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Full text of "Jahresbericht über die Fortschritte auf dem Gebiete der Chirurgie"

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JAHRESBERICHT 

ÜBER DIE 

FORTSCHRITTE 

AUF DEM GEBIETE DEB 

CHIRUR GIE. 



JAHRESBERICHT 

ÜBER DFE 

FORTSCHRITTE 



AUF DEM GEBIETE DER 



CHIRURGIE. 



UNTER MITWIRKUNG VON 

Dr. Bahtholdt (Wiesbaden), Dr. Becker (Hildesheim), Prof. Bennegkb (Berlin), Prof. von 
BoRSDORFF (Helsingfors), Dr. Borchard (Posen), Dr. Bötticher (Giessen), Dr. Brentano 
(Berlin), Dr. Brunner (Münsterlingen), Prof. Dollinger (Budapest), Dr. Fertig (Kassel), Prof. 
Fischer (Stbassbüro), Dr. Giani (Turin), Dr. (Soedhuis (Deventer), Prof. Goldmanh (Freibdrg), 
Prof. Hildebrand (Berlin), Prof. Hoffa (Berlin), Prof. Hofiäeister (Stuttgart), Dr. 
HoHLBEGK (St. Petersburg), Dr. Hueter (Altona), Dr. Eammeter (Berlin), Dr. Kargher 
(Basel), Dr. Kirchhoff (Berlin), Prof. Kölliker (Leipzig), Dr. Maass (New York), Dr. Mac 
GfLiAVRT (Amsterdam), Prof. San Martin (Madrid), Dr. Mertens (Bremerhaven), Dr. Meter 
(Dresdeji), Dr. von Meter (Frankfurt a/m.), Dr. Neck (Chemnitz), Dr. Pagenstecher 
(Wiesbaden), Prof. Partsch (Breslau), Prof. Pels-Leusden (Berlin), Dr. Pertz (Frriburg), 
Prof. Ritschl (Prkiburg), Dr. Ritter (Greifswald), Prof. Rotgans (Amsterdam), Dr. Schaldemose 
(Kopenhagen), Dr, Schönstadt (Berlin), Dr. Schültze (Duisburg), Dr. Schulz (Barmen), Prof. 
Seidel (MCnchbn), Dr. Stoianoff (Plkvna), Prof. Sultan (Berlin), Dr. Süter (Basel), Dr. 
Urbanik (Krakau), Dr. Vkillon (Riehen), Dr. Volkmann (Dessau), Dr. Waldvogel (GJöttingen), 
Dr. Willemer (Ludwigslust), Dr. Zieoler (MOnchen), Dr. Zimmermann (Dresden). 

REDIGIERT UND HERAUSGEGEBEN 

VON 

PROF. DR. HILDEBRAND 

IN BERLIN. 



IX. JAHRGANG. 

BERICHT ÜBER DAS JAHR 1903. 



WIESBADEN. 

VERLAG VON J. F. BERGMANN. 
1904. 



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V 



Nachdnick verboten. 
Übersetzungen, auch ins Ungarische, vorbehalten. 



Dniok der Kgi UniTersitatidrackerel Ton H.Stflrtzin W&rzbarK. 



Inhalt. 

I. Allgemeine Chirurgie. 



Seite 

Narkose, Narkotika, Aoaesthetika. Ref. Prof. Dr. A. Rltschl, Freiburg . . 3 — Z% 

Angemeines fiber Narkose 6 — 10 

Chloroform- und Chloroform-Sauerstoff-Narkose 11 — 13 

Äthemarkose 13 — 16 

Äther und Chloroform * .... 16 — 17 

Äthylchlorid und Somnoform-Narkose 17 — 19 

Lachgasnarkose 19 — 20 

Schleichsches Narkosengemisch 20 

Brom&thylnarkose 20 

Narkotil 20 — 21 

Morphium-Skopolaminnarkose 21 — 23 

Lokale und region&re Anftsthesie . 23 — 31 

Rückenmarks- AnAsthesie 31 — 33 

Allgeaeifle Operatiooslehre. Ref. Prof. Dr. A. Ritschi, Freiburg 33 — 35 

Waadbeilnaf , Stömofea der Waodheilanf , Wnodiafektiooserreger (Entzäodanf , 
Eiteninr, Erysipel, pyoseoe Allgemeioerkraokoofen, Toxämie, Seplitliäinie). 
WnodbeliaadIao£, Aseptik, Aotiseptik, Antiseptika. Ref. Cliefarzt Dr. 

K. Bmaoer, Mansterlingen 35 — 58 

1. WandheiluDg, Störungen der Wundheilnng 35 — 45 

a) Allgemeines. Experiraentaluntersuchungen, Bakteriologisches Aber 
Wundinfektion- und Eitererreger 35 — 38 

b) Phlegmone, Gangrftn, Noma 38 — 40 

c) Streptokokkeninfektion. Erysipelas. Antistreptokokkenserum . 40 — 42 

d) Pyogene AUgemeinerkrankungen. Toxämie, Sephihämie . . . 42 — 45 

2. Wundbehandlung 46 — 58 

a) Aseptische Wundbehandlung. Geschichtliches. Bedingungen der 
Aseptik. Allgemeines 46—48 

b) Desinfektion der Hände und des Operationsfeldes 48 — 50 

c) Sterilisation des Naht- und Unterbindungsmateriales 50 — 52 

d) Sterilisation des Verbandmaterials, der Instrumente, Schwämme 52 

e) Antiseptik. Antiseptika 52 — 56 

f) Behandlung von Verletzungen und infizierten Wunden . . . . 56 — 58 

Tetanos. Ref. Cliefarzt Dr. K. Bmiuer, Münsterlingen 59 — 68 

I. Pathogenese, Wirkung des Tetanusgiftes. Symptomatologie. Kopftetanus 59 — 65 

II. Therapie 65—68 



VI Inhalt. 

Seite 

Wut. Ref. Chefarzt Dr. K. Bmnoer, Munsterlingen 68 — 69 

Ver£iftaiij[eo. Ref. Oberarzt Dr. Brost Pafeostecfaer, Wiesbaden . . . . 69 
Toberknlose, Syphilis, Lepra, Aktlnomykose, Milzbrand , Maal- nod Klaneo- 
senche, Bchioococcos. Ref. Priv.-Doz. Dr. R. WaldvogfeK Göttingen 

und Medizioalrat Dr. A. Borchard, Posen 70 —113 

Tuberkulose. Ref. PrIv.-Doz. Dr. R. Waldvogfel, Göttiagen . . 70 —101 
Syphilis, Aktinomykose, Botryomykose, Rhinosklerom, 
Noma, Milzbrand, Echinococcus, Lepra, Pellagra. Ref. 

Medizioalrat Dr. A. Borchard, Posen 101—113 

Aktinomykose und Botryomykose 104—108 

Lepra, Rbinosklerom, Milzbrand, Rotz, Blastomykose, Pellagra 

Mycosis fungoides 119—112 

Echinococcus 113 

Verbreoooogeo ood Brfrleraogeo. Ref. Oberarzt Dr. E. ^agfeostecher, Wies- 
baden 114-115 

A. Verbrennungen 114 

B. Erfrierungen 115 

Verletzoofeo ood chlrorgische Kraokhelteo der Haot ood des Sabkotaoge- 

gewehes. Ref. Kgl Kreisarzt Dr. E. Becker, Hildesheim 115—141 

Allgemeines 115—117 

Spezielles.« s 117—441 

I. Verletzungen 117 — 120 

1. Frische Verletzungen — 

2. Transplantation und Narben behandlung 117—120 

If. Chirurgische Krankheiten 120 — 141 

1. Zirkulationsstörungen 120—122 

2. Entzündungen — 

3. Spezifische Entzündungen 122—131 

4. Progressive Ernährungsstörungen 131 — 136 

a) Hypertrophie 131—132 

b) Geschwülste 133—136 

5. Regressive Ernährungsstörungen 137—138 

6. Epitheliale Anhangsgebilde der Haut 139 

7. Seltene, durch Parasiten erzeugte Hautkrankheiten .... 140—141 

Erkraoknogeo der Sehoeo, Sehoeoscheideo ood Moskelo. Ref. Prof. Dr. E. 

Ooldmaofl, Freiburg 141-154 

Verletzuofeo ood chimriische Kraokhelteo der Blotifefässe, der Lymphifefässe 

ood Lymphdrfiseo. Ref. Prof. Dr. F. Fischer, Strassburg ]54-.i7i 

Hämostatika und Hämostase 154—155 

Infusionen von Kochsalz und anderen Lösungen 155—158 

Haemophilie 158 

Gefässnaht 158—164 

Aneurysmen 164—166 

Gefässerkrankung mit nachfolgender Gangrän i^ß 

Gefässgeschwülste 166—168 

Lnfteintritt in Venen und Unterbindung der Venen 168—169 

Retrograder Transport im Venensystem 169 

Phlebitis und Varicen 169—170 

Lymphdrüsen- und Lymphgefässerkrankungen 170—171 

Verletzttogeo ood chirurfische Erkraokoojfeo der peripherlscheo Nerveo. Ref. 

Prof. Dr. Th. Kölllker, Leipzig 171-182 



Inhalt. VII 

Seite 

Nervenregeneration 

Nervendurchschneidung 

Nervenverletzungen 

Nervenlnxation 

Nervennaht 

Nervenpfropfung 

Nervenresektion 

Nervendehnung } 171—174 

Nervenlösung 

Intrakranielle Trigeminusresektion 

SympathicuBresektion 

Neuralgie 

Neuritis 

Periphere Paralyse 

Nervengeschwtllste 

Allgemehieg ober Fraktoren aod Verleiznogeo der Gelenke. Ref. Qeli. Med.-Rat 

Prof. Dr. A. Hoffa, Berlin 183-184 

Die Erkraokonfea der Kaochen. Ref. Prosektor Dr. C. Hneter, Altona . . 195-211 

Allgemeines 198-2(0 

Knochenatrophie 200 — 201 

Störungen des Knochenwachstums 201—202 

Osteomyelitis 202-203 

Typhus, Tuberkulose, Aktinomykose 203—204 

Osteomalacie 204 

Akromegalie 204 

Rhachitis 204—205 

Koochenneubildung, Knochenplombierung und Enochenersatz .... 205—208 

Tumoren 209—211 

Brkraokaofeo der Qeleoke. Ref. Dr. K. Bartholdy, Wiesbaden 212-222 

Allgemeines 212—213 

Erkrankungen der Gelenke bei akuten Infektionen 213—214 

Chronische Gelenkerkrankungen 214—218 

Sonstige Erkrankungen . 218-222 

Erkraiknngen der Schleimbeatel. Ref. Dr. K. Bartholdy, Wiesbaden . . . 223-224 

AUcemeine Qeschwnlstlehre. Ref. Dr. R. Volkmaon, Dessau 224-253 

Statistik und Ätiologie der Geschwülste 224-230 

Histologie der Geschwülste ! . . 230—232 

Klinik der Geschwülste. Karzinom-Behandlung 202—286 

A. Karzinombehandlung durch X-Strahlen 236—246 

B. Behandlung der Karzinome mit anderen Methoden 246—248 

C. Kasuistisches und Klinisches 248-253 

II. Spezielle Chirurgie. 
I. Kopf. 

Die Verletzonfen nod ciilnir|[i8cheo Krankheiten des Schädels und Gehirns. 

Ref. Dr. E. von Meyer, Frankfurt a/M 257—287 

Allgemeines über Hirnchirurgie und Trepanation 257—259 

Erkrankungen und Tumoren des knöchernen Schädels und der Weich teile 259-262 
Verletzungen des Schädels und Gehirns durch Schuss und andere Ge- 
walten. Traumatische Meningitis und Himabszesse 262- 269 

Erkrankungen der Stirn- und Keilbeinhöhlen 269 

Hydrocephalus, Meningocelen, Encephalocelen, Meningitis 269—271 



VIII Inhalt. 

Seite 

Tri gern inusneuralgie 271—272 

Epilepsie 272—277 

Tumoren und Cysten 277—280 

Abszesse. Pyämie. Thrombose. Otitische Erkrankungen 281 — 287 

Verletzaogeo nod chiinrifische Krankheiten de« äusseren Auges, des äusseren 
Ohres nud der Nase. Ref. Dr. Q. Zimmennann, Dresden und Dr. W. 

L. Meyer, Dresden 287—328 

A. Verletzungen und chirurg. Krankheiten des äusseren 
Auges. Ref. Dr. W. L. Meyer, Dresden 287—310 

B. Verletzungen und chirurg. Krankheiten des äusseren 

Ohres und der Nase. Ref. Dr. Q. Zimmermann, Dresden. . 311—328 

1. Ohr 311—321 

2. Nase 321—328 

Die Verletzungen und chirurgischen Krankheiten des Gesichts, der Speichel- 
driisen, des Mundes, der Zunge, des Gaumens, der Gesichtsnerven, der 

Mandeln, der Kiefer und der Zähne. Ref. Prof. Dr. C. Partsch, Breslau 328—401 

Erkrankungen des Gesichts 328—336 

Erkrankungen der Gesichtanerven 336—343 

Angeborene Missbildungen 343—346 

Erkrankungen der Mundschleimhaut 346—352 

Erkrankungen der Speicheldrüsen 352 — 359 

Erkrankungen der Zunge 359—371 

Erkrankungen des Gaumens 371—374 

Erkrankungen der Mandel 373—379 

Erkrankungen der Kieferhöhle 379-382 

Erkrankungen der Kiefer und Zähne 382—401 

U. Hals« 
Verletzungen und chirurgische Krankheiten des Halses und der Schilddruse. 

Ref. Dr. D. Mac Gillavry, Amsterdam 402-420 

Struma. Morbus Basedowii. Thymus 4u2 — 410 

Andere Halsorgane 410—420 

Chirurgische Erkrankungen des Rachens und der Speiseröhre. Ref. Dr. C. 

Ritter, Greifswald 421—445 

Rachen 421—426 

Ösophagus 426 — 445 

Kehlkopf, Luftröhre, Bronchien. Ref. Priv.-Doz. Dr. C. Bötticher, Giessen . 446—459 

A. Kehlkopf 446—453 

B. Luftröhre und Bronchien 453 — 459 

m. Brust. 
Verletzungen und chirurgische Krankheiten des Thorax. Ref. Priv.-Doz. Dr. 

C. Bötticher, Giessen 460-467 

Die Verletzungen und chirurgischen Krankheiten der Brustdriise. Ref. Priv - 

Doz. Dr. G. Bötticher, Giessen 467—474 

Angeboi-ene und entzündliche Störungen der Brustdrüse 467 — 469 

Geschwülste der Brustdrüse 469—474 

Verletzungen und chirurgische Krankheiten der Pleura und Lunge. Ref. Ober^ 

arzt Dr. J. Schulz, Barmen 475-497 

Pleura 475-482 

Lunge 482—497 

Die Verletzungen und chirurgischen Krankheiten des Herzens und Herzbeutels, 
derOefässe der Brusthöhle, des Mediastinums. Ref. Prof. Dr. B. Bennecke, 

Berlin (siehe am Schluss). 



Inhalt. IX 

Seite 

IV. Banch. 

Verietzno^ea nod cfairnixische Krankhelteo der Bauchwand und des Peritooeuin. 

Ref. Oberarzt Dr. Enist Pageostecher, Wiesbaden 497—536 

Baach. Allgemeines 497—504 

Erkrankungen der Banchwand 504—509 

Erkrankungen des Nabels 509—512 

Yerletsungen des Bauches . . . ^ 512—515 

Akute Peritonitis 515—522 

Tuberkulöse Peritonitis 522—527 

Aktinomykose 528 

Ascites 528—530 

Geschwülste 580—532 

Krankheiten des Mesenteriums und Netzes 532 — 535 

Krankheiten des retroperitonealen Qewebes 535 — 536 

Die Verletznogeo nod chimrflscfaeo Krankheiten des Darmes. Ref. Dr. Karcher, 
Basel, Oberarzt Dr. A. Brentano, Berlin und Dr. E. Velllon, Rieben 

(Basel) 537—636 

Allgemeines. Technik. Ref. Dr. Kar eher und Dr. Y eil Ion . . . 537—545 

Kongenitale Störungen. Ref. Dr. Karcher und Dr. V ei Hon . . . 545—548 

Verletzungen. Fremdkörper. Ref. Dr. Karcher und Dr. Veillon. 548—550 

Tumoren. Ref. Dr. Karcher und Dr. Veillon 550—555 

Entzflndungen, Geschwüre, Strikturen, Divertikel, Perforation. Ref. Dr. 

Karcher und Dr. Veillon 555—570 

Appendicitis. Ref. Oberarzt Dr. A. Brentano 570 — 609 

Darmverschluss. Ref. Dr. Karcher und Dr. Veillon 609—628 

Nachtrag zum Abschnitte : Die chirurgischen F^rkrankungen des Darmes. 

Ref. Dr. Karcher und Dr. Veillon 628—636 

Vo-Ietznttf en nnd chirurgische Erkrankungen des Magens. Ref. Dr. J. Fertig, 

Kassel 637 691 

A. Allgemeines 637—655 

B. Spezielles 655—691 

a) Verletzungen, Ulcus yentriculi traumaticum und Fremdkörper . 655—658 

b) Gastroptose. Magendilatation. Postoperative Magenblutung . . 659—660 

c) Volvulus des Magens 660 

d) Kongenitale Pylorusstenose 661 — 662 

e) Entzündungen, Geschware und deren Folgeerscheinungen . . . 662 — 680 

f) Geschwülste, Lues, Tuberkulose 680—691 

Verletzungen und chirurgische Krankheiten des Rektums. Ref. Dr. Fr. /Hertens, 

Bremerhaven 691—704 

A. Allgemeines 691—698 

B. Spezielles 698 

a) Kongenitale Störungen 698 

b) Entzündungen, Geschwüre, Strikturen 698—700 

c) Verletzungen. Fremdkörper 700 

d) Geschwülste, Prolapse, Hämorrhoiden 700—704 

Die Hernien. Ref. Dr. E. Kammey er, Berlin 704—736 

Allgemeines . 704—717 

Inguinalhemien 718—724 

Krnralhemien 724—726 

ümbilikalhernien 726—728 

Innere Hernien . 728—729 

Seltene Hernien 729—736 



X Inhalt 

Seite 

Verletzangen and chirurgische Krankheiten der Leber und Gallenblase. Ref. 

Oberarzt Dr. Ernst Pagenstecher, Wiesbaden 736-773 

Allgemeines 7S6— 741 

Verletzungen der Leber und G allen wege 751—743 

Schnflrleber, Wanderleber, Lebercirrhose, Tuberkulose, Syphilis, Aktino- 

mykose 743—748 

Echinococcus der Leber und subphrenischer Abezess 749—751 

Leberabszess ' 751—753 

Tumoren der Leber, Gallenblase und Gallengänge . 753—756 

Erkrankungen der Gallenblase, des Ductus cysticus und hepaticus 

(ausschliesslich Tumoren) 756—767 

Erkrankungen des Choledochus (ausschliesslich Tumoren) 767—773 

Gallensteinileus 773 

Die Verletzungen nnd chirurgischen Krankheiten der Milz. Ref. Prof. Dr. F. 
Hofmeister, Stuttgart (siehe am Schluss). 

Die Verletzungen und chirurgischen Krankheiten des Pankreas. Ref. Dr. A. 
Schönstadt, Berlin (siehe am Schluss). 

Die Verletzungen und chirurgischen Krankheiten der Nieren und Harnleiter. 

Ref. Priv.-Doz. Dr. P. Ziegler, München 773-847 

Angeborene Missbildungen 773—777 

Anatomie und Physiologie 776—780 

Nierenverletzungen 780—782 

Wandernieren 783—788 

Hydronephrose 788—790 

Akute Pyelitis, Pyouephrose, Nieren abszesse 790—791 

Puranephritis. Perinephritis 792 

Tuberkulose der Nieren 792—796 

Nephrolithiasis 796-800 

Anurie 80ü— 802 

Funktionelle Nierendisgnostik 802—815 

Nierenblutung 815-816 

Geschwülste und Cysten der Nieie 816—823 

Operationen 823—824 

Akute und chronische Entzündung der Niere 825 — 833 

Kasuistik nnd Lehibücher 833—836 

Chirurgie der Nebenniere 836—838 

Chirurgie der Harnleiter 838-842 

Adrenalin 842-845 

Nierensyphilis 845—846 

Varia 846-847 

Die Verletzungen und chirurgischen Krankheiten der Blase. Ref. Prof. Dr. Q. 

Sultan, Rixdorf-Berlin 848—876 

Anatomie und Physiologie der Blase 848—849 

Allgemeines über Blascnchirurgie 849—860 

Ektopie, Missbildungen, Divertikel der Blase 860- 863 

Verletzungen der Blase 863—866 

Cystitis 867 

Fremdkörper der Harnblase 867—868 

Tuberkulose der Harnblase 868—869 

Blasensteine 869-873 

Blasengeschwülste 873—876 



Inhalt. XI 

Seite 

Die Verletzaogen and chirargischen Kraokheiten der männücheii Genitalien. 

Ref. Dr. E. Kirchhoff, Berlin 876-897 

Allgemeines. Penis. Skrotum 876—878 

HfiUen des Hodens nnd Samenstranges 878— 879 

Hoden, Nebenhoden, Samenstrang 879— 881 

Cowpersche Drösen, Samenblase, Prostata 881—887 

Nachtrag. Aaslftndiscbe Referate 887— 897 

Verletznnsen und chinirfische Kranl^helten der Uretlira. Ref. Prof. Dr. F. 
Pels-Lensden, Berlin (siehe am Schluss). 

Yerletznnfen and chimri^ische Krankheiten der oberen Extremität. Ref. Dr. 

C. Neck, Chemnitz 897— 933 

Angeborene Krankheiten, Mi8sbildangen,Entwickelung8})emmun gen etc. 897 — 903 

Krankheiten der Haot 903— 904 

Erkrankungen der Lymphgefftsse und LjmphdrQsen 904 

Erkrankungen und Verletzungen der Gefässe 904— 907 

Erkrankungen und Verletzungen der Nerven 907— 912 

Erkrankungen und Verletzungen der Muskeln, Sehnen, Sehnenscheiden 

nnd Fascien 912— 915 

Erkrankungen der Knochen und Gelenke 915— 920 

Frakturen 920- 925 

Luxationen 925— 931 

Verschiedenes 931— 933 

DieVerletzani^en and chirarfischen Krankheiten der anteren Extremität. Ref.: 
Oberarat Dr. F. Schnitze, Duisburg, Medizinalrat Dr. A. Borchard, 

Posen, Dr. F. Sater, Basel 933—1025 

Angeborene Missbildungen und Difformitäten der unteren 

Extremität Ref. Oberarzt Dr. F. Schnitze, Duisburg . . . 933— 950 

Kongenitale Luxation der Hüfte 933— 938 

Coxa vara 938—940 

Genu valgum 940— 941 

Genu recurvatum 941— 942 

Angeborene Verrenkung des Fussgelenks 942 

Plattfuss 942- 945 

Klumpfuss, Hohlfnss, Spitzfuss 945-948 

Halux valgus , 948- 949 

Rachitische Deformitüten 949 

KongeniUle Defekte 949-950 

Essentielle Paralyse (Sehnenplastiken) 950 

Verletzungen der Knochen und Gelenke der unteren Ex- 
tremität. Ref. Medizinalrat Dr. A. Borchard, Posen .... 951- 973 
Allgemeines über Frakturen und Luxationen der unteren Extremität 951 — 952 

Frakturen und Luxationen im Bereich des Beckens 953 

Luxationen im Hüftgelenk 953— 954 

Frakturen des Schenkelhalses 954— 956 

Frakturen des Oberschenkels 956—- 958 

Verletzungen des Knies 958— 959 

Luxation der Patella 960 

Verletzungen des Streckapparat-es des Knies 960 — 965 

Verletzungen der Semilnnarknorpel, Kreuzbänder etc 965— 966 

Frakturen des Unterschenkels 966— 969 

Luxationen im Bereich des Fusses 960— 971 

Frakturen im Bereich des Talus und Calcaneus 971 

Frakturen im Bereich des Mittel- und Vorderfusses 971— 973 



XIl Inhalt 

Seite 
DieErkrankungen der unteren Extremität mit Ausschluss 
der angeborenen Missbildungen, der Difformitäten, 

Frakturen und Luxationen. Ref. Dr. F. Sater, Basel . . 974-1025 

Lehrbücher. Anatomie. Allgemeines. Operationsmethoden. Apparate 974— 984 

Erkrankungen und Verletzungen der Weichteile 984—1003 

Der Haut und Anhangsgebilde 984— 985 

Der Blutgefässe 685— 992 

Der Nerven 992— 993 

Der Sehnen, Sehnenscheiden, Fascien, Muskeln, Schleimbeutel, 

Lymphgefässe und Lymphdrüsen 993— 999 

Varia 999—1003 

Erkrankungen der Knochen 1003 — 1011 

Des Beckens 1003—1004 

Des Oberschenkels 1004-1007 

Des Unterschenkels 1007—1009 

Der Knochen des Fusses 1009—1011 

Erkrankungen der Gelenke 1011—1025 

Des Hüftgelenkes 1011—1015 

Des Kniegelenkes 1015—1025 

Des Fussgelenkes . 1025 

Die Verletzaofen und chimrgischen Krankheiten der Wirbelsäule und des 

Rückenmarks. Ref. Geh. Med.-Rat Prof. Dr. A. Hoffa, Berlin . . . 1025-1065 

Frakturen, Luxationen und sonstige Verletzungen der Wirbelsäule . 1025—1028 
Osteomyelitis, traumatische Erkrankungen u. chronische Entzündungen 

der Wirbelsäule 1028—1034 

Spondylitis tuberculosa 1034—1039 

Skoliose 1039—1055 

Tumoren der Wirbelsäule, des Bückenmarks und seiner Häute. Spina 

bifida. Missbildungen 1055—1059 

Traumatische Rückenmarkaerkrankungen 1060—1063 

Anhang: Italienische Literatur 1063—1065 

Die Verletzungen und chirurj^lschen Krankheiten des Pankreas. Ref. Dr. A. 

Schönstadt, Berlin 1065-1076 

Die Verletzungen und chirurf ischen Krankheiten des Herzens und Herzbeutels, 
der Qefässe der Brusthöhle, des Mediastinums. Ref. Prof. Dr. E. 

Bennecke, Berlin 1077—1080 

Verletzungen und chirurgische Krankheiten der Urethra. Ref. Prof. Dr. 

F. Pels-Leusden, Berlin 1081-1091 

Die Verletzungen und chirurgischen Krankheiten der Milz. Ref. Prof. Dr. P. 

Hofmeister, Stuttgart 1092-1099 

Anatomie 1092 

Verletzungen 1092—1093 

Milzabszess 1093-1094 

Wandermilz 1094-1095 

Hypertrophie, Tumoren. Cysten 1095—1097 

Milzexstirpation 1097—1099 

Die Anwendung der Röntgenstrahlen in der Chirurgie. Ref. Dr. A. Pertz, 

Freiburg i. Br 1099-1127 

Die Lehre von den Instrumenten, Apparaten und Prothesen. Ref. Prof. Dr. 0. 

Hildebrand, Basel . 1128-1129 



Inhalt. XIII 

Seite 

ICripKBchinirfie. Ref. Generalarzt Prof. Dr. K. Seydel, Mttnohen . . . . 1129-1135 
Nadrtrai^: Aaalftndische Referate . 1135— 1142 



111. 

Historiacbes; Lehrbacher; Berichte. Aufsätze allfemelnea Inhalts. Ref. Prof. 

Dr. 0. Hildebrand, Basel 1143-^1159 

Geschichte der Chirurgie 1145 

Lehrbücher 1146—1150 

Jahresberichte von Krankenhäusern etc 1150 — 1152 

Aufsätze allgemeinen chirurgischen Inhalts 1152—1159 

Aotoren-Refister 1160-1177 

Sach-Resister 1178 



Die Redaktion des von Prof. Dr. O. Hildebrand (Berlin) heraus- 
gegebenen Jahresberichtes richtet an die Herren Fachgenossen und 
Forscher, welche in dessen Gebiete Gehöriges und Verwandtes 
publizieren, die ergebene Bitte, sie durch rasche Übersendung von 
Separat-Abdrücken ihrer Veröffentlichungen sowie durch einschlagende 
Mitteilungen baldigst und ausgiebigst unterstützen zu wollen. 

Zusendungen wolle man an Herrn Professor Dr. O. Hildebrand, 

Berlin N.W., Kronprinzen Ufer 61., richten. 



I. Teil. 



Allgemeine Chirurgie. 



J»hrMbericht fDr Chirnrgie 1903. 



I. 
Narkose, Narkotika, Anaesthetika. 



Referent: A. Ritschl, Freiburg. 



Die mit * versehenen Arbeiten sind nicht referiert worden. 

1. Bark er, On some improyements in the method of local analgesia. The Lancet 1903. 
July 25. 

2. *Barraja, Elimination da chloroforme. Marseille möd. 1902. Nov. 15. 

3. Becker, Ober eine neue Verbindung des Anästhesins (Dr. Ritsert) zar subkutanen 
Injektion .Subkutin* (Ritsert). MOn ebener med. Wochenschrift 1903. Nr. 20. 

4. Bern dt, Zur Empfehlung der Witze Ischen Äthertropfnarkose. Münchener med. 
Wochenschrifk 1903. Nr. 20. 

5. ^Blumefeld, The relation of anaesthetics to shock. Medical Press 1903. Febr. 25. 

6. Blum fei d, Recent work in the field of anaesthetics. The Practitioner 1903. Sept. 

7. Bogdanovici, Ein Sterbefall nach Kokaininjektionen in den RQckenmarkskanal. 
Revista de Chirurgie 1903. Nr. 3 (Rumänisch). 

8. Boncart, De la „r^animation" par le massage sous-diaphragmatique du coeur en cas 
de mort par le chloroforme. Revue mödicale de la Suisse romande 1903. Nr. 10. 

9. Braun, Experimentelle Untersuchungen und Erfahrungen über Leitungsanästhesie. 
V. Langenbecks Archiv 1903. Bd. 71. Heft 1. 

10. — Ober den Einfluss der Vitalität der Gewebe auf die Örtlichen und allgemeinen Gift- 
wirkungen lokalanästhesierender Mittel und über die Bedeatung des Adrenalins für die 
Lokalanästhesie, v. Langenbecks Archiv 1903. Bd. 69. Heft 1 u. 2. v. Esmarchs 
Festschrift. 

11. — Zur Äther-Chloroform-Mischnarkose. Zentralblatt ffir Chirurgie 1903. Nr. 14. 

12. — Ober Adrenalin. Deutsche zahnfirztliche Wochenschrift 1903. Nr. 45. 

13. — Zur Anwendung des Adrenalins bei anästhesierenden Gewebsinjektionen. Zentral- 
blatt f&r Chirurgie 1903. Nr. 38. 

14. *— Ober die Bedeutung des Adrenalins fQr die Chirurgie, besonders fQr die Lokal- 
anästhesie. Med. Gesellschaft Leipzig. Münchener med. Wochenschrift 1903. Nr. 8. 

15. *Burckhardt, Zur Narkosenfrage. Zentralblatt für Gynäkologie 1903. Nr. 14. 

16. Caro, Ober ChJoroformnarkose. Allgem. med. Zentral-Zeitang 1903. Nr. 20. 

17. *Glayton, Death under Chloroform. British medical Journal 1903. Jan. 31. 

18. Cole, The physiological action of ethyl bromide and of somnofoim. British medical 
jonrnal 1903. June. 

19. *Connel, Local anaesthesia. Annais of surgery 1903. December. 

20. *Court, The Chloroform habit acquired by a hysterical woman resalting in death. 
The Uncet 1903. July 18. 

21. Conrtade, Anästhesin in der rhino - laryngol. Praxis. Allgem. Wiener med. Zeitung 
1903. Nr. 12. 



Jahresbericht für Ghirorgie. I. Teil. 

22. ^Dacconto, 8., La cocaina in chirargia. II Naovo Raccoglitore medico 1903. Nr. 12. 

23. Daconto, Akoin in der Chirurgie. Deutsche Zeitschrift fftr Chirurgie 1903. Bd. 69. 
Heft 5 und 6. 

24. Discussion on anaesthetics. Glasgow med. chir. soc. Glasgow med. Journal 1903. 
April. 

25. Dönitz, »»Kokainisierung des Rflckenmarkes" unter Verwendung von Adrenalin. 
Mflnchener med. Wochenschrift 1908. Nr. 34. 

26. Dunbar, Noch einiges über das salzsaure Anftsthesin als örtliches Betftubungsmittel. 
Zentralblatt fOr Chirurgie 1903. Nr. 43. 

27. Eastham, Narcotile, bichloride of methyl ethylene: a new auaesthetie. The Lancet 
1903. April 18. 

28. Feilchenfeld, Zur Prophylaxe der Chloroformnarkose. Zentralblatt f. Chirurgie 1903. 
Nr. 7. 

29. Fiat au, Über die Anwendung der Morphium-Skopalamiunarkose in der Gynäkologie. 
Mflnchener med. Wochenschrift 1903. Nr. 28. 

30. Foisy, Nouveau proc^ö d'anesthösie des tissus enflammte. La Presse m^icale 1903. 
Nr. 24. 

31. Fratti, G., Sul valore del aegno delia nnca Belle doronarcosi. Gazzetta degli oape- 
daU 1903. Nr. 131. 

32. Fuchs, Zur Narkose in der Gynäkologie mit besond. Berflcksichtigung der Witze 1- 
sehen Äthertropfmethode. Mflnchener med. Wochenschrift 1903. Nr. 46. 

33. Gaertner, Über einen Apparat zur Kontrolle ded Pulses in der Narkose. Mflnchener 
med. Wochenschrift 1903. Nr. 24. 

34. — Ein neuer Apparat zur Pulakon trolle in der Narkose. Wiener med. Presse 1903. 
Nr. 27. 

35. — Über einen Apparat zur optischen Kontrolle des Pulses während der Narkose. 
Zentralblatt f&r Chirurgie 1903. Nr. 9. 

36. — Optischer Puls-KontroUapparat 32. Chirui^enkongress Berlin 1903. 

37. Gangitano, F., Analgesia cocaina-adrenalinica in chiruigia generale. Riforma medica 
1903. Nr. 36. 

38. *G ardner. A regulating inhaler for gas and ether. The Lancet 1903. July 18. 

39. Gaudiani, Y., L' anestesia generale col cloruro d' etile. II Policlinico. Sez. pratica 
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40. Grevsen, Nochmals die Morphium -Skopolamin- Narkose. Mflnchener med. Wochen- 
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41. Hahn, Om Jlt-Kloroformnarcose med Roth-Drägers Apparat, ügeskrift for Leeger 
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42. Hamm es, Sets over lach gasnarcose. Ned. Tydschr. v. Geneesk. IL pag. 652. 

43. — Aethyldiloride als Anaestheticum inhalatorinm. Ned. Tydschr. v. Geneesk. II. 
pag. 1439. 

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45. — New form of Chloroform regnlator. Soc of anaestheticts. The Lancet 1903. 
March 21. 

46. Harte g\ Die Äthemarkose in Verbindung mit Morphium-Skopolamininjektionen. Mflncfa. 
med. Wochenschrift 1903. Nr. 46. 

47. Henricsson, Operationen bei medullärer Tropokokain -Analgesie. Finska Ifikare- 
sänskapeU handlingar 1903. Bd. XLV. Heft 7. pa?. 2a 

48. He Witt, The anaesthetisation of so-called "difficult" and "bad" subjects. The Lancet 
1903. Jan. 10 and 17. 

49. Hof mann, Über die einzelnen Phasen der Betäubung zu Beginn der Narkose. Zentral- 
blatt fflr Chirurgie 1903. Nr. 11. 

50. — Die moderne Äthernarkose. Mflnchener med. Wochenschrift 1903. Nr. 46. 

51. Honigmann, Adrenalin und Lokalanästhesie. Zentmlblatt fflr Chirurgie 1903. Nr. 25. 

52. Huggard, Bromide of ethyl as a general anaesthetic and as a preliminary to ether. 
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53. Kirkpatrick, Somnoform as an anaesthetic in dental practice. Medical Press 1903. 
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Ö4. — The use of chloroform as an anaesthetic for dental Operations. Medical Press 1903 

Febr. 11. 
55. Korff, Morphin-Skopolamin-Narkose. Mflnchener med. Wochenschrift 1903. Nr. 46. 



Ritsch I, Narkose, Narkotika, Anaestbelika. 5 

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Wochenschrift 1903. Nr. 84. 

57. Krawkow, Über Hedonal-Ohloroform-Narkose. Rnsski Wratsch 1908. Nr. 48. 

58. Kroemer, Die Technik der Äthemarkose an der Frauenklinik zu Giessen. Zentralbl. 
f&r Gynftkologie 1903. Nr. 1. 

59. Krön ig, Über Lachgasmischnarkosen. Mflnchener med. Wochenschrift 1903. Nr. 42. 

60. Krogins, Zar Geschichte der sogenannten regionären Kokainanästhesie. Deutsche 
Zeitschrift fQr Chirurgie 1908. Bd. 70. Heft 1 und 2. 

61. Krymow, Einige Bemerkungen zur Frage der lokalen Kokain anästhesie. Russki 
Wratsch 1903. Nr. 33. 

62.| Kühn, Über 200 Narkosen mit dem Braun sehen Äther- Ghloroformgemisch. Diss. 
Leipzig 1908. 

63. Kuhn, Pulmonale Narkose. Therapeutische Monatshefte 1908. Heft 9. 

64. — Kein Pressen und Erbrechen bei Narkosen. Berliner klinische Wochenschrift 1903. 
Nr. 17. 

65. *Lamb, Cessation of respiration during anaesthesia; recovery after one and a quarter 
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66. Landström, Über Ätherrausch. Hygiea 1908. Heft 3. pag. 220. 

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71. Longard, Beitrag zur Äthemarkose. Mflnchener med. Wochenschrift 1908. Nr. 24. 

72. Lotbeissen, Zur Statistik der Äthylchlorid narkose. Zentralblatt für Chirurgie 1903. 
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73. Luke, Ethyl chlorid narcosis. The Lancet 1903. July 18. 

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78. — Etyl Chloride as a general anaesthetic. The Lancet 1903. April 4. 

79. Meyer, Willy, The improvement of general anesthesia on the basis ofSchleichs 
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80. *Negri, G., L' anestesia locale con la cocaina. La Clinica chimrgica 1903 (synthetische 
Überschau). 

81. Neugebauer, Erfahrungen flber Medullarnarkose. Wiener med. Wochenschrift 1903. 
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82. — Eine Gefahr des Adrenalins. Zentralblatt fflr Chirurgie 1908. Nr. 51. 

83. Nicnlescn, Über einige lokale Störungen nach Kokaininjektionen in der Stomatologie. 
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84. Novö-Josserand, Sur le ohlorure d'öthyle comme anesthösique gönöral. Soc. de möd. 
Lyon medical 1908. Nr. 28. 

85. Pecheil, The influence of ether administration on nitrogenous metabolism. British 
medical Journal 1903. June 20. 

86. Pfannenstiel, Über die Yorzflge der Äthernarkose. Zentralblatt fflr Gynäkologie 
1903. Nr. 1. 

87. Prein dlsberger, ÜberRflckenmarksanästhesie mitTropakokain. Wiener med.Wochen- 
Schrift 1903. Nr. 32-33. 

88. *S. Prior, Om Kokain og dets Änvendelse i Kirurgien som lokalt Anastetikum. Uge> 
skrift for Leeger 1903. pag. 49. Copenhagen. 

89. Racoviceanu-Pitesti, Ein Sterbefall d urch Chloroform. Revista de Chirurgie 1903. 
Nr. 6. (Rumänisch.) 

90. ^Reclus, Cocalnisation. Bull, et mto. de la soc. de Chir. 1903. Nr. 13. 

91. — De Fanalgösie localisöe par la cocalne. Incision du panaris; discussion. Bull, de 
i'acadtoie de m^dedne 1908. Nr. 6. 



6 Jahresbericht für Cbirargie. I. Teil. 

92. Reis 8 ig, Die Ghloroformnasenmaske. Münchener med. Wochenschrift 1903. Nr. 23. 

93. Richelot, Hommage k la cocalne. Bull, de Tacad^mie de m^d. 1903. Nr. 17. 

94. Roth, Zur Chemie der Sauerstoff- Chloroformnarkose. Zentralblatt für Chirurgie 1903. 
Nr. 12. 

95. — Zur Chemie der Sanerstoff-Chloroformnarkose. Deutsche med. Wochenschrift 1903. 
Nr. 10. 

96. Schftfer, Artificial respiration in the human subject. Royal med. and chir. soc. The 
Lancet 1903. Dec. 12. 

97. Schneiderlein, Die Skopolamin • (H joszinOMorphium - Narkose. Münchener med. 
Wochenschrift 1903. Nr. 9. 

98. Schulz, Ober Ätherläbmungen. Deutsche militärftrztl. Zeitschrift 1903. Heft 6. (Be- 
trifft die durch subkutane Ätherinjektionen verursachten Lähmungen.) 

99. Snel, Immunität und Narkose. Berliner klin. Wochenschrift 1903. Nr. 10. 

100. Spiegel, Zur Technik der Infiltrationsanästhesie. Eine selbstwirkende Injektionsspritze. 
Zentralblatt für Chirurgie 1903. Nr. 18. 

101. Steffelaar, Over scopolamine-roorphinenarkose. (Mededeelingen nit de klinick van 
Prof. E orte weg.) Geneesk. Courant. Nr. 1. 

102. Stein, Beiträge zur Chloroformnarkose. Prager med. Wochenschrift 1903. Nr. 23 
und 24. 

103. Stolz, Kokain- Adrenalinanästhesie in der Chirurgie. Unterelsässischer Ärzte- Verein. 
Münchener med. Wochenschrift 1903. Nr. 22. 

104. — Zur Skopolamin-Morphinnarkose. Wiener klin. Wochenschrift 1903. Nr. 41. 

105. Struthers, Observations on Obersts method of inducing local anaesthesia. Edin- 
burgh medical Journal 1903. August. 

106. Sud eck, Maske zur Äthernarkose. Ärztl. Verein Hamburg. Münchener med. Wochen- 
schrift 1903. Nr. 27. 

107. Taptas, Ma chaise d*op6ration et la narcose brom^thylique. Annales des maladies 
de roreille 1903. Nr. 2. 

108. Turk, Shock produced by general anesthesia. The Journal of the Amer. med. ass. 
1903. May 2. 

109. Waller, On the administration of Chloroform to man and to the higher animals. 
The Lancet 1903. Nov. 28. 

110. * — and Geets, The rapid estimation of the quantity of Chloroform vapour present 
in mixtures of Chloroform vapour and air. British medical Journal 1903. Jone 20. 

111. Weber, Über die Verwendbarkeit des Braun sehen Apparates zur Cbloroforniäther- 
narkose. Diss. Strassburg 1903. 

112. Wild, Über die Skopolamin- Morphin -Narkose. Berliner klin. Wochenschrift 1903. 
Nr. 9. 

113. Windrath, Ein Beitrag zur Narkosenfrage, speziell der Sauerstoff- Chloroform-Nar- 
kose. Med. Blätter 1903. Nr. 23. 

114. V. Winkel, Über Narkosen mit dem Sc hl eich sehen Gemisch. Münchener med. 
Wochenschrift 1903. Nr. 1. 

115. Zesas, Über Massago des freigelegten Herzens bei Chloroform koUaps. Zentralblatt 
für Chirurgie 1903. Nr. 22. 

I. Allgemeines fiber Narkose. 

David Lamb (24) hält die Korabination von Chloroform und Äther für 
das beste Narkotisierungsmittel. Für die Quantität des einen oder anderen 
der Komponenten der Mischung sind die besonderen Verhältnisse des Falles 
massgebend. Unter 4000 Narkosen erlebte er zwei Todesfälle, die mit der 
Narkose in Zusammenhang gebracht werden konnten, beide bei schwer kranken, 
an Ileus leidenden Patienten. 

Boyd empfiehlt als Narkotisierungsmittel für kurzdauernde EingrifiFe die 
Lachgasnarkose, am besten in Verbindung mit Sauerstoff oder Luft. 

Gray verbreitet sich in einer sehr oberflächlichen Weise über die lokale 
Anästhesie, der er nur insofern eine Berechtigung zuerkennt, als es noch kein 
absolut ungefährliches Mittel zur allgemeinen Anästhesie gibt. Bezeichnend 



Ritsohl, Narkose, Narkotika, Anaesthetika. 7 

für seine Erfahrungen auf dem Gebiete der allgemeinen Anästhesie ist, dass 
er nicht finden konnte, dass die Vereinigung des Kokains mit Adrenalin den 
Grad der Anästhesie in nennenswertem Grade verstärkt. 

Brown Kelly, der die Bromäthyhiarkose in 1300 Fällen ohne üblen 
Zufall benutzt hat, tritt für diese Narkosenart warm ein, wenn es sich um 
kurzdauernde Eingriffe handelt, und schildert die Technik dieser Narkose und 
ihre Erscheinungen. 

Reid macht zum Schluss noch einige Bemerkungen über die Anwendung 
des Chloroforms während des Geburtsaktes. 

Blumfelds (6) Arbeit bringt ein kurzes Sammelreferat über die wich- 
tigsten Arbeiten des letzten Jahres, welche von der Vorbereitung des Patienten 
zur Narkose handeln. 

Hof mann (49) macht darauf aufmerksam, dass man bei jeder Inhala- 
tionsnarkose, sei es mit Äther, Chloroform oder einer Mischung ein Stadium 
beobachten könne, welches bei teilweiser Erhaltung des Bewusstseins durch 
die Aufhebung des Schmerzgefühls charakterisiert sei (Ätherrausch Sudecks, 
minimale Chloroformnarkose Riedels). Dieses Stadium, welches Hofmann 
Frühnarkose nennt im Gegensatz zur späteren Dauernarkose, tritt sehr bald 
nach dem Beginn der Narkotisiernng und lange vor dem Exzitationsstadium 
auf. Man erkennt seinen Eintritt daran, dass der Patient ruhig wird und 
eyent. falsch zählt, femer daran, dass er Kneifen an der Innenseite der Ober- 
schenkel erträgt. Dieses Stadium dauert höchstens wenige Minuten, geht zu- 
weilen auch fast momentan vorüber. Es ist zur Ausführung kurzdauernder 
chirurgischer Eingriffe sehr geeignet. An das mit voller Schmerzempfindung 
einhergehende Exzitationsstadium, welches sich durch langsam tropfenweise 
Darreichung des Narkotisierungsmittels vermindern lässt, schliesst sich das 
Stadium der sog. Halbnarkose, welches schliesslich in die volle Anästhesie der 
Dauemarkose übergeht. Frühnarkose und Halbnarkose gehen zuweilen un- 
bemerkt ineinander über, woraus man den fehlerhaften Schluss gezogen hat, 
dass die Frühnarkose sich verlängern lasse. Hofmann empfiehlt sehr, die 
Frühnarkose auch zu Voroperationen bei grösseren Eingriffen auszunützen. 
Er bediente sich zu ihrer Hervorrufung gewöhnlich der Äthertropfmethode 
mit oder ohne vorausgeschickte Morphiuminjektion. 

Hewitt (48) beschäftigt sich in einem längeren Vortrage mit der Be- 
täubung solcher Personen, die sich aus dem einen oder anderen Grunde 
weniger für die Narkotisierung eignen. Bezüglich des Zustandes des Herzens 
fuhrt er aus, dass sich im allgemeinen Personen mit schwacher Herzaktion 
der Narkose gegenüber besser verhalten als solche mit normalem, kräftigen 
Herzen. Bei letzteren besteht gewöhnlich in Übereinstimmung mit der Herz- 
kraft eine kräftige Körpermuskulatur, die Muskelspannung und Atemstörungen 
während der Narkose Vorschub leistet. Am besten eignen sich daher etwas 
schwächliche Frauen mittleren Alters für die Narkose. Von besonderer Be- 
deutung ist, dass Personen, die keinen Tag ihres Lebens krank waren, durch- 
aus nicht zu den günstigen Objekten für die Narkose gehören. Bei muskel- 
starken Individuen empfiehlt Hewitt, die Narkose mit Äther oder Lach- 
gas zu beginnen und eventuell nach der Einschläferung mit Chloroform fort- 
zufahren. Hier besteht wegen der Muskelspasmen die Gefahr der Überdosie- 
mng, die besonders bei Gebrauch des Chloroforms verhängnisvoll werden kann. 
Besteht ii^end ein mechanisches Hindernis für die freie Atmung, so empfiehlt 
es sich am meisten, durch Einschiebung eines Mundsperrers (Pfropf) die 



8 Jahresbericht fttr Ghirargie. I. Teil. 

Atmung durch den Mund zu erleichtern, weil diese Hewitts Erfahrungen 
nach während der Narkose einen entschiedenen Vorzug vor der Nasenatmung 
verdient. Bei starknackigen, fettleibigen Personen (John Bull-Typus) empfiehlt 
Hewitt den Gebrauch einer Äther- (3 T.) -Chloroform- (2 T.) -Mischung oder 
Einleitung der Narkose mit dieser Mischung, bis das Exzitationsstadium be- 
ginnt, dann Äther und nach der Einschläferung reines Chloroform. Bei 
solchen kräftigen Leuten sollte man die Operation nie, ehe volle Anästhesie 
eingetreten ist, beginnen, da hier sehr leicht reflektorischer Atemstillstand 
eintreten kann. Besonders bei der Rektalchirurgie sollte das beherzigt 
werden. 

Hewitt bespricht sodann die Narkose von Patienten, bei denen die 
freie Luftzufuhr zu den Lungen in irgend einer Weise Not gelitten. Hier 
sind alle asphyxierenden Methoden der Narkose zu vermeiden. Als Narkoti- 
sierungsmittel haben Mischungen von Chloroform und Äther mit reichlicher 
Beimischung von Luft oder reinem Sauerstoff den Vorzug. Bei der Lagerung 
der zu Operierenden ist vor allem darauf zu achten, dass die Atmung keine 
weitere Erschwerung finde. 

Weiter führt Hewitt aus, dass die Narkose bei chronischen Krank- 
heiten im allgemeinen weniger Schwierigkeiten biete als bei akuten Krank- 
heiten. Herzkranke sind keine schlechten Objekte für die Narkose, wenn 
man das richtige Narkotisierungsmittel wählt. Während Lachgas hier leicht 
verhängnisvoll werden kann, hat Hewitt mit Cbloroform-Äthermischungen 
oder Alkohol-Äther-Chloroformmixtur günstige Resultate gehabt. 

Für sehr nervöse Personen empfiehlt Hewitt die Einschläferung mit 
Lachgas und nachfolgende Ätherdarreichung, .während Chloroform besonders 
zur Einleitung der Narkose vermieden werden sollte. 

Besondere Schwierigkeiten für die Narkose erwachsen nicht nur bei 
Trinkern, sondern auch bei starken Rauchern. Bei letzteren bedarf es nicht 
nur bedeutender Mengen des Narkotisierungsmittels, sondern es stören hier 
häufig Spasmen in der Kiefermuskulatur, die durch die Tätigkeit beim Rauchen 
hypertrophieren. 

Die Schwierigkeiten steigern sich noch, wenn verschiedene erschwerende 
Momente sich kombinieren, z. B. athletische Muskulatur, beschränkte Nasal- 
atmung, übermässiger Tabak- oder Alkoholgenuss etc. Für solche Fälle 
empfiehlt Hewitt die Narkose mit Chloroform-Äthermischung einzuleiten und 
mit Äther bezw. Chloroform zu unterhalten. Dabei sollte durch einen Mund- 
sperrer die Mundatmung aufrecht erhalten werden. 

Zum Schluss erwähnt Hewitt noch die glücklicherweise seltenen Fälle, 
wo der gestörte Verlauf einer Narkose nur auf eine angebprene Idiosynkrasie 
gegen das Narkotisierungsmittel zurückgeführt werden kann. 

Snel (99) untersuchte experimentell, ob die bakteriziden Eigenschaften 
der Lunge durch Äther- und Chloroforminhalationen oder durch Chloralhydrat- 
und Morphiuminjektionen beeinträchtigt bezw. aufgehoben würden. Zu Ver- 
suchstieren wählte er Meerschweinchen, denen er durch eine in die Trachea 
eingebrachte Kanüle Milzbrandbazillen in die Lunge spritzte. Es zeigte sich 
nun, dass die Narkose die Immunität aufhebt. Dieser Umstand erklärt die 
Häufigkeit von Pneumonien nach Operationen, die weiterhin noch dadurch 
begünstigt werden, dass durch Aspiration sowie das Hinabfliessen von Mund- 
speichel in die Trachea die Gelegenheit zur Aufnahme von Bakterien in die 
Lungen noch wächst. Snel macht es daher den Chirurgen zur Pflicht, vor 



Ritschi, Narkose, Narkotika, Anaestbetica. 9 

einer Narkose die Mund- und Rachenhöhle gründlich zu desinfizieren und auf 
möglichst reine Atmosphäre im Operationsraum bedacht zu sein. 

Schäfer (96) empfiehlt besonders für Ertrunkene eine Art der künst- 
lichen Atmung, bei der der Kranke mit ausgestreckten Armen auf dem Bauche 
liegt. Unter den unteren Teil der Brust wird ein zusammengefaltetes Klei- 
dungsstück gelegt. Der Arzt lässt sich neben dem Kopf des Kranken auf 
ein Knie herunter und übt mit seinen auf den Seiten des Brustkorbes ruhenden 
Händen, indem er die Schwere seines Körpers wirken lässt, einen regelmässigen, 
sich in der Minute 12 — 15 mal wiederholenden Druck aus. Die Lage des 
Körpers hat besonders für Ertrunkene den Vorteil, dass das aus den Lungen 
ausgepresste Wasser ungehindert abfliessen kann. Aber auch für andere 
Zwecke (Narkosenasphyxie) empfiehlt sie sich, weil die Zunge nicht zurück- 
fallen kann und Mundflüssigkeit und Schleim nicht aspiriert werden können. 
Ausserdem ist die Ausübung dieser Form der künstlichen Atmung für den 
Arzt nicht anstrengend. 

Boncart (8) hat an Hunden die Ausführbarkeit einer wirkungsvollen 
Herzmassage durch das Zwerchfell hindurch bewiesen. Er chloroformierte die 
Tiere bis zum Stillstand der Atmung und Herztätigkeit, leitete sodann ent- 
weder nach der Tracheotomie durch eine eingesetzte Trachealkanüle oder nach 
der Intubation künstliche Atmung ein und massierte das Herz von einer 
Laparotomiewunde aus, die ihm gestattete, mit mehreren Fingern oder der 
ganzen Hand durch das erschlafite Zwerchfell hindurch rhythmische Druck- 
wirkungen auf das Herz auszuüben. Den Erfolg auf die Zirkulation registrierte 
Boncart durch einen in die A. cruralis eingebundenen Sphygmographen. 
Der Erfolg war ein im allgemeinen sehr bemerkenswerter; wenn auch nur 
eines der sieben Versuchstiere den Eingriff dauernd überlebte, so gelang es 
doch in den meisten Fällen, eine regelmässige spontane Herzaktion wieder- 
anzuregen. Bei der Ausführung der Herzmassage hat man- sich vor einer 
Kompression der Koronararterien und der Bronchien zu hüten. Drei Hunde, 
die durch starke elektrische Ströme getötet waren, konnten durch Herzmassage 
nicht wieder zum Leben gebracht werden. 

Zesas (115) stellt die bisherigen Publikationen über die Massage des 
freigelegten Herzens bei Chloroformkollaps zusammen und fügt den bekannt 
gewordenen Fällen einen weiteren hinzu, den er als Assistent von Prof. Nie- 
haus ün Liselspitale zu Bern zu beobachten Gelegenheit hatte. Das Verfahren 
Uess hier, trotzdem es sich um einen durchaus gesunden Mann handelte, völlig 
im Stich. Zesas sucht die Misserfolge der bisherigen klinischen Bestrebungen 
auf diesem Gebiet zu erklären durch die Schwierigkeit bezw. Unmöglichkeit 
ein durch Chloroformintoxikation gelähmtes Herz mechanisch wiederzubeleben. 
Er rät daher bei Chloroformkollaps die Massage des freigelegten Herzens 
nicht in übereilter Weise einzuleiten, sondern die bisher üblichen Mittel, wie 
die künstliche Atmung und Zungentraktionen anzuwenden, da die gemachten 
Erfahrungen bewiesen, dass die Massage des Herzens kaum besseres leiste 
als die sonst gebräuchlichen Belebungsmethoden. 

Gärtner (33 — 36) führt aus, dass Sinken des Blutdrucks die häufigste 
Todesursache während der Chloroformierung darstellt. Die Pulskontrolle sei 
zur Überwachung der Zirkulation unzuverlässig, sofern es schnell zur Ermüdung 
des fühlenden Fingers komme, das Gefühl in den Fingerspitzen erlösche und 
schliessHch vom Narkotiseur der Puls in der eigenen Fingerbeere gefühlt werde. 
Eine stetige, zuverlässige Überwachung des Pulses während einer länger 



10 Jahresbericht fQr Chirurgie. I. Teil. 

dauernden Operation sei aus diesen Gründen selbst dann illusorisch, wenn för 
die Pnlsüberwachung ein besonderer Assistent angestellt werde. Um diesem 
Übelstande abzuhelfen, hat Gärtner einen Apparat konstruiert, welcher die 
Kontrolle des Pulses mit dem Auge ermöglicht. Derselbe besteht aus einer 
rund geformten Dose, in welcher sich der Hebelmechanismus befindet, der die 
Pulsationen auf einen über einem in 18 Teile geteilten Zififerblatt rotierenden 
Zeiger überträgt. Dieser Apparat wird mit Hilfe eines schraubentragenden 
Stativs am Vorderarm, unter Umständen auch am Bein des Patienten ober- 
halb des Sprunggelenks befestigt. Der Apparat zeigt noch Druckschwankungen 
an, die mit dem Tastgefühl nicht mehr wahrgenommen werden können und 
gibt unmittelbare Auskunft über alle Pulsqualitäten. 

Madelung (75) demonstriert im unterelsässischen Ärzteverein die 
Unzulänglichkeit des Gärtner sehen Pulskontrolleurs für die Narkose. Die 
Kontrollnadel macht schon bei geringfügigen Hand- und Armbewegungen nn- 
rythmische Bewegungen und steht bei stärkeren sogar ganz still. Im Exzitations- 
stadium, wo die Pulskontrolle am wichtigsten ist, lässt das Instrument daher 
YÖlIig im Stich. In der Diskussion stimmt Fehling, der stets die Puls- 
kontrolle während der Narkose einem besonderen Assistenten überträgt, dem 
Urteil Madelungs durchaus bei. 

Kuhn (63) verbreitet sich in einem Vortrage ausführlich über die Vor- 
züge des von ihm als pulmonale Narkose bezeichneten Verfahrens (siehe vor. 
Jahrgang p. 42). Die mit Hilfe der peroralen oder pemasalen Tubage vor- 
genommene Narkotisierung kommt etwa der durch eine Tracheotomiewunde 
bez. Kanüle gleich. Das Narkotikum gelangt unmittelbar in die Lunge. In- 
folgedessen ist der Verbrauch an Chloroform auffallend gering, die Unter- 
haltung der Narkose erleichtert. Die Reflexe von seiten der Nase und oberen 
Luftwege fallen fort, desgleichen das Würgen und Erbrechen während der 
Narkose. Die oberen Luftwege bleiben immer frei, so dass Asphyxien durch 
mechanische Verlegung der Atemwege ausgeschlossen sind, was besonders bei 
Operationen an Mund und Nase von nicht zu unterschätzendem Vorteil ist. 
Tritt eine Asphyxie ein, so gewährleistet das Tubagerohr einen ungehinderten 
Zufluss von Luft zur Lunge und unterstützt somit ausserordentlich die Wirkung 
künstlicher Atmung. 

Kuhn (64) führt aus, wie durch das Narkotisieren mit Hilfe der per- 
oralen oder pernasalen Tubage die Unterdrückung des Brechaktes erleichtert 
werde. Es komme das zur Vertiefung der Narkose zugeführte Chloroform 
schneller zur Wirkung, ferner hindere die durch das Tubagerohr offen ge- 
haltene Glottis den Brechakt, endlich gestatte die Tubage eine wirksame 
Tamponade des Rachens bezw. des oberen Endes des Ösophagus, so dass in 
den Ösophagus entleerter Mageninhalt nicht zur Ausstossung gelangen könne. 

Äther und Chloroform wirken, wie Turk (108) ausführt, unmittelbar 
schädlich auch auf die vasomotorischen Zentren und üben eine langdauemde 
Nachwirkung auf die splanchnische Zirkulation aus. Sie verursachen Bildung 
von Toxinen in den Zellen und verhindern die Ausscheidung von Toxinen ans 
dem Blut. Die Widerstandskraft des Blutserums gegen Toxine und Bakterien- 
entwickelung wird verringert. Die Ausscheidung von Äther und Chloroform 
in den Magen wirkt reizend auf letzteren. Die Atonie des Magens führt zu 
Toxinbildung und Gasentwickelung in demselben. Maass (New-York). 



Bitschi, Narkose, Narkotika, Anaesthetika. 11 

II. Cliloroforiii- und Chloroform-Sauerstoff-Narkose. 

Stein (102) bespricht einige wichtigere Punkte der Chloroformierung, 
wobei er seine an mehr als 3000 Narkosen gewonnenen Erfahrungen einflicht. 
Der Aufsatz, welcher mancherlei beherzigenswerte Winke erteilt, enthält jedoch 
nichts, was dem geübten Narkotiseur nicht bereits geläufig wäre. 

Waller (109) verbreitet sich in einem akademischen Vortrage unter 
Vorführung von Experimenten an Katzen über die Dosierung des Chloroforms 
zur Einleitung und Unterhaltung der Narkose. Er zeigt, dass ein 2^/o über- 
steigendes Chloroformluftgemisch unter Umständen schnellen Herzstillstand 
hervorruft und schliesst mit dem Endergebnis, dass eine 1 — 2 ®/o Chloroform- 
luft sowohl für den. Menschen wie für die höheren Tiere die geeignete und 
imgefahrliche Konzentration darstelle. Diese Konzentration liefere unter 
anderen Methoden vor allem die sehr empfehlenswerte Chloroformtropfmethode. 

Harcourt (44) hat einen neuen Apparat konstruiert, der es ermöglicht, 
dem Patienten ein Chloroformdampf-Luftgemisch von bestimmter Konzentration 
zuzuführen. Das Prinzip ist das, dass nach den Versuchen Harcourts ein 
über eine Mischung von 8 Gewichtsteilen Alkohol und 20 Gewichtsteilen 
Chloroform hinstreichender Luftstrom sich mit 2 ®/o Chloroformdampf beladet, 
eine Konzentration, die als Maximum zur Erzeugung allgemeiner Anästhesie 
anzusehen ist. Dieses Gemisch wird durch die Einrichtungen des Apparates, 
dessen Konstruktion im Original mitgeteilt wird, je nach Bedürfnis verdünnt. 

Harcourt (45) demonstriert seinen Apparat in der Gesellschaft der 
Anästhetisten in London. Es entspinnt sich im Anschluss an den Vortrag 
Harcourts eine lebhafte Debatte über die Konzentration der Chloroform- 
Luft für verschiedene Narkotisierungszwecke. 

Caro (16) plaidiert für eine bessere theoretische und praktische Aus- 
bildung der jungen Mediziner in der Handhabung der Narkose und würde es 
für erfreulich halten, wenn sich wie in anderen Ländern Spezialärzte für die 
Narkose auch in Deutschland etablieren würden. Er selbst hat an der Klinik 
Israels in 5 Jahren 1500 Chloroformnarkosen geleitet, worüber er kurz 
berichtet. Seiner Erfahrung nach ist das Chloroform bei richtiger Anwendung 
kaum gefährlicher als der Äther, Unglücksfälle aber meist Folge von Kunst- 
fehlem. 

Racoviceanu-Pitesti (89). Sterbefall durch Chloroform betrifft 
einen Studenten mit Abscessus prostatae, welcher bei der Operation nach 
5 g Chloroform plötzlich starb. In der Diskussion dieser Frage vor dem 
Bakarester Chirurgen -Verein erwähnt Stefanescu 2 ähnliche Fälle: Bei 
emem 2^/2 jährigen Kinde mit Extrophia vesicae und bei einer Epididymek- 
tomie wegen Tuberkulose. Niculescu erwähnte andere drei: bei einem 
Juden, bei einer Frau, bei welcher man die Salpingektomie machte und*bei 
einer anderen Frau, bei welcher man wegen Colica hepatica operierte. Beide 
letzteren starben nach dem Erwachen plötzlich. Niculescu meint, die 
Furcht vor der Operation spiele bei solchen unglücklichen Fällen eine grosse 
Bolle. St Ol an off (Plevna). 

Reissigs (92) Chloroformnasenmaske besteht aus einem mit Stoff über- 
zogenen, die Form der Nase wiedergebenden Drahtgestell, welches an einer 
Stimbinde beweglich befestigt ist. Sie soll sich besonders bei Zahnextraktionen 
als nützlich erwiesen haben zur Unterhaltung der Narkose, nachdem die 




12 Jahresbericht für Chirurgie. I. Teil. 

Chloroformierung mit einer gewöhnlichen, Mund und Nase deckenden Maske 
eingeleitet war. 

Feilchenfeld (28) konstatiert mit Genugtuung, dass sein Vorschlag, 
erregte Patienten mit Tinct. Strophanti auf die Narkose vorzubereiten, von 
verschiedenen Seiten Anerkennung gefunden habe. Ist die vorbereitende Be- 
handlung bei kräftigen Leuten unnötig, so erfordert eine nervöse Erregbar- 
keit des Herzens, die sich durch matte und ein wenig klappende Herztöne, 
sowie undeutlichen und etwas diffusen Spitzenstoss, kleinen und sehr beschleu- 
nigten Puls zu erkennen gibt, eine mehrtägige Vorbereitungskur mit kleinen 
Dosen Tinct. Strophanti, eventuell mit Tinct. digitalis vermischt, und zwar 
so lange bis der Puls auf höchstens 80 Schläge heruntergebracht ist. Bei 
Herzmuskelerkrankungen, von den leichten Formen der Muskelschwäche an 
bis zu den schweren Formen der Myocarditis, reicht die oben erwähnte Be- 
handlung gewöhnlich nicht aus. Vielmehr ist hier die Verordnung eines 
Digitalisinfuses, warmer und kohlensaurer Bäder am Platze sowie von Strych- 
nininjektiouen ; auch ist bei diesen Patienten die Äthernarkose anstatt der 
Chloroformnarkose anzuwenden. Bei Hypertrophie des Herzmuskels ist eine 
vorbereitende Behandlung gleichfalls wünschenswert. Solche Kranke sollten 
nicht tief narkotisiert werden und eine Morphiuminjektion erhalten. 

Auf Grund von Tierversuchen (Hunde) und Beobachtungen an Menschen 
(in der Klinik von Fedoroff) empfiehlt Kr awkow (57) die Hedonal-Chloro- 
formnarkose. Eine Stunde vor Beginn der Operation bekommt der Patient 
bis 3,0 Hedonal, wonach er gewöhnlich ruhig einschläft, eine Stunde danach 
fängt man mit dem Chloroformieren an. Die Vorzüge der Methode sollen 
sein: Abkürzung, eventuell Ausfall des Exzitationsstadiums, Verbrauch sehr 
geringer Chloroformmengen. Dank der im Hedonal enthaltenen Amido-Gruppe 
sinkt der Blutdruck während der Narkose nicht. Die Nachwirkungen der 
Narkose sind weniger stürmisch. Hohlbeck (St. Petersburg). 

Windrath (113) führt aus, dass sich die Vervollkommnung der 
Chloroformnarkose in zwei Richtungen vollziehe: 1. in der Herabsetzung der 
Dosis, 2. in der Beifügung von chemischen Agentien, welche die Schädlichkeit 
des Chloroforms zu vermindern geeignet seien. Dem Sauerstoff komme als 
solchem eine hohe Bedeutung zu. Unter den Apparaten zur Sauerstoff-Chloro- 
formnarkose habe der Wohlgemuthsche Mängel, der Roth- Dräger sehe 
jedoch sei sehr empfehlenswert. Die Narkosen, welche Windrath mit Hilfe 
dieses Apparates leitete, 100 an der Zahl, verliefen so günstig, dass Wind- 
rath dieser Art der Narkose unbedingt den Vorzug vor allen anderen Methoden 
des Chloroformierens gibt. 

Hahn (41) hat Rot h-Drägers Apparat bei 77 Sauerstoff-Chloroform- 
narkosen angewendet und rühmt diese Methode sehr vor der Tropfmethode. 
Als besonderen Vorteil der Methode erwähnt der Verfasser die leichte 
Anwendbarkeit derselben, dass die Narkose ruhig ist ohne oder mit ganz 
geringer Exzitation, selbst in Fällen, wo man eine solche erwarten könnte 
(Alkoholisnius). Der Chloroformverbrauch ist gering, durchschnittlich */2 g 
in der Minute, bei langwierigen Narkosen nur V*— V» g. Die Patienten sollen 
sich in der Regel nach der Narkose besser befinden, als nach anderen 
Methoden, obwohl das Erbrechen nicht geringer ist. 

Schaldemose (Kopenhagen). 

L a 11 e n 3 1 e i n (67) hat den Roth-Dräger sehen Chloroform-Sauerstoff'- 
Apparat bei 120 Narkosen als recht brauchbar gefunden, den Gebrauch des- 




Ritschi, Narkose, Narkotika, Anaestketika. 18 

selben jedoch nach der Arbeit von Michaelis (siehe Jahrg. 1902, p. 58) 
wieder eingestellt, da er sich verpflichtet fühlt, die Kranken auch nur vor 
mc^Iichem Schaden zu bewahren. 

Roth (94 — 95) hat, um die Angriffe, welche dem von ihm konstruierten 
und empfohlenen Chloroform-Sauerstoffapparat von verschiedenen Seiten (siehe 
vorigen Jahrgang) gemacht wurden, zu entkräften, eine Anzahl Chemiker ver- 
anlasst, etwaige Veränderungen des Chloroforms, welches in seinem Apparat 
benutzt wurde, festzustellen. Drei unabhängig voneinander prüfende Herren 
fanden übereinstimmend, dass das Chloroform im Roth-Dräger sehen Apparat 
eine Zersetzung nicht erleidet. Auch Roth, welcher häufige chemische 
Prüfungen mit den dem Apparat entnommenen Chloroformresten vornahm, 
konnte niemals eine positive Reaktion bei Anstellung der Silbemitrat- und 
Schwefelsäureprobe erzielen, desgleichen konnte niemals Phosgen im Chloro- 
form nachgewiesen werden. Dementsprechend hat selbst das ältere Modell 
des Roth -Drag ersehen Apparates sich in der Praxis hundertfältig vor* 
zügUch bewährt. 

Fratti (31) spricht sich gegen die Bedeutung aus, die Rönne au 
(Journal des practiciens 1903, Nr. 16) dem Zeichen des Aufhörens der Nacken- 
nraskelkontrakturen bei der Chloroformnarkose beilegt, teils weil sich dieses 
Symptom nicht leicht erkennen lässt, teils weil der Zustand der Tonizität 
bei diesen Muskeln, wenn er eintritt, uns keine Gewähr für die Aufhebung 
der Sensibilität und Muskelkontraktion bietet. R. Giani. 



III. Athernarkose. 

Hof mann (49) versteht unter modemer Äthemarkose die Gesamtheit 
von Methoden, die bei reichlichem Zutritt von Luft den Ätherverbrauch mög- 
lichst zu reduzieren bestrebt sind. Er verweist auf das Widersinnige der 
ursprünglichen Juli iard sehen Methode, die durch geflissentliche Überdosierung 
des Äthers unter Luftabschluss charakterisiert sei. Die Reizwirkungen des 
Äthers entstehen nur durch eine zu starke Konzentration des Ätherdampf- 
Lnftgemisches. Unter den üblichen Methoden, den Äther mit Luft gemischt 
in möglichst geringer Konzentration zu verabreichen, steht was Einfachheit 
anbelangt, die Ätherisierung nachWitzel obenan. Die gleichzeitige Anwen- 
dimg von Morphium und Chloroform je nach den Bedürfnissen des Falles, 
sind nur als Unterstützung der Atherwirkung anzusehen und berechtigen 
nichts von einer Mischnarkose zu sprechen. Die moderne Äthernarkose ist 
nach Hofmann berufen die Chloroformnarkose aus ihrer dominierenden 
Stellung zu verdrängen und zur Narkose der Zukunft zu werden.' 

Pfannenstiel (86) tritt auf Grund seiner an weit über 2000 Narkosen 
gewonnenen Erfahrungen warm für die Äthemarkose ein. Bei richtiger 
Handhabung dieser, fallen die meisten derjenigen Nachteile fort, die der all- 
gemeinen Verbreitung der Äthernarkose hinderlich gewesen sind. Zu einer 
Schädigung der Respirationsorgane komme es bei richtiger Technik nicht. 
Pfannenstiel bat nicht eine Patientin an Pneumonie verloren und auch 
leichte Lungenerkrankungen (Bronchitiden, zirkumskripte Pneumonien) nicht 
mehr gesehen, seitdem er die Patienten vor der Operation mehrfach den 
Mnnd mit desinfizierenden Lösungen ausspülen und gurgeln lässt, sowie eine 
Abkühlung derselben während oder nach der Operation ängstlich vermeidet. 
Bezüglich der Technik führt Pfannenstiel aus, dass es darauf ankomme, 



14 Jahresbericht fflr Ghimrgie. I. Teil 

die Atherdämpfe in angemessener Verdünnung zu verwenden. Es sei die 
Schimmelbuschsche und vor allem die Julliardsche Maske durchaas 
ungeeignet für die Narkose, sehr empfehlenswert dagegen die Grossmannsche 
Modifikation der W an seh ersehen Beutelmaske. Jedoch sei es ein grosser 
Fehler den Gummibeutel, welcher den Äther enthält, zu schütteln. Dadurch 
werden nicht nur unnütz konzentrierte Dämpfe entwickelt, sondern der Äther in 
feinste Tröpfchen zersprengt, die der Athemluft beigemengt die Schleimhäute 
der oberen Luftwege stark reizen. Die Injektion von 0,01 Morphin zehn 
Minuten vor Beginn der Narkose empfiehlt sich. Während zu Beginn der 
Narkose der Kranke möglichst verdünnte Ätherdämpfe bekommen soll, ist es 
für das Zustandekommen voller Betäubung erwünscht, dass ein gewisser Grad 
von Kohlensäureintoxikation eintritt und dementsprechend soll die Maske fest 
angedrückt werden. Zur Unterhaltung der Narkose hat man auf die Zufuhr 
ganz schwacher Ätherdämpfe bedacht zu sein^ wobei die Maske öfters, um 
atmosphärische Luft zuzuführen, zu lüften ist. In der Regel kam Pfannen- 
stiel mit 100 ccm Äther selbst bei langdauemden Narkosen aus. Als Gegen- 
anzeige lässt Pfannenstiel nur die akute Bronchitis und Pneumonie gelten, 
chronische Lungenerkrankungen jedoch nicht. Die Ausscheidung des Äthers 
nach der Narkose sollte durch Anregung der Transpiration (Ausscheidung 
durch den Schweiss) befördert werden (Heissluftapparate) und zugleich per os, 
auch per anum dem Körper Flüssigkeit zugeführt werden, selbst auf die Ge- 
fahr hin, dass dadurch etwaiges Erbrechen vorübergehend gesteigert wird. 
Da der Äther den Körper, zumal unter den genannten Massregeln schnell 
verlässt, sind Schädigungen der Niere, Leber, der Magen-Darmschleimhaut 
sowie der nervösen Zentralorgane wie beim Chloroform nicht zu befürchten. 
Für die ärztliche Praxis muss dem Äther auch deshalb der Vorzug vor dem 
Chloroform zuerkannt werden, weil man selbst einen Laien ohne Gefahr mit 
der Ausführung der Äthemarkose betrauen kann. 

Kroemer (58) schildert die an der Giessener Frauenklinik geübte 
Äthemarkose mit Hilfe der Wanscher-Grossmannschen Maske, über 
deren Vorzüge Pfannenstiel in vorstehend referiertem Aufsatz bereits 
eingehend berichtet hatte. 

Wie Fuchs (32) ausführt, ist die Wahl des Narkotisierungsmittels für den 
Gynäkologen von besonderer Bedeutung. Früher diente an der Kieler üniversitäts- 
Frauenklinik für kürzere Operationen meist die Chlorofonnnarkose, für längere 
die Koch er sehe Chloroform-Äthernarkose. Zwei in den letzten fünf Jahren 
(3000 Narkosen) sich ereignende Chloroformtodesfälle veranlassten, dass wieder 
mehr der Äther, in der Wagner-Longardschen Maske verabreicht, benützt 
wurde. Fuchs rügt einige Missstände dieser sonst im Prinzip gut ersonnenen 
Vorrichtung. Der Artikel Witz eis „Wie sollen yrir narkotisieren" führte 
dazu, dass die Äthernarkose nach Witzeis Vorschrift probiert und für 
zweckmässig befunden wurde. Bei Frauen genügt meist eine Injektion von 
0,01 Morphin eine halbe Stunde vor Narkosebeginn, in besonderen Fällen 
wurden auch 0,02 verabreicht. Da bei Laparotomierten das Morphium mehr- 
fach gröbere Störungen der Peristaltik verursachte, so wurde statt dessen 
mit gutem Erfolg das Codeinum phosphoric. in der Dosis von 0,15 vor der 
Narkose gegeben. Die Witze Ischen Vorschriften, welche in 300 Fällen be- 
folgt wurden, haben sich gerade für die Zwecke der gynäkologischen Praxis 
bestens bewährt, so dass Fuchs der Witz eischen Ätherisierung gerade für 
dieses Feld der ärztlichen Tätigkeit die weiteste Verbreitung wünscht. 



Ritsohl, Narkose, Narkotika, Anaeathetika. 15 

Longard (71) hat bei 2700 Äthemarkosen, die mit Hilfe der von ihm 
und Wagner konstruierten, reichlichen Luftzutritt gestattenden Maske aus- 
geführt waren, so gute Ergebnisse gehabt, dass er den Äther bei richtiger 
Anwendung für das ungefährlichste und beste Narkotikum hält. Die üblen 
Folgeerscheinungen der Äthemarkose führt er auf die fehlerhafte Darreichung 
ui geschlossenen, die Luftzufuhr hemmenden Apparaten zurück. Nach seinen 
Erfahrungen gibt es gegen den Äther keine Kontraindikationen, selbst akute 
und chronische Lungenkatarrhe werden durch den Äther an sich nicht un- 
günstig beeinflusst. 

Mc Cardie (77) legte bei der Vorbereitung seiner Patienten zu einer 
Narkose das Hauptgevdcht auf die Behandlung des Magens, und zwar einmal 
um die Ausscheidung des Äthers zu beschleunigen, sodann um einer reizenden 
Wirkung desselben auf die Magenschleimhaut zu begegnen. Dadurch sucht 
er zu bewirken, dass er den Patienten viel Wasser gemessen lässt, dass 
Nieren, Lungen, der Magen und die Schleimhäute das Gift schnell ausscheiden. 
Da Äther sich zu 1 Teil in 10 Teilen Wasser löst, lässt Mc Cardie unmittel- 
bar vor der Narkose Wasser trinken, um dadurch die Konzentration des 
im Magen ausgeschiedenen Äthers möglichst herabzusetzen. Unter sieben der- 
artig behandelten Fällen trat nur einmal Erbrechen ein, welches dem Umstand 
zugeschrieben wird, dass der Kranke feste Nahrung vor der Operation ge- 
nommen hatte. Bei schwachen Patienten empfiehlt Mc Cardie einmal täglich 
Salzwasserklystiere, subkutane Injektion von Glukose oder Nährklystiere. An 
Husten leidende Patienten tun gut, vor der Narkose die anästhesierenden 
Wirkungen von Pfefferminzöl oder Menthol sich zunutze zu machen. 

An der Frauenklinik Landaus in Berlin hat man, wie Hartog (46) 
berichtet mit der Äthemarkose wesentlich bessere Erfahrungen gemacht, seit- 
dem man ihr eine Injektion von ^/2 mg Skopolamin und 1 cgm Morphimn 
V«— 1 Stunde vorausgehen lässt. Die Injektion bewirkt, dass die Narkose 
ruhiger verläuft, es fällt das Erbrechen während der Narkose fort, die Patienten 
erwachen ohne Exzitation und werden von Übelkeit, Erbrechen, Kopfschmerzen 
nicht belästigt. Erbrechen kam nur ausnahmsweise einige Stunden nach 
dem Aufwachen vor. Stärkere Salivation wurde fast nie beobachtet. 

Pech eil (85) untersuchte den Einfluss der Äther isation auf die Stick- 
stofifausscheidung. Er stellte fest, dass diese am Tage nach der Narkose er- 
heblich sinkt, so dass sie wenig mehr als die Hälfte beträgt, als am Tage 
Tor der Operation. An den folgenden Tagen steigt sie beträchtlich und be- 
trägt am vierten Tage etwa das Doppelte der Norm. Der Aufsatz Pech ells 
enthält ausserdem noch Aufzeichnungen über den Einfluss der Ätherisation 
auf Hammenge, Ausscheidung der Harnsäure und der Xanthinkörper. 

Sud eck s (106) Maske zur Äthemarkose ist aus Metall gefertigt und 
anskochbar. Sie besteht aus einem Mundstück, welches dem für den Roth- 
Dräger sehen Sauerstoff-Chloroformapparat konstruierten nachgebildet und klein 
genug ist, um die Beobachtung des Gesichtes nicht zu verhindern. Ein von 
diesem Mundstück durch einen mit Einatmungsventil versehenen Boden ge- 
treimter Becher dient zur Aufnahme eines Stückes Mull, auf den der Äther 
aufgegossen wird. Seitliche Löcher an diesem gestatten auch in Seitenlage 
zu narkotisieren. Die Ausatmungsluft entweicht durch ein seitlich am Mund- 
stück angebrachtes Ventil. Bezugsquelle: Leonhard Schmitt & Co. Hamburg, 
Neuer Wall. 



16 Jahresbericht fOr Chirurgie. I. Teil. 

Landström (66) teilt seine Erfahrungen in bezug auf „Ätherrauscli" 
mit. Er wendet die schwedische Äthermaske an. Dosis 10—20 ccm; für 
Potatoren 30—50 ccm, mit Morphium kombiniert. Als die wichtigsten Vor- 
teile der Methode hebt er hervor, Gefahrlosigkeit, Freiheit von unangenehmen 
Nachwirkungen, sowie die Schnelligkeit, mit der die Analgesie eintritt. Gegen- 
über Riedel betont Verf., dass das Chloroform für minimale Narkosen un- 
geeignet ist. Hj. von Bonsdorf f (Helsingfors). 

IV. Äther und Chloroform. 

Die Arbeit Webers (111) über die Verwendbarkeit des Braunschen 
Apparates zur Chloroform-Äther-Narkose stützt sich auf 300 in der Strassburger 
Universitäts 'Frauenklinik ausgeführte Narkosen. Der Apparat erwies sich 
besonders für längerdauemde Operationen wegen des geringen Verbrauchs an 
Chloroform und Äther, der günstigen Wirkung des letzteren auf das Herz 
als sehr zweckdienlich. Die Narkosen zeichneten sich femer dadurch vorteil- 
haft aus, dass sie nicht von Erbrechen unterbrochen und von gleichmässiger 
Tiefe waren. Dass einige Herzkomplikationen, die mit Kampfer bekämpft 
werden mussten, auch einige Male Asphyxien, endlich auch 2 mal Bronchitis 
und Imal eine postoperative Pneumonie vorkamen, kann dem Wert der 
Methode keinen Abbruch tun. 

Kuhn (63) berichtet über 200 Narkosen mit dem Braunschen Äther- 
Chloroformgemisch aus der Privat-Frauenklinik von Menge und Krönig 
in Leipzig. Die Methode lieferte recht günstige Ergebnisse. Vor allem blieben 
gefahrdrohende Störungen von Seiten der Atmung und Herztätigkeit ganz 
aus, auch kamen üble Nachwirkungen, wie Pneumonien, nicht vor. 

Krönig (59) rühmt die Vorzüge des Braunschen Verfahrens zur Ein- 
leitung von Äther -Chloroformmischnarkosen. Als einzigen Nachteil hat 
Krön ig, der auf ca. 1000 derartige Narkosen zurückblicken kann, empfunden, 
dass bis zum Eintritt des Toleranzstadiums oft 15—30 Minuten vergingen. 
Um diesen Übelstand zu beseitigen konnte Krönig sich nicht entschliessen 
im Beginn der Narkose reine Chloroformdämpfe zu geben, wie ihm von 
Braun auf eine Anfrage hin geraten war. Krönig hat nun das Lachgas 
herangezogen, um schnell Toleranz herbeizuführen, und die Narkose mit dem 
Braunschen Gemisch fortgesetzt. Zu diesem Zweck hat er den in Amerika 
zur Lachgasnarkose meist benutzten Bennets Inhalor mit dem Braunschen 
Apparat kombiniert. Die Konstruktion des Apparates ist im Original nach- 
zusehen. Bei 500 derartigen Mischnarkosen hat sich der Apparat bestens 
bewährt. Nach 40—60 Sekunden sind die Kranken soweit eingeschlafen, 
dass der Braunsche Apparat eingeschaltet werden kann und nach 4 — 6 
Minuten kann mit der Operation begonnen werden. 

Berndt (4) ist schon nach den ersten Versuchen ein begeisterter An- 
hänger der nach den Vorschriften Witzeis ausgeführten Äther-Chloroform- 
narkose geworden. Seine an 120 Fällen gewonnenen Erfahrungen teilt er 
mit. Der Verbrauch an Chloroform, welcher in der ersten Zeit ein relativ 
grosser war, sank durch die gewonnene Übung auf ein Minimum, so dass in 
den letzten 60 Fällen höchstens 3 gm Chloroform neben dem Äther zur Anwen- 
dung kamen. In einer Reihe älterer Bronchitisfälle wirkte die durch die Narkose 
verursachte, gesteigerte Schleimsekretion auffallend gut auf den weiteren 
Verlauf der Affektion. Auch bei der Operation eines akuten Lungenabszesses 



Ritschi, Narkose, Narkotika, Anaesthetika. 17 

uDd einer ausgedehnten Lungengangrän blieben die Atmungsorgane frei yon 
jeder üblen Nachwirkung der Narkose. 

Braun (11) stellt fest, dass die Bestrebungen Witzeis und Hofm9.nn8 
Äther tropfenweise auf einer gewöhnlichen Chloroformmaske zu geben und 
nach Bedarf Chloroform hinzuzufügen im Prinzip mit seinem Verfahren der 
Äther-Chloroform-Mischnarkose (siehe Jahrg. 1901 p. 46) übereinstimmen. 
Braun, der über seine sehr günstigen Resultate der letzten Jahre mit dem 
in Frage stehenden Narkotisierungsverfahren kurz berichtet, hebt vor allem 
die ausserordentliche Ersparnis an Material hervor, die die Anwendung seines 
Gebläseapparates gegenüber der Verwendung einer Maske ermöglicht. Im 
Gegensatz zu Witzel gibt Braun Morphium nur bei kräftigen Männern. 

y. Äthylchlorid und Somnoform-Narkose. 

Lotheisen (72) nimmt Veranlassung die in der Literatur sich mehrenden 
Fälle von Tod durch die Äthylchloridnarkose auf ihre Richtigkeit zu prüfen. Er 
kommt zn dem Resultat, dass nur ein Todesfall durch Äthylchlorid einwands- 
frei sei. In allen übrigen Fällen sei es zum mindesten unwahrscheinlich, 
dass dem Äthylchlorid der Tod zur Last zu legen sei. Demnach ergibt sich 
eine Mortalität von 1 : 17000. Lotheisen hält die von verschiedenen Seiten 
ei^angenen Warnungen vor der Äthylchloridnarkose daher für unbegründet 
und empfiehlt sie sehr zur Vornahme kleinerer Operationen sowie zur Ein- 
leitung der Äther- oder Chloroformnarkose, da man dadurch Zeit gewinne 
und das gefahrliche Exzitationsstadium umgehe. 

McCardie (78) schildert die Äthylchloridnarkose, ihre Geschichte, 
die Eigenschaften des Äthylchlorids, seine physiologischen Wirkungen, den 
Ablauf der Äthylchloridnarkose und ihre Folgezustände. Wie er bereits in 
einer früheren Publikation mitgeteilt (siehe Jahrgang 1901) hat McCardie 
den Breuerseben Korb, weil er einen zu reichlichen Luftzutritt gestattet, 
Terlassen und sich eines Ormsby sehen Apparates in nunmehr 350 Fällen 
mit bestem Erfolge bedient , um störenden Muskelspasmen zu begegnen , deren 
er mit wenigen Ausnahmen Herr wurde. Dieser Apparat wird zweckmässiger 
Weise, um das Gefrieren zu verhindern, nach dem Vorgange Hewitts mit 
einer mit heissem Wasser gefüllten Wasserkammer versehen. Im Vergleich 
znm Lachgas erzielt man nach McCardies Erfahrungen mit Äthylchlorid 
in kurzer Zeit eine nicht unerheblich länger anhaltende Narkose, die sich 
durch Nachgiessen von 2 — 3 ccm des Mittels alle 2—3 Minuten noch ver- 
läugem lässt. Nach kurzdauernden Narkosen besteht bei wiedergekehrtem 
Bewusstsein noch ein analgetischer Zustand von der Dauer einer ^U — Vs 
Minute. Unangenehme Folgezustände (Kopfschmerz, Erbrechen) sind bei 
Gebrauch von Äthylchlorid keine Seltenheit. Besonders das Erbrechen ist 
wenn auch seltener als nach Chloroformnarkosen doch entschieden häufiger 
als nach Lachgasnarkoseu. Gefährliche Zustände wie Herzsynkope oder Respi* 
rationsstillstand hat McCardie nie erlebt. 

In dem Somnoform, w^elches McCardie 11 mal versuchte, erblickt 
er keinen Fortschritt gegenüber dem Äthylchlorid allein, im Gegenteil belästigt 
der Geruch des ßromäthyls während der Operation und verursacht noch 
mehrere Tage dem Patienten einen unangenehmen Geschmack. 

Nach Mc Cardie eignet sich die Äthylchloridnarkose, die er in einem 
Fall auf 26 Minuten ausdehnte, für kürzere Eingriffe bis etwa von der Dauer 

Jahresberieht für Chinirgi« 1903. 2 



18 Jahresbericht für Chirurgie. I. Teil. 

von 15—20 Minuten vortrefflich. Die einzige Kontraindikation bieten Ver- 
engerungen des Larynx , während Herz , Lungen und Nierenkranke die Narkose 
gut vertragen. Ganz besonders günstig ist die Äthylchloridnarkose für kurz- 
dauernde Eingriffe bei Kindern. Auch zur Einleitung der Äthemarkose 
bewährte sich die Anwendung des Äthylchlorids. 

Nov6-Jo88erand (84) welcher die Erscheinungen der Äthylchlorid- 
narkose schildert, spricht seine Meinung dahin aus, dass das Äthylchlorid 
ein wenig gefährliches Narkotisierungsmittel darstellt, zumal vor dem Herz- 
stillstand die Atmung aufhöre. Unter 2000 Äthylchloridnarkosen hatte N o v 6 - 
Josserand nur einmal einen üblen Zufall. Es handelte sich um eine 
plötzlich auftretende Zyanose bei einem Kinde, die jedoch schnell vorüberging. 
Nove-Josserand zieht die Darreichung des Äthylchlorids auf einer von 
der Hand gedeckten Kompresse derjenigen vermittelst einer Maske vor. 
Während man bei Verwendung einer Maske durchschnittlich 10 ccm Chloräthyl 
zur Einschläferung gebraucht, genügen bei Anwendung der Kompresse 2 — ^3 
ccm. Längere Narkosen sind mit Chloräthyl nicht gut zu unterhalten. Hier- 
für empfiehlt es sich nach der Einschläferung zum Äther überzugehen. Diese 
kombinierte Äthylchlorid- Äthemarkose hat grosse Vorteile, da man die An- 
ästhesie ohne störendes Exzitationsstadium schnell herbeiführt und der Äther- 
verbrauch zur Unterhaltung der Anästhesie sehr gering ist. 

In der Diskussion äussert sichVillard dahin, dass seinen nunmehr 
5 jährigen Erfahrungen nach die Äthylcbloridnarkose mancherlei ünvollkommen- 
heiten habe. So die kurze Dauer und ihre Unzuverlässigkeit bei einem Teil 
der Patienten. Wegen mangelnder Muskelerschlaffung sei die Äthylchlorid- 
narkose für die Reduktion von Luxationen und Frakturen nicht zu gebrauchen. 
Ihr Anwendungsgebiet sei daher begrenzt und beschränkt auf kurzdauernde 
Operationen, für die Erschlaffung der Muskeln nicht erforderlich sei. 

Auf die Frage Rivieres, der die Chloräthylnarkose für Operationen 
an den Tonsillen empfiehlt, ob nicht die Blutung durch die Anwendung des 
Chloräthyls begünstigt werde, antwortete Nove-Josserand verneinend. 

Hamm es (42) bedient sich einer nach dem Modell der Julliard sehen 
angefertigten Maske. Die in einem Messzylinder abgemessene Dosis wird 
auf einmal aufgegossen. 

Meistens tritt nach 40 — 50 Sekimden Narkose ein, bisweilen schon 
nach 15 Sekunden; in einem Falle erst nach 2 Minuten 16 Sekunden. Ex- 
zitation trat fast niemals ein. Die Dosis wechselt je nach dem Alter von 
2 — 10 ccm; sie bezieht sich auf das von Henning in den Handel gebrachte 
Äthylchlorid. Die Muskelspannung dauert während der Narkose meistens fort. 
Für kurzdauernde Operationen ist das Äthylchlorid dem Ätherrausch vorzu- 
ziehen, weil die Narkose viel rascher eintritt, ruhiger ist und weniger 
gefahrlich. Handelt es sich darum den Patienten längere Zeit in Narkose 
zu halten, so wird die Hälfte der ersten Dosis gegeben. Dauerte die Narkose 
länger als 15 — 20 Minuten, so wurde sie mit Äther fortgesetzt. Erbrechen 
nach der Narkose fehlte fast vollständig. Auf Grund seiner Erfahrungen, die 
sich auf 200 Narkosen . beziehen, empfiehlt Hamm es sehr warm diese 
Narkoseart. Goedhuis (Deventer). 

G a u d i a n i (39) veröffentlicht einen kurzen Bericht über 35 mit 
Chloräthyl erzeugte Allgemeinnarkosen; die längste, mit 80 ccm Chloräthyl 
bewirkte, dauerte 35 Minuten, manche waren sehr schwer und an Indivi- 
duen vorgenommen worden, die Chloroform und Äther nicht ertragen haben 



Ritschi, Narkose, Narkotika, Anaesthetika. 19 

würden. Albumin wurde, selbst nach lajigen Narkosen, nie im Harn ange- 
troffen. Verf. meint, dass Chloräthyl, wenn mit den erforderlichen Vorsichts- 
massregeln angewendet, absolut unschädlich sei; bei kleineren oder nur kurz 
dauernden Operationen könne die allgemeine Ghloräthylnarkose, da sie fast 
augenblicklich wirkt, ein schnelles Erwachen zulässt, unschädlich ist und keine 
Nachwirkungen hat, die Chloroform- und Äthemarkose mit Nutzen ersetzen. 
Unter strengen Vorsichtsmassregeln lasse sie sich auch bei nicht lange 
dauernden Bauchoperationen anwenden, namentlich wenn andere anästhetische 
Mittel nicht gewählt werden können. Auch eigne sie sich zur Einleitung der 
Chloroform- und Äthemarkose. R. Giani. 

Luke (73) bedient sich eines im Original an einer Abbildung erläuterten, 
modifizierten Cloy er sehen Apparates zur Einleitung der Chloräthylnarkose, 
die er für kurze Operationen sehr empfiehlt, bei längerdauemden Operationen 
aber zur Einleitung der Äthemarkose benutzt. Die Wirkung der unter den 
Namen Soninoform, Narkotile (Mischung von Methyl- und Ätbylchbrid), 
Kelen etc. empfohlenen Substanzen beruht in erster Linie auf der Anwesen- 
heit des Chloräthyls. Das Somnoform aber ist seines Gehaltes an Bromäthyl 
wegen nicht einwandsfrei. 

Cole (18), der über die Wirkungen des Bromäthyls als Narkotikum 
referierend berichtet, hat die unter dem Namen Somnoform besonders in 
Frankreich gebrauchte Mischung (Äthylchlorid 65 T., Methylchlorid 30 T., 
Bromäthyl 5 T.) zum Gegenstand experimenteller Untersuchungen gemacht. 
Er studierte die Wirkung des Somnoforms an 20 Versuchstieren und fand, 
dass die Hauptgefahr dieses Mittels in einer Lähmung der Respiration besteht. 
Daher müssen vor allem die Atembewegungen sorgfältig überwacht werden. 
Herzstillstand vor Aufhören der Atmung ist nicht zu befürchten. Es ist 
daher leicht die Tiere, bei denen die Atmung zum Stillstand gekommen ist, 
durch künstliche Atmung wieder zu beleben. Für besonders beachtenswert 
hält Cole die lähmende Wirkung, die vom Bromäthyl auf die Vagusfasem 
(inhibitorische Fasern) ausgeübt werde. Da Chloroform durch Reizung dieser 
Fasern zuweilen tödlich wirkt, so verspricht sich Cole besondere Vorteile 
von einer Narkose, die mit Bromäthyl eingeleitet und mit Chloroform unter- 
halten werde. 

Kirkpatrick (53) berichtet über günstige Erfahrungen mit einer von 
Rolland und Robinson empfohlenen Mischung „Somnoform^ genannt. 
Dieses besteht aus Äthylchlorid 60 T., Methyldichlorid 35 T., Bromäthyl 5 T. 
Letzteres soll die Narkose, die entsprechend der Flüchtigkeit der übrigen 
Komponenten schnell verschwindet, verzögern. Wie beim Äthylchlorid, so tritt 
auch beim Somnoform die Narkose in weniger als 1 Minute (durchschnittlich 
in 54,9) Sekunden ein, um durchschnittlich 65,1 Sekunden (im Minimum 
15 Sekunden, im Maximum 2 Minuten) anzudauern. Kirkpatrick bediente 
sich der Somnofommarkose, die er mittels eines modifizierten Ormsby sehen 
Apparates einleitete, in 207 Fällen von Zahnextraktionen bei in keiner Weise 
vorbereiteten Patienten. Zu Erbrechen nach der Narkose kam es nur in 
Ausnahmefällen. 

VL Lachgasnarkose. 

Hammes (42) verbreitet sich ausführlich über die Vorteile der Lach- 
gas- und Lachgassauerstoffnarkose für kurze Operationen. 



20 Jahresbericht fttr Chirurgie. I. Teil. 

Für die NgO—O-Narkose wird der Apparat von Hewitt angewendet 
Mit diesem Apparat ist das Mittel ganz ungefährlich, nur bei dyspnoischen 
Zuständen ist es kontraindiziert (Kompensationsstörungen des Herzens, bei 
Struma u. s. w.). Goedhuis (Deventer). 

YII. Sehleiohsches Narkosengemisch« 

V. Winkel (114) berichtet zunächst über den ersten Chloroform todes- 
fall an seiner Klinik, der auf eine nicht erkannte, embolische Lungenerkrankung 
zurückgeführt werden musste und an sich jede Narkose kontraindiziert hätte. 
Durch die günstigen Berichte über Narkosen mit dem Schi eich sehen Siede- 
gemisch veranlasst, führte v. Winkel diese Narkosenart an seiner Klinik 
ein und Hess die Ergebnisse jedes einzelnen Falles genau aufzeichnen. Es 
wurde, da Fiebernde nicht zur Operation kamen, nur das Narkosengemisch I 
in 101 Fällen angewandt. Zugleich wurde des Vergleichs wegen in 60 Fällen 
die reine Äthernarkose und in 15 die Äther-Morphiumnarkose eingeleitet. 
Die Ergebnisse, welche im einzelnen mitgeteilt werden, waren derart, dass 
das Narkosengemisch I von Schleich vor dem reinen Äther keine wesent- 
lichen Vorzüge hat, ja dass bei Gebrauch des ersteren bedrohliche Zustände 
sogar noch häufiger eintreten, trotzdem Zeit und Quantum des Verbrauches 
geringer waren als beim Äther. 

Meyer (79) empfiehlt unter dem Namen Anesthol ein neues Mittel für 
die Narkose, welches aus 17 ^lo Äthylchlorid, 35,89^/0 Chloroform und 47,10 ®/o 
Äther besteht. Der Siedepunkt dieser chemischen Kombination ist 40 ^ Celsius. 
Bei Verdampfung bei 40® bleibt bis zuletzt dieselbe Mischung und nicht wie 
bei Schleichs Mischung ein Rückstand von Chloroform. Um diese Narkose zu 
erzeugen, ist Morphium nötig. Maass (New-York). 

Till. BromSthylnarkose. 

Huggard (52) hatte in Wien und bei Kocher in Bern die Bromäthyl- 
narkose, bei letzterem als Einleitung der Äthernarkose, kennen gelernt und 
sieht jetzt auf eine 4jiihrige Erfahrung mit ihr zurück. Er rühmt besonders 
den schnellen Eintritt der Narkose — weniger als eine Minute — , die beson- 
ders bei Verwendung eines chemisch reinen Präparates, wie es die Firma 
Duncan and Flockhart liefere, keine besonderen Gefahren habe, wenn 
man ganz kleine Kinder, sehr schwache und anämische Personen, mit Morbus 
Brightii und fettiger oder sonstiger Degeneration des Herzens Behaftete, 
endlich Alkoholisten ausschliesse. 

Taptas (107), der für kurzdauernde Operationen an Nase, Rachen 
und Ohren die Bromäthylnarkose deshalb vorzieht, weil sie am sitzenden 
Patienten vollzogen werden kann, hat, um den Kranken sicher zu immobilisieren, 
einen Sessel konstruiert, auf dem die Oberschenkel festgeschnallt werden, 
während Kopf und Hände von einer Hilfsperson von rückwärts gehalten 
werden. 

IX. Narkotil. 

Eastham (27) schildert seine Erfahrungen mit einem neuen Narkoti- 
sierungsmittel ^Narkotil"* genannt. Man gewinnt es, wenn man eine Mischung 
von Äthyl- und Methylalkohol mit Salzsäure behandelt und destilliert. Die 
entstehenden Dämpfe werden unter Druck kondensiert und gereinigt. Es bildet 



Ritsch 1, Narkose, Narkotika, Anaesthetika. 21 

das Narkotil ein konstantes, vom Licht nicht beeinfiassbares , gut haltbares 
Produkt von grosser Flüchtigkeit und angenehmem Geruch. Gleich dem Äther 
ist es leicht entzündbar. Zum Narkotisieren benutzte Eastham einen von 
Lobjois konstruierten Gebläseapparat mit einer mit Expirationsventil ver- 
sehenen , eng anschliessenden Celluloidmaske. Die Wirkungen des Narkotils 
gleichen am meisten dem des Äthers, vor allem kommt es zu einer Erregung 
der Herzaktion, während eine Steigerung der Schleimhautsekretionen nicht 
beobachtet wurde. Die Muskulatur ist in voller Narkose erschlafft, die Pu- 
pillen anfangs erweitert, später verengert. Die Narkose tritt schnell ein, 
ebenso das Erwachen. Gewöhnlich fehlen nach diesem Kopfschmerzen und 
andere unangenehme Erscheinungen. Hat Eastham auch noch keine be^ 
drohlichen Zufälle erlebt, so ist er doch überzeugt, dass durch Überdosierung 
solche entstehen können. Bei der grossen Flüchtigkeit des Mittels glaubt er 
jedoch, dass künstliche Respiration zur rechten Zeit günstig wirken muss. 
20 Narkosen, über die Eastham kurze Notizen mitteilt, verliefen günstig. 
W^en der bedeutenden Kälte, welche mit der schnellen Verdampfung des 
Narkotils verbunden ist, erwies es sich Eastham als vorteilhaft, die 
Flasche des Gebläseapparates in ein mit warmem Wasser gefülltes Gefäss 
zu stellen. Die Narkotilnarkose eignet sich sowohl für grosse Operationen, 
wie für kurzdauernde Eingriffe. 

X. Morphium-Skopolaminnarkose« 

Schneiderlin (97) gibt weitere Erfahrungen und eine Reihe systema- 
tischer Untersuchungen über die Skopolamin-Morphium-Narkose bekannt. 

Hatte er Zeit abzuwarten, so wurde der Einfluss des Mittels tags zuvor 
durch eine Injektion von ®/io — 1 mg Skopolamin und 2 cg Morphin ausprobiert. 
Je nach Ausfall dieser Prüfung wurden am Operationstage ®/io — IV* mg Skopol- 
amin und 2—3 cg Morphin IV« Stunden vor der Opef'ation injiziert und bei 
ungenügender Wirkung noch ^'4 Stunde vor Beginn der Operation 2 — 4 dmg 
Skopolamin und Vs—l cg Morphin hinzugefügt. In dringenden Fällen wurden 
1 — IV2 mg Skopolamin mit 2 — 2^/« cg Morphin gegeben, unter Umständen 
noch eine zweite Dosis von 2—4 dmg Skopolamin und V« — 1 cg Morphin. 

Durch eine Anzahl von Versuchen wurde ferner festgestellt, dass An- 
ästhesie nur durch die Kombination von Skopolamin und Morphin, nicht aber 
durch eines der beiden Mittel allein selbst in grossen Dosen erzielt wird. 

Als Nachteile des Verfahrens bezeichnet Schneiderlin, dass die Wir- 
kung auf den Patienten ausprobiert und bis zum Erwachen die Atmung über- 
wacht werden muss (Zurücksinken der Zunge — Asphyxie). Demgegenüber 
hat es jedoch den Vorteil, dass es bei richtigem Ausprobieren gefahrlos ist, 
der Narkotiseur fortfllllt und die Gefahr psychischen Shocks ausgeschlossen 
ist. Misserfolge lassen sich vermeiden durch zuvoriges Ausprobieren der Wir- 
kung, durch Vermeidung zu grosser Dosen und dadurch, dass man nicht vor 
Eintritt voller Narkose mit der Operation beginnt. 

Die sich mehrenden Todesfälle bei Anwendung der reinen Skopolamin- 
Morphin-Betäubung haben Kor ff (55) veranlasst, die Dosis zu vermindern 
und den Ausfall an narkotischer Wirkung durch nachträgliche Äther- oder 
Chloroforminhalation zu decken. Die Dosis beträgt im ganzen 0,0001 Skopol- 
amin und 0,025 Morphin. Es werden von einer Lösung, die folgendermassen 
zusammengesetzt ist, 




22 Jahresbericht für Chirurgie. I. Teil. 

Skopolamin hydrobrom. 0,001 

Morphin mur. 0,25 

Aq. dest. coct. 10,0 

Vs Pravaz 2^2 Stunden, Vs Pravaz VI2 Stunden und die gleiche Quantität 
nochmals V2 Stunde vor der Operation gegeben. Je nach Alter, Allgemein- 
befinden, Herztätigkeit und nervöser Veranlagung des Patienten kann diese 
Dosis eventuell nach oben oder unten etwas modifiziert werden. In 50 nicht 
ausgesuchten Operationsfällen hatte Kor ff bei Befolgung obiger Vorschriften 
durchaus zufriedenstellende Resultate. 

Stolz (104) stellt die in der Literatur niedergelegten Erfahrungen, denen 
er sechs eigene Beobachtungen hinzufügt, zusammen. Er beleuchtet kritisch 
die Vor- und Nachteile des neuen Verfahrens und kommt zu dem Schluss, 
dass der Skopolamin-Morphin-Narkose viele Nachteile anhaften, insbesondere 
Unzuverlässigkeit und Gefährlichkeit. Von insgesamt 465 Patienten konnten 
ungefähr 309 durch die Injektionen allein anästhesiert werden, alle anderen 
bedurften noch der Inhalationsnarkose. Von 465 starben drei infolge der In- 
jektionen = 0,6 ®/o Mortalität; einer zeigte eine ausserordentlich tiefe, neun 
leichtere Asphyxien, oft wurde Herzschwäche wahrgenommen. Gegenüber der 
Inhalationsnarkose mit vorausgehender Morphin- bezw. Morphin -Atropin- In- 
jektion (Äther) sieht Stolz in der Skopolamin-Morphinnarkose keinerlei Vor- 
teil, im Gegenteil vielerlei Nachteile. 

Wild (112) berichtet über Versuche, welche auf die Blossche Arbeit 
hin mit der Skopolamin-Morphium-Narkose im Altonaer Krankenhause an- 
gestellt wurden. Man hörte nach dem achten Falle jedoch mit den Versuchen 
wieder auf, weil die betreffende 18jährige Patientin im Anschluss an die Ope- 
ration, zu deren Ausführung noch eine Darreichung von Äther notwendig war, 
in einen schweren, beinahe tödlich endenden Zustand von Morphiumvergiftung 
verfiel. Der Grund dieses Misserfolges wird gesucht in der Unzuverlässigkeit 
des Skopolamins, welches die zur Verwendung gelangte hohe Dosis von 9 cg 
Morphin nicht zu paralysieren vermochte. Wenn auch eine Anzahl der Ver- 
suche befriedigten, so liegt in den Erfahrungen des letzten Falles eine dring- 
liche Warnung, mit dem neuen Verfahren, zumal der Bios sehen Dosierung, 
vorsichtig zu sein. 

Grevsen (40) berichtet über 69, im allgemeinen günstige Erfahrungen 
mit der Morphium-Skopolaminnarkose. Trotz der sich mehrenden, vor der 
neuen Narkose warnenden Stimmen möchte er als Landarzt die den üblichen 
Narkosearten gegenüber bedeutende Vorteile bietende Morphium-Skopolamin- 
narkose nicht mehr missen, ist jedoch der Ansicht, dass namentlich in bezug 
auf die Dosierung das Verfahren noch vervollkommnet werden sollte. 

Fla tau (29) berichtet über Erfahrungen, die er mit Morphium-Skopol- 
amin an einem Material von 47 Fällen in der gynäkologischen Praxis ge- 
wonnen hat. In 17 Fällen versuchte er durch Injektion von 0,03 Morphin 
und 0,0012 Skopolamin vor der Operation die Menge des zu verwendenden 
Äthers odt^T^ Chloroforms herabzusetzen. In dieser Hinsicht war jedoch die 
Wirkung keine derartige, dass daraus ein wesentlicher Vorteil abgeleitet 
werden komite. In 30 Fällen verwandte Flatau dann die eigentliche Mor- 
phin m-Skopolaminnarkose. Es wurden in Pausen von 1 — 2 Stunden dreimal 
die oben genannte Dosis Morphin und Skopolamin injiziert. Während in 22 
dieser Fälle die Narkose befriedigte, musste in zwei Fällen mit Chloroform 
naehgeholfen werden. In fünf Fällen konnte, trotzdem die Narkose nicht ganz 



Ritsohl, Narkose, Narkotika, Anaeaihetika. 23 

genügte, der Eingriff Tollzogen werden. Ein Todesfall, dessen Geschichte aus- 
fahrlich mitgeteilt wird, brachte Flatau wieder von der Verwendung der 
neuen Narkoseart ab. Der Todesfall war um so alarmierender, als es sich 
um eine sonst gesunde, keineswegs besonders blutarme Frau (Myom der Ge- 
bärmutter) handelte, die 4^/t Stunden nach wohlgelungener Operation in ruhiger 
Narkose Zeichen von fortschreitender Herzschwäche darbot und trotz aller 
Bemühungen nach l^/t Stunden zu gründe ging. Flatau hält daher mit 
Witzel die Methode noch für unfertig und daher gefährlich und warnt Tor 
der Verallgemeinerung ihrer Anwendung. 

Wie Steffel aar (101) berichtet, wurde auf der chirurgischen Klinik von 
Prof. Korteweg die von Schneiderlin eingeführte Skopolamin-Morphium- 
Narkose an 25 Fällen erprobt. In sechs Fällen gelang die Betäubung voll- 
kommen. Für die Probeinjektion wurde 0,00025 Skopolamin und 0,005 Mor- 
phin gegeben. Eine Patientin, ein 15jähriges nervöses Mädchen, vertrug die 
Probedosis schlecht; die Injektionsnarkose genügte hier nicht, es musste fort- 
während nebenher Chloroform gegeben werden. 

Für die eigentliche Narkose wurde, mit Ausnahme von vier Fällen, 
0,0075 Skopolamin und 0,03 Morphium gereicht; eine zweite Einspritzung 
wurde nie gemacht. In vier Fällen wurde 1 mg Skopolamin und 37,5 — 45 mg 
Morphimn gereicht. 

Bei ungenügender Anästhesie waren kleine Dosen Chloroform hinreichend, 
um volle Betäubung zu erlangen (bei einer Operationsdauer von 2 — 2'/4 Stunden 
15 — 20 cc Chloroform). 

In einem Fall von Besektion des Oberkiefers wegen Karzinom mit vor- 
hergehender Exstirpatio bulbi und Unterbindung der Carotis externa genügte 
die Injektionsnarkose vollkommen. 

Bei fünf Kranken trat eine ziemlich starke Zyanose auf. Bisweilen wurde 
nach dem Erwachen starke Exzitation beobachtet, die einige Stunden anhielt. 
Auffallend war die post-operative Amnesie. 

Laut brieflicher Mitteilung wurden die Versuche mit dieser Narkoseart 
fortgesetzt; sie gaben durchweg gute Resultate. 

(Ref. hat die Methode auch in einigen Fällen versucht; bei einer schwäch- 
lichen Frau mit Carcinoma mammae erlebte er nach Iiijektion obengenannter 
Dosis bei ungenügender Anästhesie drohende Atemlähmung. Tiefe Inspirationen 
wechselten ab mit ^/4 — ^/s Minute dauernden Respirationspausen. Seitdem 
hat er keinen weiteren Versuch gemacht.) Goedhuis (Deventer). 

XI. Lokale und regionäre Anästhesie. 

L Kokain bzw. Eakain allein oder mit Adrenalin. 2. Anästhesin. 3. Akoin. 

4. Tohimbin. 

Spiegel (100) hat zur Infiltrationsanästhesie eine selbsttätige Injektions- 
spritze konstruiert. Sie fasst 30 ccm Flüssigkeit und enthält eine starke 
Spiralfeder, welche den Spritzenkolben der gefüllten Spritze mit einem Druck 
von 3 m Flüssigkeitsstrahl gegen die AusflussöiFnung hindrängt. Durch 
einen am Ausflussteil angebrachten Hahn wird die Spritze nach Belieben und 
zwar mit Hilfe eines Fingers geschlossen oder mehr oder weniger geöffnet, 
so dass eine Hand genügt, um die Spritze zu bedienen. In der v. Mosetig- 
schen Klinik hat sich die Spritze bei zahlreichen Operationen bestens bewährt. 
Sie ist auch für Seruminjektionen und Kochsalzinfusionen gut zu gebrauchen. 



24 Jahresbericht für Chirurgie. I. Teil. 

Eine kleinere 7 ccm fassende Spritze nach ähnlichem Prinzip gebaut, dient 
Spiegel für kleinere Operationen. 

Beclus (91) beklagt sich in der Akademie de mSd^cine, dass die von 
ihm ausgebildete und so oft empfohlene Kokainanalgesie so wenig von anderer 
Seite angewendet werde. Er macht den Zahnärzten den Vorwarf, dass sie 
durch zu hohe Konzentration ihrer Lösungen und Ausserachtlassung allge- 
meiner Vorsichtsmassregeln das Kokain in Misskredit gebracht hätten. Die 
Technik, die allerdings erlernt sein wolle, könne, da sie besondere Schwierig- 
keiten nicht in sich schliesse, nicht als Hinderungsgrund für eine allgemeinere 
Verbreitung der Methode gelten. Reclus beschreibt nun die Art und Weise, 
wie er die Anästhesie zur Inzision eines Panaritiums herbeiführt. Er bedient 
sich hierbei der regionären Anästhesie ohne vorherige Abschnürung des Fingers. 

In der Diskussion warnt Gallippe vor dem Gebrauch des Kokains 
bei Operationen in der Mundhöhle, bei denen die horizontale Lage, die Reclus 
fordere, oft störend sei. Ausserdem seien selbst bei Verwendung minimaler 
Kokaindosen üble Zufälle vorgekommen. 

La bor de schliesst sich den Ausführungen Galippes an und erinnert 
an einen Fall schwerer Kokainvergiftung bei einem angesehenen Kollegen, 
der 5 mg Kokain für eine Zahnoperation erhalten hatte. 

Auch Lucas-Championniäre und Duplay schätzen die Gefabreu 
des Kokains höher als seine Vorteile. 

Javal hat bei der Anästhesierung der Konjunktiva mit 2^/o Kokainlösung 
nie üble Wirkungen beobachtet. 

Berger hält das Chloroform für die Behandlung von Panaritien und 
Abszessen dem Kokain für weit überlegen, obwohl er im übrigen vom Kokain 
gern nach der von Reclus ausgebildeten Methode Gebrauch macht. 

Reclus verteidigt im Schlusswort die Kokainanästhesie gegen die 
gemachten Angriffe, indem er ausführt, dass er 7000 Operationen unter 
Kokainanästhesie gemacht habe, ohne einen einzigen Todesfall. 

Richelot (93) schildert begeistert, wie er von einem Panaritium be- 
haftet von Reclus unter Kokainanästhesie operiert wurde, ohne den geringsten 
Schmerz zu empfinden. Auch ein von den Achselhöhlendrüsen ausgehender 
Abszess, der sich nach Abheilung des Panaritiums ausbildete, wurde von 
Reclus unter Kokainanästhesie zuRichelots grösster Zufriedenheit geöffnet. 
Richelot nimmt daher Gelegenheit die Methode von Reclus, die in der 
Sitzung der Akademie de m6decine am 10. Februar von verschiedenen Seiten 
angegriffen wurde, warm zu verteidigen und zu empfehlen. 

Auf Grund einer Reihe von Operationen unter lokaler Kokainanästhesie 
kommt Krymow (61) zu folgenden Schlüssen: Die beste Methode um Kokain- 
lösung keimfrei zu machen, ohne deren anästhesierende Wirkung zu schwächen, 
ist das Pasteurisieren derselben bei 60^ während drei Stunden. Gekochte 
Kokainlösung bewahrt die anästhesierende Wirkung, jedoch tritt die Anästhesie 
später ein und hält kürzere Zeit vor. Hohlbeck (St. Petersburg). 

Einem 35 jährigen und 50 jährigen Patienten extrahierte Niculescu (83) 
mehrere Zahnwiurzeln unter Kokainanästhesie. Nach ein paar Tagen klagton 
die Patienten, dass die Schnurrbarthaare auszufallen begonnen, wie bei der 
Pelade. Als Ursache nimmt Niculescu dieselben Umstände wie bei der 
Peladetheorie nach Jacquet an. 

In 3 — 4 anderen Fällen bemerkte Niculescu kleine Escharen am In- 
jektionsplatze. S 1 i a n f f (Plevna). 



Ritschi, Narkose, Narkotika, Anaesthetika. 25 

Im ersten Kapitel seiner für die Theorie und Praxis der Lokalanästhesie 
bedeutsamen Arbeit weist Brann (10) nach, dass die örtliche Kokainwirkung 
(Anästhesie) die Folge einer örtlichen Vergiftung ist, bei der das Kokain mit 
dem Protoplasma eine wenn auch flüchtige Verbindung eingeht, wodurch die 
Funktion der betreflfenden Gewebe eine Unterbrechung erfährt. Werden diese 
abnormen Verbindungen durch den sich in den Geweben abspielenden Lebens- 
prozess wieder zerlegt, so kehrt die Funktion der Gewebe allmählich wieder. 
Da nun die Intensität der Lebensvorgänge vor allem von der Blutzufuhr ab- 
hängt, so ergibt sich, dass Anämie oder Oligämie die Intensität, Ausbreitung 
und Dauer der Kokainanästhesie günstig beeinflussen müssen. Andererseits 
kann, je mehr Kokain chemisch lokal gebunden ist, umsoweniger davon in 
den Kreislauf gelangen; mithin wird die Gefahr einer allgemeinen Vergiftung 
um so geringer, je intensiver die örtliche Vergiftung ist. Die örtliche Ver- 
giftung kann nun durch alle solche Mittel gesteigert werden, die geeignet sind 
die Lebensvorgänge in den Geweben abzuschwächen. Als solche kommen 
praktisch in Betracht: 1. die Unterbrechung der Blutzufuhr, 2. In- 
tensive Abkühlung, 3. örtliche Anwendung von Nebennieren- 
präparaten. Dass die Unterbrechung der Blutzufuhr durch Abschnürung 
der Extremitäten die Wirkung, Ausdehnung und Dauer einer Kokainanästhesie 
steigert, zugleich aber die allgemeine Vergiftungsgefahr vermindert, ist längst 
bekannt und wird praktisch viel verwertet. — Intensive Kälte ist an sich 
imstande durch Wärmeentziehung die Funktion der sensiblen Nerven zu 
unterbrechen. Sofern sie aber auch die vitalen Funktionen herabsetzt, ver- 
stärkt sie die lokale Wirkung von ArzneistofFen. Durch Beimischung von 
1 — 5°/o Kokain kann die Wirkung des Ghloräthylstrahls erheblich verstärkt 
werden. Nach dem Verdunsten des aufgesprayten Chloräthyls bedeckt die 
behandelte Schleimhaut eine feine Schicht von ausgefälltem Kokain, welches 
nach dem Auftauen eine ungewöhnlich lange und tiefreichende Anästhesie 
verursacht. Das Gleiche kann man erreichen, wenn man die Schleimhaut 
zunächst mit Kokainlösung bepinselt und nun gefrieren lässt. Die Wirkung 
wird noch mehr erhöht, wenn man nach dem Eintritt voller Kokainwirkung 
die behandelte Stelle nochmals zum Gefrieren bringt. Die Abkühlung kann 
man auch zur Steigerung der Wirkung anwenden, wenn man Anästhesie durch 
Injektion von anästhesierenden Lösungen erzeugt. Andererseits lässt sich das 
inästhesiemngsvermögen verdünnter Lösungen durch gleichzeitige Kälteanwen- 
dung steigern. Ganz besonderen Nutzen sah Braun von der Kombination des 
Chloräthylsprays mit der Injektion eines lokal anästhesierenden Mittels bei 
Zahnextraktionen sowie bei mehr oberflächlichen Operationen. Wie Braun 
durch eine Reihe von Versuchen feststellte, kann man die Allgemeinwirkung 
von Giften, so auch des Kokains durch Abkühlung der die Injektionsstelle 
umgebenden Gewebe aufhalten, bezw. abschwächen. In gleicher Weise wie 
mechanische Zirkulationsunterbrechung und Kälte wirken das Adrenalin sowie 
die adrenalinhaltigen Nebennierenextrakte. Braun konnte an Quaddeln die 
anämisierende Wirkung des Adrenalins noch in äusserst verdünnten Lösungen 
nachweisen. Durch Adrenalinzusatz lässt sich die anästhesierende Wirkung 
des Kokains erheblich steigern, die toxischen Allgemeinwirkungen zugleich 
aber vermindern. Auch beim Eukain B tritt der Adrenalinzusatz als Vorteil 
hervor, während Tropakokain die gefässverengernde Wirkung des Adrenalins 
aufhebt. Die praktischen Erfahrungen Brauns mit Kokain-Adrenalinlösungen 
waren ausserordentlich günstige. Da die Konzentration der Adrenalinlösung 



26 Jahresbericht für Ghinirgie. I. Teil. 

etwa 1 : 10000 betrug, die Dosis von 1 mg nicht überschritten wurde, so 
waren üble Folgen von vornherein auszuschliessen. Bei Verwendung l®/oiger 
Kokainlösung wurden pro ccm 3 Tropfen (= 1 : 10000) einer durch Kochen 
sterilisierten l^/oo Adrenalinlösung kurz vor dem Gebrauch zugesetzt. Zur 
Ödemisierung nach Schleich bestimmte Kokainlösungen geringerer Konzen- 
tration (0,1 — 0,5 °/o) wurden pro 5—10 ccm auch nur mit 3 Tropfen Adreoalin- 
stammlösung versetzt, während 50 ccm dünner Kokainlösung gewöhnlich mittelst 
Pravazspritze ^/s ccm Adrenalinlösung zugesetzt wurde. Auch in dieser Ver- 
dünnung (1 : 100000) wirkt die Adrenalinlösung noch recht intensiv anämi- 
sierend. Die Wirkung des Kokains hält infolge des Adrenalinzusatzes gewöhn- 
lich stundenlang an. Für Zahnextraktionen erwies sich 1 ccm l^/^iger 
Kokainlösung mit 3 Tropfen Adrenalinlösung versetzt als ausserordentlich 
wirkungsvoll, selbst wenn der Zahn pulpitisch oder periostitisch erkrankt war. 
Gewöhnlich blieb jegliche Blutung, auch Nachblutung aus. Mit der gleichen 
Lösung gelang auch vortrefflich selbst ohne vorherige Abschnürung der Ex- 
tremität die Erzeugung peripherer Anästhesie durch Kokainisierung der grösseren 
Nervenstämme. Abgesehen von seinem günstigen Einfluss auf die Kokainwir- 
kung empfiehlt Braun den Adrenalinzusatz wegen seiner gefässverschliessenden 
Wirkung; die dem Chirurgen vielfach die besten Dienste leiste. 

Die von verschiedenen Seiten gemeldeten üblen Zufälle nach dem Ge- 
brauch von Adrenalin als Zusatz zu anästhesierenden Lösungen veranlassen 
Braun (13) festzustellen, dass nach seiner vielfaltigen Erfahrung der Zusatz 
von 3 Tropfen der l^loo Adrenalinlösung zu 1 ccm Flüssigkeit, eine Dosis, 
die er sogar häufig überschritten, niemals zu üblen Folgen geführt habe. 
Wenn Enderlen (Chirurgenkongress 1903) bei Verwendung dieser Dosis 
schlechte Erfahrungen gemacht habe, so könne das nur auf einer Minder- 
wertigkeit der Adrenalinlösung beruhen. Braun empfiehlt die Adrenalin- 
stammlösung nach einer im Original mitgeteilten Vorschrift vom Apotheker 
anfertigen zu lassen. Die Gefahr einer Nachblutung bestehe nur dann, wenn 
man zu viel Adrenalin gebrauche. Dann werden auch die kleineren Arterien 
zur Kontraktion gebracht und können nicht erkannt und unterbunden werden. 
Die Gefahr einer Nachblutung besteht nicht, wenn man zur Infiltrations- 
anästhesie 100 ccm einer 0,1% Kokain oder Eukain B-lösung mit zwei 
bis höchstens fünf Tropfen Adrenalinlösung 1 : 1000 (= 0,00007—0,00017 »/o 
Adrenalin) versetzt. Diese Lösung macht genügend blutleer, ohne die kleineren 
Arterien mit zu beeinflussen. Dass dem Verschwinden der Adrenalinwirkung 
eine Gefässerschlafi'ung wie der Extremitätenabschnürung folge, leugnet Braun. 
Bedarf es einer intensiveren, lokal umschriebenen Wirkung wie z. B. bei 
Zahnextraktionen oder der Anästhesierung von Nervenstämmen, so setzt 
Braun 1 ccm einer l^/o Kokain- oder Eukainlösung gewöhnlich 2, höchstens 
5 Tropfen der l^/oo Adrenalinlösung zu. 

Braun (12) tritt in einem kleinen Artikel der deutschen zahnärztlichen 
Wochenschrift einer in Nr. 32, 1902 des gleichen Blattes erschienenen Warnung 
Thiesings vor dem Gebrauch des Adrenalins entgegen und stellt fest, dass 
nach seinen, an sich selbst vorgenommenen Versuchen die Maximaldosis des 
Adrenalins für die 1 : 1000 Lösung etwa bei V» mgr (= ^/2 ccm) liegt, während 
sie in Lösungen von 1 : 10000 bei 1 g (= 10 ccm) noch nicht erreicht ist. 
Braun schildert sodann, wie er durch Kokain-Adrenalinlösung eine Zahn- 
extraktion schmerzlos macht. 

Stolz (103) lobt auf Grund von ca. 70 maliger Anwendung in der chir. 



Ritaohl, Narkose, Narkotika, AnaeBthetika. 27 

Klinik zu Strassburg den Gebrauch des Kokains mit Adrenalin zur lokalen 
Anästhesie. Es wnrden die Braun sehen Vorschriften befolgt. Besonders 
bewährte sich die Methode bei Operationen in der Mundhöhle. 

Honigmann (51) lobt die Wirkung des Adrenalins als Zusatz zu 
schmerzaufhebenden Lösungen und berichtet über seine bei 40 maliger An- 
wendung gewonnenen Erfahrungen. 

Foisy (30) empfiehlt zur Anästhesie bei akut entzündlichen Prozessen 
eine Mischung von Kokain und Adrenalin. Gewöhnlich setzte er zu 10 ccm 
einer ^/a^/o Kokainlösung 10 Tropfen einer l^/oo Lösung von Adrenalin 
hydrochloric. Diese Lösung kann sterilisiert und je nach Bedarf ganz 
oder zum Teil verwandt werden. Bei ausgedehnteren Eingriffen (Exstirpation 
eines Anthrax, von nekrotisiertem Gewebe, Entfernung vereiterter Lymph- 
drüsen) kann folgende Lösung in ihrer gesamten Menge Verwendung finden: 
Sol. cocaini 1 : 200 . . . 20—25 ccm, Sol. Adrenal 1 : 1000 . . . 13—15 Gtt. Bei 
Panaritien und Furunkeln gebraucht Foisy 1 ccm einer Kokainlösung von 
1:100 mit 4—5 Tropfen einer Adrenalinlösung von 1:1000 versetzt. Die 
zu durchtrennenden Gewebsschichten werden nacheinander durch zur Haut- 
oberfläche parallel verlaufende Injektionen unempfindlich gemacht. Bei aus- 
gedehnteren Eingriffen ist auf die Unterbindung der durchschnittenen Gefässe 
besonderes Gewicht zu legen, da die Operation infolge der Adrenalinwirkung 
so gut wie blutlos ist. Die Kranken werden etwaigen Schwindels, Synkope 
wegen in horizontaler Lagerung operiert und in dieser Lage noch für einige 
Stunden belassen. 

Bark er (1) hat angeregt durch die Arbeit Brauns zur Lokalanästhesie 
neben dem weniger giftigen /9-Eukain Adrenalin mitbenutzt. Die von ihm 
gebrauchte Lösung bestand aus 100 g Wasser, Chlomatrium 0,8, /9-Eukain 
0,2, Adrenalinchlorid 0,001. Den Einfluss des Adrenalins, welches die 
Anästhesie erheblich verlängert, schildert Barker an der Hand einer Bruch- 
operation, für die er das neue Verfahren besonders bei alten Leuten sehr 
schätzen gelernt hat. Hier hat das Adrenalin noch den weiteren Vorteil, dass 
es ein Herzstimulans ist, sofern es durch Verengerung der Kapillaren und 
kleinen Gefässe den Blutdruck steigert. Eine Vermehrung der Nachblutung 
hat Barker bei der Anwendung obiger Lösung nie beobachtet. Bark er 
erwägt zum Schluss seines Vortrages die Möglichkeit, die 3 festen Substanzen 
der Lösung in Tabletten zu vereinigen, um die Herstellung zu erleichtern. 
Indessen ist noch nicht sichergestellt, ob das Adrenalin die Mischung mit den 
anderen Substanzen dauernd verträgt. 

Neugebauer (81) erlebte bei Anwendung von Adrenalin (3 Tropfen 
des Extraktes auf 1 ccm einer ^/2°/oigen Kokain — Eukainlösung) 3 mal 
flautgangrän, und zwar einmal nach einer Phimosenoperation bei einem 
28jährigen, kräftigen Manne, sodann bei 2 Frauen von 66 bezw. 67 Jahren 
nach Exstirpationen von Kankroiden des Gesichts. Ein etwa durch den 
Nebennierenextrakt verursachter Diabetes bestand in keinem der Fälle, so 
dass die Gangrän lediglich der Lokalwirkung des Adrenalins zugeschrieben 
werden muss. Daher Vorsicht mit dem Adrenalin besonders bei alten Leuten! 

Gangitano (37) veröffentlicht eine Statistik von 100 unter Kokain- 
Adrenalin-Analgesie ausgeführten Operationen. Er wendete 1 ccm einer l°/ooigen 
Adrenalin- und 9 ccm einer 0,5 ^/o igen Kokainlösung an. Der Zusatz von 
Adrenalin hat den Vorteil, dass zum Keclus sehen Analgesieverfahren eine 
geringere Dose Kokain verwendet werden kann, ausserdem gestattet das 



28 Jahresbericht ffir Chirurgie. I. Teil. 

Adrenalin durch seine gefässzusammenziehende Eigenschaft die Operation aaf 
vollständig weissem Felde auszuführen. Infolge der Ischämie, die das Adrenalin 
an der betreffenden Körperstelie hervorruft, wird das Kokain langsamer resor- 
biert und hält dessen Wirkung länger an. Verf. beobachtete nie Intoleranz; 
die Analgesie wird von hochbejahrten, mit Arteriosklerose behafteten und 
auch herzkranken Individuen gut ertragen. R. Giani. 

In einer ausführlichen Arbeit hat Braun (9) die Ergebnisse seiner sehr 
eingehenden Studien über die Erzeugung von Anästhesie durch Unterbrechung 
der Nervenleitung fern vom Operationsgebiet (Leitungsanästhesie, regionäre 
Anästhesie) niedergelegt. Für diesen Zweck eignet sich wegen der damit 
verbundenen heftigen Schmerzen weder die Anwendung der Kälte {Ätherspray, 
Äthylchloridspray), noch die Injektion quellend wirkender Flüssigkeiten (Wasser, 
stark verdünnte Lösungen). Mit Kokainlösungen kann man die Leitung in 
einem sensiblen Nerven unterbrechen 1. durch Injektion in den Nervenstamm 
selbst (endoneurale Injektion), 2. durch Injektion in die Umgebung des Nerven- 
stammes (perineurale Injektion), 3. durch Injektion in den Duralsack des 
Rückenmarks. 

Braun beschäftigt sich im grössten Teil seiner Arbeit mit den peri- 
neuralen Injektionen. Er schildert die seitherigen Bestrebungen und Leistungen 
auf diesem Gebiet und stellt den Wert derselben für die Praxis auf Grund 
seiner reichen eigenen Erfahrung fest. Wie für die Lokalanästhesie, so ist 
auch für die Leitungsanästhesie das Adrenalin ausserordentlich wertvoll. Es 
gewährt, wie Braun festgestellt hat, der Zusatz von 1 Teil Adrenalin auf 
10000 Teile Kokainlösung einen vollkommenen Ersatz für die vielfach be- 
lästigende Abschnürung der Extremitäten. Wird Kokainlösung unter Adrenalin- 
zusatz (1 — 2 Tropfen 1 ^/oo Adrenalinlösung auf 1 com anästhesierende Lösung) 
gebraucht, so kommt die Abschnürung nur zur Blutsparung unmittelbar vor 
der Operation zur Anwendung. Unter den Ersatzmitteln des Kokains haben 
nach Braun nur das Eukain B und das Tropakokain Bedeutung, wobei 
jedoch zu berücksichtigen ist, dass das letztere die gefässverengenden Eigen- 
schaften des Adrenalins beeinträchtigt. Sehr eingehend wird die Technik 
der Anästhesierung an Hand und Fingern, Fuss und Unterschenkel besprochen 
und festgestellt, in welchem Umfange überhaupt bei Operationen an den 
Extremitäten von der Leitungsanästhesie Gebrauch gemacht werden kann. 
Auch am Penis, dem behaarten Kopf und der Stirn, der Vorderseite des 
Halses, dem Kehlkopf (Leitungsunterbrechung im N. laryngeus sup.) kann man 
sich der Methode bedienen. 

Im n. kürzeren Hauptteil der Arbeit wird die endoneurale Injektion, 
von der übrigens im I. Teil öfter, sofern es sich um oberflächlich liegende, 
d. h. von aussen mit der Injektionskanäle leicht erreichbare Nervenstämme 
handelte, die ßede war, besprochen. Dieses Verfahren erfordert bei tief- 
liegenden Nervenstämmen eine Voroperation, nämlich die Freilegung des Nerven 
unter Lokalanästhesie. Injiziert man unter die Nervenscheide eine l^/o Kokain- 
oder Eukainlösung, die bei Abschnürung oder Adrenalinzusatz noch verdünnt 
werden könnte, so kommt es zu einer fast sofortigen Leitungsunterbrechung, 
die, wie amerikanische Chirurgen berichten, die Ausführung grosser Extremi- 
tätenoperationen , wie Amputationen des Unterschenkels, des Oberarmes etc. 
ermöglicht. Ist die zur Freilegung des Nerven oder der Nerven notwendige 
Voroperation als eine nicht unwesentliche Komplikation anzusehen, die im 
allgemeinen nur dann berechtigt sein dürfte, wenn zwingende Gründe eine 



Ritschi, Narkose, Narkotika, Anaesthetika. 29 

Narkose verbieten, so eröffnet sicli für die endoneuralen Injektionen ein 
wichtiges Anwendungsgebiet, wenn es möglich ist von dem znr Ausführung 
der Operation nötigen Schnitt aus gleichzeitig die sensible Leitung der Haupt- 
neryenstämme zu unterbrechen (Bruchoperationen, Exstirpation von Yaricen, 
Operationen an der Vorderseite des Halses). 

Zum Schluss warnt Braun davor, die Anwendung der Leitungsanästhesie 
ebenso wie die Lokalanästhesie allzuweit auszudehnen. Im gegebenen Fall sei 
abzuwägen, ob der Kranke bei erhaltenem Bewusstsein unter einem lokal- 
anästhesierenden Verfahren operiert werden kann, oder ob die Narkose un- 
vermeidlich ist. 

Krogius (60) beklagt sich, dass in den neueren Arbeiten, wenn von 
der regionären Anästhesie die Rede sei, sein Name neben Corning und 
Oberst entweder gar nicht, oder wie kürzlich in dem Handbuch der allge- 
meinen und lokalen Anästhesie von Dumont, geringschätzig erwähnt werde. 
Er stellt demgegenüber fest, dass er es gewesen, der die Beobachtung zuerst 
praktisch verwertet habe, dass eine in die Nähe eines Nervenstammes in- 
jizierte 2^/0 Kokainlösung eine oft sehr umfangreiche analgetische Zone im 
Innervationsgebiet des betreffenden Nerven hervorruft. Im besonderen stelle 
das von Pernice zuerst beschriebene Oberstsche Verfahren keine reine 
Kokainisierung der Nervenstämme, sondern zugleich eine Art Infiltrations- 
anästhesie dar, weil ausdrücklich von Oberst gefordert wird, dass die Spitze 
der Injektionsnadel nach der Fingerkuppe hin gerichtet werde. 

Strnthers (105) beschreibt im Edinburgh med. Journal die Oberstsche 
Methode der regionären Anästhesie, die er in Aachen kennen gelernt hatte, 
zugleich auf Grund von 50 eigenen Beobachtungen. 

von Lier (68) teilt die Resultate seiner Untersuchungen über Nerven- 
degeneration infolge der von Pernice eingeführten regionären Anästhesie mit. 
In einer Reihe von Experimenten spritzte er die Lösung ins Perineurium des 
N. ischiadicus, in einer zweiten Reihe in das umgebende Bindegewebe. Die 
folgenden Lösungen wurden zur Injektion benutzt: 

a) l^/o Eukain in destilliertem Wasser, 

b) 1> Eukain in 0,6^/0 NaCl-Lösung, 

c) 0,7<>/o NaCl-Lösung, 

Der N. ischiadicus der anderen Seite wurde jedesmal intakt gelassen. 

Von beiden Nerven wurden gleiche Teile untersucht. Aus den Schluss- 
folgerungen seien folgende Punkte hervorgehoben. Nach Injektion ins Peri- 
neurium zeigt eine grosse Zahl der Nervenfasern fettige Entartung; die Er- 
gebnisse sind bei jeder der genannten Lösungen annähernd dieselben. Nach 
Injektion in das umgebende Bindegewebe bleibt die Nervendegeneration aus. 
Man darf folglich nicht in den Nervenstamm selbst injizieren. 

Die 1 ^/o Lösung von Eukain in Aqua destillata hat den Vorzug, weil die 
Anästhesie rascher eintritt. 

Unter dieser regionären Anästhesie wurden nicht nur Herniotomien fast 
schmerzlos ausgeführt, sondern auch Amputationen (Vorderarm, Finger) ohne 
zurückbleibende Störungen in der Sensibilität und Motilität. 

Goedhuis (Deventer). 

Courtade (21), der in einem Artikel über das Anästhesin in der 
cbinirgisch-laryngologischen Praxis zunächst über die geringe Löslichkeit des 
Mittels in verschiedenen Flüssigkeiten klagt, hat sich desselben mit gutem 
Erfolg in Pulverform bedient teils bei schmerzhaften Affektionen im Rachen 



30 Jsbresbericht für Chirurgie. I. Teil. 

und Larynx, teils nm lokale Anästhesie znr Ausführung von Operationen 
herbeizu^bren. Es wurde das Pulver entweder eingeblasen oder y ermittel st 
eines Wattebausches aufgetragen. Die Unempfindlichkeit hielt stundenlang 
an. Irgend ein Nachteil wurde bei dieser Art der Anwendung des Anästhe- 
sins nicht beobachtet. 

Becker (3) berichtet über Versuche, die an der chirurgischen Abteilung 
des städtischen Krankenhauses zu Frankfurt a. M. mit dem Subkutin Rit- 
serts (paraphenolsulfosaurer Paraamidobenzoesäureäthylester) , das sich in 
kaltem Wasser zu l**/o, bei Körpertemperatur zu 2,5 ®/o löst, angestellt wurden. 
Es zeigte sich, dass die selbst in grösseren Dosen bei Tieren ungiftige Sub- 
stanz in ^/2--l^/o Lösung die Konjunktiva des Kaninchenauges völlig anästhe- 
tisch machte. Konnte bei Verwendung 1 ®/o Lösung eine wenn auch flüchtige, 
geringe Trübung der Kornea konstatiert werden, so fehlte solche ganz bei 
Verwendung von 0,5 — 0,8% Lösungen. Für die Verwendung in der ärztlichen 
Praxis diente eine isotonische Lösung folgender Zusammensetzung: Subcutin 
1,0 — 0,8, Natr. chlorat. 0,7, Aq. dest. 100,0. Diese Lösung bewährte sich 
bestens als Ersatz von Kokainlösung zur Anästhesie nach Schleich wie zur 
regionären Anästhesie nach Oberst. Das Subkutin hat zudem antiseptische 
Eigenschaften. Becker möchte es seiner Ungiftigkeit wegen besonders für 
die Blasenchirurgie empfehlen an Stelle des hier so gefährlichen Kokains. 

Dunbars (26) Mitteilung betrifft die Dosierung des von ihm in die 
Praxis eingeführten Anästhesins (siehe vorigen Jahrgang pag. 76). Er emp- 
fiehlt neuerdings besonders für die oberflächlichen Gewebsschichten eine 0,2 ^/o 
Kochsalzlösung, der 0,05 ^/o Anaesthesin, hjdrochlor. zugesetzt ist. Für tiefere 
Gewebslagen hat Dunbar die ursprüngliche Dosierung (Anaesthesin, hydro- 
chloricum 0,25, NaCl 0,15, Aq. dest. 100,0), jedoch ohne Morphinzusatz bei- 
behalten. 

Daconto (23) benutzte zur Infiltrationsanästhesie nach Schleich mit 
gutem Erfolg eine l^/o Lösung von Akoin mit Zusatz von 0,8**/o Chlornatrium. 
Die zur Aufbewahrung der Lösung zu verwendende, dunkelblaue Glasflasche 
muss zunächst mit Salpetersäure gründlich gereinigt und mit destilliertem 
Wasser nachgespült werden, weil die geringsten Mengen alkalischer — selbst 
der sich aus dem Glase lösenden — Substanzen mit Akoin opaleszierende 
Niederschläge bilden. Seine Erfahrungen fasst Daconto in folgenden Sätzen 
zusammen : 

1. Akoin ist ein Lokalanästhetikum von sehr hohem Wert und äusserst 
geringer toxischer Wirkung. Bis 20 ccm P/o Lösung wurden ohne jeden 
Schaden ertragen. 

2. Die Wirkung ist prompt und stets positiv. 

3. Die Wirkung ist andauernder und länger bemerkbar in der Tiefe der 
Gewebe als auf der Oberfläche. 

4. Ein starkes Durchsickern des Blutes aus der Wunde schwächt die 
zuerst erzielte Anästhesie stark ab. 

5. In solchen Fällen zeigen sich Kompressen mit Akoinlösung ausser- 
ordentUch nützlich. 

6. Man hat keine Nekrose an der Einstichstelle zu fürchten, wenn die 
Lösung nicht stärker ist als 1 — 2 ^/o. 

7. Ebenso sind, wenn die Lösung steril (kalt) bereitet ist, keine sep- 
tischen Herde zu befürchten. 



RitBchl, Narkose, Narkotika, Anaesthetika. 31 

8. Der Gebrauch von Akoin stört in keiner Weise den Vernarbungs- 



Sorgfältig aufbewahrte Akoinlösung hält sich länger als drei Monate. 

Für operative Eingriffe am Auge und in seiner Umgebung empfiehlt 
Kran SS (52) eine Kombination von Akoin und Kokain in folgender Zusammen- 
setzung : 

Akoin 0,025, 
Kokain 0,05, 
Sol. Natr. chlor. 0,75 «/o ad 5,0. 

Zur Blutstillung werden dieser Lösung pro Pravazspritze eventuell noch 
2— 3 Tropfen einer l^/co Adrenalinlösung zugesetzt. Die Lösung zersetzt sich 
leicht und muss daher alle 3 — 4 Tage frisch bereitet werden. Krauss be- 
spricht noch die Technik der Injektionen bei verschiedenen augenäxztlichen 
Eingriffen, und zwar der Enucleatio bulbi, den Schieloperationen, den Lid- 
operationen, Operationen am Thränenapparat. 

Magnani (76) hat die anästhesierende Wirkung des Yohimbins sowohl 
an der Conjunctiva wie an Quaddehi, die er an sich selbst durch intrakutane 
Injektion von l®/o Lösung erzeugte, geprüft. Die Wirkung Hess nichts zu 
wünschen übrig, ja sie hielt bei der Injektion sogar auffallend lange — 
l'/4 Stunden — an. In den zur Verwendung kommenden Dosen erwies sich 
die Substanz als völlig ungiftig. 

Loewy und Müller (70) studierten die Einwirkung des aus der Yohimbehe- 
rinde gewonnenen Alkaloids Yohimbin (Spiegel) auf die peripheren Nerven 
an Tieren, nachdem Magnani (Turin) festgestellt hatte, dass ^/s — 1 ^/o Lösungen 
dieser Stubstanz imstande sind, eine Anästhesie der Konjunktiva und Kornea 
hervorznrufen. Das Ergebnis ihrer Untersuchungen am freigelegten Ischiadicus 
und Vagus von Tieren war, dass Yohimbin die Erregbarkeit wie das Leitungs- 
vermögen motorischer und sensibler Nerven bei direkter Applikation herab- 
zusetzen bezw. ganz aufzuheben, ferner, auf die Schleimhäute appliziert, lokale 
Anästhesie zu erzeugen vermag. 

XII. Bfickenmarks-AnSsthesie. 

Neugebauer (81) tritt auf Grund seiner an 170 Fällen gewonnenen 
Erfahrungen für die praktische Anwendbarkeit der Medullaranästhesie ein, 
wenn man statt des Kokains oder Eukains das weniger giftige Tropakokain 
verwende. Seine Erfolge haben sich wesentlich gebessert, seit Neugebauer 
folgende Massnahmen streng befolgt: 1. Rücksichtsloses Auskochen der Tropa- 
kokainlösung in sterilisierter Eprouvette, 2. äusserste Sauberkeit, insbesondere 
Verwendung trockenen, sterilen Instrumentariums, um zu vermeiden, dass 
Soda- oder antiseptische Lösungen in den Medullarkanal gebracht werden. 
3. Beschränkung der Analgesie auf untere Extremitäten, Becken- und Unter- 
bauchgegend. Die Dosis kann demgemäss auf 0,04 — 0,06 herabgesetzt 
werden, wodurch die Folgeerscheinungen auf ein Minimum sinken. Solche 
waren in 33 von 100 Fällen überhaupt nicht vorhanden. Am häufigsten 
litten die Kranken an Kopfschmerz (48 Fälle), welcher sich gewöhnlich auf 
den Nachmittag des Operationstages beschränkte. Nur in 12 Fällen kam es 
zu TemperatursteigeruDgen infolge der Injektion, die 39° jedoch nicht über- 
stiegen. Erbrechen erfolgte nur in drei Fällen. Ein Todesfall bei einem 
delirierenden Säufer, dem wegen schwerer Sepsis die Oberschenkelamputation 



32 Jahresbericht fflr Chirurgie. I. Teil. 

gemacht werden musste (komplizierte Unterschenkelfraktur), sechs Stunden 
nach der Operation, konnte ebensowenig der Tropakokainwirkung zugeschoben 
werden, wie ein schwerer Kollaps bei einer ausserordentlich heruntergekom- 
menen Kranken, die in der Ghloroformnarkose höchstwahrscheinlich zugrunde 
gegangen wäre. Bezüglich der Ausbreitungsweise der Analgesie konnte Neuge- 
bauer feststellen, dass die Rückenmarkssegmente bezw. deren Wurzeln in 
dem Masse, als sie der Injektionsstelle näher liegen, das Gift mehr auf sich 
einwirken lassen. Da in erster Linie die vom IV. Sakralsegmente yersorgten 
Körperteile am Damm und den äusseren Genitalien der Wirkung des inji- 
zierten Anästhetikums ausgesetzt sind, so kommt man bei Operationen an 
diesen Stellen mit einer geringeren Dosis (0,03 — 0,04) aus, als z. B. bei 
Operationen an der vom I. und 11. Lumbaisegment versorgten Inguinalgegend 
oder dem Hypogastrium. Neugebauer hält die Rückenmarksanästhesie mit 
den von ihm empfohlenen Kautelen für ein Verfahren, welches zumal bei 
Operationen an den unteren Extremitäten mit anderen Methoden der Anästhesie 
wohl in Konkurrenz treten könne, vor der Allgemeinanästhesie unter Um- 
ständen sogar nicht zu unterschätzende Vorteile biete. 

Preindlsberger (87) hat die Rückenmarksanästhesie mit Tropakokain 
nach den Neugebau ersehen Vorschriften in 45 Fällen mit befriedigendem 
Erfolge versucht. Zweimal missglückte die Anästhesie. In den übrigbleiben- 
den 43 Fällen kamen 36 mal keine üblen Folgeerscheinungen vor. Sonst 
waren die Folgen gering bis auf einen Fall, in dem die Neugebau ersehe 
Maximaldosis (0,06) um 2 cg überschritten wurde und zwei weiteren Fällen, 
in denen es sich um eine sehr heruntergekommene Kranke handelte. Hier 
wurden einmal leichte Kollapserscheinungen am Operationstage beobachtet, 
bei Wiederholung der Anästhesie einige Wochen später kam es zu häufigem 
Erbrechen. Preindlsberger hat einen sehr günstigen Eindruck von der 
Methode erhalten und erkennt ihr insbesondere für den auf sich allein 
angewiesenen Landarzt bei dringenden Eingriffen nach schweren Verletzungen 
eine besondere Bedeutung zu. 

Henricsson (47) berichtet über fünf Operationen, bei denen eine 
medulläre Tropakokain -Analgesie angewendet wurde. Die injizierte Menge 
des Tropakokains betrug 4—5 cg; die Analgesie dauerte in einem Fall 
etwa 40 Minuten, in den übrigen IV4 bis 1 ^'2 Stunden. Im allgemeinen 
fehlten üble Nachwirkungen. Nach der Injektion wurde die erhobene Becken- 
lage nicht angewendet. Hj. von Bonsdorff (Helsingfors). 

Dönitz (25) berichtet über Tierversuche, die er unter Biers Leitung 
mit der Kokainisierung des Rückenmarkes unter gleichzeitiger Verwendung 
von Adrenalin anstellte. Es zeigte sich, dass das Adrenalin berufen zu sein 
scheint, die bisher für die praktische Verwendung noch nicht reife lumbale 
Anästhesie dem Ziele der Ungefäbrlichkeit ein gutes Stück näher zu bringen. 
Wie die an Katzen angestellten Versuche ergaben, wird entsprechend den 
Untersuchungsergebnissen Brauns durch Adrenalinzusatz, die Giftigkeit des 
Kokains herabgesetzt, seine Wirkung aber gesteigert, zumal wenn das Kokain 
erst dann zur Anwendung gelangt, wenn das Adrenalin bereits seine volle 
Wirkung entfaltet hat. Demgemäss wurde die Giftigkeit des Kokains bei 
gleichzeitigem Adrenalingebrauch auf V»? bei vorherigem auf Vs herabgedrückt. 
Die durch das Adrenalin erzeugte Anämie erwies sich für das Zentralnerven- 
system als nicht schädlich, obwohl die Katzen 1 ccm einer Voo Adrenalinlösung 
subdural erhielten. Dass die von Braun angegebene Maximaldosis von 



Ritsch]» Allgemeine Operstionslehre. 33 

0^ ccm der l^/oo Adrenalinlösimg ohne Lebensgefahr beträchtlich über- 
schritten werden darf, zeigte ein Versuch von Dönitz an sich selbst. Er 
injizierte sich die 3 fache Quantität unter die Haut des Vorderarmes und 
hatte nur unter leichten Erscheinungen für ^/z — ^U Stunde zu leiden (harter, 
beschleunigter Puls, Blässe des Gesichtes, Zittern der Extremitäten). 

Versuche am Menschen hatten verheissungsvoUen Erfolg. Es wurde mit 
0,0075—0,015 Kokain gute Anästhesie erzeugt, wenn 0,5 ccm einer l^/o.» 
Adrenalinlösxmg mit gleichen Teilen Wassers gemischt zuvor eingespritzt 
waren. Unangenehme Nebenerscheinungen fehlten meist gänzlich oder waren 
Ton geringer Bedeutung. 

Bogdanovici (7) erwähnt einen Sterbefall nach Injektion einer ge- 
wöhnlichen Dosis Kokain in den Rückenmarkskanal, um eine Bauchoperation 
auszuführen. Tod am zweiten Tage. Bei der Autopsie Blutcoagula zwischen 
Pia mater und Arachnoidea des Rückenmarkes. Bogdanovici meint, dass 
man beim Versuch eine Vene angestochen habe und so eine Hämorrhagie und 
Kompression der MeduUa verursacht wurde. 

Stoianoff (Plevna). 



IL 

Allgemeine Operationslehre. 



Referent: A. Ritschl, Freiburg. 



Die mit * versehenen Arbeiten sind nicht referiert worden. 

1. Bovis, Ictöres b^nina post-op^rsioires. La semaine mödioale 1903. Nr. 36. 

2. ^Canac-Marqnis, A few practical points in the technic of heroiotomy and neph- 
Torrhaphy. The joorn. of the Amer. Med. Abb. 1903. April 4. 

3. Gasati, T., Snl trattamento dei monooni nelle amputazioni. Atti dell' Accademia di 
8c. med. e natorali di Napoli 1903. Fase. 1. 

4. ^Fischer, The ganze-bearing tape and the gravity päd in pelvic and abdominal sur- 
gery; improvements in teohniqae. AnnalB of sorgery 1903. December. 

b. GroBBkopf, Ein unangenehmes Vorkommnis bei einer Operation mittelst Elektro- 
motor. Mtbichener med. Wochenschrift 1903. Nr. 41. 

6. Milton, A form of removeable deep sutnre. The Lancet 1903. June 6. 

7. Petersen, Postoperative pulmonary complioations. The Journal of the Amer. med. 
ass. 1903, April 11. 

3. Tereschenkow, Zur Frage Aber die Bedeutung des Organismus des Kranken beim 

Znstandekommen operativer und postoperativer Komplikationen. Russisches Archiv für 

Chirurgie 1903. Heft 3. 
9. *Thomp8onStratton, The gradual surgical occlusion of large arteries: its relativ 

advantages together with an experimental inquiry as to its feasibility. Annais of 

surgery 1903. August. 
10. Weyert, Über Narkosenl&hmungen. Diss. Berlin 1903. 

Tereschenkow (8) teilt zwei Fälle von chronischer Appendicitis mit, 
bei denen, nach einer unter Lokalanästhesie ausgeführten Operation, Ikterus 

JahrMbexieht fttr Chirurgie 1903. 3 



34 Jahresbericht für Cbimrgie. I. Teil. 

auftrat. Bei beiden Patienten waren die der Operation vorangegangenen 
Anfälle mit Iktems verlaufen. Tereschenkow meint, es handele sich in 
den beiden Fällen um toxischen Ikterus (Dieulafoy). — Unter 1447 Chloro- 
formnarkosen der Bobrowschen Klinik wurde nur 10 mal ein sogenannter 
postoperativer Ikterus beobachtet. In drei Fällen konnte das Chloroform 
als ursächliches Moment ausgeschlossen werden. In sieben Fällen konnte 
man dem Chloroform die Schuld beimessen, jedoch handelte es sich in diesen 
Fällen stets um Leute, deren Leber nicht normal war. Eine genaue Berück- 
sichtigung des Zustandes der Leber, des Darmtraktus u. s. w. vor der Ope- 
ration ermöglicht das Zustandekommen eines postoperativen Ikterus auf ein 
Minimum zu verringern. Hohlbeck (St. Petersburg). 

Bovis (1) beobachtete 2 mal im Anschluss an operative Eingriffe — im 
ersten Fall handelte es sich um eine Bruchoperation von etwa ^/2 Stunde 
Dauer, im zweiten um einen geburtshilflichen Eingriff von kurzer Dauer — 
einen gutartigen Ikterus. An der Hand der Literatur bespricht Bovis die 
Ätiologie dieser Erscheinung. Seiner Meinung nach kommt für die Erklärung 
der von ihm beobachteten Fälle in erster Linie in Betracht eine auf reflek- 
torischem Wege durch Reizung des Peritoneums entstandene, spastische 
Betention von Galle. 

Petersen (7) glaubt, dass die typische kroupöse Pneumonie keine so 
seltene Erscheinung nach Operationen ist, wie es Prescott auf Grund der 
Berichte der Bostoner Hospitäler behauptet hat. Er hat in der eigenen 
Praxis (Gynäkologie) vier Fälle in zwei Jahren gehabt. Die Ursache sind 
meist schon vor der Operation bestehende Katarrhe. Pleuritische Erscheinungen 
sind bei Operationen wegen septischer Prozesse in den Bauchorganen ziemlich 
häufig und werden oft übersehen. Maas (New- York). 

Weyerts (10) Dissertation über Narkosenlähmungen enthält eine Zn- 
sammenstellung der dieses Thema betreffenden Publikationen. Er bespricht 
zunächst die peripheren, sodann die zentralen Lähmungen, endlich funktionelle 
(hysterische) Lähmungen, die sich nach Operationen zeigten. 

Casati (3) bedient sich der Bunge sehen Methode, die er nur inso- 
fern modifiziert hat, als er den Knochen 2 mm unterhalb der Stelle der 
Periostlostrennung durchsägt, damit keine Periostfetzen zurückbleiben, die 
Anlass zu schmerzhaften Vegetationen geben könnten. R. Giani. 

Mi 1 ton (6) empfiehlt zur Anlegung einer versenkten, entfernbaren, fort- 
laufenden Naht folgendes Verfahren: Soll z. B. das Peritoneum einer Laparo- 
tomiewunde genäht werden, so wird eine Nadel mit nahe der Spitze gelegenem 
Öhr mit einem langen, gedoppelten Faden (Silk) versehen. Die Nadel wird 
durch die Wundränder des Peritoneums hindurchgestossen, worauf mit der 
Spitze der Nadel eine Schlinge des Fadens zum Vorschein kommt. Durch 
diese Schlinge wird vom Assistenten ein starker, nicht knickbarer Faden von 
Silkworm-gut hindurchgezogen. Die zurückgezogene Nadel wird nun an der 
nächsten Nahtstelle von neuem eingestochen, die Schlinge wiederum vom 
Assistenten durch den parallel zur Wunde verlaufenden Silkworm-gut-Faden 
festgehalten u. s. w. Nachdem die Wunde geschlossen, überzeugt man sich, 
ob der Silkworm-gut-Faden sich in den Schlingen des Nahtfadens frei bewegen 
lässt und leitet die Enden der Fäden an den Wundwinkeln nach der Ober- 
fläche, woselbst sie gekürzt und befestigt werden. Beim Entfernen der Naht 
zieht man zunächst den Silkworm-gut-Faden heraus, worauf die eigentliche 
Naht, die jetzt ihren Halt verloren, gleichfalls leicht entfernt werden kann. 



Brunn er, Wondheilnng, Störungen der Wnndheilang etc. 35 

Grosskopf (6) erhielt, als er mit einem durch Elektromotor getriebenen 
Bohrer die Kieferhöhle anbohren wollte und das Instrument bereits dem Munde 
genähert hatte, durch einen Fehler in der Isolierung des Apparates einen 
heftigen elektrischen Schlag, so dass der den Bohrer haltende Arm heftig zur 
Seite geschleudert wurde. Um Unglück bei Operationen mit Hilfe eines 
Elektromotors zu verhüten, rät Gross köpf nach dieser Erfahrung, dass einmal 
der Elektromotor regelmässig einer Isolationsprüfung unterworfen werde, ferner 
dass der Arzt einen isolierten Standpunkt auf einer trockenen Linoleumunter- 
lage oder einer Gummimatte einnehme. 



m. 



Wundheilung, Störungen der Wundheilung, Wund- 
Infektionserreger (Entzündung, Eiterung, Erysipel, 
pyogene Allgemeinerkrankungen, Toxämie, Sephth- 
ämieXWundbehandlung, Aseptik, Antiseptik, Antiseptika. 



Referent: Konrad Brunner, Münsterlingen. 



Die mit * versehenen Arbeiten sind nicht referiert worden. 
1. Wundheilung, Störungen der Wundheilung. 

a) Allgemeines. Experimentalantersuchungen, Bakteriologisches 
über Wundinfektion- und Eitererreger. 

1. Capaldi, A., SoI passagio attraverso 11 tessuto di granolazione di sostanze baoteriche 
appartenenti al gruppo delle immunizzanti. Memoire chirargische pubbl. in onore di 
T. Bottini. Palermo 1908. 

2. deGraag,La moelle ossense et ses Clements dans Tinfection stapbylococcique chroni- 
qne. Presse mödicale. 8 Aoüt. 

3. ^Libman, Notes on systemic infectioas by the staphylococcas aureus. Medical News 
1903. AprU 18. 

4. Meyer, Ober die pyogene Wirkung des Pneumococcus. Mitteilungen aus den Grenz- 
gebieten. Bd. 11. Heft 1. 

5k B. Simon, Untersuchungen ttber die Gifte der Streptokokken. Zentralblatt f. Bakterio- 
logie. XXXV. Bd. Heft 1. 

6. Taddei, B., Le iibre elastiche nel tessuto di cicatrice. Conununicazione all' Acca- 
demia delle scienze mediche e natnrali in Ferrara. Ferrara 1908. 

7. G. Zamfirescu, Mehrere seltene Lokalisationen des Pneumococcus. Spitalul 1903. 
Nr. 3. p. 103. (Rumänisch.) 

Nachdem Taddei (6) die Anschauungen der verschiedenen Autoren 
über den Gegenstand dargelegt hat, berichtet er über die Untersuchungen, 
die er an einer grossen Anzahl von sowohl per primam als per secundam 



36 Jahreabericht für Chirurgie. I. Teil. 

intentionem aufgetretenen, verschiedenalterigen Narben ausgeführt hat. Die- 
selben hatte er teils aus der Klinik, teils von Experimenten an Kaninchen 
erlangt. Zur Kontrolle studierte er die Genese der elastischen Fasern an 
der Aorta von sieben in verschiedenen Fötalperioden stehenden Schafembryonen. 

Verf. erforschte: 1. den Sitz und den Zeitpunkt des Auftretens der 
ersten Regenerationsfibrillen, 2. die Merkmale und den Entstehungsmechanismus 
der ersten Regenerationsfibrillen, 3. den Entwickelungsmechanismus der neu- 
gebildeten elastischen Fasern und das Schicksal der elastogenen Zellen, 4. die 
Zahl, die Merkmale und die Anordnung der regenerierten elastischen Fasern 
in den ältesten Narben, 5. die Veränderungen der ausgewachsenen elastischen 
Fasern in der dem traumatischen Herde benachbarten Haut. 

Verf. gelangte zur Anschauung, dass sich betreffs des Auftretens und 
der Entwickelung der regenerierten elastischen Fasern keine allgemeinen 
Schlüsse ziehen lassen. Er fand folgendes: 

1. Die Regeneration der elastischen Fasern beginnt ungefähr ein Monat 
nach erfolgtem Trauma. 2. Die elastischen Fibrillen treten gewöhnlich an 
den oberflächlichen Teilen und an der Peripherie des Narbengewebes auf. 
3. Die jüngsten elastischen Fibrillen, sowohl die Regenerations- als die 
embryonalen Neubildungsfibrillen, erscheinen als ganz dünne, an den Enden 
zugespitzte, nicht verzweigte, homogene Fäserchen, die nicht länger sind als 
die ausgewachsenen Bindegewebselemente. 4. Die elastischen Fibrillen sind 
ein Produkt der ausgewachsenen Bindegewebszellen und auch der Endothel- 
zellen. 5. Die elastischen Fibrillen besitzen die aktive Eigenschaft, in Länge 
und Dicke zu w^achsen, nur in beschränktem Masse. 6. Die Evolution des 
elastischen Tramas in Hautnarben geht langsam von statten und ist grossen 
Variationen unterworfen. 7. Die der Elastogenese günstigen Verhältnisse 
lassen sich schwer feststellen. 8. Die Anordnung der elastischen Fasern in 
Narben reproduziert nicht vollständig das Bild ihrer Anordnung im Derma. 
9. Alte elastische Fasern können im Narbengewebe eingeschlossen werden 
und hier lange w^eiterbestehen, um dann zusammenzuschrumpfen, sich zu ver- 
schmelzen und zu zerstückeln. 

Bei den in Narben eingeschlossenen ausgewachsenen elastischen Fasern 
hat Verf. nie die Umbildung des Elastins in Elacin beobachtet. R. Giani. 

Vom Durchtritt der zur Gruppe der immunisierenden Sub- 
stanzen gehörenden bakteriellen Stoffe durch das Granula- 
tionsgewebe handelnd, bemerkt Capaldi (1), dass durch die Granu- 
lationen hindurch der Bacillus pyocyaneus nicht bis zur Blutbahn sich Bahn 
breche, denn im Blute der Tiere, an denen dieses Experiment vorgenommen 
wurde, konnte er nie angetroflen werden. Dagegen erlangte bei Verbleiben 
des Bacillus pyocyaneus auf granulierenden Flächen das Blut resp. das Blut- 
serum der Tiere das Vermögen, den Bacillus pyocyaneus in einer Verdünnung 
von 1:50, 1:400 zu agglutinieren, während vor dem Hinaufbringen des 
Bacillus auf die Granulationen das Blutserum der Tiere ihn nicht zu agglu- 
tinieren vermochte. — Das Agglutinisierungsvermögen des Saftes der Granula- 
tionen, sagt Verf., darf nicht von dem im Blutserum konstatierten getrennt 
werden, denn ohne Zweifel steht es mit diesem in Zusammenhang, aber der 
Umstand, dass es direkt konstatiert wurde, tut dar, dass sich an der Gra- 
nulationsfläche alle Modifikationen, die das Blut erfährt, wenn auch in 
weniger hervortretendem Masse, wiederspiegeln. Und Jürgeliinas be- 



Branner, Wundheilnng, Stdrangen der Wundheil ang etc. 37 

obachtete, dass das bakterienschädigende Vermögen der Granulationen bei 
immunisierten Tieren sich deutlicher offenbart. Doch gehe, meint Capaldi, 
aas seinen Experimenten hervor, dass sowohl die allgemeinen Modifikationen 
des Blutes als die lokalen der Granulationen mit dem Verbleiben der Bak- 
terien auf den Granulationen in Beziehung stehen; also finde infolge Durch- 
tritts von immunisierenden Substanzen eine Art Vaccination statt. Und so 
liesse sich vielleicht auch die Erklärung dafür finden, warum eine bestimmte 
Bakterienart von der Granulationsfläche verschwindet, ohne dass die äusseren 
Verhältnisse dieser letzteren irgendwie verändert sind. R. Giani. 

Graag (21) hat Versuche angestellt über das Verhalten des Knochen- 
marks bei Infektion mit Staphylokokken. Er injizierte Kaninchen 
Bazillenkultnren von Staphylococcus aureus und konstatierte oft ausgesprochene 
Hyperämie des Knochenmarkes und veränderte Konsistenz. Mikroskopisch 
hess sich Verschwinden der Fettbläschen konstatieren ; gleichzeitig Vermehrung 
der „pseudo-eosinophilen Zellen", besonders der Myelocyten; ebenso fanden 
sich die polynukleären Leukocyten in bedeutender Zahl. Diese Reaktion 
wird als eine „providentielle'' aufgefasst, als Abwehr gegen die Kokken- 
invasion. 

Simon (5) referiert in seiner Arbeit über die Gifte der Strepto- 
kokken zuerst die Literatur und berichtet dann über eigene Unter- 
suchungen, deren Resultat folgendes ist: 

1. In den Leibern der Streptokokken sind intrazelluläre Gifte nach- 
weisbar, deren Wirkung jedoch relativ schwach und unbeständig ist, so dass 
die Krankheitserscheinungen und der rapide tödliche Verlauf der akuten 
Streptokokkeninfektion unmöglich auf diese Gifte zurückgeführt werden können. 

2. Die Giftigkeit der Streptokokkenleiber ist nicht immer proportional 
der Virulenz des Streptokokkenstammes. 

3. Die Streptokokken scheiden Toxine aus, deren Giftwirkung bedeutend 
starker ist als die der intrazellulären Gifte. 

4. Die Toxinausscheidung der Streptokokken ist unabhängig von dem 
Gehalt der Kokkenleiber an intrazellulären Giften. 

5. Die Streptokokken sind keine permanenten Toxinbildner wie die Er- 
reger der Diphterie und des Tetanus, sondern sie bedürfen eines bestimmten 
äusseren Reizes, nämlich der Einwirkung der bakteriziden Säfte des Tier- 
körpers, damit die Toxinproduktion bei ihnen ausgelöst wird. Die Be- 
dingungen für die Toxinausscheidung der Streptokokken sind dort gegeben, 
wo die Vermehrung dieses Mikroben durch die antibakteriellen Substanzen 
des Tierkörpers bis zu einem gewissen Grade beeinträchtigt wird. 

6. Das Toxin und das Hämolysin der Streptokokken sind zwei ver- 
schiedene Körper, die offenbar nicht unter den gleichen Bedingungen ent- 
stehen. Vielmehr ist es sehr wahrscheinlich, dass die Streptokokken nur 
dami Hämolysin bilden, wenn sie kein Toxin mehr ausscheiden, d. h. wenn 
sie die wacbstumhemmenden Widerstände des Tierkörpers überwunden haben. 

In seiner Arbeit über die „pyogene Wirkung des Pneumo- 
coccus" beschreibt E. Meyer (4) zunächst zwei Fälle von Pneumokokken- 
Stmmitis aus der Madelungschen Klinik, dann einen Fall von Drüsen- 
eiterung durch Pneumokokken. Fälle von Parulis, Knocheneiterung, Arthritis, 
sekundäre und primäre Pneumokokken-Peritonitis und endlich von Pneumo- 



38 Jahresbericht für Ghii'orgie. I. Teil. 

kokken-Sepsis. Den eigenen Beobachtungen steht ein ausführliches Literatur- 
verzeichnis zur Seite. 

Zamfirescu (7) beschreibt folgende Fälle von Lokalisation des 
Pneumococcus: 

1. Phlebitis pneumonica bei einem 57 jährigen Arbeiter mit linker 
Pneumonie. Zwei Tage nach der Deferveszenz Schmerzen und Ödem des 
linken Ober- und Unterschenkels, die Venen stark dilatiert, Hydrops des 
Kniegelenkes, Arthritis pneumonica. Im Sputum und Blute inkapsulierte 
Diplokokken. Genesung nach 25 Tagen ohne Temperatursteigerungen. 
2. Arthritis und Myositis pneumonica bei einem 29jährigen Orgel- 
spieler, der seit 10 Tagen an Pneumonie der linken Lungenspitze litt. Nach 
zwei Tagen Pericarditis, im Sputum Diplokokken. Nach sechs Tagen durch 
Paracentesis des Perikardiums entleerte man ca. 500 g seröse Flüssig- 
keit. Nach zwei Tagen Abszess der Axilla mit eitriger grüner Flüssigkeit, 
in den beiden Flüssigkeiten Diplokokken. Tod nach sechs Tagen. Die 
Autopsie zeigte Pericarditis, Myositis des Serratus magnus, Gonitis duplex, 
typische Diplokokken. 3. Myositis pneumonica bei einem 50jährigen 
Manne, der in der Konvaleszenz der Pneumonie in. den beiden Waden eine 
Infiltration zeigte, aus welcher bei der Inzision grüner Eiter heraus kam. 
Im Eiter viele Pneumokokken. Stoi'anoff (Plevna). 



b) Phlegmone, Gangrän, Noma. 

1. Bindi, F., Sa di an caso di gangrena carbolica. Clioica moderna. N. del 4Marzo 1903. 

2. ^Dansaner, Beitrag zur Kenntnis der Gasgangrän. Münchener med. Wochenschrift 
1903. Nr. 36. 

8. Goald, A case of mahgnant oedema. Annais of surgery 1908. October. 

4. *Henn, Beitrag zur Lehre der Gasphlegmone des Menschen. Diss. Strassbarg 1903. 

5. R. Kr opak, Ein Beitrag zur weiteren Differenzierung der Gangrtee fondroyante. 
Archiv für klin. Chirurgie. Bd. 72. Heft 4. 

6. Y. Ranke, Altes und Neues zar pathoL Anatomie des nomatOsen Brandes. MQnchener 
med. Wochenschrift 1903. Nr. 1. 

7. Reale, G., ün caso di noma in adulto. II Policlinico. Sez. pratica 1903. Fase. 45. 

8. R^gnault, Grangrdnes et phlegmons gazeuz sans vibrion septique. Revue de Chir. 
1903. Nr. 7. 

9. *Schmorl, Über Noma. Gesellschaft für Natur- und Heilkunde Dresden. Mfinchener 
Wochenschrift 1903. Nr. 20. 

10. *Schroeder, Über Kai'bolgangrAn und lokalen Earbolismus. Diss. Königsberg 1903. 

11. Tasso, G., Le iniezioni endovenose di sublimato corrosivo nelia cura del flemmone 
diffuse. II Policlinico 1908. Sez. pratica. Fase. 89. 

12. *Tilliss, Ein Fall von Noma nach Typhus. Diss. Leipzig 1903. 

13. Yaleriani, V., Caso di flemmone primitive da diplococco di Fraenkel. Contribato 
alle studio delle localizzazioni extrapolmonari deir infezione pneumonica. ü Policlinico. 
Sez. pratica 1908. Fase. 45. 

Kropak (5) referiert eingangs über die mit der Gangrene fon- 
droyante sich befassende Literatur, berichtet sodann über eine eigene 
Beobachtung : 

Ein 42jähr. Mann erhielt einen Schrotechuss in den Fuss. Furibunde Infektion 
Subkutanes Emphysem bis zum Oberschenkel. Gangrän mit rascher Progredienz. Ampu- 
tation. Tod an Sepsis. 

Umfassende bakteriologische Untersuchung ergab, dass es sich um eine 
einzige Form der anaeroben Bakterien handelte, um den Gasbacillus Fraenkel. 
Verf. schlägt vor, jede durch diesen Gasmikroben bedingte Gasnekrose als 



B rann er, Wundheilnng, Störungen der Wandbeilung etc. 39 

^Necrosis emphysematosa FraenkeP zn bezeichnen und zwar aus folgenden 
Gründen : 

1. Sie unterscheidet sich von allen Gasphlegmonen sowohl durch das 
klinische Bild (Nekrose, Zerfall, mächtige Gasentwickelung, keine Entzündung, 
kein Eiter) als auch durch den pathologisch-histologischen Befund. 

2. Auf experimentellem Wege können wir jederzeit bei Tieren (Meer- 
schweinchen, weisse Maus) mit frischen Kulturen des Fraenkelschen Gas- 
bacillus dasselbe Bild der Gasnekrose wie beim Menschen hervorrufen. 

3. Keine andere der bis jetzt bekannten Mikrobenarten (B. oedem. 
maligni; B. coli, B. proteus) ist imstande dasselbe Bild hervorzurufen, als 
gerade der B. emphysematosus Fraenkel. 

Aus diesen Gründen schlägt Verf. folgende Einteilung der Gasphlegmonen 
und -Nekrosen vor: 

I. Gangrene foudroyante Fraenkel s. Necrosis emphysematosa Fraenkel. 
Sie ist eine Infektionskrankheit, welche durch Infektion einer Wunde durch 
einen spezifischen Mikroorganismus, den B. emphysematosus Fraenkel, ent- 
steht und welche charakterisiert ist durch die primäre Entwicklung von Gas 
mit fortschreitender Nekrose, welche oft in Gangrän übergeht, aber ohne alle 
Entzündungserscheinungen verläuft. 

II. Phlegmone emphysematosa. Hierher gehören die eigentlichen Phleg- 
monen, wo es durch gemischte Infektion (B. coli, B. proteus, Staphylo- 
Streptocoecus) gewöhnlich nach einem Trauma (komplizierte Frakturen) unter 
deutlichen Symptomen einer akuten Entzündung zunächst zur Entwickelung 
von Eiter und später auch von Gas kommt; oft gesellt sich zu diesen Formen 
auch Gangrän. Für die Fälle schlägt er den Titel vor : Gangrene foudroyante 
s. Phlegmone emphysematosa gangraenosa. 

m. Oedema malignum. Dieses muss aus dem Bahmen der gasbildenden 
Aifektionen gänzlich ausgeschaltet und als selbständige AfiTektion, Infektions- 
krankheit, bei welcher Ödem und hämorrhagische Infiltration überwiegen, 
hingestellt werden; die Gasentwickelung tritt nur als ein nebensächliches und 
nicht konstantes Symptom auf ^). 

Regnault (8) berichtet über einen Fall von Gasphlegmone, die 
nach einer Verletzung des Unterschenkels auftrat. Unter Drainage und 
Desinfektion mit SubUmat und Wasserstoffsuperoxyd rasche Besserung. 

Bakteriologisch wurden Diplokokken und Stäbchen bei aerober und 
anaerober Züchtung nachgewiesen. Die Abwesenheit des ;,Vibrion septique*' 
genügt nach Ansicht des Verf., um die Prognose besser zu stellen. Die ge- 
fundene Stäbchenart wird als Bac. perfringens bezeichnet. 

G a 1 d (3). Ein 49jähr. Erdarbeiter verletzt sich an der rechten Ferse. Rasch sich 
ausbreitende Infiltration und ödem. Ampatation. Bakteriologische Untersuchang ergibt 
Bazillen des malignen Ödems. 



1) Eigentflrolioh mntet den Referenten stellenweise die Literatorkenntnis des Verf. an. 
p. 131 schreibt er: „Wenn wir in der Literatur nachsuchen, in welchem Yerh&ltnis die 
Schusayerletzungen zur Wundinfektion überhaupt stehen, so stossen wir in erster Linie auf 
die Experimente von Brunn er und Conrad (I), welche die Infektion von Schnss wunden 
auf künstlichem Wege in der Weise erzielten, dass sie das Tier mit einem infizierten Tuche 
bedeckten u. s. w. — Es ist dem Referenten nicht erklärlich, wie Yerf. zu diesem Märchen 
kommt. Im Literaturyerzeichnis wird richtig mein Aufsatz „Ober die Infektion der Schuss- 
▼unden darch mitgerissene Eleiderfetzen' (Eorrespondenzblatt für Schweizer Ärzte 1896) 
zitiert 



40 Jahresbericht fOr Chirurgie. I. Teil. 

Der von Tasso (11) beschriebene Fall von difiiiser nekrotischer Phlegmone der 
rechten Hand und des Vorderarmes, in welchem sich die Infektion verallgemeinert hatte, 
wurde durch endovenöse Ätzsublimatinjektionen (in ansteigenden Dosen: 1, 4, 12 mg) zur 
Heilung gebracht. R. Giani. 

In dem von Valerani (13) mitgeteilten Falle hatte sich ohne erkenn- 
bare Ursache eine schwere Phlegmone am linken Oberschenkel entwickelt. 
Ans dem Eiter erhielt er den Franke Ischen Diplococcus in Reinkultur. 
6 Tage nach Eröffnung der Phlegmone, als das Fieber schon gesunken war, 
trat eine bilaterale Croupalpnemnonitis auf und Patient, ein 47 jähriger Mann^ 
starb dann unter Meningeal- und Endocarditis-Erscheinungen. 

Solche primäre durch den Diplococcus hervorgerufene Phlegmone seien 
nach Verf. selten und beginnen stets mit sehr hohem Fieber und schweren 
Allgemeinerscheinungen; sie geben einen zähen grünlichen Eiter. Vielleicht 
handle es sich, wie Banti behauptet, um eine primäre hämatogene Infektion. 

R. Giani. 

y. Ranke (6) hat wiederholt Beobachtungen YonNoma publiziert, die 
in früheren Jahrgängen dieses Berichtes referiert worden sind. Im vor- 
liegenden gibt er Abbildungen der bei Noma von ihm beobachteten Kern- 
Veränderungen, berichtet über die in der Literatur weiter niedergelegten 
Beobachtungen und hebt dabei hervor, dass die gegen das gesunde Gewebe 
auswuchernden Fäden, die zuerst von Perthes beschrieben wurden, bei 
Noma eine konstante Erscheinung zu sein scheinen. 

Nach Reale (7) seien bis jetzt nur zwei Fälle von Noma bei Er- 
wachsenen in der Literatur verzeichnet; er teilt einen dritten Fall mit, der 
eine 60jährige mit Darmkatarrh behaftete Frau betrifft. An der Innenseite 
der rechten Wange trat ein Knoten mit einem weissen Punkt im Zentrum 
auf, der sich in wenigen Stunden in ein Geschwür verwandelte ; dieses breitete 
sich rasch aus und wurde gangränös, einen weinroten Hof rund herum auf- 
weisend. Die Ausschneidung des gangränösen Teiles verhinderte nicht das 
Fortschreiten des Leidens; die Wange wurde steinhart und bald verbreitete 
sich die Gangrän auf die Lippe, das Zahnfleisch u. s. w. Diarrhoe, septi- 
kämische Erscheinungen; am 29. Tage starb Patientin. R. Giani. 

Bei einem Individuum, das ein Nagelgeschwür an einem Finger mit 
5^/oiger Karbolsäurelösung behandelt hatte, beobachtete Bindi (1) eine 
Karbolgangrän. Die ersten Symptome traten nach 24 Stunden auf; 
Verf. musste die Exartikulation des Fingers vornehmen. Er meint, dass bei 
manchen Individuen eine besondere Prädisposition zu solchen Gewebe- 
veränderungen bestehe und hält die Körtthumsche Theorie, nach welcher 
die Karbolgangrän durch Neuroparalysis bedingt ist, in Verbindung mit der 
Frankenburg ersehen, die diese Krankheit auf Veränderungen der morpho- 
logischen Blutelemente und des Gefässendothels zurückführt, als ausreichend 
zur Erklärung solcher Fälle. Bei dieser Affektion ist der histologische Be- 
fund: Gefässthrombose , Zerfall des Endothels, hämorrhagische Herde, phlo- 
gistische Reaktionserscheinungen rund herum und vollständige Abwesenheit 
des elastischen Gewebes in dem von der Gangrän befallenen Körperteile. 

R. Giani. 

c) Streptokokkeninfektion. Erysipelas. Antistreptokokkenserum. 

1. Maldarescn^DieErysipelbehandlnng. Spitalul 1903. Nr. 22—28. p. 809. (Rumänisch.) 

2. Meyer, Fritz, Über Antistreptokokkenserum. Zeitschiift für klin. Medizin 1903. 
Bd. 50. Heft 1 u. 2. 



Brniiiier, Wnndheilung, Störangen der Wandheilung etc. 41 

3. HenEer, Das AntisfereptokokkeDserum und seine Anwendung beim Menschen. Mttnch. 
med. Wochenschrift 1903. Nr. 26. 

4. Pollats.chek, Über Zylindnrie nnd Albuminarie beim Erysipel. Zentralblatt ffir innere 
Medizin 1908. Nr. 20. 

5. Sommerfeld, Vergleichende üntersnchongen üb. Antistreptokokkensera, nebsteinigen 
Bemerkungen über die Kultur und Virulenz der Streptokokken. Zentralbl. f. Bakterio- 
logie 1903. Bd. 38. Nr. 9. 

6. Tavel, Experimentelles nnd Klinisches Aber das polyvalente Antistreptokokkenserum. 
Deutsche med. Wochenschrift 190B. Nr. 50. 

Pollatschek (4). Bei 50 Fällen von Erysipelas wurde lOmal nur 
Albuminurie, bei 6 FäUen Albuminurie und Zylindurie gefunden, 3 mal allein 
Zylindurie. 

In der therapeutischen Sektion beschreibt Maldarescu (1) eine eigene Behandlung 
des Erysipels, die er auf dem Moskauer Kongresse veröffentlichte. Sie besteht im Ein- 
reiben mit Kampher solviert im Oleum olivarum sterib'satnm in Proportion 8^/o, dann Bäder^ 
Fyramidon, Diuretika. Stolanoff (Plevna). 

In seiner Arbeit über ^Das Antistreptokokkenserum und sein» 
Anwendung beim Menschen^ gelangt Menz er (3) zu folgenden Schluss- 
Sätzen: 

1. Das Antistreptokokkenserum wirkt, wie im Tierversuch, so auch 
beim Menschen, durch Anregung der Phagocytose ; dem menschlichen Organis- 
mus fällt daher im Kampfe mit den Streptokokken die Hauptleistung zu. 
Kann er diese Kraftleistung nicht mehr erfüllen, so ist die Anwendung des 
Streptokokkenserums nutzlos. 

2. Abgesehen von der Vernichtung der eingedrungenen Krankheits- 
erreger fallt dem Organismus die Aufgabe der späteren Resorption der zu- 
grunde gegangenen Bakterien und Zellen zu. In den Fällen, in welchen es 
zu abgeschlossenen Eiteransammlungen kommt, ist ohne chirurgischen Ein- 
griff das Streptokokkenserum kontraindiziert, da es die Resorption der giftigen 
Eiterstoffe steigert. 

3. Das Streptokokkenserum wird in den Fällen beginnender akuter 
Streptokokkämie in hoher Dosierung die besten Erfolge herbeiführen können, 
besonders aussichtsvoll ist, in der nach dem einzelnen Fall zu bemessenden 
Dosierung, seine Anwendung bei chronischen Streptokokkeninfektionen. 

4. In der Therapie menschlicher Streptokokkeninfektionen sind nur 
' Streptokokkensera, welche mit frisch vom Menschen gezüchteten Streptokokken 

hergestellt sind, wirksam. Bei der Arteinheit aller Streptokokken kann ein 
solches Serum bei allen Streptokokkeninfektionen, falls der Einzelfall es zu- 
läßst, angewendet werden« 

5. Die bisher vorgeschlagene Prüfung des Streptokokkenserums im Tier- 
versuch gibt keinen Anhalt für die Beurteilung der Heilkraft beim Menschen. 
Vorläufig muss in Ermangelung eines besseren Prüfungsmodus die Einwirkung 
auf den Menschen das einzig gültige Mass bleiben. 

Tavel (6). Während die Heilwirkung des Diphtherieserums gar nicht 
mehr in Frage gestellt werden kann, wird das Streptokokkenserum immer 
noch nicht als ein therapeutisch sicher wirksames Mittel betrachtet. Es liegt 
dies nicht in der Unmöglichkeit, die spezifische Antiwirkung erzielen zu 
können, sondern darin, dass einerseits die Streptokokken eine Gruppe von 
sehr verschiedenen und sehr differenzierten Unterarten bilden, und dass 
andererseits die Virulenz einer und derselben Varietät bei den verschiedenen 



42 Jahresbericht für Chirurgie. L Teil. 

Tierspezies und auch bei den verschiedenen Individuen einer Spezies sehr 
. variabel sein kann. 

/ Experimente von Piassetzka bezweckten folgende Verhältnisse bei 

homologen und heterologen Seris aufzuklären: 1. die Agglutination, 2. die 
Bakterizidie in vitro, 3. die Bakterizidie in vivo. Es ergab sich dabei, dass 
die polyvalenten Sera unter allen Umständen den monovalenten vorzuziehen 
waren, es habe deshalb keinen Zweck, verschiedene monovalente Sera her- 
zustellen. 

An einigen klinischen Fällen sucht Verf. dann den Nachweis des Vor- 
teils einer Frühbehandlung gegenüber einer Spätbehandlung und die Wirk- 
samkeit der Serums überhaupt darzutun. Experimentell und klinisch glaubt 
Verf. nachgewiesen zu haben, dass das Streptokokkenserum, wenn es poly- 
valent und ohne Tierpassage dargestellt ist, als ein Spezifikum gegen dlie 
Streptokokkeninfektionen betrachtet werden kann. 

Sommerfeld (5) hat Untersuchungen angestellt über die ;,Wertig- 
keit^ der Antistreptokokkensera Aronson, Tavel, Roux, Moser- 
Paltauf. Als Versuchstiere dienten weisse Mäuse. Das Serum wurde intra- 
abdominal injiziert, ebenso die Streptokokkenkultur. Gegen hochvirulente 
Stämme schützten die Sera von Roux und Tavel ;, überhaupt nicht^. Etwas 
besser ist die Wirkung des Serum Moser-Paltau f. Im Gegensatz zu 
diesen drei Seris schützte dasjenige von Aronson selbst auch in Mengen 
von 0,0002 gegen die 100 fache tödliche minimale Dosis. Serum Roux 
und Serum Tavel besitzen ^gegen die Infektion mit Strepto- 
kokken, seien dieselben wenig- oder hochvirulent, im Tier- 
versuch keine Schutzwirkung^. Das Serum Aronson war auch 
in den Tierversuchen mit wenigvirulenten Streptokokken 
dem Wiener Serum weit überlegen. 

d) Pyogene Allgemeinerkrankungen, Toxämie, Sephthämie. 

1. Arkwright, Acute rhenmatism and sepsis. British medical Journal 1903. May 9. 

2. Heaney, A case of septicaemia. The Lancet 1903. Ang. 8. , 

S. H rasch, Über einen seltenen Fall von Pyämie. Wiener med. Wochenschrift 1903. 
Nr. 28. 

4. Lenhartz, Die septischen Erkrankungen. (Spezielle Pathologie von Nothnagel.) 
Wien 1903. 

5. Müller, Bakteriämie und Sepsis. Grenzgehiete der Medizin 1903. Bd. 12. Heft 4. 

6. Perez, 6., Staiilococcemia a tipo piemico senza metastasi. Gontrihuto clinico alla 
dottrina della setticemia e piemia e allo studio delle emolisine. 11 Policlinico 1903. 
Vol. X— C. Fase. 6 -9. 

7. *Sainsbnry, A case of pyaemia (septicaemie) simulating acute rheumatism. The 
Lancet 1903. Dec. 12. 

8. Julien et Teil i er, Contribution clinique ä l'^tude des septicömies d'origine bucco- 
dentaire. Lyon medical 1903. Nr. 7. 

9. Turner, General septic infection of nasal origin. Edinburgh medical Journal 1908. 
March. 

10. *Wernitz, Ein Vorschlag und Versuch zur Heilung der akuten Sepsis, v. Volk- 
mann sehe Vortr&ge 1903. Nr. 352. 

Das wichtigste im Jahre 1903 produzierte Erzeugnis auf diesem Gebiete 
ist das Werk von Lenhartz (4) ^Die septischen Erkrankungen^. 
Ist dasselbe auch vom inneren Mediziner und vom Standpunkt der inneren 
Medizin aus abgefasst, so greift es doch ebenso tief in die Sphäre des Chirur- 
gen hinein und bedeutet einen grossen Fortschritt auf einem Gebiete, an 



Branner, Wundheilung, Störungen der Wandheilung etc. 43 

dessen Aafklänmg Vertreter ans allen Hauptzweigen der Heilkunde, die Bak- 
teriologen vom Fach und vor allem die chirurgischen Bakteriologen mit- 
geholfen haben. Die Art der Krankheitsvorgänge, sagt Verf., mit deren Dar- 
stellung wir es hier zu tun haben, erklärt ohne weiteres die Tatsache^ dass 
die Vertreter der inneren Medizin erst in neuester Zeit an der Aufklärung 
der septischen Krankheitszustände erfolgreich mitgearbeitet haben. An den 
Chirurgen und Geburtshelfer trat von jeher fast täglich die Notwendigkeit 
heran, die Beziehungen zu ergründen, die zwischen den schweren Erkran- 
kungen und vorausgegangenen Verletzungen oder Geburten bestehen mussten. 
Das Interesse der inneren Ärzte wandte sich den septischen Erkrankungen 
in steigendem Grade erst seit dem Ausgange der siebziger Jahre zu und es 
knüpfen sich ihre Forschungen hauptsächlich an die Namen Wunderlich, 
Leube, Wagner, Jürgensen, Dennig. 

Das Werk zerfällt in 4 Hauptabschnitte: 1. Geschichtlicher und theore- 
tischer Teil. 2. Allgemeine Klinik der septischen Erkrankungen. 3. Ätiolo- 
gische Darstellung der septischen Erkrankungen. 4. Spezielle Klinik verschie- 
dener septischer Erkrankungen. 

Im theoretischen Teil des 1. Abschnittes gibt Verf. zunächst in einem 
der Ätiologie gewidmetisn Kapitel eine Beschreibung der verschiedenen Bak- 
terien, deren Teilnahme an der Erzeugung der septischen Erkrankungen fest- 
gestellt ist. Er bespricht die Bedingungen der bakteritischen Infektion und 
die Abwehrvorgänge im Organismus, unser gegenwärtiges Wissen über Immu- 
nität, über Bakteriengifte und die antitoxischen Kräfte präzisierend. 

Der 2. Hauptabschnitt, der uns in die allgemeine Klinik der septischen 
Erkrankungen einführt, ist von besonderer Wichtigkeit und erregt unser inten- 
sivstes Interesse gerade zu Anfang bei der kritischen Besprechung der bis- 
herigen Darstellung des KrankheitsbegrifiFes und Beantwortung der Frage: 
„Welche Bezeichnung ist zweckmässig?" 

Es wird zu Anfang die Definition der Begriffe Pyämie und Sepht- 
hämie gegeben, wie sie Gussenbauer 1882 in seinem bekannten Werke 
formulierte, dann werden die verschiedenen Auffassungen und Modifikationen 
dieser Definitionen referiert, wie sie in den Spezialarbeiten und Lehrbüchern 
vertreten sind. Indem Verf. auf die seinem Werke kurz vorangegangenen 
Monographien von Kocher und Tavel, sowie von K. Brunner zu sprechen 
kommt, bemerkt er in bezug auf die Vorschläge zur Klassifikation der in Frage 
stehenden Allgemeininfektionen. „Es unterliegt für mich keinem Zweifel, dass 
die Bestrebungen der letztgenannten drei Autoren grosse Beachtung verdienen 
und ich würde gerne bereit sein, auch an dieser Stelle für die Vorschläge ein- 
zutreten, wenn ich die Überzeugung hätte, dass diese auf exakter bakterio- 
logischer Grundlage fussenden Bezeichnungen Allgemeingut der Ärzte werden 
konnten.*^ Aus praktischen Gründen glaubt er sich genötigt, folgende 
Benennungen einzuführen: Er lässt die Worte Septikämie und Pyämie ganz 
fallen und fasst unter Sepsis, diesen Begriff jeder Beziehung zu fauliger Zer- 
setzung entkleidend, alle durch die Eiterkokken und andere gleichwertige 
Bakterien bedingten Allgemeinerkrankungen zusammen. Die Bezeichnung ;,meta- 
stasierende Sepsis^ soll die bisher sogenannte Pyämie ersetzen. Saprämie 
umfasst alle durch Fäulnisbakterien bedingten Erkrankungen in sich^).^ 



1) Auf eine eingehende Kritik dieser Vorschl&ge kann ich mich hier nicht einlassen. 
Ich glaabe nicht, dass die Chirurgen sie adoptieren werden. Lex er nennt in seinem eben 



44 Jahresbericht für Chinirgie. I. TeiL 

Derselbe Hauptabschnitt beschäftigt sich weiter mit den Ergebnissen 
der bakteriologischen Blutuntersuchnngen, den Eintrittspforten der Krankheits- 
erreger, dem Schicksal der Bakterien im Blute, der Ausscheidung durch die 
Sekrete. In letzterer Beziehung heisst es: „Die Annahme einer physio- 
logischen Ausscheidung der Infektionskeime bei septischen Erkrankungen 
ist keineswegs einwandfrei erwiesen ; treten die spezifischen Krankheitserreger 
in den Se- und Exkreten des menschlichen Körpers auf, so darf man im 
Gegenteile annehmen, dass sie aus Krankheitsherden kommen, die durch die 
gehäuftere Ansiedelung der Keime in den verschiedenen Organen erzeugt 
worden sind.^)" 

Eine mächtige Fülle von Einzelbeobachtungen, zum grösseren Teil aus- 
eigener Erfahrung und eigenem Studium zeichnen die beiden letzten Ab- 
schnitte des Werkes aus und verleihen demselben einen Hauptwert. In der 
;,SpezieUen Klinik^ findet sich eine meisterhafte Schilderung, verbunden mit 
genauem umfassenden bakteriologischen Studium, vor allem der ^Septischen 
Endocarditis. Eine grosse Zahl von Kurven und trefflichen Abbildungen 
zeichnen das äusserst wertvolle Buch ferner aus. 

Müller (5) hält sich in seiner Arbeit „Bakteriämie und Sepsis^ 
in der Auffassung dieser Begriffe im ganzen an die Definitionen von Canon. 
In einer grossen Reihe hoch fieberhafter Krankheiten, sagt er, ja bei klinisch 
wohlcharakterisierten „Sepsen^ bleibt mehrfache Untersuchung des Blutes 
auf Bakterien negativ. Es befinden sich entweder keine Bakterien in der 
Blutbahn, es handelt sich also um eine reine Toxämie oder die Bakterien 
sind an Zahl äusserst gering. Es kann sich auch um eine Pyämie bandeln^ 
wo man die Bakterien dann in dem Eiter der Metastasen findet u. s. w. 

Verf. bringt sodann eine Reihe von Fällen zur Besprechung, so einen 
Fall von ^Pneumokokkenbakteriämie^, dann die Krankengeschichte 
einer ;,Septikämie^, verursacht durch einen den Loefflerbazillen nahe- 
stehenden Mikroben. Weiter Fälle von ^puerperaler Streptokokken- 
sepsis^, von ;,Staphylokokkenbakteriämie^. Am Schlüsse werden 
Untersuchungen über Bakterienbefunde bei Scharlach mitgeteilt nebst Er* 
fahrungen über Antistreptokokkenserum. Mit dem Aronsonschen Serum 
wurden ;,in die Augen springende^ Misserfolge erzielt, während das Moser sehe 
Serum viel bessere Resultate ergab. 

Arkwright (1) macht in einer kurzen Mitteilung mit vollem Recht auf- 
merksam auf die engen Beziehungen zwischen dem, was man ^Akuten 
Rheumatismus^ und ^Sepsis" nennt. Eine gewöhnliche follikuläre 

herausgegebenen Lehrbuch der allgemeinen Chirurgie den Vorschlag, der Sepsis die orsprfing- 
liche und eigentliche Bedeutung vollkommen zu nehmen, für , verwerflich ' ; er hat die Be- 
zeichnungen des Referenten „Pyogene Allgemeininfektion mit und ohne Metastasen*' aufge- 
nommen, ersetzt aber den Begriff Sephthämie mit putrider Infektion. Auch T i 1 1 m a n n s 
hat in den neuesten Auflagen seines Lehrbuches meine Bezeichnung akzeptirt Referent» 
1) Was ist physiologische Ausscheidung? Die Literatur ist hier ein- 
seitig berücksichtigt. Dem obigen Resumö widersprechen viele Experimente durchaus» 
Ich verweise auf die vollständige kritische Zusammenstellung der einschlägigen Literatur 
in meinem Aufsatze: „Eine Beobachtung von akuter Staphylokokken- Allgemeininfektion von 
Varizellen — Zur Ausscheidung der Mikrobien durch die Sekrete* (Deutsche Medizinal- 
Zeitung 1896. Nr. 1—3), worin die Gründe Unnas gegen die Ausscheidung durch den 
Schweiss widerlegt werden. Ich zitiere aus dieser Arbeit hier den Satz: «Welch minimale 
Veränderungen des Epithelfilters notwendig sind, bis die Mikrobien durchschlüpfen können, 
wird sich histologisch wohl ebensowenig feststellen lassen, wie der optische Nachweis der 
zur Passage der Gefftsse erforderlichen Alteration*. Referent. 



Branner, Wundheilnng, StOruDgen der Wundbeilaog etc. 45 

Angina kann der Ausgangspunkt von Krankeitserscheinungen sein, die bald 
in den Rahmen des einen, bald in den des anderen Krankheitsbildes passen. 
Vier mitgeteilte Krankengeschichten sollen die besprochene Verwandtschaft 
illustrieren. 

Hrasch (3). Bei einer mit Chrysarobin behandelten Psoriasis entwickelten sich 
schwere pyftmische Erscheinungen, zahlreiche subkutane, submuskuläre und sub- 
periostale Abszesse unter hoher Temperatur und Schüttelfrösten. Im Eiter fanden sich 
Staphylo- und Streptokokken. Genesung. 

Streng üeaney (2). Allgemeininfektion mit Staphylokokken und Diplo- 
kokken, ausgehend von einer Verletzung der grossen Zehe. Vesikulöses und skarlatinöses 
Exanthem, Erythems nodosum. Behandlung mit Antistreptokokkensernm. Genesung. 

Der klinische Beitrag zur Lehre der Septikämie und Pyämie, 
den Perez (6) jetzt veröflFentlicht, wurde vom Verf. schon auf dem in dem 
Jahre 1902 abgehaltenen sizilianischen Ärztekongress bekannt gegeben und 
in diesem Jahresbericht besprochen. Verf. teilt nun den klinischen Fall und 
die bakteriologischen Untersuchungen, zu denen er Anlass gab, ausführ- 
lich mit. 

Es handelte sich um eine Frau, die seit anscheinend 6 Monaten mit Echinococcus 
im rechten LeberflUgel behaftet war. Es wurde die Laparotomie vorgenommen und die 
Bydatideucyste mit einem P aquo linschen Messer gespalten und, nach Enukleation der 
Zjstenmembran, die die Zyste umgebende Bindegewebsschioht an die Eutis geheftet. Die 
Wunde nahm bei der darauffolgenden Behandlung eine graue Färbung an und gleichzeitig 
stieg die Temperatur, die den klassischen Typus des pyftmischen Fiebers annahm. Dieser 
Zustand hielt trotz der Behandlung und der angewendeten energischen antiseptischen Mittel 
länger als IV« Monate an; da wurde unerwarteterweise eine alte, im Zustande vorgeschrit- 
tener Ffiulnis befindliche und an gewissen Stellen verkalkte Echinokokken membran durch 
die Wunde ausgestossen (die Ausstossung erfolgte während einer reichlichen Ausspülung) 
und sofort besserte sich der lokale und Allgemeinzustand der Patientin bedeutend. Patientin 
eiholte sich nun rasch und konnte (3 Monate nach der Operation) fast vollständig geheilt 
das Hospital verlassen. 

Die bakteriologischen Untersuchungen, die Verf. während der ganzen Dauer des 
Infektionszustandes und nachher unermüdlich vornahm, und zwar sowohl am Wundsekret 
als am Blute und auch am Harne, gaben als Befund konstant den Staph. pyog. albus 
in wirklich ausserordentlicher Menge. Gleichzeitig konstatierte er starke Verminderung in 
der 2^hl der roten (460000 pro mm'} und weissen (312 pro mm') Blutkörperchen. Die 
sorgfältig ausgeführte Untersuchung der inneren Organe bezeugte, dass kein metastatischer 
Herd bestand. 

Verf. hat die Diagnose Bacteriaemia staphylococcica oder 
Staphylococcaemia pyaemica gestellt. Er spricht sich über die Ein- 
trittspforte des abgeschwächten Krankheitserregers aus, ohne dieselbe jedoch 
genau angeben zu können (war der Keim in der Zyste vorhanden? wurde die 
Wunde zufällig infiziert ?) und verbreitet sich dann des längeren über die vom 
Infektionsprozess angenommene klinische Form, die ausserordentliche Entwick* 
long der Keime im Blute und die starke Deglobulation. Zum Schlüsse er- 
wähnt er die herrschenden Anschaungen über das klinische und pathologisch- 
anatomische Bild, mit welchem sich die Infektionen und bakterischen Intoxi- 
kationen offenbaren, sowie die verschiedenen für diese vorgeschlagenen Klassi- 
kationen. R. Giani. 

Turner (9). Zwei kurze Krankengeschichten Ober septische Infektion mit 
nasalem Ursprung. Keine bakteriologische Untersuchung. 

Nach Julien et Tellier (Ö) kann man im Qefolge von Läsionen der Mundhöhle 
alle Varietäten von Generalinfeiction der «Septikämiegruppe* beobachten. Die Prognose sei 
immer eine schwere. Sehr selten sind die anAlveolar-Pyorrhoe sich anschliessenden 
Infektionen. Mitteilung von acht Krankengeschichten. 



46 Jahresbericht ffir Chirurgie. I. Teil. 

; 2. Wundbehandlung. 

a) Aseptische Wundbehandlung. Geschichtliches. Bedingungen 
der Aseptik. Allgemeines. 

1. Broea, Les ponaridres des salles d'op^rations. BnlL et m^m. de la soc de Chir. 1903. 
Nr. 13. 

2. Champiooni^re, Die Aniisepns Listers in der Gegenwart und in der ZukonfL 
Allgem. Wiener med. Zeitnng 1908. Nr. 2. 

3. Lacas-Championni^re, Sar les glomes dans Fair dea salles d'op^ration. BnlL et 
m^m. de la soc. de Chir. 1908. Nr. 9. 

4. *Cheyne, Od aseptic and antiseptic snrgery. The Lancet 1908. Febr. 7. 

5. *Clarke, A new form of sterilised swabs for sorgical Operations. Medical Press 1903. 
Aug. 12. 

6. *6riffith, The OTolntion of antiseptic snrgery and its inflnence on the progress and 
advancement of bacteriology and therapentics. British medical Journal 1908. Aug. 1. 
The Lancet 1903. Aug. 1. 

7. Ihrig, Wundbehandlung nach biologischem Prinzipe. v. Brunssche Beitr&ge 1908. 
Bd. 40. Heft 1. 

8. Iwanoff, Ein Apparat zur Gewinnung und Ausnutzung sterilen Wassers. Zentral- 
blatt far Gynäkologie 1903. Nr. 32. 

9. N e u h e r , Erfolge der aseptischen Wundbehandlung, y. Langenbecks Archiv 1903. 
Bd. 71. Heft 3. 

10. *Robb, Aseptic surgical technique, with especial reference to gynaecol. Operations. 
London 1903. Lippiencott. 

11. Tnffier, A propos des glomes de Tair des salles d'op^ration. Bull, et möm. de la 
soc. de Chir. 1903. Nr. 12. 

12. H. Wagner, Die Behandlung granulierender Wunden. Zentralbl. für Chirurgie 1908. 
Nr. 50. 

18. *Walnewens, Das aseptische und das antiseptische Verfahren. Journal m6d. de 
Bmxelles 1903. Oct. 2. 

In seinem historischen Bückblick zeigt Neu her (9) wie die aseptische 
Wundbehandlung in seinen Händen im Anschluss und als Abschluss seiner 
Arbeiten über den antiseptischen Dauerverband ^^mit festem Zielpunkt in 
logischer Entwickelung^ entstanden sei. Nicht im bakteriologischen Labora- 
torium sei derselbe geboren, sondern als Grund sorgsamster Beobachtung und 
allmählich fortschreitender Prüfung im Operations- und Krankenzimmer ^als 
ein Produkt unserer doch im wesentlichen praktischen Wissenschaft.^ Es 
liegt dem Verf. fem, die grosse Bedeutung der K ochschen Arbeiten über 
die Desinfektion zu bestreiten, aber als nächster und unmittelbarer Einfluss 
dieser Arbeiten war für die Chirurgie nicht etwa eine Bewegung in der 
Bichtung auf die moderne Asepsis, sondern eine Steigerung der Antisepsis 
durch Einführung des Sublimats in die Wundbehandlung zu verzeichnen. 
Gerade in diese Periode allgemein verschärfter Antisepsis fiel der Beginn der 
aseptischen Wundbehandlung, mit der es Neu her unternehmen wollte, die 
direkte Wundantisepsis aufzugeben, oder doch wesentlich einzuschränken. 

Verf. gibt sodann einen Vergleich der Besultate aus dieser Übergangs-^ 
Periode mit denen der jetzigen voll ausgebildeten Asepsis und hebt daran 
anschliessend einige Punkte der jetzt von ihm geübten Technik hervor, daraus 
sei hier entnommen : Gummihandschuhe werden als Schutz für die Hände nur 
bei Operationen in schwer infizierten Geweben getragen. Kopfkappen, Schutz- 
vorrichtungen für den Mund sind nicht erforderlich, ;,wer sprechen will oder 
muss, mag es mit abgewendetem Gesicht tun^. 

Ein Nachtrag bringt , Geschichtliches" über die versenkte Naht. 



Branner, Wnndheilung, Störungen der Wandheilung etc. 47 

Für die Geschichte der Asepsis, speziell im Hinblick auf den Ne üb er- 
sehen Vortrag vrichtig und interessant ist die folgende Äusserung dea 
Bakteriologen Louis Pastenr aus dem Jahre 1878 (!), welche Tuff ier 
(11) zitiert (ich gebe dieses Dokument im Originaltext. Ref.): 

„Sifavais Vhonneur cCetre Chirurgien^ penStre commeje le suis des dangers^ 
auquds exposent Us germes des microhes ripandus ä la surface de ious les 
objects, particuUerement dans les höpitaux, non seulement je ne me servirm» 
que d'instruments d'une propreti parfaite, mais, aprds avoir nettoyi mes mains 
avee le plus grand soin et les avoir soumises ä un flamhage rapide, ce que 
n'eaipose pas ä plus d'inconv^nients que n'en eprouve le fumeur qui fait passer 
un eharhon ardent d'une main ä Vautre, je nemploierais que de la charpie^ 
des bandelettes , des Monges prealablement exposees dans un air porU ä la 
temperature de 130 ä 150 degr&s, je n'emploierais jamais qu'une eau qui aurait 
stibi ä la temp&rature de HO ä 120 degr6s, Tout cela est tres pratique. De 
eette maniere, je n'aurais ä craindre que les germes en Suspension dans Vair 
autour du lit du malade; mais V Observation nous monire chaque jour que le 
nombre des ces germes est pour ainsi dire insignifiant ä cdti de ceux qui soua 
repandus dausles poussOres, ä la surface des objects ou dans les eaux communes 
lesfius limpides.^ — (Neuber scheint den Impuls der Bakteriologie doch etwas 
za gering anzuschlagen. Referent.) 

Lucas Championniere (2). Der Aufsatz ist ein Extrakt aus der 
im Jahresbericht 1902 (S. 102) referierten Festnummer in Brit. med. Journ. 
zu Ehren Listers. ;,Lister ist nicht verschwunden; die Technik mag ganz 
geändert sein, die Antiseptika und die Stärke in der sie verwendet werden, 
mögen verschieden sein — die Theorie bleibt immer dieselbe.^ 

Bei seiner ^^Wundbehandlung nach biologischem Prinzipe^ 
huldigt Ihrig (7) der reinen Asepsis. Es ist seine Überzeugung, dass in der 
Heilung von Infektionen von Seiten der Behandlung ausschliesslich physikalische 
Faktoren zur Geltung kommen ^ durch Änderung von Druck- und Kreislaufs- 
verhältnissen der Gewebe." Der Chemismus könne nur nachteilig wirken, 
sobald er von dem des Blutes abweiche. Die Heilung vollziehe die Biologie 
der Zellen ;,nach dem Verhältnisse des Energieumsatzes*' ohne unser Zutun. 

Die antibakterielle Eigenschaft von Desinfizientien möge da berechtigt 
sein, wo sie nicht das interne Zellleben des Organismus berühre, also auf der 
Hantoberfläche, an abgegrenzten Granulationen, auf Schleimhäuten, eventuell 
an serösen Flächen etc. 

Dem Blute stehe sowohl im Chemismus wie in osmotischer Konzentration 
die von Locke modifizierte Ring ersehe Lösung. Verf. benützt diese mit 
Weglassung von KCl und Dextrose: 

CaCla 0,030/0 
NaHCOa 0,04 «/o 
NaCl 0,90/0 

Am Schlüsse der Arbeit entwirft Verf. das Wundbehandlungsverfahren, 
welches er auf dem chirurgischen Ambulatorium der Budapester Maschinen- 
iabriken befolgt und gibt einen Überblick über 739 Fälle, die er nach 
,biologischem Prinzipe" behandelt hat. 

Wagner (12) behandelt seit 5 Jahren in der Privatpraxis sowohl wie 
auf der Krankenhausabteilung alle rein granulierenden Wunden, falls nicht 
durch Transplantation schnellere Heilung erzielt werden kann, offen. Nachts 



48 Jahresbericht fQr Chirurgie. I. Teil. 

werden die Wunden trocken verbanden unter Anwendung eines antiseptischen 
Streupulvers. Am Morgen wird der Verband abgenommen, die Umgebung 
gereinigt und dafür gesorgt, dass keine Kleidungsstücke die Wunde berühren. 
Verf. glaubt, ^dass der Zustand der Epidermis an der Luft ein der Norm 
näher liegender und für die Heilung günstigerer^ sei, dass ferner die Luft 
einen gewissen Reiz auf das Epithel ausübe^). Durch Austrocknung werde 
auch das Bakterienwachstum ungünstig beeinflusst. Der Infektionsgefahr seien 
die granulierenden Wunden überhaupt wenig ausgesetzt; er habe nie eine 
Schädigung durch Infektion gesehen. 

Lucas Championnifere (3), Broca, Walther, Bazy benutzen die 
Diskussion über die Mitteilungen von Quönu über Luftdesinfektion 
mit Wasserstoffsuperoxyd (vergl. Jahresbericht 1902 p. 104). Der 
erstgenannte Autor, als zäher Verteidiger der Antiseptik gegenüber der Aseptik 
sieht in der durch Anwendung dieses Antiseptikums erzielten guten Resultate 
eine Bestätigung seiner Ansichten, dass allein die antiseptische Methode vor 
den zufälligen Infektionen schützen könne, (^le retour aux pratiques de la 
m6thode antiseptique, qui seule vous assure contre les germes imprövus, est 
chose fatale et n6cessaire.^) 

Iwanoff (8) hat sich die Aufgabe gestellt, einen Apparat zu konstruieren, 
welcher keimfreies Wasser ohne Verstösse gegen die Regeln der Aseptik 
liefern kann. Dabei besteht die Hauptbesonderheit in der Abflussvorrichtung. 
Beschreibung muss im Original unter Besichtigung der Zeichnungen gelesen 
werden. 

b) Desinfektion der Hände und des Operationsfeldes. 

1. Füth, DemoDstrationen zur Händedesinfektion. Med. (xesellschaft Leipzig. MttDchener 
med. Wochenschrift 1903. Nr. 3& 

2. Goepel, Oher die Verbindung von Gummi und Zwimhandschuhen. Zentralblatt f&r 
Chirurgie 1903. Nr. 42. 

3. Hammesfahr, Die Gummihandschuhe bei aseptischen Operationen. Münchener med. 
Wochenschrift 1903. Nr. 29. 

4. Heller, Über die Bedeutung von Seifenzusatz zu Desinfektionsmitteln. Archiv fOr 
Hygiene 1903. Bd. 47. Heft ^3. 

5. Purves, On band desinfection. Edinburgh med. Journal 1903. April. 

6. Schumburg, Bemerkungen zu der Wirkung des Seifenspiritus als Desinficiens med. 
Instrumente. Deutsche med. Wochenschrift 1903. Nr. 23. 

7. Wandel und Höhne, Über die mechanische Sterilisierung der Gummihandschnhe und 
ihre Verwertung in der Praxis. MOnchener med. Wochenschrift 1903. Nr. 9. 

8. *Wildiero, Le pouvoir antiseptique du snblimö corrosif et du sulfate de mercure 
^thyldne diamin^ dans la desinfection des mains. Ann. et bull, de la soc. de möd. 
d'Anvers. 

Heller (4) zieht aus seinen höchst eingehenden Untersuchungen „Über 
die Bedeutung von Seifenzusatz zu Desinfektionsmitteln*' 
folgende Schlüsse: 

1. Sapokalinus (Pharm. Germ.) besitzt nur eine geringe desinfizierende 
Kraft. 

2. Mit Acid. carb. crist. pur. bildet er bis zu einem Verhältnis von 1 : 3 
schon bei gewöhnlicher Temperatur ohne jeden weiteren Zusatz eine Lösung. 

1) Vor Wagner schon hat Bernhard in Samaden granulierende Wunden konse- 
q^uent durch Insolation behandelt. Er berichtet darüber im Eorrespondenzblatt f. Schweizer 
Ärzte 1902, Nr. 16 bei Publikation einer Milz Verletzung, femer in den Jahresberichten Ober 
sein Krankenhaus 1901/1902. Referent. 



Branner» Wondheilang, Störungen der Wundheilang etc. 40 

3. Die Desinfektionskraft des Acid. carb. crist. pur. wird durch den 
Zusatz dieses Sapokalinus, welcher kein freies Alkali besitzt, gesteigert. 

Die Steigerung ist am grössten beim Verhältnis von 1:1. Während 
Typhusbazillen in 20 Minuten von Acid. carb. crist. pur. erst durch eine 
Sproz. Lösung vernichtet werden, werden sie in der gleichen Zeit bei An- 
wendung einer Mischung von gleichen Teilen Acid. carb. crist. und Sapokalinus 
durch eine 4proz. Lösung abgetötet: man erreicht also den gleichen Erfolg 
mit weniger als der Hälfte Acid. carb. crist. 

4. Überträgt man diese Erfahrungen mit Phenol und Seife auf die in 
Wasser unlöslichen Kresole, so kann man den Schluss ziehen, dass die Ver- 
wendung von Seife bei der Herstellung von kresolhaltigen Desinfektionsmitteln 
nicht nur die Lösung der Kresole in Wasser ermöglicht in einer zur Des- 
infektion erforderlichen Konzentration, sondern dass die Desinfektionskraft 
einer Kresolseifenlösung durch den Seifenzusatz erheblich gesteigert wird. 

Entweder ist die Erhöhung der Desinfektionskraft durch die an sich 
wenig wirksame Seife darauf zurückzuführen, dass die Desinfektionsobjekte 
der wirksamen Substanz, d. h. dem Kresol zugänglicher gemacht werden oder 
es kann sich aus Phenol resp. Kresol und Seife ein neuer kompliziert zu- 
sammengesetzter Körper von höherer Desinfektionskraft gebildet haben oder 
schliesslich die Lösung des Desinfiziens (Phenol resp. Kresol) erfahrt durch 
den Zusatz von Seife eine Steigerung des Dissoziationsgrades und damit eine 
höhere Wirksamkeit. 

Dieser Punkt ist zur Zeit noch Gegenstand weiterer Untersuchung. 
Schumburg (6) kontrolliert die Versuche von Gerson über Desin- 
fektion chirurgischer Instrumente mit Seifenspiritus und 
kommt zu dem Resultate, dass derselbe selbst bei Stägiger Einwirkung nicht 
imstande sei, Eitererreger an chirurgischen Instrumenten mit Sicherheit 
abzutöten. 

Füth (1) weist in seinem Vortrage auf die Unzulänglichkeit der Ahl- 
feldschen Heisswasser- Alkoholdesinfektion hin, hält für viel wirksamer die 
Anwendung der Quecksilbersalze, wie Versuche von Krön ig und ihm be- 
weisen. Das Tragen von Handschuhen wird auf das angelegentlichste emp- 
fohlen, vor allem um die Hände vor der Berührung mit infektiösem Material 
zu schützen. 

Den Ausführungen Hammesfahrs (3) ist zu entnehmen, dass bei 
septischen Operationen der Operateur, bei aseptischen Assistent und 
Schwester Handschuhe tragen. Es werden besondere Handschuhe für septische, 
besondere für aseptische Operationen gehalten. Vor aseptischen Operationen 
werden die in sterilen Kompressen aufbewahrten Handschuhe über die nach 
der üblichen Methode" desinfizierten Hände gezogen, 10 Minuten in fliessendem 
Heisswasser abgeseift und dann noch je 3 Minuten lang in Alkohol und 
Sublimat gebürstet. 

Purves (5). Kritisches Referat über die verschiedenen Methoden der 
Handereinigung. 

Wandel und Höhne (7) kommen zu dem Schlüsse, dass eine Steri- 
lisierung der Gummihandschuhe auf rein mechanischem Wege durch 
Waschen mit Seife und Wasser, auch ohne Anwendung der Bürste, in wenigen 
Minuten möglich ist. Nach dem Gebrauche sind die Handschuhe an der 
Hand sofort mit Wasser und Seife zu reinigen, abzuziehen unter Umstülpung 
und an der jetzt nach aussen gekehrten Innenseite zu säubern. 

JabrMberiehi fOr Chirurgie 1908. a 



50 Jahresbericht fOr Chirargie. I. Teil. 

Goepel (2). Die Nachteile, welche den Gummihandschuhen in- 
folge ihrer leichten Zerreisslichkeit und den Zwimhandschuhen infolge ihrer 
Durchlässigkeit anhaften, will Verf. dadurch heben, dass er die Zwimhand- 
schuhe über die Gummihandschuhe anzieht. Die zahlreichen Vorteile, welche 
dadurch bedingt sein sollen, wiD Verf. „zahlenmässig*' aufführen. — Referent 
muss auf eine Wiedergabe der unter sieben Ziflfem angegebenen Gründe ver- 
zichten; er kann niemals zugeben, dass dadurch ^der Operationsbetrieb 
erleichtert und beschleunigt werde^ ; verteuert wird er jedenfalls. 

c) Sterilisation des Naht- und Unterbindungsmateriales. 

1. Claudias, Erfahmogen über Jodcatgut Deutsche Zeitschrift fQr Chirurgie 1903^ 
Bd, 69. Heft 5—6. 

2. D a IIa Rosa, C, Del catgut sterilizzato con soluzione jodo-jodurato. Gazzetta degli 
ospedali 1908. Nr. 143. 

8. V. Hippel, Zur Frage der Catgutsterilisation. Wiener med. Presse 1908. Nr. 40. 

4. Martina, Die Eatgutsterilisation nach M. Claudius. Deutsche Zeitschrift fOr Chi- 
rurgie 1908. Bd. 70. Heft 1 und 2. 

5. Mariani, C, Kisultati clinici suU' uso di un catgut preparate in modo semplicissimo. 
Gazzetta degli ospedali 1908. Nr. 65. 

6. — Risultati clinici sopra Y uso di un catgut preparato in nn modo estremamente sem- 
plice. II Policlinico. Sez. pratica 1908. Fase. 27. 

7. Peroz, G., Sulla sterilizzazione del catgut Nuovo metodo di sterilizzazione merc^ O 
fluoruro d' argento (tachiole). II Policlinico 1908. Vol. X-C. Fase 2—8. 

8. Senn, Jodized catgut. The journ. of the American Med. Association 1908. March 28. 

9. Whiteford, The huried anabsorbable ligature and its sequelae. British medical 
Journal 1908. July 25. 

Martinas (4) Nachprüfung der Jodpräparation des Catgut 
nach Claudius, über welche im Jahrgang 1902 referiert wurde (p. 109)^ 
ist eine sehr eingehende experimentelle und klinische. In bezug auf ,,absolute 
Sterilisation" sei die Methode „über jeden Zweifel" erhaben und dürfe man 
ihr volles Vertrauen entgegenbringen. Es leuchtet a priori ein, dass von 
Seiten des Jod wohl Intoxikationserscheinungen nicht zu befürchten sind. 
Im weiteren glaubt Verf. annehmen zu dürfen, dass das Jod mit den Pto- 
mainen eine w^enn auch labile chemische Verbindung eingehe und die das 
Gewebe schädigende Wirkung derselben aufhebe^). Eine wertvolle Eigen- 
schaft, die jeder anderen Sterilisationsmethode vorenthalten geblieben sei, ist 
die Erhöhung der Zugfestigkeit; ebenso sei dieses Catgut puncto rascher 
Resorbirbarkeit überlegen und entfalte eine ;, bedeutende chemotaktische 
Wirkung.^ 

Klinisch ist das Material bei 75 Fällen erprobt worden. Dass dasselbe 
„in den sorgsam ausgewählten Fällen hinter den Erwartungen, die man auf 
Grund der vorausgegangenen bakteriologischen Untersuchungen hegen könnte, 
nicht zurückstand, gehe aus den sehr guten Resultaten bei den Bruch- 
operationen hervor." 

Claudius (1) bringt in seinem Vortrage zunächst Urteile dänischer 
Chirurgen über sein Jodcatgut. Er habe bei seinen Anfragen „gar nichts 
Unvorteilhaftes" vernommen. Die Resultate der praktischen Versuche werden 
zum Schlüsse folgendermasssen resümiert: 

„Die Methode, welche möglichst einfach ist und daher Irrtümer bei der 
Präparierung ausschliesst, garantiert eine absolute Sterilität; der Faden ist 

1) Wer hat denn diese Ptom Einwirkung bewiesen? Referent, 



Brunn er, Wundheilang, Störungen der Wandheilung etc. 51 

ausserdem stark antiseptisch, ohne jedoch im allergeringsten das Gewebe zu 
irritieren, und er ist stark, stärker als gewöhnliches Catgut. Die einzelnen 
Falle, wo er sich spröde erwiesen hat, werden vielleicht teilweise darauf 
beruhen, dass er zu lange, länger als Vs Jahr, in der Jodlösung gelegen sei, 
und diesem muss man entgehen; oft ist die Ursache nur, wie es sicher kon- 
statiert worden ist, eine ursprüngliche partielle Schwäche des Catguts, welche 
ein bekanntes Phänomen ist.'^ 

Senn (8) empfiehlt auf Grund von mehrwöchentlichen Versuchen bei 
seinen Operationen, das Claudius sehe in Jod- Jodkalium l^/o sterilisierte 
Catgut. Maas (New- York.) 

Dalla Rosa (2) hat nach der Claudius sehen Methode sterilisiertes Catgut veiv 
wendet und ist mit dem Resultat sehr zufrieden. R. Giani. 

Mariani (5) hat in 30 Fällen ein Catgut verwendet, das nach der 
Ton Claudius angegebenen Weise sterilisiert war und in allen einen Ver- 
lauf per primam intentionen erhalten. Die Präparation geschieht in der 
Weise, dass man das Catgut auf acht Tage in eine Jod-Jodlösung legt und 
es vor seinem Gebrauch in eine sterile oder Karbolsäurelösung taucht, um 
es von dem Überschuss an Jod zu befreien. Das so präparierte Catgut hat 
ausser dem geringen Kostenpreis den Vorzug, dass es 4—5 Tage länger als 
gewöhnlich der Resorption widersteht. R. Giani. 

Mariani (6) teilt die klinischen Resultate mit, die er beim Gebrauche 
eines nach den Vorschriften von Claudius (D. Zeitöchr. f. Chir. Bd. LXIV, 
p. 489) bereiteten Catguts erhielt, eines Catguts, das nach den Unter- 
suchungen dieses Autoren sich als absolut steril erweist und auch antisep- 
tische Eigenschaften besitzt. Dieses ganz einfach durch achttägiges Liegen- 
lassen in einer Jodjodlösung präparierte Catgut wird in 12 — 16 Tagen resor- 
biert. In den 30 Fällen, in denen Verf. es angewendet hatte, war der Erfolg 
ein vollständiger, da alle Patienten per primam intentionem heilten. Verf. 
empfiehlt zu den mehr gegen die Oberfläche gelassenen Knoten ganz dünne 
Fäden zu verwenden, damit deren Resorption sich leichter vollziehe. Das 
Catgut wird, auf Doppelspulen gewickelt, in weiten, niedrigen, mit ge- 
schmergeltem Stöpsel versehenen Glasgefässen aufbewahrt und im Augen- 
blicke der Operation in Karbolsäurewasser gelegt. — Da es wenig kostet, 
sich äusserst leicht präparieren und aufbewahren lässt, so ist es, nach Verf., 
sehr empfehlenswert. R. Giani. 

V. Hippel (3) hat seit */* Jahren das nach Claudius präparierte 
Catgut in Gebrauch. Die bakteriologische Untersuchung ergab, dass das 
Catgut bereits nach */« stündigem Verweilen in der Jodjodkaliumlösung regel- 
mässig keimfrei war. Bei künstlicher Infektion mit Milzbrandsporen dauert 
es V/i Stunden bis eine gleich sichere Keimfähigkeit erzielt wird. Auf Grund 
der klinischen Erfahrungen glaubt er, „dass die Methode von Claudius 
vermöge ihrer Einfachheit, Billigkeit, Sicherheit und Schnelligkeit der Her- 
stellung berufen sei, an die Stelle der seither geübten, ausnahmslos umstand- 
lieberen und kostspieligen Methoden zu treten.^ 

Nachdem Peroz (7) die verschiedenen zur Sterilisierung des 
Catguts bisher angewendeten chemischen, physikalischen auch physiko- 
chemischen Methoden besprochen, teilt er die Resultate der zur Catgut- 
sterilisierung mittelst Silberfluorur (Tachiol) von ihm vorgenommenen 
Versuche mit. Eine vollkommene Sterilisation lässt sich auf folgende Weise 
erzielen: Man wäscht das auf Gazeröllchen gewickelte Katgut mit Seifen- 

4* 



52 Jahresbericht für Cbirargie. L Teil. 

Wasser, legt es auf 24 — 48 Stunden in Äther, wäscht es hierauf wieder mit 
sterilisiertem, destilliertem Wasser und legt es dann auf 24—48 Stunden in 
eine l^oige Silberfluorurlösung. Die Lösung wird während der ersten zwei- 
bis dreimal und dann noch einmal erneuert. Hierauf lässt man die Röllchen 
1 — 2 Tage in gewöhnlichem Alkohol und bewahrt sie dann in 96^ Alkohol, 
in hellen geschmergelten Glasgefässen, in denen die Fäden bald schwarz 
werden. 

Das so behandelte Catgut hat sich bei allen Kulturversuchen als steril 
erwiesen; ja das Antiseptikum, womit auch kleine (1 — 2 cm lange) Stücke 
Faden imprägniert bleiben, vermag in einem Bouillonröhrchen das Wachstum 
der Mikroorganismen zu verhindern. Das Katgut ist sehr resi^nt, die 
Resorbierbarkeit erfährt keine Veränderung. Bei seinen klinischen Experi- 
menten hat das Katgut nie zu Eiterungen Anlass gegeben; Verf. meint des- 
halb, dass durch seine Methode solche konstant und mit Sicherheit vermieden 
werden, was sich durch andere Sterilisierungsverfahren, die ebenfalls ein 
bakteriologisch aseptisches Catgut gaben, nicht erzielen lasse ^). R. Giani. 

Whiteford (9) macht in kurzer Mitteilung darauf aufmerksam, dass 
bei der späteren Ausstossung nicht resorbierbarer, versenkter, glatt eingeheilter 
Ligaturen (silk) die Muskelbewegungen eine Rolle spielen. 

d) Sterilisation des Verbandsmaterials, der Instrumente, 

Schwämme. 

1. Beckmann, Zar Frage über die Zulftssigkeit von Yorwftrmeyorriehtangen in Dampf- 
sterilisatoren. Dentache med. Wochenschrift 1903. Nr. 17. 

2. *H aasmann, Universalsterilisator mit Überdiiick. Ärztliche Polytechnik 1903. Januar. 

3. *G rosse, Über Ejitbetersterilisation. Münchener med. Wochenschrift 1903. Nr. 24. 

4. *Eonopka, Experimentelle Beiträge zur Dampfdesinfektion. Diss. Königsberg 1903. 

5. *Simon, Die desinfektorische Kraft erwärmter Sodalösnngen. Diss. Leipzig 1903. 

In Anerkennung der Vorzüge, die das weniger feuchte Verbandmaterial 
dem nasseren gegenüber besitzt, hält sich Beckmann (1) für befugt, im 
Gegensatz zu Braatz, gestützt auf Kontrollversuche zu betonen, dass der 
Vorwärmemodus der Lauten seh lag er sehen Apparate keine Dampf über- 
hitzung involviert. Damit soll allerdings nicht gesagt sein, dass die Lauten- 
schlägerschen Apparate allen anderen überlegen sind; an ihnen könne z.B. 
ausgesetzt werden, dass sie die Möglichkeit einer Überhitzung des Wasser- 
dampfes schon im Dampfraume nicht völlig ausschliessen , wofür der Schutz- 
mantel, der die Brenngase längs der Eesselwandung nach oben dirigiere, 
verantwortlich zu machen sei. Das Prinzip der Vorwärmung des 
Verbandmaterials dagegen sei in ihnen einwandsfrei. 

e) Antiseptik. Antiseptika. 

1. *Andrewes, Lessons in desinfection and Sterilisation. Chnrchill 1903. 

2. Bamberg, Sanoform als Ei-satzroittel des Jodoform. Berliner klin. Wochenschrift 1903. 
Nr. 38. 

3. Bamberger, Gollargol Credä. Berliner klin. Wochenschrift 1903. Nr. 34. 

4. *Beale, Lysoform in snrgical practice. Medical Press 1903. April 15. 

5. Bong, Zar Kasuistik der Eollargolanwendang. Therapeutische Monatshefte 1903. 
Heft 10. 



1) ? Brunner. 



Brunn er, Wundbeüung, Störungen der Wundheilang etc. 53 

6. *Bodey Ein Beitrag zur experimentellen ErforscfauDg der Wirkung einiger Silberprä- 
parate, besonders des kolloidalen Silbers. Diss. Rostock 1903. 

7. Busk, EJnosol som Antiseptikum, ügeskrift for Laeger 1903. p. 415. Eopenbagen. 

8. ^Luoas-Championniöre, La m^thode antiseptique et ses d^viations. Gazette des 
höpitaux 1903. Nr. 149. 

9. *Colin, Über den antiseptischen Wert des Argentum colloidale Gredö und seine 
Wirknng bei Infektion. Diss. Königsberg 1903. 

10. Cred6, Die Behandlung septischer Erkrankungen mit intravenösen EoUargol- (arg. 
coll.)-Iojektionen. v. Langenbecks Archiv 1903. Bd. 69. Heft 1 u. 2. v. Es mar eh 
Festschrift. 

11. *Denck8, Zur Statistik der Jodoformin tozikationen in ihren Allgemeinerscheinungen. 
Diss. Eönigsberff 1903. 

12. ^Fornet, Über Earboldermatitis. Diss. Berlin 1903. 

13. A. Dworezky, Weitere Beobachtungen über die Wirkung der löslichen Silbersalze. 
Russki Wratsch 1908. Nr. 4 und 7. 

H. *Forbe8cae-Brickdale, Collargol: A review of some of its clinical applications, 
with experiments on its antiseptic action. Bristol med. chir. Journal 1903. December. 

15. *Frie8er, Septoforma, ein neues Antiseptikum und Desinficienb. Med. Blätter 1903. 
Nr. 45. 

16. ^Guörin, Le Collargol. Journal de m^d. de Bordeaux 1903. Nr. 52. 

17. Galli-Yalerio, Etwas über Lysoform. Therapeutische Monatshefte 1903. Heft 9. 

18. Heile, Über die antiseptische Wirkung des Jodoform, v. Langenbecks Archiv 1903. 
Bd. 71. Heft 3. 

19. Jaenicke, Zur Kasuistik der intravenösen Kollargolbehandlung septischer Prozesse. 
Deutsche med. Wochenschrift 1908. Nr. 6. 

20. *Muir, A case of iodoform poisoning. The Lancet 1908. April 4. 

2L Netter et Salomon. L^argent colloldal (collargol) et ses applications thörapeutiques. 
La Presse m^dicale 1903. Nr. 12. 

22. Peyton, Lvsoform in surgical practice. Medical Press 1903. April 15. 

23. Rössler, tfber Kollargol. Wiener med. Wochenschrift 1903. Nr. 19. 

24. Schmidt, Über die Wirkung intravenöser KoUargolinjektionen bei septischen Er- 
krankungen. Deutsche med. Wochenschrift 1903. Nr. 15 und 16. 

25. Sinding-Larsen, Jodoform bei chirurgischer Tuberkulose I. Die Gefahren des Jodo- 
forms. (Aus dem Kflsten-Hospital zu Fredriksvcem [Norwegen]). Norsk Magazin for 
Lsgevidenskaben 1903. Heft 7. p. 593. 

26. Seren in. Einiges zur Jodoformknochenplombe nach Mosetig-Moorhof. Zentral- 
blatt ffir Chirurgie 1903. Nr. 45. 

27. *8haw, Untersuchungen Ober den Nutzen der intravaskulären Einspritzungen anti- 
septischer Lösungen. Journal of Hygiene 1903. Nr. IL 

Durch die sehr interessanten Untersuchungen Heiles (18) scheint end- 
lich die klinisch längst festgestellte , aber bislang noch unaufgeklärte anti- 
septische Kraft des Jodoforms ergründet zu sein. Die Arbeit zerfällt in 
vier Abschnitte. 

Eingangs werden die bisherigen Kenntnisse von der Art der Jodoform- 
wirkung resümiert. Der Titel des zweiten Abschnittes enthält bereits das 
Fazit der gemachten Entdeckung: ;,Jodoform wird durch die in den 
Organen enthaltenen reduzierenden Substanzen zu einem 
wahren Antiseptikum." Durch Versuche, deren Technik im Original 
gelesen werden muss, gelangt Verf. zu der ^Tatsache", dass fakultativ anaerobe 
Bakterien (Staphylokokken, Streptokokken) bei Luftabschluss in einem Gemisch 
von Organbrei, speziell Leberbrei und Jodoform, getötet werden. Da diese 
Jodoformversuche unter den gegebenen Bedingungen ein Oxydationsvorgang 
nicht sein können, sondern nur eine Reduktionswirkung, so haben wir nach 
Verf. hier einen Parallelismus beider Wirkungen, der ein neuer Beweis für 
die Vorstellung ist, dass die sauerstoffaktiyierende Wirkung der Gewebe 
bedingt ist durch reduzierende Substanzen. 



54 Jahresbericht für Chirurgie. I. Teil. 

Über die bei der Zersetzung des Jodoforms entstehenden Produkte gibt 
ein dritter Abschnitt Aufschluss. Die bakterizide Wirkung wird zurückgeführt 
auf Bildung von Dijodacetyliden, welches nach Low „eine äusserst 
energische Giftwirkung'' entfaltet und auch der Urheber der Jodoformver- 
giftung ist. 

Am Schlüsse werden die Beziehungen der experimentellen 
Tatsachen zur klinischen Beobachtung besprochen. Nach den 
beschriebenen experimentellen Ergebnissen wird Jodoform auf oberflächlichen 
Hautwunden sich fast gar nicht zersetzen, mithin auch nicht bakterizid 
wirken können. Die Mehrzahl der Chirurgen werde darin wohl zustimmen, 
dass Jodoform seine Verbreitung nicht durch Behandlung von oberflächlichen 
Wunden, sondern von Höhlenwunden gefunden hat. Bei der Nachbehandlung 
von Mund-, Rachen- und Mastdarmerkrankungen haben wir mit lebendem 
Gewebe ausgekleidete Höhlen, zu denen der Zutritt von Luft durch Tam- 
ponade erschwert ist; hier hat das Jodoform reichlich Gelegenheit sich zu 
zersetzen. Von den lebenden Geweben müssen wir annehmen, dass sie ähn- 
lich wirken, wie die zerriebenen Organe in den Versuchen. Es zeige sich 
bei Bedingungen, welche die Zersetzung des Jodoforms ähnlich dem Reagenz- 
glasversuch besonders stark begünstigen — Leber-, Nieren wunden — , dass 
das Jodoform so kräftig zersetzt werden kann, dass es nicht nur die Bakterien 
tötet, sondern auch direkt das Gewebe ätzt. 

Ebenso erklärend seien die Experimente für die Auffassung der Jodo- 
formwirkung bei Behandlung von Tuberkuloseherden. In abgeschlossenen 
Gelenkhöhlen finde sich reichlich Gelegenheit zu Zersetzung durch Einwirken 
der tuberkulösen Granulationen, Synovia auf das Jodoform, während dies 
weniger zutreffe bei kalten Abszessen, wo die Berührung mit den lebenden 
Geweben fehle. 

Sinding-Larsen (25) hat während über 10 Jahren bei der Behand- 
lung von ca. 300 Kindern zwischen 3 — 18 Jahren mit tuberkulösen Affektionen 
Jodoform angewandt und zwar teils in der Form von Jodoformglyzerin- 
injektionen (10 ^/o) 537 mal, teils von Jodoformeinpuderungen und Jodoform- 
tampons ca. 400 mal, sowie bei Verbandwechsel, zusammen in ca. 1400 Appli- 
kationen. Verf. beschäftigt sich hauptsächlich mit der Frage nach der 
Gefährlichkeit des Jodoforms. In fünf Fällen hat er Vergiftungserscheinungen 
gesehen, worunter einer leicht, zwei mittelschwer, einer sehr schwer und einer 
mit tödlichem Ausgang unter Sjrmptomen von Dilirien, Konvulsionen und 
Herzschwäche. Verf. wendet bei der Lijektion Jodoform in Dosen von 
0,5 — 1 — 1,5 g, niemals über 2 g in Intervallen von 2 — 3 Wochen an. Die 
Notwendigkeit von Harnuntersuchungen auf Jod wird betont, um, wo sich 
Missverhältnisse zwischen den angewandten Jodoformmengen und der Jod- 
reaktion im Harn zeigen, auf der Hut sein zu können. 

Hj. von Bonsdorff (Helsingfors). 

Seren in (26). Kurze Notiz über Anwendung der Mos etig sehen Jodoform- 
knochenplombe mit guten Erfolgen. 

Crede (10) hat bei der Anwendung seines Kollargols bis jetzt keinerlei 
Nachteile erlebt und es haben sich insbesondere die intravenösen Injektionen 
als 7,ganz gefahrlos^ erwiesen. Die Anwendung des „Unguentum Cred6" 
werde indessen durch die intravenöse Injektion nicht überflüssig, im Gegen- 
teil führe dieselbe in der grossen Mehrzahl der Fälle zum Ziele, sei leichter 



B rann er, Wandheilang, Störungen der Wundheilang etc. 55 

auszuführen und finde beim Kranken weniger Widerstand. Es gebe aber 
viele Fälle, wo die Salbe nicht anwendbar sei, weil die Haut sich nicht als 
aafsaugungsfahig zeige u. s. w. ; in allen diesen Fällen sei die intravenöse In- 
jektion angezeigt, von der man allerdings auch nicht erwarten könne, dass 
^Sterbende wieder gesund werden". Rechtzeitig angewandt, d.h. noch bevor 
Gehirn und Herz ihre Widerstandskraft verloren haben und ehe Metastasen 
da sind, wird das lösliche Silber schon wenige Stunden nach seiner Einführung 
in das Blut eine deutlich bemerkbare günstige Wirkung äussern. Was das 
Präparat betrifiFt, so ist dasselbe in letzter Zeit wesentlich verbessert worden. 
Es löst sich fast vollkommen und bleibt dauernd in Lösung (Heydensche 
Fabrik). Subkutan eingespritzte KoUargoUösung hat so gut wie keine Wirkung. 
Infolge der guten Löslichkeit vdrd es jetzt meist in 2 ^/o- Lösung benutzt; 
statt 4 — 20 ccm werden jetzt meist nur 2 — 10 genommen. 

Die intravenös behandelten FäUe betreffen: 1. Schwere Phlegmonen, 
2. allgemeine Sepsis, 3. Puerperalfieber, 4. Pyämie, 5. septische Osteomyelitis, 
€. Polyarthritis septica, 7. ulzeröse Endocarditis, 8. schwere Erysipele, 9. Peri- 
tonitis, 10. Erythema nodosum, 11. Milzbrand, 12. hoffnungslose Phthise. Bei 
letzteren „besserten sich Temperatur, Puls und namentlich das Allgemein- 
befinden für einige Wochen ganz ausgesprochen^. 

H. Schmidt (24) hält sich nach vielfachen mit Kollargol selbst 
gemachten Erfahrungen und nach dem Urteil anderer Autoren für berechtigt 
zu der Behauptung, dass wir in demselben ein ausserordentlich wertvolles 
Hilfsmittel in der Bekämpfung der verschiedensten infektiösen Krankheiten 
gewonnen haben, ;,da8 einen hervorragenden Platz in der Therapie wohl 
für inmier behaupten dürfte^. Was die Art der Wirkung betrifft, so glaubt 
er daran festhalten zu müssen, dass dieselbe eine rein bakterizide ist, ähn- 
lich wie die der Antiseptika in toten Flüssigkeiten; vor allem ist die hem- 
mende Wirksamkeit eine grosse. 

Zur Illustration des Gesagten werden die Krankengeschichten und 
Kuren zahlreicher, verschiedenartiger Fälle vorgelegt, Osteomyelitis, Appen- 
dicitis, Polyarthritis etc. Bei oft „geradezu verblüffender" Besserung des All- 
gemeinbefindens machte sich Abfall der Temperatur und des Pulses be- 
merkbar. 

Bamberger (3) untersucht in seinem Aufsatze, in welcher Weise 
man sich die Heilwirkung des Kollargols vorstellen soU. Um der 
Entscheidung der Frage näher zu kommen, welches Verhalten die Leukocyten 
beim Menschen nach einer KoUargol-Applikation zeigen, hat er sich selber 
mit Kollargolsalbe eingerieben und zu verschiedenen Zeiten das numerische 
Verhalten der weissen Blutkörperchen bestimmt. Die letzte Blutzählung wurde 
ca. 5 Stunden nach der Einreibung vorgenommen. 

Es zeigte sich ein Ab- und Anstieg der Leukocytenzahl. 

Theoretisch scheint Verf. nur ein Fall vorzukommen, wo man, wie Crede 
will, eine direkte Silberwirkung annehmen könnte, nämlich in Fällen von 
Eiteransanunlung. Hier ist zu erwarten, dass unter den infolge der Entzün- 
dung auswandernden Leukocyten sich auch selbst mit Silber beladene finden. 
Denn selbst metallisches Silber hat die Eigenschaft, das Bakterienwachstum 
in seiner unmittelbaren Umgebung auf Plattenkuren zu verhindern. Die Er- 
scheinung beruhe darauf, dass es mit den Stoffwechselprodukten der Spalt- 
pilze antiseptisch wirkende Silbersalze bildet. 



56 Jahresbericht für Chirurgie« I. Teil. 

Netter und Salomon (21) geben ein umfassendes Referat über die 
mit KoUargol gemachten Erfahrungen, über seine Wirkungs- und Anwen- 
dungsweise und berichten dabei über zahlreiche eigene, bei den verschieden- 
sten Infektionen gemachte Beobachtungen. Sie sind überzeugt von der ;,glück- 
lichen Wirkung*^ des Mittels. Die Wirkung manifestiere sich bei gewissen 
Fällen durch rapiden Abfall der Temperatur, bei anderen durch lytischen 
Abfall. Parallel gehe eine Besserung des Allgemeinbefindens. Das Mittel 
wirkt nach ihrer Ansicht nicht exklusiv antibakteriell, sondern es komme eine 
katalytische Kraft, ähnlich der von Fermenten in Betracht. Bei einigen 
Fällen wurde eine rapide Verminderung der Bakterien im Blute beobachtet. 

Bö sei er (23) berichtet Ober günstige £rfahnuigen bei Anwendung vonEollargol 
in der Aagenheilkunde, besonders bei Trachom. 

Bong (5) hat die intraventoe Anwendung von KoUargol mit Erfolg bei puerperaler 
Sepsis ausgefahrt. 

Jaenike (19). Septische Farameiritis mit KoUargol intravenOs behandelt Erfolg 
, geradezu frappant*. Die Tatsache stehe fest, «dass ein ganz desolater Fall binnen 36 Stunden 
entfiebert war und dass ein kindskopfgrosses Exsudat binnen 4 Vi Tagen y5llig ver^ 
sohwunden war. 

Dworezky (18) tritt für Anwendung des Ung. Cred^ bei den verschiedensten 
Affektionen: Phlegmone, Mastitis, Erisypel, Bubonen, ein. Er will in allen Fällen eine 
prompte und «milde* Wirkungsweise beobachtet haben. Hohlbeck (St. Petersburg). 

Bamberg (2). Von der grossen Reihe der als Ezsatzmittel des Jodo- 
forms angepriesenen Arzneimittel soll nach der Meinung des Verf. bisher 
keines sich die bleibende Gunst weiter ärztlicher Kreise zu erringen vermocht 
haben; er hofft, dass dies beim Sanoform der Fall sein werde. Es ist ein 
Dijodsalizylsäuremethylester, welcher im lebenden Gewebe langsam 
sich löse, wobei Jod und Salizylsäure frei werden und ein entwickelungs- 
hemmender Einfluss auf die Bakterien ausgeübt werde. 

Galli-Valerio (17) hat Untersuchungen angestellt über die antisep- 
tische Wirkung des Lysoform. In vitro ergaben sich gute Resultate gegen 
B. coli, während M. pyogenes aureus sehr widerstandsfähig war. Verf. glaubt, 
dass das Mittel, wenn es auch kein starkes Antiseptikum sei, so doch wegen 
seiner Ungiftigkeit und seiner desodorisierenden Kraft zu empfehlen sei. 

Busk (7) hat die vernichtende Wirkung des Ghinosols auf Bac. 
prodigiosus und Bact. typhi erprobt und gelangt durch eine Reihe von Ver- 
suchen (illustriert durch Tabellen) zu dem Resultat, dass die bakterizide 
Wirkung des Stoffes schwach ist und dass eine Lösung von unter l^/o als 
Desinficiens ganz ohne Wirkung ist. (Schaldemose). 

Peyton (22). Kurze Notizen fiber Anwendung von Lysoform während 4 Monaten 
mit befriedigeuden Erfolgen. 

f) Behandlung von Verletzungen und infizierten Wunden. 

1. Gerota, Beitrag zum Studium der Behandlung der Bauchwunden. Bevista de Chi- 
rurgie 1903. Nr. 3. p. 455 (Rumänisch). 

2. Gontermann, Experimentelle Untersuchungen über die Ab- oder Zunahme der Keime 
in einer akzidentellen Wunde unter rein aseptischer trockener und aseptischer feuchter 
Behandln^, v. Langenbecks Archiv 1908. Bd. 70. Heft 2. 

3. Lex er, über die Örtliche Behandluug der chirurg. wichtigsten Infektionen. Therapie 
der Gegenwart 1903. Nr. 1. 

4. Noetzel, Experimentelle Studie zum antiseptischen Wundverband. v. Langenbecks 
Archiv 1903. Bd. 71. Heft 1. 

5. Reinking, Über den Einfluss der Alkohol verbände auf den Verlauf entzündlicher 
Prozesse. Dissert Kiel. 



Branner, Wnndheilaog, StöruDgen der Wandheilimg etc. 57 

Lexer (3) bespricht in seinem Vortrage ;,Über die örtliche Be- 
bandlung der chirurgisch wichtigen Infektionen^ zwei Infektions- 
gmppen. Bei der ersten handelt es sich nm eine bestimmte, durch die 
hifektion eingebrachte Giftmenge, welche im Körper nicht weiter ver- 
mehniDgsfähig ist (Schlangenbiss). In der zweiten lassen sich diejenigen 
Bakterien-Infektionen zusammenfassen, welche zu einer schweren Allgemein- 
erkrankung führen können, ohne dass dies die unbedingten Folgen dieser 
Infektion sind (Milzbrand, dxurch Eiter- und Fäulniserreger erzeugte Wund- 
infektionen). Beim äusseren Milzbrand befürwortet Verf. die konservative 
Behandlung. Bei jeder Operation in entzündeten Geweben und auch noch 
bei der Nachbehandlung wird die allergrösste Schonung verlangt. Aus einem 
harmlosen, durch Quetschen und Stochern maltraitierten Oberlippenfurunkel 
kann Thrombophlebitis und Meningitis hervorgehen. Eine dritte Gruppe ver- 
einigt diejenigen Infektionen, deren Folge stets eine allgemeine Gift- oder 
Bakterien-Verbreitung im Körper ist (Tetanus, Lyssa). Die Hoffnung, durch 
desinfizierende Mittel die im Gewebe liegenden Bakterien zu vernichten, habe 
der Chirurg schon lange aufgegeben. Für kleine Wunden sei die Exzision 
am besten. Bei Tetanus nach grossen mit Strassenschmutz infizierten Zer- 
trümmerungsherden sei die Amputation wo es möglich ist, auszuführen neben 
Serumbehandlung. 

Gontermann (2) stellt Untersuchungen an über den Einfluss 
aseptischer trockener und antiseptischer feuchter Verbände 
auf den Keimgehalt akzidenteller Wunden. Die Arbeit berücksichtigt in 
durchaus ungenügender Weise die einschlägige Literatur, d. h. sie geht auf 
Untersuchungen, welche vorher mit diesem Thema sich befassten, nur ganz 
flüchtig ein. — Es wurden untersucht: Nicht eiternde Wunden, welche mit 
trockener aseptischer Gaze verbunden wurden. Eiternde Wunden, welche 
mit trockener aseptischer Gaze verbunden wurden. Nicht eiternde und eiternde 
Wanden, welche mit Jodoformgaze verbunden wurden. Nicht eiternde und 
eiternde Wunden, welche mit 0,5 ^/o feuchter Sublimatgaze und Guttapercha 
verbunden wurden^). Nicht eiternde und eiternde Wunden, welche mit 3®/o 
feuchter Earbolgaze und Guttapercha verbunden wurden. Verfasser kommt 
dabei zu folgenden Schlüssen: 

1. Eine bakterienhemmende Nachwirkung der Antiseptica in Wunden 
ist nicht zu konstatieren. 2. Der Keimgehalt nicht eitriger akzidenteller 
Wunden wird bei antiseptisch -feuchten impemeablen Verbänden mehr ge- 
steigert als bei trockenen. 3. Bei akzidentellen Wunden ist der Jodoform- 
gaze der Vorzug zu geben, da sie mit den klinisch wichtigen Eigenschaften 
der Aufnahme der Wundsekrete und Blutstillung durch Festsaugen noch eine 
entschiedene Einwirkung auf die Mikroorganismen verbindet. 4. Feuchte 
Verbände mach&i leicht Ekzeme und Haarbalgabszesse in der Umgebung der 
Wunde, begünstigt durch Mazeration der Haut. 5. Die feuchten Verbände 
sind kein sicheres Mittel gegen Vereiterung accidenteller Wunden. 6. Bei 
eitrigen Wunden bewirken die trockenen Verbände eine schnellere Abnahme 
der Keime als die feuchten. 7. Bei phlegmonösen Entzündungen wirken die 

1) Daas feuchte Karbol- und Sublimatkompressen anter Guttapercha wegen 
EkxembQdimg durchaus unzweckmftssig sind, ist den Praktikern längst bekannt. Anders 
steht es mit essigsaurer Tonerde, oder einer Mischang derselben mit Bleiwasser, wie sie 
Beferent empfohlen hat. Dass trockene Verbände bei infizierten eiternden Wunden Sekret- 
retention machen und deshalb nicht zu empfehlen sind, steht fest. Referent 



58 JahreBbericbt für Ohirargie. I. Teil. 

trockenen Verbände (aseptische Gaze und Jodoformgaze) günstig auf den 
Abfall der Keimzahl. 8. Viele akzidentelle Wunden heilen trotz grossen 
Keimgehaltes ohne klinische Zeichen von Entzündung. 

Noetzel (4) glaubt der feuchten Gaze wegen der besseren kapillären 
Drainage eine intensivere Fernwirkung zuerkennen zu müssen als der 
trockenen. Er hat dabei speziell diejenigen sezernierenden Wunden im Auge, 
welche man nicht mehr tamponieren will, um sie zum Schlüsse zu bringen 
und die bei einfach aufgelegtem trockenem Verbände immer wieder Retentionen 
verursachen. In solchen Fällen wirkt feuchte Gaze im eigentlichen Sinne als 
„austrocknender Verband^, in dem sie besser von der Tiefe her aus- 
trockne. Gewissermassen den Typus eines solchen Verbandes stelle der zuerst 
Ton Neubert publizierte Schwammverband dar, welchen Rehn seit Jahren 
bei den blutigen Repositionen und Knochennähten von Frakturen mit Vorteil 
anwandte. 

Verf. suchte sodann auf dem Wege des Experimentes zu entscheiden, 
ob die ;,absaugende Wirkung^ der feuchten Gaze oder der trockenen die 
bessere sei. Diese Versuche demonstrieren wohl in deutlicher Weise die 
Wirkung eines saugkräftigen Verbandes, lassen aber die erstere Frage un- 
entschieden. 

Reinking (5). In der Kieler chirurg. Poliklinik wurden Versuche ndt 
Alkoholverbänden gemacht unter Verwendung eines besonderen 70 ^/o 
Alkohol enthaltenden Präparates, Alkoholallit genannt. Auf eine mehrfache 
Lage Mull wird mit einem Spatel das die Konsistenz einer erstarrten, etwa 5°/o 
Gelatinelösung besitzende Präparat in 3 — 4 mm dicker Schicht aufgetragen. 
Der so vorbereitete Mull wird auf die vorher gereinigte Haut gelegt, dann 
mit Guttaperchapapier oder einem anderen impermeablen Stoff so bedeckt, 
dass dieser den Mull etwas überragt und das Ganze mit Binden befestigt. 
Dieser Verband wird hauptsächlich bei leichteren ambulant behandelten Ent- 
zündungen empfohlen; bei schwereren Fällen gebühre dem hochprozentigen 
Alkohol der Vorzug. 

Gerota (1) studiert die Frage der Bauch wiindenbehandlung und gibt 12 verschiedene 
Fälle solcher penetrierenden oder oberflächlichen Bauchwunden, die durch Operation be- 
handelt wurden. Stolanoff (Plevna). 



Branner, Tetanus. 
IV. 

Tetanus. 



Referent: Konrad Bninner, Münsterlingen. 



L Pathogenese, Wirkung des Tetanusgiftes. Symptomatologie. Kopf- 
tetanus. 

1. *Ghaaffard, Sar an memoire de MM. Lop et Murat conoemant le t^tanoB conaö- 
catif ä Temploi de la g^latine comme h^mostatiqae ; discassion. Bull, de racad^mie 
de m^. 1903. Nr. U. 

2. Diealafoy, Un caa de t^tanos consöcutif a ane injection de s^ram g^latinö; dis- 
cuaaion. BolL de Tacad^mie de m^d. 1908. Nr. 19. 

3. Els&Bser, BeitrAge zur Kenntnis des Tetanus traumaticos. Deutsche Zeitschrift fttr 
Chirorgie 1903. Bd. 69. Heft 2—4. 

4. Farland, Tetanus Prophylaxis and suspected woands. The journ. of the Amer. Med. 
Ass. 1903. July 4. 

5. Friedel, Die Lehre vom Kopf-Tetanus. Biss. Berlin 1903. 

6. Hohlbeck, Ein Beitrag zum Vorkommen des Tetanusbacillus ausserhalb des Be- 
reiches der Infektionsstelle beim Menschen. Deutsche med. Wochenschrift 1903. Nr. 10. 

7. Kap per» Ein Fall von erfolgreicher Serumbehandlung bei Tetanus. Wiener med. 
Wochenschrift 1903. Nr. 9 und 10. 

8. Meyer und Bansom, Untersuchungen fiber den Tetanus. Archiv fQr experimentelle 
Pathologie etc. 1903. Bd. 49. Heft 6. 

9. Morax et Marie, Untersuchungen über Resorption des Tetanusgiftes. Annales de 
l'institat Pasteur 1903. Mai. 

10. Neumann, Kopftetanus als Abortivtetanus. Monatsschrift für Ohrenheilkunde 1903. 
Nr. 10. 

11. Racine und Bruns, Zur Ätiologie des sog. rheumatischen Tetanus. Deutsche med. 
Wochenschrift 1903. Nr. 43. 

12. Rain, Blank-cartridge wound Inflected by tetanus bacilli; prompt excision; no tetanus. 
Annals of surgery 1903. March. 

13. Remedi, Süll' azione della tiroide nel tetano. Bicerche sperimentali 1903. 

14. Schfitze, Über einen Fall von Kopf tetanus mit seltener Ätiologie. Deutsche med. 
Wochenschrift 1903. Nr. 28. 

Die wichtigen ^Untersuchungen über den Tetanus" von Meyer 
und Ransom (8) befassen sich in einem 1. Abschnitte mit dem lokalen 
Starrkrampf. In bezug auf die erste und wichtigste Vorfrage, wo das 
Tetanusgift den Angriffspunkt seiner verderblichen Wirkung habe, ob im 
Zentralnervensystem oder in der Peripherie oder in beiden, wird eingangs 
hervorgehoben, dass es das unbestreitbare Verdienst von Gumprecht sei, 
mit einer an Evidenz grenzenden Wahrscheinlichkeit gezeigt zu haben, dass 
allein das Zentralnervensystem, insbesondere das Rückenmark, von dem Gift 
krankhaft verändert werde und dass alle funktionellen Erscheinungen der 
Vergiftung, sowie die gesteigerte Reflexerregbarkeit, wie die tonische Starre 
der Muskeln von dieser Rückenmarksvergiftung bedingt seien. 

Die in den Jahren 1892 — 1894 in den Beiträgen zur klin. Chirurgie^) 

Ausgegeben in den Jahren 1892, 1893 und 1894 in Bd. IX- XII. 



60 Jahresbericht für Chirurgie. I. Teil. 

erschienenen experimentellen Untersuchungen des Referenten, welche zum Teil 
vor Gumprecht diese Tatsachen festgestellt haben, werden hier in keiner 
Weise berücksichtigt. Indem die Verfif. auf den Transport des Tetanus- 
giftes auf dem Wege der Nerven zu sprechen kommen, erwähnen sie 
nur, „Brunner nahm auf Grund seiner Experimente über Kopftetanus ein 
Wandern des Giftes zentralwärts im N. facialis an, Hess die Hypothese aber 
als zu wenig plausibel wieder fallen" etc. ^) 

In bezug auf die Nervenleitung ist es den Verfif. gelungen, bei Meer- 
schweinchen nach Injektion des Giftes unter die Haut eines Hinterbeines in 
allen Fällen das Tetanustoxin ausser im Blute in dem der Impfseite ent- 
sprechenden, iu einem Falle ausserdem auch in dem anderen n. ischiadicos 
nachzuweisen. Diese Resultate seien von Marie und Morax durch Experi- 
mente im Roux sehen Laboratorium bestätigt worden. 

Femer ist es den Verfif. gelungen, nach intravenöser tödlicher Vergiftung 
durch die Antitoxinsperrung der beiden Hauptnerven der Hinterbeine das 
ihnen entsprechende Muskelgebiet von der Vergiftung frei zu halten. Sie 
schliessen daraus, dass das Tetanusgift zu dem Zentralnerven- 
system nicht direkt durch Blut- und Lymphbahnen, sondern 
nur auf dem Wege der Nerven hin kommen. 

Weitere Versuche sollen darlegen, dass das Aufwärtssteigen des Giftes 
im Rückenmark durch Durchschneidung des Rückenmarkes gehenmit werde. 
Femer wird experimentell gezeigt, dass der grösste Teil der Inku- 
bationszeit beim Tetanus für die intraneurale Giftwanderung 
bis zu den giftempfindlichen Rückenmarkszentren verbraucht 
werde, sowie, dass nicht nur die Reflexsteigerung, sondern 
gerade auch die für die Tetanusvergiftung charakteristische 
tonische Muskelkontraktion, der lokale Tetanus, allein durck 
zentrale Wirkung mit Ausschluss jeder peripheren Affektion 
entstehe. 

Weitere Experimente bringen Aufschluss über den sog. Tetanus dolo- 
rosus, über die Reflexsteigerung und die Muskelkontraktur und 
auf diesen Versuchen baut sich die folgende hier in extenso wiedergegebene 
Theorie des experimentellen Tetanus auf: 

;,Aus den von mir mitgeteilten Tatsachen glauben wir den Gang der 
experimentellen Tetanusvergiftung in folgender Weise deuten zu können. An 
der geimpften Stelle wird das Gift aus den Lymphspalten zum grössten Teil 
von den motorischen Nerven — wahrscheinlich in ihren marklosen Endi- 
gungen — aufgesaugt und gelangt durch sie zu den motorischen Rücken- 
marksganglien. Diese werden zunächst allein in einen Zustand der Über- 
erregbarkeit versetzt, so dass sie durch die von den sensiblen Neuronen dauernd 
zufliessenden, sonst unterschwelligen, latent bleibenden Reize wirksam erregt 
und zu ununterbrochener Energieentladung gezwungen werden. Genauer aus- 
gedrückt sind die kontinuierlichen sensiblen (Labyrinth-) Reize auch in der 
Norm nicht unterschwellig und bleiben nicht latent, sondern sind die aus- 
lösende Ursache aller der kleinen, ununterbrochenen motorischen Entladungen, 
deren integrale Wirkung wir als Muskeltonus kennen. Diese Entladungen 
sind bei der Tetanusvergiftung abnorm verstärkt; es muss aber sogleich be- 

1) Nach dem Aufsatz in Deutsch, med. Wocheuschrift 1894. Nr. 5. Referent konsta- 
tiert hier nur das Faktum dieser mangelhaften Literaturberücksichtigung ; auf weiteren 
Prioritätsstreit und inhaltliche Kontroverse sich einzulassen, ist hier nicht der Ort. 



Branner, Tetanus. 61 

merkt werden, dass sie nun keineswegs maximale sind. Das erkrankte Glied 
wird nicht gleich in die Endstellung (Hyperextension) gezwungen, sondern 
Extensoren und Flexoren spannen sich langsam an. Dabei überwiegen an 
den hinteren Extremitäten die ersteren und bringen das Glied allmählich 
mehr und mehr in Extensionsstellung ; ist nur erst etwa Mittelstellung erreicht, 
so kann jeder Willensimpuls oder Reflexstoss die Streckung vorübergehend 
steigern, sich also zu den schon wirkenden Tonusentladungen addieren. Man 
kann es daher auch kurz so formulieren : Der lokale Starrkrampf ist der Aus- 
druck, die Folge des abnorm und wachsend verstärkten, alle intrazentralen 
Hemmungen überwindenden Muskeltonus an dem befallenen Glied. 

Nur insofern, als nach Herings bekanntem Versuch jeder motorische 
Impuls überhaupt ;,peripherogen^ ist, ist auch die tetanische Muskelkonstruktur 
von sensiblen Erregungen bedingt und ;,reflektorisch^^; zugrunde liegt ihr aber 
ausschliesslich eine primäre pathologische Änderung des motorischen Appa- 
rates im Rückenmark, die darum auch in ihrer Wirkung zunächst streng loka- 
lisiert ist. 

In den Fasern des Rückenmarks wird das überschüssige Gift weiter- 
geführt und zwar zuerst — durch die direkten Verbindungsbahnen der vor- 
deren Kommissur — zu den motorischen Apparaten der anderen Seite: Starr- 
krampf des korrespondierenden Gliedes. Erst nach einiger Zeit und bei ge- 
nügender Zufuhr erfasst das Tetanustoxin die vermutlich nächst verbundenen 
taktilen Apparate des Reflexbogens im Rückenmark: es kommt zur allgemei- 
uen Steigerung der Reflexe auf Reizung des erkrankten Gliedes oder seines 
Nervenstammes; von allen anderen Stellen des Körpers aber werden nur nor- 
male Reflexe ausgelöst, der eine Punkt des sensiblen Reflexapparates allein 
ist übererregbar, aber jede seiner abnorm heftigen Explosionen kann sich auf 
die mittelst auf- und absteigender Kollateralen ihm verbundenen Reflexappa- 
rate des ganzen Rückenmarks übertragen und umgekehrt wird ein anderer 
sensibler Neuron erregt, so löst die fortgleitende Erregungswelle wiederum 
nur an jener übererregten Stelle einen Reflexstoss aus. — Schreitet die Ver- 
giftung fort, so verbreitet sich sowohl der motorische Tonus, wie die Steige- 
rung der Reflexerregbarkeit und es erfolgt dann „Starre" fast aller quer- 
gestreiften Muskeln und allgemeiner ^ Reflextetanus ^. 

Beim tetanuskranken Warmblüter handelt es sich also um zwei, zeitlich 
und örtlich geschiedene Prozesse im Rückenmark : der erste ist örtlich moto- 
rische Vergiftung: lokale Muskelstarre; der andere sekundäre ist örtlich sen- 
sible Vergiftung : vom vergifteten Neuron auslösbar verbreiterter Reflextetanus. 
Hat die Vergiftung von der Blutbahn aus stattgefundeu, so tritt das Gift zu 
allen motorischen Nervenendigungen und die Erkrankung ist selbstverständ- 
lich nicht an einer Rückenmarkstelle lokalisiert, sondern diffus. Dass dann 
an gewissen Prädilektionsstellen der Tetanus zuerst ausbrechen kann, lehren 
sowohl Tierversuche — bei Katzen z. B. werden die Beuger der Vorderpfoten 
zuerst befallen — wie auch die Pathologie des menschlichen Tetanus. 

Als letzte Folge ist die bleibende Verkürzung und die Atrophie der 
retrahierten und unbeweglichen Muskeln zu betrachten. Bei dem tetanus- 
empfindlichen Warmfrosch kommt nach unseren Beobachtungen die rein moto- 
rische, lokale Muskelkontraktur nicht vor; hier scheint das Gift sogleich in 
die sensiblen Teile des Reflexapparates überzugehen^). 

1) Wer sich für die Entwicklung der Tetanuslehre interessiert, lese in meinen 
zitieTten Arbeiten die von mir 10 Jahre früher, d. h. 1892 publizierten, 1894 weiter 



62 Jahresbericht für Chirurgie. I. Tei]. 

Nach den neuesten Untersuchungen von Morax und Marie (9) sind die 
drei Typen peripherer Neurose, die motorischen, sensitiven und sympathischen 
gleichmässig fähig, das Tetanusgift zu absorbieren. Die spezifische 
Lokalisation des Giftes aber finde wahrscheinlich nicht im peripheren 
Neuron statt, sondern in den zerebralen; die peripheren Neurone würden 
nach dieser ^Hypothese^ nur die Kanäle darstellen, durch welche das Gift 
den zerebralen zugeführt werde. 

Seine in Injektion von Tetanustoxin in die Schilddrüse be- 
stehenden Experimente, über die er schon früher (Lo Sperimentale 1902, 
fasc. 4) berichtete, hat Remedi (13) fortgesetzt. Er experimentierte dies- 
mal an acht Hunden, von denen drei zur Eontrolle dienten; die Injektionen 
machte er ins Schilddrüsenparenchym. Die von ihm erhaltenen Resultate 
sind folgende: Der Kontakt des Tetanustoxins mit den Schilddrüsenzellen 
ruft Erscheinungen von Hypersekretion hervor, die auftreten, sowohl wenn 
das Tetanustoxin in mittelmässiger Menge in das Schilddrüsenparenchym in- 
jiziert wird, als auch wenn es, in Fällen von Allgemeininfektion, auf der 
Blutbahn in dasselbe gelangt; wird dagegen das Tetanustoxin in bedeutender 
Menge ins Schilddrüsenparenchym injiziert, dann herrschen nekrotische Er- 
scheinungen vor. Verf. hält es für nicht unwahrscheinlich, dass nach Auf- 
hören dieser Hypersekretionsperiode eine Wucherung von neuen Elementen 
stattfindet, zwecks Wiederersatzes der Zellenelemente, die durch die Hyper- 
sekretion erschöpft werden. Besonders hervorzuheben ist, dass bei zwei 
Hunden, bei denen das injizierte Toxin das ganze Schüddrüsenparenchym 
durchdrang, keine weiteren Tetanuserscheinungen auftraten, was annehmen 
lässt, dass das Toxin in der Schilddrüse die Verhältnisse zu einer voll- 
ständigen Neutralisation gefunden habe. Die Schilddrüse übe, vermittelst der 
Zellenelemente die sie enthält, eine ähnliche Wirkung aus, wie das künstliche 
Antitoxin, und zwar könne dies, nach Verf., entweder dadurch erfolgen, dass 
das Tetanustoxin sich an der Zelle fortsetzt oder dadurch, dass die Sekretion 
der Epithelelemente das Toxin neutralisiert. R. Giani. 

Angeregt durch Versuche von Prof. Calmette in Lille hat M. Farland (4) 
Versuche an Meerschweinchen gemacht, um die Wirkung getrockneten 
Tetanusantitoxins auf infizierte Wunden zu prüfen. Die Resultate 
waren sehr zufriedenstellend. Das Antitoxin wurde mit Chloroform gemischt, 
auf die Wunden gestreut und diese mit Watte und Kollodium geschlossen. 
Das getrocknete Antitoxin ist unbeschränkt haltbar, macht in die Wunde 
gebildete Tetanustoxine unschädlich und wird resorbiert, um im Blute zu 
zirkulieren bis es von etwa in den Kreislauf gelangten Toxinen in Anspruch 
genommen wird. Maas (New- York). 

Der von Racine und Bruns (11) mitgeteilte Fall zeigt wieder, dass 
der Satz zu recht besteht „ohne Tetanusbacillus kein Tetanus^' und 
dass der Begriff ;,rheumatischer Tetanus" Fälle von kryptogenetischen Tetanus 
umfasst. 

Ein 20jähriger Bergmann erkrankte an ausgesprochenen Erscheinungen 
von Tetanus. Eine äussere Wunde fand sich nicht, wohl aber eitrige Otitis 



ausgefahrten Hypothesen, von denen die 1. aaf der Leitung des Giftes Iftngs den 
Nervenbahnen, die 2. auf einer Doppelwirkung sich aufbaut und vergleiche diese 
meine, den Verfassern offenbar nicht bekannte Darstellung (Der Tetanus, eine toxische 
Neurose) mit der hier von ihnen vorgebrachten Theorie. Referent. 



Brunner, Tetanus. 63 

media. Die Anamnese ergab, dass Patient mit kleinen Reisern den 
äussern Gehörgang gereinigt habe. Genesung unter Antitoxin- 
behandlnng. 

Das Sekret der Otitra media wurde bakteriologisch untersucht und es 
gelang Tetanusbazillen daraus zu züchten, und es war damit der Beweis er- 
bracht, dass die Tetanusinfektion vom rechten Ohr ausgegangen war. 

Elsässer (3) verarbeitet das in Kochers Klinik 1877--1902 be- 
obachtete Material von Tetanusfällen unter Beigabe sämtlicher ausführlicher 
Krankengeschichten. Von den 24 Fällen sind die Mehrzahl männlichen Ge- 
schlechtes. Die Hauptzahl kommt auf Leute, die sich mit Landarbeit be- 
schäftigten ; meist handelt es sich um geringfügige Verletzungen. Bei ^/s hat 
ärztliche Behandlung vor Spitaleintritt nicht stattgefunden; sieben Wunden 
waren mit Gartenerde verunreinigt. 11 Patienten sind am Kopf verletzt; 
leider findet gerade bei diesen die interessante Symptomatologie zu wenig 
Würdigung. Es heisst von der Facialislähmung nur, es seien zu wenig 
Fälle mit solcher aufgetreten (16 7o) ;,um näher darauf einzutreten^^ Von 
einem Patienten am Nasenrücken ist bemerkt, dass er „höchst intensive 
Krämpfe*' hatte. 

Bei fünf Fallen wurden sicher Tetanusbazillen gefunden. 

Therapie: Lokal am meisten Jod und Karbolsäure, auch Jodtri- 
chlorid undArgentum nitricum; bei schweren Fällen Thermokauter 
Imierlich Chloralhydrat und Morphium subkutan, bei heutigen Anfallen 
Chloroform narkose. 

13 Patienten erhielten neben anderen Medikamenten Bemer-Serum, bei 
acht Fällen intrazerebrale Injektion, einmal gleichzeitig intravenös, einmal 
gleichzeitig subkutan, bei zwei Patienten nur intrazerebral. Einer bekam 
5 ccm intracerebral und 50 com durch Lumbalpunktion. 

Von den 13 mit Serum behandelten Fällen sind sechs geheilt. 

Fünf Fälle sind mit Karbolsäure nach Baccelli behandelt worden, mit 
zwei Todesfallen. 

Im ganzen sind von den 24 Fällen 10 geheilt = 58 ^/o Mortalität. 

Dieulafoy (2). Tetanus nach Gelatineinjektion bei einer Phti- 
sikerin. Bei starker Hämoptoe wurde unter alten Kautelen eine Injektion 
von Gelatine am linken Oberschenkel gemacht. Die Lösung war in der 
Apotheke bereitet worden und war ^/2 Stunde aufgekocht worden. Nach 
10 Tagen Ausbruch der tetanischen Erscheinungen. Alsbald Injektion von 
Antitoxin, Chloral per Klysma. Furibunder Verlauf. 

An der Stelle, wo die Gelatine injiziert worden, hatte sich ein kleiner 
Abszess gebildet. Aus diesem Eiter wurden Tetanusbazillen gezüchtet. 

In einer Übersicht über die Literatur erwähnt Verf., dass Chauffard 
der Akademie über 18 Fälle von Tetanus nach Gelatineinjektion Mitteilung 
gemacht habe. 

Der von Kapper (7) beschriebene Tetanusfall ist nach Ansicht des 
Verf. von folgenden Gesichtspunkten aus interessant: 

1. Das klinische Büd war mit Rücksicht auf die Intensität und Lokali- 
sation der Krämpfe (Schlundkrämpfe, Zungenbisse, Mitbeteiligung der Atmungs- 
muskulatur) als ein schweres zu bezeichnen. 

2. Das wiederholt beschriebene Verschwinden der gesteigerten Schweiss- 
sekretion bald nach Beginn der Serumtherapie hat sich hier nicht nach- 



64 Jahresbericht für Chirargie. I. Teil. 

weisen lassen, und es dürfte dieser Umstand wohl auf die deutliche Über- 
erregbarkeit der Vasomotoren, den stark ausgebildeten Dermographismus 
zurückzuführen sein. 

3. Verlauf ohne Temperatursteigerung, welcher ungezwungen durch die 
reichliche Schweissproduktion erklärt wird, was jedoch bei einer mit tetani- 
sehen Muskelkontraktionen einhergehenden Infektionskrankheit nicht gerade 
von vornherein zu erwarten ist. 

4. Das eigentümliche Verhalten des Kremasterreflexes. 

Baxter Bain (12) züchtet aus einer Wunde der Hand Tetanusbazillen. 
Exzision der Wunde und Ausbleiben von Tetanussymptomen ^). 

Friedel (5). Eine aus v. Leydens Klinik hervorgegangene vorzüg- 
liche Dissertation, betitelt ;,Die Lehre vom Kopftetanus^, enthält zu 
Anfang eine historische Übersicht über die Entwickelung der Anschauungen 
über das Wesen des Kopftetanus seit Roses erster Beschreibung. Unter 
kritischer Würdigung der klinischen und experimentellen auf diesem Gebiete 
gemachten Errungenschaften bringt er interessante Gedanken zur Abklärung 
der verschiedenen hier stets noch obschwebenden Streitfragen. Als Beitrag 
zur Kasuistik des Kopftetanus wird ein Fall beschrieben, bei dem an eine 
Verletzung an der Nasenwurzel sich das „gewöhnliche Bild^ des Wundstarr- 
krampfes anschloss, ;,ohne deutliche Lähmungserscheinungen im Facialis- 
bereiche*^. Als einen „Kernpunkt'' der Streitfragen behandelt Verf. jene 
Erscheinung, die zu vielen Kontroversen (Brunner-Klemm) geführt hatte 
und die als „spastische Lähmung'^ oder „paralytische Kontraktur" geschildert 
wurde. Der Muskel kann starr sein ohne Verkürzung. Die durch Palpation 
wahrnehmbare Starre ist nicht der Ausdruck seiner Kontraktion, sondern nur 
seiner Spannung. Es handle sich hier um den Zustand, den Fick in der 
Physiologie als „isometrischen Muskelakt" bezeichnet habe, d. h. als eine 
Aktion des Muskels, bei der es zwar zu einem Starrwerden, einer Anisotonie, 
nicht aber zu einer Verkürzung käme, weil das mechanische System, welches 
Ursprungs- und Insertionspunkt verbinde, einen im mechanischen Sinne zu 
starren Widerstand bilde. Darauf ist „ein Teil" der Erscheinungen zurück- 
zuführen, einen anderen Teil denkt er sich „durch eine krankhafte Ver- 
schiebung in der Willensbahnung" (Goldscheide r) entstanden. In beiden 
Fällen reiche die AuflEassung des Toxins als eines die motorischen Neurone 
lediglich in Überregbarkeit versetzenden Stoffes aus. — Im weiteren zieht 
Verf. hinsichtlich der Pathogenese des Kopftetanus folgende Schlüsse: 

1. Alle bisher beobachteten, durch das Tetanusgift hervorgerufenen 
krankhaften Erscheinungen von Seiten der Muskulatur lassen sich durch die 
Annahme erklären, dass das Gift die Reizschwelle der motorischen Nerven- 
zellen herabsetzt. 

2. Die von dem gewöhnlichen Wundstarrkrampf des Menschen ab- 
weichenden Tetanusformen, die als Kopftetanus, primäre lokale Kontraktur 
u. dergl. beschrieben sind, kommen nur zustande, wenn das Gift am Orte 
seiner Entstehung im Körper mit Muskeln bezw. motorischen Nervenendigungen 
in Berührung kommt. 

3. Die Annahme, dass Achsenzylinder oder deren Hüllen imstande seien, 
das Gift selber fortzuleiten, ist unwahrscheinlich und unnötig. 

1) Der Nachweis von Tetanusbazilien in akzidentellen Wunden ohne Tetanus findet 
sich schon in der Arbeit von Riggenbach. Vgl. Jahresbericht 1897. p. 72. Referent. 



Branner, Tetanus. 65 

4. Die Ausbreitung der Reizbarkeitssteigerung über die motorischen 
Nervenzellen erfolgt, nachdem das Gift in einer Zellgruppe in Wirkung tretend 
bier einen Reizzustand geschaffen hat, der sich kontinuierlich auf weitere 
Zellgruppen fortpflanzt und deren Angreifbarkeit für das Gift erhöht; es 
erkrankt also diejenige Zellgruppe zuerst, die von Natur am angreifbarsten 
ist, die grösste Giftaffinität hat (Portio minor trigemini) oder diejenige, welche 
zuerst — direkt an der Peripherie — mit dem Gifte in Berührung kam; 
in letzterem Falle ist dabei vorausgesetzt , dass der reizleitende Neurit eine 
gewisse Länge nicht überschreite, anderenfalls auch hier zuerst Trismus auf- 
tritt und sogar bei sehr erheblicher Länge des Achsenzylinders (Extremitäten) 
die spät eintretende ;,primär lokale^ Kontraktur durch das inzwischen sich 
entwickelnde Bild des gewöhnlichen Wundstarrkrampfes unkenntlich ge- 
macht wird. 

Bei dem von Schutze (14) bescbriebenen Fall von ^Kopftetanus mit seltener 
Ätiologie' handelt es sich nm eine 58jähr. Fran, welche von einem Pfauhahn in die Stirne 
gebissen wurde; zugleich erhielt sie in der Scheitelgegend von den Krallen herrührende 
Haatftbachürfnngen. 3—4 Tage nachher habe die ganze linke Gesichtshälfte angefangen 
za erschlaffen. 8 Tage spftter stellten sich Krämpfe der Kiefermuskeln ein. Dazu traten 
Schlingbeschwerden. Im weiteren Kontraktur der Nackenmnskeln, geringer Opisthotonus. 

Der Yogelbiss war etwas links von der MittelUnie gelegen und enthielt die abge- 
brochene Schnabelspitze des Pfauen. Die Wunde wurde ausgebrannt und mit Jodoformgaze 
tamponiert. — Die Schnabelspitze wurde einer Maus unter die ROckenhaut verpflanzt und 
anengte typischen Tetanus. Im Wundeiter wurden Tetanusbazillen und Strepto- 
kokken nachgewiesen. — Im weiteren subkutane Seruminjektion. Heilung. 

Hohlbecks (6) Beobachtung „über das Vorkommen des Tetanus- 
bazillus ausserhalb des Bereiches der Infektionsstelle'' bezieht 
sich auf einen Fall von Kopftetanus: 

Auf der rechten Seite der Nase eine Schorfung durch einen Holzstab. «Links ausge- 
sprochene Furchen um Nase und Mund; die rechte Gesichtshälfte glatt." Tonische Kr&mpfe 
im Bereiche der Rumpf-, Hals- und Gesichtsmuskulatur. Extremitäten frei. Behandlung 
mit Chloralhydrat. f* 

Aus dem Blnte konnten Tetannsbazillen gezflchtet werden, allerdiugs nicht in 
Reinkultur. 

2. Therapie. 

1. Y. Behring, Zur antitoxischen Tetannstherapie. Deutsche med. Wochenschrift 1903. 
Nr. 35. 

la.Berlizheimer und Meyer, Zwei Fälle von Tetanus acutus. Deutsche med. Wochen- 
schrift 1903. Nr. 42. 

2. Carti, E., Tetano ed accido fenico. II Policlinico. Sez. pratica 1903, Fase. 49. 

3. *Cook, Oase of traumatio tetanus; recovery. The Lancet 1903. Oct. 17. 

4. Corte, P. A., Dne osservazioni di tetano curato e guarito ed metodo Baccelli. U 
Policlinico. Sez. pratica 1903. Fase. 26. (Zwei Fälle mit Ausgang in Heilung.) 

5. ^Ebstein, Zur Lehre von der Behandlung des Tetanus traumaticus mit dem Behring- 
schen Serum. Diss. Glossen 1903. 

6. Elwortly, A case of traumatic tetanus treated with antitoxin. The Lancet 1903. 
Aug. 15. 

7. Frotscher, Zur Behandlung des Tetanus traumaticus mit Behrings Tetanusantitoxin. 
Deutsche med. Wochenschrift 1903. Nr. 10. 

8. Glaser, Zur Kasuistik der Antitoxinbehandlung des Tetauus. Deutsche med. Wochen- 
schrift 1903. Nr. 44. 

9. Gerber, Ein Fall von Tetanus, erfolgreich mit Behrings Antitoxin behandelt. 
Deutsche med. Wochenschrift 1903. Nr. 26. 

10. Herrmann, Ein schwerer Fall von Tetanus traumaticus. Münchener med. Wochen- 
schrift 1904. Nr. 10. 

11. Holub, Zur Antitoxinbehandlung des Tetanus. Wiener klin. Wochenschrift 1903. 
Nr. 31. 

Jahresberieht für Chirargie 1903. 5 



66 Jahresbericht für Chirurgie. I. Teil. 

12. Luckett, The rational treatment of tetaous a report of sacceafnl treatment by Spina 
sabarachnoid injections of antit^tanic serum. Medical News 1903. April 18. 

13. Leone, 6., Tetano e metodo Baccelli. II Policlinico. Sez. pratica 1903. Fase 18. 

14. Luciani, L., La resistenza dell' organismo all' acido fenico in un tetanico all' ospedale 
Cousolazione di Roma. II Policlinico. Sez. pratica 1908. Fase. 26. 

15. Mowat, Note on a case of tetanus; injections of antitetanic serum; recovery. The 
Lancet 1903. Not. 14. 

16. *Matyen, Ein Beitrag zur Kasuistik des Tetanus. Diss. Kiel 1903. 

17. Sannders, A case of acute Tetanus with certain points of interest. The Lancet 1903. 
March 7. 

18. V. Schuckmann, Zur Frage der Antitozinbehandlung bei Tetanus. Deutsche med. 
Wochenschrift 1903. Nr. 10. 

19. ^Schumann, 10 Fälle von Tetanus traumaticoa aus der chirurg. Klinik in Freiburg. 
Diss. Freiburg 1903. 

20. Tessier, Un cas de gu^rison de t^tanos aigu avec ötrangiement hemiaire. Archives 
g^nörales 1903. Nr. 40. 

21. W a 1 1 h e r , T^tanos traumatique trait^ par des injections lombaires intra-arachnoidiennea 
de s^rum antit^tanique. Quörison. Bull, et m6m. de la soc. de Ghir. 1908. Nr. 29. 

22. L. Wirsaladze, ,Die Behandlung des Tetanus mit Injektionen von Himemulaion 
gesunder Tiere". Russki Wratsch 1903. Nr. 81. 

y. Behring (1) erörtert in vorliegender Abhandlung zunächst die 
theoretische Seite der Tetanusfrage insoweit, als dies zum Verständnis seiner 
Ratschläge für eine rationelle Heilserumbehandlung des Tetanus erforderlich 
sei. Er referiert daher über die neueren Forschungsergebnisse, welche Ein- 
blick verschaffen in den Mechanismus des Zustandekommens der Vergiftung 
und Entgiftung beim Tetanus. Es kommen dabei hauptsächlich die Ergeb- 
nisse der Arbeit von Hans Meyer und Ransom zur Sprache, die hier 
besonders referiert sind. 

Welche Teile in den giftempfindlichen Zellen es sind, welche vom 
Tetanusgiftmolekül angegriffen werden, entziehe sich vorläufig unserer Kenntnis. 
V. Behring glaubt genügenden Grund zu der Annahme zu haben, dass diese 
Teile nicht im Kern, sondern im Cytoplasma zu suchen sind. Nach der mit 
grossem Beifall in der Gelehrtenwelt aufgenommenen Konzeption Ehrlichs 
werden die sich vermehrenden Substrate des Tetanusangriffes als antitoxisch 
wirkende Bestandteile in das Blut abgestossen, wo sie in der Blutflüssigkeit 
gelöst, also extrazellulär zirkulieren und bei der Blutgerinnung in das Serum 
übertreten. 

Im weiteren entstehe die Frage, ob die das Tetanusgift attrahierenden 
Zellbestandteile noch in anderen Zellen als bloss in den Ganglienzellen oder 
gar bloss in motorischen Ganglienzellen existieren. Ganz ausser Frage ge- 
stellt sei ihre Existenz in sensiblen Ganglienzellen des Rückenmarks, 
auch sympathische Ganglienzellen werden angegriffen. Indem Verf. auf 
das Antitoxin zu sprechen kommt, bemerkt er, dass ihn unablässig fort- 
gesetzte Studien zu einer Auffassung geführt haben, welche die Inaktiviemng 
des Tetanusgiftes durch das Heilserum den fermentativen Umwandlungen der 
Proteine an die Seite stelle. Nach dieser Auffassimg müsse noch ein dritter 
Körper hinzukommen, welcher den Kontakt herstelle. Der letzte Teil der Arbeit 
bringt die aus diesen bezüglichen Versuchsergebnissen hervorgehenden 
Konsequenzen für die therapeutische Praxis, wobei eröffnet wird, dass Verf. 
die Produktion seiner Tetanusheilsera ganz nach Marburg verlegt habe. 

Holub (11). Eine 41jährige Frau ritzt sich mit Holz am linken 
Mittelfinger. 3 Tage darauf Beginn des akuten Tetanus. Behandlung mit 
Serum s üb dural, daneben Morphium, f. 



Branner, Tetanus. 67 

Impfangen von Mäusen mit der Punktionsfltissigkeit erfolglos. Statistisch 
soll dies der 26. Fall der mit Duralinfusion behandelten Kranken sein. Von 
diesen verliefen 18 tödlich, also Mortalität 69,2 ^/o. 

Ein post mortem aus dem verletzten Finger extrahierter Holzsplitter 
wurde in Bouillon gebracht. Mit dieser geimpfte Mäuse erkrankten an 
Tetanus. 

Luekett (12) berichtet Aber drei Fälle von Tetanus. Der erste betrifft einen 12jähr< 
KiiAben mit PistoieDSchusswonde der linken Hand. Behandlung mit Brom und Chloral« 
hydrat. f* Beim zweiten ebenfalls Schasswunde der linken Hand. Behandlung mit sab* 
arschnoider Injektion von Serum. Heilung. Beim dritten Fall Wunde am Hals. 
Behandlung wie bei 2. Heilung. (Antitoxin aus Board of Health of New York.) 

Elworthy (6). Ujfthr. Knabe. Verletzung am linken Foss, welche eiterte. Tetanus. 
Das Antitoxin hatte nicht mehr Effekt als Ghloral und Brom, und die Injektion in den 
Spioalkanal nicht mehr als die subkutane, f. 

Saun d er s (17). 38jähr. Mann wird am linken Knie verwundet. Tetanus. Behandlung 
mit Antitoxin, Chloralhydrat. Antitoxin ohne Effekt, f. 

Walther (21). 22jähr. Mann. Bisa durch einen Hund am linken Bein. Intra- 
araehnoide Injektion von Serum. Chloral- und Ohloroforminbalation. Heilung. 

Gerber (9). Tetanusfall bei einem lOjfthr. Kinde. Verletzung nicht nachweisbar« 
Behandlung mit Serum. » Auffallende Besserung direkt im Anachluss an die 2. Injektion"^, 
Verfasser ist von der Heilwirkung des Serums , felsenfest" Überzeugt. 

Frotscher (7). 40jähr. Landwirt mit Kopfwunde, links auf dem Scheitelbein. 
Infektion der Wunde. Inkubation 18 Tage. Entwicklung der tetanischen Symptome „lang»- 
Mm*. Im ganzen aber «recht schweres" Krankheitsbild. Behandlung mit Serum, Ghloral 
hydrat und Morphium. Genesung. Verf. hält es für wahrscheinlich, ,dass das noch recht- 
leitig angewandte Serum den Verlauf der Krankheit günstig beeinflusst hat*. 

Tessier (20). Ein 56jfthr. Gärtner erkrankt an akutem Tetanus nach Schürfungen 
der Hand. Behandlung mit Antitoxin. Genesung. Interkurrent eine eingeklemmte Ing.- 
Hernie, welche durch Däbridement des Schnürringes behandelt wird. 

Schuckmann (18) gibt zunächst die Krankengeschichte eines eigenen 
Falles. 

26jfthr. Mann. Verletzung am Fusse. Inkubation unbestimmt. Akuter Tetanus. 
.Patient starb 48 Stunden nach Auftreten der ersten Tetanussymptome . . .' 

Anschliessend gibt Verf. eine Statistik von in den Jahren 189d und 
mit 1901 in zwei Zeitschriften (Deutsch, med. und Berl. klin. Wochenschrift) 
publizierten Tetanusfallen, darunter 76 mit Serum behandelte. Er kommt 
bei der Sichtung dieser Fälle zu dem Schlüsse: ;,dass das Tetanusantitoxin 
in seiner jetzigen Form auch bei Innehaltung der von Behring neuerdings 
aufgestellten Vorschriften, nicht geeignet ist, einen nennenswerten thera- 
peutischen Erfolg zu erzielen. 

Herr mann (10). IQjfthr. Knabe. Verletzung mit Holz am Fuss. Schwerer Tetanus. 
Behandlung mit Ghloral, Morphium, Brom, Antitoxin, f. Verf. bemerkt hinsichtlich des 
Semms: .Abgebehen von der Schwierigkeit, dasselbe zu beschaffen — es war selbst in 
renommierten Berliner Apotheken nicht einmal dem Namen nach bekannt, geschweige denn 
Torrfttig — ist der Preis desselben ein so abnorm hoher, dass der Anwendung schon aus 
diesem Grunde grösseren Schwierigkeiten in der gewöhnlichen Pi-axis begegnen werden.* 

Glaser (8). 50j&hr. Landwirt. Verletzung mit Nagel am rechten Fuss. Nach In- 
bbation yon 8 Tagen Tetanus. Antitoxinbehandlung (Behring). Tod 8 Tage nach Beginn 
der Erscheinungen. 

Berlizheimer nnd J.Meyer (la). 1. Fall. Krankenpflegerin ohne Wunde. Allge- 
meiner Tetanus mit Chloralhydrat, Morphium und Serum subkutan behandelt (Höchst) und 
Injektionen zu je 50 g. Morbillenartiges Exanthem. Genesung. 

2. Fall. ISjfthr. Knabe wurde von der Strassenbahn überfahren. Amputation nach 
Lief ran c. Akuter Tetanus. Subkutane Injektion von Serum, Morphium nnd Ghloral, dann 
nbarachnoide Infusion, t- 

Mowat (15). 40 jähr. Frau. Verletzung der grossen Zehe durch einen Nagel. 
Rapider Tetanns 86 Stunden nach dem Trftuma. 9 mal Injektion yon 10 ccm' Serum. 
OeneeuDg. 

5* 



68 Jahresbericht für Chirurgie. I. Teil. 

Wirsaladze (22) behandelte sieben Fälle von Tetanus mitinjektionen 
von Hirnemulsion gesunder Tiere. Drei Patienten starben. Bei den ge- 
nesenen Patienten sah Wirsaladze nie eine Beeinflussung der Krankheits- 
symptome durch die Injektionen. Hohlbeck (St. Petersburg). 

Bezugnehmend auf eine Arbeit Cavazzeranis (Rivista veneta di sc. 
med. 1901), der auf Grund von 6 trotz der Karbolsäurebehandlung in Tod 
ausgegangenen Fällen dem Phenol antitetanische Eigenschaften abspricht, 
veröffentlicht Leone (13) einen sehr schweren Fall von traumatischem Tetanus 
bei einem 11jährigen Knaben, in welchem er ausschliesslich durch Karbol- 
säureinjektionen Heilung erhielt. Die Injektionen verursachten Schmerzen, 
aber nach 10 — 20 Minuten trat stets Erleichterung ein; in 21 Tagen wurden 
6,90 g Phenol injiziert. Die Anfangsdose war 1 cg pro Kilo Individuum. 
Die Injektionen hatten keinerlei Störung hervorgerufen. R. Giani. 

Die beiden von Luciani (14) durch Karbolsäureinjektionen ge- 
heilten Fälle von Tetanus tun dar, dass sich die Heilung nur mittelst starker 
Dosen erzielen lässt und dass bei Tetanuskranken die Widerstandsfähigkeit 
des Organismus gegen die Karbolsäure eine ausserordentlich grosse ist. Denn 
einem der Patienten, einem 31jährigen Manne wurden in 43 Tagen 45 g 
Karbolsäure und dem anderen, einem 9 jährigen Knaben, nicht viel geringere 
Dosen injiziert. Nach Verf. zeigen Tetanuskranke, wie auch mit Rheumatismus 
Behaftete wirklich eine besondere Widerstandsfähigkeit gegen Karbolsäure. 

R. Giani. 

Gurti (2) berichtet über einen Fall von traumatischem Tetanus bei 
einem 11jährigen Knaben, der mittelst Karbolsäureinjektionen (3,90g 
in 9 Tagen) behandelt wurde und einen letalen Ausgang hatte. Verf. schreibt 
den unglücklichen Ausgang der Intensität der Infektion zu ; das Inkubations- 
stadium war nur ein ganz kurzes (kaum 6 Tage). Zum Schlüsse gibt Verf. 
eine vollständige Statistik der bisher mit Phenol behandelten Fälle, eine 
Statistik, die 126 Tetanusfälle mit nur 25 Todesfallen umfasst. 

R. Giani. 



V. 

Wut 



Referent; Konrad Brunner, Münsterlingen. 



Die mit * verfiehenen Arbeiten sind nicht referiert worden. 

1. *Gabot, Best methods to prevent Hydrophobia. Medical News 1903. August 15. 

2. *Gill, Rabies. Medical News 1903. August 15. 

3. '''Kirchner, über die Biss Verletzungen von Menschen durch tolle oder der Tollwut 
yerdächtige Tiere in Preussen 1900 und 1901. Jena. G. Fischer 1902. 

4. ^Pritchard. Hydrophobia: Symptoms and diagnosis. Medical News 1903. August 15. 

5. Negri, Zur Ätiologie der Tollwut Zeitschrift fQr Hygiene 1903. Bd. 44. Heft 3. 



Pagenstecher, Vergiftungen. 69 

Negri (5) hat in einer früheren Publikation mitgeteilt, dass er im 
Nervensystem wutkranker Tiere einen Mikroorganismus vorgefunden habe, 
der zu den Protozoen gehöre. Diesen Mikroben vermisse man bei nicht 
wntkranken Tieren und derselbe müsse ;,als ein spezifisches Vorkommnis der 
Wntinfektion^ angesehen werden. Diese Befunde haben in Untersuchungen 
Daddis (Florenz) eine Bestätigung gefunden. Merkwürdig, ja unerklärlich 
sei, dass dieser merkwürdige Parasit, dessen genaue Beschreibung schon 
früher gegeben wurde, mit Vorliebe in den Nervenzellen des Ammons- 
hornes sich einniste. Sowohl beim Hunde als beim Kaninchen werde gleich- 
zeitig mit den ersten Symptomen auch das Auftreten von deutlich erkenn- 
baren endozellulären Parasitärformen bemerkbar. 

Verf. betont weiter die grosse Bedeutung des Nachweises dieser Para- 
siten für die Diagnose. Bei 72 von 88 verdächtigen Hunden konnten die 
beschriebenen Mikrobien in den Zellen des Ammonshomes nachgewiesen 
werden und es wird die Einführung dieses Untersuchungsverfahrens in die 
Praxis empfohlen. 



VI. 

Vergiftungen- 
Referent: E. Pagenstecher, Wiesbaden. 



1. Boinet, Immunii^ contre le venin des vip^res. Bulletin de l'acad^mie de medecine 
1903. Nr. 7. 

Boinet (1) berichtet über einen Mann, welcher für das Calmettesche 
Institut Kreuzottern fing und infolge häufiger Bisse durch die Schlangen 
allmählich eine hohe Immunität dagegen erlangte. Der erste Biss im 25. Jahr 
war von schweren Erscheinungen gefolgt. Spätere Bisse wirkten schwächer. 
Wenn er länger nicht mehr gebissen war, z. B. zu Beginn einer Jagdsaison, 
traten stets stärkere Erscheinungen auf als am Ende derselben. 



70 Jahresbericht für Chirurgie. I. Teil. 



vn. 

Tuberkulose, Syphilis. Lepra, Aktinomykose, Milzbrand, 
Maul- und Klauenseuche, Eehinoeoeeus. 

Referenten: R. Waldvogel, Göttingen und A. Borchard, Posen. 



Die mit * versehenen Arbeiten sind nicht referiert worden. 

A. Taberknlose. 

Referent: R. Waldvogel, Göttingen. 

1. Adler, B., Therapentische und diagnostische Verwendung des Tuberkulins. Prager 
med. Wochenschrift 1903. Nr. 3—11. 

2. Allbut, Ol., On the causes of tuberculosis. Medical Press 1908. May 27. 

3. "'Asch, Über das Schicksal der in die Nierenarterien eingebrachten Tuberkelbazillen. 
Zentralbl. fQr die Krankheiten der Harn- und Sexualorgane 1908. Bd. XIV. Heft 4. 

4 Baradat, Wahl des Klimas in der Behandlung der Tuberkulose. Zeitschrift far Tuber- 
kulose und Heilstftttenwesen 1908. Bd. 4. Heft 6. 

5. *B eh ring, Tuberkulosebekftmpfung. Marburg 1903. N. G. Elwerts Verlag. 

6. B e h r i n g , E. V., Tuberkulosebekämpfung. Allgemeine Wiener med. Zeitung 1903. Nr. 13. 
Wiener med. Wochenschrift Nr. 11, 12. Berliner klin. Wochenschrift Nr. 11. 

7. Behring, E. V., Über die Artgleichheit der vom Menschen und der vom Rinde stam- 
menden Tuberkelbazillen und über Tuberkulose-Immunisierung von Rindern. Wiener 
klin. Wochenschrift 1903. Nr. 12. 

8. Bentz, V., Quelques observations de rhumatisme tuberculeux chez des enfants. La 
Presse m^dicale 1903. Nr. 65. 

9. Bouveyron, Contribution clinique ä T^tude du rhumatisme tuberculeux dans les cas 
de lupns Willamique ou de tuberculides. Revue de Chirurgie 1908. Nr. 9. 

10. Brauer, L., Das Auftreten der Tuberkulose in Zigarrenfabriken. Beitrage zur Klinik 
der Tuberkulose. 1908. Heft 1. 

11. Burkhardt, Ä.« Über Häufigkeit und Ursache menschlicher Tuberkulose auf Grund 
von ca. 1400 Sektionen. Gesellschaft für Natur- und Heilkunde zu Dresden. Münche- 
ner med. Wochenschrift 1903. Nr. 29. 

12. Cipollina, A., Beitrag zu dem Studium der Rinder- und menschlichen Tuberkulose. 
Berliner klin. Wochenschrift 1903. Nr. 8. 

18. Connon, M., The iodoform treatment of tuberculous disease. British medical Journal 
1903. July 11. 

14. Czerny, V., Über die häusliche Behandlung der Tuberkulose. Beiträge zur Klinik 
der Tuberkulose 1903. Heft 2. 

15. Deanesly, E., The open-air treatment of surgical tuberculosis. British medical Jour- 
nal 1903. Oct. 17. 

16. Deetz, E., Über die Tuberkulose bei Schweinen im Vergleich mit der bei Menschen 
und den Rindern vom sanitätspolizeilichen Standpunkte aus. Jena 1908. Klinisches 
Jahrbuch Bd. 11. 

17. Deetz, E., Zur Frage der Übertragung menschlicher Tuberkulose auf Schweine. Sonder- 
Abdruck aus der Orth- Festschrift 1908. 

18. Dolore, H., Pathog^nie du rhumatisme tuberculeux. Lyon medical 1903. Nr. 85. 

19. Diese: Untersuchungen über die Durchgängigkeit der jugendlichen Magendarmwand 
für Tuberkelbazillen. Beriiner klin. Wochenschrift 1903. Nr. 1. 

20. ^Fiedler, Die Dualität der Tuberkulose. Zeitschrift für Tuberkulose 1903. Band 4. 
Heft 6. 



Waldvogel, Taberkulose. 71 

21. Forsse 11, Olof, Hson., Eine verbesserte Methode zum Nachweis von Tuberkel- 
bazillen im Harn. Deutsche Zeitschrift für Chirurgie 1903. Bd. 66. Heft 3 u. 4. 

22. *Foarnier et Beaufnm^, Recherche du bacille de Koch dans Turine. Soc. de 
biologie 1902. Nov. 15. 

23. Freudenthal, W., Ein Beitrag zur Anwendung der elektrischen Lichtstrahlen bei 
Tuberkulose. Allgemeine Wiener med. Zeitung 1908. Nr. 32 u. 33. 

24. Friedman, Fr., Immunisierung gegen Tuberkulose. Deutsche med. Wochenschrift 
1903. Nr. 50. 

25. Haan, J. de. Experimentelle Tuberkulose. Virchows Archiv 1903. Bd. 174. Heft 1. 

26. Hamilton, J., On the inoculability of human tuberculosis upon bovines. British 
medical Journal 1903. Sept 12. 

27. Hansemann, D. von, Über FQtterungstuberkulose. Berliner klin. Wochenschrift 1903. 
Nr. 7 u. 8. 

28. Heitzmann, W., The treatment of tuberculosis. Medical News 1908. Febr. 21. 

29. Hobbs, J., Importance de certains signes (rhumatisme monoarticnlaire) et röactions 
(öpreuves des v^sicatoires) dans le diagnostic de la tnberculose latente. La Presse 
mödicale 1903. 25. F4vr. 

30. Huber, B., Predispositions to tuberculosis. Medical News 1903. Dec. 26. 

30. Ito, S., Untersuchungen aber die im Rachen befindlichen Eingangspforten der Tuber. 
kulose. Berliner klin. Wochenschrift 1903. Nr. 2. 

32. Jordan, M., Zur Pathologie und Therapie der Hodentuberkulose. BeitrAge zar Klinik 
der Tuberkulose 1903. Heft 2. 

33. Elingmüller, V., Zur Wirkung abgetöteter TuberkelbaziUen und der Toxine von 
Tuberkelbazilleo. Berliner klin. Wochenschrift 1903. Nr. 34. 

34. Kossei, Mitteilungen über Versuche an Rindern mit Tuberkelbazillen verschiedener 
Herkunft. Berliner klin. Wochenschrift 1903. Nr. 29. 

35. Eraemer, C, Das Prinzip der Dauerheilung der Tuberkulose. Tabingen 1903. 
Pietzker. 

36. *Kunow, Tuberkulose bei akzidentellen Wunden. Diss. Berlin 1908. Juni. 

87. Lassar, 0., Über bovine Impftuberkulose. Berliner klin. Wochenschrift 1903. Nr. 31. 

38. Lucas-Ghampionnidre, Le traitement des grandes poches d'absc^ par congestion. 
Ponctions et injections d'huile de vaseline ä Tiodoforme. Journal de m4d. et de chir. 
pratique 1903. Juli 12. 

39. Macfadyen, üpon the virulence of the bacillus of human and bovine tuberculosis 
for Monkeys. The Lancet 1903. Sept. 12. 

40. Maillaud, M., Rhumatisme tuberculeux primitif. Gazette des höpitaux 1903. Nr. 84. 

41. Maly, W., über eine seltene Lokalisation und Form von Tuberkulose, v. Br uns sehe 
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42. Maragliano, £., The struggle of the body against tuberculosis and its immunisation. 
Medical News 1903. Vol. 83. Nr. 1 und Berliner klin. Wochenschrift Nr. 25 u. 26. 

43. Mar t e 1 1 , Die Frtthtuberkulose und ihre Therapie durch KalomeL Wiener med. Wochen- 
schrift 1903. Nr. 7, 8, 9 u. 10. 

44. Massel in, J., Recherche des bacilles de Koch dans les produits pathologiques. La 
Presse m^dicale 1903. Nr. 75. 

45. Mas tri, C, Le iniezioni di olio jodato nella tuberculosi chirurgica. Rif. med. Nr. 39. 

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47. Mitulescu, J., Beiträge zur Ätiologie der Tuberkulose. Zeitschrift für Hygiene 1903. 
Bd. 44. Heft. 3. 

48. Monaiquaud, Rhumatisme tuberculeux. (Polyarthrites et synovites tendineuses 
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49. Nathan-Lannier, L., Proc^d^ nouveau pour la recherche des bacilles tuberculeux 
dans les liquides pathologiques. La Presse m^dicale 1903. Nr. 97. 

50. Nebelt hau, £., Beiträge zur Entstehung der Tuberkulose vom Darm aus. Münchener 
med. Wochenschrift 1903. Nr. 29 u. 30. 

51. Dehler, R., Über Tuberkulose-Infektion. Allgemeine med. Zentral-Zeitung 1903. Nr. 5. 

52. Orth, J., Über einige Zeit- und Streitfi-agen aus dem Gebiete der Tuberkulose. Ber- 
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53. *Papon, Contribution au traitement des abcäs fi'oids par les injections modificatrices 
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72 Jahresbericht für Chirurgie. I. Teil. 

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74. Sorger, L., Zur Entstehung der Tuberkulose vom Darm aus. Münchener med. Wochen- 
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75. Steinh aus, J., Über eine eigenartige Form von Tuberkulose des lymphatischen Appa- 
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80. Weber, E., Le terrain humain de la tuberculose. Revue m^dicale de la Suisse ro- 
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81. Westenhoeffer, Demonstration von Präparaten von positiver direkter Übertragung 
menschlicher Tuberkulose auf das Rind. Berliner klin Wochenschrift 1903. Nr. 14. 

82. Wiener, E., Beitrag zur Übertragbarkeit der Tuberkulose auf verschiedene Tierarten. 
Wiener klin. Wochenschrift 1903. Nr. 20. 

J. r t h (52). Dass Leichentuberkel viel öfter bei Menschen vor- 
kommen, welche sich mit menschlichen Leichen als bei solchen, welche sich 
mit Tierleichen beschäftigen, erklärt sich daraus, dass die Tuberkulose unter 
Menschen bei weitem häufiger ist und dass die Gelegenheit zu septischer In- 
fektion bei Menschenleichen grösser ist. Die aus Menschen erworbenen 



Waldvogel, Taberkulose. 73 

Leichentuberkel sind nicht bösartiger als die ans Tieren. Auch beim Menschen 
gibt es der Infektionskrankheit Tuberkulose zugehörige diffuse Granulations- 
gewebsbildungen mit oder ohne Tuberkel, aber nicht ohne Tuberkelbazillen, 
makroskopische und mikroskopische Unterschiede berechtigen nicht zur Auf- 
stellung einer ätiologischen Verschiedenheit zwischen Menschen- und Tiertuber- 
kolose. Können Tuberkelbazillen aus einem schwer tuberkulösen Menschen 
stammend auch beim Vieh tukerkulöse Veränderungen erzeugen, so muss ent- 
weder die genuine Menschentuberkulose auf Tiere übertragbar sein oder wenn 
bestritten wird, dass die Tuberkulose des Menschen eine genuine ist, die 
Tiertuberkulose beim Menschen als allgemeine schwere Form vorkommen. Von 
den fünf durch Orth mit vom Rind stammenden tuberkulösen Massen infi- 
zierten Kälbern erkrankten zwei an ausgedehnter Tuberkulose. Die Infektion 
gelingt auch bei direkter Übertragung. Auch die vom Reichsgesundheitsamt 
angestellten Experimente haben vollauf die seitherigen Erfahrungen bestä- 
tigt, 28 ^/o der Stämme haben sich bei subkutaner Einführung als virulent für 
Kälber erwiesen. Auch von Kälbern stammende Bazillen können für Kälber 
avirulent sein. 

Die galoppierende Phthise und die in 6 — 8 Wochen zum Tode führende 
Peribronchitis, welche Form Schottelius (71) als Inhalationstuberkulose auf- 
fasst, sind eigentlich fast vollständig verschwunden. Verf. erwähnt einen 
Fall von Liaboratoriumstuberkulose : ein kerngesunder Diener erkrankte, als 
er in einem Raum beschäftigt war, in dem grosse Mengen tuberkulösen 
Sputums verstäubt wurden, nach 6 Wochen und starb nach wenigen Wochen 
an galoppierender Schwindsucht. Die Verbreitung der richtigen Erkenntnis 
der Krankheit ist auch in den Heilstätten das günstig Wirksame. Rassen- 
imterschiede der Bazillen lassen sich morphologisch und physiologisch noch 
nicht erkennen, zur Identifizierung dient vorläufig die klinische, anatomische 
und experimentelle Beobachtung. An zwei Kühen und drei Kälbern wurden 
Fütterungsversuche angestellt; es sollten mit der Versuchsanordnung natür- 
liche Vorgänge nachgeahmt werden; von der Tuberkulinisierung wurde Ab- 
stand genommen. Die Tiere stammten aus einer Gegend, in der Tuberkulose 
nicht vorkommt; eine Kuh und ein Kalb wurden als Kontrolltiere nach 
4 Monaten geschlachtet. Die beiden Kälber bekamen das Sputum in aufge- 
kochter und abgekühlter Milch, der Kuh wurde das Sputum auf das Grün- 
fatter verspritzt. Alle drei Tiere erkankten, wie die Sektion ergab, an 
Fütterungstuberkulose. Bei den Kälbern war der Weg, den die Infektion 
genommen hatte, deutlich; bei ihnen fanden sich Tuberkulose der um den 
Isthmus fancium gelegenen Drüsen, Erosionen und Geschwüre des Darmes, 
tuberkulöse Mesenterialdrüsen. Abstrichpräparate ergaben Bazillen. Mit dem 
Material geimpfte Meerschweinchen gingen an Tuberkulose ein. Die weitaus 
grösste Zahl der Fälle von Rindertuberkulose entsteht durch direkte Infektion 
mit menschlichem Sputum. Die Übertragung der Rindertuberkulose auf den 
Menschen durch Wundinfektion kommt nur sehr selten vor, wie überhaupt 
die tierische Tuberkulose für die Verbreitung der menschlichen Schwindsucht 
tmd der menschlichen Tuberkulose ohne Bedeutung ist. 

Aus den Literaturangaben entnimmt Price Jones (59), dass primäre 
Tuberkulose der Bronchialdrüsen und alle anderen weniger einfachen Varie- 
täten der Lungentuberkulose verursacht sind durch infizierte Luft und dass 
der BaziDus des Menschen sie erregt, dass die primäre Mesenterialdrüsen- 
taberkulose, die alimentäre Tuberkulose in ihrer einfachsten Form, verursacht 



74 Jahresbericht für Chirurgie. I. Teil. 

wird von den verschluckten Massen, die durch den Yerdaunngstrakt gehen, 
dass sie von allen Varietäten des Tuberkelbacillus erregt wird. Man findet 
bei Kindern sehr selten Fälle von reiner Lungentuberkulose, sie neigen zu 
allgemeiner Tuberkulose und der Ursprung dieser kann mit Sicherheit nicht 
festgestellt werden. Wegen der engen Umgrenzung des Begriffs ,, primäre 
Intestinaltuberkulose^ sind Kochs Angaben über deren Häufigkeit wahr- 
scheinlich zu niedrig. Eine Zusammenstellung der Statistiken über das Ver- 
hältnis der alimentären Tuberkulose zu den anderen Formen hat einen 
geringen Wert für die Lösung der Frage. Es scheint nicht sehr wahrschein- 
lich, dass Kuhmilch bei Kindern, die abgewöhnt sind, häufig Tuberkulose 
verursacht. Verf. betont, dass die Quelle der Krankheit verunreinigte Luft 
ist und nicht die Nahrung; er bringt 21 Fälle von durch die Autopsie 
festgesteDten Tuberkulosen bei Kindern, unter ihnen sind 6 nur zweifelhaft 
alimentären Ursprungs. Die bakteriologische Untersuchung dieser 6 Fälle ist 
noch nicht abgeschlossen; sie soll feststellen, ob immer derselbe Bacillus ge- 
funden wird, ob er mit dem der Phthise identisch ist, in welcher Beziehung 
er zum Tuberkelbacillus, der aus der Milch einer Kuh mit tuberkulösem Euter 
gewonnen ist, und zu den andern Varietäten steht. 

Schanz (65). Da fast alle Menschen an Tuberkulose erkranken, so 
kann es keine besondere Erkrankungsdisposition für Tuberkulose geben. Das 
zur Erklärung des so verschiedenen Verlaufs der Infektionen mit Tuberkel- 
bazillen notwendige y Pettenkofers macht die Tuberkulose erst gefährlich, 
dies ist zu suchen in vorausgehenden Gewebsveränderungen. Der Tuberkel- 
bacillus ist nach Schanz Nosoparasit. Mit der Identität von Rinder- und 
Menschenbazillen ist infolge des Faktors y nicht die Identität der Krankheiten 
erwiesen. 

Unter 3404 die Sprechstunde besuchenden Kranken waren 221 mit 
tuberkulösen Affektionen ; unter diesen waren nur 25, bei denen eh 1er (51) 
einen annehmbaren Infektionsweg erfragen konnte. Von den 221 Patienten 
waren 37 unter fünf Jahren; bei diesen konnte in 12 Fällen eine Infektions- 
quelle nachgewiesen werden. Bei Erwachsenen war also die Infektionsquelle 
in ll^/o, bei Kindern in 32®/o aufzudecken. Das Zusammenleben mit Schwind- 
süchtigen ist eine grosse Gefahr. Gerade die langsam und schleichend ver- 
laufenden Tuberkulosen älterer Erwachsener (der Grosseltem) geben oft die 
Infektionsquelle für Kinder ab, die leichten ambulanten Fälle verschleppen 
die Krankheitskeime. 

Burkhardt (11). Pleuraverwachsungen und Indurationen der Lungen- 
spitzen, wenn sonst keine Zeichen von Tuberkulose vorhanden waren, wurden 
nicht als Tuberkulose gezählt. Unter den 190 Kinderleichen waren 40°/o von 
Tuberkulose befallen, von ihnen sind ca. 50°/o an letaler Tuberkulose zu- 
grunde gegangen. Im Alter von 6 Wochen bis 12 Monaten wurde bereits 
7 mal letale Tuberkulose beobachtet. Von den Erwachsenen waren 91 ^,o von 
Tuberkulose befallen; von diesen endeten 41°/o letal und es entfallen 35®/o 
auf das Alter von 18 — 30 Jahren, 27°/o auf das von 30 — 40, 17°/o auf das 
von 40 — 50. Latente aktive Tuberkulose wurde unter den 1149 Tuberkulösen 
289 mal konstatiert; diese Formen steigen im Alter an von 12°/o in den 
Jahren 18 — 30 bis auf 22°/o zwischen 80 — 90 Jahren. Ebenso verhält sich 
die latente inaktive Tuberkulose, sie fand sich in 474 Fällen. 

An der Hand eines umfangreichen statistischen Materials, aus Nord-Baden 
und der bayerischen Pfalz gesammelt, nach einschlägigen lokalen Studien und 



Waldvogel, Tuberkulose. 75 

mit Zurückweisung aller in Betracht kommenden Einwände kommt Brauer (10) 
zu dem Ergebnis, dass den schwer disponierenden und infizierenden Schäd- 
lichkeiten, denen in den Familien mit an Tuberkulose verstorbenen Ange- 
hörigen die Mitglieder ausgesetzt sind, der Beruf einen weiteren, vielfach 
entscheidenden Faktor hinzubringt, dass die Tuberkulose unter den Zigarren- 
arbeitem der untersuchten Distrikte nicht nur häufiger vorkommt, sondern 
dass auch mit der Zunahme der Zigarrenfabrikation die Tuberkulosemortalität 
im allgemeinen steigt, dass die Zigarrenarbeiter besonders häufig an zu 
Atrophie führenden Rachen- und Kehlkopfkatarrhen, an chronischen trockenen 
Bronchialkatarrhen leiden, welche bei der Möglichkeit mit Bazillen beladenes 
Material zu inhalieren zur Tuberkulose führen. Für die in der Heidelberger 
KUnik aufgenommenen Zigarrenarbeiter ergibt sich an tuberkulösen Erkran- 
kungen ein Prozentsatz von 25,5, für die anderen Berufe 13,1; statt dass 
nach Cornet auf 85 — 109 Erwachsene ein Tuberkulöser kommt, fanden sich 
unter den betreffenden Kassenmitgliedem 3,7 Vo. Verf. gibt am Schluss die 
Wege an, auf denen der Verbreitung der Tuberkulose unter den Zigarren- 
arbeitem entgegengetreten werden kann. In erster Linie soll man die 
Zigarrenindustrie nicht als ein Gewerbe ansehen, das in dieser Beziehung 
indifferent ist, dann müssten Leute mit tuberkulösen Lungenleiden soweit wie 
möglich aus dem Fabrikbetrieb eliminiert werden. 

Weber (80) beschäftigt sich mit der angeborenen Empfänglichkeit, 
welche der Mehrzahl der Tuberkulosen den Weg öffnet. In gewissen tuber- 
kulösen Familien treten gewisse Affektionen des Kindesalters mit erstaun- 
licher Häufigkeit auf, ihnen folgen die Drüsenschwellungen; die Karies der 
Knochen, die kalten Abszesse haben später die Tendenz tuberkulös zu werden. 
Die Skrofulöse ist sehr häufig erblich; sie ist nicht einfach eine Form der 
Tuberkulose, sie stellt die angeborene Empfänglichkeit für Tuberkulose dar. 
Die Skrofulöse wird häufig von Eltern auf Kindern übertragen da, wo es 
bekanntermassen niemals offene Tuberkulose gab ; es wird eine Belastung der 
Zellen vererbt. In den Lymphdrüsen, den Fungositäten besteht ursprünglich 
eine nicht tuberkulöse Affektion, welche die Gewebe für die Ansiedelung der 
Tuberkulose geeignet macht. Der K o c h sehe Bacillus vererbt sich nicht. Die 
Statistik muss also erweisen, dass da, wo viel skrofulöse Kinder sind, man 
auch viel Phthisiker findet; freilich ist nicht jede Skrofulöse bestimmt zur 
Tuberkulose zu werden. Des Verfs. Zahlen aus zwei kleineren Orten bestä- 
tigen seine Ansicht: nur in bestimmten Familien entwickelte sich Tuberkulose, 
in ihnen war auch Skrofulöse häufig. Die Tuberkulose haftet nicht an den 
Wohnungen, sie zieht mit den Menschen. Das Terrain der Ansiedelung 
nrnss unsere vorbeugenden Massregeln herausfordern, wir müssen nicht allein 
den Bacillus töten, sondern den Tuberkulösen am Leben erhalten. 

Cl. Allbut (2). Es scheint der allgemeine Faktor der Disposition zur 
Tuberkulose im Leben des Einzelnen nach Perioden von Jahren, Monaten, 
Wochen so zu schwanken, dass er in Rasse und Familie nicht tief ein- 
gewurzelt sein kann, man muss also nach einem spezielleren suchen, dieser 
kann bestehen in einem angeborenen und wahrscheinlich lokalen Zuge und der 
kann liegen in einem Defekt des lymphatischen Systems oder in einer kranken 
Stelle der Lunge, einer geringeren Elastizität, einer Neigung zu Kollaps in 
einem Bronchus. Turban stellte ja fest, dass bei verschiedenen Familien- 
mitgliedern die Krankheit in derselben Spitze begann. Tuberkel finden sich 
in den Tonsillen bei einem Drittel ungefähr der Autopsieen tuberkulöser Kinder, 



76 Jahresbericht für Ghirargie. I. Teil. 

Wenn man nach einem Zeichen der Disposition allgemeinster Natur, alle 
Gewebe umfassend, sucht, kann man es Tielleicht in der Reaktion auf Tuber- 
kulin, in der Agglutinationsreaktion finden, doch ist hier noch vieles unklar. 
Wir hoffen, dass y. Behrings Untersuchungen vom gegenwärtigen Stand- 
punkt aus nur akademischen Wert haben, dass wir nicht eher zufrieden sind, 
als wenn der Bacillus völlig ausgerottet ist. Kein Fall von Tuberkulose ohne 
einen vorhergehenden, so muss der erste bei einem Tier gesucht werden, 
aber die grosse Masse der PhthisisfäDe nach der Kindheit leitet sich von 
Menschen her. Die Statistiken von Arbeitsstätten und Asylen sprechen mehr 
für eine Infektion als für ein Wiederaufflackem von Überresten kindlicher 
Tuberkulose; oft lässt sich ein Phthisiker als der Ausgangspxmkt lokaler 
Ausbrüche der Tuberkulose finden. Allbut bespricht dann kurz die jetzigen 
Ansichten über Infektion, Erblichkeit, Konstitution, über Darminfektion, 
Mischinfektion. Ein Mittel allein kann nicht helfen, unsere Heilmittel müssen 
vielseitig sein, wir müssen eine Heileinrichtung schaffen, die sich jeder Stimde, 
jeder Funktion, jeder Notwendigkeit anpasst. 

J. de Haan (25). Die an Tuberkulose leidenden Tiere verdanken ihre 
Krankheit dem Menschen, alle Tiere, die mit dem Menschen in Gemeinschaft 
leben, können tuberkulös werden. Um festzustellen, dass die Abwesenheit 
der Tuberkulose bei den Rindern Ostindiens nicht die Folge von Rassen- 
immunität und dass das Tuberkulosevirus unitär sei, infizierte de Haan 
eine javanische Ziege, ein kräftiges Rind gemischter Rasse mit viel europäischem 
Blut, ein javanisches Lamm, einen Affen subkutan, ein Pferd, ein javanisches 
Rind intravenös, zwei Affen durch Fütterung mit Tuberkelbazillen aus mensch- 
lichem Sputum, welche zur Erzielung eines saprophytischen Wachstums 
während 4 Monate 5 mal auf Glyzerinkartoffeln übergeimpft waren. Er 
kommt zu folgenden Schlüssen: Während das gesunde Schaf und Rind in 
Java dem tuberkulösen Material Widerstand leistet, kann man in ihren Ge- 
weben bei weniger günstiger Gesundheit pathologisch-anatomische Verände- 
rungen hervorrufen, die makroskopisch und mikroskopisch mit denen über- 
einstimmen, welche in Europa bei auf natürlichem Wege infizierten Tieren an- 
getroffen werden. Das Leben in frischer Luft und die noch sehr geringe Frequenz 
der Tuberkulose unter den Eingeborenen schützt die Rinder vor Tuberkulose. 
Der Affe ist der Infektion mit Menschenbazillen leicht zugänghch. Die Ver- 
wendung tuberkelbazillenhaltigen Futters kann zum Auftreten einer Tuber- 
kulose der Lungen und der bronchialen Lymphdrüsen führen a) mit Tuber- 
kulose der mesenterialen Lymphdrüsen ohne wahrnehmbare Abweichungen 
des Darms, b) ohne irgend eine andere Lokalisation des tuberkulösen Prozesses. 
Die Lungen sind die Prädilektionsstellen für das Auftreten der Tuberkulose. 

E. V. Behring (7). Wenn bei Ähnlichkeit des mikroskopischen und 
kulturellen Bildes die krankmachende Leistung zweier Bazillen verschieden 
ausfällt, so folgt daraus nicht, dass sie nicht miteinander verwandt sind; 
morphologische und funktionelle Transformationen werden namentlich durch 
den Einfluss der Tierpassage bedingt. Die bei tuberkulösen Hühnern ge- 
fundenen säurefesten Bazillen zeigten nicht unwesentliche Verschiedenheiten 
von den Säugetiertuberkelbazillen, als nun auf einem Waldgut 40 Hühner, 
nachdem sie von einem ausgeschlachteten tuberkulösen Rind die Eingeweide 
gefressen hatten, starben, zeigten die aus zwei von ihnen gewonnenen Rein- 
kulturen alle morphologischen und kulturellen Charaktere der Hühnertuberkulose- 
bazillen, waren aber für Meerschweinchen, Kaninchen und Rinder so infektiös 



Waldvogel, Taberkulose. 77 

wie Rillderbazillen. So besteht eine phylogenetische Zusammengehörigkeit 
zwischen den Hühnerbazillen und denen des Rindes, das wird auch bewiesen 
dadurch, dass die von y. Behring gegen Rinderbazillen immun gemachten 
Sinder auch gegen die Hühnerbazillen giftfest waren, sie besteht trotz aller 
Verschiedenheit der Kulturen, trotz Verschiedenheit der Krankheitsprodukte. 
Hühner können auch durch menschliches Sputum tuberkulös werden. Alle 
Aigomente für die Unschädlichkeit der Rindertuberkulose für den Menschen 
stehen auf schwachen Füssen, im allgemeinen repräsentieren die Rinderbazillen 
eine höhere Virulenzstufe der Tuberkelbazillen, manche von Menschen her- 
stammenden Kulturstämme sind mehr für Rinder, andere weniger als Rinder- 
bazUlen virulent. Die Beschaffenheit der Schleimhaut des Verdauungstraktus 
spielt für die Aufnahme des Virus, der antitoxischen Eiweisskörper eine be- 
deutsame Rolle. Neugeborene und ganz junge Individuen sind wegen der 
fehlenden Schleimschicht der Infektionsgefahr mit bazillenhaltiger Milch in 
hohem Grade ausgesetzt, additionelle Infektionen führen leichter zu Er- 
krankungen der mediastinalen und bronchialen Lymphdrüsen und schliesslich 
ZOT Lungentuberkulose bei jugendlich infizierten Rindern als bei nicht infizierten. 
Die Tuberkuloseübertragung durch das von tuberkulösen Rindern stammende 
Fleisch und bazillenhaltende Butter hat keine grosse Bedeutung, das sind 
Nahrungsmittel für erwachsene Menschen. Die Forderungen zu erfüllen, 
welche zum Nachweis der Infektion mit bazillenhaltiger Milch aufgestellt sind, 
ist nicht möglich. Man kann Rinder tuberkuloseimmun machen. Die Er- 
gebnisse Thomassens beweisen ebenfalls, dass schon durch die einmalige 
Vorbehandlung mit menschlichen Tuberkelbazillen der Organismus sämtlicher 
Kalber die Fähigkeit verloren hatte, auf den Import von solchen Quantitäten 
eines Rindertuberkulosevirus mit Tuberkelbildung zu reagieren, welche bei 
Eontrollrindern den Tod an Miliartuberkulose herbeiführen. Es kann sich 
höchstens noch darum handeln festzustellen, ob die Form der vom Verf. 
jetzt angewandten Schutzimpfung, so wie sie jetzt ist, dauernd bestehen 
bleiben kann. 

F. Schanz (67). Die Bazillen können identisch, die Krankheiten aber 
verschieden sein. Die Bazillen der Perlsucht können beim Menschen keine 
gemeinhin als solche bezeichnete Tuberkulose erzeugen. Wenn auch bei der 
Tuberculosis verrucosa cutis Riesenzellen nachgewiesen sind, ist der Schluss 
noch nicht berechtigt, dass hier eine tuberkulöse Erkrankung vorliegt; dass 
die von Rinder- und Menschenbazillen hervorgerufenen Krankheiten nicht 
identisch sind, lehrt eben der klinische Verlauf. Mit dem Nachweis der 
Identität der Bazillen ist nicht die Identität der Erkrankungen erwiesen. 
Derselbe unbekannte Faktor y Pettenkofers, ohne den durch Einbringen 
von Tuberkelbazillen aus dem Sputum in die Haut der Hände, wie es bei 
Schreinern stattfindet, kein Lupus nur Tuberculosis verrucosa cutis entsteht, 
kann in beiden Prozessen, Perlsucht und menschlicher Lungentuberkulose, 
verschieden sein, der in beiden vorhandene Koch sehe Bacillus bewirkt die 
Gleichheit derselben in vielen Punkten. 

Westenhoeffer (81). Von einem Kinde mit wahrscheinlich primärer 
Darmtuberkulose wurden Stücke einer verkästen und einer fibrös entarteten 
Mesenterialdrüse einem auf Tuberkulin nicht reagierenden Kalb unter die 
Haut gebracht, ebenso zwei Meerschweinchen, einem Kaninchen; letzteres starb 
nach acht Tagen mit verkästen Drüsen, die Meerschweinchen nach sieben 
bis acht Wochen an allgemeiner Tuberkulose. Das Kalb blieb fieberfrei, 



78 JahreBbericht fQr Ghirargie. L Teil. 

reagierte aber zweimal heftig auf Tuberkulin. Die Schlachtung nach 223 Tagen 
ergab allgemeine Drüsentuberkulose, in der Milz 10 — 12 hanfkom- bis erbsen* 
grosse graugelbe verkalkte Knoten, in der Leber drei, in der Niere mehrere 
miliare Knötchen, Tuberkelbazillen enthaltend, auch in der verkästen Lymph- 
drüse fanden sich spärliche Bazillen. Die histologische Untersuchung ergab 
in klassischer Weise das Bild der Perlsucht. Menschliche imd Rindertnber- 
kulose stellen ätiologisch, wie Westenhoeffer annimmt, eine und dieselbe 
Krankheit dar, die Übertragung vom Menschen auf das Rind gelingt selbst 
bei subkutaner Implantation. Mit dem Material aus dem infizierten Kalbe 
sind geimpft ein Kalb subkutan, eins intraperitoneal, sechs Meerschweinchen 
subkutan, zwei Kaninchen subkutan. Ausführliche Mitteilungen werden in 
Aussicht gestellt. 

Kos sei (34). Es sollte die Frage entschieden werden, ob die aus ver- 
schiedenartigen Tuberkulosen des Menschen gezüchteten Bazillen in bezug auf 
krankmachende Wirkung sich dem Rinde gegenüber anders verhalten, als die 
aus tuberkulösen Veränderungen beim Rind und Schwein gewonnenen Stämme. 
Es wurde reines Material unter die Haut der Rinder gespritzt. Das tuber- 
kulöse Leichenmaterial passierte den Meerschweinkörper, es wurde auf 
Serum, dann in Bouillon übertragen, verimpft wurden jedesmal 5 cg Bazillen. 
Kos sei schildert zunächst eingehend die pathologischen Veränderungen, 
welche auftreten, wenn dem Rinde Bazillen aus Perlsucht oder Schweine- 
tuberkulose injiziert werden. Von den sieben geprüften Kulturen aus Rindern 
und Schweinen töteten zwei Stämme die Rinder akut nach 8—9 Wochen, 
vier riefen ebenfalls eine allgemeine Tuberkulose hervor, eine erzeugte nur 
Tuberkulose an der Impfstelle und in Drüsen. Menschenbazillen wurden ge- 
züchtet aus 19 Fällen von schwerer Lungentuberkulose, teils aus Sputum, 
teils aus den Organen, aber es wurden mit diesen ganz andere Ergebnisse 
erzielt als mit den Rindertuberkelbazillen. Fieber bleibt meist vollkommen 
aus, man findet kleinere Geschwülste an der Lnpfstelle und in der Bugdrüse, 
welche zurückgehen, bei der Tötung nach vier Wochen sieht man noch lebende 
Reste der Bazillen in abgekapselten Abszesshöhlen, im übrigen aber lässt sich 
verhältnismässig wenig nachweisen. In einer kleinen Anzahl von Fällen 
finden sich vier Monate nach der Injektion noch käsige Herde von Erbsen- 
grösse in der Bugdrüse mit Bindegewebe in der Umgebung oder auch ohne 
letzteres, aber eine derartige Ausbreitung des tuberkulösen Prozesses auf die 
inneren Organe wie bei Schweine- und Rinderbazillen fehlte stets. Von den 
vier Kulturen aus Knochentuberkulose brachte nur eine käsige Herde in der 
Bugdrüse hervor, von den zwei aus Halsdrüsentuberkulose wurde Erkrankung 
der Bugdrüse erzeugt, etwas bedeutender als bei den meisten Fällen von 
Lungentuberkulose, es kam zu keiner allgemeinen Erkrankung des Rindes; 
ähnlich verhielt sich eine Kultur aus Urogenitaltuberkulose; sechs Kulturen 
stammten aus Miliartuberkulosen, von diesen erzeugten zwei eine allgemeine 
Tuberkulose, es entstanden Bilder, wie sie von Perlsuchtmaterial hervorge- 
rufen werden bei chronischerem Verlauf. Aus Fällen von primärer Darm- 
tuberkulose Hessen sich Kulturen züchten, welche nicht die Eigenschaften 
der Rinderbazillen besitzen, in zwei von den sieben Fällen aber bestand ein 
stärkeres pathogenes Vermögen für Rinder. Von den 39 frischgezüchteten 
Kulturen aus menschlichen Erkrankungen riefen 19 nicht die geringsten Er- 
scheinungen beim Rind hervor, vier verursachten allgemeine Tuberkulose; 
neun Rinder zeigten nach vier Monaten minimale Herde in den Bugdrüsen, 



Waldvogel, Tuberkulose. 79 

«eben etwas stärkere Drüsenerkrankung. Nur in zwei von den vier Fällen 
mit for Rinder virulenten Bazillen war der Tod durch die Tuberkulose hervor- 
gerufen. Augenscheinlich ist ein grosser Teil der primären Darmtuberkulose 
nicht auf Infektion vom Rinde her zurückzuführen; rufen, wie Koch glaubt, 
nur Perlsuchtbazillen beim Rind fortschreitende Tuberkulose hervor, so sind 
zwei Kinder an Perlsucht zugrunde gegangen. Es ist unsere Aufgabe, nach 
weiteren Unterscheidungsmerkmalen zwischen Menschen- und Perlsuchtbazillen 
zü suchen. 

Die nach Koch bestehende Lücke, dass in der gesamten Literatur 
kein einziger Fall vorliegt, in dem nach einer lokalen Infektion mit 
Rinderbazillen eine regionäre Lymphdrüsentuberkulose aufgetreten ist, hat 
Troje (77) durch eine Beobachtung ausgefüllt, die auch Koch als entscheidend 
für die in Betracht kommende Frage angesehen hat. Ein durchaus gesunder 
blühender junger Mann bekam, nachdem er bei einer tuberkulösen Kuh die 
Pleura entfernt und sich dabei eine Wunde zugezogen hatte, Pusteln, Lupus- 
knötchen am Unterarm und Drüsenschwellung. Die vorgenommene Unter- 
suchung der exstirpierten Haut und der Lymphknoten bestätigte die Dia- 
gnose. Nach einem Jahr fand Troje an der Operationsstelle einen Abszess, 
dessen Wandungen mitexstirpiert wurden, das Granulationsgewebe enthielt 
reichlich typische Tuberkel, später wurden aus der linken Achselhöhle und 
der linken Infraklavikulargrube ganze Pakete tuberkulöser Drüsen entfernt. 
Eine andere Infektionsmöglichkeit als durch die Rindertuberkulose lag nicht 
vor. Die von Beneke vorgenommene eingehende mikroskopische Unter- 
suchung liess Unterschiede zwischen der Haut und Lymphdrüsentuberkulose 
dieses Falles, wie sie durch Rinderbazillen hervorgerufen war, und gewöhn- 
lichem Lupus mit Drüsenbeteiligung nicht erkennen, das ist ein weiterer Bq* 
weis für die Weseneinheit der beiden Bazülenarten. 

E. Schindler (68). Ein völlig gesunder Notschlächter bekommt zwei- 
mal nach einer Verletzung und nachfolgender Beschäftigung mit perlsüchtigem 
Fleisch am rechten Handrücken und an der Radialseite des Mittelfingers der 
linken Hand Veränderungen, welche der Tuberculosis verrucosa cutis zuge- 
schrieben werden, in beiden Ellenbeugen sind die Drüsen vergrössert. Nach 
einer Einspritzung von 5 mg alten Tuberkulins entstand an beiden Herden 
eine starke lokale Reaktion, eine geringe allgemeine. Die exstirpierten Drüsen 
enthielten zahlreiche charakteristische Riesenzellentuberkel, Tuberkelbazülen 
fehlten. Es ist höchst wahrscheinlich, dass in diesem Fall die Tuberkulose 
durch Überimpfung perlsüchtigen Materials hervorgerufen ist und zu einer 
Erkrankung der regionären Drüsen geführt hat. Die Ärzte auf dem Lande 
werden solche Fälle häufiger sehen. 

N. Raw (60). Phthisiker haben wenig andere Komplikationen, Patienten 
mit grossen Drüsen, Gelenkerkrankungen und solchen der Wirbelsäule be- 
kommen selten echte Phthise. Die Erscheinungen, unter denen Rinder an 
Tuberkulose eingehen, werden von Kindern mit Tabes mesaraica und Bauch- 
tuberknlose nachgeahmt, letztere Affektionen und andere der serösen Häute 
smd wahrscheinlich Rindertuberkulose durch Milch eingeführt. Tabes mese- 
raica ist häufiger als angenommen wird und eine milde Infektion kann aus- 
heüen. Die Bauchtuberkulose und die Tuberkulose des Rindviehs haben in 
gleichem Masse zugenommen, bei jedem von Raw beobachteten Fall von 
Bauchtuberkulose Uess sich Fütterung mit Kuhmilch nachweisen, nur ein Kind 
Ton 34 hatte phthisische Eltern; bei Erwachsenen, ausser wenn sie an sekun- 



80 Jahreebericht für Chirurgie. I. Teil. 

därer Danntuberkulose leiden, ist die Affektion der Mesenterialdrüsen unge- 
wöhnlich. Klinische Beobachtung lässt erkennen, dass die Lungen bei Tabes 
meseraica erst sekundär affiziert werden, in neun Fällen wurden sie über- 
haupt nicht ergriffen. Bei Kindern sind Rinderbazillen virulenter als die von 
Menschen. Bei über 2000 Fällen von Phthise hat Raw nur dreimal ver- 
grösserte Halsdrüsen gesehen. Die skrofulösen Drüsen im Nacken entstehen 
durch Milchinfektion, bringt man sie Kälbern bei, so erzeugen sie aDgemeine 
Tuberkulose, das beweist ihre Abstammung vom Rind. Auch Gelenk- und 
Knochenerkrankungen sind bovinen Ursprungs, Lungentuberkulose besteht 
selten neben ihnen. Bei Meningitis hat Verf. in mehreren Fällen keine 
andere tuberkulöse Affektion im Körper gefunden. Durch Rinderbazillen ver- 
ursacht sind vermutlich auch adenoide Wucherungen, Peritonitis tuberkulosa, 
Miliartuberkulose. Tuberkulose im Kindesalter und bei Erwachsenen sind 
vermutlich Antagonisten. Es muss durch gesetzgeberische Massregeln für 
einwandsfreie billige Milch gesorgt werden. Menschen- und Rindertuber- 
kulose sind verschiedene Krankheiten, der Mensch kann beide erwerben, im 
jugendlichen Alter am meisten letztere. Rindertuberkulose macht vielleicht 
immun gegen menschliche. 

Macfadyen (39). Resultate am Affen gewonnen können für die 
menschliche Pathologie verwandt werden. Jungen Affen wurde das infektiöse 
Material per os beigebracht und zwar direkt tuberkulöses Rindergewebe und 
Phthisikersputum, ausserdem impfte Macfadyen Rinderbazillen ein. 18 Affen 
wurden verwandt, zur Kontrolle wurden Affen aus derselben Quelle desselben 
Alters beobachtet. Der Affe erwies sich als empfänglich für die Lnpfong 
mit Rindertuberkulosebazillen, die entweder direkt in dem Material enthalten 
waren oder vorher den Meerschweinchenkörper passiert hatten. Eine gewisse 
Anzahl der Tiere starb in 2 oder 10 Tagen nach der Fütterung von Rinder- 
und Menschenmaterial; hier scheint eine Art Litoxikation vorzuliegen. Für 
beide Arten erwiesen sich junge Affen in gleicher Weise empfänglich, es kam 
zu allgemeiner Tuberkulose. Darmerkrankung fand sich bei jedem Affen, der 
mit Sputum gefüttert war ; von den mit Perlsuchtfleisch per os infizierten bekam 
keiner ein Darmgeschwür. Bei jungen Affen gibt es also eine Fütterungs- 
tuberkulose, aber nur die Perlsuchtbazillen passieren den Darm, ohne ihn zu 
alterieren. 

CipoUina (12). Ein nicht auf Tuberkulin reagierender Affe wurde 
IVa Monate jeden zweiten Tag mit Milch gefüttert, der eine homogene Auf- 
schwenmiung von Rinderbazillen beigemischt war, die so erhalten wurde, dass 
tuberkulöses Rindermaterial unter die Haut von Meerschweinchen gebracht, 
aus den Drüsen der Tiere Kultur auf Glyzerinblutserum angelegt und von 
einer Kulturöse auf Glyzerinagar eine Aufschwemmung gemacht wurde. 
Nach 3 Monaten starb der Affe an allgemeiner Tuberkulose; der Dann war 
frei, der Affe hatte also allgemeine Tuberkulose auf dem Nahrungswege ak- 
quiriert, der Rinderbacillus kann den Affendarm passieren ohne Verletzungen 
zu machen. Ein 1 Monat altes Kalb bekam zweimal eine Aufschwemmung 
von Menschenbazillen intraperitoneal und blieb nach 2 Monaten völlig frei 
von Tuberkulose. Der Rinderbacillus ist für den Menschen virulenter als der 
menschliche. 

Raw (61). Die Sterblichkeitsziffer an Lungentuberkulose nimmt ab, es 
sterben mehr Menschen an Tabes mesaraica als früher, die Tuberkulose unter 
dem Rindvieh wächst, die meisten Kinder sterben zwischen 3 und 6 Monaten 



Waldvogel, Tuberkulose. 81 

in der Zeit des grössten Milchkonsums. Aus einer Mesenterialdrüse und 
einem Kniegelenk konnte Raw typisch wachsende, sich in Wachstum von 
den aus Phthisikersputum gewonnenen unterscheidende Rinderbazillen züchten^ 
Infolge dieser Resultate und klinischer Erfahrung glaubt Verf., dass der 
Mensch an menschlicher und Rindertuberkulose leiden kann. Menschen- und 
Rindertuberkulose sind verschieden, letztere ^zeugt besonders bei Kindern 
Tabes mesaraica, wahrscheinlich auch vergrösserte Lymphdrüsen, Gelenk* 
tuberkulösen und Lupus. Echte Menschentufoerkulose wird immer von Mensch 
za Mensch übertragen, im allgemeinen von vorgeschrittenen Phthisikem. 
Rindertuberkulose ist auszurotten; Milch muss gekocht werden. 

Hamilton (26). Den Einwänden gegen Hamiltons Behauptung, dass 
menschliche Tuberkulose auf Rinder übertragbar ist, begegnet er, indem er 
zuerst hervorhebt, dass alle 15 mit Menschenbazillen geimpften Kälber bei 
Anwendung aller diagnostischen Hilfsmittel Tuberkulose aufwiesen. Ein Fall, 
von dem Verf. vermutete, dass in der vergrösserten Lymphdrüse der Tuberkel- 
bacillus so zerstreut war, dass man ihn mikroskopisch und durch Impfung 
nicht nachweisen konnte, ist mit Recht als negativ ausgefallen angesehen. 
Hamilton hatte sechs seiner Kälber nicht mit Tuberkulin vorbehandelt, um 
dem Einwände zu begegnen, dass bei eventuell negativem Ausfall der Ver- 
sache das Tuberkulin die Lifektion verhütet habe; das Alter der Tiere, die 
Ausbreitung der Tuberkulose liess eine schon vor der Übertragung bestehende 
Tuberkulose ausschliessen. Der Nachweis der Tuberkulose bei den Kälbern 
ist strikte erbracht, die Aufführung aller einzelnen Details des Nachweises 
ist auch andern Untersuchen! überflüssig erschienen. Die Bazillen der 
Menschen- und der Rindertuberkulose scheinen die gleichen zu sein. Die 
Zunahme der Virulenz bei Übertragung des vom Menschen stammenden 
Bacillus von einem Kalb auf das andere ist nicht auf eine grössere Empfäng- 
lichkeit der zu zweit geimpften Kälber zurückzuführen. Auch die deutsche 
Tuberkulose-Kommission hat die Überimpfbarkeit der Menschenbazillen auf 
Rinder festgestellt, sie scheint also sicher bewiesen. 

Raw (62). Die Experimente sprechen für Kochs Behauptung, dass 
Menschen- und Rindertuberkulose verschieden sind und dass es fast unmög- 
lich ist, beim Rind durch Bazillen aus Sputum allgemeine Tuberkulose zu 
erzeugen. Raw glaubt, dass die Tabes mesaraica durch Rinderbazillen in 
der Milch verursacht ist, dass akute MiUartuberkulose, besonders die typhoide 
Form, in Wirklichkeit eine Rindertuberkulose ist, dass der menschliche Körper 
für beide Bazillenarten empfänglich ist. Die beiden Krankheiten, Rinder- 
und Menschentuberkulose, sind beim Menschen so selten zusammen gesehen, 
dass man einen Antagonismus zwischen ihnen annehmen und dass Rinder- 
tuberkulose vielleicht Immunität gegen Menschentuberkulose verleihen kann. 
Die Viehbesitzer und Gesundheitskommissionen müssen für sterile Milch sorgen. 

Wiener (82). Zur Nachprüfung Nocard scher Versuche spritzte 
Wiener nach negativer Tuberkulinprobe zwei Hähnen subkutan 0,01 g 
Kulturmasse einer Pferdetuberkulosekultur unter die Haut nnd brachte die 
gleiche Menge zwei anderen mit Tuberkulin geprüften Hähnen in Kollodium- 
säckchen, welche etwas haltbarer waren als die Nocar d sehen, in die Bauch- 
höhle. Die subkutan infizierten Hähne magerten stark ab, bei ihrem Tode 
nach 75 bezw. 90 Tagen fanden sich durchscheinende Knötchen in der Lunge, 
Ausstrichpräparate aus Lunge, Nieren und Leber ergaben Tuberkelbazillen, 
welche aber mehr wie Vogeltuberkulose wuchsen. Aus den anderen beiden 

Jahresbericht für Chirurgie 1903. 6 



82 Jahresbericht fQr Ghimrgie. I. Teil. 

gut entwickelten Hähnen wnrden die Kollodinmsäckchen nach 75 bezw. 85 
Tagen entnommen; die Bazillen in denselben wuchsen auf GlyzerinkartoflFeln 
wie die aus den subkutan infizierten Hähnen. Zwei Kaninchen erhielten 
nach negativer Tuberkulinprobe 0,02 g Vogeltuberkulosekultur unter die 
Bauchhaut, zwei die gleiche Menge in Säckchen aus Seidenpapier mit Kol- 
lodium bestrichen in die Bauchhöhle. Alle Tiere blieben gesund. Aus den 
nach 75 bezw. 88 Tagen nach Beginn der Versuche entnommenen Säckchen 
wuchsen nach 6 — 8 Wochen Bazillen, welche mit dem Ausgangsmaterial nnr 
mehr geringe Ähnlichkeit zeigten. Es kann also durch Anpassung an den 
Organismus des Huhns Säugetiertuberkulose auf dasselbe übertragen werden^ 
sofern eine Anpassung noch nötig ist. Die Vogeltuberkulose ändert kulturell 
ihre Eigenschaften im Kaninchenkörper derart, dass sie in dieser Richtung 
der Säugetiertuberkulose ähnlich wird. Die Vogeltuberkulose Hess sich ent- 
gegen Nocard nicht auf Kaninchen übertragen, bei Wieners Versuchen 
erfolgte die Infektion der Hühner mit Säugetiertuberkulose schon, ohne dass 
es wie bei Nocard nötig war, sie durch mehrfache Passage in Säckchen 
dem Körper des Huhns anzupassen. 

Plicque (56). Alle Arten von Tuberkelbazillen sind nur Varietäten 
einer Rasse von verschiedener Virulenz, welche ihr Maximum beim Rinder- 
bacillus erreicht. Fleisch, Milch, Butter können daher nicht als ungefährlich 
angesehen werden. Für die Infektion durch den Verdauungstrakt sind die 
durch tuberkulöse Produkte verunreinigten Trinkwässer, die roh genossenen 
Gemüse aus Rieselfeldern ebenso gefahrlich wie suspektes Fleisch und Milch. 
Wenn der Bacillus sich in den Abwässern auch nicht vermehrt, so bleibt er 
doch mehrere Monate darin lebend und virulent. In Frankreich wird ver- 
dächtiges Fleisch vernichtet, in Deutschland zum Kochen von der Freibank 
verkauft ohne nachweisbare Nachteile. Das dänische Verfahren der Milch- 
pasteurisation wird für Frankreich empfohlen. Beim Tuberkulösen müssen 
alle auf die Femhaltung der Infektion mit Tuberkelbazillen gerichteten Vor- 
sichtsmassregeln noch mehr beachtet werden, seine Krankheit erscheint oft 
als eine Reihenfolge neuer Infektionen, er ist dem Bacillus gegenüber macht- 
loser. Als rohes Fleisch soll nur das des Hammels oder des Pferdes genossen 
werden, so verhütet man auch die Tänien ; trocken sterilisiertes Fleischpulver 
leistet dieselben, oft bessere Dienste. Ziegenmilch ist nahrhaft, reich an 
Phosphaten und die Ziege leidet sehr selten an Tuberkulose. Die in der 
Butter liegende Gefahr ist viel geringer; in Deutschlands Sanatorien wird oft 
das leicht verdauliche Gänsefett verwandt, zumal die Gans immun ist gegen 
Tuberkulose. 

Deetz (17). Die Tuberkulose ist bei den Schweinen wie bei den 
Rindern im Steigen; sie ist wesentlich Fütterungstuberkulose, Veränderungen 
des Verdauungsapparates beherrschen das Bild, die Milz ist von sekundären 
Veränderungen bevorzugt, das Fleisch ist meist frei davon. Serosentuberkulose 
ist ebenfalls selten, häufiger Serosentuberkulose mit generalisierten Tuberku- 
losen kombiniert. Schweine- und Rindertuberkulose stehen sich ausserordent- 
lich nahe. Der Zentrifugenschlamm vernichtet ganze Schweinefamilien und 
Zuchten. Deetz injizierte einem von zwei Ferkeln, die durch Tuberkulin- 
probe als frei von Tuberkulose erkannt waren, eine Bouillonaufschwemmung 
von tuberkulöser Meerschweinchenlunge intraperitoneal; dies wurde zugleich 
mit dem Kontrolltier nach 6 Monaten geschlachtet. Während das Kontroll- 
tier völlig gesund war, zeigte sich beim anderen eine ausgebreitete Tuber- 



Waldvogel, Tnberkolose. 83 

knloee aller Lymphdrüsen, vereinzelte Tuberkel in der Leber. Derselbe 
YersQch wnrde mit zwei Kälbern angestellt; sie hatten auf Tuberkulin nicht 
reagiert; das eine bekam eine Aufschwemmimg von Tuberkeln der Milz eines 
mit Sputum geimpften Meerschweinchens intrapleural und intraperitoneal. 
Nach 4 Monaten hatte das geimpfte Kalb ausgedehnte Tuberkulose der 
Mediastinal- und Kniekehlendrüsen, sowie Reste einer Pleuritis an der Impf- 
stelle. Man scheint bei Schweinen stets positive Resultate zu bekommen, 
wenn man die MenschenbaziDen erst durch ein geeignetes Zyrischentier schickt. 
Mit einer Ausrottung der Rindertuberkuiose wird die der Schweine von selbst 
erlöschen. 

E. Deetz (16). In Norddeutschland herrscht mehr Schweinetuberkulose 
als in Süddeutschland, die Tuberkulose der Rinder und Schweine ist im steten 
Steigen begriffen, ob die Frequenzziffem über Menschen« und Tiertuberkulose 
parallel gehen, ist zur Zeit schwer zu beantworten. Beetz gibt dann eine 
tabellarische Übersicht über die wichtigsten Untersuchungen betreffend den Ge- 
halt von Milch und Molkereiprodukten an Bazillen. Bei Rindern kommt echte 
Fütterongstuberkulose selten vor. Verf. bringt die wichtigsten Versuche, 
welche entscheiden sollen, ob die Menschentuberkulose auf Schweine und 
Rinder und umgekehrt übertragbar sei. Eine Übertragung von Schweine- 
taberkulose auf den Menschen ist nirgends erwähnt, unter den Versuchen 
Menschentuberkulose auf Schweine zu übertragen, sind nur die Gerlachs, 
Kayenels, Tjadens und Orths als gelungen anzusehen, dazu gibt Verf. 
seine im vorigen Referat bereits besprochenen Versuche. Die nächste Tabelle 
enthält eine Übersicht über die Übertragungsversuche vom Menschen auf das 
Rind, die folgende die sicher bewiesenen Fälle von Übertragung der Rinder- 
tuberkulöse auf den Menschen mit Ausnahme der Milchinfektionen, von 
denen am beweisendsten der durch Priester mitgeteilte Fall Hellers ist. 
Es spricht manches für die Möglichkeit, dass bei Tabes mesaraica die Milch 
eine Rolle spielt, ein positiver Beweis fehlt. Wir dürfen aber vorläufig von 
der Ansicht, dass tuberkulöse Rinder und Schweine für den Menschen nicht 
ungefährlich sind, nicht abgehen. Absolut ausznschliessen vom freien Verkehr 
ist das Fleisch der akuten Miliartuberkulose, bei lokaler Tuberkulose sonst 
gesunder wohlgenährter Tiere kann das Fleisch nach Entfernung der erkrankten 
Organe dem Verkehr überlassen werden. Mit der Einführung der besonders 
diesem Zweck angepassten Fleischschau lässt sich eine allgemeine Anzeige- 
pflicht für Viehtuberkulose durchführen. Für die Tiere in Sanitätsmolkereien 
oder Milchkuranstalten möchte Verf. die Tuberkulinimpfung eingeführt wissen, 
ebenso für alles Vieh, das über die Grenze kommt und nicht sofort ge- 
schlachtet wird. 

V. Hansemann (27). Menschliche Tuberkulose ist auf Rinder über- 
tragbar ebenso wie Rindertuberkulose auf Menschen. Koch hat deshalb keine 
Fälle von Fütterungstuberkulose erhalten, weil seine Forderungen unerfüllbar 
waren, weil man niemals eine andere Infektionsmöglichkeit ausschliessen kann. 
Typhus und Tuberkulose lassen sich nicht vergleichen, zu Epidemien von 
letzterer durch Genuss der Milch perlsüchtiger Kühe kann es nicht kommen. 
Die Fütterungstuberkulose ist etwas seltenes, die verschiedene Deutung des 
Begriffes erzeugte die grossen Unterschiede in den Angaben über die Häufig- 
keit derselben, v. Hansemann hat in 7 Jahren *2ö Fälle von Fütterungs- 
tuberkulöse gesammelt^ 5 zeigten nur Geschwüre im Darm, in 12 war die 
Tuberkulose von einem Darmgeschwür zu den Mesenterialdrüsen vorgeschritten, 

6* 



84 Jahresbericht fQr Chirurgie. I. Teil. 

bei 4 verbreitete sie sich über das Gebiet der Bauchhöhle hinaus, in weiteren 4 
muss erst eine Deutung Platz greifen, aber sie halten strenger Kritik stand. 
Ein Teil dieser Fälle wäre zur Ausheilung gekommen, geringfügige Tuberkulose 
im Darm ist häufiger als sie anatomisch gefunden wird, in anderen selteneren 
Fällen tritt der Tod ein, aber eine Lungenschwindsucht entsteht nicht vom 
Darm aus. In 5 Fällen von primärer ßauchfeDtuberkulose kann nur der 
Darmtraktus als Infektionsort aufgefasst werden. Irgendwie kranke, entzündete 
oder ulzerierte Schleimhäute können Bazillen hindurchlassen, ohne dass sie 
an der Eingangspforte haften. Primäre Mundschleimhauttuberkulose ist 
häufiger als gemeinhin angenommen wird, sie wird an der Zunge manchmal 
als Karzinom aufgefasst, auch im Kachenring können Tuberkelbazillen ein- 
dringen. Von 40 Kindern mit offener Lungentuberkulose hatten nur 16 
Darmtuberkulose, obwohl sie virulentes Sputum verschlucken, auch bei dis- 
ponierten Individuen besitzt der Darm noch Schutzmassregeln genug, um sich 
der Bazillen zu erwehren. Die Wichtigkeit der Disposition ergibt sich auch 
daraus, dass von 200 mit Sektionen beschäftigten Menschen im Laboratorium 
v^ Hansemanns höchstens 10 Leichentuberkel bekamen. Vorzugsweise ge- 
schwächte Menschen erwerben primäre Darmtuberkulose; die primäre Fütterungs- 
tuberkulose vom Darm aus ist eine seltene Krankheit. 

Disse (19). Im Anschluss an die Beobachtungen Römers, der gefunden 
hatte, dass Tetanus- Antitoxin bei Pferden in den ersten Lebenstagen resorbiert 
wird, nach 3 Wochen dagegen nicht mehr, hat Disse genaue Untersuchungen 
über den Bau des Magendarmkanals bei Neugeborenen angestellt, er gibt am 
Schluss sein dabei benutztes Färbungsverfahren an. Die freie Oberfläche des 
Epithels beim älteren Fötus wird nicht durch eine zusammenhängende Schleim- 
schicht gebildet, sondern es steht in der Mitte jeder Zelle ein Schleimpfropf. 
Diese Verhältnisse kurz vor der Geburt bestehend erhalten sich für längere 
Zeit, die einzelnen Schleimteile sind also durch Protoplasma voneinander ge- 
trennt. Nach der Geburt wird infolge des Reizes der Ingesta neues Schleim- 
material von unten her angelagert, dazu sind mehrere Tage erforderlich; wir 
dürfen wohl annehmen, dass bei grösseren Tieren die normale Dicke der 
Schleimlage später erreicht wird als bei kleineren. 

Sorger (74) hat einem Fachs wochenlang grosse Mengen tuberkulösen 
Sputums verfüttert, ohne eine Infektion zu erzeugen; wie er das früher für 
die Korviden dargetan hat, scheint ihm auch der Fuchs so gut wie immun 
gegen menschliche Tuberkulose zu sein, wenigstens wenn sie vom Darm aus 
eindringt. Vielleicht beruht auf ähnlichen Erfahrungen die Verwendung der 
Fuchslunge als Volksheilmittel gegen menschliche Lungenschwindsucht. 

Nachdem Nebelt hau (50) eine Übersicht über die in der Literatur 
vorliegenden Fütterungsversuche mit Tuberkelbazillen gegeben und festgestellt 
hat, dass in geringer Zahl Experimente angestellt sind, Tiere mit tuber- 
kulösem menschlichen Material vom Verdauungstraktus aus zu infizieren, gibt 
er das Verfahren an, dessen er sich bediente um festzustellen, ob und in- 
wieweit sich eine Änderung der Virulenz der Bazillen infolge Verweilens im 
Dünndarm von Hunden, Ziegen und Kälbern nachweisen liess. Wie Verf. 
vorging um ein Darmstück auszuschalten, wie er die Bazillen aus Sputum 
einbrachte, muss im Original nachgelesen werden. Es ergab sich zunächst, 
dass die eingebrachten Tuberkelbazillen auf die Darmschleimhaut besonders 
bei jungen Kälbern einen Reiz ausüben, der zu Eiterabsonderung, zu fibrinöser 
Jlxsudation führen kann, dass noch nach 2 — 4 Tagen sich virulente Bazillen 



Waldvogel, Tuberknlose. 85 

im Darm finden, dass zweifelsohne auch bei grösseren Tieren die Bazillen 
durch die intakte Darm wand gelangen nnd zu einer Entwickelung tuberkulöser 
Produkte Veranlassung geben. Die Veränderungen bei der Ziege sind, wenn 
die Bazillen in den Darm gebracht werden, weit ausgesprochener als beim 
Bünde, vielleicht spielt dabei die Darmwand eine Rolle. Um ein Urteil ge- 
winnen zu helfen darüber, ob auch beim Menschen der Infektionsmodus vom 
Dann aus in Betracht kommt, gibt Nebelthau zu den Fällen aus der 
Literatur eine Übersicht über die Sektionen von 26 tuberkulösen Kindern 
im Alter von 3 Monaten bis 5 Jahren und findet unter diesen, dass die 
Infektion vom Verdauungskanal aus in 19,2, vom Respirationstraktus aus in 
34,6, von beiden aus in 46,1 ®/o wahrscheinlich erfolgt ist. Bei allen Kindern 
im Alter von 3 Monaten bis 1 Jahr 6 Monate liess sich die Ansteckung auf 
den Menschen zurückführen. 

Lassar (37). Ein gesunder junger Veterinärpathologe beschäftigt sich 
eingehend mit dem Rachenschleim perlsüchtiger Rinder und bekommt Tuber- 
culosis verrucosa cutis; ein Stallarbeiter in einer Molkerei wies eine mächtige 
Tuberkel-Infiltration am Unterarm auf. Unter den Stemplern und Schlächtern 
des Berliner Schlachthofes zeigten eine Reihe sonst gesunder Männer Er- 
scheinungen an den Händen, welche der Leichentuberkulose der Mediziner 
gleich sind. Bei einem Schlachthofbeamten hat sich unterhalb des linken 
Auges Scrophuloderma gebildet dadurch, dass infolge des Mikroskopierens 
eine Gewebsschädigung stattgefunden und Patient sich die Stelle mit unge- 
waschenen Fingern gerieben hatte; ihm liegt ausser der Trichinenschau die 
Bearbeitung namentlich tuberkulösen Materials von Schwein und Rind ob. 
Diese toxine Hauttuberkulose kann auch multipel auftreten, als Beispiel dafür 
stellt Lassar einen Patienten vor, der sich vor 10 Jahren 3 Jahre lang mit 
tuberkulösem Rindfleisch beschäftigte. Er bekam zuerst einen roten Fleck 
am Nabel, dann einen ebensolchen an verschiedenen Stellen des Körpers, 
etwa gleichzeitig mit der Eruption am Nabel entwickelten sich Warzen am 
Mittelfinger, Patient kratzte und verbreitete so die lupusartigen, scrophulo- 
dermatischen Herde. Mikroskopisch zeigten • sich tuberkulöse Granulationen. 
Perlsüchtiges Fleisch hat für die menschliche Haut eine pathologische 
Haftbarkeit. 

Schütz (76). Viele Leiter tierärztlicher Institute, Assistenten und 
Diener gehen mit perlsüchtigem Material intim um, ohne sich zu infizieren, 
während Menschen, die an den anatomischen Instituten der Universität be- 
schäftigt sind, sehr gewöhnlich Leichentuberkel hatten, die menschliche Tuber- 
kulose und die Perlsucht des Rindviehs sind verschiedene Krankheiten, in 
Lassars Fällen ist die Tuberkulose nicht immer wissenschaftlich festgestellt. 
Schütz hat den Finger eines Arbeiters untersucht, bei dem sich in einer 
Schnittwunde, die er sich bei der Sektion einer perlsüchtigen Kuh zuzog, 
warzige Massen bildeten. Diese Massen enthielten einen bindegewebigen 
Grundstock, keine Riesenzellen; Knoten auf der Sehnenscheide enthielten viele 
sehr grosse Riesenzellen mit wandständigen Kernen, das Gewebe stimmte mit 
dem überein, was man im Beginn des perlsüchtigen Prozesses an verschiedenen 
Organen sieht, beim Rinde überwiegt die Bildung von Granulationsgewebe* 
Die Reinkulturen aus der Tuberculosis verrucosa cutis erzeugten beim Kalb 
Perlsucht. Kein Fall von Tuberculosis verrucosa cutis, durch Sektionen perl- 
suchtiger Kadaver hervorgerufen, hat zur Allgemeininfektion geführt, der 
Mensch besitzt einen gewissen Schutz gegen die Perlsucht, gerade dies spricht 



86 Jahresbericht far Chirurgie. I. Teil. 

gegen eine Identität beider Tuberkulosearten, denn es sind Fälle von Lupus 
bekannt, denen Menschen erlegen sind. 

Meyer (46) hat versucht, experimentell zu prüfen, ob die Mischinfektion 
die Entstehung der von Rindern herrührenden Hauttuberkulose begünstigt oder 
nicht. Er rieb in die Bauchhaut von Meerschweinchen tuberkulöses Sputum 
mit Mischinfektion und käsiges Material aus Mesenterialdrüsen, im ersten 
Fall traten nach 20 Tagen viele Knötchen auf, im anderen nach längerer 
Zeit spärliche. Verf. glaubt, dass demnach die Begünstigung der Entstehung 
von Hauttuberkulose durch Mischinfektion bevriesen ist. Durch Injektion von 
menschlichen Bazillen in die Bauchhöhle eines Meerschweinchens konnten 
echte Perlsuchtknoten erzeugt werden neben den für Menschenbazillen typisch 
sein sollenden Veränderungen. 

F. Schanz (66). Das Resultat der G ar na ult sehen Impfungen mit 
Rinderbazillen an sich lehrt, dass die Perlsuchtbazillen beim Menschen haften, 
es kam zu keiner Generalisation. So ist es in vielen Fällen von unabsicht- 
lieber Impfung mit Rinderbazillen gegangen. Es ist nach Schanz bewiesen, 
dass durch die Übertragungen der Bazillen von der Perlsucht und der Lungen- 
schwindsucht die gleichen Formen der Impftuberkulose bei Mensch und Tier 
zu erzeugen sind, aber die eine Affektion lässt sich nicht in die andere über- 
führen, auch der menschliche Bacillus erzeugt bei Impfungen auf Menschen 
nur Tuberculosis verrucosa cutis. Zum Zustandekommen der Perlsucht beim 
Rind, der Lungenschwindsucht beim Menschen gehört mehr als eine Ver- 
impfung, ein Unbekanntes, das sich bis jetzt der Forschung entzieht. Gar- 
naults Versuche bestätigen, dass Tuberculosis verrucosa cutis eine Infektion 
mit perlsüchtigem Material darstellt. 

Seige (73). Nach der Literatur, nach physiologischen Erwägungen 
muss die hereditäre Infektion der Frucht durch den Vater etwas enorm 
seltenes sein. Die ziemlich zahlreichen Experimentatoren haben die Er- 
zeugung der Tuberkulose der Frucht durch dem Sperma beigemischte Bazillen 
nicht einwandfrei erreicht, auch die Friedmannschen Versuche in neuer An- 
ordnung sind in dieser Richtung nicht beweisend. Seige hat die Versuchs- 
anordnung Friedmanns befolgt, die Muttertiere sollten aber austragen und 
die Jungen zum Teil am Leben bleiben, es wurden zur Einspritzung Bazillen 
verschiedener Virulenz von Mensch und Rind verwandt^ die Organteile der 
getöteten Jungen an Meerschweinchen subkutan verimpft, teils geschnitten 
und gefärbt. Die Jungen erwiesen sich als frei von Tuberkulose und waren 
normal entwickelt, die Bazillen, soweit sie nicht ins Ei dringen, sterben ent- 
gegen Friedmanns Angabe nicht ab. Aber die Kaninchen, welche später 
tuberkulöse Veränderungen aufwiesen, blieben unfruchtbar. Der Ausfall der 
Versuche spricht nicht für die Möglichkeit einer Übertragung der Tuber- 
kulose auf die Nachkommenschaft durch den Samen. 

Die ererbte Disposition zur Tuberkulose äussert sich nach Hub er (30) 
in einer starken nutritären Störung, sie kann sich rein funktionell dokumen- 
tieren. Die direkte Übertragung der Bazillen ist selten. Alles was im Moment 
der Zeugung ungünstig auf den elterlichen Organismus einwirkt, prädisponiert 
auch zur Tuberkulose. Gewebe, deren Zirkulation leidet infolge von Ver- 
letzungen, vasomotorischen Einflüssen, funktionellen oder anderen Störungen, 
werden tuberkulöse Herde. Der Platz der Bazillenablagerung ist nicht not- 
wendig der Ort des Eintritts der Bazillen, die Lungenspitzen dehnen sich 
weniger aus, sie werden ungenügend gelüftet und durchblutet. Der Ver- 



Waldvogel, Tuberkulose. 87 

daünngstrakt spielt besonders bei Kindern eine grosse Kolle in der Tuber- 
kuloseinfektion. Sajous Ansichten über den Einfluss der Drüsen ohne Ans- 
fiihningsgang, besonders der Nebennieren auf die Entstehung der Tuber- 
kulose werden wiedergegeben, die Insuffizienz dieser Drüsen kann nach 
Sajous fast alles Krankhafte verursachen. Chlorose und Alkoholismus, Armut, 
ungesunde Lebensweise stehen mit der Tuberkulose in kausalem Zusammen- 
hang. Leute mit Tuberkulose in Asylen bekommen diese Krankheit in diesen 
Instituten. Verletzungen erzeugen Tuberkulose oft durch Auslösung vöijl.. 
Kenrenreaktionen, der Einfluss des Gemütes auf den Körper bei Entstehung 
der Tuberkulose darf nicht unterschätzt werden. Skrofulöse und Tuberkulose 
sind nicht identisch. Kochs Bazillenentdeckung hat bislang praktisch nur 
den Nutzen gehabt, dass wir gegen die Tuberkulose mit denselben sanitären 
Massregeln vorgehen, wie bei anderen Infektionskrankheiten. Die immuni- 
sierenden Sera werden nie den Wert von frischer Luft, Sonne, Reinlichkeit, 
Bädern, gesunder Wohnung und Nahrung erreichen. 

J. Mitulescu (47). Die von Tuberkulösen benutzten Gegenstände 
können auf verschiedene Weise mit Sputum infiziert und anderen Menschen 
gefahrlich werden. Mitulescu hat nun 97 Bücher und Zeitschriften mit 
Bomanen und Märchen auf Tuberkelbazillen untersucht, indem er die 
schmutzigsten Stellen auslaugte, die trübe Flüssigkeit zentrifugierte, die über- 
stehende Flüssigkeit abgoss, den Niederschlag mikroskopisch untersuchte, aber- 
mals in Kochsalzlösung löste und von dieser Lösung 5 ccm Meerschweinchen — 
es wurden 177 Tiere verwandt — einspritzte. Bei allen mikroskopischen Unter- 
suchungen Hessen sich direkt keine Bazillen nachweisen, die Giftigkeit konnte 
nach dem langsamen Verlauf der Tierinfektion keine grosse sein, aber von den 
Büchern, die 3 — 6 Jahre im Gebrauch waren, erwies sich mehr als ein Drittel 
als bazillenhaltig, während in denen, welche bis zu zwei Jahren im Gebrauch 
waren, nach allen Einspritzungen keine Bazillen zu finden waren. Die 
Bücher der ungefährlichen Reihe waren weit weniger eingeschmutzt, die der 
gefährlichen boten den Bazillen eine bessere Unterlage. Es wäre voreilig, 
alle Bücher, welche nicht länger als zwei Jahre im Gebrauch waren, unge- 
fährlich zu nennen, die Bazillen können in der Zwischenzeit bis zur Unter- 
suchung abgestorben gewesen sein. Verf. empfiehlt längere Einwirkung von 
Formalindämpfen, rechtzeitiges Ausmerzen beschmutzter Bücher, Belehrung 
des Volkes über die Schädlichkeit des Fingerbenetzens beim Umwenden, über 
den Nutzen des Händewaschens nach der Benutzung jedes geliehenen Buches. 

Zu den zur chirurgischen Tuberkulose prädisponierenden Ursachen zählt 
Perassi (54) den allgemeinen physiologischen Schwächezustand, der in der 
Periode des stärksten Körperwachstums auftritt. Ein anderes Substrat zur 
Einnistung des Tuberkelbacillus sei die nach Verstauchung oder Gelenkbruch 
auftretende traumatische Ärthrosynovitis, wenn sie nicht gehörig bis zur 
Bestitutio ad integrum, behandelt wird. R. Giani. 

Voss (79). Unter 577 Fällen von Knochen-Gelenk- und Hodentuberkulose 
wurden 21,6 ^/o gefunden, bei denen nach Angabe der Erkrankten ein Trauma 
die Ursache sein sollte; die Krankengeschichten sind mitgeteilt. Die Traumen 
bestanden fast ausschliesslich in Kontusionen und Distorsionen , nur einmal 
in Fraktur. Nur bei ca. 7 ^/o wird mit grosser Wahrscheinlichkeit ein ur- 
sächlicher Zusammenhang zwischen Trauma und Tuberkulose angenommen. 

Schlüter (69) teilt einen Fall von Miliartuberkulose mit, bei dem alle 
klinischen Zeichen dafür sprachen, dass es sich während der weitaus längeren 



88 Jahresbericht für Cbirnrgie. I. Teil. 

Zeit der Krankheit um eine gewöhnliche Sepsis handelte, so der atypische 
Fieberverlauf, die Hämorrhagien , der Befund von Staphylokokken bei der 
Milzpunktion, die eklatante Salizylwirkung. Es erscheint ihm wahrscheinlich, 
dass die Miliartuberkulose, deren alleinige Gegenwart und deren Ausgang 
von verkästen mediastinalen Drüsen pathologisch-anatomisch sichergestellt ist, 
zu der Sepsis hinzugetreten ist. Der eigenartige Fall zeigt, wie oft die 
Differentialdiagnose zwischen Miliartuberkulose, Sepsis und Mischinfektion 
unmöglich ist und wie auch der Obduktionsbefund die Verhältnisse nicht 
klären kann. 
, Ito (31) hat an 104 Kinderleichen bis zu 13 Jahren den Zungengrund, 

Gaumen- und Rachentonsillen genau mikroskopisch untersucht, um die Fragen 
zu beantworten, ob die Follikel der Valleculae epiglotticae nicht primär 
tuberkulös erkranken können und wie häufig die Tuberkulose der Ganmen- 
und Rachentonsille mit der der lymphatischen Apparate des Zungengrundes 
zusammenfällt. Er hat 5 mal sektmdäre Tuberkulose der Gaumentonsille'und 
keinen primären Fall gefunden, von 10 untersuchten Rachentonsillen wiesen 
2 sekundäre Tuberkulose auf, von Zungentgusillentuberkulose fand sich nichts, 
an den Valleculae epiglotticae wurde einmal, ebenso einmal an den Schleim- 
drüsen des Zungengrundes Tuberkulose festgestellt. In einem Fall waren 
Gaumentonsillen, Rachentonsille und Valleculae gleichzeitig erkrankt, in einem 
anderen bestanden nebeneinander Rachentonsillen- und Schleimdrüsentuber- 
kulose. 

Bei den auseinandergehenden Ansichten über die Beziehung der Gefass- 
tuberkulöse zur Miliartuberkulose teilt Rosenbach (63) einen für die 
Weigert sehe Auffassung typischen Fall mit, bei dem sich ausserdem eine 
ausgedehnte sekundäre Tuberkulose der kleinsten Pfortaderäste imd ein 
anämisch-nekrotischer Infarkt in der Leber vorfanden. Bei einem 4 ^/>i Monate 
alten Kinde fand sich im rechten Oberlappen eine Kaverne, wahrscheinlich 
aerogen entstanden, die Bazillen traten von hier aus ins Blut, riefen zahl- 
reiche Tuberkel hervor; von ihnen ging eine sekundäre Erkrankung der 
grösseren Lungenvenen aus, welche zu Durchbruchsherden führte, Intima- 
tuberkel fanden sich nicht. Es fehlten die elastischen Fasern. Der anämisch- 
nekrotische Infarkt ist durch Verschluss von Pfortader und Leberarterien 
durch tuberkulöses Granulationsgewebe hervorgerufen. 

Der Fall Run g es (64) unterscheidet sich von denen der früheren Autoren 
dadurch, dass sich tuberkulöse Veränderungen auch in der Decidua basalis 
fanden; nur Lehmann hatte schon einen Rundzellenherd ohtie Bazillen in 
seinem ersten Falle festgestellt. Äusserst spärlich fanden sich in Runges^ 
Fall Zottentuberkel. Typische Epitheloid- oder Langhanssche Riesenzellen 
fanden sich in den Herden der Decidua nicht, die Decidua vera war völlig 
normal. 2 Haufen von 8—10 Bazillen lagen im noch völlig normalem Decidua- 
gewebe. Die tuberkulösen Herde stossen meist direkt an die Gefasswand, 
die Intima proliferiert, Blutungen und Thrombose entstehen. Dass die Tuberkel 
in der Decidua keine Epitheloid- und Riesenzellen besitzen, erklärt sich aus 
der geringen Proliferationsfähigkeit der Decidua; dass die Herde so schnell 
nekrotisch zerfallen, wohl hauptsächlich aus der Hinfälligkeit der Decidua. 
Die infolge der Tuberkelentwickelung aufgetretenen Blutungen hatten wohl 
bei der an Miliartuberkulose verstorbenen Frau zum Abort geführt. Der 
Fötus ist nicht untersucht. Dass bislang in der Decidua keine tuberkulösen 
Veränderungen gefunden sind, erklärt sich Runge daraus, dass die bisher 



Waldvogel, Taberkalose. 89 

untersachten Placenten ans späteren Monaten stammten. Lokalisiert waren 
die Herde in unmittelbarer Umgebung des Ni tabue hschen Fibrinstreifens, 
in der Drüsenschicbt und einer in einem decidualen Fortsatz, der sich zwischen 
die Chorionzotten hinein erstreckte. Neben den für Tuberkulose spezifischen 
Veränderungen fanden sich als nicht spezifisch anzusehende Infarkte und Rund- 
zellenherde in den Haftzotten. 

Forssell (21) sedimentiert 1 Ltr. Harn in einem Zylinder, der sich 
nach unten plötzlich verjüngt und an der Verjüngung den Ablasshahn für 
das in 24 Stunden angesanunelte Sediment hat. Dies wird in 2 Zentrifugen* 
gläschen abgelassen und diese 15—20 Minuten — 8000 Umdrehungen in der 
Hinate — geschleudert. Immer sind die Tuberkelbazillen in unvergleichlich 
grosster Menge in dem zuerst abgefüllten Zentrifugenröhrchen. Ist aber der 
Bodensatz schleimig, so bildet sich ein peripheres Schleimlager an der ab- 
schüssigen Wand und dieses, die Bazillen enthaltend, löst sich nicht beim 
Ablassen. Verf. ist dann so vorgegangen, dass er nach 24 stündiger Sedi- 
mentierung den Harn abpipettierte, den Schleim durch Zusatz der mehrfachen 
Menge einer 12 ^/o igen Borsäureboraxlösung oder 5 ^/o igen Sodalösung löste 
und in dem hängenden Zylinder wieder 24 Stunden sedimentieren Hess. Mit 
dieser Methode sind die besten Resultate erzielt, indem er in jedem Fall 
3 oder 4 Untersuchungen in längeren oder kürzeren Zwischenräumen anstellte, 
hl keinem von 12 Fällen mit vorgeschrittener Lungentuberkulose Hessen sich 
im Harn Bazillen finden, die Aussichten bei tuberkulösen Individuen mit 
extraurogenitalem Herd Bazillen im Harn zu finden sind sehr gering. Mit 
seiner Methode fand Forssell im katheterisierten Harn niemals Smegma- 
baziUen, im direkt gelassenen in sämtlichen Hamproben von Frauen, in 
wenigen von Männern. Nach Färbung mit Karbolfuchsin und Behandlung 
mit 25Voiger Salpetersäure und Einwirkung von Acetonalkohol während 
3 Minuten waren sämtliche Smegmabazillen entfärbt, die Tuberkelbazillen 
behielten die Farbe auch nach 5 Minuten langer Einwirkung von Aceton- 
alkohol. Noch nach 3 Wochen sind die Smegmabazillen im Harn morphologisch 
und tinktoriell unverändert. Es existiert ein deutlicher und konstanter morpho- 
logischer Unterschied zwischen Tuberkel- und Smegmabazillen im Harn. Die 
ersteren sind am häufigsten zu 2 — 3 parallelliegend zusammengeklebt. In 
einem vom Verf. beobachteten Fall von Nierentuberkulose waren in den letzten 
Jahren die Bazillen verschwunden, in einem anderen zeigten sie Degenerations- 
formen. Ob sich kulturell Smegma- und Tuberkelbazillen trennen lassen, ist 
bislang unentschieden. 

Da sich Tuberkulose in der Mamma schnell entwickelt und Bazillen 
sehr firüh in der Milch erscheinen, hat Nathan-Larrier (49) auf Bazillen 
verdächtige Flüssigkeiten in die in voller Laktation begriffene Kaninchen- 
drüse eingespritzt und die Bazillen in der Milch gefärbt. Man kann 3 ccm 
einspritzen, 1 ccm genügt meist, nur nicht bei serofibrinösen Pleuraergüssen. 
Vom 5. — 12. Tage muss man die Mamma ausdrücken und bekommt leicht 
einen Tropfen. Die meisten Resultate waren am 10. Tage positiv. Die 
Methode empfiehlt sich durch ihre Schnelligkeit, man findet die Bazillen in 
der Milch leicht mit Fuchsinfärbung und Entfärbung mit 25®/ oiger Säure, ehe 
das Tier geopfert wird. 

Massel in (44). Die Übertragung tuberkuloseverdächtigen Materials 
a^of Kaninchen . liefert erst in 3 — 4 Wochen Resultate, das ist der einzige 
dieser Methode zu machende Vorwurf. Von allen Verfahren, die das Ziel 



W Jahrdsbericht fttr Chirurgie. I. Teil. 

verfolgen, durch künstliche Verdauung die organischen Elemente ausser den 
Bazillen zu verflüssigen, ist das inoskopische von Jousset das beste. Aber 
in manchen Fällen deckt die Kaninchenimpfung Bazillen auf, in denen die 
Inoskopie sie nicht fand. Masselin führt dafür 3 Beispiele an und weist 
den Einwand zurück, dass die geimpften Kaninchen in diesen Fällen schon 
tuberkulös waren. Man soll also bei negativem Resultat der Inoskopie noch 
Kaninchen impfen. 

Betonend, dass für den Nachweis einer latenten Tuberkulose jedes Hilfs- 
mittel heranzuziehen sei, gibt Hobbs (29) ausführlich die Krankengeschichte 
«ines Falles, in dem zunächst eine rheumatische Gelenkaffektion, welche weder 
durch den gewöhnlichen akuten Gelenkrheumatismus hervorgebracht war, noch 
mit irgend einem der infektiösen Pseudorheumatismen zusammenhing, auf 
eine Allgemeininfektion mit Tuberkulose hinwies. Das Auftreten derselben 
in dem gleichen Gelenk, das Fehlen des Fiebers, die Abmagerung wiesen auf 
tuberkulösen Rheumatismus hin. In dem Gelenk war weder Flüssigkeit, noch 
Krachen, noch Schwellung, nur eine leichte Kontraktion der periartikulären 
Muskeln nachzuweisen. Ferner wurde die Diagnose gestützt durch das Fehlen 
eosinophiler Zellen in dem Inhalt einer Vesikatorblase. Bei Zunahme der 
Prostration schwanden über der Lunge die kurz vorher deutlichen, mit dem 
Stethoskop nachweisbaren Zeichen einer Lungenerkrankung. 

Die Ansichten über die Pathologie der Hodentuberkulose haben sich in 
den letzten Jahren sehr geändert und Jordan (32) kann jetzt die Sätze 
aufstellen, dass sie vielleicht in der Mehrzahl der Fälle eine primäre hämato- 
gene, sich aszendierend weiterverbreitende ist, während der deszendierende 
Infektionsmodus zweifelhaft bleibt, da das Vorkommen desselben nicht einwands- 
frei erwiesen ist, dass bei gleichzeitiger oder in Pausen erfolgender Infektion 
beider Hoden dieselbe höchstwahrscheinlich auf dem Blutwege erfolgt. Er 
betont, dass das vorliegende Material noch nicht alle strittigen Punkte ent- 
scheidet, dass neue Fragen entstanden sind; jedenfalls sind wir auch thera- 
peutisch vor neue Aufgaben gestellt. Die Kastration hat ihren hohen Wert 
erwiesen, auch die Entfernung beider Hoden übt keinen ungünstigen EinSuss 
auf das Gesamtbefinden aus. Über die Leistungen der konservativen Methoden 
lässt sich noch nichts aussagen; theoretisch ist es gut denkbar, da wir es 
mit einer primären Lokalerkrankung zu tun haben, dass wir durch konser- 
vative Behandlung oder durch Resektionen Heilung erreichen können. Die 
Exstirpation des kranken Hodens hat keinen Einfluss auf das Schicksal des 
zweiten. Spielt die Erhaltung des Hodens keine Rolle, so ist die Kastration 
die zuverlässigste Methode. Bei jüngeren Männern kommt die Anwendung 
einer energischen Allgemeinbehandlung in Frage, wenn Neigung zu Schrump- 
fung vorhanden ist; Inzision, Exkochleation und Jodoformgazetamponade, wenn 
ein isolierter Knoten erweicht ist; Resektion im Gesunden und Mitnehmen 
des Vas deferens, wenn der ganze Nebenhoden ausgedehnt infiltriert und 
stellenweise abszediert ist. 

Maillaud (40). Der primäre tuberkulöse Gelenkrheumatismus als erstes 
Zeichen der bazillären Infektion verdient unsere Aufmerksamkeit. Bei einem 
infektiösen Rheumatismus, dessen Ursache unbekannt ist, soll man immer an 
Tuberkulose denken; die Anamnese soll Anhaltspunkte liefern; die Punktions- 
flüssigkeit soll mit allen Hilfsmitteln untersucht, die Serumreaktion und die 
Tuberkulinprüfung sollen angestellt werden. Der primäre tuberkulöse Rheu- 
matismus ist oligoartikulär, er ist weniger beweglich als der echte Rheuma- 



Waldvogel. Tuberkulose. 91 

tismus, Fieber ist wenig ausgesprochen, Abmagerung ist fast die Regel; die 
Äffektion weicht der Salizylsäure nicht. Man muss in der Praxis jeden 
Tnberkulosekandidaten als schwer erkrankt ansehen, wenn er einen Gelenk- 
rhemnatisinas bekommt, dessen bazilläre Natur man argwöhnt. Der primäre 
tuberkulöse Rheumatismus dauert oft nur wenige Tage, in anderen Fällen 
Wochen und Monate ; dann ist das Ende desselben folgendes: 1. Nach kurzem 
Bestehen desselben treten Krankheitszeichen in einem Organ, in den serösen 
Häuten auf, trotz Besserung der Gelenksymptome bestehen Fieber und Ab- 
magerung fort. 2. Der Rheumatismus wird zu einem Fungus, Knie und Hüfte 
sind oft betroflfen. 3. Eine tuberkulöse Umwandlung findet nicht statt, der 
Rbeumatismas wird chronisch deformierend, er führt in den kleinen Gelenken 
der Hand und des Fusses zu Fixationen in schlechter Stellung. In den 
grossen Gelenken ähneln die Veränderungen denen der trockenen Arthritis 
oder der ankylosierenden plastischen Form. Schliesslich kann sich alles auf 
einen Erguss einfacher Art oder selbst auf einfache leicht heilbare entzünd- 
liche Erscheinimgen beschränken. Diese Typen sind nicht rein. 

Mouriquand (48) gibt ausführlich die Krankengeschichte eines Mannes, 
der im 12. Lebensjahre heftige Neuralgien bekam, die Verf. als erstes Zeichen 
einer bazillären Intoxikation ansieht; er machte mit 21 und 23 Jahren 
Anginen durch und bekam im 14. einen akuten Gelenkrheumatismus, bei dem 
nach seiner Aussage Salizyl nichts nützte ; während der nächsten Jahre hatte 
er einige leichte Attacken eines subakuten Gelenkrheumatismus zu bestehen, 
er hatte Schmerzen, Steifheit und Krachen in verschiedenen Gelenken, in 
den Sehnenscheiden der Hände. Im 30. Jahre wurde Tuberkulose der Luft- 
wege bei ihm festgestellt, während deren Verlauf akute Gelenk- und Sehnen- 
scheidenentzündungen auftraten, die auch bei der Vorstellung vorhanden 
waren. Diese sind tuberkulöser Natur, weil zwischen akutem gewöhnlichen 
Gelenkrheumatismus und Tuberkulose ein Antagonismus besteht, weil auch 
die Gonorrhoe Gelenkmetastasen macht, weil die Bakteriologen seine Existenz 
experimentell festgestellt haben. Auch die Tuberkulose der Pleuren, der 
Langen und anderer Organe zeigt die Eigentümlichkeit des Springens, des 
schnellen Auftauchens und Verschwindens. Der tuberkulöse Rheumatismus 
muss alle Gewebe, Organe, Apparate ergreifen können. Das Salizyl hilft 
nicht, Verf. empfiehlt Cryogenin und lokale Massnahmen, Immobilisierung 

XL 8. w. 

Dolore (18). Tuberkulöse Prozesse können sich auch unter dem Bilde 
einfacher Entzündung darbieten, je nach Virulenz und Gewebswiderstand ent- 
wickeln sich alle Reaktionen von völliger Toleranz bis zu ganz akuten Läsionen, 
in normalen Organen sind Bazillen gefunden. Der Koch sehe Bacillus 
ruft in Lymphdrüsen neoplastische, sogar hypertrophische Zustände her- 
vor. Derselbe Polymorphismus wie in den Gelenken findet sich auch am 
Knochen. Die serösen Häute reagieren auch auf entfernt produzierte Toxine. 
Der tuberkulöse Gelenkrheumatismus findet sich besonders bei langsam ver- 
laufenden Tuberkulosen, wenn die Virulenz der Bazillen abnimmt und das 
Gewebe durch eine Art Impfung immun geworden ist. Klinik und Labora- 
torinm haben die Existenz des tuberkulösen Gelenkrheumatismus bestätigt. 
Ebenso wie beim Tripperkranken jede Gelenkafifektion auf Rechnung des 
Trippers gesetzt wird, muss auch jede Arthritis eines Tuberkulösen auf 
Tuberkulose bezogen werden ; der tuberkulöse Gelenkrheumatismus ist häufig. 
Meist findet man wie an anderen serösen Häuten keine Bazillen, letztere 



92 Jahresbericht für Chirurgie. I. Teil. 

wirken durch ihre Toxine, welche Gelenke und Nervensubstanz ungünstig: 
beeinflussen ; bei chronischen Arthritiden geschieht die Giftwirkung durch 
entfernt liegende Bazillen. 

Poncet (57) will eine bemerkenswerte Mitteilung von einem Falle 
machen, bei dem die Reihenfolge, die Entstehung der tuberkulösen Gelenk- 
affektionen, trotz der Verschiedenheit der Effekte dazu zwingen an das tuber- 
kulöse Virus als einzige Ursache zu denken. Ein jetzt 33 jähriger Mann 
bekam mit 15^/2 Jahren einen schweren infektiösen Zustand ohne bemerkbare 
Ursache, 3 Wochen später einen akuten polyartikulären Rheumatismus, einige 
Wochen dauernd, renitent gegen Salizyl, in der Rekonvaleszenz trat am 
rechten Ellbogen eine Ostitis mit kaltem Abszess auf, einige Monate darauf 
ein Malum Pottii, eine Koxalgie. Diese verschiedenen Ereignisse folgten sich 
im Verlauf von 3 Jahren, in den nächsten 4 Jahren war die Gesundheit 
relativ gut, dann bekam der Kranke eine neue Attacke von akutem Gelenk- 
rheumatismus , Ostitiden an verschiedenen Knochen, eitrig, bazillär und 
Lungentuberkulose. In den letzten 2 Jahren haben sich multiple subkutane 
kalte Abszesse gebildet; jetzt bestehen narbige Schrumpfungen an allen von 
Tuberkulose affizierten Stellen mit Ausnahme der Haut. Poncet nimmt an,, 
dass die Gelenktuberkulose bei diesem Kranken in drei verschiedenen Formen 
auftrat, zuerst in der septikämischen, dann in der des einfachen rheumatischen 
und dann in der spezifischen oder klassischen. Arloing hat auch bei Tieren 
durch Inokulation homogener Kulturen tuberkulöse Septikämie erzeugt, ohne 
Tuberkel, ohne anatomische Läsionen. 

Nach Wiedergabe der Ansichten und Einteilung Poncets bringt 
Bentz (8) drei Fälle als Beispiele, von denen die ersten beiden arthral- 
gischer Form sind. Beide Kinder (15^/2 und 15 Jahre) hatten ein Malum 
Pottii und bekamen im Verlauf desselben Gelenkschmerzen, welche einen 
akuten Gelenkrheumatismus vortäuschten, aber der Salizylbehandlung nicht 
wichen. Der dritte Fall gehört zur Form der chronischen Arthritis ohne 
Charakter des Tumor albus in Heilung übergehend. Ein 14Va jähriges Mädchen, 
sonst stets gesund, bekommt plötzlich eine schmerzhafte Affektion des rechten 
Kniegelenks und des linken Unterschenkels, nachdem kurz vorher eine in 
14 Tagen verschwindende schmerzhafte Hüfterkrankung eingetreten war. Es 
wird am linken Unterschenkel eine Knochenausschabung vorgenommen. Drei 
Jahre lang besteht eine eitrige Fistel. Am rechten Knie findet sich eine 
mit wechselnder Schwellung einhergehende tuberkulöse Erkrankung ohne 
Knochenaffektion, Später wird das vorher gesunde linke Kniegelenk schmerz- 
los dick, die Kapsel erscheint verdickt, es besteht Erguss. Nach einem Jahre 
ist das Aussehen beider Kniee normal. Verf. weist Osteomyelitis als Ur- 
sache dieser Gelenkaffektionen zurück, auch im linken Kniegelenk bestand 
nach ihm Tuberkulose. 

Die Kranken Bouveyrons (9) husteten meist viel oder wenig, so dass 
die bei ihnen festgestellten Gelenkaffektionen nicht notwendig als Komplika- 
tion der Hauttuberkulose aufzufassen sind, aber die letztere stand im Vorder- 
grunde der Erscheinungen. Bei Kindern unter 13 Jahren, die meist an 
leichteren Lupuserkrankimgen leiden, scheint der tuberkulöse Rheumatismus 
selten zu sein. Bei den schweren verstümmelnden klinisch behandelten Lupus- 
formen ist er häufig (12 auf 30). Die häufigste Form des tuberkulösen 
Gelenkrheumatismus ist die arthralgische. Die „hyperostotische'* Form, 
welche noch wenig bekannt ist, kommt der Häufigkeit nach gleich hinter der 



Waldvogel, Tuberkulose. 93 

arthralgischen, sie findet sich nur bei Frauen (6 auf 9), verläuft kaum ohne 
Knochenschwellung. In drei von 12 Lupusfällen fand sich Erguss. Auch 
Tuberkulide können mit rheumatischen Affektionen kompliziert sein. Die 
Krankengeschichten von 13 Fällen sind wiedergegeben, es verteilen sich fünf 
Fälle auf 12 Männer mit schwerem Lupus, 7 auf 18 mehr oder weniger 
schwer an Lupus erkrankte Frauen; ein Fall von Polyarthritis ist unter 
ihnen. Alle diese Schmerzen machte der Kochsche Bazillus. 

Poncet (58) Die Tuberkulose muss in drei Kategorien geteilt werden, 
in die mit Tuberkeln, Granulationen, Verkäsung, in die mit gewöhnlicher ent- 
zündlicher Reaktion und in die septikämische ohne sichtbare anatomische Ver- 
änderungen. Die Möglichkeit der letzteren Form wird gestützt durch die An- 
nahme ähnlicher Verhältnisse von Seiten anderer Autoren, der Typho-Bacillose 
(Landouzy), des fievre pr6granulique (Cuffer), des akuten tuberkulösen 
Fiebers (Jeannel), der abortiven Tuberkulose (Bill et), der Bacillemie 
(Debove) und durch experimentelle Untersuchungen Arloings. Und sind 
nicht vielleicht viele schlech definierte infektiöse Zustände nur durch un- 
deutliche Granulationen hervorgerufen? Als Beispiel dafür, dass bei einem 
Menschen die Tuberkulose in ihrer anatomischen und klinischen Trilogie, 
mit wiederholten Schüben auftreten kann, gibt Poncet dann eingehend die 
Krankengeschichte, wie sie im Kef. Nr. 57 kurz wiedergegeben ist. Die 
Tuberkulose der Gelenke mit Tuberkeln, ebenso wie die einfache auf Tuber- 
kulose beruhende Granulation können den einfachen Gelenkrheumatismus yor- 
täoschen. Die Läsionen rein entzündlicher Natur werden durch wenig virulente 
Bazillen hervorgebracht, können von einer lokalen Toxämie bedingt sein 
oder bei ausgesprochener Verteidigungsreaktion des Körpers entstehen. 

Maly (41) gibt die Krankengeschichte, den mikroskopischen Befund 
der exstirpierten Teile und das Sektionsprotokoll eines Falles, in dem die 
Tuberkulose aus dem Schultergelenk, in dem der Prozess nahezu ausgeheilt 
war, in die Muskulatur übergehend, zur Bildung einer von Schwarten um- 
schlossenen, mehrkammerigen Cyste mit klarem Inhalt geführt hatte. In der 
Cyste war kein Granulationsgewebe, keine Knötchenbildung, kein Eiter nach- 
weisbar. Fetzige Cystenwand, Muskulatur und Lymphdrüsen enthielten 
massenhaft Tuberkelknötchen. Die Höhle war mit dem Gelenk durch einen 
Kanal verbunden, in diesem und längs desselben fanden sich merkwürdige 
Formen von hyalinen und doch festen, schalig geschichteten Blättern reinen 
Fibrins. Durch die tuberkulöse Infektion sämtlicher Lymphdrüsen und 
-bahnen, die dadurch bewirkte Verlegung der Abflusswege könnten die eigen- 
tümlichen cystischen Bildungen erklärt werden. 

J. Steinhaus (75). Bei einem 14jährigen Knaben entwickelte sich 
unter Husten und nächtlichen Schweissen ein Mediastinaltumor mit Lymph- 
drüsenmetastasen, welcher starke Verdrängungserscheinungen machte. Bei der 
Autopsie waren Thymus und Lymphdrüsen in grosse Geschwülste umge- 
wandelt, in Leber und Milz bestanden sekundäre Knoten. Ein Sarkom war 
makroskopisch und mikroskopisch auszuschliessen, der also entzündliche 
Prozess sich ausschliesslich im lymphatischen Gewebe ausbreitend war durch 
das Vorhandensein von Tuberkeln und Bazillen als tuberkulös charakterisiert. 
Es können also unter dem Bilde der Pseudoleukämie oder Lymphosarkomatose 
auf Tuberkulose mit Wahrscheinlichkeit zu beziehende Prozesse verborgen 
sem. Wodurch der eigentümliche Verlauf und das eigenartige mikroskopische 
Bild zustande kommt, ist bis jetzt nicht zu beantworten. Steinhaus bofi*t. 



94 Jahresbericht für Ghirargie. I. Teil. 

dass man Sicherheit über die Natur des Prozesses und durch Frühdiagnose 
tiefere Einsicht in das Warum der Eigenartigkeit dieser Form der Tuber- 
kulose — wenn überhaupt Tuberkulose — gewinnen kann. 

Es wird noch lange Zeit vergehen, ehe v. Behring (6) an die Behand- 
lung tuberkulöser Menschen herangeht, eher würde er seine bei der Rinder- 
immunisierung gemachten Erfahrungen für die Erprobung eines Schutzmittels 
im Säuglingsalter verwerten. Die Institutsexperimente zum Studium der 
Impfung von Rindern sind abgeschlossen. Bei Impfungen mit dem v. Behring- 
sehen Impfstoff zeigten die Tiere eine mehr ausgesprochene Neigung zu 
Fieberreaktion, bei denen Grund zur Annahme einer Tuberkuloseinfektion 
vorlag. Tiere, die älter als ein Jahr sind, reagieren auf die Einspritzung 
zu grosser Dosen des Impfstoffes mit einer völlig rückgängig werdenden 
Pleuropneumonie, v. Behring hält es für sehr wahrscheinlich, dass die 
drei Phänomene, die Bazillenagglutination des Blutes, die Überempfindlichkeit 
gegenüber eingespritzten Bazillen und die Tuberkulinüberempfindlichkeit in 
einem kausalen Zusammenhang stehen. Nach eigenen Experimenten lasst 
sich die Behauptung nicht verallgemeinem, dass Agglutinationsgrad und 
Krankheitsprognose zueinander in regelmässigem Verhältnis stehen. Die 
Schutzimpfung von Rindern, die älter als ein Jahr sind, wird wegen der 
Überempfindlichkeit widerraten, Kälber unter 3 Monaten werden zur Schutz- 
impfung empfohlen, v. Behring hat an die Möglichkeit einer Immunisierung 
durch Antikörper gedacht, die freilich nur kurze Zeit anhält. Die Haupt- 
gefahr ist die infantile Infektion. Auch die Antikörper gehen während der 
ersten Lebenswochen unverändert durch den Darm, man könnte also mit der 
Milch tuberkuloseimmun gemachter Kühe die gefährlichste Periode beein- 
flussen. Verf. will zunächst prüfen, ob auf diesem Wege bei Kälbern eine 
Tuberkuloseimmunität zu erzeugen ist. In der landwirtschaftlichen Praxis 
wird schon in der 3. Woche mit der Schutzimpfung begonnen ; ein definitiver 
Beweis dafür, dass diese Methode ausreicht, kann erst durch jahrelange Praxis 
erbracht werden. Von den immunisierten Institutsrindem sind mehrere 1^'» 
Jahre nach der experimentellen Infektion mit Rindertuberkelbazillen, während 
welcher Zeit sie epizootischer Infektion stark ausgesetzt waren, getötet, ohne 
dass bei der Sektion Herderkrankungen gefunden wurden. Sektionsberichte 
immunisierter Rinder aus der Praxis weisen keine Tuberkulose auf. Die Tuber- 
kulinprüfung bei drei ursprünglich tuberkulosefreien Rindern ein Jahr nach 
der Immunisierung ergab ein negatives Resultat, während alle im selben Stall 
stehenden Rinder unzweideutig reagierten. Auch infizierte Kälber können 
im jugendlichen Alter mit vollem Erfolg geeimpft werden. Die Versuche 
Thomassens, der nachwies, dass durch einmalige Vorbehandlung mit 
menschlichen Bazillen der Organismus der Kälber die Fähigkeit verloren 
hatte, auf für Kontrollrinder tödliche Dosen eines Rindertuberkulosevirus mit 
Tuberkelbildung zu reagieren, bestätigen v. Behrings Immunisierungs- 
experimente glänzend. Eine Übersicht über die Heilstättenbewegung gebend 
glaubt Verf., dass sie die Zahl der tuberkulösen Infektionen in der Gesamt- 
masse der Bevölkerung wohl kaum vermindern. Im Interesse eines Anlaufs 
zur Tuberkulosetilgung sind die Begründungen besonderer Asyle oder Heim- 
stätten für Menschen mit offener Tuberkulose der allgemeinen Beachtung 
wert. Die Wohnung kann noch so gut sein, wenn nicht der hustende 
Phthisiker entfernt wird, kann die Infektion der Neugeborenen nicht aus- 
bleiben. Zwischen der Säuglingsinfektion und einer klinisch manifesten 



Waldvogel, Tuberkulose. 95 

Tuberkalose können beim Rind Jahre liegen. So wird es auch beim Menschen 
sein. Dass die epidemiologische Sänglingsinfektion kaum jemals zn primärer 
Darmtaberkulose führt, ist nicht verwunderlich. Wo die Bazillen später 
Erscheinungen machen, ist von zu vielen Umständen abhängig. 

Maragliano (42). Viele Menschen besitzen natürliche Immunität 
gegen Tuberkulose. Damit sich der Organismus erfolgreich gegen den 
Tuberkelbazillus verteidigen kann, muss er die tuberkulösen Gifte neutralisieren, 
die Vermehrung der Bazillen verhüten und die Bazillen zerstören können, 
welche bereits in den Oiiganismus eingedrungen sind. Nach Herstellung einer 
konstanten Gifttestlösung wollte Maragliano feststellen, ob das Serum von 
Menschen und Tieren irgend welche neutralisierende Wirkung beim Meer^ 
schweinchen ausübt. Serum gesunder Individuen, am meisten von Menschen,, 
dem tuberkulösen Gift zugesetzt, zeigt an ti toxische Wirkung; das Serum dieser 
Gesunden besitzt in gleicher Weise agglutinierende Eigenschaften, dies ist der 
Ausdruck des Immunisierungsprozesses. Ausser diesen gewöhnlich vorhandenen 
Hilfskräften besitzt der Organismus solche, welche erst herbeigeführt werden 
durch die Gegenwart der Bazillen, nämlich die Produktion von Antitoxinen, 
Bakteriolysinen und Agglutininen. Bestimmt man die antitoxische Kraft des 
Blutes und impft man das Tier mit kleinen Mengen des tuberkulösen Giftes 
methodisch, so sieht man die antitoxische Kraft nach einer bestimmten Zeit 
beträchtlich zunehmen. Bei Pferden, die mit 100 — 200 antitoxischen Ein-^ 
heiten begannen, stieg die antitoxische Kraft auf 8000. Die Sera aller mit 
verschiedenem tuberkulösen Material behandelten Tiere besitzen in ver- 
schiedenem Grade einen abtötenden Einfluss auf die Bazillen. Durch Zu- 
sammenbringen virulenter Bazillen mit dem Serum kann bei Meerschweinchen 
die sonst sichere Infektion verhindert werden. Bei gleichzeitiger Einspritzung 
von virulenten Kulturen imd Serum in die Venen von Kaninchen wurden 
baktericide und agglutinierende Substanzen erzeugt. Von allen Tieren geht 
beim Hunde die Zerstörung eingespritzter Bazillen am schnellsten vor sich, 
schon nach 5 Tagen sind sie grösstenteils durch Leukocyten verzehrt, im Zu- 
stande vollkommener Bakteriolyse. Durch vorhergehende Krankheit, durch 
Hunger, starke Ermüdung kann man ein Serum erzielen, das in seiner neu- 
traHsierenden Tätigkeit gegenüber den Giften und in seiner Wirkung gegen- 
über den Bazillen nicht vollwertig ist. Spritzt man 1 g virulente Bazillen 
in die Venen, so entstehen in einem Monat vollständig wieder verschwindende 
Lungenherde, spritzt man dieselbe Menge ins Peritoneum, so findet man nach 
einem Monat tuberkulöse Peritonitis, das soll zeigen, wie nicht alle Gewebe 
sich gegenüber den Bazillen gleich verhalten. Alkohol vermehrt die Wider- 
standskräfte , Sanatorien werden die Tuberkuloseaussaat nicht vermindern. 
Schon 8 Jahre vor Ke bring hat Maragliano die Möglichkeit Tiere zu 
immunisieren nachgewiesen. Bei Menschen, denen durch Einspritzung von 
Serum immuner Tiere passive Immunität verliehen war, steigt die antitoxische 
und agglutinierende Kraft, auch der Umstand, dass so behandelte Menschen 
keine neue Infektion akquirierten, ist ein Beweis für die Wirkung des Serums. 
Bei Einverleibung von Schutzstoflfen in den Magen gehen die immunisierenden 
Substanzen xmverändert in die Zirkulation, da sie, wie Maragliano schon 
früher feststellte, auch in die Milch immunisierter Kühe übergehen, können 
die immunisierenden Substanzen so in den menschlichen Körper gelangen, 
heilt ein tuberkulöser Lungenherd aus, so ist der betreffende Mensch im all- 
gemeinen unempfänglich für Tuberkulose. Aktive Immunisierung lässt sich 



96 Jahresbericht für Chirurgie. I. Teil. 

auch auf anderem Wege als durch die Einspritzung lebender Kulturen er- 
zielen. Verf. hat eine Masse präpariert, welche unter die ELaut gebracht ohne 
Gefahr der Infektion eine tuberkulöse Phlegmone hervorruft; auch beim 
Menschen liess sich dadurch eine starke Leukocytose und Agglutinationskraft 
erzeugen, nach 2 — 3 Tagen Fieber ist alles vorüber. Maragliano hofft 
Menschen immunisieren zu können. 

Friedmann (24). Dass die Durchführung des Prinzips, durch ein 
abgeschwächtes Virus, durch die für sie wenig virulenten Menschenbazillen, 
Tuberkuloseimmunität bei Haustieren zu erzeugen möglich ist, ist erwiesen, 
einen Menschen mit Binderbazillen zu behandeln geht nicht an. Ein von 
Friedmann aus einer an spontaner Lungentuberkulose zugrunde gegangenen 
Schildkröte gezüchteter Schildkrötentuberkelbazillenstamm schien für Im- 
munisierungszwecke besonders geeignet, zumal er den Säugetierbazillen be- 
sonders nahe steht. Es entstand bei Behandlung kleiner Säugetiere mit diesen 
Bazillen ein spezifisch tuberkulöser Erkrankungsherd, der in vollkommene 
Heilung übergeht. Bei den mit Schildkrötenbazillen vorbehandelten Meer- 
schweinchen entsteht, wenn sie mit menschlichen Tuberkelbazillen infiziert 
sind, an der Infektionsstelle ein weich bleibendes völlig verschwindendes 
Infiltrat, die Temperatur bleibt abgesehen von mehrtägigem geringen Fieber 
normal, die Tiere zeigen das beste Wohlbefinden. Bei der Tötung nach drei 
Monaten findet man nur Anhäufungen von Bundzellen mit einzelnen Biesen- 
zellen, keine Bazillen; die destruierende Wirkung war den Tuberkelbazillen 
durch die Immunisierung genommen. Es gelingt ebenfalls, Versuchsschildkröten 
durch Vorbehandlung mit lebenden Säugetierbazillen gegen eine sonst tötende 
Dosis Schildkrötenbazillen zu schützen. Immunisierungsversuche an Ziegen 
gegen Perlsuchtbazillen sind im Gange. 

Adler (1). Der Wert der gegenwärtigen Anstaltsbehandlung für die 
Bekämpfung der Tuberkulose als Volkskrankheit ist weit überschätzt, das 
Tuberkulin wird trotz guter Besultate noch lange in der Ungunst der Ärzte 
bleiben. Adler hat 20 Fälle mit Tuberkulininjektionen behandelt, seine 
Erfahrungen bestätigen die in der Literatur vorliegenden Angaben, die 
Tuberkulinkur bei gewisser Erfahrung ist fast stets ohne Gefahren durchzu- 
führen, sie bewirkt symptomatische Besserung, Heilung der lokalen Ver- 
änderungen. Wegen der Kürze der Zeit kann Verf. nicht über Dauerheilungen 
berichten, er gibt ausführlich seine Methode an, verwendet altes TuberkuUn, 
steigt bis zu 1 g, das solange gegeben wird, bis es reaktionslos vertragen ist. 
Nur Fälle mit bereits fixierter Mischinfektion sind auszuschliessen, strenge 
Individualisierung wird verlangt, es ist verschieden rasch mit den Dosen zu 
steigen, ein- höchstens zweimal in der Woche wird injiziert, eine Reaktion 
in bescheidenen Grenzen wird angestrebt. Alle Ärzte müssen die Methode 
beherrschen. Die Tuberkulininjektion ist zur frühen Erkennung der Tuber- 
kulose heranzuziehen, bei Graviden sei man vorsichtig damit. Die moderne 
Behandlung mit dem alten Koch sehen Tuberkulin ist die wirksamste Methode 
der Bekämpfung der Tuberkulose. 

Kl in gm Uli er (33). Wiederholt ist festgestellt, dass bei erneuter In- 
jektion von Tuberkulin an der früheren Einspritzungsstelle eine Reaktion ein- 
tritt, doch hat man bislang keine Erklärung dafür" geben können. Kling- 
müller hat nun mikroskopisch solche Injektionsstellen untersucht, er fand 
zahlreiche kleinere und grössere Herde lupoiden Charakters mit zentralen 
massenhaften epitheloiden Zellen und Langhansschen Riesenzellen mit peri- 



Waldvogel, Tuberkulose. 97 

pheren Infiltrationszellen und einmal einen alkohol- und säurefesten Bacillus, 
wiederholt Reste solcher. In Alt-Tuberkulinen, besonders lange aufgehobenen, 
fanden sich ausserordentlich zahlreiche Bazillen, die erst nach Filtration durch 
ToDzellen verschwanden. Diese Bazillen des Alt-Tuberkulins erwiesen sich 
dnrch Tierversuche als abgetötet, aber virulent, durch sie wurden die von 
E lin g m ü 1 1 e r gefundenen histologischen Veränderungen hervorgerufen. Diese 
Tatsache wurde durch Tierexperimente bestätigt. An weissen oder hellen 
Tieren wurden durch möglichst intraepidermoidale Injektion abgetöteter 
Bazillen Nekrosen und käsige Abszesse erzeugt, spritzt man nun Tuberkulin 
ein, so kann man schon früh die Stadien der örtlichen Tuberkulinreaktion 
verfolgen. Da nun die wenigen Bazillenreste nicht fiir die lokalen Ver- 
änderungen allein verantwortlich gemacht werden können, und festgestellt 
war, dass auch das sicher bazillenfreie T.-R. ebenfalls örtliche Reaktionen an 
den Injektionsstellen macht, so wurde durch Tierversuche auf die eben ge- 
schilderte Weise und an mehreren Patienten der Beweis erbracht, dass auch 
die Toxine tuberkuloseähnliche Veränderungen im Gewebe erzeugen. Trotz 
dieser Tatsachen rät Verf., alles reagierende Gewebe zu entfernen. So ist 
auch vielleicht der Lupus, bei dem man ja so wenig Bazillen findet, auf 
toxische Stoffe zurückzuführen. Für diese Auffassung ist von Wichtigkeit, 
dass bei einer mit einem sicher nur tote Bazillen enthaltenden Tuberkulin- 
Präparat Lupuskranken lokal Veränderungen entstanden, welche klinisch und 
histologisch nicht von echtem Lupus vulgaris zu unterscheiden waren und 
spontan abheilten. Im Anschluss an Alt-Tuberkulininjektionen ist dergleichen 
nie gesehen. 

Czerny (14) will zeigen, was sich durch häusliche Behandlung im Palast 
des Reichen und in der Hütte des Armen bei Behandlung der chirurgischen 
und inneren Tuberkulose erreichen lässt. Glückliche Erfolge auch bei schweren 
Formen lassen sich durch zielbewusstes Ineinandergreifen der allgemeinen Be- 
handlung mit einer chirurgischen Lokalbehandlung erzielen, es muss eine 
fortgesetzte häusliche Behandlung die zeitweise notwendige Anstaltsbehandlung 
ergänzen. Wichtig ist die allgemeine Anregung der Hauttätigkeit, methodische 
Seifeneinreibungen mit nachfolgendem lauen Bad oder Übergiessung. Leider 
lassen sich die mannigfachen praktischen Ratschläge und Erfahrungen nicht 
alle im Rahmen des Referats wiedergeben. Bei geschlossenen nicht eiternden 
Gelenktuberkulosen massigen Grades lässt Czerny gern eine Mischung von 
Ung. kat. jodat. mit Sapo viridis in Form einer leichten Effleurage zwei bis 
fünf Minuten täglich einreiben. Wenn das gut vertragen wird, kann man 
die Sitzungen etwas länger ausdehnen, manchmal auch leicht massieren, ein 
Bad von 10 Minuten Dauer mit Zusatz von etwas Pottasche oder Soda geht 
voraus, Lagerung auf einer Schiene nach Umwickelung mit Trikotbinde oder 
Anlegen eines Pries snitz sehen Umschlages bei erhöhter Lokaltemperatur 
fo^. Bei stärkerer Rötung, Temperatursteigerung und lokalen Schmerzen 
ist die ambulante Behandlung aufzugeben. Jodoformölinjektionen während 
hauslicher Behandlung sah Verf. nur nützlich bei kalten Abszessen. Bei 
tuberkulöser Spondylitis wird man die horizontale Lage mit Immobilisienmg 
and Distraktion solange festhalten, bis Schmerzen, Eiterbildung und Fieber 
▼ergangen sind. Von der gewaltsamen Streckung nach Calot ist man zurück- 
gekommen. Drüsen soll man, wenn sie nach 2 — 3 monatlicher Behandlung 
nicht zurückgehen oder wenn Zeichen der Erweichung vorliegen oder die 
Kranken fiebern, möglichst radikal operieren. Die Schmierseifenbehandlung 

Jahresberieht für Ghirargie 1908. 7 



98 Jahresbericht fOr Chirurgie. L Teil. 

ist von Kappesser erfnnden, nachdem schon 1846 Bichter tägliche 
Schmierseifeneinreibnng bei skrofulösen Erkrankungen empfohlen hatte. 

E. Deanesly (15). Die Tendenz der Heilung ist bei chirurgischen 
Tuberkulosen grösser als bei der Lungentuberkulose, sie wird unterstützt durch 
reine Luft, reichliche Nahrung und absolute Ruhe. Letztere gilt auch für die 
Hüft- und Kniekranken. Deanesly geht auf jeden Käseherd ein, vermeidet 
aber das Ausschneiden von Gelenken; grosse Tonsillen und adenoide Wuche- 
rungen werden entfernt. Ein Zelt im Garten kann es dem Kranken ermög- 
lichen, dass er 8—9 Stunden in der Luft zubringt, ein sauberes kahles 
Zimmer mit offenem Fenster tut auch seine Dienste, auch in dichtbevölkerten 
Lidustriestädten, denn das Gefährliche der Stadtwohnungen liegt in der 
Lebensweise seiner Bewohner, der chemische Unterschied zwischen Stadt- und 
Landluft ist nicht so bedeutend und auf dem Lande gemessen die ärmeren 
Klassen wegen ihrer Lebensweise den Vorzug der Landluft nicht. Der Bau 
von Krankenhäusern für tuberkulöse Gelenkkranke an der See ist nicht zu 
empfehlen, man soll für die aus den Londoner Spitälern entlassenen Kranken 
durch Überwachung ihrer Lebensweise, durch Verschaffen reichUcher Nah- 
rung sorgen, die Seehospize kommen nur wenigen Kranken zugut. Jedes 
Krankenhaus sollte Gelegenheit haben, in freier Luft die Patienten zu be- 
handeln, Balkone und Plattformen müssen bei jedem neuen Hospital gebaut 
werden. 

Tubby (78) vergleicht Behandlung und Resultate chirurgischer Tuber- 
kulosen in vier Hospitälern Londons mit denen eines ländlichen, sich der in 
den Verhältnissen liegenden Unterschiede wohl bewusst. Das durchschnittliche 
Alter der Kinder betrug in den städtischen Hospitälern wie im ländlichen 
sechs Monate, unter den 218 Patienten der städtischen waren 115 weiblich, 
103 männlich, der durchschnittliche Aufenthalt betrug sechs Wochen, 415 
Operationen wurden an 218 Patienten vorgenommen. 31,2*^/0 wurden geheilt, 
58,6 gebessert, in 13 Fällen war das Resultat zweifelhaft, neun Patienten 
starben im Hospital. Im ländlichen Hospital wurden 42 Kinder an chirurgischer 
Tuberkulose behandelt. Der durchschnittliche Aufenthalt betrug 10 ^/s Monat, 
operiert wurde 36 mal weniger als in der Stadt, geheilt wurden von den 
42 14, gebessert 24, 3 wurden als unheilbar entlassen, 1 Kind starb. Bei 
der Behandlung in städtischen Hospitälern treten mehr Rezidive ein, die 
Resultate in den ländlichen wurden durch Aufnahme solcher Kranken un- 
günstig beeinflusst, welche in London ohne Nutzen operiert waren. Die 
Zahl der Operationen in den städtischen Krankenhäusern bedeutet einen be- 
denklichen Zustand. Eigene Hospitäler sollten für tuberkulöse Kinder auf 
dem Lande, an der See gebaut werden auch für chirurgische Kranke, hier 
sollten sie bis zu einem definitiven Resultat bleiben; eigene Abteilung für 
Unheilbare müsste eingerichtet werden. Eine Zentralkommission müsste die 
Aufnahme regeln, treten Rückfälle ein, wird der Kranke in dasselbe Kranken- 
haus gesandt, das ihn vorher behandelt. Die Hospitäler sollten Zweig- 
krankenanstalten auftun, an einem Rekonvaleszentenheim könnten sich mehrere 
beteiligen. 

Baradat (7) will versuchen, einige Ideen über die Wahl des Klimas 
bei Behandlung der Tuberkulose zusammenzufassen. Li den meisten Fällen 
ist das französische Küstenklima wirksam, bei gewissen Formen kann es 
schaden. Das Land, die Ebene, die Höhe haben alle ihre Kranken, die 
speziell ihrer bedürfen; jede Krankheitsform, jedes physische Temperament 



Waldvogel, Tuberkulose. 99 

yerlangt sein Klima, seinen Himmelsstrich, man muss zu einem weisen 
Eklektismos seine. Zuflucht nehmen. 

Lac as -Championniere (38). Kann man bei einem grösseren Abszess, 
den Knochen in Angriff nehmend, nicht alles Kranke entfernen, so richtet 
man Schaden an, man verbreitet den Prozess. Die Heilung beruht in einer 
langsam modifizierenden Einwirkung; nachdem die flüssigen Massen ent- 
fernt sind, muss man an Ort und Stelle den von der Natur vorgenom- 
menen Heilungsprozess nachahmen. Zur Entleerung dient ein grosser 
Troikart; nachdem man die Haut mit einem Bistouri punktiert hat, 
ist seine Einführung schmerzloser, die Tiefe, bis zu der er drang, besser 
abschätzbar. Die Einstichstelle liege in einer normalen Hautpartie, nicht 
da, wo sie durch den Abszess verändert ist, selbst wenn es der tiefste und 
bequemste Punkt wäre. Aspiration, Auswaschen der Höhle, Injektion von 
Sauerstoffwasser können den Abfluss erleichtem, es ist nicht nötig alles völlig 
zu entleeren. Als therapeutisch am besten den tuberkulösen Prozess beein- 
flussende Substanz schätzt Lucas-Championniere das Jodoform, langsam 
Jod abgebend, er suspendiert es in flüssiger Vaseline (10 ^/o). So lange wie 
mögUch soll diie Flüssigkeit im Abszess bleiben, sieht man jedoch, dass die 
Spannung zu gross wird, so punktiert man von neuem und injiziert wieder. 
Die Injektion wird gut vertragen. Verf. setzt kurze Zeit nach derselben das 
sonst verabreichte Jodkalium aus. Wenn eine Beihe von Punktionen nötig 
ist, so bessert sich das Aussehen der Flüssigkeit deutlich. Die Resultate sind 
oft zufriedenstellend, Verf. erwähnt mehrere Heilungen. Tritt sie nicht ein, 
so erzielt man doch immer eine wesentliche Besserung, die Höhle wird kleiner, 
es bleibt eine enge Fistel. Der Aufenthalt am Meer vollendet die Heilung. 
Innerüch wird Jod und Arsen gegeben. Fleisch schadet Kindern mit chirur- 
gischer Tuberkulose, bei gesalzener Milch befinden sie sich gut. Vom Kampher- 
naphtol hat Verf. zwei schwere Zufälle gesehen, Guajakolöl wirkt antiseptisch auf 
die Bazillen, Chlorzink ist zu schmerzhaft und ätzend. Dem Jodoform ist 
keine Substanz vorzuziehen. 

Connon (13) teilt zwei Fälle von Gelenktuberkulose mit, in denen Jodo- 
forminjektionen gute Dienste leisteten. Bald nach dem Beginn der Injek- 
tionen in die Fisteln wurde das Fistelsekret eitrig und weniger, der All- 
gemeinzustand und das Körpergewicht hoben sich. Da die Jodoforminjek- 
tionen zuerst schmerzhaft waren, wurde das Jodoform mit dünner Karbol- 
lösong ausgewaschen. Auch zwei Drüsenfisteln am Halse heilten bald nach 
Jodoforminjektionen. Selbst bei vorgeschrittenen Fällen können durch das 
Jodoform gute Resultate erzielt werden. 

W. Heitzmann (28). Von einem die Tuberkulose heilenden Mittel 
müssen wir tonische aufbauende Eigenschaften, wie sie die Kakodylate, Leber- 
tran u. s. w. darbieten und an ti toxische, wie sie der Fleischsaft besitzt, er- 
warten, keines der heutigen Mittel besitzt beide. Alle Sera sind kraftzeugend 
^d den Allgemeinzustand hebend, wie z. B. die künstlichen Sera. Die 
Heilung liegt in einem Serum^ das die Kräfte hebt und die Bazillen tötet, 
neben diesem muss die Hygiene des Klimas die Heilung fördern. Heitz- 
mann tritt für Heimsanatorien ein. Bei Drüsentuberkulose gibt Arsen gute 
Resultate. 

Die von Mas tri (45) an Kaninchen vorgenommenen Experimente be- 
standen in intramuskulären Injektionen von Jodöl. Auf Grund der erhal- 
tenen Resultate behauptet er, dass das Jodöl ein besseres therapeutisches 



100 Jahresbericht für Chirurgie. I. Teil. 

Mittel sei, als die Durantsche Jod- Jodlösung ; es rufe nur ganz unbedeu- 
tende Reaktionserscheinungen hervor, werde gut vertragen und durch das- 
selbe gelangt eine grössere Menge Jod in den Kreislauf. In 85 Fällen von 
Adenitis, Peritonitis, Arthrosynovitis, Osteoperiostitis, tuberkulöser Epididy- 
mitis gab die Behandlung mit Jodöl Besserung nur, wenn die Läsionen sich 
im Initialstadium befanden; bei vorgeschrittener Aflfektion lasse sich nach 
seiner Meinung Heilung nur durch chirurgische Behandlung erzielen. 

R. Giani. 

J. Craemer (35) erachtet die Lehre von der individuellen Disposition 
zur Tuberkulose, ebenso wie die der Inhalationsinfektion zum mindesten für 
unbewiesen und unverträglich mit der Pathologie der Tuberkulose. Der Erfolg 
der klimatisch-hygienisch-diätetischen Behandlung hat dazu geführt, das Wort 
Heilung nicht mehr zu gebrauchen, die Heilstättenpfleglinge zeigen noch eine 
positive Tuberkulinreaktion, die dispositionelle Therapie hat damit versagt. 
Die Therapie muss dann das einzige Bestreben haben, die Bazillen aus dem 
menschlichen Körper fortzuschaflfen oder sie abzutöten. Das Tuberkulin ist 
für die Beurteilung einer Heilung von fundamentaler Bedeutung. Dass der 
grösste Teil der Menschen tuberkulös ist, hält Verf. für ausgeschlossen. Die 
spezifische Behandlung der Tuberkulose ist mit der Tuberkulintherapie kein^- 
wegs identisch, die klimatisch-diätetische entspricht einer Komplementtherapie. 
Zwischen der Lungentuberkulose und den anderen Organaffektionen besteht 
bezüglich der Ätiologie und der spezifischen Therapie kein Unterschied. Die 
Bevorzugung der Hochgebirgskur ist nicht mehr haltbar. Die symptomatische 
Therapie, besonders die chirurgische, darf nicht vernachlässigt werden. Die 
prinzipielle Frage, ob die Tuberkulose dauernd heilbar sei, ist als im positiven 
Sinne gelöst zu betrachten. 

Freudenthal (23). Durch die Einwirkung des elektrischen Lichtes 
wird der Stoffwechsel der Haut bedeutend gesteigert und indirekt auch der der 
tiefer liegenden Organe, ein keimtötender Einfluss auf die Tuberkelbazillen der 
Lunge kommt ihm nicht zu. Das elektrische Licht wird bei subnormalen 
Morgentemperaturen günstig sein. Freudenthal teilt einen Fall mit, bei 
dem die Morgentemperatur sich bei Lichtbehandlung hob, jedes Sanatorium 
für Tuberkulöse muss also mit einem Apparat für Lichttherapie ausgestat- 
sein. Das elektrische Licht wirkt auch schmerzstillend. Bei Kehlkopftuber- 
kulose benutzt Freudenthal auch den Hochspannfunken und den induzierten 
Strom; die Funken wirken durch ihren Reichtum an violetten und ultra- 
violetten Strahlen, durch eine Art Vibrationsmassage und kaustisch und riefen 
narkotische Effekte, Vernarbung hervor. Die Elektrode wird ohne Spiegel 
in den Larj-nx eingeführt. 

Martell (43) bespricht zunächst die diagnostischen Hilfsmittel. Druck- 
punkte der Nerven können als untrügliches pathognomonisches Zeichen der 
Frühtuberkulose gelten, sie geben einen Hinweis auf die Lokalität derselben. 
Das tuberkulöse Virus hat eine elektive Beziehung zu den Drüsen, letztere 
gewähren einen Rückschluss auf den Gang des tuberkulösen Prozesses. Wenn 
wir also das zugehörige Bronchialdrüsengebiet einer Digitaluntersuchung unter- 
ziehen und konzentrieren den Druck auf die Bronchialdrüsengegend plötzlich, 
so haben wir in dem Zusammenzucken des Patienten einen Fingerzeig auf die 
Erkrankung der Drüsen. Diese Verhältnisse sind von Bedeutung für die The- 
rapie. Der Merkur steigert den Biochemismiis der von den Parasiten betrof- 
fenen Zellterritorien und versetzt sie in erhöhte Leistungsfähigkeit. Die In- 



Borchard, Syphilis, AktinomykoBe, Botryomykose, Rhinosklerom, Noma etc. 101 

dikationen für die Therapie mit Kalomei bestehen in der Beseitigung der 
Vasomotorenlähmung^ in der Bindung der giftigen Stoffwechselprodukte, in 
der Verflüssigung der Zerfallsmassen. Verf. gibt genaue Anweisung über den 
Gebrauch desselben, über die Kalomelseifenbehandlung. Chirurgische Eingriffe 
bei Drüsentuberkulose sind nur nach Einschmelzung gestattet. 



B. Syphilis, Aktinomykose, Botryomykose, Rhinosklerom, Noma, Mibs- 
brand, Rotz, Eehinocoecns, Lepra, Pellagra. 

Referent: A. Borchard, Posen. 

Die mit * bezeichoeten Arbeiten sind nicht referiert worden. 

1. ^Buschke, Pathologie und Therapie der hereditären Syphilis. Berliner Klinik 1908. 
Nr. 179. 

2. Y. Dflring, Einige Fragen aus der Lehre von der Vererbung der Syphilis. Münohener 
med. Wochenschrift 1903. Nr. 81. 

3. Finger, Über die Vererbung der Syphilis. Wiener med. Presse 1908. Nr. 14. 

4. Y. Hippel, Über die Häufigkeit der hereditär syphilitischen Gelenkerkrankungen. 
MQnchener med. Wochenschrift 1908. Nr. 31. 

5. Jordan, Beiträge zur hereditären Spätsypbilis. MQnchener med. Wochenschrift 1908. 
Nr. 31. 

6. Eattowitz, Vererbung der Syphilis und placentare Übertragung der Variola. Wiener 
med. Wochenschrift 1908. Nr. 88. 

6a.*Lapar, Über Impf versuche mit Syphilis an anthropoiden A£fen. Berl. klin. Wochen- 
schrift 1903. Nr. 52. 

7. Marcnse, Über erweichte Bubonen der Frühlues. MUnchener med. Wochenschr. 1903. 
Nr. 26. 

8. Matzenaner, Die Vererbung der Syphilis (Diskussion). Allgem. Wiener med. Zeitg. 
1903. Nr. 10. 11, 12, 18. 

9. — . Wiener klin. Wochenschrift 1903. Nr. 8. 

10. — . Wien. H. Braumüller 1903. 

11. — nehst der Erwiderung von Finger. Wiener med. Presse 1908. Nr. 17. 

IIa. Über Mnskelsyphilis im FrQhsladium. Monatshefte für prakt. Dermatologie. Bd. 85. 
Nr. 10 und 11. 

Ub.Metschnikoff und Koux, Über experimentelle Syphilis. Deutsche med. Wochen- 
schrift 1903. Nr. 50. 

12. Morrow, Syphilis and the medical secret. The journ. of cutaneous diseases 1908. 
Jone. 

13. Mracek, Die Syphilis der Mutter und Neugeborenen. Wiener klin. Wochenschr. 1903. 
Nr. 18. 

14. Neu mann, Über tertiäre Syphilis. Wiener klin. Wochenschrift 1903. Nr. 29—38. 

15. *v. Niessen, Bemerkungen zu den , vermutlichen ** Syphilisbazillen von Joseph und 
Piostkowski. Wiener med. Wochenschrift 1903. Nr. 14. 

16. N. Weljaminow, Syphilis in der Chirurgie. Russ. Archiv für Chirurgie 1903. 
Heft 4. 

Matzenauer (8) nimmt in der Vererbung der Syphilis einen der 
herrschenden Lehre entgegengesetzten Standpunkt ein. Er glaubt, da es eine 
Vererbung einer dauernden Immunität nicht gibt, andererseits jede auch 
anscheinend gesunde Mutter eines hereditär syphilitischen Kindes ausnahms- 



102 Jahresbericht für Ghinu'gie. I. Teil. 

los dauernd immun ist, sondern dass auch jede anscheinend gesunde, aber 
immune Mutter latent syphilitisch sein muss. Es gibt also keine hereditäre 
Syphilis ohne Syphilis der Mutter. Man kann deshalb in jedem Falle eine 
Vererbung der Syphilis von einer syphilitischen Mutter ableiten und braucht 
die Hypothese einer paternen Vererbung nicht anzunehmen. Praktisch zieht 
er die Konsequenzen daraus, die Mutter eines syphilitischen Kindes, auch 
wenn sie keine Symptome zeigt, mit Quecksilber zu behandeln. Die Mutter 
eines syphilitischen Kindes kann entsprechend dem Coli esschen Gesetz un- 
gescheut ihr Kind selbst stillen. Die syphilitischen Eltern eines gesunden 
Kindes können möglicherweise ihr Kind infizieren. Ein syphilitischer Mann 
soll, um die Infektion seiner Frau zu vermeiden, nicht vor Ablauf mehrerer 
Jahre seit seiner Infektion und nicht ohne mehrfach wiederholte Quecksilber- 
behandlung in die Ehe treten. 

Diesen Ansichten begegnete ein lebhafter Widerspruch besonders von 
Finger (3), der vor allen Dingen darauf hinwies, dass durch die Aus- 
führungen Matzenauers doch nicht erwiesen sei, wieso es käme, dass 
nach Behandlung des syphilitischen Vaters gesunde Kinder erzeugt würden. 
Femer führt er ein Beispiel an, nach dem die Mutter durch ihr syphilitisches 
Kind beim Säugen infiziert wurde (Primäraffekt an der Brustwarze). Mit 
aller Entschiedenheit tritt er den Ausführungen Matzenauers, sowie den 
daraus gezogenen Konsequenzen entgegen. Ihm schliessen sich nahezu alle 
Eedner der ziemlich erregten Debatte an , wenn auch einige scheinbar zu- 
stimmende Belege für die Ansicht Matzenauers erbracht werden. Die 
dann sich anschliessende Polemik Matzenauers und Fingers bietet ein 
wenig erfreuliches Bild und geringes sachliches Interesse. 

V. D ü r i n g (2) bespricht in seinem Vortrage ebenfalls die Arbeit 
Matzenauers. Wenn er auch die Berechtigung einzelner Einwände 
Matzenauers gegen die bestehende Lehre anerkennt, so kann er doch 
nicht umhin zu sagen, dass Matzenauer es sich zu leicht mit den ent- 
gegenstehenden klinischen Beobachtungen gemacht habe. 

Kattowitz (6) lässt die Exemplifikation der Variola für die Über- 
tragung der Syphilis nicht gelten. Er hält an einer paternen Vererbung der 
Syphilis fest. 

Mracek (13) berichtet auf Grund pathologisch-anatomischer Unter- 
suchungen an zur Sektion gekommenen syphilitischen Neugeborenen über die 
Syphilis der Mütter und der Neugeborenen. Bei der Hälfte der Fälle, bei 
Placentarsyphilis und den durch sie bedingten Veränderungen kann der intra- 
uterine Tod erfolgen. Bei der anderen Hälfte ohne nachweisbare Lokalisation 
des Virus in der Placenta, mit den meisten lebend geborenen Kindern lässt er 
sich durch folgende Verhältnisse erklären. Entweder bestimmt frühere oder 
spätere Infektion des Fötus den Tod oder die schwere Erkrankung desselben, 
oder die Infektion der Frucht tötet dieselbe durch die Wirkung des syphi- 
litischen Virus ohne nachweisbare Erscheinungen, oder der Tod kann durch 
schwere Organerkrankung bei geringer oder fehlender Placentarerkrankung 
bedingt sein. Bei nicht erwiesener Syphilis der Mutter fand er in II Fällen 
9 mal Placentarerkrankung. 

Neu mann (14) glaubt, dass die Erscheinungsformen der sogenannten 
tertiären Syphilis nicht durch eine Toxinwirkung bedingt sei, sondern dass 
auch sie durch das, wenn auch abgeschwächte Virus der Syphilis hervor- 
gerufen würde. Er hat sehr interessante Zusammenstellungen gemacht, aus 



Borchard, Syphilis, Aktinomykose, Botryomykose, Rhinosklerom, Noma etc. 103 

denen hervorgeht, dass die Tertiärerscheinungen am häufigsten bei den im 
Initialstadium wenig oder gar nicht behandelten Fällen vorkomme. Ausser- 
dem weist er auf dem Einfluss des Alters, einiger konstitutionellen Erkran- 
kungen des Traumas auf das Auftreten dieser Tertiärerscheinungen hin. 

Marcuse (7) teilt eine Reihe von Fällen mit, in denen schon im 
Frühstadium der Syphilis, wo es sich also nicht um die Erweichung einer 
gummösen Bildung handelt, Erweichung der geschwollenen Drüsen vorkommt, 
die aber unter spezifischer Behandlung völlig zurückgeht. Irgend welche 
operative Massnahme ist zu vermeiden. Eine Mischinfektion liegt nach ge- 
nauer bakteriologischer Untersuchung nicht vor. 

v. Hippel (4) weist auf die Häufigkeit hereditär syphilitischer Gelenk- 
erkrankuDgen hin. Er sah unter 55 Fällen 43 Gelenkerkrankungen, d. i. 
IQ 56°/o. Von grosser Wichtigkeit ist die Tatsache, dass diese Gelenk- 
erkrankungen fast immer der Keratitis vorausgingen. Er glaubt, dass diese 
GelenkafFektionen gerade in den späteren Stadien der hereditären Lues häufig 
sind und dass das Vorkommen von Gelenkleiden ein gewisser Hinweis auf 
die Diagnose Syphilis sein kann. 

Unter Syphilis hereditaria tarda, deren Vorkommen jetzt einwandsfrei 
erwiesen ist, versteht man im engeren Sinne das erste Auftreten hereditär- 
syphilitischer Erscheinungen nach dem 4. Lebensjahre, im weiteren Sinne 
das Auftreten derartiger Symptome nach einer Reihe von Jahren, wenn in 
den frühsten Lebenstagen Zeichen hereditärer Syphilis vorhanden waren. 
Für beide Tatsachen bringt Jordan (5) einen äusserst interessanten Fall. 
Im ersten war das syphilitische Kniegelenksleiden als erstes Symptom heredi- 
tärer Syphilis im 22. Lebensjahre aufgetreten, im zweiten, der in den ersten 
Lebenstagen an Geschwüren auf dem Kopf gelitten hatte, kamen die luetischen 
Kniegelenkserkrankungen nach fast 5 jähriger Latenzzeit. Beidemal Heilung 
durch spezifische Behandlung. 

Metschnikoff und Roux (IIb) ist es gelungen, durch Impfung 
Syphilis bei anthropoiden Affen zu erzeugen. Nach einer Inkubationszeit von 
25 Tagen trat ein typischer Schanker an der Impfstelle mit Anschwellung 
der benachbarten Drüsen ein und einen Monat später bildeten sich an den 
verschiedenen Körperteilen 15 squamöse Papeln. Auch die Überimpfung von 
einem Tiere auf das andere gelang. 

Unter 49445 chirurgischen Kranken sah Prof. Weljaminow (16) 185 
mit syphilitischen Gelenkaffektionen. Bei 19 ^/o der Fälle handelte es sich 
um hereditäre Lues, bei den anderen um akquirierte. Das Kniegelenk war 
in 46 ^/o der Fälle, das Ellbogengelenk in 18°/o, das Sprunggelenk in 16®/o 
und das Schultergelenk in 10 ^/o affiziert. Bei der Differentialdiagnose legt 
Weljaminow besonderes Gewicht auf die Dolores nocturni und die Inkon- 
gruenz der Gelenkveränderung mit der Erhaltung der Funktion. — In zwei 
Fällen beobachtete Weljaminow eine gummöse Ostitis der Patella, welche 
um 3 — 4 mal vergrössert war. — Zweimal handelte es sich um luetische 
Zmigenaffektionen. Bei einem Mann von 19 Jahren, ohne anderweitige 
luetische Symptome, bestand eine Vergrösserung der linken Hälfte der Zunge. 
Letztere war höckerig, die Oberfläche glänzend, die Papillen verstrichen. 
Im anderen Fall war die Zunge etwas vergrössert, von Himbeerfarbe und 
mit langen Zotten, die den hypertrophischen Papillen entsprachen, dicht 
besät. In beiden Fällen halfen grosse Jodkaliumdosen (Fournier). — Bei 
einem Patienten, welchen Weljaminow vor Jahren wegen eines luetischen 



104 Jahresbericht fOr Chirurgie. I. Teil. 

Unterschenkelgeschwürs behandelt hatte, traten plötzlich gastrische Symptome : 
Erbrechen, starke Schmerzen besonders nach dem Essen, auf. Die behan- 
delnden Arzte diagnostizierten zuerst Ulcus rotundum, später Karzinom. 
Weljaminow nahm auf Grund der Anamnese ein luetisches Geschwür des 
Magens an. Eine antiluetische Kur bestätigte die Annahme. — Ein 45- 
jähriger Patient kam wegen Blutharnens in Behandlung. Anamnestisch lässt 
sich eine syphilitische Infektion nicht feststellen. Patient ist aber wegen 
verschiedener Beschwerden mehrfach mit Erfolg antiluetisch behandelt worden. 
Vor ca. einem Jahre traten Anfälle auf, die mit Verlust der Besinnung, 
schwerer Atmung und allgemeinen Krämpfen verliefen. Bald darauf bemerkte 
Patient zum erstenmal Blut im Harn. Weljaminow konstatierte eine ver- 
grösserte linke Niere und einen fingerdicken Strang, der dem linken Ureter 
entsprach. Der Urin enthielt etwas Eiweiss und rote Blutkörper, Am Abend 
nach der Untersuchung, die in Narkose ausgeführt worden war, bekam Patient 
einen epileptiformen Anfall, nach welchem Aphasie nachblieb. Eine ener- 
gische Jodkaliumkur, bis 8 g pro die, hob alle Beschwerden. 

Hohlbeck (St. Petersburg). 

Aktinomykose und Botryomykose. 

1. V. Baracz, Report of sixty cases of actinomycosis. AnnalB of sarg. 1903. March. 
DiscuseioD. 

la. Doepke, Weitere Mitteilungen über die Erreger der menschlichen Aktinomykose. 
Manchener med. Wochenschrift 1903. Nr. 51. 

2. Dor, Actinomycose. Recherche du Champignon rayonn^. Ces caracteres morphologi- 
qnea et reactionnels dans les tissus. La Presse m^d. 1903. Nr. 74. 

3. *Dreyfu8, Beitrag zar primftren Hautaktinomykose des Menschen. Dissert. Heidel- 
berg 1903. 

4. *H einzelmann, Über Endresultate bei der BehandluDg der Aktinomykose. Dissert. 
Tübingen 1903. 

5. Maas, The method of infection of actinomycosis in man. Anuals of surgery 1903. 
August. 

5a. *Neukirch, A propos d'actinomycose. La Presse mödicale 1903. Nr. 98. 

6. Poncet et Th^venot, De Tactinomycose humaine en Frances et ä T^trangers dan» 
les cinq dernieres ann^s; discussion. Bull, de l'acad^mie de möd. 1903. Nr. 23. 

7. Th^venot, De Tactinomycose humaine en France et ä Tätrangers. Gazette des höpi- 
taux 1903. Nr. 67. 

8. — Actinomycose clavico-faciale de forme courante. Gazette des höpitaux 1903. Nr. 76. 

9. BosgetAbadie, T-a-til une botryomykome? La Presse m^dicale 1908. Nr. 45. 

10. Picquä, Botryomykose. Bull, et m^m. de la soc. de Chir. 1903. Nr. 8. 

11. — Note sur deux tuineurs pr^entent l'apparencc de la botryomycose humaine. Bull. 
et m^m. de la soc. de Chir. 1903. Nr. 7. 

12. Soubeyran, Note sur une tumeur pr^sentant Tapparence de la botryomycose humaine. 
Bull, et m^m. de la Sockte anatomique de Paris 1903. Nr. 4. 

13. Terrier, A propos de la botryomykose. Bull, et mäm. de la soc. de Chir. 1903. Nr. 9. 

Dor (2) gibt in seinem Vortrage nicht eine allgemeine Übersicht über 
den gegenwärtigen Stand der Lehre von der Aktinomykose, sondern teilt, 
gestützt auf die Kenntnis der hauptsächlichsten Arbeiten der letzten Jahre, 
seine persönlichen Vorstellungen und Erfahrungen über diese Erkrankung mit. 

Der erste Teil der Arbeit ist der makroskopischen und mikroskopischen 
Diagnose der Aktinomykose am Krankenbett gewidmet und es ist interessant, 
zu sehen, dass die Franzosen in ausgedehntem Masse die verschiedensten 
Färbemethoden zur Diagnose der Aktinomykose benutzen, so in erster Linie 
Pikrokarmin, dann Orcein, Türkischrot, Hämatoxylin, Saffranin, Lackmus in 



Borchard, Syphilis, Akiinomjkose, Botryomykose, Rhinosklerom, Noma eic. 105 

wässeriger Lösung. Die im 60. Bande von Vir chows Archiv veröffentlichte 
neuere Arbeit von van Niessen und die von Neukirch in Mühlhausen er- 
fahren in dem nun folgenden Teile des Vortrages eine gebührende Würdigung, 
trotzdem van Niessen zu dem Schluss gekommen ist, dass alle diejenigen, 
welchen eine Züchtung der Aktinomykose gelungen sein will, keine echten 
Kulturen gehabt haben. 

Trotz der sich gegenüberstehenden Ansichten lässt sich ein Weg finden, 
der von beiden Parteien beschritten werden kann, nämlich, wenn man das 
eine Mal die Aktinomykose für eine Flechte hielte und zum andern die An- 
oahme machte, dass der Aktinomyces ein Pilz ist, der in zwei Formen auf- 
tritt, in Mycelform und in Keulenform und dass diese beiden Formen im 
Kömchenstadium zusammentreffen. Die erste Hypothese hat für den Vor- 
tragenden mehr Wahrscheinlichkeit. 

Der Schluss des Vortrages ist der pathologischen Anatomie des Aktino- 
myces gewidmet. Differentialdiagnostisch fallen die tinktoriellen Verschieden- 
heiten der sog. Unnaschen Zellen und der Epithelioidzellen der Tuberkulose 
sehr ins Gewicht. Die näheren Einzelheiten darüber müssen im Original, das 
auch einige recht instruktive Abbildungen bringt, nachgelesen werden. 

Baracz (1) hat 60 Fälle von Aktinomycosis behandelt. Bei den 
letzten neun Kranken hat er keine chirurgischen Eingriffe mehr gemacht, 
sondern durch Injektionen von 20 Vo Silbemitrat in die Umgebung des Herdes 
Bindegewebswälle erzeugt und so Heilung erzielt. Bei Lungenaktinomykose 
ist dies Verfahren jedoch nicht anwendbar und hat Baracz Versuche mit 
intravenösen Injektionen von Kollargol gemacht, die ihm viel versprechend 
scheinen. Genauere Angaben über dieses letztere Verfahren behielt sich 
Baracz für eine spätere Mitteilung vor. Maas (New-York.) 

Nach einer kurzen Einleitung über das Auftreten der Aktinomykose 
in Frankreich führt Thevenot (8) die Krankengeschichten von drei typischen 
Fällen von Aktinomykose des Halses und des Gesichtes an. 

Abgesehen von dem Beginne mit heftigen Zahnschmerzen, die im zweiten 
Falle 14 Tage lang anhielten, bietet nur der erste Fall dadurch klinisches 
Interesse, dass sich in der Mundhölile, am Alveolarfortsatz der rechten Seite 
eine starke Schwellung und Ulzeration des Zahnfleisches zeigt und dass aus- 
gesprochener Trismus besteht, der nur eine geringe Beweglichkeit der Kiefer 
gestattet. Die beigefügten Abbildungen der beschriebenen Fälle veranschau- 
lichen recht gut die makroskopischen Veränderungen. 

Eingehend schildert Verf. alsdann die klinischen Eigentümlichkeiten der 
Aktinomykose und hebt als besonders bezeichnend die brettharte Infiltration 
des Gewebes, den subakuten Verlauf, die vielfache Fistelbildung hervor, 
welche schon zur Genüge den Unterschied von einer vom Zahn ausgehenden 
Phl^mone zum Ausdruck bringt. In allen Fällen rät Verf. zur mikroskopi- 
schen Sicherstellung der Diagnose. 

Maas (5) berichtet über fünf Fälle von Aktinomycosis. Bei keinem 
Kranken Hess sieh Berührung mit erkrankten Tieren nachweisen. Zwei 
Patienten hatten auf einem im Lake Erie gestrandeten Getreidedampfer 
rohen Weizen gegessen. Bei den übrigen Kranken liess sich die Infektion 
nicht auf die gewöhnlichen Ursachen Getreide-, Stroh-Rauten etc. zurück- 
fuhren. Ein Patient erkrankte im Anschluss an Typhus, einer nach Ablauf 
TOD Appendicitis. Es fragt sich, ob Fungus hier, ohne an verletzenden Par- 
tikelchen zu haften, durch die ulzerierte Schleimhaut eindrang. Experimentell 



106 Jahresbericht ffir Chirargie. I. Teil. 

scheint bisher nicht durch Fütterung, sondern nur durch direkte Inokulation 
Aktinomykose erzeugt zu sein. Maas (New- York.) 

5 Jahre nach ihrer ersten Abhandlung über Aktinomykose haben Poncet 
und Th6venot (6) diejenigen Fälle zusammengestellt, welche seitdem in 
Frankreich und im Auslande veröffentlicht sind. Aus dieser Zusammenstellung 
kann man über die Häufigkeit der Erkrankung, den Sitz derselben und die 
Frühdiagnose bestimmte Schlüsse ziehen. Auf einen kurzen Bericht der von 
den Verf. selbst seit 1902 beobachteten 11 Fälle, folgt die Statistik der im 
Auslande beobachteten Strahlenpilzerkrankungen, die im ganzen 497 Fälle 
umfasst. Wenn diese Statistik auch wegen der Verschiedenheit der Forschungen 
in den einzelnen Ländern naturgemäss Lücken hat, so berechtigt sie doch zn 
folgenden Schlüssen: Die Verbreitung der Aktinomykose ist ebenso häufig in 
Frankreich wie in Deutschland, Russland, Österreich und Nordamerika; da- 
gegen kommt sie erfahrungsgemäss in England, Italien, HoUand, Rumänien 
und in der Schweiz seltener vor. In Griechenland, Spanien und in der 
Türkei wird sie wahrscheinlich infolge mangelhafter Diagnose sehr selten 
beobachtet. Die Übertragbarkeit vom Tier auf den Menschen ist unzweifel- 
haft, wie die Verf. schon früher bewiesen haben. Bevorzugt werden besonders 
tiefliegende Landstriche, z. B. Flussläufe gegenüber höher gelegenen. Häufig 
ist ihr Auftreten in Norddeutschland ^ was sich aus den schlechten sozialen 
Verhältnissen der dortigen Landbevölkerung erklärt. Sie erscheint wie die 
Tuberkulose als eine Krankheit des Elends, wie man es besonders in Russ- 
land sieht. Wenn auch die Aktinomykose in Gegenden, wo intensiv Vieh- 
zucht getrieben wird, relativ häufig vorkommt, so tritt die Viehzucht ds 
Infektionsgefahr doch zurück hinter den hygienischen Bedingungen, unter denen 
die Menschen leben. Die Schwere der Erkrankung richtet sich in erster 
Linie nach der Lokalisation. Bei weitem am häufigsten ist die Aktinomykose 
des Halses und Gesichtes, die eine relativ günstige Prognose gibt, da auf 
16 Heilungen nur 1 Todesfall kommt. Bei Infektion des Thorax und Abdomens 
verschlechtert sich die Prognose, und zwar kommt 1 Todesfall auf 4 Heilungen. 
Sind die Bauchorgane infiziert, so halten sich Heilungen und Todesfälle das 
Gleichgewicht. Prognostisch am ungünstigsten ist die Infektion der Lunge 
und Pleura; auf 71 Fälle kamen nur 4 Heilungen, 25 Todesfälle und 42 un- 
bekannte Resultate. Die Aktinomykose tritt häufiger bei der Landbevölkerung 
als bei der Stadtbevölkerung auf, wenn auch kein Stand davon verschont ist 
Besonders häufig ist sie in Ländern, die viel Ackerbau treiben; sumpfige, 
feuchte Gegenden, Anschwemmungsgebiete scheinen für den Strahlenpilz ein 
üppiges Kulturfeld zu sein. Was die Behandlung anbetrifft, so kann man am 
Hals und im Gesicht besonders bei oberflächlichen Fällen durch Auskratzen, 
Brennen, Pinseln mit Jodtinktur Heilung erreichen. Am Thorax und Ab- 
domen tritt dieselbe Behandlung ein, doch sind die Fälle prognostisch im- 
günstiger wegen der häufig gleichzeitigen Infektion der Eingeweide. Zum 
Schluss heben die Verf. noch besonders hervor, dass die Aktinomykose überall 
mehr oder weniger vertreten ist, und dass das scheinbare Fehlen in einzelnen 
Ländern auf eine mangelhafte Diagnose zurückzuführen ist. In zweifelhaften 
Fällen möge man stets an Aktinomykose denken. 

Nocard (6) berichtet, dass viele Fälle, die als Aktinomykose angesprochen 
werden, zu der von Lignieres und Spitz beschriebenen Aktinobazillose 
gehören; diese Erkrankung bietet klinisch und mikroskopisch ein der Aktino- 
mykose ähnliches Bild; doch während bei letzterer sich die Fäden mit Aus- 



Borchard, Syphilis, Akiinomykose, Botrjomykose, Rhinosklerom, Noma eto. 107 

nähme der kolbigen Anschwellungen nach Gram färben, ist dies bei Aktino- 
baziUose nicht der Fall; die Fäden erweisen sich als Haufen von Bazillen, 
die sich in Reinkultur züchten lassen und beim Tierversuch die sog. Pseudo- 
Aktinomykose hervorrufen. 

Poncet (6) erwidert, dass ihm diese Krankheit sehr wohl bekannt ist; 
bei den von ihm veröffentlichten Fällen hat er die Diagnose immer durch die 
Gram sehe Färbung erhärtet. 

Sabrazes (10) hat im Arch. g6n6r. m6dec. seine Untersuchungsergeb- 
nisse über Botryomykose niedergelegt. Er zeigt, dass die Botryomykose keine 
spezifische Erkrankung ist, dass femer der Botryomyces nicht ein niederer 
Pilz, sondern ein Mikrococcus ist, der identisch ist mit dem Staphylococcus 
aureus und dass der Staphylococcus in gewöhnlichen Eiterherden in Form 
Ton Haufen auftreten kann, welche mit dem Botryomyces identisch sind. 

Es werden von Bosg und Abadie (9) vier selbst beobachtete Fälle 
sog. Botryomykose mitgeteilt, einer kleinen Geschwulst, die zuerst von Pon- 
cet und Dor im Jahre 1897 als Adenofibroma sudoriparum beschrieben und 
nach dem angeblichen Vorhandensein eines dem Botryomyces ähnlichen Keimes 
benannt wurde. Die beschriebenen, etwa haselnussgrossen Tumore, von denen 
einer an der Fusssohle, drei an der Hand sassen, erwiesen sich histologisch 
als sehr gefassreiche Fibropapillome; die Gefässe, in der Tiefe sehr zahl- 
reich und erweitert, werden in den oberen Schichten zu einem dichten Netz 
von Kapillaren. Das Bindegewebe, welches am Stiel der Geschwulst dicht 
und fest ist, wird in den oberen Partien locker bis zur schleimigen Ent- 
artung. Der Tumor ist von einer Wucherung der Malpighischen Schicht um- 
geben, die nach oben zu dünner wird und schliesslich verschwindet. In drei 
Fällen fand sich keine Spur von Schweissdrüsen und nur bei einem Tumor 
waren solche vorhanden, jedoch unterhalb der eigentlichen Wucherung, aber 
in hypertrophischen Zustande. Kokken, die sich in nichts von Staphylo- 
kokken unterscheiden, fanden sich nur bei 2 Fällen und zwar in den ober- 
flächlichen nlzerierten Schichten, jedoch nicht im Innern der Wucherung. 
DieVerff. ziehen den Schluss, dass man z. Z. die besprochenen Tumoren als 
Fibropapillome auffassen müsse, die erst sekundär mit Staphylokokken infi- 
ziert werden; das Vorhandensein eines spezifischen pathogenen Keimes sei 
noch nicht mit Sicherheit nachgewiesen. 

Im Jahre 1897 wurde die Botryomykose, die man bisher nur beim 
Pferd gekannt hatte, zum erstenmal als Affektion beim Menschen beschrieben 
und zwar als kleine gestielte, besonders an unbedeckten Stellen gelegene, 
Geschwulst mit ausgesprochener Neigung zu Blutungen. Als Erreger dieser 
Geschwulst wurde ein Mikroorganismus, der Botryococcus, angenommen, der 
in die Schweissdrüse eindringen sollte. Unter seinem Einfluss tritt eine 
Hyperplasie der Schweissdrüsen ein und es bildet sich ein Tumor von dem 
Charakter eines Fibroadenoms. — Diese Ansicht ist später vielfach angegriffen 
worden, besonders die Existenz eines spezifischen Mikrococcus. Nach neueren 
Forschungen soll die Botryomykose auf den Staphylococcus aureus zurück- 
zufahren sein, der in einer bestimmten Variation die Eigenschaft hat, eine 
fleischige gestielte Geschwulst zu bilden, die in ihrem anatomischen Bau den 
Eigentümlichkeiten des Gewebes, wo sie sich entwickelt, entspricht. Piqu6 (11) 
hat selbst zwei Fälle beobachtet und kommt auf Grund derselben, namentlich 
Tom bakteriologischen Standpunkte aus auch zu der letzteren Ansicht. Es 
gelang ihm einen Mikrococcus zu isolieren, der sich in eigenartiger Weise dem 



108 Jahresbericht für Chirurgie. I. Teil. 

Staphylococcus aureus nähert. Pathologisch -anatomisch stellt die Botryo- 
mykose eine gefässreiche Geschwulst dar, die man als Angiom in einzelnen 
als Glioadenom bezeichnen könnte. Einige Autoren gehen so weit, dass sie 
sagen, es gebe keinen klinischen unterschied zwischen der typischen Botryo- 
mykose und dem eigentlichen gewöhnlichen Tumor; indes sind die Stielung 
und die Neigung zu Blutungen doch zu charakteristisch, um diesen extremen 
Standpunkt zu vertreten. Verf. lässt dann die Beschreibung der beiden beob- 
achteten Fälle folgen. Im ersten Fall handelt es sich um eine 44jährige 
Frau. Die Infektion war vier Wochen alt ohne vorhergehendes Trauma. Der 
Tumor sass am Grossdaumenballen; anfangs stecknadelkopfgross trat später 
stärkeres Wachstum ein mit dauernder Neigung zu starken Blutungen. Der 
für die Untersuchung vorhandene gestielte Tumor hat die Gestalt eines Cham- 
pignons und ist von fester Konsistenz. Die Oberfläche ist rotbraun mit star- 
ker Neigung zu Blutungen; auf Druck besteht geringe Schmerzhaftigkeit. 
Durch einen eliptischen Schnitt wird der Tumor mit seiner Basis entfernt; 
Heilung per primam. Der zweite Fall betrifft eine 53jährige Patientin mit 
einem gestielten ovalen Tumor an der Unterlippe ; derselbe fühlt sich fleisch- 
artig an. Anamnese wegen Aufregung der Patientin nicht zu eruieren; auch 
dieser Tumor wird operativ entfernt. Aus der ersten Geschwulst hat Verf. 
zwei Mikroorganismen isoliert, ein Stäbchen und einen Coccus. Das Stäbchen 
färbt sich nach Gram, wächst in Bouillon und auf Gelatine, auf letzterer 
jedoch nur an der Oberfläche, ohne dieselbe zu verflüssigen. Der Coccus 
färbt sich auch nach Gram, verflüssigt jedoch Gelatine. Impfversuche fielen, 
was Neubildung der spezifischen Geschwulst anbelangt, negativ aus, führten 
jedoch in einzelnen Fällen zur Abszessbildung. Im zweiten Fall ist aus der 
Geschwulst auch ein Coccus isoliert worden, der bakteriologisch sich nicht 
vom Staphylococcus aureus unterschied. Pathologisch anatomisch bestand 
jede Geschwulst aus zwei deutlich voneinander getrennten Zonen, einer zen- 
tralen und einer peripheren. Die zentrale Zone hatte die Struktur eines 
Angioms, die periphere bot das Bild einer Nekrose mit vielen Kokken^ 
namentlich an der Oberfläche. Sodann erzählt nochTerrier von den ersten 
Beobachtungen derartiger Geschwulste, die man beim Pferd gemacht hat. 
Bei der Kastration von Hengsten hat man in früherer Zeit öfters an der 
Kastrationsstelle das Auftreten von fleischigen Geschwülsten von Faustgrösse 
beobachtet, die man zuerst als Botryomykose bezeichnet hat. Mit dem Fort- 
schritt der Veterinär-Chirurgie hat man immer seltener Gelegenheit, derartige 
Geschwulste zu beobachten, auch kommen sie jetzt kaum noch in der 
Grösse vor. 

Soubeyran (12) berichtet über einen Fall von Botryomykose, in 
welchem die Geschwulst in der Hohlhand am Mekukaryophalangealgelenk 
des Zeigefingers sah. Mikroskopisch bot die Geschwulst das Bild eines Fibro- 
papilloms mit zahlreichen Gefässen, die zum Teil gewuchert waren. Einzelne 
Partien waren mukös degeneriert. Bakteriologisch fanden sich Staphylokokken. 

Terrier (13) gibt den mikroskopischen Bericht eines botryomyko tischen 
Tumors der Unterlippe. Nach demselben handelt es sich um einen einfachen 
Granulationspfropf. Bakteriologisch fanden sich Staphylokokken. Er spricht 
sich gegen die Spezifität der Erkrankung aus. 



Borchard, Syphilis, Aktinomykose, Botryomykose, Rhinosklerom, Noma etc. ICD 

Lepia, Rhinosklerom, Milzbrand, Rotz, Blastomykose, Pellagra, Mycosis 

fimgoldes. 

1. ^Contra, C, Edemizzazioni al sublimato corrosivo nella pustola maligna e nella 
erisipela. II Poliolinico. Sez. pratioa 1903. Fase. 39. 

la.^Brault, Quelques r^flexions sur cerfcains traitements actaellement visitte dans la 
l^pre. Annales de Dermatol. 1903. Nr. 11. 

2. *6raef, Zar Behandlong des äusseren Milzbrandes. Wiener kl in. Rnndschaa 1903. 
Nr. 10. 

Z. ^Leichthorn, Über einen Fall von Rhinosklerom. Dies. Berlin 1903. 

4. Montgomery, A case of cataneons blastomycosis followed by laryngeal and syst. 

tabercolos. The Jonm. of cat. diseases 1903. Febr. 
^. ^Brahann, £in Beitrag znr Kasuistik und Arsenbehandlung der Mycosis fungoides. 

Dissert. Halle 1903. 
€. Gebele, Über Mycosis fungoides. v. Brunssche Beiträge 1903. Bd. 38. 

7. Glflck, Zur Kenntnis der Verbreitnngsweise der Lepra. Wiener med. Wochenschrift 
1903. Nr. 38—39. 

8. Karlinski, Zur Bakteriologie der Lepra. AUgem. med. Zentral-Zeitung 1903. Nr. 48. 

9. Discussion on leprosy; its etiology, histology and its treatment. British med. Journal 
1903. Sept 26. 

10. Y. Baracz, Zur Behandlung des Milzbrandes mit intravenösen Injektionen von lös- 
lichem Silber etc. v. Längs Archiv 1903. Bd. 70. Heft 2. 

11. Federschmidt, Zur Kasuistik und Therapie des äusseren Milzbrandes des Menschen. 
Münchener med. Wochenschrift 1903. Nr. 14. 

12. Graef, Zur Behandlung des äusseren Milzbrandes. Wiener klin. Rundschau 1903. 
Nr. 10. 

13. Hölseher, Beiträge zur Kenntnis der Pust. maligna, v. Lang Aroh. 1903. Bd. 69. 

14. ^Risel, Ein Beitrag zur Pathologie des Milzbrandes beim Menschen. Zeitschrift für 
Hygiene und Infektionskrankheiten 1903. Bd. 42. Heft 3. 

15. ^Über chronischen Rotz beim Menschen. Zeitschrift fdr Hygiene und Infektionskrank- 
heiten 1903. Bd. 45. Heft 2. 

16. Gosma, Über die subkutanen Injektionen mit Serum Truneczek bei Neurasthenie und 
bei verschiedenen nervösen Zuständen, die manche Krankheiten, wie Pellagra, Anämie 
n. s. w. begleiten. Spitalul 1903. Nr. 4—5 (Rumänisch). 

17. Maria Grigorescu und P. Galasescu, Die Hämatologie der Pellagra. Spitalul 1903. 
Nr. 19 (Rumänisch). 

18. Proca, Untersuchungen Über die Pellagra. Spitalul 1903. Nr. 19 (Rumänisch). 

Die Frage nach einer Kultur des Leprabacillus muss trotz vielfacher 
Versuche als eine noch ungelöste betrachtet werden. Karlin ski (8) ist der 
Ansicht, dass die aus den Lepraknoten stammenden säurefesten Bazillen eine 
verschiedenartige individuelle Lebensenergie besitzen, wodurch sich die Wider- 
sprüche in den Angaben einzelner Forscher erklären. Ein ganz analoges 
Verhalten zeigen auch die Tuberkelbazillen. Die Züchtung eines exquisit 
säure- und alkoholfesten Bacillus aus Lepraknoten wurde vom Verf. in fol- 
gender Weise ausgeführt: Nach sorgfältigster Desinfektion wurde bei einem 
leprösen Kranken allseits von den Knoten an einzelnen Oberarmstellen Stücke 
von frisch bereitetem Empl. euphorb. cantharid. aufgelegt, und als sich ei- 
grosse Blasen gebildet hatten, der klare Inhalt steril aufgefangen. In dem 
so gewonnenen Serum waren auch bei mikroskopischer Untersuchung keine 
Leprabazillen nachweisbar. Sodann wurde unter antiseptischen Kautelen 
em Lepraknoten ausgeschnitten , in sterilem Mörser zerdrückt und einzelne 
mohngrosse Stücke in das vorhin beschriebene Serum hineingelegt. In dem 
zerdrückten Knoten waren massenhaft Leprabazillen nachweisbar. Nach 6 
bis 8 Tagen zeigte sich bei 38^ G. um das hineingelegte Knotenstückchen 
ein schwacher weisslicher Bodensatz ; nach 14 Tagen waren kompakte schollige 



110 Jahresbericht für Chirurgie. I. Teil. 

Massen im Bodensatz sichtbar. Einzelne Stückchen dieses Bodensatzes, in 
frisches Serum desselben leprösen Patienten hineingelegt, vergrösserten sich 
langsam ; das Serum selbst wurde nicht trübe. Mikroskopisch war eine Rein- 
kultur eines dünnen säure- und alkoholfesten Bacillus mit kolbigen Anschwel- 
lungen und gekörntem Aussehen vorhanden. An keinem anderen Nährboden, 
nicht einmal am erstarrten Serum des leprösen Kranken, war irgend ein 
Wachstum nachweisbar. Tierversuche an Katzen und Kaninchen blieben er- 
folglos. Unterhalb der Temperatur von 38^ C. blieb das Wachstum aus, 
ebenso bei Anlegung von Kulturen bei Sauerstoff-Abschluss. Der Bacillus ist 
absolut unbeweglich. Die Frage, ob dieser Bacillus, der nur im Serum des- 
selben leprösen Kranken zur Auskeimung und Vermehrung gelangt, als echter 
Leprabacillus anzusehen ist, lässt Verf. noch unentschieden, da die Anzahl 
seiner Untersuchungsfalle (2) noch zu gering ist. 

Glück (7). Es gibt augenblicklich wohl nur wenige Leprakenner, die 
an der Übertragbarkeit des Aussatzes zweifeln. Die überaus mangelhafte 
Kenntnis der Infektionswege der Lepra, ihr gewöhnlich jahrzehntelanger Ver- 
lauf und der anerkannt geringe Grad der Infektiosität einerseits, sowie die 
Tatsache andererseits, dass die Krankheit scheinbar den Charakter einer im 
Sinne der Heredität zu deutenden Familienkrankheit hat, * bringen es mit sich, 
dass manche Leprologen das Leiden überhaupt als nicht ansteckend betrachten. 
Hierher gehören besonders jene Arzte, welche die Lepra nur vom Spital her 
kennen. . Der Krankenhausarzt wird jedoch kaum eine Übertragung der 
Krankheit im Spitale beobachten, denn eine solche kann nur unter derartigen 
ungünstigen hygienischen Umständen vorkommen, wie sie in unserer Zeit in 
keinem unter ärztlicher Aufsicht stehenden Krankenhause vorzufinden sind. 
Wer sich über die Verbreitungsweise der Lepra informieren will, muss die 
Kranken in ihrer Behausung aufsuchen, ihre Verhältnisse und Lebensweise 
an Ort und Stelle studieren. Allerdings hat die Lösung dieser Aufgabe ihre 
Schwierigkeiten, wenn man bedenkt, dass man es meistens mit einer auf 
einer niedrigen Kulturstufe stehenden indolenten Bevölkerung zu tun hat, 
welche oft gar keine anamnestischen Angaben machen kann und der ausser- 
dem auch der gute Wille fehlt, dem Arzt Auskunft zu geben. In solchen 
Verhältnissen kann man nur durch wiederholte, in verschiedenen Intervallen 
unternommene ärztliche Untersuchungen der Hausgenossen des Kranken 
sich über die Ätiologie der Erkrankung Klarheit verschaffen. Nach dieser 
Einleitung berichtet Glück ausführlich über sechs Familien, die er auf Lepra 
hin behandelt hat, und weist in jedem einzelnen Falle durch die Familien- 
geschichte in absolut einwandsfreier Weise nach, dass sich die Lepra immer 
im Wege des Kontagiums verbeitet und dass dieselbe demnach nicht als 
Familienkrankheit im Sinne der Vererbung, sondern der Hausgenossenschaft 
aufzufassen ist. Der Mangel jeder Isolierung der Kranken von den Gesunden 
in den meisten Familien in Lepraländem bildet neben dem gewöhnlich engen 
Zusammenleben in schlecht ventilierten, schmutzigen und lichtarmen Woh- 
nungen, sowie dem Mangel der Peinlichkeit des Körpers und der Kleidung 
die wichtigsten Gelegenheitsursachen für die Übertragung der Lepra von 
einem Familienmitgliede auf das andere. Das Freibleiben mancher Mitglieder 
einer Familie bei gleicher Infektionsgefahr kann nach dem heutigen Stande 
unseres Wissens nur durch die Annahme einer fehlenden individuellen Dis- 
position, welche möglicherweise auf einer besonderen angeborenen biochemischen, 
die Widerstandskraft erhöhenden Eigenschaft der Zellen beruht, erklärt werden. 



Borchard, Syphilis, AktinomykoBe, Botryomjkose, Rhinosklerom, Noma etc. 111 

In der Einleitmig seiner Arbeit schildert Hölscher (13) eingehend 
Symptome und typischen Verlauf der Pustula maligna, wie ihn Koranyi 
im 5. Band von Nothnagels spezieller Pathologie und Therapie gibt. Eine 
Erklärung für das in manchen Bezirken Deutschlands, den sog. Milzbrand- 
distrikten, noch recht häufige Auftreten von Erkrankungen an Milzbrand 
findet Verf. darin, dass in diesen Industriebezirken tierische Produkte, Häute, 
Haare und Borsten, besonders von ausländischem Vieh verarbeitet werden. 
Verf. konnte innerhalb kurzer Zeit sieben Fälle von Milzbrand beobachten; 
den Krankengeschichten nebst den Ergebnissen der histologischen und bak- 
teriologischen Untersuchung ist bei dem allgemeinen Interesse, das der Gegen- 
stand bietet, ein breiter Kaum gewährt. Klinisch hervorzuheben ist aus ihnen 
Fall 7, weil neben der typischen Hauterkrankung eine ähnliche Afifektion 
(Bildung von Blasen, angefüllt mit blutig gefärbtem Serum) am Zungengrunde 
mid seitlicher Pharynxwand nachgewiesen werden konnte , welche in Ver- 
bindung mit dem starken Ödem der Umgebung zu einer erheblichen Ein- 
engung des Kehlkopfeinganges geführt hatte und zu einer Inzision sämtlicher 
Blasen zwang. Vom Standpunkt des Bakteriologen verdienen Fall 5 und 6 
besondere Beachtung. Beide Fälle Hessen klinisch wie pathologisch-anatomisch 
kein charakteristisches Milzbrandzeichen vermissen, während der bakterio- 
skopische Befund gewöhnliche, allerdings sehr grosse gelbe Staphylokokken 
ergab. Danach hält Verf. mit anderen Autoren die Möglichkeit für gegeben, 
dass schwere, mit zentralem schwarzen Brand einsetzende Infektionen der 
Haut durch Staphylokokken verursacht sein können. In sozialer Hinsicht ist 
es daher von Wichtigkeit, nur nach gelungenem Nachweise der Milzbrand- 
bazillen eine Meldung an die Medizinalbehörde abzugeben. 

Federschmidt (11) tritt in seiner Arbeit, welche die Krankheits- 
geschichten von zehn Milzbrandfällen der Haut enthält, mit Wärme für di& 
möglichst baldige Exzision des Karbunkels ein. Die drei Fälle, die von ihm 
selbst behandelt wurden und bei denen er sofort nach der Aufnahme in seine 
Behandlung die Exzision vornahm, zeigten schon nach 1 — 3 Tagen völlig 
normales Befinden, während von den weiter mitgeteilten sieben Fällen, die 
konservativ mit desinfizierenden Umschlägen bezw. innerlicher Darreichung 
Ton Desinfizientien behandelt wurden, zwei letal endigten. Den Einwand der 
Gegner der chirurgischen Behandlung, dass bei dem operativen Eingriffe 
Krankheitskeime in die Blutbahn gelangen könnten, hält er nicht für stich- 
haltig, da seiner Meinung nach der in den eröffneten kleinen Hautvenen 
herrschende Druck positiv ist und femer die Erfahrung bisher diese Befürch- 
tung nicht bestätigt hat. Andererseits hält er den Schutz, den die Lymph- 
drüsen dem Körper vor Allgemeininfektion gewähren, für nicht sehr gross. 

Da Cosma (16) einen wahren Einfluss des Serum Truneczek bei den 
nerrösen Symptomen der Arteriosklerose: Palpitationen, Insomnie etc. kon- 
statierte, kam er zur Idee, diese Eigenschaften bei anderen ähnlichen Zu- 
standen auszunützen. Er machte 10 tägliche Injektionen zu 1 cbcm. Serum 
Truneczek. Von den behandelten 46 Kranken, 25 waren reine Neurastheniker 
imd 21 Pellagrakranken, anämische, neurasthenisierte. 42 verliessen nach 
20—30 Tagen das Spital (zu Plviesti), beinahe ganz genesen. 

Stoianoff (Plevna.) 

Proca (18), der die neueröffnete Pellagroserie von Doljesti (Bezirk 
Boman] dirigierte, fand in einer Enquete bei 68 Familien mit 335 Mit- 
gliedern (von denen 196 Kindern), in 73,6 ^/o der Familien nur ein Mitglied an 



112 Jahresbericht fttr Chirurgie. I. Teil. 

Pellagra krank, der Rest von 26,4% gab zwei oder mehrere Kranken in der- 
selben Zeit. Relativ der Frequenz. Proca resümiert 17027 Observationen 
der Statistik der Bezirke Braila, Covurlin, Roman und fand bei 1000 Fällen 
desselben Alters 





Braila 


Covnrlin 


Roman 


von 0—20 Jabren 


12 


14 


10 


von 20—40 Jahren 


23 


32 


35 


über 41 Jahren 


48 


52 


63 



Für Doljesti (Roman) bei 124 Pellaprösen fand er dieselbe Propostion, 
46 Männer und 78 Frauen. 

Nach dem Alter und Geschlecht bei 1000 Einwohner der drei oben ge- 
nannten Bezirke 

Männer Frauen 

von 20—40 Jahren 43 146 

über 41 Jahren 138 185 

Proca meint, dass wahrscheinlich, weil bei diesem Alter eine gewisse 
Atonie der Gedärme und bei Frauen die Geburten, eine Ursache der Schwäche 
des Körpers sei. 

Von 978 Kranken der Pellagroserie von Pancesti-Dragomiresti von 
1896 — 1900 kamen nur 170 d. h. 17,47o ins Asyl wegen Rezidiv zurück. 
Im Braila war die Zahl der Pellagrakranken 3978 im Jahre 1900, nach einem 
Jahre 741, in 1902 nur 251. Das zeigt nach Proca, dass die Pellagra 
keine konstante chronische Krankheit ist. 

Proca konstatierte im März und April eine grössere Frequenz der 
Pellagrafälle und sieht die Ursache in der Abnahme der Mais Provisionen 
der vorigen Revolte in diesen Monaten. Weil der Mais frisch und mehr 
feucht ist im Anfang des Winters, meint Proca, dass der Winter eine vor- 
bereitende Epoche der Pellagra ist. Stoianoff (Plevna.) 

Nach der genauen Untersuchung des Blutes bei 26 Kranken kamen 
Maria Grigorescu und P. Galasescu (17) zu der Konklusion: 

1. leichte Anämie und Zunahme der Leukocyten, Abnahme des Hämo- 
globins, charakteristische Mononukleose, 

2. der mononukleare Typus unverändert, 

3. nach diesen Charakteren ist die Pellagra leicht von den anderen 
Erythemen zu unterscheiden. Stoianoff (Plevna.) 

Gebele (6) teilt einen Fall von Mycosis fungoides bei einem 53jährigen 
Mann mit, der nach einer Krankheitsdauer von ca 8 Jahren zum Exitus führte. 
Der Prozess lokalisierte sich in grossen ulzerierten Tumoren am Rücken, der 
Ober- und Unterlippe. Die histologische Untersuchung ergab keinen spezifischen 
Befund. Jedoch glaubt Gebele das Erhaltensein der elastischen Fasern in 
dem Sinne deuten zu können, dass er gegen eine Auffassung der Krankheit 
als Sarkom spricht. Die bakteriologische Untersuchung ergab ein negatives 
Resultat. Die multiple Schwellung der Lymphdrüssen, die Oligochromämie 
die schwere Alteration des Allgemeinbefindens, speziel die hochgradige Kachexie 
weisen nach Gebeies Auffassung darauf hin, die Mycosis fungoides nicht als 
Haut-, sondern als Allgemeinerkrankung anzusehen. Dabei liegt die Deutung 
als infektiöse, chronische Erkrankung nahe. 



Borehard, Syphilis, Aktinomykose, BotryomykoBe, RhiDosklerom, Noma etc. 113 

Echmococcus. 

1. *G6raDd, ]^tade aar quelques localisations pen fr^uentes des cystes hydatiques. 
Lyon mödical 1903. Nr. 39. 

2. Goellner, Zur Verbreitung der Eddookokkenkraukheit in EIsass-Lothriogen. Dissert 
Strassburg 1908. 

8. — Mitteilungen aus den Grenzgebieten 1908. Bd. 11. 

4. Madelung, Über postoperative Pfropfung von Echinokokkenzysten. 75. Naturforscher- 
Versammlung. Mflnchener med. Wochenschrift 1903. Nr. 39. 

5. Wiesinger, Tntrakranielle Echinokokkenerkrankung. Ärztl. Verein Hamburg. Mflnch. 
med. Wochenschrift 1903. Nr. 27. 

Gelegentlich einer Sitzung des Ärztlichen Vereins in Hamburg stellte 
Wiesinger (5) eine Patientin vor, die wegen intrakranieller Echinokokken- 
erkrankung mit Erfolg operiert worden war. Klinisch wurde die Wahr- 
scheinlichkeitsdiagnose eines Tumors in der hinteren Schädelgrube gestellt, 
da alle motorischen oder sensiblen Störungen fehlten, aber eine abnorm starke 
Stauungspapille bestand. In der Nackengegend hatte Patientin ausserdem eine 
uDempfindliche, nicht fluktuierende Geschwulst, die sich bei der Operation 
als ein in Vereiterung begriffener Echinococcus erwies. 

Die Geschwulst, welche dem Hinterhauptsbein fest aufsass, kommunizierte 
nicht mit dem Schädelinnern, so dass der ostitisch veränderte Knochen weg- 
gemeisselt werden musste. Es fand sich dann die mit Granulationen bedeckte 
Dura mit Echinokokkenblasen übersät. Der gesunde Knochen musste in 
grosser Ausdehnung abgetragen werden^ um alles Kranke zu entfernen. Der 
Erfolg der Operation war ein vollkommener. Die Sehstörungen gingen unter 
Rückbildung der Stauungspapille völlig zurück und Patient fühlt sich völlig wohl. 

Madelung (4) beobachtete die Bildung einer Echinococcuszyste in der 
Baachnarbe nach Entleerung eines Leberechinococcus. Er glaubt, dass unsere 
moderne aseptische Wundbehandlung mit dem Erfordern möglichst rascher 
Heilung an solchen Vorkommnissen schuld ist. 

Die Arbeit Goellner (2 und 3) füllt eine Lücke in unserer Literatur 
insofern aus, als sie dank der Anregung Madelungs zum erstenmal die 
Häufigkeit der Echinokokkenerkrankung für Elsass-Lothringen zu prüfen 
sucht. Durch Umfragen in den verschiedensten Orten konnte festgestellt 
werden, dass seit dem Jahre 1873 Echinokokkenkrankheit 54 mal in El^ass- 
Lothringen und ausserdem Imal in einem Nachbarlande bei einem aus dem 
Elsass kommenden Menschen beobachtet wurde. Von diesen konnte in ca. 
37 Fällen sichergestellt werden, dass die Krankheit in Elsass-Lothringen er- 
worben war. Goellner kommt zu dem Schluss, dass die Erkrankung bei 
den Bewohnern Elsass-Lothringens selten vorkommt, anscheinend aber doch 
häufiger als in den direkt angrenzenden Ländern. Die Zahl der Hunde in 
Elsass-Lothringen ist eine sehr grosse, sie ist verhältnismässig grösser als in 
Mecklenburg und Vorpommern. Elsass-Lothringen ist im ganzen sehr viel 
ärmer an Haustieren als die Gebiete Deutschlands, in denen Echinokokken 
kaufig vorkommen, besonders gilt das von der Zahl der Schafe. Das Blasen- 
Wmleiden scheint auch unter den Haustieren Elsass-Lothringens nicht in 
besonderem Masse verbreitet zu sein. 



JakrMb«rieht lllr Ohirorgie 190S. 



114 Jahresbericht fflr Chirurgie. I. Teil. 

VIII. 

Verbrennungen und Erfrierungen. 



Referent: E. Pagenstecher, Wiesbaden. 



Die mit * versehenen Arbeiten sind nicht referiert worden. 

A. Yerbrennungen. 

1. Dieterichs, M., .Gedanken über die Ursachen der Erscheinangen nach aasgedehnteo 
Verbrennungen des tierischen Organismus und ihre Behandlung*. Russisches Archiv 
für Chirurgie 1903. Heft 5. 

2. Goldmann, Hugo, Über die Behandlung der Brandwunden mit Ichthyol. Separat- 
Abdruk 1903. 

3. *Rudolph, Kasuistischer Beitrag zur Würdigung und Methodik plastischer Operationen 
bei Narbenkontrakturen durch Verbrennung. Diss. Kiel 1903. 

4. Sattler, Zur Behandlung der Verbrennungen mit Trockenverbänden. Wiener med. 
Presse 1903. Nr. 48. 

5. Sczjpiorski, Cure rapide des brülures par fils mätalliques incondescents. Gazette 
des höpitaux 1903. Nr. 94. 

6. — Traitement des brülures par fils incondescents. Bull, et m^m. de la soc. de Cbir. 
1903. Nr. 26. 

Dieterichs (1) vertritt die Meinung, dass bei den Verbrennungen im 
Blut sich cytotoxische Vorgänge abspielen, welche die Hämoglobinämie, die 
Gerinnungen u. s. w. erklären. Er experimentierte an Meerschweinchen und 
Kaninchen und konnte im Blut der Tiere, denen ausgedehnte Verbrennungen 
beigebracht waren, die Substanzen nachweisen. Am reichlichsten waren die- 
selben in den ersten 5—10 Stunden nachweisbar. Die Agglutinine treten 
dazwischen später auf als die Lysine. 

Die Therapie bei ausgedehnten Verbrennungen soll namentlich drei 
Momente berücksichtigen: 1. soll der Blutdruck gehoben werden durch Koch- 
salzinfusionen, 2. soll der Sauerstoff hunger durch direkte Einatmung von 
Sauerstoff gemindert werden, 3. soll der Wärmeverlust verhindert werden 
(fette Salben). Hohlbeck (St. Petersburg). 

Goldmann- Bromberg (2) empfiehlt 5^/o Ichthyolvaselinverbände bei 
Brandwunden des 3. Grades. 

Sattler (4) berichtet über die seit fünf Jahren im Spital von Serajewo 
durchgeführte Trockenbehandlung von Verbrennungen. Uneröflfnete Blasen 
werden abgetragen, die Umgebung gereinigt, dann die Wunde dick mit Xero- 
form und Puder bestreut, mit Gaze und steriler Watte bedeckt. Verband 
bleibt 4—6 Tage liegen, wird im Bade gewechselt. 

Bei Metallarbeitern und Elektrikern kommen tiefe strichförmige 
Verbrennungen durch glühende Fäden vor, welche sehr langsam heilen. 
Sczypiorski (5, 6) empfiehlt die verbrannten Ränder zu exzidieren und 
die Wunde exakt in Etagen zu nähen. 



Becker, Verletzungen und chirargische Krankheiten der Haat etc. 115 

B. Erfrierung^en. 

1. *Hann8a, Ober die Behandlung lokaler Erfrierungen mit passiver und aktiver Hyper- 
ftmie. Diss. Greifswald 1903. 

2. *M aller, Walther, Ober schwere Gangrän der Bauchdecken infolge lokaler Eis* 
applücationen and das Zastandekoromen derartiger Veränderungen im Tierversach. 
Diss. Halle 1903. 

3. V. Statzer, Die Behandlung von Erfrierungen mit flberhitzter trockener Luft. Wiener 
klin. Rundschau 1908. Nr. 49. 

4. Stoenesco, Ober den Erfrierungstod. Aligem. Wiener med. Zeitung 1908. Nr. 24, 25. 

5. — Sur la mort par le froid. Journal de m^d. de Paris 1908. Nr. 2. 

V. Statzer (3) berichtet über vortreflfliche Resultate bei Behandlung der 
Pernionen mit heisser Luft. 1 Tag bis 3 Monate nach der Erfrierung begann 
die Behandlung. Bei leichten Formen genügte 2 — Stägige Behandlung, bei 
schweren dauerte es länger, nie mehr als 10 Tage, täglich 1 Stunde oder 
zweimal */« — ^4 Stunde lang. 

Stoenesco (4, 5) bestätigt als charakteristisch für den Erfrierungstod 
das Auftreten von kleinen Hämorrhagien (nach Wichniewschi). 



IX. 



Verletzung^en und chirurgische Krankheiten der Haut 
und des Subkutangewebes. 



Referent: E. Becker, Hildeslieim. 



Allgemeines. 

1. Giacomelli, G., Gontribato allo studio delle lesioni dlstroficlie d' origine nearo-vas- 
colare. Clinica moderna. N. del 12 Agosto 1903. 

2. Perthes, Ober den Einflnss der RöDtgenstrablen auf epitheliale Gebilde, inabesondere 
aaf das Karzinom. Chirurgenkongress-Verhandlungen 1903. 

3. — Zentraiblatt f&r Ghirurgie 1903, Nr. 86. Beilage, p. 80. 

4. — Desgl. Nr. 47. p. 1303. 

5. H. E. Schmidt, Die Radiotherapie der Hautkrankheiten. Zeitschrift für diätetische 
und physikalische Therapie. Bd. 7. Heft 4. 

6. — Ein Kryptoskiaskop mit Hand- und Gesichtsschutz. Fortschritte auf dem Gebiete 
der Röntgenstrahlen. Bd. 7. 

7. Scholz, Über die Behandlang von Hautkrankheiten mit Röntgenstrahlen und konzen- 
triertem Licht. Deutsche med. Wochenschrift 1908. Nr. 33 und 34. 

Perthes (2 — 4) trug auf dem Chirurgenkongress und der Naturforscher- 
Tersammlnng seine interessanten Beobachtungen über die Einwirkung der 
Röntgenstrahlen auf epitheliale Gewebe, insbesondere auf das Karzinom vor. 
Er hat in keinem Falle einen deutlichen Einflnss im Sinne der Heilung aus- 



116 Jahresbericht fOr Chirurgie. L Teil. 

bleiben sehen. Geheilt wurden von acht Fällen von Hautkarzinom des Ge- 
sichtes vier, die übrigen waren noch in Behandlung. Von sechs Fällen von 
Carcinoma mammae wurde keiner völlig geheilt. Im günstigsten Falle, wo 
lokale Heilung des Rezidives erzielt schien, bildete sich eine Wirbelmetastase 
aus. Von zwei Fällen von Lippenkarzinom legt er Photographien vor, welche 
zeigen, wie das in beiden Fällen mehr als die Hälfte der Unterlippe ein- 
nehmende Karzinom nach einmaliger intensiver Bestrahlung (40 Minuten, 
10 — 16 Einheiten des Holzknechtschen Chromoradiometers) unter Hinterlassung 
einer flachen, solide vernarbten Vertiefung der Unterlippe völlig geschwunden 
ist. Mikroskopische Untersuchung von Probeexzisionen bestrahlter Karzinome 
in verschiedenen Stadien ergab Degeneration der Krebsepithelien als Folge 
der Bestrahlung und starke Leukocytenanhäufung um und zwischen den 
Epithelzellen, welche dann der Resorption verfallen. Die Gesamtdauer der 
Bestrahlung in dem einzelnen Falle betrug 30 — 60 Minuten bei 10 cm ßöhren- 
abstand, 2 Ampfere Stromstärke 60 cm Funkeninduktor, 1300 Unterbrechungen. 

H. E. Schmidt (5) gibt einen kurzen Überblick über die Erfahrungen 
der Berliner Poliklinik für Haut- und Geschlechtskrankheiten mit der Radio- 
therapie der Hautkrankheiten. Von 108 behandelten Patienten wurden geheilt 
29 (darunter drei seit mehr als 1^/2 Jahren rezidivfrei, 19 erst kurze Zeit 
aus der Behandlung entlassen resp. nicht wieder vorgestellt, 6 Rezidive), fast 
geheilt (bis auf unbedeutende Reste der Krankheit) 20, gebessert 57, nicht 
zufriedenstellendes Resultat 2 ; zur Zeit noch in Behandlung 68. Nimmt man 
diese Zahlen genau, so sind von 108 Personen also nur drei geheilt, ein 
Resultat, welches sich demjenigen anderer Autoren nicht an die Seite stellen 
kann. Die besten Resultate gab beim Lupus vulgaris die Finsentherapie ; sie 
ist sicher, ungefährlich, schmerzlos und gibt die besten kosmetischen Resultate; 
allerdings ist sie kostspielig und langdauernd. Die Methode ist in doppelter 
Hinsicht von grosser Bedeutung : Erstens sind die Chancen, auch die tiefsten 
Lupusknötchen zu beseitigen günstiger als bei anderen Methoden, da keine 
derbe Narbe die Tiefenwirkung des Lichtes beeinträchtigt. Und selbst wenn 
es zu Rezidiven kommt, sind es nie totale, sondern stets partielle Rezidive. 
Zweitens ist auch die Beseitigung der Rezidive viel leichter als bei den in 
starres Narbengewebe eingebetteten Lupusknötchen (wie nach operativen Ein- 
griffen und Ätzmethoden). Gute Abbildungen nach Photogrammen bestätigen 
die Ausführungen. 

Scholz (7) erklärt auf Grund klinischer Beobachtungen und histologischer 
Untersuchungen die Wirkung der Röntgenstrahlen und des Finsenlichtes in 
der bekannten Weise ohne genauere Angaben über die Dosierung zu geben ; 
er beginnt stets mit einigen kräftigen Bestrahlungen, um sie in späteren 
Sitzungen abzuschwächen und bevorzugt weiche Röhren wegen ihrer Tiefen- 
wirkung. Beim Lupus kombiniert er die Röntgenbestrahlungen mit chirur- 
gischer Behandlung, Ätzpasten und zumal Pyrogallussalbe. In zwei Fällen 
von Hautkarzinomen hat er Erfolge erzielt, welche allerdings nicht als Hei- 
lungen angesprochen werden können. Als Enthaarungsmittel leistet das Ver- 
fahren vorzügliche Dienste, bedenklich ist die Verwendung bei Akne wegen 
der reaktiven Entzündung, meist nutzlos bei Psoriasis. Bei der Behandlung 
mit konzentriertem Lichte ist zu unterscheiden zwischen der Tiefenwirkung 
des Kohlenlichtes (nach Finsen) und der nur oberflächlichen Wirkung der 
Eisenelektroden (Dermolampe). Dementsprechend ist die Behandlung bei 
den verschiedenen Hautkrankheiten zu regulieren und auch der Erfolg ver^ 



Becker. Verletzungen und chirargische Krankheiten der Haut etc. 117 

schieden. Aucli dieses Verfahren hat er mit anderen Methoden kombiniert 
angewandt. 

Zur Prüfung des Härtegrades der Röntgenröhren hat H. E. Schmidt (6) 
einen Apparat angegeben, welchen eralsKryptoskioskop bezeichnet, d.h. 
einen lichtdichten Kasten mit zwei gegenüber hegenden Ausschnitten, von 
welchen der eine durch den Fluorescenzschirm ausgefüllt wird, während der 
andere dem Gesicht des Untersuchenden fest anliegen muss. Als Tastobjekt 
dient ein Handskelett. Erscheinen die Knochen tiefschwarz, so ist die Röhre 
^weich^, grauschwarz, so ist sie „mittelweich*' und hellgrau, so ist sie „hart^. 
Lieferant: Reiniger, Geppert und Schall in Erlangen. 

In dem von Giacomelli (1) beschriebenen Falle handelte es sich um 
Ulzerationen, die seit 12 Jahren an einem Unterschenkel bestanden und jeder 
Behandlung trotzten; der Unterschenkel musste amputiert wertien. — Bei der 
mikroskopischen Untersuchung gewahrte er an den Unterschenkelarterien eine 
Verdickung der Intima, die durch Neubildung von Bindegewebe unterhalb des 
Endothels bedingt war, die T. media wies korop^iktes, die Muskelelemente 
substituierendes Bindegewebe auf; die elastischen Membranen waren ge- 
schwunden, die verdickte Adventitia hatte fast obliterierte Ernährungsgefässe. 
Was die Nerven anbelangt, wies eine geringe Anzahl von Nervenfasern Schwund 
des Marks auf, auch fehlte die Segmentation derselben; die verschiedenen 
Faserbündel waren durch Fettzellengewebe voneinander getrennt, von den 
Achsenzylindem hatte die Mehrzahl sich nicht gefärbt, das Lumen der vasa 
nervorum war stark reduziert. 

Verf. meint deshalb, dass die schwere Dystrophie des Gliedes in Be- 
ziehung stand mit schweren Gefäss- und Nervenveränderungen des ganzen 
Organismus, dass die Gerässveränderungen durch chronische Alkoholvergiftung, 
die Nervenveränderungen durch Alterationen der vasa nervorum hervorgerufen 
worden waren. R. Giani. 

Spezielles. 

I. Verletzungen. 
1. Frisehe VeTletziuigeii. 



2. Transplantation und Narbenbehandlung. 

1. Braun, Dauerheilang nach Überpflanzung ungestielter Hautlappen, v. Br uns sehe 
Beitrage 1903. Bd. 37. Heft 1 u. 2. v. Esmarch Festschrift p. 421. 

2. Dnbreuilh et Morin, Transplantation cutan^e. Soc. d'Anatomie et de Physiologie. 
Joamal de m^d. de Bordeaux 1908. Nr. 38. 

3. Karg, Vorstellung eines Falles von SkalpieruDg der ganzen Kopfhaut Chirurgen- 
Kongress-Yerhandlungen 1908. 

i KSnig, Arthur, Zur Kenntnis der Dauerresultate naeh'Hauttransplantation. Dissert. 
Kiel 1908. 

5. *Maximow, Weiteres über Entstehung, Struktur und Veränderungen des Narben- 
gewebes. Zieglers Beiträge zur patholog. Anatomie 1903. Bd. XXXIV. Heft 2. 

6. Narath, Huidplastieken. Ned. Vereenig. voor Heelkunde. Ned. Tydschr. voor Genees- 
künde I. p. 658. 

7 Riese, Fall von Skalpierung. Berliner klin. Wochenschrift p. 789. 



118 Jahresbericht far Ghirargie. I. Teil. 

8. Wagner, Die Behandlung von granulierenden Hautwunden. Zentralblatt f. Chirurgie 
1903. Nr. 50. 

9. — Die Behandlung von granulierenden Hautwunden. Allgem. med. Zentral-Zeitg. 1903. 
Nr. 50. 

10. W entscher, Ein weiterer Beitrag zur Cberlebensffthigkeit der menschlichen Epidermis- 
Zellen. Deutsche Zeitschrift für Chirurgie 1908. Bd. 70. Heft 1 u. 2. 

Wentscher (10) kommt auf seine früheren Versuche (vergl. Bd. in 
p. 155 und Bd. IV p. 148 dieses Jahresberichtes), eingetrocknete Epidermis- 
läppchen zu Transplantationszwecken zu verwenden, zurück, da Marchand 
und Enderlen gegen seine früheren Versuche Bedenken geäussert hatten 
dahin, dass 1. möglicherweise von den im Boden von Hautdefekten stehen- 
gebliebenen Epithelresten oder 2. vom Rande des Defektes her das Epithel 
sich herüberschieben könnte; es bleibe also fraglich, ob tatsächlich die ein- 
getrockneten Epithelstückchen angeheilt seien. Verf. machte daher an zwei 
Personen vier neue Versuche, indem er auf Muskelbäuche sein Epithel ver- 
pflanzte und dadurch obige beiden Fehlerquellen sicher ausschaltete. Die 
Konservierungsdauer der Läppchen betrug in einem Falle 7, in den drei 
anderen Versuchen 14 Tage. Die Resultate werden durch zwei Tafeln Ab- 
bildungen erläutert. Nur ein Versuch fiel negativ aus. Indessen kann man 
mit einiger Sicherheit auf ein Anwachsen der Läppchen nur dann noch 
rechnen, wenn sie nicht länger als 24 oder 48 Stunden konserviert sind. Die 
Konservierung geschieht in sterilen Reagenzröhrchen auf einem mit steriler 
Kochsalzlösung angefeuchteten Gazestückchen. Das älteste zur Anheilung 
gebrachte Stück war (in früheren Versuchen) 22 Tage alt. Diese letzteren 
Versucht? haben natürlich nur ein biologisches, kein klinisches Interesse. 

Vorzüglich sind die Dauererfolge der Krauseschen Lappenplastik, über 
welche Wilhelm Braun (1) aus dem Altonaer Krankenhause berichtet. Eis 
werden 20 Einzelbeobachtungen von IV« — 9 jährigem Dauerbestande mitgeteilt 
und durch Abbildungen nach Photographien erläutert. Verf. stellt nach 
ausführlicher Mitteilung der Krankengeschichten folgende Betrachtungen an: 
Wo ungestielte Hautlappen einmal einwandsfrei aufgeheilt sind, ist der Dauer- 
erfolg sicher. Die Erfolge sind besonders günstig bei jugendlichen Individuen 
mit gutem frischen Geschwürsuntergrunde. Selbst trotz Lues, Nephritis, 
Diabetes und Varicen waren die Heilungen von Bestand. Allerdings gehört 
sorgfältige Hautpflege dazu. Wenn nachträglich in oder am Lappen Ulzera- 
tionen auftraten (in zwei Fällen), so waren es stets genau diejenigen Punkte, 
an denen von vornherein Lappenteile nekrotisch geworden waren. Also nicht 
Lappen- sondern Narbengewebe wurde insuffiziert. Was das Verhalten der 
Lappenhaut im einzelnen betriflft, so hatte bei allen Nachrevisionen die Ober- 
haut genau das Aussehen der übrigen Haut, ist nicht rissig, borkig, trocken 
und schilfert nicht ab. Ferse und Hohlhand neigen nicht zur Verhornung 
und Schwielenbildung. Die Funktion der Hautdrüsen bleibt meist unsicher; 
eine Reihe von Lappen schwitzten. Der etwas stärkere Segmentgehalt des 
Lappens nimmt in der Regel nach Jahren ab; mitunter bleibt er bestehen. 
Mitüberpflanzte Haare wachsen häufig weiter; in einem Pralle wurde aus der 
Kopfhaut eine Augenbraue gemacht, die noch nach SV« Jahren von Bestand 
war. Das eigentliche Corium erleidet keine nachträglichen Schrumpfungen, 
ist weich, elastisch, verschieblich, von normaler Temperatur, kurz völlig 
normal. Einige Lappen behielten noch nach Jahren eine gewisse Starrheit 
infolge ödematöser Durcbtränkung und venöser Stase; diese verschwindet 



Becker, Verletzungen and chirurgische Krankheiten der Haut etc. 119 

aUmählicb. Eine Wulstung bleibt leicht zurück, wenn der Lappen bei der 
Operation nicht ordentlich ausgebreitet werden konnte oder ein Hämatom 
entstand. Je fester die ganze Wundfläche sofort mit dem Untergrunde ver- 
klebt, um so schneller etabliert sich eine leistungsfähige Zirkulation. 6e- 
wulstete Lappen erscheinen anfangs noch cyanotisch, später übermässig 
pigmentiert. Im allgemeinen behält der Lappen aber seine alten Charak- 
teristika, so dass Oberschenkelhaut nie der Wangen- oder Lippenhaut ähnlich 
wird, was besonders bei Gesichtsplastiken aus kosmetischen Rücksichten zu 
beachten ist. Die Temperaturverhältnisse im Lappen sind normal. Die 
Verschieblichkeit ist sehr verschieden. Ein wirkliches Wachstum des Lappens 
konnte unzweifelhaft nur in einem Falle festgestellt werden ; meistens handelt 
es sich wohl nur um Dehnung. Auch die Sensibilität ist sehr verschieden, 
meistens herabgesetzt; wo sie ganz fehlt, treten leicht Verletzungen ein. Je 
flacher und inniger der Lappen dem Untergrunde aufliegt, desto besser ist 
die Sensibilität. In einer Reihe von Fällen war die Sensibilität völlig normal ; 
nie bestand Hyperästhesie. Empfohlen wird von Krause die Methode nur 
da, wo die Thierschsche Transplantation nicht hinreichend solide Dauer- 
heilung garantiert. Es gelingt durch diese Methode oft, arbeits- und existenz- 
mifahige Individuen der menschlichen Gesellschaft dauernd zurückzugeben, 
wobei noch besonders tröstlich ist, dass anfängliche Schönheitsfehler (Wulstung, 
Pigmentierung) sich im Laufe der Jahre verlieren, dass also die Lappen im 
Laufe der Zeit eher schöner als hässlicher werden. Die drei kardinalen 
Forderungen Krauses sind: völlige Asepsis, vollkommen trockenes Operieren 
and geeignete Vorbereitung des Defektbodens. Wer hiervon abweicht, erlebt 
Hisserfolge. Nekrosen treten um so leichter auf, je mehr der Lappen (z. B. 
durch nachträgliche Entfernung des subkutanen Fettes) verletzt wurde. Die 
grösste Schwierigkeit machen alte verschmierte Unterschenkelgeschwüre ; 
der oft mehr als zentimeterdicke Geschwürsgrund muss wie ein Tumor bis ins 
Gesunde exstirpiert werden, nämlich bis auf völlig gesunde Faszien, Sehnen, 
Muskeln und Knochen ; letztere sind eventuell abzumeisseln. Die (im übrigen 
bekannten) Einzelheiten der Technik müssen im Original nachgelesen werden. 
DenSchluss der Arbeit bildet eine kurze Fortsetzung seines mit Marchand- 
Enderlen seit Jahren geführten Streites darüber, ob bezw. inwieweit die 
ungestielten Lappen absterben oder sich erhalten, worauf hier des näheren 
nicht wieder eingegangen werden soll (siehe frühere Jahresberichte). 

Dubreuilh und Morin (2) zeigten in der Societö d'anatomie et de 
Physiologie zu Bordeaux einen Kranken, dem sie mit Kokainanästhesie ein 
Epitheliom des Handrückens entfernt und den Defekt nach Krauses Methode 
— natürlich ohne dieses zu erwähnen — mit einem ungestielten Lappen aus 
dem Arme gedeckt hatten. Der Lappen heilte an. Der Fall erregte das 
höchste Erstaunen der Mitglieder! 

Narath (6) demonstriert einige Fälle von Lappenplastik zur Beseitigung 
von Verbrennungsnarben. Er bedeckt zuerst die granulierenden Flächen mit 
Thiersch sehen Läppchen. Nachher wird ausgedehnte Lappenplastik ange- 
wendet; die Bauchhaut ist für grosse Lappen am besten geeignet. Bei 
Fingerverbrennung wurde zuerst Syndaktylie hergestellt, die Wundfläche mit 
einem Hautlappen gedeckt und später die plastische Operation der Syndaktylie 
ausgeführt. Die Methode gab ein vorzügliches kosmetisches und funktionelles 
Besultat; die Hand war auch für feinere Arbeit vollkommen brauchbar. 

Goedbuis (Deventer). 



120 Jfthresbericlit fttr Chirurgie. I. Teil. 

Koenig (4) beschreibt in seiner Dissertation aus der Kieler Klinik vier 
Fälle von T hier seh scher Transplantation bei drei ausgedehnten Verbren- 
nungen und einer Faszien phlegmone. Die Arbeit bringt nichts Neues. 

Riese (7) hat einem jungen Manne, der eine Skalpierung der Haut 
fast des ganzen linken Ober- und Unterschenkels erlitten hatte, den Defekt 
nach Thiersch mit mehrmaliger Benutzung des Entnahmegebietes gedeckt. 

Einen gleichfalls mit gutem Erfolge operierten Fall stellte Karg (3) 
auf dem Chirurgen-Kongresse vor : junges Mädchen, dem die ganze Kopfhaut, 
als sie mit dem Haar in eine Maschine geriet, abgerissen war. 

Wagner (8, 9) hat seit Jahren granulierende Wunden, welche sich 
aus bestimmten Gründen nicht transplantieren lassen oder bei denen die 
Transplantation missglückt ist, tagsüber der Einwirkung der Luft ausgesetzt 
und ganz ohne Verbände liegen lassen ; nachher wurden austrocknende Pulver- 
verbände gemacht. Man bemerkt dabei, dass die Sekretion sofort erheblich 
abnimmt. Die Granulationen schrumpfen unter der austrocknenden Wirkung 
der Luft, die ganze Wunde verkleinert sich sichtlich durch den Schrumpfungs- 
prozess der Granulationen. Es ist ihm vielfach gelungen, handtellergrosse 
Granulationswunden in 8 — 10 Tagen zur Epidermisierung zu bringen; nicht 
ein einziges Mal hat er eine Schädigung durch Lifektion beobachtet. 

n. Chirurgische Krankheiten. 

1. Zirkulationsstörungen. 

1. Borchard, Über traumatisches ödem des Handrückens. Monatsschrift; für Unfall- 
heilkuDde nnd Inyalidenwesen 1903. Nr. 2. 

2. *Dj4mil-Pacha, Un cas de myzoedtoe opöratoire sonrenu h la siiite de Textir- 
pation des deux mamelles hypertroph^es chez un homme. Archives internationales 
1903. Vol. I. Fase 1. 

3. Grflnbaum, Über das „harte traumatische ödem* des Handrückens. Deutsche med. 
Wochenschrift Nr. 51, 52. 

4. Mc. Arthur, Bemoval of birtb-marks. Chicago surgioal society. Annais of surgery 
1908. June. 

5. Sack, Ein Fall yon allgemeiner Lymphstanung der EUint (StauungsGdem) nach Ver- 
eiterung des grGssten Teils der regionären Lymphdrüsen. Münchener med. Wochen- 
schrift 1908. Nr. 37. 

6. Secrätan, Oedöme d'un traumatique. Revue m^dicale de la Suisse romande 1908. 
Nr. 4. p. 240. 

Secretan (6) hat bereits in einer früheren Arbeit (Revue medicale 
de la Suisse romande 1901 Juli 20) den Begriff des „harten traumatischen 
Ödems" in die Wissenschaft eingeführt auf Grund von 11 Beobachtungen. 
In dieser neuen Arbeit beruft er sich auf weitere 22 Fälle. Er unterscheidet 
zwei Grade von Kontusionen : 1. solche, bei denen sich nur Ecchymosen ohne 
eigentliche Schwellungen der Gewebe bilden und die wegen ihres schnellen 
Yerschwindens bedeutungslos sind und 2. solche, wo sich eine ausgedehnte 
Infiltration der Haut und der darunter liegenden Gewebe bildet, die sich 
durch eine auffällige Schwellung verrät. Die letztere ist anfangs weich und 
elastisch, später aber sehr hart und verteilt sich nur äusserst langsam. Die 
letztere schwerere Form bezeichnet Secretan als das „harte traumatische 
Ödem". Lieblingssitze sind Hand- weniger Fussrücken. Fingereindrücke 
bleiben nicht bestehen, ebenso bleibt die Volarseite stets frei. Secretan 
vergleicht die Schwellung mit einem elastischen Kissen (Coussinet ölastique). 



Becker, Verletzimgen und chirurgische Krankheiten der Haat etc. 121 

Die Abgrenzung gegen Vorderarm und Finger ist nicht scharf; aber doch 
ziemlich deutlich. Die Haut lässt sich nicht in Falten ziehen und zeigt ver- 
schiedene Zeichen der Atrophie (trocken, spröde, abschilfernd), die Sensibilität 
ist ungestört, oft fühlt man Krepitation. Charakteristisch ist der äusserst 
langwierige Verlauf (^U — ^li Jahr), obwohl das Leiden stets gutartig ist. 
Frakturen der Metakarpen sind nie dabei, wie das Röntgenbild stets erweist. 
Secrätan hält es für eine durch chronische Bindegewebsneubildung bedingtes 
Leiden, ohne dessen letzte Ursache zu kennen. 

Grünbaum (3) hat ebenfalls ähnliche Fälle gesehen und macht dabei 
anf die auch schon von Borchard (1) gefundene, im Röntgenbilde er- 
kennbare, Rarefikation des Knochens aufmerksam, welche schon vier Wochen 
nach der Verletzung nachweisbar war. Er hält sie für eine akute sekundäre 
Atrophie, beruhend wahrscheinlich auf Zirkulationsstörungen. Geringfügige 
Überanstrengungen, unbedeutende Traumen rufen sofort Verschlimmerungen 
des Leidens hervor. Nach einer ihm gewordenen persönlichen Mitteilung 
berechnet Secrötan bei einer jährlichen Frequenz von 1000 Unfällen seines 
Institutes die Häufigkeit dieser Äffektion auf 1 ^/o, was sehr unwahrscheinlich 
ist, da im übrigen nur sehr wenige anderweitige Beobachtungen vorliegen. 
Grün bäum selbst hat unter 1500 Unfallskranken nur drei Falle gesehen. 
Histologische Untersuchungen sind bislang nicht gemacht. Er nimmt an, 
dass das ursprüngliche Exsudat aus irgend welchen unbekannten Ursachen 
(zu lange Ruhigstellung durch Schienen, Eisblasenbehandlung u. dergl.) nicht 
rechtzeitig resorbiert ist, sondern sich organisiert. Alle Autoren sind einig 
darin, dass Massagebehandlung sehr schädlich ist. Lokale Heissluftbäder von 
50—80° Celsius sollen nicht unwirksam gewesen sein. Verf. hat in einem 
Falle einen zweifellosen Erfolg von dreimal wöchentlichen Injektionen einer 
15°/oigen alkoholischen Lösung von Tbiosinamin (eine Pravazsche Spritze 
voll) gesehen. Nach 32 Injektionen war das Narbengewebe zur Quellung und 
Zürn Verschwinden gebracht. Er gedenkt die Behandlung künftig mit Heiss- 
luftbädem und passiven Bewegungen zu kombinieren. 

Borchard (1) behandelte einen 41jährigen Ziegler, welcher sieben 
Jahre vorher auf die rechte Hand gefallen war. Es entstand sofort eine 
heftige Schwellung, die durch Massage und Gebrauch der Hand nur ver- 
schlechtert wurde. Das Leiden kam niemals völlig zur Heilung. Durch 
Böntgenbilder konnten Enochenbrüche mit Sicherheit ausgeschlossen werden. 
Indessen fiel eine grössere Transparenz sämtlicher Handknochen auf. Er 
dentet letztere als bedingt durch die von Sndeck als akute entzündliche 
Knochenatrophie bezeichnete Erkrankung und nimmt an, dass es sich um ein 
entzündliches (nicht Stauungs-) Ödem des lockeren Bindegewebes handele. 
So erkläre sich die ungünstige Wirkung von Massage und Gebrauch am 
zwanglosesten. In letzter Linie handele es sich um eine Alteration der 
kleineren Blut- und Lymphgefässe mit Austritt von Flüssigkeit und Behinde- 
rung der Zirkulation. Daher die starke Schädigung infolge behinderter Re- 
sorption. Massage ist ganz zu verwerfen ; am besten nützen heisse Luftbäder 
von 50—60^, Schienenverbände und Ruhigstellung. Die Prognose ist sehr 
vorsichtig zu stellen, wie dieser Fall ganz besonders lehrt. Die Erkrankung 
ist wichtig für die Unfallsheilkunde. 

Sack (5) beschreibt die Leidensgeschichte eines 31jährigen Zigarren- 
arbeiters, welcher seit dem sechsten Lebensjahre an tuberkulösen Lymph- 
drüsen litt, die nach und nach am Halse, Achselhöhle, Leistenbeuge u. s. w. 



122 Jabresbericbt für Chirurgie. I. Teil. 

vereiterten, zu Fistelbildungen und schliesslich infolge allgemeiner Behinderung 
der Lymphabfuhr aus den oberflächlichen Lyniphgefässen zu einem allgemeinen 
Stauungsödem des ganzen Körpers führten. Wiederholt auftretende Erysipele 
verschlimmerten den Zustand noch obendrein. 

McArthur (4) hat bei einer jungen Dame ein Feuermal an Stirn. 
Augenlid und Wange in folgender Weise entfernt. Er machte einen Flach- 
schnitt in der Dicke der Kutis und traf dadurch alle in die Höhe steigenden 
Kapillarschlingen. Nach Stillung der Blutung wurden Thierschsche Läpp- 
chen aufgelegt und dadurch die Kapillaren zur Obliteration gebracht. Das 
Resultat war vorzüglich. 

2. Entzündungen. 



3. Spezifische Entzündungen. 

1. Böhm, Primäre Aktioomykosis cutis am Hinterhaapte. Archiv für Dermatologie und 
Syphilis. 59. Bd. Heft 3. 

2. Bowker, Tbe successful treatment of a few cases of lupus. TheLancet 1903. Nov. 14. 

3. Breiger, Die Verwendung des Kisenlichtes in der Lichttherapie. Die medizin. Woche. 
IV. Jahrgang. Nr. 29. 

4. Credo, Zur Lupushehandlung. Gesellschaft für Natur- u. Heilkunde Dresden. MOnch. 
med. Wochenschrift 1908. Nr. 4. 

5. '''Dr eis 1er, Über die Einwirkung des Tuberkulin R. auf Lupus. Diss. Jena 1908. 

6. Dreuw, Behandlung des Lupus. Monatsherte für praktische Dermatologie. Bd. 37. 
Nr. 5. 

7. Dreyfus, Ein Fall prim&rer Hau taktinomy kose. Mfinchener med. Wochenschrift 1903. 
Nr. 52. 

8. Duroux, Traitement du lupus par la möthode combin^e de cautörisations ign^es et 
d'applications d'acide picrique. Soc. nat. de mödecine de Lyon. Lyon mäd. 1903. Nr. 46. 

9. Fi nsen, Die Resultate der Phototherapie und die Technik ihrer Applikation beim Lupus. 
Neue Therapie. L Jahrgang. Nr. 4. 

10. — Remarks on the red-light treatment of small pox. British medical Journal 1903. 
June 6. 

11. Fox, A case of lupus under z-ray treatment. New York dermatoL soc. Journal of 
cut. diseases 1908. April. 

12. Gamlen, Treatment of lupus by x-rays and ultra-violet rays. British medical Journal 
1903. June 6. 

13. Gilchrist and S tokos, The presence of peculiar caicified bodies in lupus-like tissne. 
Jonmal of cut diseases 1908. October. 

14. Hoffmann, Über Quecksilberdermatitis und die ihr zugrunde liegenden histologischen 
Veränderungen nebst Bemerkungen über die dabei beobachtete lokale und Bluteosino- 
philie. Berliner klin. Wochenschrift 1902. Nr. 39 und 40. 

15. *— Über strangförmige Phlebitis im Frühstadium der Syphilis. Dermatologische Zeit- 
schrift. 10. Bd. 5. Heft. 

16. * — und Salkowski, Über Nephritis syphilitica acuta praecox mit enormer Albumi- 
nurie. Berliner klin. Wochenschrift 1902. Nr. 6, 8 und 9. 

17. ^Isidori, E., Contributo alla cura del carbonchilo colle iniezioni endovenose di Su- 
blimate corrosivo. II Policlinico. Sez. pratica 1903. Fase. 37. (Schwerer Fall von Milz- 
brandkarbunkel mit Allgemeininfektion, den Verf. durch endovenose Injektion von 1 ccm 
einer l°/oigen Sublimatlösung zur Heilung brachte.) 

18. KazumaEaku, Über die therapeutische Bedeutung der Exzision des syphilitischen 
Primäraffektes. Inaug.-Dissert. Rostock 1903. 

19. '''Lesser, Die Behandlung der Syphilis mit Kalomelinjektionen. Therapie der Gegen- 
wart. Januar 1903. 

20. Meyer, Julius, Über experimentelle Hauttuberkulose. Berliner klin. Wochenschrift. 



Becker, Verletzungen und chirurgische Krankheiten der Haut etc. 123 

21. Morris and Dore, The Light- treatment io Lupus and other diseases of the Skin. 

The Practitioner. April 1903. 
22. The x-rays in the treatment of lupus, rodent ulcer and other skin diseases. 

British medical Journal 1903. June 6. 

23. *Neamann, Klinische Bemerkungen Über die Tuberkulose der Haut. Wiener klin. 
Rnndschau 1903. Nr. 1. 

24. O'Brien, Experiences of a years trial of the light treatment for lupus. Medical Press 
1903. July 1. 

25. Philippson, Die Pathogenese des Lupus und ihre Bedeutung fQr die Behandlung des- 
selben. Archiv für Dermatologie und Syphilis. Bd. 67. 

26. Rieder, Die bisherigen Erfolge der Lichttherapie. Neue Therapie. L Jahrgang. Nr. 7. 

27. Schmidt und Markuse, Über die histologischen Veränderungen lupöser Haut nach 
F i n s e n bestrablung. Archiv fQr Dermatologie und Syphilis. 64. Bd. 3. Heft. 

28. Schfller, Der augenblickliche Stand der Phototherapie. Monatsschrift für Orthopäd. 
Chirurgie und physikalische Heilmethoden. Bd. III. Nr. 3. 

29. Tappeiner und Jesionek, Therapeutische Versuche mit fluoreszierenden Stoffen. 
Münchener med. Wochenschrift. Nr. 47. 

30. Tokajiro Suzuki, Über Syphilis im Altertums speziell in China und Japan. Disser- 
tation Rostock. 

31. ^Werner, Die Behandlung der Syphilis mit Kalomelinjektionen. Diss. Berlin 1903. 

32. Werther, Über die Lichtbehandlung des Lupus mit der Finsen-Reyn sehen Lampe 
und die verwandten physikalischen Methoden. Münchener med. Wochenschrift. Nr. 47. 

33. Wiils, Some remarks upon the Finsen light treatment of lupus. Bristol med.-chir. 
Journal 1903. June. 

Das Berichtsjahr hat eine Hochflut von Arbeiten aus dem Gebiete der 
Phototherapie gebracht, insbesondere in Hinblick auf die Lupusbehandlung. 
Es ist nicht gut möglich, alle Arbeiten eingehend zu besprechen, da sie im 
übrigen auch vielfach in Form von Sammelreferaten geschrieben sind. An 
die Spitze möchte ich daher Finsens (9) Mitteilung an die Pariser Akademie 
der Wissenschaften in der Sitzung vom 22. Juni 1903 stellen „Die Resultate 
der Phototherapie und die Technik ihrer Applikation beim Lupus". Die im 
Kopenhagener Institute aufgestellte Statistik vom November 1895 bis Januar 
1902 betrifft 804 Fälle ; alle Lupuskranke, die im Institute Aufnahme fanden, 
sind in die Statistik einbezogen (mit Ausnahme zweier oder dreier Kranken, 
welche an Schleimbautaffektionen litten): 

1. Geheilt 412 

a) ohne Rezidiv nach 2 — 6 Jahren 124 

b) Beobachtungszeit geringer als 2 Jahre 288 

2. Fast vollständige Heilung mit geringen Residuen der Erkrankung 192 

3. Noch in Behandlung 117 

a) Manifeste Besserung oder partielle Heilung 91 

b) Unbedeutende oder vorübergehende Besserung 26 

4. Die Behandlung wurde unterbrochen: 

a) Weil die Resultate nicht zufriedenstellende waren .... 16 

b) Weil die Kranken starben (31) oder an einer sonstigen schweren 
Krankheit litten (13) 44 

c) Aus äusseren Gründen 23 

Bei Abrechnung der Gruppen 4b) und 4c) bleiben 737 Fälle, d. i. 

94 Prozent, welche von der Phototherapie günstig beeinflusst wurden. Nicht 
alle Fälle kamen bis zur vollständigen und definitiven Heilung. Dahin gehört 
eine Anzahl Fälle der Gruppe 3 a). Es ist hinzuzufügen, dass diese Statistik 
auch die schlimmsten Fälle mit einbegreift und sind unter den Geheilten 
Kranke, welche schon seit 30 — 50 Jahren an Lupus litten. Beim rezenten 



124 Jahresbericht für Chirurgie. I. Teil. 

Lupus sind die Resultate derart, dass man von einer vollständigen Heilung 
sprechen kann. Die chronischen Fälle verschwinden allmählich aus Dänemark, 
indem alle Fälle von Lupus gegenwärtig sehr rasch diagnostiziert and zur 
Heilung gebracht werden. 

Die Technik der Phototherapie ist von ausserordentlicher Wichtigkeit, 
und man kann keine Resultate erzielen, wenn man derselben nicht die volle 
Aufmerksamkeit zuwendet. Die Behandlung wurde früher im Institut Finsen 
mit einer Bogenlampe von 40 Amperes ausgeführt; seit man aber Lampen 
von 60 bis 80 Ampferes verwendet, stieg die Raschheit der Heilung fast auf 
das Dreifache. Mit anderen Worten soll betont werden, dass mit schwachem 
Lichte behandelte Fälle gegenüber den mit starkem Licht behandelten unter 
denselben Bedingungen weniger rasch zur Heilung gelangen, mit Rücksicht 
auf das Pigment, welches die chemischen Stralilen aufhält. Aus ähnlichen 
Gründen ist es notwendig, in allen Fällen lange Sitzungen anzuwenden. 

Ein sehr wichtiger Punkt ist die Notwendigkeit, eine grosse Anzahl von 
Strahlen zu haben, welche möglichst tief in das Gewebe eindringen. Solche 
Apparate, bei denen diese Konzentration des Lichtes nicht zustande kommt, 
erzeugen keine genügende Quantität von penetrierenden Strahlen. 

Finsen hat vergleichende Versuche angestellt, indem er durch photo* 
therapeutische Apparate erzeugte Strahlen auf die Ohren von Kaninchen auf- 
fallen Hess, wobei er eine Seite derselben mit einer Lage von Chlorsilberpapier 
belegte. Die hochampferigen Apparate ermöglichten den Durchtritt der Strahlen 
in 20—25 Sekunden, während bei den besten der anderen Apparate 4 — 5 Mi- 
nuten nötig waren. Die Apparate, bei welchen Eisenelektroden ange- 
wendet werden, und welche eine grosse Zahl von ultravioletten Strahlen liefern, 
erzeugen keine penetrierenden Strahlen und können auch bei der Therapie 
des Lupus nicht in Betracht kommen. 

Werther (32) gibt eingangs seines interessanten Vortrages zunächst 
eine Schilderung vom Finsen Institute in Kopenhagen, in dem täglich etwa 
150 Kranke, alle ambulant mit Licht behandelt werden. Es ist erwähnens- 
wert, dass der Staat Dänemark (2^2 Millionen Einwohner!) 240000 Kronen 
zinslos dargeliehen und 25000 Kronen jährlich für die Behandlung armer 
Lupuskranker bewilligt hat. Gleichzeitig wurde ein Gesetz angenommen, nach 
welchem bestimmt wurde, dass die Ausgabe der Kommune zur Behandlung 
gewisser Krankheiten, darunter Lupus, nicht als Armenunterstützung betrachtet 
werden sollen! ~ Sodann bespricht er genau die von Finsen mit seinem 
Assistenten Dr. Reyn konstruierte kleine Lampe, welche bereits mit 17 Am- 
pere brennt und welche das Kohlenlicht konzentriert und gekühlt in einer 
Entfernung von etwa 30 cm vom Lichtbogen zu applizieren gestattet Diese 
Finsen-Reynsche Lampe ist im Betriebe erheblich billiger, sie verwendet 
das Kohlenbogenlicht, welches erwiesenermassen tief genug in die Haut wirkt, 
in konzentriertem Zustande und vermeidet grössere Lichtverluste infolge ihrer 
engen Konstruktion. Das Licht kann genau auf die zu behandelnde Stelle 
lokalisiert werden und die Kühlung erlaubt beliebige Dauer der Anwendung. 
Der Effekt der Belichtung, das Produkt aus Intensität und Dauer der Strah- 
lung, kommt der ursprünglichen Finsenlampe mit 60 Ampfere gleich. Die 
Sitzungen dauern pro Fall und Tag ^/i Stunden. Die Reaktion besteht meist 
in einer Blasenbildung, soweit klinisch ersichtlich, manchmal nur in einer 
Rötung, selten in Geschwürsbildung. Sie tritt nicht sofort nach der Bestrah- 
lung, sondern erst am 1. oder 2. Tage auf. Sie heilt in etwa 8 Tagen ab 



Becker, Verletzangen und chirurgische Krankheiten der Haut etc. 125 

und hinterlässt in verschiedenem Grade Pigmentation. Über die Erfolge wird 
eingehend berichtet. 

Breiger (3), leitender Arzt der medizinischen Lichtheilanstalt Berlin, 
bekennt sich im Gegensatz zu Finsen als ein Anhänger derjenigen Licht- 
apparate, welche die Eisenelektroden des Dänen Kjeldsen statt des Kohlen- 
lichtes Finsens benutzen. Das Eisenlicht wird erhalten, indem man an 
Stelle der Kohlenelektroden hohle Eisenelektroden in einen elektrischen Strom- 
kreis einschaltet. Durch diese lässt man konstant einen Strom kalten Wassers 
zirkulieren, um einmal das zu rasche Schmelzen der Elektroden zu verhindern, 
sodann aber auch um ein möglichst kaltes Licht zu erlangen. Nach diesem 
Prinzip sind Lampen und Scheinwerfer konstruiert, deren Hauptunterschied 
darin besteht, dass sie mit mehr oder weniger Ampere arbeiten, demnach 
mehr oder weniger intensives Licht liefern. ;,Da nun die Lichtintensität im 
Quadrat der Entfernung abnimmt, so geht daraus hervor, dass man mit einer 
geringeren Amp^rezahl beim Eisenlicht dasselbe erreichen kann, wie mit dem 
Kohlenlicht bei einer grösseren Ampferezahl, vorausgesetzt, dass auch sonst 
das Eisenlicht dem Kohlenlicht gleichwertig ist.^ Auf die Einzelheiten der 
Methode kann hier nicht näher eingegangen werden. Bemerkt soll nur 
werden, dass Verf. Furunkel, die höchstens 24 Stunden alt sind, durch eine 
einmalige Belichtung mit konzentriertem Eisenlicht von 1—2^/2 Minuten Dauer 
zumeist mit Erfolg zur Rückbildung bringt. Kommt es aber nicht dazu, so 
entwickelt sich jetzt eine so rapide Entzündung, dass der Furunkel in 6—24 
Standen inzidiert werden muss. 

Nach Schüler (28) bestehen die Vorteile der Behandlung mittelst Eisen- 
lichtstrahlen darin, dass man nur mit 8—10 Ampere zu arbeiten braucht, die 
Sitzung nur 10 Minuten dauert und die ganze Einrichtung bedeutend billiger 
ist. Er empfiehlt die Dermolampe der elektrischen Gesellschaft Sanitas in 
BerUn. Sicher ist, dass man bei oberflächlicher Hautentzündung im Eisen- 
lichte eine äusserst gute und billige Behandlungsart besitzt, dass aber, wo 
es sich um tiefere Gewebewirkungen handelt, wie beim Lupus vulgaris, nur 
mit Finsens Apparaten etwas zu erreichen ist. Wegen der technischen 
Einzelheiten verweise ich auf das Orginal. 

Rieder (26) urteilt über die Finsen sehe Methode, dass sie jeder 
anderen bisherigen Therapie überlegen sei, nicht bloss deshalb, weil sie 
schmerzlos und unschädlich für den Organismus ist, sondern auch, weil durch 
sie nur das kranke Gewebe zerstört, das gesunde aber erhalten bleibt. Das 
kosmetische Resultat ist zudem ein sehr gutes, da eine glatte, weisse Narbe 
zurückbleibt, welche von der umgebenden gesunden Haut kaum zu unter- 
scheiden ist. Manche Fälle hartnäckiger tuberkulöser Erkrankungen wider- 
stehen der Röntgenbestrahlung, während die Behandlung mit Finsenlicht fast 
in allen Fällen zum Ziele führt. Auch Hautkrebse sind der eigentlichen 
Lichtbehandlung, noch mehr aber der Röntgentherapie zugänglich und selbst 
tief ersitzende, bösartige Neubildungen wurden mit Erfolg durch die Radio- 
therapie bekämpft (? Ref.). 

Will8(33) gibt zunächst eine historische Darstellung der Fin senschen 
Entdeckung und geht dann im besonderen auf die Lupusbehandlung ein. Die 
Borken sind anfangs zu entfernen, eventuell mit Pyrogallol oder Karbolsäure. 
Stellen, welche man mit dem Kompressionsglase nicht anämisieren kann, wie 
z* B. das Naseninnere, müssen mit Röntgenstrahlen behandelt werden. Beson- 
ders dicke und infiltrierte Lupuspartien behandelt man zweckmässig mit Pyro- 



126 Jahresbericht fflr Chirargte. I. Teil. 

gallol und innerlicher Darreichung von Schilddrüsenextrakten. Auch hoch- 
gespannte Teslaströme sollen mit Erfolg benutzt sein; Verf. hat darüber keine 
eigenen Erfahrungen. Viele Fälle von Lupus widerstehen dem Finsenlicht; 
am häufigsten beeinflusst werden Fälle, die erst kurze Zeit bestanden haben 
und noch in keiner Weise chirurgisch angegriffen sind. Es ist, wenn auch 
noch nicht erwiesen, so doch wahrscheinlich, dass, je kürzer die Wellenlänge 
der Lichtstrahlen ist, desto wirksamer sie sind und je länger, desto mehr sie 
in die Tiefe dringen. Sodann bespricht er die verschiedenen Lampensysteme, 
insbesondere auch die mit Eisenelektroden und beschreibt genauer unter Bei- 
fügung von Photogrammen eine von ihm erfundene mit Kohlen- und Eisen- 
elektroden. Die Beschreibung lässt sich im Referate nicht kurz wiedergeben. 
Obwohl er erst wenige Experimente damit gemacht hat, spricht er sich doch 
hoffnungsvoll darüber aus. 

Schmidt und M a r k u s e (27) berichten eingehend über die histologischen 
Veränderungen lupöser Haut nach Finsenbestrahlung, welche sie bei drei 
Patienten feststellen konnten. Im wesentlichen handelt es sich um Entzün- 
dungs- und Degenerationsprozesse. Die mononukleären Rundzellen sind von 
den Elementen des Lupusknötchens am meisten widerstandsfähig. Dagegen 
gehen die Epitheloidzellen in oberflächlichen Knötchen zum Teil schon nacb 
einmaliger Bestrahlung zugrunde. Zugleich sieht man eine diffuse Entzün- 
dung der Haut mit Erweiterung der Gefässe und Auswanderung von poly- 
nukleären Leukocyten, die einerseits in die Epidermis, andererseits in die 
Lymphknötchen eindringen und sich gerade in diesen und in ihrer Umgebung 
in besonders grosser Menge finden. Riesenzellen wurden selbst nach mehr- 
facher Bestrahlung intakt angetroffen ; Verff. halten sie für sehr widerstands- 
fähig. Stratum corneum und Stratum granulosum werden nur wenig, das 
Stratum papilläre nie angegriffen. Es ist das für das kosmetische Resultat 
wichtig. Drei Tafeln vorzüglicher mehrfarbiger Abbildungen erläutern die 
Arbeit. 

O'Brien (24) hält auf Grund einer einjährigen Beobachtungszeit die 
Finsensche Lichtmethode bei der Lupusbehandlung für die bei weitem beste 
von allen modernen Methoden, die eine viel allgemeinere Verbreitung ver- 
diente, trotz ihrer Schattenseiten (Kostspieligkeit, kleine Bezirke nur angreif- 
bar, daher zeitraubend). Er benutzt die französische Lampe nach Lortet- 
Genoud, welche er genauer schildert. Vier Krankengeschichten mit Photo- 
graphien der Kranken vor und nach der Behandlung veranschaulichen treffend 
die Resultate. 

Crede (4) stellte in der Gesellschaft für Natur- und Heilkunde zu 
Dresden einen 22 jährigen Arbeiter mit Lupus des Gesichtes vor, den er mit 
einer von ihm konstruierten Art elektrischen Scheinwerfer wesentlich ge- 
bessert, aber nicht geheilt hatte. Sein Apparat besitzt so ziemlich keine 
Eigenschaft, die Finsen für nötig hält: er arbeitet nur mit 10 statt mit 70 
bis 80 Ampere und verwendet die eigentlichen chemischen Strahlen statt der 
ultravioletten, er macht nicht blutleer und komprimiert nicht; endlich wird 
eine reaktionäre Entzündung nicht erzeugt. In der Diskussion, auf welche 
verwiesen werden muss, wurde Crede heftig von Dermatologen angegriffen, 
welche den Apparat für einen bedenklichen Rückschritt gegenüber dem F in sen- 
schen erklärten, weil er keinerlei Tiefenwirkung entfalte, was beim Lupus 
die Hauptsache sei. 



Becker, Verletzaogen nnd chirurgische Krankheiten der Haot etc. 127 

Eine yorzügliche kritische Arbeit über die Lichtbehandlung des Lupus 
und anderer Hantkrankheiten haben Morris und Dore (21) geliefert, welche 
jedem, der sich genauer auf diesem Gebiete orientieren will, zum lesen em- 
pfohlen werden muss, da ein Referat mit der wünschenswerten Ausführlich- 
keit nicht die Einzelheiten wiedergeben kann. Nach einer historischen Ein- 
leitung besprechen die Verff. ihre eigenen Resultate, welche, da es sich meistens 
um sehr ausgedehnte und bereits seit langer Zeit bestehende Erkrankungen 
handelte, nicht sehr brillant zu nennen sind. Von 65 Fällen von Lupus 
vulgaris blieben elf während eines Zeitraumes von V« — 2 Jahren rezidivfrei 
(alles leichte Fälle). In 15 Fällen blieben kleine Stellen zurück, ans denen 
sich leichte Rezidive entwickelten und noch in Behandlung sind. 14 Fälle 
waren nicht völlig geheilt; in zwei von ihnen treten besonders Geschwürs- 
fläclien in die Erscheinung, welche ihrerseits unter Röntgenbestrahlung sogleich 
zur Vemarbung gebracht wurden. Insbesondere lieferte letztere Methode überall 
dort gute Resultate, wo es sich um Lupus der Schleimhäute handelte, weil 
hier die F in senschen Kompressionslinsen nicht angelegt werden konnten. 
Von elf Fällen von Lupus erythematodes wurden sieben wesentlich 
gebessert (einer völlig geheilt; sechs unterbrachen noch nicht völlig geheilt 
die Behandlung). Bei den übrigen war die Behandlung teils unwirksam, teils 
noch nicht abgeschlossen. Röntgenbehandlung wurde in keinem Falle ver- 
sucht, Unter 27 Fällen von Ulcus rodens wurden mit der kombinierten 
Finsen-Röntgenmethode günstige Erfolge 12 mal erzielt, wenn auch meistens 
kleine, leicht zu entfernende Rezidive auftraten. In neun von diesen 27 Fällen 
bestand keine Ulzeration und das Leiden hatte nur eine geringe Ausdehnung. 
In einzelnen Fällen trat unter X-Strahlen eine sehr heltige Dermatitis auf, 
unter der das Geschwür heilte. In elf Fällen wurde die Behandlung nicht zu 
Ende geführt, drei sind noch in Behandlung. — Verff. kommen sodann auf 
das Verhältnis der Finsen- zur Röntgenmethode zu sprechen und konsta- 
tieren, dass es Fälle gibt, die mittelst der einen geheilt werden können, wäb- 
rend die andere versagt und umgekehrt. Der Grund für dieses differente Ver- 
halten ist nicht ersichtlich. Sodann besprechen sie genauer die verschiedenen 
Lampen und fassen dann kurz das Ergebnis zusammen. Nachteile: Lange 
Dauer der Behandlung oft bis zu drei Jahren, bei täglich einer Stunde Dauer, 
Schmerzhaftigkeit der Behandlung, Gefahren der Dermatitis und die Kosten. 
Vorteile: Ausgezeichnete kosmetische Resultate, gute Narben, Behandlung 
ohne Narkose und Zuverlässigkeit derselben. Ungünstige Vorbedingungen 
sind: 1. Alle Momente, welche das Durchdringen der Lichtstrahlen verhindern, 
(Pigmentation, brünetter Teint, dicke Haut, grosse Tiefe und Entzündung der 
Haut, Narben früherer Behandlung und Blutfülle) ; 2. grosse Ausdehnung der 
Erkrankung ; 3. unerreichbare Körperteile (Schleimhäute); 4. allgemeine Fak- 
toren, wie a) Alter (je älter, desto ungünstiger), b) Geschlecht (Männer haben 
zu wenig Zeit zur Behandlung wegen ihres Berufes), c) Prädisposition (Skrofu- 
löse, Tuberkulose in der Familie und beim Kranken selbst), d) ungünstige 
Wohnungsverhältnisse (Schmutz, Armut). Hinsichtlich der Frage der Rezidive 
stehen die Verff. auf dem Standpunkte, dass man die Kranken zwei, drei und 
mehr Jahre unter Aufsicht haben muss, um jedes Rezidivknötchen, sobald es 
iö die Erscheinung tritt, zu behandeln. Zum Schluss folgen sechs Kranken- 
geschichten mit photographischen Bildern vor und nach der Behandlung, 
welche allerdings in vorzüglicher Weise den Wert der Methode illustrieren. 

In einer ergänzenden zweiten Arbeit (22) besprechen dieselben Autoren 



128 Jafaresbericht für Chirurgie. I. Teil. 

im besonderen die Behandlung mit Röntgenstrahlen, deren günstigen Einfluss 
sie bei Lupus, Ulcus rodens und Karzinom beobachten konnten. Beim Kar- 
zinom allerdings drücken sie sich sehr vorsichtig aus. Sie glauben, dass die 
reaktive Entzündung das wirksame ist. An ausgeschnittenen Tumorstücken 
konnten sie mikroskopisch den Untergang der Epithelzellen feststellen; das 
Bindegewebe scheint nicht beeinflusst zu werden. In einem Falle konnten sie 
in 50 Sitzungen bis zu '/* Stunde Dauer einen Knoten auf die Hälfte redu- 
zieren. Bei der Lupusbehandlung halten sie die unterstützende Wirkung von 
Medikamenten für sehr wichtig. Rezidive müssen, sobald sie bemerkt werden, 
sofort wieder in AngriflF genommen werden. 

Tappeiner und Jesionek (29) treten in einer kurzen Mitteilung auf 
Grund nur weniger Beobachtungen, welche sich überdies nur auf einen Zeit- 
raum von zwei Monaten erstrecken, mit der Behauptung auf, dass man Hant- 
karzinome, tuberkulöse, lupöse und syphilitische Hauterkrankungen günstig 
beeinflussen könne, wenn man sie mit fünfprozentiger wässeriger Eosinlösnng 
bepinsele und solange als irgend möglich unter ständiger Bepinselung dem 
Sonnenlicht aussetze. In einigen Fällen haben sie auch die Flüssigkeit in das 
gesunde Nachbargewebe injiziert. Aus den mitgeteilten wenigen Kranken- 
geschichten kann man höchstens eine günstige Beeinflussung, keine einzige 
Heilung bislang ersehen, sodass man wohl zunächst die in Aussicht gestellte 
ausführliche Publikation abwarten muss. 

Ausgehend von der verschiedenen Beurteilung, welche die modernen 
phototherapeutischen Methoden finden, verlangt Philippson (25) eine präzi- 
sere Unterscheidung der einzelnen Krankheitsbilder des Lupus; in die eine 
Gruppe gehören jene Fälle, bei welchen die Krankheit durch äussere Infektion 
entstanden ist, in eine zweite jene, bei denen es sich um eine Infektion der 
Haut seitens eines tuberkulösen Herdes im Innern des Organismus handelt; 
er unterscheidet also einen primären von einem sekundären Lupus. Der 
sekundäre Lupus beginnt bereits in der Kindheit und begleitet den 
Kranken zeitlebens, ihm das Leben verleidend. Ihren Ursprung nimmt die 
Hautkrankheit auf metastatischem Wege seitens tuberkulöser Herde in benach- 
barten Organen (Knochen, Gelenke, Lymphdrüsen, Nasenschleimhaut), wobei 
zu beachten ist, dass der Lupus erst nach Abheilung dieser Affektionen zum 
Ausbruch kommen kann. Aber auch aus entfernteren Organen kann das Gift, 
das irgendwo an der Hautdecke seine Wirkung entfaltet, herstammen, z. B. 
aus tuberkulösen Mesenterial- und Bronchialdrüsen, insbesondere spielen hier 
^jSkrofulöse*' Zustände eine Rolle im Kindesalter. Der primäre Lupus 
dagegen ist nichts anderes als eine lokale Infektion eines bis dahin gesunden 
Menschen. Unter Berücksichtigung seines gutartigen Charakters schlägt Verf. 
die Bezeichnung „tuberkulöses Granulom" vor, um die Unterscheidung vom 
sekundären Lupus dadurch zu erleichtem. 

Diese, seine Auffassung, dass der Lupus keine einheitliche Kranheit sei, 
dass unter diesem Namen zwei gänzlich verschiedene Krankheiten zusammen- 
gefasst werden, glaubt Verf. durch das Verhalten der verschiedenen Fälle 
gegenüber der Therapie bestätigt zu finden. Die Behandlung muss auf die 
Entstehung des Leidens Rücksicht nehmen, genau individualisieren und unter- 
scheiden, ob der Krankheitsherd einer Dermotherapie zugänglich sei oder ob 
chirurgische Behandlung erforderlich ist. 

Gamlen (12) hat 12 Fälle von Lupus mit Röntgen- und Finsenlicht 
abwechselnd behandelt und im allgemeinen gute Resultate erzielt. Die 



Becker, Verletzungen und chimrgiscfae Krankheiten der Haut etc. 129 

Röntgenbestrahlung macht er so, dass er zwei bis drei Sitzungen wöchentlich 
mit weichen Röhren bei 6 — 8 Ampere und 40 Volt etwa 3 — 5 Minuten lang 
Tomimmt. Dadurch erzielt er eine leichte reaktive Entzündung. Will er 
Tiefenwirkung erzielen, so benutzt er harte Röhren. Er betont besonders, 
dass die Apparate vom Arzte, nicht vom Wartepersonal überwacht werden 
müssen. 11 Krankengeschichten mit guten photographischen Abbildungen 
Tor nnd nach der Behandlung erläutern das Gesagte. 

Bowker (2) teilt ausführlich die Krankengeschichten von sieben 
Lnpaakranken mit, die er auf die verschiedenartigste Weise mit Erfolg be- 
handelt hat: die Hauptbehandlung besteht in Einspritzungen von Tuberkulinum 
Kochii und innerlicher Verabreichung von Arsenik, femer in Exstirpation der 
«rkrankten Gewebe und Deckung mit Thierschschen Läppchen. 

Fox (11) Vorführung eines mit Röntgenstrahlen behandelten Lupus- 
falles, ohne Besonderheiten. In der Diskussion wird auch Ätzung mit Karbol- 
saure empfohlen. 

Dreuw (6) schildert die an Unnas Poliklinik übliche Lupusbehandlung 
folgendermassen: Die lupösen Herde werden durch Äthylchloridspray voll- 
standig vereist und während sie noch vollständig mit Eismassen bedeckt sind 
mit einem Wattebausch, der um die Spitze eines Holzstäbchens gewickelt 
and dann in Acidum hydrochloricum crudum (auf letztere wird besonderes 
Gewicht gelegt) getaucht ist, fest unter Druck eingerieben solange, bis Schmerz- 
haftigkeit eintritt. Es bildet sich dann namentlich dort, wo die Knötchen 
sitzen, eine weisslichgraue Verfärbung. In dem Momente, wo der Patient 
über brennenden Schmerz klagt, wird wieder vereist und dann tüchtig einge- 
rieben, solange bis die zu behandelnde Stelle grauweiss erscheint. Der rohen 
Salzsäure wird, nach den mikroskopischen Präparaten zu urteilen, eine elek- 
tive Wirkung auf die Lupusknötchen zugeschrieben, während das gesunde 
Gewebe angeblich verhältnismässig weniger angegriffen werden soll. Der beim 
Einreiben verwendete Druck muss so st^rk sein, als es der Patient irgend 
ertragen kann. Nacheinander werden etwa talergrosse Bezirke in Angriff 
genommen. Es bilden sich nach 2—4 Tagen Borken, die nach 8 — 14 Tagen 
mit den Lupusknötchen abfallen und binnen vier Wochen mit glatter Narbe 
yerheilen. Das Verfahren ist billig und gut. Tuberkulöse Ulzera und Granu- 
lationen sollen besonders günstig beeintlusst werden. 

Duroux (8) hat in der inneren Klinik zu Lyon unter Professor 
Gailletons Leitung den Lupus mit rotglühendem Eisen alle fünf Tage ge- 
stichelt und in der Zwischenzeit Kompressen mit Pikrinsäure (1:50 bis 1:100) 
auflegen lassen. Das letztere Mittel soll den Kautherisationsschmerz lindem 
imd die Vemarbung beschleunigen. Die Erfolge sollen gut sein und noch 
besser als nach Finsens Methode. 

Gilchrist und Stokes (13) beobachteten bei einem 16jährigen Neger- 
mädchen eine eigentümliche Erkrankung. Bei dem aus gesunder Familie 
stammenden Mädchen entwickelten sich am inneren Augenwinkel beiderseits 
eigentümliche Eruptionen, die immer grösser wurden und schliesslich Nasen* 
flügel und Wange einnahmen. Später schwollen auch die Kieferdrüsen an. 
Die Uvula war fast zerstört, im Rachen und Kehlkopfe fanden sich Narben. 
Die Hauteruptionen stellten sich als mit Borken bedeckte dunkelrote Ge- 
schwäre von dem Charakter des Lupus dar. Später fanden sich an der 
Oberlippe und am linken Nasenloche stecknadelkopfgrosse gelbe Knötchen — 
keine Tuberkel. In mikroskopischen Schnitten sah man tuberkulöses Gewebe 

Ja]tfe8Urielit fflr Ghirnrgie 1908. 9 



130 Jahresbericht f&r Chirurgie. I. Teil. 

mit Biesenzellen, in denen runde und ovale, doppelt konturierte Körperchen 
lagen, welche bei Salzsäurezusatz Eohlensäurebläschen entwickelten; es waren 
mithin Körperchen von kohlensaurem Kalk. Tuberkelbazillen wurden nie ge- 
funden. Das Mädchen wurde im Laufe mehrerer Jahre mehrfach aufge- 
nommen wegen Rezidiven; der histologische Befund war stets der gleiche. 
Kulturen mit den yerschiedenartigsten Nährböden gelangen nie, wohl aber 
Tierversuche (Hund, Kaninchen, Meerschweinchen), indem stets dieselben 
Körper in den Bauchorganen der Tiere gefunden wurden. Über die Natur 
dieser Körper konnten Verff. ein Urteil nicht abgeben. In der Diskussion 
wurde bestritten, dass es sich um Lupusveränderungen handele, wohl aber 
zugegeben, dass es derartige Körper gebe. 

Im Anschluss an eine Demonstration Lassars über bovine Impf tuber* 
kulose in der Berliner medizinischen Gesellschaft hatte eine bedeutsame Dis- 
knssion zwischen Orth und Schütz stattgefunden über die Frage, „welche 
Bedeutung der Mischinfektion für das Entstehen von Hauttuberkulose beizu- 
messen sei.'' Während nach Orth und anderen Autoren die den Tuberkel- 
bazillen beigemengten Mikroorganismen das Auftreten von Tuberkulose in der 
Haut begünstigen, ist Schütz entgegengesetzter Meinung. Er meint, dass 
das reintuberkulöse Material am leichtesten Hauttuberkulose hervorruft und 
dass, wenn durch Infektion mit Mischmaterial der Mensch sich an der Haut 
mit Tuberkulose infiziert^ die Infektion nicht infolge, sondern trotz der Sepsis 
auftritt. Von Julius Meyer (20) an einigen Meerschweinchen angestellte 
Experimente sprechen für die Richtigkeit der Orthschen Ansicht. 

Böhm (1) beobachtete bei einem 26jährigen Fleischer eine primäre 
Hautaktinomykose. Die Haut war massig gerötet, infiltriert und mit hasel- 
nuss- und erbsengrossen Abszessen durchsetzt. Der Abszesseiter enthielt 
typische Drusen. Wahrscheinlich ist die Infektion so erfolgt, dass der Patient 
das Fleisch aktinomykotischer Rinder zur Bearbeitung bekam und sich mit 
den schmutzigen Fingern hinten im Nackhaar gekratzt hat. 

Eine weitere Beobachtung stammt von Dreyfus (7), der bei einem 
10jährigen Knaben primäre Hautaktinomykose feststellte. Ätiologie unsicher. 
Die Fälle sind bislang noch sehr selten. 

In seiner unter Wolters (Rostock) Ägide entstandenen Dissertation 
behandelt mit staunenswertem Fleisse der Japaner Kazuma Kaku (18) die 
Frage der Exzision des syphilitischen Primäraflfektes. Aus der Literatur stellt 
er 1403 und aus eigener Praxis in Japan 13 Fälle zusammen. Nach gründ- 
licher Desinfektion reinigt er das Operationsgebiet erst mit 4^/o dann mit 
ö^/o Karbollösung, exzidiert weit im Gesunden und vernäht. Mit Rücksicht 
darauf, dass das syphilitische Gift, sobald die Initialsklerose auftritt, bereits 
seit Wochen den ganzen Körper durchseucht hat, kann von einer Abortiv- 
methode der Syphilis natürlich keine Rede sein. Er hält auch die wenigen 
in der Literatur verstreuten positiven Fälle — er selbst hat nur negative — 
für unzuverlässig und führt die Operation bei günstigem Sitz der Sklerose 
aus, leitet gleichzeitig aber die Allgemeinbehandlung ein, um Sekundär- und 
Tertiärerscheinungen zu verhüten. Die vorzügliche Arbeit kann gar nicht genug 
zum Studium empfohlen werden. 

Eine zweite bei demselben Lehrer entstandene Arbeit des Japaners 
Tokujiro Suzuki (30) behandelt eingehend die Geschichte der Syphilis im 
Altertume speziell in China und Japan, kann aber in diesem Jahresberichte 
nicht eingehend besprochen werden; hochinteressant ist sie. 



Becker, Verletrangen und chinirgische Krankbieiten der Haut etc. 181 

Bei zwei unter dem Bilde eines weit verbreiteten Ekzems oder einer 
universellen Dermatitis exfoliativa verlaufenden Fällen von Quecksilberderma- 
titis fand Hoffmann (14) erhebliche histologische Veränderungen, welche 
.sowohl die Epidermis, als auch das Eorium betrafen und mit einer Veränderung 
der Zusammensetzung des Blutes einhergingen. Hochgradige Wucherung der 
Stachelschicht, kenntlich durch zahlreiche Karyokinesen , Verlängerung der 
Retezapfen, starke Verdickung der meist unter Mangel einer Körnerschicht 
gebildeten lamellösen oft kernhaltigen und von eiweissreichem Exsudat durch- 
setzten Hornschicht zeigte die Epidermis, während die Kutis sehr hoch- 
gradige Schwellung der Papillen, äusserst starke Erweiterung der papillären 
und subpapillären Gefässe mit Schwellung und Teilung der Endothelien und 
ein reichliches perivaskuläres Rundzelleninfiltrat mit auffallend zahlreichen 
eosinophilen Zellen erkennen Hess. Neben anderen Leukocyten fanden sich 
in sehr grosser Zahl eosinophile Zellen sowohl in Gefässdurchschnitten der 
oberen Koriumschichten (meist wandständig) als auch auf der Wanderung in 
den interspinalen Räumen des Rete und oft besonders stark angehäuft in 
dem eiweissreichen Exsudat der verdickten Hornschicht. Entsprechend dieser 
lokalen Eosinophilie zeigte das Blut eine geringe oder massige Leukocytose 
mit hochgradiger Vermehrung der eosinophilen Zellen, welche bis zu 49 ^/o 
aller weissen Blutkörperchen ausmachten« Auch bei schnell vorübergehenden 
Hg-Erythemen war neben geringfügigen histologischen Veränderungen lokale 
und Bluteosinophilie geringen Grades nachweisbar. 

Finsens (10) Abhandlung über die Behandlung der Blattern mit rotem 
Lichte hat für Chirurgen kein besonderes Interesse. 

4. Progressire ErnShmngsstömiigeii. 

a) Hypertrophie. 

-1. Baginsky, Schwelltug der ganzen KOrperhant. Berliner med. Gesellschaft Deutsche 

med. Wochenschrift 1908. Vereinsbeilage p. 117. 
% *Brexendorff, Über Haataffeküonen bei Pseudolenkftmie. Diss. Jena 1903. 
3. *6eerling, £in Fall von Sclerodermia diffusa. Diss. Manchen 1903. 
4 B. Gerschuny, Über die operative Behandlung der Elephantiasis. Russisches Archiv 

für Chirurgie 1903. Heft 3. 

5. Guth und Rosenfeld, Sklerodermie und Myosklerose. Prager med. Wochenschrift 
1903. Nr. 31. 

6. Harm, £inFall von Sclerodermia diffusa et circumscripta mit Sklerodaktylie bei einem 
neunjährigen Mftdchen. Dissertation Rostock. 

7. ^Hoffmann, Über Retention von Talgdrflsensekret mit Erhaltung des zelligen Cha- 
rakters innerhalb der Hornschicht Archiv für Dermatol. u. Syphilis. 64. Bd. 2. Heft. 

3. D'Hdtel et Guelliot, Volumineuz molluscnm ^löphantiasique (Dermatolysis). Le 

Progrto mädical 1903. Nr. 16. 
9. ^Paulus, Elephantiasis arabuni. Diss. Bonn 1903. 

10. ^Stanischew, Zur Kasuistik der Sklerodermie. Diss. Berlin 1902. 

11. Stoney, A case of elephantiasis : Operation under difficulties in Uganda. British 
medical Journal 1903. Aug. 15. 

12. *Tittel, Über Elephantiasis, insbesondere in ihrer ätiologischen Beziehung zum Trauma. 
Diss. Leipzig 1903. 

11 *W sichert. Über einen Fall von Fibroma moUuscum mit Hautatrophie. Dissertat. 
Leipzig 1903. 

Ralf Stoney (11) in Uganda erhielt vom König von Ankole den 
ehrenvollen Auftrag, einem Mhimahäuptlinge den elephantiastischen Hoden* 
sack, welcher grösser als ein Fassball war and den Mann am Gehen hinderte, 

9* 



132 Jahresbericht fOr Ohirargie. I. Teü. 

zu entfernen. Das Leiden bestand schon zehn Jahre und war durch Epilepsie 
kompliziert. Die Operation ging auf einem improvisierten Operationstisch 
ans Bambusstäben vor sich. Das Chloroform war schon alt und wirkte nicht 
recht. Als Maske diente ein Zinntopf, dessen Boden durchrostet war, an- 
gefüllt mit einigen Lappen; dieser wurde von einem eingeborenen Polizisten 
dem Opfer über Mund und Nase gestülpt. Um Blutleere zu erzeugen, wurde 
ein Turniket um den Tumor geschnürt, über dem Bauche gekreuzt und in 
der Nierengegend wieder zurück auf den Rücken geführt und dort geknotet. 
Mit einer Schere wurde zunächst von der Vorhaut bis zur Wurzel der ganz 
atrophische Penis aus der Masse befreit, sodann die beiden an dünnen Samen- 
strängen hängenden haselnussgrossen Hoden isoliert und dann der gesamte 
elephantiastische Tumor abgeschnitten. Nach mehreren Unterbindungen 
wurden die Testikel auf den Damm disloziert und durch Hautlappen bedeckt. 
Ein Chloroformkollaps wurde mit Strychnin und Brandy bekämpft. Drei 
Wochen später soll bei normalem Wundverlaufe der Penis erfreulicherweise 
wieder eine ,, völlig normale Gestalt^ gehabt haben. (Das gleiche wird leider 
von den Testikeln nicht beriditet.) Die Masse wog 12 Pfund. 

Gerschuny (4) beschreibt einen Fall von Elephantiasis des linken 
Oberschenkels, des Skrotums und des Präputiums bei einem 22jährigen 
Manne. Durch Exzision grösserer Segmente aus der Haut und dem subkutanen 
Gewebe wurde eine bedeutende Besserung der Beschwerden erzielt. 

Hohl b eck (St. Petersburg). 

Harm (6) gibt in seiner Rostocker Dissertation einen guten Überblick 
über die Frage der Sklerodermie und belegt durch Mitteilung eines gut 
beschriebenen Falles die Ansicht seines Lehrers Wolters, dass kein ana- 
tomischer Unterschied zwischen der diflfusen und zirkumskripten Form besteht. 
Die Behandlung des Falles war erfolglos. Ein interkurrentes Erysipel, sowie 
Thiosinamin-Injektionen schienen einen geringen Einfluss zu haben. 

Guth und Rosenfeld (5) teilen zwei Fälle von Sklerodermie mit, 
deren einer mit Myosklerose vergesellschaftet war, während der andere den 
Symptomenkomplex der Raynaud sehen Krankheit darbot. Beide Fälle 
liefern nach ihrer ganzen Pathogenese der Anschauung eine Stütze: die 
Sklerodermie sei eine vasomotorisch trophische Neurose. 

D'Hötel und Guelliot (8) beschreiben ein kolossales Molluscum 
elephantiasticum oder Dermatolysis bei einem Manne in dem besten 
Alter. Aus einem angeborenen Naevus pigmentosus der rechten Schulter 
hatte sich innerhalb eines Zeitraumes von 33 Jahren ein kolossaler Tumor 
'gebildet, der wie ein weiter Ärmel eines Priestermantels von der rechten 
Schulter bis zum Ellenbogen herabhing. Die Haut war verdickt, rissig und 
faltig, das Unterhautzellgewebe ödematös, am tiefsten Punkte trat Hautgan- 
grän ein. Der Tumor wurde exstirpiert und die meistens 2 cm dicke Haut 
durch Nähte vereinigt. Die Haut erwies sich als hypertrophiert und ödematös. 
Es erfolgte Heilung. 

Baginsky (1) stellte in der Berliner medizinischen Gesellschaft ein 
Kind vor mit eigentümlicher Schwellung der ganzen Körperhaut, die sich wie 
derbes Gummi anfühlt; das ganze Unterhautzellgewebe ist ergriffen. Kein 
Myxödem, kein Skleroderma, wie ein zum Vergleich vorgeführtes Kind zeigt. 
Er hält die Affektion für ein noch nicht beschriebenes Leiden und nennt sie 
Staitinoderma. Lassar hält sie für eine Art von Sklerom, die er häufiger 
gesehen habe. 



Becker, Verletzungen und chirurgische Krankheiten der Haut etc. 13B 

b) Geschwülste. 

1. *Adenot et Th^yenot, Note aar denx cas de fibromyomes de la peau. Archives 

provinciales 1908. Nr. 10. 
i. Beck (New -York), Durch Operation geheilter Fall von Angioma racemosum. New- 

Yorker med. Monatsachrifb 1903. Dezember. 
t, Ton Beck, Lymphangiom. Verhandlungen der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie 

1903. Teil I. p. 126. 

4. Ton Bramann, Lymphangiom. Verhandlungen der Deutschen Gesellschaft fQr Chi- 
rurgie 1908. Teil L p. 125. 

5. ^Christian, Über das gutartige Epitheliom der Haut. Diss. Berlin 1903. 

6. Delbanco, Diffuses Lymphangiom der tieferen Schichten der Haut Ärztlicher Verein 
Hamburg. Münchener med. Wochenschrift 1908. Nr. 27. 

7. ^Frank, Naevi pigmentosi disseroinati bei hochgradigem, stetig zunehmenden Hydro- 
kephalns eines neugeborenen Kindes. Diss. München 1903. 

3. Johnston, Fibrosarcoma cutis. Journal of cutaneous diseases 1903. January. 
9. K at h o li c k i , Ein Fall von Lymphangiom des Vorderarmes. Verhandlungen d. Deutsch. 
Gesellschaft für Chirurgie 1903. Teil I. p. 61. 

10. *Laignel Lavastine, Corne cutan^e. Bull, et möm. de la soc. anat. de Paris 1903. 

11. Morestin, Tumeur maligne d'origine cutanöe sur les limites de la r^on mammaire 
et de Taisselle. Bull, et mäm. de la soci^t^ anatomique de Paris 1908. Nr. 4. 

12. Payr, Lymphangiom. Verhandlungen der Deutschen Gesellschaft für Chii-urgie 1908. 
Teil L p. 125. 

13. Pelagatti, Die Hautsarkomatose. Monatshefte f. prakt. Dermatologie 1903. Bd. XXXV. 
Nr. 6. 

14. Bavenn», Beitrag zur Histogenese der melanotischen Hautgeschwülste. Virchows 
Archiv. Bd. 171. 

15. Sequeira, Further observations upon the treatment of rodent ulcer by the x rays. 
British medical Journal 1908. June 6. 

IS. Stangl, Zur Kenntnis der perjthelialen Blutgefässtumoren der Haut. Zeitschrift für 
Heflkunde 1903. Bd. XXIV. Heft 6. 

17. Taylor, Die Behandlung der Hautkrebse mit Röntgenstrahlen. Liverpool Medice- 
Chirurgie Journal 1902. October. 

18. Wende, Sarcomatosis cutis. The Journal of cut. diseases 1903. July. 

19. Williams, The use of the x rays in the treatment of diseases of the skin, certain 
forma of Cancer, of the glandulär System and of other diseases, and as a means of 
relieving pain. Medical News 1908. Oct. 3. 

Unvergesslich wird den Besachem des Chirurgenkongresses 1903 der 
«chöne von Katholicki (Brunn) (9) vorgestellte Fall von Lymphangiom des 
Vorderarmes mit anschliessender Diskussion bleiben. Es war ein 14jähriger, 
seit 4 Jahren vom Verf. beobachteter Knabe, mit den allerschwersten Ver- 
änderungen am linken Vorderarme. Das Lymphangiom betraf anfangs nur 
den Daumen, der zu einem kurzen, dicken, weichen, kompressiblen Stumpfe 
verändert war. Vom Daumen breitete sich die Krankheit auf Handrücken, 
Hohlhand und Vorderarm aus, um an der Ellenbeuge Halt zu machen. Jeg- 
liche Behandlung war erfolglos. Bei der Vorführung des Kranken sah man, 
dass die linke Hand und Finger stark geschwollen und gedunsen waren. Der 
Vorderarm ist verkürzt, verdickt, schmutzig-rotbraun gefärbt, die Haut sehr 
prall gespannt, glatt. Hand und Finger sind durchscheinend. Man kann 
überall die weich und polsterartig sich anfühlende Haut leicht und tief ein- 
drücken. Beim Nachlass des Druckes füllt sich die Grube sofort wieder aus 
nnd man hat das Gefühl eines mit Flüssigkeit gefüllten Sackes unter dem 
betastenden Finger. Man kann sogar, wenn auch unter Erzeugung von 
Schmerz, Finger und Hand durch langsame Kompression von ihrem Inhalte 
befreien und die Flüssigkeit bis gegen das Ellbogengelenk hinauf verdrängen. 
Dann bleibt nur noch ein leerer Sack von Haut zurück, in dem man die 



134 Jahresbericht für Chinirgie. I. Teil. 

Reste von PhalaDgen als kleine, dänne Enochenstückchen deutlich hindurch- 
fühlen kann. Auch der Vorderarm fühlt sich weich und teigig an und zeigt 
schwappendes Gefühl bis zum Ellbogengelenk hinauf. Kadius und Ulna lassen 
sich durchtasten. An Röntgenbildern erkennt man, dass die Knochen der 
Finger und Hand nur noch in Resten vorhanden sind; die Handgelenksepi- 
physen sind gelöst; die Ulna zeigt in der Mitte eine Fraktur und ist im 
unteren Drittel defekt durch Usurierung. Das Capituluni radü ist luxiert, 
Olekranon und Trochlea arrodiert. Der Arm kann nur auf einer Schiene 
getragen werden. Reste von Muskeln und Sehnen sind noch vorhanden. Die 
einzig mögliche Therapie ist Amputation. Payr (12) hat erfolgreich einen 
mannsfaustgrossen Tumor in der Wange eines 17 jährigen Jungens durch 
Einführung von 42 Magnesiumpfeilen in sechs Sitzungen innerhalb acht Mo- 
naten behandelt. Er verfügt über 8 oder 9 derartig behandelte Fälle, von 
Bramann (4) behandelte einen Fall von Lymphangiom am Vorderarme aber 
ohne Knochenatrophie mit Punktionen und Injektionen von Jodoformglyzerin. 
Als einige Besserung erzielt war, entzog sich die Patientin der Behandlung. 
Endlich hat von Beck (3) einen ähnlichen Fall gesehen. 

Delbanco (6) demonstrierte im Hamburger ärztlichen Vereine ein 
11 jähriges Mädchen mit einem angeborenen diffusen Lymphangiom der tieferen 
Schichten der Haut am linken Oberschenkel. Das Gewebe war derb anzu- 
fühlen und enthielt zahlreiche auf Druck nicht verschwindende, über die 
Oberfläche hervorragende Bläschen von Erbsen- bis Tautropfengrösse. Der 
Inhalt ist hellserös oder infolge von Blutungen blau gefärbt. Nach der mi- 
kroskopischen Untersuchung sind die Bläschen der Ausdruck einer Lymph- 
stauung im oberen Teile der Haut; die weiten Maschenräume entbehren des 
Endothels. Ein weiteres Literesse beansprucht der Fall durch eine Musku- 
latur und Knochen (Röntgenbild) umfassende Hypoplasie des Unterschenkels 
und des Fusses — eine Entwickelungsstörung infolge des Lymphangioms. 
Trömner schliesst sich auf Grund der neurologischen Untersuchung des 
Falles dem Vorredner an. 

Sequeira (15) hat seit 1901 etwa hundert Fälle von Ulcus rodens mit 
Röntgenbestrahlungen behandelt. Er nimmt auf Grund mikroskopischer Bilder 
an, dass die Zellkerne zerstört werden und die Zellleiber fettig degenerieren; 
gleichzeitig entsteht eine kleinzellige Infiltration. Neben der Degeneration 
der Epithelzellen besteht eine Wucherung des Bindegewebes. Kleine Herde 
werden natürlich mit dem Messer exstirpiert. Dagegen eignen sich für die 
Röntgentherapie sehr ausgedehnte Erkrankungen und solche am inneren Lid- 
winkel und überhaupt in der Nähe der Augenlider, weil hier die kosmetischen 
Resultate aller Plastiken nicht so ideal ausfallen. In zwei sehr rebellischen 
Fällen hat er keine Heilung erzielt. Viele seiner ältesten Fälle sind rezidiv- 
frei, darunter ein sehr ausgedehntes Ulcus rodens von ISjähriger Dauer nach 
3 monatlicher Behandlung seit 2^^ Jahren geheilt. Viele Fälle länger als 
ein Jahr rezidivfrei. In etwa der Hälfte der Fälle traten leichte Rezidive 
auf, welche unter erneuter Behandlung endgültig heilten. Kleine Herde heiles 
nach etwa einem Dutzend Bestrahlungen, grössere Höhlen erst nach Monaten. 
Gewöhnlich wird ein um den andern Tag, bei sehr ausgedehnten Ulzerationen 
auch wohl täglich bestrahlt. Eine Verbrennung zu erzeugen, ist nicht nötig. 
Die umgebende gesunde Haut wird durch Bleimasken geschützt. Er hält 
nach seinen Erfahrungen die Röntgentherapie in allen denjenigen Fällen far 



Becker, Verletzangen and chirurgische Krankheiten der Haut etc. 135 

ein gates Heilmittel, wo operative Entfernung nicht ausführbar ist. Zwei 
Fälle sind durch Photogramme vor und nach der Behandlung illustriert. 

Taylor (17) gibt Beschreibungen und Abbildungen von vier Fällen von 
Hautkankroiden des Gesichts, welche durch Röntgenstrahlen geheilt (drei) 
bezw. wesentlich gebessert (einer) wurden. Man muss stets genügend be- 
strahlen, um einen gehörigen Ätzschorf zu erzielen. Hat die Neubildung 
bereits den Knochen ergriffen, so ist wohl wesentliche Besserung, aber kaum 
völlige Heilung zu erzielen. Auffällig ist das rasche Verschwinden der Schmerzen 
and die Verringerung der Eiterung selbst in sehr schweren Fällen. 

In dermatologischen Zeitschriften findet man immer noch zahlreiche Be- 
schreibungen von Hautsarkomen, welche dem chirurgischen Begriffe des Sar- 
koms nicht entsprechen. Es werden darunter Fälle von sehr chronischem 
Verlaufe beschrieben, die fast nie Metastasen und keine Kachexie machen 
und nur durch ihre Ausdehnung dem Träger lästig fallen. Derart ist auch 
ein von Johnston (8) beschriebener Fall von Spindelzellensarkom. Das 
mikroskopische Bild rechtfertigt wohl die Diagnose, nicht aber das klinische. 
Es wäre zu wünschen, dass eine Einigung zwischen den beiden Spezialwissen- 
schaiten herbeigeführt würde. 

Pelagatti (13) versucht auf Grund von sieben Fällen das Gebiet der 
Hautsarkomatose zu klären und ordnet die beiden Hauptgruppen der jy^eLV- 
kome** und „Sarkoide^ in verschiedene Untergruppen. Die Chirurgie hat nie 
mit dieser dermatologischen Auffassung sympathisiert. Wen es interessiert, der 
lese das Original. 

Wende (18) stellt im Anschluss an einen von ihm beobachteten tödlich 
verlaufenden Fall von Hautsarkomatose (Kaposi), dessen genaue klinische und 
mikroskopisch-pathologische Beschreibung lesenswert ist, folgende Leitsätze auf: 

1. Die Hautsarkomatosis (Kaposi) ist eine klinisch gut charakterisierte 
Krankheit. 

2. Sie befällt hauptsächlich Erwachsene. Sie beginnt in Form kleiner 
tief in der Haut gelegener Papeln, welche allmählich eine bestimmte Grösse 
erreichen, aufbrechen^ eitern und wuchernde Granulationsflächen zurücklassen. 

3. Histologisch bestehen sie aus Rundzelleninfiltrationen in den tieferen 
Schichten der Haut in der Umgebung der Blutgefässe, Haarfollikel, Schweiss- 
drosen und Lymphspalten. Die Ätiologie ist noch dunkel; offenbar handelt 
es sich um eine Infektionskrankheit. 

4. Mikroskopisch besteht zwar eine grosse Ähnlichkeit mit der Mycosis 
fangoides, klinisch ist aber das Auftreten so abweichend davon, dass die 
beiden Erkrankungen leicht von einander zu scheiden sind. Ebenso ist eine 
Verschmelzung mit Syphilis, Lymphoderma, Blastomycosis und Carcinomatosis 
kaum möglich. 

In der Diskussion über diesen auf der Jahresversammlung amerikani- 
scher Dermatologen (Mai 1903) in Washington gehaltenen Vortrag wurde u. a. 
festgestellt, dass unter Hautsarkomatose Dermatologen und Chirurgen ganz 
verschiedenartige Erkrankungen verständen : chirurgische Sarkome ziehen sich 
nicht über Jahre in die Länge; man solle solche Fälle lieber als Granu- 
lome bezeichnen. 

Beck (New-York) (2) behandelte einen 32 jährigen Patienten, bei welchem 
sich vor 17 Jahren im Anschluss an einen Steinwurf eine langsam wachsende 
Wutreiche Geschwulst entvnckelt hatte, die schliesslich sich über die ganze 
behaarte Kopfhaut, die Schläfen-, Augen- und Nasengegend ausdehnte. Die 



136 Jahresbericht fttr Chirurgie. I. Teil. 

Geschwulst pulsierte; Karotiskompression hatte nur einen geringfügigen Ein- 
fluss. Schwindelanfalle und Blutungen durch Arrosion. Er unterband erst 
beide Schläfenarterien, dann die Art. frontales und angulares, aber ohne 
Erfolg. Sodann wurde bei präliminarer unterbrochener Naht und Digital- 
kompression die Totalexstirpation vorgenommen, wobei es zu einer profusen 
Blutung kam. Heilung. Die mikroskopische Untersuchung des Tumors Hess 
es zweifelhaft, ob ein Angiokavernom oder Angiosarkom vorlag. 

Williams (19) in Boston bespricht in einer kurzen Arbeit den thera- 
peutischen Wert der Röntgenstrahlen auf die Erkrankungen der Haut, gewisse 
Formen von Krebs und auf das Lymphdrüsensystem. In letzterer Hinsicht 
ist besonders Fall Nr. 78 interessant. Auf der Photographie des zwölfjährigen 
Mädchens, welches angeblich zuerst wegen „Lymphosarkom", später wegen 
„Rundzellensarkom^ — nach mikroskopisch bestätigter Diagnose ! — operiert 
wurde, erkennt man einen kolossalen Tumor unter dem rechten Unterkiefer 
und einen kleineren unter dem linken Ohre. Auf der zweiten Photographie 
ist es unter Röntgenbestrahlung ein kaum wieder zu erkennendes bildschönes 
Fräulein geworden! 

Ravenna (14) beschreibt ausführlich den Sektionsbefund eines hasel- 
nussgrossen, melanotischen Tumors am After, welcher Metastasen in den 
sakralen utid inguinalen Lymphdrüsen und in der Leber gemacht hatte. Sie 
durchsetzten infiltrierend das gesamte Leberparenchym, so dass nur noch sehr 
kleine Inseln normalen Lebergewebes vorhanden waren. Das Ganglion 
coeliacum, welches bei Menschen, die an Lebercirrhose gestorben sind, Atrophie 
und Schwund der nervösen Elemente und Hyperplasie der Bindesubstanzen 
in der Regel aufweist, war auch in diesem Falle in hohem Grade sklerosiert. 
Es handelte sich nach dem mikroskopischen Bilde um ein Melanosarkom. 

Morestin (11) entfernte einer 66jährigen Frau einen malignen Tumor, 
der mit breitem Stiele der Gegend des Pektoralisrandes aufsass und in 
6 Monaten die Grösse einer kleinen Orange erreicht hatte. In der Achsel- 
höhle lag ein Paket steinharter Lymphdrüsen. Der Tumor hing weder mit 
dem Pektoralismuskel noch der Milchdrüse zusammen, wenngleich mit dem 
unteren Pektoralisrande scheinbar eine geringfügige Verwachsung bestand. 
Die mikroskopische Untersuchung ergab, dass es sich um ein Epithelioma 
der Haut mit hohen Zylinderzellen handelte, welches anscheinend seinen Aus^ 
gang von dem interpapillären Gewebe der Kutis genommen hatte. Die Lymph- 
drüsen zeigten die gleichen Veränderungen. 

S tan gl (16) beschreibt zwei gutartige kleine Hautgeschwülstchen, welche 
er zwei jungen Mädchen exstirpierte und gibt auf einer Tafel gute Ab- 
bildungen des mikroskopischen Befundes. Es handelt sich um zellreiche 
Neoplasmen, welche in innigem Konnex zu den Gefässen stehen. Man sieht 
Zellen mit mittelgrossem polygonalen oder rundlichem, hellem Protoplasma- 
leib, rundem, chromatinreichem Kerne und deutlicher Zellgrenze. Die Zellen 
liegen unmittelbar nebeneinander und zeigen keine Interzellularsubstanz. Das 
Stroma wird ausschliesslich von Gefässen gebildet. Die Geschwulstzellen sitzen 
den Kapillaren unmittelbar auf, so zwar, dass auf die Endothelschicht eine 
Reihe von regelmässig angeordneten kubischen Tumorzellen folgt. In dem 
zweiten Falle zeigen die Gefässe hochgradige hyaline Degeneration ihrer 
Wandungen. Obwohl Perithelien nur bei den Blutgefässen weniger Organe, 
nicht aber der Haut, vorkommen, so hält sich Verf. doch für berechtigt, die 
beiden beschriebenen Tumoren für Peritheliome anzusprechen. 



Becker, Verletzangen und chirargische Krankheiten der Haut etc. 137 



5. Regressive Eni&hrungsstönuigen, 

1. Bettmann, Hysterische Selbstheschadigang unter dem Bilde der neurotischen Hant- 
gangrftn. Mflnchener med. Wochenschrift 1903. Nr. 41. 

2. deBeurmann etßamond. Abc^s sous-cutan^ multiples d'origine mycosique. 
Annales de Dermatologie 1903. Nr. 819. 

3. Brouson, A case of symmetrical gangrene. Journal of cutan. diseases 1903. October. 

4. Bruhns, Idiopathische Hautatrophie. Berliner klin. Wochenschrift 1903. p. 38. 

h, Gohn, Einige Bemerkungen zur Behandlung der Purunkulosis. Monatshefte für prakt. 
Dermatologie 1903. Bd. 36. Heft 4. 

6. Dreuw, Ober eine umschriebene, bisher unbekannte Degeneration der Kutis. ZugIeio|i 
ein Beispiel von Simulation einer Hautkrankheit. Äjrztl. SachverstAndigen-Zeitg. 1903. 
Nr. 9. 

7. * Ober eine bisher unbekannte zirkumskripte Degeneration der Haut. Offizielles 
Protokoll des ärztl. Vereins Hamburg. Münchener med. Wochenschrift 1903. p. 1987. 

8. A GrroBS, Ober artifizielJe Hautgangrän. Deutsches Archiv für klin. Medizin. Bd. 75. 
Heft 1 u. 2. 

9. Hauffe, Ober die Behandlung des Karbunkels mit KoUodium-Umpinselung. Allgem. 
med. Zentral-Zeitung 1903. Nr. 16. 

10. Jesionek, Atrophie der Haut Offizielles Protokoll des ftrztlichen Vereins München. 
Mflnchener med. Wochenschrift 1903. p. 272. 

11. *Kis Singer, Ober Hautgangrftn nach Karbol- und Ljsolwasserumschlftgen. Monats- 
schrift für Unfallheilkunde 1903. Nr. 10. 

12. ^Krans, Ober entzündliche Knotenbildung in der Haut mit umschriebener Atrophie 
des Fettgewebes. Archiv für Dermatologie und Syphilis. Bd. 66. 

13. Most, Ober Schmierseifenverfttzung. Deutsche med. Wochenschrift 1903. Nr. 8. 

14. H. £. Schmidt, Ein Fall von Hautatrophie nach Röntgenbestrahlung. Archiv für 
Dennatologie und Syphilis. Bd. 64. Heft 1. 

Cohn (5) hat am eigenen Leibe die Erfahrung gemacht, dass man bei 
•allgemeiner Furunkulose durch Inzisionen nicht immer schnell zum Ziele 
kommt, und zieht die Behandlung mit 10^/oiger Ichthargansalbe und Ichthyol- 
badem vor. Übrigens hat bei ihm auch diese Methode sich über viele 
Monate hingezogen. Die Arbeit hat wohl mehr für den Dermatologen 
Interesse. 

Hauffe (9) hat in einigen Fällen den Karbunkel in weiter Umgebung 
mit Kollodium umpinselt und, da schon vorher meistens ein siebförmiger 
Darchbmch stattgefunden hatte, die Heilung beschleunigt, wie er glaubt, 
infolge des ständigen gleichmässigen Druckes der Kollodiumdecke. Er emp- 
fiehlt die Methode selbstverständlich nur dann, wenn vom Patienten ein 
Einschnitt verweigert wird. 

Auffallend ist ein von H. E. Schmidt (14) beobachteter Fall von 
Hantatrophie nach einmaliger Röntgenbestrahlung — allerdings von halb- 
stündiger Dauer. Zwei bis drei Wochen später beobachtete der sonst gesunde 
Mann eine Rötung der bestrahlten Haut, die nicht wieder schwand. Aller- 
dings nahm das ursprüngliche Hellrot allmählich eine dunklere Nuance an 
und wurde nach Jahresfrist sogar blaurot. Die Haut wurde dünn, nässte 
über nicht. Die Affektion besteht jetzt vier oder fünf Jahre unverändert. 
An den Fingerknochen entwickeln sich Verdickungen. Die Haut ist livide, 
«tark verdünnt und gefaltet wie ;,zerknittertes Zigare ttenpapier^. Ein gutes 
Photogramm ist beigegeben. 

Bruhns (4) stellte in der Gesellschaft der Charit^- Ärzte einen 
57jährigen Steinsetzer mit idiopathischer Hautatrophie zumal an den unteren 
Oliedmassen, Kreuz und Rücken vor, die nach der Angabe des Kranken 



138 Jahresbericht fttr Chirurgie. I. Teil. 

Folge der Kriegsstrapazen 1870/71 sein sollen. Die Diagnose wnrde dnrcb 
mikroskopische Untersuchung eines exzidierten Hautstückchens bestätigt. Im 
übrigen muss auf das Original verwiesen werden. 

Jesionek (10) stellte im Münchener ärztlichen Verein einen 62jährigen 
Kranken vor, bei dem sich seit etwa '/« Jahren eine allgemeine Atrophie der 
Haut entwickelt hat, und verbreitete sich eingehend über den histologischen 
Befund bei dem sehr seltenen Falle. Ausführlich soll über den Fall im 
Jahresberichte des Vereins berichtet werden. 

Dreuw (6) hat sich grosse Mühe gegeben, bei einem ganz raffinierten 
ünfallskranken eine eigentümliche Hauterkrankung (Anästhesie , vergesell- 
schaftet mit periodisch auftretender Koötchenbildung) klar zu legen und den 
Simulanten zu entlarven. Es ist ihm gelungen und das Reichsversichemngs- 
amt hat sich seinen Ausführungen angeschlossen. Die Einzelheiten müssen 
im Originale nachgelesen werden. 

Gross (8) beschreibt einen Fall von multipler Nekrosenbildung auf der 
äusseren Haut eines psychisch nicht ganz normalen 19 jährigen Mädchens^ 
deren rätselhafte Entstehung zuerst an neurotische Hautgangrän denken 
Hess; später stellten sie sich als durch Salzsäure vorsätzUch erzeugte Arte^ 
fakte heraus. 

Eingehender behandelt Bettmann (1) unter Hinweis auf seine frühere- 
(Deutsche Zeitschrift für Nervenheilkunde, 17. Bd.) und Cassierers (Die 
vasomotorisch-trophischen Neurosen, Berlin 1901, und Zentralbl. f. d. Grenz- 
gebiete der Medizin und Chirurgie 1900, Bd. 3) ausführliche Publikation die 
"Frage der hysterischen Selbstbeschädigung unter dem Bilde der multiplen 
neurotischen Hautgangrän. Er hält die Haut mancher Hysterischen für ganz, 
besonders empfindlich gegenüber äusseren Reizen und empfiehlt daher beson- 
dere Vorsicht bei der Verordnung diflferenter Substanzen. 

Brouson (3) beschreibt einen Fall von symmetrischer Gangrän bei 
einem jungen Mädchen unter Reproduktion einer guten Photographie. Es^ 
muss auf das Original verwiesen werden. 

Most (13) beobachtete bei einer 61jährigen Frau tiefe, durch Ein- 
reibung von gewöhnlicher Schmierseife hervorgerufene Gangrän an beiden 
Vorderarmen. Die Frau hatte sich ihr durch Läuse hervorgerufenes Ekzem 
durch Schmierseife heilen wollen. Kontrollversuche ergaben, dass Schmierseife 
die gesunde unverletzte Oberhaut nicht angreift, wohl aber dann, wenn Kratz- 
effekte, Messerstichelungen u. s. w. vorher gemacht wurden. Das in der Seif» 
vorhandene überschüssige Ätzkali wird beschuldigt. 

de Beuermann und Ramend (2) behandelten einen 37jährigen 
Weinreisenden mit multiplen cystenartigen Gebilden im Subkutangewebe, 
welche zuerst den Eindruck von Cysticerken machten. Beim Einschnitte 
zeigte es sich, dass es dickwandige Abszesse mit krümeligem, geruchlosem 
Eiter waren und an tuberkulöse Abszesse erinnerten. Indessen wurden 
Tuberkelbazillen nicht gefunden. Durch Züchtung liess sich dagegen aus 
mehreren Abszessen immer der gleiche Pilz isolieren, welcher für Kaninchen 
und Meerschweinchen nicht pathogen war. Es erfolgte vollkommene Heilung 
durch innerliche Darreichung von Jodkalium. Wegen der Einzelheiten muss 
auf das Original verwiesen werden. 



Becker» Yerletsangen nnd chirurgische Krankheiten der Ilaut etc. 139 

6. Epitheliale Anhangsgebilde der Haut. 

1. Alexandre, Snr an cas d*onychogr3rphoai8. Revae de Chimrgie 1903. Bd. 3. p. 317 

2. Roth, Snbnngnale Sarkome. Inaüg.-I)i86ert. Rostock 1908. 

Alexandre (1) teilt einen Fall von hochgradiger Onychogryphosis an 
beiden Füssen einer 81jährigen Greisin mit und bespricht die Erkrankung 
rom klinischen Standpunkte. Zur Behandlung hat man Salizylsäurepflaster 
and Exstirpation des Nagels samt dem Nagelbette empfohlen. Vor Rezidiven 
schützt aber selbst die Radikaloperation nicht. In ätiologischer Hinsicht 
kommt Stiefeldruck und Unsauberkeit in Betracht. 

Wer sich über subunguale Tumoren, insbesondere Sarkome, unterrichten 
will, muss die sehr ausführliche und fleissige Dissertation von Rothe (2) 
lesen. Nach einer kurzen Darstellung aller bekannten subungalen Geschwulst- 
formen (Clavus, Verruca, Comu, Karzinom, Kankroid, Exostose, Chondrom, 
Fibrom, Papillom, Leiomyom, Telangiektasie) bespricht er eingehend die sub- 
ungualen Sarkome, deren er in der Literatur vier vorfand. Dazu kommt die 
eigene Beobachtung, welche einen 63 jährigen Holzarbeiter betraf, welcher seit 
zwei Jahren unter dem Nagel des linken vierten Fingers eine „Warze" trug, 
welche bei allen, auch geringfügigen, Traumen blutete. Nach Entfernung der 
als Hyperkeratose angesehenen Epithelmassen stellte sich heraus, dass der 
Tumor wuchs und den Nagel abhob. Es wurde deshalb das Endglied ab- 
gesetzt. Von den in der Literatur bekannten zehn Fällen maligner sub- 
ungualer Tumoren sind sechs Rund- oder Spindelzellentumoren und vier Melano- 
sarkome; ihr Ausgangspunkt ist meist das Periost. Auf die sehr genaue mikro- 
skopische Untersuchung kann hier nicht näher eingegangen werden. Aus dem 
gewonnenen Gesamtmaterial zieht Verf. folgende Schlussfolgerungen. Es gibt 
bösartige und gutartige subunguale Tumoren: die ersteren erweisen sich 
meistens als periostale Rund- oder Spindelzellensarkome, auch Melanosar- 
kome, während die letzteren fast stets Endotheliome sind. Die Sarkome 
finden sich nur bei Leuten über 50 Jahren, die benignen nur bei jüngeren 
Personen bis zu 42 Jahren. Unter elf ausführlich mitgeteilten Fällen findet 
sich viermal eine Verletzung als Ursache angegeben. Der klinische Verlauf 
ist charakteristisch durch die Abstossung des Nagels, die Ulzeration oder 
sonstigen entzündlichen Erscheinungen und durch Metastasen-Bildung. Meistens 
bestehen heftige Schmerzen. Die Prognose ist wie bei allen Sarkomen — 
mit Ausnahme der Angiosarkome — schlecht. Die Diagnose macht in den 
frühen Entwickelungsstadien grosse Schwierigkeiten; sobald erst ein richtiger 
,Tumor" da ist, dürfte sie leicht sein. Sieht man bei einem mehr oder 
weniger entzündeten Nagel Wucherungen vorn unter dem Nagel oder an dem 
seitlichen Nagelfalz hervorwachsen, so sollte man sie nicht ohne weiteres für 
einfaches Granulationsgewebe halten. Die Diagnose der Angio- und Melano- 
sarkome macht keine Schwierigkeiten. Im grossen und ganzen genügt die 
Diagnose subungualer Tumor, um die chirurgische Therapie, welche nur in 
einer mehr oder weniger weitgehenden Exartikulation bestehen kann, in ihr 
Recht treten zu lassen. Das Studium dieser unter Wolters Leitung aus 
der Rostocker Poliklinik für Hautkrankheiten hervorgegangenen Dissertation 
kann gar nicht dringend genug empfohlen werden. 



140 Jahresbericht fflr Ghimrgie. I. Teil. 

7. Seltene, durch Parasiten erzeugte Hautkrankheiten. 

1. Buschke, Blastomykose. Die Deutsche Klinik am Eingange des zwanzigsten Jahr- 
hunderts. Berlin 1903. 

2. Gangitano, Gontributo allo studio delle infezioni blastomicetiche della cnte. Clinica 
chirnrgica 1903. N. 8—9. 

3. ^Seqneira, Über Blastomykosis der Haut. Brit. joum. of dermatology 1903. ApriL 

Buschke (1) hat die Blastomykose zum Gegenstand einer akade- 
mischen Vorlesung gemacht. Nach einer historischen Einleitung und einem 
kurzen Abriss über die Bedeutung der Hefepilze in der Tierpathologie bespricht 
er sehr eingehend und lehrreich die menschliche Blastomykose. Er imter- 
scheidet zwei grosse Gruppen: die Saccharomykosis und die Oidium- 
mykosis. Die erstere ist eine im wesentlichen primär in der Haut, viel- 
leicht aber auch gelegentlich in inneren Organen lokalisierte Affektion, bei 
der es im weiteren Verlaufe zu Metastasenbildung, Wachstum der Parasiten 
im Blute und in den meisten inneren Organen kommt. Histologisch handelt 
es sich um ein regelloses Wachsen der Hefen im Gewebe, teils mit sehr hoch- 
gradigen entzündlichen Reaktionserscheinungen, hin und wieder mit Riesen- 
zellenbildungen im Gewebe, teils mit minimaler Gewebsreaktion, um eine ein- 
fache Mykose. Diese Krankheitsgruppe stellt eine Rarität dar, welche für 
die menschliche Pathologie keine grosse Bedeutung hat; nur wenige Fälle sind 
hislang bekannt. Im Gegensatz hierzu handelt es sich bei der Oidiam- 
mykose um eine chronische Infektionskrankheit, welche meist über Monate 
und Jahre verläuft, wenn auch während der Dauer der Krankheit akute 
Schübe und Verschlimmerungen sich entwickeln können. Das primäre Loka- 
lisationsorgan ist die Haut. In einer Anzahl von Affektionen bleibt die 
Krankheit entweder ganz oder doch sehr lange hier lokalisiert, in anderen 
dagegen pflanzt sie sich auf benachbarte Schleimhaut, Knochen, Testikel, 
kurzum der Haut benachbarte Organe fort und pflegt, bei Tieren anscheinend 
nur selten, bei Menschen mit geringen Ausnahmen fast regelmässig Metastasen 
in die inneren Organe zu machen, in die Lungen, Nieren, Milz, Samenblasen, 
Periost, Zentralnervensystem. In der grössten Zahl führt die Verallgemeine- 
rung zum Tode. Allgemeinerscheinungen, welche die Krankheit macht, haben 
nichts typisches. Streng lokalisierte Hautherde können — oft unter günstiger 
Beeinflussung von innerer Jodkalidarreichung — ausheilen. Die speziellen 
Untersuchungen, welche besondere Arten der Hefepilze diese Erkrankungen 
machen, sind bislang noch nicht zu einem einwandsfreien Ei^ebnisse ge- 
kommen. In einer kurzen Schlussbetrachtung kommt Verf. zum Schlüsse, 
dass bislang nicht der geringste Beweis dafür erbracht ist, dass Blastomyceten 
Erreger maligner Geschwülste, insbesondere der Karzinome und Sarkome sein 
könnten. Anhangsweise bespricht er noch die blastomycetische Septikämie 
und die Hefetherapie einiger neuerer Gynäkologen. — Wer sich über die 
Frage der Blastomykose unterrichten will, wird mit Vergnügen die lichtvolle 
Darstellung studieren. 

Bei einem 54jährigen Manne, der am linken Unterschenkel und Fusse 
ein pigmentiertes Hautsarkom aufwies, musste Gangitano (2) das Glied 
amputieren. Er unterwarf die Geschwulst einer histologischen und bakterio- 
logischen Untersuchung und führte mit den aus den Kulturen isolierten Blasto- 
myceten Experimente an Meerschweinchen, Hunden, Kaninchen, Tauben und 
Hühnern aus. Die Schlüsse, zu denen er gelangte, sind folgende: 



Goldmann, Erkrankungen der Sehnen, Sehnenscheiden and Muskeln. 141 

1. Es gibt durch Blastomyceten hervorgemfene Formen von Hautkrank- 
heiten, die klinisch mit verschiedenartig anderen (Madurafuss, tuberkulöses 
Sfphüoderma, Lepra nodosa, idiopathisches, multiples Pigmentsarkom, Mycosis 
fongoides) verwechselt werden können. 

2. Die Blastomyceten können beim Menschen knotenförmige Krankheits- 
prozesse hervorrufen, die histologisch den Fleischgeschwülsten gleichen. 

3. In die Gruppe der Sarkoiden Geschwülste kann man eine Varietät 
einreihen, die sich als neue bezeichnen lässt, insofern als man deren Erreger 
kennt. 

4. Die aus Blastomykosen der Haut beim Menschen stammenden Blasto« 
myceten erweisen sich för die Experimenttiere als pathogen. R. Giani. 



Erkrankungen der Sehnen, Sehnenscheiden und 

MuskehL 



Referent: E- Goldmann, Freiburg. 



Die mit * versehenen Arbeiten sind nicht referiert worden. 

1. Abbamondi , L., Due casi di anatoma ossifico. Annali di medicina navale 1908. Vol. II,. 
pa& 526, 

2. Adolph, Ein Fall von Mnskel&bszess. Deutsche med. Wochenschrift 1908. Nr. 18. 
Z. Agricola, Ober traumatische Myositis ossificans. Diss. Freibarg 1903. 

i fi arg. Über muskolöse Rücken Versteifung (Bigiditas dorsalis myopathica Senator) mit. 

besonderer Berücksichtigung des traumatischen Ursprungs. Diss. Berlin 1903. 
^ Becker, Beitrag zur traumatischen, nicht komplizierten Luxation der Extensorensehnen« 

der Finger. Münchener med. Wochenschrift 1903. Nr. 12. 

6. Bing, Ober angeborene Muskeldefekte. Inaug.-Diss. Basel 1902. 

7. Binnie, On myositis ossificans ti-aumatica. Annais of suryeng 1903. September. 

8. Borchard, Beitrag zur Myositis ossificans. Deutsche Zeitschrift für Chirurgie 1903^ 
Bd. 68. Heft 1 u. 2. 

9. Borst, Über die HeilungsYorg&nge nach Sehnenplastik. Zieglers Beiträge 1908.. 
Bd. XXXIV. Heft 1. 

10. Ghaquet, Gase of myositis ossificans. Medical Press 1903. April 1. 

11- Ferra ton, Myosite ossifiante progressive. Revue d'Orthopödie. Nr. 4. 1. Juli 1903. 

12. Flesch, Durch Glutealmnskelparese bedingte Gehstürung. Med. Blätter 1903. Nr. 28. 

13. Fordyce, Myositis Syphilitica. Journal of cut. diseases. April 1903. 
1^ Fritz, Die Heilungsvorgänge nach Sehnenplastik. Diss. Würzburg 1903. 

Id. (xrüneberg, Sehnentransplantation. Altonaer ärztlicher Verein. Münchener med. 

Wochenschrift 1908. Nr. 27. 
1& Hartm*ann, Beiträge zur Mechanik quergestreifter Muskeln. Diss. Tübingen 1908. 

17. Hoffa, Beiträge zur Sehnenplastik. Freie chir. Vereinigung. Zentral- Blatt für Chirur- 
gie 1903. Nr. 9. 

18. Ito nnd Sinnaka, Zur Kenntnis der Myositis iufectiosa in Japan. Deutsche Zeit- 
Schrift für Chirurgie 1903. Bd. 69. Heft 2—4. 



142 Jahresbericht fOr Chirurgie. I. Teil. 

19. Itzerott, Myositis ossificans. Diss. Leipzig 1903. 

20. Kienböck, Zur radiographischen Anatomie und Klinik des traumatischen intramusku- 
lären Osteoms. Wiener klin. Bundschau 1903. Nr. 47 u. 49. 

21. Lange, Die Sehnenverpflanzung. Zeitschrift für orthopftdische Chirurgie 1904. Bd. 12. 
Heft 1 u. 2. 

22. Langemaak, Die Entstehung der Hygrome. Archiv fOr klin. Chirurgie 1903. Bd. 10. 
Heft 4. 

23. Lauen stein, Demonstration einer Muskeldislokation. 32. Chirurgen -Kongress 1903. 
Berlin. 

24. ^Lenedde. Über eine Verbesserung in der Behandlung der schweren Formen der 
Syphilis. Monatshefte für prakt. Dermatologie 1903. Bd. XXXV. Nr. 5. 

25. Mäckel, Beitrag zur Ätiologie der Ganglien. Diss. Leipzig 1903. 

26. Maether, Die Resultate der Sehnennaht. Diss. Kiel 1903. 

27. Mendelsson, Über primftres kavernöses Hämangiom der quergestreiften Muskeln. 
Diss. Freiburg 1903. 

28. Michelsohn, £in Fall von Myositis ossificans progressiva. Zeitschrift für Ortho> 
pädie 1903. Bd. XII. Heft 3. 

29. Noethe, Resultate der Sehnentransplantation bei peripheren Lähmungen. Dissertation 
Berlin 1903. 

30. Pöraire, Anastomose musculaire ä trois ötages pour paralysi infantile. BolL et 
m4m. de la soc. anat. 1903. Nr. 6. 

31. Reichard, Über Sehnenverpflanzung. Medizmische Gesellschaft Magdeburg. MOn- 
ebener med. Wochenschrift 1903. Nr. 2. 

32. — Sechzig Sehnenverflanzungen. Deutsche med. Wochenschrift 1903. Nr. 25. 

83. Reiner, Die Tenodese eine Form partieller Arthrodese. Wiener med. Wochenachrift 
1903. Nr. 26. 

34. — Die Tenodese eine Form partieller Arthrodese. Zeitschrift für Orthopädie 1903. 
Bd. 12. Heft In. 2. 

35. Riedinger, Über Sehnenrupturen. Physikal. med. Gesellschaft zu WOrzburg. Mflncbe- 
ner med. Wochenschrift 1903. Nr. 34. 

36. Rostowski, MuskelverknOcherung nach Traumen und Entzündungen bei Sjringo- 
myelie. Diss. Halle 1903. 

37. Saltzkow, Über EntztLndung der quergestreiften Muskeln. Virchows Archivs 1903. 
Bd. 171. Heft 1. 

38. Samberger, Muskelerkrankung infolge von gonorrhoischer Infektion. Wiener med. 
Wochenschrift 1903. Nr. 38 und 39. 

39. Schanz, Erfahrungen mit Sehnen- und Muskeltransplantation. Zeitschrift für Ortho- 
pädie 1903. Bd. 12. Heft 1 und 2. 

40. Spitzig, Reposition einer Sehnenluxation durch Sehnenbindung. Archiv für Ortho- 
pädie 1903. Bd. 1. Heft 3. 

41. Springer, Zur Technik der Sehnenverlängerung bei Sehnenflberpflanzung. Archiv ffir 
Orthopädie 1903. Bd. 1. Heft 3. 

42. Stern, Über die Ätiologie und Lokalisation der Sehnenscheidentuberkulose. Dkbb. 
Freiburg 1903. 

43. Taylor, Myositis ossificans. Annales of surger. June 1903. 

44. Tilmann, Die Elastizität der Muskeln und ihre chirurgische Bedeutung, v. Langen- 
becks Archiv 1903. Bd. 69. Heft 1 und 2. v. Esmarch Festschrift. 

45. *Vulpiu8, Der heutige Stand der Sehnenplastik. Wiener Klinik 1903. Heft 12. 

46. — Der heutige Stand der Sehnenplastik. Zeitschrift für orthopädische Chirurgie 1904. 
Bd. XII. Heft 1 und 2. 

47. Zeller, Über primäre Tuberkulose der quergestreiften Muskeln, v. Braun'sche Bei- 
träge 1903. Bd. 39. Heft 3. 

Abbamondi (1) berichtet über zwei Fälle von Mnskelhämatom, in 
welchen dieser in der Folge eine Verkalkung erfuhr. 

In einem Falle war das Hämatom nach unvollständiger Ellbogenluxation 
entstanden, im anderen infolge einer Kontusion am M. brachii biceps. Durch 
Massage und innere Jodbehandlung wurden die Tumoren zum Schwund ge- 
bracht. B. Giani. 



Goldmaun, Erkrankungen der Sehnen, Sehnenscheiden and Moskeln. 143 

Bing (6). In einem Falle von angeborenem Defekt des Pectoralis 
major (Stemalportion) und Pectoralis minor einer Seite, zeigte sich eine Beihe 
Yon Muskeln der gleichen und auch der anderen Seite pathologisch ver- 
ändert. Diinnheit der Fasern, Hypertrophie von solchen, Vermehrung der 
Huskelkeme des interstitiellen Bindegewebes und des Fettgewebes waren die 
pathologisch-chemischen. 

In den betreffenden Muskeln waren klinisch zum Teil myoklonische 
Znckongen beobachtet worden. Dieser Fall dient dem Verf. zur Erörterung 
der zuerst von Erb aufgestellten Lehre von dem Zusammenhange der ;, an- 
geborenen Muskeldefekte^ mit der Dystrophia musculorum progressiva. Unter 
sorgfaltiger Benutzung der Literatur gelangte er zu demSchluss: ;,Die kon- 
genitalen Muskeldefekte betreffen am häufigsten einige der- 
jenigen Muskeln, die häufig« und frühzeitig bei Dystrophia 
mnsculorum progressiva zu Grunde zu gehen pflegen.^ 

Auch bei der Betrachtung von Fällen, in denen angeborene Defekte 
ganzer Mnskelgruppen vorlagen, ist eine ähnliche, noch auffallen- 
dere Übereinstimmung bemerkbar. 

Hiergegen liess sich zwar geltend machen das überaus häufige Vor- 
kommen von Missbildungen bei kongenitalen Muskeldefekten (Syndaktylie, 
Pflnghautbildung, Aplasie des Armes, Thoraxdefekte etc.). Zweifelhaft muss 
die Deutung derjenigen ;,Missbildung^ sein, die Brustmuskeldefekte stets be- 
gleitet (Atrophie der Haut, geringe Behaarung, kleine auch fehlende pigment- 
arme Mamilla, Hochstand derselben). 

Verf. sucht die Antithese zwischen Krankheit und Miss- 
bildung zu mildem. Einerseits liesse sich die Dystrophie im Sinne Gowers 
als eine ;,angeborene Eeimanlage der Muskeln im perversen Wachstum^ deuten, 
andererseits macht die Dystrophie nicht selten einen Stillstand, nachdem nur 
verdnzelte Muskeln betroffen waren und endlich sind einseitige Muskeldefekte 
mit pathologischen Veränderungen der entsprechenden Muskel auf der anderen 
Seite wiederholt beobachtet worden. 

In dem beschriebenen Falle ist eine Veränderung im Zentralnerven- 
system nicht gefunden worden. 

Nur durch sorgfältigste ausgiebige mikroskopische Untersuchungen 
dürften nach der Ansicht des Verf. die zahlreichen interessanten Fragen nach 
der Endursache der angeborenen Muskeldefekte sich beantworten lassen. Das 
Stadium der Arbeit muss jedem, der sich mit diesen Fragen beschäftigt, auf 
das wärmste empfohlen werden. 

An Hunden und Katzen hat Borst (9) die verschiedensten Formen der 
Sehnentransplantation , der Sehnenplastik (Verkürzung, Verlängerung) , der 
Sehnenapposition durch Naht, vorgenommen und durch fortlaufende mikro- 
skopische Untersuchungen (vom 14 — 242 Versuchstage) an lebenswarm ent- 
nommenen Seimen die feineren Gewebsveränderungen verfolgt. Seine Schluss- 
folgerungen sind folgende: 

Die nach den verschiedenen Operationen sich bildende Narbe entstammt 
dem Sehnengewebe sowohl als dem die Sehne umgebenden und durchsetzenden 
Bindegewebe. Wenn auch die Vernarbungsvorgänge durch ein Einwandern 
Ton polymorphkernigen Leukocyten eingeleitet werden, so ist die Sehnen- 
regeneration schon am vierten Tage an der Proliferation von Sehnenzellen 
za erkennen. 



144 Jahresbericht fflr Chirnrgie. I. Teil. 

Die besondere Art der Operation und die hierbei wirkenden mecha- 
nischen, chemischen und bakteriellen Reizwirkungen bestimmen zeitlich die 
Reihenfolge der einzelnen GewebsproUferationen. Je glatter die Wnndverhalt^ 
nisse, um so prompter erfolgt die Regeneration, um so geringer sind die 
ImmigrationsYorgänge vonseiten der Leukocyten. Die eigentliche Sehnenrege- 
neration geht von den Sehnenzellen aus, eine metaplastische Umbildung 
von gewöhnlichem, gewucherten Bindegewebe bestreitet der Verf. Die ein- 
fache Yemähung von Sehnen kann schon in 14 Tagen zur Heilung fuhren; 
am längsten lässt diese auf sich warten bei den Verkürzungen durch Fal- 
tung (4 — 6 Wochen). 

Den alten Perlmutterglanz erlangt der neugebildete Sehnenabschnitt 
nach 243 Tagen, selbst nach 3 Jahren nicht; diese Erscheinung hangt nach 
Ansicht des Verf. mit der morphologischen Anordnung der neugebildeten 
Fibrillen zusammen. 

Die Wucherungsvorgänge geschehen am langsamsten an Seiden faden 
und auch bei ihnen ist die Reaktion eine verschiedene, je nach dem der 
Seidenfaden im Binde- oder Sehnengewebe liegt. Im Bindegewebe ist beson-; 
ders die zur Durchwachsung des Seidenfadens führende Reaktion eine ener- 
gische. Abgesehen von der Gefässarmut der Sehne selbst spielt hierbei 
sicher eine Rolle die Tatsache, dass an den Nahtstellen die Sehne mehr oder 
weniger nekrotisiert. Je straffer die Naht angezogen wird, desto inten- 
siver ist die Gewebsschädigung der Sehne. Die Einheihing der Seidenfaden 
dauert sehr lange; sie kann nach 242 Tagen noch nicht beendet sein. 

Auf die feineren histologischen Einzelheiten, die bei den verschiedenen 
Sehnenoperationen beobachtet wurden, kann hier nicht eingegangen werden. 
Sehr bemerkenswert ist die Angabe des Verf., dass bei sorgfaltigstem Studium 
der verschiedenen Zellteilungsformen die Mitose der Sehnenzelle sich unter- 
scheiden lässt von der der umgebenden Bindegewebs- und EndothelzeUe. 
Dies trifft auch für die verschiedenen Tierspezies zu. Bei Beachtung dieser 
Verhältnisse ist die Provenienz wuchernder Zellenarten mit einiger Sicher- 
heit zu bestimmen. Besonders häufig wurden Mitosen im wuchernden Sehnen- 
gewebe, seltener in GefässendotheUen und nur äusserst spärlich in Binde- 
gewebszellen gefunden. Ob die Karyokinese hier rascher abläuft, oder ob 
eine direkte Kernteilung erfolgt, lässt der Verf. unentschieden. In dem 
Sehnengewebe selbst werden die Mitosen häufig in dem gefasshaltigen inter- 
stitiellen Gewebe angetroffen. 

Bezüglich der Herkunft und Bedeutung der Granulationseleraente sowie 
der im Sehnenkallus auftretenden Riesenzellen und deren histiogene Bedeu- 
tung, sowie bezüglich der Bildung der fibrillären Substanz muss auf das Ori- 
ginal verwiesen werden. Die Arbeit ist mit ausgezeichneten farbigen Bildern 
ausgestattet. 

Aus der Literatur hat Noethe (29) 275 Sehnentransplantationen zu- 
sammengestellt. In 265 Fällen wurde durch die Operation eine Besserung 
erreicht. Nur zehnmal blieb der Erfolg ganz aus. In keinem Fall wird eine 
Verschlechterung oder gar der Tod als Folge der Operation verzeichnet. 

Itzerott (19) teilt folgende interessante Beobachtung mit. Bei einer 
25 jährigen, sonst gesunden Frau trat ohne äusserlichen Anlass, mit Fieber 
einhergehend, eine entzündliche Affektion am. M. brachialis internus ein, 
4V2 Jahre später eine unter den gleichen Erscheinungen auftretende am 
M. levator scapulae. 



Goldmaniiy Erkrankungen der Sehnen, Sehnenscheiden und Muskeln. 145 

An dem durch Operation gewonnenen Material wies der Verf. eine 
bindegewebige Induration der in Atrophie begriffenen Muskelmasse und zu- 
gleich eine Ossifikation derselben nach. Nach Ablauf der Entzündung 
schwand auch der Muskelknochen und esverbUeb lediglich eine dem Muskel* 
ansatz entsprechender knöcherner Vorsprung am Knochen, von einer periosti- 
tischen Reizung herrührend. 

Nach dem Ergebnis der klinischen Beobachtung und der mikroskopischen 
Untersuchung erblickt der Verf. die Erkrankung in seinem Falle als eine 
primäre, hämatogen entstandene infektiöse Myositis mit sekundärer Beteili- 
gong des Periostes. 

Auffallend ist die während der Entzündung beobachtete Ossifikation 
im Muskel und der Schwund des neugebildeten Knochens nach dem Aufhören 
der Entzündung. 

Muskeluntersuchungen an lebenden Menschen, deren Resultate auf gra- 
phischem Wege zur Veranschaulichung gebracht wurden, haben Tilman (44) 
bezägUch der Muskelelastizität folgende Ergebnisse geliefert: ;,Bei geringer 
Dehnung eines Muskels bleibt der Muskel nach Aufhören der dehnenden Be- 
lastung auf lange Zeit verlängert. Die Dehnung bleibt so lange 
wie die Belastung gedauert hat. Erst durch langsam ein- 
tretende kleine Zuckungen verkürzt sich der Muskel wieder.*^ 

^Der Verkürzungsrückstand in dem einen Muskel und der 
Dehnungsrückstand (Nachdehnung) in dem anderen ergänzen 
sich und rufen die Wirkung hervor.^ 

^Die Eontraktionsmöglichkeit des Muskels hindert, dass 
aus diesen Störungen des Gleichgewichts dauernde Schädi- 
gungen sich entwickeln können. 

Bei allen Gleichgewichtsstörungen der Muskeln, die noch 
nicht zu dauernden pathologischen Veränderungen einerGruppe 
geführt haben, ist also eine Restitution durch aktive Kon- 
traktion der gedehnten Gruppe möglich.^ 

Unter pathologischen Verhältnissen ergibt sich, dass die dauernde 
Verkürzung eines Muskels keine Ernährungsstörungen setzt, dagegen 
haben lang dauernde Dehnungen derselben schwere Atrophien in ihrem 
Gefolge, Atrophien, welche zur unheilbaren Bindegewebsentartung der Musku- 
latur führten. 

Diese Tatsachen verwendet der Verf. um eine Anzahl von Diformitäten, 
bei denen Knochenveränderungen noch nicht oder überhaupt nicht vorhanden 
sind, aus Gleichgewichtsstörungen im Muskelantagonismus zu erklären. 

Sehr interessant sind seine Ausführungen über die habituelle Sko- 
liose, über den Hallux-valgus, die Hammerzehen, das Genu valgum, 
den Pes varus und valgus und endlich über die isolierte Atrophie 
des Quadriceps bei Ergüssen im Kniegelenk. Eine entscheidende Rolle und 
zwar eine primäre soll die nutritive Störung in dem dauernd gedehnten 
Muskel spielen. Für therapeutische Zwecke legt der Verf. grosses 
Gewicht auf die Herstellung normaler Kontraktionsverhältnisse in 
dem gedehnten und eine entsprechende Dehnung in den verkürzten Muskel- 



Stern (42) teilt einen Fall von Fungus der Strecksehnen am Hand- 
rücken mit, bei dem die klinische Diagnose einer Reiskörperchenerkrankung 

JabrMbwieht Ar (^aiirargle 1908. 10 



146 Jahresbericht fttr Chinirgie. L Teü. 

gestellt Würde. Das Knirschen wurde aber durch fungöse, zum Teil los- 
gerissene Granulationsmassen hervorgerufen. 

Mendelsson (27). Bei einem 2jährigen Knaben wurde im M. triceps 
ein Kavemom, das klinisch als solches sich kaum zu erkennen gab, durch 
Operation beseitigt. Die mikroskopische Untersuchung ergab nichts Besonderes. 
An der Hand dieses Falles erörtert der Verf. die heutige Ansicht der Patho- 
logen über die Genese der Kavemome und führt aus der Literatur einige 
seinem Falle gleichende an. 

Agricola (3). Nach einer Kontusion entwickelte sich innerhalb von 
Tier Wochen bei einem 18jährigen Manne eine mit dem Knochen zusammen- 
hängende Knochengeschwulst an der Aussenseite des Oberschenkels. Die 
Operation ergab einen Zusammenhang derselben mit der Oberschenkelmusku- 
latur einerseits, mit dem Oberschenkelperiost andererseits. Die mikroskopische 
Untersuchung erwies einen markhaltigen Knochen, der sehr wahrscheinlich 
aus einer metaplastischen Umwandlung des intermuskulären Bindegewebes 
hervorgegangen war. Zur Deutung einer solchen Metaplasie greift der Verl 
zurück auf die Weismannsche ;,Determinantenlehre^ und betrachtet die Knorpel- 
bildung in derartigen metaplastischen Prozessen als das Resultat einer Zu- 
sammenwirkung von Druck und Bewegung, die Knochenbildung von Zug und 
Druck. Dieselben Reize sollen unter gewissen Umständen, die nicht näher 
zu bestimmen sind, analoge Gewebsmetaplasien im Muskel hervorrufen. 

Reichard (32) berichtet über 60 Fälle von Sehnenverpflanzungen, die 
er wegen spinaler, cerebraler Lähmung, Littlescher Erkrankung, angeborener 
und erworbener Diformitäten vorgenommen hat. Besonders günstig sind seine 
Erfolge bei der cerebralen Kinderlähmung. 

In einem Falle von Meningomyelitis cerebrospinalis diffusa chronica 
luetica hat Fl e seh (12) eine Gangart beobachtet, die derjenigen der konge- 
nitalen Luxation ähnlich war und die er auf eine Parese der Glutealmuskulatur 
zurückführt. 

Als eine gonorrhoische bezeichnet S am berger (38) eine nach Erkran- 
kung der Articulatio sterno-clavicularis eingetretene parartikuläre Muskel- 
atrophie, indem er annimmt, dass Toxine des Gonococcus die trophischen 
Zentren der betreffenden Muskeln schädigen. 

Zur Vermeidung der der Arthrodese anhaftenden Übelstände empfiehlt 
Renier(33) die ^Tenodese^, ein Verfahren, das darin besteht, dass man die 
peripheren Sehnenenden von paralytischen Muskeln zu Ligamenten umwandelt. 
Während der distale Ansatzpunkt der betreffenden Sehne intakt bleibt, wird 
eine proximale Stelle mit einem Knochenvorsprung zur Vereinigung gebracht 
Die mechanische Zugkraft der Sehne wird durch einen in die Sehne verflochtenen 
Seidenfaden verstärkt. Die Einzelheiten der Anwendung des neuen Verfahrens, 
besonders bei paralytischen Fussdeformitäten, muss im Original nachgesehen 
werden. Eigene Erfahrungen besitzt der Verf. nur für den paralytischen 
Klumpfuss, bei dem die peripheren Abschnitte der Peronealsehnen in der 
angedeuteten Weise mit dem distalen Fibulaende verbunden werden. 

Peraire (30). Technische Verbesserung der Anfrischung und Naht bei 
der Transplantion von Sehnen, welche durch mehrfache Etagennaht eine 
Sicherung der Anastomose bewerkstelligt. 

Adolph (2) beschreibt einen chronisch verlaufenden, anscheinend idio- 
pathisch entstandenen Muskelabszess der Adduktoren des Oberschenkels. Li 
dem Eiter des Abszesses fanden sich Staphylokokken. Sehr wahrscheinlich 



Gold mann, £rkrankimgen der Sehnen, Sehnenscheiden und Muskeln. 147 

lag nacli Ansicht des Verf. eine sekundäre Vereiterung eines Muskelhäma- 
toms vor. 

Für a ton (11). Typischer Fall v^on Myositis ossificans, die im dritten 
Lebensjahr des 18jährigen Patienten begonnen hat. Rücken, Schulter und 
Bnistmuskulatur zeigten sich neben der Kaumuskulatur ergriffen. Zur Hebung 
der Kiefersperre wurde eine Ablösung der retrahierten, partiell verknöcherten 
Muskel mit nur vorübergehendem Erfolg vorgenommen. Ätiologie dunkel. 
Missbildungen bot der Patient nicht; nur war eine Elongation des zweiten 
Metatarsalkelknochens der einen Seite nach einer subkutanen Fraktur des- 
selben eingetreten. 

In 2 Jahren beobachteten 1 1 o und S i n n a k a (18) 10 Fälle der 
Myositis infectiosa, wobei in 7 der Muskeleiterung eine Haut- oder ander-" 
weitige lokale Eiterung vorausging. Immer Hessen sich Staphylokokken in 
dem Muskeleiter nadiweisen. In einem Falle, in dem eine Infektion mit 
Staphylococcus pyogenes albus vorlag, hat die Muskelentzündung sich verteilt, 
ohne dass eine Eiterung eingetreten wäre. Derartige Muskeleiterungen be- 
trachten die Verff. als bakteriämische und leiten ihren besonderen Charakter 
(solitarer Maskelabszess) aus der Art des Krankheitserregers (Staphylococcus 
pyogenes aureus) ab. — Ob in der Tat die Myositis infectiosa in Japan 
häufiger als anderwärts vorkommt, muss auch als eine offene Frage gelten. 

Wenige Wochen nach einem Trauma hat Borchard (8) im Masseter 
imd Vastns internus eine Knochenbildung beobachten können, die völlig un- 
abhängig Tom Periost oder einer Periostverletzung entstanden war. Die 
sorgfaltige mikroskopische Untersuchung (N a u w e r c k) des exstirpierten 
Knochens wies seine entzündliche und muskuläre Genese nach. Sowohl auf 
direktem als auf indirektem, enchondralem Wege hatte der neue Knochen 
sich gebildet. Der Verf. setzt seine Beobachtungen in Parallele zu den in 
der Literatur yerzeichneten und betont die Möglichkeit einer echten Myositis 
ossificans. Er leugnet nicht, dass eine Muskelverknöcherung auch vom 
Periost ausgehen kann. In beiden Fällen können knöcherne Verbindungen 
zwischen Knochen und Muskel zustande kommen, ohne dass man aus der 
Verbindung allein auf die Genese des Knochens einen Bückschluss machen kann. 

Infolge einer fortschreitenden Muskelatrophie an Händen und Füssen 
stellte sich bei dem Pat. Spitz igs (40) eine ulnare Luxation der langen 
Strecksehne des Daumens beiderseits ein, die zu schweren Funktionsstörungen 
des Daumens führte (Abduktion und Opposition aufgehoben; bei Versuch der 
Extension, Flexion und Adduktion des Daumens). 

Ein gutes funktionelles Resultat erhielt der Verf. durch Angliederung 
der Sehne des Extensor longus an die des brevis und durch Bildung eines 
neuen Retinakulums für die vereinigten Sehnen aus der fibrösen Bekleidung 
des ersten Metakarpophalangealgelenkes. 

Springer (41) tritt für die ursprünglich von Bayer angegebene Plastik 
an der Achillessehne zur Verlängerung derselben ein und zieht sie den neuer- 
dings angegebenen Modifikationen, besonders der von Prioleau vor, da mit 
Hilfe der Bayer sehen Plastik sehr bequem sich eine Sehnenüberpflanzung 
vereinigen lässt, indem die transplantierten Sehnenstümpfe an die wunde 
Fläche der Achillessehne vernäht werden. Zur Erläuterung seiner Ausfüh- 
nmgen führt der Verf. einen Fall von Pes equino varus paralyticus an, in 
dem er nach plastischer Verlängerung der Achillessehne die Peroneussehne an 
die wund gemachte Achillessehne mit Erfolg annähte. 

10* 



148 Jahresbericht fOr Ghimrgie. L Teil. 

Taylor (43) beschreibt zwei Fälle von Myositis ossificans, einen trauma- 
tisch, einen nicht traumatisch, beide erfolgreich operiert. Der zweite, nicht 
traumatische Fall betraf eine 40 Jahre alte Patientin, bei der sich schon im 
achten Lebensjahr die Erkrankung gezeigt zu haben scheint. Es wurden mul- 
tiple Platten aus den Wadenmuskeln zugleich mit einem stark verdickten Nerv 
entfernt. Die Entfernung der Nerven führte zu keinen nervösen Störungen. 
Aus dem eingehenden mikroskopischen Bericht ist hervorzuheben, dass sich 
in den harten Rissen nur wenig Enochenherde fanden. Die stemartigeb 
Knochenzellen hatten zahlreiche Ausläufer und schienen somit relativ junge 
Gebilde zu sein. Der Prozess macht den Eindruck einer Myositis fibrosa im 
Begriff in eine Myositis ossificans überzugehen. Der Nerv zeigte starke De- 
generation der Fasern und reichlich Bindegewebswucherung zwischen den- 
selben. 

Aus jeder der beiden Brüste der Kranken wurde je ein peri- und intra- 
kanalikuläres Fibrom entfernt. Maass, New-York. 

Chaput (10). Im Anschluss an eine Oberschenkelamputation, die infolge 
einer schweren Verletzung notwendig wurde und erst nach Reamputation des 
vereiterten Stumpfes ausheilte, entwickelte sich eine völlige Verknöchenmg 
der Muskelstumpfe. Die 120 g wiegende, neugebildete Knochenmasse war 
sowohl von der bedeckenden Haut, wie von dem Oberschenkelstumpf durch 
normales Bindegewebe getrennt. 

Dieselbe war innerhalb fünf Wochen nach der Reamputation unter hoch- 
gradigen Schmerzen entstanden. 

Binnie (7). Nach einer Verletzung trat bei einem Patienten ein zylin- 
drisches, mit Knochenmarkshöhle versehenes Osteom im Brachialis internus 
auf. Die mikroskopische Untersuchung des operativ entfernten Tumors ergab 
eine fibröse zum Teil kartilaginäre Ossifikation, die von dem intermuskularen 
Bindegewebe ihren Ausgang nahm. Eine primäre Beteiligung des Periostea 
schliesst der Verf. in seinem Fall aus. Der Arbeit ist eine Tabelle von ähn- 
lichen Fällen beigefügt, die der Verf. aus der Literatur und aus Umfragen 
bei Fachgenossen gesammelt hat. 

Bei einem Kranken, der klinisch die Erscheinungen einer Syringomyelie 
darbot, entwickelte sich eine ausgedehnte Verknöcherung der Vorderarm- 
muskulatur, nachdem am gleichen Arm eine schwere, komplizierte Fraktur 
und multiple Hautentzündungen vorausgegangen waren. Roskowski (36) 
neigt zu der Auffassung, dass ähnlich wie in den von Schlesinger beschrie- 
benen Fällen die Syringomyelie die Muskelverknöcherung unterstützt hat. 

Saltykow (37). Die Arbeit enthält nur histologische Einzelheiten über 
Muskelveränderungen, die an Muskeln angetroffen werden, in die KalomeIöl> 
Terpentinöl- und Pyococcus-Injektionen vorgenommen waren. Abgesehen von 
den bekannten Degenerationst'ormen der quer gestreiften Substanz (hyaline 
Entartung, fibrilläre, discoide Zerklüftung) beschreibt der Verf. Veränderungen 
an den gewucherten Muskelkemen und dem Sarkoplasma der Muskelzellen, 
die andere Autoren als Degenerationserscheinungen deuten. Ähnliche Vor- 
gänge im Bindegewebe und an den Gefässendothelien werden erwähnt, die 
alle von dem Entzündungsreiz veranlasst sein sollen. Verf. hält sogar es für 
erwiesen, dass ein Teil der Eiterzellen Derivate der Muskelzellen sind und 
dass auch sie wie die herdweise auftretenden Nekrosen Folgen der Muskel- 
entzündung sind. 



GoldmanD, Erkrankangen der Sehnen, Sehnenscheiden und Mnskeln. 149 

Maether (26). Die Arbeit enthält einen klinischen Bericht über 52 
Fälle von Sehnenverletzung, die zwischen 1899 und 1902 in der Kieler 
Klinik nach den üblichen Prinzipien und mit dem üblichen Erfolge behandelt 
Würden. 

Hartmann (17). Die Resultate dieser physiologischen Experimental- 
ontersuchung werden am besten in den Worten des Verfs. wiedergegeben: 

1. Der Muskel erreicht eine um so höhere Spannung, je grösser von 
Anfang an der Widerstand ist, gegen den der Muskel ankämpfen muss. 

2. Beim frischen normalen Muskel gut genährter Tiere erreicht der 
Muskel ein nnd dieselbe maximale Endspannung, gleichgültig ob die Anfangs- 
spammng — natürlich innerhalb gewisser Grenzen — um einen grösseren 
oder kleineren Betrag vermehrt wird, wenn gleichzeitig durch eine kurze 
und starke Feder für einen genügend grossen, der Verkürzung sich entgegen- 
stellenden Widerstand gesorgt wird. 

Der ermüdete oder nicht ganz frische Muskel zeigt dieses erste Span- 
nungsmaximnm nicht ; denn, abgesehen von den absolut niedrigeren Spannung^- 
werten, bewirkt bei ihm Vermehrung der Anfangsspannung eine kontinuier- 
liche Zunahme der Endspannungen. 

3. Es ist mit grösster Wahrscheinlichkeit anzunehmen, dass eine Ver- 
stärkung der tetanisierenden Reize ein Glatterwerden des Tetanus zur Folge 
hat, wobei zugegeben wird, dass unter sehr vielen Bedingungen (geringfügige 
Ermüdung) stärkere Reize weniger glatte Tetanie zur Folge haben können. 

Barg (4) teilt einen Fall von Rückensteifigkeit myogenen Ursprunges 
mit, die sich nach einem Trauma allmählich entwickelte. Die Diagnose 
wurde, abgesehen von dem negativen Röntgenbefund, durch die Unter- 
suchung in Chloroformnarkose festgestellt, wobei die gespannte Muskulatur 
sich erschlaffte und die Wirbelsäule beweglich wurde. Die Narkose hatte 
auch therapeutisch einen heilsamen Einfluss. Differentialdiagnostisch wurde 
die Erscheinung verwertet, dass eine Kyphose des Brustabschnittes der Wirbel- 
säule wie bei der ankylosierenden Entzündung der Wirbelsäule fehlte. Die 
Bedeutung des Traumas für die myogene Rückensteifigkeit erklärt der Verf. 
aus einer snbarachnoidalen Blutung, obwohl in seinem Falle (6 Monate post 
Trauma) die Lendenpunktion negativ ausfiel. 

Fordyce (13) beschreibt drei Fälle von syphilitischer Erkrankung des 
Muse, stemo-cleido mastoideus, von denen zwei zum fistulösen Aufbruche 
fahrten. In allen war durch eine spezifische Behandlung eine Besserung 
bezw. Heilung erzielt wurden. 

Riedinger (35) hat zwei Fälle von Sehnenrupturen beobachtet. In 
dem einen handelte es sich um eine Abreissung der Sehne des Biceps femoris 
am Fibulaköpfchen, im anderen um eine Abreissung des Biceps brachii an 
der Tuberositas radii. In diesem Falle bestand auch eine Ektasie des Ellen- 
bogengelenks mit freien Körperchen, bestehend aus verkalktem, zum Teil ver- 
knöchertem Bindegewebe. 

Grüneberg (15) verwendet mit Vorliebe die von Lange angegebene 
periostale Methode und hat in zahlreichen Fällen bei den mannigfachsten 
Erkrankungen damit günstige Erfolge erzielt. 

Fritz (14). Die Ergebnisse dieser experimentellen, an Warm- und 
Kaltblütern gemachten Arbeit, welche im übrigen mit denen von Borst sich 
decken, sind folgende: 



150 Jahresbericht für Chirargie. J. Teil. 

1. Durch einen Bluterguss wird die Heilung von Sehnenwnnden ver- 
zögert. 

2. Die primäre Narbe wird von Abkömmlingen des Peritenomium ex- 
temum und iuternum gebildet. Die Sehne beteiligt sich am vierten Tage 
nach der Verletzung am Regenerationsvorgang. 

Der Zeitpunkt, an dem die Rückbildung des kern- und gefässreichen 
Keimgewebes erfolgt, ist von der Art der Operation, von der mechanischen, 
chemischen und bakteriellen Reizung des Gewebes abhängig. Wahrscheinlich 
wird die Fibrillenbildung durch eine Abspaltung der oberflächlichen Proto- 
plasmaschicht bewerkstelligt. 

3. Die völlige Regeneration der Sehne dauert ausserordentlich lange. 
Selbst 242 Tage nach der Operation hat die Sehne ihren Glanz nicht wieder 
erreicht. 

4. Auch bei Überpflanzungen werden die Regenerationsvorgänge von 
Proliferationen des Peritenomium extemum und intemum eingeleitet. Das 
junge Sehnengewebe wächst sowohl proximal- als auch distalwärts in 
die verpflanzte Sehne hinein. 

5. Die Verkürzungen der Sehne gehen zumeist mit stärkerer Nekrose 
einher; dementsprechend beteiligt sich das Bindegewebe in weiterer Entfer- 
nung von der Operationsstelle an den Wucherungsvorgängen. 

6. Die Proliferationsvorgänge sind von den Spannungsverhältnissen der 
Sehne abhängig. Daher bieten auch die unversorgten Sehnenstümpfe 
jene ungeordnete Erscheinungen der Gewebsneubildung dar. 

7. Gegen Ätzungen zeigen sich die Sehnen von Warmblütern sehr emp- 
findlich, die von Kaltblütern nicht. 

8. Die Mitosen der Sehnen und Bindegewebszellen sind so verschieden, 
dass sie mikroskopisch von einander zu unterscheiden sind. 

In verhältnismässig kurzer Zeit hat Becker (5) Gelegenheit gehabt, 
dreimal eine traumatische, unkomplizierte Luxation der Strecksehne d^ 
Mittelfingers zu beobachten. Dieselbe gab sich als eine schmerz- 
hafte, unter hörbarem Rucke verlaufende Verschiebung der 
Strecksehne ulnar- oder radialwärts bei der Flexion der 
Finger zu erkennen. Die Kraft der Extension war herabgesetzt; eine 
paradoxe Wirkung kam allerdings in den beobachteten Fällen nicht zustande 
(Flexion bei Extensionsbewegung 1). 

In einem Falle wurde ein operativer EingriflF vorgenommen. Hierbei 
stellte man fest, dass die sehnige Verbindung zwischen Zeige- nnd 
Mittelfinger gesprengt war. Die Verbindung zwischen Mittel- und 
viertem Finger wurde exstirpiert, um ihre überwiegende Wirkung aufzuheben. 
Nach Reposition der Sehne wurde eine neue Sehnenscheide durch Naht der 
faltenförmig emporgehobenen , umgebenden Bindegewebsmassen mit gutem 
funktionellen Erfolge gebildet. Verf. macht besonders auf die Bedeutung des 
;,Fasciculi communicantes tendinum^ bei dem Zustandekommen dieser Luxa- 
tionen aufmerksam. 

Reichard (31) teilt seine ausgedehnten Erfahrungen mit der Sehnen- 
verpflanzung bei Li ttl escher Krankheit mit. Er hat das Verfahren auch 
bei Fussdeformitäten nach Spondylitis, cerebraler Kinderlähmung und Spina 
bifida mit Erfolg angewandt. 

Mäckel (25) führt zwei Beobachtungen aus der Leipziger Poliklinik an, 
aus denen nach seiner Ansicht hervorgeht, dass ein Trauma die unmittelbare 



Goldmann, Erkrankungen der Seimen, Sehnenscheiden und Moskeln. 151 

Ursache für die Bildung von Ganglien abgeben kann. Er Tertritt die Ansicht, 
dass durch die dem Trauma folgende serös-blutige Durchtränkung des Binde- 
gewebes, besonders bei schwächlichen Individuen, der Anlass zu entzündlich 
degenerativen Veränderungen im Bindegewebe, zur Bildung von Ganglien 
gegeben wird. 

Nach Besprechung der mannigfachen Theorien über die Entstehung der 
intramuskulären Osteome teilt Kienböck (20) acht neue Fälle mit und 
bespricht die radiographische Diagnostik derselben. In der Regel stellen sie 
sich als längliche, parallel der Diaphyse verlaufende Schattenbilder dar, welche 
gar nicht oder nur ganz umgrenzt mit dem Knochen zusammenhängen. Ähn^ 
lieh wie beim Callus fällt das Schattenbild verschieden aus, je nach dem 
Entwickelungstadium des Osteoms. Das Schattenbild, das immer mit einer 
weichen Röhre genommen werden sollte, ist selten von homogener Be- 
schaffenheit. Entsprechend dem Osteom, das isolierte Yerknöcherungsherde, 
Hohlräume, ja geradezu Cystenbildungen enthalten kann, sieht man das 
Schattenbild nicht selten, wie bei ;,der Perspektive einer Hügellandschaft*, 
von helleren und dunkleren Partien durchsetzt. Ein anderes Mal hat es ein 
gestricheltes Aussehen. Immer hebt sich der Schatten scharf von den unver- 
änderten Kontouren des Diaphysenschattens ab. Sehr charakteristisch sind 
jene Schatten, bei denen vereinigte, gabelförmige Fortsätze vorhanden sind, 
nnd endlich solche, bei denen das Osteom wie eine Knochenschale den 
Knochen umgibt. 

Verf. bespricht genauer die radiographische DiflFerentialdiagnose des 
intramuskulären Osteoms, der einfachen intratendinösen Ossifikation, der 
progressiven Myositis ossificans, multipler kartilaginärer Exostosen und endlich 
der bei spinalen Erkrankungen vorkommenden Verknöcherungen am Knochen- 
Gelenkapparat und am Bindegewebe. 

Für die Pathogenese der intramuskulären Osteome ist der Verf. geneigt, 
auf Grund der Ho Izkne cht sehen Theorie dieselben als funktionelle An- 
passungen des Muskelbindegewebes aufzufassen. 

Michelsohn (28). Der mitgeteilte Fall betraf ein ITjähriges Mädchen, 
bei dem die ersten Erscheinungen im siebenten Lebensjahre ohne besondere 
Ursache auftraten. Ganz allmählich ist es zu einer Verknöcherung der tiefer 
liegenden Hals-, der Schulter-, Brust- und der breiten Rückenmuskulatur 
gekommen. Durch schöne Skiagramme wurden die einschlägigen Verhältnisse 
illustriert. Auch in diesem Falle lag eine symmetrische Mikrodaktylie am 
Daumen und der grossen Zehe vor mit teilweiser Verknöcherung der be- 
treffenden Gelenke. 

Bei totaler Paralyse der ünterschenkelmuskulatur ersetzt Reiner (33) 
die Arthrodese durch ein Verfahren, das, zuerst von Tilanus beschrieben, 
darin besteht, dass die peripheren Sehnenabschnitte zu Ligamenten umgewandelt 
werden, indem man sie von ihrem Muskel abtrennt und ihr proximales Ende 
an Knochenvorsprüngen verankert. So hat der Verf. einen pes equino-varus 
paralyt. so operiert, dass er die Peronei und den Ext. digitorum communis an 
dem Muskel-Sehnenübergange durchschnitt, die Sehnen mit Seide nach dem 
Verfahren von Lange durchflocht und die durchflochtenen Sehnen subperiosteal 
an der V. und H. Fibulaseite befestigte, nachdem ihre Enden durch ein 
sagittal verlaufendes Bohrloch der Fibula durchgezogen waren. Der Verf. 
macht darauf aufmerksam, dass „künstliche Sehnen^ (Lange) mit Seide bei 



152 Jahredbericht für Chirargie. I. Teil. 

jugendlichen Individuen nicht indiziert sind, da sie bei dem Wachstum der 
Patienten zu Verkürzungen führen. 

Das erwähnte Verfahren gedenkt der Verf. auf den pes planus paralyt. 
und auf den pes calcaneus paralyt. auszudehnen und beschreibt die einzelnen 
Punkte des Knochens, an welche die zu Ligamenten gewordenen Sehnen ihre 
Befestigung finden sollen. 

Vulpius gibt ein ausführliches Beferat über die Technik der Sehnen- 
verlängerung, der Sehnenverkürzung, der Überpflanzung und des Defekt- 
verschlusses von Sehnen. 

Neben der Tenotomie empfiehlt er für die Sehnenverlängerung besonders 
den frontalen Treppenschnitt, oder die quere Durchtrennung der Sehne im 
Gebiete des Muskelbauches. 

Bei der Sehnenverkürzung bevorzugt der Verf. seine Methode der Falten- 
bildung und Naht, da bei der Raffnaht nach Lange ausgedehntere Degeneration 
der Sehnen vorkommt. Für die Sehnenüberpflanzung empfiehlt er die totale 
oder partielle absteigende Transplantation von funktionell verwandten 
Sehnen. Wo solche nicht vorhanden, wird die etappenweise Übertragung zur 
Anwendung gelangen müssen. Die alte Methode scheint dem Verf. zweck- 
mässiger zu sein wie die periosteale Methode von Dubnik-Lange. 

Bezüglich der Nachbehandlung und der Indikationsstellung für die 
Sehnenverpflanzung wiederholt der Verf. die schon anderwärts zum Ausdruck 
gebrachten Ansichten. Das Gebiet der Sehnentransplantation wird in neuerer 
Zeit ausgedehnt auf arthrogene Kontrakturen, angeborenen Klumpfnss, auf 
den Platt- und Knickfuss. 

Endlich erwähnt der Verf. bei Besprechung des Defektverschlusses nur 
die bekannten Methoden der Homo- und Ueteroplastik. 

Die Erfahrungen von Schanz (39) beruhen auf 75 bis 100 Operationen. 
Er tritt warm für einfache Operationspläne ein. Er benützt lange 
Inzisionen, flicht die Sehne des Kraftspenders in die des Kraftnehmers und 
näht mit Aluminiumbronzedraht. Er vermeidet die Durchtrennung des Kraft- 
nehmers und vernäht auch bei totaler Überpflanzung das periphere Sehnen- 
ende des Kraftspenders mit einer angrenzenden Sehne. 

Den gelähmten Quadriceps ersetzt der Verf. durch den Sartorius oder 
Biceps. Ähnlich verfährt er bei Kniescheibenbruch mit weiter Diastase 
der Fragmente. Bemerkenswert ist die Angabe des Verf., dass er bei Klump- 
fussoperationen die Luxation der Peronealsehnen und Verkürzung derselben 
vorteilhaft findet. Die Equino-Stellung wird von ihm erst in einer späteren 
Periode der Behandlung berücksichtigt. 

Als den obersten Grundsatz bei der Sehnenverpflanzung betrachtet 
Lange (21) den, die funktionelle Selbständigkeit des verpflanzten 
Muskels zu erzielen. Dieses erreicht er durch die totale Überpflanzung 
von funktionsverwandten Muskeln, vor allem aber dadurch, dass er ohne 
künstliche Trennung von solchen Muskeln möglichst einfache Operationspläne 
entwirft. So zeigt er, wie von den neun langen Fussmuskeln drei entbehrlich 
sind und sich zur Herstellung von selbständiger Funktion eignen. Es sind 
dies die Beuger und Strecker der Zehen. In erster Linie ist bei Lähmungen 
am Fusse nach Ansicht des Verfs. für die einfachsten Funktionen desselben 
zu sorgen. Diese (Plantar-Dorsalflexion, Pronation und Supination) sind selbst 
bei Lähmungen von 5 — 7 Muskeln noch zu erreichen, wenn man die 5 vom 
Verf. angegebenen Insertionspunkte der überpflanzten Sehnen am Fusse be- 



Gold mann, Erkrankungen der Sehnen, Sehneoacheiden nnd Moakeln. 153 

rncksichtigt (Fersenhöcker, erstes Keilbein, Kuboid, die Insertionsstellen des 
Tib. posticns und des Peroneus brevis). 

In welcher Weise bei den verschiedenen Formen von Lähmungen zu 
Terfahren ist, muss im Original nachgesehen werden. 

An Stelle der Vernahnng von Sehne und Sehne tritt der Verf. warm 
für seine periostale Methode mit Verwendung von Seidensehnen ein. Am 
Lebenden und an der Leiche hat er entgegen Vulpius bewiesen, dass die 
Zuverlässigkeit der periostalen Vernähung die der Sehnen 
untereinander um das lOOfache übertrifft. Er bringt neue ana- 
tomische Belege für die Neubildung der Sehne um den Seidenfaden und zeigt, 
dass die Neubildung von dem umgebenden Bindegewebe und nicht von der 
Sehne selbst ausgeht. 

Zur Vermeidung des Decubitus wird volles Redressement des 
gelähmten Fusses vor der Naht vorgenommen. Der Knoten wird höher an 
der Sehne, nicht am Lisertionspunkt gelegt. Fadeneiterung vermeidet 
der Verf. durch temporäre (48 Stunden) Drainage mit feuchter Subli- 
matgaze. 

Zum Schluss ergeht sich der Verf. in eine nähere Beschreibung seiner 
Methode zum Ersätze des Quadriceps. Auch hier verwendet er die periostale 
Vernähung an der Tuberositas Tibiae bei möglichster Spannung der 
überpflanzten Muskeln. 

Die alten Methoden nach Vulpius und Nicoladoni benützt der Verf. 
nur for leichtere Fälle von Lähmungen. 

Die bemerkenswerte Arbeit, die sich auf 200 Operationen stützt, ist 
durch zahlreiche Photographien illustriert. 

Hoffa (17) gibt einen Überblick über 100 Fälle, die er durch Sehnen- 
plastik operiert hat. Er näht mit l^/oo Sublimatseide, vermeidet Blutungen, 
beobachtet strengste Asepsis und näht unter genügender Spannung der Muskeln. 
Zuweilen bevorzugt er die periostale Fixation nach Lange. 

Lauenstein (23). Bei einer schwereren, durch Torsion entstandenen 
komplizierten Fraktur des Unterschenkels fanden sich in der Knöchelgegend 
Schwellungen, die bei der Autopsie des amputierten Gliedes sich als Muskel- 
bäuche erwiesen, welche so aufgerollt waren, dass die durchtrennten Muskel- 
«nden peripherwärts disloziert waren. 

Zell er (47) bereichert die spärliche Kasuistik durch die Mitteilung von 
2 neuen Fällen, in denen die Tuberkulose an der Extremitätenmuskulatur in 
Form von tuberkulösen Abszessen auftrat. Die mikroskopische Untersuchung 
hat die klinische Diagnose bestätigt. Die einschlägige Literatur wird heran- 
gezogen, um die Pathogenese, die Erscheinungsweise, Diagnose und Therapie,^ 
der Muskeltuberknlose zu erläutern. Verf. hält das Auftreten eines Knotens 
im Muskel als die erste Äusserung der Erkrankung. Das Gift wird auf dem 
Blutwege in die Muskulatur verschleppt. Von den Gefassen aus und zwar 
im interstitiellen Bindegewebe verbreitet sich die Erkrankung in das Gebiet 
der Muskulatur selbst und bringt die Fasern zum Schwund. 

Anknüpfend an die Entwickelung der Gelenkhöhlen und den Gelenk- 
Sckleimbeutel, bei der bekanntlich die betreffenden Spalten durch eine Ver- 
flüssigung des Bindegewebes entstehen, hat Langemak (22) die Entstehung 
der »Gleitbeutel^ und der daraus hervorgehenden ;,Hygrome^ einem er- 
neuten Studium durch vervollkommnete histologische Methoden unterzogen. 



154 Jahresbericht fttr Chirargie. I. Teil. 

In Übereinstimmting mit früheren Autoren gelangt er zu folgenden 
Schlussfolgerungen. Unter dem Einflüsse einer mechanischen Reizung bildet 
sich im subkutanen Bindegewebe ein Schwund des Fettgewebes aus. Zunächst 
kommt es neben einer beträchtlichen Hyperämie zu einer vermehrten Binde- 
gewebsneubildung. In diesem Bindegewebe lagert sich Kollagen in grösserer 
Menge ab. Das Kollagen unterliegt einer Verflüssigung, wobei als Zwischen- 
produkt eine ^^fibrinoide^ Substanz sich bildet. Der Verflüssigungsprozess 
vollzieht sich ungleichmässig. Somit kann die Höhle eines solchen Gleitbeutels 
eine sehr unregelmässige Beschaffenheit darbieten. Neben derben Strängen 
in mannigfacher Yerlaufsrichtung finden sich in Verflüssigung, jedenfalls in 
Degeneration begriffene Höcker, die nicht selten als ^freie Körperchen^ in 
der Höhle des Gleitbeutels angetroffen werden. Der ;, Gleitbeutel ^ ist somit 
nur eine Spalte im Bindegewebe. Er erkrankt niemals für sich allein, sondern 
in Gemeinschaft mit dem umgebenden subkutanen Gewebe. 

;,H7grom und Ganglion sind dem Wesen nach übereinstim- 
mende Produkte der Verflüssigung vermehrten Bindegewebes''' 
und sind genetisch den Gelenken und Schleimbeuteln verwandt. 

Die Arbeit ist durch vorzügliche histologische und makroskopische Bilder 
von Hygromen illustriert. 



XI. 



Verletzungen und ehirurgisehe Krankheiten der Blut- 
gefässe, der Lymphgeßlsse und Lymphdrüsen. 



Referent: F. Fischer, Strassburg. 



Die mit * versehenen Arbeiten sind nicht referiert worden. 

HSmostatika und U&mostase. 

1. Berger, Gelatine als Hämostatikam and bei Bebandlang von Anenrysmen. Wiener 
med. Wochenschrift 1908. Nr. 11, 12, 13. 

2. Gley, De Taction des injections intraveneases de Gelatine sur la coagubilit^ da saog. 
Soc. de biologie. 4. April 1903. 

3' Moll, Die blatstillende Wirkung der Grelatine. Wiener klin. Wochenschrift 1903. 
Nr. 44 und Verein deutscher Ärzte in Prag. Mflnchener med. Wochenschrift. Nr. 46. 

4. *Niedhammer, Weiterer Bericht über die Erfahrungen mit Gelatineinjektionen bei 
Blatangen. Inaug.-Diss. München 1903. 

5. ^Simonis, Über ein neues Hämostatikum. Allgemeine med. Zeitung 1903. Nr. 39. 

6. Tavel, Anwendung der Gelatine zur Yerbütung postoperativer Hämatome. Kone- 
spondenzblatt für Schweizer Ärzte 1903. Nr. 12. 

Berger (1) berichtet über nenn in der Lemberger medizinischen Klinik 
beobachteten Fälle, in welchen wegen Blutung (bei Endometritis haemorrha- 



Fischer, Verletzungen und chirurgische Krankheiten der Blutgefässe etc. 155 

gica, Purpura rheumatica, 2 mal bei Morbus maculosus Werlholfii, Nephritis 
haemorrhagica, Haematuria intermittens und dreimal bei Haemoptoe auf tuber- 
kulöser Grundlage) Gelatine per os gegeben, resp. subkutan injiziert und meist 
ein Erfolg erzielt wurde; ferner über drei Fälle von Aorta aneurysma, bei 
den zuletzt genannten Fällen war zweimal eine Besserung der Beschwerden 
na€h der Injektion zu konstatieren. Berg er kommt zu dem Schlüsse, dass 
das Verfahren den Organismus nicht gefährdet, oft von Erfolg begleitet ist, 
deshalb in allen Fällen stärkerer Blutung angewendet, bei Aneurysmen versucht 
werden sollte. 

Wird die Gelatinelösung vor der Injektion völlig neutralisiert, so ist 
nach den Versuchen von Gley (2) die koagulierende Eigenschaft des Mittels 
nicht mehr vorhanden. Wurde aus der käuflichen Gelatine, die 2 — 57o Kai- 
ciumchlorid enthält, dieses entfernt, so beobachtete er eine beträchtliche Ver- 
minderung der Gerinnungsfähigkeit des Blutes des Versuchstieres. Nach Gley 
ist in der sauren Reaktion sowie in dem Kalkgehalte die koagulierende Eigen- 
schaft der Gelatine zu suchen. 

Die von Moll (3) angestellten Tierversuche ergaben, dass bei Kaninchen 
und Hunden nach subkutaner und intravenöser Injektion von 10°/o Gelatine- 
losong nicht aber nach Applikation per os, nach 12 — 24 Stunden der Fibri* 
nogengehalt des Blutes um das mehrfache des Normalen gesteigert ist und 
2—3 Tage lang gesteigert bleibt. Das Sterilisieren der Gelatinelösung war auf 
die fibrinogenvermehrende Wirkung von keinem Einfluss. Ferner konstatierte 
Moll, dass durch den Leim die roten Blutkörperchen agglutiniert werden, 
dass ein Parallelismus zwischen Leukocytenzahl und Fibrinogen besteht. Nach 
der Injektion reizender Stoffe, wie Terpentinöl, Argentum nitricum, nach 
Heischfüttemng auf der Höhe der Verdauung tritt ebenfalls eine Vermehrung 
der Leukocyten im Blute und eine Steigerung des Fibrinogengehaltes ein: 
,Fnr die Praxis dürfte es sich vielleicht empfehlen, die Fibrinogenvermehrung 
anf der Höhe der Verdauung zu benutzen und vor besonders blutigen Ein- 
griffen und in Fällen, wo Narkose nicht nötig oder unmöglich ist, vier bis 
sechs Stunden nach Fleischnahrung die Operation vorzunehmen.^ Nur nach 
subkutaner oder intravenöser Injektion und frühestens nach 12 Stunden ist 
die blutstillende Wirkung der Gelatine zu erwarten, sie wird daher vorzugs- 
weise prophylaktisch wirken. 

Tavel (6) hat zur Vermeidung der zur Infektion disponierenden und 
die Wundheilung verlangsamenden Haematome, die er nach Operation häufig 
beobachtete, vor Verschluss der Wunde dieselbe tropfenweise mit erwärmter 
Gelatine berieselt 10—15 ccm. Besonders empfiehlt Verf. das Verfahren bei 
Wunden, die durch Etagennaht geschlossen werden, so nach Hemiotomien, 
Laparotomien. Seit Anwendung der Gelatine sind postoperative Hämatome 
nicht mehr vorgekommen oder sie sind äusserst gering gewesen, nur bei 
Knochenoperationen sind leichte Nachblutungen nicht ganz zu vermeiden» 
Vor Verwendung der Gelatine muss diese durch Kultur- und Impfversuche 
auf Tetanuskeime untersucht werden, um gegen die Gefahr dieser Infektion 
geschützt zu sein. 

Infusionen von Kochsalz und anderen Lösungen« 

1. Braatz, Apparat zur Kochsalzwasaerinfasion. Deutsche med. Wochenschrift 1908. 

Nr. 17. 
2.*Corde8, Zar Lehre vom Aderlass und der Kochsalzinfasion. Inaug. -Diss. Göt- 
1903. 



156 Jahresbericht für Chirargie. I. Teil 

3. Engelmann, Einiges Ober die sogenannte physiologische Eochsalzldsong. Deutsche 
med. WocheDSchrift 1903. Nr. 4. 

4. Herz, Ein Vorschlag zar Verhütung von Lufteintritt bei intravenösen Infusionen. Zen- 
tralblatt für Chirurgie 1903. Nr. 46. 

5. Küttner, Zur Frage des künstlichen Blutersatzes. 82. Chirurgenkongress 1903. 

•6. — Experimentelle Untersuchungen zur Frage des künstlichen Blutersatzes, v. Bmnssche 
Beiträge 1903. Bd. 40. Heft 3. 

7. Kraft, Ludwig, Transfusion ved Bet»ndelse: PeritonsDum, experimentelle Undei^ 
segelses. Hospitalitidende. B. 46. ag. 65. Ejebenhavn 1903. 

S, Tavel, Indications et contre-indications de la Solution sale^-iodique. Revue de Chi- 
rurgie 1903. Nr. 4. 

Der von Braatz (1) angegebene Apparat erfüllt folgende Grundbedin- 
gungen: ;,Die Lösung ist schon sterilisiert und ist dieselbe schnell auf eine 
bestimmte Temperatur zu erwärmen^. In einer starkwandigen Kochflasche 
von einem Liter Inhalt wird die Kochsalzlösung steril aufbewahrt; in dem 
Watteverschluss der Flasche steckt ein Thermometer. Beim Gebrauch wird die 
Flasche durch Hineinstellen in heisses Wasser oder auf einem Drahtnetz über 
der Gasflamme erwärmt. Hat die Temperatur 40^ erreicht, so wird das 
Thermometer samt dem Watteverschluss herausgenommen und die Flasche 
mit dem sterilisierten Schlauchapparat verbunden. Dieser Apparat besteht 
aus einem abgestumpften Glashohikegel , der an dem dünnen Ende mit dem 
Abflussschlauch, mit dem dicken Ende mit der Flasche durch ein Gummit'eil 
Terbunden ist. Das Glasteil hat seitliche Öffnimg, durch welche ein Gummi- 
schlauch bis auf den Boden der Flasche geht und die Luft zuführt. Die Flasche 
wird^ nachdem der Apparat angebracht ist, umgestülpt und hochgehoben, 
nachdem die Luft aus dem Abflussteil und der mit diesem verbundenen 
Hohlnadel entfernt ist, wird die Nadel unter die Haut gestossen. 

Herz (4) Um Lufteintritt bei intravenösen Infusionen, Gelenkspülungen 
«tc. zu vermeiden, hat Habs eine Röhre herstellen lassen, die aus einem Glas- 
rohr und einseitig aufsitzendem durch weite Öffnung mit demselben kommuni- 
zierendem Hohlkegel besteht. Vor Beginn der Irrigation wird die Röhre samt 
der Kugel mit Spülflüssigkeit gefüllt, indem man jene mit der Kugel nach 
unten hält; nach Füllung der Röhre wird sie so gedreht, dass die Kugel 
nach oben gerichtet ist. Alle im Schlauche vorhandenen Luftblasen sammeln 
sich beim Durchtritt durch die Röhre in der Kugel an imd werden hier 
zurückgehalten. 

Engelmann (3) tritt dafür ein, dass nur durch die 0,9 ®/o Kochsalz- 
lösung als sog. physiologische und die für den menschlichen Körper am 
meisten indifferente Salzlösung anzusehen ist, denn nur diese ist mit dem 
Säugetierserum isotonisch, d. h. nur in ihr behalten die roten Blutkörperchen 
ihr Volum, in einer stärkeren Lösung schrumpfen dieselben, in einer schwäche- 
ren quellen sie und werden schliesslich aufgelöst. Er hat das Verhalten des 
Blutes mittelst des von Heddin und Koppe eingeführten Blutzentrifugier- 
apparates, des Hämatokrits, nachgewiesen: denn zentrifugierte er frisch auf- 
gefangenes Blut mit 0,6, 0,9 und 1,5 ^/o Kochsalzlösung, so fand er, dass nur 
nach Zusatz von 0,9 ®/o Lösung die Blutkörperchensäule ebenso hoch steht, 
wie in dem Röhrchen mit unvermischtem Blute, während in der schwachen 
Salzlösung die Blutkörperchensäule höher, in der stärkeren niedriger stehen. 
Es folgt aus diesen Versuchen, dass am Krankenbett als Infusionsflüssigkeit etc. 
und im Laboratorium als Konservierungsflüssigkeit an Stelle der früher ge- 
brauchten 0,5 — 0,75^/o Kochsalzlösung die 0,9 °/o zu treten hat. 



FiBcher, Vorleizimgen und chirorgische Krankheiten der BlatgefUsse etc. 157 

Küttner (5 n. 6). Weder durch die gebräuchliche subkutane resp. 
intravenöse Infusion physiologischer Kochsalzlösung, noch durch die Trans- 
fusion menschlichen Blutes, die schwer durchführbar und ihrer Gefahren 
halber nicht anzuwenden ist, kann bei sehr hochgradigem Blutverlust das 
Leben gerettet werden. Küttner hat versucht, die physiologische Kochsalz- 
losimg durch andere Flüssigkeiten zu ersetzen, welche in ihrem Salzgehalte 
demjenigen des Blutserum entsprechen. Die Tierezperimente aber ergaben 
ein negatives Resultat; das Adrenalin ist wegen seines zuerst reizenden, dann 
lähmenden Einflusses auf das Herz für die Verwendung beim Menschen nicht 
geeignet. Dagegen konnte Verf. durch Sauerstoffinhalationen und reichliche 
Erwärmung Kaninchen, die sonst einen Blutverlust von 3^/o des Körper- 
gewichtes bei Kochsalzinfusionen nicht überleben, dauernd am Leben erhalten, 
besonders wirksam war die Sauerstoffinhalation unter hohem Drucke; es ge- 
kog also den kritischen Zeitpunkt nach der Hämorrhagie zu überwinden, das 
Leben so lange hinzuhalten, bis die zur dauernden Rettung nötige Blut- 
reaktion stattgefunden hatte. Die direkte Einführung des Sauerstoffes ins 
Blnt ist wohl das rationellste ; von der Einleitung des Gases in die Venen 
ist aber bei Hämorrhagie kein Nutzen zu erwarten. 

;,Einen Vorteil aber kann in Fällen dringender Verblutungsgefahr die 
Sanerstoffeinführung ins Blut dann bringen, wenn geringe Dosen des Gases 
der zu infundierenden Kochsalzlösung als Reizmittel für das Herz beigemengt 
werden, also wenn man die Kochsalzlösung mit Sauerstoff sättigt.^ — Um 
dies auf einfachem Wege zu ermöglichen, hat Küttner einen sehr handlichen 
Apparat konstruiert, mit dem es leicht gelingt, physiologische Kochsalzlösung 
mit Sauerstoff zu sättigen und diesen direkt ins Blut zu bringen. Um her- 
mitergekommene Kranke auf Laparotomien vorzubereiten, rät Verf. 2— 3 mal 
mnerhalb 24 Stunden je 2 Liter der mit Sauerstoff gesättigten Kochsalz- 
lösmig in die Vene einzuspritzen, um auf das Herz und die nervösen Zentren 
günstig einzuwirken. Nach schwerem Blutverlust beim Menschen empfiehlt 
es sich nach der intravenösen Lijektion der mit Sauerstoff gesättigten Koch- 
salzlösung ^bei reichlicher Erwärmung des Körpers die Wirkung dieser In- 
fusion durch stundenlang fortgesetzte Einatmung von Sauerstoff zu unter- 
stützen**' 

Tavel (8) wendet sich in sehr gereiztem Tone in dieser Abhandlung 
gegen die von Küttner und Bai seh erhobenen Vorwürfe, dass seine Salz- 
Sodalösung reizend und Gangrän verursachend wirke; er habe die Lösung 
nur zur Lrigation und als Wunddesinficiens empfohlen, als solche sei sie 
absolut unschädlich für den Organismus, durch die leicht reizende Wirkung 
werde eine erwünschte Leuco- und Phagocytose bedingt. 

Ludwig-Kraft (7) hat in einer langen Reihe von Tierversuchen an 
Kaninchen verschiedene Verhältnisse bei Transfusion mit Salzwasser und Zucker- 
lösong, teils unter normalen, teils unter entzündlichen Zuständen ausschliess- 
lich mit Rücksicht auf die Anwendung von Transfusion bei Peritonitis xmter- 
BQcht. Es ist unmöglich, die stark variierenden Versuche in einem kurzen 
Referat wiederzugeben. Ich werde mich daher darauf beschränken, die Resul- 
tate anzudeuten, die Verf. seiner Versuchsreihe entnimmt. Ob Salzlösung (0,4 
oder l^lo) oder Zuckerlösung vorzuziehen ist, ist nicht entschieden. Die 
Losong muss beim Eintritt in die Vene 38 ^ sein, eine niedrigere Temperatur 
setzt die Vitalität des Tieres herab ; wird die Temperatur während der Trans- 



158 Jahresbericht für Chirurgie. I. Teil. 

fufiion gesteigert, so tritt sogleich eine Verminderung der Diurese ein und die 
Temperatur des Tieres steigt. 

Die grösste Diurese wird durch unterbrochene Transfusion oder dnrdi 
langwierige Transfusion mit starkem Fall der Geschwindigkeit erzielt. Die 
Transfusion hat keinen Einfluss auf die Absorption oder Transsudation des 
gesunden Peritoneums. Transfusion ist kontraindiziert, wo das Herz oder die 
Nieren stark leidend sind. Die Transfusion hat keine hindernde Wirkung 
auf die Absorption vom Peritoneum bei beginnender Peritonealseptikämie. 
Die Transfusion vermehrt die Exsudation bei den exsudativen Entzündungen 
im Peritoneum, sie wird daher indiziert vor der Operation in Fällen von 
universell exsudativen Peritonitiden, indem sie hier die Absorption hindert 
oder verringert, während sie kontraindiziert ist vor der Operation von zirkum- 
skripten oder migrierenden Peritonitiden, indem die vermehrte Exsudation 
hier dazu beitragen kann, dass Verklebungen gelöst werden, so dass die Ent- 
zündung weiter um sich greift. In gleicher Weise wird die Transfusion nadi 
der Operation nur indiziert in den Fällen, wo man mit Mechen und Drains 
über die Grenze der Entzündung hinausgekommen ist, so dass der gesunde 
Teil vollständig von dem entzündeten Teil getrennt ist, bei den universellen 
nur wo für hinreichenden und guten Abschluss Sorge getragen ist. Doch soll 
man in diesen Fällen sehr vorsichtig mit dem transfundieren sein, indem da- 
durch ein bedeutender Verlust von Serum und Albumen verursacht wird, der 
verhängnisvoll für den Organismus sein kann. 

Schal demose (Kopenhagen). 

Haemophilie. 

1. Parry, A case of haemophUia illaatrating the valae of calcium chloride as a local 
stiptic. The Lancet 1908. Fehraar 21. 

2. Rotgans, Haemophüie. G-eDootschap ter bevordering der Nataur-, (^enees- en Heel- 
kande. Ned. Tydschr. v. Gtoneesk. I. pag. 



Parry (1) erreichte in einem Falle von schwerer, tagelang andauernder 
Blutung aus einer Zahnfleischwunde bei einem Bluter, nachdem andere Styp- 
tica, eingeschlossen das Adrenalin, sich als wirkungslos erwiesen hatten, rasdi 
Stillstand der Blutung nach lokaler Anwendung einer Calciumchloridlösung 
von 2,0 auf 30,0. 

Rot g ans (2) demonstriert einen vierjährigen Knaben mit einer hämo- 
philen Arthropathie am linken Fuss. Das Leiden ist chronisch; es besteht 
eine ausgesprochene Muskelatrophie; das Bild ähnelt vollkommen dem einer 
tuberkulösen Gelenkerkrankung. Es gibt mehrere Fälle von Hämophilie in 
seiner Familie. Als Therapie ist Immobilisation angewendet. 

Goedhuis (Deventer). 
GefSssnaht. 

1. Araberg, Experimenteller Beitrag zur Frage der zirkulären Arteriennaht. Deatsche 
Zeitschrift für Chirurgie 1903. Bd. 68. Heft 1 aud 2. 

2. *Baum, Über die Blutgefässnaht. Inaag.-Diss. Freibarg 1903. 

3. ^Bürgers, The present position of sutare of the blood vessels. Medical Chronicale. 
May 1903. 

4. Ezner, Einige Tierversuche über Vereinigung und Transplantation von Blutgefässeiu 
Wiener klin. Wochenschrift 1903. Nr. 10. 

5. De Gaetano, L., Sutnra della arterie. Richerche sperimentali sul processo di guari- 
gione in rapporto alla rigenerazione della fibre elastiche. Giornale intemaz. di soe. 
mediche 1903. fasc. 7. 



Fischer, Yerletzangen und chirurgische Krankheiten der Bluigefitlsse etc. 159 

6. Galloiset Pinatelli, ün cas d'anastoxnose art^rio-veinense longitudinale pour art4- 
rite oblit^rante. Revue de Chirurgie 1903. Nr. 2. 

7. Höpfner, Über Gefftssnaht, GefSsstransplantation und Replantation von amputierten 
Extremitfiten. Inaug.-Diss. Berlin 1903. v. L an genbecks Archiv 1903. ßd. 70. Heft 2. 
82. Ohirurgenkongress Berlin 1903. 

3. Jensen, Über zirkuläre Gefftsssutur. v. Langenbeclcs Archiv 1903. Band 69. 

Heft 4. 
. 9. Lejars, Valeur pratique de la suture arterielle. La semaine mödicale 1903. Nr. 14. 

10. Ghdrie-Ligni^r e, M., Contributo sperimentale alle studio della protesi dei vasi coi 
metalli riassorbibill. Clinica chirnrgica 1903. Nr. 1. 

11. Reinsholm, W., Die verschiedeuen Methoden für zirkuläre Vereinigung abgeschnit- 
tener grösserer Arterien- und Yenenstämme. Nordishe medicinske Arkiv. Aid. L 
Eirui^e 1902. H. 8 Nr. 16 und U. 4 Nr. 21 ; 1903 Heft 1 Nr. 3. 

12. Payr, Zur Frage der zirkulären Vereinigung von Blutgefässen mit resorbierharen Pro- 
thesen. V. Langen becks Archiv 1903. Bd. 72. Heft. 1. 

13. Salomoni, A., Sulla sutura delle arterie. Gazetta degli ospedali 1903. Nr. 56. 
14 Sassone, L*attua1e chirurgia integrante dei vasi sanguigni. Grincarabili 1903. 

15. Schmitz, Die Arteriennaht. Deutsche Zeitschrift fOr Chirurgie 1903. Bd. 66. Heft 8 
und 4. 

16. T o m aselli , G., Esiti lontani della sutura col metocho deirafi&ontamento dell' endotelio. 
Chnica chirnrgica 1903. Nr. 5. 

Amberg (1) hat an Pferden nnd grossen Hunden Versuche der zirku- 
lären Arteriennaht gemacht (an der A. carotis, femoralis und an der Bauch- 
aorta). In sechs Fällen wurde die quere Vereinigung vorgenommen, an den 
blossgelegten Gefässen die Scheide etwa daumenbreit frei präpariert, dann die 
Arterie durchtrennt; die temporäre Blutstillung wurde durch Anlegen von 
mit Gaze- resp. Gummidrains armierten Klemmen erreicht. Die beiden Gre- 
fassstümpfe werden an gegenüberliegenden Stellen durch zwei oder mehrere 
Längssclmitte 3 — 4 mm weit gespalten; dadurch wird es möglich, einen ent- 
sprechend breiten Saum der Gefässwand um 90^ nach aussen umzukrempeln, 
die Gefassstümpfe werden dann miteinander in Berührung gebracht; die 
Naht wird so angelegt, dass die Intimastreifen der Gefassläppchen aufeinander 
zu liegen kommen. ^^Das Vorgehen ist analog demjenigen bei Aneinander- 
setzen von eisernen Röhren, wobei am umgekrempelten Rande der Röhre, 
den sogenannten Flanschen, die Dichtung vorgenommen wird.'^ Wie die mit- 
geteilten Untersuchungsprotokolle beweisen, sind die mit dieser Methode 
erzielten Resultate nicht als gute zu bezeichnen, nur in drei Fällen blieb das 
Lumen völlig erhalten, in einem trat wandständige, in zwei völlige Thrombose 
ein; in diesen drei Fällen wurde Nachblutung beobachtet. Am Schluss der 
Arbeit findet sich eine Kritik der Versuchsreihe und eine kurze Übersicht 
der Literatur über Gefassnaht. 

Exner (4) fand bei seinen Experimenten, dass nach der Implantation 
von Arterien in Venen (Verf. benutzte die Payr sehe Methode mittelst 
Magnesiumprothesen) die Blutader unter dem arteriellen Druck zu throm- 
bosieren pflegt; dem Vorschlage, eine verlorengegangene Arterie durch eine 
benachbarte Vene zu ersetzen, kommt also keine praktische Bedeutung zu. — 
Aach der Versuch, die Gefässe zu transplantieren , ein gleichgrosses Stück 
der A. carotis in den Defekt der anderen Seite zu implantieren , ebenso die 
Implantation der V. jugularis externa der einen in die der anderen Seite war 
negativ, stets trat Thrombose der überpflanzten Gefässe ein; die Ursache des 
Misslingens der Transplantationsversuche ist in der fehlenden Ejnährung der 
Gefasswandungen zu suchen. 



160 Jahresbericht ffir Chirurgie. I. Teil. 

De Gaetano (5) erprobte an Hunden ein neues Verfahren zur An* 
legung der Quemaht an Arterien. Das Verfahren ist folgendes: Er fuhrt 
einen kleinen spindelförmigen Eristalizylinder ins Arterienlumen ein, auf dem 
sich die Naht bequem ausführen lässt; wenn die Naht beinahe beendigt ist, 
zieht er den Faden nicht mehr an und schiebt den Zylinder mit einem seiner 
Enden durch den noch nicht geschlossenen Raum hindurch nach aussen. Die 
histologische Untersuchung, die er an nach vier Monaten angefertigten Serien- 
Schnitten vornahm, tat folgendes dar: die Muscularis sowohl als die Intima 
und Adventitia sind wiederhergestellt und die Adventitia ist durch periadven- 
titiales Bindegewebe verstärkt; auch die longitudinalen elastischen Fasern 
sind regeneriert. In der Nähe der angelegten Naht trifft man eine kompen- 
satorische Hypertrophie der Muscularis an. — Aus seinen Untersuchungen 
geht kurz und gut hervor, dass bei den Narben von Arterienwunden, mögen 
diese longitudinal oder quer gerichtet gewesen sein, oder das ganze Gtetäss 
in der Quere durchsetzt haben, alle elastischen Elemente vollständig rege- 
neriert sind. R. Giani. 

Höpfner (7). Nach einem kurzen geschichtlichen Überblick über die 
zur Gefassnaht vorgeschlagenen Methoden und einer Zusammenstellung über 
30 Fälle von Arteriennaht am Menschen teilt Höpfner die Ergebnisse seiner 
an Hunden angestellten Experimente mit, die er zur Nachprüfung der Payr- 
schen zirkulären Gefässnahtversuche mittelst Magnesiumprothese vorgenonamen 
hat. Bei Gefässverletzungen , welche mehr als die Hälfte des Umfanges be- 
treffen, macht man an Stelle der reinen Naht die zirkuläre Gefassvereinignng 
mit Magnesiumprothesen ; dieses Verfahren ist an grösseren Gefassen technisch 
nicht besonders schwierig; beträgt der Durchmesser der Arterie weniger wie 
3 mm, so ist von der Gefässvereinigung Abstand zu nehmen, da an dieselbe 
sich gewöhnlich Thrombose anschliesst infolge der Intimaverletzung. Nur bei 
streng durchgeführter Asepsis ist auf Erfolg zu rechnen. Zum Schutze vor 
Infektion und als Stütze ist die Naht des das Gefäss umgebenden Gewebes 
zu empfehlen. Über die Resorptionsdauer der Prothesen lässt sich kein be- 
stimmtes Gesetz aufstellen. Höpfner fand bei seinen Experimenten, dass 
entgegengesetzt der sonst vertretenen Ansicht die Arterien ohne Schaden auf 
weite Strecken von dem lockeren adventitiellen Gewebe entlöst werden können. 
Er stellte ferner Versuche über Transplantation von Gefassstücken an. Hierzu 
eignen sich für die Arterien die Schlagadern von demselben oder von einem 
anderen Individuum der gleichen Art, so gelang die Besektion eines Arterien- 
stückes und dessen umgekehrte Wiedereinheilung, ebenso die Transplantation 
der Carotis in die Femoralis und umgekehrt, nicht nur bei demselben Hnnd, 
sondern auch von einem Hunde auf den anderen. Die Grundbedingung für 
das Gelingen dieser Versuche ist strenge Asepsis, dass der Lumenunterschied 
zwischen den beiden Gefassen nicht zu gross ist und dass sich gesundes Ge- 
webe zur Deckung der transplantierten Stücke vorfindet. Die Implantation 
eines Venenstückes in einen Arteriendefekt bietet keine Aussicht auf Durch- 
gängigbleiben der Gefässe, das betreffende Venenstück wurde zunächst er- 
weitert, alsdann trat Thrombose ein. Die Gefässüberpflanzung von Tieren 
anderer Spezies ist stets von Thrombose gefolgt gewesen, auch ist hervorzu- 
heben, dass das implantierte Stück schnell resorbiert wird, die Gefahr der 
Blutung also besteht. Schliesslich berichtet Höpfner noch über drei Ex- 
perimente, die (gegründet auf die Möglichkeit einer zirkulären Gefässvereini- 
gung) sich auf die Absetzung von Extremitäten mit darauffolgender Wieder- 



Fischer, VerletzungeQ und chirurgiache Krankheiten der Blutgefässe etc. 161 

Bereinigung beziehen. In zwei Fällen trat Gangrän ein, bei einem Tiere 
blieb das Bein bei freibleibender Zirkulation bis zum 11. Tage erhalten, an 
diesem Tage ging der Hund beim Verbinden in Chloroformnarkose ein. Der 
Arbeit sind die Versuchsprotokolle und ein Literaturverzeichnis von 82 Num- 
mern beigefügt. 

Jensen (8) gibt in der vorliegenden Arbeit neben einer Darstellung 
der bis jetzt in Anwendung gekommenen Methoden der Gefässsutur eine 
Kritik über deren Ergebnisse. Er hat an Pferden und Ziegen experimentiert, 
die verschiedenen Nahtmethoden, Prothesen von Knochen und die Payr sehe 
Magnesiumprothese angewendet (meistens hat er die A. carotis communis und 
die V. jugularis interna benutzt), um folgende Fragen zu lösen: 1. Warum 
kommt es in so vielen Fällen zu Thrombenbildung? und 2. Inwiefern bietet 
diese oder jene der beschriebenen Methoden von den übrigen eine bessere 
Garantie für die Vermeidung der Thrombenbildungen? Jensen verwirft die 
Prothesen für die Arterien- und die Venenvereinigung, da er nach deren 
Anwendung eine Verengerung des Gefässlumens beobachtete. Die besten 
Resultate erzielte er nach dem von ihm angegebenen Verfahren der U-formigen 
Naht, durch welche eine grosse Intimafläche ohne Verengerung des Lumens 
zur Berührung gebracht werde. (Das Nähere über die Technik ist in der 
Arbeit selbst nachzusehen.) Als Nahtmaterial ist der Seide gegenüber dem 
Katgnt der Vorzug zu geben. — Die Thrombenbildung nach zirkulären Nähten 
von Arterien und Venen ist auf die Infektion des Gefässes mit pathogenen 
Bakterien zurückzuführen. ^Nimmt man die Infektion als die einzige Ur- 
sache der Thrombenbildung an, so bekommt man auch die beste Erklärung 
fSr das Launenhafte in den Ergebnissen der Versuche. Hiermit stimmt auch 
überein, dass die Methoden, wo die Naht nicht durch die Intima geführt 
wurde, die grösste Wahrscheinlichkeit des Gelingens boten, da eine Infektion 
des Gefässes, wenn die Naht ;,lege artis^ ausgeführt ist, in hohem Grade 
erschwert wird. Ob die Infektion auch die Ursache der Thrombenbildung 
nach Anwendung der Payr sehen Prothesen ist, kann Jensen nicht bestimmt 
sagen. Sehr viel scheint ihm die Erklärung für sich zu haben, dass eine um 
das Gefass angebrachte Prothese, namentlich wenn diese aus Metall ist, ein 
so bedeutendes Irritament für die empfindliche Gefasswand abgibt, dass man 
sich die Thrombose leicht als infolge der Ernährungsstörungen entstanden 
denken kann, denen die Wand ausgesetzt ist.^ 

In der sehr lesenswerten Abhandlung bespricht Lejars (9) kurz und 
präzis den Wert der Arteriennaht unter Berücksichtigung der Erfahrungen 
beim Lebenden und der Technik der Naht. Nach seinen Auseinandersetzungen 
ist die Naht empfehlenswert bei longitudinalen Rissen der grossen Gefässe, 
vorausgesetzt den aseptischen Zustand der Wunde (A. carotis, subclavia, 
femoralis etc.), die während der Exstirpation von Tumoren nicht zu vermeiden 
sind, femer bei traumatischen, einfachen und arteriell-venösen Aneurysmen. 
Ist mehr als die Hälfte des Umfanges eines Gefässes durchschnitten, so ist 
die Ligatur vorzuziehen, da nach der Naht die Gefahr der Verengerung des 
Gefässlumens, Nachblutung, nachträgliche Thrombose, auch eventuell periphere 
Embolie zu befürchten ist. 

Payr (12) wendet sich in sehr energischer Weise gegen diese Arbeiten 
von Salinari und Virdia, Reinsholm, Jensen, welche die Methode 
der zirkulären Vereinigung von Blutgefässen mit resorbierbaren Prothesen 
sehr abfallig beurteilen. Die genannten Autoren haben negative Ergebnisse, 

Jabresb«rieht fBr Ghirnrgie 1908. 11 



162 Jahresbericht für Chirurgie. I. Teil. 

Thrombose an der Gefässvereinigung, bei ihren Experimenten erzielt, weil sie 
nicht die von Payr angegebene Versuchsanordnung befolgten; das Verfahren 
hat bei richtiger Ausführung sehr gute Resultate ergeben, wie dies vor allem 
die Arbeit von Höpfner beweist. Die Methode ist einfach, sicher und 
technisch ohne besondere Schwierigkeiten durchführbar. 

Die Arbeit von Schmitz (15) soll, wie Verfasser selbst sagt, eine zu- 
sammenfassende Studie über die Arteriennaht unter Berücksichtigung der in- 
und ausländischen Literatur darstellen, sie ist also ein Sammelreferat; man 
findet in ihr die wichtigsten Veröffentlichungen über die Arteriennaht bis zum 
Jahre 1901 sehr gut zusammengestellt. 

Auf eine von Lejars veröffentlichte Arbeit bezugnehmend, bemerkt 
Salomoni (13), dass die von ihm ersonnene, schon 1900 von Tomaselli 
erprobte Methode von den bisher befolgten differiert, und meint, es sei bei 
der Arteriennaht von grösster Wichtigkeit, dass die Nadel durch alle drei 
Tunicae hindurchgeht, damit die Endothelflächen umgestülpt und in weiter 
Ausdehnung aneinander gebracht werden. Die von ihm vorgeschlagene Me- 
thode ist folgende: 1. Freilegung und Isolierung des Gefässes, 2. provisorische 
Blutstillung mittelst serres-plates, 3. Vemähung des Gefässes mit Enteror- 
rhaphienadeln und ganz feiner Seide, wobei man eine Wundlefze von aussen 
nach innen und die andere von innen nach aussen durchsticht, 4. definitive 
Blutstillung, indem man die serres-plates entfernt und die Stellen, wo 
die Nadel hindurchgezogen, komprimiert, 5. Synthese der Operations wände. 

R. Giani. 

Gallois und Pinatelli (6). Bei einem 47jährigen Manne mnsste 
wegen trockener Gangrän des rechten Beines der Oberschenkel amputiert 
werden ; noch während der Heilung des Stimipfes traten an dem linken Beine 
die Zeichen der beginnenden Gangrän ein. Jaboulay entschloss sich zur 
seitlichen arteriell-venösen Anastomose der Femoralgefasse in der Höhe des 
Scar paschen Dreiecks, ohne den gewünschten Erfolg zu erreichen, die 
Gangrän machte Fortschritte, der linke Oberschenkel musste ebenfalls ampu- 
tiert werden; der Kranke starb unter Erscheinungen der Gehimembolie. 
Gallois und Pinatelli besprechen die in der Literatur niedergelegten 
Leichen- und Tierexperimente sowie die Operationstechnik, sie kommen zu 
dem Resultate, dass von der arteriell-venösen Anastomose (der seitlichen odar 
End zu End) bei Gangrän nach Arteriitis obliterans Abstand zu nehmen ist, 
da durch die Klappen der Eintritt des arteriellen Blutes in die Venen Ter- 
hindert wird. 

Ch6rie-Ligniere (10) bespricht die verschiedenen Methoden der Ar- 
teriennaht und meint, dass die einfache Gefässnaht nur bei Längswunden 
ihren Zweck erreiche, nicht bei Querwunden. Nachdem er auch die bei Quer- 
wunden der Gefässe angewendeten Invaginations- und Transplantationsmethoden 
erwähnt hat, beschreibt er ausführlich das von Payr geübte Verfahren der 
Prothese mittelst einer Magnesiumröhre und berichtet über Experimente, die 
er mit dem Payr sehen Verfahren an 6 Tieren (Hunden und Eseln) angestellt 
hat. Bei vier von diesen Experimenten erhielt er ein gutes Resultat; bei 
zwei kam es 2u sekundären Hämorrhagien, und zwar bei einem wegen hinzu- 
getretener Eiterung, bei dem anderen wegen Nekrose, infolge von Läsion 
zahlreicher vasa vasorum. — Verf. konstatierte, dass die implantierte Stelle 
wenigstens einem Druck zu widerstehen vermag, der so stark ist wie in der 
Carotis eines Esels, dass die Verlötung der beiden in Kontakt miteinander 



Fischer, Verletzungen und chirurgische Krankheiten der Blutgefässe etc. 163 

gebrachten Endothelflächen schon nach 12 Stunden sich vollzogen hat, dass 
in der Mehrzahl der Fälle das Gefässlumen unverändert bleibt und einige, 
keine Störungen verursachende, wandständige Thromben aufweist, dass der 
Magnesiumzylinder in ungefähr 20 Tagen resorbiert wird, dass Nachblutungen 
durch strenge Antisepsis und Isolierung einer kleinen Gefässstrecke verhütet 
werden. R. Giani. 

Nach einem kurzen Eingehen auf die Frage nach den Vorteilen, welche 
eine einfache Ligatur oder eine Sutur resp. Resektion eines grösseren Blut- 
gefässes darbietet, studiert Reinsholm (11) die verschiedenen Weisen, eine 
Sator in der Gefässwand anzulegen, Wobei er betont, dass das Suturmaterial 
Katgut sein müsse und dass die Naht nicht die Intima, aber doch einen 
genügend festen Teil der Gefässwand fassen müsse. Ein eingehendes Studium 
wird der Resektion grösserer Gefässe gewidmet. Diese könnte in der Praxis 
bei Tumoren-Exstirpationen , ulzerösen Prozessen, Aneurysmen und Gefass- 
kontusionen in Frage kommen. Die sämtlichen bisher bekannt gewordenen 
Methoden der Ausführung einer Resektion werden in folgender Zusammen- 
stellung mitgeteilt. 

L Apposition gleichartiger Flächen 

A. der Wundränder, a) durch Sutur, 1. durch Adventitia und Media — 
ohne Prothese (Bougle), mit Prothese (Gluck), 2. durch alle Schichten 
(Horoch, Murphy, Lieberberg), b) auch endovasale Prothese (Abbe, 
Gluck, Payr); 

B. der Intimaäachen, a) durch Sutur (Clermont, Brian und Jaboulay, 
Salomoni), b) durch extravasale Prothese (Nitze, Payr). 

n. Apposition ungleichartiger Flächen (Clermont, Murphy, Dörfler, 
Bougle). 

Nach einer kritischen Prüfung dieser verschiedenen Methoden versucht 
Verf. eine Wertschätzung derselben; bei mehreren hat er Kontrollversuche 
gemacht, um ihre Anwendbarkeit zu ermitteln, woneben die praktischen Re- 
sultate, die mit ihnen erzielt werden, verzeichnet werden. Besonders in der 
Diskussion der Invaginationsmethode liefert Verf. interessante Beiträge zur 
Lösung der Frage. Er hat selbst die früher vorgeschlagenen Methoden in 
der Weise modifiziert, dass nur ein durch das distale Ende gezogener Faden 
verwendet wird, um diesen in das proximale Ende zu invaginieren, welcher, 
nachdem die Gefässränder aneinander fixiert sind, entfernt wird. Da das 
detailreiche und erschöpfende Werk sich zu einem kurzen Referat nicht eignet, 
werden Interessenten auf die Originalarbeit selbst verwiesen. 

Hj. von Bonsdorff (Helsingfors). 
In seiner Dissertation führt Sassone (14) alles auf, was bezüglich der 
Arterien- und Venennaht, sei es auf experimentellem, sei es auf klinischem 
Gebiete, von den Chirurgen bisher geleistet worden ist. R. Giani. 

Auf eine frühere Arbeit sich beziehend, behauptet Tomaselli (16), dass 
das beste Angiorraphieverfahren das von Salomoni (Atti della R. Accademia 
Peloritana 1900) empfohlene sei, das in der Vereinigung des Endothels besteht ; 
dasselbe lasse sich leicht und rasch ausführen und habe stets befriedigende 
Resultate gegeben. Verf. hat nun den histologischen Reparationsprozess bei 
Qaerwunden studiert, um festzustellen, ob auch hier eine wirkliche Restitutio 
ad integrum stattfinde, wie sie Burci bereits bei longitudinalen Wunden 
beobachtete. Die mikroskopische Untersuchung tat dar: 1. die T. muscularis 
ist vollständig regeneriert. 2. Auch die elastischen Fasern dieser Tunica sind 

11* 



164 Jahresbericht für Chirurgie. I. Teil. 

regeneriert und sind viel zahlreicher an den Grenzen der Naht und in der 
Nähe des Lumens, wo sie zwar nicht eine wirkliche innere elastische Platte 
bilden, aber doch dieselbe so gut wie ersetzen und so das Zustandekommen 
eines Aneurysmas verhindern. 3. Weder die innere elastische Platte noch 
der elastische Apparat der Adventitia sind neugebildet, diese besteht aus 
fibrösen Bindegewebsbündeln. 4. In der nächsten Umgebung der vernähten 
Stelle konstatiert man vollständige Wiederherstellung der drei Tunicae, mit 
Hypertrophie der Muskelfaserzellen und der elastischen Fasern. 

R. aiani. 

Aneurysmen. 

1. V. Bergmann, Zur Kasuistik des arteriell-venösen Aneuiysma. v. Langenbecks 
Archiv^ 1908. Bd. 69. Heft 1 und 2. v. Esmarchsche Festschrift. 

2. *Hantleib, Über die Erfolge bei den verschiedenen Operationsmethoden des Aneu- 
rysma popliteam. Inaug.-Diss. Bonn 1908. 

8. Kr e atz. Über einen Fall von Rankenaneorysma der Arterie ophthahnica dextra. Wiener 
med. Wochenschrift 1908. Nr. 37. 

4. Matos; R., M. S., An Operation for the radicai eure of aneurism based upon arterior- 
rhaphy. Annals of Sorgery, Febraary 1908. 

5. Morris, R. F., M. S. Notes on case of fusiform aneurism treated by Matos method. 
Annais of Sargery October 1908. 

6. Rank in, The treatment of aneurysm by subcataneons injection of gelatin. Rojal 
med. and. clin. soc. The Lancet 1908. Jani 27. 

V.Bergmann (1). Drei Wochen nach einer im Burenkriege erlittenen 
Verletzung durch ein Lee-Medfordgeschoss in die untere Hälfte des linken 
Oberschenkels stellte sich bei dem 25jährigen Patienten ein fühlbares Schwirren 
an der inneren Fläche des Knies und Oberschenkels ein; sechs Monate nach 
der Verletzung waren die übrigen Zeichen des arteriell-venösen Aneurysma 
an der Durchtrittsstelle der A. femoralis durch den Adduktorenkanal sehr 
deutlich ausgebildet; der Kranke suchte bei v. Bergmann Hilfe. Unter 
Esmarch scher Blutleere wurde am unteren Viertel des Oberschenkels in der 
Fossa Joberti die Arterie und die um das dreifache ihres Volums ent- 
wickelte Vene aus dem sie einscheidenden sehr lockeren Bindegewebe leicht 
isoliert, ober- und unterhalb des Sackes unterbunden und das Aneurysma 
samt den legierten Gefassen extirpiert; der etwa hühnereigrosse Varix lag 
nach aussen und hinten von der Schlagader; die kreisrunde Kommunikations- 
öflfnung zwischen Arterie und Vene hatte einen Umfang von 3 mm, zeigte 
glatte und scharfe Ränder, an der Öflfnung in die Venenwand befand sich eine 
halbmondförmige Klappe, deren freier Rand etwa bis zur Mitte der kreis- 
runden Öffnung reichte. Beim Einströmen des Blutes in die Vene musste 
diese Klappe gespannt und in pulsatorische Bewegung gesetzt werden; hierans 
ist das ungemein stark fühlbare Schwirren an der Innenfläche des Knies und 
Oberschenkels zu erklären. Für die Bildung des arteriell-venösen Aneurysma 
(in der Literatur sind schon zehn Fälle von arteriell-venösem Aneurysma der 
A. femoralis resp. der A. poplitea, die im südafrikanischen Kriege behandelt 
wurden, niedergelegt) nimmt v. Bergmann an, dass bei den nach Schass- 
verletzung entstandenen eine sofortige Kontimiitätstrennung der Gefasswände 
statt hat, nicht dass eine Quetschung der Gefässe und nachfolgende Ent- 
zündung an der Verletzungsstelle, wie dies Hodgson vermutet hatte, erst 
nachträglich zur Kommunikation von Arterie und Vene führt. Für seine 
Annahme spricht die primäre und sekundäre Blutung, sowie auch der Befand 



Fisober, Verletzungen und chirurgische Krankheiten der Blntgefftsae etc. 165 

bei der Operation, dass das Bindegewebe um die Gefässe locker und weich 
war, sich leicht vom Varix isolieren liess. v. Bergmann hat in noch zwei 
anderen Fällen von arteriell-venösem Aneurysma der A. femoralis nach Schuss- 
Terletznng in derselben Weise operiert. In dem einen Falle war die Ver- 
bindungstelle zwischen Arterie und Vene sehr eng, so dass an dieser die 
Unterbindung möglich gewesen wäre und dann die Exstirpation des Varix 
nnr noch nötig war, ;, allerdings wäre an der Arterienwand eine Narbe, die 
Ligaturstelle geblieben, von der es fraglich ist, ob sie nicht im Laufe der 
Zeit eine Ausbuchtung und mit ihr eine Art Aneurysma verum veranlassen 
könnte. Auch für die Arteriennaht wäre der Fall nicht ungeeignet gewesen*'. 

In dem von Kreutz (3) beschriebenen Falle war der rechtsseitige 
pulsierende Exophthalmus, der seit drei Jahren bei einer 28 jährigen Kranken 
alhnählich und spontan zur Ausbildung gekommen war, nicht durch Eindringen 
Ton arteriellem Blute in die Orbitalvenen, sondern durch Überfüllung der 
krankhaft erweiterten Arterien der A. ophthalmica erzeugt, durch die ophthal- 
moskopische Untersuchung war eine Rankenaneurysma der A. centralis retinae 
nachzuweisen, gleichzeitig bestand vor dem Processus mastoideus derselben 
Seite ein Rankenaneurysma der A. carotis externa. Nach Unterbindung der 
A. carotis communis rechts hörte die Palsation in beiden Geschwülsten auf; 
der Augenspiegelbefund blieb aber unverändert. Die Deduktionen, dass es sich 
in dem betre£fenden Falle um ein Rankenaneurysma der A. ophthalmica 
handelte, sind überzeugend; die eingehenden Auseinandersetzungen sind in 
der Arbeit selbst nachzulesen. 

Matos (ö) empfiehlt statt Exstirpation des Aneurysma den Sack in der 
Weise in sich zu vernähen, dass die Zirkulation in dem Muttergefäss dadurch 
nicht gestört wird. Nach vorausgehendem temporären Verschluss des zu- 
führenden Astes ward das Aneurysma geöffnet und mit weichem Schwamm 
alle Gerinnsel entfernt. Alle Offnungen der in den Sack mündenden Haupt- 
und Seitengefasse werden mit fortlaufenden nach Art der Lembertdarmnaht 
angelegten Chromcatgut-Nähten so geschlossen, dass der Strom im Hauptgefäss 
nicht unterbrochen wird. Der Sack wird über diesen Nähten durch Etagen- 
Nähte geschlossen. Die Operation ist dort indiziert, wo die Exstirpation 
unmöglich oder Gefahr der Gangrän in sich schliesst. M. hat vier Kranke 
nach seiner Methode mit Erfolg operiert. Die Art der Nahtanlegung ist 
dnrch Abbildungen erläutert. Maass (New-York). 

Morris (5) hat ein fusiformes Aneurysma der Ploplitea nach der von 
Matos vorgeschlagenen Methode Intima auf Intima so vernäht, dass ein 
Kanal für die Zirkulation offen blieb und ein vollständiger Erfolg damit 
erzielt wurde. Maass (New-York). 

Um den nach Gelatineinjektionen zu beobachtenden Tetanus zu vermeiden, 
gibt Rank in (6) ausführliche Angaben zur Bereitung der Gelatine: an drei 
aufeinander folgenden Tagen wird die Mischung, die aus 30 g Gelatine, 
9 g Kochsalz, 1500 g sterilisiertem, destiliertem Wasser besteht, eine Stunde 
lang im Autoklaven sterilisiert und unmittelbar vor dem Gebrauch nochmals 
sterilisiert. Er injiziert 100 cbcm der Mischung an der Innenseite des Ober- 
schenkels, die Einspritzung soll unter geringem Druck nur einmal in der 
Woche vorgenommen werden; heben der Injektion ist Bettruhe, beschränkte 
Kost und Jodkali zu empfehlen. Rankin berichtet über vier Fälle, je ein 
Aneurysma des Aortenbogens und der Bauchaorta, zwei der Aorta ascendens. 
Die Erfolge waren gut, die subjektiven Beschwerden wurden geringer, objektiv 



166 Jahresbericht f&r Chirargie. I. Teil. 

war Festwerden und Verkleinerung des Tumors zu konstatieren ; die weiteren 
Beobachtungen (1 bis 2 Jahre) ergaben, dass die Besserung anhielt. 

Gefiisserkrankung mit nachfolgender GangrSn. 

1. v^. Brunn, Beitrag znr traumatischen Gangrftn durch Ruptur der inneren Arterien- 
hftute. V. Brunsche Beitr&ge 1903. Bd. 41. Heft 1. 

2. *D u n 1 p , On a case of arterial occlusion and gangrene. The Lancet 1903. May 23. 

3. *Wahlmann, Zur Kasuistik der diabetischen Gangrftn nach den Erfahrungen in der 
chirurgischen Klinik zu Kiel. Inaog.-Diss. Kiel 1908. 

4. Weber and Michels: Two cases of obliterative arteritis in a young men leading to 
gangrene in extremities British med. journ. 1903. Septembre 12. 

V. Brunn (1). Bei einem 60jährigen Fuhrmann wurde einige Tage 
nach dem Überfahren des rechten Beines (ohne dass Fraktur oder Luxation 
nachzuweisen war, es bestand nur eine nicht penetrierende Wunde an der 
Innenseite des Kniegelenkes) fortschreitende Gangrän des Unterschenkels beob- 
achtet, die 14 Tage nach dem Unfälle die Amputatio femoris des septisch 
eingelieferten Kranken nötig machte. Die Ursache des Brandes war ein 
Thrombus in der A. poplitea, der durch quere Zerreissung der Intima und 
Media in der Höhe des Gelenkspaltes bedingt war; die unmittelbar angren- 
zenden Teile von der Adventitia waren abgehoben und etwas eingerollt. Die 
Gefassinnenfläche ist oberhalb der Verschlussstelle von normaler gelber Farbe, 
unterhalb hat sie einen deutlichen Stich ins Graue. AuflFallend ist, dass bei 
der Sektion ausser Milzanschwellung und einer leichten Bronchitis keinerlei 
Organveränderungen gefunden wurden ; (aber den Zustand der Arterien (Aorta 
iliaca etc. Arteriosklerose) sind keine Bemerkungen gemacht. Ref.). Unter 
Hinzuzählen dieses Falles ist unter 16 Fällen 13 mal die Ruptur der inneren 
Häute der A. poplitea von einem Verlust des Beines, zweimal sogar vom Tode 
gefolgt gewesen. 

Die beiden von Weber und Michels (4) beobachteten Fälle betreffen 
zwei Männer im Alter von 37 resp. 45 Jahren; die Krankheit begann mit 
Parästhesie an den unteren Extremitäten, die zu Gangrän führte und die 
Amputation der Unterschenkel nötig machte. Syphilis, Alkoholismus, Blei- 
und Arsenikvergiftung waren mit Sicherheit auszuschliessen. Die Verfasser 
glauben, dass in beiden Fällen die Gangrän auf nervöse Störungen zurück- 
zuführen sei. Die mikroskopische Untersuchung (Abbildung) ergab Verdickung 
der kleinen Arterien und Thrombose der Arterien. 

GefSssgeschwttlste. 

1. Arenzio, G., Guarigione rapida di angiomi otienuta con an procesao combinato di 
elettrolisi ad alta frequenza. Annali di elettricita medica e terapia fisica 1903. Nr. 10. 

2. Beck, Od a aggravated case of aneurisma racemosum. Annais of sorgery 1903. 
October. 

8. Gaylord, On the pathology of to calledbone anearism. Annais of surgery. June 1903. 

4. Goering, Znr Behandlung des Angioma arteriale racemosum, besonders des Kopfes. 
Inaug.-DisB. ^trassburg i. E. 1903. 

5. SzendrO, Ein Beitrag zur Entstehung des Angioma racemosum. Wiener med. Wochen- 
schrift 1903. Nr. 24. 

6. Wyeth, John, A. M. S. The treatment vascular tumor by the injection of water 
at high temperature. The journ. of the Amer. Med. Ass. 1903. June 27. 

Der elektrische Strom in hoher Frequenz bewirkt nach Arenzio (1) 
Gerinnung des zirkulierenden Blutes in den Gefässen, infolgedessen im Innern 



Fischer, Verletzungen und chirurgische Krankheiten der Blutgefässe etc. 167 

der Kapillaren Atrophie und Bindegewebssklerose entstehen. Die Elektrolyse 
trägt dadurch zur Heilung der Angiome bei, dass sie die molekulare Zerle- 
gung der Gewebe, Bindegewebshyperplasie und rasche Gerinnung des Blutes 
bewirkt. Beide Wirkungen nutzbar machend, lässt sich die Heilung auch 
sehr voluminöser Angiome in kurzer Zeit erzielen. R. Giani. 

Goering (4) beschreibt einen in der Strassburger chirurgischen Klinik 
beobachteten Fall von ausgedehntem Angioma arteriale racemosum der rech- 
ten Kopfbälfte und einem kleineren der linken Schläfenseite bei einem 27- 
jährigen Manne, der seit der Geburt eine balbkugelförmige Geschwulst in der 
rechten Schläfengegend hatte ; nach Verletzung (leichte Risswunde) vor 14 Jahren 
wurde langsames, stetiges Wachstum der Geschwulst in die Breite, in den 
zwei letzten Monaten schnellere Vergrösserung beobachtet. Nach Unterbindung 
der A. carotis externa dextra und Ligatur der A. temporalis sinistra hörte 
die Pulsation in dem Tumor nur zum Teil auf. Drei Wochen später wird ein 
Teil des in der Karotisgegend gelegenen Tumors exzidiert, nach weiteren 
14 Tagen die Exstirpation des Haupttumors nach vorausgegangener Um- 
stechung mit Knopfnähten in der von Stierlin empfohlenen Weise vor- 
genommen. Der grosse Defekt wird schliesslich durch T hier seh sehe Trans- 
plantation gedeckt (gute Abbildungen vor und nach der Operation). — Verf. 
stellt die seit 1893 veröffentlichten Fälle von Rankenangiom zusammen und 
bespricht die Therapie; er kommt zu dem Resultate, dass die Exstirpation 
die wichtigste und beste Behandlung ist; nur ausnahmsweise unter ganz be- 
sonderen Verhältnissen tritt die Methode der Alkoholinjektionen in ihr Recht. 

Szendrö (5) beobachtete bei einem 30jährigen Manne eine wallnuss- 
grosse, elastische, von normaler Haut bedeckte, auf der Unterlage frei beweg- 
liche Geschwulst in der linken Schläfengegend, die vor sieben Jahren nach 
dem Stemmen von schweren Hanteln entstanden war, zuerst pulsiert haben 
soll, im ersten Jahre an Grösse zunahm, dann aber stationär blieb. Die 
Untersuchung der exstirpierten Geschwulst ergab ein abgekapseltes Angioma 
cavernosum. 

Gaylord (3) beschreibt eine aus dem Göttinger pathologischen Institut 
stammende Knochencyste des Femur. Der Tumor wurde vor der Operation 
far Sarkom gehalten. Nach der Amputation entleerte sich aus der fluktuieren- 
den Geschwulst eine graugelbe Flüssigkeit. Durch die grosse Knochenhöhle zogen 
zwei dicke intakte Arterien. Die Ruptur einer dieser Arterien würde sicher- 
lich die fluktuierende Geschwulst zu einer pulsierenden, also einem sogen. 
Enochenaneurysma gemacht haben. Trotz sehr genauer Untersuchung von 
den verschiedensten Teilen der Wand gelingt es zunächst nicht, Stellen malig- 
ner Natur zu finden. Schliesslich zeigten sich in einem sehr beschränkten 
Gebiete spindelige und ovale Zellen so angeordnet, dass an dem sarkomatösen 
Charakter derselben nicht gezweifelt werden konnte. Da keiner von den bis- 
her veröfiFentlichten Fällen von Knochenaneurysma so eingehend untersucht 
worden ist, wie dieser Fall, glaubt Verf., dass alle oder zum grössten Teil 
medulläre Sarkome gewesen sind und vielleicht besser als pulsierende sarko- 
matöse Hämatome bezeichnet werden. Maass (New-York). 

Um ein Arteriengebiet zur Verödung zu bringen, benutzte Wyeth (6) 
Injektionen von Paraffin, Alkohol und kochendem Wasser in die Arterien. 
Nur mit kochendem Wasser wurde der Zweck vollständig erreicht. Nach dieser 
Voruntersuchung injizierte Verf. inoperable Angiome mit kochendem Wasser 
und brachte durch wiederholte Injektionen in Narkose Heilung zustande. Es 



168 Jahresbericht far Chirurgie. I. Teil. 

wird injiziert, bis die deckende Haut der Schleimhaut anämisch erscheint. 
Zu Nekrose des Integuments kommt es nur bei zu praller Füllung. Verf. 
beabsichtigt auch Versuche bei tuberkulösen Drüsen, Ranula, Lipomen, Ab- 
szessen und Fisteln zu machen. Mass (New-York). 

Beck (2) gibt die Krankengeschichte eines 32jährigen Mannes, der vor 
17 Jahren eine pulsierende, die Zeichen des Angioma racemosnm darbietende 
Geschwulst am Kopfe bemerkt hatte, die nach Steinwurf entstanden war und 
sich allmählich über die ganze behaarte Kopfhaut, die Schläfen, Augen und 
Nasengegend ausdehnte; die sie bedeckende Haut war verdünnt, zweimal war 
beträchtliche Blutung beobachtet worden. Beck unterband die Schläfen- 
arterie, die A. frontales und angulares, ohne dass die Pulsation und Grösse 
des Tumors beeinflusst wurde. Bei der Exstirpation der Geschwulst war die 
Blutung trotz der vorausgegangenen, unterbrochenen Naht, die um die nor- 
malen Gewebe sich erstreckte, eine beträchtliche. Ausführlicher Bericht über 
die mikroskopische Untersuchung. Der Arbeit sind vier sehr gut reprodu- 
zierte Abbildungen der Geschwulst beigefügt. 

Lufteintritt in Venen und Unterbindung der Yenen. 

1. Delore, De Tentr^e de l'air daoB les veines pendant les opörations gyD^ologiqaes. 
Revue de Chirurgie 1908. Nr. 10. 

2. Honzel, De la Ligature des veines et en particolier de la veiue cave iDfdrieure. 
Revue de Chirurgie 1903. Nr. 3 und 4. 

Im Anschluss an den Bericht eines Falles von Luftembolie während der 
Exstirpation eines Uterusfibrom bei einer sehr anämischen Kranken gibt 
üelore (1) einen kurzen Überblick über die wenigen in der Literatur nieder- 
gelegten Fälle, nachdem er vorher die Lehre der Luftembolie besprochen hat. 
Er glaubt, dass die Luftembolie bei gynäkologischen Operationen begünstigt 
wird 1. durch die oft beträchtliche Dilatation der Venen des Plexus pampini- 
formis (speziell bei Uterusfibromen), 2. dass die in dem Ligamentum latnm 
verlaufenden Venen nach dem Durchschneiden klaffen, da die hier vorhandenen 
Muskelfasern die Gefässe an dem Zusammenfallen hindern, 3. dass die Gre- 
rinnung des Blutes bei den hochgradig anämischen Kranken eine langsame 
ist, und 4. sieht er in der Trendelenburgschen Lage ein prädisponierendes 
Moment. Nur wenn eine sehr grosse Menge von Luft plötzlich aspiriert wird, 
ist die Luftembolie mit Synkope verbunden; in solchen Fällen würde wohl 
die Punktion und Aspiration des durch die eingedrungene Luft ausgedehnten 
rechten Herzens nach Begouins Vorschlag erlaubt sein. 

Houzel (2) bespricht in dieser Arbeit die im Laufe der Zeit vorge- 
schlagenen Methoden bei Verletzungen von grossen Venenstämmen, die zirku- 
läre, die seitliche Ligatur und die Naht. Weiter macht er darauf aufmerksam, 
dass- die Vena cava inferior bei der Exstirpation sehr grosser Geschwülste 
ohne Schaden für den Kranken unterbunden werden könne (Fall von Bottini 
aus dem Jahre 1893 prävertebrales Lymphosarkom und ein eigener Fall, 
Zerreissung der V. cava inferior während der Exstirpation einer lange be- 
stehenden und grossen Pyonephrose; Houzel konnte sich nach zwei Jahren 
von dem Wohlbefinden seines Patienten überzeugen. Die beiden Kranken- 
geschichten werden in extenso mitgeteilt). Nach seiner Ansicht ist die Unter- 
bindung der V. cava inferior in solchen Fällen erlaubt, da die langsam an 
Volum zunehmenden Tumoren mit der Vene verwachsen, einen Druck auf sie 



Fischer, Verletzangen and chinu^che KraDkheiien der Blatgefftsse etc. 169 

ansüben; es wird daher ein Teil des Venenblates der nnteren Eörperhälfte 
durch die vorhandenen erweiterten Eollateralen dem rechten Herzen zugeführt. 
Honzel verwirft das von Schede eingeschlagene Vorgehen der seitlichen 
Naht bei Verletzungen der V. cava inferior, da diese mit der Gefahr der 
Thrombose und Embolie verknüpft ist. 

Retrograder Transport im Yenensystem. 

1. Boama, Über den retrogaden Transport im Yenensystem. Yirchows Archiv 1903. 
Bd. 171. Heft 1. 

Bouma (1) hat die Ribbertschen Versuche über den retrograden Trans- 
port einer Nachprüfung unterzogen; er kommt auf Grund seiner Experimente 
(das Nähere über die Versuchsanordnung ist im Original nachzulesen) zu dem 
Schlüsse: ;,Der retrograde Transport von Tumorzellen, Embolie und Mikro- 
organismen ohne eigene Bewegung kann verursacht werden durch die kom- 
binierte Wirkung der periodischen Hemmung der venösen Blutabfuhr infolge 
der Herzaktion und der rhythmischen Schwankungen des negativen Thorax- 
dnickes bei den Respirationsbewegungen, wobei der letztere Faktor haupt- 
sächlich als das motorische Moment zu betrachten ist.'^ 

Phlebis und Yarieen. 

1 ^Altenbnrg, Ül>er die Behandlang der Yarieen. Inaug.-Diss. Bonn 1903. 
^ Becker, Die operative Behandlang der Yarieen au den unteren Extremitäten. MQnche- 
Der med. Wochenschrift 1908. Nr. 20. Rostocker Ärzteverein. 

3. *v. Gosen, Beitrag zar Therapie der ülcera oraris bei varikösen Yenenerkrankangen. 
lDaag.-Di88. Manchen 1903. 

4. Gaibal, De la dilatation ampallaire des veines. Bevue de Ghirargie 1903. Nr. 6—8. 
h, Hanneguin, Traitement de la phlöbalgie. L'^fflearage des veines. La Presse m^i- 

cale 1903. Nr. 16. 

6. *— Les suites de phl^bite. Lear traitement Archives g^nörales 1903. Nr. 20. 

7. ^Kaiser, Ober die Behandlang der Yarieen. Inaug.-Diss. Jena 1903. 

Becker (1) berichtet über die von Müller bei 138 Kranken wegen 
Yarieen der unteren Extremität vorgenommenen Operation. Die einfache 
Unterbindung und Durchschneidung des Saplienastammes nach Trendelenburg 
wurde 38 mal, Kontinuitätsresektion aus dem Stamme oder dem peripherischen 
Stromgebiete der Saphena 69 mal, die Totalexstirpation des Saphenastanmies 
mit dem peripherischen Stromgebiete nach Madelung 40 mal, die Sehe de sehe 
Operation einmal ausgeführt. Bei 52 Kranken konnte durch Nachunter- 
snchimgen die Dauererfolge nach der Operation festgestellt werden: Das 
Trendelenburgsche Verfahren ergab in 56®/o, das Madelungsche in 
^°/o der Fälle ein gutes Resultat. Nach Beckers Ansicht kann durch die 
einfache Ligatur bezw. Resektion des Saphenastammes in vielen Fällen ein 
gutes Resultat erzielt werden, die subjektiven Beschwerden der an Yarieen 
Leidenden werden beseitigt, oder doch wesentlich gebessert ; ein Dauererfolg 
ist nur nach der totalen Exstirpation des Saphenastammes mit dem ganzen 
peripherischen Stromgebiete am Ober- und Unterschenkel zu erwarten. 

Guibal (4) gibt eine recht ausführliche Zusammenstellung der an den 
grossen Venenstämmen (an der Eintrittsstelle der V. saphena, .der Vena femo- 
ralis, der V. poplitea und der Venen des Halses) beschriebenen, ampullären und 
sackförmigen Erweiterungen. Durch diese ist das Leben der Kranken nicht 



170 Jahresbericht für Chirurgie. I. Teil. 

bedroht, erst wenn sie grosse Dimensionen annimmt, besteht die Gefahr der 
Berstung und nachfolgende, lebensgefahrliche Blutung nach vorhergegangener 
Usur der Haut ; femer wenn Entzündung der Venenwand eintritt. Die Diag- 
nose des Leidens ist im allgemeinen einfach zu stellen, so lange die Gefasse 
mit flüssigem Blute gefüllt sind; durch Kompression zentralwärts sind sie zu 
entleeren, sie füllen sich schnell bei Aufhören des Druckes. Schwierig ist die 
di£ferentielle Diagnose zwischen sackförmiger Dilatation der Venen des Halses 
und serösen, kongenitalen Zysten bei Kindern ; tritt Entzündung der erkrankten 
Venen und damit Thrombose ein, so ist Verwechselung mit vereiterten 
Lymphdrüsen und eingeklemmten Hernien nicht zu vermeiden. Die Exstir- 
pation der erweiterten Gefassabschnitte nach vorausgegangener zentraler und 
peripherer Unterbindung des Venenstammes ist angezeigt, falls eine fortgesetzte 
Vergrösserung der sack- resp. ampullenförmigen Dilatation zu beobachten ist, 
schwere Störungen durch dieselbe bedingt werden, und wenn Entzündung sich 
einstellt. 

Hanneguin(5) empfiehlt zur Beseitigung der nach dem akuten Stadium 
der Phlebitis zurückbleibenden Schmerzen die Effleurage der befallenen Körper- 
partie. Nachdem die Kranken 14 Tage bis 3 Wochen fieberfrei sind, beginnt 
man mit leichtem Streichen, das möglichst schonend an der schmerzhaften 
Stelle anfängt und proximalwärts fortgepflanzt wird, nach 15 bis 20 Minuten 
lang dauernder Effleurage tritt an der massierten Stelle ein Gefühl von Wärme 
auf, die Schmerzhaftigkeit nimmt ab. Mindestens sind 20 Sitzungen nötig. 
Die Kur wird unterstützt durch Bäder von 35°, die höchstens eine halbe 
Stunde dauern sollen. 

Lymphdrüsen und Lymphgefftsserkrankungen. 

1. Eorsch, Zur Behandlung der Lymphdrflsenentzflndung. Freie Chirurg. -YeTeinigong. 
ZentralblaU für Chirurgie 1903. Nr. 31. 

2. — Zur Behandlung der Schwellungen und Eiterungen der Lymphdrüsen. Deutsche 
militftrarztliche Zeitung 1903. Heft 4. 

3. Schur, Zur Symptomatologie der unter dem Bilde der Pseudoleukfimie verlanfenden 
Lymphdrfifientuberkulose. Wiener med. Wochenschrift 1903. Nr. ^. 

4. *Steffen, Über einen Fall von erfolgreicher Arsenbehandlung bei Pseodoleukftmie. 
Inang.-Diss. Leipzig 1903. 

Nach den Erfahrungen Korschs (1, 2) ist die frühzeitige und voll- 
ständige Ausräumung der akut geschwollenen und vereiterten Lymphdrüsen, 
speziell der in der Achselhöhle und der Inguinalgegend gelegenen, besonders hei 
Soldaten nicht ratsam, da keine schnelle Heilung und zuweilen ungünstige Narben- 
verhältnisse zu erwarten sind. Verf. empfiehlt die Einschmelzung des er- 
krankten Drüsengewebes abzuwarten, die nach Anlegen der Salzwed eischen 
Spiritusverbände schnell eintritt. Der Drüsenabszess wird ;,mit spitzem Messer 
so angestochen, dass die Öffnung an der Abszesshöhle etwas grösser ist als 
die an der Hautoberfläche''. Nach Entleerung des Eiters wird die Höhle 
nach dem Lang sehen Verfahren mit ca. 20 ccm einer l®/o Höllensteinlösung 
gefüllt. 

Schur (3) beobachtete bei einem 26jährigen Mädchen innerhalb zwei 
Jahren eine allmählich auftretende Vergrösserung der Lymphdrüsen des Halses^ 
der Achselhöhle und der Schenkelbeuge, die unter hoch fieberhaften Erschei- 
nungen und einer stets zunehmenden Leukocytose sich ausbildete. In den 
letzten Lebensmonaten wurde Vergrösserung der Milz und der Leber konsta- 



KöJliker, Verletznogen und Chirurg. Erkrankungen der peripher. Nerven. 171 

tiert Die Sektion ergab chronische Tuberkulose aller peripheren Lymph- 
drüsen, Amyloid der Leber, der Nieren und der Milz. Der histologische Be- 
fand an den Lymphdrüsen wird ausführlich mitgeteilt. Schur konmit auf 
Grand eingehender Literaturstudien zu folgendem Schlüsse: ;,Die durch 
Paltauf und Sternberg anatomisch charakterisierte Erkrankung des 
Lymphdrüsensystems lässt sich auch klinisch schon nach unseren jetzigen 
Kenntnissen von der ihr am nächsten stehenden Krankheit der reinen Hyper- 
plasie sehr häufig unterscheiden. Genaue Beobachtung oft kleinlicher Sym- 
ptome im Verlaufe der Krankheit, sowie namentlich häufige Blutunter- 
sachungen müssen zu dieser Differentialdiagnose die nötigen Merkmale liefern. 
Da aber fast alle in Betracht kommenden Symptome nur quantitative Ver- 
schiedenheiten bei den beiden Krankheiten aufweisen, ist die Differential- 
diagnose in einzelnen Fällen, besonders bei nur einmaliger Untersuchung^ 
anmöglich.^ 



xn. 

Verletzungfen und chirurgische Erkrankungen der 
peripherischen Nerven. 

Referent: Th. Kölliker, Leipzig. 

Die mit * versehenen Arbeiten sind nicht referiert worden. 

1. Neryenregeiieration. 

1. Henriksen, Paul B., Nerve suture and nerve regeneration. Lancet 1903. April 11, IS 
nod Nord. med. Arkiv 1903. Afd. 1 (Kimrgi). Heft 8. Nr. 16. 6 Taf. n. Norsk magazin 
for Laegevidenskaben 1903. Jahrg. 64. Heft 1. p. 88 n. Abt. 2. p. 121. 

2. Neryendarchschneidnng. 

2. *Jame8, Trophische Veränderungen nach Verletzungen von Nerven. Scottish med. 
and Burg. Journal 1908. May. 

3. Sattler (Sarajevo), Zwei Fälle von mal perforant du pied nach Durchtrennung des 
Nervus ischiadicus als Spätfolge dieser Verletzung. Wiener klin. Rundschau 1903. 
Nr. 13. Die Geschwüre waren Folgen der Anästhesie. 

3. Neryenyerletzungen. 

4. *Armour, Some recent surgery of the nervous System. The Practitioner 1903. April. 
4a. Powers, Vagusreizung. Versammlung der American med. assoc. Transactions of the 

americ. surg. assoc. 1903. 

5. J. War hasse, Observations on wounds of nerves. Reprinted from the joum. of the 
assoc. of mil. surg. of the United States. Garlisle, Pennsylvania. The assoc. of milit. 
surg. 1903. 



172 Jahresbericht fflr Chirurgie. I. Teil. ~ 

4. Neryenluxation. 

6. *Cobb, ßeport of a case of recarrent dislocation of the ulnar nerve cared by Operation. 
Annals of sargery 1903. November. 

7. Kissinger, Luxation des Nervus ulnaris. Monatsschrift fflr ünfallheilkande 1903. 
Nr. 6. 

8. Momburg, Die Luxation des Nervus ulnaris. Langenbecks Archiv. Bd. 70. Heft 1. 

9. Schwartz, Luxation habituelle du nerf cnbitaL Gaz. des hdpitanx 1903. Nr. 4. 

10. — Luxation incomplöte et habituelle du nerf cubital. Maintien du nerf dans la goattidre 
^pitrochl^o-olöcranienne ä l'aide d'un lambeau apon^vrotiqne emprunt^ ä raponövrose 
4pitrochl^enne. R^ultat fonctionnel trös bon. Bull, et m^m. de la soc. chir. de Paris. 
T. XXIX. p. 3. (Der Überschrift ist beizufügen, dass es sich um eine traumatische 
Luxation handelte und dass der Nerv um das Doppelte der Norm verdickt war.) 

5. Nerrennaht. 

11. Bardenheuer, Stichverletznng in der Fossa snpraclavicularis mit kompletter Dnrdi- 
trennung zweier Wurzeln des Plexus cervico-braclualis. Allgem. ftrztl. Verein zu Köln. 
Sitzung am 27. Oktober 1902. Mdnchener med. Wochenschrift 1903. Nr. 18. 

12. Dnnn, Suture of the great sciatic nerve. Jonrn. of the americ med. assoc. 1903. 
May 16. (Naht des Ischiadicns mt teilweisem Erfolg.) 

13. Kennedy, Die Naht des Plexus brachialis bei der intra partum entstandenen Lfthmung 
der oberen Extremität. Brit. med. Journal 1908. Febr. 7. 

14. *Pernet, Die operative Behandlung von Nervendefekten an der oberen Extramitii 
mit Eontinnitätsresektion des Knochens nach LObker. Inaug.-Diss. Bonn 1903. 

6. Nervenpfropfimg. 

15. G. A. Ballance, H. A. Ballance u. P. Stewart, Zur Behandlung der chronischen, 
peripheren Facialisl&hmung durch Nervenpfropfnng. Brit. med. Journal 1908. May 3. 

16. G US hing, The surgical treatment of facial paralysis by nerve anastomosis. Annals 
of snrgery 1903. Nr. 5. 

17. Frazier and Spiller, The surgical treatment of facial paralysis. üniv. of Pennsyl- 
vania med. buUetin 1903. Nov. 

18. Hackenbruch, Zur Behandlung der Gesichtslähmung durch Nervenpfropfnng. YerL 
der Deutschen Ges. f. Ghir. 32. Kongress 1903; auch Langenbecks Archiv. Bd. 71. 
Heft 3. 

19. Körte, Vorstellung eines Falles von Nervenpfropfnng des Nervus facialis auf den 
Nervus hypoglossus. Freie Vereinigung der Ghirurgen Berlins. 128. Sitzung am 8. Dez. 
1902. Deutsche med. Wochenschrift 1903. Nr. 17. 

20. James H. Nicoll, Zur Anastom osenbildung zwischen Facialis und Hypoglossus. 
Lancet 1903. Oct 3. (Erfolglose Pfropfung des Hypoglossus auf der gelähmten Facialis, 
überdies halbseitige Zungenlähmung.) 

7. Neryenresektion. 

21. Gook, The orbital route for removal of the second brauch of the fifth nerve at the 
foramen rotundum. Annals of surgery 1903. Juni. 

22. Derocque, Torticollis spasmodique, rösection du spinal et des branches cervicales 
postörieures, gu^rison. Revue Fran^aise de M^decin et de Chirurgie 1903. Nr. 25—29 
und Brcvue möd. de Normandie 1903. März 10 und Revue d'orthop^die 1902. Nr. 2. 

23. D'Este, über Resektion des zweiten Astes des N. trigeminus in der Fossa pterygo 
palatina. 11 Morgagni 1908. Juni. 

24. Hildebrand, Zur Resektion des 8. Astes des Trigeminus am Foramen ovale. Beitr. 
zur klin. Ghir. Bd. 37. Heft 8. Jubiläumsband für v. Esmarch. 

25. *— Demonstration eines Patienten, dem wegen Neuralgie im Gebiet des 3. Trigeminus- 
astes dieser an der Schädelbasis reseziert worden ist. Med. Gesellsch. Basel, Sitzung 
am 20. Nov. 1902. Korrespondenzbl. für Schweizer Ärzte 1903. Nr. 6. 

25a. A. H. Tubby, On a method of treating by Operation paralysis of the upper root of 
the brachial plexus (Erb- Duchenne type). Brit. med. journ. 1903. Oct 17. 



Kölliker, YerletzangeD und chirurg. Erkranknogen der peripher. Nerven. 173 

8. Neryendehnnng. 

26. Ohipaali, A., L'^longation trophiqae. (Gare radicale des maux perforants, ulc^reB 
Tariqaeax etc. par r^longation des nerfe). Monographies cliniques sur les questions 
nooyellea en m6d., en chir., en biologie 1908. Nr. 33. Paris. Massen et Cie. 

27. Consent] DO, A., Lesioni dei centri nervosi in rapporto con lo stiramento cruento dei 
nervi. Clinica chirurgica 1902. Nr. 7. 

9. Neryenlösaiig. 

28u E. Lannois et F. Lejars, Resultats des Operations liböratrices da nerf radial k la 
soite dea frsctores de Thnmöros. Revue de chir. Ann^e XXIII. Nr. 5. 

29. Beisinger, 0., Kasuistischer Beitrag zur NervenlOsung bei Radialislfthmung nach 
Oberaimfraktur. Beitrag zur kJin. Chirurgie. Bd. 36. Heft 3. 

30. J. Crawford Renton, Die operative Behandlung der Ischias. Brit. med. joum. 1903. 
Mtrz 28. 

10. Intrakranielle Trigeminusresektton. 

31. Bardescu, Die Resektion des Gasserschen Ganglions wegen Trigeminusneuralgie. 
Spitalul 1908. Nr. 22, 23. 

32. van Gehachten, Le traitement chirurgical de la n^vralgie trifaciale. Bull, de l'acad. 
Toy. de m^d. belgique 1903. Aoüt. 

38. *Qildebrand, Demonstration eines resezierten Ganglion Gassen. Med. Ges. Basel. 

Sitzung am 20. Nov. 1902. Korrespondenzbl. fOr Schweizer Ärzte 1903. Nr. 6. 
3i. Erflger, Waither, Ein Beitrag zar Ezstirpation des Gasserschen Ganglion bei 

Trigeminaanenralgie. Inaag.-DiBS. Leipzig 1908. 

11. SympatMcusresektion. 

3-5. C. W. Cntler and G. L. Gibson, Removal of the superior cervical ganglion for the 
relief of glaucoma, with report of a case. Annais of surgerj 1902. September. 

35a.Jonne8ca, Die Resektion des Sakralsympathicus. Revista de Chirurgie 1908. Nr. 1. 
(Rumänisch.) 

36. £. Terrile e S. Rolando, La simpatectomia nella cura della epilessia essenziale. 
Clinica medica 1903. Nr. 1. 

12. Neuralgie. 

37. Bruce, Sciaiica; an inquiry as to its real nature and rational treatroent founded on 
the Observation of upwards 400 cases. Tbe Lancet 1903. Aug. 22. (Fahrt jede Ischias 
auf eine Erkrankung des Hüftgelenkes zurück.) 

38. *E. Fleisch mann. Ein Fall von Trigeminusneuralgie als Beitrag zur Pathologie und 
Ätiologie dieser Erkrankung. Wiener klin. Wochenschrift 1903. Nr. 44. 

39. Hart mann. Ein Beitrag zur Behandlung der Ischias. Archiv für Orthopädie, Mechana- 
therapie und Unfallchirurgie. Bd. 1. Heft 3. 

40. J. Kahane, Die Behandlung der ischiadischen Neuralgie mit Injektionen von sterili- 
sierter Luft In.-Diss. Bukarest 1908. 

4L C. Lilienfeld, Zur Behandlung der Trigeminusneuralgie. Deutsche med. Wochen- 
schrift 1903. Nr. 18. (Empfehlung der elektromagnetischen Therapie.) 

42. E. Neisser und G. Pollak, Beitrag zur Kenntnis der Roth-Bernhardtschen 
Neuralgie und ihrer operativen Behandlung. Mitteilungen aus den Grenzgebieten der 
Medizin und Chirurgie 1902. Bd. 10. Heft 3, 4. 

43. Trendelenburg, Trigeminusneuralgie mit Reflexkrampf des Facialis. Med. Gesellsch. 
zu Leipzig, Sitzung am 26. Mai 1903. Mttnchener med. Wochenschrift 1903. Nr. 81. 

13. Neuritis. 

44. W. E. Barth, Ein Fall aufsteigender Neuritis nach Trauma. Nervendehnung. Russ. 
Archiv fOr Ghirargie 1903 (Russisch). 

45. *E. Bloch, Traumatische Neuritis einzelner Zweige des Plexus cervicalis und brachialis 
mit besonderer Beteiligung sensibler Fasern. Deutsche med. Wochenschrift 1903. Nr. 82. 

41 Steiner, Zur Ätiologie der professionellen Erkrankung im Medianusgebiete. MQnchener 
med. Wochenschrift 1908. Nr. 9. 



174 Jahresbericht fflr Chirurgie. I. Teil. 

14. Periphere Paralyse. 

47. A. Blenck, Ober L&hmungen des K. radialis nach Oberarmfrakturen und über die 
BehaDdloDg derselben durch Operation. Monatsschrift fOr Unfallheilkunde 1903. Nr. 1. 
Zusammenfassende Arbeit unter Zusammenstellung von 68 Fällen (ein Fall neu Tom 
Verf.). 

48. Gotten and Aller, Brachial paralysis postnarcotic. Boston med. and surg. Journal 
1903. Nr. 7. Vier Fälle von Narkosenlähmung bei gestrecktem oder stark abduziertem 
Arme. 

49. M. Donati. Paralisi del nervo ischiadico popliteo esterno consecutiva a lussazione 
anteriore della gamba. Giom. med. de R. esercito di Roma 1903. Oktober. 

50. G al 1 e a z z i , Contributo clinico e sperimentale alle studio delle lesioni del pleaso brachiale 
d* origine traumatica. Arch. di ortop. 1903. Nr. 1. 

51. Max Hof mann, Die Geßiss Verhältnisse des Nervus ischiadicua und ihre Beziehung 
zur Dehnungslähmung. Langenbecks Archiv. Bd. 69. Heft 3. 

52. Pfeiffer, Ein Fall von doppelseitiger kombinierter Plexuslähmung (Erb). Ärztlicher 
Verein Hamburg. Sitzung am 24. Februar 1903. Mflnchener med. Wochenschrift 1903. 
Nr. 9. 

53. Schulz, Über Ätherlähmungen. Deutsche militärärzÜ. Zeitschrift 1903. Heft 6. 

54. *H ermann Sempert, Zur Ätiologie der peripherischen Facialislähmung. Inaag.-Di8s. 
Leipzig 1903. 

55. *TrOmer, Schlaf lähmung im Ulnaris- und Medianusgebiet. ÄrztL Verein Hamburg. 
Sitzung am 30. Juni 1903. Mflnchener med. Wochenschrift 1903. Nr. 27. 

56. *Twinhöven, Kasuistischer Beitrag zur peripheren Facialislähmung. Inang.-Diasert. 
Kiel 1903. 

57. *M artin Weger t, Über Narkosenlähmung. Inaug.-Diss. Berlin 1903. 

15. NerYengeschwiUste. 

58. Abbott and Shattock, Neurofibromatosis of the nervs of the tongue (macroglossia 
neurofibromatosa) and of certain other nervs of the head and neck. Annais of soigeiy 
1903. Nr. 3. 

59. *H. W. Austin, A case of neurofibroma of the skin and large nerve trunks in whidi 
there developed a large spindle-celled sarcoma beneath the body of the scapula. Med. 
Record 1903. Vol. 64. Nr. 18. 

60. V. Bergmann, Demonstration eines plexiformen, im Verbreitungsbezirk der Nerveo 
liegenden Neuroms am Hinterkopf und Halse. Freie Vereinigung der Chirurgen Berlins. 
Sitzung am 9. Nov. 1903. 

61. *G. Dur ante, N^vrome adipeux diffus du m^ian. Rteection, r^ön^ration autogene. 
Nouv. iconographie de la Salpdtriöre 1903. Annöe 16. Nr. 6. 2 Taf. 

62. *H. Dur et, Sarcome du plexus brachial. Amputation interscapulo-thoracique. Gaöiison 
persistant quatres annöes apräs. Arch. internst, de chir. Vol. L Fase. 2. 

63. Ehr ich, Demonstration von Neuromen. Rostocker Ärzteverein. Sitzung am 14. Man 
1903. Mflnchener med. Wochenschrift 1903. Nr. 20. 

64. *A. Fabris, Contributo alla conoscenza di ganglio-neuromi del sistema nervoso sim- 
patico. Arch. per le sc. med. 1903. Nr. 5. 

65. A. Nannoti, Peritelioma primitive del nervo mediane. Glinica modema 1903. 

66. *A. P. Pankow, Über Elephantiasis neuromatosa. Arbeiten aus Prof. Djakonows 
Klinik. Bd. III. Ghirurgie 1903. 

67. *Guido Richter, Ein Fall von „zentraler'* Neurofibromatose mit multiplen Neuro- 
fibromen der Haut Inaug.-Diss. Kiel 1903. 

68. *Rub68ch, Umfängliches Fibrom des Nervus vagus dexter bei Fibromatosis nervomin. 
Piager med. Wochenschrift 1903. Nr. 39. 

69. *A. Whitefield, A case of cutaneous neuro-fibromatosis in which newly formed 
nerve fibres were found in the tumours. Lancet 1903. Nr. 18. 2 Fig. 

Henriksen (1) teilt unter den verschiedenen Ansichten über Regene- 
ration der Nerven jene, nach der die Regeneration nicht ausschliesslich vom 
zentralen Nervenstumpfe ausgeht, er lässt bei der Regeneration das distale 
Nervenende die gleiche Rolle spielen wie das proximale. Er teilt 12 Krank- 



KSlliker, Verletzungen nnd chirurg. Erkrankungen «der peripher. Nerven. 175 

heitsfalle mit, in denen längere oder kürzere Zeit, nachdem ein spezifischer 
Nerv abgeschnitten oder -gerissen worden war, eine Nervennaht angelegt wurde 
und kommt auf Grund dieser klinischen Beobachtungen zum folgenden Schluss : 
Wenn die Enden eines vor längerer Zeit abgerissenen Nerven durch sekun- 
däre Sutur vereinigt werden und man als unmittelbare Folge davon die Rück- 
kehr von Sensibilität erhält, kann dies nur durch die Annahme erklärt werden, 
dass sich im peripherischen Stück leitungsfähige Fasern gebildet haben. Da 
dieselben den Gefühlseindruck erst übertragen können, wenn sie mit dem 
zentralen Stumpf in Verbindung gebracht werden, muss man annehmen, dass 
sie entstanden sind, ohne dass eine Verbindung mit dem Zentralorgan da war. 

Der experimentelle Teil ist in bezug auf Technik nach bekannten Mustern 
ausgeführt. Neu ist allein die Zerreissung celloidin durchtränkter Schnitte 
während der Aufhellung. Da aber Verf. zu einer von den heutigen Histo- 
logen nicht geteilten Au£fassung des Baues der Nervenfaser kommt, welche 
allein durch recht ungenügende Photograrame gestützt wird, müssen Inter- 
essenten auf die Originalarbeit verwiesen werden, welche für eine ebenfalls 
am peripheren Stumpfe beginnende Regeneration eintritt. 

Hj. von Bonsdorff (Helsingfors). 

Nach Exstirpation von tuberkulösen Halsdrüsen entwickelte sich im 
FaUe von Powers (4 a) Vagusreizung. Nach Entfernung eines Unterbindungs- 
fadens ein Jahr nach der Operation verschwanden die Erscheinungen ; Druck 
anf die Narbe löste jedoch Husten aus. 

Warbasse (5) bespricht Symptome und Folgezustände der Nervendurch- 
scbneidang. Zur Nervennaht empfiehlt er ausschliesslich resorbierbares Material 
wie Chromcatgut nnd feinere Känguruhsehnen. Seidennähte werden binde- 
gewebig umwachsen, was der Nervenregeneration hindernd in den Weg tritt. 
Die Nahtstelle überdeckt Verf. mit einem Muskel- oder Fascienläppchen, um 
einen toten Raum auszuschalten, der sich sonst mit Bindegewebe ausfüllt und 
die Nervenr^eneration stört. Warbasse hat bei Vögeln und Kaninchen 
Versuche über die primäre Nervennaht am Vagus angestellt und prima in- 
tentio nervorum beobachtet. Die Beobachtungen am Menschen nach dieser 
Richtung hin hält er für nicht einwandsfrei. 

Kissinger (7) gelangt im ganzen zu den gleichen Schlüssen wieMom- 
barg (s. Ref. 8). Bezüglich der Beurteilung der Ulnarisluxation als Unfall- 
folge empfiehlt er mit Recht, Gewicht auf das Verhalten der Ulnaris am 
anderen Arme zu legen. Immerhin wird das Leiden aber auch recht häufig 
einseitig beobachtet, in Momburgs 23 Fällen z.B. 14mal. In einem Punkte 
stimmt Kissinger nicht mit Momburg überein. Während letzterer die 
Luxation, insbesondere die kongenitale, als häufig bezeichnet, nennt sie 
Kissinger selten. Wir schliessen uns Momburgs Ansicht an. Die Luxation 
wird selten beobachtet, weil sie sehr oft keine Erscheinungen macht und in 
der Regel erst bei eintretender Neuritis die Aufmerksamkeit auf sie gelenkt 
wird. Wer methodisch nach Luxationen und Subluxationen des Ulnaris forscht, 
wird sie häufig finden. (Ref.) 

Momburg (8) gelangt durch seine Untersuchungen über die Luxation 
des N. ulnaris zu folgenden Schlüssen: 

1. Die Luxation des N. ulnaris ist häufig. 

2. Dass die Luxation bisher so selten beobachtet worden ist, beruht auf 
dem seltenen Auftreten einer Entzündung des Nerven, durch die die 
Luxation erst beschwerlich wird. 



176 Jahresbericht für Chirurgie. I. Teil. 

3. Es gibt zwei Arten von Luxatio nervi ninaris, die kongenitale, die sehr 
häufig, und die rein traumatische, die sehr selten ist. 

4. Zwischen beiden stehen die Subluxationen, bei denen häufig durch eine 
heftige Kontraktion des M. triceps eine Luxation entsteht. 

5. Die Therapie richtet sich nach der Nervenentzündung. Die Luxation 
an und für sich ist belanglos, erst die hinzutretende Entzündung des 
Nerven macht eine Therapie notwendig. 

Bezüglich des häufigen Auftretens der kongenitalen Luxation fand Mom- 
bürg die Verrenkung bei 116 daraufhin untersuchten Soldaten 23 mal = 20 ^/o, 
9 mal war sie doppelseitig, 9 mal linksseitig, 5 mal rechtsseitig. Keiner der 
23 Mann hat eine Ahnung yon dem Bestehen der Luxation. Bedingt ist 
die kongenitale Luxation in erster Linie durch die Kleinheit und Flachheit 
des Epicondylus medialis sowie durch die mangelhafte Entwickelung und 
Schwäche des fibrösen Gewebes, das der Nerv in seiner Lage im Sulcus ulnaris 
erhalten soll. 

Schwartz (9) befestigte bei einer habituellen Luxation des N. ulnaris 
den Nerv in einen mit dem Meissel gebildeten Sulcus ulnaris. Der Inhalt 
seiner zweiten Mitteilung (10) ist durch die Überschrift gegeben. Wir fügen 
noch bei, dass es sich um eine traumatische, habituell gewordene Luxation 
des Ulnaris handelte und dass der Nerv um das Doppelte der Norm ver- 
dickt war. 

Bardenheuer (11) legte mit Erfolg eine Nervennaht am Plexus bracbialis 
an. Zwei Wurzeln des Plexus cervico-brachialis waren durch eine Stichyer- 
letzung oberhalb des Schlüsselbeines durchtrennt worden. Radialis, Ulnaris, 
Medianus, Axillaris waren gelähmt. Bardenheuer führte 14 Tage nach der 
Verletzung die Operation aus. Schnitt oberhalb des Schlüsselbeines. Nach 
2 Tagen sind leichte aktive Bewegungen der Finger, nach 8 Tagen des £11- 
bogengelenkes , nach 12 Tagen der Schulter möglich. 4 Wochen nach der 
Operation (letzte Beobachtung) können die Finger schwach und langsam ge- 
beugt und gestreckt werden, der Arm wird 25^ vom Rumpfe ab- und adduziert. 

Kennedy (13) schlägt bei intra partum akquirierten Lähmungen des 
Plexus brachialis, bei denen die elektrische Untersuchung im zweiten Lebens- 
monate ungünstig ausfällt, operative Behandlung vor, und zwar die Durch- 
trennung des 5. und 6. Halsnerven oberhalb und unterhalb der narbig ver- 
dickten Stelle im Plexus mit folgender Naht der zwei proximalen an die drei 
distalen Nervenstümpfe. Verf. hat die Operation dreimal ausgeführt, einmal 
mit vollem Erfolg bei einem zwei Monate alten Kinde, einmal erfolglos bei 
einem Kinde von 14 Jahren, der dritte Fall ist erst kürzlich operiert und 
noch nicht spruchreif. 

C. A. Bailance, H. A. Ballance und Stewart (15) berichten über 
7 Fälle von Nervenpfropfung. Sechsmal wurde der Facialis mit dem Acces- 
sorius, einmal mit dem Glossopharyngeus vereinigt. Besonders empfohlen wird 
die Vereinigung mit dem Glossopharyngeus, weil die Rindenzentren dieser 
Nerven nahe beisammen liegen. 

Cushing (16) beschreibt einen weiteren Fall von Vereinigung des ge- 
lähmten Facialis mit dem Accessorius. Die Facialislähmung bildete sich im 
Verlaufe von 287 Tagen zurück. Verf. hat in seinem Falle den Accessorius 
durchschnitten, statt den Facialis zu implantieren und die Kontinuität des 
Accessorius zu erhalten. 



Kölliker, Verletzungen und chinu'g. Erkrankungen der peripher. Nerven. 177 

Frazier (17) führte eine Nervenpfropfung bei einer traumatischen 
Facialisparalyse aus, indem er den Facialis mit dem Hypoglossus vereinigte. 
Er ist für möglichst frühzeitige Ausführung der Nervenpfropfung, weil sonst 
der Erfolg der Operation durch die Muskelatrophie in Frage gestellt wird. 
Als zuleitenden Nerven zieht er den Hypoglossus dem Accessorius vor. Ein- 
mal liegt das Rindenzentrum für die Bewegungen der Zunge dem Rinden- 
zentrnm der Facialis näher; Frazier ist der Ansicht, dass durch diesen 
Umstand die Übertragung leichter erfolgen kann. Durch Benützung des 
g&nzen zentralen Nervenstumpfes des Hypoglossus soll das Zentrum des 
Hypoglossus leichter zum Facialiszentrum umgewandelt werden. Femer fäUt 
dnrch Verwendung des Hypoglossus die Mitbewegung der Schulter bei Be- 
wegungen der Gesichtsmuskeln fort. Spill er will auch bei Facialisparalyse 
im Anschlüsse an Otitis media und bei über 6 Monate alten rheumatischen 
Faciab'slähmungen die Nervenpfropfung ausgeführt wissen. 

Hackenbruch (18) berichtet über eine fast 8 Jahre alte Facialis- 
lähmung, bei der er mit Erfolg zwei Drittel des Accessorius in den vorher 
gespaltenen Facialis implantierte. Er versuchte die Nervenpfropfung auch 
bei Kinderlähmung, indem er ein Drittel des Tibialis in den gelähmten Pero- 
naens pfropfte. In der Diskussion bemerkt Körte, dass zur Nervenpfropfung 
bei Facialislähmung der Accessorius geeigneter ist als der Hypoglossus. 
Delling er empfiehlt den Ast des Accessorius, der am hinteren Eopfnicker- 
rande austritt, zur Implantation zu verwenden, indem man ihn möglichst 
distal durchschneidet und nach oben zurückschlägt. Es wird dadurch die 
entstellende Atrophie des Kopfnickers vermieden, während die Atrophie des 
Trapezius weniger auffallend ist. 

Bei einer ausgedehnten Knocheneiterung des Warzenfortsatzes musste 
Körte (18) den N. facialis am Foramen stylomastoideum durchschneiden. 
Er vernähte den distalen Stumpf des Facialis seitlich mit dem am hinteren 
Rande des Biventer freigelegten und nach der Schädelbasis hin gelösten 
N. hypoglossus. Ausser totaler Facialislähmung bestand nach der Operation 
halbseitige Parese und Atrophie der Zunge. Die ersten Erscheinungen der 
wiederhergestellten Leitung im Facialis zeigten sich nach 6 Monaten an den 
Muskeln des Mundwinkels. Nach und nach besserte sich die Entartungs- 
reaktion und auch der Orbicularis oculi funktionierte wieder. Bei Bewegungen 
der Gesichtsmuskeln tritt Mitbewegung der linken Zungenhälfte ein. 

In der Diskussion bemerkt Gluck, dass er mit gutem Erfolge den 
distalen FaciaUsstumpf in den Accessorius implantiert habe. 

Auf orbitalem Wege reseziert Cook (21) den N. infraorbitalis , indem 
er ihn durch den Kanal und dann auf stumpfem Wege zum Foramen 
rotundum verfolgt. Den distalen Nervenstumpf führt er vermittelst einer 
Nadel durch das Foramen infraorbitale und sticht die Nadel an der Um- 
schlagsstelle der Schleimhaut am Oberkiefer heraus. Die Operation hat 
keinen Vorzug vor der einfacheren und eleganteren Neurexairese am Foramen 
infraorbitale, bei der das proximale Nervenende ganz oder doch mindestens 
in grosser Ausdehnung folgt und das distale voUkommen herausgedreht wird. 

In einem Falle von Torticollis hat Derocque (22) zunächst den N. ac- 
cessorius erfolglos durchschnitten. Er schritt dann zur Durschneidung des 
Stammes des Accessorius und der hinteren Cervikaläste. Es erfolgte Heilung 
ohne ernstere Störungen durch den Ausfall der betreffenden Muskeln. 

Jaliresberieht fflr Chimrgi« 1903. 12 



178 Jahresbericlit für Chirurgie. I. Teil. 

D'Este (13) bringt Untersuchungen über das Tuberculum mazillare des 
Keilbeines und empfiehlt dieses Tuberculum als Orientierungspunkt bei der 
Resektion des zweiten Trigeminusastes am Foramen rotundum. Das Tuber- 
cuhim maxillare (Potherat) liegt am vorderen Teile der Crista infratem- 
poralis des grossen Eeilbeinfiügels. Es ist immer vorhanden, wenn auch 
verschieden stark entwickelt. 

Hildebrand (24) operiert mit einem doppelten Lappen, der vom 
oberen Bande des Jochbogens nach unten und nach oben geklappt wird. 
Auf diese Weise wird der Facialis, insbesondere die Äste zum Auge geschont 
und der Temporaiis nach vom disloziert. 

In der Diskussion zum T üb by sehen Vortrag (25a), die über Sehnen- 
transplantationen handelt, erwähnt Wilf red Harris, dass er in zwei Fällen 
von Erb scher Lähmung und bei einer Kinderlähmung Nervenanastomoseo 
vorgenommen habe, indem er das distale Ende des fünften Cervikalnerven 
in den sechsten oder siebten Cervikalnerven einpflanzte. In einem FaUe 
wesentliche Besserung. 

Ghipault (26) fasst seine in einer Anzahl zerstreuter Arbeiten (s. den 
IV. und VI. Jahrgang dieses Jahresberichtes) niedergelegten Erfahrungen nun 
monographisch zusammen und zwar auf Grundlage von 137 teils von ihm, 
teils von anderen ausgeführten Nervendehnungen bei Mal perforant, varikösen 
Unterschenkelgeschwüren, neurotischen Geschwüren und anderen Geschwürs- 
bildungen mit geringer Heilungstendenz. Er bespricht die Theorie der Wir- 
kungsweise der Nervendehnung in den erwähnten Leiden, die vorbereitende 
Behandlung des Geschwüres und die Nachbehandlung im Anschlüsse an die 
Nervendehnung und gibt genaue Anweisungen über die Operationstechnik bei 
Dehnung der in Frage kommenden Nerven. 

Consentino (27) untersuchte die Folgen der Nervendehnung. Am 
Nerven selbst fand er die bekannten Veränderungen am Achsenzylinder und 
der Scheide, sowie ihre Folgen. Diese Folgen sind an der gedehnten Steile 
am ausgesprochensten, proximal sind die Veränderungen nur gering, dehnen 
sich aber eine Strecke weit distalwärts aus. Weiterhin fand er die Ver- 
änderungen des sensorischen Neurons bedeutender als die des motorischen, 
immerhin sind sie aber so gering, dass ihnen keine besondere Bedeutung 
beizumessen ist, und das um so mehr, als sie sich bald wieder ausgleichen. 

Die Radialisverletzungen und ihre Behandlung bei Humerusfrakturen 
besprechen Lannois und Lejars (28) an der Hand eines durch Nerven- 
lösung erfolgreich behandelten Falles von Radialislähmung. Auf zwei Punkte 
der Arbeit müssen wir besonders hinweisen. Einmal ermahnen die Verff., 
niemals auf Verletzung des Radialis bei Oberarmbrüchen die Untersuchung 
zu unterlassen, und erinnern dabei an das Verfahren von Olli er, der durch 
Reiben der Fragmente nach Einklemmung des Radialis forscht. Zweitens 
warnen sie vor Exzision des narbig veränderten Nerven mit folgender Nerven- 
naht, weil die Erfahrung lehrt, dass einmal der Nerv doch wieder funktions- 
tüchtig werden kann oder doch wenigstens von den vom proximalen Nerven- 
abschnitt auswachsenden Nervenfasern als Leitband benützt wird. 

Reisinger (29) berichtet über zwei Fälle von Nervenlösung am Radialis 
bei Oberarmfrakturen. Es handelte sich einmal um primäre, das andere Mal 
um sekundäre Kompressionsparalyse des Nerven. Um ein Rezidiv zu ver- 
hüten wurde in beiden Fällen eine Schicht des Triceps zwischen Callus und 
Nerv eingelagert. 



Kölliker, YerletznngeD und chirurg. Erkrankungen der peripher. Nerven. 179 

Crawford Renton (30) fügt seinen im IV. Jahrgang dieses Jahres- 
berichtes p. 206 referierten acht Fällen von Nervenlösung bei Ischias weitere 
zehn Fälle an. 

In seiner langen und dokumentierten Studie beschreibt Bardescu(31) 
die verschiedenen Methoden der Resektion des G a s s e r sehen Ganglions 
bei Trigeminusneuralgien. Er operierte nach seiner eigenen Methode zwei 
Fälle: 1. Fall rezidivierender Trigeminusneuralgie, wo er im Jahre 1899 die 
Polynevrektomie des Facialis par arrachement erfolglos anwandte. Bei dem- 
selben 45jährigen Bauern im Juli 1903 führte er seine eigene Operations- 
methode mit gutem Erfolg aus mit Ausnahme einer Hornhautulzeration. 
2. Bei einem 50jährigen Sänger mit fünf Jahre alter Neuralgie des linken 
Trigeminus machte er dieselbe Operation und der Kranke genas vollständig. 

Bardescu beschreibt sehr genau seine Methode, die er durch neun 
Figuren sehr verständlich macht. Die Methode Bardescus ist eine Resek- 
tion des Os temporale und des Arcus zygomaticus; er öffiiete dann den 
Schädel im Niveau der Crista temporo-sphenoidalis. Die Operation hat fünf 
Tempi: 1. Ein Lappen konvex nach oben, der von der Apophysis orbitalis 
externa anfängt, grenzt oben an eine horizontale Linie zwischen den Augen- 
brauen und der Spitze des Ohrpavillons und endet einen Finger breit vor 
dem äusseren Gehörgang. Anfang und Ende sind im Niveau einer horizon- 
talen Linie zwischen der unteren Kante der Maxilla und des Arcus zygo- 
maticus vor dem Condylus maxillae inferioris. Mit Raspatorium entblösst er 
die Fossa temporo-sphenoidalis und klappt den Lappen nach unten. 2. Mit 
Meissel und Hammer eine zentimetergrosse Öffnung des Schädels auf der 
Satiu"a temporo-sphenoidalis, direkt über der Crista spheno-temporalis. Mit 
dem Spatel Lösung der Dura mater vom Knochen, Vergrösserung der Öffnung 
mittelst der Lu ersehen oder Hoffmannschen Zange bis 2^/8—3 cm im 
Dmrchmesser unten im Niveau der Schädelbasis. 4. Freilegung des Gasser- 
schen Ganglions; mit dem Finger löst man die Dura vorne und unter der 
Menmgea media und mit einem Spatel hebt man die Dura mit dem Gehirn 
nach oben; man sieht nun auf der Schädelbasis den Nervus maxillaris supe- 
rior et inferior in der gleichen Höhe beinahe mit der Arteria meningea med., 
die Nerven leiten zum Ganglion Gasseri. 4. Befreiung, dann Resektion des 
Ganglions aus dem Cavum Meckeli, mit Sonde und Schere löst man die Ver- 
wachsmigen mit der Dura mater und reseziert die drei Wurzeln des Ganglions. 
5. Naht der Wunde, Drainage. Stoianoff (Plevna). 

V. Gebuchten (32) verwirft die Resektion des Ganglion Gasseri nach 
Krause wegen ihrer Mortalität und ihren Komplikationen. Bevor man über- 
haupt zu einem intrakraniellen Eingriff übergeht, soll zunächst die Neurexairese 
der Trigeminusäste und zwar möglichst zentral und gewaltsam vorgenommen 
werden. Der intrakranielle Eingriff selbst hat nicht in der gewöhnlich doch 
nur unvollkommenen Resektion des Ganglion zu bestehen, sondern in der 
Dorchschneidung der sensitiven Wurzel proximal vom Ganglion. 

Cutler und Gibson (35) berichten über einen erfolgreichen Fall von 
Sympathikusresektion bei Glaukom. Wir erwähnen noch, dass die Autoren 
im Gegensatz zu Jonnescu einen Schnitt am vorderen Rande des Kopf- 
lüekers empfehlen. 

Jonnescu (35a) fügt noch zwei Fälle an seinen vier vorherigen bei. In 
einem Falle von neurasthenischer Neuralgie genito-urinaria, nach lateraler 
Sympathikusresektion, gute Besserung wie auch beim zweiten Falle von 

12* 



180 Jahresbericht für Ghirorgie. L Teil 

rechtseitiger Ischias, wo er noch die Elongation des Ischiadicus hinzufügte. 
Die Technik ist im Jahresbericht für 1902 angegeben pag. 257 Nr. 38. 

J. stellt folgende Indikationen für die Operation auf: 1. bei Becken- 
neuralgien und schmerzlichen Syndromen des Beckens, 2. bei Neuralgien, 
bei trophischen und vasomotorischen Veränderungen der unteren Extremitäten. 
Er studiert vielseitig die Frage und ihre Literatur sowie auch die Behandlung 
und die Indikationen. Zum Schluss, in seinen pathologischen Deduktionen 
erklärt J. die Neuralgie durch Irritation der Nervi-nervorum aller Nerven, die 
vom Sympathikus stammen und darum ist es leicht erklärlich, weshalb die 
Sympathikusresektionen eine Abnahme, sogar ein Ende dieser Neuralgien 
veranlasst. Diese ist die neue sympathische Theorie der Genese der Neural- 
gien, neue pathologische Konzeption, die auch J. annimmt. 

Sto'ianoff (Plevna). 

Terrile und Rolando (36) haben in zwei Fällen von genuiner 
Epilepsie die doppelseitige Sympathikusresektion vorgenommen. Auf Grund 
dieser beiden, sowie der in der Literatur niedergelegten Beobachtungen 
sprechen sie der Operation jeden Wert bei der Behandlung der genuinen 
Epilepsie ab. 

Kahane (40) empfiehlt die Einspritzung von sterilisierter Luft als 
einfach, schmerzlos und unschädlich bei Ischias. Auch veraltete Fälle sind 
dieser Behandlung zugänglich, deren Wirksamkeit K. auf eine Art der Nerven- 
dehnung und auf Druckentlastung des Nerven durch die schützende Lufthülle 
zurückführt. 

Hartmann (39) führt bei Ischias die unblutige Dehnung in der Weise 
aus, dass der Operateur, der am Kopfende des Operationstisches steht, den 
Oberkörper des Kranken gegen die fixierten unteren Extremitäten beugt. Der 
Oberkörper wird dabei etwas gegen die erkrankte Seite hin geneigt. Die 
Wirkung der Nervendehnung ist in der angegebenen Weise ausgiebiger als 
bei Ausführung der unblutigen Dehnung auf gewöhnliche Art und zwar aus 
dem Grunde, weil die Spannung der Muskulatur der unteren Extremität 
wegfällt. 

Die Roth -Bernhardt sehe Neuralgie betrifft denN. cutaneus femoris 
lateralis und ist durch Anästhesien, Parästhesien und Schmerzen im Aus- 
breitungsgebiet dieses Nerven gekennzeichnet, die die Eigentümlichkeit haben, 
dass sie nur beim Gehen und Stehen, nicht aber bei Ruhelage vorhanden sind. 
Neisser und Pollak (42) fanden bei der Operation eines Falles dieser Neuralgie 
dass eine Kompression des N. femoralis am Poupartschen Bande vorlag, 
indem der scharfe untere Band des Bandes sich über den Nerven spannte. 
Die Durchscheidung des drückenden Bandes führte fast vollkommene Hebung 
der Beschwerde nach sich. Wodurch die abnorme Spannung des Poupartschen 
Bandes an der Lacuna musculorum hervorgerufen vrurde, dafür fehlt die 
Erklärung. 

Trendelenburg (43) beobachtete eine rechtsseitige Trigeminusneuralgie 
mit Reflexkrampf des Facialis und starker Speichelabsonderung vom Charakter 
des Chordaspeichels aus der rechten ünterkieferspeicheldrüse. Die Anfalle 
von der Dauer von 10 bis 20 Sekunden wiederholten sich etwa alle 10 Minuten. 
Am Schlüsse des Anfalles entleerte sich bei weit geöffnetem Munde Speichel 
im Strahle. Heilung durch Resektion der Inframaxillaris am Foramen ovale. 

Barth (44) beobachtete folgenden Fall: 



Kölliker, YerletzuugeD und ehirnrg. Erkrankuogen der peripher. Nerven. 181 

Ein 23jähr. Soldat zieht sich am 1. X. 1901 eine Quetschwunde am linken Unter- 
schenkel zu. Wird zuerst im Revier behandelt, kommt am 28. X. ins Lazarett mit einem 
nmden Geschwür, sechs cm im Durchmesser, mit dunkelroten, sehr empfindlichen Granu- 
lationen. Trotz sorgfältiger Behandlung keine Heilungstendenz. Es bildet sich ein diphtherie- 
artiger Belag, keine Temperaturerhöhung. Am 15. XI. werden Schmerzen an der inneren 
Fliehe des Ober- und Unterschenkels verzeichnet, besonders schmerzhaft sind die Muskeln 
dieser Gegenden. Es tritt ein Belag auf der Uvula auf, später (4. XII.) kamen dazu Beläge 
auf den Tonsillen und der hinteren Rachenwand. Am 14. I. 1902 wird eine Umschneidung 
des Geschwfirs ausgeffthrt, wonach sich die Geschwürsfläche verkleinert. Am 1. II. tritt 
ein Herpes zoster im YI. Interkostalraum auf. 25. IL Trigeminusneoralgie. Am 15. IIL 
hat sich der Zustand des Geschwürs wiederum so verschlechtert, dass eine Dehnung des 
Nerv, ischiadicus beschlossen wird. 26. IIL Nervendehnung. Es wird konstatiert, dass der 
Nerv gieichmäasig verdickt ist, starke Hyperämie der Gefässe der Nervenscheide. Den 
18. 17. ist das Geschwür verheilt. Die Hyperästhesie an der inneren und hinteren Fläche 
des Ober- und Unterschenkels noch vorhanden, die Muskulatur atrophisch, sonst keine Ver- 
Inderungen seitens des Nervensystems. 

Barth nimmt an, dass es sich in diesem Falle um eine aszendierende 
Neuritis handelt. Hollbeck (St. Petersburg). 

Steiner (46) hat zwei Fälle von Lähmungen des Medianus an der 
Hand beobachtet, die durch professionelle Schädigungen entstanden waren. 
Da beide Kranken ihre Tätigkeit in der gleichen Intensität seit Jahren aus- 
übten und der Neuritis des Medianus eine Überanstrengung nicht voraus- 
gegangen war, so suchte der Verf. nach einer weiteren Ursache, die bei der 
Entstehung der Neuritis mitgewirkt hatte und fand sie in Alkoholmissbrauch. 
Der Alkohohnissbrauch ebenete erst den Boden, auf dem professionelle Arbeit 
Schaden anzurichten vermochte. 

Über Lähmungen des Plexus brachialis bei Verletzungen und Wirbel- 
Iniationen berichtet Galeazzi (50) und untersucht, bei welchen Formen von 
Luxationen die Nervenwurzeln durch Zerrung oder Kompression gefährdet sind. 
Bei Totalluxationen und Rotationsluxationen wurden stets die unteren Wurzeln 
komprimiert ; bei Rotationsluxationen, namentlich auch bei Subluxationen tritt 
Zerrung der oberen Nervenwurzeln ein und zwar auf der konvexen Seite. 

Erfahrongsgemäss wird der N. peronaeus weit häufiger von Lähmungen 
betroffen als der N. tibialis. Es erklärt sich das zum Teil einfach aus der 
anatomischen Lage der beiden Nerven, der Peronaeus ist weit leichter Schäd- 
lichkeiten ausgesetzt als der Tibialis. Auffallend dagegen bleibt es, dass bei 
Schädigungen des Stammes des N. ischiadicus auch wieder der Peronaeus häu- 
figer gelähmt wird als der Tibialis. Besonders häufig wird als Resultat der 
Zerrungslähmung des N. ischiadicus bei der unblutigen Reposition die an- 
geborene Hüftverrenkung Peronaeusparalyse beobachtet. Schede sagt hier- 
über: ^Die Parese betrifft aus mir unbekannten Gründen häufiger das Pero- 
naensgebiet, als das des Tibialis. Auf Anregung Nicoladonis, der die ver- 
schiedene Gefassversorgung, also die Ernährungsverhältnisse der beiden Nerven 
für die Ursache hielt, untersuchte Hof mann (51) die Gefässverhältnisse des 
N. ischiadicus. Es fand sich nun, dass die arterielle Gefässverteilung in 
beiden Nerven ungleich ist und zwar nicht nur bei hoher Teilung des Plexus 
ischiadicus, sondern auch bei Teilung des Nerven an normaler Stelle in seine 
beiden Hauptäste. Der schwächere N. peronaeus hat auch schwächere Ar- 
terien mit zarteren und weniger Zuflüssen (nur die Hälfte) als der Tibialis. 
Der N. ischiadicus ist überhaupt nur scheinbar ein einheitlicher Nerv, das 
beweist die Häufigkeit hoher Teilung und die leichte Teilbarkeit in ungeteilten 
Fällen. Bei gleicher Dehnung müssen die Arterien des Peronaeus leichter 
geschädigt werden, als die des Tibialis. So wird die Verschiedenheit der Zir- 



182 Jahresbericht fUr Ghirorgie. I. Teil. 

kulationsverhältnisse in den beiden Nerven und ihre Unabhängigkeit ver- 
ständlich. 

Hofmanns Untersuchungen ergaben stets derartige Zirkulationsverhält- 
nisse im Peronaeus, dass eine stärkere Beteiligung dieses Nerven an Dehnungs- 
lähmungen durch Ischämie erklärlich ist. Dass bei Peronaeuslähmungen die 
Sensibilität nicht oder doch nur in geringem Grade leidet, erklärt Hof mann 
aus den zahlreichen Nervenanastomosen. Die Peronaeuslähmung nach schweren 
Geburten führt Verf. auf teilweise oder vollständige Unterbrechung des Kreis- 
laufes in Art. hypogastrica zurück, veranlasst durch den Druck des kindlichen 
Schädels oder der Zange, wodurch die Ernährung des Peronaeus und damit 
seine Leitungsfahigkeit leidet. 

Der von Pfeiffer (52) beschriebene Fall von doppelseitiger kombinierter 
Plexuslähmung (Erb) betrifft einen Mann, der sich zu erhängen versucht 
hatte. Das Trauma (Strik) hatte am Supraklavikularpunkt eingewirkt. Läh- 
mung der Mm. deltoides, Biceps, Brachialis internus, Supinator longus. 

Nach einer Ätherinjektion sah Schulz (53) eine unvollkommene Läh- 
mung des Radialis. Er hebt hervor, dass die meisten Radialislähmungen nach 
Injektionen unvollkommene sind, weil sie unterhalb der Austrittsstelle des tiefen 
Astes ausgeführt werden. Um sich vor Lähmungen zu schützen empfielt Verf. 
die Verletzung der Fascie zu vermeiden. 

Das plexiforme kongenitale Neurom wurde von Abbott und Shat- 
tock (58) bei einem 4 Jahre alten Kinde beobachtet, es betraf die linke 
Zungenhälfte, die linke Gesichts- und Halsseite. Das linke Ohr war ver- 
grössert, der Gehörgang durch Geschwulstmassen ausgefüllt, unter der linken 
Unterkieferseite waren strangförmige Geschwulstteile zu fühlen. Diese Stränge 
und die linke Zungenhälfte wurden exstirpiert, wodurch wesentliche Besserung 
erreicht wurde, insbesondere überragte die Zunge die Zahnreihen nicht mehr 
und die Sprache wurde deutlicher, andererseits kam es aber durch die Operation 
zu einer linksseitigen Facialisparese. An der Bildung des Neuroms waren der 
Hypoglossus, Facialis, Äste des Trigeminus und die Cervicalnerven beteiligt. 

Ehr ich (63) demonstriert 1. Ein Amputionsneurom des Plexus bra- 
chialis. Die Neurome bilden ein Packet, in dem die Art. subclavia eingebettet 
ist. Die bestehende Stmnpfneuralgie erklärt E brich nach Analogie eines 
von Kölliker beschriebenen Falles von Verwachsung eines Neuroms des 
N. ulnaris mit der Art. ulnaris, durch die Erschütterung des Nervenpackets 
durch die pulsierende Arterie. 

2. Drei Präparate von Stammneuromen. 

3. Zwei Präparate von Rankenneuromen, das eine von der Ellbogen-, 
das andere von der Nackengegend herrührend. Bei beiden Kranken fand 
sich eine ausgedehnte Hautpigmentierung, im ersten Falle auch multiple weiche 
Hautfibrome und zahlreiche, subkutane Neurofibrome entsprechend dem Ver- 
lauf der Hautnerven. 

Die von Nannoti (65) beschriebene, vom Medianus ausgehende Ge- 
schwulst war ein Hämangioperitheliom. Der Tumor konnte nur unter Resek- 
tion der Nerven exstirpiert werden. Da die primäre Nervennaht misslang, 
wurde einen Monat nach der Nervenresektion die sekundäre Nervennaht in 
der Weise ausgeführt, dass nach Anfrischung und Längsspaltung des Nerven- 
stumpfes, der 7 cm lange Defekt durch Implantation des N. cutaneus medialis 
ausgeglichen wurde. Die Nervenimplantation führte zur Wiederherstellung der 
Funktion des Nerven. 



Hoffa, Allgemeines über Frakturen und Verletzungen der Gelenke. 183 



XIII. 

Allgemeines über Frakturen und Verletzungen 

der Gelenke. 



Referent: A. Hoffa, Berlin. 



Die mit * yersehenen Arbeiten sind nicht referiert worden. 

1. Abadie, De la Inxation progressive du poignet chez Tadolescent. Revue d'ortho- 
pödie 1903. Nr. 6. 

2. B&hr, Bindenzügelgipsverband in der Behandlung von Frakturen und Pseudarthrosen. 
Archiv für Orthopädie 1903. Bd. 1. Heft 2. 

3. Bardenheuer, Die Behandlung der intra- und juztaartikulären Frakturen mittelst 
Extension und orthopädischen Massnahmen während der eigentlichen Frakturheilung. 
Zeitschrift far Orthopäd. Chirurgie 1903. Heft 1 und 2. 

4. Bayer, Über Spiridbrflche an der oberen Extremität. Deutsche Zeitschrift für Chi- 
rurgie. Bd. 71. 

h. Bayon, Erneute Versuche fiber den Einfluss des Schilddrüsenverlustes und der Schild- 
drOsenfütterung auf die Heilung von Knochenbrüchen. 

6. *Beckmann,Znr Kenntnis der Kallnsbildung bei osteomalacischen Frakturen. Deutsches 
Archiv für klin. Medizin 1903. Bd. 76. Heft 1—3. 

7. Blum, Über die blutige Reposition von ti*aumati6chen Ellenbogenluxationen. Diss. 
Leipzig 1903. 

3. Born er. Klinische und pathologisch-anatomische Beiträge zur Lehre von den Gelenk- 

mausen. Deutsche Zeitschrift für Chirurgie. Bd. 70. Heft 3 — 4. 
9. Borchard, Zur Behandlung der Frakturen. Zentralblatt für Chirurgie 1903. Nr. 5. 

10. Gnopf, Über Madelungs spontane Subluxation des Handgelenks nach vorne. Fest- 
schrift zum 25 jährigen Jubiläum des Herrn Hofrat Dr. 6 Öse hei- Nürnberg. 

11. Dacroquet et Bezan9on, Psendarthose flottante de la hauche consöcutive ä nne 
pyarthrite ost^omy^litique du jeune äge. La Presse m^dicale 1903. Nr. 15. 

11 ^Hagemann, Über die Resultate der blutigen Reposition bei veralteten Luxationen. 

Diss. Halle 1903. 
IS. Hähnle, Die gerichtsärztliche Beurteilung schlecht geheilter Frakturen und Luxationen, 

wenn in Frage steht, ob Kunstfehler vorliegt. Deutsche Medizinalzeitg. 1903. Nr. 41—94. 

14. ^Hopkins, A clinical treatise on fractures. London 1903. Lippincott. 

15. Heinrich, Beitrag zur Frage der Diagnose von Knochenverletzungen durch das 
Röntgenbild. Diss. Greifswald 1903. 

16. Helfe rieh, Atlas und Grundriss der traumatischen Frakturen und Luxationen. 6. ver- 
besserte und vermehrte Auflage. Lehmanns med. Handatlanten. Bd. VHL 

17. Jacoel, Agrafes osseuses. La Presse m^dicale 1903. Nr. 15. 

18. Imbert et Gagniöre, Des atrophiques osseuses calcaires consöcutives ä un trauma- 
tisme. Revue de chir. 1903. Nr. 6. 

19. Johnson, Method of retaining ends of fractured bonos in Opposition during fixation 
by plaster-of- Paris dressing etc. Annais of surgery 1903. Sept. 

^. Jordan, Die Massagebehandlung frischer Knochenbrüche. Zeitschrift für diätetische 
and physikalische Therapie 1903/Oi. VIT. Bd. 5. 

21. — Dasselbe. Münchener med. Wochenschrift 1903. Nr. 27. 

22. Joaon, Trois nouveaux cas de döcollements epiphysaires traumatiques. Revue d'ortho- 
p^e 1903. Nr. 6. 

23. Lejars, Les appareils de fracture du professeur Saxtorpb. La seroaine ro^dicale 
1903. Nr. 44. 

24. Lorenz, Über Gelenkmäuse. Diss. München 1903. 



184 Jahresbericht fQr Chirurgie. I. Teil. 

25. *Manl67, Primary osteoplasty in opeu fractares or fractnre dislocationa. Medical 
News 1903. Nr. 28. 

26. G. et F. Martin, Deux cas de paralysie ischömique de Yolkmann trait^s par leB 
tractions lentes et continues. Annales de chimrgie et d'orthopödie 1903. Nr. 12. 

27. Matsuoka, Ober die Bedeatung der Knorpelbildnng nach Fraktar. Deutsche Zeii- 
schrift fQr Chirurgie. Bd. 70. Heft 1 -2. 

28. Meyer, Ober traumatische Aneurysmen als Komplikation der Enocfaenbrüche. Dias. 
Kiel 1903. 

29. Maller, Über Versteifungen des Schultergelenks. ÄrzÜ. Sachverständigenzeitung 1903. 
Nr. 23. 

80. ort gen, Über Gelenkmäuse. Diss. Giessen 1903. 

31. Perrolini, Sopra la pretesa influenza delle tiroide sul decorso di guarigione delle 
fratture. Sperimentale 1903. Nr. 2. 

32. P losch, Eine neue Methode zur Diagnostiziemng der Knochenbrttche. Deutsche Zeit- 
schrift für Chirurgie 1903. Bd. 69. Heft 5—6. 

33. Reichel, Zur Behandlung schwerer Formen der Pseudarthrosis ; ein Beitrag zur Be- 
handlung der sogen, intrauterinen Frakturen des Unterscbenkels. Archiv fQr klin. Chir. 
Bd. 71. Heft 3. 

34. Ritschi, Über abnehmbare Geh verbände und die Kombination von Gips und Zelluloid 
in der Verbandtechnik. Archiv fQr Orthopädie, Mechanotherapie u. s. w. I. Bd. 2. Heft 

35. Seh ei dl. Neues über Frakturenbehandlung. 75. Naturforscherversammlung 1903. 
Münchener med. Wochenschrift 1903. Nr. 39. 

36. — Neues über Frakturenbehandlung. Wiener med. Presse 1903. Nr. 41. 

37. Schemel, Beitrag zur Nachbehandlung verletzter Knochen und Gelenke. Dissertat 
Leipzig 1904. 

38. Sperling, Zur Ätiologie der sogen, intrauterinen Frakturen. Archiv für Orthopädie. 
Bd. 1. Heft 1. 

39. Wendel, Über habituelle Luxationen. Archiv für Orthopädie, Mechanotherapie n. s. w. 
Bd. 1. Heft 2. 

40. Wertheim Salomonson, Über eine radiographisch nachweisbare Veränderung der 
proximalen Knochenfragmente bei Frakturen. Fortschritte auf dem Gebiete der Röntgen- 
strahlen 1903. Nr. 4. 

Sperling (38) hatte Gelegenheit, einen Fall von sogenannter intrauteriner 
Fraktur an Schnitten und Röntgenbildern zu studieren und dadurch seine 
schon früher geäusserte Ansicht zu befestigen, dass diese ^^Frakturen", wenn 
sie solitär und anscheinend verheilt zur Beobachtung kommen, keine Frakturen 
sind, sondern als Verbiegungen und Knickungen des nicht differenzierten 
embryonalen Blastems durch direkten Einfluss ammniotischer Verwachsungen 
aufzufassen sind. Für seine Auffassung spricht der Umstand, dass der Knochen 
an der Knickungsstelle normale Struktur zeigt, es ist keine Spur einer Ver- 
dickung oder kallösen Narbenbildung nachweisbar. Eine deutliche kleinzellige 
ringförmige Umlagerung des Knochens an der Knickungsstelle ist nur ein 
Zeichen einer durch längeren Druck eines ammniotischen Fadens entstandenen 
Periostitis. Auch die Röntgenbilder gaben keinen Anhalt für eine kailöse 
Verdickung, die bei einer indirekten dislozierten Fraktur sicher bedeutend sein 
müsste. Die mikroskopische Untersuchung der narbenähnlichen Hauteinziehung 
über der Knickungsstelle ergab in dem SperlingschenFalle nur Veränderungen 
in den oberen Schichten. Eine Perforation der Haut hätte in allen Schichten 
der Haut Narbengewebe zurücklassen müssen, zumal das von der Mutter ange- 
gebene Trauma nur vier Wochen vor der Geburt stattgefunden hatte. Diese 
oberflächlichen Veränderungen rührten sicher von Aumionfäden her, wie denn 
auch in der Tat zwei amniotische Fäden an der fötalen Seite der Placenta ge- 
funden wurden. Diese Fäden, die eine Knickung des Blastemstummels herbei- 
führten, verursachten indirekt die in fast allen einschlägigen Fällen beobachteten 
sonstigen Defektbildungen an den betroffenen Extremitäten und zwar durch 



Hoffa, Allgemeines ttber Frakturen ond Verletzungen der Gelenke. 185 

trophische Stömngen. Gegen die Annahme, dass der Defekt eines Knochen 
z. B. der Fibnla die Widerstandsfähigkeit des anderen herabsetze, sprechen die 
Belastungsversuche Sperlings, die eine geringe Differenz zeigten: Tibia und 
Fibula 10,3, Tibia allein 9,5 kg. Femer gehört zur Frakturierung eines Knochens 
des im Fruchtwasser suspendierten Fötus eine immense Gewalt. Auch hätte 
die gewöhnlich angenommene Perforation auch wohl eine Verletzung der Ei- 
häute und damit einen Abort herbeigeführt, während die Geburt stets erst 
mehrere Wochen nach der Fraktur erfolgte. Aus diesen Gründen macht 
Sperling den Vorschlag, die Bezeichnung intrauterine Fraktur für alle soli- 
tären kongenitalen Knickungen von Extremitätenknochen fallen zu lassen. 
Natürlich können wirkliche Frakturen bei allgemeinen Knochenerkrankungen: 
Lues, Rhachitis etc. kongenital entstehen, es wird sich dann aber stets um 
multiple, nicht verheilte Spontanfrakturen handeln. 

Seichel (33) hat bei einer Pseudarthrose nach intrauteriner Fraktur 
des Unterschenkels seine Zuflucht zur italienischen Plastik genommen, nach- 
dem er schon dreimal vergeblich operiert hatte. Er implantierte einen Haut- 
periostknochenlappen aus dem gesunden Unterschenkel in die vorher gesetzte 
Hautperiostwunde des kranken, und zwar auf die Tibia. Die Pseudarthrose der 
Fibula beseitigte er durch ein die Bruchstelle überbrückendes Elfenbein- 
stabchen, das er zwischen Periost und Knochen legte. Gipsverband in ge- 
kreuzter Stellung der Beine. Am 20. Tage Abtrennung des per primam 
verheilten transplantierten Lappens von seiner Basis. Es trat völlige Heilung 
der Pseudarthrose ein, die ein Jahr nach der Operation noch konstatiert 
werden konnte. — Für die Ursache der stets ausbleibenden Konsolidation und 
vielleicht auch der primären Missbildung hält Reichel nicht die sonst be- 
schuldigte allgemeine Ernährungsstörung, sondern eine rein örtlich begrenzte 
Störung, die wahrscheinlich in einem vollständigen Mangel der Knochen- 
bildenden Substanz, der Osteoblastenschicht des Periostes an der Bruchstelle 
und ihrer unmittelbaren Nachbarschaft, zu suchen ist. Aus diesem Grunde ist 
auch die einzige Methode, die zum Ziele führt, die Herbeischaffung knochen- 
bUdender Substanz in genügender Menge an den Ort des Defektes, eine dauernd 
lebensfähige Knochenbrücke, die mit beiden Knochenenden fest verwächst. 
Dieser Forderung genügt nur ein Hautperiostknochenlappen. Indessen ist die 
Müll er sehe Knochenplastik, die Verschiebung eines von einem der Fragmente 
losgelösten Periostknocheniappens bei kongenitalen Frakturen zu gewagt, da 
die äusserst gracilen Fragmente dadurch völlig ihre Tragfähigkeit einbüssen. 
Dagegen erfüllt die italienische Plastik, die ausgenommen bei Oberschenkel- 
brüchen, wo sie technisch nicht verwertbar ist, an allen Extremitätenknochen 
ausführbar ist, völlig ihren Zweck. Erwähnt muss freilich werden, dass die 
kleine Patientin Reich eis in dem Jahre nach der Operation zweimal den 
gesunden Unterschenkel an der Stelle der Knochenentnahme gebrochen hat. 
Diese Frakturen heilten freilich ganz normal. 

Matsuoka (27) hat an Vögeln Untersuchungen über die Knorpel bildung 
bei der Bruchheilung angestellt; er erzeugte zu diesem Zwecke subkutane 
Frakturen der Ulna allein, beider Vorderarmknochen und der Tibia an 24 
Versuchstieren und behandelte diese Brüche zum Teil mit fixierenden Gipsver- 
bänden, zum Teil liess er sie ungeschient, und zwar letzteres besonders bei 
den isoHerten Ulnafrakturen , bei denen der unverletzte Radius eine gute 
Stütze abgab. Die histologische Untersuchung der Bruchstellen, die zwischen 
dem 2. bis 22. Tage nach der Verletzung vorgenommen wurde, ergab, dass 



186 Jahresbericht fQr Chirurgie. I. Teil. 

die Knorpelbildung fast immer im Anfang der Frakturheilung eintrat; sie 
zeigte sich immer im äusseren Periostcallus, aber nicht an bestimmten Stellen. 
Fand eine Fixation durch Verbandanlegen statt, so verschwand das Knorpel- 
gewebe früher. Gelang eine exakte Reposition und Retention der Fragmente, 
so konnte die Callusbildung ohne Knorpelzone erzeugt werden. Freilich ist 
die Bewegung der Bruchstücke selbst keine direkte Ursache der Knorpelneu- 
bildung, denn in Fällen, wo beide Bruchenden durch neugebildetes Callusge- 
webe oder durch den Verband fixiert waren, zeigten sich doch zuweilen reich- 
liche Mengen von Knorpelbildungen. 

Bayon (5) gibt eine genaue Übersicht der bisherigen Literatur und 
kommt daraus, wie aus seinen eigenen experimentellen Versuchen zu dem 
Schluss, dass die Thyreoidektomie eine Verlangsamung der Heilung von 
Frakturen verursacht, dass bei thyreoidektomierten Kaninchen infolge Fütterung 
von Schilddrüsensubstanz die Frakturheilung beschleunigt wird, im Gegensatz 
zu nicht thyreoidektomierten, und dass ferner auch bei normalen Tieren die 
Frakturheilung durch Darreichung von Schilddrüsenpräparaten beschleunigt 
wird. Zwei Frakturen beim Menschen, die er mit Thyreoidinpräparaten be- 
handelte, zeigten keinen Unterschied gegen einen gewöhnlichen Heilungsverlauf. 
Die bisher veröffentlichten Fälle lassen sich nur schwer auf ihren Wert kon- 
trollieren. Von einer Thyreoidinverabreichung lässt sich nur etwas sicher 
erwarten, wenn ein Mangel der Thyreoideafunktion vorhanden ist, auch bei 
anscheinend normalen und gesunden Menschen, die trotzdem eine mangelhafte 
Thyreoidealfunktion haben können. 

Perrolini (31) kommt auf Grund seiner Tierexperimente zu dem 
Schluss, dass das Fehlen der Schilddrüsen keinen Einfluss auf den Knorpel 
ausübt, sondern dass die verzögerte Heilung bei Frakturen auf die Störung 
des Allgemeinbefindens zu rechnen ist, die nach Entfernung der Schilddrüse 
auftritt. 

Imbert und Gagniere (18) haben 3000 Röntgenplatten auf das 
Vorhandensein der Sude ckschen Atrophie durchsucht und gefunden, dass sie 
verhältnismässig selten nach Traumen vorkommt. Befallen werden wahr- 
scheinlich häufiger die kurzen Knochen als die langen, doch lassen sich bestimmte 
Folgerungen noch nicht aufstellen, für die noch weitere Untersuchungen nötig 
sein werden. 

Helfe rieh (16) hat von seinem vorzüglichen Atlas eine neue Auflage 
herausgegeben, die durch eine Reihe neuer Röntgenbilder und anderer Abbil- 
dungen bereichert ist. Schon der Umstand, dass die neue Auflage kaum 
2 Jahre nach dem Erscheinen der vorhergehenden nötig war, zeigt den ge- 
diegenen Wert des Buches. 

Zum Beweis der Tatsache, dass des öfteren das Röntgenbild andere 
Befunde darbietet, als wie der klinischen Untersuchung gemäss zu erwarten 
gewesen wäre, führt Heinrich (15) einige Fälle aus der Greifswalder 
chirurgischen Poliklinik an. In dieser Arbeit handelt es sich um ein 14 jähr. 
Mädchen mit einer Metatarsalfraktur, die auf dem Röntgenbilde nicht in der 
Gestalt von einer Kontinuitätstrennung zum Ausdruck kam, sondern sich nur 
als zarter Schatten markierte. Im zweiten Falle handelte es sich um einen 
4 jähr. Knaben, der auf den Arm gefallen war. Derselbe wurde in verschiedenen 
Stellungen aufgenommen ; es war aber nichts von einer Brucblinie (Infraktion) 
in dem äusserst deutlichen Bilde des dünnen Ärmchens zu erkennen. Nach 
14 Tagen zeigte sich eine zweifingerbreite Verdickung des Radius, in dessen 



Hoffa, Allgememes Ober Frakturen und Verletzungen der Gelenke. 187 

mittleren Drittel und der ülna an der entsprechenden Stelle. Beide Gallusmassen 
gingen im Spatinm interossenm ineinander über nnd beeinträchtigten die 
Bewegung des Unterarms sehr. 

Auch beim dritten Fall war von dem verletzten Fuss nichts auf der 
Platte zu erkennen und erst später zeigte sich deutliche Gallusbildung am 
Malleolus externus. 

Verf. kommt zu dem Resume, dass es Läsionen des Knochens gibt, die mit 
derart geringen direkten Veränderungen derselben einher gehen, dass diese 
nicht nur nicht durch die untersuchende Hand, sondern nicht einmal mit 
Hilfe der Röntgenstrahlen nachgewiesen werden können. Es empfiehlt sich 
daher in allen zweifelhaften Fällen von Knochenverletzungen den weiteren 
klinischen Verlauf zu beobachten, bevor ein endgültiges Urteil über den Zustand 
des Knochens abgegeben wird. 

Bei derartigen Verletzungen kommen natürlich nur jugendliche Individuen 
in Frage, da ja die Elastizität des jungen Knochen der Hauptfaktor für das 
Zustandekommen dieser Veränderungen ist. 

WertheimSalomonson (40) hat bei Röntgenaufnahmen von Frakturen 
kurzer Röhrenknochen vielfach die Beobachtung gemacht, dass das proximale 
Enochenfragment dunkler, d. h. weniger durchlässig für die Röntgenstrahlen 
erscheint, als das distale. Vergleichsbilder zeigten, dass es sich hierbei nicht 
um ein Hellerwerden (Knochenatrophie) des distalen Fragments handelte. Eine 
sichere Erklärung der Erscheinung gibt der Verfasser nicht. Er vermutet, 
dass durch Läsion der Arteria nutritia ein Abschluss der arteriellen Blut- 
Tersorgung eintritt. Die hierdurch entstehende venöse Hyperämie führt während 
der ersten Zeit zu einer Kalkablagerung. 

Plesch (32) will in der Perkussion und Auskultation eine neue und 
schonende Methode zur Diagnostizierung von Frakturen gefunden haben. Er 
stützt sich auf die Tatsache, dass der gesunde Knochen den Ton gleichmässig 
fortleitet. Perkutiert man die eine Epiphyse oder den benachbarten Knochen 
und auskultiert die andere Epiphyse, so werden die Schallwellen bei gesprungenen 
Knochen unterbrochen, das Geräusch wird schwächer und bekommt einen 
metallischen Beiklang. Bei gebrochenen Knochen wird der Ton überhaupt 
nicht fortgeleitet, sondern man hört, wenn sich die Bruchenden berühren, 
Krepitation, wenn nicht, überhaupt keinen Ton. Verf. glaubt, dass diese 
Methode auch zur Diagnostizierung der Knochenerkrankungen ausgearbeitet 
^werden könnte. 

Hähnle (13) bespricht zunächst den Begriff des Kunstfehlers im allgemeinen 
irnd schliesst sich hierbei den in dieser Frage aufgestellten Thesen des 15. 
deutschen Ärztetages an, die ja wohl zur Genüge bekannt sein dürften. 
Leichter ist es seiner Meinung nach, sich bei Frakturen und Luxationen ein 
Urteil zu bilden, ob ein Kunstfehler vorliegt, als auf anderen Gebieten der 
Heilkunde, z. B. der inneren Medizin. Er erörtert sodann die Fragen, welche 
Frakturen als „schlecht geheilt" anzusehen seien und inwieweit dem betreffenden 
Arzte eine Schuld daran zuzuschieben sei, und findet einen Kunstfehler des 
Arztes in folgenden Handlungen oder Unterlassungen: 

1. Verkennung einer Fraktur oder Luxation trotz heute noch bestehender 
entsprechender Symptome, die nach der Art der Verletzung auch beim frischen 
Fall so deutlich ausgeprägt sein mussten, dass sie bei der durch den Beruf 
geforderten Aufmerksamkeit hätten erkannt werden können. 



188 Jahresbericht für Chirurgie. I. Teil. 

2. UnterlassTmg zweckmässiger Hilfeleistung bei erkannter Fraktur oder 
Luxation oder entsprechender Beratung des Verletzten. 

3. Anwendung und Liegenlassen eines Verbandes, der an sich die Ursache 
auftretender Krankheitserscheinungen sein kann. 

4. Anwendung eines Verbandes, der die Heilung einer Fraktur oder 
Luxation in funktionell ungünstiger Stellung bedingen musste durch die ausser- 
gewöhnliche, nicht durch die Verletzung selbst geforderte Art und Dauer 
seiner Anwendung. 

5. Unterlassung der zur Verhütung nachträglicher Infektion notwendigen 
Asepsis und der zur Beschränkung schon vorhandener Infektion nötigen 
Massregeln, soweit solche im gegebenen Fall mögtich waren. 

Am Schluss seiner lesenswerten Arbeit bringt Hähnle noch einen Auszug 
der gefimdenen Fälle von wegen Kunstfeblers erfolgten Klagen — 27 an der 
Zahl — und ein 24 Nummern umfassendes Litteraturverzeichnis. 

Bayer (4) fand unter 178 Oberarm- und 401 Vorderarmfrakturen, die 
in der Zeit vom 1. Januar 1900 bis 31. März 1903 im Kölner Bürgerhospital 
zur Behandlung kamen, je acht Spiralbrüche des Ober- und Unterarms; bei 
den letzteren handelte es sich 5 mal um eine Fraktur des Radius und 3 mal 
um eine solche der Ulna. Auch von den Spiralbrüchen an den Handknochen, 
die doch immerhin infolge ihrer Kürze zu den Seltenheiten gehören, kamen 
aliein im Laufe des Jahres 1902 4 Fälle zur Behandlung; einmal war eine 
Fingerphalange betroffen xmd 3 mal Mittelhandknochen. Verf. gibt sämtliche 
Krankengeschichten in Kürze wieder, bespricht die Entstehungsursachen der 
einzelnen und hebt am Schlüsse seiner Arbeit hervor, dass mit der von Barden- 
heuer angegebenen Extensionsbehandlung vollauf zufriedenstellende Resultate 
erzielt wurden. Man bekam regelmässig feste Konsolidation mit fast immer 
geringem Callus und guter Funktion. 

Borchard (9) bespricht die Behandlung der Frakturen, besonders der 
Unterschenkel-, Oberarm- und Unterarmfrakturen. Er legt die Fat. nach 
möglichster Reposition in eine Schiene unter Ruhigstellung der benachbarten 
Gelenke, und zwar am Bein auf eine Volkmann sehe Schiene, am Arm auf 
eine Gipshanfschiene und beginnt am nächsten Tage mit Massage, zuerst zentral 
von der Bruchstelle, und Gelenk bewegungen. Nach Abnahme der Schwellung 
Immobilisation der Bruchenden in exakter Stellung, bis eine Konsolidation statt- 
gefunden hat, dann wieder Massage und Gymnastik. Seine Behandlung hat 
den Vorteil der Vermeidung der Gelenksteifigkeit, der Atrophie der Muskeln 
und des späteren Ödems bei Wiederherstellung der normalen Gestalt des be- 
treffenden Gliedes. 

Bahr (2) benutzt mit gutem Erfolge als Verband bei Frakturen und 
Pseudarthrosen eine Kombination des Bindenzügels, wie er bei den Barden- 
heu ersehen Extensionsverbänden gebraucht wird, mit dem zirkulären Gips- 
verband. 

Sehe i dl (35 u. 36) hat zur genauen Dosierung der Extension bei Brüchen 
des Unter- und Oberschenkels einen Extensionsaparat konstruiert, der infolge 
seiner Einfachheit jede Assistenz unnötig macht, überall leicht hin zu trans- 
portieren ist und die Sicherheit gewährt, dass die Stellung der Fragmente 
auch so im Verband bleibt, wie sie bei der Einrichtung der Fraktur erzielt 
werden konnte. 

Der Apparat besteht im wesentlichen aus einer Stange, deren proximales 
Ende sich an das Tuber ischii anstemmt und an deren distalem Ende eine 



Hoffa, Allgemeines über Frakturen und Verletzungen der Gelenke. 189 

ExtenssioiiBschranbe angebracht ist, die den Zug mittelst eines Fussrücken- Fersen- 
zägels auf die Extremität überträgt. Nach Richtigstellung der Fragmente 
wird die Stange mit eingegipst und nach Erhärten des Verbandes herausgezogen. 
Der Verband wird nur mit einer einfachen Lage einer Mullbinde gepolstert, 
danach Herausnahme der Stange genügend Raum geschaffen wird, für den 
arteriellen Zufluss wie für den venösen Abfluss durch die Vena saphena parva, 
in deren Verlaufsrichtung der Apparat gelegen hat. 

Jordan (20 u. 21) empfiehlt nach den Erfahrungen, die er in 100 
Fällen mit der Massagebehandlung bei Frakturen gemacht hat, diese bei allen 
Frakturen der oberen Extremität anzuwenden und dieselbe mit dem fixierenden 
Verband zu kombinieren. Bei Brüchen der unteren Extremität will er die 
Massagebehandlung auf die Gelenkfrakturen beschränkt wissen, während er 
dort bei Schaftfrakturen sie nur als vorbereitendes Verfahren empfiehlt und 
nach Schwinden der Anschwellung — etwa nach acht Tagen — einen Gehverband 
anl^. Die Erfolge konnten unter den 100 Fällen 73 mal festgestellt 
werden. Von diesen 73 Patienten, von denen 27 über 40 Jahre alt waren, 
wurden 67 wieder vollständig erwerbsfähig, während 2 um 50 ®/o, 2 um 40 ^/o 
und 2 um 10 ^/o in ihrer Erwerbsfähigkeit beschränkt waren. 

Bardenheuer (3) legt bei Gelenk- und juxtaartikulären Brüchen grossen 
Wert auf die Extensionsbehandlung und möglichst frühzeitige Mobilisierungs- 
Tersuche der Gelenke. Durch die Extension wird die Dislokation am besten be- 
hoben, die Heilung schneller zustande gebracht als mittelst der Eontentivverbände 
oder der blutigen Behandlung und andererseits wieder die Möglichkeit 
gewährt, die orthopädische Nachbehandlung bald beginnen zu können. An 
der Hand eines reichhaltigen grossen Materials zeigt er die guten Erfolge, 
die er mit der frühzeitigen Aufnahme der gymnastischen Behandlung erzielt 
hat. Verf. beginnt dieselbe beim Handgelenk am 4., beim Ellenbogengelenk 
am 8., bei der Schulter vom 1. resp. 8. Tage, bei Hüfte und Knie von der 
2. resp. 3. und beim Fussgelenk vom Beginn der 2. Woche nach der Verletzung. 

Ritschel (34) empfiehlt als ausserordentlich praktisch zur Herstellung 
abnehmbarer Gehverbände die Verstärkung des abnehmbar gemachten, völlig 
getrockneten Gipsverbandes durch einen Brei von in Aceton gelöstem Zelluloid, 
welches sich mit dem Gips aufs innigste verbindet und auch ein äusserst 
brauchbares Klebemittel zur Anbringung von Verstärkungsschienen u. s. w. dar- 
stellt. Näheres über die Technik dieser Verbände ist in der Originalarbeit 
einzusehen. Für die Behandlung der Knöchel- und U^terschenkelbrüche hat 
sich dem Verf. ein doppelter Verband sehr gut bewährt, bestehend in einem 
mit ganz geringer Polsterung angelegten, die Bruchstelle nur wenig nach oben 
nnd unten überragenden dünnen Gipsverbande, über dem nach Anlegung eines 
Trikotschlauches der abnehmbare Gehverband hergestellt wird. Während der 
Massage und den passiven Bewegungen garantiert dann der nicht abnehmbare 
Gipsverband die gute Lage imd Fixation der Bruchstücke. 

Johnsohn (19) legt nach der Reposition der Fragmente drei mit 
Vaseline bestrichene Bindenzügel derartig an, dass einer auf die Frakturstelle, 
einer dicht oberhalb derselben, und der letzte unterhalb derselben, z. B. bei 
einer suprakondylären Oberarmfraktur am Vorderarm dicht unter dem Ellen- 
bogen zu liegen kommt. Sie werden von Assistenten gehalten und mit einge- 
gipst. Nach Erhärten des gut gepolsterten Verbandes werden sie herausge- 
zogen, was, da sie mit Vaseline bestrichen sind, leicht möglich ist. 



190 Jahreabericht für Ghirorgie. I. Teil. 

Lejars (23) beschreibt einen von Saxtorphin Kopenhagen angegebenen 
Verband für Knochenbrüche, speziell für diejenigen des Unterschenkels. Saxtorph 
hat das traditionelle Prinzip, stets das benachbarte periphere und zentrale 
Gelenk mit zu immobilisieren, verlassen. Der Verband wird hergestellt aas 
dünnen Holzspänen, von ca. 2 — 3 mm Dicke, und Stärkebinden. Die 
Technik für eine supramalleoläre Fraktur ist z. B. kurz folgende: Ein ca. 
3 — 4 mm breiter Holzstreifen wird in Form eines Steigbügels gebogen und 
an die Planta pedis an den Seitenflächen des Unterschenkels bis zum Fibula- 
köpfchen resp. dem Tibiaknorren heraufgeführt unter entsprechender Polsterung 
der prominenten Knochenpunkte. Ein zweiter Streifen kann den erst^ 
verstärken. Zur Befestigung dienen Stärkebinden, die im oberen Teile des 
Unterschenkels einfach zirkulär angelegt werden. In der Höhe des Fussgelenks 
angekommen, steigt man nicht weiter auf den Fussrücken nach vom abwärts, 
sondern führt die Bindentouren auf jeder Seite schräg von oben nach unten 
und von vom nach hinten um, indem man unter der Achillessehne und der 
Ferse vorbeigeht und symmetrisch wieder aufsteigt, den Steigbügel und den 
Malleolus gewissermassen einzurahmen. Man setzt die Touren fort, bis die 
Schale um die Malleolen und unter der Ferse vollständig ist und wickelt auch 
den unter der Sohle gelegenen queren Teil des Steigbügels ein. Das Bein steckt 
so in einer festen Scheide, der Fuss ist seitlich gestützt, Fussrücken und 
Fusssohle sind frei, Dorsal- und Plantarflexion vollkommen möglich. 

Der Verband ist nach ca. 24 Stxmden trocken und dann sehr wider- 
standsfähig. 

Jacoel (17) berichtet unter Beifügung seiner Zeichnungen über eine 
neue von ihm konstruierte Knochenklammer, die bei Frakturen dazu dienen 
soll, die Fragmente zusammenzuhalten. Die damit von mehreren namhaften 
Chirurgen erzielten Erfolge sollen günstig sein. Die Klammer besteht ans 
einem transversalen, 3—5 cm langen, schneidenden Teil, an den sich recht- 
winklig zwei mit nach oben divergierenden Zacken versehene Stücke an- 
schliessen, die in den Knochen eingetrieben werden sollen. Die Zacken sind 
ährenförmig angeordnet. Dadurch, dass das horizontale Stück schneidend 
gestaltet ist, gräbt es sich in den Knochen ein und wirkt so ebenfalls einer 
Deviation der Fragmente entgegen. 

Die Anwendung der Klammem ist einfach. Sie sollen stets senkrecht zum 
Verlauf der Bruchlinie angelegt werden. 

Jouon (22) beschreibt drei Fälle von traumatischer Epiphysenlösung, 
von denen die eine die obere Humerusepiphyse, die beiden anderen die untere 
Radiusepiphyse betrafen. Er kommt zu dem Schluss, dass das Heilverfahren 
bei dieser so häufig verkannten Kontinuitätstrennung der langen Röhren- 
knochen nach exakter Reposition der Fragmente ev. in Narkose in einer 
langen Fixation im Verbände (20—30 Tage) bestehen müsse und dass die 
Massage und Mobilisation der Gelenke erst nach wirklich fester Vereinigung 
zu beginnen sei. 

Ducroquet und Besancon (11) bringen 4 Krankengeschichten patho- 
logischer Hüf tgelenksluxationen , die in frühem Kindesalter im Anschluss 
an eine eitrige Goxitis auftraten. Sie fassen die Erkrankung als eine be- 
sondere Form der Osteomyelitis auf, bei der primär das Gelenk ei^riffen 
wird und es frühzeitig zur Bildung eines Abszesses kommt. Infolge ausge* 
dehnter Zerstörung des Schenkelkopfes und Halses stellt sich eine abnorme 
Beweglichkeit ein, da das obere Ende des Femur auf dem Darmbein hin und 



Hoffa, Allgemeines Aber Fraktoren und Verletzungen der Gelenke. 191 

her gleiten kann und wegen des Verlustes des Gelenkkopfes eine Tendenz zur 
Neabildong einer Pfanne nicht besteht. 

Für die Erkennung dieser Form der pathologischen Luxation gegenüber 
der kongenitalen Luxation kommt ausser der Anamnese differential-diagnostiscbb 
in Betracht, dass sich vom Schenkelkopf und -Hals nirgends etwas wahr- 
nehmen lässt und das Femur nach oben zu keulenförmig zu endigen scheint. 
Im mittleren Teil der Glutäalfalte findet man meist eine kleine Narbe, von 
der spontanen resp. operativen Öffnung des Abszesses herrührend. Wichtige- 
Aofklärung ergibt die radiographische Untersuchung. Während bei kongeni- 
taler Luxation die zur Bildung des Kopfes bestimmte Epiphyse atrophisch 
üit, fehlt sie hier vollkommen. Vom Schenkelhals, der bei angeborener Ver^ 
renkimg bis etwa zum 6. Lebensjahre nur wenig (?) gegenüber dem gesunden 
Terkürzt ist, sind hier nur schwer Andeutungen wahrzunehmen. Das Femur 
wird nach oben gekrönt von einem kleinen Ossifikationspunkte , demjenigen 
des Trochanter major. 

Auf Grund der anatomischen Verhältnisse ist eine Reduktion unmöglich. 

Meyer (28) führt nach einer ausführlichen Besprechung der Literatur 
einen Fall von Aneurysma einer Art. intercostalis nach einem Rippenbruch 
an, das wahrscheinlich durch Gefassverletzung durch den scharfen Bruchrand 
der Rippe entstanden war. Die Behandlung bestand in Inzision, Tamponad» 
und Druckverband. 

C. und F. Martin (26) empfehlen als Methode bei ischämischer Muskel- 
lahmung langsame und kontinuierliche Traktionen und Pressionen, mit denen 
sie in zwei Fällen gute Resultate erhalten haben. Sie glauben, dass man 
bei Anwendung von speziellen, jedem Falle besonders angepassten Apparaten 
nicht nur die fehlerhafte Klauenstellung der Hand redressieren, sondern 
sie auch zur Ausführung aller willkürlichen Bewegungen wieder tauglich 
machen könne. 

Schemel (37) gibt zunächst eine kurze Darstellung der Nachkrankheiten 
verletzter Knochen und Gelenke, weist bei den einzelnen Krankheiten, Gallua. 
loxorians, Pseudarthrose , Liaktivitätsatrophie , Versteifungen, Schlotter- und 
Wackelgelenken, Ödemen etc. etc., sogleich mit wenigen Worten auf die Be- 
handlung hin, wobei er auch auf die traumatische Neurose zu sprechen kommt, 
ond beschäftigt sich dann im Anschluss hieran ausführlicher und eingehender 
mit den verschiedenen Behandlungsmethoden. Die Massage , die Gymnastik,, 
das mediko-mechanische Heilverfahren, die Behandlung mit Bierscher Hyper- 
ämie, die Bäderbehandlung werden der Reihe nach durchgesprochen. 

Wendel (39) veröffentlicht 3 Fälle von habitueller Luxation, von denen, 
zwei das Schultergelenk, eine das obere Ende des Badius betreffen. In allen 
FäUeo wurden Defekte am Knochen nachgewiesen, zweimal durch die Ope-^ 
lation, einmal nur durch das Röntgenbild, da die Operation verweigert wurde. 
Ahnliche Befunde finden sich auch in zahlreichen Veröffentlichungen aus der 
letzten Zeit, während man früher Weichteilveränderungen für die habituellen 
Loxationen verantwortlich machte. Stets lässt sich ein vorangegangenes. 
Trauma nachweisen, daher ist die habituelle Luxation den traumatischen zu- 
zorechnen und zu trennen von den pathologischen sowie von den freiwilligen 
Verrenkungen, die keine Erkrankung, sondern eine Kuriosität darstellen. 

Blum (7) hat die in der Literatur veröffentlichten Fälle von Arthro- 
tomie bei irreponiblen Luxationen in tabellarischer Übersicht zusammengestellt. 
Es sind 64 Fälle. Das hauptsächlichste Hindernis bei der Reposition bietet 



192 Jahresbericht fOr Chirurgie. I. Teil. 

gewöhnlich die Gelenkkapsel. Nächst dieser hinderten Knochenfragmente die 
Reposition, die natürlich von einer Fraktur herstammten, in gleicher Weise 
wirkten auch Knochenwucherungen. Muskeln sind besonders bei den frischen 
Luxationen Repositionshindernisse und zwar dadurch, dass sich abgeri^ene 
Muskelstücke zwischen den Gelenken interponieren ; hauptsachlich ist dabei 
der Brachialis internus beteiligt. Auch bei veralteten Luxationen spielen die 
Muskeln insofern eine Rolle, als sich dieselben infolge der Inaktivität ver- 
kürzen und teilweise mit der Kapsel Verwachsungen eingehen. 

Eine Kontraindikation gegen die Arthrotomie gaben Frakturen des 
Humerus, der Ulna und des Radius ab. Blum beschreibt dann die Ope- 
ration, bespricht die Methoden und Modifikationen der einzelnen Forscher 
bei dieser, von denen letztere namentlich nur den Hautschnitt betreffen, bei 
dem ja immer das entscheidende Moment ist, dass von ihm aus ein aus- 
reichender Einblick in das Gelenk ermöglicht wird und nichts verletzt wird, 
was für die zu erreichende gute Funktion des Gelenks erforderlich ist. Verf. 
hält den bekannten Kocher sehen Schnitt für den besten, da bei demselben 
weder Nerven noch Muskeln verletzt werden und ein besserer Überblick über 
das Gelenk erzielt wird als bei dem einfachen Lateralschnitt. Reicht dieser 
nicht aus, dann kann man immer noch den medialen Schnitt hinzunehmen 
unter Berücksichtigung der Gefahren, die er mit sich bringen kann. 

Aus den Krankengeschichten ergibt sich, dass die Erfolge um so besser 
sind, je früher mit Bewegungsübungen begonnen wird. Für am besten hielt 
es Verfasser, wenn schon nach zwei bis drei Tagen mit ganz leichten passiven 
Bewegungen begonnen wird. Eine primäre Resektion ist bei schweren Frak- 
turen des Humerus, femer bei mehrfachen Frakturen der Gelenkenden am Platze. 
Femer ist dieselbe zur Verhütung der Ankylose indiziert in allen den Fällen, 
in denen Knochenneubildungen zu erwarten oder schon vorhanden sind. 

Cnopf (10) berichtet über ein 14^/2 jähriges Mädchen, bei dem die 
Mutter im 12. Lebensjahre am rechten Vorderarm einen Vorsprung bemerkte, 
den sie für ein Überbein hielt. Als sich die Deformität immer mehr ver- 
schlimmerte, wurde ärztliche Hilfe in Anspruch genommen. Es lag kein 
Trauma vor; Patientin brauchte auch keine groben Arbeiten zu verrichten. 
Es bestand deutliche Luxation auf der ulnaren Seite, auf der radialen da- 
gegen höchstens eine Subluxation, die aber nicht mit Sicherheit konstatierbar 
ist. Der Vorderarm zeigt eine ausgesprochene bogenförmige Krümmung mit 
volarer Konkavität; am stärksten ausgeprägt in der unteren Hälfte und auf 
der radialen Seite. Während die Ulna in ihrer Längsrichtung kaum ver- 
ändert erscheint, ist der Radius in der unteren Hälfte volar-konkav gekrümmt. 
Die Bewegungen der Hand zeigen im Verhältnis zu den schweren Verände- 
rungen der Form nur massige Störungen. Die Verlagerung der Hand gegen 
den Vorderarm ist durch Zug und Drack nicht ausgleichbar. Eine Röntgen- 
aufnahme ist beigefügt und genau beschrieben. 

Die Krankheit ist beinahe in allen Fällen, die Verf. in der Literatur 
finden konnte, eine Störung des reiferen Kindes- oder Pubertätsalters. Be- 
sondere Anstrengungen bei muskelschwachen, jugendlichen Individuen, Traumen 
leichter Natur sollen oft die Ursache abgeben. Zuweilen macht sich der Be- 
ginn durch Schmerzen bemerkbar, zuweilen fehlen die Schmerzen vollständig. 
Die volle Entwickelung der Störung dauert sehr verschieden lange, oft 3 bis 
4 Jahre, doch sind auch Fälle beschrieben, wo innerhalb 5 — 6 Monaten die 
Vorbildung vollständig entwickelt war. Was die genaue Beschreibung der 



Hoffa, Allgemeines über Frakturen und Verletzungen der Gelenke. 193 

Fonnveränderungen angeht, so stimmen die Berichte weniger überein, als be* 
zuglich der klinischen Erscheinungen. Verf. geht des näheren noch darauf 
ein, besonders auf die Veränderungen am Vorderarm, und bespricht dann 
noch mit wenigen Worten die in Frage kommende Therapie. 

Abadie (1) hat einen Fall von progressiTer Luxation des linken Hand- 
gdenkes bei einem jungen Manne beschrieben, der dem Bilde der von 
Madelung ^^spontane Subluxation des Handgelenkes^ benannten Erkrankung 
entspricht. Der betreffende Patient hatte freilich im achten oder neunten 
Lebensjahre ein Trauma des linken Handgelenkes erlitten, ohne angeben zu 
können, worin es bestanden hatte. Erst im vierzehnten Jahre, als er in die 
Lehre kam, bemerkte er, dass sein linker Vorderarm, der kürzer wur als der 
rechte, sich mehr und mehr nach der Bengeseite zu krümmte und dass die 
Hand volarwärts luxierte. Irgend welche Beschwerden, funktionelle Behinde- 
rungen oder Schmerzen bestanden nicht. Die Durchleuchtung zeigte eine 
Exostose des Radius, die von seiner unteren Epiphysenfuge ausging. Wahr- 
scheinlich war in diesem Falle durch das Trauma eine Verletzung dieser 
Epiphfsenlinie erfolgt, die zu Wachsstumstörungen und der Exostosenbildung 
fahrte. Die Verkrümmung des Radius erklärt Abadie aus dem Einfiuss der 
Bengemuskeln. Da das Leiden keine Störungen verursacht haben soll, erübrigte 
sich jede Behandlung. 

Verf. hat alle ähnlichen Fälle aus der Literatur zusammengestellt und 
tabellarisch geordnet. Er konstruierte darnach vier Formen: 1. Hyperostose 
des Cubittts, stets doppelseitig, oft angeboren mit einfacher knöcherner Ver- 
dickung des Handgelenkes oder progressiver Luxation desselben, die häufig 
verkannt wird. 2. Einfache Subluxation des Radius in Hand- und Ellenbogen- 
gelenk, doppelseitig, leicht einzurichten, häufig schmerzlos und ohne Ver- 
änderungen der Knochen. 3. Schwer oder gar nicht reponible Luxation des 
Handgelenkes mit fehlerhafter Stellung des Ellenbogengelenkes. 4. Dieselbe 
Form mit Verbiegung des Radius, beide meist einseitig. — Die Entstehung 
des Leidens führt Abadie auf Spätrachitis zurück, alle anderen diesbezüg* 
liehen Theorien sind nicht einwandsfrei. Für die Therapie werden keine 
neuen Vorschläge gemacht. 

Müller (29) bespricht an der Hand einiger einschlägiger Fälle die 
Ätiologie der Schulterversteifungen. Er teilt dieselben ein nach den Ver- 
letzungen, die 1. das Gelenk weder direkt noch indirekt betrafen, 2. das 
Gelenk ohne Beteiligung des Knochengerüstes und 3. die das Schulterskelett 
direkt betrafen. Die Hauptursache liegt in der zu lange dauernden Fixation 
der Schulter nach diesen Verletzungen und in dem Unterlassen frühzeitiger 
Bewegung des Gelenks. Verf. bespricht dann zum Schluss die Therapie, die 
in seiner Klinik angewandt wird, und die in den Hauptpunkten in Dampf- 
nnd Lichtbad oder Dampfdusche, in Massage und Bewegungstherapie besteht. 
Yarf. beschreibt noch zwei Apparate für die maschinelle Behandlung der 
Schulterversteifung, die er konstruiert hat, und die den Vorzug einer besseren 
Fixation des Schulterblattes haben sollen. 

Nach einem kurzen geschichtlichen Überblick gibt Oertgen (30) in 
semer Abhandlung das wieder, „was überhaupt die heutige Wissenschaft von 
Gelenkmäusen weiss^, und wie dieselbe insbesondere die Einwirkung des 
Traumas auf die Entstehung freier Gelenkkörper beurteilt. Er gibt die An- 
sichten der einzelnen Autoren hierüber auszugsweise wieder, beschreibt die 
Symptome der Erkrankung und im Anschluss hieran einen Fall aus der 

Jahmbericht fllr Chirurgie 190S. 13 



194 Jahresbenoht fdr Chirurgie. I. TeiL 

chirurgischen Klinik zn Giessen, bei dem es sich seiner Ansicht nach um eine 
Osteochondritis dissecans gehandelt hat, da kein Trauma vorlag und eine 
Arthritis deformans während der langen Dauer der Krankheit sicherlich 
sichtbare Veränderungen hervorgerufen hätte. Sodann berichtet Oertgen 
über einen weiteren Fall, bei dem eine Oelenkmaus entfernt wurde, die 
zweifellos sofort nach einem Trauma entstanden war ; auch die Ansicht, das» 
es Fälle gibt, bei denen längere Zeit nach dem Trauma Gelenkmäuse entstehen, 
bekräftigt er durch Mitteilung eines dritten Falles. 

Born er (8) hat klinische und pathologisch-anatomische Studien über 
Gelenkmäuse angestellt. Neunzehn Corpora mobilia wurden histologisch 
untersucht und dabei folgendes festgestellt : Nur in den seltensten Fällen fand 
sich normaler Gelenkknorpel; gewöhnlich wies er — selbst bei noch nicht 
lange gelösten Gelenkkörpern — ausgesprochene Zeichen der Nekrose anf. 
Diese regressiven Veränderungen standen aber nicht immer in richtigem 
Verhältnis zu dem Alter der Gelenkkörper. Häufig verhindert ein gefäss- 
führender Stiel die Nekrose des Knorpels. Histologisch nachweisbare Unter- 
schiede zwischen traumatischen und angeblich nicht traumatischen Gelenk- 
körpern wurden nicht gefunden, ebenso wenig Zeichen eines entzündlichen 
Vorganges. Den zweiten Teil der Arbeit bildet die klinische Besprechung 
des Materials. Hier konnte Born er feststellen, dass eine allmähliche Lösung 
von Gelenkkörpern aus den artikulierenden Gelenkenden stattfinden kann. 
Die schliessliche Lösung erklärt er durch rein mechanische Einwirkung. Für 
irgend welche entzündliche Vorgänge bei der Entstehung freier Gelenkkörper, 
die sogenannte Osteochondritis dissecans, hat Born er keine Anhaltspunkte 
gefunden. 

An der Hand von drei Fällen von Gelenkmäusen aus der chirurgischen 
Poliklinik zu München, von denen Lorenz (24) zwei Krankengeschichten 
wiedergibt, bespricht Verf. diese Affektion. Er stellt sich auf Voll brechts 
Standpunkt, dessen Schlussfolgerungen er auch wörtlich in seiner Arbeit 
anführt. 



Haeter, Die Erkrankungen der Knochen. 195 

XIV. 

Die Erkrankungen der Knochen. 



Referent: C. Hueter, Altena- 



Die mit * versehenen Arbeiten sind nicht referiert worden. 

I. Allgemeines. 

1. Anzoletti, Intomo al potere dei muecoli nel determinare la forma delle ossa. Ar- 
chivio di ortopedia 1903. Fase. 4. 

la. Barth, Histologische Knoohenuntersachung bei tabischer Arthropathie. Archiv fflr 
klin. Chirurgie 1903. Bd. 69. 

2. Broca et Tridon, Ost^omyölite des nacriers. Revne de chirargie 1903. Nr. 10. 
2a.Barci e Anzilotti, Contribnto sperimentale alle studio delle lesioni traumatiche 

delle cartilagini e dei relativi processi per Ja riparazione. (Memorie chirorgiche pubbl. 
in onore a T. Bottini nel 25® anno dei suo insegnamento. Vol. I. Palermo 1903.) 
S. Fraenkel, Ober Erkrankungen des roten Knochenmarks, besonders der Wirbel und 
Rippen bei akuten Infektionskrankheiten. Mitteilungen aus den Grenzgebieten 1903. 
Bd. 12. Heft 4. 

4. ^Heinrich, Beitrag zur Frage der Diagnose von Knochenverletzungen durchs Röntgen- 
bild. Diss. Greifswald 1903. 

5. Kohler, Beitrag zur Osteoarthritis deformans. Fortschritte auf dem Gebiete der 
Röntgenstrahlen 1903. Bd. VI. 

6. Preindlaberger, Ein Fall von Fettembolie nach Redressement. Zeitechr. fQr Heil- 
kunde 1903. Bd. 24. Heft 3. 

6a.Schmi6den, Beitrag zur Kenntnis der Osteomalacia chronica deformans hypertrophica. 
Deutsche Zeitschrift fOr Chirurgie 1903. Bd. 70. Heft 1 und 2. 

7. Schoemaker, Ovar verandering in vorm der beenderen. Ned. Tijdschr. v. Geneesk. I. 
p. 1069. 

8. *Wilms und Sick, Die Entwicklung der Knochen der Extremitäten von der Geburt 
bis zum vollendeten Wachstum. Fortschritte auf dem Gebiet der Röntgenstrahlen 1902. 
Ergänzungsband IX. 

.9. *Whit6 locke, The Substitution of temporary and absorbable for permanent and 
unabsorbable sutures in the Operations on bone. British medical Journal 1903. 17. Oct. 

IL Knochenatrophie. 

10. Beck, Acute inflammatory atrophy of the osseous tissues. International Journal of 
sorgery 1903. May. 

11. *£zner, Beiträge zur Kenntnis der akuten Knochenatrophie. Fortschritte auf dem 
Gebiete der Röntgenstrahlen 1903. Bd. VI. Heft 1. 

12. Imbert et Gagni^re, Des atrophies osseuses caloaires cons^cutives ä un trauma- 
tisme. Revue de chir. 1903. Nr. 6. 

13. Kienböck, Ober Knochen Veränderungen bei gonorrhoischer Arthritis und akute 
Knochenatrophie ttberhaupt Wiener klin. Wochenschrift 1903. Nr. 3, 4. 

14. Rose, Ist die progressive Knochenatrophie heilbar? Zentralblatt fOr Chirurgie 1903. 
Nr. 1& 

14a. Warburg, Ober Sud eck sehe Knochenatrophie. Mttnchener med. Wochenschr. 1903. 
Nr. 35. 

m. StSrungen des Knoehenwachstums. 

15. Fuchs, Über den Riesenwuchs bei Neugeborenen und tlber den Partus serotinus. 
MOnchener med. Wochenschrift 1903. Nr. 33. 

13* 



196 Jahresbericht fOr Chirurgie. L Teil. 

16. Lins er, Über die Beziehungen zwischen Nebennieren und Eörperwachstam, besonders 
Riesenwuchs. . y. Br uns sehe Beitrftge 1903. Bd. 37. Heft 1 und 2. 

17. Michel, Osteogenesis imperfecta. Virchows Archiv 1903. Bd. 173. Heft 1. 

18. Begnault, Structure du tibia eu cas de d^formation consäcutive au non-d^veloppe- 
ment du pöronö. Bulletins et m^moires de la soci^t^ anatomique de Paris 1903. Nr. 3. 

19. Roos, Schwere Knoohenerkrankung im Eindesalter. Osteomalacie ? Rhachitis? Zeit- 
schrift für klin. Medizin 1903. Bd. 50. Heft 1 und 2. 

IV. Osteomyelitis. 

20. *Gomby, Apophysäre Wachstumsostitis. Arch. de möd. des enfants 1903. Septembre. 

21. Doberauer, Beitrftge zur Epiphysenosteomyelitis. Prager med. Wochenschrift 1903. 
Nr. 51, 52. 

21a. Giani, R., La formula leucocitaria nell' osteomielite acuta. La Glinica moderna 1903. 
Nr. 19. 

21b. *Henke, Die bakterizide Eigenschaft des Ejiochenmarkes und die Ätiologie der Osteo- 
myelitis. Zentralblatt für Bakteriologie 1903. Nr. 9. Bd. 83. 

22. *Lehmann, Über akute Osteomyelitis im Sftuglingsalter. Diss. Heidelberg 1903. 

23. Leonhardt, Über den osteomyelitischen Enochenabszees. Diss. Jena 1903. 

24. Lexer, Die Entstehung entzündlicher Knochenherde und ihre Beziehung zu den Ar- 
terienverzweigungen der Enochen. Archiv fOr klin. Chirurgie 1908. Bd. 71. Heft 1. 

25. eh 1er, Über rezidierende Osteomyelitis nach Enochenabszess. Allgem. med. Zentral- 
zeitung 1903. Nr. 45. 

26. Roch er, Ostöomy^lite du nouveau-n^. Journal de möd. de Bordeaux 1908. Nr. 51. 

27. Severeanu, Eine seltene Komplikation der Osteomyelitis. Spitalul 1903. Nr. 13 
(Rumänisch). 

28. *Linz, Ein Fall von Osteomyelitis albuminosa. Diss. Freiburg 1903. 

29. *Widenmeyer, Über primftre eitrige Periostitis. Diss. München 1908. 

V. Typhus, Tuberkulose, Aktinomykose. 

30. *Addicks, Operative Eingriffe beeinflussen tuberkulöse Herde, die entfernt von der 
Operationsstelle gelegen sind. Diss. Berlin 1902. 

31. V. Bergmann, Aktinomykose und Osteomyelitis. Berliner klin. Wochenschrift 190S. 
Nr. 50. 

32. (Clinique de M. leProfesseurDieulafoy.) Complications ossenaes de la fiävre typhoide. 
Journal de m^d. et de chir. pratiques 1903. 10 Aoüt 

33. Dor, Tuberculose osseuse. Gazette des höpitaux 1903. Nr. 72. 

34. Heile, Tuberkulöse Enocheninfarkte. Zentralblatt für Chirurgie 1908. Nr. 26. Orth- 
Festschrift. 

34a. Stör i, T., Gontributo alla casistica delle suppurazioni post-tifiche. Cünica modena. 
N. del 29 Luglio 1903. 

85. Vage des, Typhöser periostitischer Abszess, ausschliesslich durch l^phusbazillen ver- 
ursacht. Deutsche milit&rftrztliche Zeitschrift 1903. Heft 4. 

YI. Osteomalacie. 

36. *£ckel, Beiträge zur Heilbarkeit der Osteomalacie. Diss. Wttrzburg 1908. 
87. *Hess, Zur Kasuistik der Osteomalacie des Mannes. Diss. München 1908. 

38. Masüger, Über Osteomalacie. Diss. Zürich 1903. 

39. Tasbiro, Histologische Untersuchungen an osteomalaciachen Enochen. Zieglers 
Beiträge zur path. Anatomie 1903. Bd. 84. Heft 2. 

YII. Akromegalie. 

40. Cattle, Gase of chronic acromegaly. British medical Journal 1903. April 4. 

41. *Ladisch, Ein Fall von Akromegalie mit bitemporaler Hemianopsie. Diss. Kiel 1903. 

42. *Parhou und Goldstein, Beitrag zur Lehre der Akromegalie. Spitalul 1903. Nr. 6 
(Rumänisch). 

43. Snell, A case of acromegaly. British med. Journal 1903. July 18. 

44. Stevens, Case of acute acromegaly. British med. Journal 1908. April 4. 



Hueter, Die ErkrankuDgen der Knochen. 197 

TUI. Rhachitis. 

4ia.B' Auria, S., Incurvanienti delle diafisi per rachitide. II Morgagni 1903. Nr. 1. 

45. Boinet et Stephan, Rhachitisme tardif et chondromes multiples. Archives gönörales 
1903. Nr. 8. 

46. Concetti, Die Phosphorbehandlung bei der Rhachitis. Allgem. Wiener med. Zeitung 
1903. Nr. 4. 5, 6. 

47. *Heiibner, Über die Bar low sehe Krankheit. Berliner klin. Wochenschrift 1903. 
Nr. 13. 

48. Pacchioni, Beschreibung und Pathogenese der Veränderungen der chondralen Ver- 
knöcherung bei der Rhachitis. Jahrbuch für Kinderheilkunde 1903. Bd. 57. Heft 1. 

49. Pfaundler, Über die Kalkabsorption tierischer Gewebe und Ober die Grundlagen einer 
modernen Rhachitistheorie. Münchener med. Wochenschrift 1903. Nr. 37. 

50. Silberstein, Ein Beitrag zur Lehre von den fötalen Knochenerkrankungen. Archiv 
für klin. Chirurgie 1903. Bd. 70. Heft 4. 

51. *Stoeltzner, Pathologie und Therapie der Rhachitis. Berlin 1903. S. Karger. 

IX. Knochenneubildung, Knochenplombierung und Knochenersatz. 

52. Damianos, Die v. Mosetigsche Jodoformknochenplombe und ihre Anwendung bei 
der Osteomyelitis. Wiener klin. Rundschau 1903. Nr. 27, 28, 29, 30. 

52a. Donati, A. e V. Martini, Suir influenza dell' osso morto nella riproduzione speri- 
mentale dell' ossificazione etero plastica. Atti de IIa R. Accademia dei Fisiocritici in 
Siena, Serie IV. Vol. XV. 

53. Fantin o und Valan, Über einige Verfahren künstlicher Ausfüllung von Knochen» 
höhlen. Archiv für klin. Chirurgie 1903. Bd. 70. Heft 3. 

54. Foederl, Über Knochen- und Knorpelersatz. Wiener klin. Wochenschr. 1903. Nr. 51. 

55. Silbermark, Zur Technik bei der Plombierung von KnochenhOhlen mittelst Jodoform- 
knochenplombe. Deutsche Zeitschrift für Chirurgie 1903. Bd. 66. Heft 5 und 6. 

55a. Valan, A. e G. Fantino, Sn alcuni processi di riparazione artificiale di sostanza 

ossea. H Morgagni 1903. Nr. 8. 
55b.Zoppi, Nuove esperienze suir innosto della cartilagine interepifisaria negli animali 

adulti a sviluppo scheletrico completo. Archivio di ortopedia 1903. Fase. 1. 

X. Tumoren. 

56. Beck, Über echte Zysten der langen Röhrenknochen. Archiv für klin. Chirurgie 1903. 
Bd. 70. Heft 4. 

57. Diskussion zu v. Bergmann. Zur Diagnose von Knochengesch Wülsten durch Röntgen* 
strahlen. Berliner klin. Wochenschrift 1903. Nr. 10, 11. 

58. *Bernkopf, Über ein hämatoblastenhaltiges Osteoidsarkom. Diss. Würzburg 1903. 

59. Gramer, Ein Fall von multiplen kartiiaginftren Exostoisen. Archiv für Orthopädie 1903. 
Bd. 1. Heft 2. 

60. Grünfeld, Multiple kartilaginäre Exostosen. Wiener klin. Wochenschrift 1903. Nr. 4. 

61. Heineke, Ein Fall von multiplen Knochenzysten, v. Br uns sehe Beiträge 1903. 
Bd. 40. Heft 2. 

62. Kienböck, Fall von multiplen kartilaginären Exostosen. Wiener klin. Wochenschrift 
1903. Nr. 4. 

63. — Zur radiographischen Anatomie und Klinik der chondralen Dysplasie der Knochen 
mit multiplen kartilaginären Exostosen. Wiener med. Wochenschrift 1903. Nr. 47, 48, 
49, 50, 51, 52. 

64. Lippert, Über Wachstumsstörungen der Knochen bei multiplen kartilaginären Exo- 
stosen. Deutsches Archiv für klin. Medizin 1903. Bd. 76. Heft 1—3. 

64A.*Marro, Contributo alla conoscenza delle esostosi epifisarie multiple. Archivio di 
ortopedia 1908. Fase. 3. (Beschreibung eines klinischen Falles mit radiographischen 
Abbildungen.) 

65. Riethus, Exostosis bursata mit freien Knorpelkörpern. v.Br uns sehe Beiträge 1903. 
Bd. 37. Heft 3. 

66. Villemin, Trois observations d'exostoses ost^og^niques multiples. Revue d'ortho- 
p^die 1908. Nr. 1. 



198 Jahresbericht fttr Chirurgie. I. Teil. 

67. Vogel, Zur Therapie der Sarkome der langen Böhrenknochen. Deatsche Zeitschrift 
für Chirurgie 1903. Bd. 70. Heft 1 und 2. 

68. *Wurmb, Ein Fall von multiplen Exostosen. Dies. Kiel 1903. 

I. Allgemeines. 

Anzoletti (1) kritisiert eingehend die Hirschsche Arbeit über den- 
selben Gegenstand und tut dar, dass, entgegen der Meinung von Hirsch, die 
Muskeln einen Einfluss auf die Gestaltung der Knochen haben. 

R. Giani. 

Da nur wenige Arbeiten über diesen Gegenstand yeröffentlicht sind und 
die Schlüsse, zu denen die verschiedenen Autoren gelangten, nur wenig mit- 
einander übereinstimmen, haben Bure i und An zil Ott i (2a) das Studium der- 
selben wieder aufgenommen und die Grenzen, innerhalb welcher sich die Tätig- 
keit der früheren Forscher entfaltet hatte, zu erweitem gesucht. Sie experi- 
mentierten deshalb an jungen Kaninchen, die aber die Wachstumperiode schon 
überschritten hatten, in der Weise, dass sie an den Knorpeln, besonders an 
den Rippenknorpeln, an dem Schild- und Schwertknorpel stufenweise Läsionen 
von verschiedener Entität hervorriefen, wie kleine Stichwunden mit oder ohne 
Einführung von verschiedenartigen und verschieden resistenten Fremdkörpern 
{dabei Bedacht nehmend auf die Anlegung von Nähten zur Behandlung der 
an den Knorpeln hervorgerufenen Kontinuitätstrennungen), Läsionen der 
Knorpelhaut, partielle und totale Einschnitte und Resektionen, femer Kon- 
sumptivläsionen und endlich Kauterisationen, über deren Ausgang jedoch die 
Untersuchung noch nicht beendigt ist. 

Sie nahmen im Ganzen 81 Experimente an 26 Kaninchen vor und 
befolgten dabei die strengste Asepsis, den Einfluss irgend einer antiseptiscben 
Substanz somit gänzlich ausschliessend. 

Die Beobachtungen machten sie in verschieden langen, zwischen einem 
Minimum von 6 und einem Maximum von 137 Tagen schwankenden Zeit- 
räumen, also genügend lange Zeit um ein richtiges Urteil über die defini- 
tiven Resultate abgeben zu können. Ihre Schlüsse sind folgende: 

Jede traumatische Verletzung führt, je nach ihrem Grade oder der durch 
sie bedingten Ernährungsstörung, zu verschiedenen Regressivveränderungen 
in den verschiedenen Fällen und den verschiedenen Abschnitten eines und 
desselben Knorpels. 

Um die traumatisierte Zone herum entsteht ein Reaktionsprozess, durch 
welchen der zuerst durch eine bindegewebige Narbe provisorisch kompensierte 
Substanzverlust definitiv ersetzt wird durch eine Wucherung von eigenen Ele- 
menten, d. h. durch eine Knorpelneubildung, die, bedingt durch lebhafte 
Zellenbildung von Seiten der Knorpelhaut und Vervielfältigung der sowohl in 
den jungen peripheren, als in den tieferen Schichten präexistierenden Knorpel- 
zellen, die Gewebskontinuität wieder herstellt. 

Der neugebildete Knorpel hat bald die Merkmale des Faserknorpels, 
bald die des hyalinen Knorpels und die Verff. halten den stufenweisen Über- 
gang einer Form in die andere, wie er von Barth, Fede u. A. behauptet 
wird, durchaus nicht für die Regel. Auf Grund ihrer Experimente teilen sie 
auch nicht die Anschauungen Peyrauds bezüglich der bei subperichondralen 
Resektionen zur Knorpelregeneration erforderlichen Zeit, indem die Knorpel- 
regeneration nach ihrer Meinung viel länger dauert, als man bisher glaubte. 
Auch sind sie nicht der Meinung Schklarewskys, dass die Entstehung der 



Hueter, Die Erkrankungen der Knochen. 199 

Wanderzellen, die man im traumatischen Herde antriflft, der Vervielfältigung 
der Enorpelzellen beizumessen sei, sondern glauben, dass die Wanderzellen aus 
den Gefässen und dem Bindegewebe der Knorpelhaut und der benachbarten 
Gewebe hervorgehen, d. h. dass sich selbst bewegende Elemente durch eine 
primär erfolgte Kontinuitätstrennung des Knorpels oder durch die nachfolgenden 
Veränderungen der Grundsubstanz in den Knorpel dringen. 

Blutgefässe, Ossifikations- oder Kalcifikationszonen trafen sie bis über 
4 Monate nach der Operation in den Abschnitten mit repariertem Knorpel- 
gewebe nicht an, selbst nicht im Äugenblicke, wo dieses das benachbarte 
Narbenbindegewebe substituiert. 

Endlich erkennen die Yerff. auch nicht an, was Gier behauptet, dass 
nämUch Knorpelneubildung nur bei Hinzutreten einer suppurativen Phlogose 
stattfindet; sie sind vielmehr zur Annahme geneigt, dass Knorpelneubildung 
regelmässig stattfindet und der Beparationsprozess durch einen aseptischen 
Zustand gesichert wird. B. Giani. 

Schoemaker (7) bespricht in diesem Vortrag die Theorie von Volk- 
mann-Hueter und das Transformationsgesetz von Wolf f und äussert eine 
Anschauung über die Entstehung von Knochendeformitäten, die vor ihm schon 
Korteweg vorgebracht hat. Kurz zusammengefasst lautet die Theorie von 
Korteweg wie folgt: Knochendeformitäten entstehen durch ein Missver- 
hältnis zwischen der Last, die der Knochen zu tragen hat, und dem Ver- 
mögen des Knochens Knochensubstanz zu bilden. Eine gehörige Funktion 
steigert das Wachstum der Knochen, Hyperfunktion hält das Wachstum 
hintan, bewirkt Erweichung des Knochens. Goedhuis (Deventer). 

Preindlsberger (6) berichtet über einen letal verlaufenen Fall von 
Fettembolie der Lungen bei einem 17jährigen Mädchen; Tod drei Tage nach 
doppelseitigem Bedressement wegen Genu valgum. 

Nachdem Fraenkel (3) durch frühere Untersuchungen nachgewiesen 
hatte, dass bei Typhus abdominalis mit grosser Konstanz die spezifischen 
Erreger im Knochenmark angetroffen werden, hat er durch weitere eingehende 
Untersuchungen festgestellt, dass bei den meisten akuten Lifektionskrankheiten 
die betreffenden das Grundleiden bedingenden Mikroorganismen im roten 
Knochenmark durch Kultur nachgewiesen werden können (Diplococcus lanceo- 
latus, Staphylococcus , Streptococcus). Nach Bachendiphtherie werden die 
spezifischen Erreger nur ganz ausnahmsweise im Knochenmark gefunden, da- 
gegen bei dieser Erkrankung, ebenso wie im Gefolge von Scarlatina, überaus 
häufig Streptokokken. 

Köhler (5) beschreibt eine Beihe typischer Fälle von Osteoarthritis 
deformans. Er hält diese Erkrankung für eine Trophoneurose und erklärt 
die Deformationen als die Folge eines grob mechanischen Drucks oder Zugs 
auf nachgiebige Knochenmassen (Abscbleifung des Proc. styloid. ulnar.). 
Anders liegen die Verhältnisse bei traumatischer Einwirkung auf gesunde 
Knochen, wobei hyperplastische Prozesse zutage treten (Vergrösserung des 
Capitul. radii). 

Barth (la) berichtet über den histologischen Befund an Gelenkknorpel 
und Knochen bei tabischer Arthropathie. Das Material, Talus aus einem 
schwer deformierten Sprunggelenk, war durch Amputation von einem Tabiker 
gewonnen worden. Der Talus war um die Hälfte seiner Höhe reduziert, in 
zwei Stücke zerlegt, der Gelenkknorpel durch Bindegewebe ersetzt. Die 
mikroskopische Untersuchung wues nach, dass es sich um einen ohne alle ent- 



200 Jahresbericht fflr Chirurgie. L Teil 

zündlichen Erscheinungen ablaufenden Schwund von Knochen und Knorpel 
und Ersatz dieser Teile durch Bindegewebe handelte, zugleich zeigten sieb 
Resorptionsprozesse der Knochensubstanz. Barth neigt dazu, den arthropathi- 
sehen Prozess bei Tabes als eine durch diese bedingte Arthritis deformans 
aufzufassen. 

Schmieden (6a) beschreibt einen typischen Fall von Ostitis defonnans 
bei einer 58 jährigen, der Lues keineswegs verdächtigen Frau. 

Spontan einsetzende, sehr chronisch entstandene Verdickung der Tibia in allen 
Dimensionen, die eine bogenförmige Krümmung zur Folge hatte und ausser heftigen Schmerzen 
schwere funktionelle Beschwerden verursachte. Radiographisch zeigte sich eine eigentüm- 
liche Architektur der Spongiosa, bestehend aus spitzbogenförmig angeordneten Balken. Eine 
keilförmige Osteotomie, die gut heilte, brachte vorübergehend Besserung. Spftter nmaste 
wegen Arthritis deformans im Kniegelenk die Resektion und bald darauf die Ampatotioa 
ausgeführt werden. Es war nur die eine Tibia erkrankt und an dieser nur die obere £pi- 
physe und die Diaphyse. Der Knochen zeigte sich sehr weich, mit dem Messer schneidbar, 
die Corticalis völlig geschwunden. Mikroskopisch ergab sich das bekannte Bild der Osteo- 
myelitis fibrosa. 

Broca und Tridon (2) teilen den ersten in Frankreich beobachteten 
Fall von Perlmutterosteomyelitis mit. Der 14jährige Kranke hatte schmerz- 
hafte Anschwellungen im Gebiet der Metacarpi, die, im Röntgenbilde als 
periostitische Auftreibungen deutlich sichtbar, aus Unkenntnis seiner Be- 
schäftigung als Perlmutterdrechsler mehrfach inzidiert wurden. Die VerflF. 
empfehlen als ausreichende therapeutische Massnahme ausser Unterbrechnng 
der Tätigkeit lediglich Ruhigstellung der befallenen Teile, und weisen darauf 
hin, dass die Seltenheit der Erkrankung in Frankreich offenbar durch gute 
hygienische Verhältnisse der Perlmutterarbeiter bedingt ist. 

n. Knochenatropliie. 

Beck (10) beschreibt unter Anführung einiger Fälle die nach entzünd- 
lichen Prozessen auftretende akute Knochenatrophie. 

War bürg (14 a) bespricht gelegentlich der Vorstellung eines Kranken 
die akute Knochenatrophie und ihre Pathogenese, wobei er auf die Wichtig- 
keit dieser Erkrankung für die Unfallgesetzgebung aufmerksam macht. 

Imbert und Gagniere (12) haben an einem grossen Material die 
Knochenatrophie nach Trauma studiert und sind im wesentlichen zu den- 
selben Resultaten gekonmien, wie Sud eck in seiner bekannten Arbeit über 
diesen Gegenstand. In ätiologischer Hinsicht erheben sie, nach Ausschluss 
der Inaktivität als Ursache der J^nochenatrophie , Einwände gegen die 
Sud eck sehe Hypothese, die Knochenatrophie als eine reflektorische Tropho- 
neurose anzusehen, und glauben, dass für ihre Genese mehrere Ursachen 
gleichzeitig wirksam sein können. 

Kienböck (13) bespricht nochmals eingehend die akute Knochen- 
atrophie und betont besonders unter Mitteilung mehrerer Fälle ihr Vorkommen 
bei gonorrhoischer Arthritis (Handgelenk). Die akute Knochenatrophie tritt 
zuerst an den dem primären Entzündungsherd benachbarten Teilen des Ske- 
letts auf. Bei den langen Röhrenknochen wird zuerst die Spongiosa und 
zwar diejenige der Epiphysen befallen. Die Knochen werden leicht an Ge- 
wicht, kalkarm, weich, leicht zusammendrückbar, das Mark ist hyperämisch, 
lymphoid. Bei der mikroskopischen Untersuchung findet man Halisterese, 
Rarefikation der Spongiosa und osteoides Gewebe (Stadium des floriden Um- 
baus, malacisches Stadium). Falls nicht restitutio ad integrum eintritt. 



Hueter, Die Erkrankungeii der Knochen. 201 

schreitet der Prozess fort, auch die Corticalis erscheint im Radiogramm 
ergriffen, sie wird aufgehellt, erscheint wie aufgefasert, der Bandapparat 
erschlafft (Luxation), der Knochen deformiert, der Knorpel usuriert. Bei 
schwer entzündlichen Prozessen (Gonorrhöe der Handwurzel) beginnt die Auf- 
hellung der Spongiosa in der Nähe der Gelenkflächen, weiterhin wird der 
Knorpel zerstört und es entstehen Synostosen. Heilt der Entzündungsprozess 
aus, dann wird die Spongiosazeichnung wieder sichtbar, jedoch das Netz der 
Bälkchen ist weitmaschiger, sie selbst sind anders gerichtet (Stadium der 
stabilen Atrophie). Der Knochen ist hierbei brüchig, anämisch und enthält 
Fettmark. Für die Therapie ergibt sich, abgesehen von der Ausheilung des 
Gmndleidens, der Hinweis auf frühzeitige aktive und passive Bewegungen^ 
Massage, Bäder, Stauung. 

Rose (14) beantwortet die Frage, ob die progressive totale Knochen- 
atruphie heilbar sei, bejahend unter Mitteilung eines einschlägigen Falles. 

Bei einem jungen Manne war im Anschluss an Sequestrotomie wegen aknter Osteo- 
myelitis der Tibia bei fast vollendeter Heilung eine Pseudarthrose infolge sekundärer pro- 
gressiver Knochenatrophie eingetreten, die sich Aber die ganze Extremität verbreitete. Um 
den Kranken gehfähig zu machen, wurde ein 15 cm langer Elfenbeinstab in die Knochen- 
enden der Pseudarthrose eingefügt, der reaktionslos einheilte. Pat. kann die Eztremiät 
gehrauchen, es ist Knochenneubüdung deutlich nachweisbar, die nach Verf. durch den £lfen> 
beinstift angeregt wurde. 

m. Störungen des Knochenwachstums. 

Regnault (18) beschreibt die Struktur der Tibia bei kongenitaler 
Entwickelungshemmung der Fibula. Unter dem Einfluss der letzteren (an 
Stelle der Fibula ist ein fibröser Strang vorhanden) hat sich die Tibia ge- 
krümmt, doch ist die Corticalis auf der konvexen Seite nicht verdickt, wie 
eine radiographische Aufnahme zeigt. 

Michel (17) berichtet über einen Fall von Osteogenesis imperfecta bei 
einem ausgetragenen, totgeborenen, mit abnorm kurzen, plumpen Extremitäten 
behafteten Kind. Schädeldach noch häutig, an den sehr brüchigen Extremi- 
täten multiple Knickungen und Frakturen. Die mikroskopische Untersuchung 
ergab im wesentlichen eine diffus über das ganze Skelett ausgedehnte mangel- 
luite Knochenbildung bei ungefähr normalem Verhalten der präparatorischen 
Vorgänge am Knorpel. Besonders fehlte so gut wie ganz die enchondrale 
Ossifikation. Die Knochen bestehen aus einem äusserst dünnen Mantel ver- 
kalkter Knochenbälkchen, wodurch eine hochgradige Knochenbrüchigkeit sich 
erklärt. ^ 

Fuchs (15) macht unter Mitteilung zweier Fälle statistische Angaben 
ober das Vorkommen von Riesenwuchs bei Neugeborenen. 

Linser (16) berichtet über einen 5^/2 jährigen Knaben, der durch seine 
Grösse, seine ganze körperliche Entwickelung den Eindruck eines 15 — 18- 
jährigen Jünglings machte und der an einem Tumor der Nebenniere (malignes 
Adenom) starb. Verf. bespricht hieran anschliessend den Einfluss der Neben- 
nieren auf das Körperwachstum und glaubt, dass diesen, ebenso wie Thyreoidea, 
Thymus, Hypophysis und Geschlechtsdrüsen, eine Bedeutung für die körper- 
liche Entwickelung zukommt. 

Roos (19) teilt einen nur klinisch beobachteten Fall eines Kindes mit, 
bei welchem er die Diagnose, ob kindliche Osteomalacie oder langdauemde 
Rhachiüs, offen lässt. 



202 Jahresbericht fflr Chirurgie. I. Teil. 

Das schwächliche Mftdchen erlitt im Alter von 14 Monaten aos ganz geringfügiger 
Ursache eine Oberschenkelfraktor, an welche sich im Lanf der nAcbsten Jahre zahlreiche 
andere anschlössen. Weiterhin traten Yerkrümmangen der £xtremitftten und der Wirbel- 
sftule auf. Rhachitische Epiphysenanftreibangen sollen nie vorhanden gewesen sein and 
wurden aach bei Untersuehnng der 9 jfthngen Patientin vermisst. Die Extremit&tenknoch«B 
waren etwas weich und biegsam. In letzter Zeit keine Fraktnren mehr, die Knochen sind 
fester geworden. (Osteopaathyrosis? Ref.) 

IT. Osteomyelitis. 

Ausgehend von der Tatsache, dass experimentell durch Injektion her- 
vorgerufene entzündliche Knochenherde mit dem Sitz der Entzündungsherde 
beim Menschen häufig übereinstinmien , hat Lex er (24) den Verlauf der 
Knochenarterien an Injektionspräparaten studiert und konnte nachweisen«, 
dass die typischen Knochenherde bei Tuberkulose und Osteomyelitis meist 
dem Verlauf der grösseren Gefässverzweigungen im Knochen entsprechen. 
Die hinsichtlich der Häufigkeit der befallenen Knochen und Knochenbezirke 
bestehenden Unterschiede erklärt Verf. dadurch , dass die tuberkulösen 
Knochenherde häufiger, die eiterigen Entzündungsherde seltener auf emboli- 
.schem Wege entstehen. Auch die tuberkulösen Diaphysenherde können em- 
bolisch entstanden sein. Bei den kurzen Röhrenknochen ist die häufige 
tuberkulöse Erkrankung der Diaphyse durch das anatomische Verhalten der 
Art. nutr. erklärlich, die sich nach dem Eindringen in den Knochen schnell 
in feine Äste verzweigt. Das Vorwiegen der Staphylokokken als Erreger bei 
Osteomyelitis erklärt sich aus ihrer Eigentümlichkeit, in Haufen zu wachsen. 
Für beide Erkrankungen ist der grosse Gefässreichtum des wachsenden 
Knochens in der Nähe der Epiphysenfugen wichtig. Für die Beziehung eines 
Traumas zu nachfolgender lokaler Erkrankung ist das Zersprengen eines alten 
Knochenherdes von Bedeutung, abgesehen davon können sich im Blute krei- 
sende Organismen an der Stelle der Knochenverletzung ablagern. 

Auf seine im Jahre 1901 in Gemeinschaft mit Ligorio ausgeführten 
klinischen Untersuchungen über den Gegenstand (Rivista eritica di clinica 
med. 1901, Nr. 15 — 16) lässt Giani (21a) nun eine experimentelle Arbeit folgen. 
Verf. rief bei ausgewachsenen Kaninchen mit dem Staph. pyog. aureus experi- 
mentell die akute Osteomyelitis hervor, täglich verzeichnete er dann metho- 
disch den Temperaturgrad, zählte die weissen Blutkörperchen und untersuchte 
das auf Deckgläschen fixierte Blut. 

In den Fällen, in denen die Osteomyelitis so schwer war, dass die Tiere 
am 5. Tage erlagen, fand er Abwesenhenheit der eosinophilen Zellen und sehr 
bedeutende* Vermehrung der Lymphocyten (66 — 75°/o). In den Fällen dagegen, 
in denen die Tiere die Infektion überwanden, konstatierte er in den ersten 
Tagen Vermehrung der Lymphocyten (47®/o), darauf schnelle Verminderung 
derselben und plötzliches Steigen der eosinophilen Kurve bis 80— 87®/o. — 
Verf. vergleicht diese Befunde mit den bei Infektionskrankheiten, bei toxischen 
Krankheitsformen, bei Asthma, bei parasitären Affektionen gemachten und 
gelangt dann zu folgenden Schlüssen: 

Bei der akuten Osteomyelitis ist die Vermehrung der Lymphocyten das 
Zeichen einer energischen Reaktion des Organismus gegen die Infektion, aber 
sie bedeutet noch nicht, dass der Organismus sich verteidigt, noch weniger, 
dass er den Sieg über die Keime davon getragen hat. 

Die wirkliche Verteidigung von seiten des Organismus nnd dessen Sieg 
über die Keime wird vielmehr dadurch angezeigt, dass das Knochenmark eine 



Hu et er. Die Erknmkangen der Knochen. 208 

aasserordentlich grosse Menge eosinophiler Zellen in den Kreislauf schleudert. 
Daher ist bei der akuten Osteomyelitis die Eosinophilie von prognostischer 
Bedeutung. R. Giani. 

Im Falle Severeanus (27) verwundete bei einem 20jährigen Bauern 
ein osteomyelitischer Sequester des Femur die Vena und Arteria poplitea, 
die dadurch entstehende Septikämie nötigte den Chirurgen , eine Amputatio 
coxae mit gutem Erfolg auszuführen. Stoüanoff (Plevna). 

Roch er (26) teilt einen Fall von Osteomyelitis des Femur im frühesten 
Kindesalter mit. Als Quelle der Infektion bei dem schlecht genährten Kinde 
macht er die Impfung verantwortlich. Ein Abszess am Oberschenkel, ohne 
Fieber entstanden, ¥nirde inzidiert. Bei der Autopsie fand sich ein knöcherner 
Defekt am unteren Ende des Femur an der Grenze von Knochen und Knorpel, 
kein eigentlicher Sequester. 

Doberauer (21) beschreibt drei Fälle von Epiphysenosteomyelitis. 
Der erste Fall, Osteomyelitis coxae, beweist, wie man ein befriedigendes 
funktionelles Resultat durch die Resektion erzielen kann, sobald diese früh- 
zeitig erfolgt. Die beiden anderen Fälle illustrieren die schweren Folge- 
erscheinungen der Epiphysitis für das benachbarte Gelenk (Knie), wenn ihre 
Behandlung verschleppt wird (Ankylose, Fisteln, Genu recurvatum). 

Die Dissertation von Leonhardt (23) enthält eine Zusammenstellung 
von 43 Fällen von Knochenabszess. Von diesen waren 32 Fälle sekundäre, 
11 primäre Knochenabszesse. In zwei Fällen war das obere Femurende er- 
krankt. In allen Fällen schien die Apophyse der Sitz des Knochenabszesses 
gewesen zu sein. Die mitgeteilten Fälle ergaben eine Bestätigung der An- 
schauung von Gross, nach der die durch Infektion in früher Jugend ent- 
standenen Knochenabszesse eine erheblich längere Krankheitsdauer aufwiesen, 
als die später, nach Abschluss des Knochenwachstums zustande gekommenen. 

Gehler (25) berichtet über zwei Fälle von akuter Osteomyelitis der 
Tibia, bei denen sich nach vor langer Zeit überstandenem akuten Stadium 
Knochenabszesse entwickelt hatten. Zwischendurch waren mehrfach kleine 
Hautabszesse mit Ausstossung von Sequestern aufgetreten. In dem einen 
Fall entstand der Knochenabszess 40 Jahre nach dem akuten Einsetzen des 
Prozesses. 

T. Typhus, Tuberkulose, Aktinomykose. 

Vage des (35) teilt einen Fall von periostitischem , im Verlauf eines 
Typhus entstandenen Abszess am Unterschenkel mit, in dessen Eiter nur 
Bazillen gefunden wurden, deren Identität mit Typhusbazillen durch die 
spezifischen Reaktionen festgestellt wurde. Der Abszess entstand 6 Wochen 
nach Ausbruch der Erkrankung und zwar nach einem fieberfreien Intervall 
unter erneuertem Auftreten von Fieber. 

Vier Fälle von nach Typhus aufgetretenen Eiterungen teilt Stori (34a) 
mit: Im 1. Falle handelte es sich um eine Strumitis, im 2. um eine Arthritis 
des linken Ileosakralgelenkes, im 3. um eine Periostitis der Rippen und im 
4. um eine Osteoperiostitis des linken Schienbeines. Aus den bakteriologischen 
Untersuchungen und den an Tieren gemachten Experimenten ging hervor, 
dass der Eberthsche Bacillus der pyogene Erreger war. Als klinisches Sym- 
ptom von höchster W^ichtigkeit bei diesen Eiterungen gibt Verf. die Erschöpfung 
des Nervensystems an. R* Giani. 



204 Jahresbericht fQr Chirurgie. L Teil. 

Eine Mitteilung aus der Klinik Dieulafoys (32) beschäftigt sich mit 
den verschiedenen Formen der typhösen Osteomyelitis (Abszess, Exostose), 
erwähnt einige selteneren Lokalisationen (Trochanter, Wirbelsäule) und be- 
spricht die Schwierigkeit der Diagnose in gewissen Fällen. 

D o r (33) behandelt in Form einer klinischen Vorlesung besonders vom 
chemischen Standpunkt aus die Knochentuberkulose und ihre Pathogenese. 

Heile (34) hat fünf tuberkulöse Knocheninfarkte histologisch UHter* 
sucht und konnte in diesen nichts von embolischen Prozessen der Gefasse 
nachweisen. Es fand Ersatz der üefässe durch tuberkulöses Grunulations- 
gewebe, Umwandlung des Fettmarks in tuberkulöses Gewebe mit Arrosion 
der Knochenbälkchen. Alle diese Befunde sprechen gegen einen primären 
embolischen Verschluss der Arterie des betreffenden Gebietes und zugunsten 
der von Orth angenommenen tuberkulösen Endarteriitis. 

V. Bergmann (31) stellte einen jungen Mann vor mit einem Abszess 
am Oberschenkel, das ganze Krankheitsbild schien die Annahme einer Osteo- 
myelitis zu rechtfertigen. Er diagnostizierte Aktinomykose, die Inzision 
bestätigte diese Annahme (chronischer Verlauf, Beginn nach Trauma mit 
äusserer Wunde). 

TL Osteomalacie. 

Aus der Dissertation Masügers (38) ist zu entnehmen, dass die 
Osteomalacie nach Aussagen von schweizerischen und einigen anderen Ärzten 
aus Osteomalaciegegenden wohl infolge besserer hygienischer Verhältnisse an 
Häufigkeit abnimmt. 

Tashiros (39) histologische Untersuchungen an osteomalacischen 
Knochen haben ergeben, dass bei Osteomalacie neben Halisterese auch eine 
Neubildung von osteoidem Gewebe vorkommt, die Verf. als eine wesentliche 
Teilerscheinung dieser Krankheit ansieht (osteoplastische Peri- und Endostitis). 

YIL Akromegalie. 

Über Akromegalie liegen einige kasuistische Mitteilungen englischer 
Ärzte vor. Der Fall von Stevens (44) ist bemerkenswert durch den 
schnellen Verlauf und der Kombination der akromegalischen mit Himdruck- 
Symptomen, Tumor der Hypophysis, durch Autopsie bestätigt (Sarkom). Im 
Falle Snells (43) bestanden Sehstörungen (Abnahme der Sehschärfe, bitem- 
porale Hemianopsie). Nach Darreichung von Thyreoidextrakt besserte sich 
die Sehschärfe. Der Fall Cattles (40) mit chronischem Verlauf bietet wenig 
Bemerkenswertes. 

TIU. Rhachitis. 

Pfaundler (49) hat die Kalkadsorption der animaien Gewebe zum 
Gegenstande seiner Untersuchungen gemacht. Dabei ergab sich, dass ver- 
gleichende Untersuchungen an normalen und künstlich kalkarm gemachten 
tierischen Geweben eine höhere Kalkadsorption der letzteren erkennen liessen. 
Weitere Experimente stellten fest, dass bei Vergleichung normaler und rhachi- 
tischer Gewebe die Fähigkeit der Kalkadsorption bei den letzteren zum 
mindesten nicht vermindert ist. Daraus geht hervor , dass die Annahme , es 
könne ein der menschlichen Rhachitis analoges Krankheitsbild bei Tieren 
durch kalkarme Fütterung erzeugt werden, unrichtig ist. Die Auseinander- 
setzungen des Verf. über die Pathogenese der Rhachitis (ausbleibende Ver- 



Hueter, Die Erkrankungen der Knochen. 205 

kalknng des osteoiden Gewebes durch Hemmung hydrolytischer Fermente) 
müssen im Original nachgelesen werden. 

Nach Pacchioni (48) sitzt der fundamentale Krankheitsprozess bei der 
Rhschitis nicht im Knochen, sondern im Knorpel. Infolge mangelhafter und 
abnormer Stoffwechselenergie wird im Knorpel weniger Fhosphorsäure und 
Kalk aufgespeichert, als in der Norm, die reihenförmige Anordnung der 
Knorpelzellen ist unvollkommen, durch Fehlen der präparatorischen Ver- 
kalkungszone kann das anstossende Knochengewebe in unregelmässiger Weise 
gegen den Knorpel vordringen. Nicht erklärt werden, wie Verf. selbst zugibt, 
durch diese Anschauung die Resorptionsprozesse des knöchernen Gewebes 
sowie das Auftreten der rhachitischen Veränderungen in den Knochen binde- 
gewebigen Ursprungs. 

Ein von ihm behandelter klinischer Fall gibt d'Auria (44a) Gelegenheit, 
aidi über die Ätiologie und Behandlung der rhachitischen Diaphysenkrüm- 
mnngen zu verbreiten. R. Giani. 

Concetti (46) tritt unter Mitteilung einiger Fälle warm für die Phos- 
phor-Therapie der Rhachitis ein, besonders schnell werden dadurch die ner- 
vösen Symptome der Rhachitis (Laryngospasmus, Tetanie) gebessert, auch in 
solchen Fällen, in denen Symptome von Seiten des Knochensystemes wenig 
hervortreten. 

Silberstein (50) liefert einen Beitrag zu der Frage, ob Rhachitis an- 
geboren vorkommt. Bei einem im Alter von 5 Wochen zuerst beobachteten, 
6 Monate alt verstorbenen Kinde wurde die klinische Diagnose auf Osteo- 
genesis imperfecta gestellt. Die mikroskopische Untersuchung von Skelett- 
teilen ergab jedoch das Vorhandensein echter Rhachitis, die nach Verfs. An- 
nahme wahrscheinlich schon intrauterin bestanden hat. Ausserdem sprachen 
einige Befunde an der Knochenknorpelgrenze für Chondrodystrophia hyper- 
plastica. 

Boinet und Stephan (45) berichten über den gleichzeitigen Befund 
von Rhachitis tarda und multiplen Enchondromen bei einem 35 jährigen 
Mann. Sie fanden Verkürzungen, Verkrümmungen, epiphysäre Auftreibungen 
nnd multiple Enchondrome besonders an einer oberen Extremität. Letztere 
waren im Anschluss an ein Trauma entstanden. Von Interesse ist ferner der 
Befand einer nach Malleolarfraktur entstandenen knorpeligen Infiltration des 
Calcaneus, die Verff. für einen gutartigen Prozess ansehen. Das späte Auf- 
treten der Rhachitis und die parallel gehende Entwickelung der Enchondrome 
haben nach den Verff. ihre gemeinsame Ursache in einer Entwickelungsstörung 
des Skeletts. Überdies war dem Auftreten der Knochenverkrümmungen und 
der epiphysären Anschwellungen eine schwere Infektionskrankheit (Variola) 
vorausgegangen. Eine ähnliche Beobachtung von Poncet wird zum Vergleich 
herangezogen. 

IX. Knochenneubildung, Knoehenplombierung und Knoehenersatz. 

Donati und Martini (52a) führten Experimente an Kaninchen aus, um 
festzustellen, ob die Anwesenheit von mazeriertem, sterilisierten Knochen in 
durch Ligatur ihrer Getässe tief veränderten Nieren, auf die heteroplastische 
Ossifikation, wie solche schon Sacerdotti und Frattini in drei Fällen 
nach dauernder Unterbrechung des Nierenkreislaufes beobachtet hatten, einen 
günstigen Einfluss zu entfalten vermag, mit Rücksicht auf die Tatsache, dass 



206 Jahresbericht für Chirurgie. I. Teil. 

ein solcher bei Implantation von totem Knochen in normale, osteogener Eigen- 
schaften ermangelnde Gewebe (Morpurgo nnd Martini) nicht beobachtet 
wurde. Bei einer Reihe von Versuchen implantierten sie — nachdem sie 
zuvor die Nierengefässe unterbunden und zwischen zwei Ligaturen durch- 
schnitten hatten — eine Knochenscheibe in den hinteren Pol einer Niere. 
Von acht so behandelten Kaninchen gaben nur drei den positiven Befund 
von Knochen und Mark in der Niere. — Sie sahen, dass sich auf diese Weise, 
wegen der stattfindenden Verkleinerung und Deformation des Organs, die 
Menge und die Lokalisation des neugebildeten Knochens auch annähernd nicht 
leicht feststellen Hess und nahmen deshalb in der Folge ihre Untersuchungen 
an homologen Nieren vor. Nachdem sie mittelst dorsalen Einschnittes eine 
Niere freigelegt und die Ligatur und Rezision der Hilusgefasse bewerkstelligt 
hatten, führten sie durch eine in die Kapsel gelegte Öffnung eine sterilisierte 
Knochenplatte ins Parenchym ein. An anderen Kaninchen unterbanden und 
durchschnitten sie nur die Hilusgefasse der homologen Niere. Diese Experi- 
mente nahmen sie an acht Paar Kaninchen vor, die sie nach 50—194 Tagen 
opferten. In allen Nieren, zwei vereiterte ausgenommen, trafen sie in ver- 
schiedener Portion Knochen (und Mark) an, der in den Nieren, in welche 
Knochen implantiert worden war, weder bezüglich der Menge, noch bezüglich 
der Lokalisation mit der Knochenscheibe in Beziehung stand. Die Nieren 
erschienen deformiert, verkleinert, von härterer, manchmal von steinharter 
Konsistenz. Beim Schnitt waren sie resistent und gaben manchmal ein knir- 
schendes Geräusch, besonders in den Kalk- oder Knochenablagerungen ber* 
genden zentralen Teilen. Bei der mikroskopischen Untersuchung erschienen 
die Nieren mehr oder weniger mortifiziert und hier und da mit Kalksalzen 
infiltriert. Die Knochenneubildung kommt unterhalb des Epithels der Nieren- 
beckenschleimhaut und der Papille zustande und scheint von den Kalkablage- 
rungen in der Mark- und Rindensubstanz nicht beeinflusst zu werden. In 
zwei Fällen wurden Kerne von hyalinem Knorpel beobachtet, der direkt in 
Knochen überging, während er auf einer Seite manchmal einem Bindegewebe 
mit homogener, hyaliner oder muköser Grundsubstanz angrenzte. — Das 
Mark zeigt in verschiedenen Entwickelungsstadien Übergangsstufen vom em- 
bryonal aussehenden zum gut konstituierten Mark. 
Die Verff. gelangen zu folgenden Schlüssen : 

1. Die Implantation von toten Knochen in Nieren von Kaninchen, in 
denen durch Ligatur der Nierengefässe zuerst ein mehr oder weniger voll- 
ständiger nekrotischer Prozess und Verkalkung, dann Bindegewebsneubildung 
hervorgerufen wurden, begünstigt die Knochenneubildung nicht. 

2. Die experimentelle heteroplastische Reproduktion von Knochen und 
Mark kommt, wenn keine Eiterung hinzutritt, stets regelmässig zustande ; die 
Knochenbildung erfolgt durch Metaplasie des Bindegewebes und Osteoblasten- 
apposition, die Markbildung, wie es scheint, ebenfalls durch Bindegewebs- 
metaplasie. 

3. Die heteroplastische Ossifikation, die verhältnismässig bald (nach 50 
Tagen) ihren Anfang nimmt und lange fortdauert (bis zu 194 Tagen), kommt 
unterhalb des Epithels der Nierenbeckenschleimhaut oder in Zonen von, offen- 
bar aus diesem letzteren gewuchertem, geschichteten Pflasterepithel zustande 
und scheint von den Kalkablagerungen nicht beeinflusst zu werden. 

R. Giani. 



Hueter, Die ErkrankuDgen der Knochen. 207 

Zoppi (55b) nahm seine Experimente in der Weise vor, dass er bei aus- 
gewachsenen Kaninchen ins rechte Schienbein, dort wo die Narbe des inter- 
epiphysären Knorpels besteht, von einem frisch getöteten jungen Kaninchen 
entnommenen Knorpel implantierte. Er experimentierte in dieser Weise an 
14 Tieren, die er nach verschieden langer Zeit (nach 10, 15, 20, 25, 30, 40 
Tagen, resp. 3, 4, 5, 6 Monaten) tötete. 

Die Stücke fixierte er in Müll er scher Flüssigkeit und entkalkte sie 
dann in mit ö^/oiger^ HCl-Lösung versetzter gesättigter NaCl-Lösung. Die 
mikroskopische Untersuchung tat dar, dass ein Anwachsen stattfindet, dass 
aber der Knorpel allmählich durch Knochengewebe ersetzt wird und dass nach 
einem Monat keine Spur mehr von ihm vorhanden ist. Diese Substitution 
erfolgt durch Metaplasie. R. Giani. 

Silbermark (55) teilt die Technik der an der Klinik v. Mosetigs 
neuerdings geübten Plombierung von Knochenhöhlen mit. Die Plombenmasse 
besteht aus Jodoform 60,0, Spermacet und Sesamöl ää 40,0. Zur Aufbe- 
wahrung der sterilisierten Masse dient ein besonders konstruierter Behälter^ 
bestehend aus einem Doppelgefass mit übergreifendem Grlasdeckel. Durch 
eine elektrisch betriebene Kreissäge wird in der Knochenhöhle gesunder Knochen 
freigelegt. Von grosser Bedeutung ist peinlichste Austrocknung der Höhla 
mit Heisslufttrockner. Die genaue Konstruktion der Apparate muss im Ori- 
ginal nachgesehen werden. 

Damianos (52) berichtet über die Technik der Knochenplombierung 
mit der v. Mosetigschen Jodoformplombe und über ihre Anwendimg bei 
nach akuter Osteomyelitis zurückbleibenden Knochenhöhlen. Nach Ausmeisse- 
lang der Knochenhöhle im gesunden, Austrocknung derselben durch warmen 
oder kalten Luftstrom, sodann exakte Blutstillung nötigenfalls durch Anwen- 
dung einer Wasserstoffsuperoxyd- oder einer Adrenalinlösung, falls die Ope- 
ration nicht unter Blutleere stattfinden kann, sodann Eingiessen der sterili- 
sierten verflüssigten Plombenmasse (siehe Silber mark). Letztere kann in 
einem Thermophor längere Zeit flüssig gehalten werden. Eine geringe Imbi- 
bition der umgebenden Weichteile mit Plombenmasse schadet nicht. Schluss 
der Weichteilwunde durch Nähte , eventuell mit Drainage , am besten unter 
Anwendung eines Hautperiostlappens nach v. Mosetig, wobei die Nahtlinio 
nicht direkt über die Plombe zu liegen kommt. Nach Verf. soll die Methode 
schon in 150 Fällen ausgezeichnete Resultate gegeben haben, niemals trat 
Sekretretention und Ausstossung der Plombe ein. Der Heilungsprozess, Sub- 
stitution der Plombe durch Granulationsgewebe, lässt sich im Röntgenbilde 
verfolgen. Die Einheilung der Plombe vollzieht sich auch dann, wenn ein 
vollständiger Schluss der Weichteilwunde nicht möglich ist und ein Teil der 
Plombe frei zutage liegt, die Sekretion der Wunde ist äusserst gering. Einige 
Krankengeschichten illustrieren die Anwendung des Verfahrens bei der akuten 
Osteomyelitis, das in gewissen Fällen sogar bei der frühzeitigen Radikal- 
operation indiziert ist. Den Schluss bilden technische Bemerkungen über das 
operative Verfahren bei Osteomyelitis am unteren Femurende und an der 
Tibia, zugleich unter Mitteilung einiger Fälle, in denen mit gutem Erfolg die 
Plombierung vorgenommen wurde. 

Fantino und Valan (53) machen Mitteilung über die von ihnen geübte 
Technik zur Ausfüllung von nach Operation zurückbleibenden Knochenhöhlen.. 
Anschüessend an die von Barth und Valan gewonnenen Resultate ihrer 
Experimente mit Knochentransplantation benutzen sie kalzinierten Knochen,. 



208 Jahresbericht f&r Chimrgie. I. Teil. 

teils in Stücken, teils fein gepulvert und zu gleichen Teilen mit Thymol-Jodo- 
form (1 : 2). Letztere Plombenmasse , bei 60 *^ erhärtend , wurde auch mit 
kalzinierten Knochenstücken zugleich als Füllmaterial für knöcherne Hohl- 
räume verwendet (mauerartige Kombination). Die Desinfektion der knöchernen 
Wände geschieht durch Eingiessen von Jodoformglyzerin, das durch den 
Thermokauter zum Sieden gebracht wird. Bei zweifelhafter Asepsis (Osteo- 
myelitis) wird der Inhalt der Höhle bakteriologisch untersucht, nach Nekro- 
tomie nicht vor dem vierten Tag, und die Desinfektion eventuell auf die an- 
gegebene Weise erneuert. Dies Verfahren ist bei totalen und subperiostalen 
Resektionen nicht anwendbar, hier empfehlen die Verff. Desinfektion mit 
Sublimat oder Dampf (Atmokausis) , eventuell mit der Plombierung voraus- 
gehender bakteriologischer Untersuchung. Naht der Weichteile nach der 
Plombierung empfehlen die Verff. nur bei tadelloser Asepsis derselben. Das 
Transplantationsgebiet, zum mindesten die Hälfte des Wandumfanges der zu 
plombierenden Höhle, muss osteogene Eigenschaften haben. Epiphysäre Herde 
bieten die günstigsten Bedingungen für die Einheilung der Plombe. Schlechte 
Resultate erhielten die Verff. bei alten kachektischen Kranken und femer 
bei Knochenhöhlen alter osteomyelitischer Herde mit sklerosierter, gefassarmer 
Umgebung. Die Krankengeschichten mit günstigen und ungünstigen Operations- 
resultaten sind kurz angegeben. 

Nach kurzer Anführung der vielen seit Ol Her von verschiedenen For- 
schem angeführten Experimente über die Knochenimplantation und der herr- 
schenden Anschauungen über den Gegenstand und nach ausführlicher Beschrei- 
bung der bei solchen Operationen zu befolgenden Technik und des zu ver- 
wendenden Materials, teilen Val an undFantino (55a) die in 30 Fällen von 
Osteomyelitis von ihnen erhaltenen (in 25 Fällen) günstigen und (in 5 Fällen) 
ungünstigen Resultate mit. Sie gelangen zu folgenden Schlüssen: 

1. Die Implantation von anorganischer Knochensubstanz in osteogenes 
Gewebe ist von Knochenneubildung gefolgt, die, die Kalksalze sich zu nutze 
ziehend, jeden Substanzverlust am Skelett repariert. 

2. Das Terrain, auf welchem eine solche Implantation vorgenommen 
wird, muss, wenigstens zum Teil, aus osteogenem Gewebe bestehen. 

3. Kalzinierter Knochen ist das geeignetste Material zur Implantation. 

4. Sonst bietet gute Dienste auch ein aus Knochenasche, unter Bei- 
mischung von Thymol und Jodoform (1 : 2) bereitetes Material. 

5. Die Tegumente sind zu vernähen, wenn gesund. 

6. Vollkommen trockene Verbände. 

7. Der Substitutionsprozess der implantierten Masse vollzieht sich, je 
nach der zu deckenden Lücke, innerhalb 3 — 8 Monaten. R. Giani. 

Foederl (54) empfiehlt als heteroplastischen Ersatz für Knochen- und 
Knorpeldefekte Zelluloid in Form von siebförmig durchlöcherten Platten. Die 
Fixierung der Platten soll durch Durchwachsung mit Bindegewebe gewähr- 
leistet werden. Derartige Platten hat Verf. zum Ersatz des Nasengerüstes 
bei Rhinoplastik, ferner zur Deckung von Trachealdefekten und als Prothesen 
nach ünterkieferresektionen erfolgreich angewandt. Die Zelluloidplatten heilten 
reaktionslos ein, wenn auch in dem einen Falle die zur Stütze des resezierten 
Unterkiefers eingefügte Zelluloidprothese wegen Sarkomrezidiv nachträglich 
wieder entfernt werden musste. 



flaeter, Die Erkrankungen der Knochen. 209 

X. Tumoren. 

In der Diskussion zu dem Vortrage von Bergmanns (57) über die 
Diagnose von Knochengeschwülsten durch Röntgenstrahlen wird von verschie- 
denen Seiten auf die Schwierigkeit der Diagnose und der Unterscheidung 
benigner und maligner Tumoren unter Mitteilung einschlägiger Fälle hinge- 
wiesen. Auch die Differentialdiagnose zwischen Tuberkulose und Tumor kann 
unter Umstanden im Röntgenbilde schwierig sein. Helbing betont besonders 
die Schwierigkeit der Diagnose bei zentral gelegenen zystischen Bildungen der 
Knochen und ihre Unterscheidung von malignen Tumoren. König weist auf 
die Diagnose gewisser Knochengeschwülste mit infiltrativem Wachstum und 
Erhaltung der Knochenarchitektur hin, die im Röntgenbilde schwer erkennbar 
sind. Nach ihm überwiegen die zentralen Sarkome erheblich die peripheren. 

Villemin (66). Kurze Mitteilung dreier Fälle von multiplen Exostosen 
mit genauer Angabe des Sitzes. 

Cramer (59) beschreibt einen Fall von multiplen kartilaginären Exo- 
stosen bei einem 21jährigen Mann, in dessen Familie schon Knochenauswüchse 
beobachtet waren. Es waren Wachstumsstörungen, Verkrümmungen und Be- 
schränkung der Gelenk tunktionen aufgetreten. Die Befunde werden durch 
die beigefügten Radiogramme gut illustriert. Cramer nimmt mit Hoffa 
an, dass die multiple Exostosenbildung mit dem Verschwinden der Epiphjsen- 
fugen Hand in Hand geht. 

Grünfeld (60) und Kienböck (62) stellten in Wien je einen Fall 
von multiplen kartilaginären Exostosen vor. Von beiden ist der Röntgen- 
befdnd von Interesse. Im Falle Grünfelds erschienen die Epiphysenfugen 
der langen Röhrenknochen abnorm gestaltet, sie verliefen zackig oder wellig, 
an den Knochen der Hände fiel eine Rarefikation der Spongiosabälkchen auf. 
Kienböck weist an der Hand seiner Radiogramme darauf hin, dass die 
Exostosen im Röntgenbild meist kleiner erscheinen, als man nach dem palpa- 
torischen Befund erwarten sollte. Als einen typischen Befund erwähnt er 
femer kolbige Auftreibungen der vom proximalen Ende der Exostose distal 
gelegenen Teile der langen Röhrenknochen, deren Spongiosa erheblich poro- 
tisch verändert war. Eine bedeutende Poröse mit fast völligem Schwund der 
Compacta fand Verf. überdies an den vollkommen von Exostosen frei ge- 
bliebenen Fussknochen. Der 21 jährige Pat. hatte etwa 60— 80 Exostosen an 
den verschiedensten Stellen des Körpers. 

Kienböck (63) berichtet über neun Fälle mit multiplen kartilaginären 
Exostosen, deren radiographische und klinische Befunde genau beschrieben 
werden. Nach allgemeinen Mitteilungen über die Technik und die radio- 
graphischen Befunde folgen Bemerkungen über die speziellen typischen LokaU- 
sationen, sowie über die Verkrünunungen und Störungen des Längenwachstums. 
Besonders bemerkenswert sind die Mitteilungen des Verf. über die diffusen 
Knochenverdickungen an den mit Exostose behafteten Regionen, die nach 
seinen Untersuchungen in der Regel mit Strukturveränderungen der Knochen 
einhergehen, die Corticalis ist verdünnt, das Spongiosagerüst weitmaschiger 
als in der Norm, an Stelle von Verdickungen des ganzen Querschnitts finden 
sich zuweilen nur leistenförmige Ausbauchungen. Von Interesse sind ferner 
die Befunde von Spongiosaverdichtungen, die in Form multipler dunkler 
Schattenstreifen auftreten, die die Stellen der Epiphysenzonen zu verschiedenen 
Zeitpunkten markieren und sich zugleich an den Knochen beider Extremitäten 

J»lire8b«ridit Ar Chirurgie 1908. 14 



210 Jahresbericht fOr Chirurgie. I. Teil. 

vorfinden. Sie erklären sich durch Proliferationsstörungen des Knorpels, die 
zu Hemmungen des Wachstums geführt haben. Seltener ist statt Auftreibung 
der Knochen Verschmälerung des Querschnitts vorhanden. Auch der un- 
regelmässige wellig-zackige Verlauf der Epiphysenlinien spricht zugunsten 
von Wachstumsstörungen. Im Gegensatz zu Hoffa konnte sich Verf. von 
einem frühzeitigen Abschluss der Ossifikation bei den mit Exostosen behafteten 
Personen nicht überzeugen. Die Befunde des Verf. haben ihn veranlasst, bei 
multiplen kartilaginären Exostosen eine schwere Wachstumsstörung des Skeletts^ 
eine chondrale Dysplasie anzunehmen, wofür er die Bezeichnung „Exostosen- 
dysplasie^ vorschlägt. Weiterhin werden die Beziehungen der Exostosendysplasie 
zu andern Knochenaffektionen besprochen (Ecchondrosen, Enchodrome, maligne 
Tumoren, Myositis ossificans progressiva, partieller Riesenwuchs). Die bei 
progressiver ossifizierender Myositis beobachteten knöchernen Auswüchse halt 
Verf. für periostitische Neubildungen, die von den multiplen kartilaginären 
Exostosen zu trennen sind. Mit letzterer Erkrankung haben femer Rhachitis, 
hereditäre Lues und Tuberkulose nichts zu schaffen. Den Schluss der 
sehr umfangreichen Abhandlung bilden Erörterungen über die Diagnose und 
Differentialdiagnose. 

Lippert (64) berichtet über sechs Fälle von multiplen kartilaginären 
Exostosen, von denen fünf einer Familie entstammen, wobei er die in jedem 
Fall vorhandenen Wachstumsstörungen genauer beschreibt. Für die typische 
Deformität an den Unterarmen und Handgelenken ist die Verkürzung in erster 
Linie massgebend, ausserdem kommen nach Verf. noch andere Momente hier- 
für in Betracht, der elastische Zug der Muskeln und äussere Druckkräfte» 
welche von der Hand auf den Arm übertragen werden. Lipp er ts Befund von 
Exostosen und Verkürzung an Knochen, deren Epiphysenfugen noch knorpelig 
sind, widerspricht der Anschauung Hoffas, welcher eine frühzeitige Ver- 
knöcherung der Epiphysenknorpel für die Exostosenbildung verantwortlich 
gemacht hat. 

Riethus (65) teilt zwei Fälle von Exostosis bursata mit. In beiden 
handelte es sich um die Bildung eines Schleimbeutels zwischen Exostose und 
einem abgesprengten Fragment derselben. Ein 16jähriger, mit multiplen 
Exostosen behafteter junger Mann hatte nach einem Trauma eine etwa 
hühnereigrosse Anschwellung am Knie wahrgenommen, zwei Monate später 
förderte die Inzision vier grössere und ca. 200 kleinere Knorpelkörper aus 
einer um die Basis einer Exostose am medianen Condylus der Tiba sitzenden Zyste 
zutage. Verf. erklärt die Pathogenese des Prozesses durch die Annahme, dass die 
abgebrochene Exostose infolge fortwährender mechanischer Insulte nicht heilte^ 
es bildete sich eine Pseudarthrose und durch Wucherung des an der Brost- 
fläche freiliegenden Knorpels entstanden Ecchondrome und eine bindegewebige 
Kapsel mit serösem Inhalt. Er wendet sich besonders gegen die Auffassung, 
als könne es sich in diesem Falle um eine versprengte Gelenkanlage oder 
einen abgeschnürten Recessus des Kniegelenks handeln. Im zweiten Fall war 
nach Annahme des Verf. ein Schleimbeutel zwischen Exostose und einem 
abgesprengten Knorpelstück vorhanden. 

Beck (56) beschreibt einen neuen Fall von einer nach Trauma ent- 
standenen Knochenzyste im oberen Drittel der Tibia. Im Skiagramm ein 
völlig durchscheinender, oval gestalteter, von kartenblattdicker Corticalis 
scharf und regelmässig begrenzter Hohlraum zu sehen. Epiphysenlinien 
normal. Die Operation bestätigte die Diagnose. Inhalt sanguinolent, die 



Hneter, Die Erkrankungen der Knochen. 211 

glatten Wände von Bindegewebe ausgekleidet. Die mikroskopische Unter- 
sachung ergibt Umwandlung der Knochensubstanz in fibröses Gewebe. Ver- 
kleinerung der Höhle durch Zusammenpressen der Wände, Heilung in drei 
Monaten. Beck hält die Knochenzyste pathogenetisch für das Produkt einer 
umschriebenen entzündlichen Knochenatrophie, die der Rhachitis nahe ver- 
wandt ist. Deshalb findet sich die Knochenzyste meist in jugendlichem Alter. 
In differentialdiagnostischer Hinsicht macht er anknüpfend an frühere Publika- 
tionen über denselben Gegenstand darauf aufmerksam, dass absolute Transparenz 
der Höhle, regelmässige und parallele Konturen der begrenzenden Corticalis 
die echte Enochenzyste von andern zystischen Bildungen der Knochen, besonders 
von Erweichungshöhlen maligner Tumoren unterscheiden. 

Heineke (61) beschreibt einen Fall von multiplen Knochenzysten bei 
einer 26jährigen Arbeiterin, die an heftigen rheumatischen Schmerzen litt 
und bei der im Anschluss an eine Spontanfraktur des Oberschenkels eine 
Zyste an der Bruchstelle und weiterhin noch eine grössere Anzahl von 
Knochenzysten durch Röntgenuntersuchung festgestellt wurde (im andern 
Femur, Hnmerus, Tibia, Beckenschaufel, Grundphalanx der grossen Zehe). Die 
radiographischen Befunde werden genau mitgeteilt. Bei Inzision auf die 
Frakturst^lle zeigte sich ein hühnereigrosser, glattwandiger Hohlraum mit 
bräunlichem, klarem Inhalt, begrenzt von einer dünnen morschen Knochen- 
schale. Die mikroskopische Untersuchung eines Stückes der letzteren ergab 
eine dünne Schicht zarter, fast kalkloser Knochenbälkchen, zwischen denen 
Züge kemarmen Bindegewebes verlaufen, die Knochenschicht wird beiderseits 
Yon Schichten kernarmen Bindegewebes begrenzt, keine Spur von Knorpel. 
Die Zysten waren durchaus unregelmässig lokalisiert (Mitte und Ende der 
Diaphysen, Corticalis und Markraum), die Epiphysen waren frei. Die Zysten 
enthaltenden Knochen zeigten keine Auftreibungen, das Knochengewebe war 
nicht abnorm biegsam. Bemerkenswert ist schliesslich noch eine hochgradige 
Atrophie aller, auch der zystenfreien Knochen. In ätiologischer Beziehung 
kommt Verf. nach Ausschluss erweichter Enchondrome und Sarkome, sowie 
TOn Osteomalacie, zu der Anschauung, dass der die Zystenbildung verursachende 
Prozess wahrscheinlich der Ostitis deformans nahe steht. 

Vogel (67) berichtet über einen durch Resektion geheilten FaD von 
Randzellensarkom an der Schulter. Es handelt sich um ein Rezidiv bei einem 
34jährigen Manne, bei dem vor zwei Jahren Clavicula, Scapula und das 
Gelenkende des Humerus wegen Sarkom, ausgegangen von dem letzteren, 
reseziert worden waren. Es wurden von neuem zugleich mit Exstirpation 
der faustgrossen Geschwulst Scapula, Clavicula und der Humerus bis auf die 
untersten 3 cm reseziert. Prompte Heilung, nach vier Jahren rezidivfrei, 
keine Metastasierung. Vogel plädiert dafür, nach dem Vorschlag von 
Mikulicz in geeignet erscheinenden Fällen, besonders bei Sitz der Geschwulst 
nahe am Becken- und Schultergürtel, die Resektion an Stelle der Exartikulation 
zu versuchen. 



14* 



212 Jahresbericht für Chirurgie. I. Teil. 

XV. 

Erkrankungen der Gelenke. 
Referent: K. Baxtholdy, Wiesbaden 



Die mit * versehenen Arbeiten sind nicht referiert worden. 

I. Allgemeines. 

1. MalljetRichon, Gontribution ä Tötude du traitement des affectiona articolaires 
traumatiques. Archives g^n^rales 1903. Nr. 39. 

2. Maller, Zar funktionellen Anpassung mit Knochenplastik. Chirurgen-Kongress 19Q3. 
Zentralblatt für Chirurgie 1903. 

3 *Gluck, Über Arthroplastik. BerUn 1903. 

4. Stolper, The more frequent diseases of the joints, theier etiologj and treatment^ 
with report of cases. Medical News 1903. Nr. 10. 

5. Eing^Missing links in Joint disease. Bristol medico - chirurgical Journal 1903. Jone. 

6. * Gossner, Über Geräusche von Gelenken nebst einigen therapeutischen Bemerkungeo. 
Deutsche militärftrztl. Zeitschrift 190:^. Dez. 11. 

Für die funktionellen Störungen nach traumatischen Erkrankungen der 
(Grelenke empfehlen Mally und Richon (1) frühzeitige Mobilisation und 
Massage der Gelenke, wie dies Lucas-Championniere früher schon be- 
sonders dringend, aber ohne spezielle Indikationsstellung vorgeschlagen. Sie 
weisen auf die bei jeder Gelenkerkrankung in Erscheinung tretende Betei- 
ligung des dem Gelenke zugehörigen spinalen Abschnittes hin, die in der 
reflektorischen Muskelatrophie in Erscheinung tritt. Bestehen keine spasti- 
schen Erscheinungen als Zeichen der reflektorischen Erkrankung, wie erhöhte 
mechanische Reizbarkeit der Muskeln, Erhöhung der Sehnenreflexe, schmerz- 
hafte Kontraktionen, so ist Mobilisation und Massage der Gelenke indiziert, 
sowie elektrische Behandlung der Muskeln. Besteht aber spastischer Zustand, 
so ist Massage und Mobilisation kontraindiziert und statische Elektrizität 
indiziert. 

An einem 2V2 Jahre nach der Müll er sehen Operation der Knochen- 
plastik bei Spina ventosa gewonnenen Präparat zeigt Müller (2) die gute 
Einheilung des Ersatzstückes, die merkwürdige Umwandlung in der Form zu 
der des Fingerknochens und die innige Verwachsung mit dem seinerzeit er- 
jaaltenen Epiphysenknorpel. Die ersetzte Phalanx ist gut mitgewachsen. 

H. S toi per (4) stellt eine Reihe Fragen zum Thema der Gelenk- 
erkrankungen. In der Erörterung betont er zunächst den Satz, dass die 
Gelenke als ein Teil des Allgemeinkörpers sich an allen allgemeinen Körper- 
störungen beteiligen können. Er berichtet über eine Reihe von Pnenmo- 
kokkeneiterungen in Gelenken, bei denen er gute Erfolge von Sublimatinjek- 
tion sah, ebenso wie bei tuberkulösen Gelenken. Er stellt die allgemeine 
Forderung, dass, wenn bei einem Gelenk nach 48 Stunden Ruhe nicht die 
Infiltration zurückgeht, operativ vorgegangen werden muss, um Knorpelver- 
änderungen vorzubeugen. Er hält seine der Phelpschen Methode nach- 



Bartholdy, Erkfankungen der Gelenke. 213 

gebildeten Injektionen mit Sublimat und nachherigem Auswaschen mit Alkohol 
für besser als jene. Die Gelenkerkrankungen teilt er ein in I. traumatische, 
n. solche mit falschen Ausscheidungen (Gicht etc.), III. solche mit Keim- 
infektionen (Tuberkulose, Lues, Gonorrhöe, Pneumonie), IV. solche auf ner- 
TÖser Basis. 

Die bei der Einteilung der sogenannten rheumatischen Gelenkkrank* 
heiten in allen Schemata zutage tretenden Lücken zwischen den einzelnen 
Klassen will King (5) dadurch überbrücken, dass er für alle Klassen die 
Einwirkung von spezifischen Organismen annimmt. Es existieren im er- 
krankten Körper die verschiedensten Formen eines und desselben Organismus 
— daher die verschiedenen bakteriellen Befunde — , der entsprechend den 
yerschiedensten Nährböden im Körper sich verschieden entwickelt und ver- 
schieden wirkt, so dass z. B. auch durch eine Einwirkung des Rheumatismus- 
giftes auf Nerven und Gehirn eine Erklärung für die nervösen rheumatischen 
Erkrankungen zu geben wäre. 

IL Erkrankungen der Gelenke bei akuten Infektionen. 

1. Tashiro, Beitrag zur Kenntnis der histologischen Verftnderangen bei eitriger Gelenk- 
enUflndiing. Zieglere Beitr&ge 1903. Bd. 34. Heft 3. 

2. Craik, Arthritis as a complication of meaales. The Lancet 1903. Jan. 24. 

3. Mttrrell, A case of infloenzal artbritia. The Lancet 1903. Joli 18. 

4. Mammery, The valoe of arthrotomy in the treatment of certain joins-lesions. Med. 
Press 1903. March 18. 

5. ^Robinson and Fletscher» Fiye case ofpuralent pneamococcic arthritis in children. 
The Lancet 1903. Aug. 1. 

6. ^Alexander, Über tranmatische kryptogene Infektion und traumatische eitrige Gon- 
arthritis. Diss. Manchen 1903. 

An drei Fällen von Streptokokkenarthritis stellte Tashiro (1) nach 
mikroskopischen Untersuchungen fest, dass zunächst nach der Infektion eine 
eitrige Entzündung entsteht, bei welcher sich die entzündete Synovialmembran 
und die Zotten, sowie die Knorpelstücke mit Eiter bedecken. Die Bakterien 
Terbreiten sich über die ganze Gelenkfläche (sie können sich monatelang hier 
erhalten und vermehren). In der ersten Woche der Erkrankung erleidet der 
Knorpel degenerative Veränderungen in seinen oberflächlichen Schichten; die 
Zellen gehen zugrunde anscheinend durch Streptokokken und deren Gifte; 
es tritt Auffaserung des Knorpels ein. Leukocyten dringen in die Tiefe in 
diesen Knorpel, erst in Masse, dann mehr vereinzelt, bisweilen so tief, dass 
sie in sonst normalen Knorpelhöhlen neben normalen Knorpelzellen zu finden 
sind. Auch Streptokokken dringen soweit ein. Der Zerfaserung und Zer- 
klüftung des Knorpels folgt Zerfall und Auflösung; es kann der ganze Knorpel 
verloren gehen. Vor diesen Zerstörungen kann eine subchondrale fibröse 
Wucherung auftreten vom Endost aus; dies Gewebe wächst in den Knorpel, 
80 dass Markräume und Gefässe und fibrinöse Gewebe entstehen im Knorpel, 
eventuell mit Knochenbildung. Geht der Knorpel des Gelenkes ganz verloren, 
so bildet sich eine weit in den angrenzenden Knochen reichende, vom Endost 
ausgehende fibröse Wucherung. Das dem Granulationsgewebe naheliegende 
Bindegewebe hat besonders starke Fähigkeiten Knochen zu bilden. Aus diesem 
Bindegewebe kann sich auch Knorpel durch Metaplasie entwickeln. 

Craik (2) bringt den seltenen Fall einer Arthritis bei Masern. 

Eine Yerletzong ging der Erkrankung, welche das Kniegelenk betraf, nicht vorans. 
Secha Tage vor Ausbrach des Masernezanthems begann leichtes Hinken. Erst einen Tag 



214 Jahresbericht für Chirurgie. I. Teil. 

nach dem Exanthemaasbrach wurde über starke Beschwerden im Knie geklagt. Es bestaDd 
hier nur geringer Erguss, wenig Schwellung. Der Erguss nahm dauernd zu. 13 Tage nach 
dem Exanthem wurde das Gelenk eröffnet und viel Flüssigkeit, wenig eitrig, entleert. Uoter 
Drainage heilte das Gelenk gut aus. 

Murr eil (3) sah bei einem 43 jährigen Manne in einem schweren An- 
falle von Influenza multiple rheumatische Erkrankung fast aller mittleren 
Gelenke auftreten; besonders stark waren das Handgelenk und Fussgelenk 
befallen. Die Gelenke waren heiss, gerötet, hatten aber wenig Erguss. Die 
Gelenke reagierten gut auf Salizyl. Im Anschluss an den Fall kommt noch 
eine Pneumokokkenarthritis (Schulter, Handgelenk, Kniegelenk) mit Pneumo- 
kokkennachweis in der Punktionsflüssigkeit zur Sprache. 

Mtimmery (4) weist darauf hin, dass oft ganz geringe Verletzungen 
oder Infektionsherde die Quelle metastatischer septischer Gelenkerkrankungen 
sein können. So ging in einem Falle einer schweren Arthritis des Fuss- 
gelenkes, welche Inzision, schliesslich Amputation nötig machte, die Infektion 
von einer leichten Entzündung an einem Finger aus. Der Gelenkerkrankung 
gingen weder ein Trauma des Gelenkes, noch pyämische Erscheinungen voraus. 
Mummery empfiehlt die frühe Eröffnung der Gelenke, auch bei gonorrhoischer 
Erkrankung. Im Anschluss an diesen Fall empfiehlt O^Conor auch bei 
akuten Gelenkrheumatismen die Arthrotomie. Er verwendet keine anti- 
septische Spülflüssigkeit, sondern nur Drainage mit Gaze, nicht mit Drains. 
Das Gelenk wird nicht geschient, um durch die leichten Bewegungen die 
Drainage zu unterstützen. Patient soll seitlich oder abschüssig liegen. 

in. Chronische Gelenkerkrankungen. 

(Gfaron. Gelenkrheumatismus, Arthritis deformans, Tuberkulose, Lues, €h>norrhoe, Gicht.) 

1. Spitzy, Zur chronischen Arthritis der Kinder. Zeitschr. f. orthop&dische Chirurgie 1903. 
Bd. XL Heft 4. 

2. Pfeiffer, Multiple chronische Gelenkentzündungen im Kindesalter. Freie YereiDignog 
der Chirurgen Berlins. Zentralblatt für Chirurgie 1903. Nr. 9. 

8. Kachel, Untersuchungen über Polyarthritis Adhaesiva. Zieglers Beitr&ge 1903. 
Bd. XXXIII. Heft 1 u. 2. 

4. Elter, Weitere Beiträge zur Behandlung der Arthritis deformans, insbesondere der 
kleineren Gelenke. Deutsche Zeitschrift für Chirurgie 1903. Bd. 66. Heft 5 u. 6. 

5. *Weber, A case of the form of chronic Joint disease in children discribed by Still. 
British medical Journal 1903. March 28. 

6. *Painter and Eroing, Chronic villous arthritis, with special reference to its etiology 
and pathology. Medical News 1903. Nov. 28. 

7. W i e si n ge r , Hydrops intermittens. Heilung durch Jodoformglycerininjektion. Deutsche 
med. Wochenschrift 1903. Nr. 35. 

8. Schablowski, Die Veränderungen des Ejiorpels bei tuberkulöser Gelenkentzündung. 
Archiv für klm. Chirurgie 1903. Bd. 71. Heft 3. 

9. Ludloff, Zur Diagnostik der Knochen- und Gelenktuberkulose. Arohiv fQ.r klin. 
Chirurgie 1903. Bd. 71. Heft 3. 

10. Dor, La tuberculose articulaire. Gazette des höpitaux 1903. Nr. 71. 

11. Zesas, Über die Behandlung der Gelenktuberkulose. Wiener med. Presse 1903. Nr. 32. 

12. *G^növaier, Modificationen des Knoohenwachstums bei der tuberkulösen Arthritis. 
Revue mensuelle des maladies de Tenfance 1903. Juni. 

13. *P o n c e t et M a i 1 1 a n d , Rhumatisme tuberculeux. (Pseudorhumatisme d'origine bacil- 
laire) 1903. 

14. '^'Hoffa, Die Behandlung der Gelenktuberkulose im kindlichen Lebensalter. Würz- 
burger Abbandlungen 1903. Nr. 12. 

15. *Petrilli, Le cura iodo-iodurata alla Durante nella tuberculosi articolare a glando- 
lare. H Policlinico. Soz. pratica 1903. Fase. 36. 

16. *Sermi, SuU' osteo-tuberculosi a decosso acuto. Gazzetta medico di Koma 1903. 



Bartholdy, Erkrankungen der Gelenke. 215 

17. Hippel, Ober die Häufigkeit der Gelenkerkrankangen bei hereditär Syphilitischen. 

18. Kienböck, Ober Knochen Veränderungen bei gonnorhoischer Arthritis and akuter 
Knochenatropbie überhaupt. Wiener klin. Wochenschrift 1903. Nr. 8. 

19. Nobl, Über blenorrhoische Synovialmetastasen. Wiener Klinik 1903. Nr. 5. 

20. *Bennett, Abnormal deposits in the joints. Dublin Journal 1903. March. 

21. ▼. Rindfleisch, Bildung und Rückbildung der Tophi arthritici. Physik.-med. Gesell- 
schaft Wflrzburg. Münchener med. Wochenschrift 1903. Nr. 4. 

22. Janssen, Zur Kenntnis der Arthritis chronica ankylopoetica. Grenzgebiete der 
Medizin 1903. Bd. 12. Heft 5. 

Die seltene und wenig beschriebene Arthritis chronica im Kindesalter 
bespricht Spitzy (1) an der Hand 17 eigener Fälle. Er beleuchtet zunächst 
den Begriff der Arthritis chronica von den verschiedensten bisher festgelegten 
Standpunkten und stellt die Fälle der Literatur zusammen. Er gruppiert sie 
dabei in folgende Gruppen: 

I. Chronische Arthritis als Folgeerscheinungen des akuten Gelenkrheuma- 
tismus. (Sekundärer chronischer Gelenkrheumatismus nach Pribram.) 
n. Chronische Arthritis als Folgeerscheinung verschiedener Infektions- 
krankheiten. (Chronischer Pseudorheumatismus oder Rheumatoide 
nach Pribram.) 
in. Die primäre chronische Arthritis. 

Der letzten Gruppe gehören alle Fälle an, die mehr schleichend, ohne 
akuten ersten Anfall mit langsam zunehmender Schwellung ev. Schmerzhaftig- 
keit in einem oder mehreren Gelenken ohne fieberhafte rezidivähnliche An- 
fälle stetig fortschreitend verlaufen, in ihrem Endbilde aber den Bildern der 
schliesslichen Veränderung nach den früher genannten sekundären Formen 
gleichen. Pathologisch-anatomisch findet sich in den fortgeschrittenen Fällen 
neben Veränderung der Kapsel Zerstörung des Knorpels der Gelenke, Über- 
gang des hyalinen Knorpels in Bindegewebsknorpel und Fasergewebe oder 
direkter Übergang des hyalinen Knorpels in Bindegewebe. Auch das Knochen- 
gewebe beteiligt sich in schweren Fällen, es treten regressive Veränderungen 
ein, andererseits wächst in die Knorpelhöhle, die durch Erweichung ent- 
standen, neuer Knochen hinein. Es kann das Bild der Arthritis deformans 
entstehen. Therapeutisch soll die SaUzylsäure immer versucht werden. Im 
schmerzhaften Anfangsstadium soll Ruhe, bald aber, beim Nachlassen der 
Schmerzen, leichte aktive und passive Bewegung verwandt werden. Beginnende 
chronische Veränderungen erfordern Massage und Wärmebehandlung, auch 
Bier sehe Stauung. Die perniziösen Fälle trotzen aller Therapie und enden 
letal; hier kommt vor allem Hebung des Allgemeinbefindens in Frage. 

Pfeiffer (2) demonstriert einen Fall von primärer Arthritis chronica 
ancylopoetica der Kinder. Dieser primäre chronische Gelenkrheumatismus 
der Kinder beginnt fieberlos und allmählich in den kleinen Gelenken der Ex- 
tremitäten und führt zur Ankylose oft sämtlicher Gelenke. 

Kachel (3) gibt den insbesondere mikroskopisch genauen Befund von 
zwei Fällen von Polyarthritis chronica adhaesiva. Der Prozess ist auf die 
der Gelenkhöhle angrenzenden Teile der Gelenkenden beschränkt (Synovialis, 
Knorpel- und subchondrale Spongiosa). Makroskopisch besteht massige Wuche- 
rung der Synovialis, es findet sich keine wesentliche Verdickung der Zotten 
oder Vermehrung derselben. Der Knorpel ist aufgefasert, zerklüftet, zum 
Teil geschwunden, in anderen Gelenken wieder durch Bindegewebe ersetzt. 
Wucherungserscheinungen am Knorpel und Knochen treten in den Hinter- 



216 Jahresbericht fOr Gbinirgie. I. Teil. 

grund. Die mikroskopische Untersuchung ergibt für den Knorpel im wesent- 
lichen substituierende und metaplasierende Prozesse. Der Knorpel wird von 
einem zell- und gefässreichen Bindegewebe über-, unter- und durchwachsen. 
Hyaliner Knorpel geht zum Teil direkt in Bindegewebe über. Die binde- 
gewebige Substitution geht von der Synovialis durch Wucherung aus. 

Elter (4) gibt einen Überblick über die bisher bekannten Fälle von 
operativer Behandlung der Arthritis deformans durch Resektion. Er berichtet 
dann über acht Fälle operativer Behandlung der Arthritis deformans kleinerer 
Gelenke (M ü 1 1 e r - Rostock). Dabei findet sich ein Fall von Arthritis de- 
formans des Kiefergelenkes; zwei Fälle von Resektion der Fussgelenke sind 
die einzigen bisher bekannten. In allen Fällen guter Erfolg. 

Wie Singer (7) hat einen Hydrops intermittens des Kniegelenkes, der 
seit fünf Jahren alle zehn Tage auftrat und aller interner Therapie (Chinin, 
Arsen, Jodkalium), Einreibungen etc. getrotzt hatte, auf einmalige Injektion 
von 10 ccm Jodoformglyzerin prompt verschwinden sehen. Die Injektion 
erfolgte während des Anfalles, was Wiesinger als wichtig für die Ein- 
wirkung des Präparates hält. Die Heilung hat bisher über fünf Monate 
standgehalten. 

Schablowski (8) spricht zur Streitfrage, ob bei tuberkulösen Gelenk- 
entzündungen die Knorpelveränderungen regressiver oder progressiver Natur 
sind. Im Knorpel erkrankter Gelenke sind spindelförmige Zellen bekannt, 
die bald als umgewandelte Knorpelzellen, bald als Abkömmlinge des an den 
Knorpel angrenzenden Granulationsgewebes aufgefasst worden sind. Schab- 
lowski fand in einigen Präparaten einzig und allein spindelförmige Zellen 
in den erweiterten Knorpelhöhlen in Fällen, bei denen auf Serienschnitten 
überhaupt keine Zelleinwanderung zu konstatieren war. Damit ist bewiesen, 
dass die spindelförmigen Zellen nicht von Granulationsgewebe abstammen 
können. Nach der Oberfläche zu werden die spindelförmigen Zellen grösser, 
die Knorpelhöhlen wachsen, bis schliesslich eine direkte Kommunikation mit 
dem darüber liegenden Granulationsgewebe eintritt. ^Von diesem Momente 
aber erfolgt rapide Vermehrung der Zellen innerhalb der Knochenhöhlen; 
Fibroblasten, Leukocyten und Rundzellen dringen ein, kurz, Zellformen, die 
sich in nichts unterscheiden von den Zellen des Granulationsgewebes. ^ Dar- 
nach nimmt Schablowski an, dass neben verschiedensten regressiven Ver- 
änderungen auch progressive Veränderungen im Knorpel vorkommen. 

Ludloff (9) knüpft an seine Untersuchungen der normalen Epiphysen- 
verhältnisse der Kniegelenke der Kinder im Röntgenbilde an. Er erinnert 
an den Befund einer bei seitlicher Durchleuchtung in der vorderen Hälfte 
der Kondylen bis zum Epicondylus reichenden durchsichtigen Stelle (Epi- 
physenfleck). Bei Durchstrahlung von vorn erscheinen im zweiten Lebens- 
jahr an der medialen Knochenknorpelgrenze des Condyl. medialis, im vierten 
Lebensjahr auch am Condylus extemus lange Protuberanzen (gewöhnlich vier 
übereinander). Von 47* Jahren ab sind diese verschwunden und nun findet 
das Wachstum der Kondylen mit glatten Grenzen statt. Die Aufnahme einer 
Reihe tuberkulöser Kniegelenke in entsprechendem Alter ergab: 

1. Verminderung resp. Vernichtung der Protuberanzen. 

2. Zapfenförmige Knochenbildung an der Unterfläche der Kondylen. 

3. Vergrösserung der knöchernen oder verknöcherten Teile der Kondylen, 
Patella, der Tibia und des Fibulakopfes (wie aufgeblasen). 



L 



Bartholdy, Erkrankangen der Gelenke. 217 

4. Vergrösserung des Epiphysenfleckes und grössere Durchlässigkeit des- 
selben für Röntgenstrahlen. 

Bedingt sind alle die Erscheinungen durch das wechselnde Spiel zweier 
Prozesse bei Entwickelung der Tuberkulose, Knochenzerstörung und Knochen- 
neubildung. 

Dor (10) gibt eine Zusammenstellung der Formen der synovialen Ge- 
lenktuberknlosen. Die Synoyialtuberkulosen teilt er in drei Gruppen. Zu 
der ersten zählt er die Synovialzysten oder Ganglien, zur zweiten die Reis- 
körperbildungen und das Lipoma arborescens, zur dritten Gruppe die Fungus- 
bildungen. Sie alle sind Proliferationsprodukte der Synovialis. 

Bei der Behandlung der synovialen Form der Knie- und Handgelenks- 
tnberkulosen jugendlicher Individuen empfiehlt Zesas (11) leichte Massage 
von sachkundiger Hand. Er bespricht dann die übrigen bekannten Methoden 
der Tuberkulosebehandlung. 

Nach V. H ippel (17) sind die hereditär syphilitischen Gelenkerkrankungen 
häufige Erkrankungen, die besonders von den Augenärzten häufig mitbeob- 
achtet werden bei der Behandlung der Keratitis parenchymatosa luetica. Von 
77 Fällen von Keratitis parenchymatosa bei hereditärer Lues zeigten 43 
(:^ 56 o/o) Gelenkerkrankungen. 41 mal war das Kniegelenk befallen, 6 mal 
mit Beteiligung anderer Gelenke ; 1 mal war das Ellenbogengelenk allein er- 
krankt. Am häufigsten betrofifen war das Alter von 6 — 10 Jahren. Fast 
immer ging die Gelenkerkrankung der Keratitis voraus. 

Kienböck (18) hat eine Reihe gonorrhöischer Arthriti den radiographisch 
untersucht. Der Schatten der Knochen in der Nähe der entzündlichen Ge- 
lenke ist aufgehellt und die Konturen und Spongiosastrukturstriche sind ver- 
schwommen, bedingt durch intensive Kalkresorption. In einem Falle trat die 
Knochenerweichung bereits 6 Wochen nach der Erkrankung im Bilde sichtbar 
aaf. In zwei Fällen (Ellenbogengelenk, Hüftgelenk) bestand keine Aufhellung 
der Knochen, doch waren hier die Gelenkpfannen wesentlich verändert (ver- 
tieft). Die Erklärung für die Knochenveränderung ist nicht in einer In- 
aktivitätsatrophie zu suchen, auch nicht in einer eigentlichen Ostitis, sondern 
anf nervöse Einflüsse zurückzuführen. Kienböck glaubt, den radiologischen 
Nachweis frühzeitiger Knochenschattenauf heUung prognostisch ungünstig deuten 
zu dürfen und empfiehlt den Nachweis als diagnostisches Mittel bei Verdacht 
anf gonorrhöische Erkrankung und zur Leitung der Therapie: Vermeidung 
langer Fixation der Gelenke bei deutlicher Knochenaufhellung, dafür Stauungs- 
hyperämie nach Dumreicher-Bier. 

An der Hand von 23 eigenen schweren Fällen bespricht Nobl (19) die 
Klinik und Pathologie der gonorrhöischen Synovialerkrankungen. Sie betrafen 
18 männliche, 5 weibliche Individuen im Alter von 4 — 50 Jahren. Es be- 
standen hier komplikatorisohe Gelenks-, Sehnenscheiden- und Schleimbeutel- 
erkranknngen , von Genitalgonorrhöe ausgehend. Es waren befallen 14 mal 
das Kniegelenk, 7 mal das Handgelenk, je 3 mal Zehen- oder Fingergelenke, 
3 mal das Stemoklavikulargelenk , je Imal das Hüft-, Kiefer-, Wirbel- und 
AÜanto-epistropheus-Gelenk. Von Sehnenscheiden waren 6 mal die Streck- 
sehnen am Handrücken und Fingern, 5 mal die Scheide der Extensoren des 
Fosses und des Extens. digit. comm. long, befallen. Von Schleimbeuteln wurde 
5 mal die Bursa achillea und Imal die synoviale Duplikatur des langen Biceps- 
kopfes in Mitleidenschaft gezogen, unter 10 bakteriologischen Untersuchungen 
der Exsudate gelang 3 mal der Nachweis der Gonokokken, 2 mal von gewöhn- 



218 Jahresbericht für Chirurgie. I. Teil. 

liehen Eitererregern, 5 mal blieben die Nährmedien steril. Bei 3 Versuchen 
gelang es 1 mal, aus dem strömenden Blute Gonokokken zu züchten. Zu er- 
wähnen ist die Ophthalmoblenorrhöe der Neugeborenen als Eingangspforte für 
metastatische Synovialerkrankungen, von denen in der Literatur 23 bekannt 
sind. Als Weg der metastatischen Ansiedelung ist das Blut anzunehmen. Die 
Lokalisation gonorrhöischer Gelenkerkrankungen ist ebenso häufig monarti- 
kulär wie polyartikulär. 

In einem exstirpierten Tophus fand v. Rindfleisch (21) ein Depot 
von kristallinischer Harnsäure und Urate von bindegewebiger Neubildung 
umwachsen und durchwachsen. Neben Nekrobiose des Bindegewebes im Innern 
fanden sich RieseuÄellen, welche Harnsäurekristalle umwachsen und einschliessen 
und so vertilgen. Es besteht also eine spezielle Wirkung der Risenzellen im 
Sinne einer Rückbildung. 

lY. Sonstige Erkrankungen. 

(Arthropathien, Tumoren, Hämophilie, GelenkkOrper.) 

1. Adrian, Über Arthropathia psoriatica. Mitteilungen ans den Grenzgebieten 1903. 
Bd. X. Heft 

2. Brissaud, Arthropathies Syringom jeliques. Archives gön^rales 1903, Nr. 52. 

3. Schnitze, Über Knochen- nnd Grelenkveränderongen bei Syringomyelie. Dias. Frei- 
burg 1903. 

4. Grelck, Über Arthropathie bei Tabes. Diss. Kiel 1903. 

5. Roger et Garnier, Osteoarthropathies mötatraumatiques. La presse m^dical 1903. 
Nr. 97. 

6. Curl, Gase of bypertrophie pulmonary osteo-arthropathy. British medical Journal 1908. 
June. 

7. Berent, Zur Ätiologie osteoarthropathischer Veränderongen. Berliner klin. Wochen- 
schrift 1903. Nr. 4. 

8. £ve, Angioma of synovial membrane and muscle. Clinical Society. The Lancet 1903. 
May 16. 

9. Riedel, Gelenk- Kapselenchondrome. 33. Chirurgenkongress. Zentralblatt fftr Chi- 
rurgie 1903. 

10. Langemak, Zur Kenntnis der Chondrome u. anderer seltener G^schwalsie der Gelenke. 
Archiv für klin. Chirurgie 1903. Bd. 72. Heft 1. 

11. Yiana, Contributo alle studio delle affezioni articolari emofiliche. Clinica m ödem a 1903. 
N. de] 18-25. Febbr. 

12. Delbet, Corps ^tranger articulaire d'origine traumatique. Bulletins et mömoiree de 
la sociötö de Chirurgie 1903. Nr. 14. 

13. Boerner, Klinische und pathologisch-anatomische Beiträge zur Lehre von den Gelenk- 
mflusen. Deutsche Zeitschrift für Chirurgie 1903. Bd. 70. Heft 3 n. 4. 

14. Müller, Zur Frage der Osteochondritis dissecans. Chirurgen- Kon gress Berlin 1903. 
Zentrallblatt 1903. 

15. *Oentgen, Über Gelenkmftuse. Diss. 1903. 

Adrian (1) gibt eine ausführliche Arbeit über Gelenkerkrankungen bei 
Psoriasis, welche bisher von den Chirurgen nicht berücksichtigt worden sind, 
während sie den Dermatologen und inneren Klinikern schon lange bekannt 
sind. Er berichtet folgenden Fall: 

Vor 25 Jahren begannen bei dem Patienten Schmerzen in den Beinen aufzutreten. Die 
Kniegelenke und ein Fussgelenk schwollen au. Die Schmerzen waren kontinuierlich; es 
bestand kein Fieber. Schwellung und Schmerzhaftigkeit gingen nie ganz zurück. In den 
nftchsten Jahren erkrankten auch die Fingergelenke und die übrigen Gelenke der oberen 
Extremitäten. Seit 16 Jahren werden die Finger krümmer, sie schrumpfen zosammen; 
auch die grosse Zehe wurde stummeiförmig. Unter Nachlassen der Schmerzen und der ent- 
zündlichen Erscheinungen an den Gelenken trat vor 13 Jahren ausgedehnte Psoriasis auf. 



Bartholdy, Erkrankangen der Gelenke. 219 

Zugleich mit den Gelenkerscheinungen sollen nervöse Erscheinungen aufgetreten sein. Der 
Befand ergab ausgedehnte Psoriasis (Kniee, Ellenbogen, Unterschenkel); keine Ödeme. 
Patient, der wegen Blasenkarzinom in die chirurgische Klinik (Strassburg) kam, zeigte 
keine anderen Erkrankungen mehr. Die Motilität (abgesehen von der der Finger- und 
Zehengelenke), sowie die Sensibilität war normal, die Patellarreflexe lebhaft. Es bestehen 
Dar an Händen und FOssen Gelenkveränderungen, alle flbrigen Gelenke sind frei. Die 
Fingerglieder sind verstflmmelt und verkürzt; die Finger sind zum Teil seitlich verkrümmt 
und stehen sämtlich in Hypereztension im Mittelgelenk und leicht flektiert im Grund- und 
im Endgelenk. Die Muskeln beider Hypothenargegenden sind atrophisch. Beide. Hände 
zeigen reiche Faltenbildung der Haut. Weder im Handgelenk, noch in Fingergelenken, mit 
Ausnahme von zwei Metakarpo-phalangealgelenken , besteht Krepitation. In den Mittel- 
gelenken der Finger (2— &) ist Subluxation eingetreten; hier ist die Bewegung beschränkt 
Andere Gelenke sind zum Teil nur in Bewegung beschränkt, zum Teil ganz ankylotisch. 
Ähnliche Erscheinungen bestehen an den Füssen; hier wiegen atrophische Prozesse vor, 
▼ährend an der Hand hypertrophische und atrophische Prozesse nebeneinander bestehen. 
{Röntgenbilder.) 

Adrian fand in der Literatur nur 93 Fälle von Athropathia psoriatica. 
Gelenkerkrankungen sollen nach Wolff in 2 bis 5®/o der Psoriasisfälle vor- 
kommen. Meist tritt die Erkrankung der Gelenke erst nach jahrelangem 
Verlaufe der Psoriasis auf, kann aber zu allen Zeiten eintreten, auch prodromal. 
Das Alter von 41 bis 45 Jahren ist bevorzugt, im Geschlecht das männliche. 
Neben den grossen Gelenken und den kleinen Extremitätengelenken können 
anch Kiefergelenk und Sternoklavikulargelenk befallen werden. Das Freibleiben 
der Daumengelenke ist häufig, wie auch im vorliegenden Falle nur geringe 
Beteiligung der Daumengelenke zu finden war. Im chronischen Stadium der 
Krankheit besteht grosse Ähnlichkeit mit der Arthritis deformans. Verf. neigt 
der Ansicht zu, dass für die Athropathia psoriatica sowie für die Psoriasis 
überhaupt, eine Erkrankung des Nervensystems anzunehmen ist. Es wird 
dann noch ein Überblick über die differentialdiagnostisch wichtigen ähnlichen 
Krankheiten gegeben. Die wenig vorhandenen pathologisch -anatomischen 
Untersuchungen sprechen dafür, dass der Beginn der Krankheit von der 
Gelenkkapsel ausgeht. 

Brissaud (2) berichtet einen Fall ausgedehnter Erkrankung beider 
Kniegelenke uud des linken Schultergelenkes bei Syringomyelie. Der linke 
Femur steht luxiert, dabei empfindet Patient keine Schmerzen bei Benutzung 
des Beines. Als Zeichen für Syringomyelie bestand sonst nur Fussklonus, 
lokalisierter Schweiss, Polyurie und Testikelschmerz. 

Schnitze (3) konnte eine Erkrankung des Fusses bei Syringomyelie 
am amputierten Gliede genauer studieren. Die Erkrankung hat sich wahr- 
scheinlich im Anschluss an ein Trauma der Wirbelsäule entwickelt. Die 
mikroskopische Untersuchung ergab neben ausgedehnter Knochenresorption 
eine reichliche Neubildung von Knochen und Knorpelgewebe in der Nähe 
imd in weiterer Umgebung der Gelenke, von Periost und von Endost aus- 
gehend. Das Knochenmark ist in fibröses Gewebe umgewandelt (Osteomyelitis 
fibrosa), dabei besteht Knochenneubildung in ihm (Osteomyelitis ossificans). 
In den Gelenkknorpeln finden sich atrophische und hypertrophische Ver- 
ändeningen, die teilweise zu Ankylosen führten. Der Prozess wird gedeutet 
^e von Sokoloff, als bedingt durch Ernährungsstörungen der Knochen mit 
Bildung nekrotischer Herde, wie auf der Haut. Zugleich wird aber eine 
Sekundärinfektion als, jedoch nur in geringem Grade, wirksam für das Fort- 
schreiten des Zerstörungsprozesses angenommen. 

Grelck (4) bringt einen Fall von Arthropathie bei Tabes ohne Be- 



220 Jahresbericht für Chirurgie. I. Teil. 

Sonderheiten. Er hebt nur die grosse Neigung der tabischen Spontanfrakturen 
zu schneller Heilung hervor, exklusive der Gelenkfrakturen. 

Roger und Garnier (5) berichten einen Fall von meta-traumatischer 
Osteoarthropathie. 

Im Anaehloss an eine Fraktor des Vorderarmes durch kein schweres Trauma, ent- 
standen langsam zunehmende Yerftnderungen der ganzen Hand. Dieselbe wurde dicker, die 
Finger wurden hypertrophisch, die Axen der Gelenke verschoben sich, es trat wesentliche 
Bewegungsbeschränkung ein. Ätiologisch ist rheumatische Erkrankung auszusch Hessen; es 
bestanden an keiner anderen Stelle des Körpers artbropathische Yerftoderungen. 

Direkte nervöse Einflüsse (Druck durch Kallus auf Nerven) sind bei der 
Ausdehnung der Veränderungen ebenso wie Gefässschädigungen auszuschliessen. 
Die Verff. nehmen an, dass trophische Störungen hier eine Bolle spielen^ 
indem die Vorderarmknochen durch das Trauma und nachfolgende Knochen- 
umbildung in ihren trophischen Bedingen verändert wurden und diese 
veränderten Bedingungen auch auf die peripher gelegenen Teile weiter ge- 
wirkt haben. 

Eine pulmonare Osteoarthropathie beschreibt Curl (6). 
Bei einem 26 Jahre a]ten Manne, welcher an einer Erkrankung der Lunge litt, die 
verdächtig auf Tuberkulose war, begann vor zwei Jahren Handgeleok, Knöchel, Knie ohne 
Schmerzen dicker zu werden. Die Spitzen der Finger und die Hftnde waren immer breit 
gewesen. Finger und Daumen wurden in der ganzen Lftnge verdickt, die Nftgel breit, ihre 
Wurzel leicht fOhlbar; sie wurden der Länge nach gerieft und abnorm brüchig. Die Be- 
wegungen im Handgelenk waren beschränkt, die Fingergelenke dagegen frei. Ea bestanden 
keine Ödeme. Das Schultergelenk war normal, aber bisweilen traten leichte Schmerzen in 
Ihm auf. Die KnOchel, der Rücken der Füsse und das Tibiaende waren verdickt. Das Ende 
der grossen Zehe war plump, die übrigen Zehen normal. Das Knie war sehr dick, aber die 
Ränder der Knochen nicht wulstig, ausserdem kein starker Erguss. Nach den Röntgen- 
bildern sind die Verdickungen bedingt durch Zunahme der Knochen an Grösse und Hyper- 
trophie der Weichteile. Die Histologie der Erkrankung ist unbekannt 

Eine milde Form der Tuberkulose der Knochen und Gelenke anzunehmen, 
wie manche es wollen, ist man nicht berechtigt, da solche Erkrankungen 
auch bei anderen Lungenbefunden (Tumor, Bronchiektasie) vorkommen. 

Der Beweis osteoarthropathischer Veränderungen auf rein nervöser Basis 
wird durch einen von Bereut (7) beschriebenen Fall erbracht. Es handelte 
sich um ein Aneurysma der Arteria subclavia sinistra, welches durch Druck 
auf den Plexus brachialis schwere Neuritis mit sekundärer Degeneration des 
Plexus bedingte; im Anschluss an die Neuritis entwickelten sich artbropathische 
Veränderungen an der entsprechenden Extremität, Trommelschlägelfinger, 
Auftreibung der distalen Enden der Vorder- und der Oberarmknochen. Dabei 
bestanden keine Stauungserscheinungen an der Extremität und keine Erkran- 
kung der Lunge. 

Eve (8) berichtet vier Fälle von Angiom der Synovialis und der 
Muskeln. 

Der erste Fall betraf ein junges Mädchen. Es bestand eine Schwellung an der äusseren 
Seite des Oberschenkels kurz über dem Knie. Exstirpation ergab ein diffuses Angiom des 
oberen Teiles der Gelenkmembran und des Muse. vast. ext. 

Im zweiten Falle bestand bei dem Knaben eine die Bewegung hindernde Geschwulst 
der linken Eniegegend in der Nähe des Lig. patellae. Es wurde ein abgegrenztes Agiom 
der Synovialis exstirpiert. 

Im dritten Falle bestand die schmerzhafte Geschwulst auf der Innenseite des Ellen- 
bogengelenkes. Es handelte sich um ein Angiom der Synovialis zwischen Gondylus und 
Oberarm. 

Im vierten Falle lag auf der äusseren und hinteren Seite des Ellenbogengelenkes eine 
Geschwulst und ein Lipoms; das bei der Operation fettig aussehende Gewächs wurde aus 
dem Triceps und der Gelenkkapsel entfernt; es erwies sich als Angiom. 



Bartholdy, Erkrankangen der Gelenke. 221 

Von den Patienten klagten einige über Beschwerden, wie bei Tuberkulose 
(leichte Schmerzen bei Bewegung, Beschränkung der Bewegung). In zwei 
Fällen waren die Muskeln mitergriflfen. Die Geschwülste waren weich, elastisch, 
ohne Pulsation und konnten nicht durch Druck entleert werden. In der 
Diskussion kamen noch drei weitere Fälle zur Sprache (Muse, gracilis, Beuger 
des Vorderarmes, Kniegelenkkapsel). 

Riedel (9) operierte einen bereits einmal von anderer Seite operierten 
Fall von Enchondromen des Handgelenkes. Sie lagen zum Teil frei und zum 
Teil in der Kapsel als festansitzende Tumoren. Wegen Rezidives musste 
nochmals operiert werden. Riedel nimmt keine eigentliche Neubildung an, 
sondern mehr eine spezifische Gewebsleistung, in Parallele zu stellen mit 
den Exostosen nach Per iostverletzungen ; auch hier war ein Trauma (Wäsche- 
ringen) vorhanden in der Anamnese. 

Langemak (10) fügt zu den drei in der Literatur bekannten Fällen 
von Echondromatose der Gelenkkapsel (Reichel, Müller, Riedel [8]) 
einen neuen. Es bot sich insofern ein Unterschied zu den beschriebenen, als 
hier das Gelenkende der Knochen nicht freiblieb, sondern zuerst der alleinige 
Sitz der Geschwulst war und später auch die Gelenkkapsel ergriffen wurde. 
Es handelte sich um ein Chondrom, welches von der vorderen Talusepiphyse 
ausging; der Synovialis des Talonaviculargelenkes sassen isolierte Knoten 
auf, die Langemak nicht als Metastasen auffasst, sondern als primäre 
TumorQn. Es folgen noch zwei Fälle von Knochensarkomen am Kniegelenk, 
die auf die Gelenkkapsel übergegangen waren. 

Viana (11) berichtet über einen Fall von hämophilischer Gelenkaffek- 
tion am rechten Knie, der einen 9jährigen Knaben betrifft; nach dem von 
Bajardi beschriebenen ist dies der zweite in Italien beobachtete Fall von 
solcher Affektion. Da die Diagnose nicht auf Hämophilie gestellt worden 
war, nahm Verf. die Arthrektomie vor. Es fanden Blutungen statt, die nur 
mit Mühe gestillt werden konnten; aber Verf. erzielte vollkommene Heilung 
und was die Arthrektomie anbetrifft war das funktionelle Resultat ein aus- 
gezeichnetes. Er beschreibt die in der Synovialis, im Knorpel und in den 
Knochen angetroffenen Veränderungen. Die Synovialzotten wiesen Volum- 
zunahme nnd eine bedeutende Anzahl von Gefässen auf; um diese herum 
fand sich eine ausserordentliche Menge Pigment aufgehäuft, und zwar ent- 
weder unter der Form von ganz kleinen Körnchen oder von Pigmenthaufen, 
die im Protoplasma von Zellen, welche die Merkmale der globulipheren Zellen 
besassen, eingeschlossen waren. 

Im Knorpel konstatierte man neben Erscheinungen, die auf einen Neu- 
hUdungsprozess hindeuteten , eine ausgedehnte Regressivveränderung. Die 
unter dem Knorpel gelegene Knochenschicht wies nur eine Rarefaktion auf. 
Was die Ätiologie anbetrifft, kann nach Verf. ein rheumatischer Prozess 
mit den hämophilischen Gelenkaffektionen in Beziehung stehen ; ein wichtiger 
Faktor könne auch das Hinzutreten eines Traumas oder eine übermässige 
Anstrengung des Gelenkes sein. 

Nach Besprechung der Symptome, die diese Affektion von den anderen 
Gelenkaffektionen differenzieren können (eine etwas schwierige und unsichere 
Diagnose), äussert Verf. sich dahin, dass bei der Behandlung von jedem 
operativen Eingriff abzusehen sei. Wird mit der Behandlung frühzeitig be- 
gonnen , dann können Eisbeutel und eine Mobilisation des Gelenkes guten 
Erfolg haben. Bei später Behandlung kann ein Kompressivverband oder, 




222 Jahresbericht fQr Chirargie. I. Teil. 

wenn reichlicher Erguss stattgefunden, eine Punktur gute Dienste leisten; 
Massage sei nicht ratsam. Lässt sich die Ankylose nicht vermeiden, so sorge 
man dafür, dass sie in der günstigsten Stellung zustande kommt. 

R. Giani. 

Delbet (12) beobachtete die traumatische Entstehung eines Gelenk- 
körpers im Kniegelenk bei einer heftigen Bewegung im Sinne einer Torsion 
im Kniegelenk. Die Lösung des Stückes aus der Kontinuität erklärt Delbet 
durch Druck, nicht durch Zug. 

Auf Grund eines zufällig bei einer Leiche gefundenen Präparates eines 
noch nicht vollkommen gelösten Körpers aus der Gelenkääche des Condylns 
internus femoris [Präparat demonstriert von Müller (14)] besprichtB oerner(13) 
zunächst ein grösseres Material von Gelenkkörpem. Von echten aus Knorpel 
und Knochen bestehenden Körpern standen 28 zur Verfügung. Boerner 
nimmt die Schmieden sehe Einteilung an: 

L Gelenkkörper, welche mikroskopisch Teile der normalen Gelenkfläche 
enthalten und nicht der Arthritis deformans zuzurechnen sind ; 

U. Gelenkkörper, die mikroskopisch keine Teile der normalen Gelenk- 
fläche enthalten, sondern Wucherungen in einem an Arthritis deformans 
erkrankten Gelenk. 

Die erste Gruppe wird noch geteilt in zwei Untergruppen: Fälle, in 
denen ein Trauma bekannt resp. nicht bekannt ist. 

Unter 19 Gelenkkörpem, die typisch Gelenkknorpel enthielten, befand 
sich nur einer, in welchem sich keine Erscheinungen von Nekrose nachweisen 
Hessen. Nach Tierexperimenten und Färbeversuchen schliesst Verf. aus (als 
Gegner der Barth sehen Untersuchungen über Corpora mobilia), dass gute 
Färbbarkeit der Kerne im Knorpel einen sicheren Schluss dahin machen 
lässt, dass der Knorpel bei der Loslösung von der Knorpelfläche des Gelenkes 
noch gelebt habe. Warum die Nekrose in den Gelenkkörpem einmal geringer, 
einmal stärker entwickelt war, blieb unaufgeklärt; ein gefässführender Stiel 
verhindert anscheinend Knorpelnekrose. Ein histologischer Unterschied zwischen 
traumatischer und angeblich nicht traumatischen Gelenkkörpern bestand nicht. 
Das genannte Leichenpräparat stammt von einem 46jährigen Manne, der 
nie Knieschmerzen geklagt, nie seiner Umgebung ein Trauma (!) genannt hatte. 
Die letzten Wochen vor seinem Tode lag er zu Bett. Am Condylus med. 
femoris liegt ein ovales Stück der Gelenkfläche isoliert von der übrigen Ge- 
lenkfläche durch einen tiefen Spalt, dessen Ränder beiderseits aufgefasert 
sind. Das Stück ist beweglich, sitzt aber in der Tiefe noch fest. Als Zeichen 
eines nicht alten Trauma (1) fand sich blutig-seröser Erguss und frische 
Blutungen in der Gelenkkapsel. Es folgen drei weitere Fälle (Operations- 
befunde) von ungelösten, aber beweglichen Gelenkkörpem. Für schnell sich 
lösende Gelenkkörper nimmt Boerner die Ansicht Volk er s an, dass es sich 
bei der Lösung um eine Stückfraktur (B.) der Gelenkflächen handle, bei der 
eä zu keiner Einheilung der Fragmente kommt wegen der andauernden Be- 
wegungen des Gelenkes und des dauernden Einpressens von Synovia in den 
Brucbspalt (Schmieden), oder es liegt eine Rissfraktur der Fixationsbänder 
von Andererseits lässt Boerner auch die Möglichkeit zu, dass auch ge- 
ringere Traumen als ;,grosse Gewalteinwirkungen" imstande sind, ein Stück 
Gelenk fläche sofort herauszusprengen, wie obiger Fall zeigt. Für die Koni g- 
ache Annahme einer Osteochondritis dissecans fand Verf. keinen Anhalt. 



Bartholdy, Erkrankungen der Schleimbeatel. 22^ 

XVL 

Erkrankungen der Sehleimbeutel. 



Referent: K. Bartholdy, Wiesbaden. 



1. Langemak, Die Entatehnng der Hygrome. Arohiy für klin. Chirurgie 1903. Bd. 70. 
(Nachtrag 1. c. Bd. 71.) 

2. Adrian, tTber die yon Schleimbeuteln ausgehenden Neubildungen. Brunssche Bei^ 
trftge 1903. Bd. 88. Heft 2. 

Langemak (1) bespricht die Entstehung der Hygrome und zwar der 
Hygrome der Gleitbeutel , d. h. nicht der Gelenkschleimbeutel , sondern nur 
derjenigen Schleimbeutel, die ohne Zusammenhang mit den Gelenken erst 
postembryonal sich bilden. Sie haben keine epitheliale Auskleidung. Auf 
Grund der mikroskopischen Untersuchungen von acht Fällen kommt Lange» 
mak zu dem Schluss, dass die Hygrome durch Umwandlung von Geweb» 
(Fettgewebe) in Bindegewebe unter Schwund des ersteren Gewebes und Hyper- 
plasie des Bindegewebes ihre erste Anlage erhalten. Nachdem alles Fett ge- 
schwunden, häuft sich unter der begleitenden Hyperämie immer mehr Kol- 
lagen an, die protoplasmatischen Gewebsbestandteile , insbesondere auch der 
Gefässe, schwinden. Es entsteht eine aus Kollagen bestehende, mit wenigen 
Zellen durchsetzte Schwiele, die im Zentrum gefässlos ist. Hier setzt die 
Hygrombildnng ein. Das Kollagen, ein ungelöstes Albumoid, geht in gelösten 
Zustand über, es wird flüssig. Damach sind auch Hygrom und Ganglion dem 
Wesen nach übereinstimmende Produkte der Verflüssigung vermehrten Binde- 
gewebes. In einem Nachtrag zeigt Lange m'ak noch durch chemische Unter- 
suchung, dass die aus muzinreichem Bindegewebe hervorgehende Gelenkschleim- 
beutelflüssigkeit viel Muzin enthält im Gegensatz zu der aus postembryonalem^ 
an Muzin armen Bindegewebe hervorgehenden Gleitbeutelflüssigkeit. 

Zur Besprechung der von den Schleimbeuteln ausgehenden Neubildungen 
knüpft Adrian (2) an den Hinweis Rankes aus dem Jahre 1886 auf die 
„armselige Kasuistik^ dieser Neubildungen an. Ranke konnte damals nur 
7 Beobachtungen sammeln und in den weiteren 15 Jahren sind ebenfalls nur 
wenig Fälle bekannt geworden. Nach Ausschluss aller Pseudoneubildungen, 
d.h. entzündlicher Tumoren oder Tumoren in Narben nach Operationen an. 
Schleimbeuteln, sind nach Ranke zwei Gruppen unterschieden worden. 

I. Umwandlung der Wand der Schleimbeutel in eine der Bindegewebs-^ 

reihe einzureihende Wucherung (Chondrom, Sarkom, Myxom etc.). 
U. Epitheliale Neubildungen, bis dahin nur beobachtet bei bestehenden 

Fistehi, gleichzustellen den bekannten Karzinomen aus alten Ulze- 

rationen und Fisteln. 

Adrian schliesst die letzten Fälle ganz aus als Tumoren der Schleim- 
beutel und erkennt nur die von der Wand der Schleimbeutel ausgehenden 
Tumoren an. Adrian kann aus der Literatur darnach 17 Beobachtungen 



224 Jahresbericht fQr Chirurgie. I. Teil. 

echter primärer Tumoren sammeln und fügt noch zwei Beobachtungen an. 
Es fand sich unter den Fällen: 

Osteochondrom der Bursa infragennalis, Papillom der B. praepatellaris, Rund- und 
Spindelzelleusarkom einer Schleimcyste der Kniekehle, Myxom der B. praepatellaria, Sarkom 
der B. extensorum subcruralis, Geschwulst (Art?) der Bursa olecrani, Myxom der B. sub- 
patellaris, Enchondrom der B. infragenuaiis, Myxom der Bursa semimembranosa, drei Sa^ 
kome derB. praepatellaris, Endotheliom mehrerer ScUeimbeutel bei demselben Individaum, 
Endotheliom beider Bursae praepatellares, Endotheliom eines Schleimbeutels der Fuassohle, 
Fibrosarkom der Bursa praepateilaris. 

Die Fälle Adrians sind: Sarkom der Bursa praepateilaris, Sarkom der 
Bursa subdeltoidea. Unter den 19 Fällen gehören die meisten Männern der 
schwer arbeitenden Klasse an. Trauma scheint mehrfach von Einfluss ge- 
wesen zu sein. Die Bursa praepateilaris ist der häufigste Sitz der Neo- 
plasmen. Die Tumoren sind meist in der Einzahl vorhanden, können aber 
multipel auftreten. Die Tumoren können in normalen Bursae sich entwickehi, 
es braucht keine Bursitis vorausgegangen zu sein. Einzehie Tumoren haben 
exquisit malignen Charakter, Rezidive nach Operation sind mehrfach beob- 
achtet. Von den 14 Fällen endeten 2 Fälle letal. 



xvn. 
Allgemeine Geschwulstlehre. 



Referent: R. Volkmann, Dessau. 



Die mit * versehenen Arbeiten sind nicht referiert worden. 

I. Statistik und Ätiologie der Geschwülste. 

1. D'Anna, Sopra 1 blastomiceti nei tumori maligni. Glinica chimrgica. Nr. 1. 

la. Alessandri, Bakteriologische Untersuchungen bösartiger Geschwülste. Zentralblatt 
für Bakteriologie. Bd. 33. Nr. 9. . 

2. *A polen t und Embden, Über die Natur einiger Zelleinschlüase in Karzinomen. 
Zeitschrift für Hygiene und Infektionskrankheiten 1903. Bd. 42. Heft 3. 

3. Bashford, The problems of Cancer. British medical Journal 1903. Joly 18. 

4. Bollinger, Über die Häufigkeit des Karzinoms in München. Münchener med. Wocheo- 
scbrift 1903. Nr. 38. 

5. Brand, The causation of Cancer. The Practitioner 1903. October. 

6. *Brunne, Ein Fall von Hodensarkom auf traumatischer Basis. Beitrag zur Ätiologie 
maligner Tumoren. Diss. Greifswald 1903. 

7. L. Ghampionni^re, L'ötiologie du Cancer. Le Cancer dans Ja rögion lyonnttise. 
Journal de mäd. pratiques 1903. Gab. 11. 

8. ^Groner, Beitrag zur Pathogenese des Karzinoms. Yeröffentl. desKomiees für Krebs- 
forschung. Jena. Gustav Fischer 1902. 

9. *D eilmann, Jber den Zusammenhang von Sarkom und Trauma. Diss. ELalle 190S. 
10. Feinberg, Über den Krreger der Krebsgeschwülste des Menschen and Säugetiere. 

Wiener klin. Wochenschrift 1903. Nr. 45, 46. 



Volkmann, Allgemeine GeschwnlBtleLre. 225 

11. ^Feinberg, Das Oewebe und die Ursachen der Krebsgesohwülste. Unter Berflcksich- 
tignng des Baues der einzelnen tierischen Organismen. Berlin 1903. A. Hirschwald. 

12. *Hechinger, Über traumatische Entstehung des Sarkoms. Diss. München 1903. 

13. Honda, Zur parasitären Ätiologie des Karzinoms. Yirchows Archiv 1903. Bd. 174. 
Heft 1. 

14. Jaboulay, Recherches sur la pathog^nie des Cancers ^pith^liauz. Lyon m^dical 1908. 
Nr. 35. 

15. Jensen, Experimentelle Untersuchungen über Krebs bei Mftnsen. Zentralblatt für 
Bakteriologie 1903. Bd. 34. Nr. 2. 

Id. *— Über die Entwickelung der durch subkutane Einimpfung von Saccharomyces neo- 
formans (Sanfelice) hervorgerufenen Knötchen. Zeitschrift für Hygiene u. Infektions- 
krankheitnn 1903. Bd. 45. Heft 2. 

17. *lsrael. Zur Ätiologie und Biologie der Geschwülste. Yirchows Archiv. Bd. 172. 
Heft 2. 

18. Jonas, Cancer and immunity. Medical News 1903. May 9. 

19. KeJling, Über die Ätiologie der bösartigen GkschwOlste. Gesellschaft für Natur- und 
Heilkunde Dresden. Münchener med. Wochenschrift 1908. Nr. 21. 

20. — Zur Ätiologie der bösartigen Geschwülste. Wiener medizin. Wochenschrift 1908. 
Nr. 30. 

21. K D 1 e s c h a , G., Über einen neuen Parasiten aus einem Magensarkom. Russki Wratsch 
1908. Nr. 18. 

^. V. Leyden, Über die Parasiten des Krebses. Veröffentlichung der Kommission für 
Krebsforschung. Jena. G. Fischer 1902. 

23. Loeb, Über den Krebs der Tiere. Archiv für klinische Chirurgie. Bd. 70. Heft 8. 
1903. 

24. — Über Transplantation von Tumoren. Yirchows Archiv. Bd. 172. Heft 8. 

25. Luoksch, Ätiologie der Geschwülste. Prager med. Wochenschrift 1908. Nr. 46, 47. 
2& Meyer, Geo., Über die Beziehungen des adenoiden Gewebes zu bösartigen Geschwülsten. 

V. Volkmannsche Yorträge. 1903. Nr. 259. 

27. Mousannat, The etiology of new growth*s. British medical Journal 1903. June 27. 

28. Monnis, On Cancer and its origin. The Lancet 1903. Dec. 12. British medical Jour- 
nal 1903. Dec 12. 

29. Moser, Trauma und Karzinom. Ärztliche Saohverstftndigen-Zeitung 1903. Nr. 16. 

90. Newsholme, The possible association of the conaumption of alcohol with excessive 

monbality from Cancer. British medical Journal 1903. Dec. 12. 
81. *Peching, Die Parasitentheorie der Geschwulstentstehung im Yergleich zu den tat- 

sftchlichen Erfahrungen über multiple Primärtumoren. Diss. Greifswald 1908. 

32. *Power, A fnrther contribution to the distribution of cancer. The Practitioner. May 
1903. 

33. Prowazek, S., Erwiderung auf Feinberg: Über die Erreger der Krebsgeschwülste 
etc. Wiener klin. Wochenschrift 1903. Nr. 48. 

34. de Quervain, De Torigine des nöoplasmes malins. iLa semaine m^dicale 1903. 
Nr. 39. 

35. — The origin of malignant neoplasme. Medical Press 1903. Oct. 28. 

36. Robertson, A contribution to the study of the local distribution of cancer in Scot- 
knd. Edinburgh medical Journal 1908. January. 

37. Rogens, A chemical hypothesis for the etiology of cancer. Annais of surgery 1903. 

Aagust 

38. De Ruyter, Über Karzinomentwicklung, v. Langenbecks Archiv 1908. Bd. 69. 
Heft 1 u. 2. V. Esmarch Festschrift. 

39. *Sauplier, Über die pathogene Wirkung der Blastomyceten. lY. Abhandlung. Ein 
Beitrag zur Ätiologie der bösartigen Geschwülste. Zeitschrift für Hygiene 1903. Bd. 44. 

Hefts. 

40. Schul 1er, Parasitäre Krebsforschung und der Nachweis der Krebsparasiten an Leben- 
den. Berlin 1003. Yogel & Kreienbrück. 

41. Spin las. Über Yerdauungsvakuolen und ihre Beziehungen zu den Foa-F lim mor- 
schen Krebsparasiten. Münchener med. Wochenschrift 1903. Nr. 19. 

42. Sternberg, Über den dermaligen Stand der Ätiologie der Karzinome. Allgemeine 
Wiener med.' Zeitung 1908. Nr. 17, 18, 19 u. 20. 

43. Templemann, A contribution to the study of cancer montality. British medical 
Journal 1908. Febr. 14. 

Jahreibeiicht für Ghimrgle 1908. 15 



226 Jahresbericht ffir Chirargie. L Teil. 

Die Frage, ob die vielfach behauptete Zunahme der Zahl der Krebs- 
erkraukungen in den letzten Jahren eine tatsächliche oder nur scheinbare ist, 
ist noch nicht sicher aufgeklärt. Bollinger (4) bat das Material des 
Münchener pathologischen Instituts der letzten 50 Jahre auf die Krebs- 
erkrankungen hin prüfen lassen. Er kommt zu dem Schluss, dass dort das 
Karzinom nicht nachweislich häufiger geworden ist. ;,Die scheinbare Zu- 
nahme anderswo wird zusammenhängen mit der durchschnittlichen Verlängerung 
der Lebensdauer, der Verbesserung der Diagnose und Zunahme der Sektionen, 
wodurch eine grössere Anzahl klinisch latenter Krebsfälle aufgedeckt wird.^ 
Championniere (7) referiert im Journal de M6d. über zwei Arbeiten 
von Arathorn und Drivon, die sich mit der Karzinomverbreitung im 
Lyoner Gebiet befasst haben. Sie fanden beide, dass das Karzinom häufiger 
geworden ist als früher, wissen aber die Ursachen dafür nicht anzugeben. 

Die Krebsverbreitung in Schottland hat Robertson (36) untersucht. 
Er gibt die Statistik der Krebsmortalität in den Jahren 1895 — 97. Irgend 
welche ätiologischen Anhaltspunkte oder auffallende Resultate betrefifs der 
lokalen Verbreitung, des Einflusses von Örtlichkeit, Boden, Wasserverhältnissen, 
Berufsarten, der Infektionsgestalt und Heredität ergibt die Statistik nicht. 

Nach Templemanns (43) Studie über die Krebsmortalität in Dundee 
während der letzten 25 Jahre hat die Zahl der Krebserkrankungen sehr 
zugenommen. Die Mortalität ist von 7,27 auf 16,92 (pro 10000 der Bevöl- 
kerung über 20 Jahre) gestiegen. Das Wachstum der Zahl ist am grössten 
jenseits des 45. Jahres; bei Weibern ist die Zunahme noch grösser als bei 
Männern, doch haben Mamma- und üteruskarzinom nicht zugenommen. Die 
Hauptzahl der Fälle betrifft den Digestionstraktus. T. nimmt an, dass, 
obgleich in den letzten Jahren die Diagnose an Genauigkeit gewonnen hat, 
dennoch an einer objektiven Zunahme der Krebserkrankungen in dem von ihm 
untersuchten Ländergebiet nicht gezweifelt werden kann. 

Im Anschluss an die grosse Arbeit von Sticker über das Karzinom 
bei unsem Haustieren (s. vor. Jahrg.!) macht Loeb (23) die Bemerkung, dass 
— entgegen den Beobachtungen Stickers, betreffend die grosse Seltenheit 
der Hautkarzinome (speziell der Augengegend) beim Rinde — in Amerika 
das Karzinom der AugODgegend beim Hausrind das allerhäufigste sei und 
dass es dort sogar an einem Orte endemisch vorkomme. 

Unter den Arbeiten über Ätiologie der Geschwülste ist zweifellos 
diejenige von Georg Meyer (26) die originellste. Sein Versuch, eine voll- 
ständig neue Erklärung der Entstehung der malignen Geschwülste zu geben, 
wird zum mindesten das Interesse des Lesers erwecken, wenn auch nicht 
jeden sofort überzeugen. M. geht von der Anschauung aus, dass es unhaltbar 
sei, Sarkom und Karzinom als zwei ihrem Wesen nach verschiedene Krank- 
heitsprozesse aufzufassen, sie gehen vielfach ineinander über und können 
auch im histologischen Bilde nicht scharf getrennt werden. Alle bisherigen 
Erklärungsversuche des Wesens der malignen Geschwülste sind ungenügend, 
besonders auch die parasitäre Theorie, die keine Erklärung geben würde, 
selbst wenn ein Krebserreger tatsächlich schon gefunden wäre, was M. bestreitet 
M. sucht den Ausgangspunkt aller malignen Geschwülste im adenoiden Gewebe, 
das ja überall im Körper verbreitet ist und auf Schädigung durch Bakterien 
oder ihre Toxine durch eine unbegrenzte Proliferation reagiert, eine Zell- 
vermehrung, die in gleichem Masse bei keinem anderen Gewebe möglich ist 
Ein Teil der unter dem Reiz neugebildeten Zellen bleibt dem Körper als 



YolkmaDD, Allgemeine Oeechwulstlehre. 227 

Lymphknötchen erhalten, und M. unterscheidet die peripheren neugebildeten 
Knötchen als „Neolymphome^ von den zentraler gelegenen grösseren Enötchen- 
anhaufungen (den „Lymphdrüsen^) im Verlauf der Lymphbahnen. Das adenoide 
Gewebe ist dasjenige, welches sich wie kein anderes schon physiologisch zur 
Schnellzellulation eignet. Die in Verwilderung übergegangenen Neolymphome, 
die nur noch die Nahrung vom Körper beziehen, sonst aber sich durch ihre 
schrankenlose Wucherung selbständig gemacht haben, nennt er „Apolymphome^. 
Ans diesen Apolymphomen entstehen die Karzinome und Sarkome. Zuerst 
bespricht M. den allmählichen Übergang von hyperplastischen „Lymphdrüsen^ 
zu malignen Lymphomen, zum Lymphosarkom etc. Es gibt da keine Grenzen, 
Sarkom ist überhaupt eine überstürzte Lymphknotenbildung, wobei das Binde- 
gewebe in der Umgebung der in Wucherung geratenen adenoiden Zellgruppen 
mitgerissen wird. — Die Krebszelle hält er ^analog der Sarkomzelle für 
adenoiden Ursprungs und nur wo tatsächlich Drüsenschlauch zu erkennen ist, 
nehme ich an^ dass ich mitgewuchertes Epithel vor mir habe. Ich nehme 
also mit Ribbert eine primäre Wucherung im Bindegewebe an, die das 
Epithel zum Wachsen bringt, bestreite aber, dass die fixe Bindegewebszelle 
es ist, die den ersten Reiz empfangt, und weise ausserdem der Epithel* 
Wucherung eine viel weniger wesentliche Rolle bei der ganzen Geschwulst- 
büdung zu als die meisten anderen.'^ Also auch das Haut- und Drüsenkarzinom 
ist für ihn eine Apolymphombildung. Im allgemeinen bestreitet er, dass die 
ausgebildete Sarkomzelle von der Krebszelle zu unterscheiden sei. — Für die 
Wucherung des adenoiden Gewebes geben die Traumen und die Invasion von 
Bakterien die wichtigsten Ursachen ab. Die Schlusssätze lauten: 

1. „Das Muttergewebe der bösartigen Geschwülste ist das adenoide Ge- 
webe. 

2. Krebs und Sarkom werden nicht durch einen bestimmten Fremd- 
organismus hervorgerufen, sondern sind spätere Folgen von Mykosen 
der verschiedensten Art. 

3. Karzinome und Sarkome sind gleichartige Bildungen; jene sind peri- 
pherere Apolymphome, diese Apolymphome der Lymphwege. Karzi- 
nome sind nur durch Mitwuchem von Darmepithel (Drüsenschlauch- 
Apolymphome) oder Hautepithel (Hautepithel -Apolymphome) ausge- 
zeichnete Apolymphome. 

Die bösartige Geschwulstbildung stellt sich also dar als eine Funktions- 
störung eines den höheren Wirbeltieren eigentümlichen, im Kampfe mit 
Fremdorganismen erworbenen spezifischen Gewebes, eine Funktionsstörung, 
die mit zu starker Inanspruchnahme dieses Gewebes zusammenhängt.^ 

Eine ganze Anzahl Publikationen sind zusammenfassende, teils rein ob- 
jektive, teils kritische Referate über den heutigen Stand der Frage nach der 
Ätiologie der Geschwülste. Diese Arbeiten geben nur übersichtliche Zusammen- 
stellungen der Literatur ohne eigene Zutat. Sehr gründlich und übersichtlich 
und zur Orientierung auf diesem Gebiete wohl geeignet ist die ausführliche 
Darstellung von Sternberg (42), femer die von Luksch(25) und der Vor- 
trag de Quervains (34, 35). Der charakteristische Schlusssatz dieses kriti- 
schen Referates lautet : 

„Quclleque soit du reste la direction que prendront ces recherches, elles 
devront etre instituöes avec un sens critique qui parait avoir fait defaut 
jusqu^a present ä bien des ezp^rimentateurs , et dont Tabsence nous a valu 
des döcouvertes de parasites aussi nombreuses qu'ephemeres.^' 

15* 



228 Jahresbericht fttr Chirurgie. I. Teil. 

Die kurzen allgemeinen Bemerkungen über Ätiologie der Geschwülste 
in der englischen Literatur (Blell, Bashford [3], Morris [28], Monsarrat 
[27]) entbehren jedes Interesses und sind ganz unwesentlich. 

Den Zusammenhang zwischen Earzinombildung und Trauma behandelt 
Moser (29) im Hinblick auf die Unfallgesetzgebung. Er hat 15 Fälle ge- 
sammelt, in denen der ursächliche Zusammenhang zwischen Trauma und 
Erebsbildung behauptet resp. auch angenommen worden ist und dement- 
sprechend eine Rente verweigert oder zugesprochen wurde. Ein Beweis 
des ursächlichen Zusammenhangs war aber in keinem der Fälle erbracht. 
Auch die Wahrscheinlichkeit ergab sich nur sehr selten. 

Drei ungewöhnliche Fälle von Karzinombildung auf Grund langdauemder 
eitrig- entzündlicher Prozesse bringt de Ruyter(38). Einmal hatte sich ein 
Nasenschleimhautkarzinom auf dem Boden eines alten Empyems der High- 
morshöhle, das andere Mal ein Gallertkrebs des Proc. vermiform. nach mehr- 
facher eitriger Perityphlitis entwickelt und ein Mammakarzinom im Anschluss 
an die chronische ^tzündung, die ein eingedrungener Fremdkörper (Nadel) 
yerursacht hatte. Verf. meint, dass sich vielleicht aus genauerem Studium 
der Mammakarzinomfälle, die auf dem Boden chronisch entzündlicher cystöser 
Mastitis entstanden seien, etwas Näheres über den Zusammenhang zwischen 
Entzündung und Karzinombildung werde lernen lassen. 

Den Zusammenhang zwischen Alkoholismus und Krebsmortalität sucht 
Newsholme (30) an der Hand des Materials nachzuweisen, das ihm von 
der Leitung der Temperenzbewegung in England geliefert worden ist. Aus 
diesem Material würde hervorgehen, dass die Krebsmortalität der Alkoholisten 
sich zu der der Enthaltsamen wie 100 zu 72 verhält. Verf. glaubt nicht an 
den schädigenden Einfluss einzelner Berufsarten, der vielfach angenommen 
wird , sonst wäre es unverständlich , dass z. B. die unter Tage arbeitenden 
Kohlenbergwerkarbeiter so selten und die am Tage arbeitenden Kohlenschipper 
so häufig an Krebs erkranken. Es komme dabei nur der Alkoholismus in 
Frage, der bei den unter Tage arbeitenden Bergleuten so viel seltener sei 
als bei den Kohlenschippem. (? Ref.) 

Jensen (15) berichtet über das Resultat seiner (schon früher erwähnten) 
langdauemden Versuche betreffs Übertragung von Karzinom bei weissen Mäusen. 
Es ist ihm gelungen, das Karzinom durch 19 Generationen fortzuzüchten. 
Fast in der Hälfte aller Übertragungen war das Resultat positiv. Die Mäuse 
sterben an den immer weiter wachsenden Tumoren unter dem Zeichen der 
Kachexie, jedoch ohne Metastasenentwickelung. Einen Anhalt für die para- 
sitäre Natur der Geschwulst hat Jensen nie gefunden und er glaubt nicht 
daran. 

Die folgenden Arbeiten haben den Krebsparasitismus zum Gegenstand. 

Eigene Beobachtungen und Experimente (II Policlinico 1896 und SuppL 
al Policlinico 1897) hatten D^Anna(l) schliessen lassen, dass die verschiedene 
Art wie ein und derselbe Tumor sowohl bakteriologisch als histologisch reagiert, 
je nachdem die Brachstücke der Luft ausgesetzt worden sind oder nicht, 
dartue, dass im ersten Falle die Anwesenheit von Blastomyceten durch die 
Luft bedingt ist. Neuerdings von ihm ausgeführte Experimente überzeugten 
ihn, dass in nicht ulzerierten Tumoren Blastomyceten konstant fehlen und 
dass frische oder vorgeschrittene ülzerationen die Parasiten aus der Luft 
zu resorbieren vermögen. Deshalb, bemerkt er, sind bei malignen Tumoren 
die Blastomyceten ein zufälliger Befund und eine pathogene Wirkung entfalten 



Volkmann» Allgemeine Geschwulatlehre. 229 

sie nicht. — Er bestreitet sodann die Behauptung Sanfelices, dass der 
Pilz, wenn Tieren eingeimpft, echte Neoplasien hervorzurufen vermöge; der 
rasche Verlauf der erhaltenen Krankheitsf ormen , die histologische Unter- 
snchong und die ausbleibende Reproduktion des neugebildeten Gewebes bei 
Droseninfektion lassen entschieden ausschliessen, dass der F. neoformans echte 
maligne Tumoren bewirke. — 

Zur Bekräftigung seiner Meinung führt er die bei 57 malignen Tumoren 
von ihm gemachten Befunde an; nur in fünf von diesen Tumoren (alles Fälle 
von ulzeriertem Krebs) gewahrte er, nach der Methode von Gram und San- 
felice, Blastomyceten. Er machte auch Kulturversuche, selbst auf zucker- 
haltigen Mitteln, und erhielt in 34 Fällen fast immer negatives Resultat; das 
positive Resultat, das er in ganz wenigen Fällen erhielt, war durch zufällige 
Verunreinigung bedingt. R. Giani. 

Feinberg (10) verteidigt in einem stark polemischen, ziemlich uner- 
quicklich zu lesenden, weil stark persönlich gefärbten Aufsatze sein Histo- 
sporidium carcinomatorum gegen seine Gegner, besonders gegen Prowazek, 
worauf letzterer (33) kurz und sachlich erwidert. 

Jaboulay (14) beschreibt kurz einen neuen von ihm gefundenen 
Parasiten, in dem er endlich den so lange gesuchten Krebserreger entdeckt 
hat. Genaueres s. Original! 

Alessandri (la) hat 23 Krebse und zahlreiche Sarkome auf Blasto- 
myceten untersucht. Mikroskopisch wurden oft verdächtige sarcineähnliche 
Gebilde gefunden, die Kulturversuche fielen aber alle negativ aus. 

Spin las (41) hat im Göttinger pathologischen Institut experimentell 
durch Injektion von den verschiedenartigsten Dingen (z. B. Krebszellen, Sper- 
matozoen, Sarcine, Leberzellen, Kochsalz) in die Bauchhöhle die sogenannten 
Foa-Plimmerschen Körperchen, die mit Feinbergs und Leydens ;,Krebs- 
parasiten^ identisch sind, erzeugt. Es sind einfach ;,die von Lymphocyten 
aufgenommenen und verdauten Leukocyten, oder besser Yerdauungsvakuolen, 
in denen als Rest des Leukocyten ein intensiv färbbares Korn gelegen ist**. 

Ebenso hat Honda (13) diese Dinge an Drüsenkarzinomen nachgeprüft, 
und kommt zu dem Schluss, dass es sich nicht um Parasiten handelt. 

Sc hüll er (40) hält an dem von ihm gefundenen ;, Krebserreger ^ fest; 
er meint, dass alle Einwände, die ihm gemacht worden sind, hinfallig sind, 
und hat die ^Krebsparasiten^ auch weiterhin in allen Fällen gefunden, ob- 
gleich er die Möglichkeit der Verunreinigung seiner Präparate durch Kork- 
zellen ausgeschlossen hat. 

Kulescha (21) fand in einem durch Operation entfernten Rnndzellen- 
sarkom des Magens einen eigentümlichen Parasiten, den er zu den Sporozoa 
rechnet. Der Parasit fand sich überall da, wo Sarkomgewebe nachweis- 
bar war. Hohlbeck (St. Petersburg). 

Im Anschluss an die Untersuchung von vier Fällen von Kontaktkarzinom 
erörtert Jonas '(18) den jetzigen Stand unserer Kenntnisse über Toxine und 
Antitoxine, resp. über allgemeine und lokale Immunisierung gegen Krebs. 
Er ist der Überzeugung, dass wir Aufschlüsse über die Natur des Karzinoms, 
dessen parasitärer Erreger noch nicht gefunden sei, und über Immunisierung 
gegen Karzinom auf chemischem Wege suchen müssen und dass auch 
auf chemischem Gebiet die Zukunft der Therapie liege. 

Brandt (5) ist Anhänger der parasitären Natur des Krebses, wenn er 
auch den Parasiten noch nicht als gefunden annimmt. Er wendet sich theo- 



230 Jahresbericht fQr Ghirargie. I. Teil. 

retisch gegen einige allgemeine Einwände gegen die parasitäre Theorie nnd 
wirft der englischen Regierung vor, dass sie von Staatswegen nicht gegen 
Tuberkulose und Karzinom vorgehe. 

Eine eigentümliche (wie Ref. meint, recht wenig beweiskräftige) Arbeit 
über die Genese der maügnen Tumoren liefert Kell in g (19, 20). Er glaubt, 
dass man per exclusionem zu dem Schluss kommen müsse, dass ;,die Ge- 
schwulstzellen (der malignen Tumoren) überhaupt keine Zellen des Körpers 
sind, sondern dass es Zellen sind, die auf den Körper transplantiert, dort 
weiter wuchern.^ Er hat deshalb versucht festzustellen, ob auf den Körper 
von Säugetieren verpflanzte Zellen niederer Tiere Geschwülste erzeugen können. 
Er hat zahlreiche Experimente vorgenommen. Mazerierte Fliegen, Fliegen- 
puppenlymphe, von Fliegeneiern abgelöste Zellen, Mückenlarvenmazerat, Blatt- 
läuselymphe, Schnecken-, Mehlwürmer-, Regenwürmer- und Karpfenschleim 
hat er auf Ratten, Mäuse, Hunde und Hühner übergeimpft. Die Resultate 
waren, dass die Impfung auf gesunde Tiere immer vergeblich war. Bei 
Impfung in die Umgebung vorher gesetzter Wunden hat er jedoch drei 
;,positive^ Resultate gehabt, d. h. es entstanden Tumoren, die mikroskopisch 
einen malignen Eindruck machten. Im ersten Fall entstand ein „Fibro- 
sarkom^. Im zweiten Fall hatte sich bei einem Hund, der 7 Tage (!) nach 
der Transplantation von Schneckenzellen starb, ein Knötchen entwickelt, das 
^unbestreitbar den Charakter des Adenokarzinoms zeigte^ (!). Im dritten 
Fall hatte sich bei einem Hund, der 28 Tage (!) nach der Injektion starb, 
ein ;,gemischtzelliges Sarkom^ von Kleinkirschgrösse gebildet. (De Quervain 
sagt iii seinem oben erwähnten Aufsatz über die ^positiven Resultate'^ 
Kellings: „Inutile d'ajouter que cette th6orie s'accorde fort mal avec les 
donnöes de Tanatomie pathologique.^) 

II, Histologie der Geschwfilste. 

43. Andry, De Tad^nome e^bac^ circonscrit. ADnales de Dermatol. et de Syphil. 1903. 
Nr. 7. 

44. Bard, The haematolysis of cancroos ezsudatioDs. Medical Press 1903. Febr. 18. 

45. *Beard, Ober'Embryomata und andere Geschwülste. Berliner klin. Wochenschr. 1903. 
Nr. 30. 

46. Bender, Über ein periostales Randzellensarkom and ein Myelom mit Ealkmetastasen. 
Deutsche Zeitschrift für Chirurgie 1903. LXUI. 

47. *Bing, Beiträge zur Histologie der Angiome (Untersuchungen mit Weigerts fiosin- 
förbung. Dissert. Würzburg 19ü8. 

48. Brnandet, Infiltration epitheliale experimentale. La Presse mMicale 1903. Nr. 30. 

49. Cavaillon, Greffe de Cancer. Soc. des sciences möd. Lyon medical 1903. Nr. 21. 

50. Cunliffe, The blood in malignant disease. Medical Chronicle 1903. October. 

51. Da vier, Leucoplasie et Cancer. Du r6le et de Timportance de la biopsie. A propos 
de la le9on de M. Gancher. La Presse mödicale 1903. Nr. 61. 

52. *Durante, Hypertrophie graisseuse diffuse (lipome ou n^vrome diffus?) du median. 
Soc. d'anatomie de Paris 1903. Nr. 10. 

53. Eh rieh, Über glattwandige falsche Zysten in Geschwülsten, v. Br an sehe Beitrfige 
1903. Bd. 37. V. Esmarch- Festschrift 1903. Heft 1 u. 2. 

54. Gallina, Ein Fall von multiplem Endotheliom (Endothelialkrebs der Lymphdrüsen und 
bahnen. Virchows Archiv 1903. Bd. 172. Heft 2. 

55. *Graf, Zur Kenntnis der Metastasen bildung bei Karzinomen. Dissert Freibarg 190S. 

56. Hansen, Haemangioendothelioma intravasculare uteri. Virchows Archiv 1903. 
Bd. 171. Heft 1. 

57. Hauser, Gibt es eine primäre zu Geschwulstbildung führende Epithelerkrankang ? 
Ein Beitrag zur Geschwulstlehre. Zieglers Beiträge zur patholog. Anatomie 1903. 
Bd. XXXIU. Heft 1 u. 2. 



Volk mann, AUgemeine Geschwulstlehre. 231 

58. Henrteux. Recherches snr quelques points de rhistoire clinique du cancroide ou 6pi-^ 
tb^Iioma pavimenteux. Archives provinciales 1903. Nr. 2 u. 3. 

59. *Krompecber, Der Basalzellenkrebs. Eine Studie betr. die Morphologie und Histo- 
genese der Basalzellentumoren, namentlich des Basalzellenkrebses der Haut, der Pflaster- 
epithel-Scbleimhänte, Brustdrfisen, Speichel-, Schleimdrüsen und Ovarien, sowie dessen 
Beziehungen zu den Geschwfllsten im allgemeinen. Jena. G. Fischer. 1903. 

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Heft 8. 

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sierter Sarkome zu den leukämischen Neubildungen. Jena 1903. G. Fischer. 

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des Menschen. II. Eine experimentell erzeugte Geschwulst der Rattenvallata. Zentral- 
blatt für allgem. Pathologie und pathologische Anatomie 1903. Bd. XYI. 1. 

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68. Woolley, Ein primärer, karzinomatoider Tumor (Mesothelioms) der Nebennieren mit 
sarkomatOsen Metastasen. Yirchows Archiv 1903. Bd. 172. Heft 2. 

Heurtaux (58) bringt eine breite Studie über die Histologie und Klinik 
der Kankroide, die nichts wesentlich Neues enthält. 

Ha US er (57) der entgegen Ribbert behauptet, dass bei der Karzinom- 
entwickelnng das Epithel primär, ohne vorherige Verlagerung ins Bindegewebe 
oder dergl. wuchere, hat mehrere Fälle von Polyposis adenomatosa intestinalis 
imtersucht und an diesem Material festgestellt, dass das Darmepithel 
primär ohne Beihilfe oder vorherige Wucherung des Bindegewebes in Kar- 
zinomgewebe übergeht. 

Bruandet (48) hat Krebssaft und den Ausstrich normaler Magen- 
schleimhaut in das ligierte Vas deferens von Hasen injiziert und dadurch 
atypische, karzinomähnliche Epithelwucherungen in den Samenkanälchen des 
Hodens erzengt. Diese Wucherungen drangen in das Binde-Gewebe vor. Wenn 
er andere Fremdkörper oder Bakterien injizierte, entstanden immer nur Abszesse 
ohne Epithelwucherung. 

Bender (46) hat im Marchand sehen Institut die genaue ätiologische 
Untersuchung zweier multipler Knochentumoren mit Kalkmetastasen vorge- 
nommen. Der eine war ein periostales Sarkom, der andere ein echtes 
Myelom. Die histologischen Details können hier nicht referiert werden. 
Auf die Natur des Myeloms wird näher eingegangen. Bender will das 
Myelom nicht zu den Sarkomen gezählt wissen. Seinen zweiten Tumor 
definiert er als: ;,eine dem roten Knochenmark homologe Geschwulst, an 
welcher lediglich die grossen Markzellen beteiligt sind und welche, vielleicht 
auch multipel beginnend, in diffuser Weise im ganzen Skelett auftritt.^ 

Saltykow (64) beschreibt kurz einen Fall von multiplem echten Myelom 
und gibt eine kurze Kritik der Literatur. Er hält seinen Tumor für ein 
Analogen zu dem eben besprochenen zweiten Fall von Bender. 

Darier (51) wendet sich sehr energisch gegen einen Artikel von 
Gaucher, der die Leukoplakie immer und unbedingt als luetiscffer Natur 
betrachtet wissen will. Er betont, dass sich unter diesem Krankheitsbild 



232 Jahresbericht fOr Chirurgie. I. Teil. 

zahlreiche KarziDome befinden, die als solche behandelt werden müssen und 
weist auf die Wichtigkeit der histologischen Untersuchung hin. 

Cavaillons (49) Mitteilung über einen Impfversuch (Implantation von 
Earzinomgewebe auf einen Hund), der noch nicht abgeschlossen ist, ist 
wertlos. 

Von Andry (43) stammt eine sehr kurz und klar geschriebene kleine 
Monographie über das Adenome sebac^ circonscrit. Er erkennt aus der 
Literatur nur fünf Fälle an und beschreibt einen eigenen. Das Neoplasma 
bleibt immer flach, wird nicht tnmorartig, ist 1 bis höchstens 8 cm gross, 
braun oder rot, von regelmässiger Oberfläche. Die Haare fehlen darauf. 
Es sitzt nur im Gesicht von Männern, schmerzt nie, wächst sehr langsam, 
kann aber in jedem Lebensalter vorkommen. Histologisch besteht es aus 
Schweissdrüsenknäueln; die Haut darüber ist normal, keine Gefäss Wucherungen; 
keine Beziehung zu Nävis. Behandlung: Exstirpation. 

Morestin (61) hat einen grossen fibrösen, als Sarkom angesehenen 
Pseudotumor des Oberkiefers operiert, der sich um einen im Sturz abge- 
sprengten Knochensplitter in der Highmorshöhle entwickelt hatte. 

Wooley (68) beschreibt ein ^Mesothelioma malignum carcinomatodes^ 
der Nebenniere, einen seltenen Befund, für den er nur 21 Analogien in der 
Literatur auffand. Er will die primären Nebennierentumoren nicht als 
Karzinome oder Sarkome bezeichnet haben, sondern ihrer Genese entsprechend 
^Mesothelioma malignum carcinomatodes^. 

Ha US er (56) berichtet über ein Unikum, ein riesiges Haemangio endo- 
thelioma intravasculare des Corpus uteri, das trotz seiner Grösse und des 
nachweislich schon jahrelangen Bestehens und seines histologisch so malignen 
Aussehens sowie der diffusen Verbreitung in der Uterusmuskulatur keine Meta* 
stasen gemacht hatte. 

Ehrich (53) beschreibt eine Anzahl der verschiedensten Tumoren, die 
falsche Zysten (Erweichungs- und Degenerationszysten) enthielten und ver- 
breitet sich über die Histogenese und den Bau der Zystenwandungen. 

Gallina (54) hat ein multiples Endotheliom der Lymphdrusen beob- 
achtet und Ravenna (85b) beschreibt detailliert ein eigentümliches melano- 
tisches Sarkom. Der primäre Tumor war ein unscheinbares kleines Haut- 
melanom der Analgegend. Von diesem war eine melanotisch sarkomatöse 
diffuse Entartung der Leber ausgegangen. Das Ganglion coeliacum war 
sklerosiert. 

Bard (44) behauptet, dass die gewöhnlichen normalen Körpersäfte (mit 
Ausnahme der Verdauungssäfte) keine hämolytische Wirkung ausüben und 
dass entzündlich entstandene hämorrhagische Ergüsse kein gelöstes Hämoglobin 
enthalten. Dagegen enthalten die krebsigen hämorrhagischen Ergüsse stets 
gelöstes Hämoglobin. Auch auf entnommenes Körperblut sollen die Proben 
von krebsighäraorrhagischen Ergüssen durch ein in ihnen enthaltenes Lysin 
hämolytisch wirken; die nichtkrebsigen dagegen nicht. Die rein serösen 
krebsigen Ergüsse enthalten das Lysin nicht. Bard behauptet, dass diese 
Beobachtung diagnostisch wichtig sei. 

III. Klinik der Geschwülste. Karzinom-Behandlung. 

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DoBati und Michel i (95a) studierten das hämolytische Vermögen der 
Extrakte aus malignen Tumoren und vergleichshalber auch das von Extrakten, 



236 JahreBbericht für Chirargie. I. Teil. 

die sie aus normalen Organen (Pankreas, Thymusdrüse) verschiedener Tia% 
20gen. Die Extrakte bereiteten sie nach einem Verfahren, das dem toh 
Korschun und Morgenroth angegebenen sehr ähnlich ist. Die Organe 
entnahmen sie Kälbern, Hunden und Kaninchen ; was die Tumoren anbetrifft, 
so untersuchten sie 15, nämlich: 6 Mammakarzinome, 1 Utemskarzinom, 
1 Karzinom des Rektum, 1 Rachenkarzinom, 1 maligne Geschwulst des Epi- 
ploon , 2 Fibrosarkome verschiedener Regionen , 2 Spindelzellensarkome, 
1 Endotheliom. 3 von diesen Tumoren waren ulzeriert, die übrigen ver- 
schlossen. 7 von den 15 Tumoren, darunter die 3 ulzerierten, hatten absolut 
keine Wirkung auf die verschiedenen verwendeten roten Blutkörperchenarten, 
weitere 5 wirkten mehr oder weniger stark hämolytisch auf alle angewendeten 
Blutkörperchenarten, die übrigen 3 wirkten nur auf einige Blutkörperchen- 
arten hämolytisch. — Von den hämolytischen Tumoren werden auch die Bhit- 
körperchen des gleichen mit dem Neoplasma behafteten Individuums aufgelöst; 
in allen Fällen verliert der Extrakt das hämolytische Vermögen, wenn er 
^/2 Stunde lang bei 50-— 60*^ gehalten wird. Filtration durch den Chamber- 
landfilter vermindert das hämolytische Vermögen oder hebt es ganz auf. Die 
hämolytische Substanz löst sich nicht in Alkohol. Setzt man dem EIxtrakt 
Blutserum zu, so hört das hämolytische Vermögen auf. Die Extrakte ans 
Organen weisen die gleichen Eigenschaften auf, nur widerstehen sie der Hitze 
und lösen sich in Alkohol und in Äther. Während jedoch der Pankrea«- 
extrakt konstant hämolytisch wirkt, ist die hämolytische Wirkung des Thymns- 
drüsenextrakts inkonstant. Die Verff. sind der Ansicht, dass hier ein Kom- 
plex von hämolytischen Substanzen vorliege, die sich mit den Hämolysinen 
der Sera nicht vergleichen lassen. Da die Extrakte aus Tumoren nicht, wie 
die aus Organen, der Hitze widerstehen und sich nicht in Alkohol lösen, 
während sie bezüglich der übrigen Eigenschaften sich wie diese verhalten, 
kann man nicht sagen, ob sie substantiell verschiedene hämolytische Grund- 
stoffe enthalten. R. Giani. 

A. Karzinombehandlung durch X-Strahlen. 

Perthes (134) hat ausführliche Studien über die Wirkung der X- 
Strahlen auf lebende Gewebe und speziell auf die Karzinome gemacht. Zn- 
erst bespricht er die Technik der Bestrahlung, dann die Einwirkung der 
X-Strahlen auf Warzen und die dabei beobachteten histologischen Befunde. 
Es folgt die Behandlung der Gesichtskankroide (4 Fälle, 3 geheilt, 1 noch in 
Behandlung) und der rezidivierten Mammakarzinome (mehrere Besserungen, 
aber keine Heilung). Es wurden dann Versuche gemacht, in wiefern die Be- 
strahlungen überhaupt auf die Zellteilung und das Wachstum des Körpers 
Einfluss haben. Bei jungen Hühnchen zeigte sich nach Bestrahlung nnr einer 
Körperhälfte, dass diese im ganzen (nicht nur die Epidermoidalgebilde) stark 
im Wachstum zurückblieb. In einem Anhang werden die genauen Kranken- 
geschichten gegeben. Die behandelten Gesichtskankroide sind photographisch 
wiedergegeben. 

Sequeira (151) berichtet über seine Resultate der Röntgenbehandlung 
bei Ulcus rodens unter Beigabe von Photogrammen. Er empfiehlt die X- 
Strahlen für die Behandlung inoperabler Fälle, aber nicht für die exzidier- 
baren. Zweimal hat er vollen Misserfolg gehabt; mehrere Fälle sind seit 
einem, zwei oder drei Jahren rezidivfrei geblieben. Die Hälfte der Fälle 



Volk mann, AUgemeine Geschwnlstlebre. 237 

rezidiYierte , doch in leichter xmd leicht zu behandelnder Form. Kleinere 
Kuikroide schwanden schon nach 10 — 12 maliger Bestrahlung, grössere wurden 
monatelang alle zwei Tage behandelt. 

Exner (98) hat in drei Fällen von inoperablem Mammakarzinom zeit* 
weise Besserung der Jauchung und Abnahme der Tumoren gesehen, aber 
keine Heilung erlebt. Auch in einem Fall von Melanosarkom war zeitweiliges 
Verschwinden der Knochen zu beobachten, aber keine definitive Heilung. 

Coley (90) hat 75 maligne Tumoren bestrahlt, davon 10 Epitheliome^ 
tiefe ünterleibskarzinome und zahlreiche Sarkome. Er hat keine Heilung, 
oft aber Besserung gesehen. Mehrere Gesichtskankroide waren nach 7 — 10 
Monaten fast verschwunden; 3 Zungenkarzinome gar nicht gebessert; 5 in- 
operable Rundzellensarkome verschwanden zunächst ganz, dann kamen rasch 
Eezidive und Metastasen. 9 Sarkome zeigten gar keine Einwirkung. Er will 
das Yerüahren auf inoperable Tumoren beschränkt wissen. 

Ridell (143) hat 8 Fälle von Ulcus rodens mit X-Strahlen behandelt, 
3 davon geheilt und 5 (noch in Behandlung befindliche) gebessert. Diese 
Bestrahlungen setzt er länger als ein Jahr fort. 

Lassar (119) mahnt zur Vorsicht. Man soll nicht mehr als 2 Am- 
pere anwenden und sie höchstens 15 Minuten in einer Sitzung wirken lassen. 
Lokale Reaktion darf gar nicht in der umgebenden Haut eintreten. In der 
Diskussion über seinen Vortrag spricht sich v. Bergmann sehr skeptisch 
über die ganze Behandlungsmethode aus. 

Bendix (79) bespricht die Verwendungsart der Röntgenstrahlen in der 
Dermatologie und bei Karzinom, ohne Neues zu bringen. 

Tuffier (158) resümiert seine eigenen Erfahrungen dahin, dass er 
sagt: Gesichtskankroide können gebessert, eventuell auch geheilt werden ^pour 
m temps qu'on ne peut preciser^. Die sekundären Tumoren können ver- 
kleinert werden, ohne dass dabei der allgemeine Prozess aufgehalten oder 
die Metastasenbildung verhindert würde. Auf die tiefsitzenden Karzinome ist 
die Behandlung fast ohne Einfluss. 

Chrysospathes (88) hat ein vergeblich operiertes Rundzellensarkom 
des Bauches (Ovarium?) mit X-Strahlen behandelt und den kopfgrossen 
Tumor ganz zum Verschwinden gebracht. Die Heilung wurde noch nach 
einem Jahre konstatiert. 

Aliens (73) Mitteilung eines noch nicht geheilten Falles von Gesichts- 
kankroid ist unwesentlich, ebenso Debaut-Manoir (92). 

Lewis (122) bespricht in der New-York Dermatol-Soc. einen Fall von 
Angenwinkelkarzinom, wo die X-Strahlen versagt haben. In der darauffolgen- 
den Diskussion führt Allen einen Fall von Röntgenulcus an, Johnston hat 
gleichfalls durch X-Strahleneinwirkung Xeroderma, Keratosis und Kankroid- 
bildnng gesehen, letzteres bei einem Arzt. Lewis betont, dass er noch 
keinen wirklich durch X-Strahlen geheilten Fall gesehen habe. 

Auch Sick (152) hat schon den zweiten Fall von Karzinom des Hand- 
rückens bei Röntgenarbeitern beobachtet. 

(91). In der New-York Surgic. Soc. fand im Anschluss an einen Vor- 
trag Coleys eine Diskussion statt. Coley betonte, dass es unrecht sei, 
operable Krebse zu bestrahlen. Dowbarn äussert sich ebenso. Er will die 
X-Strahlen nach der Operation prophylaktisch verwendet sehen. Meyer 
hat bei Gesichtskankroiden gute Resultate gehabt und will jedes operierte 
Mammakarzinom bestrahlen. Mandelbaum hat ein mehrfach rezidiviertes 



238 Jahresbericht für Chirurgie. I. Teil. 

FezDnrsarkom, das vor 4 Jahren mit Colejs Streptococcns-Prodigiosussterili- 
säten geheilt war und jetzt mit Spontanfraktur rezidiviert ist, photographiert. 

Voigt spricht von einer Besserung (SchmerzHnderung) eines Pharynx 
<^arcinosus bei einem 89jährigen Greise durch X-Strahlen. 

Gocht beschreibt zwei Fälle von inoperablem rezidivierendem Mamma- 
karzinom, bei denen wegen der Schmerzen und Solaminis causa die Bestrah- 
lung mit dem damals neuen Agens vorgenommen wurden. An eine Besserung 
des Leidens an und für sich haben wir damals dabei nicht geglaubt. Die 
Schmerzen Hessen sehr schnell nach und die Patientin war sehr glücklich und 
zufrieden über die anscheinende Wendimg zum Guten. Es wird leider nicht 
mitgeteilt, wie lange und wie intensiv die Bestrahlung gedauert hat. 

Sequeira demonstriert vier Fälle von Ulcus rodens, die er durch 
Röntgen-Bestrahlung geheilt zu haben glaubt. Die erzielten Resultate sind, 
wenn man die Photographien vor und nach der Behandlung vergleicht, wirk- 
lich glänzende zu nennen. Die Beobachtungen sind aber noch zu jungen 
Datums, um von Dauerheilung sprechen zu können. 

Finsen behandelte schon 1897 ein Epitheliom in seinem Lichtinstitui 
Positiver Erfolg seither dauernd. Bericht von 17 weiteren Fällen von in 
gleicher Weise behandelten Fällen, wovon 8 allem Anschein nach vollkommen 
geheilt, 1900 von ihm neuerdings berichtet. 

Sjögren und Sederholm teilen 5 Fälle mit, die ganz ausgezeichnete 
Erfolge aufweisen. Nur ist die Beobachtungsdauer nach Schluss der Behand- 
lung sehr kurz, weshalb sich obige über den Wert der Methode noch sehr 
rückhaltend äussern. Dazu darf folgende Äusserung nicht unerwähnt bleiben: 
^Dass in Fällen, wo die Behandlung Reaktion mit nachfolgendem Nekroti- 
sieren und Abstossung der Neubildung herbeiführt, Heilung hervorgebracht 
werden kann, scheint erklärlich. Schwieriger bleibt es zu begreifen, wie die 
X-Strahlen diese direkt heilende Einwirkung in denjenigen Fällen ausüben 
können, wo keine Reaktion zustande kommt. ^ 

Johnson und Merril berichten über folgende 6 Fälle: Fall 1: Epi- 
theliom des Gesichtes bei 46jährigem Manne. Diagnose durch Probeexzision 
erhärtet. 50 Bestrahlungen einen um den anderen Tag. Heilung fast ohne 
sichtbare Narbe nach ^/s Jahr. Fall 2: Ulzeriertes Epitheliom der Nase. 
6 Minuten lange Bestrahlungen jeden zweiten Tag. Heilung kurz vor Ver- 
öffentlichung der Arbeit kontrolliert. Fall 3 : Ulzeriertes Kankroid der Lippen. 
Die Eiterung nahm ab. Der Tumor verschwand nicht. Fall 4: Brostkrebs- 
rezidiv sehr ausgedehnt, sehr schmerzhaft. Keine Veränderung des Tumors 
durch die Behandlung. Günstiger Einfluss auf die Schmerzen. Fall 5 und 
6: Epitheliome der Nase nach 2 — 3 monatlicher Bestrahlung geheilt. Verff. 
benutzen weiche Röhren, schützen die Umgebung durch Staniolmasken. Der 
Zweck der Behandlung ist, eine leichte Entzündung des kranken Gewebes 
hervorzubringen, diese gradatim bis zur Verbrennung zu steigern. Die künst- 
liche Röntgenverbrennung heilt dann in 6 Monaten (?). Dann setzt man die 
Behandlung aus und beginnt, wenn sich nach einem Monat die Heilung nicht 
als vollkommen erweist, von neuem. 

Sequeira berichtet über 12 Fälle von Ulcus rodens und Mal perforant, 
die mit X-Strahlen behandelt sind. 5 Fälle sind geheilt, die übrigen sind 
mehr oder weniger weit von der Heilung entfernt, aber jedenfalls nicht ver- 
schlimmert. Von Dauerheilungen im strengen Sinne kann noch nicht ge- 
sprochen werden. Doch ist die Methode in Fällen, wo chirurgisch ans 



Yolkmann, Allgemeine GeschwuUtlehre. 239 

irgend einem Gnmde nicht vorgegangen werden kann, jedenfalls einer Nach- 
prüfung wert. 

Chamber] ain berichtet über 13 Fälle, die er mit X-Strahlen behandelt 
hat Behandlungsdaaer sehr verschieden. Die Röntgenstrahlen wirken nicht 
durch Elektrolyse oder Verbrennung, sondern haben nach Meinung des Yerfs. 
eine spezifisehe Wirkung auf die Gewebe. Man kann Epitheliome zur Yer- 
narbnng bringen, so lange noch keine regionären Drüsenschwellungen vor- 
handen sind. Im übrigen lindert man durch Röntgenbestrahlung die Schmerzen 
mi beseitigt exorbitante Granulationen. 

Clark. Der Erfolg einer Röntgenbehandlung eines Brustkrebses. Bei 
einer 60jährigen Frau zeigte sich ein exulzeriertes Karzinom der rechten 
Hanmia, welches, da die Operation abgelehnt wurde, 5 mal wöchentlich 15 
Minuten lang, vom 17. März angefangen, der Einwirkung der Röntgenstrahlen 
ausgesetzt wurde. Bis 7. Mai d. J. war eine bedeutende Verkleinerung des 
Brusttumors, der Achseldrüsen sowie der geschwürigen Fläche zu beobachten. 

Stenbeck und BoUaan publizieren 5 glänzend geheilte Fälle von Kan- 
kroiden des Gesichtes, die mit Abbildungen wiedergegeben sind. Die Kan- 
kroide sitzen an der Nase, Wange, unter dem Augenlid. Die Behandlung 
dauerte 3 Monate im Durchschnitt. Nach den ersten 8 — 12 Sitzungen Hess 
sich jedoch in jedem Falle eine Besserung konstatieren. Die Narbenbildung 
ist ideal. 

Schiff demonstriert einen Patienten, der wegen eines rezidivierenden 
Epithelioms der Haut der Jochbeingegend mit bestem Erfolg mit Röntgen- 
strahlen (27 Sitzungen) behandelt worden war. Es erfolgte vollständige Heilung. 
Ebenso verheilte ein Ulcus rodens bei einem Mädchen, das 7 Jahre lang ver- 
geblich mit allen möglichen Mitteln behandelt worden war. 

Sjögren über Ulcus rodens und Epitheliom: „Selbst habe ich mit 
Röntgenbestrahlung 8 Fälle von Kankroid mit folgender Lokalisation be- 
handelt: 2 an der Nase, 1 am äusseren Ohre, 1 an der Stirn, 2 in der 
Temporalgegend und die 2 übrigen am unteren Augenlid. Von diesen sind 
5 mit, wie es scheint, vollständiger Heilung zu Ende geführt worden. Die 
3 übrigen sind noch nicht fertig, sondern sollen fortgesetzter Behandlung 
unterzogen werden. ** 

Pfähl er hat 4 Fälle nach dieser Methode behandelt und 3 vollstän- 
dige Heilungen erzielt. Da, wo es nicht zur vollständigen Heilung kommt, 
sieht man immerhin eine bedeutende Besserung, indem die Schmerzen und 
der Umfang des Tumors abnimmt und das Allgemeinbefinden sich bessert. 

Gossor stellt eine Röhre vor, die bestimmt ist zur Bestrahlung um- 
schriebener Bezirke. Sie besteht aus Material, das für Röntgenstrahlen nicht 
durchdringlich ist. Nur der Anode gegenüber liegt eine Stelle mit einem 
Glase, das für Röntgenstrahlen durchdringlich ist. Diese Anordnung eignet 
sich zur Bestrahlung von Mundhöhle, Rachen, Vagina etc. 

Le jeune: Fall von Karzinom, Rezidiv der Mamma und Achselhöhle. 
29 Sitzungen ä 12 Minuten. Röhrenabstand 15 cm. Guter Erfolg bezüglich 
der Schmerzen, der Ödeme und der Konsistenz der Tumoren. Die Kranke 
ging später an allgemeiner Karzinose zugrunde. 

Pusey. Hautkarzinome, Mammakarzinome, tiefgreifende Karzinome 
am Hals und Kopf, Unterleibskrebs, Sarkome, Hauttuberkulose, Granulations- 
-geschwülste, Keloide, Pseudoleukämie und richtige Leukämie wurden der 
Radiotherapie unterzogen. Es handelt sich oft um vielfach anderweitig be- 



240 Jahresbericht fOr Chirurgie. L Teil. 

handelte, aufgegebene Fälle, ein denkbar ungünstiges Material, trotzdem gute, 
z. T. überraschende Resultate (Heilung bei inoperablen Brustkrebsen). Die 
besten Resultate gab die Epitheliombehandlung. Der Heilungsvorgang beruht 
auf einer Degeneration der Gewebe von geringerer Lebenskraft, 
auf das die Röntgenstrahlen elektiy wirken. Das gesunde Gewebe wird 
nicht durch die Strahlen angegriffen. Die Vorteile sind: 1. Schnerzlosigkeit, 
2. nur krankes Gewebe wird zerstört, 3. ausgezeichnete Narbenbildang , da. 
das gesunde Gewebe geschont wird, daher manchen deformierenden Opera- 
tionen vorzuziehen, 4. bei inoperablen Fällen wird der weitere Zerfall anfge- 
halten und 5. häufig geringere Schmerzhaftigkeit erzielt. Die Röntgenbehand- 
lung soll keinesfalls die operative Behandlung ersetzen. Sie soll für inope- 
rable, bösartige Neubildungen und zur Prophylaxe eines Rezidives nach ope- 
rativer Behandlung verwandt werden. Nur bei Hautkarzinom könnte die 
primäre Radiotherapie in Frage kommen. 

Pugh. 4 Fälle von Ulcus rodens. Bei allen 4 Fällen wird der £rfolg 
als befriedigend geschildert. 

Beck. Fall von Adenocarcinoma mammae. Rezidiv, inoperabel. Nach 
Röntgenbestrahlung mikroskopisch festgestellt Kolloiddegeneration und Ver- 
schwinden des typischen Karzinombaues. 

Schiff stellt einen mit Röntgenstrahlen geheilten Fall von Epitheliom 
vor: Zehnpfennigstückgross , seit 26 Jahren bestehend, an der Nasenwurzel 
Vorher Behandlung mit Pflastern, Ätzung, Auskratzung, Exstirpation mit 
nachfolgender Transplantation, alles ohne Erfolg. 33 Bestrahlungen. Nun- 
mehr seit zwei Monaten glatte weiche Narbe. Der erzielte Erfolg wird von 
Rethi, der den Fall früher behandelte, gelobt. 

Hall Ewards. Das Epitheliom hatte vor 7 Jahren am linken anteren 
Augenlid begonnen, war nach chirurgischer Behandlung gewachsen nnd hatte 
sich an der Nase entlang bis zur linken Nasolabialfalte ausgedehnt. Es 
ulzerierte stark. Nach der achten Bestrahlung nahm die Sekretion ab. Nach 
12 Sitzungen wurde die Behandlung drei Wochen lang unterbrochen. In- 
zwischen war die Heilung bis auf einen kleinen Herd an der Nase erfolgt, 
der nach 6 weiteren Bestrahlungen vernarbte. 

Sequeira bespricht die Behandlung von Ulcus rodens mit Röntgen- 
strahlen. Von 80 Fällen hat er 34 geheilt, der Rest wird noch behandelt. 
Rezidive sind häufig. Doch sind sie durch weitere Bestrahlungen noch zu 
beseitigen. Trotz guter Erfolge empfiehlt Vortragender alle zur Exzision ge- 
eigneten Fälle chirurgisch zu behandeln. Wirkliche Epitheliome werden zu- 
weilen günstig beeinflusst. Sind die Drüsen bereits infiltriert, so ist die 
Behandlung wirkungslos. Rezidivknoten in der Haut nach Mammaampnta- 
tionen weichen oft der Bestrahlung. 

Eijkman. Auch in Holland ergibt ein Überblick über die Krebs- 
statistik ein wesentliches Anwachsen der Krebsfälle. Verf. macht mit Recht 
darauf aufmerksam, dass dank der genaueren Untersucbungsmetboden die 
Diagnose heutzutage viel häufiger gestellt wird. Kasuistik: drei inoperable 
Fälle, die durch Radiotherapie günstig beeinflusst worden sind, bezw. geheilt 
wurden. 

1. Brustkrebs, exulzeriert. Drüsen in Infraklavikulargrube und Achsel- 
höhle, Schwellung des Armes. Beginn der Behandlung 20. Oktober 1901. 
Ende Dezember die Geschwulst, Anfang Januar 1902 sämtUche Drüsen ge- 
schwunden. 



Volkmann, ADgemeiDe Geschwnlsilehre. 241 

2. Bachenkrebs. Beschwerden seit August 1901. 18. November Beginn 
der Behandlung. Neubildung am rechten vorderen Gaumenbogen, in die 
Zungenwnrzel und bis zum Zäpfchen reichend, seitwärts sich auf die Innen- 
fläche des Unterkiefers, nach vom auf den Mundboden und die Zunge fort- 
setzend. Die nicht exulzeiierte Geschwulst ist von aussen unter dem Kiefer 
SU fassen. Drüsen längs des Stemo-CIeidomastoideus. 22. Januar 1902 ver- 
schwand die Schwellung im Munde bis auf eine kleine Verdickung, von der 
der Patient keine Beschwerden hat. Ende Dezember ist die Geschwulst unter 
dem Kiefer verschwunden. 

3. Krebs der seitlichen Halsgegend, starb 6 Wochen nachher an innerer 
Verblutung. (?) Mikroskopische Beweise der Diagnose fehlen. Ebenso nähere 
Angaben bezüglich Technik. 

Freund (Wien) teilt mit, dass er eine Vorrichtung ersonnen hat, welche 
gestattet, die Röntgenstrahlen in den Mund zu applizieren. 

Holzknecht (Wien). Die von Sjögren und Stenböck empfohlene 
Röntgentherapie des Ulcus rodens kann bereits als einwandsfrei betrachtet 
werden. Wohl gegen 100 histologisch sicher gestellte Fälle mit bis zwei- 
jähriger Rezidivfreiheit sind bereits mitgeteilt oder demonstriert worden. 
Ein Kunstgriff, wie der von Freund angegebene, auch intraorale Epithe- 
liome der Röntgenbehandlung zugänglich zu machen, ist daher sehr erwünscht. 

Ich möchte nun bei dieser Gelegenheit, ich tue es nicht als erster, 
darauf hinweisen, dass in Fällen tiefgreifender Epitheliome zwar im Gegen- 
satz zum Ulcus rodens an eine radikale Heilung nicht gedacht werden kann, 
da die Tiefenwirkung auch der Röntgenstrahlen eine äusserst beschränkte 
ist, dass jedoch eine sehr lästige und häufige Sekundärerscheinung solcher 
Karzinome, wenn sie exulzerieren , die Jauchung, schon auf sehr schwache 
Reaktion hin verschwindet. Dass dieses nicht wenig für die Unglücklichen 
bedeutet, denen die im höchsten Grade dissoziale Jauchung den kümmerlich 
bemessenen Lebensrest verdirbt, braucht nicht hervorgehoben zu werden. 
Unter der sanierten Oberfläche nimmt freilich das Karzinom seinen Lauf. 

Schiff stellt ein seit 22 Jahren bestehendes Epitheliom am Jochbogen 
vor, das nach 73 Röntgensitzungen vollständig zur Ausheilung gebracht wird. 

Tawson Turner. 45jährige Frau mit Skirrhus der Mamma. In den 
letzten 2 Jahren viermal operiert. Nach 8 Sitzungen von je 5 Minuten war 
der Tumor verschwunden. 

Comas und Prio. 63jährige Frau. Marksttickgrosses , trotz aller 
Therapie langsam wachsendes Epitheliom der Wange. Geheilt nach 16 Be- 
strahlungen von ^/i stündlicher Dauer. Die ganze Behandlung bis zur völligen 
Yernarbung dauerte ca. 2^/2 Monate. 

Fittig demonstriert einige mit Röntgenstrahlen behandelte Fälle von 
Karzinom, in denen bemerkenswerte Erfolge erzielt worden sind. Zwei Fälle 
von Epitheliom der Nase, einen an den Augenlidern und einen am Ohr. In 
aüen Fällen ist die Diagnose histologisch erhärtet, der Erfolg in kurzer Zeit 
ein eklatanter. Behandlungsdauer zwischen 14 Tagen (10 Jahre vergebens 
medizinisch behandeltes Ulcus rodens) und 2 Monate. Am wirksamsten weiche, 
nicht zu alte Röhren. 

Dawson Turner sieht den Erfolg der Strahlentherapie in ihrer 
Wirksamkeit auf das weiche, neugebildete Gewebe. Demgemäss muss die 
Behandlung je nach der Lage der Tumoren an der Oberfläche, unter der 
normalen Haut oder in tiefen Organen verschieden sein in bezug auf die 

Jakreftbeneht fOr OUrargie 1906. 16 



242 



JahreBbericht für Chirurgie. I. Teil. 



Auswahl. Bei oberflächlichen Neubildungen sind Finsentherapie und weiche 
Röntgenröhren angezeigt; bei tieferem Sitze muss man möglichst Strahlen 
mit grosser Penetrationskraft verwenden. Die Phototherapie vermindert die 
Schmerzen. Sie erweicht die Tumoren und verbessert dadurch die Möglich- 
keit ihrer Ausschälung, zumal da sie auch imstande ist, Verwachsungen der 
der Tumoren zu lockern (?). Von 18 inoperablen Krebsen konnten 15 gebessert 
werden. Die besten Resultate geben Brustkrebse, die schlechtesten die der 
Zunge. Rezidive bleiben nie aus. Radikalheilung trat ein; doch hat Vor- 
tragender den Eindruck, dass er mit 2 — ^3 mal wöchentlich stattfindenden 
Sitzungen ein Weiterschreiten der Tumoren verhindern konnte. 

Hall Edwards. 63 jähriger Mann. Epitheliom der Unterlippe, ^/s der 
Unterlippe erkrankt. Keine Drüseninfiltration. 2 Monate lang behandelt. 
Anfangs täglich, dann in immer längeren Intervallen. Im ganzen 37 Sitzungen 
' von 10 Minuten Dauer. Glatte Vernarbung, 

Grubbe (Chicago): 



Auge . 
Zange 
Vagina 
Rachen 



Nase and Wange 



Lippen 



Total 


Gat 


Negativ 


8 


5 


1 


13 


7 


4 


5 


5 


— 


20 


6 


8 


22 


10 


5 


21 


10 


4 



Unbe- 
deutend 



Die Behandlung wurde durchwegs in späteren Stadien durchgefohri 
Daher figurieren unter den negativen Resultaten Fälle, die kurze Zeit nachher 
an allgemeiner Karzinose etc. starben. Auch solche Fälle, deren Schicksal 
nicht eruierbar war, wurden merkwürdigerweise unter die negativen Falle 
gerechnet. 

;,Wir behaupten nicht, dass alle Fälle, über die wir günstig berichteten, 
absolut geheilt sind; aber wir behaupten, dass kein Krankheitszeichen bei 
allen diesen entlassenen Fällen zu finden war." 

Von der Annahme ausgehend, dass in der Mehrzahl von chirurgischen 
Rezidiven die Wiederkehr des Leidens auf einer Proliferation von Epitheliai- 
zellen von der primär affizierten Stelle aus beruht, sollte jeder operierte 
Fall ein bis drei Wochen nach der Operation der radiothera- 
peutischen Behandlung unterworfen werden. Schon Beck (New- 
York) misst 1901 den Röntgen-Strahlen einen therapeutischen Wert bei zur 
Behandlung von inoperablen Tumoren, sowie zur Nachbehandlung nach 
Exstirpation von solchen Geschwülsten. 

In der Jahresversammlung der American Röntgen Ray-Association zu 
Chicago, Dezember 1902, wird ebenfalls über die Karzinomfrage diskutiert, 
wobei in der Diskussion einer der Redner es als seine Ansicht gibt, ;,dass 
es unnötig sei, das gesunde Gewebe zu schützen, weil das Tumorgewebe zu- 
sammenbreche (break down), ehe das gesunde Gewebe leide.*' 

Vortrefflich schildert Lancashire den Reaktionsverlauf eines mit X- 
Strahlen behandelten Ulcus rodens: Zuerst wird der harte Randwall des 



Volkmann, Allgemeine Gesohwolstlehre. 243 

Greschwüres weicher, die Umgebung wird erythematös, desgleichen macht die 
wachsbleiche Färbung einem dunkleren Kolorit Platz, die Glätte verschwindet 
und es erscheinen Granulationen an der Oberfläche, welche immer mehr an 
Zahl zunehmen. Nach einiger Zeit liegt die Basis des Geschwüres in der 
Höhe der umgebenden Haut, ja die Granulationen können so wuchern, dass sie 
das Hantniveau überragen. Von den Rändern erfolgt dann die Überhäutung. 

Ich behandle seit mehreren Wochen gemeinschaftlich mit Herrn Prof. 
S. Ehr mann einen 60 jährigen Dienstmann, welcher ein talergrosses, 1 cm 
tiefes, histologisch festgestelltes.Krebsgeschwür auf der Schleimhaut des weichen 
Gaumens trägt. Die Ränder desselben waren hart, der Grund grobknollig 
und leicht blutend. Der Mann klagte über Schmerzen. Die Behandlung er- 
folgt in der Weise, dass der Mann ein mit Bleiblech ausgekleidetes Rohr so 
in den Mnnd nimmt, dass dessen Mündung auf das Geschwür gerichtet ist. 
Die äussere Mündung ist durch ein entsprechendes Loch einer Bleiplatte 
gesteckt, welche das Gesicht vor der Bestrahlung schützt. Die harte Röhre 
wird vor die äussere Mündung postiert und täglich 10 Minuten lang bestrahlt. 
Seit der 7. Sitzung fühlt sich der Geschwürsrand merklich weicher an. Das 
Geschwür hat sich auf Kreuzergrösse zentripetal verkleinert, ohne dass es bis 
dahin zn einer sichtbaren Reaktion kam. Gleichzeitig war das Nachlassen 
der Schmerzen und der Rückgang der Schwellung einer regionären Lymph- 
drüse ganz auffallend. 

Lowe führt an: 1. Knotiger, ballgrosser, langsam wachsender Karzinom- 
tumor der linken Mamma mit starken Schmerzen. Litensive Einzelbestrah- 
limgen in längeren Intervallen. Auffallend rasches Verschwinden der Schmerzen. 
Rückgang des Tumors bis auf Normalgrösse. Keine Hautveränderung. Fall 2. 
51 jähriger Mann. Karzinom des Sinus pjriformis und Larynxeinganges durch 
Bestrahlung behandelt. Grosse Besserung der Schluckbeschwerden und Ver- 
kleinerung, ja sogar partielle Vernarbung der Neubildung. Fall 3. Magen- 
karzinom. Der fühlbare Tumor wird kleiner. Fall 4. Sarkom der Media- 
stinaldrüsen mit Kompressionserscheinungen. Anfangs Besserung, die im 
Aufhören der Schmerzen und in leichter Expektoration bestand. 

Mikulicz und Fittig. Aus den Versuchen in der Breslauer chirur- 
gischen Klinik geht hervor, dass die Röntgenstrahlen eine gewisse elektive 
Wirkung auf das Krebsgewebe besitzen. Krankengeschichte eines 52jährigen 
Mannes mit einem ausgedehnten, sehr frei liegenden Karzinom der Mamma 
mit Metastasen in den beiderseitigen Achseldrüsen. Die Achselhöhlen wurden 
ausgeräumt, das Karzinom mit weichen Röhren bestrahlt. Probeexzision. 
Histologische Bestätigung als Carcinoma simplex. Nach ganz wenig Bestrah- 
lungen auffallende Besserung. Probeexzision unmittelbar neben der ersten 
Exzision: Nirgends mehr in den Schnitten Karzinomzellen. Ausser einer 
geringen Rundzelleninfiltration des subkutanen Gewebes und einer Anzahl 
von Riesenzellen, die frei im Bindegewebe liegen, keine besonderen Verände- 
rongen zu bemerken. Sechs Sitzungen von nur kurzer Expositionszeit, ohne 
dass eine stärkere Reaktion als\ massige Rötung aufgetreten war, genügten, 
um den Tumor gänzlich zum Schwinden zu bringen und drei Monate nach 
Beginn der Behandlung war völlige Heilung mit vorzüglicher Narbe ein- 
getreten. 

Im Anschluss an die Krebsbehandlung mögen noch folgende Fälle von 
Sarkom angeführt werden, die wiederum ohne allen Kommentar angeführt 
werden. 

16* 



244 Jahreeberieht fflr Chirurgie. I. Teil. 

Es würde den Eahmen der voriiegenden Arbeit weit überschreit^it 
wenn anf eine gründliche Kritik vorliegender Publikationen eingegangen würde. 
Auffallend ist die mit jedem Jahre immer grösser werdende Bestimmtheit in 
der Betonung von Erfolgen. Nachdem nun die Röntgenstrahlen bereits eine 
Reihe von Jahren auf anderen Gebieten angewendet worden sind, ist e& 
wiederum auffallend, dass bei einer Krankheit, wo man sonst oft in den Fall 
kommt, Verordnungen zu treffen nach der Art ut aliquid fiat, nicht schon 
mehr Erfahrungen gesammelt werden konnten. Ein Grund für diese Erschei* 
nung mag in der wohlbegründeten Zurückhaltung gelegen haben, mit welcher 
man bisher die in der Literatur noch dazu sehr zerstreut erschienenen Publi- 
kationen aufgenommen hat; nicht zum mindesten deshalb, weil es sich um 
eine Erkrankungsform handelte, bei der man nach bisherigen wohlbegründeten 
Anschauungen die grösste Sicherheit nur in der möglichst frühzeitigen opera- 
tiven Entfernung der Neubildung sah. Auch jetzt noch scheint die Sachlage 
nicht wesentlich zuungunsten der Chirurgie verschoben zu sein, indem sich 
die bisherigen Erfolge der Röntgenbestrahlung wesentlich auf solche Formen 
beschränken, die möglichst wenig tief unter der Haut liegen oder sonst direkt 
der Bestrahlung zugänglich gemacht werden können. Tiefer gelegene Formen 
sind nur mit härteren Röntgenröhren erreichbar, und gerade dieses Moment 
wird eine gewisse Schranke setzen, indem die Strahlen therapeutisch um so 
unwirksamer werden, aus einer je härteren Röhre sie stammen. !Es bedarf 
momentan jedenfalls noch sehr vieler Arbeit an inoperablen tiefen Fällen, 
bis man entscheiden kann, ob man solche tief gelegene Formen auch mit 
der gleichen Aussicht auf Erfolg von vornherein in Angriff nehmen darf wie 
mit den bisherigen Methoden. 

Bei inoperablen tiefen Formen (Darm etc.) wird es sich in erster Linie 
darum bandeln, die Karzinome unter solche Bedingungen zu bringen, wo sie 
keinen Reizen mechanischer etc. Natur ausgesetzt sind, d. h. Reizen der Art, 
die ein Wachstum an sich befördern, eine Forderung, die aus anderen Gründen 
schon jetzt meist erfüllt werden muss. Tief gelegene Formen, die operierbar 
erscheinen, müssen einstweilen nach bisherigen Anschauungen behandelt werden. 
Jedenfalls darf eine notwendig erscheinende Operation nicht hinausgeschoben 
werden durch eine zu hoch gespannte Erwartung von den Röntgenstrahlen. 
Dagegen scheint die Sicherheit der operativen Entfernung von malignen Ge- 
schwülsten wesentlich zu gewinnen durch die Nachbehandlung durch 
Röntgenbestrahlung, ein Punkt, der jedenfalls aller Beachtung wert ist. 
Hervorgehoben muss auch werden die Möglichkeit der Beeinflussung von 
Krebsgebilden ohne Beeinflussung der darüber liegenden Haut. Die prompte 
Schmerzlinderung ist ebenfalls ein grosser Gewinn, da sie viel weniger teuer 
bezahlt werden muss als durch Narkotika. 

Alle oberflächlichen Krebsformen, auch solche der zugänglichen Schleim- 
häute, ebenfalls der Brustdrüse, letztere zwei Arten unter gewissen Reserven, 
dürfen also mit Röntgenstrahlen behandelt werden. Es ist das schon für die 
zahlreichen Krebskranken ein erheblicher Gewinn, der in Anbetracht der 
grossen Zahl derselben nicht gering anzuschlagen ist. 

Die Krebskranken rangieren in der Zahl der ärztlich konstatierten 
Todesfälle noch an hervorragender Stelle, und welche Bedeutung den Krebs- 
erkrankungen in der Schweiz speziell zukommt, mag untenstehende Tabelle 
zeigen, die nach der ;, Schweiz. Statistik", Heft 135, hergestellt ist und zu- 
gleich einen Vergleich mit der Statistik der Lungenschwindsucht gestattet. 



Volkmann, AUgemeine Gesehwolstlehre. 



245 



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3990 


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5823 


10.1 


8986 


6,9 


6692 


10,5 


4112 


6,4 


6241 


10,» 


4095 


6,8 



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Ml 



1867 I 6106 10,2 8951 6,6 2 

1898 I 5984 10,1 3990 6,1 4 

1899 I 5823 10.1 8986 6,9 3 
1900 
1901 

Auffallend ist, wie gering der Prozentsatz ist von solchen, die Spital- 
behandlang aufsuchen, also sich in die denkbar günstigsten Verhältnisse zu 
einer eventuellen Heilung begeben, pro 1900 1346 und pro 1901 1362 
(Sanit. demograph. Bulletin, 70 der hauptsächlichsten Spitäler). Es mag hier 
nicht erörtert werden, wo diese Erscheinung herrührt. Nur mag hier der 
Hoffnung Ausdruck gegeben werden, dass die Röntgenstrahlen berufen sein 
werden, die Zahl wirklicher Heilungen zu vermehren, den armen Kranken 
grössere Zuversicht zu geben und Uire Leiden, wenn auch nicht immer zu 
heilen, so doch wesentlich zu mildem und im Laufe aufzuhalten. 

Otto Schär (Bern). 

Beck gibt die ausführliche durch Illustrationen erläuterte Kranken* 
geschichte eines Falles von Melanosarkom des Unterschenkels, der aus einer 
am Malleolus int. sitzender Warze in rapider Weise sich entwickelte. Radi- 
kales chirurgisches Vorgehen lehnte der 36jähnge Patient ab. Der Tumor 
imd die zugehörigen Lymphdrüsen wurden exstirpiert, rasch wieder auftretende 
lokale und r^inäre Rezidive wurden mehrfach entfernt, ohne dass damit dem 
Weiterschreiten der Melanosarkomatose Einhalten geschehen konnte. Es 
wurde dann mit einer Röntgen-Bestrahlung zu terapeutischen Zwecken be- 
gonnen, anfangs 10, dann 20, 30 und zuletzt 45 Minuten lang. Im ganzen 
fanden 7 Sitzungen statt. Der Erfolg ist ein erstaunlicher. Eine Reihe 
kleiner Sarkom knoten verschwanden vollkommen, während einzelne grössere 
Knoten einschrumpften und entschieden Volumverminderung zeigten. Neue 
Knoten entstanden nicht. Der Endeffekt, der sich neun Wochen nach der 
letzten Bestrahlung konstatieren Hess, ist ein ganz vorzüglicher. Beck teilt 
diesen Fall mit aller Reserve mit und wird über den weiteren Verlauf später 
berichten. 

Coley. Bei 14 Fällen von Sarkom wurde bestrahlt: 11 Fälle zeigten 
Rondzellentypus, einer davon war eine Melanosarkom der Clandul, femoral 
und iliacae. Zwei waren Spindelzellensarkome und einer ein rekurrierendes 
Osteosarkom. Die Tumoren waren am Hals, (Lymphosarkom) in der Parotis, 
am Oberkiefer, am Proc. mastoideus, in der Achselhöhle und am Oberschenkel 
gelegen. Der Verf. kommt zu folgenden Schlüssen : Die Resultate in den bis 
jetzt behandelten Fällen beweisen, dass die Röntgenstrahlen eine bemerkens- 
werte, hemmende Wirkung auf das Wachstum aller Arten bösartiger Geschwülste, 
speziell Sarkome ausüben. 



246 Jabreabericfat für Chirurgie. I. Teil. 

Diese Wirkung kann in vielen Fällen von sogar vorgeschrittener bös- 
artiger Erkrankung das gänzliche Verschwinden der Geschwülste zur Folge 
haben, oft ohne Zerstörung der Gewebe, da die Neubildung augenscheinlich 
resorbiert wird. 

Ob die Patientin geheilt oder die Krankheit nur aufgehalten wurde, 
um zu einer späteren Zeit wieder zu erscheinen, ist eine Frage, die allein 
die Zeit entscheiden kann. 

Während augenblicklich kein Beweis vorhanden ist, dass tiefeitzende 
Geschwülste im Unterleib und Becken durch die Röntgenstrahlen geheilt 
oder gebessert werden können, so haben wir doch Grund zu hoffen, dass mit 
verbesserten Apparaten oder bei vorgeschrittenem Wissen und Geschick- 
lichkeit in der Handhabung des Apparates, selbst diesen Fällen geholfen 
werden kann. 

Die Röntgenstrahlen haben einen sehr merklichen Einfluss auf den 
Schmerz bei fast allen Arten bösartiger Geschwülste, indem sie in den meisten 
Fällen gänzliche Erleichterung gewähren. (Referent?) 

B. Behandlung der Karzinome mit anderen Methoden. 

Macintyre (124) spricht über die therapeutische Verwendbarkeit der 
Radiumstrahlen. Er gibt zuerst eine physikalische orientierende Einleitung, 
dann die Geschichte eines Ulcus rodens der Nase (mit zwei Photogrammen), 
das in fünf Wochen nach 37 Bestrahlungen ;,fast gänzlich '^ geheilt wurde. 
Ein inoperables Schlundkarzinom wurde gebessert. Die Verwendbarkeit des 
Radiums ist, wenn sie überhaupt eine nennenswerte ist, sehr beschränkt, weil 
der Bestrahlungskreis ein zu kleiner ist. 

Die klinischen Vorträge von Lejars (120) über den Nutzen und die 
Grenzen der Krebsbehandlung und von Mohr (127) über Prophylaxe gegen 
Karzinom eignen sich nicht zum Referat und bringen nichts Neues. 

Ein sehr lesenswertes Buch stammt von Lomer (123), ;,über die Heil- 
barkeit des Karzinoms". Im ersten Teil spricht Verf. von der Tatsache, dass 
zahlreiche Karzinome, die unvollständig operiert waren, doch dauernd heil 
bleiben, dass also sicher spontane Abtötung von Krebskeimen im Körper 
regelmässig vorkommt, und bespricht dann an der Hand der äusserst fleissig 
herangezogenen Literatur die erstaunlich guten Resultate, welche die An- 
wendung der Glühhitze auf inoperable Karzinome oft noch ausübt. Er beweist 
in einer grossen Literaturzusammenstellung, dass Dauerheilung dabei oft vor- 
kommt. Im zweiten Teile wird der Ursache dieser Erscheinungen nach- 
gegangen. Die Krebszelle ist viel hinfälliger als die normale Epithelzelle, 
besonders gegen Hitze weniger widerstandsfähig. Lomer schliesst daraus, 
dass auch fieberhafter Verlauf nach Krebsoperationen prognostisch gunstig 
sei, z. B. sind seiner Erfahrung nach die inoperablen üteruskarzinome, die 
mit der Komplikation einer fieberhaften Beckeneiterung zur Beobachtung 
kamen, durchschnittlich länger am Leben geblieben als die andern fieberlosen 
Fälle. Ebenso verhält es sich mit den fieberhaft und fieberlos verlaufenen 
„Radikaloperationen". Auch dies wird unter ausgiebiger Literaturbenutzung 
dargelegt. Die Coleysche Toxinbehandlung wirkt nach Lomer wahrschein- 
lich durch das dabei entstehende Fieber schädlich auf die Krebszellen. Das- 
selbe ist es mit den Heilungen von Krebs nach echtem Erysipel. Überhaupt 
scheinen „tiefe Alterationen des Blutes", wie sie auch durch grosse Blut- 



YolkmaiiD, Allgemeine Geschwulstlehre. 247 

Verluste herbeigeführt werden, auf das hinfällige Leben der Krebszellen 
ungünstig einzuwirken. Ebenso sind schon vielen Seiten blutalterierende Gifte 
(Arsen, chlorsaures Kali etc.) als Krebsheilmittel empfohlen worden. Danach 
bestände theoretisch die Möglichkeit, durch ein hämolytisches Serum den 
Krebs zu heilen. Lomer hat Versuche mit einem Epithelserum begonnen. 
Endlich kommt er auf die sog. Zufallsheilungen zu sprechen und zitiert 
eine grosse Anzahl solcher ;, Überraschungen". Er schliesst mit den ausführ- 
lichen Krankengeschichten der mit Glühhitze behandelten Fälle und präzisiert 
einige Fragen, denen weiter nachzugehen wäre, z. B. Verhalten der Leuko- 
cyten bei Karzinom, Wirkung des Epithelserums, der Toxine, der Anwendung 
allgemeiner Erhitzung etc. 

Mohr (129) hat die Spontanheilung eines von ihm als Karzinom auf- 
gefassten, mikroskopisch nicht untersuchten Tumors (in der v. Bergmann sehen 
Klinik waren „Zweifel an der Natur des Tumors" [Karzinom oder Lues?] 
geäussert worden!) beobachtet, der in der Backentasche seinen Sitz hatte. 
Er bespricht im Anschluss an diesen Fall die Literatur über spontane Heil- 
barkeit des Karzinoms. 

Powell (138) beschreibt seine Methode der Formalinbehandlung des 
Krebses. Mit IV2 bis 2°/oiger Formalinlösung (nicht stärker, weil sonst zu 
schmerzhaft!) durchtränkter Mull wird auf den Tumor appliziert und sechs- 
stündlich gewechselt. Es erfolgt Abstossung des kranken Gewebes und Ver- 
narbung. Über seine Resultate berichtet er an dieser Stelle nicht. 

Drage (96) ist ein wunderlicher Schwärmer für „Cinnamon-Solution'^. 
Da man, wie er als bekannt voraussetzt, damit sehr leicht in zwei Monaten 
die Lungentuberkulose heilen könne (in leichteren Fällen könne der Erfolg 
in dieser Zeit ^garantierte werden), wandte er das Mittel auch auf Karzinome 
an. (Weshalb das Tuberkuloseheilmittel auch auf Krebs wirken muss, wird 
nicht gesagt.) Er behandelte mehrere Brustkrebse, ohne über das Resultat 
za berichten. Seine Absicht ist dabei, Leukocytose und Narbenbildung anzu- 
regen. Der Krebs erwies sich aber als schwerer angreifbar als selbst die 
schwersten Fälle von Schwindsucht (!). 

Breuss (83) empfiehlt Aspirin als schmerzstillendes Mittel bei Karzinom- 
kranken, hauptsächlich in der Absicht, damit die später doch unvermeidliche 
Anwendung von Morphium möglichst hinauszuschieben. 

Belbeze (76) hat mit einer durch vier Monate angewandten Chinin- 
applikation (Chin. mur. 1,0; Adeps suilli 20,2, zweimal täglich aufgetragen) 
ein Nasenflügel- Wangenkankroid von 3 cm Durchmesser geheilt. Keine mikro- 
skopische Untersuchung. 

Mit einem eigentümlichen elektrischen Osmoseapparat, dessen Beschrei- 
bimg im Original eingesehen werden muss, hat Wright (164) 23 Karzinomfälle 
behandelt. Fünf davon sind angeblich geheilt. 

In drei Fällen von Lungen- und Kehlkopfkarzinom hat Mahn (125) 
Besserung der Schmerzen und Nachlassen der Blutungen nach Adrenalin- 
spälungen gesehen. 

Ein merkwürdiger Vorschlag stammt von Routh (146). Er hält das 
Karzinom für erblich und abhängig vom Wasser. Da er in London lebt, 
verlangt er, um die Krebskrankheit zu beseitigen, Drainage des ganzen Unter- 
grunds von London und Sterilisation alles Gebrauchswassers. 

Adamkiewiez (71, 72) empfiehlt in der Presse medicale und in den 
therapeut. Monatsheften an der Hand nichts beweisender Fälle noch immer 



248 Jahresbericht für Chirurgie. I. Teil. 

sein Eankroin als Krebsheilmittel. U. a. führt er zum Beweis für die Heil- 
kraft seines Mittels ein Oberkieferkarzinom an, das während der länger 
dauernden Behandlung ;,ungeheuerlich^ gross wurde. Oberkiefer und Nase 
waren fast völlig während der Behandlung zerstört worden. Der Patient 
starb endlich. Nach Adamkiewicz ist dies nur ein ^^scheinbarer Misserfolg^, 
denn der Krebs war ^ausgestossen^ und der Patient war nur ^zu schwack 
geworden", um wieder gesund zu werden (!). 

Hagenthorn (111) berichtet über zwei mit diesem „Krebsheiimittel^ 
behandelte Fälle. Beide Kranken verliessen im ;, Vollbesitze ihres Karzinoms^ 
die Klinik. In einem Falle war nach Hagenthorn ^^zeitweise eine Um* 
Wandlung" des Krebsgewebes in Granulationsgewebe erfolgt (was bedentei 
das? Ref.), was als Wirkung des Kankroins aufgefasst wird. (Das Karzinom 
war aber ausserdem gleichzeitig mit Paquelin und scharfem Löffel bearbeitet 
worden. Ref.) 

G. Kasuistisches und Klinisches. 

Korteweg (118) hat die Karzinomstatistiken der letzten Jahre, speziell 
die des Magen- und Brustdrüsenkarzinoms, einer genauen kritischen Unter- 
suchung unterworfen. Das Brustkarzinom eignet sich vor allem dazu, die 
älteren Statistiken mit denen der letzten Zeit zu vergleichen. Und dann ist 
es sehr auffallend, dass, während die Dauerheilungen bei den Brustkrebsen 
ohne Drüsenmetastasen sich von Jahr zu Jahr gemehrt haben, die definitiyen 
Heilungen bei denjenigen mit Metastasen in den regionären Drüsen onyer- 
ändert geblieben oder selbst heruntergegangen sind, trotzdem der Zeitpunkt 
der Operation zweifelsohne verfrüht ist. 

Die Erklärung dieser Tatsache kann nur darin gesucht werden, dass 
die bösartigen Krebse auch bei Frühoperation eine schlechte Prognose geben ; 
dann aber haben diese Krebse auch schon bei frühzeitigem Operieren Drasen- 
metastasen hervorgerufen. Die gutartigen Karzinome kamen früher öfter« 
erst zur Operation, als sie schon zu Achseldrüsenmatastasen geführt hatten; 
sie wurden dann gerechnet zu den Fällen mit Drüsenmetastasen, die zar 
definitiven Heilung kamen. 

Aus diesen Betrachtungen wird der Schluss gezogen, dass die Art des 
Karzinoms ausschlaggebend ist für den operativen Erfolg, viel mehr als der 
Zeitpunkt der Operation. 

Während die mittlere Lebensdauer bei Frauen mit Brustkrebs, die 
innerhalb der ersten Monate zur Operation kamen, nur 16 Monate beträgt, 
beträgt sie bei Kranken, die erst nach zwei Jahren operiert wurden, bis 47 
Monate. Nur das gutartige Karzinom können wir zur definitiven Heilung 
bringen. Und wenn nun nicht so sehr der Zeitpunkt der Operation und das 
Radikale und Eingreifende des Operationsverfahrens entscheidend sind für 
das Schicksal der Kranken, sondern vielmehr der Charakter des Karzinoms, 
dann dürfen vrir die Operationsprognose der Krebse innerer Organe derjenigen 
der äusseren Karzinome ziemlich gleich stellen. Die gutartigen Krebse scheinen 
bei Magen- und speziell Darmkarzinomen die Mehrzahl zu bilden. 

Goedhuis (Deventer). 

Einen Beitrag zur Frage von den Beziehungen zwischen Krebs und 
Malaria liefert Betti (82), indem er über 5 eigene Beobachtungen berichtet. 
In einem Falle von Krebs der Unterlippe brachte die Malaria keine Besse- 
rung, und keinerlei wohltätige Wirkung entfalteten die Chininsalze in ö Fällen 



Yolkmann, Allgemeine Geschwohtlelire. 249 

TOD k&rzinomatösen Neoplasmen (1 Fall von Krebs der Unterlippe, 1 Magen* 
Icrebs, 1 P jlomskrebs , 1 rezidivierter Krebs der Submaxillardrüse and 1 
M&mmakrebs). R. Giani. 

Solieri (153) teilt die klinische Geschichte eines 48 jährigen Individnnms 
mit, das in die chirurgische Klinik in Siena kam, nm sich von einer hühner- 
«grossen Geschwulst, die an der inneren Seite des Oberschenkels, 1 cm 
unterhalb des Snlcus genito-cmralis ihren Sitz hatte, tief eingepflanzt und 
von sehr harter Konsistenz war, befreien zu lassen, lifit dieser Geschwulst 
war er seit seinem 12. Lebensjahre behaftet; anfangs war sie kirschengross, 
dann nahm sie langsam an Grösse zu bis zu seinem 25. Jahre und seitdem 
blieb sie stationär. Sie hatte ihren Sitz im Muse, rectus internus und war 
Ton einer sehr dicken, ihr nur wenig anhaftenden fibrösen Kapsel umgeben, 
die bei der Abtragung in situ gelassen wurde. Bei der histologischen Unter- 
sndiung erwies sich die Geschwulst als ein Osteom. 

Acht Monate nach der Operation nahm Patient in den Weichteilen 
unter der Narbe ein weiches, bewegliches Tumörchen wahr, das langsam an- 
wuchs. Infolge einer Anstrengung hatte die Geschwulst in wenigen Minuten 
die doppelte Grösse erlangt und seitdem war sie schnell angewachsen, so dass 
sie nach fünf Monaten Fötuskopfgrösse hatte. Bei der Abtragung konsta- 
tierte man, dass die Geschwulst zwischen Fasern des Muse, rectus internus 
sass, dort wo man die Kapsel des Osteoms zurückgelassen hatte, von welcher 
keine Spur mehr bestand. 

Bei der mikroskopischen Untersuchung erwies sich diese zweite Ge- 
schwulst als ein Spindelzellensarkom mit zentraler myxomatöser Degeneration. 
Die Untersuchung der Geschwulst auf Bakterien und Blastomyceten gab ein 
negatives Resultat. Patient heilte von der Operationswunde, aber nach Ver- 
lauf von vier Monaten erschien er wieder mit einem Rezidiv in situ; neue 
Operation. 

Verf. meint, dass das erste Osteom durch Metaplasie der fixen Binde- 
gewebszellen seiner Kapsel in Knochengewebe entstanden war; in der bei 
Abtragung des Osteoms in situ gelassenen Kapsel haben die nicht mehr 
durch das Osteom komprimierten und schon metaplastisch tätigen fixen Ele- 
mente diese ihre Tätigkeit noch gesteigert und zuerst sarkomatöse Zellen, 
dann ein echtes Sarkom generiert. R. Giani. 

Nicht um die Konstanz des Les ersehen Symptoms, nämlich die An- 
wesenheit von Hautangiomen bei Krebskranken zu bestätigen, welches Sym- 
ptom schon Gebele und Rosenbaum von bestreitbarem diagnostischen 
Werte fanden, sondern als kasuistischen Beitrag veröffentlicht Tarantino 
056) die klinische Geschichte von drei Krebskranken, bei denen zahlreiche 
Hautangiome angetroffen wurden. — Bei nicht karzinomatösen Individuen war 
der Beftind fast immer negativ. — In einem Falle von Karzinom des linken 
Eierstocks mit Drüsenmetastasen bei einer 70jährigen Frau wurden 20 An- 
giome und Pigmentmäler angetroffen; bei einem mit Leberkrebs behafteten 
66jährigen Manne zählte man deren 50 und "20 bei einer mit Mamma- 
Adenokarzinomen behafteten 56jährigen Frau. R. Giani. 

Bei einem Manne trug Fracassini (103) ein Hautfibrom ab, das in 
<ler Brustwarzengegend sass ; nach Beschreibung des Falles teilt er den histo- 
logischen Befund mit. Das Fibrom bestand aus dicht zusammengedrängten 
kompakten Bindegewebsbündeln mit spärlicher Grundsubstanz und vielen 
dickwandigen Gefässen. Die Geschwulst, die drei Kilo wog, gehört zu den 



250 Jahresbericht fflr Chirargie. I. Teil. 

am seltensten beobachteten; histologisch war sie nicht wie die gewöhnlichen 
Hautfibrome beschaffen. Verf. hält es für ratsam, solche Fibrome mit dem 
Bistouri abzutragen, weil sich ihr Gewebe leicht in sarkomatoses amwaDdelt 

G. Giani. 

De Gaetano (106) beschreibt histologisch ein Sarkom, das am TU 
Zwischenrippenraum auf der rechten dorsalen Seite aus einem Muttermal 
entstanden war und dessen Zellenelemente die unteren Schichten der Mal- 
pighi sehen Schleimschicht infiltrirt und die Lostrennung der Keimschicht 
bewirkt hatten. An einem abgetragenen Muttermal machte er einen Befund, 
der die Pathogenese solcher Tumoren zu erklären vermag: er fand nämlich 
Vorhandensein von vielen atypischen, embryonalen, noch nicht differenzierten, 
aus dem Mesoderm stammenden Zellenelementen. Dieser Befund verleiht der 
Durant eschen Theorie, nach welcher die Tumoren embryonalen Ursprungs 
sind, eine kräftige Stütze. E. Giani. 

De Gaetano (107) berichtet über einen Fall, in welchem am linken 
Stirnhöcker ein Epitheliom bestand, das nach Erysipelanfällen spontan heilte; 
drei Jahre darauf rezidivierte es nach einem Trauma und trotz weiterer 
Eryspelanfälle erfuhr die ülzerationsfläche keine Veränderung. Verf. trug 
nun die Geschwulst ab und nahm die Autoplastik nach der italienischen 
Methode vor; er erzielte ein gutes Resultat. — Er führt die Fälle an, in 
denen maligne Tumoren nach Erysipelanfällen heilten, es sind nur wenige; 
zahlreicher dagegen sind die Fälle, in denen nach solchen Anfällen die Ge- 
schwulst auf kurze Zeit zu wachsen aufhörte. R. Giani. 

V. Schaldemose (147). Über Gelenkaffektionen bei den Sarkomen 
langer Röhrenknochen. Der Sachverhalt wird durch fünf Krankengeschichten 
illustriert. Wenn bei Osteosarkomen Gelenkaffektionen auftreten, ist das 
Gelenk vom Sarkom mitangegriffen. Das Knorpelgewebe besitzt grosse Wider- 
standsfähigkeit gegen das Sarkom, es ist daher eine Ausnahme, dass das 
Sarkom durch den Gelenkknorpel in das Gelenk hineinwächst, in der Regel 
wächst es aussen heraus, indem es den Ligamenten und der Kapsel folgt.. 
Das Sarkom kann sich parartikulär halten oder in die Gelenkhöhle hindn- 
wuchern; fast immer ist Exsudation im Gelenk vorhanden. In der R^d 
werden neben den Gelenkaffektionen ausgesprochene Symptome von Osteo- 
sarkom vorhanden sein ; mehr ab und zu, wie in den fünf mitgeteilten Fällen, 
dominiert das Gelenkleiden das Krankheitsbild, so dass die Differentialdia- 
gnose schwierig oder unmöglich werden kann. Meistens wird das Leiden 
eine tuberkulöse Arthritis simulieren, seltener eine akute oder chronische 
Synovitis. Als Momente, welche von Bedeutung, wenn auch nur von bedingtem 
Werte bei der Differentialdiagnose sein können, werden hervorgehoben: der 
Charakter der Schmerzen (spontan, neuralgisch), die Entwickelung der Ge- 
schwulst (extraartikulär beginnend), ihre unregelmässige Form und ihre ver- 
schiedene Konsistenz an verschiedenen Stellen, eine bisweilen auffallend freie 
Beweglichkeit im Gelenk bei Sarkomen und der abnorme Verlauf bei der 
Behandlung (keine Linderung bei Ruhe und Elevation, Verschlimmerung bei 
komprimierenden Bandagen). (Schaldemose.) 

Heinatz (110) stellt an der Hand des Krankenmaterials der Ratimor- 
schen Klinik Nachforschungen über die Erblichkeit des Krebses an. Von 
210 Krebskranken liess sich Karzinom in 3,8 7o der Fälle bei den Eltern und 
in 8,6 7o bei den Verwandten nachweisen. Weiter fand Heinatz unter 
166 Fällen gutartiger Geschwülste Krebserkrankungen bei den Eltern in 4,2 V 



Volkmann, Allgemeine Geschwulstlehre. 251 

und bei den Verwandten in 6,6^/0 der Fälle. He in atz meint, dass die 
Erblichkeit des Krebses nicht erwiesen sei. Hohlbeck (St. Petersburg). 

V. Brunn (83) behandelt an der Hand von 20 neuen Fällen der Bruns- 
schen Klinik das Kapitel Extremitäten -Karzinom, indem er auf des Ref. 
Arbeiten von 1890 fusst und zum Schluss ein Material von 368 Fällen 
(223 Ton Yolkmann, 46 aus Bruns' Klinik, 99 aus der Literatur der letzten 
Jahre) zur Besprechung heranzieht. Er teilt die Fälle wie Ref. in solche 
ein, die 1. aus alten Narben, Fisteln etc., 2. aus Warzen und Malern, 3. aus 
Torher normaler Haut entstanden sind, und kommt im wesentlichen zu dem- 
selben Resultat wie Ref. Nur fand er die Prognose im ganzen nicht so 
günstig wie Verf., er rechnet nicht 50 — 56, sondern 35 ^/o Dauerheilungen aus. 

;,Für die Behandlung konkurrieren die verstümmelnden und konservativen 
Methoden; bei letzteren treten zwar wesentlich häufiger Rezidive auf, doch 
ist einschliesslich der erfolgreich operierten Rezidive die Heilungszahl bei 
den beiden Behandlungsarten etwa gleich.^ Zum Schluss folgen kurz die 
Krankengeschichten der 145 in des Ref. Arbeit noch nicht verwerteten Fälle. 
Das eigene Material von 20 Fällen wird etwas genauer beschrieben. 

Bender (77) gibt die genaue histologische Beschreibung zweier auch 
klinisch eigentümlicher Tumoren. 

1. Eine makroskopisch als malign gewordener Mischtumor gedeutete 
Geschwulst der Mamma mit zahlreichen Cysten, die sich histologisch als ein 
grosses solides Adenom mit Cystenbildung und schleimiger Entartung auswies. 
Ausgang: ausschliesslich das Drüsenepithel. Die Schleimmassen sind, wie 
Bender nachweist, von den pathologisch veränderten Epithelzellen selbst in 
das Zwischengewebe abgesondert worden. Der gleichen Entartung unterlag 
die Tunica propria. 

2. Ein malign gewordenes, viermal rezidiviertes Lipomyxom der Achsel- 
höhle. Der Tumor bestand aus einem Konglomerat von Beeren und Knollen 
von Erbsen- bis Gänseeigrösse, die nur lose zusammenhingen. Histologisch 
entsprachen diese meist vakuolären, teils mit Fett, teils von seröser Flüssigkeit 
und hyalinem Einschluss erfüllten Zellen dem Typus der jugendlichen Fett- 
zellen, doch weicht ihre Anordnung von den des physiologischen Fettgewebes 
ab. Im Zentrum grösserer Knollen herrschte reines Schleimgewebe vor. „Die 
vakuolären Zellen stellen offenbar eine embryonale Zellform dar, welche eine 
Vorstufe sowohl für Fettgewebe wie für Schleimgewebe bildet, mag man die- 
selben von einem versprengten Keime ableiten, oder als eine Rückbildung 
des Fettgewebes zu embryonalen Formen bei krankhafter Geschwulstbildung 
auffsösen." 

Payr (133) empfiehlt zur bequemeren Anwendung seiner Behandlung 
karvernöser Tumoren (durch Einlegen resorbierbarer Magnesiumpfeile) einen 
Trokar, durch den Pfeile entsprechenden Kalibers perkutan eingeführt werden 
können. Er hat mehrere Heilungen erzielt. 

Müller (130) macht darauf aufmerksam, dass man meist die Kavernome, 
Angiome und Lymphogiome fast ohne Blutverlust stumpf auslösen könne, 
veno man sich aussen an die Kapsel hält, die solche Tumoren oft haben. 
Es gelingt die Methode auch bei grossen Tumoren. 

Brünet (84) teilt vier Fälle von branchiogenen Karzinomen mit, von 
denen einer sich in der Wandung einer branchiogenen Cyste entwickelt hatte. 
Die Entwickelungsgeschichte und Klinik dieser Geschwülste wird kurz referiert. 



252 Jahresbaricht für Chirurgie. I. Teil 

Segond (150) bespricht das gleichzeitige Vorkommen von Uterusfibro- 
iden und Karzinomen der Adnexe (zwei eigene Beobachtungen) und die Mög- 
lichkeit der diagnostischen Verwechselung entzündlicher Geschwülste im kleinen 
JBecken mit Karzinom. Mehrere solche irrtümlich für inoperable Karzinome 
erklärte Fälle sind geheilt worden. Guinard (109) erwidert darauf, dass 
er 11 Fälle von Kombination dieser Geschwülste gesehen habe und hält sie 
also nicht für so selten. 

Auch Richelot .(142) behauptet, dass Multiplizität der Tumoren 3ehr 
häufig sei und oft nur nicht beachtet werde, z. B. Uterus-Karzinom und 
Fibrom. Er glaubt an eine hereditäre Entstehung der Geschwülste. Daraufhin 
betont Quenu (139), dass er auf das dunkle Gebiet nicht folgen wolle, er 
bestreitet aber, dass die Gleichzeitigkeit von Ovarialcysten und Uterusfibrom^ 
häufig sei und dass eine Beziehung zwischen beiden bestehe. Er selbst h»t 
in vier Jahren bei 44 Neoplasmen des Ovariums nur viermal Fibroide 
gefunden. 

Vogel (160) berichtet über einen seit vier Jahren geheilt gebliebenes 
Fall von Rundzellensarkomrezidiv des Humerus, den Schede mit Resektioa 
des ganzen Humerus behandelt hatte. Unter Heranziehung der Literatnr 
über konservative Behandlung maligner Sarkome der langen Köhrenknochen 
empfiehlt er für geeignete Fälle die Resektion statt der Exartikulation. 
Letztere gebe ebensowenig gute Resultate. 

Devie und Gallavardin (95) besprechen an der Hand eines Falles 
von zwei primären gleichartigen ZyUnderzellen-Krebsen des Darmtraktos 
(Pyloruskarzinom und Rektumkarzinom) die multiplen primären Tumoren der 
Literatur. 

Viquard und Gallavardin (159) haben ein multiples Myelom mit 
Albumosurie beobachtet. Sie betonen, dass die primären multiplen echten 
Myelome der Knochen, die keine Eingeweidemetastasen machen, von den 
anderen Arten der Knochensarkome prinzipiell zu trennen seien. Sie bleib» 
oft lange latent, machen Fieber, rapide Kachexie und Koma und sind oft 
verbunden mit Albumosurie. 

Einen analogen Tumor (ohne Albumosurie?) hat Abrikosoff (69) be- 
schrieben. Klinisch erschien er als Mediastinaltumor. Dasselbe Thema be- 
handelt Weber (161), der bei einem primären multiplen Myelom des ganzen 
Skeletts bei einem Luetiker die Bence-J au ersehe Albumoseausscheidung 
15 g pro Tag erreichen sah. 

D'Arcy-Power (74) glaubt gefunden zuhaben, dass die Krebspatienten, 
die nach der Operation nicht in die gewohnten Verhältnisse ihrer früheren 
Umgebung zurückkehren, keine Rezidive bekommen. Er gibt einige Beispiele. 

Die kurzen Bemerkungen von White (163) über akute allgemeine Sar- 
komatose der Haut, von Post (137) über unförmliche Angiombildung an des 
Extremitäten, von Feldmann (100) über Narbenkarzinom am Kopfe auf 
Brandwunde, von Scheidtmann (148) über einige Lipome seltenerer Lokali- 
sation, von Reclus (140) über drei branchiogene Karzinome, von Faysse 
(99) und Johnson (114) über einen diagnostisch unklaren Tumor, voi 
Strümpell über multiples symmetrisches Lipom , das ein Jahr nach 
einem Unfall entstanden war, und von Mohr (128) über ein Karzinom auf 
einer alten Haarseilnarbe haben nur kasuistisches Interesse, ebenso die flüchtig 
geschriebene Dissertation von Furlkröger (105) über ein kavernöses Angiom 
der Fusssohle, der auf den Knochen übergriff und zur Amputation fährte. 



Volk mann, Allgemeine GeBchwulstlehre. 253 

Chalmers da Costa (87) hat zwei Karzinome auf dem Boden von 
Ulcus croris entstehen sehen und empfiehlt als schmerz* und blutungstillendes 
Mittel die X-Strahlen. 

Rothmann (145) glaubt in vier Fällen von symmetrischem Lipom mit 
schlechter Entwickelung der Schilddrüse von Tablettenbehandlung günstigen 
Erfolg (Verkleinerung der Lipome) gesehen zu haben. 

Unter 366 Fällen von Intestinalkarzinom hat Boas (80) 12 mal Diabetes 
gefanden. Er ist trotz der zweifelhaften Prognose für die Karzinomoperation 
auch bei bestehender Diabetes. Koma ist allerdings nicht selten, besonders 
bei Acetonämie. 

Dertinger (93) publiziert 12 tiefsitzende Lipome, die Beck -Karls- 
ruhe operiert hat, und bespricht anschliessend an Plettners Arbeit die 
Klinik dieser Geschwülste. Zum Schluss gibt er kurz die Krankengeschichten 
der 137 bis jetzt publizierten Fälle, von denen Plettner schon 120 be- 
arbeitet hat. 

Oemsbys (132) Betrachtungen über die Nützlichkeit frühzeitiger Ope- 
ration bei Krebserkrankung sind recht uninteressant, Kirks (117) Beob- 
achtung von einigen Karzinomen bei Paraffinarbeitem bringen nichts Neues. 

Recht bequem macht es sich Nash (131) mit der Ätiologie des Karzi- 
noms. Er beweist die Infektiosität von Person zu Person durch folgende 
eine(!) Beobachtung: In einem Dorf starben innerhalb 16 Tagen fünf Leute 
an Karzinom, und zwar drei an Zungen-, zwei an Lippenkarzinom. Die 
Patienten waren alle nahe verwandt oder befreundet gewesen und hatten oft 
in demselben Grasthaus aus ein und demselben Bierglas getrunken! 



IL Teil. 



Spezielle Chirurgie. 



Die Verletzungen und ehirurgisehen Krankheiten 
des Schädels und Gehirns. 



Referent: E. v. Meyer, Frankfurt a. M. 



Die mit * versehenen Arbeiten sind nicht referiert worden. 

Allgemeines fiber HiinchiTurgie und Trepanation. 

1. Biagi, Bei processi di riparazione delle ossa craniche negli innesti di osso vivente o 
calcinato o oarbonizzato depo V asportazione deUa dura e de periostio. II Policlinico 
1903. Vol. XC. Fase. 12. 

2. Bunge, Über die Bedeutung traumatischer Sch&deldefekte und deren Deckung. 
▼. Langenbecks Archiv 1903. Bd. 71. Heft 3. 

3. *Gottam, Some phases of cranial snrgery. Medical News 1903. August 15. 

4. ^Dennis, The indications for operative interference in intracranial tension. Medical 
News 1903. March 21. 

5. ^Funaioli, Yarietä anatomica rara del poligono arterioso di Willis. Qiornale medlco 
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14. ^Ziegler, Beitrag zur Anatomie des Plexus chorioideus. Deutsche Zeitschrift fflr 
Cbimrgie 1908. Bd. 66. Heft 5 und 6. 

Biagi (1) hat bereits früher Untersuchungen über den Gegenstand aus- 
geführt (D. Zeitschr. f. Chir. 1902) und führt zunächst die Schlüsse an, zu 
denen er damals gelangte. Die Untersuchungen, über die er in vorliegender 
Arbeit berichtet, hatten den Zweck zu erforschen, welches Schicksal eine 

Jabresbetieht Ar Chirurgie 1908. 17 



258 Jahresbericht fttr Chirurgie. II. Teil 

Knochenscheibe erfährt, die, nachdem das Periost allein oder das Periost und 
die Dura mater zusammen von ihr abgetragen oder nachdem ihr durch die 
Verkalkung der organische Bestandteil entzogen worden, wieder eingepflanzt 
wird. Er führte sie an Hunden und Kaninchen aus, die er 7—120 Tage 
nach der Operation am Leben liess. 

Aus seinen 15 Experimenten (jede der drei Reihen bestand aus fünf) 
schliesst Verf., was folgt : Die duralen und periostalen Substanzverluste werden 
rasch, und zwar fast ausschliesslich von Seiten der paraostealen Gewebe und 
der weichen Hirnhäute, repariert. Der Resorptionsprozess hat in der wieder 
eingepflanzten Knochenscheibe immer die Oberhand über das osteogene Ver- 
mögen, ganz gleich, ob man nur das Periost oder das Periost und die Dura 
mater zusammen entfernt hat. Bei Einpflanzung von kalziniertem Knochen 
zeigen die fibrokonnektivalen Schichten, die genetisch an die die Lücke aus- 
füllenden und die Scheibe umschliessenden paraostealen Gewebe und die 
weichen Hirnhäute gebunden sind, selbst in den spätesten Perioden, keine 
Neigung zur Bildung von neuem Knochengewebe. Es scheint eine Beziehung 
zu bestehen zwischen dem Fehlen des Periosts und der osteogenen Tätigkeit 
der Dura mater, die im Vergleich zu dem, was unter normalen Verhältnissen 
geschieht, reduziert erscheint. — Daher ist bei Prothesen der Schädelknochen 
ein Material erforderlich, dessen Resorption weder negativ ist, noch in über- 
mässiger Weise erfolgt, sondern proportioniert und allmählich von statten geht 

R. Giani. 

Durch eine lange Reihe von Versuchen an Tauben und Kaninchen 
studierte Leonhardt (8) die Himdruckfrage. Die Tiere wurden nach 
Ewalds Methode von der Schädelkapsel befreit und, nachdem die Opera- 
tionswunde geheilt und die Tiere wieder normal waren, wurde Kompression 
auf das Hirn ausgeübt und zwar wiederholt immer an denselben Tieren. Die 
Versuche werden genau in ihren Folgeerscheinungen beschrieben und lassen 
den Verf. zu dem Schluss kommen, dass dadurch die Zweifel über die von 
Adamkiewicz aufgestellte, der Bergmannschen entgegenstehende Lehre 
beseitigt sind. Sie sollen beweisen, dass Raumbeschränkungen, momentan» 
akut oder chronisch entstanden, nach ihrer Entwickelung keine Spannungs- 
zunahme innerhalb der Schädelkapsel hervorrufen, also auch keinen Him- 
druck erzeugen. 

Die Hirndrucksymptome sind nicht die Folge intrakranieller Spannnngs- 
zunahme, sondern der allgemeine Ausdruck der Reizung und der Lähmung 
der irgendwie alterierten Gehimsubstanz. 

Die ausführliche Bearbeitung seiner letztes Jahr bereits anderen Orts 
'und hier referiei*ten Mitteilung über den Ersatz von Schädeldefekten ver- 
öffentlicht V. Hacker (6). 

Bunge (2) hat 22 Schädelverletzungen nachuntersucht, spez. mit Rück- 
sicht auf die Mitteilung von Kocher und Berezowsky, dass offene De- 
fekte den Trägern keinen Schaden bringen, während der Verschluss derselben, 
besonders bei intrakranieller Drucksteigerung unzweckmässig ist und trauma- 
tische Epilepsie begünstigt. An der Königsberger Klinik wurden alle Schädel- 
defekte bei günstigen Wundverhältnissen primär gedeckt, auch wenn intra- 
kranielle Drucksteigerung vorhanden war. 

Nachuntersucht wurden: 13 offene Schädeldefekte, 5 primär gedeckte, 
3 sekundär gedeckte Fälle, 1 sekundär spontan verknöcherter Defekt. Von 
den offenen Defekten hatten 4 traumatische Epilepsie, 3 waren kurze Zeit 



T. Mejer, Verletzungen und chirurg. Krankheiten des Schädels n. Gehirns. 259 

nach der Verletzung noch vollständig frei von Beschwerden; die übrigen 6 
zeigten alle Beschwerden, Schwindel, Kopfschmerz, Ohnmachtsanfälle etc., 
welche bei Vermehrung des intrakrani eilen Druckes zunahmen. 

Die primär mit replantierten Splittern gedeckten zeigten nicht die ge- 
ringsten Beschwerden. Bei 3 von diesen war beim Debridement intrakranielle 
Druckst eigerung vorhanden, sie wurden trotzdem primär gedeckt und sind 
beschwerdefrei. Ebenso verhielt sich der Kranke mit spontaner Verknöcherung 
des Defektes. Von den sekundär gedeckten Fällen sind 2 vollständig be^ 
schwerdefrei, die bei o£Fenem Defekt Beschwerden hatten. Beim dritten Fall 
war kein Einfluss auf die epileptische Insulte, da die Verletzung wahrschein- 
lich schon infolge eines epileptischen Anfalles entstanden war. Bei 3 Knaben 
mit offenen Defekten und traiunatischer Epilepsie wurde die Deckung ge- 
macht; in 2 Fällen mit gleichzeitiger Hirnverletzung hatte sie keinen Erfolg. 
Im dritten Fall (grosser Defekt über dem Sehzentrum, Hemianopsie, zentralem 
Skotom des rechten Auges, traumatischer Epilepsie) sind die epileptischen 
Anfalle weggeblieben und die Hemianopsie ist fast vollständig verschwunden. 
Zur primären Deckung wurden die entfernten Vitreasplitter benutzt, die 
knöchern einheilten; die später in granulierende Wunden gelegten ausge- 
kochten Splitter wurden resorbiert. Einmal wurde ein ausgekochtes Knochen- 
Stück eines Leichenschädels exakt eingepasst und heilte ein. Zur sekundären 
Deckung wurde der modifizierte Müll er- König sehe Lappen genommen, nur 
Periostknochenlappen, subaponeurotisch verschoben. 

Nach Ransohoff (10) sind die Todesfälle infolge der Trepanation noch 
zahlreich infolge von Shock und Blutungen. Wenn ein Tumor die Dura er- 
griffen und den Knochen usuriert hat, tritt gefährliche Blutung ein, weil die 
Venen der Diploe erweitert sind und schon beim Durchsägen bedenkliche 
Blutung auftritt. Er verlor bei eine^* Trepanation wegen Jach so n scher 
Epilepsie mittelst der Sudeck sehen Fraise einen Patienten durch Blutung 
aus dem Knochen auf dem Operationstisch. Es fand sich bei der Sektion 
eme Erweiterung der Furche des Sinus longitudinalis und in der Umgebung 
grosse Foramina, durch welche die erweiterten Duralvenen mit der Diploe 
kommunizierten. Die Diploevenen waren erweitert. Durch das schnelle 
Wachsen des Tumors wurde wahrscheinlich der Blutstrom im Sinus longi- 
tudinalis gehenmit und in Verbindung mit dem intrakraniellen Druck die Er* 
Weiterung der Knochenvenen bedingt. 

Erkrankungen und Tumoren des knöchernen Schädels und der Weichteile. 

1. *Aabertin, Varicen des Schftdels bei Rhachitis. Revae roensuelle des maladies de 
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sche Beitrftge 1908. Bd. 39. Heft 8. 

7. Blecher, Über Cholesteatome (epidermoide) der Sch&del. Deutsche Zeitschrift ftlr 
Chirurgie 1903. Bd. 70. Heft 8-4. 

8. *Bö8bagen, Ein Fall von Hypertrophie der linken Eopfhftlfte. Diss. Bonn 1903. 

17* 



260 Jahresbericht fflr Chirurgie. II. Teil. 

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10. Collet et Bentter, P^riostite mastoldienne syphilitique. Lyon m^dical 1903. Nr. 19. 

11. *Delamare et Conor, Observation d'ostöite tnberculeuse de la youte cranienne. 
Gazette des hftpitauz 1903. Nr. 21. 

12. Dodd and Mc. Mallen, A case of congenital deformity of the skull associated with 
ocular defects. The Lancet 1903. June 13. 

13. *Häuter, Zwei Fälle von perforierender Tuberkolose an den platten Schädelknochen. 
Diss. Erlangen 1903. 

14. *Kappis, Die Aneurysmen der Arteria occipitalis. Diss. Tübingen 1903. 

15. Erogius, Über einen mit Röntgen-Strahlen erfolgreich behandelten Fall von Schftdel- 
sarkom. v. Langenbecks Archiv 1903. Bd. 71. Heft 1 and Finska iäkareaftHskapee 
Handlingen 1903. XLV. L. 8. p. 65. 

16. Latz, Beobachtungen bei der klinischen Untersuchung und Operation eines Falles von 
Sarcoma cerebri. Diss. Kiel 1903. 

17. *Pasohen, Zur Kenntnis der primftren akuten Osteomyelitis des Schfidels. Disaert. 
Rostock 1903. 

18. Springer, Schädelnekrose durch Verbanddruck. Deutsche Zeitschrift für Chirurgie 
1903. Bd. 69. Heft 2-4. 

19. *Stein, Die Dermocysten am Schftdel. Diss. Königsberg 1903. 

20. Stolz, Ober die Kchinokokken des Schftdels. 32. Chirurgenkongress 1903. 

21. Wiesinger, Geschwulst der Stimgegend. Biol. Abteilg. des ärztl. Vereins Hambaig. 
Münchener med. Wochenschrift 1903. Nr. 30. 

22. Wieting und Effendi, Zur Tuberkulose der koöchemen Schädeldecke. Deataefae 
Zeitschrift für Chirurgie 1903. Bd. 70. Heft 1 und 2. 

Dodd und Mc. Müllen (12) beschreiben einen Fall von kongenitaler 
Schädeldifformität mit okularem Defekt bei einem 7jährigen Jungen. Die 
Entstehungsursache ist unklar, da die Difformität angeboren und sich nicht 
wie die frühere Synostose in den ersten Lebensjahren entwickelt hat. Zeichen 
von Kretinismus fehlen; eine Behandlung mit Thyreoidin war erfolglos. 

Krogius (15) erzielte ein ausgezeichnetes Resultat bei der Behandlung 
eines Sarkomes am Schädel mittelst Röntgenstrahlen, welches vorher zweimal 
operiert worden, aber wieder rezidiviert war. Die Geschwulst erwies sich bei einer 
mikroskopischen Untersuchung als ein Rundzellensarkom mit mittelgrossen polj- 
morfen Zellen, darunter einige Riesenzellen, das stellenweise in die Diploe einge- 
wachsen war. Jetzt fand sich im Nacken ein 14 cm langer, 8 cm breiter und 6 cm 
hoher mit normaler Haut bedachter Tumor nebst kleinem Geschwülste in 
seiner Umgebung vor. Zuerst wurden die kleineren Tumoren behandelt, 
welche innerhalb 14 Tagen verschwanden. Nach IVa Monat war die grosse 
Geschwulst beseitigt. Keine Spur von inflammatorischem Reiz wurde beob- 
achtet. Vier Monate nach Beendigung der Behandlung war der Patient 
rezidivfrei. Krogius meint, dass die Röntgenbehandlung bösartiger Geschwnlste 
erst in Frage kommen dürfe, wenn sich eine operative Therapie machtlos 
erweist, wie z. B. in einem Fall wie dem vorliegenden, bei Osteosarkomen in 
den langen Knochen, wo die Amputation verweigert wird, sowie bei Geschwülsten 
am Halse, die mit den grossen Gefässen verwachsen sind. Verf. hebt die günstige 
Einwirkung hervor, die Thiolum liquidum bei der Behandlung des Röntgen- 
ekzemes zeigt, und betont dessen Bedeutung als Schutz für die Haut in der 
Umgebung der Partie, die bestrahlt werden soll. Hj. von Bonsdorff. 

Bei einem nach Probekraniotomie tödlich verlaufenen Fall von Osteo- 
sarkom der linken Schläfen und Scheitelbeingegend fand Latz (16) in diag- 
nostischer Hinsicht bei der Perkussion das Geräusch des zersprungenen Topfes; 
das Geräusch ist entweder durch die gelockerten Schädelnähte zustande 



Y. Meyer, VerletzimgeD and chirarg. Krankheiten des Schädels u. Gehirns. 261 

gekommen, oder durch das Anprallen der zum Teil elfenbeinharten Geschwulst 
an die Schädelkapsel. 

Stolz (20) beschreibt einen Fall von Echinococcus des Schädeldaches, 
welcher die Dura weit vom Knochen abgedrängt und den Schädelknochen an 
mehreren Stellen durchbrochen hatte, deren grösste Stelle 16 : 5 cm betrug. 
Bemerkenswert ist der langsame Verlauf. Im 11. Lebensjahre traten Hirn- 
dmckerscheinung, Sehnervenatrophie und abnormes Wachstum des Schädels 
auf. 14 Jahre später epileptische Krämpfe, nach 10 Jahren distinkte Tumoren 
d^ Schädels und im 38. Lebensjahre kam es infolge eines leichten Traumas 
zur Vereiterung der Zysten, welche eine Operation erforderten. Spaltung der 
Zjsten und Tamponade. Unter Fiebererscheinungen traten epileptische 
Krämpfe und nach drei Wochen der Tod ein. Die Autopsie zeigte Hydrocephal. 
intern, und eine nicht parasitäre Zyste im rechten Hirnlappen. 

Wie sing er (21) beschreibt einen Fall von hühnereigrosser pulsierender 
Geschwulst der Stimgegend, welche sich nach einer Schädelbasisfraktur ent- 
wickelt hat. Es handelt sich aller Wahrscheinlichkeit nach um einen pul- 
sierenden Exophthalmus, der aus einem Aneurysma arterio-venosum infolge 
Zerreissnng der Carotis im sinus cavernosus hervorgegangen ist. Therapeutisch 
kam in Frage die Carotis zu unterbinden und später die erweiterten Venen 
zu ezstirpieren. 

Blecher (7) operierte bei einem 23jährigen Soldaten eine kleine, 
angeblich nach einem Trauma im Kindesalter entstandene Geschwulst am linken 
Scheitelbein, die beim Helmtragen Kopfschmerzen verursachte. Der Tumor war 
eigross, fluktuierend, von einem Knochenwall umgeben, nicht pulsierend und nicht 
kompressibel. Beim Ablösen des Periostlappens riss die Tumorwand ein, und 
es fand sich ein Cholesteatom (Epidermoid). Die nach innen vorspringende 
Knochenhöhle zeigte eine Pfennigstück grosse Lücke. Die auskleidende Haut 
wurde ausgekratzt. Heilung mit flacher Knochendelle noch nach einem Jahr 
konstatiert. Die Schädelknochenepidermoide sind gutartig, langsam wachsend. 
Differenzial-diagnostisch kommen Encephalocelen, Meningocelen und bösartige 
Tumoren in Betracht. Bei Vereiterung und Perforation kann Karies vor- 
getäuscht werden. Bei grösseren Defekten kommt plastische Deckung des 
Defektes in Betracht. 

Nach den Beobachtungen von Wieting und Ef feudi (22) finden sich 
Knochentuberkulose und Darmtuberkulose in der Türkei häufiger als Lungen- 
tuberkulose. Von der sonst ziemlich seltenen Schädeltuberkulose kamen in 
einem Jahre zehn Fälle, wovon sechs bei Kindern bis zehn Jahren, zur 
Beobachtung. Sie geht meist von der Diploe aus, örtliche Nekrose, die 
peripher weiterschreitet, Perforation nach innen oder aussen, Abszess- oder 
Granulationsbildung treten dann weiter auf. Spontanheilungen kommen vor, 
meist muss aber die Schädeltuberkulose gründlich operiert werden, Resektion 
V> cm weit im Gesunden; das Periost ist möglichst zu schonen; tuberkulöse 
Granulationen auf der Dura werden exzidiert. Der spontane knöcherne Ersatz 
des Defektes bildet sich häufig, doch werden auch plastische Operationen 
notwendig. 

Coller und Beutter(lO) konnten bei einem Patienten eine Periostitis 
des Proc. mastoides auf syphilitischer Basis feststellen, da an Tibia und femur 
bereits solche Periostitiden aufgetreten waren, welche durch üngt. einer, 
und Jodkali rasch heilten. 

Eine ausgedehnte Weichteilnekrose mit Sequestrierung von Periost und 



262 Jahresbericht für Ghinugie. 11. Teil. 

Knochen am Hinterhaupt und Kinn beobachtete Springer (18) als Folge von 
Verbanddrucks nach Exstirpation eines kleinen Hämangioms der Haut über 
dem rechten Schädelbein. Die grossen Defekte heilten schliesslich nach 
dreizehn Monaten. Transplantation wurde vergeblich versucht, da durch die 
ungünstige Lage am Hinterkopfe das Plättchen abgehoben wurde. Kosmetisch 
ist das Resultat gut. Begünstigend auf das Zustandekommen des Decubitus 
hat nach Springers Meinung neben den festen Bindetouren auch die Er- 
nährungsstörung infolge einer akuten Enteritis gewirkt. 



Verletzungen des Schädels und Gehirns durch Schuss und andere 
Gewalten. Traumatische Meningitis und Uimabszesse. 

1. y. Angerer, Über die Extraktion von Kugeln aus der Schädelhöhle. MOnchener med. 
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2. Aronheim, Gutachten über einen Fall von tödlich verlaufender Spfttblutung nach 
einem Stein wurf gegen das rechte Schläfebein eines 6 V» jährigen Mädchens. Monats- 
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58. *J. Zwillinger, Zwei Fälle von Infractio cranii durch partielle Kraniektomie genesen. 
Spitalul 1903. Nr. 18. p. 636 (Bum&nisch). 

Bei einem 19 jährigen Mädchen, welches durch eine Transmissionsver- 
letzung total skalpiert wurde, von den Augenbrauen bis zum Tuber. oßs. 
occipit., deckte K a r g (32) den granulierenden Defekt durch sehr aosgedehiite 
Transplantationen nach Thierse h. Die Beweglichkeit ist gar nicht beein- 
trächtigt, wohl aber das Tastgefühl. 

Wennerströro (54) behandelte ein 20 jähriges M&dchen, welchem durch ein Maacfainen- 
nnglflck die ganze Kopfhaut von der Nasenwurzel und den Augenbrauen bis tief in den 
Nacken abgerissen wurde. Die Zirkulation der losgetrennten Haut war so schlecht, dass 
der grOsste Teil vom ßrand ergriffen wurde, der Rest wurde mit Transplantation gedeckte 
Der Versuch nach üodarus Methode Haar auf der transplantierten Haut hervorzubringen, 
misslang. Hj. von Bonsdorff (Helsingsfors). 

In der Zeit von 1896—1902 wurden an der Königschen Klinik 90 
Schädelbasisbrüche beobachtet, über welche Graf (27) berichtet. 63 mal 
handelte es sich um einen Fall aus grösserer oder geringerer Höhe. 21 starben 
am 1. Tage infolge direkter Verletzungsfolgen, am 2. — 3. Tage 4, am 6. — 18. 
Tage 3; diese an Meningitis. Am meisten fand sich Blutung aus Ohr, Nase, 
Mund und zwar aus einem Ohr 64 mal, aus beiden 13 mal, aus Nase und 
Mund 39 mal. Ausfluss von Cerebrospinalfiüssigkeit wurde aus dem Ohr 6 mal, 
aus der Nase 1 mal beobachtet. Aussen Blutungen am Auge 2ömal, Exoph- 
thalmus durch retrobulbären Bluterguss 2 mal, 24 mal fand sich Läsion des 
Facialis, durch Kompression des Blutergusses; die Lähmung ist nur in 3 
Fällen ungeheilt geblieben. Völliger Bewusstseinsverlust fand sich 74mal^ 
kürzer 28 mal, von mehrstündiger Dauer 40 mal, von welchen 21 tödlich 
endeten. Pulsverlangsamung 16 mal, Aphasie 3 mal. Krämpfe 3 mal. 48 wurden 
nachuntersucht; bei 34 fanden sich noch Kopfschmerzen, von welchen 16 
durch ständigen Kopfschmerz arbeitsunfähig waren. 27 hatten Schwindel- 
erscheinungen, 16 Ohrensausen, Gedächtnisschwäche 17. Demenz fand sich 
2 mal, 11 mal Störung der Intelligenz. Auch Charakterveränderungen fanden 
sich: 15 mal Reizbarkeit, 3 mal Depression. Von 39 Ohren zeigten 12 nor- 
malen Befund, 4 Mittelohrkatarrh, nervöse Schwerhörigkeit 20. 

470 Schädelverletzungen wurden 1881 — 1901 am Züricher Kantonspital 
beobachtet; von diesen starben 165 im Anschluss an die Verletzung; bei 100 
noch am Leben befindlichen machte Brun (8) Nachuntersuchungen. In 213 
Fällen handelte es sich um oflFene Schädelbrüche, 275 mal war vorwiegend die 
Basis beteiligt. Die Sterblichkeit betrug 31,5 ®/o. Das ganze Material wird 
in einzelne Gruppen geordnet, die einzelnen Verletzungen, Komplikationen 
etc. genau besprochen mit Anführung der Krankengeschichten und schemati- 
schen Zeichnungen. 

Viedenz (53) fand bei 1542 geisteskranken Männern 202 mal (13,1 Wo) 
eine Kopfverletzung als Ursache, aber nur in 35 Fällen (2,2 Wo) als alleinige. 
Daneben kommt erbliche Belastung, Lues, Alkohol etc. in Betracht. Nur in 
1,03 ^/o war die Verletzung mit grösster Wahrscheinlichkeit Ursache der 
psychischen Erkrankung. Vier einwandsfreie Krankengeschichten werden als 



V. Meyer, Yerletziugeii and chirurg. EraDkheiten des Schftdels a. Gehirns. 265 

Beweis mitgeteilt. Es handelt sich vornehmlich um primäre Demenz, hallu- 
zinatorische Verwirrtheit, stuporöse Zustände, selten Paranoia. Es besteht 
oft grosse Gleichheit zwischen den psychischen Störungen nach Verletzungen 
nnd denen nach Alkoholreichung. 

Felki (15) konstatierte bei einem Patienten, der nach einer geheilten 
Commotio cerebri als Simulant wegen angeblicher Arbeitsunfähigkeit be- 
zeichnet wurde, als Symptomenkomplex der psychischen Störungen nach 
Schädeltrauma : 

a) Transitorische Erscheinungen: Schwere, viele Stunden dauernde Be- 
vusstlosigkeit ; Verworrenheit nach dem Wiedererwachen; klassische retro- 
grade Amnesie. 

b) Bleibende Erscheinungen: Umfangreicher, weit zurückgreifender Aus- 
fall des Bewusstseinsinhaltes , dessen Lücken durch Erinnerungsfälschungen 
mühsam ausgefüllt werden ; erschwerte Apperzeption. Hochgradig herabgesetzte 
Merkfahigkeit (Unfähigkeit, neue Eindrücke aufzunehmen) ; daraus resultierend 
grobe Störungen der Urteilskraft. Charakterverändenmg. 

Der Patient wurde entmündigt und erhielt 100 '^/o Unfallrente. Felki 
spricht sich tadebd darüber aus, dass die psychischen Veränderungen nach 
Traumen in der Unfallpraxis bei der Begutachtung zu wenig berücksichtigt 
und ungerechterweise viele Verletzten als Simulanten bezeichnet würden. 

Borchard (6) führt seinen bereits letztes Jahr referierten Vortrag 
über Auftreten von Glykosurie, Albuminurie, Zylindrurie nach schwerer 
Schädelbasisfraktur näher aus und gibt die genauen Krankengeschichten der 
Fälle wieder. Er hält die Zuckerausscheidung und die Eiweissausscheidung 
für eine Folge gewisser, auf vasomotorischen Störungen beruhenden Nieren- 
Veränderungen, das Auftreten von Hamzylindem und Blut möglicherweise 
auch auf Fettembolie beruhend. 

Fleming (18) hat in 12 Fällen von Schädelbasisfraktur die Augen und 
den Nervus opticus untersucht und fand fünf Fälle, in welchen die sub- 
arachnoidale Hämorrhagie vorwiegend unilateral war und sich Retinalhämor- 
rhagien derselben Seite zeigten; in zwei Fällen waren subarachnoidale und 
retinale Blutungen beiderseitig, in fünf Fällen waren keine retinalen Blutungen 
nach dem Tode zu konstatieren und nur geringe subarachnoidale Blutung. 

Aus der Praxis von Kaufmann teilt Krähenmann (34) zwei sichere 
Falle von Accessoriuslähmung nach Schädelbasisbrüchen mit und fügt noch 
drei weitere Fälle aus der Literatur hinzu. Die Basisfrakturen sind einwands- 
frei diagnostiziert, ebenso die rein periphere Lähmung des Accessorius, so 
dass es sich nur um eine Schädigung der Nerven im Bereich des For. jugulare 
infolge einer Fissur handeln kann. 

Der Accessorius tritt eng verflochten mit Glossopharyngeus und Vagus 
dnrch das For. jugulare, woraus sich verschiedene Lähmungen ergeben. Vier- 
mal bestand einseitige Lähmung des Kopfnickers und Cucularis. In allen 
Fällen bestanden infolge halbseitiger Gaumenmuskellähmung Schluckbeschwer- 
den. Stimm- und Sprachveränderungen durch einseitige Paralyse des Nervus 
laryng. inf. waren ebenfalls konstant. Dreimal war halbseitige Sensibilitäts- 
lähmung des Rachens und Kehlkopfes und zweimal waren Geschmacksstörungen 
vorhanden. 

Prognostisch ist die Verletzung günstig, da die Patienten trotz Stationär- 
bleibens ihrer Lähmungen völlig erwerbsfähig werden können. 



266 Jahresbericht fOr Chirurgie. IL Teil. 

Kays er (33) hat in einem Falle von schwerem komplizierten Brach 
des Scheitelbeins mit Zertrümmerung von Himsubstanz den Defekt durch 
den grössten Splitter der Tabula interna derart gedeckt, dass er ihn im 
queren Durchmesser in Diploe einfügte, indem er von der Tab. externa an 
jeder Seite eine 1 cm lange Strecke entfernte. Unter lockerer Tamponade 
heilte der Splitter gut ein, so dass Patient nach 35 Tagen geheilt als In- 
valide entlassen werden konnte. 

Unter Berücksichtigung der verschiedenen Methoden zur Deckung von 
Defekten kommt er zu folgenden Sätzen: 

1. Es ist in den meisten Fällen von traumatischen Schädeldefekten 
nnter individueller Würdigung des Befundes der Versuch berechtigt, den De- 
fekt durch Implantation der ausgebrochenen Knochensplitter zu schliessen. 

2. Zur Deckung eignen sich in besonderer Weise die Bruchstücke der 
Tab. interna, weil sie gross sind, sich durch entsprechende Drehung dem 
Gebrauch leicht anpassen lassen und infolge ihrer glatten Innenfläche keine 
Verwachsungen mit dem Gehirn begünstigen. 

3. Die Bruchstücke sind durch Drehung in die Diploe zu verlagern. 
Diese Fixierung schafft besonders günstige Einheilungsbedingungen ; sie ver- 
meidet den durch lose liegende Splitter leicht ausgeübten Druck auf das 
Gehirn und verhütet mit grosser Sicherheit einen Prolapsus cerebri. 

4. Die Methode schafft keine Nachteile; die Ausführbarkeit sekundärer 
Plastikversuche wird durch das Verfahren nicht beeinträchtigt. 

5. Die Deckung des Defektes muss in unmittelbarem Anschluss an die 
Verletzung erfolgen. 

6. Die Methode bietet im Gegensatz zu anderen Plastikverfahren den 
besonderen Vorteil, dass sie bisweilen bei weitgehender Zerstörung der Hirn- 
häute und selbst bei einer Zertrümmerung des Gehirns eine sofortige Deckung 
des Schädeldefektes gestattet. 

Ein Kranker, bei welchem Bardescu (5) im Jahre 1889 wegen kom- 
minutiver Fraktur des Os temporalis eine Trepanation von 5 cm im Dia- 
meter ausführte und der damals genas, kam nach 13 Jahren (1901) wieder 
ins Spital mit einer inoperablen Geschwulst des Cöcums und vorgeschrittener 
Kachexie. Tod 14 Tage nach einer Enteroanastomosis lateralis. Bei der 
Autopsie zeigte sich, dass die Trepanationslücke ganz mit Knochen gefüllt 
war, ohne Demarkation; der Knochen war nur ein kleinwenig dünner, aber 
sehr resistent. Bardescu nimmt die Regeneration des Knochens mittelst 
der Diploe an. Es soll der fünfte Fall von solcher Regeneration in der 
Literatur sein. Stoianoff (Plevna). 

Co Hey (10) bespricht die posttraumatische Spätapoplexie und stellt 
fest, dass die Diagnose nur dann mit Sicherheit zu stellen ist, wenn der 
Patient frei von Gefässveränderungen war, wenn Lues, Alkoholismus, Herz- 
krankheiten und Arteriosklerose auszuschliessen sind. Er beschreibt -dann 
einen Fall von posttraumatischer Zentralerkrankung nach einer Schädel- 
impression der Kreuznaht, die er in die Hauben- und Vierhügelgegend verlegt. 

Einen letal verlaufenden Fall von traumatischer Spätapoplexie nach 
einem Steinwurf gegen die Schläfe eines sechsjährigen Kindes teilt Aron- 
heim (2) mit. Obduktion wurde nicht gemacht. Er schliesst sich der 
Meinung Königs an, dass ein operativer Eingriff zur Stillung der Blutung 
indiziert ist, auch wenn etwa die Verletzung mit einer solchen des Gehirns 
kompliziert wäre. 



V. Meyer, Verletzusgen and Chirurg. Eranklieiteo des Schädels u. Gehirns. 267 

Jopson (30) trepanierte zwei Fälle wegen Ruptur der Mening. media 
mit extraduralem Hämatom mit Ausgang in Heilung. In einem dritten Fall 
fand sich kein Hämatom, es handelte sich wahrscheinlich um eine kortikale 
Reizung durch eine kleine Blutung oder Zerreissung. 

Finkeiste in (17). Operation am S.Tage nach der Verletzung wegen 
zanehmender halbseitiger Krampfanfälle (rechter Facialis, Arm). Puls 48. 
Aphasie. Ausräumung eines subduralen Hämatoms. Heilung. 

Hohlbeck, St. Petersburg. 

Mit Erfolg trepanierte Jowers (31) wegen eines extraduralen Blut- 
ergusses bei Bruch der Schädelbasis. 

Yillard (52) trepanierte einen Patienten, der 10 Tage nach einem 
Schädeltrauma ins Hospital kam und nur die allgemeinen Symptome der 
HirDkompression ohne irgend welche lokalen Symptome der motorischen Region 
bot, auf Seite des Traumas und geriet dabei in einen Kontusionsherd ; infolge 
einer Punktion blieb eine reichlich sezernierende Fistel, durch welche es zur 
Infektion der Ventrikel und zum Tode kam. Bei der Sektion fand sich auf 
der entgegengesetzten Seite ein ausgedehntes Hämatom. 

Einen Fall von Fraktur des rechten Scheitelbeines bei einem öjährigen 
Mädchen brachte Bracchi (7) durch seinen Eingriff zur Heilung; derselbe 
gibt ihm Gelegenheit, sich über die Symptomatologie der Schädeldachfrakturen 
und deren Behandlung zu verbreiten. R. Giani. 

Fossatora (19) bemerkte, dass sich auf Grund eines einzelnen Sym- 
ptoms das Bestehen einer Fraktur der Schädelbasis nicht behaupten lasse, 
hierzu bedürfe es eines Symptomenkomplexes. Ein Traumatismus in der 
Schläfen- und Scheitelgegend, gefolgt von längerer und starker Blutung aus 
dem Ohr der gleichen Seite, mit Erhaltung des Gehörs und Paralyse des N. 
facialis, lasse einen Längsbruch des Felsenbeines annehmen. Ein Schlag auf 
das Hinterhaupt mit Otorrhöe und (manchmal) mit Austritt von Gehirnsub- 
£tanz aus dem Gehörgang, Taubheit und Paralyse des N. facialis lasse einen 
Vertikal- oder Schrägbruch des Felsenbeines annehmen. R. Giani. 

Crosland (11) beobachtete bei einer Frau nach einem Fall mit starker 
Kontusion der Sakralgegend vier Tage nachher die Geburt eines toten Kindes, 
welches die Zeichen einer Schädelfraktur trug; es fand sich eine Trennung 
des Unken Scheitelbeins und der Pars squamosa des Os temporale. 

Ewart (14) extrahierte einen Glassplitter am inneren Augenwinkel von 
3:1:1,75dm Durchmesser, welcher 26 Jahre in der Augenhöhle gelegen 
hatte, ohne den Augapfel zu schädigen. 

In zwei Fällen von Schädelbasisfraktur machte Paget (42) wegen der 
Bewusstlosigkeit die Venesektion und erzielte Heilung. 

V. An g er er (1) behandelt die frisch granulierenden Schussverletzungen 
des Schädels wie v. Bergmann mit Desinfektion der Umgebung des Ein* 
Schusses und Okklusiwerband ohne jegliche Sondierung. Ein primäres opera- 
tives Vorgehen ist nur indiziert bei Blutung aus der Art. meningea mit Hirn- 
druckerscheinungen oder lokalisierten Lähmungen der motorischen Region. 
Nur schwere Folgeerscheinungen lassen die Entfernung des Geschosses not- 
wendig erscheinen, wenn nicht die Extraktionsversuche für sich schon eine 
Schädigung des Gehirns bedingen. Zwei Fälle operierte v. Angerer mit 
Erfolg; in dem einen Fall sass die Kugel im Sinus frontalis, in dem anderen 
auf dem Dach der Orbita. 

Unter 61 Revolververletzungen fanden sich nach den Mitteilungen von 



268 Jahresbericht für Ghirargie. II. Teil 

Ossig (41) 36 mal Kopfschüsse, 18 mal mit, 12 mal ohne Eröffnnng der Schädel- 
höhle, 3 Gesichtsschüsse und 3 Mundschüsse. Beim Schädelschuss ist ein 
operatives Vorgehen stets indiziert. Dasselbe soll sich auf Spaltung und 
Reinigung des Schusskanals bis zum Gehimeinschuss mit nachfolgender Tam- 
ponade beschränken. 

Wilms (57) beobachtete bei vier Fällen von Kopfschüssen am Hals 
und Hinterkopf schmerzhafte Bezirke, die nicht peripheren Nervengebieten 
entsprechen, sondern Zonen, die von Zervikalsegmenten versorgt werden. Die 
obere Grenze bei allen Beobachtungen liegt an der Grenze der vom dritten 
Trigeminusast versorgten Gebiete. Die Erklärung für die Reizung der s«i- 
siblen Nerven und Nervenzentren ist bei zentralen intrakraniellen Läsionen 
schwierig. Wilms erklärt sie sich als He ad sehe Zonen, erstens wegen des 
symmetrischen Auftretens und zweitens, weil nur das Schmerzgefühl, nicht 
der Tast- oder Temperatursinn etc. alteriert ist. Die Sympathicusreizung ist 
nur so zu deuten, dass die intrakraniell gelegenen Sympathicusbahnen, deren 
Hauptteil um den Sinus cavernosus und die Carotis gruppiert ist, getroffen 
sein müssen, und durch Anastomosen, welches dieses Sympathicusgebiet mit 
dem n., III., IV. Zervikalsegment nach Passieren des obersten Halsganglions 
hat, der Reiz auf diese Zervikalsegmente fortgeleitet wird; hier wirkt er auf 
Zentren sensibler Nerven und durch Projektion auf die Haut empfindet der 
Pat. in den zu den Zervikalsegmenten gehörigen Hautzonen die Schmerzen. 
In dem einen, letal verlaufenen Fall fand sich die Kugel am Sinus caver- 
nosus; bei zwei anderen im unteren rechten Stimlappen. In den geheilten 
Fällen schwand die Schmerzhaftigkeit vollständig nach 8 — 10 Tagen. 

Wieding und Ef feudi (55) beobachteten bei einer Schussverletzung 
in der linken Schläfengegend eine rechtsseitige Hemiplegie und lOtägige Be- 
wusstlosigkeit. Die Lähmung ging nach vier Monaten zurück, es bUeb ein 
geistiger Defekt und sensorische Aphasie. Im Röntgenbild zeigte sich die 
Kugel am Foramen caroticum. Trepanation wie zur Resektion des GangUon 
Gasseri, Eröffnung einer subduralen Zyste und Entfernung des Geschosses^ 
das in der untersten Temporalwindung des Gehirns am Felsenbein steckte. 
Ungestörte Heilung und Schwinden der Symptome. 

Nach einer Schusswunde an der Stirn in der Medianlinie waren bei 
einem 26 jährigen Manne Bewusstlosigkeit und linksseitige Parese aufgetreten. 
Die Blutung war so profus, dass an eine Verletzung des Sinus longitudinalis 
gedacht wurde. Nach Entfernung der Fragmente durch Erdmann (13) kam 
es zu neuer heftiger Blutung, so dass nur tamponiert werden konnte. Sym- 
ptome unverändert. Bei zweimaligem Verbandwechsel wieder heftige Blutung; 
beim dritten war sie geringer. 14 Tage nach der Verletzung wurde wegen 
der Paralyse und Aphasie und Benommenheit die motorische Zone der rechten 
Seite freigelegt. Dura stark gespannt, nicht pulsierend. Inzision derselben 
und Entfernung eines grossen Blutkoagulums mit zertrümmerter Hirnmasse. 
Naht der Dura und Drainage. Sofortiges Nachlassen der Symptome, es blieben 
nur geringe motorische Störungen im linken Arm zurück. 

Curtis(]2) gibt eine eingehende Beschreibung eines Falles von Schuss- 
verletzung des Sinus longitudinalis. Auf Grund der hier gemachten Erfah- 
rungen rät Curtis, wegen Blutungsgefahr bei Verdacht auf Sinusverletzung 
Knochensplitter nicht eher zu entfernen, als bis das Schädelloch genügend 
vergrössert ist, um Sinusblutung sicher kontrollieren zu können. Ferner soll 
bei X-Strahlen -Photographien immer rechts und links auf der Platte be- 



T. Meyer, Verletzangen und cbirarg. Krankheiten des Schftdela a. Gehirns. 269 

zeichnet werden. Durch eine Yerwechslnng der Seiten misslang Gurtis das 
Auffinden des Geschosses. Pat. zeigte zeitweise Zeichen von Neuritis, war 
lange delirös und besinnungslos und erwachte schliesslich auffallend rasch aus 
dem Koma. Er wurde vollständig hergestellt, abgesehen von beiderseits halber 
Blindheit. Zu dem Suchen nach dem Geschoss wurde Curtis durch die 
bedrohlichen Gehimerscheinungen veranlasst, die er mit Fl uhrers Aluminium- 
sonde und Girdners telephonischem Instrument ausführte. Nach Fehl- 
schlagen des Versuches wurde der Schusskanal drainiert. Einen Einfluss zum 
Besseren oder Schlechteren scheinen diese Manipulationen nicht gehabt zu 
haben. Maass, New-York. 

In dem von Balao Ventura (4) mitgeteilten Falle hatte ein Indi- 
viduum, zwecks Selbstmordes, sich eine Kugel gegen die linke Frontalregion 
geschossen; der Schädel wies keine Fraktur auf, sondern nur Lostrennung 
eines Stückes der äusseren Knochenlamelle. Das Projektil war von der Spitze 
bis fast zur Mitte in zwei Hälften geteilt, welche das fehlende Knochenstück 
umklammerten. R. Giani. 

Nach einer Schädelschusswunde mit parietaler Einschuss* und okzipitaler 
Aasschussöffnung fand Haman und Bradburne (28) bei einem Soldaten 
eine rechtsseitige Paralyse und Hemianopsie. An Hand von Abbildungen 
suchen sie den mutmasslichen Gang der Kugel aus den Ausfallserscheinungen 
festzustellen. 

Hotchkiss (29) operierte einen traumatischen Hirnabszess, der einige 
Monate nach einer erfolgreichen primären Trepanation wegen Diminutiv- 
fraktur des Schädels aufgetreten war. Der Abszess lag in der Nähe der 
motorischen Zone, machte aber keine Ausfallserscheinungen, weil durch die 
erste Trepanation die Druckerscheinungen aufgehoben waren. Heilung. 

Erkrankungen der Stirn- und Keilbeinhöhlen. 

1. *Boege, Znr Anatomie der Stirnhöhlen (Sinus frontales). Diss. Königsberg 1903. 

2. *6ai8cy, Da traitement chimrgical de rethmoldite pnralente. La Presse m^dicale 
1903. Nr. 13. 

3. Hinsberg, Kosmetische Resultate bei Operation wegen Stimhöhleneiterung. Aligem. 
med. Zentral-Zeitung 1903. Nr. 35. 

4. *Jacqnes und Durand, Wahloperation zur Radikalbeilung des chron. Stirnhöhlen- 
Siebbeinzellen-Empyems. Annales des maladies de Toreille 1903. Nr. 7. 

5. *Paanz, Über den rhinogenen Hirnabszess. Archiv ftir Laryngol. Bd. 13. Heft 3. 

6. Petersen, Doppelseitiges Stimhöhlenempyem geheilt durch die Kill i an sehe Ope- 
ration. Nat.-med. Verein Heidelberg. Miinchener med. Wochenschrift 1903. Nr. 10. 

7. *Topp, Zar Kasuistik der Mukocele des Sinus frontalis. Diss. Greifswald 1903. 

Petersen (6) hält für die Operation des Stirnhöhlenempyems die Kilian- 
scbe Methode für die beste, da sie auch kosmetisch gute Resultate gibt. 

um gute kosmetische Resultate nach Resektion der vorderen Sinuswand 
wegen Stimhöhleneiterung zu erzielen, hat Hins borg (3) einmal die Höhle 
mit der Mosettig sehen Plombenmasse gefüllt, die jedoch stellenweise wieder 
herauseiterte, und ein anderes Mal die abgelöste Haut auf die hintere Sinus- 
vand auf heilen lassen und die starke Einsenkung durch Paraffininjektionen 
beseitigt. Letzterem Verfahren gibt er den Vorzug. 

Hydrocephaliis, Meningocelen, Encephalocelen, Meningitis. 

1. Catterina, Dne casi rari di chimrgia cerebrale. Memoire chirurgiche publ. in onore 
di F. BottinL Palermo 1903. 



270 Jahresbericht für Chirurgie. IL Teil. 

2. Damianos, Eitrige Thrombophlebitis der Sinns cayeniosi infolge Yon Zahnkaries. 
Wiener klin. Wochenschrift 1903. Nr. 13. 

3. y. Friedländer, Ein Fall yon Cephalohydrocele traumatica. Wiener med. Wochen- 
schrift 1903. Nr. 48. 

4. Haberer, Zar operativen Behandlang der eitrigen Meningitis. Wiener klin. Wochen- 
schrift 1908. Nr. 13. 

5. *K refft, Ober jauchige Meningitis als Folge yon Decnbitna. Dias. Kiel 1908. 

6. *Lothrop, The anatomy of the inferior ethmoidal tarbinate bone with particolar 
reference to cell formation; surgical importance of sach etbmoid cells. Annak of 
sargery 1903. Augast. 

7. Rocher, Un cas d*enc6phalome. Soo. d'anat. Journal de m^d. de Bordeaux. Nr. L 

8. *Tri8chler, Beitrag zar Frage der chirurg. Behandlung des Hydrocephalns internus. 
Archiy fflr Kinderheilkunde. Bd. XXXVU. Heft 8 und 4. 

9. *Wharton, Synoyious meningocele. Phil. acad. of sargery. Annais of surgery 1903. 
March. 

10. *Wolffheim, Über einen umfangreichen porenkephalischen Defekt des Gehirns eines 
Kindes mit frischer Poliomyelitis anterior. Diss. Königsberg 1902. 

Gatterina (1) teilt zwei seltene Fälle von Gehirnchirnrgie mit, in 
denen es sich um Hydrocephalns handelte. Im ersten Falle war die Ursache 
eine Geschwnlst, die primär aus dem rechten Sehhügel hervorgegangen war; 
dieselbe hatte die hinteren zwei Drittel der gleichseitigen Hemisphäre ein- 
genommen und durch Druck die Gehimsubstanz atrophisch gemacht, sich 
dann auf den linken Sebhtigel verbreitet und, zugleich die Yenae Galeni 
comprimierend, Hydrocephalns im linken Ventrikel hervorgerufen, der, ebenso 
stark wie die Geschwulst anwachsend, eine symmetrische Ausdehnung des 
Schädels bewirkt hatte. Im zweiten Falle hatte ein in der rechten Parietal- 
region stattgehabtes Trauma durch Gegenschlag eine Ruptur der Substantia 
perforata posterior und Blutträufeln in den dritten Ventrikel verursacht, mit 
organisierender Reaktionsphlogose, die Thrombose der Gefässe derTela choroidea 
und der Plexi chorioidei, der Venae Galeni und der Sinus, und dann Hydro- 
cephalns hervorgerufen hatte ; dieser hatte die rechte postero-laterale Schädel- 
hälfte asymmetrisch gemacht. A. Giani. 

Bei der Operation eines Tumors an der Nasenwurzel zeigte es sich, 
dass es sich um eine Encephalocele handelte Roch er (7). Die Enochenöffnung 
lag zwischen linkem Nasenbein und aufsteigendem Ast des Oberkiefers. Ab- 
tragung des Stils. Glatte Heilung. 

V. Friedländer (3) operierte einen Fall von Cephalohydrocele traumatica, 
der an eitriger Meningitis zugrunde ging. Genaue anatomische Untersuchung 
des Präparates lassen ihn die Entstehung des Cepbalo hydrocele traumatica 
in folgender Weise erklären: 

Durch ein Trauma wird eine Schädelfraktur mit Einreissen der Dura 
und Ablösung des Periosts vom Knochen erzeugt. Der ausfliessende Liquor 
cerebro-spinalis erhält die Abhebung des Periosts vom Knochen, welcher, 
durch die gleichzeitige Verletzung der Dura in seiner Ernährung gestört, der 
Resorption, vornehmlich an seiner Aussenseite anheimfallt. Der dauernde 
Ausfluss des Liquor wird durch Interposition eines Durallappens oder durch 
primäres Klaffen der Fraktur ermöglicht. Der ursprünglich aus dem Periost 
allein bestehende Zystensack verdichtet sich durch Bindegewebsneubildung 
an seiner Innenfläche, welche Bildung wohl meist unter leichten Entzündungs- 
erscheinungen abläuft, für deren Bestehen nach He noch der relativ hohe 
Eiweissgehalt des im Sacke befindlichen Liquors spricht. 

Aus der v. Eiselbergschen Klinik teilt Haberer (4) einen Fall von 



Y. Meyer, Verlefczuogen and chinirg. Krankheiten des Schädels n. Gehirns. 271 

eitriger Meningitis mit, der operativ behandelt wurde. Wie sich bei der 
Sektion herausstellte, handelte es sich um eine jauchige Phlegmone des 
Unterhautzellengewebes und der Muskulatur im Bereich des linken Schläfen- 
beines, Periostitis und Ostitis des linken Schläfenbeins. Jauchige Septo- 
meningitis an der Basis und Konvexität der ganzen linken Himhemisphäre. Der 
letale Ausgang darf nach Haber er nicht als Beweis für die Ohnmacht chirur-»- 
gischer Eingriffe bei diffuser eitriger Meningitis angesehen werden, weil bei 
den mehrfachen Operationen jedesmal eine Besserung des Patienten auftrat; 
Tielleichl würde eine noch ausgedehntere Eröffnung der Schädelkapsel einen 
Erfolg gehabt haben. 

Mehrere Fälle von eitriger Thrombophlebitis des Sinus cavemosi infolge 
von Zahnkaries teilt Domianos (2) mit, und glaubt, dass bei der absolut 
imgünstigen Prognose der Eiterung des Sinus cavernosus man berechtigt ist, 
durch einen operativen Eingriff nach der Methode Voss-Lexer (zur Exstir- 
pation des Ganglion Gasseri) den Versuch zu machen, den Krankheitsherd 
günstig zu beeinflussen. Bei frühzeitig vorgenommener Operation ist es nicht 
ansgeschlossen, dass ein Erfolg zn erhoffen ist. 

Trigemurnsneuralgie. 

1. Abbe, Sahdaral interposition of mbber tissne withont removsl of the gasserian gaaglion 
in Operation for tic donlonrena:. Annals of sorgery 1903. Jan. 

2. C ollin s, Intracranial neurectomy. Annals of snrgery 1903. May. 

3. *6ordon, A case of trigeminal nenralgia and excision of the Gasserian ganglion. 
Medical Press 1908. Ang. 26. 

4. — A case of trigeminal nenralgia and excision of the Qasserian ganglion. The Dublin 
Journal 1908. October. 

5. Hildebrand, Zar Resektion des III. Astes des Trigeminas am Foramen ovale. 
V. Br ans sehe Beiträge 1903. Bd. 87. Heft 8. v. Esmarch Festschrift. 

6. Javara, Technique de la r^section da ganglion deOasser par la voie da plan ossenx 
sphdno-temporal. La Presse medicale 1903. Nr. 58. 

7. *Krflger, Ein Beitrag znr Exstirpation des Gasserschen Ganglions bei Trigeminas- 
nearalgie. Diss. Leipzig 1908. 

8. Ramend de, Exäröse da trijameaa. La Presse m^icale 1908. Nr. 91. 

Die verschiedenen Methoden zur Exstirpation des Ganglion Gasseri 
bespricht Jnvara (6) und beschreibt genau die Technik der Methode von 
Quenu und Sedillat, die als spheno-temporale bezeichnet ist. 

Zur Resektion des dritten Trigeminusastes am Foramen ovale empfiehlt 
Hilde br and (5) eine Methode, die ein gutes kosmetisches Resultat gibt und 
den Augenfacialis unberührt lässt. Schnitt am oberen Rand des Jochbogens, 
nach hinten bis zur Wurzel des Jochbogens, vor dem Ohr ein senkrechter 
Schnitt je 2 cm nach oben und unten reichend; vom vorderen Ende des 
queren Schnittes geht ein 2 cm langer Schnitt schräg nach hinten in der 
Richtung der zum Orbicul. oculi verlaufenden Facialisfasem. Dadurch wird 
ein Lappen gebildet, um den durchgesägten Jochbogen nach unten und den 
Muse, tempor. nach oben vor zu dislozieren. Der Bogen zwischen Proc. con- 
dyloideus und coronoideus wird freigelegt und durch die Lu er sehe Zange 
nm 1 cm vergrössert. Das Operationsfeld wird dadurch gut übersichtlich. 

Ramonfede (8) beschreibt ein von ihm ausgebildetes Verfahren zur 
Resektion des Trigeminus, welche er im Gegensatz zum temporalen als ocd- 
pitales oder retromastoideales Verfahren bezeichnet. Die grossen Schwierig- 
keiten, die durch Sinus lateralis, sowie den Acusticus und Facialis trochlearis, 



272 Jahresbericht für Chirurgie. II. Teil. 

oculomotorius und abducens entstehen, sind zwar ernst, aber zu vermeideiL 
Der TrigeiiQinus wird vor seinem Eintritt ins Ganglion Gasseri durchtrennt 

Abbe (1) hat bei Trigeminusneuralgie nicht das Ganglion Gasseri ex- 
stirpiert, sondern nach Durchtrennung der aus demselben kommenden Nerren 
dicht an den Foramina zwischen diese letzteren und das Ganglion ein Stüdc- 
chen Gummipapier geschoben und eingeheilt. Fünf derartig operierte Kranke 
sind dauernd frei von Schmerz geblieben. Die Beobachtungszeit schwankte 
Yon 6 Monaten bis zu 6 Jahren. Die Freilegung geschieht durch einen auf 
das Jochbein senkrecht einstechenden Längsschnitt, zur Seite Schieben der 
MuscuL temporalis und Auftneisselung des Schädels. Die venöse Blutung, 
wenn störend, wird durch temporäres Andrücken von Gummipapier an die 
blutende Stelle leicht gestillt. Maass (New-York). 

Gordon (4) exstirpierte mit Erfolg das Ganglion Gasseri nach der 
Methode von Hartley-Krause. 8 Monate nach der Operation konnte er 
noch vollständige Heilung konstatieren. 

Gollins (2) musste bei einer Operation zur Entfernung des Ganglion 
Gasseri das Heften ungewöhnlich stark nach der Mittellinie zu verdrängen, 
weil er wegen der Nähe der mittleren Schädelgrube die Foramina ovale und 
rotundum nur so erreichen konnte. Nach Durchtrennung der beiden hier 
austretenden Nervenstämme wurde er durch Blutung an weiterer Isolierung 
des Ganglion verhindert und musste sich begnügen, mit den beiden genannten 
Wurzeln soweit als möglich herauszureissen. Die Foramina wurden mit 
Guttaperchapapier bedeckt. Patient wurde von seiner Neuralgie yollständig 
geheilt. Es bestanden für etwa vier Monate Paralyse des oberen Augenhdes 
rechts und der durch den dritten, vierten und sechsten Gehimnerven ver- 
sorgten Augenmuskeln und partielle Paralyse des linken Armes und Beines. 
Die Paralyse verschwand schliesslich in all diesen Teilen, doch erlangte 
Patient seine frühere Kraft nicht ganz wieder. Gollins glaubt, dass er den 
Druck auf die Gehimmasse vielleicht hätte vermeiden können, wenn er die 
von Abbe (Annais of surgery. Vol. 37, p. 7) vorgeschlagene Methode befolgt 
hätte. Es könnte jedoch der skaphocephalische Schädel mit seiner steilen 
mittleren Haube den Zugang zu sehr erschwert haben, und somit die Me- 
thode von Hartley für den Fall die geeignetere sein. 

Maass (New- York). 

Epilepsie. 

1. Donath, Eraniektomie bei Epilepsien verschiedenen Ursprungs. Wiener klin. Wochen- ' 
Schrift 1903. Nr. 46. 

2. *Huth, Über einen Fall von Jacksonscher Epilepsie. Diss. Berlin 1902. I 

3. Indemans, Twee gevallen von particele epilepsie von Jackson. Ned. Tijdschr. t. 
Geneesk. I. p. 659. i 

4. Jonescu, Temporäre Eraniektomie nach Berezsowski wegen essentieller Epilepsie. 
Revista de Chirurgie 1903. Nr. 4. p. 131 (Rumänisch). 

5. *Erause, Zur chirurg. Behandlung der nicht traumatischen Jacksonschen Epilepsie. ' 
32. Chirurgen-Eongress 1903 Berlin. 

6. — Zur Chirurg. Behandlung der nicht traumatischen Jacksonschen Epilepsie mit Eranken- i 
Vorstellung. Berliner klin. Wochenschrift 1903. Nr. 3. | 

7. Marion, Traitement cbirurgical de l'^pilepsie traumatique. Archives göndrales 1903. 
Nr. 11. 

8. Mc. Goy, Traumatic epilepsy. Annais of surgery 1903. Dezember. 

9. Minkowski, Rindenepilepsie. Allgem. ärztl. Verein Eöln. Mänchener med. Wochen- 
schrift 1903. Nr. 40. 



y. Meyer, VerletzuDgen uod ckirarg. Krankheiten des Schädels u. Gehirns. 273 

10. 0. £. Olssen, Ein Fall yon Jacksonscher Epilepsie. Trepanation. Genesung. (Aus 
dem Krankenhaus zu Flen [Schweden].) Hygiea 1903. L. 4. p. 375. 

11. Quercioli, Contributo alla conoscenza ed alla cura della epilepsia Jacksoniana. 
Glinica chiruigica 1908. 

12. Roneali, ß., Cranio resezione per epilepsia Bravais - Jacksoniana. Clinica cbirurgica 
1903. Nr. 8. 

13. Schulze-Berge, Über Heilung Jacksonscher Epilepsie durch Operation, v. Langen- 
becks Archiv 1903. Bd. 72. Heft 1. 

14. J. Spisharny, Zur Frage der Trepanation bei traumatischer Epilepsie. Russisches 
Archiv für Chirurgie 1908. Heft 2. 

15. *A. Zawadzki, 8 Fälle von Exstirpation des Ganglion Gasseri wegen Trigeminus- 
neuralgie. Medycyna 1903. Nr. 15. (Bericht über 8 Operationen nach Hartley-Krause. 
Heilung seit 5, 3, resp. Vs Jahre.) Urbanik (Krakau). 

Krause (6) operierte vier Fälle nicht traumatischer Jackson scher 
Epilepsie. 

1. 16 jähriges Mädchen, seit dem vierten Jahre Epilepsie, ausgehend 
von der linken Gesichtshälfte; allgemeine Verblödung. Trepanation, Eröffnung 
der Dura, faradische Bestimmung des Facialiszentrums. Es fand sich eine 
grosse Zyste, die inzidiert und drainiert wurde. Heilung seit QV» Jahren, 
nahezu normale geistige Entwickelung. 

2. 14jähriges Mädchen. Seit dem fünften Jahre Krämpfe im linken 
Facialis, linken Arm und Bein; Imbecillität. Bei der Operation fand sich 
eine dicke weisse strahlige Narbe im Facialisgebiet; Exzision. Heilung auch 
der Imbecillität seit IVs Jahren. 

3. SOjähriger Mann. Im sechszehnten Jahr Nephritis, linsseitige Hemi- 
plegia. Zehn Jahre später epileptische Anfälle vom linken Vorderarm aus- 
gehend mit Bewusstseinsverlust. Bei der Operation ergab sich Leptomeningitis 
chronica im Armzentrum. Exzision des Zentrums. Heilung. 

4. 23jähriger Mann. Insolation im vierten Lebensmonat, einmalige 
Krämpfe. Die rechtsseitigen Extremitäten blieben schwächer. Vom drei- 
zehnten Jahre an epileptische Anfälle von der rechten Hand ausgehend mit 
Bewusstseinsstörung. Bei der Operation fand sich eine suburachnoidale Zyste. 
Heilung. 

Das Zentrum muss zunächst grobanatomisch bestimmt und der Schädel 
6 bis 7 cm im Quadrat eröffnet werden. Die Dura muss in Lappenform oder 
kreuzweise getrennt werden. Bei normal aussehender und pulsierender Dura 
darf man sich bei der einfachen Trepanation nicht begnügen, sondern man 
muss die Gehirnoberfläche freilegen. Findet man keine anatomische Ver- 
änderungen, so muss man mit dem faradischen Strom die sensomotorische 
Region aufsuchen und die Ausgangsstelle genau umgrenzen. Auf dieser Stelle 
soll man punktieren oder inzidieren, um einen subkortikalen Prozess zu 
suchen, ist dies negativ, muss das Rindenzentrum exzidiert werden, und zwar 
im Zusanunenhang mit den weichen Hirnhäuten bis zur weissen Substanz, 
also ca. 5 mm. Die auftretenden Lähmungen gehen zurück. Nach seinen 
Beobachtungen bedingt die Narbe keine Rezidive. Die Fälle, welche keine 
anatomische Unterlage haben, sind prognostisch ungünstig. In der Diskussion 
bemerkt Braun, dass man sich über Dauerheilungen täuschen kann. Sein 
seit 1890 geheilter und nachkontrollierter Patient gab stets an, dass es ihm 
gut gehe. Er ist seit 1902 schwer epileptisch und hat vorher wieder Anfälle 
gehabt, die er verschwiegen hat. 

Vier Fälle von Kraniektomie bei Epilepsie verschiedenen Ursprungs 
teilt Donath (1) mit. Der erste betrifft eine sogenannte genuine Epilepsie, 

Jaliresberieht fOr Chirnrgie 1903. 18 



274 Jahresbericht für Chinirgie. IL Teil. 

insofern dieselbe mit schweren Krämpfen, Bewnsstlosigkeit bezw. tiefer Störung 
des Bewusstseins, Schäumen vor dem Mund, nachfolgender vollständiger 
Amnesie und infolge der gehäuften Anfälle mit raschem Intelligenzverfall 
einherging. Der vorwiegend Jackson sehe Typus dieser Anfälle drängte zur 
Operation. Da im Gehirn nichts gefunden wurde, so liess man es bei der 
Kraniektomie bewenden. Die Wirksamkeit der Operation zeigte sich unmittel- 
bar nachher darin, dass nur noch zwei Krampfanfälle auftraten, hernach noch 
eine Zeitlang petitmal und Absenzen sich zeigten. Die nach der Operation 
eine kurze Zeit bestandenen aphatischen Störungen, Anisokorie und Parese des 
rechten Mundfacialis mögen vielleicht auf Rechnung der Operation zu bringen 
sein, worauf das Kind vollkommen frei von Anfällen blieb und sich bis jetzt 
einem Jahr später der vollständigen körperlichen und geistigen Gesundheit 
erfreut. 

Im zweiten Falle handelte es sich um ein Schädeltrauma mit Depression 
und Knochennekrose, wo aber erst vier Jahre später Epilepsie, linksseitige 
Parese mit schweren psychischen Störungen und Intelligenzverfall auftraten. 
Die Epilepsie ist also hier erst später durch die inzwischen entstandene 
traumatischn Encephalitis, welche bei der Operation auch vorgefunden wurde, 
hervorgerufen worden. Die Kraniektomie hat hier das Aufhören der Krämpfe 
und wesentliche Besserung in den hemiplegischen Erscheinungen, Sprach- 
störungen und im Intellekt bewirkt. Wie weit die Heilung noch fortschreiten 
wird, ist noch nicht zu bestimmen; selbstverständlich kann das, was durch 
encephalitischen Prozess gänzlich zerstört wurde, nicht regeneriert werden. 
Daraus folgt, dass bei Schädeltraumen mit Knochendepression, Zertriimnie- 
rungen oder wo überhaupt Herderscheinungen angenommen werden dürfen, 
sofort tamponiert werden soll. 

Im dritten Falle mit faustgrosser Encephalomalacie wurde der Status 
epilepticus, 'die Hemiplegia durch Kraniektomie beseitigt und die Intelligenz 
gehoben, so dass eine zweimonatliche Besserung vorhanden war, doch konnte 
bei der Ausdehnung des Leidens der Exitus nicht aufgehalten werden. 

Im vierten Falle handelte es sich wahrscheinlich um eine Neubildung 
(Gumma oder Tumor), die bei der Operation nicht aufgefunden wurde, aber 
auch bei der Sektion nicht gefunden wurde, da dieselbe offenbar durch 
einen Prolaps nach aussen geraten und durch das Paquelinisieren zerstört 
worden war. Für die Neubildungen sprachen die Herderscheinungen und der 
nach der Kraniektomie aufgetretene Prolaps, als Ausdruck der gesteigerten 
und nicht behobenen intrakraniellen Druckes. 

Quercioli (11) erörtert zuerst die Ätiologie, Symptomatologie, patho- 
logische Anatomie und Behandlung der Epilepsia Jacksoniana und beschreibt 
dann acht von ihm beobachtete Fälle dieser Affektion, von denen sechs, von 
Biondi operiert, heilten und zwei, weil nicht rechtzeitig eingegriffen werden 
konnte, einen unglücklichen Ausgang hatten. Aus seinen Beobachtungen zieht 
Verf. folgende Schlüsse: 1. Es ist zu unterscheiden zwischen einer typischen 
Form von Epilepsia Jacksoniana und einer atypischen, die sich der Epilepsia 
essentialis nähert. 2. Es gibt eine homolateral zur Schädelläsion auftretende 
und eine bilaterale Form. 3. Nach Eröffnung des Schädels lässt sich die 
vermeintliche Läsion nicht immer konstatieren, sie kann in der Tiefe oder 
fern von der Rol and i sehen Zone sitzen, oder kann sich verloren haben oder 
eine einseitige sein. 4. Nach Traumen des Kopfes entsteht oft eine Epilepsia 
Jacksoniana, die man eher eine post-traumatische nennen könnte. 5. Spontan 



y. Meyer, Yerletzangen und chirarg. Krankheiten des Schädels u. Gehirns. 275 

oder infolge ärztlicher Behandlung findet selten Heilung statt. 6. Die Erani- 
ektomie ist stets angezeigt und muss frühzeitig yorgenommen werden. 7. Eine 
weite Öffnung ist yorzuziehen. 8. Die motorischen Zentren können ausge- 
schnitten werden in Anbetracht der yikariierenden Funktion der benachbarten 
gesunden Rinde. 9. Gehirnhernie ist nicht zu befürchten, wenn die Dura 
mater nicht beeinträchtigt und gut yernäht und die Operation unter asep- 
tischen Verhältnissen ausgeführt wurde. 10. Unter solchen Verhältnissen kann 
eine mehr oder weniger yoUständige Reparation der Lücke erfolgen. 11. Von 
den zur Deckung des Knochensubstanzyerlustes empfohlenen Methoden ist 
keine ratsam, wenn notwendig, kann man Prothesis, Autoplastik oder Trans- 
plantation anwenden. 12. Alle diese Mittel sind schädlich, weil sie die 
Bildung yon Adhärenzen begünstigen. 13. Die Vorzüge der Eraniektomie 
sind durch die gebesserten Kreislaufsyerhältnisse bedingt. 14. Durch Krani- 
ektomie erhält man fast immer gute Resultate, Rezidiy der Krankheit 
erfolgt oft. R. Giani. 

Roneali (12) berichtet über einen Fall yon nach otitischen Abszessen 
aufgetretener Bravais- Jackson scher sensorio-motorischer Epilepsie. Die Ur- 
sache der Abszesse war ein Erysipel, das sich über das Gesicht und die 
Kopfhaut verbreitet hatte, ein Monat nach der Erysipelinfektion traten 
Schmerzen am rechten Warzenfortsatz auf, und gleich darauf Eiterabfluss 
aus dem Ohre. Zwecks Entleerung von zwei Abszessen, die miteinander 
kommunizierten, nahm Verf. zweimal die Kraniektomie vor. Patient starb 
ungefähr ein Monat darauf. In symptomatologischer Hinsicht ist der Fall 
interessant, denn trotz der Läsion des Lobus frontalis und des Lobus prae- 
frontalis bestanden keine psychischen Störungen und die Epilepsieanfälle 
waren zugleich sensorische und motorische und nur in den letzten Tagen 
rein sensorische, mit Störungen des Geruchssinnes. Es handelte sich nach 
Verf. um einen ausgeprägten Fall von Bravais- Jackson scher Epilepsie. Er 
meint, es habe am Keilstrang, am Hippocampus und Gornu Ammonis, wo der 
Geruchsinn seinen Sitz hat, eine Erweichung oder ein Abszess bestanden. 

R. Giani. 
Bei einem 14jährigen Kinde mit Epilepsie seit der Kindheit, erfolglos 
medical behandelt, führte Jonnescu(4) eine Kraniektomie nach Berezsowskis 
Methode aus. Bei dem Zuklappen des Knochenlambeau nahm Jonnescu 
eine 1 cm breite Kante weg, so dass eine Lücke im Knochen blieb. Aus der 
Dura schnitt er kleine , 1 cm grosse Quadrate , zwischen welche er kleine 
Brücken der Dura intakt Hess. Diese Duralambeau klappte er heraus und 
nahte sie mit dem Periostum externum, um eine Knochen-Regeneration zu 
vermeiden. . Sto'ianoff (Plevna). 

Drei Jahre nach einem Traama an der Stirn traten epileptische Anfälle mit Lähmung 
des rechten Armes auf. Während des Status epilepticus wurde Trepanation durch Olssen (10) 
ausgeffihrt aber dem Zentrum des Armes. Die Dura matei- wurde gespannt, keine patho- 
logischen Veränderungen in der Hirnrinde sichtbar. Nach der Operation Aphasie. Die 
Anfalle nahmen allmählich ab, die Lähmungen gingen zurück. Einige Monate nach der 
Operation war Patient gesund und konnte seine Arbeit als Schmied wieder aufnehmen. 

Hj. von Bonsdorff (Helsingfors). 

Spisharny (14) trepanierte zwei Patienten wegen Jacksonscher Epi- 
lepsie. Im ersten Fall hatten die Anfälle 7, im zweiten 15 Jahre bestanden. 
Beidemal wurde ein Wagner scher Lappen gebildet. Im ersten Fall wurde die 
verdickte und mit den weichen Hirnhäuten verwachsene Dura exzidiert. Prima 
intentio. Nach einem anfallsfreien Jahr traten die Krämpfe wieder auf. Im 

18* 



276 Jahresbericht fflr Chirurgie. II. Teil. 

zweiten Fall wurde die Dura nur gespalten und unvemäht gelassen. 20 Monate 
nach der Operation war Patientin anfallsfrei. — Spisharny glaubt auf 
Grund von Tierexperimenten und klinischen Beobachtungen zur Ansicht ge- 
langt zu sein, dass ein sog. Ventil und ein aseptischer Wundyerlauf nicht 
vor einem Rezidiv der Anfälle schützen. Hohlbeck (St. Petersburg). 

Eine Besserung von traumatischer Epilepsie erzielte McCoy (8) bei einem 
11jährigen Jungen durch Exzision des derben Narbengewebes zwischen Hirn, 
Dura, Knochen und Haut und Einlegen einer Zelluloidplatte auf den Defekt. 
Die Platte musste einmal erneuert werden, da sie an einer Seite durch Ex- 
sudat hervorgehoben war; dabei fand sich neues derbes Narbengewebe. 

Mit Erfolg wurde nach einer Mitteilung von Minkowski (9) ein Fall 
von Rindenepilepsie operiert, welche im Anschluss an einen Schlag auf den 
Schädel ein halbes Jahr vorher aufgetreten war. Es fand sich bei der Tre- 
panation eine abgebrochene Messerspitze^ nach deren Extraktion die Anfalle 
ausblieben. Nach 1^/2 Jahr wurden nach einem neuen Trauma auf die Tre- 
panationswunde die Anfälle von neuem ausgelöst, so dass eine neue Operation 
nötig wird. 

Über einige geheilte FäUe von Jacksonscher Epilepsie berichtet Schulze- 
Berge (13). 

1. Exstirpation des anatomisch bestimmten Zentrums der rechten EIx- 
tremitäten ; komplette Lähmung von Arm, Hand und ßein, die nach 14 Tagen 
zurückgeht. Paresen und Parästhesien in Arm und Bein sind zurückgeblieben. 
Epileptische Anfalle sind seit 13 Jahren weggeblieben. 

2. Bei der Operation fand sich eine gänseeigrosse porenzephalische 
Zyste, in deren Tiefe der Boden des linken Seitenventrikels freilag. Nach 
der Operation noch sechs Anfälle, seit acht Jahren geheilt; Parästhesien und 
Schwindelgefühl bei tiefem Bücken noch vorhanden. 

3. Exstirpation des elektrisch bestimmten Zentrums der linken Hand; 
Lähmung der Hand geht nach 5 Tagen zurück. Heilung seit sechs Jahren. 
Sensibilitätsstörung der Finger und Schwindelgefühl bei tiefem Bücken noch 
vorhanden. 

Ein vierter Fall blieb ungeheilt. Das Gehirn war durch die zerschnitt-ene 
(Messerstich ins linke Hirn) Dura mit dem Schädeldach verwachsen. Exzision 
der Narbe. 

Schulze-Berge glaubt, dass ausser der Steigerung des Himdruckes^ 
wie sie Kocher als Ursache der Epilepsie annimmt, auch noch materielle 
Veränderungen des Hirnes vorhanden sein müssen, und zwar degenerative 
Prozesse der Hirnsubstanz. Beim Zustandekommen des epileptischen Anfalles 
ist eine gegenseitige Einwirkung der materiellen Läsion der Gehimsabstanz 
und der intrakraniellen Drucksteigerung anzunehmen. Die Koch er sehe 
Ventilbildung zur Herabsetzung des Hirndruckes ist weniger gefahrvoll als 
die Exstirpation des beiderseitigen Halssjmpathicus nach Jonnescu. 

Marion (7) bespricht in einer längeren Arbeit das chirurgische Vor- 
gehen bei der traumatischen Epilepsie unter Benutzung der bisherigen Arbeiten. 
Neues bietet die Arbeit nicht. 

Indemans (3) teilt folgende Fälle mit: 

Bei einem 9 V2 jährigen Knaben entwickelte sich nach einem Schädel- 
trauma unter partieller Nekrose des linken Wandbeines ein Abszess in den 
benachbarten Himteilen. Nach Heilung des Abszesses war eine pulsierende 
Encephalocele entstanden. 



y. Meyer, Yerletzungeii uod chirarg. Krankheiten des Schädels u. Gehirns. 277 

Das Kind blieb 4^/» Jahre ohne irgend welche Beschwerde, dann traten 
epileptiforme Krämpfe auf, die sich sehr häuften und immer wieder in der 
rechten Hand anfingen. Die Narbe war jetzt eingezogen und zeigte starke 
S])annung. Trotz der Depression des Schädeldaches und der eitrigen Ence- 
phalitis im Anfang, trotz des erhöhten intrakraniellen Druckes also, war da- 
mals nicht die geringste Spur von Epilepsie vorhanden. Erst 4^/» Jahre später 
traten epileptiforme Krämpfe auf, wahrscheinlich infolge des Wachstums des 
Schädels, wobei die Narbe im Wachstum zurückblieb. Die Narbe war dabei 
stärker gespannt und diese Spannung setzte sich fort auf den mit der Narbe 
verwachsenen Kortex und war die Ursache der Reizerscheinungen. Bei Druck 
auf der Narbe trat kein Anfall auf. 

Vor jedem Anfall wurde das Kind blass und zog die Narbe sich stark 
«in. Auch während der Operation konnte man keinen erhöhten Druck kon- 
statieren: kein chronisches Hirnödem, keine Druckerhöhung im Liquor 
cerebro-spinaJis , keine Zyste u. s. w. Bei der Operation wurde der Defekt 
durch einen König- Müll ersehen Lappen zur Schliessung gebracht. Die 
Anfälle blieben ungefähr 6 Monate nach der Operation aus; dann kehrten 
sie zurück , jedoch in milder Form , wiewohl keine knöcherne Verwachsung 
des Lappens zustande gekommen war. 

Der zweite Fall betrifft ein 6 V« jähriges Kind mit Anfällen von Jack- 
sonscher Epilepsie in der linken Körperhälfte und mit Ausfallssymptomen, 
die in der letzten Zeit noch Monate nach dem Anfalle vorhanden sind. 

Die Epilepsie ist vielleicht entstanden auf dem Boden einer akuten En- 
cephalitis, woran das Kind in den ersten Lebenstagen gelitten hat. 

Die vorgestellte Operation wurde abgelehnt. Goedhuis. 

Tamoren und Cysten. 

*l. Abboth, Note on s case of necrotic softening of the brain probably dae to injury 
EDd asBociated with caries of the spine. The Lancet 1903. Febr. 7. 

2. Bacaglia, Gisti da ecbinococco libera nel come anteriore de ventricolo laterale lestro. 
Annali di medicina navale 1903. II. pag. 39. 

3. Boettiger, Ein operierter und ein sezierter Tamor der Zentral Windungen. Altonaer 
ärztlicher Verein. Münchener med. Wochenschrift 1903. Nr. 6. 

4. *Brenske, Beitr. zur Kasuistik der Hirntumoren. Diss. Mttnchen 1903. 

5. Brunn sehe Hjernesvulskernes Behandling. Ejebenhavn 1903. 

6. Buenet, Some points of interest in the clinical manifestations of cerebral abacess. 
The Practioner 1908. June. 

7. Dragoniroff, Tumor MeduUae oblongatae in Letopissina Lekarskija sajonz y Bol- 
garia. Nr. 3-41. S. 127. 1903. 

8. ^ Dutt and Lowson, Gase of brain tumour. (Zerfallenes Gumma. Tod. Keine 
Autopsie.) British medical Journal 1903. May 2. 

9. Fischer, Cysticercus racemocus cerebri. v. Langenbecks Archiv 1903. Bd. 69. 
Heft 1 u. 2. V. Es mar ch Festschrift. 

10. Fittig, Über einen röntgenographisch lokalisierten Fall von Hirntumor. Fortschritte 
auf dem Gebiete der Röntgenstrahlen. Bd. VI. Heft 6. 

11. ^Feidel, Ein Fall von Peritheliom des Gehirnes. Diss. München 1903. 

12. Gay et, Observation d'une tumour c^röbrale avec essais de däcompression par une 
ponction rachidieuse. Soc. de Clin. Lyon mädical 1903. Nr. 28. 

13. Hechold, Trepanation zur Behebung des intrakraniellen Druckes bei Gehirn- 
tumoren. Deutsche militärärztliche Zeitschrift 1903. 

14 *Kiliani, Tumor of the brain. New- York surg. soc. Annais of surgery. April 

1903. 
15. Krause, F., Zur Freilegung der hinteren Felsenbeinflftche und des Kleinhirnes. 

V. Brunsche Beiträge zur klinischen Chirurgie. XXXVII. 3. Heft. 



278 Jahresbericht für Chirurgie. IL Teil. 

16. Krause, Zar Freilegung des Kleinhirns und der hinteren Felsenbeinfläche. Freie CSiir.- 
Vereinigung. Zentralblatt für Chirurgie 1903. Nr. 2. 

17. Lichtwitz, Ülierj einen Fall von Sarkom der Dura mater und über dessen Bezieh- 
ungen zu einem vorangegangenen Trauma. Tirchows Archiv 1903. Band. 173. 
Heft 2. 

18. Lucas-Championnidre, Tumour de cerveau, love frontaL Epilepsie partielle. Ab» 
lation. Tumeur bors larögion des centres. Bull. A. m^m. de la soc. de Chir. 1903. 
Nr. 13. 

19. Mathio et Brouqueylo, Tumeur c^öbrale. Soc. d'anat. Journal de m^. de Bor- 
deaux 1903. Nr. 10. 

20. *Muthmann und Sauerbachs, Über eine Gliageschwulst des vierten Yentrikele 
hiebst allgemeinen Bemerkungen Ober Gliome überhaupt Zieglers Beitrftge 1903. 
Bd. XXXIV. Heft 8. 

21. Oliver, History of a case of a cerebral tumour light and a half years after remo- 
val. British medical Journal 1903. July 11. 

22. ^Prof^, Über die bei operativer Behandlung von Hirntumoren auftretenden Him- 
bernien. Diss. Strassburg 1908. 

28. *Py6 Smith, Zwei durch Operation geheilte Fälle von Hirntumor. Quartherly med. 
jonmal. August 1903. 

24. Tuffier, Malade op^r^ d*un tubercule c^röbral. Bull, et m^m. de la soc. der Chir. 
1903. Nr. 19. 

25. *yorh astner, Beitrag zur Frage der Operabilität der Hirntumoren. Diss. Halle 1903. 

26. Woolsey, Fibroma and cyst of the brain. New-Xork surgical soc. Annais of snr- 
gory 1303. February. 

27. — Sclerosis of the brain cortex. New-Tork surgical soc. Annais of snrgery 1903. 
February. 

Zur FreileguBg des Kleinhirns und der hinteren Felsenbeinfläche sind 
andere Methoden notwendig, als zur Entleerung von otitischen Eiterungen, 
welche vom v. Bergmannschen Schnitte aus zugängig gemacht werden. 
Zur Freilegung von Geschwülsten im ganzen Bereich der hinteren Schädel- 
grube ist das intradurale Vorgehen erforderlich. F. Krause (15) hat folgende 
Methode ausgebildet: Es wird die Kleinhirnhemisphäre mittelst eines Haut- 
Periost-Knochenlappens mit unterer Basis freigelegt und die Dura in gleicher 
Weise lappenförmig nach unten geschlagen. Die Hemisphäre hebt sich, wenn 
der Kopf der sitzenden Patienten nach der anderen Seite gebeugt wird, 
durch die eigene Schwere vom Felsenbeine ab; leiser und vorsichtiger Zug 
mit dem Hirnspatel legt die hintere Fläche vollends frei. Unterbindung einer 
von Sin. petr. sup. kommenden Vene ; 3 cm vom Knochenrand entfernt sieht 
man den Acusticus und Facialis in den Porus acusticus eintreten, reichlich 
^J2 cm nach hinten und unten von ihnen den Glossopharyngeus , Vagus und 
Accessorius von unten heraufziehen; die hintere Felsenbeinfläche ist nun zu- 
gänglich. Wegen der Schwierigkeit, bei Kleinhimtumoren die Seite der 
Erkrankung zu konstatieren, rät Krause beide Kleinhirnhemisphären frei- 
zulegen. Ein grosser rechtwinkliger Lappen mit unterer Basis umfasst das 
Hinterhaupt zwischen beiden Warzenfortsätzen und reicht nach oben hin 
etwas oberhalb der Protuberantio occip. externa. Der Knochen wird bei nicht 
besonders kräftigen Leuten am besten fortgenommen. Beide Sinus transversi 
und sigmoidei freigelegt. Die Dura wird dicht unterhalb der S. transv. und 
medianwärts der S. sigm. durchschnitten, der Sin. occipit. doppelt unter- 
bunden und durchtrennt, dann die Bedeckung beider Kleinhirnhemisphären 
als ein Lappen umgeschlagen. Die Sin. transv. und das Tentorium bleiben 
unberührt. Wird letzteres mit dem Himspatel nach oben gehoben, so kann 
man beide Hemisphären und den Oberwurm in grosser Tiefe übersehen, femer 
kann man die Himteile abtasten und die Hemisphären anatomisch inzidieren. 



y. Meyer, VerletzaDgen und chirorg. Krankheiten des Schädels u. Gehirns. 279 

Die Operation hat er bei einem 18jährigen Mädchen mit Symptomen des 
Eleinhimtnmors ausgeführt. Es fand sich kein solcher, aber eine sehr er- 
hebliche Raumverengerung der hinteren Schädelgrube durch eine enorme 
Kyphose des Schädelgrundes im Gebiete des hinteren Keilbeins und der Pars 
basilaris des Occiput. Die Operation besserte die Symptome, später traten 
jedoch von neuem Himdruckerscheinungen und Exitus auf. In analoger 
Weise hat Krause noch einmal beide Kleinhirnhemisphären mit Erhaltung 
des Knochens freigelegt. 

Durch Untersuchungen über 209 Fälle von Hirntumoren sucht Brün- 
niche (5) die Himgeschwülste, namentlich mit Rücksicht auf die Möglichkeit 
ihrer operativen Behandlung, zu beleuchten. Eine operative Behandlung war 
infolge des Sitzes, der Natur u. s. w. der Geschwülste in Vio der Fälle aus- 
geschlossen. In den übrigen Fällen war eine sichere Lokaldiagnose in ^/s 
der Fälle nicht zu stellen. Operative Behandlung ist in 14 Fällen instituiert, 
in 10 von diesen Fällen wurde eine radikale Exstirpation angestrebt, ist aber 
nur in 2 Fällen gelungen. 6 Patienten sind im Anschluss an die Operation 
gestorben. (Schaldemose.) 

Fischer (9) teilt zwei Krankengeschichten mit, resp. die Sektions- 
protokolle von Cysticercus racemosus cerebri. Die Entwicklung des Cysti- 
cercus war ganz symptomlos verlaufen, ohne jegliche Reiz- oder Ausfall- 
erscheinungen. Ganz plötzlich kam Kopfschmerz, Erbrechen, Somnolenz, 
Koma, Tod, das Bild des Himdruckes. 

In dem von Battaglia (2) beschriebenen Falle bestand im rechten 
Seitenventrikel eine vollständig freie Echinokokkencyste ; dieselbe hatte weder 
Druck noch Verlagerung der Gehirnsubstanz bewirkt, sondern nur, wie ein 
Fremdkörper, Reizerscheinungen hervorgerufen. Der osmotische Austausch 
zwischen der Flüssigkeit der Zyste und der Cerebrospinalflüssigkeit hatte 
Reizung des ganzen Ependyms bewirkt, infolgedessen dieses verdickt erschien. 

R. Giani. 

Boettiger (3) berichtet über einen operierten und einen sezierten 
Hirntumor. Es waren beide Sarkome. Das Interessante an beiden Fällen 
waren die isoliert auftretenden klonischen Zuckungen in den den rechtsseitig 
gelähmten entsprechenden linksseitigen Körperteilen, im ersten Fall während 
der Operation im linken Arm, im zweiten Fall anamnestisch im linken Arm 
imd Gesicht. Diese Zuckungen können ihren Ausgang nur von der gleich- 
seitigen Hemisphäre genommen haben. 

Oliver (21) konnte einen geheilten Fall von Hirntumor beschreiben, 
der vor 8^/2 Jahren exstirpiert worden war. Es handelte sich um ein Angiom 
in der motorischen Region der linken Hemisphäre. Es besteht noch eine 
beträchtliche Verminderung der Kraft in der rechten Hand und im Unterarm 
und Flexionskontraktur der Finger, wie sie vor der Operation bestand ; zum 
Teü beruhen diese Ausfallerscheinungen auf der deszendierenden Degeneration 
durch den Tumor, zum Teil auch auf die Zerstörung der Rindenzentren bei 
der Operation. Die Sprache ist nicht vollständig zurückgekehrt, ist jedoch 
bedeutend gebessert. 

Bei einer Patientin mit Hirntumor, der Blindheit und heftige Kopf- 
schmerzen als alleinige Symptome aufwies, machte Gay et (12) den Versuch, 
durch Lumbalpunktion das Gehirn zu entlasten, aber mit negativem Erfolg. 
Patient starb drei Tage später im Koma. Die Sektion zeigte einen orange- 



280 Jahresbericht fttr Chirurgie. IL Teil. 

grossen Tnmor im rechten Okzipitallappen, der die ganze weisse Substanz 
einnahm, aber die Rinde frei Hess. 

Eine wesentliche Besserung einer Jacksonschen Epilepsie erreichte 
Woolsey (27) durch Trepanation und Entfernung des trepanierten Knochens. 
Als Ursache fand sich eine Sklerose auf Basis einer syphilitischen Arteriitis. 

Mit vollem Erfolg exstirpierte Woolsey (26) ein zystisches Fibrom der 
rechten motorischen Zone. Die Lähmung ging zurück, nur war die Kraft 
der linken Hand etwas geringer als normal. 

Lucas-Championniere (18) exstirpierte einen Hirntumor von der 
Grösse einer Mandarine aus dem Lobus frontalis. Die partielle Epilepsie 
deutete auf eine Aflfektion der motorischen Region; Lucas -Championniere 
weist speziell darauf hin, dass Tumoren der Nachbarschaft genau dieselben 
Symptome erzeugen können. Der Patient starb unmittelbar nach der Opera- 
tion infolge des enormen Blutverlustes aus Haut und Knochen (Hämophilie). 
Die mikroskopische Untersuchung des Tumors fehlt. 

Im Falle Dragomiroffs (7) handelte es sich um ein nussgrosses 
Glioma der Medulla oblongata im IV. Ventriculus cerebri bei einem 10jährigen 
Kinde, das vor 30 Tagen von einem Esel auf den Boden fiel und sich links 
den Schädel leicht kontusierte. Symptome: Titubatio, mehr nach vorne und 
nach links. Gehen mit ausgebreiteten Füssen, Nystagmus, Hautsensibilität 
erhalten, Schwund der Patellar- und anderer Reflexe. Dragomiroff stellte 
die Diagnose Ataxia hereditaria Friedreich. Die Autopsie zeigte einen Tumor 
der Medulla, der mikroskopisch als Glioma anerkannt wurde. 

Stoianof f (Plevna). 

Bei einer 36 jährigen sonst gesunden Frau trat nach einem Trauma des 
Schädels Kopfschmerz auf, Mattigkeit, Vergesslichkeit, Schwindel, Neigung zu 
Ohnmächten, Abmagerung und schliesslich Erblindung. Tod nach '/4 Jahren. 
Bei der Sektion fand Lichtwitz (17) in der mittleren Schädelgrube ein 
Spindelzellensarkom der Dura von 137 g Gewicht. Alles spricht für den 
Zusammenhang des Traumas mit der Entwicklung der Geschwulst. 

Einen Solitärtuberkel , der Jacksonsche Epilepsie, in der rechten 
oberen Extremität beginnend, machte, operierte Tuffier (24) mit Erfolg. 

Bei einem Knaben, der nur epileptische Krisen hatte und in den Inter- 
vallen vollständig frei schien, fand sich (Mathio und Brouquere, 19) beider 
Sektion des im Koma Verstorbenen ein altes Tuberkulom im dritten Ventrikel 

An Hand eines Falles von Kleinhimgeschwulst , bei welchem er durch 
Trepanation und Drainage eines Seitenventrikels eine erhebliche Besserung 
des Allgemeinzustandes und Zurückgang der Stauungspapillen erzielte, bespricht 
Her hold (13) die Schwierigkeit der Lokalisation von Gehimgeschwülsten 
behufs operativen Eingriffs. Durch Palliativoperationen kann wesentlich 
Nutzen geschaffen werden durch Beseitigung des intrakraniellen Druckes. 
Es kommen in Betracht Lumbalpunktion, Trepanation mit Spaltung der 
Dura, Trepanation mit Punktion der Seitenventrikel, Trepanation und Drainage 
der Seitenventrikel. Von der Lumbalpunktion ist kein Nutzen zu erwarten, 
von den anderen drei ist je nach dem vorliegenden Falle eines anwendbar. 

Burnet (6) beschreibt zwei Fälle von Himabszess, die keine Symptome 
machten, als eine enorme Abmagerung. Die Sektion konstatierte im ersten 
Fall einen Abszess im Stirnlappen; im zweiten im Temporo-sphenoidallappen, 
ohne nachweisbare Entzündung des Ohres oder Felsenbeins. Beide Fälle 
führte er auf Infektion durch Influenzabazillen zurück. 



y. Meyer, Verletzungen und chirurg. Krankheiten des Schftdels u. Gehirns. 281 

Abszesse. Pyämie. Thrombose. Otitische Erkrankungen. 

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Bd. III. Heft 3. ' 

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Münchener med. Wochenschrift 1903. Nr. 50. 

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Ohrenärzte. Münchener med. Wochenschrift 1903. Nr. 45. 

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10. Henrici und Kikuchi, Diö Varianten der okzipitalen Sinusverbindungen (Confluens 
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Heft 4. 

11. lleotle, Über Pachymeningitis externa. Wiener klin. Wochenschrift 1903. Nr. 32. 

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16. Knaggs: On a case of abscess of the tempore- sphenoidal lobe presenting Symptoms 
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17. Lossen, Beiträge zur Diagnose und Therapie der Kleinhirnabszesse, v. Brunssche 
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Warzenfortsatz-Operation von Einfluss sind ? Zeitschrift f. Ohrenheilkunde 1903. Bd. XLIV. 

Heft 3. 

23. Rndlof f, Über den Verlauf des Sinus sigmoideus am kmdlichen Schläfenbein. Deutsche 
Otologen-Versammlung Wiesbaden. München er med. Wochenschrift 1903. Nr. 26. 

24. *— Über den Verlauf des Sinus sigmoideus am kindlichen Schläfenbeine. Zeitschrift 
für Ohrenheilkunde 1903. Bd. XLV. Heft 3. 

25. Schnelle, Ein Fall von otitischar Sinus- und Jugularisthrombose. Deutsche militär- 
ärztliche Zeitschrift 1903. Heft 7. 

26. Stenger, Die otitische Hirnsinusthrombose nach den in der Ohrenklinik der Charit^ 
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27. *Streit, Erwiderung auf Dr. Alts Referat. Meine Arbeit: ,Ein Operationsverfahren 
zur EröfTnung tiefgelegener, von der Spitze des Felsenbeines ausgehender Epidural- 
abszesse. Monatsschrift fOr Ohrenheilkunde 1903. Nr. 9. 

28. Suckstorff und Henrici, Beiträge zur Kenntnis der otitischen Erkrankungen des 
Hirns, der Hirnhäute und der Blutleiter. Zeitschrift fOr Ohrenheilkunde 1903. Bd. XLIV. 
Heft 2. 

29. *Syme, The difficulties and dangers of mastoid Operations. Edinburgh Journal 1903. 
Nov. 

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Bull, et m^m. de la soc. anat. 1908. Nr. 10. 



282 Jahresbericht für Chirurgie. IL Teil. 

31. Voss, Eleinhimabszess und Smasthrombose. Zeitschrift fQr Ohrenheilkunde. Bd. XUI. 
Heft 8. 

82. — Ober sechs Fälle yon otitischem Himabszess. Freie Chir.-Vereiniguog. 1903. Nr. 3L 

83. — Operation der Sinusthrombose ohne Eröffnung des Antrum noch aus geheilter akuter 
MittelohrentzQndung. Zeitschrift ffir Ohrenheilkunde 1903. Bd. XLY. Heft 1. 

84. *-- Zwei Schlftfenlappenabszesse. Zeitschrift fflr Ohrenheilkunde 1903. Bd. XLIV. 
Heft 2. 

85. Zaalberg, Ein Fall von Entzündung der Mittelohrhühlen, endigend mit letaler Menin- 
gitis, die von einem, bei Lebzeiten, nicht erkannten extraduralen Abszess verursacht 
war. Monatsschrift für Ohrenheilkunde 1903. Mai. Nr. 5. 

Rudi off (23) hat Untersuchungen über den Verlauf des Sinus sig- 
moideus am kindlichen Schläfenbeine angestellt und gefunden, dass der Sinus 
sigmoideus beim Kinde an einer anderen Stelle zu suchen ist, als man es 
beim Erwachsenen zu tun pflegt. Beim Neugeborenen ist die Furche im 
Schläfenbeine für den Blutleiter so flach, dass sie kaum erkennbar ist. Sie 
vertieft sich im Laufe der Jahre, um bei einem 7jährigen Kinde eine halb- 
zylindrische Rinne zu bilden, während zugleich der Proc. mast. bei seiner 
weiteren Ausbildung etwas nach hinten geht. Mit zunehmender Vertiefung 
der Rinne rückt der Sinus nach vom, so dass seine vordere Grenze im 
Laufe der Jahre die Mace wen sehe Linie allmählich erreicht und weiterhin 
überschreitet. 

Henrici und Kikuchi (10) beschreiben eine Anzahl Varianten der 
okzipitalen Sinusverbindungen. 

Auf Grund seiner Untersuchungen über den Verlauf der Facialis im 
Felsenbein kommt Randall (22) zum Ergebnis, dass der absteigende Teil 
des Nervus facialis bis zu seinem Austritt aus dem Foramen stylo-mastoideum 
in allen untersuchten Fällen einen fast vertikalen Verlauf zeigt und die schiefe 
Fläche des Trommelfells etwa 3 mm hinter der mittleren Partie des hinteren 
Annulusrandes kreuzt. 

In seiner Arbeit über die otitische Hirnsinusthrombose bespricht Stenger 
(26) die Anatomie, die Ätiologie, die Komplikationen, Symptome und Diffe- 
rentialdiagnose. Nach Mitteilung einer Anzahl Fälle kommt er speziell auf 
die Therapie zu sprechen. Hier muss vor allem auch die Ätiologie berück- 
sichtigt werden, weil die Sinusthrombose im Anschluss an akute Eiterung 
sich in anderer Weise zeigt als bei chronischer Eiterung. Sie bietet in bezug 
auf die Beurteilung des einzelnen Falles und die einzuschlagende Therapie 
noch eines der schwierigsten Probleme. Es kommen namentlich drei Punkte 
in Frage: 1. Wann soll der Sinus freigelegt werden, 2. wann und wie soll 
er inzidiert werden, 3. wann soll die Jugularis unterbunden werden. Bisher 
ist schlechtweg von einer Sinusthrombose ohne Berücksichtigung des sehr 
verschiedenen Verlaufes gesprochen worden. Die Streitfrage dreht sich darum, 
wann eine Thrombose angenommen werden soll und welches Verfahren bei 
einer nicht sicher nachgewiesenen Thrombose einzuschlagen ist; ebenso ist 
es noch nicht entschieden, wenn die Jugularis unterbunden werden soll und 
wenn nicht. 

Jeder Fall von Sinusthrombose ist ein anderer in der Art seiner ur- 
sächlichen Entstehung, seines Auftretens und seines Verlaufes. Der thera- 
peutische Eingriff hat sich nach der Entstehungsursache zu richten. Bei 
akuten Fällen mit typischer Pyämie genügt oft die einfache Ausräumung des 
Warzenfortsatzes. Bei stürmischen fieberhaften Erscheinungen ohne eigent- 
liche Metastasen genügt eine einfache Inzision und Ausräumung des Thrombus. 



y. Meyer, Yerleizongen und Chirurg. Krankheiten des Schädels u. Gehirns. 283 

Ist dagegen der Thrombus nach beiden Seiten hin infiziert, so treten schwere 
pyämische und metastatische Erscheinungen zutage. Es finden sich oft zentral 
zerfallene Thromben ohne Symptome der Thrombose, es muss demnach der 
Thrombus nach beiden Seiten gutartig abgeschlossen sein. Durch Neuauf- 
flackern kann er dann an den Enden infiziert werden und zerfallen und führt 
dann zu schweren Lungenmetastasen. Es handelt sich also darum, zu ent- 
scheiden, wie weit die Thrombose vorgeschritten ist. Besteht nur kurze Zeit 
Fieber, ebenso die sonstigen Krankheitserscheinungen, so kann man annehmen, 
dass eine einfache Ausräumung des Warzenfortsatzes mit Freilegung des Sinus 
zur Beseitigung der Symptome genügt. Findet sich ein perisinuöser Abszess, 
ist die Wandung verdickt und missfarbig, stärkere Allgemeinsymptome, so 
mnss der Sinus punktiert oder inzidiert werden; dabei kann der Thrombus 
wandständig sein oder sich an einer anderen Stelle befinden. Hier ist abzu- 
warten, denn die Untersuchung des Sinusinnern ist wegen Verschleppen von 
Thrombenteilchen gefahrlich, oder die Bulbus ist ausgiebig freizulegen, event. 
mit Jugularisunterbindung. Bei chronischer Ohreiterung wird die einfache 
Freilegung und Eröffnung kaum ausreichen. Der Sinus muss ganz freigelegt 
werden, die äussere Beschaffenheit gibt keinen Aufschluss über das Innere. 
Anch nach Unterbindung der Jugularis bleiben in den Emissarien noch Wege 
zur Weiterverschleppung übrig, es ist daher besonders darauf zu achten, den 
Krankheitsherd möglichst aufzusuchen und auszuschalten. Es hat keinen 
Zweck, die Jugularis zu unterbinden, wenn der Krankheitsherd im Bulbus 
zurückbleibt; deshalb ist die bisherige Statistik zu Gunsten oder Ungunsten 
der Jugularisunterbindung nicht massgebend, weil oft in unnötigen Fällen 
unterbunden wurde und umgekehrt. 

Bei 119 Fällen von 24 akuten, 87 chronischen und 8 zweifelhaften 
Sinusthrombosen wurden 61 unterbunden, 58 nicht unterbunden. 63 wurden 
geheilt, und zwar 32 unterbundene, 31 nicht unterbundene; von 56 Verstor- 
benen waren 29 unterbunden, 37 nicht unterbunden. Von 24 akuten Eite- 
rungen wurden 19 geheilt, 5 sind gestorben. Von den 87 chronischen 41 ge* 
heilt, 46 sind gestorben; von den 8 zweifelhaften sind 5 Heilungen und 3 
Todesfälle. Das Resultat der Unterbundenen und nicht Unterbundenen ist 
also nahezu gleich. Bei den akuten Eiterungen finden sich eine grössere 
Anzahl Heilungen. Von diesen 24 Fällen waren 12 unterbunden mit 4 Todes- 
fallen, von 8 nicht unterbundenen sind 7 geheilt; in 4 Fällen war der Sinus 
nicht eröffnet. Es sind demnach die im Anschluss an akute Eiterungen ent- 
standene Sinnsthrombosen im allgemeinen anders zu beurteilen, als die nach 
chronischen Eiterungen entstandenen. 

Ist die chronische Eiterung der Sinusthrombose im Innern zerfallen, so 
ist Gefahr, dass die Infektion auf beide Enden übergeht. Neben der Aus- 
räumung durch breite Freilegung des Sinus ist auch die Jugularisunterbindung 
Tiehnehr indiziert; bestehende Anzeichen von Metastasen geben immer die 
Indikation, neben gründlicher Ausräumung auch die Unterbindung vorzu- 
nehmen. 

Nach den Beobachtungen von Voss (33) entstanden über 60 ^/o der 
operierten Sinusthrombosen infolge akuter Otitis media, und unter den letzteren 
wieder 70**/o in den ersten 4 Wochen. Er stellt gegenüber anderen Autoren 
den Satz auf, dass bei Sinusthrombosen, welche sich an eine ausgeheilte 
akute Otitis anschliessen, der Sinus direkt ohne Eröffnung des Antrums frei- 
gelegt werden soll. Das Antrum soll nur eröffnet werden, wenn es sich als 



284 Jahresbericht für Chirurgie. IL Teil. 

nötig erweist. Drei Patienten genasen, obgleich Störungen auftraten, welche 
Voss jedoch nicht auf Rechnung der Operationsmethode setzt. Zwei weitere 
Patienten starben an eitriger Meningitis. Im ersten Fall fand sich bei der 
Sektion das Dach des Antrum und der Paukenhöhle intakt, so dass Yon hier 
aus die Meningitis nicht ausgegangen sein konnte. Die Patientin hatte sich 
der frühzeitigen Eröffnung der Sinusthrombose wiedersetzt. Im zweiten Fall 
handelte es sich um eine Konvexitätsmeningitis, die Himbasis war vollkommen 
frei. Es bestand Thrombose bis zum Torcular Herophili, Thrombose des 
Sinus petros. inf. und des ganzen Cavernosus. 

Hausberg (7) publiziert neun Fälle von Sinusthrombose. 

1. Mastoiditis nach akuter rechtsseitiger Mittelohreiterung mit Sinus- 
thrombose und Metastase. Jugularisunterbindung. Sinuseröffhung. Heilung. 

2. Sinusphlebitis nach chronischer Mittel ohreiterung. Extraduraler 
Abszess. Operation. Jugularisunterbindung. Tod nach zwei Tagen an Lungen- 
metastasen. 

3. Sinusphlebitis und zirkumskripte eitrige Meningitis nach chronischer 
Mittelohreiterung. Jugularisunterbindung. Sinusoperation. Freilegung der 
Bulbus. Exitus. 

4. Sinusthrombose nach akuter Mittelohrentzündung bei Scharlach. 
Jugularisunterbindung. Sinusoperation. Exitus. 

5. Sinusthrombose nach akuter Mittelohrentzündung. Schwere Metastasen 
in den Lungen und Abszess in der Hüfte. Sinuseröffnung. Jugularisunter- 
bindung. Heilung. 

6. Sinusthrombose nach akuter Mittelohrentzündung. Metastasen im Unter- 
hautzellgewebe und Lungen. Jugularisunterbindung. Sinusoperation. Heilung. 

7. Ausgedehnte Sinusthrombose nach akuter Mittelohrentzündung bei 
Scharlach. Metastase am Humerus. Sinusoperation. Tod nach 8 Stunden 
im urämischen Anfall. 

8. Sinusthrombose nach chronischer Mittelohreiterung. Jugularisunter- 
bindung. Sinusoperation. Heilung. 

9. Schwere Septikämie nach akuter Mittelohrentzündung. Eitrige Mastoi- 
ditis. Mastoid- und Sinusoperation 33 Stunden nach dem ersten Auftreten 
der 0. m. Heilung. 

In diesen Fällen war 6 mal die Sinusthrombose bei akuter Mittelohr- 
eiterung aufgetreten. Des weitern gibt Hausberg bekannt, dass die Ver- 
letzung und Freilegung des gesunden Sinus Veranlassung zur Thrombose geb^ 
kann. Von drei Fällen endeten zwei tödlich. Zum Schluss macht er noch 
auf die ausserordentlichen Verschiedenheiten, die bei sämtlichen venösen 
Himblutleitern obwalten, aufmerksam. 

Mit Erfolg operierte Molinie (19) eine Thrombophlebitis der Sinus 
lateralis. 

Schnelle (25) beobachtete bei einem gesunden Soldaten einen akuten 
eitrigen Mittelohrkatarrh infolge Luftdruckwirkung bei einer Schiessübung. 
Trotz Aufmeisselung und Freilegung des Mittelohres bestanden Schüttelfröste 
und Fieber weiter. Aus dem Sinus sigmoideus wurden bröcklig zerfallene 
Massen entfernt, ebenso wurde nach Unterbindung der Vena jugularis ein 
zerfallener Thrombus entfernt. Heilung, ümgangsprache in 3 m Entfernung 
vernehmbar. 

Von Suckotorff und Henrici (28) wurden aus der Rostocker Klinik 
folgende Krankengeschichten publiziert. 



y. Meyer, Verletzungen und chirnrg. Krankheiten des Schädels u. Gehiiiis. 285> 

1. Sinusphlebitis und Septikopyämie dnrch akute Mastoiditis. Mehrere 
Operationen. Heilung. 

2. Abszess im Schläfenlappen durch chronische Mittelohreiterung mit 
Polypenbildung und Zerstörung des Tegmen antri. Operation. Tod, wahr^ 
scheinlich durch fortschreitende Encephalomeningitis. 

3. Tiefliegender Extraduralabszess in der hinteren Schädelgrube, Klein- 
hirnabszess, Obliteration des Sinus transversus und eitrige Leptomeningitis 
durch chronische Mittelohreiterung. Antrumeröffnung und Entleerung des 
Eztraduralabszesses. Tod. 

4. Grosser Extraduralabszess in der mittleren Schädelgrube, nekrotische 
Zerstörung der Dura, eitriges Exsudat im Subdural- und Arachnoidealraum 
Ton eigentümlich disseminierter Lokalisation, durch chronische Mittelohr- 
eiterung. 

5. Grosser perisinuöser Abszess durch chronische Mittelohreiterung; 
nach dessen operativer Entleerung Spontanruptur des Sinus transversus. 
Stauungspapille, nach der Operation noch stark zunehmend. Heilung. 

6. Perisinuöser Abszess durch Bezoldsche Mastoiditis bei einem zehn- 
jährigen Kinde. Operation. Heilung. 

7. Perisinuöser Abszess durch subakute Mastoiditis. Operation. Heilung. 

8. Mastoiditis mit perisinuösem Abszess durch akute Mittelohreiterung. 
Operation. Heilung. 

Voss (34) berichtet über zwei Fälle von Schlaf enlappenabszessen. Im 
ersten Fall trat SV« Wochen nach einem Sturz auf den Kopf mit Blutung 
ans dem Ohre, Eiterung in demselben auf. Bei der Operation fand sich ein 
extraduraler Granulations- und Eiterherd. Wegen Benommenheit wird später 
noch die Dura gespalten und nach verschiedenen Richtungen punktiert, ohne 
einen Abszess zu treffen. Tod. Die Sektion ergab einen kirschgrossen 
Abszess an der Unterfläche des Temporallappens mit stinkendem Eiter und 
in den Seitenventrikel perforiert. 

Im zweiten Fall handelte es sich um einen gashaltigen grossen Schläfen- 
lappenabszess nach chronischer Otitis media. Der Abszess wurde bei der 
Funktion getroffen und drainiert. Heilung. 

Hertle (11) teilt zwei operativ behandelte Fälle von Pachymeningitis 
externa mit. Der erste starb an Entkräftung, nachdem die Operationswunda 
geheilt war. Die mikroskopische Untersuchung ergab in der Dura charak- 
teristische Tuberkel. Der andere Fall ging von einer chronischen Mittelohr- 
eiterung aus mit Karies des Os petrosum. Es bestand schon mehrere Jahre 
eine Fistel 5 cm hinter und 1 cm über dem hinteren Gehörgang. Radikal- 
operation nach Stake, wobei keine Kommunikation der Fistel mit dem Ohre 
gefunden wurde. Die Fistel brach noch mehrfach auf, so dass eine aasge- 
dehnte Trepanation nötig war, welche einen epiduralen Abszess freilegte, der 
ranmUch von dem Ohr getrennt war. Hertle nimmt an, dass der Eiter 
dnrch einen phlebitischen Prozess entfernt vom Ohr verschleppt worden ist 
und dass sich auf dieser Basis der Abszess mit nachfolgender Fistelbildung 
entwickelt hat. Patient ist geheilt. 

Eulenstein (4) ging in einem sehr verzweifelten Fall von heftiger 
Spätblutung aus dem arrodierten Himblutleiter, der sich bei jedesmaligem 
Verbandwechsel zeigte (am 4. Tag war nach der Tamponade noch kein ge- 
nügend fester thrombotischer Abschluss vorhanden), so vor, dass er vor dem 
unaufschiebbaren Tamponwechsel die Jugularis unterband und den Sinus an 



283 Jahresbericht fttr Chirurgie. IL Teil. 

seinem peripheren Teil durch Trepanation freilegte und komprimierte. Eulen- 
stein schlägt vor bei einer Sinusblutung eines noch nicht am Warzenfortsatz 
operierten Falles, den Sinus peripher von dem sigmoidalen Teil durch Trepa- 
nation freizulegen und digital oder durch Einschieben von Tampons zwischen 
Sinus und Knochen zu komprimieren, dann die Radikaloperation und Frei- 
legung des Sinus anzuschliessen und je nach der Lage die blutende Stelle 
zu tamponieren oder den pathologischen Sinusinhalt auszuräumen. Es liegen 
18 Beobachtungen von Blutungen vor infolge von Ärrosion bei Eiterung im 
Schläfenbein. 12 Fälle betrafen den Sinus transversus, ein Fall den Sinus 
petros. sup., ein Fall den Sinus petr. inf., ein Fall den Sinus caroticus, 
ein Fall mehrere Sinus gleichzeitig und zwei Fälle den Bulb. venae jugul. 
Die Blutungen traten auf 13 mal bei chronischen und 4 mal bei akuten 
Eiterungen. 

Zaalberg (35) machte die Radikaloperation wegen Mittelohreiterung; 
a^lle Symptome, sogar der Schwindel verschwanden. Ganz unerwartet traten 
dann meningitische Erscheinungen auf, denen Patient schnell erlag. Die 
Sektion stellte einen tief liegenden Extraduralabszess, der nicht diagnostiziert 
war, fest, von dem die letale Meningitis ausging. 

Wegen intrakranieller Eiterung bei alter Ohreiterung trepanierte Gaben (3) 
und entleerte einen Abszess im Schläfenlappen von 30 ccm Inhalt. Tod. Bei 
der Sektion fand sich Trübung der Pia an der Konvexität und eitriges Ex- 
sudat längs der Blutgefässe an der Basis. Der Abszess umfasste die drei 
Gyrus temporalis und den Gyrus occipito-temporalis. 

Einen trotz seiner Grösse ausgeheilten otitischen Schläfenlappenabszess 
publiziert Fabian (5). Im Anschluss an eine Radikaloperation einer akuten 
Otitis media trat ein schwerer Wunderysipel auf, im weiteren Verlauf dann 
Somnolenz. Die Punktion der Dura ergab seropurulentes Sekret und nach 
Erweiterung der Trepanationsöffnung entleerte das Messer einen ungemein 
grossen Abszess mit stinkendem Eiter. Erst nach einigen Tagen Rückkehr 
des Bewusstseins. Im weiteren Verlauf trat oft Somnolenz und Koma, ab- 
wechselnd relativ freie Zeiten auf. Trotz tagelangem Sopor, Herzinsuffizienz 
und Lungenödem, gekreuzter Hemiplegie, Taubheit des anderen Ohres, sen- 
sorieller Aphasie kam es schliesslich doch zur Heilung mit geringer eitriger 
Sekretion aus dem Ohr, so dass Patientin wieder dem Haushalt vollständig 
nachgehen kann. 

Bei einem Offizier beobachtete Knaggs (16) nach einem Sturz die 
Entwickelung eines Abszesses im Temporo-sphenoidallappen infolge einer seit 
der Kindheit bestehenden leichten Otorrhöe. Es bestand Fieber, Schwindel, 
intensiver Kopfschmerz, Brechen und amnestische Aphasie. Es wurde die 
Stackesche Operation gemacht und die mittlere Schädelgrube eröffnet, 
wobei sich die nicht pulsierende Dura zeigte, nach deren Inzision sich der 
Abszess entleerte. Drainage. Heilung. 

Voss (32) beschreibt sechs Fälle von otitischem Himabszess mit zwei 
Heilungen. 

In 8 Fällen von otogenem Klinhimabszess gelang es nach Lossen (17), 
3 Fälle durch Operation zu heilen; 5 starben. 

Bei einer Radikaloperation wegen Cholesteatom wurde von Voss (31) 
wegen intensiver Stimkopfschmerzen die mittlere Schädelgrube trepaniert, um 
einen vermuteten Temporallappenabszess zu eröffnen. Trotzdem keiner gefunden 
wurde, doch subjektive Erleichterung, offenbar durch die einfache Trepanation 



Mejer, Verletzungen und chirorg. Krankheiten des äasseren Aages. 287 

l)edingt. Sechs Tage später fand sich dann ein Eleinhirnabszess , nachdem 
taumelnder Gang, Erbrechen, heftiger Kopfschmerz und doppelseitige Neuritis 
optica aufgetreten war. Ein Abszess mit zwei Esslöffel voll stinkendem Eiter 
wird entleert und drainiert. Heilung. 



n. 



Verletzungen und chirurgische Krankheiten des 
äusseren Auges, des äusseren Ohres und der Nase. 



Referenten: G. Zimmermann, Dresden und W. L. Meyer, Dresden. 



Die mit * yersehenen Arbeiten sind nicht referiert worden. 

A. Yerletzangen nnd chirurgische Krankheiten des äusseren Auges. 

Referent: W. L. Meyer, Dresden. 

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