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Full text of "Jahresbericht über die Fortschritte der klassischen Altertumswissenschaft"

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JAHRESBERICHT 



über 



die rortschritte der classischen 



Altertüumswissenscliaft 



herausgegeben 



Conrad Bursian, 

ord. öffentl. Prof. der ciaffifchen Philologie an der Universität München 



Neunter Band. 



Fünfter Jahrgang. 
18 77. 

Erste Abtheilung: 

GRIECHISCHE KLASSIKER. 



BERLIN 1879, 
VERLAG VON S. CALVARY & CO. 

W. Unter den Linden 17. 



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Inhalts - Verzeichniss 

des neunten Bandes. 



Seite 

Bericht über die Homer betreffenden Schriften, die in den 
Jahren 1876 und 1877 erschienen sind von Prof. Ed. Kam- 
mer in Königsberg 81 — 166 

I. Ausgaben 81. Ilias 81. — Odyssee 89. — Einzelne Stellen 9''. 

— II. Zur Textkritik gehörige Schriften 101. Allgeraeines 
101. — Schollen 119. — Handschrift 121. — III. Grammatisches 
121. Hiatus 121. — Syntax 122. — Formen 124. — IV. Lexika- 
lisches 125. Allgemeines 125. — Spezielles 128. — V. Höhere 
Kritik 131. — Die Homerische Frage 131 — Echtheit und Un- 
echtheit: Ilias 134 und Odyssee 143. — VI. Realien 152. Lokal- 
Forschung 152. — Mythologisches 157. — Vermischtes 159. — VII. 

ie homerischen Hymnen 161. Allgemeines 161. — Hymnus 
auf Apollo 162; Pan 162; Demeter 163; Hermes 165. 

J;.hresbericht über die im Jahre 1877 veröffenthchten , auf 
die nachhomerischen griechischen Epiker bezüg- 
lichen Arbeiten von Prof. Dr. Hans Flach in Tübingen. 1—13 

Hesiod. 1. — Fragmente 7- — Theognis 8. — Maximus und Am- 
mou 10. — Nonnus 11. — Musaeus 12. 

Bericht über die Griechischen Lyriker von Prof. Y. 
Blass in Kiel. (Folgt im nächsten Jahrgange). 

Bericht über die Griechischen Bukoliker von Oberlehrer 
Dr. Th. Fritz sehe in Güstrow. (Folgt im nächsten Jahrgange). 

Bericht über die die griechischen Tragiker betreffende 
Literatur des Jahres 1877 von Prof. Nicolaus Weck lein 
in Bamberg 201—248 

I. Griechische Tragiker im Allgemeinen 201. — Frag- 
mente 2U8. — II. Aeschylus 208 Allgemeines 208. — Prome- 
theus 211. — Septem 211. — Persae 213. — Agamemnon 215. — 
Choephorae 217. — Fragmeute 220. — III. Sophocles 221. All- 
gemeines 221. — Ajax 227. — Electra 227. — Oedipus Tyrannus 
229. — Antigene 230. — Oedipus Coloneus 232. — Philoctetes 233. 

— Fragmente 233. IV. Euripides 233. Allgemeines 233. — 
Bacchae 242. — Hecuba 242 — Helena 243. — Heraclidae. 243. 

— Hercules 243. — Supplices 244. — Hippolytus 244. - Iphigenia 
in Aulide 245. — Ion 246. — Cyclops 246. Medea 246. — Ore- 
stes 246. — Rhesus 246. — Troades 248 — Phoenissae 248. — 
Fragmeute 248. 

Bericht über die Griechische Komödie von Director Dr. 
A. von Bamberg in Eberswalde. (Folgt im nächsten Jahrgänge^. 

Jahresbericht über Herodot für 1876 und 1877 von Director 
Dr. H. Stein in Oldenburg 325—335 

Entstehungsgeschichte 325. — Literarhistorisches 331. — Gram- 
matisches 333. — Lesarten 334. — Realien 334. 



IV ^ - Inhalts- Verzeichnis?. 

f Seite 

Bericht über Thucydides von Prof. Dr. A. Schöne in 

Paris. (Folgt im nächsten Jahrgange). 
Bericht über die 1874—1877 veröffentlichten auf Xenophon 
bezüglichen Arbeiten von Oberlehrer Dr. W. Nitsche in 

Berlin 14-80h 

I. Die kleinen Schriften 14. Convivium 14. — Oeconomicus 
16. — Reitkunst; Hipparchicus'; Cynegeticus 22. — Staat der Lace- 
dilmonier 23. - Hieron 25. — Von den Einkünften 28. — Agesilaus 30. 
Schrift vom Staate der Athener 34. — II Die grösseren Schrif- 
ten 42 Memorabilia 42 -- Apologia Socratis 55. — Cyropaedia 
55. — Anabasis 03. - Hellenica 7G — Varia 80e. — Nachtrag 80f. 

Beiicht über Griechische Historiker ausser Herodot, 
rhucydides und Xenophon von Prof. Dr. C. Schenkl in 
Wien. (Folgt im nächsten Jahrgange) 
üericht über die auf die attischen Redner und die 
griechischen Rhetoren bezüglichen, von der Mitte des 
Jahres 187.5 bis zum Herbst 1877 erschienenen Schriften 

von Prof. Dr. F. Blas s in Kiel 249-297 

I. Attische Redner 249. Allgemeines 249 Antiphon 258. — 
Andocides 259. — Lysias 259. — Isocrates 267. — Isaeus 268. — 
Demos thenes 270. (Allgemeines 270; Demegorien 273; Gerichts- 
reden 278 ; Briefe 288.) — Aeschines 289. — Lycurgus 291. — 
Hyperides 293. — Dinarebus 295. — II Griechische Rhe- 
toren. Longinus 295. — Apsines 296. — Demetrius 297. 

Bericht über die im Jahre 1876 über Plato erschienenen 
Arbeiten von Prof. Dr. Martin Schanz in VVürzburg 167- 200 
I. Allgemeines 167. Literatur -Uebersicht 167. Biographisches 
167. — Schriften. Echtheit und Reihenfolge derselben 168 — Pla- 
tonische Philosophie 171. — Handschriftliches und Texteskritik 178. 
— IL Die einzelnen Dialoge 188. Apologia 188. — Phaodo 
188. — Cratylus 189. Theaetet 190. — Philebus 190. — Sympo- 
sion 190. - Phaedrus 193. — Protagoras 194. — Gorgias 196 — 
Meno 197. — Republik 197 — Timaeus 198. -- Leges 200. — III. 
Platonische Scholien 200. 

Bericht über Aristoteles für das Jahr 1877 von Prof. Dr. 
Franz Susemihl in Greifswald 336 — 364 

Allgemeines 336. — Organen 341. - Metaphysik 344. — Physik 
347. — Psychologie 347. — Parva Naturalia 348. — Ethik. 353. — 
Politik 354. — Rhetorik 357. — Poetik 358. 

Bericht über die späteren Griechischen Philosophen 
von Prof. M. Heinze in Leipzig. (Folgt im nächsten Jahrgange. 

Jahresbericht über Plutarch's Moralia für 1876 und 1877 

von Dr. H. Heinze in Marienburg in West-Pr. . . 298—324 

Erscheinungen des Jahres 1876 298. — Erscheinungen des Jahres 
1877 307. 

Bericht über die Griechischen Grammatiker von Prof. 

Dr. P. Egenolff in Mannheim. (Folgt im nächsten Jahrgange). 
Bericht über die späteren griechischen Prosaiker von Director 

Dr. A. Eberha rd in Elberfeld. (Folgt im nächsten Jahrgange). 



Jahresbericht über die im Jahre 1877 ver- 
öffentlichten, auf die nachhomerischen griechi- 
schen Epiker bezüglichen Arbeiten. 

Von 

Prof. Dr. Hans Flacli 

in Tübingen. 



Die beiden ältesten Handschriften des Hesiod und ihre Bedeutung 
für die Textkritik. Dazu ein Facsimile des cod. Med. XXXI, 39 Oper, 
et D. V. 142—161. Von H. Flach. Leipzig. Teubner 1877. 32 S. 

Diese Arbeit wurde in der seit längerer Zeit zum ersten Mal 
wieder in Tübingen mit Glück zusammengetretenen und hoffentlich durch 
pädagogische Concurrenz nie wieder dem Untergang verfallenden kritisch- 
exegetischen Section vom Referenten vorgetragen. Die Abhandlung hat 
einen doppelten Zweck, erstens die Basis nachzuweisen, welche uns für die 
Textkritik der hesiodischen Gedichte gegeben ist, und welche dem Refe- 
renten bei seiner Kritik massgebend gewesen ist, zweitens die Fehler auf- 
zudecken, welche die neuesten Herausgeber begangen haben. Was den 
ersteren Punkt anlangt, so haben wir für die Oper, et D. eine verhält- 
nissmässig gute Ueberlieferung, da die älteste Handschrift Med. XXXI, 
39 saec. XI, die zwar von einem Ignoranten geschrieben und von Feh- 
lern angefüllt ist, aber von einem guten Exemplar in Uncialschrift her- 
rührt, den Text an fast allen Stellen zu bessern im Stande ist, selbst in 
mehr Fällen, als es bereits nach der vortrefflichen Collation von Kinkel 
in der Ausgabe von Koechly-Kinkel geschehen ist. Besonders bekommt 
der hesiodische Dialekt durch Einführung dieser Lesarten eine noch 
mehr vom homerisch -ionischen abweichende Färbung, da die Aeolismen 
durch Einführung vieler Psilosen, durch das Fehlen von Flickpartikeln 
vor digammirten Wörtern, und durch sonstige Eigenthümlichkeiteu er- 
heblich vermehrt werden. Referent sucht hierbei zu beweisen, dass ein 
Theil der gewöhnlichen Lesarten auf Rechnung der alexandrinischen 
Grammatiker zu schreiben sei. Diesem Mediceus am nächsten steht der 
cod. Messanius saec. XII, aus dem Parisinus 2773 saec. XIV geflossen 
ist, und der Zweitälteste Parisinus 2771 saec. XI (wie Referent allerdings 
beim Vortrag noch nicht gewusst hat), welche zur besten Handschriften- 
Jahresbericht für Alterthums-Wissenschaft 1877. I. 1 



2 Naclihomerische griccBische Epiker. 

faniilie geliörcn. Schlechter steht die Kritik bei Theogonie und Scu- 
tum, deren älteste Handsciirift Med. XXXII, 16 saec. XII oder XIII 
zwar Yortrctt'liche Lesarten uns ganz allein oder zuerst erhalten hat 
(z. B. Theog. 333 06pxü, 567 ddxsv 8s k, 798 xaxhv de k, Scut. 445 
idouaa ima u. a.), aber leider von einem Schreiber geschrieben ist, der 
an zahlreichen Stellen willkürliche Aenderungen vorgenommen hat, so dass 
die Handschrift in der Kritik nicht die Bedeutung haben kann, wie der \ 
Med. XXXI, 39 für Oper, et D. Es ist aber die einzige, die von einem 
guten Exemplar herzurühren scheint, während beispielsweise der cod. 
Triclinianus und der Par. 2708 diesen Vorzug nicht mehr besitzen. In 
Betrefi" der Fehler der neueren Herausgeber fällt ein Theil der Schuld auf 
Leunep, der eine Collation zu Oper, et D. des Paris. 2771 saec. XI (bei 
dem der Pariser Häuptkatalog irrthümlicher Weise als Inhalt Hesiodi 
cum Theogonia scholiis angiebt) constant als Paris. 2773 (Q) saec. XIV 
aufgeführt hat, worin ihm Koechly-Kinkel auffallender Weise nachgefolgt 
sind, so dass erst Keferent eine wirkliche Collation des Paris. 2773 zuerst 
vorgenommen und den Werth dieser Handschrift dadurch festgestellt hat. 
Den zweiten Fehler haben Koechly-Kinkel allein begangen, indem sie 
den sogenannten codex Schellersheraianus saec. XIV (der im Anfang die- 
ses Jahrhunderts nebst einer Herodothandschrift von Florenz nach Deutsch- 
land gewandert, im Besitz des Baron von Schell ersheim war, und von 
ihm an Creuzer, Thiersch, Werfer, Birnbaum u. a. geliehen wurde, dann 
auf bisher unerklärte Art nach Florenz zurückgekehrt ist) nicht conse- 
quent als den heutigen Laurentianus Bad. 2823 secondo bezeichnet haben, 
nachdem diese Thatsache durch die Herausgeber des Theokrit bereits 
festgestellt worden war. 

. Receusion von Clemm in Zarucke's Centralblatt 1877 No. 38 
S. 1287. 

Recensiou von H. Flach, Dialektisches Digamma von C. Capelle 
im Philol. Anzeiger VIII S. 69—72. 

Recension von H. Flach, 1) System der hesiodischen Kosmogonie, 
2) Hesiodische Gedichte, 3) Dialektisches Digamma des Hesiodos von 
R. Volkmaun in Jenaer Lit.-Zeit. 1877 No. 9 S. 142—144. 

Recension von H. Flach, Glossen und Schollen zur hesiodischen 
Theogonie von d in Zarncke's Centralblatt 1877 No. 49 Sp. 1628 bis 
1630, von H. Weil in Revue critique 1877 No. 6 S. 95 — 97. 

De fontibus grammaticis scholiorum ad Hesiodi Opera et Dies. 
Von H. Flach in Jahrb. f. Phil. 1877 S. 433-440. 

Referent, der in seiner Gesammtausgabe der Schollen und Allego- 
rieen zur hesiodischen Theogonie (Leipzig 1876) die Fragmente des Ari- 
stonikos und Didymos S. 96-120 sorgfältig zusammenzustellen sich be- 
niülit iiatte, giebt hier die alexandrinischen Fragmente (ohne Didymos) 



Hesiod. 3 

in den Schollen des zweiten Gedichts, die einer neuen kritischen Aus- 
gabe noch bedürftiger sind, als die Schollen zur Theogonie es waren, 
da durch Vollbehr die Kritik kaum um einen Schritt weitergekommen 
ist. Vorausgeschickt sind die kritischen Erörterungen über den Zustand 
unseres Proklos, den Ranke absolut verkannt hatte, während Vollbehr 
gegen Gaisford zuerst nachgewiesen, dass unser Commentar aus zwei 
Elementen besteht, dem eigentlichen Proklos und den meistens gramma- 
tischen Bemerkungen eines Anonymus (deren hohen Werth Vollbehr nicht 
erkannt hatte), während Usener aus dem Münchener codex 91 den siche- 
ren Schluss gezogen hatte, dass unser verkürzter und im 6. oder 7. Jh. 
in den heutigen Zustand gebrachter Commentar durch Heranziehung und 
sorgfältigere Ausnutzung neuer Handschriften vervollständigt werden könne. 
In diesem Commentar des Proklos nun, besonders aber in den Bemer- 
kungen des bei Vollbehr mit kleinen Lettern gedruckten (bei Gaisford 
irrthümlich mit äXXojg angeknüijften) Anonymus sind vier Fragmente aus 
Aristarch's bnojivrjjm-a Ilacudou enthalten, deren zwei schon Lehrs, 
Waeschke, Hoerschelmann beleuchtet haben, und 40 Fragmente aus Ari- 
stonikos mpl arjixzcojv 'Hatö8oo^ wie solche mit grosser Evidenz nach Ver- 
gleichung der Homerscholien sich ergeben. Schwieriger wird die Unter- 
suchung über Didymos ausfallen, von dem Schmidt Did. S. 300 nur ein 
Fragment gebracht hat, da seine Bemerkungen nur in jüngerer Gestalt, 
verdorben, missverstanden und zerstückelt vorliegen. Dass aber sein 
Commentar von Plutarch, beziehungsweise Proklos, in erheblichem Grade 
benutzt, und auch von dem Anonymus excerpirt worden ist, unterliegt 
keinem Zweifel. 

Hesiod's Werke des Landbaues. Von Prof. Dr. A. Thaer in 
Giessen. Fühling's landwirthschaftliche Zeitung XXVI, 11 S. 1 — 10.- 

Gewiss ist es erfreulich, wenn das älteste Denkmal landwirthschaft- 
licher Literatur, die Verse Hesiod's Op. et D. 383-617, auch von tech- 
nischer Seite eine Beleuchtung und Erklärung erfährt, zumal die Philo- 
logen in dieser ganzen Partie vielen Dingen gegenüber einen schweren 
Stand haben. Nun besitzen wir zwar auch über diese Verse den sehr 
ausführlichen Commentar von A. Steitz, von dem nicht sichtbar ist, ob 
Verfasser ihn gekannt hat, denuocli möchten wir die Hesiodkenner auch 
auf diesen kleinen Aufsatz aufmerksam machen, da manches darin von 
den gewöhnlichen Vorstellungen abweicht. Z. B. ist bemerkenswerth, dass 
Verfasser bei der Schilderung des Wagens v. 424-426 an einen kleinen 
Ackerwagen denkt, dessen Achse siebenfüssig {en-amorjQ) , die Felge 
{di/jig) des Rades (nach Hesych. xuxXog zpo^wv = Scheibe der Räder), 
das in primitiver Art keine Speichen besitzt, dreispännig {Tpcami'Mfj.og) 
ist, d. h. wo der Durchmesser der Radscheibe, oder die Höhe der Räder 
eine so grosse (etwa 2 Fuss) ist, während der Wagen selbst zehnhand- 
breit i^ozxdocofjog) ist, d. h. die Breite des Wageugestelles etwa 3V2 Fuss. 

1» 



4 Nachhomerische griechische Epiker. 

beträgt. Sehr einleuchtend ist ferner, dass Verfasser im Gegensatz zu 
den gewöhnlichen Deutungen v. 432 — 434 nicht von zweierlei Arten des 
Pfluges versteht, einem, an welchem Krümel {yör^o), Haupt {eloiia) und 
Ptlugbaum {'.aroßosug) aus einem Stück sind {auroyuov), was technisch 
ganz unmöglich ist, und einem andern, an welchem diese Stücke einzeln 
zusammengefügt werden {nrjxvov), sondern von zwei Pflügen gleicher Art, 
von denen aus haushälterischen Gründen der eine in der Schirrkammer 
verwahrt wird, der andere zur Arbeit benutzt wird. Eine gesunde Kri- 
tik zeigt Verfasser in der Beurtheilung der unechten Partien, besonders 
der sinnlosen und unverständlichen Unterbrechung in der Schilderung 
des Winters v. 519 — 535, und der bei Hesiod eine Frühlings- und Herbst- 
aussaat voraussetzenden Verse 462—464. Ein besonderes Interesse er- 
hält die Darstellung durch die passenden, meist aus August Mommsen's 
»Griechischen Jahreszeiten« geschöpften neugriechischen Sprüchwörter. 

^Eo)<r<pupog bei Homer und Hesiod. Von Alois Rzach in Zeitschr. 
f. oestr. Gymn. 1877 No. 2 S. 102—103. 

Da das Wort in der älteren Poesie nur zweimal vorkommt ^''226 
und Theog. 381, die Form eujg aber dem altionischen Dialekt fremd ist, 
bei den späteren Epikern nur noch einmal Quint. Smyrn. H, 184, so ver- 
muthet Verfasser, dass an jenen beiden Stellen nach Ai'istoph. Ran. 342 
<pwa<fupog dazTjp zu schreiben sei (poiaqcpöpoq. In der homerischen Stelle 
wäre dann 5' zu streichen und Synizese anzunehmen, in der hesiodischen 
V parag. zu streichen. Aristarch habe geschwiegen, weil er Homer für einen 
Athener gehalten. Die Form kmoq bei Apollon. Rhod. II 686. 700, sei 
durch Vermittlung des Herodor aus dem Attischen gekommen. 

Recension von Alois Rzach, Dialekt des Hesiodos von — ng in 
■ Zarncke's Centralbl. 1877 No. 29 Sp. 957 f. 

Quaestionum Hesiodearum particula prima. Scripsit Vilhelmus 
Clemm. Gissae 1877. 21 S. 

Mit Recht bemerkt Verfasser, dass die Hiatusfrage im Hesiod 
schwerer zu behandeln sei, als im Homer, weil hier kaum hundert Verse 
hinter einander gelesen werden können, ohne dass kritische Bedenken 
von den verschiedenen Herausgebern geltend gemacht worden sind, was 
die Erledigung der Frage um so mehr erschwert, als diese Bedenken 
fast niemals an denselben Stellen geäussert werden, sondern oft gerade 
an der einen Stelle, die von anderen für ganz heil gehalten worden ist. 
Um nun diesen verschiedenen Standpunkten gegenüber gerecht zu wer- 
den, die mit Schoemann beginnen und mit dem Referenten schliessen, 
giebt Verfasser zunächst eine Zusammenstellung aller Hiaten (d. h. nach 
der Definition von Hoffmann) in den drei Gedichten nach den Rubriken: 
A. longa vocalis non corripitur in arsi, B. longa vocalis servatur in thesi, 
C. longa vocalis in thesi corripitur a) in plurisyllabis vocabulis, b) in 
monosyllabis, D. vocalis brevis ante vocalera in thesi, eine Zusammen- 



Hesiod. 5 

Stellung, die dem Referenten jetzt nach der Arbeit von Rzach überflüssig 
scheint, da sie nur den Vorzug einer grösseren Vollständigkeit hat. Dann 
nimmt Verfasser zmicächst die Theogonie zum Gegenstand seiner speciel- 
len Untersuchung, und stellt hier die von Goettling, Welcker, Schoe- 
mann, Petersen, Bergk, Paley und dem Referenten als unecht bezeich- 
neten Verse zusammen, um dann schliesslich in der Fortsetzung seiner 
Arbeit die nach Abzug der von allen Kritikern gemeinsam für unecht 
gehaltenen Verse oder Partien entstandene Recensiou des Textes für die 
Entwicklung der Hiatusgesetze zu Grunde zu legen. So bringt dieser 
erste Theil kaum etwas neues, Referent hofft es vom zweiten, kann aber 
seine Ansicht nicht unterdrücken, dass das Verfahren des Verfassers nur 
vor den Untersuchungen Hartel's , Rzach's und des Referenten Resultate 
liefern konnte, heute von dem unbefangenen Kritiker kaum anders als 
verfehlt beurtheilt werden wird. Entweder man nimmt die Gedichte, wie 
sie überliefert sind, d. h. man hat keine philologische Ueberzeugung, wie 
es bei Rzach und Kausch der Fall ist, oder man hat eine philologische 
Ueberzeugung von der Echtheit oder Unechtheit gewisser Verse, wie sie 
Referent besitzt und vielfach motivirt hat, und behandelt sie demgemäss; 
das W^irthschaften mit einem Extract, wie ihn Verfasser sich zusammen- 
gebraut hat ohne philologische Ueberzeugung, wird an den bislierigen 
Resultaten nicht das geringste ändern können, zumal, wie schon jetzt 
vorausgesehen werden kann, eine eigentliche Textkritik schwerlich aus- 
geübt werden wird. Ausserdem aber geben wir dem Verfasser den Rath, 
nicht ohne weiteres Behauptungen aufzustellen, die nicht erwiesen sind. 
Bei dem Satz S. 5 Not. 5: qui Hesiodi carmina restituto digammi ini- 
tiali edit, si nihil aliud at hoc cousequitur, ut Graeci poetae verba typis 
mandet, qualia nunquam lecta esse certo scimus erlauben wir uns den 
Verfasser zu bitten, dass er uns die Quelle seiner Offenbarung nicht vor- 
enthalten möchte (vgl. des Referenten Kosmogonie S. 132). 

Das nachhesiodische Digamma. Von H. Flach in Bezzenberger's 
Beiträge z. Kunde d. indogerm. Sprachen II S. 1—71. 

Die vorliegende Arbeit behandelt im ersten Capitel S. 1 -43 Hiatus 
und Digamma in den homerischen Hymnen, im zweiten S. 44—71 dasselbe 
in den nachhesiodischen Epikern bis Antimachus und in den Elegikern, 
während Referent sich die aeolischen Dichter und Pindar für eine be- 
sondere Abhandlung vorbehalten hat. Die Fragen waren bereits erör- 
tert von E. Windisch, zum Theil von Eberhard, Koehn, Clemm und Ren- 
ner, ohne dass Referent von der Richtigkeit des Verfahrens und der Re- 
sultate der gerade aus der Schule von Curtius stammenden Arbeiten 
überzeugt worden wäre. Im Gegentheil, die Dissertation von Windisch, 
welche die homerischen Hymnen zum Gegenstand hat, war nicht nur 
schablonenhaft gemacht (welche Schablone Referent die Descendenztheo- 
rie nennt), sondern Windisch hat sich, um ja ein lebendiges Digamma 



6 Nachhomerische griechische Epiker. 

zu vermeiden, zu den unverzeihlichsten Irrthüniern in seiner Kritik hin- 
reissen lassen. Das Verfahren des Referenten ist nun das, dass er zu- 
nächst in jedem Gedicht das Verhältniss aller Digammastellen zu der 
Zahl der Verse, zweitens, das Verhältniss der reinen Wirkungen (d. h. 
ohne Anfang des Verses, v parag. und nach einer langen Silbe) zu den 
Vernachlässigungen prüft, erst hinsichtlich des Hiatus, dann nach der 
Position (zuerst ohne Correctur des Textes, dann mit Correctur einzelner 
Stellen durch die bewährtesten Kritiker oder nach Analogie), drittens 
diese Verhältnisszahlen aller Gedichte einer Gattung mit einander ver- 
gleicht, viertens die Resultate dieser Vergleichung zieht, wie sie Hartel 
für die homerischen, Rzach für die hesiodischen Gedichte gezogen hat. 
Diese Zahlen sind für sämmtliche Hymnen zusammengestellt S. 40—41. 
Das Resultat ist beispielsweise, in dem ältesten Hymnus an Aphrodite: 
293 Verse, 78 Digammastellen = 3^778:1; 51 reine Wirkungen : 8 Ver- 
nachlässigungen (ohne Correctur) = ßV«:!; für die Position 51 Wir- 
kungen : 5 Positionen = lOVs : 1 ; 5 Positionen : 2 Vernachlässigungen 
(ohne Correctur) = 2V2 : 1. Für einen der jüngsten Hymnen, den drit- 
ten an Hermes : 580 Verse, 80 Digammastellen = 7V94 : 1 ; 29 reine Wir- 
kungen : 32 Vernachlässigungen = 1 : iVs, oder (mit Correctur) : 26 Ver- 
nachlässigungen = iVs:!; für die Position 52 Wirkungen : 5 Positionen 
= 1075 : 1; 5 Positionen : 11 Vernachlässigungen = 1 : 2V5- Schon diese 
Zahlen zeigen eine bedeutende Differenz, die noch grösser wird, wenn 
wir im vierten Hymnus die bereits vorhandenen oder nach Analogie sich 
ergebenden Correcturen anwenden. Das Gesammtresultat für die Hym- 
nen ist, dass Digarama im vierten und zweiten apollinischen Hymnus 
zweifellos als lebendiger und kräftiger Consonant angenommen werden 
muss, vielleicht auch im ersten apollinischen Hymnus, in den anderen 
Hymnen, besonders im fünften, dritten, neunzehnten nicht. — Von den 
kyklischeu Epen ist allein bei den Kypria ein lebendiger Laut voraus- 
zusetzen (S. 44—48). — Von den anderen Epikern hat keiner mehr le- 
bendiges Digamma, nicht einmal die ältesten Eumelos von Korinth (in 
Ol. 6), Asios von Samos (Ol. 10) und der Verfasser der Naupaktia, eine 
auffallende Thatsache, die Referent zu erklären sucht aus der Entwick- 
limg der gelehrten, nicht zum öffentlichen Vortrag bestimmten Poesie im 
Gegensatz zu den lebendig fortlebenden und in alter, überkommener 
Form verfassten Gedichten der ionischen Schule, zu welcher die ältesten 
Hymnen zu zählen sind (S. 48 — 54). — Auch bei den Elegikern ist keine 
Spur von Digamma, nicht einmal bei Theognis, wobei sich Referent gegen 
die Ansichten von Ahrens, Bergk und Hartel erklärt, indem er an den 
bekannten Stelleu, wo man aus dem cod. Mutinensis (A) ursprüngliches 
Digamma eruirt hat (413, 440, 548, 574), nur Flickpartikel erkennt, die 
durch Thorheit der Abschreiber hineingekommen oder als Reste ganz ab- 
weichender ursprünglicher Lesarten übrig geblieben sind (S. 54-69). — 
Schliesslich wendet sich Referent zu den gleichzeitigen und etwas späteren 



Fragmente. 7 

Inschriften, welche Digamma zeigen, nnd gegen die Behandlung, welche 
dieselben von Cleram in Curtius Studien IX. S. 409 ff. erfahren haben, 
indem er erstens zu zeigen sucht, dass sie die Theorie vom lebendigen 
Digamma in jenen Epen aufs nachdrücklichste unterstützen, zweitens 
dass Cleram bei seiner Annahme eines Curialstyls die Unfcähigkeit der 
Steinmetzen gar nicht in Betracht gezogen hat. — Cauer's Delectus 
(Leipzig 1877) konnte Referent leider erst im letzten Augenblick noch 
benutzen, welches Buch bereits das neue inschriftliche Material von den 
Ausgrabungen in Olympia verwerthet hat. 

Epicorum Graecorum fragmenta. CoUegit, disposuit, commentarium 
criticum adjecit. Godofredus Kinkel. Vol. I. Lipsiae in aedibus 
Teubneri 1877. 322 S. 

Kinkel hat die sehr dankenswerthe Aufgabe übernommen, die 
bisher in verschiedenen, mehr oder minder kritisch genauen und voll- 
ständigen Sammlungen zerstreuten epischen Fragmente zu sammeln, zu 
ordnen und mit ki-itischem Apparat herauszugeben. Von dieser allen 
willkommnen Sammlung ist der erste Band erschienen, der die Frag- 
mente des epischen Cyklus, S. 1 — 59, die pseudo-homerischen S. 59 
bis 78, hesiodischen und pseudo-hesiodischen S. 78 — 185, die genealogi- 
schen S. 185—218, die theologischen (ohne die Orphiker) S. 218 247, 
und die Fragmente der Kunstepiker bis Antimachus und Choerilus S. 247 
bis 311 enthält. Diese im wesentlichen chronologische Disposition jedoch, 
welche die Uebersicht wesentlich erleichtert, hat der Herausgeber selbst 
nicht gegeben, sondern man muss sie sich suchen, wobei Referent doch 
für besser gehalten hätte, wenn die theologische Poesie, die ja dem Cha- 
rakter nach mit der Natur des Epos nur in sehr lockerem Zusammen- 
hang steht, ganz gesondert und wo möglich am Schluss behandelt wäre, 
wie es 0. Müller Lit.-G. P S. 383 — 397 mit Recht gethan hat. Bei der 
Numerirung der Fragmente selbst hat Referent mit Bedauern bemerkt, 
dass von der bisher gebräuchlichen Sitte, die Zahlen einer der vorhan- 
denen, bekannteren Sammlungen entweder zu Grunde zu legen, oder wenn 
dies aus kritischen Bedenken nicht möglich, sie parenthetisch beizufügen, 
abgewichen, und der vergleichende Leser auf den Anhang S. 316 — 322 
angewiesen ist, der die Uebersicht der Numerirung in den bekanntesten 
Sammlungen enthält. Was nun die kritische Thätigkeit des Herausgebers 
anbetrifft, von welcher der Titel des Buches nichts erwähnt, so ist zuerst 
neu hinzugekommen eine genaue CoUation, beziehungsweise, wie es scheint, 
Abschrift des cod. Marc. 476 saec. XI, welcher die alten Schollen zum 
Lykophron und zum Arat enthält, und auf welchen den Herausgeber 
C. Dilthey aufmerksam gemacht hat (S. 29 not. 2 und S. 87 not. 1); 
derselbe ist besonders für die Hesiodfragmente fruchtbar gewesen, wenn 
ihm auch bisweilen blindlings vertraut ist, z. B. Hesiod fr. 12 18' Eudwprj, 
was zweifellos falsch ist (s. Westphal Metr. II ^ S. 97). In zweiter Linie 



8 Nachhoüierische griechische Epiker. 

kommen die nach den letzten Sammlungen (Welcker, Düntzer, Mark- 
scheffel, Dübner, Goettling) erschienenen kritischen Ausgaben, namentlich 
der Strabo und Athenaeus von A. Meineke, der Pausanias von Schubart, 
die Homerscholien von Dindorf, der Herodian von Lentz, die Rerum na- 
turalium scriptores von 0. Keller, das Certamen Homeri et Hesiodi von 
Nietzsche, die homerischen Hymnen von Baumeister, wenn auch hier 
nicht mit gleichmässiger Vollständigkeit, wie Hes. fr. 40 nicht citirt ist 
Herodian I S. 82 H S. 37, fr. 131 Herod. H S. 468, fr. 139 Herod. H 
S. 649, fr. 142 Herod. I S. 199, fr. 147 Herod. I S. 300. In dritter 
Linie kommt zum ersten Mal eine sorgfältige und sehr anerkennens- 
werthe Collation der Fragmente mit dem Text der Eudocia, wobei ge- 
mäss der bekanntlich ohne Index erschienenen Textausgabe von Villoison 
entschuldbar ist, wenn Kleinigkeiten übersehen worden sind. Referent, 
der selbst die Eudocia auf jene Fragmente hin durchgesehen, hat bei 
der ersten Durchsicht folgendes bemerkt: Phoronis S. 211, fr. 2 bei 
Eudocia S. 103 und Epimenides S. 233, fr. 2 bei Eudocia S. 79. Hes. 
fr. 100 fehlt Eudoc. S. 394, über den Dichter Abaris S. 242 fehlt Eudoc 
S. 20, über Aristeas S. 244 Eudoc. S. 68, über Peisander S. 248 Eudoc. 
S. 357, über Panyasis S. 253 Eud. S. 357. Viertens sind für den Text 
der Fragmente ganz besonders die Conjecturen von Koechly und Mei- 
neke verwerthet worden, die wohl am meisten Anspruch darauf machen 
konnten. — 'Die Vollständigkeit der Fragmente ist eine grössere, als in 
allen bisherigen Sammlungen, wenn sich auch der Herausgeber auf das 
allersicherste , z. B. bei Hesiod auf Goettling's beide Spicilegien (1854 
und 1856 in Opusc. ac. S. 192—197) beschränkt und gelegentliche Be- 
merkungen in den Zeitschriften (von Hecker, Rose, Ludwich) nicht be- 
rücksichtigt zu haben scheint. Besonders aufmerksam zu machen ist auf 
den Anhang, wo Ritschl's Etymol. Angel, und der überans werth volle 
Philodemus mpl euaeßstag (Gomperz) noch verwerthet worden sind. — 
Referent kann es ferner nur billigen, dass jeder Sammlung die betreffen- 
den biographischen Notizen und die wissenschaftlichen, im ganzen voll- 
ständigen Arbeiten vorausgeschickt sind. Wenn schliesslich hier und 
da in dem Texte, der zweifellos der beste der vorhandenen ist, das Rich- 
tige nicht getroffen zu sein scheint (s. Hes. fr. 38, 125, 143, 201, Gra- 
mer Anecd. Paris. I, 6 bei Kinkel S. 239), so wird dies dem Werth der 
Sammlung kaum einen Eintrag thun können. 

De scriptis Theognidis. Scr. Carolus Müller. Coronae Germa- 
norum 1877. 58 S. 

Zunächst sucht Verfasser aus den Dichtungen des Theognis den 
Satz Welcker's zu widerlegen, dass ihn allein Unwille und Zorn zur 
Dichtkunst getrieben haben, indem er die Ueberzeugung von seiner dich- 
terischen Begabung und seinem Beruf als leitendes Motiv anerkennt 
(V. 369 f. 769 f. 789 f.), der ihn auch bewog nicht allein für Kyrnos und 



Theognis. 9 

Polypaides zu dichten, sondern auch für andere, welche seine Verse zu 
lesen pflegten (v. 681 f.); darauf geht Verfasser zur Ueberlieferung des 
Gedichtes über, zeigt aus den bekannten Stellen im Suidas und Plato 
Men. S. 95 E, dass im Alterthum die Gedichte in anderer Gestalt vor- 
gelegen haben, und wendet sich zu den Theorien von Welcker und be- 
sonders Nietzsche (Rh. Mus. XXII S. 161—200), indem er in umfang- 
reicher tabellarischer Uebersicht S. 14-29 alle in den Versen 1 — 1220 
sich wiederholenden "Wörter (wobei Nietzsche's Stichwörter gesperrt ge- 
druckt sind) zusammenstellt, im ganzen mit Zugrundelegung der Einthei- 
lung Bergks. Dadurch ergeben sich 345 Gedichte, von denen 186 mit 
den vorhergehenden durch gleiche oder ähnliche Wörter verknüpft sind, 
48 mit den vorhergehenden gar keine Verbindung haben, wovon aber 
nur 19 überhaupt keine haben, 29 auf das folgende sich beziehen. Von 
den übrigen 111 Gedichten sind die meisten, nur getrennt durch ein 
dazwischen liegendes Gedicht, mit den vorhergehenden verbunden, einige, 
getrennt durch zwei, wenige durch noch mehr Gedichte, wobei nur sel- 
ten die blossen Namen Kyrnos und Polypaides als Bindeglieder betrach- 
tet werden müssen. Bei einigen Gedichten kommt ausserdem hinzu 
Gleichheit oder Aehnlichkeit der Sentenzen. Dass dennoch diese Binde- 
mittel der Stichwörter heute nicht überall sichtbar sind, daran sind meh- 
rere Veranlassungen Schuld. Zunächst, wie Nietzsche schon behauptet 
hat, manche durch Nachlässigkeit der Schreiber ausgelassene Verse. 
Dann aber auch Unterbrechung der Reihenfolge (z. B. 535 — 594, 635 
bis 692), die nicht bloss nach Stichwörtern, Anfangswörtern und An- 
fangsbuchstaben, sondern auch durch die Gleichheit des Inhaltes erfolgte, 
wodurch es geschehen ist, dass durch Fehler des Gedächtnisses fremde 
Sentenzen eingefügt, eigene durch fremde Zuthaten verändert, als ver- 
schiedene angesehen und au verschiedene Plätze gesetzt wurden (S. 30 
bis 32). Es folgt die Altersbestimmung, wobei Verfasser zunächst mit 
Nietzsche darin übereinstimmt, dass Stobaeus unsere Sammlung benutzt 
hat. Mit vollem Recht aber wendet er sich gegen die Schlüsse, die 
Nietzsche aus den bekannten Stellen des lulian und Cyrill gezogen hat, 
um zu zeigen, dass ihnen die heutige Sammlung nicht bekannt gewesen 
ist (allerdings ist es S. 34 oben der Fehler des Verfassers, dass er 
Nietzsche's Deduction nicht versteht, mid ein genaueres Lesen hätte 
dies wohl verhindert), und gegen Welcker-Nietzsche's Ansicht, dass Athe- 
näus unsere Sammlung noch nicht gekannt habe (S. 34-38), worin Ver- 
fasser mit Bergk übereinstimmt. Auch hier hat Nietzsche offenbar falsch 
geschlossen, wie er auch in seiner Ansicht von dem parodirenden Zweck 
der ganzen Sammlung viel zu weit gegangen ist. Also ist unsere Samm- 
lung in der Zeit zwischen Plato und Athenaeus entstanden. Zur Klar- 
legung des ursprünglichen, in den Handschriften so schwankenden, Namens 
der Gedichte von Theognis folgt Verfasser Leutsch im Philol. XXIX. 
S. 522 und XXX S. 220 in der Beurtheilung der genannten platonischen 



10 Nachhomerische griechische Epiker. 

Stelle (S. 40— 42); nur die Trennung von iXsys?a und umj^xac wird ver- 
worfen. Denn die Stelle im Suidas zeigt deutlich, dass der Lexikograph 
ausser der nicht erhaltenen Elegie auf die geretteten Syrakusaner nur 
ein Gedicht kennt yviö/xac 8c' ihyecag, dessen Theile sind: a) npog Kup- 
vov yvcoixokoyta; b) kripat br.oBrjxat r.apruvzTixai. Zuletzt wird mit Recht 
gegen Nietzsche bemerkt, dass von einer Theognis feindlichen oder gar 
parodistischen Absicht bei der Sammlung nicht die Rede sein könne. 
Die ruhig, klar und sorgsam verfasste Abhandlung schliesst ein Excurs 
über Theognis' Stellung im Staat (S. 49 — 58). 

Recension von Fei. Ramorino Teognide di Megara (Torino 1875) 
von C. Bursian in Jenaer Lit.-Zeit. 1877 No. 7 S. 111 — 112. 

Maximi et Ammonis carminum de actionum auspiciis reliquiae. Ac- 
cedunt anecdota astrologica. Recensuit Arthurius Ludwich. Lip- 
siae in aed. Teubneri 1877. 126 S. 

Des Maximus didaktisches Gedicht -Ktpl xazap-/^u)v, das uns bereits 
aus der Notiz des Suidas bekannt war, hatte zuerst (1717) aus der ein- 
zigen Handschrift, in welcher das Gedicht erhalten ist, cod. Laur. XXVIII, 
27 saec. XI, Fabricius edirt (Harles. IX S. 324—356), mit einer latei- 
nischen Uebersetzung von Rentdorf. Dann folgten Eduard Gerhard und 
Koechly, von denen namentlich der letztere nicht wenige Stellen durch 
Conjecturen zu heilen suchte. Die Florentiner Handschrift, sowie eine 
Paraphrase des Gedichts im cod. Laur. XXVIII, 34 wurde von neuem 
erst von Friedrich Dübner verglichen, der seine Resultate in einer epi- 
stula critica an Koechly (in der Didot'schen Ausgabe der Bukoliker, Paris 
1862) mittheilte. Ludwich hat die Handschrift zum dritten Mal colla- 
tionirt und besonders darin die auf Conjectur beruhenden Correcturen 
der jüngeren Hand, welche Dübner zu wenig beachtet hatte, streng von 
der ältesten Ueberlieferung zu scheiden gesucht. Hierdurch, sowie durch 
gewissenhafte Benutzung der Paraphase, sowie der Conjecturen von d'Or- 
ville, Jacobs, Koechly ist die Ausgabe die kritisch sicherste geworden, 
welche wir haben, und die einzige, welche einen vollständigen Apparat 
enthält. In der Bestimmung des Zeitalters, in welchem der Dichter Ma- 
ximus gelebt hat, ist Ludwich nicht Suidas und G. Hermann gefolgt, 
welche in dem Dichter den Philosophen sehen, den Lehrer des Kaisers 
lulian, sondern Koechly praef. in Max. p. LXII, der das Gedicht zu den 
jüngeren alexandrinischen Machwerken zählt. — Es folgen 19 Verse aus 
einem offenbar weit jüngeren Gedicht eines unbekannten Dichters Ammon, 
der von Tzetzes als Mathematiker eingeführt wird, dessen Haupttheil von 
Gramer (cod. Parisinus 2644. und Bodleianus) und Matranga (cod. Vati- 
canus 904) publicirt war, der kleinere von Hermann in Tzetzes' Exegesis 
Iliadis (codex Lipsiensis). Hier hätte nach des Referenten Ansicht v. 8 
mit Nauck Aaßtüv n geschrieben, und v. 18 das unmögliche maog nicht 
aufgenommen werden sollen (offenbar muss ein Adverbium stehen, xaxwg'i). 



Maximus. Nonnus. Musäus. H 

Beiden Gedichten ist ein sorgfältiger Index hinzugefügt. Die Anccdota 
astrologica enthalten 1) Ma$i/xou mpl xarapiojv jis-acppaad^kv rreC^iy Xs^si 
EX TU)V ^pojcxwv fiirpcuv S. 79 — 96; 2) uTzoMaetg rcuv Mavi^hovog 'Anors- 
Xsaiiarcxwv S. 96 — 104; 3) mp] ivspyecag zu» iß' Zü)8lujv S. 105 — 110; 
4) 7:sp\ dTToreXsajidrojv ruiv iß' C<poi'ojv S. 110 — 112; 5) ai ^wpai aovoi- 
xeioöiievai zoiig iß' ^wdi'oig S. 112—119; 6) zi arj/iai'vsi ixacrznv za>v ^w- 
dmv xai zwv daziptov xai zivcuv 8ecm6^ouaiv S. 119-122; 7) Tispi zwv 
iv Ta?g ixXei(peai arjjjLSirjjv S. 122 — 126. 

Ueber die handschriftliche Ueberlieferung der Dionysiaka des Non- 
nos. Von A. Ludwich. Hermes XII S, 273-299. 

Die älteste Handschrift dieses nonnischen Gedichts ist dieselbe, 
welche oben als älteste für Hesiod's Theogonie und Scutum genannt worden 
ist, der Laur. XXXII, 16 (L), der, obwohl vermuthlich Quelle aller noch 
vorhandenen Handschriften, noch von keinem Herausgeber benutzt worden 
ist. Ueberhaupt sind für das ganze Gedicht nur bekannt und von Koechly 
aufgeführt die Lesarten des Monacensis (M) und des cod. Falkenburgii 
(F), aus welchem 1569 die editio princeps besorgt worden ist. Zunächst 
wird diese Abhängigkeit an wenigen treffenden Beispielen erwiesen für 
den Palatinus saec. XVI (Koechly p. XIV), für den Reginensis (Koechly 
p. XV), dann für Neapolitanus und Ottobonianus , die um wenigstens 
zwei Jahrhunderte jünger, als der Laurentianus, für die Kritik des Ge- 
dichts völlig werthlos sind. Mit Sicherheit wird (S. 286) gezeigt, dass M 
und F nicht identisch sein können, dass auch nicht beide Schreiber un- 
abhängig von einander aus L direct abschrieben, sondern dass beide ein 
und dieselbe schlechte Copie aus L benutzt haben. Aus der genauen 
Collation des L, der nach des Verfassers Ansicht jeder zukünftigen Ausgabe 
der Dionysiaka zu Grunde gelegt werden muss, wird nun S. 287—299 
eine Auswahl der interessantesten Lesarten zu allen 48 Büchern mitge- 
theilt, welche allerdings den Wunsch rege macheu, dass Verfasser, der 
sich so bereitwillig erklärt hat zur Herausgabe von Rigler's lexicon Non- 
nianum, um dessentwillen hauptsächlich jene genaue Collation der Dio- 
nysiaka veranstaltet worden ist, nicht zögern möchte, uns auch mit einer 
kritischen Ausgabe dieses Gedichts zu erfreuen. — In derselben Hand- 
schrift steht endlich auch Tryphiodor's äXwaig Ik'ou, deren lohnende 
Collation vom Verfasser in den Wiss. Monatsblättern 1876 S. 78 ff. mitge- 
theilt worden ist. 

Metrische und sprachliche Untersuchungen zu Musaios de Hero et 
Leandro. Von August Scheindler. Zeitschr. f. oestr. Gymn. 1877 
No. 3 S. 161—177. 

Verfasser sucht die von G. Hermann, Lehrs, namentlich aber A. 
Ludwich erwiesene Abhängigkeit des Musaios von Nonnos von Pano- 
polis auf metrischem und sprachlichem Gebiete ausführlicher zu begrün- 



12 Nachhomerische griechische Epiker. 

den und die betreffenden Fälle mit Zugrundelegung der Ausgabe von 
Dilthey genau aufzuzählen. Zunächst behandelt er das Verhältniss der 
Daktylen zu den Spondeen, nachdem schon Lehrs Philol. Jahrb. 1860 
S. 215 den Hexameter des Nonnos »einen in steten Daktylen fortgeris- 
senen Vers« genannt hatte, und rechnet auf 1452 Daktylen nur 263 Spon- 
deen, in den ersten 100 Versen auf 440 Daktylen 70 Spondeen, während 
beispielsweise in den gleichen Versen der Ilias auf 357 Daktylen 133 
Spondeen kommen. Am häufigsten steht Spondeus im ersten und zwei- 
ten Fuss, am seltensten im dritten. Dies hat seinen Grund in der stren- 
gen Vermeidung der Cäsur Penthemimeres , die nach Hartel bei Homer 
mindestens gleichberechtigt mit der Cäsur xarä rphov rpo-^aTov ist. Bei 
Musaios gilt als weitaus überwiegende Cäsur die xara zptrov zpoxalov^ 
da in 100 Versen 82 derartige Cäsuren sind, die anderen sich verthei- 
len. Quantitätsschwankungen finden sich bei Musaios nur zwei, bei uowp 
(204, 247, 269, 314, 327) und iepu\* (44), ein Beispiel der Längung eines 
kurzen Vocals im. prjypxvi. (311) ist, wie das ganze Hemistichium, aus 
Homer entlehnt. Aehnliche Beispiele hat Nonnos. Vollständige Ueber- 
einstimmung zwischen Musaios und Nonnos herrscht in der Behandlung 
des Hiatus. Von eigentlichem Hiatus (nach des Referenten Auffassung) 
findet sich der lange Vocal in der Arsis nur in zwei homerischen Bei- 
spielen (188, 219; ebenso Nonnos), der kurze Vocal in der Tliesis vor 
anlautendem Vocal nur in drei homerischen Beispielen, 272 zdde slmv, 
323 dUd oc, 325 dd ol (wie Verfasser hätte hinzufügen können, vor di- 
gammirt gewesenen Wörtern); nach des Referenten Ansicht ist jedoch 
272 Tttü^' wie rdoe schwerlich richtig und wohl nach dem Vorschlag von 
Schwabe ojg rj pkv Ttpoaismev zu schreiben, wonach diese Hiatusfälle auf 
ol beschränkt wären. In der Behandlung der correptio Attica folgt Mu- 
saios genau den Gesetzen des Nonnos, die von A. Ludwich auf das 
schärfste festgestellt worden sind. Die Verkürzung vor muta c. liquida 
wird im ganzen streng vermieden; Ausnahme hiervon bildet im Inlaut 
das einzige Wort \i(ppodi-rj (6, 143, 155, 182, 320, 38? stets im Vers- 
schluss), im Auslaut fünf Fälle, in denen die liquida p ist: earl ßpo-coT- 
acv (200), ^dpei xpuTirs (194), dTiaazpdmooaa Ttpoaionoo (56), Tzdvza rcpody- 
ysXa (164), dnoardZouaa TrpoawTrou (173). Das nounische, von Ludwich 
erwiesene Gesetz ferner , dass Proparoxytona nicht Versausgänge bilden 
dürfen, ist auch von Musaios aufs strengste beobachtet. Von 343 Ver- 
sen schliessen 300 mit Spondeen, 43 mit Trochäen; unter den letzteren 
ist ein Beispiel KvBipeiav (146) nicht nonnisch, wo Ludwich \i(ppodcTrjV 
conjicirt und Schwabe mit Recht diese Conjectur in den Text aufgenom- 
men hat. Ebenso streng sind trochäisch auslautende Proparoxytona im 
vierten Fuss vermieden worden. Was die Elision anbetrifft, so finden 
sich bei Musaios im ganzen 112 Beispiele, darunter 72 mit 8\ während, 
wie bei Nonnos, bei Substantiven, Adjectiven, Pronominen und Verben 
dieselbe nicht zugelassen ist. Schliesslich werden noch einige grammati- 



Musäus. 13 

sehe Erscheinungen aufgeführt, z. B. Flexionsforraen, Apokope, Anastro- 
phe, der Gebrauch von scs und ts, in denen Musaios aufs strengste die 
nonnischen Regehi beobachtet hat, wodurch allerdings als Resultat sich 
ergiebt, dass bei dem Dichter ein vollständiger Mangel an Originalität 
vorauszusetzen ist, indem er nicht nur jeden Vers vollständig oder halb 
gleich oder ähnlich bei Nonnos vorgefunden, sondern auch schablonen- 
haft vielen Wörtern, die er bei Nonnos oder anderen Dichtern gefunden, 
nur dieselbe Versstelle eingeräumt hat, in welcher er sie angetroffen hat. 
Recensionen von Ludwig Schwabe's de Musaei Nonni imitatore 

liber (Tubingae 1876) von E. Rhode in Jenaer Lit.-Zeit. 1877 No. 13 

S. 206—207 und August Scheindler Zeitschr. f. oestr. Gymn. 1877 

No. 8—9 S. 630-634. 

Recension von Musaeus ed. Dilthey (1874) von Giseke im Philol. 

Anzeiger VIII S. 72 f. 



Bericht über die 1874 — 1877 veröffentlichten 
auf Xenophon bezügUchen Arbeiten. 

Von 

Oberlehrer Dr, W. Nitsclie 

iu Berlin. 



Indem ich im Folgenden die auf Xenophon bezüglichen litterari- 
schen Erscheinungen mehrerer Jahre zusammenfasse, muss ich mich für 
einige nicht erwähnte Sachen begnügen einerseits auf die beigegebene 
Bibliotheca philologica classica, andererseits auf meine Jahresberichte in 
der Zeitschrift für das Gymnasialwesen zu verweisen; in letzteren wird 
man auch für mehrere hier kürzer abgehandelte Punkte nähere Begrün- 
dung finden. Einige im Jahre 1877 veröffentlichte Arbeiten waren mir 
noch nicht zugänglich und sind dem nächsten Jahresberichte vorbehalten 
worden. 

I. Die kleineren Schriften Xenophons. 

^ufiTToacov. Ocxovo/Jicxog. 

Johannes Herchner, De Symposio quod fertur Xenophontis. 
Halis Saxonum, formis Ploetzianis 1875 (Diss.), 41 S. 8. 

Piatons Symposion, erklärt von G. F. Rettig, 1876, S. 43 — 54. 

Piatons Symposion, erklärt von A. Hug, 1876, S. XVII— XXVII. 

K. Schenkl, Xenophontische Studien, II. Heft: Beiträge zur Kri- 
tik der Apomnemoneumata. Wien 1875 , in Commission bei K. Ge- 
rold's Sohn, 98 S. 8. (Aus dem Aprilhefte des Jahrgangs 1875 der 
Sitzungsberichte der philol. -bist. Classe der kaiserl. Akad. der Wiss. 
[80. Bd., S. 87 = S. 3] besonders abgedruckt.) — Xenophontis opera 
edidit C Schenkl, vol. II: Libri Socratici (De Socrate commentarii, 
Oeconomicus, Convivium; anonymi Socratis apologia ad iudices). Be- 
rolini apud Weidmannes 1876. XII, 254 S. 8. — Derselbe, Xenoph. 
Studien, III. Heft: Beiträge zur Kritik des Oikonomikos, des Sympo- 
sion und der Apologie. Wien 1876, in Comm. bei K. Gerold's Sohn, 
78 S. 8. (Aus dem Maihefte des Jahrg. 1876 der Sitz.-Ber. der phil.- 
hist. Gl. der kaiserl. Akad. d. Wiss. [83. Bd., S. 103 = S. 3] bes. ab- 



Symposion. 15 

gedruckt.) — Rec: Zariicl 3's Lit. Centralbl. 1877 Sp. 1103f.; Brei- 
tenbach in Fleckeisen's Jahrb. 115, 1877, S. 455—484, letztere bes. 
auf die Apomn. eingehend. 

R. Hirzel, Hermes 1875 S. 63. 

Enrico Levi, L'Fconomico di Senofonte e le aspirazioni della 
raoderna economia, Riviaia Europea 3, S. 64 — 76. 

C h. G r a u X , Revue critique d'histoire et de litterature 1877, 
No. 28. S. 7 f. 

Herchner streicht, wie sein Lehrer und Meister Krohn (Sokrates 
und Xenophon, S. VIII und 98), das Symposion aus der Reihe der ech- 
ten Xenophontischen Schriften. Seine Gründe sind völlig unzureichend. 
Einmal versteht er keinen Scherz; sodann urtheilt er, ohne sich aus- 
reichend in den Stoff zu versenken, nach Krohu'scher Schablone. Hatte 
man früher sich begnügt, in der KjTupaideia Sokratisches zu entdecken, 
so ist man jetzt weiter: jener Roman, der sich um persische Verhältnisse 
dreht, giebt uns in jeder Beziehung den Massstab für das wahre Sokra- 
tische, auch hier im Symposion bei einer Darstellung griechischer Ver- 
hältnisse, die für nicht der Wirklichkeit gemäss gezeichnet zu halten 
keine Berechtigung ist. Platon's Symposion dagegen wii'd nirgends als 
Parallele herangezogen, vermuthlich, weil es von Krohn als unplatonisch 
in den Bann gethan ist. Der im Xenophontischen Symposion herrschende 
Scherz scheint Herchner zu unedel; vereor, ne tibi Aristophaneum illud 
quod Cobetus succurrere sibi profitetur in Philippi iocis frigidis et insulsis: 
3rav n rouziuv zwv oo^cajidTiov locu TiXsTv ^ \cau~a} ripeaßuzepog dnep" 
^ofiac cadere videatur in ceterorum serraones. Was die Lobrede des 
Sokrates auf Kallias anbetrifft, so vermag sich Herchner nicht mit Co- 
bet's Auffassung zu beruhigen, der da meinte: Socrates libidinosum ho- 
minem non laudabat magis quam qualem esse oporteret admonebat. 
Ganz entgegengesetzt der im Eingange angekündigten Absicht, Soki'ates 
zu verherrlichen, würde dessen Person ins Gemeine gezogen. Die Til- 
gung von pz^uztv 2, 26 helfe wenig; man bedenke doch nur den 
Vergleich des Sokrates mit einem iiaazponog. Dass Sokrates ihn selbst 
macht, dass andererseits Antistheues es ist, der Garstiges redet oder 
auch nicht völlig Sokratisches, macht nichts aus: dem Xenophon kann 
dergleichen nicht in die Feder gekommen sein; sie würde sich gesträubt 
haben von dem Rechte des Schriftstellers Gebrauch zu machen, auch 
Pei'sonen darzustellen, mit denen dieser nicht liarmonirt. Die körper- 
liche Hässlichkeit des Sokrates selbst, nicht bloss die scherzhaft über- 
treibende Darstellung, die Sokrates selbst bei Xenophon von ihr giebt, 
scheint Herchner nicht übel Lust zu haben zu eliminiren; dass wir zu- 
verlässige Büsten des Sokrates haben (s. P. Schuster, Ueber die er- 
haltenen Portraits der griechischen Philosophen, Leipzig, Breitkopf und 
Härtel, 1876), kommt nicht zur Erwähnung. Wie der Satz, dass das 



1 6 Xenophon. 

Schöne und Nützliche identisch sei, von dem (nach Krohn'scher Auffas- 
sung) nur auf das Praktische gerichteten Sokrates verstanden worden 
sein müsse, erfahren wir S. 29: et ceteram cognitionem et scientiam 
{le^pt uxpsXifioo . . auve(Txümc (M. IV, 7, 8) et artifices non tarn splen- 
dorem et magnificentiam quam honestatem spectare iussisse existimandus 
est. Aus 4, 29-33 liest Herchner S. 37 heraus, dass Charmides sage 
orbem terrarum sibi esse patriam. Von der Conjectur Madvigs für dvu>- 
Y^shardrcov 6, 7 weiss Herchner S. 12. 33 f. nichts. Von gleicher Be- 
schaffenheit, wie die sachlichen, sind die sprachlichen Gründe. Z. B. 
S. 22: ab his {FopyLsta prjiiaza 2, 26) non differt ne ceteris quidera locis 
omnis orationis habitus. S. 23: non solet Xenophon coniungere hoSum/xa; 
die meisten angeführten Beispiele können um so weniger befremden, als sie 
einer epideiktischen Eede angehören. Nachlässigkeiten : S. 9 sind die Citate 
Cyr. II, 2, 1. V, 2 18 ungenügend wiedergegeben, S. 16 ist zu ergänzen 
<'Mem.)> III, 9, 1, S. 41 wird zu ävacmdaag das Praesens dvaandZetv gebil- 
det. These I : »c. 1, 1 non epya cum Cobeto« (und mit Aristeides) »sed 
7:paTT6p.sva expungendum est«, (lieber die Echtheit des Symposion siehe 
auch Schenkl, Studien III S. 143.) 

Ueber das Verhältniss des Oikonomikos und des Symposion zu den 
Apomnemoneumata hat Schenkl, Studien II S. 144 — 152, III S. 105. 
141—143. 147 eine neue Hypothese aufgestellt. »Allem Anscheine nach 
standen die beiden grösseren Dialoge am Ende der Denkwürdigkeiten, 
in der Weise, dass das Symposion den Schluss bildete. Dieses fügt sich 
ganz passend an den Oikonomikos an, während zwischen IV, 7 und dem 
Oikonomikos einiges ausgefallen sein dürfte. Dieses Ganze, was Xeno- 
phon Apomnemoneumata nannte, ist jedenfalls um dieselbe Zeit geschrie- 
ben« (s. unten über die Apomnemoneumata). »Von jenem Ganzen nun 
wurde zuerst das Symposion losgerissen, um es (mit der unechten Apo- 
logie) dem gleichnamigen Dialoge Piatons gegenüberzustellen: dann 
wurde der Oikonomikos abgelöst. Es geschah dies wohl zu jener Zeit, 
wo man die verschiedenen Ocxovo/xcxoc in einem Corpus vereinigte. Viel- 
leicht haben wir einen Rest dieser Sammlung unter den Schriften des 
Aristoteles erhalten. Diese Sammlung wurde jedenfalls erst eine ge- 
raume Zeit nach Theophrastos angelegt. Dem Cicero haben der Oiko- 
nomikos und das Symposion als besondere Schriften vorgelegen«. Diese 
Hypothese hat bei keinem der beiden Eecensenten Zustimmung gefunden. 
Breiteubach bemerkt S. 475 Anm. und S. 484 mit Recht: »Wegen der 
Innern Verschiedenheit lassen sich die drei Schriften nur als besondere 
und selbstständige ansehen« und »Die Anfänge der zwei kleineren be- 
sagen nicht mehr und nicht weniger, als das Xenophon auch in ihnen 
eine Darstellung bieten will, in welcher Sokrates eine Rolle spielt«. 

Wie Hug und Rettig ist Schenkl. Studien III S. 143—146 der 
Ansicht, dass das Xenophontische Symposion vor dem Platonischen ge- 
schrieben ist; er setzt daher die Abfassung desselben um 385 v. Chr., 



Symposion. Oikonomikos. 17 

hält aber 8, 32 — 36 für einen erst nach der Veröffentlichung des Pla- 
tonischen und zwar aus ungenauer Erinnerung an S. 178 E und 182 A 
geschriebenen Zusatz Xenophons. 

Der zweite Band von Schenkl's Xenophonausgabe hat gleiche An- 
lage wie der erste. Den dazu gehörigen Studienheften sind wieder zu 
bequemerer Orientirung Verzeichnisse der behandelten Stellen hinten bei- 
gegeben. Studien III, S. 147—152 werden die Citate der Alten aus dem 
Symposion behandelt; S. 152 — 159 werden die von Schenld benutzten 
Handschriften besprochen. Von den drei Pariser Handschriften 1643 (A), 
1645 (B), 2955 (C), hat Schenkl A und C. nach G. Saupe nochmals 
collationirt. Eine geringe Differenz findet dabei in den Angaben der 
beiden Gelehrten statt: 4, 3 haben nach Schenkl sämmtliche Handschrif- 
ten //£v npog^ nach Sauppes Appendicula haben A. B. rifjog /xh). Die 
Laurentiani 85, 9 (D) und 80, 13 (E) hat H. Vitelli verglichen. In der 
Ausgabe S. VIII ist E = dem »kaum der Erwähnung werthen« [Studien 
S. 52 f.] Leidensis gesetzt). Den Vindobonensis 109 (F) hat Schenkl 
nach Schubart revidirt; die Vindobonenses 115 (G) und 37 H^ und H^ 
hat Schenkl selbst verglichen. Die bessere Handschriftenklasse ist 
CDFH2 (darunter die beste Handschrift F), die schlechtere AB GEHi ; 
mit einer allein kommt man nicht aus. S. 153 ff. ist eine Auswahl der 
Varianten gegeben worden, und zwar sind die Seiten- (und Zeilen-)Zahlen 
der Dindorf'schen Textausgabe (Leipzig 1873), bedauerlicher Weise nicht 
der eigenen zu Grunde gelegt. Die Angabe der Varianten in Schenkl's 
Ausgabe reicht nicht völlig aus, um sich ein selbstständiges Urtheil 
zu bilden; im Texte selbst hätte z. B. die Lesart von F: 2, 3 dofirj 
Aufnahme finden müssen, in der Adnotatio critica 2, 13 imosc^rxvza F. 
Auf S. 59 ff. werden die Interpolationen, die Lücken und die son- 
stigen Verderbnisse in den Handschriften besprochen. Die Arbeiten 
der Früheren sind verwerthet worden, bisweilen wohl zu sehr. Ich 
führe die wichtigsten Vermuthungen von Schenkl an und füge einige 
Bemerkungen hinzu: 1, 9 (S. 148 f.) ouoslg '^dg} oux. — Weshalb ist 
1, 11 nicht Sc' o-c gedruckt'^ Ob darauf ^a/> (f. ok des Athenaeus), und 
§ 12, nach der Zulassung des Philippos durch das Wort zlghw, hinter 
zo (TXüJfiiia elvat die Annahme einer Lücke, nebst ihrer Begründung 
S. 161, Beifall finden wird, scheint zweifelhaft. - 2, 4 (S. 162) wird 
vorgeschlagen "0 yt (f. u-hv) dioyvtg^ s<prj^ { or^iiacvst Ai)'ur/y. — 2, 7 i.<pe. 
azrjy.uTav ^avcu)-, vgl. § 8 dveucoou. — 2, 9 iv TioXküTg /ikv xal äXXoLg 
drjXov xal ZV olg 6rj (f. de) rj rMlg nocsl orc ist verfehlt. (Darf man ver- 
gleichen Hieron 6, 14 äjia jxhv . . xal . . (5s?) — ec zwischen ^ und rjotov 
suspectum. — 2, 20 wie Baumstark, unter Weglassung von rä äpBpa 
aus dessen Vorschlage. (Vgl. zu d^i^fxcog auch Ernst Siegfried, De 
multa quae emßoXrj dicitur. Berlin, Mayer und Müller 1876 [Diss.], 
S. 11). — (3, 13 war uzt vor im aus den besseren Handschriften auf- 
zunehmen. - Durfte Xenophon 3, 14 ■npogißXz'^av au zw zugetraut wer- 

Jahresbericht für Alterthums-Wissenschaft 1877. I. 2 



18 Xenophon. 

den?) — 4, 8 z. Ende werden Schneiders und Wyttenbaclis Vorschläge 
verbunden. (Einige Zeilen vorher kann schwerlich (h hinter ixrjSsva ver- 
theidigt werden; es ist wohl zu ändern jjLrj8£}j.cav). — 4, 23 toutoj^I^c}. 
§ 24, nacli Annahme der Conjecturen Mehlers, Bremis und Ernestis, 
schreibt Scheukl ouoaft^ (f. ouoap.oü ; ora. F.) — (4, 30 ist wohl xal [yäp] 
d^ xac zu schreiben; der Satz enthält eine Steigerung, keine Begründung 
des Vorhergehenden. — 4, 37 ist wohl zu ändern el' tcq TioXXä ly^ot 
[f. i'/_uj\>\ xal TzokXä ia^cujv /irjosnozz simiiLTcXaivo ^ so dass darauf der 
Gegensatz genau entspricht iyoj 8s ou-w fikv noXXä e^cu . ., opaug 8e 
izspUart jioi xal sad-iovTc . . — 4, 38 ipyov fisy' eari [i. nireazi] Gustav 
Jacob, freundschaftliche Mittheihing). — 4, 57 {aoix(pBpov)zu (f. ix zod), 
vgl. § 59. (Sollte nicht das blosse zo genügen, und zugleich mit der 
Verderbniss in zou [vgl. z. B. Hieron 9, 10 das für zo überlieferte zoo 
vor axonelv^ sich ex aus dem Ende von dpiaxsiv entwickelt haben? Schenkl 
sagt freilich S. 67: Man begreift nicht die Construction •rj'(so!) eaztv 
elg zb . ., für welche Niemand bisher eine Belegstelle beigebracht hat. 
Eine Analogie möchte doch bieten Demosth. unkp Oopp.. § 54 ^you/xat 
Tidvzcov ixdXiaz^ dg zb npäy/xa slvac zoüzojv fidpzupag napaa^iad^at und 
§ 55 vo/xi^M . . xal zaüz" dg zu Tzpäyii dvac npög upäg slnsTv). — 4, 60 
(S. 162—164) ol 8e {oaztg kvL Frage)-; Hdw /xh ouv. '0 8' inst (f. emoiv 
Zzt) xal zoüzo (JüjxoXoy^zo , Et 8s zig, scprj, xal . . — 6, 1 'AkXä 8oxst zi 
aot\ sipri (Heindorf und schon die Handschrift F: dXX , o Soxsc, zoüz\ 
sipiq.) — 6, 7 wird Madvig's Verbesserung, ohne das r', aufgenommen 
(nicht ohne emen Accentfehler). — 7, 3 Tcspi8ivo6jxsvov (f. -ivoo). 

Was den Oikonomikos betrifft, so geht Schenk! in seinen Studien 
zuerst die Citate der Alten aus ihm durch; dem Texte des Stobaios ist 
er nicht geneigt auch da, wo seine Lesarten sich sonst ganz gut halten 
lassen, den Vorzug vor den Xenophon-Handschriften zu geben. Bisher 
kannte man die Lesarten folgender Xenophon-Handschriften: Pariss. 1643 
(A, von Michael Apostolios geschrieben), 2955 (B), 1646 (C), 1647 (D), 
425 (E), Lips. (M), Guelferb. 71, 19 (N). Die Pariss. .Ai) und B hat 
Schenkl selbst neu verglichen; ȟber die Lesarten von N und M sind 
wir trotz der Collatiouen von Kerst und Sauppe nicht vollkommen im 
Klaren«: Studien HI S. 21 Anm. Schenkl standen ausserdem die CoUa- 
tioneu von folgenden bisher unbenutzten Codices zu Gebote: Laurentt. 
80, 13 (E), 85, 9 (F), 55, 21 (G); 4 Vaticc, nämlich Reginensis »96« 
[Stud. S. 12j oder »95« [Ausg. S. VH] (H), Urbinas 93 (J), Palat. 184 (K), 
Vatic. 128 (L); Vindobb. 115 (0) und 37 (P). Letztere beiden hat 
Schenkl selbst, die übrigen haben Andere für ihn verglichen. E bedeu- 
tet in der Ausgabe den Paris. 425, in den Studien den Laurent. 80, 13 
(s. darüber Stud. S. 10 Anm., S. 11 Anm.). Alle Handschriften gehen 



1) Zu c. 9, 19 ßäov bemerkt Schenkl: om. Y (= alle Handschriften), 
dagegen Sauppe Append. : habet solus A. 



Oikonomikos. 1 9 

auf einen ziemlich verderbten Archetyi^us zurück; sie zerfallen in zwei 
Klassen,: A C D E (= Laur.) FMP undBGHKLN; JO dürften der 
ersten angehören; die zweite Klasse ist die bessere; verhältuissmässig am 
besten in ihr H; berücksichtigt werden muss auch die erste Classe, in der 
sich die bessernde Hand eines Grammatikers bemerkbar macht. Die neu 
herangezogenen Handschriften haben für die Verbesserung des Textes 
nur wenig Nutzen gebracht; man hat dagegen einen klaren Blick in die 
Ueberlieferuug bekommen. Stud. S. 12 — 20 giebt Schenkl, indem er 
wieder dabei die Dindorfsche Textausgabe zu Grunde legt, eine grössere 
Auswahl der wichtigsten Varianten, »da in seiner Ausgabe ihrer Natur 
nach nur wenige Lesarten mitgetheilt werden konnten«. Für genaue 
Kenntniss der Lesarten sind Studien und Ausgabe Schenkl's und dazu 
Diudorf's Textausgabe nothwendig; das Unangenehme ist dabei der 
Durchgang durch die fremde Ausgabe ; denn die beiden Werke Schenkls 
sind unentbehrlich. In der Ausgabe fehlt z. B. (um die nur für die 
Kenntniss der Handschriftenklasseu wichtigen Lesarten nicht zu nennen) 
c. 16, 13 = Dindorf S. 55 Zeile 13 die von Schenkl verworfene 
Lesart aller Handschriften nphg rhv rjXiov^ zu der Sauppe in seiner 
Appendicula sagt: Hertleinius . . Coniect. 2, 34 exemplis multis hoc 
unice verum esse demonstravit. In den Studien fehlt zu c. 5, 12 
&eog o5<Ta = Dindorf S. 18, 30 &eXouaa die La. Mouaa ACDGJMNi, 
OP, zu c. 20, 29 = Dindorf S. 69, 4 \yoiuZstv] die La. voiii^ziv 
(supra versum); von den mit Rücksicht auf den Dindorf'schen Text in 
den Studien übergangenen Lesarten führe ich an: c. 3, 5 = Dindorf 
S. 10, 14 die von Sauppe und Breitenbach wohl mit Recht vertheidigte 
La. aller Handschriften ahrih {= »dem Herrn«, iiidit au roTg) xac tu> ol'xoj. 
Einige Dindorfsche Zeilenzahlen wird der Leser sich selbst leicht in den 
Studien ergänzen. Von Druckfehlern im Schenkl'schen Texte sind am 
störendsten: 16, 12 oÜtco (f. outtuj), 20, 14 napij^oucra (f. Txdayooaa) \ in 
der adnotatio critica musste es heissen zu c. 2, 4 iiot zrjv olxcav. /loc 
Cobet, [Xüo Mehler ; zu c. 9, 5 ßaXavwzfj Dindorf, ßa?MV(OTa> G. Hermann ; 
ferner steht z. B. falsch zu S. 202, 28 (.statt 27) unoc Dindorf, wie die 
Vergleichung von Sauppe's Appendicula lehrt. lieber die grösseren In- 
terpolationen, die der Oikonomikos erlitten hat, handelt Schenkl Stud. 
S. 24—28. C. 4, 20 Uyezat. Aoaä.vofxi) — 25, von welchem Abschnitte 
auch ich im Programm des Sophiengymnasiums zu Berlin 1871 S. 22 f. 
gesagt hatte, dass er der Sprache und Darstellung nach sehr wohl von 
Xenophon so erzählt sein könne, will Schenkl dem Xenophon erhalten, 
indem er einen starken Anachronismus in der Sceuerie annimmt (was 
ihm um so leichter wird, da er die historische Treue Xenophons in der 
Wiedergabe selbst Sokratischer Gespräche geringer anschlägt), und in- 
dem er glaubt, dass Xenophon selbst statt der von § 17 an überlieferten 
Worte etwa geschrieben habe: xa\ jirjv xa\ Konng 6 Japefnu, og ys sc 
ineßtw äfjiavog äv ooxec äpywv ysvsai^ac, liyfz(u Äu(Tdv8[ju) u. s. w. Von 

2* 



20 Xenophon. 

der historischen Treue Xenophons auch in Behandlung der Scenerie habe 
ich eine abweichende Vorstellung; der Anachronismus in Platous Sym- 
posion von der Auflösung des Staates Mantineia in Komeu lässt sich 
nicht ohne "Weiteres, wie Schenkl gethan, herbeiziehen, da Platou, wie 
Schenkl selbst an einem anderen Orte anerkennt, wahrscheinlich damit 
(im Scherz) auf ein Ereigniss der jüngsten Vergangenheit anspielt. Aber 
abgesehen hiervon ist es unwahrscheinlich, dass aus den von Schenkl an- 
gegebenen (oder irgend welchen anderen) echten Uebergangsworten ein 
Fälscher das Ueberlieferte gemacht haben sollte. Etwas günstiger würde 
sich die Sache für die Rettung des Abschnittes § 20—25 gestalten, wenn 
man annehmen dürfte, dass der Fälscher nach § 16 eine Lücke vorfand 
und sie wohl oder übel zu füllen versuchte. — In c 6, 7 rsxfii^pcov . . 
xtvduvsuovzas hatte schon Breiteubach eine Interpolation erkannt; eine 
weitere erkennt Schenkl in § 10 au/xnapo^uvsiv . . ipya^oixsvocg (aber 
damit ist wohl die Sache noch nicht erschöpft; denn auch § 9 aurrj yap 
Tj ipyaata ixa&ecv re paavrj iSuxec zhru . . (Tuvemp.e}.ela&ai scheint Xeno- 
phon nicht anzugehören, da von der Leichtigkeit des Erlernens erst 15, 4 
die Rede ist); die bezeichneten Worte in § 6 f. 10 will Schenkl vor 5, 13 
setzen, in dieser Form: (yojmapo^üvec 8i zi xa\ slg zu dXxtpoug ehai rj 
ysujpyca i^w zwv epujidzujv . . zoTg epyaZop.ivoig. zexfirjpcov 8k Ga(piaza- 
zov yivoczo äv zoözou , sc 7:olep.{u)v . . dia^xj^azzacv. ouzeu yäp äv zobg 
p.kv dp-fi yrjv i^ovzag supoc (Jjrj^c^o/xivoug dpijyztv . . xivSuvzöovzag. Wenn 
darauf Schenkl 15 , 4 nach zrjv ftkav&pwntav zaurrjg z^g zd^vr^g . . den 
Satz ysvvaca 8k . . npaea . . dv9pu>7ioug für Interpolation erklärt, so spricht 
dagegen 19, 17: dkk' iydi xal ndlat aoi eXeyov ozc tj yswpyca ouzoj <ptXdv- 
&pojn6g eazt xal izpasTa riy^vrj . . nocsTv. Ausserdem klammert Schenkl 
als unecht ein: 15, 5 § einag . . xai 8txatov, und nach Schneiders Vor- 
gange 18, 10 ^'Ay£ 8rj . . ipauzöv emazdiievog. — Im Folgenden gebe ich 
das wichtigste Neue aus Schenkl, nebst wenigen eigenen Bemerkungen. 
C. 1, 1 7] ^aXxzüztxTj FL. — 1, 4 fipoi zdv Sch. — 1, 11 oyv, wie Brei- 
tenbach, schon 0. — (1, 17 /i£v xai nok^ejicxäg vertheidigt z. B. Sauppe 
Append.) — 2, 8 opuog cug napd FG. — (3, 2 uzmv dv, wie König, A; 
wohl richtig. — 3, 7 iyu) aoc (Tuvoc8a . . dvcazd/ievov . . ßaoi^ovza . . dva- 
■nei^ovza T. Schon Hertlein hat auf Isokr. 15, 120 auvcaaac . . ahzip 
. . xa^cazdixevov . . ouvdjxevov aufmerksam gemacht. Ist zu ändern, so 
vorn in az; s. Sauppe Append.) — 4, 3 al ßavaoacxai xaloup-tvai suspec- 
tum: Sch., vgl. § 2. — (Ist 4, 18 bnözz in uzz zu ändern, oder etwa 
nachher pa^oOjxevog - napä p.ev -(yäp} Kupou zu schreiben"?) — 4, 21 {xa\ 
zauza ^aufid^cuv] Sch. (Der Nachsatz beginnt vielmehr erst mit dxoO- 
aavza oh und jene Worte sind zu belassen.) — 4, 24 Qaop.dZ,ZLg zoüzo, 
\s(fr]] Sch. — (Gleich darauf scheint mir das Ursprüngliche ^ zwv noXe- 
fxixujv [zi] r^ zujv yeojpyixwv epycuv [p.eXsza)V rj] dsl iv yi zi ftXoztjxoüjxe- 
vog, und ixzXszujv anfangs Randerklärung zu (pdoziixoöjxevog gewesen zu 
sein. Kyros kannte nur zwei seiner würdige Beschäftigungen: kriegerische 



Oikonomikos. 21 

Uebungen oder Landbau. Die Athetese ist um so nothweiidiger, wenn 
§ 20-25 echt ist; vgl. § 4. 16.) — 4, 25 doxsTg, {e(prj\ FKL. — 5, 1 e^rj 
IJüJxpaTTjg suspectura. — 5, 8 ßaXsh T, ßädr^v Hertlein, ßdSrjv Idvac 
Seh.; 11, 18 rä fikv ßddrjv, zä 8e dnoopa/iojv oYxaSe {i^&chv) Seh. — 
5, 13 dnoazeprjadvzLov (f. dTioxcoXuovTiov) , 5, 18 npovor^aat^ -I-oÜtoo Bao- 
Hd^aj oe diivrjpovzjffat)', 6, 13 (dyaßoug} dvSpiavzonoioög, 6, 15 z. Ende 
zu dyadog, 8, 10 iv ^dptzi Sioouaa (f. dcoovac) Seh. — (Ist 8, 11 unter 
Verschmelzung der Conjecturen von Sturz und Jacobs und eines Bestand- 
thciles der Schenkischen zu lesen: e!g oh [xdya nkoTuv zc 0oivtxtx6v'i Vgl. 
unmittelbar darauf iv afxcxpozdztp dyyeto} und § 17 el ol pkv sv zoTg nXoLotg 
xac pcxpoTg oum . .) — 8, 19 zpaTii^ag, [^xaXhv 8s\ . . xo/x(p6g, [ozi] Seh. 

— 9, 2 Tc 8e, sc pjrj . . ztjv duvaptv {y' mit Gobet)» bSo^b Seh. im Texte, 
ohne irgend einen Vermerk in der Adn. er. oder in den Studien (vgl. 
Sauppe Append., Dindorf S.34, 20); dagegen 10, 9 Seh. nur in der Adn. er. 
y>Xomoö{ye)'>(i. — (10, 10 et xazä ^wpav ziti ^v [ADEFLMOP, S. die 
Studien] 8s7 ixaaza vertheidigen Breitenbach und Sauppe. — 11, 4 möchte 
ich vermuthen Ntxtov zou ^ankouzou [f. sn^qXözou oder imX.]; vgl. vor- 
her § 3 zo Tidvzujv 8rj dvorjzözazov 8oxouv ecvac eyxXr]pa, rdvrjg xaloop-at^ 
§ 4 d noXXd £.trj ^prjpaza zw otttcü, § 5 Tiivrjzi tnnoj, Athen. VI S. 272 E 
6 ZMV EXXrjvüJV ZdTiXo'jzog y^txtag. Nach Verdunklung des selteneren und 
bei Xenophon sonst nicht vorkommenden Wortes half man durch mög- 
lichst buchstabenähnliche Conjectur. — Zu dem transitiven Gebrauch von 
imajöEiv 11, 14 vgl. Apomn. II, 4, 6 aüvemaybei und Kyrup. II, 2, 26 
aovia-/üaei\) in D [um das hier aus AG von den Herausgebern auf- 
genommene Activ <Tovta)ropi£7v zu rechtfertigen, reicht das passivisch 
gebrauchte h^upt^ofiiva). Kyrup. VI, 4, 18 nicht aus]; vgl. ferner die 
Lexica wegen des transitiven Gebrauchs von ivca^Oiu und xazio^ucu.) — 

11, 18 dnb ZOO '/wpou KL. — 11, 22 \ob 8oxaJ aoi ixelezdv^ Sch. — 

12, 14 Traf^ixoJv [im/xe-^c/ac] Sch. Darauf: Temptabam d(ptrjp.i . . {waze) 
firjS' im^scpzTv. — 14, 5 {xat} ^v zcg al& notcbv, [xar] Sch. — 15, 1 
rj8rjzai H, wie schon G. Hermann. — 15, 3 {xa\\ noXXd novoovzag Sch.; 
Breitenbach : xal desiderabat iam Reisigius. — 15, 10 XeXr^&svac . . ae 
aaozov Sch. — (Zum asyndetischen KcvSuvsoa: 16, 12 vgl. 18, 3 und die 
schon von den Früheren citirten Stellen Apomn. IV, 2, 34. Hier. 1, 26). 

— 19, 8 incßaXujv, § 9 emßXrjzia und imßeßXrjpivjj Sch. — (Sind 19, 14 
z. Ende die Lesarten beider Handschriftklassen zu verbinden: dnep 8rj 
<Ty?) — 20, 3 zig (f. 6 anopeug) Sch. Darauf ist zu schreiben zr^v yrjv 
<(r^v' (fipooaav diiniXoog. F wollte durch Umstellung: ztjv <pep. d/xn. 
y^v helfen). — 20, 8 (polaxdg {^'') änavzBg Studien S. 134. — 20, 14 
wcmep ■{zolg) zag dXXag zijyag <firj emzrjSeuouac, ouzoj} zoTg prj ipya^o- 
jiivotg Sch., s. Stud. S. 135. — 21, 7 awjxa {zü)v (Tzpazccuziuv], 21, 12 
äp^öcv <[zouzo fikv yäp bno zcuv &£(~)vy aa<pü}g 8i8ozac Sch. 

Hirzel setzt aus einander, dass bei den Titeln Olxovoptxog^ 
Irmap^cxog, Kuvr^yszcxog zu ergänzen sei dvr^p, nicht Xoyog. — Levi 



22 Xenophon. 

bespricht Xeiiophons Ansichten über die Sklaverei, rühmt die Darstel- 
lung des guten Hausvaters und der guten Hausfrau im Oikonomikos und 

empfiehlt schliesslich die Schrift zur Leetüre in den Gymnasien. — Graux 

sagt S. 8 über die Massbestimmung 8, 13 iv 8exaxkc'vuj areyrj (vgl. Symp. 

2, 18 olxog snzdxXivog) : La xXivrj etait une unite de surface egale ä 

10 coudees carrees. 

Tlepl cTTTTcx^g. 'Innap^cxög. Kuvrjysrtxog. 

Gurt Wachsmuth, Die Stadt Athen im Alterthum, L 1874, 
S. 299. 304 f. handelt von den Oertlichkeiten im Hipparch. 3, 2. 

Georg Graf Lehndorf, Hippodromos. Einiges über Pferde und 
Kennen im griechischen Alterthum. Berlin; Wiegandt, Hempel und Pa- 
rey 1876, bemerkt S. 77: »Lesen wir Xenophons Buch über die Reit- 
kunst aufmerksam durch, so kommen wir sehr bald zu der Erkenntniss, 
dass wir heute, nach 2240 Jahren, eigentlich um nichts klüger in diesem 
Fach geworden sind als die Leute, oder doch wenigstens solche Leute 
wie Xenophon, schon damals waren. Sein Buch ist eigentlich keine Reit- 
instruction für Manegereiterei im heutigen Sinne, sondern eine praktische 
Anleitung zur Campagne-, Jagd- und Renn-Reiterei , und es ist erstau- 
nenswerth, wie wohl durchdacht das Ganze ist«. Ins Einzelne einzu- 
gehen, hat der Zweck des Buches dem Verfasser kaum Veranlassung ge- 
geben. Jeder Philologe wird aber in den Wunsch des Referenten F. M,, 
Philol. Anz. VHI, S. 359, einstimmen, »dass der Verfasser, der wie We- 
nige dazu befähigt wäre, sich der Arbeit unterziehen möchte, uns eine 
fortlaufende Erklärung der in dies Gebiet einschlagenden Schriften Xe- 
nophons zu geben. 

Reinhold Michaelis, De lulii Pollucis studiis Xenophonteis. 
Halis Saxonum, typis Karrasianis 1877 (Dissert.), 35 S. 8, 
stellt in einem Anhange die von Pollux benutzten Xenophontischen Stel- 
len zusammen. Von Tzepc mmx^g und dem xwrjysrcxog nimmt er (nach- 
dem schon Ernst Althaus, Quaestionum de lulii Pollucis fontibus 
specimen, Berliner Dissert. 1874, S. 23 — 28, über die Sache gesprochen 
hatte) eine direkte Benutzung des Pollux im 1. und 5. Buche an; be- 
sonders schliesst er dies S. 30 aus einem gemeinsamen Irrthum in tt. mn. 
8, 9 und Poll. I, 206. Michaelis untersucht Pollux Art der Benutzung; 
daraus ergiebt sich ein geringes Maass der Hilfe, die dieser Schriftstel- 
ler für die Constituirung des Xenophontischen Textes gewähren kann, 
und die er im Ganzen auch schon gewährt hat. In These I empfiehlt 
Michaelis n. Inn. 10, 7 aus Poll. I, 208 xa-zaxripouvTa (für xaTaTSci/ovra), 
woran auch schon Schneider gedacht hatte. S. 21. 31 schlägt er unter 
Vergleich von Poll. V, 69 im Kyneg. 5, 80 vor: [ctsvyjv ex rou i/xnpo- 
a&ev], Tpd^rjXov [hnTÖv, mpc^eprj], oo. S. 27 f. handelt er über die Gang- 
arten des Pferdes n. Inn. 7, 12. 



Staat der Lakedaimonier. 23 

Johannes Draheim, Schedae Rutüianae, Berlin. Dissert. 1874; 
Sent. controv. 11: Kyneg. 2, 3 4"^x^'^ ^' '^^^P^v (f. Ixavov). 

Aaxedaiixoviojv TzoXmca. 

Georg Erler, Quaestiones de Xenophonteo libro de republica 
Lacedaemoniorum , Lipsiae, typis Fr. Andraei, 1874 (Leipz. Diss.) II, 
41 S. 8. 

Ernst Naumann, De Xenophontis libro qui Aaxs8ac/j.o>tu}v no- 
kreta inscribitur. Berlin, W. Weber 1876 (Berlin. Diss.); 62 S. 8. 
(Her tl ein, Jenaer Lit.-Zeit. 1876, S. 527.) 

E. Naumann, Egyetemes philologiai Közlöny, 11, 1877, S. 273 f. 

Erler kommt in wenig übersichtlicher Darstellung und meist ohne 
genügende Begründung zu folgenden Aufstellungen: Die Schrift sei Xeno- 
phon zu belassen; aber sie bestehe aus zwei ganz verschiedenen, von 
einander unabhängigen Abschnitten: c. 1 — 10 nebst 14, und 11—13. 15. 
Wie zeitgenössische Philosophen der nach dem peloponnesischen Kriege 
eingerissenen Verderbniss durch ihre Gebilde von Idealstaaten entgegen 
zu arbeiten suchten, so stelle Xenophon c. 1 — 10 Sparta als den in der 
Wirklichkeit vorhandenen Idealstaat zur Nachahmung für die übrigen 
hellenischen Staaten hin und lobe diejenigen Einrichtungen Lykurg's, 
welche Sparta zu seiner Macht gebracht hätten, indem er nicht sowohl 
die gleichzeitigen Zustände Sparta's, sondern die den Absichten Lykurg's 
entsprechenden im Praesens schildere. Daher sei auf diesen Theil kein 
grosser Verlass. Dagegen in c. 11 — 13. 15 würden nur einzelne Ein- 
richtungen, das Kriegswesen und die Verfassung, besprochen, und hier 
würden thatsächlich vorhandene Zustände ohne Nebenabsicht berichtet, 
allerdings, wie der Inhalt lehre, auf Grund älterer fremder Quellen, ehe 
Xenophon Sparta selbst gesehen hatte, wahrscheinlich also vor 401. Diese 
Schlussfolgerung lässt Erler dann ohne Weiteres auch für den anderen 
Abschnitt c. 1 — 10 gelten. C. 14 aber sei von Xenophon, nachdem er 
persönlich die Verhältnisse in Sparta kennen gelernt hatte, bald nach 
der Schlacht bei Kuidos, sicher vor der bei Leuktra, und zwar nur mit 
Bezug auf c. 1 — 10, hinter c. 10 hinzugesetzt worden. Ein fremder Her- 
ausgeber aber habe darauf beide nicht zu einander gehörenden Abschnitte 
verbunden, indem er c. 14 hinter 15 setzte, und »inepte« 11, 1 xal 
zauza jxkv 8rj . . xa). rouvcov dxousiv als Uebergangsstück zwischen beide 
Abschnitte einschob. Schliesslich habe ein Abschreiber c. 14 an seine 
jetzige Stelle gesetzt, — Im Gegensatze zu der eben besprochenen Ar- 
beit zeichnet sich die Naumann's durch Fleiss, Urtheil und Folgerich- 
tigkeit aus ; ihre Resultate sind eben so gesichert, wie erschöpfend. Der 
erste Theil handelt von dem Zwecke (— S. 12), dem Organismus (— S. 19) 
und dem Urheber (— S. 21) der Schrift; der zweite von ihrer Abfas- 
sungszeit (— S. 30); der dritte von ihrem Sprachschatze (— S. 52), der 



24 Xenophon. 

letzte von ihrem Gedankengehalte. Zweck sei, durch das Lob der Ly- 
kurgischen Gesetze zu ihrer Nachahmung aufzufordern; in bewusster 
"Weise würden, obwohl im Praesens, damals nicht thatsächlich vorhandene 
Zustände geschildert. (Es konnte angemerkt werden, dass daran haupt- 
sächlich das Lügengewebe schuld war, mit dem sich die spartanische 
Restauration nach 387 umgab.) Dabei könne es, heisst es weiter, kei- 
nem Zweifel unterliegen, dass der Verfasser aus Autopsie schrieb. lieber 
den vorliegenden Zweck hinaus ergehe er sich in militärischen Einzel- 
heiten und in Angaben über Opferdienst. In die Absichten der Lykur- 
gischen Gesetzgebung sei er nicht tief eingedrungen, sondern lege ihr 
eigene Gedanken unter. Daraus ergäben sich bestimmte Eigenthümlich- 
keiten seiner Persönlichkeit; und es wird nunmehr auf Grund derselben 
und unter richtiger Erklärung der von der gegnerischen Seite vorge- 
brachten Stellen aus dieser Schrift und dem Panathenaikos des Isokra- 
tes die Hypothese Lehmann's zurückgewiesen, dass der Verfasser ein 
Sophist, und zwar ein Schüler des Isokrates gewesen sei. Dabei fällt 
der Ausspruch: Omnino ad scripta Xenophontea dijudicanda quidquam ha- 
bere Isocratem auctoritatis negamus atque pernegamus. Des Kypria- 
nos Auszugstheorie wird besonders durch Nachweis der völlig ungestör- 
ten Disposition widerlegt; darauf wird auch der Ungrund von Haase's 
Umstellungen dargethan. C. 14 freilich gehöre nicht zur ursprünglichen 
Masse, sondern sei erst nachträglich als Palinodie des nicht mehr ^pa- 
aeiog die Lal<edaimonier lobenden Verfassers, dem sie jetzt ouze zip &£& 
nsc&o/jLsvoi ou~£ zoTg Aoxoupyoo vofjLotg erscheinen, hinter dem (mit einem 
Hexameter abgeschlossenen) c. 15 angefügt worden. Zu der Ueberliefe- 
rung, dass Xenophon der Urheber sei, stimme das gefundene Ergebniss ; 
dazu passten aber auch seine Lebensverhältnisse und die Abfassungs- 
zeiten. Xenophon hatte Gelegenheit, nach der Schlacht bei Koroneia in 
des Agesilaos Umgebung Sparta, wo auch seine Kinder erzogen wurden, 
aus eigener Anschauung kennen zu lernen, ehe er sich in Skillus nieder- 
liess. C. 14 sei (darin schliesst sich Naimiann mir an) 378 geschrieben 
worden, imraittelbar nach dem frevelhaften und unsinnigen Angriffe des 
Sphodrias auf den Peiraieus und nach den Bündnissen der Athener mit 
Theben, Chios, Mitylene, Byzanz. Die Hauptmasse aber c. 1—13. 15 
sei, wie die Anspielung in 8, 2 auf des Agesilaos Verhalten den Epho- 
ren gegenüber beweise, sicher nach dessen Rückkehr aus Asien und 
wahrscheinlich innerhalb der Jahre 387—385 in der Müsse zu Skillus 
vor der Vergewaltigung Mantineias verfasst. (Dieser Zeitansatz kann 
immerhin noch etwas tiefer gerückt werden; die Darstellung in den Hel- 
lenika macht nicht den Eindruck, als ob Xenophon das Unrecht gegen 
Mantineia als solches empfand; er blieb möglichst lange ein Verehrer des 
äusseren Erfolges und war zu sehr eingenommen für Sparta.) In reicher 
Sammlung hat Naumann die mannigfaltigsten sprachlichen Erscheinungen 
in der Schrift mit gleichen oder doch verwandten in den übrigen echten 



Hieron. 25 

Werken Xenophon's zusammengestellt, als da sind der Eintheilung und 
Disposition dienende und sonstige bestimmt ausgeprägte Redewendungen, 
Verbindungen von Synonymen, gehäufte Comparative und Superlative, 
Xenophon unter den attischen Prosaikern eigenthümliche Worte und 
Wortsippen, wie aüaxrivoq'^) u. s. w., Tiinaiiat, oder doch ihm beliebte 
Ausdrücke, wie ß?A^^ auroa/sScaari^g, ferner dichterische und dialektische, 
darunter {idaaojv. Darauf wendet er sich gegen die von Dindorf für 
eine spätere Abfassungszeit angeführten sprachlichen Gründe. Dabei 
bessert er (S. 45 f.) 5, 8 . . exdarojv (cj. Hermann) emiieXeTaBai^ ojg juj- 
noTS {novoog) aurolg (f. auzo)) eXarToog . . (wo der nothwendige Ge- 
danke auch von Madvig gefunden war und auch Hug schon an Tiövoog 
gedacht hatte) und erklärt richtig 11, 7 jj-erä roü naparu^ovrog /id^sai^ar. 
(für den Gedanken konnte Sympos. 8, 35 verglichen werden). Sodann 
giebt er Zusammenstellungen über den Gebrauch der Partikeln (am reich- 
sten von iirjv) und der figurae dicendi, mit der Bemerkung: sententiarum 
figurae cum Xenophonti non usitatae tum a libelli argumento alienae 
sunt. Schliesslich bringt er, besonders aus der Kyrupaideia, Parallelen 
zu den in der AaxsSatjxovtwv Ttohrzia vorkommenden Gedanken, wodurch 
man nebenbei eine scharfe Charakteristik Xenophon's erhält. Zu guter 
Letzt macht er noch darauf aufmerksam, dass Xenophon, nachdem er 
sich in seinem Ideale Sparta getäuscht hatte, neue idealisirte Bilder des 
besten Staates im Hieron und darauf in der Kyrupaideia hinstellte. — 
In der dritten seiner Sententiae controversae behauptet Naumann, und 
in der oben angegebenen ungarischen Zeitschrift erweist er, dass 10, 4 
iStq. vor imfjLsXeTa&ac einzusetzen ist. 

^lip CO V. 
J. Sitzler, De Xenophonteo qui fertur Hierone. Libellus Pro- 
gymnasii, quod est Episcopii [Bischofsheim] a. T. Episcopii ex officina 
Lang 1874. 31 S. 8. 

Der Zweck des Programmes ist zu erweisen, dass der Hieron nicht 
von Xenophon geschrieben sein könne. Alle vorgebrachten sachlichen 
und sprachlichen Gründe aber reichen hierzu nicht aus. Wenn Sitzler 
sagt, per totam Xenophontis vitam nullam indagari posse occasionem, 
qua eum putemus ad tyraunum de tyrannide librum dedisse, so hat es 
doch wohl eine Gelegenheit gegeben, die ihn zur Abfassung veranlassen 
konnte, die Thronbesteigung des jüngeren Dionysios. Zu der damaligen 
Lage passt die Disposition und der Zweck im Hieron. Im ersten Theile 



2) Auch Oncken, Staatslehre des Aristoteles II, S. 328 (1875) versteht 
jetzt auax-qvia nur von der Speisegenossenschaft (vgl. 5, 7). — Derselbe wagt 
S. 179 die Vermuthung: ^Sollte Xenophon seinen Staat der Lakedaemouier 
unter dem angenommenen Namen Thibron (vgl. Arist. Pol. p. 1333 b. c. 10 
mai. = 120, 24 min.) herausgegeben haben?« 



26 Xenophon. 

(— c. 7) wird die Unglückseligkeit einer vom Inhaber selbst begründe- 
ten Tyrannis dargestellt. Die Schilderung passt unverkennbar auf Dio- 
uysios I (s. auch Oncken, Die Staatslehre des Aristoteles II, 298. 303. 
306). Im zweiten Theile des Hieron wird vom Rathgeber die Möglich- 
keit nachgewiesen, wie der Tyrann, der doch die Liebe der Bürger er- 
sehne, aus jenen unseligen Zuständen herauskommen könne: durch Ver- 
wendung der Macht zum Besten der Bürger und Verwandlung der Ty- 
rannis in ein Königthum. In Wirklichkeit schwindet diese Möglichkeit 
dem Begründer einer Tyrannis, sobald sich zwischen Herrscher und Be- 
herrschten Misstrauen eingestellt hat; sie kann sich aber seinem Erben 
wieder zeigen. So bei Dionysios IL Er hat wirklich nach seinem Re- 
gierungsantritte in etwas Popularität erstrebt und erreicht, und er hat 
auch auf Dions Rath und unter Platon's Beistand wenigstens einen An- 
fang mit dem Versuche gemacht, seine Tyrannis in ein Königthum um- 
zugestalten (Plut. Dion. 5 g. Ende. 7—9. Plat. Gesetze S. 709 f. Holm, 
Geschichte Siciliens im Alterthume II S. 158 f.). Passt in solcher Weise 
die Darstellung auf die Zeitverhältnisse Xenophon's selbst, so darf an der 
Forderung, die Sitzler aufstellt, etwas nachgelassen werden: die Charak- 
tere der Unterredner, des Hieron und des Simonides, brauchen nicht völ- 
lig historisch richtig dargestellt zu sein ; ja, der gezeichnete Hieron durfte 
dem historischen Hieron nicht einmal völlig genähert werden, wenn die 
Möglichkeit einer Verwandlung der Tyrannis in die Monarchie offen blei- 
ben sollte; als Typen aber sind beide Unterredner den gemeinten Zeit- 
verhältuissen entsprechend gewählt und gezeichnet. (Man vergleiche übri- 
gens die ebenso wenig individuell historischen und ebenso freundlich ge- 
haltenen Personen in der Kyrupaideia). Die Vorschläge c. 8 — 11 gehen 
(anders sogar als in den Ilopot) wenig auf die realen Verhältnisse ein; 
die Nachricht von einem Aufenthalte Xenophon's bei einem der Dionyse 
Athen. X, S. 427 F, steht völlig vereinzelt; die Schrift scheint also nur 
eine Studie zu sein. Zu einer solchen konnte aber den Xenophon der 
Wechsel der Herrscher im mächtigsten griechischen Staate wohl veran- 
lassen, zumal Koriuth, sein Aufenthaltsort, damals in enger Verbindung 
mit Syrakus stand. — Sitzlei^'s Sammlung sprachlicher Eigenthümlich- 
keiten und Schwierigkeiten im Hieron (S. 11—23) liefert einen Beitrag 
für das Verständniss und die Kritik dieser Schrift, nöthigt aber ebenso 
wenig, wie die sachlichen Gründe, dieselbe Xenophon abzusprechen. 
Nicht weniges Angeführte ist für die Entscheidung ohne Gewicht; eini- 
ges spricht geradezu für Xenophon's Urheberschaft; manche Bedenken 
lassen sich ohne Weiteres beseitigen; ein Theil der Schwierigkeiten ist 
der schlechten Ueberlieferung, nicht dem Verfasser Schuld zu geben; was 
schliesslich auf diesen zurückgeht, damit lassen sich füglich schwierige 
Stellen auch in unbestritten Xenophontischen Schriften vergleichen. Ich 
gebe für meine Behauptungen Belege, indem ich dem Gange der Ab- 
handlung folge. Zuerst werden Wörter zusammengestellt, die nur hier 



Hieron. 27 

bei X. gelesen werden. Von denen, deren Begrifife bei X. auch nur hier 
vorkommen, giebt der Verf. ihre Bedeutungslosigkeit für die Untersuchung 
zu; hinzukommt, dass mehrere Wörter durchaus der guten attischen 
Prosa angehören, wie iimopia, xadapsucu, andere bei Xenophon ihre Pa- 
rallelen haben, wie dvsm^dövcug in dem sich mehz'mals findenden im- 
f&ovmg. 'Ena<pp68iTog steht auch Symp. 8, 15 ; daselbst auch dvsnaippooi- 
TOTspa. 0d6r,oXiQ ist auch Ages. 7, 1. Das Act. dvrmapiy^zcv wenig- 
stens kommt auch schon Thukydides VI, 21, 1; Demosth. 21, 123 vor. 
Es folgen »ea vocabula, quae etsi semel bisve apud Xenophontem ex- 
stant, tamen usitata sunt«; aufgezählt werden 8s(t/jlsuuj, ixTcvziv, im8:Su- 
vac = augeri, locujzeca, Ioccutsüco, welche sämmtlich z. B. von Piaton ge- 
braucht werden. Darauf werden Wörter aufgezählt, statt deren in den 
übrigen Werken Xenophon's andere angewendet werden; zuerst eine 
ganze Reihe solcher, welche Xenophon's Zeitgenossen geläufig, also ohne 
rechte beweisende Kraft sind. Zu dosX<pog = similis 1, 22 war dasselbe 
Wort Apomn. 2, 3, 19 = geminus zu vergleichen. Statt dTiex-ovriXÖrag 
3, 8 war einfach aus Stobaeus dem sonstigen Xenophontischen Sprach- 
gebrauche gemäss dritxzovozag aufzunehmen; statt sbzovcog 9, 6 aus A 
ivzoviog; statt Tpoze&ztjihwv 9, 11 war mit Cobet das an sich nothwen- 
dige TipozcBzjxivcov einzusetzen. Neben ßsßpcoxujg waren aus derselben 
Wortfamilie die von Xenophon gebrauchten Wörter ßpwjxa, ßpwmg, ßpuj- 
Tov zu erwähnen; andererseits neben iSeiTp.a, adcoorj-. iowScfiog, iorj8ox6- 
zsg. Die in attischer Prosa seltenen Wörter auf ~ vj^a (S. 14. 16): 8a)- 
prjfjLa, kmi^üiirjjia, ur.oüpyrjjxa , wfpilr^iia (auch Ages. 7, 2), für die Xeno- 
phon hier eine Vorliebe zeigt, hätten zusammengenommen, und dazu das 
für Xenophontischen Ursprung mitzeugende <p6prjjxa 8, 10. Kyrup. II, 3, 
14. III, 1, 25. Apomn. III, 10, 13 gefügt sein sollen; zu i^äyszac 9, 11 
war nicht zu vergessen Kyrup. II, 2, 15 icaydyoczo (D iiaydyoc), zu 
auvavayxd^tiv 3, 9 nicht d'^ajxd^ztv Kyrup. VII, 5, 60; dpyolzo 9, 9 und 
dpyetzat Kyrup. II, 3, 3 waren beachtenswerth. Ozcopta l, 12 ist nicht 
einfach »spectaculum« ; zä a'jpßuXaia nicht ohne Weiteres = -iprumziaig^ 
im Uebrigen aber als technischer Ausdruck nicht auffällig. y>Tciiäv 8, 3 
significat ad coenam vocare«; vielmehr ist wohl das Ursprüngliche ge- 
wesen Buaag o' saztaadruj exdzspog (vgl. Kyrup. VIII, 3, 33 zoTg vt- 
xuxjt . . i8c8ou ßoüg, umog ?h Buaavzzg eazcihvzo und VIII, 5, 21) und nach 
dessen Verdunkelung daraus durch falsche Conjectur entstanden . . ob zi- 
p.r]<Tdzcu . . wegen des folgenden rr/ijyv, unter Einwirkung der umgeben- 
den gleichen Wörter k7taivz.advz(uv: irMivov, Bzpamuodzcoaav. ^spam7ac. 
Zu den äria^ elpT^jiiva gehört nicht dyXz.oxig (1, 21); Suidas: dyltuxig .. 
Ezvofpüjv ec'prjxev iv zwOlxowjxcxu) (8, 4. 3?), 8oxsc 8k ^zvtxov zu uvo/ia .., xal 
dyXeoxiazspov . . Esvotpwv'Iepcoi^c: mit dieser Stelle fast allein schon 
ist die Echtheit des Hieron entschieden; denn Ailios Dionysios, j 
der Gewährsmann des Suidas, bezeugt sie, und schon an sich die Nach- ' 
rieht, dass jenes Wort ausser im Hieron unter den attischen Schriften 



28 Xenophon. 

mir noch im unzweifelhaft Xenophontischen Oikonomikos vorgekommen 
ist. Zu äpjmTOTpoft'a 11, 5 war heranzuziehen äpjxaTOTpo<pe7v Ages. 9, 6 
und ausserdem die kaum in attischer Prosa sonst vorkommenden äpjxd- 
-eiog, apjxarri'kaaia ^ apiiazrjldTTjg , ap/xarrjXazeTv in der Kyrup. und im 
Symp., und hiermit waren wieder XerjXaaca 1, 36 und hrjXarzTv zu ver- 
gleichen. Zum Simplex ncfin^aaBac 1, 25 ist vergessen Kyneg. 5, 7 
(Anab. I, 5, 10). Was die »structurae« anbetrifft, so ist wohl 2, 15 
(nicht: 16) einfach zu schreiben So^av KapLizpäv [dva]Xap.ßdvouacv, 
vgl. Kyrup. I, 6, 22 do^av Xapßdvetv, Hell. VI, 4, 37 yo^acxa [dva\XaßeTv, 
»Nullo loco me dvä azup-a i^etv legere memini« ; Pape citirt: »Ilias 2, 
250. Eur. El. 80.» Aar' 6<pBaXpoog xaTrjyopeTv gehört ebenso, wie das 
(unter den »mira« S. 19 erwähnte) eingeschobene opag der volksthüm- 
lichen Umgangssprache an, wie Beispiele aus Aristophanes beweisen. 
•»AiaipzTv c. xard 9, 5; Xen. aut accus, aut £;'?«; Hell. HI, 2, 10 xa-ä 
pipri dcskuv . . zu ^ojpcov. Aus B war 9, 8 zu nehmen [auv] . . aupnap- 
opapzoT. (Nicht erwähnt ist 7, 2, woselbst wohl oTiujg . . bnavtazMvzac 8h 
{dnb zu)v] Mxiuv zu schreiben ist, vgl. § 9. 7. Symp. 4, 31 u. a.) Wie 
Herchner über die Beschaffenheit der Anakoluthien im Symposion, so 
klagt Sitzler über deren Zahl im Hieron. »Exspectabas 5, 3 ^pu/psvoc 
(f. xp<^vzai)v.\ vielmehr ist wohl (unter Beachtung von 6, 4 f. 8, 10) wei- 
ter vorn zu ändern iyxaXeTa&ai (f. kyxaXeh) {ozi} ouze [ydp]. Dazu 
vergleiche Sitzler's Bemerkung S. 20 »per totum libellum sine ulla fere 
exceptione cum passivo dativum couiungi cf. 1, 13. 8, 10. 9, 7. 9. 11, 1«. 
(1, 28 1. 8ooXwv.) Druckfehler: S 15 -Dnpoxa^tazdvzia (6, 9 —dpsvoc). 

Uopoc. 

Hermann Zurborg, De Xenophontis libello qui IIöpoc inscribitur. 
Berolini ■ apud W. Weberum, 1874. 46 S. 8. Berliner Dissertation. 
(Zarncke's Lit. Centralbl. 1875, Sp. 940). 

Xenophontis de reditibus libellus, recensuit Arminius Zurborg. 
Berolini apud Weidmannos, 1876. X, 41 S. 8. (F. C Hertlein, Jenaer 
Lit.-Zeit. 1876. S. 584. — F. R. in Zarncke's Lit. Centralbl. 1877, 
Sp. 537. - F. Rühl, Fleckeisen's Jahrb. 115, 1877. S. 729-737). 

E. Curtius, Griechische Geschichte HI 3 1874. S. 806. A. 134. 
C. Badham, Mnemos. 2, 1874. S. 299 f. 

M. Haupt, Hermes 8, 1874. S. 252. 

F. C. Hertlein, Hermes 9, 1875. S. 360. 

Wenngleich Rehdantz auch jetzt noch in der vierten Ausgabe der 
Anabasis bei seiner in der dritten ausgesprochenen Ansicht bleibt und, 
Hagen und Beckhaus folgend, Xenophon's Tod in's Jahr 359 (jetzt: 
»vielleicht« 359) setzt und ihm die Schrift Uopoc abspricht: so darf es doch 
nach Zurborg's und nach Gleiniger*s schon im Jahrgang I besproche- 



Von den Einkünften. 29 

ner Dissertation als gesichertes Ergebniss der Forschung angesehen wer- 
den, dass diese Schrift wirklich von Xenophon Ol. 106, 1 = 1. Hälfte 
355, nach dem Frieden Atheu's mit den Bundesgenossen, verfasst ist. 
Ueber die Zeitbestimmung, wenn auch nicht über die Urheberschaft spre- 
chen sichKanitz, in seiner gleichzeitig mit Gleiniger besprochenen Dis- 
sertation, und Curtius übereinstimmend aus. Letzterer hat zuerst das 
richtige Verständniss der viel erörterten Stelle 5, 9 gezeigt: »Der Ver- 
fasser hält für möglich, dass es den Athenern durch diplomatische Ver- 
handlungen gelingen werde, ohne Theilnahme an dem bereits ausgespro- 
chenen heiligen Kriege die Phoker zum Abzüge aus Delphi zu bewegen 
und unter Mitwirkung der übrigen Amphiktyonen die Autonomie des 
Heiligthums zu wahren, wenn Jemand, etwa die Thebaner, den Ver- 
such machen sollte, dasselbe sich anzueignen. . . .« Den gesperrt ge- 
druckten Worten entsprechend ist in Xenophon's Texte iistpuif^To für 
inecpuJvTo einzusetzen, eine Vermuthung, die vor mir schon Madvig Adv. 
crit. I S. 364 veröffentlicht hat. Dies zu erwähnen fühle ich mich um 
so mehr gedrungen, als Zurborg bei seiner Ausgabe die Vorschläge je- 
nes Gelehrten, wie es scheint, übersehen hat. Da manchem Leser die 
Mittheilung auch der übrigen angenehm sein möchte, so seien sie hier 
angeführt: 2, 1 ydvoczo, au-r, ^' d.v (f. yivoixo' aürrj yäp), 3, 6 npooanavrj- 
aat, 3, 8 ouBh /is&e^oomv ujv äv i ^ svsyxojacv , 4, 40 wie schon Bergk, 
Tci: iXk/xivca, 5, 1 euxroripav (f. noxvozipav). Uebergangen hat Zurborg 
ferner die Conjecturen Badham's, von denen noch am ehesten erwähnens- 
werth sein möchte: 4, 38 stj iUemov (f. imrrjoacov); sowie die Hertlein's: 
3, 2 onoc (f. onou) . . 7iujXwaiv\ aufgenommen ist Haui3t's Verbesserung 
5, 2 [d»? kp-fj ^ö^iy] napd y^ epoc {Tzapa^axonoüfftv (f. TiapayyiXXoj axonoüacv), 
— Zurborg's Ausgabe muss jeder weiteren Forschung zu Grunde gelegt 
werden. Daher beschränke ich mich über sie auf wenige Bemerkungen. 
Dem Herausgeber hat U. von Wilamowitz-Moellendorff seine Collationen 
der Handschriften Vaticanus 1950 und 1335, Mutinensis 145 und Mar- 
eianus 511 zur Verfügung gestellt; über deren Werth und gegenseitiges 
Verhältniss handelt die Praefatio. Gegen die Art ihrer Benutzung ist 
kaum etwas Erhebliches einzuwenden. An einigen wenigen Stellen hätte 
die handschriftliche Ueberlieferung belassen sein sollen, wie 4, 5 enl 
nXecov, 4, 6 dfiepevot^ 4, 40, xazaaxeudZeaBs, 5, 7 enirpzipav 'A&rjvatoig 
(vgl. vorher tjpwv, nachher ßot'jXoivTo). Freilich, wie viel die Conjectural- 
kritik noch für die Constituirung des Textes hat thun müssen, und wie 
manches ihr noch zu thun bleibt, das hat die Untersuchung der Hand- 
schriften ergeben und zeigt auf den ersten Blick der dem Texte unter- 
gesetzte Apparatus criticus, und das lehren auch die auf S. 20 — 39 hin- 
zugefügten Commentarii, welche theils die zahlreichen und meist glück- 
lichen Textvorschläge des Herausgebers und seiner Freunde rechtferti- 
gen sollen, theils sachliche und sprachliche Schwierigkeiten behandeln. 
Unter die älteren Conjekturen (Zurborg's Angaben über die Urheber 



30 Xenophon. 

derselben hat Hertlein in seiner Recension vervollständigt und berichtigt) 
hätten noch zwei von Deventer Aufnahme verdient: 3, 3 TiportBetTj (für 
TzporcMrj Ttg) und 4, 44 (unter Besserung der Wortstellung) zY rt acaM- 
voiro {riq) TioXsfxcxöv. An die neuen Vorschläge Hertleins: 4, 28 [/jtsv] 
vuu und 3, 12 nepl (f. im) Ttpogrjxovrag ruTToug , erlaube ich mir die fol- 
genden anzuschliessen: 3, 5 xal ifjLnoXajTo (f. kxniimoiTo) xai tkuIoIto 
(vgl. Zurborg's Bemerkung in seineu Commentarii), 4, 2 Ttöaou (f. Ttoiou) 
Xpovoij^ 4, 19 Tzapä \yo~j] lotcöroo (Deventer: nrwd zou ed.), 4, 36 äf^pua oder 
di^poüjg (f. dBpooi), 4, 44 i^'^pd od. ipüjiara (f. ipya)., 4, 42 elpzv (f. dev) 
[dfjixoaia], wie darauf Wilamowitz ttcCoJ [orjjxoma\\ die erste Person Plu- 
ralis gebraucht, sich in den attischen Staat einfassend, der wieder unter 
die attischen Bürger aufgenommene Xenophon, ungeachtet er damals 
aller Wahrscheinlichkeit nach in Korinth lebte, 2, 5. 7. 4, 11. 13. 25. 
36. 89. 5, 6. 7. 13. 6, 1. 3; die zweite Pluralis gebraucht er 4, 1. 32. 40. 
5, 9 f. 6, 2, die dritte in Verbindung mit 'A^valot 2, 4. 5, 7, mit ol 
TtoKtzat 2, 3. 5, 12. — Druckfehler: 4, 30 lies xotvioadp-svai. Ist ab- 
sichtlich 1, 3. 4, 50 evdaora und 4, 7 jirj irt gesetzt? In den Commen- 
tarii bedürfen einige Kleinigkeiten der Berichtigung, z. B. in der Note 
zu 2, 1 TipogsegsuTTopsuscv und eyxrrjac, zu 4, 12 iure severior, zu 3, 7 
£Tu Auaiarpd-oo Ol. 103, 3 ; quo tempore cum Xenophon Scillunte videa- 
tur vitam degisse 

Nach Abschluss dieser Bemerkungen erhielt ich Rühl's Artikel: 
Zu Xenophon's Flöpot. Er will 3, 7 — 10 hinter 4, 40 und 4, 49 — 52 
vor 4^ 41 stellen, die überlieferte Stellung aber durch Blätterversetzung 
erklären. 4, 44 will er ipya als Befestigungswerke fassen; Beispiele für 
diesen Gebrauch des Wortes führt er nicht an. 4, 45 streicht er TiXeloug 
(oder auch noMpcoc?) und 4, 48 will er rchcoug nokiji'.oi hinter sMocsv 
einsetzen. ■ 2, 1 nimmt er an, dass der Satz sc 8s nphg . . jivoizo lücken- 
haft sei und ursprünglich etwa besagen wollte: »wenn zu den von der 
natur dargebotenen gütern noch andere einnahmequellen hinzutreten sol- 
len, so ist zunächst den metöken fürsorge zuzuwenden« ; selbstverständ- 
lich wäre der Ausfall eines zu yivot-o gehörigen av anzunehmen; im fol- 
genden Satze, vor und hinter welchem stark zu interpungiren sei, streicht 
er zu Anfang tj npogoBog und denkt zu auzrj : rj -wv p.szo(xajv imindXsca., 
und zum Schluss belässt er r.pogipipooaiv: »nicht das will Xenophon sa- 
gen, dasz die metöken schutzgeld beisteuern, sondern dasz sie etwas 
einbringen, nemlich das schutzgeld, vgl. 4, 15«. Auch an anderen Stel- 
len vertheidigt er die Ueb erlief erung, z. B. 4, 6 xai dpyupiov tiXsTov yiy- 
VYjTo.c.^ 5, 9 xai aoixp.dy^oug. 

^A y rj a { 1 a o g. 

Adolf Gruno, De Agesilai qui fertur Xenophontei elocutione at- 
que dictione, Programm der höheren Bürgerschule zu Neustadt-Ebers- 
walde, 1873, 12 S. 4. 



Agesilaos. 31 

Adolf Sachse, lieber Xeoophou's Agesilaus. Göttingen 1875, 
Druck der Dieterich'schen Universit.-Buchdruckerei. W. Fr. Kaestner. 
(Jeu. Diss.) 38 S. 8. 

Gruno sieht von allen historischen Untersuchungen ab und will nur 
zeigen, dass die sprachliche Darstellung im Agesilaos keine Veranlas- 
sung gebe, Xenophon die Schrift abzusprechen. Ungenügend ist sein 
Versuch, die Uebereinstimmungen in c 1. 2 mit den Helleuika zu er- 
klären. — Sachse macht sich besonders eine Erörterung der einander 
entgegenstehenden Ansichten von Hagen und Beckhaus zur Aufgabe. 
Beckhaus giebt er die Existenz eines gleichnamigen Enkels des Xeno- 
phon zu; er verneint aber, dass man aus den erhaltenen Nachrichten 
über ihn auf eine litterarische Thätigkeit desselben und auf seine Schüler- 
schaft bei Isokrates schliessen dürfe. Irgend einem jugendlichen Schüler 
des Isokrates will allerdings auch er die Abfassung zuschreiben ; dem 
Xenophon dagegen glaubt er sie absprechen zu müssen wegen histori- 
scher Versehen und Widersprüche mit den Helienika. Auf die Frage 
der Zulässigkeit , einer Ausscheidung einzelner Theile ist er nicht einge- 
gangen; bemerkenswerth ist es indess, dass er die von Hagen gegen 
c. 2 vorgebrachten Bedenken fast sämmtlich anerkennt, die übrigen meist 
mit Beckhaus zurückweist. Hiermit vergleiche man, dass Terwelp die 
ersten beiden Capitel dem Xenophon entschieden abspricht, während er 
zugiebt, dass sich über die übrigen weniger sicher urtheilen lasse; er 
macht auch auf das Missverhältniss des Umfanges des erzählenden Theiles 
zu der folgenden Charakterschilderung aufmerksam. Ich habe schon frü- 
her gelegentlich meine Ansicht ausgesprochen, dass c. 11 und ausserdem 
1, 6 vüv — 3, 1 zocaüza Xenophon nicht angehören, das Uebrige aber 
echt ist. Im echten Theile haben wir ein künstlerisch bis iu's Einzelnste 
hinein berechnetes epideiktisches Ganze, eine Perle dieser Gattung aus 
bester Zeit: ein i^xw/icov, das zum Zwecke hat, den Agesilaos, als den 
zeMojg dya&oQ dv^p, jiaxaptZecrßac und als 7iaftdoscyfj.a dvopayadcag hin- 
zustellen; Ungünstiges wird höchstens leise berührt, z.B. 6, 2 &ufia) fid- 
^ea&ac (vgl. Hell. IV, 3, 19, und dagegen etwa V, 3, 7). Um r^g 'Ap]- 
addotj dpsTYjQ rs xal dö^r^g ertaivov ypd^ac, wird nach dem Schema die- 
ser Redegattung zuerst die suydveca besprochen, darauf ein zexiujptov 
TY^g Tiph äp^at aurbv dpez^g gegeben. "Oaa ys jxtjv sv zjj ßaadzca 8is- 
Ttpd^azo , II ou zsxpr^piüjv Ttpogoehac: es wird als allen bekannt vorausge- 
setzt; war doch der Gefeierte gewesen sdxksrjg pÄXtaza zujv xaB-' eauzöv 
und TioXoepaazözazog xal r.oXoenaLvezujzazog und ndvzcov dv&pJjTzaiv. Da- 
gegen wird als eigentlicher Gegenstand genannt: zrjv h z^ ^p^yjj aozoo 
dpsz^v ofjXoöv, 8t' rjv zdtjza enpazze: sie wird in sachgemässer und einem 
Sokratiker angemessener Reihenfolge ihrer verschiedenen Seiten mit Bei- 
spielen belegt, die entweder Xenophon aus persönlicher Bekanntschaft 
verbürgen konnte, oder die allgemein coustatirt waren (vgl. 6, 2 upm- 



32 Xenophon. 

Tag i^v auToü -nyv (pu^rjv 8oxtjxdZecA Nichts ist aus historischer For- 
schung hinzugethan; 8, 7 'Apca-oorj/iog ö 'HpaxXioog ist vor Ephoros ge- 
schrieben). In sorgfältig erwogener Darstellung, aus voller Bekanntschaft 
mit dem Helden heraus, werden nach einander in's Licht gestellt seine 
zoasßata^ seine eyxpdzeia 1) ^prjiirhwv ^ 2) yjooucov, seine dvdpsta, seine 
(To^ca sowohl im Vaterlande als den Feinden gegenüber, seine Eigen- 
schaft als (ptkÖTtühg in jeder seiner Handlungen sich äussernd, im Heil- 
spenden, im Gesetzesgehorsam, auch im Verhältniss zur Gegenpartei. 
Nach des Agesilaos' Erwägung war Spartas Glückseligkeit gesichert, 
wenn im Innern dessen Gesetze Geltung behielten; seine Macht, o~av ol 
'^EUrjvsg atotppovwacv . Dieser Gedanke bildet den Uebergang zu des Age- 
silaos' hellenischer Gesinnung und seinem Perserhass: Die von Persien 
dem gesammten Hellas drohenden Gefahren 3) sieht jedermann: Agesilaos 
allein hat thätig eingegriffen (vgl. Isokrates an Archidamos § 11 und 
überhaupt diesen ganzen Brief) ; selbst in den Kriegen seiner Vaterstadt 
mit Hellenen hat er diese Gesinnung hervorgekehrt und hat er sogar 
(den Ariobarzanes) gegen den Perserköuig unterstützt. Nach diesem 
Höhenpunkte der Darstellung wird doch nicht mit Stillschweigen über- 
gangen rb eu^apc in des Agesilaos' persönlichem Umgange. jMsydkau^og 
war er niemals; wohl aber hat er soxacpwg seine natürliche jxzyaXoyvto- 
lioaüvrj geoffenbart, z. B. da er die persönliche Gastfreundschaft mit dem 
Perserkönige im Gesammtinteresse von Hellas zurückwies. Letztes und 
Glanzstück des Byxwjuov ^ Steigerung des Lobes durch die höchstmög- 
liche Parallele: Mit dem Perserkönig hält Agesilaos jeden Vergleich aus. 
(Hierin befindlich 8, 7, worüber schon um 200 v. Chr. Polemon mp). rou 
Tzapa Ee\>o(puiv-i xavm&poo.) Schlussstück, zurückgreifend auf die Eiu- 
theilung am Anfang: Er war (pil6Ttp.og ix natdög und als ßaadeüg^ und 
dvaixdpzi^Tog im Tode. — In dem oben bezeichneten echten Bestände 

3) Aus 7, 7 ergiebt sich (während auf 2, 29 kein Gewicht zu legen ist; 
die Abfassungszeit (vgl. auch Beckhaus, Progr. v. Rogaseu 1872 S. 8ff): Ochos 
unterstützte durch Maussollos die Bundesgenossen gegen Athen; mit Geld, er 
der reichste Herrscher, unzweifelhaft schon damals die Thebaner gegen die 
aus den delphischeu Schätzen schöpfenden Phokier; er betheiligte sich bei 
Friedensverhandlungen, die möglichst unhaltbare Zustände für Hellas herbei- 
führen sollten. Die Schrift ist also während der Verhandlungen, welche zur 
Beendigung des Bundesgenossenkrieges führten, abgefasst. Wegen der Stim- 
mung vergleiche des Isokrates bald nach dem Frieden geschriebenen Brief an 
Archidamos (und mit dessen § 16. 14 die dem Friedensbedürfuisse Athen's an- 
gepassten Xenophoutischen Uöpoi 5, 8-10. 13). "Wie Isokrates an Archidamos 
§ 1 sagt, hatten sich schon »viele daran gemacht, den Archidamos, seinen 
Vater und ihr Geschlecht zu preisen«; wenn die eine der beiden möglichen 
Auslegungen von Xenoph. Ages. § 1 richtig ist, war Agesilaos kurz vorher 
oödk ßscövwv inaivüjv theilhaftig geworden. Einige Zeit nach dem Tode des 
Agesilaos war schon vergangen: 10, 3. 



Agesilaos. 33 

haben wir wohl auch ein Dokument für die politische Stimmung Xeuo- 
phons während der Abfassungszeit, jedenfalls aber ein charakterisches 
Denkmal hellenischer Gesinnungsweise, im besonderen der Xenophons. 
Und mit Rücksicht darauf bitte ich meine Auslassung hier zu entschul- 
digen. Alle Einwände gegen die Echtheit sind widerleglich ; die uxzu) 
z. B. 7, 5 (= Hell. IV, 3, 1) beruhen ohne Zweifel (nur) auf officieller 
spartanischer Zählung (s. Breitenbach zur Stelle der Hell.). — Eine spä- 
teres rhetorisches Exercitium ist das Einschiebsel 1, 6 vyv — 3, 1 
Totauza, hervorgegangen aus nicht geringem sachlichem und sprachlichem 
Studium dieser Schrift Xenophons und der Hellenika. Anlass bot die 
(in der Zeit bald nach Agesilaos' Tode völlig motivirt gewesene) Ueber- 
gehung eines epideiktischen Capitels : der npd^scg. Der Urheber war sich 
dessen, was er that, und seines Verhältnisses zum Xenophontischen Werke 
wohl bewusst; indem er möglichst genauen Anschluss zu gewinnen sucht, 
gebraucht er zugleich folgende Motivirung für sein Einschiebsel: (1, 6) 
"Oaa yz fj.r]v iv zjj ßaatXeta dcenpd^aro || vüv rjdrj'^) 3ci^y:^(T0fiac- dno yap 
tüjv ipyojv xai roug Tpönoug ahzoo xdXhaza vo/xc^uj xaraorßoug eaea&at . . 
(1, 9) nwg dv reg aa<piarzpov imdei^siev cug iarpazi^yTjasv ^ el aura 8trj- 
yrjcraiTO d enpa^sv; . . (3, 1) xac zauza pkv 8rj eiprjrai oaa rajv ixecvou 
epyajv psrd nXscazojv papzupojv STipd^^rj. Xenophon setzt umgekehrt 
eine, wenn auch nur allgemeine, Keuntniss der Thaten des Agesilaos 
voraus, will aber aus seiner persönlichen Kenntniss heraus, durch Dar- 
stellung der nur der nächsten und stetigen Umgebung des Agesilaos völ- 
lig erkennbaren Individualität desselben und durch richtige Einordnung 
der allgemein bekannten Thatsachen in seine Darstellung, auf diese That- 
sachen die rechte Beleuchtung fallen lassen. Im Sachlichen hat der 
Rhetor möglichst sorgfältig Xenophons Hellenika und eine andere gute 
historische Quelle, vielleicht Theopomp, benutzt, aber doch dabei Dinge 
begangen, die Xenophon selbst nicht beigemessen werden können; beson- 
ders findet dies im zweiten Capitel statt, wo er bei der sich unglück- 
licher gestaltenden Lage Spartas den Stoff freier epideiktisch zuzustutzen 
und auszuheben gezwungen wurde. 

Breitenbach zu Hell. IV, 3, 15 und S. 203: Ages. 2, 11 8k 
[oltrot . . auffzpazBucrapdvuJi'] xal oc KupsToc (für xat zutv Kupecwv zcvkg) 
xai ^lioveg oh. — Hieran erlaube ich mir einige wenige eigene Vorschläge 
anzuschliessen, von denen der eine oder andere mir vielleicht schon vor- 
weggenommen ist: Ages. 1, 5 zdds \zd\ (rr^psTa (vgl. 4, 3. An. I, 9, 29), 
1, 21 Txapd ipnopocg (?), 1, 25 [zwv] dvopdjv, 1, 27 onoza (f. onou) dnu, 
6, 6 Tiepucüv (f. napnöv). 



4) Vgl. das (vielleicht von diesem Fälscher erst aus einem iytb geän- 
derte) vöv 3, 1. 

Jahresbericht für Alterthums-Wisseiischaft 1877. I. 3 



34 Xenophon. 

[Ssvo^üJVTog] 'Ai^r^vacojv noXmia. 

Xenophontis qui fertur libellus de republica Atheniensium, in usum 
scholarum academicarum edidit A. Kirchhoff. Berlin, W. Hertz 
(Besser) 1874; XII, 23 S. 8. (Hertleiu, Jenaer Lit.-Zeit. 1874. S. 313f. 
— Zarncke's Lit. Centralbl. 1875. Sp. 115). 

A. Kirchhoff, lieber die Schrift vom Staate der Athener, Abb. 
d. Berl. Ak. d. W. 1874. S. 1-51. Besonderer Abdruck, in Comm. 
bei Dümmler. (i^. in Zarncke's Lit. Centralbl. 1875. Sp. 808. — Hert- 
lein, Jenaer Lit.-Zeit. 1876, S. 463). 

Curtii Wachsmuth commentatio de Xenophontis qui fertur libello 
'A&rjvauov -nohrtta^ Gottingae 1874. 36 S. 4. Typis expressit officina 
academica Dieterichiana (Guil. Fr. Kaestner). Gelegenheitsschrift beim 
Rectoratswechsel der Universität. 

Memoire eines Oligarchen in Athen über die Staatsmaximen des 
Demos, besprochen von Moriz Schmidt. Jena, H. Dufft 1876. XII, 

43 S. 8. 

F. G. Rettig, Ueber die Schrift vom Staate der Athener. Zeit- 
schrift f. d. österr. Gymn. 28, 1877. S. 241 -261. 401-417. 561 — 
588. Auch im Separatabdruck unter dem Titel: Die Planmässigkeit 
der 'AHr^vaccüv noXt-zca erwiesen von Dr. G. F. Rettig. o. ö. Professor 
der classischen Philologie an der Universität in Bern, Wien, C. Ge- 
rold's Sohn 1877. 64 S. gr. 8. 

Cobet, Mnemos. 1873. S. 234. 

Zurborg, De Xenophontis libello qui Ilüfjot inscribitur, 1874. Sen- 
tentiae controversae : 2. 

Karl Lehmann, Quaestiones Homericae, Berlin. Dissert. 1875. 
Sententiae controversae: II. 

A. V. Gutschraid, 'Zu Pseudo- Xenophon de republica Athenien- 
sium, Rhein. Mus. 31, 1876. S. 632—635. 

Das problematische Wesen der Schrift hat man auf verschiedene 
Weise zu erklären versucht. Wachsmuth hält, abweichend von den übri- 
gen neueren Gelehrten, an der Vermuthung Cobet's fest, dass die Schrift 
ursprünglich ein Dialog gewesen sei, und hat es unternommen, diese 
Vermuthung weiter auszuführen und zu begründen. S. 12 fasst er das 
Resultat dahin zusammen: Als man in der Zeit der Alexandriner auch 
die Schriften Xenophons sammelte, stiess man auf die verstümmelten, 
auf alle Weise verdorbenen und durch einander gewirrten Reste eines 
Dialoges über den Staat der Athener, des Werkes eines alten, noch 
ungewandten attischen Schriftstellers, in welchem die Unterredner ein 
der Volksherrschaft zugethaner Athener und ein einem anderen Staate, 



Staat der Athener. 35 

aber nicht Sparta angehöriger Aristokrat gewesen waren. Irgend ein 
Grammatiker schrieb aus dem Funde ab, was er lesen konnte; den Dia- 
log versuchte er nicht wieder herzustellen, sondern er verband die Theile 
durch eingesetzte Worte (S. 33) ohne genügende Einsicht nach Möglich- 
keit zu einem zusammenhangenden Ganzen. Einige Reste, welche er 
nicht unterzubringen vermochte, fügte er hinten an: 3, 1-13, und ver- 
band vorn durch ok das Büchlein mit Xenophons Schrift über den Staat der 
Lakedaimonier; so lag das Werk schon dem Demetrius Magnes vor. 
S. 11: inter omnes post diligentem Faltinii et luculentam Kirchhoffii 
dissertationem constabit, farragiuem pessirae congestam potius quam per- 
fectum librum esse hanc scriptionem. Wie wenig Gewissheit seine An- 
sicht vom Ursprünge der Schrift habe, räumt Wachsmuth S. 12 selbst 
ein: admodum sum contentus, si concedetur libellum sie fere ut adum- 
bravi oriri potuisse. Darauf hat er S. 13 if., als kürzeste Probe für ihre 
Wahrscheinlichkeit, den Versuch gemacht, durch Anwendung verschie- 
denen Druckes den Text der Schrift in seiner überlieferten Form unter 
jene Unterredner des ursprünglichen Dialogs und den späteren Dia- 
skeuasten zu vertheilen; dadurch hofft er auch das Verständniss mancher 
Stellen gefördert und viele Conjekturen als unnütz erwiesen zu haben. 
Dass ihm auch hierbei nicht überall mehr eine sichere Entscheidung 
möglich scheint, darf man wohl aus zwei der zum Schluss über einige 
Einzelheiten angefügten Bemerkungen entnehmen: S. 33 Dubitari tarnen 
potest, num initio (I, 1) eidem (dem Diaskeuasten) rectius verba so — 
'^EUrjac adscribenda sint, und S. 36 Quod si cui violentius videtur con- 
iectum, potest totam paragraphum adversario tribuere ita ut hie a ratione 
fere constauti auctor decesserit. — Wachsmuth's Ausführungen sind von 
Rettig S. 37-49 widerlegt worden. Dieser hebt hervor, dass Wachs- 
muth erst Schwierigkeiten geschaffen hat, die in Wahrheit in der Schrift 
nicht vorhanden sind, und die andererseits Wachsmuth nicht einmal durch 
seine Hypothese zu heben völlig im Stande ist. Nicht zwei ünterredner 
seien zu unterscheiden, sondern zwei Standpunkte eines und desselben Ver- 
fassers ; der Einwurf, den sich Wachsmuth S. 7 mache, enthalte das Rich- 
tige: Dixerit quidem aliquis, id ipsum fuisse scriptoris consilium ut ea quae 
a Graecis Atheniensibus crimini dari solita sunt refelleret; eum euim 
quam quam ex Atheniensibus optimatibus fuerit ideoque democratianr 
minirae probaverit, t amen demonstrare voluisse, Athenienses cum omnia 
admodum prudenter ita administrare ut rei publicae ratio a maioribus 
constituta conservetur tum reliqua quae minus recte tractare Graecis 
videantur optime perpetrare. Die wiederholte Anwendung der ersten und 
der zweiten Person sei nur eine Form der Darstellung, auch 1, 11, wo 
der Abwechselung halber statt des erwarteten iäv 8k ozBijj b ifibg 8ou- 
Xog ai ohne Unterschied in der Sache gesagt werde lav oh ozdi'rj b aug 
boüXog i/ie\ 3, 10 sei, nach der Correctur in B (Vatic. 1335) von zwei- 
ter Hand, fiot zu beseitigen. Wachsmuth setze auf Rechnung des Dia- 

3' 



36 Xenophion. 

skeuasten Wendungen, welche als beabsichtigte Uebergangsformeu der 
ursprüuglicheu, planvollen Disposition einer Abhandlung angehören, einer 
Disposition, die noch jetzt erkennbar und zum grössteu Theil ungestört 
vorhanden sei. 

Mit der in den letzten Worten enthaltenen Ansicht steht allerdings 
Rettig auch in Widerspruch mit Kirchhoff und Schmidt. Diese Gelehr- 
ten und vor ihnen F alt in (Quaestiones de libello 'A&rjvacwv -Koh-zia-^ 
Bresl. Diss. 1872) sind der Meinimg, dass die ursprüngliche Anordnung 
bedeutend gestört sei, und haben, auf verschiedene Weise, versucht, sie 
wieder herzustellen; ausserdem haben sie, mehr oder weniger ausführ- 
lich, über Zweck und Zeit der Abfassung sich geäussert. Faltin hält die 
Schrift, unter Aenderung der Pronomina in 1, 11, für den von Athen aus 
an einen Lakedaimonier gerichteten Brief eines attischen Optimaten (S. 2 
—4. 13). Geschrieben sei er Ende 430 oder Anfang 429. Denn die 
Worte 2, 18 xioixojozTv . . zöv S^fiov oox iuxrcv führten auf die Zeit vor 
der Aufführung der Babylonier (426), und die darauf folgenden oödk rod 
nXrj&oug o xiojiwdoujxavog aig im tö -noXlt , äXX' iy nXoöaiog rj ysvvacog ^ 
duvdjih>og mit Wahrscheinlichkeit auf die Zeit vor dem Tode des Peri- 
kles, vor der Prostasie von Männern aus dem Demos; andererseits leite 
2, 16 T^v 8h 'AzTiXTjv Y^v mptopöjm rsjivofxsvrjv auf die Zeit nach dem 
ersten Einfall der Feinde 431, und die Worte 2, 14 vöv 8k . . . ol ysojp- 
yoüvTsg xai ol nXoüaioi Ai^rj^atcuv unip'^ovzac zoug noXsiitoog [xäXXov, b 8k 
8^liog, az£ stj £c8(vg ozc ou8kv zwv acpwv i p.Tiprjaouaiv ou8k zsfioOacv, d8£u>g 
Zfj xai 00^ ump^öiiavog ahzoug wiesen noch specieller auf die Stimmung 
in Athen, welche 430 nach dem zweiten Einfall und nach dem Ausbruche 
der Pest zur Gesandtschaft an die Lakedaimonier (Thuk. II, 59) führte; 
ein Seeangriff' auf Attica aber, wie der des Knemos und Brasidas 429 
gegen den Peiraieus gerichtete, welcher grosse Bestürzung hervorrief 
(Thuk. II, 93 f.), scheine noch nicht geschehen zu sein (S. 55 — 62). Auf 
Grund zahlreicher Lücken, welche Faltin S. 5 — 36 bei seiner Unter- 
suchung des vorhandenen Zustandes der Schrift in regelmässigen Ab- 
ständen in derselben findet, und gestützt auf Fälle gestörter Disposition, 
von denen er die ihm sichersten S. 37 zusammenstellt, vermuthet er 
dass das Ganze, wie wir es haben, in alter Zeit von einem sorgfältigen 
iibrarius aus 21 meist oben und unten beschädigten Blättern, welche die 
ursprüngliche Schrift vollständig oder fast vollständig enthalten hätten, 
unter Beibehaltung der zufällig entstandenen Unordnung und unter Be- 
wahrung aller nur lesbaren Worte, abgeschrieben und so auf uns ge- 
kommen sei (S. 38 --41. 43 f). Ueber die ursprüngliche Disposition 
äussert sich Faltin nicht mit ausreichender Klarheit. Seine Darstellung 
S. 41—43 erregt den Schein, dass er auf 1, 1 zunächst 1, 19 — 2, 5. 13-16. 
11 f. 6 — 8 als Beweis ujg eu . . xai zäXka Scar.pdzzovzac (die Athener, 1, 1), 
ä Soxouacv äiiapzdvzcv zo7g äXXotg "EXhrjatv , und darauf nach diesem Ab- 
schnitte a) 1, 2—9. 2, 18-20. 1, 10—13. 2, 9-10. 1, 13 (iv 8k zoTg 



Staat der Athener. 37 

Stxaar-fjpcotg xzX.). 3, 12 ~ 13; b) 1, 14—18. 3, lof. 2, 17 als Beweis 
u)g EU Scaffw^owac ze ttjv nohreiav setzen will; denn es folgt der zwei- 
deutige Ausdruck: Ad haec accedit tertium caput (der höheren oder 
der unteren Eintheilung?) 3, 1 — 9 (gemeint ist: von 3, 1 irt 8s xal an), 
und dieses caput soll am Ende stehen, worauf den letzten Beschluss noch 
die erste Hälfte von 3, 1 bilden soll (S. 35. 41. 40). Ueber dies letzte 
Stück sagt Faltin S. 29 f. : graviter monendum est, ne haue quidem clau- 
sulam esse salvam, quum . . posterior eins pars casu quodam intercepta 
esse videatur. Nam duas res demonstrare sibi proposuit auctor 1, 1 de- 
mocratiam, ut erant constitutae res, optime conservari et reliquas res, 
quas male gerere caeteris Graecis viderentur, bene confici. Alterum tan- 
tum in clausula memorari mirum est. Quodsi quis dicat, fuisse hanc 
quidem clausulam, sed non totius libelli, potius partis illius democratiae 
naturam moresque describentis , mihi quidem probetur; darauf fährt er 
leider fort: tamen quum res magnopere sit incerta, in medio eam relin- 
quo. Faltin hat jedenfalls das Verdienst, zuerst den Zustand der Schrift 
eingehend untersucht und eine sehr beachtenswerthe Datirung derselben 
gegeben zu haben. — Allgemeiner hat erst Kirchhoff, dem zur Zeit 
seiner Arbeiten Faltin's Dissertation unbekannt war, durch seine vorzüg. 
liehe Ausgabe und seine das Verständniss der Schrift ungemein fördernde 
Abhandlung die Studien auf jenes werthvolle älteste Denkmal der atti- 
schen Prosalitteratur gelenkt. Kirchhoff glaubt (S. 1), dass es sich sehr 
wahrscheinlich machen lässt, dass die Schrift in der letzten Zeit des ar- 
chidamischeu Krieges nach der definitiven Besetzung von Pylos durch 
die Athener und vor den Erfolgen des Brasidas, also im Laufe des Jah- 
res 424 geschrieben wurde. Er hält es für unbestreitbar, dass der Ver- 
fasser ein athenischer Bürger von streng oligarchischer Gesinnung und 
gereifter Lebenserfahrung war, aber für völlig unerweislich, dass er seine 
Schrift an einem anderen Orte als Athen, im Auslande, etwa gar als 
Emigrant oder Verbannter, verfasste oder an die Adresse einer bestimm- 
ten einzelneu Person richtete, und für gewiss nur, dass seine Auseinan- 
dersetzungen nicht auf ein athenisches Publikum ausschliesslich und noch 
viel weniger auf die Belehrung derjenigen berechnet sind, mit welchen 
Athen damals im Kriege lag. Um den Zustand der Zerrüttung, in wel- 
chem die Schrift sich befinde, darzulegen und seine Beschaffenheit zu 
charakterisiren, giebt er S. 2 27 eine eingehende Analyse des Textes. 
Er erkennt S. 3 au, dass in 1, 1 nicht nur die Absicht, in der die ganze 
Erörterung angestellt werde, erklärt, sondern auch die Disposition an- 
gedeutet werde, nach welcher der Gegenstand behandelt werden solle ; . . 
es lasse sich nicht behaupten, dass die angedeutete Disposition mit be- 
wusster Consequenz durchgeführt sei; im Einzelnen seien alle Elemente 
gegeben, welche zur Durchführung der wenigstens zu Anfang beabsich- 
tigten Disposition von Nöthen gewesen wären. Die Möglichkeit wird 
S. 50 ausgesprochen, dass das Ueberlieferte nur zu einem Stücke eines 



38 Xenophon. 

grösseren Ganzen gehört haben könne. Von der Voraussetzung aber aus, 
dass die Schrift ein Ganzes bildete, wird S. 29 ff. als die vielleicht wahr- 
scheinlichste Restitution (denn wegen der vorkommenden Lücken könne 
keine sichere gegeben werden) folgende vorgeschlagen: I (1, 1 — 3). 
II (3, 12 — 13). III (1, 4-5 dv&pMr:wv . . . Lücke). IV (2, 9 — 10). 
V (1, 13 - aup.(p6pof> . . . Lücke). VI (1, 6-9). VII (2, 17-19 ofsripü) 
xaxw). VIII (1, 10-12. Lücke). IX (2, 6-8). X (2, 11-12). XI (1, 19 
—2, 5). XII (2, 13—16). XIII (3, 10-11). XIV (1, 14-18). XV (3, 1 
in 8s xal zdSs — 2 sxdtxdZooai . . . Lücke). XVI (3, 4 — 8 dyouarj 
TTohc). XVII (3, 2 TTjV ok ßooXrjV — 3). XVIII (3, 8 rouziov zotvov — 9 
d<psX6vra . , . Lücke). XIX (2, 19 xa: rouvav-cov — 3, 1 i.ni8si^a). 
S. 18 und 21 fliessen, worauf Rettig S. 25 f. 29 f. aufmerksam macht, 
die Gedanken unter, dass jemand in der Disposition des ersten Para- 
graphen eine Gliederung der Darstellung in zwei Theile angedeutet fin- 
den und demgemäss annehmen könnte, dass das zuletzt gestellte Stück 
2, 19 xac robvavTtov — 3, 1 sTTedst^a nicht den Schluss des Ganzen, 
sondern nur des ersten Theiles zu bilden bestimmt sei; und dass das 
zu vorletzt gestellte Stück 3, 8 toutcuv tolvuv — 9 dipzXovra ganz den 
Eindruck mache, als bezwecke es das Ergebniss der gesammten 1, 1 
eingeleiteten Erörterungen zusammenzufassen. — Schmidt hat die 
Untersuchung dadurch gefördert, dass er die Zweitheilung der Disposi- 
tion betont, das Ende des ersten Theiles in 3, la erkannt und festge- 
halten, und dass er den Versuch gemacht hat, nach jener Zweitheilung 
den gesammten Stoff zu disponiren (S. 1. 12. Rettig S. 49. 60. 64). Im 
Uebrigen enthält seine Schrift viel Gewagtes und auch Verfehltes. Er 
irrt mehrfach in der Unterbringung des Stoffes unter die beiden Theile 
und in der Anordnung, vor allem in der Verkennung des Schlusses der 
ganzen Schrift, den wir, wie Rettig S. 30. 62 darthut, in 3, 8b— 9 ha- 
ben. Schmidt disponirt nämlich (S. 19. 15 Anm.) folgendermassen: Der 
erste Haupttheil bestand aus 1, If. 4f. 11 f. 10. 6—9. 3. 13 ... | 2, 9 f. 
17-3, la; der zweite aus 3, Ib— 2 ixScxd^ooa:. 4-7. 2 r^v 8k ßou^v 
— 3. 12f. 8—11 i 1, 14—18. 2, 1. 1, 19f. 2, 2f. 13. 4—6. llf. 7f. 14 
—16. Die überlieferte Anordnung sei durch Blattversetzung, Ausfall 
etwa eines Blattes, absichtliche Umstellung entstanden; ausserdem sei 
die Schrift von ihrem Verfasser nicht einmal zum Abschlüsse gebracht 
und von einem Freunde desselben ohne irgend welche Aenderung her- 
ausgegeben (S. 5 f. 10 f. 14. 19 ff. 23 f.). Geschrieben aber sei sie als 
umjpvvjpa, als ein Manuscript für auswärtige Freunde in Lakedämon von 
Thukydides, des Melesias Sohn, oder doch wenigstens von einem Manne 
seiner Partei, vielleicht von einem Namensvetter des Historikers Xeno- 
phon (S. VII. Xff.), und zwar 430/29. Schmidt kommt also auf densel- 
ben Zeitansatz, wie Faltin; was er bei Gelegenheit dieser Zeitbestimmung 
sagt, lässt sich hören: dass 2, 13 nicht nöthige, die Abfassung erst nach 
der Besitznahme von Pylos 425 anzusetzen; die engste Zeiteingreuzung 



Staat der Athener. 39 

aber erreicht er auf bedenklichem Wege: den Satz 2, 19 xal muvavrcov 
ys toOtou ivcoc ovrsg cog dXrj&ojg rou orjiioo ttjv (puatv ob oi^ixorcxoc elai 
setzt er (S. 41 unten) 2, 18 ein vor die letzten Worte waTe uu8e roug 
rotoOroog ä^^üVTat xojjKüdnöixivoog, zu ivioi versteht er tu)v xuj/xwdouiie- 
vcDv, den Satz bezieht er besonders auf Perikles (S. IX), ruug TocoÜToug 
bezieht er auf beide Kategorien, die sich überhebenden Demoteu und 
die mit dem Volke liebäugelnden Optimaten. (Bei dieser Gelegenheit be- 
merke ich gleich, dass auch unter den übrigen Gelehrten, welche den 
Satz an seiner Stelle belassen, verschiedene Auffassung besteht. Wachs- 
muth und Gutschmid verstehen ihn auch besonders von Perikles; jener 
sagt S. 36 : Quid sit a>v rou drjixoo verbis quae pauUo post sequuntur de- 
monstratur oartg /itj wv toü d^/xou: significatur ibi nimirum optimatium 
partibus addictus; dieser erneuert S. 633 seine Vermuthung svcot {iyyuot 
= Freunde, Gönner )>. Rettig versteht S. 24, wie Cobet, die Stelle: »und 
im Gegensatze zu dieser Denkweise giebt es einige, welche, wiewohl sie 
aus dem Demos stammen, doch ihrer Naturanlage nach nicht jene demo- 
kratischen Gesinnungen theilen. Ein solcher Mann war Sokrates«. Was 
soll aber dieser Gedanke hier, und wie dient er dem Zweck der Schrift?) 
— Rettig's Werk ist für jeden, der sich über die vorliegende Frage 
Orientiren will, unentbehrlich. Von einem Eingehen auf das Einzelne 
kann hier um so mehr abgesehen werden, da die Darstellung sich durch 
Methode und Klarheit auszeichnet imd überall die Zusammenhänge in 
der Disposition der Schrift Mrjvauov noXi-eia durch gesperrten Druck 
hervorgehoben sind. Die eigenen Ansichten werden bei Besprechung 
der Kirchhoff'schen Arbeit (S. 1-37) entwickelt. Nach eindringender, 
umsichtiger Untersuchung fasst der Verfasser das Ergebniss S. 64 da- 
hin zusammen, dass die Schrift mit Ausnahme zweier Abschnitte in der 
ursprünglichen Anordnung erhalten sei, imd dass sie aus zwei Theilen 
bestehe, einem wichtigeren und umfangreicheren, welcher sich mit dem 
athenischen Staatsorganismus selbst und seinen Einrichtungon befasse 
und in 1, 1 — 9. 3, 12 f. 1, 10 — 3, la enthalten sei und einem minder 
wichtigen kleineren 3, 10 f. lb-9, »welcher Athens Verhalten nach 
aussen betrifft«. Dieses Ergebniss würde sich durch seine Einfachheit 
und Uebersichtlichkeit empfehlen, wären nur durch die vorangegangene 
Untersuchung alle Bedenken beseitigt. Aber die Charakterisirung des 
zweiten Theiles als »Athens Verhalten nach aussen betreffend« geht 
nicht mit Nothwendigkeit aus dem einzigen wirklich gegebenen Anhalte : 
der Disposition in \, l wg eu . . räUa xzh und den Worten in 3, Ib 
—9, hervor, sondern sie ist von Rettig selbst entnommen aus der ge- 
meinsamen Beschaffenheit der zugewiesenen Bestandtheile 3, 10 f. Ib— 9, 
unter der Voraussetzung, dass sie, und nur sie den zweiten Theil ge- 
bildet haben. Aber diese Voraussetzung ist keine sichere. Denn abge- 
sehen von dem entstehenden mangelhaften Uebergange von 3, la zu 
3, 10, bleibt trotz allem, was S. 35. 52. 53f. 61. 62 gesagt ist, der Zwei- 



40 Xenophon. 

fei, ob nicht vielmehr 3, 10 f. zum ersten Theile luq eu Staoip^nvrat xr}.. 
(1, 1) zu ziehen sei; vgl. die ähnlichen Gedaukenreihen in 3, 10 f. und 
1, 14. Ferner ist zwar 3, 12 f. S. 36 f. mit Recht in den ersten Theil 
gesetzt, aber ihre Unterbringung hinter 1, 9 ist doch wahrlich nur ein 
Nothbehelf, bedingt wieder durch die stille Voraussetzung, dass uns die 
Schrift vollständig überliefert sei. Sodann, was das Wichtigste ist, sind 
gegen die Angriffe von Faltin, Kirchhoff, Schmidt, die Partien 2, 8— 
11 ff, 2, 16 -19 ff. durch die S. 16f. und S. 18 ff. vorgebrachten Gründe 
doch nicht als zusammenhängende erwiesen worden. Zweifel bleibt auch 
nach dem S. lOft'. Gesagten wegen des Fortgangs von 1, 16 ff. zu § 19. 
Sucht man nun aber für die betreffenden Partien eine anderweitige Un- 
terkunft, so erscheinen alle gemachten Vorschläge nicht überzeugend, und 
man wird keine befriedigenden oder doch keine nothwendigen Stellen 
für sie finden. Das ist ein Zeichen, dass jedenfalls Verluste geschehen 
sind. Was die Vertheidigung des Uebrigen (1, 1 — 15. 19-2, 8. 11 — 16 
. . . 18—3, la . . . Ib— 9) anbetrifft: so ist die Beweisführung für die 
Zusammengehörigkeit theils überzeugend, theils kann sie als ausreichend 
angesehen werden in Anbetracht der bis zur Entstehungszeit des Denk- 
mals erst gewonnenen schriftstellerischen Gewandtheit und mit Berück- 
sichtigung des zu überwältigenden schwer disponirbaren Stoffes. 

Ausgaben. Conjecturen. Ueber die neuerdings verglichenen 
Handschriften siehe Kirchhoff in der praefatio seiner Ausgabe, seine Ab- 
handlung S. 30 Anm., und Wachsmuth S. 13—15. Von ihnen sind drei 
von Bedeutung: Vaticanus 1950 (A bei Gail, Kirchhoff, Wachsmuth), 
Marcianus 511 (erst jetzt verglichen, 1166? geschrieben, Ä bei Kirchhoff, 
M bei Wachsmuth), Laurentianus pl. 55, 21 (L bei Dindorf und Wachs- 
muth, D bei Kirchhoff). Die von verschiedenen Gelehrten für Kirchhoff 
und Wachsmuth genommenen Abschriften weichen nicht wesentlich von 
einander ab; Schmidt wiederholt einfach S. 37—39 diesen handschrift- 
lichen Apparat; während aber bei jenen beiden die Lesarten unter dem 
Texte gegeben sind, folgen sie hier hinter demselben, und zwar, wie die- 
ser, nach der Anordnung der Schrift, die Schmidt für die ursprünglit 
hält. Der Vaticanus repräsentirt eine bessere Handschriftenfarailie, die 
beiden anderen Handschriften eine schlechtere, und zwar der Lauren- 
tianus eine unvollständige Untergattung. Hertlein: »Das Ergebniss die- 
ser Handschriftenvergleichung ist freilich nur geringfügig und mehr ne- 
gativer als positiver Art, insofern sich nämlich daraus ergiebt, dass aus 
den Handschriften schwerlich mehr etwas von Belang für weitere Ver- 
besserung des Textes zu erwarten ist. Ein um so grösserer Spielraum 
bleibt bei dem äusserst verwahrlosten Zustande, in welchem uns diese 
interessante Schrift überliefert ist, der Conjecturalkritik, und diese hat 
Kirchhoff wie noch keiner vor ihm angewandt«. Einige Nachträge Kirch- 
hoffs siehe in seiner Abhandlung S. 31 ff.; sie sind in Wachsmuth's Appa- 
rat aufgenommen bis auf die folgenden: 2, 5 dnoßr^vai, {uu o' äv rjzrcuv 



Staat der Athener. 41 

^, fiT) dnoß^vac) zaörjj (schon Früliere ähnlich), 2, 17 auyxet'iisva. {o&ev 
TtoXXdxig Ttva iazc rä ffuyxscfieva)- Ttuv^ävovzac, 3, 11 ou aovrjveyxsv ahzotg^ 
^rouro jikv yäp^ ozs . . ., o'j ffuvrjvsyxsv ahzötg) äXX ivvog (ein wenig 
abweichend von Madvig). Wachsmuth hat überhaupt fast alle ihm be- 
kannt gewordenen Vorschläge der früheren Gelehrten unter dem Texte 
angegeben, und wenn auch unnütze Conjecturen darunter sind, so ist 
doch diese Sammlung zur Uebung der Kritik z. B. in philologischen Se- 
minarieu recht brauchbar; Kirchhoff dagegen beschi'änkt sich in der Aus- 
wahl auf das Nothwendigste; um so übersichtlicher ist seine Ausgabe. 
Von einer Aufzählung seiner Vorschläge darf wohl abgesehen werden; 
aus denen der übrigen Gelehrten nach ihm erwähne ich folgende: 1, 2 
[xac b xr^v 8(jvajit.v mpcu&slg xfi tiÖXel] Gutschmid — a-parrjyiuyv xkrjpw 
Wachsmuth S. 34 — 1, 3 elalv dp^al ■(^d^coar.oüdaazoc)' fiicr^o^opäg evsxa 
Schmidt S. 41. Müsste dann nicht doxoöacv statt slaiv stehen? — 1, 5 
evt TToUoTg (f. svcocg) Hertlein — 1, 6 fügt Hertlein p.6voc vor oder nach 
oc -^pr^azol hinzu. Darauf e^syov xal eßoüXeöov, ^eXeyov av xac ißoüXzuov, 
S) zdtg Sfiococg afiaiv ahzolg Ijv dyadd Wachsmuth — 1, 10 [xal zujv 
/iszocxwv] . . kXz'j&epoo zOnzea&ai, TzoXXdxtg du olrj^elg ehac dooXov zuv 
'A^TjvaTov ^ zbv fxdzotxov ^ zöv dmXzüd^spuv i7idza$sv äv . . [iy oc oouXoc] 
Schmidt — 1, 13 Süvazac (f. ouvazä) . . [iffzo] Gutschmid. Ueber die 
Schlussworte des Paragraphen ycyvcuvzac, iv zs xzÄ. siehe Rettig S. 7 f. 

1, 14 aup-fid^cov -idrjXov} ozc ixnXsovzeg auxocpavzoüacv [w? doxouac^ Rettig 
S. 10 A. 4. Dagegen Zurborg: xai diujxoom (für ujg ooxo'jac) — 1, 20 
bXxdda- oi o' ivzöijßav im zptrjpzac xaziazr^aav, oc [ok] tzoXaoI Gutschmid. 
— Ueber 2, 1 uuzo) xaBiazrjxe siehe Rettig S. 12 A. 2. Ist darauf viel- 
leicht zu lesen: [xal Löwenklau] zmv fxh tcoXsucvjv rjzzoug zz oipäg ahxobg 
riyomzat tcvat xac -/^zcpoug (f. jiscCoug: quantitativ und qualitativ schwächer)* 
zaJv Sk au/i/id^ojv, o" {(fipouat zbv <p6pov xac\ xazä yr^v xpdzcazoc elac, 
[xal] vo/xc^ouoc zb brJczcxbv dpxsTv (Courier und Dobree für dp^/^ecv), sc 
zouzajv (f. zwv auix/id^iov) xpeczzoveg zlac^ — 2, 4 yr^g kvcozs, zs/ivecv 
»was der Schwächere zu Laude bisweilen kann, kann der Seebeherrscher 
ii^mvjr: das Land des Stärkeren verheeren« Gutschmid. Aber dieser 
Auetor würde dal eingesetzt haben, und zoTg z^g yrjg sc. dp^ouat ist doch 
nicht »der Schwächere zu Lande«. Darauf: TtpognXetv (f. TMpanXelv) 
Wachsmuth. — 2, 9 xal ^ 8sr^ suiu^sTa&ac . . xal noXcv ocxsTv xaXrjv xal 
jxeydXrjV Gutschmid. — 2, 11 [tzXouze? nuXcg . . ßaXdzzr^g] Gutschmid; 
unter Annahme dieser Vermuthung, Schmidt davor: no? o' (f. -/ 5'). — 

2, 12: Den ersten Satz npbg . . ßaXdzzjj versetzt Schmidt ans Ende 
hinter zb ok zfj. Dazwischen : TtoXcg ' ob8k ) oüo Lehmann. — 2, 16 ohaiav 
■(Iv) rar? Wachsmuth. — 2, 17 ij.zcvo.c (f. zhac) za.oza Wachsmuth. — 2, 18: 
Zu xaXeuoutTcv siehe Wachsmuth; zu dyßovzac mit Acc. Cobet. — 3, 2 
xdv zoTg (TU}ip.aycxo7g (f. xal z. a'j/xpdyocg) Gutschmid. — 3, 4 xazocxooo- 
jizc zig (f. zc) zb ofjiioacov Gutschmid. — 3, 5 oteaBac {xp^) XP^i'^'^'- Wachs- 
muth, vgl. § 8 — 3, 6 dnavzwTj (f. emdziu) Gutschmid. - 3, 7 IxxXijzoog 



42 Xenophon. 

»Ausschüsse« (f- iMzToug) Gutschraid; bald darauf ebeu derselbe: sml 
(f. xat) dcatrxsudaaaHac . . auvoaxäaac, noXb. — 3, 9 Coarz jiivzot undp- 
^ecv [//£v] orjjioxpariav elvac, dpxouvzojg [8k] touto ^ t' s i^eopelv^ omog 
TS (f. ^£) Schmidt — 3, 12 ^r^p-i ort rivig ecmv (f. rcvag oder -cvkg stvat) . . 
dXcyoc pivroc t^ve? Wachsmuth. Darauf Schmidt : rw enSr^aopivu) (f. ribv 
kniBrjOopivojv). 

Die 'AnoXoyca wird zusammen mit dem Schluss der Apomnemo- 
neumata besprochen werden. 

Die Xenophon untergeschobenen Briefe sind, kritisch bearbeitet, 
herausgegeben worden von Rudolf Hercher in den Epistolographi 
Graeci, Paris 1873, Didot. 

II, Die grösseren Schriften Xenophons. 

'A7:opv7]pov£up.aTa. 
In Betreff der Apomuemoneumata hat dieser Jahresbericht diejeni- 
gen litterarischen Erscheinungen zu besprechen, welche sich mit der Er- 
klärung und der Kritik der genannten Xenophoutischeu Schrift beschäf- 
tigen; Untersuchungen über das Leben und die Philosophie des Sokra- 
tes sind insoweit zu berücksichtigen, als in ihnen Xenophons Darstellung 
tangirt wird. Für mehrere Arbeiten dieser Art dürfte eine Verweisung 
auf frühere Besprechungen in diesen Jahresberichten genügen. So hat 
M. Heinze, Jahrgang I, S. 207 f., eine auch für Sokrates und Xenophon 
in Betracht kommende Schrift receusirt: 

Leopoldi Schmidtii, Commentatio de sl'pujvos notione apud 
Aristonem et Theophrastum. Marburger Lectionsverzeichniss vom 
Sommer 1873. 

0. Ribbeck, lieber den Begriff des sYpiuv. Rhein. Mus. 31, 1876. 
S. 381-400 
hat darauf consequenter den historischen Gang der Untersuchung inue 
gehalten und das Material möglichst zu erschöpfen gesucht. Aus seiner 
auch für die Apomuemoneumata mannigfach interessanten Arbeit hebe 
ich folgende Stelle (S. 382) aus: »Es war . . gewiss kein Compliment, 
wenn dem Sokrates von seinen Zeitgenossen und Gegnern atpcoveca und 
scpiuveüsadai zugeschrieben wurde, sondern ein Ausdruck des Unwillens 
und der Erbitterung über seine Art, die Leute gesprächsweise zu foppen. 
Nirgends, weder bei Xenophon noch bei Piaton bezeichnet er selbst seine Art 
oder seine Methode . . damit: ersterer braucht jene Worte überhaupt nicht.« 
Einen anderen für die Methode des Sokrates wichtigen Begriff und 
Namen behandelt: 

G. Teichmüller, Ueber den Ursprung des Terminus inaywyri. 
Philol. 34. S. 386 f. 

Aus Apomn. IV, 6, 13 ir.l ttjv ünut^sacv iiiavrjyev' äv ndvra zbv X6- 



Apomnemoneumata. 43 

yov folgert ei*: »Es ist darum natürlich, dass auch die der Induction 
charakteristische Zurückführuug der Rede auf den Ausgangspunkt dem 
Sokrates zum Bewusstsein gekommen und von ihm durch den bei Xeno- 
phon und Piaton gebrauchten Ausdruck inavdyscv bezeichnet sein wird.« 
Susemihl, Jahresb. IL IIP S. 271, bezweifelt die Richtigkeit dieser Fol- 
gerung. Ich möchte mir erlauben, als auf einen Beitrag für die Ge- 
schichte des Terminus aufmerksam zu machen auf Symp. 8, 34 xal 
(Pausanias) ixapzüpta 8s STTTjySTo ujg ToLza iyvcDxÖTsg elev xal OrjßaTot xal 
^HXetoi und Oikon. 17, 15 . . ev&Ujiouiiat olov iarc ro so rag elxövag ind- 
yscr&ac. 

lieber die umfassenden Darstellungen von Zell er (Die Philosophie 
der Griechen 11, 1^ 1875) und Fouillee (La philosophie de Socrate 
1874) s. Susemihl, Jahresb. IL IIP S. 292ff. und I, S. 541ff. 

A. Krohn, Sokrates und Xenophon. Halle, Mühlraann 1875. X, 
179 S. 8. 

Unter Verweisung auf Susemihl, Jahresb. IL IIP S. 281 ff., be- 
schränke ich mich auf folgende Notizen. Krohu hält es »nicht nur für 
ein Recht, sondern auch für eine Verpflichtung der Wissenschaft, die 
Sokratik auf rein xenophontischer Grundlage zu entwickeln«. Er stellt 
als den für Sokrates allein erforschlichen Gegenstand hin: »den Men- 
schen in der Gegenwart mit seinen Eigenschaften und Aufgaben.« Diese 
Ansicht wird ihm zu einem Kriterium für Ausscheidungen in den Apom- 
nemoneumata. Das zweite Kriterium der Unechtheit zahlreicher Gesprä- 
che ergiebt sich ihm aus dem Zwecke der Schrift: Die Memorabilien 
waren ui'sprünglich eine Schutzschrift; »Xenophon mochte schon früher 
die Skizze entworfen haben ; allem Anschein nach hat aber erst der rhe- 
torische Angriff des Polykrates die Herausgabe veranlasst« ; alles muss 
ausgeschieden werden »was den Anklägern das Wort redet oder was das 
Andenken des Meisters besudelt«. Daher ist der »verschwindende Bruch- 
theil des ächten Bestandes : I, 1; 2 (excl. §29—48^); 3 (excl. §8 — 15). 
III, 9. IV, 1; 6 (excl. § 1 — 12); 7; der Schluss von ifiol }j.sv dij TomÜTog 
CUV von § 11 ab (?)«. Einzelne der ausgeschiedenen Abschnitte werden 
besonders besprochen: I, 2, 29—48 S. 91—96; I, 3, 8 (?)— 15 S. 96— 
98; I, 4 S. 1—21; I, 5 S. 98—102; II, 1 S. 115 — 125; III, 1 S. 140 
— 145; III, 11 S. 123; IV, 3 S. 46 — 60. 111; IV, 4 S. 125 — 140; IV, 5 
S. 102—111. Anziehend sind die Parallelen, die zu I, 4 aus Cicero d. 
nat. d. imd Aristoteles d. part. an. gegeben werden; aber diese und die 
anderen angeführten Gründe rechtfertigen die Hypothese nicht, dass das 
Capitel erst von einem Stoiker eingeschoben sei (s. A. Kolbe, Paedag. 
Arch. V. Langbein-Krumme 19, 1877, S. 73—80); eine Aeusserung über 
npoTpsnscv hat Krohn S. 179 selbst zurückgenommen (vgl. auch Hir- 



5) S. 90 ist noch § 11, S. 84 bis zu einem gewissen Grade § 62 — 64 
verdächtigt. 



44 Xenophon. 

zel im Hermes X, 1875, 75). — In dem zweiten Theile »Sokratik und 
Platonisraus« seines späteren Werkes »Der Platonische Staat« S. 329 
—385 will Krolin Beziehungen Piatons auf die »Schutzschrift« Xeno- 
phons nachweisen. H. Siebeck sagt zum Schluss seiner Recension über 
diese Schrift, Jen. Lit.-Zeit. 1875, S. 829: »Am meisten dürfte sich der 
letzte Theil, die Vergleichung zwischem dem Inhalte der Memorabilien 
und der Politik empfehlen, in der wir zwar einen überzeugenden Beweis 
ihrer These nicht zu finden vermögen, die aber jedenfalls werthvolle 
Einsichten darüber gewährt, in wieweit die Verfasser jener Schriften auf 
dem gemeinsamen Boden der Sokratik standen«. 

II concetto etico di Socrate. Per Alessandro Paoli. Firenze 
1875. Tipografia della gazetta d'Italia. 132 S. 8. 

Ich erlaube mir, auf die der Zeitschrift für das Gymnasialweseu 
beigegebenen Jahresberichte des Philol. Vereins, 1877 S. 288, zu ver- 
weisen. 

Sokrates. En tidsbild tecknad af C. J. Dahlbäck. Stockholm, 
Seligman 1875. II, 65 S. 8. 

Das schön ausgestattete Büchlein, dessen Inhalt aus zwei Vorträ- 
gen erwachsen ist, ist zu einer Weihnachtslectüre für die Jugend be- 
stimmt, die ihr, indem Sokrates und sein Wirken nach den wichtigsten 
Beziehungen hin geschildert wird, etwas mehr bieten soll, als es die ge- 
wöhnlich zugänglichen Bücher thun. 

Josef Ogörek, De Socrate marito patreque familias. Progr. 
d, Kaiserl. Königl. Real- und Ober-Gymnasiums in Rudolfswert 1877. 
Verlag der Lehranstalt. 30 S. 8. 

Wegen der Lückenhaftigkeit des älteren Quellenmaterials zieht er 
die Nachrichten der Späteren stärker in die Untersuchung hinein. Diese 
Art der Quellenbenutzung hat dazu beigetragen, dass er zwar im Gan- 
zen dem Urtheile Zellers über das Familienleben des Sokrates beitritt, 
welches jener in seinem Aufsatze »Zur Ehrenrettung der Xanthippe« in 
dem ersten Bande seiner Vorträge und Abhandlungen geschichtlichen In- 
halts ausspricht, dass er aber noch günstiger über Xanthippe und un- 
günstiger über Socrates als Zeller urtheilt. Die Nachrichten der Alten 
über die Söhne des Socrates vereinigt er S. 24 ff. so, dass er vier an- 
nimmt; Lamprokles, der älteste Sohn (Apomn. II, 2, 1), sei vor dem Va- 
ter gestorben und zur Zeit der von Xenophon uns überlieferten Unter- 
redung, wie § 4 beweise, schon erwachsen gewesen; von den andern drei 
sei der älteste beim Tode des Vaters ein iizipdxiov gewesen. Sokrates 
habe sich also nicht in zu hohem Alter erst verheirathet, und jene Unter- 
redung dürfe nicht zu spät der Zeit nach angesetzt werden. 



Apomnemoneumata. 45 

De la mort de Socrate par la eigne, ou recherches botaniques, 
philologiques, bistoriques, physiologiques et therapeutiques sur cette 
plante, par le Dr. Irabert- Gourbeyre, Professeur ä l'ecole mede- 
cine de Clermont-Ferrand. Paris, librairie Bailiiere et fils 1876. VIII. 
160 S. gr. 8. 

Der Verfasser weist nach, dass der Schierlingstrank der Alten 
{xiuvstov Hell. II, 3, 56) aus dem gewöhnlichen Schierling (Conium ma- 
culatum L.) und nur aus ihm bereitet wurde. 

Bei der Schwierigkeit, aus Xenophon und Piaton ein übereinstim- 
mendes und richtiges Urtheil über die Philosophie des Sokrates zu ge- 
winnen, sind die Angaben des Aristoteles über ihn von grosser Wichtig- 
keit. Darum möge hingewiesen sein auf die Zusammenstellung derselben 
in dem Aufsatze von 

Fr. Steffens, Welcher Gewinn für die Kenntniss der Geschichte 
der griechischen Philosophie von Thaies bis Piaton lässt sich aus den 
Schriften des Aristoteles schöpfen? Letzter Artikel. Zeitschrift für 
Philos. und philos. Kritik, herausgegeben von Fichte, Ulrici und Wirth. 
Neue Folge, 69. Bd. 1876. 18 S. 

Adolf Müller, Quaestiones Socraticae. Progr. der Realschule 
und der landwirthsch. Abth. zu Döbeln 1877. 36 S. 4. 

Die früheren Platonischen Gespräche, im Besonderen der Prota- 
goras, werden mit den Gesprächen in den Apomnemoneumata verglichen. 
Auch in jenen sei Plato noch nicht über die Tugendlehre des Sokra- 
tes, wie sie bei Xenophon erscheine, hinausgegangen. Es seien fünf 
Cardinaltugenden zu unterscheiden, als fünfte die Frömmigkeit. Sie bil- 
deten dadurch eine Tugend, dass sie alle ihrem Wesen nach Erkenut- 
niss seien. Welche Folgerungen sich daraus für das Verhältniss der 
Tugend zur Lust und für die Aneignung der Tugend ergeben, wird 
untersucht. 

G. M. Bertini, Sul 8acfj.6vcov di Socrate. Rivista di filol. e 
d'istr. cl. 5. S. 473—482. 

Der aus dem Nachlasse des verstorbenen Verfassers veröffentlichte 
Aufsatz, welcher sich durch Umsicht und Klarheit auszeichnet, stimmt in 
seinen Ergebnissen im Ganzen mit den Ansichten Zellers überein, die 
diesei', in umgearbeiteter Darstellung, mit geringer Aenderung S. 81, 
den abweichenden Ansichten Volquardsen's, Alberti's und Breitenbach's 
gegenüber, in der dritten Auflage seines Werkes S. 73 — 83 aufrecht hält. 

Carlo Passaglia, Della dialettica Socratica quäle riluce negli 
esempi. Rivista di filol. e d'istr. cl. 5. S. 1 — 61. 

An den Gesprächen des Sokrates mit Glaukon, Euthydemos, Char- 
mides, Parrhasios und Aristodemos (Apomn. III, 6. IV, 6. III, 7. 10. I, 4) 



46 Xenophon. 

zeigt der Verfasser S. 13. 22. 25. 34. 44 ff. vermittelst einer eingehenden 
Zergliederung als an lebendigen, anschaulichen Beispielen, zum Theil 
unter Vergleichung Platonischer Stellen, wie Sokrates die Dialektik als 
Mittel des Philosophen im Streben nach der aoipta (S. 3—13) handhabte. 

Epigrafi ed opuscoli Ellenici inediti illustrati da Niccolö Ca- 
mard a. Palermo, Bened. Lima, 1873. (S. ßu. in Zarncke's Lit. Cen- 
tralblatt 1874 No. 1). Darin S. 187—212: Sui quattro libri dei Me- 
morabili di Senofonte (schon früher veröffentlicht in der Rivista filo- 
logico-letteraria , publicata da Corrazini, Gemma, Zindouella, 2, 1872. 
S. 141 ff.). 

Der Aufsatz bespricht 19 Stellen der Apomnemoneumata. Er wen- 
det sich besonders gegen die alte lateinische Ausgabe von Kühner. 
Aber was gesagt wird, ist entweder nicht neu oder nicht richtig. 

H. Mülle r-Strübing, Aristophanes und die historische Kritik. 
Leipzig, Teubner 1873. S. 329 Anm. 

Wie schon Grote, hält er die beiden Archedemos Apomn, II, 9, 4 
und Hell. I, 7, 2 als verschiedene Personen aus einander, 

C. Lincke, De Xenophontis Cyropaediae interpolationibus. 1874. 
Zweite These; .^pomn. I, 2, 49 necpüjv (f. miBwv). 

C. Pöhlig in Fleckeiseus Jahrb. f. cl. Phil. 109, 1874. S. 381: 
Apomn. II, 6, 33 <pdr]aov~og ou (f. (ptXrjaovzoi; /xou). 

Cobet, Mneraos. 3, 1875. S. 383: Apomn. III, 3, 3 [ro] ipyov; 
ebendaselbst S. 386: III, 14, 3 su^cuvTac {8c86vat}. 

Ch- Graux, Revue de Philologie, de Litterature et d'Histoire 
ancieunes 1877. S. 207. 

Er fordert zu neuer Vergleichung der Handschrift No. 1302 der 
Bibliotheque nationale (= A bei L. Dindorf) auf. Apomn. I, 3, 7 fand 
er in derselben die richtige Lesart rucourocg noUoug (nicht noUocg) 
dsazvc^oucrav. 

Schenkl's Ausgabe und Studien; Breitenbach's Recension. 
Die Titel sind schon S. 14 f. gegeben. 

Schenkl, Studien II S. 87—97, tritt im Gegensatz zu Breitenbach 
(Fleckeisen's Jahrb. f. cl. Phil. 1869. S. 801 — 815), der Ansicht bei, dass 
Xenophon in seineu Apomnemoneumata Bezug nehme auf die xarr^yopca 
des Polykrates^). Im Besonderen führt er den Gedanken Cobets wei- 



6) Cobet, Mnemos. 3, 1875, S. 141 ff. macht auf einige Stellen aus des 
Libanios ä-KoXoyia roü Ewxpdrouq aufmerksam, in denen noch etwas vom Wort- 
laute der xaTYjyopia IwxpdTöuq des Polykrates erhalten sei; hingewiesen hier- 
auf hatte im Allgemeinen schon L. Dindorf. 



Apomnemoneumata. 47 

ter aus, dass Xenophon mit dem näheren Detail des Processes des So- 
krates und dem Inlialte der Klagerede des Meletos vom Jahre 399 nicht 
bekannt war; die Stelleu IV, 4, 4 und IV, 8 (und damit zugleich die 
Erwähnung des Namens Meletos) erklärt er dabei nach Vorgang Ande- 
rer für unecht. »Xenophon mochte annehmen, dass der Sophist in sei- 
ner xarrjopca die Gründe der wahren Ankläger im Wesentlichen genau 
wiedergegeben habe . . Darum trägt Xenophon auch kein Bedenken, 
seine Gründe ebenso anzuführen, als ob sie Meletos vorgetragen hätte. 
Dabei deutet Xenophon durch die Wahl der Ausdrücke 6 xarrjyopog und 
o ypa(f>diJL£vog {oc yp.) für den Leser hinreichend an, wer der wahre hi- 
storische Ankläger sei.« Gegen die Angriffe Schenkis vertheidigt Brei- 
tenbach in der Recension S. 455 — 461 seine Ansicht mit gewichtigen 
Gründen. Vor allem entzieht er dem Gegner ein Fundament seiner Be- 
hauptungen: dass nämlich dem Xenophon das nähere Detail des Pro- 
cesses unbekannt gewesen sei. Zu dieser Annahme nöthige eine rich- 
tige Auslegung der Eingangsworte der Apomnemoneumata nicht. Auch 
an sich sei jene Annahme unwahrscheinlich ; wenn die Schrift des Poly- 
krates in Xenophons Hände gelangen konnte, so konnten auch andere 
Schriften über den denkwürdigen Process und auch specielle Nachrich- 
ten von Xenophons athenischen Freunden den Weg zu ihm finden. (Die 
Aeusserung Schenkl's, dass die Rede des Meletos längst vergessen war, 
lässt Breiteubach unerwähnt, konnte es auch wohl). Auch die Unwahr- 
scheinlichkeit jenes Quiproquo wird nachgewiesen: »Es steht fest, dass 
Polykrates Schrift in Gedanken und Form ein Produkt der Sophistik war, 
dem das Gepräge der Entstellung und starker Uebertreibung deutlich 
aufgeprägt war. Dies konnte Xenophon sicher nicht verborgen bleiben . . 
Darum konnte es ihm auch nicht einfallen, des Polykrates Gründe ebenso 
anzuführen, als ob sie Meletos vorgetragen hätte, und in diesem Sinne 
sechsmal 6 xarr^yopoq i^-^ (nicht (f^at) zu schreiben (ebenso urtheilt 
Blass, att. Bereds. II S. 340)«. Wegen der schon von Dindorf beton- 
ten Präsentia akcärac und doxsT (I, 2, 26) und der Optative i/oc und 
£mxip.u)To (§ 28 u. 29) genügt es auf Breitenbachs Ausgabe, Anmerkung 
zu I, 2, 26, zu verweisen. Meletos, ist das Ergebniss, sei sowohl o xav/j- 
yopog als b ypttipa/xsuog. Seinen Namen IV, 8, 4 anzufechten, sei kein 
Grund. Daraus, dass Xenophon nicht die Uebertreibungen und Entstel- 
lungen widerlege, folge, dass Xenophons Vertheidigung des Sokrates 
nicht gegen Polykrates gerichtet sei. Aus der Anknüpfung an That- 
sächliches erkläre sich, so weit sie stattfinde, die Uebereinstimmung zwi- 
schen beiden. — Was demnach die Abfassungszeit der Apomnemoneu- 
mata anbetrifft, so rauss aus Schenkis Calcül (Studien II, S. 152. III, S. 144) 
die Bezugnahme auf die nach 393 abgefasste Kategoria des Polykrates 
schwinden, wie auch die Annahme einer gleichzeitigen Abfassung der 
Apomnemoneumata und des Symposion sich als unbegründet erwiesen 
hat. Es bleibt als Terminus post quem nur der Tod des Sokrates und 



48 Xenophon. 

als Terminus ante quem etwa das Jahr 385; denn der Eingang des um 
letztere Zeit geschriebenen Symposion deutet ohne Zweifel wohl auf die 
Apomnemoneumata hin. — Ueber die historische Gewähr der Apomne- 
moneuraata spricht sich Schenkl S. 148 etwa so aus: »Man kann diese 
Schrift ganz bezeichnend Dichtung und Wahrheit nennen. Allerdings 
hatte Xenophon für alles, was er mittheilte, Anhaltspunkte. Sein Ge- 
dächtniss war stark. Die Ausführung aber gehört in den meisten Dia- 
logen Xenophon selbst an, und er hat sich auch gar nicht gescheut, seine 
eigenen Anschauungen dem Sokrates in den Mund zu legen«. Dabei 
verdient denn aber doch betont zu werden (was Breitenbach gelegent- 
lich ausspricht), dass man herausfühle, der Verfasser wolle von dem Thun 
und Reden des Sokrates ein möglichst treues Bild geben''). — Dindorfs 
Untersuchungen über Interpolationen in den Apomnemoneumata hat 
Schenkl S. 115 ff. neu aufgenommen und weiter geführt; nach seiner Mei- 
nung hat besonders das vierte Buch stark gelitten; die betreffenden Ab- 
schnitte ersieht man leicht aus dem S. 182 von Schenkl gegebenen Ver- 
zeichuiss der behandelten Stellen. Seine Ergebnisse fasst Schenkl S. 144 
etwa dahin zusammen: es liege die Vermuthung nahe, dass diese Inter- 
polationen (auch einige kleinere: S. 157) von demselben Fälscher her- 
rührten; über das attische Recht habe er verkehrte Anschauungen (IV, 

4, 4. II, 1, 4); er kenne bereits die Lehren der Stoiker (IV, 3, 13); 
sein Stil habe die Färbung der xotvrj\ von ihm rühre, wie die Prooemien 
und die Epiloge zeigten, die Eintheilung in vier Bücher her. Es mag 
gentigen, hiergegen auf Breitenbach S. 470 ff. zu verweisen, und im Be- 
sonderen wegen des vermeintlichen stoischen Einflusses auf S. 472. — 

5. 97 — 102 behandelt Schenkl die Citate anderer Schriftsteller aus den 
Apomnemoneumata; vor Stobaios könne man sich von dem Zustande des 
Textes kein ausreichendes Bild entwerfen, dieser aber habe einen Codex 
vor sich gehabt, der im grossen Ganzen von unseren Handschriften nicht 
verschieden war. Breitenbach S. 461 ff. macht Schenkl den Vorwurf, dass 
er jenen Citaten, im Besonderen denen des Stobaios, häufig zu grossen 
Einfluss auf die Textgestaltung eingeräumt habe. — S. 102—115 be- 
spricht Schenkl die Beschaffenheit und Verwandtschaft unserer Hand- 
schriften. Die in allen befindlichen drei grösseren, aus Stobaios er- 
gänzten Lücken II, 3, 19; III, 9, 12; IV, 4, 13 bewiesen den gemein- 
schaftlichen Ursprung aus einem Archetypus. Die Handschriften zer- 
fielen in zwei Familien. Die erstere sei durch den nur die ersten zwei 
Bücher enthaltenden Paris. ] 302 (A) vertreten, welcher Handschrift Schenkl 



7) Hier sei Zeller S. 87, 2 erwähnt: »Mem. I, 4, 1 bezieht sich nicht 
auf Schriften sokratischer Schüler, sondern auf Urtheile von Gegnern, und 
Mem. IV, 3, 2 scheint nicht auf schriftliche, sondern auf mündliche Mittheilun- 
gen zu gehen.« 1, 4, 1 wollen Fouillee II S. 79 ff., Krohn, Sokrates und Xe- 
nophon, S. 2 auf den pseudoplatonischeu Kleitophon beziehen. 



Apomnemoneumata. 49 

nicht das höchste Ansehen beimisst; zur Controlle von Dindorfs Anga- 
ben über A hat er die Abschrift von A, den Vindob. XI, jetzt CII (V^) 
verglichen. An der Spitze der anderen Familie stehe der Paris. 1740 (B), 
welchem Schenkl vor A den Vorzug giebt; S. 104 ff. theilt er die Nach- 
lese von Lesarten mit, welche sich bei sorgfältiger Vergleichung für die 
von Dindorf benützte Collation Dübner's ergeben hat; darin sind aller- 
dings nur wenige wichtige Varianten (S. 110); Schenkl unterscheidet vier 
Hände von Correctoren, von welchen nur die erste dem Alter nach nicht 
weit von der Schrift des Textes abstehe, die zweite schon die Lesarten 
der Aldina eingetragen habe. Die in mehr Exemplaren vertretene, bald 
mit A, bald mit B übereinstimmende Mischclasse, die aber, wie durch- 
gehende Abweichungen von beiden zeigten, selbst wieder auf einen be- 
sonderen jüngeren Archetypus zurückginge, komme eigentlich nur für die 
beiden letzten Bücher in Betracht. Von dem relativ besten Codex dieser 
Classe, dem Paris. 1642 (Cj, giebt Schenkl S. 175 ff. eine sorgfältige Ver- 
gleichung. Ausserdem hat Schenkl selbst den von Michael Apostolios 
geschriebenen Parisiensis 1643 (D) und die Vindobonenses XXXVII 
[früher LXX (V3)] und XCV [früher XXXVIII (V3)] vollständig ver- 
glichen, ausserdem Collationen gehabt: des dritten Buches von den Vati- 
cani 1950 (J) und Urbinas 93 (R), des ersten Buches vom Florentinus 
pl. 55, 21 (L)*) — Während der Recensent in Zarncke's Centralblatt 
Schenkl's LTrtheil über A gerechtfertigt findet, vertheidigt Breitenbach 
S. 464—469 ebenso eifrig diese Handschrift: »Schenkl verkennt, dass 
A wie die älteste, so auch unter allen die wir haben bei weitem die 
beste Handschrift ist«. Das richtige Verfahren scheint mir L. Din- 
dorf im Allgemeinen iune gehalten zu haben, indem er sich in den 
ersten beiden Büchern nach Massgabe des inneren Werthes der 
Lesarten bald A, bald B, selten anderen Handschriften anschloss. Ent- 
scheidend für die Richtigkeit dieses Verfahrens ist der Umstand, dass 
auch in A willkürliche Aenderungen sind, und zwar in einem Grade, dass 
man sich in zweifelhaften Fällen wohl bedenken wird, bloss auf die A u c- 
torität von A hin unter den Lesarten die Auswahl zu treffen; vielmehr, 
wo die Entsch eidung aus Innern Gründen aufhört, bleibt man in Zweifeln 
stecken. Nun betont Breitenbach freilich, dass A keine ihm eigenthüm- 
lichen Interpolationen habe, sondern nur Ȋltere, d. h. solche, die ebenso 
wie eine Anzahl Lücken, aus einem Archetypus herstammend, in alle 
Handschriften, oder wenigstens, wenn in A, auch in B übergegangen 
sind« (ZGW. 1877, Jb. d. philol. Vereins S. 408). Sehen wir ab von 
zwei, mit der ersten Alternative (dem »Uebergange in alle Handschriften«) 



4) Die angeblichen Florentiner Codices A B C D E in der Ausgabe von 
Edwards sind , wie Schenkl nachweist , keine anderen als die mit denselbeu 
Zahlen bezeichneten Pariser C D E F B. 

Jaliresbaiicht iür Aiteithuiiiswis.-,e;ischaft 1877 1. 4 



50 Xenoplion. 

wenigstens nicht barmonirenden Bemerkungen, die sich auch in Breiten- 
bach's neuester Ausgabe der Memorabilien vom Jahre 1878 finden, über 
»manche evidente und noch mehr der Correctur wenigstens dringend ver- 
dächtige Varianten« in A (S. 244) und im krit. Anh. unter I, 2, 12 »Frei- 
lich hat A allein sehr oft rs vor xal, wo es eingeschoben scheint«^); 
jedenfalls wird Breitenbach's Ansicht, dass A frei von ihm eigenthüm- 
lichen Interpolationen sei, widerlegt, wenn man auch nur die Stellen prüft, 
in denen eine willkürliche Aenderung eine zweite herbeigeführt hat; 
da sind unverkennbar Conjecturen vorhanden, freilich schlechte. II, 6, 34 
hat A allein rs — ^'x^'^ ^^^ e^scg wegen äya.a^(u — xai (nur C weicht 
von den übrigen Handschriften darin ab und nähert sich dadurch A, dass 
es £^£iv [ff s. V.] hat). Nach den Ausgaben zu urtheilen giebt A allein 
I, 2, 43 xpaz^ — xac für xpazuiv (dessen Richtigkeit auch das folgende 
äp^cov beweist), desgleichen II, 1, 8 npoecTTävac xal für TrposazuJra, II, 
6, 28 (fdelv — xai für (ptXöJv ^ I, 4, 6 xai — dvanerdvvucrda: - cruy- 
xhcsaHac für « — dvamrdvvuTac — aoyxXeizzai^ I, 2, 23 wegen des in 
§ 22 vorangegangenen noXXol den Plural aa}<ppovrjaavrag — dovrjBivTag 
statt des Singular, I, 4, 18 wegen des vorangegangenen ^apc^jfisvog den 
Dativ To7g dvTc^apcZup.ivoeg statt des Accusativ, II, 1, 20 rä ndvc dyaS^oi 
für ndvra rdydB' ol vor d^eot, II, 1, 28 Scddaxouacv dvBpuj-noog für 8tS6a- 
Civ dv^piüTTocg, II, 2, 1 r/ npog auroug für robg ri nocoüvrag vor roüvo/ia 
TouT dnoxahümv. II, 1, 24 bietet A allein de^^arj — supsTv für 8ie(Tr^ — 
eupotg; nur J hat, nach Schenkl, noch Stijarj. lieber alle diese Dinge 
würde man in Breitenbach's krit. Anh. vergebens Auskunft suchen. Seiner- 
seits hat er Recht, wenn er über die mangelhafte Auswahl der Varianten 
unter Schenkl's Texte klagt. Es wäre endlich au der Zeit, dass eine 
kritische Ausgabe der Memorabilien erschiene, die eine neue Vergleichung 
von A und das sonstige Material in ausreichender Vollständigkeit über- 
sichtlich enthielte. - Zum Schlüsse seien einige Einzelheiten angereiht. 

I, 1, 18 klammert Schenkl svvia arpaTrjyoug ein. — I, 2, 12, vermuthet der 
Recensent im Centralblatt , möchte Kritias n),£ovzxTcazar6g re xal ßiato- 
razog [xal (povtxwzazog^^ Alkibiades dxpazdazazug zs xac ußpiazozazog 
[xa\ ßiacüzazog] genannt sein. — I, 3, 14 scheint mit § 15 gleiche Ver- 
dächtigung zu verdienen; das kurze xa: dfpodiatd^scv weist bis auf § 6 
zurück und steht mit dem folgenden xal difpodiaiiuv in Beziehung; dazu 
kommt der hier unpassende Gedanke. — I, 4, 8 vermuthet Schenkl {ev) 
aauziü. — Ist II, 6, 5 zu lesen p-kv -idv) fj (mit B) . . zoy^dvjj (vergl. 
§ 6—10 ug dvY'i Ueber al 8cä zou mujiazog ^^omj' Breitenbach S. 466 f. — 

II, 7, 10 möchte in A der Plural yumc^iv durch das folgende imazavzac 
veranlasst und yumcxt, die La. der übrigen Handschriften, das ursprüngliche 



5) Die dritte derartige Stelle im krit. Anh. unter I, 6, 11 ist jetzt mit 
Recht gefallen. (Freilich wird immer noch in der Anm. zu IV, 3, 13 verwiesen 
auf die auch gefallene Anm. zu I, 6, 11.) 



Äpomnemoneumata. 5 1 

sein. — II, 7, 11 oudkv äv Xaßwv (A) vertheidigt Gail Tome VII: iie pouvant 
rien retirer de mes terres ni de mes maisons. - II, 9, 5 ist vielleicht 
zu schreiben kv\ ebplaxsi (vgl. B); darauf § 6 wohl änrjlXdrvs-o zu ändern 
in äTUjXkxTzev »liess los«, welches genau entspricht dem vorhergehenden 
d.nallayyj\)ai »loskommen«. — III, 5, 17 ist die La. von ß und Vat. 1 
dTTjpca »Verblendung« nicht anzufechten, wenn es auch nur noch von 
Suidas aus Platon's Phaon angeführt wird; das Adj. drrjpug ist nicht eben 
selten. Die Zeitverhältuisse des Dialogs, die von niemand bisher unter- 
sucht sind, passen; er hat während der beginnenden Verschwörung der 
Vierhundert, kurz vor ihrem ofi'enen Ausbruch stattgefunden. Die spä 
teste bestimmt datirbare Begebenheit, die erwähnt wird, ist § 4 die 
Niederlage der Athener bei Delion. Es kann aber keinem Zweifel unter- 
liegen, dass die Scene in die Zeit der tiefen, durch eigenen Leichtsinn 
(§ 13f. 4-8) verschuldeten Erniedrigung Athens zwischen der sicilischen 
Niederlage und den neuen Siegen des Alkibiades fällt; eine andere 
passende ist nicht zu finden. Auffälligerweise werden in erster Linie die 
Boioter gefürchtet (§ 2. 4); sie drohen allein für sich in Attika einzu- 
fallen. Während über die Disciplin der Matrosen nicht zu klagen ist, 
sind die aristokratischen Elemente der Bürgerschaft, die Hopliten und 
die Ritter, unbotmässig gegen ihre Vorgesetzten (§ 18 f.). Den Boiotern 
gegenüber können die Athener sich als einheitlicher Staat fühlen (§ 2); 
aber den Vergleich mit Sparta halten sie in ihrer Zuchtlosigkeit und 
Zerfahrenheit nicht aus ; es droht vielmehr ein Classenkampf auszubrechen 
(§ 15 — 17), dessen Vorspiel viele Processe sind; nur der Areopag hält 
sich intact (§ 20). So schildert der eine Unterredner, der jüngere Pe- 
rikles, voll tiefer Sorge (§ 17) die Zustände, und Sokrates vervollständigt 
das Bild, indem er eine Hauptschuld den unfähigen Heerführern der Zeit 
beimisst (§ 21); indess er verliert auch hier nicht seinen Optimismus und 
sucht Perikles aufzurichten, das Beste von ihm erwartend (§ 1. 18. 22); 
Perikles ist nämlich zum Feldherrn erwählt (§ 1), hat aber sein Amt noch 
nicht angetreten (§ 24); und zwar hat er selbst noch keine eigne prak- 
tische Erfahrung (§ 22 — 24), wird also wohl zum ersten Male zum Stra- 
tegen gewählt sein. Sokrates räth, die Bürger auf mythische und ge- 
schichtliche, den gegenwärtigen Verhältnissen angepasste Musterbeispiele 
der Vorfahren hinzuweisen (§ 8—12) oder zum "Wetteifer mit den Spar- 
tanern anzuspornen (§ 14 f.), sie so zur früheren Tüchtigkeit zurückzu- 
führen (§ 14) und die äusseren Feinde von den Gebirgen aus zurückzu- 
weisen (§ 25 ff.). Wie es kommt, dass in dieser Schilderung der Zustände 
Xenophon nicht der drohenden Stellung des Agis in Dekeleia, des Bünd- 
nisses der Lakedaimonier mit dem Perserkönige, des Abfalls der Chier, 
der beginnenden Absperrung des Hellesponts, der Erschöpfung der Staats- 
kasse Erwähnung gethan hat: dies lässt sich nicht ausmachen (vielleicht 
schweigt er, um in Athen möglichst wenig anzustossen ; wären die Athener 
nicht durch andere Feinde schon beschäftigt gewesen, so würde sie der 

4* 



52 Xenophon. 

drohende Angriff der Boioter schwerlich so erschreckt haben) ; das übrige, 
der Angriff der Boioter^) während der oligarchischen Wirren in Athen, 
führt mit Nothwendigkeit auf die angegebene Zeitbestimmung, wie die 
Vergleichung mit Thukydides lehrt. Die d-rjpia war hauptsächlich von 
Alkibiades veranlasst worden, der in Athen ein oligarchisches Regiment 
herbeiführen wollte, um gegen dasselbe zurückgerufen zu werden (Thuk. 
8, 48, 4 ix zoü Tiapövzog xooftou rr^v nuhv iiSTaazijaag). Peisaudros reor- 
ganisirte die ^uvcufxoacac, die schon früher in Athen inl dcxacg xat äp'/^alg 
bestanden hatten, damit sie zusammen handelnd die demokratische Ver- 
fassung beseitigten (54, 4). Ende Winter 412/411 nehmen die Boioter 
Oropos durch Verrath der athenischen Besatzung (60, 1), damit zuerst 
wieder nach langer Zeit selbständig auftretend. Die oligarchischen Schreck- 
nisse beginnen (63, 3; 65, 2; 66, 1 ff.). Mit 66, 2, dass keine Unter- 
suchung der Meuchelmorde mehr geschah, werden wir schon über die 
Zeit der Unterredung zwischen Sokrates und Perikles hinausgeführt, wo 
noch die gerichtliche, wie die sonstige Thätigkeit des Areopag gerühmt 
wird. Im Hochsommer 411 wurde die Herrschaft der Vierhundert be- 
seitigt; dabei ging die Grenzfestung Oinoe wirklich an die Boioter ver- 
loren, welche gemeinsam mit den Korinthern bald nach dem Beginn der 
oligarchischen Herrschaft in Athen es zu belagern angefangen hatten 
(98, 2. 4; 71, 1. 3), wogegen zur Zeit des in Rede stehenden Gespräches 
erst ihr Einfall erwartet wurde. Danach möchte die Wahlzeit der Feld- 
herrn zu Athen in den Frühling zu setzen sein; und Perikles ist gewählt 
worden für Ol. 92, 2 = 411/410. Ob er es unter den Vierhundert, ob 
unter der nachfolgenden Demokratie (vgl. Thuk. 76, 2; 82, 1) wirklich 
gewesen ist, ob sein Name noch in dem Reste Ikpi . . steckt C. I. A. I, 
184 f. A 21 (vgl. auch den Nachtrag in Band IV dazu und R. Scholl, De 
extraordinariis quibusdam magistratibus Atheniensium, in den Comm. 
philol. in hon. Th. Mommseui, S. 454f.): das lasse ich dahingestellt; im 
nächsten Jahre war Perikles Hellenotamias (C. I. A. I, 188 f.). Die schwer- 
müt;hige Ahnung (Memor. III, 5, 17 f.) erfüllte sich an ihm und an Athen. — 
III, 6, 4 xüoE (für TOTE) Gxonwv »nur das«: Gustav Jacob. - Es kann 
auffallen, dass die beiden letzten Capitel des dritten Buches bisher in 
Betreff ihrer Echtheit unangefochten geblieben sind; jedenfalls zeigt sich 
in ihnen fast durchweg etwas gröberer Witz. — IV, 4, 2 ev -^ ixxXrjaio. 
oder [iv zalg ixxh^aca:g] Breitenbach S. 472. — Schüchtern sei die Frage 
aufgeworfen, ob III, 8 und 9 ursprünglich an jene Stelle gehörten und 
nicht vielmehr engere Beziehung zu IV, 6 hatten. — IV, 8, 1 zu dvSpuj- 
osarara vgl. ein gleich altes Beispiel desselben Wortes, überliefert durch 
Satyros bei Athen. XII S. 534 C: 'Avzca&ivrjg u Sajxpazixog, ojg äv aurög 



^1 Nicht zugänglich war mir: Gerrit Jan ter Braake, Die Thoilnahme 
der Boeoter an dem peloponnesischen Kriege, nach deo Quellen dargestellt. 
Rostock, 1874. Dissert. 



Apomnemoneumata. 53 

abzoTtzrjg yeyovwg zou A^xißiddou, auröv dvSpojSr^ . . ysviaBat (pr^aiv. — 
Druckfehler u. dgl. : I, 2, 39 lies <ryvovr£?, II, 6, 11 Taüzr^v mit Kühner's 
und Breiteubach's Vertheilung der Reden, III, 3, 14 zoüro dtv^zyxeTv, 

III, 12, 6 ?^-f/^rj <?£, IV, 1, 1 in der Var. lect. {ala&o}xivcü } (pavspuv Stob. 
A nach Dindorf. S. XII Add. [[xr^ra äp^eaBai] iirjze . . Madv. 

A. Gasda, Z.G.W. 1878 S. 776f.: 11, 1, 14 dvaipec (fnv ddcxeT). 

Hubert Schwartz, Ad Atheniensiura rem militarem studia Thu- 
cydidea, S. 6 ff. (^Kieler Dissert. 1877) ist zu vergleichen zu Apomn. 
III, 4, 1 ix xazaXöyou aTpa-euojizvog. 

Xenophon's Memorabilien, erklärt von L. Breitenbach. 5. Aufl. 
Berlin, Weidmann'sche Buchhandlung 1878. 8. 

Die 5. Auflage enthält 258 Seiten gegen 247 der vierten. Sie ist 
hervorgegangen aus einer sehr sorgfältigen Revision. Der Text ist an 
nicht wenigen Stellen geändert; an folgenden ist zugleich die Vertheidi- 
gung der früheren Textesworte in den Anmerkungen nunmehr gefallen: 
I, 2, 53 auyysvojv [ts], I, 4, 18 Ende [auzoug], I, 6, 7 p.shT/^moac, II, 

I, 1 [npog iruHvpiav], TL, 1, 26 [oTioxüptZöpevoi], II, 3, 19 [xal] ooxodvzsg, 

II, 4, 1 xpdztazov [äv], II, 6, 3 p7j ßouXezac, IV, 1, 2 [äv] jjABocev , IV, 
6, 1 [xal] zov zpuTTov, IV, 6, 5 dX/.r^Xoig yprioBac^ IV, 7, 9 Ende [kauzou]. 
Eine oder die andere Conjectur hätte wohl noch Aufnahme verdient; so 
jedenfalls Hirschig's doxzl III, 12, 6. — IV, 7, 2 schlägt Breitenbach 
selbst vor xat (f. rj) ipyov dnodec^aa^ac. Graux's Notiz über die Lesart 
noUoug, welche die Handschrift A I, 3, 7 bietet, ist nicht berücksichtigt. 
Als benutzt werden S. 5 angegeben die bezüglichen Schriften von Pohle, 
Schenkl, Krohn. Zu bedauern bleibt, dass Breitenbach die Werke 
von Fouillee und Wildauer, wie es scheint, noch nicht zugänglich 
waren ; sie würden ihn z. B. an der für die sokratische Philosophie wich- 
tigen Stelle IV, 5, 12 wohl zur Aenderung des Ausdrucks »das Gute nach 
seinen einzelnen Th eilen sichtet« vermocht haben. Auch andere An- 
merkungen sind anfechtbar, z. B. I, 1, 16 der Unterschied von dvopet'a 
und dvBpia, II, 1, 1 dno zwv azoty^eiiov ab elementis literarum (Finckh: 
»wie von den Grundbedingungen«); zu II, 1, 23 noirjadjitvog ist wohl r^v 
bohv wegzulassen; II, 2, 1 wird die erst in der neuen Auflage aufge- 
tauchte zweite Frau Myrto mit ihren zwei Kindern wieder verschwinden 
müssen; desgleichen II, 7, 2 die Benennung »die 10 Tyrannen«; II, 
8, 6 das Futurum ocw^ovzac beweist noch nicht die Existenz des Mediums 
in der Prosa; weshalb HI, 5, 27 r.apkoAot Grenzreiter? wie kann III, 
12, 1 »dafür habe ich andere, höhere Bestrebungen« aus dem Texte 
herausgedeutet werden? IV, 4, 2 xEtaerat =^ zeBetatzac ist jetzt geändert 
in Tiphg zjj dtxaioaüvr^ xeiözzai = r^phg r^v 8. ze&ztjxivov eozac (vgl. zu 

IV, 4, 21). IV, 3, 4 daaipzazipa »bei ungestirntem als bei gestirntem 
Himmel«; vielmehr wohl »als der sonnenhelle Tag^. IV, 3, 14 heisst 



54 XenophoD. 

die relative Verknüpfung « ^prj »Asyndeton«. IV, 6, 6 ist die gegebene 
Darstellung der Gedankenfolge zu beanstanden. IV, 7, 4 rsx/xi^pcoig ist 
zum mindesten die Fassung der Anmerkung ungeschickt; § 5 ist xai vor 
Tous nXdvYjzag kaum »explicativ: nämlich« zu erklären möglich, sondern 
wohl zu tilgen. Die zo^urac zu III, 6, 1 bedurften der Erklärung und 
die irmoTo^oTac III, 3, 1. Störende Druckfehler: I, 2, 43 lies Kac, I, 6, 6 
TzopeOead-ac, I, 7, 1 'Eruaxe(}^u>jj.zBa, I, 7, 5 dXa^ovBusa&ac , IV, 1, 5 /x^oev 
i7ti(TTd/j.£vog. Zu I, 2, 3 ixsTvov lies i^rj (statt Ipr]), I, 2, 40 lies pijxouvzai 
(wenn nicht mit Fischer pcpoüpevoc), I, 6, 6 xaTs^uys, II, 3, 14 bpii-^aeie, 
II, 3, 17 fdovixrjoetv'i (wenigstens steht II, 6, 5. III, 3, 3 9>tXuvcxog), 
IV, 3, 9 »^Oik.> III, 3«, IV, 6, 13 g. Ende zr^vds {ttjv} twv. Zu II, 1, 
17 wird IV, 6, 9 anders citirt, als die Stelle jetzt lautet. In der Inhalts- 
angabe von rV, 8 lies »vermissen« (s. § 11), und S. 257 verbessere statt 
des zweiten »S. 18« : S. 62. 

Tob. Wildauer, Die Psychologie des Willens bei Sokrates, Pia- 
ton und Aristoteles. I. Theil: Sokrates' Lehre vom Willen. Innsbruck, 
Wagnei-'sche Universitäts-Buchhandlung. 1877. VII, 102 S. 8. (Rec : 
Centralbl. 1878, Sp. 1530.) 

Diese gründliche, lichtvolle, neue Resultate bringende Schrift ist 
für das Verständniss der Apomn. im Ganzen und im Einzelnen von der 
höchsten Wichtigkeit. Wiederholt kommt der Verfasser auf IV, 5 zurück, 
betont, dass das Capitel durchaus sokratischen Inhalt habe, zeigt, worin 
Fouillee ihm vorangegangen, dass Glückseligkeit und Tugend abhangen 
von dem richtigen, unerschütterlichen, das Begehren leitenden Wissen 
vom wahren Werthe der Güter in ihrer Unterordnung unter einander 
(§ 12 BtälBjetv xa-za yivfj ra Tzpäyiiaza)^ während die unsicheren, nicht 
durch sichere Erkeuutniss gestützten Vorstellungen der Lust Widerstand 
zu leisten nicht vermögen (S. 52f. 74. 87 f). S. 61 ff. hat er zuerst den 
Unterschied der mit den Worten exujv und äxwv von Sokrates und von 
Aristoteles verbundenen Begriffe gezeigt. Er zuerst hat das Verhältniss 
der ao<pca zur awfpoa'jvrj und wieder dieser und der iyxpdreca aufgezeigt, 
damit Krohn widerlegend und Licht auf III, 9 werfend (S. 57 f. 70. 
89. 94). Er hat Aufklärung darüber geschafft, wie darin kein Wider- 
spruch in den Ansichten des Sokrates zu finden ist, dass das Wissen des 
Begehrenswerthen, wenn es im Theoretischen bleiben könnte, wie jedes 
andere Wissen, die Möglichkeit der Entscheidung für das Gegentheil 
(hier das Schlechte) trotz besserer Erkenntniss zuliesse, dass es aber, 
sich im Praktischen bethätigend, sofort durch das Gute deterrainirt wird. 
Sokrates hat, das ist in dem Büchlein dargethan, wirklich schon ein ethi- 
sches System gehabt, hat die Grundlagen der Ethik gelegt und auch 
nicht die Frage über die Entstehung der Tugend, die Heranbildung eines 
sittlichen Charakters, auf Grund der Naturanlage durch Wechselwirkung 
von Erkenntniss und Gewöhnung übersehen (S. 91 ff.). Ein Anstreifen an 



Apomnemoeumata. 55 

die metaphysische Seite ist wohl absichtlich im Gegensatz zu Fouillee, 
aber auch wohl etwas zu sehr vom Verfasser fern gehalten. 

Anonymi "A-noloy ia l'ajxpdzouQ. 

Em. Pohle, Die angeblich Xenophontische Apologie in ihrem Ver- 
hältniss zum letzten Capitel der Memorabilien, Progr. des Gymn. zu 
Altenburg 1874. 66 S. 8. (Rec. von A. Hug in der Jen. Lit.-Zeit. 1874. 
S. 580 f.) 

In dieser vorzüglichen Schrift wird in feiner Analyse nachgewiesen, 
dass das letzte Capitel der Apomn. nach Inhalt und Form durchaus echt 
ist; austössig sei nur der Sorites § 3 xai nwg äv . . öhoatjxoveaTdzou ; und 
§ 9 möchten die Worte ddcxcuQ u-coüv tiocsTv Echtes, etwa ddiy.u)g xaza- 
yiyvwaxetv verdrängt haben. Von S. 25 an wird der Beweis für folgende 
fünf Sätze angetreten: 1. Der Gesprächstext der Apologie zeigt solche 
Mängel, dass der Verfasser der Apologie, falls er das Gespräch einem xeno- 
phontischen Texte entnahm, diesen bedeutend verunstaltet haben muss. 
2. Der Text in den Memorabilien ist von solchen Mängeln vollständig frei 
und verhält sich zum Texte der Apologie, wie das Original zur misshm- 
genen Copie. 3. Die Abhängigkeit der Apologie von Mem. IV, 8 zeigt sich 
auch ausserhalb der Gesprächstexte. 4. Die Bedenken, die man gegen 
Mem. IV, 8 geltend gemacht hat, sind nicht schwer genug, die Unechtheit 
des betreffenden Capitels zu erweisen. 5. Die Existenz der Apologie 
neben Mem. IV, 8 erklärt sich aus der Absicht des Verfassers der Apo- 
logie, an die Stelle des für ungenügend erachteten Schlusscapitels einen 
neuen Schluss (die Apologie) zu setzen. Der Beweis für den letzten 
Satz ist von dem Verfasser nicht erbracht; vielmehr ist Jie Apologie, 
wie Schenkl, Studien II S. 146 f., erweist, ein selbständiges rhetorisches 
Exercitium, wahrscheinlich aus dem zweiten Jahrhundert vor Christus. 

Schenkl, Xenophontis opera II, S. 243 ff., und Studien III S. 169 ff. 
(Die genaueren Titel s. S. 14 f.) 

Schenkl hat die Apologie sorgfältig herausgegeben und Geschichte 
und Constituirung des Textes eingehend besprochen. Bedient hat er sich 
der von A. Mau gemachten Collationen der Vaticani 1335 (B) und 1950 
(A), auf welchen allein die handschriftliche Ueberlieferung der Apologie 
beruht. Die erste Hand in B gehört dem 12. Jahrhundert an; eine 
zweite hat im 14. Jahrhundert Verbesserungen eingetragen; A ist noch 
später erst aus B abgeschrieben. 

Köpou n aide ca. 

A. Krohn, Sokrates und Xenophon (s. S. 43) 

giebt in einem besonderen Capitel S. 61—83 Beachtenswerthes über das 
Verhältniss der i»Sokratik und Cyropädie«. Seine Auffassung lassen die 



56 Xenophon. 

Worte S. 69 f. erkeuDen: »Xenophon wollte zur Anschauung bringen, wie 
man nach sokratischer Lehre herrschen müsse. Aber den ganzen Umfang 
des Regentenberufes unifasste er nicht. Ohne hervorragendes Talent für 
Politik und Verwaltung, von der er richtige Gedanken, aber nicht syste- 
matische Einsicht bekundet, versetzt er seinen Musterfürsten an die Spitze 
eines Heeres. Hier war er heimisch, in grossen Ansichten und fachmän- 
nischen Specialitäten gleichmässig Meister«. 

»Die Idee der Menschheit im hellenischen Alterthum« , aus dem 
Nachlass von Ed. Müller herausgegeben, Jahrb. f. cl. Philol. Suppl. IX. 

Hier wird S. 136-142 die Bedeutung der Kyrup. Xenophon's ver- 
dientermassen gewürdigt. 

Heinrich Kämmel, »Xenophon«, in Schmid's Encycl. des ge- 
sammten Erziehungs- und Unterrichtswesens X, 1875, S. 580—586. 

S. 584 — 586 werden zum Fundament für die beabsichtigte päda- 
gogische Betrachtung Xenophon's Ansichten von der Aufgabe des Staates 
genommen; die Darstellung folgt Henkel's Studien zur Geschichte der 
griechischen Lehre vom Staat. 

Löhle, Der Charakter des Cyrus, nach Xenophon's Cyropädie. 
LTheil, 1875, 28 S. 8.; IL Theil, 1876, 16 S. 4. (Programme des 
Progymn. in Tauberbischofsheira.) 

Im ersten Theile wird durch eine Vergleichung zahlreicher Stellen 
der Apomn. und des Oikon. mit denen der Kyrup. gezeigt, dass vornehm- 
lich des Sükrates Wesen in der xenophontischen Auffassung die Dar- 
stellung von des Kyros Charakter durchdringe; die Arbeit ist fleissig 
und reichhaltig, gelangt aber kaum über eine schematisirende Disposition 
hinaus. Der zweite Theil vergleicht in derselben Weise Kyros den Ael- 
teren mit Kyros dem Jüngeren, mit Klearchos, mit Agesilaos und handelt 
dann noch vom Einfluss der lakedaimonischen Verfassung auf die Kyrup., 
von Xenophon's eigenen Erfahrungen und ihrer Verwerthung in dieser 
Schrift, endlich von ihrem Verhältnisse zur Geschichte. 

Job. Heinz, Verhältniss des Kyros zur modischen Königsfamilie; 
sein Abfall von Medien. Progr. des Gymn. Hedingen bei Sigmaringen, 
1876, 29 S. 4. 

Der Verfasser sucht über die genannten zwei Punkte gewisseres, 
als bisher gelungen sei, zu ermitteln. Da in Xenophon's Kyrup. die Ge- 
schichte im Dienste der Didaktik steht, so bestimmt er ihre Benutzbar- 
keit als Geschichtsquelle dahin, dass selbst an sich Wahrscheinliches in 
ihr nur dann als wahr angenommen werden dürfe, wenn es durch andere 
Quellen bezeugt werde. Wie er sich im Einzelnen zu ihren Angaben 
stellt, ist bequem aus der Zusammenfassung der Ergebnisse S. 28 zu er- 



Kyru Paideia. 57 

sehen. — Man vergleiche Max Duncker, Geschichte des Alterthuras, 
IV* (1877) S. 271 f. 296 f. 308 ff. 353 f. 387 f. 

Karl Lincke, De Xenophontis Cyropaediae interpolationihns. 
Jena, Frommann 1874, 35 S. 8. (Berliner Dissert.). 

Der Verfasser scheidet eine grosse Anzahl Stellen aus der Kynip. 
als Interpolationen aus, die fast sämmtlich das gemeinsam haben, dass 
in ihnen (Jie Formel xac wv o' in (S. 16) oder eine ähnlicbe, mit dem 
Präsens verbunden, Zustände des Perserreiches zu Xenophou's, oder, wie 
Lincke meint, zu des Interpolators Zeit, in die Erzählung von Kyros ein- 
führt. Xenophon vi'ürde, heisst es S. 10. 14, den Faden seiner Erzählung 
so nicht unterbrochen haben; er würde III, 2, 24 nicht gesagt haben 
xal vüv ezi 8ca/j.svooai, sondern xai -uö Xomoü {8k) dcdfxsnav (S. 15). Lincke 
geht so weit, dass er selbst diejenigen Stellen, welche sonst nichts Be- 
denkliches haben würden, um jener Formel und der durchgehenden Ana- 
logie willen ausscheidet. (S. 17 und 30 hat er die Umgrenzung der Athe- 
tesen in VII, 1, 33; VI, 2, 8; III, 3, 26—27 [und 28 ujg elpr^rac'?] nicht 
genügend scharf angegeben.) Nur I, 2, 1 und VIII, 5, 28 bleiben ver- 
schont; diese möchten, meint Lincke, die Anregung zur Fälschung gege- 
ben haben. Der Fälscher aber müsse (S. 31 ff.) nach Xenophon geschrieben 
haben, und zwar vor dem Verfasser des Epilogos, der auf die Einschiebsel, 
bei seiner entgegengesetzten Tendenz, eine Verschiedenheit in den gleich- 
zeitigen Zuständen und der Darstellung der Kyrup. nachzuweisen, Rück- 
sicht nehme; der Verfasser des Epilogos aber habe nach Xenophou's 
Tode und vor dem Jahre 330 geschrieben. — Allerdings ist unter den 
angefochtenen Stellen VII, 3, 16 schon von Dindorf an allgemein ver- 
dammt, und Dindorf hatte gleichfalls VIII, 1, 23 verdächtigt. Aber auf 
der anderen Seite erregt gegen Lincke's zahlreiche Athetcsen die Er- 
wägung Bedenken, dass es doch Xenophon nahe lag, um die Nothwendig- 
keit und Trefflichkeit von Kyros Einrichtungen zu bekräftigen, darauf 
hinzuweisen, dass sie noch zu seiner Zeit als bewährt fortdauerten. Eine 
objective Entscheidung über die betreffenden Stellen ist meist unmöglich. 
Lincke hätte, wenn er consequent sein wollte, noch manche Stelle mehr 
ausscheiden müssen, z. B. VII, 4, 2; vgl. VIII, 4, 3 xa> rjv rJIovzq molv 
und die Erklärer dort. Zustimmung hat er von Hertlein VII, 1, 45; 
VIII, 6, 14 und von ihm und Breitenbach in VI, 2, 11 \IupiaQ\ gefunden. 
Ausserdem mag noch erwähnt werden, dass Cobet, Mnemos. 3, 1875, 
S. 406 f. Anstoss an einigen Worten VIII, 1, 7 und VIII, 3, 34 nahm; 
aus S. 72 ebendort aber entnimmt Lincke (Xenophou's Dialog nepi nlxo- 
vup.iag 1879 S. VI), dass Cobet seiner Ansicht nicht zustimmt. — Aus 
anderen Gründen noch hat Lincke S. 1 — 10 seiner Dissertation I, 1, 4 
[xai zäXXa 3k , . ^skua&rxc an'' dXXrjXojv] . . [napaXaßojv atgwjTojg . . auzovofia 
ovza] . . [■^p$e dk Baxrpcüjv . . Alyonziojv] und VIII, 6, 20 f. [jiezä ok zaöza 
3y ecg Alyonzov . . Ai&tuma] verdächtigt. Aus seinen Thesen sei hervor- 



58 Xenophon. 

gehoben, dass er II, 1, 30 cxav7]v wäre und III, 2, 23 iSoaav xal i^aßov 
umstellt, dass er II, 3, 4 zwischen inoiT^ae touq nicht interpungirt und 
VII, 5, 32 [xal su^pacvofiewi] tilgt. 

E. Wörner, Fleckeis. Jahrb. 111, 18 V5, S. 447: III, 3, 69 [xal 
net&taf^ai]. Madvig Adv. Grit. I, 354 statt dessen wohl richtig: xai 
ZnXa &ea&ac, 

Arn. Schaefer, Rhein. Mus. 33, 1878, S. 433: Belege zu dem 
Ausdrucke iv ra) rsrayixiva) ehac (VI, 2, 37). 

Cobet, Ad Xenophontis Cyropaediam, Mnemos. n. s. 3, 1875, 
S. 378—409. 

Beachtung verdient, dass er an mehreren Stellen die Erlanger 
Handschrift (D) zur Geltung bringt. Mit Unrecht aber erklärt er sie 
für die beste. Sie ist zu stark interpolirt, als dass sie durchgehend zur 
Grundlage der Textesconstitution genommen werden könnte; sie bietet 
aber, wie man seit Cobet's Anregung wieder zuzugeben beginnt, an mehr 
Stellen (aber immer nur an einzelnen Stellen) das Ursprüngliche, als von 
manchen zugestanden wurde. (II, 3, 18 tritt Cobet zu eifrig für D gegen 
die La. von A G o/jLoca ysvocvro ein; vgl. I, 2, 10). — Von den neuen 
Vorschlägen dort erscheinen folgende richtig oder doch wenigstens be- 
merkenswerth: I, 2, 6 ort (für ol rä) ypdixßara, 3, 18 zweimal [rd] ts- 
rayiiiva^ 4, 4 \7:pone-eQ\ ^ 4, 8 [xal elByov], 4, 26 [rrjv Mtjdtxrjv^ . . [Stj- 
Xwv . . rjffTTaCsTo] , 6, 10 Tcwg (für noü), II, 1, 23 (pavotro (für (patvotTo), 
2, 15 \jiXiüza\ 4, 17 3v Yoig (wie schon Schneider), xa\ aozog 8' äv (mit 
D), III, 1, 1 [i^oyJerro], 1, 4 (zum Theil mit D) ocra ou\> auroTg dyüjxzvoi 
ETU^ov, 1, 38 ScaaxrjVüuvzwv Se. [/xerä delnvov] , IV, 1, 7 mit D iX&wv . . 
dnrjXaosv, 1, 11 d^oüvrac (für viovrac), 1, 20 mit D [o«?£], 1, 21 mit D 
zouTcüvc, 2, 7 zum Theil mit D &eu)V re maTo. [nocrjaov], 2, 46 [ec] ifino- 
owv . . [oux &v . . notsTv], 5, 14 scgi^prjxav (für ecga^^xav, vergl. Cobet's 
VL2 S. 575 ff.), 5, 17 ayroc (für auzä), 5, 22 {(T).mcaopsvoi>g, 5, 46 6* 
BTc (für Sk) npogdyovzac, 5, 47 [olgzicrcv . . auzoüg] [itif u)V dv [xa;], 5, 49 
dn (für £7:') aozwv auvayuJvtZöp-svot, 5, 51 dv olsa&e (für - jjö-öe) . . ^a- 
piZ^c^i^at, 6, 8 ziptöpr^acv (für -ijoatv). Von den Conjecturen Cobet's zu 
V— VIII erwähne ich hier nur noch V, 1, 11 oodeig dv [yöp-og], 2, 17 
bixhv {xal drjpccuSeg], 4, 5 [uxmsp slxog] iSccuxov . . [xal zizpwaxsi]^ VII, 
1 , 42 sItev • [Ec] . . [(Tw&-ecrjZ£] . . [mit D : fjfiTv] , 4, 3 [ofxoaai Behcv] . . 
[slg zd rzc;(r^], 5, 20 mit D + A [prjSkv . . eYauj]; wegen der übrigen 
beachtungswerthen Vermuthungen verweise ich auf den kritischen Anhang 
der dritten Auflage Hertlein's; nicht wenige von ihnen hat Hertlein 
in den Text aufgenommen. 

Cobet, Mnem. 3, 1875, S. 66 ff., erklärt sich für die Echtheit des 
Epilogos der Kyrup. , bpvückpichtigt dabei aber nur die Aeusserungen 
Dindorf's. Nebenbei theilt er S. 67 mit, dass auf der Leydener Biblio- 



Kyru Paideia. 59 

thek unter den Papieren Valckenaer's, der zuerst den Epiloges ver- 
dächtigt hat, sich überhaupt nichts auf die Kyrup, Bezügliches finde; zu 
den Hell., zur Anab. und zum Ages. enthielten sie zahlreiche, aber nicht 
eben bedeutende Bemerkungen. 

Joseph Gipser, lieber die Echtheit des Epilogs der Cyropädie 
(0 autentycznosci epilogu Cyropedyi). Progr. des Przemysler Ober- 
gymn. 1877. 52 S. 8. (Rec von M. Iskrzycki, Zeitschr. f. d. österr. 
Gymn. 29, 1878, S. 779f.) 

Der Recension entnehme ich folgende Sätze: Den Epilog der Cy- 
ropädie hält Herr Gipser für authentisch. In der Gyropädie beabsichtige 
nämlich Xenophon an der möglichst schlechten, von ihm keineswegs an- 
empfohlenen Regierungsform, der Autokratie, den Beweis zu liefern für 
den Satz: onvcot -cvsg . . no^iU yiyvüvxcxt (Cyrop. VHI, 8, 5): das Perser- 
reich, das zur Zeit Xenophon's unter schlechten Vorstehern in Verfall 
gerathen (vgl. den Epilog), sei einst gross und blühend gewesen, als 
Männer von Gyrus' Art an seiner Spitze standen; ebenso könne auch jedes 
andere Volk glücklich werden, falls es den Weg der Tugend wandle und 
tüchtige Vorsteher habe. Neben diesem Hauptzweck habe Xenophon 
noch indirect die Griechen zur Reform ihres Staatswesens mahnen, an- 
derseits dieselben vom Wahne der Perserfurcht befreien, dagegen aber 
auf die vom Norden her drohende Gefahr aufmerksam machen wollen. 
Die Art der Behandlung muss als gänzlich misslungen und unstatthaft 
bezeichnet werden. Die auf das Thema bezügliche Literatur, Schulz und 
Bornemann ausgenommen, existirt für den Verfasser gar nicht. 

H. van Her werden, Observationes . . in Xenophontem, in Tour- 
nier's Revue de philologie 2, 1878, 198-203. 

Neu und beachtenswerth scheinen folgende Vermuthungen: Kyrup. I, 
4, 15 [ay-ov i; a^av? ro] , H, 3, 9 naietv . . [o xtxov aTuiiazt], 4, 5 eßuu- 
^ofiTjV ae wQ Xaiinp6-a-ov (paw^vai^ xal yap sixoc äv xoa/xog ^v roüvo, iiJ.rjg 
av-a d8£X(pr^g uluv [o-t ji£ya)^OTip£.7iia-aTov (patvea&at], HI, 1, 19 ou-u>s 
(für ouxuj aa) . . Xa&ov-a, 3, 35 daxoüvrag (für dxouovzag vgl. § 50), 
IV, 2, 31 'Aaaupicjv [xai 'Apaßccjv], 2, 40 npogrjxsv (für -r^xec), 3, 15 
äv (für äv&pwr.og) nrrjvog yevia^ac, 5, 52 u rt äv äXko (für o zt äXXo äv) 
8ox^, Vn, 5, 47 6 noXunovujTazog (für b (piXon.) nohpog, VHI 1, 19 
■napsTvac . . [tou napecvac], 2, 21 oute ea^iooac nhiu) ^ düvavzai ](copaTv 
(für fipeiv) . . (pipeiv. 

Xenophon's Gyropädie, Erklärt von F. K. Hertlein. 2. Bändchen, 
3. Auflage. Berlin, Weidmann'sche Buchhandlung 1876. 234 S. 8. 

Der umfangreiche kritische Anhang S. 229 ff. zeigt, wie sorgfältig 
der Text revidirt ist. Von den neuen Conjecturen des Herausgebers 



60 Xenophon. 

sind wenige von vorn herein zurückzuweisen, z. B. die im kritischen 
Anhang zu VI, 1, 40 ausgcsi5rochene »Vielleicht xcvSovzuaavzd n Tra^scv« 
für das überlieferte iieXXrjao.vzd zt noßeTv; man vergleiche nur das von 
Krüger in seiner Griech. Sprachl. § 53, 8, 4 angeführte Beispiel Mevec 
iy.aazov zoö^" "me/) jxiXXei Tiaßelv und Sauppe, Lexil. Xen. S. 82 unter 
jj.eU£iv, wo zum Schlüsse auch die Stelle der Kyrup. als Beispiel für 
den Infin. Aor. bei diesem Verbura noch einmal hätte angeführt sein 
müssen. Von den übrigen Conjecturen Hertlein's seien hervorgehoben 
V, 1, 1 hißövzaq 8ca(puXdzz£iv, 4, 29 rjmcrzst^ 37 iy^iov auv «rayro», 46 ep- 
poj[xeviazepot , VI, 1, 11 dvar^vsaazzai für ävar.aüaszat ^ VII, 5, 4 npoq 
zoug TToXepioog, 12 nohopxeTv oder Tiohopxr^aovzt^ VIII, 2, 23 (vamp iXeys 
xai npdzzojv, 3, 17 im 8k zobzotq -{jxupiot) äXXoi. oder älXut ^ zoaourot} 
(undenkbar wäre auch nicht o? Xomol für äXXoc), 3, 39 inXouzrjaag, 
45 (Na})> jiä de". VII, 5, 56 ist jetzt geändert in: wv 3' kr^si ouy_ ouzcu 
povov, dXXä xac dXXojg dvaxzäaBai duvaaai oug . . , unter Anlehnung an 
die Erlanger Handschrift. Aus dieser Handschrift hätten noch mehr 
Lesarten, als geschehen ist, Aufnahme verdient. Von den in den Jahres- 
berichten des philologischen Vereins, im dritten Jahrgang, S. 285 f. ange- 
führten Stellen ziehe ich VIII, 4, 17 zurück und stelle mit V, 5, 7 xa\ 
Tiapaxad^iZopevog etnev in Parallele Oikon. 7, 1 xrx} 7rapaxa&c^6/xevog einov. 
Au diesem Orte möge eine Auswahl von Lesarten der Erlanger Hand- 
schrift aus dem fünften Buche (von V, 2, 27 s-naBov an, wo sie wieder 
beginnt) folgen, die bei Dindorf, Saujjpe, Hertleiu, Breitenbach keine 
Aufnahme gefunden haben: V, 2, 36 vüv rj nplv f/z-rj^r^vac . . vDv [^ rrplv] 
ETTEt (dieses würde das einzige Beispiel eines adverbialen nph in atti- 
scher Prosa sein, abgesehen von der Verbindung zo nptv und solchen 
wie £v zocg nph Xüyocg). V, 2, 37 [phovztg] (an Bleiben denkt überhaupt 
Kyros nicht, wie die Worte in § 31 beweisen, auf die hier zurückgewiesen 
wird: . . zag Ttopsiag . . OLtok pcav nopsiav . . zou npog rxözrjv BaßoXujva 
tivat) , V, 3, 12 z. E. ßuoAupzvng [ray-«], 3, 21 Stazcßsc wjzu . . züj-l^zey 
upezspat (p6X(o . . xac zoTg äXXoig cfuptid^ocg . . [auzb] Xaßojv, 3, 24 oc 
KaSouaint xac {ol^ Zdxat zoTg "Aoaupcocg'^) , 3, 26 Tzapaaxeud^otzo für 
aoGx. , 3, 36 da(paXiozaz uv nopsoolpsd^a, 3, 43 ev zfj vuxzl . . Bv['jj\ 
vuxzl . . i\^[z^] rjpspa, 3, 49 f. npogzdzzscv . . npogzdzzouacv . . (npog)-- 
zazzopivcov . . (ppogza^^kv . . npogzdzzoc, 3, 54 ^Srj . . [^Stj] d^dzzov^), 
4, 2 (Tovinoczo für auveir.ezo (die Botschaft irrt in diesem Punkte), 4, 11 
zt [wv] i/xou osüptvng . . ujg vüv, 4, 40 ojg alsl [dvel D, etrj die übri- 
gen Handschriften Dindorf s) . . ffzpazomdausa&ac, 5, 24 et re xaxov oot 

^) Vgl. VI, 3, 8 -[roug^- ijyejioi'ag . . zoug äpy^ovzag und 4, 6 riyv l^^v 
7.a\ -^T^vS aT]v <pdiav (VII, 5, 52 zr^g iß^g xac r^g cf^g auvouaiag in allen 
Handschriften). 

8) Vgl. VIT, 1, 5 und 39 [tjÖtj] . . rjdrj. 



Kyru Paideia. 61 

^ al' t: fit] dya&ov [aoc]^), 5, 27 ouTtug . . [oTjzco] Xrxjxßw^scv wg , 5, 29 
[rj <Tuo'\ . . [auz(p], 5, 41 ira^pjievoi rApsLüiv. — In Bezug auf die An- 
merkungen Hertlein's, die geringere Veränderung erfahren haben, als 
der Text, möchte ich nur folgendes wenige hinzusetzen: Die Bemerkung 
zu VIII, 1, 30 steht, was den Verfasser von VIII, 8 anbetrifft, in Wider- 
spruch mit Einleitung § 11. Zu VI, 3, 15: »Welt« bedeutete ursprüng- 
lich ol ävßpconoc. Zu V, 5, 16: ix zrjgos zr^g ^PX^i^ '^^^ wohl = »von 
folgendem Anfang der Beweisführung«, die dann regelrecht weiter schreitet 
(vgl. § 13 üTiuBemv, § 21 Todv-a~jßsv). Zu VIII, 4, 27 £cg Tptaxoaruv izog. 
'iig ävaiJLZvoövzog u. s. w. : Die Pointe scheint verfehlt; es redet auch hier 
der alte Verehrer des Kyros Ai'tabazos, dessen Liebe auch in dreissig 
Jahren noch nicht gerostet sein wird. — Störendere Druckfehler: VI, 2, 21 
lies Z'. ipyov, 2, 29 /,o;y, 2, 41 au/j-ßdUsza^ 3, 1 auueaxsudCovzo, VII, 5, 43 
■npoaiovzcov , VIII, 1. 21 imdscxvjscv. Die zu VI, 2, 26 angedeutete Be- 
merkung scheint im kritischen Anhange zu fehlen. - An diesem Orte 
lege ich folgende Verbesserungsvorschläge vor, die mir mein Freund 
Gustav Jacob zur Veröffentlichung anvertraut hat: 1,6, 12 würde der 
zweite Satz, in dem Frage an Frage geknüpft ist, geschickter werden 
durch den Eingang Eu (für ou) jap. IV, 5, 54 ini z^v yr^v (für zrjg yrjg) 
xazam'nzovzsg (prs. !). VI, 1, 35 Tiapaxazai^rjxrjV ; re mit D) övo/id^ujv 
z^v yuvalxa, daißscdv ze auzoü Xiyujv [ddtxcav zs xa\] •(r^v)> dxpdzstav. 
VII, 2, 13 op-iog (für bp-oiiug). VII, 5, 80 Yjj (£r^ D, dnc'ui A. G.). VIII, 3, 33 
zhv ßuZv . . zuv (für zo) vtxrjzrjptov. Hieran reihe ich noch einige eigene 
Vermuthungen: V, 3, 43 dux . . zwv iozwu ii> zfj vuxzl . . päUov t) otd 
zu)V 6<p^alpMV . . {xfii mit D] aiaBdvSfj&uc \za- xai zsx paipaaBat 
(für Tipdoka^at D^*^); vgl. IV, 3, 21 zizzapat pkv d(pBaXpoTg zsxpapuuiiac, 
zizzapac ok ujctIv ataHvjaopat. und Anab. IV, 2, 4 8i' uXr^g zr^g voxzög . . 
zsxiJ.acpe(T&a.t o' vjv zu> <l>ö<pw). V, 5, 4 \av) aivupevoug . . [äv] iSöxsc 

V, 5, 19 vcxr^g yavopsvrjg auv zuTg &eoTg [yjpszspag]. V, 5, 25 zoiahza . . 
uca . . ßap'jvzi[ v ), V, 5, 32 etza ouzwg (für eiz' aozug oder al der Hand- 
schriften; vgl. Rehdantz zu Anab. VII, 1, 4) zudzo dxoüaag . . auzog. Ist 

VI, 1, 53 der Satz zucouzoc 8e — noh/xiwv zd^sc erst an den Schluss 
des Paragraphen hinter scxoacv zu stellen? Ferner VI, 3, 21 der Satz 
opou da — pazaZauyvüvac schon hinter d^paTov yiyvazai'i Drittens der 
Nebensatz VIII, 8, 20 al oam azpazaüaabat , welcher in A fehlt, schon 
hinter ol 87] xal iazpazaüovzu'^i VIII, 1, 20 wazu [dtj^^rxaf^ac]. Was 
soll der Satz VIII, 1, 31 ocfjpac da — zd av zw dcpavät im Zusammen- 
hange? ist er ein anderswoher entlehntes Einschiebsel? VIII, 3, 5 aova- 
ßouXaöazo . . Tiiäg . . auvotg -{ujg mit D) xdlhaza loalv . . oua/xdvaacv {ojg} 

9) Vgl. VI, 2, 19 dTzi^yysAXi rtg u;itv . . äTtayysXXoßivwi^ [^/J-i^^] und 
4, 13 ol ?9£oj [^/itii'l (paivoöCLv (ohne Dativ auch die übrigen derartigen Stellen 
bei Sturz unter ^aiveiv S. 419). 

10) Hieraus möchte npoiazaa^ai, die Lesart von A. G., erst weitere Con- 
jectur sein. 



Q2 Xenophon. 

(poßepujzaza (vgl. Anab. IV, 8, 9). VIII, 5, 13 ol 8' unrjpsrat, utanep 
xai ev zaTg nöXzacv oc aiüfpovcazal (für auxppovzq) Xcsaat x. r. k. VIII, 
6, 11 ia-wv 8s Tiap' bfilv xai i8pac (A.D. G.), uxrnsp ttap i/xo}, [oc 
äpcaroc] npoTcprjpsvoig (D), xa: rpdne^a . . . (vgl. Hier. 8, 5 roTg nporc- 
prjpevoiQ. In dem von Liucke und Hertlein vielleicht mit Recht einge- 
klammerten Paragraphen Kyrup. VIII, 6, 14 steht freilich näac 8k ol 
äptaroi TciJv napuvTwv sSpacg TipOTETiiirjVvai). VIII, 7, 3 86üvai . . 8£8a>- 
xazs . . reXeuT^v [Souvac]. VIII, 8, 23 s^ouac pkv yippa xai xomSag xai 
aaydpscg Ihansp , ol ) ini Kupuu tyjv pd^rjv notr^ad/isvo: (D) (es schwebte 
vor IV, 2, 22 . . p.r]8e yvujvac nd/xnav ou äv&pujno: iapsv, dUä ydppa 
xai xomdag xai aaydpecg änavTa xai nXrjydg rjxscv vopc^ovrwv). Ferner 
aus den ersten Büchern: I, 4, 7 al 5' eXaipoi xai {aty oopxdSeg xai ol 
äyptoc oleg xai ol ovoc ol äypioi. 1, 4, 15 ist wohl zu interpungiren 
xai TÖ Xocnbv, ourwg r^at^r^ r^ tots ^^p(f ojcrn dsc. I, 6, 17 nXscazd re 
yäp rot ia&covza iv azpaztS xai, an iXa^tazcuv opp.ujp.Bva, [xal\ olg äv 
Xdßjj 8a^'cXia-aza ^piüpsva (selbst geringe Ansprüche der einzelnen be- 
wirken doch bei der grossen Gesammtzahl einen ungeheuren Aufwand). 
II, 2, 14 (für 8cb), e^r^, xai. IV, 3, 5 noooug oder nutg (für nocoog) 
Inniag (Anab. II, 4, 6 ziva, III, 1, 2 oo8' Slv sva). IV, 3, 13 ImiixTj yäp 
(für 8k). 

Xenophon's Kyropädie. Für den Schulgebrauch erklärt von L. Br e i- 
tenbach. Dritte Auflage. Leipzig, B. G. Teubner. 1. Heft, 1875 
(XXIV, 168 S.); 2. Heft, 1878 (196 S.) 8. (Rec. des ersten Heftes : 
Zeitschr. f. d. österr. Gymu. 28, 1877, S. 231 f.). 

Im ersten Hefte »ist der Text diesmal wenig geändert«. Madvig's 
in der Zwischenzeit erschienene Conjecturen werden nicht erwähnt, wie- 
wohl folgende (Adv. crit. I S. 351—355) irgend welche Berücksichtigung 
verdient hätten: I, 6, 5 dtpoXaxzouvzag , zoOziov {nspc} napi^o'^zag [ouv 
zoioi'jzoug Nitsche mit D. Stob.] kauzobg oloog 8s7, I, 6, 8 dp^apivoog 
(für -og), 6, 11 e'^ovza Suvaptv . . i^ß^pobg [e^ovza], II, 1, 9 £: i^ocpc 
ujg zd^caza oTiXa [inoioüprjv'\., III, 1, 24 [dBüpujg — vaoayrjaioai] ., 3, 62 
wonzp Tzapsyyori., 3, 69 s. S. 58, IV, 3, 14 (poßrjd^strj prj [, zl\ Serjase . ., 
xdmiza . . ojpsv, desgleichen I, 6, 1 obSiv äv kbaavza, eine schon von 
Klotz vorweggenommene Conjectur (man vgl. etwa Vergil. Aen. II, 691 ff. 
und dazu Servius; im Xenophon ist wohl vorher dkXo mit D zu tilgen). 
Im zweiten Hefte hat Breitenbach zu Hertlein und der von diesem an- 
geführton Litteratur Stellung genommen. Der Recensent in der Zeit- 
schrift für die österreichischen Gymnasien erwartet erst von der Ver- 
gleichung weiterer Handschriften eine sichere Grundlage für die Text- 
kritik und erklärt sich nicht damit einverstanden, dass der Herausgeber 
dem Cod. Guelf. (G) ein so hohes Gewicht beilegt. Wie eingenommen 
Breitenbach für die eine Handschriftenklasse ist, zeigt unter anderem 
die Bemerkung im kritischen Anhang zu VIII, 3, 49 »G. A om. xai ^utv- 
zag« (vor xai zsXsuzrjoavzag) , »empfiehlt sich«; andere werden anders 



Kyru Paidoia. 63 

urtheileu. II, 1, 3 schreibt er, gestützt auf A. G., äv mit Indic. fut. 
EoippavEi statt der anderen Lesart av . . £b<ppdvsi£v. HI, 3, 50 setzt er 
nicht mit D ouS' dxovzcaTag (eben so wenig die anderen neueren Her- 
ausgeber), sondern dreimal dicht hinter einander ohSh iiijv. II, 3, 10 
wählt er gar, weil G. s. v r. diese Form hat, r/Suvdfirjv statt i8-. Con- 
sequent ist er aber doch nicht völlig: weshalb wurde, was A. G. bieten, 
/i^[7ra>]7roT£ III, 1, 37 verschmäht, aus welchem Grunde III, 3, 44 unkp 
yuvatxMv, wo nur D nepl hat? Eine Anmerkung zu Vif, 2, 22 insi ey- 
vu)v i/iauzuv jxtj Ixavuv über die Negation und zu VIII, 3, 44 Ya^c roü- 
rov . . dvcäaSac über die Construction mit dem Infinitiv wäre erwünscht 
gewesen. Besser weggefallen wäre die Andeutung zu HI, 1, 41 dvs- 
Ttauov-o (Tuv dXXijXocg , zu V, 2, 12 besser vermieden die Form dstSscv. 
Zu IV, 2, 10 ist zu tilgen zbzuyrj xal. Der Ausdruck für ^oXarreLV 
IV, 2, 40 »warm halten« dürfte zu weit gehen, vgl. IV, 4, 7 (an letzterer 
Stelle ist wohl aczonocscv in aTrov Tiopt^etv zu ändern, wenn es auch an 
ersterer heisst ol notijaovzzg . . zä iTtizrjozia). Der zu IV, 6, 10 aus 
IV, 6, 1 gezogene Schluss, dass die Leute des Gobryas ihre Waffen ab- 
gegeben hätten, ist unsicher und unwahrscheinlich. V, 1, 8 auBig xal 
ndXtv ist: ein zweites und drittes Mal. V, 3, 14 handelt es sich darum, 
dass Kyros dem Gadatas zuverlässig erscheint. Die Anm. zu VlI, 1, 36 
dfopöjvzag nimmt sich in ihrer Kürze seltsam aus, da Madvig gerade 
darum eme Aenderung für uothwendig hält, weil er an der Bedeutung 
»aversos« zweifelt; sollte übrigens d<fop(jJvzag nicht zu belassen und mit 
Schenkl zu erklären sein »indem sie den Blick abgewandt hatten«? Da 
Babylon ein Viereck bildete, so waren seine Mauern keine »Halbkreise« 
(IV, 5, 10), und Kyros hatte nicht nöthig, eine »Kreislinie« zu formireu 
(IV, 5, 2). — Ist nicht im Texte VIII, 2, 14 zu interpuugiren s/cfv, 
itdvziuv (vgl. § 13)? Störendere Druckfehler: Lies I, 6, 11 To J' i'/^ovza, 
n, 1, 29 7Tpä~ac, 2, 15 z. E. ixzpc(pzczv, III, 1, 23 napaiiui^oujxivotg, IV, 
5, 32 d(patpc.7a^ai S 5i/, 34 aup.(pipst^ 49 z. E. kv p-daa), VI, 1, 12 ycyvotz'. 
Im kritischen Anhange unter VI, 1, 28 ist Schneider's Name zum Vorher- 
gehenden zu ziehen. 

'A V d ß a a c Q. 

Zur Anabasis sind drei Schulwörterbücher neu oder in neuer Auf- 
lage erschienen: 

Vollständiges Wörterbuch zu Xenophon's Anabasis, begründet von 
Fr. K. Theiss, neu bearbeitet von Hermann L. Strack. 8. Auflage. 
Leipzig, Hahn 1874. IV, 120 S. gr. 8. 

»Die achte Auflage ist ein sorgfältig revidirter, in nicht wenigen 
Einzelheiten berichtigter Abdruck der siebeuten. Principielle Aende- 
rujigen dagegen waren nicht nöthig, da das Wörterbuch erst vor drei 
Jahren von Grund aus neu bearbeitet ward«. 



64 Xenophon. 

Wörterbuch zu Xenophon's Anabasis, für <Jen Schulgebrauch bear- 
beitet von Ferdinand Voll brecht; dritte Aullage, mit 75 in den 
Text eingedruckten Holzschnitten, drei lithographirten Tafeln und mit 
einer Uebersichtskarte. Leipzig, B. G. Teubner 1876. VII, 240 S. gr. 8. 
»Diese Auflage hat mehrere Zusätze und Verbesserungen erhalten, 
bei denen die freundlichen Bemerkungen in der Recensiou des Professors 
Dr. Hartmaun sorgfältig benutzt sind. Andere Beiträge lieferte mein 
Sohn« (Wilhelm Vollbrecht}. Die Correctheit des Druckes lässt zu wün- 
schen übrig. 

Vollständiges Schulwörterbuch zu Xenophon's Anabasis von Ber- 
thold Suhle, Verfasser des übersichtlichen Handwörterbuches für 
die ganze griechische Literatur. Mit einer Karte zur Orientirung. 
Breslau, J. U. Kern (Max Müller) 1876. VII, 148 S. 8. (Anzeige von 
I'. C. Hertlein, Jeu. Lit.-Zeit. 1876, S. 510; von T. in C., Krumme's 
pädag. Archiv 1877 S. 46— 54; von J. Egger, Zeitschr. f. d. österr. 
Gymn. 29, 1878, S. 211-213, von F. Vollbrecht, Jahrb. f. class. 
Phil. 117, 1878, S. 831f.). 

Dieses neue und auch die vorher genannten älteren Wörterbücher 
sind, von Einzelheiten abgesehen, brauchbar, falls überhaupt Special- 
wörterbücher beliebt werden. Sie haben besondere Eigenthümlichkeiten 
und Vorzüge im Vergleich zu einander. Während Vollbrecht den ersten 
Versuch gemacht hat, dem Schüler in einem Specialwörterbuche zugleich 
ein illustrirtes Reallexicon zu seinem Schriftsteller zu geben, befolgt 
Suhle dieselben Grundsätze, welche er in der Einleitung zu seinem über- 
sichtlichen Handwörterbuche für die ganze griechische Literatur und in 
den Vorbemerkungen zu seinem Homerlexicon ausgesprochen hat, und 
verwendet allen Raum und Fleiss auf das dem Schüler Wesentliche, auf 
die Vermehrung der Sprachkenntniss, auf genaues Verstäudniss und gute 
Uebersetzung. Und diese Absicht ist ihm recht wohl gelungen; nur er- 
schwert eine übergrosse Zahl von Abkürzungen die Leetüre. Unpäda- 
gogisch ist eine Häufung von deutschen Synonymen (man vergleiche etwa 
die Artikel axsn-o/ia:, npoBiJ/ua und npoiionog, acofpoviu) bis aihifpujv^ 
ußpiZoj bis ußf)C(TT7jg, yaltmiivu) und ialz-üq^ j^api^opat) und Verweisun- 
gen solcher Art wie ä s. oq\ ävißrjv Aor. zu ä'mßaivuj auf S. 11, wo in 
derselben Spalte noch sechzehn derartige Verweisungen vorkommen, 
darunter: dvs^ujpoov s. dva^copsuj] 

Von Ausgaben der Anabasis mit erklärenden Anmerkungen sind 
zu erwähnen: 

Xenophon's Anabasis. Für den Schulgebrauch erklärt von Fer- 
dinand Vollbrecht. Leipzig, B. G. Teubner. 1. Bändchen: Buch I 
bis III, mit einem durch Holzschnitte und drei Figurentafeln erläuter- 
ten Excurse über das Heerwesen der Söldner und mit einer Uebersichts- 
karte, 5. Auflage 1873, VIII, 188 S. 8. (6. Auflage 1877, XH, 211 S.); 



Aeabasis. 65 

2. Bändchen: Buch IV— VII, 5. Auflage 1875, 198 S. (Reo. der vierten 
Auflage ^idp. P. Weissenfeis, Z. f. G.-W. 28, 1874, S. 818—831, der 
fünften Auflage von G. Hartmann, in Masius' neuen Jahrbüchern für 
Pädagogik 114, 1876, S. 390—392). 

Die Besprechung von Weissenfeis ist ungünstig, die von Hart- 
mann wohlwollend. Die Ausgabe befriedigt in der Concurrenz mit an- 
deren offenbar vorhandene Bedürfnisse der Schükr; das beweist ihr Ab- 
satz. Die sechste Auflage hat zahlreiche, kleine Verbesserungen in den 
Anmerkungen erhalten; im Texte sind »etwa drei Aenderungen der Les- 
art« vorgenommen; das Aeussere des Buches ist wohlthuend. Was ist 
II, 1, 21 gemeint mit: drMyYEXiü, Conj. der zweifelnden Frage? 

Xenophon's Anabasis. Erklärt von C. Rehdantz. Berlin, Weid- 
mann'sche Buchhandlung. 2. Band: Buch IV— VII, 3. Auflage 1874, 
261 S. 8.; 1. Band: Buch I— III, mit einer Karte von H. Kiepert 
und zwei Tafeln Abbildungen. 4. Auflage 1877, LX, 178 S. (Rec. der 
vierten Auflage von H. Zur borg, Jen. Lit.-Zeit. 1878, S. 605 f.). 

Der vor kurzem verstorbene hochverdiente Herausgeber hat die 
Genugthuung gehabt, die Vorzüge seiner Ausgabe allgemein anerkannt 
zu sehen. Sie ist unter allen erklärenden die reichhaltigste, lässt kaum 
irgendwo in Stich, wenn man Auskunft sucht, ist höchst zuverlässig auch 
in selbständiger Textkritik. Der Herausgeber hat selbst gefühlt, dass 
allmählich dem Schüler die Uebersicht über das Gebotene immer schwie- 
riger geworden ist, und hat in der neuesten Auflage dadurch abzuhelfen 
gesucht, dass er gar manches (ob genug in Bezug auf Schüler?) aus 
den Anmerkungen ausgesondert und für einen Index aufgespart hat. 
Dennoch übersteigt der Umfang des Bandes um einige Seiten die frühere 
Auflage von 1873. Ausser anderen Zusätzen sind jetzt vielfach den 
Schriftstellercitaten die ausgeschriebenen Worte hinzugesetzt, oder es ist, 
noch häufiger, umgekehrt verfahren. Indess weicht doch die vierte von 
der dritten Auflage nicht so sehr ab, wie diese von der zweiten. Die 
Publicationen der Zwischenzeit sind in Erwägung gezogen, und, so weit 
es geboten schien, berücksichtigt; mit wenigen Ausnahmen. So ist es 
auffällig, dass Zurborg's und Gleiniger's Untersuchungen über Xenophon's 
Schrift von den Einkünften nicht einmal genannt sind. Einige weitere 
fremde und eigene Conjecturen hat Rehdantz nunmehr in den Text aufge- 
nommen; aus dem von ihm neuerdings Coujicirten möge hervorgehoben 
sein : die einzige Vermuthung im ersten Bande II, 4, 5 \ßb&uq\ und aus dem 
zweiten Bande FV, 6, 15 nap' (für jxkv yap oder yap oder dpa) ufiTv, IV, 8, 27 
eSeov xa^ ok xal ndXrj xal noy/irj xal mxyxpdrtov b^ia iyivezo^ VI, 1, 20 
■»jj.£cZ(ov CA; etwa p-etZu) «v? « VI, 6, 28 zotoÖTog »etwa auvatztoga ? VII, 1, 28 
[toü dvu)] BaacXiiug, VII, 7, 55 »äv ocxrjaojv . . ^r^fpo/jLavog die erste Classe; 
oixijacjv . . dnoXT^ipo/isvog die zweite Classe der Handschriften, ich ver- 
muthe dnotxrjaojv . . ^rj(p6}j.zvog<i. Den schlechteren Handschriften folgt 

Jahresbericht tür AlterthumswisBenschaft 1877. I. Q 



66 Xenophon. 

Rehdantz jetzt I, 8, 17. IV, 8, 21. V, 7, 7. 32. VI, 1, 30. 4, 6. 12. 5, 1. 
6, 4. VII, 1, 6. 3, 35. 5, 8. 7, 1, und wiederum deu besseFÖii II, 4, 17, 
V, 6, 37. VI, 2, 16. 6, 4. VII, 2, 25ii). 3, 31; allerdings vielleicht je 
einmal in den zwei Reihen mit Unrecht: VII, 1, 6 möchte äa^akeg nicht 
unpassend gesagt sein im Hinblick auf die mächtigen und nahen Lake- 
daimonier (vgl. VII, 2, 37. 7, 10); und nur VI, 2, 16 in den besseren 
und II, 6, 30 in schle(||iteren Handschriften ist bei Xenophon zwischen 
djjL^} und einer Zahlangabe der- Artikel nicht gesetzt. Hier sei angemerkt, 
dass die Note zu I, 7, 2 in ihrer Allgemeinheit nicht richtig sein würde : 
»mpl hat in attischer Prosa . . d/j.^} verdrängt, welches allein Xenophon 
gebraucht«, und dass ungeachtet der zu VI, 4, 23 angeführten Beispiele 
noch immer zu I, 2, 12 gesagt wird: y>7:spl: um, mit dem Accusativ . . 
nie bei Zahlbegriffen«. Gegen die Textconstitution und die Anmerkun- 
gen liessen sich an mehreren Stellen Einwendungen erheben; z. B. III, 
1, 21 wird sich unoipta und die Erklärung »ängstliche Rücksicht« schwer- 
lich aufrecht erhalten lassen. Einige Druckfehler: III, l, 25 fehlt ipu- 
xscv; aus der vorigen Auflage sind in die neue übergegangen IV, 6, 20 
(das zweite) jup^vag, V, 6, 9 n^iov iyv 8(v8axa, S. XII A. 20 ** bnoarpa- 
rrjyoc, zu V, 4, 31 »zu 4. 3. 9« (statt 4. 3. 19); zu I, 3, 21 heisst es 
jetzt y>7jpiuXiov einen halbmal so grossen«. 

Xenophon's Anabasis of Cyrus Books I. II By R. W. Taylor, 
Assistant -Master at Rugby School. Rivingtons, I^ondon, Oxford and 
Cambridge 1877. XXVII, 62, 16, 59 S. 8. — Dasselbe, Books III. IV. 
1877. XXVII, 58, 16, 59 S. 

Eine Schulausgabe. In beiden Bänden findet sich übereinstimmend : 
General Introduction, Rules of Greek Syntax (auch besonders gedruckt 
unter dein Titel: A short Greek Syntax, extracted from Xenophon's Ana- 
basis 16 S.) und eine Karte; jedem Bande eigenthümlich sind: Historial 
Sketch, Itinerary, Text, Notes, Indices. In der dem ersten Bande vor- 
ausgeschickten Vorrede wird gesagt, dass mit ein oder zwei geringen 
Ausnahmen der Kühuer'sche Text abgedruckt sei, und dass für die Er- 
läuterung grundsätzlich keine englischen Ausgaben, sondern die deutschen 
von Kühner, Krüger, Vollbrecht und Rehdantz (besonders dessen Ein- 
leitung), ausserdem die Reisewerke von Ainsworth, Koch, Chesuey, Layard, 
Hamilton und Grote's Geschichte benutzt seien. 

Selections from Xenophon and Herodotus. With Notes and Refe- 
rences to Goodwin's Grammar and copperplate Maps. Edited by 
W. W. Goodwin and J. W. Withe. Boston, Ginn and Heath. 1877. 8. 

Zur Einführung in die Leetüre griechischer Schriftsteller werden 



11) Weshalb also VI, 2, 2 ^im'iv. 



Anabasis. 67 

aus Xeuopliou die ersten vier Bücher der Anabasis und Hellenika IJ, 
2—4 und dazu in einem Anhange S. 1—128 kurze Einleitungen und No- 
ten geboten, unter Benutzung der besten Hilfsmittel. 

Senofonte. La spedizione di Giro, commentata per uso dei licei 
e per lo studio privato da xldolfo Bersi, professore nel R. Liceo 
Arnaldo in Brescia. Firenze, successori Le Monnier. 1877. Libri I — IV. 
VII, 375 S. 8. 

In der an Domenico Comparetti gerichteten, im Juni 1875 geschrie- 
benen Vorrede sagt der Herausgeber, dass er die besten Ausgaben, be- 
sonders deutsche, benutzt habe. Aus Kühner habe er den Abschnitt Vita 
ed opere di Senofonte und die Tavola itinerai'ia entnommen, aus Voll- 
brecht die Notizie sull' esercito mercenario di Giro so gut wie übersetzt. 
Der Text sei, wenige Abweichungen abgerechnet, der der vierten (Ste- 
reotyp-) Ausgabe Dindorf's. 

Textausgaben der Anabasis: 

Etvo(pu)vzoq Köfjoo 'Avdßaatg. Xenophontis expeditio Cyri curante 
F. X. Schettini. Ed. Stereotyp. Neapoli 1875, A. Morani. 8. 

Nur ein fehlerhafter Abdruck der vierten Auflage der Dindorf'schen, 
bei Teubner 1873 erschienenen Stereotyp -Ausgabe, wie Ludwig Jeep 
nachweist in der Rivista di filol. e d'istr. cl. 4, S. 92—95 (1875). (Nicht 
anders scheint es zu stehen mit: Eevofwv-og Küpoo nacoeca. Xenophontis 
institutio Gyri curante F. X. Schettini. Ed. Stereot. Neapoli, A. Mo- 
rani. 1876. VHI, 248 S. 8. Wenigstens sind die »Summaria« gleich, 
und hier, wie in der Dindorf'schen Stereotyp-Ausgabe der Kyrup., fehlt 
I, 6, 11 yrjv hinter ztjv und VII, 1, 21 ^ vor ivoov.) 

Sevofwvzog Kopou ^Avdßaa>g. Xenophontis expeditio Cyri, ed. II. 
C. G. Cobet. Lugd. B., Brill 1873, ist recensirt von Thurot, Rev. 
crit. 1875 N. 27, und von Schenk], Zeitschr. f. d. österr. Gymn. 26, 
1875, S. 830-834. 

Schenkl erneuert unter andern seinen Vorschlag V, 4, 27: [nazpioug] 
ritpoaivwv . . rov 8s >iov aT~ov ixe sv z^ xaXdpjj. 

Bibliotheca scriptorum Graecorum et Romanorum Teubneriana. 
Xenophontis expeditio Cyri, recensuit Arnoldus Hug. Lipsiae, in 
aedibus B. G. Teubueri. 1878. 8. Editio maior LVIII, 260 S. Editio 
minor X, 260 S. 

Schon vorher erschien: Rector universitatis litterarum Turicensis 
commilitonibus certamiua eruditiouis propositis praemiis in annos 1878/79 
indicit. Praemissa est Amol di Hug commentatio de Xenophontis Anab. 
codice C. i. e. Parisino 1640 cui additae sunt duae tabulae lithographae. 
Turici, typis Zürcheri et Furreri 1878. 24, 1 S. 4. Verlag von B. G. 
Teubner in Leipzig. (Selbstanzeige Hug's in dfti Mittheiluugen der 



68 Xenophon. 

Verlagsbuchhandlung B. G. Teubner in Leipzig, 1878, N. 4, S. 63. Re- 
censionen von L. Breitenbach, Neue Jahrb. f. Philol. u. Pädag. 117, 
1878, S. 597 — 600; von H. Zurborg, Jen. Lit.-Z. 1878, S. 537; von 
Ch. Graux, Rev. crit. 1878, n. 51, S. 389—392.) 

Statt einer Recognition der vierten Dindorf sehen Stereotyp -Aus- 
gabe ist dem Herausgeber unter sorgfältiger Prüfung des bisher in den 
Ausgaben und in sonstigen Schriften veröffentlichten mannigfaltigen Ma- 
terials, unter mikroskopischer Prüfung der besten Handschrift C und 
unter erfolgreicher Bethätigung eigenen divinatorischen Scharfsinnes eine 
vollständig neue Recension der Anabasis erwachsen, ohne Zweifel die 
beste vorhandene Textausgabe derselben, wenngleich in gar manchen 
Einzelheiten bei der schlechten Ueberlieferung dieser Schrift Ueberein- 
stimmung aller Ansichten nie eintreten wird. Der Text weicht an unge- 
fähr 500 Stellen vom Dindorf 'sehen ab, worüber die der Editio maior 
beigegebene Praefatio critica von S. VH an Auskunft giebt. Nicht er- 
wähnt sind dort folgende Aenderungen: I, 3, 7 KUap-^ov (statt des 
früheren KXzdpj^w)^ 8, 13 iieaov tu>v (statt rb) iautoü, 8, 16 [KXdapxog] ^^) 
und {to om.) auv£^rj[xa, 9, 19 oaa insTiaTÖ reg (statt S indnaro au -ig), 
n, 4, 14 Interpunction dsvdpwv, ol . . Tcyprjra- oy, HI, 2, 12 izt {xai ora.) 
vuv, 4, 24 {yj add.) xotpcri, 5, 11 tou (statt zh) /iiy, 5, 15 (om. xai eapi- 
^ecv), IV", 1, 10 xardßaatg (om. dg rag xwjxag), 1, 14 (jcü add.) cfcsvd}, 
1, 26 evxaüBa (5' add.), 2, 21 [Apxäg], 3, 20 dvißaivz (statt svsß.), 3, 30 
im/ieXöpsvoc (statt incfieXLrja.) , 4, 11 dnoxp6(pac (statt dndxpufps), 4, 12 
{oc om.) äUoc, V, 2, 26 {rb add.) aröfia, 3, 3 (tuv (statt iv) rocg onXoig, 
VI, 3, 3 aoveßdXXovTO (statt -dXovzo), 3, 12 ^rojvy TToh/iiiov, 5, 8 [o /xdv- 
Tig zwv 'EXXtj'^iujv] (nunmehr konnte mit den besseren Handschriften vor- 
her 6 vor 'Apfj^tojv, der § 2 genannt war, belassen werden), VII, 8, 8 
{nap' om.) 'EUd8:. Ausserdem ist zu bemerken, dass VI, 3, 24 [ine KdX- 
nrjg\ schon von Rehdantz, IV, 5, 16 {roug} und VII, 1, 2 [xai. riBeaBat 
zd oTiXa] schon von Krüger conjicirt war. — Die Editio minor hat statt 
der Praefatio critica eine Nota editoris und das frühere Summarium ex- 
peditiouis Cyri; darauf folgt in beiden Ausgaben derselbe Text und 
S. 246 ff. der Index nominum. Einige Corrigenda des Textes sind in der 
Ed. maior S. LVIII angezeigt ; da die Hug'sche Ausgabe in Zukunft wohl 
am meisten in den Schulen gebraucht werden wird, so erlaube ich mir, 
ausserdem bemerkte Versehen (das Verzeichniss wird ziemlich vollständig 
sein) hier anzugeben: I, 10, 19 lies dtijpnaaav, III, 2, 17 ''Apialoo, 4, 7 
ixoTov, 5, 5 rihri rjiiETipav, IV, 3, 8 sßooXezo, 3, 20 dnoxXsiascv, 4, 11 
dTioxp{j(pat, 4, 22 xaraXsXeipjidvoüg, 5, 33 roTg 8s nacah, 6, 10 umpßdXXstv, 

7, 4 Eevo^ujvzog, V, 3, 13 XQPOS, 6, 20 Eupuixaxov rs, 7, 4 iroc/Jiajg, 

8, 3 da^paivscr&a:, VI, 1, 2 /itjts ddtxsTa&ac, 3, 5 d/xa, 3, 17 aojTr^pcag, 



12) üobm- Weglassung oder Einklammeruug der Interpolationen s. Hug 
Praef. cnt. S VI. 



Anabasis. 69 

4, 9 sBaipav, 5, 11 inea&ac, VII, 1, 8 vuv -tvsg, 2, Id'ABr^i^atog am), 6, 44 
auToj. Ist absichtlich VI, 3, 25 f. wfMsda beibehalten und VI, 2, 15 ^iuov 
ohne Jota geschrieben? desgleichen acu^oj stets ohne Jota? VII, 1, 11 
verdiente die Schreibung in K: npbg dvsmscv den Vorzug. — Besonderen 
Werth hat Hug's Ausgabe dadurch, dass sie auf einer mit grösster Akri- 
bie gemachten Collation des Paris. C beruht, welche, entsprechend der 
Bedeutung dieser Handschrift für die Textkritik der Anabasis, an Ge- 
nauigkeit weit über die frühere Dübner's hinausgeht. Dieser Gelehrte 
hat, wie verdienstlich auch seine Leistung seiner Zeit gewesen ist, doch 
wiederholt ungenaue Angaben gemacht, er hat einiges übersehen, bis- 
weilen sich geradezu getäuscht, wie das Hug an etwa 50 Stellen in der 
Commentatio und in der Praefatio critica nachweist. Erst Hug giebt 
über die Frage nach dem Ursprünge und den verschiedenen Correctoren 
der Handschrift und über das Verhältniss von C zu B (Paris. 1641) und 
A (Vatic. 987) klare Auskunft; er spricht sich darüber im ersten Theile 
seiner Commentatio dahin aus: Par. C, 1320 geschrieben, enthält vorn 
die Kyrup., von der eine genügende Vergleichung noch nicht veröffent- 
licht ist, dahinter die Anabasis ; für letztere diente, wie Hug mit grosser 
Wahrscheinlichkeit nachweist, als Vorlage eine unter Kaiser Leo VI. 
(870-911) geschriebene Handschrift. Der erste Quaternio der Anabasis, 
wie der erste der Kyrup., ist von derselben Hand geschrieben, alles 
übrige von Anab. I, 4, 11 an von einer zweiten Hand (beide zusammen 
= C pr.). Die Correctureu der ersten vier Bücher, die Hug unter der 
Bezeichnung Ci zusammenfasst (mit dem 4. Buche hören diese Correcturen 
auf), sind systematisch nach einheitlichem Plane gemacht, d. h. mit der 
Tendenz, diesen Codex der andern Familie der sogenannten deteriores 
conform zu machen.' Dies wird vermuthlich bald nach 1320 geschehen 
sein; wenigstens Michael Apostolios, als er B aus C, bald nach 1462, 
abschrieb, fand die Aenderungen schon vor. In Buch V— VII kommen 
nur sporadische Correcturen vor; und zwar finden sich in VII einige 
Ergänzungen (Ca), die sich nicht in B finden, wohl aber in den auch 
aus C abgeschriebenen Codex A übergegangen sind; C2 also und darauf 
A, dem 15. Jahrhundert angehörig, stammen aus der Zeit nach 1462. 
Noch später, weil weder in B noch in A übergegangen, fand eine Ueber- 
arbeitung unlesbar gewordener Stellen in Buch V (C3) nach einer dem Eto- 
nensis (E) ähnlichen Handschrift statt. In der Praefatio critica werden 
die nach Ci gemachten Correcturen, die sich besonders in V— VII finden, 
unter der Bezeichnung C corr. zusammengefasst. — Demnach werden 
die Eigenthümlichkeiten der besseren Familie im Grunde nur durch C pr. 
rein dargestellt, und es war wichtig zu sehen, ob trotz der Rasuren und 
der übergeschriebenen Schriftzüge noch Ursprüngliches, sei es vollständig, 
sei es so weit, dass es zu combinirender Vermuthung festen Anhalt bot, 
noch zu erkennen war. Ein Glück, dass Dübner in Buch I — IV seine 
Chemikalien nicht gebraucht hat, durch die er in den letzten drei Büchern 



70 Xenophon. 

manches mit ewiger Nacht bedeckt hat, in einer Weise, dass auch nicht 
einmal mehr der Umfang der Rasuren erkennbar ist. In Buch I IV war 
Hug noch ein Untersuchungsfeld offen ; er hat die Handschrift in Zürich 
länger als zwei Monate benutzen können ; in aller Müsse, zwar ohne An- 
wendung chemischer Mittel, aber mit der Loupe bewaffnet, hat er die 
betreffenden Stellen von allen Seiten bei bester Beleuchtung wiederholt 
betrachtet, und bei Constatirung des Thatbestandes hat er sich der Unter- 
stützung sachverständiger Freunde, unter ihnen des scharfsichtigen Pro- 
fessor Thomann, zu erfreuen gehabt. Es ergab sich zum kleineren Theile 
Bestätigung neuerer Conjecturen von Dindorf, Madvig, Rehdantz; zum 
grösseren Theile waren ganz neue Lesarten das Resultat. Von dem Ge- 
fundenen und Gedeuteten hat Hug in dem zweiten Theile seiner Commen- 
tatio an 22 ausgewählten Beispielen unter Hinzufügung lithographirter 
Facsimiles eingehenden und anschaulichen Bericht erstattet. Und man 
darf annehmen, dass schwerlich mehr etwas von Belang aus der Hand- 
schrift noch wird ermittelt werden. Andrerseits ^^a) erhebt Graux, der die 
Handschrift in Paris, die Commentatio in der Hand (aber doch nur in 
kürzerer Zeit, in der Bibliothek, allein), nachgeprüft hat, Zweifel, ob 
nicht Hug an einigen Stellen mehr gesehen habe, als wirklich sichtbar 
sei ; imd zweitens spricht er gegen die Facsimiles den Vorwurf aus, dass 
in ihnen der Gegensatz zwischen der ursprünglichen und der Hand des 
Correctors etwas übertrieben dargestellt sei. Bei diesem Gegensatze 
unter so bedeutenden Gelehrten mag, wenn überhaupt ein Unbetheiligter 
das Wort ergreifen darf, darauf hingewiesen werden, dass Hug selbst 
auf S. 11 seiner Commentatio der Annahme vorgebeugt hatte, als könne 
er in dem lithographirten Facsimile dem Leser eine Copie oder einen 
Ersatz der Handschrift geben; sodann ist die Frage, ob ein anderes 
Mittel der Vervielfältigung, auch auf photographischem Wege, der Ab- 
sicht Hug's, dem Leser möglichsten Antheil an dem Gange seiner 
Untersuchung zu gewähren, besser gedient hätte, da er nun einmal das 
Original selbst ihm nicht in die Hand geben konnte; und endlich ist es 
wohl möglich, was Graux selbst nicht verhehlt, dass ein Scharfsichtiger 
aus der Handschrift mehr noch erkennen kann, als ein mit weniger guten 
Augen Begabter. Jedenfalls scheint Hug, was irgend möglich war, ge- 
leistet zu haben, und die Untersuchung scheint an der Grenze mensch- 
licher Erkenntniss überhaupt angelangt zu sein. Von den 22 Stellen, 
deren Nummer in der Commentatio und auf den Facsimiles man in der 
Praefatio critica angegeben findet, herrscht an folgenden völlige Ueber- 
einstimmung zwischen Hug und Graux : I, 3, 1 äpgacvzo, 7, 4 zdJv i/jLuJv, 
9, 17 (= n. 21) Xo^ayol, dt . . inXeoaav , iyvcoüav . . xrxXwg bnap- 
^ecv ^ , II, 2, 1 (= n. 3) auptov npoj, III, 2, 34 (Lv izpogooxsc [xoc, 2, 35 



12a) Das Folgende war in die Druckerei gegeben vor dem Erscheinen 
von HugVj Entgegnung in den Jahrb. t. cl. Phil. 119, 1879, S. 97-104 und mag 
nun bleiben. 



Anabasis. 71 

dmxovTsg xac SdxvouaiV, IV, 3, 1 dvdmzuaav, 3, 21 d-oAr^^ffc''r^(Tav, 4, 17 
(TrpaToniooo . III, 1, 27 schliesst Graux nach dem von ihm unter jxiya 
(fpovTjaag Gefundenen auf rep'.cppovrjaag (Hug xaza(pp.)\ IV, 7, 12 hatte 
zwar C pr. dvzrjio'MZovro, Graux giebt aber dem übergeschriebenen 8irj. 
den Vorzug. An den übrigen Stellen ergeben sich Hug folgende Les- 
arten: I, 9, 16 nXouatujzipojg C^v notelv^ II, 3, 10 oug süpiaxov exTier^zu)- 
xorag, 5, 13 vüv ol8a Tsßo/xcuiJLdvoug, 5, 28 xac Mßpa arjyysysvrjijisvov, 
III, 1, 21 daä<ptia (unter unoipca)'^^), 2, 11 'onoffTTjvac auzol Wrjvoloc, 2, 13 
[ivrjUsTov (unter fiapzupcov) ^ 2, 17 orc oi'ApMiou, 4, 12 Sk ßpovxf^ xazi- 
z^Tjie, IV, 5, 4 dvsTvac (unter ^rj^ac) , 6, 19 e&eXovzeg dya&ol ^acvoj^^zac, 
7, 20 ivsxs\> (T'jvi?So!. — In der Ausgabe ist Hug möglichst C prior und 
den meliores gefolgt, nicht selten indessen, selbstverständlicher Weise, 
den deteriores. Nach den von C prior erhaltenen Spuren vermuthet er 
noch: I, 2, 5 iTizä s^Buyiiivr^ TzXocoig , I, 9, 7 iirjSajjLuJg ipsuSsa&ac , II, 1,6 
epr^liot ooaar nlg, II, 6, 2 dvamcaag, III, 1, 25 zdzzsz' avrov p.a, VII, 3, 7 
7:pocuvzujv ok xal . . dyyBXoi (= Comment. S. 10; die übrigen Handschriften 
Nia}v de xac . . ä^oc. Nitsche: ■npotövzwv 8' r^xov . . dl'^.)^ in der Praef. 
crit. II, 2, 21 fj-nep vjX&ov h zf/ iidj^jj (müsste mau nicht erwarten sg 
zrjv pd^Tjv'i)^ vgl. ihn ausserdem zu II, 6, .9. (Auf die Lesart I, 9, 29 
in den Excerpten des Kaisers Konstantinos Porphyrogenetos rt/n dpzzrjg 
xa> xaxlag: oc [xdhaza kaozoog dydpevot [vgl. C pr.] ist Hug nicht ein- 
gegangen). Comment. S. 4 f. bringt er die Lesart der meliores VI, 1,32 
äp-^ztv ouvedtXr^aat zur Geltung; ebenso versucht er es VI, 6, 25 mit ßia 
Tidaytiv^ und conjicirt unter Anlehnung an diese Handschriftenklasse 

II, 3, 3 Ixzog zu)v unXojv de und V, 6, 31 ehrMpiag (für auizr^p'.ag der 
deteriores), wogegen sich Breiteubach S. 599 f. erklärt. Aus den meliores 
hätte wohl noch Aufnahme verdient: IV, 7, 9 do<paXu}g (hinter dacpaVeg 
müsste man erwarten zw tv\ ^m^oj), V, 5, 1 oozoc dllyoi ovzeg rjcrav otuj- 
xooi, VII, 7, 43 (om. i/xwv) epycuv (dem epycov steht nachher Auywv gegen- 
über, dazu gehört erst die Unterabtheilung zatv e/xäjv, zwv aTpazuurwv). 
Mit den deteriores dagegen behält Hug z. B. VII, 2, 34 ojanep xümv bei, 
(die Erklärer der Stelle hätten auf die entsprechende Sitte am Hofe des 
Partherkönigs hinweisen können, wie sie Poseidonios bei Athen. IV, 152 F 
[F H G. ni, S. 254, 8] erzählt: d de xaXoiJiievog cplXog zpaneZrjg jikv ou 
xotvojvel. yafiac d' 'jrMxa^rjjievog e(p u(prjX^g xliwfi xazrxxtip.ivu) zS) ßa- 
adeT, zb 7iapaß?.rjBkv bn abz-iTj xoviarl cnzeTzat , und IV, 153 A [F H G. 

III, 258, 19] ); mit Unrecht scheint die Lesart der deteriores verschmäht 
zu sein: VH, 3, 13 ra» {zoüzo om.) ßo'jhj/idvoj, 3, 22 {xac om.) dve?.6/xevog, 
3, 31 (<T£ om.) de-fjaei. Wohl mit Unrecht ist von der Ueberlieferung ab-, 
gegangen: IV, 7, 27 z^g voxzhg = noch in derselben Nacht, 8, 11 inl 

13) M. Miller, Blätter f. d. bayer. Gymnasialwesen 1874, S. 78, ver- 
muthete, wie vor ihm schon Hertlein, änopia. In der von Hug, Comm. S. 19, 
augeführten Stelle [Plat.] Ep. VII, 343 C ist die Verbindug dnopiag zb xal 
äaa^eiai kfiTtinkijat. 



72 Xenoption 

T.oUoug rezayfxivoi (vgl. Rehdantz* S. XX, Anm. 36 Schluss), V, 6, 21 
Tipoorazeucrat ^ VI, 4, 7 rb T:6Xia}ia av yevöfievov (was schon an sich ist: 
ein Raum, der eine Stadt werden könnte), 5, 16 TrpoßaXXoixevoug und 
liszaßaXlop.ivoög , 6, 24 xa\ jirj . . dnodpdvzojv, VII, 1, 41 dvaXaßajv . , xal . . 
dneimuv, 2, 25 as (ptlio [lot ^pijaea^at (= behandeln als; der Begriff von 
/p^<T&at ist ja ein anderer als der von zuy^dvscv), 3, 36 abv zdcq &eo7g 
(einer Andeutung der Pferde bei dem stets von Reitern umgebenen Seuthes 
bedurfte es hier noch nicht; vgl. ausser § 37 idv ze imtcxov noch § 43 
^v ^sug &iXj] und darauf das einfache ijyi^aoiiai zocg "mioig, nicht etwa 
vDv (hpa 7jyö7a&at zocg mnotg)^ 4, 7 EsvoipiLvza. Andererseits durfte viel- 
leicht fremder Conjectur der Eingang verstattet werden: I, 8, 22 xpf)' 
^otsv, ^iv^ ijpJaet äv xpovat Bisschop, III, 4, 41 nopeuoo i^ah^ Bisschop, 
V, 7, 31 noirjarjzrxi xac zä [ipuiivä] Matthiae und Krüger, VII, 6, 18 
dfivüiu . . &eobg ndvzag (f. d-n.) xai ndaag Bisschop, 6, 80 aofinaps/ojv . . 
zijv da<pdXzLav jirj . . fitaBbv npogsziXsi zjj dacpaXsia Madvig, 7, 7, kXov- 
zcov Krüger (für k^övziov oder kxövzcov). II, 5, 25 war die Interpunction 
zu wählen: iXUsTv, iv zw iinpavec Xe$u). Eigene Conjecturen Hugs (ausser 
den angeführten), zum Theil ausführlicher begründet, sind: I, 2, 23 [zou 
KcXtxujv ßaadecog]^^), 3, 8 [fiszansfimadac . . k'^rj Mvat], 7, 1 [zöv Oez- 
zaXbv]^ 7, 18 npoBuo/ievog, 9, 7 [eY z(p an£iaaizo\ 11, 3, 19 Y^vd-a ßacrtXsug 
. . iScoj^e . . mazuzazoc], 4, 8 Vpovzag * * zr^v, V, 1, 12 vaüa&Xov, 2, 13 
Ttpozszayiiivoi (für napaz.), 4, 27 Tiepumvoug, VI, 2, 10 ectj dp^scv 'A&r]- 
vaTov UeXoTTowirjaicov xat Aaxe8ai[x6vtov (mit Madvig) . . nape^ofievoug, 
darauf § 13 pszd zijijv {jxetvdvziov'^ (für /isr' auziLv)'^^), 3, 22 {xal zaüza 
aTiajyiXXouai . . xal zb azpdzsu/ia] ^ 5, 19 8rj öcaßazbv , VII, 6, 29 [xoj- 
Xoovzeg firjSa/xfj . . ijp-äg nopc^ecr&ac], 8, 11 xal {äXXoug oder azpaztojzag^ 
niazobg (ob {zobg äv8pag oder azpaztujzag zobgy?); andere Vorschläge 
s. Praef. crit. I, 6, 5. 7, 4. 16. II, 5, 27. IV, 5, 8. 7, 8. VI, 6, 28. 
VII, 1, 17 (und hiergegen Rehdantz, Kritischer Anhang zu Xen. Anab. 
S. 10 f.). - V, 2, 4 schreibt Hug [nXeioug ^] eig ^tXtoug dvBpiunoug. Der 
Ursprung des in A C E V üeberlieferten nXsioug ^ Sca^cXcoog dvßpwnoijg 
erklärt sich aber wohl mit Sicherheit aus Ursprünglichem nX^&og scg ^cXcoug 
dv&pwnoug (scg wurde entstellt in ^ /3'), vgl. IV, 2, 2 nXrj&og wg Sca^cXcoc. 
Hier möge auch folgenden Vermuthungen ein Platz gegönnt sein: I, 2, 27 
(u. Hell. V, 3, 10) azpazetav'i 3, 16 Sjanep ndXcv -{dv^ zbv azoXov . . nocoupivoo 
gerade als ob er den Zug rückwärts machen würde, wenn wir ihn bitten, 



14) Auch vorgeschlagen von M e h I e r , Mnem.6, 1878, S.396. Dessen übrige 
.Vermuthungen dort (S. 394—397) sind: I, 2, 12 yoüv (f. d' ouv) azparia, 3, 6 

[neh^eai'^ai o'jJs] iTread'nc, 3, 12 [^/'^/»og], 5, 8 [Ttepl zotg zpa^rjXotg] . . [rrepi 
zatg ^epffiv], II, 6, 27 änwXEffsv [adzöv], III, 1, 34 Xe^ov . . xat vüv (f. aü), 
IV, 1, 24 [nap' di'dpl] ixdedoßivTj, VI, 5, 4, xazeXmdpouv (f. dniXinov) abroüg 
(vgl Lucian. Catapl, 14 und 4. Dial. D. 25, 2). 

15) Vgl. über Anab. VI, 2, 13 f. W. Vollbrecht, Philol. 36, S. 352-355. 



Anabasis. 73 

3, 18 Ttpägcg . . ^sk}- o7av7iep (für oiamp) . . BiptiTo rolq ^evoig (zwar 
Plat. Leg. IX, 868 B ^pajfisvoug ^pscav ^v av eMkiuai^ aber [Xen.] Kyrup. 
VIIl, 8, 9 önwg ohj r^ ^l'-^P']'- //OÖ'i'To elg rag npd^eig), 8, 22 fiecrov e^ovrsg 
T<5v (für tö) auTÜJv (vgl. § 13 fieaov tmv [AB CE; cet. to] sauroü e^iov, 
§ 23 p-derov i^ojv r^g auroü (rrparcäg, Kyrup. VII, 5, 3 aräg xara jiiaov 
T^g kaozoö (Tzpaziäg) , II, 1, 6 ix xu)v hizoQjyiuiv xoTTTovzeg [roijg] ßobg 
xat ovoog (doch wohl nicht alle; denn sie ziehen nachher mit dem Ge- 
päck weiter: 2, 4 dvaTcS-sad-' inl ra bno^üyca x. z. I., § 8; Pferde hatten 
sie nur wenige, und auf das Masc. 1, 6 wird man kein Gewicht legen 
wollen), 3, 15 dneztßeaav. * * xal rjv [xat. om. Ath. XIV, 651 B] rcapä 
Tiözov , 4, 6 TüiV 8k nokeficiov Imtelg elaiv [oi] TzXeTazoi , III , 1 , 40 njcr&d- 
vsa^B ojg . . ■^XBov (unter den Beispielen, die für dxouw u. s. w. mit Per- 
fectbedeutung angeführt werden, finde ich kein diesem entsprechendes), 
V, 6, 25 UMTZS zw ßooXojxivoj ^stvac} ivocxscv, zw 3k ßooXojihw druivat 
olxaSs, 7, 16 onocroug enecasv (für btibSbv)^ ^T^'^t *^t 20 ot [zwv' EXX-^vwv]^ 
vexpot (schon erwähnt § 16. 18, darauf 30 ohne solchen Zusatz, und Xe- 
nophon spricht in directer Rede) , VI, 3, 2 onoo (für bnuia) ok , 6, 20 
Ttpbg ai . . ixsKzuai [crs], zYzs . . ak auzöv^ 3, 47 Td8e Stj . . d [au] eleyov 
(für iXeysg, denn mit den folgenden Worten ziovzai ol dv&pwm): weist 
Seuthes zurück auf seine eigene Aeusserung § 43 zoug yäp dv&pwnoug 
^aofjLSv inimaövzeg). Von Gustav Jacob freundlich mitgetheilte Vor- 
schläge: IV, 5, 30 naploc {elg^ xwjxrjv, 8, 11 uttö dllpuujv [xat] ßeXwv xat 
dvBpwnwv eiineaövzwM , V, 1,7 dXX^ ipot (für dUd poi) SoxsT, 2, 26 
xai iSrjXoo (mel. xat 8rjXot) ,3,5 üpo^ivou [og auv KXedp^ü) dnidavsv] 
auch die darauf folgenden Worte $ivog yap rjv ahzw gehören noch 
zur Interpolation; denn Xenophon hat ohne Zweifel deshalb den Namen 
des Proxenos mit auf das Weihgeschenk gesetzt, weil er sein Vor- 
gänger im Strategenamte [§ 4] gewesen war. Zu § 6 liätten die Er- 
klärer auf Plaut. Bacch. 307 und Hermann, gottesd. Alterth. d. Gr. 9, 13 
verweisen können), 4, 26 xa\ ivzsü&sv, {xat} Dutiov änavzsg zo ^wpt'ov, 

4, 34 av -iaXXot} dvi^pwTxoc, 6, 20 ixh$d/i£vot u zc av (für bnoc dv oder 
3nTj dv. Cobets Conjectur lässt sich nicht mit onücrrjv zrjg ^"^pag ver- 
theidigen. Nitsche : vorher zrjg xüxXw iwpag [-nep} zov Ilovzov otxoupevrjg]), 
VII, 3, 45 oux i/ioü fidvou 8eT (für odet) ich bin nicht allein nöthig. 
n, 1, 13 Xeyetg oux d^dptaza möchte Jacob aufrecht halten, indem er 
meint, dass Odyss. 8, 235 oux d/dptaza /xs^' rjfitv zdur' dyopeostg vor- 
schwebte. 

Einzelne Beiträge: 

J. Rieckher, in der Festschrift der Gymn. u. evang.-theol. Semin. 
Württemb. zur vierten Säcularfeier der Univ. Tübingen 1877 S. 19: I, 
2, 21 nepmXeovza (für -souaag). 

A. Coen, Rivista di Filol. 1, S. 205 — 210. 

Er setzt I, 5, 2 hinter zd 8k xpea oder hinter zwv aXtaxopsvaiv 
eine Lücke au. 



74 Xenophon. 

K. F. Hertlein, N. Jahrb. f. Phil. u. Päd. 107, 1873, S. 110: 
I, 5, 11 rcüv TZ Mivcovog tou arpartwTwv xai riüv K}^sdp^o'j. 

Deuerling, Bl. f. d. bayer. G.- u. R.-Sch.-W. 14, 1878, S. 258: I, 
10, 12 fJtrj ycyi>u)Cfxscv • xai/zot)- zb. 

Sörgel, Bl. f. d. bayer. G.- u. R.-Sch.-W. 12, 1876, S. 306—309, 
bespricht II, 1, 9. 3, 13. 

E. Rosenberg, Philol. 36, S. 232: V, 3, 9 [ttoA?-«; xal oc]. 

K. Rosenberg, Neue Jahrb. f. Phil, und Päd. 117, 1878, S. 751f.: 

V, 5, 12 av doxjj (für avo-yx-rj) . . 8u\>acy.E^a. (für ouvcu/xef^a, vergl. § 22, 
ferner 11 und 20). 

E. Kurtz, Bl. f. d. bayer. G.- u. R.-Sch.-W. 13, 1877, S. 108—110. 
Er erklärt VI, 3, 16 sc GsaioaTat »wenn er nicht etwa unterwegs der 
Krankheit erlegen ist«. 

F. G. Unger, Pffilol. 37, S. 534 giebt zur Construction vöjit^e 
anoxTsivojv VI, 6, 24 Belege. 

S. A. Naber, Mnem. N. S. 1, 1873, S. 329 f.: VII, 2, 2 olonsvog 
■IjDUTujg^ av oc'xaos. 

K. Lincke, De XenophontisCyropaediaeinterpolatt. 1874, 3. These: 
Anab. I, 2, 8 [ivzaüi^a Hyszai . . äxponokv], 2, 13 [i<p' fj . . xepdaag 
ayr;yv], III, 4, 8 [zaürrjv . . o'jziog kd^uj], 4, 11 f. [ivzaü&a . . oüzcug idXaj], 

VI, 4, 2 [xac oüg . . "EUrjvag]. 

K. Zacher, De nominibus Graecis in atog, ata^ aiov (Dissertationes 
philol. Hai. ni) 1877, bespricht S. 53f. Anab. III, 4, 7 xspa^iiaig urfd 
S. 119 -121 die Formen dvwyatov, di'dxacov, dvayxalov (Anab. V, 4, 29. 
Hell. V, 4, 8. 14). 

Henrychowski, Z. f. G.-W. 28, 1874, S. 813— 817. 

Er erörtert zu I, 7, 12 dpy^ovzsg Yxal azpazrjoi xal 7jysix6\>eg\ nicht 
ohne Verseheu, den Gebrauch dieser Wörter in der Anab., handelt über 

IV, 7, 3 ahv zolg onKrd^o^üXaqc xa\ mlzaazaig xai OTtXc'zacg, vermuthet 

V, 1, 1 zr]v MXazzav zrjv iv zw [Eb^ecvw] Ilovzip = das an der Provinz 
Pontos ist, 4, 3 zolg (für ol) ix zoo insxecva, zuletzt spricht er über 
V, 4, 10 20: gegen den letzten Theil seiner Erörterungen wendet sich 

W. Gebhardi, Z. f. G.-W. 29, 1875, S. 212-214. 

Weissenfeis, Z. f. G.-W. 27, 1873, S. 272— 277, und Henry- 
chowski, ebendort S. 824-829 handeln über IV, 2 und VI, 6, 3. Nach 
ihnen hat 

F. Vollbrecht, Jahrb. f. cl. Phil. 109, 1874, S. 619—627, und in 
der 5. Auflage seiner Ausgabe, 2. Bändchen, S. 196 198 
unter Beifügung einer Skizze die örtlichen Verhältnisse in IV, 2 be- 
sprochen, und Rehdantz ist in den Anmerkungen zu dem Capitel fast zu 
gleichem Ergebniss gekommen. 



Anabasis. 75 

Ueber V, 2, den Zug gegeu die Drilen, über den vielleicht erst 
einmal eine örtliche Untersuchung völlige Aufklärung bringen wird, han- 
deln eingehend 

H. Heller, Z. f. G.-W. 28, 1874, S. 331ff., 
E. A. Richter, Fleckeisen's Jahrb., 6. Suppl.-Bd., S. 590 fi., 
W. Vollbrecht, Philol. 35, S. 445-476, 
E. A. Richter, Rhein. Mus. 33, 1878, S. 601 -621. 
R. Hansen, De gentibus in Ponto orientali inde a Thermodonte 
fluvio ad Phasim usque habitantibus, Kiliae, (Dissert.), 1876. 4. 
bespricht S. 15 — 19 die von Xenophon überlieferten Nachrichten und 
schliesst sich im Ganzen den Ansichten Kiepert's an. 

G. Hirschfeld, lieber Kelainai-Apameia-Kibotos, besonderer Ab- 
druck aus d. Abb. d. kgl. Akad. d. W. zu Berlin, 1875. (Anzeige von 
Bursian, Lit. Centralbl. 1876, Sp. 1213f.). 

In der Abhandlung S. 10 ff. sind zum ersten Male die Stadt und 
die benachbarten Höhen und Gewässer, auch unter chartographischen Bei- 
gaben, sicher dargestellt. Bursian hält nicht, wie Hirschfeld, den heu- 
tigen Ilidja, sondern den nördlicheren der beiden jetzt Hudaverdy ge- 
nannten Flussarme für den Marsyas. (Vgl. nunmehr auch Milet et le 
Golfe Latmique: Tralles, Magnesie du Meandre etc., par 0. Ray et et 
A. Thomas, Paris 1877, Tome I, S. 1 — 32). Zu erwähnen ist noch 
Hirschfeld's Bestimmung der Parasange bei Xenophon zu ungefähr Vs 
geogr. M. (S. 8 A. 1) und seine Ansicht über die Lage von KafHXjiaJv 
dyopd (S. 9 A. 1). 

Ueber die Kanäle zwischen Euphrat und Tigres und die medische 
Mauer s. M. Duncker, Gesch. d. Alterthums, IP (1878) S. 529. 535. 

0. Kämmel, Die Berichte über die Schlacht bei Kunaxa und den 
Fall des Kyros. Philol. 34, S. 516-538. 665-696. 

S. darüber Volquardseu in diesen Jahresberichten für 1876, HI, 
S. 398 f.; er verhält sich ziemlich ablehnend, während Rehdantz^ S. XXXHI 
Kämmel's Darstellung im Ganzen acceptirt. 

Wie die Münzen lehren, ist Kilikien nach des jüngeren Kyros Tode 
nicht mehr durch besondere Satrapen verwaltet worden: Jahresbericht f. 
1876, m, S. 463. 

M^Toxog (Anab. VH, 2, 32 ff., Hell. IV, 8, 26) nannte sich dieser 
Odrysenkönig selbst auf seinen Münzen: A. v. Sallet in seiner Zeit- 
schrift f. Numism., V, 8. 95 f. 

K.W.Krüger, Kritische Analekten, 3. Heft, Berlin 1874. Darin 
S. 115 — 165: »De authentia et integritate Anabaseos Xenophonteae 
1824. Altera editio passim emendata 1873«. 

Vermehrt durch unbedeutende Zusätze; incorrect gedruckt. 



76 Xenophon. 

Charles D. Morris, Oii the age of Xenophon at the time of the 
Anabasis, in den Transactions of the American Philological Association, 
1874, London, Trübner, 116, 42. S. 8. war mir nicht zugänglich. 

Ueber den Urheber, die Abfassungszeit und die ursprüngliche Ge- 
stalt dieser Schrift handeln folgende Arbeiten: 

W. Nitsche, Ueber die Abfassung von Xenophon's Hellenika. 
Progr. des Sophien-Gymn. zu Berlin, 1871.— Rec. v. E. Jungmann, 
Philol. Anz. 5, 1873, S. 139-144. 

Ernst von Leutsch,Kratippos und Xenophon, Philol. 33, S. 97. 127. 

Es wird die Hypothese aufgestellt, Xenophon habe die ersten vier 
Bücher seiner Hellenika unter dem Namen Kratippos herausgegeben. 
Sie hat nur Jungmann's Zustimmung (a. a. 0.) gefunden. S. über Kra- 
tippos auch R. Scholl, Hermes 13, 1878, 446. 

Wilhelm Vollbrecht, De Xenophontis Hellenicis in epitomen 
non coactis. Progr. des städtischen Lyceums H. zu Hannover. Leipzig, 
Teubner 1874. — Rec. v. A. Hug, Jen. L.-Z. 1, 1874, S. 645-647. — 
R. Grosser, Die Hellenikafrage und ihre Polemik, Z. f. G.-W. 30, 1876, 
S. 257—281. 

Hug hätte das Skizzenhafte im Anfange der Hellenika von Voll- 
brecht mehr anerkannt gewünscht; im Allgemeinen stimmt er ihm durch- 
aus bei in der Verwerfung der Auszugshypothese. Grosser bringt in sei- 
ner Entgegnung wenig zur Sache gehöriges; in den letzten Jahren hat 
sich niemand mehr, wenigstens öffentlich nicht, für seine Theorie erklärt. 
— In der zweiten Hälfte seiner Recension entscheidet sich Hug gegen 
Vollbrecht für die Ansicht von Büchsenschütz, dass Plutarch seine Be- 
richte aus Xenophon selbst entnahm, ihn aber mit anderen Quellen, be- 
sonders auch der nämlichen, welche Diodor benutzte, contaminirte. Da- 
für, dass Ephoros den Xenophon als Quelle benutzt habe, halte ich den 
Beweis durch Breitenbach in seiner Ausgabe (H. Band, S. LXXV) nicht 
erbracht; dagegen ist von Porphyrios (bei Euseb. praep. ev. X, 9 p. 465b) 
bezeugt, dass Theopompos in seinen Hellenika vieles aus Xenophon ent- 
lehnt hatte. 

Xenophon's Hellenika. Erklärt von Ludwig Breitenbach. Ber- 
lin, Weidmann'sche Buchhandlung. 8. 2. Bd., 1874, Buch HI und IV = 
XCII, 204 S.; 3. Bd., 1876, die Bücher V— VH = XXVI, 268 S. (Rec. 
in Zarncke's Lit. Centralbl. 1873, Sp. 1522, und 1876, Sp. 1239f. ; von 
F. C. Hertlein, Jen. Lit.-Zeit. 1876, S. 527f.). 

Xenophon's Griechische Geschichte zum Schulgebrauche mit er- 
klärenden Anmerkungen versehen von Emil Kurz. Heft II, Buch IV 
—VII. München 1874, J. Liudauer (Schöpping), XVIII, 288 S. gr. 8. 



Hellenika. 77 

(Rec. in Zarncke's Lit. Centralbl. 1873, Sp. 596 f.; von F. K. Hertlein, 
Jeu. Lit.-Zeit. 1876, S. 464. Besprechung der beiden eben genannten 
Ausgaben von Höger, Bl. f. d. bayer. G.-Sch.-W. 10, 1874, S. 52ff.; 11, 
1875, 230 ff.; 18, 1877, S. 43 f.). — E. Kurz, Zu Xenophon's griechischer 
Geschichte, Kritisches und Exegetisches, IL Theil, Progr. des Ludw. Gymn. 
zu München 1875, 30 S. 4. 

Xenophon's Griechische Geschichte. Für den Schulgebrauch er- 
klärt von B. Büchseuschütz. Leipzig, B.G.Teubner, 2. Heft, 1873:, Buch 
V- Vri, 3. Aufl., 186 S.; 1. Heft, 1876:, Buch I-IV, 4. Aufl., 204 S. gr. 8. 
(E. Kurz, Zur Erklärung von Xenophon's Hellenica, mit Rücksicht auf 
die Ausgabe von Dr. Büchsenschütz, Bl. f. d. bayer. G.-Sch.-W. 10, 1874, 
S. 327—333; und: Zur grammatischen Erklärung von Xenophon's Helle- 
nica mit Rücksicht u. s. w., ebendort 11, 1875, S. 31—40). 

0. Riemann, Collation de deux manuscrits des Helleniques et 
specimen d'edition critique, im Bulletin de correspondance Hellenique 2, 
1878,8.133-161. Dazu: Addenda et Corrigenda S. 317-319. Letztere 
waren mir eben so wenig zugänglich, wie desselben Verfassers Schrift: 
Qua rei criticae tractandae ratione Hellenicon Xenophontis textus consti- 
tuendus sit; Paris, Thorin 1878; YH, 104 S. 

Sehr dankenswerth ist es, dass Kurz auf die Beziehung hingewie- 
sen hat, welche zwischen Hell. V, 1, 36 und Isoer. Paneg. § 139 be- 
steht; durch sie wird (anders, als Kurz meint) lediglich meine Ansicht 
bestätigt, dass Xenophon's Hell. I— V, l als besondere Schrift im Jahre 
384/3 abgefasst sind; Isokrates hat in seinem (trotz Engel) 380 abgefassten 
Panegyrikos den leicht sich dem Gedächtniss einprägenden Schluss- und 
Hauptgedanken jener kurz zuvor erschienenen broschürenartigen Schrift 
Xenophon's aufgenommen, ihm aber für seinen Zweck eine etwas an- 
dere "Wendung gegeben; und zwar hat er dabei den im Attischen un- 
gewöhnlichen Ausdruck imxuorjg mit hinübergenommen, der nach Aus- 
weis der Lexica in der attischen Literatur, ausser an diesen beiden 
Stellen, nicht vorkommt, der also bei Isokrates sehr auffällig ist, während 
er es bei Xenophon nicht ist. — Breitenbach hat, um die von ihm ein- 
mal acceptirte Zweitheilung in Buch I— II und III— VII aufrecht zu hal- 
ten, jetzt stillschweigend seinen bisherigen Widerspruch gegen Büchsen- 
schütz aufgegeben und lässt nicht mehr Xenophon Buch I — II aus den 
394 ihm auf der Rückkehr von Asien von der Familie des Thukydides 
mitgetheilten bno/ivrj/xara desselben arbeiten. Um aber über den Zu- 
sammenhang, der zwischen dem Schluss des zweiten und dem Anfange 
des dritten Buches besteht, wohl oder übel hinwegzukommen, und um 
die ersten beiden Bücher von den folgenden abzutrennen, lässt Breiten- 
bach jetzt in ziemlich willkührlicher Weise Thukydides 402 sterben und 
Xenophon die beiden ersten Bücher der Hellenika vor 401 und darauf 
nach 394 wiederholt vornehmen und sie doch schliesslich natürlicherweise 
»unfertig« lassen. In Bezug auf Thukydides vergleiche man dagegen 



78 Xenophon. 

P. Lesko, Progr. der Ritterakad. zu Liegnitz 1875, S. 28f.; L Cwi- 
klinski, Hermes 12, 1877, S. 23- 87; Fr. Zimmermann, Quaestiones 
de tempore, quo histoiiarum libri a Thucydide scripti quoque editi sint, 
Hai. Diss. 1875, S. 45 ff. Dass die ersten beiden Bücher der Hellenika 
auch in ihrer ersten Anlage nicht in Attika noch entstanden sein kön- 
nen, beweist, von allem anderen abgesehen, schon genügend das zahl- 
reiche Vorkommen der Präposition abv\ Tycho Mommsen im Progr. 
des Stadt. Gymn. zu Frankfurt a. M. 1874 hat auf die auffällige Erschei- 
nung aufmerksam gemacht, dass in Xenophon's Schriften 556 aüv und 
275 jxerd sich finden, während bei Thukydides, der ihm unter allen 
Attikern in dieser Beziehung noch am nächsten steht, nur 37 (töv auf 
400 iierd kommen; in Xenophon's Hellenika zählte ich I—U, 3, 10: 15 aöv 
und 22 (oder 23: Madvig Ädv. Cr. I, 336 zu I, 2, 5) //,£-«; H, 3, 11 -H 
Schluss: 18 auv und 8 ,a£-a; EI— V, 1: 57 aüv und 35 ,(icra; V, 2 VH: 
39 Guv und 66 [lerd. Obwohl ich demnach der Meinung bin, dass auch 
Hell. I -H, 3, 10 nicht in Attika entstanden ist, so stehe ich doch nicht 
an, auf die eigeuthümliche Thatsache hinzuweisen, dass dieser Abschnitt, 
was das Zahlenverhältniss der beiden Präpositionen anbetrifft, dem letzten 
V, 2— VII näher steht, als dem mittleren, II, 3, 11 — V, 1; zugleich halte 
ich es für angezeigt, hier die Beobachtung von A. Pro cksch, Philol. 38, 
S. 185 f., hervorzuheben, dass (nach den von ihm angeführten Stellen zu 
urtheilen) in I — II, 3, 10 nur die attische Verbindung rpoTvucoy lardvat 
und zwar fünfmal vorkommt, V, 2 — VII sowohl diese viermalig) wie die 
unattische im Medium -pdnatov "axaai^ai. elfmaP'^), II, 3, 11— V, 1 aber 
fünfmal (und sonst bei Xenophon) nur diese letztere. (Zur Vervollstän- 
digung jedoch ist aus Dindorf die varia lectio hinzuzusetzen: II, 4, 7 
(TT/jadjisvoc] arrjaavTsg D; VII, 5, 13 tazaro] Tarr^acv V; VI, 2, 24 ist die 
varia lectio: caraaav BDV, die übrigen iazrjaav). ~ Breitenbach hat 
sich in Xenophon so eingelebt, dass er in ihm ein Muster gerechter, zu- 
verlässiger Geschichtsschreibung sieht. Diese Auffassung hindert jedoch 
nicht, dass Einleitung und Anmerkungen besonders in historischer Beziehung 
vieles werthvolle enthalten. Auf die grammatische Erklärung hat Kurz 
grösseres Gewicht gelegt. Beide Angaben ergänzen und rectificiren einander 
nicht selten gegenseitig. Büchsenschütz hat seine Ausgabe in Anmer- 
kungen und Einleitung etwas verbessert und vermehrt; auf die Ausstel- 
lungen von Kurz hat er kaum Rücksicht genommen. 

Was den Text der Hellenika anbetrifft, so giebt Riemann eine 
Collation der Pariser Handschrift der Bibliotheque Nationale n. 317, die 
er L, und. einer Mailänder der Ambrosiana A. 4. P. Inf., die er a nennt; 
von der ersten von I -V, 1, 17, von der zweiten von I — VI, 3 und von 
VII. Zu III, 3, 1; V, 1, 1 — 17 hat er auch noch andere Handschriften, 



16) VI, 4, 14 steht lardvai, nicht kaxdvai. 

17) Darunter IV, 3, 21, nicht IV, 4, 21. 



Hellenika. 79 

die ich gleich unten nennen werde, verglichen; zu II, 1, 10 bis zum 
Schluss des Capitels hat er B, den besten Codex der Hellenika, den man 
kennt, nachverglichen. Von S. 150 au giebt er den Text von I, 1 con- 
stituirt, indem er bis § 18 noch Collationen mittheilt von den Par. 1738 
(B), 1642 (D), 1793 (A), 2080 (C), 1739 (E), von den Flor. plut. 69, 12 
und 15 (M. N), von den Yen. 365 und 364 (v und v^), vom Perus. E, 
65 (P), vom Ravenn. plut. 131, 2 (R). Rieraann legt zwar B den grössten 
Werth bei, meint aber, dass seine Geltung durch L und a beschränkt 
würden ; dagegen misst er D und V (Yen. 368) wenig Bedeutung bei und 
verspricht hierüber an einem andern Orte ausführlicher zu handeln; nach 
VII, 1, 38, da B hier und L schon VII, 1, 21 aufhörten, sei a der Haupt- 
codex. Nach dem, was er mittheilt, kann ich nicht einmal linden, dass 
a irgend an B heranreicht; auch ob a nach VII, 1, 38 D aus dem Felde 
schlägt, möchte die Frage sein. So viel ich sehe, ergiebt sich aus seinen 
Vergleichungen gar nichts völlig neues und richtiges. I, 6, 35 hat a 8k 
To?g, wie Schneider vermuthete, II, 2, 36 hat L napavsvojxtxivat, wie Cobet 
schon» emendirte, I, 7, 23 haben beide dtrjprjiiivrjg, wie Lövvenclau schon 
vorschlug (a, A, B führen das t adscriptum). III, 4, 4 haben a und L yz- 
paazuv, II, 4, 7 (nebenbei bemerkt) ozrjadixevot. IV, 8, 21 und VI, 1, 3 
ist in a diaawi^eiv, dtiawtZsv erhalten. Ist VII, 1, 43 imi^ovzo äpa von 
Xenophon geschrieben gewesen, wo für dpa D V a jäp^ E ph, die übri- 
gen phv yap haben? — Breitenbach und Kurz haben nach den Materia- 
lien, die sie vorfanden, den Text selbständig constituirt; sie sowohl, wie 
Büchsenschütz haben sich die Conjecturen Madvig's in seinen Adver- 
saria critica entgehen lassen, von denen folgende hier Erwähnung finden 
mögen: I, 2, 1 nevzaxtQx^XlotQ (für -oog) rwv muriov nsXrag (für mX- 
raazäg. Nitsche: TzeX-aazixä orJa"^ Vgl. Kyrup. I, 2, 4 auv zoTg yoiivrjTc- 
xolg onXoig, II, 1, 18 sv zocg uTtrjpszcxoTg onXotg) r^oirjadpsvog ojg äpa xal 
TzsXzaazalg eaupivoig, I, 2, 10 olxzlv dzzXzc (für dzilztav) idoaav zu ßou- 
XopivüJ^ I, 6, 33 (pi^yrj . . TiXscazr] , zrjcov (für . ., TiXecaziuv) , I, 7, 26 ^ 
(sc. osocuzeg), prj . . xpcvrjTs; dXk' uux (at non licebit), av . ., p:a ipWO). 
Darauf § 27 MszapsXrjOBc 8k üazspov ^ u ]■ d'mpvr^a^rjze . . rjpapzrjxuzag 
(vgl. auch Kurz Progr. 1875, S. 4 f.), II, 2, 8 iv zw (für zfj) 'Axaorjpitj. 
[zip] xaXoupzvü) jupvaatüj, II, 4, 34 w? äXXoc OTiXTzat . . Tipu za>v 'AXutv 
(für äUujv. Kurz S. 33 vorher: ol pkv [^mojJ), III, 3, 7 {abzog i<prj zoüzo 
ipea&at,} zöv 8' sItisTv ozc, darauf in der folgenden Zeile i^' oaov de' 
(für zipaadv yz)^ IV, 3, 3 8id^ag (für 8ialXd^a.g) Maxzoovcav, IV, 8, 5 mit 
der besten Ueberlieferung AcyatzTg xal dlla yz {'':)^^ujpco. 8mavzat . . 
bnrjxoot. uuzzg, V, 1, 19 npoxopc^öpevog (für npogx.), VI, 4, 24 i^cdaaa&ac 
(für indaHa&at) . . zu . . rMog (vgl. Plat. Leg. IX, 879 A zrjv ßMßrjV 
£$cda8aj), VI, 4, 27 ob . . ^oßoupzvog^ prj . . nopeuocvzo (für Tiopzuaoivzo)^ 
dXXä . . iv&upobpzvog prj . . zYpyoczv , VI, 5, 3 pcav ndXiv (für TtoXtv) z^v 
Mavzivziav notziv xal zzc^c^zcv zijv Tzohv, VII, 1, 28 \tzvai^ nur in V vor- 
handen] zig BzzzaXiav dnavzäv (für zdvavzca) 9rjßacütg , VII, 2, 8 züjv 8' 



80 Xenophon. 

iv8oi^£v Ol fikv im rou xziiooQ (mit Löwenclau), ol Sk xcu iacDBsv ext 
dvaßaivovrsg touq im rdtg xXijxa^iv ovrag inacov, VII, 2, 17 nopi^ovreg . . 
xofjLc^ovrag (für nopc^ovrag), VII, 4, 11 roug . . (puyddag fiivecv iv ro) Tp:- 
xapdvw, uig iv Tjj iauväm noXsi ocxouvrag (für e^ovrag. Kurz: [l/ovrac]), 
VII, 4, 20 dnoxaiisTv (für dnoßdUstv oder dTioßahTv) roug 'Apxddag. IV, 
3, 23 imnrov [oc 8k] xal hat nach Madvig auch Breitenbach vermuthet; 
aus des letzteren Aenderungeu und Vorschlägen seien ausserdem her- 
vorgehoben; III, 4, 23 u^rjysic&ac, Tiap^yyeiXe, 5, 5 dvrdi^if'sujc zrjg [roü 
'AnoUcuvog] dexdn^g rrjg ix -{Trjgy hiag xal tou, IV, 3, 17 [xac TidvTsg . . 
kyivovzo xal] (vgl. Höger S. 230 f.), 4, 1 dno&vrjaxovzdg {-cvag) , 5, 13 
\yu)v Kopcv&ccDv], 5, 14 [roug npoetprj/jLSvuug] , 6, 7 ol 8k [arpazimzai], V, 

I, 5 iv ZU) zsiy^iajiazt -^t-üJ)- zwv 'A&yjvacojv, 3, 27 [8cä zu iirj8kv . . mo(po- 
/?av]i8), VII, 4, 27 \zuiv AaxsSacfiovcujv]. - Von den beachtenswerthen 
Vorschlägen, die Kurz zu verdanken sind, begnüge ich mich zu erwähnen : 
IV, 2, 6 oazcg (für ozc) . . Sitoxpivsl (für 8sl euxpiveTv. Höger S. 232: 
0, zc . . 8zT suxpcveTv), V, 1, 5 [vaüap/ov], VII, 3, 7 uiieTg (für fikv) ov- 
zag, 4, 37 {xal ol) xazd. Zu IV, 1, 18 empfiehlt er, I, 2, 9 (vgl» auch 

II, 4, 25) u)g scg (für wg sl) zu schreiben. Im üebrigen verweise ich 
auf sein Register der Abweichungen seiner Ausgabe von der Sauppe's 
S. 286 f. und auf seine beiden Programme, in denen er zahlreiche Stellen 
eingehend bespricht, deren Verzeichniss am Schlüsse des zweiten, zu- 
sammen mit einigen Berichtigungen der Ausgabe, gegeben wird. Neu 
ist im zweiten Programm S. 7 die Vermuthung, dass II, l, 7 — 15 ur- 
sprünglich gelautet habe: (§ 7) . . napsSoaav AuadvSpw [izu)v . . (§ 10) 
'Ah^cou, AüaavSpog] <(^dg} d^txö/xsvog £ig''E<pe<Tov . . (§ 14) nazipa. (§ 15) 
\T<x) 8' im.ovzi szzi^ Auaav8pog [8'] iml xzk. S. 15 — 18 ebendort giebt 
Kurz zu der schwierigen Stelle IV, 4, 9-12 einen sorgfältigen Commen- 
tar; sodann lässt er S. 18 — 21 eine genauere Begründung der Ansicht 
Grote's folgen, dass die Einnahme Lechaion's nicht schon in IV, 4, 12 
(Jahr 392)13), sondern in § 19 (Jahr 391) zu finden sei; diese Ansicht 
bekämpfen, indem sie Andokides und Diodoros mit Xenophon in Einklang 
zu bringen versuchen, 

Karl Fuhr, Animadversiones in oratores Atticos, Bonner Dissert. 
1877, S. 9-15, und 

Josef Rohrmoser, Ueber die Kämpfe um Lechäon während des 
korinthischen Krieges, Zeitschr. f. d. österr. Gymn. 28, 1877, S. 736—743. 
Hier sei gleich eine andere Erörterung Rohrmoser's augereiht, in der- 
selben Zeitschr. 29,. 1878, S. 9 — 13: Unter Vergleichung von VI, 3, 1 fasst 
er VI, 3, 18 so, dass er bei ztg an die Thebaner, bei zov ßooXojievov an 



18) Dieselbe Conjectur hat A.»Schäfer, Jahrb. f. Philol. 113, 1876, 
S. 366 gemacht. 

19) Breitenbach huldigt noch der alten iaischen Chronologie des korin- 
thischen Land-Krieges. 



Hellenika. 80 a 

die Spartaner, bei tw fjiij ßouXo/ievüj an die Athener denkt; »das Recht 
der freien Entschliessung gilt nur für die beiden Hegemonen, nicht aber 
für die ihnen verbündeten Gemeinden; diese sind und bleiben an die 
Beschlüsse der Bundesversammlungen gebunden«. Seine Auffassung dar- 
auf von VI, 5, 1 ff. kann ich mir nicht aneignen. - K Fuhr, Rhein. 
Mus. 33, 1873, S. 337 Anm. bessert, dem constanten Sprachgebrauche ge- 
mäss, 11, 2, 10 xard <(r£^ yrjV xal xaza Bälaxrav oder ^m!)- >:azä y. x. x. H. 

Kurz, Bl. f. d. bayer. G.-Sch.-W. 10, 1874, S. 160 vertheidigt seine 
Conjectur I, 2, 8 'E^smoig (für acpiatv) gegen die Höger's in dessen Re- 
cension S. 55 'E<piaMt. Auch H. Sauppe, Lectionsverz. d. Gott. Univ. 
1873/74, S. 11 hatte vermuthet ol od <^t )- ix . . 'Efpiaiot. 

Kurz und Geist, Bl. f. d. bayer. G.-Sch.-W. 10, 1874, S. 148 - 152, 
160—162, 265-274 debattiren über das Verständniss von I, 1, 27 f.; 
6, 14 d\'opa7iooia^]^at. — Geist, in derselben Zeitschr. 11, 1875, S. 406— 
410, rechtfertigt II, 3, 48 auv roTg ouvafxsvocg . . äcoi roarcov. Ebendort 
13, 1877, S. 112 f. vertheidigt er II, 3, 34 ixscvtj als Nebenform von ixsT 
durch Belege, handelt über II, 1, 28 au/xTiapfjz: und III, 2, 18 "A jiivrot. 
und bezieht III, 3, 5 a>c rsrrapdxov-a nicht bloss auf äXXoug^ sondern 
zugleich auch auf alle vorhergenannten auf der djopd anwesenden o/xucoc. 

Weitere einzelne Beiträge: 

K. J. Liebhold, Jahrb. f. Philol. 115, 1877, S. 158—160, 375 — 
378, 725-728; ll7, 1878, S. 593—597. 

An der eben erwähnten Stelle II, 3, 34 vermuthet er ei Sk sxscvrjv 
(für ixeivTj) im'/^£cprjas.ci zcg ra>v lipöpujv . . (pdystv [zs vrjw dpy^rjv]. Von 
seinen übrigen Conjecturen führe ich an: I, 6, 5 ai/r' emzrjdzcojv (mit 
Jacobs) yevojiivujv xal apiaxa (für äp-zt) quvcdvrajv rd vauztxd xai dvBpuj- 
■notg tog ipTjazdov \oh mit Schneider] ytyviuaxdvTwv dnsipoug . . ixsc ■s^xal} 
xcvouveüovzag (für xtvdovBÜutdv) zc . ., ix zouzou 8rj (für i. z. ok), § 10 
ig auptov (für in' auzov) dei. I, G, 37 . . Xiov. tjv de zu nvsüpa oupcov 
xal zag zpt-qpeig zrjv za^iazrjv ^^^-ev^, auzog 8k. III, 1, S orj (für 8h) 
Ziaoipog. IV, 4, 3 oh-/_ onoTizzoop.d\tuiv (für oh zonzüpdvu)^). V, 2, 34 züzs. 
fikv del npogsc-^eze zov vouv \jJ.rj^ Ttoze (für nuze) dxoüaecräs (dies letzte 
Wort war so zu belassen!). II, 3, 34 aber ist zu lesen . . ^upndiinovzog 
auzoTg, oug ißoukovzo ouve?Mp.ßauov, ouxdzc . . -^^dv Schäfer^ dud^eoßai . ., 
in, 1, 18 entweder d{^up.ozdpoug (Cobet für -zdpav) oder d&up.ozdpav <^z^v 
azpaztäv)- slg (für xal) zrjv npogßoXrjV iasa{^ac. V, 4, 1 ist nur Trpwzov 
entweder mit Wolf in npuzepov oder mit Gustav Jacob in npozoi) zu än- 
dern. — Hier mögen noch wenige Vorschläge von mir folgen: I, 4, 7 
iv UXou^otg (für ivcauzol zpaTg) rjaav (die Worte an sich, abgesehen vom 
Sachlichen, würden unanstössig sein, s. Anab. VII, 6, 1 a^eSbv ^St] 8uo 
lifjvwv ovzwv). l, 6, 11 dvzl züjv au/xßaUopdv(uv (für aupßdvzojv) ijpcv 
{dyaBüJV om. DJ (s. § 7 ivsxa dpyoptou., 9 '/prjp.aza, 12 ~6pov yprjpAzujv). 
II, 1, 31 . . xazaxprjp.viaacav[- WikoxXrjg . . oid(pHaipev\ . . . xazsxprjiJ.vcae. 

JahiH.-.bei icht für Altertliums-WisseUfcliaft 1877 I ,-, a 



80 b Xenophon. 

in, 2, 1 [unö äepxuXida]. HI, 5, 24 d^&ö/xsvo: (für äfffievoc) . . dmfjsaav 
ix zYjg BoKuriag, [roüriuv de Ttpa/d^ivrwv ol fikv Aaxzdaijxovtot dd^ujxwg 
drcrjecav] ol de Boiwrtoc. VI, 2, 10 xal xarä yrj\> (für das unverständliche 
xai zäyriv der besten Handschrift ß. Vgl. nachher ao\>diaßt.ßäao.t . . vux-ög 
Scaxo/xca&evzag nou rr^g ^wpag und darauf xal . . vaug. Grote X, 195, 2 
= 1X2 364). IV, 8, 35 ist -Dyv ävcu zu erklären durch b86v^ vgl. Polyb. 4, 
44, 3. 6-10. 

L. Schwabe, Jahrb. f. Philol. 107, 1873, S. 381—386. 

III, 1, 13 ]jj Utaidag]. III, 2, 28 nsptexXfjai^rj (für neptenkrja^rj) [ly 
olxta]. Die Ueberlieferung wird vertheidigt EI, 3, 3 x^keöaac, III, 4, 20 
xal ä)Jov, III, 2, 11 die Athetese [rj dne^et . . r^fieputv 686v]. 

August Laves, Philol. 32, S. 361 — 363, 57lf. 

Conjecturen zu III, 2, 14. 4, 23. 5, 2. IV, 1, 25. 

G. F. Unger, Philol. 33, S. 688 ff. 

II, 3, 5 dnu (für ukö) Jcowaou elg KardvrjV dnearrjcrav (für dneard- 
Xrjaav) — ins Gebiet von Ka-dvr], die zu diesem gehörige Feste Acrvrj 
besetzend. VI, 1, 4 'AXxirag ö ev rrj 'Hnecpw enap^og (für unap^og) = 
der Grossfürst in Epeiros, weil Herrscher über Molosser und Thesproten. 
(Droysen, Hellenismus^ I, S. 96 Anm. behält unap^og: »früher war 
Epeiros in Dependenz von Thessalien gewesen«.). — Ueber Hell. II, 3, 9 
6 e^dprjvog xal invd (vulg. dxrdi) xal ecxoaiv irrj s. G. F. Unger, Sitzungs- 
bericht d. philos.- philol. und histor. Classe d. Akad. d. Wissenschaften 
zu München 1875, Bd. I, S. 45, und Philol. 37, S. 5; an letzterer Stelle 
spricht er auch über den Zeiturafang des &spog bei Xenophon (d\amit 
widerlegen sich die in sich selbst widerspruchsvollen Aufstellungen Breiten- 
bach's hierüber in seiner Ausgabe). Wegen der Hyakinthieu und Isth- 
mien kommt Unger Philol. 37, S. 16 auf Hell. IV, 4, 19. 5, 3 zu reden. 

Hermann Blass, Das Verb um dvocyoj bei Xenophon, Jahrb. f. cl. 
Philol. 117, 1878, S. 465—470. 

Es wird vorgeschlagen. Hell. I, 1, 2. 5, 13. 6, 21 dvoiyuj zu ver- 
stehen von dem »sich klar machen, klar werden« , wonach der Seemann 
mit einem »klar zum Gefecht, zur Abfahrt« u. s. w. das Fertigsein mit 
allen Vorrüstungen dazu bezeichnet. 

Ueber die Theilnahme der Sikelioten an den letzten Unternehmun- 
gen im peloponnesischen Kriege enthält einiges: Julius Riedel, De 
Hermocratis Syracusani vita ac moribus, Progr. d. Gymn. zu Cassel 1878, 
S. 22. 26-32. 

Ueber die Zollstätte bei Chrysopolis, die Getreidezufuhren aus dem 
Pontos und deren Zeiten (Hell. I, 1, 22. 35) vgl. Adelbert Hoeck, De 
rebus ab Atheniensibus in Thracia et in Ponto ab anno a. Chr. 378 usque 
ad aunum 338 gestis, Kiel. Dissert. 1876, S. 10—12, 14, 42 f. 



Hellenika. 80 c 

G. Gebhardt, Bl. f. d. bayer. Gymn.- und R.-Sch.-W. 11, 1875, 
S. 389—399. 

In seine Untersuchung über die weitere Bedeutung des Wortes 
Hellespont zieht er mehrere Stellen der Anabasis und der Hellenika hin- 
ein; imter anderen macht er S. 391 darauf aufmerksam, dass z. B. Xeno- 
phon und Deraosthenes zwar das "Wort Hellespont in seiner weiteren Be- 
deutung ziemlich oft haben, gar nicht aber den Namen Propontis. Vgl. 
auch Fr. Wieseleri Spicilegium ex locis scriptorum veterum ad Bosporum 
Thracium spectantibus, Gottingae 1875, S. 35, und C. M. im Philol. Anz. 8, 
1877, S. 133. 

Ernst Siegfried, De multa quae kmßolri dicitur, Berl. Dissert. 
1876. 

These I: Hell. I, 7, 2 'Ap^idrjfxog [6] xou drjixoo zozs nposan^xdis. 
S. 7 f. , 24 f. wird nachgewiesen , dass Archedemos damals Hellenotamias 
gewesen sei, unter Zustimmung von R. Scholl, Jen. Lit.-Z. 1878, S. 41, 
aber unter Widerspruch von 

Gustav Gilbert, Beiträge zur Innern Geschichte Athens im 
Zeitalter des peloponnesischen Krieges, Leipzig, Teubner 1877, S. 372 
A. 5*. 

Dieser giebt seinerseits S. 368 — 382 fast einen Commentar zu 
Hell. I, 7; S. 379 A. stimmt er dem Resultate bei, zu welchem kommt 

GeorgLoeschke, Ueber den Abstimmuugsmodus im F e 1 d h e r r u- 
process nach der Schlacht bei den Arginusen, Jahrb. f. cl. Phil. 113, 
1876, S. 757 f. 

Danach ist die geheime Abstimmung immer vermittelst zweier 
Urnen in der Zeit vor Eukleides geübt worden, und es erledigt sich die 
entgegenstehende verbreitete Ansicht, als ob vermittelst der zwei Urnen 
in ungewöhnlicher Weise oifen abgestimmt sei. 

Sakkelion, Bulletin de Corresp. Hell. I, 1877, S. 10. 

In einer von ihm auf der Insel Patmos gefundenen Handschrift der 
Ae$eiQ /i£Ö' taropioJv ix röjv JrjfjLoa&evoug lujiuv ist in einem Citate von 
Hell. I, 7, 19 die La. dXla \xav^ fxtav rjp.epav Sovreg abrolg. 

Ueber das Rechtsverfahren im Arginusenprocess handelt (ausser 
Carl Pöhlig, Der Athener Theramenes, Jahrb. f. cl. Phil, Suppl-Bd. 9, 
1877, S. 271 ff., und Hermann Böhm, De tlgayyekta'.g ad comitia 
Atheniensium delatis, Hai. Dissert. 1874, S. 12. 16. 18. 21. 26) Max 
Fränkel, Die attischen Geschwornengerichte, Berlin 1877, S. 75. 79—85, 
und über den Inhalt des Psephisma des Kannonos im besondern spricht 
eingehend und umsichtig Albert von Bamberg, Hermes 13, 1878, 
S. 509—514; letzterer vermuthet, dass § 20 Ssosjievov Glossem sein möge 
eines ursprünglichen, dem Psephisma entnommenen oiaXskrjixjxevov, dessen 

ßa* 



80 d Xenophon. 

Bedeutung erörtert wird und von dem möglicherweise 8iia ixaarov § 34 
eine callida interpretatio sei. Indess, ich fürchte, die Untersuchung über 
die Bedeutung von oca^s^/iixevog muss noch einmal aufgenommen werden, 
weil eine Stelle dabei übersehen ist: Xen. Oikon. 11, 25 Scsdrjfi/ievwg 
(-o^-?) TioV.dy.cg expcßrjv o rc ^ftrj TiaBeTv rj (biorlaat . . imo rrji; yuvatxog. Ob 
sie S. A. Naber, Mnem. 1, 1852, S. 21 Y 256 berücksichtigt hat, kann 
ich im Augenblicke nicht sagen. 

J. H. Lipsius in diesen Jahresberichten für 1873, S. 1399 iden- 
tificirt das wSsTov Hell. II, 4, 24 wegen i $exaߣu8ov mit dem Odeion an 
der Enneakrunos (s. C. Wachsmuth, Die Stadt Athen im Alterthum I, 
S. 275 ff.). Bu(rsian) in Zarncke's Lit. Centr.-Bl. 1876, Sp. 541 iden- 
tificirt das kpov zr^g 'Earc'ag in Olympia Hell. VII, 4, 31 mit dem npura- 
veTov Pausan. V, 15, 9. U. Köhler, Die griechische Politik Dionysius 
des Aelteren, Mitth. d. deutschen arch. Inst, in Athen. 1, 1876, S. 16 f. 
zeigt, dass Hell. VI, 4. 2 unter dem vabg zoö 'AnoUojvog das delphische 
Heiligthum zu verstehen sei. Albert Lebegue, De oppidis et portibus 
Megaridis ac Boeotiae in Corinthiaci sinus littore sitis, Paris 1875, S. 77 f. 
handelt auf Grund eigener örtlicher Untersuchung über den Weg von 
Kreusis nach Aegosthenae, Hell. V, 4, 17 f. 

K. F. H er t lein, Hermes 12, 1877, S. 184: Hell. IV, 8, 35 rbv (für 
xal) 'Ava^ißiov ot^vpzvov . . . xai etra dvsXBujv (für xac knavekd^cov). 

H. Zurborg, De Xenophontis libello qui Tlöpot inscribitur, 1874. 
These 3: Hell. VI, 5, 16 ol 'Apyscoc <^oaov)>. ou TiavSrjpLSt rjXoXoöBovv aöroTg. 

Cobet, Variae Lectiones^ S. 577: Hell. VI, 5, 43 knecgfpiaf^ac 
(für eTtzigfipEffBat). Unmittelber dahinter [t^ '^^^-^a^;] : K. Ditfurt (Pri- 
vatmittheilung); »es müsste heissen elg -nyv 'EUdSan. 

Arnold Hug, Aeneas von Stymphalos (Gratulationsschrift der 
Universität Zürich an die Universität Tübingen). Zürich 1877. 

Der Verfasser macht es höchst wahrscheinlich, dass der Schrift- 
steller und der Feldherr Aeneas von Stymphalos Hell. VII, 3, 1 dieselbe 
Person ist ; von dieser Hypothese aus beleuchtet er von mehreren Seiten 
her S. 6 A 3, S. 29-41 die damaligen Verhältnisse Arkadiens, Sikyon's 
und des Tyrannen Euphron. Recension von K. F. Her tl ein, Jen. Lit.- 
Zeit. 1877, S. 706 f.: »Es verdiente der mehrmalige Gebrauch von Sca- 
Sexzrjp, übereinstimmend mit Xenophon, der häufig Personennamen auf 
T^p anwendet, erwähnt zu werden«. 

Wegen Hermann Luckenbach, De ordine rerum a pugna apud 
Aegospotamos commissa usque ad triginta viros institutos gestarum, Strassb. 
Diss. 1878, rauss ich auf den folgenden Jahresbericht verweisen; wegen 
anderer umfassender Arbeiten, wie die von Busolt, auf den Bericht über 
griechische Geschichte; über die in Betracht kommenden Inschriften findet 
der Leser eine vollständige, bequeme Zusammenstellung in Band XV, 
S. 20-27. 50. 57. 



Varia. 80 e 

Auf mehrere Schriften Xenophon's Bezügliches. 

Chrestomathie aus Xenophon, aus der Kyrupädie, der Anabasis, 
den Erinnerungen an Sokrates zusammengestellt und mit erklärenden 
Anmerkungen und einem Wörterbuche versehen von Carl Schenk 1. 
Sechste verbesserte Auflage. Wien, Carl Gerold's Sohn 1877. XIX, 304 S. 
gr. 8. (Italienisch ist davon erschienen eine Nuova edizione riveduta 
sulla quarta originale da Giuseppe Müller. Torino, Loescher 1876. XXIII, 
•317 S. 8.) 

Aus flüchtiger Durchsicht merke ich an Kyrup. VII. 1 . 1 i/xmeTv 
xdfx^ayslv, Anab. IV, 5, 28 rjv dyriJ^nv zt zo azpdzsvjia pi^j] (mit Madvig, 
für TTcCij der meliores) rjyrjad/isvog [(^acvrjzai]. In der Anm. zu IV, 2, 28 
ivafy.olu}vzzq (= Schenkl An. VI, 53) wären zu berücksichtigen gewesen 
die von F. Vollbrecht in der Einleitung seiner Ausgabe § 8 und die von 
Albert Müller, Philo!. 33, S. 677 angeführten Aufsätze. 

Luigi Ravani, La Politica di Senofonte: studio critico, Roma 
1876, tip. del Senate, 52 S. 8. war mir nicht zugänglich. 

Friedrich Blass, Die attische Beredsamkeit. Zweite Abtheilung. 
Leipzig, B. G. Teubner 1874. 

Hinter Isokrates wird anhangsweise S 441 452 auch Xenophon 
besprochen, eingehender aber nur dessen Agesilaos, den Blass in allen 
Theilen für echt hält. 

H. Böttcher, De ellipseos apud Xenophontem usu. Regimonti 
1875 (Jen. Disserl.), 36 S. 8. 

Für die Untersuchung ist allein Xenophon herangezogen; aber es 
sind geflissentlich alle unter Xenophon's Namen gehenden Schriften be- 
rücksichtigt; S. 36: die Zusammenstellungen erweisen nichts für oder 
wider die Unechtheit der verdächtigten. 

C. G Cobet, Fhoaarjixaztxfj. in Xenophontis Cyropaedia, Mnem. 3, 
1875, S. 214-221. 

»Xenophon in nonnullis Id^ojv xal dojptZoiv videtur verba poe- 
tica usurpare et jAwaGrjjxaztxa ^eyeo» (vgl. ihn S. 389). Zum Be- 
weise geht Cobet classenweise die in der Kyrup. vorkommenden bezüg- 
lichen Wörter durch und erklärt dabei auch d/i^c für ionisch, pro qno 
Attici semper nspc dicebant. 

E. G. Wi lisch. Das indirecte Reflexivpronomen in Xenophon's 
Anabasis und Hellenica. (Zur Senator Justi'schen Gestiftsfeier.) Zittau 
1875, 10 S. gr. 8. 

Material für eine umfassendere Untersuchung. 

Anton Funck, Das Verbaladjectiv auf riog-, Rhein. Mus. 33, 1878, 
S. 615-620. 



80 f Xenophon. 

Um den Beweis zu führen, dass das Participium necesitatis erst 
allmählicli in die griechische Litteratur eingedrungen sei, wird auch Xe 
nophon in ausgiebiger Weise herangezogen. 

Eduard Escher, Der Accusativ bei Sophocles unter Zuziehung 
desjenigen bei Homer, Aeschylus, Euripides, Aristophanes, Thucydides 
und Xenophon (Züricher Dissert.), Leipzig, S. Hirzel 1876. IV, 180 S. 
gr. 8. 

Der Verfasser handelt besonders vom sogenannten innern Objecte. 

Om wg äv med eft erfolgende Participium, Bemaerkninger til Xen. 
Anab. V, 7, 22. Af forh. kollaborator C. P. Christensen Schmidt i 
Kobenhavü. Nordisk Tidskrift for Filologi og Paedagogik, 1875, S. 113 
—145. 

Die Fälle, in welchen man äv mit dem Participium oder einem 
blossen Prädicate durch Ellipse eines nach Massgabe des Hauptsatzes 
gedachten Verbum finitum gewöhnlich erklärt, will der Verfasser unter 
Vergleichung zahlreicher Beispiele auch aus anderen Schriftstellern ohne 
solche auffassen, z. B. Anab. V, 7, 22 «>? av xat icupaxu-zg, Aporan. H, 
6, 38 a>g äv arpazrjytxcp^ Kyrup. V, 4, 29 (hg äv ef ol'xoi} iieydXou. 

M. Dinse, Beiträge zur Kritik der Trostschrift Plutarch's au 
Apollonios, Berlin 1874. 20 S. 8. (Separatabdruck aus der Festschrift 
zur dritten Säcularfeier des berlinischen Gymn. zum grauen Kloster.) 

In Cap. I sind Beispiele der Verbindung xai-8h aus Xenophon ge- 
sammelt. 

Nachtrag zu den kleineren Schriften Xenophon's. 

V. Pamer, Zur Frage über das gegenseitige Verhältniss der Sym- 
posien des Xenophon und Piaton. Abhandlung des n.-ö. Landes- 
Realgymn. in Baden. Wien 1878, 34 S. 8. Selbstverlag des Real- 
gymnasiums. 

G. F. Rettig, Xenophon's Symposion, ein Kunstwerk griechischen 
Geistes. Philol. 38, S. 269—321. 

Pamer wollte nur zu den verschiedenen Anschauungen über die- 
sen Gegenstand Stellung nehmen, ohne den Anspruch zu erheben, die 
beregten Fragen bedeutend zu fördern. Im Gegensatze zu Rettig, dessen 
letzte Arbeit ihm noch nicht vorlag, hat er die Ansicht, dass dem Xeno- 
phontischen Symposion ein wirklich gehaltenes Gastmahl zu Grunde liege, 
wovon der Einfluss so weit reiche, dass, wiewohl Xenophon sich der aus- 
schmückenden Phantasie überliess, doch ein einheitliches, organisch ge- 
gliedertes Kunstwerk in der Schrift nicht zu erkennen sei. Die zweite 
Hälfte der Abhandlung beschäftigt sich mit dem Nachweise, dass das 
Xenophontische Symposion (auch 8, 32 — 36) vor dem Platonischen ge- 
schrieben sei; hier findet also Uebereinstimmung mit Rettig statt. 



Kleinere Schriften. 80 g 

Konrad Zacher, De nominibus Graecis in aiog, aia^ aiov. 1877. 
S. 31 f. und S. 30 wird gesi^rochen über Ky nag. 2, 6 azpoipiwv uwA S, 1 
ßöpecov. 

H. Müller-Strübing, Zu Xenophon's Staat der Lakedaimo- 
nier [5, 4], Jahrb. f. cl. Phil. 117, 1878, 471 f.: zag [oux] dvajxaiag 
■nöoeig. 

E. Naumann, De Xenophontis libro qui JaxeSat/iovccuv r.o?.c-sta 
inscribitur, 1876. ~ Rec. von L. Cwiklinski, Zeitschr. f. d. österr. 
Gymn. 29, 1878, S. 494 498. 

Dem Recensent scheint der Zusammenhang der Xenophontischen 
Schrift mehrfach gestört. In der Abfassungszeit von c. 14 stimmt er 
Naumann zu. 

H. Stein, Bemerkungen zu Xenophon's Schrift vom Staate der 
Lacedaemonier. Beilage z. Progr. des Gymn. zu Glatz 1878. 29 S. 8. 

Die ganze Schrift (die Stein mit c. 15. 8. 14 abschliesst, unter 
Athetese von 8, 1 [re xal zoTg vofxocg]) ist nach ihm (S. 12) zu einer Zeit 
394 von Xeuophon geschrieben; dessen Hauptzweck sei gewesen Lob der 
Lycurgischen Verfassung im Sinne des Agesilaus und (c. 14) Abwehr der 
Richtung des eben gestorbenen Lysauder, sein Nebenzweck (S. 5. 11) 
»seinen Mitbürgern« (den Athenern) gegenüber sich wegen seines Laco- 
nismus zu rechtfertigen und eine Erklärung dafür zu geben , warum er 
seine Kinder (400/399 hatte er noch keine!) in Sparta erziehen liess. 
8, 2 zpe^ovreg dkXä jxrj ßadc^ovreg bezieht er auf die (einen Monat 
dauernde) Rückkehr des Agesilaos in Eilmärschen aus Asien. (Naumann 
verwerthet diese geschickter S. 28). Wenn Stein auch die »geistreiche« 
Vermuthung Oncken's nicht billigt, Xenophon habe sein Buch unter dem 
Namen des ihm »befreundeten« Thimbron herausgegeben und dieses sei 
von Arist. Pol. VII, 13 p. 246 ed. Tauchn. . . Bcjißpujv . . gemeint : so glaubt 
er es doch als ausgemacht betrachten zu dürfen, dass Aristoteles Xeno- 
phon's Werk benutzt habe. S. 23 ff. folgt der werthvollere Theil, eine 
Anzahl Vorschläge zur Emendation des so verdorbenen Textes. Die ein- 
zige Umstellung, welche Stein ausser der von c. 8 und 14 vornimmt, ist 
die von 13, 8 e^eari 8k rw vew [xal] xsxpcfxevw . . ebdoxijiov hinter 13, 6. 

Georg Dum, Entstehung und Entwicklung des spartanischen Epho- 
rats. Innsbruck, Wagner'sche Universitäts-Buchh. 1878. 188 S. 8. 

Nicht wenige Stellen vom Staate der Lakedaimonier und von den 
Hellenika werden hier mit anderen Nachrichten in Beziehung gesetzt. 

H. Zurborg, Zu Xenophon's Schrift von den Einkünften, Her- 
mes 13, 1878, 482-488. 

Anknüpfend an die Recensionen seiner Ausgabe und besonders an 
den Aufsatz von Fr. Rühl in den Jahrb. f. cl. Phil. 115, S. 729 ff. bringt 
Zurborg noch mehrere neue Vorschläge zur Textgestaltung, wie 5, 7 
ßouXocfxs&a (für ßoükoiv-o), 2, 1 npog-i^Tii^fipouatv. 



gOh Xenophon. 

A. Kirch hoff, Ueber die Abfassungszeit der Schrift vom Staate 
der Athener. Aus den Abh. der kgl. Akad. d. W. zu Berlin 1878. 
25 S. 4. 

Gegen M Schmidt und v. Gutschmid tritt Kirchhoff für die Roscher'- 
sche Ansicht, sie von einem Fehler befreiend, ein und setzt die Abfas- 
sung der Schrift in die letzten Monate von 425 oder lieber in die erste 
grössere Hälfte von 424, indem er, um nur dies hervorzuheben, 1, 14 f. 
auf das Verfahren der Athener gegen die Einwohner von Mytilene und 
2, 13 auf die Besetzung von Pylos bezieht, 2, 5 aber als nothwendig 
vor dem Zuge des Brasidas niedergeschrieben bezeichnet; aus 2, 18 
lasse sich keine feste Zeitbestimmung entnehmen, sobald man den Wor- 
ten xal y.axujg Xiyetv ihr Recht gebe. 

U. Köhler, Mitth. des deutschen arch. Inst, in Athen, 3, 1878, 
S. 175 erläutert 1, 11 rag dno<fopdg. 

K. Fuhr, Rhein. Mus. 33, 1878, S. 578: 

»Die Redner (auch . . der Verfasser des Büchleins vom Staat der 
Athener) vermeiden ebenso wie die officielle Sprache, die auf den In- 
schriften erscheint, fast ganz die Verbindung -rs xaU. 



i 



Bericht über die Homer betreffenden Schriften, 
die in den Jahren 1876 u. 1877 erschienen sind. 

Von 

Prof. Ed. Kammer 

in Königsberg. 



I. Ausgaben. 

1) Homeri Ilias cum potiore lectionis varietate edidit Aug. Nauck. 
Pars prior. Berol. ap. Weidmannos 1877. 8. XXV. S. 308. 

A 2 liest mau daselbst: 'A^acocd für AyaioTg — der lieben Uniformität 
wegen. Ueber die ihm für Homer allein richtig erscheinenden Dativ-Endun- 
gen spricht sich der Herausgeber XIV f. aus. So ist auch A' 174 geändert 
worden 'Ayacola'' tje ßiwvac^ und dereinst werden wir W 792 lesen kptSrj- 
aaa^ac 'Aya.tula\ st jitj 'AydXzT. Ist es aber nur Zufall, dass die Tradition 
'AyaioTg hat, obgleich in diesen Fällen vor folgendem Vocal die Aende- 
rung doch so leicht von Statten ging? Was geschieht aber, wo es mit 
dem blossen Apostroph allein nicht abgethan ist? also z. B. am Schluss 
des Verses, wo die Ueberlieferung gleichfalls 'AyatoTg hat? z. B. E 86 
rjh fisrä Tpcuscrmv ojxdioi ^ ;x£r' 'AyacoTg. Nauck vermuthet hier ursprüng- 
liches ^ Javaocacv. Wer wird ihm das glauben? Oder E 465: ig tc iu 
xrstvtai^at iaasrz Xahv \4yacoTg ; (scheltende Anrede an die Troer) Nauck 
verbessert sinnwidrig: hxuv 'Ayatihv. Oder 6'487f: Tpoxrlv jxiv p dixou- 
aav eSu ^dog, auzap ^Ayaung \\ dartaalrj zpiXharog inrjXuB^z vh^ kpEßevvij. 
Nauck bemerkt dazu: »487 et 488 spurii?«; die Gründe für die Unächt- 
heit werden ihm selbst wohl unerfindlich sein. Oder V 42G: dpuvujv Xoi- 
yuv Ayacocg. Hier wird wohl Nauck zu 'Ayacwv wieder greifen. Oder 
P 396, X 117, ^'' 649. Wenn au diesen Stellen nicht die Annahme 
der Unächtheit Nauck retten wird, so weiss ich nicht, wozu er sonst 
seine Zuflucht nehmen könnte. So sieht aber die Kritik aus, die von 
Petersburg aus der so lange vernachlässigten Gedichte Homers rettend 
sich annehmen will! ,utrum ocg an otac an oco:v scribaraus nostri est 
arbitrii', lesen wir in der Vorrede; Veränderungen aber wie die hier mit- 
getheilten vorzunehmen, ist das auch noch ,nostri arbitrii'? A 238 heisst 
es vom a/.r^r-püv, dass es die Sühne der Achäer tragen kv izaMprjg <fo- 

Jahresbericht für Alteifhums-Wissenschaft 1877. I. 6 



82 Homer. 

piooai\ Nauck vermuthet: »au naXdixjjl a Achüleus gelobt A 89 dem Kal- 
chas : so lange ich lebe, ou ng . . ao\ xoihjg r.apa vT^oat ßapstag -^zipag 
enotazi. Das xoßjjg ist Nauck natürlich höchst fatal : was thut er, um es 
zu beseitigen? er vermuthet: »xuüjj napä vvjh ! — der Siugularis ist wieder 
völlig sinnlos — »an xoüjjo' im vrjuah ; diese Wendung — allerdings ohne 
Apostroph und xoc'^rjg überliefert - ist entlehnt aus E 791 oder M 90 
oder A' 107 oder 473; man vergleiche aber diese Stellen und wird, 
wer das noch nicht vorher gewusst hat,^nden, dass xoc}^r]g inl vr^oal 
etwas anders bedeutet als xotXjjg napä vqoai. Nach all diesem wird es 
klar sein, dass Nauck hier »einer Marotte zu Lieb'« seine Aenderungen 
getroffen hat. ~ Az yxpuy^äg: yp. xsifaXag schol.« Zunächst ist es unver- 
antwortlich, dass Nauck überall »schol.« schreibt, wo wir doch in der 
glücklichen Lage sind zu wissen, wem diese oder jene Note angehört; 
»ejusdem Veneti codicis scholia volumus intellegi ubicunque simpliciter 
scholia commemorantur« p. VI: diese Art zu citiren heisst nichts ande- 
res als einen Standpunkt einnehmen, wie er vor 50 Jahren statthaft war. 
Warum wird ferner nicht bemerkt, dass c^&:p.oug xs^aMg Aristarch las 
(cfr. auch Ariston. zu // 330 und J 55) und auf seine Kritik hingewiesen, 
wonach xs^a}Ag (das nach B L ApoUonius Rhodius las) hier nicht passend 
war. — A 4: »5e kXojpta: o' iXXiüpca al«, eine sehr wichtige Note! — ^5: 
y>8dcTa Zenod. teste Athen. I p. 12 f. (cfr. Aeschyl. Suppl. 800): TzäcTc 
libri«. Und Aristarch's Name findet sich hier wieder nicht?! die Sache, 
um die es sich hier handelt, ist bekannt. Zenodot nahm an der Ueber- 
tragung von dafg von einem Mahl für Thiere keinen Anstoss, Nauck 
thut es auch nicht: »qualem translatiouem aliis poetis frequentiorem esse 
aliis propemodum inauditam vix est quod commemorenius. Homero 
autem praefracte abrogare facilliraam istam translationem perversum ar- 
bitror« ; er hält Zenodot's Lesart ociuvocm zs odcza für »traditam scriptu- 
ram«, die Aristarch »suo arbitrio mutavit«; zur Gewissheit wird ihm diese 
Ansicht durch Aeschyl. Suppl. 800 f. xufflv 8' ir.zS' iXiopa xanr/^cüpiotg \ 
('pviat 8z?7:vov oux dvaivoixai rdlztv • Hier fühlt Nauck nicht, dass anders 
ist die epische Sprache eines Homer iu seiner Einfachheit und Keusch- 
heit des Ausdruckes (cfr. Lehrs, Arist^ p. 161), anders das hohe Pathos 
der Tragödie, die Metaphern mit Vorliebe aufsucht, welche für jene un- 
möglich sind: hier hat ein »homo in Ptolemaeorum aula vitam degens« 
fein und schön empfunden, was der Petersburger Gelehrte, der mit sol- 
cher Ostentation der erleuchteten Kritik des 19. Jahrhunderts sich stets 
berühmt, nicht hat nachempfinden können. Wohl möglich, dass obige 
und ähnliche Stellen aus Tragikern rückwirkenden Einfluss auf Homer 
ausgeübt haben und dass spätere Epiker, wie z. B. Oppian, so pathetischen 
Ausdrücken die Aufnahme nicht versagten. Nauck hat aber auch ferner 
nicht bedacht, dass ^a?ra in Verbindung mit kXwpta auch darum nicht 
passen würde, weil sXcop bei Homer gar nicht »Speise«, wie es die 
Glossographen verstanden, bedeutet, sondern »Raub, Fang« und darum 



Ausgaben. 83 

mit xöpjia sich verbindet, die beide in eigentlicher Bedeutung ge- 
braucht sind. — V. 5 und 6 ist nicht angegeben, dass ilihg 8' irehczro 
ßo'jXrj, iq oh . . . diese luteriiunction von Aristarch herrührt (cfr. auch 
Lehrs Arist.^ ji. 191). - V. 8: y>a<p(i)s : a<pu)i Zenod. aliique gramm.« Warum 
sind die alii nicht genannt, da wir sie namentlich kennen? Ferner war 
zu schreiben statt acpwc. enklitisch afcot, was schon Lehrs in seiner Ke- 
cension von Spitzner's Ilias (Zimmerraaun's Zeitschr. für Alterthumswiss. 
1834 S. 139) berichtigt. 

A 9: ■»Ar^Touq xai ätug: ylr^Toüg äyXaoq gramm. Rom. in Lex. Vind. 
append. p. 273, 15. an ArjToog dy^.ahg'?« Schlimm ist es, eine so empfoh- 
lene Variante - übrigens liest man dort dy^aov mhv — überhaupt auf- 
zunehmen, noch schlimmer sie zu einer solchen Conjectur zu vervverthen! 
Nauck empfindet wieder nicht, dass äyXaog für diese Situation gar nicht 
passt, oder ist es ihm darum nur zu thun, dass er sein Arjroog einbrin- 
gen kann? 

All ouvexa zuv Xpüar/V »zhv.zoül an ^^?« Also, weil der Arti- 
kel sich Nauck nicht erschlossen hat, darum sofort zur Conjectur ge- 
griffen! und so wird A 33 für o' o ydpojv vermuthet Se yspcuv, A 35 
7jf)äTo yspaiog für rjfjäh^ b ysciatug^ ^462 aj^lZjiai yipiov für ay^t^j^g b yi- 
pujv, u. s. w. - Zu demselben Verse: y>rjTiixa<Tzv -. rj7''iiaa , r^T'.iir^a^ yjtc- 
ij.rj<Tsv pauci«. Was soll das Wort pauci? nicht Zählen ist die Aufgabe 
der Kritik, sondern Wägen! vgl. übrigens Lehrs a. a. 0. S. 139. - A 14 
(TTspiiaz' sycui/ : ))(yzin/j.az\- ard/x/xa r'?« eine überflüssige Conjectur, da 
alles in Ordnung ist, wenn man die Participien richtig verbindet; übri- 
gens schlug 30 schon Naber vor: Quaest, Hom. p. 110. — A 15 ;^^y<T£w 
dva ay.ijTtrpw : »ävä: dv'^a cfr. Lehrs a. a. 0. S. 139. Daselbst: »i?Jcr- 
atzo : Xiaa—o A (ut Ar.?).« Das Fragezeichen ist überflüssig mit Rück- 
sicht auf A 374, wo die Bemerkung »oüzcug 'laxwg Ataatzon von Didymus 
ist; cfr. Lehrs a. a. 0. 139. Aus welchen Gründen ist diese gute Les- 
art nicht aufgenommen? - V. 18: y>dtu\ oolzv : ooldv tmz' ?« die Conjectur 
ist unglaublich leichtfertig. - A 29-31 »dt^azoüvzac schol« wieder ohne 
jede nähere Angabe. — /] 42 -iaziav Javaul : y-taztav : ziav.zv (an ztaaiz)/1) 
Zenod.« Wie konnte nur Nauck noch schreiben an ztaatv/i das Ver- 
derbniss war ja zu offenbar und von Friedlaender bereits ohne weiteres 
berichtigt. — A 45: y>d.p.(f>.pz(pia pauci libri«! — A 47: y>sotx(ög: ihaSsi'g 
Zenod. teste schol. M 4ii3« so citirt Nauck, wo bestimmt der Name zu 
sagen war. — 51 y>i^cscg : d<f:sc'g pauci«! — 57: ^yopr^yophg pauci«! — 
60 eY xsv Sdvaz6]> ys ^öyoipsv : y>s7 xev: o7 xsv Zenod.« ohne zuzufügen, dass 
Aristarch et' xsv las und mit Recht 61 xsv als schlecht ablehnte. — »^u- 
yoijizv : (püyiop.zv'^.ik so könnte auch ein eben erst in die Studien Einge- 
tretener conjiciren! von einem Manne wie Nauck erwartet man tieferes 
Erfassen der Sprache. Ebenso finden wir 1 141 zl oe xzv 'Apyog cxoc'pziT 
bei Nauck die Note y>cxoip.z&' : cxwpzB' ?« während z. B. B 123, 597, 
// 387 der Optat. unbeanstandet, E 373 dagegen yz füi' xz (ebenso 196) 

6' 



84 Homer. 

conjicirt ist, und 1 445 r.sp für xsv vermuthet wird. Aehnlich ist A 64 
für oQ x' Binot iu den Text gegen alle ratio aufgenommen 8? sOTjy mit 
der liocliwichtigen Note: mq x' bItzol (pauci £lnrj) libri«. — V. 65 ist nicht 
bemerkt, dass et zap Herodian's Lesart war; es wäre hinzuweisen ge- 
wesen auf Lehrs Quaest. ep. S. 132 und zu vergl. Ziramermann's Zeitschrift 
a. a. 0. S. 140; zu Y. 93 hätte nicht fehlen dürfen Gram. Anecd. I, 415. 
A 77 : y>p.riv : /lev libri«. — A 78 rj yäp otnjiai : »^ yäp : xai ydp^ia völlig unver- 
ständlich! — 85 d^apcjrjüag ijÄXa senk d-zor.puniov ü zc olaBa, Nauck conji- 
cirt falsch und ganz ohne Noth thorzponscuv mit der einfachen Note: »d-so- 
■nponiwv: {^sonpomov libri«. — 95 y>d&eTzcTac (ab Ar.) schol.« Das betreffende 
Schol. des Aristonicus, das schon Villoison und Becker fälschlich auf V. 94 
bezogen, gehört zu V. 96, wie das schon bei Friedlaender zu lesen ist. - 
B 16: ß^ 8' äp ovetpog »5' äp' : 8' Vind.« — B 18: ßrj 8^ äp in 
\4Tpsc8r^v 'Aya/xsixvova ytArpztdjj ^Ayap.ip.vovt'^'i — B 25 o) Xaoc r imzeTpä- 
(paTar. »r om. Vind.«! — /? 26: wv 8' sp.iB-sv ^ttveg aJxa: y>thxa : ui8e'i«. — 
ß 29 : '!iavau8trj: Tracrcry^/^y pauci«. — 31 »i7r£yva/>i^'c(v): STri^a^c D Vind.« 
— Diese Varianten und Conjecturen sprechen ohne Erläuterung gegen 
sich selbst. Der Herausgeber verspricht uns die vorzüglichsten Varian- 
ten zu geben, und bringt das Werthloseste. J 2 : Ttözvia "Ilßr^ vexzap iwvo- 
^usr. y>'IIßrj: "Hprj Apoll. Soph. S. 111, 30« "Ilprj kann doch nur aus Ver- 
sehen entstanden sein. — J 4 y>8st8i^az :' 8st8cj^ar' Vind., 8£c8ixaz' 
Vrat.« — d Q y>x£pzofuoc(Ti imcrac: xspzo/xcocg knieaat libri. napaß^SrjV : 
TiapaxXrjofjV Lips.« — Zl 12: oiojxevov Bavisa&a -aolcujxevov Ven«! — J 16: 
opcTOfisv (Conj.), ujpaopev Vind.« — J 24: "IIp]^ 8' ohx e^aSsv (Tzr^i^og 
^oXov: -o'Hprj Veneti duo« — J 27: y>i8p6a: I8pu) libri. "nnov : mnuj pauci 
ut schol V Q 765«. — J 29 ä-äp ou zoc ndvzeg inacvio/iev &zoc äXXoi: 
•»ou zoi: ou zc Veneti duo«. J 48: ßa)p.bg iSsuezo 8a:zog iccrrjg: »ßcu- 
pug: Buftog Eust. p. 443. iccrrjg : icacrrjg pauci. — J 54: zdcuv ou zoc iyco 
Tzpoerd" lazapac: »ou zoc.ouzc pauci, an ou rsy?« — J 55: »scuj : iöcu'^a 
Auch diese Varianten und Noten leisten an völliger Werthlosigkeit alles 
Mögliche. Und unerquicklich ist überall der Eindruck, den man bekommt, 
man mag das Buch aufschlagen, wo man will: überall weitgehende Leicht- 
fertigkeit im Heranziehen entweder noch nicht gehörig durchforschter 
oder entlegener und werthloser byzantinischer Quellen und unverständ- 
liches Verachten der besten Zeugnisse des Alterthums : während von Ze- 
nodot Alles mit Vorliebe hervorgezogen wird, werden Aristarch's Ver- 
dienste geflissentlich verschwiegen. Aber, wird Nauck entgegnen, »Ari- 
starchus fuit homo plurimis et gravissimis erroribus obnoxius linguaeque 
Graecae minus gnarus« (p. IX). Gewiss ist es, dass Aristarch Manches 
nicht gewusst hat, was Nauck zu wissen sich rühmt; aber ihn leitete das 
sichere Gefühl für seine Muttersprache, das mehr werth ist als all die 
Regeln, die wir Moderne unter allerlei Vorurtheilen uns abstrahiren: es 
klingt docli in der That lächerlich, wenn ein Gelehrter des 19. Jahr- 
hunderts und sei er auch Herr Nauck aus Petersburg behauptet, »dass 



Ausgaben. 85 

die Alexandrinischen Grammatiker wenig Griechisch verstanden« (Melang. 
Grec.-Rom. 1876 S. 121); es ist lächerlich, wenn Nauck, dem Brugman's 
windige Untersuchungen und seine Anklage gegen Aristarch, dass er »der 
eigentliche Textverderber« sei, gar sehr erwünscht kommen, — er be- 
merkt sogar S. IX unten: velut A 393 verissime legit Zenodotus rtacdbg 
eo7o, ubi nunc scribitur id quod ii3se perperam propagavi Tratoug ir^oga: 
— ich sage, es ist mehr als lächerlich, wenn Nauck nur in dem Einen 
mit Brugman nicht übereinstimmt, dass dieser »praefracte negat iguarum 
Graecae linguae fuisse Aristarchum« (p. IX). Und was seine errores an- 
betrifft, ja welcher grosse Mann ist davon frei geblieben? Aber man lege 
doch seine errores auf die eine Wagschale, auf die andere seine Ver- 
dienste um die homerischen Gedichte, jene wird in die Lüfte empor- 
schnellen, dass sie nur noch für die von Neid und üebelwollen gefärbten 
Gläser plurimos et gravissimos errores enthalten kann, während die 
andere voll und schwer den Augen sich darbietet. Glaubt denn Nauck, 
dass bei einem ähnlichen Versuche, den man mit ihm anstellt, auch nur 
ein annäherndes Verhältniss eintreten könnte? Wozu also das ungeber- 
dige Pochen gegen die veneratores Aristarchi, bei dem man doch die Ab- 
sicht merkt, ohne sich dadurch im Geringsten verstimmen zu lassen? 
Wozu das wundersame Verlangen an Lehrs, er hätte sollen »saltem cum 
priore libri editione, quae a. 1833 prodiit, existimationi Aristarchi satis 
esset consultum, in altera operis editione (a. 1865) aequius et rectius 
de Aristarcho proponi iudicium, quo iuniores philologi et ii qui duce 
egerent admonerentur ne immunem erroris fuisse Aristarchum absurde 
opinarentur« (p. VIII f.). Was hatte Lehrs in der Zeit von 1833 — 1865 
erfahren, das ihn in seinem Urtheile über Aristarch hätte wankend 
machen können? Er hatte höchstens die niederschlagende Beobachtung 
gemacht, dass man über Aristarch urtheilte, ohne sein Buch gründlich 
studirt zu haben und so glaubte er sicherlich, als er zum zweiten Male 
sein grundlegendes Buch erscheinen liess, den »junioribus philologis« da- 
mit den besten Führer auf den Weg mitzugeben. Oder glaubt etwa 
Nauck, dass die iuniores philologi an seinen Werken den Führer finden 
könnten, der ihnen noth thut? Man streiche Aristarch und seine Schule 
aus der Geschichte der Wissenschaft: es lässt sich gar nicht denken, 
welch barbarisches Aussehen die Homerischen Gedichte heute uns zeigen 
würden: denn an Zenodot's willkürliche Kritik anknüpfend würde man in 
immer gröberen Angriffen schliesslich den Homer aus dem Homer ver- 
vertrieben haben. Fast möchte man glauben, dass die heute zur Mode 
gewordene Herabsetzung des Aristarch nur darum um sich greift, damit 
nach Wegräuraung des ehernen Kritikers, der überall seine strengen Ge- 
setze entgegenhält, die eigene Willkür und Selbstherrlichkeit wacker 
schalten und walten könnte. »Plurimum Homericorura carminum emen- 
dationi oftecit nimia Aristarchi veneratio« sagt p. VIII H. Nauck. Die 
Philologie stellt sich ein Armuthszeugniss aus, meint Herr Nauck, dass 



86 Homer. 

sie Homer gegenüber so lange mit »Emendationen« zurückgehalten habe ! 
Dem muss ein Ende gemacht werden! Auf in die freiere Bahn! Und da 
tummelt sich denn der »Emendationen« Unzahl, von denen hier noch einige 
stehen sollen! /' 392 xdUet zs (rzikßmv xal s7fj.a(Tiv. y>e7fj.a(Tcv: rUsc^arc'^« 
r 4:53 ob fiev yäp <piX6zYjZi y^ ixsO&auov, sYrcg t'8ovro: »ixeuBavov : ixüv- 
&avov? sc reg l'doczo : sY ye YSovzoa , J 125 vsof)7] 8s jisy^ Ya^sv: y>fisy' 
Ya/sv:sia^sv7«; ä 154 -j^stpog s^^ojv Msvslanv: »s/cuv : sXwv'^a A 156 rtpu 
^A^auuv Tpcudi pd^saBac: nnpo : npug?« ; d 170 noz/iov dvanXrjcrrjg ßciüzoco: 
»an poTpav dvanXrjcnjg ^avdzoco'^idi ; 286 acpuji psv, oo yäp socx' dzpwspsv^ 
o(j zt xsXeOcü (Anrede des Agamem. an die beiden Aias): »oy yäp socx': 
ou zt soix"^ o'j zi xsXsüoj ; ouok xs^eüw?«!; J 362 zaüza 8' oniab-sv 
dpsaaofisd^' (sagt Agam. zu Odysseus): »dpsaaöpsd-' : «xcö-ö-o/as^*'?« J 479 
snXsd-' un^ 'AYavzog psyaS^üpou Soupc 8a[xsvzc: )->inksß' utz : STt^szo?« u. s. \v. 
und in Unzahl die aus leidiger Eleganz entsprungenen Conjecturen! Man 
fahre nur so fort! die Früchte werden nicht ausbleiben! aber erschreck- 
liche! - Es ist wahrlich zu bedauern, dass Nauck, dessen grosse Talente 
ihn in die Reihe der Ersten in unserer an schaffenden Philologen immer 
ärmer Averdenden Zeit hätten stellen können, von unseliger Ate verblen- 
det, so ganz die Irrwege zu betreten beginnt. 

2) Oprjpuo 'IXidg^ sxooHsccra bno Vsujpylou Mtazptujzou^ xaHrjyriZoo 
zujv 'EkXrjVcxojv ypajxjxdzujv sv zuj 'Eb^vixw UavsTiiazrjjxiw. To/JLog npojzog. 
'Ev 'ABrjvaig 1875. 398 S. 

Der erste Band bringt den Text und Commentar der Bücher A — Z. 
Aus den eingehenden Anmerkungen ersieht man eine fleissige, aber oft 
unkritische Benutzung des vorhandenen Materials; Neues hat Referent, 
"soweit er den Commentar verglichen, nicht gefunden. Voran geht ein 
Vorwort (15 S.) über die alexandrinischen Grammatiker von unbedeuten- 
dem Werthe und eine Einführung in die homerische Poesie (49 S.), die 
deutsche Leser auch ungelesen lassen können. Das Buch ist von Druck- 
fehlern nicht frei ; ausser den nachträglich berichtigten hat Referent noch 
sehr viele andere bemerkt. 

3) Homer's llias. Für den Schulgebrauch erklärt von J. La Roche. 
Theil L Gesang I — IV. Zweite vielfach vermehrte und verbesserte 
AuHage. Leipzig. B. G. Teubner 1877. 8. XXXXII, 188 S. (gegen 
XXXII, 158 S. der ersten AuH.). 

Soweit Referent verglichen, ist der Commentar im Grossen und Ganzen 
intact geblieben; er hat nur geringe Veränderungen oder Zusätze er- 
fahren. Letztere bestehen aus einer reichlicheren Aufzählung von Stel- 
len, die zum Vergleich aus Homer herangezogen werden oder aus an- 
deren Schriftstellern, Griechen wie Römern; besonders werden Nach- 
ahmungen Vergil's {A 4 ist data zu lesen für date; allzu sorgfältig re- 
gistrirt: in diesen vermehrten Stellenverzeichnissen ist oft des Guten zu 



Ausgaben. 87 

viel gethaii, ohne dass die Erklärung selbst dadurch weiter gefördert 
wird. Oder es erscheinen auch Verzeichnisse anderer Art jetzt vervoll- 
ständigt. So hatte die 1. Auflage A 302 zu T.tipr^aai noch 3 Iinp. 
Aor. Med. zum Vergleich, die 2. bringt deren 11; A 327 liest man eine 
Reihe von Stellen für die augmentlosen und augmentirten Dualformen; 
A 87 findet man einige Substantiva mehr, die im Sing, und Plur. ver- 
schiedenes Geschlecht haben; A 347 mehrere »Folgeinfinitive«; B 6 epexe- 
getische Infinitive; A 335 zu -nkrjÜTtot. schuld daran«; wird jetzt erläu- 
ternd zugefügt »zu ergänzen ist kari wie H 2Sl, A^622, ;t 463, o 534»; 
Zl 247 zu ixivecv mit folgendem Acc. c. Inf. auf Herodot, Xenophon, Thuk., 
Plato verwiesen; J 35 zu tw/xov ßaßpw{^ocg aufstellen bei Xenophon ver- 
wiesen (für Hell. III, 6, 6 copLoug iaHietv 1. Hell. III, 3, 6 ojiiojv iaHcscv) ; 
J 1 ^yopocovzo waren versammelt jetzt mit dem Zusätze »die Fonn steht 
auch bei Herodot VI, 11«; J 259 in die Note über yspoOaco'^ olvov ist 
eingefügt »den Fürstenwein«, B 426 in das Verzeichniss der für ihr 
Element gebrauchten Götter »Volcanus Vergil Aen. VII, 77«; B 498 
wird über die Form ßzarual und QiaTizia noch besonders gesprochen, 
obgleich das zu B 504 Gesagte ausreicht. A 52 ist neu über die Be- 
deutung von ßdlltiv\ B 16 »/MJ^og Auftrag«; B 25 y>T6aaa so wichtiges« ; 
J 276 i> tfr/oiiEMov ziehen«, J 337 ny.oüprj wie unser Fräulein, nur von 
Jungfrauen aus edelera Geschlecht gebraucht, ebenso xdöpog von Jüng- 
lingen«, J 26 y>lMlztg bist gesonnen« u. s. w. Die Aenderungen be- 
treffen Berichtigungen von falschen Citaten, Druckfehlern oder mau liest 
J 26 statt ■>•> d-iXzfrrov ohne Resultat« jetzt »ohne Erfolg«; hin und wie- 
der wird eine frühere Ansicht aufgegeben, z. B. B 10 »pdXa zum Impe- 
rativischen dyopsötivv. jetzt yipdXa zu rrocvra gehörig wie etc.« Ueber 
den Commentar selbst Hesse sich Manches sagen, doch steht das dem 
Referenten hier nicht zu, der nur über die 2. Auflage berichten will. 

4) Homer's Ilias. Für den Schulgebrauch erklärt von K. Fi*. Am eis. 
1. Bd. 1 Heft. Ges. 1 — 111. Dritte berichtigte Auflage besorgt von 
C. Hentze. Leipzig. B. G. Teubner 1877. 8. 134 S. (137). 

Noch weiter von der Ameis'schen Bearbeitung entfernt sich die 
3. Auflage, als es schon in der von Hentze besorgten zweiten geschehen 
war: viele Erklärungen sind umgestaltet, andere ganz entfernt oder neue 
eingetreten, überall zum Vortheil des Buches. Auf dem Wege des Aen- 
derns oder Fortlassens könnte sogar noch weiter vorgegangen werden, 
da noch so manches Ueberflüssige oder Falsche sich findet. Z. B. muss 
zu A 524 von »gemäss etc.« ab wegbleiben, weil das Compos. xa~avaö- 
Gojxai nicht mit Rücksicht auf die die Füsse des Zeus umschlungen hal- 
tende Thetis gesagt ist. A 528 ist es nicht richtig, dass »Zeus überall 
mit starken buschigen Augenbrauen dargestellt wird«, da diese vom Bild- 
hauer auf dem stark gegen die Fläche des Gesichtes vorstehenden Stirn- 
knochen bei dem idealen Typus gar nicht angedeutet wurden, ünge- 



88 Homer. 

hörig ersclieiüt zu A 530 der neu hinzugekommene Zusatz: »in auffallen- 
dem Contrast etc.«; überflüssig ist: von der Note zu B 305 der Schluss, 
die Note zu 307, zu 308 das über die Baumschlange Gesagte, die neu 
eingetretene Bemerkung zu 309 u. s. w. Zu /' 156 hätte auf die be- 
treffende Stelle in Lessing's Laocoon verwiesen werden können. Für 
nicht richtig halte ich die neue Bemerkung zu A 44. Der Ausdruck 
»individualisirt« scheint mir zu A 45 nicht treffend gewählt zu sein. 
Gesucht ist das zu /] 78 über den Rhythmus bemerkte. Zu A 39 : H/xcv- 
&!6g soll Kosename und aus ajuv&o<füpog verkürzt sein"? zu A 50 : Hunde 
sollen zum Train des Heeres gehört haben? Die Erklärung von yäp 
B 284 ist nicht richtig; ich verweise auf Friedlaender, Ariston. etc. zu 
diesem Verse und Lehrs, Arist.^ S. 7 f. 

5) Homeri Ilias ad Hdem librorum optimorum ed. J. La Roche 
pars posterior. Lips. 395 p. 

Ueber diesen Band soll berichtet werden im Zusammenhange mit 
den in Aussicht gestellten Prolegomena. 

6) Homer's Iliade. Erklärt von J. U. Faesi. HI. Bd. Gesang XHI 
bis XVni. 5. Auflage besorgt von F. R. Franke. Berlin. Weidmann 
1877. 8. 260 S. 

Referenten liegt nicht die 4. Auflage vor, so dass er nicht auf die 
Abweichungen von derselben hier eingehen kann. Einige Bemerkungen 
mögen hier folgen, zu denen ihm das Durchblättern des 17. Gesanges 
Veranlassung gab. P 4 xtvop^ möchte ich nicht »mit Beziehung auf das 
vorangehende ■npio-oroxog wimmernd in Folge davon, dass sie so eben 
zum ersten Male geboren« verstehen, sondern allein als Ausdruck der 
freudigen Fürsorge, mit der sie das Junge umgeht. P 283 würde ich 
lieber mit Faesi ocä ßrjaaag mit ek^dpsvog verbinden, gegen Döderlein's 
Erklärung, die dem Eber doch eine gar zu starke Macht beilegt. P 327 
Tcwg äv—slpüaaaca&e verstehe ich auch wie Faesi; das xaibnkp rov &e6v 
weist auf die vorausgehenden Verse hin, in denen offenbar in dem glück- 
lichen Vordringen der Achäer göttlicher Einfluss sich bemerkbar macht; 
nur bei dieser Auflassung geben die folgenden Worte wg orj etc. einen 
Sinn. — 353 ziehe ich Tipofpcov lieber zu l'&ixrsv. — 376 dass in Folge 
der Dunkelheit die Geschosse der Achäer nicht treffen, wird 633 doch 
nicht gesagt; nur da Aias wegen des Nebels nicht sehen kann, wer zu 
Achilleus zu schicken wäre, bittet er Zeus um Beseitigung desselben. — 
377 ich finde keinen Grund zu der daselbst vorgeschlagenen Athetese. — 
382 waipiv Bjxapvdad^rjV verstehe ich nur »sie kämpften fern davon« von 
der Stelle des Schlachtfeldes, wo ihnen Nestor befohlen hatte; ich sehe nicht 
darin einen Befehl »den in ängstlicher Besorgniss um das Leben seiner 
Söhne Nestor ihnen gegeben«. 411 ich finde keinen Widerspruch mit 
2" 9 f., da ich die dort von Faesi gegebene Erklärung durchaus für rich- 
tig halte. — 422 ich sehe in xcvrjGag 8k xdprj gar keine »drohende Ge- 



Ausgaben. 89 

berde« , sondern nur den Ausdruck des innigsten Mitgefühls über die 
Verflechtung des Göttlichen in menschliches Schicksal. Ich würde auch 
zu 426 nicht zur Erläuterung des Vorganges die Stelle aus Plinius bei- 
bringen; die tief innerliche Partie von den trauernden Pferden muss in 
ihrer ganzen geheimnissvollen Weise erfasst werden, sie bedarf auch 
keiner Vermuthuug, wie und wo und von wem die Pferde den Tod des 
Patroklos erfahren haben: an dieser Partie erkennt man die geniale 
Schöpferkraft des Dichters, der die Schranken der Natur weiter setzt. 

— 610 Düntzer's Conjectur loofisv^og für das überlieferte Mrjpcovao, 
die aufgenommen ist, halte ich nicht für richtig; alles ist in bester Ord- 
nung und bedarf keiner Aenderung. — 664 durch nichts begründet ist 
die dort ausgesprochene Vermuthung, dass »die ursprüngliche Dichtung 
sich den Nebel über das ganze griechische Heer ausgebreitet gedacht habe.« 

- Schliesslich bin ich nicht der Ansicht, dass die Patrokleia »als ein für 
sich bestehendes Ganze angelegt war«. 

Die knappe Art des Commeutars, der nicht Alles erklären, son- 
dern nur das Wichtigste berühren will, scheint Referenten für Schulaus- 
gaben besonders geeignet zu sein. 

7) Homer's Odyssey edited with euglish uotes, appendiccs by 
W. Walter Merry and the late James ßiddell. Vol. I. Books 
I-XII; VIII, 564 S. Oxford Clarendon Press MDCCCLXXVI. 

Mit der Herausgabe der ersten 12 Bücher der Odyssee beschäftigt, 
wurde J. Riddell im schönsten Mannesalter durch den Tod dahin gerafft, 
nachdem er den Coramentar von den ersten drei Büchern, ferner vom sie- 
benten und achten abgeschlossen hatte. Die hinterlassene Erbschaft zu 
übernehmen und das begonnene Werk fortzuführen wurde W. Merry beauf- 
tragt, der mit grosser Pietät für den Verstorbenen und - für die Dich- 
tung an die Arbeit ging. In der bescheidenen Vorrede theilt er die 
von ihm benutzten litterarischen Quellen mit: Referent hätte gewünscht, 
so manchen hier genannten Schriftsteller weniger zu Rathe gezogen zu 
sehen, wenngleich freilich der Verfasser mit grosser Umsicht und selbst- 
ständigem Urtheil das Material verwerthet. Sehr eingehend wird die 
Etymologie herangezogen, und leider ist hier auch noch oft Döderlein 
citirt. Der Text nähert sich fast ganz dem von La Roche in seiner Aus- 
gabe gegebenen. Im Einzelnen vermisst man manchen Namen und Hin- 
weis, z. B. bei ß 134, wo Sac/xor^ und ßadg unterschieden werden, die 
Kenntniss von Lehrs' populären Aufsätzen oder r^ 103 ff. bei der Schil- 
derung des Gartens des Alkinoos Friedlaender's über diese Partie ab- 
schliessenden Aufsatz; auch sonst fehlt manches aus der neuesten Litte- 
ratur. Im Ganzen ist aber die Ausgabe eine höchst anerkennenswerthe 
Leistung, die sorgfältige Studien, Geschmack, verständnissvolles Urtheil 
und praktischen Sinn bei der Auswahl des Wichtigen beweist. Gegen 
die moderne höhere Kritik, besonders gegen die Liedertheorie, verhalten 



90 Homer. 

sich die Verfasser ablehnend, und hier trifft man auf ein in die gross- 
artige Composition der Dichtung tief eindringendes Verständniss. Wie 
schön ist z. B., was am Anfang von z gegen die Vorschläge der Lieder- 
theorie gesagt wird: it does so at the expense of the plot. It is the 
artistic construction of the plot in the Odyssey that has led Aristotle 
to characterise the poem as Tierileyiiivri xai ^&cxrj. Nothing can be more 
effective than the break at the end of the fourth book, where the perils 
of Telemachus, waylaid by the suitors, prodüce not only a keen interest 
but a painful suspenso. This is the moment chosen for a change. We 
might say, in modern language that it is the ead of one volume of the 
novel, which closes with an exciting Situation. The next volume — to 
continue the illustration — opens with an entirely uew scene. The length 
at with the poet has narrated the circumstances connected with Tele- 
machus' departure froni Ithaca will be found sufficient justification for 
the inusual iteration of lines frora earlier parts of the poem. Each re- 
petition is a sort of reminisceuce to bring the mind back to the story of 
the principal hero«. Dem Buche folgen di'ei Appendices: 1) über das 
horaer. Schiff mit schönen Abbildungen; 2) über die verschiedeneu For- 
men, in denen die Legende von der Blendung des Kyklopen auftritt; 
3) über Ithaka mit einer Karte der Insel, endlich ein Index. Ganz vor- 
trefflich ist die Ausstattung und der Druck des Werkes. 

8) Homer's Odyssee. Für den Schulgebrauch erklärt von Dr. C. 
Fr. Ameis. 1. Bd. 2. Heft. Ges. VII — XIL Sechste berichtigte und 
vermehrte Auflage, besorgt von C. Hentze. Leipzig. B. G. Teubner. 

1876. 8. 179 S. (175). II. Bd. 1. Heft. Ges. XIII-XVIIL Leipzig 

1877. 8. 185 8. 

Im Wesentlichen stimmt die sechste Auflage mit der fünften überein, 
wenn auch Manches jetzt weggelassen oder anders gefasst ist oder neue 
Zusätze zugekommen sind. Sehr zweckmässig ist es, dass Hentze so 
manche von Ameis besonders geliebte, im übermässigen Gebrauch aber 
komisch wirkende Ausdrücke immer mehr noch zu tilgen bemüht ist: 
mit diesen Worten ganz aufzuräumen bleibt kommenden Auflagen vor- 
behalten (z. B. »mit sinnlicher Belebung« ist ganz überflüssig o 473 
cfr. a 272, i^ 499«. Dahin gehört auch das zum Ueberdruss von Ameis 
gebrauchte Wort »episch < cfr. o 417 oder »Märchenwelt« cfr. o 403, 
wo die ganze Note über JJupc'rj überflüssig erscheint). Was soll die Note 
c 62: »dieser formelhafte Vers war dem Ohre der Zuhörer ein wohlge- 
fälliger Uebergang etc«. So könnten auch noch immer mehr die ästhe- 
tischen Raisonuements von Ameis unterdrückt werden (z. B. über das 
Verhältniss des Helios zu seinen Rindern /x 130). Wie gesagt, auf die- 
sem Gebiet ist von Hentze schon sehr viel geschehen. Ebenso ist es 
nur zu billigen, dass Hentze die Uebersetzungeu einfacher Wörter, die 
Ameis in Menge für den Schüler zur grossen Bequemlichkeit in seinen 



Ausgaben. 91 

Noten bot, gestrichen hat. Die Zusätze erscheinen manchmal überflüssig, 
manchmal zu gesucht. Wozu wird ücpoaXiujv yz (; 525) noch übersetzt? 
die Note in der 5. Auflage genügte. Werden wir wirklich t 507 ^ }idXa 8rj 
»ja wahrhaftig offenbar« übersetzen und jy 36 cog sc (jirapov ■^k vorj/ia) 
»wie - ich setze den Fall:«? Ueberflüssig erscheinen Kefereuten Noten 
wie c 495 über xac vuv oder o 420 über nXuvoOffrj, o 551 über das sy/^og 
und 552, wo dies wohl gelegen haben mag, ^ 459 über opuxTa u. s. w. 
Ich glaube nicht, dass Alkinoos ^ 548 bei p.rjdk cu xsüi9e an rj 238 ge- 
dacht hat, verstehe auch tj 238 nicht so, als wäre es der Arete wirklich 
dort zu thun gewesen, den Namen des Odysseus zu erfahren. Es wäre 
nicht gut, wenn der Herausgeber anfinge, den Weg von Anieis zu be- 
treten in dem Zuviel der Erklärung und Zerlegung der einzelnen Stim- 
mungen der handelnden Personen (z. B. »9 467 Schluss); der zu reiche 
Commentar, den Ameis durch grossen Fleiss beigebracht, bedarf zunächst 
der Sichtung und Reinigung im Grossen und im Kleinen, o 474 ist nicht 
ganz = r7 842; o 475 ist die Angabe nicht genau, dass E 219 vcü Sub- 
ject ist; es ist Subjectsaccusativ. o 440 wäre die Gelegenheit nicht zu 
versäumen acyfj wv zu unterscheiden von o 463 xazivtuaz anonfj^ wobei 
ich verweisen möchte auf die feinsinnige Unterscheidung dieser Worte 
bei H. Schmidt, Synonym, der griechischen Sprache S. 215 ff. Danach 
würde auch die Fassung der Note zu o 440 wohl anders lauten. 
Dazu gehört: 

9) K. F. Ameis, Anhang zu Horaer's Odyssee. Schulausgabe. 
II. Heft. Erläuterungen zu Gesang YII— XII. Zweite berichtigte Auf- 
lage, besorgt von Dr. C. Hentze. Leipzig. Teubner 1876. 8. 128 S. 
(84 S. 1. Aufl.). - III. Heft. Erläuterungen zu Gesang XIII-XVIII. 

1877. 147 S. (99 S. 1. Aufl.) 

In fleissigere und pietätsvollere Hände hätten Ameis' Homers-Stu- 
dien nicht gelegt werden können: man wird kaum etwas vermissen, was 
seit Ameis' Tode auf diesem Gebiet veröffentlicht worden, und so wird 
der Herausgeber des Dankes aller derer sicher sein können, die nicht 
selbst in der Lage sind, das reiche literarische Material sich stets ge- 
genwärtig zu halten. Vielleicht könnte aber statt des Strebens nach 
Vollständigkeit mehr die Auswahl des Guten und Besseren in knapper 
Form zum Princip erhoben werden: was hilft es, auf dieses und jenes 
aufmerksam gemacht zu werden, wenn man doch nur geringen Gewinn 
aus der Nachlese empfängt? So hätte Referent also an den Herausgeber 
die Bitte, die Geister zu erkennen und sich nicht durch auch noch so 
siegesgewiss ausgesprochene Ansichten in seinem Urtheile beirren zu 
lassen. Wie konnte nur Hentze Brugman's Behauptungen nachschreiben, 
dass Aristarch den freien Gebrauch des Pron. reflex. og verkannt und 
»fast vollständig (zu 320 »systematisch«) ausgemerzt habe« (zu v 61), 
oder glauben, dass »die Bedenken wegen der Beziehung des Refl. fjaiv 



92 Homer. 

auf die erste Person jetzt gründlich widerlegt sind«; was ist in Brugman's 
Arbeit überhaupt gründlich V wie konnte Hentze Brugman's frischweg ge- 
machte Etymologie ktüg = Herr einmal an sich und mit Rücksicht auf 
die betreifenden Stellen anders erwähnen, als mit völligster Verwerfung! 
Ausser den sehr reichen Zusätzen hat die erste Auflage auch man- 
che Aenderungen erfahren: der Herausgeber wird hoffentlich bei einer 
nächsten Auflage mit etwas mehr einschneidender Hand zu Werke gehen. 
Noten im Character von a 254: »Im Munde der Penelope ist es eine 
naive Allgemeinheit, aber für den Hörer zugleich eine praktisch berech- 
nete Absichtlichkeit« u. s. w. oder wie zu t 447 oder 474 oder überhaupt 
wo Schlüsse aus dem märchenhaften Character des liomer. Epos gemacht 
werden, können ganz fallen. Ferner vertragen die Anmerkungen von 
Ameis sehr gut Kürzungen, so wohl wo er selbst redet, als auch wo er 
Gedrucktes oder Briefliches citirt, und wenn Hentze von Ameis gegebene 
Erklärungen als unmöglich zurück weist, warum sie noch drucken lassen? 
So über das ihm Ueberkommene zu verfügen muss jedem Herausgeber 
freistehen. — Interpolationen hat Hentze mehr angenommen als Ameis; 
hierin und in der Auffassung mancher Perioden und der dadurch für 
nöthig erachteten Aenderung der Interpunction hat Referent nicht immer 
übereinstimmen können. 

10) VouacEia. Homer's Odyssee. Erklärende Schulausgabe von 
Heinrich Düntzer. III. Heft. I.Lieferung. BuchXVII-XX. Zweite, 
neu bearbeitete Auflage. Paderborn 1876. 8. 126 S. — III. Heft. 
2. Lieferung. Buch XXI- XXIV. Paderborn 1876. S. 127 - 235. 

Die Ausgabe ist in der That eine neu bearbeitete, da man kaum 
eine Seite finden wird, wo nicht kleinere oder grössere Aenderungen 
eingetreten sind und so weit Referent verglichen, stets zum Vortheil des 
Buches. Dasselbe zeigt überall ausgebreitete und selbstständige Studien. 
Sehr gewonnen hat es auch durch den Wegfall einer stattlichen Reihe 
von Athetesen, besonders der Haken-Parenthesen mit den verwunderlichen 
Fragen: sind diese Verse entbehrlich oder sind diese Verse durchaus 
entbehrlich oder sie scheinen eingeschoben etc. Dass der Herausgeber 
überall da, wo er jetzt das Gegentheil behauptet von dem in der ersten 
Auflage Ausgesprochenen, einfach die Aenderung trifft, ohne auf seine 
Behauptung in der 1. Auflage zurückzukommen, daran kann man nicht 
Anstoss nehmen; dass aber der Verfasser in der 1. Auflage z. B. x 364 
liest: Howg o dnedove ßoecr^v und in der zweiten ßoog 8' dTieduva ßoeirjv 
und dazu anmerkt: »Andere lesen statt /Joo? das hier schwache i^oiög«, 
das finden wir doch gar nicht in der Ordnung. 

11) Homer's Odyssee. Erklärt von V. H. Koch. IV. Heft (v—t:) 
S. 154. Hannover 1872 (?); 8. V.Heft (,o--y) S. 130. Hannover 1877. 

Vergl. Jahresbericht 1874—75, 1, S. 32 ff., wo die ersten drei Hefte 



Ausgaben. 93 

besprochen sind. Referent hält Koch's Odyssee-Ausgabe für eine brauch- 
bare Schulausgabe. Folgende Bemerkungen möchte er der Erwägung 
des Verfassers anheimgeben. 1. Referent hält es für eine Schulausgabe 
nicht für angemessen, mehrere Erklärungen zu geben; man wähle die- 
jenige aus, die als die richtigste erscheint. Was nützt es dem Schüler, 
auch noch zu erfahren: »Andere erklären so« oder »Andere erklären 
auch so?« soll er annehmen, dass man so auch so erklären könue? Für 
den Lehrer, der nicht nach einer Ausgabe bloss sich vorbereitet, sind 
solche Zusätze auch überflüssig. 2. Mit dem Heranziehen von Varianten 
sei man sparsam, jedenfalls erwähne man nicht unbedeutende. Der 
Schüler hat in der Regel keinen Gewinn von derartigen Mittheilungen: 
an geeignetem Orte mag einmal das lebendige Wort des Lehrers ein- 
treten. 3. Des Referenten Ansicht ist, man sei im etymologischen Theile 
ausserordentlich knapp und gebe den Schülern nur wirklich Feststehen- 
des. Was soll es ihnen nützen, wenn sie im Commentar lesen: das Wort 
wird so abgeleitet. Andere leiten es so ab. Andere so. Wieder Andere 
anders. In diesem Falle empfiehlt es sich den Schülern garnichts mit- 
zutheilen. 4. der Verfasser geht vielfach auf Darlegung des Auifallen- 
den und Unebenen in der Entwicklung der Handlung ein. Was nutzt 
das aber dem Schüler, wenn er nur das Anstössige im Gedicht vernimmt, 
ohne dass er zugleich erfährt, wie das Hereinkommen solcher Stellen zu 
erklären ist? Für die Schule ist die höhere Kritik nur sehr sparsam zu 
handhaben und sie bedarf in erster Reihe nicht nur einen unterrichte- 
ten, sondern einen sehr geschickten Lehrer. 5. Man biete dem Schüler 
seine Anmerkungen in gewählter Sprache. Hierin könnte der Ver- 
fasser bei der nächsten Auflage etwas strenger sein. Wir lesen a 37 
ojjyv Tsp7T(o?^7jv {^zug Tjaysv — als Note: »von der Art ist der Jux«! 
Mit diesen Ausdrücken steigen wir zum Schüler herab, den wir zu uns 
emporheben sollen. Dahin gehört die Wendung »lümmelhafter Bettler« 
ip 221), die dem Schüler Lachen entlocken wird, worauf wir Lehrer aber 
doch nicht speculiren wollen. Ich müsste dazu auch rechnen »des An- 
tinoos pöbelhaftes Wesen«. Sein Vergehen gegen den fremden Bett- 
ler fällt in eine andere Sphäre. Auch die Neigung des Verfassers, Ho- 
merisches den Schülern durch Verweis auf Modernes zu erläutern, möchte 
ich beanstanden, in der Weise wenigstens, wie er es thut. Z. B. f) 448 
fii] — TnxpTjv AlyuTiTov xai Kür.puv 1x^11 »ähnlich sagen wir: irgendwo sein 
Waterloo, sein Sedan finden«, was gar nicht einmal dem Sinne der Stelle 
gemäss ist; oder/> 102: Xiiojiru zig euwjv »eine blosse Drohung (an Stelle 
der modernen ,Nerven' oder ,Migräne')« was, von dem Platten der Auf- 
fassung abgesehen, zudem noch falsch ist. Zu o 99 spricht der Ver- 
fasser »von dem überhaupt in fürstlichen Gemächern herrschenden Par- 
füm«. — Ein paar Bemerkungen für den Verfasser noch im Einzelnen: 
o 45 Xä^ Tiuol xcvYjaug soll A' 158 vom Nestor gebraucht gut sein, weil 
»er als Greis das Bücken scheut«? wo zeigt sich so Nestor? 133 was 



94 Homer. 

soll die Note »erst bei Theokritos ^av86Bpc$(i''i ~ 170 bnoxpivatzo ist 
hier wohl nicht »auslegen«, da das zunächst nicht von Menelaos gefor- 
dert wird. — 191 der Vers ist »ganz an seiner Stelle« trotz »der ge- 
drängten Darstellung«. — 211 Was hat der Vers zu thun rnit »der feier- 
lichen Versicherung, dass Troja untergehen werde«? soll er wirklich nur 
passend sein in dieser Verbindung? — 222 über hüatv gebe man genau 
was bei Lehrs Arist. S. 82 zu lesen. — 246 ganz überflüssig, da nicht im 
homerischen Sinn, ist die Mittheilung der antiken Erklärung. — 264 
weder wird mit diesem Verse sonst Gastfreundschaft angeboten, noch 
hier nur erbeten. — 272 Den Fahrwind kann jede Gottheit senden. - 316 
woher weiss man, dass »Aufwärtern lediglich dadurch gelohnt wurde, 
dass man sie beköstigte«? jedenfalls überflüssig an der Stelle. — 381 
Odysseus fällt gar nicht aus seiner Rolle! - 403 Eoptrj von susurrus? 
Vfnuyirj von den Wachteltönen, mit denen die Sonne nach uraltem indo- 
germanischen Glauben auf- und untergehe? das soll zu glauben sein? 
411 Dass Apollo und Artemis zusammen ihre Pfeile senden, ist gar 
kein »märchenhafter Zug in dieser Schilderung«, da Männer sowohl wie 
Frauen sterben. — p 148-149 »warum wird des Pisistratos im ganzen 
Bericht nicht mit einer Silbe gedacht?« Wie möchte die Autwort des 
Verfassers darauf ausfallen ? — 195 Also wirklich ist ^oVz-^w ein »Knüt- 
tel« für das mühsame Hinabsteigen, das axrjnrpov zum Hinaufsteigen 
geeignet? — 230 Fort mit Eustathios! — 327 Fort mit Gladstones Be- 
merkung über das Verscheiden des Argos! — 332 Homer giebt gern 
Erläuterungen auf etymologischem Wege? - 383 »der Sänger soll ein 
entbehrlicher Künstler« sein? darüber belehrt uns besser der Gesang S-. 
Er gehört zu den drjiuospYOL, der »Beisatz y.ak beweist dagegen gar 
nichts. — 541 warum soll es »auffallend« sein, dass Penelope ihren Sohn 
am Niesen erkennt? - a 259 <jj y^vai, ou yhp otio . . . yyyäp soll das 
Feierliche seiner Einleitung erklären« ? es ist das oft so gebrauchte ydp, 
das den Grund angiebt, der in homerischer Sprache voraus gegeben wird. 
— 279 nicht allein »aus dieser Stelle« erfahren wir, dass die edva »den 
Angehörigen der Braut zu Gute kommt«, auch aus B 318; / 146; A' 366; 
A 244; auch in o 18 ist das enthalten. - u 19 was über -izXaBc Brj, 
xpaotrj gesagt wird, ist überflüssig. 

12) L'Odyssee. Traduction nouvelle par Leconte de Lisle. 
Deuxieme edition. Paris 1877. 8. S. 476. 

Eine sehr gute, den Sinn getreu wiedergebende Uebersetzung nicht 
nur der Odyssee, sondern auch der homerischen Hymnen, Epigramme und 
der Batrachomyomachie : was man etwa auszusetzen hätte, trifft nicht den 
Uebersetzer, sondern die französische Sprache selbst. Die Uebersetzung 
ist in Prosa. 



Einzelne Stellen. 95 

Einzelne Stellen werden behandelt: 

13) W. Scliwartz, Zur homerischen Hermeneutik. Fleckeisen's 
N. Jahrb. Bd. 113. 1876. S. 839—50. 

Die Ansicht des Verfassers, dass »Homer nur der geistige Ver- 
mittler der im Volke lebenden Bilder und Ideen ist«, dass man für das 
Verständniss des Dichters »stets auf jenen volksthümlichen Hintergrund 
zurückzugreifen« habe, wird an vier Stellen durch Interpretation derselben 
beleuchtet. 

1. 11 786 fl"., wo von dem Tode des Patroklos die Rede ist, soll 
der Ausdruck tzXyi^ev ok /isrd^fjsvov Eoijtt -' luiuo x. r. X. auf einen »Schlag- 
Huss« gehen, den Apollo sendet. »Sein Charakter als Todesgott geht 
ursprünglich auf die im Blitze Erschlagenen, die von seinem Geschoss 
getroffen zu sein schienen. Daran reiht sich naturgemäss Schlagfluss, 
überhaupt jede Art von Schwindel« u. s. w. Wie das naturgemäss sein 
soll, kann Referent nicht einleuchten. 

2. In X 81 ff., welche von der Laistrygonenstadt, dem eintreiben- 
den und austreibenden Hirten, von den nahen Pfaden der Nacht und 
des Tages handeln, »ist Alles darauf berechnet, den Eindruck des Ko- 
lossalen hervorzurufen« , »ein Paar sich anrufender und in der Ai-beit 
ablösender Riesen finden wir auch in der laistrygonischen Riesenstadt, 
und nur das Moment des sich Ablösens wird noch in besonderer Weise 
durch die Ausdehnung der fern thorigen Stadt motivirt«. Nämlich wie 
»in dem bekannten Bilde von dem Reiche Karl's V., dass es so gross 
sei, dass darin die Sonne nicht unterginge, so wird in der Laistrygonen- 
sage, um die kolossale Ausdehnung von Ost nach West — von rjujg npog 
Züfov — der Stadt beizulegen, jener Wechsel von Tag und Nacht sich 
in ihr räumlich so vollziehend gedacht, dass, während es im Westen 
dunkelt, der Tag schon wieder im Osten aufgeht« u. s. w. 

3. X 183 ff. hatte den Erklärern grosse Schwierigkeit bereitet, 
da Odysseus 190 sagt: uo ydp t' lojxzv onrj ^oipug oud' ÖTtjj rjcug u. s. w. 
obwohl 185 von dem Untergange der Sonne die Rede war. Schwartz 
will die Schwierigkeit beseitigen durch die Annahme, dass wir in den 
Worten ou ydp r' lopsv x. r. X. nur eine typische Form haben für das, 
was wir bezeichnen würden mit den Worten »wir wissen nicht, in wel- 
cher Himmelsgegend wir sind«, womit doch nichts erklärt wird. 

4. X 82 ff". Nestor fragt den Nachts bei ihm eintretenden Agamem- 
non 7]i Tcv' ouprjüjv dc^rjpsvog rj Ttv k-atpujv. Schwartz hält hier doch 
noch fest, »dass Nestor den nahenden Unbekannten fragt, wer er sei 
und was er in der Nacht im Lager suche, etwa ein Thier, das sich los- 
gerissen oder einen Gefährten : denn dies waren die natürlichsten Veran- 
lassungen dazu, wie sie es in einem ähnlichen Falle noch heutzutage in 
einem Feldlager sind« und bezieht sich auf Xen. anab. II, 2, 20, eine 
Stelle, »die ausdrücklich darauf hinweist, wie es in einem griechischen 



96 Homer. 

Lager etwas ganz Gewölinliches war, dass ein Maulesel — und deren 
gab es bekanntlich auch genug im Lager vor Troja — sich losriss und 
nicht bloss seinem Herrn gorge machte, sondern ein ganzes Lager in 
Verwirrung setzen konnte«. In merkwürdigster Weise hat Schwartz diese 
Stelle aus der Anabasis missverstanden, da dort in Wirklichkeit von einem 
Esel, der sich losgerissen, nicht die Rede ist, sondern die Geschichte 
vom Esel zur Beruhigung der Soldaten von Klearchos erdichtet wird ; aber 
abgesehen davon, ist es wirklich natürlich, dass in der Schlafenszeit der 
König hört, wie ein Thier sich losreisst und fortläuft, und er nun aus- 
zieht, um das Thier einzufangen und dass er gerade in Nestor's Zelt 
tritt, um dort sich nach dem Esel zu erkundigen? In der hier angeprie- 
senen »Hermeneutik«, die sich bemüht, »stets auf einen volksthümlichen 
Hintergrund zurückzugreifen« und so »sich die breiteste Basis in dieser 
Hinsicht zu schaffen«, finde ich nichts Natürliches, aber viel Fades. 

14) B 825 (Allgemeine Philologische Zeitschrift, redig. von Emil 
ThewreAvk von Ponor u. Gust. Heinrich. 1. Jahrg. 1877. 1. Hft. 
Budapest 1877). S. 75. 

Ohne Bedeutung; es handelt sich wahrscheinlich -- da Referent 
nicht magyarisch versteht — um eine magyarische Parallelstelle zu der 
Wendung mvovreg uSujp (xekav Alarjnoto. 

15) J 341 ff. 

Bei seiner Rundschau macht Agamemnon dem Menestheus und 
Odysseus herbe Vorwürfe, dass sie sich zaghaft und nicht kampfesbereit 
zeigten : 

a(pu}iv iJ.iv z' STreotxe /isrä rtpiozocatv iövzag 341 

£(Tzdjj.sv rj8s f-d^y]? xaucrzecprjg dvzißoXrjaac. 
Tipujzuj ydp xal Saczug dxoudCeoHov ipsTo, 
oTircuzz 8acza yipouatv icpunX'Xwpzv ^Ayacoi. 

A. Nauck glaubt, dass der Zusammenhang für den Vers 343 den 
Sinn verlangt: »ihr seid die ersten, welche auf meine Einladung zu 
einem Mahle sich einfinden«, dass ferner dxoudCsaHai nicht gleich- 
bedeutend ist mit dxduziu zimüq, sondern so viel ist als utmxoüscv zivL 
Daher schlägt er vor, um die Schwierigkeit der beiden Genitive 8atz6g 
und e/t£7o zu heben und um die Wiederholung von oatzüg und oatra — 
woran gar nicht Anstoss zu nehmen ist — zu beseitigen, den Vers 343 
also zu lesen: 

npcozoj ydp xaXiovzog dxoud!^soHov ipsco 

und hofft, dass »diese Aenderung sich durch sich selbst empfiehlt, ohne 
weiterer Begründung zu bedürfen.« Ich kann diese Conjectur nicht für 
glücklich halten. Eiinnal halte ich nicht für richtig, dass der Simi von 
Vers 343 der von Nauck bezeichnete ist; denn nicht darauf kommt es 
au, dass sie sich als die ersten beim Mahle einfinden — das könnte 



Einzelne Stellen. 97 

auch ein Zeichen von Unbescheidenheit sein — sondern darauf, dass sie 
als die ersten geladen werden : darin liegt eine ihnen zu Theil werdende 
Auszeichnung, und das meint sicherlich Agamemnon in dem Zusammen- 
hange: »Euch kommt es zu, die ersten in der Schlacht zu sein, da ihr 
auch zum Mahle zuerst geladen werdet.« 8oda:nn kann axood^eaHac rcvog 
nicht mit unaxoüscv tcvc gleichbedeutend sein; die beiden Stellen bei 
Homer: äxuudZwvrat doidnü (r 7) und dxo'jd^saße 3' doedoU (v 9) hätten 
Nauck sagen können, dass von einem Folgeieisten bei dxoud^ead^ac keine 
Rede sein könne. Also kann der von Nauck conjicirte Vers nur über- 
setzt werden: »denn ihr zuerst höret, wie ich einlade«, was an dieser 
Stelle keinen Sinn giebt, da die beiden ja auch hören können, wie Aga- 
memnon Andere zum Mahle auffordert, und selbst wenn man sich zu 
xrüdovrng das Objekt bjmg zudenken wollte, so wäre das doch gewiss 
ein verkehrter Ausdruck: »ihr hört zuerst, dass ich Euch einlade« für 
die einfache Wendung: »ich lade Euch zuerst ein«. Auch werden wir 
das xat vor öaizug nicht aufgeben, das die Gegenüberstellung im Ge- 
danken erfordert: »für Euch geziemt es, unter den Ersten zu kämpfen, 
wie Ihr zuerst zum Mahle geladen werdet«. 

Ich würde diese Conjectur Nauck's nur einfach erwähnt haben mit 
dem Zusätze »nicht annehmbar«, da sie zu jenen gehört, wie sie zu 
Hunderten gemacht werden können, wenn man eben mit dem Texte nach 
Belieben schalten will: aber Nauck benutzt die Gelegenheit, in den hoch- 
trabendsten Ausdrücken aufzufordern, nun endlich das so lange vernach- 
lässigte Gebiet der Conjecturalkritik auch für die homerischen Gedichte 
anzubauen: »gerade für Homer ist in dieser Hinsicht bisher unendlich 
wenig geschehen«. Möchte der homerische Text doch behütet bleiben 
vor einer Zeit, in der man dieser Aufforderung Folge leistet und ihn 
mit Conjecturen beschenkt nach Nauck'scher Methode. Dass auch bei 
dieser Gelegenheit wieder an dem »grossen Kritiker« herumgezerrt 
wird und von jenem »Infallibilitätsglauben mit seinen lähmenden und be- 
thörenden Wirkungen« gesprochen wird, das kann Keinem auffallend 
sein, der Nauck's Bemühungen kennt, den »grossen Kritiker« in den 
Schatten zu stellen. (Hermes, XII. 1877. S. 393 — 95.) 

IG) A' 679—700. 

Eine schon vielfach behandelte und auch athetirte Stelle. Benicken 
geht davon aus, das iV694 697 = 6*333—36 sind; er hält die Verse in 
iV für unächt, weil die beiden hier behandelten Persönlichkeiten »Medon 
und Podarkes vor den Uebrigen nichts voraus haben, dass sie hier be- 
sonderer Auszeichnung durch Schilderung ihrer Personen gewürdigt wer- 
den«. Ich halte die Schilderung hier gerade für sehr passend, da wir 
so erst erfahren, wie Medon, der Bastard des Oileus {B 727 f), aus 
Lokris nach Phylake kam und so nach dem Tode des Protesilaos mit 
Podarkes die Führung seiner Leute erhielt (cfr. B 703 ff.; nach B 727 

Jahresbericht für Alterthums-Wisaenschaft 1877. I. 7 



98 Homer. 

ordnete Medon auch die Mannen des Philokteies). Indem nun Benicken 
694—97 als unächt aus A' aushebt, so müssen auch 698 -700, in das- 
selbe Schicksal dadurch verwickelt, fallen: Referent kann nicht beistim- 
men, dass »durch Beseitigung von iV 694— 700 der Erzählung aufgeholfen 
wird«. Dann wird rückwärts die Athetese noch weiter ausgedehnt von 
693 — 681, mit Gründen, die den Referenten nicht überzeugen konnten. 
Zuletzt spricht Benicken sich gegen die Unächtheit von 679 f aus, die 
Koch annahm. (Neue Jahrb. f. Phil. 115 Bd. S. 111—116, 1877.) 

17) r47ff. 

Nach einigen Bemerkungen über homerische Periodenbildung ver- 
wirft V. Leutsch &s(uv v. 53, das gegen den Parallelismus der Glieder 
sei, da in den vorausgehenden Versen 49 f. von einer Bewegung, wie sie 
in Bswv enthalten, keine Spur sei, imd hält Aristarch's Lesart {^eäjv fest: 
»Ares steht demnach auf dem am Simoeis gelegenen Götterschönhügel, 
ohne Zweifel die beste Stelle für sein Thun; auch erhöht der Name an 
und für sich das Interesse des Hörers.« (Philol. Bd. 36, 1. Hft. S. 72, 
82, 110.) 

228—233. 

Mit dieser Stelle hat sich die Kritik schon früher beschäftigt. 
Benicken schlägt jetzt vor, 228—232 als unächt zu beseitigen und 
die Verbindung also herzustellen: 

227 — 233 üjg dnujv 'A^deug oooptxXurog zvBops jisaacp 

234 xprjfivod dnatgag x. t. X. 

Wir werden uns jedoch nicht diese Verse nehmen lassen; dadurch würde 
ein die Entwickelung steigernder Zug verwischt werden. Achilleus hatte 
eben dem Flussgott erklärt, er werde von der Vernichtung der Troer nicht 
eher ablassen, als bis er sie in die Stadt gedrängt, und sofort stürzt er sich, 
einem Dämon gleichend, in die Schaaren der Troer. Voll Mitgefühl mit 
ihnen wendet sich der Flussgott an ihren Schutzgott, wie er so gar nicht 
sich der Troer annehme : das sind Worte, wie sie sich seiner theilnehmen- 
den Brust entringen, gar nicht auf eine Erwiderung berechnet, so dass 
auch Apollon selbst nicht als anwesend anzunehmen ist. Währenddess 
sprang aber schon Achilleus, von dem Eifer der Verfolgung hingerissen, 
in den Fluss selbst und begab sich so auf das Gebiet seines erzürnten 
Gegners, worauf nun die gewaltige Scene sich entwickelt. Ich fasse dem- 
nach den Vers 233 nicht »als seinem Gedanken nach mit 227 identisch«, 
sondern sehe in ihm lebendigsten Fortgang zu einem neuen Stadium. 
(N. Jahrb. f. Phil. 115, S. 109 f. 1877.) 

19) ¥ 226. 

Alois Rzach nimmt an "Eu)g<p6pog Anstoss, »da iiog dem alt- 
ionischen Dialekt des Epos durchaus fremd ist« und schlägt vor, für 



Einzelne Stellen. 99 

~II[iog 8' 'pAoa^upog x. r. X. zu schreiben: 'Hjios focogfopog etat <p6u)g 
epewv im ydcav {ocu mit Synizese zu sprechen). Die Conjectur ist nicht 
wahrscheinlich, schon um der Wiederholung wegen (powg<pupog — (pocog 
in einem Verse, die wir dem Dichter nicht zumuthen werden. Der Fall 
ist lehrreich, insofern man sieht, wie wenig angebracht es ist, der so 
sehr bildungsfähigen Sprache, dem so sehr beweglichen Verse Homer's 
Uniform aufzuzwängen. — Uebrigens werden wir uns auch das 8' am 
Anfang nicht nehmen lassen können. (Zeitschr. f. d. Oesterr. Gymn. 
XXVII. 1877. S. 102 f.). 

20) W 462—64. 

E. Kurtz scheidet ^ 462 — 64 als unächt aus, »sie widersprechen 
465 f. und auch sich selbst«, ad I. »Da Idomeneus eben gesagt, er habe 
die Pferde des Eumelus als die ersten um sein Ziel biegen sehen, kann 
er nicht wenige Verse weiter die Möglichkeit aussprechen, jener habe 
vielleicht nicht richtig um's Ziel lenken können (465 f.)«. Warum nicht? 
Die beiden Handlungen lassen sich doch sehr gut vereinigen, dass ein 
Wagen um das Ziel biegt, das Umbiegen selbst aber unglücklich aus- 
fällt. Die Verse 465 f. sagen nicht, dass er nicht um's Ziel gebogen 
sei, sondern dass er nicht gut um's Ziel gefahren sei. Diese Erklärung 
bietet auch das Schol, B. zu 462: xainzrouaag fth yap wjräg slSe, 
fjLezä 8k TU xdn^'rxc ouxizc. ad IL »Wenn Idomeneus die Rosse 
um's Ziel am Ende der Bahn hat biegen sehen, so muss er eben die 
ganze Bahn überschauen und muss auch der weitere Lauf der Rosse, 
welche, auf dem Rückwege begriffen, ihm mit jedem Schritte näher kom- 
men, und das hinter dem glücklich umlenkten Ziel« (— der Ausdruck 
ist falsch — ) »dem Eumelos zugestossene Unglück (373) genau haben 
verfolgen können. Wie konnte er behaupten, jetzt könne er nicht mehr 
sie sehen, so weit auch seine Augen durch die Ebene schweiften?«. Die 
einfache Antwort ist, dass eine unter den dahinjagendeu Rossen sich er- 
hebende Staubwolke den hinteren Theil der Rennbahn verhüllte, was aus 
dem Verse 449 sich von selbst versteht: zol 8k rd-ov~o xovLovzeg ne- 
oioto. Als nun aus der Staubwolke die Gespanne heraustraten, erkannte 
Idomeneus von seinem günstigem Standpunkte aus zuerst den in erster 
Reihe daherjagenden Wagen. Die Athetese ist also abzulehnen. Kurtz 
folgert weiter, dass man das Ziel, um welches gewendet wurde, vom Aus- 
gange nicht sehen konnte, dass die Pferde eine Zeit lang dem Gesichts- 
kreise der Zuschauer entrückt gewesen waren. Das ist auch nicht anzu- 
nehmen. Einmal wäre diese Einrichtung doch gar zu unpraktisch, da 
die Zuschauer »eine Zeit lang« ohne jedes Interesse und ohne jede 
Spannung hätten dasitzen müssen, sodann verweise ich auf Vers 358 f.: 
öTy/ijji/e ok zipiiaz' 'A^cUsug \ zrjlo^ev iv Xem ns8cü}. Ueber die Renn- 
bahn, mit der sich Kurtz beschäftigt, ist alles Nöthige bereits im Schol. B. 
zu 353 gesagt. 

7» 



100 Homer. 

21) ß 258 ol fikv ap icrxidvavro kä npog 8u)}iad^ ixrxarog. 

Nauck hatte, um das Digamma herzustellen, vermuthet ibv npbg 
8u>fia Bxaarog. Dagegen macht Nauck Wecklein aufmerksam, dass »der 
coustante Gebrauch bei Homer fordert, dass es nach der Aufforderung 
äXX äye Xaol fisv axidvaa^^ im epya exaarog heisse: o? fisv ap' iaxi8- 
vavTo iä npog ipya %xa.<jxüg<i.. Referent, der durchaus nicht für Nauck's 
Conjectur eintritt, kann ebenfalls keine Nöthigung erkennen, fortan mit 
Wecklein zu schreiben ka nphg ipya IxaaTog; jeder der beiden Aus- 
drücke ist gerade schön und bezeichnend und »der constante Gebrauch 
bei Homer« ist mehr modernes Vorurtheil als auf Wahrheit und Natür- 
lichkeit beruhend. (Fleckeisen's N. Jahrb. Bd. 113. 1876. S. 838.) 

22) jy 283: ix 8' inecrov &up.rjyspda)v, im 8' a.p.j3po(r:rj w^ — 

J. Krauss schlägt vor zu lesen: ix 8k ntaujv Bu/irjyepeov — was 
nicht Conjectur ist, sondern ursprüngliche Lesart: EKAEUEIONGTME- 
FEPEON; durch Missverständniss ist erst bei Umsetzung der alten 
Schrift in das neue Alphabet das entstanden, was wir in unseren Texten 
lesen . . Der nothwendige Sinn wird durch diesen evidenten Voi'schlag 
hergestellt. (Rhein. Mus. f. Phil. N. F. 32, 1877. S. 323-25.) 

23) X 530 f 6 Si fxe p.dXa n6XX cxi-eusv 

mno&sv i^cfisvac. 

F. Nieländer tritt gegen das handschriftlich überlieferte i^ijxevat 
für die Variante i$snavac ein mit dem Hinweise, dass dies der hier geschil- 
derten Situation und der Sinnesart des tollkühnen jugendlichen Neopto- 
lemos entsprechender sei als das auch sprachlich nicht zu haltende i$e/i£- 
vac. Wesentlich Neues wird hier auch in der Begründung nicht geboten, 
i^ip-zvai ist schon von Herausgebern vorgezogen. (Fleckeisen's N. Jahrb. 
Bd. 113. 1876. S. 836 f.) 

24) ^ 7 xat i&ptyxcü<T£v d^ip8aj (von der au^ des 

Eumaios). 

F. Nieländer sucht wieder zu befürworten, dass iBpiyxioasv ä^ipSip 
von einem Kranze von Dornen zu verstehen sei, der den Abschluss der 
aufeinander gethürmten und ineinander gefügten Steine der Mauer ge- 
bildet habe, — woran gewiss nicht zu denken ist. (Fleckeisen's N. Jahrb. 
Bd. 113. 1876. S. 137.) 

25) p 302. . . . xai oüara xdfißaXev dji<püj (vom Argos). 

R. Hercher erklärt den Ausdruck ouaza xdpßahv äjxcpiü als Kenn- 
zeichen für den schmeichelnden Hund, »da Hunde mit beweglichen Ohren, 
z. B. Saufänger nicht bloss mit dem Schwänze, sondern auch mit den 
Ohren zu schmeicheln pflegen und zwar eben dudurch, dass sie sie hängen 
lassen. Zuerst pflegen sie, wenn sie auf ihren Herrn in weiter Entfer- 



Textkritik. lOl 

nung aufmerksam gemacht werden, ihre Ohren zu heben und erst dann, 
wenn sie ihn erkannt, lassen sie sie plötzlich fallen«. Der Ausdruck za 
wza xaTaßdXhiv wird auch sonst noch als in dieser Bedeutung vor- 
kommend nachgewiesen. Diese Belehrung ist mit Dank anzunehmen. 
(Hermes, Zeitschrift f. klass. Phil. 12. 1877. S. 391 f.) 

26) a 287. dibpa . . . diqaaif ' ou yäp xaXbv avijvaaBat 86(jiv sariv 

N. Wecklein bemerkt : »man erwartet oh yäp xaXhv avr]vo.aBai dooiv 
eaHrjvn. Mir erscheint der Zusatz ia^X^v gerade für das, was Antinoos 
ausdrücken will, störend zu kommen. (Fleckeisen's N. Jahrb. Bd. 113. 
1876. S. 838.) 

27) ^ 421 ff. 

A. Göbel, Das Axtschiessen in der Odyssee, (Fleckeisen's N. Jahrb. 
Bd. 113. 1876. S. 169-73). 

Im Gegensatz zu der Ansicht derer, die den Odysseus durch die 
Oehre der in den Boden gesteckten Axtschneiden seinen Pfeil schiessen 
lassen, macht Göbel anschaulich, dass Doppeläxte mit ihren Stielen senk- 
recht in die Erde hintereinander gepflanzt gewesen seien; der Schütze 
musste nun mitten durch die oberen Bogenrundungen sämmtlicher zwölf 
Aexte der Art durchschiessen, dass er weder am oberen offenen Ende 
hinausflog, noch auch an die ehernen Seitenwände rechts oder links an- 
schlug, und der Pfeil also dicht über das in die Rundung noch mit einem 
kurzen Stücke hineinragende obere Ende des Stieles einer jeden Axt 
hinstreifen. Göbel erklärt demnach auch a-zdecrj = aztilztöv (s 236) 
= Stiel, Stock, -npüizti aztdtiri — das äusserste Stielende (wie avzoy 
uTTo npwzr^)^) und übersetzt TieXixsojv 5' obx yj/xßpozs Jidvzcov Ttpcuzr^g crzsc- 
Xztrjg »nicht verfehlte Odysseus das Stielende sämmtlicher Aexte«, wo 
mir allerdings der Ausdruck »er verfehlte nicht das Stielende« sehr auf- 
fallend gesagt zu sein scheint für »er streifte oben über den Stielrand 
weg«, und dann müsste auch der Pluralis von azedtiri erwartet werden. 

II. Zur Textkritik gehörige Schriften. 

28) A. Nauck, Kritische Bemerkungen: Melanges Greco-Romains 
tires du Bulletin de l'Acaderaie imperiale des sciences de St. Peters- 
bourg. Tom. IV. livr. 1 et 2. 1876. S. 90—151. 

In seiner 1874 bei Weidmann erschienenen Odyssee-Ausgabe hatte 
Nauck in kühnster Weise mit der Tradition gebrochen, indem er auf 
die vermeintlich alterthümlichen und alterthümlichsten Formen zurück- 
ging und sie als echt und ursprünglich homerisch Homer wiederzugeben 
bemüht war. Nur das Eine übersaher hierbei, ob die von ihm gefundenen 
Gebilde überhaupt und besonders, ob sie noch allein zur Zeit, da die 



102 Homer. 

homerischen Gedichte entstanden, gebraucht wurden, wofür er überall 
den Beweis schuldig geblieben ist, da er ihn überhaupt nicht liefern 
kann. Es liegt auf der Hand, dass ein solches Unternehmen beim ersten 
Wurfe trotz des besten Willens nicht endgültig abgeschlossen sein kann, 
dass bei der hier inaugurirten Methode freiester Spielraum bleibt zu be- 
liebig fortzusetzenden Nachbesserungen, und so bietet uns in obigem 
Aufsatze der Verfasser, der »gegenüber der höchst unzuverlässigen Ueber- 
lieferung unserer homerischen Gedichte nicht blindlings auf jedes eigene 
Urtheil verzichtet«, eine erste Nachlese oder er vertheidigt und begrün- 
det schon Veröffentlichtes. Bei seinem Vertilgungskampfe gegen contra- 
hirte Formen hatte Nauck o 88 ßoüXonac T^8rj vsla&ai im Text noch 
belassen, wenngleich er in der Note vorschlug: anoviza^ai, dem er vor- 
sichtigerweise ein Fragezeichen zusetzte. Jetzt ist vsTaüa: »unstatthaft«, 
ßoöXoiiat aTioviea^fxt ursprünglich vom Dichter gesungen; dass t^^tj ohne 
Weiteres ausgeworfen wird, kümmert ihn nicht, da seine Methode ihm 
natürlich höher steht als B,ücksicht auf den Sinn, der auf das Anerbieten 
des Menelaos, er wolle Telemachos auf der Reise begleiten, in der ab- 
lehnenden Antwort des Gastes das y^Brj nothwendig macht. Oder erscheint 
Nauck wirklich dieses Wort nur als Füll stück eines »thörichten Gram- 
matikers«? Dieses o 88 eingeschmuggelte dnovizaBat soll noch an fünf 
anderen Stellen J 19, ; 530, o 66, {p211, ;)f 35 verdrängt worden sein 
durch ol'xaS' cxda&ac das ein »Corrector« dafür einsetzte, »welcher die 
Verlängerung der ersten Silbe in dno beanstandete« ! Ein merkwürdiger 
Corrector, der in seinem kritischen Gewissen in fünf Stellen an dnovseaßac 
anstiess und es auswarf, an dreizehn Stellen dagegen es ruhig im Texte 
stehen Hess! Und womit kann Nauck sein dnovsetrf^at hier empfehlen? 
mit nichts Anderem als »an diesen fünf Stellen würde der Versschluss 
dnoves(T&ac dem Sinne wie dem Metrum genügen«. Mit diesem Grund- 
satze würde man den Homer aus Homer vertreiben, wenn man statt der 
Tradition Worte einsetzen wollte, die »dem Sinne wie dem Metrum ge- 
nügen«. Aber auch dies ist nicht einmal der Fall, dass änoviea^^ai dem 
»Sinne genügt«. Dieses ist in seiner Bedeutung nicht mit oTxa^' IxiaBat 
identisch, es heisst vielmehr nur »weggehen, zurückkehren« und hat in 
den meisten Fällen natürlich zur näheren Bestimmung den Ort, wohin 
man zurückkehren will oder den Ort, von wo man weggeht, bei sich, 
z. B. M^S: oi)d' ayysXov dnovisa&at | aipoppov Ttpoz] äazo; £46: nap' 
V7]u)V Tiporl ''IXtov dnovieaBai ; 295: ttotj vrjag dv(v$op.ev dnovieaHac^ 
P 415 yvrjag int ylacpupäg); ß 195 (e? nazpög); t 451: Tipojrog 8k 
(TTa^IxovSs hXaizat anovisad^ai j icmspcog; o 308 {npozl äazu); n 467 
(Seup' dnovdsa&a:). Und ebenso steht das Zielobject bei den Formen 
rinov£0[p.7]v , dnoveovzo, dnovinvzai als nothwendig dabei. Nur in dem 
Verse "Ihuv ixTrepaavz' edzsi^sov dnovisa^ai ß 113 = 288 = £^716 = 
/ 20 fehlt es, ist aber von den Griechen in Verbindung mit "Ihov ixnip- 
(Tavza, das gewissermassen eine nähere Bestimmung vertritt, leicht ver- 



Textkritik. 1 03 

ständlich, und dasselbe ist auch der Fall a 260, wo der zum trojanischen 
Kriege aufbrechende Odysseus zur Penelope spricht: o?j yap ouo iüxvrj- 
/ii8ag 'A^acobg \ ix Tpoc'tjg eu rtdvrag äm^ftovag anovieaBai. In allen 
diesen Beispielen ist das sich Wenden zur Eückkehr, das Zurückkehren 
allein als der wesentliche Begriff betont, davon verschieden und von 
weiterer Bedeutung ist das Erreichen des Zielpunktes, was das oYxad'' 
Ixia&ac (Aor.) ausdrückt, aus dem überdies noch ein Ton inniger Herz- 
lichkeit klingt. Wir sahen die feste Form in dem Verse "ncov Exnip- 
ö-avr' tuTStyeov anovieaf^at, in dem der Nachdruck auf das Zurückkehren 
gelegt ist. Es wirkt überraschend, wenn der Dichter den Priester Chyses 
zu den Göttern flehen lässt, sie möchten bewirken, dass die Griechen 
kxTiipaat npi.äp.010 mjkiv, su 8^ ocxaS' IxiaBat'. das ist schöner und weit- 
greiTender als das matte, von Nauck vorgeschlagene q-novizat^at und 
hieran erkennt man eben den Dichter, dass er nicht in den typischen, 
gleichen Formen und Wendungen sich bewegt, sondern für die geänderte 
Situation den richtigen Ausdruck sich bildet. Und ebenso unbestimmt 
und nichtssagend wäre das aTiovhaBat in dem Gebet des Polyplem t 530 : 
8bg firj VSuaaija TzzoXmupf^iov oYxaS' Ixia^ai wie in den übrigen Stellen 
66, f 211, X 35. — Nauck geht noch weiter und verbannt jetzt auch 
veupiat in 2*136: ijojBev yäp vsüfiac . . ., »wir werden zu lesen haben rjoöBsv 
viojiac ydpfc ! Ausser dem fraglichen Gebilde ijoo^ev, das wir bereits an 
den betreffenden Stellen zur Odyssee in den Noten vorgesetzt bekommen 
haben, wird uns hier, um das viojiat zu ermöglichen, ydp in der dritten 
Stelle zugemuthet, dessen Vorkommen in dritter Stelle auf ganz be- 
stimmte Fälle beschränkt ist. 

Die Beobachtung, dass gewisse Diphthonge oder lange Vokale ein- 
zelner Worte immer oder doch sehr häufig in der Senkung stehen, hatte 
Nauck zu einer Fülle von Conjecturen für seine Odyssee-Ausgabe ver- 
werthet. So z. B. hatte Nauck durchweg ndcg geschrieben, nur mit Aus- 
nahme der Stellen, die mxtg nothwendig erfordern, wo mxlg also in der 
Hebung steht oder in der Senkung vor einem Consonanten: dass der 
Diphthong in der Senkung nothwendig ist, hätte zur Vorsicht mahnen 
und zurückschrecken sollen von der willkürlichen Durchführung starrer, 
äusserlicher Regeln, die z. B. auf den Rhythmus des Verses gar nicht 
Rücksicht nehmen, für den der antike Dichter jedenfalls empfänglicher 
gewesen als die Ohren moderner Kritiker. Nauck begnügt sich aber 
jetzt nicht mehr mit der Einführung der Form Tidig^ er hält es jetzt für 
wahrscheinlich, dass 3/309; 387; oj 289 ursprünglich ttccjv gestanden, wo 
die Tradition naioa bietet, er will sogar iidiv vorziehen, wo wir jetzt 
ulov lesen £612; /'sgo; Zl327; 499; /651; A 197 »und '/''391 könnte 
^ 8k psr 'ASjirjToo ucuv aus ^ 8k /ist 'A8fxrjToco ndiv gemacht sein.« Ja 
noch weiter. Ob wohl für oluv »sich mehr als 160 Belege anführen 
lassen«, wird, weil »die Casus obliqui überwiegend nach der dritten 
Declination flectirt werden«, »die Richtigkeit der jetzigen Schreibung« 



1()4 Homer. 

angezweifelt, »sofern am Schluss des Verses und in der Hauptcäsur ula, 
an anderen Stellen ocia dafür eintreten kann.« Was soll man von einer 
solchen Kritik halten, die so willkürlich mit der Tradition nach ausge- 
klügeltem Schematismus umspringen will? Es ist geradezu komisch sich 
vorzustellen, ein antiker »Corrector« oder »Grammatiker« habe für »ur- 
sprüngliches ula oder ofea« überall, wo es geschehen konnte, ucov ein- 
gesetzt. Und warum? das könnte doch nur ein kindliches Vergnügen 
gewesen sein, für das eben keine Motivirung uöthig gewesen. Auf sol- 
che "Weise aber an Homer herum zu experimentiren und ihn nach Laune 
umzuschreiben, das konnte den Alten nicht in den Sinn kommen und 
war nur Modernen vorbehalten, die sich einer sublimem Gelehrsamkeit 
berühmen. Dahin gehört nun auch, dass fortan »Homer zukommt cts^tjt:- 
TÖoioq wie — man höre ! — wie alyioyoq^ jatijO'/^og^ Ar/ny^oQ^ rjVLoyogn ! 
Dahin, dass wir, obwohl die Tradition 4 mal dyyo&t, 27 mal dyxoo bietet, 
»bei Homer durchgängig die dreisilbige Form dyyöHc herzustellen haben«, 
da dies »die ältere und ausschliesslich poetische Form ist.« Wir er- 
fahren ferner, dass »neben amüg und aluEivög die Nebenformen afn^etg 
und alnog nur bei gelehrten Dichtern der späteren Zeit berech- 
tigt zu sein scheinen«. Wenn Nauck für ahr^scg aus späterer Zeit vier 
Beispiele anführt, während Homer nur einmal diese Form hat, das be- 
weist doch nicht, dass sie ein gelehrtes Gepräge hat, höchstens, dass 
die einzeln stehende Form den Nachahmern ganz besonders für ihre 
Zwecke geeignet schien. Nauck weiss für das 87 vorkommende Ilr]- 
Saaöv ahrjsaaav sogleich Rath: »der Dichter dürfte wohl eher ein 
gleichbedeutendes llrjoaaov rjvsp-üsaaav gebraucht haben« ! Wobei nur 
wieder überraschend ist die kecke Behauptmig, dass aiTzrjsaaa und r^vsp-ö- 
eaaa »gleichbedeutend« sind; das kann nur einer sagen, der um den 
Sinn der' Worte sich gar nicht kümmert. Und warum sollen die Formen 
«iW.und ahriv »gelehrte« sein, die in unserem Text doch so häufig uns 
begegnen? Nauck findet die Form ^alnog'- »höchst auffallend«; wo hat 
Homer almg gebraucht? das sollte doch Nauck wissen, wie so gar oft 
in den casibus obliquis der Uebergang in eine andere Declination er- 
folgt, ohne dass es dem Dichter eingefallen wäre, zu dieser durch me- 
trische Bedürfnisse aus einer so beweglichen, geschmeidigen Sprache 
heraus entstandene Form einen Nominativ zu bilden. »Die alnä pit^pa 
{ß 369. 9) lauteten vielleicht ursprünglich alvä ph&pa,«. Ob alnä 
und acvä pde&pa auch gleichbedeutend sind, wird uns hier verschwiegen. 
Für TToXtv aiTirjv {0 71) hält Nauck es »nicht für allzu verwegen« n6}.cv alnov 
zu vermuthen nach Analogie von rj8og duzprj^ ß^Xog idparj, nou^bv l(p' 
bypT^v. Er glaubt, dass man »mit hoher Wahrscheinlichkeit«, auch ö 71 
für "Ikov alm zu lesen habe "IXcov alnuv ; "IXiov amO werde noch keines- 
wegs durch die angenommene Unechtheit der Stelle entschuldigt, »da 
To ''ücov erst aus der Tragödie nachweisbar ist«. Als wenn das ein 
stichhaltiger Grund wäre, wenn bei der fast fehlenden Ueberlieferung 



Textkritik. 105 

der vorangegangenen reichen Litteratur zufällig rb "Ucov »erst aus der 
Tragödie nachweisbar ist«. Aber viel wichtiger, weil an diesem einzel- 
neu Falle besonders deutlich Nauck's Methode zu characterisiren ist, 
Avird die Mittheiluug, dass »Aristarchos "ücov ixnspawacv geschrieben 
haben soll« , und dass dies von Nauck benutzt wird zu einem unwürdi- 
gen Ausfall gegen »die blinden Verehrer des grossen Kritikers, die nicht 
ermangeln werden zu behaupten, dass er diese Lesart aus bessern Hand- 
schriften entnommen habe u. s. w.« Einmal kennt doch Nauck gar we- 
nig den »grossen Kritiker«, wenn er ihm eine Ansicht beilegt, die er 
selbst in hohem Masse besitzt, willkürliches Conjiciren: sodann ist die 
ganze Tirade gegen »die blinden Verehrer« völlig gegenstandslos, sie 
ist nicht nur Phrase in des Wortes tiefster Bedeutung, sie zeigt hier 
Unkenntuiss des Petersburger Gelehrten. Denn, dass die Führer der 
»blinden Verehrer« das nicht denken, was ihnen angedichtet wird, hätte 
Nauck ein Blick in das ihm bekannte Buch Friedlaender's Aristonici 
mpc (rf]}X£iü)v "IXcdooQ gelehrt. Hier wird als Inhalt von Aristarch's Be- 
merkung das Schol D citirt und zugefügt: »verba Aristonici paullulum 
mutata. L.« Und mit Recht. Denn wenn Aristarch zu diesem Verse die 
Bemerkung machte, dass hier '7>^.'ov p.övojg ouSzTspojg gebraucht sei, so 
anerkannte er doch eben für diesen Vers die Form zu "Ihov und konnte 
wohl den Vers für unächt erklären, nicht aber das Anstössige durch Con- 
jectur beseitigen. 1) 

Wie Nauck neben amug die nach der zweiten Declination flectirten 
Formen ahrjv und al-d beseitigt, so hält er auch die neben — jj-ring 
nach der ersten Declination gebildeten Casus für unberechtigt, die alexan- 
drinische Gelehrte hineincorrigirt haben sollen, »die mit einer höchst 
unzulänglichen Kenntniss der elementaren Grammatik ausgerüstet sich 
für befugt hielten, die homerischen Gedichte zu emendiren« : damit Nauck 
diese Regel stimme, haben wir z. B. für Kpovoo ndcg dyxu^o/xrjzsuj fortan 
in Kauf zu nehmen das »ursprüngliche Kpovou ndcg dyxuXo/irjTig und 
sicherlich konnte dyxuXojxyjTcg auch Zeus genannt werden« — gewiss nicht 
von einem Griechen homerischer Zeit, dem sein Zeus gegenwärtig war 
als TiavTjp dvSpwv zs &eu>v zs. 

Es möge noch eine Reihe von Conjecturen folgen, von denen man- 
che sich nicht nur auf die rein formale Seite des Textes beziehen, son- 
dern auch eine Aenderung des Sinnes erstreben: von allen kann man 
sagen, sie sind überflüssig oder falsch oder beides zugleich. 

Statt jxrjoea in der Bedeutung »männliche Schaam« ist ixeZsa zu 
schreiben: »dass alexandrinische und byzantinische Dichter die männ- 
liche Schaam iirjdea genannt haben, kann durchaus kein Befremden er- 

1) cfr. Cobet Miscell. crit. 1876 p. 433, der vorschlägt zu lesen: 'Api- 
aro<pdvrjq "Ihov ixnipawaiv, da er es gleichfalls für unmöglich hält, dass dies 
eine Lesart des Aristarch sein könne. 



106 Homer. 

regen«. Warum diese Form für diese Dichter natürlicher sein soll, ver- 
stehe ich nicht und gleichfalls nicht, wie sie gerade darauf kommen soll- 
ten, so dies Ding zu benennen, wenn [xi^ea der geläufige Ausdruck war; 
es würde vielmehr umgekehrt befremdend sein, wenn Dichter einer re- 
flectirteren Zeit zu einer Form greifen, die noch eine ganz andere Be- 
deutung hat. Aber »ich kann es nicht für glaublich halten, dass die 
männliche Schaam, die in den^'Epya xal rj/xeprx: des Hesiod /xiC^« genannt 
wird, in Hesiod's Theogonie [xr^Sea geheissen habe«. Dies Argument ist 
ganz unbegreiflich, da Hes. Op. 512 fii^ea von den Thieren gebraucht 
ist, so dass sich also /xr^osa und iie^sa unterscheiden, wie »die Schaam« 
und »die Geschlechtstheile«. 

Für UV d(p&aXiioö dXäojaev {a 69) wird vorgeschlagen d(pdaX[xoü 
dTzdjxepaev und verwiesen auf 6 64: d<pd^aXixu)v /ih ä/xspas durchaus mit 
Verkennung des vorliegenden Sinnes. Denn wie dort gerade das Blen- 
den als gewaltsamer Act a 69 bezeichnet wird, wozu noch der Gen. 
d(pi)aXixwv nach Analogie der Verba des Beraubens hinzutritt, so ist für 
^ 64 dp.dpSecv das Richtige, wo die Muse den Dichter, dem sie die Gabe 
des Gesanges verliehen, doch gewiss nicht blendete. Man sieht auch 
hier, auf welche Abwege die Methode der Gleichmacherei führt. — Od. 
479 ist überliefert: äv-Xu) o' ivdotmrjcrs nsaoüa' ujg Ehali-q xrj^\ darum 
aber, weil »die uns bekannten Dichter nur die zweisilbige Form xrjü^ 
oder xaürj^ gebrauchen« , ist man noch nicht berechtigt, xrjo^ oder xtjtj^ 
zu conjiciren und ganz besonders nicht, wie Nauck es thut, wg dv dXi 
xrji)^- {x-^rj^), weil öhaXtrj x^? und sh äXi xr^o^ nicht dasselbe bedeuten; 
elv all giebt an dieser Stelle gar keinen Sinn cfr. // 413 ff. — Das als 
Epitheton bei vslxog, TcöXejxog, yrjpag^ Mvarog auftretende bp.ouov soll 
»nichts anderes als ein thörichter Schreibfehler statt des allein (!) mög- 
licher op.ouov<s. sein, für das sich Nauck seine Belege aus Gregorius von 
Nazianz holt. Wer mag nur, wenn hloUog ursprünglich war, darauf ge- 
kommen sein, für das seiner Bedeutung nach so unverfängliche, wenn 
auch nichts sagende Wort ein so bezeichnendes aber doch der gewöhn- 
lichen Anschauung fern abliegendes Ei)ithetou einzusetzen'^ — eopujeig 
hält Nauck für »eine falsche Nebenform« von ijzpoetg. Nun liest man 
aber Hes. Theog. 729 bnb Z6<p(ü ^eposvzt und 731 x^PV ^^ tbpajevrt. 
Nauck findet »selbst die Aenderung x^PV ^^ rjzpoevrt nach dem vorauf- 
gehenden bm) Cü<f(i) rjBpuEVTc nicht wahrscheinlich;« für »nicht wahrschein- 
lich« hätte Nauck wohl sagen müssen »unmöglich«. Doch er weiss sich 
aus der Verlegenheit zu retten durch den Hinweis auf die Unechtheit 
des Verses. Aber nicht das Wort eupioecg hat die Athetese Kritikern 
nothwendig erscheinen lassen, sondern dass iv x^^PV '^'^^ iaxfxza nicht 
nebeneinander stehen können, und so hat man nach dieser Seite hin zu 
conjiciren gesucht. . Von Einem muss aber dieser Vers doch herrühren, 
unmöglich aber konnte der betreffende Dichter nach otio ^uipw rjsposvTt 
wieder schreiben X'^PV ^^ rjepozvn, also war eupujsio im Gebrauch und 



Textkritik. 107 

bedeutete etwas anderes als rjspoecg. - A 529 wird für ipiSa Tipnßa- 
XovTsg als »nothwendig« ipcSa npocpipovreg vermuthet, da ^spiv Jipo- 
ßdUecv räthselhaft« Nauck erscheint, während npo^ipscv auch sonst bei 
Homer vorkommt. Man sieht auch hier wieder kleinmeisterliche Gleich- 
macherei, die Nuancen des Ausdruckes schonungslos wegwischt. Wenn 
man epc8a ■npofipovzeq sagte, warum soll der kühnere, aber für die 
tobende Männerschlacht bezeichnendere Ausdruck npoßaXovueg Anstoss 
erregen? was braucht es da noch giner Parallelstelle'? Mit ähnlicher 
Kühnheit heisst es von Aev"Eptg J 444: rj a<pcv xat tote vsTxog bpounv 
spßaKz jisacrcp. - 532 ff. ist die einzig uns überlieferte Stelle, in der 
Aristarch eine doppelte Recension annahm, und entweder 535-537 oder 
538, 539, 541 beibehalten wissen wollte: eig jap zrjv aurrjv yeYpa/i/xivoc 
slai dcdwcavd.. Ganz unbegreiflich findet Nauck »die von Aristarch ge- 
rügte Tautologie« offenbar nur in der Verbindung von auptov tjv äpeTTjv 
SiaetaETai und rjEXc'ou dvcovrog ig aupcovn also in der Wiederholung des 
auptov: das soll rj aurrj oidvoca sein! Sogleich ist Nauck bereit, mit 
einer Conjectur »die unerträgliche Verbindung« zu beseitigen und schreibt 
für ig aopcov — ig oupavbv. Damit ist aber das Bedenken Aristarch's 
gar nicht gehoben, es bleibt in den beiden Versgruppen noch immer ^ 
abr^ Scdvoca, dass nämlich der nächste Tag für die Griechen verderb- 
lich sein wird. Wie viel eindringender und liebevoller hat Aristarch 
diese Stelle behandelt, der mit richtigem Sinne und Geschmack für die 
Verse 535—537 sich entschied, als der schnell urtheilende Nauck. In- 
dem er das zweite aijpcov in das »ursprüngliche ig oupavova umschrieb, 
erklärte er die Ausscheidung der Verse 535 — 537 für »einfach unmög- 
lich«, weil in ihnen die »unentbehrliche Zeitbestimmung auptova enthal- 
ten sei. Das ist ganz obenhin gedacht, da es sich nicht um dieses 
aupcov handelt; die erforderliche Zeitbestimmung steht fünf Verse vor- 
her TTpwc ö' uTtr^oToc. Das Aendern und Berichtigen ist einmal Nauck zur 
zweiten Natur geworden. Das Scholion, das diese Verse behandelt, be- 
ginnt oTc Tj rouroog 8sT zoug zpsTg (rzc'yo'jg pivetv . . . r} zoug s^rjg 
TpsTg . . . Nauck tadelt den Ausdruck psvscv, er verlangt aßsTsTv. »wenn 
drei Verse denselben Gedanken enthalten wie drei unmittelbar vorauf- 
gehende oder nachfolgende, so ist dies ein Grund nicht zum Beibe- 
h^alteu, sondern zum Tilgen von drei Versen.« Und man sollte nicht 
sagen können: entweder müssen die drei Verse bleiben oder diese? 

Gewiss besitzt Nauck eine grosse Belesenheit und bietet eine Fülle 
von Material; auch steht ihm ein anerkennenswerthes Talent zum Con- 
jiciren zu Gebot. Zu diesen Gaben fehlt aber das Beste: weise Be- 
schränkung und sorgfältige Erwägung der jedesmal vorliegenden Stelle. 
Seine Kritik ist eine kleinmeisterliche und pedantische ; ich kann sie nicht 
besser characterisiren, als wenn ich die schönen Worte Bekker's, die er ge- 
gen Cobet gebraucht, hier hersetze: »die Seele seiner Kritik ist nun einmal 
Purismus, straffzügeliger scheuklapseliger Purismus; und der mag für 



108 Homer. 

den herangewachsenen und scheinbar eine Weile stillstehenden attischen 
Dialect taugen als Grenzhüter und Keuschheitswächter, geht aber irre 
und stolpert von Anstoss zu Anstoss, sobald er die homerische Sprache 
berührt, diese Frühlingsblüthe des griechischen Geistes, die frisch und 
gesclimeidig wie Epheu einrankt in die freie Beweglichkeit des Hexame- 
ters, und durch immer neue Wendungen, Windungen, Wandlungen hin- 
durch einen Reichthum an Formen entfaltet, der nahezu die Möglichkeit 
erschöpft«. (Hom. BLätter II, 54). 

29) C. G. Cobet. Miscellanea critica. Lugduni-Batavorum. E. S. Brill 
1876. S. 224-437. 

Der aus 86 Abschnitten bestehende Aufsatz beginnt mit einer ein- 
gehenden Darlegung, wie die alexandrinischen Gelehrten unter dem Ein- 
fluss der ägyptischen Hofatmosphäre, in der sie lebten, nicht im Stande 
waren, sich in den einfachen und hohen Character der homerischen 
Poesie zu versetzen und Vieles als unpassend bezeichneten, was den An- 
schauungen jener Zeit selbst, für die die Gedichte entstanden, nicht so 
erschienen: so verkehrte Ansichten werden besonders von Aristophanes, 
Zenodot, aber auch von Aristarch aufgezählt. Das war uns allerdings 
nicht unbekannt, dass wir ihren ästhetischen Urtheilen, besonders auch 
was das Naive in der Poesie anbetrifft, nicht immer beipflichten können 
Aber wird nicht in dieser Beziehung innerhalb und ausserhalb Troja's 
viel gesündigt? gilt nicht das, was Cobet von den Alexandrinern sagt, 
ex suae aetatis modulo antiquos heroes metiebantur, oder vielmehr »nach 
der eigenen Natur beurtheilt man die alten Helden«, gilt das nicht auch 
von den heutigen Kritikern? Cobet verlangt: necesse est in antiquarum 
litterarum interpretatione ut tibi animus antiquus fiat et ita sentias ut 
Uli veteres sentiebant: aber wie Wenigen zu jeder Zeit ist das gegeben, 
wie Wenige sind congenial genug, ihre Anschauungen denen eines poeti- 
schen Genies ebenbürtig zu stimmen? lässt sich nicht heute in dieser 
Hinsicht ein ähnliches, wenn man will, Sündenregister entwerfen, in dem 
Namen von Gelehrten sich befinden, die den allerbesten Klang haben, 
ohne dass sie in ihrem ästhetischen Denken von einem üppigen und weich- 
lichen Hofleben afficirt wurden? Wenn Cobet von den homerischen Men- 
schen sagt: ut cogitabant, ita aperte loquebantur, et quo natura duce- 
bat nitro sequebantur oder illi veteres si quid deliquissent nitro candide 
fatebantur, so ist das doch nicht so ganz allgemein zu fassen: kennt 
doch schon Achilleus Menschen og^^ irepov fikv xeu&jj svl (pptah äXXo 8s 
smrf. also gab es auch Menschen, die mit dem, was sie dachten oder 
thaten, aus gewissen Gründen zurückhielten. Was Cobet als das änXo'i- 
x6v rühmt, das gilt doch nur von den grossen Naturen, die auch, wo sie 
fehlen und irren, gross denken und über conventioneile Schranken hinaus, 
die nur für die kleinen Geister aufgerichtet sind, dass sie nicht aneinander 
stossen, oder auf Abwege gerathen, rückhaltlos sich äussern in Zorn 



Textkritik. 109 

und Freude, im Hassen und Lieben. "Wer ist immer frei genug, der 
Enge seiner Sphäre zu entsagen, um so incoramensurable Naturen wür- 
dig zu beurtheilenV Und dass Aristarch trotz alledem und alledem in 
der Auffassxmg des Heroischen sich mit den Kritikern aller Zeiten mes- 
sen kann, wer wollte das bestreiten? In Vielem, was Cobet Aristarch 
als Schuld beimisst, kann ich ihm nicht beistimmen. Die in der Gestalt 
einer alten Dienerin erscheinende Aphrodite trägt der Helena einen 
Sessel nach. Zenodot hatte diese Thätigkeit für eine Aphrodite d-zpenig 
gefunden. Mir will es nun ganz richtig erscheinen, wenn Aristarch nach 
Aristonikos dagegen einwandte: imXih^axat 8k ozc ypdi sixacrrai xai 
raözjj zfj ii.op(pr^ za r,poarjxuv-a npdaaei. Cobet dagegen meint: reperit 
colorem aliquera ut antiquos versus servare ac retinere posset, non ipsam 
causam ro tuiv Tiakacäjv mpl rä Totaöza änXocxov perspexit. Er verweist 
auf - 34, wo Athene mit der Lampe dem Odysseus und Telemachos zu 
ihren Vorbereitungen für den Freiermord leuchten: den Grundsatz aber, 
den er dabei ausspricht: deos iuter homines versari et omnibus modis 
quos caros habebant iuvare, nihilque adeo quod humanum esset 
a diis allen um putabant, halte ich nicht für richtig: Athene tritt 
nicht darum ein, weil das Leuchten eine menschliche Thätigkeit ist, die 
also auch eine Göttin übernehmen kann, sondern weil sie die Situation 
durch ihre Gegenwart ernster und feierlicher macht, indem sie zu einer 
Handlung ihre Hilfe leiht, durch die begangene Frevelthaten gebüsst 
werden sollen. Was wird nun aber Cobet sagen, dass nicht bloss die 
molles et delicatuli aulici Ptolemaeorum daran Anstoss nehmen, dass 
Minervam servili ministerio fungi, sondern ein berühmter Gelehrter un- 
serer Zeit die von Vielen gebilligte Rüge aussprach, dass der Dichter 
die Göttin herabgewürdigt habe, das zu thun, was auch eine Magd hätte 
leisten können ! Also hat der Hinweis auf den verderblichen Einfluss des 
alexandrinischen Hoflebens nicht viel auf sich. — Wie fein und schön ist 
A 260 Aristarch's Conjectur ripicv für ujxcv. Cobet sieht in dem rjpiv nur 
blanditias, quas crescente humanitate inter homines elegantiores dpiaxeta 
quaedam peperit! So änXol'xov, wie Cobet das Wesen der Heroen auffasst, 
war es doch nicht; auch in ihnen klangen bereits die feinsten, tiefsten 
und zartesten Regungen des Gemüthes, die Cobet vielfach zu entgehen 
scheinen. Auch er urtheilt von einseitigem Staudpunkt heraus und 
denkt nicht immer, wie jene Alten dachten. Wena er den Vorwurf des 
Hcxponpznsg und ramcvdv in jener Frage der Arete nach der Kleidung 
des Odysseus dadurch zurückweist, dass matronarum ingenio nihil con- 
venientius esse, so ist damit noch nicht Alles gesagt. Nicht darum, weil 
die Kleider zu dem Gebiet der Frauen gehören, ist jene Frage gerecht- 
fertigt, sondern noch mehr, weil Odysseus Kleider trägt, die ihrem Hause 
angehören, darum das lebhafte Interesse. Aristarch hatte vollen Grund 
und wir können die Feinheit seiner Beobachtung nachempfinden, wenn 
er 5 317 die Aufzählung der Liebschaften, die Zeus gehabt, für äxacpog 



110 Homer. 

hielt: Cobet verdreht das TtoXuXoyzTv jener Stelle, um einen hässlichen 
Augriif auf Aristophanes zu machen: nunquam in tali re longo sermoue 
usurus fuisse videtur. 

Der zweite Aufsatz handelt von dem Unterschiede der Wörter r>i8va, 
fießca, düjpan und hier macht Cobet richtig aufmerksam, dass nach den 
vorliegenden Stellen die Definition der Alexandriner: idva kdidoaav ol 
vujKftüc zaig nap&evoig keine richtige sei, sie raüsste lauten: idva i8c- 
8oaav OL vufi^iuc zuTg zwv iivrja-soop.iv(DV napMvuJv Tiazpdac. Gegen 
diese Bemerkung ist allerdings nichts einzuwenden; wenn er aber be- 
hauptet, dass sich die Kritiker über die Bedeutung des Wortes idva 
getäuscht hätten, dass sie geglaubt, die idva der Freier hätten die jun- 
gen Frauen mit in ihren neuen Hausstand genommen, so lässt sich' das 
kaum glauben. Einmal wäre in diesem Falle die Darbriuguug der e8va 
seitens der Freier eine irrelevante, da ihre Geschenke ihnen somit wie- 
der zu Gute kameu, sodann sprechen dagegen so viele Stellen in den 
beiden Gedichten, dass ein Missverstehen undenkbar ist, dass also auch 
sicherlich Aristarch dies gemerkt und sich auch augemerkt haben muss. 
Der error kann also nur im Ausdruck liegen, der wie er uns überliefert, 
oberflächlich für unkp zaJv Suyazspiov ist oder der Dativ ist allein auf 
des Aristonikos Rechnung zu setzen: in der Sache hat sicherlich Ari- 
starch das Richtige gesehen ; wie hätte er sonst dvdeovov erklären sollen ? 
was wir zu N 366 von ihm lesen: ^ 8ct[/9j ozc i8va i8:8o(Tav ol pvrjazzoup.svoc. 
mag wohl ohne den Zusatz des Dativs seine Ansicht wiedergeben. Wie 
konnte er A' 382 isSviozac verstehen , wenn wir abermals lesen : jy 8tn^^ 
uze iSva iScooaav ol (ivrj<Tzrjp£g7 Cobet freilich beruft sich auf das 
Schol. zu ß 53 als von Aristarch herrührend, worin i8va xazay^p-q- 
aztxwg .als die Aussteuer aufgefasst wird, die der Tochter vom Vater 
mitgegeben wird; es liegt aber gar kein Grund vor, dieses Schol. 
Aristarch zuzuschreiben. Bemerkt muss noch werden, dass i£8voua&ai 
von Cobet verstanden wird: für iSva fortgeben, dass isovaizac die 
sind, die über e8va mit dem Bräutigam verhandeln, dass ol 8£ (a 277 
und ß 196) die Freier nicht die Eltern sind: das wird man alles 
zuzugeben haben. Wenn Cobet endlich /lecka als technischen Aus- 
druck für die Mitgift betrachtet, die die Tochter vom Vater erhält, und 
8u)pa nur Geschenke bezeichnen sollen, die die Braut vom Freier erhält, 
so scheint das doch nicht zutreffend zu sein. Denn noköocopog äXo^og 
lässt sich doch wohl besser verstehen von einer Frau, die dem Manne 
noXXä 8wpa mitbringt (vgl. ^Y50f.) und ixeiXia (oder nach Aristarch 
im/iacXia) scheint mir nur für jene Stelle bezeichnend erfunden, und 
nicht der überhaupt gangbare Ausdruck zu sein. Uebrigens der Ar- 
tikel z8va wird in den Lexicis eine gründliche Umarbeitung zu erfahren 
haben. — Ein anderer Abschnitt behandelt ydp und zdp. Hier muss ich 
Cobet auf eine offenbare Flüchtigkeit aufmerksam machen. Bekannt ist, 
dass Aristarch bereits über das ydp npozaxzixuv seine Bemerkung ge- 



Textkritik. 111 

macht hat: rj StnXrj u~c dnh rou yäp äp^srat tu alziaxuv Ttpord^ag, 
Nun verweist Cobet auf ?f'*620ff., wo Achill dem Nestor au-wg das äeB- 
Xov zuweist, da er ja wegen seines Alters nicht mehr sich in einen Kampf 
einlassen werde. Nestor erwidert: va\ orj zaüzd ys ndura, rsxog, xaxd 
poTpav ismeg- | od yäp er' sfimda yuTa, (ptlog, nodsg oöd' in y^elpeg xzX. 
Zu diesem Verse önden wir bei Aristouikos die eben mitgetheilte Beob- 
achtung Aristarch's. Daraus schliesst Cobet: Sed Nestor, ut tu vides, 
oux dnh yäp rip^a-o ^ sed a verbis: va\ dvj rau-d ye xrX. Quid autem 
potest esse in tali re evidentius quam Nestorem exorsum esse his ver- 
bis ob yäp sr' eimeSa xrX. et praecedentem versiculum vai orj \ iscmg 
spurium esse«. Ganz unbegreifliches Missverstehen des Wortes äp^za&acl 
meint denn wirklich Cobet, dass äp^szai dnb roü yäp bedeuten soll, der 
Vers mit ydp müsse auch immer der erste der Rede überhaupt sein? 
weiss er nicht, dass dies nporaxuxov auch mitten in der Rede gebraucht 
wird? und übersah er es, dass der Ausdruck dp^srac dno zoU ydp nur 
bedeutet: der den Grund anführende Gedanke steht mit ydp voran als 
der wichtigere, die Veranlassung zu einem Vorschlage bietende, anstatt 
dass er folgen sollte? Uebrigens hätte Cobet bei näherem Zusehen ge- 
funden, dass es jedenfalls fraglich ist, ob man an dieser Stelle das yäp 
npozaxzcxov wirklich anzunehmen hat. Rasch ist aber Cobet entschlos- 
sen ¥ 626 für unächt zu erklären und findet eben darin noch einen an- 
deren Grund für die Unächtheit: durch Wegfall von 626 verlieren wir 
auch die doppelte Anrede zixog und <ptXog^ denn sie ist : praeter Home- 
ricam consuetudinem ac praeter rei naturam, qua quem semel salutare 
satis est et consuetum. Welche Engherzigkeit in der Auffassung und 
welch pedantischer Schematismus nach willkürlichen Principien zurecht 
gemacht! das ist aber für Cobet bezeichnend. — Theoklymenos, der seine 
unfreiwillige Entfernung bevorstehend sieht, kommt also ihr zuvor: . . . 
zlac fioc difBaXjxoc zz xal ouaza xac Ttodzg äfi^iu || xal voog iv azrjBzcat 
zzzoypiMog^ obdkv dstxijg- zoTg i^stjit Uupa^s: pedantisch hält Cobet 
xal voog xzL für unächt, da zocg sich auf noSsg äpfiu beziehe! man 
könnte ebenso sagen, dann sei auch dfd^aXjxoc und ouaza unächt, da 
man mit diesen doch nicht gehen könnte! Man sieht aber, wie nothwen- 
dig der Vers ist, da der Seher sich gerade den voog ~ezoyp.£vog zuschreibt, 
während er die Freier für verblendet hält. 

Zahllos sind Cobet's Textesänderungen, die mit seiner Einführung 
des Digamma zusammenhängen oder ihm aus metrischen Gründen noth- 
wendig erscheinen. Da wird für xs'cvov drj xdlXiazov Xoov mit Berufung 
auf xapziazYjV Btj z^v yz p-dy^r^v vorgeschlagen xdkXtazov orj züv ys ftoov, 
ohne Rücksicht darauf, dass der Sinn in beiden Versen eine andere 
Wortstellung erheischt ; oder es wird für oüzco ydp -koü p rJA-nzz' ivl (ppzal 
vrjmov zhai conjicirt: ouzuj ydp zc p ifzXnzz' ivl ippzai, wo das ab- 
schwächende zt gar nicht an seiner Stelle und das so bezeichnende nob 
ganz unterschlagen ist; oder wir bekommen für xöhxivz 8z Buphv ävax- 



112 Homer. 

zog durch Umstellung und Conjectur: &uixuv 8' Yacve fdvaxrog, ohne dass 
beachtet wird, ob nicht gerade das xoSacvs an der Stelle viel bezeich- 
nender ist; oder es wird uns für e; fiev xbv voarrjarj äva$ geboten sc fikv 
voarrjaecs /ava^ obgleich darauf folgt et 8s xs jirj sXd^-^atv äva^ und der 
Optat. nicht an seiner Stelle ist; oder um einen Hiatus zu vermeiden, 
sollen wir für el [ikv 8rj '08u(TSüg ys ifiög TzaTg iv9a8' ixdvstg lesen: el 
[ikv 8rj "OSvasög ao y' i/xug Tzalg svBd8' Ixdvscg , wo uns das aufdring- 
liche (TU zugemuthet und ys von seiner Stelle weggerückt ist. Dem 
glänzenden, stets bereiten, unermüdlichen Conjecturaltalent Cobet's ge- 
genüber ist es nicht zu verwundern, wenn die Fülle des Gebotenen be- 
rückend wirkt: Referent muss gestehen, dass in den allermeisten Fällen 
die Tradition ihm viel schöner, einfacher und — griechisch vorgekommen 
ist. Textänderungen werden auch beliebt, weil die Präposition ausge- 
lassen oder vertauscht ist, immer nach dem Gesetz der Analogie, die 
für Cobet heilige Göttin ist. Weil es heisst: Zeug im ytyvojidvocatv cec 
xaxurrjra ßapsTav , darum sollen wir auch lesen: rjiiap km Zeug tjxs 
Kpoviujv für &rjxs, obwohl die beiden Wendmigen gar nichts mit einan- 
der gemein haben. Oder weil von den im hölzernen Pferde befindlichen 
Helden gesagt ist Sdxpud t' ujiiopyvov-o , darum soll es auch von dem 
gleichfalls eingeschlossenen Neoptolemos richtig sein Sdxpu' ofxop^dfxsvov 
für 8dxpo , zumal auch der Plur. napstwv dabei steht, w'obei nur über- 
sehen wird, dass Neoptolemos gerade im Gegensatz zu den anderen Hel- 
den aufgefasst wird ; und darum sollen wir auch statt Sdxpu dvanprjaag 
vom Telemachos lesen 8dxpu' dvanpy^crag, ohne dass Cobet beachtet, dass 
den Augen eines y^woiisvog nicht Thränen, sondern höchstens eine Thräne 
des Unmuthes oder Grimmes sich entstiehlt. Ueberall ist äusserliches 
Verfahren und hofmeisterliches Besserwissen, von dem aus diese oder 
jene Form oder Wendung als ungriechisch verworfen werden : dieser Me- 
thode Cobet's kann ich nur den Satz Bekker's wieder entgegenhalten: 
»von diesem Tausch müsste aber die Bedingungen und die Grenzen er- 
mittelt haben, wer ohne Vorwitz an einschlägigen Formen meistern wollte.« 
Nicht zu billigen ist auch das vornehme Uebersehen deutscher Arbeiten. 
Conjecturen werden hier vorgeschlagen, die schon lange gemacht sind, 
Stellen besprochen, über die- schon alles Nöthige gesagt ist, und die 
schon vor Cobet ins Reine gebracht sind, während er dies nicht zu 
kennen scheint und falsche Erklärungen obendrein vorbringt. Referent 
könnte eine ganze Reihe von Beispielen aus den Schollen anführen. 
Schliesslich muss auch bemerkt werden, dass in den Citaten eine Menge 
von Druckfehlern sich findet, die den Lesenden oft stören. 

30) Karl Brugman, Ein Problem der homerischen Textkritik und 
der vergleichenden Sprachwissenschaft. Leipzig 1876, X und 147 S. 
gr. 8. 

Das erste Anlesen dieses Buches hat Referenten einige recht hei- 



Textkritisches. 113 

tere Stunden gebracht; es schien ihm nämlich über allen Zweifel erhaben 
zu sein, dass er in dem Verfasser es mit einem höchst witzigen Schalk 
zu thun und in seinem Buche eine derb und keck durchgeführte Persi- 
flage auf gewisse utopische Untersuchungen der philologischen Wissen- 
schaft zu begrüssen habe, deren Zweck es sei, an einem Beispiele zu 
zeigen, wie viel man mit der nöthigen Sicherheit, den erforderlichen Ma- 
nipulationen und — was für Viele der wahre Zauber ist — einer über- 
reichen Sammlung von Citaten aus Himmel, Erde und Hölle auf diesem 
Gebiet erreichen könnte. Manchmal jedoch musste Referent über die 
ganz malitiöse Art der Satire bedenklich seinen Kopf schütteln, z. B. als 
er S. 67 las: »Schol. H zu 8 191: zb s^rjg, Ndarojp ^da^' b yipiov olaiv 
sv\ fiaydpocaiv, ^ or' imixvi^<rop.at crsTo olacv ivc fisydpocacv' ^youv iv To7g 
auTou olxoig. Die mittlere von diesen drei Auslegungen ist dunkel, die 
erste ergiebt ein Hyperbaton, die letzte nimmt ein og rein anaphorisch 
(eins in domo). Die erste und die letzte finden wir auch bei ApoUonius 
Dysc. Tiapl au\>r. p. 154, 2.« In dies Scholion »drei Auslegungen« hinein- 
zuinterpretiren, die »dritte« mit iliyoov beginnen zu lassen, schien mir 
doch die Grenzen des Erlaubten zu überschreiten und die Ironie zu sehr 
an den Tag zu legen. Leider musste ich aus den inzwischen dieses 
Buch harmlos wie jedes andere besprechenden, ihm sogar »sorgfältige 
Benutzung des textkritischen Materials und gleiche Besonnenheit« nach- 
rühmenden, es als »einen Fortschritt auf dem Gebiet der homerischen 
Textkritik« begrüssendeu Recensionen die niederschlagende Entdeckung 
machen, dass ich einer fürchterlichen Täuschung als Opfer anheimgefal- 
len war, und dass das in diesem Buche Gebotene wirklicher Ernst sein soll. 
Ohne mich auf die doch alles übersteigende Behandlung des eben er- 
wähnten Scholions zu beziehen, glaube ich auch so mich rechtfertigen 
zu können, wenn ich die Methode des Verfassers, die mir nur mit mei- 
ner ersten Annahme ganz verständlich zu sein schien, hier näher cha- 
racterisire. 

Auf die »sicher erwiesene Thatsache, dass die Stämme sva — und 
sava — überall von Anfang an allgemeine Reflexive waren, die einen 
Bezug auf alle Personen ermöglichten, und in der substantivischen Gel- 
tung die Bedeutung selbst, in der adjecti vischen die Bedeutung ,eigen' 
hatten«, sich berufend — eine Theorie, die Referent für ein Vorurtheil 
hält — versucht der Verfasser hauptsächlich den weiteren Gebrauch des 
Possessivpronomens og-, ^, ov sowohl mit Bezug anf Pluralia, als auch 
auf erste und zweite Personen für Homer zu beweisen und durch zahl- 
lose Aenderungen den Homer in's »Urgriechische« umzuschreiben. Das 
geschieht zuerst in einer Gruppe von Versen, die xou -na-pog, -ob natSog 
bieten; hier soll das ursprüngliche ou von Aristarch in roD gefälscht 
sein, der von einem freieren Gebrauch dieses Pronomens nichts hätte 
wissen wollen. Die Beobachtung, die für den Verfasser ein »durchschla- 
gender Grund« ist, dass obige Wendungen sich nur mit Bezug auf die 

Jahresbericht für Alteithums-Wissenschaft 1877. 1. 8 



114 Homer. 

erste oder zweite Person finden, nie, wo der Ausdruck auf die dritte 
Person geht, wo allemal ou nazfiog u. s. w. steht, ist zunächst eine fal- 
sche, da auch mit Bezug auf dritte Personen der Artikel angewandt ist. 
Trotz der Menge von Stellen ist es dem Verfasser gar nicht in den Sinn 
gekommen, darüber nachzudenken, ob jene Wendungen zoo nazpog, zoo 
nacSog nicht den tiefer liegenden Unterschied des hinweisenden, verinner- 
lichenden Artikels vom einfachen besitzanzeigenden Pronomen darthun; 
über das supr^xa seines nicht einmal neuen Gedankens schritt er sofort 
zu den einschneidendsten Aenderungen. Wie er hiermit schon allein 
dargethan, dass er das Wesen des Artikels nicht begriffen, so ist seine sich 
daran anschliessende und mit dem Tone der Unfehlbarkeit geführte Un- 
tersuchung voll der gröbsten Flüchtigkeiten und Irrthümer. Eine zweite 
Gruppe, auf die sich des Verfassers Aenderungen beziehen, bieten die 
Stelleu, in denen wir nach dem Vorgange Aristarch's ir^og in Verbindung 
mit Tiaidog, dv8p6g, (pujzog, olog lesen. Nach Brugman soll er^og nur an 
zwei Stellen echte Lesart sein ^505 und o 450, hier aber eine Bedeu- 
tung haben, die durch das ganze Alterthum und die folgenden Jahrhunderte 
bis auf Brugman unverstanden geblieben sei, nämlich = ,eri' von ia-eü-g 
,Herr'; Aristarch hätte das Wort auch nicht gekannt, sich aber nicht 
enthalten können, es an fünf Iliasstellen in anderer Bedeutung eiuzu- 
schwärzen für die echte Lesart koTo, das mit Bezug auf erste oder zweite 
Personen gebraucht Aristarch nicht hätte dulden können. Die Bedeutung 
krjog = Herr ist jedoch in den beiden Odysseestelleu ganz unstatthaft, 
wie sie überhaupt aus einer ganz ungezügelten Phantasie entsprungen 
ist. Auch hier hat sich der Verfasser nicht einmal bemüht, über den 
Unterschied von nacSog irjog und natSbg koTo eingehendere Betrachtun- 
gen anzustellen. Diese beiden Punkte denke ich ausführlicher anders wo 
zu behandeln. 2) Hier sollen einzelne Stellen folgen, die Brugman's Me- 
thode beleuchten mögen. 

1. Hekabe bittet ihren zur Fahrt in's Griechenlager entschlosse- 
nen Gemahl die Ausführung seines Planes von einem Zeichen des 
Kroniden abhängig zu machen: aYzet 8' olojvuv, za^uv äyyskov xzL 
ß292; sende Zeus dies nicht {sc 8s zoc ou ocuasc suv äyysXov 296), 
so könnte auch sie nicht zu dieser Fahrt rathen. Das thut Priamos, 
er wendet sich an Zeus im Gebet: nsinpov 5' omvbv, za'/hv äyysXov, 310. 
Man erkennt hier, wie sowohl V. 292 als auch 310 za^üg passendes 
Beiwort ist, da es hier gerade auf schnelle Entscheidung durch 
das erbetene Zeichen ankommt, und wie 296 das einfache Possessivpro- 
nomen für den Sinn ausreicht. Apollonius nsp\ dvzwv. p. 60. B las 
freilich V. 292 kuv dyysXov, »das er = auzoii äyysXov interpretirte, 
sicherlich las er aber 310 'a^öv, nicht £ov, da er diesen freieren 
Gebrauch des kov mit Bezug auf eine zweite Person nicht statuirt 



2) Ist inzwischen geschehen in Fleckeisen's N. Jahrb. 1877, S. 649 — 72. 



Textkritisches. 115 

und wo er scheinbar vorkommt, ihn fein zu erklären weiss. Obwohl nun 
Apollonius allein den V. 292 meinte — das ist ganz offenbar, da er 
diesen Vers ausschrieb — so behauptet Brugman doch: »Es kann 
wohl kein Zweifel obwalten, dass Apollonius oder schon seine Quelle 
irrthümlich auf 292 bezogen was eigentlich auf 310 ging« 
(S. 63). So verfährt Brugman! wo es ihm in seine Regeln nicht hin- 
einpassen will, scheut er sich nicht, so gewichtigen Zeugen des Alter- 
thums geradezu ihre Mittheilungen zu bestreiten-, ihnen den jedesmal 
nothweudigen Irrthum zuzuschieben und sie in Widerspruch mit sich 
selbst zu bringen! Er erklärt nun sowohl für 292 wie 310 s6v als echte 
Lesart und legt dem eov äyye'kov die Bedeutung »Lieblingsbote« unter, 
»eine Erklärung, die auch auf 296 ausgedehnt werden müsste.« Diese 
Nothwendigkeit hat Brugman wohl empfunden; ob diese Uebersetzung 
aber für 296 passt, das übergeht er mit Stillschweigen. Brugman hat 
sich aber nicht einmal die Mühe genommen die Verse 292 und 310 bis zu 
Ende zu lesen, dort folgt auf ko\) äyyB'kov: og zi ol ab-S) fcXzarog ocuj- 
vujv, hier og rs ao\ auvw (piXxaxog uccuvivv. Vor der Abgeschmacktheit, 
Homer sagen zu lassen: »den Lieblings boten, der dir der liebste 
ist«, schreckt Brugman nicht zurück. 

2. Brugman hält J 414 für die ursprügliche Lesart: ec Si xsv ol'xao' 
7xu)/iac ivjv ig narpcda yalav. Bezeichnend sind die hieran sich knüpfenden 
Folgerungen: yikr^v ig rMrpioa yacav begegnet bei Homer noch viermal, 
7jv ig Tl. y. fünfmal, nirgends erscheint ip-^v ig n. y., dagegen neunmal 
(TTjv ig n. y. Beachtenswerth ist nun, dass an allen diesen neun Stellen 
grammatisch auch ein r^v (!) möglich war. Liegt da nicht die Ver- 
muthung nahe, dass überhaupt nur die drei Ausdruckswei- 
sen iriv , rjv, ^cXrjv ig n. y. echt Homerisch sind und arjv erst 
später eingedrungen ist?« (S. 71). So etwas soll man noch Kritik 
nennen? Und für Brugman »eröffnet sich noch eine weitere Perspective«, 
er glaubt, dass unter den Stellen, wo wir jetzt ^c^r^v ig t:. y. lesen, ur- 
sprünglich noch mehrere ein auf die erste Person bezogenes Ijyv hatten, 
dass <pc7rjv später als Ersatz »gäng und gebe wurde für ,ein auf die erste 
Person gehendes ejyv'« ! dass i/irj^ ig n. y. wir nicht lesen, ist gar nicht 
»eigensinniger Weise« (Bekker) geschehen, dass die homerischen Men- 
schen dafür <pihjv ig n. y. sprachen, ist als innigerer und schönerer Aus- 
druck für sie gerade bezeichnend. 

3. Here will den Schlafgott veranlassen, Zeus zu berücken, doch 
dieser, der peinlichen Situation wohl eingedenk, in die ihn die Ausfüh- 
rung eines ähnlichen Auftrages schon gebracht, möchte ablehnen. Un- 
sere Ausgaben bieten hier Aristarch's Lesart: ^ov] yd/) /xs xac äXXo rsrj 
iniwaazv ifzzjxrj E 249. Das dem Sinne nach in diesem Verse enthal- 
tene »in einem anderen Falle, ein andermal« äXXorz verlangt Brugman 
als die ursprüngliche Lesart und beruft sich dabei auf A 590 : T^dr^ ydp 
jjLS xal äkkoT^ dXs^ipevai ps/iautza \ pTi^'s und i' 90: dXX' rjoi^ pe xal 

8* 



116 Homer. 

äXXozs dooin (pößrjaev \ i^'^lSrjg, er vergisst aber ganz, dass der Begriff 
des Klugmachens, Warneus {mvuaaeev) in S 249 den Accusativ äUo zu 
sich nehmen kann, nimmer aber die Begriffe f)7(p£ und (pößrjoz, die nur 
das Adverbium äkko-e gestatten, dass diese beiden Verba mit jenem also 
gar nicht in Vergleich zu bringen sind : es bezeichnet das aber das Me- 
chanische seines Verfahrens, darum für eine dritte Stelle äUors zu ver- 
langen, weil es an zwei andern, ganz verschiedenen steht. Wenn er 
darauf verweist, dass schon im Alterthum 3 249 äUors gelesen worden, 
so sollte er wissen, dass diese Lesart der Alten schon von Aristarch als 
unmöglich abgefertigt worden ist. Alles Mass übersteigt aber die Leicht- 
fertigkeit, mit der Brugman mit den Schollen wieder umspringt. Wir 
erfahren von Herodian, dass Alexion Aristarch's Lesart vorgezogen, die 
er dann selbst noch erläutert und so abschliesst: rocouzov yäp Xiyec, rjdrj 
yap [xs xa\ äXXora ij arj kaujfpovtasv svcoXij. Wenn er nun weiter fort- 
fährt: 6 8k imd-drrjg ntoXejxatog xol ZrjVöBorog <tuv toj i ypdipooaiv, olov 
rfj afj kvroXfj iawfpövtai ps, so kann doch das nur heissen, wenn er 
eben im Anschluss an Aristarch's Lesart rzi] emwaaev iferpij bemerkt, 
Zenodot hätte hier mit dem r gelesen, Zenodot's Lesart sei gewesen 
rejj imvoaaev i^erp^, in der Aristarch mit seiner eindringenden Schärfe 
den Dativ in den Nominativ umschrieb und so uns den echten Sinn er- 
schloss; unmöglich kann man annehmen, Zenodot hätte äXXors jj emvoa- 
asv i<p£rpj} gelesen, da sich dies von des Parmeniscus Lesart äusserlich 
gar nicht unterschieden hätte, der f) mit Bezug auf die dritte Person 
auffasste. Nicht genug, dass Brugman dies Scholion ganz falsch verstan- 
den hat, dass er Zenodot das Pronomen poss. mit Bezug auf die zweite 
Person lesen lässt, weil es ihm erwünscht ist, für seinen freieren Ge- 
brauch, des Possessivpronomens in seinem Zenodot einen Gewährsmann 
zu haben, missachtet er auch weiter die Ueberlieferung, nach der offen- 
bar Zenodot imvoans geschrieben, was deutlich aus -^ af] IvroXfj iauxppu- 
viaeps hervorgeht, und behauptet, man hätte Zenodot »eine sinnlose Schreib- 
weise aufgebürdet«: »es liegt am Tage, dass der Scholiast über die 
Lesart des Zenodot und Ptolemaeos nur ungenau unterrichtet 
war« (S. 64)! nach Brugman »schrieb Zenodot, wenn nicht Alles täuscht, 
xal äXXod-" k^ enivoaasg i^erp^, und dies ist die echte Les- 
art«! Ein derartiges Umspringen mit den Schollen, das mit einer so 
göttlichen, naiven Zuversichtlichkeit auftritt, lässt sich doch ästhetisch 
nur gemessen, wenn man derartige Untersuchungen für tollen Humor 
hält! Uebrigens ist Zenodot's von den Schollen uns überlieferte Lesart 
im Vergleich zu Brugman's Schreibweise noch die sinngemässere, obgleich 
er sie für sinnlos hält. Denn Zenodot konnte nun und nimmermehr 
darauf verfallen, den Schlafgott zu Here sagen zu lassen: »Du hast 
mich gewitzigt«, was ja einzig und allein Zeus gethan; er dachte sich 
also: »Zeus hat mich gewitzigt, und daran ist dein Auftrag Schuld«, 
was er durch den Dativus instr. glaubte ausdrücken zu können, aller- 



Textkritisches. 117 

dings nicht sehr natürlich gesprochen, aber doch noch immer verständi- 
ger gedacht, als Brugman Zenodot denken lassen will. Wie fein hat 
hier mit leisester Aenderung Aristarch geschrieben: »Dein Auftrag hat 
mich klug gemacht.« Gar komisch ist es auch, wie Brugman Aristarch 
aus der vermeintlichen Zenodot'schen Lesart: »x«; cMo&' kfj imvuaasg 
i^sTfifj« zu der seinigen kommen lässt: »Aristarch musste sie seiner 
Theorie zu Lieb ändern: da wegen der Cäsur ein äUo-s a^ nicht 
anging, so verfiel er auf sein äXXo tetj emvoaczv i^sr/xrjal (S. 64). 
Also um des cr^ willen verfiel er auf etwas, was ihm sonst gleichgültig 
war! Ja wenn so mechanisch und schablonenhaft und unlogisch Ari- 
starch gedacht hätte, wie Brugman es thut, dann wäre das möglich. 
Wenn das Alles aber so richtig war, wie Brugman es glaubt, warum 
schrieb Aristarch dann nicht, was doch sich so gar einfach ihm bot: 
aUo Ts^ imvuffaeg ifernfj'^ Dann wäre ja Alles in Ordnung gewesen? 
Das hat Brugman ganz übersehen. Wenn auf die Beschwörungen hin, 
mit denen Brugman an Aristarch herumzerrt, dieser ihm wirklich ein- 
mal von Angesicht zu Angesicht erscheinen könnte, er würde zu ihm sa- 
gen: »Du gleichst dem Geist, den du begreifst, nicht mir!« 

4. Um die Helden zu ermuthigen, vor dem Zweikampfe mit Hektor 
nicht zurückzubeben, erzählt der gern auf ein vergangenes, an Aben- 
teuern reiches Leben zurückblickende Nestor von dem verwegenen Ereu- 
thalion, dessen Herausforderung die anderen Helden anzunehmen sich 
gescheut hätten: 

ol 8k p.aX irpoiMEov xal idecdcaav ou8d reg erXrj II 151 
d^A' ejus &uiiög dv^xs ■noXozXrjixujv tzo^s/xc^scv 
^apaei oj- ysvsfj ok vswzaTog iaxov ajtävTuJV. 

»Die Andern bebten gar sehr und waren in Furcht und Keiner 
nahm es auf sich; doch mich trieb mein vielwagender Muth (cfi'. ou8i 
Tcg zzXi]) an, den Kampf aufzunehmen mit dessen verwegener Tapfer- 
keit, obgleich ich an Geburt der Jüngste war unter Allen.« Ich fasse 
ü) = eins anaphorisch, da ich das, was Brugman S. 97 ff. über den für 
seine Zwecke allein zurechtgemachten Gebrauch des pron. ug sagt, für ganz 
verfehlt halte. Das Wort &dpaog ist der ganzen Stelle nach für Ereu- 
thalion's Verhalten besonders characteristisch ; bezogen auf f^oiiog »mein 
Muth in seiner Verwegenheit«, wie die neueren Herausgeber die Stelle in- 
terpretireu, halte ich für unrichtig, da dies schon noXo-Xrjjxcov bezeichnet; 
auch scheint mir das allein Richtige zu sein yzvzi 8h xzX. concessivisch 
zu fassen. Meine Auffassung ist aber nicht neu, schon im Alterthum 
ist die Stelle so verstanden worden: cfr. Apollonius r.sp} dvzajv. p. 60, 
C : iarac o 9rjp.og dvrjxi /ic zw ixacvoo ddpffsc tioXejxs.Tv und Schol. B L zu 
153: zivkg 8k dvzc zoT» zip dr.Xijazoi H'jjxüj ojjzo'j, zoö 'Epsrji^aXuovog, p.d- 
yeadac. Brugman übersetzt so: »mich dagegen trieb der vielaushaltende 



1 1 8 Homer. 

Muth dazu an, mit meiner Kühnheit den Kampf (gegen den Ereuthaliou) 
aufzunehmen.« Dass ßdfjcsc cJ nicht zu [h/j.og gehöre, sondern zu tto/Is- 
fiiCsiv, dafür beruft er sich darauf, »dass Bdpast (5 hinter dem Infi- 
nitiv steht.« Aus der Stellung diese Beziehung zu folgern verräth eine 
ebenso kindliche Auffassung, wie wenn Brugmann S. 51 behauptet, r^s 
euvrjg emßijixevai (huius lectum conscendere) könne darum nicht mit 
ztvexa rriQ dpezrjg (ob hujus virtutem) verglichen werden, weil hier der 
Genitiv z^g nicht zwischen eine Präposition und das Substantiv einge- 
schoben erscheint«! Mpas: w ist darum an den Schluss (also hinter 
TiohixiZ^tv) gestellt, weil darauf der Nachdruck liegt (signific. Stelle), 
während i/x£ als das pathetische Wort an der Spitze steht. floh/icCsiv 
&äpazt w zu verstehen = mit meiner Kühnheit zu kämpfen, ist aber eine 
sehr verunglückte Auffassung; womit führt man denn sonst den Kampf 
aus? Das hört sich so an, wie wenn Nestor von den verschiedenen 
Kampfesmethoden, über die er verfügt, sich eine herauswählt, mit der 
er es einmal versuchen wollte! Brugman fasst Sapasi als »modalen Aus- 
druck auf, der die Art des Vorgehens zum Kampf characterisire.« Was 
soll aber w dabei? ich verstehe wohl fortiter pugnare oder magna cum 
fortitudine pugnare, aber auch mea fortitudine pugnare? kämpft man 
bisweilen auch mit eines Andern Tapferkeit? Brugman beruft sich wie- 
der zum Vergleich auf eine Parallelstelle, die mit der unsrigen aber 
nichts gemein hat, als das Wort Bapasr. drap phv vuv ye tzoXo Ttpoßi- 
ßr^xaq aTidvTojv aw ßdpaec. Hier ist ja ddpasc nicht als »modaler Aus- 
druck«, sondern instrumental zu fassen, wie »praestare alicui aliqua re.« 
Am bezeichnendsten ist wieder Brugman's souveräne Stellung zu den 
Schollen. »Diese Auffassung unserer Stelle hat aber höchst wahrschein- 
lich auch einen alexandrinischen Grammatiker zum Vertreter und zwar 
wiederum denjenigen, welcher deshalb, weil er dem weiteren Ge- 
brauch unserer Pronomine unbefangen gegenüberstand, von 
den Aristarcheern so reichlichen Tadel erfuhr« ! (S. 110). Wir lesen bei 
Aristonikus zu //153: »^ omXrj^ ort Zr^voSoTog Bdpasc ipw- ddiavurj-cov oh 
Yivzrai, rj <poyrj jxe d\>eneca£ zw Mpasc zw ifxwa. Brugman behauptet 
nun, dass Zenodot falsch verstanden sei, »da Zenodot solch hellen Un- 
verstand nicht beging«, und behauptet, dass Zenodot gleichfalls wie er 
selbst Mpaec ipw zu nohptZsiv construirt habe. Die Krone von Allem 
ist aber folgender Satz : »Wenn aber nun klar ist, dass hier wie- 
der ein Missversändniss vonseiten der Aristarcheer waltet, 
so darf auch vermuthet werden, dass &. ifiw gar nicht Zenodot's 
Schreibweise gewesen ist, sondern nur seine Auffassung des B. w, 
so dass Zenodot «9, w auf ipLs bezog. Alles was von den alten 
Grammatikern über unsere Stelle erhalten ist, scheint Aus- 
flugs zu sein von Aristarch's Polemik etc.« Mit derartigem ist 
im Ernst doch nicht weiter zu rechten! Wir erfahren durch Aristonikus, 
dass J 104, wo von den beiden Troern Isos und Antiphos die Rede ist, 



Textkritisches. 119 

für u) r.or' 'Ay^dlsbg ... Txoijiaivnvr in' oäom Xaßtov Zenodot ov ttot' 
xzX. gelesen habe; daher bemerkt Aristonikus ausdrücklich zum Lemma 
nocjiacvovT' : rj omXTJ orc rb n^rjpeg r.oi}iatvovrs und mit Rücksicht auf die 
Lesart Zenodot's ov fügt er hinzu: ZrjvoSorog ok socxs Si^eaSai noc/iac- 
jxovca- xac jap ov ttots ypdfet: der Ausdruck iotxe Si^ea^ai ist natür- 
lich und treffend, da ja noiixmvovz" nur aus dem vorangehenden ov zu 
erklären war. Demgemäss musste Zenodot auch das V. 111 folgende 
afi singularisch fassen, was wieder Aristonikus uns zu V. 111 mittheilt: 
rj ScTT^T], ort (T(pi dvrc tou auvobg' xat oux earc mp: ivbg 6 Xoyog. rj de 
dva^opä Tipbg ZrjvodoTov (104). Man sollte glauben, dass diese Angaben 
an Genauigkeit nichts zu wünschen übrig lassen. Was thut Brugman? 
Er streitet alles über Zenodot von Aristonikus Berichtete ab : »wir haben 
um so mehr Grund der Angabe über die zenodotische Constituirung der 
ganzen Stelle keinen Glauben beizumessen, da es bei Aristonikus zu 
106 heisst: Zrjvooorog Sk eotxe ds^saßac noiixacvovTa«: (S. 21)! 
Brugman hört hier nur eotxe heraus, dessen Sinn er aber nicht verstan- 
den! — Sehr naiv scheint auch seine Auffassung der späteren Epiker zu 
sein, wenn er ihre Eigeuthümlichkeiten im Gebrauche der Pronomina 
benutzt, um daraus Rückschlüsse für Homer und darüber hinaus zu 
machen; er scheint wirklich nicht zu wissen, wie diese gerade in gewis- 
sen Einzelheiten ihre aparten Wege gingen. — Auch gegen den alten 
Schlendrian, in dem heute noch hier und da Schollen citirt werden, schien 
das Citat zu J 142 gerichtet zu sein. Was z. B. aus Aristonikus' nepl 
(TTjpeicov 'Ihddog zu den Schollen uns erhalten ist, haben wir ja von Fried- 
laender zusammengestellt erhalten. Für Viele existirt das aber immer 
noch nicht, obschon es bereits im Jahre 1853 erschienen ist. Im Sinne Sol- 
cher lässt unser Verfasser den Aristonikus zu A 142 auch sagen: r>T:vdg 
fievToc (prjoh 'Apia-zap-^og atpoo Ttazpbg, abzog Se zoü nazpog? Also wie 
gesagt, ist der Verfasser ein Schalk, der uns nur auf die Probe stel- 
len will, wie weit wir zu berücken sind, so ist sein Buch, wenn auch für 
den Zweck etwas lang, aber doch von erheiternder Natur; soll es aber 
wirklich Ernst sein, — ja dann . 

31) A. L'udwich, Die Schollen zur Ilias in Wilhelm Dindorf's 
Bearbeitung. Rhein. Mus. f. Philol. N. F. 32 Bd. S. 1 — 27 und 
160—210. 

Der rühmlichst bekannte Verfasser zeigt auf's Neue seine bewährte 
Meisterschaft auf diesem Gebiet. Seine nie ermüdende, auch das Kleinste 
mit gleicher Liebe erfassende Sorgfalt ist in den Dienst einer festen und 
besonnenen Methode gestellt: aus solcher Vereinigung entspringen wahr- 
haft unantastbare Resultate. Der erste Artikel beschäftigt sich mit einer 
Prüfung des handschriftlichen Materials, das die Dindorfsche Ausgabe 
bietet. Ausser einer Reihe von Schollen, die hier nachgetragen werden, 
werden begründete Ausstellungen an dem Texte gemacht, indem entweder 



120 Homer. 

in die neue Ausgabe Scholien fälschlich hineingerathen oder fremdartige 
Zusätze aus anderen Handschriften aufgenommen sind, oder das hand- 
schriftliche Material ist nicht genau und vollständig und ohne Irrthümer 
mitgetheilt worden. Der zweite Artikel charakterisirt dann näher die 
eigentliche Thätigkeit des Herausgebers der Scholien. Er rügt, dass 
nicht consequent die Unterscheidung der vier verschiedenen Scholien- 
Arten durchgeführt worden, beleuchtet die willkürliche Behandlung der 
Lemmata, der kritischen Zeichen, die unkritische Ergänzung der im 
Yen. A. vorhandenen Lücken aus einer sehr untergeordneten Compilation 
aus einem cod. Athous und zeigt an einer Fülle von Beispielen, wie ver- 
derblich für den Herausgeber der Einfluss Cobet's gewesen, dem jener 
sich widerstandslos hingegeben. Aufs Dringendste sind die beiden Auf- 
sätze einem jeden Homeriker zum Studium zu empfehlen. 

32) L. Friedlaender, De Dindorfii praefatione ad Scholia Veneta 
et de fragmento Pseudaristoniceo. Regimonti 1876. 4. 4 p. 

Welch ein Licht wirft der eine Umstand auf den jüngsten Heraus- 
geber der Scholien, wenn dieser in der Vorrede Lehrs' grundlegendes 
Meisterwerk und die homerische Textkritik von J. La Roche als so ziem- 
lich von gleicher Wichtigkeit betrachtet! Sehr gut macht Friedländer 
auf dieses Bekenntuiss aufmerksam; ausserdem weist er aus äusseren 
wie inneren Gründen nach, dass das auf dem 8. Blatt des Cod. Ven. A. 
erhaltene Fragment nicht, wie Dindorf nach dem Vorgange Cobet's an- 
nahm, ein Stück aus der Einleitung von Aristonikus' Werk mp] (tt^/jleciuv 
sei, sondern für das Zeitalter des Tzetzes und des Eustathius schlecht 
genug sei. 

33) Hingewiesen sei ferner auf die eingehende, aus der kundigen 
Feder A. Römer's stammende und belehrende Recension von W. Din- 
dorf's Ausgabe der Scholien zur Ilias. (Fleckeisen's N. Jahrb. Bd. 113. 
1876. S. 433-452.) 

34) Max Iskrzycki, Zu den Scholien der Odyssee. Zeitschr. 
f. d. österr. Gymn. XXVHL 1877. S. 83—100. 

Ein sehr dankenswerther Aufsatz, dessen Verfasser uns Mittheilung 
macht über eine von ihm verglichene Odyssee -Handschrift, die sich in 
der Krakauer Universitätsbibliothek befindet. Sie ist 1469 zu Rom ge- 
schrieben von einem spartanischen Emigranten, Namens Demetrius Tri- 
boles; später gelangte sie in den Besitz eines Krakauer Professors, der 
sie der Universität vermachte. Die Handschrift enthält den Text der 
Odyssee, der in den Büchern a — x am meisten mit cod. Vind. No. 50 
(A. bei J. La Roche) stimmt, in der zweiten Hälfte dagegen mit cod. Ven. 
bibl. Marc. N. 457(1), und Scholien und Glossen, die am zahlreichsten 
zu den Büchern a—y fliessen; mit o 9 hören die Bemerkungen fast ganz 
auf; in t kommen dieselben wieder zum Vorschein und reichen von da 



Grammatisches. 121 

allerdings spärlich, meist in Form von Glossen, bis an den Schluss der 
Odyssee. Neue Schollen bietet die Krakauer Handschrift nur in geringer 
Zahl. Nach dem Verfasser hat Demetrius Triboles entweder mehrere 
Exemplare benutzt oder aus einem Exemplar geschöpft, dessen Schollen 
reichhaltiger waren als die bereits verglichenen Handschriften, und die 
Proben, die der Verfasser aus den Scholien mittheilt, lassen uns in der 
Handschrift einen werthvollen Beitrag für die Odyssee-Scholien erhoffen. 
Der Verfasser verheisst uns in einer besonderen Abhandlung die voll- 
ständige Collation dieser Handschrift; möchte er sein Versprechen bald 
lösen. Schliesslich sei noch der Emendation Erwähnung gethan: ISüug 
für rjddiog zu /5 195 (Dind. S. 99, 25) und zu 5 365 , das Angelo Mai 
bereits zu c 220 (Buttm. S. 318) vorgeschlagen hat. Der Fehler wurde 
durch den Itacismus hervorgerufen. 

35) E. Gotschlich, Ueber die älteste Odyssee -Handschrift der 
Laurentianischen Bibliothek. (Fleckeisen's N. Jahrb. Bd. 113. S. 21--27). 

Von dieser dem 10. Jahrhundert angehörenden Handschrift (plut. 
XXXn, No. 24), die von Gotschlich kurz beschrieben wird, wird die voll- 
ständige Collation der Gesänge a ß y C mitgetheilt. Gotschlich hat leider 
nicht die ganze Handschrift an Ort und Stelle vergleichen können, und 
sich darauf beschränken müssen, solche Stellen aus den Gesängen d e rj—n 
auszuwählen, »an denen Kayser auf Grund besserer handschriftlicher 
Ueberlieferung oder im Anschluss an Aristarch von der Vulgata abge- 
wichen ist« ; diese Stellen werden mitgetheilt. Gotschlich zählt die Hand- 
schrift »den besten« zu, einmal mit Rücksicht auf das Alter derselben, 
sodann weil sie eine Reihe aristarchischer Lesarten bietet, »von denen 
eine (o 128 xsTaHac) von ihr allein überliefert ist, und weil sie an zahl- 
reichen Stellen mit den besten Handschriften, mit der des Eustathius 
und dem Harleianus, übereinstimmt«. 



III. Grammatisches. 

36) Dr. Ose. Grulich, Quaestiones de quodam Hiatus genere in 
Homeri carminibus. Halis Sax. 1876. 86 S. Append. 37 S. 

Im Anschluss an Hartel's homerische Studien H, HI untersucht 
der Verfasser das Vorkommen der langen Vokale oder Diphthonge ac, 
Ol, ä, ec, ao, oo, so, co, a, w, r], 37, jyu vor Vokalen und belegt mit über- 
sichtlichen Tabellen, ob jene ihre Länge bewahren oder verkürzen. 
Solche Untersuchungen sind nicht mit rohem Durchzählen allein zu füh- 
ren; wenn sie von Werth sein sollen, muss zum Fleiss ein fein die Er- 
scheinungen erwägendes, gebildetes Urtheil hinzutreten, wie es hier bei 
dem Verfasser zusammentrifft. So berücksichtigt er bei dieser Frage 
Caesur, Arsis, Thesis, Interpunction, Wichtigkeit der Diphthonge, Hiatus 



122 Homer. 

und bringt für die einzelnen Fälle dadurch modificirte Tabellen. Dass 
hier aucli manches Subjective übrig bleibt, was nicht Jeden überzeugen 
wird, z. B. was der Verfasser über die Aufhebung des Hiatus sagt, ist 
natürlich; solche Arbeiten liefern aber dankenswerthe Beiträge zur Er- 
kenutniss des homerischen Verses und der Sprache und sind unendlich 
wichtiger als die so überhand nehmenden Programme zur höheren Kri- 
tik. Die 37 Seiten zählende appendix bringt überpeinliche, mit dem 
mühsamsten Fleisse angefertigte Tabellen. 

37) Franz Härder, De Alpha vocali apud Homerum producta. 
Dissert. inaugur. Halis Saxonum. 1876. p. 106. 

Eine fleissige und gründliche sprachwissenschaftliche Doctordisser- 
tation, in welcher der Verfasser sorgfältige Benutzung der Literatur 
verbunden mit selbstständigem, massvollem Urtheile aufweist. In ge- 
nauen Zusammenstellungen werden die Erscheinungsformen von « er- 
örtert (Contraction , Ausfall von v, vr (r), der Spiranten / und y) bis 
Seite 68, dann folgen Untersuchungen über einzelne Wörter, bei denen 
die Gesetze für die Verlängerung nicht sicher sich nachweisen lassen, 
z. B. ä/iacü, St. Wz äp {dpä<Ti9ai), "Apr^g, äSr^v, äcu, adrjxoTsg, idio, ia u. s. W., 
dann 7:o?.u7Tdp.(uv, dp.ög, (päpog ^ 'Am^Xojv, avT^p^ über den Dativ S. von 
(TS?iag, oenag, yrjpag, xipag; über vr^ug; über äXro; äcraov, fxäcraov, Häaaov^ 
IxäXXov; ^afxä^s. — Der Versuch S. 19 ff. dyxdg als dat. plur. aufzufassen 
und djxda' zu schreiben, ist misslungen. Uebrigens hat der Verfasser 
nicht erwähnt, dass dyxdai bereits von Oppian Hai. H, 315 gebildet ist. 
— Ein das Nachschlagen erleichternder Index wäre höchst wünschens- 
werth gewesen. 

38) C. Capelle, Beiträge zur homerischen Syntax 1. 5, or', or;, 
öze. Philol. XXXVI. 1877. S. 193-209. 

o, o-', oTc, von Hause aus Accusative des Relativpronomens, werden 
in ihrer weiteren Entwickelung bis zu der Bedeutung »dass« verfolgt. 
Die ursprüngliche Bedeutung »in welcher Beziehung«, die in »weshalb« 
übergeht, wird für ö an drei Stellen ^206, <t [332] 392 angenommen. 
Daran werden angeschlossen Beispiele, wo 0, or', on in Reden mo- 
tivirend steht, ursprünglich in dem Sinne »in Beziehung darauf, dass«, 
»was ich deshalb sage, weil« z. B. 150, J 32, ^ 90, (p 254, 77 35, 411, 
488, ?r484, ß240, £ 340, l^ 54 u. s. w.; ferner die Fälle, wo o, öt\ ozc, 
nach Ausdrücken der Gemüthsstimmung oder der Aeusserung derselben 
causal steht = in der Beziehung, dass z. B. / 534, A 244, A 56, & 238, 
^103 u. s. v/. ; sodann der explicative Gebrauch gleichfalls von der 
Bedeutung »in der Beziehung dass« ausgehend, z. B. 77 120, ß 45, A 412, 
P 642 u. s. w. Schliesslich gehen die Worte in die abstracteste und all- 
gemeinste Bedeutung »dass« über und büssen das »in der Beziehung« 
ganz ein, z. B. E 433, 331, A 537, Z 230 u. s. w. Ferner wird nachzu- 



Grammatisches. 123 

weisen gesucht, dass auch für ore im Homer es Beispiele giebt, in denen 
dieses Wort in einer noch nicht temporalen, sondern seinem ursprüng- 
lichen Sinne näher kommenden Bedeutung gebraucht wird. Das ist der 
Fall 1) in scg ozs xsv {ß 99, r 144, o) 134), 2) in Ttpcv j ors, das unter 
dem Vorbilde von sig ors sich entwickelt haben soll, 3) für einfaches 
oTS = in der Beziehung, dass e 358, A 518, P 627, /7 433, 8 263. War 
der o7c-Satz ursprünglich postpositiv und schloss er sich oft an eine im 
Hauptsatz gegebene Zeitbestimmung an, so gewöhnte mau sich allmälig 
07S auch da zu gehrauchen, wo der Hauptsatz eine solche Zeitbestimmung 
nicht enthielt, und in der Conjunction selbst eine temporale Bedeutung 
zu empfinden. — Indem so der Verfasser die Worte o, ot', otc und ors 
unter einem einheitlichen Gesichtspunkt zusammengefasst hat, lässt er 
die Bekker'sche Schreibweise o t' o tb zur Unterscheidung von dem 
temporalen ors zwar als orthographische Erleichterung des Verständnisses 
gelten, theilt ihr aber insofern einen zweifelhaften Werth zu, als durch 
dieselbe in eine zusammenhängende Entwickelung ein Riss gemacht wird. 

39) C. Meier heim. De infinitivo Homerico. Specimen alterum. 
Progr. des Gymn. Georgian. zu Lingen. Ost. 1876. 4. 13 S. 

Die Schrift ist eine Fortsetzung der Göttingen 1875 erschienenen 
Abhandlung de infinitivo Homerico capita HI. Sie sucht in dem ersten 
Abschnitt »de infinitivo substantivo« (p. 1 — 11) an Beisisielen nachzuweisen, 
dass in dem Infinitiv bei Homer die verbale Natur vorwiege, dass an 
keiner Stelle der Infinitiv substantivisch zu fassen sei. Im zweiten Ab- 
schnitt »de accusativo cum infinitivo« (p. 11-13) wird der Accusativ in 
der Construction des acc. c. inf. proleptisch zum Verbum fiuitum gezogen, 
aber nicht als wirkliches Object, auch nicht als Accusativus relationis, 
sondern als in der Mitte stehend aufgefasst. Die Abhandlung bietet 
nichts Neues, auch bleibt die Untersuchung an der Oberfläche. 

40) Frid. Rob Richter, Quaestiones Homericae. Progr. des 
Gymnas. zu Chemnitz 1876. I. de particula npiv. 28 S. 

S. 1 und 2 über Quantität (hier hätte genau bestimmt werden sollen, 
auf welche Fälle die Verlängerung von r.ptv beschränkt ist und wie sich 
dazu das adverbiale und die Conjunction nfuv verhalten) und Etymologie 
{npoiov comparat. nach Hoffmann und Curtius), S. 3-10 über den ad- 
verbialen Gebrauch von npcv {to npcv, to npcv ye, ixpiv r.oze — zweimal 
(f 4 und o 225 in Verbindung mit vakiv — dX),a m)kh Tiph I 250, A 236, 
iV 161, y5l67); dass 7^306 und ß 800 Tipiv mit »zu früh« zu übersetzen 
sein soll, ist unrichtig, wie überhauiJt hier zu viele Bedeutungen auf- 
gestellt werden. S. 16 — 28 über npiv als Conjunction und zwar S. 11 
bis 20 npiv mit dem Infin. 80 mal, 1) mit Correlation (stets inf. aor., nur 
A 97, T 479 inf. praes.): mit vorangehendem nptv (16 mal, davon 13 mal 
Ol) (jirj) TtpLv - npcv) dreimal tt^/v — Tiptv i?348, 6^452, t585; einmal 



1 24 Homer. 

izptv /£ — npiv y' ^ E 287, einmal oo -npiv — dXK' o-noz' äv Srj 11 61), 
TÖ Ttpiv (dreimal /403 = A'lSö, 72), oo ndpoQ ys. npiv ye (dreimal 
E 218, ß 127 fast = a 288 im Hauptsatze fut.), ob npüaßsv — rrptv {p 7, 
<p 138), TTporepog [X 88), (pMvio c. partic. (7/322), -6(ppa {0 100); 2) ohne 
Correlation nach einem affirmat. Hauptsatze (25 mal 8 mal in Ilias, 17 mal 
in der Odyssee, überall mit infiu. aor), nach negativ. (25 mal 14 II., 
11 Od., stets inf. aor.). Das Subject ist bei Tipcv c. inf. zweimal ausge- 
lassen trotz Subjectswechsels: .4 97, 55Q, was aus dem Gedanken er- 
klärt wird. — np/v am Anfang des Verses durch ys hervorgehoben 20 mal, 
durch mp einmal (ö 585). S. 21 — 23 über 7:piv c. conj. aor. ohne äv, 
ohne x£v stets nach negativem Hauptsatz, dessen Eintreten an das des 
Nebensatzes gebunden ist, der aber als bestimmt nothwendig eintretend 
gedacht wird (6 mal stets mit Correlation im Hauptsatze, 2 mal ou {jirj) 
Tipcv — npcv 2 189 f., iß 781, 3 mal ou (jxrj) mu — npcv I 134 f., x 174 f., 
v335f., einmal ob npoa^ev — Tcpcv p 7 f.) S. 24 aber nptv c. opt. aor. 
(einmal 579) Modus der indirecten Kede. S. 25—28 über nptv y' ö-s, 
damit verbindet sich Srj (ausgenommen v 320 und in der Formel npiv y' 
ot' äv c. conj. aor. 2 mal /5 374, 5 477) stets am Anfange des Verses, 
nach negativem und positivem Hauptsatze mit indic. aor. jW437, ^42, 
/588, mit opt. aor. (von der Wiederholung /485). Der Verfasser ver- 
spricht in seinem Titel weitere Fortsetzungen. 

41) J. H. Skerlo, Oberlehrer am Gymn. zu Graudenz, Homerische 
Verba. 1. Heft. 1. öUopi. 2. oTrdZoj. 3. rMpetv. S. 38. Graudenz, 
in Commission bei Jul. Saebel. 1876. 

In diesem Schriftchen führt der Verfasser aus, dass er »durch immer 
tieferes Eindringen das einfache, die gesammte homerische Sprache be- 
herrschende Grundgesetz gefunden« habe. Referent möchte hier nur Fol- 
gendes verrathen: »Das Kind schlägt, der Mann schlägt, die Männer 
schlagen: immer ist es dasselbe Verbum, aber der Schlag selbst und 
seine Wirkung auf das Object muss eine sehr verschiedene werden, je 
nachdem ein Kind, ein Mann oder gar Männer schlagen. Wenn es bei 
Homer iV363 von Idomeneus heisst 7:i<pvB yäp VHpoov^a, so könnte es 
nach homerischem Sprachgebrauch nicht auch heissen 'AnoUcov niipvev 
'O^puovrja. Denn wenn Idomeneus dadurch, dass er die Handlung des 
Ttiipvzv vollzieht, schon einen Krieger erlegt, so würde, wenn ein Gott 
dieselbe Handlung vollzieht, die Wirkung eine zu grosse werden. Wohl 
aber kann der Dichter diese Verbalform auch von einem Gette ge- 
brauchen, wenn er die Kraft derselben durch Hinzufügen des Augments 
abschwächt. So lesen wir <p 36 mnv yäp Jthg mag imipvtv ^'l(pixov. Hier 
findet eigentlich noch eine zweite Abschwächung des zu starken Subjects 
statt. Diese liegt in dem Worte oloq das Kind des Zeus. Es ist ein 
wesentlicher Unterschied auch für den Sinn, ob der Dichter sagt 'A^acoc 
oder uhs 'A;(ac<Juv(i. S. 2. 



Lexikalisches. 125 

42) Derselbe Verfasser behandelt Philologus, Bd. 35, Jahrg. 1876, 
S. 559 ff. in demselben Sinne die Formel o 8' imcza /xsr Xyyta ßdtve 
Moco, die viermal /5 406, ^30, s 193, jj 38 von Sterblichen vorkommt, 
die Göttinnen nachschreiten; es wird uns eröffnet, dass die versteckte 
Form des Praeteritums ßaTvz darum gebraucht sei, »weil die Sterblichen 
nur mit Anstrengung aller Kräfte gleichen Schritt zu halten d. i. in die 
Fusstapfen derselben zu treten vermögen«. 

43) C. Heraeus, Homerisches Elementarbuch. Zur Einführung 
in die Homerlectüre zusammengestellt. Berlin, 1876. 8. 80 S. 

Das Buch verdankt seine Entstehung der sehr wohlgemeinten Ab- 
sicht, den Obertertianer auf leichtere Weise in die Homerlectüre so ein- 
zuführen, dass er hinterher allein im Stande sei, sich in der Odyssee 
selbstständig vorzubereiten, ohne zu unerlaubten Hilfsmitteln seine Zu- 
flucht zu nehmen. Es enthält einen Abriss der epischen Formenlehre 
und giebt vom 1. und 13. Buch der Odyssee die als unbekannt voraus- 
zusetzenden Vokabeln der ersten 50 resp. 100 Verse und die gramma- 
tische Präparation. Manches möchte man wohl in den Ausdrücken und 
der Fassung anders wünschen; z.B. «44: ylaux^mq »mit leuchtenden« 
oder »mit funkelnden Augen« oder »lichtäugig, helläugig«; nach Andern: 
»eulenäugig«; soll etwa der Obertertianer seine Wahl hieraus treffen? 
und so überall, wo die Ansichten neben einander aufgeführt werden. 
Manches aus der Lehre der Modi dürfte auch für den Standpunkt, für 
den das Buch berechnet ist, zu früh kommen. Jedoch welcher Lehrer, 
dem die interessante Aufgabe zufällt, den Schüler in den Homer einzu- 
führen, wird durch Zugrundelegung einer fremden Vorlage seine eigene 
Thätigkeit fesseln wollen? Angenommen, es würde durch Einführung 
dieses Büchelchens Zeit gespart werden: jedenfalls verlieren aber die 
Schüler damit auch die lebendige und unmittelbare Anregung durch den 
Lehrer, und wer bürgt dafür, dass man nicht durch solche Grundlage 
dem Schematismus und der Langeweile Thür und Thor geöffnet hat? 

Was der Verfasser voraus bemerkt über die Handhabung der Prä- 
paration für den Standpunkt der Obertertia, damit stimmt Referent durch- 
aus überein. 

IV. Lexikalisches. 

43) Lexicon Homericum composuerunt C. Capelle, A. Eberhard, 
E. Eberhard, B. Giseke, V. H. Koch, Fr. Schnorr de Carolsfeld. edidit 
H. Ebeling. Lipsiae. 8. Fasciculi XI et XH. 1876. p. 577—688. 
Voluminis n. Fasciculi I et H. 1876. p. 1-112. Fasciculi HI et IV. 
1877. p. 113—224. 

Das für alle homerische Studien unentbehrliche Lexicon hat seinen 
rüstigen Fortgang genommen. Fase. XI et XII gehen von Doiio^pböpoq 



126 Homer. 

bis xa-uniaBe, fasc. I et II von 6 ij x6 bis oy^^y, fasc. III et IV von 
ohpiayog bis Tipiv. Nichts nützen würde es, bei einem solchen Werke 
hier auf Einzelheiten einzugehen : über alles Lob erhaben ist der Fleiss, 
der bei der Zusammenstellung der meisten Artikel thätig gewesen ist; 
man hat freilich häufig zu wünschen mehr kritische Sichtung als Fülle 
des Materials. 

44) Dr. Georg Autenrieth, Wörterbuch zu den Homerischen 
Gedichten. Für den Schulgebrauch bearbeitet. Mit vielen Holzschnitten 
und zwei Karten. Zweite verbesserte Auflage. Leipzig. B. G. Teub- 
ner 1877. 8. XIV. 315 S. 

Der ersten Auflage von 1873 (vgl. Jahresbericht 1873, S. 939 f.) 
ist die zweite verbesserte und vermehrte Auflage nach vier Jahren ge- 
folgt, indem für sie das inzwischen erschienene Material allzu gewissen- 
haft und nicht immer mit kritischem Sinne verwerthet ist. Für ein 
Schulbuch ist strenge Auswahl des thatsächlich Feststehenden oder allge- 
mein Gültigen, völliger Ausschluss alles Hypothetischen erstes Gesetz. 
So hätte der Verfasser Brugman's tiefeingreifendeu Vermuthungen gegen- 
über auf seiner Hut sein und z. B. beim Artikel nicht von »Aristarch's 
Textänderung aus Verkennung der allgemeinen Verwendung des pron. 
poss. Ob"« sprechen oder krjog nicht von ksOg = katüg lat. eri ableiten 
sollen; denn letzteres ist nicht bloss Hypothese, sondern ergiebt sich 
für. den Prüfenden als einfach falsch. Ebenso ist in den Etymologien 
für die Schule viel zu viel gethan. Statt der Berücksichtigung all der 
vereinzelten Bemerkungen würde eine auf Grund der vorkommenden 
Stelle vorzunehmende Durcharbeitung einzelner Artikel mehr am Platze 
gewesen, sein: dann hätte das Buch statt au Fülle und Breite an Tiefe 
gewonnen. So erweist sich z. B. der Artikel £8va als völlig ungenau 
und unzureichend: sollte der Verfasser zu No. 1 »Geschenke des Freiers 
an die Braut« die Stellen anführen, er würde gewiss in Verlegenheit 
gerathen. Die Begriffe vifieacg dc'xr], oßptg^ jxoTpa, (pöatg, wpa^ M/ieg, 
daipojv bedurften einer tieferen Durcharbeitung. Auch die Abbildungen 
haben eine erheblichere Vermehrung erfahren, besonders durch Aufnahme 
der von Schliemann in Hissarlik gefundenen Geräthschaften. Gehören 
aber die zum Theil unförmlichen und primitiven Schalen, Krüge, Töpfe, 
Schnallen in ein HomerlexiconV wird das Verständniss des Schülers durch 
die unter »rdkav-ov Gewicht, Pfund« beigegebenen sechs schwarzen 
Kleckse irgendwie gefördert? Wie das Illustrationswesen in unserer Zeit 
überhaupt Ueberhand nimmt und nicht zum Frommen des Lesers, dessen 
Phantasie auch gar kein Spielraum mehr gegeben wird, so auch hier. 
Ist es nöthig, einem Schüler vorzumalen, wie ein Deckel, oder der Ueber- 
zug eines Köchers, wie ein Stab, wie ein Drellbohrer, eine Fackel, eine 
Streitaxt, drei Perlen, eine Stickerei, eine fünfzinkige Gabel, um die 
Fleisch gesteckt ist, ein Kopf band, eine phrygische Mütze, wie ein knie- 



Lexikalisches. 127 

fällig Bittender, ein Betender aussieht, wie man einem Thier das Mes- 
ser in die Brust stösst, wie man eine Opferschale unterhält, um Blut 
aufzufangen, wie man eine Schleuder hält, wie man einen Bogen anlegt 
u. s. w. u. s. w.? Und das Alles wird meistens durch ganze Bilder ver- 
deutlicht, an denen die betreffende Einzelheit einen verschwindenden 
Theil ausmacht. Solche Illustrationen hält Referent für überflüssig und 
nicht viel mehr als Spielerei. Aber besonders kann er nicht beistimmen, 
wenn sie aus dem ägyptischen oder assyrischen Alterthum geholt wer- 
den: diese müssen den Augen des Schülers, der sich mit Homer be- 
schäftigt, fern gehalten werden, mag die Frage über den Zusammenhang 
des Griechenvolkes mit Aegypten auch noch so sehr die Gelehrten be- 
schäftigen. Ferner scheinen dem Referenten Bilder im archaischen und 
archaistischen Stil für die Schule ganz unzweckmässig zu sein: Bilder 
wie Agamemnon und Talthybios müssen dem Schüler, der kein Interesse 
haben kann für die historische Entwickeluug der Kunst, geradezu lächer- 
lich vorkommen: man zeige ihm den hohen Stil der vollendeten Kunst, 
der mit der die ganze Schönheit des künstlerisch gerichteten Griechen 
und seinen Sinn bereits enthüllenden Dichtung Horaer's auf gleicher 
Höhe steht. Endlich hüte man sich vor componirten, von moderner Re- 
flexion geborenen Bildern : Zeichnungen, wie die unter yovrj (S. 73) oder 
auch vom Saale des Odysseus, machen auf den Referenten einen durch- 
aus unwahren Eindruck. 

45) Homeric Dictionary. For use in schools and Colleges from 
the German of Dr. Georg Autenrieth translated, with additions and 
corrections by Robert P. Keep. New-York 1877. 

Ein vortrefflich ausgestattetes Buch. Der Uebersetzer von der 
ersten Auflage von Autenrieth's Homerlexicon war früher Gesandter der 
vereinigten Staaten in Athen und bekleidet jetzt eine Professur am Wil- 
liston-Seminary in Easthampton in Nordamerika: die Arbeit erhebt sich 
weit über die gewöhnliche üebersetzungsliteratur und zeigt überall sorg- 
fältige Studien. Die reichen Berichtigungen Keep's sind der zweiten 
Auflage Autenrieth's zu Gute gekommen. Sehr zweckmässig hat Keep 
jede Illustration nur einmal und verweist einfach an anderer Stelle auf 
dieselbe, während Autenrieth dieselben vielfach bei verschiedenen Ge- 
legenheiten verwerthet. Auch fehlen, was gleichfalls nicht zum Nachtheil 
gereicht, die beiden Tafeln: Schiffslager der Griechen und Aufstellung 
der Troer, die Autenrieth von Nikolaides entnahm. Dafür hat Keep 
ein Stück aus dem Phidias'schen Parthenonfries und eine Abbildung vom 
homerischen Schiff (aus Merry's Odyssee): derartige Darstellungen wie 
diese letztere empfehlen sich allerdings ausserordentlich. Endlich bringt 
er noch eine Karte von der Ebene Troja's aus Kiepert's Atlas von Hel- 
las, Berlin 1872, während die zweite Auflage von Autenrieth die heutige 
Ebene von Troja nach Spratt von Christ neu enthält. 



128 Homer. 

46) A. Goebel, Homerische Etymologien, Zeitschr. f. d. Gymnasial- 
wesen. 30. Jahrgang 1876. S. 237— 257. 

TjXißa-zog von Wz dX- und ßdrog Dorngestrüpp = irrende Dor- 
nen, irrendes Gestrüpp habend, irrdornig, dornenumrankt, mit Gestrüpp 
bewachsen. 

äujpoi (/i89 von den Füssen der Skylla), von Wz o^, /o/j, alts. 
wär-on, nhd. ge-wahren = nicht gewahrbar, unsichtbar (= dem späteren 
d-up-a-Tog). 

nav-awpiog {an. Xey. Q 540: eva Tialda zixev Tiavawptov) hängt mit 
dcopog zusammen: Achill ist für Peleus ein naTg navafwpcog , ein Sohn, 
dessen er gar nicht inne, gar nicht gewahr wird, gar nicht ge- 
wahrbar. (!) 

ii'aog von Wz fcS, vldere, wie — u(pcog von an mittelst Sufif. 
(Tcog so aus i-fcd-criog., i-f/acog bezw. i-fcajog, i-fc(Tog = spectabilis, 
conspicuus, also damg ndvzoa itcnj = nach allen Seiten hin sichtbar, 
blinkend, fpivag ivdov Haag =■■ den drinnen sichtlichen, den drinnen 
hervorleuchtenden Geist ; in v^eg icaai, dacrsg icaac ist icaac = prächtig, 
stattlich. 

47) A. Göbel, Philol. Bd. 36, 1. Heft. S. 32-63. 

ddu) von dfdü) {dfdC(o) Wind machen, hauchen, athmen, dunsten, 
umdunsten, benebeln, bethören. 

''Att^ {dfdrrj) Benebelung, Umduustung, Verblendung, Geistesver- 
wirrung. — dz- EU) verblendet, bethört sein {d-iovra ist w zu messen 

mit Synizese von so). — ddazog (w _ ^ ^) dfarog {a int. d-dfä-zog ganz 
bethört, verrückt, d. äs^Xog (^91, x ^) — der verrückte Kampf; bei 

d. Izuyog uSiup E 2ll ist ddazog (w w) dfä-zog neben dfä-zog für 

dfaazog von dfa^co und daran mit a cop. und Längung des Stammlauts 
d-d-äzog = umdunstet, umnebelt, dumpfig, dämmerig mit rjspöscg {df-r^p, 
df) von i Urwurzel. — äzog (mit mXi/ioto Beiwort des Ares) W df, fa, 
/a-ros" mit verstärktem Präfix d =ä-fä-zog, ä-a-zog (www) aushauchen, 
schnauben, nach etwas schnauben, trachten lat. av-ere = anhelare aspi- 
rare; dazog noXiiioco = avidus belli, zusammengezogen zu äzog. — 
ärjzog {0 395 &dp(jog) W d/, äf-rj-zog {df-fj-pt, df-rj-zr^g wehen, stür- 
men) rasend. — aY-r]-zog zu ä-rj-zog feurig (da Feuer und Flamme 
sichtbarer Hauch) aY. niXcjp feuriges, glühendes Ungethüm. — ah 6g 
Wa/. df-tvog, alvog wüthig, stürmisch (saevus graus, heftig). — alv-ap- 
i-zrjg (i731) der Grausstifter, Unheilstifter. — ahog W df aushauchen, 
rufen al-vog: dtco = xXiog : xXüu). inaivog von in-auo = alvog; inacvog 
von inaciu auf etwas hören = incxXuzog {in-ac-vog: inaYuj = xXu-zog: 
xXöü)) — inclitus. 

48) A. Göbel, Ueber den homerischen IJoaecddojv yatrpxog ivvo- 
myacog. Zeitschr. f. d. östr. Gymnasien. 27. Jahrgang 1876. S. 241 — 52. 

yatr'iOiog von Wz fz^ i"^^ f"X^S Wagen, fo^sco fahren) uud 



Lexikalisches. 129 

yairj — mit Locativ-Bedeutung = der auf der Erde dahinfahrende ; da- 
nach soll sich für yairjoy^og xoavoyaizrjg »eine überraschend grossartige 
Vorstellung aufthun:« das stahlfarbige Gewölk ist es, was die gewaltige 
Wassergottheit als mit stahlfarbeuen Locken ausgestattet erscheinen lässt, 
und so ausgestattet fährt er über die Erde dahin, ist er yaty^oyog xoa- 
voiakiqq. — ivvoatyatoq mA ivoac^B^cuv von Wz sna (vdcu im (Tvdfcu 
fliessen, voTc'rj Nässe) = erdenetzend, Erdebewässerer »diese Nebenein- 
anderstellung rio(Tsc8d(ov yacT^foyog ivvoaiyaiog , der über die Erde da- 
hinfahrende, die Erde netzende Poseidon bietet in ihren paar Worten 
eine Naturschilderung, die an Gross artigkeit und erschöpfender Vollstän- 
digkeit vergebens ihres Gleichen sucht«. — elvoalipolloq von dersel- 
ben Wz. bedeutet »feuchtlaubig« und da der Begriff »neu und frisch« 
aus dem Begriff »nass« hervorgehen kann, so ist auch ivvsa auf diese 
Wz. zurückzuführen; denn »neun, ivvsa, novem ... ist soviel als 
neue Zahl.« 

49) A. Göbel, yivzo, Fleckeisen's Neue Jahrbücher, Bd. 113. 
1876. S. 173 f. 

ydvTo (das in Verbindungen von Ifidad^Xrjv^ ooüps, pacaz^pa, nopd- 
ypr^v vorkommt), von Wz. yzv — erzeugen, schaffen (sich verschaffen), 
der wie rsx, zux, ro/ erzeugen, treffen, zielen, bereiten, erlangen, die- 
selbe Begriffsmodification zuertheilt wird: »es kommt auf eins hinaus, 
ob wir setzen: ydvro = er zielte, langte nach der Peitsche u. s. w., oder 
= er schaffte sich (verschaffte sich), nahm, fasste die Peitsche u. s. w.« 

50) F. Schmalfeld, Beiträge zur homerischen Worterklärung. 
Philol. XXXIV, 1876. S. 577-598. 

1. ddcvog (dorjv) = in genügender Masse, Menge, Stärke, Heftig- 
keit, also geht der Begriff' der extensiven Masse da, wo dScvog auf Stim- 
men und Töne übertragen wird, in den intensiven Begriff der Stärke und 
Heftigkeit über; so werden die ddivai Zzcprjvsg als »in Herz und Seele 
dringende» Sängeriimen aufgefasst, während dStvuv xr^p »das ewig bewegte, 
immer auf- und abwogende, ruhelose Herz« ist (!) 

2. dphiiLov (/XU«;, xazapLu) die Äugen schliessen , als Act des 
Schreckens, der Furcht, der Schaam) unerschrocken, muthig, entschlossen, 
energisch; als Beiwort des Asklepios = vorzüglich tüchtig; von der Mut- 
ter des Satnios, einer Nymphe (5 444) geschickt (im Weben) ; Aegisthos 
ist dpLixiuv als Tidvza zoXfjLoJv frevelmüthig, frech; dpüpcuv von Völkern, 
insofern, als sie die Augen vor andern Völkern nicht niederschlügen (!), 
daher glücklich, glänzend, oder unerschrocken; endlich bei un- 
persönlichen Gegenständen je nach Bedürfniss: unerschrocken, ge- 
rade und offen, frisch und fröhlich, sicher {ttoptt^), geschickt, 
in die Augen fallend {zupßog) , herrlich, reich und glänzend 
— kurz um Ausdrücke ist der Verfasser nicht verlegen! 

Jahresbericht für Alterthums-Wissenschaft 1877. I. 9 



130 Homer. 

3. xXozoTXEÖeiv (von einem ausser Gebrauch gekommenen KjIOQ 
xXwl^w und -onzüeiv Weiterbildung von 'Etioj) Gesponnenes sagen ( !) = lang 
und breit ausgesponnene Reden halten, end- und zwecklos schwatzen, 

51) Fr. Schmalfeld, Zehn homerische Wörter nach Abstammung 
und Bedeutung erklärt. Fleckeisen's Jahrb. f. class. Philol. VIII Suppl. 
2. Heft. Leipzig 1876. S. 293—307. 

vT^yd-Bog von Wz. snih, part. snigdha = glänzend, mit Oel ge- 
salbt (nitens), strahlend, blitzend. Ebenso wird vix-ap auf diese Wurzel 
zurückgeführt und bedeutet ein Getränk, das durch Farbenglanz, Feinheit 
des Stoffes, Geschmack und Geruch vor dem groben Weine der Sterb- 
lichen sich ebenso auszeichnete, wie das feinste duftigste Salböl vor 
dem von den Menschen genossenen Fett der Thiere (!); vexTaptog Tzin^oQ 
das duftige Gewand. 

^X*^' '%" Berg in Euböa und "Oaaa Berg in Thessalien sind we- 
sentlich gleichbedeutend = hervorragende Spitze . und weil u^n sich zu 
d^ög verhält, wie or/^a zu oiqog etc., wäre somit u^»- = spitz d. h. in 
scharf hervorragender Weise. 

ri&acßaxraetv (v 106 n&atßuxTaotxTc iLihaaat) von Wz ^a = setzen 
= ponere sedem im Sinne von »bauen«, zusammenhängend mit favus 
Zelle, Bau {&aß6g, das aber nicht vorkommt). 

d^rjX^^ von Wz d^ (dCoj) und ^/sco zunächst = heiser tönend 
(schreiend), Attribut eines Schreiens, bei welchem die Stimme »trocken«, 
also »heiser« wird, das ein »ununterbrochen anhaltendes, beharrliches« 
ist; vom Iros (t 3) d^r^^kg (payiiiev xal mi/isv, weil er »unter unablässi- 
gem Schreien, nämlich nach mehr, ass und trank«. 

vTjSuixog von Wz du (vexare, dolore afficere, contristare vgl. ddüvrj) 
Surj also »ein nicht von Sorgen oder Bekümmernissen beunruhigter Schlaf.« 

xprjyoov von Stamm xpa- oder xprj- (wozu auch xptiaacov gehört) 
gut; also y>xpa-y-üg gut, heilbringend, neben welchem sich dann xprj- 
yuog bildete.« 

atScog von dC-w (hören, zu hören glauben, begreifen) mit euphon. 
8 = Gefühl, Verständniss, aber vorzugsweise in Beziehung auf das 
Schickliche. Mit Düntzer leitet Schmalfeld auch a7[ia>v von di'aiv ab 
{aTiiiov &rjprjg E 49 gleichbedeutend mit dw^jicov B-^prjg). 

dcpaopug von Wz (pap- = &£p- oder {^ap-, fer- in ferveo, fervor 
{(fdp'jpng) also d<faup6g durch Metathesis aus dcpafpog entstanden = im 
Gefühl der Schwäche ohne Muth zum Handeln, ohne Thatkraft, matt. 

Die unter den letzten Nummern mitgetheilten Etymologien enthal- 
ten fast durchweg wenig Ueberzeugendes; die Ableitungen und Bedeu- 
tungen werden mehr nach modernen Vorurtheilen ausgeklügelt als aus 
richtigem Sprachgefühl erschlossen. 



Lexikalisches. 131 

52) Leo Meyer, lieber die griechischen, insbesondere die home- 
rischen Nomina auf eu. Beiträge zur Kunde der indogermanischen 
Sprachen. Herausgegeben von Dr. A. Bezzeuberger, 1 Band 1877. 
Göttingen. 

Aus Verbindungen wie Tpans^^fsg xwec, ^aXxrjfsg ävopsg etc. wird 
geschlossen, dass »die später ganz ausgeprägt substantivisch gebrauch- 
ten griechischen Nominalbildungen auf su in alter Zeit der adjecti vischen 
Beweglichkeit noch nicht ganz entkleidet sind.« Vor / steht bei Homer 
in der Regel rj, so dass man eigentlich von Grundformen auf rjf statt 
auf sf sprechen sollte. Sie tragen das »Gepräge der Abgeleitetheit« 
z. B. X'^^^^jf — weist auf /dXxo zurück »der mit dem Erz zu thun 
hat«, ä^trjf — auf a^co — Dder mit dem Seewesen zu thun hat«, Tox^f 
— auf TÖxo — mit »Nachkommenschaft versehen.« Sämmtliche homeri- 
schen Bildungen auf ^f werden aufgezählt, dann folgen die Verba auf 
eucu, »die unmittelbar von den Nominalformen auf so ausgingen«, zunächst 
die, denen noch bei Homer solche Nomina auf zu zur Seite gehen, so- 
dann die, bei denen die Bildungen auf su bereits verschwunden sind. 
Den Schluss bildet ein Verzeichniss der Eigennamen auf su (;y/). 

53) M. Kleemann, Vocabula Homerica in Graecorum dialectis et 
in cotidiano sermone servata collegit. Progr. d. kaiserl. Lyceums in 
Colmar 1876. 4. 36 S. 

Die sehr fleissige Arbeit bringt ein alphabetisch geordnetes Ver- 
zeichniss von Wörtern, die nachweislich in den Dialecten gefunden wer- 
den (3 — 29), darauf zur bequemeren Uebersicht noch einmal die Wörter 
nach den Dialecten (aeol., dor., don.) in alphabetischer Folge (29 — 35). 
Danach finden sich 209 homerische Wörter nur bei den Äeolern, 27 nur 
bei den Dorern, 13 nur bei den loniern, 22 bei Aeolern und Dorern, 
3 bei Aeolern und loniern, 3 bei loniern und Dorern. Der Verfasser 
kommt zu dem Resultat: autiquissimam carminum Homericorum formam 
Aeolicae dialecti prae se tulisse speciem, sed postea quasi in lonicam 
linguam versam et vocabulis plurimisque antiquis formis, plerumque 
etiam consonis servatis lonum vocales superfusas esse, er berührt sich 
also in diesem Ergebniss mit Hiurichs: De Homericae elociitionis vesti- 
giis aeolicis, einer Arbeit, die der Vei'fasser nicht gekannt zu haben scheint, 
die ihm aber bei seiner Untersuchung von wesentlichem Nutzen hätte 
sein können. 

V. Höhere Kritik. 

54) Fr. A. Wolf, Prolegomena ad Homerura, edit. sec. cui acceduut 
partis secundae Prolegomenorum quae supersunt ex Wolfii manuscri- 
ptis eruta. Calvary's philol. und archäol. Bibliothek. 1. Band 1876. 
H, 179 S. 

Vergl. meine Anzeige dieses Buches Lit. Centralbl. 1876, No. 37, 
S. 1237 f. 



132 Homer. 

55) S. A. Naber, Quaestiones Homericae. Edidit Academia Re- 
gia disciplinarum Nederlandica. Arastelodami 1877. 8. 218 S. 

Die sehr eingehenden und fleissigen, wesentlicli die Iliade behan- 
delnden Untersuchungen beziehen sich im ersten Theile auf das Gebiet 
der Realien (Schiifslager, Troja und die trojanische Ebene, Kriegs- und 
Privatalterthüraer , Hausthiere, Haushaltung, Gewächse — S. 74), sind 
im zweiten Theile metrischer (Hiatus, Digamma) und sprachlicher Natur 
(participiale Construction, Modi, Tempora) imd bringen eine grosse 
Menge von Emendationen (— S. 140), der dritte Theil (S. 141 — 218) 
behandelt die Entstehung und den Zusammenhang der einzelnen Ge- 
sänge der Ilias: überall findet man den Verfasser mit der betreffenden 
Literatur durchaus vertraut und was freudig überrascht, voll warmer 
Anerkennung und sorgfältiger Benutzung dessen, was die deutsche Phi- 
lologie auf diesem Gebiet geleistet hat: man möchte hier dem Ver- 
fasser, der bescheiden über seine Leistungen, wohlwollend und, wo er 
anderer Ansicht ist, ohne jede Gereiztheit urtheilt, ein strengeres Un- 
terscheiden der Geister wünschen. So anregend auch die über so viele 
Punkte sich ausdehnenden Untersuchungen dem Referenten waren, so 
muss er doch gestehen, dass er vielfach nicht hat beistimmen können; 
bei seiner zu Conjecturen stets angeregten Phantasie hat der Verfasser, 
nicht immer von richtigen Urtheilen über die Freiheit und bewegliche Le- 
bendigkeit des homer. Verses geleitet, gar zu oft den modernen Vorurthei- 
len über Eleganz im Bau und Fluss der Verse und den in Fessel schla- 
genden Gesetzen der Analogie ganz überflüssigen Tribut dargebracht. 
Z. B. an die Beobachtung anknüpfend, dass Homer liebe aus der in- 
direkten Rede in die direkte überzugehen, schliesst er, dass a 189 f. 
Aaiprr^v rjpcua, rov ohxirc (paat nöXtvoe ip^j^sad^^ , dXX^ aTidvsu&sv in^ d.ypoo 
TcrjjiaTa rAay^siv es richtiger lauten müsse nda^s: und bemerkt sogleich 
darauf zu c 96 f.: dXX^ au-ou ßouXovro /xsr' dvdpdm A(i)-o(pdyoiai || Xiorov 
Bpenzüjxsvoc p£vdp.£v vocttou t£ laMaBat »nemo quidquam sponte oblivisci 
potest; itaque requiro Xd&ovTon (S. 92), gewiss ganz unrichtig. Auch 
findet man die Schollen hin und wieder nicht richtig verstanden. Die 
Beobachtung Aristarcli's lautete nicht, »cadere omnes aTiu -yjq nXrjyrjg- hinc 
puguantes perpetuo cadunt supini, fugientes proni« (S. 48). Das Rich- 
tige steht bei Friedlaender , Aristonici reliquiae emendatiores ad £ 68 ; 
ebenso hat derselbe schon die nöthige Aufklärung über rrjQ unac&pou 
(TTparcäg a. a. 0. zu 7*45 gegeben. Auch bezieht sich die Bemerkung 
des Aristonikus zu J 491, die der Verfasser zu den von Lehrs über die 
Aufstellung der Schiffe zusammengetragenen Schollen glaubt zufügen zu 
können, gar nicht auf diesen Punkt. — Was die Entstehung der Iliade 
betrifl't, so glaubt der Verfasser, dass die Iliade aus einem kleineren 
Kern allmälig durch Zusätze und Erweiterungen die Gestalt bekommen 
habe, in der sie uns vorliegt. Er unterscheidet vier Perioden, in denen 



Höhere Kritik. 133 

das Gedicht seine Ausbildung empfangen habe: I. zur antiquissima pars 
gehört A, A — 596, (V 306 — 66, 674 bis Schluss, Fl (mit Ausnahme von 
56—63, 367-71, 777 — 82, 800-804, 846—850); P (exe. 184—219, 233 
bis 262, 319-83, 423—542, 605—25), I (exe. 34-70, 108—113, 130 
bis 33, 138—147, 181—201, 333 — 42, 356—368, 444-456), T (exe. 12 
bis 34, 38f., 42-53, 78—82, 91—136, 140 f., 175—78, 187 — 189, 192 
bis 195, 198—241, 247f., 282-356, 384—86, 388-91, 398-fin), 526 
bis Jr393 (exe. A" 46-53, 111 — 130, 167—87, 261 — 69, 281-88, 323, 
328 f., 335 — 66); II. zur antiqua pars, quae iam mature cum Uiade coa- 
luit 5—483, /'l — 14, J von 422-544, £, Z, 5 1 — 309 (interpolirt : 
B 53-86, E 352-431, 508-511, 628-98, 711—92, 868 bis Schluss, 
Z 119—236). Bald nachdem diese beiden Theile zusammengefügt, traten 
/" 15 — zl 421 hinzu. III. die paulo minus antiqua pars umfasst H von 
310, 9, A von 597 ab (exe. 665-762), i/, ISI, S, 1—305, 367—673; 
endlich IV. die recentior pars: /, A', T~ 525, ß; denique librum 
vicesimum tertium (interpolirt sind: / 135 — 56, 277 — 98, 388—416, 524 
bis 99, poetae Ultimi libri dedimus A 394- 404 et i2 22— fin., brevi post 
accessere versus A405— fin., ¥, ß 1— 21). Selbst das vierte Stück octa- 
vum fere ante Christum saeculum attiugit. Auch in diesen tief einschnei- 
denden Untersuchungen ist der Referent nicht in der Lage dem Verfasser 
beizustimmen, der vielfach nicht von poetischem Standpunkt aus sein 
kritisches Messer führt und oft die schönsten Partien für interpolirt hält, 
so z. B. im Kleinen: der Verfasser verwirft /^ 423 — 542 (die Partie von 
den um Patroklos trauernden Pferden), die Referent nie ohne die grösste 
Rührung und ohne tiefstes Ergriffensein zu lesen vermag, ebenso den 
Schluss T, »nam uarratio de immortalibus equis humana voce praeditis 
est prisco vate plane indigna. Saepius iam videmus apud lones aetatem 
paulo recentiorem quanto opere miraculis et portentis delectata fuerit, 
equidem in re aperta verbum non amplius addam« (S. 200). Hier liegt 
eine tiefe Tragik, »die mit dem Gefallen an portentis« nichts zu thun 
hat. Trotzdem hält Referent, wenn er auch wie im Ganzen so auch 
häufig im Einzelnen anderer Ansicht ist, die Untersuchungen des Ver- 
fassers für interessant , und gedenkt auf alle diese Fragen bald ausführ- 
licher eingehen zu können. 

56) Alexander Richey, The Homeric question and the Teuto- 
nic epics. Hermathena 1876. 59 S. 

Ohne Werth für die homerische Frage, die nach des Verfassers 
Meinung überhaupt nicht zu einer Lösung geführt werden kann; haupt- 
sächlich eine Untersuchung des Nibelungenliedes und eine Vergleichung 
der älteren Sagen, auf Grund deren das Gedicht entstanden. 



1 34 Homer. 

57) Benick en, Contribiitions a l'histoire des poesies homeriques. 

1. (suite). Revue de rinstruction publique en Belgique. Tome XX, 

2. livrais. 1877. S. 103—110. 

Mittheiluug über Entstehung und Fortpflanzung der homerischen 
Gedichte nach Wolfs Prolegomena. Nichts Neues. 

58) Kuhlbars, Cur liber Iliadis decimus e contextu carminis Ho- 
merici emovendus sit. — Oster-Programm der Realschule zu Ludwigs- 
lust 1875. 

Die Unächtheit des zehnten Gesanges der llias wird aus ästheti- 
schen (S. 3—15) und sprachlichen (S. 16—21) Gründen zu erweisen ge- 
sucht, was jedoch dem Verfasser nicht gelungen ist. Der Verfasser fin- 
det es auffallend, dass die Helden in ihrer Nachtruhe gestört werden, 
da am andern Tage eine grosse Schlacht stattfinden soll; seiner Mei- 
nung nach wäre es besser gewesen, wenn Odysseus und Diomedes den 
Beutezug allein geplant hätten, wenn nicht vorher noch die Berathung 
der Helden geschildert wäre; ihm dauert die Nacht zu lange, und jede 
andere Nacht würde mehr seinen Beifall gehabt haben. Der Dichter des 
zehnten Gesanges soll sich in der Characteristik des Agamemnon ver- 
griffen haben, wobei wir vom Verfasser erfahren, dass nach Homer die- 
ser König neque animi mollitia neque fortitudine sich ausgezeichnet 
habe, so dass demnach auch 'Ayaiieixvovog apiarda uuächt sei: in der 
Characteristik des Nestor, weil dieser bei Homer numquam principera 
inter omues locum einnimmt, während er in K eine so hervorragende 
Rolle spiele: in der Characteristik des Diomedes, weil dieser bei 
Homer non adeo caret animo generöse neque ea est ignavia, ut 
armis exutum Dolonem — occidisse putaudus sit. Die plastische Schil- 
derung des Waff'euschmuckes und Anzuges der Helden soll gegen die 
Weise der alten Lieder verstossend sein, in denen derartige Dar- 
stellungen nur vorkommen occasione eximia oblata; dass drei Männer 
sich in Felle hüllen (Kuhlbars macht daraus fere omnes viri), findet Kuhl- 
bars unerklärlich, dass die Griechen nicht nach Troja gezogen vestimen- 
tis instructi nocturuis, quae ad manum haberent, si forte noctu proelium 
committerent; dass die beiden Helden nach vollbrachtem Abenteuer ein 
Bad nehmen, erregt bei Kuhlbars Anstoss, da es ihm kaum glaublich 
erscheint, dass die Griechen omnia instrumenta balnearia ut labra, Troiam 
secum portasse u. s. w. u. s. w. Natürlich ist der Dichter des zehnten 
Gesanges posterior quidem rhapsodus rhetoricus, der das Meiste inepte 
et iucomposite gedichtet! Möchte nie die Zeit kommen, da man unsere 
Goethe und Schiller nach solcher Methode, die man Kritik nennt, schul- 
mässig zu behandeln unternimmt! Die antike Literatur muss sich dies 
leider schon seit langer Zeit geduldig gefallen lassen und dies von Män- 
nern, die das Studium derselben, das ohne Begeisterung und ehrfurchtsvolle 



Höhero. Kritik. 135 

Hingabe nicht denkbar ist, zu ihrem Lebeusberuf gemacht haben, und 
dies in Schriften , die uns erschliessen , wie man unsere Jugend für die 
grosse Hinterlassenschaft der Griechen zu erwärmen weiss! 

Ganz ohne Werth sind auch die sprachlichen Gründe, aus denen 
der spätere Ursprung des Gesanges gefolgert wird. xzfoJrjv enaetpag 
soll überflüssig sein, da dasselbe schon in dp&ujd^slg st: dyxib'^og (v. 80) 
gesagt ist ; xwii^ soll einzig und allein bei Homer nur die Kopfbedeckung 
aus Hundsfell bedeuten, und das soll der Dichter dieses Gesanges nicht 
gewusst haben, der von einer xuvirj raupelr] v. 258 siDricht, wobei wir 
belehrt werden, dass die xovirj mnoxa/iog eine Kappe aus Hundsfell be- 
deute, die mit einem Rossschweife versehen ist, und dass die xovdr] ^pu- 
adfj der Athene (E 744, so ist statt 274 zu lesen) gar nicht von Gold oder 
mit Gold geschmückt gewesen, sondern nur golden genannt werde, weil 
sie einer Göttin angehörte. Der Gebrauch von h mit TÖvoiat, ^ov^mv, 
(iat-r^at; p.ezd c. acc. = nach, hinter (vom Folgen), abv ao}, 8ca S^eä = te 
adiuvante« soll die spätere Entstehung des Gesanges erweisen u. s. w. 
u. s. w. 

59) A, Nitsche, Untersuchungen über die Echtheit der Doloneia. 
Programm d. kaiserl. königl. Staats- Gymnasiums in Marburg 1877. 
8. 32 S. 

Referent stimmt dem Verfasser bei in der Ansicht, dass die Do- 
lonia nicht als selbstständiges Gedicht zu denken, sondern nur im Zu- 
sammenhange der Ilias und zwar gerade an der Stelle, wo wir sie lesen, 
verständlich sei ; hiermit beschäftigt sich der erste Theil der Schrift, die 
gegen Düntzer's Urtheile über diesen Gesang gerichtet ist. Wenn aber 
der Verfasser den Doloneiadichter einen »sehr ungeschickten Nachahmer« 
nennt (S. 23), in dem Liede »grellen Nachahmerstyl und Unreife der Poesie« 
findet, wenn er behauptet, dass der Dichter »vier Schlafsceuen . . ., zwei 
Angstscenen, eine Zusammenberufung der Geronten« aus der Ilias vor- 
her sich »geradezu durchgelesen« hat, um seine Scenen daraus »zusam- 
menzusetzen«, so ist Referent ganz an lerer Ansicht, da ihm vielmehr der 
Dichter in der ganz originalen Situation, die er geschaffen, ganz original 
auch in seiner Dichtung ist. Was der Verfasser als Beweise für die 
Entlehnung aus echten Gesängen der Ilias beibringt, ist für den 
Referenten ganz und gar nicht überzeugend gewesen. Er nennt z. B. 
den Vorwurf des Nestor Ä'lio, dass Menelaos den Agamemnon allein 
sich bemühen lasse, einen »lächerlichen« und sieht darin Benutzung von 
B 408 aoTojiazog de ol rj)^9-£ ßorjv dya&bg Msvi?Mog. Wie ist hier von 
einer Entlehnung überhaupt nur möglich zu sprechen? Und ganz psy- 
chologisch war es, wenn Nestor, der Menelaos nicht in der Umgebung 
des Königs sah, harte Worte für ihn hat. Ferner soll Tpcöeg [ihv xXajyfj 
t' svotzj] r' Y<mv^ apvcBsg ujg (/'2) für A'l3: aö^öJv aopiyycov r' iwmrjv 
^iiadov z' dvdpwnujv das Vorbild gewesen sein, die Worte dBiafaxov 



136 Homer. 

(ffißpov aus /' 4 für das Glcichiüss in K 6 entlehnt sein etc. ! Der Ver- 
fasser glaubt, dass der zehnte Gesang gedichtet worden sei, um die zwi- 
schen Schluss von / und Anfang von A vorhandene Lücke, die durch 
Ausfall eines echten Stückes entstanden, auszufüllen; denn auf ev&a de 
xotjxrjaavro xal umou oujpov eXovro / 713 könne nicht folgen A 1: ^IIujq 
5' ex Xeiecüv nap äjauoo TcßcovoTo — was ich nicht zugebe — und der 
Kampfesmuth des Agamemnon sei nach / nicht motivirt. Dem Referen- 
ten würde jedoch auch nach /, ja trotz des Misslingens der an Achill 
geschickten Gesandtschaft erst recht das Verhalten des Agamemnon in 
Anfang A verständlich sein. Denn es muss ihm jetzt ganz besonders 
darum zu thun sein, den fehlenden Helden zu ersetzen und dessen Ent- 
behrlichkeit darzuthun. Also an sich wäre nach des Referenten An- 
sicht kein Hinderniss, wollte man A auf / folgen lassen; das schliesst 
aber nicht aus, dass ein erfindungsreicher Dichter nach / eine treffliche 
Gelegenheit sah, mit seinem Gesänge einzusetzen, der also mehr im An- 
schluss an / gedichtet ist, als dass er den Uebergang zu A vermittelt. 

60) Hentze, Einleitung zum elften Gesänge der Ilias. Progr. d. 
Gymn. zu Göttingen 1877. 4. 24 S. 

Vorangeschickt ist eine Uebersicht über die für den elften Gesang 
benutzte sehr reichhaltige Litteratur. Dann werden in eingehender Weise 
die gegen grössere oder kleinere Partien (oder einzelne Verse) dieses 
Gesanges erhobenen Bedenken und Ausstellungen geprüft und vielfach 
mit Geschick zurückgewiesen: den oft verwunderlichen Forderungen 
und ästhetischen Urtheilen der Forscher gegenüber hat Referent die 
besonnene, in den Dichter liebevoll eindringende Kritik des Ver- 
fassers anzuerkennen. Derselbe hält im Grossen und Ganzen den 
Gesang als ursprünglich fest und im Plane des Gedichtes für noth- 
wendig unter der Annahme der Ursprünglichkeit des neunten Ge- 
sanges. Doch bleiben ihm viele Fragen im Einzelnen, auf die er die 
Antwort nicht zu geben vermag. Zunächst verwirft er 163 f., woran auch 
schon Andere Anstoss genommen — würde nicht auch noch 165 zu athe- 
tiren sein? — und in der Botschaft der Iris 193 f.; damit glaubt er den 
grössten Theil der Schwierigkeiten beseitigt zu sehen, welche die Hal- 
tung des Zeus in der Leitung der Schlacht bereitet. Ferner findet er 
auch nach Annahme, dass 540 — 543 eine Interpolation sei, »in dem Ein- 
greifen des Zeus 544 ff. einen bedeutenden Anstoss im Zusammenhange 
mit der vorhergehenden Erzählung, welche die Erwartung durchaus auf 
eine That Hektor's Aiax gegenüber gespannt hat«. Die Bedenken häu- 
fen sich beim Verfasser im zweiten Theile des Gesanges, besonders mit 
dem Eintreten des Patroklos. Mit Andern hält er es nicht für »psy- 
chologisch«, dass Patroklos, der in Nestor's Zelt so eilig war, den ver- 
wundeten Eurypylos auf seine Bitte in dessen Zelt führt und so lange 
sich dort aufhält, den ihm von Achilleus gewordenen Auftrag so gänzlich 



Höhere Kritik. 137 

vergessend; er findet, dass der Anfang des iü. Gesanges, wo Patroklos 
mit seinem Bericht vor Achilleus tritt, im Widerspruche stehe mit der 
Sendung des Patroklos; ihm erregt es mehrfache Bedenken, dass Patro- 
klos bei seiner Schilderung der Noth der Achäer lediglich die bereits 
im 11. Gesänge erfolgte Verwundung erwähnt und alles, was inzwischen 
geschehen ist, völlig ignorirt, dass er Machaon unter den Verwundeten 
ganz übergeht. Der Verfasser berichtet schliesslich die verschiedenen 
Versuche, auf Grund der aufgefundenen Bedenlven, die ursprüngliche Ge- 
staltung der Erzählung zu erschliessen ; er selbst unternimmt nicht, durch 
eine eigene Erklärung über die Schwierigkeiten hinweg zu kommen, die 
ihm eben als nicht zu beseitigende erscheinen. Referent kann hier nur 
andeuten, dass für ihn die bezeichneten Schwierigkeiten nicht vorhanden 
sind. Es ist nicht richtig, dass Patroklos noch bei Eurypylos in trau- 
lichem Gespräch bleibt, nachdem er für die Wunde alles Nöthige ge- 
than hat; wir lesen noch 393 f.: im 5' iXxzi Xoypib (pdpjxax^ äxiaptar' 
enaaffe, wobei er als trefflicher Arzt seinen Kranken k'zspTis Xoyoiq^ und 
sogleich darauf, da die Noth der Achäer grösser geworden, ruft er aus : 
EupÜTioX ohxizt TOL düvanai^ ^arsovzi mp efinrjg, iv&dos 7:apfxsvz[j.sv ; 
es ist nicht richtig, wenn wir aus der Länge der Bücher, aus der Fülle 
der hier mitgetheilten Thatsachen auf die Länge der Zeit schliessen, die 
Patroklos bei Eurypylos zugebracht; was auf dem Schlachtfelde auf ent- 
legenen Punkten, aber zu gleicher Zeit geschieht, muss der Dichter nach 
einander berichten, und so haben wir ihm gegenüber hier es mit einer 
poetisch zu fassenden Zeit zu thun: aus dem Verhalten selbst des Pa- 
troklos zu Eurypylos spricht Alles für ein energisches Fortdrängen der 
Handlung. Es ist ferner meisterhaft, wie der Dichter das Interesse des 
Achilleus für die Angelegenheiten der Achäer hervortreten mid ihn ein- 
greifen lässt in die Handlung mit der Erkundigung nach einem nicht ein- 
mal zu den ersten Helden gehörenden Krieger, nach Machaon: einmal 
wieder seine Betheiligung an der Sache der Seinigen zeigend, wird er 
rasch in das volle Weh hineingezogen und blitzschnell zieht sich über 
seinem Haupte zusammen die Wolke des Unglückes.. Der Verfasser 
fühlt wohl, wie unter den schnell veränderten Umständen für die Be- 
richterstattung über den eigentlichen Auftrag, den Patroklos von Achill 
empfangen, kein Raum mehr vorhanden sei. Das ist nicht etwa der Si- 
tuation erst untergelegt, Patroklos sagt es selbst zu Eurypylos: auräp 
eywys (msüaoixac ecg 'A^c},rja, 7v' ozpuvoj 7ioXep.c^£iv (0 4:02). Der Ver- 
fasser sieht aber »einen nicht zu beseitigenden Anstoss« in der Ueber- 
gehung des Machaon unter den Verwundeten und in der Schilderung der 
Noth der Achäer, wie sie die Ereignisse des 11. Gesanges gezeichnet 
haben. Dem kann ich nicht beistimmen. Wenn Patroklos mit der Ab- 
sicht bei Achill eintritt, 7v' orpOvirj rMXejXiZetv., so war die Situation über 
den eigentlichen Auftrag hinausgewachsen; was that da noch die Er- 
wähnung von Machaon's Verwundung, die Achill ja zudem in der That 



138 Homer. 

bereits wusste (J 611 ff.)? Patroklos beginnt mit der Schilderung der 
verzweifelten Lage der Achäer sofort seinen Bericht : /irj^vs/xiaa- toIov 
yäp äy^og ßsßtrjxzv lij^atoüg und dieses äyog erläutert er durch den 
Hinweis, wie keiner hier retten könnte, da alle, oaoc Ttdpog rjaav äpccrroc, 
xsarac ßeß^/xivo: ourdiJ.zvoi ze: das genügt vollständig, die Situation 
zu kennzeichnen. Es ist aber auch nicht richtig, dass Patroklos alles, 
was nach dem 11. Gesang geschehen ist, ignorirt; er schliesst seinen 
Bericht: paTa 8s x' äxfir^rsg xsxprjörag ävdpag durfj \\ axrac/jiev npo-c äaru 
vsütv drtu xal xXiatdujv. Worauf weisen die letzten Worte anders 
hin als auf die Situation, deren Gefährlichkeit den Patroklos in des 
Eurypylos Zelt nicht hatte bleiben lassen? man vergleiche doch 384ff. : 
Patroklos war solange um, Eurypylos thätig, e7ujg ph 'Ayam re Tpwsg 
T£ II re/^'s«? dp<pepdyovro Bodcov ixzo&t V7]üjv, als aber der Kampf 
um die Schiffe selbst entbrannte (384 ff.), da eilte er fort zu dem, der in 
der Noth allein helfen konnte, und den Eindruck, den er zuletzt noch 
vom Kampfe empfangen, schildern die oben erwähnten Worte. 

61) In der Besprechung, die diese Schrift im Philol. Anzeiger 
VIIL Bd. 6. Heft. S. 275- 280 erfahren hat, schlägt der dortige Refe- 
rent (L. G.) zur Hebung der Schwierigkeiten vor, dass Machaon aus 
diesem Gesänge auszuscheiden sei; ferner sollen von der Rede des Achil- 
leus nur die 3 Verse 608 — 610 stehen bleiben, »also eine blosse Bemer- 
kung über die Noth der Achäer, kein Auftrag an Patroklos. Für die- 
sen, der längst schon zu helfen gewillt ist, ist solche Bemerkung aus- 
reichend: ujg (pdxü^ T(p o' a.pa i^opw ivc azTjBeffacv opcvE (v 804)«. L. G. 
verspricht sich davon »nicht unbedeutende Vortheile« , z. B. fällt nach 
ihm der Anstoss weg, »dass Patroklos zu lange bei Eurypylos verweilt, 
denn jetzt hat er ja keine Botschaft mehr auszurichten, und schliesslich 
ist die Frage Achill's zu Anfang des 16. Buches und ebenso die Aut- 
wort des Patroklos jetzt vollkommen verständlich.« Referent kann nicht 
glauben, dass dieser Vorschlag bei irgend Einem Beifall finden wird. 

62) R. Peppmüller, Commentar des 24. Buches der llias mit Ein- 
leitung. Als Beitrag zur homerischen Frage bearbeitet. LXXXH. 
S. 384. 8. Berlin, Weidmanu'sche Buchhandlung. 

63) A. Roemer, Ein Dichter und ein Kritiker vor dem Richter- 
stuhle des Herrn R. Peppmüller. Peppmüller's Commentar zum 
XXIV Buch der llias ki'itisch beleuchtet. Programm des königl. Lud- 
wigs-Gymnasiums vom Schuljahre 1876/77. 54 S. München 1877. 

64) Anton. Tomaszewski, De Iliadis libro vicesimo quarto. 
Pars prior. XVIII. Dissertio inaug. phil. Thorunii MDCCCLXXVI. 

Dass der 24. Gesang der llias unmittelbar vor dem Beginn der Olym- 
piadenrechnung entstanden, als die llias im Wesentlichen abgeschlossen, 
die Odyssee wenigstens in ihren besten Theilen vollendet war, und neben 



Höhere Kritik. 139 

Homer Hesiod sich schon einen chicii\ulleü Pla,lz erworben hatte, wird 
in dem erstgenannten Buche zu erweisen gesucht, und zwar werden die 
Hauptgründe für die so späte Entstehung dieser Rhapsodie und ihi-e 
völlige Sonderstellung in den unzähligen Worten und Wendungen gefun- 
den, die »unser Dichter« aus den übrigen Gesängen der beiden Epen 
zur Zusammenstellung seiner Dichtung entlehnt haben soll. Dieses wird 
vom Verfasser in der aller verkehrtesten und abgeschmacktesten Weise 
zur Durchführung gebracht. Man sollte doch glauben, dass, wenn z. B. 
Hekabe vor der Leiche ihres geliebtesten Sohnes die Klage beginnt 
y>"ExTop, iixäi Bofiu. ndwojv noXu (pilza-t naiSiüva (i2 748), diese Worte 
höchst einfach und höchst natürlich jeder Mutter, die sich in ähnlicher 
Situation befindet, aus der Seele dringen müssen: der Verfasser belehrt 
uns jedoch (S. 357), dass sich dieser Vers zunächst an E 243 = K 434, 
TudecSrj Aiojxrßeg^ ifxu) xs^apcaiisve du/xw anlehne, dass die dem Zusam- 
menhange angemessene Aenderung dieser Anrede nach Stellen erfolgte, 
wie ;r445f. : röJ fioc TrjMjia^og tämtüjv noku (pikraTog iauv ^Avopwv und 
andere! Von der Iris heisst es: i) 8e ixohjßdaivjj IxsXtj ig ßvaahv opou- 
(T£v 1 ^ TS xaz' dypaüXoto ßoog xipag ipßsßama, sp^szac . . . sups r5' ivl 
anrfi ylafopS} Si-cv (0 80 ff.): wir erfahren jetzt, dass »die ganze Struc- 
tur unserer Stelle man J 86 ff. wieder trifft: "^H 8' dvdpl IxeXrj Tpatojv 
xazsducrzf^' ofidov Eups Auxdovog uiövv. und dass »unser Dichter« na- 
mentlich an die zu seiner Zeit jedenfalls sehr bekannte Stelle •/ 402 f. 
gedacht hat, wo Telemachos den Odysseus nach der Ermordung der 
Freier findet wazz Xiovzrx^ "Og pd zs ßsßpujxajg ßoog ipyEzat dypmAoLoa 
(S. 55). Wenn Thetis dann auf die Aufforderung der Iris, sie solle zu 
Zeus kommen, erwidert: zlnzt p-z xsTvog rhcoys piyag dsog (ß90), so le- 
sen wir bei unserm Verfasser: »Wie Thetis Iris, so fi'agt Hephästos 
Thetis selbst in ähnlicher Weise 2" 424 f.: Tmzz, 0ez'. zavünenXz^ Ixd- 
vsig Tjpizepov öw;« (S. 60). Was in aller Welt kann hier weiter »ähnlich« 
sein, als das beiden Stellen gemeinsame Wort ztnzsl Und wenn dann 
Thetis fortfährt: elpt pkv, ou8' äXiov snng eaaezai, ozzt xev eIttt^ (V. 92), 
so zweifelt der Verfasser nicht, dass unser Dichter an die Erklärung 
dachte, die Telemachos von der Ueberzeugung durchdrungen, seine Reise 
werde von Erfolg gekrönt sein, /5 318 den Freiern giebt: Elpt ph odS' 
dXcrj 68bg icaszat, rjv ayopsöcu. An Stelle der letzten Worte ist ein be- 
kannter formelhafter Versschluss getreten (es folgt eine Reihe von Stel- 
len) (S. 61)! Helena in ihrer Klage um Hektor braucht die Worte tjot] 
ydp vüv pot z68' kzixoazbv izog iazc'v (-0 765); unser Verfasser bemerkt: 
ȟbrigens hat der Dichter diese Stelle der Odyssee entlehnt . . . t 221 ff. 
beginnt Odysseus: 'i2 yuvac, a.pyaliov zoaaov ypovov d.p.(p\g eüvza Elnipsv: 
rjSrj ydp ol ieixoazöv izog i.<jziv ...« (S. 346)! »Unser« Dichter soll 
pr^xizt wv m' epi^cZe, yipov (ß 560) aus A 32 (pij p ipz^tCs) (S. XXIII) 
entlehnt haben, »sein äv8p' bpooj (ß 355) entnahm unser Dichter der 
fünften Rhapsodie 244. äv8p'' bpoioa (nebenbei bemerkt ist hier äv8p' = 



140 Homer. 

ävdpe) (S. XXV), das Hemistichium oiuog vüxzag rs xat rjjxao {Q 73 
holte er sich aus der Odyssee: bei derartigem Verfahren bleibt nur das 
eine unerklärlich, wie man einen Menschen, der in solcher Weise seine 
Verse zusammenleimt, noch einen Dichter und einen relativ guten Dich- 
ter benennen kann! Unser Verfasser hat Worte der höchsten Anerken- 
nung für den Dichter von Andromache's Klage. S. 349 aber lesen wir: 
»die Erzählung ist ganz aus homerischen Wendungen zusammengesetzt«: 
das begreife, wer kann! Mit solchen Grundanschauungen, aus denen obige 
Sätze geflossen sind, ist man wahrlich nicht im Stande, uns in die Werk- 
stätte eines Dichters zu führen, da man das Wesen eines Dichters zu 
fassen damit ganz unvermögend ist. Es ist aber auch kein Wimder, 
wenn derartige immer massiger werdende litterarische Erscheinungen, 
die immer mehr die zunehmende Verknöcherung und Entseelung 
auf gewissen wissenschaftlichen Gebieten in traurigster Weise darlegen, 
einer sehr erbitterten Kritik begegnen und den Verfassern selbst die per- 
sönlichsten Angriffe zuziehen, obgleich diese oft nicht in erster Reihe 
die Schuld trifft, da die Gründe hier tiefer liegen. Eine vollständig ver- 
nichtende Beurtheilung hat auch der Verfasser durch A. Roemer's ge- 
diegene Schrift erfahren, die oben in zweiter Stelle erwähnt ist: Roemer 
spricht hier die Sprache des Ingrimms, die ihre Entschuldigung findet 
gegenüber der Misshandlung, die ein grosser Dichter und ein grosser 
Kritiker vom Verfasser erfahren hat. Behandelt der erste Theil dieser 
Schrift mit den ergötzlichsten Beispielen die Seite, die Referent so eben 
zu beleuchten gesucht hat, so nimmt der zweite Theil Aristarch gegen 
den Verfasser in Schutz: jede Zeile zeigt hier den Kenner, der eben 
darum von Verehrung für die Personen und Sachen erfüllt ist; was Roe- 
mer hier über die »breitspurige Ignoranz« sagt, die in naivem Gehaben 
sich herausnimmt, über Aristarch abzuurtheilen , ohne von den Schollen 
etwas zu verstehen, das ist zur rechten Zeit gesprochen und gegen Viele 
gesagt! 

Wo man nur den weitschweifigen Commentar, an dem ein frucht- 
loser Fleiss gearbeitet hat, aufschlagen mag, überall fühlt man sich durch 
die geistlose Art der Behandlung zurückgeschreckt; man sieht gar zu 
oft, wie der Verfasser unter dem Banne der Parallelstellen zum wahren 
Sinne nicht hat vordringen können. Wenn Thetis vor Zeus zu erschei- 
nen aufgefordert, dieses ablehnt mit dem Hinweise auf das Weh, das 
ihr das Geschick ihres geliebten Kindes gebracht, indem sie nicht in den 
fröhlichen Kreis der Unsterblichen treten möchte {acddo/xac 8s \ ixtayea^^ 
a{^avdzoc(Tcv, e^w 8' ä^e' äxpira ^oixG) i2 90f.), so fällt unserm Verfasser 
sofort <T 184 ein: oYrj ö' oox E^gsc/xc /xer' dvdprxg- ac8£o/xac ydp. Das 
beiden Stellen gemeinsame aco£op.ac war schon hinreichend, beide Situa- 
tionen zusammenzuwerfen und den Verfasser schreiben zu lassen: »The- 
tis scheut sich unter die Götter zu treten, wie Penelope sich weigert 
allein in die Gesellschaft der Freier zu gehen« (S. 60). Kritik, ohne die 



Höhere Kritik. 141 

man bei einem derartigen Unternehmen, an das der Verfasser gegangen, 
nicht einen Schritt vorwärts thun kann, ging ihm nicht helfend zur Seite. 
Hermes fragt den sich zu Achilleus begebenden Priamus: xazahmezs 
"IXiov IpTjv SscdcoTSg' zoTog yap dvrjp iopia-zoq oXojXsv | abg nacg- oh fxkv 
jap Ti pdxrjg i.TisoeÜEz'' 'AxaiwMn (ß 383 ff.)- Erstaunt, auf seinem Wege 
einem solchen Urtheile über seinen Sohn zu begegnen, spricht er seine 
Verwunderung aus: zcg Sk ab kam (pipiazs, ziwv 8' sq kaai roxjywv; u)Q p-ot 
xaXd zöv olzov drMzpoo naidbc iviamg (387 f.), womit gar nicht nach dem 
Namen gefragt wird. Das versteht auch Hermes, der erwidert: Tietpa 
ipsco, yapack, xal zipzat "Exzopa ßcov d. h. du stellst mich auf die Probe, 
Greis, indem du fragst nach dem göttlichen Hektor; nämlich wie ich 
den kenne, und nun sagt Hermes im Folgenden, wo und wie er den 
tapfern Streiter gesehen. Bei unserm Verfasser, der den Vers aög naTg 
xzX. für interpolirt hält, lesen wir aber also: »Du willst mich auf die 
Probe stellen, Alter, ob ich Bescheid weiss: das soll dir nicht gelingen. 
Ist jener treffliche Held dein Sohn, so ist Hektor sein Name« 
(S. 184 f.). Kann mau eine solche Interpolation für möglich halten? Da- 
für, dass Hermes seinen Namen nicht nennt, findet der Verfasser sogleich 
eine Entschuldigung: »Der Dichter hielt es offenbar für unpassend dem 
Gott einen fingirten Namen beizulegen«; aber für unpassend hielt es der 
Dichter ja nicht, dem Gott einen Vater, Namens Polyktor, beizulegen? 
dass der Grund ein ganz anderer ist, davon hat der Verfasser nichts 
bemerkt. Ermüdend wirkt auch die ganz wahllose Benutzung der 
Litteratur. 

Was wir S. 334 ff. über die Composition der Klagelieder lesen, 
war schon besonders vom Verfasser veröffentlicht worden. Referent be- 
merkt, dass, wie er die Durchführung der Strophentheorie für diese Par- 
tie für unrichtig hält, er auch nicht eine symmetrische Composition 
dieser Klagelieder, eine Dreitheilung in dp^^, opfalog und a(ppTj{g, wahr- 
nehmen kann: was der Verfasser über die Anordnung und Behandlung 
des Themas der einzelnen Lieder sagt, ist nicht getragen von der Ein- 
fachheit, Natürlichkeit und Schönheit, mit der jene vom Dichter empfun- 
den sind, sondern verbaut nach des Referenten Ansicht das Verständniss 
ganz und gar. Auch im Einzelnen ist hier allerlei unrichtig verstanden. 
Der Verfasser lässt z. B. Hekabe den Göttern also danken: »während 
Achilleus so viele meiner andern Söhne lebendig gefangen nahm, um sie 
.... zu verkaufen, hat er dich erst durch den Tod in seine 
Gewalt bekommen.« Dieser Gedanke gehört nicht dem Dichter an, 
er wäre ein den Sinn entstellender. Der Verfasser spricht so oft von 
dem »lyrischen Charakter dieser Klagelieder« ; meint er damit die Wärme 
des Gemüths, die tiefe Empfindung, die aus den Liedern spricht, ja wo 
ist eine Stelle im Homer, die dieser Innerlichkeit entbehrt: in allem 
Uebrigen sind die »Klagelieder« so episch, wie nur irgend eine Rede der 
Odyssee oder Ilias. 



142 Homer. 

Auf demselben Standpunkte stehend, sich im Einzelnen vielfach 
mit Peppmüller berührend, untersucht der Verfasser der dritten Schrift 
die ersten 132 Verse des 24. Gesanges auf die Verschiedenheiten und 
Abweichungen desselben von den übrigen Gesängen. Die angeblichen 
Dichter einzelner Gesänge haben doch eine gar schlimme Stellung bei 
unsern Kritikern: bewegen sich jene in den bekannteren Bahnen des 
epischen Sprachschatzes, so werden sie als elende Nachahmer an den 
Pranger gestellt; gehen sie ihre eigenen Wege, so werden sie nach dem 
allerpedantischsten Thema wieder dafür aufs Aergste getadelt, dass sie 
sich diese oder jene Abweichungen vom Herkömmlichen gestattet haben. 
Was ist denn das Herkömmliche? lässt sich das heute in so engherzige 
Regeln durch einseitige Beobachtungen fassen? selbst in den Liedern, 
die man als die »älteren« zu bezeichnen pflegt, wie viel Abweichendes 
und Eigenthümliches giebt es hier im Einzelnen und im Grossen? Soll- 
ten nicht die epischen Dichter, die mit lebendiger Kraft in jener Zeit 
standen und für dieselbe schufen, besser wissen, was sie sich in Wen- 
dungen oder Constructionen erlauben konnten, ohne der Sprache Gewalt 
anzuthun, als wir, denen die durch Jahrtausende von uns getrennte Zeit 
doch nur wie von wenig durchdringbarem Nebel umflossen erscheint? Ge- 
wiss! Der 24. Gesang hat seine Eigenthümlichkeiten, was folgt aber 
daraus? doch höchstens nur das, was wir schon lange wissen, dass an 
den beiden Epen nicht blos ein oder zwei Dichter gearbeitet haben, 
sicherlich nicht, dass diese herrliche Dichtung von einem Nachahmer 
herrührt, der sich nicht einmal darauf verstanden hat, seine Verse aus 
gestohlenen zusammenzuflicken, so dass uns heute seine Schliche deut- 
lich vorliegen. Der 24. Gesang ist eine Perle unter den homerischen 
Liedern,, in der schöpferischen Zeit des epischen Gesanges entstanden, 
der ebenso wie die anderen von Interpolationen späterer Zeit durchzogen 
ist. Aber gerade diese müssen den modernen Kritikern das uöthige 
Material hergeben zur Beurtheilung des Dichters und so kommt es, dass 
man sich nicht scheut, dem Dichter, dem das Herrlichste im Gesänge 
gelungen ist, das Allerschlimmste nachzusagen. Mag man auch das Recht 
haben, jeuer Zeit eine gewisse Uniformität als Signatur zuzuschreiben, 
man wird diese doch nimmer bis zur Tilgung der Individualität ausdehnen 
können. Und nun kommt noch das Besondere des Themas hinzu, das 
— wir kennen es ja auch aus den »älteren Liedern« — Besonderheiten 
nach sich zieht. Wie sehr unser Dichter gehofmeistert wird, dafür ein 
Beispiel, dessen Geist aber die ganze Schritt charakterisirt : »adde quod 
u 93 0ircs appellatur ,8ca d^zdujv'- id quod praeter S 184 in antiquiori- 
bus rhapsodiis non deprehendes. Nam quin illud ^dla ^ediov'- in lunonem 
et Minervam et Gratiam ad quas in Iliade referri solet, optime quadret 
vel propter regiam majestatem vel propter eximiam ipsarum venustatem 
et pulchritudinem quis dubitet«. Und auf die Thetis nicht? Was offen- 
bart nicht hiermit alles der Verfasser? Derselbe bleibt überall an der 



Höhere Kritik. 143 

alleräusserlichsten Oberfläche; in Betreff der Benutzung der Alexandriner 
z. B. bei den Versen 21 f. und 24 ff. sei er auf Roemei-'s vortreffliche Schrift 
verwiesen. Der Verfassar äussert sich über die Alexandriner also: »ar- 
tem criticara veterura graramaticoruin temporibus uondum ad eam qua 
hodie gaudemus perfectionem adductam fuisse« p. 8 und nennt sie 
p. 9 »artis criticae rüdes«: kann man derartige unreife Urtheile anders 
lesen als unter Lächeln? 

65) "Wilhelm Böhme, Die Odyssee, das Werk eines böotischen 
Dichters. Eine philologische These, vorzugsweise auf Grund der geo- 
graphischen und historisch-mythologischen Angaben des Epos. Gym- 
nasial-Programm. Stolp. Theil I, 29 S. 1875; Theil II, 24 S. 1876. 

Der Verfasser, der die homerischen Epen mit sehr geringen Aus- 
nahmen für einheitliche Dichtungen hält, sie aber verschiedenen Ver- 
fassern zuweist, geht von der wunderlichen Ansicht aus, dass der Dich- 
ter der Odyssee, »der das Heimweh so rülu'end zu schildern weiss, 
seines eigenen Vaterlandes irgendwo gedenken (II, 23), dass er von irgend 
einem Orte seines Vaterlandes eine ausführlichere Mittheilung machen 
muss, an der man sein Interesse für den Ort wahrnehmen könnte« (I, 10): 
danach ist er zu dem überraschend genauen Ergebniss gekommen, dass 
»der Dichter der Odyssee seine Heimat im südlichen Böotien, in der 
Nachbarschaft von Eteonos, Thespiae oder Tanagra gehabt hat« (II, 23). 
Der Beweis ist ein negativer und ein positiver. Vorweg eingenommen 
von seiner Hypothese, mustert er die einzelnen Länder und Inseln, von 
denen das Gedicht etwas erzählt, wobei er überall zu dem Resultat 
kommt, dass hier der Dichter nicht geboren sein könne: Asien und die 
Inseln I, 1 — 10, Peloponnes 11 — 21, die an der Westküste liegenden 
Inseln 21 — 29; der zweite Theil, der vielfach berichtigend auf den ersten 
Rücksicht nimmt, dehnt die Untersuchung auf Phokis, Aetolien, Epiros, 
Thrakien, Pieria, Thessalien, das Volk der Phäaken, das in Verbindung mit 
Thessalien behandelt und für historisch gehalten wird, der Kyklopeu, Gigan- 
ten, deren Wohnsitze der Verfasser im nordwestlichen Griechenland annimmt, 
die v'^aog Abk'r^, Attika, Euboea, Kreta aus. Alle Schilderungen, alle Er- 
eignisse, von denen das Gedicht uns berichtet, bringt der Verfasser in 
persönlich nahe Beziehung zu dem Dichter selbst: dass dieser den Odys- 
seus zuerst zu den Kikoneu nach Thrakien kommen lässt, kann nach 
dem Verfasser als ein wichtiges Moment für die Ansicht über des Dich- 
ters Vaterland erscheinen; wenn dieser des Philoktetes Geschicklichkeit 
in der Führung des Bogens gedenkt, so ist seine persönliche Theil- 
nahme für denselben nicht zu verkennen; wenn er den Wein der Kiko- 
nen preist, so hat er ihn gewiss auf einer Reise in diese Gegenden oder 
in seiner Heimat gekostet; wenn er die Gestalt der Nausikaa mit der 
Palme auf Delos vergleicht, so kennt er sicherlich diese Palme aus eige- 
ner Anschauung; wer hat bis dahin in der Erwähnung des nfjd/xvscog 



144 Homer. 

olvog, in den Namen der Kinder des Menelaos oder den der Dienerinnen 
der Helena etc. einen wichtigen Anhalt zur Bestimmung von des Dich- 
ters Heimath gesehen? dass aber von solcher Grundanschauung aus die 
merkwürdigsten Schlüsse gezogen werden ist begreiflich: dass des Dich- 
ters Umgebung von nichthellenisirten Elementen frei war, dafür ist ein 
deutliches Zeugniss, dass ihm »kein Nomen propr. phrygischen, lykischen, 
karischen Gepräges untergelaufen ist« ; weil Chios in der Ilias nicht er- 
wähnt wird, so hat man daraus zu entnehmen, »dass es damals noch 
wenig besucht und berühmt war« und weil die Odyssee es damals nur 
als TzamalözaGa genannt, so ist es darum bedenklich, diese Insel »für 
den Wohnsitz der Verfasser dieser Dichtungen zu halten; weil wir nichts 
von Perseus »dem Sieger über die Medusa, dem Befreier der Andro- 
meda« hören, so ist das Beweis, »dass der Dichter nicht Argos oder dem 
Peloponnes überhaupt angehört hat« u. s. w. Hätte aber der Verfasser 
seinen subjectiven Standpunkt verlassen und sich ruhig die Frage vor- 
halten wollen, ob es denn auf des Dichters Wege lag, dieses oder jenes 
zu erwähnen, so hätte er gewiss nicht vermisst, dass die Odyssee »nichts 
Genaueres über Land und Leute von Troja« mittheilt, »dass sie weder 
von Hektor noch Paris eine leise Andeutung giebt« u. s. w. Der Ver- 
fasser ist aber durchaus voreingenommen für seinen böotischen Dichter; 
trotzdem er nach seiner Betrachtungsweise der Gedichte nicht umhin 
kann, vielfach eine genauere Kenutuiss »von Land und Leuten« dem 
Dichter zuzugestehen, zieht er nirgends den erwarteten Schluss, sondern 
er weiss sich durch die immer wiederkehrenden Ausflüchte zu decken: 
»entweder ist der Dichter hier einem alten Liede, also fester, bekannter 
Tradition gefolgt, oder er hat sich an die Ilias angelehnt, oder die schein- 
bare Genauigkeit des Erzählers löst sich in freie, sachgemässe Erdich- 
tung auf«. Die Erwähnung des Erymanthos und Taygetos in dem be- 
kannten Gleichnisse Cl02ff. macht es dem Verfasser gewiss, dass der 
Dichter nicht »am Tmolos, Sipylos, Ide oder andern asiatischen Ber- 
gen« gewohnt hat; wäre er aber consequent, so müsste er aus dieser 
Stelle in dem Dichter einen Spartaner oder Arkader sehen, diese Ansicht 
jedoch lehnt er kurzweg ab, da er »sich versagen muss, auf dieselbe 
einzugehen«. Die Gründe, die ihn nun fest an Böotien, als Heimat 
seines Dichters glauben lassen, sind ausser den schon bekannten (Tei- 
resias, luo Leukothea) besonders folgende: 1. j 452 heisst EupoStxr] 
r.piaßa Khfxdvoto ^uyarpcöv; nun erfahren wir aus Pindar von einem Kö- 
nige des böotischen Orchomeuos, Namens Klymenos; da 7' 452 Khiiivoio 
jeder näheren Bestimmung entbehrt, so kann das nur erklärlich sein aus 
der böotischen Herkunft des Dichters, dessen Zuhörern der böotische 
König bekannt war! 2. Der Name des Bepdmov MzveXdoo 'Ezsujvzug ist 
dem Verfasser nur verständlich, wenn er von der böotischen Stadt 'Ezsoj- 
v6g hergeleitet wird; »wie konnte aber der Dichter bei der Wahl eines 
Namens für den ^spärtojv des Menelaos auf die böotische Stadt verfallen, 



Höhere Kritik. 145 

wenn ihm nicht diese Stadt psychologisch und geographisch nahe 
lag« (I, 58). 3. Der Name des Iros 'ApvaTog »ist von ''Apvy], einer Stadt 
in Böotien, abzuleiten« (I, 29). Nun giebt es eine Stadt "Apv:^ auch in 
Thessalien und anderwärts, der Verfasser weiss aber, dass hier nur 
vom böotischen die Rede sein kann. Von allem Uebrigen abgesehen, 
wie unsagbar geschmacklos, einfältig und jeglicher Erfindung bar erwiese 
sich der Dichter, wenn das wirklich so wäre, wie der Verfasser es will! 
geradeso als wollte ein Dichter Ostpreussens in einer Novelle , die am 
bayrischen Hofe spielt, einen Kammerherrn Domnauer nennen! und mit 
diesen Namen, die er in eine ganz unpassende Situation hineinbringt, 
sollte Homer seiner Liebe für sein Vaterland genügt haben? und wie stimmt 
das mit des Verfassers Ueberzeugung, dass der Dichter ȟber die in man- 
nigfacher Hinsicht interessanten Verhältnisse seiner Heimat und ihrer 
Umgebung nicht ein hartnäckiges Schweigen beobachten dürfte« (H, 25), 
wenn er doch nur auf diese kindliche Weise mit seinem Vaterlande Ver- 
steckens spielt? Die Arbeit ist, so ernsthaft sie geraeint ist, nichts weiter 
als eine wissenschaftliche Spielerei! — Auffallend ist es im Einzelnen, 
dass der Verfasser den Dichter der Odyssee »oft genug des gewaltigen 
"üiovn gedenken lässt; eine kühne Hypothese unter andern, dass »die 
Phaiaken« genannt sind »von der bräunlichen, wettergestählten Farbe 
des Antlitzes«, dass y>'AXexTpuä)v der Ilias dem vorurtheilslosen Forscher 
auf das Evidenteste beweist, dass der homerischen Zeit, obwohl nie er- 
wähnt, der Hahn (ob als Haushahn?) nicht unbekannt war« (I, 10). 

66) Ph. Wegen er, Das fünfte Buch der Odyssee und das Prooemium 
des ersten Buches. Philol. Bd. 35. Jahrgang 1876. S. 410 -429. 

Ueber diese Partien ist bereits genug geschrieben worden, der 
Verfasser glaubt zwar »eine Anzahl neuer Punkte in die Beweisführung 
gezogen zu haben, die geeignet sind, dem Ganzen ein neues Licht zu 
geben« (S. 422), Referent hat jedoch dies nicht finden können, im Ge- 
gentheil erschien ihm Alles nur noch viel breiter getreten und des Ver- 
fassers poetisches Verständniss noch schlimmer zu sein, als man das bei 
Untersuchungen Anderer schon gefunden hat. Bis zum Ueberdruss be- 
kommen wir immer wieder zu hören, woran der Verfasser Austoss ge- 
nommen. Er verweist als unecht aus dem Prooemium V. 3 — 9 (»auch 
die Angabe ug p-äXa nukka TiMy^^rj wird fallen müssen; ein Odysseus 
ohne Irrfahrten ist mythisch vollkommen in Ordnung«), die wie 18-26 
einem späteren Ueberarbeiter angehören , während das Uebrigbleibende 
von 1 — 31 einem Rhapsoden angehört; der Verfasser hält »für Pflicht 
des Dichters, die Heimkehr des Odysseus unmittelbar nach der Göt- 
terversammlung folgen zu lassen; that er dies nicht, so spielte er 
absichtlich in der Weise eines Ariost mit den Gefühlen der Hörer«, hält 
den Anfang des fünften Buches für einen elenden Flicken« u. s. w. 

Neu ist allerdings der Gedanke, dass au der Stelle, wo wir heute 

Jahresbericht für Alterthums-Wissenschaft 1877. I. 10 



146 Homer. 

uns der Ankunft des Hermes bei der Kalypso erfreuen, ursprünglich die 
Ankunft des Odysseus besungen worden ist. Warum? 1. ix navzou ßdg e 56 
kann nur auf den schiffbrüchigen Odysseus passen. 2. Nach den Versen: 

ev&a x' enstra xal ä&dvarug nep er^sX^cüv 
^rjrjaatro t8d>v xal Trxp^f^ecrj (ppzaiv Jjcsi-v 

kann es nicht ein Gott sein, der die Umgegend bewundert, nur ein Mensch, 
z. B. Odysseus. Es konnte nicht fortgefahren werden 

evö« GTaq d^r^Ecro Scdxropog 'ApysKpuvrrjg 
sondern z. B. ivd^a a-äg d-i^ztzo nolöxlag oTog Vooaas'jg 

3. das Beiwort ipuUpog in V. 93 xspacras 8k vexrap ipod-puv passt nur 
zum Weine . . Also wieder ist von der Bewirthung eines Menschen die 
Rede« (S. 425). In diesen -Argumentationen haben wir in nuce den Ver- 
fasser und werden wohl danach von ihm Abschied nehmen können. Es 
liegt aber auf der Hand, dass, wenn derartige Forscher Nachahmer fin- 
den, die homerischen Gedichte einer reichen Fortentwickelung entgegen- 
sehen können. 

67) Engelbert Rehbronn, De interpolationibus quae feruntur 
in Odysseae libro undecimo. Dissert. inaug. Rostochii 1875. 

Die einzelnen Scenen dieses Gesanges werden der Reihe nach be- 
sprochen, die bekannten Schwierigkeiten, die sie enthalten, werden wie- 
derum mit den allerbekanntesten Gründen behandelt; neues Material vor- 
zubringen wird mit ängstlicher Scheu gemieden; wo solches versucht 
wird, geschieht es nicht mit Glück, wenn es z. B. vom Frauenkatalog 
heisst: virum dedecebat cum uxoribus loqui, quibus quominus iter acce- 
leraret prohibitus est oder wenn der Eindruck von Achill's Rede ein 
derartiger sein soll, ut mulierem, non virum loquentem audire videamus. 
Das Resultat der Arbeit ist, si non totum librum, tamen plurimos locos 
interpolatos esse; wie aber der Gesang trotzdem hat entstehen können, 
dariiber wird uns jede Meinung vorenthalten. Die Untersuchung ist 
ohne wissenschaftlichen Werth. Der Verfasser verheisst uns für die 
nächste Zeit dieselbe Arbeit noch einmal gravioribus argumentis: wir 
wollen es ihm wünschen! 

68) J. Jäkel, Das Teiresiasorakel. Progr. d. Gymu. in Freistadt 
in 0. Oesterr. Linz 1876. 48 S. 8. 

Der Verfasser sucht im Gegensatz zu des Referenten Untersuchun- 
gen, die er in seinem Buche »die Einheit der Odyssee« über den elften 
Gesang der Odyssee veröffentlicht hat, auszuführen, dass die Teiresias- 
partie zum alten Odysseusmythus gehöre, dass Odysseus nicht von der 
Kirke aus, sondern von der Kalypso zur Fahrt nach dem Hades sich 
angeschickt habe. Von des Verfassers Voraussetzungen oder seinen ästhe- 
tischen Urtheilen, womit er seine Ansicht zu begründen versucht, z. B. 



Höhere Kritik. 147 

dass »Odysseus älter ist als Menelaos, ja vielleicht als alle trojanischen 
Krieger, dass Odysseus nicht einmal specifisches Eigenthum der Griechen, 
sondern Gemeingut der meisten indogermanischen Stämme ist«, dass »die 
Kyklopie ohne Teiresias nicht bestehen kann, da der wilde Fluch einer 
priesterlichen Lossprechung bedarf«, dass »Kirke und Kalypso so viel Iden- 
tisches in ihrem Charakter und Wesen haben, dass sie in eine Person zu- 
sammenfallen und zwischen ihnen zu wählen uns eigentlich nur übrig bleibt«, 
dass Odysseus auch während seines Aufenthaltes bei der Kalypso noch 
ein Schiff und Gefährten besitzt, nur werden sie ihm von den in der 
Nähe wohnenden Kyklopen nicht herausgegeben, dass »Helios in der 
neuen Odyssee dasselbe sei, was Polyphem in der alten«, dass xbxXcoip 
das »Rundauge« von der allsehenden Sonne, dem Weltauge, entnommen 
ist, und darum Helios und der Kyklop dieselbe Person, nur unter ver- 
schiedenen Namen auftretend, seien« ; von diesem und allem Andern hat 
sich Referent nichts aneignen können. 

69) Adam, Das doppelte Motiv im Freiermord oder der ursprüng- 
liche Schluss der Odyssee. Progr. Wiesbaden 1876. 27 S. 4. 

Der Verfasser glaubt, dass der zweite Theil der uns überlieferten 
Odyssee aus einer Verschmelzung zweier Gedichte entstanden sei, die 
nach verschiedenen Motiven die Geschicke des Odysseus in seiner Hei- 
mat behandelten. Das eine, das ältere und zugleich einfachere, habe 
als Freier der Penelope nur 20 Jünglinge, sämmtlich aus Ithaka, ge- 
kannt, die ohne Ersatz die Güter des Odysseus verzehrten, das andere, 
jüngere Gedicht erzähle von viel mehr Freiern auch aus den umliegen- 
den Inseln, lasse sie Geschenke darbringen, ungebührlichen Unfug mit 
den Mägden treiben und an den Fremden muthwillige Streiche ausüben; 
in jenem sei weniger Vieh geschlachtet worden, in diesem mehr; dieses 
hätte von ungetreuen Dienern und Dienerinnen viel erzählt, von denen 
Odysseus misshandelt worden, während davon im älteren Gedicht nichts 
gestanden hätte; in diesem hätte man in Ithaka allgemein die Ansicht 
gehabt, Odysseus sei gestorben, in dem Jüngern wäre der Tod des Hel- 
den zweifelhalt gewesen; in jenem hätte sich Odysseus nach der Ver- 
wandlung durch Athene direct in den Palast begeben, in diesem zunächst 
nach der Hütte des Eumaios; hier sei Eumaios ein Diener des Palastes 
gewesen, dort ein Bewohner des Landes; dort wären die 20 Freier von 
Odysseus allein getödtet worden, hier von ihm im Verein mit seinen Ge- 
treuen u. s. w. Mit diesen beiden Gedichten sei noch ein drittes, die 
Telemachie, zu einem Ganzen verflochten; dieses schildere Telemachos 
als erwachsen und selbstständig handelnd, lasse zuletzt ihn mit seinem 
Vater den Freiern den Untergang bereiten und kenne eine Reihe 
von Motiven, die das zweite jüngere Gedicht eingeführt. Dies sind 
die Grundsätze, von denen aus der Verfasser die Untersuchung des 
zweiten Theiles der Odyssee unternimmt. Trifft er auf eine Stelle, die 

10* 



148 Homer. 

von ungetreuen Dienern handelt, so verweist er diese als unächt aus dem 
älteren Gedicht; hält Penelope ihren Gemahl für todt, so ist damit die 
Gewissheit gewonnen, dass diese Partie dem ersten Gedicht zugehört. 
Wird irgendwo auf die Schwäche und Jugend des Telemachos hingewie- 
sen, so gilt dies dem Verfasser als »eine etwas fremdartige Erscheinung«, 
die im Widerspruche mit dem Motive der Telemachie stehe; droht Odys- 
seus Eurykleia mit den ungetreuen Mägden zu todten, so gehört dieses 
Stück dem zweiten jüngeren Gedichte an u. s. w. Methode hat der 
Verfasser und peinlich ist er ausserordentlich! Wenn irgendwo die Freier 
ocQ^ ßouv, atyag und aidXnog opfern und ein andermal ßoög, 'hg und movtg 
aljEg genannt werden, so weicht diese Stelle völlig von jener ab, da »statt 
der Kuh Rinder genannt und Schweine gar nicht erwähnt werden« ; wenn 
Telemachos von Pylos heimkehrend aus seinem Schiffe eine Lanze nimmt, 
so kann diese Stelle nicht zur Telemachie gehören, da Telemachos bei 
seiner Abfahrt gar keine Lanze mitgenommen, und greift er am folgen- 
den Morgen wieder zur Lanze, so hängt auch diese Partie mit der Te- 
lemachie nicht zusammen; der Verfasser merkt sogar an, dass Telemachos 
TT 160 Athene nicht erkennt im Gegensatze zur Telemachie; wenn »Pene- 
lope betont, dass sie die Arbeiten ihrer Dienerinnen und zwar aller über- 
wache«, so haben wir es mit einer echten Stelle zu thun, weil sie im 
V/iderspruch mit der Erzählung von deren Untreue stehe! Das und nichts 
anderes hat der Verfasser übrigens aus folgenden Versen herausgelesen: 

rj/iara /xkv yäp zipnoix doopoptivr^ yooaiaa, 

ig r' £//a ipy' opöuxra xal dfj.<pcn6^u}v ivl oTxüjI 

Eine Widerlegung dieser Grundsätze hält Referent für überflüssig ; 
nach so nüchternem Recept könnte mit leichter Mühe dargethan werden, 
dass auch die einheitlichen Schöpfungen unserer grossen Dichter aus meh- 
reren Gedichten zusammengeschweisst seien. Referent glaubt überhaupt, 
dass durch derartige Untersuchungen die Frage nach der Entstehung 
der homerischen Gedichte gar nicht gefördert wird; was der Verfasser 
freilich nicht glauben wird, dem »eins sicher ist: auf natürlicherem und 
konservativerem Wege die Widersprüche in der Odyssee zu erklären, 
als wir gethan, ist bis jetzt Niemandem gelungen« (S. 27)! 

70) Adam, Die älteste Odyssee in ihrem Verhältnisse zur Redac- 
tion des Onomakritus und der Odyssee-Ausgabe Zenodot's. Wiesbaden 
1877. 8. 90 S. 

Der Verfasser ist in seiner Ansicht bestärkt worden durch »die 
zahlreichen Nachrichten über literarische Fälschungen und Plagiate bei 
den Alten überhaupt, sowie über die Entstehung der homerischen Ge- 
dichte insbesondere. Beide Gedichte sind demnach erst im Laufe der 
Zeit entstanden resp. von Vielen gefälscht und erweitert wor- 
den«. Das »demnach« ist sehr gut und recht viel versprechend. Der 



Höhere Kritik. 149 

nächste Satz belehrt uns, dass »Aristarch die von der Pisistrateischen 
Kommission besorgte Ausgabe der Epen kritisch sichtete und so war 
schon zu Cicero's Zeiten die aristarchische Recension die allein mass- 
gebende«; dabei lesen wir in der Note die bekannte Stelle »Cic. de orat. 
ni, 34« , die nicht ein Wort davon erzählt. Im nächsten Satze heisst 
es: »ja in sehr alten Ausgaben der Ilias fanden sich nach & 131 noch 
die Worte: 

TpöjBQ un 'Apyscwv, iXmov 8i xsv "^'Exropa 8Tov 
y^aXxu) drjCüojvza, ddfiaaas 8£ /icv Jiofn^Srjg, 

welche mit sonstigen Nachrichten der Alten verglichen, auf eine ganz 
andere Gestaltung des Gedichtes schliessen lassen. Denn wie aus dem 
Zusammenhange erhellt, könnte danach Hektor durch die Hand des Dio- 
medes, nicht die des Achilles gefallen sein«. Ich nehme an, dass der 
Verfasser im zweiten Verse zu dd/iaaas hinzunimmt xsv : glaubt er wirk- 
lich, dass überall, wo wir heute in den beiden Gedichten lesen: »das 
und das wäre geschehen, wenn nicht Zeus etc.«, wir Spuren einer an- 
ders gestalteten Sage anzuerkennen haben? Wer annehmen kann, dass 
in einer Sage Hektor auch von Diomed gefallen, der wird allerdings der 
rechte Mann sein, uns die älteste Odyssee zu eruiren! Was denkt sich 
aber der Verfasser in diesem Satze bei der Wendung »mit sonstigen 
Nachrichten der Alten verglichen«? und was bei »in sehr alten Aus- 
gaben der Ilias«? er kennt doch die Bedeutung von naXacäJv, was also 
der Satz, auf den er sich bezieht, bedeutet: iv ziat rwv TzaXaiwv (pipovzat 
8ÜO arc/oc^ — Wenn Theognis sagt: »ich habe erlitten, was Odysseus, 
der aus dem Hades kam und die Freier tödtete«, so verwerthet der Ver- 
fasser das für seine Zwecke: er sieht hierin eine Inhaltsangabe, die 
Theognis von der Odyssee geben wollte, und glaubt, dass in der von 
Theognis benutzten Odyssee »der Held nach Hause zurückkehrt und die 
Freier ermordet, unmittelbar nachdem er im Hades gewesen«. 
Wenn Aristoteles sagt: aurog (OSuaaeüg) ok d^cxvsTzac ^se/iaaf^slg xal 
dvayviupcaag zcväg aozo7g eruS-iiizvog abzog fikv ifrut&n^, zohg o' k'/d^poog 
Sce^f^stpsv so schliesst Adam so: »er weiss also nichts von der Beihülfe 
des Telemach und dem Massenkampfe, der uns in unserer jetzigen Odyssee 
geschildert wird« ! Glaubt der Verfasser im Ernst, dass diese Partie erst 
nach Aristoteles gedichtet sei, oder dass sie Aristoteles unbekannt ge- 
blieben? hat er gar nicht gelesen, dass Aristoteles unmittelbar vorher 
noch zum Ueberfluss sagt zöv ulov iTrtßouXsuea^atl Lohnt es den 
Spuren eines solchen Kritikers noch nachzugehen, der auf derselben 
Seite kühnlich behauptet, dass man unter otopf^iuaeig »zu verstehen habe 
Ausgaben von verschiedenem Inhalt und Umfang, die nicht bloss bezüg- 
lich einzelner Verse oder Lesearten von einander abwichen«! Und dieser 
Kritiker verheisst uns die älteste Odyssee zu »eruiren« auf Grund des 
»philosophischen und künstlerisch-ästhetischen Gesetzes der Einheit, dem- 



150 Homer. 

gemäss wir vor allem in einem Dichterwerke die einheitliche Durchfüh- 
rung des Grundmotives verlangen müssen«! Wenn uns schon von vorn- 
herein diese Phrase sehr bedenklich gegen das ganze Unternehmen zu 
machen geeignet ist, so erfahren wir sogleich, was bei ihm das heisst »ein- 
heitliche Durchführung des Grundmotivs«. Er findet z. B. die Anwesen- 
heit der Freier »ganz verschieden motivirt«. Nach a 259 ff. »hat Odysseus 
sein Weib aufgefordert, wieder zu heirathen, wenn Telemach erwachsen, 
und er selbst noch nicht zurückgekehrt sei«. Nun ist Telemach im Ge- 
dicht mündig, Penelope hätte also auch der Aufforderung des Odysseus 
nachkommen sollen; da sie ungehorsam ist, »konnten die Freier sich nach 
diesem Motive (!) auf des Odysseus eigene Worte berufen, um ihre An- 
wesenheit zu entschuldigen«! Mit diesem widerstreitet aufs Schärfste ein 
anderes Motiv, »nach dem 20 ithakesische Jünglinge um die Hand Pene- 
lope's werben, weil sie damit die Königskrone zu erringen gedenken. 
Grund ihrer Anwesenheit ist die von Nauplius verbreitete Nachricht vom 
Tode des Odysseus ... in diesem Gedicht war Telemach wegen seiner 
Jugend noch gar nicht beachtet . . . Odysseus war vollständig berechtigt, 
bei seiner Heimkehr die Freier zu bestrafen«. Die Penelope des ersten 
Motivs soll »kokett« gewesen sein, »von zweifelhaftem Charakter«, ihr »auch 
einzelne Freier gefallen« haben! Die Stellen, mit denen das der Verfasser 
belegt, hat er gar nicht verstanden. Für ihn ist »nicht unwichtig die 
Lesart zu / 38, wonach Odysseus den Freiern sagt: auTou 8k ^wovtoq 
bneuvdCea&s yuvoTxa, denn sie stimmt vortrefflich zu jener Charakte- 
ristik der Penelope. Es liegt darin der Hinweis auf jene Sage, nach 
welcher Penelope mit allen Freiern Umgang pflog, dessen Frucht »Pan« 
ista. Dazu lesen wir in der Note: »Lykophron-Tzetzes, Serv. zu Verg. 
Aen. u. s. w.« Wer so wenig wie der Verfasser die Geister zu unter- 
scheiden weiss, wie können dessen ästhetische Raisonnements Anspruch 
auf Beachtung erheben? S. 10 lesen wir den Satz: »war die Weissagung 
dem Polyphem geworden, musste er nicht sofort wissen, dass nicht Ourtg, 
sondern Odysseus ihn geblendet habe?« S. 13: »Aber warum muss denn 
der arme unschuldige Odysseus sieben Jahre bei Kalypso zubringen, er 
der vor Sehnsucht nach der Heimat fast vergeht? Das ist entschieden 
ungereimt«. S. 80 f.: »die Einführung des Peisistratos ist wahrscheinlich 
späteren Ursprungs . . da Peisistratos eine sehr untergeordnete Rolle 
spielt, indem er am zweiten Tage gar nicht erwähnt wird und auch spä- 
ter keine Geschenke erhält«. Hier sei kurz noch gesagt, dass der Ver- 
fasser als ursprüngliche Bestandtheile des Nostos des Odysseus »eruirt« 
hat die Abenteuer bei den Kikonen, Lotophageu, Skylla und Charybdis, 
Aeolus, Phäaken; »die vier ersteren stehen durch ihre Kürze zu allen übri- 
gen im vollsten Gegensatz«. Also scheint das Einheitsgesetz auch mit 
Metermass und Scheere gehandhabt zu sein! Ausser diesem kürzern 
Nostos gab es noch einen längern: »Kikonen, Lotophagen, Kyklopie, 
Aeolus in seiner jetzigen Gestalt, Lästrygonen, Kirke und ihre Weis- 



Höhere Kritik. 151 

sagungen, sowie die denselben entsprechenden Abenteuer bei den Sirenen, 
Skylla undCharybdis, auf Thrinakiaund den Aufenthalt bei Kalypso«; diesen 
Nostos — man staune ob der Entdeckung! — hat Hermes der Kalypso in 
dritter Person mitgetheilt! Die vom Verfasser S. 28 — 74 »eruirte« ursprüng- 
liche Odyssee ästhetisch zu betrachten, scheint dem Referenten nicht zu 
lohnen. Zur Befriedigung der Neugier, wie sich dieser Kritiker die äl- 
teste Odyssee denkt, verrathe ich Folgendes : Telemachos existirt im Ge- 
dicht gar nicht. Nach dem Anruf an die Muse kommt Odysseus sogleich 
in Sicht der phäakischen Küste und dann ins Phäakenland. Natürlich 
antwortet er auf die Frage, woher er seine Kleider genommen, mit der 
Erzählung des »ursprünglichen Nostos«- Am folgenden Tage Abends 
wird er schlafend nach Ithaka gebracht, scheint aber sofort nach 
der Ankunft zu erwachen, erkennt sein Land und begiebt sich direkt, 
so wie er sich befindet, in seinen Palast; ob er bemerkt wird, erfahren 
wir nicht, jedenfalls hat er schon in der Nacht das Gespräch mit Pene- 
lope. Bogenschiessen. Odysseus giebt sich Philoitios und Eumaios zu 
erkennen und fordert sie zur Theilnahme an dem bevorstehenden Kampfe 
auf, die sie nachher jedoch nicht leisten, da er das alles allein besorgt. 
Ermordung der Freier, nur Phemios entkommt (was sehr gut ausgedrückt 
wird durch das imperf. dhjffxrxvs]). Penelope erscheint und sofort hört 
sie, dass sie einen atorjpsog {^rj/xog hätte. Dann verständigen sie sich. — 
Warum hat nicht der Verfasser die »älteste Odyssee« auch noch durch 
Ausmerzung des Eumaios und Philoitios purificirt? Noch ein paar Be- 
merkungen anderer Art. S. 48 überrascht uns der Verfasser mit einem 
Verse eigener Dichtung: 

r)drj/jL68oxov Xiyüipiuvov iövra f^sTov doiSov« (sie!) 

S. 87 belehrt uns der Verfasser, dass »der Dichter für das Herabsinken 
der Sonne aus dem Zenith idöaaTo gebrauchte, für das völlige Verschwin- 
den der Sonne iduv. und beruft sich dafür auf 37 289 und C 321 ; dieses 
verwerthet er dann für seinen Gebrauch und seine Anordnung und be- 
merkt hinterher: »merkwürdigerweise tritt diese Bedeutung von Söaero 
zum dritten Male zu Tage« nämlich in seiner Zurichtung des Gedichts. 
Zwischen dem -»oüasro«. bis zum »low« geht bei Adam nun noch Fol- 
gendes vor sich: das Bringen der Geschenke durch die Herolde, Auf- 
forderung des Alkinoos an Arete zur Herrichtung eines Bades , Ausfüh- 
rung desselben, Besorgung der Lade und Einpacken der Geschenke, das 
Schlingen des Knotens, das Baden des Odysseus, sein Gespräch mit Nau- 
sikaa. Schlachten eines Opferstieres, Bereitung des Mahles, Gesang des 
Demodokos — und doch ist die Sonne noch immer nicht völlig unter- 
gegangen: Odysseus wendet vielfach sein Haupt nach der Sonne hin? 
öüvat inscyo/ievog. Solches in seiner »Odyssee« hinzunehmen muthet uns 
der Verfasser zu! — Nun die Odyssee ist geduldig und muss derartige 
Angriffe sich gefallen lassen. Wer aber über Personen urtheilt, muss 



152 Homer. 

sie auch kennen und verstehen: nach dem, was der Verfasser S. 83-90 
über Aristarch sagt, geht zur Evidenz hervor, dass dessen kritische Thä- 
tigkeit ihm noch nicht einmal in den äussersten Umrissen aufgegangen 
ist und doch nimmt er es sich heraus, über ihn also abzuschliessen : »Es 
bleibt der höheren Kritik (!) nichts übrig, als jenen, wie man glaubt, 
tüchtigsten Kritiker des Alterthums, Aristarch, zu verlassen« (S. 20). 

»Ich brachte reines Feuer vom Altar; 

Was ich entzündet ist nicht reine Flamme«. 
So könnte solchen Produkten gegenüber, wie das des Verfassers ist, 
auch Wolf sagen! 

71) J. Czernecki, De Mentore in Odyssea. Progr. d. Gymn. zu 
Tarnapol. 1876. 8. 11 S. 

Bei der Bedeutung, die Mentor in Ithaka und speciell für das Haus 
des Odysseus besitzt, durfte derselbe auch im letzten Theile des Gedich- 
tes nicht fehlen. Dies wird als Moment benutzt, um die Ursprünglich- 
keit der einzelnen Lieder zu erweisen, aus denen die Gedichte hervor- 
gegangen. / 205—40 werden als späterer Einschub betrachtet, um die 
»Telemachie« mit der »Mnesterophonie« zu verbinden. Ohne Werth für 
die Wissenschaft. 

VI. Realien. 

72) Right Hon. W. E. Gladstone, M. P., Homeric Synchronism: 
an enquiry into the time and place of Homer. 284 S. London, Mac- 
millan and Co. 1876. 

Der berühmte Verfasser legt aus seinen so ausgebreiteten Studien 
allen denen, die sich für Homer und seine Poesie interessiren, ein neues 
Werk vor, dessen Kern er bereits in zwei Aufsätzen veröffentlicht hatte 
(Contemporary RevieWj July, August 1874). Angeregt durch die jüng- 
sten Forschungen über die Lage Troja's (besonders von Eckenbrecher's) 
und die Ausgrabungen auf trojanischem Boden durch Dr. Schliemann, dessen 
Resultate er aufnimmt und zu weitereren Schlüssen verwerthet, ver- 
bindet er die auf diesem Wege über das Geschichtliche Troja's ermittel- 
ten Ergebnisse mit den Belehrungen, die die ägyptischen, schriftlichen 
oder monumentalen Denkmäler spenden: dadurch findet der Verfasser 
den Schlüssel, um ein tieferes Verständniss der homerischen Gedichte 
sich zu erschliessen (S. 210) und mit dieser Hülfe Schätze zu heben, die 
unter der Oberfläche der Gedichte liegen ( . . . with the aid we obtain 
from without, to inquire what further treasures may lie hid under the 
surface of the Poems S. 213). Von des Verfassers Ansichten über Homer 
und seinen aus der Tiefe ans Licht gezogenen Schätzen will Referent 
zum Frommen der Leser einige mittheilen. Troja's Zerstörung wird als 
wahrscheinlich zwischen 1286 und 1226 vor Christo fallend angenommen 
(S. 128). Homer hat seine Gesänge während der Periode der Thebani- 
schen Dynastien, der kriegerischen achtzehnten verfasst (S. 155), da er The- 



Realien. 153 

ben als eine ausserordentlich reiche und mächtige (100 thorig) Stadt kennt, 
da er die in dieser Stadt vorhandenen 20,000 Pferde (cfr. / 384) nicht 
als Lastthiere, auch nicht zum Reiten gebrauchte, sondern als in Kriegs- 
wagen getriebene Thiere kennt, wie sie besonders von den Königen der 
thebanischen Dynastie verwerthet wurden : that is to say, as to the mode 
of using the animal, he represents a stage of development in Egypt cor- 
responding with what we know prevailed in the Greece of his day, where 
the main and characteristic purpose for which horses were used was the 
traction of the chariot of war, or of princely travel (cfr. S. 152ff. )• Der 
Besuch des Menelaos bei Polybos in Theben (Od. 8 125 ff.) kann nicht 
später verlegt werden als in das Ende der zwanzigsten Dynastie (S. 157). 
Homer war ein Zeitgenosse der Grösse Theben's (156), die Kriegsthaten 
des Raraeses II (Sesostris) befruchteten des Dichters Phantasie zu der 
Conception des Achilleus (S. 199), die Stelle z. B. II. Jr215ff., wo sein 
blosses Erscheinen schon vernichtend wirkt, ist notably in correspondence 
with the poetical account of Rameses, who is represented as surrounded 
when alone by 2500 chariots of the enemy . . and as cutting his way 
through the hostile army. Aber Rameses' 166 Kinder (darunter 59 Söhne) 
sind auch Zeugen seiner ungewöhnlichen Sinnlichkeit: diese Seite spie- 
gelt sich in Priamus ab : beides , der Charakter des Achilleus , in its 
colossal dimensions both of sentiment and action, wie die Hofhaltung des 
Priamus in its Asiatic raultiformity sind dem Griechischen Wesen fremd 
(strangely contrasted with the modesty of early Greek life S. 201). Der 
von Odysseus dem Eumaios 1^278 ff. erzählte Einfall in Egypten ist nicht 
willkürliche Erdichtung, sondern der Feldzug gegen Menepthek, der von 
einer Coalition von Völkern unternommen wurde (S. 187). Besonders 
findet der Verfasser in dem 11. Gesänge der Odyssee eine reich fliessende 
Quelle zur Befestigung seiner Anschauungen. Minos, der Richter im Ha- 
des, ist von Phönikischer Herkunft: his kingship here at once raises the 
presumption that those under him may be of foreign extraction (S. 213). 
Mehrere dort vorkommende Persönlichkeiten werden als Aeoliden er- 
wähnt, das ist sofort ein Zeichen fremder Abkunft (cfr. S. 215): Thus 
it appears, as the result of his minute review of the personages of the 
Underworld, that in alraost every case we are able to detach them en- 
tirely from the Hellenic Stocks by Homeric or traditional evidence, and 
that in no instance, not even that of Leda, have they any 
actual Hellenic stamp (S. 219). Das Hinabsteigen des vierten 
Egyptenkönigs nach Sesostris, Rhampsinitus, in die Region der Todten 
hat wahrscheinlich den Dichter zu dem Besuche des Odysseus in der 
Unterwelt angeregt (S. 232 f.). Das Gorgonenhaupt mit den Schlangen 
ist ein Symbol des Isiskultus (S. 234). Die Homerischen Götter sind 
eigentlich herübergeholte Egyptier, was allerdings uns auch schon von an- 
dern Seiten entdeckt worden ist. Aidoneus und Persephone sind vielleicht 
eine Copie der Isis und Osiris des egyptischen Systems (S. 236). Zu 



154 Homer. 

allen homerischen Anzeichen von "Verbindung zwischen Afrika und Po- 
seidon gehört als hervorragendstes, dass er allein unter den Göttern 
dunkles Haar hat (S. 243). Der Horos des egyptischen Göttersystems, 
mit dem die Griechen ihren Apollo identificiren , wurde mit dem Kopfe 
eines Habichts dargestellt; Homer konnte Apollo nicht so herabwürdigen, 
gab ihm aber den xipxvg als ihm zugehörenden Vogel (247). Athene 
ist die Darstellung der egyptischen Neith; dieser Name bedeutet: »ich 
kam von mir selbst« ; man erkennt sofort die hervorstechende Aehnlich- 
keit mit jener Stelle, da Zeus erklärt {E 880), er sei ihr einziger Erzeu- 
ger! Leider hat der Verfasser nicht erfahren können, ob irgend eine 
Beziehung zwischen der egyptischen Neith und der Eule vorhanden ist, 
worauf bei der Athene das Wort yXaöxüjrug hinweist (248 f.). Here ist 
ursprünglich mit einem Ochsenkopfe dargestellt gewesen, worauf noch 
die homerische Modification ßoujrug hinweist; dies stammt auch von Egyp- 
ten her, da die Isis mit dem Kopfe einer Kuh erscheint; zwar wird 
eigentlich Isis mit Demeter identificirt, doch ist Here und Demeter nahe 
verwandt (248 f.)- Die Sonnenkühe, die die Gefährten des Odysseus ver- 
zehren, weisen auf egyptischen Ursprung hin. Die furchtbare Strafe dafür, 
dass sie diese Kühe lieber aufgegessen, als dass sie verhungerten, findet 
in den egyptischen Gebräuchen ihre vollständige Erklärung, da wir hören, 
dass gewöhnlich nur Ochsen verzehrt wurden (252). Homer, der nicht 
ein asiatischer Grieche gewesen — als negativer Beweis dient dazu der 
Apollo-Hymnus, der S. 87 — 118 dem Verfasser der Epen abgesprochen 
wird — hat dieses Wissen über egyptische Verhältnisse nicht durch 
Reisen in jenes Land sich erworben, sondern durch seinen Aufenthalt 
an den Höfen der Fürsten in Griechenland, die von fremder Abkunft 
meistens waren, wozu sie schon der Titel äva^ dvopwv ausweist; wahr- 
scheinlich waren sie Nachkommen jener Männer, die von der thebani- 
schen Dynastie als Vasallen über die griechischen Staaten eingesetzt 
waren., 

Auf die hier mitgetheilten Anschauungen des Verfassers näher ein- 
zugehen oder sie kritisch zu beleuchten, scheint mir unthunlich zu sein ; 
ich bemerke nur noch, dass der Verfasser in der Einleitung sich also 
äussert: But against besetting sius and dangers I have endeavoured to take- 
security, by trying to distinguish carefully between certainty 
and probability, between knowledge and conjecture; and 
especially, by founding all inquiries and conclusions upon close and 
painstaking examiuation of the Homeric text, and by con- 
ducting them according to the established laws of evidence 
as opposed to the lawlessness of ipse dixi and of arbitrary 
assertion. 



Realien. 155 

73) Das Werk ist deutschen Lesern zugänglich gemacht in einer 
Uebersetzung von Dr. phil. D. Bendan, früher Professor an der Uni- 
versität der Stadt New-York: Homer und sein Zeitalter. Eine Unter- 
suchung über die Zeit und das Vaterland Homei*'s von W. E. Glad- 
stone. Jena 1877. 8. 318 S. Vorangeschickt ist vom Uebersetzer 
ein »Lebensabriss des Verfassers« XXV S. 

Die Uebersetzung lässt sehr viel zu wünschen übrig. 

74) 0. Frick, Zur troischen Frage. Fleckeisen's Neue Jahrbücher 
Bd. 113. 1876. S. 289—319. 

Anknüpfend an die diese Frage behandelnden Werke und Schrif- 
ten von Hasper, Büchner, v. Eckeubrecher, Geizer, Stark, Christ, 
L. v. Sybel, Keller, Steitz geht der Verfasser, der im Jahre 1856 die 
troische Ebene selbst besucht hat, auf das die Gegenwart so lebhaft be- 
schäftigende Thema ausführlich ein, stellt Fragen auf, von deren gründ- 
licher Beantwortung ein endgültiges Resultat über diesen Gegenstand ge- 
wonnen werden könnte, betont im Anschluss an v. Sybel's Vortrag »über 
Schliemann's Troja« die Nothwendigkeit, bei Feststellung der topographi- 
schen Wirklichkeit und Rückschliessung davon auf die Lage des ursprüng- 
lichen Troja nicht zu vergessen, dass in dem homerischen Gedicht Wahr- 
heit und Dichtung zusammenfliesst, und tritt für Bunarbaschi-Troja ein. 

75) P. W. Forchhammer. Der Skamaudros. Fleckeisen's Neue 
Jahrbücher. Bd. 113. 1876. S. 320-23. 

Aus homerischen Stellen wird gefolgert, dass das hier über den 
Skamandros Gesagte allein auf den Fluss von Bunarbaschi, nicht auf 
den Mendere passe und dass davon also die Bestimmung der Lage Tro- 
ja's abhänge. 

76) Anton Krichenbauer, Die Irrfahrt des Odysseus als eine 
Umschiffung Afrika's erklärt. Berlin. S. Calvary & Co. 1877. 8. 136 S. 

Tt TtpwTuv zoi sTiecTa, XL 8' üardrcov xazrxXiquj ; Also es ist nun her- 
ausgebracht Folgendes: Die Lotophagen wohnten in Arabien, ihr Lotos 
ist deutlich Haschisch, Betel, Opium oder so etwas; die Kyklopen waren 
an der Küste des Somalilandes sesshaft, die vor dem Hafen liegende 
Insel ist Abd el Kury ; die Aiolische Insel eine der Seychellen ; die Lästry- 
gonen wohnten südöstlich davon an der Panzerbank oder Nazarethbank. 
Die »erste Aiaie« ist Rodriguez, die »zweite Aiaie» Ascensiou; die Si- 
renen, »die wirklichen leibhaftigen Frauen des Guanchenvolkes«, wohn- 
ten auf den Canaren; die Plankten = Pic von Tenerifa, »wo sich noch 
heute die Tauben vor ihrem Abzüge versammeln« ; die Skylla hauste in 
der Michaelsgrotte am Felsen von Gibraltar, die Charybdis an dem von 
Genta; Kalypso wohnte auf einer der Fortunaten, etwa Gomera, und ist 
»das wahre Vorbild der Frauensitte auf Gomera, wo der Gast von seinem 
Wirth aufgefordert wurde, das Bett des eigenen Weibes mit ihm zu thei- 



156 Homer. 

len oder die Jiigendblüthe seiner Töchter zu pflücken, wie die Odyssee 
in den Worten Xdatojiivrj noaiv eivat ähnlich sich ausdrückt« ; das »wahre« 
Aiaie ist eine andere Insel der Fortunaten, Palma; Scherie = Tenerifa, 
die Stadt der Phaieken ist Garachico; Trinakie ist auch = Tenerifa, da es 
mit Scherie identisch ist; Zakünthos ist die »berühmte grosshündige« 
Insel Gran-Canaria {Z»-xuvBog)\ Ithaka ist gar nicht Ithaka, das Vater- 
land des Odysseus, sondern da wohnt Kalypso; denn es heisst t 21: vaie- 
zd(u 8' 'l&dx7jv und f, 29: ^ /xev jj.' auröd^' epuxs KaXoipco, d. h. doch 
deutlich auzo^t = iv UMxjj und Ithaka ist demnach San Sebastian auf 
Gomera. Die Kimmerier wohnten am südlichen Pol, der damals die Tempe- 
ratur des nördlichen Schwedens gehabt haben muss, so dass also die süd- 
liche Aequatorialströraung mächtiger war als heute. Die älteste Odyssee 
behandelte eine Südpolexpedition, die um 1450 v. Chr. ausgeführt wurde; 
Penelope und was damit zusammenhängt, ist spätere Zudichtung. 

Referent gesteht leider, dass dies alles über seinen Horizont geht. 

77) Anton Erichen bau er. Die Irrfahrt des Menelaos, nebst 
einem Anhange zur Aufklärung über die »Rosenfinger und den Safran- 
mantel der Sonne«. Progr. des kaiserl. königl. Gymnasiums zu Znaira. 
1877. 8. S. 32. 

Referent sieht sich wieder in der für ihn beschämenden Lage, bei 
Besprechung dieser Schrift das Geständniss zu wiederholen, mit dem er 
die vorige geschlossen: er ist ausser Stande, der kühnen Phantasie zu 
folgen. Also: Pharos ist Socotora am Ausgange des Golfes von Aden; 
Proteus ist eine Personificirung des' Nil oder Egypten's: wie er alle mög- 
lichen Gestalten annimmt, Hitze, Wasser, Baum und Thier wird, so »bringt 
der Nil Wasserfälle, macht das Land grünen, schafft Vögel und Amphi- 
bien in Unzahl«; demnach ist Eidothea die Tochter des Proteus so ge- 
dacht, wie wenn man spricht von den Töchterstädten eines Landes, d. h. 
Eidothea ist identisch mit der Bewohnerschaft Socotora's, das in diesem Ver- 
hältniss zu Egypten gestanden haben muss. Der um 1450 v. Chr. unter- 
nommenen Südpolexpedition desOdysseus sind andereVersuche nachgefolgt, 
so von Aias, von Agamemnon, so auch von Menelaos, der wie Odysseus 
nach dem Wunderlande Aia fahren wollte d. h. nach den Fortunaten. 
Von Unteregypten ist er zu Fuss auf dem Landwege über den Isthmus 
nach der Küste des rothen Meeres gegangen; daran reiht sich seine Reise 
durch's rothe Meer nach Arabien und Libyen, seine Fahrt durch den 
Golf von Aden nach Socotora; dort bleibt er sechs Monate, weil sich die 
N. O.-Moussous nicht einstellen; er erfährt durch den »alten Seemann« 
Schreckensnachrichten über die Fahrten des Aias, Agamemnon und Odys- 
seus, giebt seinen Plan auf und fährt zurück durch das rothe Meer. — 
Die kleine Schrift bringt die überraschendsten Etymologien: ä<pap von 
a priv. und Wz fap Zd. bar = bohren, schneiden, und da der »Bohrer« 



Realien. 157 

eine »gewundene Schneide« repräsentirt, ist ä(pap = »ohne Windung«; 
demnach heisst ä^ap xepaol zsXi&ooat »ungewunden gehörnt gedeihen 
sie«. ^Aloaüdvrj von y>äl6-gi<. und su, goth. sunu = Sohn, su-nj-a Fräu- 
lein = Meerfräulein, »so passt es auch, dass die Robben das Geschlecht 
des schönen Wasserweibchens sind«. podoodx-oXog von p68ov die Rose 
und ddx-uXog = zeigend und zeugend« also = »rosenerzeugend«. Kpo- 
xomrdog von xpoxog Safran, ttstt = kochen und Suif. Xog = »Safran reif 
machend«. UiiiXog Mantel von Wz ttctt, kochen = warmmachend, der 
Wärmer. Höchst interessant ist auch die Deutung von oopnov. Es ist 
= Herbstmahl, Herbstopfer, »das Menelaos in der Fremde nach helle- 
nischer Sitte feierte, wie der Deutsche sich überall gegen Schluss des 
Jahres den Christbaum anzündet«. 

78) Dr. Ludw. v. Sybel, Die Mythologie der Ilias. Marburg 
1877. 8. VI. S. 317. 

Vergl. meine Anzeige dieses Buches im Lit. Centralbl. 1877. N 49. 
S. 1634 ff. 

79) Kroch er, Der homerische Dämon. Progr. d. städt. Real- 
Lehranstalt zu Stettin. Stettin 1876. 16 S. 

Die Abhandlung über den Dämon ist ohne Dämon geschrieben. 
Nach einer Untersuchung über Etymologie und Bedeutung des Wortes, 
die sich jedoch bald als nutzlos erweist, da »wir nur sehen, was wir 
nicht wissen«, werden die Stellen der Ilias und Odyssee gesondert be- 
trachtet, in denen das Wort dacfiojv vorkommt, um zu entscheiden, »ob 
mit dai'pwv ein persönliches Einzelwesen oder das göttliche Wirken über- 
haupt, eine dunkele, höhere Macht bezeichnet werde«. Durch so un- 
klare Fragestellung, die die eigentliche Sache gar nicht trifft, ist von 
vornherein die völlige Resultatlosigkeit der ganzen Arbeit bedingt, und 
so sehen wir den Verfasser sich bald der einen bald der andern Ansicht 
hinneigen. In der Ilias findet er Stellen, wo oacpwv »in mehr monothei- 
stischer Weise das göttliche Walten bezeichnet, als dessen Träger der 
einzelne &£6g erscheint«, dagegen eine »sehr beträchtliche Reihe anderer, 
an denen die Persönlichkeit des daqxojv über jeden Zweifel erhaben ist, 
da es auf das allerbestimmteste für &aug eintritt« und »so müssen sich 
jene Stellen einer so erdrückenden Majorität gegenüber bescheiden und 
können das um so eher ohne Gewissensbisse, als ja auch ^eög in der 
Ilias wie in der Odyssee sich verschiedentlich in gleicher Weise verall- 
gemeinert findet, indem es nicht irgend einen beliebigen Gott bedeutet, 
sondern das göttliche Wirken in mehr monotheistischer Weise zusammen- 
fassend, die Gottheit«. In der Odyssee soll es ungefähr ebenso stehen, 
nur an zwei Stellen im Munde des Elpenor und des Eumaios soll Satpwv 
nicht »gleich reg &s6g, reg ßeojva sein, sondern »die Göttergesammtheit« 
bedeuten, doch fällt dies weniger auf, da »diese zwei Männer mit den 



158 Homer. 

Verhältnissen und Ordnungen des Olymp offenbar nicht vertraut sind«. 
Wenn nun die Griechen selbst eine gewisse Unkenntniss im Gebrauche 
dieses Wortes verrietheu, was Wunder also, dass der Verfasser in be- 
ständiger Unklarheit befaugen ist und bei der Prüfung der einzelnen 
Stellen lediglich die Frage erörtert, ob unter oac'ixujv man sich ein per- 
sönliches oder ein unpersönliches Wesen zu denken habe, die eigentliche 
Machtsphäre aber, in der der Sat/xojv sich offenbart, gar nicht berührt. 
So wundert er sich, dass Aphrodite immer ein oac'fiwv genannt sei! und 
so ist auch natürlich, dass er die wahre Bedeutung sämmtlicher Steilen, 
die dacfjLcuv und ßsog oder beide neben einander bieten, gar nicht ver- 
stehen kann, wenn schliesslich sein ürtheil dahin geht, »dass dacficuv bei 
Homer ganz wie Beug zunächst ausschliesslich einen einzelnen persön- 
lichen Gott bedeute und nur zuweilen gleich jenem auch in den allge- 
meineren Begriff der Gottheit übergehe« (S. 12). Die Frage, ob Sac/iojv 
eine den Menschen feindliche Gottheit bezeichne, scheint der Verfasser 
für die Ilias zu verneinen, »eher könnte man dagegen geneigt sein, dem 
dai'fiwv der Odyssee ein Stück Teufelsnatur zuzusprechen; doch geht das 
Böse, das hier der daipLcov vollführt, nirgends über das Mass dessen hin- 
aus, was auch den Göttern beigelegt wird« (S. 13 f.). Womit also wieder 
gar nichts gesagt ist. 

Schliesslich (S. 15) kommt der Verfasser dazu, einige Unterschiede 
zwischen diesen beiden Worten aufzustellen, die aber von seinem Stand- 
punkte aus nicht anders als ganz äusserlich sein können! Und nun was 
der Verfasser ergründen möchte, ist alles schon in der vollendetsten 
Weise gesagt worden! Hätte der Verfasser den Aufsatz von Lehrs ge- 
kannt »Gott, Götter und Dämon« (in seinen populären Aufsätzen) so 
würden ihm alle Stellen, die ihm soviel Skrupel machen, die er doch 
nicht löst, -vor seinen Augen erhellt gewesen sein und er hätte seinen 
Aufsatz - nicht geschrieben. 

80) Augustiu Christ, Schicksal und Gottheit bei Homer. Eine 
homerische Studie. Innsbruck, Wagner'sche Uuiversitätsbuchhandlung 
18V7. 8. 60 S. 

Der Verfasser weiss weder mit den Göttern etwas anzufangen, wenn 
er von ihnen sagt: »sie haben nur ein über das menschliche Mass hin- 
ausgehendes Wissen und Sehvermögen und der Mensch, im Gefühle der 
Unzulänglichkeit seines eigenen, bezeichnet es dann übertreibend als 
Allwissenheit« (S. 24) oder »die Wendung l^eol 8s re ndv-a ouvavza: ist 
dem Dichter eine Hyperbel; er sieht das Uebermenschliche für das der 
Gottheit Eigenthümliche an, aber dennoch behält er aus gewichtigen 
Gründen sich stets die Möglichkeit offen, es auf menschliches Mass her- 
abzudrücken. In menschlicher Gestalt lieben es die Götter zu täuschen 
und zu lügen und unsagbares Unheil zu stiften unter den Sterblichen« 
(S. 25), noch ist ihm auch der Begriff" der /loT/ja aufgegangen, wenn er 



ßealien. 159 

z. B. xaxa [lolpav hmeg auffasst: »du hast der Stellung gemäss, welche 
dir unter uns zukommt, gesprochen«, wenn er zu der Ansicht kommt, 
»dass wir ihre Anlage durchaus nicht mit einem über ihnen waltenden 
Schicksale vereinigen können« (S. 39) und um einem »unendlichen Wider- 
spruch« zu entgehen, »das Schicksal des Homer als eine Schickung der 
Götter«, »Zeus Wille als die jioTfjrui auffasst. Das Merkwürdigste an der 
Schrift ist, dass der Verfasser von Lehrs' populären Aufsätzen keine 
Kenntniss zu haben scheint. 

81) W. Jordan, Epische Briefe. Frankfurt a. M. 1876. 8. 270 S. 

Ein geistreicher, sprachgewaltiger Mann und zugleich von der 
Ueberzeugung durchdrungen, Homeride in unserer Zeit zu sein, redet zu 
seinen ehemaligen Zuhörern und Zuhörerinnen in Form von Briefen über 
»die bildende Kunst und die Poesie«, »die Vorbedingungen des Epos«, 
»Ursprung des Epos«, »Stoff des Epos«, »das indische Epos«, »Iran und 
Firdusi«, »die Kunstgeheimnisse Homer's«, »Epochen des germanischen 
Epos. Island und die Edda«, »Rettung der Edda. Ihre Schöpfungssage«, 
»der betrogene Baumeister. Der Hammer des Donnergottes«, »die Ent- 
führung Idunas. Freyr und Gerda«, »Balder und Nanna.« Was hier 
von den Völkern durch die Jahrhunderte hindurch erzählt wird, wird 
gewiss sein Publikum finden, um so mehr da der Verfasser Alles mit 
dem vollen Brustton der Ueberzeugung vorträgt, den ihm das Gefühl ein- 
giebt, aus eigener Werkstätte zu melden. Uns interessirt hier besonders 
der siebente Brief über »die Kunstgeheimnisse Homer's«, von denen uns 
aufgezählt werden »zunächst das Geheimniss der Anschaulichkeit«, das 
»Homer bei seinen Vorträgen entdeckt hat«; sodann wird eingehend vom 
»Vergleich« gehandelt »einem Hülfsarbeiter für die Anschaulichkeit«. 
Ein zweites Geheimniss ist »das Gesetz der Spannung, der dramatischen 
Wirkung, das Homer fand«, ein drittes »das Gesetz der von Homer er- 
fundenen Episode«. Diese »Geheimnisse« kannten wir jedoch schon sehr 
lange, wenn auch in anderer, weniger gesuchter Ausbreitung und hier 
und da auch etwas richtiger angeschaut: wir brauchten wirklich dazu 
nicht eines Mannes, aus dem die epische Muse kündet. Der Verfasser 
scheint aber anderer Meinung; er schliesst diesen Brief also: »Noch zu 
einem Dutzend solcher Briefe allein über Homer hätte ich unterhalten- 
den und theilweise völlig neuen Stoff". Denn gar Vieles und Wichti- 
ges von seiner Dichtung hat vor mir Niemand gewusst noch wis- 
sen können, weil auch ich es gelernt habe in derselben Schule, in der 
seine Kunst sich ausgebildet.« Befremdend ist es aus dem Munde eines 
Mannes, der »diese Fragen aus der Wissenschaft der Poesie öffent- 
lich behandeln« will, folgenden Satz zu vernehmen: »das Wesen des Dra- 
mas ist die Erfindung Homer's; denn Ilias und Odyssee haben jede zum 
Kern ein Drama, das mit geringer Mühe unter Beibehaltung des dialo- 
gischen Textes, aus der Form der Erzählung in die eines darstellbaren 



160 Homer. 

Bühnenstückes verwandelt werden könnte, die Eias eine Tragödie, die 
Odyssee ein Schauspiel« ! S. 146 ist unten in der Anmerkung für »Hec- 
tor« Menelaos zu lesen. In dem Gleichniss f 570 ff. ist laxavda 8ax£siv 
nicht richtig übersetzt »dennoch behaiTt, bis sie stach«, es heisst: 
»sie verlangt zu stechen« , da hier der Dichter nur das immer wieder 
auf's Neue unternommene Versuchen der Fliege zu stechen schildern 
will. Auch das Gleichniss J 130 ff. hält Referent für falsch verstanden 
und nicht richtig übersetzt. 

82) Joannes Protodikos (Parius), De aedibus Horaericis. dissert, 
inaugur. Lips. 1877. 8. 73 S. 

Der Reihe nach werden die Theile des Hauses, wie sie dem in 
dasselbe Eintretenden auf einander folgen, besprochen. Ueber die Haupt- 
theile hat bereits Voss das Nöthige und Abschliessende gesagt, über 
mehrere bedenkenerregende Ausdrücke haben auch die späteren Unter- 
suchungen nicht sichere oder auch nur annehmbare Resultate erzielt. 
Auch diese jüngste Untersuchung räumt die vorhandenen Bedenken nicht 
fort und wir werden uns hier wohl in unserer Unkenntniss für immer 
bescheiden müssen, um so mehr, als mehrere dieser fraglichen Ausdrücke 
gerade in meiner Ansicht nach interpolirten Partien sich finden, deren 
Urheber selbst kein richtiges Verständniss mehr für die betreffende Oert- 
lichkeit besassen. Der Schrift sind beigegeben ein Grundriss vom Hause 
des Odysseus und Zeichnungen, die das Verschliessen erläutern. Die 
Abhandlung ist in griechischer Sprache geschrieben. 

83) W. Jordan, Novellen zu Homeros. Die Farben bei Homeros. 
Fleckeisen's Jahrbücher 113, Jahrg. 1876. S. 161-168. (Fortsetzung 
von Jahrgang 1875. S. 513-517.) 

Anknüpfend an Lazarus Geiger's Behauptung, dass die ältesten 
Sprachdenkmale nur für dunkel und hell, schwarz und weiss Ausdrücke 
hätten, dass dann am frühesten für roth, später für dessen Nuancen bis 
zum gelb die Bezeichnungen auftraten, Worte aber für grün und nament- 
lich blau am spätesten erscheinen, sucht der Verfasser an den Worten 
loeidrjg , xüavog^ xuavonpwpog xuavor.fjwpziog^ xoavo^aczrjg^ coSve^rjg, Tiop- 
(pbptog (das eigentlich nur gefärbt heissen soll, also ähnöpipupog »gefärbt 
wie das Meer«) zu erweisen, dass »die Organisation zum Blausehen man 
dem Auge des Poeten und seiner Zeitgenossen nicht absprechen dürfe«. 
Den Schluss bildet eine Zusammenstellung aller homerischen Farbenaus- 
drücke. Wie immer bei Jordan ist auch dieser Aufsatz reich an Hypo- 
thesen, auf die man nicht bereit ist einzugehen; wenn z. B. der Vater 
des »Weinmischers« Leiodes (p 144 Oivüi\> heisst, so soll das nicht »eben- 
sowohl als ,wie Wein aussehend', sondern auch bedeuten können ,nach 
Wein aussehend' d. h. allzu reichlichen Genuss von Wein durch die Er- 
scheinung verrathend und zwar ganz besonders durch unsicher wanken- 



r 



Hymnen. 161 



den Schritt, also taumelnd«; danach wäre olvom von den Pflugstieren 
N 703 »taumelig schreitend« und vom sturmbewegtem Meer »im Wellen- 
aufruhr regellos schwankend« u. s. w. 

84) F. St ölte, Der Nibelunge not verglichen mit der Ilias, 2. Theil. 
Progr. Rietberg. 1877. 4. 27 S. 

Ohne wissenschaftlichen Werth. 

85) B. Lohmaun, De Achillis, Herculis, Aeneae clipeis ab Ho- 
mero, Hesiodo, Vergilio descriptis. Progr. d. Gymn, Dionysianum zu 
Rheine. Münster 1877. 4. 18 S. 

Desgleichen. 

VII. Die homerischen Hymnen. 

86) A. Nauck, Kritische Bemerkungen, Melanges Greco- Romains. 
Tom. IV. Petersb. 1876. S. 151 — 154. 

Hymn. I, 28 wird für Xiyunvoioig dvifxotaiv, da hyönvoioq sonst nir- 
gends nachweisbar zu sein scheint, vermuthet hyu rivdoud dvifiocacv cfr. 
Od. o 567. Hym. 2, 72 (112); 241; 252; 254 statt IleXor.dvvr^aov dürfte au 
allen diesen Stellen die Trennung y>ni?M-og v^aov nothwendig sein, die 
in der älteren Poesie vorherrschend ist.« — Hym. 4, 155 ff. ipm {lera- 
azpz<pBtiaa — iq M/og eoazfxuzov: »vermuthlich schrieb der Dichter 
Xixzpov eüarpioTov«. — Hymn. 5, 285 xäS o' äp^ d.n su<T~p(i)Tajv Xs^datv 
Hupüv: »die gangbare Lesart entschieden unrichtig; schon die Verbin- 
dung von xa-d und drco erscheint hier als höchst befremdlich (! ). So- 
mit vermuthe ich xäS d' äp ioazpwzwv Xsyiojv ßöpova. — Hymn. 33, 16 
für nuvou aipLOiv^ wofür Baumeister ttoi/ow xptacv conjicirt hat, vorgeschla- 
gen 7CUVO0 lüatv. 

87) Joh. Witrzens, Bemerkungen zur Prosodie der homerischen 
Hymnen. Progr. d. N. österr. Realgymn. zu Waidhofen a. Thaia. 
Wien 1876. 19 S. 

Eine sehr sorgfältige Untersuchung, die die Bestimmung hat, »die 
von Hartel an der Ilias und Odyssee über Hiatus, Digamma und Quan- 
tität der Silben aufgestellten Theorien auch in den homerischen Hymnen 
zu erweisen«. Was den Hiatus anbetrifft, so herrscht im Bezug auf die 
langen Vokale und Diphthonge dasselbe Gesetz in den homerischen Hym- 
nen, wie in den epischen Gedichten: der lange Vokal kann wegen der 
viel grösseren Festigkeit und Betonungsfähigkeit nicht so leicht zu einer 
Kürze werden, während die Diphthonge viel beweglicher (cfr. Hartel, 
Hom. St. III, S. 42) sind und sehr leicht zu einer Kürze zusammen- 
schrumpfen; z. B. wird ai vor vokalem Anlaut in den Hymnen 373 mal 
(795 in den beiden Epen), oc 100 mal (361) verkürzt, während oj nur 
33mal (65 in den Epen), w 6 mal (30) verkürzt vorkommt. — Das Ver- 
Jahresbericht für Älterthums-Wissenschaft 1877. I. j]^ 



162 Homer. 

hältniss zwischen Wirkung und Nichtwirkung der digammirten Wörter in 
den Hymnen ist fast 2 : 1, während für Homer dasselbe sich herausstellt 
wie 6:1: man sieht, wie sehr die Wirksamkeit des Digamma bereits ab- 
geschwächt ist. 

88) H. Chris tensen, De Hymno in ApoUinem Homerico. Kiliae 
1876. 4. 48 S. 

S. 1 — 18 enthalten eine Kritik des Hymnus in Bezug auf den In- 
nern Zusammenhang; S. 18—38 bringen metrische Untersuchungen (de 
spondeorum usu, de vocibus encliticis, de caesuris, de numeris, de posi- 
tione, de hiatu, de digammate); S. 38 — 43 wird erörtert des Hymnus 
Abhängigkeit von den homerischen Gedichten hinsichtlich des Wortschatzes, 
der Verse und Verstheile, schliesslich folgt S. 43 — 45 Einiges de verbo- 
rum structura usu forma. Mit Benutzung der einschlägigen Literatur 
ergeben sich dem Verfasser folgende acht Stücke, mit denen der Hymnus 
auf Apollo besteht. I. 1 — 13 Apollo's Erscheinen unter die Götter, 
n. 30-95. 97—135. 139 Apollo's Geburt, HI. 140—172. 177. 178 Apol- 
lo's Verehrung, HI. wird von II auch darum getrennt, weil es mehr Spon- 
deen hat und weniger Homer nachahmt als II. 

IV. 182 — 206 Apollo's Citherspiel im Olymp. V. 19. 25 — 29. 208 
bis 238. 243. 278—304. 356—374 Apollo gründet sich sein Orakel. IV ist 
eine grössere Nachahmung Homer's. 

VI. 244 — 277. 375—387 (Apollo und Telphusa) werden einem Inter- 
polator zugewiesen. Digamma vernachlässigt, nur beim pron. der 3. pers. 
erhalten. 

VII. 305 — 355 Typhaon's Geburt. Ueber das Digamma gilt das 
zu VI Gesagte. Sehr grosse Nachahmung Homer's. 

VIII. 388 — 546 Apollo gewinnt sich die Priester für sein Hei- 
ligthum. Digamma vernachlässigt. Grössere Zahl Spondiaci als bei 
Homer. 

89) Alb. Koehn, Observationes de Homerico in Pana hymno. 
Progr. d. Gymn. zu Guben, 1876. 4. 18 S. 

Cap. I (S. 3 f.) behandelt die Worte und Wendungen, die Homer 
und der Dichter des Hymnus an derselben Versstelle haben; Cap. II 
(S. 5 f.) zählt die nur diesem Hymnus eigenthümlichen Worte auf, Cap. III 
(S. 6 — 8) diejenigen, die bei Homer nicht vorkommen, aber bei anderen 
Schriftstellern sich finden; Cap. IV (S. 8 — 11) die in anderer Bedeutung 
als bei Homer gebrauchten Wörter; Cap. V (S. 11 — 13) Adjectiva, die 
der Dichter des Hymnus abweichend von Homer mit anderen Substantiven 
verbindet; Cap. VI (S. 13 — 14) anders als bei Homer konstruirte Verba; 
Cap. VII (S. 14—16) handelt von Deklinations- und verbalen Formen; 
Cap. VIII (S. 16—18) bringt einige metrische Beobachtungen. 



Hymnen. 163 

90) R. Weg euer, Die homerischen Hymnen auf Apollo, Philo- 
logus Bd. 35. 1876. S. 217 — 226. 

Wenn der Hymnus im Eingange den Eindruck schildert von Apol- 
lon's Eintreten unter die Götter, so meint unser Verfasser, dass dies »eine 
Erzählung sei, die später fällt als die Geburt und diese nothwendig vor- 
aussetzt, sonst ist V. 11 — 13 unverständlich«; denn wenn es hier heisst: 
X^-'-ptt . . . Atjtoj, oijvexa To^ofopo)^ .... stcxtsv, »so kann die Geburt 
nur kurze Zeit früher stattgefunden haben« d. h. »dem zweiten Verse 
muss vorausgegangen sein die Andeutung, dass Apoll geboren ist, dass 
er den Bogen erfindet und mit dieser Erfindung zum Olymp geht« — 
»sich hier in seiner bewaffneten Erscheinung furchtbar zeigt und die 
Mutter dem Sohne das gefährliche Spielzeug abnimmt«. Wenn wir V. 11 f. 
lesen datiioveg äXXot ev&a xaBt^ooaiv, so weiss der Verfasser, dass hierauf 
»ein Gespräch folgen musste, in dem die Herrlichkeit des Gottes gerühmt 
wurde«, »in diesem angedeuteten Gespräch war die natürliche Stelle für 
jene Belehnung des Gottes mit der Weissagung«. Wenn Apollo bald 
nach seiner Geburt V. 131 f. ausruft: sYr^ jxoi xi^apiq ~e <pchrj xzX., so sagt 
unser Verfasser »korrekt und logisch richtig«: »V. 131 f. ist sinnlos; wie 
kann Apollo es hier als seinen Beruf bezeichnen, den Menschen den un- 
trüglichen Rath des Zeus zu verkünden, ehe Zeus ihm diese Gabe ver- 
liehen hat? Wie kann ihm Bogen und Kitharis lieb sein, ehe er sie er- 
funden hat?« Unser Verfasser ist überzeugt »methodische Kritik« geübt 
zu haben: Referent hat hierin nicht Kritik, nicht Methode gesehen, 
er fügt aber zum Nutzen aller derer, die wissen wollen, was durch 
solche »methodische Kritik« erzielt werden kann. Folgendes zu: Verfasser 
hat auf diese Weise drei Hymnen herausgebracht: Hymnus A umfasst 
die Verse 14-18, 2 — 13, 182 — 206, 214-230, 239—243, 277 — 304, 356 
bis 378; Hymnus B die Verse: 47 — 80, 83—119, 135—136, 137—139, 
141-143, 30-44, 144—178; Hymnus C 207—213, 388—546. Dem Ver- 
fasser »scheinen die Grundzüge der ursprünglichen Bestandtheile sicher 
zu sein« ! 

91) Ph. Wegener, Der homerische Hymnus auf Demeter. Pbilol. 
Bd. 35. 1876. S. 227-254. 

Man sollte doch gar nicht glauben, was nicht alles die Kritik aus- 
zuklügeln im Stande ist. Der Verfasser hat die ganz merkwürdige Ent- 
deckung gemacht, dass, wenn Persephone die Narcisse brechen will und 
sich nun die Erde aufthut, »Pluto nicht mit Ross und Wagen aufsteigen 
wird, um seine Beute nach einem anderen Zugange in die Unterwelt zu 
führen; er wird hervorspringen und die Jungfrau mit sich in die Tiefe 
reissen«. Damit hat Verfasser zwei verschiedene, im Hymnus mit ein- 
ander von einem Ueberarbeiter zusammengearbeitete Motive gewonnen, 
»Motiv A« kennt die Narcissusblume und das Herunterreissen, »Motiv B« 
kennt Pluto auf einem Wagen davon fahrend, »Motiv A« weiss demnach 

11* 



1 64 Homer. 

von einer Mitschuld des Zeus, »Motiv B« hat solche nicht gehabt. Mit 
Hilfe dieser überraschenden Entdeckung wird es dem Verfasser »leicht, 
die Zugehörigkeit zu den beiden Erzählungen A und B zu bestimmen«, 
z.B.: »Bei dem plötzlichen Herabreissen war nur ein Aufschreien mög- 
lich, während sie anhaltend geschrieen haben wird, wenn sie auf dem 
Wagen fortgeführt wurde. Hekate, die in der Höhle sitzt, ist ein Motiv 
von A, Helios, der gesehen haben wird, wie Pluto die Jungfrau auf dem 
Wagen fortführt, ist ein Motiv von B« u. s. w. Mit demselben Scharf- 
sinn hat der Verfasser auch in der Partie von Demeter's Aufenthalt bei 
Keleos zwei sich widersprechende Motive entdeckt: nach dem einen ist 
der Demeter Auftreten majestätisch, nach dem andern ist ihr Aussehen 
entstellt; »die Erzählung mit dem Motiv der Entstellung des Aussehens« 
nennt Verfasser I, die andere H. Hiernach wird nun wieder das Be- 
treffende in die beiden Kästen eingeschachtelt! Z. B. wenn Demeter er- 
zählt, sie sei von Räubern aus Kreta entführt, so erscheint unserm Ver- 
fasser es »im höchsten Grade unwahrscheinlich, dass die Räuber eine 
alte, kraftlose Frau für den Sklavenmarkt fortgeschleppt haben, wahr- 
scheinlich ist eine solche That nur an einem jugendlichen Weibe ge- 
schehen. Die Erzählung passt also nur zur Situation von H«. »Demeter 
als Amme war eine alte Frau« gehört also zu I, »als Arzt dagegen kann 
sie sehr wohl in ihrer göttlichen Gestalt zum Keleos kommen, die Hei- 
lung muss also zu H gehören«. 

.Sehr merkwürdig bleibt es, dass dem Verfasser, der doch sonst 
das Gräschen wachsen hört, »der Grund unerfindlich ist, der die Göttin 
bewegt, den Demophon unsterblich zu machen«; wenn »die liebewahn- 
sinnige Kalypso« das dem Odysseus zugedacht hat oder Thetis ihrem 
Kinde, so ist ihm das verständlich; »dagegen schwebt das Unternehmen 
der Demeter nach Veranlassung und Erfolg vollständig in der Luft«. 
Ist hier unser Verfasser mit Blindheit geschlagen, so zeigt er sich wie- 
der sogleich hellseherisch in seiner Conjectur, dass »der Hymnus noch 
deutliche Spuren bewahrt hat, die es unzweifelhaft machen, dass die 
Verse desselben umgesetzt sind aus einer Achillesdichtung; es ist dem 
Ueberarbeiter nicht gelungen, die Spuren, welche auf den ursprünglichen 
Zweck der Verse führen, ganz zu tilgen«. »V. 236 von der Thetis gesagt 
ist ohne Anstoss, von der Demeter sinnlos«; »Demeter würde nach V. 237 
bis 247 als entstellte Frau sehr unpassend rj8u xaranvecouoa genannt, 
sehr passend Thetis«. »Die Verse 248 — 249 sind für Metaneira geradezu 
komisch. Warum sucht sie, die Herrin, das Kind nicht zu retten und 
der Dienerin zu entreissen? Dagegen wenn Peleus die göttliche Gemahlin 
belauscht und sieht, wie sie den Achilleus verbrennt, so muss er sich 
dem höheren Willen der Götter mit Resignation fügen und eine solche 
Resignation enthalten unsere Verse«. Gott sei Dank, dass der Ueber- 
arbeiter dumm genug war, um nach Jahrtausenden unserm Verfasser 
Gelegenheit zu geben, an ihm seinen Scharfsinn zu versuchen! Der Ver- 



Hymnen. 1 65 

fasser gesteht, dass er sich nach den gegebenen Andeutungen, »ein sol- 
ches mehr oder weniger geistreiches Spiel — nämlich jeden einzelnen 
Vers nach seiner Zugehörigkeit zu prüfen — versagen darf«: ist unser 
Verfasser wirklich naiv genug, dies Spielen mit »geistreich« zu benennen? 

92) Moritz Guist, Einige Bemerkungen zu dem homerischen 
Hymnus auf Hermes. Progr. d. Gymn. zu Hermannstadt 1876. S. 1—28. 

In die Reihe derjenigen Mythologen, die »in Athene die reine 
Bläue des Aethers«, »in Apollo das überallhin ausgegossene, reine, alles 
Uebel vertilgende Himmelslicht«, »in Hephästos die belebende Wärme« 
u, s. w. persouificirt finden, tritt der Verfasser mit obiger Abhandlung 
ein, die uns wieder einmal den Hermes als »den trüben Regenhimmel« 
darstellt; doch muss derselbe, damit er nicht als gar zu entarteter Bru- 
der dem erhabenen Hiramelslicht Apollo Schande bereite, ein »Licht- 
gott« werden, wenn auch nur »der matte Tagesschein«, »der matte Schein 
der winterlichen Wolkendecke«, und so stehen sich die beiden Brüder 
gegenüber »wie der matte Schimmer dem strahlenden Glanz, das ein- 
tönige Grau der Wolken der farbensatten Bläue des Himmels« (S. 11 
vergl. oben, wonach die Athene ursprünglich etwas ähnliches bedeutet 
haben soll) und so unterscheiden sie sich auch in ihrer geistigen Atmo- 
sphäre : »denn die feinsinnige griechische Phantasie fand in dem reinen Licht 
des wolkenlosen Himmels das Symbol der idealen Begeisterung, aber 
für den matten Schein der winterlichen Wolkendecke als Analogon In 
der geistigen Welt die nüchterne Klugheit und den erfinderischen Scharf- 
sinn« (S. 12). Diese seine Anschauung über das Grundwesen des Her- 
mes glaubt der Verfasser in allegorischem Gewände im homerischen 
Hymnus auf Hermes entwickelt zu finden, der »kaum etwas anderes dar- 
stellen kann, als den Mythus von der Entstehung des Wechsels zwischen 
Sommer und Winter in Hellas« (S. 25 f.); »die mythologisch gewandte 
Darstellung dieses Naturvorganges« unternimmt der Verfasser zu ent- 
räthseln. Wenn z. B. Hermes die Heerde des Apollo stiehlt, so werde 
damit sinnbildlich nur bezeichnet, dass »der trübe Regenhimmel die hei- 
teren sonnigen Tage des Jahres entführt« (S. 19), wenn er zwei Kühe 
schlachtet und ihre Häute auf dem Felsen ausspannt, so ist das »ein 
schönes Bild der schimmernden Schneedecke, welche sich im Winter zu- 
weilen — aber selten — weshalb auch nur die Häute von zwei Kühen 
erwähnt werden — auf kurze Zeit auch über die griechische Ebene aus- 
breitet« (S. 20); wenn Hermes aus der Schale der Schildkröte sich die 
Lyra verfertigt, so liegt dieser Fabel »eine phantasiereiche Natur- 
anschauung zu Grunde. Denn die rundlich geballte Wolke, welche für 
den weit entfernten Beobachter träge an dem Abhang des Gebirges zu 
ruhen scheint, lässt sich passend mit der flachgewölbten Gestalt der 
Schildkröte vergleichen« (S. 17). Hermes erfindet sich die Hirtenflöte, 
»da ihr einfacher Ton mehr zum Rauschen des Regens und zum dumpfen 



166 Homer. Hymnen. 

Murmeln der Quelle stimmt« (S. 24); seine »Zaubergerte« ist der »Ne- 
belstreif wie er sich über feuchten Grund lagert, oder vom Winde laut- 
los hin- und hergetrieben wird. Der Biegsamkeit der elastischen Gerte 
entspricht die Beweglichkeit des Dunstes etc.« (S. 24) u. s. w. Der 
Verfasser erfreut sich des Glaubens, dass seine Deutungen »ungezwun- 
gen« seien. Des Verfassers Stellung zur griechischen Religion und seine 
Methode werden durch diese Proben hinlänglich deutlich ; wer nach ihnen 
noch Lust verspürt, die Deutungen einer derartigen Phantasie auf sich 
wirken zu lassen, dem sei diese Arbeit empfohlen, in der auch sehr viel 
von Sonnenschein, Regen, Nebel und Dunst die Rede ist. 



Bericht über die im Jahre 1876 über Plato 
erschienenen Arbeiten. 

Von 

Prof. Dr. Martin Schanz 

in Würzburg. 



Wir bemerken, dass auch die uns zugänglichen Arbeiten des Jahres 
1875, welche in dem vorigen Jahresbericht keine Besprechung fanden, 
Aufnahme in unsern Bericht gefunden haben. Hie und da berühren wir 
auch Erscheinungen des Jahres 1877. Manche Arbeiten des Jahres 1876, 
welche wir bei Abfassung des vorliegenden Berichtes nicht in Händen 
hatten, z. B. einige Abhandlungen des Journal of Philology, werden 
wir iuk nächsten Bericht nachtragen. Recensionen habe ich nur mit Aus- 
wahl beigezogen. 

I. AUgemeines. 

a. Literatur-Uebersicht. 
Plato. Von Herm. Heller. Jahresbericht des philologischen Ver- 
eins zu Berlin. Zeitschr. f. d. Gymnasialwesen. XXX. S. 119—184. 
Dieser Jahresbericht, der in zwei Abtheilungen zerfällt: I. Allge- 
meines, H. Die einzelnen Dialoge, ist in Bezug auf Genauigkeit und 
Sorgfalt eine wahre Musterarbeit, die ihrem Verfasser alle Ehre macht. 
Wir haben in Bezug auf Anordnung des Stoffes diese Arbeit theilweise 
zur Richtschnur genommen. 

b. Biographisches. 
Chronologische Untersuchungen über Apollodor's Chronika. Von 
H. Diels. Rhein. Mus. 31 (1876) S. 1—54. 

In dieser vortrefflichen Abhandlung, in der sich über die Methode 
der chronologischen Forschung ausserordentlich gute Winke finden, ver- 
sucht der Verfasser für die Chronologie der griechischen Philosophen 
die Restitution der Ansätze Apollodor's (S. 3); denn »es wird für 
uns gerathener sein im Allgemeinen der bewährten Führung Apollo- 
dor's zu folgen, als mit unserm lückenhaften Material neue Hypothesen 
versuchen zu wollen« (S. 15). Ueber Plato handelt der Verfasser S. 41 



1 68 Piaton. 

in folgender Weise : «Sicher ist das Todesjahr, das Apollodor auf Ol. 108, 1 
(348/7) angiebt. Sein Alter wird meist auf 81 Jahre angegeben und zwar 
lassen einige ihn dieselben vollenden, andere nicht. Zu den letzteren ge- 
hört Apollodor cf. Diog. III, 2. Veranlassung dafür gab die Bestimmung 
des Hermodoros, der Diog. III, 6 II, 106 berichtete, dass Piaton 28 Jahre 
alt nach dem Tod des Sokrates sich nach Megara begeben habe. Dies 
führt auf den Ansatz Apollodor's Ol. 88, 1 (399 + 28 = 427). Offen- 
bar bevorzugte dieser die Aussage des persönlichen Schülers von Piaton 
vor den späteren Angaben und auch wir müssen uns nach dem Vorgange 
Zeller's anschliessen«. 

c. Schriften — Echtheit und Reihenfolge derselben. 

1) Ueber den Zusammenhang der Platonischen und Aristotelischen 
Schriften mit der persönlichen Lehrthätigkeit ihrer Verfasser. Von 
E. Zeller in Hermes XI (1876). S. 84-96. 

Folgende Worte Zeller's dürften das Ziel des Aufsatzes in Bezug 
aufPlato klar legen: »Für Sokrates war die lebendige Wechselrede die 
natürliche Form der Mittheilung gewesen, weil er andere nicht von sich 
aus belehren, sondern ihre eigene Geistesthätigkeit anregen, ihren Willen 
und ihr Denken erziehen, im Verkehr mit ihnen lernen wollte. Plato 
stellte seine Philosophie in Schriften dar, welche zwar sein freiesJKunst- 
werk sind, welche aber doch die Form des Gesprächs haben, weil auch 
er die Aufgabe der Philosophie nicht blos im wissenschaftlichen Erken- 
nen, sondern zugleich im Sinne seines Lehrers darin sieht, dass der 
ganze Mensch zu einem höheren Geistesleben erzogen werde« (S. 92). 
Was alsdann über Aristoteles gesagt wird (es ist dies das Wichtigste 
in dem interessanten Aufsatze), müssen wir dem Berichterstatter über 
Aristoteles überlassen. 

2) Die Reihenfolge ^er platonischen Dialoge Phädros, Phädon, 
Staat, Timäos. Von Dr. Franz Schedle. Zum Programme des 
kaiserl. königl. Staatsgymnasiums in Bozen 1876. Innsbruck, Wagner'- 
sche Universitätsbuchhandlung 1876. 8. 36 S. 

Wir werden unten S. 175 u. f. sehen, dass Fritz Schultess aus der 
Entwickelungsgeschichte der platonischen Seelenlehre auch die Reihenfolge 
der Dialoge, in denen dieselbe behandelt wird, entnimmt, nämlich Phädo, 
Phädrus, Staat, Timäus. Schedle untersucht ebenfalls die Reihenfolge 
der genannten Dialoge und erhält die im Titel angedeutete Reihenfolge : 
Phädrus, Phädo, Staat, Timäus. Wie man sieht, unterscheiden sich 
Schultess und Schedle durch die verschiedene Stellung, die dem Phädo 
eingeräumt wird. Zwar sind beide darin einig, dass sie der Beweis- 
führung Uberweg's entgegentreten, welcher den Phädo nach dem 
Timäus ansetzt (die Entgegnung Schcdle's ist ausführlicher, auch pole- 
misirt Schedle gegen Munk, der den Phädon als das letzte Werk des 



Echtheit und Reihenfolge der Schriften. 169 

ganzen Cyclus von Dialogen ansieht), beide erkennen auch die Bedeu- 
tung der Lehre von den Seelentheilen für die Reihenfolge der genannten 
Dialoge an, allein sie ziehen nicht die nämlichen Schlüsse. Hören wir, 
was Schedle in dieser Beziehung sagt: »Müsste der Phädon als nach dem 
Timäos verfasst angesehen werden, so wäre nicht recht zu begreifen, wes- 
halb Piaton, nachdem er im Timäos bereits ausdrücklich die Vergäng- 
liclikeit der niederen Seelentheile behauptet und eingehend begründet 
hatte, nun im Phädon gar nicht darauf Rücksicht genommen und immer 
nur von der Seele schlechthin gesprochen hätte. Platon's Weise ist es 
sonst nicht, Resultate seiner Forschung, welche so tiefgehende Bedeutung 
haben, wie jene Unterscheidung der drei Seelentheile, in späteren Schrif- 
ten gar nicht zu verwerthen. Wie sollte er es aber gerade im Phädon 
gethan haben, wo sich doch so manche Ergebnisse früherer Gespräche 
wie in einem Brennpunkte gesammelt finden, Ergebnisse, die doch au 
Werth für die Uusterblichkeitstheorie hinter jenen des Timäos weit zu- 
rückbleiben? Dagegen könnte der Einwand nichts vermögen, dass im 
Phädon ja auch die im Phädros vorkommende Dreitheilung nicht berührt 
sei, obwohl letzterer Dialog doch gewiss jenem vorausgehe. Im Phädros 
erscheinen eben, wie wir früher gesehen haben, die drei Seelentheile in 
einem ganz anderen Lichte als im Timäos, insbesondere war dort nichts 
gesagt, dass nur das XoycaTixov unsterblich sei« (S. 35). Der Verfasser 
fühlt die Schwierigkeit, dasselbe Argument soll in dem einen Fall gültig 
sein, in dem anderen nicht. Es wird daher interessant sein zu lesen, 
was der Verfasser zur Beseitigung der Schwierigkeit vorbringt. Wir 
geben auszugsweise folgende Sätze: »Der Unsterblichkeitsbeweis im Phä- 
dros bewegt sich in den Formen der Dialektik, die Zergliederung der 
Seele bedient sich aber der bildlichen Darstellung. Daraus geht unver- 
kennbar hervor, dass Piaton den Leser auch gar nicht zu der Meinung 
verleiten wollte, er erkenne die Unsterblichkeit allen drei Seelentheilen 
zu« (S. 33). Der Verfasser findet es nun nicht mehr auffallend, dass im 
Phädon jener Dreitheilung keine Erwähnung geschieht. »Der Gang der 
Untersuchimg ist in diesem Gespräche ein so durchaus dialektischer, dass 
die Einschaltung naturphilosophischer Excurse, welche doch nur in mythi- 
scher Form möglich gewesen wären, geradezu störend gewirkt hätte. 
Piaton konnte sich dieselben aber um so mehr ersparen, als er seine 
Gliederung der Seele als aus dem Phädros bekauut voraussetzen musste, 
und die Art der Beweisführung im Phädon klar genug erkennen lässt, 
dass nur dem obersten Seelentheile, dem loyiazr/.ö'^^ die Unsterblichkeit 
als Wesenseigenschaft zugeschrieben werden könne«. — »Piaton hätte 
vielleicht nur in dem Fall die Dreitheilung nicht unberührt lassen dür- 
fen, wenn er sie als im Widerspruch stehend mit den Auseinandersetzun- 
gen des Phädon erkannt, oder anderweitig ihre Unzulässigkeit eingesehen 
hätte« (S. 34). Man vergleiche nun, was Schultess S. 56-57 mit Be- 
ziehung darauf sagt. Nach meiner Ansicht kann es nicht im mindesten 



170 Piaton. 

zweifelhaft sein, dass die bisher zu Tage getreteneu Versuche, die Schwie- 
rigkeiten zu beseitigen, welche sich durch die Betrachtung der Lehre 
von den Seelentheilen der herkömmlichen Einordnung des Phädo und 
Phädrus entgegenstellen, nicht genügend sind. Dass Schedle die Arbeit 
von Schultess nicht benutzt hat, ist sehr zu bedauern und gereicht seiner 
Abhandlung zum grössten Nachtheil. 

Ich erwähne noch die Abhandlung: 

Quaeritur quid ex vaticinio de Isocrate in extrema parte Phaedri 
Platonici facto, si cum ambagibus quibusdam Euthydemi item Platonici 
contendatur, elici possit ad definiendura tempus quo dialogus, quem 
priore loco diximus, exaratus esse existimandus sit. Scr. Fr. Rausch. 
Budweis 1875. 4. 20 S. 

Ich konnte derselben nicht habhaft werden trotz angestellter Ver- 
suche, ich muss mich daher mit der Anführung derselben begnügen. 

3) Einiges zur Aechtheit platonischer Dialoge. Von Professor 
E. Sojek. Zum Jahresbericht des kaiserl. königl. Staatsgymnasiums 
zu Linz für das Schuljahr 1876. 

Nach einigen allgemeinen Bemerkungen über die Frage, ob wir den 
ganzen Nachlass Platon's besitzen (die Frage wird verneint S. 4) und ob 
alle Dialoge, die wir unter Platon's Namen haben, cächt sind (der Ver- 
fasser wendet sich besonders gegen Schaarschmidt) , hebt Sojek hervor, 
dass ein Mittel zur Beurtheilung der Aechtheit sei, »wenn ein oder der 
andere Dialog als acht konstatirt sich mit andern Dialogen, die zwar als 
platonisch nicht ganz gesichert sind, aber mit ihm Gemeinsames in Ethik, 
Methode, Tendenz haben, sich zu einer Gruppe vereinigen lässt« (S. 13) 
und sucht alsdann diesen Satz an den Dialogen Gorgias, Protagoras, 
Euthydemus, Meno praktisch durchzuführen, d. h. die Aechtheit des Pro- 
tagoras und Euthydem zu prüfen. Er kommt zu dem Resultate, »dass 
nicht nur das Verhältuiss zwischen den genannten Dialogen ein mannig- 
faches ist, sondern dass sie einander nothwendig ergänzen und dass da- 
durch auch die durch Aristoteles minder beglaubigten ihre volle Bestä- 
tigung erhalten« (S. 16). Zum Schluss wird noch die Aechtheit der Apo- 
logie, die der Verfasser also charakterisirt : »Wir haben es in der Apo- 
logie mit einem persönlich historischen Bilde des Sokrates zu thun, und 
zwar wird seine Handlungsweise vor Gericht dargestellt, demnach keine 
wissenschaftliche Arbeit« (S. 18), vertheidigt; hierbei werden besonders 
Ausstellungen des Programms von Baumann »Versuch einer Kritik über 
Platon's Apologie nach dem jetzigen Stand der Wissenschaft Znaim 1868« 
zu beseitigen versucht. Dies der Inhalt der Schrift. Sie giebt manche 
richtige Bemerkung, aber keine einschneidenden Resultate. Das Eingehen 
auf so viele wichtige Fragen Hess nichts Rechtes zu Stande kommen. 



Die Platonische Philosophie. 171 

4) Der erste Alkibiades. Von F. Hubad. Zum Jahresbericht des 
Steiermärkisch- Landschaftlichen Realgymnasiums zu Pettau. 1876. 8- 
36 S. 

Seinen Stoff behandelt der Verfasser in folgenden Capiteln : 1. Die 
Principien der Kritik platonischer Schriften (es werden die verschiedenen 
Versuche kurz besprochen, ich vermisse Richard Schöne. Ueber Platon's 
Protagoras. Ein Beitrag zur Lösung der platonischen Frage, Leipzig 
1862). 2. Die alten Gewährsmänner für die Echtheit des ersten Alki- 
biades (über Jamblichus scheint sich der Verfasser nicht gehörig instruirt 
zu haben). 3. Die neueren Erklärer Platon's über den ersten Alkibiades 
(hier geht es etwas bunt durcheinander, das Urtheil des in seiner Be- 
wunderung der Alten etwas überschwänglichen Johannes von Müller hätte 
wegbleiben können). 4. Betrachtung des Gesprächs selbst. Nach einer 
Inhaltsübersicht stellt der Verfasser die verschiedeneu bald sprachlichen 
bald sachlichen Ausstellungen dem Dialoge folgend zusammen. Das 
Schlussresultat ist: »Der Stoff ist wohl platonisch; die Tendenz, den Jüng- 
ling zur Erkenntniss seiner Unwissenheit zu bringen, ist deutlich aus- 
gesprochen, die dialektische Methode stimmt aber mit der der echten 
Werke nicht überein; es kommen Sätze vor, die mit den echten plato- 
nischen nicht harmoniren; die verschiedenen Mängel, die wir angeführt 
haben, zeigen, dass dieses Gespräch nicht platonisch sein kann«. 

Im Anschluss hieran sei ein Programm erwähnt, das Wrobel in 
der Zeitschrift für österreichische Gymnasien 27 (1876) S. 993 (es wird 
hier auch über das Programm von Hubad, ferner über die Arbeiten von 
Steinwender, Mayr, Sojek referirt) bespricht SuU' autenticita dell' Alci- 
biade primo. Zum Programm des Gymnasiums von Rovereto 1876. Von 
Professor Beniamino Andreatta. Wrobel sagt von demselben, dass 
es kaum geeignet sein möchte, Zweifler zu dem Glauben an die Echtheit 
des behandelten Dialoges zu bekehren. 

d. Platonische Philosophie. 

1) Die Platonische Frage. Eine Streitschrift gegen Zeller. Von 
G. Teichmüller. Gotha 1876. 8. S. 127. 

Teichmüller hat in seinem Buch »Geschichte der Begriffe 1874« 
höchst eigenthümliche Ansichten über Plato entwickelt. Dieselben fan- 
den Widerspruch von Seite Zeller's an mehreren Stellen seiner Geschichte. 
Gegen diese Einwendungen richtet sich die erwähnte neue Schrift Teich- 
müller's. Da »die Geschichte der Begriffe« in dem vorigen Jahresbericht 
von Susemihl besprochen ist, auch die obige Schrift noch im Nachtrag 
S. 400 beurtheilt, d. i. verurtheilt wird, so wird es nicht nöthig sein, 
ausführlicher auf diese Vertheidigung der in der ersten Schrift vorge- 
brachten Ansichten einzugehen. Einen Anhänger hat Teichmüller in 
Dr. Alois Spielmaun gefunden, dessen Schrift »Platon's Pantheismus« 



172 Piaton. 

Brixen 1877 ausdrücklich zur Empfehlung der Teichmüller'schen Ansicht 
geschrieben ist. Er rühmt vier Vorzüge au derselben: 1. Plato ist mit 
sich dadurch einstimmig; 2. es sind Mythen vom philosophischen Lehr- 
gehalte streng geschieden; 3. sie ist die tiefste von allen; 4. sie ist un- 
abhängig von der Entscheidung über die E-chtheit der zweifelhaft plato- 
nischen Schriften. Gewiss wird sich Jeder, der glaubt, dass es sich bei 
der Forschung lediglich um Wahrheit handelt, mag sie auch Unbequem- 
lichkeiten und Schwierigkeiten im Gefolge haben, über diese Empfehlun- 
gen etwas wundern. Ich kann nur der These beipflichten, die Ivo Bruns 
in seiner Schrift De legum Platonicarum compositione quaestiones selectae 
Bonn 1877 ausgesprochen: Studia quae versantur in historia philosophiae 
graecae quam acerrime defendenda a ratiouibus quas Teichmüller nuper 
proposuit in libi'o »die platonische Frage«- 

2) Untersuchungen zur Platonischen Ideenlehre. Von Dr. Dieck. 
Zum Programm der königl. Landesschule in Pforta 1876. 4. 48 S. 

Zweck dieser von ernstem Streben zeugenden Programm-Abhandlung 
ist, den Nachweis zu liefern, dass die platonischen Ideen Gedanken 
und zwar Gedanken des göttlichen voug sind. In der Ausführung 
dieses Satzes erörtert der Verfasser zuerst die Lotze'sche Ansicht über 
die platonische Ideenlehre, welche die platonische Lehre von einem gro- 
ben Missverständniss befreien soll. Als solches betrachtet Lotze (Logik I 
S. 501) den Satz, »Plato habe den Ideen, zu deren Bewusstsein er sich 
erhoben, ein Dasein abgesondert von den Dingen und doch nach der 
Meinung derer, die ihn so verstanden, ähnlich dem Sein der Dinge zu- 
geschrieben«. Nach Lotze (S. 504) behauptet Plato nur die ewige Gül- 
tigkeit der Ideen, niemals aber ihr Sein, wir müssen (S. 507) die den 
Ideen (und Gesetzen) zukommende Wirklichkeit als Geltung von der 
Wirklichkeit der Dinge als dem Sein unterscheiden; da der Begriff des 
Geltens, der kein Sein einschliesst, der griechischen Sprache fehle, sei 
Plato gezwungen gewesen, zu Ausdrücken zu greifen, welche die Wirk- 
lichkeit des Seins ausdrücken, daher jenes Missverständniss (S. 505). 
Der Verfasser schliesst sich dieser Auffassung Lotze's an. »Wenn wir 
von der Auffassung der Ideen als beseelter Wesen absehen, so bleibt 
allerdings wohl keine andere Möglichkeit, als das Sein der Ideen, will 
man es sich überhaupt seinem Fassungsvermögen nahe bringen, in der 
Lotze'schen Weise auffassen« (S. 13). Hierbei unterlässt der Verfasser 
nicht, die Anschauungen Lotze's genauer zu bestimmen und zu vertiefen. 

Alsdann wird in der x\bhandlung die metaphysische Bedeutung der 
Ideen nach der bekannten Stelle des Phädo und nach dem Philebus 
untersucht und bestritten, dass die Ideen bei Plato auch als wirkende LTr- 
sachen aufzufassen seien. Sie sind nach des Verfassers Meinung bloss 
begriffliche, resp. Zweckursachen. Die eigentliche wirkende Ursache sei 
allein der voog (S. 36). Dieser vorig aber, die höchste Ursache, ist, wie 



Die Platonische Philosophie. 173 

der Verfasser c. VI ausführt, die vernünftige Gottesseele, der vernünftige 
Gottesgeist (S. 37) und rauss persönlich gefasst werden, lieber das Ver- 
hältniss der Ideen und speciell der Idee des Guten zum voug setzt der 
Verfasser fest : »Die Ideen sind die Gedanken des göttlichen vo'lg (S. 40) ; 
in der Idee des Guten darf man nur den Gedanken erkennen, in dem 
sich der gute Gott selber denkt. Die Idee des Guten ist eben einfach 
die gedankliche Selbstobjectivirung Gottes im göttlichen Geiste, und die 
Fülle der von der Idee des Guten beherrschten und umfassten anderen 
Ideen ist die gedankliche Objectivirung der eigenen göttlichen Lebens- 
fülle« (S. 41). Seine Auffassung vertheidigt der Verfasser gegen Zeller, 
der S. 577 ff. eine Reihe von Gründen gegen die Auffassung ^ der Ideen 
als die Gedanken der Gottheit vorbringt, und gegen Stumpfs Versuch, 
»die seelenartige Existenz der Ideen als vereinbar mit der nach Plato 
uothvvendigen Eigenschaft der Unveränderlichkeit darzustellen« (S. 39). 
Am Schluss der Widerlegung wird mit Rücksicht auf die bekannte Stelle 
im Sophista (248 E), welche den Ideen Vernunft und Leben und Seele zu- 
schreibt. Folgendes bemerkt (S. 40): »So bleibt uns denn nichts anderes 
übrig, als in den Ausführungen des Sophisten den Versuch Jemandes zu 
erkennen, der, vielleicht ohne die rechte Einsicht in die platonischen Ge- 
danken, sie in seiner Weise sich umdeutete , damit aber einen starken 
Schritt rückwärts that«. Ob diese Bemerkung richtig ist, kann hier 
nicht untersucht werden; soviel scheint aber mir unzweifelhaft, dass der 
Dialog eine andere Phase der Ideenlehre enthält. Dies legt uns einen 
Gedanken nahe, den wir hier uns auszusprechen gestatten, nämlich, dass 
es an der Zeit ist, die systematische Behandlungsweise der Ideenlehre 
aufzugeben und dieselbe für jeden Dialog isolirt zu betrachten. Es wird 
dann nicht mehr nöthig sein, durch allerlei Mittel widerstrebende Be- 
stimmungen mit einander zu verschmelzen. 

3) Nuova interpretazione delle idee platoniche proposta da G. M. 
Bertini. Torino 88 S. 

Mir nicht zugänglich geworden, obwohl ich mich darum bemühte. 

4) De deo Piatonis. Scr. B. Pansch. Göttinger Inauguraldisser- 
tation. 1876. 8. 67 S. 

Der Verfasser erörtert zuerst die verschiedenen Ansichten der frü- 
heren Philosophen über Gott. Alsdann wird dargelegt: 1. quid sit apud 
Platonem deus quidque agat; 2. quem locum in philosophiae systemate deus 
obtineat. Nach der ersten Hinsicht zeigt der Verfasser, wie Plato den ethi- 
schen Gottesbegriff des Sokrates erweitert zum ethisch-kosmischen (Cratyl. 
Theaet. Phaedo), zum kosmischen (Soph. Politic), und wendet sich dann 
zur Republik und zum Timaeus, wo sich die ausgebildetste Auseinander- 
setzung über Gott vorfinde. Nach der zweiten behandelt der Verfasser die 
oft aufgeworfene Frage, quae cum ideis ratio deo sit. Seine Ansicht 
dürfte in folgenden Sätzen klar ausgesprochen sein: Intra mythici ser- 



174 Piaton. 

monis tines in Timaeo interdum deus loco idearum est, aliis locis quasi 
semimythicis iuxta ideas ponitur, extra mytlmm nulluni locum obtiuet 
(S. 46). Non dicemus, Platonem, Deum et ideam boni idem esse, docere, 
sed unam rerum causam efficientera modo Deum, modo ideam boni dicere. 
lamque u scxwg Xöyoq nos adiuvat, ita ut dicendum sit, ubi imagines 
adhibeantur, Deum, ubi dialectice agatur, ideam boni cau- 
sam efficientem apparere. Quibus autem locis Plato simul et de deo 
et de ideis agit, semimythico quodam modo dicendi utitur, ita quidem, 
ut magis ideas dialecticos fines, (juam Deum mythicos excedere existiman- 
dum sit, nam saepius ideas intra mythum reperias, Deum in dialecticis 
nunquam (S. 58). Necesse videtur, ni fallimur, duas quasi regiones in 
Piatonis philosophia ponere, alteram credendi, alteram sciendi sive reli- 
gionis et philosophiae (S. 58). Wenn man mit diesen Sätzen Zeller II 
S. 600 vergleicht: »Für die wissenschaftliche Untersuchung über die 
höchsten Gründe beschränkte er sich auf die Ideen und wenn er neben 
ihnen noch der Gottheit bedurfte, wie im Timäus, führte er diese ohne 
Beweis und nähere Bestimmung als Glaubensvoraussetzung ein«, so sieht 
man, dass der Verfasser keinen wesentlichen Fortschritt Zeller gegenüber 
erzielt hat. Es kommt hinzu, dass der Verfasser nur eine mangelhafte 
Kenntniss und Benutzung der Literatur zeigt, (z. B. librum Schusteri 
»Heraklit von Ephesus« non ad manum habeo, Erdmanni »Piatonis doctrina 
de rationibus, quae inter Deum et ideas intercedunt« non in manibus 
erat) und eine eingehende Behandlung der einzelnen Stellen, sowie 
Schärfe in der Beweisführung öfters vermissen lässt. Sonderbar ist, was 
der Verfasser über die bekannte Sophistastelle 249 S. 44 sagt. 

5) Die Materie nach dem Platonischen Timaeus. Von Dr. Biehl 
aus Innsbruck. In Verhandlungen der 31. Versammlung deutscher Phi- 
lologen und Schulmänner in Tübingen. S. 82 — 86. 

In diesem klaren Vortrag sucht der Verfasser den Nachweis zu 
liefern, »dass Piaton unter seinem Substrate der Sinnenwelt nur einen 
körperlichen Stoff verstanden haben kann« (S. 86) ; denn »Piaton theilt 
seinem ursprünglichen Substrate alles bestimmten Stoffes an mehreren 
Stellen vor der Weltbildung eine ungeordnete Bewegung zu« (S. 85). 
Die Darstellung ist zwar mythisch, allein aus ihr geht doch soviel her- 
vor, dass »nach der Ansicht des Piaton es wenigstens in der Natur dieses 
Substrats gelegen haben muss, bewegt zu werden«. Die Möglichkeit be- 
wegt zu werden ist nach Piaton wie Aristoteles das wesentliche Merkmal 
der materiellen im Unterschiede von den mathematischen Körpern. Der 
zweite Beweis ist folgender : Nur die Ideen haben wahrhaftes Sein. Das 
Sein der sinnlichen Welt ist nur möglich durch die Theilnahme an dem 
wahren Sein. Diese Theilnahme der sinnlichen Dinge an den Ideen kann in 
nichts Anderem bestehen, als dass sie Abbilder der Ideen sind. Ein Bild als 
solches aber bedarf, wie dieses Plato ausdrücklich bemerkt, eines Substra- 



Die Platonische Philosophie. 175 

tes, woran es seinen Halt hat. Diesen Halt kann aber nicht der leere Raum 
gewähren. Weiterhin bemerkt Biehl: Der Weltbildner, mit dessen An- 
nahme es Piaton vollkommen Ernst ist, hatte keinen anderen Grund zur 
Weltbildung als seine ihm inwohuende Güte. Vermöge derselben musste 
er überall das Gute wollen. Es musste also irgendwie noch etwas sein, 
was als solches des Guten noch nicht theilhaftig war, d. h. es musste 
noch ungeordnetes, unbestimmtes Sein geben, welches die Güte des Welt- 
bildners bewegen musste, dasselbe zu ordnen und zu bestimmen. Und 
ein solches ungeordnetes, unbestimmtes Sein konnte Piaton nicht als 
blossen leeren Raum betrachten. Dies die Beweisführung Biehl's, die 
ich fast durchweg mit seinen eigenen Worten gegeben habe. Auch die 
Schwierigkeiten, die sich seiner Auffassung entgegenstellen, verschweigt 
Biehl nicht, so wird z. B. das widerstreitende Zeugniss des Aristoteles 
berührt und auf Missverständniss zurückgeführt. Zum Schluss wird das 
Substrat der Sinnenwelt näher dahin bestimmt, dass »die verschiedenen 
bestimmten stofflichen Formen nur Erscheinungsformen, modi, der ewig 
sich gleich bleibende Substanz des Substrats sind« (S. 86). Die Dinge 
werden nicht aus ihm, sondern in ihm, es nimmt alle bestimmte sinn- 
liche Dinge in sich auf, das Alles in sich Aufnehmende konnte bildlich 
als X"^P^ ^ö° Piaton bezeichnet werden. 

6) Zur Würdigung der Lehre von den Seelentheilen in der plato- 
nischen Psychologie. Von Dr. Victor Perathoner. Programm des 
Innsbrucker Gymnasiums vom Jahre 1875. 8. 24 S. (vgl. die Recen- 
sion von R. Zimmermann Zeitschrift für österr. Gymn. 27 (1876) 
p. 221). 

Die Leetüre dieser Schrift ist deswegen interessant, weil sie Anlass 
giebt, sich über die Methode, die man bei solchen Untersuchungen ein- 
halten muss, klar zu werden. Die Abhandlung ist in demselben Jahre 
wie die geistreiche Schrift »Platonische Forschungen von Dr. Fritz 
Schultess Bonn 1875 -; erschienen und behandelt ganz denselben Gegen- 
stand. Eine Vergleichung der beiden Aufsätze fällt durchweg zu Un- 
gunsten des Perathoner'schen aus. Beide behandeln die Lehre Plato's von 
der Seele. Schultess findet in dieser Lehre zwei Phasen: in der einen 
stellt Plato die Seele als ein einheitliches, untheilbares Wesen, in der 
andern als ein dreigetheiltes dar (S. 54). Wir haben sonach zwei grund- 
verschiedene Anschauungen über denselben Gegenstand, dieselben können 
nicht als nebeneinanderbestehende, sondern nur als aufeinander- 
folgende Phasen gedacht werden. Die erste ist im Phaedo vertreten, 
die andere im Phaedrus, Republik, Timaeus. Es fragt sich also, welche 
die frühere ist. Da die Dreitheilung der Seele in einigen Dialogen er- 
scheint, deren Abfassung unbestritten in das höhere Lebensalter Platon's 
fällt, in der Republik und im Timaeus — Andeutungen finden sich ferner 
auch in den Leges, anerkannt dem spätesten Werk Platon's, — so ge- 



176 Piaton. 

hört die Dreitheiluug in die spätere Epoche und es liegen in derselben 
Phaedrus, Republik, Timaeus und die Gesetze und zwar in der angege- 
benen Reihenfolge (S. 57). Der Phädo ist also früher als der Phaedrus.« 
So Fritz Schultess. Man mag einen Standpunkt einnehmen, welchen man 
will, man wird nicht läugnen können, dass hier vortreffliche Methode 
vorhanden ist. Gehen wir nun zur Leetüre der Perathoner'schen Arbeit 
über, so finden wir gegenüber der Klarheit und Festigkeit von Fritz 
Schultess ein mühsames Ringen und Hin- und Herschwanken, das zu 
keinem abschliessenden Resultat führt. Nachdem Perathoner den ethi- 
schen Charakter der platonischen Dreitheilung zu erweisen versucht 
(»durch die Seelentheile wird das Begehren in verschiedene Stufen mit 
Rücksicht auf den ethischen Werth geschieden« S. 10), geht er zur Frage 
über, ob Plato bei seiner Theilung der Seele drei Seelenwesen oder unter 
den Theilen nur verschiedene Wirkungsformen der einen Seele annimmt. 
Wie schon die Ausdrucksweise andeutet, zeigt sich der Verfasser hier 
etwas schwankend. Wir heben einige Sätze heraus: »Soviel scheint 
sicher, dass die Seelentheile nicht so unbestritten drei Seelenwesen sind, 
wie es vielfach behauptet worden« (S. 17 und 18). »Alle diese Schwie- 
rigkeiten fliessen daraus, dass die Lehre von den Seelentheilen ursprüng- 
lich darauf angelegt erscheint, die ethischen Werthunterschiede des 
menschlichen Handelns auf drei Dispositionen zu gewissen Strebungen 
zurückzuführen« (S. 18). Auch von diesem Gesichtspunkte aus empfiehlt 
es sich, die yivrj, l'-^pfj-, ^^% der Seele nicht als drei Seelen oder eigent- 
liche Seelentheile, sondern als drei Wirkungsformen anzusehen, welche 
in drei Wirkungsvermögen ihren Grund haben«. Wir wollen nun auch 
sehen, wie der Verfasser von diesem Standpunkt aus »die, wie man glau- 
ben möchte, tief greifenden AbAveichungen, die uns in den Schriften Pla- 
to's in Bezug auf die Lehre von den Seelentheilen begegnen, leichter 
und wohl auch richtiger beurtheilen zu können« glaubt. Im Timäos ist 
nur das Xoyearcxbv der Seele unsterblich, das ßu/xoecdkg und imduixrjZixov 
geht mit dem Tode unter. Der Verfasser sagt nun : »Das Entstehen und 
Vergehen des {^uixoeidei; und imi^/irjTtxuv bezeichnet nur den geringeren 
Werth dieser beiden, der einen Seele inhärirenden Kräfte, welche ohne 
Körper wegen des Mangels der Objecte in der jenseitigen Welt Somixecg 
ohne Energie sind, im Gegensatze zum Xoyiffuxov, das auch im Präexi- 
stenzzustande der Seele thätige, in Wirksamkeit begriffene Kraft ist« 
(S. 21). Nachdem der Verfasser doch wieder im Laufe der Betrachtung 
stutzig geworden, (erkennt mau diese Bedeutung der mythischen Dar- 
stellung des Timaeus nicht au, so liegt allerdings die Annahme sehr 
nahe, dass die Seelentheile in Timaeus als drei gesonderte Seelen zu 
betrachten seien, deren jede ein eigenes Bewusstsein habe S. 22), kommt 
er schliesslich wieder auf die Annahme der einen, untheilbaren Seele 
zurück und zieht endlich auch noch den Phädo für die vorliegende Frage 
bei. Man begreift leichter, heisst es S. 22, unter der Voraussetzung, 



Die Platonische Philosophie. 177 

dass die Seelentheile nicht gesonderte Substanzen sind, warum in diesem 
Dialoge, der doch spcäter als der Phädrus verfasst wurde, die Dreithei- 
lung der Seele kaum berührt erscheint. »Es kann nicht befremden, wenn 
nach dem Grundsatze, wo ein entgegengesetztes Ziehen stattfindet, müssen 
in dem Menschen nothwendig betreffs des Nämlichen irgend zwei sein, das- 
jenige, was zur Befriedigung der sinnlichen Begierden zieht, im Phädon der 
Körper ist, in der Republik ein Seelentheil; der Causalnexus zwischen der 
Wirksamkeit desSeelentheils und dem Körper gestatten diese Vertauschung« 
(S. 23). Auf diese Weise kommt endlich der Verfasser zu dem Satz, das er 
als Resultat seiner Abhandlung hinstellen möchte, »dass die Dialoge Plato's, 
wenigstens die unbestritten ächten, keine wesentlichen Abweichungen in 
Bezug auf die Lehre von den Seelentheilen erkennen lassen.« Wie man 
sieht, tritt der Verfasser in den stärksten Gegensatz zu Schultess. Es 
kann aber nicht dem geringsten Zweifel unterliegen, dass Perathoner mit 
falscher Methode arbeitet. Das Streben, die von ihm untersuchte plato- 
nische Lehre als eine einheitliche darzustellen, liess ihn zu keinem halt- 
baren Resultate kommen. Man sieht es der Arbeit förmlich an, dass sie 
Feuer und Wasser mit einander verbinden will. Die Arbeit von Schultess 
tritt durch dieses Gegenstück in das hellste Licht, sie zeigt in wahrhaft 
mustergiltiger Weise, wie solche Specialuntersuchungen über einzelne 
platonische Lehren zu führen sind. Es wäre zu wünschen, dass diese 
Methode, die auch in dem schönen Aufsatze von Hirzel über den Unter- 
schied der dty.aLoauvrj und der aojfpoaövrj in der platonischen Republik 
Hermes VIII (1872) S. 379 — 411 zu Tage tritt, von Allen eingehalten 
würde, die solche Untersuchungen anzustellen wünschen. 

7) Ö/'J/Ö2'apud Aristotelem Platonemque. Comraeutatio aucto- 
ritate amplissimi philosophorum Bonnensium ordinis suscepta ab eodem- 
que praemio publice ornata. Scr. Petrus Meyer. Bonn 1876. 8. 65 S. 

Der Verfasser weist nach, dass sowohl Aristoteles als Plato keine 
von dem gewöhnlichen Sprachgebrauch abweichende Bedeutung des i9u//o? 
festgesetzt haben, dass sonach auch beide 9on6g in derselben Bedeutung 
gebraucht haben (S. 59, 62). Indem der Verfasser gegen Brentano be- 
tont, dass im9o/j.ca und &u{i6g von einander verschieden* sind und S. 9 
diesen Unterschied für Aristoteles näher erläutert und ausdrücklich alles 
unter den Begriff enSojxca Fallende von der Begriffsbestimmung des &o}iuq 
abgezogen wissen will, fasst er am Schluss seiner Abhandlung seine Unter- 
suchungen über den ^y/iof dahin zusammen, dass er denselben bestimmt 
als naturalem vim, qua ductus suam quisque propriam naturam explere 
studeat, quaque incitatus, quaecunque hanc naturam ipsi propriam tollere 
vel laedere conentur, fugiat, quae contra perfectiorem reddere possint, 
adpetat. Weder die deutsche noch die lateinische noch die französische 
Sprache hat einen diesen Begriff völlig erschöpfenden Ausdruck. Im 
Deutschen genügt weder »Muth, Zorn, Eifer«, noch »Selbstgefühl, Individua- 

Jahresbericht für AUerthums- Wissenschaft 1877. I. 12 



178 Plato. 

litätsi)rincip«. Non possumus siugularem ullara vocem proponere, sed 
ubique seciuidura ea, quae praecedunt vel secuntur, 6 &oiibg erit verten- 
dus vel verbo uno vel toto enuntiato, sagt der Verfasser S. 63. Da die 
Schrift von Aristoteles ausgeht (denn non tantopere ad singula desceudit 
Plato quam Aristoteles S. 45), so muss dem Jahresbericht über Aristo- 
teles das genauere Eingehen in den Inhalt der Schrift überlassen 
bleiben. ^) 

8) Platon's Cardinaltugenden vor und nach Abfassung des Euthy- 
phron. Jenaer Inauguraldissertation von Gustav Auerraann aus 
Merseburg. Jena 1876. 8. 29 S. 

Wer die Worte Schleiermacher's (Einleitung zum Euthyphro S. 54) 
kennt, die dieser für die Aechtheit des Euthyphro in die Wagschale wirft : 
»Ferner verschwindet in den übrigen platonischen Werken der Begriff der 
Frömmigkeit aus der Reihe der vier Haupttugenden, denen er im Pro- 
tagoras noch beigesellt ist, auf eine solche Art, dass ein eigener Wink 
darüber ganz nothwendig ist, und wenn er sich nicht fände als verloren 
gegangen müsste vorausgesetzt werden«, braucht diese Dissertation, als 
deren Resultat (S. 29) der Verfasser hinstellt, »dass, während Piaton vor 
Abfassung des Euthyphrou fünf Cardinaltugenden aufgestellt hatte, er 
nach Abfassung derselben deren nur noch vier annahm«, nicht zu lesen. 
Sie ist eine überaus dürftige, jeder Gelehrsamkeit entbehrende Schüler- 
arbeit ohne allen wissenschaftlichen Werth. 

e. Handschriftliches und Texteskritik. 

Das dies diem docet habe ich bei meinen Studien über die platoni- 
schen Handschriften in vollem Masse erfahren. Eine Entdeckung führte 
zu einer anderen, bis endlich in meiner jüngsten Schrift ein, wie ich 
glaube, vollkommen abschliessendes Resultat gewonnen wurde. Es wird 
interessant sein, an den einzelnen Abhandlungen dieses Fortschreiten zu 
einer immer deutlicher werdenden Einsicht in die Verwandtschaftsverhält- 
nisse der Handschriften klarzulegen. 

1) Bemerkungen zum kritischen Apparat Platon's. Von M. Schanz. 
Philolog. 35 (1876) 368 — 369. 

Ich habe zuerst gesehen, dass die Handschrift J^ in den meisten 
Dialogen aus dem Clarkianus stammt. In dem kleinen Aufsatz wird erst- 
lich die von einem leider jetzt verstorbenen sehr genauen Kenner grie- 
chischer Handschriften vorgenommene Altersbestimmung der Handschrift, 
die ich immer bezweifelt habe, zurückgenommen, und dieselbe nach einer 



1) Noch ist darauf aufmerksam zu machen, dass Meyer den Cobet'schen 
Canon »^«/io'w^zog verum est et <pi.XoMuia et (piXoviAs,Xv<i S. 56 Anm. 3 ausführlich 
begründet. 



Handschriftrn. 179 

seltenen Schrift dem XV. Jahrhundert zugetheilt. Weiter wird gezeigt, 
dass aus dieser Handschrift durch mindestens ein Zwischenglied im Sym- 
posion w geflossen ist. 

2) Mittheilungen über platonische Handschriften. Von M. Schanz. 
Hermes XI S. 104 — 117. 

Dieser Aufsatz, der eine Fortsetzung von den Herrn. X S. 171—177 
stehenden Mittheilungen über platonische Handschriften bildet, wurde im 
vorigen Jahresbericht noch nachträglich besprochen, ich kann mich da- 
her kurz fassen. Derselbe behandelt zwei Sippen, die Sippe B und 
die Sippe IL Beide sind die Quellen von einer nicht kleinen Zahl von 
Handschriften geworden. Für die Erkeuntniss der Sippe B war sehr 
wichtig der Nachweis, dass C aus B stammt, denn dadurch konnten auch 
die Handschriften eliminirt werden, welche aus C stammen, so y, ferner 
r im Protag. Menex. Charm. (im letzten Dialog nur theilweise, vgl. Phi- 
lol. 35 S. 657), endlich g. Bezüglich der Sippe 11 habe ich nachgewiesen, 
dass aus D einerseits stammt cod. p, der wieder Quelle von K und durch 
diese Handschrift weiterhin von q geworden ist , anderseits cod. S, aus 
dem wieder W stammt, ferner habe ich dargelegt, dass aus D im Phae- 
drus NOP, im Parmenides R stammt. Ich glaube somit sagen zu dürfen, 
dass mit den beiden Abhandlungen im Hermes der Weg zur Sichtung 
der platonischen Handschriften in den sechs ersten Tetralogien angebahnt 
wurde. Einen weiteren Schritt that ich in der Abhandlung: 

3) Untersuchungen über die platonischen Handschriften. Von M. 
Schanz. Philolog. 35 (1876) S. 643 — 670. 

Diese Untersuchungen beschränkten sich zunächst auf die Bekker' 
sehen Handschriften, weil von ihnen genauere und vollständigere Colla- 
tionen vorlagen als von den Stallbaum'schen. Durch diese Beschränkung 
war es öfters nicht möglich, genauer und richtiger über die Stellung 
mancher Handschriften zu urtheilen. Dieser Mangel wird dann durch 
meine jüngste Schrift beseitigt. Wenn ich die Hauptresultate der vor- 
liegenden Abhandlung darlegen darf, so sind es etwa folgende: 1. Die pla- 
tonischen Handschriften der sechs ersten Tetralogien (von diesen ist in 
der Abhandlung nur die Rede) zerfallen in zwei Familien, es werden 
die Bekker'schen Handschriften in diese zwei Familien geschieden; von 
einer dritten Familie, wie sie Jordan annimmt, kann keine Rede sein. 

2. lieber diese fälschlich angenommene dritte Familie werden genauere 
Untersuchungen angestellt, es wird gezeigt, dass sie im Cratylus und im 
Symposion zur ersten Familie gehört, ferner wird dargelegt, dass 2" 
und der Marcianus 590 aus 2^ stammen (über die Abstammung des Vene- 
tus 186 und S aus 2" hat bereits Morelli gehandelt), weiter wird für eine 
Reihe von Dialogen bereits die Abstammung von T aus C und damit 
aus B bewiesen, endlich die Werthlosigkeit der ganzen Sippe dargelegt. 

3. Es werden nun die übrigen Handschriften der zweiten Familie unter- 

12' 



180 PJato- 

sucht und die eximirte Stellung und Unbrauchbarkeit von T erkannt, von 
den übrigen in Betracht kommenden Handschriften BuEFAl Laur. 85, 6 
wird nachgewiesen, dass uEFAI Laur. 85, 6 viel verdorbener sind als B 
und gänzlich unberücksichtigt bleiben müssen. Im Einzelnen wird noch 
nachgewiesen, dass F nicht aus E stammt, ferner das u aus B abge- 
schrieben ist. Von den übrigen Handschriften wagte ich damals, als ich 
die Abhandlung schrieb, noch nicht die Abstammung aus B zu behaupten, 
obwohl ich moralisch überzeugt war, weil mir die Beweise nicht aus- 
reichend erschienen, und ich vermeiden wollte, vage Behauptungen auf- 
zustellen. Nachdem noch die nur bei einzelneu Dialogen vorkommenden 
Handschriften als unbrauchbar gekennzeichnet waren, ergab sich also 
vorläufig B als die reinste Quelle der zweiten Familie. 4. Es wird nun 
B mit t, auf dessen öftere TJebereinstimmung mit dem Clarkianus ich 
zuerst die Gelehrten in meinen »Studien S. 84« aufmerksam machte, ein- 
gehend verglichen. Diese von mir zuerst vorgenommene Vergleichung 
der beiden Handschriften musste auch dem blödesten Auge darlegen, 
dass 5, wie ich mich ausdrückte, t gegenüber eine Verderbniss des Textes 
in der zweiten Potenz darstellt und durch t verdrängt werden muss. Das 

einzige Beispiel Theaet. 251, 5 [isUov jiäXXov t, fisUov [xäUov B würde 
hinreichen. Denn schon dieses Beispiel gestattet uns nicht mehr zu 
sagen , dass t nach anderen Handschriften corrigirt ward, sondern zwingt 
uns zu der Annahme, dass B verdorbener ist als t und von demselben 
abhängig ist. Auch bei B wollte ieh, obwohl ich die moralische Ueber- 
zeugung hatte, noch nicht die Abstammung aus t behaupten, da ich be- 
strebt war, nur solche Sätze aufzustellen, die mit unumstösslichen Be- 
weisen erhärtet werden konnten. Das wie ich glaube richtige Ergebniss 
der Untersuchung war sonach, dass die zweite Familie in ihrer reinsten 
Gestalt durch den Venetus 1 erkannt werde, und dass demnach auch nur 
durch diese Handschrift die zweite Familie zur Darstellung kommen 
müsse. Mit Benutzung früher gemachter Beobachtungen wurde weiterhin 
ausgesprochen, dass für die erste Familie neben dem Clarkianus der Tubin- 
gensis und der Venetus H erst in zweiter Linie in Betracht komme. So- 
weit meine Untersuchung. Praktisch habe ich die hier entwickelten 
Grundsätze in meinem Cratylus durchgeführt. Geraume Zeit, nachdem 
mein Aufsatz, der überdies noch sehr lange bei der Redaction lag, pu- 
blicirt war, erschien gegen Ende des Jahres 1876 die Recension des 
ersten Bandes meiner Platoausgabe von A. Jordan in Fleckeisen's Jahr- 
büchern S. 769 ff. Ich bin überzeugt, dass Jordan selbst zugeben wird, dass 
seine ganze Polemik durch meinen Aufsatz gegenstandslos wurde. Ich 
behaupte sogar, dass seine Recension einen Standpunkt einnimmt, der 
durch meine Arbeit als unhaltbar sich herausstellt. So spricht Jordan 
hier noch von seiner dritten Familie |; es wird ferner noch nicht als 
sicheres Ergebniss der Satz hingestellt, das T die Quelle der übrigen 



Handschriften. 181 

Glieder der sogenannten Familie $ ist, es wird weiterhin von S, einem 
Gliede der Familie $ gesagt (S. 773), dass »dasselbe in der ersten Te- 
tralogie keineswegs direct zur Familie ß gehört; man begreift daher 
nicht, warum ^ in dem Musterbeispiel nicht neben ß verwerthet wird — 
über alle diese Punkte giebt mein Aufsatz hinreichenden, auf genauem 
Studium der betreffenden Handschriften basirenden Aufschluss. In seiner 
Recension hat auch Jordan die hohe Bedeutung des Venetus t für die 
Platoki'itik hervorgehoben, allein den wahren Werth dieser Handschrift 
zu erkennen war ihm versagt. Ich habe nicht bloss behauptet, sondern 
durch Vergleichung einer Reihe von Handschriften erweisen, dass der Vene- 
tus t der alleinige Repräsentant der zweiten Familie sei, weil man nur 
aus ihm ein reines Bild dieser Familie gewinnen könne, Jordan dagegen 
führt ein Familienzeichen ein, erkennt sonach nicht den Venetus t als die 
einzige reine Quelle der zweiten Familie an, sondern will noch andere 
Handschriften verglichen wissen. Der grosse Unterschied beider An- 
schauungen liegt klar vor. Wer consequent die Anschauung Jordan's ver- 
folgen will, müsste alle Handschriften der zweiten Familie vergleichen, 
die sich nicht als Copieu von noch vorhandenen darstellen. Doch darüber 
hat sich Jordan nicht näher ausgesprochen. Der Grund, dass Jordan 
keine volle Erkenntniss des Werthes des Venetus t erhielt, liegt darin, 
dass er von dem Parisinus B eine ganz unrichtige Vorstellung hat; er 
nennt ihn »eine für die Kritik keineswegs unwichtige Handschrift«, ferner 
»einen nächst dem Venetus t als besten anzusehenden codex« (S. 772). 
Dagegen wurde für mich B Anlass, den Venetus t in seinem ganzen Ge- 
wicht zu erkennen ; denn ich sah in meinem Aufsatz, dass eine Reihe von 
Handschriften viel verdorbener ist als .ß, ferner dass B wiederum viel 
verdorbener ist als t und dass, wie jene Handschriften durch B überflüssig 
werden, so B durch t verdrängt werden muss. Hätte Jordan, ehe er 
seine Recension schrieb, den B und die anderen wichtigen Handschriften 
der zweiten Familie verglichen wie ich, so würde er bei seinem Scharf- 
sinn sicherlich zu einem anderen Resultat gekommen sein; wir sehen 
dies ja z. B. deutlich an der Aenderung seines Urtheils über den Flor, i, 
nachdem er ihn gesehen. Da nunmehr die in meinem Aufsatz entwickelte 
Ansicht durch meine Schrift eine vollgiltige Bestätigung erfahren, wird 
der Streit über diese Sache wohl für immer ruhen. Dass Jordan mit 
nicht gewöhnlicher Schärfe des Urtheils unhaltbare Sätze in meinen Ar- 
beiten bekämpft, finde ich begreiflich und billige ich es als im Interesse 
der Wissenschaft liegend. Es ist ja selten, wie Jordan wohl an sich 
selbst erfahren hat, dass eine Wahrheit sofort rein und ohne trübe Be- 
standtheile an das helle Sonnenlicht tritt. Dagegen kann ich es als keine 
Förderung der Wissenschaft betrachten, wenn Sätze, die man selbst 
aufgegeben hat, neuerdings bekämpft werden. Es wird mir z. B. vor- 
geworfen, dass ich eine Anzahl schlechter Handschriften zur zweiten 
Familie rechne, die doch zur ersten gehörten; es werden sogar mehrere 
genannt, darunter z. B. die Handschrift p. Ich habe aber in der 1875 



182 Plato. 

im Hermes erschienenen Abhandlung deutlich mehrere dieser Handschriften 
in Abhängigkeit von Fl gebracht, was p anlangt, so ist ja in der von Jordan 
selbst im Nachtrag erwähnten Abhandlung von mir gezeigt worden, dass 
diese Handschrift aus 11 stammt. Der mir gemachte Vorwurf trifft daher 
nicht mehr zu. Auch bezüglich der Vertretung der zweiten Familie durch 
E (£■) dürfte der ausgesprochene Tadel nicht in vollem Masse zutreffen, 
dabei meiner früheren Ansicht, dass mit Ausnahme der Lücken lediglich 
die erste Familie d. h. der Clarkiauus für die Texteskritik massgebend 
sei, es gleichgiltig war, welches Glied der zweiten Familie genommen 
wurde. Ich habe an keiner Stelle von E eine grosse Vorstellung erweckt, 
ich habe nichts gesagt, woraus man schliessen könnte, dass ich diese 
Handschrift für die beste der zweiten Familie halte, ich bezeichnete sie 
bloss mit den Worten: »über haud ita multis vitiis corruptus«. y>E reprä- 
sentirt eben am besten die alte Vulgata, er konnte am besten zeigen, 
welche Fortschritte die Platokritik durch den Clarkianus gemacht hat. 

Uebrigens war es gar nicht meine Absicht, E für alle Dialoge 
als Vertreter der zweiten Familie aufzustellen. Im Cratylus z. B., wo E 
zur ersten Familie gehört, war dies nicht möglich. Ich reiste daher 
Ostern 1875 nach Venedig, um den Veuetus t und andere Handschriften 
zu vergleichen. 

4) Ueber den Platocodex der Markusbibliothek in Venedig append. 
class. 4 Nr. 1 den Archetypus der zweiten Handschriftenfamilie. Mit 
einer vollständigen Collation seiner Scholien. Von Martin Schanz. 
Leipzig 1877. 8. 108 S. 

Da diese Schrift mit meinem Aufsatz im Philologus im engsten 
Zusammenhang steht, da eine Reihe von blossen Vermuthungen meines 
Aufsatzes durch die Schrift zu Gewissheiten wird, da ferner auch mehrere 
irrige Anschauungen meines Aufsatzes durch meine Schrift berichtigt 
werden, so wird es wohl gestattet sein, schon jetzt auf den Inhalt der 
Schrift aufmerksam zu machen. Um ein unanfechtbares Resultat zu er- 
langen, durfte die Untersuchung nicht auf die Bekker'schen Handschriften 
beschränkt, sondern musste auf alle bis jetzt bekannten und zugänglichen 
Handschriften ausgedehnt werden. Dadurch gestaltet sich die Schrift fast 
zu einer platonischen Handschriftenkunde. Vielleicht interessirt es die 
Leser, wenn ich den Gang der Beweisführung hier kurz andeute. Zuerst wird 
der Ursprung von F aus t nachgewiesen, die Handschrift stammt (durch ein 
Mittelglied) in ihrem ganzen Umfang aus t, »ausgenommen einige Blätter 
im Phaedo cf. p. 67«. Leider sind die letzten Worte, welche eine An- 
merkung zu S. 40 bilden sollten, beim Druck übersehen worden. Mit F 
stammt auch f aus t; es werden alsdann die Beziehungen des Laur. 85, 
12 und des Darmstadinus zu F in gewissen Dialogen dargethan, ferner 
die Abstammung des Flor, d aus F in Alcib. I. II Lys. Amat. Menex. 
Die Untersuchung schreitet dann zum Nachweis, dass Im den Cratylus 
aus t haben. Am wichtigsten aber wurde für die Erkenntniss der Ver- 



Handschriften. 183 

wandtschaft der platonischen Handschriften der Beweis, dass auch B aus 
t geflossen ist. Denn dadurch konnte von einer grossen Zahl von Hand- 
schriften gezeigt werden, dass sie aus B stammen. Es werden zuerst 
die Dialoge Apol. Crito Cratyl. Theaet. Soph. Politic. Parm. Phileb. 
Phaedr, Alcib. I et H Hipparch. Amator. Theag. Charm. Lach. Lys. Euthy- 
dem. Protag. vorgenommen. Es ergab sich, dass alle Bekker'schen 
Handschriften der zweiten Familie mit Ausnahme von Flml aus B stam- 
men, (z. B. CEFHvi AE TS u. a.) dass sonach alle von Bekker zu 
den genannten Dialogen verglichenen Handschriften der zweiten Familie 
als sämmtlich aus t stammend werthlos sind. Ganz in derselben Weise 
wird der Stallbaum'sche Apparat behandelt; auch hier stellt sich die 
Abstammung einer Reihe von Handschriften (z. B. ahcoi u. a.) durch B 
aus t in den genannten Dialogen heraus. Es folgen Einzelbemerkungen 
betreffend die Abstammung des Zittav. und Vind. 5 aus }", des Flor, o 
aus a, des r (durch den Lobcoviciensis vgl. S. 100) aus Vind. No. 54, 
mehrerer Handschriften (z. B. g u. 0) aus r-, des d in Apol. Crito Phaedo 
Cratyl. aus /l, des h aus D, des Vind. 7 aus p, des Flor, i im Charm. 
aus Yind. 54. Es kommen dann zur Besprechung Euthyphro, Phaedo, 
Symp., Gorgias, Meno, d. h. die noch übrigen Dialoge der sechs 
ersten Tetralogien. Auch hier wird der Ursprung einzelner Handschriften 
genauer festgestellt, z. B. des August, aus t im Phädo, der Handschrift 
fs aus E im Gorg. u. s. w. 

Das Schlussresultat ist, dass in den sechs ersten Tetralogien uns keine 
andere Quelle der zweiten Familie fliesst als t. Diese Behauptung wird 
alsdann auf die 7. Tetralogie ausgedehnt. Auch hier lernen wir die Ab- 
stammung mehrerer Handschriften genauer kennen. Da der Venetus t 
von der ersten Hand auch einige Bücher der Republik enthält, ergeht 
sich die Schrift auch in der Betrachtung der Handschriften der Republik. 
Der von mir im Hermes XH S. 173 aufgestellte Satz, dass die Kritik der 
platonischen Handschriften von zwei Handschriften abhängt, von dem 
Parisinus A und dem Venetus 77, findet auch durch die Ausdehnung der 
Untersuchung auf eine grössere Anzahl von Handschriften ihre Bestäti- 
gung. Im Einzelnen erfahren die Leser Genaueres über die Handschriften 
ö<Z>r, ferner über die Abstammung des Cod. v aus x, das Cod. t aus a, 
des Cod. xa aus a u. s. w. 

Aus der Besprechung des zweiten Theiles der Handschrift, in dem 
eine jüngere Hand die übrigen Bücher der Republik hinzufügt, will ich 
wenigstens einen Punkt hervorheben, nämlich den Nachweis der Abstam- 
mung von q aus ß. 

Der drittte Theil der Handschrift enthält den Timaeus. Hier wird 
gezeigt, dass iaco Corrou. aus }' stammen, ferner, dass a^eg durch o 
aus T geflossen sind. Ausführlicher wird der Ursprung der beiden zu- 
sammengehörenden Handschriften ef aus o erhärtet. Kurz ist die Er- 
örterung über den vierten Theil der Handschrift, welcher den Timaeus 



184 t*!»*»- 

Locrus enthält. Wir kommen endlich zum Anhang meiner Schrift. In 
demselben wird die Verwandtschaft der eine Sippe bildenden Handschriften 
Ti:3 Yen. 186 Ven. 590 Zittav. Monac. 408 bis ins Einzelne hinein 
verfolgt; es würde die Grenze des Berichtes überschreiten, wollte ich 
alle einzelnen Entdeckungen und Beobachtungen vorführen, da die Un- 
tersuchung nicht blos die genannten Handschriften, sondern auch andere 
behandelt, z. B. l) der (in den Leges) aus 8 stammt, v, der hier aus a 
geflossen u. s. f.; nur den einzigen Satz will ich herausheben »dass 
unsere einzige Quelle für die Briefe der Paris. Ä ist«. Das über die 
Quellen von T, über die Gi'uppe Vind. 1 r Lobe, über die Cod. w und 
Ges., über den Zusammenhang von E und u im Euthyd., über die inter- 
essante Cratylosstelle 68, 20 Gesagte soll hier übergangen werden. Aus 
der nun folgenden Erörterung will ich wenigstens eine gefundene Wahr- 
heit herausheben, dass die Quelle von x der Vind. 55 ist. Auch für 
die Erkenntniss des Ärchetypos der platonischen Handschriften wird t 
verwerthet und der Satz aufgestellt, dass der Ärchetypos unserer Plato- 
handschriften aus zwei Bänden bestand, die in zwei Columnen geschrie- 
ben waren. 

5) In Minoem dialogum. Scr. M. Schanz. Fleckeis. Jahrb. 113 
(1876) S. 505 — 506, 

Da alle Bekker'schen Handschriften zu diesem Dialog auch in meiner 
Schrift über den Venetus t besprochen worden, brauche ich nicht näher 
auf diese kleine Abhandlung einzugehen; nur das Eine sei bemerkt, dass 
hier zum ersten Male die Reihe s-c-.s-i erkannt ist. 

Dies meine Untersuchungen über die Platohandschriften ; ich glaube, 
dass damit eine feste Grundlage für die Platokritik gewonnen ist. Alle 
Sachkenner werden, da die Handschrift t fast noch gar nicht benutzt ist, 
die dringende Nothwendigkeit einer neuen Piatonausgabe zugeben, Lehrs 
natürlich ausgenommen, der auch hier seine eigenen Wege geht. Es ist 
nur gut, dass nicht alle Leute denken wie er und dass andere hervor- 
ragende Gelehrte ihre »Theilnahme an meinen Studien« in etwas anderer 
Weise au den Tag legen als ihm beliebte. 

6) Ueber die neueste Behandlung des Piatontextes. Von Martin 
Wohlrab. Fleckeisen's Jahrb. 113 (1876). S. 117 — 130. 

Ich könnte diese Abhandlung übergehen, da durch meine inzwischen 
erschienenen Abhandlungen, von denen zwei in demselben Jahre wie die 
Wohlrab'sche erschienen, und meine inzwischen herausgekommene Craty- 
lusausgabe alle wahren Ausstellungen, die Wohlrab übrigens nicht selbst- 
ständig, sondern mit A. Jordan macht, beseitigt sind. Allein da Wohl- 
rab einen überaus heftigen Ton, ohne dass er auch nur im Geringsten 
von mir dazu provocirt wurde, anzuschlagen beliebt hat und gegen Cobet 
und mich sehr zuversichtlich auftritt, so wird er es selbst für gerechtfer- 



Textkritisches. 185 

tigt erachten, wenn man seine Abhandlung etwas näher prüft. Hat er 
doch immer noch den Vorsprung vor mir voraus, dass sein in einer weit 
verbreiteten Zeitschrift publicirter Angriff einen grösseren Leserkreis 
gefunden hat, als diese meine Entgegnung finden wird. Wohlrab schreibt 
S. 119: »Seine (d. h. Schanz) Auseinandersetzungen machen den Eindruck, 
als wolle er sich entschuldigen, dass er so wenig Handschriften der zweiten 
Classe selbst coUatior.irt habest. Man traut kaum seinen Augen, wenn 
man eine solche Anschuldigung liest. Hat denn Wohlrab keine Notiz 
von meiner im Septemberheft 18V5 im Hermes erschienenen Abhandlung 
genommen, in der selbstverständlich auf Grund sorgfältiger Collationen 
Mittheilungeu über eine Reihe von Handschriften der zweiten Classe ge- 
macht werden? Diese Abhandlung war doch sicher vor der seinigen er- 
schienen. Wohlrab könnte vielleicht entgegnen, er habe diese Abhand- 
lung übersehen. Wir werden ihn daher auf eine andere Weise überführen, 
die keine Ausrede gestattet. Wohlrab citirt mehrfach meine »Studien«. 
Hier werden zum Euthyphro Collationen von 12 Handschriften mitgetheilt^ 
neun von diesen gehören zur zweiten Familie. Wohlrab erwähnt das von 
mir dort gegebene Stemma dieser Handschriften, es ist daher unbegreiflich, 
wie Wohlrab die obige Anschuldigung erheben kann. Ich glaube, eher 
zu viel Handschriften der zweiten Familie verglichen zu haben, denn mit 
Ausnahme einer einzigen sind sie alle werthlos. Wir lesen ferner bei 
Wohlrab S. 120: »es ergab sich mir, dass für diesen Dialog (den Phädon) 
AT {11) in erster Linie zu berücksichtigen seien, dass aber zl<P(?<^5 den- 
selben sehr nahe ständen und, wo man den erstgenannten nicht folgen kann, 
oft genug das Richtige böten. Diesen zwei unter sich sehr ver- 
wandten Gruppen gegenüber stand die grosse Mehrzahl der schlechten Hand- 
schriften, die für die Textgestaltung recht wenig und fast nur 
Unwesentliches lieferten. Diese Ansicht freute ich mich durch die 
sehr sorfältige und umsichtige Abhandlung Jordans »de codicum Piatonic, 
auctoritate« bestätigt zu finden«. Wiederum traut man kaum seinen 
Augen, wenn man dieses liest. Wie! Das sollte Jordan gelehrt haben? 
Jordan will ja nachweisen (und hat auch nachgewiesen), dass mit der 
ersten Familie nicht auszukommen sei, und dass man daher auch noch die 
zweite (und dritte, was freilich falsch) benutzen müsse, dass die zweite 
(und dritte) Familie ebenso unentbehrlich sei als die erste. Jordan zeigt 
ferner, dass A0Gds (/7) als interpolirte Handschriften der ersten Familie 
völlig werthlos seien, denn »has codicum J cett. lectiones a Bodieiano, 
(I m.) a Tubingensi non confirmatas Schanz, qui ne miam quidem earum 
neque sententiarura nexu neque Piatonis dicendi consuetudine postulari 
eximia diligentia exposuit, in Platouis verbis refingendis non curandas 
esse rectissirae docuit« p. 631. Während Jordan mit ungemein grosser 
evipytta in seiner Schrift auch im Phädo den Satz verficht, dass die 
zweite Familie adfamiliae a vitia sananda non minus quam in ceteris 
dialogis adhiberi oportet, schreibt Wohlrab, dass die schlechten Hand- 



1S6 Plato. 

Schriften (so nennt er die Handscliriften der zweiten (und dritten) Fa- 
milie), »für die Textesgestaltnng recht wenig und fast nur Unwesentliches 
lieferten«. Wie man sieht, stehen sich beide Auffassungen schnurstracks 
gegenüber, zwischen beiden giebt es keine Versöhnung. Und trotzdem 
wagt Wohlrab, freudig erregt, von einem übereinstimmenden Resultat 
zweier unter sich ganz unabhängiger Arbeiten zu sprechen und, damit 
ihm der Ruhm der Priorität nicht verloren gehe, noch ausdrücklich zu 
bemerken, dass der betreffende Theil seiner Vorrede zum Phädo bereits 
gedruckt war, als Jordan's Schrift erschien. Schon Susemihl hat dieses 
Verfahren Wohlrab's ein unbegreifliches genannt. Und das ist es 
auch in der That; denn unbegreiflich ist es, wie ein Mann es fertig brin- 
gen kann, den mit der grössten Klarheit und mit steter Wiederholung 
ausgesprochenen einen Gedanken, den eine Schrift in seinem Specialfach 
zur Geltung bringen will, nicht zu verstehen. Doch wir sind noch nicht 
fertig mit den Unbegreiflichkeiten, welche die Abhandlung Wohlrab's 
darbietet. Wohlrab urtheilt sehr vornehm über meine Ausgabe des 
Euthyphr. Apol. Grit. Phaedo. Man sollte nach dem zuversichtlichen 
Ton, den er anschlägt, vermuthen, dass er Leistungen aufzuweisen hat, 
die ihn berechtigen, auf seine Mitarbeiter herabzusehen. Greifen wir 
daher zu dem Dialog, in dem Wohlrab seinen angeblichen Fund über 
das Verhältniss der Handschriften veröffentlicht hat, zum Phaedo. Nehmen 
wir die Vorrede zur Hand, so lesen wir: differt autem mea Phaedonis 
editio non solum a Stallbaumiana , sed etiam a ceteris omnibus oratione 
Piatonis, quam exhibet. Wohlrab versetzt mit diesen Worten allerdings 
den Leser in Spannung und erregt den Glauben einer nicht ganz gewöhn- 
lichen Leistung. Lesen wir aber weiter: In ea ut non pauca mutarem, 
maxime me permoverunt, quae Martinus Schanzius professor Wircebur- 
gensis cum de aliorum codicum tum de Tubiugensis fide et auctoritate 
disseruit, so kann man sich eines Gefühls des Staunens nicht erwehren. 
Wohlrab will nach seinem Aufsatz im Phädo eine Entdeckung gemacht 
haben, die nach ihm auch Jordan gemacht hat, und die dadurch besonders 
gesichert erscheint. Hier aber erkennt er als seinen Führer M. Schanz 
an, über den er in seinem Aufsatz nur Tadel vorzubringen weiss. Wie 
reimt sich denn das zusammen? Das, was er als einen Vorzug seiner 
Ausgabe vor allen anderen rühmt, verdankt er nach seinem eigenen Ge- 
ständniss mir. Seine Dankbarkeit hat Wohlrab auf eine eigentümliche 
Weise bethätigt. Es kommt aber noch ärger. In seiner Phädoausgabe 
schreibt Wohlrab S. 39: li loci, quibus äOGds discrepant ^ AT (/7), 
non sunt pauci, sed pauci sane ii, quibus quinque illi libri me- 
liorapraebent. Es wird noch hinzugefügt bezüglich J: recte Schan- 
zius docuit eins auctoritatem non eandem esse in omnibus dialogis, mi- 
norem certe in Phaedone. Was lesen wir aber in der Abhandlung (S. 120): 
dass AOGds den guten Handschriften AT {11) sehr nahe stünden und 
wo man den erstgenannten nicht folgen kann, oft genug das Richtige 



Textkritisches. 187 

böten. Und obwohl der Widerspruch handgreiflich vorliegt, stellt doch 
Wohlrab den Satz seiner Abhandlung als ein Ergebniss seiner Unter- 
suchung im Phädo dar. Wohlrab führt gern das Wort Consequenz im 
Munde. Der Fall zeigt uns, dass Wohlrab gut thäte, zuerst seine eigenen 
Inconsequenzen zu beseitigen, bevor er zum Tadel fremder schreitet. 
Würde man es nicht schwarz auf weiss lesen, so würde man es nicht 
glauben, dass ein Platoherausgeber eine solche Unklarheit und Unsicher- 
heit in einer so wichtigen und doch zugleich so einfachen Sache an den 
Tag legen könne. — Noch müssen wir auf die neueste Auslassung des 
Herrn Wohlrab eingehen, die in den Mittheilungen von Teubner Nr. 4 
1877 S. 65 erschienen ist (seine Ausgabe der Apologie und des Crito 
habe ich noch nicht zu Gesicht bekommen), also zu einer Zeit, in der 
mein Aufsatz im Philologus und mein Cratylus längst erschienen waren. 
Wohlrab schreibt: Die neuerdings in Aufnahme gekommene Methode, 
aus dem gesammten handschriftlichen Apparat nur einige Handschriften 
als Repräsentanten aller übrigen auszuwählen, konnte nicht gebilligt wer- 
den. Denn da in keiner Weise erwiesen ist oder sich überhaupt wird 
erweisen lassen, mit welchem Rechte die wenigen Auserwählten alle an- 
deren sollen vertreten können — das wäre doch nur möglich, wenn die 
Abhängigkeit aller übrigen von denselben constatirt wäre — so ist dieses 
Verfahren von dem Vorwurf der Willkürlichkeit nicht frei zu sprechen«. 
Gewiss ist dies auch recht zuversichtlich gesprochen von einem Manne, der 
allem Anschein nach noch keine platonische Handschrift gesehen hat. Doch 
auch hier muss er für seine Zuversichtlichkeit büssen, denn die von ihm 
vermisste Constatirung der Abhängigkeit aller übrigen Handschriften der 
zweiten Familie von dem Veuetus app. class. 4 Nr. 1 ist jetzt durch meine 
Schrift erfolgt. Ich zweifle daher nicht, »dass er die Opposition gegen 
den Repräsentanten der zweiten Familie t einstellen« (ich bemerke, dass 
ich diesen Satz in der Vorrede meiner Schrift für ihn als Antwort auf 
seinen Angriff erlassen habe) und den Vorwurf der Willkürlichkeit zu- 
rückziehen wird. 

Nicht ohne Wiederstreben und erst nach langem Schwanken (vgl. 
die Vorrede meiner Schrift S. IV) habe ich mich zu dieser Entgegnung 
entschlossen. Da Wohlrab auch eine Platoausgabe angekündigt, so könnte 
man mir entgegenhalten: »man merkt die Absicht und wird verstimmt«. 
Allein da dieser Gedanke Wohlrab, obwohl ich noch niemals eine Zeile 
gegen ihn geschrieben, nicht abhielt, mit völliger Ausserach tlassung des 
mir früher gespendeten Lobes plötzlich in derselben Sache Tadel gegen 
mich zu schleudern, so wird man es entschuldigen, wenn ich Einiges da- 
gegen erwidert und gezeigt habe, wie wenig ein Mann, der sich solche 
Blossen giebt, zu einer Kritik geeigenschaftet ist. Ich wünsche, dass ich 
mit Wohlrab nicht mehr in dieser Weise zusammentreffe, sondern dass 
ich Leistungen von ihm zu besprechen und zu rühmen habe, welche die 
platonische Kritik wesentlich weiter gebracht haben. Würden die wahr- 



188 Plato. 

haft goldenen Worte Usener's (Rhein. Mus. 26. Bd. (1871) S. 159) von 
allen Forschern beherzigt, so würden solche unliebsamen Erörterungen 
eine Seltenheit sein. 

IL Die einzelnen Dialoge. 

Indem wir nun zu der Literatur übergehen, welche sich auf die 
einzelnen Dialoge bezieht, bemerken wir, dass wir in der Aufzählung 
derselben der Anordnung des Thrasyllus folgen. Bei der Aufzählung der 
Conjecturen besonders der holländischen Schule, haben wir auch diejenigen 
mit aufgenommen, welche bereits gemacht sind, da öfters die Begrün- 
dungen verschieden sind. 

a. Apologie. 

1) Zu Platon's Apologie. VonR. Bobrik. Fleckeisen's Jahrb. 1876. 
S. 326. 

20 C werden die Worte el [lij tc eTzparzeg dUolov ^ ol noXXol durch 
einen Hinweis auf die verschiedene Bedeutung von izepiTcuv und dXXoTov^ 
von denen das erstere einen quantitativen, das andere einen qualita- 
tiven Begriff enthalte, vertheidigt, ohne zu überzeugen. 

2) Zu Platon's Apologie. Von A. v. Bamberg. Fleckeis. Jahrb. 
1876. S. 666. 

Der Verfasser nimmt Anstoss an der Verbindung r« fisTewpa ^pov- 
Tiö-ny?; »es ist bisher noch keine Belegstelle beigebracht worden, durch 
welche die Verbindung von rä [leriwpa mit fpovziaTTjg entschuldigt würde« ; 
er streicht daher ^povTiar^s, das seine Entstehung einer Reminiscenz 
an Xenoph. symp. 6, 6 verdanke. Das Glossem war aber schon vor Li- 
banius in den Text gedrungen. 

3) 35 D 'noUou Se7] noUou di<a Cobet Mnemos. 4 (1876) p. 443. 

b. Phaedo. 

1) üeber die Bedeutung des Dialog's Phädon für die platonische 
Erkenntnisstheorie und Ethik; CoroUarium emendationum Platonicarum. 
Vom Oberlehrer Liebhold. Programmabhandlung. Rudolstadt 1876. 
4. 25 S. 

In der ersten Abhandlung behandelt der Verfasser zu vielerlei Dinge, 
im Fluge berührt er fast alle platonischen Philosopheme, packt aber keine 
Schwierigkeit ernstlich an; es ist ihm daher auch nicht gelungen, einen 
irgend erheblichen Beitrag zur platonischen Philosophie zu liefern. Die 
zweite Abhandlung beschäftigt sich mit Emendation einer Reihe von 
Stellen aus Phädo, einer Stelle des Symp. und mehreren Stellen aus der 
Republik. Die zu Phädon vorgeschlagenen Aenderungen sind folgende: 
66 B wird die Schleiermacher'sche Umstellung der Worte iistä zoo Xoyou 



, Die einzelnen Dialoge. 189 

iv Tfj axiipBt hinter e^tw/isv gebilligt, aber statt /xsra roo löyoo geschrie- 
ben /x£Ta ToD dXoyou. 69 A dUay:^] dycup]. 70 D d^^o rc ^] äXXod^t 
74 D ^ Bvdei TL sxecvotg tou firj tocoütov ehai otuv ro l'aov ^ ou8dv. 82 B 
sc fi^ tpdoaoipriaavTt — d^cxvecaßac äX^qj mit Tilgung der Worte ^ tä ^do- 
jxaße?. 82 D aw/ia ^epaneOüvreg. 83 B oaov äu reg ocrj&scr] rca^eiv ^. Von 
diesen Vorschlägen ist kein einziger stichhaltig. Liebhold arbeitet mit 
einer beispiellosen Oberflächlichkeit und Flüchtigkeit. Ich könnte ihm 
einen Fall nachweisen, wo er eine Conjectur von mir in so ungeheuer- 
licher Weise behandelt, dass man sieht, er hat sich nicht einmal die 
Mühe genommen, das, was ich vorgeschlagen, genau zu lesen. 

2) Zu Platon's Phädon. Von C. Schirlitz. Fleckeis. Jahrb. 1876. 
S. 193—204. 

In dieser Abhandlung werden zwei Stellen besprochen, einmal die 
bekannte 62 A, über die in den letzten Jahren eine ziemliche Literatur 
angewachsen ist. Der Verfasser findet das {^aufxaaruv in der Stelle lacog — 
eöepydTT^v mit Heindorf in der Zusammenstellung der beiden Sätze vom 
Sterbenwollen der Philosophen und vom Verbote des Selbstmordes (S. 202) 
und bestimmt demnach touto, das den Schlüssel zur Erklärung der gan- 
zen Stelle enthält, mit ßiXTtov ehat zs&vdvat tj ^v. Den Vorschlag, dUä 
nach zdUa einzuschieben, scheint der Verfasser nicht zu kennen. — Die 
zweite Stelle ist 77 E. Hier wird die Wyttenbach'sche Interpretation der 
Worte evc reg xal iv rjiiTv nalg »ad interiorem cuiusque animura eiusque 
partem puerilem et irrationalem haec refruntur« (nicht puer est inter nos) 
gerechtfertigt. 

3) Zu Platon's Phädon. Von H. Keck. Fleckeisen's Jahrb. 1876. 
S. 389 — 390. 

Der Verfasser billigt die von Bonitz 72 D vorgenommene Aus- 
scheidung der Worte xal zaTg fidv ye — xdxtov und erklärt als Anlass 
der Interpolation, wie ich dies bereits in den »Studien« S. 41 ge- 
than, die Stelle 63 C, wo vom Verfasser die Worte roTg dya^oTg rj roTg 
xaxolg gestrichen werden und als Gegensatz von roTg zzrsXeoTTjxoac. be- 
trachtet wird Tj Toig ivMde. 

4) Platon's Beweise für die Unsterblichkeit der Seele im Phaidon. 
Von E. Seifert. Budweis 1875. 15 S. 

ist mir nicht zu Gesicht gekommen. 

c. Cratylus. 

Zu Platon's Cratylus. Von M. Schanz. Philologus 35 (1876) 
S. 369-370. 

Ich behandele in dieser kleinen Abhandlung zwei Stellen 390 E und 
423 A. Da die Vorschläge zu beiden Stellen in meiner Ausgabe des Cra- 
tylus »Piatonis opera quae feruntur omnia. Ad Codices denuo collatos 



190 Plato. 

edidit Martiuus Schanz vol. II fasc. prior Lipsiae 1877« berücksichtigt 
sind, wird es nicht uöthig sein, sie hier ausführlicher zu besprechen. Auch 
die dem Jahresbericht des Gymnasiums zuWongrowitz beigegebene Abhand- 
lung »Observationes criticae in Piatonis Cratylum. Vom Oberlehrer Dr. 
Adam. 4. 14 S, 1875«, welche im vorigen Jahresbericht keine Besprechung 
gefunden (vgl. S. 332), darf deswegen hier übergangen werden, weil alles, 
was nur irgendwie erwähnenswerth ist, in meiner Ausgabe aufgeführt 
worden ist. 

d. Theaetet. 

1) Zu Platon's Thccätetos. Von H. Schmidt. Fleckeis. Jahrb. 1876. 
S. 667 — 670. 

Dass die Theaetet 161 C — 168E vorkommenden Einwendungen 
gegen den Satz des Protagoras mit Unrecht von Bonitz und mir als nicht 
stichhaltige im Sinne Platon's bezeichnet worden sind, versucht der kleine 
Aufsatz darzuthun. Schmidt will dieselben »als nicht entscheidende, oder 
als vorläufige und noch nicht genügende, oder als verbreitende« charakte- 
risirt wissen. Es ist dies kaum mehr als ein Wortstreit. 

2) Durdik P. Wie urtheilt Piaton über das Wissen? (Vortrag im 
philolog. Vereine am 13. Jan. 1874.) Prag 1875. 11 S. 

ist mir nicht zugcäuglich gewesen. 

3) 194 E b TidvTa (jo^ög] u Trdvao^og Naber Mnemos. 4 (1876) 
S. 842. 

e. Philebus. 

1) 21 B £t ^ ^aipscg ^ firj ^acpscg.] 

Das erste ^ streicht Dieck Untersuchungen S. 28 Anm. 

2) »Apud Platonem in Philebo p. 27 E quaeritur de voluptate an 
Tiavdyaßov sit et de dolore au sit Ttdyxaxov. Ibi quidem facile intellectu 
est nou quaeri sitne forte voluptas tmvo djab^bv et dolor mvu xaxovd.. 
Naber Mnemos. 4 (1876) p. 342. 

f. Symposion. 

1) Kritische Studien und Rechtfertigungen zu Platon's Symposion 
von G. F. Rettig. Besonderer Abdruck der der Ankündigung der 
Universitäts -Vorlesungen beigegebeuen Abhandlung. Bern 1876. 4. 
23 S. 

Die Schrift ist gegen eine Recension des Professors Teuffei gerichtet, 
die derselbe über die neue Bearbeitung des Jahn'schen Symposion und 
den ersten Band der Rettig'schen Ausgabe des Symposion erscheinen 
liess (in Fleckeis. Jahrb. 1876 S. 381 - 389 und S. 783). Es kann hier 
nicht unsere Absicht sein, die gegen Teuffei gerichtete Entgegnung in 
ihren einzelnen Punkten zu wiederholen, hier haben wir es nur mit den 



Die einzelnen Dialoge. 191 

kritischen Grundsätzen zu thun, welche Rettig in der Ausgabe befolgt 
und in diesem Programm näher begründet hat, zumal dieselben den 
meinigen auf's stärkste widersprechen. In seiner Ausgabe sagte Rettig ; 
in locis coutroversis omnium de quibus constaret codicum testimonia 
afferenda esse duximus, in locis uon coutroversis satis habuimus codicum 
optimorum auctoritates proponere. Aehnlich in der obigen Schrift S. 4. 
Wer entscheidet aber, ob eine Stelle controvers ist oder nicht? Darüber 
wird von verschiedenen Personen und zu verschiedenen Zeiten verschieden 
geurtheilt. lieber die Durchfährung seines Princips lesen wir S. 4 Fol- 
gendes: »In den angefochtenen Stellen musste das gesammte kritische 
Material herangezogen werden, in möglichst übersichtlicher und abge- 
kürzter Weise. Bei den Handschriften ist dies dadurch erreicht worden, 
dass ich sie nach Classeu und Familien ordnete und dafür Gruppenzeichen 
einführte«. Es wird nicht uninteressant sein, zu sehen, wie Rettig diese 
Anordnung vornimmt. In der ersten Familie bildet er folgende Gruppen : 
1) 2lJ/7=2li; 2) 21J/7+ Z>i:p = 2l2; 3) 21J/7 + DA'p +ro = 2l3; 
4) %jn-i-DKp + ro + Sri = 2t4; 5) DKp = Di; 6) DK^ + m 
= D2', 7) 51" 2" = Si. Es werden also sieben Gruppenzeichen ange- 
nommen. Da nun auch jede der 10 Handschriften einzeln erscheinen 
kann, so haben wir es in der ersten Familie mit 17 Zeichen zu thun. 
Die klare Uebersicht des kritischen Apparates wird dadurch sehr er- 
schwert. Es kommt hinzu, dass man nicht einsieht, warum die Gruppen 
so gebildet wurden. Wenigstens sind die verwandtschaftlichen Verhält- 
nisse der Handschriften hierbei nicht genug berücksichtigt. Rettig hat 
es hier an eingehenden Studien fehlen lassen. Ich will nur Einiges her- 
vorheben: Ich habe nachgewiesen, dass J aus 51 stammt, ferner das n) 
aus J geflossen ist, endlich dass zwischen flDKp folgendes Verhältniss 
besteht: ü-D-yi-K (dass DpÄ aus /7 stammen, vermuthet auch Rettig), 
zwischen ETI folgendes: T-Z-E. Wenn man das weiss, so kann man nur 
an die Aufstellung folgender Gruppen denken: l) SlJm; 2) //DpÄ'; 
3) TZE. Alle anderen Zusammenstellungen sind rein ausser lieh und 
daher ohne Werth. Was soll mau sich z. B. bei der Gruppe i)Ä'p + nj 
denken? Was soll.es heissen, wenn ro auch in einer Gruppe der zweiten 
Familie erscheint? Noch schlimmer gestaltet sich die Sache in der zweiten 
Familie, in der 19 Handschriften von Rettig beigezogen sind. Auch hier 
ist die Zusammenstellung der Handschriften ohne jede Rücksichtnahme 
auf Verwandtschaft erfolgt, n z. B. gehört mit xr zu einer Sippe vgl. 
meine Schrift »Platocodex« S. 68, u gehört mit bi zusammen vgl. 1. c. 
S. 68. Originale und ihre Copien werden zusammengeführt, z. B. der 
Lobcoviciensis, der, wie ich gezeigt habe, nur eiue Abschrift aus dem 
Vindobonensis ist, ferner v, der aus dem Lobcov. geflossen ist und so weiter. 
Nur eine Handschrift ist in einem kleinen Theile zu Anfang angeführt, näm- 
lich der Veuetus t und dieser Codex ist, was Rettig allerdings nicht wissen 
konnte, die Quelle sämmtlicher Handschriften der zweiten Familie. Was 



192 Plato. 

ich in einer kleinen Abhandlung im Rhein. Mus. 1877 gesagt habe, wieder- 
hole ich auch hier: Die Kritik des Symposion hängt von zwei Handschriften 
ab, von dem Clarkianus und dem Veuetus t, alle übrigen sind unnütz. 
Freilich darf nicht verschwiegen werden, dass Rettig angehenden Philo- 
logen durch seine Methode Gelegenheit geben will »das Spiel der Hand- 
schriften in Entstehung, Fortpflanzung, immer weiter gehender Ver- 
breitung von Fehlern kennen zu lernen, um mittelst dieser Kenntniss die 
dagegen anwendbaren und brauchbaren Mittel zu gewinnen, die kritische 
Kunst mit Sicherheit und Erfolg zu üben«. Es fragt sich aber doch sehr, 
ob hierfür die Ausgaben der geeignete Platz sind, auch hätte Rettig 
durch ein Apographum seinen Zweck viel besser erreicht, wenn dessen 
Lesarten und die des Originals genau nebeneinander angegeben worden 
wären. Ich bin überzeugt, dass Rettig, mit dem ich ja längere Zeit in 
freundschaftlichen Beziehungen stehe, in diesen Bemerkungen nicht einen 
Versuch erblicken wird, seinen Verdiensten um Plato einen Eintrag 
zu thun. 

2) Platon's Symposion erklärt von Georg Ferd. Rettig. Halle 
1876. 8. 368 S. (Der zweite Band zu Platon's Symposion mit kritischem 
und erklärendem Kommentar von Georg Ferd. Rettig.) 

Da sich der Herausgeber viele Jahre mit der Kritik und Erklärung 
des platonischen Symposion abgegeben, (vgl. den im Eingang mitgetheilten 
Brief des verstorbenen Bernhardy an den Herausgeber und die von Rettig 
verfassteu Programme De oratione Aristophanis in Symposio 1860 De 
conviviorum Xenophontis et Piatonis ratione mutua 1864 De Heracliti rou 
axoTBivotj dicto aliquo 1865 Ueber das Sprichwort wg äpa xac dya&wv x.t.L 
in Plat. Symp. 174B Ueber die ?.uy$ des Aristophanes in Symp. 185 
Bern 1869 Viudiciae Platonicae Bern 1872), so ist klar, dass uns ein 
fleissiges und gelehrtes Werk geboten wird, aus dem jedermann vielfache 
Anregung empfangen wird, auch wenn er mit manchen Anschauungen des 
Herausgebers nicht übereinstimmen kann. 

3) Platon's ausgewählte Schriften. Für den Schulgebrauch erklärt 
von Chr. Cron und Jul. Deuschle. V. Theil. Platon's Symposion erklärt 
von Arnold Hug. Leipzig 1876. 8. 223 S. Vgl. die belehrende Re- 
cension von J. Vahlen Jen. Literaturzeitung, Jahrg. 1877, Artik. 568. 

Wir haben hier keine Schulausgabe im eigentlichen Sinne des 
Wortes vor uns, sondern eine Ausgabe, aus der auch der Gelehrte eine 
reiche Belehrung schöpfen kann; denn sie enthält ausserordentlich schöne 
und scharfsinnige Beobachtungen. Für die Einführung in das Studium 
der platonischen Schriften wird sich diese Ausgabe vorzugsweise eignen. 
Da ich noch immer hoffe, die Ausgabe bei irgend einer Veranlassung 
ausführlicher besprechen zu können, will ich es hier bei diesem Lob be- 
wenden lassen. 



Einzelne Dialoge. 193 

4) Zu Platon's Symposion. Von Leopold Schmidt. Rhein. Mus. 
31 (1876) S. 471 — 473. 

In dieser kleinen Abhandlung vertheidigt Schmidt die von ihm früher 
vorgebrachte Conjectur inzi tiq uficv oh firj i^san^xrj Man vgl. nun auch 
Arnold Hug zur Stelle, dann krit. Anhang S. 206 und Berichtigungen. 

5) 218 B nuXag ndw ixsyd^ag] »ad asinos dictum videtur: aptum 
est TiuXag Ttafi/isyd^ag« Naber Mnemos. 4 (1876) p. 343. 

6) 220D rj?.cu)] 'lücw (wie Lehrs) R. Förster Fleckeis. Jahrb 1876 
S. 823, 33. 

181 B behandelt unglücklich Liebhold in der citirten Abhand- 
lung S. 21. 

g. Phaedrus. 

1) Ueber den Grundgedanken des Platonischen Phaidros. Von Dr. 
Otto Steinwender. Programm zum XIL Jahresbericht des Maria- 
hilfer Communal - Real - und Ober - Gymnasiums. Wien 1876. 8. 
S. I-XX. 

Der Verfasser untersucht zunächst nach einer Uebersicht über den 
Gedankengang des Dialogs das Ziel der beiden Theile, in welche zweifels- 
ohne der Phaedrus zerfällt: »Das negative Ergebniss des ersten Thei- 
les, welcher die Liebesredeu enthält, ist die Verwerfung des Eros in seiner 
gemeinen Auffassung, wie sie der Liebesrede des Rhetors zu Grunde liegt. 
Das negative Ergebniss des zweiten Theiles, eines Gesprächs über Rhe- 
torik, ist die Vernichtung der Rhetorik. Das positive Ergebniss des 
ersten Theiles ist der Nachweis des Segens, den der Eros bringt, das 
positive Ergebniss des zweiten Theiles ist die philosophische Begrün- 
dung der wahren Normen der Gedaukenmittheilung«. (S. VII.) Nach 
dieser Darlegung geht der Verfasser daran den Zusammenhang beider 
Theile und den Grundgedanken aufzuzeigen. Den Zusammenhang findet 
er auf folgende Weise: »Zwischen der Gedaukenmittheilung und dem 
Eros besteht ein unmittelbarer Zusammenhang. Der Eros ist der Grund 
der vollkommensten und allein segensreichen Gedankenmittheilung, welche 
in der mündlichen an die einzelne geeignete Person gerichteten Rede 
besteht. (S. VIII und IX.) Das einigende Band muss also zwischen dem 
positiven Ergebniss des ersten und zweiten Theiles gesucht werden«. 
Ueber den Grundgedanken spricht sich schliesslich der Verfasser also 
aus: »Die Methode, im Dialog mit dem dui-ch den Eros Verbundenen 
die Gedanken zu erzeugen und mitzutheilen, ist das positive Ergebniss, 
der Nachweis, dass die Rhetorik unfähig ist die Kunst der Gedauken- 
mittheilung zu üben und zu lehren, das negative Ergebniss. Der Grund- 
gedanke des Phaedrus ist demnach: Der Sieg der Sokratischen 
Methode, das ist der Methode, imDialog mit dem durch den 
Eros Verbundenen die Gedanken zu erzeugen und raitzuthei- 

Jahresbericht für Alterthums-Wissenachaft 1877. I. 13 



194 Platoü. 

len, über die Rhetorik«. In einem Anhang werden die Ansichten 
von Ast, Deuschle, Bonitz, Schleierniacher, Zeller, Rüge, Brandis, Rib- 
bing, Stallbauni, Steinhart, SusernihI, H. v. Stein, Hermann geprüft und 
zum Schluss gut die Richtungen, welche den verschiedenen Deutungsver- 
suchen zu Grunde liegen, gezeichnet. 

Obwohl ich gern das Streben des Verfassers anerkenne, so muss 
ich doch ausdrücklich bemerken, dass ich seine Anscliauung nicht theilen 
kann. In Bezug auf die Auffassung des Dialogs pflichte ich durchaus 
H. Bonitz bei, weil ich in seiner Analyse alle Bedingungen erfüllt sehe, 
die man an eine solche zu stellen hat. Bonitz, überall von den Worten 
des Schriftstellers ausgehend, ist durchweg bestrebt, die gefundene Glie- 
derung des Dialogs als eine von Plato selbst gewollte nachzuweisen. 
Nur auf diesem Wege gekngt man zu einer ungekünstelten, natürlichen 
Auffassung des Grundgedankens. Es wäre sehr zu wünschen gewesen, 
dass der Verfasser Bonitz, der stets die Stellen sprechen lässt (z. B. 
S. 262 CD, wo die Liebesreden des ersten Theiles von Plato selbst als 
glücklich sich darbietende Beispiele bezeichnet werden) eingehend zu 
widerlegen versucht hätte. Er würde höchst wahrscheinlich dann gefunden 
haben, dass die Bonitz'sche Analyse allen Anforderungen entspricht. Mit 
der Literatur scheint der Verfasser nicht vollkommen vertraut zu sein; 
so z. B. fehlt die Jenaer Dissertation von Hinz Ueber Plan und Gedan- 
kengang in Plato's Phädrus 1874. 

Wie hängen die Unterredungen des zweiten Theiles des Platoni- 
schen Dialogs »Phaidros« mit jenen des ersten Theiles zusammen? Von 
A. Hosek. Grudim 1875. BS. 

Diese Abhandlung ist nach einer Mittheilung des Gymnasialdirectors 
von Grudim in böhmischer Sprache abgefasst, welche Referent nicht 
versteht. 

2) p. 245 E ^y/^ff ouaiav] (pu^r^g tpöotv Naber Mnemos. 4 (1876) 
p, 333. — 274 D roTOw] v6y.oo Naber 1. c p. 347. 

h. Protagoras. 

1) Charakterbilder aus Protagoras von Prof. Ambros Mayr. Pro- 
gramm der vereinigten Communal- Mittelschulen zu Komotau. 1876. 
8. S. 3 — 27. 

Von den in dem Dialog Protagoras auftretenden Personen wird nach 
den von Plato gegebenen Andeutungen ein Bild von Sokrates (S. 2—12), 
Protagoras (12-17), Hippias (17 — 19), Prodikos (19-22), Hippokrates 
22 — 25), endlich von dem Hetairos (25 — 27) entworfen. Die verwertheten 
Stellen des Dialogs sind am untern Rand mit Zahlen angegeben. In der 
lebhaften Schilderung, die der Verfasser entwirft, wirkt öfters sehr störend 
eine unpassende, forcirte Ausdrucksweise z. B. »Der Universaltrichter 
Hippias« S. 15 u. s. w. Ein sonderbarer Irrthum findet sich auf S. 18. 



Einzelne Dialoge. 195 

Da in der Schrift nicht näher untersucht wird, in wie weit das von Plato 
entworfene Bild der drei Sophisten mit der Wirklichkeit übereinstimmt, 
so ist der Arbeit nur ein geringer wissenschaftlicher Werth beizumessen. 

2) Zur Erklärung von Plato's Protagoras. Von Carl Schirlitz. 
Zeitschrift für das Gymnasialwesen XXX (1867) p. 401 — 446. 

Der Verfasser behandelt 1) Stellen, in denen die handschriftliche 
Lesart ohne Grund angefochten ist. 329 A gegen die von C. F. Hermann 
vorgenommene Einschiebuug der Negation ou-/^ vor ojamp. 331 B gegen 
die von Kroschel versuchte Verdächtigung der Worte xai iidhaza ndv-ojv 
Tj T£ 8cy.aioaOv7^ otov bacoTr^g xai ij baiuzrfi o7ov dtxatoQuvrj. 338 A y//?v 
vertheidigt. 341 E gegen Kroschel's Conjectur, der saiEp für siTa schreibt, 
und dessen Interpunction der Stelle. 358 B Die handschriftliche Lesart 
8bvarai ist als unhaltbar zu bezeichnen, dagegen zu der von Heiudorf 
vorgeschlagenen, seitens der Erklärer gebilligten Aenderung rrojs? statt 
ETioki liegt kein Grund vor. 2) Stellen, die um ihrer Erklärung willen 
eine Besprechung verdienen, ohne dass die handschriftliche Lesart eine 
Aenderung erfahren hat. Es sind folgende: 310 D werden die Worte 
yiyvujaxujv auroi) zrjv ävSpsiav xai itjv Ttzoir^atv erklärt; »die beiden 
Ausdrücke sind auf das bestimmte Auftreten des Hippokrates im vorlie- 
genden Falle, nicht auf seine allgemeine Gemüthsbeschaffenheit zu be- 
ziehen«. 320B »Die gesammte Bildung des Protagoras betrachtet Sokrates 
als Product zweier Factoren, von denen der eine, die kntarrjiirj, sich wie- 
derum aus zwei Stücken, dem ixaßsTv und iqeupsTv zusammensetzt« (S. 421). 
332 A y>-6oe allo bezieht sich nicht auf die Behauptung des Protagoras 
über das Verhalten der Tugenden zu einander als diametraler Gegen- 
sätze, sondern auf den früheren Satz desselben, dass aocpla und auxppoabvrj 
qualitativ verschieden seien« (S. 424). 346 D wird ndvTa toi xaM — p-ip-ixTut 
ausführlich besprochen, ebenso 351 A-B. Im Auschluss daran wird auf 
die Amphibolie folgender Stellen hingewiesen: 317 E — 318 A {roy^dvei 
iv im&u/xca tov), 318A — B {ßeXztüJV av yivoio)^ Zl^J) {xaXuJg eputr^g mxä 
anderes). 3) Stellen, an denen Textesänderungen vorgenommen werden : 
312 D noiag ipyaaiaq smcsTd-rjQ wird nach ao<pu)v sau umgestellt und das 
ohne zureichende handschriftliche Autorität (da sowohl der Clark, als der 
Venetus T dieses ^ nicht haben, ist es offenbar eine Conjectur) in den 
Text vor imard-n^v eingeschobene ^ beibehalten. Ich glaube auch jetzt 
noch, dass mein Vorschlag, sc vor einoi}iev einzuschieben (Nov. com. p. 56), 
am besten die Stelle heilt. 315 D—E rouz' ivdov ^v rb jieipdxiov oder 
ToSz rjv rb fietpdxcov ivSov. 341 C wird hinter epL/ievac das Fragezeichen 
gesetzt. 344 A ^acvezac zs npbg Xöyov. 362 olnep] onep. 

3) Protag. 309 A zou ^npüjzov* uTtrjvrjzou Cobet Mnemos. 4 (1876) 
p. 268. 

13* 



196 Piaton. 

i. Gorgias. 

1) Ueber den Begriff der Strafe in Platon's Gorgias. Von Lud- 
wig Paul. Zeitschrift für das Gymnasialwesen XXX (1876) p. 593—603. 

Plato unterscheidet nach der Ausführung des Verfassers eine ob- 
jective und eine subjective Seite der Strafe. Nach ihrer objectiven Seite 
ist sie eine Herstellung der Gerechtigkeit und damit eine Behauptung 
des Guten in der menschlichen Gemeinschaft, die dadurch bewirkt wird, 
dass dem verletzten Gesetz Genugthuung gegeben und so das Recht er- 
halten wird in seinem Bestände. Nach der subjectiven Seite ist die Strafe 
Zucht, xuXamg^ d. h. Befreiung des Subjects von der Schlechtigkeit, und 
damit eine Behauptung des Guten in der Seele des Büssenden (S. 599). 
Weiter wird auseinandergesetzt, dass die objective Seite der Strafe sich 
zuerst im Bewusstsein des Menschen heraushob. Auch die Phrase dcxrjv 
Scoovat bedeute ursprünglich nur die objective Seite der Strafe. Diese 
Auffassung der Strafe von Seite Platon's ist eine erschöpfende und auch 
in die moderne Philosophie übergegangen: wie Plato, so unterscheidet 
auch Hegel die zwei Seiten der Strafe. 

2) De Calliclis oratione quae est in Gorgia Platonico sex locis 
commentatio. Scr. Joseph Golling. Zum Programm des Gymnasiums 
zu Wr. Neustadt 1875. 8. 19 S. 

Wenn dieser sehr lebendig geschriebene Aufsatz auch keinen wesent- 
lichen Fortschritt in der Kritik des Gorgias begründet, so ist doch der 
Fleiss des Verfassers und sein Streben, die gesammte Literatur beizu- 
ziehen, was man so selten in Programmabhandluugeu findet, recht lobens- 
werth. Die sechs besprochenen Stellen sind: 483 A wird gegen Aende- 
rungsversuche vertheidigt. 483 C D wird or^XoT = drjXd iarcv interpretirt 
und mit Ast, Stallbaum Taura als Nominativ gefasst. 484 A wird mit 
Böckh xaTa (pbaiv nach (p-riaiv eingeschaltet, aber diese Worte dem Plato 
gegeben. 485 B werden die Worte w ixt npoarjxzt dcaXiyza&ac outuj 
vertheidigt. 485 DE schwankt der Verfasser zwischen der üeberlieferung 
xal Ixavov und seiner (unhaltbaren) Conjectur xav cxavuv. 486 E wird, um 
die Schwierigkeiten, die otanpiTtztg bietet, wegzuräumen, der Ausfall eines 
Wortes mit Ruhnken u. a. statuirt und <p(jaag vor <p(jmv eingesetzt, was 
unmöglich. 

3) Vier Stellen in Plato's Gorgias. Von G. Wendt. Zeitschrift 
für das Gymnasialwesen XXX (1876) S. 603 — 607. 

447 C wird als Lokalität des Gesprächs das Haus des Kallikles 
angenommen. In seiner Erörterung bringt der Verfasser Manches vor, 
dem ich nicht beipflichten kann. Zu bedauern ist, dass G. Wendt, wie 
es scheint, die über diese Frage angewachsene Literatur nicht vollstän- 
dig kennt, z. B. nicht die Ausführung Cobet's Mnemos. U (1874) S. 114. 
461 B Tj ^oux* ul'ei und nach <5i^a|'£iv Fragezeichen. 502 B [ijp' o) iamou- 



Einzelne Dialoge. 197 

8ax£], so aber bereits Cobet Mnemos. XI (1862) p. 415 II (1874 p. 141 
[ojg aol 8oxe7\. 504 E aXarrov] Wendt schreibt, bis man etwas Besseres 
findet, ßXoKpe:. Unwahrscheinlich. 

k. Meno. 

Platonica von C. G. Cobet in Mnem. 4 (1876) p. 442 — 449. 

Ausser einigen Bemerkungen über Anytos (in iis qnae de Anyto 
scribit Menou. p. 90 B ubique sunt aculei in hominem, quem Plato pessime 
oderat, nam nuUa esse potest controversia, quin haec post Socratis mortem 
scripta fuerint p. 445) und den ebenfalls im Dialog vorkommenden Poly- 
krates (pauci, credo, Stallbaumio credent, Polycratem esse veterem Sa- 
miorum tyrannum. Polycrates Thebanus nescio quis Ismeniam heredem 
scripserat) giebt Cobet hier Conjecturen zu dem Dialog Meno (und einige 
eingestreute zu anderen Dialogen). Wir führen die zu Meno hier auf: 
7oA iv&dds OS {tu npäy/xa scg) rouvavzwv ibid. [rj ao<p{a\ 71 A rotrourou 
Sduj 71 D fJLsv rocvuv (so Venetus T", fiev zoi vdv Clark. B) 71 D sme. 
72 A xec/JLSVov ibid. sl ok [ßoohc] 8o6hu 76 A npayfiara Trapd^scg für 
npäyiiara npoazdzzeig 76D ^yve? ozuv Xiycu cod. BT: oziv Xiyuj (Do- 
rium est zcv pro aoc, ut ijxtv pro ep-ot) 77 D emd^opoüatv [o? djvooüvzsg 
auzd] 7 8D npoazt&ecg 80 A mnoii^xevat [vapxdv], {so schon Dohree und 
Naber) 89F, pezaooTpev dv auzug BT: pszaooTpsv ^'Awzog 91 B post 
zaüzrjv ouv zr^v dpszYjv manifesto aliquid excidit unde accusativus zauzrjv 
zTjv dpszrjv pendebat; es wird vorgeschlagen paärjaopsvov oder ßouXopevoc 
auzbv ao<puv ysvecr&ac 91 B oug für o7oug ibid. zoaaözri für zoiaüzrj 
91 E [ipyaCupevoc] ibid. [zd Ipdzcd za xai bTioo7jpaza\ ibid. dXXd [^slzoiaoza 
TMiötev] zaxo ibid. tiXsTv ^ zezzdpaxovz' ezrj 92 C 7:spc bzououv Tipdypazog 
99 D ex zoü &eüjv ibid. wird die Conjectur des Casaubonus aecog dvijp 
für &£iog dvijp gebilligt 100 A zo\ oe oxtal dhaoymv. 

1. Republik. 

1) VIII 558A auzou »an Ort und Stelle« für auzajv W. Teuffei 
Fleckeis. Jahrb. 1876 S. 113. 

2) Zu Platon's Politeia. Von Liebhold. Philolog. 35 (1876) 
S. 370 — 373. 

Es ist zu bemerken, dass manche der behandelten Stellen auch in 
der oben erwähnten Programm -Abhandlung lateinisch bearbeitet sind, 
ausserdem sind in der Abhandlung auch neue Stellen behandelt. Wir 
stellen alle Aenderungsversuche hier nach der Reihenfolge im Dialog 
zusammen: 476 A (Programm S. 21) xal dX^^ojv] xal dXXcov tioXXmv 
496 C aut ysudpsvoc ut marginale removendum aut meliorum librorum 
lectionem ysvöpsvot quippe superfluam — ex kXöpsvoi exortam suspicari licet, 
ferner im zjj zaJv dixamv ßor^d^eia cnouddZot dv 501 B xai Ttpog zh exelvo 
aazö iv zo7g dv&pcunocg 511 A dnb zujv xazcu 511 E £^' o7g] i<p offov 



198 Piaton. 

534 A xal ozc] xa) erc in der Abhandlung S. 372, xal rooro später im Pro- 
gramm S. 22 ibid. ttjv o' e^p' otq zaoz av 8ti'/rj w^aAoycav ibid. ouacav] 
voTjacv 5iOE ixniix(}fouacv — rpi^'ovrat 541 A ^v sMyofjisv] Xsyo/xzv. Ich 
habe diese Conjecturen ohne Bemerkungen, ohne Widerlegungen gegeben. 
Liebhüld ist hier ebenso unglücklich und leichtsinnig wie mit seinen Con- 
jecturen zum Phädo. 

3) 432 A et 8e [ß6u?^£c] Cobet Mnemos. 4 (1876) S. 444. 

m. Timaeus. 

1) Zu Plato's Timaeus S. 24 E. Von Joh. Wrobel. Zeitschr. für 
österr. Gymn. 27 (1867) S. 617. 

Wrobel nimmt Anstoss an der Tautologie der Worte o xa^srre, wg 
(faxe unsTg, "HpaxXiooQ a-ijXag und da in den meisten Handschriften xa- 
Xetzat steht, (freilich im Parisinus A erst von zweiter Hand, ich bemerke 
jedoch, dass diese Verwechslung in den Handschriften sehr häufig ist), 
so liest er o xaXsTrac — a-rjXat. Diese Conjectur werde bestätigt durch 
die lateinische Uebersetzung des Chalcidius. 

2) Tim. S. 74 B iaead^ai xTrjiiara\ emenda auctore Valckenario etr^jy- 
Hara Cobet Mnem. 4 (1876) S. 323. 

81 D Steazdiievoi]. In Parisino scriba quum errore Scearafxdvot de- 
disset, recte correxit dua-diievoi Cobet 1. c. S. 377. 

3) Piatonis Timaeus interprete Chalcidio cum eiusdem commeutario. 
Ed. Dr. Joh. Wrobel. Lipsiae in aedibus B. G. Teubueri 1876. 8. 
398 S. Mit einigen Tafeln und einem Facsimile eines codex Craco- 
viensis. 

In der Vorrede bespricht der Verfasser die früheren Ausgaben und 
tadelt mit Recht die Nachlässigkeit und Unbrauchbarkeit der von Mullach 
besorgten. Alsdann spricht sich der Verfasser über die Zeit, in der Chal- 
cidius lebte, und die Religion desselben aus. Interessant ist die Ausführung 
nach Haureau Histoire de la philosophie scolastique Paris 1872 über das 
Ansehen, das Chalcidius im Mittelalter gehabt. Certissimum est, heisst 
es p. XII, scriptorum Platonicorum unum Timaeum in Latinum conversum, 
archetypum autem Graecum nullum fuisse ideoque ad extremum usque 
saeculum XII ex Timaeo a Chalcidio translato, si omittas fragmenta quae 
in patrum qui dicuntur operibus reperiuntur, haustam esse philosophiae 
notitiam. Zum Schluss zählt der Verfasser die Hilfsmittel auf, die er für 
seine Ausgabe benutzt hat: es sind zwei Krakauer und vier Wiener Hand- 
schriften. Wrobel hat ein Anrecht auf Dank, dass er es unternommen 
hat, eine wirkliche Lücke in der philologischen Literatur auszufüllen, 
auch ist der Fleiss, den Wrobel seiner Aufgabe zugewendet hat, recht 
rühmenswerth. Aber auch die Mängel, an denen die Arbeit leidet, müssen 
hier hervorgehoben werden. Ich glaube nämlich, dass die Methode, die 



Einzelne Dialoge. 199 

in der Ausgabe zu Tage tritt, eine verfehlte ist. Seit Lachmann ist es 
Pflicht des Herausgebers, sich vor allen Dingen eine Kenntniss des ge- 
sammten kritischen Materials zu verschaffen, alsdann aber auf Grund- 
lage einer Untersuchung über die Verwandtschaftsverhältnisse der Hand- 
schriften die älteste und treueste Textesquelle aufzuschliessen. Beide 
Forderungen sind von Wrobel leider nicht erfüllt worden. Er hat es 
erstlich unterlassen, Nachforschungen nach den vorhandenen Chalcidius- 
Handscbrifteu anzustellen, ferner nicht einmal eine methodische Unter- 
suchung über die wenigen von ihm verglichenen Handschriften gegeben, 
denn die subjectiven Schätzungen in der praefatio können nicht als eine 
solche gelten ; einmal regt der Verfasser zwar eine hierher gehörige Frage 
an (praef. p. XIX), führt sie aber nicht zu einer sicheren Entscheidung, 
Auch vermisst man eine methodische Vergleichung der Ueberlieferung 
des Chalcidius mit der des platonischen Timaeus. In der Gestaltung 
seines kritischen Aj^parates hat Wrobel ein sonderbares Verfahren ein- 
geschlagen. Er copirt nämlich seine Handschriften mit allen ihren Schrei- 
bungen und Abkürzungen. Auf diese Weise erhält der Apparat fast 
lauter ellenlange Sätze, welche eine klare Uebersicht des kritischen Ap- 
parates absolut unmöglich machen. Je mehr ich mich mit kritischen 
Arbeiten beschäftige, desto mehr hat sich bei mir die Ueberzeugung be- 
festigt (man wird diesen Fortschritt auch in meinen Arbeiten bemerken), 
dass der kritische Apparat so einfach als möglich zu gestalten sei. Be- 
sonders muss ich mich gegen eine Copirung der Handschriften in allen 
ihren Einzelheiten durch die Schrift aussprechen. Eine solche Abconter- 
feiung ist immer unvollkommen und hat fast gar keinen Werth. Man kann 
sogar in der Regel mit Worten den Thatbestand der Handschriften 
noch deutlicher feststellen. Mögen diese Bemerkungen Herrn Professor 
Wrobel veranlassen, alle Handschriften zu prüfen, die richtigen zu ver- 
gleichen und noch eine Handausgabe mit einem kleinen kritischen Ap- 
parat zu veranstalten. 

4) Iwani Mülleri quaestionum criticarum de Chalcidii in Timaeum 
Piatonis commentario specimen alterum. Erlangae 1876. Programm- 
Abhandlung! 4. 13 S. Specimen tertium Erlangae 1877. Programm- 
Abhandlung. 4. 17 S. 

Durch diese dankenswerthen Programme wird unsere Kenntniss 
des kritischen Materials über Wrobel hinaus erweitert. In dem Programm 
von 1876 (wie in dem von 1875) werden Lesarten aus einem codex Bam- 
bergeusis zur Ausgabe von Mullach mitgetheilt und dadurch der Text 
an einer Reihe von Stellen verbessert, in der 1877 erschienenen Abhand- 
lung wird uns Kenntniss von einem Colonieusis, einem Riccardianus, Mo- 
nacensis, Marcianus gegeben und daraus Lesarten an der Hand der 
Wrobel'schen Ausgabe mitgetheilt. Auch hier finden wir kritische An- 
merkungen in reicher Zahl. 



200 Piaton. 

n. Leges. 

I. 626 D »Cobetus in Variis Lectiouibus p. 527 iam ostendit Scavo- 
e?a&at et ScaxeTaBac coufimdi in Piaton. Kep. I 343 B. Sed itidem corrige 
Legg. I 626 D auro) 8k Tiphg auruv norspov ajg TioXejito) npog TioXijXidv 
SiavoTjTsov« Naber Mnemos. 4 (1876) S. 348. — VI 752E Dittogra- 
phia est apud Platonem Legg. VI 752 E Teva nöpov xal Xoyov dvsupcc- 
xo/xsv; Naber 1. c. — VII 793 D robg vojioijg] zoug Xuyoog Naber 1. c. — 
IL 663 C inaivoig xac Xoyoig] STiaevocg xat (poyotg Naber 1. c. p. 347. 

III. Platonische Scholien. 

ad Protag. 309 A xal zu Tipiörov oTrrjvrjTrjg für xal rh npwTog umj- 
vijzrjg Cobet Mnem. IV (1876) p. 268. 

ad Criti. 112A /Zvyf zonog ^Ad^rjvrjaiv iv 5) exxhjGtat iycyvovzo ndXai 
pkv ndaai^ uazepov 8e äna^ ozav zov azpazrjyov ^stpozovöjatv. Als Quelle 
dieses Scholion erkennt Cobet Mnemos. IV (1876) S. 284 Hesychius, wo 
es heisst IlvO^' zonog 'A&rjVTjatv, iv w o.l exxhjaiat T^yovzo rtäXat fikv näaat, 
vovc de ana^ ozav (zbv) azpazrjyhv ^scpozovuxTcv, Das Letztere rühre 
^on Didymus oder einem anderen älteren Gelehrten her und sei geschrie- 
ben, »quo tempore erat aliqua Atheniensium respublica et unus quotannis 
azpazrjog creabatur qui rem frumentariam curaret. Descripta sunt multis 
annis post quum haec quoque olim sublata essent«. 

Im Anschluss hieran noch einige Nachträge und Berichtigungen zu 
meiner Schrift »Platocodex«. Menex. 384, 7 hat B zw yevvoj/xeva} durch- 
strichen, aber in einer Weise, dass man zweifelt, ob der Strich gelten 
soll oder nicht. Daher haben einige der aus ß stammenden Handschriften 
die Worte, andere z.B. -wazl nicht. Phaedo 103, 8 48, 19 Symp. 420, 19 
Crito 153, 13 Hipparch. 243, 22 Politic. 346, 18 344, 16 erklärt sich die 
Lesart gewisser aus B stammenden Handschriften durch Compendien in 
B. S. 50 ist das Beispiel Protag. 163, 8 zu streichen. Interessant ist 
der Sachverhalt Apol. 91, 13 Phileb. 239, 15 in B. - Das Symp. des 
Riccard. nr. 92 stammt aus "5, denn 370, 12 ovzojv ^ixäiv Clark. Venet.: 
^fiwv OVZOJV Rice, mit B. — In F ist das erste Blatt (Anhang des Euthy- 
phro) von einer andern Hand geschrieben, L gehört hier zur ersten Fa- 
milie. — Zu S. 81 meiner Schrift ist zu bemerken, dass 90, 11 eazt in 
A ist und 74, 14 ehat in A fehlt. Dass aym (und jedenfalls auch Rice, 
nr. 66) in der Rep. aus ^, einem früheren Mediceus stammen, ist un- 
zweifelhaft, nur ein Beispiel: 484, 5 nlrjyevzog A: nXijzzovzog aym mit 
corr. A. — Wie in anderen Dialogen, so stammt auch in den spurii 
aus B. Allem Anschein nach ist hier A unsere einzige Textesquelle. — 
Li der Apol. ist die Bekker'sche Handschrift g Paris. 3012 (o). 



Bericht über die die griechischen Tragiker be- 
treffende Literatur des Jahres 1877. 



Von 

Prof. Nicolaus Wecklein 

in Bamberg. 



Griechische Tragiker 

C. G. Cobet, De nonnullis fragmentis tragicorum. Euripides. 
Tragici minores. Mnemosyne nov. ser. V. p. 325 — 248, 249 — 273, 
273—276. 

Th. Gomperz, Die Bruchstücke der griechischen Tragiker und 
Cobet's neueste ki-itische Manier, Ein Mahnwort. Wien 1878. 44 S. 8. 

N. Wecklein, Curae criticae (Gratulationsschrift zu L. Spengers 
öOjährigem Doctorjubiläum). 22 S. 8. (Jahrb. f. class. Philol. Suppl. IX. 
S. 159—179). 

Fr. Scholl, Ueber Jon von Chius. N. Rhein. Mus. 32. S. 145 
bis 159. 

J. Rappold, Die Gleichnisse bei Aischylos, Sophokles und Euri- 
pides. II. Theil. Gymn.-Progr. von Klagenfurt 1877. 36 S. 8. 

CG. Hense, Beseelende Personification in griechischen Dichtungen 
mit Berücksichtigung lateinischer Dichter und Shakespeare's. Zweite 
Abtheilung. Gymn.-Progr. von Schwerin 1877. 30 S. 4. 

M. Patin, fitudes sur les tragiques Grecs. Eschyle. Sophocle. 
Cinquieme edition. Paris 1877. VII und 387, 391 S. 8. 

Inhoudsopgave der nog bestaande Treurspelen van Aeschylus, So- 
phocles en Euripides. Tiel 1877. VIII und 103 S. 8. 

NiccoloFranzutti, Della tragedia classica e della tragedia mo- 
derna. Sassari 1877. 23 S. 8. 

P. Manns, Die tragische Katharsis. Gymn.-Progr. von Emmerich 
1877. 21 S. 4. 



202 Griechische Tragiker. 

Die Abhandlungeu von Cobet und Gomi)erz können wir hier am 
besten in der Weise verbinden, dass wir diejenigen Conjekturen Cobet's, 
welche Gomperz als unbrauchbar oder längst gemacht und bekannt nach- 
weist, einfach übergehen, im Uebrigen zu den Conjekturen Cobet's die 
betreifende Bemerkung von Gomperz hinzufügen. Die dreifache Rüge, 
welche Gomperz gegen Cobet ausspricht, beispielloses Sich-selbst-abschrei- 
beu, den Superlativ der längst sprichwörtlich gewordenen Cobet'schen 
Nichtachtung der Vorgänger und Mitforscher, unerhörten Mangel an Sorg- 
falt und Gründlichkeit, ist durchaus begründet und die entschiedene Zu- 
rechtweisung kann nur als gerechtfertigt erscheinen, wie auch W. Hartel 
bei der Besprechung der Schrift von Gomperz in der Zeitschrift für öster- 
reichische Gymnasien 1878 S. 14—19 anerkennt. Immerhin aber ist 
mancher schätzenswerthe Fund zu verzeichnen und einige treffliche Emen- 
dationen wirken ganz versöhnend. Cobet vermuthet also Aeschyl. fr. 5 
Tt drj r.or altroTg ovojia ^rjoovzat ßpotot\ (Gomperz vertheidigt das Ueber- 
lieferte mit Hom. b 552 und der Redensart ovoiia imzc&ea&at bei Plato 
und Aristoteles), 20''Apyoug cepuv au8äsv ^bXov (schon Bergk audrjev), 
374 Bvayojvis { Tiaiy Matag xa\ Jcog (Gomperz theilt das Ueberlieferte an- 
ders ab: ivaywvcs Malag \ xat dibg 'Epjiä). — SophocI. Ant. 1055 vb 
8i ye xupavvov (die ältere Aenderung to de ye rupdvvwv ist nicht von 
Bisschop, sondern von Cobet. Gomperz vertheidigt das Ueberlieferte mit 
der Erklärung »und Fürsteublut liebt schimpflichen Gewinn« und der Be- 
merkung »von einem -updvvojv yivog kann nicht die Rede sein«), Phil. 
1369 ia y.axu)g zouao' i^aTioXXuaBat xaxot/g, wobei die Vorliebe des So- 
phokles für die Composita mit ix betont wird, fr. 14 rc drjd^' 6 0o7j3og 
eXaxev\ 83 rj (zobg {^sobg aißyovza zojv TiiXag xXöetv (die Ueberlieferung 
rechtfertigt Hartel durch den Hinweis auf xai {doaaeßoitvza) , auf den 
Gegensatz zwischen abzbv und zöjv TiiXag, auf die Verstärkung des Be- 
griffs der Abhängigkeit durch 8oühv ovza xluzcv. Auch würde der Dich- 
ter eher geschrieben haben ^ rtüv ■nil.ag xXüovza zobg &sobg aißstv)\ 
86, 3 wird die Lesart dy^tozi^v mit Eur. fr. 633 erklärt; 103 rj fiey äv 
&SCYJ . . Tj züJv jirjdajxou ztixujixsvcüv^ 105 £a9' £lai8otp.i mug (ppevwv 
Inrjßolov I xa^öiv ae (Gomperz rügt das unrythmische des Verses), l22 v6- 
fiog ydp iazt zoTac ßapßdpocg Kpovip | Bor^oXscv ßpozecov dp^rjBsv yivog 
(Gomperz schreibt die Stelle des Hesychius, aus der das Bruchstück 
stammt, in folgender Weise: »^5' aiaiov xoupsTov jjpd&y] noXec«' voftog ydp 
kazi zoTg ßapßdpocg y)&ur]noh7v ßpozecov dp^r^^ev d-ipoga. zS) Kpovo)), 
364 ob8inoz^ iipc^ec za>v äxpwv (nicht neu), 372 r]8b xdv ßpo.-/bv ^p6- 
vov (unnöthig), 427 ^ psv ajg ? ^daaova \7j 8^ ujg 1 zdzoxs nac8a, 515 
xeTzac zsd^vsujg zbv dnavza ^povov, 527 ^sTpov Tipoadnzsc . . ^dppaxov, 
lazpbg . . obx emazrjpujv ziy^vrjg (die Richtigkeit von jxzlZov erweisend ver- 
muthet Gomperz obx imazrjpujv dxajv), 521 vüv o' ob Scecpc ^topcg, dXXä 
TioXXdxcg ip.sp.(pdp.y]v oi] zrjv yuvacxecav fbacv (Gomperz erklärt die Ueber- 
lieferung: Prokne beklagt ihr vernichtetes Dasein und sagt, was sie jetzt 



Griechische Tragiker. 203 

ihr eigenes Schicksal lehre, die Nichtigkeit alles Frauenglücks, das habe 
sie längst schon auf dem Wege der denkenden Beobachtung erkannt; 
^wpcQ weise auf den Gegensatz des individuellen Schicksals der Sprechen- 
den und des allgemeinen Fraueuloses hin), 528 d-vr^robg uvrag (weil ^ug 
immer so viel als ysvo/xsvog bedeute), 592 aurrj 8s /xd^c/xös kanv wg 
xexXrjixivT^ aa<p(hg 2c§7]pu} xal (ppovouaa roüvo/ia, 614 to yäp ywat^lv 
ala^pov TYjV yuvaTxa 8zT azeysiv, 616 dcsuru^oUvra ttccv . . iva, 660 xal 
prj zt TiXeiüog . . doa(prjpiag, 726 bjuj 8' ipuj ae 8eivov ooSiv ^ 733 {'« )• 
aep.vä , 739 in* Oivdcog yuag, 752 ^povsc, 7QZ n^rjprjg {dsc^, 795 {zrjv} 
'AXcpzat'ßoiav^ 818 dXcyocatv TnTiocg . . rjocov äv ^wpoTpev, 845 xäv xaXov 
ipopji a-upa, 846 rj oeivov rjv ap" rjvcx^ äv reg iaBXug iou auzoj aovei8^ 
■(jirjzpog rj Tiazphg xaxa) nach Eur. Hipp. 424, 682 axuuaiv slxuzeg (wie 
überall bei Thukydides, Plato, Xenophon, den Tragikern und Komikern 
eixd^, elxivat beziehungsweise npoaeixivat herzustellen sei für eocxiug^ soi- 
xivac), 862 xsu Mai^at ■npimi, 866 sx(poyotg , 912 rj dnondzrjpa ist eine 
lächerliche Dittographie. — Euripid. fr. 26 ijvtx' slacv (quando veniet) 
eufievoOg cl. fr. 889, 29 acyäv (ppovouvza xpelaaov tj elg au&aScav masTv 
zotouzü) 8' dv8pi xzk., 62 jitaa) aocpbv ?Myo:acv, elg 8' ovrjacv ou, 68 dBXov 
xsc/xdvrjV, 88 ]J.rj8^ dd^u/ic'a o^/^i&jj zcg up.äg, 136 d/i^l 8atza xal zpdm^av 
rjXtoo nach Herod. III 30, 139 xdv zu xaxtazoj zu>v ^pevcov vaUtv (pdec^ 
167 zd TioXX'' {opoca p-rjzpl). ytyvazat zexva, 196 £uzoj(scv . . duazu^ecv . . 
zuSac/MovsTv , 198 nsTidaszac (für nstpdazzai) ^ 200 siBcafiivog dxoXaazov 
TjBog yaazpög est is qui se solet multo et delicato cibo ingur- 
gitare, 230 zid-ptmi iXuivzog^ 234 ocsXaptpe, 240 oijx iazcv oazcg -^rjou- 
10V ^T^Xujv ßcov ) eo8o^tav exTrjaar\ dXXd xre., 255 ^epei, 284, 23 niXag. \ 
dv8pag jihv ouv ;^p^v zoug aoipoög zs xdyaBohg (püXXotg azi(psaBat^ 328 
üboev £p.(fa[voüa' izt ist die richtige Lesart, s. v. a. ou8ap.ou (pacvovzat, 
362, 24 e^ouatq. 8k p.rjnoz' hzp'jiptov (lieber eyj(_Xc8cüv oder ey/^Xtuiv)^ 
zdxvov, . . 8:ojxdd-r)g, 377 dpBcijg p.zzprjcravz\ 407 zc noza xazocxe2, 440 
ZTjv Xcav sunpa^cav^ 549 nifoxe zdv8p6g, 552 vodv ^pyj d^eäa&ac, tioc' 
zi^ 554 zipnooaa päXXov, 596 auzo(poä, 640 pdzrjV dv oYxcov owv zd8' ix- 
ßairj ziXog (= Sandvrjpa), 643 ouzdpa napd xpazr^pa, 644 rj ßapu <pdprijx' 
oYrjmg nach Aesch. fr. 383, 645 voaeTv zt^rjOt zag dpeivovwv <ppivag na- 
pd8zcyji i^övzujv zijv xaxuiv i$oua:av, 691 {zu ßXip./xa)' aou xazrjyopzt 
acywvzog ojg elrjg '{zcg)> ou^ uTirjxoog, 775, 3 xdv pkv zuy^dvrjg, ad(p' c(T&' 
ozc &SOÜ Ttiifoxag, ebendaselbst 69 dcy iazuj Xewg, 781, 39 o) 8£aTioz\ 
eazpsip' ix, 787 dxvöijv, 813 »soloecum est et zcv' slaßocpt iXocoopouv« 
(Cobet scheint nicht bemerkt zu haben, dass von einer Wiederholung in 
der Vergangenheit die Rede ist), 816, 7 d^' ou 8rj KcXtxta xcxXrjaxszac, 
868 8pdp.7jpa, 882 epyoo scribeudum esse claniat sententia et compositio 
verborum (??), 889 nXsTazov psze^sc, 895 sYrjv ixzpicpwv zä (zur Beseiti- 
gung der »dem Gehirn der Grammatiker entstammenden« Form zpifoiv), 
903 ßdaopac ö' elg ald^ep^ dr,ei.pov dep&ecg, 905 zcg zd8e leuaaojv . . ps- 
zecupoXöywv &' exäg xzs., 926 npaypdzojv ala^pwv epäv, 958 pezpcog, zu 



204 Griechische Tragiker. 

993 iyth fLüVog ydp si/n twv ifiwv ifiög, 1002 toüto ok ß^STtsi, lOH/xeTov 
ist richtig = ^soü ^(upig ooBeIq oure eö-o-/el ou-s ouaTu^eT, zu 1027 
inacpsTa: yäp fxsc^ov 7va /lal^ov niorj (so könne der Vers Euripideisch 
sein und daraus scheine der Ausspruch des Claudian zu stammen toUuntur 
in altum Ut lapsu graviore ruant), 1104 in syrseen opersu hat Badham 
^'^x^jv unkp Gou (Or. 668) entdeckt: Lutatius scripserat »ut Euripides: 
'(dxouacv rdds ooxe: TTozcujxdvrjv} ^w/^v i^Tikp croUa, 1109 ipp' c&c. — Neo- 
phron fr. 1 rj^eXov loacv fiaßsTv, Jon fr. 2 log zcofj xaxd (ut sua mala 
sentiat), Jophon fr. 1 noXXäJv aoftazwv oy^Xov i^rjpzrj/xivog, Adespota 
11 aujzrjpeg sad^Xoi, 83 aopcppoopoüa dd (s. v. a. aoprMpaixhouaa)^ 363 
deüp" iXd-' • ig oug aoi räXXa ßoöXopat (ppdaru nach' dem bei Nauck ci- 
tirten Verse Eur. Jon 1521. Cobet vermuthet, dass damit der Schol. zu 
Arist. Vö. 1647 die richtige Lesart des in unseren Handschriften cor- 
rupten Verses von Eur. Jon erhalten habe. Cobet hat die Stelle nicht 
aufgeschlagen ; sonst hätte er höchstens vermuthen können, dass die bei- 
den Verse 1520, 1521 ursprünglich nur ein Vers gewesen seien. Es 
stammt aber augenscheinlich das Fragment aus jenen zwei Versen in 
Folge eines lapsus memoriae. 337 betrachtet Cobet als Fragment eines 
Epikers p.rpioTi reg ^ßporw)- ävopa Travokßeov al/orjazcz, [Ipiv ■(xavy l'djj 
TCüjg xetvog iy^ot tiots tm-jxov drrfjiiujv. In den bei Orelli Opusc. Graec. 
Senteut. Tom. II p. 216 angeführten Versen xa\ yäp zhv dUov wSs &vrj- 
ToTatv vojxov \ o(pzi diaBpiJJv 6 v (für dv) rrdurrj xaXbv | oud' alaypov , dXXä 
zauT (für rowr') inocyjasv Xaßujv j 6 xatphg alay_pa xai diaXXd^ag xaxd 
erkennt er ein Bruchstück des Euripides. 

Wecklein: Aeschylea: Pers. 218 zd o' szap' ixzeXrj ys^daßac, 
292 zu fjLrjzs ^ojvs'cv, zu 859 : durch die richtige Auffassung dieser Stelle 
(die übrigens, wie ich nach der Hand bemerkt habe, schon bei Hermann 
zu finden ist) widerlegt sich die Ansicht von Köchly über den lückenhaften 
Schluss der Perser (s. Jahresbericht 1874/75 Abth. I S. 416): Aeschylus 
nolens panuosum hominem in scenam inducere opinioni Graecorum de 
Xerxe reduce gratificatus Atossara Xerxi obviam misit, ut eis qui specta- 
rent cogitare liceret, Xerxem priusquam ad regiam accederet vestem 
mutavisse. Zu Ag. 489 — 500 wird aus 598 f. nachgewiesen, dass Klytä- 
mnestra vorher bei dem Auftreten des Herolds nicht anwesend ist, dass 
also 489—500 einem Choreuten, 501—502 einem anderen Choreuten ge- 
geben werden müssen. Diese zwei Kommata ergeben zwar mit den vier 
Theilen der vorhergehenden Epodos sechs Kommata; doch sind nicht 
sechs Mitglieder eines Halbchors, sondern nur die Führer der Halbchöre, 
der Koryphaios und 7:apa<Tzdz7]g, dafür anzusetzen (a 475 — 478, /5 479— 
482, a 483— 484, /5 485— 488, «489—500, yS 501 -502).— Sophoclea: 
Electra: in der Hypothesis sind die Worte Tiatdayojyog b unoxecfisvog 
auszuscheiden als Nebenbemerkung desjenigen, der gegen die Bezeich- 
nung zpo<pebg von dem den Prolog sprechenden Alten remonstrirte. So 
sehen wir deutlich, wie die Personenliste und die Personenbezeichnungen 



Griechische Tragiker. 205 

von den Alexandrinischen Grammatikern herrühren. In das Personenver- 
zeichniss von Eur. Jon war nach 1320 ebenso Tipofrj-ig zu setzen, wie in 
das der Eumeniden und an den Anfang dieses Stückes. Die Hauptde- 
koration der Elektra hat im Vordergrund die Burg von Mykenä, im Hin- 
tergrund d. i. in der Höhe rechts die äyopä Aoxziog mit dem Tempel 
des Apollo von Argos, links etwas weniger hoch das Heräon; die Deko- 
ration der rechten Periakte stellt die Umgebung von Mykenä, die der 
linken das Thal des Inachos (Argolis) dar. 215 if o't'ujv rmupcjv olxsiag, 
354 Tou y^pioQ ztvujv, 460 iXBeiv zdo' aur^ . . ovscpaza, 77 ö oarcg rrjaos 
VYjSöog ysyüjg (auch Blaydes r^? ejir^g jaazpug ytyujg oder wfiöog ysycbg 
ilirjg), 1039 bedeutet: profecto indignum est verbis utentem speciosis 
perverse loqui, 1142 Hes. xuzog- (r(ü/j.a, uyxug, y^wpr^iia^ ßä^og ist aus 
zwei Schollen zu diesem Vers abzuleiten: xuzog- /(öpr^/xa — uyxog' ßa- 
pog^ (TU)fj.a (vgl. Suidas oyxog- zu ßdpog), Oed. T. 1031 zc 8' äXyog Ya'/ovz' 
iv oiovzi lapßdvsig; 1089 oux iazc zäv rjpt rMvaiXrjVov, 1220 MXijxujv ex 
(Tzoiidzwv. Zu dieser Stelle wird das Verbum cd^iu besprochen: die 
Attischen Dichter gebrauchten lä^^co wie cä^^; nur einmal Eur. El. 706 
erscheint die epische Messung Id^zc; diese haben sie beibehalten im 
Impf., wo die erste Silbe verlängert ist 'iaiuv; dagegen lautet das fut. 
läyTiau) und der aor. w.'/Tjaa, wo die erste Silbe kurz bleibt. Aus der 
häufigen Verwechslung von d'/^iu) und d^Tj mit la^io) und la-/yj ist die 
Vorstellung von dem Vorkommen der Form la-j^etv bei den Tragikern 
entstanden. Eur. Or. 965 ist gleichfalls d-^zczaj ok yd KuxXajm'a = loj 
TMvodxpuz' uoüpiiaza zu schreiben; Hei. 1147 scheint xat a sl^' la^d 
xa^' EUavcav äocxog das richtige zn sein. Trach. 904 Tipocnczvoua" für 
7tpoarunzoua\ Schon Elmsley hat bemerkt, dass die Abschreiber gern 
m'zvscv mit der gewöhnlichen Form rJr-scv vertauschten. Die Form rar- 
vEcv wird entweder dem Versmass zu Liebe gebraucht oder wenn ein 
langsames, graziöses, gemessenes Sinken bezeichnet werden soll. Diese 
specielle Bedeutung erweist sich besonders daran, dass im Sinne von 
umarmen und auf die Kniee sinkea immer (auch wenn das Versmass lan- 
ges : fordert) r.poaT.izvtiv gesagt wird. Den zahlreichen Stellen stehen 
nur wenige Ausnahmen gegenüber Hec. 393, 787, Ale. 947, Trach. 904, 
an denen also die Form nizvcn hergestellt werden muss. — Euripidea: 
Audrom. 126 Xoytaac r' änopov xaxov^ Bacch. 793 i^ aoi r.dkv dnoazpzipiu 
X^pag, 827—843 sind in folgender Weise zu ordnen: 827. 830 — 833. 
836. 829, 834. 835. 842. 837-840. 841. 843 (828. 829 sind mit Kollmann 
getilgt). In 837 wird atp.a deüaatg vermuthet. Hec. 901 nXoöv upwvzag 
zuazaXrj, 1043 scheint interpolirt, El. 99 ZzoyBslaav ocxsTv ' ivMo^ dazscog 
kxdg)^ 318 atp-a o' oo nazphg xazd aziyag aiar^nsv ug o' xzL (d. i. noch 
ist das Blutmal frisch und schon wagt es Aegisthos u. s. w.), 624 bpu) 
ydp zuTzop' i^ dfir^ydvcuv vgl. auch fr. 101, 1132 nacdög rjjxap ujg zzlta(pu- 
pov^ 1344 Seivhv ydp Y-'j^vog ßaivooa im aoc\ zu Hipp. 79 ergiebt der an 
seiner Stelle unbrauchbare Vers Bacch. 316 die Erklärung des Ueber- 



206 Griechische Tragiker. 

lieferten in der Dittographie uaotg . . -b (TLOippnvsTv svsazcv etg zä Tidvz'' 
dsi und o<TTcg . . zu au)(ppovc.7v £ihj-^zv scg zä r:dv8^' oftwg, 363 Tiplv aäv 
S^XeTv xazdhacv (ppsvwv. 737 zag 'ABpir^väg aljxag, Jon 226 el [ikv edeu- 
aaze niXavov Tzpö do/icuv , 523 zd/id o' supcaxiuv dyuj, 1280 oiav IW^e^' 
ao' ßiojibv xz£. , Cycl. 70 jxsXttcü zäv 'A<ppo8czav, 535 jisB^üa>p.s.v ' ijxmig 
ouzig, 562 zu X£T?,ug at pTvig zi {Xüo, Or. 404 ixzog, fuXdaaojv, 929 fd^s- 
pobaiv , 1086 f. prj adpxa poo . . prj XapTipug alBrjp 7ivaup\ iyut rcpodoug 
TTor' £?, 1457 dp(p\ r.apoipicov TtinÄcov^ Tro. 509 dipag xazaqav&scaa, 1188 
dypoTTVcac z£ (fpouod poc, 1204 nohjzponoi yäp at zöy^at, fi'gm. 79 xai ova- 
acv dvBpl (p£p£i.v p£yt.azu)V. 

Der Aufsatz von Scholl über Jon von Chius stellt die Ergebnisse 
der bisherigen Forschungen mit sorgfältiger Prüfung zusammen, ohne 
neues zu bieten. 

Seiner interessanten Abhandlung über die äussere Form der Gleich- 
nisse bei den Tragikern (vgl. Jahresbericht 1876 Abth.I S.43f.) hat Rappold 
eine Zusammenstellung der bildlichen Ausdrücke nach den verschiedenen 
Stoffgebieten (Eigennamen, Natur, Tag, Nacht, Licht, Finsterniss, Himmel, 
Gestirne, Nautische Ausdrücke, Wasser, Gott, Mensch u. s. w.) hinzuge- 
fügt. Wir heben daraus einige beachtenswerthe Bemerkungen hervor: 
Oed. T. 987 heisst: »Der Tod des Vaters ist ein Lichtstrahl in dem 
von dir befürchteten Unglück« (vgl. die Begründung in meiner Ausgabe 
z.d.St.). — üupdvcog bedeutet oft »sehr gross«, nicht aber »gottverhängt«.— 
Der Vergleich des menschlichen Lebens mit dem Schiffe wird meistens 
auf Unglück und Gefahren angewendet, selten auf Glück. Weitaus die 
meisten der dahin gehörigen Bilder hat Euripides; nach ihm kommt 
Aeschylus. — Eum. 251 bedeutet ouokv bazipa v£wg »immer knapp hinter 
seinem (des Orestes) Schiffe her«. — 6£hg bezeichnet das höchste und 
vollkommenste wie &£og wg bei Homer. — Die Südländer pflegen die Lasten 
auf dem Kopf zu tragen: dies hat zu manchen bildlichen Ausdrücken 
Anlass gegeben, besonders wenn von widrigem Geschick die Rede ist. 

C. Hense unterscheidet drei Arten der poetischen Personifikation, 
die plastische, beseelende, plastisch -beseelende. Die plastische Personi- 
fikation, immer geschäftig Gestalten zu bilden oder die Erinnerung an 
die Gestalt zu erwecken, kann das Aeussere derselben kaum zeichnen, 
ohne Züge des Seelenlebens zu vergegenwärtigen. Vgl. die Zeichnung 
der reumüthigen Bitten {Jczac) bei Homer II. 9, 502 f. Wie sehr die 
plastische Personifikation, an der Vertiefung der Zeiten betheiligt, der 
beseelenden zustrebt, zeigt die Entwicklung der Gestalten der Erinyen 
und der Lyssa bei Aeschylus, Euripides und den späteren. Die besee- 
lende Personifikation tritt selbständig hervor, wenn ein Denken, Empfin- 
den und verwandte Geistesverhältnisse dem unbelebten Gegenstande oder 
abstracten Begriff zugeschrieben werden. Hierzu hat der Verfasser Bei- 
spiele gegeben in dem Programme von Parchim 1874. Plastisch besee- 
lend ist die Personifikation, wenn die Anschauung der Gestalt zugleich 



Griechische Tragiker. 207 

die Vorstellung eines Seelenverhältnisses hervorruft. Zu dieser Art der 
Persouification wird eine reiche Fülle von Beispielen aus den im Titel 
namhaft gemachten Dichtern geboten. Der Anfang wird gemacht mit 
dem Begriff des Sprechens, Redens und verwandter Ausdrücke, der »nicht 
gedacht werden kann, ohne die Erinnerung an die Seele und Persönlich- 
keit des Menschen hervorzurufen«. Weiter wird der Fall behandelt, wo 
Naturgegenstände, die Zeit, abstrakte Begriffe, Gegenstände mechanischer 
Art als Boten, das Schweigen, der Gedanke, der Hymnus, die Züge des 
Griffels als xrjpoxeg bezeichnet werden; dann wo Naturgegenständen, der 
Zeit, Abstrakten (z. B. iArudeg) Lüge und Täuschung, wo dem Weber- 
schiffchen Gesang, wo Gegenständen und abstrakten Begriffen Genossen- 
schaft, Gesellschaft, Nachbarschaft, Begleitung, Mitarbeiten (Arbeiten), 
Bundesgenossenschaft, wo Naturerscheinungen Verschwörung zugeschrieben 
wird, wo solche Erscheinungen als Helfer und Retter, als Arzt betrachtet, 
wo Abstracta und sachliche Gegenstände durch die Vorstellung des Hei- 
lens personificirt werden. Das gleiche gilt von den Begriffen des Spieles 
und Tanzes, des Kämpfens, Singens, Dienens, Herrschens. Es ist leicht 
verzeihlich, wenn bei der Menge der aufgezählten Beispiele manche Miss- 
verständnisse mitunterlaufen, wie wenn Cho. 651 alowg yap iv liay^aiaiv 
oux k-napyiiioog Xoyoog Tt&rjacv der Scham Rede beigelegt sein soll. 

Das treffliche Werk von Patin ist bekannt. Es enthält feine und 
geistreiche Bemerkungen über die einzelnen Stücke und verfolgt beson- 
ders deren Einfluss auf das spätere und neuere Drama. Vgl. Jahresbe- 
richt 1873 S. 117. 

Die holländische Abhandlung » Inhoudsopgave u. s. w.« und die 
italienische von Franzutti haben für uns hier keinen Werth. 

Manns hat in den Jahrb. für Phil, und Päd. Bd. 116 eine neue 
Erklärung der bekannten Stelle der Poetik entwickelt, indem er mit Weil 
■zwv zotoözojv naBr^/iaTojv als gen. subiect zu ttjv xdBapacv nimmt (»die 
Tragödie bewirkt durch Mitleid und Furcht die solchen Mitteln eigen- 
thümliche Reinigung«), dagegen abweichend von Weil die Katharsis nicht 
medicinisch, sondern ethisch auffasst und als dasjenige, wovon Mitleid 
und Furcht reinigen sollen, etwas diesen entgegengesetztes, feindliches 
betrachtet, nämlich Selbstsucht und Uebermuth. Er sucht nun zu zeigen, 
wie Aristoteles dazu kommen konnte, aus den griechischen Stücken eine 
solche Bestimmung zu schöpfen. »Selbstsucht und Uebermuth sind die 
Tid&Tj, an welchen mehr oder weniger alle Menschen kranken, auch der 
Niedrigste in seinem Kreise, und wenn wir nun finden, dass die grie- 
chische Tragödie viel mehr als die moderne grade diese als bewirkende 
Ursachen des tragischen Schicksals in ihren Plan aufzunehmen pflegt, so 
liegt der Gedanke nahe, dass Aristoteles aus dieser Erscheinung ge- 
schlossen habe, die durch das tragische Schicksal erregten Affekte Mit- 
leid und Furcht sollten eben die bewirkenden Ursachen derselben, Selbst- 
sucht und Uebermuth, verabscheuen lehren und die Seele davon reinigen, 



208 Griechische Tragiker. 

die Wirkung des Kunstwerks sei auch zugleich sein Zweck, das Theater 
sei eine Schule der Humanität«. 

Fragmente. 

Theodor Birt animadversiones ad Ovidi heroidum epistolas. 
N. Rhein. Mus. 32 S. 386 — 432 
erörtert unter anderem den Ursprung derjenigen Heroiden, welche tra- 
gische Stoffe behandeln, und indem er das nahe Verhältniss von ep. XII 
(Medea) zu der Medea des Euripides hervorhebt, ferner der Vermuthung 
von Wilam'owitz Anal. Eur. S. 154 gegenüber, dass Ovid in ep. IV (Phae- 
dra) den 'InrMXu^og xahnroixsvog benutzt habe, wahrscheinlich zu machen 
sucht, dass diese Heroide aus dem 'h?:. xaKon-öjisvog imd azsfavr^fopog 
zugleich stamme, endlich den Zusammenhang der ep. IX (Deianira) mit 
den Trachinierinnen des Sophokles ausführt, bestärkt er die Ansicht, dass 
man die Heroiden Hypsipyle, Canace, Laodamia auf die Stücke des Euri- 
pides Hypsipyle , Aeolus, Protesilaos, die Heroide Hermione auf die Her- 
mione des Sophokles zurückzuführen habe und sucht weiter nachzuweisen, 
dass der Stoff der ep. XIV (Hypermestra) aus der Trilogie des Aeschy- 
lus , deren Anfangsstück die ' Ixizcoeg gewesen , entnommen sei. Durch 
eine ansprechende Combination macht er es wahrscheinlich, dass in der 
Jugendzeit des Ovid jene Trilogie von einem Freunde des Propertius 
lateinisch bearbeitet worden sei; dann verfolgt er die Spuren, welche in 
jener Heroide auf Aeschylus hinweisen. Dabei verbreitet er sich über 
die Trilogie des Aeschylus und vermuthet, dass nach Strabo V S. 221 
iv ^Ixirtacv tj Aavalcnv die vier Tietel Javatdag, 'IxdTc8eg, 9aXa/ionotoc, 
AcyuTtzeoi so zu denken seien: Aavatdsg rj 'JxsrcSeg, JavatSsg ^ BaXajio- 
Tioiol, Aaväcdsg ^ AlyünTcüc, dass man also 'Ixsnosg, OaXaiiortoco:, AcyunTcoi 
als Titel der drei Stücke, davatosg als Bezeichnung der ganzen Trilogie 
betrachten müsse. Vor den Beginn des zweiten Stückes falle die Schlacht 
der Pelasger und der Söhne des Aegyptos; die Bereiter des MXafiog 
erzählten dies und besängen die Hochzeit; auf diese beziehe sich fr. 42, 
worin Birt xdml rod' elcrt . . ^dog, icug iyaipou , TtpsupavsTg . . xopacg 
schreiben will in dem Sinne: et quoniam lumen hoc solis abit, propitios 
faciaut sponsos canticis cum pueris puellisque. Im dritten Stück lässt 
dann Birt die Aegyptier d. i. die Begleiter der Aegyptiaden den Tod 
ihrer Herrn beklagen. 

Aeschylus. 

Heinrich Beck, quaestiones Aeschyleae. Gymn. Progr. von Co- 
burg 1877. 14 S. 4. 

W. Koehler, de dorismi cum metris apud Aeschylum et Sopho- 
clem necessitudine. Gymn. Progr. von Posen 1877. 15 S. 4. 

Heinrich Rüter, de metonymia abstractae notionis pro concreta 
apud Aeschylum. Diss. von Halle 1877. 30 S. 8. 



Aeschylus. 209 

Fr. Naumann, de wg particulae apud Aeschylum vi et nsu. Diss. 
von Leipzig 1877. 35 S. 8. 

Esaias Laiin, de praepositionum usu apud Aeschylum L Diss. 
von Stockholm 1877. 18 S. 8. 

Sven Dahlgren, de imaginibus Aeschyli. L Diss. von Stockholm 
1877. 105 S. 8. 

Eine Notiz zu Aeschylus' Leben theilt Th. Goraper z im N. Rhein. 
Mus. 32 S- 477 aus dem zwölften Bruchstück von Arjfirjzpiou r^epl izoirj- 
liärufv Herc. Voll. C. A. V 7 = Oxon. I 109 mit, wo nach einigem Un- 
verständlichen folgt : o y{ä)p Svj Kpdrrjg x«t« {t)uv a{o-uv) xp^vov ysiyo- 
vaj{g Ala)')[()Xu) zo(){to)o 8:ä t{(o)v 'Nd{oj)väJv {zö)oox{i)prj{öavTog). — 

Ueber die Abhandlung von Beck siehe unter Agamemnon S. 217. 

Koehler macht für die Ansicht, dass der Gebrauch dorischer 
Formen in Zusammenhang mit dem Versmass stehe, den Umstand geltend, 
dass bei Aeschylus mit dem Wechsel des Metrums häufig ein Wechsel 
des Dialekts verbunden sei und dass überhaupt in den Chorgesängen des 
Aeschylus, die bei grösserem Umfang mehr Wechsel des Versmasses ha- 
ben, der Dorismus weniger gleichmässig und constant sei als in den kür- 
zeren Chören des Sophokles. Auch habe Aeschylus in Anapästen die 
dorische Form nur bei Eigennamen und Patronymika, bei Aus- und An- 
rufungen zugelassen, während Sophokles in sehie ausgedehnte Anwendung 
dorischer Formen auch die mit melischen Partien vereinigten Anapäste 
inbegriffen habe. Der Verfasser geht aus von Pers. 65 — 139, wo die io- 
nischen Strophen (65 — 113) den gewöhnlichen, die trochäischen (114—139) 
den dorischen Dialekt haben sollen, und von Eum. 381 — 396, welcher 
Syzygie abweichend von den vorhergehenden Strophen der gewöhnliche 
Dialekt viudi eiert wird. Hierbei hat der Verfasser den bei den Tragikern 
beschränkten Gebrauch des Dorismus und besonders die Unsicherheit der 
Ueberlieferung nicht genügend in Rechnung gebracht, wenn er sich auch 
nicht scheut zu Gunsten seiner eigenen Ansicht von der handschriftlichen 
Autorität abzuweichen. 

Bei Rüter ist der metonymische und bildliche Gebrauch nicht 
genau geschieden. Ferner macht es einen Unterschied, wenn Tiavoopftq. 
rivc für rMvoöpyotg rim steht und wenn es heisst iyeivazo ph popov abzib 
nazpox'ovov OcocnöSav. Auch sind manche Stellen missverstanden, wie 
wenn Cho. 1054, lu60 nrjpdzajv als Metonymie für Erinyen betrachtet 
wird. Was er aber erweisen will, dass bei Aeschylus der Gebrauch des 
abstracten Begriffs für den concreten häufiger sei als bei Sophokles und 
Euripides, das kann als erwiesen gelten. 

Naumann giebt eine sorgfältige Classifikation der Beispiele von 
wg: er unterscheidet wg exclamativum , wg pro ozi^ wg restringens {ojg 
ipol ooxsc), üjg causale, wg comparativura (1, Comparatio quae imagine 

Jahresbericht für Alterthums-Wisseuschaft 1877. I. 14 



210 Griechische Tragiker. 

vacat, 2. Similitudiiies), cug temporale, ujg consecutivum, wq finale. Ag. 38 
wird wg richtiger als in dem Lexicon Aesch. von Dindorf causal gefasst. 

Laiin 's Abhandlung bespricht die Präposition ev. Die Beispiele 
sind mit genauer Unterscheidung der Bedeutung geordnet, einiges rich- 
tiger als in dem lexicon Aeschyleum. Unrichtig scheint die Annahme 
der Bedeutung coram für Cho. 773 und Eum. 469 ; ganz unrichtig ist es, 
wenn ev o/i/j.a<Tcv ßMßag e^cu Ag. 889 zu den Fällen gerechnet wird, wo 
iv statt des gewöhnlichen dat. instrum. steht. 

Nach einer längeren Einleitung über Gleichniss und Metapher stellt 
Dahlgren die bildlichen Ausdrücke bei Aeschylus nach den Gebieten, 
denen sie entlehnt sind (1. leblose Gegenstände, 2. Pflanzen, Bäume, 
Erzeugnisse des Bodens, 3. Thiere), zusammen. Die Abhandlung ist noch 
nicht abgeschlossen und, die Hauptsache, worüber wir bei einer Be- 
sprechung der äschyleischen Gleichnisse und Metaphern aufgeklärt zu 
sein wünschen, steht jedenfalls noch aus. Einzelnes aber, was gelegen- 
heitlich vorgebracht wird, lässt uns zweifeln, ob der Verfasser für diese 
schwierige Frage das nöthige Verständniss habe. So heisst es über 
Eum. 405: o^og spectat ad nubes, per quas Minerva incedit quibusque 
ex parte tecta supra scenam conspicitur, ut tamquam in ciu-ru stare vi- 
deatur ; ad hunc currum mu).oc dx/ialoc iuncti sunt , quia motum aegide 
vibranda incitat. Der Verfasser verweist auf meine Studien zu Aesch. 
S. 9, dort ist aber eine andere, wie ich denke, die richtige Erklärung 
gegeben. Stauneu müssen wir gar, wenn wir für Sept. 584 die Lesart 
firjTfjög TS TtTiyijV angenommen finden mit der Bemerkung mater liberorum 
quasi fons est. Wegen dieser Ausstellungen heben wir ausdrücklich 
hervor, dass wir eine fleissige und sorgfältige Arbeit vor uns haben und 
dass die Einleitung manche richtige Sätze aufstellt. So wird mit Recht 
das Urtheil Bernhardy's zurückgewiesen, dass Aeschylus im Gebrauch von 
Bildern an orientalischen Luxus erinnere. Weiter wird gegen Schneidewin 
bemerkt, dass zwischen der Bilderwelt des Aeschylus und Sophokles kein 
wesentlicher Unterschied bestehe. Von den Bemerkungen zu einzelnen 
Stellen erwähne ich folgendes: für Sept. 489 wird die Erklärung a.Xu)g- 
7j rot) rjXcou rtspifipzia zu Geltung gebracht. Das Verbum inavl^cXecv wird 
gedeutet: facere ut abundet aliquid, abunde aliquid aliqua re tegere (?), 
xazrjpxuxJjg Eum. 473: Orestes omuibus piaculis rite perpetratis itaque 
omni sceleris macula eiuta supplex quasi maturus est, sicut animalia tum 
dem um matura fiunt, cum omnes dentes pullinos eiecerunt. Von Cho. 61 
bis 65 wird folgende Erklärung gegeben: discrimen iustitiae divinae ce- 
leriter in eos ingruit, qui in luce vivunt i. e. qui potentes et in repu- 
blica praestantes sunt; serius dolores eos manent, qui in crepusculo 
versantur i. e. qui quamquam non principes sunt, tameu dignitate et 
opulentia vulgo antecedunt; alii (seil, vulgus) profunda nocte tenentur 
(und was geschieht mit ihnen?). 



Aeschylus. 211 

Prometheus. 

Alceste Lenzi, il raito del Prometeo di Eschilo. Programm des 
Liceo Pontauo von Spoleto 1877. 40 S. 8. 

Lenzi giebt eine philosophische Besprechung des ganzen Prome- 
theusmythus, aus der wir für unsere Zwecke wenig entnehmen können. 
Er findet zwischen den Gedanken, welche Aeschylus in seinem Prometheus 
niedergelegt hat, und dem philosophischen System des Pythagoras offen- 
bare Gleichförmigkeit und reiht die philosophische Idee des Prometheus 
den Bestrebungen einiger edler Geister ein, welche den von den Orphi- 
kern verfolgten Plan, in der griechischen Eeligion unter einer mehr syste- 
matischen und höheren Form den alten Naturalismus wieder herzustellen, 
und die Mythen zu jenem allegorischen Symbolismus zurückzuführen, der 
durch die Erfindungen der Dichter zerstört worden, in ihrer Weise glück- 
lich durchführten. Soviel zur Charakteristik der Abhandlung. 

Bei der Besprechung von Karl Frey Aeschylus -Studien in der 
Zeitschrift für die österreichischen Gymnasien 28 S. 496—507 will Kvi- 
cala in dem Schol. zu Prom. 94 oedrjaea^at für dsSiaSat lesen. Besser 
noch hat L. Schiller vermuthet, dass das Citat einer Stelle entnommen 
sei, die etwa ak Ssodaßat ^p^ gelautet habe. Aber die Schlussfolgerung 
ist, wenn man es beim rechten Lichte betrachtet, folgende: Von dem 
Upoiirjd^sbg nupfupog wissen wir nichts; das einzige was wir wissen ist in 
diesem Scholion enthalten; weil dieses nicht übereinstimmt mit der An- 
sicht, die wir uns auf's Gerathewohl von dem llpoiirj&eug Tzop<p. gebildet 
haben, muss das Scholion geändert werden. 

Lewis Campbell, the Intention of Aeschylus in the Prometheus- 
Trilogy, Academy 1877 nr. 271, new series p. 43 
glaubt eine neue Theorie aufzustellen mit der Hypothese, dass Zeus die 
göttliche Kraft, Prometheus die göttliche Weisheit vorstelle, dass die 
Kraft mit der Weisheit über Kronos und die Titanen gesiegt habe, nach- 
her aber der Weisheit entrathen zu können meine und deshalb der Ge- 
fahr des Untergangs ausgesetzt sei, durch die Vereinigung mit der Weis- 
heit aber unüberwindlich und ewig werde. Diese Theorie ist nicht neu; 
noch weniger ist sie richtig. Uebrigens wagt Campbell selbst nicht zu 
bestimmen, wie weit sich der Dichter dieser Idee bewusst war. 

246 verlangt Mistchenko Revue de philol. nouv. ser. 1877 p. 268 
xai jiTj (pcKüig »meme pour des gens qui ne seraient pas mes amis«. 

Enrä stzI 0r]ßag. 

Fr. Bücheier, de Septem Aeschylea. N. Rhein. Mus. 32 S. 
312 — 318. 

Frid. Heimsoeth, de parodi in Aeschyli fabula Thebana confor- 
matione. Ind. schol. hib. Bonn. 1877. 16 S. 4. 

14* 



212 GriecMsche Tragiker. 

A. Lowiiiski, de emendando prirao episodio quod est in Aesch. 
Sept. adv. Theb. Gymn. Progr. von Deutsch-Krone 1877. 24 S. 4. 

Johannes Ob er dick, de exitu fabulae Aeschyleae quae Septem 
adversus Thebas inscribitur commentatio. Gymn. Progr. von Arnsberg 
1877. 16 S. 4. 

Zu den zahbeichen Behandlungen der Parodos (vgl. Philol. 34 
S. 306 ff.) kommen hier zwei neue: Büc heier schliesst sich der Ansicht 
an, nach welcher die antistrophische Gliederung mit Vers 108 beginnt, 
nnd vertheilt das vorhergehende (wie schon M. Schmidt) unter 15 Cho- 
reuteu und zwar unter 3X5 (78—85, 86—99, 100—107); Heimsoeth 
findet keinen Grund, warum erst bei 108 die Responsion anfangen soll, 
und fordert antistrophische Gliederung für das ganze Chorikon. Zur 
Herstellung von 108 — 126 = 127 — 150 schreibt Bücheier 108 Beol tzo- 
Xio^oi ^Q^ovog }W a^pöot mit Westphal , 116 <i^^' 5} Zeü Tiärzp rnlv-ojv 
TiavraXig ^= <tu t^ "Apr^g ixoXiv Kdd/ioo eTKvw/iov (oder <tl> t' '^Aprjg <pzxt 
Ka8ixziav nöXtv)^ 122 Siä 8i roi yswv ^ä^arov)- mmäv , 125 dopuaaotg 
adyatg riöXacg kßoojxatg ■(sxaa-og Xu^ov dvdponXrjHrjy Ttpoataravzat = 149 
ab T (h Aazayivzca xoüpa, ^nphg k^d-pohg^ r6$ov suzuxdCoo, 183 c^&ußoXoj 
lidxq. IJoascdav {8awvy^ 146 ahiog für düzäg. Ausserdem verbessert er 
161 nac diug u&sv (für xat dcöBev), 164:'Vyxa, axpov noXewg, 299 no- 
XTzai, 763 azdvec oder vielmehr azztvtt, 768 zd 8' oXoä nsvo/isvoug 
(eine coniectura palraaris!) Trapsp^szac cl. Plaut. Trinum. 828. — Wäh- 
rend Bücheier die Responsion durch Annahme von Lücken zu gewinnen 
sucht, leitet Heimsoeth die Störung der Responsion vorzugsweise von 
Interpolationen her. So schreibt er, indem er überall auch genaue Ent- 
sprechung der einzelnen Formen der Dochmien fordert und Hiatus und 
syllaba anceps innerhalb der Dochmien (ausgenommen Interjectionen und 
Ausrufungen) zu entfernen sucht, 83 — 85 7Ti8ou 8k ydg ifiäg otiXoxzötiou 
(pucpog I TMzr/^plpnzazat, ßpiptsc 8' d^ezäv | opozünujv (s. V. a. ^SifLdppwv) 
8cxav, 86 — 90 &sol d-sat zs xaxuv dXsuaaz' opp.Bvov. i ßod npöoBe zec^scuv 
6 Xeoxaantg bppa Xzujg euzpsma&zcg inl r-öh'v 8ca)xcov = 104—107 xzu- 
TTov 8£8opxa- ndzayog ou^ svug 8op6g. \ zc pi^seg; 7Tpo8(u<TSig , naXac^&wv 
"Aprjg, zdv zsdv ^puaoTtYjXrj^ ttoXcv tioz^ zlxpiXrjzav, 110 Bsoi noXioy^oi^ T8tzt 
Tiapdivojv, 124 f. enzd o' dydvopsg iii8ovzsg azpazoü 8opü(Ta6ig adyatg 
npinovzog mXacg npoacazavza:, 130 f. Tzovzo/ieScuv äva$, l^&ußuXoj xevzpoj 
IloaecSdv ^ößvjv iruXuaiV 8coou, 149 f. azpazS) 8diip azovajv t' (uzig ou xoupa 
zu^ov euzoxd^ou, 154: '^Apzs/xi <piXa e i = 161 xal Jcoüsv ^exyovov). In 
158 verlangt er in' aX^sojv d. i. Xi&äg dxpoßoXwv (s. v. a. dxovzcazuiv) 
ep)(szac £711 zu)v dX$ea)v (Hes. aX^siov zec^dcov), in lQ'i''Oyxa im nzoXscug 
(oder imnzoXtg). 

Von den Conjekturen Lowiiiski 's erwähnen wir folgende: 195 
zocaüzd zoe . . e^tu , 205 eXcxözpo^oc cTmcxwv r' euzuxwv 7trj8aXcujv ^oyä 
ozopcdsg Trupißpspizac ^aXivcöv, 210 tcovziü) npoaxXöapazi, 229 o8u7 (schon 



Aeschylus. 213 

Oberdick), 243 xojxuzoTotv dvrtd^szs, 270 ddpaog fikotg dc8odaa, Ttolejxioig 
(poßov^ 273 dipxT^g rs TTr^yalg, otj&ar' lajirjvou hiyiü. 

Zu 429 vermuthet derselbe Gelehrte Jahrbücher für Philologie 
115 S. 694 ßiTtrjV ndSoi axrjtpaaav cl. Prom. 1093, was ganz gut wäre, 
wenn nicht bei (T^eBelv dv fehlte. Doch vergleiche ixoXsTv Prom. 667. 

277 ff. will Sigmund Teuffei Jahrbücher für Philologie 115 S. 
105 f. &(jaü} rpomua, dauov d' ia&rjßaza ari^cu Xdipopa ooopt?aj(p&^ dyvolg 
böp-oig. ah 8' aüt' knzü^ou xrk. lesen. 

Ob er dick schreibt 863 008'' für owx, 934 dcpiXatq (weil der Med. 
oh (piXacg hat — worin kein genügender Grund liegt, die nicht von dem 
Versmass geforderte ungewöhnliche Form zu setzen. Für die Erklärung 
der Corruptel beachte man die Lesart des Med. Prom. 185), 972 f. a^za 
T(vv8s zdS' iyyußsv, T[eXrj.g \'8' dSiXf d8eX<pzu)v^ 1003 lu> tmu -zip-nu-za-ov 
pÄpog; Vers 999 macht derselbe aus 'EreöxXttg dp^rjyira und nrjfjidzajv, 
welches im vorhergehenden Verse in einigen Handschriften für xaxwv 
steht oder zu xaxüJv beigeschrieben ist — also aus augenscheinlichen 
Glossemen, wie sie in jener Partie wiederholt vorkommen — den neuen 
Vers reo CO} TTr^fidzutv dp^ayiza. Der Schol., der zu Soaoatjxcuv bemerkt: 
oTi dv STSxev ävdpa io^sv, was eben der Dichter in 930 nachbringt, soll 
8uadvojp für 8u<j8aijiujv gelesen haben! Die Nothwendigkeit der Emen- 
dation SiaXXax-zr^pL o' ouv 908 hat Oberdick nicht einsehen können ! Noch 
theilt derselbe mit, dass auch Westphal und zwar schon im Jahre 1858 
die Ansicht aufgestellt, der Hprjvog habe ursprünglich den Schluss der 
Tragödie gebildet und die jetzige Schlusssceue sei erst der Autigone des 
Sophokles zu Liebe angefügt worden. 

üspaai. 

Joseph Wiel, De Aeschyli Persarum exitu commentatio critica. 
Gymn.-Progr. von Köln 1877. 

Phil. Keiper, Die Perser des Aeschylos als Quelle für altpersi- 
sche Alterthumskunde betrachtet, nebst Erklärung der darin vorkom- 
menden altpersischen Eigennamen. Acta semin. philologici Erlangen- 
sis ed. Iw. Müller et Ed. Woelfflin. Vol. I (Erl. 1878). S. 175-288. 

Die Abhandlung von Wiel ist vorzugsweise gerichtet gegen die 
Hypothese von Köchly über den Schluss der Perser (vgl. oben S. 204). 
Zur Widerlegung derselben sucht er einen gewissen Parallelismus zwi- 
schen der Anfangs- und Schlusssceue (1—153, 908 ff.) im Ausdruck und 
in der Gedaukenfolge nachzuweisen. Was die V. 849 f. anbelange, wo 
in Rücksicht auf 837f. eine Lücke von einem Verse zwischen bnav- 
rtdZetv nacSl imd i/zai Tzepdaojxat anzunehmen sei (»obviam ire, 
benevole consolari meoque consilio iuvare conabor filium«, so auch 832 
bis 839 = 845 — 851), so müsse man annehmen, dass nnch 529—531 
Xerxes der Atossa zuvorkomme. Der Ansicht, dass Atossa ihre Absicht 



214 Griechische Tragiker. 

ausgefülirt habe und Xerxes nicht in zerrissenem Kleide aufgetreten sei, 
setzt er die Bemerkung entgegen, die Zuschauer hätten erwarten müssen 
den König so auftreten zu sehen, wie er voraus wiederholt beschrieben 
worden. Allerdings ! Aber eben darum lässt der Dichter, der Aristoph. 
Frö. 1063 dem Euripides vorwirft: npwTov ^h roug ßaadeüovTag f)dxt^ 
djxmaxuiv, Tv' iXecvoc roTg dvd^pwnotg faivoivz' elvai xtI., Atossa jene Ab- 
sicht aussprechen. — Vers 145 will der Verfasser auch Aapeioysvrjg til- 
gen, 269 TioXüdova für rot noXXä schreiben, 552 Eep^rjg dnavr' iniom 
SufffLopojg, 954 ocococ ßoa, rtou näv aot nXrj&og; 1016 erklärt er: vides ar- 
maturae meae reliquias ex hello quod suscepi servatas, 1025 dpcoyaiv im 
Sinne von onXiuv dpojyüJv {dprjyovrujv). 

Die gediegene Abhandlung von Keiper wird gewiss vielen Philo- 
logen für die Erklärung der Perser willkommen sein, da der Verfasser 
mit grüudli^cher Kenntniss des Eranischen und sorgfältiger Kritik die 
Ergebnisse der eranischen Sprach- und Alterthumsforschung für die Fest- 
stellung und das Verständniss der persischen Namen verwerthet. Die 
Abhandlung schliesst sich an die Schrift von Hannak »Das Historische 
in den Persern des Aeschylus« (Wien 1865) an, bezeichnet aber im Ver- 
gleich zu ihr einen erheblichen Fortschritt und berichtigt manche Auf- 
stellungen von Hannak. Der erste Theil, welcher (wie bei Hannak) Bei- 
träge zur Religions- und Culturgeschichte und zur politischen Geschichte 
Persiens bringt, interessirt uns hier weniger. Eigentlich ist es auch ein 
verkehrter Standpunkt, die Dichtung des Aeschylus als Quelle für per- 
sische Alterthumskunde zu betrachten. Es können nur die spärlichen 
Notizen des Dichters an einem anderswoher genommeneu viel reicheren 
Material geprüft werden; dieses Material dient also zur Beleuchtung der 
Angaben des Dichters, nicht aber dienen diese zu einer nennenswerthen 
Bereicherung jenes. In 499 hzalat yacav oopavöv re Tipoaxuviov wollte 
Hannak eine Spur von dem Dualismus der eranischen Religion finden; 
Keiper weist dies mit Recht ab und führt den Gedanken auf griechische 
Vorstellung zurück. — 239 roqoolxbg ar/p-rj wird angezweifelt, weil ah/pr) 
nur Lanzenspitze bedeute; aber zur näheren Bestimmung dient eben 
To^oüÄxög. — Was die Aenderung 859 Ttokapara mpycva bezwecke, ist 
nicht recht ersichtlich. — Ilepaovopou 918 wird auf die bevorzugte Stel- 
lung der Uepaat im engeren Sinn bezogen. — Es folgt dann eine aus- 
führliche Erörterung der göttlichen Verehrung der Perserkönige und der 
7ipoax()vria!.g ^ bei welcher auch auf Ag. 919 pri^h ßapßdpoo (pwvug dcxr^v 
^cxpacnsTsg ßoapa 7:po(jxd\/rjg ipoc hätte hingewiesen werden können. Es 
wird ausgeführt, dass die Form der npoaxüvrjacg nach Herod. I 134 nicht 
ausschliesslich den Königen, sondern allgemein den Höherstehenden zu- 
kam und dass für eine göttliche Verehrung des Königs kein Anhaltspunkt 
vorliegt. Weiter wird über die persische Polizei, dann über die von 
Aeschylus aufgezählten Könige gehandelt. Der Artaphrenes 776 wird 
als identisch mit Intaphernes (Vindafranä) , einem der Verschworenen, 



Aeschylus. 215 

betrachtet. Aus auv SoXoj 775 wird geschlossen, dass die Ermordimg 
des Gaumäta wahrscheinlich das Werk eines geschickten Ueberfalls war. — 
Mehr interessirt uns der zweite Theil, in welchem der Verfasser einmal 
die authentischen Formen der Namen festzustellen strebt, dann die Re- 
construction der altijersischcn Form versucht. Es wird bemerkt, dass 
Aeschylus seine Namen vom Hörensagen während und nach dem Feld- 
zuge habe und dass an Vollständigkeit und Genauigkeit nicht zu denken 
sei. Von den 56 Namen werden 15 als nicht eranisch ausgeschieden und 
zwar drei als weder eranisch noch griechisch : Md/x^cg, loivveatg^ ¥dp./ug 
(vielleicht auch ßdpoßig), sechs als offenbar griechich: AcXatog, Jod-c'/ivag, 
MdzaUog, JJeMyojv , Tu^/xog, Sdv&cg , sechs als vermuthlich griechisch: 
^'AXmarog, 'AjKpcarpzög, 'AfJXTSug, Odfioßcg, SeodXxrjg, Tsvdycov, so dass 41 
als echt eranische Namen übrig bleiben. Von diesen 41 kommt etwa 
die Hälfte auch bei anderen Schriftstellern vor, die andere Hälfte kennen 
wir nur aus Aeschylus. Für die Textkritik der Namen sind folgende 
Beobachtungen von Werth: 'Ayßdram, 'Ajxiarprjg (21), 'A/ita-pig (320), 
ApY^carpeug, Apza^pevrjg, 'Aazdanr^g (21), Mdpdtg, Maata-rjg (30), Maaiozpag 
(697), MsyaßdTfjg, Seiadpr^g (322), loaMvrjg, 0ep£aaeürjg sind den anderen 
Formen dieser Namen, die entweder in Handschriften überliefert oder 
nach Conjectur angenommen werden, vorzuziehen. y> KrjyoaBdzag (991) 
ist zwar haltbar, aber Kr^SaSdzag (»von Gott geschaffen«) vorzuziehen. 
Oder es ist xäySaddzav d. i. xa\ AySaddzav zu schreiben. MdzaUog 314 
ist sehr wohl haltbar, vielleicht aber MizaUog als griechisches Wortspiel 
vorzuziehen. Ebenso richtig als das 995 von Hermann eingeführte Sdv- 
&cg erscheint Edv&^g. 983 ist Iztadixrjg ebenso gut als Srjadiirjg , auch 
Itadprjg nicht unrichtig. looaiaxdvr^g 34, 960 ist zwar zur Noth zu ver- 
theidigen; weit besser scheint ^ufjatxdvrjg. In 982 Bazavütyou mu^'' "Al- 
Tztazov wird "Almazov als Produkt einer Textkorruptel erklärt und nach 
diesem Vers mit anderen eine Lücke angenommen. Dieser Ansicht ist 
Referent auch längst gewesen und hat sich die Aenderung Bazaviuxoo 
Ttald' aXnvtazov an den Rand notiert mit der Annahme, dass der Name 
von dem allerliebsten Sohne des Batanochos in der Lücke ausgefallen sei. 

13 nach viov 8' äi^8pa ßaüZet nimmt £d. Tournier Revue de 
philol. n. ser. 1877. p. 272 eine Lücke {SOap-opog euvrj) an. 

186 vermuthet H. Weil ebendaselbst S. 267 yivoog zfxuzou ndzpag 
r'* ivate 8' rj phv xzk. nach II. 13, 354. — 

189 verbessert £d. Tournier ebendaselbst S. 204 jxa^ihv in poluiv. 

Agamemnon. 

J. K. Fleischmann »Das Charakterbild der Klytämnestra bei 
Aeschylus und Sophokles« Jahrbücher für Philologie 115 S. 513 - 541 

sucht nachzuweisen, dass der Charakter der Klytämnestra bei Aesdiylus 
und Sophokles in seinen Grundeigenschaften nicht verschieden sei und 



216 Griechische Tragiker. 

auch von der homerischen Autiassung nicht wesentlich abweiche. Das 
Ilachemotiv, welches Klytämnestra bei Aeschylus in ihrer Vertheidigiing 
geltend macht, betrachtet er nur als heuchlerischen Vorwand. »Mag das 
Opfer der Tochter auch ihr Herz von dem Gatten abgewandt haben, von 
diesem Schmerz und Hass ist doch noch ein weiter Schritt zu dem Ent- 
schluss zum Morde; der Schmerz um die Tochter mochte sie der Ver- 
führung zugänglicher machen; aber nur weil sie der frevelhaften Liebes- 
leidenschaft erlag, wurde sie von dem bösen Gewissen zu dem grauen- 
vollen Entschlüsse gedrängt«. Wir halten diese Ansicht nicht für richtig. 
Klytämnestra bezeichnet Ag. 1374 den Agamemnon als ihren Feind und 
die frivole Freude, mit der sie dem hingestreckten Agamemnon noch den 
dritten Schlag versetzt, und die Wonne, mit welcher die an sie spritzen- 
den Blutstropfen sie erfüllen, kann psychologisch nicht der Ehebrecherin, 
sondern nur der von Rachewuth getriebenen Mörderin zukommen. Der 
Umstand, dass Aeschylus abweichend von Homer Klytämnestra allein ohne 
Aegisthos den Mord vollbringen lässt, ist bezeichnend für die abweichende 
Auffassung des Tragikers, und wenn nach der Meinung Fleischmann's 
Klytämnestra darin ausnehmende Aehnlichkeit mit Eichard UI. haben soll, 
dass beider innerstes Wesen von Anfang der Handlung an nichts als 
Bosheit und Frevelsiun offenbare und dass beiden vollendete Heuchelei 
zu entschiedenen Erfolgen verhelfe, so stimmt das auch psychologisch 
nicht zu dem harmlosen Charakter der homerischen Klytämnestra, die 
erst den verlockenden Worten des Verführers erliegt. Man kann nur 
sagen, dass Aeschylus das homerische Motiv des Ehebruchs nicht dem 
Rachemotiv in der Weise untergeordnet hat, dass der Ehebruch deutlich 
nur als Mittel zum Zweck erscheint. Er hat dies gethau in Rücksicht 
auf das zweite Stück der Trilogie, in welchem natürlicher Weise nach 
dem längeren Zusammenleben der Klytämnestra und des Aegisthos imd 
den Zwecken des Stückes entsprechend wie bei Sophokles der Ehebruch 
mehr hervortreten musste. Dagegen spricht der Dichter im ersten Stück 
mit {ivd/iojv iir^vig zexvonoivoQ (155) und auch mit den Worten der Kly- 
tämnestra Trjads os^cäg x^pog ocxacag rdxzovog wie überhaupt in der 
ganzen Scene nach dem Morde, wo Klytämnestra nach ausdrücklicher 
Erklärung 1372 f. die Maske der Heuchelei fallen lässt, deutlich genug 
seine Auffassung aus. Wenn der Dichter, was niemand bestreiten 
wii'd, den Tod des Agamemnon als Strafe für die Opferung des Iphigenie 
betrachtet, so musste er auch die Mörderin als Rächerin der Opferung 
hinstellen. Wir können hiemach auch nicht zugeben, dass Sophokles das 
Bild des furchtbaren, dämonischen Wesens der Aeschyl ei sehen Trilogie 
nur abgeblasst habe. Bei Sophokles ist in der That das Rachemotiv nur 
ein Vorwand zur Beschönigung des Ehebruchs und die Sophokleische 
Klytämnestra erscheint uns darum viel gemeiner und weniger interessant 
als die Aeschyleische. — Noch weniger können wir es billigen, wenn 
Fleischmann Ag. 886 und 1567—1576 (wo Klytämnestra einen schwäch- 



Aeschylus. 217 

liehen Zug an den Tag lege, welcher der grossartigcu Zeichnung nicht 
angemessen sei) als titerpolation beseitigen will. Die Verse 1567 — 1576 
sind ebensowenig unecht als Ant. 889 f. 

Robert Browning, the Agamemnon of Aeschylus. Transcribed. 
London 1877. XI und 148 S. 8. 

Diese Uebersetzung ist ein eigenthümliches Gemisch von Poesie 
und Unverständlichkeit, welche in der ausgesprochenen Absicht einer wört- 
lichen Wiedergabe und in der Dimkelheit des Originals, von welcher der 
Verfasser in der Vorrede spricht, keine genügende Entschuldigung findet. 
Man vergleiche z. B. die Uebersetzung von 1119 — 1124: What this 
Erinus which i' the house thou callest To raise her cry? Not rae thy 
Word enlightens! To my heart has run A drop of the crocus-dye: which 
makes for those On earth by the spear that lie, A common close Which 
life's descending sun. Swift is the curse begun! 

Die kritischen Versuche von H. Beck (siehe oben S. 208), welche 
Stellen des Agamemnon behandeln, haben keinen bedeutenden Werth. 
Emendationen lassen sich nicht dekretiren. Oder glaubt der Verfasser 
im Ernst daran, dass ocsnipojv [xsriuvreg in Si' ipiv acfiazosaaav (Ag. 698), 
ouziva (piyev Ttpoanacotg in ooziva (pijwv s[maioig (185) habe übergehen 
können? Die Erklärung, dass 733 aiiayov aXyog Apposition zum ganzen 
Satz sei, ist wohl richtig; aber wer wird es trotz Nägelsbach und Keck 
nicht so erklären? Ausserdem erwähnen wir folgende Conjekturen: 11 edv 
ze (für £oz' Rv de — wo bleibt die Verbindung?), 15 idv r' (für ozav 
5'), 250 zo [liXlov 8h nplv yzveaBac xÄuscv Ttpo^acpszco , 547 in^v Tiof^oj 
azpazoü. Interessant war uns die Mittheilung aus einem Collegieuhefte, 
dass G. Hermann in seinen Vorlesungen Ag. 216 inc^u/izTv als Glossem zu 
opyäv angenommen und Ilavayatoug an Stelle von iruBitjisTv vermuthet habe 
(vgl. unsere Studien zu Aeschylus S. IX). 

B. H. Kennedy Journal of Philology VII (1876) nr. 13 p. 14—18 
behandelt die schwierige Stelle 931 — 943 und giebt von 931 ff. folgende 
Erklärung: Klyt. Wohl nun, beantworte diese Frage mir zu Gefallen 
ohne gegen deine Memuug zu sprechen. Agam. Was meine Meinung 
betrifft, so versichere ich dir, dass ich sie nicht falsch angeben werde. 
Klyt. Würdest du in einer Zeit der Angst den Göttern gelobt haben 
zu thun was jetzt vorgeschlagen ist? Agam. Ja ich kannte so gut wie 
jedermann die passende Gelegenheit so eine Verrichtung anzukündigen 
(Kennedy ist geneigt entweder e^zmeTv oder äv für zo zu schreiben). 

Xoi^<p6poi. 

G. F. Schömann, zu Aeschylus Choephoren. N. Jahrb. für Phi- 
lol. und Pädag. Bd. 115 S. 1 — 24, 81 — 105, 361 — 375, 545 — 558, 
721 — 724. 

Schoemann giebt eine Reihe kritischer und exegetischer Beraer-* 



218 Griechische Tragiker. 

kungen zu den Choephoreii , von denen wir keine als besonders beach- 
tenswerth hervorzuheben im Stande sind, dagegen manche als unmetho- 
disch und unnütz betrachten müssen. Die Willkür geht soweit, dass 
z.B. die Antistrophe 827-830 ganz nach Belieben hergestellt und dann 
die mangelnde Uebereinstimmung mit der Strophe als unnöthig befunden 
wird (S. 96). Wenn wir hier mehr anführen, als vielleicht angeführt zu 
werden verdient, so möge man das der Achtung des namhaften Gelehrten 
zu Gut halten. Unter voix<ptxa kowXta 71 versteht Schümann die Sitze der 
Nymphen d. h. die Quellen der Gewcässer; er erwähnt dabei mehrere 
Erklärungen die er als lächerlich verwirft, nicht aber die richtige Er- 
klärung von Merkel, In 61 schreibt er po-nrj 8' imcxonou Acxag za^^sTa 
To7g fih SV (fdei . . fiivz: xpovc^ovr a^rj (und 52 ovo^og xaluinzt duiioug) 
und giebt von 61-65 folgende Erklärung: »Der Chor mahnt au den 
Umschwung, den die waltende Dike den Dingen giebt, der aber von 
den Menschen nicht auf gleiche Weise, sondern nur von einigen recht- 
zeitig und in klarer Erkenntniss wahrgenommen, von anderen nur dunkel 
und spät geahnt wird, während manche in völliger Blindheit dahingehen, 
ihren Geist die dichteste Nacht umfängt«. Angenommen, dieser Gedanke 
sei an und für sich sinnreich und könne in den Worten des Aeschylus 
gefunden werden, so ist absolut kein logischer Zusammenhang mit dem 
Vorausgehenden und Folgenden ersichtlich. 68 soll 8ta(pipti heissen »pei- 
nigt«. Die Aenderung in 75 ipol 8' dmyxav ys oajiaamToXiv kennzeichnet 
sich durch die Aushülfspartikel yi. In 78 f. schreibt Schömann 8ixaca 
xal [xi], npirMvra 8' äp^fiTai tzoo ßta (fpi.V(l)V abtaat ruxpuv aröyog xpa- 
zoüayj {ßtq. (fpevwv und mxpuv azuyog nach H. L. Ahrens und Franz), 
154 i'pupa xsovov xaxujv (»so nennt die Sprecherin das Grab des Königs, 
weil sie es als ein Heiligthum ehrt, welches die Bösen abwehrt«), 155 
ayog oiTTSu^szov ist von dTtözporMv »vei'abscheuend« abhängig. 279 slnsv 
d<7&evü)v voaoug, 285 TrpoajdoXäg . . zeXouixivag upwvzt. Die ganze Rede 
des Orestes 269 — 305 wird einem versificierenden Schauspieler zuge- 
wiesen, der das Vers 1032 von Orestes als unmöglich (?) abgelehnte 
doch auf seine Weise zu leisten gedachte. In 320 f. wird ydptzog . . xex- 
X^z' äv geschrieben und der Zusammenhang in folgender Weise bestimmt: 
»was kann ich sagen, was thun, dass mir's gelinge aus der Ferne her 
(d. h. von Phokis her, obwohl Orestes schon am Grabe steht!) zu deinem 
Grabe einen Lichtstrahl zu bringen gegen das Düster? Auch abgesehen 
von der Erfüllung dieses Wunsches darf gleichwohl doch die Klage der 
Kinder als Beweis ihrer Liebe gerühmt werden« [damit geht, abgesehen 
von allem anderen, der Zusammenhang mit dem Folgenden verloren]; 
328 verlangt Schömann dvacpatvezai 8k ßMnzujv, 330 ponäv dp.^da^^, 
weil dieses Epitheton nur zu por^dv passe, nicht zu yoog^ 344 vsoxpdg 
(pihüv (oder (ftXtojg) ae. xopc^ot [wie ganz anders lautet das von dem 
Dichter wirklich geschriebene ^cdXr^v veoxpäza xopt^oi, womit Hom. II. 6, 
528 xpTjz^pa az^aaa&ai iXeu&epov iv fiayopocacv zu vergleichen), 361 



Aeschyliis. 219 

dcavrXiov für mjji7:MvT(ov , 367 TtdpoQ 5' o7 a^ dvsTXov (oder n sBsivdv), 
ViV . . 8a/JL^vac -^xat räv oder rtuv )• d^avaTri<p6pn\> acaav, 375 »der Schall 
der zwiefachen Geissei heisst offenbar soviel als die Stimme zwiefacher 
Sorge: denn die Bedeutung von p-apayv-fj als bildlichem Ausdruck für 
Besorgniss, Angst ist nicht zu bezweifeln« [?!], 378 uaiar (rroyspov zoO- 
Twv Tiäat. TL päXXov jEyivT^Tru'^ (»was ist in höherem Grade hassenswe-rth 
als sie«?): »Die Aenderung von 8h in ri ist ganz unanstössig« (?!), 
382—384 ävEl^^Tv (für dpirijXTKuV) . . zsXEta&at, 388 hrh^ für ifinag, 390 
npatpa xapSfag bedeutet die Vorderseite der xap8ca, der Brusthöhle, in 
der sich die xapSc'a befindet und die desshalb auch selbst diesen Namen 
tragen konnte [dabei wird arjzac unbeanstandet gelassen. Diese Erklä- 
rung wird für »verständige Leser« gegeben; Geschmack kommt also nur 
imverständigen zu], 397 mazä ^ivoczo x^^P'o- (»möge uns Erfreuliches 
gewiss sein«), 399 /if^ov/cyv t' ivr^/xo;, 420 »was können wir sagen? Etwa 
dass die Wehethaten, die man von den Eltern erleidet, sich milder auf- 
nehmen lassen? Dies hier (d. h. die hier waltende Stimmung und Ge- 
sinnung) lässt sich nicht besänftigen«, 441 vöaov für ixöpov, 446 iJ-ox(ti, 
452 (ppevwv ßdßet , 482 zo^sTv yd/xajv npoal^scaav mit Schütz [passt dazu 
zocdvds?], 573 »} xat jj.oXüjv iva\iza jiot xaxoazofia kpzl . . xa.\ xdx' d<p&aX- 
/xoTg ßaXec, 589 ßpozoTac nMßoua: xat xzi. {ßXaazdöat mit Franz ge- 
strichen), 600 dnipujTMg bedeutet »rücksichtslos«, rjj.pavtxq. »male vincit«, 
»die in den Weibern herrschende rücksichtslose Begierde trägt schlimmen 
Sieg davon über die verwandtschaftliche Eintracht d. h. sie setzt sich 
darüber hinweg« [und was wird aus dem folgenden xvcußdXujv'?], 604 Sdav 
für öaecg, 613 o/l-^av Ssc ziv eoXoyujg azuyzlv, 625 dixsdtxwv ^uvujv, dyeipoj 
zu doa<piXkg (mit Schütz ; es soll bedeuten »hinzugesellen«), 628 kmixoziog 
(wie bei Paley) aißa, 629 dBsp/xavzog kazta ist ein frevelloses, zu Fre- 
velthaten nicht gereiztes Haus, 631 xaxujv ya Trpaaßz'jszat . . Elxdazi 8i 
zcg z68' ahdv (mit Bothe), 635 &so(7zuyrjZov 8' dec [die Nothwendigkeit 
dieser Verbesserung ist S. 22 dem Verfasser so einleuchtend, dass er 
kein Wort weiter darüber verlieren will, S. 724 aber nimmt er sie still- 
schweigend zurück und giebt die Erklärung: »Die Menschen, die durch 
gottverhasste Versündigung (dysc) sich um Achtung und Ansehen gebracht 
haben, gehen unter; denn Niemand achtet, was den Göttern verhasst ist«], 
641 zu fXTj Hp-tg deutet hier nicht das Unrecht, sondern das Recht an: 
Aeschylus hat sich jenes Ausdrucks als eines formelhaften bedient, im 
Sinne einer warnenden Mahnung, die vom bösen Thun durch die Erin- 
nerung, dass es pyj Mptg sei, abschrecken soll [eine Interpretation, die 
+ 1 = — 1 zu erweisen versteht!], 645 Tiapixßa zcg oöx dpca&mg, 646 
(pdayav" opyr^g [!]■ zixvojv 8' i-netafipet 8upoig . . zcvscv püaog (»Die Erinys 
legt es den Häusern der Nachkonunen auf, die Sünde älterer d. h. von 
den Eltern oder Voreltern verübter Blutthaten zu büssen«). »Während 
des Stasimons 585—652 verwandelt sich die Scene. Vorher ist das Grab- 
mal des Agamemnon dargestellt; Elektra tritt mit dem Chor in der Or- 



220 Griechische Tragiker. 

chcstra auf, geht dann auf die Bühne, dann wieder zum Chor zurück; 
Orestes tritt zu ihr in die Orchestra hinab; die Verse 212 — 305 werden 
in der Orchestra gesprochen, dann treten die Geschwister zum Grab auf 
die Bühne; während des genannten Stasiraons ist die Bühne durch ein 
TcapansTaa/xa den Blicken der Zuschauer entzogen; das Grab wird besei- 
tigt. Es giebt zwar immer noch einige Gelehrte, die von Anwendung 
des Vorhangs in dem altathenischen Theater nichts wissen wollen und 
den Athenern die Dummheit zutrauen, sich eines so nothwendigen Hülfs- 
mittels für den Scenenwechsel nicht bedient zu haben; doch sind deren 
jetzt wohl nur noch wenige und im Allgemeinen hat die Wahrheit [sie!] 
schon die gebührende Anerkennung gefunden«. [Wer staunt nicht V!] 
Weitere Vermuthungen sind 671 ocxaciov dp/idTOJV {dpjia »Nahrung, Speise«, 
was soll dann o;xa£ü>v?),. 698 ßax^ztag dXy]g, 738 Mro axu&pajTTcov eldog 
dfifLOLTOJV, yeXüJV xsü&ouaa, 786 tö auuppov bo iiatop-ivotg cSsTv, 795 äp/ia- 
atv^ 7t7j/xd-(ov (5' iv dpö/xü) und mit H. L. Ahrens xTcaov für reg äv, dann 
ToÜT IdsTv Sog itiSov dvo/ievov ßy^/xd-wv opay/ia (»verleih, dass dieses Land 
[nsdovl] das zum Ziel gelangende Streben seiner Schritte schauen möge«), 
806 Tt> 8k xdroj xXüjievov (»die Anrufung ist auf den Gott der Unterwelt 
zu beziehen«), 807 dvip-ev dop-ou (aus dem Hades emporsteigen) avdpa, 
dann mit anderen xai vcv iXsu&epcag lo.p7ipüv cSeTv ywg <pi}.(otg oppaaiv 
ix dvoyspäg xaXvTtrpag [(pwg iXeuBspiag wird auf die Befreiung von der 
verhassten Gewalt der Klytämnestra und des Aegisthos bezogen, unter 
der das Land und die Kinder des Agamemnon bisher gestanden haben; 
man sollte also, da IdtTv <pwg iXsu&spcag nur von dem gesagt werden 
kann, der befreit wird, xai vcv . . c8siv von Orestes verstehen ; dann aber 
liegt ein Widerspruch mit der vorhergehenden Conjektur und Erklärung 
vor, nach der Agamemnon Subjekt zu cos7v ist], 814 oupiaai für oopiav^ 
817 vuxTa npöaiP oppdrojv xai ßa&uv axozov (pipujv. Wir erlahmen hier 
die weiteren wo möglich noch werthloseren Coujekturen auszuschreiben 
und erwähnen nur noch folgendes: 842 ^rjpcoaTuysc ^6vu), 846 ^vijaxov- 
rog, 847 ^rjXuxrac aa<p(hg^ 1012 ^oyipovog ^opßdXXsrat. 

Vers 214 verlangt £d. Tournier Revue de philol. n. ser. 1877 
S. 272 xöpzT für xopöj. 

Vers 244 vermuthet G. Siegfried Philol. Anz. VIII S. 107 ipo\ 
aißag yepajv povog' Kpdxog xzi. 

Vers 797 will E. Heydenreich N. Rhein. Mus. 32 S. 134 8bg ol 
(inr Ttg äv) (joj^opevov puBpuv Toüz' c8sTv ydmdov lesen (ähnlich Rüter in 
der oben S. 209 besprochenen Abhandlung 8bg ä\> awCopevov . . ydnsSov), 
womit die Stelle keineswegs geheilt ist. 

Fragmente. 

Ein neues Bruchstück siehe unter Eur. Rhesus. — 346 Herwer- 
den Mnemosyne N. S. V p. 32 uypoßaTzrov. — 395 Loeschke Philol. 
Anz. VII S. 323 AtdvTog aaxo rtpög votou xscrac nvodg. 



Sophokles. 221 

Sophokles. 

Fr. Bücheier, Sophoclis Tiatäv slg 'AaxXr^mov. N. Rhein. Museum 
XXXII. S. 318. 

Rudolf Schneider, Der Stammbaum der Sophokleischen Hand- 
schriften. Jahrb. für Philol. CXV S. 441—449. 

fid. Tournier, Les tragedies de Sophocle. Texte grec public 
d'apres les travaux les plus recents de la philologie avec un commen- 
taire critique et explicatif, uue introductiou et une notice. Paris 1877. 
XXXTI und 801 S. 8. 

Gerh. Heinr. Müller, Novae emendationes Sophocleae. Gymn.- 
Progr. von Wongrowitz 1877. 16 S. 4. 

Maximilianus Lechner, De rhetoricae usu Sophocleo. Commen- 
tatio in anualibus gymnasii Curiensis aliquando incohata, ad finem nunc 
perducta. Berlin 1877. 35 S. 4. 

W. Pecz, Systematische Darstellung der Proportionstropen bei 
Sophokles. Zeitschrift für die österr. Gymnasien. 28. S. 721—736. 

0. Hense, Der Chor des Sophokles. Berlin 1877. 32 S. 8. 

0. Hense, Ueber die Vortragsweise Sophokleischer Stasima. 
N. Rhein. Mus. XXXII. S. 489-515. 

Jos. Feldkircher, Sophoclis de philosophiae morumque prae- 
ceptis. Gymn.-Progr. von Oberhollabrunn 1877. 20 S. 8. 

Schwarz, Proben einer Uebersetzung Sophokleischer Tragödien 
in modernen Versmassen. Programm der hölieren Bürgerschule von 
Gumbinnen 1877. 16 S. 4. 

Leconte de Lisle, Sophocle. Traduction nouvelle. Paris 1877. 
503 S. 8. 

Von einer zu Athen bei dem Asklepieion gefundenen Inschrift hat 
Steph. Kumanudis folgendes Fragment des Sophokles entziffert und 
im 'A^mcov vol. V S. 240 veröffentlicht: 

2Jo<foxMoug 
.... xoupa nepauvufte [iärep d^s^m6[vou . . 
. . . ? äx£ipsx6iia[g . . . vapc&fic .... 
. . . e . . . eusn 

Bücheier hat darin den nacäv eis 'AaxhfiLov erkannt und bemerkt dazu: 
invocatur Coronis, 5) OXeyoa xoüpa^ mater Aesculapii, OdlßoQ dxetpe- 
xüp.aq S.V evapt^[itoM immortalibus reddidit suo amore. — Kumanudis 
hofft noch mehr entziffern zu können. 

R. Schneider stützt seine Untersuchungen über den Stammbaum 



222 Griechische Tragiker. 

der Sophokleischen Ilaudschrifteu vorzugsweise auf die für die zweite 
Auflage vou Soph. Electra ed. Jahn gerade zu dem Zweck einer zuver- 
lässigeren Entscheidung der Haudschrifteufrage gemachten Collationeu 
und kommt zu folgendem Ergebniss: »Die Sophokleischen Handschriften 
theilen sich in zwei Familien, deren eine vou La, die andere von A 
(Par. 2712) vertreten wird; auf diese beiden Handschriften hat sich die 
Textesrecension zu stützen; doch ist La an Glaubwürdigkeit A über- 
legen; neben La und A kommen nur noch einige wenige Angaben von 
dem sogenannten ocop&iuzrig in Betracht, die bei weitem grössere Anzahl 
aber der Zusätze des diop&wrrjg ist zu verwerfen. Ohne allen Nutzen 
sind die Lesarten der weiteren Correktoren von La imd die Abweichun- 
gen aller übrigen Handschriften; nur Lb hat noch einen sekundären 
Werth als ein Zeuge der ursprünglichen Lesart von La, wenn dieselbe 
in La selbst nicht mehr erkennbar ist«. Dieses Resultat wird im Gan- 
zen richtig sein, wenn auch die Beweisführung im Einzelneu mit Beru- 
fung auf die Thätigkeit byzantinischer Grammatiker und Correktoren 
wird angefochten werden können. Aehnlich ist die Classification, welche 
Michaelis in der Vorrede zu der genannten Ausgabe von Jahn gemacht 
hat, der auf die eine Seite La und Lb, auf die andere AE und die Ver- 
besserungen des dcopt^iuTT^g stellt. Es ergiebt sich natürlich für Sopho- 
kles die gleiche Ueb erlief er ung wie für Aeschylus (vgl. unsere A. Soph. 
em. S. 2 sq. und Studien zu Aesch. S. 60). 

Das stattliche Werk von Tour nie r hat seine Bedeutung weniger in 
der selbständigen Leistung, als darin, dass es die Leistungen der deut- 
schen und einiger englischen Gelehrten vorzugsweise nach den Ausgaben 
von Dindorf, Wunder und Schneidewin-Nauck in geschmackvoller Aus- 
wahl und mit gutem Verständniss französischen Lesern zugänglich macht. 
Nicht immer zwar haben wir den richtigen kritischen Takt gefunden wie 
z. B. Ai. 668 — 684 vou Interpolation herrühren sollen oder 0. Tyr. 525 
Tou Tipog 5' beibehalten und nur die unnütze Conjektur von Kvigala iipog 
Töd 8' erwähnt, die einzig richtige Lesart rounog §' aber nicht angeführt 
wird. Auch ist die Kenntuiss der Literatur nur eine beschränkte. Allein 
wir haben hier doch eiue weit glänzendere Leistung als in anderen fran- 
zösischen und auch in englischen Ausgaben des Sophokles; wir haben 
hier wenigstens eine Arbeit von einem wirklichen Kenner des Sophokles. 
Da der Commentar am wenigsten selbständig ist und kaum einen er- 
heblichen Fortschritt für die Wissenschaft bedeutet, so heben wir nur 
aus den textkritischen Noten die irgendwie bemerkenswerthen Conjektu- 
ren des Verfassers heraus, ohne Rücksicht auf erste oder zweite Auflage : 
Ai. 320 £$^i>-(sc TidXscv, 651 ßatp^ig aßrßog ujg^ 969 tc drj-ca tocoüS' syys- 
X<böv &v xdra cl. 0. C. 1339 (Meineke eV eyYsXuiav), El. 20 s$o8ov nspäv 
GTeyrjg, 84 raoTa yap (pipetv vixriv ri (pr^U-c^ 316 rd aoi <pcXov i. e. 
a laropsiv aoi <pt'küv iazi'v, 437 Icrr' «v 8-dv]^, 534 roü ^dpcv narrjp e^o- 
aev au-ojv , 0. Tyr. 422 utov xa^dp^r^g zuv ujisvacov uv döjxujv ig opjiov 



Sophokles. 223 

slffinhoaag, 579 ixecvj} r^g ray^g Yaov vs/xiuv ; 640 Soug 8oo?v xpTvm xa- 
xoTv, 768 8i' o vcv, 852 oo fii^ rM-\ ojva$, <t6v y' 6 Aatoo <püvog \ ^avfj 
8ixat<og ipyov, 1310 -na fioc | (p^oyyd; drxT/iov , "v s^rjXXoo. 0. Col. 12 
sl'xanev (= iocxaiisv), 62 f. ou Xuyocg \ iyvajfffiiv', dUä r^ ndXat ^uvoum'a, 
421 rrjv ns^aafiivrjv, 590 dW au &shvrig y- ouSk xzi., 1003 Hcuneücrac 
^cXov, 1135 — 1137 ouS' oLtv edcraj- /atps xat zd Xomd jiou , 1142 — 1149 
werden in folgender Weise umgestellt: 1142. 1148. 1149. 1143—1147, 
1425 S a^wv, Ant. (15 Chatelain (ppouBog rjiitv\ 728 iirjdiv y o [irj dixaiov, 
982 äv&rj<j\ 990 ^ 'x TiporjyrjToo niXst, Trach. 463 kxTaxBtrj, 704 x^jBsv- 
Tog eig yrjv scts ßax/e/oo ydvoog {yXaoxrjg önujpag von der Olive), 929 
e$u}p}xu>}XB&a, 935 dxouard, 941 xXacujv 8\ 1113 ro'ü8i a\ sc oipalrjatTai^ 
1129 Uyujv für ytywg, Phil. 626 oa oW iyo), raör' seil. eauv. 

Von den neuen Emendationen Gerh. Heinr. Müll er 's gilt das 
Gleiche wie von den früheren (vergl. unseren vorigen Jahresb. S. 52). 
Die gelungenste scheint 0. C. 800 Suctto/isTv (für 8uaToxetv) zu sein. 
Zu Ai. 61 sucht er die Conjectur von Hermann 'Eptvuwv iurpuvov elg 
ipxTj xaxd zur Geltung zu bringen. Ebendaselbst 190 vermuthet er rj 
rag dacurou Icau(pc8og yeveäg , 0. C. 702 zdv ou ug al^rjug oure yrjpa 
ay]fxacviov, 1021 rag naTSag aurbg y^ye/iojv 8£t$rjg ip-oi^ Ant. 1225 86arrjVov 
Xdj(og, Phil. 291 eüuojxrjV dXyscvuv e^ikxojv 7:68a, 691 npug oupov (nach 
Hes. otjpog- ßaathug, <f6Xa^^ auivr^p). Das andere ist entweder ganz 
unbrauchbar oder schon von anderen vorgenommen (z. B. e« viv 0. C. 1192 
von Wunder und Heimsöth, oiio ^eTzat Phil. 190 von Schwenck). 

Lechner erörtert den Einfiuss der Rhetorik auf die Sprache und die 
Reden in Stücken des Sophokles. Er bespricht zunächst und am meisten 
die inventio und macht unter anderem in den Streitreden der Elektra 
und Klytämnestra auf das dvriyxXrjfxa (relatio criminis) 527, die dv^ono- 
<popd 534, die iierdaraacg (remotio criminis) 563, das xptvojxevov (iudi- 
catio) 577 aufmerksam. Die Rede des Kreon Ant. 639 — 680 skizzirt er 
in folgender Weise: I. Tu ue indigneris Antigonam mitti ad mortem, 
prohibeat te A. pietas, B. prudentia. II. Ego supplicio illam afficiam, 
quoniam oportet me A. meum tueri imperium, B. saluti prospicere civium, 
die Rede des Menelaos Ai. 1052 — 1090 in folgender: Sepeliri illum veto, 
quia I. Graecis insidias paravit, IL Atridarum imperium recusavit, die 
Rede des Teukros 1266 -1315 in folgender: Exordium: oblivione obscu- 
ratae mortui laudes. I. Aiax optime de Graecis meruit, quoniam A. na- 
ves ex incendii periculo servavit, B. cum Hectore ultro depugnavit. 
n. Contumelia mihi temere imposita, quoniam A. barbaro genere et ipse 
eoque scelerato natus est Agamemno, B. regia stirpe parentes mei gene- 
rali. Peroratio: armis tuebor mortui dignitatem. Ausser dem zweiten 
Theile des Aias bemerkt Lechner den Einfluss der Rhetorik noch beson- 
ders im Philoktet (z. B, in den Reden 1004 ff. und 1314 ff.) und im Oed. 
Col. (in den Reden des Oedipus, Theseus, Kreon, Polyneikes, die zum 
Theil ganz Euripideische Anlage zeigen) und schliesst desshalb, dass 



224 Griochische Tragiker. 

Sophokles mit zunehmendem Alter sich mehr der Weise des Euripides 
genähert habe. Er will darum auch die Abfassung des zweiten Theils 
des Aias mit L. Benloew de Soph. dict. propr. Paris 184:1 S. 69 in 
die spätere Lebenszeit des Dichters setzen. Den Unterschied von Euri- 
pides findet er einmal darin, dass auf der Bühne keine förmlichen Pro- 
cessverhandlungen angestellt werden, dann darin, dass die Rhetorik mass- 
und taktvoll angewendet sei, endlich auch darin, dass die Reden nicht 
vom Thema der Handlung abschweifen, wie z. B. bei Euripides Suppl. 
411 — 455, wo die Vortheile und Nachtheile der republikanischen Ver- 
fassung abgehandelt werden. Im zweiten Theile, der von der elocutio 
handelt, werden die Spuren Gorgianischer Beredsamkeit in den dvrcf^era, 
?(t6x(o?m, T-Mpo/ioca (z. B. El. 1036, Phil. 1009, 1049, Ai. 1085), die Spu- 
ren der Lehren des Prodikus in der genauen Unterscheidung synonymer 
Wörter Trach. 550, Ai. 1134f. gefunden und rhetorische Figuren {Bcpo)- 
veca, bnepßoXrj^ 7iu<T/xa, snavop&ojacg, sTiwdXrjipcg, dvrc&eacg) besonders im 
Aias, Philoct. und Oed. Col. nachgewiesen. Vergl. unsere Besprechung 
in der Jenaer Literaturzeitung 1878. Art. 38. 

Pecz bezeichnet, weil Gerbert in seinem Buche »die Sprache als 
Kunst« nachgewiesen, dass die Metapher, die Allegorie und das Gleich- 
niss auf einer Proportion beruhen, diese Tropen als Proportionstropen, 
stellt die bildlichen Ausdrücke und Gleichnisse des Sophokles nach den 
Gebieten, denen sie entlehnt sind, zusammen, wobei manches Unrichtige 
mit unterläuft, und fügt die Bemerkung hinzu, man sehe den Tropen 
des . Sophokles an, dass er zur Zeit des Perikles gelebt, wo die Beschäf- 
tigungen des Friedens, die Jagd, die Pferdezucht und das Pferderennen, 
die Viehzucht, die Gärtnerei, der Ackerbau, der Handel und die Schiff- 
fahrt mächtig aufblühten und dass diese Beschäftigungen des Friedens 
den Geist des Sophokles besonders angesprochen haben, dessen Phan- 
tasie daraus glänzende Bilder geschaffen, dass Sophokles auch ein reges 
Gefühl für die Natur besessen, dagegen für das politische und kriege- 
rische Treiben seiner Zeit weniger Sympathie gehabt habe. 

Die beiden Abhandlungen von 0. Hense und die darin vorgetra- 
genen Beobachtungen über die Chortechnik des Sophokles beruhen im 
Ganzen auf dem Buche von Muff, welches wir im vorigen Jahresbericht 
S. 54 besprochen haben. In der ersten Abhandlung über den Chor des 
Sophokles (vgl. die Besprechung von Muff im Philol. Anz. VIH S. 286 
bis 290 und von dem Referenten ebendaselbst S. 290 — 292) wird zu- 
nächst der Satz aufgestellt, dass die Erhöhung der Choreutenzahl auf 15 
mit der Vermehrung der Schauspieler in engstem Zusammenhang stehe 
und dass die Neubildung des tragischen Chors durch Sophokles darauf 
hinausgehe, den drei Spielern der Bühne auf der Orchestra die näm- 
liche Anzahl chorischer Repräsentanten in dem Koryphaios und den bei- 
den Halbchorführern gegenüber zu stellen. Dem Protagonisten soll 
der Koryphaios, dem Deuteragonisten der eine, dem Tritagonisten der 



Sophokles. 225 

andere Halbchorführer entsprechen. Der Koryphaios werde, so heisst 
es weiter, den beiden Halbchorführeru gegenüber auf eigene Fusse ge- 
stellt, da er nicht mehr in der chorischen Masse verschwinde, und in 
seiner vollen Würde herausgehoben. In dem Verhcältniss von 2:1 er- 
halte der Koryphaios ein doppelt so grosses chorisches Megethos als 
die beiden Halbchorführer. Diese Trias, seine eigenste Schöpfung, 
bringe der Dichter nicht nur in den Einzugsliedern, sondern auch inner- 
halb der Epeisodien, sowohl in den kommatischeu als in den eigent- 
lichen Dialogpartien nicht selten zur Anwendung. Daran knüpft die 
zweite Abhandlung über die Vortragsweise Sophokleischer Stasima an, 
um nachzuweisen, dass diese von Halbchören vorgetragen worden 
seien. Weil nämlich bei den Chorreden von Dialogpartien, wo Muff 
ausser dem Koryphaios auch die beiden Halbchorführer sprechen lässt, 
nicht bloss das Verhältniss von 2:1, sondern auch das Verhältniss von 
1 : 1 zu Tage tritt, so wird angenommen, dass in dem zweiten Fall die 
hervorragende Stellung des Koryphaios schon für das Auge sichtbar ge- 
wesen d. h- der Chor in Halbchorstellung gestanden sei, während der 
erste Fall auf die Tetragonalstellung hinweise, wo die Würde des Kory- 
phaios, durch die Stellung nicht kenntlich, durch den Umfang seiner 
Rede habe hervorgehoben werden müssen. In diesem Falle stehe nun 
immer zwischen der betreffenden Partie und dem nächsten vorhergehen- 
den Stasimon eine Partie, in welcher die Stellung des Chors sich habe 
ändern können, in dem ersten Falle nicht. So soll sich aus dem glei- 
chen Verhältniss an sich, aus dem ungleichen Verhältniss vermittelst der 
Annahme, dass die Stellung, welche in die Tetragonalstellung geändert 
worden, eben nur die Halbchorstellung gewesen sein könne, für die 
Stasima immer die Halbchorstellung ergeben, was dann weiter schliessen 
lässt, dass die Stasima von Halbchören vorgetragen worden seien. Um 
ein Beispiel anzuführen, 0. Tyr. 1232 f., 1236, 12»() weist das Verhält- 
niss 2:1:1 auf die Tetragonalstellung hin, diese ist erst bei den Wor- 
ten des Boten 1223-1226 gebildet worden. Trach. 665, 668, 671 er- 
gibt das Verhältniss 1:1:1 die Halbchorstellung und schliesst sich un- 
mittelbar an das Stasimon an. Uns scheint sowohl die Grundlage der 
Hypothese wie auch die Methode der Schlussfolgerung bedenklicher Na- 
tur zu sein. Das gleiche gilt auch von der zweiten Hypothese, die noch in 
der ersten Abhandlung vorgetragen wird. Der Philoktet, heisst es, weise 
nur Einen vollständigen Chorgesang auf, das von Halbchören vorgetragene 
erste Stasimon; sonst würden immer nur der Koryphaios und die beiden 
Halbchorführer beschäftigt. Das könne nur in den choregischen Verhält- 
nissen von Ol. 92, 3 seineu Grund haben. Die kargen Zeiten hätten dem 
Dichter nur drei geschulte und erprobte Sänger zur Verfügung gestellt. 
Nun erscheine auf einmal im Oed. Col. nicht weniger als 5 mal ein Vor- 
trag sämmtlicher 15 Choreuten. Es sehe das wie eine Reaktion aus 
gegen die eingedrungene Dürftigkeit. Daraus erkläre sich die Anklage 

Jahresbericht für AUerthums-Wissenschaft 1877. I. 15 



226 Griechische Tragikfr. 

des lophon. »Sei es, dass der Dichter bereits mit seinem Choregen in 
Unterhandlung getreten war, oder weil er mit Sicherheit voraussah, dass 
sich für Ausgaben von diesem Umfang kein Choreg bereit finden würde: 
der von Haus aus begüterte Mann fing bereits an für die Realisirung 
seines Wunsches aus eigenen Mitteln zu steuern und somit das Erbtheil 
seiner Söhne in Mitleidenschaft zu ziehen. Unmuthig trat lophon da- 
zwischen und verklagte den Vater vor den Phratoren wegen Unfähigkeit, 
sein Vermögen zu verwalten. In diesem Falle konnte den Angeklagten 
nur sein Drama selbst und die Diathesis rechtfertigen«. Speciosius quam 
verius ! 

Feldkircher begeht den Fehler, den sich die Verfasser ähnlicher 
Abhandlungen gewöhnlich zu Schulden kommen lassen, dass sie die den 
Personen des Stücks in den Mund gelegten Aussprüche ohne weiteres 
als Lebensregelu des Dichters ansehen, zum Theil in recht auffallender 
Weise. Wenn z. B. Ant 1165 der Bote sagt, einen Menschen, dem die 
Freude des Lebens fehle, halte er für einen lebendigen Leichnam, so 
kann man noch nicht daraus machen: Sophocles vitam gaudio ac laetitia 
deficientibus tamquam mortem esse contendit- Nach El. 1485 wird dem 
Dichter die Ansicht beigelegt: etiam in mora nihil inest emolumenti ho- 
mini morituro. Aeschylus sagt Ag. 1300 das Gegentheil: glauben wir 
desshalb, dass beide Dichter hierüber eine verschiedene Anschauung ge- 
habt haben? Der Verfasser sucht nach einander die Ansichten des Sopho- 
kles über die Gottheit, über den Menschen, über die Familie und den 
Staat darzulegen (darnach ist der Titel der Schrift zu verstehen); wir 
führen daraus nur folgende Bemerkungen an: Die Götter sind nach So- 
phokles bei weitem vorzüglicher als die Menschen, unsterblich, selig, die 
höchsten Urheber und Lenker aller menschlichen Dinge, allwissend, 
strenge aber gerechte Richter, welche die Guten belohnen, die Bösen 
bestrafen, doch so, dass sie dem Erbarmen zugänglich denen verzeihen, 
welche sich zu bessern bestreben, die Bösen, welche in ihrem Uebermuth 
verharren, mit Unwillen und Missgunst verfolgen, bis diese blind selber 
in das offenbare Verderben rennen. Das Schicksal ist bei Sophokles nichts 
anderes als das Wesen der Götter selbst; wenn diese sich ihm unter- 
werfen, vertreten sie nur ihr eigenes Wesen und ihre eigene Natur. Die 
starre Nothwendigkeit des Fatums hat so wenig Geltung bei Sophokles, 
dass die Macht des Zeus überall als die höchste hervortritt und die 
Menschen selbst ihren freien Willen haben. Ueber Gebrechlichkeit, 
Elend und Eitelkeit des menschlichen Lebens klagt der Dichter öfters 
in ergreifender Weise, die an Melancholie grenzt. Nichtsdestoweniger 
feiert er auch wieder die Freuden des Lebens. In den Worten zo <ppo- 
\)th — ^-q^y d(TsnTeTv — firj üßpc^ecv (Ant. 1347) ist die ganze Moral- 
philosophie des Sophokles enthalten. Sophokles scheint zuerst (?) die 
freiwillige Schuld von der unfreiwilligen unterschieden zu haben (0. C. 
241, 267, 287, 521, 548). 



Sophokles. 227 

Ueber die Uebersetzungsproben von Schwarz siehe unter An- 
tigene. 

Leconte de Lisle giebt eine üebersetzung in Prosa. Man kann 
von derselben nur soviel sagen, dass die meisten Stellen richtig verstan- 
den und ziemlich sinngetreu übersetzt sind. Genauigkeit besonders in 
Wiedergabe des poetischen Ausdrucks, namentlich bei Chorgesängen, wird 
öfter vermisst; auch begegnet man manchen Missverständnissen. Vergl. 
z. B. Ant. 39 f. malheureuse! si la chose est teile, ä quoi me resoudre?, 
45 Certes, j'ensevelirai mon frere qui est le tien, si tu ne le veux pas, 
111 leve contre notre terre pour la cause douteuse de Polyneikes. 

A i a s. 

A. Nauck, Sophokles. Erklärt von Schneidewin. 1. Bändchen: 
Allgemeine Einleitung, Aias. Siebeute Auflage besorgt von A. Nauck. 
Berlin 1877. XII, 201 S. 8. 

Eyth, üebersetzung des Sophokleischen Ajax. Progr. d. Seminars 
in Blaubeuern. 1877. 19 S. 4. 

Von den neuen Vermuthungen Nauck's heben wir die zu V. 804 
hervor: xahcv für jioXeTv. Eine Aenderung wie ähfLaxrjM xkönv 790 (für 
Tjv rilyrja' lyw) entspricht allerdings der Ansicht, welche Nauck in der 
Vorrede über den Zustand des Sophokleischen Textes darlegt; ob sie 
auch einer wissenschaftlichen Methode entspricht, ist eine andere Frage. 
Doch wollen wir nur der extremen Richtung Nauck's entgegentreten, 
nicht etwa für den Standpunkt des dort bekämpften Gegners Partei er- 
greifen. 

Die üebersetzung des Aias von Eyth schliesst sich der im Jahres- 
bericht 1874/75 S. 426 besprochenen Uebei'setzung der »drei schönsten 
Tragödien« des Sophokles an. Es gilt von ihr das Gleiche. Ausdrücke 
wie »halt deinen Mund« dürften minder geeignet sein für den Ton der 
antiken Tragödie. 

V. 601ff. will Autenrieth (Jahrb. f. Philol. 115 S. 273f.) lesen: 
^IBaia Tefivwv Xscfiwvca Tzocfivca {irjXiuv a.vrj\'u-uv aikv euviu/j.ac tiö&üj rpu- 

V. 1281 verrauthet Fr. Pflügl (Jahrb. f. Philol. 115 S. 408) ov 
ouSafMod ^ijg ou8k aoo ßr^vat 8i^a [Was soll ouoi'i Verständlich ist nur 
ov ouSa/MotJ ifTjQ aoo oiy^ eiißrjvat nodi, wie ich Ars Soph. em. p. 29 vor- 
geschlagen habe]. 

Elektra. 

N. Wecklein, Ausgewählte Tragödien des Sophokles zum Schul- 
gebrauche mit erklärenden Anmerkungen versehen. Drittes Händchen : 
Elektra. München 1877. 91 S. 8. 

15* 



228 Griechische Tragiker. 

A Nauck, Sophokles. Erklärt von Schneidewin. Fünftes Bänd- 
chen: Elektra. Siebente Auflage, besorgt von A. N. Berlin 1877. 
186 S. 8. 

Naumann, Die Cäsuren im Trimeter der sophokleischen Elektra. 
Gymn.-Progr. von Beigard 1877. 16 S. 4. 

Aus meiner Ausgabe führe ich hier nur folgende (neue) Conjektu- 
ren an: 159 enthält eine Reminiscenz an Homer II. 11, 142, wonach 
wahrscheinlich auch für das nach ya Muxrjvaiwv unnütze zdv8s yäv 163 
zrjXÜYETov geschrieben werden muss. 169 ist idärjv für i.8drj zu lesen 
(»was er mir durch Boten kund gethan«), weil in der folgenden Begrün- 
dung nur von Botschaften gesprochen wird, die von Orestes an Elektra 
kamen, gerade wie 1154f. -298 riaooa er' für rcaouffd y\ 1070 uvoazd 
für voaz'i. 1097 äpiaxuv alvov Sc' eöaißeiav für äpiara toi Scog euasßeia, 
1240 räv ddjXTjT dei für zäv ackv dojxrjrav, 1281 a> (piX\ dvcx' exXoov 
für w ^ßac, exXoov, 1297 TiapeXMvrocv für emXhovrotv, 1878 'niavrjv für 
7:poü(TTrjv, 1394 veaxov^ /id/atpav izipoiv i^^cüv. Vergl. die Besprechung 
von Metzger in den Blättern für das bayer. Gymn.- und Real -Schul- 
wesen XIII S. 450 - 452, welcher 93 oYxtodv für ol'xwv und 1240 dXV oux 
^Apzep.tv (die Position fällt weg!) ddpijzav dd vermuthet. 

Naumann sucht an den Cäsuren der Elektra die Cäsuren des 
Trimeters überhaupt festzustellen. Er leitet die Zerlegung eines länge- 
ren Verses in Abschnitte mit Christ von dem Bedürfniss des Athemholens 
ab, und gestattet die Befriedigung dieses Bedürfnisses nur da, wo Satz- 
bau, Interpunktion und Sinn es zulassen und unser rhythmisches Gefühl 
nicht beleidigt wird. Darnach findet er in der Elektra die Cäsur nach 
der ersten Thesis 4 mal, nach der ersten Arsis 62 mal, nach der zweiten 
Thesis 86 mal, nach der zweiten Arsis 24 mal, nach der dritten Thesis 
(Penthemimeris) 602 mal, nach der dritten Arsis 30 mal, nach der vierten 
Thesis (Hephthemimeris) 401 mal, nach der vierten Arsis 47 mal, nach 
der fünften Thesis 18mal, nach der fünften Arsis 33 mal. Ein jeder Tri- 
meter hat nach Naumann's Ansicht eine Cäsur mit Ausnahme des ersten, 
weil durch Annahme der Hephthemimeris die Worte 'Ayapipvovog naT von 
w ZOO azpazriyijaavzoQ gewaltsam getrennt würden. Wir glauben, dass 
bei dieser Theorie bloss dem Sinne, nicht dem Rhythmus Rechnung ge- 
tragen wird, dass aber der griechische Vers als ein künstlerisches Ge- 
bilde zunächst von der zweiten Seite betrachtet werden muss. 

F. V. Fritzsche, Lectionum Sophoclearum P. II vor dem Ind. 
lect. hib. Rostock 1876. 8 S. 4. 

macht zur Epodos der Elektra unter anderem folgende Bemerkungen: 
zu 1416 giebt er dieselbe Erklärung, wie ich sie in meiner Ausgabe ge- 
geben habe: »utinam (porro diceres:) Aegisthoque simul« ; 1422 f. schreibt 
er: foivia ok ^sc'p azdCsr dor^Xäg S' "Aptng oux zyiu ?Jy3c)> (»victimas 



Sophokles. 229 

vero MarHs non habeo dicere« i. e. »nescio quem res eventum habuerit«), 
1434 Td3' uji; re^sTv (was grammatisch unbrauchbar ist), 1485 f. ßpovsuov 
<Tuv . . ipipzi; diese beiden Verse werden als eine ursprünglich in einem 
Scholion beigeschriebene Parallelstelle aus Sophokles oder Euripides be- 
trachtet. Die Aenderung von Musgrave zu 686 zdcpiatt wird erklärt 
und belegt mit Luciau Tim. c 20 apa yuüv ir.tazv rj uanhj^ xdyw ^Srj 
dvaxrjpuTTo/iae vsvcxr/xwg, uTtSfjTujSrjaag rö arddcov ou8k cduvrwv iviors tu)V 
Bsaribv, Anthol. Pal. XI 86. 

1007 f. will Pflügl Jahrbücher für Philologie 115 S. 240 nach 
1170 umstellen. 

1251 vermuthet Ben. Niese Hermes XII S. 398 dXX uzav nap- 
pr^ata r^poorj, tot' ipyojv xrk. 

OldiTzoug Tüpavvog. 

Martin Stier, lieber den /König Oedipus« des Sophokles. Ein 
Vortrag. Pädagog. Archiv 1877. S. 321-341. 

G. Greiff, Se le tre tragedie di Sofocle Edipo Re, Edipo a Co- 
lono 6 l'Antigone formino una trilogia, Gymn.-Progr. von Triest 1877. 
34 S. 8. 

Der populäre Vortrag von Stier legt zuerst die Sage, dann die 
Handlung des Stückes dar, giebt darauf eine Charakteristik des Oedipus 
und sucht endlich die Idee des Stückes zu bestimmen, womit er ganz in 
das Gebiet christlicher Ideen und zu einem salbungsvollen Schluss ge- 
langt. Wenn man die Charakteristik des Oedipus liest, möchte mau 
sagen, Oedipus büsst für die Sünden des Sophokles. »Oedipus vergisst 
sich zu reinigen von dem Morde, vergisst nach seiner Thronbesteigung 
die Rache seines Amtsvorgängers«. Was also die Oekonomie des Stückes 
mit sich bringt, wird auf Oedipus gewälzt. Ueber die Idee des Stückes 
erhalten wir folgende Belehrung: »Oedipus kann für die Sünden seiner 
Eltern büssen , weil ihm die Unbesonnenheit beider, der Leichtsinn sei- 
ner Mutter und der Stolz und die Leidenschaftlichkeit seines Vaters 
eigen ist«. »Indem Oedipus, der göttlichen Warnung ungeachtet, zu 
einer Zeit, wo er über seine Eltern ungewiss in jedem Greise seinen 
Vater, in jeder Matrone seine Mutter vor sich zu haben besorgen musste, 
so leichtfertig war, einen unbekannten Greis, der den Jahren nach sein 
Vater sein konnte, zu erschlagen und mit einer unbekannten Matrone, 
welche den Jahren nach seine Mutter sein konnte, eine Ehe einzugehen, 
hat er sich der Schuld seiner Eltern theilhaftig gemacht, und was er 
gethan, ist die Folge nicht nur von fremder, sondern auch von seiner 
eigenen Sünde«. »Weil seine Schuld darin ihren Grund hatte, dass er 
nur was vor Augen ist sehend zur Einkehr in sich selbst keine Zeit 
fand, darum muss er sein Augenlicht verlieren, damit er nun der gan- 
zen ihn umgebenden Sinnenwelt abgestorben nur in sein eigenes Inneres 



230 Griechische Tragiker. 

schauend endlich zur Selbstprüfung geführt werde, damit er durch die 
göttliche Gerechtigkeit gezüchtigt, gedemüthigt, geläutert, gerettet werde 
durch die göttliche Guade«. So erfahren wir manches, woran Sophokles 
nicht gedacht hat; das, woran Sophokles gedacht hat, liegt dem Ver- 
fasser fern. Vergleiche unseren vorigen Jahresbericht S. 60 ff. und die 
Einleitung zu meiner Ausgabe.' 

Die Abhandlung von Greiff beweist neuerdings eine schon oft 
bewiesene Sache, die eigentlich keines Beweises bedarf, dass nämlich die 
drei Thebanischen Tragödien des Sophokles keine Trilogie gebildet haben. 
Wesentlich Neues haben wir nicht darin gefunden. 

Bei der Besprechung von »Sophokles König Oedipus erklärt von 
G. Wolff, zweite Auflage, bearbeitet von L. Bellermann« in der Zeitschrift 
für die österr. Gymn. 28 S. 337—362 versucht M. Gitlbauer eine 
Analyse der lyrischen Metra, erklärt r« napüvxa 971 »die gegenwärtig 
in Rede stehenden Weissagungen«, vertheidigt die handschriftliche Les- 
art Tizxpainq b raopog 478 (mit Recht, nur kann die Erklärung, der Ar- 
tikel gebe dem Bilde eine bestimmte Färbung, nicht genügen, vergleiche 
unsere Ausgabe), vermuthet 17 sf? 8h . . ßapOg, 464 ds^^lg sc8s nizpa u. a. 

416 vermuthet Hipp. Dulac Revue de Philol. n. s. 1877 p. 268 
xdm yr^g äfMa. 

Anti g n e. 

Theodor Hertel, Leidet die Sophokleische Antigone schuldig 
oder unschuldig? Nebst kritischen und exegetischen Bemerkungen. 
Gymn.-Progr. von Torgau 1876. 21 S. 4. 

Theodor Kayser, Sophokles Antigone deutsch. Tübingen 1878. 
82 S. 8. 

Hertel will nachweisen, dass Antigone unschuldig leide; nach 
seiner Meinung kennzeichnet V. 523 outoc auvi^^ecv, dUä ffufx^chcv i(pov 
aufs Kürzeste die Handlung bis zum Auftreten des Sehers: Kampf der 
Liebe Antigone's mit dem Hasse Kreon's. Der Chor tadelt Antigone we- 
gen Unbesonnenheit und Leidenschaftlichkeit, er tadelt nicht die That 
der Bestattung. Er betrachtet die Handlung derselben als unklug und 
bewundernswerth zugleich, als bewundernswerth, weil er fühlt, dass sie 
edel ist, als unklug, weil er sieht, dass sie in Gefahren und Leiden 
stürzt. Der Verfasser wendet sich dabei besonders gegen die Ansicht 
von Berch (»über den Chor in der Antigone«), dass der Chor die Auf- 
fassung des Dichters wiedergebe und dass dem Tadel des Chors gegen- 
über der Beifall des Volkes (693 ff.) von zweifelhaftem und geringem 
Werthe sei. Wir vermissen das richtige Verständniss des Stückes und 
der Intention des Dichters, wie auch die Behandlung einzelner Stellen 
mehrfache Missverständnisse zu Tage treten lässt. So weist Hertel 
834 838 einfach dem Kreon zu, 895 verwirft er, mit nphg toös ifiaut^g 



Sophokles, 231 

einen neuen Satz beginnend; ebenso 941 (mit Dindorf): »ich denke, be- 
merkt er charakteristisch dazu, die Streichung der beiden üblen Verse 
kommt nicht blos der Antigone, sondern auch dem Dichter zu Gute«. 
Von anderen kritischen Versuchen wollen wir zur Ehre des Verfassers 
schweigen. Der zweite Theil enthält exegetische und kritische Bemer- 
kungen zum Oed. Tyr. und Oed. Col. (und zu Horaz). Man kann höch- 
stens folgendes der Erwähnung werth erachten: 0. T. 572 ^uvrjXd' ig 
raur\ ifidg, 1030 (tojttjp ye rw tot iv novo), 1034 dcaTopoug tzoSwv dx- 
fidg »verwundende Fesselschneiden«, 0. C. 266 insl to. f epya ps m- 
tcov&ot' Ya&i jxäKXov ^ SsopaxoTa. 

Die allerliebst ausgestattete Uebersetzung von Kays er sucht das 
antike Stück weiteren Kreisen zu erschliessen durch eine gefällige und 
leicht verständliche Ausdrucksweise und durch modernisirte Form des 
Versmasses, indem an die Stelle des Trimeters der fünffüssige lambus 
gesetzt und die Chorgesänge in geläufigen, einfacheren Rhythmen unter 
Anwendung des Reims mit Beibehaltung der antistrophischen Responsion 
gegeben sind. Diesen Zweck angenommen, verdient die mit poetischem 
Sinn und Talent gefertigte Uebersetzung volles Lob und darf sie unter 
den vorhandenen als die geeignetste für ein grösseres Publikum betrach- 
tet werden. Ganz gefällig lesen sich die Chorgesänge, z. B. das erste 
Strophenpaar des I. Stasimon: »Ob die Welt an Wundern reich. Keines 
ist dem Menschen gleich! Von des Südes Wuth umstürmt Kommt er 
durch die See gezogen. Durch die dunkle, von der Wogen Wildem 
Schwalle hoch umthürmt. Selbst der Allgebärerin, Erde der ewigen, 
matt sich nie fühlenden Trotzt er; am Pfluge dem alles zerwühlenden 
Treibt er die stampfenden Rosse dahin. — Harmlos froher Vögel Schaar, 
Was der Tiefe Schooss gebar. Was sich regt in Berg und Land, Alles 
lockt er listger Weise In des Garns gewundne Kreise, Reich an Einsicht 
und Verstand. Ob sie noch so trotzig, doch Greift er die Thiere, die 
bergedurchstreifenden. Zwingt er das mähnige Ross und den schweifen- 
den Stier in das nackenumschliessende Joch«. Wenn bei solcher Gestalt 
der Chorgesänge der Verfasser auch von dem Originaltexte ziemlich weit 
abgehen muss, so ist doch sonst möglichste Treue des Sinnes gewahrt 
und findet man nicht die mannigfachen Missverständnisse wie in anderen 
Uebersetzungen. An einzelnen Stellen allerdings, glauben wir, ist der 
ursprüngliche Sinn nicht wiedergegeben, z. B. im »ersten Akt« V. 19 
»rief ich dich hinaus« (nach einer unrichtigen, allerdings auch von an- 
deren Interpreten gegebenen Erklärung), 88 »Du zeigst wo Kälte noth 
ein heisses Herz«, 91 »nun, wenn ich es nicht kann, so lass ich es« (es 
fehlt die Pointe die in mnaüaoiiai liegt; die zehn einsilbigen Wörter 
sind auch nicht musterhaft), 229 Bleibe! ifievs7g au; drückt das Gegen- 
theil aus), 323 »schlimm wenn man wähnt und gar noch falsches wähnt« 
{vifiTin nicht nur kein Witz, sondern auch kein rechter Sinn liegt) u. a. 

Nach ähnlichen Grundsätzen hat Schwarz (siehe oben S. 221) 



232 Griechische Tragiker. 

einzelne Scenen aus der Antigene und dem Oedipus auf Kol. übersetzt, 
aber nicht mit dem gleichen Erfolg. Man halte nur die Uebersetzung 
derselben Stelle mit der obigen zusammen: »Vieles Seltsame wohl lebet. 
Doch Seltsameres athmet nicht, Als der Mensch im Sonnenlicht. Ob sich 
Wogenschwall erhebet, Setzet er in Sturmeswuth Durch des Meeres graue 
Fluth. Auch die Erde selbst die grosse Göttin, die nicht Mattigkeit 
Fühlt noch altert in der Zeit, Müht er durchs Geschlecht der Rosse 
Kreisend drauf von Jahr zu Jahr Wühlend mit des Pfluges Seh aar« u. s. w, 
124 f. verlangt E. A. J. Ähren s Philol. 36 S. 444 dvrcm^w Suff- 
^eipwfxa Spdxovzog: »es soll angedeutet werden, dass der von Ares be- 
geisterte Angriff der Thebaner von allen Seiten (a/z^J vibza beim Adler 
s. v. a. dix(p\ ffwfjLo) erfolgte und darum ein Unglückskampf für ihre 
Gegner wurdea. 

R. Rauchenstein zu Sophokles Antigone. Jahrb. f. Philol. 115 
S. 452-454 

macht unter anderem folgende Verbesserungsvorschläge: 241 su fpoiiitd^si 
(wie auch ich A. Soph. em. S. 85 annahm), 326 zädrjAa xiporj (ebenso 
ebendaselbst S. 45), 376 wg dacpovcov ripag äpiptvoto rode' ncug . . «vr^- 
Xoyrjau); (»wie eine Wundererscheinung betrachte ich dies mit zweifelndem 
Sinne«), 1098 tmI Msvocxdcug, rä wv, 1102 xal doxsT napztxaS^elv^ 1110 
sig in6<f'!ov ttsoov, 1250 yvwprj yap oux aTiecpog, 1301 ^5' d$08-rjXTog (fot- 
via ßvjpuv Tiipt Xüet. zdXaiva ßXifapa. 

578 schreibt R. Engelmann Berliner Zeitschrift für das Gym- 
nasialwesen 1877 S. 465 — 469 ixBeräg (vielmehr ixodvag) 8k XP^^ 
ausserdem 23 f. Xiyouat^ wv dixrj y^prjdBat otxaiwv, 351 mnov äys.i xs. xac 
dp<p\ Xucpov ^uyuT. 

1035 vermuthet L. Schmidt Philol. XXXVII S. 343 ä&paxrog. 

OldiTcoog £7:\ KoXujvS}. 

L. Campbell, The topography of the Oedipus Coloneus. Jour- 
nal of Philology VII (1876) No. 13 S. 116 -123. 

Campbell erkennt in der Kapelle, welche die Inschrift trägt 
EIKOI ATIA EAAIOriA ASHNA + HAN ATI A MISOXOPI- 
TIZA KAPI1A9Ü, die er deutet: olxog ayiag eXeouarjg, ig rag 'A&^- 
vag, Tiavayiag peao^wptzcaarjg ig Kdpnaf^ov, den Mittelpunkt des Eume« 
nidenkultus am Kolonos. Auf seine übrigen Hypothesen brauchen wir 
um so weniger einzugehen; als er zu denselben die Annahme braucht, 
beim Eintreten des Chors habe eine Scenenveränderung stattgefunden. 

Zu V. 350 f. schlägt Metzger Blätter für das bayerische Gym- 
nasial- und Real-Schulwesen XIII S. 169 vor zu lesen: wg au&cg dp-(^g 
npöo&s xoipavog ysyuig Tiprjv xa[^i$ujv Tipog rö Ka8peuuv nsSov. Er 
macht auch den Versuch zu erklären, wie die überlieferte Lesart daraus 
entstanden sei. 



Euripides. 233 

V. 988 schreibt K. Walter Jahrb. f. Philol. 115 S. 737 alwao- 
liai^ 1074 epBooa , ou fxiUouacv. 

Ueber Jos. Noväk, nekterych doranelych naräzkäch politickych 
V Sofokleove »Oedipu Kolonsk6m«. Gymn.-Progr. von Jindnchove Hradec 
(Neuhaus in Böhmen) 1875 37 S. 8. und 

J. Czubek, Edyp w Kolonie. Tarnow 1876. 69 S. 8. (eine Ueber- 
setzung in's Polnische) kann ich kein Urtheil abgeben. 

92 will Carl Schirlitz Jahrb. f. Philol. 115 S. 106-108 rocouade 
(»uns die wir so tüchtige Männer sind«) schreiben. 

Den Prolog nimmt derselbe Philol. XXXVII S. 43-57 gegen 
die Athetesen Richter's (vgl. im vorigen Jahresbericht S. 66 f.) in Schutz. 

Fragmente. 

Zu fr. 821 bemerkt Ty. Mommsen Parerga Pindarica. Gymn.- 
Progr. von Frankfurt a. M 1877 S. 25, dass die Emendation von Heira- 
söth idpa . . iv iox^rj] handschriftlich bestätigt werde durch den Zu- 
satz in Med. B dvTi zoi> iv r^ r.püjTjj. 

Euripides. 
R. Roeding, Fabulas Euripideas quae insunt in codice Parisiuo 

o 

2712 iterum contulit. Upsala Universitets Arsskrift 1876. 11 S. 8. 

H. van Herwerden, Ad Euripidem. Mnemosyne N. Ser. vol. V 
p. 21 — 46. 

Fridericus Roemheld, De epithetorum compositorum apud 
Euripidem usu et formatione. Gissae 1877. 212 S- 8. 

C. Rieck, De adiectivorura compositorum usu Euripideo. Gymn.- 
Progr. von Neu-Strelitz 1877. 20 S. 4. 

Guilelmus Wilke, De ellipsi copulae verbi £?vai in fabulis Euri- 
pideis. Diss. von Breslau 1877. 27 S. 8. 

Cl. Aug. Funke, Legem stichomythiae quibus rationibus observa- 
verit Euripides. Diss. von Rostock. 1875. 53 S. 8. 

Joannis Aspriotis, Tispl raiv EupcmSsiiov npo^oywv. Diss. von 
Göttingen. 1876. 32 S. 8. 

Richard Arnoldt, Die chorische Technik des Euripides. Halle 
1878. XI und 363 S. 8. 

Richard Haupt, Die äussere Politik des Euripides. Gymn.- 
Progr. von Plön 1877. 34 S. 4. 

J. J. C. Donner, Euripides. Deutsch in den Versmassen der 
Urschrift. Dritte Auflage. 3 Bände. 1876. 436, 378, 396 S. 8. 



234 Griechische Tragiker. 

Anton Widemann, Das Euripideische Drama und dessen Einfiuss 
auf die dramatische Literatur der späteren Zeit. II. und III. Gymn.- 
Progr. von Regensburg 1875. 24 S. 4, von Straubing 1877. 31 S. 8. 

Roeding giebt von dem cod. Par. 2712 (E bei Kirchhoff), welcher 
sechs Stücke (Hec. Or. Phoen. Androm. Med. Hipp.) enthält, eine neue 
Collation; nur die Androm. glaubte er nach Lenting's sorgfältiger Colla- 
tion nicht neu vergleichen zu müssen. Wir würden für diese Arbeit 
dankbar sein, wenn nicht Prinz in der Jen. Lit.-Zeit. 1877 Art. 594 dieselbe 
nach einer eigenen Collation als ungenau und unzuverlässig bezeichnete. 

Die neuen Conjekturen von Herwerden sind grösstentheils lusus 
ingenii, oft ansprechend, aber keineswegs überzeugend; manchmal auch 
leichtfertig. So wird zu Iph. T. 1390 bemerkt: substantivum arevayiiug 
aeque male coit cum adiectivi ^düg atque verbi ixßpu^äaUac notione. 
Reddiderim Euripidi: ol Sk xsxpayfibv rj8uv ixßpu^cuiisvoc. Der Schluss 
von Hik. 100 nrjripeg zixvojv wird in {pLrjvepsg ndpa oder) /xr^Tspsg Späv 
verwandelt. Der scharfsinnige Kritiker übersieht, dass er die Position 
beseitigt hat! Anderes ist längst von anderen vorgebracht. Wir erwähnen 
folgendes: Ale. 7l7 arjiieca rrjQ otjq y\ B^coh. ZS dvop6<poug rj)tTat nizpag^ 
257 (Txomcv TirepcuTa, 824 xac reg st Xiav aocpög, Hec. 143 ist Interpola- 
tion, 227 yiyviuax dvdj'xr^v, 332 ns^uxe yäp To^fiäv S xri., 820 — 823 
stammen aus einem anderen Stück, 836 xojXoiai oder x\>rjiiai(Tt für xöfiatat, 
1217 otg ^aveT^ El. 236 daBzMTjg Se zoc (pzöyujv dvrjp, 484 {ahv} in 
foviov^ 910 ^puXwv Off' ecmcv, 1206 f. iujv TzinXiuv ißaXhv s^u> fiaffrov, 
\2\h ribtcaa ^slpag, Heracl. 169 inst, tu Xwffzov, iXm'S' zupijaetg fiovov, 
502 napiffTüff^ai ff^ayet, 537. 538 sind interpolirt, 593 ot xaxoö/xevot ßpo- 
TÖiv, 1024 TU yäp dpwff' oux dntarrjffu), Herc. 530 daxpi/ovre, 576 ist in- 
terpolirt, 667 tffov dv iv nsMysaaiv äarptuv vaöratg dpt&fiög fteXet, 672 
soll au^ei bedeuten rtfia : deficiente certo praestantiae humanae indicio 
horaines non meritis sed divitiis iudicari atque honorari solent, 729 Xe- 
X^ffSTat, 746 ^Xma' ifiTtareTv yäv dva^ (fehlerhaft!), 770 rjX&ev ^fitv, 884 
xareßaXsv datfiojv , 961 f. die Worte xaXXtvtxog . . oTtstnojv scheinen un- 
echt, Hiket. 537 MnTStv StSoOg, 578 iv xövst ßdXj), 639 p-axpoü ' noXüaui, 
677 iffXTjffav ig iidXrjv 8op6g, 686 ist Interpolation, 1049 rtg dpa -rtg 
ffToXog, Hipp. 407 ^p^sv, 1070 atar | {^mpely npug rjnap, 1117 Steuzu- 
Xotrjv, 1296 zaxTÖv ßtorou fiepog iffrt'v, Iph. A. 507 ixeriBi^xag, 951 ou8' 
EffT äxpav x^tp' offTcg ifißaXtt ninXotg, 1332 dvSpdatv epnst, 1480 
dp.^} vaov ist ein byzantinisches Glossem, Iph. T. 452 xdv yäp 
dveipotfft ffuvsirjv, 571 ivt de Xunstffßat povov, 586 ^ovia vofitZojv /stpa, 
ruv vuixov 8s nou mit Tilgung des folgenden Verses, 593 ffudr^r ixstoe, 
699 ovopd TS 8tayevotT' av, 756 xup.dTa)V xdTa, 799 ;jf£^ac, 833 ojg 8' 
auTiog ipov, 935 wffB' atp.aTr]puv da^pd y^ ipßaXstv, Cycl. 166 nsTpag 
xdTa, 389 iy^ias, Med. 133 f. die Worte dXXä, yspaiä, Xs$ov und tu 
yüvat sind zu tilgen, 641 asßouaa ^un^povojv^ 805 rsxvwffsi zdxu' , 853 



Euripides. 235 

Tzdvrjj ndvTcog, 862 a^rjasiQ nori, nujg 8umas:, 933 tcDv 8k vov ixvrjad^rjao- 
jiai, 1260 ecsT ocxiuv (TrahTaav (poviav 'Epcwv, Or, 46 näjkog ujg bno 
^uyoü cl. Athen. 108 B, 93 oa da^olöq ye, 4:13 Setvä 8etv' elpyaa}xevoog^ 
530 Iv yoüv, 1168 izrjüpsq xa^wg, 1220 ist interpolirt, 1361 rä pkv yäp 
ol8a mivo aa<puig . to. 3' ou (Ta<pwg, 1464 npo8oi)a evapycjg, Rhes. 428 
d$evou 8' d^cxo/xrjv növ-ou npög dxrdg, Tro. 155 reg Xöyog t^xei; 177 töcö-^' 
'ATpsc8äv inaxoiXTopsva, 781 ^P^/^ ^^^ XPVi 1053 f. earac 8' o ßoöXer xai 
yap 00 xaxwg Äsysig, Phoen. 1215 oux äv iniXi^aip.^ in'' dyaBoTai aot 
{aot schon Heimsoeth) xaxd, 1435 napaoTaroua opoü, fr. 307 cSpupdrcuv 
für kSpaapdzcuv, 440 ttjv napaoT (repentinam) ebnpa^iav, 775, 27 ep^ov- 
rac, 908, 5 xoux earcv opog xeipevog ouSelg stg ovrcva )rprj xiXaai (für 
reXiaai) &\>rjToög (dann müsste es wohl vorher auch xobx scfB' op/iog 
heissen). 

Roemheld giebt eine sorgfältige Classifikation der zusammenge- 
setzten Adjektiva des Euripides. Er theilt dieselben in drei Klassen: 
epitheta necessaria, descriptiva, ornantia, unterscheidet in jeder Klasse 
drei Arten der Zusammensetzung: determinativa, dependentiae composita, 
attributiva, davon wieder verschiedene Unterarten nach der sprachlichen 
Bildung, bei den dependentiae composita auch nach der Bedeutung, in- 
dem A. nominalia, B. verbalia unterschieden und die verbalia in zwei 
Arten getheilt werden, je nachdem der erste Theil des zusammengesetz- 
ten Wortes mit einem Accusativ {dvBpu)noxr6vog) oder mit einem Dativ 
(Lokativ, Instrumentalis, ^Kpox-övog) übersetzt werden muss. Mit ge- 
nauer Scheidung werden die Beispiele den betreffenden Arten zugetheilt; 
nur hie und da bietet sich Anlass zu einer Erklärung oder besonderen 
Erörterung. Wir heben daraus folgende Bemerkungen hervor: (peü8opxog 
Med. 1392 wird erklärt »den Eid lügend«, xalammpog tolerans pericula 
(von der Wurzel nep wird r.wpov = periculum wie fwp von der Wurzel 
fep^ 8w{ia von 8£fi abgeleitet), vauXö^og navibus quasi lectum praebens 
(direkt von der Wurzel -^s/, nicht von Xo/og), d\^apcuxrjg venti celeritate 
utens (von -^xrj, dx-fj.^ wie noSwxrjg pedum celeritatem habens, dpfrjxrjg 
utrimque aciem habens), auM8rjg semet ipsum delectandi obiectum 
habens (von ^8og), röv iptloxiaao(p6po'> Bpojxcov Cycl. 620 hederigeros 
amantem (andere (pdoüvza tu xtaaofopeiv). Die epitheta descriptiva 
werden Göttern beigelegt {ßrjpoxzüvog "ApT£p.tg\ Heroen {rpixopuBog Aldg), 
Völkern, Gegenden, Ländern {<piXm7ioi Tpcüeg\ Waffen {ndyy^aXxog al^p^), 
auch anderen Gegenständen, wie der Cither, Lyra, dem Schiffe, endlich 
Thieren (mnwv ra^(jr68cov). Von den epitheta ornantia sind zwei Klassen 
zu unterscheiden : solche, welche sich auf die Schönheit, die Pracht, den 
Glanz, die Trefflichkeit von Personen oder Gegenständen beziehen, sol- 
che, welche Geräthe aller Art als golden, silbern, purpurn bezeichnen 
(nach Düntzer hom. Abhandl. S. 509). — Von den drei Klassen sind 
ausgeschieden und für sich behandelt die Epitheta, welchen eine Perso- 
nifikation zu Grunde liegt, die von dem körperlichen oder geistigen Wesen 



236 Griechische Tragiker. 

des Menschen entnommen sein kann. Der zweite Theil der Schrift 

handelt über den künstlichen Gebrauch der zusammengesetzten Epitheta. 
An erster Stelle wird über die Epitheta gesprochen, die mit Epitheta 
zu übersetzen sind, und zwar zunächst über die enallage epithetorum. 
Für diese werden drei Gründe gefunden: die Umschreibung eines Be- 
griffes wie ^Xcou xuxXog für rjhog^ die Zusammenfassung des Substantivs 
und des Genetivs zu Einem Begriff wie zuaslg dvi/xcov moai (lieblich 
wehender Windshauch), die rhetorische Hebung eines Begriffs. Daneben 
mag auch die Absicht, die Häufung von Genetiven zu vermeiden, ein 
Anlass gewesen sein. Hiernach behandelt der Verfasser diejenigen Com- 
posita, in welchen ein Theil dem Substantiv synonym {8s$cäg zuojXbvüu) 
oder ganz gleich ist {nüSa ahv ru^Xünouv), und leitet diese Abundanz 
des Ausdrucks aus dem Streben nach Veranschaulichung und nach ge- 
wählter Ausdrucksweise ab. Entsprechend sind die appositiva wie Maauj 
ndpeSpog vexpw. Hierher gehören auch die epitheta, deren zweiter Theil 
{ecSijg oder wSr^g, uj(})^ '^P'TiQ-, nuXog) zwar nicht dem Substantiv synonym, 
aber überflüssig ist. An zweiter Stelle werden die Epitheta besprochen, 
welche nicht mit Epitheta übersetzt werden können, sondern entweder 
für Genetive von Substantiven gesetzt sind oder einen Relativsatz, einen 
Präpositionalausdruck vertreten. Von der ersten Art lassen sich vier 
Fälle unterscheiden: 1. rpfndpBsvov ^süyog, rpayoxrövov cup-a (i. e. xra- 
BdvTog Tpayou aJpa), ehdXiov nüp (i. e. xaXov rJjp ijXiOu), 2. dvdyxrjv aiTO- 
7T0CUV (des Brodbackens), 3. Srjprjyupoug rtpdg (eines Volksredners), 4. iv 
^omcg ^rjpoxTÖi'oeg (der eine Theil des Epithetons ist überflüssig). Bei- 
spiele der zweiten Art sind eurdxvoug ^pr^apoüg oracula de pulchris liberis 
edita, dvö^zcpog xdXsuBog, iyysvrj xrjoecav (Verschwägeruug mit Verwandten) 
u. a. Am Schluss wird noch eine Tabelle gegeben, welche den Umfang 
des Gebrauchs der verschiedenen Arten der Epitheta in den einzelnen 
Stücken übersichtlich darstellt. — So ist dieses wichtige Capitel der 
tragischen Ausdrucksweise in ausführlicher und gründlicher Weise be- 
handelt. Ueber einzelne Mängel und Lücken vergleiche unsere Be- 
sprechung in der Jen. Lit.-Zeit. 1878 Art. 59. 

Weniger eingehend und gründlich und mehr äusserlich die Sache 
betrachtend, unterscheidet die Abhandlung von Rieck vier Arten der 
zusammengesetzten Adjektiva: 1. solche, wo ein Theil des zusammenge- 
setzten Wortes unnütz ist {xaxo-o^stg norpot, suoppo: Xtpiveg^ SoptBrjpa- 
rog Xöy/^g o-ly^p^^ Srnru^ot zupavvcdeg), womit Euripides die mangelnde 
Höhe des Tons durch leeren Schall von Worten habe ersetzen wollen; 
2. solche, wo das Adjektiv einen Genetiv ersetzt {vatxpQopog azoh^, dvdyxrj 
aironotog, welches erklärt wird dvdyxrj zou aizonoteh). Darnach wird 
Iph. T. 411 (fdonXouzov dpdXav gedeutet aptXXav zoü (piXoizXoozzTv^ was un- 
richtig ist. Als weitere Art werden hierher gerechnet, aber mit yevöpevog 
ZU) und dem Infinitiv erläutert, Ausdrücke wie t^Sovt) ßou&uzog = ^8ov^ yevo- 
pdvrj zw ßouUuzecv. 3. Fälle der Hypallage, wobei ausgeführt wird, dass 



Euripides. 237 

die Bestimmung von Matthiä (zu Phoen. 30) zu eng sei, der die Hypal- 
lage auf die Fälle beschränkt, wo das Substantiv mit dem Genetiv einen 
einzigen Begriff umschreibt oder der Genetiv fehlen kann. 4 Solche Ad- 
jektive, die durch Auflösung der einzelnen Theile erklärt werden können, 
xaXh-^öpüug doißdg = xaXrxg -^opujv äot8dg, xakXmatg (Tviipavog = xaXwv 
Tiatdüjv azifavog ^ ßopa dvHpwnoxrovcp = ßopa dvd^pwmuv (povEutUvrojv. 
Die Dissertation von Wilke über die Ellipse des Verbums shat, 
welche zahlreiche Missverständnisse aufweist, hat wenig Werth. Ich hebe 
nur einige Bemerkungen heraus. Nur an drei Stellen ist ia-c bei Adj. 
verb. in reog gesetzt; slxug hat nur an drei Stellen die Copula bei sich, 
und zwar an zwei das Impf, ^v, das nicht leicht fehlen kann, Or. 539, 
fr. 818, an einer Stelle Med. 345 eartv. Diese Bemerkung ist mir desshalb 
von Interesse, weil sie mir die Vermuthung, dass der unnütze V. Med. 345 
von Interpolation herrühre, bestärkt. Bei Euripides sollen sehr häufig, 
abweichend von der Prosa, Participia ohne Copula statt des verb. fin. 
stehen. Wir sind darüber erstaunt, bis wir Beispiele lesen wie Hec. 
118f., Heracl. 40, Iph. T. 820 (horrende Missverständnisse!). Der Conj. 
fi soll fehlen Iph. T. 67, wo vielmehr iazc zu ergänzen, und Hipp. 659, 
wo sicher eine Corruptel vorliegt (Herwerden exorjn^). Für die Ellipse 
von Eivai hat der Verfasser nur Ein Beispiel gefunden Ale. 692, welches 
anders aufzufassen ist. 

Die Abhandlung von Funke über die Stellen des Euripides, an 
welchen die Stichomythie unterbrochen erscheint, bedeutet nicht viel. 
Ich erwähne daraus nur die Ansicht, dass zwischen Ale. 817 und 821 
eine Lücke durch Interpolation ausgefüllt, nach Bacch. 842 ein Vers 
ausgefallen sei. 

Aspriotis erörtert die verschiedenen Ansichten über die Prologe 
des Euripides und sucht dann die Bedeutung und Entwicklung derselben 
zu bestimmen. Gegen die Meinung von Hermann, dass der Gebrauch 
des erzählenden Prologs in den Neuerungen seinen Grund habe, welche 
Euripides an den schon von Aeschylus und Sophokles behandelten Mythen 
habe vornehmen müssen, wendet derselbe ein, dass nicht blos diejenigen 
Stücke Prologe haben, deren Stoff schon von Aeschylus und Sophokles 
benutzt worden sei; dann dass Stücke, die einen umgeänderten Stoff 
haben, wie die Helena und Elektra, auch ohne Prolog verständlich sein 
würden; drittens, dass auch die früheren Tragiker die Mythen geändert 
und in eigener W^eise dargestellt hätten. Ein bemerkenswerthes Urtheil 
haben wir in der im übrigen fleissigen und mit Verständniss abgefassten 
Abhandlung nicht gefunden. 

Arnold t giebt zunächst eine Uebersicht über die Gliederung der 
Euripideischen Stücke. Er gesteht dabei nur der Parodos und den Sta- 
sima gliedernde Bedeutung zu, nicht den Kommoi und den »Wechselge- 
sängeu des Chors«. Er betrachtet nämlich als Stasima die Gesänge des 
Gesammtchors, welche bei Ruhepunkten der Handlung, häufig bei leerer 



238 Griechische Tragiker. 

Bühne, eintreten, während er die Gesänge, welche bei aufregenden Situa- 
tionen der Handlung von einzelnen Mitgliedern des Chors vorgetragen 
werden oder vorgetragen werden sollen, den Kommoi an die Seite stellt, 
die schon nach der Angabe des Aristoteles <Poet. c. 12) keinen Einfluss 
auf die Gliederung des Dramas haben. — Darauf folgt eine Charakteri- 
stik des Chors in den Tragödien des Euripides in Bezug auf den An- 
theil, welchen der Chor in den einzelnen Stücken an der Handlung nimmt; 
es wird ausgeführt, wie Euripides es liebt, den Chor in seinen äusseren 
Verhältnissen derjenigen Person des Stückes, welcher er sich als Ver- 
trauter anschliesst, nachzubilden; ferner wie der Chor mit der Zeit sich 
bei Euripides mehr und mehr von der Handlung zurückzieht. Von den 
besonderen Beobachtungen dieses Abschnittes erwähnen wir den schönen 
Nachweis, dass der Chor der Schutzflehenden aus fünf Müttern (erster 
Stoichos) und 5X2 Dienerinnen (zweiter und dritter Stoichos) zusam- 
mengesetzt ist. — Darnach wendet sich die Schrift zu den einzelnen 
Arten des Chorgesanges, um die Vortragsweise derselben zu bestimmen, 
und zwar zunächst zur Parodos. VoUstimmigen oder mehrstimmigen Chor- 
gesang enthält die Parodos des Hipp. (Gesammtchor, Halbchöre, Chor- 
führer), der Andrem. (Halbchöre), des Hercul. (Halbchöre und Chor- 
führer), der Phoen. (Gesammtchor und Halbchöre), der Iph. A. (Gesammt- 
chor), der Bacch. (Chorführer und Gesammtchor, Halbchöre und Ge- 
sammtchor), des Cycl. (Halbchöre und Gesammtchor). Der Chorführer 
allein erscheint in der Parodos der Hecuba. Kommatische Einzugslieder 
weist die Medea auf (Kommos des Chorführers und der Halbchorführer 
mit der Amme und Medea; zum Schluss leere Bühne und Gesammtchor), 
die Heracl. (Kommos des Chorführers mit lolaos und Kopreus), die 
Elektra (Kommos des Chorführers mit Elektra), die Tro. (Kommos der 
Halbchorführer mit Hekabe, darauf der Gesammtchor), die Iph. Taur. 
(Kommos des Gesammtchors mit Iphigeneia, vorher Chorführer und Ge- 
sammtchor), die Helena (Kommos des Gesammtchors mit Helene), der 
Orestes (Kommos des Chorführers und der Halbchorführer mit Elektra). 
Wechselgesänge des Chors nimmt der Verfasser an für die Alcestis 
(Wechselgesang der Halbchöre und deren Führer im Verein mit dem 
Koryphäos), die Suppl. (Wechselgesang der drei aruT^oi), den Ion (Wech- 
selgesang der Halbchorführer und Kommos des Chorführers mit Ion), 
den Rhesus (Wechselgespräch der Halbchorführer und des Chorführers 
sowie Kommos derselben mit Hektor). — Nach der Parodos werden die 
Stasima behandelt, für welche mit wenigen Ausnahmen Gesang des gan- 
zen Chors angenommen wird, weil »Strophe und Gegenstrophe keinen 
Parallelismus ähnlicher, sondern strengen Fortschritt derselben Gedanken 
zeigen, Sinn und Periode von einem Glied zum anderen übergehen, die 
Gedaukenreihe sich von Anfang bis zum Schluss in berechneter aufstei- 
gender Linie entwickelt«. Eine Ausnahme bildet das zweite Stasimon 
der Suppl. 598 633 und des Ion 676 — 724, das dritte und vierte des 



Euripides. 239 

Rhesus. Das zweite Stasimon der Suppl. wird an die drei Stoichoi, das 
des Ion an die fünf einzelnen Mitglieder des ersten Stoichos vertheilt. 
Eine Zusammenstellung der metrischen und strophischen Formen der 
Stasima lässt die grosse Gleichförmigkeit der Stasima und die regel- 
mässige Wiederholung der gleichen strophischen Composition in einem 
und demselben Stück erkennen. Ferner wird beobachtet, dass Euripides 
den Hauptgedanken des Stasimons, der die Beziehung auf die augen- 
blickliche Situation im Drama enthält, fast durchgängig in den zweiten 
Theil oder überhaupt in den Schluss des ganzen Chorliedes verlegt; 
dass Strophe und Antistrophe in viel näherer Gedankenverbindung zu 
einander stehen als die einzelnen Strophenpaare unter sich, welche An- 
lage eine Vertheilung von Strophe und Antistrophe an Halbchöre unstatt- 
haft erscheinen lasse. — Die Wechselgesänge des Chors und die Kom- 
moi werden theils an die fünf Protostaten, die fünf Mitglieder des er- 
sten Stoichos, theils an drei Mitglieder des Chors, nämlich den Chor- 
führer und seine beiden Parastaten (Halbchorführer) vertheilt, theils an 
die sämmtlichen fünfzehn Choreuten ; an die fünf Protostaten werden ge- 
geben die Wechselgesänge Ale. 213-237, Hipp. 362-372, Hec. 1024 
bis 1043, Suppl. 271-285, Ion 1229—1249, Bacch. 1153-1163 mit dem 
Kommos 1168-1201, Cycl. 656-662, die Kommoi Hipp. 565 — 600, 
Suppl. 798 -837, Suppl. 1114—1164, Tro. 1287—1332, Iph. T. 643-656, 
Ion 752—762, Ion 763 807, (das Gespräch 1250 -1260), Hei. 330-385 
(an die vier Protostaten ausser dem Chorführer; dieser spricht vorher), 
Bacch. 576-603, Bacch. 1024 — 1042, das Gespräch Cycl. 624—653. 
Dem Chorführer und den zwei Halbchorführern fallen zu die Wechsel- 
gespräche Med. 1251—1292, Hipp. 776-789, Hipp. 811- 901, Herc. 735 
bis 761, Herc. 815-821, El. 585-595, Tro. 1251 1259, Phoen. 291 
bis 300, Phoen. 1284-1307, Or. 1353-1548, die Kommoi Hipp. 811, 
Androm. 1173 ff., Tro. 1216-1239, Or. 1246 1300. Die Vertheilung an 
15 Choreuten wird nur Herc. 875 -921, Herc. 1016-1087, in dem Ge- 
spräch Cycl. 663 - 688, in der Epiparodos Rhes. 674—691 vorgenommen. 
Endlich erhält der Chorführer allein Ale. 872-934, Iph. A. 1475 — 1504. 
— Schliesslich werden noch die »Interloquien des Chors und die Exo- 
dika« besprochen, welche durchweg dem Chorführer zugewiesen werden. 
Nebenbei wird die ansprechende Vermuthung geäussert, dass El. 1298 
bis 1302 vor 1295 umzustellen seien. 

Wenn man diese Zahlen vergleicht mit den Zahlen, welche wir 
im vorigen Jahresbericht S. 55 f. aus dem Buch von Muff die chorische 
Technik des Sophokles angeführt haben, so giebt sich eine grosse Ver- 
einfachung zu erkennen und damit fällt alle erkünstelte und erzwungene 
Vertheilung weg. Die 15 Choreuten erscheinen fast gar nicht mehr. 
Ausser den von uns dort geforderten drei (Chorführer und Halbchor- 
führer) treten nur noch die fünf Protostaten auf und wer weiss, ob nicht 
an die Stelle dieser fünf einfach jene drei zu treten haben, abgesehen 



240 Griechische Tragiker. 

von den Suppl., in welchen die fünf Mütter, da sie an der Handlung be- 
theiligt sind, eine wohl begründete Ausnahme machen. Die Vertheilung 
an einzelne Chorpersonen aber erscheint uns in den meisten der ange- 
führten Partien erwiesen und damit ein erheblicher Gewinn für das Ver- 
ständniss der Euripideischen Chorika erzielt. Einzelnes wie die Defini- 
tion der Wechselgesänge in Gegensatz zu den Stasiraa halten wir für 
zweifelhaft. 

R. Haupt sucht vorzugsweise von Euripides Voreingenommenheit 
und Feindseligkeit gegen die neben Athen stehenden Staaten (Theben, 
Arges, Sparta) abzuweisen und ihn gegen den Vorwurf zu vertheidigen, 
als habe er den Athenern zu Gefallen die Heroen der Gegner (Menelaos, 
Helena) geschmäht. Der Standpunkt politischer Verbissenheit komme 
dem Diener der Kunst und dem Lehrer seines Volkes nicht zu. Die 
Charaktere habe er nur der Fabel gemäss gestaltet und entwickelt. Die 
Helena und den Menelaos habe er ihren Thaten entsprechend dargestellt, 
nicht mehr und nicht weniger als es Sophokles im Ajas mit Menelaos 
gethan habe. Die Androraache stehe wie in vieler Hinsicht sonst, so 
insbesondere betreffs des Spartanerhasses vereinzelt da. Das Stück sei 
um dieselbe Zeit wie die Herakliden im Anfang des Krieges (c. 430) 
gedichtet. Beide Stücke seien Sparta feindlich. Euripides habe näm- 
lich bis zum peloponnesichen Kriege Sparta mit Achtung behandelt; dann 
im Anfang des Krieges mit wahrer Begeisterung den Krieg als einen 
Kampf der vö/zü; xoivol 'EkXddug gegen die Barbaren aufgefasst und sein 
möglichstes zur Aufregung der Leidenschaften gethan; nachher aber sie 
beschwichtigt sehen wollen, als sie über das beabsichtigte Ziel weit hin- 
ausgingen. Der Bekämpfung der Partei zugewandt, welche den Krieg 
verewigt wissen wollte, habe er ihr nicht die Waffen liefern dürfen durch 
Steigerung der Kriegslust. Gerade gegen jene Leute sei er z. B. im 
Orestes aufgetreten, je eifriger er friedliche Zustände zurückgesehnt 
habe. Diesen Ansichten des Verfassers gegenüber wollen wir nur Eines 
hervorheben. In den im Jahre 415 v. Chr. aufgeführten Tro. 210 wünscht 
der Chor der Troerinnen am liebsten nach Athen, nur nicht an das Ge- 
stade des Eurotas zu kommen zu dem ganz verhassten Aufenthalt der 
Helena. Der Verfasser meint, dieser Wunsch sei ganz in der Sache und 
Handlung begründet, weil es thatsächlich weniger unangenehm sei in 
Athen Sklave zu sein als in Sparta, andererseits der vollständig begrün- 
dete Hass gegen das Ehepaar Menelaos- Helena den troischen Gefange- 
nen den Wunsch sehr nahe lege. Das mag alles sein; immerhin ent- 
spricht der Wunsch der athenischen Antipathie gegen Sparta und der 
Dichter hat damit dieser Antipathie Rechnung getragen. 

Die Vorzüge der Donner'schen Uebersetzungen der griechischen 
Tragiker sind allgemein bekannt. Es ist nur zu bedauern, dass die 
neuen Auflagen sich um die Fortschritte der Wissenschaft wenig zu 
kümmern scheinen, dass sich überhaupt noch so viele Missverständnisse 



Euripides. 241 

des Originaltextes finden. Ich will zum Beweise nur die Fehler aus 
einer kleinen Scene der Medea anführen: 414 »nicht mehr besteht un- 
ter den Göttern die Treue« {dsöijv manq heisst die bei den Göttern be- 
schworene Treue) ; 465 »Du Memme, — denn mit diesem Namen kann 
ich nur hinfort dich nennen, mit der Feigheit schwerstem Schimpf« 
(der Dichter sagt etwas ganz anderes, vergl. meine Note); 506 »meines 
Hauses Freunde sind mir gram und andere, welchen ich verpflichtet war. 
verrieth ich Dir zu Liebe«; 568 »Du sagtest das nicht, grolltest du nicht 
meiner Braut« {sYasurj xvc^o: U^og heisst »wenn Dich nicht der Verlust 
des Ehebettes quälte«); 624 »Geh hin! Die Sehnsucht nach der jungen 
Braut zerreisst dein Herz (acpeT tioUw heisst »Du wirst von Sehnsucht 
erfasst«), verziehst du lange vor dem Hause noch« {/povc^wv d(ofxdTüj\' 
i^iumog heisst »wenn du lange nicht nach Hause kommst« ; Jason ist 
fern von dem Hause, in dem er mit Glauke wohnt); 639 »möge . . doch 
niemals mein Gemüth die mächtige Kypris entflammen anderer Frauen 
wegen« (sagt der Fraueuchor, welcher sich doch nicht in Frauen verlie- 
ben kann, wovon &u/ibv exnXij^aa kzipocg inl Xix-potg nur gesagt sein 
kann). Ausserdem sind in dieser Scene 492, 498, 500 f., 524 u. a. un- 
genau und zum Theil von dem Sinne des Originaltextes erheblich abwei- 
chend übersetzt. 

Widemann verfolgt im zweiten Theile seiner Abhandlung über 
Euripides (über den ersten Theil siehe den Jahresbericht von 1874/75 
S. 445 f.) den Einfluss des Eurfpideischen Dramas auf das gleichzeitige 
und nachfolgende griechische Drama und ausführlicher den Einfluss auf 
die Tragödie der Römer. Er geht aus von der Polemik des Aristopha- 
nes und findet die Tendenz der Frösche in der Absicht, die Bürger von 
der guten Meinung bezüglich des Euripides abzubringen und sie für 
Aeschylus zu begeistern. Wir halten diese Ansicht für unrichtig. Im 
Uebrigen ist die Darlegung eine lichtvolle und wohl geordnete, ohne ge- 
rade Neues zu bieten oder erschöpfend zu sein. Vor allem hätte auch 
die mittlere und neue Komödie berücksichtigt Averden müssen. — Das 
Gleiche gilt von dem dritten Theile, der mit dem Äpcarug nda^ojv des 
Gregor von Nazianz beginnt und mit der Sofonisba des Trissino schliesst 
und eine weitere Fortsetzung erhalten soll. Es wird vieles herein'gezo- 
gen, was mit dem Thema kaum in entfernter Beziehung steht; die lei- 
tenden Gedanken, welche das Thema selbst betreffen, sind etwa folgende: 
»Trotz des hohen Ansehens, in welchem der XptGzhg ndaycov stand, trotz 
der Versuche eines ApoUinaris, die Dramen der heidnischen Dichter durch 
biblische Schauspiele zu verdrängen, waren doch die alten Dramen, mehr 
aber noch Mimen und Pantomimen, und zwar selbst dann noch, als das 
Christenthum bereits anerkannte Staatsreligion geworden war, fortwährend 
im Schwange. Dabei wurden in der Regel nur Stücke des Euripides 
in das Repertoire aufgenommen, bis die Vorliebe- für den Pantomimus 
und das immer mehr überhand nehmende Interesse für Wagenrenneu 

Jahresbericht für Alterthums-Wissenschaft 1877. I. 16 



242 Griechische Tragiker. 

die alte klassische Tragödie vollständig verdrängte und das Eifern christ- 
licher Prediger und Kirclienvorstände gegen die Theatromania, die Vor- 
liebe für die Dramen heidnischer Dichter, unnötliig machte«. »Wie schon 
die Römer, nachdem sie einmal mit der griechischen Tragödie bekannt 
geworden waren, in ihren Uebersetzungen und Nachahmungen überwie- 
gend die Dramen des Euripides bevorzugten, und dieser Richtung auch 
fortwährend treu blieben und zwar nicht bloss desshalb, weil seine Stücke 
auch die damalige griechische Bühne fast ausschliesslich beherrschten, 
sondern weil dieselben auch der augenscheinlichen Vorliebe der Römer 
für das Pathetische, zumal aber für das Rührende und Grauenvolle am 
meisten entsprachen: ebenso fühlten auch die italienischen Tragiker sich 
vorzugsweise zur Bearbeitung Euripideischer Stoffe angeregt. Ja so gross 
war die Bewunderung für diesen Dichter und so sehr entsprachen seine 
Stücke dem Geschmacke jener Schriftsteller und somit wahrscheinlich 
auch ihres Publikums, dass sie sich nicht begnügten, bloss die Stoffe 
der noch vorhandenen Tragödien des Euripides wiederholt zu bearbeiten, 
sondern dass sie sich sogar veranlasst fühlten, auch die Fabeln der ver- 
loren gegangenen Stücke desselben wieder vorzusuchen und auf's Neue 
dramatisch zu behandeln (Canace des Speron Speroni nach den Herolden 
des Ovid, Merope nach Hygin)«. 

Bdx^ac. 

Hans von Wolzogen, Die Bakchantinnen. Verdeutscht. Leip- 
zig 1877. 67 S. 8. 

Der Verfasser giebt nach einer Einleitung über die Bedeutung 
des Stücks und den mythologischen Stoff eine freie Uebertragung für 
»ein grösseres heutiges Lesepublikuni« in der Weise, welche wir oben 
bei der Kayser'schen Uebersetzung der Antigene kennen gelernt haben. 
Wir erkennen auch dieser Uebersetzung ihren besonderen Reiz zu. Die 
erste Strophe des Chors 64 - 67 lautet z. B. »Von des Tmolos' Höhn, 
Vom fernen Strand, Von den heil'gen Höhn, Von Asia's Land Folgen 
wir jubelnd der süssesten Noth: Bromios' holdestem Göttergebot Im wild 
aufjauchzendem Reigen«. Dagegen wird Treue der Uebersetzung, nicht 
bloss was das Wort, sondern auch was den Sinn betrifft, sehr vermisst. 
So ist gleich im Anfang der Ausdruck »umlodert von blitzgezeugter 
Flamme« nicht im Entferntesten eine Wiedergabe von ^o^su^sTa' da-pa- 
rvfjipopo) nopL 

Nach 442 nimmt C. Schliack Philol. 36 S. 347f. eine Lücke an. 
564 vermuthet Ern. Sommerbrodt Philol. Anz. VHI S. 52 ^wayev 
dsvdps' äpoücra, ^övayev &rjpas dypujxag. 

Exdßyj. 
Euripidis tragoediae. Recensuit et commentariis instruxit Aug. 
Jul. Edm. Pflugk. Vol. L Sect. IL continens Hecubam. Editio 
tertia, quam curavit N. Weckleiu. Lips. 1877. VI, 84 S. 8. 



I 



Euripides. 243 

Die neue Auflage der Ausgabe von Pflugk glaubte ich in der Weise 
bearbeiten zu müssen, dass ich das viele Tretfliche in der Arbeit des 
verdienstvollen Herausgebers gewissenhaft erhielt, anderes berichtigte und 
ergänzte, den Text besserte und so einerseits dem Buche den Charakter 
einer Schulausgabe wahrte, andererseits dessen wissenschaftlichen Werth 
erhöhte. Unbeschadet des letzteren glaubte ich die Trennung von kri- 
tischen Noten und Commentar beseitigen und das Bemerkenswerthe mit 
dem Commentar verbinden, andere Angaben in einen kurzen Anhang ver- 
weisen zu können, einmal um Raum zu sparen, dann aber besonders, 
weil ich jene Trennung als eine unnatürliche betrachten muss. Von den 
neuen Emendationen erwähne ich folgende: 164 azei/^m ; tioTS^t op/xdaw; 
reg &£a>v rj oacjitov inapcuyug; 170 Tioug verdoppelt, 247 f. sind als der 
Interpolation verdächtig bezeichnet; ebenso 412 {ujg uuttot au&cg — seil. 
Tcapeiäv npoaßaXu) naprl^§i — äXXa vüv TTavuaraTov), 419 und 420. — 460 
^üov für ^c2a, 528 ndy^pucrnv äpdrjV i/se nacg, 580—582 rocdd' d/x^l 
(T^g xXöiüv Tiatdog {^avoüarig efjTzxvojTdrrjv ^syio naaujv yuvacxojv , ouazü- 
^ea-d-Yjv oe ai, 706 f. jieXMvuTiTepov \ aoü, zixvuv^ ouxst' uvrog Jcog iv 
(fdet^ 759 ist wahrscheinlich interpolirt ; ebenso 810; 831 dai für ßporoTg. 
1033 d^avdatpov nphg äzav (für ^oav)^ 1113 napscxsv für napicr^ev (so 
dass äv fehlen kann). 

0. Ribbeck, Zu Euripides' Helena, N- Rhein. Mus. 32 S. 325 
bis 327 stellt 574-580 in folgender Weise um: 574. 579. 576. 577 (to 
8k aafig /a' dnoarsye^ i. e. arcet). 578 {axdil'ac rig oüv o^r' eazt aou 
öo(p(jj"pog\). 575. 580 (j] rd y' oppaza;). In 1225 vermuthet er cpckog 
ydp iazf zig noz' iazh h&do' ujv; »ja er ist mein Freund. Und wer 
ist es sonst hier im Leben« (und auf der Bühne)? [vielmehr »und hier 
in Aegypten«]. 

Nach 403 nimmt eine Lücke an C. Schliack Philol. 37 S. 171. 

^HpaxXEloai. 

Die im vorigen Jahresbericht S. 78 voreilig gegebene Zustimmung 
zu der Ansicht von Wilamowitz über die Herakliden-Trilogie sei hiermit 
zurückgenommen. 

199 schreibt £d. Touruier Revue de philol. nouv. ser. 1877 
S. 273 dX^C ocoa ydp zo c (für dXX' olo' eyu> zu). 

Herakles. 
Euripidis tragoediae. Recensuit et commentariis instruxit Aug. 
Jul. Edm. Pflugk. Vol. IL Sect. HL continens Herculem. Editio 
altera, quam curavit N. Wecklein. Lipsiae 1877. 123 S. 8. 

Diese neue Auflage des Herkules habe ich in derselben Weise 
bearbeitet wie die neue Auflage der Hekuba. Die erste Auflage hatte 
Pflugk noch vor seinem Tode vollendet und Reinhold Klotz, der Nach- 

16» 



244 Griechische Tragiker. 

folger von Pflugk, nur eine 23 Seiten starke kritische praefatio dazu ge- 
schrieben, worin er besonders die Annahmen von Pflugk von seinem be- 
schränkten conservativen Standpunkt aus bekämpfte. Diese praefatio 
habe ich weggelassen und nur zwei Bemerkungen daraus im Commentar 
verwerthet. Der Text hat eine weit andere Gestalt erhalten, als wenn 
Klotz die neue Auflage besorgt hätte; welche Gestalt der ursprünglichen 
näher stehe, überlasse ich competenten Beurtheilern. Hier erwähne ich 
nur folgende neuen Vermuthungen : 136 oXiaaaa ist zu tilgen, 257 rwv 
izujv STiY^kug üjv (inquilinus civibus dominatur) , 272 y^Xtttg für ^acpztg^ 
499 roTa8' BTiaxpsXs.'iv, 599 napeMwv, 668 vaöxaiai pot^jxug, 697 bnspßa- 
^cüv, 804 eoöXm 8" £<pdvd-rj^ 811 iaopcüvrt fruvzi (»quae quem eventum 
habuerit huius certaminis si quis respicit ei cognoscere licet, num etiam- 
nunc dis honesta et iusta placeant«) = Inapzwv Tva yivog k<pävbri 794, 
887 ist umgestellt, nach 889 und 896 sind die Worte ipoyji . . i^opp.äze 
dem Amphitryo gegeben, dem bereits Wilamowitz 900 die Worte alaT 
xaxCüv u. 0. Hense 887 gegeben (so ist Klarheit in diese Partie gebracht 
und auch die strophische Gliederung und die Vertheilung an 'Hp.r/^6pta 
beleuchtet), 889 ixzevoüatv für exm-daauaiv , 898 -cixvwv für re Tixv(ov, 
978 ist als Dittographie von 991 anzusehen, welchen Vers Herwerden nach 
978 umgestellt hat, und o (5' i^zliaauiv ximog xüxXw noSa, cog ivrog eazrj 
zatg hypoü zo^söparog, ßdXXei npog rjnap als ursprünglicher Text zu be- 
trachten , 1024 auyxarsipydcruj poc pmä, 1049 uttvoj i^' euoovt iyscpr^z 
euväg, 1079 {ipohg) ixiipdqag wie schon Härtung, 1218 a/jpacvscg (poydv, 
1351 syxapztprjaü) ßiozov. Der Schluss scheint von 1404 an nicht von 
Euripides herzurühren. 

' I X iz t 8 s g. 
249 auzbg ab Tiiaaziv zrjv z6-(rjv , rjpäg 8' iäv L. Schmidt 
Philol. 37 S. 344. 

Hippolytus. 
Ed. Kurtz, Blätter f. d. bayer. Gymn.-und Real-Schulw. XHI. 
S. 110-112 
vermuthet 262 yr]pc für ^acrt, 803 ?^07ir^ na/vodzac prj dm> aop<popäg zcvog 
(W. Bauer hält die Aenderung für unnöthig und erklärt: »aus Gram 
oder in Folge welches [sonstigen] Umstandest« Vielmehr steht dm aup- 
tpopag zcvog euphemistisch für »in Folge von Irrsinn«), 1312 will er den 
zu dW opojg erforderlichen concessiven Gegensatz in dem stark beton- 
ten 8cloiat (s. V. a. xamep 8üXoig ^pajtxevrj) finden. Richtig bemerkt 
W. Bauer dazu, dass das Hauptgewicht in (psu8scg ypa<pag iypa(pz liege, 
welches durch 8tü)Xea£ ahv iiaT8a nun näher erklärt werde. 

Theod. Barthold (Philol. 36 S. 346f., 414, 565-567,713-716) 
bezeichnet den von Nauck athetierten V. 810 mit 825 ixXu£&' dppoog^ 
wg t'Siu Tiixpäv Biav yovatxhg . . dTiiüXsffsv als eine Beischrift aus dem 
Inn. xaXuTzzopsvog, ebenso 791, 866 — 870 (von welchen dort 866 bis 



Euripides. 245 

868 — wie im zweiten Hippol. 821 — dem Theseus, 869 f. dem Chor 
gehört haben sollen; 866 — 868 seien mit einer Lücke zwischen xpavBhv 
und siTj to^bIv beigeschrieben worden), 879 — 880. In 829 vermuthet er 
TTOTTjix^ für T:rjorjix\ 837 uerocxsTv Uavcbv 6 zM/iajv eycö , 840 napä Ttvog 
■noBzv {xköuj mit Elmsley und Härtung entfernend), 875 mit Reiske otex- 
töv für rhjTÖv, 903 i^' w xaraarivstg^ 932 f. und 934 f. will er umstellen 
(934. 5. 2. 3), 953 oatoi; xaTir^Xtu\ 959 8iXT(ü 8' aXiaxzi^ nXtlaiov 
10 xdxcare aü. 

'Ifcyiveca rj iv AoXidi. 

Girolamo Vitelli, Intorno ad alcuni luoghi della Ifigenia in 
Aulide di Euripide osservazioni. Con una nuova collazione del cod. 
Laur. 32, 2 e VII tavole fotolitograficbe. Firenze (Pubblicazioni del 
R. istituto di studi superiori pratici e di perfezionamento). 1877. VII, 
72 S. 8. 

Girolamo Vitelli, L' Ifigenia in Aulide di E. Recensione ad 
uso delle scuole con brevi note critiche. Firenze 1878. 88 S. 8. 
Aus den beiden beachtenswerthen Schriften Vitelli 's, welche für 
die Textkritik der Aul. Iph. von Bedeutung sind, heben wir folgende 
Conjecturen hervor: 123 oataoixsv auv^g u/xsvacoug, 149 xXrjS-pcvv 8' 
e^uf>nü)v (oder i^wncog) ^v vüv no/xnaTg dvTrjojjg , 324 ra'vra (für 7r«<Ti), 
351 01)8' ivs7<T&' (für ou8kv ^(tO-'), 530 <p£i8oij.a[ (für (psüSo/xat), 667 7v' 
SU p-v-fjast, 865 f. elg peX^vz ävtiac . . Se^iäg a" ixarc, 961 dXX' ußptv 
Tjpäg ußpia , 1168 y' inog (für yzvog), 1179 ro(dv8z p' Ya^' ouu {lad-' 
ouv C. Giorni) xaraXmujv npog <t' ev 86pocg, 1185 ^creig au r.ai8a Trjv8s\ 
rcvag, 1195 azpaTrjXazelv a s8si, 1339 rov ye z^g ßsäg d^iaaai {&daaai 
schon Goram), zdxvov, u> 8s(jp' ^hßeg, 1344 ipyov iv 8scvocg pdvec, 1380 
bis 1382 Z(hv T£ peUouauJv yuvaixiov ^v ipaicrc, ßapßdpoug . . dpnd^etv 
idastv dXßcag . . ^v dvrjpnaaev lldpcg, 1565 ff. KdX^ag 8' ö pdvzig xpäz^ 
dveaz£<l>£v xopr^g, k'h^e 8'' lo not xze. (1568f. hat schon Vitz getilgt), 
1612 ^avoücrav 7j8e ^loaav aI8e nal8a cnjv, nebenbei Iph. T. 718 ßXinovß' 
upotwg xat Bav6v&' iqiu (pikov. In [einer ausführlichen Besprechung 
der Exodos entwickelt Vitelli die Ansicht, dass die Anlage der Exodos 
dem Plane des Dichters entspreche und dass ein Theil (1532—1539) 
von ihm selbst, das übrige wahrscheinlich von dem jüngeren Euripides 
herstamme; das bei Aelian erhaltene Bruchstück £Xa<fov 8' 'A^atojv lep- 
ah iv^auj filaig xze. habe in dem jetzt heillos entstellten letzten Theile 
der Exodos seine Stelle gehabt und zwar in einer Erzählung des Aga- 
memnon, der den Bericht des Boten bestätigt und seinerseits hinzugefügt 
habe, wie in dem Augenblicke, wo er sich der Opferung habe wider- 
setzen wollen, ihm Artemis, den andern unsichtbar, erschienen sei und 
ihn wegen des Schicksals seiner Tochter getröstet habe. Diese Ansicht 
scheint in keiner Weise annehmbar. 

V. 4 f. will C. Seh Hack Philol. 36 S. 348 f. nach 11 setzen mit 
Annahme einer Lücke : »ich kann den Stern nicht erkennen ; taugen doch 



246 Griechische Tragiker. 

meine matten Augen nicht mehr zu scharfem Selien«. Das ist nicht der 
Sinn der Worte. Die V. 382., 383 will derselbe in einen einzigen ver- 
wandeln in folgender Weise: r/? ddixel <ts; roö xi^prjaai; tu>v yäp ixr^aco^ 
xaxwg I rjp^eg. 

Jon. 

2f. vermuthet R. Schilleto Journal of Philology vol. VII n. 13 
(1876) p. 152-156 t^soü \ kliaq für ^ecDv \ua.q. 

692 Toxuiv b Tiatq. 860 ttw? 5' ob axoriag, 1563- 1565 nach 1568 
C. Schliack Piniol. 37 S. 64 und l7l. 

1426 verlangt £d. Tournier Revue de philol. nouv. ser. 1877 
p. 273 rj 'v }i6v(p (oder ^ }i6vw 'v) t&S' suru^eTg. 

Kü X X (1) (p. 
326 SU areyu} zs . . TtenXw , xopfLoj diug . . xzunwv R. Schenk 
Philol. 37 S. 172 f. 

M e d e a. 
Das Veihältuiss der Medea des Seneca zur Medea des Euripides 
erörtert Wilhelm Braun im N. Rhein Mus. XXXII. S. 68—85. 

Orestes. 
595 xpc'vere für xtscvsts £d. Tournier a. 0. 

Rhesus. 
Udalrici de Wilamowitz- Moellendorff de Rhesi scholiis 
disputatiuncula. Ind. schol. hib. Greifswald 1877. 14 S. 4. 

Wilhelm Nöldeke, De Rhesi fabulae aetate et forma. Progr. 
der Realschule zu Schwerin 1877. 17 S. 4. 

Die interessante Abhandlung von Wilamowitz bietet vor allem 
werthvolle Mittheilungen aus Handschriften. Das Werthvollste ist ein 
Fragment der HpaxXdoai des Aeschylus, erhalten iu der Fortsetzung des 
Schol. zu Aristid. S. 547, 15 Dind., welche der Verfasser im cod. Mar- 
cianus 423 gefunden hat ; es lautet nach der Herstellung des Verfassers : 

sxeTd-sv 
opfievog dp&6x£piug ßoug yjXaa dn' ea^drujv 
yaiag wxeavbv nepdaag iv dinac ^pucrrjMzw 
ßozTjpdg t' ddixoug ixzecvs dsanozr^v ze zpiZßya 
zhv zpia döprj TtdXkovza x^poc^ zpia 8' JATHU 
adxYj TcpozBivutv zpscg t' incoerzcujv Xoipoog 
eazEi^^ taog "Apst ßtav, 
Die bedeutendsten Aenderungen sind r^Xaa'' für rjXaa-zv, birju für bmlri^ 
ixzecvs für xzeTvac,' dsanozT^v für SeaTioriuv, zpc'Coya zuv für zptözazo'^ (von 
A. Kiessling), x^P*^'^ für x^poi^-, "^p^^Q "' emaaztiov Xöcpoug für zpEcg 8e zig 
en:lo<puog, "Apsi für "Aprj. Für lazeiy^ Joog ist wohl sazsix^v l'aog zu schrei- 
ben und das noch unaufgeklärte zp(a 8cä z^g vielleicht zpca 8e XataTg (seil. 



Euripides. 247 

ytpai). — Aus derselben Handsclirift wird eine Ergänzung des wich- 
tigen Schol. zu Aristid. S. 485 Dind., welches die Namen der 10 Feld- 
herren im Feldzug gegen Saraos, der Collegen des Perikles und Sopho- 
kles, enthält (vgl. Soph. El. ed. O.Jahn S. 72) gegeben: (9) rXauyd-rjQ 'AZrj- 
vceug, (10) KXecTofü))/ 9opate6g. — Aus dem cod. Marcianus des Euri- 
pides erfahren wir, dass Hec 620 die Lesart xsurexvMTare aus xzorex- 
vcozaza corrigirt ist und dass in der Handschrift die Spuren der rich- 
tigen Schreibart rc&ecg nicht ganz verschwunden sind^), ferner dass die 
Dindorfschen Schollen daraus vervollständigt werden können, was an drei 
Schollen zur Androm. gezeigt wird (darunter zu V. 32 0doxX^q 8k 6 
rpayojdonotog xal . . . 7:po£x8o&rjvac (priaiv unb TuvSdpsw tyjv ^Epptovrjv zw 
'Opiazrj^ ^etza 8'} üarspov uno MevsMoo 8o{^rjva: NsonroMpüj). — Darauf 
folgen Verbesserungen zu Schollen der Androm. und Alkestis (z. B. zu 
Andr. 351 noUacg r.aXlax'.ai für noXKaig nokkäxcg^ zu Ale. 311 nap- 
pr^aiav yäp äyei napä ruv nazipa für itphg tov rMxipa und so auch Thuc. 
II 45 Tiapä TU dv-cnaXov für Tipbg zu dvzmakov). — Endlich erörtert der 
Verfasser den Ursprung der Schollen des Rhesus und unterscheidet die 
Arbeit eines Paraphrasten und einen älteren Commentar. In dem Schol. 
zu 41 rb ^ ort auv&izuig dvayvwazeov xac ort oux eaziv Euptm8ou b azi- 
log sei der byzantinische Zusatz zu tilgen; das ursprüngliche ort oux 
iffztv Eupimoou seil. 'Prjaog weise hin auf eine mit kritischen Zeichen {y) 
versehene Ausgabe des Rhesus und einen Commentar, der die Zeichen 
erklärt und die Unechtheit des Stückes nachgewiesen habe. Der Ver- 
fasser desselben könne immerhin vor Christi Geburt gelebt haben. Auf 
diesen Commentar habe ein späterer Grammatiker einen neuen gebaut, 
um die erhobenen Bedenken zu widerlegen und die Autorschaft des Euri- 
pides zu vertheidigen. Dieser habe die Ansichten der Alexandriner nur 
aus jenem Commentar entnommen, gegen den er polemisirt; ausserdem 
aus einem mythologischen Handbuch geschöpft, das nach Apion (Schol. 
zu 28) und vor den Theokritscholien (V. 36 mit Dindorf's Note) abge- 
fasst worden sei. Diesen Commentar habe der Paraphrast zur Grund- 
lage gehabt. Worauf die entschiedene Behauptung, es stehe fest, dass 
der Rhesus in der Zeit des Demosthenes zu Athen mit Nachahmung des 
Sophokles und Euripides gedichtet worden sei, beruhe, wissen wir nicht. 
Ansprechend ist die Vermuthung, dass besonders die üoc/xiveg des So- 
phokles zum Vorbild gedient haben vgl. fr. 459 mit 266 ff. — V. 594 
wird mit der Aenderung mc&acg dem Diomedes gegeben. 

Noeldeke tritt den Gründen bei, welche Hermann u. a. für die 
Unechtheit des Rhesus vorgebracht haben. Aus dem oftmaligen Vor- 
kommen des Wortes ndXzrj (305, 371, 410, 487) und besonders aus der 
Erwähnung von Peltasten (311) will er schliessen, dass die Abfassung 



1) Die irrige Meinung, dass es Impf, sei, hat diese Form auch Med. 457 
erhalten. Es muss dort ä-^tstg, nicht ävteig geschrieben werden. 



248 Griechische Tragiker. 

nach der Zeit, wo Iphikrates die Pelte einführte , also nicht vor Ol. 95 
(400 V. Chr.) falle. 

T p w d 8 s g. 

H. Weil Revue de Philologie. Nouv. serie 1877. S. 193-195 
vermuthet 477 ou rocdd' ood-^ "^EXXrjvlg ouzs (Tournier will lieber xou 
Tocd8^)^ 592 -exwv (fwg noz d/jLuv TtpEaßoyzvig , Hpcaps, 535 av (pron. 
poss.) ilapdavidag ärav Bea oujcrujv {dapSavcdag soll Apposition zu yevva 
0puywv sein), 1188 aüTtvoc t£ xoTrac. Ausserdem will Weil 384. 385 
nach 364 umstellen. 

237 will Th. Mistchenko ebendaselbst S. 268 otj für ok schreiben. 

1320 schlcägt E. Heydenreich N. Rhein. Mus. 32 S. 135 vor: xovtg 
8' Yaa xaTtvu) neroüa' scg zbv aep'- ai'arov xzL 

L V i a a a i. 

185 jxtjaXavopcav unepdvopa vertheidigt Ty. Mommsen a. 0. S. 46 
besonders mit dem Hinweis auf Eustath. II. S. 462, 4. 

E. Heydenreich N.Rhein. Mus. 32 S. 135-140 will 187 lesen: 
og 8opi Brjßaiag Muxijvaiaiv acg \ ylepvac'a re 8ujaziv rptaiva \ Iloazi8ü}\iioig 
kTiayyillE-at \ u8aai . . y^poazoßüaxpuit u) diog "Apzept xzk., 301 — 303 
0oiviaaav ßodv \ xXüooa u> vsdvcSsg yrjprxtoTg \ 7:u8ecrc zpoptspäv eXxu) ßd- 
(Tiv, tilgt in 308 yaizag und schreibt nach Geel 306 — 309 Tipoaejoov 
diKplßfillz paazuv wKsvatai jiazipog 7iaprjc8a)V t' apsy/ia ßoazpü^ojv zs 
xuavöypujzc nloxdpip axca^ouv 8epav /pcp-nz' ipdv = 312-317 zt fw^ zi 
(pu) at\ Tiihg dnavza yspcl xai xopatg Xöyocg zt noXuiXcxzov ä8ovdv Ssupu 
r' ixeT ^opsüüU(Ta nipt naXatdv Idßuj y^app.ovdv. 

Zu 1043 ff. bemerkt Hermann Geist Jahrb. f. Philol. 115 S. 313f., 
die Stelle enthalte keinen Widerspruch mit 31ff. ; bei Uo^iaig dnoazo- 
Img denke der Dichter nicht an ein bestimmtes Orakel, sondern wolle 
nur sagen, dass Oedipus alles was er that gethan habe durch Entsen- 
dung des Pythischen Gottes d. h. auf Antrieb und durch die Führung 
Apollo's, vgl. 871, 1612-1614. 

Fragmente. 

Zu fr. 541 theilt Ty. Mommsen a. 0. S. 21 sq. mit, dass die 
Conjektur von Salmasius nopaalg durch Handschriften beglaubigt wird. 
Da Med. B ikt^ezai für dipc^tzai bietet, so will Mommsen s.lg dv8poßpw- 
zoug ijSovdg kM^tzai lesen. 



Bericht über die auf die attischen Redner und 
die griechischen Rhetoren bezüglichen, von der 
Mitte des Jahres 1875 bis zum Herbst 1877 er- 
schienenen Schriften. 

Von 

Prof. Dr. F. ß 1 a S S 
in Kiel. 



I. Attische Redner. 

Wir beginnen wieder mit den allgemein auf die attischen Redner 
oder doch auf mehrere zugleich bezüglichen Schriften: 

1) R. C. Jebb, The Attic Orators from Antiphon to Isaeos. In 
zwei Bänden. London (Macmillan & Co.) 1876. CXXXVIL 316; XV, 
481 S. 

Dem Titel nach deckt sich das vorliegende Werk mit den zwei 
ersten Bänden des Referenten, und auch die Vertheilung des Stoffes auf 
die zwei Bände ist die gleiche, indem der zweite auch bei Jebb mit Iso- 
krates beginnt; doch ist in diesem Bande die Geschichte der Beredsam- 
keit, wenngleich in verhältnissmässig sehr kurzem Abriss, über Isaios 
hinaus fortgeführt, so dass das Werk noch den Atticismus des Dionysios 
und Caecilius mit umfasst. Da das Buch des Referenten früher erschie- 
nen, so war der Verfasser auf die Benutzung desselben angewiesen; je- 
doch kam ihm mein zweiter Theil nicht eher zu Händen, als bis die 
Kapitel über Isokrates bereits fast vollständig gedruckt waren. Ueber 
den Grad der Abhängigkeit vom Referenten ist in England zwischen dem 
Verfasser und seinem Recensenten J. P. Mahaffy eine lebhafte und lang- 
fortgesetzte Polemik gewesen. Jebb nennt bei Urtheilen, Beispielen 
u. s. w. nicht immer die Quelle, sondern nur bei streitigen Annahmen 
und Conjekturen, während er statt jener Verweisungen von vornherein 
in der Vorrede eine umfassende Anerkennung der Entlehnung giebt. 
Dass ich nicht geneigt bin, mir eine stillschweigende Ausbeutung dessen, 
was ich geschrieben, ruhig gefallen zu lassen, habe ich leider auch in 
diesem Jahresberichte Anlass zu zeigen; aber bezüglich des Herrn Jebb 
würde ich es für ein schweres Unrecht halten, an dergleichen Absichten 



250 Attische Redner. 

bei ihm auch nur zu denken. Ich gehe also auf das beiden Werken 
Gemeinsame nicht weiter ein, als dass ich mit Befriedigung constatire, 
dass der Verfasser in der Grundanschauung nirgends von mir abweicht, 
und wende mich zur Darlegung der zumeist in der Behandlung liegen- 
den Verschiedenheiten. 

Indem der Verfasser sein eigentliches Thema so begränzte, dass 
es mit Antiphon beginnt und mit Isaios endet, war für ihn Dionysios' 
Eintheilung der attischen Redner in ebpsrat und Tehtiozai massgebend; 
die letzteren sind Deraosthenes, Hypereides, Aischines, die ersteren Ly- 
sias, Isokrates, Isaios. Der Verfasser wollte die Entwickelung der 
griechischen Beredsamkeit schildern, von dem Punkte an, wo sie zuerst 
als Kunst auftrat, bis zu dem letzten eupsrrjg, dem Isaios, nach welchem 
nichts neues mehr erfunden, sondern nur die vorhandenen Typen ver- 
feinert und vervollkommnet wurden; was vor jenem Punkte liegt, behan- 
delt er in der Introduction , was hinter Isaios, in den Schlusskapiteln 
des zweiten Bandes (vergl. I, LXVIIff.). Enger als der Referent fasst 
er das Thema auch insofern, als er bloss den in die Dekas aufgenom- 
menen Rednern eine ausführliche Bfehandlung zu Theil werden lässt: 
darum beginnt er nicht mit Gorgias, dem er in der Einleitung wenige 
Seiten widmet, sondern mit Antiphon, und behandelt zwischen diesem 
und Isaios nur Audokides, Lysias und Isokrates. Für diese letztere 
Beschränkung weiss Referent allerdings keine genügenden Gründe zu 
finden, und es ist für die somit gelassenen Lücken kein rechter Ersatz, 
wenn nahe dem Schlüsse des Werkes in einem »retrospect« (II, 419 bis 
432) auch über Thukydides, Kritias, Thrasymachos einiges wenige nach- 
träglich gesagt wird. Ein literaturgeschichtliches Werk, welches eine 
ganze Periode umfasst, darf sich nicht auf die Schriftsteller beschränken, 
von denen vollständige Werke erhalten sind. — Zur Illustration der 
Einzelbehandlung des Verfassers wähle ich den Isokrates Die Einthei- 
lung des gesammten Stoffes ist diese: (Ch. XII) Isokrates, Life; (Ch. XIII) 
Isokrates, bis theory of culture; (Ch. XIV) Isokrates, bis style; (Ch. XV 
bis XVlIIj Isokrates, Works, gruppirt wie folgt: 1. Scholastic wri- 
tings, nämlich a) Hortatory letters or essays (I— III), b) Displays (XI. 
X. IX. XII), c) Essays on education (XIII. XV); 2. Political writiugs, 
a) on the relations of Greece with Persia (IV. V), b) on the internal 
affairs of Greece (XIV. VIII. VI. VII); 3. Forensic speeches, nach 
Klassen, die durch den Rechtsfall bestimmt sind (XX. XIX. XXI. XVIL 
XVI. XVIII); 4. Letters. Fragments. — Der Abschnitt über Isokrates' 
Leben (S. 1 — 35) enthält namentlich eine sehr lesenswerthe Beleuchtung 
seiner politischen Ansichten und Bestrebungen; der zweite, über seine 
Theorie der Bildung, zeigt noch mehr die eigentliche Stärke des Ver- 
fassers, die in allgemeinerer Auffassung und in geschmackvoller, inter- 
i essanter Darstellung liegt. Bei der Erörterung über den Stil ist das 
'Allgemeine wieder meist zutreffend (für die Behauptung S. 74, dass Iso- 



Allgemeines. 251 

krates durch kühnen Gebrauch synonymer Ausdrücke, deren er zu sei- 
nen Antithesen bedurfte, die proprietas des attischen Ausdruckes ge- 
schädigt habe, vermisse ich durchaus die Beweise); aber hier wäre ein 
genaueres Eingehen in die Einzeluheiten zu wünschen gewesen. — Die 
unter des Redners Namen überlieferten Schriften hält Jebb sämmtlich 
für echt, was in einem Punkte, beim Demonikos, eine Differenz mit 
den Urtheilen des Referenten ergiebt. Er liefert von jeder Rede eine 
Analyse, ausserdem jedesmal Vorbemerkungen über Zeit, Veranlassung 
u. s. w., und nach der Analyse Bemerkungen über Echtheit (wenn nöthig), 
Werth und Bedeutung des Werkes. Dass er die Helena um 370 an- 
setzt, kann ich unmöglich gutheissen, wie ja überhaupt sich hier noth- 
wendig manche Punkte finden müssen, wo ich anderer Ansicht bin. 

Ich füge noch einiges über die Einleitung und die Zuthaten hinzu. 
In ersterer sind interessant und geistreich die allgemeinen Betrachtungen 
über die griechische Beredsamkeit (S. LXIX— CVIII), wiewohl ich nicht 
überall ganz einverstanden sein kann. Zwischen Vorrede und Einleitung 
steht ein Verzeichniss der benutzten Editions and authorities, dann ein 
durch Genauigkeit vortreffliches Inhaltsverzeichniss für den ersten Band 
(der zweite hat natürlich ein entsprechendes), drittens eine synchroni- 
stische Tabelle, mit parallelen Angaben aus der allgemeinen Geschichte 
und der der Beredsamkeit. Ein Register der Reden und Briefe und ein 
reichhaltiger Index bilden den Schluss des zweiten Bandes. Endlich ist 
nicht unerwähnt zu lassen die von Jebb auf die attische Beredsam- 
keit gedichtete hübsche griechische Ode, die vor der preface ihren Platz 
gefunden, im Metrum von Pindar's 10. (11.) olympischem Gesänge. In 
Deutschland möchte es wenige Philologen geben, die zu solch einer Lei- 
stung im Stande wären. Uebrigens ist nach Ausweis des Metrums der 
Text in Zeile 3 korrupt; es muss heissen dyyeXXojiivoog statt i^ayysUo- 
/idvoug, oder . . fiop^aTg ^ßc/xsvwv vuov i^. statt [iop<paIcn v. <fd-. 

Von demselben Verfasser ist in einer Encyklopädie ein mir vor- 
liegender Artikel über Demosthenes erschienen, S. 67 — 74; um densel- 
ben anzeigen zu können, mangelt mir der Nachweis über den Titel des 
ganzen Werkes. 

2) Friedrich Blass, Die attische Beredsamkeit. Dritte Abthei- 
lung, erster Abschnitt: Demosthenes. Leipzig 1877. VIII, 564 S. 

3) Ferdinande Gnesotto, L'eloquenza in Atene ed in Roma 
al tempo delle libere istituzioni. Verona und Padova 1877. XXIII, 
518 S. 

Das weitgesteckte Thema dieser Schrift und ihr im Vergleich da- 
mit beschränkter Umfang zeigen alsbald, dass mehr ein Abriss und eine 
Zusammenstellung der Resultate, als eine eingehende Untersuchung vor- 
liegt. Man muss ihr in ihrem Vaterlande möglichste Verbreitung wün- 
schen, indem dort, wie in der Vorrede gezeigt wird, das Studium der 



252 Attische Redner. 

alten Beredsamkeit noch sehr darniederliegt; gerade im Interesse der 
Italia liberia ed unita wünscht der Verfasser dasselbe zu beleben und 
seine Landsleute auf die Redner aus den Zeiten der Freiheit hinzuwei- 
sen, während man ehedem in Italien den Panegyricus des Plinius nach- 
zuahmen vorzog. — lieber die attische Beredsamkeit handelt der Ver- 
fasser bis S. 365, von da ab über die römische. Für die Anfänge bis 
auf Lysias einschliesslich hält er sich an den 1. Theil der attischen Be- 
redsamkeit des Referenten; für Isokrates an Rauchenstein's Einleitung, 
für Isaios an Perrot; für Lykurg, Hypereides, Aischines und Demosthe- 
nes an A. Schäfer; von dem Werke des Referenten hat er ausserdem 
noch den Band über Demosthenes benutzen können, während der 2. Theil 
ihm wohl nicht vorlag. Die Benutzung ist grossentheils eine wört- 
liche, übrigens nicht ohne Nennung. Als selbständig hebe ich hervor 
S. 223—227 die Widerlegung von Cesarotti's Vertheidigung des Aischi- 
nes (Opere dell' Ab. Melchior Ces. Padovano Vol. XXI S. 133 sq. Fi- 
renze 1806) und S. 353 ff. die Erwiderung gegen Weidner's neuesten An- 
griff auf Demosthenes (unten No. 58). — Der 2. Theil des Buches, über 
die römische Beredsamkeit, ist hier nicht zu besprechen; ich bemerke 
jedoch, dass der Verfasser für Cicero den grössten Nutzen aus den Wer- 
ken Lord Brougham's hätte ziehen können, die er zwar öfter citirt, aber 
nur insoweit Referent ihm darin vorangegangen war. Brougham's Ur- 
theil hält die rechte Mitte zwischen dem ehemaligen Cicerokultus und 
der Mommsen'schen Verwerfung dieses Redners, welcher letzteren sich 
Referent heute nicht mehr so unbedingt anschliesst wie vor 14 Jahren. 

4) Rudolph Ball heimer. De Photi vitis decem oratorum. In- 
auguraldissertation. Bonn 1877. 37 S. 

Die Untersuchung betrifft zunächst das zwischen Plutarch's Lebens- 
beschreibungen der 10 Redner und den entsprechenden Abschnitten des 
Photius anzunehmende Verhältniss; der Verfasser ist der Ansicht, dass 
Photius eine etwas ältere Form jener Biographien benutzt habe, und so- 
mit unserm Pseudoplutarch doch gewissermassen als Quelle nebengeord- 
net sei. So scharfsinnig und sorgsam die Untersuchung geführt ist, so 
kann Referent die Beweise doch nicht ausreichend finden. Dass dem Pho- 
tius die Biographien ohne Namen eines Verfassers vorgelegen, kann 
daraus, dass er sie einfach als lazopta citirt, nicht gefolgert werden; 
auch Dionysios im ersten Brief an Ammaeus schöpft für das Leben des 
Demosthenes und Aristoteles ex röiv xo^vchv laropiibv, äg xariXmov rjiilv 
ol Toug ßcoug rwv dvöpujv rrovra^dfLSVoc (c. 3), ex zöjv caropoofievcuv 
(c. 4). — Indem nun der Verfasser die einzelnen Biographien durchgeht, 
bestreitet er die Ansicht Seeliger's (de Dionysio Hai. Plutarchi qui v. f. 
in vitis X or. auctore, Dissertat. Leipzig 1874, vgl. den Refer. Jen. Lit.- 
Zeit. 1874 S. 730), dass für Plutarch und also auch für Photius theil- 
weise Dionysios Quelle sei; er will bloss einzelne Zusätze aus Dionysios 



Allgemeines. 253 

ableiten. — Die rhetorischen Stücke bei Photius, die bei Plutarch fehlen, 
möchte er grossentheils auf eine einzige Quelle zurückführen, aus wel- 
cher dieselben in Photius' Exemplar der Lebensbeschreibungen über- 
tragen waren. 

Ich stelle sodann hierher, weil nicht bloss für Demosthenes und 
Aischines, sondern auch für andere Redner wichtig 

5) J. Sakkelion {laxxöltojv), Scholies de Demosthene et d'Eschine, 
d'apres un manuscrit inedit de Patraos (Ex zwv dvsxooTojv zr^g üar- 
/jLcaxr^g ßißhoHrjXYjg, kiesig asiV caropcwv ix zuJv drjjioaBivoug ^.öywv — 
X. fisd-' lax. ix zwv Accr^cvou löyiov). Bulletin de correspoudance helle- 
nique (Je^r/öv klhivixr^g alhj'koypaipiag) I (1877), 1 S. 1 — 16; Fort- 
setzung und Schluss Heft 3 S. 137 — 155. 

Dazu: 

6) C. Condos {KujvazavzTvog 2. Kovzog), Corrections aux scholies 
de Demosthene et d'Eschine du manuscrit de P. (dcopl^üjzcxä slg zag 
ki$ecg ixsi^ laz. ix zcuu J. xal ix zaiv A. kayiuv)^ daselbst Heft 4 — 5 
S. 177—181. 

7) 0. Riemann, Remarques sur les scholies de Demosthene et 
d'Eschine du manuscrit de P., ebendas. S. 182 — 194. 

Herr J. Sakkelion, dessen schon im Jahresbericht über die Lyriker 
1876 S. 107 ehrenvolle Erwähnung geschah, fährt mit seinen verdienst- 
lichen Veröffentlichungen von Inedita aus der Klosterbibliothek auf Pat- 
mos fort, und was er diesmal bringt, enthält bei geringem Umfang doch 
Neues von nicht unerheblichem Werth. Die benutzte Handschrift (No. 263) 
ist eine Miscellanhandschrift des X. Jahrhunderts, deren Inhalt S. 2-6 
genau angegeben wird; die Xi^eig zu Demosthenes stehen fast am Schlüsse; 
zwischen diesen und denen zu Aischines finden sich fol. 263 — 268 solche 
zu Thukydides, welche von L. Duchesne in der Revue de philologie I, 
182 — 188 herausgegeben worden sind. Zu Demosthenes und Aischines 
ist der Bestand folgender: einige wenige Schollen zu den philippischen 
Reden S. 10—12; Androtion 12-14; Meidias 14—16; Aristokrates 137 
bis 140; Kranzrede 140—146; Gesandtschaft 146 -147; Timokrates 147; 
Leptines 147—148; Aristogeiton I 148; zu einzelnen Privatreden 148 
bis 149 und vorher S. 11. Zu den drei Reden des Aischines im Ganzen 
acht Schollen S. 154— 155. An die Demosthenesscholien sind angehäugt 
eine Anzahl vermischter Uqetg zu den Rednern und anderen Pro- 
saikern, ausgezogen aus einem alphabetischen Lexikon ; die meisten ge- 
hören zu dem Buchstaben E (S. 149 - 154). — Von den unter No. 6 u. 7 
aufgeführten Abhandlungen beschäftigt sich die von Condos mit der Emen- 
dation der Schollen, soweit dieselbe nicht schon von Sakkelion selbst 
geschehen; die von Riemann liefert zunächst eine sehr eingehende Ver- 
gleichung des neuen Fundes mit den schon früher vorhandenen Scholien- 
sammluugen und sonstigen Quellen, wobei sicli manche Emendation er- 



254 Attische Redner. 

giebt; alsdann (von S. 192 ab) orthographische Besserungen; schliesslich 
(S. 194) ein Verzeichuiss der Stellen, wo für den Text der beiden Red- 
ner Lesarten hervortreten, die bei Baiter Sauppe nicht verzeichnet sind. 
Am geringsten ist, wie auch Riemann hervorhebt, der Ertrag für 
den Text des Demosthenes und Aischines. Die Handschrift des ersteren, 
aus der die Lemmata entlehnt sind, gehörte wohl im ganzen zur Familie 
des Augustan. I; neue Lesarten von Belang finden sich nicht. Mehr 
würde sich für Aischines ergeben, wenn der Schollen mehr wären; jetzt 
ist folgendes als neu zu verzeichnen: 1, 53 xat robg ähxrpuüvag zivkg 
atj/jLßdUoum {jivig fehlt sonst, es bringt keinen Gewinn); 1, 163 dXXä 
xat noXXrjV ußptv richtig für aXXrjV ußpcv; 1, 191 royr' slg rov Itmx- 
rpoxikrj-a ipßißdCet (für zaüra^ nicht schlechter). — Der Inhalt der Scho- 
llen selbst ist antiquarischer und sonst erklärender Art; rhetorische 
Schollen sind nicht darunter. Sie zeigen, wie Riemann aufweist, wenig 
Uebereinstimmung mit den bisher vorhandenen Schollen, desto mehr mit 
Lexikographen; doch bieten sie auch gegenüber diesen manches sachlich 
Neue und Beachtenswerthe. So S. 138 zu Aristokr. 71: obx i^rjv pdvro: 
ou8k To) oixatujg d.veX6vz[ '/Wi^vr^aiv oIxeTv. roTg yoüv MoppivrjV r^v JIskjc- 
arpdrou i%ya-£pa (Schwiegertochter nach Thuk. VI, 55, wie Sakkelion 
anmerkt) dvjjpyjxoat xa\ dXXoug rtväg a(l>r^(ptaav-o noXi-stav xai 8cupedv 
(etwa dvripTjxoaiv etpr^ipca. tzoX. xai dllag rivdg dcupsdg zu schreiben?), 
ixeXsuaß^rjaav de op.a>g kv Zalaplvi olxzTv , ocä zo prj eqdvai t^c ^Azrixrjg 
imßaiveiv zov ohog (povEÖan-vTa. — Citate mangeln indess fast ganz, 
ausser in den angehängten vermischten M%ttg. Hier steht zunächst, un- 
ter elpzatwvrj, ein noch nicht erkanntes Citat aus einem Redner: — — 
ToZro 8k XotjioTj yvjopivoi) xai /^oj^^iai'TrtS' ~ou t^soü £7fucoüv. 'Ev toj Jjy- 
Xtaxü)' »xai B^aXXuM {isyav xoapijaavTzg (lies -zag) ändvzojv^ wv xaz^ 
ixetvoog zoug xaipohg al ojpat (fipouacv^ dvazcHdva: ijxnpoat^sv ziöv Bupwv^ 
£ipeGcü)\>rj\> dvoixd.advzag , drMp^äg nocrjaaixivoug zujv ycvopsvwv tmvzujv ix 
z^g yr^g, ozc zrjv d^opc'av rj/xibv zrjg ^üipag lxszrjp:a rj napä zw 'ArtöXXiuvi 
re&sTaa inauasv. Dass hier nicht Hypereides" Deliakos, sondern Lykurg's 
Rede xazä Msveaat'yjioo zu verstehen, welche sich auf das delische Opfer 
bezog (Sauppe 0. A. II, 270) und darum füglich J)y>^raxoi- heissen konnte, 
lehrt die Vergleichung von E. M. o. dpzatJjvrj (Lyk. frg. 88 S.): Aox. 
oi <prj(Tcv^ dipoplag y£vojj.ivrjg'A^rjVaiotg zouzo irnztleat^r^vat xazd ypr^apuv, 
ohv IxEZTjptag. — Weiter unter exazopm8ov (S. 149 f.) Citat aus Ly- 
kurgos iv zw xazä Krjftaoouzou unkp (lies Ttep}) zwv Jr^iidSoo zipu)V. 
Also die Reden xazä Kr^<pc<roo6zou und die missbräuchlich xazä JrjpdSoo 
genannte sind identisch; Kephisodotos hatte die Ehren für Demades 
beantragt. In dieselbe Rede gehört, wie Sauppe richtig vermuthet, frg. 
ine. 91. — Unter xai (S. 150) Anfangsworte der Rede des Lysias nphg 
Eu&ü8rj[xov UTTsp (lies nepi) zoo rMiohg zoö 8'.a(phap£vzng zov ucpi^alp-öv 
(bisher unbekannt). — Unter expapzupca (S. 151) Citat aus Isaios npbg^ 
'Enixpdzr^v (unbekannt). — Unter 'Ejj.raoox/Jo'jg i^&pa (S. 153) Lys. 



l 



Allgemeines. 255 

Epistol. ine. frg. 261 mit Bericlitigung des Textes angeführt aus dem 
'EpojTcxög E. Unter ipps Citat aus Lysias ev tS) npög 'AXxcßcdorjv ucrTspü); 
gebort zusammen mit frg. 8 bei Athenaeus. -- Unter Bota Citat aus 
(Lysias) xarä AuatBioo Tpaüparog ex np ovo tag. - Dies die Citate 
aus verlorenen Reden; dazu kommen nocb einige aas sonstigen Schrift- 
stellern, worunter eins (unter jzwrjzai) aus Aristoteles kv tjj 'ABrjvafcuv 
nohzela, in sechs Zeilen, vgl. frg. 347 bei Rose, wofür hier der Wort- 
laut geliefert wird. — Für so wenige Seiten ist dies in der That Ertrag 
genug; mögen Herrn Sakkelion's Bemühungen fernerhin von Erfolg ge- 
krönt werden. 

8) Gustav Gebauer, De hypotacticis et paratacticis argumenti 
ex contrario formis quae reperiuntur apud oratores Atticos. Accedunt 
adnotationes locupletissimae ad varios rhetoricae grammaticaeque locos 
pertinentes. Zwickau 1877. Thost. XXXII, 399 S. 

Von demselben Verfasser erschien schon 1874 die Schrift: De prae- 
teritionis formis apud oratores Atticos (Jahresbericht über 1874 No. 75 
S. 496 f.). Der gegenwärtig von ihm behandelte Gegenstand is.t ein un- 
gleich umfassenderer, aber doch liegt nur erst ein Theil des Beabsich- 
tigten damit vor, und der Verfasser gedenkt in späterer Zeit auch über 
die subjectio, die occupatio und das Dilemma Arbeiten folgen zu lassen. 
Von dem, was er hier bringt, ist vieles für die Rhetorik werthvoll; an- 
deres ist direkt ein Beitrag zur Grammatik, und fasst man dieses Wort 
in weiterem Sinne, als die Lehre von den gesammten in der Sprache 
üblichen Formen des Ausdrucks, so ist überhaupt das Meiste in dem 
Buche von dieser Art. Die Ordnung und Classifizirung ist bis in's Klein- 
ste hinein eine sehr sorgiältige. Zu dem grossen Umfange des Buches 
hat ganz besonders die beträchtliche Anzahl der kritisch besprochenen 
Stellen mitgewirkt; es ist dabei für die Kritik der attischen Redner, 
sowie hie und da anderer Schriftsteller, der Ertrag sehr erheblich. 
(Ausführlicher Liter. Centralbl. 1877 No. 51 S. 1686; Jen. Lit.-Zeit. 1874 
S. 540). 

9) Emil Rosenberg, Die Partikel roiwv in der attischen Dekas. 
In den N. Jahrb. f. class. Philol. CIX (1874) S. 109-121. (Im vori- 
gen Jahresbericht übergangen). 

Ausgehend von einer Stelle der Leokratea (§ 32), wo ein überlie- 
fertes TO'.wv Schwierigkeiten macht, bringt der Verfasser zuerst alle die 
Stellen der attischen Redner zusammen, wo diese Partikel vorkommt; 
es ergeben sich daraus manche Resultate, z. B., dass Demosthenes sie 
in den ScxavtxoL sehr viel häufiger anwendet als in den (juiißooXEOTixot. 
— Weiterhin (S. 117 ff.) weist der Verfasser mit Recht die Annahme 
einer adversativen Bedeutung der Partikel zurück; doch scheint er eine 
andere sehr hervortretende, wonach sie den Untersatz eines Epicheirems 



256 Attische Redner. 

einleitet (Isokr. 16, 30; Dein. 9, 15 n. s. w.) nicht richtig erkannt zu 
haben. — Zum Schluss eine Conjectur zu Lys. XXX, 23, tocvuv für rbv 
voüv, unmöglich richtig, da rotvuv eben vorhergeht. 

10) Adolph Hoffmeister, Ueber Gebrauch und Bedeutung des 
Iota demonstrativum bei den attischen Rednern. Inauguraldissertation 
von Rostock 1877. 46 S. 

Der erste Theil, über das c Secxrcxov im Griechischen überhaupt, 
ist nicht gerade sehr gründlich; von da ab indess, wo der attische Dia- 
lekt speciell in's Auge gefasst wird (S. 12), ist der Werth der Üeissigen 
Arbeit nicht gering anzuschlagen. Der Verfasser giebt eine genaue 
Statistik, wie oft die Formen mit / bei den einzelnen Rednern und in 
den einzelnen Redegattungen vorkommen. Die Formen auf — cv{ob-o- 
ab) verwirft er als unklässisch (S. 14 ff.); über ooxoq und ooToac mit und 
ohne Artikel bei Eigennamen hält er im ganzen die Cobet'sche Regel 
fest (S. 26 ff.). Falsch ist die Conjectur npdt yz Maxo-orä-io b. [Dem.] 
43, 26 statt To) 8i ya M. rwdt (S. 29). 

11) Carl Fuhr, Animadversiones in oratores Atticos. Inaugural- 
dissertation von Bonn 1877. 61 S. 

Das erste Capitel dieser sehr tüchtigen Dissertation (bis S. 21) 
betriift die Zeitbestimmung von Andokides' Friedensrede, das zweite 
enthält Couiectauea zu Antiphon, Andokides, Lysias, Isokrates, Isaios. 
Jene Rede setzt der Verfasser in den Winter 392/91, gegen die 
Annahme des Referenten, der sie in das Jahr 390 verlegt hat. Ich 
gestehe, dass mir diese Zeitbestimmung immer ein Gegenstand ge- 
heimen Zweifels gewesen ist. — Im zweiten Capitel giebt Fuhr zu- 
nächst eine grosse Anzahl von Berichtigungen für die adnot. crit. in 
den Ausgaben des Referenten ^ eine sehr dankenswerthe Arbeit, wie- 
wohl ich nicht versprechen kann, dass ich bei gegebener Gelegenheit 
alles so umändern werde; z. B. Andoc. 1, 57 war es nicht nöthig, nach 
R6iske, dem Urheber der Conjectur ysvoiiavu, noch Bergk und Emperius 
zu nennen, die sie wiederholt, und daselbst § 122 hat Reiske allerdings 
oi)8' ouTojg conjicirt (t. VIII, 460), während sein oy^ outujs unter dem 
Texte wohl nur ein Versehen ist. — Die im einzelnen erörterten Stellen 
der angeführten Redner sind sehr zahlreich. Neue Vorschläge: Antiph. 
Tetr. B y 10. 7. or. V, 3. 38. 82. 89- VI, 17. - And. I, 116 (beiläufig 
Lys. 17, 9). 2, 10. 1, 148. 2, 1. 3, 5. 30 (mit ausführlicher Stelleiisamm- 
lung für 6 OTj/iog d 'A^r^'^acuiv , nicht u 8. rtov \'ii^., und Verwandtes). — 
Bei Lysias (S. 36—46) werden zunächst die neuen CoUatiouen des Pal.a- 
tiuus von Lampros und Scholl zu mancher Berichtigung verwerthet; son- 
stige Conjecturen macht der Verfasser zu 1, 32 (beiläufig Antiph. 5, 96. 
Din. 2, 17). 7, 31 (vortrefflich wv für wg). 12, 80. 13, 82 (auixTid/xmc]^ 
für /izrä rCuv r.oi'.rwv zi/xzar^, recht gut). 13, 96. 25, 14 (beiläufig Isokr. 



Allgemeines. 257 

19, 45). 28, 3. 12. 31, 26 (richtig vaog für vaov). Schliesslich der Nach- 
weis eines bei Sauppe fehlenden lysiau. Fragments, Lex. Vindob. 98, 14, 
sowie eines hyperidischen Pollux VII, 18. — Ueber Isokrates S. 46—54; 
Conjecturen zu 19, 11. 10, 61. 1, 40 (beiläufig Demades § 6). 12, 50. 
14, 63. 16, 19. 17, 54 {Ttenpayfiivwv für ysysvTjixsvuJv nach FE richtig). 
19, 36 (Coujectur Buecheler's). 20, 7; 4, 179. 7, 43 (8, 23 Interpre- 
tation). 10, 5 (verkehrte Streichung der Worte xal rdlg /xrjdkv — w^e- 
Xouacv). 15, 271 (beiläufig Dem. 2, 10). 19, 44 {ec^ev, schon von Sauppe 
vermuthet; beiläufig Isaios 11, 27). epist. 4, 12. — Isaios 1, 1 {^{jicv für 
^oc mit Hiatus, der in dieser Rede gemieden wird). 10, 2. 7, 1 (bei- 
läufig Isokr. 19, 43). 2, 16 (beiläufig Dem. 57, 24). 29. 3, 25. 7, 15. 
3, 45. 4, 18. 25. 26. 8, 14. 5, 7. 32. 36. 6, 14. 7, 29. 8, 6. 8, 14 (rich- 
tig Tcvag (5' eldsvat). 4, 4. 9, 4. Argum. ad or. 10 v. 20. — Ueberall 
zeigt sich Gründlichkeit und ausgebreitete Kenntniss. — Thesen: über 
die von Roseuberg aus der Hamburger Aldiua veröffentlichten Lesarten 
(vgl. unten No. 24), die nach Fuhr aus der Leydener Aldina herüber- 
gesehrieben sind; zu Hyp. Epit. 4, 8; Anaxim. 10, 5 Spengel. 

12) H. van Herwerden, Meletemata critica ad oratores Atticos. 
In der Mnemosyne N. S. III (1875), S. 120-141; 255—262; 349—358. 

Dem Referenten nicht zugegangen, 

13) F. K. Hertlein, Zu griechischen Prosaikern. Im Hermes 
Bd. XIL S. 182-188. 

Die Conjecturen zu den Rednern (Antiphon, Andokides, Isokrates, 
Isaios, Deinarchos) stehen zu Anfang dieser Adversarien, S. 182—184. 
— Ant. 1, 4 dXXoae für älXod^t, 21 dw^XsuJg für dxXswg^ beides wohl 
richtig; 5, 85 -nphg ifioü statt rtspl ijiotj (??) und vielleicht ot /xh 
£](&caToc /lor, 6, 26 ourot für auroc. — Andok. 1, 21 auTug t£; 44 iv To7g 
auzoTg (so Referent in seiner Ausgabe) oder nachher otanep ohne iv; 
139 un dvBpiurMV statt bn dXXmv (vortrefflich!); 3, 34 npdzzrj statt 
npdzToi\ 4, 12 Tüö napovrog pövov ^povoo (so Referent in seiner Aus- 
gabe); 15 im-u^üvrag statt hru^övrag. — Isokr. 12, 179 und 14, 48 
rot xa&' rjixepav\ 12, 255 ndvrwv zäjv aoGTparzoaapevüJV (Vulg. vorBk.); 
15, 83 padccug äv ocrvcg oöv; 90 aig dv8parMdiGzrjv\ 16, 14 ^zuyovreg 
(evident); 21, 6 akecctBac für akidaBat (verkehrt). — Isaios 1, 38 ^;y- 
(fH^eaBz und 40 dvayxdZzzz statt (Ir^^c^oca^s und dvayxdazza (ebenso 
Isokr. 15, 165 ei^ov oder zyooat statt e-/^otzv und Dem. 21, 57 kazt. statt 
effzai); 2, 2 ixsivw statt ixstvoo (wohl richtig). ~ Dein. 2, 22 äXXwv 
[dv&pumcDv]; 3, 9 ypuacov statt ypuacoo. 

14) Th. Gompertz, Beiträge zur Kritik und Erklärung griechi- 
scher Schriftsteller. IV. In den Berichten der Wiener Akademie. 
Bd. LXXXIH (1876) S. 563-597. 

Darin S. 574 über das Apophthegma des Demades Nr. 4 Diels 

Jahresbericht für Alterthums-Wissenschaft 1877. I. 17 



258 Attische Reduer. 

(s. den vorigen Jaln-esbericht S. 493); Gompertz schlägt vor (statt ypri- 
yops.lv düvavrat) iyprjjopivac seil, ewatv, mit dem Sinne: »können nicht 
wecken«. Referent glaubt, dass Gompertz den Sinn richtig errathen hat; 
dieser verlaugt aber kydptLv 8l)vav-ac. — S. 593 f. über Likymnios bei 
Dionys. Demosth. c. 26: es wird conjicirt: "Tßpcv xal Kunpcv diatondov 
^ lio^Boj itazpihwv (sc. iazov), 

Antiphon. 

15) Philipp Both, De Antiphontis et Thucydidis genere dicendi. 
Inauguraldissertation von Marburg 1875. 66 S. 

Diese Arbeit, stilistische Erörterungen über Thukydides und Anti- 
phon enthaltend, gründet sich durchaus auf die einschlägigen Capitel im 
Buche des Referenten. Doch hat es der Verfasser nicht für nöthig ge- 
halten, dasjenige, was er übernimmt, von dem, was er hinzugefügt, ge- 
hörig zu unterscheiden. 

16) Philipp Both, De Antii)hontis Rhamnusii tetralogiis. Gym- 
nasial-Programm, Oldenburg 1876. 17 S. 

Erweis der Echtheit der Tetralogien sowohl aus äusseren Gründen 
als aus solchen des Stils. Eigentlich neues ist wenig in der Abhand- 
lung. Das Buch des Referenten ist auch hier öfter benutzt als genannt. 

17) A. Wagener, fitude sur l'authenticite du discours d'Anti- 
phon Titpl rou x^'p^'J'^^^- Extrait de la Revue de l'Instruction Publique, 
tome XIII, No. 2 (1870). Gand, Eng. Vanderhaegen. 28 S. 

lu dieser sehr gründlichen Abhandlung wird der Versuch gemacht, 
die sechste Rede als eine des Antiphon, des Verfassers der fünften, völlig 
unwürdige Fälschung darzuthun. Referent muss dem entgegenhalten, dass, 
wenn auch noch so grosse Schwierigkeiten mit der Annahme der Urheber- 
schaft des Antiphon verbunden wären, doch durch die Annahme der Fäl- 
schung eine noch viel grössere Schwierigkeit geschaffen wird. Ausserdem 
aber erscheint der Abstand der fünften und sechsten Rede dem Verfasser nur 
deshalb so gross, weil er diese allzu streng, jene allzu günstig beurtheilt. 
So ist es irrig, dass die in beiden Reden sich wiederholenden Gemein- 
plätze, welche in der sechsten vielfach unpassend sind, in der fünften 
vollkommen passend wären: wenn der Mytilenäer §87 sagt: avdyy.Tj ydp, 
käv ufisTg jiüu xazaipi^^iörjaBz, xal pyj ovra fovia — y^prjaBo,i t^ Scxrj xa: 
T(p vopw XTS., so hat dies aut die vorliegende dnaywy^ gar keine An- 
wendung. Man muss aber überhaupt, nach der Meinung des Referenten, 
an diese Erzeugnisse der beginnenden Prozess -Beredsamkeit mit mög- 
lichst geringen Erwartungen herantreten; Rom ist nicht an einem Tage 
gebaut worden. 

18) Emil Rosenberg, Zu Antiphon. In den N. Jahrb. f. class. 
Philologie Bd. CXI (1875), S. 604. 



Antiphon. AndoMdes. Lysias. 259 

Conjekturen zu Antiph. I, 7. 9. VI, 25; über die zweite vgl, die 
Dissertation von FuJbr (oben No. 11) p. 26. 

19) U. V. Wilamowitz-Möllendorf, Memoriae oblitteratae. Im 
Hermes Band XI (1876), S. 291—304. 

Darin Nr. III, S. 295—298 über Antiphon's iioXtzixög, welche Rede 
der Verfasser mit den ^ocdopcac xar 'AXx:jStd8ou identificirt, so dass nun- 
mehr die Fragmente des Politikos dem Redner Antiphon, nicht dem 
Sophisten zufallen. Referent sieht keinen Anlass, seine entgegengesetzte 
Meinung zu ändern, denn mochte auch das xaTapiazäv zä ovza^ was in 
dem Fragment bei Ath. X, 423 A vorkommt, immerhin von Alkibiades 
aufgebracht sein, so ist doch dieser Satz: uzt drj zä npdyfiaza zä kauzou 
^ zä zuiv (piXujv xazTjptazTjxev allem Anschein nach ebenso allgemein, wie 
es die Sitte seit Alkibiades wurde. — In Nr. n (S. 294 f.) wird der Aus- 
spruch in Thukydides' Epitaphios über die Frauen auf eine Nachahmung 
(Ueberbietung) des Gorgias zurückgeführt (Frag. iuc. 11 S.). 

Andokides. 

20) Walther Francke, De Andocidis oratione quae est de pace. 
Inauguraldissertation von Halle 1876. 35 S. 

Der Verfasser sucht die Echtheit der dritten Rede des Andokides 
durch genaue und gründliche Vergleichung ihres Sprachgebrauchs und 
Stiles mit dem der übrigen Reden vollends zu erhärten. Zur Behandlung 
kommen Periodenbau, Wortstellung, Ungleichheiten der Construction, 
Figurengebrauch und anderes mehr. Es leuchtet ein, wie nützlich für 
die Würdigung des Andokides diese Zusammenstellungen und Beobach- 
tungen sind, und wie viel auch die Textkritik, auf die der Verfasser öfter 
eingeht, dabei gewinnen muss. 

Lydias. 

21) Select orations of Lysias, with introductions and explanatory 
notes, by William A. Stephens, A. M., professor of Greek in Deni- 
son University, Granville, Ohio. Chicago, 1876. XXVIII, 192 S. 

Es ist dies das erste jenseits des Oceans erschienene Buch, welches 
Referent in diesen Jahresberichten zu besprechen hat; zwar will auch 
dies nicht mehr als ein Schulbuch sein, ist jedoch in seinen Grenzen 
eine recht anerkenneswerthe Leistung. Die Einrichtung ist die, dass nach 
der introductory sketch of Lysias and bis wri tings zunächst der Text der 
ausgewählten Reden (XI. XII. VII. XXII. II.) mit einer kurzen introduction 
vor einer jeden, aber ohne weitere Beigabe folgt, alsdann (S. 115 — 190) 
der erklärende Coramentar in möglichst kurz gefassten Noten. Unter den 
benutzten Hülfsmitteln nennt der Verfasser die Ausgaben von Rauchen- 
stein und besonders Frohberger. Durchaus selbständig und recht an- 

17* 



2,60 Attische Redner. 

: regend zu lesen ist in der Einleitung p. XIX— XXI die Ausführung über 

j die Grundprincipien von Lysias' Beredsamkeit, deren der Verfasser vier 

*■ entwickelt: 1. Wahrhaftigkeit, 2. das Zurücktreten des Schmucks vor 

dem Gedanken, 3. das Streben, den Willen in erster Linie durch den 

Verstand zu beeinflussen, 4. weise Haushaltung mit der Aufmerksamkeit 

des Hörers. 

22) Ausgewählte Reden des Lysias, erklärt von R. Rauchenstein. 
Siebente Auflage. Berlin, Weidmann'sche Buchhandlung 1876. XI, [I], 
278 S. 

Wie sich schon aus den Seitenzahlen ergibt, hat die vorliegende 
siebente Auflage gegenüber der sechsten keine umfangreichen Er- 
weiterungen erfahren, nnd der Verfasser macht auch in der Vorrede 
nur wenige neue Schriften oder Zusendungen namhaft, deren er sich 
bei dieser Auflage bedient. Darunter ist neben der Abhandlung von 
Heldmann (unten Nr. 36) auch die »kleinere Ausgabe« von Frohberger, 
die auf 411 Seiten 14 Reden giebt, während Rauchenstein 12 aufgenom- 
. men. Die Behandlung des ersteren ist somit auch jetzt die ungleich 
; ausführlichere, womit indess nicht gesagt ist, dass nicht auch Rauchen- 
j stein's verhältnissmässige Kürze ihren eigenthümlichen Vorzug hat (Jen. 
I L.-Z. 1876, Nr. 47)^ 

23) Friedrich Adolf Müller, Observationes de elocutione Lysiae. 
Part. I: de anacoluthis. Inauguraldissertation von Halle 1877. 33 S. 

In dieser recht fleissigen und sorgfältigen Arbeit wird ein Anfang 
zur Untersuchung der syntaktischen Eigenthümlichkeiten des Lysias ge- 
macht, und zwar werden nicht bloss die Anakoluthien im engsten Sinne, 
sondern überhaupt die grammatischen Anomalien behandelt. § 1 betrifft 
ixh — dk, §3—4 die constructio xar« auvsocv, § 7 die Anomalien im Ge- 
brauche von auTog und ohzog, und erst § 12 die eigentlichen Anakolutha. 
Ueberall werden die einschlägigen Beispiele sorgfältig zusammengestellt 
(§7 S. 19 die Beispiele XIV, 29 - durch Druckfehler steht 20 da — 
und XVni, 7 zu streichen). Den Schluss macht ein Excurs zu XXX, 7, 
Zusammenstellung der Beispiele für h&i>fj.e7a^ac behufs der Widerlegung 
einer Sauppe'schen Conjectur. 

24) E. Rosenberg, Handschriftliches zu Lysias. Im Philolog. 
Bd. XXXV (1876) S. 263—278. 

Indem der Verfasser hier die Marginallesarten der Hamburger Al- 
dina zu Lysias mittheilt, sucht er gleichzeitig denselben nicht nur hand- 
schriftliche Grundlage, sondern auch einen gewissen Werth für die Her- 
stellung des Textes zu vindiciren, letzteres mit minderem Glück, da 
Sauppe's Ergebnisse hinsichtlich des gegenseitigen Verhältnisses der ly- 
sianischen Handschriften unerschütterlich sind. Die eingehender behan- 
delten und nach des Vei'fassers Meinung grösstentheils verbesserten Stel- 



Lysias. 2Ü1 

len zählt er am Schlüsse auf: I, 27. 40. 46. III, 31. IV, 9. VII, 6. 22. 
25. 28. 35. XII, 29. XVI, 13. XVII, 4. XIX, 23. XXXI, 3. 13. 19. 20. 32. 
II, 13. 18. 23. 41. 73. 74. 

25) Dr. S. P. Lampros, Mittheilungen über den Codex Palati- 
nus X, 88. Im Hermes Band X (1876) S. 257 — 280. 

26) R. Scholl, Zum Codex Palatinus des Lysias. Im Hermes 
ßd. XI (1876) S. 202—218. 

Die Ueberlieferung des Lysias und anderer kleinerer Redner im 
Codex Palatinus, die betreffs des Lysias auch durch Kayser's für Scheibe 
gemachte CoIIation nicht erschöpfend ermittelt worden war, liegt vermöge 
der beiden vorstehenden Abhandlungen, von denen die zweite die erste 
ergänzen will, nun wohl durchaus vollständig und genau uns vor. Lam- 
pros zeigt zunächst, dass der Codex von einer Hand geschrieben; als- 
dann giebt er in vollständigem Abdruck das vorausgeschickte Inhalts- 
verzeichniss (zuerst veröffentlicht von Wilcken 1817); weiter eine lange 
Reihe von Lesarten, welche nachzutragen oder richtiger anzugeben waren. 
Allerdings ist längst nicht alles für die Kritik von Wichtigkeit, vielmehr 
das Meiste rein orthographisch {d^Jjv, oudkfica, löyooq rs), und Scholl 
hat recht gethan, bei seiner CoIIation dergleichen zu ignoriren Dafür 
bringt letzterer, worauf Lampros nicht geachtet, genaue Angaben über 
die Lesarten von erster Hand, sei es nun, dass dieselben von dem jün- 
geren Corrector, oder vom Schreiber selbst geändert sind; nach diesen 
beiden Verzeichnissen folgt ein solches der Dittographien (wo der Schrei- 
ber bereits in seinem Original andere Lesarten daneben notirt fand); 
den Schluss dieses Abschnittes machen die Randnoten und Schollen 
(S. 211). Nun die sonstigen Berichtigungen zu den Angaben bei Scheibe 
und Lampros (S. 212 -217), unter Hervorhebung dessen, was in den Text 
aufzunehmen ist oder schon darin steht; was Scholl auf der verwischten 
Seite des Epitaphios an Lesarten neu entziffert, war schon vorher S. 205 
mitgetheilt. — Am Ende der trefflichen Abhandlung wird über drei 
Stellen, wo die handschriftliche Lesart unmittelbar oder mit leichter 
Aenderung zur Berichtigung des bisherigen Textes dient, ausführlicher 
gesprochen (14, 29 ysysvTjfjLSvujv statt r.ETxpayjxiviov; 14, 2 ndXat roüzov 
Ttovrjpov^ die Handschrift nozepov; 30, 6 bnkp ändv-ojv yoöv). 

Zur Kritik und Erklärung: 

27) H. Röhl, Jahresbericht zu Lysias. In den Jahresberichten 
des philologischen Vereins zu Berlin über das Jahr 1874 (Zeitschrift 
für das Gymnasialwesen XXIX, 1875) S. 1—5. 

Es wird berichtet über folgende Abhandlungen: Th. Gleiniger, 
die achte Rede des Lysias (Hermes 1874 S. 150ff.). — E. v. Leutsch, 
zu Lys. or. VIII (Piniol. XXXIH S. 702). — E. Rosenberg, über das 
attische Militärstrafgesetz (Philol. XXXIV S. 65 ff.). Röhl erklärt sich 



262 • Attische Redner. 

mit Rosenberg's Meinung über das Gesetz und mit seiner Herstellung 
einschlägiger Lysiasstellen nicht einverstanden, und giebt über den Wort- 
laut des Gesetzes eine eigene Vermuthung. — F. K. Hertlein, zu Lysias 
(N. Jahrb. 1874 S. 175 f.). — R. Rauchenstein, zu Lysias' zehnter Rede 
(das. S. 289 f.). Ausführlich wird von Röhl über § 9 und § 30 gehan- 
delt; er weist mit Recht Rosenberg's Conjektur Ipptcpurt zu § 9 zurück; 
seine scharfsinnige Erldärung von 30 erscheint dem Referenten zu ge- 
künstelt. 

28) reatpyioe KiovaravrivtdrjQ , Tlspt t^? yvr^aior^Tog roo ipoj- 
rtxou roo Auatoo. Im 'A^vacov rop,. 4 (1876) S. 33—55. 

Diese in München geschriebene Abhandlung entwickelt in klarer 
und überzeugender Weise, dass der im Phaidros enthaltene lysianische 
Erotikos in der That ein Werk des Lysias und nicht des Piaton ist. 
Bemerkenswerth ist S. 44 f. der Nachweis, dass im Gebrauche von Par- 
tikeln und sonstigen allgemeinen Ausdrücken die fragliche Rede ebenso 
sehr mit den übrigen lysianischen zusammenstimmt, wie sie sich darin 
von der Weise des Piaton entfernt. 

29) H. Bu ermann, Des Pseudo -Lysias xarrjyopia npbg Tob? ao- 
vouacaaräg yaxoXopaJv. Im Hermes Bd. X, 3. S. 347—374. 

Die Abhandlung richtet sich gegen die von Gleiniger (Herm. IX, 
150—181, s. den vorigen Jahresbericht 1874- 1875 Abth. I, S. 479 f.), deren 
Hauptaufstellungen treffend widerlegt werden. Besonders gründlich führt 
Buermann den Nachweis, dass hier nicht ein schlechter Auszug, wie Glei- 
niger wollte, sondern die lediglich durch gewöhnliche Corruptelen ent- 
stellte ursprüngliche Rede vorliege. Er bemüht sich diese Corruptelen 
zu beseitigen, dies freilich nicht überall mit Erfolg; denn auch der viel- 
fach massgebende Grundsatz Buermann's, die Rede sei als Erzeugniss 
eines späten Rhetors durchaus nicht in klassischem Griechisch geschrie- 
ben, ist ein sehr anfechtbarer. Ich meinerseits glaube mich über die 
gänzliche Werthlosigkeit dieser Rede am Schlüsse des ersten Theils mei- 
ner attischen Beredsamkeit hinreichend stark ausgesprochen zu haben, 
und an ihrer Unechtheit hege ich nicht den geringsten Zweifel; aber 
Buermann schiesst über das Ziel hinaus, indem er sie in »ganz junge« 
Zeit zu rücken sucht, und seine im Schlusstheile (von S. 369 ab) dafür 
gelieferte Beweisführmig ist nicht solide. Als unklassische Wörter zählt 
er auf: aovoomaazrjg und xaxoXoyta in der Ueberschrift, die überhaupt 
nicht mitzählt; dazu steht xaxoXoyca z. B. Plat. Rep. III, 401 A. Ferner 
xaxoXoyeTv § 5; s. Hyperid. frg. 247 bei Pollux II, 119. — »Auch dviapog 
und axacog (§ 5) sind nur bei Späteren und Dichtern im Gebrauch; die 
zehnte Rede, in der sich diese Wörter ebenfalls finden, rührt ebenso- 
wenig wie die achte von Lysias her«. Beide stehen auch Demosth. Cor. 
291. 245; wenn also Buermann sie zu benutzen gedenkt, um auch der 



Lysias. 263 

zehnten Rede (gegen Theomnestos) demnächst als einer Fälschung den 
Prozess zu machen, so sehe er sich nun nach anderen stichhaltigeren Ar- 
gumenten um. — »Von noXüfdog § 7 gilt dasselbe; auch nXouTouvzag 
§ 7 für TtXouaioug ist nicht prosaisch.« 11 Xooacoog 'könnte im Gegentheil 
gar nicht stehen, da mvoiievov der Gegensatz. ■»Euv&ewpsh (§ 5) kommt 
einmal bei Aristophanes vor.« Das genügt vollauf. ■»TnepEuSoxcixetv 
§ 7 ist überhaupt sonst nicht sicher belegt.« Aber andere ähnliche Cqm- 
posita, wie oTitpavaiayyvzog [Dem.] 43, 65, ebenfalls ein ana^ Xeyufisvov, 
ferner bnspeuSatjxovzh Arist. Rhet. II, 8 , von dem das Gleiche gilt, 
u. a. m. Alsdann bringt Buermann als weitere Belege seine Conjektu- 
ren roioÜTujg und Ttolor.eipujv, welche doch, namentlich die letztere, mehr 
als zweifelhaft sind. — Nicht besser ist was folgt: er rügt als unklassisch 
u. a. iqsMy^etv i^r/roav, vergl. Cr^rslg dvanecf^sr^ Aristoph. Plut. 573; 
Tiapaivotrs TTuvd-avöixsvoc = nov&dvütaBz, mit der Anmerkung, dass Lysias 
XIX, 8 ou8h yap äv nspacvocpic nicht zu vergleichen sei; ich sehe nicht 
den geringsten Unterschied zwischen beiden Stellen, und es ist falsch, 
dass in ouSkv äv nepaivone mivd-. (so heisst es or. VIII, und so war zu 
citiren) das Hauptverbum umschreibend wäre wie Tuy/dvscv. Ich habe 
nicht den Raum alles aufzuzählen; Buermann geht sogar so weit (S. 371) 
das Imperfektum inoceTre § 5 zu rügen, und zu behaupten, dass § 13 
hXecrodtxou 8zrj&£:g imXzyacv oux izu^ov das Verbum zuy^dvscv mit dem 
Infinitiv koustruirt sei, während doch offenbar kTrtXiyzcv von SerjBelg ab- 
hängt. Unbekannt ist ihm, dass 8turt = utc nicht nur bei Späteren, son- 
dern auch bei Isokrates vorkommt (Benseier Isokrates S. V, 4), vergl. 
S. 371 über § 17. Und so weiter. — Befremdend ist mir, dass Buer- 
mann seiner Neigung, dem Sprecher einer Rede in der Sache Unrecht 
zu geben, auch bei diesem Werke nachgeht und den »wirklichen That- 
bestand« als einen ganz andern »eruirt« (S. 368 f.), während hinterdrein 
(S. 373) der Satz kommt: >ider Fall ist klärlich fingirt.« 

30) Ernestus Fritzsche, De Pseudolysiae oratioue octava. In- 
auguraldissertation von Jena. Rostock 1877. 40 S. 

Die auch hier behandelte achte Rede hat, wie es scheint, wenig- 
stens den unleugbaren Werth, dass sie den Philologen zur Uebung ihres 
Scharfsinnes dient, und es ist dafür gesorgt, dass sie diesen Werth noch 
lange behält. Die Fritzsche'sche Arbeit befasst sich im ersten Theile 
mit dem Nachweis der Unechtheit (bis S. 17), ohne sonderlich Schätz- 
bares beizubringen: dass -aüza in der Rede 17 mal vorkommt, xa: 36 mal, 
ydp 24 mal (S. 13), möchte doch wenig beweisen. Der zweite Theil be- 
trifft die Herstellung des Textes, doch wird auch hier der besagte eigen- 
thümliche Werth der Rede kaum geschmälert. 

31) Emil Rosenberg, Ueber das attische Militärstrafgesetz. 
Im Philologus. Bd. XXXIV (1876) S. 65—73. 



264 Attische Redner. 

32) Th. Thalheim, Das attische Militärstrafgesetz und Lysias 
14, 7. In den N. Jahrb. für classische Philologie. CXV (1877) S. 269 
bis 272. 

Vergl. auch H. Röhl (oben Nr. 27). Es handelt sich um die Re- 
construktion des attischen Militärstrafgesetzes und zugleich um die Emen- 
dation einer Hauptstelle dafür, Lys. 14, 7, die in X augenscheinlich ver- 
dorben ist; daher ist es begreiflich, wenn die Ansichten recht ausein- 
andergehen. 

33) Moritz Schmidt, Miscellanea philologica. Universitätspro- 
gramm von Jena 1876. 4. 17 S. Darin S. 10 — 13 über Lysias' 
Rede XX für Polystratos. 

Textesabdruck der grösseren Hälfte der Rede (bis § 23) nach des 
Verfassers Umstellungen, nach denen die Folge diese ist: § 1—2. 11—12. 
3—6. 7» (bis xacrijjv iiTJ). 8 — 9. 7''. 10. 13—15 dSixecv. 18. Vl^ (von 
ol xaTTjyopot an). 15 nwg äv — 16. 20^ (von ouoh jap). 20*. 16. 17*. 
19. 21 ff., abgesehen von kleineren Umstellungen, wie innerhalb des § 2. 
Dem Referenten erscheint eine solche Textesbehandlung, die noch viel 
gewaltsamer ist als die von Kirchner (s. den Jahresbericht über 1873 
S. 273 ff.), die Grenzen des Erlaubten weitaus zu überschreiten. Man 
lasse doch jedem Schriftsteller seine Eigenthümlichkeit, also auch dem 
confusen Redenschreiber seine Confusion; denn wesshalb es nicht auch 
solche gegeben haben soll, ist schlechterdings nicht einzusehen. 

34) Th. Thalheim, Des Lysias Rede für Polystratos. Programm 
des Breslauer Gymnasiums zu St. Elisabeth 1876. 40 S. 

Diese fleissige und höchst gründliche Abhandlung hat es wohl ver- 
dient, dass ihr von A. Hug in der Jen. Lit.-Zeit. 1876 S. 635 f. eine aus- 
führliche Besprechung zu Theil geworden ist. Von ihreii vier Abschnit- 
ten behandelt der erste (bis S. 13) die historischeu Angaben der Rede, 
mit dem Ergebniss, dass nirgends ein Widerspruch mit der sonstigen 
Ueberlieferung vorliege; also sei hier kein Grund, mit Hoffraeister (Pro- 
gramm Stargard i. Pr. 1872) die Rede als spätere Fälschung zu ver- 
werfen. A. Hug findet indess nicht alle Zweifel gelöst. — Im zweiten 
Abschnitt (S. 13—20) wird der vorliegende Rechtsfall untersucht: nach 
dem Verfasser ist es eine dnoypaf^ wegen Nichtbezahlung der Geld- 
busse, zu der Polystratos in dem frühereu Prozesse verurtheilt worden 
war. Beiläufig bespricht er auch die Rechtsfälle der XVH. und XXL 
Rede (S. 18 f.); auch bei letzterer nimmt er gegen die Ansicht des Re- 
ferenten mit Scholl anoypatprj an. — Der dritte Theil (S. 21-37) ent- 
hält eine genaue Erörterung der formellen Härten und Dunkelheiten der 
Rede, mit gelegentlicher Emendation; der letzte begründet die Schluss- 
folgerung, dass sie von Lysias nicht verfasst sein könne. Interessant 
ist die S. 40 vorgetragene Combination Kirchhoff's, dass der Sprecher 



Lysias. 265 

jener Aüxeog IIoXuaTpdTou *A^vatog sein möge, der in Xenophon's Ana- 
basis vorkommt, und dass wegen der Namensähnlichkeit die Rede dem 
Lysias zugewiesen sei. 

35) H. Höhl, Zu Lysias XX, 19, Andokides II, 23, Lysias XIII, 72, 
Corpus Inscr. Atticarum 59. Im Hermes Bd. XI (1876) S. 378—381. 

Durch Aufhellung des Herganges bezüglich der Belohnung der 
Mörder des Phrynichos sucht der Verfasser die Zeit der XX. lysiauischen 
Rede, die er vor Ablauf der neunten Prytanie Ol. 92, 2 gehalten sein 
lässt, noch sicherer festzustellen. Dabei kommen ausser der Inschrift 
C. L A. 59 auch die in der Ueberschrift angeführten Stellen der Red- 
ner zur Erörterung; Lys. 13, 72 will der Verfasser zweimal die Worte 
xaX 'AnoXKüdcupov streichen. 

36) Carl Heldmann, Emendationes Lysiacae. Gymnasialprogr. 
Cassel 1875. 4. 34 S. Zugleich als Inauguraldissertation Marburg 
1875. 

Das kritische Princip, welches der Verfasser in dem grössten Theile 
seiner Abhandlung an einer Anzahl Stellen des Lysias zur Gellung zu 
bringen sucht, ist die Heilung einer Corruptel durch Umstellung. Zu- 
erst jedoch erörtert er einige Stellen, wo die von anderen vorgeschla- 
gene Umstellung ihm nicht anwendbar scheint: VII, 26 (gegen Rauchen- 
stein's Umstellung des wg) und XVI, 3 (gegen denselben, der ir.sorj/iouv 
in § 4 nach xa^af/9oy/z£vo>»v unterbringt ; Heldmann schlägt oz i'mSijjwuv 
vor, nicht übel, doch ziehe ich das andere vor). Seine eigenen Umstel- 
lungen sind (s. S. 7 — 25): I, 15 bjxotujg vor iiioi^rvjsv (?); I 20 wg 
kxetvjj TÄ j^joovcu Ttpoa&Sifj zag elaoSoog xal ciig rpoTiotg r^poaioi (unmög- 
lich richtig); IV, 2 Umstellung mit doppelter Aenderung, allzu gewalt- 
sam; IV, 17 xai oh Xr^aet oudsv zaijTrjg ßaaavtadziarjg. iyuj 8' oux l'aov 
slxov, dX)' dmxcvouvsuov -oüzo (anders der Referent Rhein. Mus. XXI, 
278). Hierbei macht Heldmann (S. 10 f.) einen Exkurs, um zu zeigen, 
dass diese Rede nicht am Anfang verstümmelt, sondern ein Seözspog 16- 
yog sei, indess gelingt ihm dies wenig, da die Stellen § 10. 14. 15. 17 
sich auf die Voruntersuchung beziehen, und der Epilog § 20 nicht mehr 
als der Schluss der dritten Rede gegen Simon für einen ozbz. löyog 
passt. — Weiter VII, 2 Umstellung von dniozcqav (aus dnodeiqai) nach 
ar^xov dfaviZ^iv (??); VII, 23 zaüzrj zrjV ^r^pcav und weiterhin dXXä fxap- 
zöpujv mit Tilgung des dX}M {dpa) nach aoxo(pa\>zwv\ VIH, 4 eine neue 
Conjektur zu den heillos verderbten Worten xakot oozwg xzk.\ X 1 zov 
ipauzoü wird mit Aenderung in zoü ip.. nach nazpog § 3 gestellt. S. 19 ff. 
sucht er XIII, 65 — 66, welche Paragraphen man für interpolirt hält, 
durch Umstellung hinter § 69 zu retten. Die übrigen Stellen sind: 
XVIII, 7. XXVII, 3. 4 (wobei der Verfasser die Ansicht P. R. Müller's 
widerlegt, dass sich die Rede nicht gegen Epikrates und seine Mitschul- 



266 Attische Redner. 

digen richte, sondern bloss gegen die letzteren). XXXI, 20. Im Gan- 
zen ermangeln die Umstellungen des Verfassers der Wahrscheinlichkeit. 
— Im letzten Abschnitt (S. 25—34) bringt er noch einige sonstige Emen- 
dationen zu folgenden Stellen: IV, 13. VII (34.) 38. VIII, 1 (XIII 29 f. 
nur Interpretation, auch XIV, 27 keine Conjektur). XIX, 18. XXIII, 8ff. 
XXIV, 9 (14 Vertheidigung des Ueberlieferten). 

37) R. Rauchen st ein, Anzeige der vorstehenden Schrift. Neue 
Jahrb. f. Philol. Bd. CXI (1875) S. 517-521. 

Die Arbeit wird von Rauchenstein recht günstig beurtheilt; er 
pflichtet oft den Vorschlägen des Verfassers bei. Eigene neue Conjek- 
turen werden nicht viel gegeben (zu 1, 20. 18, 7. 27, 3). 

38) Karl Brugmann, Zu Lysias. N. Jahrb. f. Philol. CXI (1875) 
S. 521-522. — 39) Th. Thalheim, Desgl., das. S. 522—523. 

Brugmann bringt zu X, 12 die Vermuthung, dass das dort über- 
lieferte 0iujvc zwar nicht in AoacHo) zu ändern, jedoch in diesem Sinne 
zu verstehen sei; denn 6iu)v sei Koseform für Juacl^sog wie ZsU$cg für 
Zeu^cnnog. Referent könnte eher beistimmen, wenn er irgend eine Noth- 
wendigkeit sähe, den Theon der Stelle nicht für eine beliebige ander- 
weitige Persönlichkeit zu halten. — Thalheim giebt eine recht gute 
Erklärung zu XIX, 34 — 41; er bezieht Ixebou § 34 auf Kouon, und 
fasst § 38 vov zocvov in streng zeitlichem Sinne; so gewinnt er zwei 
hypothetisch angenommene Confiscationen, eine in der Vergangenheit bei 
Koüon's Lebzeiten, und eine in der Gegenwart nach dessen Tode. 

40) R. Rauchen st ein, Zu Lysias. N. Jahrb. f. Philol. CXIII 
(1876) S. 329—333. 

Conjekturen zu folgenden Stellen: IX, 2 {äyvocav statt eüvoiav). 
11 (uTioa'j^uvzag statt b-iaxo)'). 16. 17. 20; X, 26. 29; XVIII, 5. 6. 7. 
16. 18; XX, 1. 6. 8. 9. 12. 13. 16. 19. 23. 24. 31; XXI, 18. XXVI, 5. 
6. 13; XXIX, 5. 

41) H. Röhl, Zu Lysias. In den N. Jahrb. f. class. Philologie 
Bd. CXV (1877) S. 155-158. 

Der Verfasser sucht im Anschluss an Cobet und Halberstma den 
Text des Lysias von Interpolationen zu reinigen. Er steicht I, 8 ■zt)v 
vor elg ztjV dyopäv , 16 slg äyopav ßa^i^ooaav x(u\ 44 ivio'. yäp . . sm- 
ßouhuouac, VII, 22 ivvea vor äp^ovTag (wodurch dies "Wort ganz zwei- 
deutig wird), 32 dUä prj npoBupcog, XII, 99 dUä noUcuv, XIII, 2 /z)j- 
vyr^? . . yzvups'^og, XXII, 2 B^avdzip Z^jjxiujaat und dxpho'jg vor dnoXo}- 
Xevac, XXIII, ^ og . . osaTioTTjg sXvat. Referent muss sich zu den mei- 
sten dieser Vermuthungen ablehnend verhalten. Der Verfasser fügt noch 
zwei sonstige Conjekturen hinzu: XIV, 36 Lücke hinter xaz^Ms (bei- 
fallswerth), und XIX, 11 8iä andvcv für xal andviv. 



Lysias. Isokrates. 267 

Nicht vorgelegen hat mir 

42) E. Kurz, Zu Lysias (VII, 22) und Demosthenes. In den 
Blättern f. d. bayer. Gymn.- und Real-Schulwesen, Bd. XI, 10 S. 435 
bis 440. 

Isokrates. 

43) G. Jacob, Jahresbericht über Isokrates. In den Jahresbe- 
richten des philologischen Vereins zu Berlin über das Jahr 1874 (Zeit- 
schrift f. d. Gyranasialwesen XXIX, 1875). S. 6-20. 

Eingehende Besprechung folgender Schriften und Abhandlungen: 
Isokr. Panegyr. und Areopag. von R. Rauchenstein. — Isokrates' aus- 
gewählte Reden von 0. Schneidt3r, 1. Bändchen. — H. Sauppe, Recen- 
sion von C. Reinhardt's Dissertation de Isoer. aemulis (Gott. gel. Anz. 
1873 S. 1735—1740). — Haupt, de Isoer. epistulis. — Blass, die attische 
Beredsamkeit II. Abtheilung. — Gebiert, de elocutione Isocratea. — 

0. Kohl, de Isocrat. suasoriarum dispositione. — Seeliger, de Dionysio 
Halicarnass. Plutarchi in vitis X orat. auctore. — E. Rosenberg, die 
Partikel toc'vuv in der attischen Dekas (N. Jahrb. f. Philol. 1874 S. 109). 
Von letzteren beiden Abhandlungen wird nur was den Isokrates betrifft 
erörtert. — F. K. Hertlein und G. Jacob, zu Isokrates (N. Jahrb. f. Phil. 

1. c. S. 18 und S. 157). — Namentlich für die Textkritik sind auch in 
diesem Jahresbericht, wiewohl derselbe wesentlich referirend ist, manche 
kleine Beiträge geliefert. 

44) dsoSwpou 'AyxuXiwvog (Th. Henkel) röJv mpl laoxpaT-^ ^^^' 
aeojv ßcßXiov npwrov. Gymnasialprogramm Rudolstadt 1877. 4. 34 S. 

Diese in recht gutem und namentlich vollkommen verständlichem 
Griechisch geschriebene Abhandlung will den Nachweis führen, dass die 
gegen die Echtheit der Rede I npog Arjjxüvixov vorgebrachten Gründe 
nichtig seien. Dem griechisch Schreibenden verzeiht Referent gern einen 
gewissen Ueberfluss der Darstellung; in einer deutschen Abhandlung 
hätte z. B. die Frage nach den Hiaten . der Rede nicht so umständlich 
erörtert werden dürfen, nachdem schon Referent, auf den sich der Ver« 
fasser bezieht, dies Argument Benseler's in gleicher Weise zurückgewie- 
sen hatte. Die von Benseier aus Einzelnheiten des Ausdrucks hergelei- 
teten Argumente werden sorgfältig geprüft und grossentheils widerlegt; 
so dankenswerth indess die vom Verfasser hier gegebenen Nachweise über 
isokratischen Sprachgebrauch sind, so wird doch das Ziel der Abhand- 
lung damit nicht erreicht, weil der Verfasser nicht alles erledigen kann. 
Ebenso wenn er am Schluss behufs eines positiven Beweises der Echt- 
heit Parallelen des Ausdrucks mit anderen Reden bringt, so ist dies alles 
darum nicht beweiskräftig, weil der Ursprung der Rede aus der isokra- 
tischen Schule, den die Gegner annehmen, ebenfalls diese Aehnlichkeiten 



268 Attische ßedner. 

zu erklären geeignet ist. — Conjekturen werden auf S. 13 ff. einige vor- 
gebracht, sämmtlich zum Zweck der Beseitigung von Hiaten. 

45) Job. Wrobel, Ein neues Zeugniss für die Echtheit der Iso- 
kratischen Rede an Demonikus. In der Zeitschrift für österreichische 
Gymnasien, Jahrgang XXVI (1875) S. 743 f. 

Der Verfasser weist bei Chalkidius, zu Anfang der Vorrede dessel- 
ben an Osius, ein Citat aus § 7 der fraglichen Rede nach. Inwiefern 
aber Chalkidius die Echtheit einer isokratischen Rede bezeugen kann, 
ist mir in der That unverständlich. 

46) J. Winter, Isocrat. orat. ad Demonicum § 52. In den Sym- 
bolae philologicae, Festschrift der Mitglieder des Münchener Seminars 
zum Jubiläum L. Speugel's (München 1877). S. 12 -13. 

Recht gute Conjektur zu der angeführten Stelle, jidhaza statt /lo^cg. 

Is aio s. 

47) LeonMoy, fitude sur les plaidoyers d'Isee. These presentee 
ä la faculte des lettres ä Paris. Paris (E. Thorin) 1876. IX. 272 S. 

Der Haupttheil des Buches, welcher eine ausgeführte Schilderung 
von Isaios' rednerischem Charakter giebt, reicht bis S. 135; es folgt als 
Appendice eine analyse des plaidoyers (I— XI, mit Ausschluss des Bruch- 
stücks für Euphiletos), so dass die Anlage des Ganzen mit der vom Re- 
ferenten bei Isaios und den anderen Rednern angewandten wesentlich 
übereinstimmt. Im Haupttheile ist die Folge der Abschnitte diese: 
I. l'invention, II. les lieux communs, III. la disposition, IV. l'exorde, 
V. la narration et l'argumentation, VI. les temoignages, les lois, VII. la 
peroraison, VIII. les moeurs et le pathetique, IX. le style, dann die con- 
clusion. lieber Isaios' Persönlichkeit ist das Nöthige in der Vorrede 
enthalten. Aus dieser Uebersicht geht schon hervor, dass das Thema 
durchaus nicht in gleicher Weise wie seitens des Referenten gefasst ist. 
lieber den Stil wird auf zehn Seiten gehandelt; das Sachliche fesselt 
den Verfasser besonders , und es ist ihm um die Würdigung des Isaios 
als eines Redners, nicht so sehr um die stilistischen Verdienste des- 
selben zu thun. Ueberall zeigt er eine beneidenswerthe Feinheit der 
Auffassung, er trifft glücklich Sache und Ausdruck dafür, und man kann 
aus seinem Buche ausserordentlich viel lernen. Es mangelt nicht jene 
Gründlichkeit, welche sich in den Gegenstand vertieft und ihn erschöpft ; 
die Literatur darüber berücksichtigt er soweit er sie gebraucht, was al- 
lerdings nicht eben viel der Fall ist. Das Buch des Referenten citirt 
er nie, und scheint es auch nicht zu kennen. — Wenn nun wir Deutschen 
auch bei dieser Gelegenheit wieder die Mitarbeit unserer westlichen 
Nachbarn aufrichtig willkommen zu heissen und hoch zu schätzen haben, 
so vermissen wir doch auch andererseits Eigenschaften, auf die wir sel- 






Isaios. 269 

ber uns etwas zu Gute zu tliun pflegen, vor allem die strenge Kritik. 
Nicht als ob deren Mangel in diesem Falle den Werth der Leistung 
erheblich schmälerte: es giebt ja bei Isaios keine zweifelhaften Reden, 
und nur gelegentlich, wo der Verfasser auf Demosthenes kommt, erstau- 
nen wir, dass er Reden wie die gegen Makartatos und gegen Neaira als 
echt behandelt und zu bewundern weiss. Ist das ästhetische Urtheil 
wirklich so sehr von äusseren Umständen abhängig, wie hier dem Um- 
stände, dass ein schlechtes Machwerk den Namen des Demosthenes trägt? 
Indess die Behutsamkeit, welche nichts Ueberliefertes zu verwerfen wagt 
und an allem noch etwas Gutes zu finden sich bemüht, ist schliesslich 
kein schlimmerer, jedenfalls ein liebenswürdigerer Fehler als das ent- 
gegengesetzte Extrem des rücksichtslosen Verwerfens und Absprechens. 
— Für die gelehrte Eiuzelforschung über Zeitumstände der Reden, 
Rechtsbestimmungen und dergleichen ist Herrn Moy's Buch nicht ange- 
legt; wenn er einmal auf derartiges kommt, so genügt ihm die Autorität 
von Schömann, Boeckh u. a. 

48) Konrad Seeliger, Zur Charakteristik des Isaios. In den 
N. Jahrb. f. Philol. Bd. CXIII (1876) S. 673—679. 

Der Verfasser stellt hier den Isaios dar als einen Advokaten, der 
häufig die Billigkeit gegenüber dem formellen Rechte zur Geltung zu 
bringen suche. Dies sei nicht nur bei der ersten Rede der Fall, sondern 
auch bei der achten; denn hinterlassene Tochtersöhne seien nach atti- 
schem Recht nicht Erben gewesen, sondern statt ihrer die Seitenver- 
wandten. Das heisst, es gab kein Gesetz über die Erbfolge der Tochter- 
söhne, so wenig wie über die der sonstigen Enkel; dass aber das Gegen- 
theil im Gesetze bestimmt gewesen, vermag Seeliger nicht entfernt zu 
beweisen. Er bespricht sodann die elfte und schliesslich die sechste 
Rede, bei welcher er ebenfalls dem Sprecher das formelle Recht zu be- 
streiten sucht; ich glaube auch hier nicht, dass irgend welche gesetz- 
liche Bestimmung vorlag, meine aber, dass der Wille des Gesetzgebers 
unbedingt auf Seiten des Sprechers war. — Die Bezeichnung eines Ra- 
bulisten für Isaios lehnt Seeliger selbst ausdrücklich ab, ist aber doch 
manchmal etwas streng gegen den Redner, wie wenn er es ihm als 
eine Art Täuschungsversuch auslegt, dass er in der siebenten und wie- 
derum in der neunten Rede statt do£?^^bg (ddsX^rj) oiMofxi^rpcog gewöhn- 
lich kurz dds?.^6g bez. d8zX(prj sagt. Fast scheint es, dass nach Seeliger's 
Meinung die Gewissenhaftigkeit auch bei ddeX^idodg den Zusatz b[io}i7j- 
rpcog verlangt hätte. 

49) E. Caillemer, Le plaidoyer d'Isee sur la succession d'Asty- 
phile traduit et annote. In dem Annuaire de Fassociation pour Ten- 
couragement des etudes grecques en France. IX. annee 1876. S. 164 
bis 186. 



270 Attische Redner. 

lu der vorausgeschickten Untersuchung über die Zeit der Rede EX 
kommt der Verfasser zu dem gleichen Ergebniss wie Referent, dessen 
Meinung er anführt, aber in unrichtiger Weise: »frühestens einige Zeit 
nach 371« bedeutet nicht: peu de temps apres 371. Die Uebersetzung 
ist frei, doch im Ganzen richtig (falsch übersetzt § 26 aig dk ouds xrk.) ; 
die beigefügten Anmerkungen zeugen von guter Kenntniss des attischen 
Rechts. 

50) J. Vahlen, Varia. Im Hermes. Bd. X (1876) S. 458—460. 

Nr. VI S. 460 Conjektur zu Isaios 9, 25: aurcüv rou uficv o7g npo- 
arjXBz. Referent kann nicht beistimmen: der Singular ij [lapTopia § 26 
beweist durchaus nicht, dassnur ein Zeuge dies ausgesagt hat. 

Demosthenes. 
Ich stelle voran einige allgemeiner auf Demosthenes und seine 
Werke bezüglichen Schriften: 

51) Rev. W. J. Brodribb, Demosthenes. In: Ancient classics 
for English readers, edited by the Rev. W. Lucas Collins (Supple- 
mentary Series). Edinburgh and London 1877. 174 S. 

Der Zweck des Unternehmens, zu dem das vorliegende Werk ge- 
hört, ist die Einführung in die alten Classiker hauptsächlich für solche, 
die der Originalsprachen nicht mächtig sind; es werden dazu Lebensab- 
risse und Uebersetzungen von ausgewählten Stücken der Werke gegeben. 
Wissenschaftliche Ansprüche werden demnach nicht gemacht; übrigens 
ist die vorliegende Arbeit mit Verständniss und in angenehmer Form 
geschrieben. 

52) Reden des Demosthenes, übersetzt von Carl Beck (In der 
Jugendbibliothek des griechischen und deutschen Alterthums). Erstes 
Bändchen: Demosthenes. Zwölf Staatsreden. Zweites Bändchen: De- 
mosthenes. Drei Gerichtsreden. Halle (Buchhandlung des Waisenhauses) 
1876. VII, 240; 222 S. 

Nicht nur eine gute Uebersetzung des Demosthenes ist ein schwie- 
riges Ding, sondern auch schon ein richtiges Verständniss, zumal für 
den, der nicht Philologe ist, gleichwie der Verfasser es nicht ist. Also : 
kyui fikv oux i'^w ncug knatviato, ijjeyeiv 8^ oh ßoltloiiai. 

53) C. G. Cobet, Miscellanea critica, quibus continentur observa- 
tiones criticae in scriptores Graecos, praesertim Homerum et Demo- 
sthenem. Leyden (E. J. Brill) 1876. XVI, 616 S. 

Wegen des Titels und weil in der That nur wenige Conjekturen 
zu den anderen Rednern in dem Werke vorkommen, habe ich es hierher 
gestellt. Die Adversaria critica ad Demosthenem stehen zu Anfang und 
Schluss des Bandes, S. 1-86 und S. 449 582; die erstere Abtheilung 



Demosthenes. 271 

betrifft, nach einem einleitenden Capitel über den Cod. S (S. 1 — 11), 
die Reden I — IX (S. 11 — 40), dann nach einander in grösseren Ab- 
schnitten X — XVII, während in dem nachher folgenden Theile zuerst 
(S. 449—471) Nachträge zu dem Früheren gegeben, alsdann die dcxav. 
Sr^jxuoiot (XVIII— XXVI) ebenso in einzelnen Abschnitten behandelt wer- 
(jen. — Von Cod. S giebt Cobet ein genaues Inhaltsverzeichniss mit den 
Titeln und Unterschriften der einzelnen Reden. Die ausserordentliche 
Zahl von Conjekturen eingehender zu besprechen mangelt hier der Raum; 
Referent will daher einige allgemeine Gesichtspunkte aufweisen. Es ist 
leider Cobet's Art, die Individualität der einzelnen Schriftsteller wenig 
zu berücksichtigen; zwischen Prosa und Poesie macht er einen Unter- 
schied, und lässt sich den Zwang gefallen, den beim Dichter das Vers- 
mass und die Compositionsgesetze dem ingeuium des Kritikers auferle- 
gen ; dass es aber auch für gewisse Prosaiker Compositionsgesetze giebt, 
das ignorirt er. Und doch sind jene einschränkenden Gesetze für den 
Kritiker auch insofern werthvoU, als sich durch das verletzte Versmass 
oder durch einen fehlerhaften Hiatus oftmals eine Stelle auf den ersten 
Blick als verdorben ausweist, und so hat Cobet in den Homerica einen 
Abschnitt y>^/a(r/xcooca: intolerabiles« überschrieben (S. 370), in welchem 
er, von fehlerhaften Hiaten ausgehend, einige homerische Verse emendirt. 
Aber bei Demosthenes ist er von einem entsprechenden Verfahren so- 
weit entfernt, dass er die Zahl der ^aaiicuotai intolerabiles mit seinen 
Conjekturen eher noch vermehrt. So begegnet ihm, was einem solchen 
Kritiker nie begegnen sollte, dass man öfters eine Conjektur von ihm 
beim ersten Hinsehen als unbedingt falsch erkennt. Beispiele: or. V, 19 
exaffTog dpY:^6jj.£vog] exaazoe dpji^üixzvoi Cobet. — VI, 18 &zpa7iei>Ei rt- 
vdg\ Hspa7:eüsc det rcvag Cobet. — XXIII, 78 ^ovoj ^(jyrjv bnixec] (pövcp 
br.ixet Cobet. — Schliesslich ist es doch für einen Mann wie Cobet, der 
sich auch mit Dichtern soviel beschäftigt hat und der ferner so aufmerk- 
sam liest, nichts sonderlich schweres, sowohl auf die Hiaten als auch 
auf die für Demosthenes nicht minder fehlerhaften Häufungen kurzer 
Silben Acht zu geben; er würde alsdann manche falsche Conjektur nicht 
machen, dagegen manche verborgene Corruptel aufspüren und entfernen. 
So streicht er Aristokr. 97 wohl mit Recht das angehängte o vopog, 
merkt aber nicht, dass auch Timokr. 91 {Tipdyiiad-' b vöpog) dasselbe An- 
hängsel wegen des Rhythmus und daselbst 93 8rjnou iv tü) voiuo aozoo 
die letzten vier Worte (mit Benseier) wegen der Hiaten zu tilgen sind. 
• Das Bestreben Cobet's, den Text des Redners von der Menge ein- 
gedrungener Glosseme zu befreien, sei es mit oder ohne Handschriften, 
verdient an sich allen Beifall; indess nimmt er dabei lange nicht genug 
Rücksicht auf die besondern Eigenthümlichkeiten des rednerischen Stiles 
überhaupt und des demosthenischen insbesondere. Verbindungen von 
Synonyma, so häufig zumal bei Isokrates und Demosthenes, werden zwar 
nicht immer, was fast unmöglich scheint, aber doch in zahlreichen Fällen 



272 Attische Redner. 

von dieser Kritili beseitigt. Aristokr. 5 rjao)f{av äyztv {dyaysTv A F u. a. 
Handschriften) xac aKorffjaat. Cobet behauptet, dass ayeiv nöthig sei; 
da sich anunäv nicht leicht herstellen lässt, so streicht er xai anomfjaai. 
Warum dann nicht auch in dem folgenden Gegensatze eItieIv xai xarri- 
yopfjaai. das slnetv xai'} — Daselbst § 63 bßptZojat xai dca^&ecpojat] Co- 
bet findet das dca^Bztpecv nach. bßpcCsiv matt und beseitigt es; es ist aber 
nothwendig, da nicht ußpc^scv, sondern 8ia<pBstp£iv das eigentliche Wort 
für Verführung ist, bßptZscv aber nur in Folge des vom Redner hier an- 
gestellten Vergleiches steht. — Auch das rt ipoüpsv ^ ri (prjaojiev Chers. 37 
giebt Cobet solchen Anstoss, dass er rj r/ (pijaopev tilgt (S. 465); des- 
gleichen entfernt er Cor. 13 xai 8ce^i^sc {i-payojSsc xai 8is^f]st)\ denn: 
tam acre verbum rpayojdeTv non fert iners et languidum diz^dvat sibi 
superimpositum (S. 476). Eben weil es ein acre verbum, ein harter Aus- 
druck, deswegen der mildernde Zusatz. Diese Kritik ist lange nicht be- 
hutsam und umsichtig genug, und möchte leicht mehr verwüsten als hei- 
len. Schon die ältesten Kritiker, vor Dionysios von Halikarnass, nahmen 
an den scheinbar müssigen Häufungen des Redners Anstoss (Dion. Dem. 
c. 58); hatten wirklich schon damals geschäftige Commentatoren ein dun- 
kles TipaTTscv mit ttocsTv glossirt? 

Doch führe ich in dieser Weise fort, so könnte es scheinen als 
verkennte ich das viele Gute, was uns doch in diesem Buche ge- 
boten wird. Ich führe an: Chers. 75 wg olöv r apiara, statt orjv re zh 
•apiara\ 37 die Streichung von sldxare xai {xai fehlt in S); Halonn. 17 
ToÜToig S' ima-suzv (Aug. 2) für dtsTicazzusv; Aristokr. 157 ä(pia^ai für 
dcpzTaBat, 186 xav cpökaxag; 218 avaipouv für ävaipu)V\ Tim. 48 xctd' 
oüzwg nach S für xac zu&' ouzojg; das. 85 änrj?,\a$£za: für anaXM^szac; 
93 Rechtfertigung der vulg. elg ixaazog gegen die Lesart in S und an- 
deren Handschriften ixaazog\ 97 Rechtfertigung der Lesart npoeunoptT- 
aBai gegen das gewöhnliche TipoasunopsTcr&ac , u. a. m.; denn eine voll- 
ständige Aufzählung der gelungenen Besserungen möchte sehr viel Raum 
erfordern. 

Manchmal lässt sich Cobet auch auf Fragen der höheren Kritik 
ein, jedoch meistens weder sehr eingehend, noch mit besonderem Glück. 
Sein Absprechen über den Brief Philipp's (S. 52 f.) hat wenig auf sich, 
da es nur mit subjectiven Gründen, als sei dies oder jenes im Munde 
Philipp's unpassend, gestützt wird; auch behauptet niemand, dass Phi- 
lipp der Concipient dieses Aktenstückes gewesen sei. Das Auifälligste 
aber ist, dass er die erste Rede gegen Aristogeiton dem Hypereides 
mit solcher Bestimmtheit zuweist, dass er den betreffenden Abschnitt 
(S. 559 ff.) überschreibt: '^Tnapzcdr^g xaz' 'Apcazoysczovog. Die Gründe 
dafür sind nicht sehr stark; dass der Eingang mit dem von Hypereides' 
Rede für Euxenippos Aehnlichkeit hat (vgl. auch § 2 xzxpiaBat zoozo 
Zü npäyiia rÄlat mit Hyp. c. Dem. XXVHI, 8 ff. ouzüjg xai zouzl zb 
Ttpäy/xa xexpczac), werden andere eher auf Nachahmung zurückführen. Bei 



d 



Demosthenes. 273 

der ausfübiiichen Widerlegung der Meinung, dass die Eede das Werk 
eines Sophisten, wird doch nur Dobree und dessen kurze Argumentation 
berücksichtigt. Da aber das Werk demosthenische Composition hat, so 
ist nur eins von zwei Dingen möglich : es ist von Demosthenes oder von 
einem Nachahmer desselben (ich mag nicht von Fälschung reden, da 
nichts auf eine betrügerische Absicht weist), also keinesfalls von Hypereides. 

54) R. Hercher, Zu griechischen Prosaikern. Im Hermes Bd. XI 

(1876) S. 223ff. 

Darin S. 225 f. Conjekturen zu Dem. XIX, 112 (Streichung von 
ouo'' eifBiyqar ivavrcov o'jokv) und II, 2ö (Streichung von -zwv aurwv 
npdqsujv). Referent kann nicht beistimmen; an letzterer Stelle wäre 
höchstens r.pd-eujv zu tilgen. 

55) H. Bosse, De asyndeto Demosthenico. Leipzig 1875. 
Dem Referenten nicht zugänglich gewesen. 

Demegorien. 

56) Demosthenes neun philippische Reden, für den Schulgebrauch 
erklärt von C. Rehdantz. Erstes Heft: I — III: Olynthische Reden. 
IV: Erste Rede gegen Philippos. Fünfte verbesserte Auflage. 
Leipzig (Teubner) 1877. VI, 173 S. 

Die vierte Auflage erschien 1873 (s. den Jahresbericht für 1873 
S. 283 f.). Auch diesmal ist der Umfang wieder gewachsen, von 158 auf 
173 S., in Folge der unablässigen Durcharbeitung des neu erscheinenden 
Materials seitens des Verfassers. Ganz neu hinzugekommen ist hier 
ein Anhang (S. 171—173), in welchem sich Rehdantz mit der modernen 
Kritik von Dobree und Cobet in launiger Weise auseinandersetzt und 
sodann ein kurzes Verzeichniss der Conjekturen der Genannten zu die- 
sen Reden liefert. 

57) Ausgewählte Reden des Demosthenes, erklärt von Anton 
Westermann. Erstes Bändchen: IV. Erste Rede gegen Philippos. 
I.— IIL Olynthische Reden. V. Rede vom Frieden. VL Zweite Rede 
gegen Philippos. VIII. Rede über den Chersonnes. IX. Dritte Rede 
gegen Philippos. Siebente Auflage von Emil Müller. Berlin (Weid- 
mann) 1875. IV, 438 S. 

Die Westermann'sche Ausgabe erscheint hier in einer wesentlich 
umgearbeiteten und erweiterten Gestalt. Schon die geschichtliche Ein- 
leitung, S. 1—124, ist vom Herausgeber grösstentheils neu geschrieben 
worden; er bezeichnet sie selbst (S. III) bezüglich mancher Theile als 
einen Auszug aus Schäfer, was eine solche Arbeit auch unter den Hän- 
den des Referenten jedenfalls geworden wäre. Westermann's Special- 
einleitungen zu den einzelnen Reden sind in die allgemeine Einleitung 

Jahresbericht für Alterthums-Wisseuschaft 1877. J, 2g 



274 Attische Redner. 

grösstcutheils mit aufgenommen; diese ersparte indess dem Verfasser 
niclit die Ausarbeitung neuer Vorbemerkungen, die in. den meisten Fäl- 
len ziemlich umfangreich sind. Sehr reichhaltig und vielfach neu ist auch 
der Commentar, und endlich sind am Schlüsse des Ganzen vier Anhänge 
hinzugekommen: I. die Theorikenfrage und der euböische Feldzug, S. 390 
bis 404; II. über das Lemma 'ArMxpcGcg in der zweiten Philipp. § 28 
und die Verlesung von Aktenstücken in der athenischen Volksversamm- 
lung, S. 405 — 411 ; III. die Achtserklärung gegen Arthmios von Zeleia, 
S. 412 — 424; IV. die Ueberlieferung der Reden des Demosthenes, S. 425 
bis 431. Endlich folgt noch eine mit geringen Abweichungen nach 
A. Schäfer gearbeitete Zeittafel. — Im ersten Anhange bekämpft der 
Verfasser die Weil'sche Datirung des euböischen Feldzuges (348) und 
die Meinung desselben Gelehrten, dass Eubulos' Gesetz, welches den 
Versuch die Theorika zu beseitigen mit Todesstrafe belegte, eine Er- 
dichtung Späterer sei. Müllei-'s Darlegung hat viel Beifall gefunden 
und sogar "Weil selbst wankend gemacht; Referent indessen glaubt, 
wie er dies in seinem Buche ausgesprochen, an den Weil'schen Datirun- 
gen entschieden festhalten zu müssen. — Der zweite Anhang erweist, 
dass Phil. II, 28 die Verlesung eines Antrages durch den Redner selbst 
anzunehmen ist, indem die Verlesung von Aktenstücken in der Volksver- 
sammlung keineswegs, gleichwie vor Gericht, durch den Schreiber ge- 
schab. Gleich Iretfiich und beifallswerth ist die dritte, gegen Spengel 
gerichtete Abhandlung, mit dem Nachweise, dass das azip.üg im Dekrete 
gegen Arthmios vom Redner vollkommen richtig erklärt wird. — Aus 
den Einleitungen hebe ich hervor: S. 165 tf. über die Zeitfolge der olyn- 
thischen Reden, deren gewöhnliche Ordnung der Verfasser gelten lässt, 
doch so, dass alle in das Jahr 349 fallen; S. 259 ff. über die bei der 
zweiten Philippika anwesende Gesandtschaft; S. 336 ff. über die doppelte 
Recensiön der dritten Philippika; Müller will überall, auch § 6f. und 46, 
die Zuthaten der Vulgata als spätere Interpolation ausscheiden. Die 
vermeintlichen Interpolationen bilden überhaupt einen Punkt, wo Referent 
mit der sonst so trefi'lichen Ausgabe nicht ganz einverstanden sein kann : 
auch Phil. III, 15 ecprjvr^v fxkv yup ujjiuJixüxzt , und tt. zlf). 21 vuvt yäp . . 
idöxsc aivuc werden als iuterpolirt in Klammern gesetzt. Wenn an er- 
sterer Stelle der krasse Verstoss gegen die allbekannte Wirklichkeit der 
Thatsaclien zur Anwendung eines kritischen Mittels zwingt, dann ist, 
scheint mir, u>p.uXuyrjXzt für w/xuj/xöxec zu schreiben, gemäss der häufigen 
Verwechselung dieser beiden Verba. Im Ganzen ist die Behandlung des 
Textes eine sehr besonnene gewesen; eigene Coujekturen hat der Verfasser 
ausser den beiden angeführten nur 3, 30 {otc tots jikv r.pdrrujv xal arpa- 
T£Üs.adat xrk.) und 8, 7l {r.acazat^s) aufgenommen. — Der Commentar 
ist sehr reichhaltig und gründlich, und als Ganzes verdient die Ausgabe 
auch neben der Rehdantz'schen , welche mehr auf das Rhetorische ein- 
geht, die wärmste Empfehlung. 



Demostheneä. 275 

58) A. Weidner, Deraosthenes' Staatsreden. Im Philologus XXXVII 
(1877) S. 246—268. 

Von Weidner's Untersuchungen über die demosthenischen Staatsreden 
liegt hier ein erstes Stück vor, die erste Philippika und die olynthischen Re- 
den betreffend. Der Zweck des Verfassers ist, die Berechtigung von Derao- 
sthenes' Politik zu untersuchen, durch genaue Analyse nicht nur der Reden, 
sondern fast aller einzelnen Gedanken undUrtheile des Redners, sowie durch 
die nach Conjectur erfolgende Reconstruction der Gedanken der Gegenpar- 
tei und der Pläne des Philipp. Letzteren denkt sich Weidner als einen Herr- 
scher, der für sein Vaterland natürlichere Grenzen und Lebensbedingun- 
gen zu gewinnen trachtete, und dem ein weiteres Uebergreifen über die 
Machtsphäre Makedoniens hinaus, d. h. Eroberungssucht, ganz fern lag. 
Mit dieser Voraussetzung ist freilich Deraosthenes' Politik gerichtet ; in- 
dessen steht zu fürchten, dass der Verfasser auch nicht Einen findet, 
der ihm das glaubt. Merkwürdig sind auch Weidner's historische Parallelen : 
die makedonische Armee vergleicht er mit der preussischen, Deraosthenes 
rait Gambetta! Dass gegen den Redner Worte wie »muth willige Ueber- 
hebung, Gewissenlosigkeit, demokratische Raserei« u. dergl. nicht gespart 
werden, kann hiernach Reicht weiter wundern. Und auf welchem Wege 
kommt Weidner zu dieser Auffassung? Indem er, wie W. Hartel sagt (De- 
raosthenische Studien S. 50), in der ersten Philippika kaum einen Ge- 
danken des Redners unentstellt und uuverdreht lässt. War nun etwa 
der thatsächliche Nachweis nöthig, dass man durch Verkehrung des Ein- 
zelnen auch die Gesammtauffassung verkehren könne? Ich denke, der 
Verfasser hätte sein Talent und seinen Scharfsinn erspriesslicher verwen- 
den können, und ein bischen Achtung vor grossen Männern steht 
auch dem wissenschaftlichen Forscher wohl an. 

Nicht zugekommen sind mir: 

59) C. Badham, Deraostheuis locus raale intellectus et depravatus. 
Mnemosyne, N. S. lil, S. 210-211. 

E. Kurz, Zu Lysias und Deraosthenes (3. Ol. § 7. 10. 12), in 
den Blättern f. d. bayer. Gymn., siehe oben No. 42. 

60) Ernst Albert Richter, Beiträge zur Kritik und Erklärung 
des Deraosthenes. Gyranasialprograram Altenburg 1877. 4. 31 S. 

Diese von einer Stelle der ersten Olynthischen Rede (§ 5) aus- 
gehende und auch weiterhin grossentheils diese Rede betreffende Abhand- 
lung unterliegt in der Hinsicht einem principiellen Bedenken, dass der 
Verfasser die von ihm aufgewiesenen Schwierigkeiten der Erklärung 
durch Streichung ganzer Sätze zu beseitigen für erlaubt hält. Rand- 
bemerkungen irgend welches Lesers sollen in den Text gerathen sein, 
und dabei, wie der Verfasser wird annehmen müssen, den umgebenden 

18» 



276 Attische Redner. 

demosthenischen Sätzen sich völlig assirailirt haben, falls sie nicht schon 
aus der Feder des Glossirenden in demosthenischer Form hervorgingen. 
So Ol. I, 5 der Satz 5-^/lov 7'a,o iarc — uTrods^aiisvoog, Cor. 48 rc 8' 
'ApccTTpaTog — drtsppcfxfxivoc , Chers. 40 TipooByjaio — änoXojXaatv ; ver- 
dächtig ist dem Verfasser in der zunächst behandelten Rede noch 
weit mehr. Es wäre keine so erheblich grössere Unwahrscheiulichkeit, 
wenn jemand behauptete, dass Randbemerkungen zu Sophokles oder 
Euripides in der Form von Trimetern und in poetischem Ausdruck in 
den Text gekommen wären. Oder meint man, dass zwischen demosthe- 
nischer Prosa und gewöhnlicher Prosa kein wesentlicher Unterschied 
wäre? — Der Anstoss, den der Verfasser an jenen drei Stellen nimmt, 
beruht in den daselbst angezogenen Thatsachen: er hält es für unwahr- 
scheinlich, dass Philipp seine Parteigänger, sobald sie für ihn unnütz 
geworden, habe verkommen lassen. Nachdem er die widerstrebenden 
Stellen beseitigt, führt er weiter von S. 18 ab noch aus, dass die erste 
olynthische Rede kein Hülfsgesuch der Olynthier zur Veranlassung gehabt 
habe; in ißorjBrjaajiev au-oc § 9 und rwv 7:payp.d~ajv ujicv ixecvcuv auzo?g 
dv-drjr.ziov iazt § 2 bedeute ahrot und auzoTg »von selbst« , »aus eige- 
ner Initiative«. Referent ist nicht überzeugt; wäre so die Situation und 
die Meinung des Redners, so müsste das ganz anders und unzweideutig 
hervortreten. 

61) H. Weil, Notes sur divers auteurs. In der Revue de Phi- 
lologie, de litterature et d'histoire anciennes N. S. I (1877) S. 267 
bis 268. Darin S. 267 f.: Demosthene, I. Philippique, chap. 36 — 37 
p. 50. 

Recht gute Coujectur, dass an der angeführten Stelle die Worte 
eh' dvzajißcßd^scv zwischen i/j.ßatvstv und zoug jj.szn:xüüg nmzustellen seien. 

62) A. Eberhard, Zu Demosthenes. Im Hermes, Bd. XU S. 519 
bis 520. 

In der Rede vom Frieden § 8 [oux^ inocy^aazo; § 16 ouSkv dv 
{äxr') Tjjxäg TMbelv rjyouiiat. Jene Einschiebung hebt nicht die Schwie- 
rigkeit; diese verdirbt einen richtigen Sinn; Eberhard hätte die Stelle 
von § 14 syd) jap an citiren müssen. 

63) Hieronymus Vitelli, In Hegesippi oratione de Halonneso 
codicum Florentinorura lectionis discrepantiam descripsit. In den Pubbli- 
cazioni del R. Istituto di studi superiori, Sezione di filosofia e filologia, 
Volume II, Dispensa 2^ Florenz 1876. 8. 12 S. 

Die hier ausgezogenen Handschriften sind: L, für andere Reden 
schon bekannt und geschätzt, L^ (Vocmel Cont. p. 248), aus dem der 
Verfasser S. 3 f. Lesarten zu Olynth. II mittheilt; L*^ (für die Rede VII 
aus dem XV. Jahrhundert); ferner L'"' L'' L« h'^ h^ Lp L *", sämmtlich 



Demosthenes. ' 277 

entweder von Voemel oHer von Schulz aufgeführt, Wcähreud L^ von ihnen 
nicht erwähnt wird. — Die CoIIation für Rede VII wird nach Rehdantz' 
dritter Auflage gegeben. L stimmt wie sonst mit S zusa mmen ; von den 
anderen Handschriften hat L^ manchmal die Lesart von SL, gleichwie 
dies auch in der zweiten Olynthischen Rede der Fall ist. 

64) Demosthenes' Werke. Griechisch und deutsch mit kritischen 
und erklärenden Anmerkungen. Dritter Theil. Die dritte Philippische 
Rede und Rede über die Cherronesische Frage. Zweite verbesserte 
Auflage. Leipzig. 136 S. 

Dem Referenten nicht zugegangen. 

65) Eraanuel Hoffmann, Zu Demosthenes' dritter Philippica. 
In den N. Jahrb. f. Philol. CXIH (1876) S. 475-476. 

Es wird vorgeschlagen, Phil. III, 5 xal napaSo^ov — ysviaßac ßeX- 
Tto) als unberechtigtes Einschiebsel aus Phil. I, 2 zu streichen. Indess 
würde nach Fortfall dieses Stückes zwischen dem Vorhergehenden und 
Nachfolgenden ein recht schlechter Anschluss sein (denn wv 8k müsste sich 
nun auf eäv u/xzTg rä diovza rMczTv ßouXrjöBz beziehen) und zweitens sieht 
man nicht, wesshalb der Interpolator, statt einfach abzuschreiben, so viel 
an der Stelle herumgefeilt haben sollte. 

66) Wilh. Nitsche, König Philipp's Brief an die Athener, und 
Hieronymos von Kardia. Programm des Sophiengymnasiums in Berlin 
1876. 33 S. 

Diese Schrift, an deren Schlüsse auf eine spätere Fortsetzung ver- 
wiesen wird, ist ihrem grössten Theile nach eine historische Quellenunter- 
suchung, und daher auch schon von C. Volquardsen in diesen Jahres- 
berichten 1876, Abth. III S. 404f. besprochen. Ausgangspunkt ist der unter 
Demosthenes' Werken erhaltene Brief Philipp's, dessen auch vom Refe- 
renten angenommene Echtheit der Verfasser durch die Bezugnahme darauf 
bei Diodor XVIII, 10, 1 zu erweisen sucht. Denn Diodor schreibt auch 
hier eine Quelle aus, und diese ist nach Nitsche's ausführlicher Unter- 
suchung nicht etwa Duris von Saraos, sondern Hieronymos von Kardia, 
also jemand, der ganz genau wissen konnte, was Philipp geschrieben. 

67) P. Kaplanides, Ilspi zTjq yv^aiozrjrog zrjg intaroXrjg ^tlimiou 
xai ZOO Tcphg auzrjv löyou zoo /li^noaBsvoug. Im "Ofir]pog IV, 1 S. 209 ff. 

Dem Referenten nicht zugekommen. 

Ich erwähne endlich: 

68) K. May hoff, sehr günstiges Referat über das Weil'sche Buch: 
äT^jioaBho'jQ al oriiirjopcac (s. den Jahresbericht über 1873 S. 281), 
in den N. Jahrb. f. class. Philol. Bd. CXIH (1876) S. 477-490. 



278 • Attische Redner. 

Gerichts reden. 

69) Ar]/xo<Tf^svouQ tu>v dtxavtxihv Xuyojv ol drjiioacot. Les plaidoyers 
politiques de Demosthene, texte grec publie d'apres les travaiix les 
plus receuts de la philologie, avec un commentaire critic et explicatif, 
une preface et des notices sur chaque discours, par Henri Weil. 
Premiere serie: Leptine-Midias-Ambassade-Couroime. Paris, Hachette 
et Cie- 1877. XI, 571 S. 

Es erscheint hiermit eine Fortsetzung des im Jahresberichte von 
1873 S. 281 ff. besprochenen Werkes; die Einrichtung ist hier bei den 
Gerichtsreden dieselbe wie dort bei den "Volksreden. Die durchgängige 
Vortrefflichkeit und eminente Brauchbarkeit der Ausgabe braucht nach 
der Anerkennung, die der frühere Band überall gefunden, nicht weiter 
hervorgehoben zu werden. — Der Verfasser hat für die von Voemel 
nicht besonders herausgegebene Midiana eine neue Collation von S ver- 
anstalten lassen, durch Ch. Graux und L. Duchesne, welche jeder für 
sich lasen und dann mit einander verglichen, so dass hier wohl der 
äusserste Grad von Zuverlässigkeit einer Collation erreicht ist. Weil 
theilt nicht alles mit, aber doch, wie er selbst sagt, nicht nur genug, 
sondern noch etwas darüber. Somit ist der kritische Apparat zu dieser 
Rede wesentlich bereichert, namentlich auch, indem die verschiedenen 
Hände von Correktoren gehörig geschieden sind. Interessant ist die bei 
Midias § 67 gemachte Beobachtung, dass von den beiden ältesten Dior- 
thoten, von denen der eine nur hier und da, der andere mehr durch- 
gängig corrigirt hat, jener der Zeit nach vorangeht: er hat nämlich dort 
^wfjcg tuv in ^oprjybg u>v corrigirt, wofür der andere Correktor das rich- 
tige x^ufj}g wv am Rande wieder herstellte. — Weil's eigenes kritisches 
Verfahren ist bekanntlich weder übermässig conservativ noch übermässig 
kühn, und ferner gegenüber der Autorität der besten Handschrift weder 
gänzlich gebunden noch allzu frei; Referent kann im Princip nur seine 
völlige Beistimmung aussprechen. Mit Cobet's neuestem Werke setzt 
sich Weil in der Preface S. IV- XI auseinander, theils zustimmend, theils 
ablehnend. — Als Probe der Textesbehandlung gebe ich einiges aus der 
Leptinea. § 1 8cxacov [ikv ohohv ipsT r.epl auzou] so auch Weil, während 
nach Hermogenes S. 341 Sp. das rrspl aurod getilgt werden muss. — 
§ 7 xa-ap.sp^6pev6v rcvag im zoXg hrji.pynöaaig Swpzcug Weil mit der 
Vulgata , X. zoug Itu. zaig xzk. Voemel mit S pr. L pr. und anderen 
Handschriften. Weil vermuthet aber, dass vor den folgenden Worten 
rohg ypr^atpoog (ivzag tujv ztptov änoazzpslv ein xat zu Xoitmv einzuschie- 
ben sei. Ich meine, dass zohg im zeug h. 8. einen guten Sinn giebt: 
die Bürger, wie sie jetzt bei den bestehenden Ehrengaben sind; L. 
bessert sie nicht durch seine Massregel, sondern macht sie noch schlech- 
ter. Tcvag im kann wegen der Häufung von Kürzen nicht richtig sein: 
ein Princip, welches Weil als richtig anerkannt hat (Rev. crit. 1876 



Demosthenes. 279 

S. 144), aber ohne davon für die Kritik recht Gebranch zn machen. 
Sogar in seinen Conjecturen achtet er nicht immer darauf (§ 59 möchte 
er für }{(xl zyjv Aaxs()a'jxovcu}v setzen zijv ze Aaxeoatjiovüuv), und ebenso- 
wenig wo zwischen verschiedenen Lesarten die Wahl ist: § 80 ist kn-o.- 
xaßexa /lev nuXstc aus diesem Grunde nöthig, übrigens aber auch sonst 
schon besser als das von SL gebotene, von Voemel und Weil aufgenom- 
mene inraxacdsxo. r^oXstg. (Zu § 7 erwähnt Weil in der preface S. IV beifäl- 
lig Cobet's Conjectur xa-ajj.. oXtyoug rtväg, bei welcher sogar ein zwiefacher 
rhythmischer Anstoss besteht). — § 21 setzt er nach eigener Conjectur 
rJiZioog rj r.svT^ iy s^ für ttevt'' ^ i$. — § 47 ojg dva^ccuv] ujg ävd^t' uvr ver- 
muthet Weil. Dieser Accusativ fügt sich aber nicht in die Construktion. 
— 53 ßta zujv r.oXXMv] »peut-etre ßia ruJv TroXtruiv«. Nicht übel. — 
§ 57 roy-o o' ou ^ivs: xa> Bo^jj Y8ot ng aV, dX^ £py(p] so auch Weil, 
unter Anführung der Lesart von L und den alten Ausgaben : Sü$rj xptvo- 
fisvov (Druckfehler bei Weil xpcvö/xevot) YSoc. Die Vulgata enthält einen 
unerträglichen Hiat, die Lesart von L einen rhythmischen Fehler; ich 
denke aber, es steckt in letzterer die richtige Lesart xpcvoi/xev äv. — 
§ 91 xatvoug 8' oux izcBzaav {six^) nach eigener Conjectur, ebenso 96 
{xa}) oc'xacov. Ich kann letzterer Einschiebung weniger zustimmen als 
der ersteren, obwohl mir auch diese problematisch ist. Jcxacov betrachte 
ich als Apposition, xal aacfkg als zu xaXuv gehörig. — § 116 /^uy 'oöxsi 
für fx^ BoxsT, wohl richtig. — 126 oixacov u/iäg d(pzXia^ai\ Weil möchte 
uiiäg entfernen, was aber des Rhythmus wegen nicht angeht. — 161 
scheint mir die überlieferte Lesart: wc?' kvbg jpamxaziojg, ug bnrjpizi^g 
rjv^ u)g (paai, zupavvrjazaHat, durch Weil's Conjectur afiaiv für log (p. nicht 
wesentlich gebessert; man wird mit Reiske og bzrjpizrjg tjv streichen 
müssen. — Endlich 166 a>g oux eazi dcxata mit Einschiebung der Ne- 
gation, recht gut. 

Was die Einleitungen (Notice) vor den einzelnen Reden betrifft, 
so ist es mir sehr angenehm, die vielfältige Uebercinstimmung mit mei- 
nen etwa gleichzeitig veröffentlichten Untersuchungen constatiren zu 
können. Zwar bei der Leptinea wiederholt Weil, wenn auch mit einiger 
Reserve, die gewöhnliche Meinung, dass das Gesetz des Leptines ver- 
worfen worden sei. Ich stelle bei dieser Gelegenheit, zur Erhärtung 
des Gegentheils, die Inschriften zusammen, nach welchen im Laufe des 
vierten Jahrhunderts Atelie ertheilt worden ist: C. I. A. II, 42 (vor 376). 
54 (363/2). 90 (um 356/5). 128. 144 (nach Köhler wahrscheinlich zwischen 
Ol. 106 und 111, 356 und 336). Also kein Beispiel später als das Jahr 
dieses Prozesses, 106, 2, 355/4. — Bezüglich der Midiana folgt Weil in 
der Einleitung S. 93 der Annahme, dass eine Ypa<prj üßpecug vorliege; 
indess zu §§ 25. 28 entwickelt er die gleiche Ansicht wie Referent. 
Trefflich ist seine Analyse dieser Rede, sowie seine Erörterung über 
die Echtheit der darin enthaltenen Aktenstücke. — Die Rede von der 
Gesandtschaft hält auch Weil, gleichwie der Referent, für genügend ausge- 



280 Attische Redner. 

arbeitet imd in der vom Redner ihr gegebenen Gestalt überliefert; er 
widersetzt sieb allen den vielfachen Versuchen, durch Umstellungen oder 
Ausscheidungen eine angeblich bessere Ordnung herbeizuführen. — In 
der Einleitung zur Kranzrede ist höchst vortrefflich die Ausführung, wess- ' 
,halb Demosthenes seine Vertheidigung so eingerichtet hat und wesshalb 
er das Eine erörtert, das Andere übergeht (S. 392-400); gegen die 
Kirchhoff'sche Hypothese hat er sich anderswo ausführlicher ausgesprochen 
(unten No. 73). 

Vo) H. van Herwerden, Ad Demosthenem. Im Hermes, Bd. XII 
S. 478-485. 

Der kleine Aufsatz knüpft sich an die Weirsche, vom Verfasser 
ausserordentlich gelobte Ausgabe, und giebt eine Nachlese zu den in der- 
selben enthaltenen Reden. Voran eine Conjectur zum zweiten Argument der 
Leptinea; dann weniges zu dieser Rede selbst; etwas mehr zur Midiana 
(vgl. No. 47 des Jahresberichtes 1874—75, Abth. I, S. 488); am reichlich- 
sten sind die Reden XIX und XVIII bedacht. Recht gut ist XIX, 93 roug 
Gnttaojxivovg [rTjv ecprjvrjv] und gleich darauf nochmals roug aTzstaojxivoug für 
7:ot7](TOfisvoug ; ebenso Cor. 178 die Streichung von rMpatvw, wodurch ein 
rhythmischer Fehler beseitigt wird; hierauf führt auch die verschiedene 
Stellung des Wortes in den Handschriften. Ferner ist sehr beachtens- 
werth Cor. 227 ävravaifJsBwJiv für xa^apal cbacv oder xadaipujaiv. Cor. 182 
emendirt Herwerden arglos Worte des gefälschten Psephisma als demo- 
sthenisch. 

71) Demosthenis de Corona oratio. In usum scholarum edidit 
lustus Hermannus Lipsius. Leipzig (Teubner) 1876. 121 S. 

Die Ausgabe soll für Vorlesungen dienen und ist für diesen Zweck 
ausserordentlich praktisch eingerichtet. Zunächst unter dem Text steht 
eine möglichst knapp gefasste adnotatio critica, die folgendes enthält: 
die Lesarten von S (nach Voemel), von L (nach Rehdantz), dann die der 
drei Münchener Handschriften A^ A^ B, von denen die beiden letzten 
von Lipsius selbst neu verglichen sind, ausserdem die Vulgata und wenn 
etwas sonst aus einer Handschrift erwähn enswerth oder mehreren Hand- 
schriften gemeinsam ist, jedoch dies letztere ohne nähere Bezeichnung; 
hierzu kommen die Lesarten in den Citaten der Alten, die Schreibungen 
in den kritisch wichtigeren neueren Ausgaben und die Conjecturen. Ab- 
solute Vollständigkeit, namentlich betreffs der Lesarten auch der ange- 
führten Handschriften, war weder beabsichtigt, noch ist sie bei einer sol- 
chen Ausgabe zu fordern; eine Anzahl Nachträge und Berichtigungen 
werden im Epilogus S. 119 ff. geliefert. — Unter der adnotatio critica 
stehen die einschlägigen Stellen der Rede des Aischines. — Als Ein- 
leitung ist dem Ganzen die Ciceronische (aus de optimo genere oratorum) 
voraufgeschickt. - Das kritische Verfahren des Herausgebers wird von 



» 



Demosthenes. 281 

ähnlichen Grundsätzen, wie sie anch Weil hat, geleitet; Referent stimmt 
im Allgemeinen zu, nur dass auch Lipsius auf die Compositionsgesetze 
des Demosthenes keine genügende Rücksicht nimmt. So darf man § 51 
(pilov zwischen 'A^e$dv8pou und ehzotiit nicht entfernen, weil dadurch ein 
fehlerhafter Hiatus entsteht; leider hat es Weil nicht anders gemacht. 
Eigene Vermuthungen des Herausgebers finde ich wenige; dass er ro 
ruv ^thrniov iäv ao^dveadai § 161 in Klammern setzt, kann ich nicht 
billigen. 

72) A. Kirchhoff, lieber die Redaction der demosthenischen 
Kranzrede. In den Abhandlungen der Akademie der Wissenschaften 
zu Berlin 1875. S. 59—99. 

73) Henri Weil, De la redaction et de l'unite du discours de la 
Couronne. Memoire lu ä l'Academie des inscriptions et belies lettres, 
1876, erschienen im Annuaire de Tassociation pour l'encouragement 
des etudes grecques en France, X^ annee 1876. S. 170 -184. 

Referent hat über Kirchhoff's kühne Hypothese, dass die Kranz- 
rede ihre Einheit erst einem späteren Redaktor verdanke, der zwei von \ 
Demosthenes hinterlassene , einander gegenüber selbstständige Entwürfe 
unberufener Weise zusammengefügt, seine Ansicht schon Att. Ber. HI, 1 i 
S. 375 f. auseinandergesetzt, und freut sich, wesentlich dasselbe nun auch 
bei Weil zu lesen. A. Hug in seiner Recension der Kirchhoff'sclien Ab- 
handlung (Jen. Lit.-Zeit. 1876 S. 619 ff.) hat nach der Ueberzeugung des 
Referenten dem Verfasser viel zu viel zugegeben; denn Kirchhoff's Inter- 
pretation von § 110, auf der sein ganzes Gebäude ruht, empfiehlt sich 
nicht etwa als einfacher gegenüber der gewöhnlichen Auslegung, sondern 
sie ist geradezu unrichtig. Das Werth volle an Kirchhott's Arbeit, wie ; 
auch Weil anerkennt, sind die Untersuchungen über die nachträglichen i 
Erweiterungen, welche Demosthenes' Entwurf späterhin, nach gehörter | 
Anklagerede des A., erfahren; gleichwohl zeigt Weil, dass solche Erwei- 
terungen sich nicht bloss in dem Theile der Rede finden, den Kirchhoff 
als den ursprünglichen Entwurf ansieht, sondern auch nachher, wie § 150. 
Es ist sehr zu bedauern, dass Kirchhoff selbst, von seiner Hypothese ge- 
fesselt, dies nicht weiter verfolgt hat; es hätten sich dann wahrscheinlich 
noch mehr Ergebnisse gefunden. 

74) H. Weil, L'fipitaphe des Atheniens morts ä Cheronee (Me- 
moire lu ä l'Academie des Inscriptions et helles lettres 1876). In der 
Revue de philologie I (1877) S. 25—34. 

75) Girolamo Vitelli, Miscellanea. (Estratto delle publicazioni 
del R. Istituto di studi superiori in Firenze, Sezione de Filosofia e 
Filologia. Vol. IL Firenze 1877). Darin S. 12 -16 Epigr. ap. Demosth. 
de Cor. § 289. 



282 Attische Redner. 

Vergl. die Abhandlung von L. Spengel über dasselbe Epigramm, 
Jahresbericht 1874/75, Abth. I, No. 39 S. 486 f. Weil ist mit Spengel darin 
einig, dass nicht das in der A. P. YII, 245 erhaltene Epigramm das von 
Demosthenes verlesene sein könne; was aber das vorliegende betrifft, so 
sucht Spengel die Schwierigkeiten desselben durch Erklärung, Weil durch 
Emendation zu beseitigen, und diese Emeudationen werden von Vitelli 
kritisirt. Wohl zweifellos richtig (wie auch Vitelli urtheilt) ist die Her- 
stellung des ersten Verses: o?os Trarpag fxkv kxäg acpszifjag statt iv£xa 
G<ptT.\ etwas minder sicher die des dritten: jxapvdixzvot 8' äpsojg xal 
decfiarog obx iodaxrav (l'oydg {= ix zoü rMXiiiou), die Vitelli ebenfalls 
billigt. V. 5 öjyib abyiwx oovzeg Weil, Vitelli vertheidigt Z'jyov ah^ivt 
Mvxtg = ivTcf^iv-ag ahy^iva Q)yCp (Eur. Hec. 376), was freilich doch ver- 
schieden. Am zweifelhaftesten ist was Weil im letzten Distichon ver- 
sucht: jxr^okv apaprsTv iarc thwv xal Tidvza xazop&oüv alypi^TTjv pdtpav 
^ ouTc ^oyujv irMpev (d. h. indem er nicht floh, hat er, der Krieger, 
seinen Theil beigetragen); dagegen erhebt Vitelli gegründete Bedenken, 
und sucht vielmehr in dem iv ßtoxfj Bouozfj-. Bouozfj yfj xrjp' ouzi ^oyeTv 
BTiopov (sc. ol Beo!, B. yiiüY iv yfj). So geht es freilich auch noch nicht; 
mau wird weiter suchen müssen. 

76) Johannes Jac. Wortmann, De decretis in Demosthenis 
Aeschinea exstantibus Atticis libelloque Aeschinis. Inauguraldisserta- 
tion von Marburg 1877. 65 S. 

Das Verdienst dieser ausserordentlich fleissigen Dissertation be- 
steht nicht sowohl in dem Nachweise der Unechtheit der fraglichen 
Aktenstücke — denn die stand auch vorher schon fest — als darin, 
dass gezeigt wird wie ihre Ausdrucksweise da, wo sie von dem attischen 
Stile des vierten Jahrhunderts abweicht, insgemein mit dem Stile der 
asianischen Inschriften der folgenden Jahrhunderte aufs Auffälligste zu- 
sammentriff't. Die Dekrete der Byzantier und Chersonesiten, deren Echt- 
heit Weil für möglich hält, kommen gemäss der Fassung des Themas 
nicht zur Behandlung, ebenso eine Anzahl anderer, übrigens zweifellos 
unechter Aktenstücke. Wortmanu schreibt die Abfassung der gefälschten 
Dekrete einem asianischen Rhetor um 100 v. Chr. zu. — Thesen: I Dem. 
Cor. 290 dxoüecg AtaycWj ujg zu pr^oev xzk. — Das. 307 Asyeiv — inl 
zoOzüjv zu streichen. 

Ich erwähne kurz: 

77) Demosthenes' Rede für die Krone, übersetzt von Friedrich 
Jacobs, mit Einleitung, berichtigter Uebertragung und Erläuterung. 
Neu herausgegeben von Dr. Max Oberbreyer. Leipzig b. Reclam 
(Universal-Bibliothek 914). 138 S. 

Nicht zugekommen ist mir: 

78) Demosthenes Oration on the Crown. Translated by Sir Ro- 
bert Collier. London 1875. 



Demosthenes. 283 

79) Paul Foucart, Sur rauthenticite de la loi d'fivegoros citee 
daus la Midienne. In der Revue de philologie, de litterature et d'hi- 
stoire anciennes, N. S. I (1877) S. 168 — 181. 

Das Gesetz des Euegoros über die Sicherheit jegliches Eigenthums 
während der Festzeiten, eingelegt bei Dem. Mid. 10, ist von Wester- 
mann früher geprüft und als Fiilschung verworfen worden; Foucart unter- 
nimmt in gegenwärtiger musterhafter Abhandlung, der Referent weder 
im Grossen noch im Kleinen je zu widersprechen weiss, eine Revision 
dieses Urtheils, die zu dem entgegengesetzten Resultate führt. Die Be- 
weismittel werden grösstentheils von den Inschriften geliefert. Zu emen- 
diren hat der Verfasser nichts als Atowaio (tä) ev Ihcpacs? und nach- 
her xal 6 xöjjxog {xa\ o dyaiv) xai ol xujixwool xzk.\ von besonderem 
Interesse ist die Erklärung, welche von dem Ausdrucke xal ol nat- 
osg xal u xw/xog mit Hülfe namentlich einer Stelle des Alkiphron ge- 
geben wird. 

80) Ch. Giraud, Le droit grec et les plaidoyers civils de De- 
mosthene. In der Revue de legislation ancienne et moderne. Paris 
nov.-dec. 1875. 

Dem Referenten leider nicht zugegangen; ebensowenig: 

81) F. A. Paley and J, E. Sandys, Select. private orations of 
Demosthenes, with introductions and English notes, Part. II. 

82) H. Bu ermann, Demosthenes' Vormundschaftsrechnung. In 
den N. Jahrb. f. class. Philol. CXI (1875) S. 801-834. 

Im ersten Theile dieses Aufsatzes wird die mehrfach versuchte Re- 
construktion der demostheuischen Vormundschaftsrechunng (zuletzt R. För- 
ster in derselben Zeitschrift 1874 S. 345, s. den Jahresbericht 1874—75, 
Abth. I, No. 49 S. 489) von neuem in Angriff genommen. Sprachlich unmög- 
lich ist Buermann's Vermuthung, dass das Satzglied § 9 zoug ö' o')x ikir-o- 
vog t) zptwv [xvüiv d$coug, hinter x'kivor.oiobg 8' sl'xoirc zov dptßpjjv umzu- 
stellen sei; es ist doch augenfällig, dass zobg ok dann fallen müsste, und 
eine Bezeichnung für unser »je« einzuschieben wäre. Er ereifert sich 
weiterhin (S. 806 f.) ganz unuöthig über die in ttUov ^ zpnrXdata § 59 
liegende starke Uebertreibung, worin er »Ungeheuerlichkeit, Rabulistik« 
u. s. w. erblickt (vgl. übrigens unten No. 84); um sodann in dem Satze 
§ 60 ähnliche Täuschungsversuche nachzuweisen, giebt er den Sinn 
der Worte: rjyv 5' äXhiv ohaiav ivzpyhv Tiotrjao.atv , ouaav zo.(}Z7jg 
^mXaauvj , . . zov olxov ix zcov TToocröScdv jielZoj TMtr^aru^ so wieder 
(S. 807): »den Ertrag der beiden andern Drittel aber {ouaav zabz^g 
BmXaatav)^ d. h. also 100 Minen hätten sie erübrigen imd zum Capital 
schlagen können«. — Falsch ist die Erklärung von § 34 zd t' dvrjXco- 
fiiva yu)plg zoüzwv rJ.acuj zt&Z!g »indem ich darüber hinaus {zouzojv nXetui) 
was ein jeder der Vormünder besonders {Xojplg) aufgewandt hat in Rech- 



284 Attische Redner, 

uiuig bringe«, und die zu diesem Zwecke gemachte Aenderung in 36 
rauTa nXzuo eljti zsßscxcug statt toutujv; toö-wv tzL heisst doch klärlich 
»mehr als sie, die Vormünder«, und an ersterer Stelle ist /^coplg n&aig 
»besonders rechnend« zu verbinden (so G. H, Schäfer). Auch darin kann 
ich dem Verfasser nicht beistimmen, dass er die drei Vormünder das 
Vermögen nicht gemeinsam, sondern in Ablösung nach einander verwal- 
ten lässt; die Beweise dafür reichen nicht entfernt zu, und die Streichung 
der Worte xal -ä oüo zdXavTa ru) /lrj/jLO(pa)VTc § 43 ist entschieden abzu- 
weisen. Es kommen § 41. 42 nicht Zeugnisse von Vormündern zur Ver- 
lesung, wie Buermann meint, sondern Zeugnisse von Ohrenzeugen der 
Aussagen des Therippides und Aphobos; mit Recht hat Förster a. a. 0. 
§ 41 die Aufnahme von wv ivavrcov dTiexpcvavro (statt 6jq an.) aus den 
Handschriften A r gefordert. — Nicht glücklicher ist die Conjectur zu 
§ 35, dg x^ijplg für ^(up\g wv. — Es folgt von S. 281 ab der Beweis 
für das napdoozov, dass Demosthenes mit seiner Forderung keineswegs 
im besten Rechte gewesen, sondern im Gegentheil von Rechtswegen so 
gut wie nichts zu fordern gehabt habe. Zunächst habe Demosthenes 
mehr zurück empfangen, als er angebe; Aphobos habe sich nach § 50 
vor dem Schiedsrichter zu dem Nachweise erboten {r.pouxakzcTo) ., dass 
das überlieferte Vermögen 10 Talente betrage, und Demosthenes, indem 
er diese Forderung abgelehnt, habe damit die Richtigkeit der gegneri- 
schen Behauptung anerkannt. Demosthenes lehnte aber den Nachweis 
nicht ab: § 51 xsXsüovzog o' i.jxou nphg ~w ocaczrjzrjV incoscxwvac raura. 
Ferner: »Aphobos brachte seinerseits einen Zeugen für seine Behauptung 
bei (§ 51); Demosthenes belangte ihn nicht ipsuoojxafjzup'Mv; das beweist 
dasselbe wie die Ablehnung der r.pöxhiaign. Sollte Demosthenes diese 
Klage etwa vor dem Prozess erheben? oder nach gewonnenem Prozess? 
woher 'weiss Buermann schliesslich, dass Demosthenes letzteres nicht ge- 
than? wiewohl ja im Allgemeinen nicht die Sieger sich in solchen Kla- 
gen ergingen, sondern die Verlierenden. — Bei der weiteren Einzelprü- 
fung von Demosthenes' Aufrechnungen und Forderungen werden die vor- 
hin angeführten Conjecturen und Vermuthuugen verwerthet ; insbesondere 
die Vermuthung, dass die Vormünder nach einander verwaltet, bildet 
eine wesentliche Grundlage. Neue Missverständnisse kommen hinzu: 
§ 49 wird (S. 828) so aufgefasst, als ob XP^^*- nicht dastände, und ebend. : 
out' au TÖv dpcBpuv zaiv jjfjOjy/xarcwv scg zohg auvsTTtzpönoug inavd^spsv 
oaov auzog (patvzzai Xaßw'> wird (S. 829) übersetzt: Aphobos habe nicht 
soviel als ausgegeben verrechnet (statt »den Mitvormündern zur Last ge- 
legt«), wie er selbst empfangen habe. Insgesammt aber lässt sich dies 
Herrn Buermann entgegenstellen: hätte die Sache so gelegen wie er an- 
nimmt und vermuthet, so würde weder der Diätet noch das Gericht den 
Aphobos verurtheilt, am wenigsten ihn zu dieser hohen Summe verurtheilt 
haben. Letztere Thatsache weiss allerdings der Verfasser in einer spä- 
teren Abhandlung mit überraschender Kühnheit zu elimiuiren, s. No. 84. 



Demosthenes. 285 

Die andere Unwahrscheinlichkeit , dass Demostlienes, dessen Charakter 
wir doch kenneu, seinen Eintritt in's öii'entliche Leben mit einer solchen 
infamen Schurkerei bezeichnet hcätte, berühre ich nicht einmal. Von der 
Unbilligkeit aber, die sich durchweg in Geist und Ton der hier gegebe- 
nen Darlegung ausspricht, kann sich Herr Buermann so am besten über- 
zeugen, wenn er sich fragt was er wohl sagen würde, wenn man die ihm 
selber nachgewiesenen handgreiflichen Unrichtigkeiten iu seinem eigenen 
Stile bezeichnen wollte. Seitens des Referenten ist er freilich davor 
sicher. Vielmehr erkenne ich an, dass zur Aufhellung des Vormund- 
schaftshandels einige schätzbare Beiträge geliefert sind, deren einen ich 
auch schon in meiner Attischen Beredsamkeit III, 1 S. 200, 6 verwer- 
thet habe. 

83) Siegfried Schaffner, De tertia adversus Aphobum oratione 
vulgo Demosthenis uomini addicta. Inauguraldissertation. Leipzig 
1876. 45 S. 

84) H. Buermann, Die Unechtheit der dritten, angeblich demosthe- 
nischen Rede wider Aphobos. In den N. Jahrb. für class. Philologie 
CXV (1877) S. 585 -612. 

Beide Abhandlungen kommen zu dem gleichen Ziele, wenn auch 
auf etwas verschiedenen Wegen; denn Buermann, der die Schaffner'sche 
Dissertation mit vor Augen hat, kritisirt ihre Argumente und die der 
Früheren sehr eingehend, und scheidet eine grosse Anzahl als verkehrt 
oder doch nicht hinreichend beweiskräftig aus. Mit Recht. Denn wie- 
wohl der Dissertation das Lob des Fleisses und der Sorgfalt nicht vor- 
enthalten werden kann, so enthält sie doch keine vorurtheilsfreie Unter- 
suchung, sondern es gilt, für ein längst gefälltes Urtheil die Beweise zu 
mehren und zu stärken; davon ist die uothwendige Folge, dass der Ver- 
fasser Schwierigkeiten findet wo keine sind, und nicht versteht, weil er 
von vornherein nicht glaubt durch weiteres Nachdenlfen und Suchen ver- 
stehen zu können. Aber überhaupt scheint mir diese ganze Methode, die 
Schwierigkeiten, von denen einige unleugbar vorliegen, nicht zu lösen, 
sondern durch Beseitigung des gesammten leidenden Objektes loszuwerden, 
eine bedenkliche Aehnlichkeit mit der ärztlichen Methode des Dr. Eisen- 
bart zu haben. Wenigstens für rationell und wissenschaftlich kann ich 
das von Westermann eingeleitete und wie sich zeigt immer noch befolgte 
Verfahren nicht halten: man sieht nicht, dass man statt der Schwierig- 
keit eine Unmöglichkeit sich schafft; denn es ist nicht möglich, dass ein 
späterer Rhetor die Fähigkeit und die Lust gehabt hätte, einen so ver- 
zwickten Rechtsfall aus freier Phantasie zu schaffen, oder gar, was Buer- 
mann meint (S. 599 f.), die Vormundschaftsrechnung der ersten Reden 
nachzuprüfen und Conjekturen über latente Posten zu machen. Wenn 
man bei Untersuchungen der Art es für erlaubt hält, den Rhetoren un- 
begräuzte Fähigkeiten, Gründlichkeit, Furcht vor späterer Entdeckung 



286 Attische Redner. 

ihres Truges und dergleichen beizulegen, so ist das keine Wissenschaft, 
sondern das Gegentheil, nämlich Aberglaube. Referent hat seine Ansicht 
über die fragliche Rede, deren Echtheit ihm nach wie vor eine jedem 
Zweifel entrückte Thatsache ist, schon in seiner Att. Beredsamkeit III, 1 
S. 205 — 211 entwickelt, und hat nur noch einige Worte gegen Buermann 
zu sagen. Dieser nämlich, da er seiner These selber so viele Stützen 
nimmt, bemüht sich natürlich neue zu schaffen, und darunter ist ein Be- 
weis, der zugleich seinem früheren Angriff auf Demosthenes (oben nr. 82) 
die Krone aufsetzt. Er behauptet nämlich, Aphobos sei gar nicht zu 
10 Tal. Busse verurtheilt, wie in der Rede für Phanos steht, sondern 
schon nach Onet. II, 7 höchstens zu dreien, nehme man aber hinzu, dass 
die Richter nur zwischen zcp-r^fia und dwcrc/ii^iia • die Wahl hatten, so 
ergebe sich ein Talent als Busse, was auch aus Onet. I, 32 und II, 11 
hervorgehe. Es geht aber das Gegentheil daraus hervor: I 32 iycyvsT 
iyyu7]Trjg, d. h. er wollte Bürge werden, nicht »er wurde Bürge« für das 
Tc/xrjixa von einem Talent; dass jenes der Sinn, beweist der Zusammenhang 
so klar wie möglich. An der erstangeführten Stelle aber (II, 7: r/ iya> 
8oxa> ßkdnxecv roüzov, oux dnocrzspsTa&at) geht toütov nicht auf Aphobos, 
der weit entfernt zu Anfang des Paragraphen genannt ist, sondern auf 
Onetor : »damit es aussehe als wolle ich ihn mit meiner Forderung der 
Abtretung schädigen (während er mir doch soviel zugesteht), nicht aber 
er mir das Meine vorenthalten« (wie dTioa-epEtv § 6 Anfang von Onetor 
gebraucht ist). Immer geht in dieser Rede outuq auf Onetor, von Apho- 
bos wird auTÜg oder exzlvog gebraucht. Die Härte aber, die in dem Her- 
ausfallen aus der Apostroi)he liegt (zoüzov statt as) ist in diesen Reden 
nicht so anstössig; ähnlich haben § 13 A F r und y p ^ zoüzou für aoü. — 
Was die andern neuen Argumente gegen die Rede für Phanos betrifft, 
so ist das aus § 27 gezogene vollständig nichtig (was zwingt den Ver- 
fasser, das ou]() r.postdozEQ auf die Zeit bis zur gegenwärtigen Verhand- 
lung zu beziehen?), und um ein weiteres aus § 60 zu gewinnen, wird 
Aph. I, 58 auf einmal ganz anders als in der früheren Abhandlung inter- 
pretirt, so dass der dort von Demosthenes gemachte Schluss, früher als 
»Ungeheuerlichkeit« bezeichnet, jetzt »formell correkt« genannt wird. 
HzpenzT] OS ylüjaa iozl ßpozwv, nuMeg 5' evc püß^oc. 

85) Gotthold Krüger, De oratione exceptoria quam ferunt con- 
tra Pantaenetum scripsisse Demosthenem. Inauguraldissertation von 
Halle 1876. 28 S. 

Die Dissertation ist nicht bedeutend; für die behauptete Unechtheit 
der Rede werden nur äusserst wenige und schwache Argumente beige- 
bracht. Gänzlich haltlos ist die beiläufig versuchte Zeitbestimmung für 
die Rede rcpog Naucrcp.a^ov. 



Demosthenes, 287 

86) W. Rohrmann, Oratio quae est contra Macartatum num De- 
mostheuis esse iudicanda sit. Inauguraldissertation von Göttingen 
1875. 59 S. 

Der hier für die Unechtheit der fraglichen Rede gelieferte Beweis 
zerfällt in zwei Theile: zunächst wird nämlich das Werk mit Rücksicht 
auf den Inhalt Stück für Stück durchgenommen, alsdann (von S. 35 ab) 
wiederum Paragraph für Paragraph mit Rücksicht auf die Form.. Die 
Behandlung des Verfassers ist allzu breit; er würde Werthvolleres ge- 
geben haben, wenn er einen Theil des Raumes den sich bietenden schwie- 
rigeren Fragen, wie den nach dem gesetzlichen Erbrecht des Eubulides III 
und des Theopompos, oder der Zeitbestimmung der Rede und dergleichen 
zugewandt hätte. Oder, wenn dies nicht in sein Thema fiel, so war doch 
die von Schäfer mit Erfolg begonnene Untersuchung, ob noch andere 
pseudodemosthenische Reden den gleichen Verfasser wie diese haben, 
.sowohl naheliegend als vielversprechend. Statt dessen wird . sogar die 
Rede gegen Olympiodoros, auf welche Schäfer zunächst hingewiesen, in 
dieser Abhandlung niemals auch nur erwähnt. 

87) Konrad Seeliger, Das Erbschaftsgesetz in Demosthenes' Ma- 
kartatea §. 51. Im Rhein. Mus. f. Phil. XXXI. (1876) S. 176 — 182. 

88) H. Bu ermann, Das attische Intestaterbfolgegesetz. Daselbst 
XXXII. (1877) S. 354-385. 

In dem hier geführten Streite um die Echtheit des in die Makar- 
tatea eingelegten Erbschaftsgesetzes muss sich Referent entschieden auf 
die Seite Buermanu's stellen, der mit grosser Sorgfalt und Gründlichkeit 
darlegt, wie sich das Gesetz als durchaus authentisch erweist. Die An- 
nahme Seeliger's, es habe jemand sich die Mühe genommen, zur Aus- 
stattung einer obscuren Privatrede sich aus Isaios Gesetzesbruchstücke 
zusammenzulesen und daraus ein Erbschaftsgesetz zusammenzustöppeln, 
bringt eine unendlich grössere Unwahrscheinlichkeit als alle die sind, 
welche er mit dieser Annahme beseitigen will. Ob es freilich Buerraann 
gelungen ist, alle die jetzt vorhandenen Anstösse zu beseitigen, ist eine 
andere Frage ; denn da anerkanntermassen der Text des Gesetzes corrupt 
und lückenhaft ist, so möchte manches auf andere Weise eine bessere Er- 
ledigung finden. Leider hat Buermann seinen Zweck nur auf Kosten des 
Isaios erreichen zu können geglaubt, dem er »bewusste Unwahrheit«, 
»Rabulisterei« und dergleichen schuldzugeben nicht müde wird. Der 
Hauptpunkt dabei ist, dass er die Abweichung, die bezüglich eines Para- 
graphen zwischen Isaios' Citat und der Fassung der Urkunde besteht, 
auf böswillige Entstellung seitens des ersteren zurückführt. Is. 7, 20: 
xpaxth Sk Toug dpptvai xal zoug ix tüjv dppivwv , o1 av ex zaiv aurojv 
ü>ac, xav yivEt dnujTipu) zuy/dvcoaiv clvrag. Dagegen in der Urkunde: 
iäv ex Twv auTwv ojtn^ xav yivzi dTicuripu), was der Verfasser übersetzt; 



288 Attische Redner. 

»sowohl wenn sie (die Nachkommen) von diesen (den Männern) selbst 
unmittelbar stammen, als auch wenn sie ihnen entfernter verwandt (d. h. 
nur ihre mittelbaren Descendenten) sind.« Also ex -röiv aozwv nach 
Buermann »von diesen selbst«, nach Isaios »von denselben«. Dieser 
Unterschied in der Erklärung der Stelle geht nach des Referenten Mei- 
nung nicht auf Rabulisterei seitens des Isaios, sondern einfach darauf 
zurück, dass jener ein Grieche war, Buermann nicht. Ferner ist mir 
unbegreiflich, wie Buermann solche gründlich confuse Advokaten wie die 
Verfasser der Reden gegen Leochares und Makai'tatos gegen den vor- 
trefflichen Juristen Isaios als Autoritäten benatzen kann. Mir ist eine 
Rechtsauffassung jener beiden ohne die geringste Beweiskraft. — Es ist 
zu bedauern, dass seine vielfach treffliche und beifallswerthe Untersuchung 
durch die unglückselige Sucht, den attischen Rednern etwas anzuhängen, 
in ihrem Werthe erheblich geschmälert worden ist. 

89) C. Schwarze, De Demosthenis orationibus suppositiciis cora- 
mentatio, pars prior. Gymnasialprogramm Stade 1876. 15 S. 

Dieser erste Theil betrifft die nach des Verfassers Meinung von Rhe- 
toren gefälschten Privatreden, gegen Aphobos III und gegen Dionysodo- 
ros (LVI). Zunächst werden in beiden Reden Abweichungen des Aus- 
drucks vom demosthenischen nachgewiesen, wie LVI, 23 nda^ztv von 
einem Schiffe, während dieses Wort bei Demosthenes sonst nie von leb- 
losen Dingen stehe; der Verfasser zählt die sämratlichen einschlägigen 
Stellen auf, übersieht aber, dass wenigstens an einer davon, gegen Kalli- 
Mes 24, TiaBalv von einem xspd/xcov gebraucht ist. Bei der vielgehetzten 
Rede XXIX hat er sich vor Allem das nicht klar gemacht, dass eine 
volle Uebereinstiramung mit den späteren Reden des entwickelten Stiles 
gar nicht verlangt werden kann. — Unter den weiterhin folgenden Ar- 
gumenten aus den Sachen ist nichts wesentlich Neues; denn über die 
Rede LVI hat der Verfasser schon in seiner Dissertation de oratione 
xarä J. (Göttingen 1870) seine Ansicht dargelegt. 

Briefe. 

90) F. Blas s, Ueber die Echtheit der Demosthenes' Namen tragen- 
den Briefe. Progr. des Wilhelms -Gymnasiums zu Königsberg i. Pr. 
1875. 11 S. 

91) A.Schäfer, Sind die demosthenischen Briefe echt oder nicht ? 
In den Neuen 'Jahrb. für class. Philol. Bd. CXV (1877) S. 161—166. 

92) F. Blass, Die demosthenischen Briefe. Ebendas. S. 541 — 544. 

Referent hat sein Programm dem wesentlichen Inhalte nach in sein 
später erschienenes Buch über Demosthenes aufgenommen. Die Polemik 
Schäfer's, den zweiten und dritten Brief betreffend, richtet sich gegen 



Aischines. 289 

das Programm; in dem letztangeführten kleinen Aufsatze sucht Referent 
die Argumente Schäfer's zu widerlegen. 

Ich schliesse hier an: 

93) Jos. Rohrmoser, lieber den Gang des harpalischen Pro- 
cesses und das Verhalten des Demosthenes zu demselben. In der Zeit- 
schrift f. d. Österreich. Gymnasien XXVII. Jahrg. (1876) S. 481— 496. 

Die gründlich geführte Untersuchung kommt zu dem Ergebnisse, 
dass dem Demosthenes zwar durchaus keine Bestechlichkeit, dagegen 
einige starke Fehler sowie eigenmächtige Verwendung harpalischer Gel- 
der zu Staatszwecken schuldgegeben wird; damit erscheint die Anzeige 
des Areopags und so ziemlich auch das Urtheil der Geschworenen als 
gerechtfertigt. Jene Fehler sind indessen bei einem Staatsmanne wie 
Demosthenes nicht eben wahrscheinlich, und was den zweiten Vorwurf 
betrifft, so hat der Verfasser gar nicht versucht, die Sache aufzuklären, 
sondern bleibt einfach bei dem, was Hypereides col. 4 f. darüber sagt. — 
Die Exegese im einzelnen ist nicht überall zu billigen, und nicht gerecht- 
fertigt ist es, dass die einschlägigen demosthenischen Briefe gar nicht 
zur Verwendung kommen, die doch unter allen Umständen beachtens- 
werthe Quellen sind. 

Aischines. 

94) Andreas Weidner, De Aeschinis emendatione ad Cobetum 
epistula. Gymnasialprogramm Giessen 1874. 26 S. 

(Im vorigen Jahresbericht noch nicht besprochen). 

Der Verfasser führt in der Einleitung bittere Klage, dass seine 
Arbeiten über Aischines in Deutschland so wenig Anerkennung gefunden, 
und sucht die Schuld davon bei der deutschen Philologie. Referent 
glaubt indess, dass in der That nicht mehr Anerkennung verlangt wer- 
den kann, als sie Weidner seitens Rosenberg's (No. 95) zu Theil gewor- 
den, und dass das von Weiduer als lächerlich bezeichnete Urtheil eines 
Recensenten, die ungeheure Textverderbniss sei von ihm klar constatirt, 
andererseits habe er viel zu viel Coujekturen in den Text aufgenommen, 
ein wohlbegründetes ist. Man möge den Handschriften misstrauen, miss- 
traue aber seinen eigenen Conjekturen noch weit mehr; durch den Mangel 
dieses Misstrauens und durch die einseitige Betonung gewisser Principien 
ist Weidner's Verdienst um Aeschines geringer geworden, als es hätte 
sein können. 

Es" werden nun in dieser Abhandlung eine grosse Menge neuer Con- 
jekturen zu Aischines vorgetragen, in der Ordnung, wie sie die Folge 
im Text an die Hand gab. Grossentheils bestehen sie in der Ausschei- 
dung interpolirter Worte; die im Anhang zu or. II S. 13 ff. mitgetheilten 
Conjekturen zu Demosthenes or. XIX sind sogar alle bis auf eine von 

Jahresbericht für Alterthums-Wissenschaft 1877. I. 19 



290 Attische Redner. 

dieser Art. Referent ist wie Weidner der Ansicht, dass bei Demosthenes 
und vollends bei Aischines eine Unzahl solcher Eindringlinge im Texte 
stehen, getraut es sich indessen nicht, sie aufzuspüren, weil dazu eine 
ganz ausserordentliche Vertrautheit und enge Berührung mit dem Geiste 
des Redners gehört. Diese Vertrautheit ist bei Aischines noch viel 
schwerer zu erlangen, als bei Demosthenes, weil die Ueberlieferung eine 
so viel schlechtere, und die Hinterlassenschaft eine so viel geringere ist; 
dazu tritt als grösstes Hemmniss der Umstand, dass Aischines in weit 
geringerem Grade Kunstredner ist. — Zum Schluss bespricht Weidner 
einige Conjekturen Cobet's, und handelt ausführlich über kßooXofxrjv {äv) 
und über vaL — Gelegentlich werden auch zu Deinarch und anderen 
Schriftstellern Conjekturen beigebracht. 

95) Emil Rosenberg, Jahresbericht zu Aeschines. Erster Theil. 
Im Philol. Bd. XXXV (1876) S. 181-198. 

Es handelt sich in diesem ersten Theile um die handschriftliche 
Kritik der ersten Rede, und zwar besonders um die Weidner'sche Aus- 
gabe. Rosenberg erkennt das grosse Verdienst Weidner's um eine me- 
thodische Verwerthung der Handschriften vollkommen an, ist indess mit 
seiner Classifikation der Handschriften von or. I nicht ganz einverstanden, 
und stellt daher, nach sorgfältiger Untersuchung, ein neues modificirtes 
Stemma auf (S. 188). Wenn sodann Weiduer seinen Text besonders nach 
Recension A herstellt, mit Zurücksetzung der Handschriften B, so möchte 
Rosenberg weder diesem Verfahren unbedingt beipflichten, noch das um- 
gekehrte empfehlen. Mit Recht bekämpft er Weidner's Grundsatz, aus 
verschiedener Stellung eines Wortes in den Handschriften consequent auf 
stattgehabte Interpolation zu schliessen, sowie auch jenen anderen, zu 
tilgen, sowie beide Handschriftenklassen in den Ausdrücken auseinander- 
gehen {ipovoq — xacpog, ipyov — TTpäyfia); jede Tilgung, sagt er S. 193, 
müsse einen Grund in sich selbst haben. — Die Untersuchung der Citate 
aus der Rede bei späteren Schriftstellern (S. 194 f.) ergiebt das Resul- 
tat, dass die meisten davon eine dritte Recension voraussetzen. — Zum 
Schluss erörtert Rosenberg noch einzelne Stellen der Rede nach Weidner's 
Ausgabe, und bringt auch einzelne eigene Conjekturen vor. 

96) Georg Marchand, Charakteristik des Redners Aeschines. 
Inauguraldissertation der Universität Jena. Cassel 1876. 106 S. 

Die Würdigung, welche in dieser Schrift dem Aischines zu Theil 
wird, bezieht sich fast durchweg auf sein Leben und seine politische 
Thätigkeit; was im letzten Abschnitt (S. 98—105) über seine Beredsam- 
keit beigebracht wird, ist dürftig und stimmt grossentheils mit dem ent- 
sprechenden Abschnitt bei A. Schäfer überein. — Die Darstellung von 
Aischines' Leben und Wirksamkeit ist breit angelegt, doch entbehrt sie 
tiefeingehender Untersuchungen über einzelne Punkte ; die Auffassung ist 



Lykurgos. 291 

in den meisten Stücken die von A. Schäfer, jedoch etwas strenger gegen 
den Redner, dem bewusster und absichtlicher Verrath schuldgegeben 
wird. Referent kann diese Beurtheilung nicht zu hart finden, und muss 
überhaupt die mit Sorgfalt ausgeführte Charakterisirung des Aischines 
und die Darstellung seines inneren Entwickelungsganges als wohlgelun- 
gen anerkennen. 

97) Bruno Caemmerer, De duplici recensione orationis Aeschi- 
neae contra Ctesiphontem habitae. Inauguraldissertation von Jena. 
Arnstadt 1876. 33 S. 

Die mehrfach erörterte Frage, in wieweit Aischines seine Rede 
gegen Ktesiphon nach der Gerichtsverhandlung zur Herausgabe umge- 
arbeitet habe, wird hier von neuem untersucht, und zwar ist der Ver- 
fasser geneigt, ziemlich viel auf diese Umarbeitung zurückzuführen, ins- 
besondere alle diejenigen Anklagen, auf die sich bei Demosthenes keine 
Antwort findet. Dahin gehört insbesondere, was Aischines über Demo- 
sthenes' politische Thätigkeit in den Zeiten Alexanders vorbringt; Caem- 
merer weist dies mit Westermann und Rauchenstein, gegen die vom Re- 
ferenten getheilte Ansicht A. Schaf er's, der zweiten Recension zu. Wenn 
er sich dabei auf Cor. 56 stützt, wo Demosthenes verspricht, nichts zu 
übergehen, so übersieht er, dass dort nur von den in der ypo-fi] enthal- 
tenen Anklagepunkten die Rede ist. 

98) Andr. Weidner, Zu Aeschines. Im Philologus Bd. XXXV 
(1876) S. 561. Conjektur zu 2, 50: d.lX e^Bze statt andrere, welches 
Wort dem Referenten völlig untadelig scheint {dne^ecv = dnedrjfivai). 

99) H. van Her werden, Varia (ad Aeschylum et Aeschinem). 
In der Mnemosyne Bd. V Theil H S. 188-198. 

Dem Referenten nicht zugegangen. 

Lykurgos. 

100) F. Blass, Der Codex Oxoniensis des Lykurgos. In den N. 
Jahrb. f. class. Philologie CXI (1875) S. 597—604. 

Referent theilt hier eine von ihm gemachte Collation des Cod. Oxo- 
niensis N (0) für die Leokratea mit. Dass dieser Codex ausser Anti- 
phon und Deinarchos auch diese Rede, wenigstens zum grösseren Theile, 
enthalte, war vorher sonderbarer Weise gar nicht bemerkt worden. Die 
Stellung der Handschrift zum Crippsianus A ist ähnlich wie bei jenen 
beiden Rednern: die meisten und schwersten Fehler, zumal in den ein- 
gelegten poetischen Stellen, sind gemeinsam, doch mangelt es nicht an 
Berichtigungen aus N, die zum Theil mit Conjekturen der Neueren zu- 
sammentreffen. 

19* 



292 Attische Redner. 

101) Lykurgos' Rede gegen Leokrates. Für den Schulgebrauch 
erklärt von C. Rehdantz. Leipzig, B. Gr. Teubner 187.6. III, 189 S. 

Neben die Nicolai'sche Schulausgabe der Leokratea (s. den Jahres- 
bericht 1874 -75, Abth. I, S. 493 No. 63) tritt hiermit eine ungleich um- 
fangreichere und höchst werthvolle. Voraus geht eine Einleitung über Ly- 
kurg's Leben und rednerischen Charakter, sowie über die Leokratea ins- 
besondere (S. 1 — 15). Die Rede selber ist mit einem sehr ausführlichen er- 
klärenden Commentar versehen (S. 16 — 101). Hieran schliesst sich erstens 
ein kritischer Anhang (S. 102 — 124), in welchem ohne beabsichtigte Voll- 
ständigkeit die in der Lesart schwierigen oder gegen die Handschriften 
geänderten Stellen theils kurz aufgeführt, theils besprochen werden. Der 
zweite Anhang (S. 125 — 164) enthält »grammatische und lexikalische Er- 
läuterungen« deren Zahl so gross, dass sich dies als ein neuer Commen- 
tar zu der Rede bezeichnen Hesse. Schliesslich kommen im dritten An- 
hange (S. 165 — 186) eine Reihe von »erklärenden Zusätzen geschicht- 
lichen Inhalts«, zum Theil, wie der über den sogenannten kimonischen 
Frieden, von recht ansehnlicher Länge. Ein »Wort und Sachregister 
zu den Anhängen 1 — 3« steht auf S. 187 — 189. — Eine durchgehende 
Differenz zwischen dem Verfasser und dem Referenten besteht in der 
Handschriftenfrage, indem Rehdantz dem Cod. Oxon. keinerlei Autorität 
für die Feststellung des Textes zugestehen will. — Unverständlich ist 
mir, dass er § 96 die Emendation Piuzger's eyxaTahnuvzag änavrag für 
an. eyx. nicht einmal erwähnt und statt dessen eine recht geschraubte 
Erklärung des Ueberlieferten giebt; falsch ist die Erklärung von -nyv 
olxouixivfjv § 123 als »die Welt«, während es lediglich Gegensatz ist zu 
dem vorangehenden ävdararov t;^v tioXiv ouaav. 

(Vergl. die Recension des Referenten in der Jen. Lit.-Zeit. 1876 
S. 575f.). 

102) Emil Rosenberg, Zur äusseren und inneren Kritik der 
Leocratea. Gymnasialprogramm Ratibor 1876. 26 S. 

Der erste Theil enthält Untersuchungen über das für Lykurg auf- 
zustellende Handschriftenstemma, deren Abschluss indess der Verfasser 
für eine spätere Abhandlung verschiebt (s. N. Jahrb. f. class. Philol. 1877 
S. 683 ff.). — Es folgt eine kritische Erörterung zahlreicher, von den 
Neueren angefochtener Stellen der Rede, mit Rücksicht auf Frohberger's 
Jahresbericht (No. 103). Der Verfasser ist, wie es dem Referenten 
scheint, in der Kritik des Lykurgos in Folge einer allzu ungünstigen 
Meinung von dessen Fähigkeiten jetzt conservativer als er sein sollte; 
so will er § 8 die Worte waze firjzs . . äfxapTrj/idtüJV unverkürzt belas- 
sen. Zu loben ist, dass er den Hiat beachtet, der auch für Lykurgos 
nicht ganz gleichgültig ist ; sollte nicht dies Kriterium für die von Rosen- 
berg angestrebte Abschätzung der Handschriften mit zu verwerthen sein? 
— In einem »Annex« (S. 22 — 26) wird in Sachen der Hamburger Aldina, 



Hypereides. 293 

über deren Kaudglosseu Rosenberg mehrfach berichtet hat, reiches Ma- 
terial zur Beurtheilung des Werthes dieser Glossen beigebracht. 

Schliesslich ist, als im vorigen Jahresbericht übergangen, nach- 
zutragen : 

103) H. Frohberger, Der Redner Lykurgos (Jahresbericht). Im 
Philologus Bd. XXXIII (1874) S. 344-367 und 476—560. 

Ausführliches und gründliches Referat, zunächst über die Lykurg's 
Leben betreffenden Arbeiten, sodann über Ausgaben und textkritische 
Abhandlungen ; umfasst wird der Zeitraum von 1854 ab. Eigene Beiträge 
zu liefern war nicht des Verfassers Absicht; doch ist seine besonnene 
Beurtheilung namentlich der sämmtlichen Fragen der Textkritik, die bis 
dahin angeregt waren, von nicht zu unterschätzendem Werthe. 

Hypereides. 

104) Hyperidis orationes duae, o ImTacpioq loyoQ et h-nkp Eu^eviTmou. 
Recensuit C. G. Cobet. Editio altera auctior et emendatior. Lug- 
duni-Batavorum 1877. 127 S. 

Vorliegende Ausgabe enthält zunächst einen unveränderten Abdruck 
der beiden zuerst einzeln erschienenen Arbeiten Cobet's, der Ausgabe 
des Epitaphios (1858), S. 1 — 72, und der Recension der Euxenippea 
(1852), S. 73 — 92; alsdann folgen die neuen Addenda, die zum Epitaphios 
S. 93 — 105, die zur Euxenippea 106 — 119; der Rest sind Indices. — In 
den Addenda wird die inzwischen erschienene Ausgabe des Referenten 
zu Grunde gelegt; leider ist des Referenten späterer Aufsatz: Zu Hype- 
reides (N. Jahrb. CI 1870 S. 741 ff.) mit der darin veröffentlichten neuen 
Collation der Papyrus dem Verfasser unbekannt geblieben. Er würde 
daraus u. a. ersehen haben, dass seine Ergänzung Epit. I, 9 fidlprupsg, 
die er jetzt zurücknimmt, dennoch richtig sein wird {MAP 2' . . der 
Papyrus). Dagegen nicht richtig ist Tihjatdaac, welches er jetzt (S. 103) 
in Col. XIV, 28 für ■nlriatäattav vermuthet, so wenig wie sein früheres 
Tthiaiäaai äv, denn im vorhergehenden bietet der Papyrus nicht ou8' ixsc- 
votg oder obd^ kzipocg, sondern ouo' iaviv o7g, wozu der Optativ äv . . 
nXr^atdaeiav gehört (so schon Shilleto Journ. of class. and sacred philol. 
IV, 318). Als sonstige neue Conjekturen zu dieser Rede führe ich auf: 
III, 29 dce^zX&ETv statt inzk&sTv (S. 94), allzu kühn; IV, 7 ff. imfx[s?^6ps- 
vog xa]} ■/■[lyvopevog X^PV7^^ ^"' ~po(pT]\g xac tojv äkXoiv dridvrnjv 
(S. 95), wobei auf den Raum nicht die genügende Rücksicht genommen 
ist (s. auch N. Jahrb. I. c. S. 743); V, 38 [sr^] xarznzrjy^uTav, während 
Sandys 8isi xa-c. ergänzt (S. 97 f.); VUI, 14 Biavevsixrijxivoug (S. 99); 
X, 29 TU Twv TioXXwv doipalig (S. 100); XI, 25 f. wv 8' äno rabrt^g uTidp- 
X^i su&ug . . ysyovsvac (S. lOOf.); XI, 41 dUä zfj toutcüv ohne iv (101); 
dann S. 101 f. Ergänzung zu XII, 2—6; S. 103 Tsrux^xaacv für nenoirj- 



294 Attische Kedner. 

xaatv im Fragmente des Epilogs. — In den Noten zur Euxenippea 
wiederholt Cobet zuerst (S. 106) seine frühere, von mir bestrittene Be- 
hauptung, dass col. XIX, 14 dioysvetdrjs für Acoyvcdr]^ zu schreiben sei. 
Er bemerkt mit Recht, dass aus den Handschriften nicht entschieden 
werden dürfe, ob -ßrjg oder -etdr]?; die Autorität der Inschriften aber 
wird er nicht zurückweisen können. Nun findet sich erstlich der Name 
Jcoyvcg, den er nicht anerkennen will, C. I. Att. I, 119. 120. 164; so- 
dann gehen auf den Inschriften die Patronymika von Namen auf -rjg, oog 
regelmässig auf -ßrjg aus: 'Avrc^aw'orjg 318, Jto^apcSrjg 461, ^Emra^cdrjg 446, 
'Enix<^pt87jg 434, EuzsXßrjg 448 u. s. w. — XXV, 9 verlangt er napaxe- 
Xsuec statt -j], als das einzig attische (S. 108). Indessen ob rj oder sc 
zu schreiben, war den Attikern in jener Zeit in dem Masse unklar, dass 
wir auf den Inschriften des 4. Jahrhunderts rst ßooXeT und tzoXjj neben- 
einander finden; die Aussprache war wohl bei beiden Schreibungen die- 
selbje. — XXV, 12f. vermuthet Cobet jetzt mit völliger Evidenz: xl 
Tou{rou) zwv iv tjj tzuXzl xtI, (S. 108). — XXXIV, 1 zieht er seine 
frühere Conjektur ouTot für ahrot zurück (S. 113); ich nehme sie auf 
unter gleichzeitiger Umstellung des dXXd: oh fiovuv ourot xac ol äXXot 
'A&. caaatv dXXä xal zä rjuhia. — Recht gut ist XXXV, 21 das Ein- 
schieben von xat dniSsi^a nach e^rjXey^a (S. 114). — Nach XXXVII, 10 
ergänzt Cobet Lykophr. XXXV zu Anfang oh yhp drjnou (S. 115). — 
XXXVII, 19 üjg i/jLoc doxsc Sno&sv (115 f.). — XXXVIII, 26 tadelt er, 
dass ich 'A^rjViea nicht in 'AZrjviä corrigirt, indem er wiederholt erklärt, 
veteres Atticos his formis nisi contractis usos non fuisse. Attische De- 
krete aus Hypereides' Zeit: C. I. A. 167, 2. 7 IJscpacswg, 168 Kcudcuv 
und Kncecojv (gleichwie ocvpeid, scdv, dsuuvzai geschrieben wird), 184 
MaXiiüjv. — XLII, 25 yao re] xrü ol (117), vgl. N. Jahrb. 1. c. S. 742; 
XLIV, 17 Bxzhg zu)v fMezpwv gewaltsam für ivzbg, hier und Dem. Pant. 
S. 977, 5 (118); XLV, 24 öaa/ioXoyrjaavzsg zoug ix[86vzag], seil. dohXoug 
als Objekt des letzteren Verbums, wohl kaum richtig (S. 118 f.). — Bei- 
läufig wird auf S. 97 Lyk. Leokr. 40 die Tilgung von mpt<p6ßoug und 
el ^wac gefordert, letzteres nicht ohne Wahrscheinlichkeit. 

105) F. Bücheier, Coniectanea. In den N. Jahrb. f. Philol. CXI 
(1875) S. 305 — 340; darin zu Hyper. S. 307 — 309 (310), No. XXII 
(XXIII). 

Zunächst eine Conjektur zu Plutarch's Vita des Hypereides, § 17 
S. XXVIII meiner Ausgabe: u)p.cXr]xwg 8e xac Qpüvj) für ujg elxog de xal 
dixjj 0puv7j ; alsdann Bemerkungen und Ergänzungen zum Epitaphios 
(col. IV Anfang col. I). In der Anfangscolumne scheint er einiges rich- 
tig gesehen zu haben; das Ganze auch nur dem Sinne nach herzustellen 
halte ich für unmöglich. — S. 310 wird beiläufig zu Epit. IV, 24 con- 
jicirt napaXetnuj (für das korrupte . . ataXtfuj). 



Deinarclios. Griechische Rhetoren. 295 

106) Woldemar Tröbst, Zu Hypereides' Rede gegen Demosthe- 
nes. In den N. Jahrb. f. class. Philol. CXKI (1876) S. 205-208. 

Der Verfasser will die npoxXrjastg an den Areopag, die Hypereides 
col. 7 meiner Ausgabe dem Demosthenes in den Mund legt, nach Vorgang 
von Egger in anderer Weise deuten als gemeiniglich geschieht, nämlich 
dahin, dass Demosthenes einem angeseheneu Areopagiten Bestocheuheit 
schuldgebe. Referent kann dieser Auffassung auch jetzt nicht zustim- 
men: sie beseitigt kleine Schwierigkeiten, indem sie grosse einführt. 

107) E(douard T(ournier), Fragment d'Hyperide. In: Revue 
de Philologie N. S. I (1877) S. 208. 

Nachweis eines bisher übersehenen Bruchstückes des Redners, bei 
Dionys. Antioch. Ep. 79 (Hercher Epistologr. S. 273): b rXaoxcmtoo 8s 
TtdvTiuv dnacdeuTorarov e^rj vb XotdopeTv. 

108) A. N. Schwarz, Rede des Hyperides für Euxenippos. Mos- 
kau 1875. 8. 170 S. 

Referent bedauert sehr, diese russisch geschriebene Abhandlung 
nicht recensiren zu können. 

Deinarchos. 

109) Woldemar Tröbst, [Dinarchus] I, 82 sq. In den Miscel- 
lanea philologa (Festschrift zur Feier des 10jährigen Stiftungsfestes 
des philologischen Vereins zu Göttingen. Göttingen 1876) S. 5 — 8. 

Die Darlegung des Verfassers läuft darauf hinaus, dass an der 
betreffenden Stelle die Worte nepl Zrjzrjasüjg im ^prjp.a.T(jjv als Interpo- 
lation getilgt werden, mit Beibehaltung der Conjektur des Referenten 
(die er A. Schäfer beilegt) rot (pr^ftapaza für zb ^<rj(piapa. Mir scheint 
das Gestrichene nothwendig, um den Gegensatz zu dem vorher (78 ff.) be- 
sprochenen Psephisma des Deinarchos hervorzuheben. Nach meiner Les- 
art muss man allerdings annehmen, dass schon vorher Verurtheilungen 
und Hinrichtungen wegen der harpalischen Sache stattgefunden; doch ist 
eben dies die Ansicht Schäfer's (III S. 294). Zu vergleichen war auch 
die Stelle Dein. 1, 4, mit ähnlicher, doch noch schlimmerer Corruptel. 

II. Griechische Rhetoren. 

Die Folge ist die der Spengel'schen Rhetores Graeci. 

110) U. von Wilamowitz-Möllendorf, In libellum nepl üipoug 
coniectanea. Im Hermes Band X (1876) S. 334—346. 

Die Abhandlung bringt zahlreiche Conjekturen und darunter man- 
che treffliche. Allzu geneigt ist der Verfasser zur Annahme von Glossemen; 



296 Griechische Rhetoren. 

zum Beispiel S. 23, 6 Jahn ist zwar der Anstoss begründet, den er an 
^ 'OSOaaeia nimmt; doch statt diese Worte zu streichen möchte ich lie- 
ber etwa iv r^ 'Oduaoeta schreiben, und unmittelbar vorher ist das r^va 
jedenfalls beizubehalten, wenn man auch rou Tpuj'ixoT) noUixou mit Wila- 
mowitz entfernt. Seine Art erinnert vielfach stark an die moderne hol- 
ländische Kritik. Unbegreiflich ist mir der beiläufige Widerspruch gegen 
von Rohden's Nachweis, dass der Hiatus in dieser Schrift auf bestimmte 
Fälle beschränkt ist. Wäre eine Widerlegung dieser Thatsache möglich, 
so wäre es ein grosses Verdienst gewesen sie zu geben, da das Hiatus- 
princip die Textkritik ganz ausserordentlich beeinflussen und binden muss. 

111) Ludwig Martens, De libello nepl uipoug. Inauguraldisser- 
tation von Bonn 1811. 39 S. 

Im ersten Abschnitte dieser fleissigen Dissertation (S. 5—22) wird 
der Versuch gemacht, des Caecilius Schrift Tiepl ü(})oos aus den Andeu- 
tungen des sogenannten Longin nach Grundzügen und Tendenz zu recon- 
struiren. Nach der Meinung des Verfassers wollte Caecilius nicht sowohl 
zur Erhabenheit anleiten, als von dem Streben darnach zurückhalten; 
somit würde die uns erhaltene Schrift eine entschiedene Gegenschrift 
sein. Dass sie indess dies nicht sein will, geht aus C. 1 deutlich genug 
hervor; sie muss vielmehr, wie Referent auch früher ausgesprochen, mit 
ihrer Vorlage, die sie zu überbieten und zu verbessern sucht, im Grunde 
gleichartig gewesen sein. Die Beziehung des rcvdg C. 2 Anfang auf 
Caec. scheint mir nicht einmal zulässig zu sein; die dort Bekämpften 
sind keine Rhetoren gewesen. Werthvoll ist der Nachweis,- dass in dem 
Abschnitt über die Figuren (c. 16 — 29) sehr vieles auf Caec. zurück- 
geht, es fragt sich freilich, ob auf dessen Schrift Tispl ö(poog. Vgl. Wila- 
mowitz S. 338. — Von S. 22 — 33 wird die Entstehungszeit unserer 
Schrift gründlich untersucht; der Verfasser setzt dieselbe in die Zeit des 
Tiberius, nicht unwahrscheinlich, wiewohl seine weitere Vermuthung, dass 
Caecilius den Verfasser zuerst angegriffen haben möge und dieser hier 
darauf antworte, mir wenig einleuchtet. — Der Schlussabschnitt liefert 
Nachträge zu Jahn's kritischem Apparat, theils nach den für Jahn ge- 
machten CoUationen, theils nach neuen, die durch M. Bonnet, Ch. Graux 
und H. von Rohden für den Verfasser besorgt worden sind. 

112) Casparus Hammer, De Apsine rhetore. Programm von 
Günzburg 1876 (München, Gotteswinter und Moessl). 8. 36 S. 

Dies Programm behandelt im ersten Capitel Leben und Werke 
des Apsines, im zweiten die Handschriften der erhaltenen Techne, im 
dritten den allgemeinen Zustand dieser Schrift; im vierten werden eine 
grosse Anzahl Conjekturen zu derselben gegeben, die freilich nicht immer 
glücklich sind. Dass in dem Werke viele Lücken oder nur auszugs- 
weise vorhandene Theile sind (Cap. 3), hat der Verfasser gut dargelegt; 



Griechische Rhetoren. 297 

doch kann Referent der S. 22 f. vorgeschlagenen gewaltsamen Umstellung 
einiger Sätze nicht beipflichten. Die Existenz einer Schrift von Apsines 
TT. spiirjveiag oder tt. (ppdazujg hat der Verfasser nicht bewiesen (Cap. I 
S. 12ff.); die ix<ppaatq^ von der bei Doxop. W. II, 513 die Rede ist? 
gehört ja zu den Progymnasmen (s. Theon S. 118 Sp.V — Endlich fällt 
bei der Erörterung der Lebensnachrichten auf, dass nach Hammer (S. 7) 
der 'Afpivr^g 'Aßr^vaTog, der Vater des unter Konstantin lebenden Ona- 
simos, mit dem Gadareer Apsines identisch sein soll, der doch nach der 
vorhergehenden Untersuchung zwischen 193 und 249 lebte. Im Uebrigen 
ist die fleissige Erforschung eines noch fast ganz unbearbeiteten Gebie- 
tes dankbar anzuerkennen. 

113) R. Volkmann, Zu Apsines. In den N. Jahrb. f. Philol. CXI 
(1875) S. 593-596. 

Die Miscelle betrifft die in die Hypothesis zu Isokrates' Friedens- 
rede eingefügte Stelle Apsines S. 344 Sp., die der Verfasser schon in 
seiner Rhetorik S. 105 Anm. aus jener Hypothesis emendirt hat. Er 
vertheidigt mit Glück seine dortigen Aufstellungen gegen den Wider- 
spruch Hammer's (Philol. XXXIV, 278 f.). 

114) C.Hammer, Kritische Beiträge zu Demetrius tts/)? kpprjvecag. 
Im Philologus Bd. XXXV (1876), S. 711-713. — XXXVI (1877), 
S. 355-358. 

Conjekturen zu einer grossen Anzahl von Stellen; Referent kann 
nur selten beistimmen. In dem Fragmente des Antiphon bei Demosthe- 
nes S. 274, 25 Sp. ist die Corruptel im Wesentlichen laugst gehoben, 
und insbesondere für die Vulgata rjv kiopivrj hat auch Speugel das rich- 
tige ^v ij^opev im Text; der Verfasser aber ignorirt die Emendation 
und macht den ganz verkehrten Vorschlag: rj yap v^aog yjv pev e^opevrj 
drjXfj pev xai nöppojd^ev icrrcv u(pr]?iYj xal vpa^eTa. 

115) C. G. Cobet, Ad Demetrium (§ 23. 128. 261. 269). In der 
Mnemosyne N. S. Bd. V, S. 276. 

Lag dem Referenten nicht vor. 



k 



.Jahresbericht über Plutarch's Moralia 
für 1876 und 1877. 

Von 

Dr. H. fl e i n z e 

in Marienburg in West-Preussen. 



Miscellanea philologica. Festschrift zur Feier des 10 jährigen Stif- 
tungsfestes des philo!. Vereins zu Göttingen. 1876. 80 S. 8. 

In diesem Festprogramm hat Alhert Barth S. 75 ff. »Kritische 
Beiträge« veröffentlicht, von denen hier nur Nr. I besprochen werden soll. 
Plut. Quaest. Koman. XXXI erörtert die Frage, warum bei den römischen 
Hochzeiten Talasius gerufen wurde. Nachdem Barth gezeigt, dass die 
von Plutarch dafür gegebenen beiden Erklärungen sich auch ganz in der- 
selben Reihenfolge bei dem Excerptor des Verrius Flaccus, bei S. Pora- 
pejus Festus S. 351 (Müller) finden, schliesst er, da bei letzterem für 
die erstere Varro als Autor genannt ist, dass Plutarch, wie Festus, resp. 
Verrius Flaccus beide Nachrichten in ihren Quellen bereits zusammengestellt 
fanden und dass Plutarch in dieser quaestio ganz auf Varro zurückgeht. 
In Plutarch's Text ist nun das Wort TaXavzov^ welches ein zum Gebrauch 
der Wollspinner verfertigtes Körbchen bedeuten soll, corrupt ; dafür bietet 
Paulus in dem aus Festus gemachten Auszug S. 350 das Kichtige, näm- 
lich calathus, in Folge dessen eraendirt Barth mit Recht: xcä yäp zbv 
zdXapov xdXa&ov dvo[xdZooac. — 

Von demselben Verfasser ist veröffentlicht: 

De lubae OMOIOTHSIN a Plutarcho expressis in Quaestionibus 
Romanis et in Romulo Numaque. Dissert. inaug. Göttingen 1876. 
54 S. 8. 

Barth's wohlgelungene Arbeit über luba's II. verlorene Schrift 
biioiüTTjTEQ ist eine Quellenforschung, welche man vom philologischen Ge- 
sichtspunkte aus als Muster für derartige Untersuchungen aufstellen 
kann, denn mit gewissenhaftem Fleisse hat der Verfasser die dahinge- 
hörige Literatur benutzt und noch einmal von Anfang an die Frage über 
die von Plutarch in den quaest. Rom. und in den Vitae des Romulus und 



Plutarch's Moralia. 299 

Numa benutzten Quellschriftsteller untersucht; dabei sind die von Barth 
gewonnenen Resultate nicht nur für Plutarch von Bedeutung, sondern 
kommen ebenso sehr der Literaturgeschichte wie der Alterthumswissen- 
schaft im Allgemeinen zu gute. Ausgehend von der Frage, was für ein 
Bild man sich von den biiotozrjzsg des gelehrten Königs überhaupt zu 
machen habe, zeigt der Verfasser S. 1—19, dass luba, der lange Zeit 
in Rom grammatische und antiquarische Studien getrieben hatte, von der 
damals ziemlich allgemein verbreiteten Ansicht, dass die lateinische Sprache 
aus der griechischen hervorgegangen, beeinflusst, ein Buch geschrieben 
habe, welches lateinische Vokabeln und Worterklärungen neben den da- 
hingehörigen griechischen enthielt. In diesem umfangreichen Werke 
(Hesych. citirt Buch XV) leitete er nicht nur aus eigener Kenntniss la- 
teinische Worte von griechischen ab oder stellte griechische und röurische 
Sitten, Einrichtungen und Kulthandlungen vergleichend nebeneinander, 
sondern benutzte auch des Dionys von Halikarnass Archäologie und des 
M. Terentius Varro Schriften in der Weise, dass er theils längere Par- 
tien aus jedem der beiden Autoren in seine Schrift hinübernahm, theils 
die von beiden geäusserten Ansichten verband und die Erklärungen des 
Einen durch die des Anderen verbesserte und vervollständigte. Im fol- 
genden liefert dann Barth den Beweis einmal, dass Plutarch bei der 
Abfassung der Vitae des Romulus und Numa nicht auf das in seinen ahiai 
Besprochene Rücksicht genommen, andererseits auch nicht mehrere Ge- 
währsmänner, sondern nur den einen, den luba, benutzt habe. Und 
wenn nun in dem Berichte des Plutarch sich Namen wie Livius oder 
Castor oder Varro oder sonst wie finden, so stammen diese alle aus luba, 
denn Varro hat Plutarch selbst nicht in der Hand gehabt, ebensowenig, 
den Verrius Flaccus — des Plutarch Quellen mussten griechisch geschrie- 
ben sein und das hat luba nachweislich gethan. So sind denn Ansichten, 
wie sie Thilo in seiner Dissertation über Varro als Quellschriftsteller 
des Plutarch in den quaest. Rom. und Hermann Peter über diese plut. 
Schrift geäussert haben, als nicht zutreffend zurückzuweisen und selbst 
des so sorgfältigen Mommsen Urtheil: »die Schrift von den römischen 
Fragen giebt uns erwiesener Massen die varronische Doctrin, überarbeitet 
durch die Gelehrten der augusteischen Zeit, wie Verrius Flaccus und 
luba« ist etwas zu modificiren. Das Gesammtresultat der Untersuchungen 
über die Quelle der jedesmaligen quaest. Romana gipfelt endlich darin, 
dass 30 Fragen als aus des luba oiiocözrjTeg hervorgegangen mit Sicherheit 
nachgewiesen sind. 

Hieran schliessen wir eine andere Dissertation: 

Quaestiones Plutarcheae, diss. inaug. quam defend. Hermannus 
Patzig. Berolini. 66 S. 8. 

Patzig's Dissertation giebt eine ganze Sammlung einzelner sehr 
verschiedenartiger Plutarchfragen, von denen namentlich die ersten recht 



300 Plutarch's Moralia. 

interressant sind. Im Beginn der Arbeit zeigt er sich mehrmals als ein 
Gegner Volkmanu's, indem er dessen Urtheil hinsichtlich der Echtheit 
oder Unechtheit einzelner unter Plutarch's Namen gehender Schriften 
entgegentritt. So gehört auch er zu der jetzt immer grösser werdenden 
Anzahl derer, welche die consolatio ad ApoUonium für echt plutarcheisch, 
wenn auch für eine Jugendschrift halten (s. Jahresb. 1874/75, Abth.I, S. 577). 
In Betreff der Schrift de fato, welche Zeller noch als echte Quelle plu- 
tarcheischer Philosophie benutzte und die Volkmann als unplutarcheisch 
hinstellte, tritt auch Patzig für die Unechtheit ein, während er wiederum 
anderer Ansicht ist, als Volkmann (I S. 105) in Bezug auf zwei Frag- 
mente, welche Tyrwhitt aus einem Cod. Harleianus zuerst unter Plutarch's 
Namen veröffentlicht hat. Wenn bei der Besprechung dieser beiden 
Fragmente Patzig das Urtheil Volkmann's, als ein »temere« gefälltes 
bezeichnet, so will uns dies wenig gefallen, zumal er einen Beweis für 
seine abweichende Ansicht weder beibringt noch ihn zu liefern für nöthig 
hält, so lange nicht sicherere Argumente für die Unechtheit aufgestellt 
sind! — Ueber de amore prolis hatte der bekannte Plutarchforscher 
Döhner (quaest. Plut. III. Meissen 1862 S. 26 ff.) die Ansicht ausgesprochen, 
dass Plutarch nicht der Verfasser derselben sei; es sei die ganze Schrift 
vielmehr eine Compilation aus anderen Schriften dieses Autors und ein 
Excerpt aus einem anderen Buche über dasselbe Thema; Volkmann 
(I S. 187) schliesst sich diesem Urtheil mit einer Modificirung an: ihm 
ist die Schrift ein Fragment und augenscheinlich das Fragment eines 
Auszuges; Patzig dagegen hält sie für ein echtes Werk des Plutarch. 
Zum Beweise dieser Behauptung geht er die Gründe durch, welche Döhner 
als Argumente gegen die Echtheit vorgebracht hatte; in den von Döhner 
beigebrachten findet Patzig keine Gegenbeweise gegen seine Ansicht: das 
Thema ist ein Plutarch nicht fremder Gegenstand, die Beweisführung ist 
richtig; die vielen Döhner anstössigen Wörter schrumpfen auf 15 zu- 
sammen und selbst hier finden sich für sieben derselben noch Milderungs- 
gründe. Wenn nun auch zugegeben werden muss, dass ohne äna^ 
dprjixiva keine plutarcheische Schrift existirt, so sind diese zum Theil sehr 
seltsamen Wörter für die fünf Capitel der kleinen Schrift doch immer- 
hin noch Verdacht erregend. Die von Döhner urgirten Widerholungen 
nicht nur derselben Wörter, sondern auch ganzer Wortverbindungen über- 
geht Patzig als zu unbedeutend; dagegen giebt er für die Benutzung syno- 
nymer Begriffe einige Beispiele aus echten plutarcheischen Schriften. Gut 
gelungen ist die Zurückweisung der Döhner'schen Ansicht, dass der 
Autor der Schrift de amore prolis entweder dieselbe Quelle gehabt hat, 
wie Plutarch oder, was Döhner für wahrscheinlicher hielt, aus Plutarch 
selbst einen Auszug machte; hieran schliesst sich eine Zusammenstellung 
der einzelnen Gedanken, wie sie sich hier finden, mit solchen, die in echt 
plutarcheischen Schriften vorkommen. Trotz dieser von tüchtiger Belesen- 



Plutarch's Moralia. 301 

heit im Plutarch zeugenden Beweisführung, können wir die Frage ob echt 
oder unecht doch noch nicht als abgeschlossen betrachten. 

An diese Untersuchung schliessen sich Bemerkungen zu den Frag- 
menten aus dem Commentar zu Hesiod's opera et dies und dem soge- 
nannten Lampriaskatalog. Treu hatte in seiner Monographie über dieses 
Thema, welche die Frage erschöpfend und allseitig abschliessend behan- 
delt hatte, wenig Werth darauf gelegt, dass sich bei Job. Stobaeus ver- 
schiedene Titel plutarcheischer Schriften finden, welche durch den soge- 
nannten Lampriaskatalog nicht belegt werden können; Patzig nimmt die 
Frage noch einmal auf, stellt die bei Stobaeus erhaltenen 17 Titel zu- 
sammen und versucht in einer zum Theil etwas geschraubten Beweisfüh- 
rung (so soll z. B. IV Tiepi (ptUaq aus mpl Eh^üy.iaq entstanden sein) Sto- 
baeus und Lampriaskatalog unter einen Hut zu bringen. Es folgt eine 
Besprechung einzelner Fragmente Plutarch's, an welche sich eine in jeder 
Beziehung anzuerkennende und in ihrem Resultate wohl zu beherzigende 
Untersuchung über den Namen Quintus anschliesst, welchem die Schrift 
de fraterno amore dedicirt ist. Der klare und umsichtig geführte Beweis 
ergiebt, dass dieser Name verderbt und L. Quietus zu schreiben ist. Den 
Schluss dieser umfassenden Dissertation bildet eine Sammlung kritisch 
unsicherer Stellen, welche Patzig zu heilen versucht. Der Mangel an Raum 
gestattet nicht, näher auf dieselben einzugehen, weshalb wir nur die Re- 
sultate angeben wollen. 

consol. ad Apoll. 9 statt äyujyjj — oLpojyfj. 

sept. sap. conviv 7: Ih yäp, i^r] 6 Alaojnog, oimuj yiypacpaq 
oTc Sjxocov olxizag jxrj fießuecv, wg eypa^pag 'Ad^ijvrjaiv ocxizag p.rj ipäv p.7j8s 
$r]pakoi^£cv. yeXdaavTog ouv zoü 2!6^ojvog, KXeodiopog 6 larpog' äXX op-ocov, 
ifYj, TU) ^T^pakot^BiV TU XaXelv iv olvo) ßps^up.svBV rjdcoTov ydp iffTc. Kai 
6 Xckojv bnoXaßwv eyrj 8cä toütö toc }iäKXov d^exziov auToü. ndkv 5' 6 
AicrcDTTog Aal /jLTjV, i^rj, 6 0aXrjg e8o$£v amsTv otc Td^iaza yrjpdv nocsT (seil.: 
T^ XaXscv iv oivüi ßps^ofxevov). 

ibid. 8 in. statt otc — ars. 

ibid. 13 stellt er den Senar in den Worten des Chersias her: ots 
TxpoOncvov dXXijXocacv £aTciup.£voc 
nap^ auTü). 

De mul. virt. 3 (302, 17) das Komma vor totb zu tilgen und 
mit 8ovap.ivoüs zu verbinden. 

ibid. 15 (312,38) TtposX&scv zu schreiben, gleich darauf ist das 
Fragezeichen nach dya&oc, der Punkt nach evaywvcaaaBac zu setzen. 

ibid. 25 (324, 2) vor auvcaTa/xivoog der Artikel Toug zu setzen. 

Quaest. Rom. 17 statt rj 8e nepl Tobg iauT'^g nacSag-auTTj nepl 
Tous zu schreiben. 

ibid. 75 statt dSek^cxöu d8£X<p6v. 

Quaest. Graecae 9 statt zb ydp ivvottv xal ndTptov eazl ydp 
ivvoelv xaTa zb ndzpiov. 



302 Plutarch's Moralia. 

ibid. 11 das Interpunctionszeichen hinter r^g /«^/O«?, welches von 
eepyov abhängt, zu tilgen. 

ibid. 30 statt i/i7taptr]p.t zu schreiben ifxnayivTog, gleich darauf 
fierä ßo^g. 

ibid. 34 TouTü) vodv xazä tO^tjv npoaia^z. 

ibid. 36 statt rb xepaacpopov, rö xspag afoSpov xat imßXaßig. 

de fort. Rom. 9 (321 f.) Tieptead^mcre Aor. für's Imperfectum. 

ibid. 11 (398, 29) dvSpwv, drjrzrjrcov xai dßd^cov drdu)V. 

ibid. 12 (399. 2) statt ^afißdvscv Xay^^dvecv, dann mit Wyttenb. ra 
rou OTpazod und iv oTiXoig. 

ibid. 13 (400, 39) Interpunction nach dv&piunoug zu tilgen. 

de Alex. fort, aut virt. I 5 (403, 30) für ziltaiv xrj8s.aot. 

ibid. 8 init. statt ex zoö flspacxoü xal MaxeSovixou r^g üspffix^g 
xac T^g MaxedovcxTjg. 

ibid. 9 (406, 29) nach tScocg ist ausgefallen olea&s. 

i b i d. II 9 oux äv etTisg. 

ibid. 13 (421, 18) ods ehro'/rjg ßaadeug (seil, ^v) und statt tu fiiya 
TOM o p.iytazov. 

de glor. Ath. 6 statt xai tou-wv xatroi Tobziov und dXX' dnb 
Tiocrjfidzcuv aoyxs^ojxivoi ßiot xai zouzüjv exXeXoinözojv xzvozd<piov oixog. 

ibid. 8 extr. mit Wyttenb. dUd orj — alxiag, dann der Name Are- 
thusios statt Amathusios. 

de Iside et Osir. 1 in. eu/wps&a. 

ibid. 29 (413, 21) statt aldoog ucov aldiacpiov. 

de Ei delphico 20 dvixXsmzog und El, ^ xai vrj ä(a . . . . E! ev. 

de Pyth. orac. 2 niptpat verderbt aus TtBfptxevai oder Tzefpt^ai. 

ibid. 15 T£^ä)v auz6&t dojpedv. 

ibid. 17 die Lücke: zö 8k (seil, oraculum) zivv &£:ajv ivdscag ys- 
vopivfjg dnoßaXzTv zo aspvov. 

de de f. orac. 37 aus Plato statt diaypdfujv herzustellen Bia^w- 
ypa<pu)v. 

ibid. 44 wansp ivzau&d, ^aat, nap' r^ptv rjV zh mpl zov piyav 
asiapov. 

ibid. 49 kzipoü zivog zb arjjiätov rj zoo ^epeazeuecv zbv &£bv Xap.- 
ßdvovzag; 

de virt. mor. 3 zb pkv dal awpazcxbv im&up^zcxbv xixXrjzai. 

ibid. 5 (539, 8) ao^ca xai fpovrjatg zu tilgen — dann mit verän- 
derter Ordnung zu schreiben xai dnaBrj auvcazapivrj voov. 

de cohib. ira6 mpiazoptoig zb Xiav z6ö nveopazog paySaiov iy- 
xa&£cp$£. 

ibid. 9 (555, 4) oüg <paai y^oXriv oux e^ecv wg voüv i/ovzag. — Die 
hieran geknüpfte Bemerkung, dass die apophthegmata regum et iraper. 
sich aus dieser Stelle als echt plutarcheisch erwiesen, ist eine alte, schon 
wiederholt zurückgewiesene (Volkmann I, S. 212). 



Plutarch's Moralia. 303 

ibid. 15 (pößoo 8k xal ^ecpcov icrrcv. 

de tranqu. anim 7 (568, 1) xal utcmsp xOvag clv bXaxTwai^ rh 
npoarjxov ahzolg exetvoug olofxzvog mpacvetv, ou^c ^V^- 

de frat. am. 13 npd^zai fdepyog. 

de inv. et odio 6 nach npoacuncuv hinzuzufügen xsxrrjfiivcüv. 

de ser. num. vind. 5 (666, 17) fisTpond&scav. 

de fato 11 extr. den Anfang mit Wyttenbach Tpczov 8k ol npog 
rourocg — dann jiavztxrj p.kv npwTov Tiäatv dvi^pcÜTzoig — endlich 8euripa. 

de gen. Socrat. 15 (7ö6, 34) bei /zera iyxpaxziag /xera mit Wyt- 
teub. zu tilgen — dann l'ijcjy, Sscxvuai^s — darauf yujj.va<Td}ievoc herzustellen 
und das Interpunctionszeichen zu beseitigen nach npoafipy^a&e. 

amator. 7 (936, 26) es ist keine Lücke vor /io'voi/, sondern iiovov 
drjTTTjTov ist mit dem vorhergehenden zu verbinden. 

ibid. 18 (932, 23) statt emev 6 d. ehk uj Aa^vacs. 

ibid. 21 (937, 21) ri xcolüzt so zu ändern: xaXoixrag ^fxag int.... 
TTTepouzac, rc 8rj xojXusc. 

cum princ. phil. 1. in. xoipavov — dann ri[xav xat in tijxiov = 
xotpavov eyxoXmaaa&at xal (piUav ztjiLov [iszcivat xal 7:po(T8sj(eaßac xal 
yewpyecv. 

ibid. 2 init. äv einzuschieben vor ivo^Xi^aecev. 

ibid. 4 extr. statt 8pop.atoug 'Axzpatoog nach consol. ad uxor. 8. 

ad princ. in er. 3 statt 8tdvoiav vielleicht St" euvocav. 

an seni ger. s. r. 8 xal zb /irj yacvoixevov äXXoze fikv iafaXjiivwg 
ozs 8k unb 86^rjg xevrjg npocminzzcv. 

ibid. 24 ev dyopa xünzovzag. 

praec. reip. ger. 26 wa-nep aiSrjpov xal fieazbv lob, vöcr/j/xa zt (pu- 
y^g, dnoSuadiievog. 

de unius in rep. dorn. 3 zauzag 8k zd TzXeTazov xal pdyiazov kv 
■fjyepoviacg 8ovrjd-evza zwv i&vuJv dnsxhjpwaazo zag TioXtzztag, Ilipaag pkv . . . 
darauf: ozav ßaadia jikv üßpcv ivzexrj dvuneü&uvov , dhyap^ca 8k unep- 
ippoawr^M xal zb aij&aSsg. 

de primo fr ig. 14 ou^ unb zdb dipog, ug zap-iscov wg, darauf: sc 
ydp 00^ 7j alzca zdb fjLSzaßdUetv, dXX' elg o p-ezaßdXXet zb ^ßecpöfievov 
ivavzcov (iazc) zi . . . 

ibid. 17 nach npwzwg ausgefallen elvai xal (pu^pbv npwzcug. 

ibid. 20 npoffyecoug xazafvydg. 

aqua an igni 6 xal nup pkv (po^pöv. 

ibid. 8 7j npbg zobvavzcov äv zcg ivzsü&sv svzu^üjv Myoc — der 
Schluss o(70v äv ixs.zaXdßjj npözepov nvsup.a p.kv xal nup, nocouvzu)v zouzcuv 
xal 8rj}xioupyouvzü)V. 

ibid. 10 extr. Xoocrop.ivoig ^ ßa<pojiivoig. 

non posse suav. 4 i<pi^ Oiwv oder dnsv b ßiwv. 

utrum anim. an corp. fragm. I \. (Duebn. S. 419) zsivet statt 
r&ivszat. 



804 Plutarch's Moralia. 

ibid. 2 (1. 28) xaxodacfiovcav. 

ibid. II 6 (7. 20) sl /xkv yäp ra» /i^ ivepyecv (seil, ycyverac rb 
■nday^Biv) ouMv iarc. — Endlich möchten wir erwähnen, dass unter den 
Thesen No. IV: »dass Polykrates, welchem Plutarch die Lebensbeschrei- 
bung des Arat widmete, derselbe sei, welcher de Pyth. orac. 20 genannt 
wird« — sehr viel Wahrscheinlichkeit für sich hat. 

Melanges Greco-Romains tires du bulletin de l'Academie Imperiale 
de Sciences de St. Petersbourg. Tome IV. A. Nauck, kritische Be- 
merkungen S. 90—236. 

Auf S. 180 u. 181 finden wir zwei Bemerkungen zu Plutarch und zwar 
zu consol. ad Apollon. p. 118 F. (Cap. XXXIII), wo in den Worten des 
Protagoras statt nivUsa ipijajjxivujg (pipovra zu lesen ist sua^r^fiovwg, 
eine Wortzusammenstellung, wie sie bei mehreren Autoren, z. B. Menan- 
der, Aristoteles, lulianos etc. gebräuchlich ist. 

ibid. p. 113 F. (Cap. XXIV) die Worte yap ovrag sind als Plu- 
tarch gehörend auszuscheiden, wodurch der Pentameter des Callimachus 
wieder hergestellt wird: 

fieTov iSdxpuaev TpcoiXog ^ Upiaiiog. 

In der Prograromabhandlung von L. Weniger über das Colle- 
gium der Thyiaden von Delphi. Eisenach (Karl-Friedrichs-Gymnasium). 
21 S. 4. 

finden sich zwei beachtenswerthe Verbesserungsvorschläge: der erstere 
bezieht sich auf Quaest. gr. IX p. 292 E, wo das handschriftliche ro yap 
ivvoecv xa\ narptov als corrupt feststeht; Weniger (S. 2) vermuthet touzo 
yäp evvop.ov xal Tiarptov. — ,Auf S. 16 u. 17 behandelt Weniger das inter- 
essante XV. Capitel in de def. oracul. p. 418 A; die Worte p-rj alöXa 8h 
geben keinen Sinn, ebenso wenig genügt einer der zahlreichen Heilungs- 
versuche, daher conjicirt Weniger dem Sinne, wie den Buchstaben nach 
mit Glück: fj al &uid3sg töv dpcpt^aXrj xupov rjppivacg oaacv äyouacv. 
Durch diese Aenderung ergiebt sich für das Collegium der Thyiaden eine 
neue Function, die mit der übrigen Thätigkeit derselben wohl vereinbar 
ist, nämlich die, dass sie mit brennenden Fackeln dem Knaben, der die 
Rolle des Apollo spielt, das Geleit geben, zusammen unternehmen sie 
den Angriff (bei der Nachahmung des Drachenkampfes Apollons), werfen 
Feuer in das Drachenzelt, stossen den Tisch um und fliehen, ohne sich 
umzuschauen, aus dem Thore des Heiligthums. 

Aug. Wagener, Les opinions politiques de Plutarque comparees 
avec Celles de Tacite. Bulletin de TAcademie royale des lettres de 
Belgique No. 5. 24 S. 

Wagener' s akademische Vorlesung dürfen wir nicht als eine streng 
wissenschaftliche Untersuchung betrachten, sondern, übereinstimmend mit 



Plutarch's Moralia. 30'5 

des Verfassers eigener Erklärung, für eine populär gehaltene Gesaranit- 
übersicht über die politischen Ansichten zweier auf geistigem Gebiete her- 
vorragenden Männer aus der Zeit der beiden ersten Jahrhunderte des rö- 
mischen Kaiserthums. Und dieser populärwissenschaftlichen Färbung der 
ganzen Monographie entspricht es, dass die Einleitung weiter zurückgeht 
und ausführlicher sich verbreitet über die ganze Zeit des Ueberganges 
aus der Republik zum Kaiserreiche, und dass an diese Thatsachen ver- 
schiedene philosophische Betrachtungen sich anschliessen. - Was dann 
die politischen Ansichten des Tacitus und Plutarch betrifft, so sieht der 
erstere, als römischer Bürger und Senator, den Eintritt des Kaiserthums, 
der absoluten Monarchie, als uothwendige Regierungsform an, welcher 
man sich unterwerfen muss; als Fatalist weiss er, dass eine Aendex'ung 
nicht in der Hand eines Menschen liegt, dass eine Umkehr zum alten 
Zustand republikanischer Freiheit ganz unmöglich ist, und dass die ein- 
zige Hoffnung in diesem Absolutismus auf der Regentschaft eines guten 
und wohlwollenden Kaisers beruht. Zu dieser Anschauungsweise des rö- 
mischen Historikers steht der griechische Moralphilosoph im grellen 
Gegensatze: auch ihm, dem frommen, den Glauben an die Gottheit und 
die Vorsehung überall hervorhebenden Plutarch erscheint die Monarchie 
in der damaligen Zeit als uothwendige Regierungsform, aber nur eine 
solche, welche von den Grundsätzen der Vernunft geleitet und von Philo- 
sophen, die um des Fürsten Thron sich schaaren sollten, berathen wird. 
So sehen wir beide Männer, so grundverschieden in ihren Charakteren, 
und von entgegengesetzten Ansichten ausgehend, doch zu demselben Re- 
sultate gelangen. Nach Plutarch haben es die Römer wohl verdient, dass 
ihnen als Lohn für ihre Tugenden die Regierung des Erdkreises zu Theil 
ward, und er preist die Menschen seines Zeitalters glücklich, dass die 
Römer über sie herrschen, welche der damaligen Welt den Frieden ge- 
bracht haben und deren Regenten der ganzen Welt den laugersehnten 
Frieden brachten (l'empire c'est la paix! ). Allein trotz dieser Anerkennung, 
welche Plutarch dem Römerthume zollt, trotz seines p]inverständnisses 
mit ihrer Regierungsform bleibt er doch durch und durch Grieche, der 
von edlem Patriotismus erfüllt die Pulse seines Herzens lauter schlagen 
fühlt, wenn ihm einer der gefeierten Heldennamen aus Griechenlands 
ruhmreicher Vergangenheit aufstösst. 

Und nicht minder interessant, wie die ganze, im glanzvollsten 
Stil geschriebene Monographie Wagener's ist das Schlussurtheil, in wel- 
chem er seine eigene Ansicht über das römische Kaiserthum ausspricht: 
die monarchische Regierungsform, für die damalige Welt eine Nothwen- 
digkeit, zeigte sich als ein Glück für die Römer im Allgemeinen und 
namentlich für die Provinzen; aber weil die einzelnen Glieder des gros- 
sen Staatskörpers unter sich und mit dem Mittelpunkt desselben in zu 
losem Zusammenhange standen, weil ihnen ein einheitliches Band fehlte, 
ging das römische Kaiserreich zu Grunde; es hatte keine Repräsentativ- 

Jahresbericht für Alterthums-Wisseuschaft 1877. I- '20 



306 Plutarch's Moralia. 

Verfassung, wie sie in unseren Tagen ebenso wohl vereinbar ist mit der 
Monarchie, wie mit der Republik. 

Aus dem Hermes Band XI gehört hierher R. Hercher's Auf- 
satz »Zu griechischen Prosaikern« S. 223—234. 

Plut.-Moral. p. 8 B (de lib. educand. X). Hercher entscheidet sich 
jetzt, nachdem er die von anderen gemachten Verbesserungsvorschläge, 
ebenso wie die Wyttenbach'sche Lesart, welche er selbst in seinen Text 
aufgenommen, mit Rücksicht auf den Satzbau verworfen hat, dahin dass 
die Worte (üv ärepog flM-cüvog iydvero auvouaiaaz^g^ als am Rand bei- 
geschriebeu, zu tilgen sind. 

ibid. XIII p. 9 B die Worte Tva zu) napaodyiiaTt. (poiTZivozepov 
noLr^au) zov Uyov sind zu streichen (ohne Angabe des Grundes). 

de adul. et amico XIII p. 57 A die Worte ^ dypotxou als Glosse 
zu (foptvvjv rM^sTav (pipoyzoQ zu tilgen. 

consol. ad Apollon. X p. 106 D für das nur hier sich findende 
Verbum doaavtda} ist zb Sucrdvcov einzusetzen , ein zwar sonst — wenn 
auch selten -- gebräuchliches Wort, aber ebenfalls äna^ elprjuivov bei 
Plutarch. 

ibid. XIV p. 109 C. Hercher sucht aus dem Inhalt zu erweisen, 
dass die Worte zoüzov yap slvac povov auzui in' oboia tioXXjj xa: XPW^' 
mv als das Produkt eines ungeschickten Interpolators aus dem Text zu 
entfernen sind, ebenso wie Apophthegm. reg. et imper. Scip. min. 
p. 199 F ev ooaiq. p.eydhfj zu streichen und ausserdem ^poaoö für y^poaiou 
zu verbessern ist. 

consol. ad Apoll. XV p. 110 D: hier werden die Worte zu>v 
^pr^jxdzuiv d/j.a zolg aujpaat diacpd^apivziov als einem Interpolator gehörig 
ebenfalls ausgeschieden und zwar weil es wider Plutarch's Gewohnheit 
ist, nach Anführung von Versen die aus ihnen entspringenden Lehren 
niederzuschreiben. 

ibid. XXXI p. 118 B: hier werden die Worte raurjyv 8s zrjv [xoTpav 
iv äUocg 6 nocr]Z7jg (pr^at. mit dem folgenden Verse ebenfalls und aus 
gleichem Grunde beseitigt; sie stehen zudem mit dem Vorhergehenden 
in keinen innerlichen Zusammenhang. 

ibid. XXXIII p. 118 D: da Tiapsd-rj^aiiev eine Formel wie wg (paat 
ausschliesst, wird es gestrichen; zwei Zeilen weiter ist statt dvayyeddv- 
zojv dnayyse^dvzajv zu schreiben. 

Praec. conjug. XLIII p. 144 BC: durch t8ca, welches als Inter- 
polation in den Text gerathen, werden die zusammengehörigen Worte 
aözbv Tzai z^v yuvacxa xac zrjV d^epdnatvav zpsTg uvzag getrennt, daher 
ist es zu tilgen. 

VII Sap. conviv. XVIII p. 160 F hibnh zd/oog als Interpolation 
auszuscheiden, ebenso gleich darauf unkp zrjg &aMzzr]g. 



Plutarch's Moralia. 307 

ibid. p. 161 C ist ebenfalls zu beseitigen in !^ü)v , wie schon die, 
Wortstellung zeigt und der Sinn ergiebt; gleich darauf p. 162 A ist statt 
onou onot. zu schreiben, wie slg Köpiv&ov beweist und Thucyd. IV, 42, 
der richtig ol xazaa^rjaooatv hat. 

de super stit. III p. 165 E: hier und VI p. 167 E ist zou Becoo für 
Tod Beou zu setzen, ebenso wie VII p. 168 B tö &£Tov. 

de mulier. virt. XV p. 253 D: mit Verwerfung aller Verbesse- 
rungsvorschläge ist OUT äXkoTE nüjno-E^ elrrsv, ouoh 7JpvrjiJ.ac aoi Beojxzvjj 
xai raÜTTfjv vuv Mßs rrjv X'^P^^ ^^^ ausserdem des Hiatus wegen statt 
■npoTEpa npo-spov zu schreiben und kurz vorher ßpo^ov ä(paaa statt 
kvdipaaa. 

Philo logus XXXVI p. 164 enthält einen Verbesseruugsvorschlag 
zu de Fort. II p. 97 E. Köstlin hält tb? liyouai für falsch und schlägt 
vor aü)Q Uyooat, eine Umwandlung, zu der ein Grund kaum vorliegt und 
die auch nicht das Richtige trifft, denn das Verständniss der Stelle ist 
mit wg Xiyouac leichter, als mit awg Xiyouai^ wobei Xiyouac mit »wie man 
sagt« zu übersetzen ist; auch ist die Verbindung wg Xiyooat bei Plutarch 
durchaus nicht selten. 

An die Spitze der im Jahre 1877 erschienenen Plutarchea stellen 
wir die Programmabhandlung von M. Treu, Zur Geschichte der 
Ueberlieferung von Plutarch's Moralia I. Waidenburg i./Schl. 4. 18 S. 

Die vorliegende Abhandlung beschäftigt sich mit vier Fragen, de- 
ren erste die Codices Par. Nr. 1672 und 1671 und ihren Zusammenhang 
mit Maximus Planudes betrifft. Berthold Müller hatte 1873 in seiner 
Programmabhandlung über die Seelenschöpfung im Timaeus (siehe Jahres- 
bericht 1873 S. 327 ff.) zuerst auf die hohe Bedeutung des cod. Par. 1672 
hingewiesen, den wir für den besten und wichtigsten aller Plutarchcodices 
halten müssen; Treu setzt hier die Arbeit des leider so früh verstorbe- 
nen Müller fort. 

Nach Aufzählung der im Cod. 1672 enthaltenen Plutarch-Schriften 
(es sind 78 Nummern, dabei aber jede aus mehreren Büchern bestehende 
Schrift als eine Nummer gegeben) erfahren wir die interessanten Schick- 
sale dieses Codex, die Villoison schon veröffentlicht hat. Darnach 
ruhte diese Schrift lange Zeit unbenutzt in der Bibliothek des Serails ; 
erst im Jahre 1688 kam sie mit 14 anderen durch die Vermittelung des 
französischen Gesandten in Constantinopel, Girardin, in die Pariser Bi- 
bliothek; nur ihrer hervorragenden Schönheit verdankte es "die Hand- 
schrift, dass sie der Jesuit Besnier dem Gesandten zur Anschaffung 
empfahl ; sie ist sehr umfangreich, sie umfasst nämlich 945 oder richtiger 
gezählt 962 Blätter. Wenn auch Anfang und Ende dieses Buches von 
einer Hand geschrieben sind, so ist es doch nicht ein Mann gewesen, 
der das ganze Corpus zu Stande gebracht hat; die bis jetzt über die 

20» 



308 Plutarch's Moralia. 

Zahl der Hände verbreiteten Nachrichten sind unzuverlässig, Treu unter- 
scheidet nach sorgfältigster Prüfung fünf Hände: 

Hand I fol. 2 — 706v, H fol. 707 - 869 r, HI fol. 870 — 875, IV 
fol. 876—936,, V fol. 1 und fol. 937-944. Und für diese Eintheilung 
giebt er einen ausführlichen Beweis (S. 6). In Betreif der Zeit, in wel- 
cher diese Handschrift geschrieben ist, kann kein Zweifel sein : sie gehört 
dem Anfang des XIV. Jahrhunderts au, ein Resultat, welches Treu durch 
Vergleichung mit dem Cod. Par. 1671 gewinnt; auch über diesen Codex 
sind viele falsche Nachrichten verbreitet, sowie die falsche Ansicht, dass 
1672 eine Abschrift von 1671 sei; es ist dies ganz unmöglich, denn 1672 
enthält nicht nur, wie 1671, die Viten und die Moralien von No. 1—69, 
sondern auch noch die Schriften No. 70—78 und doch ist uns 1671 ganz 
vollständig erhalten; es^ könnte sich also nur noch darum handeln, ob 
diese ersten 69 Schriften aus 1671 stammen; hätte nun der Schreiber 
von 1672 den Codex 1671 vor Augen gehabt, so würde er doch wohl 
nicht im Texte die Lücken andeuten, wo 1671 nicht nur keine Unter- 
brechung des Zusammenhanges aufweist, sondern sogar einen vollstän- 
digeren Text bietet. Nun sind aber in 1672 gerade in der letzten, bei- 
den gemeinschaftlichen Schrift No. 69 ungefähr 30 Stelleu, welche durch 
eine Lücke das Fehlen von .einzelnen Buchstaben oder von einzelnen 
oder mehreren Wörtern angeben, während in 1671 keine einzige dieser 
Lücken vorhanden ist. Eine darauf folgende Zusammenstellung einiger 
Stellen in 1671 und 1672 beweist dies vollständig. 

Dagegen stammen beide Codices von derselben Quelle, wie dies 
eine fernere Vergleichung zeigt, und diese gemeinsame Quelle geht auf 
M. Planudes zurück, wie dies auch Wyttenbach (Tom. I S. LXX und 
Tom. VI pars II S. 756) von ganz anderen Argumenten ausgehend ver- 
muthet hat. 

Aus dieser Wyttenbach'schen und Treu'schen Auseinandersetzung 
ergiebt sich nun folgendes Resultat: 

1. M. Planudes hat zu der Aufstellung seines Verzeichnisses vom 
Jahre 1302 ein den Cod. 1672 und 1671 ähnliches Corpus, das die Viten 
und die Moralien von No. 1 — 69 umfasste, benutzt. 

2. Da sowohl 1672 als 1671 eine Randbemerkung des M. Planudes 
anführen, aber von einander unabhängig, so müssen beide Codices auf 
ein Exemplar zurückgehen, welches von M. Planudes entweder selbst 
zusammengestellt ist oder doch sicherlich in nächster Beziehung zu ihm 
gestanden" hat. 

Cap. II enthält Bemerkungen zu einigen anderen Plutarchhand- 
schriften. 

1. Der Riccardianus 45, aus dem XII. Jahrhundert stammend, ent- 
hält auf 180 zweigespaltenen Blättern 16 Schriften, die von drei Händen 
geschrieben sind. Die in No. 7 sich findende Lücke von 21 Halbreihen 



Plutarch's Moralia. 309 

dient vielleicht dazu, das Verbältuiss aufzuweisen, in welchem der Riccar- 
dianus zum Vindobouensis No. 129 steht. 

2. Auch im Cod. Laur. 56, 2, dessen Text, soweit Treu ihn verglichen 
hat, ganz werthlos ist, kommt eine Lücke vor und zwar nach No. 66, 
die nur bis fol. 201 r. 2. Spalte, 5. Reihe geht; hieran schliesst sich 
ohne die geringste Andeutung No. 69. Ausserdem findet sich in diesem 
Cod. die Schrift No. 58 von derselben Hand zweimal vor, aber nicht aus 
demselben Original stammend. 

3. Auf dem Ausfall von Blättern beruhende Lücken hat auch der 
die Schrift No. 78 enthaltende Cod. Vindob. 184 aus dem XIL Jahr- 
hundert; da sämmtliche vorhandenen Handschriften von No. 78 jene 
grosse Lücke zwischen jyrrtö und opxo'.g haben, so müssen sie auf diesen 
Codex, in welchem dieselbe auf einem Blätterausfall beruht, zurückgehen ; 
für diese ist aber wahrscheinlich Par. 1672 die beste Quelle. Dieselbe 
Folge im dritten und vierten Buche dieser Schrift hat auch Cod. Laur. 
80, 5 aus dem XIV. Jahrhundert ; dieselbe Verwirrung herrscht auch in 
der Aldina, wo allerdings ein wenn auch erfolgloser Versuch gemacht 
ist, die Ordnung herzustellen. — In der Universitätsbibliothek zu Cam- 
bridge befindet sich ein Papiercodex dieser Schrift aus dem XV. Jahr- 
hundert, unter No. 2601 des Catalogs der Manuscripte dieser Bibliothek 
beschrieben; er ist bis jetzt wohl noch nicht benutzt, verdient es aber 
auch nicht; es ist eine von den Handschriften Antonii Seripandi ex lani 
Parrhasii testamento, die sonst meistens in der Nationalbibliothek zu 
Neapel sich befinden. 

4. In die Var. lect. in Plutarchi Chaer. opuscula, welche sich am 
Ende des II. Bandes der grossen Plutarchausgabe von 1589 — 1590, 1620 
und 1624 befinden, sind ausser den Lesarten von Turnebus, Vulcobius 
und Bongarsius auch sehr viele Varianten aus einem Codex von Paulus 
Petavius aufgenommen. Jac. Bongarsius hat seiner Zeit einen Codex 
Petavianus benutzt, welchen Wyttenbach für älter, vollständiger und 
besser hielt, als den Vossianus. Wenn hiermit Treu einerseits überein- 
stimmt, so geht er andererseits noch weiter und erklärt ihn für identisch 
mit dem Codex Petavianus, der jetzt im Vatikan sich befindet und von 
Montfaucon Bibl. I S. 86 und 89 mit No. 7 bezeichnet ist. Die Hand- 
schrift enthielt wohl nur solche Schriften, welche in den Bereich von 
31 — 69 gehören und in einer mit Cod. Paris. 1672 übereinstimmenden 
Folge geschrieben sind. Ebenso werden nun in jener Variantensammlung 
aus Paul. Petavius-Codex zu sämmtlichen Schriften von No. 31—69 Va- 
rianten angeführt, nur nicht zu No. 54, weil jene genannten grossen Aus- 
gaben auch den Text zu No. 54 nicht enthielten. Wenn nun mit gutem 
Recht angenommen wird, dass zwischen Paul, welcher 1614 starb, und 
Alexander Petavius die nächste Beziehung zu suchen ist und die Angabe 
über Cod. 7 des letzteren und Cod. Petavianus zusammengehalten wer- 
den, so ist wohl der Schluss nicht gewagt, diese für identisch zu halten. 



310 Plutarch's Moralia. 

5. Marc. 250, von drei verschiedenen Händen geschrieben; Hand I 
aus der zweiten Hälfte des XI, Hand H aus dem XV, Hand HI aus dem 
XIL oder XIII. Jahrhundert. 

6. Marc. 249, der ganze Text ist von einer Hand, mit Ausnahme 
einer Ergänzung des XV. Jahrhunderts fol. 35 r. bis 41 r. und 42 v. Die 
Handschrift ist vollständig. 

1. Marc. 511, Schriften von verschiedenen Schriftstellern. Plutarch- 
schrifteu von einer Hand des XH. Jahrhunderts. 

Das dritte Capitel der interessanten Abhandlung untersucht die 
Frage: Wann lebte Maximus Planudes? da die Beantwortung derselben 
von grosser Bedeutung für die Untersuchung über die Codd. Paris, ist. 
Gerade über die Zeit, in welcher dieser so bedeutende Mönch lebte, ist 
man wenig unterrichtet und vielfache Widersprüche treten hinsichtlich 
derselben auf; die Meisten schliessen sich der Ansicht an, dass Pla- 
nudes noch um 1353 gelebt habe. Treu, der diese Ansicht für falsch 
hält, theilt zunächst ein Epitaphium mit, welches nach Montfaucon Bibl. 
Bibl. I S. 28 a in der Vaticanhandschrift der Bibliothek der Königin 
Christine No. 653 auctore Gregorio quodara enthalten sein soll. So ge- 
ring die Ausbeute aus demselben auch ist, die eine Nachricht wird doch 
mit Sicherheit festgestellt, dass Planudes (Vers 7) nicht viel über 50 Jahre 
alt geworden ist; hieraus folgt nun, dass er nicht nach 1353 gelebt haben 
kann; denn es steht diplomatisch fest, dass er im Jahre 1302 den Cod. 
Marc. 481 geschrieben; somit müsste er einige 20 Jahre vor 1350 ge- 
storben sein ; ausserdem wissen wir ganz sicher, dass er vom Kaiser An- 
dronicus II. Palaeologus als Gesandter nach Venedig geschickt wurde; 
dies geschah nach des Jesuiten Possiuus unzweifelhaft richtiger Angabe 
1296, damals war er ein dvr^p iUoyi/xos und auvzrüg, oifenbar also in 
gereifteren Jahren. Da er aber noch 1302 ein Buch schrieb und wenig 
über 50 Jahre alt wurde, so muss er noch vor 1310 gestorben sein, sein 
Geburtsjahr fällt dennoch zwischen die Jahre 1250 und 1260. Und die- 
ses Resultat erweist Treu noch aus anderen Argumenten, namentlich 
einem Epigramm und Briefen. 

Die vierte Frage endlich lautet: Wie ist die jetzt in den Ausgaben 
herrschende Folge der Moralien Plutarch's entstanden? Treu bespricht 
zunächst die ältesten Ausgaben, die des Aldus Manutius von 1509, welcher 
sich die Baseler Ausgabe von 1542 genau anschloss, nur dass sie No. 25 
vor 26 stellte; ebenso Xylander in seiner lateinischen Uebersetzung von 
1570 und 1572, doch fügte er noch an die dritte Stelle die in der Aldina 
und Frobeniana fehlende Schrift No. 54 ein, liess aber 25 und 26 fort. 
Den ersten Versuch einer deutschen Uebersetzung mit 21 Büchern der 
Moralien machte D. Michael Herr Strassburg bei Hans Schotten M. Dxxxv. 
Bedeutsam ist die glückliche Aenderung, welche Henricus Stephanus in 
seiner griechisch -lateinischen Ausgabe vom Jahre 1572 mit der Aldina 
vornahm ; diese Anordnung rührt ganz allein von ihm her, wie aus einer 



Plutarch's Moralia. 311 

Bemerkung von ihm hervorgeht, die bis jetzt noch nicht beachtet wurde. 
Stephanus hat die ersten 17 Schriften nach der Aldina, erst dann die 
nach seiner Ansicht zusammengehörigen Schriften zusammengestellt, aller- 
dings oft nur von äusserlichen Gesichtspunkten, von Titeln, nicht dem 
Inhalt geleitet. Hierauf folgt die von Treu versuchte Herstellung der 
Anordnung nach den drei Bänden jener Ausgabe. Die in der lateini- 
schen Uebersetzung sich findende Abweichung von dieser Anordnung ist 
nur eine zufällige und betrifft nur einige von Xylander übersetzte Schrif- 
ten. Jene Aenderung des Stephanus behielten alle Herausgeber der Mo- 
ralia bei, ausser Xylander 1574, nur dass sie, wie auch dieser, No. 25 
und 26 aus den Moralien ausschieden. 

Aus dem Hermes XH »zu griechischen Prosaikern« von R. Hor- 
cher S. 145 — 151 gehört hierher 

de lib. educ. V p. 3 E. Hercher streicht die Worte rcDv zsxvcuv 
und aurd aus Gründen des Inhalts als Interpolation. 

de adul. et araico XVIII p. 60 D ist ebenfalls zoürov, wie die 
Stellung zeigt, Interpolation. 

Quaest. Roman. LXI p. 278 F. An Stelle des wenig passenden 
ixx^astg schreibt Hercher xrjXrjoecg als parallelen Begriff' zu yorjTsIai 
Beüiv, wie beide Worte auch de sollert. animal. III S. 961 D verbunden 
sind. Ebenso sind sie verbunden 

Syrapos. IX 14, 7 p. 746 F, wo mit Hertlein /xsrwxcximc r.phg 
abzoug zu schreiben ist. 

In demselben Hermes hat Hertlein kritische Bemerkungen zu 
griechischen Prosaikern S. 182—188 veröffentlicht: 

de rect. rat. audiend. III p. 39 A: statt r.pug k-ipoog Xuyoog 
xat ^h)dpoug schreibt er Tzpog kzipoug Xrjpoog, ein Wort, das besser zu 
(phdpoug passt und häufig mit demselben verbunden wird. 

consol. ad Apoll. XXVII p. 115 B da: dp^ijv adverbial = von 
vornherein, ganz und gar zu erklären ist und dies ohne Negation sich 
kaum finden dürfte, schreibt er aup-cpopäg zr^g fjLsycazrjg. 

de tuend, san. praecepta VII p. 125 D. Hertlein will ounozs 
vor dem ersten ouze einschieben oder ounoze ou8e schreiben. 

Plutarchea et Lucianea cum nova Marciani codicis collatione scrip- 
sit Henricus van Herwerden. Trajecti ad Rhenum apud J. L. Bei- 
jers. 91 S. 8. 

Cap. I dieser Schrift (S. 1 46) enthält Verbesserungen zu Plu- 
tarch's Moralien ; von denselben kommt, wie der Referent im Lit.-Central- 
blatt 1878 No. 3 S. 9 schon richtig bemerkt, nicht überall dem Ver- 
fasser die Priorität der Auffindung zu, da ein Theil derselben in der 
Hercher'schen Textausgabe oder in Dissertationen und Programmen sich 
schon findet; andererseits sind aber eine grosse Anzahl von Vorschlägen 



312 Plutai-ch's Moralia. 

selir beachtenswcrtli und ihre Mittheilung für weitere Kreise erscheint 
durchaus gerechtfertigt. 

de lib. educ. V p. 3 C statt uTrs^Siv roug iiaa-oüg das schon seit 
Homer in dieser Verbindung gebräuchliche iniietv ; aber warum iiaaB^ohg 
statt fiaaToug? 

ibid. IX p. 6E rb 8s Sscv statt rb Sk Srj hat schon Hercher's Aus- 
gabe, ebenso die folgende Verbesserung tujv xaipuJv und TTfjoarjxet, was 
Herwerden auch XI S. 8C geschrieben wissen will. 

ibid. XVI p. 12 A die Didot'sche (Dübner) Ausgabe bietet TravTct- 
naacv zmwv — Hercher Xe^w — Herwerden vermisst emcnujv. 

ibid. XX p. 14 B statt /ziy zoc ys — /jt-y tc ys was Hercher schon hat. 
de aud. poet. III p. 18 A statt r^v nocrjacv und z^v ^Mypatplav 
beidemale n^a. 

de r. rat. aud. VII p. 41 B. Dübner exSs^oiizvot , Hercher £k5. 
Herwerden elg8. 

ibid. XIII p. 44 C Tö 8' zöxolov xal fj.eya, Hercher aus Conj. 
jxeiXiyov, Herwerden xa\ euiisveg. 

ibid. p. 44 F citirt Herwerden die Quelle (Plato), schon Hercher. 
de ad. et am. IV p. 51 A statt 8iä rü)v dpcuCov eupeu)v. 
ibid.- VII p. 52 E statt eorj^sia ävoia. 
ibid. IX p. 54 B im Verse des Eupolis nap' äpta~ov. 
ibid. XI p. 55 A vdpSov ivsßaXe statt in. 

ibid. XII p. 56 E zwischen Tup.7:dvwv und yapd^zcg (Herwerden 
mit L. Dindorf iy;(apd$ecg) sollen die Worte fehlen dpdqztg xa\ ßpaytu- 
Viuv; aber was heisst dpd^eigTi 

ibid. XIV p. 58 B hat schon Hercher das von Herwerden vorge- 
schlagene eu xai xaXivg. 

ibid. XXII p. 64 A oV enpa^e, nXdvag ziväg zvsx' atjzou - gleich 
darauf (B) J.'<> für 3 8^, Hercher fj orj. 

ibid. XXIV p. 65 C Dübner xvtaavzog eXxog, Hercher xv^jaavzog, 
Herwerden tilgt sXxog mit Beibehaltung von xvcaavrog. 

ibid. XXXII p. 71 C statt indzrjaev S7iac<js\» oder indza^ev (Hercher). 
ibid. XXXVI p. 74 C vor (piloug ein ^' eingeschoben, ebenso de 
prof. in virt. XI p. 82 B vor eXeyyopevog. 

de prof. in virt III p. 76E Herwerden hält es für wahrschein- 
lich, dass Plutarch die Ordnung der W^orte, wie sie ,im Orakel vorkom- 
men, bewahrt habe und schreibt: 

^fxaza Tzdvza 
xai rÄaag wxzag TioXeiietv. 
ibid. VII p. 79 B drei Worte geändert: 8iaTizrMtxijjg — abzoü -- 
UezaXaßscv. 

ibid. IX p. 80 D iqsvsyxsTv statt des Particip. 
de cap. e^ host. util. IH p. 87 F statt xazauXoüvzsg xazaoodv- 
zzg, ebenso de am. rault. VIII p. 96 D ao\>8o'r^zag (schon Hercher). 



Plutarch's Moralia. 313 

ibid. VI p. 89 E x6[xr^g rig ocd&emg (schon Hereber). 

de amic. mult. III p. 94 C Umstellung: ou-s ^ujpcocg npoßdUoi)- 
oiv (Dübner; Hercher Tipog) ipxr^ xal ßpcyxoug xai hp.iai yujp.ara. 

consol. ad Apoll. VI p. 104 B ßiXziov o' äv iyzc^, sc p.^ ; die 
Umstellung D ouoev druyecv ävBpomov schon bei Hercher, der aber 
d.vBpLÜ7Zü) liest. 

ibid. IX p. 106 B svzau^a yap äv zig dxouaeie xal rrjv zoT> Z(U- 
xpdzoog (pujvTjv^ zou ocopdvou. 

ibid. XII p. 107 F streicht Herwerden ebenso wie Hercher o unvog 
röv ddvazov, in gleicher Weise hält er 

ibid. XV p. 110 A die Worte ac o' im zoüzcuv bis iazc dia<popd für 
nicht plutarcheisch und entfernt sie als Bemerkung eines fleissigen Lesers. 

ibid. XIII p. 108 F (fstoopevog zrjg zou löjo'j aopptzpiag (wie Her- 
cher), ebenso XXIV S. 114B. 

ibid. XXV p. 114 D r^? ^urr^g pizov statt ;5/ov — auch mit Hercher. 

ibid. XXX p. 117 C statt xa\ zipcoprjBzig zu schreiben xai dnopa- 
pavHscg; der Referent im Lit. Centralbl. polemisirt gegen xaza^ßiaag, 
welches Wort allerdings im Texte S. 5 Zeile 24 steht, es ist dies aber 
nach Herwerden's eigener Mittheilung am Schluss der Brochüre Erratum 
und xazafB^tvTiOag zu schreiben. 

ibid. XXXII p. 118 C rMiioviotat, wo Hercher schon Tzaiuivcotg bietet. 

ibid. XXXIII p. 118 D will Herwerden nach zhv KXaZuixiv.ov xal 
die Worte UepixÄda xal Esvo^pwvza xal einschieben und zov 'AB^rjvaTov 
hinter dem Namen des Demosthenes in die Pluralform zohg 'A^rjvaioug 
verändern. 

Praec. san. tuend. I p. 122B die beiden Verbalformen dTTszpi(pu) 
und dnezpsipdprjv sollen in dr.£zpc(/'uj und dnezptil'azo geändert werden; 
ebenso Quaest. graec. XL p. 300 B. 

ibid. X p. 127 C statt ol dyad^ul vaöxXr^pot Dübner und Hercher 
xaxot; Madv. ä&zoi, Herwerdeu dvorjzoc. 

ibid. XX p. 134E statt päUov ixrrXOuszac Xsnz'jvszac. 

ibid. XXII p. 135 C awZetv ulopzwg statt 'j^prj^ziv. 

Sept. Sap. couv. III p. 148 C det eingeschoben zwischen zhv und 
dXzul'djxevov. 

ibid. p. 149 B zvtko xhatag — was schon Hercher hat. 

ibid. p. 149 C die Copula xal getilgt vor zh sI8og, schon bei 
Hercher. 

ibid. p. 149 D die Herstellung von dnozporMioc (Hercher) statt 
zpönatoi^ ebenso Parallel. XIX p. 310 B. 

ibid. VII p. 152D Herwerden zrfi oe a-auzoü (potvr^g — Hercher 
Trjg 8k &zoü\ gleich darauf streicht Herwerden die Praep. iv vor olvw, 
endlich in F schiebt er den Artikel ein vor ßXaßspwzazov, was schon 
Hercher hat, und tilgt den Infinitiv emsTv, was ebenfalls schon bei Hercher. 

ibid. XIII p. 152 A zo nXeiazov ixcovzt (schon bei Hercher). 



314 Plutarch's Moralia. 

ibid. B Dublier ilaivj^a not-qaat^ Hercher rMcrjoat-o , Herwerden 
voßiaat und C el vo}j.cCoifjLev statt des Indicativs. 

ibid. XV i>. 158F r^v jikv yap iv jitacp, wo Hercher rayrijv ydp hat. 

ibid. XX p. 163 D xai toutou eri xaXooixev oder xa\ robzoo auTuv 
ETC. — Hercher xal roürov ^'EvaXov xaXoöfisv. 

de super st. HI p. 166 B. Herwerden will die von Meineke her- 
gestellten und von Hercher auch in den Text so aufgenommenen Verse 
nicht gelten lassen; er hält rov uttvov für plutarcheisch und schlägt vor 

o /xövov 8k TTpoTx' idojxav ^/iTv ol &£oc, 
Tc d^va zouTo r^oXuzeXsQ aaura) TiocsTg; 

Reg. et imper. apophthegm. Philipp. I p. 177C ob /jlövov Ta7g 
7:pd$£<Ti züjv ä/ihov ßaadiiov dXXä xai t^ 4'^Xfr 

ibid. XX p. 178D xmv ^IXojv kxdazu) zio nXaxouvzc, wo zu einge- 
schoben wird; ebenso XXV p. 179 A hinter d8ixrj}idzu)v zivwv einzu- 
schalten. 

ibid. Alex. HI p. 179 F xazaxXiv^vat statt xazaxXivat. 

ibid. VI das zweite Ixavd zu streichen und VH statt alzsizat ahec. 

ibid. Themistocles XHI p. 185 E Ttaps^sp^o/xsvoc xal r.poaoo- 
pouatv ? ? 

ibid. Epamin. X p. 193A ^cuvzujv zu setzen und zoO nazpug xai 
rrjg firjzpog zu streichen. 

ibid. Cato major XIX p. 199 B zrjs Su^r^g vor dnoppiujaiv Glossem. 
. ibid. Caesar Aug. IX p. 207D statt sv aczc'aeg alzta. 

Apophtheg. Lacon. Agesil. Magn. XXV p. 210D dno^euxTec 
statt des Plural. 

ibid. Paus. Cleonibr. f. I p. 230 D statt oöz' iazai ouzs xdat- 
rat = z£&d(l>£zac. 

Instit. Lacon, VIII p. 237 C statt ojansp xai 6. u)nep. 

ibid. XIII p. 237F zo 8h zrjg ffizo8oacag 8id zz zaoza. 

Lacaen. apophthegm. XIV p. 241 F eni zu statt h yzXolo). 

de mul. virt. IX p. 248 A op.u)g auixjmpzopobaav. 

ibid. X p. 248 F ev h\ Ijiaztü). 

ibid. p. 429 A dveUzv statt sUev. 

ibid. XV p. 251 B eine Umstellung von nphg dpyr^v hinter ob 
ßoöXoiihoog 8i und xazayuyeTv scg statt £7i' AlzioXobg. 

ibid. p. 251 F äg zag ixxaßexa xaXooacv mit eingeschobenem 
Artikel. 

ibid. p. 253 A TipoeX&sTv (schon von Diuse gegen Hütten und Düb- 
ner geschützt), ebenso ibid. XXV npoayayovzeg statt Tipoaay. 

ibid. XXIV p. 260A wg vor dnzdibv zu tilgen. 

ibid. XXV p. 260 E o5v vor fbatt. zu beseitigen. 

Dagegen ibid. p. 260D hinter kzepag zocabzfjg einzuschalten und 
p. 261 B zoi) vor Ttazpög. 



Plutarch's Moralia. 315 

ibid. XXVI p. 261 E hinter o) rivsg dnu zrjg ixaXaxcag MaXaxov 
einzuschieben. 

Qua est. graec IX p. 292 F die oben schon besprochene und 
von Patzig emendirte Stelle will Herwerden anders und auch wohl rich- 
tiger so lesen: toöto yäp ivvo/j.ov xat rA-piuv (übereinstimmend mit Weniger). 

ibid. XVII p. 295 B Tpmodiaxioc statt Tpcriodtaxatoi. 

ibid. XXI p. 296 C ergänzt Herwerden -cijjv y^Bovuov Bzwv. 

ibid. XLI p. 301 B statt r<h'Ilpaxkat nphg tov HpaxXia. 

ibid. XLIV in. p. 301 E statt djib bnh zou ^scjxoijvos. 

ibid. LVII p. 303 F das Wort yeiujxüpwv zwischen zrjv oYxot und 
ohyapy^iav zu streichen und gleich darauf xiai rtuv Mtyapiujv statt zöiq 
zu schreiben. 

Parallela coli. I p. 305 C zweimal für Kovaiyetpog Kui/syetpog. 

ibid. IV p. 306 E statt ts/jlvsc t^v xapdcav ixzepvsc. 

ibid. VII p. 307 C statt oivcojj.zvo:g ajvivp.£vücg. 

de fort. Rom. III p. 317D Umstellung: waTisp dnu axonr^g zou 
Tipoßlrjßazog^ darauf exeT hinter MoOxiog zu tilgen. 

ibid. XI p. 324 B statt wg b KoXo<fcovfujv Baßukuviüjv, dem Sinn 
nach viel passender. 

de Alex. M. s. fort. s. virt. I 2 p. 327 A statt y9:a« &up.wv ^r^pauv. 

ibid. I, 11 p. 332 B ojxcavu) npocfoptaat MaxsSovtav statt Tpocrspscarxc. 

ibid. n, 2 p. 335 D hinter piycozoM und vor abzuü noch abzog ein- 
zuschalten; während hier der Superlativ richtig sei, müsse de mul. virt. 
XXVI p. 262 A der Comparativ p-o'/^Br^püzspog geschrieben werden. 

ibid. p. 335 D vor kx (pidhig ein uyg zu ergänzen. 

ibid. n, 4 p. 337 A statt i.xXetrMvzeg die Aoristform ixhnövzzg; 
anstatt anttai xa\ (peüyzc vermuthet Herwerden aanivza xazaip^ivzt. 

ibi d. II, 6 p. 338 D statt dnojSacvstv äpnarog: axovzi^etv d<p^ äpp-azog. 

ibid. p. 338 E statt ouzujg bxcWjSy], wo Madwig bnÖTizcog ixc]/rj&rj, 
Herwerden ob pszpcwg. 

de glor. Atheniens. VII p. 349 E statt xal wiiozdlmzor. vaol 
^ihozdXavzoi und gleich darauf vzwaotxoi statt veu)v olxoi. 

ibid. VIII p. 351 B statt zoTg azpazrjoTg r.apaßdlleiv: zu azpa- 
rYjyiu (Demosthenes); den Schlusssatz dieser Abhandlung über den Ruhm 
ändert Herwerden so um : xal prjv o" ye OT^poacoc Xöyot. zobzo iyooai dao- 
fiacTzov, ozi za?g pkv ^ihmiixoTg im npd^ecg npozpinszac , xazä ok zr^v 
AenzLvoo dixi^v drcpa^tav STiatvzt. 

de Isid. et Osir. IV p. 352 C yäp hinter ot pkv vor ob8' okog 
und gleich darauf hinter ysAoTov ouv ein äv einzuschalten. 

ibid. X p. 354 E BaupaaBeig xat vor daopdaag zu tilgen. 

ibid. p. 355 A zcxzoum 8k zbv yuvov dfivzeg sig ovBov ov a(pcu- 
poTxotouao . 

ibid. XI p. 355 B statt des poet. Adjectivums "^Eoyilüv schreibt 
Herwerden '^zoyvov. 



316 Plutarch's Moralia. 

ibid. XIII p. 356 C statt touq 8e auvövzag zu verbessern aüvajfiÖTag. 

ibid. XIV p. 356 D rfjv 8' "lacv alaBojiivrjV xzipaad^at ivrauBa tÜ)V 
TrXoxä/iojv eva xai nivd^ijxov gtoXtjv dvaXaßsTv xal xu<pa(T&ac, onou noXcg jj 
jj-iXP^ ^^^ öVo/xa KoTiTU) — ebendaselbst am Schluss xuvwv knayayöv-CLov. 

ibid. XLVII p. 370 C dv&pu)Ti(p xocixcofievo) od /xsrpcov. 

ibid. LI p. 372 A vor ^hov einzuschalten wansp rjXioo. 

ibid. LH p. 372 C rj nzpcopop-rj zoü rjXtoo zu nüp ^ecpLOJVog r^g ^eou 
Tio&oöarjg. 

ibid. LVIII p. 374 F dW wamp . . . xac Scxacov epäv yuvacxug 

jj av ouvfi xac yuvacxa del yk^op-ivr^v exetvou xomep exeivü) napou- 

oav .... LIX . . . ivraO&a 8oxoup£v ineaxuUpiundCecv xac Tievd-zTv Xi- 
yopev aözTjv. 

ibid. LXIII p. 376 F Xdyszac ydp Tipwzov pkv sv. 

ibid. LXX p. 378 F Umstellung: d?i^ä dwpa &zu)v psyaka xa\ 
dvayxala. 

ibid. LXXX p. 384B die Lücke: xaBacpscv, xdpza paXaxzixov ov. 

de Ei delphico VII p. 387F zd^a 8' ipsUov. 

ibid. IX p. 389 B ipcpavtcrpoög (für dva^.). 

de Pyth. orac. XIX p. 403 A zwv 8' evzau&a ^prjapoug l'apev. 

ibid. extr. p. 403 F statt ujg zwv äXkov. ziuv noUaJv. 

de def. orac. II p. 410 C zov ua-epov iviaurov. 

ibid. IV p. 410 F vor scmTv ist xprjv oder i8ec ausgefallen. 

ibid. XV p. 418 A Baupdaavzog 8k — dvzayojvc^opivoog ebenfalls 
eine Ergänzung durch i8st. 

ibid. XVIII p. 420 A Zo-^J^? iyecpouai statt zpinouat. 

ibid. XXI p. 420 F el prj noXu <pav£2zat. 

ibid. XXV p. 423 F vor zuv xoapov zu ergänzen eva. 

ibid. XLVII p. 435 E za>v dXvj&wg xai batiog. 

de virt. raor. XII p. 451 C xal Tizpdazaabat Hg zo ^prjaipov. 

de cohib. ira VII p. 456 E xa\ rMt8cäg piktzt oder TiatScä wg pdXczc. 

ibid. X p. 458E xai zuv NeuTizokspuv 

Tcü o' ou zt xopTidaavz' dXoi8upuj 8üp7j 
spprj^dzrjv ig xüxka y^aXxecov onkwv 
oder rjpa^dzTjV oder ippa^dzrjv. 

ibid. XVI p. 464C hinter elza p^va-.iva einzuschalten. 

de tranquill, an im. VII p. 468 E Txpoßakkupevut xal pejxcarjxuzeg. 

ibid. VIII p. 469 E Tcpoazpiipavza in Ttpopptipavza zu ändern. 

ibid. XIV p. 475 B xeipdvoug hinter sv zfj (f'u^fj zu tilgen. 

de frat. amore VI p. 480F puüaag zu tilgen hinter ouzcog wvupa^uv. 

de amore prol. I p. 493 C nucxckr] ydyovs xal 7j8e7a oder n. y. 
-nyv c8£av. 

ibid. III p. 496 C zoug paazohg und yeydvaacv zu streichen. 

Au vitios. ad infel. suff. II p. 498D dkX' ot ys züpavvot ot anoo- 
Sd^ovzeg — pvj^avüJvzac, dkoyouac (pu^^g. 



Plutarch's Moralia. 317 

ibid. III p. 499 A statt Xoyoug zu schreiben Xoytaiioug xa\ napa- 
SscyftaTa xofic^uvTwv. 

de garrul. IV p. 503 D statt ofioazoixog nach Stob. flor. 99, 27 
OfxuToc^og. 

ibid. XIV p. 509 F zu ergänzen räjv vor hpoaöXojv. 

de curiosit. X p. 520A statt npoazatrj Tipoaa-airj. 

de cupid. divit. V p. 525 A hinter ipojzrj&scg e! ein sn zu er- 
gänzen. 

ibid. VI p. 525 F npog vor /xr^dev dnokauouaa zu tilgen. 

de vit. pud. VII p. 527 F statt xal jxrj auzujv zu schreiben ahsTv. 

ibid. X p. 532 F rrjv Ob zu streichen. 

de invid. et odio VI p. 538 A statt mp auscv ivaOecv zu schreiben. 

de genio Socr. I p. 575D dcsX&a re ttjv rzpä-tv rjpTv. 

ibid. IV p. 577 C abzoOg in abzoug zu ändern. 

ibid. V p. 578A mpieXd^eTv aipag dvaa^^oiiivoog , gleich darauf 6 

yäp del dnaXlazzupevog sn abzu) dpdaavzag dnopprjzoog lepoop- 

ytag, wv zä OTjpala (Tuy^doucrc xal d<pavlZouacv. 

ibid. XI p. 581 A u}g yäp uXxrj pLixpa. xad^ auztjv ob xazdyec 
zbv ^uyov. 

ibid. XIII p. 583 B sc 8k prj zä Xsltpava. 

ibid. XIV p. 583 E statt Mdr^mav ylaijjjoa zu lesen iXaviba. 

ibid. XVI p. 586 A statt ebpsTat zu schreiben ao^vai p.kv yäp dzpa- 
•noi ßiiuv. 

ibid. XVII p. 586 B statt ujg b^zpambacov zu (TÜJ}J.a: zb zpabjxa. 

ibid. XVn p. 586 D icpeSpebzc nbxzr^g Vfj<pu}V Hpmmdag. 

ibid. XVIII p. 587 D hinter yvujpipog 8' bplv ist b dv&pajnog 
zu tilgen. 

ibid. p. 588 A zwischen xaxäg und bSobg ein pkv einzuschieben. 

ibid. XX p. 588B iuit. dXXä als Einschiebsel zu beseitigen. 

ibid. p. 588 F ij 8' ivococumv abzw ^aXwvzt xdt auvzecvovzi utanep 
rjvcag zag oppdg (ohne ivoobaag) — dann dxpag (statt äxpa) napaipabaei 
^stpug, endlich statt xtvijaewg xal auvevzdaeiug zu schreiben auvzdazwg. 

ibid. p. 589 B zw yäp ovzt — ojauep zl'prjzat, (piyyog. In diesem 
Satze emendirt Herwerden Saipovtotg für 8uvap£voig und abzdg für abzd. 

ibid. p. 589D mit Vergleichung von Aeneas comm. poliorc. 37 
§ 5 (Hercher): wamp yäp al nXrjyal zujv bnopozzuvzüjv dam'at ^aXxatg 
dXiaxovzat. 

ibid. p. 589 F statt drcrjXXaxzat drnjXXaxzo. 

ibid. XXI p. 589 F (init.) obx oW el p'fj pbßocg {bfiocözepa jj) X6- 
yocg övza ationäv d}xztvov, gleich darauf iyvioxa statt iyvojv. 

ibid. XXII p. 590 C zu ergänzen: vor wanep ßa^r^v ein uxrre. 

ibid. p. 592 C statt ivdivos zrjg (po^rjg ivooß^sv. 

ibid. p. 592 E statt zuiv xa&' iauzöv: zaiv xdzuj^zv. 

ibid. XXV p. 594 C statt 8£$d/i£vog: de^cwadfisvog. 



318 Plutarch's Moralia. 

ibid. XXVI p. 594 D unspßdUovTsg in den Aorist bjiepßaXovzsg. 
ibid. XXVII p. 594 F statt tu? dyöixevog: dnayoix. 
ibid. p. 595 D /ze^' biiiov in ijixivv zu ändern, 
ibid. XXX p. 596 D ;^jra»y^a tujv yuvacxsuov. 
ibid. p. 596 F bnap tivojv aTtüodauov. 
ibid. XXXI p. 597 B statt napä zov zpdxrjXov xazd. 
ibid. XXXII p. 597 E xa;. zu tilgen zwischen i^eve^Belg zr] bno- 
voiq. und amiadiievog. 

consol. ad uxor. III p. .608F (extr.) fir^ xaBrjai^ac pr^k xaza- 

Sympos. 14, 3 § 4 p. 621 D d<patptTzac abzwv fj ßXdnzei zd rjSsa. 

ibid. I 9, 1 § 1 p. 626 F zb zmv spuov zobg Ttloxnog. 

ibid. II 1, 2 § 10 p. 630 D die Lücke xd\) dlXot novMvüJvzat zd 
Tocauza. 

ibid. II 1, 8 § 2 p. 633 D <pdoxSdpoo für (pdoxcHaptazoü. 

ibid. II 1, 10 § 4 p. 634 A statt h zj] (^X^^Ti "^otaüzr^g pszadoasiog : 
UTZo&iaecüg. 

ibid. II 1, 12 § 2 p. 634 C i-notrjaev i$am(Tzrjmc. 

ibid. II 5, 2 § 6 p. 639 F xazaßcaa^vat. 

ibid. II 6, 2 § 2 p. 640 D coamp kXxcjBivza l^^^pa cruvdyae. 

ibid II 8, 1 § 2 p. 641F rrsp} zag Tzpomfjyopcag auzoax^Scog cov. 

ibid. II 10, 1 § 7 p. 643 D im dsTnvov ^xsi. 

ibid. II 10, 2 § 10 p. 644 D xac obx i^acpsc ye vosh zivag aijzbu vopdg. 
. ibid. III 1, 3 § 8 p. 647 D r^phg zag zwv ataMjaswv dxpdg. 

ibid. III 6, 4 § 13 p. 655 B xal zrjg (j-'^X^jg xazscrzcuarjg (? xaBs- 
azwOTjg muss es wohl heissen). 

ibid. III 10, 3 § 12 p. 659 A öXtyov dno8sc arjtpLg dvai. 

ibi.d. IV 1, 1 § 6 p. 661 A eunenzd iazc xal eundpccrra. 

ibid. IV 1, 3 § 11 p. 662E xal uzt Statpsc zijv zpoiprjv. 

ibid. IV 2, 3 § 2 p. 665 A (pdoo6<p(p 8^ zobzov TzapemSrjpoövzc. 

ibid. IV 4, 3 § 2 p. 668 E die Lücke durch das Adject. doanpd- 
§sxzog zu ergänzen. 

ibid. IV 6, 1 § 1 p. 671 C 0ao».daag 3k zb im Tidat prjMv. 

ibid. V 2, § 7 p. 675 A dywva notrjjmzMV. 

ibid. V 5, § 11 p. 679 D statt xou<fd zb notoüatv xou(puzepa und 
§ 10. xa} zu(pXbv dXrjBwg xal dvi^ooov. 

ibid. V 7, 6 § 3 p. 683 A noppoj vuxzwv ohne oucfojv. 

ibid. VI 3, p. 688F üeberschrift zo2g diipwac 8k, idv ^dycoffc, zb 
di^og imzeivezat. 

ibid. VI 7, 2 § 5 p. 693 A statt abzuv 8' etxppacvovzeg : auzbv 8k 
^ai8püvavzsg. 

ibid. VI 8, 1 § 3 p. 694 B hinter zb pkv ouv ßoOXtpov: Xtpov 
zu setzen. 

ibid. VII 8, 3 § 6 p. 712A zt dv dvzdiyoi zig. 



Plutarch's Moralia. 319 

ibid. VII. 8, 4 § 1 p. 712D ^ SiaMnojv in den Aorist SiaXtnm 
zu ändern. 

ibid. Vn 10, 2 § 9 p. 715E der Name Fopyiag verderbt — yop- 
yujg oder yaupiäaaq — oder bi dpyrjg"^ 

ibid. § 17 p. 7160 rbv Bzhv 'Ehu&spda ixdXoov. 

ibid. Vni 3, 5 in it. p. 722 D w npbg Jtbg, elnar' d&swprjTa. 

ibid. Vni 4, 2 § 4 p. 723 D Umstellung: ujg dhrjBwg zu xaxa 
•nollüiv hyopevov. 

ibid. VIII 4, 4 § 2 p- 724 A Sd^vjj xal vor (pobtxt. zu streichen. 

ibid. VIII 4, 5 § 6 p. 724F enaipovTac xal b^ouvrat. 

ibid. VIII 6, 5 § 5 p. 726 F die Worte ro 8k xaTps bis dSovTag 
als nicht Plutarch angehörend zu streichen. 

ibid. VIII 8, 1 § 3 p. 728 E xal rbv SiKump-ov ipol, rbv naoad- 
ve/JLOv, Ttudayopcxaig ne^acveiv zb Aoypaza 8' eZ aziy' eau) <ppev6g. 

ibid. Vni 8, 2 § 2 p. 729 A dXa\ BaXazzmig. 

Amator. II p. 749 D noXkaxcg ina^i zc Tipbg zb jiscpdxtov mit 
Einschub des zi. 

ibid. IV p. 750 B iywyi (p-qju zohg yuvac$c z: npocrnanovBozcov. 

ibid. p. 750 F ouSdv eaztv i^utzcxwzspov, gleich darauf yvijaiov 
xai opstov. 

ibid. V p. 751 D ecxug eazc zbv yuvacxaiv rj zbv dv8pu>v. 

ibid. VI 13. 752 B fxcxpbv 8e ahzdb 8iaXm6vzog. 

ibid. VII in it. p. 752 F ndaaig yuvacglv slvai epaazrjV p^ Mßojpsv. 

ibid. IX p. 754 A coansp 8axz(jhov zwv ihxzuiv, eine Verbesserung^ 
die Herwerden am Schluss zurücknimmt und so umformt: ujtrmp 8axzü- 
Xtov ia^vbg ajv prj. 

ibid. XIX p. 764 D statt mpcopäv zu schreiben unepopdv. 

ibid. p. 764 E statt xal mpl auzdv aczecadac: xsc<r&ac. 

ibid. XXIII p. 769 B zäjv yuvacxeuov spiuziov. 

Narrat. amator. II p. 772F knel 8e mtd-eiv — snl zyjv olxtav 
zou MsXcaaoo. Nach zb pscpdxcov ist ein neuer Satz zu beginnen. 

ibid. III p. 773 E xaza^f^evzag in'' aJjzohg JaxsSacpovcoug : nap' 
abzov, ebenso bald darauf p 774 D nap' auzojv <ppoupdv dTiiaipa^z. 

cum princ. esse philos. I p. 776F ro ijpüyycov Xiyouat piäg 
alyog dg zb azöpa XajSoüarjg, ahzijv ze npwzov execvrjv xq.za zb kocnov. 

ibid. IV p. 779 A z^v küpav zu streichen. 

an seni sit ger. resp. I p. 784 C ydpojv im xüjpov d<piypivog. 

ibid. VII p. 803 D xaxajg ouzco Tienpayivai. 

praec. ger. reip. X p. 805C ohgriv KXiujv 'A^vrjac xal KXzo<pu)v. 

ibid. XII p. 806 C dnipptipzv hinter Ttoirjaa.jxzvog zu tilgen. 

de vitando aer. allen. VIII p. 832 B SouXeOovzeg dypunvoüvzeg 
dve^ovrai. 

X orat. vit. I p. 833 A dkcyo) aiv vsiuzepog mit eingeschobenem wv. 

ibid. p. 834 A npoaxaXeada&cuv 8' auzobg oc &s(Tpo&ezac. 



320 Plutarch's Moralia. 

ibid. VII p. 842 E dvrtxpo r^g Uaccuvtag ^ABrjväg.- 

comp. Arist. et Menandr. II p. 853E dXXa MdvavSpog ouTOjg 
£fic$e rrjv Xi^tv. 

de Herod. malign. VI p. 856A Aaxsdacfxovc'iov zwischen b^sca^ac 
und ed^eXrjaavTog zu tilgen. 

ibid. IX 13. 856 D dg rJartv wv (piyzt. irpocramrcßsTac oder r.poazc^srat. 

ibid. XII p. 857 B näcriv Aiyonrcotg oawzrj-a ttoXXyjv. 

ibid. XIII p. 857 D Madvig's Conj. ärMfcxiviuv d-soög für dnocpac- 
vovvac wird gebilligt, aber das von jenem eingeschobene shac beseitigt. 

ibid. XVI p. 858 C perä raüra Toug l4Xxpscuvc8ag ävdpag ysvopdvoug 
dyad^oög. 

ibid. XXIII p. 861 A xai Siahjaaai rTJg kxnopTir^g Saptoig opyi- 
Z,ecfbai (pYjat. 

ibid. XXVII p. 862 F (pr^ah log abrug Idwv. 

ibid. XXXI p. 864 D die Lücke so ergänzt: wv r« pkv (l'sodwg, 
rä 8k ocaazpifcüv ttjv dXrjBztav. 

ibid. XXXII p. 866 C rMlXoug prjv, £<pyj^ TS.Bvrj~opzvoug. 

ibid. XXXIV p. 867 E zprjy^iiog de TisptecfBivreg rwv al rjpt- 

azat — iaco ig zrjv EXMSa. 

ibid. XXXV p. 868 D alztag ixdHrjzo — xal — dmazoug zw ypaipdu). 

ibid. XXXVI p. 869 B xai Jäzcv au&ig — xazanprjaavza zu 
uTrdfftstov. 

ibid. XXXVII p. 869 D zr^g yr^g zä xdzco ocxoüvzsg. 

ibid. XXXIX p. 870 B die Lücke dXX' u pkv iif'suazac, Xöyog Y^ptv 
oooatg- d 8k rivtuv xaziil'tuazai povov e^zzä^opsv. 

ibid. p. 87lB o? pkv auzrjv r.auaapzvrjV zou dw8p'jg ipäjaav, letzte- 
res eingeschaltet. 

ibid. XLII p. 872 E zaüza yäp ou y^ophv ev KoptvBo) 8i8daxiov 
ouS' dapa. 

ibid. p. 873 A dXiyoo koir^aav slg ^stpag iXlhcv und gleich darauf 
dno8£cXcd<Tavzsg xal dnoSpdvzsg. 

de placit. phil. I 3, p. 877 F ins] d<p kauzCov ou xtvTj^rjiTzzat, 
gleich darauf so zu interpungiren, dass die Worte zaJjza bis aBpaoaxot 
eine Parenthese ausmachen. 

ibid. I 6 p. 880 D Schluss: zu xpdzcazuv zu tilgen und dann fort- 
zufahren zoTg oüv dpcazEouoac zu xpdzcazov dpocwaat xaXaig £/c.'V ocs- 

ibid. I 7 p. 880 F zu lesen: ZTzei 8k 6 vupog zd pkv (pavzpd — 
xpixpa 8' Yj8ixoöv TiuXXot — ojg 8sl <psü8si etc. 
ibid. p. 881 B naig ydp äv — STiXacrsv. 
ibid. I 11 p. 882 E xoptiüza-ov 8k yjyzlzai. 
de facie in orbe lunae V p. 922B e; 5' eyyiyovs, mug oox. 
ibid. XII p. 926 C prj8k vouv, XPW^ ä&cxzov bnu ßd&o'jgrj Tidxoog. 



Plutarch's Moralia. 321 

de primo frig. XIII p. 950 C xal nöpizaq <n8rjpäg xai ra Xenrä 
riöv BpyaXetiov ohy^ udazc. 

ibid. XIV p. 951 A rb 7:apoc]ica^6fj.svov im rdlg dSovdzotg und gleich 
darauf ei yäp dsi rawr' elg u jieraßdXXei rh <p&ecp6ixevov ivavziov iazc. 

ibid. XVIII p. 953 D auvzpcßsaBai 8txr]V bekujv. 

de soll, animal. I p, 959 A dya&bv Ttotrjzdv, e^jy, vsujv (pu^äg 
xaxxovrjv\ darauf: u)g zdlg veocg 8cä zwv inajv Spfirju — d^scdoüacv auzojv. 

ibid. II p. 960 C ^ SV olvoj xac napä nozov. 

ibid. XVI p. 971 F Vers des Ion: 

azpoßtXog dn^dxav&ov elXc^ag dip.ag. 

ibid. XIX p. 973 A init. : eimXaazov ouzcu xat [xiprjXhv Scap&poüv 
xai po&fic^scv. 

ibid. XXIV p. 977C rj 8' dXu>nrj$ — dXdöaa 8' euBbg ixazpe^ezac. 

ibid. XXXVI p. 984B ecg zä vabXo^a xac i^ö8oug i^ovza z^g ^(o- 
pag xac daipaXetg. 

Gryllus IV p. 988B ocxot xd&rjzat npbg io^dpa oder Ttap' icr^dpav. 

de esu carn. I 1 p. 993 A xai vsxpwv aajp.dza)v xai icoXojv — xai 
zpo(pag Ttpoaecns za ficxpov. 

ibid. 5 p. 995 C ^p-sTg 8' ouzujg iv zw ficac^ovo) zpu^aifxev waz' 
u(pov zb xpiag Tzpoaayopsuojxsv. 

ibid. 2 p. 993 C Umstellung: elg 7]8ovag daop(p(jXoi)g napä <poatv. 

ibid. 2 p. 993 F die drei Worte ißpwl^Y] und xai ^ayovrsg zu tilgen. 

ibid. 3 p. 994 BC. In dieser Stelle von ofxocov o>g eY zig zbv Nec- 
Xov bis zum Ende des Capitels sind von Herwerden folgende Verände- 
rungen vorgenommen: iiim/xTiXdvza — xai euxaprcov ist gestrichen — 
ebenso zag vor alzcag zrjg fxep(pscug xai, worauf imXavBdvoczo eingescho- 
ben — dann enetza enißXiipag. Hinter zocoüzov zc xac eY zig eingescho- 
ben, dann xai auvrjyopca gestrichen , ebenso xai <pep6jxevov - hierauf rj 
zu)v 8cxaZ6vza>v ag 8e7 oiazpe<}iac, endlich eiza napelg zoüzo. 

ibid. 4 p. 994 E elza ag fMyyezac xai zepezcZec. 

ibid. 5 p. 995 A einzuschieben hinter e^ecv zrjv (poacv: ipeoSovzac; 
gleich darauf xai nveu/xazog &epix6zrjg ni(pac statt zpe<l'ai, endlich in der 
Mitte des Capitels: ec 8e Xiyeig necpoxivac aeauzbv enl zocaüzjj e8oj8fj u 
ßoöXec (payeTv, npujzov auzbg dnuxzeivov. 

ibid. 6 p. 995 D exßdXjj xazepyaaiav zu)v xpeihv xai ttoXXwv nspcea- 
zatzajv abzbv dv&pwnojv. 

ibid. p. 995 F zbv r^Xiov — dvai^op-cdaeiuv Xenzwv dßprjaavzeg — 
xac d^Xudj8^ xai daB^evouvza zag auyäg opjaJjjLSV. 

ibid. II 1 p. 996 E ixzsfiövzag für ixzdpvovzag, bald darauf ou 
zpo<p(i>vzeg dvaiprjaofxev — oTa vuv noXXol TzoXXä Spwatv. 

ibid. 2 p. 997 D obSk zoXjirjaecg — xai zdni8ag dXoupyetg xac xb- 
Xixag ocaXc'doug rtoXozeXeTg, dXX^ enezac Xizfj /ikv — xai zpaneZjj xai xuXixc 
Toiabzjj 8e'cnvov d<peXeg. 

Jahresbericht für Alterthums-Wissenschaft 1877. I. 21 



322 Plutarch's Moralia. 

ibid. 3 p. 997 F /x)y ysMaaiixev mit ccV und am Ende des Capitels 
ixecva iihv 2!xüBacg cpair^ d.v nB<pik)ao(pr^abai xat ^oyScavoTg xal MsXay- 
^Xatvoig. 

ibid. 4 p. 998 B Coarcsp zu npwTov — bald darauf xa\ yevofievov 
oüroj auvTj&sg xat TTpofxaXerrj&ev, dann dXX' iav /jltj dnoSe^rjrac reg — xal 
<po^r]v inl röXfiav u)}ioripav. 

ibid. 5 p. 998 D hinter <p6ßu) ist xal 8iog zu tilgen. — Dann et 
8' srepog Tiapsarrjxoi , endlich am Schluss Yaog y' w &£oi, xal ofxoiog b 
xivduvog ptj (payelv xpiag xal ^ovsüaac rsxvov ^ izepov olxelov. 

ibid. 6 iuit. out dya&bv oure TrpoYjyfidvov. 

de Stoic. repugn. XXVIII p. 1047 B vijv prjTopcxijv bpc^szac zi^- 
VYjv Tiepl x6(T[xou xal eupyjpivou Xöyoo zd$cv. 

de com. notit. Stoic. XXIII p. 1070 B wanep rj nap' 'Ap^cXo^o) 
yovTj zfj pkv udwp (popooaa doXoifpovoüaa X^^P'^i ^^~^PJj ^^ nop. 

ibid. XXX p. 1073 E xai ehai fxh, oux ovza 8k slvac, ändvTOJV 
dzoTicüzazov eazc. 

ibid. XXX p. 1074 D Ttäaav dzomav (Wyttenbach — Faehse — 
Rasmus — ). 

ibid. XXXVIII p. 1078 F dvacpeTzai <poacg, bald darauf nach zi ouv 
ein Fragezeichen; dann 8£t einzuschieben vor 8caazoXjj ^prjaaff&ac. Am 
Schluss ist das zweite prjzs i^ zu streichen. 

ibid. XL p. 1081 A dXX' ou8s 8iavo7jz6v. 

ibid. XLIV p. 1083 B zu ergänzen hinter zatg eipr^fiivaeg npoaoSotg 
xat d(p68oig. 

Non posse suav. viv. sec. Epic. II p. 1087C xal zou 7j8d(og 
(VW£$em7tzov äv. 

ibid. III p. 1087 F dW wanep dazepeg ot, gleich darauf 6 8k zou 
TTovorj TcoXbg Ol) pdpzog b Ala^üXou OiXoxzrfqg txavog' ob yäp 6 Spdxwv, 
(pr^alv, ivrjxsv, dXX' svwxcas 8sivr]v azojXiozbv ex^ucrev, noSbg Aaßwv, Im 
Folgenden: oXiaB^r^pä 8k y ^Sovtj, ou8k ezepa zotaüza xivobaa. 

ibid. IV p. 1088 E dp^öfievoc fikv dnb zou aatfiazog, iv w npujzov 
i<pdvrj TjoovYjg yiveatg mit Ergänzung von ^8ov^g. 

ibid. IV p. 1089 B ujamp iv axapapißt z^ 'P'^Xli '^^" cro<pou (andere 
Versuche bei Ed. Rasmus in der Programmabhandlung über diese Schrift 
des Plutarch S. 3). 

ibid. V p. 1089 E pri auvzivdzzea&at zb enov. 

ibid. V p. 1090 A ohx eaztv ä^oßov xal äxoiiov SiayayeTv oder 
besser 8tdy£tv. 

ibid. VI p. 1090 D xal ^dXaaaav ßeßpayp.iv7jv, b(p r^g 'Emxoopog 
öXcyoo i8£r](T£ (anders Rasmus S. 4). 

ibid. VIII p. 1091 F iXsuBspag 8k xal xa&apdg xal dßiyoug xal 
dvonoöXou (oder douauiTXTjzoo) ^apdg (anders Rasmus S. 5). 

ibid. VIII p. 1092 B el firj8kv ^p-äg al bnkp zajv pezewptuv bnocptat 
YjVw^Xouv, ai z£ T:£pl &avdzou. 



Plutarch's Moralia. 3 -23 

ibid. IX p. 1092 D aXXa awiiazcxacg rj8ova7g ohv iTTc/iecocdascg. 

ibid. X p. 1093 B ivzari yäp xul zocg dvcwac. 

ibid. XVII p. 1098 D in. xal oXov ol äv&pwnot — xivrpa) 8cd(T7jiJ.d 
Tc r^ yaarpl iiepiypd(poöaiv. Darauf ob ydp tc <paükov rj (poxij — ujamp 
ol TzoXüTzodeg zoug nodag, letzteres ergänzt. 

ibid. p. 1099 A die beiden Worte dXX' "EU^veg zu streichen. Am 
Schluss des Capitels xal /isysß^og hfpaviZßum xac xazaaßevvooumv. 

ibid. XXI p. 1101 C dX)^^ dltyoi }xhv zwv dvHputncjv dsdcaac zhv 
S^söv, wg oöx äiiecvov — ivl </>6ßüJ, de' ov ob dsovzat noXXwv, 

Adversus Colot. VII p. UIOE. Die Lücke wird so ergänzt: 
Tuv oöv ßopßopov xal zuv zbipov. 

ibid. XIV p. 1115 C die Lücke <ptXovtx6zzpov ivtoig iBo^zv ^ ipiXo- 
aufwzspuv e^£(T&ac — wg Txpo^ipzvog zr]v IlXdzajuog bnepemstv <ptXoao(piav. 

ibid. XIX p. 1117 F in it. kml zoivuv b KuXwzrjg — zag aeßdasig 
ixetvag ipcuzdc&uj npiozov — Tzihg aczca npoadyezai xal ob ^opzov sm- 
ZTjdetog a)V. 

ibid. XXXTT p. 1126 A i^opxujaa: zobg noXczag ^ fx'^v i/j./jLSvecv zoTc 
flapfievcdou opxocg. 

ibid. extr. p. 1126 D zijv ydp yXäJzzav abzob dca-paycuv. 

ibid. XXXIII p. 1126 E <pipovza ßbßXoug zuv Nznov. 

De occulte vivendo I p. 1128A oncug zobg aovsa&tovzag 8ia- 
zpicpavzeg abzot. 

ibid. IV p. 1129 C Zazspov 8s yvcupta^Big. 

ibid. VII p. 1130D init. xatzoi zrjg ys 86$7jg xal d&Xov shac (pa- 
oiv ebaaßwv ^üjpov. Dann nach den Versen des Pindar: xal rcoza/ioc zc- 
veg — xal Xoyocg zwv zs yzyovbzaiv xal zaiv ovzojv nipt zipnovzsg abzobg 
xal (Tuvovzeg. 

De musica II p. 1131E mpl ypafifiaztxrjg cug zd^vrjg £mzrj8£iotj 
ypdfXfiaac zag (piwvdg Srjixtoupyslv. 

ibid. IV p. 1132D bazdpaj 8k /|Ö01/üj xal zd I]oXup.vT^azsca xaXob- 
jieva i$supi&7j. 

ibid. XLIV p. H47A dxaipov 8' äv scrj vbv dnozscvscv zobg nepl 
zobzou Xoyoog. 

Fragment. IX libri de Daedalis Plataeens. VI § 2 auvsp- 
yobvzog 8k zoü 'AXaXxofjLSVoug xpb(pa sxz£[x6vzag abzobg ebxeazov xal nay- 
xdXijV Spbv. 

Fragm. XI ex comm. in Hesiod. c. XXXIV extr. die Worte 
dXXd jiTj y£u)8£g zu tilgen. 

ibid. XXXVn 1 ouza> xal t^v ocx£cav noXcv zcvkg dnov iyyozipav 
ZTjg }i7j olx£iag. 

ibid. XXXIX 3 ÜXdzüJV 8k xal zrjg ^poupäg zyjg 7i£pl <piXiav xavöva 
7:apa8£8üjx£. 

Frag. XX libri contra volupt. 2 ef^s ydp rjv <pav£pu)g äv noXs- 
{loöoa za^iiog idXoj oder ^av£p(vg ydp dv. 

21* 



324 Plutarch's Moralia. 

Frag. XXV e libro de amore III § 5 rpefiouac Tiapovrog, xo- 
Xaxeuooac, Xocdopoücrc, bnepano&v^axooat^ <povzüooatv. 

Frag. XXVII e libro de ira § 2 xa\ kxäaroTZ, Ttpoanmroöaag 
dpyäg daui^oupevov xai ixveoovra. 

Pseudoplut. pro nobilit. II § 1 xat ^dvarov dpousev, wg Tiphg 
lepd, dann in § 2 iv zj) noXoxrjdsazdrrj exscvjj kv Xatpiuvetq. p-dy^j] — tzoü 
rwv Kexpomdwv xXsog xai p(i)prj\ ^Srja&d, ^<tiv, av und § 3: xa} ijpäcg, 
^atv, Ol dyevecg. 

ibid. III § 2 a^^d t6-b xaraXrjtpjj ohne av. In dieser Anzeige 
ist die Zahl der Seiten oder Capitel gegen Herwerden's Angabe an mehr 
denn 30 Stellen berichtigt. 

Zum Schluss füge ich noch eine ziemlich unbedeutende Verbesse- 
rung von Ed. Tournier zu de exilio VI p. 601 D hinzu (Revue de 
Philologie, N. S. 3 livr. juillet p. 261) xakoi yeÄwpsv t^v dßeXrzpiav 
xou ^daxovrog TtjV iv ^A&rjvaig xaXXtova ashfjvrjV r^g kv Kopivi^o): hier ist 
also rrjv vor iv 'A&. eingeschoben und xaXltova statt ßsXzcova gesetzt. 



Jahresbericht über Herodot für 1876 und 1877. 

Von 

Director Dr. H. Steiu 

in Oldenburg. 



Die bekamiteu Untersuchungen Kirchhoff's über die Abfassungszeit 
des herodotischen Geschichtswerkes haben, bei allen triftigen Bedenken 
gegen ihre positiven Ergebnisse, jedenfalls das Verdienst, ein eindring- 
liches Studium des Autors und der Structur seines Werkes nach den 
älteren Arbeiten von Adolf Scholl aufs Neue angeregt zu haben. Früchte 
solcher Studien liegen für den diesmaligen Bericht in zwei Arbeiten vor: 

1) Ernst Bachof, Die 'Aaaüpcoc Xöyot des Herodotos (in Fleck- 
eisen's Jahrb. f. class. Philol. 1877 S. 577—584). 

2) Dr. Adolf Bauer, Die Entstehung des herodotischen Ge- 
schichtswerkes. Eine kritische Untersuchung. Wien 1878. 173 S. 8. 

Der kleine Aufsatz Bachof s betrifft eine erhebliche vielvex-handelte 
Frage, und bringt sie zu einer Lösung, die insbesondere für Kirchhoff's 
Hypothese gruuderschütternd ist. Denn ein Hauptpfeiler für dessen Auf- 
stellungen ist die Annahme dass in der festen Disposition, nach welcher 
Herodot sein Werk von vornherein angelegt und ausgearbeitet habe, die 
an zwei Stellen des ersten Buches (I 106. 184) versprochenen 'Aaaüfnot 
löjot allerdings ihre Stelle gehabt und zwar am Ausgange des dritten 
Buches, da wo der Aufstand der Babylonier und ihre Bezwingung durch 
Dareios erzählt wird. Wenn aber diese löyoi dann später nicht ausge- 
führt worden und jenes Versprechen unerfüllt geblieben, so sei dies nur 
erklärbar aus einem Vergessen, und eine solche Vergesslichkeit nur er- 
klärlich, wenn zwischen der Abfassung jener Stellen und des Endes des 
dritten Buches ein längerer Zeitraum verstrichen war. Dagegen die An- 
sicht früherer Gelehrten (s. Wesseling dissert. Herod. c. 1), welcher der 
Referent im wesentlichen Bestände erneuert und begründet hat, dass 
nämlich Herodot die Resultate seiner auf Assyrien (Ninos Babylon) be- 
züglichen Forschungen in einer besonderen Schrift niedergelegt, diese 



326 Herodot. 

Ausiclit schob Kirclihoff kurzer Hand als einen »Einfall« bei Seite. 
Eachof nimmt sie nun mit einiger Modiiication wieder auf und macht 
sie durch eine Reihe schlagender Beweise evident. Dass Herodot eine 
assyrische Geschichte wirklich geschrieben, lasse sich allerdings nicht 
positiv nachweisen, wohl aber dass es seine Absicht gewesen sie zu 
schreiben, und zwar unabhängig von den Historien. Denn wenn Herodot 
diese löyoi später aus Vergesslichkeit oder weil er seinen Plan geändert 
nicht aufgenommen, so wäre damit die Existenz des dafür gesammelten 
Materials nicht beseitigt, noch die Absicht des Autors dasselbe ausserhalb 
jenes Zusammenhanges zu verarbeiten. Eine solche Vergesslichkeit ist 
aber an sich nicht glaublich; Herodot zeigt vielmehr ein volles Bewusst- 
sein und starkes Gedächtniss für alles was er bereits erzählt hat oder 
noch erzählen will, wie die zahlreichen Verweisungen auf frühere oder 
spätere Stellen darthun. Schon die Existenz der Vorarbeiten musste an 
das Versprechen erinnern. Die Stelle für die nur beabsichtigte Ein- 
fügung ist Kirchhoflf gezwungen an's Ende des dritten Buches zu ver- 
legen, unmittelbar vor die Skythika, in deren Beginn (IV 1) der Autor 
eben auf jene versprechende Stelle I 106 zurückdeutet, die er unmittel- 
bar vorher vergessen haben soll. Unglaublich auch dass er die beiden 
Stellen des ersten Buches bei der nachgewiesenen späteren Ueberarbei- 
tung des ganzen Werkes nicht sollte getilgt haben, nachdem sie mit der 
wirklichen Ausführung in Widerspruch geraten. Man müsste denn mit 
Kirchhoff annehmen dass das erste Buch, nebst dem zweiten und einem 
grossen Theile des dritten, früher veröffentlicht worden sei als der spä- 
tere Theil, auf den die Stellen verweisen, und zwar so selbständig, dass 
dem Autor eine nachträgliche Aenderung nicht mehr möglich gewesen. 
Hiergegen macht der Verfasser die völlig zutreffende, für die ganze An- 
nahme einer theilweisen Publication vernichtende Bemerkung, »dass es 
höchst sonderbar wäre, wenn ein Geschichtschreiber, durch äussere 
Gründe an der Vollendung seines Werkes gehindert, einen Theil des- 
selben herausgegeben hätte, der mitten im Stoffe abbricht und keine Spur 
irgend eines Zusammenhanges zeigt«. — Bei diesem negativen Resultate 
bleibt aber der Verfasser nicht stehen. Er bringt auch positive Gründe 
für die Selbständigkeit der Waaoptoi löyoi. Der Hauptgrund liegt in 
dem Plane der Historien. Die Eroberungen der Perser sind der durch- 
laufende Faden, an dem sich die Episoden über andere Völker und 
Länder, die aegyptischen, skythischen und libyschen lüyoi anknüpfen. 
Aber unter Assyrien begreift Herodot nicht nur das Reich von Babylon, 
sondern auch von Niuiveh; nur jenes wurde von den Persern erobert, 
dieses war schon früher den Medern zugefallen und liess sich also nicht 
in den Zusammenhang der persischen Eroberungen bringen, ausser etwa 
nach I 177 (nicht I 106, wie Referent angenommen). Aber gerade hier 
beschränkt sich Herodot auf Nachrichten über Babylon, während er im 
übrigen auf die Waabptot Xoyut verweist, für die dann natürlich eine spä- 



Herodot. 327 

tere Anknüpfung, etwa an die zweite Eroberung Babylon's (III 159), noch 
weniger als bei der ersten zulässig war. Endlich, wenn I 184 mitten in 
der Episode über Babylon, d. h. nach herodotischem Sprachgebrauch über 
Assyrien, ani 'Aaaupcoc löyoi. verwiesen wird, so kann mit diesem Aus- 
druck nicht eine spätere Partie desselben Werkes gemeint sein, man 
müsste in diesem Falle mindestens ev aXloiai 'A. h erwarten. 

Auch Bauer steht in einem Gegensatze zu Kirchhoff's Ansicht, aber 
nur zu demjenigen Theile derselben, welcher sich auf die Weise der Com- 
position und Ausarbeitung des Werkes bezieht. Er acceptiert im All- 
gemeinen die chronologischen Schlüsse, welche Kirchhoff aus gewissen 
Hinweisen oder Andeutungen auf gleichzeitige Ereignisse glaubte ziehen 
zu können, aber mit dem Unterschiede, dass er dieselben nicht für die 
Abfassung der betreffenden Partien selbst, sondern nur für die Zeit- 
bestimmung einer zu erweisenden Schlussredaction gelten lassen will. 
Er denkt sich nämlich das Werk hervorgegangen aus einer Anzahl fer- 
tig vorliegender, aber in verschiedenen Zeiten abgefasster Einzelarbeiten 
{löyoC)^ die durch eine letzte Redaction unter bestimmten Gesichtspunkten 
vereinigt und dabei noch einmal überarbeitet worden, und zwar den er- 
sten Theil (bis in die Mitte des fünften Buches) in Thurioi, den letzten 
in Athen, und es erstrecken sich die sehr eingehenden und ausführlichen 
Untersuchungen vorzugsweise auf den Nachweis der Präexistenz solcher 
selbständigen Xöyot. und die Art ihrer Einfügung in das Historienwerk, 
sowie auf das zeitliche Verhältniss ihrer ersten Abfassung. Diese Nach- 
weisung nimmt folgenden Gang. Die überlieferte Eintheilung in neun 
Bücher rührt nicht vom Autor her, was besonders damit begründet wird 
dass ein durch /zs'v und M gegliedertes Satzpaar dreimal durch den 
Schluss des Buches (IV. V. VIII) zerschnitten werde. (Als ob dergleichen 
nach griechischem Sprachgebrauch überhaupt auffallen dürfte und sich 
nicht auch sonst fände, z. B. Thuk.III.IV, Xen. Anab. V. VI. Hellen. III. IV. 
und VI. VH.). Herodot selber bezeichne je die Theile seines Werkes 
als lüyoq oder loyot. Aber diese Theile, zuerst selbständig und unab- 
hängig zu verschiedenen Zeiten abgefasst, liegen nicht mehr in ihrer 
chronologischen Reihenfolge vor. Als solche in ihrer ursprünglichen 
Selbständigkeit noch erkennbare löyot ergeben sich zunächst und am 
deutlichsten die lydischeu, aegyptischen , skythischen und libyschen Ge- 
schichten, und als Hintergrund dazu die Geschichten vom Perserreich 
unter Kyros, Kambyses und Dareios, an deren Regierungen sich diese 
Theile anschliessen ; endlich sind auch besondere samische Geschichten 
in diesen Zusammenhang eingefügt. Damit sei aber allerdings noch keine 
eigentliche Eintheilung (?) des Werkes geboten. Man habe anzunehmen 
dass sich das Werk aus solchen schliesslich vereinigten und ineinander 
geschobenen Theilen so gebildet habe, dass weder deren ursprüngliche 
Selbständigkeit dem späteren Blicke ganz verwischt wurde, noch auch 
Reminiscenzen in der Art des Verweisens nach vorwärts und rückwärts 



328 Herodot. 

vermieden wurden. Mithin müsse eine Schlussredaction stattgehabt haben, 
die aber keineswegs gleichmässig war. In der ursprünglichsten Gestalt 
liegen die aegyptischen Geschichten vor. Für die späteren Theile lassen 
sich die Vorarbeiten allerdings nicht so leicht ausscheiden; das aber sei 
nur ein Zeichen dass entweder die Schlussredaction hier die greifbaren 
Spuren verwischte, oder dass diese Theile von Anfang au ein Ganzes 
darstellten, welches einer letzten Redaction weniger bedurfte. — Nach 
dieser allgemeinen Feststellung wird dann unternommen, erstens die Ver- 
änderungen nachzuweisen, welche die einzelnen Xöyot schliesslich erfahren 
haben, und wo möglich, wenn auch nicht ihre Abfassuugszeit , so doch 
ihr chronologisches Verhältniss zu bestimmen. — Die Untersuchung wen- 
det sich hierauf zu den einzelnen Xöyoc. Die Zeit der aegyptischen Reise 
und »die gleich darauf in Athen erfolgende Niederschrift« glaubt der 
Verfasser von 449 bis nicht zu spät nach 444/3 und wahrscheinlich näher 
dem letzteren Grenzjahre und jedenfalls vor 432 ansetzen zu müssen. 
Die Schwierigkeit, dass doch auch der erste Theil des dritten Buches 
noch erhebliche Nachrichten über Aegypten enthält und dort Gesagtes 
auf Stellen des zweiten Buches zurückweist, wird mittelst der Annahme 
umgangen, dass Herodot gleichzeitig mit der Einschiebung der (unver- 
änderten) Aegyptiaka des zweiten Buches das Folgende, aber früher Ge- 
schriebene überarbeitete und es dabei »wohl verstand die Resultate sei- 
ner aegyptischen Reise am passenden Orte in keineswegs den Zusammen- 
hang störender V^eise zu verwerthen«. Für die Priorität des dritten 
Buclies stützt sich der Verfasser besonders auf den Vergleich von III 60, 
wo der Heratempel auf Samos als der grösste aller (hellenischen) Tem- 
pel gerühmt wird, mit II 148, wo derselbe Tempel zugleich mit dem 
ephesischen, so d^coXoyoi sie sonst auch seien, gegen das eine Labyrinth 
(in Bezug auf novog xai 8aridvrj) weit zurückgestellt wird, während ander- 
seits daraus, dass II 148 der athenische Burgbau unerwähnt bleibt, ge- 
folgert wird dass die Niederschrift von Buch II vor dem zweiten Auf- 
enthalt in Athen (432) geschehen ist. Eine Reihe anderer angeblicher 
Discrepauzen, die der Verfasser zwischen dem zweiten und den übrigen 
Büchern aufzuweisen sucht, um darzuthun »wie wenig in Zusammenhang 
mit dem Uebrigen jenes Buch erst ausgearbeitet und dann einfach com- 
pilatorisch in den Zusammenhang eingefügt worden« , übergehe ich als 
theils unerheblich, theils für eine richtige Exegese verschwindend. Aber 
auch der ganze Inhalt und Ton dieses Buches soll sein späteres Ent- 
stehen verraten. In Aegypten, unter dem Einfluss der gelehrten Prie- 
ster, habe der Autor unhellenische Anschauungen und einen skeptischen 
Rationalismus eingesogen, und mit seinen bisherigen altgläubigen Ansich- 
ten über hellenische Theologie und Theogonie, wie sie die übrigen Bücher 
zeigen, gebrochen. Beweise solcher »Ketzereien« seien die Zweifel am 
troischen Kriege, an der Sage von des Herakles Opferung, an der 
Ueberlegenheit hellenischer Festspielordnuugen und Tempelbauten, an 



Herodot. 329 

erd Ursprünglichkeit helleuiscber Götternamen und Einrichtungen Von 
hellenischen Göttern und Heroen würden Dinge erzählt, die Blasphemien 
seien und hellenischen Ohren höchst anstössig erscheinen mussten (Per- 
seus' aegyptische Herkunft, des Meuelaos Kiuderopfer, Königs Rham- 
psinitos Würfelspiel mit Demeter im Hades, der obscöne Kult in Papre- 
mis). Die wiederholten Aeusserungen pietätsvoller Scheu beweisen nicht 
eine entsprechende Gesinnung, sondern die Furcht vor dem gehässigen 
Eindruck bei seinen Landsleuten. (Auch H 45 xal nepi jxkv ■zoötujv to- 
aaova rjjxTv ehouai xal napa twv ^swv xal napa riüv rjpcbujv eufisvsea djy? 
Ob wohl der Verfasser die Reste des Xeuophanes, Heraklit, des Stesi- 
choros und Pindar gelesen hat?). »Wenn nicht alles trügt«, wurde Hero- 
dot gerade wegen dieses zweiten Buches (und Stellen der Libyka) ge- 
nöthigt Griechenland zu verlassen; man bedeutete ihm, er solle sich mit 
solchen Ansichten nicht vernehmen lassen«. — Die Atßoxol Xoyüt zer- 
fallen in zwei separate Stücke, die Gründung und Geschichte Kyrene's 
(c. 145—167. 200 — 20-i) und die dazwischen geschobene Uebersicht der 
libyschen Völkerschaften. Dies letztere sei, wegen der häufigen Bezüge 
auf das zweite Buch, erst nach dem Aufenthalt in Aegypten vorbereitet 
und geschrieben, das erstere hingegen stamme seinem Inhalte nach aus 
delphischeu Quellen und sei vor der aegyptisch-libyschen Reise abgefasst 
(ausser der erst später nachgefügten kyreuäischeu Tradition IV 154 bis 
157) , daher noch erfüllt von den in Aegypten abgestreiften religiösen 
Vorstellungen. — Eine weitere selbständige Schrift, die Uepatxol löyot^ 
enthielt ursprünglich die Geschichte des Perserreiches unter Kyros, Kam- 
byses und Dareios. Freilich I 95—130 sei wahrscheinlich lu-sprünglich 
eine Geschichte des Emporkommens des Kyros gewesen und erst bei der 
Schlussredaction als Theil der Persergeschichte verwendet worden, bei 
welcher Gelegenheit auch die Excurse über die persischen Sitten (I 130 
bis 140) verfasst und eingefügt worden seien. Die Abschnitte über die 
asiatischen Hellenen (142 — 151) und die zweite Unterwerfung lonien's 
(152 — 177) seien, wenn nicht später hinzugefügt, doch zur selben Zeit 
eingehender überarbeitet. Ein ganz später Zusatz sei auch die Beschrei- 
bung Babylon's (I 178—187. 192—200), wegen der Bezüge auf Aegypten. 
Dagegen die Erzählung von den Massageten gehöre der ursprünglichen 
Fassung der Uzpatxol löyot an (auch I 215 f. V). Bis hierher bestehen 
die llepaixol Xoyoi aus zwei anfänglich unabhängig von einander gear- 
beiteten Theilen, davon der eine die medische Geschichte und Kyros' 
Jugendzeit behandelte, der zweite eine unmittelbare Fortsetzung des in 
der lydischen Geschichte verlassenen Zusammenhangs ist und die übri- 
gen Feldzüge des Kyros mit Ausnahme der vorweggenommenen gegen 
Kroesos enthielt. »Mau sieht überall für die Schlussanordnung bereits ge- 
gebene Verhältnisse, welche eben jene eigenthümliche Composition beding- 
ten, die Herodot's Geschichtswerk auszeichnet« (!) Wie aber diese Theile 
schliesslich »vielfach erweitert und theilweise auch umgearbeitet wurden«. 



330 Herodot. 

ebenso, uach Eiiifüguug des zweiten Buches, auch die Fortsetzung im 
dritten Buche, unter dem Einflüsse der inzwischen gewonnenen aegypti- 
schen Kenntnisse und Anschauungen. »So stark ist diese Umarbeitung, 
so ganz ausserordentlich viel ist geändert worden, dass man sich z. B. 
über die ursprüngliche Form des Kambyses - Zuges nach Aegypten 
schlechthin keine Vorstellung mehr machen kann«. Die Geschichten 
über Polykrates gehören einer besonderen älteren Arbeit über Saraos 
an, die durch des Autors Aufenthalt auf der Insel veranlasst, aber bei 
der Schlussredaction nicht mehr vollständig verwendet wurde, wogegen 
die Episode des Arztes Demokedes später geschrieben ist. Spätere Zu- 
thaten sind auch das Satrapieuverzeichniss , »wenn es sich auch nicht 
mehr von dem jetzigen Zusammenhange loslösen lässt«, und die Kapitel 
über die Ostländer. - Die ^xutJuol Aoyoc, als Excurse zur persischen 
Geschichte unter Dareios, bestehen aus zwei Theilen, IV 5—83 und 99 
bis 101. 103 — 118. Jener ist der ältere, dieser wurde erst in Athen ge- 
schi'iebeu, beide aber in Unteritalien überarbeitet. — Im fünften Buche 
schliessen die persischen Geschichten da ab, wo der ionische Aufstand 
beginnt, wenigstens brach sie Herodot bei der Schlussredaction hier ab. 
Die lydischen Geschichten gehören zu des Autors älteren Arbeiten, ge- 
schrieben uach den samischen und wahrscheinlich nach der Geschichte 
des Xerxeszuges, sind aber in das Ganze erst in Unteritalieu oder nach 
dem dortigen Aufenthalte eingefügt. Aehnlich steht es mit der Geschichte 
des ionischen Aufstandes, und mit den athenischen und spartiatischen 
oder den »griechischen Geschichten«, in Buch I und V. VI, nur dass 
auch hier mancherlei Zuthaten späterer Zeit anzunehmen sind (die grösste 
VI 33— 50). — Ein besonderer ^uyog ist ferner die Erzählung des ersten 
Perserzuges; aber »die Ueberarbeitung dieser letzten Bücher im Ver- 
gleich zu jener der ersten vier war eine so eingehende, dass eine leichte 
Lostremmng der einzelnen Theile nicht mehr angeht«. Die Abfassung 
der Episode von den Alkmaeoniden (IV 121—132) ist (mit Kirchhoff) in 
die ersten Jahre des peloponnesichen Krieges zu setzen. Die Stücke 
über Miltiades sind vielleicht einer grösseren Arbeit über denselben ent- 
nommen. Besonders ausführlich sucht der Verfasser die Selbständigkeit 
und die Priorität der Geschichte des Xerxeszuges in den drei letzten 
Büchern zu erweisen, von der er annimmt, dass sie bei dem ersten Auf- 
enthalte in Athen verfasst und daselbst in der vielberufeneu Vorlesung 
(445/4) bekannt gemacht sei. Die Frage über die Zeit und den Inhalt 
der Vorlesung wird dabei einer neuen und gründlichen Prüfung unter- 
zogen. - Ein Schlusswort fasst die gewonnenen Resultate in Kürze zu- 
sammen. 

Dass dem Herodot ein vieltheiliges , in seinen ersten Beständen 
disparates, in der Form mehr oder weniger vorbereitetes Material vor- 
gelegen, als er die Ausarbeitung seines Werkes unternahm, und dass es 
ihm nicht überall gelingen konnte noch gelungen ist die Fugen der Zu- 



Herodot. 331 

sammensetzung zu verwisclien oder einen überall gleichmcässigen , von 
Wiederholungen und kleineren Discrepanzen freien Fluss der Darstellung 
zu erreichen, hat man seit lange erkannt. Auch dass die grösseren Epi- 
soden der ersten vier Bücher sich ohne sonderliche Mühe als selbstän- 
dige loyot aussondern lassen, verrät sich dem ersten Blick. Aber der 
Versuch des Verfassers, das ganze Werk in eine Reihe einzelner, vorher 
ohne Rücksicht auf ihre einstige Verbindung abgefasster Schriften auf- 
zulösen und deren ursprüngliche Form und zeitliches Verhältniss zu er- 
mitteln, vermag, trotz des eminenten Scharfsinns und der fast mikro- 
skopischen Durchspür ung des Textes, schon wegen des je nach Bedürfniss 
dehnbaren Begriffes der sogenannten Schlussredactiou, eine Ueberzeugung 
nicht hervorzubringen. Schon die vorstehende Uebersicht des Inhaltes 
wird dies ei'kennen lassen. Im Einzelnen regt sich der Widerspuch des 
Lesers überall. Eine grosse Anzahl der vorgebrachten Auffälligkeiten 
und Widersprüche im Inhalt oder im Ausdruck sind theils für eine be- 
sonnene und sprachkundige Exegese nicht vorhanden (wie Heinrich 
Weil in einer Besprechung der Schrift, Revue critique 1878 No. 2, au 
mehreren Beispielen nachweist), theils erklären sie sich aus den na- 
türlichen Schwierigkeiten der Composition oder aus einer erwiesenen 
nachträglichen Erweiterung des Textes durch einzelne Zusätze. Aber 
auch wenn man den Beweis als erbracht zugibt, erhebt sich noch die 
gewichtige Frage, ob denn jene Einzelschriften als solche vor ihrer Ver- 
einigung in den Historien bereits publiciert zu denken seien, oder ob sie 
der Autor so lange in scriniis zurückgehalten, bis ihm der Plan des Ge- 
sammtwerkes aufgegangen? Der Verfasser formuliert und beantwortet 
diese Frage nicht, aber von den aegyptischen und libyschen Geschichten 
meint er, dass sie den Autor genötigt hätten Griechenland zu verlassen ; 
sie mussten also allgemein bekannt geworden sein. Nimmt man das 
Gleiche auch von den übrigen an, so bliebe für das Hauptwerk, wenig- 
stens in den Augen der Zeitgenossen, nur das Verdienst einer leidlich 
geschickten Compilation übrig, und derselbe Schriftsteller, der es ver- 
schmäht über die Herkunft und die Thaten der ersten spartiatischen 
Könige sich näher auszulassen, bloss weil aXXotat Tiepl ahrojv el'prjzai, und 
von ihnen nur dasjenige berichten mag r« aXXoc ou xarzkdßovzo (VI 55), 
hätte es über sich gebracht den bereits bekannten Inhalt und Wortlaut 
aller seiner bisherigen Arbeiten noch einmal, aber in neuer Gruppierung 
und nach dem Erforderniss der Redaction bald verkürzt bald erweitert, 
dem hellenischen Publicum darzubieten. 
In der Programmabhandlung von 

Franz Hanna, Beziehungen des Sophokles zu Herodot. (Pro- 
gramm des kaiserl. königl. Staats - Unter - Gymnasiums zu Straznic). 
Brunn 1875. 17 S. 8., 

werden nicht nur alle Stellen vereinigt, in denen sich eine ähnliche 



332 Herodot. 

Ansicht über göttliche und incnschüche Dinge ausspricht, sondern ins- 
besondere auch diejenigen Stellen des Sophokles einer näheren Prüfung 
unterzogen, in denen mau eine Entlehnung oder Nachahmung aus Hero- 
dot hat hnden wollen. Einige solcher Beziehungen (Oedip. Kol. 1418 f. 
auf Her. VH 231, üed. Tyr. 1528 auf I 32, ib. 1227 ff. auf IV 48 f., 
980 ff', auf VI 107, Antigone 1037 ff. auf I 50. HI 102 ff'.) werden als un- 
begründet zurückgewiesen. 

A. Rüdiger, De orationibus, quae in rerum scriptoribus Graecis 
et Latinis reperiuutur, impriniis Herodoti et yallustii rationc habita. 
(Programm des Gymnasiums zu Schleiz). 1875. 20 S. 4. 

Das Thema der Schrift ist zu zeigen »quo consilio, qua ratione 
quoque successu rerum scriptores Graeci et Latini orationes historiis suis 
inseruerint«. Zu diesem Zwecke »delecti sunt Herodotus et Sallustius a 
quibus exempla uostra (?) petere constituimus«. Weshalb gerade diese 
beiden gepaart sind, wird nicht begründet. 

Ueber den Dialekt und seine kritische Behandlung ist heuer nur 
eine Arbeit anzuführen. Reinhold Merzdorf — ein junger Gelehrter 
aus der Curtius'scheu Schule, der zu sehr hohen Erwartungen, nicht 
bloss auf dem Gebiete der Sprachwissenschaft, berechtigte, aber bereits 
im März 1877, kaum 23 jährig, der Schwindsucht erlag — hat die im 
vorigen Bericht (1875 S. 722 ff.) besprochenen Untersuchungen über Vocal- 
gruppeu im herodotischen Dialekte fortgesetzt und zu einem vorläufigen 
Abschluss gebracht in dem Aufsatz: 

Reinhold Merzdorf, Vokalverkürzung vor Vokalen und quanti- 
tative Metathesis im louischen (in Curtius-Brugmann's Studien Bd. IX 
S. 201-244). 

Unanfechtbares Resultat der ersten Abhandlung sei gewesen »dass 
die so oft und fast als selbstverständlich vorgetragene Lehre von der 
grossen Vorliebe der las für offene Vokale in das Gebiet der Fabeln 
gehört, dass dieser Dialekt kaum anders als das Aeolo- Dorische der 
kontrahierenden Atthis gegenübersteht«. Dagegen scheine ihm »das was 
sich im Einzelnen, zumal bezüglich der Textkritik, als ganz sicher ergeben 
habe, nicht in richtigem Verhältniss zu der aufgewendeten Mühe zu 
stehen. Völlige einwandlose Sicherheit lasse sicli bei diesen und ähn- 
lichen Forschungen nicht erzielen, nur zu oft sei die Entscheidung sub- 
jectivem Ermessen anheimgegeben. Darum habe er den ursprünglichen 
Plan, den ganzen Vokalismus gleichmässig zu behandeln, aufgegeben als 
ein unfruchtbares Unternehmen, und beschränke die vorliegende Unter- 
suchung auf die Umgestaltungen derjenigen Vokalgruppen bei Herodot 
und in der jüngeren las, deren erster Vokal ursprünglich oder noch im 
älteren louismus lang war. Es handele sich dabei eigentlich um ande- 
ren Vokalen vorhergehendes rj\ denn über die Quantität von t und t>' 



Herodot. 333 

lasse sich nur selten etwas ausmachen, und a sei schon in alter Zeit zu 
Tj geworden, während w keine genauere Berücksichtigung erfordere. Was 
nun das jy angeht, so bleibt es innerhalb des Stammes vor folgendem 
harten Vokal imversehrt (jJo;? tioloq^ Mro-, &y]eüfj.svog). Dass sich neben 
£&7]BcT0 &y]et)/i£voQ (Wurzel &äf) im Aorist &zrjaaaBat iBsr^ad/xr^v findet 
(Wurzel &£af) ist nicht anstössiger als ^iuog neben Cor], C«ö> neben ^cjcu, 
nkeaj neben nXwoj. Dagegen vor Flexionsendungen, wie -arac 3. PL, 
oder vor wortbildenden Suffixen hält sich im Stamraauslaut kein r] vor 
folgendem harten Vokal der Endung. Das ist ein Charakteristikon der 
jüngeren las gegenüber der älteren. Solche Vokalgruppen bildet die 
Sprache Homer's in dreifacher Weise um, durch Contraction, durch Ver- 
kürzung des e- Lautes, und durch quantitative Metathesis. Die Contrac- 
tion ist bei Herodot ganz singulär, in der Conjunctivendung jy aus -7]at, 
wo Kürzung in -eac möglich, aber, zur Sonderung vom Indicativ, zu mei- 
den war. In den allermeisten Fällen tritt Verkürzung ein, und sie trifft, 
im Unterschied von der lateinischen Sprache, fast immer den hochbeton- 
ten Vokal ißaacMog, 'HpaxXiog, viag TSTcfidaTac). Der Genetiv der Wör- 
ter auf -xXir^g, nämlich -xÄiog, scheint zwar wegen des attischen -xXsoug 
{xXisog) durch Hyphäresis entstanden, gleichwohl ist nach des Verfassers 
Ansicht auch hier Kürzung aus jy anzunehmen. Eigeuthümlich steht es 
mit der Gruppe jy -|- o, aus der bald mit Kürzung eo {ßamXiog iiXiog), 
bald mit Metathesis der Quantität sio {karsätzog TXecog) hervorgeht. In 
dieser zwiefachen Behandlung des r] sieht der Verfasser die Spuren eines 
doppelten Lautes (geschlossenes und offenes e), der erst im Attischen 
zusammengefallen, und zwar wird jjo in der jüngeren las zu sto, wenn 
es altes äo, aber zu eo, wenn es altes sfo vertritt. Zu letzterem Falle 
gehören die sy-Stämme, die Genetive der Wörter auf -xkir^g, der Stamm 
ttMo, endlich ^psog (aber ^pdoj/iac, dagegen unentschieden ob d$c6^psog 
oder d$c6^pzüjg). Die Ausnahme von dieser Regel, die in Formen wie 
nepc&sojfiev uTTspßdwfiac zu liegen scheint, wird durch Annahme einer 
Analogiebildung beseitigt. Zu dem anderen Falle gehören aus Herodot 
die Participia ka-eiug rsßvsojg, kzwg \lpxeacXzojg u. ä. (daneben freilich 
VTjog^ was hjog zu fordern scheint, »indessen völlige Gleichmacherei 
ist pedantisch; vrjög ist eine Antiquität, die man als solche hinnehmen 
muss«); — ferner yeu) m Compositionen (hingegen im zweiten Theile 
regelmässig -yacog), mit einziger Ausnahme des unveränderten yrjo^sovzc 
VII 190; — £(ug Tscog, Formen wie i^avaaricop^v emßiiopev, iisviiopog, 
^picupac (I 155 sei XP^^ ^^ lesen statt XP^^> während in j^josoj^ra VII 111 
eine Analogiebildung anzunehmen sei), 'Apipcdpewg 8cpvs(og (auch Tksojg), 
UoasiSecuv 'AXxpituv 'ApuMwv oniojv , endlich die Endungen Genit. Sing, 
der männlichen a- Stämme, nämlich -so» und Genit. Plur. -acuv. Ausnahmen 
von diesem Gesetz sind zwei scheinbare {xpsofdyog Asuru^idT^g) , drei 
wirkliche (rsdvsog pipvso und der Genetiv vsog als Analogiebildungen). 



334 Herodot. 

Zum syntaktischen Sprachgebrauch Herodot's liefert einen 
Beitrag 

L. Schwidop, Zur Mociuslehre im Sprachgebrauch [des Herodot 
(Progr. des Altstädtischen Gymnasiums in Königsberg in Pr.). 1876. 
20 S. 4. 

Eine sorgfältige, überall auf die kritische Unterlage zurückgehende 
Zusammenstellung der bei Final- und Temporalsätzen gebrauchten Con- 
junctionen und Modusformen, schätzbar sowohl für die historische Syn- 
tax wie für die Erklärung und Kritik des Autors. 

Eine Reihe von Emendationsversuchen französischer Gelehrten 
bringt die Revue de Philologie, Jahrgang 1877. 

S. 196 f. will H. Weil VII 61 für oüroj oöx uvecdog ouMv lesen 
ouTO) obx äetxig oudsv (mit Beziehung auf das Siegesepigramm bei Aeschin. 
in Ctes. 185. Plut. Cim. 7). 

S. 201ff. Ed. Tournier. I 89 im letzten Satze der Rede des Krösos 
soll, mit Auslassung des zweiten xac, umgestellt werden xac ixsTvoc, auyy- 
vovTSS Ttoiistv <T£ Sixata, ixövTeg nporjaouai, au ri a(pt oltx dne^&r^asac ßtjj 
dnacpeü/isvog xa ^prjiiaza^ »pour obtenir une liaison d'idees satisfaisante«. 
— I 108 yevupevov i^ «yr^s-j ro ysvrjaojxsvov £$ aur^g. — I 138 äaaa 
Si <j<pc TTocBSiv oux t^eare] oux bairi. — II 141 wird ergänzt iv&aüra 
dmxofievou xal dvTcarparomdsuaafidvou zdim evavzcoKTt im)(u&£V- 
rag xrX. — III 14 xa\ zaüra wg dnevsty^&ivTa um toOtou £ö doxsecv 
a(pi slpT^abat, wg [de] Myerai un Alyon-iwv. — III 79 \rj xix^rjzac bnh 
Tlspaiuiv Mayo(p6\)ia\. — VII 101 p.rj kuvzeg äpBpcoc] p-rjzc ys jirj iövzsg 
äpU/iioc. — S. 269 ff. VII 8 incazaiidvocfTc so [oux] äv ztg ksyoc. - VII 49 
obx iovzojv zoi Xcfievajv unoSs^ccuv] iouadcuv , nämlich unods^cutv (von 
uTtoSe^ig), denn Xipivujv sei eingeschoben. — VII 161 log 8k azpazrjyrjaztg 
aüzrjg yXc^eac] azpazrjyrjaai. 

S. 264f. H. Dulac. VII 152 Tieif^eff&ac ys fikv ou navzdnaat 
o^ecko] Ttdvza näot (coli. Pausan. VI 3 4). — VII 183 Xscrtovzsg 8k 
^fi£po8p6/xoug] Xcnövzsg. 

Aus Frankreich liegen auch zwei erklärende Studien vor. Mas- 
pero in einer neuen Probe des im vorigen Bericht besprochenen Com- 
mentars zum zweiten Buche: 

Nouveau fragraent d'un commentaire sur le second livre d'Herodote. 
Par M. G. Maspero, professeur au College de France. (Extrait de 
l'Annuaire de l'association pour l'encouragemeut des etudes grecques 
en France. 10. annee 1876. p. 185—193) 

behandelt diesmal zwei Stellen der Aegyptiaka. Erstens II 78, von 
dem Gebrauch bei Tafel das kleine Holzbild einer Mumie umher- 
zuweisen und damit zum Genuss der Gegenwart zu ermuntern. Aus zwei 
Grabschriften werden Lieder mitgetheilt, die im Inhalt und theilweise 
wörtlich mit dem Spruche übereinstimmen, welchen bei Herodot der Die- 
ner den Schmausenden zuruft. Ferner wird der Name des Königs 



Herodot. 335 

Ziaiuarpiq (II 102) sowie die sonstigen Formen desselben (Sesoostris, 
Ziautatq und 2saucuatg) in seiner Entstehung erklärt. Die Verdoppelung 
des in zwei derselben wird auf eine Verschiedenheit der aegyptischen 
Aussprache zurückgeführt. Die Endung -pcg entspricht dem aeg. Ra (rich- 
tig auszusprechen Ri), wie -py^g im manethonischen Mav^iprjg = MenkeRä. 
Also Ziaioarpcg = SesosTRä. In Usacutrcg ist wie auch sonst oft das 
finale Rä (Ri) abgefallen. König Ramses 11 führt auf den Denkmälern 
unter anderen volksthümlichen Spottnamen (sobriquets) auch den von 
SSSou, SSTsou, SSSou-Rä, SSTsou-Rä-MeiAMuN, und daraus machten 
die Griechen liaojatg und, mit euphonischer Einfügung (oder Metathesis) 
von r, Usaüjcrrpcg. 

Ch. Tissot, La Libye d'Herodote (Bulletin de Correspondance 
Hellenique 1877. p. 265 — 273, avec deux planches). 

Eine interessante und ausgiebige Vergleichung der herodotischen 
Nachrichten über das nordwestliche Libyen mit den heutigen Verhält- 
nissen, wobei sich jene durchweg als genau erweisen. Namentlich über 
den Tritonissee und seine Umgebung gibt der Verfasser eingehende und 
auf Autopsie beruhende Nachrichten. 

Delle Istorie di Herodoto d'Alicarnasso. Volgarizzamento con note 
di Matteo Ricci. Tomo secoudo. Torino 1875. 

Enthält Buch IV— VI. Der üebersetzer ist, wenn ich mich nicht 
irre, ein Schwiegersohn des bekannten Dichters und Staatsmannes Mas- 
simo d'Azeglio. Die beigefügten Anmerkungen erläutern schwierigere 
Stellen und begründen die Uebersetzung. Von seinem liebevollen und 
sorgfältigen Studium des Autors gibt Ricci weitere achtungswerte Proben 
in den über dieselben drei Bücher sich erstreckenden 

Note alle Storie di Erodoto (in der Rivista Universale, Noveraber- 
heft 1875 S. 487-507 und im Märzheft 1876 S. 318-338). 



Bericht über Aristoteles für das Jahr 1877. 

Von 

Prof. Dr. Franz Susemihl 



in Greifswald. 



Das Jahr 1877 hat uns zunächst aus bewährter Feder eine im 
Ganzen und Grossen vortreffliche, in gedrängter Kürze abgefasste Ge- 
samratübersicht über die Leistungen und die Wirksamkeit des Aristoteles 
gebracht : 

1) Aristotle. BySir Alexander Grant, Bart., LL. D., Principal 
of the üniversity of Edinburgh. Edinburgh and London, Blackwood 
and Sons. MDCCCLXXVIL 196 S. 8. 

Dieselbe bildet einen Theil der Sammlung: Ancient classics for 
english readers, cd. by Rev. W. Lucas Collins, welche bereits eine Reihe 
ähnlicher gemeinverständlicher Darstellungen von anderen altclassischen 
Schriftstellern zu Tage gefördert hat, und es ist sehr erfreulich, dass 
Grant's.Büchlein inzwischen auch dem deutschen Publikum durch eine 
wohlgelungene Uebersetzuug: 

2) Aristoteles. Von Sir Alexander Grant, »Principal« der Uni- 
versität Edinburg. Autorisirte üebersetzung von Dr. J. Imelmann, 
Professor am Königl. Joachimsthalschen Gymnasium zu Berlin. Ber- 
lin, Bornträger (Eggers) 1878. 168 S. 8. 

zugänglicher gemacht worden ist^). Es handelt in zehn Abschnitten über 
das Leben des Aristoteles, über seine Werke im Allgemeinen, über das, 
Organou, die Rhetorik und Poetik, die Ethik, die Politik, die Physik, 
die Biologie, die Metaphysik und die Geschichte des aristotelischen Ein- 
flusses seit der christlichen Aera. Mit bewunderungswürdiger Schärfe 
und Klarheit werden die Verdienste und Mängel des grossen Denkers 



1) Der Uebersetzer hätte übrigens nicht unterlassen sollen die Citate, 
welche Grant nach englischen Ausgaben macht, in die Bekker'schen Capitel- 
Seiten- und Zeilenzahlen umzusetzen. 



Aristoteles. Allgemeines. 337 

auf allen Gebieten im Wesentlichen richtig gezeichnet und abgewogen 
und die grosse Bedeutung, welche das Studium seiner Schriften auch 
noch für die Gegenwart hat, abgegrenzt, frei von allen Vorurth eilen und 
in einer Weise, die wohl geeignet ist mancherlei Vorurtheile, die in den 
nichtphilosophischen und nichtphilologischen Kreisen noch immer vielfach 
gegen den Aristoteles herrschen, zu zerstreuen (s. unten S. 344). Einige 
Kenntniss des aristotelischen Systems muss freilich andererseits natür- 
lich der Leser bereits mitbringen auch zum Verständniss von Grant's 
Darstellung, aber wiederum findet selbst der genauere Sachkenner in 
ihr nicht blos Genuss, sondern auch Belehrung. Und nur selten sieht 
er sich durch sie zum Einsprüche gereizt. Einige Male ist dies indessen 
doch der Fall, und noch dazu betreffen diese Missverständnisse des Ver- 
fassers in ganz auffälliger Weise gerade die allerwesentlichsten Punkte des 
Systems. So wird S. 54 (Uebers. S. 45) die kleine Schrift über die Kate- 
gorien dem Aristoteles namentlich wegen ihres »extremen Nominalismus« 
abgesprochen und behauptet, dass derselbe in der Met. VII, 7, 4 dagegen 
das Allgemeine für die erste Substanz erkläre, während das Einzelne nur 
ein secundäres, abgeleitetes Sein habe. Allein in dieser Stelle steht 
nichts Derartiges, und man braucht nur einen Blick auf die anderen, 
von Zell er Phil. d. Gr. 11^ S. 229 gesammelten Stellen der Metaphysik 
zu werfen, um sich zu überzeugen, dass Aristoteles in dieser Hinsicht 
in dieser seiner letzten Schrift noch genau dieselbe Anschauung aus- 
spricht, wie sie in den Kategorien sich findet. So wird ferner S. 136 
(115) im Widerspruch mit Grant's eigenen richtigen Bemerkungen S. 150f. 
(128 f.) der Irrthum wiederholt, dass auch die Menschenseele aus Aether 
bestehe (»which enters also into the composition of the human soul«). 
Und vollends unbegreiflich ist es, wie Grant S. 165 f. (141f.) aus Psych. 
III, 4 f. die Folgerung ziehen konnte, dass Aristoteles zwar keineswegs 
ein extremer Idealist, aber doch der Ansicht sei, dass der menschliche 
Geist zum Dasein der Dinge so viel beitrage wie Licht zur Farbe. In 
der That gebraucht Aristoteles dies letztere Gleichniss dort (430% 15) 
lediglich zur Verdeutlichung des Erkenntnissprocesses, und der naive 
Realismus des gesunden Menschenverstandes, nach welchem die Welt 
genau so ist, wie wir sie in unserer Erkenntniss erfassen, aber auch 
ohne Zuthun derselben schon genau eben so ist, und welchen Grant ihm 
abspricht, ist in Wahrheit auch seine Weltanschauung gleichwie neuer- 
dings noch die Herbart's^). Dass durch den Ausdruck anoudatozspov 



2) Der Uebersetzer hat den von Grant gebrauchten Ausdruck »perceive« 
unrichtig durch »wahrnehmen« wiedergegeben. Grant meint das allerdings auf 
die sinnliche Wahrnehmung gegründete Begreifen. Den subjectiven Factor in 
der blossen sinnlichen Wahrnehmung, welchen schon Demokritos, Protagoras 
und Piaton erkannt hatten, bestreitet allerdings auch Aristoteles nicht, aber 
derselbe spielt bei ihm keine Rolle wie bei jenen seinen Vorgängern. 

Jahresbericht für Alterthums-Wlssenschaft 1877. 1. 22 



338 Aristoteles. 

Poet. 9. 1451^, 6 die Poesie nicht für »ernster« sondern für »höher« 
als die Geschichte erklärt wird, hätte der Verfasser S. 98 (83) auch 
billigerweise aus Reinkens, den er selbst anführt, lernen sollen. Und 
so liesse sich noch manches Andere bemängeln. Auch Paradoxien, wie 
die, dass man die Komödie nach moderner Auffassung überhaupt kaum 
zi^r Poesie rechnen würde (S. 94 = 79) , liest man ungern, glücklicher- 
weise sind sie sehr vereinzelt. 

Schlimmer ist die Art, in welcher Graut mit den schwierigen Fra- 
gen nach den Schicksalen der aristotelischen Werke im Alterthum und 
der chronologischen Abfolge der erhaltenen umgeht. Gestützt auf die 
bekannte Nachricht bei Strabon und Plutarchos hält er daran fest, dass 
von letzteren allen oder doch fast allen nur das einzige eigene Exemplar 
des Aristoteles existirt zu haben scheine, vergraben im Keller in Skepsis 
bis auf Apellikon, wobei man denn freilich nicht begreift, wie uns trotz- 
dem S. 40 (34) eingeschärft werden kann, nicht zu vergessen, dass Än- 
dronikos ausser diesen Bücherrollen »auch alle die in Händen hatte, 
welche von einem wohlhabenden Bücherfreund« (auch hiermit kann doch 
nur Apellikon gemeint sein) »zusammengebracht waren«. Der Leser er- 
hält auch nicht die leiseste Andeutung, dass jene Annahme eine von 
den meisten Seiten in dieser Ausdehnung stark bestrittene ist, und dass 
die Bekanntschaft nicht bloss des Theophrastos und Eudemos, sondern 
auch noch des Straten mit diesen Werken sich doch schwerlich auf jenes 
einzige Exemplar zurückführen noch der Zweck, zu welchem Aristoteles 
sie im Unterschied von seinen bloss hypomuematischen schrieb, sich 
solchergestalt begreifen lässt. Von Straten bis Apellikon lassen sich nun 
freilich, abgesehen von der Thiergeschichte , keine absolut sicheren 
Spuren ihrer Benutzung nachweisen, aber höchst wahrscheinlich ist sie 
doch von der Ethik, den physischen Schriften und dem zwölften Buche 
der Metaphysik, wenn anders allem Vermuthen nach die Verfasser der 
grossen Moral und der Abhandlung über die Bewegung der Thiere doch 
wohl nicht früher und nicht später gelebt haben (s. auch unten No. 10). 
Die Thiergeschichte aber ist bekanntlich in den zweifellos in dieser Zeit 
entstandenen »Wundergeschichten« ausgezogen, und es heisst um so mehr 
jeder gesunden historischen Forschung in's Gesicht schlagen, wenn nach 
Grant's Vermuthung (S. 159 = 135f.) diejenige Thiergeschichte, welche 
Aristophanes von Byzanz überarbeitete, wesentlich anders als die jetzige 
ausgesehen haben und folglich die in der alexandrinischen Bibliothek, 
deren Katalog die Verzeichnisse bei Diog. Laert. und dem sogenannten 
Anonymus Menagii wiedergeben, enthaltene in neun Büchern eine andere 
gewesen sein soll als die jetzigen, was Graut vergebens bestreitet, allein 
ächten neun ersten Bücher. Ueberhaupt aber macht er seinen Lesern 
eine nicht geringere Zumuthung, als dass sie glauben sollen, in jener 
alexandrinischen Sammlung seien nur die an der Spitze der Verzeich- 
nisse stehenden Dialoge und paränetischen Schriften acht, andere Aus- 



Allgemeines. 339 

Züge von Schülern des Aristoteles aus den inzwischen in Skepsis mo- 
dernden grösseren Werken, andere eigene Arbeiten dieser Schüler, alles 
Uebrige Fälschungen gewesen. Das sollen wir glauben, trotzdem dass 
von den Werken gleichen Titels in diesen Verzeichnissen fast alle nicht 
eine kleinere, sondern genau dieselbe oder auch gar eine noch grössere 
Bücher zahl zeigen als in unsern jetzigen, auf Andronikos zurückgehenden 
Ausgaben. Dass sich ferner in jenen Verzeichnissen noch deutliche 
Spuren streng wissenschaftlicher Abhandlungen des Aristoteles finden, 
die er selbst citirt, wir aber nicht mehr besitzen, imd ferner von selbst- 
ständigen Abhandlungen, die uns seit der Redactiou des Andronikos als 
Theile grösserer Werke überkommen sind, übergeht der Verfasser wie- 
derum einfach mit Schweigen. Und wenn er (S. 47 = 40 , vorsichtiger 
S. 149 = 127) bestreitet, dass die Werke über die Pflanzen und über 
Gesundheit und Krankheit von Aristoteles je ausgeführt seien, so ist da- 
gegen auf Heitz Die verl. Schrr. des A. S. 56ff. zu verweisen. Wenn 
er endlich genau angiebt, die sieben ersten Bücher der Topik seien vor 
den Analytiken, dann zunächst nach letzteren das achte, hierauf die 
beiden ersten der Rhetorik, die aofianxol iksy^oi, die Ethik, die Po- 
litien, die Politik, die Poetik, das dritte Buch der Rhetorik, die Physik, 
über den Himmel, über Entstehen und Vergehen, die Meteorologie, über 
die Theile der Thiere, die Psychologie, die Parva Naturalia, die Thier- 
geschichte, von der Fortpflanzung und vom Gang der Thiere, endlich die 
Metaphysik gefolgt, so ist dabei einerseits die Grenze des Richtigen, 
andererseits des Wissbaren keineswegs überall innegehalten. Dass z. B. 
dieselben ethischen Fragen tiefer und schärfer in der Ethik als in der 
Rhetorik behandelt werden (S. 44 f. = 38), erklärt sich genügend aus der 
Natur der letzteren Disciplin und berechtigt mithin nicht im Mindesten, 
die Aechtheit der Citate Rhet. I, 11. 1372% If. I, 8. 1366 % 21, (vgl. 
nik. Eth. I, 7. HOB'', 6) zu verdächtigen, kraft welcher bereits das erste 
Buch der Rhetorik erst nach Ethik, Politik und Poetik geschrieben ist. 
Und dabei bleibt Grant nicht einmal sich selber ganz gleich, denn her- 
nach S. 149 (127) wird von den drei letztgenannten zoologischen Schriften 
vielmehr die vom Gang der Thiere an die Spitze und die Thiergeschichte 
an den Schluss gestellt. Auch der Abschnitt über das Leben des Ari- 
stoteles ist nicht ganz frei von übereilten Behauptungen. Schliesslich 
sei noch bemerkt, dass Grant auch die Aechtheit der Hermenie bestreitet 
und gegen die des Testaments Bedenken erhebt. 

Ein Theil des im Schlussabschnitt seines Buches behandelten Stof- 
fes erhält eine genauere und zum Theil auch eine richtigere Beleuchtung 
in folgender interessanten Abhandlung: 

3) De Tautorite d'Aristote au moyen-äge. Par Charles Wad- 
dington, Correspondant de l'Institut. Paris, Picard. 1877. 57 S. gr. 8. 
(Extrait du compte-rendu de l'Acaderaie des sciences morales et po- 

litiques. Sept. Oct. Nov.). 

22 



340 Aristoteles. 

Der Verfasser verfolgt den Einfluss des Aristoteles auf das christ- 
liche Mittelalter in geschichtlicher Entwickelung. Es ist bekannt, dass 
derselbe erst seit dem dreizehnten Jahrhundert über die Logik hinaus- 
ging. Aber so bedeutend er auch jetzt ward, so wissen doch Bonaven- 
tura und Thomas, wie Waddington zeigt, im Wesentlichen den Unter- 
schied aristotelischer und christlicher Lehre wohl zu würdigen, und über- 
haupt sind die Scholastiker vor einer gleichen überschwänglichen Ver- 
ehrung wie die Araber weit entfernt. Gerade durch Duus Scotus, wel- 
cher die Unzulänglichkeit der Vernunft in Glaubenssachen stärker als 
Thomas betont, tritt aber eine neue Wendung ein, indem er auf der 
anderen Seite die weltlichen Wissenschaften doch nicht mehr als Mägde 
der Theologie gelten lassen will, sondern ihre Selbständigkeit auf ihrem 
eigenen Gebiete in Anspruch zu nehmen beginnt. Energisch folgt ihm 
auf diesem Wege sein grosser Schüler Wilhelm von Occam im vierzehnten 
Jahrhundert, von dessen ganzer historischer Stellung Waddington eine 
einheitliche, verständnissvolle Schilderung giebt. Derselbe schliesst sich 
nunmehr auf dem nichttheologischen Gebiete um so enger an Aristoteles, 
und so beginnt letzterer erst von jetzt an, wenn auch zunächst nur in 
dieser engeren Sphäre, als eine unfehlbare Auctorität betrachtet zu wer- 
den. Seine Verehrung gipfelt namentlich in einem von Wad ding ton 
näher besprochenen lateinischen Gedicht, welches zu Ende des vierzehn- 
ten oder Anfang des fünfzehnten Jahrhunderts aus den Kreisen der 
Kölner Theologen hervorging. 

Für die verlorenen aristotelischen Schriften erhalten wir einen 
werthvollen Beitrag in einer anderen Abhandlung: 

4) Aristotle's dialogue »of philosophy«. Von L Bywater. Im 
Journal of Philology VIL 1877. S. 64—87. 

Der Verfasser bringt zunächst ein bisher übersehenes Fragment 
des Aristoteles bei Philop. zu Nikom. Isag. in Anwendung, welches er 
ohne Zweifel mit Recht weit über die demselben unmittelbar zugeschrie- 
benen Worte ausdehnt 3), als ein von Aristokles unmittelbar oder mittel- 
bar gemachtes Excerpt aus dem Dialog nspl (pduaocptag , dessen Gang 
man auf diese Weise noch deutlicher kennen lernt als zuvor. Denn 
dasselbe giebt fünf Stadien der Entwickelung menschlicher Cultur {aoipia) 
an, deren letztes die Beschäftigung mit den metaphysischen Fragen ist. 
Beiläufig mag nun hier sofort bemerkt werden, dass am Schlüsse dieser 
Auseinandersetzung in i<ppaaav ein Fehler zu stecken scheint und ein 
anderer englischer Gelehrter 



3) Mit Recht macht er dafür auch das Citat von 11. XXIII, 712 mit 
aofbq-rixTiuv (wie bei Eustath. zu 11. XV, 412) geltend, wo wir jetzt viel- 
mehr xkuTui leseu. 



Allgemeines. Dialoge. Organou. 341 

5) F. F(ield) Note on Aristotle, ebeud. S. 315 

denselben durch e<p^aaav zu verbessern gesucht hat. Ferner zeigt nun 
Bywater, welches Licht von diesem Excerpt aus auf die übrigen Frag- 
mente des ersten Buches von diesem Dialog fällt, und dass denselben 
sonach noch ein ferneres neues bei Prokl. in Eucl. S. 28 Friedl. einzuord- 
nen und auch der Abschnitt bei Jambl. in Villois. Aneed. II, 188 eine 
mittelbare Entlehnung aus derselben Quelle ist. 

Eine zweite Untersuchung knüpft er an ein anderes Bruchstück 
(13 Rose = 40 Heitz) bei Sex. Emp. Math. IX, 26 f., in welchem freilich 
Aristoteles nicht einmal genannt wird. Auch er hält denselben für die 
letzte Quelle, aber einen der älteren Stoiker, wie etwa Kleanthes, für 
die Mittelperson, indem er die Spuren genauer verfolgt, welche auf eine 
starke Benutzung des in Rede stehenden aristotelischen Dialogs durch 
diese älteren Stoiker, wie Kleanthes und Chrysippos (vgl. Cic. K. D. IL 
§ 37 mit Fin. IL § 40), hinführen. Zu ihnen gehört der Umstand, dass 
gerade das zweite Buch von Cic. N. D. besonders umfängliche und cha- 
rakteristische Bruchstücke desselben enthält, und dass ferner Dion Chry- 
sost. Olymp. S. 387 Reiske aus Kleanth. fr. theol. 4 Wachsm. geschöpft 
zu haben scheint, verschiedene Citate des Aristoteles und ähnliche Remi- 
niscenzen bei Synes. (Arist. Fr. 49 « H. 45 R.), Sen. Qu. N. VII, 30, 1 
(Fr. 44 R. 77 H.)*), Ps.-Phil. de aet. m. S. 489 Mang. (Fr. 43 H. 17 R.), 
Plut. de tranquill. 20. 477 C. D aber darauf hinweisen, dass Aristoteles 
eine sehr ähnliche Wendung wie Dion (Vergleichung des Weltgebäudes 
mit einem Mysterientempel) gebraucht hatte. Weim sich aber bei Cicero 
a. a. 0. § 51 eine Erwähnung des »grossen Jahres« findet, so ist mit 
diesem Allen noch nicht im Mindesten bewiesen, dass auch diese in letzter 
Instanz aus Aristoteles stamme^), und By water bringt sie daher mit 
Unrecht in Anschlag bei der Frage, ob derselbe in nepl <pdoao<ptaQ oder 
im Protreptikos , den er auffallenderweise noch immer unbedenklich als 
einen Dialog bezeichnet, oder in beiden diesen Gegenstand behandelt habe. 

Indem wir uns nunmehr zur Logik wenden, haben wir zuvörderst 

6) Aristoteles' erste Analytiken oder Lehre vom Schluss. Ueber- 
setzt und erläutert von J. H. v. Kirchmann. Leipzig 1877, Koschny. 
1. Bd. XX und 150 S., 2. Bd. Erläuterungen. VII und 260 S. 8. 

7) Aristoteles' zweite Analytiken oder Lehre vom Erkennen. Ueber- 
setzt und erläutert von J. H. v. Kirchmann. 1. Bd. Leipzig 1877. 
Koschny. XXXI und 102 S. 8. 



4) Von By water daher nicht mit Rose und Heitz zu izepl sö/ri?, 
sondern mit Bernays zu nspi (pdoaofiaq gezogen. 

5) Im Gegentheil heisst es hier: quae quam longa sit, magna quaestio 
est, Aristoteles aber hat die Dauer genau bestimmt. Vgl. den Bericht für 
1874 und 1875: IIL S. 349-351. 



342 Aristoteles. 

kurz zu erwähnen und sodann über die 

8) Beiträge zur Logik. Von Dr. Werner Luthe. Zweiter Tlieil") 
Berlin, Weber, 1877. II und 80 S. gr. 8. 

zu berichten. Dieselben zerfallen in zwei Theile: III. Die Kategorien 
(bis S. 44) und IV. Der Schluss. Der erste enthält zunächst, einen Wie- 
derabdruck der 1874 erschienenen Abhandlung über die aristotelischen Kate- 
gorien, welche bereits in dem Berichte für eben dieses Jahr (III. S. 374f.) 
besprochen ist^). Ihr ist sodann eine zweite über die stoischen Kate- 
gorien, eine Uebersicht über die Modificationen der aristotelischen in der 
neueren Philosophie und eine Kritik dieser verbesserten aristotelischen 
Kategorieneintheilung beigefügt. Das Ergebniss dieser Kritik ist, dass 
die Kategorieneintheilung überhaupt unhaltbar sei. Der zweite Theil 
beschäftigt sich, soweit er in diesem Hefte ausgeführt ist, ausschliesslich 
mit der Syllogistik des Aristoteles. Nachdem zuerst der Begriff des 
GölloYiaiiüg bei demselben im weiteren, engeren und engsten Sinne an- 
gegeben ist (S. 45 f.), sucht der Verfasser für's Zweite zu erweisen, dass 
die aristotelische Syllogistik einen blos formalen Charakter habe (S. 46 
bis 53). Zum Zwecke dessen wird unter Anderem gegen Ueberweg 
dargethan, dass in dem Satze 2. Anal. II, 2. 90*, 6 f. to jmsv yrxp al'rtov 
To iiiao\' das Subject ro ol'-iov ist, und zugleich Drob i seh bekämpft, der 
zwar ebenso construirt, aber doch annimmt, dass Aristoteles die Erkennt- 
niss des realen Causalnexus der Dinge vom Syllogismos abhängig mache. 
Dann folgt die Kritik der aristotelischen Schlussformen. Luthe findet, 
dass erstens die Beweise des Aristoteles für die Richtigkeit und Voll- 
ständigkeit derselben nur zum Theil correct geführt werden (S. 54 f.), 
dass derselbe zweitens die von Theophrastos hinzugefügten Schlussformen 
(mit Prämissen des Stattfindens, die der sogenannten vierten oder gale- 
nischen Figur) absichtlich, aber mit Unrecht in Folge einer irrigen An- 
sicht von dem quantitativen Verhältniss der Begriffe des Schlusses über- 
gangen habe (S. 55 ff.), dass drittens in Bezug auf die Quantität der 
Prämissen die Forderung des Aristoteles für den Syllogismos, dass die 
Allgemeinheit der Quantität dem Begriff' ohne weitere Beschränkung des- 
selben beigelegt werde, ebenso verfehlt wie der von ihm für dieselbe 
versuchte Beweis sei und mit seinen Grundansichten über das Wesen des 
Syllogismos in Widerspruch stehe (S. 59 — 61), aus seiner schwankenden 
und verwirrten Bestimmung der Particularität der Prämissen aber noch 
einschneidendere Mängel entständen (S. 61—64), viertens, dass Aristoteles 



6) Der erste, 1872 erschienene Theil enthält : I. Vorstellung und Begriff, 
S. 1 — 17. IL Das Urthoil, S. 18-63. 

"?) Der dort S. 375 begangene Schreibfehler, über welchen der Verfasser 
S. 1 sich beschwert, ist inzwischen von mir selbst in dem Bericht für 1876: 
V. S 298 bereits verbessert worden. 



Organon. 343 

inconseqiient nur Schlusssätze aus Nothwendigkeitsurtheilen für nothweu- 
dig erklärt, dass er irrige Ansichten über die Umkehrung der Nothwen- 
digkeitsurtheile habe, und der Einwand des Theophrastos und Eudemos 
gegen seine Behaujitung, dass aus einem Obersatz der Nothwendigkeit 
und einem Untersatz des Stattfindens ein Schlusssatz der Nothwendigkeit 
folge, richtig sei (S. 64 67). Der fünfte und letzte mit »Möglichkeit« 
überschriebene Theil der Kritik lässt sich nicht füglich in kurzem Aus- 
zug wiedergeben, und vollends zu einer Prüfung aller dieser scharfsinni- 
gen Erörterungen gebricht hier der Raum. 

Von der Analytik zur Dialektik oder Topik führt uns die Ab- 
handlung 

9) De vi ac notione dialecticae Aristoteleae. Scr. Dr. August. 

Tegge. Vor dem Treptower Gymnasialprogramm. Treptow a. R. 1877. 

4. S. 1 — 22. 

Der Verfasser, ein Schüler von Schuppe und mir, ist durch er- 
steren zu dieser Arbeit angeregt worden und hat sich ihr mit Geschick 
und Sorgfalt unterzogen, wenn auch die Darstellung einestheils wohl hie 
und da etwas zu breit ist, anderentheils umgekehrt Punkte erübrigen, 
die wohl hätten, sei es überhaupt, sei es genauer als es geschehen ist, 
in Betracht gezogen werden können. S) Die Dialektik ist gleich der Ana- 
lytik erst eine Schöpfung des Aristoteles, wie dieser selbst sagt. Wenn 
er andrerseits ihren Ursprung wiederum schon auf Zenon zurückführte 
(Fr. 54 R ), so erklärt Tegge nach dem Vorgang Anderer 9) richtig, wie 
dies zu verstehen ist. Dagegen hebt er den auffallenden Umstand, dass 
Piaton unter Dialektik etwas so ganz Anderes versteht als Aristoteles, zwar 
gebührend hervor, aber er erklärt ihn nicht. Piaton hat von seinem 
Ideengange aus dem Wort eine ganz neue Bedeutung untergelegt (Phädr. 
266 B.), Aristoteles behält den gangbaren Begriff bei und sucht ihn wissen- 
schaftlich aus- und umzuarbeiten. Dass ihm dies vollständig gelungen 
wäre, muss mit dem Verfasser S. 22 bezweifelt werden. In der That 
behält der Begriff etwas Schillerndes, und die Grenze gegen Eristik und 
Sophistik ist nicht scharf genug gezogen. Dennoch spricht sich Tegge 
mit Recht ^°) dagegen aus, als ob das Wort in verschiedener Bedeutung 

8) Auch die Correctur hätte sorgfältiger sein sollen. Einige der stehen 
gebliebenen Druckfehler sind recht sinnstörend. 

9) Mit Hinzufügung der eigenen richtigen Bemerkung (S. 3) : volgaribus 
tritisque et communibus argumentis, quae insunt in omnium fere hominum con- 
sensu atque opinionibiis, quibus quiuis adversarius alia potest opponere (et hoc 
quidem proprium est dialecticae) Zenonem non pugnavisse contra multitudinem 
ac varietatem rerum. 

10) Ich sehe ab von der bedenklichen Stelle Rhet. I, 2. 1355 a, 8—10, 
deren Schwierigkeiten bisher noch keineswegs erledigt sind, so dass ich nur 
darüber schwanke, ob dieser ganze Zwischensatz mitMuret zu streichen oder 
diaAsxrix-^g mit Thurot in dvakurix^? zu ändern ist. 



344 Aristoteles. 

von Aristoteles gebraucht werde, und sucht den Schlüssel namentlich in 
demjenigen, was dieser selbst Top. I, 2 über die Verschiedenheit der 
nützlichen Anwendungen dieser nämlichen Disciplin sagt. Den Anstoss 
zu ihrer Ausbildung hat, was in der Darstellung des Verfassers nicht 
scharf genug hervortritt, dem Philosophen die Disputirsucht der damali- 
gen gebildeten Athener gegeben, s. Grant S. 58 (48)ff. , und sie ver- 
leugnet auch bei ihm den Charakter einer theoretischen Anweisung zur 
Disputirkunst durchaus nicht, aber sie bleibt dabei insofern nicht stehen, 
als ja auch den Einzelnen nichts hindert im stillen Selbstgespräch eben 
so wohl blos dialektisch als streng philosophisch zu verfahren (Top. VIII, 
14. 163 a, 36 ff., Tegge S. 15) und die Dialektik in diesem Sinne sogar 
ein unentbehrliches Hülfsmittel für die Philosophie ist, unentbehrlich bei 
der Induction als Aporieuerörterung, um die unbeweisbaren Grundlagen 
der Beweise, der Deductionen für alle Wissenschaften zu gewinnen. Die 
Auseinandersetzung T egge's nach dieser letzteren Kichtung ist noch 
durch den Hinweis darauf zu ergänzen, wie sehr in manchem Betracht 
das inductive Verfahren des Aristoteles, so Bewundernswürdiges er immer- 
hin in demselben geleistet hat, bei dem damaligen Stande und den da- 
maligen Mitteln wissenschaftlicher Beobachtung und wissenschaftlichen 
Versuchs nothwendig noch unvollkommen war und eben desshalb dieses 
Hülfsmittels bedurfte, s. Zeller IIb. S. 178 f. Grant S. 66 (56) f. Ganz 
zu entbehren ist es jedoch auch noch jetzt nicht und wird es nie sein, 
eben weil sich namentlich in den Geisteswissenschaften nicht Alles »veri- 
ficiren« lässt. Aristoteles, so bemerkt Grant unter Einweisung auf 
1. Anal. I, 30 gegen Bacon 's in manchen Kreisen noch immer nicht aus- 
gerottetes Vorurtheil sehr richtig, 4achte über das inductive Verfahren 
ebenso verständig wie Lord Bacon oder John Stuart Mill und blieb 
diesen Grundsätzen auch in der Praxis treu, er macht es z. B. in der 
Ethik, Politik, Physik fast genau so, wie der tüchtigste Autor über solche 
Gegenstände es heutigen Tages machen würde. Und in gleichem Sinne 
rühmt derselbe Schriftsteller schliesslich S. 196 (168) an der »Methode 
analytischer Untersuchung des Aristoteles, welche man noch jetzt von 
ihm lernen und sich zum Muster nehmen könne«, mit vollem Recht nicht 
blos »die Sammlung aller erreichbaren Thatsachen, sondern auch aller 
erreichbaren Meinungen über den betreffenden Gegenstand und deren 
ruhige Prüfung und Vergieichung, bis ein helles Licht den ganzen Gegen- 
stand erleuchtet«. 

In das Gebiet der Metaphysik treten wir mit einer Untersuchung 
ein, welche die oben (S. 338 f.) berührte Frage nach der ältesten Geschichte 
der aristotelischen Schriften an diesem Werke weiter verfolgt, bei wel- 
chem man mehr als bei den meisten andern geneigt sein könnte und 
auch geneigt gewesen ist zu glauben, dass es erst durch die Redaction 
des Andronikos überhaupt ans Licht getreten sei: 



Organon. Metaphysik. 345 

10) Uefoer die Benutzung der aristotelisclien Metaphysik in den 
Schriften der älteren Peripatetiker. Von Eduard Zell er. Aus den 
Abhandlungen der königl. Akademie der Wissenschaften zu Berlin, 
1877. S. 145—167. Berlin, Dümmler 1877. 4. 

Das Ergebniss ist, dass von denjenigen Büchern, welche in fort- 
laufendem Zusammenhange das Hauptwerk, so weit es von Aristoteles 
vollendet war, ausmachen, dem 1. 3. 4. 6. 7. 8. 9., das 1. 3. 4. 7. von 
Eudemos, das 1. 4. 6. 9. von Theophrastos, das 1. auch von dem Ver- 
fasser der Abhandlungen über Melissos , Xenophanes , Gorgias , welcher 
später als Theophrastos, aber, da diese Schriftchen schon in dem auf 
Hermippos zurückgehenden Katalog bei Diog Laert. stehen, noch im 
dritten Jahrhundert lebte, benutzt worden sind, also doch aller Wahr- 
scheinlichkeit nach schon damals in mehreren Exemplaren als Ganzes 
existirtcn^i). Für den Gebrauch des zwölften Buches liegen uns die ent- 
schiedensten Zeugnisse nicht bloss bei Theophrastos und Eudemos, son- 
dern auch bei den , wie oben bemerkt , wahrscheinlich zwischen Straton 
und Apellikon fallenden Verfassern der grossen Moral und der Schrift 
von der Bewegung der lebenden Wesen vor, und da das Citat in letzterer 
(700 b, 7) ev zoTg Tispl rr^g npiÜTrjg ipiloaoftag (wie Zell er schon früher 
Phil. d. Gr. IIb. S. 92. Anm. 5 bemerkt hat) schwerlich bloss auf dies 
Buch allein, sondern vielmehr nur auf die Metaphysik als Ganzes passt, 
so dürfte wenigstens dieses schon damals mit jenem Torso der letztern 
zur Ergänzung verbunden gewesen sein. Ob ein Gleiches von dem drei- 
zehnten, welches in der Ethik des Eudemos, und dem vierzehnten, wel- 
ches in einen) theophrastischen Bruchstücke berücksichtigt zu sein scheint, 
anzunehmen ist, wagt natürlich auch Zell er nicht mit der nämlichen Ent- 
schiedenheit zu behaupten, ist jedoch geneigt es selbst auf das fünfte 
auszudehnen, welches Straton erweislich benutzt hat. Ich möchte die 
Sache lieber dahingestellt sein lassen, ja wenn unter dem Titel -nzp^ twv 
noaa^cug (wie ja auch Zell er a. a. 0. S. 58 urtheilt) bei Diog. L. und 
dem Anon. doch wohl eben dies fünfte Buch zu verstehen ist, so befand 
es sich wenigstens als selbständige Abhandlung noch in der alexandri- 
nischen Bibliothek i2). Nach diesem Allen aber ist wohl kein vernünftiger 



11) Auf den Titel Mezacpuatxä x' beim Anon. Men. (vgl. Trjropixyjg t^s 
IxzTä \Tä} (puaixä i im Anhang), unter welchem noch Braudis Gr.-röm. 
Phil. IIb S. 77 Anm. 30 und Zeller a.a.O. IIb S. 58 unsere Metaphysik, 
sei es ganz, sei es wenigstens in ihrer Hauptmasse, verstanden, wird man jetzt 
nicht mehr den sonst berechtigten Schluss begründen wollen, dass letztere 
schon vor Hermippos in der alexaudrinischen Bibliothek gewesen sei, da sich 
dieser Titel vielmehr mitten unter lauter Problemenwerken findet. 

12) Ob auch das zehnte unter dem Titel nspl ivavcuuv bei Diog. und 
dem Anon. (siehe Brandis a.a.O. S. 79. Anm. 119), ist sehr zu bezweifeln. 
Näher liegt der Gedanke an die von Aristoteles selbst auch in diesem zehnten 
Buch (3. 1054a, 30) citirte dtaipeciq twv ivavriwv, s. Bonitz Ausg. der 
Met. U. S. 22. 



346 Aristoteles. 

Grund an der Richtigkeit der Nachricht (Alex. z. Met. S. 483, 14 Bon.) 
zu zweifeln, nach welcher schon Eudemos die Metaphysik herausgegeben 
hatte, zumal die andere, wie Zell er zeigt, unglaubwürdige und ihr wider- 
sprechende, bei Asklepios (Schol. 519b, 38 if.) doch auch immerhin am 
Leichtesten entstehen konnte, wenn wirklich dies Stück vom Nachlasse 
des Aristoteles nach dem Tode des letzteren zuerst in den Händen des 
Eudemos war. i^) Dass aber die zweite Hälfte des eilften Buches und 
das zweite vermuthlich erst von Audronikos, wenn nicht letzteres noch 
später, eingefügt wurde, giebt auch Zell er zu. 
Ferner sind aufzuführen: 

11) Die Metaphysik des Aristoteles nach ihrem Inhalt. Von Dr. 
Schramm, königl. Studieulehrer. Bamberger Gymnasialprogramm. 
Bamberg 1877. 82 S. gr. 8. 

12) Beiträge zur Kritik und Erklärung griechischer Schriftsteller. 
Von Th. Gomperz, corr. Mitgl. der kaiserl. Akad. der Wissensch. HI. 
In den phil.-hist. Sitzungsberichten der Wiener Akad. LXXXIII. 1876. 
S. 563 - 569. 

Das eigentliche Absehen von Schramm ist auf eine historisch- 
kritische Betrachtung und eben damit auf eine mehr philosophische als 
philologische Arbeit, wie er selbst sagt, gerichtet. Dazu giebt er jedoch 
hier erst Anfänge; sein eigentlichstes Ziel sieht er vielmehr in der Unter- 
suchung, ob und in wie fern den aristotelischen Grundanschauungen ge- 
geniiber den Resultaten der moderneu Naturforschung noch eine Bedeu- 
tung einzuräumen ist, oder ob wirklich die jetzt herrschende monistische 
Atomentheorie zu einer allseitig befriedigenden Erklärung alles Werdens 
und Vergehens in der Natur ausreicht, und diese Untersuchung behält 
er einer späteren Gelegenheit vor. So liegt uns denn hier vornehmlich 
eine klare und wohlgeordnete Inhaltsübersicht über jene eben bezeichneten 
sieben, den eigentlichen Grundstock der Metaphysik bildenden Bücher 
und das zwölfte vor, die immerhin zu einer leichteren ürientirung beim 



13) Ucber den Erfolg der bisherigen Bemühungen, die Nachricht bei 
Strabon und Plutarchos über die Geschicke der strenger wisseuschaftlicheu 
Bücher des Aristoteles auf ihr richtiges Mass zurückzuführen, kann ich dagegen 
nicht ganz so vortheilhaft urtheilen wie Zeller (S. 165). Nicht Nachweise 
ihrer Bekanntschaft zwischen Theophrastos und Andronikos, sondern zwischen 
Stratoü und Apellikou erfüllen wirklich vollständig diesen Zweck, daher kann 
uns z. B. Poseidonios dabei nicht allzu viel helfen. Ferner aber wird man zu 
solchem Zweck diese Untersuchungen auch wirklich auf die streng -wissen- 
schaftlichen Lehrschriften, d. h. auf die erhaltenen Werke und die ihnen 
ähnlichen verlorenen zu beschränken haben; dass neben den Dialogen und 
sonstigen populären Schriften auch Problem- und solche Sammelwerke wie die 
Didaskalien und Politien in jener Zwischenzeit wirklich im Gebrauch waren, 
steht mit jener Nachricht ja nicht im mindesten Widerspruch. 



Metaphysik. Physik. Psychologie. 347 

Studilira dieser Schrift gute Dienste thun kaun, wenn auch der Verfasser 
selber einräumt, viel Neues lasse sich zur Aufhellung und zum Verständ- 
niss der Gedanken des Aristoteles jetzt nicht mehr vorbringen. Auffällig 
ist es, dass er den Commentar von Bonitz nirgends erwähnt. Auf ein- 
zelne von ihm begangene Fehler einzugehen ist wohl nicht nöthig. 

Gomperz giebt ein paar kritische Beiträge zur Rhetorik und zur 
Metaphysik. Die zu letzterer sind: I, 2. 982a, 13. [tujv rxc-ccuv], so aber 
ü-üher schon Baumann, s. d. Ber. f. 1874. III. S. 361, ferner I, 4. 
985 a, 16. XiyouGtv (f. Ujeiv), II, 1. 995 b, 31. iLallov iazi, IV, 4. 1006 b, 
6. \rs.Mri\. Endlich IV, 5. 1010a, 5 f. spricht er sich mit Recht für 
Zeller's Deutung aus, Epicharmos habe irgend eine Ansicht des Xeno- 
phanes für wahr, obgleich nicht wahrscheinlich erklärt, und reconstruirt 
versuchsweise den betreffenden Vers. 

Der Verfasser der Abhandlung 

13) On some misconceptions of Aristotle's doctrine on causation 
and TO ATTOMATON. Von D. D. Heath. Im Journ. ofPhilol. VII. 
1877. S. 97- 115 

widerlegt zwei allerdings kaum glaubliche Irrthümer, welche J. St. Mill 
in seiner Logik und deren zweiten mit ihm auch Grote (Aristotle I. 
S. 164. Plato III. S. 497) in der Auffassung von Met. I, 4. 984 b, 8 ff. 
und Physik II, 4 und eben damit der bewegenden Ursache und des 
au-ofjLa-ov und der rü^r^ bei Aristoteles begangen hat. 

Die Behandlung vom astronomischen Systeme des Aristoteles bei 

14) G. V. Schiaparelli, Le sfere omocentriche di Eudosso, dl 
Calippo e di Aristotele. R. Oss. di Brera, fasc. IX. S 1 — 63 

war mir nicht zugänglich. 

Von Trend elenburg's classischer Ausgabe der Psychologie 
ist eine neue Auflage erschienen: 

15) Aristotelis de anima libri tres. Ad iuterpretum Graecorum 
auctoritatem et codicum fidem recognovit commentariis illustravit Pri- 
de r. Adolph. Trend elenburg. Editio altera emendata et aucta. 
Berolini sumptibus W. Weberi 1877. XXVIII und 500 S. gr. 8. 

Der Bearbeiter, Christian Beiger, hat sich seiner Aufgabe im 
Wesentlichen mit grossem Geschick unterzogen und für die erhöhte 
Brauchbarkeit des Buches in löblicher Weise Sorge getragen. Für das 
Nähere kann hier auf die Recensionen von A. T(orstrik) Litt. Cen- 
tralbl. 1877. Sp. 1462 1463 und Fr. Susemihl Jen. Litt.-Zeit. 1877. 
S. 707f. verwiesen werden. Susemihl theilt bei dieser Gelegenheit meh- 
rere eigene Conjecturen mit, welche weiter unten (S. 351 f.) auch hier mit 
aufgeführt werden sollen. 

Am zweckmässigsten wird hier folgendes Schriftchen sich anschliessen 
lassen : 



348 Aristoteles. 

16) Die Erkenntnisslehrc des Aristoteles und Kant's in Vergleichung 
ihrer Grundprincipien liistorisch-kritiscli dargestellt von Dr. Reinhold 
Biese, Gymnasiallehrer in Barmen. Berlin, Weber 1877. II, 74 S. gr. 8. 

Zwei aufmunternde Anzeigen desselben erschienen in der Jenaer 
Lit.-Zeit. 1878. S. 532f. von J. Walter und im Litt. Centralbl. 1877. 
Sp. 1399. Ich beschränke mich in diesem Bericht auf den eigentlich 
philologischen Theil, die Darstellung der aristotelischen Erkenntnisslehre 
als solcher. Der Verfasser, auch ein ehemaliger Zuhörer von mir, legt 
in allen Stücken eine gute Sachkenntniss und auch ein tüchtiges, 
selbständiges Urtheil an den Tag. Am meisten zeigt sich letzteres in 
der schwierigen Frage nach dem Wesen des thätigen und des leidenden 
Verstandes. Seine Auseinandersetzung kommt hier in sehr wesentlichen 
Punkten mit der meinen (Philol. Anz. V. 1873. S. 685 ff. , vgl. auch den 
Ber. f. 1873. I. S. 584 f. 586 ft".), die ihm völlig unbekannt geblieben zu 
sein scheint, überein, so namentlich in seiner Auffassung der Worte Psych. 
III, 5. 430a, 23 ff., so ferner darin, dass auch er den Aristoteles nicht 
für einen reinen Empiristen hält, sondern im thätigen Verstände das 
apriorische Element von dessen Erkenntnisslehre und die aristotelische 
Erklärung für die Thatsache des Selbstbewusstseins findet, und seine Aus- 
führungen nach dieser Richtung hin können grossentheils füglich zur 
Ergänzung mid hie und da auch zur Berichtigung der meinen dienen. 
In anderen Stücken wiederum gehen wir freilich beträchtlich auseinander, 
so namentlich darin, dass er alle Psych. III, 4 getroffenen Bestimmungen 
(auch das Gleichniss von der unbeschriebenen Tafel) dem Ganzen des 
Verstandes oder der Vernunft zu erhalten sucht, während nach meiner 
Ueberzeugung in III, 5 der Leitfaden zu ihrer nachträglichen Vertheilung 
unter beide Intellecte gegeben ist, dass er sich die Einwirkung des thä- 
tigen auf- den leidenden als ein wirkliches und eigentliches Leiden des 
letzteren vorstellt und trotz seiner wohlberechtigten Polemik gegen Bren- 
tano sich doch von dessen Grundirrthum, als ob der voög naHr^rixog sich 
noch irgendwie von dem voüg duvd/xsi, welcher Alles »wird«, unterschiede, 
nicht losgemacht zu haben scheint, vielmehr eine solche Unterscheidung 
S. 41 gerade zur Widerlegung der übrigens ja auch von mir gemiss- 
billigleu Auffassungen des leidenden Verstandes bei Trendelenburg, 
F. Biese, Zeller, Brentano, Hertling und Kampe verwerthet. 

Einen Theil des von diesem Verfasser kurz durchmusterten Gebietes 
finden wir in eingehender Untersuchung ausfülirlich , und zwar nicht er- 
kenntnisstheoretisch, sonde