten deutschen
Schauspiels. Neue Heidelberger Jahrbücher bd. 3 und 4.
ausführliche beleuchtung des die Umgangsprache wiedergeben-
den stils des neuesten realistischen dramas, eine Vorarbeit zu dem
unter no. 42 besprochenen buche.
42. H. Wunderlich, Unsere Umgangsprache in der eigenart
ihrer satzfügung. Weimar u. Berlin, Felber. XIV, 271 s.
vf. will die eigenart der satzfügung unserer Umgangsprache im
gegensatz zur Schriftsprache, die er in seinem Deutschen satzbau
(s. unten no. 43) erörtert hatte, darstellen, quellen dafür sind ihm
die modernen realistischen dichter, und zwar ausser den dialekt-
dichtern Reuter, Brinkmann, Datterich, Hebel, Weitbrecht die
volkstümlichen erzähler Anzengruber und Rosegger und die drama-
tiker Halbe, Hauptmann, Sudermann, Holz, Schlaf, zunächst er-
örtert er den gegensatz von rede und schrift und weist dann die
psychologischen Ursachen der lockeren satzfügung der Unterhaltung
auf, wie einerseits unvollständigkeit, andererseits verschwenderische
fülle des ausdrucks zu bemerken ist, wie sich Wörter und formen
abschleifen und neu bilden, wie die eine oder die andere wortart —
z. b. neuerdings das Substantiv vor dem verbum — bevorzugt wird,
und giebt so einen wertvollen beitrag zum tieferen Verständnis
syntaktischer erscheinungen, sowie des ganzen inneren lebens der
spräche.
43. H. Wunderlich, Der deutsche satzbau. — s. jsb. 1893
4, 9. — eingehend mit besonderer berücksichtigung des kapitels
über die Wortstellung bespr. Anz. 20, 1 — 13 von Tomanetz.
Zs. f. österr. gymn. 45 heft 2 von Löhner.
Schriftsprache. 44. R. Brandstetter, 1. Die reception der
nhd. Schriftsprache in Luzern. 2. die Luzerner kanzleisprachen. —
vgl. jsb. 1893, 4, 26. 1892, 4, 39 u. 40, dazu jsb. 1891, 5, 21.
lobend angez. Anz. 20, 26 — 29 von Heusler.
ausführlich besprochen in einem selbständigen aufsatze, Zs. f.
d. d. unterr. 8, 561 — 571 von R. Bechstein (f). Anz. f. idg. sprachk.
4, 50 — 51 von A. Leitzmann, ebda. 4, 72. 73 von Fr. Kauff-
mann, der auch die Prolegomena (s. jsb. 1891, 5, 21) bespricht.
Archiv f. n. spr. 90, 408 von Weinhold.
44a. W. Scheel, Jaspar von Grennep und die entwicklung
der nhd. Schriftsprache in Köln [Westdeutsche zs. für geschichte
undkunst, ergänzungsheft VIII, 1 — 75]. Trier, Lintz 1893. s. 1 — 32
Marburger diss. 1892.
s. jsb. 1893, 15, 62. vf. zeigt an den Schriften der erzbischöf-
lichen kanzlei, der städtischen behörden und der kölnischen druck-
36 IV. Neuhochdeutsch.
werke, insbesondere der des Jaspar von Gennep das eindringen
der nhd. Schriftsprache, die kanzleien wirken auf die drucksprache
und mit dieser auf den verkehr, um 1575 ist der prozess vollendet.
— anerkennend angez. Anz. 20, 400 — 401 von Martin, vgl. N"d.
korrbl. 17, 71—72.
45. F. Kluge, Über die entstehung unserer Schriftsprache,
eine akademische antrittsrede. w T iss. beihefte z. Zs. d. allgem. d.
sprachver. 1894. heft 6, s. 1 — 15.
vf. will 'die inneren bedingungen der loslösung unserer Schrift-
sprache aus unseren volksdialekten' darlegen, er scheidet drei
stufen der entwicklung: zuerst lexikalischen ausgleich, d. h. all-
mähliches übergewicht der begriffe, die dem grösseren verkehr und
allgemeinen interessen dienen oder von vornherein grössere gebiete
beherrschen oder durch Schriftsteller von allgemeiner bedeutung
gangbar gemacht sind, dann grammatische einigung, endlich phone-
tische einheitsbestrebungen ; nur das erste wird des näheren be-
handelt, vf. giebt an der hand von beispielen in grossen zügen
einen überblick über den lexikalischen ausgleich von Schriftsprache
und mundart mit besonderer hervorhebung des schweizerischen
dialektes. [Scheel.]
4G. K. Burdach, Zur geschichte der neuhochdeutschen
Schriftsprache, in den Forschungen zur deutschen philologie, fest-
gabe für Rudolf Hildebrand zum 13. märz 1894, dargebracht von
Wilhelm Braune, Konrad Burdach u. a. Leipzig, Veit & Co. 1894.
324 s. 7,50 m.
vf. behandelt einen abschnitt aus der geschichte der nhd.
Schriftsprache, das von Ernst Schwabe von der Heyde und danach
von Opitz aufgestellte gesetz des sogenannten hiatus. — angez. von
O. Lyon, Zs. f. d. unterr. 8 (5. 6) 427 — 430 in einem allgemeinen
überblick über den inhalt der ganzen festschrift. [Scheel.]
47. Gr. Wasserzieher, Zur papiernen spräche. Zs. f. d. d.
unterr. 8, 476—478.
weist auf die abweichungen der ausspräche von der Schreibung
vieler Wörter, besonders namen und fremdwörter hin, doch mit
wenig glücklichen beispielen.
48. J. Poeschel, Die Stellung des zeitworts nach und, sprach-
geschichtlich untersucht. Wissenschaftl. beihefte z. Zs. d. allg. d.
sprachver. no. 5 (1893.) Braunschweig, J. H. Meyer. 47 s.
(s. 193—237.)
vgl. jsb. 1892, 4, 8. nach voranstellung einer grossen anzahl
sich widersprechender urteile über die frage behandelt sie vf. in
folgenden abschnitten: I. allgemeiner teil: 1. was ergiebt eine
IV. Neuhochdeutsch. 37
prüfung der deutschen litteratur über alter und Verbreitung der
sogenannten inversion nach und? 2. ist sie der mündlichen rede
ganz fremd? 3. wann und von wem ist an ihr anstoss genommen
worden? 4. woraus erklärt sich die jetzt so oft geäusserte ab-
neigung gegen sie? Schlussergebnis. II. sprachgeschichtlicher nach-
weis. 1. älteste zeit. 2. vom 12. jahrh. bis zur reformation. III. anhang
(urteile). IV. anmerkungen. vf. bringt zugleich ein Verzeichnis
der gesamten hierher gehörenden litteratur, nach für und wider
geordnet, der nachsichtigen Stellung des vfs. zur inversion gegen-
über (vgl. Hildebrand, Zs. f. d. unterr. 5, 793 ff.), spricht sich
0. Erdmann (f) in seiner anzeige Zs. f. d. phil. 27, 266—272 ent-
schieden gegen die inversion aus und begründet dieses urteil aus-
führlich in einer ganz selbständigen, klar und überzeugend ge-
schriebenen erörterung. vgl. Zs. d. allg. d. sprachver. 1894 (2)
34—35. (5) 96—98.
49. M. Rödiger bespricht im Archiv f. d. stud. d. neuen
spr. u. litt. 92 heft 1 folgende Schriften: Gr. Hess, Geist und wesen
der deutschen spräche (jsb. 1893, 3, 71), Cremer, Kein fremdwort
für das, was gut deutsch ausgedrückt werden kann (jsb. 1892,
4, 3), Wustmann, Allerhand Sprachdummheiten (jsb. 1893, 4, 23),
Matthias, Sprachleben und Sprachschäden (jsb. 1893, 4, 17),
X, Allerhand sprachverstand (jsb. 1893, 4, 23).
50. E. Wilke, Deutsche wortkunde. — vgl. abt. 1, 12.
51. Gr. Amsel, Untersuchungen über die häufigkeit der wort-
formen der deutschen spräche. Wissens chaftl. beihefte d. allg. d.
sprachver. 1894. 6, 30—40.
beleuchtet die Wichtigkeit der vom Stenographenverein im
stenographischen interesse unternommenen häufigkeitsuntersuchungen
für die erkenntnis des heutigen Standes der Schriftsprache, be-
sonders für die statistische feststellung des Verhältnisses bei
schwankenden formen wie fragst und fragst, friede und frie-
den u. dgl.
52. H. Daubenspeck, Die spräche in den gerichtlichen ent-
scheidungen. Berlin, Vahlen 1893. 50 s. 1 m.
eine kritik am Juristendeutsch und an der Verwilderung der
spräche überhaupt, angez. Lit. cbl. 1894, 146.
52a. Studentensprache und studentenlied in Halle vor hundert
jähren u. s. w.
s. abt. 6. die anmerkungen zum idiotikon geben zahlreiche
nachweise über die beziehungen zwischen Studentensprache und
Umgangs- und Schriftsprache.
38 IV- Neuhochdeutsch.
52b. J. Meier, Hallische Studentensprache, eine festgabe zum
200jährigen Jubiläum der Universität Halle. Halle a/S., Nie-
meyer. 97 s.
giebt als ergänzung zu Burdachs neudrucken (s. no. 52a) ent-
stehung und geschichte einer grossen anzahl von ausdrücken mit
beziehung auf die bereicherung der schrift- und Umgangssprache
durch die Studentensprache, zum teil in anlehnung an Kluges auf-
satz in no. 297 der M. Allg. ztg. 1892. ein anhang enthält einige
tafellieder der Hallisch-akademischen Zeitgenossen aus den jähren
von 1785 bis einschliesslich 1790 (Berlin 1820) und eine stelle aus
Chr. Laukhards 'Annalen der Universität zu Schiida' 1798 (I, 301 ff.),
in der der anfang des 5. akts von Romeo und Julie studentisch
persifliert ist. anmerkungen weisen die quellen der ausdrücke
nach, aus ihnen geht hervor, dass vf. mehr die allgemeine als die
besondere hallische Studentensprache behandelt.
52c. F. Kluge, Deutsche Studentensprache. Strassburg,
Trübner 1895. X, 136 s.
vf. hat die 1892 in der M. Allg. ztg. no. 297 von ihm ver-
öffentlichte skizze in dieser erweiterten gestalt bearbeitet, s. 1 — 74
sind abhandlungen über die Studentensprache: die namen für
Studenten und philister, die ausdrücke für das zechen und was
damit zusammenhängt, der einfluss des lateinischen und griechischen
auf die Studentensprache, die burschikose Zoologie, der einfluss der
bibel und tkeologie, der Juden- und gaunersprache, des franzosen-
tums, die grammatische eigenart, endlich Ursprung und Verbreitung.
s. 75 — 136 enthält ein Wörterbuch der Studentensprache, das aus
den vorhandenen früheren burschenwörterbüchern zusammengestellt
ist. bei jedem wort ist die quelle angegeben, während Meiers
buch (no. 52b) den Charakter einer zwanglosen gelegenheitsschrift
trägt, bietet Kluge eine methodische Verarbeitung eines sorgfältig
gesammelten Stoffes, der hier jedoch noch nicht erschöpft ist. —
auf Kluges im vorwort gegen Meier gemachte bemerkungen ant-
wortet dieser in einer 'erklärung' 5 s., die Paul-Braunes beitragen
beigegeben wird.
53. Fr. Tyrol, Lessings sprachliche revision seiner jugend-
dramen. Berlin, Vogt 1893. 32 s. 1,60 in. (Berliner diss. 1893;
teil einer grösseren arbeit, die in C. Vogts verlag erscheinen soll.)
behandelt die von Lessing selbst für den neudruck 1767
durchgesehenen jugendstücke und giebt durch übersichtliche anord-
nung des materials ein klares bild der sprachlichen änderungen,
z. b. sehr hübsch für die deklination. — angez. im Lit. cbl. 1894
(37) 1340. [Scheel.]
IV. Neuhochdeutsch. 39
54. G. Schmidt, Clavigo. eine studie zur spräche des
jungen Goethe nebst einigen beitragen zur Charakteristik des
haupthelden und der Marie. Gotha, F. A. Perthes 1893. 201 s.
2,40 m. (160 s. erschienen als Jenaische diss. 1893.)
vf. untersucht den einfluss der französischen quelle , der
empfindsainkeit und des sturnies und dranges auf die stark rheto-
risch gefärbte spräche im 'Clavigo'. im anschluss daran werden
auf grund dieser gesichtspunkte die stilmittel betrachtet. — angez.
von R. M. Meyer, Anz. f. d. a. 21 (1) 151—153. [Scheel.]
55. F. Thalmayr, Über Wielands klassizität, spräche und
stil. progr. Pilsen. 42 s.
56. F. Petri, Kritische beitrage zur geschichte der dichter-
sprache Klopstocks. Greifswald, Abel. 86 s. 2 m. Greifsw.
diss. 1894.
behandelt in ausführlichster weise mit einer fast erdrückenden
fülle des materials die allmähliche entwicklung der dichterischen
Sprache Klopstocks ; auch die Vorgänger Kl.s sind mit in die Unter-
suchung hineingezogen; leider ist nicht bei den einzelnen erschei-
nungen festgestellt, wodurch sie hervorgerufen sind; so würde
z. b. Ossians einfluss in der versprochenen fortsetzung zu behan-
deln sein. [Scheel.]
57. P. Toews, Über das verbum in Goethes Tasso. diss.
Heidelberg, Hörning. 45 s. 1 m.
58. C. Olbrich, Studien zum einfluss der klassischen sprachen
auf Goethes poetischen stil. Leipzig, Biedermann 1891. 116 s.
angez. Litbl. 1894 (1) 8 — 10 von A. Kost er (nicht ganz zu-
stimmend).
59. P. Knauth, Von Goethes spräche und stil im alter.
Leipzig, Fock 1894. 46 s. Leipziger diss. 1893 = progr. d. gyni-
nas. zu Freiberg i. S. [no. 539.] — angez. von R. M. Meyer, Litztg.
1894 1128/9.
60. H. Menges, Tautologien. Zs. f. d. unterr. 8, 692—696
(vgl. 7, 606 ff.).
eine weitere reihe von tautologischen Zusammensetzungen (z. b.
eidschwur).
60a. K. Tomanetz, Die praepositionen in Grillparzers prosa.
Zs. f. österr. gymn. 45, 873—882.
beispiele für manches auffällige im gebrauche der praep. bei
Gr., das im dialekt wurzelt.
40 rV. Neuhochdeutsch.
61. Gr. Zillgenz, Rheinische eigentümlichkeiten in Heines
Schriften, progr. Waren. — K. Erbe, Schwäbisch und Schriftdeutsch.
Schwäbische chronik 1894 no. 58. G4. — W. Kahl, Mundart und
Schriftsprache im Elsass. Zabern, Fuchs. — 0. Böhme, Zur kennt-
nis des Oberfränkischen im 13. 14. u. 15. jahrh. Leipzig, Fock.
s. abt. 5.
G2. K. Erbe, Leichtfassliche regeln für die ausspräche des
Deutschen, mit zahlreichen einzeluntersuchungen über die deutsche
rechtschreibung. nebst einem ausführlichen Wörterbuch. Stuttgart,
Neff 1893. 125 s. 1,50 m.
vf. will eine folgerichtige, einheitliche ausspräche des schrift-
deutschen zur grundlage für eine Vereinfachung der rechtschreibung
machen, so dass ausspräche und schrift sich wirklich decken,
massgebend für die ausspräche soll die bühnensprache sein und
zu klarer und deutlicher wiedergäbe der laute in der schrift werden
einige neue schriftzeichen, besonders für das dumpfe e, sowie für
doppelkonsonanten und gewise Veränderungen von lautverbindungen
vorgeschlagen, die forderungen sind i. g. massvoll, aber unklar
ist die mahnung, dass man zum mhd. Sprachgebrauch unter be-
rücksichtigung der entwicklungsgesetze des nhd. zurückkehren müsse,
die neuen zeichen werden durch einige Schriftproben veranschau-
licht. — angez. Zs f. d. d. unterr. 8, 492 — 493 von C. Krumbach.
Zs. d. allg. d. sprachver. 1894 (6) 122 von Saalfeld.
63. 0. Felsberg, Zur ausspräche des schriftdeutschen. —
vgl. abt. 3, 10.
Rechtschreibung. 64. J. E. Wülfing, Schreibung von strassen-
namen. Zs. d. allg. d. sprachver. 1894 (6) 114 — 119.
vorschlage zu einer einheitlichen regelung je nach der Zu-
sammensetzung der namen.
65. P. Kogler, Die dehnungsfrage in unserer rechtschrei-
bung. progr. des fürsterzb. privatgymn. Borromaeum. Salzburg
1892. 42 s.
nach der anzeige Österr. litbl. 1894, 143 von G. Helm er,
gegen alle dehnungszeichen ausser ie.
65a. Sprachpause oder kein dogma der ortografi: entvick-
lungsfreiheit. stenografischer bericht fom fereinigten reichstag der
deutschen fon F. S. Bonn, Hanstein. 41 s. 0,60 m.
in form einer reichstagsverhandlung wird die orthographische
frage launig behandelt, der bericht ist in der vom vf. gedachten,
übrigens beachtenswerten Orthographie geschrieben, und abgeord-
neter Bebel begründet sie gegen die Frickesche Orthographie, die
Richter verteidigt, ersterer ist überzeugt, dass man ganz von
IV. Neuhochdeutsch. 41
selbst, ohne gesetze, zu ihr gelangen wird, wenn man der entwick-
lung freiheit lasse, denn sie sei die naturgemässe.
65b. A. Bieling, Orthographische notstände. Vortrag im
Berliner gymnas.-ver. Berlin 1894. verlag des Vereins. 23 s.
dringt auf allgemeine amtliche durchführung der amtlichen
rechtschreibung trotz ihrer vielen mängel, um nur zu einer einheit
zu gelangen, und empfiehlt als Schrift die antiqua.
Schrift. 60. J. Bause, Wie kann unsere Schrift vereinfacht
und vervollkommnet werden? aufklärungen und vorschlage zu
besserungen. Paderborn, Schöningh. IV, 143 s. 2 m.
des vfs. weitläufige, aber nicht immer klar begründete auf-
stellungen geben interessante anregungen , die einer genaueren
Schreibung der mundarten zu wissenschaftlichen zwecken dienen,
aber auf allgemeine annähme im verkehr nicht rechnen können,
die im anhang lithographisch zusammengestellten schriftzeichen und
Schriftproben zeigen eine mit griechischen und deutschen zeichen
gemischte lateinische druckschrift. grundlegend für die beabsich-
tigte neue rechtschreibung soll das Westfälische, des vfs. heimische
ausspräche, sein, weil sie die 'normaldeutsche' sei!
67. K. Menge, Eckschrift oderrundschrift? Zs. f. d. d. unterr.
8, 538—539.
weist darauf hin, dass bereits Schmeller vor Grimm für die
antiqua eingetreten sei in der Jugendschrift 'Über schrift und
Schriftunterricht', ein abc-büchlein in die bände lehrender von Habe-
mut. 114 s.
Unterricht. 68. Zur methodik des Unterrichts: L. Grimm,
Wie die einzelnen fächer des deutschunterrichts dem aufsatze in
der Volksschule dienstbar gemacht werden können. Zs. f. d. unterr.
8, 696 — 702. — R. Lehmann, Die mhd. lektüre in Obersekunda.
Zs. f. d. gymn.-w. 47, 725—733.
69. M. Übelacker, Grosse deutsche Sprachlehre für den
Selbstunterricht. Berlin, Aug. Schultze. VIII, 260 u. 171 s. 3 m.
kart. 3,50 m.
70. G. Fabricius, Die aufgaben des deutschen Unterrichts
an einem realgymnasium. vorschlage und entwürfe. progr.
Bützow 1893.
als eine sehr umsichtige, eingehende arbeit gelobt Zs. f. d.
unterr. 8, 136 — 138 von F. Lindner.
71. O. Gloede, Die deutsche interpunktionslehre. die wich-
tigsten regeln über satz- oder lesezeichen und die redestriche dar-
gestellt und durch beispiele erläutert. Leipzig, Teubner 1893.
empfehlend angez. Zs. f. d. unterr. 8, 140 — 141 von F. Lindner.
42 IV- Neuhochdeutsch.
Metrik. '-• J- Minor, Neuhochdeutsche nietrik. ein hand-
buch. Strassburg, Trübner 1893. XVI, 490 s. 10 m.
mit recht verwahrt sich Minor dagegen, dass seine metrik
als ein abschliessendes wissenschaftliches werk gelten wolle ; er
sieht sie vielmehr als einen versuch an, der anderen zur Orien-
tierung dienen und sie zur mitarbeit anregen soll, trotzdem ist
Minors buch die beste metrik, die wir bis jetzt besitzen. Minor
hat über seinen gegenständ gründlich nachgedacht, alle neueren
Untersuchungen herangezogen und die einschlägigen gebiete mit
dem grössten fleisse behandelt, dass er die grossen lücken unseres
wissens im gebiete der metrik deutlich erkennt, gereicht dem buche
nur zum vorteil, auf einige beachtenswerte punkte mag hier kurz
hingewiesen werden. Minor bezweifelt mit recht die gleichheit der
längendauer der einzelnen takte ; er irrt aber, wenn er einen (durch
das ganze buch sich hindurchziehenden) wesentlichen unterschied
zwischen versen mit regelmässigem Wechsel von hebung und Sen-
kung und den unregelmässigeren versmassen annimmt und den
letzteren, die er mit einem sehr schiefen ausdruck als die eigentlich
musikalischen versmasse bezeichnet, eine grössere gleichheit der
taktdauer zuschreibt als den ersteren. sehr gründlich ist die lehre
vom accent behandelt; namentlich geht Minor näher auf den satz-
accent ein. über den letzteren hat in der letzten zeit auch
Behaghel (in Pauls grundriss) eingehender gehandelt; doch stimmt
Minor mit ihm in wesentlichen punkten nicht überein, da er nicht
nur, wie Behaghel, die logischen, sondern auch die physiologischen
Verhältnisse der betonung in betracht zieht, wie Sievers findet
auch Minor einen unterschied der metrik von der musik darin,
dass der takt in der letzteren in wenn auch ungleiche, so doch
kommensurable teile zerfällt, während in der metrik die teile des
taktes die grösste Unregelmässigkeit und die verschiedenartigste
gliederung zeigen, über das Verhältnis zwischen wortfüssen und
versfüssen und über den Charakter der versfüsse macht Minor fein-
sinnige Bemerkungen, welche jedoch dem subjektiven empfinden
viel Spielraum lassen und schon aus diesem gründe nicht so bald
zu allgemeiner praktischer anwendung gelangen dürften, jedes ein-
zelne kapitel des buches ist gründlich durchdacht, und in jedem
findet man daher neue beobachtungen und anschauungen , welche
auch da, wo sie zum Widerspruch reizen, doch anregend wirken,
zum schluss mag noch bemerkt werden, dass Minor doch wohl
nicht ganz das richtige trifft, wenn er Benedix, Hehn, Hildebrand,
Schmeckebier u. a. als Vertreter einer einseitigen nationalen oder
germanistischen richtung hinstellt und sie in der verskunst unserer
klassiker nur einen irrweg erblicken lässt. wenn sich auch eine
anschauung wie die letztere z. b. bei K. Beyer findet, so hat Minor
IV. Neuhochdeutsch. 43
hier sich doch wohl zu allgemein ausgedrückt und den forschern,
deren sehr verschiedenartige werke er in dieser weise zusarnmen-
fasst, zum teil unrecht gethan; Hildebrand hat sich gegen diese
kritik schon ausdrücklich verwahrt. — angez. Lit. cbl. 1894, 643 — 646
von W. B. [Böhm.]
73. R. Benedix, Katechismus der deutschen verskunst.
3. aufl. Leipzig, Weber. 88 s. 1,50 m.
vf. setzt den unterschied zwischen antikem und deutschem
metrum und ebenso den zwischen sprachlichem und musikalischem
rhythmus klar und ansprechend auseinander, vertritt nachdrücklich
das zusammenfallen von wortton und verston, lässt für den deut-
schen vers nur den trochäischen und dactylischen rhythmus und
zwar nur die arsen als versbildendes element gelten und bezeichnet
daher alle thesen im anfang des verses als auftakte. nachbildung
antiker versmasse verwirft er ohne ausnähme als dem wesen der
deutschen spräche und rhythmik widersprechend, die neueren an-
schauungen von der silbenmessung sind ihm fremd, auf wissen-
schaftliche bedeutung macht das büchlein keinen anspruch.
74. R. Hildebrand, Zum dactylus, dem deutschen und
lateinischen , auch vom hexameter. Zs. f. d. unterr. 8, 1 — 6.
89—94.
vf. bringt die rhythmische Verwendung des dactylus gegen-
über der bloss metrischen, quantitierenden, zur geltung. die erste
silbe soll lang sein und auch deutlich lang gesprochen werden,
damit die zweite silbe einen zweiten ton erhält und erst die dritte
unbetont wird, er zeigt dies rhythmische gesetz, das er mit dem
goldenen schnitt vergleicht, in lateinischen wie deutschen hexa-
metern und sieht darin eine hülfe für die behandlung des deut-
schen hexameters. s. 89 — 94 macht vf. auf die Verwendung des
spondeus (resp. trochaeus) im dritten und vierten fusse aufmerksam.
75. R. Hildebrand, Gemischter rhythmus. Zs. f. d. unterr.
8, 173—183.
beleuchtet die anwendung des trochaeisch-dactylischen und
jambisch anapästischen rhythmus bei Goethe u. Schiller nach seiner
geschichte und rhythmischen Wirkung.
76. 0. Flohr, Geschichte des knittelverses vom 17. jahrh.
bis zur Jugend Goethes. III, 112 s. 2,40 s. [Berliner beitr. zur
germ. u. rom. phil. hrsg. von E. Ebering 1.] Berlin, Vogt.
angez. Lit. cbl. 1894, 1066—1067. Litztg. 1894, 1196/7 von
R. M. Meyer.
44 V. Deutsche mundartenforschung.
77. L. Bückmann, Der vers von 7 hebungen. s. jsb. 1893,
3, 123.
anerkennend angez. Litztg. 1894, 973 von R. M. Meyer.
78. E. Hoffmann-Krayer, Zum accent und sprachrhyth-
mus. Zs. f. d. unterr. 8, 757— 763. (vgl. 7, G41 ff.)
beleuchtet des weiteren die beeinfiussung des logischen accents
durch das bedürfnis nach musikalischem rhythmus.
Bötticher.
V. Deutsche mundartenforschung.
(ausser niederdeutsch.)
Allgemeines. 1. Mentz, Bibliographie. — vgl. jsb. 1893, 5, 1. —
bespr. von Heusler, Anz. f. d. a. 21, 23; A. Holder, Ale-
mannia 22, 284; 0. Brenner, Bayerns mundarten 2, 294 (einige
zusätze); Behaghel, Litbl. 1894, 220.
2. F. Wrede, Berichte über G. Wenkers Sprachatlas des
deutschen reichs. Anz. f. d. a. 20, 95—110. 21, 156—168.
vgl. jsb. 1893, 5, 2. betr. die Wörter: 25) heiss. 26) zwei.
27) schnee. 28) bruder. — (20, 207 ff.) 29) machen. 30) aus.
31) braune. 32) hause. 33) häuser. 34) leute. 35) leuten. —
(20, 230 ff.) 36) roten. 37) dorf. 38) äffe. 39) besser. 40) fleisch.
41) weh. — (21, 156 ff.) 42) wo. 43) auf, adv. 44) auf, praep.
45) recht. 46) schlechte. 47) schlafen.
3. 0. Brenner, Ueber die deutsche mundartdichtung. West-
östl. rundsch. (Leipzig, Reissner). heft 3, 214 — 221.
feuilletonistischer überblick.
Ober- Und Mitteldeutsch. 4. W. Nagl, Zur ausspräche des ahd.
mhd. e in den oberdeutschen mundarten. Beiträge 18, 262 — 269.
e ist offenes e in vielen fällen geblieben, wo es zu ge-
schlossenem e wurde, liegt die einwirkung eines echten oder un-
echten i der nachsilbe, mitunter auch falsche analogie vor.
5. H. Reis, Das praeteritum in den süddeutschen mund-
arten. Beitr. 19, 334—337.
warum in den ober- und mitteldeutschen ma. die präterital-
formen verloren gegangen und durch periphrastische perfekte er-
setzt sind.
6. 0. Heilig teilt Bastlösereime aus Franken und Ale-
mannien, A. Englert aus dem Spessart mit Alemannia 22, 77 — 87.
V. Deutsche niundartenfor3chung. 45
W. Unseld verzeichnet 74 schwäbische Sprichwörter und redens-
arten, in denen vom tode die rede ist. ebd. 87 — 89. — vgl. abt.
10, 335 f. 370.
7. E. Martin, Haarigel und haare ule. Zs. f. d. unterr.
erg.-h. 3, 129—133.
betr. die mundartlichen formen der worte besonders im Elsass,
Baden und der Schweiz.
Schweiz. 8. Schweizerisches idiotikon. Wörterbuch der
schweizerdeutschen spräche, heft 26—28. (bd. III, sp. 769—1248)
bearbeitet von Fr. Staub, L. Tobler, R. Schoch und A. Bachmann.
Frauenfeld, Huber. 4. ä 2 m. — vgl. jsb. 1893, 5, 7 (umfasst
die stamme knat, Jcnut bis lak, lek etc.).
9. v. G-reyerz, Sprachentwicklung der Schweiz. — s. jsb.
1892, 5, 7. — angez. von Weinhold, Archiv f. n. spr. 90, 408.
10. H. S tick elb erger, Wie altes im Berner volksmunde
fortlebt. — Forschungen, festgabe für Hildebrand s. 85 — 101.
unbedeutende einzelheiten in fast feuilletonistischer darstellung.
um die Vermessung zu zeigen, abdruck einiger volksreime. die
beiden auf s. 90 sind entweder beim druck ineinander geraten oder
ein sonderbarer volkswitz.
11. Wissler, Suffix -i in den Berner ma. — vgl. jsb. 1892,
5, 8; bespr. von Schild, Litbl. 1894, 148.
12. P. Schild, Die Brienzer mundart. teil II. Beiträge 18,
301—393.
einleitendes über lenes und fortes, historische entwicklung des
consonantismus, ausgegangen wird von den germ. konsonanten. —
teil I eine Göttinger dissertation (s. jsb. 1891, 5, 25) bespr. von
Heusler, Anzeiger 21, 25 f.; Hoffmann-Krayer, Litbl. 1894,
75 — 78. entgegnung des vf. ebd. 1895, 38 f.
13. R. Brandstetter, Luzerner kanzleisprache. — Beception
der Schriftsprache in Luzern. — vgl. oben 4, 44.
ElsaSS-Lothriflgen. 14. E. Martin u. H. Lienhart, Zum
Wörterbuch der elsassischen mundarten. Jahrb. f. gesch. Elsass-
Lothr. 9, 167—193.
es wird berichtet, dass 80 000 zettel mit 16 000 Wörtern von
den mitarbeitern angefertigt sind, ein Verzeichnis von 2500 durch
wenigstens 3 zettel belegten Wörtern ist aufgestellt und abge-
druckt, damit diese von künftigen zettelsendungen ausgeschlossen
bleiben.
4(J V. Deutsche mundartenforschung.
15. W. Kahl, Mundart im Elsass. — s. jsb. 1893, 5, 12. —
angez. von Martin, Anz. f. d. a. 20, 84; Weinhold, Arch. f. n.
spr. 90.
16. Menges, Volksmundart und Volksschule im Elsass.
Gebweiler, Boltze 1893. X, 120 s. 2 m.
angez. von Martin, Anz. f. d. a. 20, 85; Lenz, Arch. f. n.
spr. 90, 409.
17. J. Meier, Die deutsche Sprachgrenze in Lothringen im
15. jahrh. Beiträge 18, 401.
zeugnis aus einem reisebericht über die franz. Volkssprache
in Metz.
18. J. Spieser, Münsterthäler anekdoten. nach der Mühl-
bacher ma. lauttreu geschrieben. Sprichwörter in Waldhambacher
ma. Jahrb. f. gesch. Elsass-Lothr. 9, 87 — 97. — J. Rathgeber,
Elsässische Sprichwörter und sprichwörtliche redensarten. ebd.
98 — 101. — H. Menges, Rufacher ausdrücke für die begriffe:
trinken, betrunken sein, gewohnheitstrinker. ebd. 115 — 128. —
E. Martin, Ad. Stöber, leben und Schriften (nekrolog und Schriften-
verzeichnis), ebd. 129 — 147. — Menges, Der name des haus-
hahns. — vgl. abt. 2, 34.
19. H. Witte, Das deutsche Sprachgebiet Lothringens und
seine wandelungen von der feststellung der Sprachgrenze bis zum
ausgang des 16. jahrhs. mit einer karte. Stuttgart, Engelhorn.
129 s. (= Eorschgn. 2. dtsch. landeskde. 8, h. 6.) 6,50 m.
mit hülfe neuen materials erweitert, befestigt und berichtigt
der vf. seine frühere Untersuchung, s. jsb. 1893, 5, 13.
Schwaben. 20. Bohnenberger, Zur geschichte der schwäb.
mundart. — vgl. jsb. 1893, 5, 6. — bespr. von So ein, Litbl. 1894,
290; Heusler, Anz. f. d. a. 20, 29.
Bilden. 21. Lenz, Handschuchsheimer dialekt. nachtrag. —
s. jsb. 1893, 5, 17. — angez. von Weinhold, Arch. f. n. spr.
90, 409.
22. L. Sütterlin, Der genitiv im Heidelberger volksmund.
festschr. des gymnasiums zu Heidelberg. Leipzig 1894. (beilage
zu progr. n. 607.) s. 46—60.
23. O. Heilig, Beiträge zu einem Wörterbuch der ostfrän-
kischen mundart des Taubergrundes, progr. [n. 620] der realsch.
zu Heidelberg. 20 s. 4.
alphabetisch, mit berücksichtigung der Ortsnamen.
V. Deutsche mundaxtenforschung. 47
Württemberg. 24. Beschreibung des oberamts (1) Reut-
lingen, (2) Ehingen, hrsg. von dem k. statistischen landesamt.
Stuttgart, W. Kohlhammer 1893.
eine neubearbeitung der beschreibung Württembergs nach
oberamtsbezirken wird durch diese bände eröffnet, welche auch die
mundart umfassen und auf eingedruckten kärtchen die grenzlinien
einzelner dialektischer besonderheiten bieten. (1) s. 112 — 137 ist
die Reutlinger ma. von prof. Wagner in Reutlingen gut lesbar
behandelt , er bietet als anhang mitteilungen aus dem Wortschatz,
im übrigen beschränkt er sich auf den vokalismus, er geht von den
heutigen lauten aus, bei jedem ihre alten Vertreter angebend, seine
phonetische bestimmung der laute, seine angaben über die besonder-
heiten der einzelnen orte zeigen, dass er gründlich bis in alle
einzelheiten sein gebiet kennt. (2) s. 146 — 161 ist der vokalismus
und konsonantismus der Ehinger ma. von prof. H. Fischer in Tü-
bingen dargestellt, dieser geht, was die vergleichung mit anderen
ma. sehr erleichtert, vom mhd. aus.
Bayern. Österreich. 25. Bayerns mundarten. hrsg. von
0. Brenner u. A. Hartmann. bd. 2, heft 2 (= s. 161—304). Mün-
chen, Kaiser. 4 m. (vgl. jsb. 1894, 5, 38).
darin s. 161—181 Prinz von Arkadien, hrsg. von Brenner,
schluss. — s. 182 ff. L. Wolfrum, Volksreime aus Oberfranken
(kinderreime). — s. 192 ff. Franke u. Hedrich, Vogtländische,
erzgebirgische , meissnische und osterländische dialektproben (drei
Sätze in 9 lokalmundarten). — s. 195 — 207. 0. Neubauer, Be-
zeichnungen des menschlichen körpers und seiner teile im Eger-
lande (reichhaltige lexikalische Zusammenstellung, mit bezügen auf
andere ma.). — s. 207 — 242. H. Gradl, Die ma. Westböhmens,
forts. (allgemeines zum vokalismus, konsonantismus.) — s. 243 ff.
M. Himmelstoss, Aus dem bayerischen wald. forts. (die mit
m — s beginnenden idiotismen.) — s. 261 ff. L. Zapf, Aus dem
Wortschätze der bayreuthisch-fränkischen mundart im oberen Saale-
gebiet, (dialektprobe, aiphabet Verzeichnis von idiotismen.) —
s. 269 — 273. Brenner, Zum Sprachatlas des deutschen reiches,
(beachtenswerter hinweis auf die mangelhafte lautauffassung mancher
berichterstatter als fehlerquelle für die im Sprachatlas gegebene scharfe
grenze der tot-orte nach west- und Südost, vgl. hierzu Wrede im
Anz. f. d. a. 20, 322 anm.) — s. 283 — 285. ders., Zu Kiennasts
Dachauer possenspielen, (betr. einzelne stellen.) — s. 285 — 289.
Hartmann, Zu den Regensburger fastnachtspielen, (meister von
hohen sinnen: Petrus Lombardus; Hansel frischer knecht; das
hobeln; Urkunde v. j. 1613 betr. Stephan Egl.) — s. 289 f.
ders., Tod-austragen in Franken, (in einer bildlichen darstellung
48 V. Deutsche mundartenforachung.
des 17. jahrh.) — s. 290 — 292. F. Riegel, Beiträge aus Regens-
burg, forts. (idiotismen.) — ausserdem: bücherschau u. ä. —
bd. 1 heft 1—3 bespr. von F. Kauffmann, Litbl. 1894, 220—22.
26. 0. Brenner, Ein fall von ausgleichung des silbengewichts
in bayrischen mundarten. Idg. forsch. 3, 297 — 301.
die Verlängerung des Stammvokals in fisch, hund u. a., wäh-
rend die kürze erhalten bleibt, wenn wie im plur. das wort mehr-
silbig ist oder war, soll aus dem abfall des a in germ. fiskaz und
der dadurch erfolgten Verstärkung (schleifende betonung) der
Wurzelsilbe zu erklären sein.
27. W. Nagl, Zum Wechsel zwischen os> und oi (= ahd. ei)
in der nordgauischen mundart. Beitr. 19, 338 — 344.
gegen Brenners erklärung (vgl. no. 26) des Vokalwechsels in
guds 'geiss'; sg. und gaiss plur.
28. Franz v. Paula Kiennast (f 1783), Altbairische possen-
spiele für die Dachauer bühne bearbeitet, zum erstenmal hrsg.
und erkl. von 0. Brenner, München, Kaiser. XVI, 40 s. 1,20 m.
29. Fr. Höfer, Die volksnamen der tiere in Niederösterreich.
Blätter d. v. f. landeskde. v. Niederösterr. 16 (110). — vgl. jsb.
1893, 2, 44.
30. A. Ritschel, Das Prager deutsch. Phonet. Studien 6 (2).
Ungfl.rn. 31. Ad. Schullerus, Noch ein wort über unsere
mundpxt. (sep.-abdr. aus no. 6160—62 des 'Siebenbürgisch-dtsch.
tageblattes'). Hermannstadt, Drotleff. (11 s.)
keine mundartliche abhandlung, sondern hinweis auf den wert
der siebenbürgischen ma. für das nationale und religiöse leben.
32. G. Keintzel, Lautlehre der mundarten von Bistritz und
Sächsisch-Regen, mit berücksichtigung abweichender lautverhält-
nisse in den sächsischen ortsdialekten der Umgebung. Arch. d. v.
f. siebenbg. landeskde. n. f. 26 (1).
33. V. Kästner, Gedichte in siebenbürgisch - sächsischer
mundart. 2. aufl. Hermannstadt, Krafft 1895. XLII, 154 s.
die vom verein für siebenbg. landeskunde veranstaltete aus-
gäbe ist von A. Schullerus besorgt, der erklärende anmerkungen
und eine biographie des dichters (geb. 1826 in Kerz, gest. 1857
in Hermannstadt, seine sächs. gedichte sind 1862 zum erstenmal
im druck erschienen) beigegeben hat.
34. V. Lumtzer, DieLeibitzer mundart. Beitr. 19, 274 — 325.
Leibitz bei Kesmark in der Zips. lautphysiologisches, histo-
rische entwicklung der laute, textproben.
V. Deutsche mundartenforschung. 49
Sprachinseln. 35. J. Pak, Die deutschen Sprachinseln in
Wälschtirol und Italien. Innsbruck 1892.
36. G. Giordani, La colonia tedesco di Alagna-Valsesia e
il suo dialetto. opera postuma, pubbl. per cura e a spese della
Sezione Valsesiana del Club Alpino Italiano col concorso di amici.
Torino, Candeletti 1891. VII, 203 s. 8.
Alagna liegt in einem thale des Monte Rosa, ausfuhr! bespr.
von E. Hoffmann-Krayer, Anz. f. d. a. 21, 26- — 39.
37. Halb fa ss, Die deutsche Sprachinsel Zahre-Sauris in
Friaul. Globus 66 (11) 165—8.
als sprachprobe 'a longas liedle' (ein lenzgedicht).
Hessen. 38. H. Reis, Syntaktische Studien im anschluss an
die mundart von Mainz. Beiträge 18, 475 — 510.
forts. von jsb. 1892, 5, 17: bedeutung der Wortklassen, kon-
gruenz, wort- und satzstellung, ersparung, pleonasmus und tau-
tologie.
39. J. Leidolf, Naunheimer mundart. Jenaer diss. — vgl.
jsb. 1891, 5, 39. — - ungünstig bespr. von Aug. Höfer, Litbl.
1894, 112.
Kurhessen. 40. H. v. Pfister. Idiotikon von Hessen durch Vil-
mar und Pfister. ergänz.-heft 2. Marburg, Elwert. (1 bl. 49 s.).
1,20 m.
wie im ergänz.-heft 1 (jsb. 1889, 5, 28) eine reichhaltige nach-
lese von idiotismen, die zugleich etymologisch gedeutet werden, in
der einleitung verficht der vf. seine jetzt mehr und mehr siegende an-
nähme, dass der name 'Hessen' nicht aus 'Chatti' entstanden sei, in
einem Schlussabschnitt behandelt er die Mattiaken, Wargionen u. a.
['OVinZ. Siegerland. 41. K. Hassel, Kreiznach is trump.
lokal-schwank, mit einer abhandlung über Kreuznacher art und
mundart und einem wörterbuche. 2. aufl. Kreuznach 1892. 1,20 m.
42. W. Schmitz, Die misch-mundart in den kreisen Geldern
(südlicherteil), Kempen, Erkelenz, Heinsberg, Geilenkirchen, Aachen,
Gladbach, Krefeld, Neuss und Düsseldorf, sowie noch mancherlei
volkstümliches aus der gegend. für freunde deutscher Volkskunde,
insbes. für die lehrer obiger kreise. Dülken, Kugelmeier 1893.
(211 s.). 1,80 m.
der vf. ist kein sprachgelehrter und aus seiner die laute,
flexion, wortbilder und satzbau breit behandelnden darstellung ist
wenig einblick in die eigentümlichkeiten der mundart zu gewinnen,
mehr belehrung gewähren die mitgeteilten mundartlichen aus-
drücke und beispiele, leider sind sie nicht reichhaltig genug, da-
Jahresbericht für germanische Philologie. XVI. (1894.) 4
50 V. Deutsche mundartenforschung.
gegen findet man mancherlei volkskundliche einzelheiten, viele
kinderlieder und Sprichwörter, das buch schliesst mit einer an-
leitung, die mundart für den deutschen Unterricht zu verwerten.
43. Gerh. Zillgenz, Rheinische eigentümlichkeiten in Heines
Schriften, eine mundartliche plauderei. Waren 1893. (progr. des
städt gymn. no. 650.) 17 s. 4.
reime wie Art: wärt, Theater: hat er, formen wie es regent
st. regnet, erfund st. erfand u. ä.; Braunen st. Brauen, quicken
st. quieken; während dem Empire (dativ); einzelne ausdrücke wie
Ja Jung u. a. (öfter wird allgemein norddeutsches angezogen, so-
gar s. 3 vertilgen: Liljen u. ä.).
44. H. Gloel, Niederrheinisches deutsch. Zs. f. d. u. er-
gänz.-heft 3, 61—70.
grammatische bes. syntaktische einzelheiten aus Wesel und um-
gegend.
45. J. Leithäuser, Gallicismen in niederrheinischen mund-
arten. II. progr. (no. 470) des realgymn. zu Barmen. 25 s. 4.
alphab. Verzeichnis von nachtragen zu jsb. 1891, 17, 24.
46. Bernh. Schmidt, Der vokalismus der Siegerländer mund-
art. ein beitrag zur fränkischen dialektforschung. Halle, Niemeyer.
139 s. 3,60 m.
der vf. giebt nach kurzer Übersicht über die lokalmundarten
des gebietes, ohne auf phonetisches näher einzugehen, eine histo-
rische darstellung des vokalstandes, wobei von den einzelnen ger-
manischen vokalen ausgegangen wird, deren entwicklung zu ihren ahd.,
as. u. s. w. Vertretungen jedesmal kurz dargelegt wird, das buch
ist klar und lesbar geschrieben, ohne sich jedoch bezüglich der
historischen herleitung immer auf selbständige Studien zu stützen;
so wird s. 88 in froh und roh immer noch germanisch au gefunden,
wünschenswert wäre gewesen, wenn der vf. einen überblick über
die litterarische Verwertung des dialektes mit hinweisen auf die
sprachliche Zuverlässigkeit der einzelnen Schriften sowie proben der
ma. beigefügt hätte.
Thüringen. Sachsen. 47. O. Weise, Sprachliches. Mitteil. d.
gesch. ver. zu Eisenberg, heft 9.
Volksetymologie, ausgestorbene Wörter, ergänzungen zum Wörter-
buch der Altenburger ma.
48. C. Franke, Über die Volksdichtung im Meissnischen.
— vgl. abt. 10, 283.
YI. Literaturgeschichte. 51
49. Schöppe, Naumburgs ma. — s. jsb. 1893, 5, 31. bespr.
Bayerns ma. 2, 297 f.
Schlesien. 50. P. Kupka, Die mundart des kreises Guben.
II. Niederlausitzer mitteilungen 3 (8).
51. G-. Meyer, Essays und Studien, bd. 2. Strassburg,
Trübner 1893.
s. 66 — 77 'von der schlesischen mundart' plauderei über
einige lehnworte besonders polnischen Ursprungs, wie Jclabatschke,
sefe u. a. W. Seelmann.
VI. Literaturgeschichte.
1. W. Wackernagel, Geschichte der deutschen litteratur.
2. aufl. fortges. von E. Martin, schlusslief. 19. jahrh. Basel,
Schwabe. XVI, 539—710 s. 3,20 m.
s. jsb. 1893, 6, 2. angez. Zs. f. d. phil. 27, 264—266 von
0. Erdmann, Korrespbl. d. ver. f. siebenb. lk. 17, 144 — 145
von H. W. Zs. f. d. gymnasial w. 1894 (juni) von Eis eher. Zs.
f. realschulw. 19, 406 von A. Hruschka.
2. Goedeke-Goetze, Grundriss zur geschichte der deutschen
dichtung. — s. jsb. 1893, 6, 1. angez. Euphorion 1, heft 1 von
A. Sauer.
3. 0. v. Leixner, Geschichte der deutschen litteratur. 3. und
4. aufl. Leipzig, Spamer. YHI, 1124 s. geb. 18 m. — s. jsb.
1892, 6, 14.
4. R. Kögel, Geschichte der deutschen litteratur bis zum
ausgange des mittelalters. 1. bd. bis zur mitte des 11. jahrh.
1. teil, die stabreimende dichtung und die gotische prosa. Strass-
burg, Trübner. XXIII, 356 s. 10 m.
diese neue geschichte der altdeutschen Litteratur will wissen-
schaftliche behandlung mit ansprechender , auch über die fach-
kreise hinaus verständlicher darstellung verbinden, nur sehr
wenige anmerkungen unterbrechen den Zusammenhang, die litte-
ratur ist jedem abschnitt vorangestellt, die eigentümlichkeit des
buches besteht darin, dass es ein möglichst umfassendes bild der
altgermanischen litteratur aus den andeutungen und nach-
klängen, die überhaupt aufzuspüren sind, zu entwerfen sucht; da-
durch dient der vf. zugleich der kulturgeschichte und mythologie.
die aus der stabreimenden dichtung vorhandenen denkmäler über-
setzt er und behandelt sie ganz ausführlich, überall die neuesten
ansichten mit besonnener kritik zu positiven ergebnissen verar-
4*
52 VI. Literaturgeschichte.
beitend. auch die neugefundene alts. Genesis hat noch auf einem
besonders eingelegten bogen und in einem ergänzungshefte berück-
sichtigt werden können, ganz ausführlich behandelt vf. endlich die
ahd. metrik, indem er auch hier aus den vorhandenen gegensätzen
eine eigene ansieht entwickelt, nicht alle einschlägigen gebiete
beherrscht vf. in gleicher weise, doch macht ein sorgfältig ab-
wägender eklekticismus das buch für litteraturgeschichtliche inter-
essen sowohl als für einzelfragen im bereiche der altgermanischen
litteratur zu einem besonders geeigneten hülfsmittel. vf. stellt die
litteraturgeschichte in den mittelpunkt der germanistischen Studien,
und von diesem gesichtspunkte aus hat er das buch geschrieben,
eine Vorstellung von seinem inhalt im einzelnen zu geben ist an
dieser stelle nicht möglich.
5. R. Wolkan, Geschichte der deutschen litteratur in Böhmen
bis zum ausgange des 16. jahrh. Prag, Hofbuchdruckerei Haase.
XIII, 538 s. lex. 8.
vf. giebt in diesem umfangreichen werke nicht nur eine ge-
schichte der deutschen litteratur, sondern eine eingehende geschichte
der gesamten entwicklung des Deutschtums in Böhmen, eine allge-
meine Übersicht der letzteren stellt er (s. 1 — 48) voran, aus der man
sieht, warum nur gewisse landstriche in der deutschen litteratur her-
vortreten, dann folgt (s. 49 — 94) eine darstellung der entwicklung des
schul- und Universitätswesens, die für die kulturgeschichte Böhmens
von besonderm werte ist und ausser anderem neuem zum ersten
male eine entscheidende wendung zu freier, selbständiger gestaltung
im 16. jahrh., nachweist, dem humanismus und seiner ausgedehnten
litterarischen thätigkeit, wiederum mit besonderer berücksichtigung
des 16. jahrh., ist das 3. kapitel gewidmet (s. 95 — 171); die eigent-
liche deutsche litteratur wird in den übrigen drei abschnitten be-
handelt, nämlich die höfische dichtung s. 172 — 212, das 14. u. 15.
jahrh., s. 213 — 244 und das 16. jahrh. s. 245- — 456. überall be-
müht er sich, die quellen selbst reden zu lassen, am ausführ-
lichsten ist das 16. jahrh. behandelt, und auf diesen teil seiner ar-
beit legt vf. selbst das meiste gewicht, da gerade diese zeit am
meisten vergessen sei. hier hat er daher auch besonders zahlreiche,
charakteristisch ausgewählte proben in die darstellung eingeflochten,
ausgeschieden sind noch die metrik des 16. jahrhs. und der ein-
fluss der deutschen litteratur auf die tschechische , der einem be-
sonderen buche vorbehalten ist. — die umfangreichen belege sind
hinten angehängt (s. 457 — 524), ebenso ein sorgfältiges register
(s. 525—538). — vgl. abt. 15, 4.
5a. K. Lorenz, Der anteil Mecklenburgs an der deutschen
nationallitteratur von den anfangen bis zum ende des 17. jahrh.
diss. Rostock, Hinstorff 1893. 64 s.
VI. Litteraturgeschichte. 53
eine fleissige aufzählung, die namentlich durch die ausführ-
lichen biographischen und bibliographischen nachweise der an-
merkungen wert erhält, auch die auswärtigen Schriftsteller, die sich
kürzere oder längere zeit in Mecklenburg authielten, sind berück-
sichtigt, die litterarhistorische Würdigung freilich lässt noch einiges
zu wünschen. — vgl. no. 20.
6. J. Kelle, Gesch. d. d. litt. Berlin 1892. — s. jsb. 1893,
C, 3. — weiter angez. Euphorion 1, heft 1 von J. Seemüller, der
2. bd. ist im druck.
7. W. Ernst, Litterarische Charakterbilder, ein buch für
die deutsche familie (in 10 lief.) 1. lief. Hamburg, Kloss. 0,40 m.
8. Zipper, Die deutsche litteraturgeschichte des 16. und
17. jahrh.
angez. Euphorion 1, heft 1 von R. M. Werner.
9. E. Lemmermayer, Kurzes repetitorium d. d. litteraturgesch.
I. von der vorzeit bis zum ausgang des 13. jahrh. Wien, Breiten-
stein. VIII, 84 s. 1,10 m.
10. J. Parmentier, Kurze geschichte der deutschen litte-
ratur, von einem Eranzosen. Paris, Laisney. VII, 361 s.
anerkennend angez. Lit. ebb 1894, 930 von M. K.
11. Studien zur litteraturgeschichte, Bernays gewidmet. —
rec. Erantzen, Museum 1, heft 9.
12. Th. Süpfle, Beiträge zur geschichte der deutschen litte-
ratur in England im letzten drittel des 18. jahrhs. Zs. f. vergl.
litg. 6 heft 4.
12a. R. Lehmann, Übersicht über die entwicklung der
deutschen spräche und der älteren deutschen litteratur. für die
oberen Massen höherer lehranstalten. Berlin, Weidmann. 59 s. 1 m.
ein sehr praktisch eingerichtetes hülfsbuch, das sich auf das
wesentliche beschränkt und dies auf gesicherter grundlage er-
zählend darstellt, in der litteraturgeschichte dürften manche ge-
sichtspunkte allerdings zu hoch gegriffen sein; manches, z. b. Luther,
kommt zu kurz, die litteraturgeschichte reicht bis 1748.
13. K. Borinski, Gesch. d. d. litt. [Kürschners nat.-litt. 163.]
— s. jsb. 1893, 6, 5. angez. Lit. cbl. 1894, 89 — 91 mit eingehen-
den kritischen bemerkungen.
14. M. Koch, Gesch. d. d. litt. — vgl. jsb. 1894, 6, 8.
angez. Zs. f. d. d. u. 8, 146 — 148 von O. Lyon.
54 VI. Litteraturgeschichte.
15. G. v. Zeyneks deutsche litteraturgeschichte. ein leit-
faden für schulen mit besonderer berücksichtigung der lehrer-
bildungsanstalten, bearb. von sem.-prof. Alois Meisner. G. aufl.
Graz, Leuschner & Lubensky. IV, 358 s. 2,80 m.
16. F. Kummer u. K. Stejskal, Leitfaden zur geschieh te
der deutschen litteratur. zum Unterrichtsgebrauch an lehrer- und
lehrerinnenbildungsanstalten. V, 196 s. Wien, Manz. 1,60 m.
17. A. Hartmann, Deutsche meisterlieder-handschriften in
Ungarn, ein beitrag zur geschichte des meistergesanges. festgabe
zum Hans Sachs-Jubiläum. München, Kaiser. 106 s. 2,40 m.
nach dem vorwort des vfs. (s. 1 — 8) von ihm auf der national-
bibliothek in Pest gefunden, zwar in katalogen und gelegentlichen
bemerkungen genannt, aber bisher noch nicht benutzt. H. ver-
zeichnet s. 9 — 68 sorgfältig die singer mit ihren liedern und tönen,
es sind Nürnberger meistersänger aus dem 16. bis 18. jahrh.; die aus
dem 17. jahrh. überwiegen, von H. Sachs sind 16 stücke ver-
zeichnet, leider hat vf. nie bemerkt, ob und wo die einzelnen
nummern sonst schon veröffentlicht worden sind, als beilage giebt
vf. einige liedertexte und aktenstücke der Nürnberger singschule,
ebenfalls ohne litteraturangabe. — vgl. abt. 15.
.18. Th. Hampe, Studien zur geschichte des meistergesangs.
Vierteljahrschr. f. litg. 6, heft 3.
19. 0. Weddigen, Der deutsche meistergesang. mit einer
litterargeschichtlichen einleitung und auswahl. Berlin, Fried-
berg & Mode. 100 s. 1 m.
vgl. jsb. 1893, 6, 9a.
20. C. Schröder, Mecklenburgs anteil an der deutschen
nationallitteratur bis zum ende des 17. jahrh. ein Vortrag. Schwerin,
Bärensprung. 40 s. Im. — beruht auf no. 5a.
21. F. Lechleitner, Der deutsche minnesang. eine dar-
stellung seiner geschichte, seines wesens und seiner formen. Wolfen-
büttel, Zwissler. 2 bde. 402 u. 424 s. 10 m.
ein konfuses, schwülstiges, von fehlem aller art wimmelndes,
doch von höchster begeisterung zeugendes machwerk.
22. G. Roethe, Die deutschen kaiser und die deutsche litte-
ratur. Göttingen, Dieterich 1893.
s. jsb. 1893, 21, 5. angez. Litztg. 1894, 334 von G. Ellinger.
23. K. Leimbach, Die deutschen dichter der neuzeit und
gegenwart. biographien, Charakteristiken und auswahl ihrer dich-
tungen. IV. bd. Kassel, Kay.
VI. Litteraturgeschichte. 55
angez. Zs. f. d. d. u. 8, 419 — 420 von K. Menge (die auswahl
zum teil zu wenig kritisch.)
24. Über den befriedigenden schluss einer tragödie, mit be-
sonderer beziehung auf stücke von Lessing, Schiller, Goethe und
Shakespeare, aus dem nachlasse A. Kobersteins. Zs. f. d. d. u.
8, 441—464.
ein Vortrag Kobersteins, in dem er zeigen will, dass Schillers
tragödienschlüsse am wenigsten befriedigen und keine echt tragische
Wirkung haben.
24a. E. Spengler, Martinus Bohemus, Zur geschichte des
älteren deutschen dramas. progr. d. gymn. in Znaim 1893. —
angez. Zs. f. österr. gymn. 45, 88.
25. W. Creizenach, Geschichte des neueren dramas I.
mittelalter und frührenaissance. Halle, Niemeyer. XV, 586 s.
14 m. für die besprechung zu spät geliefert.
Lit. cbl. 1894, 245 — 247 (F. V.): 'in der behandlungsweise des
stoffes erinnert das werk am meisten an Eberts allgemeine litteratur-
geschichte. dieanalyseundlitterarhistorischebestimmungdereinzelnen
wichtigeren denkmäler bildet den eigentlichen kern der darstellung.
das gemeinsame in den einzelnen erscheinungen wird dabei ge-
wissenhaft beachtet, die zusammenhänge werden verfolgt, soweit
sie sich aus den quellen deutlich ergeben; darüber hinausgehende
kombinationen werden sorgfältig gemieden', von dem ganzen wird
'gewissenhaftes quellenstudium und gereiftes, auf langer, eindringen-
der beschäftigung mit dem gegenstände beruhendes urteil' gerühmt.
26. 0. Rub, Die dramatische kunstin Danzig von 1615 — 1893.
Danzig, Bertling. 150 s. 2,50 m.
26a. P. Weber, Geistliches Schauspiel und kirchliche kunst
in ihrem Verhältnis erläutert an einer ikonographie der kirche und
Synagoge, eine kunsthistorische studie. mit 10 abbildungen in
lichtdruck und 18 textbildern. Stuttgart, Ebner & Seubert. VIII,
152 s. 6 tafeln.
in umsichtiger und gründlicher weise verfolgt W., ein schüler
Janitscheks, ein anziehendes kapitel der mal. Symbolik, den streit
des personificierten Christentums und Judentums, der Ecclesia und
Synagoga, durch die liturgische litteratur, die dramatik und die
bildende kunst, um dabei zugleich die wechselseitigen beziehungen
dieser gebiete zu betrachten, die quelle dieser kampfscene bildet
ein fälschlich Augustin zugeschriebener dialog de dltercatione
Ecclesiae et Synagogae; dramatisch ausgestaltet ist sie zuerst im
Tegernseer ludus de Antichristo während des 12. jahrhs., später
finden wir sie in deutschen und französischen passionsspielen des-
56 VI. Litteraturgeschichte.
14. bis 16. jahrhs. und in einem fastnachtspiele von Hans Folz
mit dem sogenannten prophetenspiele, das gleichfalls aus einer
pseudo-Augustinischen schrift, dem sermo contra jwganos, Judaeos
et Arianos, herstammt, verbunden, in der maierei und skulptur
erscheint die gruppe der beiden streitenden frauen schon seit dem
9. jahrh., und zwar bald mit der kreuzigung Christi, bald mit seiner
geburt und dem Marienleben, bald mit dem Weltgericht vereinigt,
bisweilen auch an kirchenportalen für sich dargestellt, der seit dem
11. jahrh. sich allgemein steigernde judenhass veranlasste die immer
schärfere Charakterisierung der Synagoge durch die jüdische tracht,
die augenbinde, die herabfallende kröne, das zerbrochene banner,
den geldbeutel u. s. w. eine sorgfältige betrachtung dieser kunst-
denkmäler ergiebt manche erwünschte erläuterung der dramatischen
texte; auch hat W. in mehreren gemälden des 15. bis 16. jahrhs.
zweifellos die einwirkung dramatischer aufführungen nachgewiesen ;
doch dürfte der s. 34 gemachte versuch , in mehreren elfenbein-
reliefs des 9. bis 10. jahrhs. eine nachahmung kirchlicher oster-
feiern zu erkennen, nicht allgemeinen beifall finden. [Bolte.]
27. Fr. Honsei, Studentenpoesie im mittelalter. eine litterar-
historische studie. Bielefeld, Helmich. 67 s. Im.
eine allgemeine Charakteristik der vagantenpoesie mit ent-
sprechenden proben für populäre zwecke.
27a. Studentensprache und studentenlied in Halle vor hun-
dert jahren. neudruck des 'Idiotikon der burschensprache' von
1795 und der 'studentenlieder' von 1781. eine Jubiläumsgabe
für die Universität Halle-Wittenberg, dargebracht vom Deutschen
abend in Halle. Halle a. S., Niemeyer. XXXIX, 117 und VIII,
127 s. 3 m.
die einleitung von K. Burdach giebt über Bernhard Augustin
und Chr. Wilhelm Kindleben, die vf. der hier neugedruckten
werke, sowie über ihre Zeitgenossen und die sittlichen zustände der
Universität Halle ausführlichen bericht. die litteraturgeschichtliche
Stellung der liedersammlung Kindlebens wird eingehend dargelegt,
der neudruck des Idiotikons wird mit anmerkungen über die
späteren Schicksale der verzeichneten 350 Wörter begleitet; die an-
merkungen zu den liedern geben sprachliche und sachliche er-
klärungen, u. a. eine kurze geschichte des liedes Gaudeamus igitur,
das Kindleben in die jetzt bekannte form gebracht hat. das original
des Idiotikons ist in Jena, das der Studentenlieder in Weimar.
28. Euphorion, Zeitschrift für litteraturgeschichte. hrsg.
von A. Sauer. 1. bd. Bamberg, Buchner.
tritt an die stelle der von Seuffert bis ende 1893 heraus-
gegebenen Vierteljahrsschrift für litteraturgeschichte und will auch
VI. Litteraturgeschichte. 57
allgemeineren bedürfnissen dienen und das Verständnis für das ge-
samte geistige leben und schaffen der nation fördern.
29. 0. Elster, Die aufgaben der litteraturgeschichte. aka-
demische antrittsrede. Halle a. S., Niemeyer. II, 22 s.
wendet sich nach der anzeige Lit. cbl. 1894, 1108/9 besonders
gegen die immer mehr einreissende identificierung von phantasie
und gedächtnis, die jede dichtung als conglomerat von leseein-
drücken des autors zerpflückt, und will vor allem den ganzen
empfindungsgehalt der zeit, überhaupt philosophische erfassung, be-
rücksichtigt wissen.
30. U. Hildebrand, Ein Stückchen ultramontaner litteratur-
geschichte. Zs. f. d. u. 8, 217—219. vgl. 8, 412, 413, 601, 602.
betrifft eine stelle aus J. Brunners Hau- und bausteinen zur
neueren litteraturgeschichte (Wien, 1885), die in einer äusserung
über das bild vom tropfen am eimer in (Heims Halladat grobe
Unkenntnis verrät.
Poetik- 31. O.Lyon, Handbuch der deutschen spräche für höhere
schulen. 2. teil für obere klassen. Stilistik, poetik und litteratur-
geschichte. ausg. A in 1 bde. 4. vermehrte und verbesserte aufl.
Leipzig, Teubner. VIII, 313 s. 2,80 m.
s. jsb. 1890, 4, 38. vf. ist eifrig bemüht, in jeder neuen aufl.
seines viel gebrauchten handbuchs die neuesten wissenschaftlichen
forschungen zu berücksichtigen, der 4. aufl. sind besonders die
neuen arbeiten über metrik zu gute gekommen, hin und wieder
fällt noch eine ungenauigkeit auf. die strophe z. b. charakterisiert
der vf. lediglich nach der formalen seite hin; das eigentlich
strophenbildende aber ist doch der gedanke. bei manchen dich-
tungsarten, z. b. der Ballade, fehlt eine definition ganz, bei andern
ist sie zu allgemein, in der litteraturgeschichte ist die Sprachge-
schichte noch mehr berücksichtigt worden, zu verbessern ist in
künftigen aufl. z. b. noch, dass die composition des Parzival von
Wolfram aus der vorläge übernommen ist. — angez. Zs. f. österr.
gymn. 44, heft 12 von Löhner.
32. L. Sevin, Elemente der deutschen poetik. 3. aufl. Karls-
ruhe, Lang. 34 s. 0,50 m.
33. R. v. Gottschall, Poetik. Die dichtkunst und ihre
technik vom Standpunkte der neuzeit. 6. aufl. Breslau, Trewendt.
2 bde. XXIV, 388 u. IV, 342 s. 10 m. geb. 13,60 u. 15 m.
34. Cr. Könnecke, Bilderatlas zur geschichte der deutschen
nationallitteratur. eine ergänzung zu jeder deutschen litteratur-
58 "VII. Altertumskunde.
geschiente, nach den quellen bearbeitet. 2. verb. u. verm. aufl.
enthaltend 2200 abbildungen und 14 blattgrosse beilagen, wovon
2 in heliogravüre und 5 in farbendruck. Marburg, Elwert 1895.
XXVI, 423 s. fol.
das vorzügliche werk ist in der neuen aufl. um etwa 600 ab-
bildungen vermehrt; es erscheint jetzt fortgesetzt in neudrucken.
zu wünschen wäre, dass diesen eine bemerkung beigegeben würde,
ob noch weitere Veränderungen vorgenommen werden, ferner würde
es sich empfehlen, den fortschritten der Wissenschaft entsprechend
einzelne hss. durch andere desselben Werkes zu ersetzen, wenn die
ansichten über den wert der hss. erheblich andere geworden sind,
dies ist (s. 56) der fall bei der Iweinhs. A (Heidelberg), welche
überhaupt kein bild von dem giebt, was Hartmann schrieb, und
noch weniger von dem aussehen eines höfischen lesewerkes eine
Vorstellung machen kann: beides bietet die Giessener hs. B, ein
meisterwerk, das dem original sachlich und zeitlich ganz nahe steht.
[Red.] Bötticher.
VII. Altertumskunde.
Geschichtslitteratlir. 1. Jahresberichte der geschichts Wissen-
schaft, im auftrage der historischen gesellschaft zu Berlin hrsg.
von J. Jastrow. XV. jahrg. [1892]. Berlin, R. Gaertner. XVII,
348, 298 u. 246 s. 30 m.
vgl. jsb. 1893, 7, 1. — in verhältnismässig kurzer zeit sind
von den Jahresberichten der geschichtswissenschaft fünfzehn Jahr-
gänge erschienen, und diese zeit hat vollauf genügt, um den wert
und die notwendigkeit des Unternehmens über allen zweifei klar
zu stellen, so wäre es denn überflüssig, zu dem lobe der Jahres-
berichte einige allgemeine bemerkungen auszusprechen; es kann
sich hier vielmehr nur darum handeln, an der hand derjenigen ab-
schnitte, welche mit unserm Jahresberichte den gleichen stoff be-
handeln , auf einige Unebenheiten hinzuweisen , die sich aller-
dings nur schwer werden vermeiden lassen, jeder band will die
erscheinungen eines bestimmten Jahres behandeln, der 15. band z. b.
die litteratur des Jahres 1892. dies lässt sich indessen nicht streng
durchführen; so z. b. haben in band 15 die abschnitte: '15. Jahr-
hundert', 'reformation und gegenreformation', 'Württemberg', 'Schle-
sien', 'Niederlande', 'England', 'Norwegen', 'Schweden', 'Russland',
'Böhmen', 'Verfassung', 'gesamtgeschichte' u. a. ganz wegfallen
müssen, und die litterarischen erscheinungen aus diesen gebieten,
welche 1892 erschienen sind, können nun erst in den Jahresbericht
für 1893 aufgenommen werden, löblich ist es, dass früher ganz
übersehene erscheinungen nachträglich verzeichnet werden; natür-
"VTI. Altertumskunde. 59
lieh können sie dann erst in einem späteren Jahrgang als in dem-
jenigen, in den sie eigentlich hineingehören, zur besprechung ge-
langen und werden später leicht an falscher stelle gesucht, das
recensionsverzeichni8 ist schon deshalb ein unvollständiges, weil
die besprochenen werke im allgemeinen nur in einem Jahrgang
aufnähme finden und daher später erschienene besprechungen
nicht mehr erwähnt werden können, an irrtümern und druckfehlern
mangelt es nicht gerade, so liest man s. II 6: A. Heiss, Essai sur
le M. A. des Sueves. R. NB 9, 146 — 184. es ist dies der in unserm
Jahresbericht 1892, 7, 61 erwähnte aufsatz sur le monnayage des
Sueves. aus monnayage ist moyen äge geworden, und dies ist zu
M. A. abgekürzt worden, für das obige R. NB findet man in dem
siglenverzeichnis Revista Noua (?), während der artikel in der
Revue numismatique gestanden hat. solche grössere versehen finden
sich übrigens nur sehr selten, die bisher gemachten ausstellungen
haben mehr den zweck, auf die Schwierigkeit des Unternehmens
hinzuweisen, als da zu tadeln, wo kleinere mängel ja ganz unver-
meidlich sind, wenn hier ein wünsch ausgesprochen werden dürfte,
so wäre es höchstens der, dass in zukunft der abschnitt über die
Urgeschichte des menschengeschlechtes nicht so gar überaus knapp
gefasst wird wie bisher; er verliert durch die übermässige kürze
an brauchbarkeit. der ganze abschnitt, welcher 91 Schriften be-
handelt, umfasst nur das fünffache des raumes, den Erler allein
auf die besprechung des wertlosen buches von v. Stamford über
die Varusschlacht verwendet! dort hätte mehr, hier weniger gegeben
werden sollen. alles in allem — die Jahresberichte sind trotz
kleiner mängel ein grossartiges, einem dringenden bedürfnis ab-
helfendes werk. — der 15. band wurde angez. Lit. cbl. 1894 (19)
667 f. ; von n., Österr. Litbl. 3 (22) 683 (das werk vervollkommnet
sich von jähr zu jähr extensiv wie intensiv); ferner Hist. zs. 72,
534 (das dankenswerte werk giebt nur zu kleinen ausstellungen
veranlassung), von den früheren Jahrgängen wurden besprochen
band 13 von Jos. Frank, Zs. f. d. realschul w. 18, 729 (ein muster
gelehrten bienenfieisses); der 13. u. 14. band von C. Rethwisch,
Mitt. a. d. hist. litt. 22, 257 — 262 (einzelne wünsche werden ge-
äussert); der 14. band von L. Bürschner, Berl. phil. wochenschr.
13 (48) 1520 f. (empfehlend).
2. H. Ermisch, Übersicht über neuerdings erschienene
Schriften und aufsätze zur sächsischen geschichte und altertums-
kunde. N. arch. f. säch. gesch. 14, 169 — 176; 349 — 356.
3. P. Albert, Badische geschichtslitteratur d. j. 1892 u. 1893.
Zs. f. d. gesch. d. Oberrh. n. f. 8, 546—564 und 9, 350—377. —
vgl. jsb. 1892, 7, 5.
ßO VII. Altertumskunde.
Arid*, Germanen. 4. R. v. Jhering, Vorgeschichte der Indo-
europäer. aus dem nachlass hrsg. Leipzig, Duncker & Humblot.
XHI, 486 s. 11,60 m.
nicht geliefert. — angez. von Th. Achelis, Bl. f. lit. unth.
1894 (36) 563 ff. (gründlich und umfassend angelegt; in einzelnen
abschnitten von einer mustergültigen Schönheit und hinreissenden
rhetorik).
5. W. Streitberg, Die Urheimat der Indogermanen. Frankf.
ztg. 1893 no. 67 ff. — vf. berichtet über die neueren forschungen.
6. L. Wilser, Der streit um die Urheimat der Arier. Tägl.
rundsch. 1893 no. 197, beilage. — Wilser nimmt Skandinavien als
die heimat der Indogermanen an.
7. Haag, Die heimat der Indogermanen. Südd. bl. 1 no. 2.
8. Wolff, Recherches sur les Aryas. Macon, Romand 1893.
192 s.
9. Ch. Picard, Semites et Aryens. Paris, P. Alcan 1893. 18°.
angez. von A. L., Rev. mens, de Paris 3, 263 f.
10. Gr. Nicolucci, Gli Aryi e le origini europee. Napoli
1891. 12 s. 4°.
11. A. Ludwig, Über die reihenfolge der stufenweisen ab-
zweigung der indoeuropäischen stamme vom urvolk. (tschechisch.)
Krok 7 (5) 193 ff., 6, 245 ff.
12. S. Reinach, L'origine des Aryens. — vgl. jsb. 1893, 3,
45. — angez. L'anthropologie 4, 379 und Idg. forsch. 3, 206 f.
13. J. Kollmann, Die menschenrassen Europas und die
frage nach der herkunft der Arier. Korrbl. d. d. ges. f. anthrop.
23, 102 — 106 (vortrag). dasselbe als: Les races humaines de
l'Europe et la question arienne. Congr. intern, d'arch. preh. 1891,
11 sess. Moskau 1, 249—262.
kurz angez. Idg. forsch. 3, 207.
14. H. d'Arbois de Jubainville, Les premiers habitants de
l'Europe d'apres les ecrivains de l'antiquite et les travaux des
linguistes. tome 2: Les Indoeuropeens. 2. ed. suite (Ligures,
Hellenes, Italiotes, Celtes). Paris, Thorin et fils. XXVI, 426 s.
12 fres. — vgl. jsb. 1892, 7, 15.
nach der anz. von Wi., Lit. cbl. 1894 (29) 1019 ff, welche
dem inhaltreichen und anregenden buche allerdings in wesentlichen
punkten nicht beistimmt, sucht der vf. in der ersten hälfte zu er-
weisen, dass das alte, der masse nach bedeutendste Substrat der
bevölkerung von Frankreich die indogermanischen Ligyer gewesen
VII. Altertumskunde. 61
seien; in der zweiten hälfte, dass es im 5. und 4. jahrh. v. Chr. von
Spanien bis an die grenzen von Pannonien ein zusammenhängendes
Keltenreich gegeben habe, in welchem die Germanen lange zeit die
hörigen der Kelten gewesen seien. — als sehr wichtig trotz
mancher unsicheren Vermutung anerkannt von L. D., Rev. de phil.
18, 17G ff. — die anz. von W. Deecke, Berl. phil. wochenschr.
14 (34) 1075 ff. stimmt nicht in allen punkten zu. — auch die
rec. von S. Reinach, Rev. crit. 28 (19) 361 — 373 bestreitet in
wesentlichen punkten die aufstellungen d'Arbois', z. b. den ligu-
rischen Ursprung der pfahlbauten und die Jahrhunderte lange
herrschaft der Kelten über die Germanen.
15. E. Krause, Die nordische herkunft der Trojasage. —
vgl. abt. 10, 66.
16. K. Penka, Die heimat der Germanen.
vgl. jsb. 1893, 7, 11. — als völlig unwissenschaftliche dilettanten-
arbeit abgelehnt von Rieh. Bethge, Litztg. 1893 (42) 1324—1328.
Vorgeschichtliches. Altertümer, (wegen der zahlreichen in Deutsch-
land erscheinenden fundberichte, namentlich der unter 17, 18 und
19 genannten, ist im nachstehenden von den in Deutschland selbst
gemachten funden nur eine kleinere auswahl gegeben.)
17. Anzeiger des germanischen nationalmuseums — enthält
regelmässige fundberichte.
18. Nachrichten über deutsche altertumsfunde. 5. Jahrg.
1894. — vgl. jsb. 1892, 7, 28. ■ — ■ die einzelnen Jahrgänge ent-
halten auch bibliographische Übersichten über die deutschen alter-
tumsfunde von F. Moewes.
1 9. Westdeutsche Zeitschrift für geschichte und kunst. 13. Jahrg.
1894. — enthält fundberichte in jeder nummer des korrespondenz-
blattes und ausführliche bibliographische Übersichten.
20. Ge. Hager und J. A. Mayer, Kataloge des bayerischen
nationalmuseums. 4. band: die vorgeschichtlichen, römischen und
merowingischen altertümer. — vgl. jsb. 1893, 7, 18. — kurz angez.
von J. Szombathy, Mitt. d. anthrop. ges. in "Wien 24, 50 f.
(eine wertvolle bereicherung der fachlitteratur).
21. K. Bissinger, Der bronzefund von Ackenbach. — vgl.
jsb. 1893, 7, 23. — angez. von H. Lehner, Korrbl. d. westd. zs.
12, 207 ff.
62 yn. Altertumskunde.
22. Fundberichte aus Schwaben, umfassend die vorgeschicht-
lichen, römischen und merowingischen altertümer, hrsg. vom
württemb. anthrop. ver. unt. d. leitung von Gr. Sixt. 1. Jahrg. 1893.
Stuttgart, (E. Schweizerhart.) 64 s. mit abb. u. 1 karte. 1,60 m.
23. R. Forrer, Burgundischer grabfund von Freibixrg. Anti-
qua 10, 55 f.
24. J. Naue, Die bronzezeit in Oberbayern, ergebnisse der
ausgrabungen und Untersuchungen von hügelgräbern der bronzezeit
zwischen Ammer- und Staffelsee und in der nähe des Starnberger-
sees. München, Piloty und Loehle. XV, 292 s. 4°. mit 163 abb.
im text und 1 karte und 49 taf. 27 m.
angez. von K. Th. Zingeler, Lit. rundsch. 1894 (5) 159 ff. (ein
handbuch für das Studium der bronzezeit von allgemeinstem werte).
25. J. Fink, Flachgräber der mittel-Lateneperiode bei Man-
ching (bez. Ingolstadt), mit beitr. von W. Schmid und G. Krüss
und mit 2 doppeltaf. Beitr. zur anthrop. Bayerns 11, 34 — 44.
die von J. Fink ausgegrabenen funde, welche von einheimischer
kultur zeugen, sind gegen die frühere wie gegen die spätere Latene-
zeit streng abgeschlossen.
26. Fr. Weber, Bericht über neue vorgeschichtliche funde
in Bayern, für das jähr 1890/1 zusammengestellt. Beitr. zur an-
throp. Bayerns 10, 133—140, 185—193. — dass. für 1892. ebd. 11,
90—99.
27. Kiessling, Germanische opfersteine in Niederösterreich.
— vgl. abt. 10, 26.
28. Fr. Heger, Ausgrabungen und forschungen auf fund-
plätzen aus vorhistorischer und römischer zeit bei Amstetten in
Niederösterreich. 52 s. 4° und 62 abb. im text nebst einer
kartenskizze. aus d. Mitt. d. prähist. komm. d. kais. ak. d. wiss.,
Wien 1893.
auf die bedeutung der arbeit weist hin M. Much, Mitt. d.
anthrop. ges. in Wien 24, 94 f.
29. G. Calliano, Prähistorische funde in der Umgebung von
Baden. Wien, W. Braumüller in komm. V, 145 s. mit 158 ill.
3,40 m.
der vf. hat, wie aus dem buch hervorgeht, sich als lokal-
forscher unzweifelhafte Verdienste erworben, er hat viele aus-
grabungen veranstaltet und viele interessante funde gemacht, wenn
er sich nur nicht 'bemüssigt' (nach seinem eigenen ausdruck) ge-
sehen hätte, diese funde selbst zu beschreiben und zu besprechen,
anstatt diese arbeit einem der von ihm so gescholtenen bücher-
VII. Altertumskunde. 63
gelehrten zu überlassen, der wenigstens ein verständliches deutsch
geschrieben hätte! es muss nämlich gesagt werden, dass das buch
zum teil nahezu unleserlich ist. die dutzende von grammatischen
fehlem — namentlich falschen kasus — die seltsame, zum teil wohl
auf druckfehler zurückgehende Schreibung der (oft mit falschem
genus versehenen) fremdwörter, wie sympolisch, phrasen des mondes,
kabalistik der altehrwürdigkeit, erschweren das Verständnis nicht
so sehr wie der anakoluthische bau vieler Sätze und die merkwürdige
interpunktion. über die den Urmenschen betreffenden aufstellungen
mögen berufenere urteilen; für die geschichtlichen kenntnisse des
vf. mag als beispiel angeführt werden, dass er als das letzte volk
prähistorischer zeit in der von ihm untersuchten gegend die
'Kelten und Quaden' bezeichnet und an anderer stelle von den
'keltischen Tauriskern, Markomannen und Quaden' spricht. er
macht den 'zimmer-prähistorik' treibenden gelehrten übrigens zum
Vorwurf, dass sie nicht dieselbe beachtung wie der 'sagenhaft an-
gehauchten geheimnisvollen existenz der Quaden und Markomannen'
den namen der Rauacher, Wudizen und Arringer geschenkt haben,
welche bei der bäuerlichen bevölkerung der bergigen teile Meder-
österreichs als die ältesten bewohner des landes gelten.
30. H. Richly, Die bronzezeit in Böhmen. Wien, Holder
in komm. 213 s. 4° mit 55 lith. taf. und 1 karte. 40 m.
der vf. bezeichnet es als seine absieht, nach 'dem stände der gegen-
wärtigen forschung und auf grundlage gemachter funde eine mög-
lichst verlässliche und breite basis zu weiterer arbeit zu schaffen
und, wo es immer anging, aus dem vorliegenden material und dem
stände der dinge berechtigte folgerungen und Schlüsse zu ziehen.'
in diesen Schlüssen ist der vf. sehr vorsichtig gewesen , was das
zutrauen zu ihnen erhöht, nach ihm hat das volk der bronzezeit
in Böhmen lange zeit gelebt und unzweideutige spuren seiner an-
wesenheit in gestalt von gräbern, depot- und anderen funden
hinterlassen, grab- und depotfunde werden nun von Richly im
allgemeinen wie im einzelnen eingehend behandelt und durch
ausserordentlich schöne, alle wesentlichen erscheinungen umfassende
abbildungen erläutert, es bleibt zweifelhaft, ob das volk der
bronzezeit, dessen lebensverhältnisse im einzelnen dargelegt werden,
bereits als metallkundig eingewandert ist oder ob sich die bronze-
industrie im lande selbst entwickelt hat. die bronzezeit folgte
(vorbehaltlich einer kupferzeit) in einem grossen teile Böhmens,
der durch eine karte erläutert wird, unmittelbar der Steinzeit; im
südwestlichen Böhmen dagegen waren die menschen der bronzezeit
die Ureinwohner, die anwesenheit des Volkes der bronzezeit ist
vor das erste Jahrhundert unserer Zeitrechnung zu verlegen und
ß4 "VII. Altertumskunde.
hat mehrere Jahrhunderte gedauert. — lobende anz. von R. Vir-
chow, Zs. f. ethnol. 26, 99 f.
31. B. Jelinek, Bericht über verschiedene prähistorische
funde in Böhmen im jähre 1893. Mitt. d. anthrop. ges. in Wien
24, sitzungsber. (2) 26 ff.
32. B. Jelinek, Materialien zur Vorgeschichte und Volks-
kunde Böhmens. 2. teil mit 71 text-illustr. Mitt. d. anthrop. ges.
in Wien 24, 57—83.
33. 0. Mertins, Die hauptsächlichsten prähistorischen denk-
mäler Schlesiens.
vgl. jsb. 1893, 7, 21. — angez. von A. Wagner, Kwartalnik
historyczny 8, 467 f.
34. R. Dorr, Übersicht über die prähistorischen funde im
stadt- und landkreise Elbing. 1. u. 2. teil.
vf. beschränkt sich nicht auf die aufgäbe, welche er im titel
der schrift ausgedrückt hat, sondern verbreitet sich auch über die
frühere bevölkerung des mündungsgebietes der Weichsel, nach-
dem Grothen und Teutonen in Skandinavien nachbarn gewesen
waren, zogen sie südwärts, und während die Gothen sich um die
untere Weichsel herum niederliessen, wohnten die Teutonen östlich
von ihnen bis zur Bernsteininsel (Samland, welches durch zwei
mündungen des Pregel, in das frische und das kurische haff sich er-
giessend, zur insel wurde), an stelle der Teutonen finden sich
später die Wenden, noch später Aestier. vier kartenskizzen er-
läutern diese Völkerverschiebungen. — vgl. jsb. 1893, 7, 22. — der
1. teil wurde von R. Foss in den Mitt. a. d. hist. litt. 22, 11, der
zweite von dems. das. 23, 5 ff. angezeigt (tüchtig und fleissig).
35. B. Bucher, Bronzeschmuck aus der völkerwanderungs-
zeit. Zs. f. christl. kunst 4, 227—230.
es handelt sich in diesem aufsatz wie in dem nachstehenden
um altertümer gotischen Ursprungs.
36. P. Lad ewig, Über südrussische goldfunde und ver-
wandte der völkerwanderungszeit. Karlsruher altertums verein 1,
62—68.
37. de Baye, La bijouterie des G-oths en Russie. Mem. de
la soc. arch. d. France 51.
38. de Baye, Le cimetiere visigothique d'Herpes-Charente.
Angouleme, Chasseignac 1892. 12 s. fol. avec 26 planches
chromolith.
VII. Altertumskunde. 65
die westgotische herkunft der hier beschriebenen funde ist
nicht völlig sicher, angez. von R. Mowat, Rev. des quest. hist.
54, 685 f.
39. Les bagues du cimetiere d'Herpes. Rev. de Saintonge
11, 168—172.
40. Ph. Delamain, Sepultures barbares d'Herpes. Bull, de
la soc. hist. de la Charente 1892, 205 f.
41. van Bastelaer, Rapports sur les fouilles de la societe.
Doc. et rapports de la soc. arch. de Charleroi 17, 325 — 521.
42. A- Schiber, Die fränkischen und alemannischen Sied-
lungen in Gallien , besonders in Elsass und Lothringen, ein bei-
trag zur Urgeschichte des deutschen und des französischen Volks-
tums. Strassburg, Trübner. IX, 109 s. mit 2 karten. 4 m. —
nicht geliefert.
43. de Rochambeau, Un cimetiere franc-merovingien ä
La Combe. Vendöme, Huet 1892. 19 s. (sonderabdr. aus Bull,
de la soc. arch. Vendöm. 1891, 246—260.
44. Blanchard, Un cimetiere de l'epoque merovingienne ä
Machecoul. Bull, de la soc. arch. de Nantes 30, 108 — 119.
45. Th. Eck, Le cimetiere merovingien de Templeux-La-
Fosse. Bull, du com. des trav. hist., sect. archeol. 1891, 124 — 134.
46. Th. Eck, Fouilles du cimetiere merovingien du Chene
d' Huy a Vaudancourt, Oise. ebd. no. 3.
47. Th. Eck et A. Rabelle, Le cimetiere franc de Lucy-
Ribemont (Aisne). Mem. de la soc. ac. de St. Quentin 10, 278 — 293.
48. Th. Eck, Le cimetiere merovingien de Moislains (Somme)
et ses plaques aux aigles repercees ä jour; decouvertes d'objets
antiques ä Etreaupont (Aisne). Paris, Leroux 1893. 11 s.
49. Dutilleux, Note sur un cimetiere franc ä Andresy,
Seine et Oise. Bull, du com. des travaux histor., sect. archeol. no. 3.
50. Sepultures merovingiennes ä Biron. Rev. de Saintonges
11, 357 ff. — Bagues merovingiennes ä Biron. ebd.
51. de Kersers et de Marguerye, Sepultures merovin-
giennes. Mem. de la soc. ant. du Centre 18, 51 — 67.
52. M. Mentienne, L'ancien pays du Parisis. Un cimetiere
gallo-romain et merovingien ä Bry-sur-Marne. Paris, Dupont 1892.
49 s. et planches.
Jahresbericht für germanische Philologie. XVI. (1894.) 5
66 VIT. Altertumskunde.
53. Bellou, Cimetiere franco-merovingien de Camy-sur The-
rain. Mein, de la soc. ac. de l'Oise 15, 561 — 5G7.
54. P. Ducourtieux, Cimetiere gallo-romain, merovingien
et carolingien de la Courtine ä Lirnoges. Bull, de la soc. hist. de
Limousin 11, 769 — 792. auch besonders ersch. : Limousin,
P. Ducourtieux. 32 s.
angez. Berl. phil. wochensch. 14 (9) 277 f.
55. A. Debehault, Etüde sur les sepultures franques de
l'arrondissement de Mons. Ann. du cercle arch. de Mons 23.
56. W. Pleyte, Schedelvereering in Friedland, (met een
plaatje.) Priesche volksalmanak 1888, s. 1 — 10.
57. W. K. J. Schoor, Drinkwaterputten in de terpen.
Priesche volksalmanak 1888. mit abbildung.
58. W. K. J. Schoor, De praehistorische honden der terpen.
De vrije Pries XVII. (derde reeks vijfde deel. 1890.) s. 113—142.
59. Schuchhardt, Ausgrabungen auf alten befestigungen
Niedersachsens. Zs. d. hist. ver. f. Niedersachsen 1892, 343 — 349.
vf. schreibt ein altes lager auf dem Tönsberg bei Örlinghausen
den Sachsen zu. vgl. dess. vfs.: Römische befestigungen in Nieder-
deutschland. Korrbl. d. westd. zs. 11, 104 — 112; und Aus-
grabungen auf der Wittekindsburg bei Bulle 1892, Mitt. d. hist.
ver. f. Osnabrück 17, 378—387.
60. J. Wilbrand, Die altgermanischen befestigungen auf
der Grotenburg einst und jetzt. 2. abdr. Bielefeld, Velhagen.
22 s. 16°. 0,50 m.
da die früheren befestigungen auf der Grotenburg nach ihrer
Untersuchung durch Clostermeier ('Wo Hermann den Varus schlug'
1822) und — unter Clostermeiers führung — durch den fran-
zösischen general Sokolnicki (1812) nicht mehr beachtet und
grossenteils zerstört worden sind, so weist das vorgedruckte litte-
raturverzeichnis eine lücke auf, die von 1812 — 1878 (Hölzermann,
Lokaluntersuchungen) reicht, grossenteils nach den drei genannten
forschern sucht Wilbrand zu erweisen, dass die Grotenburg ein
grosses, befestigtes lager gewesen sei; bei seinen eigenen forschungen
hat er sich leider an mehreren stellen durch verböte der forstver-
waltung von einer genaueren Untersuchung abhalten lassen, wo
es sich übrigens um folgerungen handelt, die den gegenwärtigen
namen , Tötemeier' mit der früheren Teutoburg in Verbindung
bringen, da sollte doch nicht am ende des 19. jahrh. das gesetz
der lautverschiebung immer wieder hartnäckig ignoriert werden.
Y T H. Altertumskunde. G7
61. 0. Härtung, Die deutschen altertümer des Nibelungen-
liedes und der Kudrun. Cöthen, 0. Schultze. VII, 551 s. 9 m.
nicht geliefert.
Stämiue. 62. R. Much, Deutsche Stammessitze.
vgl. jsb. 1893, 7, 28. — angez. von Gr. Kossinna, Idg. forsch.
4, anz. 46 — 49. (die wertvollste ergänzung und berichtigung zu
Müllenhoff bietend; 'man darf jetzt nicht mehr über germanische
Stammesgeschichte schreiben, bevor man sich nicht wie mit Zeuss
und Müllenhoff so mit Much aufs gründlichste auseinander-
gesetzt hat'.)
63. L. Erhardt, Der auszug der Kimbern bei Strabo II
102. Philologus 1893.
vf. setzt in der stelle: sl/MLei ös y,al %r(v x(öv Klußgcov vml
tlov ovyyevUüv i^avaaraaiv ex r^g oi'/Mag yEveo&ai "/.ata ^akäzTi^g
swodov ov7~ a'/Qcav övußäoav für das sinnlose ooy, a^qoav die
konjektur olefroiav und findet nun bei Strabo die bestätigung dafür,
dass eine ungewöhnlich schlimme Sturmflut die Kimbern aus Schleswig-
Holstein vertrieben habe.
64. E. Pais, Nuovi studi intorno all' invasione cimbrica.
Studi storic. 1, 141—192, 293—313.
65. V. de Vit, Della via tenuta dai Cimbri per calare in
Italia u. s. w. Torino, Clausen. 25 s.
gegen den vorstehenden aufsatz von Pais gerichtet. — angez.
von G. G-oyau, Rev. crit. 26, 2, 68.
66. A. Erdmann, Über die heimat und den namen der
Angeln. — vgl. jsb. 1892, 7, 59. — als eine der wichtigsten ab-
handlungen, die in den letzten jähren auf dem gebier der germa-
nischen altertums Wissenschaft erschienen sind, bezeichnet in der
referierenden anz. von P. Holthausen, Litbl. f. germ. phil. 15 (6)
184—188.
67. A. Erdmann, Om folknamnen Götar och GJ-oter. Aus:
Antiqvarisk tidskrift för Sverige, Del 11, no. 4. Stockholm,
J. Hseggström 1891. 34 s.
vgl. jsb. 1892, 7, 57. — als nachtrag zu der vorgenannten ab-
handlung (no. 66) kurz besprochen von E. Holthausen, Litbl. f.
germ. phil. 15 (8) 249 f.
68. A. M. Hansen, Om invandring i Skandinavien. — vgl.
jsb. 1892, 12, 212. — angez. von J. Mestorff, Arch. f. anthrop.
21, 469 f.
5*
(58 VII. Altertumskunde.
G9. R. Thiele, Die insel Island und ihre bedeutung für das
germanische altertum. sonderabdr. a. d. Jahrb. d. kgl. ak. gemeinn.
wiss. zu Erfurt, heft 20. Erfurt, Villaret. 39 s. 0,60 m.
nicht geliefert. — nach der kurzen anz. von K. Menge, Gym-
nasium 12 (10) 354 ein Vortrag, welcher fast alle punkte der islän-
dischen altertumskunde streift.
70. P. J. Blök, Geschiedenis van het nederlandsche volk.
I. deel. Groningen, Wolters 1892. II. deel. ebd. 1893. VI, 580 s.
mit 1 karte. 10,50 m.
vgl. jsb. 1893, 7, 50. — hier sind besonders die beiden ersten
bücher des ersten bandes zu erwähnen, welche die geschichte der
Niederlande vor und in der fränkischen zeit behandeln. — aner-
kennende anz. von H. Pirenne, Revue historique 51, 380 — 384
und von J. P. M., Hist. zs. 72, 501 — 505. — der 2. teil wurde
angez. Lit. cbl. 1894 (38) 1366 f., ferner von v. der Ropp,
Litztg. 1894 (27) 849 f., wo eine übersichtlichere anordnung des
vierten buches empfohlen wird.
71. K. Brandi, Stammesgrenzen zwischen Ems und Weser.
Mitt. d. hist. ver. f. Osnabrück 18, 1 — 14 mit 3 taf.
72. G. Camno, Sul confine alpino del regno ital. longobardo.
Arch. Trent. 10, 205—240.
73. A. Debehault et de Loe, Les Francs Saliens dans le
Brabant; leurs invasions, leurs etablissements et leurs sepultures.
Ann. de la soc. arch. de Bruxelles no. 1.
vgl. auch no. 23, 34—58, 94, 95, 97, 102, 103, 114, 129, 134,
135 und abt. 9 no. 40—43.
Deutsche geschichte. 74. K. Lamprecht, Deutsche geschichte.
Berlin, Gaertner. 4. bd. XV, 488 s. 5. bd., 1. hälfte. XIII, 558 s.
h 6 m.
der titel des werkes würde statt 'Deutsche geschichte' viel-
leicht richtiger lauten 'Geschichte der inneren entwickelung des
deutschen volkes'. denn indem Lamprecht für seine aufgäbe, neben
den politischen Verhältnissen vor allem auch die entfaltung der
kulturzustände und des geistigen lebens zur darstellung zu bringen,
sich nur einen beschränkten räum gesetzt hat, kann er die äusseren
thatsachen, auf deren grund sich die innere entwickelung aufbaut, nicht
mit aller ausführlichkeit behandeln, sondern nur so weit anführen,
als es unumgänglich notwendig ist. die in dieser weise beschränkte
aufgäbe hat Lamprecht vorzüglich gelöst, die entwickelung der
rechtlichen sowie der davon nicht zu trennenden sozialen Verhält-
nisse weiss er klar darzustellen, und seine eingehende beschäftigung
VII. Altertumskunde. 69
mit der Wirtschaftsgeschichte kommt ihm hierfür zu gute, aber
auch die geistige entwickelung und der ausdruck, den sie in Wissen-
schaft und litteratur, in poesie und bildender kunst findet, sind in
den beiden bänden trefflich dargestellt; und der vf. ist der lösung
seiner aufgäbe, den inneren Zusammenhang zwischen der mate-
riellen und der geistigen kultur darzulegen, jedenfalls nahe ge-
kommen, dass bei einer solchen fülle von zu behandelnden Prob-
lemen der vf. nicht überall zu neuen ergebnissen gelangt ist und
dass er (von kleineren versehen in inhalt und form ganz abge-
sehen) nicht überall Zustimmung erwarten kann, ist selbstverständ-
lich, aber jedenfalls gebührt dem buche ein warmes lob, das auch
auf die sprachliche darstellung ausgedehnt werden kann, es ist
eine wertvolle ergänzung zu anderen geschichtswerken und giebt in
fesselnder form einen klaren überblick über die materielle und
geistige entwickelung unseres Volkes. — bd. 5 wurde angez.
Lit. cbl. 1894 (28) 987 f. (das überwiegen der volkswirtschaft-
lichen und sozialen momente ist nicht zu tadeln, am besten ist
das 15. buch gelungen); — ferner von H. Grimm, Litztg. 1894
(96) 811 — 815 (sehr wichtig für den kunsthistoriker; in allem
hauptsächlichen muss man L. recht geben). — die anz. von
J. P. Jörgensen, Centralorgan 21, 759 ff. sieht mit den Worten
des prospektes den hauptwert des buches darin, dass der vf. die
gegenseitige befruchtung materieller und geistiger entwickelungs-
mächte innerhalb der deutschen geschichte klarzulegen weiss.
75. Handbuch der deutschen geschichte. hrsg. von Br. Geb-
hardt. — vgl. jsb. 1893, 7, 61. — die anz. von Froboese,
N. jahrb. f. phil. 148 B, 519 — 524 wünscht in dem werke, welches
als unentbehrliches hülfsmittel für den geschichtsunterricht gerühmt
wird, u. a. gleichmässigere behandlung und geringere Zersplitterung
des Stoffes. — die anz. von Markhauser, Bl. f. bayr. gymnschw.
30, 426 — 39 nennt unter den mangeln des buches, welche in-
dessen hinter den Vorzügen zurücktreten, namentlich die scharfe
Parteinahme für den protestantismus. — grössere ausstellungen
werden erhoben Hist. jahrb. d. Görres-ges. 14, 912 ff.
76. Bibliothek deutscher geschichte, hrsg. von H. von Zwie-
dineck-Südenhorst. Stuttgart, J. G. Cotta nachf. in lief, zu
1 m. und in abteil. zu 4 m.
nicht geliefert. — vgl. jsb. 1893, 7, 56. — von den ferner er-
schienenen teilen sind zu erwähnen: 0. Guts che und W. Schultze,
Deutsche geschichte von der urzeit bis zu den Karolingern.
(1.— 8. lief.) 1. bd.: Die gemeingermanische urzeit und die germa-
nischen Mittelmeerstaaten. XIII, 480 s. 2. bd. s. 1 — 160. (in der
lobenden anz. des 1. bds. von A. Bald am us, Bl. f. litt, unterh.
70 VII. Altertumskunde.
1894 (13) 200 ff. werden einzelne wichtige punkte besonders hervor-
gehoben.) J. Jastrow, Deutsche geschichte im Zeitalter der
Hohenstaufen. 2. und 3. lief. s. 81 — 240. V. v. Kraus, Deutsche
geschichte im ausgange des mittelalters [1438 — 1519]. 4. lief,
(s. 241 — 320.) Mor. Ritter, Deutsche geschichte im Zeitalter der
gegenreformation und des dreissigjährigen krieges. 13. lief.
(s. 321 — 400.) (die anz. des 1. bds. von G. Peries, Rev. des
quest. hist. 53, 327 f. vermisst in dem buche 'das licht des wahren
glaubens'.) — G. Egelhaaf, Deutsche geschichte im Zeitalter der
reformation wurde angez. Lit. cbl. 1893 (41) 1463 (der vf. be-
herrscht die einschlägige litteratur; sein urteil ist massvoll, zu-
treffend und unparteiisch.
77. S. Widmann, Geschichte des deutschen volkes. Pader-
born, Schöningh. XII, 908 s. mit 1 bildnis. 8 m.
nicht geliefert. — vgl. jsb. 1893, 7, 60. — kurze anz. von
E. Huckert, Gymnasium 12 (3) 94 f.
78. G. Dittmar, Geschichte des deutschen Volkes, vollendet
von E. Stutzer. Heidelberg, Winter. — vgl. jsb. 1893, 7, 58. —
sorgfältige berücksichtigung der einzelforschungen rühmt die anz.
von Schmidt, Mitt. a. d. hist. litt. 19, 302 f.
Einzelne Zeitalter. 79. F. Kurze, Deutsche geschichte im
mittelalter bis 1500. Stuttgart, G. J. Göschen. 181 s. 12°.
0,80 m.
das werk bildet den 33. bd. der Sammlung Göschen und
ist nach den grundsätzen dieser Sammlung verfasst. auf sehr
knappem räum soll ein geschichtsbild geboten werden, welches,
dem heutigen Standpunkt der Wissenschaft entsprechend und die
neueren forschungen berücksichtigend, alle wichtigen geschicht-
lichen thatsachen zusammenfasst und deren pragmatischen Zu-
sammenhang nicht ausser acht lässt. diese aufgäbe ist dem vf.
im wesentlichen gelungen, unverständlich ist es indessen, welchen
nutzen in diesem werk die Zusammenstellung der geschichtsquellen
nach jedem abschnitt haben soll, man wird sich schwerlich irgend
einen leserkreis denken können, auf den sie berechnet ist. wer
sein wissen aus einem kompendium wie dem von Kurze schöpft,
der studiert die quellen nicht; wer sie nicht studiert, für den sind
die namen der mittelalterlichen chronisten toter gedächtniskram,
und wer sie studieren will , der bedarf einer einführung , welche
Kurze nicht geben kann, die 10 Seiten, welche durch weglassung
dieser völlig überflüssigen Zusammenstellungen gewonnen worden
wären, hätten sich vortrefflich verwenden lassen, um von so
VII. Altertumskunde. 71
manchem wichtigen gebiete, z. b. von der wirtschaftlichen ent-
wickelung, ein vollständigeres bild zu entwerfen als geschehen ist.
die kürze des ausdrucks ist wohl zum teil daran schuld, dass ein-
zelne thatsachen in dem buche gesicherter erscheinen, als sie es in Wirk-
lichkeit sind, manches über die Indogermanen gesagte, die erklärung
des namens 'Germanen', die Wanderung der Goten von der Weichsel-
mündung nach Skandinavien und noch vieles andere ist nicht völlig
sicher; manches giebt in der form zu missverständnissen veran-
lassung, so die angäbe, dass sämtliche weltliche fürsten lehens-
träger der geistlichen fürsten geworden seien, oder die behauptung,
dass nicht Heinrich IV., sondern Gregor VII. der besiegte von Canossa
gewesen sei. eine berichtigung verdienen auch die angaben, dass
der enkel Karls des kahlen Ludwig der einfältige gewesen , dass
auf herzog Arnulf von Baiern sein gleichnamiger söhn gefolgt sei
und dass die namen Guelfen und Ghibellinen aus der zeit des
gegensatzes zwischen Otto IV. und Friedrich II. stammen. — kurz
angez. von Stühlen, Centralorgan 22, 701.
80. R. Kleinpaul, Das mittelalter. — vgl. abt. 8, 4.
81. G. Richter, Annalen der deutschen geschichte im
mittelalter.
vgl. jsb. 1892, 7, 78. — die wissenschaftliche gründlichkeit
und das selbständige urteil lobt J. P. Jörgensen, Centralorgan
21, 697.
82. Dabimann und Waitz, Quellenkunde der deutschen
geschichte. quellen und bearbeitungen systematisch und chrono-
logisch verzeichnet. 6. aufl. bearb. von E. Steindorff. Göttingen,
Dietrich. XV, 730 s. 11 m. — nicht geliefert. — ■ vgl. jsb. 1884
no. 212. ■ — angez. von Schaefer, IST. Korrbl. 1 no. 12.
83. W. Wattenbach, Deutschlands geschichtsquellen im
mittelalter bis zur mitte des 13. jahrh. (in 2 bdn.) 2. bd. G. aufl.
Berlin, Besser. IV, 543 s. 9 m. — nicht geliefert. — vgl. jsb.
1893, 7, G4.
84. E. Blume, Quellensätze zur geschichte unseres volkes. —
vgl. jsb. 1891, 7, 53. — lobende anz. des 3. bds. von J. Pistor,
Mitt. a. d. hist. litt. 20, 83. — das werk ist ein hülfsbuch mehr
für den lehrer als für den schüler nach J. P. Jörgensen, Central-
organ 22, 181 f.
85. Die geschichtschreiber der deutschen vorzeit. hrsg. von
W. Wattenbach. Leipzig, Dyk. zweite gesamtausgabe.
52. bd. Chronik von St. Peter zu Erfurt [1100—1215]. übers,
von G. Grandaur. neu eingeleitet von W. Wattenbach.
72 VII. Altertumskunde.
VII, 93 s. 1,20 m. — 53. bd. Die Jahrbücher von Hildesheim,
nach der ausg. der Monum. German. übers, von Ed. Winkel-
mann. 2. aufl. neu bearb. von W. Wattenbach. IX. 114 s.
1,60 m. — 54. bd. Der sächsische annalist. nach der ausg. der
Monum. Gennan. übers, von Ed. Winkelmann, neu bearb. von
W. Wattenbach. VIII, 204 s. 2,80 m. 55. bd. Herbords
leben des bischofs Otto von Bamberg, nach der ausg. der Monum.
German. übers, von H. Prutz. 2. aufl., neu bearb. von W. Watten-
bach. XVI, 200 s. 2,80 m. — 5G. bd. Helmolds Chronik der
Slaven. nach der ausg. der Monum. German. übers, von J. C. M. Lau-
rent, mit einem vorwort von J. M. Lappenberg. 2. aufl., neu
bearb. von W. Wattenbach. XIII, 271 s. 3,80 m. — von
früheren bdn. wurde der 50. (Das leben kaiser Heinrichs IV.)
kurz angez. von E. H., Theol. litbl. 14 (44) 516.
86. G. Kurth, Histoire poetique des Merovingiens. - - vgl.
jsb. 1893, 7, 65. — für das quellenstudium der merovingischen
zeit höchst wichtig nach L. Duchesne, Bull. crit. 14 (22) 425 f.
— gelobt wegen der grossen fülle in übersichtlicher form ge-
botenen materials von J. H. Jarnik, Österr. litbl. 3 (7) 206 f.
- von M. Sepet, Rev. des quest. hist. 53, 527 — 532 bezeichnet
als 'un livre de science pure, de haute litterature et de haute eru-
dition'. — referierende anz. von A. D., Hist. jahrb. d. Görres-ges.
14, 713 f. — ferner angez. von Lot, Moyen Age 6, 129 — 145;
von Monod, Rev. hist. 52, 325 — 329; von Ledos, Polybibl. 37,
436—439.
87. Monumenta Germaniae historica. Auctorum antiquissi-
morum tom. XII. Berlin, Weidmann. 28 m.
vgl. jsb. 1893, 20, 26. — inhalt: Cassiodori senatoris variae, resc.
Th. Mommsen. accedunt I. Epistulae Theodericianae variae ed.
Th. Mommsen. IL Acta synhodorum habitarum Romae annis
499, 501, 502, ed. Th. Mommsen. III. Cassiodori orationum re-
liquiae, ed. Ludw. Traube. CLXXXIV, 597 s. mit 2 lichtdr.-
taf. - - angez. von K. Schirren, Litztg. 1894 (37) 1165—1169.
88. Monumenta Germaniae historica. (neue quartausgabe.)
Diplomatum regum et imperatorum Germaniae tomi II pars 2.
Hannover, Hahn. XI und s. 385—995. 20 m.
89. Monumenta Germaniae selecta ab anno 768 usque ad
annum 1250. ed. M. Doeberl. 5. bändchen. München, J. Lin-
dauer. IV, 160 s. 3 m.
inhalt: zeit Heinrichs VI., Philipps von Schwaben, Ottos IV.
und Eriedrichs IL — vgl. jsb. 1892, 20, 22. — referierende anz.
von E. Hirsch, Mitt. a. d. hist. litt. 19, 303—306.
VII. Altertumskunde. 73
90. Scriptores rerum germanicarum in usuni scholarum ex
monumentis Germaniae historicis recusi. Lamperti, monachi Hers-
feldensis, opera. recogn. Osw. Holder-Egger. accedunt Annales
Weissenburgenses. LXVIII, 490 s. mit 1 taf. Hannover, Hahn.
Gm. — vgl. jsb. 1891, 20, G8. — die in derselben Sammlung 1891
erschienenen Annales Altahenses und Fuldenses (vgl. jsb. 1893, 20,
28 und 29) wurden angez. Mitt. a. d. hist. litt. 21, 13 ff. von
F. Hirsch.
91. R. Focke, Aus der germanischen Urgeschichte, ein Vor-
trag. Preuss. jahrb. 73, 518 — 539.
92. A. Deppe, Die altdeutsche gemeine und ihre namen.
Korrbl. d. d. ges. f. anthrop. 23, 25—28.
93. v. Peucker, Wanderung über die Schlachtfelder der
deutschen heere der urzeiten. fortges. und zum abschluss gebracht
von v. Wolff-Metternich. 2. aufl., 2 teile in einem bände.
Berlin, P. v. Decker 1893. XI, 245 und 194 s. 6 m.
nicht geliefert, abgelehnt von Ed. Wolff, IST. phil. rundsch.
1894 (20) 315—319.
94. A. Lecoy de la Marc he, La fondation de la France
du 4 e und 6 e siecle. Lille, Desclee 1893. 294 s. 4 frcs.
95. H. Martin, Charlemagne et l'empire carolingien. Paris,
Jouvet 1893. 256 s. 4°. 5,75 frcs.
angez. Polybibl. part. litt. ser. 2, t. 38, 496.
96. F. Kurze, Über die karolingischen reichsannalen von
741 — 829 und ihre Überarbeitung. I. die handschriftliche Über-
lieferung. N. arch. f. alt. d. geschichtsf. 19, 295 — 339.
97. Pitter, Karl der grosse und die Sachsen. 1. abt. Die
kriege mit den Sachsen. IV, 74 s. Dessau, R. Kahle. 1,50 m. —
nicht geliefert.
98. Joh. Sa ss, Deutsches leben zur zeit der sächsischen
kaiser. — vgl. jsb. 1893, 7, 66. — angez. von Wilh. Arndt, Bl.
f. litt, unterh. 1893 (42) 663 f. (eine scharfe umrisszeichnung,
welche eindruck macht und erkennen ermöglicht); von Pich. Müller,
Österr. litbl. 2 (20) 617 (eine saubere, fleissige und übersichtliche
Zusammenstellung; doch ist u. a. der litteraturgeschichtliche inhalt
zu kurz gekommen).
99. O. Holder-Egger, Studien zu Lambert von Hersfeld.
N. arch. f. alt. d. geschichtsforsch. 19, 141—213, 369—430 und
507—574.
74 "VII. Altertumskunde.
100. G. Meyer von Knonau, Jahrbücher des deutschen
reiches unter Heinrich IV. und Heinrich V. 2. bd. [1070 — 1077.]
hrsg. durch die histor. kommiss. bei der kön. bayr. ak. d. wissensch.
Leipzig, Duncker & Humblot. XXI, 911 s. 18,80 rn.
nicht geliefert. — vgl. jsb. 1891, 7, 51.
101. Ge. Juritsch, Geschichte der Babenberger und ihrer
länder [976—1246]. Innsbruck, Wagner. XXIV, 726 s. und 1 tab.
12,50 m.
102. Gr. Blum schein, Über die germanisierung der länder
zwischen Elbe und Oder, progr. (no. 494) der oberrealschule in
Köln. 16 s. 4°.
vf. geht auf die gründe der besiedelung der einzelnen länder
und auf die umstände, unter denen sie sich vollzog, näher ein.
103. Platner, Über die mittelalterlichen bevölkerungsver-
hältnisse im deutschen nordosten (jenseits der Saale und Elbe).
Korrbl. d. ges. f. anthrop. 24, 14 f., 23 ff., 27—31.
vf. sucht zu erweisen, dass zur zeit Heinrichs I. eine ge-
mischte slawisch-deutsche bevölkerung im Havellande wohnte, dass
somit in der völkerwanderungszeit Germanen in der heimat zurück-
geblieben waren.
104. J. Kempf, Geschichte des deutschen reiches während
des grossen Interregnums. — vgl. jsb. 1893, 7, 68. — r sorgfältig,
aber wenig neues bietend nach der anz. Lit. cbl. 1891 (12) 389 f.
105. K. Hampe, Geschichte Konradins von Hohenstaufen.
XI, 394 s. mit 1 kartenskizze. Innsbruck, Wagner. 6 m. — nicht
geliefert.
106. E. Werunsky, Geschichte kaiser Karls IV. und seiner
zeit. 2. bd. [1355—1368.] Innsbruck, Wagner 1893. 381 s. 8 m.
kurz angez. von H. J. W., Hist. jahrb. d. Görres-ges. 14, 183.
107. Eberhard Windeckes Denkwürdigkeiten zur geschichte
kaiser Sigmunds, zum erstenmale vollständig hrsg. von W. Alt-
mann. Berlin, Gärtner 1893. XLVIII, 591 s. 28 m.
nicht geliefert. — nach der anz. von W. Beckmann, Litztg.
1894 (25) 777—783 hat die Zugrundelegung der handschrift V 2 u. a.
auf die textgestaltung einen verderblichen einfluss ausgeübt; auch
lässt der kommentar die nötige Sorgfalt vermissen (vgl. die er-
widerung Altmanns) das. (27) 861 f. und die entgegnung Beck-
manns das. (28) 891 — 894. — die sehr anerkennende anz. von
W. A., Lit. cbl. 1894 (20) 710 f. vermisst eine beschr.eibung der
handschriften. — nur geringe ausstellungen erhebt die referierende
anz. von Arth. Wyss, Mitt. a. d. hist. litt. 22, 290 ff. — ferner
VII. Altertumskunde. 75
angez. von Wurm, Lit. rundsch. 1894 (8) 254 f. (die aufzählung
der Varianten hätte eingeschränkt werden können, die forschung
wird aus dem text wenig nutzen ziehen).
108. A. Bachmann, Deutsche reichsgeschichte im Zeitalter
Friedrichs III. und Max' I. mit besonderer berücksichtigung der
österreichischen staatengeschichte. 2. bd. Leipzig, Veit & comp.
XII, 768 s. 18 m. — nicht geliefert.
109. N. Baier, Zwei stralsundische Chroniken des 15. jahrh.,
von den altermännern des gewandhauses zu Stralsund. Stralsund,
Bremer. XVI, 47G s. 2 m.
110. H. Baumgarten, Geschichte Karls V. 3. bd. — ■ vgl.
jsb. 1893, 7, G9. — angez. von G. Egelhaaf, Hist. zs. 71, 95 — 99
(der vf. hat unsere kenntnis in wesentlichen punkten gefördert).
111. J. Janssen, Geschichte des deutschen volkes seit dem
ausgang des mittelalters. Freiburg i. Br., Herder. G. bd., 13 und
14. aufl., besorgt von L. Pastor. XXXVI, 546 s. 5 m.—
7. bd., ergänzt und hrsg. von L. Pastor. 1. — 12. aufl. XLVII,
660 s. 6 m. inhalt: kulturzustände des deutschen volkes seit dem
ausgang des mittelalters bis zum beginn des 30 jährigen krieges.
3. buch, schulen und Universitäten. Wissenschaft und bildung
bis zum beginn des 30 jährigen krieges.
vgl. abt. 8, 7 und jsb. 1893, 7, 71. wie in der dort verzeich-
neten neuen aufl. des 5. bds., so hat Pastor auch bei dem neu-
druck des 6. bds. sich aller eingreifenden änderungen enthalten
und sich auf wenige, meist in die anmerkungen verwiesene und
besonders kenntlich gemachte zusätze beschränkt, von Janssen
selbst lagen für den 6. bd. noch zahlreiche handschriftliche notizen
vor, welche neben mündlichen äusserungen von dem neuen heraus-
geber verwendet werden konnten, schwieriger war Pastors läge,
als es sich um die herausgäbe des 7. bds. handelte, denn nur
ein teil des manuskriptes war druckreif; alles übrige musste genau
durchgesehen, die citate ergänzt, neue, zumeist schon von Janssen
bezeichnete materialien verwertet werden, ganz neu musste Pastor
die kapitel abfassen, welche über die naturwissenschaften, die Über-
tragungen der heiligen schrift in die deutsche spräche bei katho-
liken und Protestanten, die allgemeine sittlich-religiöse Verwilderung,
die zunähme der verbrechen und die kriminaljustiz handeln, doch
sind auch diese kapitel im sinne und in der art Janssens gehalten,
und der herausgeber scheint wohl geeignet , nach den an-
schauungen und der methode seines meisters die deutsche ge-
schichte , wie es seine absieht ist, bis zum jähre 1806 weiterzu-
führen, die allmähliche fertigstellung dieser aufgäbe ist um so
wünschenswerter, als in dieser fortsetzung nicht nur eine zeit des
76 "VII. Altertumskunde.
Verfalles, sondern auch das neue emporblühen der deutschen kultur
darzustellen sein wird, die bisherigen bände bemühen sich, durch
eine erdrückende fülle von thatsachen zu erweisen, dass fast in
allen beziehungen eine Verschlechterung der zustände in Deutsch-
land eingetreten sei, wobei teils mit ausdrücklichen worten der re-
formation die schuld an dieser Verschlechterung zugeschrieben
wird, teils der gesamtton des buches bewirkt, dass auch ohne aus-
drückliche hervorhebung die kirchenspaltung dem leser als die Ur-
sache allen verderbnisses erscheint, eine solche Verschlimmerung
aller Verhältnisse wird sich für die nächsten jahrh. nicht mehr be-
haupten lassen, wenn sich auch erwarten lässt, dass der vf. von so
mancher uns erfreulichen erscheinung die Schattenseiten zeigen
wird, die Verschlechterung der zustände im 16. jahrh. nachzuweisen
ist dem vf. gelungen, so lange nicht durch erneute gründliche
Untersuchungen die Unrichtigkeit seiner angaben festgestellt wird,
muss als erwiesen gelten, dass seit der reformation ein verfall der
alten schulen eintrat, das Volksschulwesen nicht den aufschwung
nahm, den man bisher vorausgesetzt und der reformation zu gute
gerechnet hat, die neugegründeten lateinschulen in disziplin und
einrichtungen manches zu wünschen übrig Hessen, die Universitäten
zurückgingen, die hoffnungen der humanisten enttäuscht, die ge-
schichtlichen und philosophischen Studien ungünstig beeinflusst
wurden, auch das kann man dem vf. zugeben, dass die un-
zweifelhaft vorhandenen Verbesserungen in geringerem grade , als
man bisher angenommen hat , auf den protestantismus zurückzu-
führen sind, aber der mangel der methode Janssens, welcher sich
bemüht, 'möglichst viel beglaubigtes thatsächliche nach allen rich-
tungen hin zu sammeln, dem leser es überlassend, daraus schluss-
folgerungen zu ziehen und betrachtungen daran zu knüpfen', tritt
hier deutlich hervor, denn dass der glaubenstrennung nicht alle
schuld an dem allgemeinen verfall beizumessen ist, zeigen die vielen
stellen, in denen ähnliche missstände auch auf katholischer seite
festgestellt werden, und es drängt sich nun die frage auf: welches
war der grund der weitgehenden Verwilderung? in wie weit trug
zu einer solchen die religiöse Umwälzung bei, in wie weit aber be-
ruht sie auf tieferen Ursachen? die letzteren zu finden wird durch
eine einseitig konfessionelle tendenz sehr erschwert, so ist denn
mit Janssens werk das letzte wort noch nicht gesprochen, die ge-
schichtsforschung wird den von ihm dargebotenen stoff und die
berichtigung mancher legende mit dank hinnehmen , aber den
dingen tiefer auf den grund gehen müssen, als er es that. — angez.
von Fr. Paulsen, Litztg. 1894 (5) 142 — 147 (zwar bietet der
7. bd. viel lesenswertes; doch würde wertvoller als ein häufen zu-
sammengelesener daten aus der Wirtschaftsgeschichte das ergebnis
VIT. Altertumskunde. 77
einer Untersuchung dieser dinge sein), ungünstiger ist die anz.
Lit. cbl. 1894 (22) 781 ff. (J. hat sich den wichtigsten aufgaben
des historikers gegenüber unfähig erwiesen; seine methode be-
zeichnet einen grossen rückschritt.) referierende anz. von M. Schmitz,
Mitt. a. d. hist. litt. 22, 302 — 305. ferner besprochen von G. E. Haas,
Lit. rundsch. 1894 (3) 91 ff. (der herausgeber trifft den ton des
vfs. wie kein anderer) und, gleichfalls in günstigem sinne, von D.,
Österr. Litbl. 3 (12) 362 ff. — der 5. bd., 13. und 14. aufl., wurde
kurz angez. Hist. jahrb. 14, 439.
vgl. auch no. 63—69, 76, 127, 162—169 und abt. 9 no. 46.
59 und 77.
Einzelne laudscliaften. 112. Forschungen zur deutschen landes-
und Volkskunde, hrsg. von A. Kirchhoff. — vgl. jsb. 1893, 7, 74.
das 2. heft des 6. bds. (C. Käsemacher, Die volksdichte der
thüringischen triasmulde; vgl. jsb. 1892, 7, 91) wurde angez. Zs.
f. realschulw. 18, 222.
113. Illustrierte geschichte von Württemberg. 3. aufl. von
K. Oesterlen. 1. — 45. lief. Stuttgart, süddeutsches verlags-
institut. 2. — 45. lief, ä 0,25 m. — nicht geliefert. — vgl. jsb.
1893, 7, 79.
114. J. Hartmann, Die besiedelung Württembergs von der
urzeit bis zur gegenwart. Stuttgart, S. Gaudert 1893. 48 s. 1 m.
kurz angez. Hist. zs. 72, 545.
115. M. Schwann, Illustrierte geschichte von Bayern. 3. bd.
(a. u. d. t. Das neue Bayern, illustrierte geschichte des baye-
rischen landes und volks von der Wiedervereinigung Altbayerns
bis auf die neuzeit.) Stuttgart, süddeutsches Verlagsinstitut. VII,
932 s. 14,80 m. — nicht geliefert. — vgl. jsb. 1893, 7, 77.
116. F. L. Baumann, Geschichte des Allgäus. 29. — 30. heft.
Kempten, Kösel. s. 385 — 576. ä 1,20 m. — vgl. jsb. 1893, 7, 76.
117. F. Münscher, Geschichte von Hessen, für jung und alt
erzählt. Marburg, N. G Elwert. XI, 550 s. 6 m.
da die herausgeber nicht mitteilen, wann das werk Münschers
abgefasst worden bezw. wann der vf. gestorben ist, so ist nicht
leicht zu erkennen, ob einige veraltete angaben hätten vermieden
Averden können oder ob sie dem vf. nicht als fehler anzurechnen
sind, über das wesen der Stammesbildung hat z. b. die neuere
zeit manche aufklärungen gebracht, so dass die angäbe, die Chatten
hätten schon 'am westende des Himalaja' als stamm bestanden,
heute sich wohl kaum noch in einem neueren werke finden dürft e.
78 VII. Altertumskunde.
als 'kleine versehen und Unebenheiten' darf man es wohl ansehen,
wenn an einigen stellen der vf. auf hypothese beruhende angaben
macht, ohne deren hypothetischen charakter zu betonen, oder auch
wohl unrichtiges ausspricht, wie die aus einer sehr freien Über-
setzung entstandene sinnlose angäbe, die Chatten hätten nach
Tacitus weder weib noch kind gehabt, diese kleinen ausstellungen
sind aber ganz unwesentlich und ändern nichts an dem günstigen
gesamteindruck, den das buch macht, die genauen kenntnisse des
vfs. und die Unparteilichkeit seiner darstellung verdienen alle an-
erkennung; sein buch ist ein populäres werk, welches auch bei ge-
nauerer nachprüfung sich als brauchbar und zuverlässig erweisen
dürfte, das werk wird wegen der glücklichen auswahl des Stoffes
wie wegen der Objektivität der darstellung gelobt, dagegen die nach-
lässigkeit des druckes getadelt von 0. Bindewald, Centralorgan
22, 638—644.
118. H. Künzel, Grossherzogtum Hessen, lebensbilder aus
Vergangenheit und gegenwart. 2. neu bearb. aufl. von F. Soldan.
Giessen, E. Eoth 1893. XIII, 786 s. mit 1 bild. 8 m.
die 1. aufl. erschien 1856 u. d. t.: Geschichte von Hessen,
insbesondere des grossherzogtums Hessen und bei Rhein in chronik-
und geschichtsbildern, in einer liederchronik aus dem munde der
dichter, in mundarten, sagen und Volksliedern, in geographischen
bildern und geschichtlichen Übersichten. — auf den inhalt geht
näher ein die lobende anz. von 0. Bindewald, Centralorgan 21,
446—451.
119. Osnabrücker gesckichtsquellen. hrsg. vom historischen
verein zu Osnabrück. 2. bd. Osnabrück, Rackhorst in komm. — in-
halt: Die niederdeutsche bischofschronik bis 1553. (Beschrivinge
sampt den handelingen der hochwerdigen bischopen von Ossen-
brugge.) Übersetzung und fortsetzung der lateinischen chronik
Ertwin Ertmans durch Dietr. Lilie, hrsg. von E. Runge, mit
einer schrifttafel in photolith. LXIV, 381 s. 10 m.
diese Veröffentlichung steht mit der des urkundenbuches
(no. 120) im Zusammenhang; der plan zu dem weitausschauenden
werk ist im Vorwort zum 1. bd. der gesckichtsquellen veröffentlicht
worden.
120. F. Philippi, Osnabrücker urkundenbuch. im auftr. des
hist. ver. zu Osnabrück bearb. und hrsg. bd. I.: die Urkunden der
jähre 772—1200. mit einer geschichtlichen karte und einer schrift-
tafel in lichtdruck. Osnabrück, Rackhorst 1892. XXVI, 412 s.
10 m.
.VII. Altertumskunde. 79
bei der räumlichen Umgrenzung des zu behandelnden gebietes
ist auf die zu erwartenden ähnlichen Veröffentlichungen über die
sprengel von Münster, Paderborn und Minden sowie über das olden-
burgische Münsterland in der weise rücksicht genommen worden,
dass die dort zur publikation gelangenden Urkunden in das Osna-
brücker urkundenbuch nicht aufgenommen, dagegen die anderweitig
von der Veröffentlichung ausgeschlossenen, dem Osnabrücker sprengel
zugehörigen Urkunden berücksichtigt worden sind, doch sind alle
Urkunden und urkundlichen erwähnungen der bischöfe von Osna-
brück und ebenso diejenigen teile aus auswärtigen heberegistern,
in denen orte des sprengeis erwähnt werden, aufgenommen worden,
als zeitlicher ausgangspunkt gilt die erste geschichtliche erwähnung
des bistums. vollständig abgedruckt werden die Urkunden, in
denen die in den kreis der publikation gezogenen persönlichkeiten
handelnd auftreten; blosse erwähnungen derselben sind in regesten-
form gegeben, in einem exkurs wird die echtheit der königsur-
kunden behandelt und im Zusammenhang damit der Jahrhunderte
lange zehntenstreit dargestellt, es folgen kurze angaben über die
rechtlichen Verhältnisse des bischofs und des kapitels, der stände,
des lehenshofes , der stadt Osnabrück sowie über die bäuerlichen
Verhältnisse. — auf einzelheiten geht näher ein die lobende anz.
von W. Varges, Mitt. a. d. hist. litt. 22, 280—284 und Lit. cbl.
1893 (41) 1461.
121. C. L. Niemann, Das oldenburgische Münsterland in
seiner geschichtlichen entwickelung. — vgl. jsb. 1892, 7, 98. —
nach der anz. von P. J. Blök, Hist. zs. 70, 340 f. erweckt der
inhalt des weitschweifigen werkes wenig allgemeines interesse.
122. Gr. Sello, Beiträge zur geschichte des landes Würden.
— vgl. jsb. 1892, 18, 19. — die anz. von P. J. Blök, Hist. zs.
70, 341 f. bestreitet einzelnes aus dem inhalt und bezeichnet den
dritten, die rechtsquellen umfassenden teil des werkes als den
wichtigsten.
123. W. Raabe, Mecklenburgische Vaterlandskunde. 2. aufl.
1. — 18. lief. Wismar, Hinstorff. ä 1 m. — ■ nicht geliefert. —
angez. Rost. ztg. 1894 no. 214; Meckl. nachr. 1894 no. 105, Rost,
anz. 1894 no. 197.
124. Mecklenburgisches urkundenbuch. hrsg. von dem ver.
f. meckl. gesch. u. altertumskunde. 16. bd. [13G6 — 1370.] Schwerin,
Baerensprung 1893. 666 s. 4°. 16 m.
nicht geliefert. — wegen des zu grossen anschwellens des Stoffes
empfiehlt K. — L., Lit. cbl. 1894 (38) 1365 f. häufigere anwendung
der regestenform.
80 VII. Altertumskunde.
125. A. Rische, Geschichte der grafschaft Schwerin bis zum
jähre 1358. progr. (no. 654) des realgymn. zu Ludwigslust 1893.
I, G4 s.
der vf. giebt auf grund der quellenschriftsteiler und des
mecklenburgischen urkundenbuches eine darstellung zunächst der
politischen geschichte der grafschaft; in einem zweiten teil sollen
die inneren Verhältnisse behandelt werden.
126. Geschichtsquellen der provinz Sachsen und angrenzender
gebiete, hrsg. von der histor. komm, der prov. Sachsen. Halle,
0. Hendel. 27. bd. Urkundenbuch der stadt Magdeburg. [1403 —
1464.] bearb. von Gust. Hertel. VIII, 864 s. mit 5 siegeltaf.
15 m.
nicht geliefert. — vgl. jsb. 1893, 7, 81. — mehrere Ver-
besserungen wünscht W. Varges, Mitt. a. d. hist. litt. 22, 285 f.
127. W. Schultze, Geschichtsquellen der provinz Sachsen
im mittelalter und in der reformationszeit. — vgl. jsb. 1893, 7, 82.
— angez. Geschbl. f. stadt u. land Magdeb. 28, 432 f. und von
M. P(erlbach), Cbl. f. bibliotheksw. 1893, 490—493.
128. H. Ehrenberg, Urkunden und aktenstücke zur ge-
schichte der in der heutigen provinz Posen vereinigten ehemaligen
polnischen landesteile. Leipzig, Veit 1892. LLX, 700 s.
den fleiss und Sammeleifer des herausgebers lobt A. M., Hist.
jahrb. d. Görres-ges. 14, 438 f.
129. Fr. Hengstenberg, Geschichte des Deutschtums in
der provinz Posen vor ihrem ersten anfall an Preussen. für die
deutsche Jugend der provinz dargestellt, progr. (no. 172) des
königl. realgymn. in Rawitsch. 91 s. mit einem Stadtplan.
130. M. Morgenbesser, Geschichte von Schlesien. — vgl.
jsb. 1892, 7, 110. — angez. von A. Wagner, Kwartaln. histor.
7, 97 f.
131. Ed. Hawelka, Die deutsche besiedelung und die
namen des Braunauer ländchens in Böhmen. Globus 65 (4) 67 ff.
die besiedelung erfolgte am ende des 12. und zu anfang des
13. jahrh. von Glatz her. die namen weisen grossenteils auf ober-
deutsche, zum geringeren teil aber auch auf niederdeutsche grün-
der hin.
132. J. Heibig, Geschichte von Friedland. 6. — 8. lief.
Friedland, Weeber. ä 0,40 m.
nicht geliefert. — vgl. jsb. 1893, 7, 89.
VII. Altertumskunde. 81
133. B. Bretholz, Geschichte Mährens. 1. bd., 1. abt. [bis
906.] Brunn, Winiker in komm. 1893. XII, 120 s. 2 m.
nicht geliefert. — kurze lobende anz. von Hb. Lit. cbl. 1894
(5) 141.
134. Zimmermann und Werner, Urkundenbuch zur ge-
schichte der Deutschen in Siebenbürgen, bd. 1. [1191 — 1342.]
no. 1 — 582. Hermannstadt, Michaelis 1893. XXX, 620 s. u. 4 taf.
135. G. Strakosck-Gfrassmann, Geschichte der Deutschen
in Österreich-Ungarn. 1. bd. von den ältesten zeiten bis zum
jähre 955. Wien, Konegen 1895. V, 551 s.
mehr als 500 Seiten über einen verhältnismässig kurzen Zeit-
raum! und doch rechtfertigt sich der umfang der arbeit durch die
menge der Völker, welche nach einander auf dem weiten gebiete
Österreich-Ungarns aufgetreten sind, und durch die Jahrhunderte
langen kriege, welche auf diesem gebiete stattgefunden haben, dass
die ausführliche darstellung aller dieser kämpfe fast ermüdend
wirkt, ist nicht die schuld des vfs. es ist bei einem solchen gegen-
stände und einer so eingehenden darstellung in rücksicht auf den
hier zur Verfügung stehenden räum geradezu unmöglich, den einzel-
heiten des inhaltes gerecht zu werden, und die herausgreifung ein-
zelner punkte hat in diesem falle wenig zweck, jedenfalls ist der
fleiss des vfs., seine genaue und umfassende berücksichtigung der
quellenschriftsteller, deren fast immer sehr vorsichtige und ver-
ständige beurteilung und die sorgfältige beachtung der inschriften
ebenso wie der zahlreichen funde zu loben, der band umfasst die
ersten beiden bücher. aus dem ersten 'Die Germanen in den Donau-
ländern zur Römerzeit' interessiert uns hier ausser den Unter-
suchungen über die einzelnen deutschen stamme namentlich das
kapitel. welches die kultur der Germanen in den Donauländern zur
Römerzeit behandelt, und aus dem zweiten buche 'Die entstehung
des Deutschtums in den Ostalpenländern' besonders die aus-
führungen über die besiedelung und kultur in den Ostalpen-
ländern von 814 — 911. die sprachliche form ist abgesehen von
einigen Austriacismen und redewendungen wie s. IV 'Hessen mir
erkennen' fliessend und angenehm, für die fortlassung des litte-
raturverzeichnisses ist kein hinreichender grund angegeben; ein re-
gister, das anscheinend erst zum gesamtwerk gegeben werden soll,
wäre schon für den ersten band erwünscht.
136. Ottokars österreichische reimchronik, hrsg. von J. See-
müller. — vgl. jsb. 1893, 14, 51. — anerkennende anz. des
1. halbbds. von F. Ilwof, Mitt. a. d. hist. litt. 19, 306 f.
Jahresbericht für germanische Philologie. XVI. (1894.) 6
32 VIT. Altertumskunde.
137. A. Huber, Geschichte Österreichs. 4. bd XX, 555 s.
Gotha, F. A. Perthes 1892. 11 m.
vgl. jsb. 1893, 7, 90. — angez. von F. Ilwof, Mitt. a. d.
hist. litt. 20, 356 — 361. — umfassende beherrschung des quellen-
materials und durchaus zutreffende beurteilung rühmt J. Loserth,
Hist. zschr. 72, 327 ff.
138. K. von Hauser, Die alte geschichte Kärnthens. Klagen-
furt 1893. — vgl. jsb. 1893, 7, 91. — kurz angez. von J. Szom-
bathy, Mitt. d. anthr. ges. in Wien 24, 210; ferner besprochen
von F. Ilwof, Mitt. a. d. hist. litt. 22 (2) 138 ff. (durch gründ-
lichkeit sich auszeichnend.) kurze lobende anz. von A. M., Hist.
Jahrb. 15, 644.
139. J. Dierauer, Geschichte der schweizerischen eidge-
nossenschaft. — vgl. jsb. 1893, 7, 92. — lobende anz. des 1. bds.
von P. Foss, Mitt. a. d. hist. litt. 20, 250 f.
140. W. Oechsli, Quellenbuch zur Schweizergeschichte, neue
folge. — vgl. jsb. 1893, 7, 93. — angez. von E. Heyck, Litztg.
1894 (28) 880 f. (eine vortreffliche auswahl.)
141. P. C. Planta, Geschichte von Graubünden, in ihren
hauptzügen gemeinfasslich dargestellt. 2. aufl. Bern, K. J. Wyss.
VIII, 441 s. mit 1 färb, karte. 6 m. — nicht geliefert.
vgl. auch no. 70, 71, 101 und abt. 9 no. 44, 48 und 59.
142. Chroniken der schwäbischen städte. Augs-
burg III. (= Chroniken der deutschen städte. 22.) — vgl. jsb.
1893, 7, 95 und 8, 36. — referierende anz. von Hollaender,
Hist. zs. 72, 317 ff.
143. J. E. Priem, Geschichte von Nürnberg. 2. aufl.
5. — 18. lief. Nürnberg, Raw. ä 0,40 m. — nicht geliefert. —
vgl. jsb. 1893, 7, 96.
144. Chr. Meyer, Quellen zur geschichte der stadt Bayreuth,
vgl. abt. 8, 35.
145. Quellen zur geschichte der stadt Hof. hrsg. von
Chr. Meyer. Hof, R. Lion. XXX, 486 m. mit 3 taf. 11 m.
inhalt: einleitung. Enoch Widmanns chronik der stadt Hof.
Jak. Schlemmers geschichte der belagerung der stadt Hof im
jähre 1553. register. — die den beiden quellenschriften vorauf-
gehende einleitung beschäftigt sich mit der älteren geschichte der
stadt Hof und mit der person der beiden geschichtschreiber. zur
VII. Altertumskunde. &3
ergänzung dienen mehrere nrkunden, zwei alte plane und eine von
nürnbergischer seite stammende darstellung der belagerung von
1553. — vgl. abt. 8, 34 und 15, 132.
146. H. Boos, Quellen zur geschichte der stadt Worms. II.
vgl. jsb. 1893, 7, 94. — im ganzen anerkennende anz. von
Ge. Liebe, Mitt. a. d. hist. litt. 19, 308 f.
147. H. Averdunk, Geschichte der stadt Duisburg bis zur
endgültigen Vereinigung mit dem hause Hohenzollern 1666. mit
einem alten Stadtplan. 1. abt. Duisburg, J. Ewich. 343 s. 5 m.
nicht geliefert.
148. K. Tücking, Geschichte der stadt Neuss.
vgl. jsb. 1893, 7, 98. — angez. von 0. R. Redlich, Mitt. a.
d. hist. litt. 21, 255 — 259 (der vf. hat es versäumt, seinen stoff zu
beleben und zu gestalten.) — der einleitende teil, der die römische
zeit behandelt, wird abgelehnt von C. Koenen, Jahrb. d. v. v.
altertumsfr. im Rheinland 92, 245 ff.
149. W. Richter, Studien und quellen zur Paderborner ge-
schichte. 1. teil. Paderborn, Junfermann. IV, 151 s. 2 m.
die im 1. teil vereinigten aufsätze gehören nicht in das gebiet
dieses Jahresberichtes.
150. F. Muhlert, Chronologischer abriss der geschichte
Göttingens. Göttingen, Peppmüller. 32 s. 0,60 m. — nicht geliefert.
151. G. Bode, Urkundenbuch der stadt Goslar. — vgl. jsb.
1893, 7, 81. — angez. N. arch. f. alt. d. geschichtsforsch. 19, 262,
nachr. no. 63; ferner von E. J(acobs), Zs. d. Harzv. f. gesch. 26,
448 ff. und von Weiland, Gott. gel. anz. 1894, 375.
152. K. Koppmann, Beiträge zur geschichte der stadt Rostock,
hrsg. im auftr. d. ver. f. Rostocks altertümer. 3. heft. Rostock,
Stiller in komm. III, 112 s. 2 m. — nicht geliefert. — vgl.
jsb. 1892, 7, 130.
153. W. von Bippen, Geschichte der stadt Bremen. — vgl.
jsb. 1893, 8, 27. — durch wissenschaftlichkeit des Inhalts und
durch klare, anziehende darstellung ausgezeichnet nach Carl Ko eh ne,
Mitt. a. d. hist. litt. 21, 314 — 317. — ferner angez. von E. Dünzel-
mann, Brem. jahrb. 16, 179; und von Kühtmann, Hans, ge-
schichtsbl. 20, 183—191.
154. R. Ehmk und W. von Bippen, Bremisches urkunden-
buch. 5. bd., 2. lief. Bremen, C. Ed. Müller. 192 s. 4°.
6*
84 "VII. Altertumskunde.
155. P. Hasse, Die anfange Lübecks. Vortrag. Lübeck, Lübcke
u. Hartmann 1893. 23 s. 0,50 m.
eine zur erinnerung an das 750jährige bestehen der stadt
Lübeck verfasste, kurze und populäre darstellung. — kurze anz.
von Girgensohn, Mitt. a. d. hist. litt. 22, 288 f.
156. Urkundenbuch der stadt Lübeck, hrsg. vom ver. f. lüb.
gesch. 9. Lübeck, Schmersahl. V u. VI, s. 321—384. VII u.
VIII, s. 485—638. IX u. X, s. 639—777. XI u. Xu, s. 801—
1028. 4°.
157. W. Leinung und R. Stumvoll, Aus Magdeburgs sage
und geschichte. — vgl. abt. 10, 68.
158. F. A. Wolter, Geschichte der stadt Magdeburg. 2. aufl.
Magdeburg, Faber 1890. X, 375 s. mit 15 taf., abbild. und
6 planen. 6 m.
nachdem die erste aufl. dieses werkes schon 1844 erschienen
ist, hat der vf. seine Jugendarbeit einer gründlichen Umarbeitung
vollzogen, die freilich, nachdem inzwischen die verschiedenen aufl.
des HofFmannschen werkes, die Untersuchungen von v. Mülver-
stedt, Droysen, Wittich, Opel und Dittmar erschienen sind, mehr
einem neubau als einem um- und ausbau ähnelt, des vfs. absieht
ist es , durch eine populäre darstellung das interesse an der ge-
schichte seiner Vaterstadt zu erwecken und zu beleben, und er hat
dabei weniger auf neue ergebnisse als auf sorgfältige berück-
sichtigung der neueren forschungen gesehen, der politischen ge-
schichte schliesst sich am ende jedes kapitels die darstellung der
inneren Verhältnisse an. die beigegebenen holzschnitte enthalten
05 abbild. des Stadtwappens in chronologischer entwickelung;
ferner sind fünf plane der stadt beigegeben.
159. Gr. F. Hertzberg, Geschichte der stadt Halle a. S. —
vgl. 1893, 8, 40. — lobende anz. des 2. bds. von A. Hor-
tzschansky, Mitt. a. d. hist. litt. 19, 352 ff. — im dritten ist der
vf. zu sehr der last des materials erlegen nach der anz. von v. der
Kopp, Litztg. 1894 (4) 115 f.
160. G. Trautenberger, Die chronik der landeshauptstadt
Brunn. 3. bd. s. 1 — 80. — vgl. jsb. 1893, 7, 109. — das vor-
liegende erste drittel des 3. bds., welches die zeit von 1519 — 1593
umfasst, enthält vieles für die reformationsgeschichte wichtige.
161. E. Guglia, Geschichte der stadt Wien. — vgl. jsb.
1892, 7, 133. — angez. Mitt. d. k. k. central-komm. z. erforsch,
d. denkm. 1892, 184 f.; Wiener ztg. 1892 no. 251.
vgl. auch no. 109, 119, 120 und abt. 9 no. 61—89.
VII. Altertumskunde. 85
Römer, (auswahl.) 162. Wieg and, Die schlacht zwischen
Caesar und Ariovist. Mitt. d. ges. f. erhalt, d. geschichtl. denkm.
im Elsass 16, 1 — 9.
163. 0. Kern m er, Arminius. — vgl. jsb. 1893, 7, 111. —
angez. von Ge. Wolff, Berl. phil. wochenschr. 13 (48) 1521 ff.
(feuilletonistisch, reich an allgemeinen Wendungen), ferner von A.,
Lit. cbl. 1893 (42) 1499 (die arbeit genügt in keiner weise den
anforderungen). — abgelehnt von P. v. R(ohden), Hist. zs. 73, 75.
164. W. Fischer, Armin und die Römer. — vgl. jsb. 1893,
7, 112. — abgelehnt von P. v. R(ohden), Hist. zs. 73, 75; über
das ziel hinausschiessend, wenn auch gewandt und begeistert ge-
schrieben, nach R. Opitz, Bl. f. lit. unth. 1894 (30) 471 f.; durch-
aus überzeugend nach Rob. Schneider, Centralorgan 22, 314.
165. Edm. Meyer, Untersuchungen über die schlacht im
Teutoburger walde. Berlin, Gaertner 1893. 232 s. 6 m.
vgl. jsb. 1893, 7, 114. die dort kurz angezeigte abhandlung
über das datum der schlacht im Teutoburger walde ist in dem vor-
liegenden buch s. 1 — 55 wiederholt und um die beiden ange-
kündigten Untersuchungen vermehrt worden, die erste derselben
'Zur kritik des Dio Cassius' (s. 56 — 195) sucht den bericht Dios
über die Teutoburger schlacht dadurch als den richtigeren zu er-
weisen, dass sie die namentlich von Hirschfeld, Abraham und
Asbach gegen seine glaubwürdigkeit erhobenen vorwürfe zu wider-
legen versucht, ist auch in dieser beziehung keineswegs das letzte
wort gesprochen und jedenfalls die frage, ob Plorus und Vellejus
oder Dio die bessere quelle sei, eine der allerschwierigsten, so muss
man dem vf. doch für die eingehende behandlung dieser frage und
für die übersichtliche Zusammenstellung der gegen Dios glaub-
würdigkeit erhobenen einwendungen dank wissen und ihm in den
wesentlichsten punkten recht geben, die 3. abhandlung: 'Die ört-
lichkeit der Teutoburger schlacht' (s. 196 — 230) wendet sich
namentlich gegen Mommsens Barenau-hypothese. diese wird ihren
autor ohnehin wohl nicht lange überleben und würde kaum zu
grösserem ansehen gekommen sein, wenn sie nicht durch einen be-
rühmten namen gedeckt würde; immerhin sind zur zeit die vor-
liegenden ausführungen Meyers noch keineswegs als überflüssig zu
bezeichnen, dass der verf. zu keinen bestimmten ergebnissen über
die örtlichkeit der schlacht kommt, spricht mehr für seine metho-
dische Sorgfalt, als wenn er die bereits vorhandenen ansichten
wieder um eine — diesmal aber ganz sichere — vermehrt hätte.
— die anz. von A. R., Lit. cbl. 1894 (1) 4 f. lobt die vorsieht
und besonnenheit des vf. und findet nur den letzten teil, nach
86 VIT. Altertumskunde.
welchem Varus beim hinmarsch die Strasse von der Lippequelle
nach Hameln benutzt und in nicht zu grosser entfernung von ihr
rechts oder links sein lager gehabt haben muss, unbefriedigend.
— den wesentlichsten ergebnissen vermag nicht zuzustimmen
Ad. Bauer, Zs. f. österr. gymn. 45, 639 — 643. — die anz. von
Dietrich, Mitt. a. d. hist. litt. 22, 273 ff. stimmt dem günstigen
urteil über Dio Cassius bei. — nach der anz. von P. v. R(ohden),
Hist. zs. 73, 74 f. besteht der wert des buches in der Wider-
legung vieler hypothesen.
166. Th. v. Stamford, Das Schlachtfeld im Teutoburger
walde. — vgl. jsb. 1893, 7, 113. — die anz. von P. v. Rohden
vermisst philologische kenntnisse in der fleissigen arbeit. — gegen
die besprechung jsb. 1893, 7, 113 wendet sich der vf. D. armee-
zeitung 6 no. 10; vgl. das. no. 20.
167. AI. Riese, Über die schlacht im Teutoburger walde.
Korrbl. d. westd. zs. 9, 142 ff.
168. Th. v. Stamford, Der rachekrieg des Germanicus
10 n. Chr. Quartalbl. d. ver. f. hess. gesch. 1890, 100—124.
169. F. Knoke, Die kriegszüge des Germanicus in Deutsch-
land, nachtrag. — vgl. jsb. 1890, 7, 113. — die gründlichkeit
und den fleiss des vfs. lobt L. Freytag, Centralorgan 22, 315.
170. G. Marina, Romania e Germania. — vgl. jsb. 1892,
7, 146. — abgelehnt von Fr. Kauffmann, Litbl. f. germ. phil.
15 (6) 179 f.
171. Ph. Fabia, Les sources de Tacite dans les histoires et les
annales. Paris, Colin et comp. 1893. XXII, 462 s.
vgl. jsb. 1893, 7, 125. — als brauchbar für den geschichts-
forscher bezeichnet von P. B., Rev. d. phil. 18, 198 f. — ferner
angez. Lit. cbl. 1894 (17) 600 f. (von nun an werden die deut-
schen forscher zu Fabias buch greifen müssen, das zum ersten-
male die quellenanalyse zusammenhängend und methodisch unter-
nimmt.) — v. Domaszewski, Litztg. 1894 (24) 747 f. erkennt
an, dass die Untersuchungen mit umsieht, fleiss und vollständiger
kenntnis der einschlägigen arbeiten geführt sind.
172. Tacitus, Agricola and Germama. With introduetion
and notes by H. M. Stephen so n. Cambridge, university press.
XX, 175 s. 3 sh.
173. Tacitus, Germania. With introduetion by R. F. Davis.
Methuen. 2 sh.
"VIII. Kulturgeschichte. 87
174. Tacitus, Agricola and Germania, ed. by Grosvenor
Hopkins. ■ — vgl. jsb. 1893, 7, 128. — nach der anz. von
F. G. Moore, Class. Rev. 8, 8, 367 sind hier die ausgaben von
Draeger und Schweizer-Sidler für amerikanische studienzwecke
hergerichtet worden.
175. Germania, ed. by H. Furneaux. — als eine wohlge-
lungene ausgäbe bezeichnet von E. Thomas, Rev. crit. 28, 2
(49) 409.
176. Germania, erklärt von K. Tücking. 8. aufl. Pader-
born, Schöningh. 0,60 m.
vgl. jsb. 1891, 7, 88. — auf mehrere einzelheiten geht ein die
anz. von Bender, N. korrbl. f. d. realsch. Württemb. 9, 417 f. —
die änderungen und besserungen gegenüber den vorigen aufl. hebt
hervor U. Zernial, Berl. phil. wochenschr. 1895 (2) 41 — 14.
177. R. Wünsch, De Taciti Germaniae codicibus Germa-
nicis. diss. Marburg, Sömmeriag 1893. 127 s.
der vf. sucht hauptsächlich die meinungen von Holder und
Bährens über den cod. Hummelianus und den cod. y, welcher an-
geblich der archetypus des Monacensis und Stuttgartiensis gewesen
sein soll, als irrig zu erweisen. — als eine mühevolle und peinlich
sorgfältige arbeit bezeichnet von J. Prammer, Litztg. 1894
(19) 585.
178. Herrn. Möller, Zu kap. 2S der Germania. Zs. f. d.
altert. 38, 22—27.
vgl. auch no. 52, 54, 59, 03. Böhm.
VIII. Kulturgeschichte.
AllgOllloiilCS. 1. Zeitschrift für kulturgeschichte, hrsg. von
G. Steinhausen, neue (4) folge der Zeitschrift für deutsche
kulturgeschichte. Berlin, Felber 1894.
vgl. jsb. 1893, 8, 2. — angez. Lit. cbl. 1893 (45) 1609. —
1. bd. 2. und 3. heft. (s. 145—272.) 1. F. v. Bezold, Über die
anfange der Selbstbiographie und ihre entwicklung im ma. — eine
gediegene, feinsinnig geschriebene studie. die entstehung dieser
litteraturgattung, die neben Augustin einen Petrarka, Rousseau,
Goethe aufweist, wäre zunächst in der Jugendzeit des Christentums
zu suchen, dabei kommt die frage in betracht: sind vor Augustin
keine spuren derselben nachweisbar und ist wirklich eine kluft von
1000 Jahren zwischen den bekenntnissen des lateinischen kirchen-
88 VIII. Kulturgeschichte.
vaters und denen des italienischen humanisten? zunächst werden
einige belege dafür gegeben, dass in der christlichen weit ein
hang zur selbstschilderung in erbaulicher absieht vorhanden war.
dann zeigt auch die litterarisch so tief stehende zeit des fünften
bis zehnten jahrh. die neigung der autoren, über die eigene person
niitteilungen zu machen : bei Sulpicius Severus , Gregor von
Tours u. a. das zehnte jahrh. bringt eine neue entwicklung; aber
auch die ergüsse des Ratherius sind keine eigentliche Selbst-
biographie, und Otloh ist visionenerzähler. der Franzose Gui-
bert von Nogent (j 1124) zeigt keime einer neuen Weltan-
schauung. Peter Abälards (f 1142) 'geschickte meines Unglücks'
zeigt, wie erlauchte geister über die mönchische einseitigkeit der
zeit hinauswuchsen, 'seit dem zwölften jahrh. nimmt die religiöse
Selbstbiographie in den kreisen der berühmten visionärinnen und
ihrer mitfühlenden Vertrauensmänner immer mehr einen ausge-
sprochenen weiblichen charakter an', eine geistliche erotik empfind-
samster art setzt ein. die bewegung, die zur genesung dieses
krankhaften geisteslebens führen sollte, tritt ein. Dantes vision
(divina commedia) ist das erste zeichen derselben. — 2. W. Lie be-
ll am, Aus dem Vereins wesen im römischen reiche. — im 3 artikel
behandelt G. Winter, Die begründung einer sozialstatistischen me-
thode in der deutschen geschichtschreibung durch Karl Lamprecht.
— 4. P. Bahlmann, Münsterische fastnachtsbelustigungen.
1. bd. 4. heft. — s. 273 — 351. 1. G. Liebe, Die anfange der
lombardischen Wechsler im deutschen mittelalter. — forscht zu-
nächst der herkunft des Wortes lombarden (lamparten, cauvercini,
caorsini) nach und giebt der von Hüllmann (städtewesen im
mittelalter, II, 44) vorgeschlagenen erklärung als campsores
(wechsler) den vorzug. commanditen italienischer banken seit
dem 12. jahrh. über ganz Westdeutschland verbreitet, zuerst 1227
in Trier. Wechsel- und leihgeschäfte auf pfänder bildeten das
hauptgewerbe ; rechtlich wurden sie den Juden ähnlich behandelt,
mit denen sie die eigenschaft als fremde und inhaber eines verhassten
gewerbes teilten. — 2. K. Adam, Das reisestammbuch des D. Albr.
Plato von 1607 — 1616. ein charakteristischer beitrag zur pere-
grinatio academica. — 3. G. Sello, Der löwenkampf graf Fried-
richs von Oldenburg in sage, kunst und dichtung. — um die mitte
des elften jahrh. geschehen, wird der kämpf zuerst in der älteren
chronik von Rastede erzählt, weitere Verbreitung fand die sage
aber erst durch des Superintendenten Hamelmann 1589 abge-
schlossene chronik von Oldenburg, auch in der kunst kommt sie
zur geltung. in der dichtung lebt sie weiter in einem 'Hede',
dessen abfassung Sello nicht vor 1514, resp. nicht vor dem bekannt-
werden der Schiphower'schen chronik annimmt. — 4. K. Bieder-
VIII. Kulturgeschichte. 89
mann, Zur förderung der kulturgeschichte durch laien. —
5. G. Liebe, Bahrrecht und fürbitte in deutschen städten des
mittelalters. das bahrrecht war dazu bestimmt, den schuldigen
zu überführen, die fürbitte dagegen, ihn der strafe zu entziehen, das
bahrrecht ist eine form des gottesurteils, das neben dem eide das
einzige beweismittel des alten deutschen kriminalverfahrens bildet,
eine fülle von material erläutert dies. — 6. H. Simons feld, Zur
geschichte des Fondaco dei Tedeschi in Venedig.
2. bd. 1. heft. s. 1—96. - 1. F. v. Krones, Karl von
Zierotin und sein tagebuch vom jähre 1591. — es ist kein tage-
buch, das sich in flüchtig hingeworfenen aufzeichnungen bewegt;
'wir begegnen längeren rückblicken auf vergangenes , episoden,
welche persönlichkeiten des engeren und weiteren Verkehrs Ziero-
tins auf der bildfläche erscheinen lassen und uns die entstehungs-
geschichte ihrer beziehungen zu unserem gewährsmanne und dessen
urteil über ihren wert eingehend darlegen'. — 2. K. Biedermann,
Die Faustsage nach ihrer kulturgeschichtlichen bedeutting. — der
internationale charakter der sage wird hervorgehoben und gezeigt,
wie dr. Johannes Faust der eigentliche träger und Vertreter dieser
sage ward, die 'Faustbücher' werden besprochen und der kultur-
geschichtliche wert der sage eingehend erörtert mit hervorhebung
ihrer eigentümlichen Stellung in der 'teufelslitteratur' überhaupt. —
3. G. Liebe, Zur geschichte der uniform in Deutschland,
der interessante kleine aufsatz aus bewährter feder, der eine fülle
höchst wertvollen materials verarbeitet, giebt namentlich interessante
bemerkungen zur geschichte der uniform im dreissigjährigen kriege.
— in no. 4 giebt 0. Bieder viel neues und lesenswertes über
'totenbretter im bayrischen wald mit berücksichtigung der toten-
bretter überhaupt'.
2. Anzeiger des germanischen nationalmuseums. Nürn-
berg, Germanisches museum 1893.
no. 6 (november und dezember). 1. chronik. (Stiftungen, neue
beitrage, kupferstichkabinett, bibliothek, museum, fundchronik.)
2. die 'mitteilungen' beschreiben zunächst ein schreibpult des
17. jahrh. im germanischen museum. nicht allein die gelehrten,
ärzte und beamte hatten die kleinen pulte, sondern auch in den
Schreibstuben der kaufleute waren sie heimisch, der vf. des
artikels, H. Bosch, erstand es für einige mark bei einem Ell-
wanger anticruitätenkändler für das germanische museum. — schloss
Bösenbrunn. (H. Bosch), in den reibereien des markgrafen Fried-
rich von Ansbach mit der reichsstadt Nürnberg wurden 1501
Nürnbergische streifreiter gefangen nach Neustadt a. d. Aisch ge-
führt, wofür die Nürnberger genugthuung forderten, schloss Bösen-
90 yni. Kulturgeschichte.
brunn, das dem Jobst von Lüchau gehörte, der die gefangennähme
bewirkt hatte, wurde belagert, was in den stadtchroniken darüber
gesagt wird, ist in folgendem mitgeteilt. — von dems. vf. folgen
noch 'Zur geschickte der technischen Verwendung des papiers' und
'Ein Rieter - Kobergersches alliancewappen (erstes drittel des
IG. jahrh.').
1894. no. 1 (januar und februar). 1. chronik (in der be-
kannten weise). 2. mitteilungen. ein pokal des Nürnberger gold-
schmiedes Elias Lenker, mit reichen notizen zur familiengeschickte
der Holzschuher (Veit H. war besitzer des pokals). beigegeben ist
eine abb. — aus dem briefwecksel eines jungen Nürnberger kauf-
manns im IG. jakrk. wenige besuchten die lateinsckulen, die
meisten die sckulen der später zünftig vereinigten sckreib- und
reckenmeister. unter diesen waren tücktige leute, die ikre scküler
weit über elementare kenntnisse hinausfükrteu. die sökne ange-
sehener Nürnberger waren durchschnittlich drei jähre in der lehre
und begaben sich dann auf reisen ins ausländ, der briefwechsel
des Paulus Bekaim (1519 — 1568), soknes des ratskerrn und der
Klara Imkoff, vom jähre 1540. 41 wird veröffentlicht. — zum ver-
kehrsieben des 15. jahrh., mit illustrationen, macht den schluss. —
no. 2 (märz und april). — 1. chronik. auf s. 30, am schluss,
die abb. eines frauengemaches (ca. 1530 — 1550), ein bemalter
deckel eines kästckens aus der Sammlung der kausgeräte des
museums. — 2. mitteilungen bringen: spruchsprecher , meister-
singer und hochzeitlad er, vornehmlich in Nürnberg von Th. Hampe.
— vgl. abt. 15, 114. — schluss des 'briefwechsels eines jungen
N. kaufmanns im IG. jakrk.' — katalog der holzstöcke. —
no. 3 (mai und juni). — 1. ckronik. 2. mitteilungen. —
2. weintafeln des 17. jahrh. (Bosch). — schluss zu 'spruch-
sprecher, meistersinger u. s. w.' — aus der galerie des germa-
nischen nationalmuseums (ein bild des Holländers Claes Moeyaert
vom jakre 1G24, dessen gesckichte beschrieben wird). — inhalt
eines balsambüchleins (Bosch). — ein rkeinisckes wandkästcken
des 16. jahrh. (Bosch). — katalog der kolzstöcke. —
no. 4 (juli und august). — 1. ckronik. — 2. mitteilungen. — ■
ein märkiscker familiensckmuck aus dem anfange des 17. jahrh.)
(Bosch). — 3. noch einmal Hans Sachs als kapitalist. — katalog
der holzstöcke. —
no. 5 (september und Oktober). — 1. chronik. — 2. fundstücke
aus dem VI — VIII. jakrh. vom reikengräberfelde bei Pfaklkeim. —
3. de conjuratione Judaeorum. berichtet von einem 1540 aufge-
tauchten projekt, das heilige land für die Juden zu erobern,
quelle: brief in der autographensammlung des germanischen
VIII. Kulturgeschichte. 91
maseums (V. philosophen, Winshemius). den beschluss macht
wieder der katalog der holzstöcke.
3. G. Grupp, System und geschieh te der kultur. — angez.
von Winther, Bl. f. lit. untern. 1893, 46.
4. R. Kleinpaul, Das mittelalter. bilder aus dem leben
und treiben aller stände in Europa, mit 268 Illustrationen, 13 voll-
bildert afein und farbendrucken. 1. bd. Leipzig, Heinrich Schmidt
und Carl Günther. IX, 412 s.
das in ausstattung, Illustrationen und textinhalt reichhaltige,
gediegene und erschöpfende werk behandelt zunächst mittelalter-
liche zustände im weitreiche Karls des grossen und geht auf
s. 26 zur Schilderung des täglichen lebens in den pfalzen, bürger-
häusern und bauerhütten über, küche und keller wird besprochen
auf s. 107 — 203, der 'jagd' wird eine sehr interessante, eingehende
betrachtung bis zu s. 273 gewidmet. der abschnitt über die
öffentlichen spiele gehört zu den schönsten des Werkes, indessen
ist auch das über handel und zünfte gesagte ebenso auf der höhe
der forschung wie auch für laien lehrreich und interessant.
5. G. Grupp, Kulturgeschichte des mittelalters. 1. bd. mit
28 abb. Stuttgart, Roth. VIII, 357 s. 6,20 m.
absprechend beurteilt in Lit. cbl. 1894 (11) 348. besonders
fehlt es am beherrschen des Stoffes; auch besitzen wir in den
werken von Henne am Rhyn, Löher u. a. kulturgeschichten, die
teilweise wesentlich besser sind. — günstig besprochen im Osterr.
litbl. 1894 (11) 329. - - P. Albert, Mitt. a. d. hist. lit. 22, 279
sieht 'bedeutung, berechtigung und wert des buches darin, dass es
eine christliche kulturgeschichte sein will'; ref. giebt aber vor er-
scheinen des 2. bds. kein abschliessendes urteil. — abschnitt 1
(kap. 1 — 6) nimmt das Christentum als grundlage aller modernen
kultur ins äuge, abschnitt 2 (kap. 7 — 16) bespricht die germanische
geistesweit und abschnitt 3 (kap. 17 — 25) die neugestaltung des
modernen staatenwesens mit dem zerfall des karolingerreiches.
'o'
6. 0. Gutsche und W. Schultze, Deutsche geschichte. — •
vgl. abt. 7, 76.
7. J. Janssen, Geschichte des deutschen Volkes seit dem
ausgang des mittelalters. VII. bd.: kulturzustände. — vgl. abt.
7, 111. 15, 170. wenn man auch des vfs. Standpunkt nicht teilt, so wird
man doch zugeben müssen, dass die fülle des materials und dessen
verständige gruppierung ein wirkliches bild der 'kulturzustände'
geben, wenn nicht gerade vorgefasste meinungen den vf. irre führen,
wie dies auch bei dem rec. im Österr. litbl. 1894 (12) 362 der fall
92 YIH. Kulturgeschichte.
ist. — in diesem letzten bände werden unterrichtswesen und ent-
wicklung der Wissenschaften auf breitester grundlage geschildert,
entgegen der ursprünglichen anläge des werkes: sämtliche schulen,
'philologie, Jurisprudenz, geschichtschreibung, mathematik und astro-
nomie, naturwissenschaften und medizin, philosophie und theologie
und endlich der äussere apparat des geistigen lebens der zeit, buch-
handel und buchdruckerei werden nach einander vorgeführt.'
8. A. Schultz, Deutsches leben im 14. und 15. jahrh. grosse
ausgäbe. — vgl. jsb. 1892, 8, 8; 10, 244; 1893, 8, 4 und G. —
lobende rec. Litbl. f. germ. u. rom. phil. 1893 (12) 423.
9. J. Bintz, Deutsche kulturbilder aus sieben Jahrhunderten.
2 bde. (1. bd. 12.— 13. jahrh. VII, 204 s. — 2. bd. 18. u. 19.
jahrh.) Hamburg, 0. Meissner. III, 186 s. 5 m. — nicht ge-
liefert.
10. Th. Schauffler, Quellenbüchlein zur kulturgeschichte des
deutschen mittelalters. —vgl. jsb. 1892, 8, 11; 1893, 8, 8. - ■ die
rec. in Österr. litbl. 1893 (24) 746 will dem werke die 'daseinsbe-
rechtigung nicht absprechen, jedoch dient es gelehrten zwecken nicht.'
11. A. Trinius, Alldeutschland in wort und bild. 1. bd.
mit titelbild und 79 Illustrationen. Berlin, Dümmler 1893. 431 s.
5,40 m.
in populärer art werden nicht nur die deutschen land Schäften
mit ihrer fauna und flora geschildert, sondern auch mancherlei
aus der kulturgeschichte wird beigefügt und das ganze an
Illustrationen erläutert, wenn auch ohne tieferen wissenschaftlichen
wert, kann das büchlein doch von schülern mit Verständnis und
nutzen gebraucht werden. — vgl. Lit. cbl. 1893 (41) 1464.
12. F. Gr. Schultheiss, Geschichte des deutschen national-
gefühls. eine historisch-psychologische darstellung. 1. bd. von
der urzeit bis zum Interregnum. München, Franz'scher verlag 1893.
VHI, 296 s. 6 m.
zerfällt in 5 abschnitte: Zersetzung des germanentums, kirche
und staat als zwangseinheit, Ursprung der deutschen Volkseinheit,
königtum und kaiserreich als hört des einheitsgefühls , die uni-
versalen ideen und das deutsche volk. — vgl. Lit. cbl. 1894 (6) 177.
G. Steinhausen, Lit. ztg. 1894 (9) 270—72.
A. Richter, Deutsche redensarten. — vgl. abt. 1, 13.
13. E. graf Wilczek, Historische genrebilder vom mittel-
meer. Wien Konegen. VII, 253 s. 4. m.
es wird in diesem buche manches berührt, was die deutsche
kulturgeschichte angeht, namentlich ist interessant, wie vf. das
bestreben Österreichs eingehender schildert, im 16. jahrh. im
YIII. Kulturgeschichte. 93
mittelraeer die Stellung einer einflussreichen Seemacht zu erringen,
die darstellung ist sehr anziehend. — vgl. Lit. cbl. 1894 (19) 669.
14. W. Stöwer, Das kulturhistorische im Meier Helmbrecht.
1891. — vgl. jsb. 1891, 14, 83. 1892, 14, 92. — Zingerle, Anz.
f. d. a. 19, 297: verhältnismässig am besten sei der dritte ab-
schnitt geraten; mängel und unvollkommenheiten zeigt namentlich
der erste.
15. K. Komorzynski, Beobachtungen über die fauna der
deutschen dichtung. progr. des staatsgymn. zu Troppau. Troppau,
Selbstverlag des Verfassers. 20 s.
die rolle der tiere als gesellschaft des menschen (z. b. Geno-
vefa und die hirschkuh, Rotkäppchen und der wolf), als seine
feinde und besonders in der 'mimicry' (p. 12) wird besprochen,
aber nicht erschöpfend behandelt, was geboten wird, ist gut; man
sieht aber nicht, wo die grenze gezogen ist, und wenn man das
bei so gewaltigem thema nicht thut, muss die Untersuchung bruch-
stück bleiben.
16. V. Hehn, Kulturpflanzen und haustiere in ihrem Über-
gang aus Asien nach Griechenland und Italien sowie in das übrige
Europa, histor.-linguistische skizzen. 6. aufl. hrsg. v. 0. Schrader.
mit botan. beitragen von A. Engler. Berlin, gebr. Bornträger
(Ed. Eggers) 1894. XXVI, 625 s. 12 m.
auf die grosse bedeutung des buches und die sehr erheblichen Ver-
besserungen der neuen ausgäbe . weist hin R. Bethge, 1894 (33)
1032—34.
Landschaft) 1 !]. A. Schiber, Die fränkischen und alemannischen
siedelungen in Gallien. — vgl. abt. 7, 42.
17. C. Mehlis, Studien zur ältesten geschichte der Rhein-
lande. 11. abteilung. hrsg. von der Pollichia, dem naturwissen-
schaftlichen verein der Pfalz. (der Drachenfels bei Dürk-
heim a. d. H. beitrag zur pfälzischen landeskunde. mit einem
topographischen plane des Drachenfels.j Leipzig, Duncker & Hum-
blot. 32 s. 1,60 m.
18. A. Gloy, Beiträge zur siedelungskunde Nordalbingiens.
— vgl. jsb. 1893, 7, 74. — wenig günstig rec. Lit, cbl. 1893
(40) 1423.
19. Th. Eckart, Geschichte südhannoverischer bürgen und
klöster. 4 hefte. 2. aufl. Leipzig, B. Franke. — 1. Hardenburg.
beschreibung und geschichte des alten bergschlosses. 62 s. Im. —
2. Burg Schwarzfels in geschichte und sage. 26 s. 0,50 m. —
94 VIII. Kulturgeschichte.
3. Hardegsen, Geschieht der stadt und bürg. 59 s. 1 m. — 4. Kloster
Marienstein. G6 s. Im. — in 1 bd. geh. 2,75 m.
20. K. Stieler, Kulturbilder aus Baiern. mit einem Vor-
wort von K. Th. Heigel. 2. aufl. IX, 272 s. 4,80 m., geb. 6 m.
nicht geliefert.
21. K. v. Reinhardstöttner, Forschungen zur kultur- und
litteraturgeschichte Bayerns. München, G. Franz. 6 m.
22. J. v. Zahn, Styriaca. gedrucktes und ungedrucktes zur
Steiermark, geschichte und kulturgeschichte. Graz, U. Moser.
VII, 277 s. 3,60 m.
vereinigt zehn aufsätze, unter denen no. 9 bisher ungedruckt
ist, aus der feder des ausgezeichneten kenners steirischer ge-
schichte. no. 1 'wann Steiermark entstand', zeigt, dass die Traun-
gauer definitiv im jähre 1122 die mark erworben haben, no. 2 'steier-
märkische taufnamen' ist kulturhistorisch interessant, no. G 'stände-
reihen' giebt auf grund des wappenbuches von Zacharias Bartsch
(1567) eine Übersicht über die adelsfamilien des landes in der
zweiten hälfte des 16. jahrh. — vgl. Lit. cbl. 1894 (31) 1095.
23. E. H. Meyer, Badische Volkskunde. Alemannia 22,
97 — 119. auch Sonderdruck. Bonn, Hanstein. 23 s. 0,50 m.
vgl. abt. 10, 150. — die arbeit will eine treue darstellung der
badischen altheimischen Volkskunde geben, was in sagen und liedern,
orts- und personennamen, dem hausbau, der Volkstracht, der nahrung
und den gewerbebräuchen bei dem kurz bemessenen umfang des
werkchens nicht erschöpfend behandelt werden kann, doch ist
das ganze ein schätzenswerter beitrag zur Volkskunde überhaupt,
wie Badens im besonderen.
P. C. v. Planta, Geschichte von Graubünden. — vgl. abt.
7, 141.
24. B. Haendcke, Die pannerträger der dreizehn alten orte
nach den holzschnitten Urs Grafs, hrsg. von der mittelschweizer.
geographisch-kommerziellen gesellschaft in Aarau. Aarau 1893.
12 s. text u. 16 lichtdrucktaf. 4°. 16 m.
das musee des arts decoratifs in Genf besitzt ein vollständiges
exemplar des seltenen werkes des Baseler holzschneiders und maiers.
es sind 16 tafeln erhalten, die der vf. chronologisch ordnet. —
vgl. Lit. cbl. 1894 (32) 1148.
25. Urkundenbuch der stadt und landschaft Zürich, siegelabb.,
bearb. von P. Schweizer und H. Zeller-Werdmüller, in licht-
druck hergestellt von J. B runner. 2. lief. Zürich, Fäsi & Beer
i°. [für die käufer der 1. lief, gratis].
VIII. Kulturgeschichte. 95
2G. W. Oechsli, Der kanton Zürich ura das jähr 1250.
progr. d. höheren töchterschule. Zürich, Schulthess. 27 s.
aus einer rec. herausgewachsen giebt die kleine aber ge-
diegene arbeit ein bild der allgemein politischen, kirchlichen und
sozialen zustände Zürichs um 1250.
27. S. Rietschel, Die civitas auf deutschem boden. —
vgl. abt. 9, 62.
28. A. Knieke, Die ein Wanderung in den westfälischen
Städten bis 1400. - ■ vgl. abt. 9, 77 und jsb. 1893, 7, 99. — die
arbeit legt besonderen wert darauf, genauer festzustellen, wie weit
die abhängigkeit der eingewanderten unfreien noch fortdauert, so
sind denn auch die erörterungen über erteilung des bürgerrechts an
unfreie sehr ausführlich, leider aber ohne hinreichenden statistischen
Untergrund, da für sehr viele westfälische städte das material fehlt.
29. J. Wedde und Th. Schwartz, Das alte Lübeck, bilder
aus der kultur und geschichte Lübecks bis zum anfang des
17. jahrh. 2. (titel-)ausg. Hamburg, H. Grüning (1888). VIII,
497 s. 4,50 m.
30. H. G-arrn, Notzeiten — grosse Zeiten, aus Hamburgs
alten tagen und jüngster zeit. Hamburg, agentur des rauhen hauses.
VII, 156 s. 1,20 m.
31. F. Philippi, Osnabrücker urkundenbuch. — vgl. abt,
7, 120.
32. C. Uhde, Braunschweigs baudenkmäler. mit kurzen er-
läuterungen zu den photographischen aufnahmen, hrsg. von freunden
der Photographie. 2. aufl. Braunschweig, Groeritz 1893. 15 s.
text, 39 bl. phot. 10 m.
die beschreibung der entwicklung der Stadt an der hand der
einzelnen , in amateurphot. wiedergegebenen denkmäler ist kunst-
verständig, die abb. selber sind sehr gelungen. ■ — ■ vgl. Lit. cbl.
1894 (14) 48 f.
33. E. Otto, Die bevölkerung der stadt Butzbach in der
Wetterau während des Mittelalters. Darmstadt, Bergsträsser 1893.
X, 103 s. 2 m.
die schrift untersucht für das Städtchen Butzbach, was Bücher
in seinem werke über Frankfurt a. M. gethan hat, sich an seine
methode anlehnend, das werk ist klar geschrieben und verdient
weitere beachtung. — vgl. Lit. cbl. 1894 (18) 629.
34. Enoch Widmans chronik der stadt Hof. nach der original-
herausgabe zum erstenmale hrsg. von Chr. Meyer. — vgl. abt.
7, 145. 15, 232. war bisher nur in einem auszuge (Scriptores rer.
96 "VIII. Kulturgeschichte.
Oferrn. III) bekannt, das erste heft geht bis 1566. — Lit. ebb
1894 (7) 204.
35. Quellen zur geschichte der stadt Bayreuth, hrsg. von
Chr. Meyer, mit einem plan der stadt Bayreuth vom jähre 1G21.
Bayreuth, Giessel in komm. 1893. III, XVI, 248 s. 5 m.
im jähre 1430 zerstörten die hussiten das archiv, 14G4 wurde
ein stadtbuch angelegt und in diesem alle freiheiten, gesetze, Ord-
nungen u. s. w. zusammengestellt, älter ist als quelle nur die
städteordnung markgraf Friedrichs I. (1434). in betracht kommt
ferner die chronik des kaiserlichen notars Hans Heller, der 1598 —
1626 stadtschreiber war. — vgl. Lit. cbl. 1894 (7) 204.
36. Gr. F. Hertzberg, Geschichte der stadt Halle. — vgl.
abt. 7, 159.
37. Gr. Stier, Denkwürdigkeiten Wittenbergs in geschicht-
licher an Ordnung. Vortrag. Dessau, R. Kahle. 32 s. 0,40 m.
38. Akten zur geschichte der Verfassung und Verwaltung der
stadt Köln, von W. Stein. - vgl. abt. 9, 74. - - den stoff, im
wesentlichen Statuten des rates von Köln zur Verwaltung der stadt,
hat vf. in drei teile gegliedert: 1. eidbücher, 2. gerichtsordnung,
3. Verwaltungsakten, der vorliegende band umfasst die beiden
ersten teile.
39. Binterim und Mooren, Die erzdiöcese Cöln bis zur
französischen Staatsumwälzung, neu bearb. von A. Mooren.
2. bd. die erzdiöcese Cöln nach der kirchentrennung. Düsseldorf,
Voss u. co. 1893. XVIII, 654 s. 20 m.
vgl. jsb. 1893, 8, 108. — nach der rec. im Lit. cbl. 1894 (7)
204 tritt der konfessionelle Standpunkt des vfs. bei behandlung der
reformationszeit unangenehm hervor, trotzdem büsst das werk
nichts von seinem werte ein: das material ist fleissig gesammelt
und geordnet, dieser zweite band gleicht noch mehr als der erste
einer ganz neuen arbeit. — vgl. Osterr. litbl. 1894 (21) 644.
40. Ph. Uhle, Festschrift zum 750jährigen Jubiläum der
stadt Chemnitz. Chemnitz, May in komm. 1893. XXI, 92 s.
3 taf. 4°. 3,50 m. [Mitt. d. ver. f. Chemnitzer geschichte, bd. 8].
das stattliche sammelheft enthält: 1. Ermisch, Die anfange
der stadt und die älteste Urkunde, in dieser bestätigt Konrad die
gründung und begabung des benediktinerklosters in Chemnitz und
die anlegung eines öffentlichen marktes an diesem orte, die Ur-
kunde ist erlassen in Zeitz zwischen dem 2. februar und 13. märz
1143. 2. Posse untersucht sie diplomatisch und tritt für ihre
YIII. Kulturgeschichte. 97
echtheit ein; sie ist interpoliert und von einem Schreiber der Naum-
burger bischöflichen kanzlei abgefasst. 3. Uhle schildert die ent-
wicklung der Stadt in den letzten Jahrzehnten. — vgl. Lit. cbl. 1893
(50) 1781.
42. E. Waldner, Allerlei aus dem alten Colmar. Colmar,
Jung u. co. 1,60 m.
43. E. A. Herrenschneider, Römercastell und grafenschloss
Horburg, mit Streiflichtern auf die römische und elsässische ge-
schichte. Colmar, Barth. 239 s.
44. A. Buff, Augsburg in der renaissancezeit. Bamberg,
Buchner. 140 s.
45. P. Joachimsohn, Zur städtischen und klösterlichen ge-
schichtschreibung Augsburgs im 15. jahrh. Alemannia 22 (1).
zu dem die städtische geschichtschreibung Augsburgs im 14. und
15. jahrh. abschliessenden 22. bde. der chroniken der deutschen
städte giebt vf. wertvolle bemerkungen , die er gelegentlich einer
arbeit über Sigismund Meisterlin gesammelt hat. — der dritte teil
der arbeit findet sich Alemannia 22, 123 und giebt eine fort-
setzung des obigen.
46. K. Schäfer, "Werkmeister der stadt und des münsters
zu Freiburg aus der renaissance. Alemannia 21, 291.
die liste der von C. Jäger (Freiburger diözesanarchiv 15,
307) 'in städtischen aufzeichnungen genannten und bis jetzt fest-
gestellten Werkmeister von Freiburg', welche von 1332 bis zum ende
des 17. jahrh. reicht, wird in der vorliegenden arbeit für einen be-
schränkten teil des gesamtumfangs einer gründlichen sichtung unter-
worfen auf grund archivalischen materials.
47. C. C. Keller, Zürcherische apotheken und apotheker.
(Festschrift zum 50jährigen Jubiläum des Schweiz, apotheker.-ver,
145—209). Zürich, Orell Füssli.
die geschichte des apothekenwesens wird von 1291 bis 1881
geführt und enthält eine fülle wertvoller auf familien- und sanitäts-
verhältnisse bezüglicher details.
49. Die rathäuser der stadt Wien seit 600 jähren, hrsg. von
der gemeinde Wien. Leipzig, literarische anstalt A. Schulze. 45 s.
mit 13 abb. 12°. 2 m.
50. A. v. Bulmerincq, Der Ursprung der stadtverfassung
Rigas. — vgl. abt. 9, 84.
FcMlilioil. 51. G. A. v. Mülverstedt, Ausgestorbener preussi-
scher adel. provinz Pommern, illustriert von A. M. Hildebrandt.
Jahresbericht für germanische Philologie. XVI. (1*94.) 7
98 VIII. Kulturgeschichte.
Nürnberg, Bauer u. Raspe. III, 222 s. mit farbigem titel und
73 taf. gr. 4. 30 m. [Siebmachers grosses und allgemeines
wappenbuch in einer neuen, vollständig geordneten und reich ver-
mehrten aufl. mit heraldischen und historisch-genealogischen er-
läuterungen. G. bd. 9. abt.]
52. Genealogisches handbuch bürgerlicher familien. hrsg.
unter leitung eines redaktions-comites des Vereins Herold. 3. bd.
Berlin, W. T. Bruer. VIII, 404 s. mit abb. und 13 zum teil färb,
wappentaf. 12°. 6 m.
53. 0. Doering, Des Augsburger patriciers Philipp Hain-
hofer beziehungen zum herzog Philipp IL von Pommern-Stettin,
korrespondenzen aus den jähren 1610 — 1619 im auszuge mitgeteilt
und kommentiert. Wien, Graeser. XX, 362 s. [Quellenschriften
für kunstgeschichte, kunsttechnik des mittelalters und der neuzeit.
n. f. 6. bd. hrsg. von A. II g].
briefe eines kunstagenten an einen kunstliebhaber. was für
die kunstgeschichte aus dieser dilettantenunterhaltung wertvolles
herauskommt, ist ganz unbedeutend, vgl. Lit. cbl. 1894 (19) 683.
54. R. Röhricht, Die Deutschen im heiligen lande, chrono-
logisches Verzeichnis derjenigen Deutschen, welche als Jerusalem-
pilger und kreuzfahrer sicher nachzuweisen und wahrscheinlich an-
zusehen sind. (ca. 650 — 1291.) Innsbruck, Wagner. IV, 168 s. 3 m.
55. H. Witte, Der letzte Puller von Hohenburg. — vgl. jsb.
1893, 8, 18.
die arbeit handelt über jenen verworfenen menschen, der die
Ursache zum zwiste zwischen Strassburg und Zürich wurde. Strass-
burg blieb dadurch dem reiche erhalten, die arbeit gründet sich
auf durchforschung reichen materials , sogar München ist benutzt
worden, ist aber im einzelnen nicht den anforderungen entsprechend,
welche die historische methode an eine solche stellt. — vgl. Mitt.
a. d. hist. lit. 22, 45.
56. F. X. Wöber, Die Miller von und zu Aichholz. eine
genealogische studie. 1. teil. Mülner von Zürich und ihr stürz
(1102—1386). Wien, Gerold u. co. in komm. 1893. 203, 574 s.
gr. 4. 28 m.
Lit. cbl. 1893 (43) 1535 angezeigt: die darstellung ist unbe-
friedigend, die resultate bedenklich, das verfahren unmethodisch,
das schlimmste ist aber die breite anläge des Werkes; alle familien,
die nur im entferntesten zu den Mülnern in beziehung stehen,
werden historisch behandelt. — rec. Neue Züricher ztg. 1894, 17;
Anz. f. Schweiz, gesch. 1894, 30: beide von H. Zell er. ferner
VIII. Kulturgeschichte. 99
Thoinmen in Gott. gel. anz. 1894, 458. beide weisen ausführ-
lich nach, dass nur durch ganz willkürliche kombinationen der Zu-
sammenhang der Mülner mit Stadelhofen, Küssnach und Wiedikon
hergestellt und dadurch ihr Stammbaum bis ins jähr 889 hinauf-
gerückt ist.
Bliell- lllld SChriftwesen. 57. L. Hain, Repertorium biblio-
graphicum. — vgl. jsb. 1891, 8, G6. 1892, 8, 85. — weitere rec.
finden sich Litztg. 13, 183. Theol. litbl. 13, 119.
58. Monumenta Gernianiae et Italiae typographica; deutsche
und italienische inkunabeln, hrsg. von der reichsdruckerei. text
von C. Burger, lief. 1. Leipzig, Harrassowitz. 25 taf, folio.
20 m. — angez. in Cbl. f. d. bibl.-wesen 9, 239.
59. C. Mirbt, Die publicistik im Zeitalter Gregors VII.
Leipzig, Hinrichs. XIX, 629 s. 16 m.
die gründliche, wissenschaftliche arbeit giebt wertvolle bei-
trage zur entwickelungsgeschichte des coelibates, der simonie und
der investiturfrage und für das kulturelle leben der damaligen kirche
überhaupt. — vgl. Lit. cbl. 1894 (21) 747.
60. K. Schorbach, Strassburgs an teil an der erfindung der
buchdruckerkunst. Zs. f. gesch. d. Oberrheins 1892, 577; 1893, 128.
61. F. Falk, Varia zur älteren druckgeschichte. Cbl. f. d.
bibl.-wesen 10, 346.
62. J. J. Amiet, Aus den ersten zeiten der buchdrucker-
kunst. Jahrb. f. Schweiz, gesch. 17, 1.
63. J. Oswald, Die erste buchdruckerei in Baiern. Bayer-
land 3, 99.
64. F. H. Meyer, Würzburger befreiungen für buchdrucker
1481 — -1548. Arch. f. gesch. des deutschen buchhandels 15, 1.
65. Stehlin, Regesten zur geschichte des buchdrucks
1501 — 20, aus Basler archiven. Arch. f. gesch. des deutschen
buchdrucks 14, 10.
66. Degeorge, L'imprimerie en Europe aux 15 e et 16 e
siecles: premieres productions typographiques. Paris, Huard et C ie .
1892. XII, 139 s. 3 frcs.
67. S. JWinter, Städtische büchersammlungen im 15. und
16. jahrh. Casopis Musea krälovstvi Ceskeho 66, 65.
68. P. Kristeller, Die büchermarken oder buchdrucker-
und verlegerzeichen, die italienischen buchdrucker- und verleger-
zeichen bis 1525. Strassburg i. E., Heitz. 4°. 40 m.
100 v ni. Kulturgeschichte.
69. R. Hochegger, Liber regum. nach dem in der königl.
Universitätsbibliothek zu Innsbruck befindlichen exemplare zum
erstenmale herausgegeben, mit einer hist.-krit. und bibliogr. ein-
leitung und erläuterung. mit 20 facsimile-taf. Leipzig, Harasso-
witz 1892. IV, 6 s. fol. 25 m.
die herausgäbe dieser facsimileausgabe steht mit des vfs.
Untersuchungen über die entstehung und bedeutung der block-
bücher in engem Zusammenhang [vgl. jsb. 1892, 8, 86]. er nimmt
an, dass es in Deutschland um die mitte des 15. jahrh. entstanden
ist. — vgl. Lit. cbl. 1893 (52) 1859.
Chronisten lind Urkunden. 70. Fr. Leist, Urkundenlehre, kate-
chismus der diplomatik, paläographie, Chronologie und sphragistik.
2. aufl. Leipzig, J. J. Weber. XII, 372 s. mit 6 taf. 12°. 4 m.
71. Verzeichnis der handschriften im preussischen Staate.
I. Hannover. 1—2. Göttingen. 1—2. Berlin, Bath 1893. IX, 587 s.
VIII, 539 s. 20 m. u. 18,50 m.
die preussische Unterrichtsverwaltung hat dieses werk ins
leben gerufen. — rec. in Lit. cbl. 1894 (17) 604 hat auszusetzen,
dass die gedruckte litteratur nicht erschöpfend verwertet ist, die
mittelalterlichen handschriften sind nicht immer genau genug be-
schrieben, dann folgen die ausstellungen im einzelnen; im ganzen
wird aber anerkennend geurteilt.
72. Mecklenburgisches urkundenbuch. hrsg. vom verein für
mecklenburgische geschichte und altertumskunde. 16 bd. 1366 — 1370.
Schwerin, Baerensprung'sche hof buchdruckerei 1893. (Leipzig, Köhler
in komm.) 666 s. 4°. 16 m.
seit dreissig jähren herausgegeben ist dies werk vielleicht das
grösste seiner art. der vorliegende band enthält 711 nummern
(9431 — 10 141) und umfasst den Zeitraum von nur 4 jähren, bis
zum jähre 1500 soll das werk fortgesetzt werden. — vgl. Lit. cbl.
1894 (38) 1365.
73. Urkundenbuch der stadt Hildesheim. hrsg. von R. Do eb-
ner. 5. teil: Hildesheimsche Stadtrechnungen. 1. bd. von 1379 — 1415.
Hildesheim, Gerstenberg 1893. XIII, 711 s. 18 m.
das werk wird von der preussischen regierung mit bedeutenden
geldmitteln unterstützt, die einleitung bringt eine Übersicht über
das bearbeitete material und die bei der ausgäbe beobachteten
grundsätze. ein schon im drucke befindlicher weiterer band soll
das rechnungs- und finanzwesen der stadt behandeln, das ganze
ist eine gewissenhafte, gründliche arbeit. — vgl. Lit. cbl. 1894
(17) 589.
VIII. Kulturgeschichte. 101
74. M. J. Neudegger, Geschichte der pfalz-bayerischen ar-
chive der Witteisbacher. IV (1) Heidelberg-Mannheim (1214 — 1803)
mit Düsseldorf. — vgl. jsb. 1891, 8, 389. — wenig anerkennend
bespr. Lit. cbl. 1894 (3C) 1284.
75. Gregoire de Tours, Histoire des Francs. Livres VII ä X.
Texte du manuscrit de Bruxelles. Publie par G. Co Hon. Paris,
Picard et fils 1893. VIII, 241 s. 4,40 m. [Collection de textes
pour servir ä l'etude et l'enseignement de l'histoire 16.]
die in der Brüsseler hs. 9403 fehlenden vier letzten bücher
sind nach den Monumenta Germaniae gegeben, nach der anzeige
im Lit. cbl. 1894 (11) 348 ist die ausgäbe zuverlässig gearbeitet.
76. W. Pocke, Theodor Pauli, ein geschichtschreiber des
15. jahrh., und sein Speculum historiale. — vgl. jsb. 1893, 8, 81. —
weitere besprechungen finden sich in Mitt. a. d. hist. lit. 21, 244;
Hist. jahrb. 14, 716.
77. J. Au er, M. Andreas Paselius Ambergensis, sein leben
und seine werke, eine studie. Leipzig, Breitkopf u. Härtel 1893.
VII, 48 s. 1,50 m.
aus der Oberpfalz gebürtig war Raselius 1584 — 1600 kantor
am evangelischen gymnasium zu Regensburg, in dieser zeit schuf
er als componist und theoretiker seine besten werke. — vgl. Lit.
cbl. 1894 (10) 326.
78. M. Mayr, Wolfgang Lazius als geschichtschreiber Öster-
reichs, ein beitrag zur historiographie des 16. jahrh. mit nach-
tragen zur biographie. Innsbruck, Wagner. IV, 91 s. 1,80 m.
die schrift beschäftigt sich hauptsächlich mit den nur in
fragmenten überlieferten decaden zur österreichischen geschichte.
wichtig ist die fünfte, weil er hier als augenzeuge die geschichte
seiner zeit darstellt. — vgl. Lit. cbl. 1894 (27) 950. — aner-
kennend bespr. im Österr. litbl. 1894 (14) 424.
Gewerbe lind ZOUft. 79. K. Höhn, Geschichtliche entwicklung
des gewerblichen lebens der stadt Schmölln. — vgl. jsb. 1893,
8, 86. — das werkchen ist zwar flüssig und sorgfältig gearbeitet;
doch fehlt dem vf. die historische methode und Sachkenntnis, um
eine allen ansprüchen gerecht werdende 'geschichtliche entwicklung'
des marktes Schmölln darzustellen, 'städtebiographien gewinnen
nur dann für die geschichtliche forschung wie für weitere kreise
ein erhöhtes interesse, wenn sie durch treffende, markante Schlüsse
und vergleiche aus den allgemeinen kultur- und gewerbegeschicht-
lichen Verhältnissen heraus entwickelt werden', sagt der rec. im
Lit. cbl. 1893 (41) 1461.
102 Vm. Kulturgeschichte.
80. F. A. Como, Zunft und ge werbe der Schneider im alten
Strassburg. 1. teil, progr. des bischöflichen gymn. an St. Stephan
in Strassburg 1893. 52 s. 4°.
I. das deutsche schneiderhandwerk bis zum Übergang in die
zunftverfassung. II. die entwicklung des Strassburger handwerker-
standes bis zur zunftrevolution im jähre 1332. III. die schneider-
zunft in politischer und rechtlicher beziehung. IV. ein blick auf
die trachten und moden Deutschlands bis zur französischen
revolution.
81. A. Doren, Untersuchungen zur geschichte der kaufmanns-
gilden des mittelalters. [Staats- und sozialwissenschaftliche for-
schungen, hrsg. von Gr. Schmoller, 12. bd., 2. heft].
vgl. jsb. 1893, 9, 65. — auch für die deutsche kulturgeschichte
wichtig, nach der anzeige im Lit. cbl. 1894 (2) 43 eine erweiterte
doktordissertation, welche die wissenschaftlichen quellen in keiner
weise ausnützt. — angez. von Eulenburg, Zs. f. sozial- und Wirt-
schaftsgeschichte 2, 2; Österr. litbl. 1894 (5) 150. — von Köhne
eingehend bespr. in Mitt. a. d. hist. lit. 22, 180.
(Gottesdienst lind kirche. 82. A. Hauck, Kirchengeschichte Deutsch-
lands. 3. teil, 1. hälfte. consolidierung der deutschen kirche. Leipzig,
Hinrichs 1893. IV, 386 s. 7 m.
behandelt die zeit von Konrad I. bis Otto III.: entwicklung
der politischen Stellung der bischöfe, kolonisierung der wendischen
gebiete, beziehungen zwischen Deutschland und Italien. — vgl. Lit.
cbl. 1893 (47) 1665.
83. Fr. X. Kraus, Die christlichen inschriften der Rhein-
lande. 2. teil, die christlichen inschriften von der mitte des
13 jahrh. 2. abt. mit 9 lichtdrucktaf. und zahlreichen in den text
gedruckten abb. Freiburg, i. Br., Mohr. XII, s. 163 — 378. gr. 4°.
30 m.
über den ersten teil vgl. jsb. 1891, 8, 81; 1892, 8, 114. —
durch krankheit des vf. hat sich der für 1892 versprochene ab-
schluss verzögert, die zahl der inschriften bis 750 beträgt 315,
die von 750 — 1250 688 nummern, wobei sehr oft eine nummer
mehrere inschriften umfasst. einige wenige , aus dem Orient
stammende sind griechisch, alle übrigen lateinisch geschrieben, so-
wohl in prosa als auch in versen. — vgl. Lit. cbl. 1894 (24) 843.
84. P. Bahlmann, Deutschlands katholische katechismen bis
zum ende des sechzehnten jahrh. mit einer beilage: tafel des
christlichen lebens (ca. 1480). Münster, Regensberg. VIII, 80 s.
1,60 m.
VIII. Kulturgeschichte. 103
bis gegen ende des mittelalters waren gedruckte katechismen
nur in den bänden der pfarrer und lehrer. vf. stellt nun in seiner
kleinen, die einschlägige litteratur wohl benutzenden und recht
sorgfältigen arbeit sämtliche in Deutschland verbreiteten Schriften
zusammen, welche von den katechetischen hauptstücken mindestens
zwei behandeln, aus titel oder inhaltsangabe wird in jedem falle
ersichtlich, wie weit diese werke unseren heutigen katechismen
entsprechen, vgl. abt. 15, 8.
85. H. Gebier, Die kirchenordnung des domstiftes Ratze-
burg, progr. des gymn. zu Ratzeburg. 48 s. 4°.
86. F. R. Albert, Die geschichte der predigt in Deutsch-
land. - - vgl. jsb. 1892, 8, 113; 1893, 14, 126; 20, 3G. - - Evang.
kirchenztg. 1893, 413; Theol. litztg. 1894, 452, nur sehr wenig an-
erkennend; Theol. litbl. 14, 497; Löschhorn, in Mitt. a. d. hist.
lit. 22, 47.
87. F. Falk, Zum predigtwesen des ausgehenden mittelalters.
Kath. 73, I, 475.
88. A. Tille, Die geschichte der deutschen Weihnacht. —
vgl. abt, 10, 180.
89. E. Schaumkell, Zur reliquien Verehrung in den letzten
Jahrzehnten vor der reformation. Zs. f. kulturgesch. 13, 387.
91. J. Loserth, Der kommunismus der mährischen Wieder-
täufer im 16. und 17. jahrh. beitrage zu ihrer geschichte, lehre
und Verfassung, aus Archiv f. österr. gesch. Wien, F. Tempsky
in komm. 1893. 3,60 m.
92. P. Reh, Das Verhältnis des deutschen ordens zu den
preussischen bischöfen im 13. jahrh. 2. kapitel. die bestimmungen
Wilhelms von Modena über die preussischen bischöfe. der orden
und erzbischof Albert, diss. Breslau, L. Köhler. 38 s. 1 m.
93. O. Hüttebräiiker, Der minoritenorden zur zeit des
grossen schismas. — vgl. jsb. 1893, 8, 93. — bespr. im Österr.
litbl. 1894 (7) 190 und Hist. jahrb. 14, 675, wo manche ein-
wendungen gemacht werden, leider fehlen auch Überschriften
und inhaltsangaben. von Wurm bespr. in Mitt. a. d. hist. lit.
22, 175.
94. P. Albert, Mathias Döring, ein deutscher minorit des
15. jahrh. — vgl. jsb. 1893, 8, 91. — weitere anzeigen Le moyen
äge 6, 23; Göttinger gel. anz. 1S93, 497; Hist. ztsch. 71, 504
[Br. Gebhardt]; Österr. litbl. 1893, 290; Theol. litztg. 18, 362.
104 VIII. Kulturgeschichte.
95. A. Büchi, Albrecht von Bonstetten, briefe und ausge-
wählte Schriften. Basel, Geering 1893. XI, 288 s. 6 m. (Quellen
zur Schweizer geschichte, 13. bd.).
ein beitrag zur geschichte des gelehrten dekans zu Einsiedeln,
der vf. giebt zunächst die wichtigste quelle seiner 1889 erschienenen
biographie von B., die briefsammlung im St. Galler codex 719.
die Sammlung zerfällt in folgende abschnitte: 1. briefe an Albrecht
von B. 1465 — 1480. mit einem anhange. 2. Albrecht von B.'s
über die Verbannung der gerechtigkeit und der übrigen tugenden.
[eine fingierte vision, in briefform, an den humanisten Niclaus von
Wile über die schaden der zeit, seine erstlingsschrift von 1470.]
3. von der loblichen Stiftung des hochwirdigen gotzhus Ainsideln
unser lieben frowen. [ein beitrag zur ortsgeschichte.] 4. beschrei-
bung der Schweiz 1479. — ein sorgfältiges register beschliesst die
arbeit. — vgl. Lit. cbl. 1893 (40) 1421; Österr. litbl. 1894 (12) 364.
96. N. Paulus, Johann Wild, ein Mainzer domprediger des
16. jahrh. (dritte vereinsgabe für 1893, hrsg. von der Görres-
gesellschaft.) Köln, J. P. Bachern in komm. 1893. IV, 78 s.
Johann Wilds Schriften, kommentare und homiletica, sind
sämtlich verboten; vf. hat es unternommen, gegen diese proscri-
bierung aufzutreten. — vgl. abt. 15, 233. Österr. litbl. 1894(13) 389.
97. J. Baier, Der heilige Bruno als katechet. Würzburg,
Göbel 1893. 168 s.
soll ein beitrag zur deutschen schulgeschichte sein, er wird
nicht als aufbringer, sondern als entwickler der formalen frage-
und antwortmethode geschildert. — vgl. Österr. litbl. 1894 (7) 196.
98. Fr. Hubert, Vergerios publizistische thätigkeit, nebst
einer bibliographischen übersieht. Göttingen, Vandenhoeck u. Ru-
precht 1893. XV, 324 s. 5 m.
beleuchtet die publizistische thätigkeit des Peter Paul Verger,
des ehemaligen bischofs von Capodistria, nach seinem übertritt zum
Protestantismus auf grund neuen quellenmaterials. die arbeit
ist nicht nur als ein schätzenswerter beitrag zur geschichte des re-
formationszeitalters überhaupt, sondern auch als die Charakteristik.
V.s ergänzend, — so z. b. als volksschriftsteller, — anzusehen. —
vgl. Lit. cbl. 1893 (40) 1419.
99. A. Nicoladoni, Johannes Bünderlin von Linz und die
oberösterreichischen täufergemeinden in den jähren 1525 — 31.
Berlin, Gärtner. VIII, 314 s. 8 m. — vgl. abt. 15.
100. L. Schaumkell, Der kultus der heiligen Anna, am aus-
gange des mittelalters. ein beitrag zur geschichte des religiösen
VIII. Kulturgeschichte. 105
lebens am Vorabend der reformation. Freiburg i. Br., Mohr. V,
92 s. 2 m.
die Verehrung der heiligen in vorreformatorischer zeit hat
neuerdings durch arbeiten wie die Kaweraus eine ganz besondere,
kritische darstellung erfahren. v£ unternimmt es nun, an der hand
der litteratur zu erforschen, was in dieser hinsieht von der mutter
der Maria, der mutter Christi, gilt, auch er weist in seiner gründ-
lichen arbeit, deren wert auch die katholikenfreundlichen recen-
senten nicht anzutasten wagen, überzeugend nach, dass es nicht
wahr sei, wenn Janssen sagt, 'von verkehrter Verehrung der heiligen
sei in jener zeit keine spur vorhanden', das thema wird in 3 kapi-
teln und 2 anhängen bespr.: 1. die Verbreitung des Annenkultus.
2. St. Anna in wort und bild. 3. die bedeutung der heiligen
Anna für das religiöse leben der zeit, wichtig ist der zweite an-
hang, der eine Übersicht der Annenlegenden, Annenhymnen, gebete
zur heiligen Anna, Annenbilder u. s. w. bietet. — vgl. Mitt. a. d.
hist. lit. 22, 49. Lit. cbl. 1894 (20) 711.
101. G. Wölbing, Die mittelalterlichen lebensbeschreibungen
des Bonifatius ihrem inhalte nach untersucht, verglichen und er-
läutert. Leipzig, Fock 1892. VIII, 160 s. 2 m/
'eine zwar fleissige, aber sonst wertlose arbeit'. Lit. cbl. 1893.
(44) 1572.
102. Grützmacher, Die bedeutung Benedikts von Nursia
und seiner regel in der geschichte des mönchtums. Berlin,
Mayer u. Müller 1892. VI, 72 s. 1,80 m.
die anerkennung des ordens als alleinigen musters des kloster-
lebens geschieht hauptsächlich durch die päpste Gregor IL, III.
und Zacharias. der wert der arbeit beruht nach der rec. Theol.
litztg. 1894, 70 auf der kritisch gesichteten Zusammenstellung
sämtlicher das thema berührender thatsachen.
103. J. Mayer, Geschichte der Benediktinerabtei St. Peter
im Schwarzwald. Freiburg i. B., Herder 1893. XI, 266 s.
das kloster wurde 1093 von Berthold II. von Zähringen ge-
gründet, vf. teilt seine geschichte in fünf abteilungen, von denen
besonders die zweite (1220 — 1469) interessant ist. — vgl. Österr.
litbl. 1894 (5) 133.
104. A. Huhn, Geschichte des spitales der kirche und der
pfarrei zum heiligen geist in München. 2. abt. mit 6 abb. und
5 planen. München, J. J. Leutner 1891 — 93. VIII, 570 s.
als sehr fleissige und eingehende arbeit bespr. im Oster. litbl.
1894 (5) 132.
106 VIII. Kulturgeschichte.
105. F. J. Greve, Geschichte der Benediktiner-abtei Abdinghof
in Paderborn, ans gedruckten und ungedruckten quellen bearbeitet,
nach dem tode des vfs. hrsg. Paderborn, Junfermann. 232 s. 3 rn.
anerkennend bespr. in Österr. litbl. 1894 (19) 579.
IOC. L. Dolberg, Die St. Marienkirche der ehemaligen cister-
cienser-abtei Doberan. mit 2 abb. Doberan, Thiel 1893. 100 s.
2,25 m.
günstig bespr. Lit. cbl. 1894 (4) 125.
107. O. Ringholz, Geschichte des fürstlichen benediktiner-
stiftes U. L. Fr. zu Einsiedeln unter abt Johannes I. von Schwan-
den, 1298 — 1327. mit besonderer berücksichtigung des sckwyze-
risch-einsiedeln'schen marchenstreites (1114 — 1350). mit urkund-
lichen und artistischen beilagen. Einsiedeln, Benziger u. co. VII,
297 s. 4 m.
eine objektive und klare darstellung, mit beigegebenem ur-
kundenmaterial, aus der feder eines benediktinerpriesters. sie ist
ein Separatabdruck aus den Mitteilungen des histor. ver. der fünf
orte Luzern, Uri, Schwyz, Unterwaiden und Zug, 43. bd. — vgl.
Lit. cbl. 1894 (19) 6G8.
108. H. Stiehler, Kloster und ort Georgenthal, ein streif-
zug durch die einzelnen zeiten. 2. teil: der ort samt seiner Um-
gebung von seinem ersten anfang bis zu seinem gegenwärtigen aus-
bau. Gotha, C. Glaeser. II, 112 s. 2 m.
109. G. v. Detten, Über die dorn- und klosterschulen des
mittelalters, insbesondere über die schulen von Hildesheim, Pader-
born, Münster und Corvey. Paderborn, Junfermann 1893. 78 s.
die arbeit will in einer leichten, fasslichen vortragsform ein
möglichst getreues bild von den berühmten schulen des klerus im
rnittelalter geben und zum eingehenden Studium der geschichte des
deutschen bildungs- und erziehungswesens anregen, das werk ist
den protestantischen und humanistischen bestrebungen der refor-
mationszeit nicht freundlich gesinnt. — lobend angez. Österr. litbl.
1894 (2) 37.
110. M. Hetzenauer, Das kapuzinerkloster zu Innsbruck,
das erste dieses ordens in Deutschland, nach archivalischen auf-
zeichnungen beschrieben, mit 1 karte. Innsbruck, Rauch 1893.
Vni, 192 s. 2 m.
zur feier des 300jährigen bestehens geschrieben giebt die
schrift einen interessanten überblick über die entwicklung des
klosters; orientierend wäre eine geschichte des kapuzinerordens als
einleitung gewesen. — vgl. Lit. cbl. 1894 (40) 1449.
Vin. Kulturgeschichte. 107
*6
111. P. Jacob, Geschichte der pfarreien im gebiete des ehe-
maligen Stiftes Werden a. d. Ruhr. 2. teil. Düsseldorf, Schwann.
III, s. 233—544. 4 m.
vgl. jsb. 1892, 8, 105. — dieser schlussband behandelt die
nach der Säkularisierung eingerichteten pfarreien Werden, Kettwig,
Heisingen und Bredenei, sowie des rektorates Dilldorf. — vgl.
Lit. cbl. 1894 (12) 390.
112. C. Kniel, Die benediktiner-abtei Maria Laach, gedenk-
blätter aus Vergangenheit und gegenwart. Köln, J. P. Bachern 1893.
160 s. mit 20 abb.
anlässlich der 800 jährigen Jubelfeier verfasst will das buch
nur ein gedenkblatt, eine unterhaltende festgabe sein, dem prologe
von Leo Sattler folgt eine abhandlung über das wesen und die
Wirksamkeit des benediktiner-ordens von Willibrord Benzler, dann
übersichtliche bilder aus der geschichte von Maria Laach von
Leonard Ludger, eine abhandlung über den 125G gestorbenen prior
Butzbach und einiges noch, das nicht in den rahmen unserer be-
trachtung fällt, die Verfasser sind sämtlich Benediktiner. — vgl.
Österr. litbl. 1894 (13) 389.
113. Er. D äff n er, Geschichte des klosters Benediktbeuren
(740 — 1803) mit berücksichtigung der allgemeinen geschichte und
der handschriftlichen litteratur. München, Huttier. IV, 431 s.
10 m.
die geschichtswissenschaft habe aufgehört, eine aufzeichnung
von regententhaten zu sein, sie schildert das volk, stellt seine
kulturentwicklung dar, so sagt der vf. im vorwort, und von diesem
Standpunkte aus unternimmt er es, sein werk zu schreiben, ist
jedoch nicht methodisch genug geschult, um wissenschaftlich das
thema durchzuführen; für das laienpublikum aber ist seine arbeit
nicht interessant, sie liest sich schleppend, um einen anderen aus-
druck zu vermeiden. — die handgreiflichen fehler und flüchtig-
keiten sind zusammengestellt in der rec. im Lit. cbl. 1894 (24)
845; ihre liste zn erweitern wäre nicht schwer, ist aber zwecklos.
Handel Und Verkehr. 114. F. C. Huber, Die geschichtliche
entwicklung des modernen Verkehrs. Tübingen, Laupp 1893.
VII, 232 s. 4,40 m.
vf. vertritt den Standpunkt, dass der allgemeine entwicklungs-
gang des europäischen Verkehrs sich weniger im anschlusse an be-
sondere gewaltige, geschichtliche ereignisse, sondern mehr als
erzeugnis internationaler kultur vollzogen hat. — vgl. Lit. cbl.
1893 (44) 1575.
108 VUL Kulturgeschichte.
115. W. Thoma, Die kolonisatorische thätigkeit des klosters
Leubus im 12. und 13. jahrh. Leipzig, (Gr. Fock). dissertation.
154 s. 2 m.
116. F. Hann, Die reisen der deutschen kaiser und könige
durch Kärnten von Karl dem grossen bis Max I. Carinthia 83,
65; 97.
117. F. Falk, Aus dem wallfahrtsieben des mittelalters.
Kath. 73, I, 190.
118. Th. Schön, Eine pilgerfahrt in das heilige land, 1494.
Mitt. d. inst. f. österr. geschichtsforschung 13, 435.
119. A. Stauber, Augsburger kaufleute in Afrika und
Vorderindien, 1505. Bayerland 3, 89; 101.
120. Chr. Meyer, Deutsch-venezianische handelsbeziehungen
im mittelalter. Zs. f. d. kulturgesch. 2, 78.
HailS. 121. R. v. Fischer-Benzon, Altdeutsche garten flora.
Untersuchungen über die nutzpflanzen des deutschen mittelalters,
ihre Wanderung und ihre Vorgeschichte im klassischen altertum.
Kiel und Leipzig, Lipsius u. Tischer. X, 254 s. 8 m.
wesentlich die benediktinermünche pflegen den deutschen
gartenbau, der sich bis ins 8. jahrh. zurückverfolgen lässt. sie
führen eine grosse anzahl pflanzen aus Gallien und Italien ein, die
sich bis ins klassische altertum zurückführen lassen, im anfange
dieses jahrh. noch zeigen die baumgärten Deutschlands eine ge-
wisse Übereinstimmung, die geschichte dieser pflanzen nun ist
zurück verfolgt durch die quellen des mittelalters und des klassi-
schen altertums. — vgl. Ernst Krause, Zs. f. d. phil. 27, 416.
122. M. Angst, Mittelalterliche Ofenkacheln. Anz. f. Schweiz,
alt. 1893, 278.
das besprochene material stammt aus dem anfange des
15. Jahrhunderts.
123. K. Plath, Die königspfalzen der Merowinger und Karo-
linger. — vgl. jsb. 1892, 8, 130. — eine Vorstudie zu einem um-
fassenderen werke, das im ersten teile eine kritisch gesicherte liste
aller pfalzen, im zweiten eine genaue bestimmung derselben nach
läge und Schicksalen, im dritten gesichtspunkte über Verteilung
derselben über das gebiet des reiches und im vierten eine dar-
stellung des lebens in denselben geben soll. — vgl. Mitt. a. d.
hist. lit. 22, 137 (Hahn).
124. J. Tarneller, Die hofnamen des burggrafenamtes in
Tirol, programme des Meraner gymn. 1891 — 93. Meran, Jandl.
VIII. Kulturgeschichte. 109
XVIII, 59 s. — vgl. jsb. 1893, 8, 35. — günstig angez. im Österr.
litbl. 1894 (5) 148.
125. P. C lernen, Tiroler bürgen. Mitt. d. k. k. centralkomm.
19, 17; 119; 177.
die arbeit führt übersichtlich nach historischem prinzip die er-
haltenen rhätischen bürgen auf, um die entwicklung des typus für
den Tiroler burgenbau zu skizzieren und festzustellen, das material
ist dem Inn-, Eisack- und Etschthal entnommen.
126. C. Stampfer, Schlösser und bürgen in Meran und Um-
gebung, illustriert nach Zeichnungen von W. Humer. Innsbruck,
Wagner. VI, 191 s. 1,60 m.
127. J. Bär, Das Vorarlberger haus. Jsb. d. vorarlb. mus.-ver.
1892, 31, 8.
128. H. Zeller-Werdmüller, Mittelalterliche burganlagen
der Ostschweiz, mit 4 taf. 3,50 fr. Mitt. d. antiquar. ges. zu Zürich
23, 261.
eine besonnene, auf eingehenden Studien beruhende arbeit,
von den warttürmen und holzburgen ausgehend schildert sie die
anläge der steinburgen : den türm, seine dicke, höhe und Verwendung
des materials (auch sogenannte wohntürme werden nachgewiesen),
ringmauern , thor , brücke , doppelthor , zwinger. zum schluss
handelt der aufsatz über die gründe des Verfalls.
Krieg. 129. 0. Henne am Rhyn, Kulturgeschichte der
kreuzzüge. (illustrierte bibliothek der kunst- und kulturgeschichte.
5. bd.) Leipzig, P. Friesenhahn. 20 und 302 s. 4 m.
130. M. Jahns, H. Schermer und die befestigungskunst um
1480. Archiv f. artillerie- und ingenieur-offiziere 98, 545.
131. W. Böheim, Kriegsausrüstung in den Städten in Nieder-
österreich unter Maximilian I. Beiträge u. mitt. d. altert.-ver. zu
Wien 1892 (28) 15.
132. H. Hansjakob, Der schwarze Berthold, erfinder des
schiesspulvers und der feuerwaffen. — vgl. jsb. 1892, 8, 146. —
weitere recensionen in Zs. f. gesch. des Oberrheins 6, 525; Milit.
litztg. 72, 246; Lit. rundsch. f. d. kath. Deutschland 17, 311.
133. M. Baltzer, Zur geschichte des Danziger kriegswesens
im 14. und 15. jahrh. ein beitrag zur Säkularfeier der Vereinigung
Danzigs mit der preussischen monarchie. progr. des königl. gymn.
zu Danzig. ostern 1893.
die arbeit beruht nicht nur auf gründlicher, sachkundiger
durchforschung des gedruckten materials, sondern auch auf den im
HO VIII. Kulturgeschichte.
Danziger Stadtarchive befindlichen berichten der Danziger feld-
hauptleute an den rat. die der phalanx nahe kommende kampf-
taktik herrschte vor; vor 1500 war der einfluss der feuerwaffen .
auf die kriegführung gering. — vgl. Zs. f. d. phil. 27, 427.
134. G. Köhler, Geschichte der festungen Danzig und
Weichselmünde bis zum jähre 1814 in Verbindung mit der kriegs-
geschichte der freien stadt Danzig. 1. u. 2. teil. Breslau, Köbner
1893. 506 u. 532 s.
der als militärschriftsteller bekannte vf. hat das gesamte ur-
kundliche material nochmals durchforscht und dabei wesentlich
neues für die geschichte dieses bollwerks des germanentums gegen
das slaventum herausgebracht, bd. 1 behandelt die slavische
gründung und die Vorgeschichte bis 1308, die Ordensherrschaft bis
1454, die Schutzherrschaft Polens bis 1734. bd. 2 bringt die
neuere zeit, in welcher besonders interessant die französische ge-
waltherrschaft abgehandelt wird, obgleich von einem militär für
militärs als fachwerk geschrieben, bietet das buch dem historiker
nicht nur, sondern auch dem laien so viel interessantes, dass seine
lektüre angelegentlichst empfohlen werden muss.
Klllist. 135. K. Wo ermann, Was uns die kunstgeschichte
lehrt, einige bemerkungen über alte, neue und neueste maierei.
Dresden, Ehlermann. IV, 202. 3 m.
günstig bespr. Lit. cbl. 1894 (13) 443.
130. P. Lehfeldt, Luthers Verhältnis zu kunst und künst-
lern. — vgl. jsb. 1893, 15, 129. — die Untersuchung kann ledig-
lich erhärten, was man schon wusste: dass der grosse reformator
wenig einfluss nach dieser seite hin ausübte, der niedergang der
kunst am ende des 16. jahrh. hat hauptsächlich darin seinen grund,
dass die zeit zu sehr von geistigen fragen in anspruch genommen
wurde, vgl. abt. 15, 109.
137. C. Kötschau, Barthel Beham und der meister von
Messkirch. — vgl. jsb. 1893, 8, 141. — günstig rec. Lit. cbl. 1893
(42) 1514.
138. H. Ehrenberg, Geschichte der kunst im gebiete der
provinz Posen. Berlin, Ernst u. söhn 1893. VIII, 204 s. 8 m.
günstig bespr. ist das werk, das namentlich zum kulturleben
des 16. jahrh. viel neues bringt und ein sonderabdruck der Zs. f.
bauwesen 1893 ist, im Lit. cbl. 1894 (30) 1071.
139. R. Eorrer und G. A. Müller, Kreuz und kreuzigung
Christi in ihrer kunstentwicklung. mit 12 taf., 83 abb. in photo-
VIII. Kulturgeschichte. 111
graphie, Lithographie und Zinkographie. Brühl, aktiengesellschaft
Concordia. 33 s. gr. 4°. 21 m.
nach der anz. im Lit. cbl. 1894 (34) 1221 ist die arbeit dank-
bar anzuerkennen , wenn es auch an gleichmässiger beherrschung
des Stoffes und kunsthistorischer methode bisweilen fehlt.
140. F. Noack, Die geburt Christi in der bildenden kunst
bis zur renaissance. im anschluss an elfenbeinwerke des gross-
herzoglichen museums zu Darmstadt, mit 4 taf, einer beilage und
10 abb. im text. Darmstadt, Bergsträsser. VIII, 72 s. 4 m.
nach der rec. im Lit. cbl. 1892 (22) 799 ein anziehend und
mit Verständnis der christlichen kunst geschriebenes buch.
141. Th. Hoepfner, Die heiligen in der christlichen kunst.
ein handbüchlein für besucher von kirchen und gemäldegalerien.
Leipzig, Breitkopf & Härtel. 4 m.
142. F.F. Leitschuh, Geschichte der karolingischen maierei,
ihr bilderkreis und seine quellen, mit 59 abb. Berlin, Georg Sie-
mens. XIE, 471 s. 12 m.
C. Frey, Litztg. 1894 (1) 17 spricht dem werke einen origi-
nalen, selbständigen wert ab und sieht des vfs. einzelausführungen
teils für schief, teils für unrichtig an. doch wird fleiss dem werke
nicht abzusprechen sein, wenngleich vf. viel zu sehr beschreibt
und inventarisiert als selbständig forscht, die ausstattung des
werkes lässt nichts zu wünschen, interessant sind die nach-
weise über den Zusammenhang der karolingischen maierei mit der
der spätrömischen zeit und wie die sächsischen kaiser und die
frükrenaissance ihre Weiterbildung aufnahmen. — vgl. Lit. cbl.
1894 (5) 158.
143. J. Neuwirth, Geschichte der bildenden kunst in
Böhmen vom tode Wenzels III. bis zu den hussitenkriegen, 1. bd.
allgemeine Verhältnisse, baubetrieb und baudenkmale. mit 34 text-
abbildungen und 57 lichtdrucktafeln. Prag, Calve 1893. VIII,
61G s. 20 m.
die blütezeit der mittelalterlichen kunst in Böhmen ■ — • im
14. jahrh. — , wird dargestellt, der vorliegende band behandelt
die architektur; der zweite band bleibt für plastik, maierei und
kunstgewerbe reserviert, besonders interessant ist die kultur-
historische einleitung (s. 1 — 258), in welcher die allgemeinen ge-
sichtspunkte für entwicklung der böhmischen kunst, die fördernden
und feindlichen Strömungen der zeit geschickt gruppiert und fesselnd
dargestellt werden: vf. schöpft aus dem vollen. seine eigenen
arbeiten (vgl. auch jsb. 1892, 14, 135; 1892, 14, 150) sind die
schönen vorarbeiten zu diesem abschliessenden werke. — vgl. Lit.
112 VIII. Kulturgeschichte.
cbl. 1893 (45) 1620; -im Österr. litbl. 1894 (7) 211 ebenfalls sehr
anerkennend bespr.
144. J. J. Merlo's neu bearbeitete und erweiterte nach-
richten aus dem leben und werken kölnischer künstler, hrsg. von
E. Firmenich-Richarz unter mitwirkung von H. Keussen.
1. — 4. lief, mit zahlreichen bildlichen beilagen. Düsseldorf, Schwann,
ohne jähr. s. 2 — 139. ä 2,50 m.
das für jeden forscher auf dem gebiete der kölnischen kunst
unentbehrliche nachschlagebuch ist durch die sorgfältige neube-
arbeitung und fortführung bis auf die gegenwart noch brauchbarer
geworden. — vgl. Lit. cbl. 1894 (4) 125.
145. K. Lange und F. Fuhse, Dürer's schriftlicher nach-
lass auf grund der Originalhandschriften und teilweise neu ent-
deckter alter abschriften herausgegeben, mit einer lichtdrucktafel
und 8 textillustrationen. Halle, Niemeyer. XXIV, 420 s. 10 m.
Dürers bedeutung als Schriftsteller war bislang noch wenig
bekannt, aus seinen briefen, tagebüchern und reimen gewinnt man
ein lebendiges bild des menschen Dürer als fürsorglicher söhn,
hilfsbereiter bruder, treuer freund, die arbeit bringt viel neues, bisher
unbekanntes material in textkritischer sichtung. vgl. abt. 15, 30.
146. A. Springer, Albrecht Dürer. — vgl. jsb. 1892, 8,
167. 1893, 8, 158. 15, 39. - - rec. Janitschek, Nation, 9, 206.
147. D. Burckhardt, Albrecht Dürers aufenthalt in Basel
1492—1494. — vgl. jsb. 1892, 15, 34; 1893, 8, 159. weitere
günstige recensionen des buches finden sich Gott. gel. anz. 1892,
817; Kunstchronik 3, no. 31; Rep. d. kunstwissenschaft 16, 136.
148. W. v. Seidlitz, Rembrandts radierungen. Leipzig,
E. A. Seemann. 4°. 10 m.
149. A. v. Jak seh, Villacher maier aus dem anfang des
15. jahrh. Carinthia 83, 28.
150. F. v. Reber, Kurfürst Maximilian I. von Bayern als
gemäldesammler. festrede, gehalten in der öffentlichen sitzung der
k. b. akad. d. wiss. zu München. München, verlag der k. b. akad.
1892. 45 s. 40.
rühmt den feinsinn des unter den Sammlern des 16. und 17.
jahrh. hervorragenden kunstfreundes und zeigt uns, dass neben
Prew, Barthel, Beham, Penz, Mielich namentlich Albrecht Dürer
sein interesse fesselte. — vgl. Österr. litbl. 1894 (11) 339.
151. F. Carstanjen, Ulrich von Ensingen. ein beitrag zur
geschichte der gotik in Deutschland, mit 17 figuren im text
und 13 taf. München, Ackermann 1893. XIV, 137 s. gr. 8. 6 m.
VIII. Kulturgeschichte. 113
die rege Schaffensfreude des gegen sechzig jähre arbeitenden
meisters, seine zahlreichen bauten, im südlichen Deutschland vor-
nehmlich, werden eingehender behandlung unterzogen, dabei ist die
darstellung seines lebenslaufes, seiner Schicksale und erlebnisse,
kulturgeschichtlich interessant: ein gediegener beitrag zur ge-
schichte der mittelalterlichen kunst überhaupt. — vgl. Lit. cbl.
1893 (46) 1653.
153. A. Gr. Meyer, Studien zur geschichte der plastischen
darstellungsformen. I. zur geschichte der renaissance-herme. (her-
men in holzschnitt- und kupferstichfolgen.) mit einer tafel. Leipzig,
Engelmann. 28 s. gr. 4°. 2,40 m.
die sorgfältig gearbeitete, vom verlag hübsch ausgestattete
schrift giebt orientierende bemerkungen für die fülle des materials, er-
läutert die drei gattungen der herme als Symbol, stütze und
groteske an einigen markanten beispielen und geht dann dazu über,
in klarer, anspruchsloser , auch dem laien verständlicher weise
die historische entwicklungsgeschichte zu verfolgen. — vgl. Lit.
cbl. 1892 (23) 830.
154. E. E. Koch, Entwicklungsgeschichte der baukunst
unter vorzugsweiser berücksichtigung der deutschen kunst, gemein-
fasslich dargestellt an der hand der politischen geschichte der
Völker, mit 85 illustr. Güstrow, Opitz u. co., ohne jähr. XIV,
144 s. 4 m.
eine mehr oberflächliche Charakteristik der verschiedenen bau-
stile, für weitere kreise des publikums bestimmt, wird vom vf. ge-
geben, nach der anz. Lit. cbl. 1894 (14) 487 sind besonders die
Illustrationen interessant, welche neuere denkmäler (der letzten Jahr-
hunderte) wiedergeben. — Österr. litbl. 1894 (4) 115 werden die
abb. gelobt, der stoff sei aber nicht erschöpfend.
155. M. Hasak, Die predigtkirche im mittelalter. Berlin,
Ernst u. söhn 1893. 36 s. 2 m.
interessant zu lesen, im tone nicht immer 'sine studio', wendet
sich die schrift vor allem gegen Gurlitts Beiträge zur entwick-
lungsgeschichte der gotik in Zs. f. bauwesen 1892. — vgl. Lit.
cbl. 1894 (31) 1104.
156. W. Meyer-Sch wartau, Der dorn zu Speyer und ver-
wandte bauten (die dorne zu Mainz und Worms, die abteikirchen
zu Limburg a. Haardt, Hersfeld und Kauffungen u. s. w.). mit
32 taf. u. zahlreichen in den text gedruckten abb. Berlin, Springer
1893. X, 170 s. folio. 50 m.
günstig bespr. Lit. cbl. 1894 (36) 1302.
Jahresbericht für germanische Philologie. XVI. (1894.) 8
114 VIII. Kulturgeschichte.
157. P. C lernen, Die kunstdenkmäler der Rheinprovinz.
Düsseldorf, Schwann 1893. - - vgl. jsb. 1893, 8, 152. 1892, 8, 150.
II, 2. Die kunstdenkmäler der stadt und der kreise Mühl-
heim a. d. Ruhr und Ruhrort. mit 3 taf. und 28 abb. im text.
VI, 85 s.
wohl weniger wichtig als die übrigen kreise, aber besonders
da interessant, wo altsächsischer einfluss sich im gebiete des
kreises geltend macht, (wallburgen und westfälisches bauernhaus
in den abbildungen.)
DI, 3. Die kunstdenkmäler der stadt und des kreises Essen,
mit 4 taf. und 47 abb. im text VI, 120 s. 4,50 m.
hier zeigt sich des vfs. ganzes geschick in der behandlung
seiner aufgäbe, sowohl darin, wie er die fragen behandelt und löst,
als auch in der geschickten benutzung der vorarbeiten. — ■ das
heft schliesst mit nachtragen, berichtigungen, inhaltsangabe und
künstlerverzeichnis für den ganzen band. — vgl. Lit. cbl. 1893
(43) 1552.
158. F. Hettner, Die römischen steindenkmäler des provin-
zialmuseums zu Trier mit anschluss der Neumagener monumente.
mit einem beitrag von H. Lehner und 375 textabb. Trier, Lintz
in komm. 1893. V, 294 s. 4 m.
behandelt die ehreninschriften nebst den meilensteinen, die
götterdenkmäler, die grabdenkmäler — heidnische und christliche ■ — ,
die architekturreste und marmorskulpturen. das werk ist sorgfältig
gearbeitet. — vgl. Lit. cbl. 1894 (1) 20.
159. E. Paulus, Die kunst- und altertumsdenkmale im könig-
reich Württemberg. im auftrage des königl. ministeriums des
kirchen- und Schulwesens bearb. 33. und 34. (schluss-)lieferung.
fol. 11 taf. in lichtdruck, lithographie, Zinkographie, farbendruck
und holzschnitt und 2 blätter text. Stuttgart, Paul Neff. lief. 1,60 m.
160. A. Boetticher, Die bau- und kunstdenkmäler der
provinz Ostpreussen. Königsberg i. Pr., Teichert (komm.) 1893.
3. heft. die bau- und kunstdenkmäler des Oberlandes, mit zahl-
reichen abb. VII, 122 s. 3 m.
vgl. jsb. 1893, 8, 157. — günstig angez. Lit cbl. 1893
(48) 1893.
161. K. Lind, Abbildungen mittelalterlicher grabdenkmale
aus den ländern der Österreich - ungarischen monarchie. Wien,
W. Braumüller in komm., fol. 242 s. — vgl. jsb. 1893, 8, 142.
162. F. Haack, Die gotische architektur und plastik der
stadt Landshut. München, Wolf & söhn. 1,60 m.
VIII. Kulturgeschichte. 115
163. B. Haendcke und A. Müller, Das münster in Bern.
Bern, Schmid, Francke u. co. X, 179 s. 4°. mit 31 text-
illustrationen und 20 taf.
giebt zunächst eine bis auf die gegenwart reichende geschichte
des baues, schliesst daran eine kritische beschreibung des bau-
werks und erörtert nach den werken der plastik und maierei am
aussenbaue auch die innere ausstattung des münsters. das werk
ist nach inhalt wie nach äusserem ein vornehmes prachtwerk, für
das wir den vf. wie dem Verleger zu danken haben. — vgl. Österr.
litbl. 1894 (10) 304.
164. F. Hann, Die gotische kirchenbaukunst in Kärnten.
Klagenfurt, progr. des obergymn. 20 s.
165. L. Reissenberger, Die Kerzer abtei. hrsg. v. ver. f.
siebenbürgische landeskunde. Hermannstadt, Franz Michaelis in
komm. 59 s. mit zahlreichen Illustrationen.
eine monographie über die in einer wildnis am linken ufer
des 'gelben' altflusses gegründete cistercienserabtei, die später zu
grossem Wohlstände gelangte: abbatia beatae Mariae Virginis de
Kercz. im 13. jahrh. begründet, bald danach durch die Mon-
golen zerstört, wieder aufgebaut und am ende des 15. jahrh. in
gänzlichem verfalle, erweckt sie durch ihre ruinen baugeschicht-
liches interesse. abschnitt a) giebt eine geschichtliche einleitung,
abschnitt b) die baubeschreibung und zwar 1. der kirche, 2. der
abteigebäude. der schluss giebt eine altersbestimmung der einzelnen
bauteile der kirche und der abteigebäude. die arbeit ist fleissig
gearbeitet und sorgfältig ausgestattet.
166. A. Ilg, Beiträge zur geschichte der kunst und kunst-
technik aus mittelhochdeutschen dichtungen. — ■ vgl. jsb. 1893, 8,
144. — Litztg. 1893 (45) 1424 giebt eine rec. von C. Frey, in
der einige ausstellungen gemacht, namentlich die beschränkung auf
denkmäler der höfischen dichtkunst des 11. — 13. jahrh. bedauert
wird, wertvoll ist die vor zwanzig jähren unter Scherers leitung
begonnene arbeit ohne zweifei. den anhang bildet eine bereits
1890 erschienene abhandlung über die ursprüngliche bedeutung des
Wortes mosaik. J. Meier, Zs. f. kulturgesch. I (2. 3).
167. A. Prüfer, Untersuchungen über den ausserkirchlichen
kunstgesang in den evangelischen schulen des 16. jahrh. inaugural-
dissertation. Leipzig, Pöschel u. Trepte 1890. 67 s. text, 235 s.
notenbeilagen.
vgl. jsb. 1891, 8, 278. — eine eingehende anzeige in Litztg.
1893 (43) 1362 spricht sich über wesen und wert der sach-
kundigen Untersuchung aus.
8*
H6 VIII. Kulturgeschichte.
168. P. Heitz, Der initialschrnuck in den elsässischen drucken
des 15. und 16. jahrh. Strassburg i. E., Heitz 1893. 4°.
1. reihe, die zierinitialen in den drucken des Thomas Ans-
helm (Hagenau 1516 — 1523). ein beitrag zur geschichte des holz-
schnittes. 6 m. — vgl. Lit. cbl. 1894 (36) 1303.
169. P. Heitz, Originalabdruck von formschneiderarbeiten
des 16. und 17. jahrh., meist aus verschollenen Volksbüchern von
der Strassburger druckerei Jac. Cammerlander u. a. neue folge,
taf. 84 — 129. mit erläuterndem text. Strassburg i. E., Heitz. 11 s.
gr. folio. 10 m. — vgl. Lit. cbl. 1894 (35) 1262.
169a. A. Klemm, Sürlin (bildhauer). ADB 37, 166—169.
G. Wustmann, Jakob Thanner (buchdrucker). ebd. 37, 653 f.
G. E. Pazaurek, Theoderich (maier), ebd. 37, 708 — 710. K. Steiff,
Theodoricus von Borne (buchdrucker). ebd. 37, 710 — 713.
W. Schmidt, J. E. Thomann von Hagelstein (maier), ebd. 38, 65.
170. Numismatisch-sphragistischer anzeiger. zeitung
für münz-, siegel- und Wappenkunde, hrsg. von F. Tewes.
no. 1 enthält die beschreibung eines 'schönen thalers der
stadt Braunschweig von 1630'. — die 'schwären' o. j. des dom-
kapitels Verden. — die siegel der stadt Braunschweig. — no. 2 be-
spricht zunächst einen 'schreckenberger' des dom-kapitels Verden
von 1622 (!). — dann giebt es fortsetzung und schluss der 'siegel
der stadt Braunschweig' und behandelt den 'münzfund von
Dörrigsen bei Einbeck.' — no. 3 behandelt die 'grote des dom-
kapitels Verden.' — no. 4 handelt über Braunschweigisch-Lüne-
burgische schreckenberger [groschen, die ihren namen ursprünglich
nach dem Schreckenberge bei Annaberg führten, dessen im jähre
1492 entdeckte silbergrube das metall zu ihrer ausprägung lieferte].
den beschluss macht ein artikel zur 'geschichte der falschmünzerei
im 16. jahrh.' [brief des herzogs Heinrich zu Sachsen an den
Quedlinburger rat]. — ausserdem werden neue münzfunde bespr.
no. 5 widmet dem bekannten numismatiker Theodor Stenzel,
der auch wissenschaftlich regsam war, einen warmen nachruf, und
schliesst einen aus seiner feder stammenden, nachgelassenen auf-
satz über 'anhaltische achtgroschenstücke oder 24-kreuzer aus der
kipper-zeit' an. — no. 6 'die münzen der stadt Lüneburg von
1599—1602.' die münzprägung der stadt war nicht andauernd sondern
zerfällt in viele kürzere abschnitte, die meistens mit der annähme
eines münzmeisters beginnen und mit seiner entlassung endigen,
den schluss machen 'münzfunde' und 'nekrologe'. — no. 7 giebt
eine beschreibung der 'münzen Heinrichs IV. von Braunschweig-
Grubenhagen (1463/64 — 1526) und den schluss der 'münzen der
VIII. Kulturgeschichte. 117
stadt Lüneburg' (1599 — 1602).' — no. 8 beschliesst die darstelluug
der 'münzen Heinrichs IV. von Braunschweig-Grubenhagen' und
kommt zu dem schluss, dass die münzthätigkeit dieses fürsten
weniger Verwandtschaft hat mit der seines vetters Philipp (abgesehen
von der Vereinigung des väterlichen und mütterlichen wappens),
als mit der Heinrichs des älteren von Wolfenbüttel, wie sie in
Helmstedt ausgeübt wurde. — 'münzfunde'. no. 9 bespricht
den 3*g- reichsthaler (Schilling) von 1671 für Bremen und Verden',
ferner die 'marke der stadt Lüneburg von 1570'. [der lüne-
burgische Ursprung der marken steht nun fest; aber dem vf,
Bahr fei dt, steht ihr zweck (lohnzeichen des rates, wein-
zeichen) noch nicht fest.] ferner eine notiz zum 'dritten glocken-
thaler Augusts d. j. von Braunschweig' und 'münzfunde'. — der
wissenschaftliche Charakter dieses verständig redigierten 'anzeigers'
macht ihn auch dem kulturhistoriker äusserst wertvoll.
171. Numismatische Zeitschrift, hrsg. von der numisma-
tischen gesellschaft in Wien durch deren redaktions-comite. 1893,
25. bd. 384 s., mit 4 taf, 1 karte und 190 textabbildungen. Wien,
Manz in komm. 6 m.
172. Mitteilungen der bayrischen numismatischen gesellschaft.
hrsg. von deren redaktions-comite. 12. Jahrgang. 1893. Mün-
chen, Gr. Franz. XI, 88 s. mit 1 abb. 8 m.
173. Festschrift zur feier des fünfzigjährigen bestehens der
numismatischen gesellschaft zu Berlin, hrsg. von den mitgliedern.
Berlin, Weyl 1893. IH, 176 s. 4°. 6 m.
in diesem sammelbande behandelt die mittelalterliche numis-
matik die arbeit von W. Dannenberg, der eine grosse zahl von
münzen beschreibt und auf zwei von ihm gezeichneten abbildungen
wiedergiebt. dieselben waren früher in seinem besitze und be-
finden sich jetzt im königlichen münzkabinett. unter ihnen ist be-
sonders erwähnenswert eine kleine silbermünze mit dem bilde Lud-
wigs des frommen. — F. Friedensburg behandelt die mittel-
alterlichen münzen der Lausitz. — E. Bahrfeld t beschäftigt sich
mit den 'vinkenaugen', jenen münzen, die in norddeutschen Ur-
kunden so oft genannt werden, vf. bezeichnet sie als 'hohl-
pfennige' von geringem münzwert. — mehr der neueren zeit ge-
hören schon an die arbeit Bahrfeldts über die unter Joachim I.
und H. nach sächsischem muster geprägten brandenburgischen
stücke und von Bratring über die münzen der pommerschen
herzöge vom ende des mittelalters bis im 16. jahrh. — vgl. Lit. cbl.
1894 (10) 322.
118 VIII. Kulturgeschichte.
174. H. Dannenberg, Die deutschen münzen der sächsischen
und fränkischen kaiserzeit. 2. bd. mit 1 landkarte und 39 taf.
abb. Berlin, Weidmann. VIII, s. 513—757. 4°. 24 m.
175. M. Bahrfeldt, Numismatisches litteraturblatt. 15. Jahr-
gang, no. 1 und 2. 16 s. F. Tewes Selbstverlag, Hannover,
Staarstrasse 4. 1,50 m.
176. E. Bahrfeldt, Zur mittelalterlichen münzkunde Pom-
merns. Berlin, A. Weyl. 21 s. mit 27 abb. und 2 taf. 4°. 2 m.
177. K. Bissinger, Beschreibung einiger im gebiete des
grossherzogtums Baden entdeckten münzfunde aus dem 15. bis
17. jahrh.). progr. des grossherzogl. progymn. zu Donaueschingen. 12 s.
die hier beschriebenen funde stammen aus dem besitze des
früheren badischen altertumsvereins, der sich namentlich 1845 — 1858
um die pflege der lokalen altertumsforschung verdient gemacht
hat. die vom vf. behandelten münzen kamen nach auflösung des
Vereins in die grossherzogliche Sammlung vaterländischer altertümer,
wurden aber leider nicht ungeteilt zusammengehalten sondern an
andere Sammlungen und liebhaber teilweise abgegeben, ein ge-
naues Verzeichnis wurde 1877 durch den vf. entworfen.
178. W. Lotz, Die drei flugschriften über den münzstreit der
sächsischen Albertiner und Ernestiner von 1530. Leipzig,
Duncker u. Humblot 1893. IX, 117 s. 2 m. [Brentano und
Leser, Sammlungen älterer und neuerer staatswiss. Schriften des
in- und ausländes. 2].
angez. Lit. cbl. 1893 (49) 1743: die einleitung giebt volks-
wirtschaftliche bemerkungen zum merkantilismus des 17. und
18. jahrh. — G. Küntzel, Litztg. 1894 (52) 1653 f.
Politik. 179. H. Bloch, Forschungen zur politik kaiser Hein-
richs VI. in den jähren 1191 — 94.
angez. von Wenck, Gott. gel. anz. 1893, 23.
180. J. Priesack, Die reichspolitik des erzbischofs Balduin
von Trier in den jähren 1314 — 1328. ein beitrag zur geschichte
kaiser Ludwigs des Baiern. Göttingen, Vandenhoeck u. Ruprecht.
4,80 m.
181. E. Joachim, Die politik des letzten hochmeisters in
Preussen. — vgl. jsb. 1893, 8, 175. rec. Litztg. 1893, 1562.
182. G. Ludewig, Die politik Nürnbergs im Zeitalter der
reformation (von 1520 — 1534). Göttingen, Vandenhoeck u. Ru-
precht 1893. III, 156 s. 3,50 m.
die bedeutung der stadt in kirchlicher und politischer hinsieht
und ihre Stellung zur reichspolitik findet eine klare Schilderung.
VIII. Kulturgeschichte. 119
im mittelpunkt des ganzen steht Lazarus Spengler und sein fest-
halten an den grundsätzen der reformation. — vgl. Lit. cbl. 1894
(22) 783.
183. A. Luschin v. Ebengreuth, Die handelspolitik der
österreichischen herrscher im mittelalter. Wien, Tempsky. 29 s.
0,70 m.
184. V. Menzel, Deutsches gesandtschaftswesen im mittel-
alter. — vgl. abt. 9, 52 und jsb. 1893, 8, 120. - - angez. Deutsche
ztschr. f. geschichtswissenschaft 9, 39. trotz der ungleichmässig-
keit in der behandlung und mancher lücken ist dem buche doch
ein bedeutendes verdienst zuzusprechen.
185. Fr. Kummer, Die bischofswahlen in Deutschland zur
zeit des grossen schismas 1378 — 1418. — vgl. jsb. 1893, 8, 89. —
günstig bespr. Lit. cbl. 1892, 1199; Ztschr. f. kirchengesch. 13,
457; Hist. ztschr. 70, 119 (Dierauer.) Österr. litbl. 1893, 99.
1S6. Th. Sommerlad, Die Rheinzölle im mittelalter. Halle a. S.,
Kaemmerer u. co. 175 s.
vf. zeigt, dass das deutsche zollwesen des mittelalters aus
deutschen institutionen sich entwickelt hat; erst im späteren mittel-
alter seien die landesherrlichen finanzzölle herrschend geworden;
weder papst noch rheinischer bund (1254) hätten die belastung
der rheinzölle heben können, die besserung der Zollverhältnisse
sei erst in neuerer zeit eingetreten. — anerkennend bespr. Lit. cbl.
1894 (31) 1094.
Schule UIlil bMungSWesen. 187. K. Burdach, Vom mittelalter
zur reformation. forschungen zur geschichte der deutschen bildung.
1. heft. erweiterter abdruck aus dem centralblatt für bibliothek-
wesen. Jahrgang 1891. Halle a. S., Niemeyer 1893. XX, 137 s. 4 m.
nach der anz. im Lit. cbl. 1894 (21) 748 schildert vf. das
geistige leben des späteren mittelalters, den Übergang zum Zeit-
alter der reformation; er sucht nachzuweisen, an welchen stellen
die geistige bewegung besonders gefördert wurde, woher die an-
regungen zu derselben stammen, und wie sich dann wieder die
neuen humanistischen Studien verbreiteten und wie sie weiter ge-
pflegt wurden. — vgl. abt. 15, 2. Zs. f. d. österr. gymn. 45, 418.
188. K. A. Schmid, Geschichte der erziehung von anfang
an bis auf unsere zeit. 3. bd., 1. abt. Stuttgart, Cotta 1892.
VI, 439 s.
der band enthält drei monographien zur geschichte des Schul-
wesens im 16. jahrh.: 1. G. Müller, Gründung und Verfassung
des Schulwesens der Jesuiten (s. 1 — 109). 2. v. Sallwürk, Fran-
120 VIII. Kulturgeschichte.
zösisclies unterrichtswesen im 16. jahrh. ( — s. 255). 3. Cr. Schmid,
— der nachfolger seines vaters in der herausgäbe des ganzen
werkes — , behandelt die geschichte des englischen Schulwesens im
16. jahrh. — gelobt von Paulsen, Litztg. 1893 (47) 1475.
189. M. Manitius, Analekten zur geschichte des Horaz im
mittelalter (bis 1300). Göttingen, Dieterich 1893. VII, 127 s. 2,80 m.
im anschluss an die ihm überlassenen Sammlungen von M. Hertz
hat vf. die erreichbare litteratur bis 1300 durchgesehen und die
spuren der kenntnis des Horaz, geordnet nach den politisch-geo-
graphischen grenzen und nach Jahrhunderten, zusammengestellt.
Deutschland hat daran einen ganz erheblichen an teil; die grösste
Verbreitung klassischer bildung zeigt das alte fränkische mittelreieh.
190. F. Tetzner, Die bildungsbestrebungen im Frankenreiche
vor Karl dem grossen, progr. d. I. realsch. zu Leipzig. 11 s. 4.
vf. giebt 1. eine geschichtliche Übersicht, bespricht 2. die Volks-
bildung, 3. den einfluss der römischen schulen, 4. den einfluss
des Christentums.
191. K. Kolbe, Die Verdienste des bischofs Wolfgang in
Regensburg um das bildungswesen Süddeutschlands, beitrag zur
geschichte der pädagogik des 10. und 11. jahrh. quellenmässig dar-
gestellt. Breslau, H. Handel in komm, (ohne jähr). 52 s.
anerkennend bespr. Österr. litbl. 1894 (16) 483.
192. Gr. Windhaus, Geschichte der lateinschule zu Fried-
berg. Friedberg i. H., C. Bindernagel 1893. IV, 196. s. 2,50 m.
die schrift beruht auf urkundlichem material des archives zu
Darmstadt, des städtischen archives zu Friedberg, und dem material,
welches die schule selber liefern konnte, bis 1381 lässt sich das
Vorhandensein der schule nachweisen, die lateinschule wurde 154H
gegründet. — nach der rec. Lit. cbl. 1894 (5) 159 ist die durch-
arbeitung des Stoffes und die darstellung mustergültig.
194. J. Ewen, Trierische höhere schulen im altertum. forts. :
kirchliche schulen zu Trier, progr. d. gymn. Trier. 21 s. 4.
ein schätzenswerter beitrag zur geschichte mittelalterlichen
kirchlichen bildungswesens. behandelt a) schule eines christlichen
apologeten zu Trier, b) bischöfliche schule zur heranbildung von
geistlichen in Trier.
195. J. Frey, Schulen im heutigen Westfalen vor dem
14. jahrh. progr. des kgl. gymn. zu Münster i. W. 28 s. 4.
19<i. G. Bauch, Beiträge zur litteraturgeschichte des schlesi-
schen humanismus: J. Hess, B. Strauss, H. Rybisch, F. Faber,
J. Troger d. j. Zs. d. ver. f. gesch. Schlesiens 26, 213.
VIII. Kulturgeschichte. 121
197. A. Zingerle, Der hunianisuius in Tirol. — vgl. jsb.
1893, 20, 42. — kauptvertreter des humanismus in Tirol waren
Johann Hinderbach, bischof von Trient 1465 — 86 [vgl. Zs.
d. Ferdinandeums 37, 203], abt Caspar Augspurger von Gengen-
berg bei Schwaz und Johann Fuchsniagen aus Hall.
198. K. Th. Becker, Die Volksschule der Siebenbürger
Sachsen, ein überblick über ihre geschichtliche entwicklung mit
einem anhang erklärender beilagen. als arbeit der Dorner-Bach-
stiftung herausgegeben vom ev.-theol. verein in Bonn. Bonn, Paul,
156 s.
die treffend urteilende und fieissig gearbeitete schrift behan-
delt folgende kapitel: die anlange der Volksschule iu der vorreform.
zeit, die neugestaltung im reformationsjahrhundert, die schule des
17. jahrh., Verbesserungsversuche von 1691 — 1821, einheitliche ent-
wicklung im 19. jahrh.; dazu ein anhang. — vgl. Korrbl. f. siebenb.
landesk. 17, 22.
Soziales. 199. Pförtner Stammbuch. 1543—1893. zur 350 jäh-
rigen Stiftungsfeier der landesschule Pforta. hrsg. von M. Hoff-
mann. Berlin, Weidmann 1893. XV, 564 s. 10 m.
vf. konnte nicht auf der lückenhaften arbeit Bitchers (Pförtner-
album von 1843) weiter bauen, sondern musste von grund aus neu
die personalien von 12 000 alten Pförtnern zusammentragen, was
bei dem sehr zerstreuten material nicht leicht war. in tabellen-
form, übersichtlich und mit grossem fleisse gearbeitet, ist das büch-
lein uns auch als beitrag zur gelehrten- und familiengeschichte
willkommen. — vgl. Lit. cbl. 1892 (23) 812.
200. R. u. E,. Keil, Die deutschen Stammbücher. Berlin 1893.
vgl. jsb. 1893, 10, 285 und unten abt. 10, 365. — seit 1859
haben die vf. mehr als 600 Stammbücher durchgearbeitet und
daraus die 1856 nummern des buches zusammengestellt, so
dankenswert die arbeit in jeder hinsieht ist, so gründlich und
fieissig das gewaltige material auch zusammengetragen ist: man
vermisst doch die durcharbeitung zu einem rechten anschaulichen,
auch dem das material nicht durcharbeitenden gebildeten laien ver-
ständlichen bilde der kultur der zeit, die einleitung giebt eine
anziehende darstellung von der entstehung der Stammbücher,
möchte das werk recht viele leser finden.
201. S. Back, Die geschichte des jüdischen Volkes und
seiner litteratur vom babylonischen exile bis auf die gegenwart.
2. verb. aufl., mit anhang: proben der jüdischen litteratur. Frank-
furt a. M., Kauffmann 1893. 4 m.
nach der anz. im Lit. cbl. 1894 (8) 236 hat das buch keinen
122 VIII. Kulturgeschichte.
wissenschaftlichen wert, beansprucht ihn auch nicht, doch ist es
ein guter, orientierender führer.
202. M. Stern, Die israelitische bevölkerung der deutschen
städte. ein beitrag zur deutschen städtegeschichte. mit benutzung
archivalischer quellen III. Nürnberg im mittelalter. 1. hälfte.
quellen: statistische texte. — vgl. jsb. 1892, 8, 197.
203. OK Schamberger, Die geschichte des bauernstandes
vom anbeginn geschichtlicher forschung bis auf unsere zeit. Linz,
S. Tagwerkers witwe (Wien, Kubasta u. Voigt) 1893. IV, 174 s.
1,20 fl.
im Österr. litbl. 1894 (3) 73 als populär gehaltenes, ohne
hinreichende benutzung des einschlägigen quellenmaterials und
tendenziös gearbeitetes werk angezeigt.
204. M. Manlik, Das leben und treiben der oberdeutschen
bauern. — vgl. jsb. 1893, 8, 7. — wenig anerkennend bespr. im
Österr. litbl. 1894 (10) 299.
205. Chr. Meyer, Die unehrlichen leute in älterer zeit.
(Samml. gemeinverständl. wissenschaftl. vortrage von Virchow und
Holtzendorff, heft 193). Hamburg, verlagsanstalt und druckerei a.-g.).
37 s. 0,80 m.
von den beiden klassen der vogelfreien leute des mittelalters
wird kurz über diejenigen gehandelt, welche sich durch rechts-
widrige handlungen selber ausserhalb der gesellschaft stellten und
ausführlich über die ihrem gewerbe oder beruf nach 'unehrlichen'
gesprochen, zu diesen gehört zuvörderst der 'scharfrichter', dem
12 Seiten gewidmet werden, dann die polizeidiener, gassenkehrer,
feldhüter, Zöllner, totengräber, türmer, bettelvögte, nachtwächter,
alle, die mit der körperpflege des publikums in badestuben u. s. w.
zu thun hatten, sowie das ganze fahrende volk beiderlei geschlechts.
die arbeit ist interessant geschrieben und einem laienpublikum
angelegentlichst zu empfehlen; aber auch der gelehrte findet in ihr
viel wertvolles.
206. G. Pilk, Fehden und räubereien im 15. jahrh. Über
berg und thal [Dresden] 14, 157; 165.
207. E. Martin, Über das altdeutsche badewesen. Zs. f. d.
phil. 27, 52.
'in allen germanischen ländern, bis in den norden, ist das wort
für dampfbad das gleiche, gut aus germanischem stamm abzu-
leitende; es ist als lehnwort zu den Romanen, Slawen, Finnen und
Türken gedrungen, soll man da nicht die sache selbst als ur-
sprünglich germanisch ansehen?' M. nimmt damit Stellung zu dem
VIII. Kulturgeschichte. 123
artikel von Kochendörffer in Zs. f. d. phil. 26, 492 und schränkt
seine früheren ansichten ein. 'man bezeichnete das deutsche dampf-
bad mit dem klassischen lat. ausdruck , ohne den unterschied der
bedeutung in einem genauen sinne zu beachten.'
208. Fr. Straumer, Die brautsuppe in Chemnitz, ein bei-
trag zur geschichte der adjuvanten-gesellschaften in Sachsen.
Chemnitz, B. Troitzsch. VII, 101 s. 3 m.
209. Gr. Buschan, Leben und treiben der deutschen frau in
der urzeit. Hamburg, verlagsanstalt und druckerei a.-g. (sammlung
gemeinverständl. wissenschaftl. vortr. von Virchow und Holtzen-
dorff, heft 186.) 1893. 31 s.
eine für weitere kreise geschriebene schritt ; giebt im ersteren teile
wenig neues, wird aber interessant und mehr wissenschaftlich, wo
sie über die thätigkeit der frau im haushalte handelt, über das
eheliche Verhältnis zum manne, über ihre anhänglichkeit an die
familie und ihre liebe zum vaterlande.
210. F. Bernhöft, Frauenleben der vorzeit. Wismar
1893. 78 s.
aus einem vortrage hervorgegangen giebt das kleine werk
neue , interessante gesichtspunkte trotz Alwin Schultz und Wein-
hold, es behandelt: 1. brautwerbung in alten zeiten. 2. die kultur-
geschichtliche bedeutung des märchens. (es wird nachgewiesen, dass
alte kulturzustände in märchen, die sich auf das thema beziehen,
zum ausdrucke kommen.) 3. über die Stellung der frau im alter-
tum. — angez. von F. Lindner, Litbl. 1894 (4) 123.
211. G-. Deile, Die frauen der höfischen gesellschaft nach
dem Wigalois des Wirnt von Gravenberg. — vgl. jsb. 1893, 14, 82.
nach der anzeige Bethges Litztg. 1893 (49) 1544 laienhafte aus-
führungen ohne wert.
212. H. Reicher, Zur armenreform der städte in Steiermark.
Graz, verlag des landesausschusses. 164 s.
der zweite teil der arbeit ist namentlich interessant; er be-
schäftigt sich mit der armenfürsorge in frühchristlicher zeit und
im mittelalter.
213. P. Ruppert, Bettelwesen am ausgang des mittelalters.
Konstanzer geschichtsblatt 3, 212.
214. A. Diemand, Das ceremoniell der kaiserkrönungen von
Otto I. bis Friedrich II. München, H. Lüneburg. 151 s. 5 m.
[Historische abh., hrsg. von Heigel und Grauert, 4. heft. ursprüng-
lich Münchener diss.].
124 VIII. Kulturgeschichte.
angeregt durch eine bemerkung von E. Winkelmann in den
jahrb. deutsch, gesch. 'dass jemand den verlauf der kaiserkrönung
in ihren einzelnen stufen und die Wandlungen derselben im Zu-
sammenhang darlegen möge', unternimmt vf. dieses werk, zu dem
behufe prüft er vor allem die die gebete und ceremonien vor-
schreibenden formein (ordines) auf ihren wert, auch weiter geht
er methodisch richtig zu werke, wenn er, um eine sichere grund-
lage für die feststellung der ordines zu gewinnen, nach folgenden
gesichtspunkten verfährt: 1. aus den angaben der annalen und
anderweitigen nachrichten bestimmte Wendepunkte in dem ange-
wandten ceremoniell festzustellen. 2. zu prüfen, ob unter den be-
kannten ordines nicht gewisse für die so gefundenen Zeiträume
passende seien. 3. ob die ordines durch ihr Verhältnis zu ein-
ander die richtigkeit ihrer beziehung bestätigen. — der inhalt be-
wegt sich in drei abschnitten: 1. feststellung der ordines. 2. Ver-
hältnis der formein der kaiserkrönung zu denen der königskrönung.
3. das ceremoniell selber (einzug in die Stadt, empfang, skrutinium,
Salbung, Überreichung der insignien, zug zum lateran und fest-
mahl). ein anhang giebt acht abschnitte beilagen. an der
fleissigen arbeit vermissen wir nur eine übersichtliche Zusammen-
stellung der resultate, namentlich wo dieselben von den vorarbeiten
von Waitz und Schwarzer abweichen.
215. R. Kleinpaul, Die Jagd im mittelalter. Leipzig,
H. Schmidt u. C. Günther. 49 s. mit ca. 40 illustr. und 1 farben-
druck. 1,50 m.
eine Separatausgabe aus des vfs. grösserem werke, das wir
oben (8, 4) bespr. haben, wissenschaftlichem Studium nicht nur,
sondern auch dem über mittel verfügenden Sportpublikum ist die
lektüre dieses ausgezeichneten werkes über mittelalterliches Jagd-
wesen dringend zu empfehlen.
216. A. Berger, Volkszählung in den 7 und 2 stuhlen, im
Bistritzer und Kronstädter distrikte vom ende des 15. und anfang
des 16. jahrh. Korrbl. f. siebenb. landesk. 17, 49 — 59; 65 — 75.
giebt nur statistisches material.
217. W. Unseld, Der tod in schwäbischen Sprichwörtern
und redensarten. Alemannia 22, 87. — giebt eine Sammlung von
74 redensarten, die sich grossenteils auf die moderne zeit beziehen.
Spiel 1111(1 tilHZ. 218. A. Burckhardt, Das spiel im deutschen
mittelalter und die Spielbretter und brettsteine des historischen
museums in Basel. Jahrb. d. hist. mus. in Basel 1892, 20.
Trachten. 219. Fr. Hottenroth, Handbuch der deutschen
tracht, lief. 6—10, s. 321—640. Stuttgart, C. Weiss, lief. 2 m.
VIII. Kulturgeschichte. 125
bespricht zunächst die tracht des fünfzehnten Jahrb.. , die bei
einer gewissen jagd nach neuem und unerhörtem in kostümliche
willkür ausartet, die alte dezenz der tracht indessen erhält sich
vielfach und dient den künstlern der zeit zum vorbilde, die
männertracht wird gegen ende des jahrh. völliger und beseitigt
den unzureichenden schnitt, als kopfbedeckung gilt vornehmlich
der hohe gesteifte hut bei den frauen, bei dem adel der zeit ist
dieselbe überhaupt ein charakteristisches Unterscheidungsmerkmal,
die ständische tracht bewahrt ihre eigenheiten. die Volkstrachten
der zeit sowie die amtlichen trachten zeigen in zeitgenössischen
Illustrationen im ganzen spärliche angaben, für die kriegerische
tracht fliessen die quellen reicher, besonders schön bringt das
treffliche werk in diesen abschnitten, und zwar im vierten buch
den kaiserlichen ornat und sonstige kleinodien zur reproduktion.
das fünfte buch endlich behandelt die deutsche tracht im Zeitalter
der reformation und ihre Umwandlung nach spanischem muster in
der zweiten hälfte des sechzehnten jahrh. im sechsten buch
bietet vf. die tracht in den epochen des lederkollers und der staats-
perrücke.
220. Koloman Thaly, Siebenbürgische kostümbilder aus dem
17. jahrh. Vortrag, geh. in der akad. d. wiss. zu Budapest (im aus-
zug mitgeteilt in 'akad. ertesitö' 1893, 48 heft, s. 659).
angez. im Korrbl. f. siebenb. landesk. 17, 37. in der
Bolognaer univ.-bibl. (Marsigliarchiv) befindet sich eine hs. mit
kolorierten trachtenbildern und einer kurzen ethnographischen
Charakterisierung der in Siebenbürgen wohnenden Völker, das msc.
besteht aus 41 blättern, denen 25 aquarelle beigeschlossen sind
und trägt den titel: la popolazione di Transsilvania composta di
varie nazioni, di diverse lingue, religioni, usi e vestiti.
Universitäten. 221. A. Chroust, Aus dem mittelalterlichen
studentenleben an deutschen Universitäten. Nord und süd 60, 363.
222. H. Greiser, Eine volksanfrage betreffend den besuch
fremder hochschulen, 1514. Berner taschenbuch 41, 285.
223. E. Eriedländer, Ältere Universitätsmatrikeln. II. Uni-
versität Greifswald. — vgl. jsb. 1893, 15, 5. 8, 201. — angez.
Lit. cbl. 1893 (49) 1742. der vorliegende erste band umfasst die
zeit von der gründung der Universität 1456 — 1646. da die ma-
trikel nicht nur namenreihen sondern auch bemerkungen der ein-
zelnen rektoren über ihre amtszeit enthält, so ist das ganze eine
art chronik der Universität, die zur geschichte des deutschen
unterrichtswesens vieles beachtenswerte beisteuert, die dekanats-
bücher der Universität beginnen leider erst im anfange des 17. jahrh,
126 VIII. Kulturgeschichte.
diese bücher enthalten Preisangaben von grundstücken, baumaterial,
arbeitslöhnen u. s. w., sind also für dies kulturelle leben der zeit
von nicht zu unterschätzendem werte. — vgl. Mitt. a. d. hist. lit.
22, 188.
224. Ad. Hofmeister, Die matrikel der Universität Rostock.
III, 1. ostern 1611 bis michaelis 1651. Rostock, Stiller 1893.
168 s. 4.
vgl. jsb. 1892, 8, 218. 1893, 8, 203. — lobend angez. Lit. cbl.
1894 (12) 390.
225. R. Becker, Johann Hoffmann, nachmals bischof Jo-
hann IV. von Meissen; seine Wirksamkeit an den Universitäten
Prag und Leipzig, diss. Leipzig, Fock. 59 s. Im.
226. P. W. Ulrich, Die anfange der Universität Leipzig.
I. personenverzeichnis 1409 — 1419. aus den ältesten matrikeln der
Universität zusammengestellt. Zwickau 1891. 88 s. 4.
ein fehler der sonst verdienstlichen arbeit ist, dass die autoren-
namen nur gekürzt gegeben werden, nirgends aber sich, eine auf-
lösung dieser kürzungen findet. — vgl. Lit. cbl. 1893 (47) 1671.
227. W. Schrader, Geschichte der Friedrich- Wilhelms-uni-
versität zu Halle a. S. 2 teile. Berlin, Dümmler. 31 m.
228. Th. Müller, Die markgrafen Georg, Johann und Markus
von Baden auf den Universitäten zu Erfurt und Pavia. Zs. f.
gesch. d. Oberrheins 6, 701.
229. Die matrikel der Universität Heidelberg von 1386 — 1662.
bearb. und hrsg. von G. Toepke. 3. teil, register. 2. hälfte.
Heidelberg, Winters Universitätsbuchhandlung in komm. XII,
s. 545—887. 12 m.
vgl. jsb. 1893, 15, 6. — die zweite hälfte enthält orts-, sach-
und Wortregister, das werk ist mit umsieht und fleiss gearbeitet
und bringt neues für die geschichte mancher familie. vgl. Lit. cbl.
1894 (8) 237.
230. H Holstein, Zur gelehrtengeschichte Heidelbergs beim
ausgang des mittelalters. progr. des gymn. zu Wilhelmshaven 1893.
[no. 321.] 26 s. 4.
zur geschichte von Stephan Hoest, Pallas Spangel und Wimpfe-
ling wird manches neue und interessante beigebracht. — vgl. jsb.
1893, 20, 45.
231. G. Hürbin, Die gründung der Universität Basel, 1460.
Kath. Schweiz, bl. 1892, heft 2. Luzern, Räber. 16 s.
bespr. im Hist. jahrb. 13, 678.
VIII. Kulturgeschichte. 127
Wappen llllll Siegel. 232. Wappenkunde. Heraldische nionats-
schrift zur Veröffentlichung von nicht edierten wappenwerken, hrsg.
von K. freih. v. Neuenstein. 2. Jahrgang. Karlsruhe, 0. Nem-
nich in komm.
233. Siebmachers wappenbuch. lief. 369 — 371. Nürnberg,
Bauer u. R. ä 6 m.
234. K. D omanig, Die deutsche privatmedaille der älteren
zeit, ein Vortrag, gehalten im Wiener kunstgewerbeverein (sep.-
abdr. aus Numism. ztschr. XXIV). Wien, W. Braumüller in komm.
1893. IV, 42 s. mit 27 abb. und 3 taf.
besonders schön ist der abschnitt , welcher die blütezeit von
1520 — 1550 und ihre werke behandelt, — vgl. Österr. litbl. 1894
(10) 306.
335. Fr. Warnecke, Heraldische meister. 100 heraldische
kunstblätter nach entwürfen von Martin Schongauer, Israel van
Mecken, Albrecht Dürer, Virgil Solis, Jost Amman und anderen
deutschen und ausländischen hervorragenden meistern. Berlin,
J. A. Stargardt. 25 taf. mit 11 s. und 2 bl. text. fol. in mappe.
2(i m.
236. Cl. Kissel, Hessisches wappenbuch, städte- und orts-
wappen im grossherzogtum Hessen. Giessen, C. v. Münchow.
IV, 78 s. mit abb. 8 m.
237. M. Gritzner, Landes- und Wappenkunde der branden-
burgisch-preussischen monarchie. geschichte ihrer einzelnen landes-
teile, deren herrscher und wappen. mit 1 wappentaf., 69 in den
text gedruckten einzel wappen, sowie 15 stammtaf. Berlin, C. Hey-
mann. XXII, 310 s. 12 m.
vf. geht aus von dem grossen preussischen wappen und dessen
51 teilen, zu beginn der einzelnen abschnitte giebt er einen über-
blick über die territorialgeschichte des gebietes. der eigentliche
wert des Werkes liegt aber in der beschreibung der geschichte
des betreffenden wappens. — vgl. Lit, cbl. 1894 (40) 1451.
238. C. Teske, Die wappen des grossherzoglichen hauses
Mecklenburg in geschichtlicher entwicklung. im allerhöchsten
auftrage seiner königlichen hoheit des grossherzogs Friedrich
Franz von Mecklenburg-Schwerin bearb. und gez. XI, 94 s. mit
abb., stammtaf, tabellen, 23 farbigen und 8 photographierten
wappentaf. gr. 4°. Güstrow, Opitz & co. in leinwandmappe 60 m.,
in saffianledermappe 90 m.
239. C. Teske, Das mecklenburgische wappen von Lucas
Cranach dem älteren, die bücherzeichen (ex libris) des herzogs
128 VIII. Kulturgeschichte.
Ulrich von Mecklenburg und anderes. Berlin, J. A. Stargardt.
12 s. mit 22 abb. hoch 4'. G m.
240. P. Knötel, Die städtewappen Oberschlesiens. mit
Gl abb. programm. Tarnowitz, R. Ronge's nachf. 31 s. 1 m.
die abb. hat vf. dem wappenbuch der städte Schlesiens von
freih. von Saurma-Jeltsch, Berlin 1870, entnommen.
241. 0. Posse, Die Siegel der Wettiner und der landgrafen
von Thüringen. 2 teil: die Siegel der Wettiner von 1324 — 1486
und der herzöge von Sachsen- Wittenberg und der kurfürsten von
Sachsen aus askanischem geschlecht, nebst einer abhandlung über
heraldik und sphragistik der Wettiner. nach den photographischen
aufnahmen des herausgebers in lichtdruck ausgeführt. Leipzig,
Giesecke u. Devrient. 18 taf. X, 74 sp. in mappe 40 m., geb.
47,50 m.
242. Th. Ilgen, Die Siegel von adligen, bürgern und bauern
des bistums Münster und angrenzender gebiete. Münster, Regens-
berg in komm. 41 lichtdrucktafeln, 4 s. text. 20 m. (die west-
fälischen siegel des mittelalters. mit Unterstützung der landstände
der provinz hrsg. v. ver. f. gesch. u. altertumsk. Westfalens. 4. heft.
1. abt. fol.).
243. P.Köhler, Geschichte des fürstlich Lippischen Wappens.
16 s. mit 1 taf. Detmold, Hinrichs. 0,80 m.
244. K. Heigel, Über namen und wappen der stadt Kuf-
stein, festschrift, Kufstein.
245. Siegelabbildungen zum urkundenbuch der stadt und
landschaft Zürich, hrsg. von der Stiftung Schnyder und Warten-
see in Zürich, bearb. von P. Schweizer und H. Zeller- Werd-
müll er. in lichtdruck hergestellt von J. Brunner in Zürich. 1. u.
2. lief. s. 1—16, 17—34. Zürich, Faesi u. Beer.
Wirtschaft. 246. C. Neuburg, Goslars bergbau. — vgl. jsb.
1893, 8, 66. — günstig angez. von v. Inama-Sternegg Ztschr.
f. volksw., soc.-pol. u. verw. 1893, II, 4.
247. L. Beck, Die geschichte des eisens in technischer und
kulturgeschichtlicher beziehung. 2 abt. vom mittelalter bis zur
neuesten zeit. 1. teil, das 16. und 17. jahrh. Braunschweig,
Vieweg u. söhn 1893. 5 m. — vgl. jsb. 1892, 8, 171, wo die erste
abt. angezeigt ist.
248. Hockenbeck, Kosten einer reise von Köln nach
Breslau und zurück im jähre 1562. progr. des g} T mn. zu Wongro-
witz 1893. 13 s.
VIII. Kulturgeschichte. 129
249. Lohmeyer, Kaspars v. Nostitz haushaltungsbuch. —
vgl. abt. 15, 130.
250. Das älteste Kieler rentebuch (1300 — 1487). hrsg. von
Chr. Renter. — vgl. jsb. 1892, 8, 73; 1893, 8, 219. - - als eine
'in jeder beziehung reife und durchgearbeitete publikation' angez.
in Litztg. 1893 (51) 1610) von D. Schäfer. — es behandelt die
zeit von 1487 — 1586. das erste kapitel verbreitet sich über die
litteratur, sowie über form und inhalt des 'rentebuches'. kap. 2 be-
spricht die wirtschaftliche seite der eintragungen (zinsverschreibungen,
Verpfändungen u. ä.), kap. 3 ihre bedeutung, namentlich statistischer
art, für die stadt. kap. 4 bespricht den bedeutenden hopfenbau der
stadt (der im damaligen export Schleswig-Holsteins überhaupt eine
rolle spielt) und die 'hopfenhöfe'. verschiedene register erhöhen
den wert des tüchtigen werkes. — vgl. die besprechung von
Köhne in Mitt. a. d. hist, lit. 22, 39.
251. E. Sackur, Beiträge zur Wirtschaftsgeschichte fran-
zösischer und lothringischer klöster im 10. und 11. jahrh. Zs. f.
sozial- und wirtschaftsgesch. 1893, heft 2 und 3.
252. K. Lamprecht, Zum Verständnis der wirtschaftlichen
und sozialen Wandlungen in Deutschland vom 14. — 10. jahrh. Zs. f.
sozial- und wirtschaftsgesch. I, 191.
253. J. Neubauer, Der Egerländer bauernhof und seine ein-
richtung. progr. d. st. realsch. in Ellbogen 1893.
beschreibung und mundartliche benennung der gegenstände im
Egerländer bauernhof. — angez. Zs. f. d. realschw. 19, 749.
254. B. Martiny, Kirne und Girbe. ein beitrag zur kultur-
geschichte, besonders zur geschieh te der milch Wirtschaft. mit
5 Vollbildern und über 400 abb. im text. Berlin, Richard Hein-
rich. 1. lief. 48 und 20 s. 4. 3 m.
diese beiden Urformen des butterfasses, die arische und semitisch-
mongolische, geben den zweck des werkes an: eine geschichte des
butterfasses seit den ältesten zeiten. der v£, praktischer landwirt
und gelehrter zugleich, versteht es, auf kulturgeschichtliche fragen
licht zu werfen, die auch weitere kreise interessieren, inhalt: kap. 1
urzeit und sprachliches material, kap. 2 das nordeuropäische butte-
rungsgefäss, in welchem die milch gequirlt wurde, weiter wird
das stossbuttergefäss behandelt. — die Illustrationen sind sehr sorg-
fältig. — vgl. Österr. litbl. 1894 (21) 658.
Zeitrechnung. 255. A. Nürnberger, Ein deutscher kalender
aus dem 15. jahrh. 25. bericht der philomathie in Neisse, 307.
Paul Mann.
Jahresbericht für germanische philologie. XVI. (1804.) 9
130 IX. Recht.
IX. Recht.
1. L. Dargun, Mutterrecht und vaterrecht. 1. hälfte. -
vgl. jsb. 1893, 9, 1. — angez. von H. Stutz, Zs. d. Sav.-stift. f.
rechtsgesch. 15, gerni. abt. 175 — -178 (das mit Scharfsinn und un-
umschränkter beherrschung des stoffes geschriebene werk ruft doch
eine reihe schwerer bedenken wach).
2. L. v. Schröder, Indogermanisches wergeld. festgruss
an Rud. von Roth s. 49 — 52. Stuttgart, Kohlhammer.
wie die vedischen Inder und die Germanen in der sitte des
wergeldes übereinstimmen, so ist wahrscheinlich auch altruss. vira
wergeld mit altind. väira urverwandt, vgl. G. Bühler, Das wer-
geld in Indien ebdas. s. 44—48.
3. G. Liebe, Bahrrecht und fürbitte in deutschen städten
des mittelalters. Zs. f. kulturgesch. 1 (4). ■ — vgl. abt. 8, 1.
4. E. Hub er, Die bedeutung der gewere im deutschen
Sachenrecht, festschrift. Bern, Schmid, Tranke u. co. 84 s. 2 m.
nach Huber 'war die gewere in der alten, germanischen und
noch in der fränkischen zeit die einzige vom recht anerkannte
dingliche herrschaft über die sache und funktionierte als eigentum
an und für sich und für andere rechtszwecke , wie pfandsetzung
und leibzucht, in Verbindung mit besonderen gedingen; ihre gestalt
aber bestand in der inhabung und nutzung des herrschaftsobjektes.
im deutschen ma. dagegen bedeutete die gewere die form der
dinglichen rechte, und zwar die publizitätsform, kraft welcher der
inhaber über das dingliche recht verfügen und jeder dritte ihn
sowohl zu seinen gunsten als zu seinen Ungunsten als den ding-
lich berechtigten betrachten musste; in beiden perioden unter dem
vorbehält, dass die gewere des inhabers gebrochen werden konnte,
wenn sie infolge eines offenkundigen mangels am behaupteten recht
diese dingliche berechtigung nicht zu vertreten im stände war.'
5. S. J. Fockema Andreae, Vragen omtrent 'jaar en dag',
verslag. en mededeeling. der akad. Amsterd. 9, 3 e reeks, 183 — 213.
nach dem vf. bedeutet die bezeichnung 'jähr und tag' ursprüng-
lich den termin eines freien jahres, d. h. eines solchen, bei welchem
der anfangstag des termines nicht mitgezählt wird. — vgl. no. 77.
6. H. Siegel, Der handschlag und eid nebst denverwandten
Sicherheiten für ein versprechen im deutschen rechtsleben, eine
Untersuchung, (aus: Sitzungsberichte der kaiserl. akademie der
IX. Eecht. 131
Wissenschaften.) Wien, F. Tempsky in komm. 122 s. 2,60 m. —
nicht geliefert.
7. Chr. Meyer, Die unehrlichen leute. — vgl. abt. 8, 205.
8. H. Brunner, Die fränkisch-romanische dos. Sitzungsber.
d. preuss ak. d. wiss. 1893, 545 — 574.
vf. behandelt: den Sprachgebrauch, die donatio ante nuptias
in dotem redacta. die dos als erfordernis der eheschliessung. die
libelli dotis. die donatio ante nuptias und die dos bei auflösung
der ehe. die dos der merowingischen kapitularien. das nationale
fränkische recht.
9. Untersuchungen zur deutschen Staats- und rechtsgeschichte,
hrsg. von Otto Gierke. Breslau, Koebner. — vgl. jsb. 1893, 9, 5. —
45. heft. Alb. Werminghoff, Die Verpfändungen der mittel- und
niederrheinischen reichsstädte während des 13. und 14. jahrh.
VI, 1G3 s. 5,60 m. (s. 1—38 ist die unter no. 73 verzeichnete
Berliner diss.) — 46. heft. E. Lagenpusch, Das germanische
recht im Heliand. VII, 71 s. 2,50 m.
von früheren aufsätzen wurden angezeigt: 38. heft (0. From-
mer, Anfänge und entwickelung der handelsgerichtsbarkeit in
Königsberg) von W. Stieda, Litztg. 1894 (14) 440 f. (sorgfältig
und korrekt). — 40. heft (R. Weyl, Beziehungen des papsttums zum
fränkischen staats- und kirchenrecht) von U. Stutz, Zs. der Sav.-
stift. 15, germ. abt. 178 f. (eine übersichtliche und dankenswerte
darstellung); von H. Froidevaux, Rev. des quest. hist. 55, 660 f.
(als gewissenhafte arbeit zu loben); von H. Hahn, Mitt. a. d. hist.
litt. 21, 11 ff. (eine systematische, mit juristischer schärfe, kritik,
fleiss und grosser belesenheit durchgeführte Untersuchung); dagegen
werden sehr erhebliche ausstellungen gemacht von R. v. Seh.,
Hist, jahrb. 14, 459 f. — 41. heft (M. Lipp, Das fränkische
grenzsystem) von H. Hahn, Mitt. a. d. hist, litt. 21, 211 f. (re-
ferat). — 43. heft (E. Wetzel, Das zollrecht der deutschen könige)
von (E. Loenijng, Lit, cbl. 1893 (42) 1507; von Th. von Sar-
tori-Montecroce, Österr. litbl. 3 (2) 54 (dankenswert, wenn auch
nicht sehr ergebnisreich), und Hist. jahrb. 14, 704 f. — 44. heft
(Fr. Schäfer, Wirtschaftsgeschichte der reichsstadt Überlingen)
von A. Schulte, Zs. f. gesch. d. Oberrheins n. f. 8, 270 f. und von
K(urt) B(reysi)g, Lit. cbl. 1893 (48) 1703.
10. H. Brunner, Deutsche rechtsgeschichte. 2. bd.
vgl. jsb. 1893, 9, 8. die anz. von K. Maurer, Krit. viertel-
jahrsschr. f. gesetzgeb. 35, 481 — 485 rühmt die sorgfältige und er-
schöpfende behandlung.
132 IX. Kecht.
11. R. Schröder, Lehrbuch der deutschen rechtsgeschichte.
2. aufl. Leipzig, Veit u. co. 901 s. mit 1 abb. u. 4 färb, karten.
20 m. — nicht geliefert. — vgl. jsb. 1891, 9, 8.
12. Gre. Fromm hold, Deutsche rechtsgeschichte. ein grund-
riss zu Vorlesungen. Berlin, C. Heymann. XIV, 224 s. mit 3 färb,
karten. 5 m.
der vf. wiederholt im Vorwort ältere klagen darüber, dass bei
den juristischen zuhörern das Studium sich fast allein auf die repe-
tition des heftes beschränke, und sucht einen der gründe dafür in
der schweren zugänglichkeit der quellen, er will daher versuchen,
'eine neue anregung und zugleich ein hülfsmittel bei Vorlesungen
in der form eines grundrisses zu geben, in dessen system zahl-
reich eingefügte belegstellen die hauptpunkte zu veranschau-
lichen , die grundzüge zu vervollständigen , mit den quellen
selbst bekannt zu machen und zu ihnen hinzuleiten geeignet
sein möchten.' ob der pädagogische wert dieses (ohne den münd-
lichen Vortrag des lehrers schwer zu benutzenden) grundrisses
wirklich so gross ist, wie der vf. annimmt, ob er die leser nicht
viel mehr von dem eingehenderen Studium der quellen ablenken
als zu ihnen hinführen wird, darüber kann man im zweifei sein,
die belegstellen erscheinen im übrigen gut gewählt, und es ist nur be-
dauerlich , dass sie durch so viele druckfehler entstellt sind, auf
eine 'allgemeine rechtsgeschichte' folgt, wie bei Brunner, die be-
sondere rechtsgeschichte; im übrigen ist die synchronistische me-
thode angewendet worden, die beigegebenen karten , welche die
Verteilung der deutschen stamme im 1. jahrh. n. Chr., zur zeit der
Völkerwanderung und unter den sächsischen und fränkischen
kaisern darstellen, tragen zur Übersichtlichkeit bei; warum aber
nicht auch ein register?
13. J. F. v. Schulte, Lehrbuch der deutschen reichs- und
rechtsgeschichte. 6. aufl. — vgl. jsb. 1893, 9, 7. — die anz. von
a-, Litztg. 1893 (50) 1590, die Verbesserungen der neuen aufl. an-
erkennend, tadelt die nicht genügende bearbeitung der deutschen
Urgeschichte , welche hinter den fortschritten der Wissenschaft
zurückgeblieben sei, und die beispiellose zahl von druckfehlern. -
die letzteren rügt auch IL Stutz, Zs. der Sav.-stift. f. rechtsgesch.
1 5, germ. abt. 180, der eine noch vollständigere heranziehung der
neueren forschungen gewünscht hätte.
14. H. Brunner, Forschungen zur geschichte des deutschen
und französischen rechtes, gesammelte aufsätze. Stuttgart, J. C. Cotta.
X, 750 s. 18 m.
nicht geliefert. — nach der selbstanzeige Brunners, Zs. der
Sav.-stift. f. rechtsgesch. 15, germ. abt. 183 f. sind die hier ver-
IX. Recht. 133
einigten arbeiten wiederabdrücke früherer Veröffentlichungen; eine
ausnähme macht die Untersuchung über das französische droit de
retour, dessen germanischen Ursprung Brunner nachweist. — kurz
angez. Lit. cbl. 1894 (11) 355 f. — ferner bespr. von F. Dahn,
Allg. ztg. 1894 no. 85, beilage; von v. Salis, Cbl. f. rechtswiss.
148 ff., und von M. Pappenheim, Litztg. 1895 (13) 403 ff.
15. Ge. Waitz, Deutsche Verfassungsgeschichte. 5. band.
Berlin, Weidmann. XVI, 515 s. 13 m.
inhalt: die deutsche reichsverfassung von der mitte des 9. bis
zur mitte des 12. jahrh. 1. band. 2. auf!., bearb. von K. Zeumer. —
vgl. jsb. 1893, 9, 15. — die ersten beiden abschnitte: 'die ausbildung
des deutschen reiches' und 'die Verbindung mit dem kaisertum' hat
Waitz im ganzen druckfertig hinterlassen; für den übrigen teil des
buches hat sich der herausgeber auf eine reihe von korrekturen und
nachtragen, die sich im handexemplar des vf. fanden, beschränken
müssen, im text hat Zeumer sich begnügt, nur die allernotwendigsten
änderungen vorzunehmen; mehr hat er in den fussnoten ergänzt
und berichtigt, fast überall , wo er den Waitzschen text ge-
ändert hat, hat er die ursprüngliche fassung abgedruckt; die eigenen
zusätze hat er durchweg in eckige klammern eingeschlossen, so
liegt das werk nun in einer dem heutigen Standpunkt der Wissen-
schaft wieder angepassten gestalt vor. die ebenso wichtige wie
mühsame arbeit des herausgebers, welche ohne eine genaue prüfung
nicht überall zu erkennen ist, würde vielleicht, wie er selbst es
fürchtet, nicht genügend geschätzt werden, wenn nicht das buch
von Waitz ein so sehr verdienstvolles wäre, so aber wird dem,
der das unentbehrliche werk uns wieder in einer brauchbaren ge-
stalt überliefert hat, der allgemein ihm gebührende dank sicher
nicht fehlen. — angez. Lit. cbl. 1894 (1) 5 f. (ein altes, be-
währtes buch in einer nun wieder den anforderungen entsprechender
form, bei dem nur der mangel eines registers zu bedauern ist.)
16. F. Dahn, Die könige der Germanen, das wesen des
königtums der ältesten germanischen stamme und seine geschichte
bis zur auflösung des korolingischen reiches, nach den quellen dar-
gestellt. 7. band, die Franken unter den Merowingen. 1. abt.
Leipzig, Breitkopf & Härtel. CLXX, 309 s. 12 m. 2. abt.
273 s. 8 m.
vgl. jsb. 1887, 7, 44. — der titel des weit angelegten Werkes
von Dahn giebt mehr den ausgangspunkt seiner Untersuchungen an,
als dass er den inhalt erschöpfte, ist die Untersuchung über Ur-
sprung und wesen des germanischen königtums, welche im scharfen
gegensatz namentlich zu der von v. Sybel steht, auch der kern, um
134 IX. Recht.
den sich das ganze gruppiert, so enthält das werk doch viel mehr;
es ist nicht mehr und nicht weniger als eine Verfassungsgeschichte
wie die von Waitz, auf nochmaliger genauester Untersuchung der
quellen beruhend und eingehender als das Waitzsche werk, das
letztere wird durch Dahn keineswegs überflüssig gemacht, wohl
aber ergänzt, namentlich dadurch, dass in Dahn der geschulte
Jurist mehr zur geltung kommt, während bei Waitz juristische schärfe
nicht immer vorhanden ist. der vorliegende 7. band giebt bei einer
nochmaligen Untersuchung über das königtum unter den Germanen
dem vf. gelegenheit zu einer gleichfalls wiederholten scharfen
polemik gegen v. Sybel, der an seiner fast allseitig verworfenen
ansieht mit Zähigkeit festhält und sich nicht minder lebhaft gegen
Dahn gewendet hat, als sich dieser gegen ihn zurückwendet, die
kapitel über land und volk und über die stände im merowingischen
reich gehen auf die wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse näher
ein; ebenso die abschnitte der zweiten abteilung, welche den grund
und boden behandeln, in eingehendster darstellung werden die be-
fugnisse des königs und der einzelnen beamten zergliedert; um die
Wichtigkeit dieser abschnitte zu verstehen, braucht man nur an
die frage nach dem wesen, der entstehung und bedeutung des
hausmeiertums zu denken, das werk, welches ohne den in Dahns
wissenschaftlichen Schriften leider üblichen unübersichtlichen satz-
bau (man vgl. u. v. a. den letzten satz in abt. 1, s. 50) noch ge-
winnen würde, ist auch durch den eingehenden litteraturnachweis,
der allein 162 Seiten umfasst, wertvoll, ein register fehlt leider
auch hier! — angez. von FA, Lit. cbl. 1894 (30) 1052 ff. (die aus-
führungen von Dahn haben vor denen von Waitz die schärfere
juristische deduktion voraus) und von Weyl, Allg. ztg. 1894
no. 176, beil.
17. K. Biedermann, Geschichte des deutschen einheits-
gedankens, ein abriss deutscher Verfassungsgeschichte von der Ur-
zeit bis zur errichtung des neuen deutschen kaisertums. Wies-
baden, J. F. Bergmann. VI, 68 s. Im. — nicht geliefert. —
vgl. jsb. 1893, 8, 2.
18. Fontes iuris germanici in usum scholarum ex monumentis
Germaniae historicis separatim editi. Hincmarus de ordine palatii,
ed. V. Krause. 31 s. Hannover, Hahn. 0,50 m.
19. dasselbe. Leges Visigothorum antiquiores. ed. K. Zeumer.
XXH, 395 s. 6 m.
20. L. Beauchet, Loi de Vestrogothie (Westgötalagen).
Trad. et annotee et precedee d'une etude sur les sources du droit
suedois. Paris, Larose 1893. XXII, 464 s.
IX. Kecht. 135
enthält eine Übersetzung der älteren und jüngeren redaktion
des ältesten schwedischen landschaftsgesetzes.
21. L. Beauchet, Etüde sur les sources du droit suedois
jusqu'au 15 e siecle. Nouv. rev. hist. de droit 1891, 217 — 277.
enthält eine einleitung in das vorstehende werk.
22. J. Ficker, Untersuchungen zur erbenfolge des ost-
germanischen reiches. — vgl. jsb. 1893, 9, 18. — angez. von . . .,
Lit. cbl. 1894 (22) 789 f. (eine genauere beurteilung kann erst er-
folgen, wenn Ficker für viele seiner behauptungen die in aussieht
gestellten beweise erbracht haben wird). — ferner bespr. Mitt. d.
inst. f. österr. geschichtsforsch. 13, 181.
23. K. Lehmann, Consuetudines feudorum.
vgl. jsb. 1893, 9, 22. • — lobende anz. von A. B. Schmidt,
Hist. zs. 72, 310 ff.
24. Ph. Heck, Die altfriesische gerichtsverfassung mit sprach-
wissenschaftlichen beitragen von Th. Siebs. Weimar, Böhlau. XII,
499 s. 12 m. — vgl. abt. 18.
25. S. J. F ockern a Andreae, Bijdragen tot de Neder-
landsche rechtsgeschiedenis. 3 e bundel. Haarlem , Bohn 1893.
VIII, 176 s. 2,50 f.
2G. M. A. Lecoy de la Marche, La fondation de la France
du 4 e au 6 e siecle. Lille, de Brouwer et cie 1893. 294 s.
nach der anz. von P. L.-L., Rev. des quest. hist. 56, 602 f.,
welche das buch vom kirchlichen Standpunkt aus lobt , aber ein-
zelne ausstellungen erhebt, wird namentlich die Verschmelzung der
fränkischen mit der gallorömischen bevölkerung dargestellt.
27. A. Molini er, Les rois merovingiens ont-ils porte le
titre de vir inluster? Rev. historique 50, 273 — 281.
mit Havet verneint der vf. die gestellte frage.
28. Gr. Kurth, Les origines de la France (periode merovin-
gienne et carolingienne) d'apres M. Fustel de Coulanges. Rev. des
quest hist. 55, 208—219.
kritische analyse des nach dem vf. trotz seiner grossen fehler
hochbedeutenden werkes von Fustel de Coulanges: L'histoire
des institutions politiques de l'ancienne France, (jsb. 1890, 9, 23.)
29. H. Froidevaux, Etudes sur la 'lex dieta Francorum
Chamavorum' et sur les Francs du pays d'Amor. Paris, Hachette
1891. X, 234 s.
der ansieht des vf, dass das falsch benannte gesetz den ersten
jahren des 9. jahrh. angehöre und dass das in ihm erwähnte land
136 IX. Recht.
Amor in der gegend von Utrecht liege, stimmt zu M. C, Rev. des
quest. hist. 53, 590 f. — - ferner angez. von G. Blondel, Cbl. f.
rechtswiss. 13, 150 f. (nach streng wissenschaftlicher methode
verfasst).
30. Monumenta Germaniae historica. (neue quartausgabe.)
Legum Sectio. II. Capitularia regum Francorum denuo edid.
Alfr. Boretius et Vict. Krause. Tomi II pars 2. Hannover,
Hahn. s. 193 — 469. 9 m. — Legum sectio IV. Constitutiones et
acta publica imperatorum et regum. tom. I. Inde ab anno 911
usque ad annum 1197. ed. Lud. Weiland. XXI, 736 s. 24 m.
lobende anz. Lit. cbl. 1894 (35) 1243 f.
31. G. Seeliger, Die kapitularien der Karolinger. — vgl.
jsb. 1893, 9, 25. — referierende, den wert der arbeit anerkennende
anz. von H. Hahn, Litztg. 1895 (7) 206 f.
32. J. Flach, Les origines de l'ancienne France' 10. et 11.
siecles. I: Le regime seigneurial. II: Les origines communales.
la feodalite et la chevalerie. Paris, Larose et Forcel, 1886 u. 1893.
475 u. 584 s.
das werk ist für die deutsche rechtsgeschichte im wesent-
lichen wegen des ersten, die merowingische zeit behandelnden
bandes zu erwähnen; doch ist auch der zweite band insofern nicht
unwichtig, als es vorzugsweise fränkische rechtsverhältnisse sind,
welche in Frankreich eine besondere ausbildung empfangen, ein-
gehendere anz. von Ch. Pfister, Rev. historique 53, 357 — 367.
33. L. Huberti, Gottesfrieden und landfrieden. 1. buch:
die friedensordnungen in Frankreich. — vgl. jsb. 1893, 9, 27. —
auf die bedeutung des werkes weist hin G. Peries, Rev. des quest.
hist. 53, 297 f.
34. R. Hübner, Gerichtsurkunden der fränkischen zeit.
2. abt. — vgl. jsb. 1893, 9, 24. — lobende anz. von E. M., Mitt,
d. inst. f. österr. gesch. 15, 167.
35. H. Simonsfeld, Die wähl Friedrichs I. Rotbart. Sitzungs-
bericht d. philos.-philol. u. hist. klasse d. kön. bayr. ak. 1894 no. 2.
36. Th. Lindner, Die deutschen königswahlen und die ent-
stehung des kurfürstentums. — vgl. jsb. 1893, 9, 39. — angez.
von R. Schröder, Zs. der Sav.-stift. f. rechtsgesch. 15, germ. abt.
192 f. (durch die gründliche und scharfsinnige Untersuchung Lind-
ners dürfte die frage nunmehr in der hauptsache zu abschliessender
beantwortung gelangt sein.)
IX. Recht. 137
37. R. Kirchhöfer, Zur entstehung des kurkollegiums. —
vgl. jsb. 1893, 9, 3G. — empfehlende anz. von E. G. L., Rev. des
quest. hist. 29, 331 f. — ferner bespr. von ■ -ng, Lit. cbl. 1894
(33) 1166 (der fleiss des vf. und seine ruhige, nüchterne kritik sind
zu loben).
38. Fr. Redlich, Die absetzung deutscher könige durch den
papst. diss. Münster 1893. 61 s.
39. A. Diemand, Das ceremoniell der kaiserkrönungen. —
vgl. abt. 8, 214.
40. F. Zinkeisen, Die anfange der lehngerichtsbarkeit in
England. Berliner diss. 1893. 61 s. 0,80 m.
kurz angez. Hist. jahrb. 15, 683.
41. F. Liebermann, Über die Leges Angloruni saec. XIII
ineunte Londiniis collectae. Halle, M. Niemeyer. VIII, 105 s.
3 m. — nicht geliefert.
42. F. Liebermann, Consiliatio Cnuti. — vgl. jsb. 1893,
16, 163. — kurz angez. von F. Thudichum, Cbl. f. rechtswiss.
13, 277.
43. Fr. Purlitz, König und witenagemot bei den Angel-
sachsen. — vgl. jsb. 1892, 16, 134, — nach der mehrere flüchtig-
keiten tadelnden anz. von G. Binz, Litbl. f. germ. phil. 15 (2) 48 ff.
will der vf., der sich im grossen und ganzen Gneist anschliesst,
die bisherigen meinungen kritisch abwägen, um dann auf grund
einer selbständigen prüfung der quellen sich ein eignes urteil über
die Stellung des witenagemots gegenüber dem könige zu bilden.
44. H. Gengier, Beiträge zur rechtsgeschichte Baj T erns.
4. heft: Die verfassungszustände im bayerischen Franken bis zum
beginne des 13. jahrh. Leipzig, A. Deichert. VIII, 180 s. 5 m.
— nicht geliefert. — vgl. jsb. 1893, 9, 57.
45. L. v. Rockinger, Zu einer bezeichnung des landrechtes
des sogenannten Schwabenspiegels als Nürnberger recht. Sitzungs-
bericht der philos.-philol. u. hist. kl. der k. bayr. ak. 1894 no. 1.
46. G. Blondel, Etüde sur la politique de l'empereur Fre-
deric H. en Allemagne et sur les transformations de la Constitution
allemande dans la premiere moitie du 13 e siecle. Paris, Picard
1892. XVI, 440 s. 10 frcs.
nach der empfehlenden anz. von G. Digard, Rev. des quest.
hist. 29, 329 ff. werden namentlich die umstände untersucht, welche
im weiteren verlaufe die Selbständigkeit der landesfürsten herbei-
138 IX. Recht.
führten. — zustimmende anz. von R. Hübner, Litztg. 1894 (19)
589 ff. — als eine bereicherung unserer kenntnisse hervorgehoben
von A. B(üchi), Hist. jahrb. d. Görres-ges. 14, 436. ■ — ferner
angez. Cbl. f. rechtswiss. 12, 214; Rev. hist. 52, 146; von Lot,
Moyen Age 6, 110 — 116; Rev. intern, de l'enseign. 25, 362—366.
47. W. v. Brünneck, Zur geschichte des sog. Magdeburger
lehnrechtes. Zs. der Sav.-stift. f. rechtsgesch., 15. band, germ. abt.
53—122.
vf. behandelt die Übertragung des Magdeburger rechtes von
Olmütz, wo man unter dieser bezeichnung seit anfang des 14. jahrh.
ein teils mit dem sächsischen lehnrecht, teils mit dem Magde-
burger dienstrecht übeinstimmendes gemischtes recht verstand, nach
Preussen und die weitere entwickelung dieses rechtes.
48. H. Ernst, Mecklenburg im 13. jahrh. 1. kap. Die
Vasallen, progr. (no. 480) des realprogymn. zu Langenberg 1894.
33 s. 4°.
'die bevölkerung Mecklenburgs wie der angrenzenden länder
des kolonisationsgebietes besteht aus leuten, die in ihrer alten heimat
nach landrecht in ritterbürtige, schöffenbarfreie bauern, biergelden,
pfleghafte und freie landsassen zerfielen, zu denen nach weichbild-
recht kaufleute und handwerker hinzutreten, biergelden, pfleghafte
und landsassen werden . . zu einem stände; sie bilden die grosse
masse der ländlichen und städtischen bevölkerung, bauern und
handwerker, wie auch der name civis . . ihnen gemeinsam ist. sie
sind persönlich frei, haben teil am niederen gericht, entbehren aber
fast aller politischen rechte, über ihnen stehen nach landrecht
die schöffenbarfreien bauern, denen nach weichbildrecht die kauf-
leute nebengeordnet sind, beide stände haben die fähigkeit der
teilnähme am höchsten gericht und damit an der regierung der
städte.' — angez. von L. v. Borch, Mitt. a. d. hist. litt. 23, 13 f.
49. R. Schröder, Die landeshoheit über die Trave. N. Heidelb.
jahrb. 3, 32—51.
der aufsatz verdient hier erwähnung, weil die landeshoheit
Lübecks, welche im wesentlichen auf eine Schenkung kaiser Fried-
richs I. zurückgeht, auf grund des älteren deutschen rechtes ein-
gehend begründet wird.
50. P. Wigand, Das femgericht Westfalens, nach den
quellen dargestellt und durch Urkunden erläutert, ein beitrag zur
deutschen Staats- und rechtsgeschichte. 2. aufl. Halle, H. W. Schmidt.
VIII, 445 s. 6 m. — nicht geliefert. — neudruck der ausgäbe
von 1824 ohne sachliche änderungen.
IX. Recht. 139
51. Th. Lindner, Veme und inquisition. - - vgl. jsb. 1893,
9, 41. — angez. Korrbl. d. westd. zs. 12, 57.
52. V. Menzel, Deutsches gesandtschaftswesen im mittel-
alter. — vgl. abt. 8, 181 und jsb. 1893, 8, 120. — angez. von
W. Arndt, Bl. f. lit. unterh. 1893 (42) G63 f. (eine lücke unseres
Wissens ausfüllend), von A. Starzer, Österr. litbl. 2 (20) 618 (eine
fleissige, aber etwas breitspurige darstellung) ; von A. M., Hist.
jahrb. d. Görres-ges. 14, 45G f. (ein fast noch unbebautes gebiet
behandelnd und daher mit besonderer anerkennung zu verzeichnen.)
53. K. Schorbach, Zur bibliographie der goldenen bulle.
Jahrb. d. ges. f. lothr. gesch. 5 (1) 245—252.
54. P. Uhlmann, König Sigmunds geleit für Hus und das
geleit im mittelalter. (Hallische beitrage zur geschichtsforschung,
hrsg. von Th. Lindner, 5. heft.) Halle, C. A. Kaemmerer u. co.
88 s. 1,50 m.
im ersten teil bejaht der vf. nach abwägung der gründe und
gegengründe die frage, ob kaiser Sigismund Hus das geleit ge-
brochen habe, im zweiten wird sowohl das politische wie das ge-
richtliche geleit einer eingehenden erörterung unterzogen.
55. Deutsche reichstagsakten, jüngere reihe. 1. band: Deutsche
reichstagsakten unter kaiser Karl V. 1. band, bearb von Aug. Kluck-
hohn. Gotha, E. A. Perthes 1893. IV, 938 s. lex. 8°. 48 m.
lobende anz. von Virck, Theol. litztg. 19 (IG) 417—420.
56. 0. Rieder, Totschlagssühnen im hochstift Eichstätt.
nach beispielen aus dem 15. u. 16. jahrh. (sonderabdr. a. d. Sammelbl.
d. hist. v. Eichstätt, 6. u. 7. Jahrg.) 58 u. 37 s.
kurz angez. von Schi., Histor. jahrb. d. Görres-ges. 14, 704 f.
57. Drenthsche Rechtsbronnen, mit de 14e, 15e en 17e eeuwen.
uitgegeven door S. Gratania. s'Hage. IV, 179 s. 6,10 m.
58. A. Dopsch, Entstehung und Charakter des österreichischen
landrechtes. — vgl. jsb. 1893, 9, 34. — angez. von J. Hirn,
Österr. litbl. 3 (1) 10 f. (belehrend und methodisch mustergültig). —
kurz angez. Hist. jahrb. 15, 626.
59. A. Hub er, Österreichische reichsgeschichte. geschichte
der Staatsbildung und des öffentlichen rechts. Wien, Teinpsky. VIII,
280 s. 5 m.
60. W. Endemann, Von dem alten reichskammergericht.
Berlin, Heymann. 65 s. 1,50 m.
140 IX. Recht.
61. E. Bernheim, Die entstehung des deutschen städte-
wesens. — vgl. jsb. 1892, 9, 38. — zumeist referierende anz. von
W. Bröcking, Mitt. a. d. hist. litt. 21, 312 ff.
62. S. Rietschel, Die civitas auf deutschem boden bis zum
ausgange der Karolingerzeit, ein beitrag zur geschichte der deut-
schen stadt. Leipzig, Veit u. co. 120 s. 3 m.
die anerkennende anz. von K. L(amprech)t, Lit. cbl. 1894
(32) 1133 ff. geht auf den inhalt genauer ein; ebenso die be-
sprechung von E. Liesegang, Litztg. 1894 (32) 1002 ff.
63. J. E. Kuntze, Die deutschen städtegründungen oder
Römerstädte und deutsche städte im mittelalter. — vgl. jsb. 1893,
9, 51. — angez. von W. V arges, Mitt. a. d. hist. litt. 20, 311 ff.
(der erstrebte nachweis ist nicht gelungen; die arbeit hat wenig
positiven wert); ferner von E. Dünzelmann, N. phil. rundsch. 1894
(4) 55 ff. (die theorie erweckt mancherlei bedenken).
64. J. Fritz, Deutsche stadtanlagen, progr. (no. 520) des
lyceums zu Strassburg i. E. 46 s. 4°. mit 5 taf. abb.
der vf. sucht die besonderen Verhältnisse der stadtgründungen
aus dem Stadtplan zu erklären und streift bei seiner Untersuchung
vielfach die rechtsgeschichte. 30 Stadtpläne sind beigegeben.
65. A. Doren, Untersuchungen zur geschichte der kaufmanns-
gilden des mittelalters. — vgl. jsb. 1893, 9, 65. — durchaus ab-
fällige beurteilung von v. B(elow), Lit. cbl. 1894 (2) 43 ff. -
als anziehend geschrieben und auf sorgfältigem quellenstudium be-
ruhend empfohlen von H. Th. Soergel, Österr. litbl. 3 (5) 150 f.
— kurz angez. Hist. jahrb. d. Grörres-ges. 14, 203; ferner Korrbl.
d. westd. ztschr. 12, 57 f.
66. Fr. Philip pi, Die ältesten osnabrückischen gildeur-
kunden [bis 1500]. Osnabrück, Rackhorst 1890. VIII, 92 s.
2,50 m.
vgl. jsb. 1891, 8, 112. — abdruck von 65 Urkunden, von
denen bisher nur 38 veröffentlicht worden sind und die nicht nur
für die kenntnis des gildewesens, sondern auch dadurch von interesse
sind, dass sie von einer folgerichtigen und durch, festhalten ur-
alter rechtsverhältnisse besonders bemerkenswerten entwickelung
zeugnis ablegen, in der einleitenden Untersuchung fasst Philippi
die gilde auf als die gesamtheit der zum feilen verkauf ihrer
waren berechtigten bürger und sucht zu erweisen, wie sich diese
im gegensatz zu der durch grundbesitz allberechtigten vollbürger-
gemeinde zusammenschloss und zuletzt als in dem Organismus der
stadt politisch berechtigte genossenschaft anerkannt wurde, die
IX. Kecht. 141
gildeineister gehörten zum rate, den gildemitgliedern stand der zu-
tritt zum schöffenkollegiurn offen, die beschreibung des ratssilbers
wird durch phototypische abbildungen erläutert. — die den wert der
arbeit anerkennende anz. von Ge. Liebe, Mitt. a. d. hist. litt.
19, 309 f. hält die herleitung des rates von den bauerrichtern für
unrichtig.
67. K. W. Nitzsch, Die niederdeutschen verkehrseinrich-
tungen neben der alten kaufgilde. Zs. d. Sav.-stift. f. rechtsgesch.
15, germ. abt. 1 — 53.
68. J. Binswanger, Zur äusseren rechtsgeschichte Augs-
burgs, festschrift zum 22. deutschen juristentag s. 1 — 28.
kurz angez. Cbl. f. rechtswiss. 13 (4) 113.
69. G. Küntzel, Die erklärung der marktprivilegien von
Radolfzell und Allensbach. Zs. f. gesch. d. Oberrh. 8, 373—380.
70. K. Schaube, Noch einmal das Radolfzeller marktprivileg.
ebdas. 8, 626—632.
71. L. Pürstenwerth, Die Verfassungsänderungen in den
oberdeutschen reichsstädten zur zeit Karls V. — vgl. jsb. 1893,
9, 61. — als ein wenig erfreuliches werk bezeichnet von Brandi,
Hist. zs. 72, 373 f.
72. F. P. Bremer, Dr. Claudius Cantiunculas gutachten
über das Nürnberger stadtrecht. Zs. der Sav.-stift. 15, germ.
abt. 123—174.
abdruck eines aus dem jähre 1545 stammenden gutachtens
über die reformation des Nürnberger stadtrechtes.
73. A. Werminghoff, Die Verpfändung der mittel- und
niederrheinischen reichsstädte während des 13. — 14. jahrh. I. Ber-
liner diss. Breslau, Koebner. 163 s.
anerkennende anz. von Knipping, Korrbl. d. westd. ztschr.
13, 4. — vgl. oben no. 9.
74. W. Stein, Akten zur geschieh te der Verfassung und Ver-
waltung der stadt Köln im 14. und 15. jahrh. 1. band. Bonn,
H. Behrendt. 1893. CLXXIX, 769 s. 18 m. [Publikationen der
ges. f. rheinische geschichtskunde XI.]
nicht geliefert. — vgl. abt. 8, 38. • — nach der anz. von
Er. Lau, Litztg. 1894 (21) 653 ff. muss von dem sonst zu zollen-
den lobe der druck des eidbuches von 1321, welcher inkorrekt ist,
ausgenommen werden. — kurz angez. Hist. jahrb. 15, 685. — als
fleissig und sorgsam gerühmt von v. B(elow), Lit. cbl. 1894 (13)
430 f.
142 IX- Recht.
75. E. S teffenhagen, Der einfluss der Buchschen glosse
auf die späteren denkmäler. I. das clevische stadtrecht, (aus
Sitzungsberichte der kais. akad. d. wissensch. 129 (7) 1 — 60.)
Wien, F. Tempsky in komm. 1,30 m. — nicht geliefert.
76. F. Philippi, Zur Verfassungsgeschichte der westfälischen
bischofsstädte. mit urkundlichen beilagen und 4 geschichtlichen
Stadtplänen. Osnabrück, Rackhorst. V, 104 s. 3 m.
nach Philippi sind die westfälischen bischofsstädte aus länd-
lichen gemeinden zusammengewachsen und lassen ihr hervorgehen
aus ländlichen Verhältnissen noch deutlich erkennen, ihr recht ist
ein den Verhältnissen gemäss modifiziertes landrecht, der allmählich
immer schärfer hervortretende unterschied zwischen der land- und
stadtgemeinde wurde durch den ständigen handelsverkehr der hand-
werker mit selbstgefertigten waren bedingt, zum zwecke dieses
handeis schlössen sich die Produzenten zu gilden zusammen (vgl.
no. 66). hierdurch erreichten allmählich die von dem auf land-
besitz begründeten vollbürgertum ursprünglich ausgeschlossenen
personen Zulassung zu demselben, die besiedelung der städte er-
folgte auf grund des weichbildrechtes, einer erbzinsleihe. wenn
Philippi meint, dass bilithe zu bilien = beleihen in demselben Ver-
hältnis stehe wie behovede zu behoven und bewete zu buwen, so
dürfte doch das verschwinden des stammvokales und das zurück-
werfen des tones auf die vorsilbe sich wohl sehr schwer erklären
lassen; finden sich doch die formen wichbilde und wikbolde schon
um 1250. — im wesentlichen stimmt zu v. B(elow), Lit. cbl. 1894
(38) 1364 f.
77. A. Knieke, Die einwanderung in den westfälischen
Städten bis 1400. — - vgl. jsb. 1893, 7, 99. — vf, ein schüler
v. Belows, will die ergebnisse der neueren Untersuchungen über
die Verfassungsgeschichte der deutschen städte für ein bestimmtes
gebiet prüfen und dazu das urkundliche material möglichst voll-
ständig heranziehen, die Untersuchung erstreckt sich auf das ge-
samte alte Stammesgebiet von Westfalen mit einschluss des enger-
schen landes. die Vorzüge in rechtlicher und wirtschaftlicher be-
ziehung, welche zur einwanderung in die stadt anlockten, werden
zuerst untersucht, die daraus folgende betrachtung der Stellung,
welche die landesherren zu der einwanderung einnahmen, giebt
gelegenheit, die mittelalterliche freizügigkeit und das rechtliche
Verhältnis der schätz- und vogteileute, der pfahlbürger, edelbürger
und der sich in der stadt ohne bürgerrecht aufhaltenden personen
zu untersuchen, ganz besonders wird dann die Stellung der un-
freien erörtert und das verhalten sowohl ihrer auswärtigen grund-
herren als auch der stadt zu ihrer einwanderung im einzelnen ver-
IX. Recht. 143
folgt, die Untersuchung erstreckt sich auch auf manche nicht un-
mittelbar im thema ausgesprochenen, aber damit zusammenhängenden
fragen, wie z. b. auf das erbrecht einerseits der freien, andererseits der
unfreien, ein exkurs verbreitet sich über die Verjährungsfrist, in
der formel 'jähr und tag' versteht vf. das 'tag' als termin, nämlich
als die übliche ladefrist von sechs wochen. (vgl. no. 5.) — die
lobende anz. Lit. cbl. 1893 (40) 1419 charakterisiert die arbeit als
eine erläuterung des nachsatzes 'stadtluft macht frei' im um-
fassendsten sinne, aber unter einer bestimmten zeitlichen und ört-
lichen begrenzung. — kurz angez. von Gre. Liebe, Histor. zs.
72, 552. — günstig beurteilt von Kruse, Korrbl. d. westd. ztschr.
1893 (10) 212.
78. W. Varges, Zur entstehungsgeschichte Bremens. Zs.
d. h. v. f. Niedersachs. 1893, 337—367.
79. W. Varges, Die entwickelung der autonomie der stadt
Braunschweig. Zs. d. Harzvereins f. gesch. 25, schlussheft.
80. S. Schwarz, Anfänge des städtewesens in den Elb- und
Saalegegenden.
vgl. jsb. 1893, 9, 58. — angez. von W. Varges, Mitt. a. d.
hist. litt. 20, 313 ff. (sachlich und kritisch gehalten).
81. F. Priebatsch, Die deutschen städte im kämpfe mit
der fürstenge walt. 1. band, (die Hohenzollern und die städte der
mark im 15. jahrh.)
vgl. jsb. 1893, 9, 60. — auf Vorzüge und mängel des fleissigen
und wertvollen buches wird im einzelnen hingewiesen von O. Tschirch,
Litztg. 1894 (23) 909—912. — ferner angez. Forsch, z. brand.-pr.
gesch. 6, 297.
82. A. Warschauer, Stadtbuch von Posen.
vgl. jsb. 1893, 8, 51. — das vorliegende werk bildet den an-
fang einer grösseren Veröffentlichung; der 2. band soll noch das
ma. behandeln und die öffentlichen Urkunden mitteilen, während
der 3. dem 16., der 4. band dem 17. jahrh. gewidmet sein wird,
die bis jetzt erschienenen beiden hälften des 1. bandes bezeugen den
gewissenhaften fleiss und die peinliche Sorgfalt des herausgebers.
auf die beschreibung des archives der stadt Posen folgt eine ab-
handlung über die entwickelung der stadt im ma., besonders in
topographischer beziehung, welche durch einen Stadtplan erläutert
ist. eine Untersuchung über die wähl und Zusammensetzung der
städtischen behörden führt dann ebenso wie der folgende, die
kriminalgerichtsbarkeit behandelnde teil in das Verständnis der in
der 2. hälfte abgedruckten amtlichen aufzeichnungen ein. diese
144 1X - Recht.
zerfallen in die ratsakten (1399 — 1433), die akten des schöffen-
kollegiums für freiwillige (1430 — 1433) und streitige gerichtsbar-
keit 1501 — 1503) und die akten der kriminalgerichtsbarkeit. (Ver-
fassungen 1418 — 1438 und geständnisse 1502.) den texten voraus-
geschickt ist die liste der magistrate von 1253 — 1504. in das wirt-
schaftliche leben führen die stadtrechnungen von 1493 — 1497 ein.
ebenso sorgfältig wie der abhandelnde teil und die texte sind die
angehängten vier register. über die rechtsgeschichte wie auch für
die kenntnis der allmählichen polonisierung der deutschen bevölke-
rung giebt der 1. band wertvolle aufschlüsse. — kurz angez. Hist.
jahrb. 15, 047 f.
83. E. Wüst, Die ältesten handfesten der stadt Osterode
i. Ostpr. progr. (no. 21) des realgymn. in Osterode 1894. 8 s. 4°.
die handfesten, durch welche die grenze des Stadtgebietes von
dem gründer von Osterode, hochmeister Luther von Braunschweig,
festgesetzt und die lasten und freiheiten der bürger geordnet sind,
werden besprochen und die beiden ältesten (die eine 1324 erlassen, die
andere 1348 erneuert) abgedruckt.
84. A. v. Bulmerincq, Der Ursprung der stadtverfassung
Rigas. Leipzig, Duncker u. Humblot. IX, 83 s. 2 m. — nicht
geliefert.
85. B. Jecht, Das Zweitälteste stadtbuch von Görlitz 1342
bis 1387. N. Laus. mag. 69, 133—152.
86. H. Ermisch und O. Posse, Die anfange der stadt Chem-
nitz. — vgl. abt. 8, 40.
87. E. v. Wyss, Die schweizerischen landgemeinden in ihrer
historischen entwickelung. ■ - vgl. jsb. 1893, 8, 15. — angez. Zs.
f. Schweiz, recht 34, 112; N. Zur. ztg. 1892 no. 321; Sonntagsbl.
d. bund. 1893 no. 6; Schweiz, bibl. 1892 no. 10.
88. E. Bummler, Die schulzen der deutschrechtlichen dörfer
Grosspolens im 13. und 14. jahrh. — vgl. jsb. 1893, 9, 62. —
kurze anz. des 2. teiles von B. Föss, Mitt. a. d. hist. litt. 20, 295.
89. C. Könne, Markt-, kaufmanns- und handelsrecht in
primitiven kulturverhältnissen. — vgl. jsb. 1893, 9, 64. — kurz
angez. von Schuck, Cbl. f. rechtswiss. 13, 198.
90. A. Hauck, Die entstehung der bischöflichen fürstenmacht.
— vgl. jsb. 1892, 9, 32. — referierende anz. von H. Hahn, Mitt.
a. d. hist. litt. 20, 309 f.
IX. Recht. 145
91. J. Becker, Die landvögte des Elsass und ihre Wirksam-
keit von Heinrich VII. 1308 bis zur Verpfändung der reichsland-
vogtei an die kurfürsten der Rheinpfalz 1408. I. teil, progr.
(no. 522) des bischöflichen gynanasiums zu St. Stephan zu Strass-
burg. 48 s. 4°.
der vorliegende teil enthält zunächst die aufzählung der
landvögte.
92. M. Doeberl, Die rnarkgrafschaft und die markgrafen auf
dem bayerischen Nordgau. progr. des kön. Ludwigsgymn. in Mün-
chen. 90 s.
in einem besonderen abschnitt werden auch die inneren Ver-
hältnisse, u. a. die besiedelungs-, besitz- und bevölkerungsverhält-
nisse der markgrafschaft, ferner die militärischen und gerichtlichen
befugnisse des markgrafen dargestellt.
93. M. Doeberl, Die landgrafschaft der Leuchtenberger. eine
verfassungsgeschichtliche studie mit anhängenden regesten und Ur-
kunden. München, Killinger. 40 s.
kurz angez. von A. M., Hist. jahrb. d. Görres-ges. 14, 931.
94. C. Köhne, Das hansgrafenamt. — vgl. jsb. 1893, 9, 67. —
referierende anz. von Kn., Hist. jahrb. d. Görres-ges. 14, 457 f. —
ferner angez. Zs. f. d. kulturgesch. 3, 391.
95. Chr. Meyer, Ehaften des klosters Heidenheim. Zs. der
Sav.-stift. f. rechtsgesch. 15, germ. abt. 168 — 173.
die niederschrift der hier verzeichneten 'recht, eehaft und frey-
hait' erfolgte 1400.
96. Gr. Sello, Brandenburger weistum für Frankfurt a. O.
vom 29. februar 1376 und undatierte gerichtsordnung für Frank-
furt a. O. Forsch, z. brand.-pr. gesch. 6, 239 ff.
97. W. Mohr, Weistum des dorfgerichts Schaidt, Pfalz,
mus. 9, 5 — 6.
98. Grünewald, Dass Gemeine Weissthumb von Weisheim
ufm Sand, ebdas. 21/22.
99. J. Habets, Limburgsche wijsdommen. dorpcostumen en
gewoonten, bevattende voornamelijk bank-, laat- en boschrechten.
• — vgl. jsb. 1892, 9, 63. — referierende anz. von P. J. Blök,
Hist, zs. 70, 365 f. (die einleitung zu der höchst willkommenen
ausgäbe ist zu knapp und zu dilettantisch).
Jahresbericht für germanische philologie. XVI. (1894.) 10
146 X. Mythologie und Volkskunde.
100. C. Wieszner, Über einige deutsche rechtsaltertümer
im anschluss an Willems gedieht van den vos Reinaerde. IL progr.
(no. 174) des Elisabet-gymn. in Breslau. 31 s. — vgl. jsb. 1891,
19, 93. '
nachdem der vf. in dem 1891 erschienenen ersten teile seiner
abhandlung das altgermanische verfahren bei einer mordklage dar-
gestellt hat, bespricht er hier diejenigen rechtsaltertümer im Rein-
hart, die sich auf schuld und sühne beziehen. Böhm.
X. Mythologie und Volkskunde.
Mythologie.
1. Fr. Lukas, Die grundbegriffe in den kosmogonien der
alten Völker.. Leipzig, W. Friedrich 1893. VI, 277 s. 6 m.
E. M. Meyer, Anz. f. d. a. 20, 113 — 115 bekennt sich zum
Standpunkt des vf., 'dass die grundlagen der kosmogonischen legen-
den aus psychologischen gründen dieselben sind, dass sie aber durch
den individuellen geist der Völker überall anders fortgeführt
werden.' — rec. Achelis, Archiv f. anthropol. 22, 273 — 75.
la. Fr. Lukas, Das ei als kosmogonische Vorstellung. Zs. d.
v. f. volksk. 4, 227—243.
2. E. Siecke, Die liebesgeschichte des himmels. Strass-
burg 1892. — vgl. jsb. 1892, 10, 17. — rec. E. Mogk, Litbl.
1894 (4) 107. E. H. Meyer, Idg. forsch. 2 (5). Fr. Kauffmann,
Anz. f. d. a. 19, 338. R. Meringer, Zs. f. d. österr. gymn. 45, 785.
3. Fr. Kauffmann, Deutsche mythologie. 2. aufl. Stuttgart,
Göschen 1893. — vgl. jsb. 1893, 10, 1. — ferner rec. M. Rödiger,
Litztg. 1894 (3). Axel Olrik, Arkif f. nord. fil. 11 (2).
4. H. S. Vodskov, Sjseledyrkelse og naturdyrkelse. Kaben-
havn 1891. — vgl. jsb. 1891, 12, 195. 1892, 10, 10. — ferner rec.
v. Franke, Idg. forsch. 3 (3/4).
5. E. H. Meyer, Germanische mythologie. Berlin, Mayer
u. Müller 1891. — vgl. jsb. 1891, 10, 3. 1892, 10, 25. — weiter
bespr. v. E. Mogk, Idg. forsch. 3 (1). F. Detter, Anz. f. d. a.
19, 113—119.
6. W. Golther, Götterglaube und göttersagen der Germanen.
Dresden, L. Ehlermann. (Deutsche schul-ausgaben v. H. Schiller
u. V. Valentin, no. 1.) 66 s. 0,50 m.
X. Mythologie. 147
'unsere aufgäbe ist, zu schildern, an welche geisterhaften und
göttlichen wesen die germanischen Völker in der heidenzeit glaubten
und wie sie ihnen dienten.' diese aufgäbe wird, entsprechend der
Sammlung, welcher das büchlein angehört, durch gedrängte dar-
stellung der geschichtlich überlieferten oder wissenschaftlich er-
schlossenen thatsachen, mit möglichster beschränkung auf das, was
als gesichertes ergebnis der forschung gelten kann, gelöst, strenge
Scheidung der Überlieferung nach zeit und ort, genaue hervor-
hebung der entwicklungsgeschichte geben trotz der gebotenen be-
schränkung der darstellung das gepräge sicherer, geschichtlicher
erfassung des Stoffes, die einleitung spricht über den Ursprung
des geisterglaubens (seelengeister, naturbeseelung), sowie über
die Überlieferung der germanischen mythen. dem geisterglauben
(seelen und maren, nornen, walkyrjen, elben, riesen) folgt die dar-
stellung des götterglaubens. drei göttergestalten gehören zum ur-
bestand des germanischen himmels: der mächtige himmelsgott, in
die zwei gestalten des Tius und Thonar gespalten, und seine gattin
Frijö. die Verehrung dieser hauptgötter in kult und sagen, mit be-
sonderer hervorhebung der nordischen ausgestaltungen, wird kurz
geschildert, im ingvaeonisch-schwedischen Freyr hat sich vorwiegend
die uralte bedeutung des himmelsgottes, sein segnendes, friedliches
wirken erhalten, in der sage vom wanenkrieg bergen sich wahr-
scheinlich geschichtliche ereignisse. [die herbeiziehung der wochen-
tagsnamen als beweis für die götterverehrung ist unklar gehalten
und missverständlich, da ja die Wocheneinteilung und benennung
späten, fremden Ursprunges ist und die gleichsetzung germanischer
götternamen mit den für die einzelnen Wochentage überlieferten
lateinischen gelehrter klügelei entsprungen ist, deshalb also für den
Volksglauben nur abgeleitete bedeutung besitzt.] eingehender wird
die entstehung des Wodanglaubens aus der Vorstellung vom wüten-
den heere , die Verehrung dieses gottes unter den deutschen
Stämmen, die erhebung zum adelsgotte des nordens in der wikinger-
zeit, die Odindichtung, die revolution, die diese erhebung im ger-
manischen götterhimmel hervorgerufen und die schliesslich zum
nordischen göttersysteme geführt hat, geschildert, in der auffassung
der isländischen Baldrsage, des Lokimythus, vor allem der nordi-
schen dichtung von weltschöpfung und Weltuntergang wird antiker,
besonders aber christlicher beeinflussung breiter räum zugesprochen,
'eigenartige Weiterbildung christlicher motive'. das schlusskapitel,
'der gottesdienst' enthält eine Zusammenfassung dessen, was wir
über altgermanisches opfer, feste, volksgottesdienst, tempel, priester-
stand, los und orakel wissen.
7. P. Herrmanowsky, Die deutsche götterlehre und ihre
Verwertung in kunst und dichtung. Berlin 1891. — vgl. jsb. 1891,
10*
148 X. Mythologie unil Volkskunde.
10, 2. 1892, 10, 24. -- rec. L. Laistner, Anz. f. d. a. 19, 121 f.
Fr. Kauffmann, Zs. f. d. phil. 26, 204.
7a. 0. Jiriczek, Die ältesten Zeugnisse der nordischen raytho-
logie und die theorien Bugges. Beil. z. allg. ztg. 1894 no. 79.
8. S. Kraus s, Böhmische korallen aus der götterweit. Wien
1893. — vgl. jsb. 1893, 10, 15. — rec. Melusine G (11); Achelis,
Archiv f. anthrop. 22, 287 f. L. Fränkel, Archiv f. d. stud. d.
n. spr. 92 (1) 70 f.
9. C. F. H. Bruchmann, Die entstehung und die formen
des ahnenkultes. Nord u. süd 1894, april.
10. R. Spiller, Zur geschichte des märchens vom Dorn-
röschen. Frauenfeld 1893. — vgl. jsb. 1893, 10, 7. — aner-
kennend rec. v. L. Fränkel, Zs. d. ver. f. volksk. 4, 221 — 23.
11. A. Weber, Vedische beitrage. Sitzungsberiche d. Berl.
akad. 1894, 775—812.
zur cyenastuti des Vamadeva. vedische sage vom adler, der
als symbol des niederfahrenden blitz-feuers die herabkunft des
göttertrankes, des regens, vermittelt.
12. M. Boediger, Der grosse waldesgott der Germanen.
Zs. f. d. phil. 27, 1—14.
gegen Kauffmanns identificierung von Viöarr mit Heimdallr,
Hcenir, Väli, Ullr und dem deus Bequalivahanus.
13. F. Detter u. R. Heinzel, Hrenir und der Wanenkrieg.
Paul-Braune, Beiträge 18, 542 — 560. s. abt. 12.
14. F. Detter, Der Baldrmythus. Paul-Braune, Beiträge
19, 495—516. s. abt. 12.
15. Th. v. Grienberger, Dea Garmangabis. Zs. f. d. a. 38,
189—195.
inschrift auf einer jüngst bei Lanchester aufgefundenen römi-
schen ara. wie *ermanaz (= *ermaz) so ist *germanaz (= *germaz)
partizipiale bildung zur wurzel ger (gr. %(xq), welche ahd. als ger,
giri adj. 'cupidus studiosus pronus' erscheint, die bedeutungs-
entwickelung wie xaiQCü, %ccQig, lat. grätus, grätia. — 'gabi zum
stamme geben', also 'grata donatrix'.
16. O. Knoop, Die neu entdeckten deutschen göttergestalten
und götternamen. Am urquell 5, 9—13. 45—49. 69—71. 101—103.
134—137.
fortsetzung der in Veckenstedts ztschr. f. volksk. band 2 — 4
abgedruckten studien. (vgl. jsb. 1892, 10, 42.) 1. frau Gode. (die
X. Mythologie. . 149
formen wode = wilder Jäger und Gode sind auseinander zu halten,
frau Gode = gute frau. der name von der bezeichnung der Jung-
frau Maria, der here frouwe genommen, an deren gestalt sich ältere
heidnische züge angeschlossen haben.)
17. F. v. Schwarz, Sintflut und Völkerwanderungen, mit
11 abb. Stuttgart, Ferd. Enke. XVII, 252 s. 14 m.
18. Sauer, Mahabhärata und Wate. Stuttgart 1893. — vgl.
jsb. 1893, 10, 8. — rec. v. J. Kirste, Zs. f. österr. gymn. 45,
848 f. 'ein hübscher gedanke in hässlicher form'.
19. A. Bastian, Die verbleibsorte der abgeschiedenen seele.
ein Vortrag in erweiterter Umarbeitung. Berlin, Weidmann. II,
116 s. mit 3 taf. 3 m.
reiche Zusammenstellungen über die formen des seelenkultes
vorzüglich bei asiatischen und amerikanischen Völkern, doch sind
auch germanische und speziell deutsche quellen angezogen, obwohl
die quellen nicht angegeben sind, lassen sich doch aus der Zu-
sammenstellung gewisse richtpunkte, die auch für die beurteilung
der germanischen mythologie wichtig sind, herausheben, besonders
dankenswert sind die beigegebenen tafeln mit darstellungen aus
dem 13. und 14. jahrh. sowie aus der gegenwart (Russland, China).
— rec. Lit. cbl. 1894 (6): macht auf griechische vasenbilder-
darstellungen (Boscher, Lexikon 2, 1142 f.) vom hinausfahren der
seele aufmerksam. Achelis, Archiv f. anthropol. 23, 198.
20. A. Bastian, Vorgeschichtliche schöpfungslieder in ihren
ethnischen elementargedanken. Vortrag. Berlin, Felber. VII, 146 s.
mit 2 taf. 3 m.
rec. Lit. cbl. 1894 (23). Achelis, Am urquell 5, 114. vor-
züglich auf grund polynesischer Vorstellungen.
21. H. F. Feilberg, Die baumseele bei den Nordgermanen.
Am urquell 5, 88—90. 119—121.
22. C. Bademacher, Die germanischen begräbnisstätten
zwischen Sieg und Wupper. Nachrichten über deutsche altertums-
funde 5, 35 — 43.
23. G. A. B. Schierenberg, Die götter der Germanen oder
vom Eddarausch der Skandinavier und ihrem katzenjammer.
(eine stimme vom Teutoburger walde.) Detmold, in kommission
in Schenks buchhandlung. (Max Ihle.) o. j. (vorrede 7. Juni 1894).
III, LH und 224 s. 4 m.
das testament eines auf wissenschaftlichen irrwegen wandelnden
87 jährigen dilettanten, dessen eifer und freude an der wissenschaft-
lichen forschung durch die notwendige ablehnung von seite 'der schule'
150 X« Mythologie und Volkskunde.
eine verbitterte schärfe erhalten hat. das 52 Seiten starke Vorwort
mischt persönliche und sachliche polemik. der eigentliche inhalt
des buches bespricht in einzelnen abhandlungen die mythologischen
lieder der Edda, 'der Externstein (bei Hörn in Lippe) mit seiner
grotte ist also der angelpunkt, um den sich der Sagenkreis der Edda
dreht, und diese sagen sind aus Westfalen nach dem norden ge-
kommen und haben den stoff für die lieder der Edda geliefert.'
'Thrym ist also Varus, seine Schwester ist der Mithraskultus, und
sein heer ist das geschlecht der Thursen , das zerschmettert
wird' u. s. w. das letzte kapitel 'das martyrium eines dilettanten'
charakterisiert treffend nicht nur das vorliegende buch, sondern den
ganzen inritus labor des unlängst verstorbenen Verfassers. — rec.
Lit. cbl. 1895, s. 342 von E. Mogk.
24. E. Sander, La mythologie du nord. Stockholm 1892.
— vgl. jsb. 1892, 10, 31. — eine kurze notiz von Fr. Kauffmann,
Anz. f. d. a. 20, 79 f. bezeichnet das buch als wertlos.
25. F. Sander, Eigveda und Edda, eine vergleichende Unter-
suchung der alten arischen und der germanischen oder nordischen
mythen. Stockholm 1893. — vgl. jsb. 1893, 12, 126. — abfällig
rec. v. J. Kirste, Zs. f. österr. gymn. 45, 531.
26. F. X. Kie sslin g, Über germanische opfersteine in
Niederösterreich, sonderabdr. aus dem Boten a. d. Wienerwald,
3. jahrg. Wien, Kubasta u. Voigt. 28 s. 12°. 0,40 m.
vf. verteidigt seine in früheren aufsätzen geäusserte ansieht,
dass gewisse im österreichischen Waldviertel zerstreut liegende
steinblöcke mit künstlichen Vertiefungen opfersteine seien, gegen-
über der auffassung derselben als grenzsteine. — vgl. jsb. 1892, 7, 46.
Sagenkunde.
27. J. Nover, Deutsche sagen in ihrer entstehung, fort-
bildung und poetischen gestaltung I. Giessen, Roth 1895. 2,50 m.
Heldensage. 28. O. L. Jiriczek, Deutsche heldensage. (Samm-
lung Groschen, no. 32.) Stuttgart, G. J. Göschen. 173 s.
nach einem allgemein einführenden kapitel über den Ursprung
der deutschen heldensage (dichtung der ältesten zeit, stoffe des
epischen heldensanges, bildung des epos, begriff und umfang der
deutschen heldensage) folgt eine darstellung der einzelnen Sagen-
kreise, wobei in klarer, auch äusserlich durch abschnitte und Unter-
abteilungen markierter form die verschiedenen sagengestaltungen
X. Sagenkunde. 151
getrennt behandelt und der inhaltlichen wiedergäbe knappe aus-
führungen über die grundlage (mythisch und geschichtlich), ent-
wickelung und ausklänge der sage hinzugefügt werden. den
breitesten räum nimmt naturgemäss die Nibelungensage ein
(s. 18 — 72); sie ist ihrer bedeutung wegen an den anfang gestellt,
es folgen Dietrich v. Bern (76 — 105), Ermanarich (107 — 11"),
Walther (111—117), Ortnit-Wolfdietrich (119—132), Rother (135—
139), Wieland (142—148), Hilde und Gudrun (15"— 167). der
wissenschaftliche Standpunkt des büchleins stimmt im allgemeinen
mit der darstellung von Sijmons in Pauls grundriss überein, so
vor allem in der auffassung und deutung der Brynhildsage, in der
zurückführung von Siegfried und Wieland auf heroisierung von
elementarmythen. (E. H. Meyer.) vf. bescheidet sich mit ge-
sundem takte von weitergehenden kombinationen nur solche aufzu-
nehmen , die als gesichertes gut der forschung angesehen werden
können (so die ergebnisse von Müllenhoffs forschung über den hals-
bandmythus); die versuche Heinzeis, historische anknüpfungspunkte
zu finden , sind beiseite gelassen, von eigenen bemerkungen des
vfs. ist hervorzuheben die ausführungen über die lokalisierungen
der Brynhildsage (s. 67 f.), die feine bemerkung über die durch
den verschiedenen Standpunkt des dichtenden volksstammes (Goten
und Pranken) bedingte verschiedene auffassung des Charakter-
bildes Attilas in der nordischen (von den Pranken stammenden)
und baierisch-österreichischen (gotischen) sagengestalt (s. 70), so-
wie (im anschlusse an Uhland) die anknüpfung der märchenhaften
bestandteile der Dietrichsage an tirolische lokalsagen (s. 102).
da für die wissenschaftliche forschung in dem grundriss von
Sijmons die grundlage gegeben war, so lag — auch der nächste
zweck der Sammlung Göschen weist darauf hin — das Schwer-
gewicht der aufgäbe in der klaren darstellung des sageninhaltes
und in der knappen, die hauptfragen berührenden belehrung über
die hauptergebnisse der sagenforschung. die aufgäbe ist im ganzen
zweifellos glücklich gelöst, der stil der darstellung allerdings ist
an manchen stellen zu schwer und zu sehr mit technischen aus-
drücken durchsetzt (z. b. s. 48 die allein erhaltene druckredaktion),
aber die Inhaltsangaben (meist nach Uhland) sind einfach, tragen
noch etwas vom hauch des Originals an sich, und aus der gegen-
überstellung der verschiedenen Sagengestaltungen erwächst eine
klare anschauung von der Wanderung und entwickelung der heldensage.
besonders glücklich erscheinen dem ref. diejenigen partien getroffen,
in denen die älteste form der Nibelungen- und Wölsungensage in
Deutschland angedeutet wird, die hübschen bemerkungen Kögels
in Pauls grundriss sind hier gut verwertet. — rec. K. Landmann,
Zs. f. d. d. unt. 8, 417 f.
152 X. Mythologie und Volkskunde.
29. W. Golther, Deutsche heldensage. (Deutsche Schulaus-
gaben v. H. Schiller und V. Valentin, no. 2.) Dresden, Ehler-
mann. 76 s. 0,50 m.
versucht im allgemeinen dieselbe aufgäbe zu lösen wie das büch-
lein von Jiriczek , nämlich in knapper form den schülern höherer
schulen die deutsche heldensage darzubieten, sachliche abweichungen
von J. und Sijmons finden sich namentlich in der darstellung und
auffassung der Nibelungen- und Wielandsage, wo Gr. im sinne seiner
früheren diese fragen behandelnden einzelpublikationen die vorver-
lobung Siegfrieds mit Brynhild als nordische zubildung erklärt und
die 'möglichkeit' der entstehung der Wielandsage aus antiken er-
zählungen kurz andeutet, während Sijmons in bezug auf das
Verhältnis OÖins zur Siegfriedsage sich durch Müllenhoffs aus-
führungen hat bestimmen lassen, greift G. auch in diesem punkte
auf die frühere auffassung von Sijmons zurück, eine erklärung
der gestalt Siegfrieds ist nicht gegeben, die mythische (heroische)
ganz beiseite gelassen, die historische nur in einigen Worten der
einleitenden kapitel gestreift, in der darbietung weicht Gf. von
seinem Vorgänger, nicht in glücklicher weise, darin ab, dass er
Sagendarstellung und entwicklungsgeschichte ineinander arbeitet
und zwar öfter von einer wohl über das Verständnis und wissen
ungeschulter leser hinausgehenden höhe der betrachtung und des
stiles. hervorzuheben sind die schlusskapitel, welche, zum teil
nach Uhland, knapp und treffend in einzelnen typen das kultur-
leben der heldensage zusammenfassen und so zugleich zu tieferem
eindringen in das psychische leben der die heldensage behandeln-
den dichtungen anregen; gut gezeichnet ist Volker und Hagen,
weniger entsprechend Rüdeger.
die äussere ausstattung ist anständig, doch nicht so geschmack-
voll wie die bände der Göschen'schen Sammlung, für eine zweite
aufläge wäre eine deutlichere markierung der einzelnen haupt-
abschnitte zu empfehlen.
30. W. Golther, Wiederbelebung altgermanischer sage.
Süddeutsche blätter f. höh. Unterrichtsanstalten. 2 (5).
anzeige von Jiriczeks Heldensage (s. no. 28) und vergleich mit
der eigenen schrift (s. no. 29). J. hebt mehr die Überlieferung
hervor, während G. die entwickelungsgeschichte in den Vorder-
grund stelle, die verschiedene Stellung wird am beispiel der
Nibelungensage gezeigt.
31. W. Golther, Zur deutschen heldensage. Südd. blätter
f. höh. Unterrichtsanstalten. 2 (13).
Richard Wagners walküre und die darin enthaltenen germa-
nischen sagenmotive.
X. Sagenkunde. 153
32. J. H. Albers, Lebensbilder aus der deutschen götter-
und heldensage. ein lehr- und lesebuch für schule und haus.
3. aufl. Leipzig, R. Voigtländer. III, 156 s. 1,50 m.
33. H. Jellinghaus, Arrninius und Siegfried. Kiel und
Leipzig, Lipsius u. Tischer 1891. — vgl. jsb. 1891, 10, 15. —
ablehnend rec. v. R. Hennig, Anz. f. d. a. 20, 83 f.
34. E. Mogk, Die älteste Wanderung der deutschen helden-
sage nach dem norden. (Forschungen zur deutschen philologie.
festgabe für R. Hildebrand zum 13. märz 1894.) s. abt. 12.
36. R. Wossidlo, Sage vom Mbelungenland. Zs. d. v. f.
volksk. 4, 441 f.
Nibelungenland = das land der unterirdischen, von einer
alten frau in der umgegend von Waren.
37. C. Wolfskehl, Germanische werbungssagen. Darmstadt
1893. — vgl. jsb. 1893, 10, 6. — rec. M. Rüdiger, Zs. d. v. f.
volksk. 4, 220. Lit. cbl. 1894 (51) 853 f.
38. Gr. Schneege, Theodorich der grosse in der kirchlichen
tradition des mittelalters und in der deutschen heldensage. Zs. f.
geschichtswiss. 11 (1).
39. K. Landmann, Zur deutschen heldensage. Festschrift
für R. Hildebrand, hrsg. v. O. Lyon. s. 93—129.
über K. Simrocks Amelungenlied; mit ausführlichen quellen-
kritischen nachweisungen.
■■•&*
40. J. F. D. Bloete, Der zweite teil der schwanrittersage.
ein versuch zur erklärung des schwans. Zs. f. d. a. 38, 272 — 288.
nach heraushebung der gemeinsamen hauptzüge in den ver-
schiedenen gestaltungen der schwanrittersage sucht der vf. dieselbe
als den niederschlag eines germanischen Jahresmythus zu erweisen,
in frage kommt dabei nur der (wilde) singschwan, der mehr, als es
jetzt der fall ist, vor zeiten in den weitüberschwemmten gebieten
des Mederrheins und des Maas - Scheldedeltas, wohin eben die
schwanrittersage hinweist, auf der Wanderung im frühling und
herbst sich niedergelassen hat. im frühling die ersten boten der
milderen Jahreszeit, im Spätherbst die letzten gaste. vf. weist
hierauf nach, dass der keltische lichtgott Lugus, dessen boten
als schwane, speziell als singschwäne erkannt werden, auch
bei den belgischen Kelten am Niederrhein verehrt wurde. (Lug-
dunum Batavorum; die nachricht des Apollonius aus Rhodos von
einem keltischen Apollo der Hyperboreer und der Zusammenhang von
bernstein und schwanen in der griechischen sage über den norden
154 Mythologie und Volkskunde.
weisen darauf hin.) die hinter dem schwanritter sich bergende
gottheit ist aber keine keltische, sondern germanische stamme
(Bataver), die sich ums jähr 100 im gebiete der Kelten nieder-
lassen und die herminonische Verehrung des Tius mit sich bringen,
d. i. in ihm die gesamtheit der wohlthätigen naturkräfte , der
wärme und des lichts und der damit verbundenen fruchtbarkeit
verehren, übertragen die keltische Vorstellung des Schwans als
boten des lichts und frühlings — schwane als Verhüllungen von
göttlichen wesen oder als weissagende vögel — auf ihren gott,
dessen kommen und milde regierung, dessen scheiden das er-
scheinen der schwane im frühling und herbst anzeigte, zum
Schlüsse eine kurze Würdigung Hönis und seiner schwane, es ist
ein frühlings wesen, dessen ankunft auf den Pseröern ebenfalls
durch die schwane verkündigt wurde, [aurkonungr zu idg. *ausös
morgenröte = könig des frühlingsglanzes.]
41. L. Laistner, Der germanische Orendel. Zs. f. d. a. 38,
113—135.
weist als ergänzung zu den Untersuchungen Heinzeis über die
Orendelsage [vgl. jsb. 1892, 10, 99] auf den hierbei übersehenen
volkstümlichen faktor hin, indem er zu dem ersten teil der Orendel-
sage, sowie zu den verwandten sagen von Walther, Hamlet volks-
tümliche parallelen im märchentypus von 'Eisenhans', 'Goldener',
'Werweiss' nachweist, er verspricht, am anderen orte eine mythen-
geschichtliche betrachtung zu geben.
42. C. Voretzsch, Die franz. heldensage. akad. antritts-
vorlesung. Heidelberg, C. Winter. 32 s. 0,80 m.
Alexander. 43. H. Becker, Zur Alexandersage. Alexanders
brief über die wunder Indiens, progr. Königsberg i. Preussen.
26 s. 4°.
giebt eine kritische vergleichung der quellen des in der mittel-
alterlichen novellistischen litteratur so beliebten Alexanderbriefes.
auf die inhaltsangabe der betreffenden kapitel im Pseudocallisthenes
[nach J. Zacher] folgt die feststellung der abweichungen der latei-
nischen Übersetzung des Julius Valerius, welche ergiebt, dass einer-
seits dem Valerius eine bessere handschrift des Pseudocallisthenes
vorgelegen ist, als die uns überlieferten sind, dass aber andererseits
in unserer Überlieferung zwei verschiedene briefe mit einander ver-
schmolzen sind, verschieden von diesen beiden darstellungen ist
die epistola Alexandri Macedonis ad Aristotelem (seit dem 9. jahrh.
handschriftlich), deren inhalt kapitelweise genau angegeben wird,
diese epistola lehnt sich an Pseudocallisthenes und die lateinische
Übersetzung des Valerius an und ist etwa als sprachliche Übung
X. Sagenkunde. 155
in einer rhetorenschule im 5. oder G. jahrh. im anschluss an den
2. teil des Schreibens bei Pseudocallisthenes entstanden. zum
Schlüsse die abweichungen einer jüngeren recension der epistola.
— rec. K. Kinzel, Zs. f. d. phil. 27 (1) 3.
AniilZOncil. 44. H. L. Krause, Die Amazonensage, kritisch
gedeutet und untersucht. Berlin, R. Heinrich. III, 104 s. 1,50 m.
Ewiger Jude. 45. K. Neubau r, Die sage vom ewigen Juden.
Leipzig 1893. - - vgl. jsb. 1893, 10, 38. - - rec. v. K. Engel, Zs.
f. vgl. litgesch. 7, 234—237. S. Singer, Anz. f. d. a. 20, 195—98.
H. Haupt, Histor. zs. 74, 361.
Faustsage. 46. K. Kiesewetter, Faust in der geschichte
und tradition. Leipzig, Max Spohr 1893. XXIII, 567 s. 10 m.
— vgl. jsb. 1893, 10, 31. — rec. L. Fränkel, Am urquell 5,
201. derselbe, Archiv f. stud. d. n. spr. 92 (2) 180 f.
46a. J. Nover, Die Faustsage und ihre poetische gestaltung
(= Samml. wiss. vortrage n. f. 9, no. 201). Hamburg, verlags-
anstalt a.-g. 46 s.
47. C. Küchler, Die Faustsage und Goethes Faust. Leipzig
1892. — vgl. jsb. 1893, 10, 80. 1893, 10, 35. — rec. v. A. Sauer,
Litztg. 1894 (44) 1387. A. Köster, Anz. f. d. a. 21, 151.
48. R. Sprenger, Die wurzel des lebens. Am urquell
5, 143 f.
parallelen aus neuerer Volksüberlieferung zur erzählung im
Volksbuch von doktor Faust, wie durch das zerschlitzen des
lilienstengels der zauberer das leben verliert. Vorstellung von
dem fortleben menschlicher seelen in blumen.
49. K. Szakal, Über den Ursprung der Faustsage und
ihre ältesten prosaischen bearbeitungen. (magyarisch.) jsb. der
Päpaer hauptschule, s. 1 — 43.
eine auf guter litteraturkenntnis beruhende Zusammenfassung. —
rec. Gr. Heinrich, Egyetemes philologiai közlöny 19, 248- — 50
mit nachtragen aus der neueren litteratur.
50. [O. Heuer], Ausstellung von handschriften, druckwerken,
bildern und ton werken zur Faustsage und Faustdichtung, veran-
staltet vom freien deutschen hochstift. Frankfurt a. M., Knauer
1893. VLH, 127 s. 1,50 m. — vgl. abt. 15, 35.
bietet, wie L. Fränkel, Archiv f. n. spr. 92, 71 f. angiebt,
eine wertvolle ergänzung zu Engels bibliographie v. j. 1885.
51. O. Heuer, Faust in geschichte, sage und dichtung. be-
richte des freien deutschen hochstiftes zu Frankfurt 10.
156 X. Mythologie und Volkskunde.
F. Kluge, Ein zeugnis des 16. jahrh. über dr. Faustus. —
s. abt. 15.
Griseldis. 52. Wannenmacher, Die Griseldissage auf der
iberischen halbinsel. diss. Strassburg, buchdruckerei A. Müh et cie.
108 s.
bespricht die spanischen , portugiesischen und katalanischen
bearbeitungen der Griseldissage , die litterarisch zurückgehend auf
Boccaccio sich mit anderen, volkstümlich gewordenen märchen-
stoffen (Syrith-motiv) berührt.
Hero lind Leander. 53. M. H. Jellinek, Die sage von Hero
und Leander in der dichtung. Berlin, Speyer u. Peters 1890.
VI u. 93 s. — vgl. jsb. 1891, 10, 139. — rec. v. B. Hoenig,
Anz. f. d. a. 20, s. 35—38.
Karl der grosse. 54. G. Rauschen, Legende Karls des
grossen. Leipzig 1890. — vgl. jsb. 1891, 10, 147. — rec.
E. Schröder, Anz. f. d. a. 20, 251 — 55. G. Heinrich, Egyetemes
philologiai közlöny 19, 349. A. Leroux, Revue critique 1893 (49).
55. H. Grössler, Kyffhäuser und Wodansberg.
Archiv f. landes- u. volksk. d. prov. Sachsen 3, 143 — 148.
tritt der gleichstellung des Kyffhäuserberges mit dem in einer
Walkenrieder Urkunde von 1277 erwähnten mons, 'qui W T odans-
berg vocatur', entgegen und leitet den namen (a. 1118 Cuphese,
1292 Kuffese, 747 Cuffiso) von ahd. chuppha, mhd. kupfe hut
(also hutträger, hutberg) oder von ahd. chupisi zeit (zeltförmiger
hügel) ab. vgl. J. Grimm, Rechtsaltert. - 542 note.
56. Venediger, Die deutsche kaisersage. jsb. d. kgl. akad.
gem. wissensch. zu Erfurt 20, 353 — 381.
57. L. Fränkel, Beiträge zur Kyffhäusersage von kaiser
Friedrich. Am urquell 5, 210 — 15.
mitteilungen aus einem buche von Fr. Chr. Lesser (gedruckt
1754 in Leipzig); ein passus aus dem von F. aufgefundenen frag-
ment aus dem 'ersten nachtblatt L. Unlands' [die schlafende erde];
litteratur über die Kyffhäusersage.
58. Ralf Ofterding, Zur Kyffhäusersage von kaiser Fried-
rich. Am urquell 5, 283—284.
mitteilung aus dem buche von E. Goeze (Leipzig 1788).
Lenore. 59. L. Fränkel, Die Lenorensage. eine umfrage.
Am urquell 5, 128.
weist auf eine in Warschau 1893 erschienene studie von
J. Sozonovic über die Lenorensage hin.
X. Sagenkunde. 157
Mdlisina. CO. K. Biltz, Zur deutschen bearbeitung der Melu-
sinasage. Festschrift zum 70 jährigen geburtstag Rudolf Hilde-
brands, hrsg. v. 0. Lyon. s. 1 — 15.
handelt über die Verdeutschung des französischen romans durch
den Berner Schultheissen Thüring von Ringoltingen. (145G. erster
druck 1474.)
61. L. Frank el, Altes und neues zur Melusinensage. Zs. f.
volksk. 4, 387—392.
Kohiud. 62. Th. Eicke, Zur neueren litteraturgeschichte der
Rolandsage in Deutschland und Frankreich. Leipzig 1891. — vgl.
jsb. 1892, 10, 101. — ferner rec. v. L. Fränkel, Litbl. 1893 (8)
28G f. K. Weinhold, Archiv f. stud. d. n. spr. 90 (4) 408.
M. Koch, Zs. f. vergl. litgesch. 6 (3) 256—259.
Siebdl Schwaben. 63. Zwei flugblätter von den sieben Schwaben.
Zs. d. ver. f. volksk. 4, 430—437.
teilt die schwäbischen reime zweier bilderbogen des 17. und
18. jahrh. mit und verfolgt die geschichte des Stoffes von Hans
Sachs bis auf Aurbachers Volksbuch von 1827.
Tillinhäuser. 64. Brissaud, La legende de Tannhäuser. Me-
moires de l'academie d. sc. inscr. et belies lettres de Toulouse 5.
Teil- 65. A. IST. Harzen-Müller, Die sage vom apfelschuss.
Wissenschaftl. beil. z. Leipz. ztg. 1893, no. 149.
TrOJäSage. 66. E. Krause (Carus Sterne), Die nordische her-
kunft der Trojasage, bezeugt durch den krug von Tragliatella.
eine dritthalbtausendjährige Urkunde, nachtrag zu den Trojaburgen
Nordeuropas. Grlogau, C. Flemming 1893. 48 s. 1 m.
nach einer inhaltszusammenfassung seiner früheren Schriften
Tuiskoland, Trojaburgen Nordeuropas (jsb. 1893, 10, 14) geht vf.
näher auf die bilder des 1877 gefundenen krugs von Tragliatella
ein, die den Saliertanz im labyrinth darstellen und dieses selbst
als 'Truja' bezeichnen. im Zusammenhang mit den im norden
Europas zahlreich nachweisbaren labyrinthzeichnungen sind diese
bilder dem vf. ein neuer beweis für die nordische herkunft der
Trojasage, sowie der Arier selbst, aber gerade dieser italische
fund und das durch diesen auf die römischen Saliertänze fallende
licht zeigt , auf welchem wege die labj-rinthzeichnung nach dem
norden gekommen , durch das römische heer und die römische
kirche. — rec. W. M. Schmid, Archiv f. anthrop. 23, 204 f. —
Heibig, 24. jsb. d. ver. f. erdk. zu Dresden 1894, s. 68 f. 'als
feuilleton sind des vf. gedankensprünge recht lesenswert, als wissen-
schaftliche leistungen aber werden sie nicht blos von verbohrten
158 X. Mythologie und Volkskunde.
philologen angezweifelt.' — - Fr. K auf f mann, Anz. f. d. a. 21,
140—142. — H. D(raheim), Wochenschr. f. Mass. phil. 11 (6)
145 — 148 (aus den etymologischen und mythologischen hypothesen,
welche wahrscheinliches und unwahrscheinliches vermischen, kann
nur der philologe das richtige aussondern).
Verschiedene Silgeil. 07. R. Sprenger, Zur sage vom trinkhorn
des grafen von Oldenburg. Am urquell 5, 34. — vgl. jsb. 1893,
10, 51.
tSSageil. 08. W. Leinung u. R. Stumvoll, Aus Magde-
burgs sage und geschichte. Magdeburg, Julius Neumann. 3 bl.
u. 237 s. 2,80 m.
ein gutes buch zur belebung des geschichtlichen Unterrichtes,
worin nebst einigen breiter ausgeführten geschichtlichen partien
(besonders Zerstörung Magdeburgs 1031) eine reihe von lokalsagen
(meist zur namenerklärung der häuserwappen und namen, dom-
sagen), in ansprechender, volkstümlicher art geboten werden, als
quelle diente diesen sagen ausser der Grimmschen und Grässeschen
Sammlung Hülsse, sagen der stadt Magdeburg 1880 u. Reissieg,
sagen und legenden der stadt Magdeburg 1848. beigegeben sind
Stadtpläne und bilder aus früheren Jahrhunderten, abbildungen von
denkmälern etc. druck und ausstattung sind sauber, weniger
sauber das dem ref. zur Verfügung gestellte exemplar. — rec.
Reischel, Mitt. d. ver. f. erdk. zu Halle 1894, s. 118.
09. Sagen und brauche aus Thüringen und dem Harze, ver-
schiedene reichhaltige mitteilungen in der Zeitschrift: Aus der
heimat. sonntagsblatt des Nordhäuser kuriers 1894. — rec.
Mitt. d. ver. f. erdk. zu Halle 1894. s. 115—118.
09a. L. Fränkel, Nord thüringer volkssagen. Zs. d. ver. f.
volksk. 4, 327—329.
70. A. R. (A. Reichlin v. Meldegg), Regensburger volks-
sagen für jung und alt. Regensburg, W. Wunderling 1893.
110 s.
in vornehmer ausstattung eine auslese von 17 Regensburger
sagen zum teil aus den handschriftlichen Sammlungen K. W. Neu-
manns entnommen, die sagen sind zumeist aus alten schriftlichen
nachrichten, deren quellen s. 105 — 107 zusammengestellt sind, zum
geringen teil nach mündlichen erzählungen komponiert. ausser
einigen Chronikenmitteilungen über Karl den grossen und die be-
kehrungszeiten handeln die erzählungen hauptsächlich von merk-
würdigen baulichkeiten, brunnen, standsäulen, an die sich deutende
sagen knüpfen, dem buche sind hübsche abbildungen dieser bau-
X. Sagenkunde. 159
Überreste, sowie ein bild Regensburgs um 1640 und das 'Schotten
portal' von St. Jakob beigegeben. Wenn das buch auch kein
quellenbuch zur Volkskunde ist, so wird es seinen nächsten prak-
tischen zweck , zur geschichtlichen lokalbetrachtung anzuregen,
gewiss erfüllen. — rec. A. Hauffen, Euphorion 2 (1).
71. Gust. Werner, Görlitzer sagen für schule und haus,
gesammelt und nacherzählt. 4. aufl. Görlitz, 0. Vierling. DU, 38 s.
0,30 m.
72. Fr. Pf äff, Die sage von den ahornhäusern. Alemannia
22 (1) 65—74.
73. A. Röber, Die sagen des Elsasses 1. Strassburg 1892.
— vgl. jsb. 1892, 10, 109. — rec. E. Martin, Litztg. 1893
(3) 72 f. W. Hertz, Anz. f. d. a. 19, 93 f.
74. R. Eisel, Über die entstehung der sage vom unter-
irdischen gange. 61. — 64. jsb. des Vogtländischen altertums-
forschenden Vereins. Hohenleuben 1894. s. 1 — 15. (auf den gang
der sonne unter der erde zurückgeführt.)
75. 0. Lehmann, Die schönsten sagen des Rheines. 3. aufl.
Mühlheim a. d. R., J. Bagel. 177 s. 1,50 m.
76. W. Ruland, Legendes du Rhin. Stuttgart, J. Roth.
63 s. 1,20 m.
77. W. 0. Hörn, Der Rhein, geschichte und sagen seiner
bürgen, abteien, klöster und städte. 4. aufl. Stuttgart, Greiner u.
Pfeiffer. VIII, 464 s. 10 m.
78. M. Pauly, Perlen aus dem sagenschatze des Rheinlandes,
nach den ältesten quellen erzählt, mit 6 bildern. Köln, J. P. Bachern.
143 s.
ein schön ausgestattetes unterhaltungsbuch mit hübschen licht-
druckbildern. die sagen, in prosa und gereimt, sind guten quellen
entnommen, die prosaischen meist nach brüder Grimm und Sim-
rock, die poetischen bearbeitungen nach Gustav Pfarrius, 'Das
Nahethal in liedern'. neu ist no. 35: das Martinsfeuer im Sieben-
gebirge, worin ein auf alte ackerfeuerreinigung zurückzuführender
brauch geschildert wird. das Inhaltsverzeichnis 'nebst quellen-
angabe und bemerkungen' stellt zum teil reichliche litteraturnach-
weisungen zusammen, wenig verständlich sind dabei bemerkungen
wie s. 138: 'Verona oder Bern war ein poetischer beiname Bonns'
und s. 142: 'Edda, die man wohl ins 6. jahrh. setzt'.
160 Mythologie und Volkskunde.
79. N. Warker, Sagen der luxemburgischen Völker, aus bel-
gisch Luxemburg und dem Eischthal. neu bearb. u. hrsg. Arlon,
J. H. Willems 1893. IV, 143 s. 1,40 m.
80. Th. Aufsberg, Sagen und geschienten aus Mittelfranken,
bausteine für den Unterricht in geographie, geschichte und heimat-
kunde, gesammelt und bearbeitet. Nürnberg, F. Korn. VI, 58 s.
81. Krauss, Württembergische fürsten in sage und dich-
tung. Korrbl. d. gesamtver. d. d. gesch. u. altertver. 1893 (12).
82. L. Bernow, Die sagen der trinkhalle zu Baden-Baden.
2. aufl. Baden-Baden, F. Spiess. 31 s. 0,50 m.
83. H. Theen, Helgoländer sagen. Am urquell 5, 233 f.
Vom könig Helgo. Hernigssage.
84. A. Schacht, Hansische sagen, erzählungen aus Alt-
Hamburg, sowie aus der Vergangenheit der Hansastädte Lübeck u.
Bremen, gesammelt und bearbeitet. Hamburg , C. Kloss. IV,
166 s. 2 m.
85. Aurelias Sagenkreis, die schönsten geschichten , sagen
und märchen von Baden-Baden und dem Schwarzwalde. 2. ver-
mehrte aufl. Baden-Baden, C. Wild. VII, 224 s. 2 m.
86. (O. Sorber), Sagenklänge aus dem Sachsenland, in prosa
und poesie gesammelt und herausgegeben von O. Rebros. 1. abt.
1. bd. Löbau o. j. (1893). 8, 144 s.
87. A. Meiche, Sagenbuch der sächsischen Schweiz. Leipzig,
Bernhard Franke. VIII, 139 s.
einleitung und vorwort berichten über frühere Publikationen aus
diesem gebiete, die Sammlung selbst, 96 nummern stark, schöpft
meist aus mündlichen quellen, am reichsten sind spuk-gespenster
sowie geschichtliche und etymologische sagen vertreten, die dar-
stellung ist knapp und einfach, enthält sich jeder novellistischen
ausschmückung, so dass das büchlein jedenfalls als vertrauens-
würdige quelle benutzt werden kann, in einem anhang sind anek-
doten, kinderverse, brauch und aberglaube zusammengestellt, die
anmerkungen ziehen nur die sagen der benachbarten gebiete zur
vergleichung herbei und bekunden in der mythologischen zurück-
führung eine lobenswerte vorsieht, auf s. 137 eine ansprechende
ausführung über den lobetanz. — rec. A. Hauffen, Euphorion
2 (1) 151.
88. K. Weinhold, Schlesische sagen. Zs. d. ver. f. volksk.
4, 452—458.
X. Sagenkunde. 101
89. K. Grand er, Niederlausitzer volkssagen. vornehmlich
•aus dem stadt- und landkreise Gruben gesammelt und zusammen-
gestellt. Berlin , Deutsche schriftsteiler - genossenschaft. XXI,
197 s. 3 m.
339 nummern, von denen 279 unmittelbar dem volksmunde
entnommen sind und 313 der Niederlausitz angehören, werden in
zweckmässiger anordnung und mit reichhaltigen erläuternden an-
merkungen (s. 137 — 185), die auf verwandte aufzeichnungen aus
andern gegenden Deutschlands hinweisen, abgedruckt, ein orts-
und ein Sachregister erleichtern die wissenschaftliche benutzung
der dankenswerten arbeit.
90. A. Treichel, Steinsagen. Zs. d. hist. ver. f. reg.-bez.
Marienwerder. 31, 1 — 16. (nachtrag zu früheren Sagenpublikationen
in dieser Zeitschrift.)
91. A. Treichel, Sagen, ebenda 31, 29 — 74. (historische
lokalsagen.)
92. 0. Knoop, Sagen und erzählungen aus der provinz Posen.
Posen 1893. [Sonderveröffentlichungen der historischen gesellschaft
für die provinz Posen 2.] eigentum der gesellschaft. XIX, 363 s.
das schön ausgestattete, wertvolle werk enthält sowohl die
unter den deutschen bewohnern der provinz gangbaren sagen und
novellistischen erzählungen , als auch in deutscher Übersetzung,
eine grosse anzahl polnischer sagen, so weit es möglich war, ist
die polnische quelle angegeben; in vielen fällen lässt sich natür-
lich auf diesem grenzgebiete nicht genau feststellen, ob nun die er-
zählung zufällig in deutschem oder polnischen sprachgewande sich
vorfindet, was deutschen, was polnischen Ursprunges ist. doch
kann man auch unter den deutsch überlieferten sagen ziemlich
sicher drei schichten unterscheiden, solche, welche von den deut-
schen in das kolonistengebiet mitgebracht worden sind [vf. sucht
den betreffenden sagenbesitz vor allem durch vergleichung mit
hinterpommerschen sagen festzustellen], solche die selbständig in
der neuen heimat entstanden sind [geschichtliche sagen, Sapieha,
Napoleon, aus 1848 u. s. w.] und endlich solche, die auf polnische
beeinflussung hinweisen, [vornehmlich spuk- und dämonensagen].
eine nachahmenswerte neuerung ist das reichgegliederte Inhaltsver-
zeichnis [67 abschnitte], welches zum teil das bei solchen Samm-
lungen schwer vermisste typenregister ersetzt, die anmerkungen
geben einige Varianten und dienen vorzüglich zur erläuterung der
polnischen ausdrücke und Vorstellungen, die in den mitgeteilten
sagen vorkommen, die sagen selbst sind, wie natürlich, genau in
der form der mündlichen oder, was nur selten der fall ist, schrift-
Jahresberieht für germanische philologie. XVI. (1894.) Jj
1 (;2 X. Mythologie und Volkskunde.
liehen quelle mitgeteilt, dein vorstellungsinhalte nach decken sie
sich, soweit nicht polnischer einfluss sich bemerkbar macht, mit
den anderweitig überlieferten, im einzelnen bemerkt ref. nur: zu
s. 192, 'warum der mensch die zukunft nicht mehr weiss', dass
bei Müller 'Siebenbürgische sagen' s. 172 dieselbe sage mit
schärferer pointe enthalten ist. [der bauer macht den zäun nur
unordentlich , weil er weiss , dass er nur noch ein jähr zu leben
habe, darauf hin entzieht ihm gott den blick in die zukunft.]
s. 198: die geschichte von der mutigen müllerstochter ist weit ver-
breitet, bekannt vor allem durch die lustige bearbeitung von
W. Busch, s. 111: der hausdämon wird vom felde als durch-
nässtes, abgemagertes hühnchen heimgebracht, schleppt sodann
dem retter allerlei gut zu. in wörtlich gleicher ausführung auch
aus andern gegenden bezeugt, wo slavischer einfluss denkbar ist.
vgl. Korrbl. d. ver. f. siebenb. landesk. 16, 65 aus Siebenbürgen;
Veckenstedt, Zs. f. volksk. 4, 260 aus Thüringen, ebenda s. 165 f.
und 218 f. vom 'Schratl' aus Steiermark und Krain. — rec.
H. W(lislocki), Ethnographia 5, 133; A. Hauffen, Euphorion
2 (1) 147 f. K. Gander, Am urquell 6, 77.
93. F. Schulz, 2 sagen. Zs. d. bist. ges. d. provinz Posen
9, 97 f. (der erlöste Jüngling, der spukende schäfer.)
94. Oskar Vogt, Drei Hornschloss-sagen. nach einer alten
Überlieferung erzählt. Wüstegiersdorf, M. Jacob. 23 s.
drei erzählungen von einem verzauberten berggeiste, dem stein-
männchen, im Waldenburger gebirge, durch modernen aufputz
entstellt.
95. Adam Wolf, Aus Eger und dem Egerlande. belletristisch-
geschichtliche aufsätze. gesammelt und neu herausgegeben v. Georg
Habermann. Eger, J. Kobrtsch u. Gschihay 1891.
rec. Heinr. Gradl, Mitt. d. ver. f. gesch. d. Deutschen in
Böhmen 30 (1) lit. beil. s. 10—13. — enthält auf s. 6 ff. auch
mehrere, novellistisch ausgeschmückte volkssagen. besser sind die
dorfbilder, darunter das den landesbrauch des 'Henken-gehns'
schildernde.
96. A. Tscherny, Zur St. Kummernis-legende. Mitt. d.
nordböhm. excurs. clubs. 17, 317 — 319. (märtyrer-legende.)
97. M. Klapper, Sagen, ebenda 17, 324—329.
7 sagen, darunter mehrere Varianten der Kümmernis-sage (sie),
welche die christliche legende (s. oben no. 96) in volkstümlicher form
umwandeln, vermittelt hat ein noch stehendes Standbild.
X. Sagenkunde. 163
98. J. Tille, Sagen aus Niemes. Mitt. d. nordböhni. excurs.
clubs 17, 272—274. (Teufelssagen.)
99. — Nordböhmische lokalsagen. ebenda 16, 336 — 343.
no. 161—174.
100. A. Wiechowsky, Sagen aus der umgegend von Luh.
ebenda 16, 361—363.
101. W. Biegeleisen, Jüdisch - deutsche erzählungen aus
Lemberg. Zs. d. ver. f. volksk. 4, 209 f.
102. Gr. Calliano, Zum totenkult in Niederösterreich. Nieder-
österreichischer landesfreund 1893 (6).
103. G. Calliano, Niederösterreichische volkssagen. ebenda
1892 (4. 5). 1893 (2; 5; 10).
104. H. Mohr, Wechselsagen, ebenda 1893 (9).
105. Ch. Hauser, Sagen aus dem Paznaun und dessen
nachbarschaft. gesammelt und herausgegeben. Innsbruck, Wagner.
IV, 121 s. 1,20 m. — rec. A. Hauffen, Euphorion 2 (1) 148—151.
106. A. Zingerle, Über berührungen tirolischer sagen mit
antiken, in: Beiträge zur anthropologie, ethnologie und Urgeschichte
von Tirol, festschrift. Innsbruck, Wagner 1894. s. 213 — 226. —
rec. Zs. d. ver. f. volksk. 4, 461.
107. G. Nageler, Teufelssagen aus Oberkärnten. Zs. d. ver.
f. volksk. 4, 445—447.
108. H. Mose, Aus der Waldmark, sagen und geschichten
aus dem Rax-, Semmering-, Schneeberg- und Wechselgebiete. 2. ver-
besserte und vermehrte aufl. Pottschach. (Neunkirchen, P. Liepsch.)
VI, 87 s. 0,70 m.
109. — Aus der gegend von Sausal in Untersteiermark. Zs.
d. ver. f. volksk. 4, 451. (sagen von Wassergeistern.)
110. Sepp, Altbayrischer sagenschatz zur bereicherung der
indogermanischen mythologie. mit sieben Illustrationen, neue
(titel)ausgabe. München, verlag v. Otto Galler 1893. XVI und
<3o s.
eine neue titelausgabe des schon früher erschienenen Werkes,
das, wie der titel schon besagt, nicht nur Sammlung der volks-
überlieferung sein, sondern diese zugleich auch zur erkenntnis des
glaubens unserer väter ausbeuten will, die Vorzüge [reiches
material, bequeme Zusammenstellung anderer Varianten] sowie die
mängel [phantastische Interpretation, verführerische parallelsetzungen],
sind von der ersten ausgäbe her bekannt, so dass hier nur auf die
11*
1G4 X. Mythologie und Volkskunde.
neue herausgäbe dieser reichen, wenn auch nur mit vorsieht brauch-
baren Sammlung hingewiesen werden soll.
111. W. v. Schulen bürg, Steinaltertümer in Oberbayern.
Verh. d. Berl. gesellsch. f. anthrop. 1894. s. 249 — 255. (ver-
steinerungssagen.)
112. Ed. Haase, Vergrabene schätze, eine umfrage. Am Ur-
quell 5, 79—80.
113. A. Wünsche, Der Sagenkreis vom geprellten teufel als
baumeister. Beil. z. allg. ztg. no. 202. 203.
riesensagen. teufelsbrücken — mühlen — kirchen.
LogCIlden. 114. J. Strohschneider, Mittelfränkische prosa-
legenden, progr. d. k. k. Neustädter deutschen staatsobergymnasiums
in Prag am Graben. 1893. 31 s.
fortsetzung zu jsb. 1893, 10, 96. — enthaltend die fortsetzung
der Barbaralegende, Agathalegende, sowie ein Wörterverzeichnis,
rec. Zs. f. österr. gymn. 45, 865.
115. Fr. Tenhagen, Über die vredensche Sixtussage. Zs,
f. vaterl. gesch. u. altertkde Westfalens. 52, 1 — 11.
die vredensche sage, papst Sixtus habe in Vreden das heilige
messopfer dargebracht, wird darauf zurückgeführt, dass papst
Sixtus ehemals Schutzpatron der kirche zu Vreden gewesen sei.
116. F. G. Hann, Die tafelgemälde aus der Vituslegende in
den Sammlungen des kärntnischen geschichtsvereins in Klagenfurt,
werke der schule Michael Wolgemuts. Carinthia 1894, no. 1 u. 2.
(aus dem 15. jahrh. teile eines flügelaltars.)
117. C. Horväth, Die Adam- und Evalegende. Iroda-
lomtörteneti közleme^ek 5, 56 — 62.
aufzeichnungen aus dem Teleky-codex. die legende geht (viel-
leicht durch deutsche Vermittlung) auf das evangelium Nicodemi
zurück.
117a. A. Rode, Über die Margaretenlegende des Hartwig
v. d. Hage. — die jsb. 1893, 10, 95 verzeichnete dissertation von
Albert Bock ist die schon jsb. 1891, 14, 22 erwähnte schrift von
Rode; die falsche angäbe ist durch die recension im litbl. ent-
standen.
Märchen U. tiersage. HS. Reinhold Köhler, Aufsätze über
märchen und Volkslieder, aus seinem handschriftlichen nachlass
herausgegeben von Johannes Bolte und Erich Schmidt. Berlin,
Weidmann. 3 bl. und 152 s. 3 m.
X. Sagenkunde. 165
6 vortrage zur vergleichenden märchen- und volksliedkunde,
von denen bisher nur der erste gedruckt war: über die euro-
päischen Volksmärchen, eingemauerte menschen. St. Petrus der
himmelspförtner. die bailade von der sprechenden harfe. von
glück und unglück. das hemd des glücklichen. — zuvor ist aus
dem 2. bände der Zs. d. ver. f. volksk. der nachruf E. Schmidts
abgedruckt, zum Schlüsse das Schriftenverzeichnis R. Köhlers. —
rec. v. D. C(ock), Volkskunde, tijdschrift voer ndl. folklore 7, 172;
K. Weinhold, Zs. d. ver. f. volksk. 4, 98. H. Gaidoz, Melu-
sine 7 (2) 46 f. E. Monseur, Bull, de folklore wallon 2, 186 f.
G. Amalfi, Archivio per lo studio d. trad. pop. 13, 613 f.
E. Matthias, Weimar, ztg. 1894, no. 93.
119. Th. Vernaleken, Kinder- und hausmärchen dem volke
treu nacherzählt. 2. aufl. mit 6 färben druckbildern nach originalen
v. M. Ledeli. Wien, W. Braumüller 1892. VIII, 300 s. — rec.
v. R. Löhner, Zs. f. österr. gymn. 45, 845 f.
120. Th. Benfey, Kleinere Schriften zur märchenforschung
(= Gresammelte kl. Schriften, hrsg. v. Bezzenberger. 2. bd., 3. abt.)
neue ausgäbe (zuerst 1892). Berlin, Reuther u. Reichard.
237 s. 6 m.
enthält auf s. 94 — 156: das märchen von den menschen mit
den wunderbaren eigenschaften, s. 156 — 223: die kluge dirne,
s. 234 — 236: zum märchen von der tiersprache; ausserdem anzeigen
orientalischer Sammlungen wie Pancatantra , Katkäsaritsagara,
Vetälapancavimcati, Anvär-i-Suhaili, Qalilag v Danmag, Ardschi
Bordschi, Tuti Xameh, Conde Lucanor.
121. W. Hertz, Die sage vom giftmädchen. München 1893.
— vgl. jsb. 1893, 10, 78. — rec. v. AI. Tille, Lit. cbl. 1894 (10)
321 f. mit nachtragen aus Schottland.
122. W. Kawerau, Das märchen vom Schlaraffenland. Beil.
z. allg. ztg. 1893, no. 274.
eine populäre Zusammenfassung, fussend auf den arbeiten von
Pöschel, Müller-Fraureuth, Hauffen. vor allem wird die refor-
matorische, antikatholische Zuspitzung der fabel in den Varianten
des ausgehenden mittelalters hervorgehoben.
123. J. Bolte, Das märchen vom gevatter tod. Zs. d. ver.
f. volksk. 4, 34—41.
bearbeitungen des märchens durch Hans Sachs, Heinrich
Wolff und Joh. Prätorius. vorher ein Verzeichnis der bis jetzt be-
kannten fassungen des märchens.
166
X. Mythologie und Volkskunde.
124. J. Bolte, Märchen und Schwankstoffe im deutschen
meisterliede. — vgl. unten abt. 15, 120.
125. A. L. Stiefel, Über die quellen der fabeln, märchen
und schwanke von Hans Sachs. — vgl. unten abt. 15, 151.
127. B. Hönnicke, Märchen -studie. 2. aufläge. Leipzig,
J. H. Robolsky 1893. 43 s.
128. G. Heinrich, Märchen und sagen. Egyetemes philo-
logiai közlöny 18, 121 — 125.
Kurze begriffsbestimmung und festsetzung der im magyarischen
für sage, legende, nrythus, märchen zu verwendenden ausdrücke.
129. St. Prato, Zwei episoden aus zwei tibetanischen no-
vellen in der orientalischen und occidentalen Überlieferung, ein
kritischer versuch. Zs. d. ver. f. volksk. 4, 347 — 373.
vergleichende Zusammenstellung einiger eigentümlichen Vari-
anten des als märchen von den scharfsinnigen brüdern bekannten
typus.
130. R. Schmidt, C'ukasaptati. (textus simplicior.) aus dem
Sanskrit übersetzt. Kiel, C. F. Haeseler.
anerkennend rec. von R. Pischel, Zs. d. ver. f. volksk. 4,
94 — 9G. auch hier zu erwähnen, da dadurch wieder eine neue
quelle zur erkenntnis des Ursprunges von märchen- und novellen-
stoffen zugänglich gemacht wird.
131. V. Tille, Literarni studie J-Skupina lidovych povidek
o nezmämem rekovi, jenz v zävodech ziskal princeznu za chot.
Prag 1892. XV, 124 s.
rec. A. Hauff en, Zs. d. ver. f. volksk. 4, 98 f. Tille
untersucht in der vorliegenden schrift die gruppe der volks-
erzählungen vom unbekannten helden, der sich in einem wettkampf
eine prinzessin zur frau erwirbt, die rec. giebt eine genaue In-
haltsangabe der abhandlung.
133. R. Sprenger, Zu den kinder- und hausmärchen der
brüder Grimm. Am urquell 5, 248 — 250.
Varianten zu den märchen von den wichtelmännern und vom
Rumpelstilzchen.
134. M. Landau, Zur ethnographie der ostgalizischen Juden.
Am urquell 5, 183—186.
bespricht das vor kurzem in den Schriften der Krakauer akademie
der Wissenschaften veröffentlichte werk von B. W. Segel, 'mate-
rialien zur ethnographie der ostgalizischen juden ; , worin jedoch die
X. Volkskunde. 167
märchen u. s. w. aus der jüdisch-deutschen Originalsprache ins pol-
nische übersetzt sind.
135. G. F. Feilberg, Wie sich Volksmärchen verbreiten.
Am urquell 5, 165—169; 215— 21S; 239—241; 272—275.
märchen verbreiten sich durch kulturbeziehungen, handels-
verbindungen. in manchen gegenden sind die wandernden schuster
und Schneider die märchenverbreiter. ebenso auch die seeleute.
eine dritte Masse der vermittler sind allerlei arten von losem ge-
sindel, bettler, herumtreiber. vf. weist zum schluss an beispielen
nach, wie gegenwärtig gedruckte märchensammlungen die erzählungs-
stoffe des Volkes beeinflussen.
135a. C. Krumbach, Grimms märchen in unseren lese-
büchern mit den quellen verglichen. Süddeutsche blätter, hrsg.
v. K. Erbe. (Stuttgart, Neff.) 1893 (11).
Rotkäppchen. Frau Holle. Sternthaler. — ders. : Rheinische
blätter f. erziehung u. Unterricht 69, 66 — 76. Schneewittchen;
Dornröschen.
136. H. Volksmann, Der mann im monde. eine umfrage.
Am urquell 5, 285 f. — weitere mitteilungen.
137. Leopold Sudre, Les sources du roman de Renart.
Paris, Bouillon 1893. VIII, 356 s.
rec. C. Voretzsch, Litbl. 1895, 15 — 25. 'die bedeutung
des buches Hegt in dem nachweis, dass für das französische tier-
epos des 12. und 13. jahrh. die sogenannten tiermärchen eine
wichtige, vielleicht die wichtigste quelle gewesen sind'. — aner-
kennend S. Singer, Anz. f. d. a. 20, 248—251.
138. G. C. Keidel, Die eselherz- (hirschherz-, eberherz-)
fabel. Zs. f. vergl. litgesch. n. f. 7 (4) 264—267.
stellt einen Stammbaum der aus dem Pantschatantra stammen-
den fabel der Gesta Romanorum 83 auf.
Volkskunde.
Allgemeines. 139. Zeitschrift des Vereins für Volkskunde, im
auftrag des Vereins hrsg. von K. Weinhold. 4. Jahrg. Berlin,
A. Asher u. co.
140. Am Urquell. Monatschrift für Volkskunde, hrsg. v. Fr.
Krauss. 5. Jahrg. Hamburg, C. Kramer.
141. Blätter für pommersche Volkskunde, hrsg. v. 0. Knoop
und A. Haas. 2. Jahrg. Stettin, Joh. Burmeister.
1(38 X. Mythologie und Volkskunde.
142. Volkskunde. Tijdschrift voor nederlandsche folklore
onder redactie van Pol de Mont u. A. de Cock. 7. jahrg
Gent, Ad. Hoste.
143. Ons volksleven. Tijdsckrift voor taal- volks- en oud-
heidkunde, onder leiding van Joz. Cornelissen en J. B. Vervliet.
6. Jahrg. Brecht, L. Braeckmans.
144. Ethnologische Mitteilungen aus Ungarn. Zeit-
schrift für die Völkerkunde Ungarns und der damit in ethno-
graphischen beziehungen stehenden länder. hrsg. v. A. Hermann.
III. bd. Budapest I. eszt. György utcza 2.
145. Ethnographia, A magyarorszägi neprajzi tärsasäg es
a m. nemzeti muzeum ertesitöje. szerkeszti Munkäcsi Bernät.
Budapest 1894. 5 dik evfolyam. (Ethnographia, anzeiger der ge-
sellschaft für Völkerkunde Ungarns und des ungarischen national-
museums.) enthält auch beitrage aus dem deutschen Volksleben.
146. A. Bastian, Ideale weiten nach uranographischen pro-
vinzen in wort und bild. ethnographische zeit- und Streitfragen
nach gesichtspunkten der nordischen Völkerkunde. 3 bde. (folio)
mit 22 taf. Berlin, E. Pelber 1892.
rec. Am urquell 5, 82 f.
147. A. Bastian, Wie das volk denkt, ein beitrag zur
beantwortung sozialer fragen auf grundlage ethnischer elementar-
gedanken in der lehre vom menschen. Berlin, E. Pelber 1892.
rec. Am urquell 5, 83 f.
148. Plorschütz, Fragebogen zur bestimmung von vor-
geschichtlichen kultusplätzen. Korrbl. des gesamtvereins der deut-
schen geschichts- und altertumsvereine 1894 (12) 137 f.
149. Fr. Kluge, E. H. Meyer, Pr. Pf äff, Fragebogen zur
Sammlung der volkstümlichen Überlieferungen in Baden. Alemannia
21, 301 — 304. — auch besonders gedruckt.
150. E. H. Meyer, Badische Volkskunde. — vgl. abt. 8, 22.
— bespricht nach einer historischen einleitung über die bisherigen
bestrebungen auf dem gebiete der Volkskunde punktweise den
obengenannten fragebogen und erläutert ihn durch beispiele aus
heimatlichem und fremdem Volksglauben und brauch.
151. A. Hauffen, Bericht über den bisherigen fortgang
seiner im auftrag der gesellschaft unternommenen Sammlung der
volkstümlichen Überlieferungen in Deutsch -Böhmen. (Mitteilung
no. III der gesellschaft zur förderung deutscher Wissenschaft,
kunst und litteratur in Böhmen.) 1895. 8 s.
X. Volkskunde. 169
enthält als proben auch einige sagen, sowie angaben über
flurnamen und aberglauben.
151a. A. Hauffen, Fragebogen zur Sammlung der volkstüm-
lichen Überlieferungen in Deutsch-Böhmen. Prag, verlag der ge-
sellschaft zur förderung deutscher Wissenschaft, kunst und litte-
ratur in Böhmen. 14 s.
152. A. Schullerus und 0. Wittstock, Fragebogen (zur
erforschung der siebenbürgischen Volkskunde). Hermannstadt,
W. Krafft. 11 s.
153. J. Wagner, Zur Volkskunde aus Draas. Korrbl. d.
ver. f. siebenb. landeskunde 17 (7/8) 81—119.
reiche mitteilungen aus einem dorfe in der nähe von Reps als
beantwortung des in voriger no. genannten fragebogens. besonders
interessant die mitgeteilten Volkslieder, märchen und sagen.
154. Otto Jiriczek, Anleitung zur mitarbeit an volks-
kundlichen Sammlungen. Brunn, Verein 'deutsches haus'. 31 s.
empfehlend rec. v. K. Weinhold, Zs. d. ver. f. volksk. 4, 218.
155. Fragebogen der schlesischen gesellschaft f. volksk. 8 s.
156. R. Wossidlo, Zweiter bericht über die Sammlung
mecklenburgischer Volksüberlieferungen. Rostocker zeitung vom
11. märz 1894.
157. R. Wossidlo, Auszug aus dem zweiten bericht über
die Sammlung mecklenburgischer Volksüberlieferungen. Quartal-
bericht d. ver. f. mecklenb. gesch. u. altertkde. 59, 54- — 59.
158. C. Rademacher, Lehrerschaft und Volkskunde. Biele-
feld, A. Helmich. 16 s. 0,40 m. [Meyer-Markau, Sammlung päd.
vortrage 6, 6. heft.)
anregung zur erforschung der Volkskunde. — rec. v. P. Schaeffer,
Am urquell 5, 115.
159. A. Schullerus, Volkstum und volkstümliche erziehung.
Vortrag, in: Der 6. siebenbürgisch-sächsische lehrertag. Hermann-
stadt, W. Krafft 1894. s. 30 — 55. — über pädagogische Verwertung
der Volkskunde in der Volksschule mit erläuternden beispielen.
160. H. v. Wlislocki, Volksglaube und brauch der sieben-
bürger Sachsen. Berlin, Felber. — vgl. jsb. 1893, 10, 124. —
rec. W. Golther, Zs. f. verg* litgesch. 7, 233 f. v. L. K(atona),
Lit. cbl. 1894 (36) 1301 f.
161. W. Müller, Beiträge zur Volkskunde der Deutschen in
Mähren. Wien 1893. — vgl. jsb. 1893, 10, 123. - - rec. L. Fränkel,
Am urquell 5, 200 f.
17<i
X. Mythologie und Volkskunde.
162. R. Meringer, Studien zur germanischen Volkskunde.
(Aus den mitteilungen der anthropol. gesellschaft in Wien. ) Wien,
A. Holder. 47 s. 4°. 5 m.
163. M. Höfler, Der Isaar-winkel. ärztlich- topographisch
geschildert. München, Otto Galler 1893. 280 s.
neue (titel)ausgabe des schon früher vielgenannten buches,
das die lebensbedingungen eines kleineren gebietes erschöpfend be-
handelt und so nicht nur wirtschaftsgeschichtliche aufschlüsse
giebt, sondern auch die notwendige grundlage zur erkenntnis des
geistigen, sowie des mit krankheit, lebensarbeit u. s. w. so enge
verknüpften phantasielebens des Volkes liefert, in vielen fällen
werfen erst solche allgemein anthropologische betrachtungen er-
klärendes licht auf glaube, brauch und volkssitte.
164. Gr. Gröber, Zur Volkskunde aus conzilbeschlüssen und
capitularien. herrn geheimrat prof. dr. K. Weinhold zum 26. okt.
1893 dargebracht. Strassburg, Trübner. 26 s. 1 m.
165. Beiträge zur anthropologie, ethnologie und Urgeschichte
von Tirol, festschrift zur feier des 25 jährigen Jubiläums der deut-
schen anthropologischen gesellschaft in Innsbruck den 24. — 28.
august 1894. mit 7 taf. Innsbruck, Wagner. 277 s. — rec.
Zs. d. ver. f. volksk. 4, 461.
Sitte Ulld brauch. 166. Franz Zillner, Der hausbau im Salz-
burgischen, ein geschichtlicher umriss. Mitteilungen der gesell-
schaft für Salzburger landeskunde. 33 und 34.
wertvoll besonders durch die vielen Illustrationen.
177. Fr. Franziszi, 'Unterm hütel spielen'. Carinthia
1894, 63.
weihnachtsbrauch aus dem Metnitzthale, wobei die zukunft
erforscht wird.
178. M. Beck, Die zwölf nachte. Wissenschaft! beil. zur
Leipz. ztg. 1893, no. 154.
179. A. Tille, Deutsche Weihnachten in der guten alten zeit.
Gartenlaube 1893, weihnachtsnummer.
180. A. Tille, Die geschichte der deutschen Weihnacht.
Leipzig, Ernst Keils nachfolger o. j. (1893.) X, 355 s. 4 m.
ein schönes, grundlegendes buch, das erste kapitel spricht
über die entstehung des christlichen Jesusgeburtsfestes, das mit
den römischen januarkalenden verknüpft wurde, und über deutsche
winteranfangsfeier. (Zusammenhang mit dem hirtenleben. an
Martinstag und Nikolaustag haftet die erinnerung an die grossen
X. Volkstunde. 171
festtage der beiden schlachtzeiten = julmonate; ein deutsches
wintersonnenfest hat es vor einführung des Christentums nie ge-
geben, was von volkstümlichen brauch sich später am Jesus-
geburtsfeste ansammelt und es zur deutschen Weihnacht macht,
stammt aus der Winteranfangszeit im november, deren drei direkte
erben Martinstag, Andreastag und Nikolaustag sind, als eine art
Vorläufer des deutschen weihnachtsfestes kann die römische januar-
kalendenfeier gelten, die bereits vor dem Christentum nach Deutsch-
land gekommen ist. sie zog einen teil des alten winteranfang-
glaubens an sich, auch solchen, der dadurch wirtschaftlich sinnlos
wurde und gab mehrmals einen teil davon an Weihnachten ab.
erst im 14. jahrh. wird das Jesusgeburtsfest volkstümlicher, die
folgenden kapitel behandeln krippenfeier, weihnachtsspiele — Um-
züge — bescherung. das 8. die blühenden bäume der Weihnacht,
das 9. den Weihnachtsbaum, [aus dem 'blühenden winteranfangs-
busche' entsprungen, der in den weihnachtsfestkreis gezogen, zu
ende des 16. jahrhs. zur typischen gestalt des geschmückten
tannenbäumchens wird, die ausbreitung des brauches über die
ganze erde beginnt erst zu ende des 13. jahrhs.] die reichen an-
merkungen bringen litterarische und quellennachweisungen. darunter
s. 291 Zusammenstellungen über den Martinstag als terminzeit in
Tirol. — rec. L. Fränkel, Am urquell 5, 140; K. Weinhold,
Zs. f. volksk. 4, 100 f. (stimmt nicht bei und hält an dem jul-
fest als sonnenwendfeier fest.)
181. G. Calliano, Uralte volksspiele in Niederösterreich.
N. österr. landesfreund 1893 (2).
182. J. Hutter, Pinzgauer ranggelfeste. Mitt d. gesellsch.
f. Salzb. landesk. 34, 2G2— 264.
nationales ringen, dem 'lupfen' in der Schweiz ähnlich, all-
jährlich findet ein gau-wettringen statt.
183. A. Paudler, Die schwurgrube. Mitt. d. nordb. Excurs.-
clubs 17, 331 f.
der eid (wegen acker- und waldbesitz) wird in einer grübe
stehend abgelegt, den meineidigen verschlingt die erde.
184. W. Hein, Die geographische Verbreitung der toten-
bretter. mit 2 lichtdrucktafeln. (Mitt. d. anthrop. gesellsch. 24.)
AVien. 10 s. 4°. — rec. Zs. d. ver. f. volksk. 4, 463 f.
185. S. Singer, Sagen und gebrauche des 17. jahrhs. aus
der Schweiz. Zs. d. ver. f. volksk. 4, 447 — 451. — aus einem
druck von 1646.
172 X. Mythologie und Volkskunde.
186. E. Frischauf, Ein alter, niederösterreichischer hoch-
zeitbrauch. Zs. d. ver. f. volksk. 4, 215 f.
187. Th. Hell, Auf einem bauernhofe im Gsiessthal in Tirol.
Zs. d. ver. f. volksk. 4, 77—80.
Schilderungen aus dem volksieben.
188. M. Bartels, Die medizin der naturvölker. ethnologische
beitrage zur Urgeschichte der medizin. mit 175 original-holz-
schnitten im text. Leipzig, Grieben (L. Fernau) 1893. XII, 361 s.
nicht geliefert. — - anerkennend rec. v. K. Weinhold, Zs. d.
ver. f. volksk. 4, 102.
189. M. Höfler, Wald- und baumkult in beziehung zur
Volksmedizin Oberbayerns. München, Otto Galler. VIII, 170 s.
neue (titel)ausgabe des im jsb. 1892, 10, 330 besprochenen
werkes.
190. M. Rehsener, Aus Gossensass. arbeit und brauch in
haus, feld, wald und alm. Zs. d. ver. f. volksk. 4, 107 — 133.
— forts. d. mitt. im jsb. 1893, 10, 129.
191. Fr. Ilwof, Haus- und hofmarken. Zs. d. ver. f. volksk.
4, 279—282.
192. Ph. Goldberger, Die wilde braut. Am urquell 5, 279 f.
hochzeitsbrauch aus Niederösterreich, wilde braut = falsche
braut.
193. H. Merkens, Das hochzeit-heulbier im Brohlthal. Am
urquell 5, 126 f., 154 f.
nachklang ehemaligen hochzeit- und ehekaufzinses.
194. S. Schweinburg, Zur Volkskunde der Juden Böhmens.
Am urquell 5, 170 f.; 225—228.
aus einem zunftbüchlein der 'Prager judenzech', enthaltend
sitten, gebrauche, ceremonien in jüdisch-deutscher mundart. (mit
einem gereimten titelvorworte.) — ebenda 5, 228. kurze notiz
v. J. Robinson, Zum Volksglauben der Juden Galiziens.
195. — Die haut (das feil, den bastj versaufen. Am urquell
5, 161 f.
eine umfrage, so wird das trinkgelage nach einer beerdigung
genannt, mitteilungen (im anschluss an frühere im 1. und 2. bd.
dieser Zeitschrift) aus Hamburg und aus andern niederdeutschen
gegenden.
196. M. Höfler, Die lösung des zungenbändchens. eine um-
frage. Am urquell 5, 191; 281.
X. Volkskunde. 173
197. R. Sprenger, Vom bahrrecht, eine umfrage. Am Ur-
quell 5, 284. mitteilungen von L. Fränkel.
198. C. Rademacher, Maisitten am Rhein. Am urquell
5, 17 — 19; 57 — 59.-- forts. zu jsb. 1893, 10, 156. das pfingstlied, mit
erklärenden und deutenden anmerkungen. (einholung der frühlings-
göttin.) die waldfahrt. Pfingstreiter.
199. E. Frischauf, Gebräuche bei grenzbegehungen in Nieder-
österreich. Niederösterr. landesfreund 1893 (7 — 8).
200. E. Frischauf, Schwerttanz und wettlauf. Zs. d. ver.
f. volksk. 4, 88.
201. C. Rademacher, Das spengeltuch. ein totenbrauch
aus der Eifel. Zs. d. ver. f. volksk. 4, 86 — 88.
202. K. Weinhold, Abermals der schwur unter dem rasen.
Zs. d. ver. f. volksk. 4, 214 f.
nachtrag zu früheren mitteilungen (jsb. 1893, 10, 140) aus
Schlesisch-Polen.
203. C. Schumann, Beiträge zur lübeckschen Volkskunde.
Mitt. d. ver. f. lübeck. gesch. 5 (12) 188—190. 6 (1) 11—15.
(2) 27—32. (3) 42—45. (4) 59—64.
fortsetzung von mitteilungen in früheren Jahrgängen, volks-
tümliche ausdrücke für krankheiten, teile des menschlichen und
tierischen körpers; nahrungsmittel, speisen und getränke, back-
waren, kleidung.
204. E. Otto, Airs dem volksieben der stadt Butzbach
im mittelalter. Archiv f. hessische gesch. u. altertumsk. n. f. 1,
329—399.
aus archivalischen quellen eine reichhaltige und dankenswerte
Zusammenstellung u. a. über bittgänge, volksschauspiele, tanze
(schwerttanz, meidhartstanz'), Schützenfest, festmahle, fahrendes volk.
204a. H. Bosch, Das hänseln der fuhrleute. Mitt. a. d.
german. nationalmuseum 1894, 105 — 113.
abdruck von zwei hsl. Ordnungen von 1811 und 1825, die in
Nürnberger fuhrmannsherbergen aufbewahrt wurden, und abbildung
der beim hänseln benutzten pritsche, der zange und des messers.
205. W. v. Schulenburg, Volkskundliche mitteilungen.
Verhandl. d. Berl. gesellsch. f. anthrop. 1894, s. 306 — 311.
(vom Rhein und aus Bayern) u. a. der Niklas; Niklasschuh;
festzeit der göttin Bertha.
174
X. Mythologie und Volkskunde.
206. C. Gander, Frühlingsgebräuche in der Lausitz. Jahres-
hefte der gesellsch. f. anthrop. u. urg. d. Oberlausitz 1893 (3)
149 — 160. osterbräuche und spiele.
207. Br. Stehle, Volkstümliche feste, sitten und gebrauche
im Elsass. Jahrb. d. Vogesen-clubs 10, 217 — 242.
kleine mitteilungen sitten und brauche nach schlagworten ge-
ordnet, hervorzuheben sind: allerheiligen. Weihnachten, neujahr.
fastenzeit. hochzeit. krankheiten. hexen und geister. kinderspiele.
208. Kassel, Zur volkssitte im Elsass. Jahrb. d. Vogesen-
clubs 10, 180—188.
1. das rummelbretchen in Minversheim, (ein nachbarschafts-
zeichen, wodurch zum glockenläuten bei nahendem gewitter ge-
mahnt wurde.) 2. eine hochzeit in Mietesheim.
209. Kulckmann, Volkstümliches aus Eisleben. Mansfelder
blätter 1894, 174—176.
1. kirschkernketten. 2. was die glocken Eislebens läuten.
210. E. Strassburger, Volkstümliche brauche und aber-
glauben in Aschersleben. Archiv f. landes- u. volksk. d. prov.
Sachsen 3 (1893) 148—159.
folgt in der Schilderung dem bürgerlichen jähr, im 2. ab-
schnitte einige gespenster- und schatzsagen.
211. A. Hartmann, Todaustragen in Franken. — vgl.
abt. 5, 25.
212. J. Mestorf, Das ausbuttern. Am urquell 5, 281 f.
eine umfrage, aberglaube und brauch beim ausbuttern.
213. O. Gl öde, Das tonnenabschlagen. ein mecklenburgischer
brauch. Am urquell 5, 30 f.
214. R. Krause, Hahn aus der tonne werfen. Am urquell
5, 30 f. 289. — eine Volksbelustigung.
215. O. Gl öde, Die brautwerber in Masuren. Am urquell 5, 229.
216. Fi\ Vogt, Beiträge zur deutschen Volkskunde aus
älteren quellen. Zs. d. ver. f. volksk. 4, 195 — 197.
vgl. jsb. 1893, 10, 144. — weitere mitteilungen zum scheiben-
treiben nach H. Gaidoz, Le dieu gaulois du soleil et le symbolisme
de la roue.
Kinderspiele.*) 217. L. v. Hör mann, Das sautreiben, ein
erklärungsversuch dieses kinderspiels. Beiträge z. anthrop., ethnol.
u. urgesch. von Tirol, s. 243 — 259.
*) vgl. die kinderlieder unten no. 323 — 338.
X. Volkskunde. 175
kindliche nachahmung des erntebrauchs vom fang oder töten
der roggensau.
218. Ludwig Frahm, Holsteinische kinderspiele. Am urquell
5, 188 f. 231 f.
himmelhakenhoch; mudder ros; klinsch; sag (sauspiel).
219. Ed. Haase, Kinderspiele aus Greussen in Thüringen.
Am urquell 5, 171—173.
1. es kommt ein pantoffel an. (sonst als das spiel vom herrn
oder der dame von Ninive bekannt.) 2. goldfisch. 3. zwei vöglein
sind verbunden. 4. meine mutter bäckt platze. 5. böses tier.
6. königstochter.
Aberglaube. 220. E. Fabian, Hexenprozesse in Zwickau und
Umgebung. Mitt. d. altertumsver. f. Zwickau 4, 123 — 131.
221. A. v. Jack seh, Hexen und zauberer. nach akten im
gräflich Lodron'schen herrschaftsarchiv in Gmünd. Carinthia 1894,
7—15. 43—51.
222. B. König, Ausgeburten des menschenwahnes im spiegel
der hexenprozesse und der autodafes. historische schandsäulen
des after- und aberglaubens bis auf die gegenwart. ein Volksbuch.
lief. 11—19. III, s. 481—811. Kudolstadt, A. Bock, ä 0,30 m.
— vgl. jsb. 1893, 10, 219.
223. C. Müller, Hexenprozesse und hexenaberglaube in
Deutschland. (Universalbibl. no. 316G — 3167.) Leipzig, Reclam.
173 s. 0,40 m.
224. H. Hockenbeck, Hexenbrände in Wongrowitz. Zs. d.
hist. gesellsch. f. Posen 9, 175 — 178.
225. W. Brehmer, Lübeckische hexenprozesse im 17. jahrh.
Mitt. d. ver. f. lübeck. gesch. 6, 33—40.
22G. Joh. Moser, Kleiner beitrag zur geschichte der Quedlin-
burger hexenprozesse. Zs. d. Harzvereins 27, 620 — 627. — Hexen-
geschichten aus dem pfarr-archiv zu Bennungen. ebenda 27, 626 — 633.
227. O. Schell, Der bergische Blocksberg. Zs. d. ver. f.
volksk. 4, 213 f. — Sich drehende und blutende steine, ebenda 4, 214.
228. Th. Nolte, Die Rosstrappe, der Hexentanzplatz und
das Bodethal in landschaftlicher und geschichtlicher beziehung und
ihre sagenweit. 2. aufl. Thale a. Harz 1892. 95 s.
229. Th. jNTolte, Die Bosstrappe und das Bodethal. 2. teil:
die bedeutung der Rosstrappe als heidnische opferstätte des
Germanentums vor 2000 jähren. Thale a. Harz 1893. 43 s.
176
X. Mythologie und Volkskunde.
rec. Eeischel, Mitt. d. ver. f. erdkunde zu Halle 1894,
117 f.
230. F. v. Andrian, Über wetterzauberei (Sep.-abdr. aus den
Mitt. der anthrop. gesellsch. in Wien. 24.) — rec. EL v. W[lislocki],
Ethnographia 5, 132 f.
231. K. Popp, Volksglaube im niederösterreichischen wald-
viertel. Am urquell 5, 175 f., 261 f.
über hexenwesen (1809), wetterhexerei.
232. A. Treichel, Über wetterzauber und Steinaberglauben.
Korrbl. d. d. gesellsch. f. anthrop. 1894 (2).
232a. A. Schönbach, Eine auslese altdeutscher segens-
formeln. Analecta Graeciensia. festschr. z. wiener philologentage
1893. Sonderdruck s. 1—26.
233. R. P rieb seh, Segen aus Londoner handschriften. Zs.
f. d. a. 38, 14—21.
wundsegen, wurmsegen, gegen zahnweh, fieber, augensegen,
gegen feinde, 'de pervinca'. aus dem 15. jahrh. zum grössten teil
deutsch.
234. Er. R. v. Wieser, Ein Zauberspruch. Zs. d. Ferdinan-
deums, 3. folge, 38, 521—523.
gegen hundswut, in einem zauberquadrat. aus einer hand-
schrift des 15. jahrh.
235. A. Zinke, Feuer- und blutsegen. Mitt. d. nordböhm.
excurs.-club. 17, 329—331.
236. R. F. Kaindl, Ein deutsches beschwörungsbuch, aus
der handschrift herausgegeben. Czernowitz, H. Pardini. sep.-abdr.
28 s. 1 m.
vgl. Am urquell 5, 201.
237. Fr. Kluge, Tag wählen und segen aus einer Freiburger
hs. des 16. jahrh. Alemannia 22, 120—122.
238. K. Fuchs, Eine alte beschwörungsformel. Ethnologische
mitt. aus Ungarn 3, 240—243.
formel aus der Zips, wenn wölken die sonne bedecken.
239. L. Mätyäs, Aus dem Volksglauben der Schwaben von
Solymär, Szent-Ivän und Hidegküt. ebenda 3, 244 — 247.
besprechungen, hexen, alltagsglauben.
240. S. Weber, Zipser beschwörungsformeln. die wunder-
und heilkraft des frosches. ebenda 3, 296.
X. Volkskunde. 177
241. 0. Gl öde, Sympathieformeln aus Mecklenburg. Am Ur-
quell 5, 286.
heilspruch gegen den kinderschwamm, blutstillen.
242. M. Höfler, Volksmedizin und aberglaube in Ober-
bayerns gegenwart und Vergangenheit, mit einem vorwort von
Fr. v. Hellwald. neue ausgäbe. München, Otto Galler 1893.
XII, 243 s.
eine titelausgabe des bekannten, wegen seiner stofflichen reich-
haltigkeit wertvollen buches, das 1887 in anderem verlage er-
schienen war und. wie es scheint, weniger beachtung und käufer
gefunden hat, als es verdient.
243. William Marshall, Neu eröffnetes wundersames arznei-
kästlein, darin allerlei gründliche nachrichten, wie es unsere vor-
eitern mit den heilkräften der tiere gehalten haben, zu finden sind.
Leipzig, A. Twietmeyer. 127 s. 2 m.
rec. H. v. W(lislocki), Ethnographia 5, 209 f.
244. C. Rosenkranz, Die pflanzen im volksaberglauben.
ein beitrag zur pflege des volkstümlichen in schule und haus.
Kassel, F. Kessler. XI, 415 s. 4,50 m.
244a. A. Treichel, Volkstümliches aus der pflanzenweit, be-
sonders für Westpreussen IX. X. Altpreussische monatsschrift.
31, 240—319. 431—469.
245. Höft, Mirika, porst, hopfen. andeutungen für die künde
früherer zeit mit einleitenden geschichtlichen notizen über geistige
getränke, vorzugsweise aus der kimbrischen halbinsel. Verhandl.
d. berl. gesellsch. f. anthrop. 1894, 563 — 571.
enthält auch aus deutschen gegenden notizen über die be-
reitung geistiger getränke und den aberglauben, der sich an ein-
zelne pflanzen knüpft.
246. J. Sepp, Baumkult in .Oberbayern und die mehrfachen
schicksalsbäume. Monatsschrift des hist. ver. v. Oberbayern
3 (12) 136—141.
religionsvergleichende Zusammenstellung heiliger bäume im
germanischen, jüdischen, ägyptischen götterglauben.
247. H. Schurtz, Amulette und zaubermittel. Archiv f.
anthrop. 22, 57—64.
sucht unter vergleichung von zaubermitteln bei verschiedenen
Völkern die der abschreckung zu gründe liegenden ideen zu
gruppieren. Schreckmittel sind waffen der tiere, phallus, dinge
von auffälligem geschmack und geruch.
Jahresbericht für germanische pbilologie. XVI. (1891.) 12
178 X. Mythologie und Volkskunde.
248. M. Lehmann-Filhes, Altnorwegisches amulet-orakel
aus dem 10. jahrh. Verh. d. berl. gesellsch. f. anthop. 1894,
s. 198 f.
249. M. Lehmann-Filhes, Thorshammer, ebenda 1894,
s. 319—321.
mitteilungen über den zauberhammer, der zur erkennung von
dieben u. s. w. dient.
250. M. Höfler, Verbreitung des steinbeil-aberglaubens. ebd.
1894, s. 197.
251. K. Weinhold, Zur bedeutung der zahl neun. Am Ur-
quell 5, 1 f.
252. A. Treichel, Kartenspiel und losglaube aus West-
preussen. ebenda 5, 257 — 261.
253. A. Hermann, Zaubergeld. Am urquell 5, 23. 104.
mitteilungen aus einer Käsmarker Sammlung aus dem vorigen
jahrh. ebenda aus Pommern.
254. J. Robinsohn, An ajen-hore oder gütaeug. ebd. 5, 19 f.
zauber durch bösen blick, unter den Juden in Galizien.
255. A. Charap, Volksglauben galizischer Juden, ebd. 5, 81.
256. 0. Schell, Einige bemerkungen über den 'mond' im
heutigen glauben des bergischen volkes. ebenda 5, 173 f.
beitrage zum Volksglauben vom einfluss des mondes auf
krankheit, Wachstum u. s. w.
257. J. Mestorf, L. Mandel, H. Volksmann, Bauopfer,
ebenda 5, 157 f.
258. Diebglauben, ebenda 5, 163. 289 f.
mitteilungen aus Kleinrussland, Pommern.
259. H. Theer-Söby, Bienenzauber und bienenzucht. ebd.
5, 21—23.
bienenaberglaube. Sprüche zum bannen der schwärme.
260. S. Spitzer, Blut und Eisen, ebenda 5, 133 f.
261. 0. Schell, Einige bemerkungen über die eidechse im
Volksglauben, ebenda 5, 113 f.
262. P. Sartori, Der schuh im Volksglauben. Zs. d. ver. f.
volksk. 4, 41—54. 148—180. 282—305. 412—427.
in mehreren kapiteln reiche Zusammenstellungen über fuss
und schuh im brauche und aberglaube der Völker, vorzüglich des
deutschen.
X. Volkslied. 179
263. A. Haas, Das kind im glauben und brauch der
Pommern. Am urquell 5, 179 f. 252—255; 278 f.
1. vor der geburt. probe für fruchtbarkeit, Schwangerschaft,
verbotenes verhalten während der Schwangerschaft. 2. die geburt.
3. unmittelbar nach der geburt.
264. 0. Schell, Woher kommen die kinder? ebenda 5,
80 f. 162; 287.
eine umfrage, mitteilungen aus Pommern, Elberfeld, Thüringen,
Siebenbürgen.
265. M. Walesch, Volksglaube aus Bodendorf. Korrbl. d.
ver. f. siebenb. landesk. 17 (2) 17—19.
geburt und herkunft des kindes, berufen.
266. V. Roth, Kleinere mitteilungen zum aberglauben. ebd.
17 (5) 59 f.
kinder, krankheiten.
267. Franz Wilhelm, Aberglaube und volksbrauch im Karls-
bad-Duppauer gelände. Karlsbad, H. Jacob 1891.
rec. Mitt. d. ver. f. gesch. d. Deutschen in Böhmen 29 (4)
lit. beil. s. 59.
268. 0. Heilig, Aberglaube und brauche der bauern im
Taubergrund. Alemannia 22, 74—77. — vgl. jsb. 1893, 10, 218.
269. A. Baumgart, Verschiedenes vom aberglauben, von
sitten und gebrauchen in Mittelschlesien. Zs. d. ver. f. volksk.
4, 80—86.
270. G. F. Peilberg, Warum gehen spukgeister kopflos um?
Am urquell 5, 78 f. 197.
eine umfrage. Mitteilungen von R. P. Kaindl u. R. Sprenger.
271. M. Höfler, Teufel-namen. ebd. 5, 205—207. 242—245.
Volkslied.
272. C. Voretzsch, Vom deutschen Volkslied. Preuss.
Jahrbücher 77, 193—222.
273. A. E. Berger, Volksdichtung und kunstdichtung.
Nord und süd 68, 76—96.
274. A. Hauffen, Das deutsche Volkslied in Oesterreich-
Ungarn. Zs. d. ver. f. volksk. 4 (1) 1—33.
H. betrachtet zunächst die den österreichischen kronländern im
Verhältnis zu Deutschland eigentümlichen gruppen der almlieder,
12*
180 X. Mythologie und Volkskunde.
die das leben der senner und Jäger schildern, der Schnadahüpfeln
(exkurs über 'Ich bin dein'), der Sprachinseln in Siebenbürgen,
Ungarn, Gottschee und der historischen lieder, um dann auf die mit
Deutschland gemeinsamen balladen, geistlichen lieder, kinderlieder
und spräche überzugehen und auch des einnusses auf die tsche-
chische poesie zu gedenken.
275. Rademacher, Das deutsche Volkslied. Neuphil. cbl.
8 (9).
Reinh. Köhler, Aufsätze über märchen und Volkslieder. —
vgl. oben 10, 113.
276. L. Erk, Deutscher liederhort. nach Erks hsl. nachlasse
und auf grund eigener Sammlung neu bearb. und fortgesetzt von
F. M. Böhme. 2. bd. Leipzig, Breitkopf u. Härtel 1893. IV,
800 s. — 3. bd. ebenda IV, 919 s. je 12 m.
vgl. abt. 18, 49 u. jsb. 1893, 10, 227. — das treffliche, reichhaltige
werk zweier hervorragender kenner und sammler deutschen volks-
gesanges liegt nun vollständig vor. der 2. bd. (no. 221 — 1060)
bringt die historischen, liebeslieder, abschieds- und Wanderlieder,
tagelieder und kiltgesänge, hochzeits- und ehestandslieder nebst
nonnenklagen, tanz- und spiellieder; der 3. (no. 1061 — 2175) rätsei-,
wett- und wunschlieder nebst lügenmärchen, trink- und zechlieder,
ansingelieder an volks- und kirchenfesten, ständelieder, scherz-,
spiel- lind spottlieder, vermischtes, kinderlieder, geistliche lieder;
alles mit reichen nachweisen, dazu nachtrage, ein sachliches und
ein alphabetisches register. es ist ein material vereinigt, wie es
nirgends auch nur annähernd zu finden war. dass an der behandlung
der texte und einzelnen deutungen vom philologischen Stand-
punkte manches auszusetzen ist, soll jedoch nicht verschwiegen
werden. — rec. Litbl. 1894 (14) 487 f. (52) 1899 f. K. Wein-
hold, Zs. d. ver. f. volksk. 4, 338 f. Neue preuss. ztg. 1894, no. 46.
277. J. W. Muller, Een nieu liedeken vande negen Soldaten,
die op vrybuydt gingen unde worden alle gaer ghevangen. Tijdschr.
voor ndl. taalk. 13, 151 — 156. 233.
'Het waren negen Soldaten', 22 str. aus einem druckblatte von
c. 1600; zu Uhland no. 199 = Erk-Böhme no. 65.
278. J. Meier, Ein lied von sant Grobian. Paul — Braune,
beitr. 18 (3) 572—581.
'nun losend zu, ich far da här' (26 str.) aus einem druckblatte
des 16. jahrh., bisher nur unvollständig (Böhme, ad. liederbuch
no. 313) bekannt, das lied beruht auf kap. 72 von Brants
Narrenschiff.
X. Volkslied. 181
279. J. Bolte, Niederdeutsche und niederländische Volks-
weisen. Jahrb. f. nd. sprachforschg. 18, 15 — 18 mit musikbeilage.
1. die blaue flagge, 2. siebensprung, 3. Pierlala, 4. 'Van waer
compt ons den coelen wyn'. aus Amsterdamer und Wolfenbüttel er
hss. des 18. jahrh.
280. J. Bolte, Trinkerorden, ebenda 19, 167 f. — vgl. ab t.
17, 32.
28 nd. verse aus einem druckblatte des 16. jahrh.
281. J. Lewalter, Deutsche Volkslieder in Niederhessen aus
dem munde des Volkes gesammelt. 5. heft. Hamburg, Fritzsche.
X, 117. 7, VII s.
vgl. jsb. 1893, 10, 245. — das 5. heft, das die hübsche Samm-
lung abschliesst, enthält 65 lieder der verschiedensten gattungen,
sämtlich mit melodien und sorgsamen parallelennachweisen. der
anhang bringt ein litteraturverzeichnis und ein alphabetisches re-
gister über alle fünf bändchen.
281a. Lewalter, Über das Volkslied 'Der kurfürst von
Hessen ist ein kreuzbraver mann'. Hessenland 8 (13) 173 f.
282. E. H. Wolfram, Nassauische Volkslieder nach wort
und weise aus dem munde des volks gesammelt, mit litterar-
historischen anmerkungen versehen und auf veranlassung des be-
zirksverbandes des regierungsbezirkes Wiesbaden hrsg. Berlin,
Siegismund. 482 s. 4 m.
die durch ein gutachten von G. Freytag und F. Zinsser em-
pfohlene reichhaltige Sammlung verdient weite Verbreitung, die
509 nummern sind mit den singweisen und reichhaltigen hinweisen
auf andere Sammlungen versehen und in sieben gruppen geordnet:
balladen, liebeslieder, ehestand, verschiedene stände, gesellenlieder,
vermischte und historische lieder. der herausgeber, der 12 jähre
lang im Nassauischen gesammelt hat und durch seine seminar-
schüler hat sammeln lassen, giebt zur einführung eine knappe
Schilderung der gelegenheiten, bei denen gesungen wird, der träger
der meist zwei- oder dreistimmig geführten gesänge, der Ver-
breitung u. s. w. er verzeichnet auch über 200 nummern, die er
im volksmunde vorfand, aber nicht seinem buche einverleibte, zu
40 nummern giebt er im anhange eine klavierbegleitung oder einen
vierstimmigen satz für männerchor.
283. Carl Franke, Über die Volksdichtung im Meissnischen.
Festschrift zum 70. geburtstage R. Hildebrands, hrsg. von O. Lyon.
[ergänzungsheft zur Zs. f. d. d. u. bd. 8]. s. 27 — 35
kinderlieder, auszählverse, spottreime, soldatengesänge.
182 X. Mythologie und Volkskunde.
284. C. v. Geldern-Crispendorf, Volkslieder aus der herr-
schaft Burgk. Unser Vogtland 1 (6) 235—241.
7 auch sonst bekannte lieder: 1. Es war einst eine Jüdin.
3. Der himmel ist sehr trübe. 5. Es ging ein treu verliebtes paar.
G. Die reise nach Jutland. 7. In Böhmen liegt ein Städtchen.
285. E. Eranziszi, Lieder aus dem Josefi-gspiel (Glanthal).
Carinthia I, 83, 19 — 22. — Hirtenlieder aus dem Möllthal. ebd.
83, 93 f. — Die nonne. ebd. 84, 95 f. — vgl. dazu A. Schullerus,
Korrbl. d. ver. f. siebenb. landeskde. 1895 (1. 2).
286. R. H. Greinz, Schlierseer Schnadahüpfeln, gesammelt
und hrsg. 1. bdch. München, Brakls Rubin verlag. 32 s. 0,20 m.
287. Hans Neckheim, 222 echte Kärntnerlieder gesammelt
xmd für männerstimmen gesetzt, unter mitwirkung von J. Pommer
hrsg. vom deutschen volksliederverein in Wien. Wien, Rebay u.
Robitschek 1891—1893. 2 bde. XVI, 153 s. 1G0 s. 4 m. '
288. A. Pichler, Tirolische Volksdichtung. Zs. d. ver. f.
volksk. 4, 197—201.
Schnadahüpfeln und kinderlieder. — vgl. dazu H. Di eis,
Das lied vom pater guardian. ebd. 4, 332 — 334. A. En giert,
Das lied vom pater guardian. ebd. 4, 437 — 441.
289. K. Weinhold, Steyermarckischer raufjodl. Zs. d. ver.
f. volksk. 4, 335 f. 459 f.
'Herzu ihr buben', 19 str. in zwei gedruckten liederbüchern
von 1677 und 1687 erhalten; eine kürzere fassung hat Ditfurth
1872 veröffentlicht.
290. A. Hauffen, Die deutsche Sprachinsel Gottschee. ge-
schichte und mundart, liebesverhältnisse, sitten und gebrauche,
sagen, märchen und lieder. mit 4 abbildungen und 1 sprachkarte.
(= Quellen u. forsch, z. gesch., litt, und spräche Österreichs und
seiner kronländer 3.) Graz, Styria 1895. XVI, 466 s.
die mitten im slovenischen gebiete Krains gelegene deutsche
kolonie Gottschee ist in ihrer eigenart bisher namentlich durch
Schröers arbeiten den Germanisten bekannt geworden. H. hat
dort durch eindringenden sammeln 1 eiss 168 lieder mit genauer
Wiedergabe des dialekts zusammengebracht (geistliche lieder und
legenden, balladen und liebeslieder, sitte und brauch, scherz- und
kinderlieder) und diese mit reichen und teilweise tiefgreifenden er-
läuterungen über stil, bilder, motive, metrik, alter, einfluss der süd-
slavischen Volksdichtungen, auch mit trefflichen exkursen über die
Vertretung von 'niemals' im volksliede, über die formel 'Da bist
mein, ich bin dein', über blumen auf den gräbern von liebespaaren
X. Volkslied. 183
ausgestattet, ausserdem aber hat er mit einer höchst dankens-
werten er Weiterung seines ursprünglichen planes auf s. 1 — 130
über die geschichte der seit 1350 aus Bayern eingewanderten
Gottscheer, ihre mundart, lebensverhältnisse, tracht, hausbau, sitten
und aberglauben, märchen und sagen auf grund der älteren litte-
ratur und eigener forschungen gehandelt.
290a. Joh. Wagner, Zur Volkskunde aus Draas. Volkslieder.
Korrbl. d. ver. f. siebenb. landesk. 17 (7—8) 102—108. —
vgl. 8G f.
291. Gr. Versenyi, Deutsche Volkslieder aus der Körmöcz
bänyaer (Kremnitz) gegend. Ethnolog. mitt. aus Ungarn 3, 255 f.
292. L. Wolfrum, Volksreime aus Oberfranken. Bayerns
mundarten 2 (2). — vgl. abt. 5, 25.
293. A. Englert, Zu dem liede 'Die sonne steht am himmel'
(zs. 3, 183. 338). Zs. d. ver. f. volksk. 4, 90.
zwei Tiroler fassungen des liedes vom sterbenden Soldaten.
294. Kugler, Schweizerisches Soldatenlied. Zs. f. d. d. u.
8, 598 : 'O schätz, mein schätz, reise nicht so weit von hier'.
295. B. Sprenger, Zu Matthias' Sammlung 'Das deutsche
Volkslied'. Zs. f. d. d. u. 8, 123. — Zu Uhlands Volksliedern,
ebd. 8, 131.
296. Aug. Boeschen, Zur erklärung des Volksliedes 'Drei
lilien, drei lilien'. Hessenland 1894 (lj.
297. E. G., Der kuckuck (im volksliede). Leipziger ztg. 1894,
wiss. beil. no. 76.
297a. H. Frischbier, Hundert ostpreussische Volkslieder.
Leipzig, Beissner 1893. — vgl. jsb. 1893, 10, 248. — rec. Lit.
cbl. 1893 (45) 1619. J. E. Wackerneil, Österr. litbl. 1894
(14) 427.
298. G. v. Mann teuf fei, Deutsche altlivländische Volks-
lieder für eine singstimme gesetzt. 2 hefte. Biga, P. Nelcker
(Leipzig, Breitkopf u. Härtel).
es sind 4 nummern, frühestens aus dem 18. jahrh. stammend:
1. Das arme dorfschulmeisterlein (= Wegener, Norddeutsche vi.
no. 834), 2. Der bur (Erk-Böhme no. 1540), 3. Der Junker und
das bürgermädchen, 4. Die frau soll nach hause kommen (Erk-
Böhme no. 910). 6 weitere nummern werden ebenfalls als alte
Bigaer Überlieferung angeführt: Schlaf, kindchen, schlaf; Bruder
liederlich; Der allerbeste, den ich hab; Spinn, meine liebe tochter;
184 X. Mythologie und Volkskunde.
Ich und mein altes weib; Jung, schenk ein, der Schneider will
lustig sein. — rec. Neue Dörptsche ztg. 30, no. 41.
299. G. Tobler, Pauli Schullers lied 1568. mitget. Jahrb.
d. hist. ver. d. kantons Glarus 29.
300. M. Rubens oh n, Werbung hertzoges Albrecht von
Friedland. Geschichtsblätter f. Magdeburg 29, 137 — 151.
druckt einen 1629 von Nie. Rittershaus gedichteten dialog
zwischen Wallenstein und Magdeburg in 16 Strophen nach dem
Berliner autograph ab.
301. F. v. Meyenn, Die grosse jammerklage und abge-
schorener bocksbart. histor. spottlied auf den schwedischen feld-
marschall grafen Stenbock a. d. j. 1713. Quartalbl. d. ver. f.
mecklenburg. gesch. 59 (3) 57 f.
302. A. Haas, Rügianisches wolfslied. Monatsbl. f. pommer-
sche gesch. 1894 (9) 136—141. (10) 153 — 159.
ein niederdeutsches Spottgedicht auf eine in Rügen abgehaltene
Wolfsjagd, das der bekannte Urkundenfälscher Samuel Pristaff um
1735 verfasst hat, wird nach einer Stettiner hs. abgedruckt, es
sind 52 Strophen mit dem anfange: 'De herren vam Sunde
schicketen fort'.
303. Gädcke, Ein Spottgedicht aus Salzwedel v. j. 1738.
23. jsb. des altmärkischen Vereins zu Salzwedel (2) 120 — 124.
ein nd. lied von 13 Strophen 'Piep, Tietze, piep' auf den kriegs-
rat Titius, der sich nach seiner absetzung erschoss.
304. A. Englert, Zu dem spottvers 'Bonapart ist nimmer
stolz'. Zs. f. d. d. u. 8, 201.
305. K. E. Haase, Spottlied auf den könig von Rom. ebd.
8, 540.
306. A. Pichler, Dialektpoesie in Tirol. Zs. d. ver. f.
volksk. 4, 331 f.
307. P. Fredericq, Onze historische volksliederen. Haag,
Nijhoff. XII, 119 s. — vgl. abt. 19, 31.
308. J. W. Enschede, De melodie van het Wilhelmus. Oud
Holland 12, 172—190. 201—232.
309. G. Schröder, Heil dir im siegerkranz. geschichte und
sage. N. preuss. ztg. 1894, no. 300. 302 (30. juni. 1. juli).
nach Ochmanns schrift v. j. 1878.
310. H. Pröhle, Bernhard Thiersch (dichter von 'Ich bin
ein Preusse'). Allgem. deutsche biogr. 38, 4 — 6.
VX. olkslied. 185
311. Friedr. v. Ströbel, Liederschatz für das deutsche
heer. gesammelt und im Selbstverlag. München, hofbuchdruckerei
E. Wolf u. söhn. o. j. XV, 192 s. geb. 0,40 m.
178 nummern mit melodie von Vaterlands-, Soldaten-, geist-
lichen und gesellschaftsliedern; zumeist der kunstdichtung entlehnt.
312. H. Pröhle, Das deutsche gesellschaftslied. Wester-
manns monatshefte 1893 (nov.).
313. Hob. Eitner, Das alte deutsche mehrstimmige lied und
seine meister. Monatsh. f. musikgesch. 26, 1 — 14. 17 — 21. 25 — 33.
37—42. 47—54. 57—64. 67—82. 87—103. 107—135.
fortsetzung von jsb. 1893, 15, 252. — enthält kompositionen
von Seb. Virdung, Arn. Schlick, Petr. Tritonius, Balth. Arthopius,
Paul Wüst, Stephan Mahu, Laz. Spengler, Georg Porster, Kasp.
Othmayr, Leonh. Paminger, Hans Voit, Paul Rephun, Ludw. Senn,
Arn. v. Brück u. a.
314. Reinh. Kade, Zu der Auricher liederhandschrift. Monatsh.
f. musikgesch. 26, 158 f.
die von E. Friedländer ebd. 6, 1 herausgegebene hs. aus dem
17. jahrh. enthält mehrere akrosticha, z. b. Ulricus H. z. Seh. H.
und Sophia V. R. D.
315. J. P. N. Land, De luit en het wereldlijke lied in
Duitschland en Nederland. Tijdschr. voor Noord-Nederlands muziek-
geschiedenis 4 (1) 17 — 32.
knüpft an E. Radecke (jsb. 1891, 10, 333) an.
316. Ph. Spitta, Sperontes' Singende Muse an der Pleisse.
in seinen Musikgeschichtlichen aufsätzen (Berlin, Paetel) s. 175 — 296.
(teilweise umgearbeitet.)
317. A. Kopp, Gedichte von Günther und Sperontes im
volksgesang. Zs. f. d. phil. 27 (3) 351—364.
aus nugblättern und liederbüchern des 18. — 19. jahrh. weist
K. eine ganze reihe von dichtungen Günthers und Scholzes nach,
z. b. 'Stürmt, reisst und rast ihr unglückswinde', 'Ich bin nun wie
ich bin', 'Brüder lasst uns lustig sein' (Gaudeamus igitur), 'Wie
gedacht' (Hauffs Morgenrot).
318. B. Seyfert, Das musikalisch- volkstümliche lied von
1770—1800. Vjschr. f. musikwissensch. 10 (1) 33—102. - - nach-
trage dazu giebt M. Friedländer, Das volkstümliche lied. ebd.
10 (2) 234—238.
319. Max Friedländer, Kommersbuch hsg. Leipzig, Peters
(1892). — vgl. jsb. 1892, 10, 418. — rec. M. Roediger, Archiv
f. n. spr. 92, 420 f.
186 X. Mythologie und Volkskunde.
320. M. Friedländer, Das lied vom kanapee. Vjschr. f.
musikwiss. 10 (2) 203—215.
untersucht das seit 1740 verbreitete, kulturhistorisch merk-
würdige lied 'Das kanapee ist mein vergnügen' und dessen melo-
dien mit ausgebreiteter gelehrsamkeit. — vgl. G. "Wustmann,
Grenzboten 53 (25).
321. A. Kopp, Etwas über das lied '0 du lieber Augustin'.
Burschenschaftl. blätter 1893 — 1894 no. 11. — Reiters morgenlied
(Hauff, Günther, Hunold). ebd. 7, 144 ff.
322. R. H. Greinz, Heinrich Heine und das deutsche Volks-
lied, eine kritische Untersuchung. Neuwied, A. Schupp. 9G s.
1,50 m.
323. K. Emil Reinle, Zur metrik der schweizerischen volks-
und kinderreime. diss. Basel, Werner-Riehm. 83 s.
untersucht im ersten teile den rhythmus der schweizerischen volks-
und kinderreime (die verschiedenen formen des vierhebigen kurz-
verses werden in einzelnen beispielen vorgeführt) sowie art und
Stellung des reimes; der zweite teil sucht die gefundenen resultate
für die allgemeine auffassung des germanischen rhythmus nutzbar
zu machen, (die streng taktierenden volks- und kinderreime ent-
sprechen — mutatis mutandis — rhythmisch der altgermanischen
chorpoesie.) der anhang enthält die texte, zum teil aus eigenen
Sammlungen des vfs.
324. H. Dunger, Kinderlieder und kinderspiele aus dem
Vogtlande, mit einem einleitenden vortrage über das wesen der
volkstümlichen kinderlieder. 2. aufl. Plauen, Neupert. XII, 194 s.
1,50 m.
die zuerst 1874 erschienene hübsche Sammlung ist auf 415
nummern vermehrt: wiegen- und koselieder, verkehr mit der natur,
allerlei lieder, kinderpredigten, gebete, neckereien, kinderphilologie,
abzähl- und spielreime, rätsei. voran geht ein Vortrag über das
wesen der volkstümlichen kinderlieder. die vergleichungen anderer
aufzeichnungen sind dagegen fortgeblieben und nur auf s. IV — VII
ein litteraturverzeichnis beigefügt.
325. R. Hildebrand, Humor im kinderliede. Zs. f. d. d. u.
8, 281—286.
326. A. Englert, Wiegenlieder aus dem Spessart. Zs. d.
ver. f. volksk. 4, 54—60. 88 f.
327. C. Dirksen, Ostfriesische lautspiele und Sprechübungen,
ebd. 4, 91 f.
X. Volkslied. 187
328. J. Bolte, Das kinderlied vom herrn von Ninive. ebd.
4, 180—184.
das lied 'Es kommt ein herr aus Ninive' lautete im 17. jahrh.
'Hie komen wir käkken nonnen her'.
329. A. Engler t, Zu dem kinderliedchen 'Christkind, komm
in unser haus'. Zs. f. d. d. u. 8, 124. — Zu dem Spruche 'Heile,
heile segen'. ebd. 8, 118—122. 599. — Zu dem kettenreim 'Ihr
diener, meine herrn'. ebd. 8, 482 f.
330. Seb. Mayr, Kinderpredigt, ebd. 8, 600.
331. A. Benda, Aus dem volksmunde (kinderlieder und
Sprüche). Mitt. d. ver. f. lübeck. gesch. 5, 171 f. 6, 47 f. —
W. Kruse, Aus dem lübeckischen volksmunde. ebd. 6, 16.
332. A. Hermann Post, Mitteilungen aus dem bremischen
Volksleben. Am urquell 5, 37—41; 64—69. 104—109; 128—133;
149—153; 176—179. 218—221; 245—248; 275—278.
1. Wiegenlieder und Sprechübungen. 2. kinder-volksrätsel.
3. abzählreime. reimmärchen vom Jokel. 4. lügen und jagdge-
dichte. 5. volksreime, vor allem kinderlieder. 6. Sprachkünsteleien
und sprachscherze. 7. volks- und kinderreime über essen, schule,
tagesarbeit u. s. w. 8. tierleben in der volkspoesie. 9. kinder-
spiele und spräche.
333. O. Schell, Bastlösereime. Am urquell 5, 193.
334. K. E. Haase, Bastlösereime. Zs. d. ver. f. volksk.
4 (1) 74—76.
335. O. Heilig, Neue bastlösereime aus Franken und
Alemannien. Alemannia 22 (1) 77 — 80.
336. A. Englert, Bastlösereime aus dem Spessart. ebd.
22 (1) 81—87.
337. M. Berkowicz, Reime galizischer Judenkinder. Am ur-
quell 5, 196.
338. O. Glöde, Laternenlieder. Zs. f. d. d. u. 8, 198 f.
reime der an sommerabenden mit papierlaternen herumgehen-
den kinder.
339. B. Stehle, Nachtwächterlieder aus dem Elsass. Ale-
mannia 22 (3) 259—263.
188 X. Mythologie und Volkskunde.
Volksschauspiel.
340. Sändor Solymosy, Bethlehem in den volksmysterien
und in der geschichte des dranias. Egyetemes philologiai közlöny.
18 (2—4).
ausführliche geschichte der weihnachtsspiele mit besonderer
berücksichtigung der magyarischen volkstraditionen.
341. S. Laschitzer, Das paradeisspiel. Carinthia 84 (3. 4).
80—90. 114—127.
das nach zwei jungen hss. abgedruckte spiel entspricht dem
1891 von Schlossar aus Steiermark mitgeteilten.
342. Eich. Kralik, Das mysterium von der geburt des
heilands. ein weihnachtsspiel nach volkstümlichen Überlieferungen,
hrsg. auf veranl. der Leo-gesellschaft. 2 teile. Wien, Konegen.
VIII, 189 und IV, 44 s. 3,60 m.
vgl. Zs. d. ver. f. volksk. 4, 93 f. J. v. Helfert, Österr.
litbl. 1894 (3) 90 f.
343. Gr. Mosen, Christi geburt. weihnachtsfestspiel in sieben
handlungen für vereine und schulen. 2. aufi. durchgesehen und
mit einer notenbeilage hrsg. von Alfred Müller. Annaberg, Graser.
62, 8 s. 0,50 m.
M. hat die 1861 zuerst erschienene dichtung Mosens, die im
Erzgebirge volkstümlich geworden ist, mit einigen erweiterungen
versehen und ausser vier volksmelodien zu den eingelegten gesängen
auch eine anleitung für die aufführung beigegeben.
344. A. En giert, Nachtrag zu dem scherzgespräche zs. 7,
272. Zs. f. d. d. u. 8, 408—410. K. E. Haase, ebd. 8, 595. —
vgl. jsb. 1893, 10, 305. — kommt auch in weihnachtsspielen vor;
vgl. Bolte, Mark, forschungen 18, 219. IST. preuss. prov.-bl. 1855,
7, 346.
345. P. Gröllhesel, Text des Böhmerwald-passionsspieles.
teilweise umgearbeitet, mit neuen liedertexten und bildererklärungen
von K. Landsteiner, hrsg. von der bundesleitung des deutschen
Böhmerwaldbundes. Budweis, L. E. Hansen. X, 139 s. 1,20 m.
346. H. Lambel, Die aufführungen des Höritzer passions-
spieles. Mitt. d. v. f. gesch. d. D. in Böhmen 32, 194—211.
299—304.
vergleicht namentlich den text Gröllhesls mit der neuesten
bearbeitung.
347. L. Stettenheim, Das passionsspiel von Höritz. Illustr.
ztg. 103, no. 2662, s. 17—20.
X. Volksschauspiel. 189
348. C. Schniollis, Sacra rappresentazione della passione di
Gesü Cristo in Boemia. Archivio per lo stud. d. tradiz. pop. 13 (1).
349. J. Peter, Im Oberaminergau des Böhmerwaldes. A. Johns
Lit. jahrb. 4.
350. L. Herzog, Die passionsspi ele im deutschen Böhmer-
walde. Die gesellschaft 10 (7).
351. A. Hauff en, Über das Höritzer passionsspiel. (Samm-
lung gemeinnütziger vortrage hrsg. vom deutschen verein zur Ver-
breitung gemeinnütziger kenntnisse 192). Prag, Haerpfer. 20 s.
0,30 m.
352. A. Hauffen, Die aufführungen der passionsspiele zu
Höritz. Zs. d. ver. f. volksk. 4, 211—213.
353. A. Hauffen, Passionsspiele in Krain. ebd. 4, 443.
über Laibacher aufführungen im IG. — 18. jahrh. nach einem
slovenisch geschriebenen aufsatze von A. Koblar.
F. Franzis zi, Josefi-gspiel. — vgl. oben 10, 285.
354. L. Fränkel, Das volksschauspiel in Englmar. Zs. d.
ver. f. volksk. 4, 443 — -445.
im bayrischen walde wird am fronleichnamstage die auffindung
der leiche des heil. Englmar durch Jäger pantomimisch dargestellt.
355. H. Gradl, Deutsche Volksaufführungen. Mitt. d. ver.
f. gesch. d. Deutschen in Böhmen 33 (2) 121—153.
teilt wertvolle daten aus Egerer akten des 15. — 16. jahrh.
mit: sommer- und winterspiel, Dorotheaspiel (1500. 1517. 1544),
schiff- und pflugziehen, reif- und laternentanz u. s. w.
356. F. v. P. Kiennast, Altbayrische possenspiele, hrsg.
von O. Brenner. München, Kaiser 1893. — vgl. jsb. 1893, 10,
280. — rec. A. So ein, Litbl. 1894 (9) 293.
357. Das Schlierseer bauerntheater. München, Brakls Rubin-
verlag. 96 s. 0,20 m.
giebt über die repertoirestücke des 1892 von dem Münchener
hofschauspieler Dreher gegründeten bauerntheaters (von Ganghofer,
Neuert, Hartl-Mitius, Rauchenegger, M. Schmidt) und die darsteiler
näheren aufschluss.
358. J. W. Bruinier, Faust vor Goethe. Untersuchungen I.
Das Engeische volksschauspiel dr. Joh. Faust als fälschung erwiesen.
Halle, Niemeyer. II, 107 s. 2,80 m.
durch ausführliche vergleichung des von Engel 1874 edierten
Puppenspieltextes mit den übrigen Versionen erweist B., dass jener
190 X. Mythologie und Volkskunde.
durch einen gelehrten kenner jener andern recensionen mit rück-
sicht auf dramatische effekte zusammengeflickt oder mindestens
interpoliert ist; ob durch E. selber oder seinen unbekannten ge-
währsmann, möchte ref. vorläufig noch nicht entscheiden. —
rec. Creizenach, Lit. cbl. 1894 (26) 930 f.
359. E. Mentzel, Zwei Frankfurter Faustaufführungen in
den dreissiger jähren des 18. jahrh. Berichte des freien deutschen
hochstiftes 9, 229—247.
teilt zwei theaterzettel aus Frankfurt a. M. von der witwe
des marionettenspielers Th. Neufzer und von der bekannten
Neuberin mit.
360. E. Kraus, Das böhmische Puppenspiel vom dr. Faust.
Breslau, Köbner 1891. — vgl. jsb. 1892, 10, 467. — rec. A. v.
Weilen, Litztg. 1894 (4) 111.
361. J. Zeidler, Beiträge zur geschichte des klosterdramas
1. Mephistopheles. Zs. f. vgl. litgesch. 6, 464 — 478.
Mephistopheles heisst auch der teufel in dem 1736 zu Schussen-
ried gespielten 'Cyprianus poenitens' und in einer Wengener bear-
beitung von Holbergs 'Blindem lärm' v. j. 1754.
362. E. Schmidt, Schnell wie der gedanke. aus R. Köhlers
collectaneen. Euphorion 1, 47 — 51.
viele parallelen zu der Schnelligkeit der teufel in den Faust-
spielen.
363. Der Laufener Don Juan. hrsg. von R. M. Werner.
Hamburg, Voss 1891. — vgl. jsb. 1892, 10, 462. — rec. S. Sza-
matölski, Anz. f. d. a. 20, 47—52. K. Drescher, Litbl. 1894
(8) 254—256.
364. A. K oll mann, Deutsche Puppenspiele 1. Leipzig,
Grunow 1891. — vgl. jsb. 1892, 10, 464. — rec. A. v. Weilen,
Litztg. 1894 (4) 111.
Sprüche und Sprichwörter.
365. R. u. R. Keil, Die deutschen Stammbücher. Berlin,
Grote 1893. — vgl. jsb. 1893, 10, 285 und oben abt. 8, 200. —
rec. Adam, Zs. f. kulturgesch. 1 (2. 3). B. Seuffert, Litztg.
1894 (45) 1418 f. G. Steinhausen, Lit. cbl. 1894 (20) 712 f.
366. L. Werner, Augsburger Stammbücher aus dem 18. jahrh.
Zs. d. hist. ver. f. Schwaben 20, 53—92.
X. Sprüche und Sprichwörter. 191
aus 33 albums in der bibliothek des histor. Vereins für
Schwaben zu Augsburg teilt W. viele charakteristische ein-
tragungen in prosa und versen mit und stellt biographisches
material über die besitzer zusammen.
367. H. Bosch, Alter spruch. Mitt. d. germ. nat.-museums
1894, 118.
3G8. A. Engler t, Alte Sprüche. Am urquell 5, 232 f.
büchereintragungen des 16. u. 17. jahrh.
369. M. v. W., Grabinschrift auf dem freithof von Gossensass.
Zs. d. ver. f. volksk. 4, 92.
370. W. Unseld, Der tod in schwäbischen Sprichwörtern
und redensarten. Alemannia 22 (1) 87 — 89. — vgl. abt. 8, 217.
371. R. Wossidlo, Der tod im munde des mecklenburgischen
volkes. Zs. d. ver. f. volksk. 4, 184—195.
372. Schauffler, 100 Sprichwörter in mhd. gestalt. Südd.
blätter f. h. unterrichtsanst. 2 (7).
Ch. Schweitzer, Sprichwörter bei Hans Sachs. ■ — • s. abt. 15.
K. Pusch, Über S. Franks Sprichwörtersammlung. — s. abt. 15.
373. K. Wagner, Sprichwörter und sprichwörtliche redens-
arten in Rudolstadt und dessen nächster Umgebung, gesammelt
und nach Sprichwörtern alphabetisch geordnet, progr. [1894 no. 721.]
Rudolstadt. 43 s. 4°.
L-Z. die erste hälfte der arbeit erschien 1882.
374. K. E. Haase, Sprichwörter aus der grafschaft Hohn-
stein. Am urquell 5, 255 — 257.
vgl. jsb. 1892, 10, 470.
375. J. R. Bunker, Heanzische Sprichwörter. Ethnologische
mitt. aus Ungarn 3, 287 — 291. (Deutsche in Westungarn.)
376. (Volkskundliche) parallelen und bemerkungen. ebd. 3,
291—294.
kleinere mitteilungen über Sprüche und reime aus Schleswig-
Holstein, Elberfeld, Westpreussen.
377. W. Borchardt, Die sprichwörtlichen redensarten. —
vgl. abt. 4, 29. — rec. O. Lyon, Zs. f. d. d. u. 8, 862—864
(gründliche und vorzügliche bearbeitung); De Cock, Volkskunde
7, 90.
378. A. Richter, Deutsche redensarten. — vgl. abt. 1,13. 4,30.
rec. Matthias, Zs. f. d. d. u. 8, 202 f.
192 X. Mythologie und Volkskunde.
379. Heinr. Merkens, Bezeichnungen der trunkenheit in der
spräche des volkes. Am urquell 5, 27 — 30. 51 — 53.
Volkswitz.
380. R. Eckardt, Allgemeine Sammlung niederdeutscher
rätsei, nebst einigen anderen mundartlichen rätselaufgaben und auf-
lösungen. Leipzig, A. Weigel. VIII, 136 s. 1,50 m.
rec. J. Zupitza, Arch. f. n. spr. 93, 172. K. Weinhold,
Zs. d. ver. f. volksk. 4, 224. — vgl. abt. 17, 44.
381. Asmus, Biblische rätsei aus Pommern. Am urquell
5, 20. 229 f.
382. Schmitz, Das scherzrätsel aus Tirol. Zs. f. d. d. u.
8, 197.
383. K. E. Haase, Zum flohrätsel. ebd. 8, 547.
384. A. Englert, Zu den nd. rätseln, ebd. 8, 600 f.
385. H. Menges, Zu den volksrätseln. ebd. 8, 849.
386. O. Brenner, Denkt das volk über seine spräche nach?
ebd. 8, 258.
387. M. Hoferer, Das ist eine andere art von krebsen,
ebd. 8, 850.
388. O. Heilig, Ortsneckereien und Schildbürgergeschichten.
Alemannia 22 (3) 276—279.
J. Bolte, Zwei flugblätter von den sieben Schwaben. — vgl.
oben 10, 63.
389. Paul Quilling, Humoristisches allerlei aus Sachsen-
hausen, mit einem anhang: sagen aus Sachsenhausen, vierte aufl.
Frankfurt a. M., Selbstverlag des Verfassers. 112 s.
der wert dieser Sammlung für die Volkskunde ruht in dem
humoristischen allerlei, das charakteristische typen des Frankfurter
Volkslebens zeichnet, wie denn überhaupt das interesse der volks-
kundenforschung sich, nicht nur dem dorfleben, sondern auch dem
in den städtischen Verhältnissen sich besonders ausgestaltenden
volksieben zuwendet, die 'sagen aus Sachsenhausen' sind metrisch
und novellistisch verarbeitet.
390. Paul Sartori, Sondersprachen. Am urquell 5, 23 — 26;
72— 74.
über Sondersprachen der götter, geister, tiere, geheime gesell-
schaften u. s. w. im Volksglauben, mit beispielen besonders aus dem
deutschen Volksglauben.
XI. Gotisch. 193
391. S. Krauss, Geheime sprachweisen, ebd. 5, 74 — 78.
155—157; 193 f.
392. A. Treichel, Zungenübungen aus Preussen II. ebd.
5, 122— 12G; 144-148; 180—182; 222—224.
393. H. A. Carstensen, A-B-C spiel, eine umfrage. 5, 114;
192; 290. kleine mitteilungen v. A. Treichel u. a.
394. A. Brunk, Tierstimmen im volksmunde. ebd. 5, 31 — 33;
53 — 57. meistens beitrage aus Pommern.
395. M. Höfer, Volksnamen der tiere. — vgl. abt. 5, 29.
A.Schullerus(no. 1-271,389— 394). J. B ölte (no. 272— 388).
XI. Gotisch.
1. J. Wright, A primer of the gothic language. Oxford, Cla-
rendon press 1892. — vgl. jsb. 1893, 11, 1. — angez. von
M. Boediger, Litztg. 1894 (10) (warme empfehlung). — von
W. Streitberg, Anz. f. idg. alt. 3 (1) 17 (gelobt).
2. W. Streitberg, Ost- und Westgoten. Idg. forsch. 4,
300—309.
erweist die bezeichnung Ost- und Westgoten als einen seit
Jordanes' zeit mitgeschleppten irrtum. Wisigothae, Visi oder Vesi
wird durch vergleichung mit Wisugart, Wisirlh auf ai. väsu, gr.
tvg zurückgeführt, der name der Ostrogoten wird mit Ostern, ai.
usär 'leuchtend' in Verbindung gebracht, den beschluss macht der
versuch den a-umlaut von u auf grund der namen der Gothones,
Gutones als gemeingermanisch zu erweisen.
3. H. Paul, Got. ai vor r. Idg. forsch. 4, 334 f.
wendet sich gegen Johannes Schmidts ansieht, dass in hiri,
hirjats, hirjip i vor r erhalten sei, weil der accent auf der schluss-
silbe stehe, und sucht, nach einer kurzen übersieht über die Schick-
sale von e, i, U vor r in unbetonten silben, in der natur des
i und ; der zweiten silbe den grund für die singulare erscheinung.
4. B. Loewe, Gotisch und alanisch. Idg. forsch. 3 (1) 146 f.
weist aixf die engen beziehungen hin, die zwischen den Goten
und Alanen bestanden, und erklärt got. ahahs als lehnwort aus dem
alanischen auf grund des ossetischen, anderseits sucht er zwei
ossetische Wörter als entlehnungen aus dem gotischen zu erklären.
Jahresbericht für germanische Philologie. XVI. (189).) 13
194 XII. Skandinavische sprachen.
im Idg. anz. 3 s. 170 wird nachgetragen, dass die vergleichung von
ahaks mit dem ossetischen schon älter ist.
5. Gr. vander Waals, Skeireins aivaggeljons hairh Johannen.
Leiden, E. J. Brill 1892.
vgl. jsb. 1893, 11, 4. — angez. von M. H. Jellinek, Anz. f.
d. a. 20 (2) 148 — 162. giebt zu einer reihe schwieriger stellen teils
erklärungsversuche, teils conjecturen, darunter recht gewagte.
6. V. E. Mourek, Syntaxis slozeny'ch vet v gotstine. = Boz-
pravy eeske, akademie cisare Erantiska Josefa pro vedy, slovesnost
a umeni v Praze. rocnik II. trida III eislo 1. v Praze, näkladem
eeske akademie cisare Erantiska Josefa pro vedy, slovesnost a
umeni 1893. — Syntax des zusammengesetzten satzes im gotischen.
Abhandlungen der böhmischen kaiser Franz-Joseph-akademie für
Wissenschaft, litteratur und kunst in Prag, jahrg. U, abt. III no. 1.
Prag, im verlag der böhm. kaiser Eranz-Joseph-akademie für
Wissenschaft, litteratur und kunst. 1893. IX u. 334 s. 4°.
wie eine frühere auf Wulfila bezügliche Untersuchung Moureks
(jsb. 1891, 11, 10) giebt auch diese in erschöpfender Vollständig-
keit das ganze material, auf das ihr thema hinweist, und zwar in
einer höchst umsichtigen, alle seiten der sache liebevoll, klar und
methodisch darstellenden entwickelung. bei der Seltenheit ähn-
licher syntaktischer Studien und bei dem fehlen hervorragender
muster grade für die behandlung des zusammengesetzten satzes,
verdient die arbeit mit ihrer Übersichtlichkeit und Vollständigkeit
die wärmste empfehlung, namentlich auch als muster für Unter-
suchungen ähnlicher art. in dankenswerter weise hat der vf. auf
den letzten 49 seiten durch einen vollständigen auszug in deut-
scher spräche das werk auch weiteren kreisen zugänglich gemacht.
— angez. von R. Heinzel, Anz. f. d. altert. 20 (2) 140 — 144, der
den inhalt in kürze angiebt und im weseutlichen der methode und
den ergebnissen zustimmt. Eelix Hartmann.
XII. Skandinavische sprachen.
Bibliographie.
1. E. H. Lind, Bibliografi för är 1892. Ark. f. n. fil.
10 (3) 354—385.
2. E. H. Lind, Svensk literaturhistorisk bibliografi 13.
1892 ock 1893. Samlaren 15.
XII. Skandinavische sprachen. 195
3. D. Andersen, Nordgermanisch. Anz. d. idg. forsch. 4,
116—123.
4. Nordisk bokhandlertidende. 1894. hrg. von J.L.Lybecker.
56 no. Kopenhagen. 3 kr.
5. Norsk bokhandlertidende udg. af den norske bokhandler-
forening ved M. W. Feilberg. 15. aarg. no. 25 — 46, 16., 1 — 24.
Kristiania. 3 kr.
6. Svensk bokhandelstidning. 1894. hrg. von Isid. Adolf
Bonnier. 52 no. Stockholm. 4 kr.
7. Nya bokhandelstidningen. 7. arg. 52 no. Stockholm,
Seelig & co. 4 kr.
8. J. Vahl, Dansk bogfortegnelse 1881 — 1892. Kopenhagen,
Gad. 33 kr.
9. Kvartalskatalog over norsk litteratur udg. af den norske
boghandlerforeningen ved en komite. 2. aarg. Kristiania, durch
Jac. Dybwad. 1 kr.
10. Norsk bogfortegnelse for 1892. utg. af universitets
bibliotheket i henhold til lov af 20. juni 1882. med et syste-
matisk register. udarbeidet af underbibliothekar A. Kjasr. 120 s.
Kristiania in komm, bei Aschehoug & co. 2 kr.
t
11. Olafur Daviösson, Islandsk bogfortegnelse 1893. Nor-
disk boghandlertidende 1894 (43) 286—287.
12. Kr. Setterwall, Bibliographie der 1894 erschienenen
werke zur schwed. geschieh te. Hist. tidskr. (svensk) 15 (1) 183 — 202.
12a. Sveriges offentliga bibliothek. Stockholm. Upsala. Lund.
Göteborg. accessionskatalog 1893. utg. af kongl. bibliotheket
genom E.W. Dahlgren. 372 s. Stockholm, Samson & Wallin. 1 kr.
Zeitschriften. Sammelwerke.
13. Arkiv för nordisk filologi, utg. under medvärkan av
S. Bugge, G. Cederschiöld, F. Jönsson, K. Kälund, N. Linder,
A. Noreen, G. Storm, L. Wimmer genom A. Kock. 11. bd. (n. f.
7. bd.). Lund, Gleerup u. Leipzig, Harrassowitz. jährl. (4 hefte).
6 kr. = 8 m.
14. Aarb0ger for nordisk oldkyndighed og historie. udg. af
13*
196 XII. Skandinavische sprachen.
det kongl. nordiske oldskrift-selskab 1894. 2. raekke 9. bd. Kopen-
hagen, bei Gyldendal in komm, jährl. (4 hefte). 4 kr.
15. Nordisk tidsskrift for filologi. redig. af K. Hude.
3die rsekke. 2. bd. 3. — 4. heft. Kopenhagen, Gyldendal. heft 1,
25 kr.
16. Nordisk tidskrift för vetenskap, konst och industri, utg.
af Letterstedtska föreningen. redigerad af 0. Montelius under
medvserkan af C. M. Guldberg och Jul. Lange. Stockholm, Nor-
stedt & söner. Jahrg. (8 hefte) 10 kr.
17. Finsk tidskrift för vitterhet, vetenskap, konst och politik
under medvärkan af G. Estlander, J. Ahrenberg m. fl. utg. af
F. Gustafsson och M. G. Schybergson. Stockholm, Sam-
son & Wallin. jährlich (12 hefte) 12 kr.
18. Timarit hins islenzka bökmenntafjelags. 15. argangur.
320 ss. Reykjavik, i Isafoldarprentsmiöju.
19. Huld, safn alpyölegra frseöa islenzkra, ütg. Hannes Por-
steinsson. Jon Porkelsson. Olafur Daviösson. Pälmi Pälsson.
Valdimar Asmundsson. — 4. bd. 60 s. Reykjavik, 50 aur.
inhalt: 1. Pättur af Landa-Hrölfi. eptir Gisla Konraösson.
eine apokryphe saga von einem entdecker Amerikas , der im aus-
gang des 13. jahrh. gelebt hat. sie geht hauptsächlich zurück auf
die ärbcek. des Espölin. 2. Hafliöi bondi i Grindavik (erzählung
von einem bonden, der 18 jähre auf dem meere geweilt); 3. Magnus
Helgason, Mannskaöinn ä Mosfellsheiöi; 4. Aradalsööur (sagen
von geächteten in gedichtform von Jon Guömundsson laerSi aus
der 1. hälfte des 17. jahrh.); 5. NähljöÖin; 6. Sjödraugurinn i Kils-
nesi; 7. Fjörulalli; 8. Mariufiskur; 9. SmalareiÖ; 10. Athugasemdir
og viöaukar.
20. Dania. Tidsskrift for folkmäl og folkeminder udg. for
Universitets-jubilseets danske samfund afO. Jespersen og K. Ny-
rop. 4. bd. 4 hsefte. Kopenhagen, Schuboth.
21. Nyare bidrag tili kännedom om de svenska landsmälen
ock svenskt folklif. tidskrift utg. pä uppdrag af landsmälsförenin-
garna i Uppsala, Helsingfors ock Lund genom J. A. Lundell.
51. u. 52 heft (bd. 13, 1. 7—11; bih. 2, 3.). Stockholm, Sam-
son & Wallin. Jahrg. (im buchhandel) 4,50 kr. (f. mitglieder 3 kr.).
22. Svensk tidskrift. utg. af Frans von Scheele. Upsala.
jahrg. (10 hefte) 10 kr.
i
XII. Skandinavische sprachen. 197
23. Svenska fomminnesföreningens tidskrift. 9. bd. 1. heft.
110 s. Stockholm, Samson & Wallin. 3 kr.
24. *)Bidrag tili kännedom om Göteborgs och Bohusläns
fornminnen och historia utg. pa foranstaltande af länets forn-
mhmesföreiiing 20. heft (5. bd. 3. heft) s. 187—318 u. 19 taf.,
3 karten. Göteborg 1893. 5 kr.
25. Meddelanden frän Göteborgs och Bohuslänsfornminnes-
förening I. 1. heft. 84 s. Göteborg 1893.
26. Meddelanden af Gestriklands fornminnesförening. 38 s.
Gene 1893.
27. Vestergötlands fornminnesförenings tidskrift. utg. afF. Ödj-
berg. 6. u. 7. heft, 128 u. 19 s., 22 tafeln. Stockholm 1893.
6 kr.
28. Finländska bidrag tili svensk spräk-och folklifsforskning
utg. af Svenska landsmalsföreningen i Helsingfors. (utg. med bidrag
frän svenska literatursällskapet och consistorium academicum vid
kejs. Alexanders-universitetet. 318 ss. 8°. Helsingfors. 5 m.
inhalt: b'ericht über die schwedische dialektvereinigung in
Finnland von 1874 — 1894, ihre mitglieder, Schriften, ihre bibliothek;
0. Freudenthal: ekki lyf (Reginsm. 9) findet sich auch noch im
nyländischen = nicht im geringsten; F. Gustafs son weist auf
die ausspräche und den Sprachgebrauch der hülfsverba und einiger
praeterito-praesentia im schwedischen in Finnland hin, wo sich
der Sprachgebrauch von dem im mutterlande unterscheidet;
J. Klockars berichtet von der bedeutung, die noch heute die
schwarzbücher in Finnland haben, mit deren hülfe die geistlichen
die umgehenden toten zur ruhe bringen; E. Lagus: die melodie
des finnischen Volksliedes hat grosse ähnlichkeit mit der des
germanischen. A. Heikel erörtert die Wortfolge in der schwed.
Sprache, F. Hultman den w-umlaut das a im ostnordischen,
H. Pipping giebt die resultate seiner fonautografischen Studien,
F. Hultman einen überblick über die ostschwedischen dialekte.
29. Antiqvarisk tidskrift för Sverige. utg. af kong. vitter-
hetshistorie och antiqvitetsakademien genom H. Hildebrand.
13 (1), 15, 2. 80, 112 s. Stockholm, Wahlström & Widstrand.
1 u. 1,50 kr.
i
30. Arbök hins islenzka fornleifafjelags. 48 s., 5 tafeln. Reyk-
J avik.
*) Die Zeitschriften der provinzialaltertumsvereine standen mir nicht zur
verfugung, no. 24 — 27 sind aus Linds bibliografi för 1893 im Ark. f. n. fil.
198 XII. Skandinavische sprachen.
inhalt: Brynjulfur Jons so n, Rannsöknir i ofanveröu Arness-
bingi 1893 (Mäshöll, Hagagaröur, Skalholt, hoftöft i Uthliö,
lögrjetta i Haukadal, hoftöft i Pjalli, ArnesspingstaSurinn forni,
Brunahaugr, Helgahvall; — ders., Rannsöknir i Skaptafellsj)ingi
1893 (LeiÖvöllur, Hildishaugur, KirkjugölfiÖ) ; — ders. Rannsöknir
i Rangärpingi 1893. (rörsmörk, hoftöft (?) i FljötskliQ, ringskälar) ;
— Grafletur ä legsteinum (i Skälholti, BrseÖratungu, ä Hüsafelli); —
Grettisbasli i Sökkölfsdal; — Pälmi Pälsson, Likneski Olafs
konungs hins helga Haraldssonar; — ders., Kistuhliö frä Hliöar-
enda; — ders., Dükur frä Höföabrekku.
31. Foreningen tilnorske fortidsmindesmerkers bevaring. aars-
beretning for 1893. 184, 19 s. u. 4 taf. Kristiania.
inhalt: A. Krefting, Beretning om udgravninger paa Stenviks-
holm 1893; B. E. Bendixen, Udgravninger og unders0gelser i
R0ldal; N. Nicolaysen, Udgravninger i 1893; Oldsager indkomne
1893 til universetets samling, til Trondhjems samling, til Troms0
museum, til Bergens museum, til Arendals museum (1885 — 1893),
til Stavanger museum; N. Nicolaysen, Antikvariske notiser; aar-
beretning for 1893 fra den bergenske og trondhjemske filialafdeling
und fra centralforeningen.
32. Historisk tidskrift utg. af Svenska histor. föreningen
genom E. Hildebrand. 14. arg. 36G, 122 s. für die mitglieder
5 kr.
33. Historisk tidskrift. 6. raekke. udg. af den Danske histor.
forening ved dens bestyrelse. red. af C. F. Bricka, foreningens
secretär. 4. bd. 3. heft (483—813) und 5. bd. 1. heft (1—273).
34. Historisk tidskrift udg. af den Norske historiske fore-
ning. 3. raekke, 3. bd. 2. heft. Kristiania.
35. Museum, tidsskrift for historie og geografi. redaktion:
C. Brunn, A. Hovgaard og P. P. Rist. 1894. 1.— 2. halvbind.
Kopenhagen, Gyldendal. jährl. (12 hefte) 9,60 kr.
35a. Danske magazin, indeholdende bidrag til den danske
histories og det danske sprogs oplysning. femte raekke. udgivet af
det Kongelige danske selskab for fpedrelandets historie og sprog.
3. bd. Kopenhagen, Gyldendal. 8 kr.
36. Aarbog for dansk kulturhistorie 1894. udgiven af P. Bjerge.
216 s. Aarhus, Jydsk forlagsforretning. 2 kr.
37. Samlinger til jydsk historie og topografi udg^^af Jydske
historisk-topografiske selskab. 2. rsekke. 4. bd. 1. u. 2. heft.
116 u. 128 s. Aalborg, Schultz. 1,80 u. 2 kr,
XIT. Skandinavische sprachen. 199
38. Ymir. tidskrift ug. af Svenska sällskapet för antro-
pologi och geografi. 14. arg. Stockholm , Samson & Wallin.
jahrg. 8 kr.
39. Kulturhistoriska meddelanden. quartalskrift utg. af
kulturhistoriska föreningen för södra Sverige gen. G. J. Karlin.
1894. Lund, Kulturkist. fören. jahrg. 2 kr.
40. Samlaren. tidskrift utg. af Svenska literatursällskapets
arbetsutskott. 15. arg. 1894. (Skrifter utg. af Svenska literatur-
sällskapet 1, 15) 157, 23 s. Upsala. 4 kr.
41. Uppsalastudier tillegnade S. Bugge pä hans 60-ära födelse-
dag. — vgl. jsb. 1892, 12, 17. ■ — ferner angez. von A. Heusler,
Litztg. 1894 (5); von B. Kahle, Litbl. 1894 (5) 145 ff.;
E. Svensen, Histor. tidskr. (schwed.) 1893 (4) 93 — 95; von
F. Kauffmann, Ark. f. n. fil. 11 (4) 309—311; von A. Olrik,
Nord, tidsskr. f. fil. 3 r. 3 s. 68—74.
42. Eestskrift til Vilhelm Thomsen fra disciple, udgivet i
anledning af hans femogtyveärige doctorjubilaBum. 23. marts
18G9 — 23. marts 1894. 368 s. Kopenhagen, Gyldendal. 7 kr.
inhalt, soweit er für den jsb. in betracht kommt: 0. Jes-
persen, Om sub traktionsdannelser (1—30); K. Nyrop, Et afsnit
af ordenes liv (31 — 58); A. Olrik, Nogle personnavne i Starkad-
digtningen (116 — 130); D. Andersen, Om reduplikationsvokalen
i verbernes perfektf o rmer i de indoeuropasiske sprog (131 — 145);
E. Jonsson, Eremmede ords behandling i oldnordisk digtning
(204 — 229); N. Setälä, Über einen gutturalen nasal im ur-
finnischen (230 — 245); V.Andersen, Sammenfald og beraring, et
bidrag til dansk betydningslgere (258 — 308); P. K. Thorsen,
Glidning og spring i sprogomdannelsen (309 — 334); S. S0rensen,
Til sporgsmälet om Adityäerne (355 — 352); G. Trier, Ordet
'labaris oprindelse (353 — 368). eingehend von verschiedenen re-
censenten bespro chen in Nord, tidsskr. f. fil. 3. r. 3. (1/2)
s. 87 — 103; — von A. Noreen, Nord, tidskr. f. vetenskap, konst
och industri 1894 (6).
43. P. A. Munch, Samlede afhandlinger udg. efter offentlig
foranstaltning af dr. G. Storm. ny Subskription og prisnedsasttelse.
12. — 25. heft. Kristiania , A. Cammermeyer. — forts. von jsb.
1893, 12, 30.
44. Porstein Erlingsson, Kitsja nokkurra ütlendra böka,
sem snerta Island og bokmentir pess, 1892. Timarit h. isl. bökmf.
15, 247—317.
200 XlL Skandinavische sprachen.
E. giebt einen kritischen überblick über die 1892 erschienenen
Schriften, die die isländische religion, geschichte, litteratur, alter -
tumskunde betreffen.
Wörterbücher. "Wortforschung.
45. J. Fritzner, Ordbog over det gamle norske sprog. om-
arbeidet, foraget og forbedret udgave. 25. — 26. heft. (3. bd.
s. 481—672) söttall — taJca f. heft je 1,50 kr.
1. — 22. heft sind etwas eingehender besprochen von H. Ge-
ring, Ark. f. n. fil. 10 (3) 392-397; ferner angez. v. J. S. Thorn-
ton, The academy 1892 s. 274.
46. J. forkelsson, Supplement til islandske ordb0ger.
tredje samling. 8. og 9. heft. s. 561 — 720. klökkvi — mötsögn. —
forts. von jsb. 1893, 12, 35.
47. L. Larsson, Ordförrädet i det älsta islänska hand-
skrifterna, lexikaliskt och gramatiskt ordnat. — vgl. jsb. 1891,
12, 33. — ferner angez. von A. Heusler, Arch. f. d. stud. d. n.
spr. 92 (3/4).
48. O. Kaikar, Ordbog til det seldre danske sprog (1300—
1700). trykt paa Carlsbergfondets bekostning iffllge foranledning
af Universitets-jubilfets danske samfund. 22. heft. 3. bd. s. 113 —
192. mcelkbubbert — nat. 2,50 kr. — forts. von jsb. 1893, 12, 44.
49. K. F. So der wall, Ordbok över svenska medeltidsspräket.
14. heft 2. bd. s. 233—328. 6 kr. — forts. von jsb. 1892, 12, 6.
50. H. Ross, Norsk ordbog. tillseg til 'Norsk ordbog' af
Ivar Aasen. 13. — 14. heft. s. 769 — 896. streekafßrkf — vedrßusu.
Christ, og KJ0benhavn, A. Cammermeyer. heft je 70 öre. — forts.
von jsb. 1893, 12, 75.
51. H. F. Feilberg, Bidrag til en ordbog over jyske almues-
mäl. udg. af Universitets-jubilseets danske samfund. 11. und 12. heft
2. bd. s. 1—128. J — kirkegard. 4 kr. — forts. v. jsb. 1893, 12, 99.
der erste band angez. The academy 1894, 1171.
52. Ordbok öfver svenska spräket utg. af Svenska akademien.
2. heft. s. 113 — 272. afbilding — afkläda. Lund, G-leerup.
heft 1,50 kr. — forts. von jsb. 1893, 12, 37. heft 1 angez. von
E. Brate, Nord, tidsk. f. vetensk. 1894 (1) 59—63; von Fr. Wulff,
Svensk tidskr. 1893 (18/19) 591—601; von J. Vising, Göteborgs
handels-och sjöfarts tidning 1894 (5. sept.); von E. Mogk, Lit. cbl.
1894 (19) 681.
XII. Skandinavische sprachen. 201
53. G. Cederschiöld, Om de senast framställda fordrin-
garna pä en historisk ordbok. (inbjudning tili den högtidlighet
med hvilken Göteborgs högskola kommer att fira trehundrade
ärsdagen af Gustaf II. Adolfs födelse.) Göteborg, Göteborgs
handelstidnings aktiebolags tryckeri. 41 s.
enthält bemerkungen zur geschichte des grossen schwed.
Wörterbuchs und giebt eine kritik von Pauls Vortrag: Über die
aufgaben der wissenschaftlichen lexikographie.
54. F. Tamm, Etymologisk svensk ordbok. 3. heft.
s. 129— 17G. falaska — fräknar. — forts. von jsb. 1893, 12, 43.
heft 1 ist angez. von F. Holthausen, Anz. f. d. a. 20 (4)
399—400.
55. J. A. Lundell, Svensk ordlista med reformstavning ock
uttalsbeteckning. — vgl. jsb. 1893, 12, 41. anerkennend be-
sprochen von G. Morgenstern, Anz. d. idg. forsch. 4, 51 — 52;
von L. Larsson, Ark. f. n. fil. 10 (4) 311—314.
56. E. Wenström och O. Jeurling, Svenska spräkets ord-
förräd eller 80 000 inhemska och främmande ord och namn med
öfversättningar och förklaringar jämte uttalsbeteckning och accen-
tuering enligt Sv. akademiens ljudenligaste stafsätt. ny oförändrat
uppl. 1. heft 192 sp. Stockholm, Skoglund. 25 öre.
57. G. Rosenb erger, Tysk-svensk ordbok. (Deutsch-schwe-
disches Wörterbuch.) Stockholm, Norstedt & söner. 15, 283 s. 3 kr.
58. F. Schulthess, Fransk-svensk ordbok. (Dictionnaire
francais-suedois.) Stockholm, Norstedt & söner. 23, 338 s. 3 kr.
59. E. Wenström, Engelsk-svensk ordbok. (English-swe-
dish dictionary.) Stockholm, Norstedt & söner. 3, 464 s. 3,50 kr.
60. J. Brynilden, Tysk-norsk (dansk) ordbog. 1. — 2. heft.
s. 1 — 96. a — austrägler. Kristiania, Alb. Cammermeyer. heft
35 öre.
das Wörterbuch ist in erster Knie für norwegische schulen be-
stimmt und zwar zum gebrauche bei der lektüre deutscher werke,
doch dürfte es auch dem Deutschen zu statten kommen, wenn er
Norwegen bereist, da auch speziell dänische Wörter und Wen-
dungen aufnähme gefunden, lässt sich der unterschied zwischen
dem dänischen in Dänemark und dem in Norwegen in bezug auf
Wortschatz leicht erkennen.
61. J. K. Qvigstad, Nordische lehnwörter im Lappischen.
(Christiania, Videnskabs-selskabs forhandlinger for 1893. no. 1.)
202 XII. Skandinavische sprachen.
357 s. u. 8 s. zusätze und nachtrage aus Pasvik. Christiania,
Dybwad in komm.
Q. giebt zunächst eine einteilung der lappischen spräche in
die 4 hauptdialekte (russisch - lappisch auf der halbinsel Kola,
enare-lappisch in Enare in Finnland , finnmarkisch - lappisch in
Norwegen und dem nördlichsten teile Schwedens, und schwedisch-
lappisch in Nordschweden), darauf folgt eine eingehende laut-
lehre der nord. lehnwörter , woran sich das umfangreiche alpha-
betische Verzeichnis derselben schliesst. ■ — angez. von H. W — r,
Lit. cbl. 1894 (30) 1070.
G2. A. Edelfeld, Liste des mots francais employes dans la
langue suedoise avec une signification detournee. Mem. soc. neo-
phil. ä Helsingfors I. Helsingfors, Waseninska. 360 s.
63. E. Tamm, Einige slavische Wörter im schwedischen.
Idg. forsch. 4. 395—397.
schw. besman 'schnellwage' = russ. bezmen; schw. bulvan
'nachgemachter lockvogel' = russ. bolvan; lodja 'das lastboot' = russ.
lodija; pasma f und pasman n. 'gebinde garn' = slav. pasmo;
prestav 'marschall' = russ. pristav 'aufseher'; toTk 'dolmetschter =
russ. tollet)) torg 'markt' = russ. torgh; tulubb 'pelz' = russ. tulup;
liibiika 'leichter schütten' = russ. hibitha; lave 'wandfeste bank',
aitnorw. laß, 'tenne, scheune' = russ. lava 'bank'; loka f 'kummet' =
russ. luh 'bogen'; sjubb 'waschbar' = slav. suba 'pelz'; väska 'hänge-
tasche' = poln. ivacek.
64. F. Jönsson, Eremmede ords behandling i oldnordisk
digtning. Eestskrift til Villi. Thomsen s. 204—229.
einsilbige fremdwörter haben durchweg langen vokal vor un-
mittelbar darauf folgendem konsonant; in zweisilbigen Wörtern ruht
der hauptton auf der 1. silbe, und diese ist in der regel lang, die
2. ist dagegen immer kurz, wenn sich die endung der endung
heimischer Wörter anschmiegt, dreisilbige fremdwörter haben in der
regel zwei betonte und eine unbetonte silbe; letztere steht ent-
weder zwischen den beiden betonten oder nach ihnen; bei den
Wörtern auf üs scheinen zwei silben den nebenton gehabt zu haben,
viersilbige fremdwörter haben entweder den typus -^ x - £ - x oder
-^ | -*- x - v -. in bezug auf flektion bequemen sich die meisten
fremdwörter der altisländischen flektion an , nur wenige behalten
ihre ursprüngliche.
65. F. L äff ler, Om de östskandinaviska folknamnen hos
Jordanes. förberedande meddelande. Bidr. tili känned. om sv.
landsm. 13 (9). 14 s.
XII. Skandinavische sprachen. 203
Jordanes Getica kap. 3: Adogit wahrscheinlich ein lappischer
stamm, nachdem Jordanes die Suehans (d. i. Svear) angeführt,
geht er in aufzählung der einzelnen stamme an der küste des
schwedischen festlands südwärts, die Theustes = die bewohner
von Tjust im nördlichen bezirke von Kalmar; Vagoth — * Väggotans
'Gotländer'; die Bergio wohnten im südlichen Smaland und Ble-
kingen, Hallin ist das südliche Hailand, Liothida=Hj6^pj6h ist Lodde
als volksname, das noch in Löddea, Löddeköpinge in Schonen
fortlebt. — es folgen dann die diesen stammen benachbarten,
deren angriffen jene immer ausgesetzt waren: Ähelmil (?), Finnaithce
sind die bewohner von Finweden im südöstlichen Smaland, die
Fervir die vom nördlichen Halland und südlichen Vestgötaland
(vgl. den heradsnamen Fjäre), die Gauthigoth sind die Goten spec.
die Vestgöten. — die Mixi, Evagre, Otingis dunkel, es folgen dann:
die Ostrogoth (in Ostgötaland), Baumaricüe in Raumarike, die
Bagnaricii in Ränrike, die Finni, Vinoviloih (?), die Suetidi
(Schweden), Dani (Dänen), von hier geht dann Jordanes Schilde-
rung ganz nach. Norwegen.
66. A. Erdmann, Om folknamnen Götar och Goter. — vgl.
vgl. jsb. 1891, 12, 14. — angez. von F. Holthausen, Litbl. 15
(8) 249.
07. E. T. Kristensen, Jyske stedsnavne. Jylland (maa-
nedsskr.) 1892, s. 296—298.
68. E. Hellquist, Anmärkningar om nägra nordiska och
västgermanska djurnamn. (Upsala universitets ärsskrift 1894.)
18 ss. Upsala.
68a. G. Djurklou, Om vedernamn och känninganamn i
äldre och nyare tider. Svenska fornminnesför's tidskr. 9 (1)
27—43.
69. F. Dyrlund, Tre ordforklaringer m. m. Ark. f. n. fxl.
11 (1) 33—63.
1. hedagh = ethslagh 'eidesbündnis'. — 2. hedning = hryg-
ning 'gebräu'. — 3. recekning = strcehning 'strecke'.
70. B. Delbrück, Altnord, febgar 'vater und söhn', im
'Festgruss an Rud. von Roth zum doktorjubiläum 24. aug. 1893 von
seinen freunden und schülern.' Stuttgart, Kohlhammer.
fe&gar erinnert an die vedisch eliptischen duale wie miträ
'Mitra und Varuna'. das germanische hat also den dvandva-typus
gehabt.
71. Eirikr Magnüsson. Kvett. Ark. f. n. fil. 11 (1)
93—95.
204 XII. Skandinavische sprachen.
Jcvett, neuisl. kvetti, das Fritzner in seinem ordbog nicht auf-
genommen hat, ist ein altes wort, dessen älteste bedeutung 'fleisch
im allgemeinen' ist (= kjQt).
72. A. Kock, Anmärkningar om nägra svenska ord. Bidr.
tili känned. om sv. landsm. 13 (8) 11 s.
altschw. frydhe 'lied' ist die Verschmelzung eines deutschen
lehnwortes (freude) mit heimischem fradhe (== isl. frcepi). — humpa
'verfälschen', plumpa 'verdünnen' sind deutsche lehnwörter, molma =
deutsch 'zermalmen', nyckia bei Stjernhielm bedeutet wie das norw.
nykkja 'heftel'; tomtebolycko, ist volksetymol. Umbildung aus tompt
och ho lyckas skal 'glück auf dem neuen grund und boden!' — für
mon oder mun (1. und 3. prs. sg. vom isl. inf. mono) trifft man
im altschwed. oft die zweisilbigen formen mona, mana, maane,
ebenfalls öfters in dialekten; sie stehen namentlich in fragesätzen.
dies -a, -e ist wohl altschw. ä, e, isl. ei = 'immer, wohV.
Sprachgeschichte. Grammatik. Dialekte. Metrik.
73. A. Noreen, Abriss der urgermanischen lautlehre mit be-
sonderer rücksicht auf die nordischen sprachen, zum gebrauch bei
akademischen Vorlesungen, von dem vf. selbst besorgte bearbeitung
nach dem schwedischen original. Strassburg, K. Trübner. 12,
278 s. 5 m.
in diesem werke ist N's. Utkast til föreläsningar i urgermansk
ljudlära nicht unwesentlich erweitert und verbessert, vor allem
aber sind der Übersetzung genaue Wortregister beigegeben, wodurch
das buch erst allgemein brauchbar wird. — angez. von V. Henry,
Rev. crit. 1894 (40); von v. Helten, Museum 9 (2); von
W. Streitberg, Lit. cbl. 1894 (35) 1260.
74. R. C. Boer, De studie van het oudnoorsch. antrittsrede.
Groningen, Wolters. 31 ss.
75. F. Holthausen, Altisländisches elementarbuch. (Lehr-
buch der altisländ. spräche I.) Weimar, Felber. 197 s. u. 1 taf.
3 m.
das heftchen ist für anfänger bestimmt und soll für den an-
fänger sein, was Noreens altisländ. -norweg. grammatik für den
fortgeschrittenen ist. Noreens grammatik wird auch zu gründe ge-
legt, leider findet sich darin auch wie bei Noreen der unangenehme
druckfehler pessa (f. pessi dat. sg. fem.), ausser der laut- und
formenlehre giebt aber H. auch eine Zusammenstellung der wich-
tigeren syntaktischen regeln, drei anhänge geben einen überblick
Xu. Skandinavische sprachen. 205
über die geschichte der altisländ. spräche, die runenalphabete und
die wichtigeren hilfsmittel zur einführung in die litteratur.
76. M. Nygaard, Oldnorsk gramrnatik til skolebrug. 4. ud-
gave. Bergen, Giertsen. 68 s. 1,20 kr.
77. A. Kock, Studier i fornnordisk grarnmatik. Ark. f. n.
fil. 11 (2) 117—153.
1. K. verteidigt abermals seine früher ausgesprochene ansieht,
dass at aus pat hervorgegangen sei, doch hält er es auch für
möglich, dass es teilweise auf älteres *hat (ntr. zu liann) zurück-
gehen kann. — 2. wechselformen mit oder ohne n. in adverb. und
pron. wie hvergin: hvergi ist n aus en 'noch' entstanden; altschw.
cengon = cengi-h(on). — 3 hvarra, hvarre ist zusammengesetzt aus
der fragepartikel hvar und der partikel ei, ä = 'immer'. —
4. dialektisch geht im isländ. e in as über zwischen vorangehendem
v und folgendem l oder r. — 5. im ostnord. geht in relat. wenig
betonten silben ce (e) vor gh in a über. — 6. in älterem schwedisch
geht intervokalisch gh nach einem schwachbetonten vokal in g
über; ebenso ist intervokalisches dh nach schwachbetontem vokal
zu d geworden.
78. A. Kock, Anmärkningar tili läran om u-omljudet. Ark.
f. n. fil. 10 (3) 288—354.
polemik gegen Wadsteins auffassung des u-umlautes.
79. A. Kock, Kritische bemerkungen zur frage nach dem
i-umlaut. Beitr. z. gesch. d. d. spr. 18 (3) 417 — 464.
K. wendet sich gegen Wadsteins auffassung des i-umlautes
(beitr. 17, 412 ff.), dass nämlich der i-umlaut in den nord. sprachen
immer lautgesetzlich eingetreten sei, wenn auf eine silbe mit
hauptaccent in urnord. zeit ein vollkommen unaccentuierter i-laut
folgte, und dass dies sowohl bei langem als auch kurzem wurzel-
vokal der fall sei. diese auffassung sucht K. als irrig zu er-
weisen, wobei er Wadstein den Vorwurf macht, dass dieser zu oft
orthographische Schrullen für die lautgesetze ausgebeutet habe.
80. E. Wadstein, Der umlaut von a bei nicht synkopiertem u
im altnorwegischen, skrifter utg. af Humanistiska vetenskapssam-
fundet i Upsala 3 (5) 50 s.
W. verteidigt zunächst gegen A. Kock seine früher über den
u-umlaut aufgestellten regeln (beitr. 17, 433 ff.) und zieht dann
aus einer grösseren zahl altnorweg. handschriften die fälle, wo auf
stammhaftes a ein nicht synkopiertes u des Suffixes oder der
endung folgt, zunächst stützen die beispiele den satz, dass in
nicht hochbetonter silbe kein umlaut eintritt , mag die silbe des
wort- oder auch des satztones entbehren, eine besondere Stellung
206 XIL Skandinavische sprachen.
nimmt die haupths. der Barlaamssaga ein , in der der umlaut in
kurzsilbigen stammen fast stets unterlassen ist, während bei den lang-
silbigen stammen die umgelauteten und die unumgelauteten formen an
zahl fast gleich sind, die so gemusterten hss. lassen sich in 3 Massen
gruppieren: 1. die beispiele ohne umlaut sind relativ selten; 2. die
umgelauteten und nicht umgelauteten formen sind an zahl fast
gleich; 3. die fälle mit umlaut sind relativ selten, dieser unter-
schied erklärt sich wahrscheinlich aus der Verschiedenheit der
dialekte, in denen die hss. geschrieben sind, die Ursache liegt aber
in der verschiedenen betonung in den einzelnen gegenden Nor-
wegens.
81. J. Porkelsson, sen. Beyging sterkra sagnoröa i is-
lensku. 7. (schluss-) heft. s. 481 — 57G silga — pverra. — fort-
setzung und schluss von jsb. 1893, 12, 72. — angez. von W. Car-
p enter, Mod. lang, notes 10 (2).
82. E. Mogk, Die inversion von Subjekt und prädikat in
den nord. sprachen. Idg. forsch. 4, 388 — 395.
in den älteren nordischen sprachen ist die version von Subjekt
und prädikat in hauptsätzen durchaus gebräuchlich; sie findet sich
selbst bei runeninschriften. das isländische hat sie bis heute be-
wahrt, das dänische und schwedische dagegen haben sie im laufe
der zeit abgestossen wie das deutsche.
83. A. Noreen, Om tavtologie. Nord, tidskr. f. vetensk.
konst och ind. 1894 (3) 183—202.
84. H. Falk, Vanskabninger i det norske sprog. Kristiania,
Cappelen. 0,90 kr.
85. H. Falk, Sprogets visne blomster. Kristiania, Cappelen.
67 s. 1 kr. (fortsetzung von no. 84).
86. K. Knudsen, Norsk mälvaekst fra 1852 ä regne,
graensestrid om dansk, dansknorsk og folkenorsk. Kristiania, in
komm, bei Cammermeyer. 122 s. 1 kr.
87. A. Kock, Till fragan om akcentueringens invärkan pä
svenskans vokalisation. Bidr. tili känned. om sv. landsmäl. 13
(11) 33 s.
88. N. Beckman, Bidrag tili kännedomen om 1700 — talets
svenska. (huvudsakligen efter Sven Hofs arbeten.) Ark. f. n. fil.
11 (2) 154—179. (4) 213—258.
ein Verzeichnis der schwed. grammatiken und Wörterbücher
des 18. jahrh. und eine laut-, accent-, formen-, wortbildungslehre so-
wie eine kurze syntax, die sich aus jenen Schriften gewinnen
lässt.
III. Skandinavische sprachen. 207
89. Kr. Mikkelsen, Dansk sproglaere med sproghistoriske
tillseg. haandbog for leerere og viderkomne. udg. paa foran-
staltning og med underst0ttelse af ministeriet for kirke- og under-
visningsvsesnet. 5. (schluss-)heft. s. 3G9 — 466. Kebenhavn, Leh-
mann & Stage. 1 kr. — forts. von jsb. 1893, 12, 94.
mit dieser lieferung ist das treffliche werk vollendet, es ist
die erste wissenschaftliche dänische grammatik; die einzelnen
grammatischen regeln sind durch eine grosse anzahl stellen aus
den Schriftstellern und der Umgangssprache belegt, laut- und
formenlehre wird historisch verfolgt und die isländisch-norwegische
spräche dabei jederzeit berücksichtigt, der räum ist auf formen-
lehre, wortbildungslehre und syntax fast gleich verteilt. — ein-
gehend besprochen von F. Dyrlund, Ark. f. n. fil. 11 (n. f. 7.)
180 — 208, hier sind auch manche sprachgeschichtliche ergänzungen
und berichtigungen gegeben; dgl. von E. Mogk, Lit. cbl. 1895
(20) 729—730; von D. Andersen, Nord, tidsskr. f. fil. 3. r. 3 s.
74—80.
90. M. Matzen, Modersmaalets sproglsere, udf0rligt og almen-
fatteligt fremstillet. Kopenhagen 1893. 8, 384 s. 4 kr.
91. Sargent, Grarumar of the dano-norwegian language. —
angez. The Athenaeum no. 3484.
92. M. Kristensen, Danske og svenske afledninger pä- eise.
Forhandl. paa det 4. nord. filologmöde, s. 253 — 260. Kopen-
hagen 1893.
die endung der dän. und schwed. substant. auf -eise ist nicht
altes -sl, -sla oder -sli, sondern hat sich lautgesetzlich im däni-
schen aus dem nnd. -nisse entwickelt, von Dänemark kam dann
die endung nach Schweden.
93. E. Gigas, Om dekorerede fornavne paa dansk. Dania
2 (4) 289—294.
'dekorierte vornamen' sind personennamen mit einer beifügung
(vorwort) , die die betreffende person näher beschreiben oder
charakterisieren soll, diese sind nach alten und jungen Zeugnissen
alphabetisch zusammengestellt.
94. V. Andersen, Danske studier. Kopenhagen 1893. 171 ss.
s. 1 — 53 enthält einen abdruck der sprachwissenschaftlichen
Studie Gentagelsen, die zuerst im 1. hefte der Dania erschien
(vgl. jsb. 1891, 12, 17); der übrige teil des buches behandelt 'den
ziirlige stil' in der dän. dichtung des 17. und 18. jahrh. und ent-
hält eine reihe sprachlicher beobachtungen.
208 XII. Skandinavische sprachen.
95. F. R0nning, Nogle strobemserkninger om dansk gram-
matik. Kopenhagen, Schonberg. IG s. 0,35 kr.
96. 0. Siesbye, Bemaerkninger , fremkaldte ved artiklen
'Sproglige kuriosa' i forste bind af Dania (vgl. jsb. 1892, 12, 49.).
Dania 2 (4) 313 — 332. — weitere bernerkungen hierzu geben:
97. J. M. Jensen, Sproglige kuriosa. ebd. 351 — 354. und:
98. 0. Jespersen ebd. 354—356.
99. 0. Jespersen, Om subtractionsdannelser , sserligt pä
dans og engelsk. Festskrift til Vilhelm Thornsen s. 1 — 30.
100. K. Nyrop, Et afsnit af ordenes liv. Festskrift til
Vilhelm Thornsen s. 31—58.
101. V. Andersen, Sammenfald og beroring. et bidrag til
dansk betydningslsere. Festskrift til Vilhelm Thornsen s. 258 — 308.
102. P. K. Thorsen, Glidning og spring i sprogomdannelsen.
Festskrift til Vilhelm Thornsen s. 309—334.
103. P. Lauridsen, Vort folks sydgrsense. Sonderjydske
aarb0ger 1893, s. 28—50, 106—148, 253—289.
104. P. K. Thorsen, Sprogarten pä Sejer0. udg. af Univer-
site ts-jubilseets danske samfund. 3. (schluss-)heft. s. 121 — 210. —
forts. von jsb. 1889, 12, 69. enthält neben dem register ein aus-
führliches Verzeichnis der nur auf Sejer0 bekannten worte und eine
aufzählung derjenigen der dän. Schriftsprache, die der dialekt
nicht kennt.
105. H. Vendell, Ordbok öfver Pedersöre - Purmomälet i
Österbotten. Helsingfors. 7, 524 s.
106. Amund B. Larsen, Lydlseren i den solorske dialekt,
isser i dens forhold til oldsproget. Kristianias videnskabets
skrifter. II. hist.-filos. Masse 1894. no. 4. Kristiania, in komm,
bei Dybwad. 176 s.
107. E. v. d. Recke, Grundtreek af den danske verslaere.
Kopenhagen, Gyldendal. 0,35 kr. 16 s.
108. F. Wulff, Om rytm och rytmicitet i värs samt nägra
ord om alexandrinen och knittelvärsen. Forhandl. paa det 4.de
filologmode i Kabenhavn 1892 s. 164—192.
109. R. von Krämer, Svensk metrik pä grundvalen af musi-
kens rytmik och med belysning hemtad frän andra spräks vers-
byggnad. andra haftet, prosodi I. Stockholm, Norstedt & söner.
184 s. 5 kr.
Xu. Skandinavische sprachen. 209
110. 0. Sylwan, Stafvelseräkning som princip för svensk
vers under sextonhundratalet. Samlaren 15, 1 — 31.
aus einer reihe älterer schwedischer dichtungen weist S. nach,
dass im 16. jahrh. das syllabische prinzip im drama und der didaktik
in gewissem masse herrschend gewesen sei und dass es sich zum
teil auch auf die lyrik erstreckt habe.
Runen.
111. L. Wimmer, De tyske runemindesinasrker. Aarb. f.
nord. oldkyndigh. 2. nekke 9 (1) 1 — 82.
W. kritisiert hauptsächlich Hennings werk 'Die deutschen
runen'. unecht ist nach ihm die inschrift auf der lanzenspitze
von Torcello, während das Berliner lehmkrüglein nordische runen
aus dem 12. jahrh. enthält, dagegen sind die runen echt auf der
spange von Engers. — seit dem erscheinen von Hennings werke
sind drei neue deutsche runeninschriften gefunden: die spange von
Balingen in Württemberg und die beiden spangen von Bezenye
in Ungarn, sodass wir zur zeit 15 deutsche runeninschriften haben, die
inschriften enthalten entweder des gebers name im nom. und des
empfängers im dat., oder des gebers name begleitet von einem
wünsch, oder den wünsch ohne den geber. — spange von Bezenye A:
godahi(l)d [ivjunja; B: ärsipoda segun; die runenspange von Frei-
laubersheim liest W: boso: ivraet runa. fi(i)k dalina godd(a):
'Boso ritzte die runen; dir, Dalina, schenkte er die gäbe.' einiges
wagt W. nicht zu deuten, ohne jedoch auch Hennings lesung bei-
treten zu können.
112. R. C. Rasmus sen, Til og om professor dr. phil.
L. F. A. Wimmer som runolog. 8 s. 0,25 kr.
113. R. C. Rasmussen, Til hr. professor rector magnificus
ved KJ0benhavns universitet: F. L. A. Wimmer.
in ganz phantastischer weise streitet R. gegen Wimmers auf-
fassung mehrerer runen und deutung der inschriften. die heftchen
sind vollständig wertlos.
115. Gr. Stephens, The runes, whence came they. Kopen-
hagen, Lynge. 6 kr. — angez. in The academy 1894, 1170.
11G. K. Hj. Kempff, Pirteuslejonets runristningar. 46 s.
Gene, Gefiepostens tryckeri.
117. S. Bugge, Norges indskrifter med de seldre runer. —
vgl. jsb. 1893, 12, 104. — angez. von R. Henning, Litztg.
1894 (34).
Jahresbericht für germanische Philologie. XVI. (1894.) 14
210 XII. Skandinavische sprachen.
118. F. Burg, Die inschriften des steins von Tune. zu
Bugges neuer interpretation. Zs. f. d. a. 38 (2) 161 — 186.
119. Vestergötlands runinskrifter , samlade af K. Tor in.
fjärde samlingen. 19 s. u. 22 taf. Stockholm, kgl. boktryckeriet.
Handschriften. Litteraturgeschichte und Litteratur-
denkmäler.
120. Katalog over den AM. händskriftsamling , udg. af
kommissionen for det AM. legat. 2. bd. 2. heft 509 — 766 u. 26 s.
Kgbenhavn, Gyldendal. 3 kr. — forts. und schluss von jsb. 1892,
12, 71.
mit diesem bände hat Kalund seine so verdienstvolle arbeit
abgeschlossen, die einleitung enthält einen kurzen lebensabriss
Arni Magnüssons und die geschichte der AM Sammlung, es folgt
dann ein Verzeichnis der hss., die nach Amis tode mit der Samm-
lung vereint worden sind; genaue register, sachlich und alpha-
betisch geordnet, beschliessen das werk. — angez. von E. Jönsson,
Nord, tidsskr. f. fil. 3die raekke 3. s. 63 — 68. (hier ist das ganze
werk gewürdigt); von E. Mogk, Lit. cbl. 1895, (21,) 763.
121. V. Gödel, Katalog öfver Upsala universitets biblioteks
fornisländska och fornnorska handskrifter. — vgl. jsb. 1892, 12, 73.
— angez. von 0. Klockhoff, Ark. f. n. fil. 11 (1) 100—102.
122. Hauksbök udg. efter de AM. handskrifter no. 371, 544
og 645 samt forskellige papirshändskrifter af det kongelige nordiske
oldskrift-selskab. 2. hsefte s. 273—506.
forts. von jsb. 1892, 12, 102. dieser 2. band der alten
Hauksbök ist wie der erste von E. Jönsson von E. Jönsson heraus-
gegeben, er enthält den schluss der texte: die fortsetzung der
BretasQgur, das gespräch zwischen feigheit und mut und das
zwischen seele und leib, den Henningsnättr, die Hervararsaga, die
Eöstbroeörasaga , den algorismus oder das kleine rechenbuch , die
Eirikssaga rauöa, die kurze Skaldasaga über die dichter unter
Harald härfagri, den abriss über die Upplandskönige, den Ragnar-
sonahättr, die pronostica temporum, den Elucidarius und endlich
als anhang 13 nummern aus papierhss., die auf die Hauksbök
zurückgehen und sich zum teil auf diese berufen. — wie der
1. band ist auch dieser mit peinlicher genauigkeit herausgegeben,
ein 3. soll die register und einleitung bringen. — 1. heft angez.
von B. Kahle, Litbl. 1894 (11) 358; von O. L. Jiriczek, A. f.
d. a. 20 (2) 164—167.
XII. Skandinavische sprachen. 211
123. Svenska skriftprof fran Erik den heiiges tid tili Gustaf
III. s. efter original i riksarkivet och kgl. bibliotheket i ljustryck
utförda vid generalstabens litografiska anstalt samt i boktryck
ätergifna af E. Hildebrand, A. Börtell och H. Wieseigren.
1. h. medeltiden. 25 bl. fol. — h. I. medeltiden text 64 s. Stock-
holm, Norstedt & söner. 15 kr.
124. R. Steffen, Poesie-och autografalbum frän 1500-talet.
Nord, tidsk. f. vetensk. 1894 (1) 65—78.
125. A. J. Major, Sagas and songs of the Norsemen. London,
A. Nutt. 3,6 sh.
Poesie.
126. K. Gislason, Udvalg af oldnordiske skjaldekvad med
anmaerkninger. — vgl. jsb. 1893, 12, 121. — ferner angez. von
B. Kahle, A. f. d. a. 20 (2) 145—148.
127. S. Bugge, Bidrag til den aeldste skaldedigtnings historie.
184 s. 5 m. Kristiania, Aschehoug & comp.
B. sucht den nachweis zu führen, dass die beiden ältesten nor-
wegischen skalden, Bragi der alte und Pjööolfr aus Hvin, nicht in
der zeit gelebt haben können, in die sie die isländische Über-
lieferung setzt (im 9. jahrh.), sondern erst in der 2. hälfte des
10. jahrh. beider gedichte sollen auf den brittischen inseln ver-
fasst sein, für den älteren PjöQölf weist auch B. einen jüngeren
gleichen namens nach, der unter dem wikingerkönige Rqgnvald in
Brittannien gelebt und gedichtet haben mag und der ebenfalls aus
Hvin stammte, in diesem abschnitt ist B's. schrift überzeugend,
dagegen nicht in den kapiteln, worin er die Verfasserschaft Bragis
angreift. — angez. von H. Gering, Zs. f. d. phil. 28 (1) 121—127;
von E. Mogk, Lit. cbl. 1895 (15) 539—540.
128. A. Olrik, Brävallakvadets ksempersekke. text og oplys-
ninger. Ark. f. n. fil. 11 (3) 223—287.
0. stellt zunächst den text des gedicktes von der Bravalla-
schlacht nach Saxo und dem bruchstück in den Fas. her, giebt dann zu
ihm kritische bemerkungen und zeigt, dass das gedieht in Tele-
marken gegen die mitte des 11. jahrhs. entstanden ist. als Vorbild
hat dem dichter das gedieht auf die schlacht bei Svolder gedient,
das in der Olafssaga Tryggvasonar verwertet ist und das auf das
Bravallalied ein ganz neues licht wirft, das gedieht zerfällt in
2 ganz lose verknüpfte teile: der 1. enthält den streit zwischen
Harald und Hriugs helden, der 2. O'öins trug, Haralds fall und ver-
14*
212 Xu. Skandinavische sprachen.
brennung; der dichter hat einen grossen teil der alten helden-
dichtung, vor allem die Starkaödichtung, benutzt, diese wird also
im gedieht von der Bravallaschlacht vorausgesetzt, doch so, dass
sie bereits im verfall begriffen ist.
129. E. Wadstein, Bitrag tili tolkning och belysning av
skalde-ock eddadikter. Ark. f. n. fil. 11 (1) 64—92.
Ynglingat. 4 — 5: Vanlandi = NjorÖr; Skaöi verwandt mit got.
skadus 'schatten' zur würz. ku, wozu auch Hqür, Hei, Huld; —
Yglt. 22: lifs of lattr 1: lifs of Idtr, lifsldttr = 'tot, getötet'; v. 6:
für hqrva Sleipnir lies mit Jöfr. hurfu Sleipnir = das ross der
weidenringes , der galgen; — Yglt. 32. 1: ok v%6 aurr cegis
hjarna etc., in v. 5 lies mit Jöfr. dagscell f. dafoscell; — Yglt. 33.
ist lokens lifs = lifslokens = 'tot'; — Yglt. 39. 1: rvyks rausofir =
der rauch aufsteigen lässt, um hervorzubrechen d. i. 'das feuer'. —
v. 40 ist freeknu als subst. aufzufassen, von frozkna = 'die tapfer-
keit' fr. fyrstr = das erste in bezug auf tapferkeit; — v. 43.
sqkmiftlendr 'der kämpf liefert, der kämpfer'; hallvarpr — 'der
aufgeworfene Steinhaufen'; — v. 45. Byleiptr oder Byleifr = Byl-
leifr 'sturmblitz'. — v. 46. ist für iqfor: öfor 'der Strand' zu lesen;
— v. 48. ist bi&longr mit 'gebieter' zu übersetzen; — v. 51 — 52.
vestmare ist nicht nom. propr., sondern heisst 'westmeer'; ebenso
ist geirstqftum als appellativum, nicht als nom. prop. aufzufassen.
— II. Ynglingatal ist zwischen 1000 und 1135 verfasst; der
dichter hat sich das Häleygjatal zum Vorbild genommen.
130. Eggert O. Brim, Bemserkninger angaende en del vers
i Noregs konungasögur I. (Reykjav. 1892). Ark. f. n. fil. 11 (1)
1—32.
131. Händskriftet no. 2365. 4°. gl. kgl. samling pä det störe
kgl. bibliothek i Kgbenhavn (Cod. reg. af den seldre edda). udg.
ved L. Wimmer og F. Jönsson. — vgl. jsb. 1891, 12, 251. —
ferner angez. von O. Behaghel, Litbl. 1894 (7) 222.
132. Saemund den vises edda. öfversätning frän isländskan
af F. Sander. — vgl. jsb. 1893, 12, 125. — angez. von F. Kauff-
mann, Nord, tidskr. f. vetensk. 1894 (3) 264—266.
133. Die edda. die lieder der sogenannten älteren edda,
nebst einem anhang: die mythischen und heroischen erzählungen
der Snorra-edda. übersetzt und erläutert von H. Gering. — vgl.
jsb. 1892, 12, 91. — ferner angez. von B. Kahle, Litbl. 1894 (12)
387; von A. Heusler, A. f. d. a. 20 (2) 162—164.
134. Den seldre edda. gudesanger o versatte af K. Grjellerup.
illustrerede af L. Fralich. 4. — 9. levering. Kopenhagen, Philipsen.
lief, je 1,25 kr. — forts. von jsb. 1893, 12, 123.
Xu. Skandinavische sprachen. 213
t
135. B. Magnüsson Olsen, Hvar eru eddukvseöin til ordin?
Timarit 15, 1 — 133.
gegenüber Finnur Jönsson, der die eddischen gediente fast
durchweg entweder in Norwegen oder in Grönland entstanden sein
lässt, verteidigt Olsen den isländischen Ursprung der lieder, indem
er F. J.'s beweismaterial als ungenügend zu erweisen sucht.
136. Gr. A. B. Schierenberg, Die eddafrage im jähre 1894.
Verhandl. d. Berl. ges. f. anthropol., ethnologie und Urgeschichte.
Sitzung vom 16. juni 1894.
137. A. Schierenberg, Die götter der Germanen oder vom
eddarausch der Skandinavier und ihrem katzenjammer. (eine stimme
vom Teutoburger wald.) 52 X, 224 s. und 1 tafel. Detmold,
Schenk in komm. 4 m.
Seh. fasst hier nochmals die resultate seiner lokalpatriotischen
forschungen in der alten kritiklosen und phantastischen weise zu-
sammen: die eddische dichtung giebt uns die kämpfe zwischen Römern
und Germanen, namentlich die Varusschlacht, die an den Externsteinen
stattgefunden haben soll, einen wert hat das buch nicht. —
angez. von E. Mogk, Lit. cbl. 1895 (10). vgl. abt. 10, 23.
138. Th. Hjelmqvist, Nägra anmärkningar tili Atlamäl.
Ark. f. n. fil. 11 (2) 103—116.
Atlam. 7" lies hlitti f. nitti 'er gab sich zufrieden'; — v. 29 3
ist zu lesen: forjmmca furpu 'wir können dem Vorzeichen des
todes nicht entgehen'; — v. 53 ist aufzufassen: Jseir, JBeru tveir
sveinar ok bröfiir hennar, urdn efri dt/an, cför fellu. 'Beras 2 söhne
und ihre brüder besiegten 18, bevor sie fielen'.
139. A. Lieber, Das Helgilied ( HelgakviÖa). 104 s. 8°.
Berlin, vaterl. verlagsanst. 2 m.
140. F. Sander, Rigveda und edda. — vgl. jsb. 1893, 12,
126. — angez. und verurteilt von J. Kirste, Zs. f. d. österr.
gymn. 45, 531.
141. Die Bösa-rimur hrsg. von O. L. Jiriczek (Germanische
abhandlungen begründet von K. Weinhold, hrsg. von F. Vogt,
10. heft). 36, 100 s. 6 m. Breslau, Koebner.
seiner ausgäbe der Bösasaga (jsb. 1893, 12, 170) lässt J. die
der Bösarimur folgen, die umdichtungen der prosaischen saga aus
dem 16. und 17. jahrh. sind, von diesen giebt J. die älteren
(10 an zahlj zum erstenmale vollständig heraus, erörtert das Ver-
hältnis der dichtung zur saga und lässt dem texte eine reihe sprach-
licher bemerkungen folgen, die für die spräche und metrik der rimur
von interesse sind.
214 XII. Skandinavische sprachen.
142. A. Olrik, Skjoldungasaga i Arngrim Jönssons udtog.
Aarb. f. n. oldkyndigh. 2. rsekke 9 (2) 83—164.
die altisländ. Skjoldungasaga ist verloren gegangen, dieselbe
ist mehrfach benutzt, ganz besonders von Arngrim Jönsson in
seiner lat. darstellung der alten geschichte. letztere giebt Olrik
im auszug, da sie bisher viel zu wenig gekannt und benutzt ist.
143. Ares Isländerbuch hrsg. von W. Golther. — vgl. jsb.
1891, 12, 266. — ferner angez. von F. Kauffmann, A. f. d. a. 20,
38 — 43, wo an G.'s arbeit manches getadelt wird, nur ist in den
berührten punkten fast durchweg Golther im rechte, Kauffmann im
unrecht.
144. G. Morgenstern, Notizen. Ark. f. n. fil. 11 (1) 95—97.
7., die hs. S. der Olafsaga Tryggvasonar und die Flateyjarb. hatten
ein- und dieselbe erweiterte saga vor sich, die dann die Ftb. noch-
mals erweitert hat. — 8. mit hülfe von S. werden einige Ver-
besserungen der Ftb. gegeben. — 9. die Basiliussaga, die in der
Mariusaga citiert wird und von der einige bruchstücke erhalten
sind, ist eine Übersetzung der vita Basilii des Amphilochius.
145. Heimskringla. Nöregs konunga sogur af Snorri Stur-
luson, udg. for S. t. u. a. g. n. 1. ved Finnur Jönsson. 2. heft
s. 193—432. 6 kr. K0benhavn. — forts. von jsb. 1893, 12, 140.
— heft 1 angez. v. E. Mogk, Lit. cbl. 1895 (4).
146. Otte brudstykter af den seldste saga om Olav den
Hellige. udg. ved Gr. Storm. — vgl. jsb. 1893, 12, 144. — angez.
The academy 1894, (1151); von E. Mogk, Lit. cbl. 1894 (51) 1849.
147. Nordische heldensagen. aus dem altisländischen über-
setzt von C. Küchler. — vgl. jsb. 1891, 12, 276. — ferner angez.
von B. Kahle, Litbl. 1894 (12) 387.
148. Njälssaga. büiö hefir til prentunar Valdimar Asmun-
darson. (Islendinga sögur 10.) 8, 484 s. Reykjavik, Siguröur
Kristjänsson. 1,75 kr.
149. Laxdcelasaga udg. ved K. Kälund. — vgl. jsb. 1892,
12, 13. — angez. von W. Golther, Litbl. 1894 (10) 328.
150. Vatnsdaelasaga d. i. die geschichte der bewohner des
Vatnsdal auf Island um 890 — 1010 n. Chr. aus dem altisländ.
übertragen von H. Lenk. — vgl. jsb. 1893, 12, 157. — angez.
von F. Detter, Zs. f. d. österr. gymn. 45, 569; von B. Kahle,
Litbl. 1894 (12) 387.
XII. Skandinavische sprachen. 215
151. Egilssaga Skallagrimssonar nebst den grösseren ge-
dienten Egils hrg. von Finnur Jönsson (Altnord, sagabibl. hrg.
von Gr. Cederschiöld, H. Gering und E. Mogk. 3). 39, 334 s.
9 m. Halle a./S., Niemeyer.
152. A. Klinckorström, Svipdag Egilssonssaga. med en
inledning af prof. V. Bydberg. 13, 110 s. Stockholm, A. Bonnier.
2,25 kr.
153. Gisli, der geächtete, eine altgermanische geschichte von
heldentrotz und gattentreue, der altnordischen quelle nacherzählt
von dr. F. Khull. 63 s. Wien, Lesk.
eine wohlgelungene Übertragung der Gislasaga.
154. Bjarnarsaga Hitdoelakappa. hrsg. von R. C. Boer. —
vgl. jsb. 1893, 12, 159. — angez. von E. Mogk, Lit. cbl. 1894
(52) 1893.
155. Sagan ock rimorna om Friönjöfr hinn fraekni. utg. av
L. Larsson. — vgl. jsb. 1893, 12, 1G8. — angez. von E. Mogk,
Lit. cbl. 1894 (45) 1635.
156. Qrvar-Oddssaga, hrsg. von R. C. Boer (Altnord, saga-
bibliothek, hrsg. v. G. Cederschiöld, H. Gering u. E. Mogk 2).
— vgl. jsb. 1893, 12, 171. — ferner angez. von F. Detter, A. f.
d. a. 20 (1) 87—88.
157. Die Bösasaga in zwei fassungen nebst proben aus den
Bösarimur hrsg. von 0. L. Jiriczek. — vgl. jsb. 1893, 12, 170.
— angez. von W. Golther, Litbl. 1895 (1) 2; von L. Larsson,
A. f. d. a. 20 (3) 245—248; von B. Kahle, A. f. n. fil. 11 (4)
305—308.
158. 0. L. Jiriczek, Zur geschichte der Bösa-saga. habi-
litationsschrift. 38 s. Breslau 1893. (aus der einleitung von no. 157).
159. E. Kölbing, Kollationen zu ausgaben isländischer
romantischer sagas. Ark. f. n. spr. 93, 111 — -122.
Verbesserungen zur Tristamssaga (Ann. f. n. oldk. 1851, 1 ff'.),
Iventssaga, Flöressaga ok Blankifhir.
160. E. Kölbing, Studien zur Bevissaga. Beitr. z. gesch.
d. d. spr. 18 (1/2) 1—130.
mit hülfe des franz. Originals der Bevissaga prüft K. das
von Cederschiöld in seiner ausgäbe der altnord. saga aufgestellte
handschriftenverhältnis, kommt dabei mehrfach zu anderem re-
sultate und vervollständigt bei dieser gelegenheit den Cederschiöld-
schen Variantenapparat, die anmerkungen (s. 60 ff.) enthalten wich-
tige beitrage über das Verhältnis der altnord. saga zu ihrer cpielle
216 XII. Skandinavische sprachen.
und sachliche wie sprachliche erörterungen. der Übersetzer hat nur
eine quelle bei seiner arbeit gehabt, aber diese war vollständiger,
als die uns erhaltenen altfranz. fragmente.
161. R. Meissner, Zur isländischen Hectorsaga. Zs. f. d. a.
38 (4) 333—335.
eine anzahl helden romantischer sagas , die im Allra kappa
kvseöi genannt werden, stammt aus der noch nicht herausgegebenen
Hectorsaga, deren ausgäbe M. vorbereitet, der inhalt der saga
wird mitgeteilt und daran werden einige bemerkungen über ähnliche
romantische stoffe geknüpft, die quelle der Hectorsaga ist noch
nicht nachgewiesen.
162. Arnamagseanische fragmente. ein Supplement zu den
Heilagramannasögur, nach den hss. herausgegeben von Gr. Morgen-
stern. — vgl. jsb. 1893, 12, 160. — angez. von E. Mogk, Lit. cbl.
1894 (20) 730.
163. Die Huldarsaga. von K. Maurer. Aus den abhandl.
der kgl. bayr. akademie der wiss. I. cl. 20. bd. 2. abt. 99 s.
gr. 4°. 3 m.
M. giebt den inhalt von drei verschiedenen fassungen der
Huldarsaga, die alle drei dem 18. jahrh. angehören, diese können
unmöglich etwas mit der in der Sturlungasaga erwähnten Huldar-
saga zu thun haben, sondern sind litterarische erzeugnisse aus der
späteren renaissanceperiode, dem 18. jahrh. H. H. ist wahrscheinlich
von Jon Espölin verfasst. — angez. von E. Mogk, Lit. cbl. 1894
(49) 1774 f.
164. E. Wrangel, Nägra ord om folkets visor i upp-
teckningar och skillingtryck. Samlaren 15, 60 — 78.
165. H. Schuck, Ur gamla papper II. Stockholm, Gerber.
Marsk Stigs visorna; en spansk saga och en dansk; en teater-
föreställning under medeltiden.
166. H. Schuck, Marsk Stigs-visorna. Nord, tidskr. 1893
s. 21—44.
167. G. Paludan, Ere Toveviserne danske eller svenske?
Hist. tidskr. (dansk) 5 (1).
168. H. Schuck, Ett helgon (Kristina af Stumbelen och
hennes biograf Petrus de Dacia). Nord. Letterst. tidskr. 1893
s. 307—325.
109. Meddelanden frän det literaturhistoriska seminariet i
Fiund, utg. af H. Schuck. I. J. Kruse, Vita metrica S. Birgittae.
XII. Skandinavische sprachen. 217
(28 ss.). — IL H. Schuck, Rosa rorans. Ett Birgittaofficium af
Nicolaus Hermanni.
170. H. Schuck, Vara äldsta reforrnationsskrifter och deras
författare. Hist. t