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Full text of "Jahresberichte für neuere deutsche Literaturgeschichte"

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UNIVERSITY OF 
TORONTO PRFSS 



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JAHRESBERICHTE 



fOb 



NEUERE 



DEUTSCHE IITTERATÜRGESCHICHTE 



UNTER MITWIRKUNG VON 

J. BOLTE, W. CREIZENACH, K. DRESCHER, G. ELLINGER, E.' ELSTER, P. GOLDSCHEIDER, 
W. GOLTHER, C. GURLITT, 0. HARNACK, 0. VON HASE, A. HAÜFFEN, K. HEINEMANN, 
E JEEP, G. KAWERAU, K. KEHRBACH, A. KOESTER, G. LIEBE, R. M. MEYER, V. MICHELS, 
J. MINOR, F. MÜNCKER, E. NAUMANN, L. PARISER, 0. PNIOWER, A. REIFFER- 
SCHEID, H. REIMANN, A. SAUER, W. SCHEEL, AD. STERN, V. VALENTIN, F. VOGT, 
M. VON WALDBERG, 0. F. WALZEL, A. VON WEILEN, R. M. WERNER, G. WINTER, 

G. WITKOWSKI, H. WUNDERLICH 

MIT BESONDERER UNTERSTÜTZUNG 

VON 

ERICH SCHMIDT 

HERAUSGEGEBEN 

VON 

JULIUS ELIAS UND MAX OSBORN. 



VIERTER BAND (JAHR 1893). 





LEIPZIG. 

G. J. GÖSCHEN'SCHE VERLAGSHANDLUNG. 

1895. 



2231 
T25" 



y 



U nsere Hoffnung, die Zeit, die zwischen dem Erscheinungsjahr des Materials und 
des Berichtes liegt, noch mehr als bisher verkürzen zu können, ist leider getäuscht worden. 
Die Gründe dafür sind zumeist in den persönlichen Verhältnissen unserer Mitarbeiter zu 
suchen ; dann aber auch in der immer beschwerlicheren Sammlung und Beschaffung des 
Berichtsmaterials und endlich in den stets erhöhten Schwierigkeiten, die der Redaktion 
bei der Anfertigung der Register erstehen. Alles dieses hängt unmittelbar auch mit dem 
von Jahr zu Jahr wachsenden Umfange des Buches zusammen, der einerseits durch die 
Eingliederung neuer notwendiger Kapitel, andererseits durch das Bestreben hervorgerufen 
wird, die Bibliographie so vollständig wie irgend erreichbar zu gestalten. Ueberdies wollen 
wir nicht verhehlen, dass einzelne Kapitel für das Gesamtmass unseres Bandes im Texte 
zu ausführlich geraten sind, und wir wissen recht wohl, dass es zu unseren wichtigsten 
Aufgaben gehört, diese Ungleichheiten mit der Zeit zu beseitigen. 

Eine weitere Verlegenheit bereitet der Redaktion der andauernde Wechsel unter 
den Mitarbeitern, dem sie durchaus machtlos gegenüber steht. So musste auch diesmal 
wieder ein Kapitel für den nächsten Band zurückgesetzt werden, weil die völlig un- 
erwartete Absage des gewonnenen Bearbeiters zu spät kam, als dass der Nachfolger daa 
Manuskript noch rechtzeitig hätte fertig stellen können : Georg Winter war es ganz un- 
möglich, den von Kurt Breysig plötzlich wieder aufgegebenen Abschnitt „Politische Ge- 
schichte des 18./19. Jahrhunderts" (IV, Ib) im Laufe weniger Wochen zu bewältigen. Etwas 
anders lag der Fall bei dem Kapitel „Didaktik des 16. Jahrhunderts" (II, 5) ; Waldemar 
Kawerau haben es die Berufsgeschäfte zu unserem und zu seinem eigenen Bedauern zur 
Pflicht gemacht, Terminarbeiten dieser Art zu entsagen. Sehr ungern sehen wir diesen 
trefflichen Mitarbeiter und Freund der „Jahresberichte" aus unserer Mitte scheiden. Aber 
auch sein Rücktritt erfolgte erst in letzter Stunde, so dass nun Ernst Jeep im nächsten 
Bande zwei Berichtsjahre vereinigen muss. Ebenso wird Jakob Minor, der von nun ab 
an Stelle Andreas Heuslers über die „Geschichte der Metrik" (I, 9) berichtet, die Jahr- 
gänge 1893 und 1894 verbinden, weil das Material für eine besondere Besprechung zu 
geringfügig erschien. Auch Max von Waldberg, der, durch ältere litterarische Aufgaben 
gedrängt, die Arbeit diesmal aussetzen musste, wird sein Referat über das „Epos des 
18./19. Jahrhunderts" (IV, 3) im fünften Bande nachtragen. Das Kapitel „Volkskunde" 
geht von Friedrich Vogt auf Adolf Hauffen über, die „Litteratur in der Schule" 
von Paul Goldscheider auf Ernst Naumann. Hermann Wunderlich, dem wir Jahre 
hindurch zu lebhaftem Dank verpflichtet waren, sah sich durch andere Arbeits- 
lasten genötigt, sein treu verwaltetes Kapitel zurückzugeben; die Erscheinungen zur 
„Geschichte der neuhochdeutschen Schriftsprache" wird in Zukunft Willy Scheel be- 



sprechen, Johannes Bolte und Wilhelm Creizenach haben ihre Arbeitsgebiete (II, 4 und 
III, 4) nach persönlichem Uebereinkommen getauscht, und da das Jubiläumsjahr des Hans 
Sachs für den nächsten Band das Material in bestimmter Richtung häuft, so haben wir 
für den fünften Jahrgang ein vereinzeltes Hans Sachs-Kapitel geschaffen, das in den 
Händen Karl Dreschers liegt. Mit dem Jubiläumsjahr auch hat der Abschnitt „Grill- 
parzer" aufgehört. Er ist in den allgemeinen Bericht über das „Drama" zurück- 
gekehrt, und sein Bearbeiter August Sauer bethätigt sich nun zu unserer Freude an dem 
Kapitel „Lyrik des 18./19. Jahrhunderts" (IV, 2). Der Schluss dieses Teiles, der zuletzt 
gesetzt wurde, musste aus rein technischen Gründen zurückgehalten werden; er wird im 
sehr bald erscheinenden ersten Hefte des künftigen Bandes nachgeliefert. 

Hiermit kommen wir zu einer Neuerung, die vielen Wünschen entsprechen wird : 
der Ausgabe des Bandes in vier einzelnen Heften (statt der früheren beiden Halbbände). 
Wir haben dadurch die Möglichkeit gewonnen, die einmal fortig gestellten Partien nicht 
über Gebühr lange liegen zu lassen. Der neue Besitzer der G. J. Göschenschen Verlagö- 
handlung, Herr Wilhelm Crayen in Leipzig, hat diesem wie anderen Verbesserungs- 
vorschlägen bereitwillig zugestimmt. 

Mit dem Schlüsse dieses Bandes büssen die Jahresberichte eine Kraft ein, 
deren Bedeutung und Wichtigkeit einzig die Redaktion richtig zu schätzen und zu würdigen 
vermag. Richard Rosenbaum, der fast zwei Jahre hindurch treu und selbstlos an 
unserer Seite gewirkt hat, kehrt in seine Heimat zurück. Er hat uns in dem gelehrten 
wie dem geschäftlichen Teile unserer Arbeit während dieser Zeit so wesentlich unter- 
stützt, dass wir seine Wirksamkeit allezeit schmerzlich entbehren müssen. Wir werden 
stets in der Erinnerung bewahren, wie innig wir ihm zu Dank verbunden sind. 

Wir dürfen an dieser Stelle nicht unerwähnt lassen, dass wir unsere auswärtigen 
Angelegenheiten ohne die thatkräftige Hülfe der Firmen Heinrich Welter in Paris 
(Rue Bon aparte 59) und A. Asher & Co. in Berlin schwerlich hätten erledigen können. 
Wer sonst noch mit liebenswürdigem Entgegenkommen an unserer weit verzweigten Arbeit 
sich beteiligt hat, dessen Namen haben wir auf einer Danktafel am Schlüsse dieses 
Bandes verzeichnet. 

Berlin W. 

Matthäikirchstr. 4.II. JULIUS ELIAS. MAX OSBOßN. 



Inhaltsverzeiehnis. 

Erster Halbband. 

I. Allgemeiner Teil. 



1. Litteraturg-eschichte 1892, 1893. Von Dr. Otto Harnack in Rom. 

2. Geschichte der deutschen Philologie. Von Dr. Wolfg-ang- Golther, 

Professor an der Universität Rostock. 

3. Schrift- und Buchwesen. Von Dr. Oskar von Hase in Leipzig-. 

4. Kulturg-eschichte. Von Dr. Georg* Liebe, Assistenten am Staatsarchiv zu 

Magdeburg". 

5. Volkskunde. Von Dr. Friedrich Vogt, Professor an der Universität 

Breslau. 

6. Geschichte des Unterrichts- und Erziehungs wesens. Von Professor 

Dr. Karl Kehrbach in Berlin. 

7. Die Litteratur in der Schule. Von Dr. Paul Goldscheider, Professor 

am Gymnasium zu Elberfeld. 

8. Geschichte der neuhochdeutschen Schriftsprache. Von Dr. Hermann 

Wunderlich, Professor an der Universität Heidelberg. 

9. Geschichte der Metrik. Von Dr. Jakob Minor, Professor ander Universität 

Wien. Vgl. Bd. 5 der JBL. 

10. Stoffgeschichte. Von Dr. JohannesBolte, Oberlehrer am Königstädtischen 

Gymnasium zu Berlin. 

11. Kunstgeschichte 1892, 1893. Von Dr. Cornelius Gurlitt, Professor an der 

Technischen Hochschule zu Dresden. 

12. Poetik und ihre Geschichte. Von Dr. Richard Maria Werner, Professor 

an der Universität Lemberg. 

13. Musikgeschichte. Von Dr. Heinrich Reimann, Bibliothekar an der 

Königlichen Bibliothek zu Berlin. 



II. Von der Mitte des 15. Ms zum Anfang des 
17. Jahrhunderts. 



1. Allgemeines. Von Dr. Max Osborn in Berlin. 

2. Lyrik. Von Dr. Georg Ellinger, Oberlehrer an der 6. Städtischen Real- 

schule zu Berlin. 

3. Epos. Von Dr. Adolf Hauffen, Privatdocenten an der Universität Prag. 

4. Drama. Von Dr. Wilhelm Creizenach, Professor an der Universität Krakau. 

5. Didaktik. Von Dr. Ernst Jeep in Berlin, vgi. Bd. 5 der jbl. 

6. Luther und die Reformation. Von Dr. Gustav Kawerau, Professor an 

der Universität Breslau. 

7. Humanisten und Neulateiner. Von Dr. Georg Ellinger, Oberlehrer 

an der 6. Städtischen Realschule zu Berlin. 



Inhaltsverzeichnis. 

Zweiter Halbband. 

III. Vom Anfang des 17. bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts. 



1. Allgemeines. Von Dr. Alexander Reifferscheid, Professor an der 

Universität Greifswald. 

2. Lyrik. Von Dr. Ludwig Pariser in München. 

3. Epos. Von Dr. Alexander Reifferscheid, Professor an der Universität 

Greifswald. 

4. Drama. Von Dr. Johannes Bolte, Oberlehrer am Königstädtischen Gymnasium 

zu Berlin. 

5. Didaktik. Von Dr. Victor Michels, Professor an der Universität Jena. 



IV. Von der Mitte des 18. Jahrhunderts bis zur Gegenwart. 



1. Allgemeines. 

a) Litteraturgeschichte. Von Dr. Adolf Stern, Professor an der 

Technischen Hochschule zu Dresden. 

b) Politische Geschichte. Von Dr. Georg Winter, Archivar am Staats- 

archiv zu Magdeburg. Vgl. Bd. 5 der JBL. 

c) Memoiren, Tagebücher und Briefwechsel. 1892, 1893. VonDr. Franz 

Muncker, Professor an der Universität München. 

d) Die deutsche Litteratur und das Ausland. Von Dr. Adolf Stern, 

Professor an der Technischen Hochschule zu Dresden. 

2. Lyrik. 1892, 1893. 

a) Von der Mitte des 18. Jahrhunderts bis zu den Freiheitskriegen. 

Von^'Dr. August Sauer, Professor an der Universität Prag. 

b) Von den Freiheitskriegen bis zur Gegenwart. Von Dr. Julius 

Elias in Berlin. 

3. Epos. Von Dr. Max Freiherrn von Waldberg, Professor an der Universität 

Heidelberg. Vgi. Bd. 5 der jbl. 

4. Drama und Theatergeschichte. Von Dr. Alexander von Weilen, 

Privatdooenten an der Universität Wien. 

5. Didaktik. Von Dr. Richard M. Meyer, Privatdooenten an der Universität 

Berlin. 

6. Lessing. Von Dr. Erich Schmidt, Professor an der Universität Berlin. 

7. Herder. Von Dr. Ernst Naumann, Professor am Friedrich -Wilhelms- 

Gymnasium zu Berlin. 

8. Goethe. 

a) Allgemeines. Von Professor Dr. Veit Valentin in Frankfurt a. M. 

b) Leben. Von Dr. Karl Heinemann, Oberlehrer am Kgl. Gymnasium 

zu Leipzig. 

c) Lyrik. Von Dr. Otto Pniower in Berlin. 

d) Epos. Von Dr. Georg Witkowski, Privatdooenten an der Universität 

Leipzig. 

e) Drama. Von Dr. Georg Witkowski, Privatdooenten an der Universität 

Leipzig. 

9. Schiller. Von Dr. Albert Köster, Professor an der Universität Marburg. 

10. Romantik. Von Dr. Oskar F. Walzel, Privatdooenten an der Universität 

Wien. 

11. Das junge Deutschland. Von Dr. Ernst Elster, Professor an der 

Universität Leipzig. 

Autorenregister. 

Sachregister. 

Siglenregister. 

Bemerkungen für den Gebrauch. 

Druckfehlerverzeichnis. 

Danktafel. 



JAHEESBEEICHTE 

FÜR 

NEUERE 

DEUTSCHE LITTERATURGESOHICflTE 



(JAHR 1893.) 

EßSTER HALBBAND. 



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^/^-L 



I. Allgemeiner Teil. 



1,1 

Litteraturgeschichte. 1892, 1893. 

Otto Harnack. 

Methodisches: Allgemeine historische Wissenschaft: Auft^abe der 6eschichtsforschnng N. 1; Hauptinhalt der 
Geschichte N. 15; Verhältnis der Kulturgeschichte zur politischen Geschichte N. 24; Geschichtsunterricht N. 28; Objektivität 
N. 30. — Philologie N. 40. — Aesthetische Betrachtung der Litteraturgeschichte N. 49. — Kritik N. 56. — Litteratur- 
geschichte: Gesamtdarstellungen: unirereale N. 76, deutsche N. 78. — Lokale Litteraturgeschichten : Schweiz N. 110; 
Mecklenburg N. 111; Böhmen N. 112. — Sammelwerke N. 117. — Verschiedenes N. 140. — Praktisches: für den Schrift- 
steller N. 144; far das Publikum N. 154; für den Litterarhistoriker N. 162. — 

Der Bericht über die Jahre 1892 und 93 hat eine Reihe von Aeusserung-en 
über Aufgabe und Methode der Litteraturgeschichte zu verzeichnen. Gegenüber dem 
Streit zwischen den Verfechtern der philologischen und denen der ästhetischen Be- 
trachtungsweise wird die Berichterstattung sich am sichersten den objektiven Charakter 
wahren, wenn sie die Litteraturgeschichtezunächst als Zweig der allg-emeinenhistori- 
schen Wissenschaft betrachtet, wie dies auch schon früheran dieser Stelle (JBL. 1891 
11:27) geschehen ist. Aufgabe und Methode der Geschichtsforschung* über- 
haupt behandelt Simmel*); der Titel seiner Schrift wird durch den Beisatz „eine 
erkenntnistheoretische Studie" genugsam erklärt. Er setzt zunächst auseinander, dass 
alles historische Erkennen und Urteilen den Besitz fester psychologischer Massstäbe 
voraussetze, da jede Schlussfolgerung, welche eine einzelne Handlung als Symptom 
für die Erkenntnis einer Persönlichkeit, einer Generation, eines Volkes benutzt, dies 
nur vermittelst stillschweigend angenommener oder auch bewusst ausgesprochener 
psychologischer Voraussetzungen vermag. Er hätte auch hinzufügen können, dass 
auch schon die Quellenkritik gar nicht anders arbeiten kann, als indem sie für die 
Feststellung der Selbständigkeit, der Abstammung, der Glaubwürdigkeit einer Quelle 
stets psychologische Erwägung-en verwertet; die einfache Fragte, ob aus einer Ueber- 
einstimmung zweier Quellen auf Abhängigkeit zu schliessen sei, ist eine psycho- 
logische. Im zweiten Abschnitt wendet sich S. gegen den angeblichen Gewinn von 
historischen „Gesetzen" aus der Forschung; er weist nach, dass es sich in jenen so- 
genannten Gesetzen, besonders wenn sie auf statistischem Wege gewonnen sind, in 
Wirklichkeit nur um die Konstatierung von Thatsachen, nicht aber um den Beweis 
einer Notwendig"keit handelt. Wenn er demnach im dritten Abschnitt eine Philosophie, 
d. h. Metaphysik der Geschichte auf dem Wege historischer Forschung zu finden 
für unmöglich erklärt, so g-iebt er zugleich doch den wissen.schaftlich-historischen 
Standpunkt in überraschender Art preis, indem er meint: da die metaphysischen 
Vorstellungen auf andere Art gewonnen seien, werde man gegen den Versuch, sie 
an den historischen Entwicklungen zu bewähren, nichts einwenden können. — Viel 
Beachtung hat in Deutschland eine kleine Schrift des italienischen Unterrichtsministers 
Villari^) gefunden; sie besteht aber hauptsächlich nur aus einem gedankenreichen 
Referat über die Anschauungen der wichtigsten deutschen, französischen, englischen 
und italienischen Geschichtsphilosophen. V. behandelt zuerst die Frage, ob die Ge- 

1) G. Simmel, D. Probleme d. Geschichtsphilosophie. E. erkenntnistheoret. Studie. . L., Dancker A Hamblot. 1892. 
X, 108 S. M. 2,00. IG. Winter: BLU. S. 86/7.)| (Vgl. JBL. 1892 IV 1 b : 1 ; 5 : 284.) — 2) P. Villnri, Ist d. Gesch. e. 
Wissenschaft? Autoris. üebers. t. H. Loewinson. B., R. Qaertner. 1892. 92 S. M. 2,00. |[K. Heinrich: NationB. 9, 

1* 



I 1:3-18 0. Harnack, Litteraturgeschichte. 1892, 1893. 

schiohtsschreibung mehr Wissenschaft oder Kunst sei, und empfiehlt eine vermittelnde 
Lösung". Im weiteren Fortgang untersucht er, ob die Geschichtsforschung zu festen 
allgemeinen Ergebnissen gelangen könne, und weist in dem paränetisch gehaltenen 
Schluss darauf hin, dass dies nur unter der Voraussetzung fester, dem sittlichen Bewusst- 
sein entnommener Massstäbe möglich sei. — Dagegen sieht S toeckert^) gerade 
darin den Wert des historischen Studiums, dass es selbst diese Masstäbe schaffe, ja 
„dass alle tiefen und wesenhaften Ueberzeugungen nur mit Hülfe der Geschichte ge- 
wonnen werden können", dass daher das Geschiohtsstudium für die Bildung des sitt- 
lichen Charakters vorzugsweise wichtig sei. — Die speciell methodischen Fragen 
haben in mehreren Besprechungen der Bücher von Bernheim*) und von Lorenz^"^) 
(vgl. JBL. 1891 I 1:27) Behandlung gefunden. — Unsere obige Bemerkung, dass 
jede quellenkritische Forschung psychologische Erwägung verlange, wird in einer 
bestimmten Beziehung bekräftigt durch einen eingehenden Aufsatz Zellers'), welcher 
darlegt, wie jeder Bericht, selbst der des Augenzeugen durch die Subjektivität des 
Erzählers unbewusst beeinflusst wird, ja auch sogar bewusstermassen in Fällen, wo 
doch der Vorwurf absichtlicher Fälschung nicht zu erheben ist. — Für einen speciellen, 
der Litteraturgeschichte sich nähernden Zweig der Geschichte, die Kunstgeschichte, 
sucht von Schlosser^) Normen der Quellenforschung zu geben, indem er die 
monumentalen und die litterarischen Quellen unterscheidet und feststellt, dass die 
letzteren nur „eine sekundäre Stellung" einnehmen können. 9" i^^) — 

Unter den Schriften, welche uns vom erkenntnistheoretischen auf das meta- 
physische Gebiet führen, indem sie sich mit dem Hauptinhalt der Geschichte 
beschäftigen, ragt die Schrift von Rocholl ^^) hervor. Einem fünfzehn Jahre zuvor 
erschienenen kritischen Teil hat er jetzt den „positiven Aufbau" folgen lassen. Un- 
umwunden gesteht er zu, einen solchen Aufbau nur auf einem unabhängig von der 
historischen Forschung gelegten Fundament errichten zu können; er bezeichnet „die 
in der Zeit tausendjähriger christlicher Kultur gewonnenen Ideale" als seinen „be- 
währten Massstab". Er steht auf dem Boden des protestantischen Dogmas. Die 
Schranken seiner Arbeit sind damit gegeben. Selbst der, welcher bestimmte meta- 
physische Annahmen für die notwendige Voraussetzung einer Geschichtsphilosophie 
hält, wird in den allermeisten Fällen doch den ganzen Komplex einer konfessionellen 
Dogmatik für ein viel zu schweres und bedrückendes G-epäck von Voraussetzungen 
halten, welches das Mass des Notwendigen bei weitem übersteigt. Aber diesen Stand- 
punkt zugegeben, darf das Buch von R. wegen der ruhigen Objektivität seiner Dar- 
stellungsweise, wegen der Vorsicht der einzelnen Schlussfolgerungen eine hohe 
Schätzung beanspruchen. Die Entwicklung der Litteratur wird von R.s Gedanken- 
gang nicht oft berührt; aber was er (S. 426/8) über deutsche Klassik und Romantik 
sagt, ist verständnisvoll empfunden; „es ward offenbar, wie wir durch Aneignung 
der Masse und Formen des Altertums, durch die Aufnahme der Anschauung der 
Alten selbst und ihres Geschmacks, den besten Standpunkt für Wertschätzung der 
Güter des eigenen Altertums gewannen." — Mit der Geschichtsphilosophie beschäftigt 
sich auch das Buch von Dipp e'^), dessen Titel etwas irreführend ist. D. entfernt sich 
noch weiter als Rocholl von dem empirischen Standpunkt, welcher der modernen 
Wissenschaft unentbehrlich ist; er fasst die Geschichtsphilosophie als Teil der all- 
gemeinen Philosophie und wünscht, dass sie ihre Aufgabe auf spekulativem Wege löse. 
Was er selbst zu dieser Lösung beizutragen sucht, ist recht unbedeutend. — Das 
mehr und mehr wiedererwachende Streben nach philosophischer Gesamtbetrachtung 
ist auch in Italien durch Corradi^'') und in Frankreich durch Charaux^*) zum Aus- 



8.583/6; K. Rethwisch: MHL. 20, S. 289; DRs. 75, S. 154/5.]| (Italienisch zuerst erschienen in NAnt. 1891.) — 3) G. Stoeckert, 
D. Bildungswert d. Gesch. B., E. Gaertner. 1892. 46 S. M. 1,00. |[K. Rethwisch: MHL. 20, S. 289; Gymn. 11, S. 691/2.] | 
— 4) X E. Bernheim, Lehrbuch d. hist. Methode. 2. Aufl. L., Duncker & Humblot. 1889. XI, 624 S. M. 12,00. |[G. v. 
Below: GGA. 12, S. 280/3; HamhCorr. 1892, N. 18/9; P. Hinneberg: HZ. 68, S. 450/3.]| - 5) X K. Rethwisch: MHL. 
20, S. 201; SaturdayR. 76, S. 616/7; K. Br[eysig]: LCBl. 1892, S. 680/1; E. Klebs: BLZ. S. 113-20; A. Guillaud: RH. 52, 
S. 191/6; HambCorr". N. 7. — 6) X 0. Lorenz, Genealog. Hand- u. Schulatlas. B., Hertz. 1892. VIII, 43 S. Mit 38 Taf. 
M. 3,00. |[LCBI. 1892, S. 838/9.] I — 7) E. Zeller, Wie entstehen nngesch. Ueberlieferungen : DRs. 74, S. 189-219. (Vgl. 
VossZg. 27. Jan., Bericht über d. y. Z. in d. Sitzung d. Ak. d. Wissensch. geh. Festvortr. gleichen Inhalts.) — 8) J. v. Schlosser, 
D. Bedeutung d. QueHen fttr d. neuere Kunst-Gesch.: AZg«. 1892, N. 219. — 9) XX E. Waohler, Z. Kritik d. hist. Methode: 
VWPh. 17, S. 490/9, — 10) X A. Stoessel, Geschichtschreiber u. Poeten: Geg. 44, 8. 408-10. — 11/12) X X J- Kanlich, 
Aufgaben d. Gesch. im Leben d. Gegenw. Wert u. Methode d. Gesch. : Paedagogium 15, S. 640-52, 430 8. — 13) X J- ö. 
Droysen, Outlives of the principles of hist. (Boston, Ginn; Uebersetznng): Ac. 44, S. 169. — 14) X A. Giry, Etudes de 
critique hist. (= Extr. de la RH.) Nogent le Rotrou, Daupeley-Gouvernenr. 82 S. — 14a) X R- Lavolle, La morale dans 
l'hist. Etüde sur les principaux systemes de Philosophie de l'hist. depuis Tantiquite jusqu'ä nos jonrs. Paris, Plön, Nourrit & Cie. 
1891. IV, 416 S. |[G. Grupp: LRs. 19, S. 268-71.]] — 15) R. Rocholl, D. Philos. d. Gesch. 2. Bd. D. posit. Aufbau. Göttingen, 
Vandenhoeck & Ruprecht. XVI, 612 S. M. 12,00. |[A. Baumann: GGA. S. 425-31; 0. Zöckler: ThLZ. 18, S. 527-30; id.: 
BGl. 14, S. 73/9; Grenzb. 2, S. 478-80; LCBl. S. 910/1; NKZ. 4, S. 411/8, 510/2; B. Härtung: ThLZ. 18, S. 527-30; EKZ. 73, 
S. 7, 194/5.]| — 16) A. Dipp e, D. Geschichtsstndium mit seinen Zielen u. Fragen. E. Beitr. z. Philos. d. Gesch. B., Wie- 
gandt & Grieben. 1891. 132 S. M. 1,80. |[MHL 20, 8. 93.]] (Handelt nicht v. Geschichtsstudium, sondern giebt wohlgemeinte, 
aber unbedeutende Beitrr. z. Philos. d. Gesch.) — 17) G. Corradi. Filosofla della storia. Torino-Palerrao, Clausen. 444 S. 
L. 4,00. — 18) C. Charaux, L'hist. et la pens^e. Essai d'une explication de l'hist. par l'analyse de la pensSe. Paris, Pedone- 



O. Harnack, Litteraturgeschichte. 1892, 1893. I 1 : i»-» 

druck gfekommen; doch können sich beide mit Rocholl nicht messen, da ihnen die 
Fülle der empirischen Kenntnisse, welche die erste Voraussetzung- für ein solches 
Unternehmen ist, abg-eht. C. ist auch nicht zur Klarheit über seine Prinzipien g-e- 
kommen. Nachdem er die geschichtsphilosophischen Systeme hat Revue passieren 
lassen und erklärt hat, dass er ihnen nicht folgen und kein „prästabiliertes ideales 
Prinzip" aufstellen will, thut er dies dennoch, indem er die Idee der Vervollkommnung- 
als die treibende Kraft des menschlichen Denkens wie der allg-emeinen Geschichte 
hinstellt. Einheitlicher in seinen Konzeptionen ist Gh., aber er ist von wissenschaft- 
licher Nüchternheit noch weiter entfernt, in religiöser, etwas sentimentaler Schwärmerei 
befangen. — Auf empirischer Grundlage steht dagegen ein Aufsatz von ßrunetiere'") 
und ein Essay von Wh it t acker^O) (nach dem Referat der WestmR.).''^'"^^) — Die 
Schwierigkeit, welche die Abgeschiedenheit einzelner Völkerkreise und ihre Kultur 
der universalhistorischen Betrachtung bereitet, sucht ein Anonymus ^3) in einigen 
Aufsätzen dadurch zu lösen, dass er die Aufgabe der Universalgeschichte auf 
die Beanwortungf der Frage, wie die europäische Gemeinschaft geworden sei, be- 
schränkt.23»-23c^ _ 

Das Thema von der Berechtigung der Kult urg-eschichte und ihrem Ver- 
nältnis zur politischen Geschichte ist in mehreren Besprechungen der Schrift 
Schäfers (vgl. JBL. 1891 11:31; 5:2; 1892 14:1/2) wieder behandelt worden 2«). — 
Ritter^ä) will in einem selbständigen Aufsatz über das Thema die Kulturgeschichte 
neben der politischen als Geschichte der Gesellschaftskreise, die sich zu thatsächlicher 
Bedeutung ausgebildet haben, gelten lassen und meint, dass die Zukunft „nicht einer 
zu eng- gefassten politischen Geschichte und nicht der zu weit gefassten Kultur- 
geschichte" g-ehören dürfe, sondern „einer Wissenschaft, die den Lauf der Geschichte 
in der lebensvollen Wechselwirkung zwischen den Staaten und den Gesellschafts- 
kreisen anschaut." — Wal ck er ^^j urteilt, „dass in dieser Kontroverse die Zukunft 
einer vermittelnden Richtung- g-ehören dürfe," da die politischen Vorg-änge und die 
Errungenschaften der Kultur sich gegenseitig- beeinflussen und daher nicht zu trennen 
sind. Er fügt verschiedene Ratschläg-e über den Betrieb des historischen Unterrichts 
auf den Universitäten hinzu. — Rethwisch^^) stellt in einem Ueberblick über die 
geg-enwärtige historische Arbeit fest, dass thatsächlich das Interesse sich neben der 
rein politischen Entwicklung bereits zahlreichen anderen Forschungsgebieten zuge- 
wandt hat. — 

DenGeschichts Unterricht behandelt EugenWolff28)im allgemeinen, mit 
besonderer Beziehung auf den neuerdings angeregten Gedanken der „rückwärts 
schreitenden Methode." Er tritt paradoxer Weise für diese Methode ein, und zwar 
deshalb, weil im Unterricht „die mechanische Abwicklung des systematischen Fadens" 
keinen Wert habe. Aber die Erzählung der Ereignisse nach ihrer chronologischen 
Folge hat doch nichts mit Systematik zu thun, sondern ist doch nur die Vorführung 
des thatsächlich en Sachverhalts! Diese zu Gunsten einer „Methode" aufgeben, bedeutet 
nichts anderes als sich von der Wahrheit und der Natur abwenden. In einem be- 
sonderen Abschnitt berichtet W. über den günstigen Erfolg eines Kollegs, in dem 
er die Litteraturgeschichte des 19. Jh. rückschreitend behandelt habe. Da er die 
Litteraturgeschichte wesentlich biographisch vorgetragen und die einzelnen Biographien 
jedenfalls nicht rückschreitend behandelt hat, so ist auch hiermit kein praktischer 
Erweis der Durchführbarkeit der Methode gegeben ; er kann auch nicht gegeben 
werden, weil „rückwärts erzählen" ein Unding ist und bleibt. — „Geschichtliche 
Analogien" will Bas s^*') zur Belebung und zum besseren Verständnis des historischen 
Unterrichts in ausgedehntem Masse heranziehen und giebt zu diesem Zweck eine 
nach der Geschichte der Hauptnationen geordnete tabellarische Uebersicht solcher 
leicht fassbaren Uebereinstimmungen oder Aehnlichkeiten. — 

Von den Forderungen, welche die Geschichtswissenschaft an die Person 
ihres Pflegers stellt, hat besonders die der „Objektivität" zahlreiche Beleuchtungen 
erfahren, wohl durch manche Erscheinungen der Gegenwart veranlasst. Koldes 



LanrieL 354 8. (S. auch AnnEnseigrSnpGrenoble. 5, S. 55-67.) — 19) F. Brnnetiire, La lutt« des races et la Philosophie d« 
l'hist.: RDM. 115, S. 429-4S. — 20) O Th. Whittacker, A critical essay on the philosophy of hist. (London, Watts« Cie.): 
WestmR. 139, S. 579-80. — 21) O XX K. Jentsch, Geschichtsphilos. Gedanken. L., Grnnow. 1892. 467 S. M. 6,00. 
|[J. Pistor: MHL. 21, S. 194/5; ThLBl. 14, S. 118; F. Jodl: DLZ. 3. 1511/2; LCBl. S. .596 7; NZ. 11, N. 49.]| — 22) O X B- 
Adehoch, Geschieh tsphilos. Studien: StMBCO. S. 3-1.5, 222-3.5. — 23) G. L., Weltgesch. Fragen: WienerZg. N. 250/2. — 
23a) X A. Tille, D. hist. Sinn: ML. 61, S .508-10. — 23b) X ^>is Lehmann. Gesch. a. Naturwissenschaft. Vortr.: 
DBIIEU. 20, S. 249-50. (Referat.) — 23o) X P- Hinneberg, R. Fester, Rousseau a. d. dtsoh. Geschichtsphilos. : HZ. 35, 
S. 322/3. — 24) X G- ▼• Below: QGA. 1892, S. 284-96 (leugnet e besondere Wissenschaft d. Kulturgesch., wünscht dies« 
gleichwertig mit d polit. in d. einheitl. Wissensch. d. Gesch. behandelt); DWBI. 5, S. 267 8. — 25) M. Ritter, D. Streit 
zwischen polit. Gesch. n. Kultnrgesch. : AZg". N. 219. — 26) K. Walcker, D. Aufgaben d. Historiker: Geg. 42, S. 67/8. — 
27) K. Rethwisch, Neuere Strömungen in d. Geschichtswissensch. : VossZg. N. 269-70. — 28) Eng. Wolff. Gesch. rOck- 
wirts? (= Dtsch. Schriften z. Litt u. Kunst. 2. Reihe. N. 4.) Kiel u. L., Liptius & Tischer. 1892. 40 S. M. 1,00. 
|[ZDU. 6, S. 296/8; BLÜ. S. 47 .J| - 29) J. Bass, Gesch. Analogien. Progr. d. Staats-Oberrealsch. im 15. BMirk. Wies. 



I 1:30-43 O. Harnaok, Litteraturgeschichte. 1892, 1893. 

massvolle und gründliche Darlegung* (JBL. 1891 I 1:32) ist noch besprochen worden^»); 
Mirbt^i) hat die auf Schritt und Tritt dem Forscher drohende Crefahr der Partei- 
lichkeit aufgewiesen, aber die Pflicht des Strebens nach Objektivität zugleich ent- 
schieden betont; Bamberger^'^) zeichnete in einem feinsinnigen Aufsatz den Fran- 
zosen Chuquet als „Muster objektiver Geschichtsschreibung". — Die „patriotische" 
Zustutzung der Geschichte im Schulunterricht, wie auch die politisch-tendenziöse 
Geschichtsschreibung wurde durch Prutz^^) zurückgewiesen, und der Bericht über 
die „Erste Versammlung deutscher Historiker" zeigte, dass auch deren Mehrzahl von 
dem Unterricht jede politische Tendenz fernhalten wollte.^^-^S) — Die Geschichts- 
darstellung der katholischen Kirche wurde von S choeller^'') mit den Waffen prote- 
stantischer Theologie massvoll bekämpft, von Gö t ting^^) in leidenschaftlichem 
Pamphletenstil angegriffen.^'') — 

Von der Geschichte als der übergeordneten Wissenschaft wenden wir uns zu der 
Philologie, mit welcher die Wissenschaft der Litteraturgeschichte nach ihrer einen 
Seite hin zusammenfällt. Weinhold*^) hat in seiner Berliner Rektoratsrede knapp 
und scharf seinen Standpunkt als Universitätslehrer der germanischen Philologie 
gekennzeichnet und gegenüber den Naturwissenschaften, gegenüber der allgemeinen 
Sprachwissenschaft, gegenüber der philosophischen Aesthetik eine zu kräftigen Aus- 
fällen geeignete Verteidigungslinie gezogen. Was die Litteraturgeschichte betrifft, 
so erkennt er an, dass man sie von zwei Seiten behandeln könne: von der philosophisch- 
ästhetischen und von der philologischen, und dass auf jeder Seite gewisse Vorzüge 
liegen, die sich ergänzen. Wenn er trotzdem erklärt, dass auf der Universität die 
neuere Litteraturgeschichte nur durch einen Philologen vertreten werden dürfe, so 
vermisst man die ergänzende Forderung, dass dieser Philolog auch eine philosophisch- 
ästhetische Schulung besitzen müsse. — Umfassend im Sinne Friedrich August Wolfs 
bestimmt von Wilamowitz-Moellendorf'**) die Aufgabe der Philologie, welche 
zur allseitigen Erkenntnis einer nationalen Kulturform mit dem hauptsächlichen 
Mittel der Sprachkunde, aber unter Verwendung jedes anderen, das sich darbietet, 
hinführen soll. — . Die Herrschaft der Philologie in der Litteraturwissenschaft hat 
andererseits heftige Angriffe erfahren. Ein besonders beliebtes Angriffsobjekt, die 
Goethephilologie, hat Braitmaie r^^j blindwütend angerannt. Dass er manche schwachen 
Stellen dabei getroffen hat, ist nicht zu leugnen ; aber zum grössten Teil trafen seine 
Stösse undurchdringlichen Stahl, an dem seine Waffen zerschellt sind. Was er gegen einen 
angeblichen „Goethekult" sagt, ist an anderer Stelle schon behandelt worden, sei aber 
hier auch kurz in Erinnerung gebracht, da ein solches Attentat auf eines der höch- 
sten Güter unseres Volkstums nicht oft genug gebrandmarkt werden kann. Wo 
B. über „Goethephilologie" redet, verschiebt er den Streitpunkt sofort, indem er sich 
hauptsächlich gegen Scherers Poetik wendet, als ob dieses vor wenigen Jahren er- 
schienene Werk das Gesetzbuch germanischer Philologie sei, und als ob diese nicht 
schon seit Lachmanns Zeiten eine gar nicht zu missende und von jedem „ästhetischen" 
Litterarhistoriker dankbar benutzte Arbeit geleistet hätte. Nur gegen einige Aus- 
wüchse philologischer Methode, die durch allzu engen Anschluss an die geist- 
reichen, aber zum Teil einseitigen Lehren jenes unfertigen Buches entstanden sind 
und sich zu bedenklichen Missbildungen entwickelt haben, wie z. B. manche Faust- 
studien, die den Text nahezu völlig in Reminiscenzen auflösen, wendet sich B. mit mehr 
Glück. Aber was er auch an einzelnen Verirrungen namhaft machen kann, keine 
ist so schlimm wie die seinige: Die philologische Behandlung der vorzüglichsten 
Werke unserer Sprache diskreditieren zu wollen. — Berechtigung und Gefahren der 
philologischen Behandlung hat Erich Schmidt ''^) an einem der wichtigsten Punkte, 
der „Faustphilologie", aufzuzeigen gesucht. Hier gerade hat sich die Forschung 
aufs ermüdendste abgearbeitet, und hier hat sie am meisten den Vorwurf sich zu- 
gezogen, an der genialsten Ideendichtung in kleinlich formalistischer Weise herura- 



88 S. — 30) X P- H.: LCBl. 1892, 8. 1277/8; Krüner: MHL. 20, S. 290. — 31) C. Mirbt, D. ObjeWivit&t d. Gesch.: Güters- 
loherJb. S. 88-115. — 32) L. Bamberger, A. Chuquet. E. Muster objelstiver Geschichtsschreibung: DRs. 73, S. 240-63. (Dazu 
ib. S. 467.) — 33) H. Prutz, Geschichtsunterr., Geschichtsstudiura U.Geschichtsschreibung in ihrer Bedeutung für d. nationale 
Bildung: AZg". N. 50. — 34) X M. Lossen, Bericht über d. erste Versamml. dtsch. Historiker in Mfinchen 5.-7. Apr. Er- 
stattet y. Schriftführer. München, Rieger. 33 S. M. 0,60. — 35)XC. MOhling, Politik u. Chauvinismus im Geschichts- 
unterr.: Nation". 10, S. 256/8, 272/4. — 36) X Verhandlungen d. Direktorenversammlungen in d. Provinzen d. Königr. Preussen 
seit d. J. 1879. Bd. 40 u. 41. B, Weidmann. 1892. VIII, 414 S.; VIII, 280 S. M, 9,00; M. 6,00. — 37) R. Schoeller, Ge- 
schichtsschreibung u. Katholizismus. Zürich, Faeai & Beer. 44 S. M. 1,00. (Aus: ThZSchw. S. 706-48.) — 38) C. F. J. Götting, 
D. Geschichtslügner. E. unentbehrl. Ratgeber z. richtigen Verständnis d. „Geschichtslügen." (= Freundschaftl. Streitschriften 
N 51.) Barmen, Wieraann. 120 S. M. 1,60. — 39) X Geschichtslügen. E. Widerlegung l.indläuflger Entstellungen auf d. Ge- 
biete d. Gesch. mit besond. Berücksichtig, d. Kirchengesch. 10. Aufl. Paderborn, Sohöningh. XII, 580 S. M. 4,50. 
|[Kath. 2, 8. 562/3.]] — 40) K. Weinhold, Rede beim Antritt d. Rektorats geh. in d. Aula d. Kgl. Friedr.-Wilh.-Univ. 
zu Berlin am 15. Okt. B., J. L. V. Laverronz 4». 16 S. M. 0,75. (Abgodr. in PrJbb. 74, S. 401-11; s. u. I 2 : 1.) — 41) U. 
V. Wilamowitz-Moellendorf, Philologie u. Schulreform. Festrede im Namen d. Georg-Augusts-Üniv. z. akad. Preis- 
verteilung. 2. Abdr. Göttingen, Dieterich. 1892. 37 S. M. 0,50. — 42) F. Braitmeier, Göthekult u. Göthephilologie. 
Tübingen (L., Fookj. 1892. IV, 118 8. M. 2,50. (Vgl. JBL. 1892 IV 8a: 41.) — 43) Erich Schmidt, Aufgaben a. Wege 



O, Harnack, Litteraturg-eschichte. 1892, 1893. I 1 : usa 

xutasten. Seh. weist schlagend nach und erhärtet an dem Beispiel einer wichtigen 
Scene, welche Dienste bei einem in so langen Zwischenräumen entstandenen Werk 
die philologische Forschung für die Bestimmung des Alters der einzelnen Teile leisten 
könne und wie sie durch diese Altersbestimmung indirekt auch die Erkenntnis der 
fortschreitenden Ideenentwicklung in dem Dichter fördert; aber er warnt zugleich 
eindringlich vor der immer mehr sich ausbildenden Neigung, schon aus einzelnen 
Beobachtungen weitgehende Schlüsse ziehen und die (irenzlinien zwischen den 
Stilarten verschiedener Zeiten mit willkürlicher unhistorischer Schärfe bestipimen zu 
wollen, er warnt überhaupt vor der gefährlichen Täuschung, vermöge einer Methode 
„alles wissen zu können." Feste Kriterien für die berechtigte oder unberech- 
tigte Anwendung der Methode giebt der Vortrag jedoch nicht. — Einen scheinbar neben- 
sächlichen, in Wirklichkeit sehr wichtigen Punkt philologischer Technik behandelt 
Bernays*'*) in einer Folge von Aufsätzen über Citate und Noten. Indem er den 
trockenen Gegenstand durch eine Fülle interessanter Abschweifungen (z. B. eine 
gedankenreiche Würdigung von Gervinus als Litterarhistoriker) unterbrach, gab er 
Beispiele von fälschlich verwandten Citaten, welche, aus ihrem Zusammenhang gelöst, 
das Gegenteil ihres ursprünglichen Sinnes aussagen; er erörterte das Verhältnis zwischen 
Noten und Text, trat entschieden gegen, die Verbannung der ersteren, aber auch 
gegen ihre Aufnahme in den Text selbst ein, und stellte endlich die Forderung auf, 
dass der Text in sich ein abgeschlossenes und selbständiges Ganze bilden, die Noten 
aber den Leser zu weiterer Verfolgung- des Themas, zum Gewinn fernerer Ausblicke 
anregen sollen. — Ein anonymes Heftchen^^j mit Ratschlägen für das Studium der 
germanischen Philologie bietet nur dürftigen Inhalt.*^"*^) — 

Wenden wir uns nun dem andern Hauptzweig unserer Wissenschaft, der 
ästhetischen Betrachtung der Litteraturgeschichte zu, so kommt für 
die allgemeinen Gesichtspunkte ein Aufsatz von Spitta^'*) in Betracht, der die viel- 
erörterte Frage nach dem Vorhandensein wissenschaftlich zu ergründender und für 
die Kunstübung verbindlicher Gesetze untersucht. Er kommt zu dem Ergebnis, dass 
der Gelehrte durch seine Forschung in der That zur Erkenntnis solcher Gesetze, 
welche die Bedingung eines erfolgreichen künstlerischen Schaffens sind, geführt 
werden könne, dass er aber vom Künstler nicht fordern dürfe, sich durch diese 
Resultate der Forschung in seinem künstlerischen Schaffen bestimmen zu lassen, dass 
vielmehr diesem das Bewusstsein vöUig-er Unabhängigkeit in seiner persönlichen 
Leistung niemals getrübt werden dürfe. Und Sp. reiht den allgemeineren Gedanken 
an: „Gesetze, welche für die Vergangenheit massgebend waren, sind es darum noch 
nicht für die Zukunft"; ein einfacher, aber in dem Streit über „gesetzgebende" 
Aesthetik meist nicht in Betracht g-ezogener Satz. Wenn die Aesthetik „Gesetze" 
giebt, müssen sie dann eine absolute ewige Geltung haben? Und umgekehrt, wenn 
sie keine ewigen Gesetze geben kann, soll sie deshalb überhaupt keine mehr geben? 
Die praktische Notwendigkeit der Aufstellung von „Gesetzen" beweist jedes der 
immer neu erscheinenden Handbücher der Poetik, welche einzeln zu betrachten jedoch 
nicht in den Rahmen dieses Abschnittes fällt. — Die Aufgabe der Litteraturgeschichte 
als Wissenschaft nach allen Richtungen hin zu bestimmen, hatte bekanntlich ten 
Brink^oj (vgl. JBL. 1891 I 1:20) und im Gegensatz zu ihm Wetz^''^'") (vgl. 
JBL. 1891 I 1 : 24) unternommen; beide Schriften haben noch Besprechungen gefunden; 
besonders die letztere; auch Wetz mit methodischen Betrachtungen eingeleitetes 
Shakespearebuch (vgl. JBL. 1891 11:5) ist noch besprochen worden^^j j^ o-anzen 
scheinen mir die Kritiken den Theorien von Wetz zu sehr entgegenzukommen; ohne 
die Anregungen, welche dieser giebt, zu verkennen, muss ich doch daran festhalten, 
dass die Litteraturgeschichte als strenge Wissenschaft nur dem von ten Brink 
trefflich gezeichneten Wege, vom Aeusseren zum Inneren vordringend, folgen kann. — 
Dies müssen wir auch festhalten gegenüber Falkenheim^^'^^^J, welcher uns Kuno 
Fischer und seine litterarhistorische Methode als Muster empfiehlt (vgl JBL. 1891 I 
1 : 26j. Die Verdienste des ausgezeichneten Philosophen um die Würdigung unserer 
Klassiker bedürfen keines Preises, und niemand wird an ihn die Forderung richten, 



d. FsQstphilologie. (^ Verhandlungen d. 41. Yersaiaml. dtsch. Philologen n. Schulmänner in Manchen [L., B. O. Tenbner. 
1892. 4». X, 354 S. M. 12.00.]. S. 11-22.) — 44) M. Bernays. Z. Lehre v. d. Citaten u. Noten: AZg». 1892. N. 134/5, 
141/2, 144/5, 147/8. — 45) Wie studiert man nenere Fhilol. n. Germanistik? Mit e. tabellar. Uebersicht über d. Bestimmangen 
z. Grlangnng d. philos. Doktorwfirde an d. ünir. Deutschlands. V. e. prakt. Neuphilologen. L., Rossberg. 1892. 43 S. M. 0,80. 

— 46) O X Carl Franke, P. Machale, Bemerkungen über d. Studium d. dtsch. Philol. u. d. Prüfungsordnung für d. höh. 
Lehramt (L, Bossberg): ZDU. 7, S. 503/4. — 47) O X Leop. Schmidt, D. philol. üuirersit&tslehrer, seine Tadler u. seine 
Ziele. Marburg, Elwert. 1892. 30 S. M. 0,60. |[P. Cauer: DLZ. S. 37.]| — 48) X F. Cauer, Wissenschaft n. Praxis in 
d. Philol.: DWBl. S. 91/4. (Bezieht sich wie N. 47 speoiell auf klass. Philol) — 49) Ph. Spitta. Knnstwissensch. u. Kunst. 
(= Z. Musik. S. 1-14. Vgl. JBL. 1892 I 9 : 19; 11 : 102.) - 50) X K. Burdach: DLZ. 1892, S. ISeC/l; t. Kl.: r)LBl. 1, 8. 91. 

— 51) X K. Burd ach: DLZ. 1892, S. 1361/2; A. Ch u qn et: RCr. .36, 8. 333. — 51a) X Ueber K. Biese« Aufsatz „üeber d. Auf- 
gaben d. Utt.-Gesch." in d. NatZg. N. 587 u. 589: ZDÜ. 6, S. 296. — 52) X A. Schröer: EnglSt. 16, S. 282;9; RCr. 34. 
S. 316; A. Brandl: DLZ. 1892, S. 627/9; ÖLBl. 1, S. 913. — 53) H. Falkenheim, Kuno Fischer u. d. litterarhist. Methode. 



I 1:54-59 0. Harnack, Litteraturgeschichte. 1892, 1893. 

dass er sich einer anderen Methode als der aus seiner Wissenschaft g-eschöpften 
hätte bedienen sollen; ebensowenig aber braucht der Litterarhistoriker seine durch 
die Geschichte seiner Wissenschaft ihm vorgezeichnete Methode preiszugeben, um 
nach dem Ruhm des Philosophen zu trachten. Beide werden auf ihren Wegen fort- 
schreitend sich gegenseitig fördern. F.s Büchlein schliesst freilich mit einem Hymnus 
auf Kuno Fischer, dem gegenüber eine Aeusserung, wie ich sie eben gewagt, schon 
als Majestätsbeleidigung erscheinen müsste. Wir lassen diese persönliche Seite 
seiner Schrift ausser Augen und wenden uns dem sachlichen Inhalt zu, welcher uns 
zunächst das „philosophische Stoffgebiet innerhalb der Litteraturgeschichte" und 
darauf die „entwicklungsgeschichtliche Methode" nach ihrem „historischen, psycho- 
logischen, ästhetischen Element" kennen lehrt. Diese Methode denkt sich F. im 
Gegensatze zur „historisch-genetischen", d. h. zu der Methode, welche durch Rankes 
Vorbild in Deutschland auf jedem Gebiete zum Siege geführt worden ist. Wir können 
ihm auf diesem Wege nicht folgen : Obgleich wir anerkennen, dass seine philosophisch- 
psychologische Methode zur Erkenntnis des einzelnen Dichters wertvolle Mitwirkung 
bieten kann, so sehen wir doch die specielle Aufgabe der Litteraturgeschichte in der 
Aufzeigung des weiteren historischen Prozesses, der sich von einem Autor zum 
anderen fortschreitend vollzieht, und erachten für den Nachweis dieses Prozesses die 
historische Methode, welche die Wissenschaft bisher mit Mitteln der Philologie und 
der Aesthetik geübt, für die zweckentsprechende. Die zahlreichen zustimmenden 
Besprechungen, welche F. gefunden, können uns darin nicht irre machen, und 
werden ihn selbst kaum befriedigt haben , weil sie meist eine Vorliebe für 
dilettantischen Betrieb der Litteraturgeschichte verraten. — Einen neuen Versuch, 
Begriff und Aufgabe der „Litteraturwissenschaft" zu bestimmen, machte Froehde^"*); 
er hält den richtigen Ausgangspunkt fest, indem er als die erste Aufgabe die Her- 
stellung des Textes, und als die fernere die Erklärung desselben aus den sämtlichen 
inneren und äusseren Bedingungen seiner Entstehung bezeichnet; er will dann von dem 
Einzelwerk zur Betrachtung der litterarischen Entwicklung vorschreiten, und auch diese 
im ganzen wie in den einzelnen Teilen aus den Bedingungen ihrer Entstehung begreifen. 
Der ursprünglich der klassischen Litteraturwissenschaft gewidmete Vortrag, der auch ihr 
Verhältnis zur allgemeinen klassischen Altertumskunde behandelt, ist in seinen 
positiven Bestimmungen so allgemein gehalten, dass er' den weitumfassenden Titel 
rechtfertigt. — Wenig befriedigen kann, was Kerr^^) über das Ziel der Litteratur- 
geschichte zu sagen weiss; „Beiträge zu liefern zur Kennzeichnung des menschlichen 
Seelenlebens" kann nicht den einheitlichen Gedanken einer bestimmten Wissen- 
schaft bilden. — 

Mit der Litteraturgeschichte verwandt ist die litterarische Kritik, welche 
in neuester Zeit ja verschiedentlich gesucht hat, über sich selbst zur Klarheit 
zu gelangen, ja sich sogar zum Rang einer wissenschaftlichen Thätigkeit zu erheben, 
was sie aber doch nur mit Verzicht auf andere ihr eigentümliche Vorteile und Vor- 
züge vermag. Brunetieres^^) in diesen Berichten ausführlich besprochenes Werk 
über die Entwicklung der Kritik (vgl. JBL. 1891 11:8) hat die zweite Auflage 
erlebt. — Eugen Wolffs Broschüre (vgl. JBL. 1890 11:1) ist noch besprochen 
worden-^'), ebenso Tissots Schrift (vgl. JBL. 1891 I 1 : T).^^) — Eine wichtige Neu- 
erscheinung war die Rede von Droz^^) über das Verhältnis der litterarischen Kritik 
zur Wissenschaft. D. wendet sich in knapper Sprache und reservierter Ironie gegen 
Taines Prinzipien der Kritik, welche von Brunetiere insoweit adoptiert worden sind, 
als ein begabter Durchschnittsmensch die konsequenten Gedanken eines scharfen 
Denkers gebrauchen kann. D. leugnet die Möglichkeit, geistige Erscheinungen in 
exakt wissenschaftlicher Weise, als aus gegebenen Bedingungen gesetzmässig ent- 
wickelt, deducieren zu können und tritt für das Recht der Individualität ein, die eine 
oft aller deduktiven Wesensbestimmung widersprechende Thatsache sei. Er findet 
es mit Recht besonders bedenklich, dass man sich nicht mehr scheue, mit Ausdrücken, 
welche der Physiologie entnommen seien, in der Litteraturbetrachtung so zu operieren, 
als ob sie nicht bloss eine Analogie, sondern thatsächliche Vorgänge bezeichneten 
(„Brunetiere wirft ohne zu lachen die Frage auf, ob zwischen den verschiedenen 
Entwicklungsformen einer Litteraturgattung Zeugung- im wahren Sinne des Worts 
stattfindet!") Ich stimme ihm in seinem Hauptsatze bei, dass die litterarische Kritik 
(im Gegensatz zur Geschichte) nicht „Wissenschaft" werden könne, weil in ihr 



B.. Speyer & Peters. 1892. 107 S. M. 1,50. IfSatnrdayR. 74, S. 148; 0. H(arnack): PrJbb. 70, S. 241/2; MLN. 7, S. 2169; 
ÖLBl. 1, S. 472/4; Nation 9, S. 595; NatZg. 1892, N. 433; FränlcKur. 1892, N. 488.JI — 54) 0. Froehde, Begriff u. Aufgabe 
a. Litteraturwissensch.: NJbbPh. 147, S. 43.3-45. — 55) A. Kerr, Perspektiven d. Litt.-Gesch.: ML. 60, S. 37-40. — 56) F. 
Brunetiere, L'evolution des genres dans l'bist. de la litt. Lefons profess^es h l'ecole normale sup. 2.Ed. (=: Introdaction : 
L'evolution de la critique depuis la Renaissance jusqu'ä nos jours.) Paris, Hachette. 1892. XIV, 280 S. Kr. 3,50. ||R. M. 
Meyer; DLZ. 1892, S. 355/9.]! — 57) X K- Burdach: DM. 1892, S. 1362/3; Eng. Wolff [Entgegnung]: AZg». N 22. — 
58) X ^- Fellner: DBs. 75, 8. 464/6. — 59) Ed. Droz, La critiqne litt, et la soience, 6tude lue a la s6anoe de rentrie 



O. Harnack, Litteraturgeschichte. 1892, 1893. I 1 : 60-87 

immer der subjektive Geschmack eine wichtig-e Rolle spielen wird. — Speciell 
mit dem Verhältnis zwischen bildender Kunst und Kritik beschäftigen sich zwei 
Aufsätze von Larroumet*") und von Cantalamessa*'). — Zu zahlreichen ur- 
teilen und Aussprüchen über die wichtigsten Fragen der Methodik haben endlich 
die Nekrologe Anlass gegeben, welche in den verschiedensten Zeitschriften Hippolyt 
Taine gewidmet worden sind. Im ganzen kamen diese doch zu dem Ergebnis, 
dass zwar die grossartige Stoffbeherrschung und die glänzende Darstellungs- 
gabe Taine eine unvergängliche Bedeutung sichere, dass aber das ihm eigen- 
tümliche System, die Lehre vom „Milieu" und seiner allbeherrschenden Gewalt, 
sich nicht behaupten könne, da es zur Erklärung der individuellen Erscheinungen 
nicht ausreiche, wie es auch bei Taine selber einseitige und schiefe Urteile nicht 
verhindert hat. Gerade vom Standpunkt moderner Empirie aus erscheint die 
Meinung, dass uneingeschränkte Kausalität in der historischen Entwicklung herrsche, 
als unberechtigter Dogmatismus. Barzellotti^^j^ dessen Essay unter den mir zu 
Gesicht gekommenen Taine-Artikeln der gründlichste und gewichtigste ist, weist das 
Ungenügende der bei Taine die Forschung abschliessenden „höheren Analyse" nach 
und giebt das Schlussurteil: „Er war nicht ein Denker im höchsten Sinne des 
Worts, aber ein Künstler der Psychologie, ein unermüdlicher P"'orscher und ein 
äusserst wirkungskräftiger Schriftsteller. "^^""^) — 

Litteraturgeschichte. Unter den Gesamtdarstellungen nennen wir 
zunächst die universalen, in welchen die deutsche Litteraturgeschichte als ein Teil 
behandelt wird. Adolf Sterns'^J kurz gefasster „Katechismus" hat die dritte Auf- 
lage erlebt, während Julius Hart'^) ein umfassendes Werk begonnen hat, von dem 
der erste Teil, die Litteratur des Altertums und des Mittelalters behandelnd, schon 
abgeschlossen ist, während von dem zweiten erst ein Heft vorliegt, in welchem er 
auf wenigen Seiten die Litteratur des 14. und 15. Jh. charakterisiert, sich gegen die 
Beurteilung dieser Periode als einer Verfallzeit wendet, und sich dann speciell mit 
der italienischen Litteratur beschäftigt. Der Bilderschmuck, die Umschlagdevise 
„Wissen macht frei", sind charakteristisch für den „Hausschatz des Wissens", 
in dessen Rahmen H.s Geschichte der Weltlitteratur erscheint,"'') — 

Unter den Gesamtdarstellungen der deutschen Litteraturgeschichte ist 
von Leixners"^) Werk in zweiter Auflage erschienen und in der Presse viel, 
besprochen worden. — Brugiers'**) von katholischem Standpunkt aus verfasstes, 
aber nicht konfessionell engherziges, wenn auch allzusehr moralisierendes Buch liegt 
in neunter Auflage vor. — Koenigs*'*') in orthodox -lutherischem Geist gehaltenes, 
durch seinen Bilderschmuck so populär gewordenes „Erbbuch" des deutschen Hauses, 
wie es der Vf. bescheiden nennt, hat es bis zur dreiundzwanzigsten Auflage gebracht. — 
Ueber alles Mass hinaus geht die Anzahl der in jedem Jahr erscheinenden „Leitfäden" 
und „Grundrisse" für den Schulgebrauch. Da sie in einem andern Abschnitt der 
Jahresberichte (s. u. 1, 7) eingehend behandelt werden, begnüge ich mich damit, sie 
hier nur ganz kurz zu verzeichnen^ '~^^); daneben sei die graphische Litteraturtafel 
von Flaischlen^')^ genannt. — Auf einem anderen Niveau steht das Büchlein von 



des Facnltes et de l'EcoIe de medicine et de pharmacie de Besan9on. Besaii9on, Dodivers. 1S91. 31 S. ([RCr. .34, N. 49.] | 
— 60) G. Larronmet, L'art realiste et la crltiqne: EDM. 114, S. 802-42; 116, S. 100-36. — 61) G. Can talamessa, Artisti 
e critici: NAnt. 37, S. 465-82. — 62) G. Barzellotti, Ipp. Ad. Taine: NAnt. 46, S. 1-28, 393-419; 47, S. 185-216. — 63) X 
P. Bailleu, H. Taine: HZ. 35, S. 301/7. — 64) X W. Q. C. Byvanck, Taine (1828-93): Qids 2, 8.140/7. — 65) X ^pec- 
fator [K. EisnerJ, Taine: ML. 61, S. 204/6. — 66) X J- Wychgram, H. Taine: BLU. S. 241 3. — 67) X L. Katscher, 
Taine: AZg». N. 78. — 68) X K- ▼• Heigel, Taine: AZg». N. 289-91. — 69) X Taine: Didaslr. N. 59. — 70) X Taine: 
AZg". N. 59. — 71) X M. Nasser, Taine u. d. Milien: ML. 61, S. 238-40. — 72) X L. J ac obowski, H. Taine u. seine 
Stellung in Deutschland: Geg. 43, S. 165,6. — 73) X H- A. Taine: Post N. 69. — 74) X t'- Sarcey, H.A. Taine: Illustration 
11. März. — 75) X H. A. Taine: AELKZ. 26, S. 306. — 76) Ad. Stern, Katechismus d. Allg. Litt.- Gesch. 3. verb. Aufl. 
L., J. J. Weber. 1892. XIV, 418 S. M. 3,00. |tDB. 1, S. 272.]| — 77) J. Hart, Gesch. d. Weltlitt. Heft 1-22. (= Haus- 
schatx d. Wissens). B. u. L., W. Paulis Nachf. 846 S.; 32 8. M. 6,60. — 77a) X P- JP^at, Hist. de la litt. Paris, Belin 
Frireg. 1891. 12«. 308 8. — 78) 0. t. Leixner, Gesck d. dtsch. Litt. 2. Aufl. I..., 0. Spamer. VIII, 1124 8. Mit 411 
Teitabbild. u. 50 teilw. mehrfarbigen Beill. M. 14,00. i[J. Hengesbach: COIRW. 21, S. 564/5; DK. 3, S.377/8; DWBl. 8.132; 
DRs. 73, 8. 471; Kw. 6. 8. 86/7; Geg. 42, S. 398; LZg". 1892, N. 293; Schw&bKron. 1892, 9. Dec; F. Schnürer: ÖLBI. 1, 
S. 572; TglRs». 1892, N. 234.JJ — 79) ö. Brngier, Gesch. d. dtsch. National-Litt. Nebst kurzgefasster Poetik. Für Schule 
u. Selbstbelehtung. 9. Aufl. Freiberg i. B., Herder. Cll, 689 S. M. 6,00. ([LRa. 19, S. 3134; F. Schnlrer: ÖLBL 2, 
8. 461,3; COIRW. 21, 8. 693. (S. u. 1 7 : 14.3.) — 80) Roh. Koenig, Dtsch. Litt.-Gesch. 23. Aufl. 2 Bde. Bielefeld u. L., Vel- 
hagen & Ciasing. V, 443 8.; lU, 510 S. Mit 93 Beill. u. 3:» Abbild, im Text M. 15,00. |[L. Frey tag: COIRW. 21, 8. :M/5.J| 
— 81) X C. A. Krüger, Gesch. d. dtsch. Litt, in Einzelbildern. Danzig, F. Axt. VIII, 228 8. Mit 52 Abbild. M. 1,20. — 
82) X W. Dietlein, Leitfaden z dtsch. Litt-Gesoh. Mit Berücksichtig, d. poet. Gattungen u. Formen. 10. Aufl. Bearb. 
T. R. Jordan. Altenburg, H. A. Pierer. YIII, 164 8. M. 1,10. - 83) X G. Bottich er n. K. Kinzel, Gesch. d. dtsch. 
Litt, mit e. Abriss d. Gesch. d. dtsch. Sprache u. Metrik. (Anh. z. d. Denkmälern d. älteren dtsch. Dichtg.) Halle a. S., Bnchb. 
d. Waisenhauses. X, 174 8. M. 1,80. — 84) X H. F. Kummer u. K. Stejskal, Einführung in d. Gesch. d. dtsch. Litt. 
(= Hilfsbüchlein für d. dtsch. Unterr. 3 Bdch.) Wien, Mani. YHI, 270 8. M. 2,40. (S. u. I 7 : 142.) — 85) X A. Baldi, 
W. Lindemann, Gesch. d. dtsch. Litt. 6. Aufl. Bearb. v. J. Seeber: BBG. 29, S. 222/3. — 85«) X 0. König, Gesch. d. dt«ch. 
Litt, in zusammenhängend. Darstellung für höh. Mädchenschulen u. d. weibl. Jugend. (Vgl. JBL, 1892 I 5 : 97.) L., B. O. 
Teubner. 1892. Vlll, 146 8. M. 1,»K). — 85b) X K. Heilmann, Gesch. d. dtsch. Nationallitt. (Vgl. JBL. 1892 15: 104.) 
Breslau, Hirt 1892. 144 8. M. 1,60. (3. u. 17:141.)— 86) X Löhrer, Wilh. Reuter, Litteraturkunde (Freibnrg i. B. 1891): 
KZED. 41, 8. 275,6. — 87) C. Flaischlein, Graphische Litt.-Tafel. D. dtMh. Litt. u. d. Einflass fremder Litteratares »nf 
Jahresberichte für neuere deutsche Litteraturgeschichte. IV. 2 



I 1:88-93 0. Harnack, Litteraturg-eschichte. 1892, 1893. 

Koch^**) wenngleich es auch dem Schulunterricht dienen soll. Es ist als das Werk eines 
selbständigen Forschers durchweg- originell, und vermeidet die in Leitfäden so 
häufigen Schlag-worte, denen der Schüler keinen Inhalt zu geben weiss, indem es 
überall möglichst konkrete Angaben und überhaupt soviel sachliches Material zu 
geben sucht, als der beschränkte Raum zulässt. Die Virtuosität, mit welcher der Vf. 
die Fülle seiner Angaben zusammen zu pressen weiss, ist erstaunlich, und wenn es 
dabei bisweilen nicht ohne überladene oder enggeschachtelte Sätze abgeht, so wird 
man ihm das billigerweise nicht verargen, da ihm eine feste Raumgrenze gezogen 
war. Dagegen ist die scharfe Betonung seines subjektiven Standpunkts in Hinsicht 
Richard Wagners ein entschiedener Missgriff, und auch die wie ein Refrain wieder 
kehrende Berufung auf nationales Empfinden und nationale Pflichten wird öfters eine 
Quelle einseitiger, in Lob und Tadel übertriebener Urteile. Es ist dringend zu wünschen, 
dass wenigstens die Litteraturgeschichte sich des Humanitätsideals unserer klassischen 
Zeit bewusst bleibe und auch in der Schule ihm eine Stätte bewahre. — An das gebildete 
Lesepublikum wendet sich Borinski^") mit seiner Litteraturgeschichte, welche der 
bekannten Kürschnerschen Sammlung als Begleitwort mitgegeben ist. Der uns vor- 
liegende zweite Teil entspricht seinem Zweck in hohem Masse. Er ist mit lebendiger 
Wärme und selbständigem Urteil, doch ohne vordringliche Tendenz geschrieben, und 
wo man ihn liest, wird ihm sicherlich gelingen, sein „Scherflein dafür beizutragen", 
dass die Schätze unserer Litteratur noch nicht sobald „historisch werden." B. beginnt 
mit Luther, dessen Bedeutung er durchaus gerecht wird, während er im weiteren 
Verlaufe sich geneigt zeigt, die schlimmen Folgen der Reformation schärfer zu 
betonen, als den Wert ihrer Errungenschaften. Bei Hans Sachs nimmt er Gelegen- 
heit, „den heutigen verstiegenen Begriffen von Volkskunst gegenüber" vor Ueber- 
schätzung zu warnen; dagegen behandelt er die Renaissancelitteratur mit mehr 
Anerkennung als üblich ist, während er zugleich nachweist, warum sie in Deutsch- 
land nicht die Bedeutung erlangen konnte wie in benachbarten Ländern. Das 17. 
und die erste Hälfte des 18. Jh. sind weniger befriedigend behandelt; B. hält noch 
an dem Schema der zwei schlesischen Schulen fest ; Gottscheds Verdienste sind zu 
wenig hervorgehoben. Die Darstellung der klassischen Periode wirkt sympathisch 
durch den warmen Ton der Begeisterung und das Bestreben, die litterarischen 
Bewegungen in Beziehung zu den gleichzeitigen philosophischen zu setzen. Auf- 
fallend wirkt in dem sonst nicht nach moralischen Massstäben urteilenden Buch die 
harte Kritik von Wielands Agathon und Oberon; in der Verteidigung von Goethes 
politischen Dramen (Grosskophta usw.) beweist der Vf. seine Unabhängigkeit von den 
herrschenden Meinungen. Die von der Dichtung abliegende Thätigkeit unserer 
Klassiker wird ungleich behandelt; befriedigend Goethes Naturforschung, besonders 
die optischen Studien, ungenügend dagegen Schillers historische Arbeiten, wo 
zwischen Selbständigem und Angeeignetem nicht geschieden wird. Der Gegensatz 
zwischen Klassikern und Romantikern wird mit scharfem Blick erfasst und durch 
den philosophischen Gegensatz Kant-Fichte in seinem tiefsten Grund aufgehellt. Das 
strenge Urteil über die Rortiantiker greift auch auf Jean Paul über, dessen immerhin 
reicher, poetischer Begabung B. nicht ganz gerecht wird. Mit einer schönen und 
würdigen Schilderung von Goethes Vollendungsepoche schliesst B. sein Buch.^") — 
Von wissenschaftlichen Darstellungen, die sich nur an einen engeren Leserkreis 
wenden, bleibt Martins**') treffliche Neubearbeitung der Wackernagelschen dem 
nächsten Berichtsjahr vorbehalten, wo dann mit dem Schluss des Ganzen die früher 
erschienenen Teile im Zusammenhang gewürdigt werden sollen. — Die Geschichte 
der mittelalterlichen Litteratur, die in Pauls Grundriss der Germanischen Philologie 
gegeben wird, gehört nur zum geringsten Teil in den Rahmen dieser Berichte. 
Die beiden Teile, in welche sie sich gliedert: Mittelhochdeutsche Litteratur von 
Vogt'*2j und mittelniederdeutsche von J ellin ghaus^^) fassen das 14. und 15. Jh. 
zusammen, indem sie den Stoff nach Litteraturgattungen einteilen und in ihrem 
Bericht hie und da auch in das 16. Jh. übergreifen. V. führt seine Darstellung bis 
auf Rosenplüt und Folz, Sebastian Brant und Geiler von Kaisersberg; J. greift etwas 
weiter und giebt besonders über geistliche Lyrik — katholische wie lutherische — 
sowie über niederdeutsche Bibelübersetzungen interessante Daten. Er erwähnt sogar 



ihren Verlauf v. Beginn einer schriftl. üeberliefernng an bis heute, in graph. Darstellung. St., Göschen. Färb. Taf. mit 
erHarendem Text in Karton. M. 2,00. |f(Edw. Sch(röderJ: ADA. 19, S. 87/9; F. Muncker: BBG. 28, S. 268/9; K.Menge: 
Gymn 10, S. 125.]| — gg) M. Koch, Gesch. d. dtsch. Litt. (= Sammlung Göschen N. 31). ib. 278 S. M. 0,80. HGeg. 44, 
S. 350; AkBll. 8, S. 248; KZg. N. 985: AZg«. N. 299.] | (S. u. I 7 : 134.) — g9) K. Borinski, Gesch. d. dtsch. Litt. 2. T. 
Seit d. Ausgang d. MA.: (= DNL. N. 163.) St., Union. VUI, 402 S. M. 2,50. ||L. Fränkel: BLU. S.564,6.|| — 90) O X X 
G. Karpeles, AI Ig. Gesch. d. Litt. v. ihren Anfängen bis auf d. Gegenw. Mit Illustr. u. Portrr. 2 Bde. (13. Lfgn.) B , Grote. 
756 S.; 875 8. M. 26,00. |[WmM. 72, S. 718; L. Berg: NatZg. 1892, N. 178.]| - 91) Gesch. d. dtsch. Litt. v. W. Wacker- 
nagel, fortges. V. E. Martin. 2. Bd., 3. Lfg. Basel, B. Schwabe. 1892. S. 287-538. M. 4,60. ||DR. 4, S. 143.1| — 92) F.Vogt, 
Mittelhochdtsch. Litt. (= Grundr. d. german. Philol. her. v. II, Paul. ([Strassburg, Trfibner. 1890-92.] VIII. Abschn. 3b, 
S. 245-418.J — 93) H. Jellinghaus, Mittelniederdtsoh. Litt. (= ebda. VIIL Abschn. 3c, S. 419-52). |(MLN. 8, S. 99-106 



O. Harnack, Litteraturg-eschichte. 1892, 1893. I 1 : 94-107 

noch Lauremberg und schliesst seine Arbeit mit alig-emeinen Betrachtungen über die 
Ursachen des Ersterbens der niederdeutschen Litteratur. — Gleichfalls nur mit den 
letzten Ausläufern berührt unser Gebiet die Geschichte der mittetalterlichen Litteratur 
von Golther.^*) — Von umfassenden Werken, welche schon früher erschienen sind, 
wurden in beiden Berichtsjahren noch besprochen die 6. Auflage von Scherers Litteratur- 
geschichte (vgl. JBL. 1891 I 1:45)**^) und Goedekes Grundriss in der neuen 
Bearbeitung (vgl. JBL. 1891 IV 1: l)**^). — Auch in Geschichtswerken findet die 
Litteraturgeschichte an bescheidener Stelle Aufnahme. Dittmars^') dreibändige 
deutsche Geschichte behandelt im zweiten Bande Luther im Zusammenhang mit der 
politischen Geschichte, die sonstige Litteratur der Reformationszeit abgesondert, beides 
von entschieden protestantischem Standpunkt, — ferner die Litteratur des 17. Jh. 
mehr mit Beziehung auf Sitten und Kulturgeschichte. Er zeigt Kenntnis des Stoffes; 
selbständige Studien zu finden wird man nicht erwarten. Im dritten Bande, bei 
Behandlung der klassischen Litteratur, begnügt sich D. allzusehr mit Allgemein- 
heiten, und lässt es an positiven Daten, selbst an Angabe der wichtigsten Werke 
fehlen. Gerade für eine Darstellung deutscher Geschichte sind die Thatsachen, dass 
Wallenstein in diesem, Faust in jenem Jahr erschien, wichtiger als reflektierende 
Mitteilungen über ihre Dichter. In seiner Auffassung ist D. stark durch „nationale" 
Gesinnungen geleitet, welche freilich zur Würdigung der höchsten Kunstwerke nicht 
hinreichen."^" '"2^ — In trefflicher Weise setzt dagegen Roethe'"^) die Geschichte 
unseres Kaisertums mit der unserer Litteratur in Verbindung; man bedauert nur, 
dass seine Rede sich in so knappen Grenzen halten musste und in diesen noch sich 
vorzugsweise mit dem Mittelalter beschäftigt. Es ist nicht nur ein schöner, sondern 
auch ein richtiger Gedanke, dass die ideale Weite der Kaiseridee und die huma- 
nistische Weitherzigkeit der deutschen Dichtung aus einem gemeinsamen Urgrund 
entsprungen sind. „Der Schimmer der Weltmonarchie reizt uns nicht mehr: aber 
auf immer soll uns das deutsche Kaisertum ein Symbol dafür sein, dass dem 
deutschen Geiste die Welt gehört." — Von ausserdeutschen Ländern ist Frankreich 
jetzt wohl dasjenige, das sich am meisten mit deutscher Litteratur beschäftigt. All- 
jährlich erscheinen neue Darstellungen, meist allerdings Leitfäden zu praktischem Zweck. 
Diesmal ist ein solcher von Heinrich '04j zu verzeichnen, der freilich der Redaktion 
nicht zugegangen ist. — Von der Sammlung von Litteraturgeschichten aus dem Verlag 
von Poussielgue'"^), welche auch auf die deutsche Litteratur sich erstreckt, erschien 
die vierte und fünfte Auflage. — Nicht zwar eine vollständige Geschichte, aber doch 
eine über den ganzen Verlauf der Litteraturgeschichte sich ausdehnende Folge von 
Essays hat Combes gegeben, über dessen „Profile und Typen" Middendorf '"^) aus- 
führlich berichtet. Combes steht der mittelhochdeutschen Litteratur verständnislos 
gegenüber, nur Walther findet bei ihm Gnade. In der Neuzeit tritt er für Fleming 
gegen Opitz ein, redet zu Gunsten Gottscheds, lässt Lessing als Kritiker (auch 
Corneilles) volle Gerechtigkeit widerfahren, beurteilt ihn aber ungünstig als Dramatiker. 
Schiller wird geringschätzig behandelt, die Romantik schlimm verspottet; dagegen 
Goethe mit entschiedenem Verständnis und rückhaltloser Verehrung geschildert. 
Sowohl in den lyrischen Gedichten, wie im Drama (auch im 2. Teil des Faust) und 
im Roman (Wahlverwandtschaften) weiss er Goethes eig'entümliche Bedeutung zu 
erkennen und charakterisiert treffend das in Goethe lebendige Verhältnis von Kunst- 
und Naturbetrachtung. •'>^'') — In England erschien Hos m er s*""j deutsche Litteratur- 



160/'9, 215-23.]l — 94) W. Golther, Gesch. d. dtsch. Litt. t. d. ersten AnJängen bis z. Ausg. d. MA. (= DNL. N. 739, 
741/2) St, Union. IV, 443 S. M 2,50. I[E. Martin: DLZ. 1892, S. 1460/3; MA. 6, S. 288/9.]| - 95) X L. Fränkel: 
ZDU. 6, S. 851/2. — 96) L. Hiriel: DLZ. 1892, S. 660/2. — 97) G. Dittmar, Gesch. d. dUch. Volkes. 3 Bde. Heidel- 
berg, Winter. 566 S.; 544 S.; 592 S. M. 15,00. |[Markhan8er: BBG. 29, 8. 262,7.J| - 98) X B- Gebhardt, Handbuch 
d. dtsch. Gesch. 2 Bde. (I. V. d. Urzeit bis z. Beforniation. IL V. d. Beformation bis z. Frankfurter Frieden. Nebst e. 
Ueberslcht über d. Ereignisse bis z. J ISflO.) St., Union. 1892. IX, 676 S.; IX, 757 S. M. 16,00. |[G. Winter: BLU. 
a 234/5; LBlHSch. S. 11; KBGV. 41, S. 31; NAnt. 38, S. 565/7; Ath. S. 439; HPBll. 110, a 229; LCBl. 1892, 8. 1278; Q. 
Kaufmann: DLZ. 1892, S. 1274,6; MHL. 20, S. 216.]| — 99) X 0. Lyon, E. dtsch. Gesch. für Schule u. Haus: ZDU. 6, 

8. 835-40. (Ueber 0. Eämmel, Dtsch. Gesch Dresden, C, Höckner. 1889. VI, 1266 8. M. 13,50) — 100) X K. Lamprecht, 
Dtsch. Gesch. 2. Bd. B., R. Gaertner. XV, 367 8. M. 6,00. |[J. Jastrow: MA. 6, S. 236-42; G. Steinhausen: DLZ. 
S. 1203/6. (St. hebt besonders hervor, wie d. Vf. versuche, d. Volksseele als d. e. Kollektivperson zu zeichnen u. in d. 
einzelnen Erscheinungen ihre Lebensänsserungen nachzuweisen.)]! — 101) X K- Neumann-Strela, Deutschlands Helden in 
Krieg u. Frieden. 1. Bd. Hannover, C. Meyer. 1892. VII, 308 S. M. 4,00. |[KonsMsohr. S. 470,1 ; N&S. 65, 8. 275.JI (Reicht 
bis auf Max I.; berührt kurz d Litt. [Hütten].) — 102 X H. Landwehr, Charaktere ans d neueren dtsch. Gesch. vornehm!, 
in zeitgenöss. Schilderung. 2. Ausg. B., Mittler * Sohn. 1892. X, 230 8. M. 3,00. ||LCB1. 1892, S. 693.] I (D. einzige litt. 
„Charakter" in d. Sammlung ist Kotzebue [nach Arndt, Wanderungen u. Wandlungen].) — 103) G. Koethe, D. dtsch. Kaiser 
n. d dtsch. Litt. Rede z Feier d. Geburtst. S. M. d. Kaisers u. Königs um 27. Jan. im Namen d. Georg-Augnsts-Univ. GOttingen, 
Dieterich. 4». 22 3. M. 0,40. — 104) O X X <>• A. Heinrich, Hist. de la litt, allemande. Paris, Leroux. 1890-91. ||HJb. 1.3, 

9. 388; F. J. Holly: Kath. 1, 8. 183,8; Polybibl'-. 65, S. 439-40.JI — 105) X Hist. des litt, anciennes et modernes, avec 
morceaux choisis extraits des meilleurs auteurs des divers sidcles. Litt, unoiennes: hebralqne, grecqne, latine; litt, etrangdres 
modernes: italienne, espagnole, anglaise, allemande. Paris, Ponssielgne. VII, 636 S.; .347 S. — 106) H. Middendorf, E. 
Combes, Profils et Types de la litt, allemande: MünchNN. 1892, 30. Nov. — 106a) X A. Qnilland, Un roanuel d'hist. 
allemand: RPL. 1, 8. 76.3/5. (Ueber R. Stenzler, F. Lindner, H. liandwehr. Lehr- u. Lebebuch d. Gesch.) — 107) O J. 

2* 



I 1 : 108-110 0. Harnack, Litteratargeschichte. 1892, 1893. 

g-eschichte von neuem und in Amerika g-ab Green e**^^) Carlyles noch immer lebens- 
kräftig-e Vorlesung-en über Litteratur aus dem J. 1838 neu heraus. — Gleichfalls in 
Amerika erschienen Essays über deutsche Litteratur von Boyesen '<^^), welchen 
Grimm warme Anerkennung- zollt. — 

Unter den zeitlich umfassenden lokalen Littera turg-eschichten nimmt 
das g-rosse Werk über die „Geschichte der deutschen Litteratur in der Schweiz" 
von Baechtoldi'o), dessen Schlusslieferung im Berichtsjahr 1892 erschienen ist, den 
ersten Platz ein. Dem gesamten Werk ist der lokale Charakter, der einem solchen 
Stoff angemessen ist, deutlich aufg-epräg-t; es ist echt schweizerisches Gewächs; doch 
stumpft die Liebe, mit welcher der Vf. den einzelnen Erscheinungen nachg-eht, und 
der Stolz, mit dem ihn bisweilen ihre weitreichende oder massgebende Bedeutung- 
erfüllt, die Kritik nicht ab. Die Sprache zieht das kräftige derbe Wort dem leisen 
und zarten vor, verschmäht scherzhafte Wendung-en nicht, weiss aber auch ernste 
und feierliche Töne zu finden. B.s Darstellung- des Mittelalters können wir hier nicht 
beurteilen; zur Neuzeit führt er uns in seiner sehr eingehenden Schilderung- der 
dramatischen Poesie des 16. Jh. hinüber. Ein in den Anmerkung-en gegebenes „chrono- 
log-isches Verzeichnis aller datierten Aufführungen deutscher Dramen in der Schweiz" 
giebt die feste Grundlag-e für dieses Kapitel. Dies Verzeichnis, das etwa zweihundert 
Nummern umfasst, beruht grossenteils auf archivalischen Angaben, und wo dies nicht 
der Fall, auf authentischen chronikalischen Ueberlieferungen; es ist von grösster 
litterarhistorischer Wichtig-keit. Im Text giebt B. eing-ehende, meist mit Inhaltsan- 
gaben verbundene Nachrichten über alle irgend nennenswerten schweizerischen Dramen 
jener Zeit, worunter auch zahlreiche ungedruckte. Neben dem Drama wird das geist- 
liche Lied mit besonderem Interesse behandelt. Zwingiis Gestalt wird in sympathischer 
Beleuchtung gezeigt, und das Vorurteil bekämpft, als hätte die schweizerische Re- 
formation keinen lyrischen Wiederklang gefunden ; zugleich aber werden auch die 
Gründe erörtert, warum man die lyrische Kraft und E^ülle der lutherischen Kirche hier 
nicht erreichen konnte. Von der Prosalitteratur der Zeit wird besonders den Bibelüber- 
setzungen Aufmerksamkeit geschenkt und das Verhalten der Schweiz gegenüber der 
lutherischen Uebersetzung dargelegt. Das 17. Jh. ist sehr kurz behandelt; so sehr 
B. gewiss Recht hat mit seiner abschätzigen Beurteilung, so wäre ein etwas näheres 
Eingehen vom rein historischen Standpunkt aus doch zu wünschen. Im 18. Jh. wird 
zuerst Drollinger ausführlicher betrachtet, und dann Haller ein schön abgerundeter, 
feingestimmter Abschnitt gewidmet. Hervorzuheben ist hier B.s Urteil über die 
„Alpen" ; es ist günstiger als wir es jetzt zu fällen gewohnt sind; er sieht das Wesent- 
liche des Gedichts nicht in der unepischen Naturschilderung, sondern in der Dar- 
stellung des Volkslebens. „Der Schluss ist stark beschreibend; die grössere Hälfte 
jedoch voll Leben und Bewegung. Nicht nur die neue Idyllendichtung belebte sich 
an den „Alpen", sondern die im ganzen auf reellem Grunde ruhenden Schilderungen 
des Volkslebens sind für ähnliche Versuche in der Folgezeit mehrfach massgebend 
geworden." Im Mittelpunkt der Schlusslieferung steht die Gestalt Bodmers, welchen 
B. uns in jeder der so verschiedenen Perioden seiner wirklichen wie seiner ein- 
gebildeten Thätigkeit nahe zu bringen weiss. Bei der grossen Bedeutung- und den 
weitreichenden Beziehungen dieses Mannes gewinnt die Landesgeschichte für diese 
Periode einen aligemein-nationalen Charakter, sie enthält wenigstens die hauptsäch- 
lichen Elemente der allgemeinen litterarischen Bewegung. Uebrigens hätte B. doch 
wohl besser gethan, in der zweiten Hälfte dieses Abschnitts den halb kindisch gewordenen 
Patriarchen nicht mehr so in den Vordergrund zu rücken, sondern Lavater als Haupt- 
person vorauszustellen, dessen anziehende und ausstrahlende Persönlichkeit einen 
grossen Kreis ohne Mühe um sich gruppiert hätte. Auch Breitinger hätte neben 
Bodmer wohl eine ausführlichere Behandlung verdient, um so mehr als der Vf. selbst 
betont, dass man nur zu oft geneigt sei, die beiden Kampfgenossen vollständig zu 
identifizieren. In der Wiedergabe der kritisch-theoretischen Schriften beider Freunde 
beschränkt sich B. so ziemlich auf blosses Referieren, und lässt die kritisch-historische 
Würdigung öfters vermissen. Dagegen ist alles Biographische mit lebhafter Frische 
aufgefasst und dargestellt, mit kräftigen Mitteln wird charakterisiert; auch die 
poetischen Schöpfungen oder Versuche werden scharf beurteilt. Der Hauptwert 
des Buches aber dürfte in dem neuen hs. Material liegen, das es verarbeitet 
hat, auf welches an dieser Stelle jedoch im einzelnen nicht einzugehen ist: 
beispielsweise sei auf die Mitteilungen über die in Bern gegen die Züricher Be- 



Hosmer, A short hist. of german litt. New ed. London, S. Low. 1892. Sh. 7|6. — 108) O Th. Carlyle, Lectures on the 
Hist. of Litt. her. v. Eeag Greene. New-York, Soribners Sons. 1892. 283 S. |[H. Grimm: DLZ. 1892, S. 1491/2.]| — 
109) H. H. Boyesen, Essaya on Gernian litterature. London, T. Fischer-Unwin. 1892. 395 S. Sh. 6. |[H. Grimm: 
DLZ. 1892, S. 395/7; SaturdayR. 74, S. 512/3.]| (Vgl. JBL. 1892 IV3 : 1; 8a : 65, 110, 113; 8b : 32; 8c : 4; 9 : 7; 10 : 1.) — 
HO) J. Baechtold, Gesch. d. dtsch. Litt, in d. Schweiz. Franenfeld, J. Huber. 1892. VII, 637 u. 244 S. Anm. M. 15,20. 
|[H.l?.: AZg». N. 795; DRs. 73, S. 156; E. Haug: BLU. S. 631/3; A. Bossert: KCr. S. 10/1; Sohns: COIRW. 21, S. 103; F. 



O. Harnack, Litteratur^eschichte. 1892, 1893. I 1 : iii-ii? 

strebungen sich erhebende Opposition verwiesen. Mancher neue (auch in der zweiten 
Auflage Goedekes nicht berücksichtigte) Poet wird uns vorgeführt; so der Idyllen- 
dichter Werdmüller und der Dramatiker Grauer. In die nachfolgenden Anmerkungen 
ist eine vollständige, durchweg auf Autopsie beruhende Bibliographie Bodmers und 
Breitingers hineinverwebt, die jeder künftigen Arbeit über die „Schweizer" wird zur 
Grundlage dienen müssen ; ich hebe daraus nur hervor, dass der zweite Teil von 
Bodmers Schrift wider „Lessings unäsopische Fabeln" auf Grund des Originalms. 
Breitinger zugewiesen wird. Im ganzen wird gewiss jeder Litteraturfreund aufrichtig 
bedauern, dass Baechtold sein von den ältesten Zeiten unseres Schrifttums beginnen- 
des Werk mit Bodmers Tode schliessen lässt und nicht bis auf unsere Tage weiter 
geführt hat. — 

Ein beschränkteres Thema,dieLitteratur Meck 1 e n b u r gs, hat sich Lorenz*") 
gewählt. Diesem jungen Autor ist das Studium von Bernays oben besprochenem 
Aufsatz (s. N. 44) über „Noten" dringend zu empfehlen. Sein Text ist nur ein 
klapperdürres Gerippe, und jeder einzelne Knochen ist mit mehreren Nummern ge- 
kennzeichnet, welche angeben, wo man die zugehörigen .Muskeln, Nerven usw. 
auffinden kann. Zu 23 Seiten Text gehören 135 Anmerkungen auf 31 enggedruckten 
Seiten; es kommt sogar vor, das ein Satz des Textes in der durch mehr als zwanzig 
Seiten getrennten Note einfach fortgesetzt wird. Von einer Lektüre der Schrift kann 
daher nicht geredet werden, sondern nur von einem stückweisen Zerhacken des 
Textes und Zerpflücken der Anmerkungen. Man ersieht dabei, dass der Vf. sehr 
fleissig gearbeitet hat und weit mehr aus dem gesammelten Stoff hätte machen 
können. Er richtet sein Forschen einerseits auf die geborenen Mecklenburger, anderer- 
seits auf die Ausländer, welche eine Zeitlang ihren Wohnsitz in Mecklenburg hatten ; 
so kommt auch Ulrich von Hütten unter die Rostocker. Einen besonderen Wert ge- 
winnt die Schrift durch das Verzeichnis „neulateinischer Dichter Mecklenburgs", deren 
die Noten dreiundsechzig mit biographischen und bibliographischen Daten anführen, 
während der Text nur Chytraeus und Caselius nennt (vgl. III 1 : 136). — 

Zwei Aeusserung'en aus Böhmen bekunden, wie das dort in lebhaftem 
Kampfe sich behauptende Deutschtum auch aus der Geschichte seines geistigen Lebens 
und seiner Litteratur Kraft zu schöpfen sucht. Bach m an n''^^ hebt die wechselnden 
Phasen des bald unterdrückten, bald kräftig sich erhebenden Deutschtums hervor, 
und lässt besonders helles Licht auf Karl Heinrich Seibt fallen, der seit 1763 deutsche 
Litteratur in deutscher Sprache an der Prager Universität vortrug und damit den vollen 
geistigen Kontakt zwischen Böhmen und dem Reich wiederherstellte. — Speciell mit 
der deutschen Litteratur in Prag beschäftigt sich der Vortrag von K l aar.'*''*'*) — 

In der Reihe der Sammelwerke aus dem Gebiete der Litteraturgeschichte 
steht die von Erich Schmidt und Burdach*''') veranstaltete Ausgabe von 
W. Scherers „Kleinen Schriften" voran. Seh. und B. haben sich die Arbeit so geteilt, dass 
der erstere den Arbeiten Scherers zur neueren Litteratur, Kunst und Zeitgeschichte, 
der letztere den Aufsätzen zur altdeutschen Philologie seine Sorgfalt zugewandt 
hat. Absolute Vollständigkeit der Sammlung war die Absicht der beiden Heraus- 
geber nicht; auch nicht eine Auswahl dessen, was heute noch am ehesten mass- 
gebende wissenschaftliche Bedeutung hätte; sondern der Wunsch, ein charakteristisches 
Bild des persönlichen Wirkens und der persönlichen wissenschaftlichen und auch in 
weitere Kreise eingreifenden Verdienste Scherers zu geben. Das ist in vorzüglichem 
Masse gelungen; gerade aus den kleineren Beiträgen, die zum Teil Tagesblättern ent- 
stammen, und deren Aufnahme Missgünstige vielleicht bekritteln mögen, tritt die 
Individualität greifbar leibhaftig heraus. Was am merkwürdigsten in ihr erscheint, 
ist die Verbindung des durch und durch Modernen mit einer Gesinnung der Pietät 
für die Grösse deutscher und antiker Klassik, wie sie wärmer und stärker nicht ge- 
dacht werden kann. Viele Gegner Scherers, die sich in das Moderne dieses sprühenden 
Geistes nicht finden konnten und daher seine „Poetik" als eine Art Schreckbild 
sich und anderen vorzuhalten pflegen, werden vielleicht mit Verwunderung aus diesen 
Aufsätzen erkennen, wie einseitig sie den Mann beurteilt haben, und um wie viel seine 
Begeisterung für die klassischen Schätze die ihrer heutigen Verteidiger übertreffen 
hat. Ich wenigstens kann mich kaum entsinnen, in jüngster Zeit so kräftige Worte 
zu Gunsten des klassischen Gymnasiums gelesen zu haben, wie sie aus Scherers 
Feder geflossen sind, und mit so schwungvoller Ueberzeugung die Unvergänglichkeit 
unserer klassischen Dichterwerke preisen gehört zu haben, wie es Scherer gethan hat. 



V(etter): SchwB«. 3, 1, S. 218-21; Geg. 43, S. 127; RH.50, 8.222.|| — 111) K. Lorenz. D. Anteil MecWenbnrgrs an d. dtsch. 
Nationallitt. v. d. Anf&ngen bis z. Ende d. 17. Jh. Dias. Rostoclc, Stiller. 64 S. M. 1,60. — 112) H. Baohmann, Dtsch. 
Geistesleben in Böhmen: VossZgB. 1892, N. 34. — 113) A. Kl aar, D. dtsch. Lttt Prags. Vortr.: Bohemia N. SO. (Referat.) 
— 114) O X J- Wiesner, Kloster Adraont in d. Litt.-Ge8ch. : HPBll. 110, S. 362 — 115) X **. Xigg, Biographien d. österr. 
Dichterinnen n. Schriftstellerinnen. Kornnenbnrg, Kahlhopf. 61 S. M. 2,00. — 116) X Neuere irissenschaftl. n. litt. Leistangen 
d. dtsch. Jesuiten: Kath. 1, S. 172. — 117) W. Scherer, Kleine Schriften. Her t. Rrioh Schmidt n. K Bnrdach. 8 Bd«, 



I 1:118-121 O. Harnack, Litteraturg-eschichte. 1892, 1893. 

Es fehlt g-anz und gar die zaghafte Resignation, welche jetzt fast die Regel — auch 
bei Gleichgesinnten — geworden ist. Aber die Frage taucht auf: ist niclit an der 
Verzerrung, welche Scherers Bild bei seinen Gegnern erfahren hat, auch manche 
Einseitigkeit der Schüler mitschuldig? Mir wenigstens will es scheinen, wenn ich 
diese Aufsätze durchgehe, als ob ihr Gedankenreichtum unter den Anhängern 
Scherers sehr ungleichmässig fortgewirkt habe, dass im ganzen nur mit wenigem 
von ihnen weitergewirtschaftet wird. Freilich wäre im Zusammenhang damit eine 
Untersuchung wünschenswert, inwieweit Scherers Gedankenkreis sich im Lauf der 
Jahre selbst verändert hätte, und einzelne Gedanken nur bestimmten Jahren an- 
gehörten. Dies würde eine chronologische Anordnung der Schriften erfordern, 
während die Herausgeber eine Anordnung nach sachlichen Gruppen vorgezogen 
haben. Seh. gliedert den Stoff in „Essays zur Litteratur, Kunst, Politik", „Litterarische 
Rundschau," „Recensionen und Abhandlungen zur neuhochdeutschen Litteratur- 
geschichte." Verwandtes findet sich in B.s Band unter den Rubriken „Poetik", 
„Litteraturgeschichte" (Mittelalter), „Universität und Schule". Auf die einzelnen, zum 
Teil schon vor mehr als zwanzig Jahren entstandenen Aufsätze einzugehen, liegt 
naturgemäss ausserhalb des Rahmens dieser Jahresberichte. — Der zweite uns vor- 
liegende Sammelband litterarhistorischer Studien ist Michael Bernays gewidmet i*^). 
Leider haben die Schüler und Freunde, welche auch den Anlass dieser Huldigung 
nicht angeben, es ebenso unterlassen, irgendein zusammenfassendes, charakterisierendes 
Wort vorauszuschicken oder nachzusenden, welches die geistige Gemeinschaft, in der 
sie sich fühlen, und die Art der wissenschaftlichen Anregung, welche sie von dem 
geistvollen und vielseitigen Gelehrten empfangen haben, bezeichnet. Die sehr ver- 
schiedenartigen, auch in die englische, französische und spanische Litteraturgeschichte 
hinübergreifenden einzelnen Aufsätze müssen den betreffenden Specialrubriken der 
Berichte zur Beurteilung überlassen werden. — Zum siebzigsten Geburtstage K. von 
Maurers haben eine Reihe seiner Schüler dem verehrten Lehrer eine Sammlung 
„Germanistischer Abhandlungen" dargebracht^'^). — Einen interessanten Band etwas 
altkluger Essays hat Weig an d '^o) herausgegeben. Vier Essays freilich beschäftigen 
sich mit der französischen Litteratur, und der fünfte, welcher „Zur Psychologie des 
19. Jh." betitelt ist, giebt mehr eine Psychologie des Vf.; aber es fällt doch einiges 
für die deutsche Litteraturgeschichte ab. Eine Betrachtung über Wilhelm von Humboldt 
erklärt aus seinem geistigen Aristokratentum die geringe Wirkung, welche er heute, in 
einer demokratischen Litteraturperiode, ausübt; auch mehreren neueren Schriftstellern 
Deutschlands sind einige Seiten gewidmet. Im ganzen entspricht die Bedeutung 
dessen, was W. zu sagen hat, nicht der Tiefe der weisen Runzeln, in welche er seine 
Stirne zieht; es fehlt die Klarheit der Grundsätze; zwischen der stofflichen, den Wert 
des psychologischen Materials vor allem schätzenden Auffassung der Poesie und der 
an Schönheit der Form sich begeisternden Anschauung hat er bisher weder den Aus- 
gleich--noch die Versöhnung gefunden, so abgeklärt und gesammelt er auch schreiben 
will. — Weigands Essays führen uns zu den zahlreichen Publikationen hinüber, 
welche die Litteratur nur nach ihrer heutigen Art und Wirkung betrachten, aber 
auf diesem Wege doch zu allgemeingiltigen Resultaten zu kommen glauben. Die 
Ueberschätzung des Nächstliegenden, des „Aktuellen", hat in einem sehr bedenklichen 
Masse zugenommen, und droht einer sicheren historischen Erkenntnis immer mehr 
den Boden zu entziehen und die Lebensluft zu rauben. Es wäre ein schönes Ver- 
dienst dieser Jahresberichte, wenn es ihnen gelänge, auf litterarischem Gebiet gegen- 
über der erdrückenden Fülle der herandrängenden Phänomene des Tages der Kritik 
den Halt fester historischer Erkenntnis wahren zu helfen. In dem Buch „Neuland" 
von Ella Mensch i^i) ist durch die Nähe des Standpunkts das Augenmass für die 
Grösse der einzelnen Erscheinungen ganz verloren gegangen. Unbedeutende Feuille- 
tonisten werden neben gewichtigen Männern als Autoritäten genannt. Die einzelnen 
Schriftsteller werden nach ihrer Bedeutung für eine moderne Weltanschauung ge- 
messen, deren Inhalt gar nicht angegeben werden und darum auch keinen Massstab 
geben kann. Auf diese Urteile können wir hier nicht eingehen ; wir begnügen 
uns damit zu konstatieren, dass ein wissenschaftlich wertvolles Urteil nur zu stände 



I. Bd.: Kleine Schriften z. altdtsoh. Philol. II. Bd.: Kleine Schriften z. neueren Litt, Knnst u. Zeitgesch. B., Weid- 
mann. 1892. XXIV, 782 8.; VII, 415 S. M. 15,00; M. 8,00. |[H. Bettelheim: NationB. 10, S. 725/7; A. v. Weilen: 
AZg«. N. 202/3; RCr. 36, S. 301/2; V. V.: LCBl. S. 1549-51; M. Necker: NFPr. 4. Okt.; id.: BLU. S. 609-ll.]| (S u. I 2 : 2.) 
— 118) Studien z. Litt.-Gesch. M. Bernays gewidmet v. Schölern u. Freunden. Hamburg u. L., Voss. VII, ."JSO S. M. 8,00. 
|[R. M. Meyer: ML. S. 495.'6; LCBl. S. 893; F. Munoker: BBG. 29, S. 641/3; A. Schröter; BLU. S. 581; Grenzb. 3, 
S. 287; DR. 3, S. 256; LZg». N. 83; 0. Pniower: VossZg". N. 44.]| - 119) Germanist. Abhandlungen z. 70. Gebnrtst. K. y. 
Maurers dargebracht v. 0. Brenner, F. Dahn, C. Gareis, W. Golther, Valtyr, GuÖmundsson, Ebbe Hertzherg, 
Finnur Jönsson, Karl Lehmann, Ernst Mayer, Bj. M. Olsen, Axel Petersen, V. A. Secher, Ph. Zorn. 
Göttingen, Dieterich. VII, 554 S. M. 16,00. — 120) W. Weigand, Essays (Voltaire, Rousseau, Taine u. Sainte-Beuve. Z. Psycho- 
logie d. Decadence. Z. Psychologie d. 19. Jh.) Neue Ausg. München, H. Snkaschik. 1892. 323 S. M.4,50. (Vgl.JBL 1892IV la: 15.) — 
121) Ella Mensch, Neuland. Menschen u. Bücher d. modern. Welt. St., Leyy & Möller. 1892 V, 342 S. M. 5,50. (VgL 



O. Harnaok, Litteratur^eschiohte. 1892, 1893. I 1 : 122-140 

kommen kann, indem man die Erscheinungen der Geg-enwart an der Verg-angenheit, 
nicht indem man sie an einer erträumten Zukunft misst. — Der litterarische Essay 
hat in Frankreich eine reichere und bedeutsamere Ausbildung gewonnen, und die 
dort erschienenen Sammlungen aus beiden Berichtsjahren sind nicht nur zahlreicher, 
sondern zum Teil auch wertvoller als die deutschen. Die Namen Taine*22-i23^ und 
Brunetiere i24j (vgl. JBL. 1891 I 1:11) haben wir aus Anlass neuer Auflagen oder 
Kritiken wenigstens zu nennen. — Durch klare Grundsätze und zuverlässiges Urteil 
zeichnet sich das Buch von Doumic'^*) aus, das in einer Reihe von Essays uns 
von Dumas bis auf J. Weiss führt. Der Vf. urteilt streng über den modernen 
Naturalismus, aber nicht als Anhänger veralteter Theorien, sondern weil er erstens 
seine Naturdarstellung nicht wahr, und zweitens in ihm einen starken Zusatz von Roman- 
tizismus findet. Die Richtung im ganzen, urteilt D. am Schluss, sei dennoch anzu- 
erkennen; denn sie gehe davon aus, dass die Dichtung nicht eine Welt für sich zu 
gründen habe, dass das Ideale nur der höchste Ausdruck des Realen sein könne, 
dass die Litteratur uns nicht vom Leben abziehen, sondern nur beständig in das 
Leben hineinführen müsse; diese Absicht hätten indes, wenn auch mit anderen 
Mitteln, die grossen Dichter früherer Zeiten ebenso gehabt. So verständige Worte 
bekommt man in dem litterarischen Parteihader Deutschlands selten zu lesen. — 
Weniger Ausbeute liefern die Essays von de Vogüe^^e^, welche zum grösseren 
Teil politischen Inhalts sind (etwas chauvinistisch gefärbt), und in ihrem litterarischen 
Teil sich über verschiedene französische und russische Autoren mit feiner Nach- 
empfindung verbreiten, ohne doch eine bestimmte Gesamtanschauung erkennen zu 
lassen. 12"?- 133) _ Eine litterarische Enquete über die Zukunft der Litteratur hat in Frank- 
reich H u r e t '34) als persönlicher Interviewer zahlreicher Schriftsteller veranstaltet. Im 
allgemeinen liefen die Urteile darauf hinaus, dass die Zeit des Naturalismus vorüber 
sei; selbst seine persönlichen einflussreichsten Vertreter wagten nicht eine baldige 
Kräftigung für ihn vorauszusagen; allein die Keime der Neugestaltungen zu er- 
kennen, wurde für kaum schon möglich erklärt, weil die modernsten Richtungen 
der Symbolisten, Decadents usw. noch zu wenig positive Schöpferkraft gezeigt hätten, 
als dass man von ihnen beherrschende und epochebildende Leistungen erwarten 
könne. — Wie Huret jenseits der Vogesen, so hat in Deutschland Gro tte witz ^'5) 
durch eine Enquete bei bedeutenden und unbedeutenden Schriftstellern die Zukunft 
der Litteratur feststellen wollen ; die Antworten sind so ungleich ausgefallen, dass 
man aus ihnen nicht einmal entnehmen kann, wie man sich im J. 1892 in Deutsch- 
land die Zukunft der Litteratur gedacht hat; auch die Antworten derjenigen, welche 
bloss erklärten, dass sie nichts zu sagen hätten, hat G. gewissenhaft abgedruckt. — 
In Italien klagte Capuana'^«-) i-^^ ^er Einleitung seiner Essays, welche italienische 
und französische Schriftstefler behandeln, über den Verfall der schönen Litteratur und 
des Theaters, welche beide keine einflussreiche Rolle mehr im italienischen Geistes- 
leben spielten. *3-- 139) — 

Es seien hier noch verschiedene Schriften angereiht, welche einzelne 
Seiten oder Stoffgebiete des litterarischen Schaffens durch den Gang der Entwick- 
lung hin verfolgen. Graffun der s i*») Vortrag (vgl. 14: 148) fällt nur durch einige 
allgemein einleitende Aeusserungen in den Rahmen dieser Berichte. Er meint, um 
den deutschen Nationalcharakter zu erkennen, könne man nur die altdeutsche 
Litteratur zu Rate ziehen, da unsere neuere Litteratur durch die klassische einen 
kosmopolitischen Charakter trage. Mir scheint darin ein doppelter Fehler zu liegen: 
erstens hat auch die Dichtung des Mittelalters sehr viel fremde Einflüsse erfahren, 
zweitens ist unsere klassische Dichtung trotz ihres Humanitätscharakters durchaus 
nicht kosmopolitisch; ein idealisiertes Deutschtum, veredelt durch das, was man für 
Griechentum hielt, schwebte unsern grossen Dichtern vor, und wer Hermann und 
Dorothea dichtete, hatte nicht nötig ins Mittelalter zurückzugehen, um Deutschtum 



JBL. 1892 I 4:856; IV la:4.) — 122) X H.Taine, Nonveanx essais de critique et d'hist. 5. 6d. Paris, Haohette. 1«». 332 S. 
Fr. 3.60. — 123) X id., Essais de critique et d'hist. 6. 6d. ib. XXXI, 492 S. Fr. 3,50. — 124) X E. Fagnet: RPL. 1892. 
1, 8. 440; GidsS, S. 166-76. — 125) R. Donraic, Portraits d'ecrivains. Paris, Delaplane. 330 S. — 126) K M. d e Vogfie, 
Regards bist, et litt. 2. 6d. Paris, Colin et Cie. 1892. 364 S. (Vgl. JBL. 1892 I 11 : 101.) — 127) O X A. France, La vie 
litt. Paris, LÄvy. XVI, 372 S. Fr 3,50. — 128) X O Memoires de la yie litt (1878-84): (= Journal desGonconrt. 2. sirie, 
3. voL). Paris, Charpentier & Fasquelle. VIIl, 357 8. Fr. 3,50. — 129) X O Marie Leyoyer deChant^pie. Souve- 
nirs et impressions litt. Paris, Perrin et Cie. 283 8. - 130) O X A. Bajn, L'anarchie liti Paris, L. Vanier. 1892. 35 8. 
Fr. 0,60. (Vgl. JBL. 1892 I 11 : 203 ) - 131) X O P- Stapf er. Des repntatations litt. Essais de morale et d'hist. Paris, Haohette. 
16». XII, 388 S. [RPL. 1, 8. 769.]! — 132) X G. Pfilissier, Essais de litt, contemp. Paris, LecÄne, Ondin et Cie. 399 S. 
Fr. 3,50. - 133) O X E- Gerth, Z. litt. Kritik in Frankreich: BLÜ. 1892, 8. 417/9. — 134) J. Huret, Enquete sur 
l'erolution litt. Conirersations arec Mm. Renan, de Goncourt, Emile Zola etc. 2. raille. Paris, Charpentier. 1891. XXI, 456 8. 
M. 3,50. (Vgl. JBL. 1891 IV 11:3.) - 135) K. G rotte witz, D. Zulcunft d. Litteratur. B., Hochsprung. 1892. 128 8. M. 1,50. 
(Vgl. JBL. 1892 I 11:259-60.) — 136) L. Capuana, Libri e teatro. Catania. Giannotta. 1892. XXXVII, 283 8. L. 2,50. 
|[NAnt. 42, 8. 161/8.]| — 137) X Einiges ober d geistige Produktion Deutschlands: TglRsB. 1892, N. 112. — 138) X A. Fried- 
mann, Litt. Geplauder: Dichterhalle 12, 8. 126/8. — 139) X L. Prinkel, D. neudtsch. Litt, im Lichte d. Wissensch.: 
Geg. 44, B. 57/8. — 140) P. Graffunder, D. dtsoh. Natianalcharakter in altdtsch. Dichtungen, Fürsten walde, Qeelhaar. 



I 1 : 141-158 0. Harnack, Litteraturgeschichte. 1892, 1893. 

zu finden. G.s im einzelnen sehr wohl g-elung-ene, hübsche Darstellung- hätte diese 
Verbrämung übrigens gar nicht nötig. i**) — Ein Vortrag von Krauss'^^-j ü^er 
die dichterische Behandlung der württembergischen Fürsten ist mir nicht zugänglich 
gewesen, ebenso wenig zu meinem Bedauern Becks'*^) Arbeit über die protestantisch- 
rehgiöse Volkslitteratur, welche Anerkennung erfahren hat, doch nur für die 
rationalistische Periode dürftig gefunden worden ist.i*^") — 

Im folgenden stelle ich eine Anzahl Schriften zusammen, welche den 
praktischen Beruf und die äussere Lage der Schriftsteller behandeln. Das 
elementare Werkchen von Keiter^^*) ist in vierter Auflage erschienen; ein ähnliches 
Schriftchen, dessen mangelhafter Stil bei einem Ratgeber für Schriftsteller besonders 
auffällt, hat Schinkei^^) herausgegeben. — Wildenbruch i^«) ist in schwungvoller 
Rede für die Hebung des öffentlichen Ansehens der Schriftsteller eingetreten, während 
Spielhagen i^'^) ihre gegenwärtige Stellung wohl mit etwas zu viel Optimismus 
charakterisiert. — Kuhmerker^^^) rechtfertigt die grosse Anzahl schriftstellerischer 
„Proletarier", deren Erzeugnisse unbeachtet vorüber gehen, weil den Vf. ein Name 
fehlt, und die doch oft Wertvolles enthalten. — Friedmann i*^) spricht leb- 
haft über die Pflicht des journalistischen Kritikers, sich vorurteilslos in das zu 
kritisierende Werk zu versenken, und nicht nach vorgefassten Theorien es abzu- 
urteilen, wogegen Berg i'^o) diese Forderung der Objektivität als der freien rückhalt- 
losen Meinungsäusserung widersprechend bekämpft, ja auch die egoistische „Politik" 
des Kritikers entschuldigt; zur Hebung des Ansehens der litterarischen Kritik würde 
die Verbreitung letzterer Ansicht kaum beitragen. i^^"^^^) — 

Zu Gunsten des Publikums schreibt Schönbach *^*"'*^); gleichsam als 
Nachträge zu seinem bekannten trefflichen Buche (vgl. JBL. 1890 I 5 : 44) erschienen 
zwei kleine Aufsätze: „Ueber Lesen und Schreiben" und „Was wir lesen". Seh. ist 
ein scharfer Beobachter der thatsächlichen Lektüre unserer Gebildeten und ein ver- 
ständnisvoller Ratgeber zu passender Auswahl des Lesestoffs; etwas Eingenommen- 
heit zu Gunsten katholischer Litteratur macht sich dazwischen geltend. — An- 
erkennung hat auch ein verwandtes, mir unzugänglich gebliebenes Büchlein von 
Keiter^^ö) gefunden. — Die Absicht, Litteraturkunde als Prüfstein allgemeiner 
Bildung examenmässig zu verwenden, bekämpft ein anonymer Universitätslehrer *^'). 
— Gegenüber all diesen in der Betrachtung der Tagesbedürfnisse sich begnügenden Ver- 
suchen erscheint gewaltig, wie aus einer anderen Welt stammend, was de Lagarde'^^) 
in seinen „Deutschen Schriften" als Richtpunkte für das litterarische Leben hinstellt. 
Die einzelnen Abhandlungen, welche im dritten Abdruck der Gesamtausgabe vereinigt 
sind, stammen zum Teil schon aus langvergangenen Jahren; sie berühren auch die 
Litteratur nur flüchtig; aber das raubt ihren Aussprüchen weder Frische noch 
Gewicht. Wenn heutzutage in dem Drang nach dem Modernsten sich manche Schrift- 
steller mehr und mehr bemühen, Eintagsfliegen zu werden, so redet hier ein Mann, 
der nur dauernde, organisch gewachsene Litteratur und nur ein in den natürlichen, 
eigentümlichen Verhältnissen des Individuums und des Volkes fest begründetes 
litterarisches Interesse anerkennt. Daher sein Grimm sowohl gegen die Zeitungs- 
lektüre der Männer als gegen die Goldschnittlitteratur der Frauen. Beides hat frei- 
lich, seitdem er seine zornigen Worte schrieb, noch ins Grenzenlose zugenommen, 
und es ist keine Aussicht, sobald auf den von ihm gewiesenen Weg zu gelangen. — 
Gleichsam als Bekräftigung dessen führe ich hier noch ein paar registrierende und 
lexikalische Werke an, die für das heutige litterarische Leben bezeichnend oder 
unentbehrlich sind. Zwei „Citatenschätze" sind in den Berichtsjahren ans Licht 
getreten; die thatsächliche Beliebtheit solcher Bücher ist nicht zu bestreiten. Das 



48 S. M. 0,75. — 141) X H. A. ReuBch, Heimat- u. Vaterlandsliebe in Dichtermnnd u. Völkerleben: NBllEU. 22, S, 73-97. 
— 142) O Rnd. Krauss, Württemberg. Fürsten in Sage u. Dichtung: KBGV. 41, S. 129-38. — 143) O H. Beck, D. relig. 
Volkslitt. d. evangel. Kirche Deutschlands in e. Abriss ihrer Gesch. (= Zimmers Handbibl. d. prakt, Theologie Bd. X, c). 
Gotha, Perthes. X, 291 S. M. 5,00. |[LCB1. S. 235/6.]| — O 143a) A. F. W. Fischer, D. kirchl. Dichtunjr, hauptsächlich 
in Deutschland. f= Zimmers Handbibl. d. prakt. Theologie. Bd. VI, a). ib. 1892. XV, 241 S. M. 3,80. |[E. Chr. Achelis: 
ThLZ. 18, S. 335/8.JI — 144) H. Kelter, Prakt. Winke. Für Schriftsteller u. solche, d. es werden wollen. 4. Aufl. Regens- 
burg, Selbstverl. 12«. 52 S. M. 0,60. |[DE. 1, S. 395.]| (Vgl. JBL. 1891 I 1: 65.) - 145) C Schinke, D. Schriftsteller. 
Ratgeber für d. Mitarbeiter d. litt. Zeitungs- u. Zeitschriften- Verkehrs. Zürich, Th. Schroeter. 1892. 94 S. M. 1,50. — 
146) E. V. Wildenbruoh, Rede z. Bankett d. Schriftstellerverbandes: NatZg. 22. Jan. (Referat.) — 147) F. Spielhagen, 
D. gesellschaftl. Stellung d. Schriftsteller: ML. 61, S. 16,8. — 148) H. Kuhmerker, D. schriftstellerische Proletariat: 
Dichterhalle 12, S. 94,6. 110/1, 128/9. — 149) A. Fried mann, V. feindlichen Brüdern (Dichtung und Kritik): ib. S. 5/6, 
26/7. — 150) L. Berg, D. heilige Objektivität: ML. 62, S. 91,3. — 151) X 0. Neumann-Hofer, D. litt. Erbrecht: Zeit- 
geist N. 52. - 152) X A. Kerr, D. Zeitschriften n. d. Litt.: ML. 61, S. 36/9, 218-22, 469-70, 479-81, 675/7. (Vgl. auch 
JBL. 1892 IV le:378.) — 153) X F. Hirsch, Suum ouique. E.Wort wider e. litt. Unrecht. Dem allg. dtscli. Journalisten- 
u. Schriftstellertage v, 11. Sept. zu Weimar gewidmet : ib. S. 569-71. — 154) A. E. Schönbach, Ueber Lesen n. Schreiben: 
Geg. 44, S. 335/7. — 155) id., Was wir lesen (Blätter aus meinem Merkbuche): Vom Fels z. Meer 1892, S. 200'4. — 
156) O H. Keiter, D. Kunst, Bücher zu lesen u. namentl. dichterische Erzeugnisse zu würdigen. Regensburg, Selbstverl. 
12». IV, 88 S. M. 0,75. |[ÖLB1. 2, S, 239; LZgU. N. 42.J| - 157) Dtsch Litteraturkunde als Prüfstein allgemeiner Bildung! 
V. e. akad. Lehrer: ML. 61, S. 299-300. — 158) P. de Lagarde, Deutsche Schriften. Gesamtausgabe letzter Hand. 3. Abdr. 
Göttingen, Dieterich. 1892. 420 S. M. 4,00. |[G. Roethe: VossZtgB. N. 5/6 (nicht blosse Reo., sondern e. Naohsohaffen 



I 



O. Harnack, Litteraturg-eschichte. 1892, 1893. . II: 159-172 

wertvollere von beiden ist das von Eiohneri^''), das eine sehr ausgebreitete Litteratur- 
kenntnis und treffenden Takt in der Auswahl zeigt; daneben ist Neumanns '^*>) 
Sammlung ein etwas naives Büchlein, das aus den bekanntesten Dichtungen haupt- 
sächlich „schöne" Stellen, die weniger zu denken geben, als das Gemüt anregen, zu- 
sammenbringt 1^'), — 

Auch für den Litterarhistoriker hat Interesse die Schrift von Melitz'ß^^. 
Er giebt eine übersichtliche Inhaltsangabe der Theaterstücke der Weltlitteratur, 
nach alphabetischer Anordnung der Dichternamen; das Buch soll zu praktischen 
Theaterzwecken dienen, und mag zur ersten Orientierung für denjenigen, dem der 
Inhalt eines Stückes bisher gänzlich unbekannt war, brauchbar sein ; über eine 
mechanische Wiedergabe der Momente der äusseren Handlung geht es nicht hinaus 
(man lese nach, was über Goethes Tasso gesagt ist). Die Masse des gesammelten 
Stoffes giebt ihm trotzdem einen gewissen Wert. — Von biographischen Lexicis ist 
an erster Stelle „der Kürschner" '^3) zu nennen, der mit jedem Jahrgang praktischer 
und vollständiger sich gestaltet; letzteres wird dadurch nicht beeinträchtigt, dass 
auch manche Namen, welche einmal verzeichnet waren, wieder verschwinden, wenn 
sie sich nicht dauernd als Schriftsteller-Namen bewähren.^^^^ — Von Hinrichsens ^^^) 
litterarischem Deutschland ist die zweite Auflage erschienen, welche manche neue 
Artikel bringt, aber nicht alle früheren bis auf die neueste Zeit fortgeführt hat und 
dadurch an Wert einbüsst. — Gegen die ADB. richtete Geiger ^^^) einen sachlich 
nicht unberechtigten Artikel, welcher die Ungleichmässigkeit der einzelnen Lebens- 
beschreibungen und die unbequemen Abweichungen von der alphabetischen Reihen- 
folge tadelte, vielleicht aber die grossen Schwierigkeiten der Leitung eines solchen 
Unternehmens nicht genügend berücksichtigt. — Der verdienstvolle Herausgeber, 
von Liliencron *^'), verteidigt sich in einer liebenswürdigen, für Anerkeunung 
mildernder Umstände plaidierenden Erklärung. — Wurzbachs ^^^) für eine Menschen- 
kraft fast zu gross scheinendes biographisches Werk (vgl. JBL. 1891 I 1:55) wurde 
endlich mit dem 60. Band abgeschlossen. Die grossen Verdienste dieses Werkes in 
der Herbeischaffung eines gewaltigen Thatsachenmaterials sind allgemein bekannt 
und gewürdigt; in der Ausführung macht sich freilich öfters der politische oder 
nationale Standpunkt geltend, welcher manches verschweigen lässt, was dem Heraus- 
geber zweifellos bekannt war. — Die auch für die Litteraturgeschichte reichhaltigen 
allbekannten Werke von Brockhaus ^^9) und Meyer '"^^^ fuhren fort in neuen 
Auflagen zu erscheinen. Gegen das letztere wurde von socialdemokratischer Seite 
(in der NZ^*.) ein scharfer Angriff gerichtet, der vieles entstellte und aufbauschte, 
aber auch manche unzweideutige Neigung zu tendenziöser Darstellung aufdeckte. 
Es ist zu wünschen, dass solche Nachschlagewerke sich der äussersten Sachlichkeit 
und peinlichsten Objektivität befleissigen. — Von grosser Bedeutung für die philo- 
logische Behandlung der Litteraturgeschichte ist das grosse Quellenwerk: „Ver- 
zeichnis der Hss. im Preussischen Staate"*''') (vgl. I 3 : 28). Der erste Band umfasst nur 
einen Teil der Hss. der Göttinger Universitätsbibliothek, doch unter ihnen schon die- 
jenigen, welche für die deutsche Litteraturgeschichte in Betracht kommen. Es sind 
in der Abteilung „Philologie" die N. 183 0— 209, in der Abteilung „Historia 
Litteraria" besonders die Sammlung der Biographien (N. 10—46). Das dort Re- 
gistrierte hier wiederum zu registrieren, würde zu weit führen. ~ Von dem Jahres- 
bericht über die Erscheinungen auf dem Gebiet der germanischen Philologie* ''2) sind 
der 13. und 14. Jahrgang erschienen; dieser Bericht erfüllt bekanntlich seine Aufgabe 
in umfassendster Art, indem er alle Zweige germanischer Philologie berücksichtigt, 
schränkt sich aber in zeitlicher Richtung ein, indem er nur bis zum 16. Jh. der 
litterarhistorischen Forschung folgt und sich an diesem Punkt mit unseren Jahresberichten 



d. Gedanken de Lagardes).]! (Vgl. JBL. 1892 IV 5 : 290.) — 159) W. Eichner, Aus Werkstätten d. Geistes. E. litt. 
Citatenschatz. Frankfurt a. 0., H. Andres & Cie. 800 S. M. 6,00. — 160) H. Neumann, Dichterworte. Aussprüche hedeu- 
teuder Geister aller Nationen. Breslau, Koebner. 111, 232 S. M. 2,00. — 161) X A. H. Fries, D. kleine Böchmann. 2. Aufl. 
L., Gessner & Schramm. VII, 120 S. M. 1,50. — 162) L. Melitz, D. Theaterstücke d. Weltlitt., ihrem Inhalte nach wieder- 
gegeben. 2., völlig neu bearb., durchwegs verb. Aufl. Mit e. Einl. z. Gesch. d. dramat. Litt. (r= Konversations-Lex. d. Weltlitt. 
Bd. 1.) B. u. L., Wiener. LVIII, 643 S. M. 5,00. |[ÖLB1. 2, S. 557.] | - 163) J. Kürschner, Dtsch. Litt.-Kalender auf 
d. J. 1893. 15. Jahrg. Eisenach, Selbstverl. 12». 1586 S. Mit 2 Bildern. M. 6,50. |[LCB1. S. 991.]| — 164) XV. Har- 
dung, Schweiz. Litt.-Kalender. Zürich, Erb. IV, 259 S. M. 3,00. |[LCßl. S. 1318/9.]| — 165) A. Hinrichsen, D. litt. 
Deutschland. Mit Einl. v. C. Beyer u. Sachregister v. J. Frhr. v. Wagner. 2. Aufl. B., ,Norddtsch. Verl 1892. -XXVI, 
1471 S. M. 18,00. — 166) L. Geiger, Die ADB. E. Notschrei: NatZg. 1892, 31. Dec — 167) ß. v. Lilien- 
cron. In Sachen d. ADB.: ib. 8. Jan. — 168) Wurzbachs Biograph. Lexikon d. Kaisertums Oesterrelch: AZg". 1892, 
N. 207. (S. u. 1 2:40.) — 169) Brockhans, Konversationslexikon. 14. Aufl. 7. u. 8. Bd. L., F. A. Brockhaus. 1028 S.; 
1020 S. ä M. 10,00. |[Alex. Meyer: Nation«. 10. S. 889; BLU. S. 4623; Ed. Sack: FZg. 30. März.]| — 170) 
Meyers Konversationslexikon. 4. Aufl. 19. Bd. Jihres-Supplement 1891-92. L., Bibliograph. Inst. XIV, 1018 S. 
M. 10,00. IfNZSt. 11, ji^. 20, 22.]| — 171) Verzeichn. d. Hss. im Preuss. Staate. I. Prov. Hannover. 1. Göttingen. 1. Universi- 
tätsbibl Philologie, Litt.-Gesch , Philos , Jurisprudenz. B., A. ßath. X, 587 S. M. 20,00. (D. kurze Vorwort ist unter- 
zeichnet v. Wilh. Meyer, ohne dass darin angegeben wäre, in welcher Beziehung dieser zu der im Auftrag des Unterrichts- 
ministers erfolgten Sammlung steht; vgl. auch 1 3:28 9.) |[M. Perlbach: CBlBibl. S. 547 9.J| — 172) JB. über die Er- 
scheinungen auf d. Gebiete d. germ. Philologie. Her. v. d. Ges. für dtsch. Philologie in Berlin. 13. Jahrg. u. 14. Jahrg. 
Jahresberichte für neuere deutsche Litteraturgeschichte. IV. 3 



I 1 : 173-174 I 2 : 1.4 W. Golther, Geschichte der deutschen Philolog-ie. 

berührt. Doch sind die allg-emeinen Darstelhing-en der deutschen Litteraturg-eschichte 
wie auch die Schriften zu ihrer Methode vollständig- verzeichnet (Abschn. VI). 
— Diese Jahresberichte^'^) wurden in beiden Berichtsjahren vielfach in deutschen, 
wie in ausländischen Zeitschriften besprochen, und allgemein die Notwendigkeit eines 
solchen Unternehmens wie die grosse Stofffülle und die im ganzen praktische 
Anordnung der vorliegenden Bände anerkannt. — Dagegen muss dieser Bericht 
leider mit der Anzeige eines Verlustes schliessen. Im J. 1893 stellte die am 
speciellsten der deutschen Litteraturgeschichte sich widmende Zeitschrift, die „Viertel- 
jahrschrifl" mit Beendigung des 6. Bandes ihr Erscheinen ein. Der Ilerausg-eber, 
Seuffert^'*), verabschiedete sich trüb lächelnd mit einem von Wieland entlehnten 
Schlusswort, und gern wird ihm jeder das Zeugnis ausstellen, dass es der Zeitschrift 
an seiner rüstig-en Thätig-keit niemals gefehlt hatte; dageg-en dürfte die mangelhafte 
Anteilnahme des Publikums wohl erwiesen haben, dass das Programm sich zu enge 
Grenzen gesteckt hatte, um einen genügenden Leserkreis anziehen zu können, und 
dass eine Erweiterung, wie sie Sauers „Euphorion" (vgl. JBL. 1894 I 1) jetzt durch- 
g-eführt hat, die notwendige Bedingung" für weitergreifenden Einfluss und dauernde 
Existenz bildet. — 



1,2 

Geschichte der deutschen Philologie. 

Wolfg-ang" Golther. 

Geschichtliche Uebersichten N. 1. — Vorläufer (D. von Stade, C. E. Steinbach, J. Spreng, J. Chr. Strodtmann, 
F. J. Stalder) N. 3. - Brüder Grimm N. 8. — Von der Hagen N. 14. — Schmeller N. 15. — Lachmann: Säkularfeier N. 16; 
Briefe N. 22. — Haupt N. 24. — Gervinus N. 25. — Einzelne jüngere Gelehrte (Zarncke, Lexer, Wieen, E. Köhler, Bacmeister, 
K. E. H. Krause, Frischbior, Knorr, Lindenschniit, Zingerle, Wurzbach, Hartfelder, ten Brink, E. v. GottEChall) N. 26. — Ver- 
schiedene Forscher (E. Burnouf, F. Bopp, G. Cartius, Max Müller) N. 48. — 

Eine Ueb ersieht über die Geschichte der germanischen Philolog-ie an 
der Berliner Hochschule giebt uns Weinholds*) Rektoratsrede, 50 Jahre nach Lach- 
manns Rektorat gehalten. W. versteht es, in feinsinnigster Weise die einzelnen Ver- 
treter dieser Wissenschaft und ihre Richtungen zu charakterisieren. Zunächst ver- 
walteten seit 1810 von der Hagen und Zeune das Amt. 1825 erschien Lachmann, 
von 1841 an wirkten die Brüder Grimm als Gäste an der Universität. Lachmann, 
der geborene Kritiker, der scharfsinnigste Beobachter der geistigen Art des sprach- 
lichen Ausdrucks, der metrischen Kunst eines Dichters; Jacob Grimm, der g-eniale 
schöpferische Forscher, der Entdecker neuer Gebiete, der kindlich poetischen Sinn 
mit wunderbarem Scharfblick verband ; Wilhelm Grimm, in mitten beider, feinsinnig, 
künstlerisch angelegt, philologisch sauber. Lachmanns Richtung wurde durch 
Haupt, J. Grimms durch Müllenhoff fortgeführt. Mit Scherer kam die sprach- 
wissenschaftliche Strömung und die Litteraturgeschichte, besonders der neueren 
Zeit, zu stärkerer Geltung als zuvor. W. wünscht in der Litteraturgeschichte Ver- 
einigung der philosophisch-ästhetischen und der philologischen Betrachtung. Einseitige 
Behandlung ist schädlich. Der Philologe allein gerät leicht in Einzelheiten und 
Kleinigkeiten, der Aesthetiker in allgemeine Oberflächlichkeit. W. hebt endlich 
hervor, wo noch am meisten zu arbeiten sei. Er fordert syntaktische und lexikalische 
Studien, namentlich im Anschluss an die Mundart, überhaupt Volkskunde im weitesten 
und tiefsten Verstände; er schliesst mit einer ernsten Mahnung an die Studierenden 
zu redlicher und eifriger Arbeit. — Der erste Band der durch Erich Schmidt und 
Burdach 2) herausgegebenen kleinen Schriften Wilh. Scherers enthält auf S. 1—227 
die zahlreichen Arbeiten zur Geschichte der deutschen Philologie. Obenan stehen 
die Reden und Aufsätze über die Brüder Grimm, über Lachmann, Benecke und 
Haupt; dann kleinere Artikel über Graff, Docen, Massmann, Diemer, Hahn, Jacobi, 
Holtzmann, Mannhardt, Adelung, Erduin Julius Koch usw. Man sieht gerne 

1. Abt. (1891 u. 92). L., Eeissner. 1892-93. 478 S.; 128 S. h. M. 9,00. - 173) Jahresberichte für neuere dtsch. Litt.-Gesoh. 
her. T. J. Elias, M. Herrmann, S. Szamatölski. 1. Bd. (1890). St., Göschen. 1892. XI, 136 n. 196 S. M. 10,00. 2. Bd. 
(1891). ib. IX, 196 u. 275 S. M. 12,00. |[E. Wulckow: Zeitgeist N. 1 ; P. N(iithan ): Nation«. 9, S. 595,6; A. Sauer: 
DLZ. S. 141/6; BLU. S. 399; SchwäbKron. 1892, 13. Juni; 0. F. Walzel: ZOG. 44, S. 994-1001; L. Frftnkel: ZDU. 7, 
S. 433,5; HPBU. 110, S. 229; 0. Harnack: PrJbb. 71, S. 333/4; F Servaes: ML. S 193,4; MLN. 7, S. 63; G. Stein- 
hausen: ZDKG. I, S. 141/2; Calvin Thomas: MLN. 8, S. 372,5; F. Muncker: BBG. 29, S. 218-22; F. Lemmermayer: 
BLU. S. 211/2; A. Chuquet: ECr. 35, S. 128; LCBl. 1892, S. 130/2; ib. 1893, S. 87,9; MHL. 20, S. 193.]| — 174) B. Seuffert, 
Statt eines Schlusswortes : VLQ. 6, S. 628. — 

1) (I 1 :40.) - 2) (I 1 : 117.) - 3) Edw. Schröder, Diederich t. Stade: ADB. 35, S. 853/5. — 4) id., Chrph. 



W, Golther, Geschichte der deutschen Philolog-ie. I 2 : s-u 

Scherers geistreiche, scharfe Charakteristiken in einem bequemen Sammelbande ver- 
einig-t, zumal diejenigen Aufsätze und Nekrologe, welche in der Tageslitteratur verstreut 
und daher nur schwer zugänglich sind. — 

lieber eine Reihe von Vorläufern der grossen deutschen Philologen wird 
in der ADB. berichtet. Dietrich von Stade (1637 — 1718) wird von Edw. 
Schröder^) als ein trefflicher Kenner des Althochdeutschen, der Sprache Otfrieds 
gepriesen. Stade ist der erste deutsche Gelehrte, der über den antiquarischen 
Dilettantismus hinaus, bei dem selbst die tüchtigsten seiner Landsleiite, wie Schilter, 
stehen blieben, zu der klaren Erkenntnis und Forderung fortgeschritten ist, für 
jede einzelne germanische Mundart und für jeden einzelnen Zeitraum müsse zunächst 
eine feste grammatikalische Grundlage geschaffen werden. — Des Arztes C. E. Stein- 
bach (1698—1741) deutsche Grammatik und Wörterbücher — auch sie behandelt 
Edw. Schröder*) — verraten zwar keine altdeutschen Kenntnisse, jedoch gute 
Beobachtungsgabe und Einteilung, z. B.Trennung starker und schwacher Konjugation, 
Beobachtung des Ablautes in der Nominalbildung und dergleichen. — Der Basler 
Joh. Jakob Spreng (1699—1768), den Socin^) bespricht, wurde 1741 Professor 
der deutschen Poesie und Beredsamkeit zu Basel. Er verhalf dem durch Gottsched ver- 
tretenen modernen Typus der neuhochdeutschen Schriftsprache zum Durchbruche gegen 
das bisher übliche süddeutsche Kanzleideutsch. 1744 bereitete er eine Ausgabe des 
Boner vor und berichtete an Bodmer von der Möglichkeit, die Manessische Hs. ab- 
schreiben zu lassen. Die 1748 von Bodmer veranstaltete Ausgabe ist somit wohl 
auf Sprengs Anregung zurückzuführen. Er arbeitete an einem umfassenden historisch- 
kritischen Wörterbuch der deutschen Sprache, wovon 1758 ein Probebogen erschien. 
Das Werk war auf sechs Bände berechnet, gelangte jedoch nicht zum Druck. Die 
Hs. liegt auf der Basler Universitätsbibliothek. Für die Rechts- und Gewerbesprache 
des 14.— 16. Jh. ist sie sehr ergiebig. Auch das „Idioticon Rauracense oder base- 
lische Wörterbuch" bietet viel zur Kenntnis des Alemannischen im 18. Jh. Das 
Werk kann als das beste mundartliche Wörterbuch seiner Zeit bezeichnet werden. — 
Joh. Chrph. Strodtraann (1717— 56) macht nach Edw. Schröder^) im „Idioticon 
Osnabrugense" verständige Bemerkungen über den Unterschied von Stadt und Land, 
Gemeinniederdeutsch und Einzelmundart, Eindringen von holländischen Wendungen. 
Die für ihre Zeit beachtenswerten Leistungen wurden aber bald überholt. — Als ein 
Vorläufer Schmellers wird der katholische Schweizer Pfarrer und Schulinspektor 
Franz Jos. Stalder (1757—1833) von Tobler^) gerühmt. Er schuf seine Werke 
aus genauer Kenntnis des Volkslebens wie aus dem Studium der altalemannischen 
Sprache. Auf dem Ms. der zweiten Auflage des Stalderschen Idiotikons ist das 
grosse neue schweizerische Idiotikon begründet. — 

Eine Charakteristik des Urgross vaters der Brü der Grimm, des Konsistorial- 
rats und geistlichen Inspektors Friedrich Grimm (geb. 1672 in Hanau, gest. 1748), 
gab Steig»), namentlich aus G. Junghans Geschichte der Kirchen Visitationen der 
Hanauer evangelisch-reformierten Kirchen im 18. Jh. (Coblenz 1893). In der Er- 
scheinung und Anlage glich dem trefflichen Manne am meisten Jakob. — Roden- 
berg^) plaudert über seine persönlichen Erinnerungen an die Brüder, über die Be- 
ziehungen zwischen ihnen und ihrer hessischen Heimat. — Steigs Buch „Goethe 
und die Brüder Grimm" (vgl. JBL. 1892 12:3; IV 8b: 43) rief mehrere Besprech- 
ungen hervor. 1*^) Pniower findet, Steig habe zuviel gelobt, sich gescheut, offen zu 
sagen, dass Goethe den Bestrebungen der Brüder keineswegs diejenige Wärme ent- 
gegenbrachte, die wir heute gewünscht hätten. Dieser Sachverhalt sei wohl zu 
verstehen und zu erklären, müsse aber deutlich hervorgehoben, nicht vertuscht werden. 
Während Suphans Urteil sehr freundlich klingt, fehlt es nicht an Stimmen, welche zu 
wenig Thatsächliches, zu viel Schönrednerei über einen zu so breiter Darstellung nicht 
geeigneten Gegenstand vorfinden. Am schärfsten urteilte Steinmeyer: „Vom 
germanistischen Standpunkt aus vermag ich in der vorliegenden Schrift nichts zu 
entdecken, das unsere Kenntnis vom Entwicklungsgange der Brüder Grimm er- 
weitert oder vertieft. Welcher Wert dem Büchlein vom Standpunkt der Goethe- 
philologie aus zukomme, überlasse ich deren Adepten zu beurteilen." — In einer 
Widmungsschrift zum 80. Geburtstag des Geh. Regierungsrates Aug. Meyer bringt 
Schneide win 11) mit Ciceros Schrift De senectute J. Grimms Rede über das Alter 
zum Abdruck. — Die kleineren Schriften Jakobs (vgl. JBL. 1890 12:6) zeigte 
Behaghel'-) an. — Ueber den Briefwechsel Lückes mit den Brüdern (vgl. JBL. 
1891 12:6; 1892 12:10) ward noch kritisch berichtet >3). _ 

E. Steinbach: ib. S. 684/6. — 5) A. Socin, J. J. Spreng: ib. S. 291/3. — 6)Eclw. Schröder, J. Chrph. Strodtminn: ib. 36, S. 611/2. 

— 7) L. Tobler, F. J. Stalder: ib. 35, S. 416/7. — 8) R. Steig, Z. Faniiliengesch. d. Brüder Grimm: KatZg. N. 402. — 9) J. 
Bodenberg, J. Grimm: MünchKN N. 434. (Gleichlautend in Didask. N. 217 u. FränkKur. N. 478 ) — 10) 0. Pniower: 
VossZg«. N 8/9; B. Suphan: DLZ. S. 111/2; LCBl. S 87, E. Steinmey er: ADA. 19, S. 187,8; E.M. Meyer: ML. 62, S. 75/6. 

— 11) M. Schneidewin, Cicero u. J. Grimm über d. Alter. Hamburg, Verlagsanst 108 S. M. 3,00. — 12) X 0. Behaghel: 
LBlGBPh. 14, S. 385; Breal: BCr. 35, S. 407/9. — 13) DRs. 75, S. 156. — 141 K. Dziatzko, Briefe Fr. H. v. d. Hagens an 

3* 



I 2 : 15-18 W. Golther, Geschichte der deutschen Philologie. 

Briefe von der Hag-ens, 12 an C, G. Heyne aus den J. 1805—12, 
4 an Benecke 1810—20, veröffentlichte Dziatzko^*). Die Briefe sind teils voll- 
ständig-, teils im Auszug- mitgeteilt. Sie betreffen die Benutzung- der Götting-er 
Bibliothek, aus der von der Hagen für seine Arbeiten über die altdeutschen Helden- 
gedichte namentlich nordische Bücher, Ausgaben der Thidrekssaga und der nordischen 
Kjaempeviser verlangte. Auch in den Briefen giebt sich von der Hagen als viel- 
geschäftiger, ideenreicher, aber ungründlicher Mann, der sich nicht einmal Zeit 
nimmt, einen Brief fehlerlos hinzuschreiben. Schon in früher Zeit war seine Sonder- 
art entwickelt. Im ersten Brief aus dem J. 1805 teilt er Heyne seine weitgehenden 
Pläne mit: „Ein vollständiges Wörterbuch der schwäbischen Periode (als Supplement 
zum Scherz); korrekte Ausgaben alter Hss., besonders noch ungedruckter; historische, 
kritische und antiquarische Bearbeitung der bekannten, aus verglichenen Hss.; eine 
besondere Grammatik dieses Zeitraums und endlich eine Geschichte der deutschen 
Poesie in demselben." Auf von der Hagens bibliothekarische Thätigkeit in Breslau, 
welche Reitferscheids Artikel in der ADB. nicht erwähnt, weist D. (S. 3 Anm. 1) hin. — 

Schmellers Briefe an den Schweizer Samuel Hopf, die zum Teil schon 
von Nicklas in seiner Schmeller-Biographie 1885 verwertet sind, erscheinen nun, von 
Ve tter '^) herausgegeben, in vollem Umfange. Sie fallen in eine grosse Zeit (1813 — 14); 
Schmellers treöliche Persönlichkeit leuchtet aus ihnen im hellsten Licht. Aus Konstanz, 
München und Kempten geschrieben, berichten sie von dem Abschied des Gelehrten 
aus der Schweiz, als er in Bayern als Oberlieutenant Dienste thun wollte. Schmellers 
inniges Gemüt, seine poetische Anlage, seine vaterländische Gesinnung, seine Weich- 
mütigkeit und doch entschlossene Begeisterungsfähigkeit, seine Freude am Soldaten- 
leben, alle diese Züge geben ein schönes, lebensvolles, herzerquickendes Bild. — 

Am 4. März wurde Lachmanns Säk ular f eier , sein 100. Geburtstag, 
festlich begangen. In der Berliner Akademie beleuchtete Vahlen^^) den wissen- 
schaftlichen Entwicklungsgang des Gelehrten. Weniger aus fremdem Einfluss als 
aus eigenster ursprünglicher Veranlagung, so führte V. aus, erklärt sich Lach- 
manns Schaffen auf dem Gebiete der germanischen und klassischen Philologie. Sein 
Sinn war gerichtet auf die Erforschung der Sprache in der Eigenheit, wie sie sich 
beim einzelnen Schriftsteller, beim Dichter oder Prosaiker, individuell geartet, dar- 
bietet. Lachmann besass eine ganz besondere Fähigkeit des Nachempfindens, worauf 
seine hervorragendsten Leistungen bei Wiederherstellung der von den Fehlern der 
Ueberlieferung gesäuberten Originale zurückzuführen sind. Er vertraute dieser Be- 
gabung auch bei Zerlegung der Dichtungen in ihre Urbestandteile. Die Gegensätze 
und doch auch verwandten Züge in J. Grimms und Lachmanns Natur suchte V. 
feinsinnig zu charakterisieren. — Leo^'') weist hauptsächlich auf Lachmanns Be- 
ziehungen zu Göttingen hin: 1809 begann er dort zu studieren, 1815 verliess er als 
Privatdocent die Universität, 1837 erhielt er die theologische und juristische Doktor- 
würde. L. will versuchen, Lachmanns Art, seine Entwicklung und Wirkung aus 
der wissenschaftlichen Bewegung seiner Zeit zu verstehen. Im Göttinger Freundes- 
kreise klangen romantische Töne; aus der romantischen Bewegung erhielt Lachmann 
die Anregung zur Erforschung des Altdeutschen. Aber trotzdem war Lachmann 
das rechte Widerspiel gegen die Romantiker, insofern er vieles ausschloss, z. B. 
Märchen, Volkslied und Volkssage. J. Grimm klagt, dass so vieles, was ihm am 
Herzen liege. Lachmann gar nicht berühre. Vor allem aber als Kritiker war Lach- 
mann der Romantik abhold. Seine wissenschaftliche Persönlichkeit wird nun aus 
der klassischen Philologie beleuchtet. Lachmann fand in ihr das Rüstzeug vor, 
das der sich bildenden deutschen Wissenschaft vor allem Not that. Er hat sein 
Leben hindurch mit dem Meissel und Richtmass der einen die Bausteine der anderen 
behauen und gefügt, doch so, dass er unter der Arbeit das eigene Werkzeug schärfte 
und seinen richtigen Gebrauch entdeckte und lehrte. Lachmanns Kritik ordnete 
die Ueberlieferung und prüfte sorgsam die Zeugen; durch scharfes Eindringen und 
liebevolles Hineinfühlen in des Dichters Art suchte er dessen Absichten zu erkennen 
und die entstandenen Schäden zu heilen. Sein ganzes Schaffen bewegt sich im Kreise 
der Kritik, insbesondere der Textkritik. Er war „zum Herausgeber geboren." Zum 
Schlüsse giebt L. noch eine kurze Schilderung von Lachmanns persönlich-mensch- 
lichen Eigenschaften. — Am meisten bietet Sanders **) Aufsatz über Lachraann. 
Einem Verzeichnis aller für Lachmanns Biographie wichtigen Schriften folgt eine 
Schilderung seiner Persönlichkeit, „mit Hervorhebung des Neuen, das sich im Laufe 
der letzten Jahre zu dem bereits Bekannten neu anfand." In der Hauptsache sind 

Chr. G. Heyne (1805-12) u. an ö. Fr. Benecke (1810-20). (= Festgruss an K. Weinhold znm 70. Geburtstage am 26. Okt.) 
L., M. Spirgatis. IV, 36 S. M. 2,00. - 15) F. Vetter, Briefe J. A. Schmellers an S. Hopf: SchwRs. 2, 8. 667-96; 3, S. 72-82, 
190/6. — 16) J. Vahlen, Ueber K. Lachmann. (= Ansprache %. Leibniz- Feier) : SHAkBerlin. S. 615-23. [[VossZg. N. 301 ; AZg». 
N. 149; M. Hertz: BPhWS. 13, S. U96.]| — 17) F. Leo, Rede z. Säknlarfeier K. Lachmanns am 4. März im Namen d. Georg- 
Augnsts-UniT Göttingen, Dieterich. 18 S. M. 0,40. |[M. Her tz: BPhWS. 13, S. 1006.]! — 18) F. Sander, K. Laohmann: AZgB ^ 



W. Golther, Geschichte der deutschen Philolog-ie. 12: 19-26 

Lachmanns Jug-endbriefe an Lücke benutzt. S. erörtert Lachmanns Verhältnis zu 
seinem Vater, den Ueberg-ang- von der Theologie zur Philolog-ie, den Götting-er 
Freundeskreis 1813- 15. „Die ganze Fülle und Wärme seines Gemütes hat Lachmann 
nur in der Freundschaft bewährt, die auch von keiner zur vollen Kraft und Reife ge- 
diehenen Frauenliebe bei ihm überboten ward." Noch aus König-sberg schrieb er 
überschwellende jugendliche Gefühlsergüsse. Eine kurze Darstellung von Lach- 
manns Verhältnis zu Meusebach und zu den Brüdern Grimm macht den Beschluss. 
— Auch Weinholds^^) Rektoratsrede gedenkt Lachmanns. — Die Tagespresse hat 
nichts von Bedeutung gebracht.20-21^ _ 

Die wertvollste Gabe zur Säkularfeier bildeten die im Vorjahre erschienenen 
Veröffentlichungen Lachmannscher Briefe fvgl. JBL. 1892 12:9 — 10), von denen 
die Sammlung der Schreiben an Haupt noch wiederholt besprochen wurde^^). — 
Hertz^ä) veröffentlichte zwei Briefe Lachmanns an Brandis vom 6. Febr. und 
6. Mai 1831. Im ersten ist von Niebuhrs Tod die Rede und von der Ergänzung 
des Lachmannschen Aufsatzes „Kritik der Sage von den Nibelungen", der 1830 beim 
Brande des Niebuhrschen Hauses beschädigt worden war. Im zweiten wird "Wacker- 
nagel mit seiner Abhandlung „Ueber Konjugation und' Wortbildung durch Ablaut 
im Deutschen, Griechischen und Lateinischen" für das Rheinische Museum warm 
empfohlen. — 

Einen Brief von M. Haupt an Uhland druckt S t r a u c h ^4) ab, worin des 
letzteren Mitarbeit an der ZDA. demütig und dringend erbeten wird. Uhland leistete 
bekanntlich nicht Folge; die Zeitschrift erhielt keine Beiträge von ihm. — 

Gervinus^^) Selbstbiographie, 1860 geschrieben, aber erst 1893 nach dem 
Tode seiner Witwe veröffentlicht, giebt in wohlgegliederten und abgerundeten 
Abschnitten die Geschichte seines Lebens bis 1836. Schuljahre, Lehrjahre in der 
Kaufmannschaft, Lehrjahre in der Wissenschaft bei F. C. Schlosser, Wanderjahre, 
Berufswahl, Hausgründung werden eingehend geschildert. Bereits gedruckt war 
der Nachruf auf Schlosser, ferner die im Anhang mitgeteilten üebersetzungen und 
Xenien und die Grundzüge der Historik, Arbeiten, die auf dem Hintergrunde der 
Lebensgeschichte noch bedeutungsvoller hervorgehen. In dieser Biographie treten 
alle Aeusserlichkeiten und Einzelheiten, jeder unterhaltende Anekdotenkram zurück 
vor der weit höheren Aufgabe, die innere geistige Entwicklungsgeschichte mit 
schonungsloser Offenheit zu schildern. Aus Verirrungen aller Art, aus g-efühlvoUem 
Ueberschwang, aus unklarer Romantik vollzieht sich der Uebergang zur ernsten, 
zielbewussten, geschichtlichen Forschung, zu klarer Lebensanschauung. Durch 
Schlosser ist G. gereift. Mit Reclit stellt er diesen seinen hochverehrten Lehrer in den 
Mittelpunkt seiner Schilderung. Wie G. zum Litterarhistoriker wurde, führt er nicht 
näher aus. Die Neigung zur Dichtung entfaltete sich während seiner geschicht- 
lichen Studien zur Forschung über ihr Wesen. Nur in aller Kürze erwähnt aber 
G. den äussern Anlass zu seiner Geschichte der deutschen Dichtung, den Auftrag 
des Verlegers. Das ästhetische Gefühl G.s ging arg in die Irre, als er versuchte, 
die mittelhochdeutschen Epen, die Gudrun dadurch wieder zu beleben, dass er sie 
in das unleidliche Gewand des Vossischen Hexameters zwängte. Eine schlimmere 
Stilwidrigkeit ist kaum möglich, wie die Gudrunhexameter auch zur Genüge zeigen. 
Aber G. fühlte sie nicht. S. 273 thut er den unglaublichen Ausspruch: „In den 
alten klassischen Formen nehmen sich die Reste der .deutschen Sage weit am 
reizendsten aus." — 

Von einzelnen jüngeren Gelehrten fand Zarnckes Leben und 
Wirken einen Schilderer in Vogt^ß). In Kürze werden hier die einzelnen Arbeiten 
charakterisiert, deren Veranlassung — wie z. B. beim Buch über das Narrenschiff 
die Katalogisierung der Meusebachschen Bücherei — womöglich hervorgehoben wird, 
und ihrer zeitlichen Reihenfolge nach sämtliche Schriften Zarnckes verzeichnet. Sein 
Streben ging aufs Thatsächliche, auf das Sammeln und Sichten der gesamten, irgendwie 
verwertbaren Ueberlieferung, wobei er staunenswerten Fleiss und Scharfsinn bewies. 
Den festen Boden, den er unter den Füssen haben wollte, fand er nur in den 
schriftlichen Denkmälern; mit mündlicher Ueberlieferung rechnete er nicht. Diese 
Grundanschauungen Zarnckes bedingen seinen Gegensatz zu Lachmann, Müllenhoff 
und Scherer, die für sein Gefühl zuviel über das Gegebene hinaus konstruierten. — 
In der Sitzung der Münchener Akademie vom 21. März gedachte der Präsident 
Mathias von Lexers, indem er die Hauptdaten seines Lebens und die wich- 



N. 54/6. — 19) (S. 0. N 1.) — 20) X R- I-oewenfeld, K. Lachmana: Didask. N. 54. (Gleichlantend in FeuilletZg. N. 452.) 
— 21) X K. Lachmann: NatZg». N. 151. — 22) X^. Steinmeyer: ADA. 19, S. 185/7 (Hervorhebung wichtiger Partien; 
Nachtrr. zu Vahlens Erläuterungen); M. Roediger: ASNS. 91, S. 74/8: LCBl. S. 731. — 23) M Hertz, Zwei Briefe t. K. 
Lachmann an Chr. A. Brandis: ADA. 19, S. 197-200. — 24) Ph Strauch, E. Brief M. Haupts an L Uhland: ib. S. 96 7. — 
25) ö. G. Gervinns Leben. V. ihm selbst (1860) L., Engelmann. XVI, 408 S., mit 4 Bildn. in Stahlstich. M. 9,-00. |[M. 
Bartels: Didask. N. 273/4; FZg. N. 276.j| (S u. lY Ic u. IV 5.) — 26) F. Vogt, F. Zarncke: ZDPh. 25, S. 71-90. (Vgl. JBL. 



I 2 : 27-48 W. Grolther, Geschichte der deutschen Philologie. 

tig-sten Werke aufzählte und Lexers edle Persönlichkeit rühmte - '). — W e i n h o 1 d^S) 
wiederholte den warmen Nachruf der AZg-ß. (vgl. JBL. 1892 12:24) an anderer 
Stelle und fügte eine Uebersicht über die gedruckten Schriften Lexers bei. — Im 
Nachruf auf den nordischen Altertumsforscher T h. W i s e n , Professor in Lund, der 
sich um die nordische Philologie namentlich durch Herausgabe des Stockholmer Homilien- 
buchs und durch die reichhaltige Auswahl von Skaldengedichten (carmina norroena) 
verdient gemacht hat, erörtert C e d e r s c h j ö 1 d 29) in aller Kürze die Entwicklungs- 
geschichte der nordischen Philologie in Schweden. Im 17. Jh. sammelte man in 
Schweden eifrig altnordische Hss., am Anfang des 19. Jh. erweckte die sogenannte 
gotische Dichterschule (Tegn er, Geyer u. a.) Sinn für die nordische Vorzeit, 1859 wurden 
in Lund und Upsala Lehrstühle errichtet. — Seinem in den vorjährigen JBL. (1892 
I 2 : 38) erwähnten Nachruf auf Reinh. Köhler lässt Erich Schmidt =^o) einen 
zweiten ebenso warm empfundenen und schön geschriebenen über den „hilfreichsten 
Bücherwart, den bescheidensten Doktor Allwissend" folgen, worin Köhlers Arbeiten 
für die Weimarer Klassiker besonders verzeichnet und gewürdigt sind, — Kl u ge^') 
rühmt Köhlers schlichte Menschlichkeit, seine gewaltige Gelehrsamkeit, seine un- 
gemessene Freigebigkeit an alle, die seinen Rat suchten. Nie hielt er eifersüchtig 
mit seinen eigenen Funden zurück. — Den Lebenslauf Bacmeisters (gest. 25. Febr. 
1873) schildert Holde r32). Er würdigt dabei seine Verdienste, welche einerseits 
in der gewandten Neubearbeitung und üebertragung altdeutscher und lateinischer 
Denkmäler, andererseits in den gründlichen Forschungen über alemannische Orts- 
namenkunde bestehen. Aeussere Umstände trugen wesentlich Schuld, dass Bacmeister 
keine umfassenden, abgerundeten Arbeiten hinterliess; aber seine Leistungen sind 
eigenartig, ursprünglich, anregend. — Den trefflichen Schulmann K. E. H. Krause 
(1822 — 92), der sich ausser vielen andern Beschäftigungen der Erforschung nieder- 
deutscher Sprache und Geschichte mit erfolgreichem Eifer hingab und zuletzt dem 
Verein für Niederdeutsche Sprachforschung vorstand, würdigt Koppmann^^) in 
einem gehaltvollen Nachruf, der durch sorgfältige Aufzählung aller weitverstreuten 
Arbeiten Krauses bleibenden Wert hat. — Im KßlVNiederdSpr. werden H. Frisch- 
bier, dem Kenner ostpreussischer Volkskunde, aus Babuckes^^) Feder, sowie 
dem Gymnasiallehrer W. Knorr kurze Nachrufe gewidmet ^^j. — Einen warmen, 
gut gemeinten Nekrolog für L. Lindenschmit verfasste Fischbach '^^). Die 
Gedächtnisrede giebt Veranlassung zu etwas phantastischen Aufstellungen über 
die Wanderung der Arier. Davon ist viel mehr die Rede als von Lindenschmit selbst. 
— Weit inhaltsreicher ist Adamys^"?) Gedächtnisrede. Nach einem Vergleich 
zwischen Essenwein und Lindenschmit wird des letzteren Verdienst um das römisch- 
germanische Centralmuseum gebührend hervorgehoben. Ferner wird Lindenschmits 
schriftstellerische Thätigkeit erörtert, wobei gelegentlich die Angriffe seiner Feinde, 
insbesondere die hässliche Schimpferei Müllenhoffs, abgefertigt werden. — Ferner 
erwähne ich noch Nachrufe auf Zing er 1 e"^^"""^'*)^ Wur z b a ch'*"), den Theologen 
und Philologen K. Hartfelder 4i-44). _ ß. ten Brinks Andenken (vgl. JBL. 1892 
1 2 : 34/7) wird erneuert durch die Ausgabe von 5 Shakespearevorlesungen aus seinem 
Nachlasse 45-46). — Einen Ueberblick über R. von Gottschalls Leben und geistige 
Entwicklung giebt Braschs4^) leicht hingeworfene Skizze. Seine poetische und 
journalistische Thätigkeit wird jedoch mehr gerühmt als die gelehrte. Nur flüchtig 
ist auf die litterarhistorischen und kritischen Arbeiten Gottschalls hingewiesen. Die 
ausgewählten Versproben aus seinen Dichtungen sind weder durch Gedankeninhalt 
noch durch gefällige Form ausgezeichnet. — 

Verschiedene Forscher mögen in einer Schlussgruppe erscheinen. Auf 
Grund der 1891 veröffentlichten umfangreichen Briefsammlung Choix des lettres 
d'E ugene Burnouf (1825—52) charakterisiert B e r g e r4S) den hervorragenden 
Orientalisten. Die Briefe beziehen sich meist auf das Privatleben Burnoufs, auf 



1891 I 2 : 36-40; 1892 I 2 : 44.) — 27) M. v. Lexer: SBAkMüncheni'l". 1, S 239-41. (Vgl. JBL. 1892 I 2 : 24/8.) — 28) K Wein- 
hold, M. V. Lexer: ZDPh. 25. S. 253/5. — 29) G. Cederschjöld, Th. Wisea: ib. S. 362 6. - 30) Erich Schmidt, E. 
Köhler: UJb. 14. S. 297-304. (Vgl. auch JBL. 1892 I 2:39-40.) — 31) F. Kluge, B. Köhler: JbDShakespGes. 28, S. 342/4. — 
32) A. Holder, Z. Gedächtn. A. Bacmeisters: Alemannia 21, S. 97-103. — 33) K. Kopp mann, K. E. H. Krause: JbVNiederdSpr. 18, 
S. 1-14. (Mit Bild.) — 34) H. Babucke, H. Frischbier: KBlVNiederdSpr. 16, S. 12. (Vgl. JBL. 1892 I 2 : 48.) — 35) W. Knorr: 
ib. S. 49-50. — 36^ F. Fischbach, L. Lindenschmit, d. Förderer d. Deutschtums über d. Urheimat d. Indogerm.anen. Nachruf, 
geh. in d. Versamml. d. Ver. f&r nassauische Altertumskunde n. Gesch.-Forschung in Wiesbaden. Wiesbaden, C. Reinhardt. 16 S. 
M. 0,25. — 37) R. Adamy, L. Lindenschmit: QBllHVHessen. 1, S. 274-83. (Gedächtnisrede ) - 38) X S. M. Prem, L v. Zingerle: 
D. junge Borger 5, N. 1. (Vgl JBL. 1892 I 2:29-32.) — 39) O id., V. alten Naz: Tiroler Grenzb. 1892, N. 47-50. — 
40) X K- T. Wurzbach: IllZg. 101, S. 323. (Charakteristik d. ÖObändigen biogr. Lex.; vgl. I 1 : 168.) — 41) X «• Basser- 
mann, K. Hartfelder: PKZ. S 595,6. — 42) X H.Haupt, K Hartfelder: ZKG. 14, S. 492/3. — 43) X S. Brandt, Ansprache 
z. Erinnerung an K. Hartfelder. Progr. d. Gymn. Heidelberg. 4". 4 8. — 44) X K. Hartfelder: AZg«. N. 135. — 45) B. ten 
Brink, Shakspere, fünf Vorlesungen. Aus d. Nachl. Strassburg i. E., Trübner. VI, 160 S. Mit Bild. M. 2,00. |[O.Harnack: 
PrJbb. 74, S. 183/4.]| — 46) X Ten Brinks letzter Vortr. Ober Shakespeare : JbDSh.-ikespGes. 28, S. 72-89. (Fragmentar. Entwurf.) 
— 47) M. B rasch, R. v. Gottschall. E. litt. Portr. L., 0. Gottwald. 64 S. Mit Bild. M. 1,00. |[DR. 3, S. 377.] | (Vgl. 
JBL. 1892 I 2:58.) - 48) Ph. Berger, E. Barnouf d'apres sa correspondance: RDM. 114, S. 633-50. (VgL auch JBL. 1892 



0. V. Hase, Schrift- und Buchwesen. 1 2 : 49-51 I 3 : 1-7 

seine Reiseeindrücke aus Deutschland und England, und zeig-en seine trefflichen 
persönlichen Eig-enschaften in hellem Lichte. Burnouf rechnete bei seinen Arbeiten 
mehr mit dem Beifall und der verständnisvollen Anerkennung der deutschen Ge- 
lehrten als seiner Landsleute, aber, obwohl aller Politik fern, blieb er durch und 
durch Franzose. — Die gehaltvollen Aufsätze über F. Boppund G. Curtius, welche 
Gust. Meyer *^) einst Inder Schlesischen Zg. erscheinen liess, gelangten wieder 
zum Abdruck. Bopps Sprachwissenschaft wird als geniales Kunstwerk charakterisiert. 
Seine philologische Begabung war etwas verkümmert, aber um so weiter schweifte 
sein Blick, und gerade dadurch, dass er nicht an philologischen Feinheiten und Kleinig- 
keiten haftete, wurde er der Schöpfer der vergleichenden Sprachforschung-. Curtius ver- 
einigte glücklich den klassischen Philologen mit dem Sprachforscher. Ihm gelang 
es, die neue Wissenschaft in besondere Berührung mit Griechisch und Latein zu 
setzen. — Max Müllers 70. Geburtstag brachte keine Aufsätze von Belang ^0-5 i-j^ — 



1,3 

Schrift- und Buchwesen. 

Oskar von Hase. 

Schrift wesen: Paläographie Kl. - Kurzschrift N. 5. — Handschriften N. 20. — Antographen N. 51. — 
Graphologie N. 61. — Bachwesen: Erfindung des Buchdrucks N. 64. — Aelteste Bnchdrucicergeschichte N. 69. — Wiegen- 
drucke N. 94. — Spätere Bnchdruckergeschichte N. 110. — Drnckermarken N. 113. — Druckschrift N. 116. — Bibliographie 
N. 119. — Zeitungswesen N. 154. — Bibliotheken: Aeltere Bibliotheken N. 175; Musikalienbibliotheken N. 190; staatliche und 
öffentliche Bibliotheken der Gegenwart N. 193; SchulWbliolheken N. 213; Volksbibliotheken N. 229. — Ex-libris N. 235. ~ 
Buchhandel: Aeltere Geschichte N. 244; Buchhändler N. 251; ausländischer Buchhandel N. 263; Musikalienhändler N. 266a; 
gegenwärtiger Betrieb N. 268 ; üensur N. 275 ; Verlags- und Urheberrecht N. 280 ; Buchgewerbe N. 291 ; Bachbinderkunst N. 294. — 

Das Schriftwesen der neueren deutschen t) Litteratur ist von der Hss.- 
Lehre nach der formalen Seite hin bisher nicht eingehend gewürdigt worden, wohl 
weil seit der Mitte des 15. Jh. mit der Erfindung der Buchdruckerkunst die Bedeutung 
der Hs. zurücktritt und mit dem Aufkommen individueller Verfasserthätigkeit zugleich 
die typischen Hss.-Formen entarten. Auch nach Begründung einer Hss.-Kunde der 
neueren Zeit wird die Paläographie Lehrmeisterin auf diesem Gebiete bleiben. 
Ein in allem Wesentlichen verlässliches, brauchbares und leicht zugängiges Handbuch, 
das griechische und lateinische Schrift umfasst, hat der Engländer Thompson ^j 
veröffentlicht. — Für das Sondergebiet neapolitanischer Notarurkunden, das einst 
Friedrich H. zu regeln suchte, liegt ein italienisches Tafelwerk^J vor. — Von Leis ts*j 
praktischer Urkundenlehre ist eine verbesserte Auflage erschienen. — 

Für die alte Kurzschrift hat Schmitz^) in umfassender Kenntnis dieses 
Gebietes einer von ihm kritisch und exegetisch behandelten Fuldaer Sammlung der 
Karolingerzeit mit den von ihm angeschlossenen Abweichungen und Ergänzungen 
von 19 ähnlichen Ueberlieferungen einen kurzen Doppelbericht über die Kommentare 
zu Tironischen Noten und über deren Ursprung und Abfassung vorausgeschickt und 
ein alphabetisches Verzeichnis des Inhalts der Notengruppen folgen lassen. — Die 
neuere stenographische Litteratur hat in den Berichtsjahren 1890—93 einen grossen 
Umfang gewonnen (1890:53 Werke; 1891:98; 1892:112; 1893: 153 Werke einschl. 
der neuen Auflagen), aber Weniges nur hebt sich aus der Menge der minderwertigen 
Veröffentlichungen heraus. — Meinberg ^J giebt einen gedrängten Ueberblick über 
die Geschichte der Stenographie, der zur ersten Einführung wohl geeignet erscheint, 
sich aber in der Hauptsache als Auszug aus grösseren Werken darstellt und auch 
dem Gabelsbergerschen Parteistandpunkt nicht ganz vorbeugen kann. — Lesbar und 
anregend verfolgt F. Stolze 'J, der Sohn des Erfinders, die Entwicklung der Schrift 



IV 10 : 20.) — 49) Gast. Meyer, F. Bopp and G. Cnrtias. (= Essays u. Sludien z. Sprachgesch. u. Volkskunde 2. Bd. [Strass- 
burg i. E., Trnbner. VI, 380 S. M. 6,00], S, 1-22). (S. 365 urteilt M. sehr abfällig über Lefmanns Bopp-Biographie.) — 50) X Max 
Müller u. d. Sprachwissensch. : Kath. 2, S. 538-45. — 51) X F. Kirchner, Zu Max Müllers 70. Geburtst.: lUZg. 101, S. 649. 
(Mit schönem Bilde Müllers.) — 

1) O X Ohoix de mss. allemands (ponr se familiariser avec Tecriture) executes par 75 ecrivains-copistes allemands et 
contenant 75 sortes d'ecriture allemande. Paris, Schmidt. 68 S Fr. 2,50. (Wohl d. Verkehrsbedürfnis d. Gegenw. entsprungen.) 
— 2) E. M. Thompson, Handbook of greek and latin palaeography. London, Kegan Paul, Trench, Trübner & Co. 343 S. 
Sh. 5. — 3) O 0. Piscicelli, Saggio di scritura notarile per gli studii paleograflci. I curiali di Aroalfl, Gaeta, Napoli, 
Sorrento. Tipogr. di Monte Casino. Fol. II S , 60 Tfln. — 4) F. Lei st, ürkundenlehre. Katechismus d. Diplomatik, Palaeo- 
graphie, Chronologie u. Sphragistik. 2. verb. Aufl. L., Weber. XU, 372 S., 6 Taf. M. 4,00 — 5) W. Schmitz, Commentarii 
notarum Tironiarum cum prolegomenis adnotationibus criticis et exegeticis notaruraque indice alphabetico. L., Teubner. Fol. 
117 8., 132 Tfln. M. 30,00.— 6) Meinberg, Kurzgefasste Gesch. d. Stenographie. Düsseldorf, Selbstverl. 1892. 75 S. 
M. 0,60. — 7) Fr. stolze, V. d. Bilderschrift z. Stenogr. Eine kurze Darstellung d. Entwicklungsganges d. Schrift. 1. T. B., 



1 3 : 8-25 0. V. Hase, Schrift- und Buchwesen. 

bis zum Beginn der neueren Stenographie. Er geht von dem Gedanken aus, dass 
die Kurzschrift keineswegs als etwas Besonderes, der gewöhnlichen Schrift fremd 
Gegenüberstehendes zu betrachten sei, sondern vielmehr als deren letzte Stufe, die 
in ihr von Anfang an vorbereitet wurde. Im zweiten Teile sollen die hervor- 
ragendsten neueren Systeme behandelt werden. — Sieb er*) macht zum ersten Male 
den Versuch einer ausführlichen stenographischen Ortsgeschichte, die für die grossen 
Mittelpunkte des stenographischen Lebens zur Nachahmung zu empfehlen ist. — Eine 
kurze, aber recht beachtenswerte Uebersicht über die Einführung der Stenographie 
und ihre Anwendung in den Parlamenten Europas und einiger überseeischer Länder 
bietet KramsalP). — Der Aufsatz eines Ungenannten ^•') hat bei den Anhängern 
aller deutschen Schulen viel Staub aufgewirbelt; er richtet sich gegen die steno- 
graphische Vereinsmeierei und Grossmannssucht, die eine gewisse stenographische 
Fertigkeit durchaus zur „Wissenschaft" stempeln möchte. Dem Vf. wird trotz einiger 
Schärfen und Uebertreibungen kein Kundiger und Unbefangener seine Zustimmung 
versagen können. — Bleibenden Wert für die Systemgeschichte haben die zur Feier 
der Enthüllung des Gabelsberger-Denkmals in München'*) und zur 50jährigen Jubel- 
feier des Bestehens der Stolzeschen Stenographie* 2) erschienenen Festschriften. — 
Kaeding'3-14) giebt in 18 Bänden eine musterhafte Sammlung aller auf Wilhelm 
Stolze und sein Werk bezüglichen Urkunden, Briefe usw. und in Band 9 und 10 die 
erste ausführliche Lebensbeschreibung des Meisters, die Alberti *^) als Hauptquelle 
für seinen kürzeren Aufsatz gedient hat.'^j — Auf bibliographischem Gebiet hat 
Näther*'') den sehr glücklichen Gedanken gehabt, die in der periodischen Presse 
aller Systeme verstreuten Aufsätze über die verschiedensten Gegenstände steno- 
graphischen Wissens zu verzeichnen und damit der Benutzung zugängiger zu machen. 
Die bisher erschienenen Hefte behandeln den Inhalt der am meisten gelesenen Gabels- 
bergerschen Zeitungen. — Mehr oder weniger ins Einzelne gehende Jahresübersichten 
über das Schrifttum der Stenographie geben die entsprechenden Abteilungen der 
beiden weit verbreiteten Stenographenkalender. '^'"'j — 

Von den Handschriften sind hauptsächlich die künstlerisch geschmückten 
Gegenstand der Untersuchung gewesen. Wickhoff^O) knüpft an die Veröffent- 
lichung aus einem altchristlichen Kodex des 6. Jh., der Titel und Kanonestafel eines 
griechischen Evangeliars mit einer Abhandlung Rufins vereint, geistreiche, aber doch 
weiter durchzuprüfende Folgerungen über Zusammenhänge zwischen altem und neuem 
Hss.-Schmuck. — Ueber die Herstellung mittelalterlicher Bilderhss. handelt Neu- 
wirth^i), indem er an der Hand von W^erken für Wenzel IV., des Wilhelm von Oranse 
(1387), der berühmten Wenzelbibel und der goldenen Bulle (1400), die Beteiligung von 
drei Personen nachweist : des Schreibers, des Beisetzers der Illustrationsangaben und des 
Illuminators. Der Abdruck der ausführlichen Anweisungen, die bei diesen Werken er- 
halten, während sie bei anderen zum Teil entfernt wurden, mahnt zur Vorsicht, Schreiber 
und Illuminator ohne ausdrückliche Angabe nicht in eins zu vereinen. In den erwähnten 
Fällen erweist er aber die Unabhängigkeit der Buchmaler von bestimmten Vorlagen ; denn 
beim Wilhelm genügen Weisungen wie „sicut dilectam cum dilecto". — Das in den letzten 
Jahren erfreulich bethätigte Bestreben, die Hss. nach Kunstschulen zu gruppieren, hat zu 
guten Ergebnissen geführt. Leitschuh^^) stellt ausgiebig und gründlich die Buch- 
malerei der Karolingerzeit, als die Hauptgrundlage unserer Kenntnis der gesamten Kunst 
jener Zeit, in ihren verschiedenen Schulen dar. — Vöge^^) behandelt die Mindener Schule 
unter Bischof Sigebert als nah verwandt mit jener grossen, auf wesentlich altchrist- 
licher Basis fortarbeitenden Familie, deren eigentlichen Sitz und Mittelpunkt Köln 
er früher wahrscheinlich gemacht hat. — J. von Schlosser-*) hebt aus der 
böhmischen Schule neun glänzende Bilderhss. für König Wenzel I. (1^0 heraus. — 
An Einzelhss. wird von Kochendörffer^^) nach Zangemeister die grosse Heidel- 



Mittler. 1891. 43 S. M. 1,00. — 8) F. Sieber, Gesch. d. Stenographie in Basel. Nach authent. Quellen bearb. Basel, Sall- 
mann. 128 S., 3 Taf. M. 2,40. — 9) E. Kramsall, D. Stenographie im Dienste d. Parlamente. Hist. Untersuch, über d. Ver- 
wendung d. Stenogr. in denselben. Wien, Bermann & Altmann. 1891. 66 S. M. 1,00. — 10) D. Stenographie-Unwesen. (Ans 
Grenzb. 1891, N. 26.) Sonderabdr. L, Zehl. 15 S. M. 0,30. — U) Fr. X, Gabelsberger u. seine Kunst. Festschrift z. Feier d. 
Enthüllung d. Gabelsberger-Denkmals am 10. Aug. 1890 v. Haupt-Festausschnsse. Mönchen, Franz. 1890. III, 153 S., 3 Illustr. 
M. 2,00. — 12) M. Bäckler, lier. ober d. 50j. Jubelfeier d. Stolzeschen Kurzschrift. B., Oehmke. 1891. 40 S. M. 1,00. (Er- 
weitert erschienen 1893. 72 S.) — 13) F. W. Kaeding, Stolze-Bibl. 1-18. Bd. B., Mittler. 1889-92, M. 17,75. — 14) id., Biogr. 
W. stolzes. (= Stolze-Bibl. 9.-10. Bd.) ib. 115 S. M. 2,00. — 15) E. Alber*i, H. A. W. Stolze: ADB. 36. S. 425/8. — 16l X 
id., J. F. stärk: ib. 35, S. 492/3. — 17) A. Näther, Stoffregister z. Ausarbeitung von Vortrr. n. Abhandl. Stenograph. Inhalts. 
L., Zehl. 1891. IV, 66 S. M. 1,25. — 18) Dtsch. Stenographenkai. her. v. W. Mertens. 1.-4. Jahrg. L., Klinkhardt. 1891-94. 
160 S.; M. 1,00. 168 S.; M. 1.25. 136 S.; M. 1,25. 175 S.; M. 1,25. — 19) Jb. d. Schule Gabelsbergers. Her. v. kgl. stenogr. 
Inst, zu Dresden. 34.-37. Jahrg. L., Zehl. 1891-94. XXXIV, 112 S.; XXXV, 96 S.; XXXVI, 98 5.; IV, 116 S. a. M. 3,00. — 
20) F. Wickhoff, D. Ornamente e. altchristl. Kodex d. Hofbibl. (Cod. 847): JKSAK. 14, S. 196-213. — 21) J. Neuwirth, D. 
Herstellungsphasen spätmittelalterl. Bilderhss.: BepKunstw. 16, S. 76-87. — 22) F. Leitschuh, Gesch. d. Karolingischen 
Malerei, ihr Bilderkreis u seine Quellen. B., Siemens. XII, 471 S. M. 12,00. — 23) W. Vöge. D. Mindener Hss.-Qruppe: 
RepKunstw. 16, 8. 198-213. — 24) J.V.Schlosser, D. Bilderhss. König Wenzels I.: JKSAK. 14, 8.214-317. (Mit vielen Nach- 
bild.) — 25) K. Kochendörffer, K. Zangeraeister, D. Wappen, Helmzierden u. Standarten d. gr. Heidelberger Liederhs. 1891.: 



0. V. Hase, Schrift- und Buchwesen. I 3 : 26-48 

berger Lieder hss. besprochen und von Chmelarz^^) über eine französische Bilderhs. 
von Boccaccios Theseide um 1470 berichtet. — M ad an 2^) hat eine übersichtliche 
Darstellung- der Geschichte des Buches der Hss. -Zeit g-ehefert. — Von epoche- 
machender Bedeutung für die planmässige wissenschaftliche Verzeichnung- der Hss. 
in Deutschland ist das Vorg-ehen mit der Veröffentlichung- von Verzeichnissen der 
Hss. im preussischen Staate'-^^"^^). Die beiden ersten Bände g-eben Hss.- Verzeichnisse 
der Götting-er Universitätsbibliothek. Das Vorwort Wilhelm Meyers eröffnet den 
Ausblick auf die vom Kultusminister ang-eordnete Katalogisierung- der in Preussen 
vorhandenen Hss.-Bestände, deren Verzeichnung- nicht schon anderweit erfolgt oder 
zu erwarten ist. Nächst dem Besitze des Staates sollen auch, so weit es möglich ist, 
die Hss. beschrieben werden, die in festem Besitze von Behörden, Vereinen oder 
Privatpersonen sind. K. Meyer, O. Günther, auch J. Schwalm und E. Weber 
waren an der grossen musterhaften Arbeit beteiligt. — In Frankreich ist eine solche 
planmässige Verzeichnung für die öffentlichen Bibliotheken schon länger im Gange'^*'"^^). 

— Die Hss.- Verzeichnisse der kgl. Bibliothek zu Berlin^*) und der kaiserlichen zu 
W^ien^s) schreiten weiter. — Der Katalog der Danziger Stadtbibliothek bringt die 
Danzig betreffenden Hss. von Bertling-^^j verzeichnet. — Die Hss. mehrerer Gym- 
nasialbibliotheken werden in Programmen^'' j beschrieben : Gotha weist, wie E h w al d "^*) 
berichtet, im Ernestinum neben wenigen Büchern Briefe hauptsächlich aus der 
Reformationszeit auf, von denen solche des Eoban Hessus, Melanchthon und Ams- 
dorff abgedruckt werden. — Das katholische Gymnasium in Glatz bewahrt aus den 
J. 1683 — 1722 67 Schauspiele des Glatzer Jesuitenkollegs, deren Inhalt Beck^**) 
dankenswert mitteilt. — Ueber die „Kettenbücher" stellt Falk**^) sachlich zutreffende 
Mitteilungen zusammen. Die daran geknüpfte Behauptung, einige protestantische 
Autoren hätten zwar auf die falschen Schlüsse aufmerksam gemacht, die man aus 
dem Anketten von Büchern und besonders der Bibel gezogen, doch sei es in so matter 
Weise geschehen, dass dadurch dem Uebel nicht gesteuert wurde, und dass dies ganz 
gut fortwuchern konnte, ist u. a. auf Grund von Wattenbachs Schriftwesen im 
Mittelalter (2. Aufl. 1875 S. 530) als unberechtigt zurückzuweisen. — Aus dem Hss.- 
Wesen der Archive bietet Lewinski^') für Brandenburg einen Beitrag nach der 
formalen Seite des Urkundenwesens und der Verwaltung aus der Zeit der ersten Hohen- 
zoUerschen Markgrafen (1411 — 70), sowie im Anhang 11 ein brandenburgisches Archiv- 
register aus der Zeit der Kurfürsten Friedrich II. und Albrecht. — Ueber die kaiserliche 
Kommission wegen des burggräflichen Archivs zu Schleiz (1590 — 93) berichtet Berth. 
Schmidt*2^; über die pfalzbayerischen Archive der Witteisbacher fährt Neudegger^^) 
fort, ausgiebige Nachweise zu liefern (1685— 1720) ; die Neueinrichtung des Strassburger 
Stadtarchivs schildert Winckelmann^^j unter Beigabe von Skizzen. — Archivberichte 
über die Urkunden der Hansa in Westfalen, Rheinland, Hannover, Hamburg, sowie in 
märkischen und sächsischen Städten, ferner über die Ergiebigkeit des Kölner Stadt- 
archivs für das hansische Urkundenbuch 1450 — 1500 legen Kunze und Stein^^j vor. 

— Der Verein für Geschichte und Altertumskunde^®) fährt fort, die Inventare des 
Frankfurter Stadtarchivs herauszug-eben. — Den Bestand des kroatischen Landes- 
archivs verlautbart mit einem wohlbegründeten Notschrei summarisch von Bojnicic*^). 

— Aus Frankreich^*) wird über einen unter Maury begonnenen Katalog von Hss. 

DLZ. S. 174/6. — 26) E. Chmelarz, Ueber e. franz. Bilderhs. v. Boccaccios Theseide. Mit 15 Taf. in Heliograv.: JKSAK. 14, 
S. 318-28. — 27) O F. M ad an, Books in Ms. London, Kegan Panl, Trench, Trübner & Co. Sh. 6. |[BookWorm S. 345/8 (aus- 
fuhr!, anerkennende Würdig.). )| — 28) (I 1 : 171.) — 29) Verzeichnis d. Hss. im Preuss. Staate. 1. Hannover. 2. D. Hss. in 
Göttingen. 2. Universitäts-Bibl. Gesch., Karten, Naturwissenschaften, Theologie, Hss. ans Lüneburg. B., Bath. VIII, 539 8. 
M. 18,50. |[NedSpect. S. 399.] | — 30) Cat. general des mss. des bibl. publiques de France: [Ch. Kohl er,] Bibl. Sainte Genevifeve. 
t. I. Paris, Plön, Nonrrit et Cie. 674 S. |[JSav. S. 306-14.]| — 31) O Cat. göneral des mss. des bibl. publiques de France: 
t. XVm [E. Fagnau], Alger. ib. 680 S. [[JSav. S. 770.]| — 32) O Cat. general des mss. des bibl. publiques de France: t. XX: 
Le Mans und Arles. ib. 695 S. |[B. Haureau: JSav. S. 253/4.]| — 33) O Cat. göneral des mss. des bibl. publiques de France : 
t. XXII: Nantes, Quimper, Brest, ib. 562 S. |[JSaT.S.635/6.]| — 34) Verzeichnis d. arab. Hss. von W. Ahlwardt. 4. Bd. (= D. 
Hss.- Verzeichnisse der kgl. Bibl. zu Berlin 16. Bd.) B., Asher. 4». VI, 561 S. M. 25,00. \[3. S. Warren: NedSpect. S. 21.]| 

— 35) Tabulae codicum manuscriptorum praeter graecos et orientales in bibliotheca Palatina Vindobonensi asservatomm. Ed. 
acaderaia caesarea Vindobonensis. Vol. 8. Cod. 14001-15500. Wien, Terapsky. 267 S. M. 5,40. — 36) [A.] [Bertling], Kat. 
d. Danziger Stadtbibl. Bd. 1. T. 1. D. Danzig betr. Hss. Danzig. 1892. X, 851 S. |[FBPG. 6, S. 618 9 (, Riesen- n. Meister- 
werk") ; P. Slmson: MHL. 21, S. 79-81 (anerkennend).]| — 37) X A. Englert, Mitteilungen über Hss. d. Zweibrückener Gymn.- 
Bibl. (vgl. JBL. 1892 I 3:5): ZDPh. 25, S. 537-44. — 38) B. Ehwald, Beschreibung d. Hss. u. Inkunabeln der Herzogl. Gymn.- 
Bibl. zu Gotha nebst 4 Briefen v. Eobanus Hessus, Melanchthon u. Niclas v. Amsdorff. Progr. Gotha (Thienemann). 4". 20 S. 
M. 0,80. — 39) E. Beck, Hss. n. Wiegendrucke d. Gymn.-Bibl. in Glatz. 2. T. (Schauspiele d. Glatzer Jesuitenkollegs.) Progr. 
Glatz (Schirraer). 36 S. — 40) F. Falk, Kettenbücher (Bibel u. Kette): HPBll. 112, S. 324-33. — 41) L. Lewinski. D. 
brandenb. Kanzlei u. d. Urkundenwesen während d. Eegiernng d. beiden ersten hohenzollerschen Markgrafen (1411-70). E. Beitr. 
z. Verwaltungspraxis d. Hohenzollern in d. Mark Brandenburg im 15. Jh. Strassburg i. E., Heitz. VII, 188 S. M. 4,00. — 
42) Berth. Schmidt, D. kaiserl. Kommission wegen d. bnrggräfl. Archive zu Schleiz in d. J. 1590-93: ArchivZ. 4, S. 213-34. 

— 43) M. J. Neud egger, Gesch. d. Pfalz-bayer. Archive d. Witteisbacher: ib. S. 1-103. (Forts, aus 2, S. 289-373.) — 44) 0. 
Winckelmann, D. Neueinrichtung d. Strassb. Stadtarch. : ib. S. 109-22. — 45) K. Kunze u. W. Stein, Reisebericht (Bremen, 
Oldenburg, Ostfriesland n. Holland) : HansGBll. 21, S. X-XXII, XXIII-XXXI. — 46) O Inventare d. Frankf Stadtarch. Mit Unter- 
stützung d. Stadt Frankfurt a. M. her. vom Ver. für Gesch. u. Altertumskunde zu Frankfurt a. M. Bd. 3. Eingel. von R Jung. 
Frankfurt a. M., Völcker. XXXI, 300 S. M. 3,50. IfOBlBibl. S. 45.]| — 47) J. v. Bojnicic, D. kroatische Landesarch. in Agram: 
ArchivZ. 4, S. 252,6. — 48) O Catalogne des mss. conserves anx archives nationales. Paris, Plön, Nourrit et Cie. 532 S. IfJSav. 

Jahresberichte für neuere deutsche Litteratnrgesohichte. IV. 4 



I 3 : 49-69 0. V. HasG, Schrift- und Buchwesen. 

des 17. — 19. Jh. in den Nationalarohiven Mitteilung- g-emacht. — Die Papiere des 14. Jh. 
im Stadtarchive zu Frankfurt a. M. hat Kirchner***) gewissenhaft untersucht und 
beschrieben; er bestätig-t von neuem die grosse Vielseitigkeit des Papierhandels in 
früher Zeit und schafft durch seine umsichtige Arbeit ein wertvolles Mittel zur Alters- 
bestimmung mittelalterlicher Papiere. — Bösch^o) handelt über die technische Ver- 
wendung- des Papiers zu kunstgewerblichen Zwecken in Ausschneidetechnik und in 
Pressung zu Anfang- des 16. Jh. nebst gleichzeitiger Anweisung für Herstellung von 
Buntpapieren und von Papierstuck (Item wiltu pild trucken, die derhaben sein, von 
papir) usw. — 

Das Verzeichnis einer reichen wohlg-ewählten Autographen-Sammlung von 
umfassender Anlage, deren Bestandteile vom 11. Jh. bis zur Gegenwart reichen, ist 
nach dem Tode ihres Schöpfers, des Botschafters Grafen Paar^^"'^^) veröffentlicht 
worden, leider um diese grossartig-e Sammlung- für immer zu zerstreuen. Eine Fülle 
wichtiger Mitteilung-en aus Briefen und 45 Facsimiles sind dem Katalog beigefügt; 
von grossem Werte sind u. a. die darin beschriebenen Briefe von Humanisten und 
Reformatoren an W. Pirkheimer. Auch Bücher finden sich darunter, eine lateinische 
Bibel aus Brescia mit hs. Anmerkungen Savonarolas und vor allem die Hs von Hans 
Sachsens 16. Buch seiner Meisterlieder und dem 14. seiner Sprüche und Komödien. 
— lieber zwei deutsche Sammler des 16. Jh., Thomas von Rehdiger (1540 — 76) und 
Ludwig Camerarius (1573 — 1651), deren Sammlung-en in Breslau und München 
bewahrt werden, berichtet Mor-Sunnegg-^''), über eine Sammlung von Autographen 
und geschichtlichen Urkunden A. Morrisons Delisle^**). — 

Die Psychologie der Hs., die sogenannte Graphologie, hat, da sie sich 
noch nicht zur Höhe einer wissenschaftlichen Schriftkunde erhoben hat, nur feuille- 
tonistische Behandlung erfahren'' ^'^^j. auch Z ix ^•^) reiche Hss.- Facsimiles sind von 
einer sensitiven Dame gedeutet. — 

Das Buchwesen des Druckzeitalters hat für die Geschichte seiner Ent- 
stehung, der Erfindung derBuchdruckerkunst, in diesem Berichtsjahre Schriften 
von Belang nicht aufzuweisen. Schorbach^*) giebt einen kleinen Nachtrag zu 
seiner treöenden Klarstellung von Strassburgs Anteil an der Erfindung der Buch- 
druckerkunst und stellt dabei die Veröffentlichung der Urkunde über Andr. Dritzehn 
in Aussicht. — Eine Uebersicht der Erfindungsgeschichte gewährt Pf äff 6'') in seiner 
Freiburger Festschrift. — Unter den bisherigen poetischen Verwertungen der Person des 
Erfinders steht von Gottschalls^^j Drama „Gutenberg" in vorderer Reihe; trägt der 
Vf., wie bei solcher Aufgabe kaum anders möglich, moderne Gedanken in des Erfinders 
mittelalterlichen Sinn und verteilt er auch helles Licht und kräftigen Schatten nach 
eigener Willkür, so hat er doch ein wirkungsvolles Werk geschaffen.^") — Auch die 
Jugendlitteratur, wie das Buch von Masslieb^^), bemächtigt sich mit Recht und in 
ihrer Weise ganz löblich der Erfinder, wobei die Sittlichkeitszeugnisse nach der 
herrschenden Fabel verteilt werden. — 

Zur Aufhellung der ältesten Buchdruckergeschichte und im 
Hinblick auf die Bedeutung von Mainz als Ausgangspunkt für die Verbreitung der 
Buchdruckerkunst weist Falk 6") bei einer Anzahl von Druckern der Frühzeit als 
wahrscheinlich nach, dass sie unweit Mainz heimisch waren, so Job. Emerich 
von Udenheim, der gemeinsam mit Joh. Hammann von Landoia 1487 zu Venedig 
druckte, im rheinhessischen Udenheim, 3 Stunden von Mainz, Joh. Hanheimer von 
Oppenheim, der mit Joh. Schurener von Boppard 1474 gemeinsam zu Rom druckte, 
in Hahnheim bei Oppenheim unweit Udenheim, ferner Joh. Schnitzer von Armsheim, 
der für den Ulmer Ptolemäus von 1482 Landkarten schnitt, vielleicht in Armsheim 



S. 374/5.] 1 — 49) E. Kirchner, D. Papiere v. 14. Jh. im Stadtarch. zu Frankfurt a. M. u. deren Wasserzeichen. Mit 153 Abbild. 
Frankfurt a. M., Jügel. 67 S. M. 2,50. - 50) G. Bosch, Z. Gesch. d. technischen Verwendung d. Papiers: MQNM. S. 3-13, 
S. 121/2. — 51) D. Sammlung v. Autographen u. bist. Dokumenten Sr. Exe. d. verst. Herrn Ludwig Grafen Paar. B., Cohn. XU, 
255 8. — 52) X G. Weisstein, D. gräfl. Paarsche Autographensamml. : MAutographensammler. S. 9-13, 20/1. (Eingehend, 
anerkennend.) — 53) X Verzeichnis d. in d. Autographen-Auktion d. Graf Paarschen Samml. am 20.-25. März erzielten Preise: 
ib. S. 27-31. — 54) X E. Fischer v. Röslerstamm, D. Auktion Paar: ib. S. 35/8. — 55) X A. M[ey eT]-C[ohn], Noch 
einmal d. Auktion Paar: ib. S. 44/5. — 56) X Entgegnung v. B. Fischer v. Röslerstamm. Pro domo: ib. S. 57/8. — 57) X A. 
Gattel, Nachwuchs: ib. S. 58-60 — 58) X E. Mor-Sunnegg, D. Autographensamml. d. Botschafters Grafen Ludwig Paar: 
AZg". N. 58. — 59) id., 2 alte dtsch. Sammler (16. Jh.): MAutographensammler. S. 51/5. — 60) O L. Delisle, Cat. of the 
coli, of autograph letters and hist. documents formed between 1865 and 1882 by Alfred Morrison, corapiled and annotated under 
the direction of A. W. Thibaudeau. (Aus JSav.l Paris, Impr. nationale. 32 S. — 61) X E. Hagedorn, Einige Worte über 
Hs.-Beurteilung : StrassbPost. N. 71. — 62) X •>■ Mendius, D. Seele in d. Schrift (vgl. JBL. 1892 13:8): BLU. S. 110. — 
63) 0. Zix, OeflFentliche Charaktere im Lichte grapholog. Auslegung. Mit Einl. u. biogr. Notizen versehen. Mit 135 Hss.- 
Facsimiles. B., Hofraann & Co. V, 288 S. M. 6,00. |[BLU. S. 814.] | — 64) K. Schorbach, Nachtr. zu Strassburgs Anteil an 
d. Erfindung d. Bnchdruckerkunst: ZGORh. 8, S. 128. (Vgl. JBL. 1892 I 3 : 14.) — 65) Fr. Pf äff, Festschrift ■/.. 400j. Gedächtnis 
d. ersten Freiburger Buchdrucks 1493-1893. Freiburg i. B., Herder. 35 S. Mit Abbild. M. 2,00. |lAlem.annia 21, S. 297 8; 
ZGORh. 8, S.718-20.JI (S. u. N. 75.) — 66) R. v. Gottschall, Gutenberg. Drama. L., Schmidt & Baumann. 87 S. M. 2,00. |[KZg. 
N. 788.] I — 67) X P- E. Siebold, E. Schüler Gutenbergs. Dramat. Gedicht in 5 Akten nebst e. Vorspiel. Hamburg, Herbst 
XII, 117 S. M. 2,50. — 68) W. Masslieb, Peter Schöffer u. d. Erfindung d. Buohdruckerkunst. E. Kulturbild für d. reifere 
Jugend. 2. Aufl. (= Spiegelbilder ans d. Leben u. d. Gesch. d. Völker N. 23.) L., Oehmigke. 12«. 128 S. M. 0,75. — 69) [F. 



O. V. Hase, Schrift- und Buchwesen. I 3 •. 70-76 

zwischen Mainz und Alzei. Für Joh. Manthen von Geretzem weist F., da dieser 
mit Joh. von Köln um 1476 druckte, nicht auf Gernsheim, sondern auf Gerresheim 
bei Düsseldorf hin, bei Joh. Spengel von Fremersschenn (AGDBuchhandel. 10, 
S. 25), der für Joh. Schöffer im J. 1511 Bücher in Leipzig* erhalten sollte, auf 
Freimersheim bei Alzei. — Roth''**) veröffentlicht eine bibliographische Mitteilung- 
über den Drucker Friedrich Heumann zu Mainz, von dem er 16 Drucke beschreibt; 
diese sind in den J. 1508—12 in einer einzigen Letternart g-edruckt, die weder mit der 
Schrift von Gutenberg-s Sözeiliger Bibel noch mit der der Kogelherren zu Marienthal 
etwas zu schaffen hat, wohl aber später von Peter Drach zum Speierschen Psalter 
von 1515 verwandt worden ist. — Ais Nachtrag- zu S. Widmanns Arbeit über Franz 
Behem berichtet Forst'') über die Anfäng-e der Behemschen Druckerei in Mainz. — 
C. Schmidt'^) leg't Grundlag-en für die Geschichte der Strassburg-er Buchdrucker 
durch ein Repertorium ihrer Drucke: Joh. Grüning-er (1483 — 1531) eröffnet den Reig-en, 
es folgen Martin Schott und sein Sohn Johann (1481—99, 1500 — 44), auch Joh. Prüss 
Vater und Sohn (1480 — 1510, 1510—46) treten stattlich hervor, zwölf kleinere oder 
doch in Strassburg nur kurze Zeit wirkende Drucker, Jacob Eber, Thomas Anshelm, 
Peter Attendorn, Friedr. Dümbach, Bartholomäus Kistler, Wilhelm Schaffner, Matthias 
Brant, Joh. Wähinger, Hieronymus Greff, Reinhart Beck, Konrad Kerner, Ulrich 
Morhard (alle von 1483—1522) werden zusammengefasst, Matthias Hupfuff (1492— 1520) 
und Martin Flach, Valer und Sohn (1477—1500, 1501 — 25) machen für dieses Jahr den 
Schluss. Kurze Lebensbeschreibungen leiten die kritischen Drucker Verzeichnisse ein, 
auf 22 Tafeln sind Druckermarken beigegeben. — Ueber drei Nürnberger Drucker 
von recht verschiedenem Gepräge wird berichtet: Mummenhoff '3) giebt von Hans 
Sporer, dem Junghannspriffmaler, ein quellfrisches und doch typisches Bild; neben 
dem nach Bamberg und später nach Erfurt übergesiedelten Hans führt er aus den 
Nürnberger Bürger- und Meisterbüchern 1481 auch einen Peter Sporer trucker an. 

— Steiff'*) veröffentlicht klärende Ausführungen über Georg Stüchs in Nürnberg, 
der 1484 — 1517 als Kirchenbücherdrucker zumeist für fremde Rechnung thätig war 

— der Vf hat 59 Druckwerke festgestellt ~, und über Joh. Stüchs, vielleicht seinen 
Sohn, der, von 1509 beginnend, 1531 noch druckte; die bis jetzt festgestellten 
52 Drucke sind abweichend von denen des Georg Stüchs, meist Schul- und Volks- 
schriften — Pfaff^) giebt eine zur Feier des 400jährigen Druckerjubiläums entworfene 
Darstellung des Freiburger Buchdrucks mit einem Verzeichnisse der Freiburger 
Drucker bis zum J. 1600, wobei ihn K. Schorbach, Konr. Burger und E. Eck- 
hardt unterstützt haben. Als erster Freiburger Drucker hat nach einem Gedichte 
Joh. Beckenhaubs in der Perlustratio Sancti Bonauenture in quatuor libros sententiarum 
Petri Lombardi von 1493 Kilian Vischer von Ingelfingen zu gelten, doch erfolgte der 
Druck für Basel, und auch die beiden Augustindrucke des folgenden Jahres in gleicher 
Letter mögen fremdem Auftrage g-eg-olten haben. Vischer erwarb nach Stehelin 
1497 als Drucker das Baseler Bürgerrecht, brachte es auf keinen grünen Zweig und 
war 1511 bereits gestorben. Der zweite Drucker Friedr. Riedrer aus Mühlhausen 
im Hegau hat 1494, was er zuvor gehört, gelesen und geschrieben, in seinem rheto- 
rischen Spiegel, einem üblichen Formularbuch, versammelt, gedruckt und vollendet; er ist 
augenscheinlich zuvor Schreiber bei seinem gnädigen Junker von Friedingen zu 
Hohenkrähen gewesen ; mit Jakob Locher bekannt, hat er als selbständiger Verleger 
in den beiden folgenden Jahren dessen lateinisches Schauspiel Historie vom Könige von 
Frankreich und desselben lateinische Rhetorik, in den nächstfolgenden einen Frei- 
burger Erlass Kaiser Maxens und Franz Rigers lateinische Briefkunst gedruckt. 
Den Meister von zwei Tartaretdrucken von 1494 weiss Pf. nicht zu nennen, doch 
führt er zum J. 1493 aus dem Freiberger Zunftregister zum Falkenberg einen Buch- 
drucker Bastian Karrer an. Zur Ausführung des Erstlingsdruckes der Margaritha 
philosophica des Freiburger Magisters Gregor Reisch kam Joh. Schott aus Strassburg 
1503 nach Freiburg, druckte aber die Auflage des nächsten Jahres wieder in seinem 
angestammten Druckorte. Erst 1520 treten wieder Drucker auf, Joh. Wörlin 1520 — 25, 
Joh. Faber 1527 — 40 und Steffen Graff 1543—79. Der Versuch des Ambrosius Frohen, 
durch Abraham Gempperlin und selbst (1583 — 84) dort zu drucken, ist, weil sein 
Gesind oder Weib vielleicht „mit der Zwinglischen oder Calvinischen sect befleckht", 
abgewiesen worden, während Martin Böckler von Ingolstadt 1592 das Juramentum 
fidei prästieren konnte , dass er und sein Gesinde der wahren katholischen aposto- 
lischen Religion sei, und den Freiburger Buchdruck ins 17. Jh. überleitet. Der 
Aufschwung ist erst im 19. Jh. erfolg-t. — Aus Freiberg'^), dessen Druckergeschichte 

Falk], Varia z. ältesten Druckgeschichte: CBlBibl. 10, S. 346/8, 424. — 70) F. W. E Roth, D. Buchdrucker Friedr. Heumann 
zn Mainz 1508-12: ib. S. 476-83. — 71j O H. Forst, Ueber d. Gründung d. Behemschen Druckerei in Mainz: AnnYNassauG. 
S. 53. — 72) C. Schmidt, Eep. bibliogr. Strassbourgeois jusque vers 1530. 6 Tle. Strassburg i. F., Heitz. XVI, 107 S. u. 
4 Tafeln; XI, 68 S. u. 4 Tafeln; VII, 46 S. n. 4 Tafeln; VIII, 35 S. u. 4 Tafeln; VIII, 46 S. u. 2 Tafeln; IX, 41 S. u. 4 Tafeln. 
|[LCB1.S. 531/2; C. Pfister: AnnEst. 7, S. 129-30.] | — 73) E. Mumme nhoff, H. Sporer: ADB. 35, S. 271/3. — 74j K. Steiff, 
G. Stüchs : ib. 36, S. 714/6. — 75) (S. o. N. 65.) — 76) O D. 250j. Kalenderjnbil. d. Gerlachschen Bnchdr. (Freiberger Stadt- 

4* 



I 3 : 77-85 0. V. H a s 6 , Schrift- und Buchwesen. 

im J. 1495 g-leich der Freiburg-s mit der Gastrolle eines Druckers aus dem nächst- 
g-eleg-enen Biicherplatze anhebt, ist deren Darstellung- auf das kommende Jahr an- 
g-ekündig-t, inzwischen sind aber als Abschlag- von Heinr. Gerlach '^'''^) dem ehr- 
würdig-en Führer des g-egenwärtigen Freiberg-er Buchdrucks, drei Gaben erfolgt: eine 
Geschichte des Freiberg-er Berg--Kalenders zur Feier von dessen 250jährig'en Jubiläum, 
eine Familienchronik des alten Hauses Gerlach in Freiberg-, und zum lOOjährig-en 
Geschlechtsjubiläum eine Erinnerung an seinen Grossvater J. Chr. F. Gerlach unter 
Benutzung von dessen Selbstbekenntnissen. — Steiff"^) bring-t Erg-änzung-en zu 
seinem vorjährigen Aufsatze über den g-elehrten Drucker Joh. Setzer von Hagenau 
auf Grund von Zuschriften A. Hanauers und A. Kirchhoffs, die neues Licht auf 
Setzers Stellung- zu Th. Anshelm und seine Bethätigung als Buchhändler werfen. — 
Vogt^ö) hat die hauptsächlichsten Druckwerke von Heinrich Steyner in Augsburg 
zusammengestellt und auf seine volkstümlichen Holzschnitte hingewiesen, über seine 
Lebensumstände hat er nichts erkunden können. — Bö seh ^') weist in einem Beitrag 
zur Bücherausstattung des 15. Jh. das Aufkommen des Titels zunächst auf der Rück- 
seite eines vorn freien ersten Blattes vom Drucker Berthold in Basel um 1468 
und von Erhart Ratdolt in Venedig (1476 und 78), bei letzterem auch das Vorkommen 
des verzierten Umschlages (1493) nach. — Ueber den Musikdruck mit beweglichen Metall- 
typen im 16. Jh. handelt eingehend Thürlings **2j^ wobei er sich zu der von 
Chrysander in seinem durchaus selbständigen „Abriss einer Geschichte des Noten- 
drucks" vertretenen Ansicht, dass der Notendruck für die Masse der Figuralmusik 
eine einfache Weiterbildung des sogenannten Patronendrucks für die Choralmusik 
sei, abwartend verhält. Der Thätigkeit Ottaviano dei Petruccis in Venedig und 
Fossombrone vom Privileg von 1498 bis zum Einstellen des Musikdrucks um 1523 
und den Arbeiten seiner italienischen Berufsgenossen Jakob Giunta, Antonio Gardano 
und Girolamo Scotto stellt Th. die Erhart Öglins in Augsburg und die des als Drucker 
bedeutsameren Peter Schöffers gegenüber, wobei er jedoch beider Meister Musikwerke 
durchweg als Doppeldrucke in Anspruch nimmt; als ältesten einfachen Musikdruck, 
also als den Beginn der höheren Form dieser Satzkunst betrachtet er nach Eitner 
einen Sieneser vom J. 1515 auf der kgl. Bibliothek in Berlin. Den Hauptgegenstand 
der Untersuchung bildet Mathias Apiarius, der Notendrucker in Strassburg und 
Bern, doch wird auch eine Uebersicht der anderen deutschen Notendrucker aus der 
Zeit des einfachen Musikdrucks gegeben. Gegen Ende des 16, Jh. ist die Kunst 
des Musiksatzes mit beweglichen Lettern verblichen, um erst Mitte des 18. Jh. wieder 
neu zu erstehen. — Ueber die Beteiligung von Geistlichen am Buchdrucke bis zur 
Reformationszeit giebt Falk ^^) in Ergänzung seiner Schrift „Die Druckkunst im 
Dienste der Kirche (Köln 1879)" eine gedräng'te Uebersicht; er führt in vier Ab- 
teilungen die geistlichen Drucker Deutschlands an 16, des Auslandes an 32 Orten an, 
ferner 7 geistliche Druckstätten in Deutschland und 23 im Auslande. In der ersten 
Abteilung finden sich neben einzelnen Geistlichen, die als Barfüsser, Karmeliter, 
Priester, Domherr, Professor oder Kleriker wie der Korrektor und Buchführer Joh. 
Beckenhaub recht verschiedenartig zur Druckkunst gestanden haben, die Klöster der 
Augustiner in Nürnberg, der Benediktiner in Augsburg, Erfurt und Ottobeuern, der 
Karthäuser in Köln und Strassburg und der Kogelherren in Magdeburg, Marienthal 
und Rostock. Es ist fraglich, ob nicht die Abteilung der Druckstätten, wo 
in Klöstern und Wohnungen von Bischöfen oder Domherren namentlich genannte 
Drucker ihre Pressen aufstellten, wie bei den Augustinern in Wittenberg Grünberg, 
bei den Benedictinern in Bamberg und W^essobrunn Sensenschmid und Zeissenmeyer, 
bei den Prämonstratensern in Magdeburg Brandes, im bischöflichen Hause zu Meissen 
Melchior Lotter thatsächlich ähnliche Verhältnisse bieten, wie in vielen Klöstern, 
deren Drucker nicht mit Namen bekannt sind. — Für die Druckerei des Klosters 
der Dominikanerinnen von St. Jakob di Ripoli zu Florenz weist F a 1 k ^'*) (nach 
V. Fineschi, Notizie storiche. Firenze 1781) darauf hin, dass gemäss der Ordensregel 
nicht sie, sondern zwei Patres im Amte des Spirituals im J. 1476 die Druckerei er- 
richteten und die Druckkunst ausübten. Derselbe erinnert an einen Vermerk in 
Fabers hs. Historia heilbrunnensis (Württemb. Franken 1862, S. 64), wonach sich 
in dem 1444 gegründeten Karmeliterkloster zur Nessel eine Buchdruckerei befunden 
haben soll. — Eines deutschen Meisters in Frankreich, Joh. Stolls, Mitglieds der 
zweiten Pariser Druckergesellschaft, gedenkt Steiff*^^); er hält es für möglich, 

Land- n. Bergkalender.) Vom Heransgeber desselben: MFreibergAV. 29, S. 46/8. — 77} H. Qerlach, D. Hans Gerlach 
in Freiberg, e. Familien-Chronilc. Freiberg, Gerlach. 90 S. (Nicht im Buchhandel.) — 78) id., E. lOOj Jubil. Lebens- 
bilder z. Erinnerung an d. Freiberger Buchdrucker u Buchhändler Joh. Chr. Friedr. Gerlach (1756-1820): MFreibergAV. 
29, S. 34-46. — 79) K. Steiff, Joh. Setzer, d. gelehrte Buchdrucker v. Hagenau. (Nachträgliches zu d. Aufsatz 9, 
S. 297 ff.): CBlBibl. 10, S. 20y2. (Vgl. JBL. 1892 I 3:27/8.) — 80) W. Vogt, Heinr. Steyner (Stainer, Steiner) Augsb. Buch- 
drucker: ADB. 36, S. 161. — 81) H. Bosch, E Beitr. z. Bücherausstattnng: MGNM. S. 108-12. — 82) A. Thürlings, D. 
Musikdruck mit beweglichen Metalltypen im 16. Jh. u. d. Musikdrucke d. Mathias Apiarius in Strassburg n. Bern. (= Sonder- 
abdr. aus VjsMusikwissensch. 1892.) L., Breitkopf & Härtel. 82 S. Mit Facs. M. 1,00. - 83) IF. Falk], Geistl. Drucker 
u. geistl. Druokst&tten bis 1520: Kath. 1, S. 90/6. — 84) (S. o. N. 69; S. 347.) — 85) K. Steiff, Joh. Stell: ADB. 36, 8. 403/4. 



O. V. Hase, Schrift- und Buchwesen. I 3 : 86-94 

dass dieser Gesellschafter von Peter de Keysere der als Joh. Stol de Frede- 
burgh (Friedberg-) 1471 in der Erfurter Matrikel verzeichnete Student war. Nächst 
den 8 g-ezeichneten Drucken der Gesellschaft aus den J. 1474—76 werden ihr noch 
10 aus dem Hause zum g-rünen Blasebalg- in der Strasse St. Jakob nahe den Domi- 
nikanern bis 1479 oder 80 zug-e wiesen, von Hain weitere 15 undatierte Drucke. — 
De la Bouraliere^®) berichtet eing-ehend von den Anfängen der Druckkunst in 
Poitiers (1479 — 1515), das er nächst Paris, Lyon, Toulouse, Ang-ers, Chablis undVienneals 
siebente Druckstadt Frankreichs bezeichnet. Nach Schilderung- der erstenWieg-endrucke 
vom breviariura historiale beginnend, wird die Thätigk eit Jean Bouyers und seiner Gesell- 
schafter, des Buchhändlers Jacques Bezanceau, der Familie de Marnefund des Druckers 
Jean Mesnage vorgeführt. — C 1 a u d i n ^'^) ist denDruckanfäng-en von Salins in der Frei- 
grafschaft, gleich nachdem es Mittelpunkt der neuen französischen Herrschaft geworden 
war, nachgegangen, — Von grossem Werte ist C 1 a u d i n s ^^) Schrift über das 
Toulouser Buchgewerbe, das in voller Freiheit erblüht ist. Der Vf. zieht aus den 
Steuerlisten nicht weniger als 15 Drucker ans Licht, er rühmt sich gegen 500 Er- 
wähnungen betreffend Buchhändler und Stationare, mehr als 70 betreffend Buch- 
binder, 50 betreffend Illuministen mit Ausschluss der eigentlichen Maler verzeichnet 
zu haben ; auf Anführung der grossen Zahl von Pergamentern hat er verzichtete^). — 
Marie Pellechet^") entwickelt in ihren Hypothesen über die Druckkunst in 
Languedoc fruchtbare Anregungen über die Beziehungen der Städte, indem sie auf 
den Einfluss der Buchhändler von Lyon und Toulouse auf Languedoc, auf die haupt- 
sächlich deutsche Herkunft des Bücherbestandes in Bordeaux und auf die Pariser 
Drucke in Poitiers hindeutet, auf ylämische Lettern in Italien und auf die nahe 
Verwandtschaft der ersten Lyoner Lettern mit den deutschen und auf die Herkunft 
der Drucker aus Deutschland. Auf Grund solcher Erwägungen und sorgfältiger 
Vergleichungen weist Marie P. sinnreich und glaubhaft nach, dass der älteste Druck 
von Toulouse vom J. 1476 von Martinus Huss de Botwar stammt, und dass Vorräte 
seiner Lettern 1479 im Besitze des zweiten Druckers, seines deutschen Landsmannes 
Joh. Parix von Heidelberg* waren. Aehnliche Folgerungen werden aus der weiteren 
Verwendung von Lettern, die Joh. Neumeister in Albi gebraucht hat, gezogen, 
ähnliche Anregungen in einem Aufsatze über Druckalphabete des 15. Jh gegeben^^). — 
lieber einen deutschen Wanderdrucker der Frühzeit in Spanien, Nikolaus Spindeler 
aus Zwickau, 1477—1506, berichtet Steiff^^) — ^jg gj^ allerliebstes Büchlein 
über einen hervorragenden römischen Drucker des 16. Jh. Antonio Blado (1490—1567) 
hat Fumagalli^3^ eine schon 1886 abgefasste, aber bis auf die Gegenwart ergänzte 
lesenswerte Schrift veröffentlicht. Aus dem Anhange ist ein Gesellschaftsvertrag für 
ein Verlagsunternehmen von 1536 und ein Privileg Gregors XIII. für den Druck 
von Bullen und Konstitutionen hervorzuheben. — 

Für die Kunde von den Wiegendrucken ist, abgesehen von den schon 
erwähnten Strassburger Repertorien, im Berichtsjahr die Ernte in Deutschland so wenig 
ergiebig gewesen, dass es fast scheint, als halte jedermann unwillkürlich mit nur 
massig fruchtbringender Einzelarbeit zurück, bis endlich eine Organisationskraft 
erstünde und für das wahrlich nicht übergrosse Gebiet, das aber einen hervorragenden 
Ruhmestitel deutscher Arbeit angeht, Plan und Mittel schaÖ'te. Nur Burgers 9*) 
grosses Tafelwerk der deutschen und italienischen Inkunabeln hat einen Schritt vor- 
wärts gethan; wie untrennbar deutsche und italienische Schriftproben des Wiegen- 
zeitalters sind, erhellt daraus, dass die in die 3. u. 4. Lieferung (Tafel 51—100) auf- 
genommenen 13 Druckproben aus Italien sämtlich deutschen Meistern angehören. Es 
ist dringend erwünscht, dass die Reichsdruckerei diese Sammlung musterhafter Nach- 
bildungen von der Zwangsjacke eines ihr auferlegten zu engen Umfanges befreit, 
so dass diese Monumenta sich zu einem vaterländischen Unternehmen mit den natur- 
gemässen, gar nicht einmal weitläuftigen Grenzen auswachsen kann. Als Abschluss 
ist ein handlicher Band mit den Alphabeten, womöglich auch Ligaturen, aller wesent- 
lichen Letternarten der Wiegendruckzeit nötig, sowohl für wissenschaftliche Druck- 
vergleichung, als für die Befruchtung des gegenwärtigen deutschen Buchgewerbes. 

— Die bescheidene Inkunabelnsammlung der Gothaer Gymnasialbibliothek verzeichnete 

— 86) A. de la Bouraliere, Les debnts de rimprimerie ä Poitiers (1479-1515). 2. ed. Paris, Em. Paul, L. Huard et Guillemin. 
72 S. 3Taf. |[JSav. S. 703.]| — 87) A. Claudin, Les origines de l'imprimerie ä Salins en Franche-Comte (1434-35). (= Extr. 
du Bulletin du bibliophile.) Paris, Clandin. 1892. 25 S. (Vgl. JBL. 1892 I 3 : 41 ) — 88) id., Les enlumineurs, les relieurs, 
les libraircs et les imprimeurs de Toulouse aux 15. et 16. siecles (1480-1530). Docuraents et Notes pour servir ä lenr bist. 
(= Extr. du Bulletin du bibliophile.) ib. 67 S. — 89) X id-. Note pour servir ä l'hist. de rimpriraerie en Bearn. Les 
antecedents d'Henry Toyvre et de Jean de Vingles, premiers imprimeurs de la ville de Pan. (= Extrait de la Gase). Auch, 
Foix. 3S. ~ 90) Mfarie] Pellechet, Quelques hypotheses sur l'imprimerie en Languedoc au 15. sifecle : ChrJGenlraprLibr. 82', 
S. 1/7. — 91) id., Alphabets des imprimeurs du 15. siecle avec des facs. (= Extr. de la RBibl.). Paris, Bouillon. I, 10 S. 

— 92) K. Steiff, N. Spindler: ADB. 35, S. 19S/9. — 93) G. Fumagalli, Antonio Blado, tipografo romano del secolo 16. 
Memoria storico-bibliografica. Milano, Hoepli. 24». 123 S. L. 3,50. — 94) Monumenta Germaniae et Italiae typographica. Dtsch 
n. ital. Inkunabeln in getreuen Nachbildungen her. t. d. Direktion d. Keichsdruckerei. Answ. n. Text t K. Burg er. 3. u. 4. Lfg. 



I 3:95-109 0. V. Hase, Schrift- und Buchwesen. 

Ehwald^^); auf Grund von Zwickauer Funden berichtet Beck^^) in einem Aufsatze 
über die ersten illustrierten Bücher, über neu aufgefundene illustrierte Strassburg-er 
Drucke von Matthis Hupfuff aus dem Anfange des 16. Jh., über des Ekken Aus- 
fahrt von 1503 nebst zwei schon aus Nürnberger Drucken bekannten Meisterliedern 
im Tone Jörg Schillers.ö''"^^) — In England versteht man die Lust am Buche der 
Frühzeit in weite Kreise zu tragen. Von der sechs Einzelbände umfassenden Sammlung 
Trübnerschen Verlages, „Books about books" edited by Alfred W. Pollard liegen in 
kräftigen, vom kgl. Buchdrucker der Edinburger Universitäts-Presse schön ge- 
druckten Bänden zu je 6 Sh. sechs Werke vor: das von Elton^^^ über die 
grossen Büchersammler, von H a r d y ^^Oj über Bücherzeichen (Ex libris), von D uf f '^i) 
über die ersten Drucke, von Pollard ^"2) ly^er die ersten illustrierten Druckwerke, 
H r n e s i*^^) Buch über Buchbinderei ist im folgenden Jahre erschienen, Madans 
Hs.-Buch wurde bereits erwähnt (s. o. N. 27). — Auch für die praktische Ver- 
folgung des Marktverkehrs der Bücher ist für Verkäufer und Käufer von anti- 
quarischen Werken dort gut gesorgt durch den jährlich mit alphabetischem Inhalts- 
verzeichnisse erscheinenden Book-Prices-Current i^*) englischer Auktionen, deren 
Gesamtumsatz im J. 1893 £" 66,470 15 s. 6 d. betrug. — Auf C o p i n g e r s lo^) grosses 
Inkunabelnwerk über die lateinische Bibel zwischen 1450 und 1500 nebst einer Liste 
der Ausgaben des 16. Jh. ist nachdrücklich hinzuweisen. Die Zahl der von ihm 
beschriebenen lateinischen Bibelausgaben des 15. Jh. beträgt 124, einschliesslich 
13 zweifelhafter und ausschliesslich 14 von ihm als unecht betrachteter Ausgaben. 
Das chronologische Verzeichnis des 16. Jh. umfasst 438 Ausgaben. Die 44 bei- 
gegebenen Schrifttafeln in Photolithographie köpnen, so willkommen sie sind, sich 
mit den Zinkklatschen der deutschen Reichsdruckerei nicht entfernt vergleichen ; ein 
Urteil über die Güte des Druckes der Inkunabelnzeit, nach diesen Proben abgegeben, 
würde abschätzig ausfallen müssen.-- Vom Verzeichnis der reichen Sammlung Copingers, 
der selbst 68 von den 124 lateinischen Bibeln des 15. Jh. und 202 von den 438 Ausgaben 
des 16. Jh. besitzt, ist ein Privatdruck 'o6) erschienen. — In Frankreich schreitet die 
Aufnahme der Inkunabelnbestände der öffentlichen Bibliotheken nach Delisies all- 
gemeingültigen Instruktionen rüstig vorwärts. Von M a r a i s und D u f r e s n e ^^'^) 
liegt der Inkunabelnkatalog der berühmten Bibliotheque Mazarine vor, zu dem 
Delisle und Copinger vieles freundlich zu bemerken hatten. Ein Druckerverzeichnis 
sollte einem so wichtigen Kataloge nicht fehlen. — Marie Pellechet*"*) hat den 
Inkunabelnkatalog der öffentlichen Bibliotheken von Lyon durch ihr selbständiges 
Vorgehen zu Wege gebracht, da die Bibliothekare der Stadt, die einst der Haupt- 
bücherplatz von Frankreich war, die Aufgabe nicht selbst zu unternehmen vermochten. 
Das mit Facsimiles von Druckerzeichen geschmückte bedeutsame Werk weist zwecks 
vielseitiger Verwertung Register über Druckorte, Drucker- und Buchhändlernamen, 
über Verteilung der Ausgaben auf die einzelnen Druckorte, über Vorbesitzer der 
Bücher, Büchertitel, ein Orts- und Personenverzeichnis, Tafel der Drucker- und Ver- 
legerzeichen und der beigegebenen 22 Druckproben Lyoner Drucker des 15. Jh. auf. 
Das Druckfehlerverzeichnis ist nur kurz, doch verlautet, dass es der sehr verdienten 
Vf. versagt wurde, die Korrektur an den Exemplaren selbst zu lesen, auch bleibt zu 
bedauern, dass Umstände die geplante Geschichte der in der Lyoner Bibliothek durch 
das Gesetz von 1789 und das Dekret von 1792 vereinigten Kloster- und Laienbücher- 
schätze verhindert haben. — C a s t a n ^oo) hat die Veröffentlichung seines aus- 
gezeichneten Inkunabelnkatalogs der öffentlichen Bibliotheken von Besangon nicht 
erlebt, zu dem Delisle die Vorrede, der heimgegangene L. S i e b e r eine Mit- 
teilung über den Drucker Bernhard, Hans Amerbachs Stiefsohn, beigetragen hat. Ausser 
den Drucker- und Verlegernamen und den Druckorten sind auch die Wasserzeichen 
alphabetisch nach Gegenständen mit Angaben von Ort, Drucker und Werknummer, 



B., Reichsdruckerei (Leipzig, Harrussowitz). Fol. k 25 Taf. ä M. 20. 1[LCB]. S. 575/6 (anerVennend).]| — 951 (S. o. N. 38.) — 
96)K. Beck.Nengefnndeneillnstr. Strassb. Druclce aus d. ersten Jahrzehnte d. 16. Jh.: CBlBibl. 10, S 331/4. — 97) XK. Koch en- 
do rff er, A. V. Dommer, D. ältesten Drucke aus Marburg i H. (Vgl. JBL. 1892 13 : 48.) : DLZ S 942/3 (s. LCBl. S. 1121). — 98) X A. 
Schricker,E. Hochegger, Liberregum. (Vgl. JBL. 1891 14:35.): DLZ. S. 561/3. — 99) C. J. u. Mary Augusta Elton, The great 
book-collectors. London, Kegan Paul, Trench, Trübner & Co. VIT, 228 S., 9 Taf. Sh. 6. — 100) W. J. Hardy , Book-plates. ib. XVI, 
175 S., 36 Taf. Sh.6. — 101) E. G. Duff, Early printed books. ib. XU, 219 S., 10 Taf. Sh. 6. - 102) A. V^. Pollard, Early illustrated 
books. Abist, ofthe decoration and Illustration of books in the 15"' and 16'1> Centuries. ib. XVI, 2,56 S. Sh. 6. — 103) H.P.Horne, 
The binding of books, an essay in the bist, of gold-tooled bindings. ib. VIII, 224 S. 13 Taf. Sh. 6. — 104) Book-Prices- 
Current: a record of the prices at wich books have been sold at anction, from Dec. 1892 to Nov. 1893. Vol. VII. London, 
EUiot Stock. VIU. 530 S. Sh. 27 6. — 105) W. A. Copinger, Incunabula biblica on the ftrst half Century of the latin 
bible beeing a bibliographical accoant of the various editions of the latin bible betwuen 1450 and 1500 with an appendix 
containing a chronological list of the editions of the sixteenth Century. London, Quaritch 1892. X, 226 S, Bild. d. Vf. 
(Nicht im Handel.) — 106) O id., Catal. of the Copinger- collection of editions of the Latin Bible with bibliographical particnlars, 
by W. A. Copinger. Manchester. 4». VIII, 39 S. Mit Titelbild n. 9 Taf |[L. Delisle: JSav. 8. 202-18 (anerkennende Be- 
sprechung mit ergänzenden Bemerkungen).] (Nicht im Buchhandel.) — 107) P. Marals et A. Dnfresne de Saint-Leon, 
Catal. des incunables de la bibl. Mazarine. Paris, Welter. VIII, 811 S. — 108) M[arieJ Pellechet, Oatal. des incnnables 
des bibl. pnbliques de Lyon. Avec facs Lyon, Delaroche et C!ie. VIII, 477 S., 8Taf. — 109) A. Castan, Catal. des incnnables 



O, V. Hase, Schrift- und Buchwesen. I 3 : 110-123 

ebenso die Ex-libris in einem Reg-ister verzeichnet; die Liste der nachg-ebildeten 
Drucker-, Verleger- und Bibliothekzeichen ist stattlich. — 

In die spätere Zeit des deutschen Buchdrucks führt der geschichtliche 
Teil von Hubers^'O) Festbericht über das 300 jährige Jubiläum der Joh. Köselschen 
Buchhandlung in Kempten. Vom Fürstabt von Kempten Erhard Blarer von War- 
tensee im J. 1593 gegründet und im fürstlichen Residenzschlosse zu Kempten bis 
zum Anfange unseres Jh. als Typog-raphia ducalis unter der Leitung von Faktoren 
betrieben, dann als kurbayerische Buchdruckerei mit der Papiermühle Hegge vom 
Staate übernommen, g-ing dieses typische katholische Geschäft an den letzten Faktor 
Joh. Kösel über; seine heutige Blüte verdankt es — dem Pfarrer Kneipp. — Rung-ei^^) 
hat auf Grundlage eingehender Benutzung der Akten des Osnabrücker Staatsarchives, 
des Materials des Ratsarchives und der hs. Schätze des Ratsgymnasiums und histo- 
rischen Vereins in Osnabrück, auch eifrig-er bibliographischer Forschungen den 
ersten Teil einer Geschichte des Osnabrücker Buchdrucks veröffentlicht. Seltsamer 
Weise hat sich in dieser hochentwickelten Stadt für das gesamte 15. und 16. Jh. 
keine Spur von Buchdruckbetrieb auffinden lassen, im J. 1617 ist „zuerst eine 
Druckerey zu Osnabrück verordnet, und der erste Drücker darauf Martin Mann g-e worden" . 
Der Schrift, die den innigen Wechselbeziehungen der Druckkunst mit dem geistigen 
Gesamtleben liebevoll folg-t, ist ein Verzeichnis älterer Osnabrücker Drucke von 
1618—1707 nach der Reihenfolge der Drucker beig-eg-eben. — Pauls ^^^^ kann in 
seinen Beiträgen zur Geschichte der Buchdruckereien usw. in Aachen, obg-leich er 
sich bemüht alle Drucker von Gutenberg* an namhaft zu machen, die mit Aachen 
Zusammenhänge haben, erst 1620 einen städtischen Buchdrucker nachweisen und 
im ganzen 17. Jh. bleibt es im wesentlichen bei Gelegeriheitsschriften. — 

Für das Feld der Drucker marken behält in Deutschland der kunst- 
sinnige junge Verlagsbuchhändler Heitz die Führung in Händen; seinen elsässischen^^^) 
Büchermarken lässt er Kristellers' ^*) italienische Buchdrucker- und Verleger- 
zeichen folgen. Der Abschluss mit dem J. 1525 ist berechtigt, da um diese Zeit 
gleichzeitig eine sachliche und künstlerische Umgestaltung erfolgt. Die wirtschaft- 
lichen Erörterungen des von der Kunstgeschichte ausgehenden Herausgebers 
sind sehr willkommen. Gegenüber der Mannigfaltigkeit deutscher Markengestaltung 
wirkt die einheitliche italienische Grundform, die Weltkugel mit dem Doppelkreuz, 
etwas eintönig. — In England veröffentlicht Roberts i'^), der Herausgeber des 
„Book-Worm", eine mit guten Facsimilestöoken belebte, übersichtliche Darstellung der 
Druckermarken. — 

Der alte Streit über die deutsche Druckschrift wird in neuerer Zeit un- 
geschwächt, aber von beiden Seiten einseitig fortgesetzt i^^-iisj — 

Die Bib liograp hie hat ausser Hss. und Inkunabeln Verzeichnissen mancherlei 
Gebiete bedacht. Die nachweisbaren arabischen Uebersetzungen aus den Griechischen, 
die mittelbaren Einfluss auf mancherlei Litteraturzweige gewonnen haben, zählt 
Steins chn eider*''') auf. — Eine BibliogTaphie der epischen lateinischen Dramen 
des Mittelalters in elegischem Versmasse giebt B ahlm an n *^'*), im ganzen 19, nach 
B.s Ansicht nicht für dramatische Aufführung bestimmte Werke vom Ende des 
10. Jh. bis gegen 1260, neben den 6 wirklichen Komödien der Hrotswitha die ein- 
zigen seit dem 5. Jh. im ganzen Mittelalter, die an das Theater des Altertums er- 
innern. Nicht berücksichtigt sind die liturgischen Dramen, sowie die Landen, Devotionen 
und Repräsentationen des 14. und 15. Jh. Aus dem späteren Mittelalter ist Regnier 
de Waels epische Tragödie von 1447 verzeichnet. — Ueber einige Reformationsschriften 
aus den J. 1525—26 und deren schwedische Uebersetzungen veröffentlicht An- 
der s s n 1 2 ij bibliographische Miscellanea; B a h 1 m a n n 122^ verzeichnet die Ausgaben 
einer gereimten Streitschrift des Jesuiten Joh. Hammer samt Gegenschriften. — Mit 
äusserster Vorsicht gehen die Herausgeber der Bibliotheoa Erasmiana'^S) vor, die das 
als vorläufig bezeichnete Verzeichnis, ein hervorragendes Werk grössten Bibliographen- 



de la bibl. publique de Besan9on. Besanjon, Dodivers. XIX, 816 S. — 110) L. Huber, Festbericht über d. 300 j. Jubil. d. 
Joh. Köselschen Buchhandlung in Kempten am 24. Sept. Kempten (Kösel). 63 S. 1 Bild. (Nicht im Buchhandel.) — 111) 
G. Runge, Gesch. d. Osnabrücker Buchdrucks. 1. T. 1617-1707. (Aus MGVOsnabrück. 16, S. 181-370.) Osnabrück (Rack- 
horst). 199 S. M. 2,00. |[LCB1. S. 1500 (anerkennend).]] (Sonderabdr.) —112) E. Pauls, Beitrr. z. Gesch. d. Bachdruckereien, 
d. Buchhandels, d. Censur u. d. Zeitungspresse in Aachen bis z. J. 1816: ZAachenGV. 15, S. 97--235. — 113; P- Heitz, Bl- 
sässische Büchermarken (vgl. JBL. 1892 I 3:45). j[K. Dziatzko: DLZ. S. 614/5; RepKunstw. 16, S. 145/6; 0. v. H(ase): 
LCBl. S.10889; A.Schricker: AZgB.N.4; E. Picot: RCr. 35, S. 143/7.]| — 114) P. Kristeil er, D. Italien. Buchdrucker- u. 
Verlegerzeichen bis 1525. (= Die Büchermarken od. Buchdrucker- u. Verlegerzeichen. 2. Bd.). Strassburg i. E., Heitz. 4". 
XV, 145 S. M. 50,00. |[0. t. H(ase): LCBl. S. 447/9; NAnt. 47, S. 734/5 (anerkennend).]! - 115) W. Roberts, Printers 
marks. A chapter on the bist, of typography. London, Bell & Sons. 16». Sh. 7/6. — 116) X J- Schlecht, Eckschrift oder 
Rundschrift: ZDU. 7, S. 471/5. — 117) X Rundschreiben d. Vereins für Lateinschrift: PaedA. 35, S. 100-4. — 118) X 
H. Stöckel, Antiqua oder Fraktur?: BBRW. 13, 8.7-14. - 119) M. Steinschneider, D. arabischen Uebersetzungen aus d. 
Griechischen. (= Beihefte z. CBlßibl. N. 12.) L., Harrassowitz. IV, 112 S. M. 5,00. — 120) P. Bahlmann, D. epischen 
Komödien u. Tragödien d. MA.: CBlBibl. 10, S. 463-70. - 121) A. Andersson, Miscellanea: ib. S. 486-90. — 122) P. Bahl- 
mann, Herrn. Josemas Praedikanten-Latein : ib. S. 271/5. — 123) Bibliotheca Erasmiana, repertoire des oeuTres d'Erasnje, 



I 3:124-143 0. V. HasG, Schrift- und Buchwesen. 

fleisses der Genter Universitätsbibliothekare, zunächst in 800 Abzügen jedermann 
zur Verfügung- stellen, der verbessern und vervollständigen will. Der mächtige Einfluss 
des Erasmus auf die verschiedensten Litteraturen erhellt, wenn man die schier end- 
losen Reihen von Auflagen und Ausgaben Erasmischer Werke überblickt. — Zur 
Bibliographie der Paracelsisten liefert Sudhoff^^i^ einen kritischen Beitrag. — 
Der deutschen Litteratur bringt Ad. Schmidt ^^5) aus der Darmstädter Hofbibliothek 
willkommene bibliographische Beiträge: Ueber die älteste datierte Ausgabe des Pfaffen 
vom Kaienberge (1490), über Fuchsens Muckenkrieg (1580), Eulenspiegel (1551), 
die beiden Reimschriften des Bad zu Blumerschs und B. Klingiers „Wie man sich 
hüten soll vor dem Spiel", über Griseldis und Giletta von Narbonne, den Glück Haff 
zu Strassburg, das Buch der Liebe (gegen eine Ausgabe von 1578), namentlich aber 
Beiträge zur Fischartbibliographie (N. 1—58). — Neubaur^^e^ (vgl. I 5:226) lässt 
seiner früheren Darstellung der Sage vom ewigen Juden (1884) eine vervoll- 
ständigte Bibliographie der Ausgaben in deutscher (56), vlämischer (13), französischer 
(10), dänischer (4) und schwedischer (19) Sprache, sowie von 139 Schriften über 
diesen Gegenstand folgen. — Vogel '^i^ hat für die gedruckte weltliche Vokalmusik 
Italiens durchaus selbständig und meisterhaft die bibliographische Grundlage gelegt 
und damit ein Muster für authentische Materialiensammlung zur Musikgeschichte 
überhaupt gegeben. Bei dem grossen Einflüsse dieser italienischen Musikgattung 
auf Deutschland verdienen die angeführten Texte die Beachtung der Litterar- 
historiker. — Nächst den Fachbibliographien '^s)^ die das ganze Gebiet eines Wissens- 
zweiges umfassen, haben die meisten Künste ^29-131^ und Wissenschaften in ihren 
Fachorganen Bibliographien über die laufenden Erscheinungen '32). — Eine über- 
sichtliche geschichtliche Bibliographie der letzten zwei Jahrzehnte bietet der Er- 
gänzungsband der Mitteilungen aus der historischen Litteratur ^^^), ein alphabetisches 
und sachliches Register dieser Zeitschrift. i3*"'35) _ Bibliographisch besonders schwer 
zu fassen sind die kleinen Schul- und Universitätsschriften. Bei Bearbeitung einer 
Bibliographie der deutschen Universitäten ist H o r n i'^) zu einer geschichtlichen 
Darstellung der Disputationen und Promotionen an den deutschen Universitäten ge- 
kommen. — Die Notwendigkeit eines raschen Ueberblicks über die gegenwärtige 
Litteratur dieser Art hat zu B" c k s ^^'^) bibliographischem Monatsbericht geführt, 
der sich nach und nach zu einem unentbehrlichen Hülfsbuch aller Wissenschaften 
herangebildet hat. — Ein systematisches, mit Orts- und Namenregister versehenes 
Verzeichnis der Abhandlungen in Schulschriften, jedoch, abgesehen von vereinzelten 
Fällen, nur soweit als sie an dem Programmaustausch teilnehmen, verdankt man 
für die J. 1886—90 wiederum Kl u s s m a n n ^3^); auf die Abteilung VI (S. 166 
bis 191), Geschichte der Kultur und Litteratur, darin namentlich Bibliographie und 
Bibliothekenkunde, sei noch besonders hingewiesen. — Jahresverzeichnisse der an 
den deutschen Schulanstalten erschienenen Abhandlungen und der an den deutschen 
Universitäten erschienenen Schriften giebt es in gesonderten Bänden >39-i40^- ^as 
dann die Schweiz i4i-i42^ betrifft, so erfolgen besondere Verzeichnisse für die Schulen. — 
Jüngere Wissenschaften sind in der Lage, diese Gelegenheitsschriften für ihr gesamtes 
Gebiet zu verzeichnen: für romanische und englische Philologie hat Martin^^^j 



1. Liste soiDinaire et provisoire des divers ed. des ses ceavres. 2. Auteurs publies, trad. ou annot. par Erasme, Liste som- 
maire et provisoire. 3. Sources, Biographies d'Erasrae et ecrits le concernant; ouvrages qui contiennent des notes d'Erasme, 
des extraits de ses oeuvres etc Gent (Universitätsbibliothek). IV, 186 S. ; 86 S. ; 66 S. (Nicht im Bachhandel.) — 124) 
K. Sndhoff, E. Beitr. zur Bibliogr. d. Paracelsisten im 16. Jh.: CBlBibl. 10, S. 316-26, 385-407. — 125) Ad. Schmidt, 
Z. Bibliogr. d. älteren dtsch. Litt.: ib. S. 433-56. — 126) L. Neubaur, Bibliogr. d. Sage v. ewigen Juden: ib. S. 249-67, 
297-316. — 127) E. Vogel, Bibl. d. gedruckten weltlichen Vokalmusik Italiens ans d. J. 1500-1700, enth. d. Litt. d. Frottole, 
Madrigale, Canzonette, Arien, Opern etc. Her. durch d. Stiftung v. Schnyder v. Wartensee. 2 Bde. B., Haack. 1892. XXIV, 
530 8.; IV, 599 S. M. 24,00. — 128) X J Plchler, Bibliotheca historico-militaris. Systemat. üebersicht d. Erscheinungen 
aller Sprachen auf d. (Jebiete d. Gesch. d. Kriege u. Kriegswissenschaft seit Erfindung d. Bnchdruckerkunst bis z. Schluss d. 
J. 1880. 3. Bd., 2. Heft. Cassel, Kessler. S. 61-344. M. 9,00. —129) X Bi^iographie: EepKunstw. 16, S. I-LVI. — 130 X 
F. Aschers on, Musikal. Bibliographie 1893: VjsMusikwissensch. 9, S. 449-72. — 131) X Bacherschan z. Gesch, d. dtsch. 
Bühnen: NTheaterAlm. 4, S. 20-25. — 132) X J.Po hie n. J, D. Schmitt, Novitätenschau. E. Bibliogr d. philosoph. 
Erscheinungen d. J. 1892: PhilosJb. S. 203-38. — 133) Mitteilungen aus d bist. Litt. her. v. d. bist. Ges. in Berlin u. in deren 
Auftr. redig. v. Ferd. Hirsch. Ergänznngsheft. Eegist. über Jahrg. 1-20 (1873-92). B., Gaertner. IV, 114 S. M. 3,00. — 
134) X Altpreuss. Bibliogr. für 1891 nebst Ergänzungen zu früheren Jahren. (= Beilageheft zur AltprMschr. 29.) 
Königsberg i. Pr., Beyer (Thomas & Oppermann). 1892. 56 S. M. 2,80. - 135) O X Mecklenburg. Litt. Juli 1892/3: 
QBVMecklG. 58, S. 72-88. — 136) E. Hörn, D. Disputationen u. Promotionen an d. dtsch Univ. vornehmlich seit dem 16. Jh. 
Mit e. Anh. enth. e. Verzeichnis aller ehemaligen u. gegenwärtigen dtsch. Univ. (= Beihefte z. CBlBibl. N. 11.) L., Harrasso- 
witz. VlII, 128 S. M 5,00. — 137) Bibliogr. MB. über neu erschienene Schul- und üniversitätsschriften (Dissertationen, 
Programmabhandlungen, Habilitationsschriften usw.). Unter Mitw. u. mit Unterstützung mehrerer Universitätsbehörden her. v. 
d. Centralstelle für Diss. u. Progr. v. G. Fock. 4. Jahrg. L., Fock. IV, 160 S. M. 2,00. - 138) R. Klussmann, Systemat. 
Verzeichnis d. Abhandl. , welche in d. Schulschriften sämtlicher an d. Programmtausche teilnehmenden Lehranst. er- 
schienen sind. Nebst 2 Reg. 2. Bd. 1886-90. L., Teubner. VII, 285 S. M. 5,00. |1E. Roth: CBlBibl. 10, S 549-50.]| — 

139) Jahresverzeichnis d. an d. dtsch. Schulanst. erschienenen Abhandl. IV. 1892. B., Asher & Co. lU, 68 S. M. 2,00. — 

140) Jahresverzeichnis d. an d. dtch. Univ. erschien. Schriften 15. Aug. 1891-14. Aug. 1892. ib. III, 317 S. M. 8,00. 
— 141-142) Verzeichnis d. in d J. 1889-91 erschienenen Progrr. d. Schweiz. Progymn., Gymn , Lyceeen resp. Kantonsschnlen. 
JhVSchwGymnasiallehrer. 22, S. 129-35. — 143) H. Varnhagen, Systemat. Verzeichnis d. Programmabhandl , Diss. u. Habili- 
tationsschriften aus d. Gebiete d. roman. u. engl. Philol. sowie d. allgem. Sprach- u. Litteraturwissensch. u. d. Päd. n. Methodik. 



O. V. Hase, Schrift- und Buchwesen. I 3 : 144-154 

das vor 16 Jahren erschienene Varnhagensche Verzeichnis für die Gegenwart 
dankenswert neu bearbeitet, Abteilungen wie Teil 1, VI „Schrift" wären wohl besser 
weggelassen oder neu ergänzt worden. — Die Bedeutung der wissenschaftlichen Zeit- 
schriften ''*^) hat das preussische Ministerium der Unterrichts-Angelegenheiten ver- 
anlasst, ein Verzeichnis dieser in Deutschland noch laufenden und der wichtigeren 
seit Beginn dieses Jh. erschienenen Zeitschriften von der kgl. Bibliothek zu Berlin 
(durch Kustos T h. G 1 e i n i g e r) für die Universitäts-Ausstellung in Chicago heraus- 
geben zu lassen. — Um deutsche Jugendlitteratur hat sich T h e d e n '*^) durch eine 
kritische Darstellung verdient gemacht; in der Schweiz hat eine Specialkommission 
der gemeinnützigen Gesellschaft eine schlichte Auswahl für dieses dreisprachige 
Gebiet entworfen ^^^). — K u k u 1 a ^*') bringt zu seinem nützlichen bibliographischen 
Jahrbuch ein Ergänzungsheft, das ausser den Lehrern auch die Universitätsbeamten 
bis zum J. 1892 berücksichtigt. — Vereine tragen jetzt mehrfach ihre Bestrebungen 
in die praktische Bibliographie: So hat auf Grund der Encyklika Leos XIII. über die 
Arbeiterfrage der katholische politische Pressverein Brixen einen Katalog socialer 
Litteratur 1^^) verbreitet, der katholische Pressverein der Diöcese Linz lässt G u p p en - 
b e r g e r s ^*^) Bibliographie des Klerus der Diocese Linz als Festschrift für Bischof 
Doppelbauer erscheinen; diese liebevoll ausgeführte Bibliographie des vielseitig 
gebildeten Benediktinerpfarrers zu Adlwang hat auch zeitlich einen weiteren Gesichts- 
kreis, als der Titel in Aussicht stellt, und giebt ein anschauliches Bild der mannig- 
fachen litterarischen Thätigkeit des oberösterreichischen Klerus. 190 Schriftsteller 
gehören dem Säkularklerus an, vom Regularklerus stellen die Benediktiner von 
Kremsmünster und Lambach allein 150 Vertreter, alle anderen Orte zusammen 151, 
darunter die regulierten Chorherren von St. Florian 55, die Gesellschaft Jesu 24, die 
Franziskaner nur 2 mit zusammen drei herzlich unbedeutenden Gelegenheitsschriftchen. 
— Eine praktische Bibliographie der neueren katholischen Litteratur giebt H e i m - 
buch er '^'') in der dritten, stark erweiterten Auflage der „Bibliothek des Priesters", 
die mit ihrem Anhange nichttheologischer Werke für weite Kreise die Grenzen der 
für sie zulässigen Litteratur absteckt. — Zur Bibliotheca bibliographica italica hat 
Mazzi^^^) einen systematisch geordneten Anhang von 1302 ergänzenden Werken 
g-egeben, der mit der Geschichte des italienischen Buchhandels beginnt. — Die 
neu gestiftete bibliographische Gesellschaft in Ijondon, die auch eine Bibliothek 
begründen und Werke drucken und veröffentlichen will, hat sich ein eigenes Organ ^'^^) 
geschaffen, das in des ersten Präsidenten Copingers Denkschrift (S. 29 — 59) die 
erfreuliche Aussicht auf einen Hain redivivus, von Copinger in Fühlung mit Burger, 
eröffnet; die Liste der Hauptquellen hierfür ist selbst eine willkommene Bibliog-raphie: 
Wheatley (S. 61 — 90) knüpft an seinen Vortrag über den gegenwärtigen Stand 
der englischen Bibliographie den Vorschlag, von einer Auswahl grosser Autoren 
Sonderbibliographien zu veröffentlichen, und legt als Beispiel der Ausführung 
eine solche von J. Evelyn vor, ebenso wie Madan (S. 91 — 106) seinen Vor- 
trag über Methode in der Bibliographie durch ein Jahresbeispiel der Oxford- 
bibliographie beleg't ; auch Aldrichs Zusammenstellungen über Inkunabeln 
(S. 107—21) und Christies Aufsatz über Specialbibliographien (S. 165—77) 
sind lesenswert, für eine Ikonographie des Don Quixote hat Ashbee (S. 123-44) 
67 illustrierte Ausgaben herangezogen, dabei unbedeutende ausgeschieden. — Als 
Typus bibliographisch bedeutsamer und künstlerisch schön ausgestatteter Anti- 
quariatskataloge mag der Caxton Head-Catalogue von Tregaskis '^^^ gelten. — 

Die wichtigste Schrift über das Zeitungswesen hat Bücher'^*) geliefert, 
der nach Besprechung des römischen Nachrichtenwesens die Organisation des Nach- 
richtendienstes seit dem 12. Jh., die Entstehung der geschriebenen Zeitung im 14. 
und 15. Jh. und die Entwicklung des Zeitungsschreibens zum Gewerbe im 16. und 
17. Jh. verfolgt. Dass nachweislich gerade nach der Erfindung der Buchdrucker- 



2. vollst, nmgearb. Aufl. besorgt v. J. Martin. L., C. A. Koch. XVI, 296 S. M. 4,00. - 144) Verzeichnis d. in Deutschland 
erschienenen wissenschaftl. Zeitschriften. Für d. Univ.-Ansstellung in Chicago 1893 im Anftr. d. kgl. preuss. Ministeriums d. 
Unterr -Angelegenheiten her. v. d. Vgl. Bibl. zu Berlin. B., Renther & Reichard. IV, 118 S. M. 4,00. — 145) D. Theden, 
d. dtsch. Jugendlitt. Krit. u systemat. dargest. Grundsätze z. Beurteilung d. dtsch. Jugendlitt. Winke für Gründung, Ein- 
richtung u. Fortführung einschläg. Bibl. u. Verzeichnis empfehlenswerter Schriften 2. Aufl. Hamburg, Berendsohn. XVI, 
144 S. M 3,00. — 146) Jugend- u Volksschriften-Katal. Her. im Namen d. Schweiz, gemeinnntz Ges. v. d. beauftragten 
Specialkomm. Zürich, Leemann. IV, 122 S. M 0,50. - 147) R. Kukula, Bibliogr. Jb. d. dtsch Hochschulen. 1. Ergänzungs- 
heft. Innsbruck, Wagner 29.5 S M. 3,20. (Hauptwerk u. 1. Ergänzungshft. M. 14,80.) — 148) Katal. v Werken der soc. Litt, 
aiphabet, nach Gruppen geordnet. Her. vom kath.-polit. Pressverein Brü^cen. Brixen, Buchh d. kath -polit. Pressvereins. 16 S. 
M. 0,20. — 149) L. Guppenberger, Bibliogr d Klerus d Diöcese Linz v. d^-ren Gründung bis z. Gegenw. 1785-93. 
Linz, Akad. Bnchdr. d. kath. Pressvereins d. Diöcese Linz (Ebenhöch). IX, 270 S. M. 4,00. — 150) M. He i m bu c h e r , 
D. Bibl. d. Priesters. Mit prakt. Winken für deren Anlage u. Erweiterung Zugleich e. Handbuch d. neueren theol. Litt. 

3. Aufl. Regensburg, Verlags- Anst. 12». XIX, 335 S. Jtit 4 Bild. M. 3,00. — 151) C. Mazzi, Indicazioni di bibliografia 
ital. in appendice alla bibliotheca bibliogr. ital. di G. Ottino e G. Fumagalli. Firenze, Sansoni. 102 S. — 152) Transactions 
of the bibliograph. society Vol. 1. publ by the society. London (printed by Blades, East & Blades). 4". 224 S. — 153) The 
Caxton head-catal. N. CCLX. London, J. & M. L. Tregaskis. 4». 48 S., 13 Taf. — 154) K. Bücher, D. Anfänge d. Zeitungs- 

Jahresberichte für neuere deutsche Litteraturgesohichte. IV. ^ 



I 3:155-178 0. V. Hase, Schrift- und Buchwesen. 

kunst ein neuer dauernd g-epfleg-ter Zweig- des Hss.-Wesens entsteht, erklärt sich aus 
dem kleinen Kreise solcher, die sich regelmässig berichten lassen, während seit 
Friedrichs III, Tode einzelne Nummern allgemeineren Inhalts als flieg-endes Blatt, 
seit 1505 auch Zeitung" genannt, mehrfach gedruckt wurden, bis sie nach dem Auf- 
kommen der jährlichen Postreuter, der halbjährlichen Messrelationen und der Wochen- 
zeitung-en des SOjährig-en Krieges im 18. Jh. ganz verschwinden. B. betrachtet die 
Zeitung" als eine Verkehrseinrichtung" zum Austausch g"eistiger und materieller Güter, 
die über Brief- und Rundschreiben zu einem Mittel der Nachrichtenveröffentlichung" 
für die Allgemeinheit geworden ist. In der Nachrichtensammlung findet er seit dem 
16. Jh. keine wesentlichen Fortschritte, in der Nachrichten befdrderung erhebliche, in 
der Nachrichtenpublikation g"rundsätzliche seit Auf kommen der selbständigen Redaktion 
und des privaten Annonoenwesens im ersten Viertel des 18. Jh. Die moderne Zeitung", 
die nicht nur neue Nachrichten an einen Leserkreis , sondern auch diesen an 
zahlungsfähige Privatinteressenten verkauft, ist eine einheitlich geleitete kapitalistische 
Unternehmung mit mannigfacher Arbeitsteilung, für die weniger die einfachen Bedürf- 
nisse des Lesers als politische Faktoren^^^) und die komplizierten Konkurrenzverhält- 
nisse des Publizitätsmarktes ^^^} massgebend sind. So das Urteil des Volkswirts. — 
Als Geschichtschreiber hat Sägmüller i^') in seiner Tübinger Antrittsrede wichtige 
Grundlagen des Zeitungswesens, die diplomatischen Korrespondenzen, besprochen. — 
Bonnefont^^^"'^") u. a. haben dem verdienten Arzte und Menschenfreunde Theophrast 
Renaudot als dem Herausgeber der ersten französischen Wochenschrift von 1631 ein 
Denkmal gesetzt; wenn deutsche Blätter i^^"*^'^) ihn als „den Begründer des Zeitungs- 
wesens" feiern, so ist ihnen wohl der Ruhmestitel Deutschlands, vor allen Ländern 
zuerst regelmässig erscheinende gedruckte Zeitungen aufweisen zu können, unbekannt 
(Strassburg Joh. Carolus 1609 und früher; vgl. Opel im AGDBuchhandel. 3, S, 44—66). 
— Das 50jährige Jubiläum der „Illustrierten Zg." hat Beiträge zur Geschichte dieses 
mit der Wiedererweckung des Holzschnittes engverbundenen Blattes gezeitigt; der 
Mitbegründer Lorck^^*) hat als berufener Zeuge dabei seine Stimme erhoben^^^"'^"). — 
Nächst den amtlichen Preislisten der kaiserlichen Postzeitungsämter in Berlin i^^) 
und Wien 1^^) erscheinen alljährlich praktische Bibliographien dieses Litteraturzweiges, 
voran im 34. Jahrgange das Adressbuch der deutschen Zeitschriften von S p e r - 
lJng.no-n2^ — Die Machtfülle der Tagespresse veranlasst grössere Kreise, zu ihr 
Stellung zu nehmen^''^). — Zur wichtigen Frage, ob Zeitungsaufsätze durch Namens- 
zeichnung zu decken sind, hat Zola^'^^) im Sinne auf persönliche Führung des 
öffentlichen Lebens bedachter französischer Journalisten in London ein Urteil ab- 
gegeben, dem man vielleicht auch aus anderen Gründen beistimmen kann. — 

Unter deutschen Arbeiten über ältere geistliche Bibliotheken 
sind Neuwirths ^'5) Bücherverzeichnisse des Prager Thomasklosters hervorzuheben; 
über die Bibliothek des Bernhardinerklosters in Bromberg berichtet Baumert ^''^), 
über Bibliotheken Strassburgs im Mittelalter Ch. Schmidt'"'^), über solche Strass- 
burgs und Nanzigs (Nancy) Thiaucourt^''^); ein Katalog der Kirchenbücher von 



Wesens. Vortr., geh. im Professoren-Ver. zn Leipzig d. 3. Dec. 1892. (= D. Gntstehnng d. Volkswirtschaft. 6 Vortrr. [Tühingen, 
Laupp. VII, 304 S. M. 4,00.], S. 169-208). (S. u. I 4: 199.) - 155) X Th. Barth, 10 Jahre „Kation«: Nation«. 10, S. 793/4. — 
156) X ö' f "■^ Muyden, Les grands jonrnaux: BURS. S. 315-31. (Unselbst. Ausz.) — 157) Sägmüller, D. Anfänge d. 
diplomat. Korrespondenz: StrassbPost. N. 220. — 158) O G- Bonne fönt, Un docteur d'antrefois: Theoph. Renaudot, createur 
de la presse, de la puhlicite, des dispensairee, du mont-de-piete (1586-1653). Limoges, Ardant & Co. 119 S. 13 Grav. — 159) O 
Grasset, Conference snr Theoph. Renaudot, docteur en 1606 de la Faculte de niedecine de Montpellier, sa vie et ses couvres. 
Montpellier, Ricard freres. 1892. 38 S. — 160) O Inaugurations des statues de Theoph. Renaudot. Ses principales oenvres. 
La Gazette jusqu'en 1893. Paris, Impr. de la Gazelte de France. 71 S. Avec grav. — 161) X C. Wilte, D. Begründer d. 
Zeitungswesens (nach G. Bonefont, Limoges, E. Ardant): NatZg. N. 597. — 162) O Theoph. Renaudot. E. Vergessener; APT. 
S. 792-801. — 163) X J- Macintyre, Theoph. Renaudot: Old Journalism and new (nach Gilles de la Tourette 1884): 19tliCent. 34, 
S. 596-604. — 164) C. B. Lorclc, E. Glöckauf d. ..Illustrierten" heim Betreten d. 100. Stufe t. e. alten Jünger Gnten- 
bergs: lUZg. 100, S. 2/3. — 165) X !>• Redaktion. Z. Jahrestage d. 50 j. Bestehens d. lUZg.: ib. 101, S. 10. — 166) O Facs.- 
Abdr. d. 1. Nummer d. IllZg. v. 1. Juli 1843. Beigegeben d. N. 2584 vom 7. Jan. 1893. 16 S. — 167) E. Zeitungsjubil. (50j. 
Bestehen d. IllZg.): APT. S. 94/5. — 168) O Preisliste d. durch ä. kaiserl. Post-Zeitungsamt in Berlin u. d. kaiserl. Postanst. 
d. Roichs-Postgebiets im J. 1893 zu beziehenden Zeitungen, Zeitschriften usw. Mit Nachtr. B. u. L., Exped. d. Zeitschriften- 
Adressbuches. Fol. VII, 347 S. M. 4,70. — 169) Preis-Verzeichnis d. in d, der össterr. Monarchie u. im Auslände erschei- 
nenden Zeitungen u. period. Druckschriften für d. J. 1893. Nebst. Anh. : enth. jene inländ. Druckschriften n. Sammelwerke, 
welche v. d. Buchhandlungen mit Zeitungsfrankomarken versendet werden können u. im Preis- Verzeichnisse selbst nicht auf- 
geführt erscheinen. Bearb. v. d. k. k. Postamts-Zeitungs- Exped. I in Wien. Wien, R. v. Waldheim. 4". VII, 209 S. M. 1,00. (1. Nachtr. 

19 S. M. 0,20.) — 170) Adressbuch ä. dtsch. Zeitschriften u. d. hervorragendsten polit. Tagesbll. 34. Jahrg. 1892. Bearb. v. 
H. 0. Sperling. L., Exped. d. Zeitschriften- Adressbnches. IV, 162, 73 u. 124 S. M. 4,00. — 171) X Gracklauers dtsch. 
Journal-Katal. Zusammenstellung v. über 2960 Titeln dtsch. Zeitschriften, systemat. in 38 Rubriken geordnet. L., 0. Graok- 
laner. 71 S. M. 1,35. — 172) X D. dtsch. Presse. Verzeichnis d. im Dtsch. Reiche erscheinenden Zeitungen u. Zeitschriften. 
I. Bd.: Amts-, Lokal- u. Anzeige-Bl)., polit. Zeitungen. 5. Aufl. Forbaoh, Ilupfer. IV, 201 S. M. 1,50. — 173) X G- Buoh- 
wald. Was sollen wir thun behufs grösserer Würdigung d. evangel. Interessen in d. Tagespresse? Vortr. auf d. Meissener 
Kirchen- und Pastoralkonferenz am 20. Juni zu Zwickau geh. u. auf Wunsch d. Konferenz in Druck gegeben. L., G. Wigand. 

20 S. M. 0,25. — 174) E. Zola, Ueber d. Anonymität in d. Presse: Didask. N. 226. — 175) J. Neuwirth, D. Büchervereeich- 
nisse d. Prager Thomasklosters vor d. Hussiten-Kriege: CBlBibl. 10, S. 153-79. |[A. Horcicka: MVODB». 31, S. 634]|. — 

176) G. Baumert, Mitteilungen aus d. Bibl. d. ehemal. Bernhardiner-Klosters in Broroberg: JbBrombergHV. S. 49-69. — 

177) O Ch. Schmidt, Li vres et biblioth. ä Strasbourg au MA.: AnnEst. 7, S. 538-93. — 178) C. Thiaucourt, Lee biblioth. 



O. V. Hase, Schrift- und Buchwesen. I 3 : 179-194 

St. Pauls Kathedralbibliothek g-iebt Simpsoni'**). — Ein von Oncken'^O) ver- 
öffentlichtes Verzeichnis der Bücher (um 1450) der Junkherren Otto und Friedrich 
zu Hoya und Bruchhausen und zumal der Herrschaft dieser Grafen verbleibender 
Bücher „altomale dudesk" ist litterarg"eschichtlich wertvoll. — Von Wolf Ernst Grraf 
zu Stolberg" (1546 — 1606), der den Grundstock zur reichen öffentlichen Bibliothek von 
Wernig-erode schuf, g-iebt Jacobs'*') als berufener Berichterstatter über diese in 
ihrer Art einzig-e Sammlung' Kunde; Warner'^-) handelt über die Bibliothek 
Jacobs VI. von Schottland. — Mit lebhaftem Anteil betrachtet man das Verzeichnis 
der Druckwerke und Hss. des Dichters Nikolaus Zrinyi'*^), die dieser zwischen den 
Trophäen seiner Türkenkämpfe in rauher Zeit gesammelt und bewahrt hat. — 
[Jeher des heimgegangenen Julius Bode Faustbücherei (vg-1. JBL. 1892 I 3:119; 
II 3:50) giebt Tille'*'*), dem sie für dieses Leben zu eig-en geworden ist, um der- 
einst an die Leipziger Universitäts- Bibliothek zu fallen, vorläufig-en Bericht. — Unter 
den päpstlichen Bibliotheken'*^) hat die Bibliothek Julius II. besondere kunstwissen- 
schaftliche Behandlung erfahren; Wickhoff'*^) führt aus, dass Rafael in der von 
ihm nach der Vorschrift Julius II. g"emalien Camera della segnatura neben den 
Gestalten der Theolog-ia, Poesia, Philosophia und Justitia in der Disputa die Theologie, 
im Parnass die Poesie und in der Schule von Athen die Philosophie durch einzelne 
hervorrag-ende Portraitköpfe und benannte Vertreter gekennzeichnet habe, erklärt sich 
aber g-egen die Deutungsversuche der vielen „Namenlosen". Die Gemälde sind ihm 
die lllustrierung" eines Bücherkatalogs etwa nach dem Inventar, das Nicolaus V., einst 
Tomaso de Sarzana, als Normalkatolog" für Cosimo de Medici abg-efasst hatte. Jeden- 
falls weist er mit Recht darauf hin, dass in keinem zweiten Werke der bildenden 
Künste das Buch eine so grosse Rolle spiele wie in diesen Bibliothek-Gemälden 
Rafaels. — Ueber die Leoninische'^") Bibliothek, die der g-egenwärtige gelehrte Papst 
zum Studium der Hss. und für die in den Archiven Studierenden im alten Arsenal 
der päpstlichen Armee unter der Sixtinischen Bibliothek errichtet hat, verlautet 
Weiteres. — Ueber Sommer vogels Bibliothek der Gesellschaft Jesu liegen mehrere 
Besprechung'en'**"'***) vor. — Der für den Verkauf ang-efertigte Katalog der Bib- 
liothek Dölling-ers'^9) giebt ein Bild der reichen wissenschaftlichen Thätig'keit dieses 
g-rossen Gelehrten. — 

Kataloge von Musikalien-Bibliotheken beziehen sich zumeist auf 
vor alters gesammelte Schätze: Stiehl'^") hat für die Stadtbibliothek in Lübeck, 
Mayser'^') für das Gymnasium zu Heilbronn beachtenswerte Vorräte verzeichnet, 
Scheurleers'^-) mit Facsimiles g-eschmückter Katalog" seiner überraschend reichen 
Musikbibliothek ist von hervorragender Bedeutung-, — die öffentlichen Musik- 
sammlung-en Deutschlands bis auf Berlin, München und Dresden lieg-en im arg-en. — 

Frischer Wind weht durch die wissenschaftlichen staatlichen und öffent- 
lichen Bibliotheken Deutschlands: Dziatzko'^^^ knüpft au eine auf voller Beherr- 
schung des Gegenstands beruhende g-eschichtliche Darstellung der Entwicklung- dieser 
wichtigen Anstalten bis auf die Gegenwart Vergleiche mit dem Auslande und 
weittragende Ausblicke auf die Zukunft. — Schwenke'^*) bietet ein Adressbuch 
der Bibliotheken des Deutschen Reiches, dessen Bearbeitung von Hartwig- ang"eregt, 
und von den meisten deutschen Staaten, insbesondere vom preussischen Unterrichts- 
ministerium g-efördert worden ist, so dass ein vollwichtig-er neuzeitlicher Ersatz für 
Petzoldts Werk geschaffen sein würde, wären nicht Oesterreich und die Schweiz 
ausgeschieden worden; es wäre zu bedauern, wenn aus Verwaltungsgründen und 
diplomatischen Erwägungen es mehr und mehr Brauch würde, unser herrliches ein- 
heitliches Li tteratur gebiet zu zerstückeln, ein Nachtrag der deutschen Bibliotheken 
ausserhalb des Reichs muss deshalb als ein nationaler Anspruch gestellt werden. — 



de Strasbourg et de Nancy. (Aus AnnEst. 1892-93). Nancy, Berger-Levrault et Co. 123 S. — 179) O W. Simpson, St. Pauls 
Cathedral Library, a catal. of bibles, rituals etc. London, Stock. Sh. 20. — 180) H. OncVen, D. ältesten Lehnsregister d. 
Grafen v. Oidenburg u. Oldenbnrg-Bruchhausen. (= Schriften d. OldenbnrgLVA. VII. [Oldenburg, Stalling. V, 1.3S S. M. 3,50.], S. 53/6.) 
— 181) Ed. Jacobs, Wolf E. Graf zu Stolberg: ADB. 36, 345 6.-182)6. F. Warner, The Library of James VI of Scotland: Book- 
Worm S. 201 6. — 183) Bibliotheca Zrinyiana. D. Bibl d. Dichters Nik. Zrinyi. E Beitr. z. Zrinyi-Litt. Mit litt.-hist. Einl. Mit 
d. Portr. d. Dichters nach E. Wideraann, e. Facs. u. e Stammtaf. Wien, S. Kende. III, XIX, 83 S. M. 2,'10. — 184) A. Tille. 
Jul. Bode u. seine Faustbücherei. Frankfnrt a. M.. Mahlaa & Waldschmidt. 12 S. (Als Ms. gedr ) — 185) X J- Schraid, 
Z. Gesch. d. Vatikana: LRs. 19, S. 257-64. - 186) F. Wickhoff, D. Bibl. Julius IL: JPrK. 14, S. 49-64. (Vgl. auch NAnt. 
44, S. 583 4 ) — 187) D. Leoninische Bibl.: Post N. 143. — 188) X E. G. Ledos, C. Somraeryogels biblioth. de la Compagnie 
de Jesus: Polybibl''. 67, S. 453 4. — 188a) X E Martin, C. Sommervogels Biblioth. de la Compagnie de Jesus: AnnEst 7, 
S. 133/4. — 189) Bibliotheca Döllingeriana. München, Lindauer. VI, 671 S. M. 10,00. — 190) C. Stiehl, Kvtal. d. Mnsik- 
samml. auf d. Stadtbibl. zu Lübeck. Lübeck (Lübcke u. Hartraann). 4'. 60 S. M. 1,00. — 191) E. Mayser, Alter Musik- 
schatz, geordnet u. beschrieben. (= Mitteilungen aus d. Bibl. d. Heilbronner Gymn. II.) Heilbronn, C. F. Schmidt. 4". 
Vm, 82 S. M. 4,00. — 192) D. F. Scheurleer, Catalogns der Muziekbibliotheek. (Gedru.okt in 120 Exemplaren.) s'Graven- 
hage, XI, 567 S. (Nicht im Handel.) — 193) K. Dzintzko, Entwicklung u. gegenw. Stind d. wissenschaftl. Bibliotheken 
Deutschlands mit besond. Berücksichtig. Proussens. {= Samml. bibliothekwissenschaftl. Arbeiten her. r. K. Dziatzko. S.Heft.) 
L., Spirgatis. VI, 55 S. 1 Taf. M. 2,50. — 194) P. Schwenke, Adressbuch d. dtsch. Bibliotheken. (= Beihefte zum 
CBlBibl. her. v. 0. Hartwig. 3. Bd., Heft 10.) L., Harassowitz. XX. 411 S., 1 Taf. M. 10,00. |[HT3. 13, S. 32-34; Ath. S. 472.]| 

5* 



I 3 : 195-234 O. V. Hase, Schrift- und Buchwesen. 

Die italienische Uebersetzung- Capras'«^) von Gräseis Grundzügen der Bibliotheks- 
lehre g-iebt Zeugnis von der Wertschätzung- der deutschen Bestrebungen im Auslande. 

— Wie der preussische Unterrichtsminister durch Erlass^^«') vom 27. Jan. 1893 den 
Verkehr der kgl. Bibliothek in Berlin mit den Universitätsbibliotheken regelt, so 
suchten hervorragende deutsche Bibliothekare^^') auf dem Welt-Kongress in 
Chicago die internationalen Beziehungen zu förderniö^). _ Ueber die englische 
Bibliotheksgesetzgebung hat Plaeberlini'»") Aufklärung erteilt, in Frankreich 
erscheint ein Jahrbuch2003 der Bibliotheken und Archive.2«'-202) _ xjm den inneren 
Aus- und Aufbau wissenschaftlicher Bibliotheken hat sich Zangemeister^o») 
durch Veröffentlichung des Heidelberger Realkatalog-Systems verdient gemacht. Den 
17 Hauptabteilungen in ihrer wohldurchdachten Gliederung geht ein alphabetisches 
Register der wichtigeren Unterabteilungen voraus. — Eine Reihe zumeist öffenthcher 
Bibliotheken legt Berichte über Verwaltung und Zuwachs, sowie Fortsetzungen von 
Katalogen vor204-2i2j - — 

Für Schulbibliotheken 213) macht Schöntag2i4) unter Voraussetzung 
des Klassensystems den Vorschlag, so viel Exemplare eines Buches, als Schüler in 
der Klasse sind, zu gemeinsamer Besprechung des gleichzeitig Gelesenen anzuschaffen 
und Einzelausgaben für Schülerbibliotheken zu veranlassen; Beegers2i5) Anregung 
pädagogischer Bibliotheken und Schulmuseen zieht weitere Kreise. — Kataloge und 
Berichte über Gymnasialbibliotheken erschienen in Ansbach2'6), Güstrow2i''), Joachims- 
thal2i8), Krotoschin2ifl), Mediasch220), Münstereifel 4. T.221), Schleiz222), Wittstock223), 
Zerbst224) und von anderen Schulen225-226). _ Die Studentenschaft regte sich in ihrer 
Weise für akademische Büchereien22''-228j — 

Für die dringend der Förderung bedürftigen Volksbibüotheken tritt 
Reyer229-230) (ygi jbl. 1892 I 3 : 96) weiter thatkräftig in einer zusammenfassenden 
Schrift ein. Dies hat in Verbindung mit dem Erscheinen der Arbeiten Schwenkes 
und Dziatzkos und den Bestrebungen für die amtliche Stellung der Bibliotheks- 
beamten ein lautes Rauschen in den Blättern23 1-232) veranlasst. — Unnötigen Vor- 
würfen gegen die gelehrten Bibliotheken treten die Grenzboten233) mit einer sach- 
kundigen Entwicklungsskizze der Leipziger Stadtbibliothek entgegen: aus einer 
wissenschaftlichen Bibliothek lässt sich nicht auf einmal eine Volksbücherei machen. 

— C. Wolff234) teilt eine Eingabe des Frankfurter Stadtarchivars J. C. Beyerbach 
vom Sept. 1817 an den hochpreislichen Senat mit, der Beyerbach als den — 
erfolglosen — Erfinder der Magazinbibliothek erweist. — 



— 195) A. Gräsel, Mannale di biblioteconoraia. Traduz. del Dott. Ar. Capra. Con 47 flg. e 13 tav. Torino, E. Loescher. 
XVI, 403 S. — 196) Erlass betr. d. Leihverkehr zwischen d. Vgl. Bibl. zn Berlin n. d. Univ -Bibl. 27. Jan.: CBlBibl. 10, S. 130-32. 

— 197) X K. Dziatzko, D. Internat, gegenseitigen Beziehungen d. Bibl.: ib. S. 457-63. — 198) C. Körrenberg, Bibliothe- 
karischer Weltkongress Z.Chicago. (Vorlauf. Mitteilung. Enth.O. Hartwig, D. direkte HandschriftenversendunTr zwisch. d. Bibl.): ib. 
S. 410-17. — 199)C.Haeberlin, D. engl. Bibliotheksgesetzgebung u. d. XV. Kongress d. Library Assoc. of the Unit. Kingdom : ib. 
S. 105/7. — 200; O Annuaire des biblioth. et des arch. pour 1893. Paris, Hachette. Fr. 2,50. — 201) X K. Th. Heigel, Ueber Be- 
nutzung T. Bibl. u. Arch. zu Wissenschaft!. Zwecken: AZg". N. 103/4. — 202) X G. Weisstein, D. Litt.-Arch.-Ges.: NatZg. 
N. 219. — 203) K. Zangemeister, System d. Realkatal. d. Univ -Bibl. zu Heidelberg. Heidelberg, Winter. Fol. 22 BH. 
M. 5,50. - 204) X Verzeichnis d. Zeit- u. Vereinsschriften d. kgl. Bibl. zu Berlin. B., Asher & Co. 1892. IV, 169 S. M. 4,00. 

— 205) X Verzeichnis d. aus d. neu erschien. Litt. v. d. kgl. Bibl. zu Berlin erworbenen Druckschriften, ebda. 1892. XIII, 652 S. 
M. 35,00. — 206) Zuwachs d. grossherzogl. Bibl. zu Weimar in d. J. 1889-92. Weimar, Böhlau. 88 S. M. 0,50. — 207) Katal. 

d. grossherzogl. Hof- u. Landesbibl. in Karlsruhe. 20. Bd. (= 20. Zngangsverzeichnis. 1892. Enth. ausser d. regelmässigen 
Zuwachs e. Schenkung aus d. Nachlass d. Dr. phil. J. Mainzer.) Karlsruhe, C. Th. Groos. S. 1987-1240. M. 0,50. — 208) X 
C. Curtins, Ber. über d. Verwalt. d. Stadtbibl. im J. 1892. Progr. Lübeck. 4". 5 S. — 209) Freiherrlich C. v Rothschildsche 
öffentl. Bibl. Zugangsverzeichnis für d. J. 1892-93. Bibliotheksordnung u. Benutzungsordnung vom 14. 6. 1893. Frankfurt a. M., 
Kn^er. 39 S.; 78 S.; 4, 8 S. — 210) X Katal. d. Freiberger AV.-Bibl. 3. Nachtr.: MFreibergAV. 29, S. 141-70. - 211) X 
20. Annnal report of the board of direotors of Chicago Public Library. Chicago. 1892. 46 S. |[CBlBibl. 10, S. 38/9.]|. — 
212) X S. Wiener, Bibliotheca Friedlandiana. Catalogns librornm impressornra hebraeorum in museo asiatico imperialis 
acaderoiae scientiarnm Petropolitanae asservatorum. (Fase. I (X) in hebr. Sprache.) Petropoli-L., (Voss Sort.). 4". III, IV, 
126 S. M. 2,00. — 213) X Th. Sorgenfrey, Unsere Schnlbibl.: BllHPch. 10, S. 4/6. — 214) F. Schöntag. Anregung für 
unsere Schüler- n. Lesebibl.: BBG. 29, S. 1125. — 215) J. Beeger, D. päd. Bibl., Schulmuseen n. ständigen Lehrmittel- 
ausstellungen d. Welt. (Vgl. JBL. 1892 I 3:100.) IfL. Rudolph: COIRW. 21, S. 211/2; L. Viereck: DWBl. S. 456.]| — 
216) B. Dombart, D. Ansbacher Gyran.-Bibl. im 18. Jh. Progr. Ansbach. 40 S. — 217) H. Marquardt, Alphab. Ver- 
zeichnis d. Mecklenburgica d Göstrower Domschulbibl. 2. T. Progr. Güstrow, 4". 16 S. — 218) G. Loesche, D. Bibl. d. 
Lateinschule zu Joachimsthal in Böhmen. (Vgl. JBL. 1892 I 3 : 103; II 1 : 74): MVGDB». 31, S. 64/5. — 219) B. Günther, Ver- 
zeichnis d, Bücher d. Lehrerbibl. 2 T. Progr. Krotoschin. 26 S. — 220) O M. Rosenauer, Katal. d. Lehrerbibl. d. Evang. Gymn, 
A. B. in Mediasch Progr. Mediasch. 1892. 127 S. - 221) H. Vielan, KataL d. Lehrerbibl. 4. T. (Vgl. JBL. 1892 I 3 : 106.) 
Progr. Münstereifel. 56 S. — 222) W. Böhme, Katal. d. Schulbibl. d. fürstl. Gymn. zu Schleiz. Progr. Schleiz. IV, 165 S. 

— 223) R- Grosser, C. Poltkier n. E. Bünger, Neuer Katal. d. Gymn. -Museums zu Wittstock. Progr. Wittstock. 4». 
34 S. — 224) J. Wichmann, Katal. d. Schülerbibl. Zuerst znsamraengest. v. Dr. H. Zurborg 1880, nunmehr ernent u. ver- 
Tollst. Progr. Zerbst. 40. 20 S- — 225) X K. Kippenberg, Katal. d. Lehrer-Bibl. d. Realschule in d. Altstadt zu Bremen. 
Progr. Bremen. 60 S. — 226) X -T. Beneä, Katal. d. Lehrer- u. d. Schülerbibl. Progr. Prossnitz. 49 S. — 227) X M. 
Maurenbrecher, D.Bücherei u. d. Bücherwart in unseren Vereinen: AkBll. 8, S. 191/2, 205/6. — 228)XO- Baumgart, Auch 

e. Wort über unsere Büchereien u. etwas über d. inneren Ausbau unserer Vereine: ib. S. 235/6. — 229) E. Beyer, Z. 
Bibliotheksstiitistik: CBlBibl. 10, S. 180/9. - 230) id., Entwicklung u, Organisation d. Volksbibl. L., Engelmann. lU, 116 S. 
Mit Abbild. M 2,00. |[LCB1. S. 1199-200; Nation«. 10. S. 464 („Pflichtlektion für Parlamentarier n. Beamte d. Unterrichts- 
verwaltung aller Parteien"): Pädagogium 15, S. 483/4.JI — 231) X K. Heinrich, Modernes Bibliothekswesen: Nation«. 10, 
S. 570/3. — 232) X F. Neuhaus, D. königl. Bibl.: Zukunft 5, S. 467,9. — 233) Wissenschaftliche u. Volksbibl.: Grenzb. 3, 
S. 90/2. (Gegen e. Aufsatz im Volkswohl v. 22. Juni.) — 234) C. Wolff, D. Erfinder d. modernen Magazin-Bibl. : FZg. N. 38. 



0. V. Hase, Schrift- und Buchwesen. 1 3 



235-250 



Die Bewegung für Bibliothekzeichen wird vom Organ des Ex-libris- 
Vereins^^^) lebhaft gepflegt. Von Hildebrandt^s^j liegt eine neue Folge von 25 
neu erfundenen Bücherzeichen auf Grund von Wappen in mannigfacher Darstellungs- 
weise vor, eine ähnliche selbständige Sammlung von KisseP^'j. — Von älteren 
nachgebildeten Zeichen ist das Joh. Fischarts von Jost Amman hervorzuheben, 
das A. Schmidt238) beschreibt. — In England erschien von der grossen Sammlung 
der Wappenbuchzeichen^äii), deren erste Serie durch Feuer fast ganz zerstört worden 
ist, die zweite britische Serie, eine geschichtliche Reihe von 147 trefflichen Nach- 
bildungen aus verschiedenen Sammlung-en. — Neue und alte englische Bücherzeichen 
veröffentlicht C a s 1 1 e^^oj mit darstellendem Texte in neuer Ausgabe ; der erste 
Druck stammt vom Dec. 1892, schon die dritte Auflage ist inzwischen gefolgt. — 
Dem gleichen Zwecke dient Hamiltons^^') englisches Buch von französischen 
Büchermarken-42-243-) _ 

Für den Buchhandel, zumal für seine ältere Geschichte '^**) , sind 
nur wenige Beiträge zu verzeichnen. Vom Bücherbezug der Humanistenzeit giebt 
Krause^^s) in den Auszügen aus dem früher von ihm herausgegebenen Briefwechsel 
Mutians ein lebendiges Bild. Die Briefe dieses leidenschaftlichen Büchersammlers in 
Gotha wimmeln von Bücherbesorgungen; zwar macht er, durch Beziehungen zu 
den Fuggers angeregt, den Versuch, von Aldus unmittelbar zu beziehen, aber auch 
die deutschen humanistischen Pressen verfolgt er lebhaft. „Was druckt Wittenberg, 
was Leipzig, was Froben, was Anshelm ?" — Nächst der Vermittlung von Freunden 
dient ihm der Bezug von Erfurt, besonders durch Pyrrhus, doch spielen für ihn 
schon 1508 die Leipziger Buchläden und die Leipziger Ostermesse, auch die Naum- 
burger Peter -Pauls -Messe eine Rolle, die Frankfurter Messe hat er selbst besucht, 
mit Thomas Anshelm persönlich verkehrt. — Für den Betrieb des Buchhandels der 
Reformationszeit giebt die Veröffentlichung der Briefe an den Zwickauer Stadt- 
schreiber M. Stephan Roth durch Buchwald^^^j eine Fülle von Belegen, wie sie 
bisher nicht beisammen zu finden waren. Neben Roths Thätigkeit als Herausgeber, 
Korrektor und Berater ist es hauptsächlich der Bücherbezug und die Bücher- 
vermittlung, seine Verbindung mit F. Peypus und Joh. Petrejus in Nürnberg, 
M. Goltz, Barthel Vogel und Chr. Schramm in Nürnberg, Wolf Bräunlein und Gregor 
Jordan in Leipzig, die einen Einblick in das innere Getriebe des Reformations- 
buchhandels g^ewähren. — Vom Krakauer Büchermarkte hat nach einer Notiz von 
Rözyckis^*') A. Benis Mitteilungen gemacht; die veröffentlichten Bücheraufnahmen 
aus dem Nachlasse der Buchhändler Matth. Scharffenberg (1547) und Florian Unglers 
(1551) mit 1351 Posten Büchertiteln umfassen zumeist lateinische Bücher,' besonders 
von Erasmus, Melanchthon und Hütten, sowie griechische und lateinische Klassiker, 
alle fremder Herkunft; nur gegen 40 Posten libri polonici: Chroniken, Erbauungs- 
und Kochbücher sind daneben vorhanden, da fast jedes in mehreren Hundert Ab- 
zügen, wohl Verlag Unglers — Ki rch ho ff^^S) bietet eine zusammenhängende lehrreiche 
Darstellung des manniggestaltigen inneren Lebens des Leipziger Buchhandels in der 
zweiten Hälfte des 16. Jh. mit Ernst Vögelin als Mittelpunkt. Magister Vögelin, ob- 
gleich hervorragend begabt und als Verleger von grösserer Auffassung, ist zu einem 
Teile an der Sorglosigkeit in wirthschaftlichen Dingen gescheitert, die die damaligen 
unternehmenden Kreise des Leipziger Buchhandels vielfach geschädigt hat. Die 
tragische Wendung in seinem Geschicke erfolgte wegen seiner Verwicklung in die 
kryptokalvinistischen Händel und berührt sich mit den wirren Censurverhältnissen 
dieser Zeit. — Wesentlich durch die Censur Verhältnisse bedingt erweist sich die 
Geschichte des Buchhandels und Buchdrucks in Böhmen^***). — Sehr Beachtens- 
wertes zur Geschichte der Censur und des Zeitungswesens bringt Pauls^^oj für Aachen 
und seinen Buchhandel, namentlich unter der Fremdherrschaft. — 



— 235) Ex-libris. Zeitschrift für Bächerzeichen, Bibliotheken Vnnde n. Gelehrtengesch. 3. Jahrg. 4 Hefte. Görlitz, Starke. 
4». 97 S. M. 15,00. — 236) A. M. Hildebrandt, Heraldische Bucherzeichen. 25 Ex-libris. B., Stargardt. V S., 25 Bll. 
M. 4,00. — 237) C. Kissel, 25 Bücherzeichen, ebda. VUI S., 25 Taf. M. 4,00. — 238) A. Schmidt, D. Bucherzeichen 
Joh. Fischarts in d. Grossherzogl. Hofbibl. zu Durinstadt. (= Sonderabdr. aus d. QBllVHessen. Bd. 14.) (Darmstadt, Klingel- 
hoeffer.) 3 S., 1 Taf. — 239) 147 Examples of armorial book phites. Frora various collections. (Second Series.) London, 
Griggs & Sons. 1892. 4". VI S., 147 Taf. Sh. 15. — 240) E. Castle, English book-plates ancient and modern. London, 
Bell & Sons. XX, 352 S, 16 Taf. Sh. 10 6. — 241) W. Hamilton, French book-plates a handbook for ex-libris coHectors. 
ebda. 1892. YHI, 176 S. Sh. 7/6. — 242) X French and english bookplates. W. M. Thackeray, J. Anderson, A. Tennyson U.A., 
Victor Hugo, Leon Gambetta, 0. Uzanne: BookWorm S. 105. — 243) X J- E- Brown, The book-plute-society : ib. S. 137. — 
244) X C. Haeberlin, Ergänzungen z. antiken Bibl.- und Buchwesen (CBlBibl. 6, S. 481 ff.; 7, S. 1 ff., 271 ff.) nach H. 
Usener, Unser Piatontext: CBlBibl. 9, S 378(9. — 245) K. Krause, Bibliologisches aus Mutians Briefen: ib. 10, S. 1-19. — 
246) G. Buchwald, Stadtschreiber M. Stephan Roth in Zwickau in seiner litt.-buchhändl. Bedeutung f. d. Beformationszeit: 
AGDBuchhandel. 16, S. 6-246. (Dazu 6 Bll Facs.) |[W. Schnitze: BLU. S. 317.]| — 247) K. v. Közycki, Ueber 2 Buch- 
händlerinventarien aus d. J. 1547-51: CBlBibl. 10, S. 407/8. — 248) A. Kirchhoff, Wirtschaftsleben im älteren Buchhandel: 
Ernst Vögelin in Leipzig: AGDBuchhandel. 16, S. 247-354. — 249) Z. Gesch. des Buchdrucks u. d. Censur in Böhmen: 
Bohemia'^. N. 9. — 250) E. Pauls, Beitrr. z. Gesch. d. Buchdrnckereien, d. Bachhandels, d. Censur n. d. Zeitungspresse in 



I 3:251-277 0. V. HasG, Schrift- und Buchwesen. 

Das Wichtigste, was sonst über einzelne Buchhändler an neuem Material 
veröffentlicht worden ist, bietet K. Seh midt^'»') in seinem Bericht über Joh. Oporins 
Briefe an den Strassburger Prediger Konr. Hubert, deren vollständig-e Veröffent- 
lichung sehr erwünscht wäre. Beigegeben ist eine Liste der von Oporin in diesen Briefen 
erwähnten ausgeführten und geplanten Drucke, und aus Siebers^'^^^ Nachlass ein 
Sendbrief, wohl von P. Cherler, über Joh. Oporins Leben und Absterben. -- 
G. Müller253j berichtet über die Buchhändler M. und W. Stöckel in Dresden, Steiff ^54) 
über L. Straub in St. Gallen, Veesenmeyer 255) über R. Lebr. Stettin in Ulm, 
P y 1 25Ö) über H. J. Struck in Greifswald und Stralsund. — Von Berliner Buchhändlern 
wird gelegentlich des 200jährigen Jubiläums der Uranfänge der Vossischen Buch- 
handlung '-i5'-'-i58) Chr. Fr. Vossens (seit 1748 in Berlin) gedacht; Friedländer 25«) 
schildert J. R. Ph. Spener, Steiff260) den Vorsteher des Börsenvereins zur Kriegs- 
zeit, Julius Springer, Thomälen26ij den Rud. Gaertner. — F. H. Meyer 262) hat 
zukunftsfreudig Rechenschaft abgelegt über das Fortschreiten seiner Arbeit an der 
Geschichte des deutschen Buchhandels, der er bald darauf entrissen worden ist. — 

Vom ausländischen Buchhandel liegt K r u s e m a n n s 263) aus- 
führliche Darstellung des nordniederländischen Buchhandels im 17. und 18 Jh. vor, 
die zusammenstellt, was dem Deutschen im einzelnen unzugänglich sein dürfte. — Die 
schönen Briefe des Antiquars Thomas Hearne264) (1678—1735) aus der Bodleian- 
Bibliothek in Oxford, mit seiner Wahl zum Architypographen der Universität 
beginnend, und Brornes Bericht über seinen Tod sind willkommene Gaben, auch 
eines Ungenannten265} Plaudereien über die Mittelchen englischer Verleger im 18. Jh. 
und Uzannes'66) originelle Skizzen von Pariser Büchertrödlern. — 

Als Vertreter des Musikalien handeis ist durch E i t n e r 266a) Nikol. 
Simrock, der Bonner Begründer des bekannten Verlagshauses, geschildert worden. 
— Ein stattliches Werk über die Geschichte des herrschenden italienischen Musik- 
hauses G. Ricordi & Co.26') hat die internationale Musik- und Theaterausstellung 
gezeitigt. — 

Ueber den gegenwärtigen Betrieb des Buchhandels giebt eine 
Vereinsschrift268) der Leipziger Kommissionäre Bescheid, über den gegenwärtigen 
Stand des Leipziger Buchhandels von Hase"^'^''). — Zu den täglichen, wöchentlichen, 
monatlichen, viertel-, halb- und ganzjährigen Neuigkeitsverzeichnissen des Buch- 
handels und den darauf aufgebauten Bibliographien von Heinsius,Hinrichs und Kayser ist 
Thelerts^'O) Supplement hinzugetreten, das nicht oder bisher fehlerhaft aufgeführte 
Schriften enthält; ferner erscheint als willkommene Ergänzung die Fortsetzung von 
Georgs2"') praktisch bewährtem Schlagwort-Katalog ; auch Russells Gesamt-Verlags- 
Katalog2'2 273) schreitet rüstig dem Abschlüsse zu. — Für Belgien hat man 35 Ver- 
lagskataloge des einheimischen Buchhandels rein äusserlich zusammengebunden und 
als dritte Auflage des vom Cercle beige de la Librairie et de l'Imprimerie heraus- 
gegebenen Sammelkatalogs2'''*) niit einem Werkverzeichnis eingeleitet, das auf die 
einzelnen Verleger verweist: kein übler Ersatz für einen einheitlichen Gesamtkatalog. — 

Zur geistlichen Censur liefert Arndt (S.J.)2'5-277) ßgjti.äge, die darum von 



Aachen bisz. J. 1810: ZAachenerGV. 15, S. 97-235.— 251) K. Schmidt, D. Briefe Joh. Oporins an d. Strassburg. Prediger Conr. 
Hubert: BVtGBasel. 13, S. 381-428. — 252) L. Sieber, Panl Cherlers Sendbnch über Oporins Leben u. Tod: ib. S. 429-40. — 
253' G. Müller, M. Stöckel u. W. Stöckel: ADB. 36, S. 283/4. — 254) K. Steiff, L. Straub: ib. S. 524/5, — 255) Ö. 
Veesenmeyer, R. Lehr. Stettin: ib. S. 130/2. - 256) Th. Pyl, H. J. Struck: ib. S. 639-40. — 257) O Gründung d. 
Vossischen Buchhandl.: Bär 19, S. 707. — 258) E. 200 j. Bnchhandlungs-Jnbil. Gesch. d Vossischen Buchhandl.: VossZg. 
N. 493. — 259) E. Friedländer, J. K. Ph. Spener: ADB. 35, S. 102. — 260) K. Steiff, Jul. Springer: ib. S. 318,9. - 
261) G. Th[oniälen], R. Gaertner. (= Adressbnch d. dtsch. Buchhandels u. d. verwandten Geschäftszweige 1893 
[L., Börsenv. d. dtsch. Buchhändler. XXX, 714 u. 452 S, M. 12,00.], S. III- VI). - 262) F. H. Meyer, Ber. an d. bist. Kom- 
mission d. Börsenver. d dtsch. Buchhändler zu Leipzig: AGOBuchhandel. 16, S. 1/5. — 263) A. C. Krusemann, Aantee- 
keningen betreffende den Boekhandel van Noord-Nederland, in de 17'« en IS''« eeuw. Bijdragen tot de geschiedenis van den 
Nederlandschen boekhandel. Uitgegeven door de vereeniging ter bevordering van de belangen des boekhandels. 6. deel. 
Amsterdam, P. N. van Kampen & Zoon. XI, 655 S. — 264) An antiquary of the last Century „Thomas Hearne": BookWorm. 
S. 89-96, 119-36. — 265) W.U., Tricks of the eighteenth Century pnblishcrs: ib. S. 305-12. — 266) 0. Uzanne, Bonquineurs 
et bouquinistes Physiologie des quais de Paris, du pont royal au pont Lully. Paris, May & Motteroz. XI, 320 S. Fr. 10,00. 
|[BookWorm S. 161./6.]| — 266a) R. Eitner, N. Simrock: ADB 34, S. 385 6. - 267) G. Ricordi & Co. Drucker u. Verleger. 
Mailand. Internationale Musik und Theaterausstellung. Wien. (Gerold Sohn.) 4». 163 S. u. 34 Bll. — 268) D. buchhandl. 
Verkehr über Leipzig u. d. Geschäftsgang d. Leipziger Kommissionsgeschäftes. L., Ver. Leipz. Kommissionäre. 1892 27 S. 
(Durch F. Volkmar besorgt.) — 269) 0. v. Hase, D. Leipziger Buchhandel 1892. (= .JB. d. Handelskammer zu Leipzig 1892 
[L., Hinrichs. 1893. X, 267 S. M. 1,60.], S. 195-214.) - 270) G. Tholert, Suppl. zu Heinsius, Uinrichs u. Kaysers Bücher-Lex. 
Verzeichnis e. Anzahl Schriften, welche seit d. Mitte d. 19. Jh. in Deutschland erschienen, in d. genannten Katal. aber gar 
nicht oder fehlerhaft aufgeführt sind. Mit bibliograph. Bemerkungen. Grossenhain, Baumert & Ronge. 405 S. M. 33,00. — 
271) C. Georg, Schlagwort-Katal. Verzeichnis d. Bücher u, Landkarten in sachl. Anordnung II. Bd. 2. Abt. 1.-5. Lfg. Hannover, 
F. Cruse. S. 1-160. a. M. 1,30. - 272-273) Gesamt-Verlags-Katal. d. dtsch. Buchhandels. XV. Bd. 2-4 Lfg.; XVI. Bd. I.Abt. 
17.-23. Lfg., 2. Abt. 15.-20. Lfg., 3. Abt. 14.-20. Lfg., 4. Abt. 9.-11. Lfg. Münster, A. Russell. S. 225-704; XH S. u. 
S. 2593-4704; S. 2209-3168; XIV S. u. S. 2081-3104; S. 1313-1728. ä Lfg. M. 0,60. — 274) Recueil alphab. de catalogues, publie 
par les soins du Cercle beige de la Librairie, de l'Imprimerie et des Professions qui s'y rattachent. 3. 6d. compl. et raise ä jonr. 
Bruxelles, au secrötariat du Cercle. 1892. VItl, 83 9.. 35 Verlagsverzeichnisse. — 275) A. Arndt, D. Verbote d. Index 
librorum prohibitorum : AKKR, 70, S. 3-32 — 276) id., D. kirchl. Strafbestinimungen über cl. Lesen u. Bewahren verbotener 
Bücher u. d. Leselicenzen: ib. S. 33-52. — 277) id., D. kirchl. Bestimmungen über d. Herausgabe v. Büchern: ib. S. 53-66. — 



0. V. Hase, Schrift- und Buchwesen. 13: 278-298 

besonderer Wichtigkeit sind, weil sie auf geschichtlicher Grundlage den gegen- 
wärtigen Stand darlegen, die Geltung des Index librorum prohibitorum und seiner 
Teile, die durch Index-Regeln und Dekrete absolut oder bedingt verbotenen Bücher 
und die Einzelverbote durch Kongregationen und bischöfliche Erlasse^'-S), ferner die 
kirchlichen Straf bestimmungen und Licenzen für das Lesen und Bewahren verbotener 
Bücher und die Approbation und Drucklegung approbierter" und den Druck ver- 
botener Bücher. Hierbei wird entsprechend der kürzlich auch in weltlicher Angelegen- 
heit von einem Gericht vertretenen Verantwortung des Setzers, Maschinenarbeiters 
und Korrektors, die Exkommunikation ketzerische Bücher wissentlich Druckender 
auch für diese „physischen Ursachen zur Drucklegung" geltend gemacht, — DisteP"^) 
teilt zwei Bücherverbote aus Kursachsen mit, das eine von Friedrich dem Gr., der den 
kurzen aber gründlichen Beweis, dass das Königreich Böhmen Sr. Königl. Majestät 
in Preussen zustehe, 1757 in Dresden öffenthch verbrennen Hess. — 

Das Verlags- und Urheberrecht hat beachtenswerte Bearbeitungen 
aufzuweisen. Scheele^^o^ verwertet für das deutsche Urheberrecht die Recht- 
sprechung der letzten beiden Jahrzehnte und giebt namentlich auch die Entstehungs- 
geschichte der Gesetze. — Allfeld^*') bietet einen neuen praktischen Kommentar der 
Hauptgesetze und Verträge. — Kohler-^-J sucht die Probleme des Autorrechtes durch 
selbständiges künstlerisches Erfassen der Begriffe zu lösen. — In einer geistvollen 
Schrift über das für die Litteratur nicht unwichtige Recht an Briefen erklärt 
Kohler'^^^) es als eine heilige Pflicht des Rechtes, das Seelenleben eines Menschen 
unangetastet zu wahren. — Voigt länder^^^) hat das Verlagsrecht als sach- 
verständiger Buchhändler selbständig durchgearbeitet; sein als 2. Auflage bezeichnetes 
Werk ist ein neues Buch, das nach Aufstellung der Verlagsordnung^^s) für den deutschen 
Buchhandel erwünscht war. — Dieser Verlagsordnung, die hauptsächlich dem Ver- 
kehr des Buchhandels mit gelehrten Autoren entstammt, tritt der Verein „Berliner 
Presse" entgegen^*^^). — G. A. Müller'-*") giebt aus dem geg-enwärtigen Leben des 
Buchhandels heraus ein ausgiebiges verständiges Handbuch des Verlagsbuchhandels. 
— Der neue Entwurf des österreichischen Urhebergesetzes'''^^) ist dazu angethan, 
Kritiken hervorzurufen. — Das internationale Urheberrecht hat in der Zeitschrift des 
Berliner Bureaus „Le droit d'auteur" 2S9j sein freilich zumeist aus französischen Quellen 
gespeistes amtliches Organ. 2*">) — 

Ueber das gesamte deutsche Buchgewerbe, dessen Führer der Buch- 
handel ist, veranstaltet Thomälen''^'*') mit Wiener und Schultz-Henke eine Ueber- 
sicht im deutschen buchgewerblichen Katalog^^^j für Chicago; einen internationalen 
Bericht hat Wien er 2^3) geliefert. — 

Dem verdienten Geschichtsschreiber der Buchbinderkunst F. R. Steche 
widmet L i e r^'"^) einen Aufsatz, dem ein eingehender Nekrolog folgen soll. — L i e r^«») 
veröffentlicht auch eine neue Folge von 100 wertvollen Bucheinbänden der kgl. 
Bibliothek in Dresden, Holmes^'*^) eine Auswahl von gegen 150 Einbänden aus der 
kgl. Bibliothek in Windsor-Castle. — Prideaux ^^'j verdankt man eine Bibliographie 
mit gegen 450 Werken über Buchbindung und eine ausführliche geschichtliche 
Skizze dieser Kunst. — Zaehnsdorf^****) liefert einen fachkundigen Bericht über alle 



278) (S. 0. N. 70.) — 279) Th. Distel, 2 in Kursachsen beseitigte Drucke (1745 u. 57): NASächsG. 14, S. 341/3. — 280) ö. 
Scheele, D. dtsch. Urheberrecht an litt., künstl. und photogr. Werken. L., Hirschfeld. 1S92. X, 275 S. M. 6,80. 1[LCB1. 
S. 1076/7; P. Daude: DLZ. S. 761/2.]| — 281) J. Allfeld. D. Beichsgesetze betr. d. litt, und artist. Urheberrecht. Manchen, 
Beck. 16». YIII, 458 S. M. 4,40. [(P. Daude: DLZ. S. 761/2.j| — 282) J. Kohler, D. litt. u. artist. Kunstwerk u. sein 
Autorschutz. E. jurid.-ästhet. Studie. Mannheim, Bensheimer. 1892. 205 S. M. 5,00. |[DLZ. S. 179-80.]| — 283) id., D. 
Recht an Briefen. (Aus d. Arch. f. bürgerl Recht.) B., Heymann. 60 S. M. 1,20. — 284) R. Voigtländer, D. Verlags- 
recht an Schriftwerken, rausikal. Kompositionen u. Werken d. bildenden Künste. E. Handbuch d. Verlagspra.xis für Buch- 
händler (mit Vertragsbeispielen). 2. Aufl. Dass. für Autoren n. Buchhändler (ohne Vertragsbeispiele;. 2. Aufl. L., Voigtländer. 
XI, 195 S.; IX, 137 S. M. 4,00; M. 3,00. — 285) X W. Licht, D. Bewucherung d. Sortiments-Bochhandels durch e. grossen 
Teil d. Yerlagsbuchhandels § 7 u § 8 d. bnchhäudl. Verkehrsordnung oder d. Grab d. Arbeitslohnes im Sortiments-Buchhandel. 
Frage an d. öffentl. Meinung. Stolp i. P., E. Rahn. 38 S. Mit 1 Bild. M. 1,20. — 286) Bemerkungen über e. Verlags- 
ordnung für d. dtsch. Buchhandel. Berlin (Sittenfeld). 24 S. — 287) G. A. Müller, D. Arbeiten des Verlegers. E. Hand- 
buch d. Theorie u. Praxis d. Verlagsbnchhandels, Briefe an e. jungen Freund. L., G. A. Müller & Co. IV, 191 S. M. 5,00. — 
288) O L. A. Frankl, D. Entwurf d. Österreich. Urhebergesetzes. Wien, Manz. 27 S. M. 0,50. |[P. Daude: DLZ. S. 1207.]| 
— 289) Le droit d'auteur, organe officiel du bnreau de l'union Internat, pour la protection des oeuvres litt, et artist. 6. ann^e. 
12 Nrs. Bern, Collin (L. Hedeler). 4». XIII, 156 S. M. 5,65. — 290) O W. A. Copinger, Law nf Copyright in Works of 
Litt. n. Art. 3. ed. London, Stevens. Sh. 36. — 291) G. Thomälen, E. Wiener u. D. S chultz-Hencke, D. heutige 
Buchgewerbe im Dtsch. Reich. (r= Führer durch d. buchgewerbl. Kollektiv-Ausstellung d. Dtsch. Reiches. Chicago 1893. [L., 
Breitkopf & Härtel. XII, 149 S. M. 1,50.], S. 1-32) L., Breitkopf & Härtel. — 292) X A. Weigel, Führer durch d. buch- 
gewerbl. Kollektiv-Ausstellung d. Deutschen Reiches. Chicago 1893. Her. v. d. Centralver. für d. gesarate Buchgewerbe, 
(ebda. S. 33-149.) — 293) E Wiener, Nach Chicago z. Columbischen Weltansstellung. Reisebriefe. (Sonderabdr. aus d. Zeitschrift 
für Deutschlands Buchdrucker.) L., Breitkopf & Härtel. 108 S. (Nicht im Buchhandel.) — 294) H. A. Lier, F. R. Steche: 
ADB. 35, S. 537 9. — 295) O i d. , Bucheinbände aus d. Bücherschatze der kgl. öffentl. Bibliothek zu Dresden. L., E. Twiet- 
meyer. 4». ä 3 Photogr. mit Y, 12 S. Text, ä M. 3,00. — 296) O R. Holmes, A selection of royal and hlstorical book- 
bindings, from the Royal Library, Windsor Castle (with about 150 plates and a introd.). London, Quaritch. 4». 105 S. Sh. 5,00. 
(Privatdruck.) — 297) S. T. Prideaux, An bist, sketch of bookbinding. With a chapter on early stamped bindings by 
E Gordon Dnff. London, Lawrence & Bnller. 4". VII, 303 S. Sh. 6. |[SaturdayR. 76, S. 51.]| — 298) J. Zaehnsd orf, 



I 3 : 299 -14: 1-14 G. Liebe, Kulturg-eschichte. 

Länder von den ältesten Zeiten bis zur Gegenwart; die angeführte Litteratur 
von 1880—92 g-ehört meist Frankreich und England an. — Eine glänzende Er- 
scheinung ist Thoinans2«!>) wertvolle Geschichte der französischen Buchbinder des 
16.— 18. Jh. — 



Kulturgeschichte. 

Georg Liebe. 

Begriff der Kulturgeschichte N. 1. — Allgemeine Darstellungen N. 9. — SammelwPrke N. 19. — Gesamtdarstellungen 
deutscher Kultur W. 23. — Häusliches und Familienleben N. 31. — Geselliger Verkehr und gesellschaftliche Sitte, Vergnügungen, 
Spiele und Feste N. 49. — Sittengeschichtliches N. 77. — Geistige und gemütliche Entwicklung: Bildungsanstalten N. 95; 
das Recht N. 108; Humanismus N. 121; Reiselitteratur N. 122; Vereinswesen und Presse N. 128; Briefe, Stammbücher, Kalender 
N. 136; Nationalcharakter N. 147; religiöses Element N. 159; Humor N. 163; Verschiedenes N. 166. — Aberglaube und Ver- 
brechen N. 177. — Sociale Entwicklung, Gesellschaft und Stände N. 188. — Wirtschaftliche Entwicklung: Wirtschaftsgeschichte 
N. 197; Agrargeschichte N. 201; Bevölkerung N. 211; Industrie und Gewerbe N. 219; Technik und Erfindungen N. 241; Handel 
N. 245. — Aeussere Kultur: Wohnung N. 256; Tracht N. 262; Waffen und Geräte N. 269; Nahrungs- und Genussmittel N. 275 ; 
Gesundheitswesen N. 278; Sicherheitswesen N. 285; Verkehr N. 287. — Territorial- und Lokalforschung: Ostpreussen N. 310; 
Westpreussen N. 314; Posen N. 321; Schlesien N. 322; die Mark N. 324; Pommern N. 341; Mecklenburg N. 342; Hansestädte 
N. 344; Schleswig-Holstein N. 357; Oldenburg und Ostfriesland N. 360; Hannover N. 365; Provinz Sachsen N. 370; Königreich 
Sachsen N. 380; Thüringen N. 390;. Hessen N. 396; Westfalen N. 404; Rheinland N. 410; Reichslande und Baden N. 424; 
Württemberg N. 435; Bayern N. 438; Oesterreich N. 461; Schweiz N. 485; russische Ostseeprovinzen N. 493. — Klöster, Stifter 
und Orden N. 498. — Besondere Yolkselemente N. 527. — Familiengeschichte N. 548. — Einzelne Personen N. 563. — Zur 
Knltur der Gegenwart N. 570. — 

Begriff der Kulturgeschichte. Die für die Wesensbestimmung 
der Kulturgeschichte wichtigste Frage, . die ihres Verhältnisses zur politischen Ge- 
schichte, ist ausser in mehreren Besprechungen der gegensätzlichen Werke von 
Gotheini) und Schäfer 2) (vgl. JBL. 1892 I 4:1/2) neuerdings von Ritt er 3) 
erörtert worden. Er glaubt die Ansprüche der Kulturgeschichte als zu hoch be- 
zeichnen zu müssen, indem er ihren zu weit gefassten Kollektivbegriffen als 
Träger der Kulturarbeit die Gesellschaftskreise gegenüber stellt. — Treffend be- 
stimmt Steinhausen ^) die junge Wissenschaft als Lebensgeschichte zunächst 
eines Volkes, weiterhin der Menschheit. — Eine Stütze erhält diese Anschauung in der 
Bedeutung des Zuständlichen, wie es K. Lamprecht gegenüber Max Lehmanns^) 
Ueberschätzung der Persönlichkeit betont. — Mehr und mehr drängt sich auch 
die Notwendigkeit stärkerer Heranziehung der Kulturgeschichte in der Schule auf, 
wenn auch bezeichnender Weise der erste Historikertag in München in dieser Hin- 
sicht grosse Zurückhaltung bewies. — So will Berbig^), ausgehend von der päda- 
gogischen Forderung der Verbindung verschiedener Unterrichtszweige, das Rechnen 
für die Verbreitung kulturgeschichtlicher Kenntnisse nutzbar machen. Eine Anzahl 
gedruckten Quellen entnommener Aufgaben veranschaulicht das Verhältnis heutiger 
Preise zu thüringischen des 16. Jh. ^'^=') — 

Allgemeine Darstellungen. Unter den allgemeineren Darstellungen 
seien zunächst einige Besprechungen an dieser Stelle schon gewürdigter Werke ge- 
nannt "''Oj. _. Zur Gewinnung von Vergleichungs-Material wird für die Kultur- 
geschichte auch die Ethnologie heranzuziehen sein. Zur ersten Orientierung bietet 
der Katechismus von Schurtz'^) ein vortreffliches Hülfsmittel.^^) — Die neue Auf- 
lage von H e h n s ^3) monumentalem Werke hat wertvolle Vermehrungen erfahren. 
— Acheli s 1*) giebt die Forschungen M. Müllers über die Bildung religiöser Ideen 



ßookbinding: QR. 177, S. 178-211. -- 299) E. Thoinan, Les relieurs fran9ai8 (1500-1800), biogr. critique et anecdotique 
precedee de Thist. de la communaute des relieurs et doreurs de livres de la ville de Paris et d'une etnde sur les styles d« 
relinre. Paris, Em. Paul, L. Huard & Guillemin. VII, 416 S. — 

1) X HJb. 14, S. 359-62. — 2) X DLZ. S. 300/1. — 3) M. Ritter, D. Streit zwischen polit. n. Kultnrgesch. : 
AZg". N. 219. (Vgl. dazu ZKnltQ. I, S. 244/5.^ — 4) G. Steinhausen, Z. Einführung: ZKultG. 1, S. 14. — 5) ib. 
S. 245-50. — 6) M. Berbig, D. Rechnen im Dienste d. Kulturgesch. JB. d. Herzog Ernst-Seminars. Gotha (Thienemann). 
30 S. M. 0,60. - 7) X A. Böo, Leitfaden für d. ünterr. in d. dtsch. Gesch. mit besond. Berücksicht. d. kultnrgesch. 
Momente für d. Oberstufe mehrklass. Volks- u. Mittelsch. L., Gräbner. VIII, 335 S. M. 2,00. - 8) X F- Viergutz, D. 
Verhältnis d. Kulturgesch. z. polit. Gesch. im Volksschul-Ünterr.: PommerscheBllSohule. 17, S. 335/6. — 8a) X F- Dreyer, 
Dtsch. Kulturgesch. v. d. ältesten Zeiten bis z. Gegenw. Als Grundlage für d. Unterr. in d. dtsch. Gesch. unter Mitwirk. v. 
J. Meyer. 2. T. V. Interregnum bis z. Reformation. Langens.alza, Schulbuchh. VI, 240 S. M. 2,00. - 9) X G- Grnpp, 
System u. Gesch. d. Kultur. 2 Bde. (Vgl. JBL. 1892 14:9.) |[BLU. S. 7268; HJb. 14, S. 363/5; Gyran. 11, S. 765,8; 
Kath. 1, S. .572.]] — 10) X P- Heichen, D. Kulturgesch. in Hauptdaten. (Vgl. JBL. 1891 I 5:8.) IfBLU. S. 127; WSKPh. 
10, S. 281/6.]I — 11) H. Schurtz, Katechismus d. Völkerkunde. L., Weber. 12". XII, 370 S. M. 4,00. — 12) X Th. 
Achelis, Kulturhist. Parallelen aus d. Völkerkunde: DWBl. S. 3901. — 13) V. Hehn, Kulturpflanzen u. Haustiere in ihrem 
Uebergang aus Asien nach Griechenland u. Italien. 6. Aufl. (In 12 Lfgn.) 1.-7. Lfg. Neu her. v. 0. Schrader. B., Born- 
träger. S. 1-400. M. 7,00. — 14) Th. Achelis. D. vergleichende Religionswissensoh. (= SGWV. N. 182.) Hamburg, 



G. Liebe, Kulturgeschichte. 14: 15-29 

wieder, wie sie sich streng- erfahrungsgemäss auf der infolge seiner Anregung 
herausgegebenen Sammlung der heiligen Bücher des Ostens aufbauen. — Das Problem 
des Verhältnisses zwischen Krieg und Kultur behandelt in formvollendeter Durch- 
dringung des Materials Jähns'^). Nach theoretischer Erörterung der Begriffe zur 
historischen Betrachtung der menschlichen Auffassungen übergehend, gewinnt er die 
üeberzeugung von der inneren Notwendigkeit wie der kulturfdrdernden Wirksamkeit 
des Krieges. — Unsere gegenwärtige Kulturepoche betrachtet Toula''') hinsichtlich 
ihrer wahrscheinlichen Begrenzung durch Abnutzung einiger wesentlichen Stoffe, 
der Kohle, der "Waldbestände, des Goldes''). — Jäger'*) behandelt den Parallelis- 
mus zwischen der geistigen Entwicklung des Einzelindividuums und den Kultur- 
stufen der historischen Entwicklung- wie den verschiedenen Bildungsstufen innerhalb 
der modernen Gesellschaft in origineller, wenn auch besonders im zweiten Fall vielfach 
gezwungener Art. — Das schön ausgestattete Werk von Kleinpaul '*■"•), auf den 
Arbeiten von Lacroix beruhend, ist wegen der illustrativen Beigaben zu schätzen 
und nur auf das Wohlgefallen weiterer Kreise berechnet.'^'') — 

Sammelwerke. Das Berichtsjahr war für die Wissenschaft der Kultur- 
geschichte ein erfreuliches insofern, als ihr durch Gründung einer eigenen Zeitschrift'^) 
die Möglichkeit geboten ist, nicht mehr als oft scheel angesehener Gast in fremdem 
Hause ihr Dasein zu fristen. Sicher wird die Konzentration dazu beitragen, unsere 
Wissenschaft schärfer zu formulieren und den hier besonders üppig wuchernden 
Dilettantismus zu beschränken. Für den Geist des neuen Unternehmens bürgt der be- 
währte Name des Herausgebers S t ei n h a u s e n^"). Der Inhalt des ersten Heftes 
sei hier angeführt : Zur Einführung (Herausgeber). Deutsches Geistesleben im 
späteren Mittelalter (Lamprecht). Thomas Campanella, ein Dichterphilosoph der 
italienischen Renaissance (Gothein). Sechzehn deutsche Frauenbriefe aus dem endenden 
Mittelalter (Steinhausen). Aus dem Vereinswesen im römischen Reiche (Liebenau). 
— Der Umfang wie der Charakter der kulturgeschichtlichen Wissenschaft lassen 
mit Freuden die gleichzeitige Gründung einer zweiten Zeitschrift begrüssen, die lokal 
beschränkter, inhaltlich umfassender ist. Es sind dies vonReinhardstöttners^') 
Forschungen zur Kultur- und Litteraturgeschichte Bayerns, die gleichermassen durch 
wissenschaftliche Gediegenheit wie vornehme Ausstattung einnehmen.22) — 

Gesamtdarstellungen deutscher Kultur. Von umfassenderen Darstell- 
ungen der deutschen Kultur ist das Werk von Henne am R h y n"^) in 2. Auflage er- 
schienen^^). — In den nach alter Methode ausgesonderten Abschnitten über Kultur- 
verhältnisse ruht der Hauptwert von Janssens Geschichte des deutschen Volkes, 
deren 7. Band nach seinem Tode auf Grund seiner Mss. von P a s t o r ^5) heraus- 
gegeben worden ist. Er schildert die niederen und höheren Bildungsanstalten, 
dann die einzelnen Zweige der Wissenschaft. Die Abschnitte über Naturwissen- 
schaften, Heilkunde, Theologie, Philosophie haben P. zum Vf. Gelegenheit zur Hervor- 
kehrung der Tendenz bleibt nicht unbenutzt, so wenn der Verfall der protestantischen 
Universitäten von der landesherrlichen Obergewalt hergeleitet wird, die ihnen im 
Gegenteil sehr nützlich gewesen ist. — Die Form abgeschlossener Bilder verwendet 
M a i s c h 2^) zur Schilderung der verschiedenen Seiten des deutschen Bürgertums. 
Das Buch, von nationalem Geiste getragen und anziehend für allgemeines Verständnis 
geschrieben, bringt Leben und Wirken in socialer Hinsicht zum Ausdruck mit be- 
sonderer Rücksicht auf die genossenschaftlichen Verbände und deren Beeinflussung 
durch das religiöse Element. 2') — Hier seien noch einige Werke der von Fontane be- 
gründeten Richtung erwähnt, die das touristische Interesse durch das historische zu 
vertiefen strebt. Allerdings bleibt T r i n i u s 2*) und noch mehr H e v e s i ^9) weit 



Yerlagsanst. 33 S. M. 0,50. — 15) M. Jahns. Ueber Krieg, Frieden u. Kultur. B. Umschau. B„ Allg. Ver. für dtsch. Litt. 
XX, 432 S. M. 6,00. UMWBl. S. 2317-20, 2584 5.]| — 16) F. Toula, Streiflichter auf d. jüngste Epoche d. Kultur. Rektorats- 
rede. Wien. 24 S. jfAZgU. N. 292.]! — 17) O E. v. Philipp ovich, Wirtschaftl. Fortschritt u. Knlturentwicklung. Vortr. 
Freiburg i. B., Mohr. 1892. 56 S. M. 1,00. |[BLU. S. T/9.)| - 18) G. Jäger, Ans Natur- u. Menschenleben. Ges. Aufsätze 
u. Vortrr. 2. (Schluss-)Lfg. L., E. Günther. III, S. 186-215. M. 2,00. — 18a) R. Kleinpaul, D. Mittelalter. Bilder aus 
d. Leben u. Treiben aller Stände in Europa. 3.-8. Lfg. L., Schmidt & Günther. S. 65-256. M. 6,00. [[Geg. 44, S. 431.J| 

— 18 b) O J. H. Franke [H. Wort mann], Naturbilder aus d. Kultur- u. Sittengesch. d. Menschheit älterer u. neuerer Zeit. 
Mit 56 lUustr. Zürich, H. Wortmann. 200 S. M. 1,50. — 19) Zeitschrift für Kulturgesch. (N. F. d. Zeitschr. für dtsch. 
Kulturgesch.) Her. v. G. Steinhausen. Heft 1. Weimar, Felber. S. 1-96. M. 2,00. |(ML. 62, S. 820; LCBl. S. 1609-10.|| 

— 20) X G. Steinhausen, Kulturstudien. B., Gärtner. (Vgl. JBL. 1892 I 4:28.) |[ßLU. S. 500/2; LCBl. S. 275/6; DLZ. 
S. 6846; ÖLBl. 2, S. 648-50.]| — 21) Forschungen z Kultur- u. Litteraturgesch. Bayerns her. v. K. v. Reinhardstöttner. 
1. Buch. München, Franz. V, 232 S. M. 6,00. l[ZKultO 1, S. 205/6.11 — 22) X Zeitschrift f. dtsch. Kulturgesch. v. Chrn. 
Meyer: BBG. 29, S. 255/6, 570/2. — 23) 0. Henne am Rhyn, Kultargesch. d. dtsch. Volkes. 2. Aufl. 2 Bde. B., Grote S.-Cto. 
500 S.; 528 S. M. 24,00. ||BLU. S. 357/8; COIRW. 21, S. 504/5; MHL. 21, S. 299-300.]| - 24) X Sechs Bilder z. dtsch. 
Kulturgesch. in Farbendr. Mit Text. L., Voigtländer. 4". M 2,00. — 25) J. Janssen, Gesch. d. dtsch. Volkes seit d. Ausgange 
d. MA. 7. Bd. Ergänzt u. her. v. L. Pastor. Freibnrg i. B., Herder. XLVII, 660 S. M. 6,00. — 26) G. Maisch, Eelig.- 
sociale Bilder aus d. Gesch. d. dtsch. Bürgertums. L., Werther. IV, 632 S. M. 8,00. ||ThLBl 14, S. 18; ÖLBI. 2, S. 521. J] 
(Vgl. JBL. 1892 I 4:20.) — 27) O J. Bintz, Dtsch. Kulturbilder aus 7 Jhh. 2 Bde. Hambarg. Meissner. VII, 204 S.; 
111, 186 S. M. 5,00. — 28) A. Trinius, Alldeutschland in Wort u. Bild. E. malerische Schilderung d. dtsch. Heimat. II. 
Mit Illustr. B., Dümmler. VUI, 439 S. M. 5,40. |[LCB1. S. 1464/5; BLU. S. 188.]| — 29) L. Hevesi, V. Kalau bis 

JaliTeBl>erichte für neuere deutsche Litteratnrgeschiohte. IV. (} 



I 4 : 30-62 G. Liebe, Kulturgeschichte. 

hinter Fontaae zurück (vgl. I 5 : 5Jj. — Ein flüchtiger Reisebrief eines Schweizers, 
F 1 e i n e r '^^), ist ebenso scharf beobachtend wie für Deutschland schmeichelhaft. — 
Häusliches und Familienleben. Bei der Betrachtung* der ein- 
zelnen Seiten der Kulturentwicklung' vom engsten Kreise, der Familie, ausg-ehend 
sind wir leicht der Gefahr einer unsicheren Abgrenzung gegen die Volkskunde aus- 
gesetzt. Es wird sich empfehlen, nur das einer abgeschlossenen Vergangenheit 
Angehörige aufzunehmen, Neueres nur, sofern es zu Parallelen Anlass giebt. Der 
Grundlage des Familienlebens, der Ehe, widmet Achelis^') eine weitschauende, 
Forschungsergebnisse sicher zusammenfassende Untersuchung, die die ersten recht- 
lichen und sittlichen Entwicklungsstufen zum Gegenstand hat 32). _ Einen Teil der 
hier erörterten Fragen hat Bernhöft^"*} zum Gegenstand einer allgemein ver- 
ständlichen Darstellung gemacht, die auch die Poesie heranzieht. — Ueber die Frauen 
sind nur einig-e Sammelarbeiten ohne Bedeutung erschienen ä*'^'^). — Mit der Ehe- 
schliessung beschäftigen sich mehrere Monographien ^^^'j. — Einen merkwürdigen 
Beitrag zu den Taufceremonien bietet K o 1 d e w e y s ^^j Untersuchung über den 
Streit, der am Ende des 16. Jh. über die Frage der Teufelsaustreibung bei der Taufe 
zu Braunschweig ausbrach. — Das anziehende, bisher nur dilettantisch behandelte 
Gebiet der Namengebung weiss Steinhausen 43-44), gestützt auf reiches MaLerial, 
zu Aufschlüssen über den Einfluss des Zeitgeistes zu verwerten. Es ergiebt sich 
seit dem 13. Jh. eine Abschwächung des Namenreichtums infolge der wachsenden 
Nüchternheit der Zeit, seit dem 15. Jh. ein Ueberwiegen frommer Namen, die erst 
mit diesem Jh. schwinden, sowie früh eine herrschende Stellung des Namens Johannes*^). 
— Mit den die Familie nach aussen abschliessenden Namen beschäftigt sich auf be- 
schränktem Gebiete K 1 e e m a n n *^). — Eine oberflächliche Sammlung alter Gebräuche 
beim Begräbnis bezieht sich auf Wien ■*"), eine Sammlung von Grabschriften auf 
Riga 48). _ 

Geselliger Verkehr und gesellschaftliche Sitte, Vergnüg- 
ungen, Spiele und Feste. Mit dem Hinaustreten aus dem Kreis des Hauses be- 
ginnt der Verkehr und die ihn bindende Sitte. Von ihren Formen haben einige eine 
oberflächliche Darstellung gefunden '*""^3)^ — Dfe f(jj. (jg^ modernen Verkehr so be- 
zeichnende Phrase charakterisiert Wengraf^^) durch ein Miss Verhältnis zwischen 
Form und Inhalt sowie die Häufigkeit der Anwendung. Aus der Entwicklung eines 
öffentlichen Lebens hervorgegangen, ist sie stets von Wirkung auf unklares Denken, 
wie es für heutige Verhältnisse bezeichnend ist. — Eine Blütenlese aus den Neujahrs- 
wünschen, wie sie der Wiener Hanswurst im Anfang des vorigen Jh. zu spenden pflegte, 
giebt von Weilen^^). — Von dem Inhalt des geselligen Lebens im Mittelalter handelt 
eine gute Zusammenstellung der durch grössere Arbeiten gewonnenen Resultate^^). — 
Von einem Vortrag 1 1 o s ^') über die Volksvergnügungen zu Butzbach i./W., wobei 
das Hauptgewicht auf die Schauspiele gelegt ist, erschien leider nur eine Inhalts- 
angabe.^^) — Unter den noch bestehenden Volksfesten nimmt diesmal der Schäffler- 
tanz das Hauptinteresse in Anspruch. Wenn ihn S e p p ^9) mit Anhäufung von 
Reminiscenzen an die ältesten religiösen Tänze mit der Weinlese zusammenbringt, 
so wird die Sitte von anderer Seite ^**) als Rest alter Frühlingsfeier erklärt^ '"^-). 



Säckingen. E. gemütliches Kreuz u. Quer. St., Bonz. 120. VII, 323 S. M. 4,00. |[BLU. S. 264;5.]| — 30) A. Fleiner, 
Quer durch Deutschland: StrassbPost. N. 132. — 31) Th. A c h e 1 i s , D. Entwicklung d. Ehe. Weimar, Felber. 125 S. M. 2,60. 
|[BLÜ. S. 746;7.]| — 32) X E. Westermarck, Gesch. d. menschlichen Ehe. Ausg. aus d. Engl. v. L. Katscher u. R. Grazer. 
Bevorwortet v. A. Bussel Wallace. Jena, Costenoble. XLVI, 589 S. M. 12,00. |[BLU. S. 746,7.J| - 33) J. Bernhöft, 
Frauenleben in d. Vorzeit. Wismar, Hinstorff. 78 8. M. 2,00. — 34) Xü^iKlokow, D. Frau in d. Gesch. Leben u. 
Charakter d. Frauen aller Zeiten, sowie deren Einfluss auf d. Kulturgesch. d. Menschengeschlechts. 2. Aufl. Mit 76 Abbild. 
L., Spanier. VIII, 310 S. M. 3,00. — 35) X Van der Briele, Kulturgeschichtliches aus d, dtsch. Frauenleben im 14. u. 
15. Jh. Progr. Halberstadt. 4''. 18 B. — 36) X ö. Tuchert, Dtsch. Frauen im Zeitalter d. Restauration (nach Henne am Bhyn, 
D. Frau in d. Kulturgesch.): Zeitgeist N. 1/2. — 37) X Alw. Schultz, Alltagsleben e. dtsch. Frau d. 18. Jh.: RCr. 35, 
S. 129-30. — 38) O F. Roth, Weibl. Erz. u. weibl. Unterr. im Zeitalter d. Reformation. Diss. Leipzig. 47 S. — 39) X H. 
Bosch, Verlobung u. Verehelichung in Nürnberg im 16. Jh.: MGNM. S. 41-53. — 40) X F- M' ^ine sonderbare Trausitte: 
AELKZ. 26, S. 868. — 41) X A. Jusskiewicz, Hochzeitsbräuche d. Wilonischen Litauer: MLitauLGes. 3, S. l:M-78, 201-43, 
321-83, 538-40. — 42) F Koldewey, D.Exorzismus im Herzogtum Braunschweig seit d. Tagen d. Reformation. E. kirchenhist. 
Studie. Wolfenbüttel, Zwissler. 5o S. M. 2,00. — 43; G. Steinhausen, Vornamenstudien: ZDU. 7, S. 616-26. - 44) id., 
Mode u. Zeitgeist in d. Vornamen: TglRs". N. 8/9. — 45) X K. Erbe, Dtsch. Kindern dtsch. Namen: DNJb. 3, S. 144-50. 
— 46) O S. Kleemann, D. Familiennamen Quedlinburgs u. d. Umgegend. Quedlinburg, Hach. XII, 264 S. M. 5,00. |[W. Seel- 
mann: KBlNiederdSpr. 16, S.45/6 I] — 47)C. S Chan dl, Wiener Totenkiiltus: Alt-Wien 1, S. 5 8. — 48) O H. Baron Brniningk, 
Ueber e. Samml. Grabschriften (Riga). Vortr.: SBGGOstseeprov. 1892, S. 4/5. — 49) X Z.Sitte d. Begrüssungen (nach Meyers 
Konvers.-Lex.) : Didask. N. 172. — 50) X B Müller, 777 Regeln für d. Verkehr in d. guten Gesellschaft: KZEU. S. 84. — 
51) X W. Brehmer, Titulaturen: MVLübG. S. 47. |17. .Th.) - 52) X '^- Abschaffung d. leeren Titulaturen: StrassbPost. 
N. 57. — 53) X J- Mensinga, D. Adelspartikel: VHSG. 21, S. 276-80. — 54) E. Wengraf, D. Phrase. Z. Kritik d. Ge- 
sellschaftslügen. Wien, Bauer. 30 S. M,0,50. — 55) A. v. Weilen, Altwiener Neujahrsgrüsse: NFPr. N. 10543. - 56) E. B., 
D. dtsch. Gesellschaftsleben im spätem MA. : MagdZg". N. 17-20. — 57) E. Otto, Feste, Spiele n. Tänze zu Butzbach im 
MA. u. z. Zeit d. Reformation. Vortr.: QBlllVHessen. 1, N. 10. (Referat.) — 58) O A. Lingke, Wie amüsierte sich Dresden 
am Anfange d. vorigen Jh.: UB&T. S. 403 5. — 59) J. N. Sepp, Der Schäfflertanz n. sein nnrordenkliches Alter. Vortr.: 
München (Ch. Kaiser). 12 S. M. 0,15. — 60) D. Schäfflertanz u. d. Metzgersprung in München: StrassbPost. N. 50. — 61) X 
M. Koch V. Berneok, D. Schäfflertanz in München: IllZg. 100, S. 102. — 62) X S. Frey, D. Schäfflertanz in Manchen: 



G. Liebe, Kulturgeschichte. I 4 : 63-94 

— Betreffs des Metzg-ersprung-s kommt H a r t m a n n ^'^j durch Zusammenstellung- 
ähnlicher mit Taufe verbundener Handwerksbräuche zum Schlüsse mythischer Ab- 
stammung. — Als Ursprung der Schmausereien des Martinstages nimmt Doenges^^) 
ein germanisches Erntedankfest an. — G r u b e r ^■''j beschreibt ein zu Fastnacht 
aufg'eführtes Bauernspiel in ünterpeissenberg.^^) — Die Ausbreitung des um 1300 nach 
Deutschland gelangten Kartenspiels hat oberflächliche Darstellung gefundenß''"^»^, — 
Auf Ausübung des Schwerttanzes im J. 1641 lässt eine Hamburger Rechnungsnotiz 
schliessen ^'■*) ; derselbe wurde auch in Hessen noch 1651 aufgeführt (s o. N. ö?)""). 

— Die Schätzung' des Jagdvergnügens illustriert ein 1590 abgeschlossener, 1593 er- 
neuerter Pachtvertrag zwischen dem Grafen von Stolberg und dem Herzog-Bischof 
Heinrich Julius von Halberstadt, von Jacobs'') veröffentlicht. — Die Uebung von 
Tierhetzen behandelt ein Artikel Lubans'^) über das 1796 abgebrannte Wiener 
Hetzamphitheater. — Für die Geschichte des Schauspiels ist Müllers"^) Nachtrag 
zu dem Streit wegen einer 1660 in Leipzig gespielten Jesuitenkomödie anzuführen, 
den früher Wustmann behandelt hat. — Eine Schilderung des wenig unterhaltenden 
Badelebens im altenburgischen Rönneburg giebt Schlösser''*) nach zeitgenössi- 
schen Briefen. — Von einmaligen Festberichten ist ein Lübecker aus dem J. 1478 
von B r u n s '^) veröffentlicht. — Als Beispiel eines modernen Volksfestes, wie 
unserer Zeit mehr zu wünschen wären, sei es erlaubt, auf das Rotenburger Fest- 
spiel hinzuweisen, über das R e i c k e ''^j berichtet. — 

Sitten g-eschichtliches. Unter diesem Gesichtspunkte wären zunächst 
die Thatsachen zu berücksichtigen, welche die Anschauungen gewisser Kreise zum 
Ausdruck bringen. Ein dankbares Feld hierfür bietet stets das akademische Leben 
mit seiner ausgeprägten Eigenart, dem eine unerschöpfliche Fülle origineller Einzel- 
heiten zu entnehmen ist ''''^■^). — In das höfische Leben der Verg-angenheit führen 
uns mehrere Aufsätze ohne Bedeutung ^^'^^J. — Den Verkehr zwischen Fürsten und 
Unterthanen illustrieren, von D i s t el^"*"^^) vorgelegt, zwei Bittschriften aus Sachsen, 
eine von absichtlich, die andere von unabsichtlich komischer Wirkung. — Ein wenig 
standesgemässes Benehmen offenbaren die von K rafft*'') aufgefundenen Prozess- 
akten gegen den Kölner Domherrn Grafen Rietberg wegen Misshandlung eines mahnenden 
Gläubigers (1528). ~ Nach einer Mitteilung Mu m menhoff s'"^) lagen noch um die 
Wende des 16. Jh. die Nürnberger Maler dem Rat an, gegen Fremde den Zunft- 
zwang mit Ladebeitrag und Probestück üben zu dürfen. — Ueber Schützengnlden 
handeln einige oberflächliche Artikel ^'"^'•^). — Ein Beitrag zur Anschauung vom Duell 
liegt vor in der Schilderung eines Nürnberger Ehrenhandels und dessen rechtlicher 
Beurteilung ö^). — Einen originellen Scheltbrief g-egen einen säumigen Schuldbürgen 
publiziert von Mülversted t"*). — 

Geistige und gemütliche Entwicklung. Die anziehendste 
Aufgabe der Kulturgeschichte ist vielleicht die, in den geistigen wie den Gemüts- 
äusserungen das typische Element zu erkennen. Dieses Gebiet ist bisher nur in 
geringem Masse Gegenstand wissenschaftlicher Bearbeitung gewesen; was dafür ge- 
leistet worden, ist im wesentlichen Erschliessung von Quellen. Unter diesen stehen 
für die geistige Entwicklung im Vordergrunde die Bildungsanstalten. Für 
die Universitäten liegt in den Matrikel- Veröffentlichungen schon ein reiches statisti- 
sches Material vor, dem sich jetzt Greifswald anreiht. Der erste Band (1456—1645), 



Schorers Familien Bl". N. 7. — 63) A. Hartmann, Metzgersprung u. Gildentanfe : AZg. N. 44. — 64) W. Doenges, D. 
Martinstag: Didask N. 265 — 65) K. Gruber, Fastnacht im Ijay er. Oberland: WeserZg. N. 16596. — 66) X S. Dembowski, 
Litauische Festgebräuche: MLitauLGes. 3, S. 505-10. — 67) X H. Du ring, Würfel u. Karten: VossZg". N. 45. — 68) X 0- 
Z , Gesch. d. Spiels in Deutschland : Zeitgeist N. 50 — 69) Ehemalige Gebür für d. worthaltenden Bürgermeister wegen 
Gestattung v. Lustbarkeiten: MVHambG. 15, S. 341/3. — 70) O 0. Gurlitt, D. Tanz im 18. Jh.: VelhagenKlasingsMh. 1, 
S. 289-301, 431-49. — 71) E, Jacobs, Z. Jagdgesch. d. Harzes: ZHarzV. 26, S. 423-30. — 72) E. Luban, D. Brand d. Wiener 
Hetzamphitheaters: Alt-Wien 2, S. 124. — 73) G. Müller, Z. Gesch. d. Jesuitenkomödie in Sachsen (1680j: NASächsG. 14, 
S. 140. — 74) R. Schlösser, Ronneburgs Badeleben vor 100 J. LZg". N. 89. — 75) Fr. Bruns, D. Ber. d. Lübeckischen 
Chronik über d. Vermählungsfeierlichkeit zu Kopenhagen 1478: HansGßll. 21, S. 105-12. — 76) E. Reicke, D. Rotenburger 
Meistertrunk : VossZg". N. 37 8. — 77) X 'Jh. Fischer, Erinnerungen e. Jenenser Studenten. Aus d. Tagebuch e. Eng- 
länders. (= Drei Studien z. engl Litt.-Gesch. N. 2.) Gotha, Perthes. 1892. VII, 177 S. M. 3,00. ][EnglSt. S. 460/1. ]1 — 
78) X Stndentenleben vor 150 J.: BurschenschaftlBU. 7, S. 14/5. — 79) X Studentenstreiche u.- Erinnerungen: ib. S. 6-10. — 
80) X A. Foertsch, Erlangen: ib. S. 2613, 289-91. — 81) X D- Vorläufer d. alten Burschenschaft: ib. S. 145 9, 169-74, 
193/8. - 82) X f'- Gesch. d. Freiburger Burschenschaft v. 1818 bis z. Frankfurter Attentat: ib. S. 25-30. — 82a) X Dtsch. 
Jugend in weiland Burschenschuften u. Turngemeinden: ib. S. 49-54. — 83) X Heidelberger Erinnerungen d. J. 1830-31: ib. 
S. 97,8, 111, 122 4, 183, 217 8, 2:W 1. - 84) X F. Katt, Sitten n. Gebräuche im alten Berlin u. an d. kurfürstl. Höfen im 
15. u. 16. Jh.: DAdelsbl. S. 16S 9. — 85) X Liebhabereien dtsch. Fürsten im vorigen Jh.: Didask. N. 255,7. — 86) X Hof- 
u. Kanzleitrauer-Reglement d. Herzogl. Württemberg. Hoftrauer auf d. erfolgte Absterben d. Herrn Herzogs Carl: BBSW. 
S 191/2. — 87) Th. Distel, E. Schreiben d. Hofnarren Fröhlich an seinen Herrn (1727): NASächsG. 14, S. 339-40. — 88) id., 
E. tragikomisches Bittgesuch e. Freibergers 1789: MFreibergAV. 30, S. 109-10. — 89) K. Krafft, Domherr Friedrich Graf 
zu Rietberg als Angeklagter d. Rates zu Köln 1528: ZBergGV. 19, S. 215-37. — 90) E. Mummenhoff, Beitrr. z. Gesch. d. 
freien Handwerks d. Maler: MVGNürnberg. 10, S. 271/7. — 91) X R- Human, Gesch. d. Schützengilde v. Hildburghausen. 
Mit 1 Abbild. Hildburghausen, Gadow. 92 S. M. 0,60. — 92) X 0. Moser, D. 450j. Jubil. d. Leipz. Schützenges.: 
IllZg. 100, S. 594. — 93) E. Beitr. z. Gesch. d. Duells in Deutschland: StrassbPost. N. 188. — 94) G. A. v. Mülverstedt, 

6* 



I 4:95-115 G. Liebe, Kulturgeschichte. 

von Friedländer '-^^J besorgt, enthält zu den Verzeichnissen der einzelnen 
Jahre die entsprechenden Stellen aus den Dekanatsbüchern. Liefern jene Material 
zur Geschichte der gelehrten Bildung, so diese für Sitten und Bräuche, das tägliche 
Leben und Treiben. — Ein Beispiel geschickter Ausnutzung des spröden Stoffes 
liefert von P e ter s d orf f ''ß) in seiner Untersuchung über den Besuch von 
Frankfurt a. 0. durch Anhalter, die zu dem Ergebnis gelangt, dass der starke Zuzug 
in der zweiten Hälfte des 17. Jh. der Pflegestätte kalvinistischen Geistes galt'-*''). — 
Stübels-'^) Darstellung der Gründung, des Lehrbetriebs und der Sitten der Uni- 
versität Leipzig, beruhend auf dem von ihm eingerichteten Urkundenbuch, leistet 
auf tieferes Eindringen Verzicht. — Eine Anzahl interessanter Thatsachen werden 
von den einzelnen Universitäten berichtet, so von Köln "'*) : Das Geleitsgesuch des 
Herzogs von Jülich (1484) für die dorthin zum Studium reisenden Söhne des Herzogs 
von Sachsen; von Jena durch Buch wald "***): Der blutige Krawall 1660 nach dem 
Briefeines Studenten; von Paderborn durch Richter'oi); Promotionen an der 
ehemaligen Jesuiten-Universität. —Von Göttingen berichtet Knoke'^^j über die gleich 
bei der Gründung von einer Anzahl Korporationen gestifteten Freitische, auf deren 
Verwaltung die akademische Bezeichnung für das Essen (Aschanti) ein — wie es 
scheint, nicht immer mit Recht — ungünstiges Licht wirft. — Wertvoll ist eine 
Schilderung der akademischen Zustände um 1760 in einem von Holstein'"-*) mit- 
geteilten Brief des Professors Michaelis, der einem Franzosen im Interesse seines 
Sohnes Auskunft erteilte. — Einige Notizen über die Giessener Universität enthält 
Naumanns***'*) Schrift. — Zur Geschichte des älteren Unterrichtswesens liefert 
Wehrmann*05) ein paar interessante Beiträge. Aus den teilweise durch Melanch- 
thon vermittelten Verhandlungen Herzog Barnims von Pommern über die Besetzung 
des Rektorats am Pädagogium, jetzt Marienstiftsgymnasium, zu Stettin ergiebt der 
Anspruch, dass der Gesuchte „gelahrt, gottesfürchtig, nicht zänkisch" sei, wofür die 
Gegenleistung in 30 Gulden, freier Wohnung und Unterhalt besteht. — W e h r - 
mann***^) zählt ferner die Mecklenburger Besucher der Anstalt auf (1578 — 1666), 
die für viele die Universität ersetzen musste. — Das noch sehr unsichere Gebiet des 
weiblichen Unterrichts in früherer Zeit berührt die von Rauschenbach *"') ge- 
gebene Nachricht von einer Jungfrauenschule, die nach dem Vorbild der drei 
Fürstenschulen 1555 zu Freiberg gegründet wurde, aber noch im 16. Jh. wieder 
einging. (Vgl. I 6 : 98, 108/9, 153/7.) — 

Einen getreuen Spiegel der Zeitanschauungen pflegt die Handhabung des 
Rechts zu liefern. Unter den geschichtlichen Darstellungen nimmt die durch 
Knapp '*'^) vom Nürnberger Kriminalverfahren gegebene den ersten Rang ein. 
Ein reiches Material hat hier ausgezeichnete Durcharbeitung erfahren und der un- 
erfreuliche Stoff ist durch die Gestaltung anziehend geworden *"•'). — In der Frage 
der Veme erklärt L i n d n e r ' ***), zur Wiederaufnahme des Streits mit Thudichum 
durch die Parteinahme Heuslers für diesen bewogen zu sein, und bekämpft die von 
Thudichum neuerdings (HZ. Bd. 68) für seine Auffassung der Veme als eines von 
Engelbert I. von Köln eingerichteten Inquisitionstribunals vorgebrachten schwachen 
Gründe**'). — Grossist die Zahl der besonders zur Strafrechtspflege veröffentlichten 
Einzelheiten. Mitteilungen von Büchner**^) aus dem Friedberger Malefizbuch 
beziehen sich auf Formalitäten der Rechtsprechung im 17. Jh. "3"***). — Mit der 
Abschaffung der Tortur durch Friedrich den Grossen beschäftigt sich K o s e r "^). 
Er beseitigt die Fabel, dass erst durch ein wahrscheinlich mythisches Ereignis, die 
Folterung eines Unschuldigen, der bereits als Kronprinz abgeneigte Friedrich dazu ver- 
anlasst worden sei. Nachdem er sie schon beim Regierungsantritt auf schwere Fälle 



E. Altmärlcers Mahnbrief: JbAltmärkV, 23, S. 96-101. — 95) Aeltere üniversitätsmatrikeln. II. Greifswald. Aus d. Orig.-Hs. 
unter Mitwirk. v. G. Liebe, E. Theuner, H. Granier, H. t. Petersdorf f her. v. E. Friedländer. 1. Bd. (1456-1645.) 
(= PPSA. N. 52.) L., Hirzel. XXI, 635 S. M. 20,00. (S. u I6:109a; vgl. JBL. 1891 16:122) - 96) H. v. Petersdorff, An- 
haltiner auf d. Univ. Frankfurt a. 0.: MYAnhaltG. 6, S. 221-42. — 97) X W. Zahn, Anhaltiner auf d. Univ. Erfurt: ib. 
S. 218-20. (Vgl. S. 319-22.) — 98) B. Stöbel, Aus d. Vergangenheit d. Univ. Leipzig: NASächsG. 14, S. 1-20. — 99) Inter- 
vention Herzog Wilhelms II. v. JQlich-Berg beim Rat zu Köln vregen d. Studiums d. Söhne Herzogs Johann IV. v. Sachsen- 
Lauenb. 1484: ZBergGV. 19, S. 192. — 100) G. Buchwald, E. Studentenaufruhr in Jena 1660: ZVThürG. 8, S. 203/8. — 
101) W. Richter, Studien u. Quellen z. Paderborner Gesch. 1. Paderborn, Junfermann. IV, 151 S. M. 2,00. — 102; K. 
Knoke, Gesch. d. Freitische an d. Georg-August-Uni v z. Göttingen: ZHVNiedersaohsen. S. 1-164. — 103) H. Holstein, Z. 
Gesch. d. Univ. Göttingen: MagdZgU. N. 41. — 104) K. Naumann, D. Johanneskirche zu Giessen. Mit Abbildd. u. Grund- 
rissen. Festschrift. Giessen, v. Münchow. VUL 104 S. M. 1,00. — 105) M. Wehrmann, Verhandlung mit d. Rektor d. 
Schule in Eisleben, Moritz Heling, wegen Uebernuhrae d. Rektor-Amtes am Pädagogium zu Stettin (1553): MansfelderBlL 7, 
S. 39-52. — 106) id., Mecklenburger auf d. Pädagogium in Stettin: JbbVMecklG. 58, S. 59-72. — 107) L. Rauschenbach, 
D. JuDgfrauenschule zu Freiberg. 16. Jh.: MFreibergAV. 30, S 87-104. — 108) H. Knapp, D. alte Nürnberger Kriminal- 
verfahren bis z. Einführung d. Carolina. Diss. München. 1892 160 S. — 109) X Luerssen, SC. Gesch. d. Reichskammer- 
gerichts während d. Rechtsstillstandes v. Anf. 1690-25. Mai 1693. Vortr.: MüberhessGV. 4, S, 150. — HO) Th. Lindner, 
Veme n. Inquisition. Akad. Progr. Halle. 4". 13 S. — lU) X 0. Gl öde, D. Veme u. Wismars Beziehungen z. Vemgericht: 
ZDU. 7, S. 562,3 - 112) 0. Buchner, D. Friedberger Malefizbuch. Vortr.: MOberhessGV. 4, S. 143;4. — 113) X F. Bischoff, 
Aus d. Feistritzer Herrschaftsprotokoll vom J. 1773: BKSteiermGQ. 25, S. 91. — 114) X H. Jellinghaus, D. Rechts- 
aufzeichnungen in niederdtsch. Sprache: JbVNiederdSpr. 18, S. 71/8. — US) R. Koser, D. Abschaffung d. Tortur durch 



G. Liebe, Kulturg-eschichte. I 4 : iie-ui 

beschränkt hatte, stellte er sich in zwei Kabinetsordres vom J. 1754 entschieden auf den 
Standpunkt, dass bei klarer Beweisführung- das Geständnis unerheblich sei. — Einen 
Vorkämpfer dieser Ansicht führt von Reinhardstöttner^'^) in dem um die Auf- 
klärung- in Bayern verdienten Zaupser vor. — Als ein Beispiel g-emütlicher Justiz 
führt D ist eP''^) die 1710 vom Freiberg-er Gericht an eine Mörderin g-erichtete 
Aufforderung an, das Urteil auf Säcken nicht „unerträglich-* sich vorzustellen. — 
Bossert"^) beschreibt den rohen Prozess gegen das geistig- bedeutende Haupt 
der schwäbischen Täufer, Sattler, zu Rottenburg 1527 ^i*'"''^''). — Ein kürzerer Artikel 
handelt von den Nachahmungen des gerichtlichen Verfahrens, den scherzhaften, wie 
Minnehöfe und Pfänderspiele, und den sinnbildlichen, wie Kanonisation und Toten- 
gerichte ^^o), — 

Von den geistigen Strömungen gewisser Zeiten hat der Humanismus 
der Augsburger Aerzte des 16. Jh. eine Darstellung durch R adl k o f e r^^i^ ej._ 
fahren; die Vermittlung bildete, dass ja auch ihre Wissenschaft auf antiker Ueber- 
lieferung beruhte. — 

Mit Recht hat sich ein wachsendes Interesse der Reiselitteratur zu- 
gewendet, in der sich ein Teil der wechselnden Zeitinteressen wiederspiegelt. Von 
grösstem Werte ist in dieser Hinsicht ein kostbarer Fund im Archiv zu Sonders- 
hausen, dessen baldige Veröffentlichung auf das dringendste zu erwünschen ist. Es ist 
die im Anfang des 17. Jh. abgefasste Hs. des Malteserkomturs Freiherrn Augustin 
von Mörsperg, von der W a g n e r ^22-) Kunde giebt; ihr Inhalt sind die im letzten 
Drittel des 16. Jh. auf Ordensgaleeren gegen die Türken unternommenen Kreuz- 
fahrten des Ritters und die darauf folgenden Reisen in sämtliche Kulturstaaten 
Europas, die mit Scharfblick und Humor seine Eindrücke schildern. — Stein- 
hausen'23) handelt von der Reisesucht des 16. und 17. Jh. und dem Naturgefühl 
auf Reisen. 124-) _ Auf fürstliche Reisen bezieht sich das von dem späteren Pro- 
fessor Gerschow geführte und jetzt durch von Bülow'^s-) besprochene Tagebuch 
eines pommerschen Herzogs — sowie Notizen über das JBegleitpersonal württem- 
bergischer Herrscher ^26). _ Charakteristische Urteile enthalten die von Mangold ^-'') 
benutzten Berichte brandenburgischer Gesandten in Paris (1660 — 71). — 

Als Mittel, geistige Interessen zum Ausdruck zu bringen, machen sich 
V e rein s w es en un d Pres s e^^^) bemerkbar. G 1 1 s c h al d t^29j giebt eine 
Skizze des ehemaligen litterarischen Vereins zu Chemnitz, dessen Anfänge 1807 von 
Handwerkern gelegt wurden '3o-i32) _ 2ur Geschichte der Journalistik *33) sind 
zwei gute Biographien erschienen. Durch Böhmi34j erhalten wir endlich ein auf 
gesichtetem Material beruhendes Leben W'ekhrlins nebst Aufschlüssen über seine 
vielfachen Zeitungsgründungen. — K. von R e i n h ar d s t ö 1 1 ner ^^S) erwähnt in 
seinem Aufsatz über den bayerischen ^ofpoeten M. Etenhueber auch dessen poetische 
Wochenschrift, die in der zweiten Hälfte des vorigen Jh. in München erschien. — 

An Quellen für die Erkenntnis des Gemütslebens der Vergangenheit sind es 
drei, denen neuerdings vermehrte Aufmerksamkeit gewidmet wird, Briefe, Stamm- 
bücher und Kalender. Steinha usen ^36137^ hat einen Nachtrag zu seinem 
bahnbrechenden Werke veröffentlicht in 16 deutschen Frauenbriefen vom Ende des 
15. und Anfang des 16. Jh., die sich gleicherweise durch Natürlichkeit wie Un- 
beholfenheit charakterisieren. — Durch N. Mülle r^^s) erlangen wir Kenntnis von 
einer Anzahl Familienbriefe Hieronymus Baumgärtners, des Nürnberger Staats- 
manns.i39-i40j _ diq Stammbücher haben in dem W^erk der Gebrüder Keil^*') 

Friedrich d. Gr.: FBPG. 6, S. 575-81. — 116) K. v. Eei nhard stöt tner, Andr. Z.iupser: FKLB. 1, S. 121-226. — 117) Th. 
Distel, Tröstung e. Mörderin wegen e. 1710 zuerkannten „nicht unerträglichen" Strafe: MFreibergAV. 30, S. 107. — 118) Gr. 
Bossert, D. Blutgericht in Rottenburg a. N. Barmen, Klein. 16". 33 S. M. 0,10. — 119) X Dtsch. Rechtssitten IV-V. 
(Friede u. Rechtsschutz, Fried- u. Freistätten.): KonsMschr. S. 79-82, 538-41. — 119a) O Eggert, D. ersten Zuchthäuser in 
Württemberg: BBSW. S. 176-84. - 120) Scherzhafte u. sinnbildliche Nachahmungen d. Gerichtsverfahrens: WeserZg. N. 16820/1. 
— 121) M. Radlkofer, D. humanist. Bestrebungen d. Augsburger Aerzte im 16. Jh.: ZHVSchwaben. 20, S. 25-52. — 122) M. 
Wagner, E. dtsch. Malteserritter d 16. .Jh.: PrJbb. 73, S. 484 5 — 123) G. Steinhausen, Beitrr. z. Gesch. d. Reisens: 
Ausland N. 13/6. - 124) X H. Simons feld, Italienisch-dtsch. Reise-Sprachführer aus alter Zeit: ib. N. 27. — 125) Gottf r. 
V. Bülow, Aus d. Reiset;igebuche d. Herzogs Philipp Julius v. Pommorn-Wolgast (1602): JbbVMecWG. 58, S. 73-88. — 
126) Fürstl. Reisen im 18. Jh.: WflrttVjh. 2, S. 222/4 - 127) W. Mangold, Archival. Notizen z. französ. Litt.- n. Kulturgesch. 
d. 17. Jh. Progr. Berlin (Gaertner). 4». 25 S. — 128) X E, Kulke, D. Entwicklungsgesch. d. Meinungen. (L., Reissner. 
VII, 92 S. M. 2,00.): WIDM. 73, S. 142.' - 129) X A. Gottschaldt, Z. Gesch. d. Vereinswesens in Chemnitz fs. u. N. 385, 
S. 88/9). — 130) O S. Göbl, D. erste öffentl. Lesegesellschaft in Würzburg. E. Beitr. z. Gesch. d. Fürstbischofs Franz Ludwig 
V. Erthal: AHVlInterfranken. 36, S. 193-214. (Anf. d. 19. Jh ) - 131) X H. Settegast, D. dtsch. Freimaurerei, ihr Wesen, ihre 
Ziele H. Zukunft. (Vgl. JBL. 1892 I 4:822.): WIDM. 73, S. 287 8. — 132) X J- G. Findel, Schriften über Freimaurerei. 
5. Bd. 2. Auü. L., J. G. Findel. VII, 202 S. M. 4,00. (D, ganze Werk M. 20,0,).) 1|LCBI. S. 1399.]| — 133) O 0. Ger 1 and, 
Kasseler Tagesneuigkeiten aus d. 18. Jh.: Hessenland 7, S. 7/9, 43/5, .58-61, 71/3. — 134) G Böhm, L. Wekhrlin (1739-92). 
E. Publizistenleben d. 18. Jh. Mit 2 Portr. München, Beck. IX, 323 S. M. 5,00. i[PrJbb. 74, S. 386; TglRs». N. 175.1| 
(S u.IV5:513.)— 135)K. v.Reinhardstöttner, D. kurfürstl. bnyer. Hofpoet Matthias Etenhueber: FKLB. 1, S. 1-68. (Dazu 
S 232.) — 136-137) G. Steinhausen, 16 dtsch. Frauenbriefe: ZKultG. 1, S 93-111. - 138) N. Müller, Beitrr. z. Brief- 
wechsel d. älteren Hieron. Baumgärtner u. seiner Familie: MVGNürnberg. 10, S. 241-66. — 139) X H. v. Petersdorff, 
E. Beitr. z. Gesch. d. dtsch. Briefes: KBIWZ. 41, S. 64,'5, 79-81. — 140) X Gesch. d. Briefes: FränkKur. N. 549. (Ausz. aus 
Meyer Konvers.-Lex.) — 141) Rob. u. Rieh. Keil, D. dtsch. Stammbücher d. 16.-19. Jh. Ernst u. Scherz, Weisheit u. 



I 4:142-157 G. Liebe, Kulturg-eschicnte. 

eine ausserordentlich- reichhaltige Sammlung" veranlasst, die allerdings einer Aus- 
beutung zu Grünsten der Kulturgeschichte noch harrt. Stücke aus 600 Stammbüchern, 
nach Universitäten geordnet, sind hier durch 4 Jhh. nach den jeweilig herrschenden 
Zeitströmungen eingeteilt. — 33 Augsburger Stammbücher des 18. Jh. werden von 
Werner ^*'^) genau beschrieben. — Ein gefühlsseliges Stammbuchblatt der Fürstin 
Luise von Anhalt für Sophie Becker, die Begleiterin Elisens von der Recke, hat 
Kindscher 1*3) zum Abdruck gebracht. — Wieviel Anziehendes alten Kalendern zu 
entnehmen ist, lässt die Schrift von UhP**) erkennen, wenn sie auch nicht forschen, 
sondern nur Bekanntes zusammenstellen will. — H o f m i 1 1 e r ^^^) bespricht eine An- 
zahl Augsburger Kalender von 1490 — 1769 hinsichtlich ihrer Abspiegelung der ver- 
schiedenen Zeitinteressen. — Für ein schönes hs. Exemplar in der vatikanischen 
Bibliothek, aus Graz stammend, vermutet Lang^^^) Kepler als den Vf. — 

Der Nationalcharakter des deutschen Volkes in seiner Gesamtheit ist 
Gegenstand mehrerer Untersuchungen geworden. Die von H e i n z elm a n n i'*'^) 
ist warm empfunden und gedankenvoll, zeichnet aber nach einzelnen hervorragenden 
Persönlichkeiten ein Ideal. Ueberdies wird eine ausgeprägte Tendenz in der sehr 
anzweifelbaren Behauptung sichtbar, dass der deutsche Charakter auf das Christen- 
tum angelegt sei. — Einen richtigeren Weg verfolgt G r af f un d e r i*^), wenn er 
deutsche Eigenart in allgemein bezeugten Zügen, hauptsächlich an der Hand litterari- 
scher Denkmäler zu erkennen sucht. — Tiefer hat R. M. M e y e r i*^) dieses Prinzip 
erfasst. Er verfolgt die Züge des germanischen Nationalcharakters in den Sprach- 
gesetzen, den mythischen Erscheinungen, der Poesie nach Form und Stoffen, der 
Wahl der Heroen, der geschichtlichen Entwicklung, in Kunst und Volkstum, fremdem 
und eigenem Urteil. Geistvoll weist er dabei die Wiederkehr desselben Elements 
nach in der sprachlichen Antithese, dem psychologischen Konflikt der Poesie, dem 
Gegensatz zwischen Individuum und Unterordnung in der Geschichte. — Der Be- 
urteilung eines einzelnen Stammes widmet von Criegern i^o) die geschmackvolle 
Zusammenstellung von einer Fülle litterarischer Stimmen der verschiedensten Zeiten 
über das heutige Königreich Sachsen.— E h r en b e r g ^^i) entrollt auf Grund sorg- 
fältiger Forschungen das überaus anziehende Bild einer Persönlichkeit, die in ihrem 
schwindelnd raschen Aufsteigen, ihrem vielfach rätselhaften Charakter bezeichnend 
ist für die bewegte Zeit, die der Kraft und dem Selbstvertrauen ungeahnte Bahnen 
erschloss. Es ist der 1546 gestorbene Nürnberger Kleberg', der Geldmann Franz L, 
der in der Heimat bitter angefeindet, in Lyon durch seine wohlthätigen Stiftungen als 
„der gute Deutsche" fortlebt. Auffällig wirkt schon die Betrachtung seines 
durchaus modernen Kopfes. ^^^^ — Unter den einzelnen Seiten eines Volkscharakters 
ist die für seine Lebenskraft entscheidende das Nationalgefühl. Ihm, das in Deutsch- 
land zeitweilig nur zu sehr zurücktrat, dessen Wert jetzt mit Recht schärfer betont 
wird, hat auch die Forschung Aufmerksamkeit gewidmet. Es bildet den Gegenstand 
eines auf breitester Grundlage aufgebauten Werkes von S c h u 1 1 h ei s s'^^-)^ dessen 
erster Band bis zum Interregnum reicht. Umfassende Kenntnisse sind hier zu ge- 
dankenreicher Beleuchtung der Entwicklung verwendet worden, nur vielleicht etwas 
weit ausgesponnen für den weiteren Kreis, der dem Werke zu wünschen ist. — 
N i t z s c h i''*) beschränkt sich zeitlich auf die Periode von Klopstock bis zu den 
Freiheitskriegen, stofflich auf die Dichterwerke, während gerade die Kenntnis der 
Volksstimmung von Wert wäre. — Mehrfach sind Einzelheiten zur Erläuterung des 
Themas geeignet. So die in Freiburg i./Ü. seit der Aufnahme in die Eidgenossen- 
schaft 1481 auftretende energische Reaktion gegen das vordringende Franzosentum, 
die S t r e i t b e r g 1^^) schildert. — Kühn^^^) giebt einen Auszug aus Zwiedinecks 
Buch als Beweis, dass deutsches Nationalbewusstsein auch in den traurigsten Zeiten 
nicht erstorben war. — Guglia^^''), der dem abfälligen Urteil über die deutschen 
Reichsstädte im vorigen Jh. entgegentreten will, hebt hervor, dass bei der überall 



Schwank in Orig.-Mitteilunffen z. dtsch. Ktiltnrgesch. B., Grofe. VUI, 337 S. M. 6,00. |[FränlfKur. N. 605; ZKuUG. 1, 
S.256/9.]| iS.u I 5:809; IUI: 105;IV la:21.)-142) L. Werner, Angsl). Stammbücher: ZHVSchwiibcn. 20, S. 53-92. — 143) F. 
Kindscher, E. Stammlwchbl v. Fürstin Ltiise v. Anhalt (1784): MVAnhaltG. 6, S. 4624. - 144) W. Uhl, Unser Kalender 
in seiner Entwicltlung v. d. ältesten Anfängen bis heute. Paderborn, Schöningh. 12". VIII, 165 S. M. 1.40. |[ZKultG. 1, S. 335.J| 

— 145) J. llofmiller, Augsb. Kalender aus 4. Jhh.: Sammler^. N. 48, 50. — 146) F. Lang, E. Grazer Kalender für d. 
J. 1594 in d. valiV. Bibl.: MHVSteierraarlt. 41, 8.281/4. — 147) Heinzelmann, Ueber d. dtsch. Volkscharakter. Vortr. Aus 
JbbAkErfurt. Erfurt, Villoret. 37 S. M. 0,60. — 148) P. Graffunder, D. dtsch. Nationalcharakter in altdtsch. Dichtungen. 
Füratenwalde, Geelhar. 40 S. M. 0,75. (Vgl. I 1:14.) — 149) R. M. Meyer, D. gevnian. Nationalcharakter: ML. 62, S. 235/7, 
284/5, 300/:}, 316/8, 365,6, 4.59-61. — 150) H. v. Criegern, D. Sachse in Gesch. u. Dichtung. L., Spamer. 1892. 106 S. 
M. 1,50. — 151) R-Ehrenberg, Hans Kleberg, d „gute Deutsche", sein Leben u. sein Charakter: MVGNürnberg. 10, S. 1-51. — 
152) O G. Steinhausen, Lebensideale mittlerer Zeiten: VossZg'*. N. 14/5. — 153) F. G. Schiiltheiss, Gesch. d. dtsch. 
Nationalgefühls. E. hist.-psycholog. Darstellung. I. V. d. Urzeit bis z. Interregnum. München, Franz. VlII, 296 S. M. 6,00. 

— 154) F. Nitzsch, Z. Gesch. d. Entwicklung d. dtsch. Nationalbewusstseins besonders im 18. Jh.: N&S. 66, S. 229-39. — 
155) W. Streitberg, Z. Gesch. d. Deutschtums in d. Westschweiz: AZg". N. 71, 86. — 156) A. Kühn, Stimmen dtsch. Ge- 
sinnung aus dunklen Tagen: TglRs". N. 140. (Nach t. Zwiedineck-Südenhorst, D. öffentl. Meinung in Deutschland im Zeitalter 
Jjudwigs XIV. [1650-1700].) — 157) B- Guglia, Z. Gesch. einiger Reichsstädte in den letzten Zeiten d. Reichs. Progr. Wien 



Gr. Liebe, Kulturgeschichte. I 4 : i58-i87 

bemerkbaren, durch steig-ende materielle Lasten hervorg-erufenen Bewegung' sich nie 
eine Kundg-ebung der Abneig-ung gegen die Organisation des Reiches finde. — 
Die Beschreibung eines Augenzeugen t^*) lässt die Gewalt des nationalen Ge- 
dankens auf dem Leipziger Turnfest 1863 erkennen. — 

Das religiöse Element im Volksleben behandelt ein Artikel, der die 
Bedeutung einzelner Heiliger als Weinpatrone erklärt. ^^^ ^^^) — 

In der richtigen Anschauung, dass der Humor vor allem ein Bild des 
Volkscharakters gebe, hat M üll er-Caseno v^^^) eine äusserst geschickte Aus- 
wahl aus deutschen Humoristen in englischer Uebersetzung veranstaltet. Der Zweck 
entschuldigt, dass vor dem 18. Jh. nur drei aufgenommen sind. Die dann folgende 
Sammlung ist reich und von gutem Urteil geleitet; es finden sich nicht nur Jean 
Paul und Reuter, auch Volkmann und Rosegger. Ausstattung und Illustrationen 
sind des anmutigen Werkes würdig. — Von einer wenig liebenswürdigen Seite, die 
allerdings wesentlich lokal-berlinisch ist, zeigt L o t h a r i^*) den Volkswitz. ^^^) — 

Es erübrigen einige Arbeiten, die die Beurteilung verschiedener Kultur- 
fragen zum Gegenstand haben. Von ebenso umfassender Sachkenntnis wie geist- 
voller Verarbeitung zeugt Del b r ück s •^^) Beantwortung der Frage nach der 
guten alten Zeit. An der Hand gleichzeitiger Zeugnisse rückwärts schreitend bis in 
die Antike verfolgt er den Gedanken, wie jeder Periode die Ueberzeugung von der 
eigenen Schlechtigkeit eigen war. — Steinhause n i^') giebt nach zeitgenössischen 
Stimmen eine Schilderung der Gunstbuhlerei, die ein Symptom des auf das äusser- 
liche gerichteten Sinnes im 17. Jh. bildete. ~ Ein Beispiel von Volksrache ist das 
von Gädcke>68) vorgelegte Spottlied, das 1738 auf den Kriegs- und Steuerrat Titius 
verfasst wurde, der sich durch seine Verwaltung unliebsam gemacht und des Amtes 
entsetzt durch Selbstmord geendet hatte, i^**) — Die Urteile hervorragender Männer 
über die deutsche Trunkneigung, die B o d e i'*^) zusammenstellt, gehören meist der 
Gegenwart an; Kawerau'''') berücksichtigt hauptsächlich den von den Magde- 
burger Predigern dagegen geführten Feldzug. ^'''■^) — Einen Beitrag zu den wechseln- 
den Geschmacksrichtungen giebt ein flüchtiger Artikel über die Modeblumen seit 
dem 17 Jh.'^-i^ß) — 

Aberglaube und Verbrechen. Wenden wir uns den Nachtseiten 
geistiger Entwicklung zu, dem Aberglauben und den Verbrechen, so ist neben einer 
Besprechung von Stracks i'-'^'^'*) Buch über den Blutaberglauben und den Beschrei- 
bungen einiger Hexenprozesse (s. u. I 5 : 113/5), die nur die bekannten traurig- 
widerlichen Einzelheiten bieten^'^-'^i)^ eine Veröffentlichung von Jacob s^^^) hervor- 
zuheben. Ein Flugblatt von 1530 erzählt die ekstatische Vision eines Mädchens aus 
Wasserleben am Harz ; den Inhalt bildet die Befreiung der dortigen Evangelischen 
von der gewaltsamen Gegenreformation. — Es sei hier der Bestrebungen gedacht, 
welche für das Bestehen einer unbewiesenen Naturwissenschaft eintreten und den 
Spiritismus für notwendig zur Erklärung des Zwischengebiets von zwei Welten 
halten. Kiese w et t er i*^ 184^ ist j^ dieser Hinsicht unermüdlich thätig.'*^) — Für 
das Gebiet des Verbrechens giebt Kohut^^^) eine unerfreuliche Zusammenstellung 
der berüchtigtsten Giftmischerinnen — was er unter „berühmten" versteht, ist unklar. 
Er bezweckt zu zeigen, dass diese Manie in der verderbhchen Wirkung von Perioden 
der Ueberkultur, wie es die römische Kaiserzeit, die Renaissance, die Epoche Lud- 
wigs XIV., die Neuzeit waren, auf überreizte Nerven ihren Ursprung hat. — Eine 
Plauderei orientiert über die Helfershelfer der Falschspieler'*'). — 

Sociale Entwicklung, Gesellsch aft und Stände. AufdemGebiet 
der socialen Entwicklung sind es zwei Stände, an deren Umgestaltung die Ent- 



(L., Fock.) 62 S. M. 1,20. — 158) Vor 30 J. Erinnerung e. alten Turners im Reichslande: StrassbPost. N. 224. — 159) D. 
Schutzheiligen d. Winzer u. Weinbauern: ib. N. 204. - 160) X D- Marienkultus in den Alpen: AELKZ. 26, S. 818 9. — 
161) X D- Religion im Volksleben d. Franzosen, Russen u. Deutschen: KM. 12, S. 550/7. — 162» O F. Blanckmeister, D. 
Sachs. Busstage. (= Kultnrbilder aus 4 Jhh. N. 3.) L., Fr. Richter. 22 S. M. 0,30. — 163) H. Müller-Caseno v, The 
Huraour of Germany, select. and transl., with illustr. London, Scott. 1892. 437 S. Sh. 3/6. — 164) R- Lothar, D. Volks- 
witz als Anatom: VolksZg. N. 54. — 165) O F y. Salpius, Kleinstädter Typen in Altertum u. Neuzeit: DBahneng. S. 326 7, 
3423. - 166) H. Delbrück, D. gute alte Zeit: PrJbb. 71, S. 1-28. — 167) G. Steinhausen, Strebertum vor 200 J.: 
MagdZgi«. N. 27. — 168) Öädcke, E. Spottgedicht aus Salzwedel v. J. 1738: JbAltmärkV. 23, S. 120/4. — 169) X H. 
Sohnrey, D. volkstüml. Behandlung d. Eides: TglRs». N. 1/2. — 170) W. Bode, Dtsch. Worte über dtsch. Trinken: MagdZg». 
N. 32. — 171) W. Kawerau, Z. Trinklitt. d. 16. Jh.: ib. N. 412. — 172) X W. Brehmer, Vogelschutz: MVLübG. S. 41/2. 
(Ende 15. Jh.) — 173) D. Mode in d. Blumenwelt: StrassbPost. N. 314. — 174) X D>e besten Bücher: DDichtung 14, S. 296/7. 
— 175) X D.Dichtung u. d. Briefpapier: ib. 13, S. 225 6. — 176) X M. Kaiser, D. Ring u. seine Symbolik: SchorersFamilienbl. 
S. 776 9. - 177-178) H. Strack, D. Blutaberglaube in d. Menschheit, Blutmorde, Blutritus (vgl. JBL. 1892 I 4 : 178): MHL. 21, 
S. 373 4. - 179) X A. V. Jak seh, E. Hexenprozess in Paternion 1662: Carinthia 83, S. 9-18. — 180) X W". Brehmer, 
Lnheckische Hesenprozesse im 17. Jh.: MVLübG. S. 33-40. — 181) XRHassenkamp, E. Ostrowoer Hexenprozess 1719: 
ZHGPosen. 8, S. 223.8. — 182) E. Jacobs, Aus trübster Drtngsalszeit, Aug. 1630: ZHarzV. 26, S. 430/5. — 183) C. Kiese- 
wetter, D. Entwicklungsgesch. d. Spiritismus v. d. Urzeit bis z. Gegenwart. Vortr. L., Spohr. III, 50 S. M. 1,20. — 
184) id., Mesmers Leben u. Lehre. Kebst e. Vorgeschichte d. Mesmerismus, Hypnotismus u. Somnambulismus, ib. 180 S. 
M. 3,00. — 185) X ^- du Prel, Z. Gesch. d. Ocoultismus: AZg». N. 111. — 186) A. Kohut, Berühmte u. berüchtigte Gift- 
mischerinnen. Mit Vorw. V. F. Friedmann. B., Bibliogr. Bür. X, 184 S. M. 2,50. — 187) Signor Domino, Aus d. Zunft d. 



I 1 : 188-206 G. Liebe, Kulturgeschichte. 

stehung- des modernen Staatsbegriffes sich verfolg-en lässt, das Beamtentum und das 
Militär. Beiden sind ausg-ezeichnete Arbeiten g'ewidmet worden. Krusch'**) g-iebt 
zu der so notwendig-en wie unbekannten Geschichte des Beamtenwesens einen lehr- 
reichen Beitrag- in der Entwicklung- der braunschweig-ischen Centralbehörden; den 
Ueberg-ang- zu modernen Maximen bezeichnet die Bestellung- des ersten weltlichen 
Kanzlers 1503. — Auf militärischem Gebiet verfolg't von Minckwitz '^9) die Leib- 
wache der sächsischen Kurfürsten durch verschiedene Stufen von dem reisig-en Hof- 
g-esinde des 16. Jh. bis zur Trabantenleibg-arde bei Errichtung eines stehenden Heeres 
durch Johann Georg- III., aus der das im russischen Feldzug zu Grunde gerichtete 
Regiment Garde du Corps hervorging '^*^). — Baltzer^^*), der auf dem Gebiet 
älteren deutschen Kriegswesens bewährte Autor, bringt eine kurze, aber überaus 
reichhaltige und durchgearbeitete Skizze über das Kriegswesen Danzigs im späteren 
Mittelalter, hauptsächlich gestützt auf das eigenartige Material der von Feldhaupt- 
leuten eingereichten Berichte; über Wehrpflicht, Truppengattungen, Waffen, Ver- 
pflegung ergeben sich wertvolle Aufschlüsse. — Der getreue Abdruck der Kriegs- 
artikel ^^^l Herzog Johann Wilhelms von Sachsen gewährt einen Einblick in die 
Disciplin zu Ende des 17. Jh. ^^^). — Ein ruhmvolles Blatt in der Kriegsgeschichte 
deutschen Bürgertums bilden die Leistungen der aus der mittelalterlichen Stadtwehr 
hervorgegangenen Kolberger Bürgergrenadiere "'^), die aus Anerkennung als uni- 
formierte Truppen bis in die sechziger Jahre erhalten blieben. — Aus der neueren 
Organisationsgeschichte ist von Interesse, dass 1813 ein Pionierbataillon aus Mans- 
felder Bergleuten i^^) gebildet wurde i^^). — 

Wirtschaftliche Entwicklung. Der jungen Wissenschaft der 
Wirtschaftsgeschichte ist das Glück zu teil geworden, dass sich unter ihren 
Vorkämpfern ein Forscher findet, der Fülle des Wissens mit einer Tiefe der Intuition 
vereinigt, wie es nur den grössten unter den Historikern eigen war. Welcher Seite des 
Kulturlebens man sich auch heute zuwendet, man wird L a m p r e cht s '^tj ^eju^jjg. 
einholen müssen. So sei auch hier seiner Darlegung der wirtschaftlichen Wandlung 
vom 14.— 16. Jh. gedacht, wenn sie auch erst im Zusammenhange seines grossen 
W^erkes zu betrachten sein wird. - Die Aufgaben der Wirtschaftsgeschichte unter- 
wirft Sommerlad^ö*) gedankenvoller Betrachtung, aus der sich ihre Verbindung von 
Geschichte und Nationalökonomie ergiebt, doch unterschätzt er die Urkunden gegen- 
über den Schriftstellern.'^**) — Eine überaus wertvolle Quelle ist durch Loh- 
meyers '^^"■) Veröffentlichung des Haushaltungsbuches Kaspars von Nostiz erschlossen, 
das, von einer lichtvollen Einleitung unterstützt, seine Verdienste für die Bewirt- 
schaftung des vielfach noch nicht urbar gemachten Fürstenturas Preussen in helles 
Licht setzt. — Klar und gründlich erörtert Adler ^o**) die Bedeutung der städtischen 
Massnahmen am Ausgang des Mittelalters zur Schaffung objektiver Preise in ihrer 
Bedeutung für die Wohlfahrt der Gesamtheit. Sie waren durch das genossenschaft- 
liche Monopol der Zünfte bedingt, zumal auf dem gefährlichen Gebiet, wo dem 
starken Fleischkonsum auch der unteren Klassen kein Fortschritt der Viehzucht 
entsprach. — 

Kleinere Beiträge betreffen die landesherrliche wie private Agrar- 
geschichte^o' 202-) __ j)gj, landwirtschaftliche Betriebeines Dorfes im letzten Drittel 
des vorigen Jh. erfährt klare Beleuchtung durch die vom Pfarrer 203^ in Räbke aus- 
gefüllten Fragebogen 204-205) — Einen Einblick in einen grösseren Betrieb für die Zeit 
vom Ende des 16. bis Anfang des 19. Jh. gewährt die Fortsetzung der Arbeit von 
Habs 206), die ein noch unsicheres Kapitel, die Geschichte der bäuerlichen Lasten 



Falschspieler: Didask. N. 144. — 1881 B. Krusch, D. Entwicklung d. Herzosrl. Braunschweig. Centralbehörden, Kanzlei, Hof- 
gericht u. Konsistorium bis Z..T.1584: ZHVNiedorsachsen. S. 201-315. —189) A. v. Minckwitz, D. kurfürstl. Leibwachen zn Ross 
bis z. Errichtung d. stehenden Heeres. Aus d. Nachlass her. v. v. Schimpf f: NASächsG. 14, S. 177-210. — 190) X J- 
Pohl er, Bibliotheca historico-militaris. Systeraat. Uebersicht d. Erscheinungen aller Sprachen auf d. Gebiet d. Geschichte 
d. Kriege n. Kriegswissenschaft. Bd. 3. Lfg. 2. Kassel, Kesisler. S. 61-344. M. 9,00. — 191) M. Baltzer, Z. Gesch. d. 
Danziger Kriegswesens im 14. u. 15 Jh. Progr. Danzig (A. Müller). 4». 33 S. |[RCr. 36, S. 189-90; GGA. S. 465-72.]] — 
192) Fürstlich Sächsisch Eisenachisch Kriegsrecht oder Articuls-Brieff. Eisenach, Kahle. 30 S. M. 0,75. (vgl. IUI.) — 193) X 
S. Frey, Landsknechte: Didask. N. 211. — 194) Preuss. Bürgergrenadiere: ib. N. 244. — 195) E. Blume 1, D. Zusammen- 
bruch d. französ.-westfäl. Fremdherrschaft im Mansfelder Lande: MansfelderBll. 7, S. 71-92. -- 196) X ^' Krippenstapel, 
D. preuss. Husaren v. d. ältesten Zeiten bis z. Gegenw. (Titelaufl.) B., Harrwitz. 4". XVI, 197 S. M. 7,50. (1. Aufl. 1883.) 

— 197) K. Lam precht, Z. Verständnis d. Wirtschaft), u. soc. Wandlungen in Deutschland v. 14. bis z. 16. Jh.: ZSocWirtschG. 1, 
S. 191-263. (Vgl. ütsch. Gesch. Bd. 5, Kap. 2.) — 198) Th. Sommerlad, Ueber Wesen u. Aufgaben d. Wirtschaftsgesch. 
Antrittsvorles. Halle (Kämmerer). 31 S. (|ZKultG. 1, S. 472.] | — 199) O K. Bücher, D. Entstehung d. Volkswirtschaft. 
6 Vortrr. Tübingen, Laupp. 304 S. M. 4,00. |[G. Schmoller: JbGesetzgebung. 17, S. 1289-1306.]] (Vgl. I 3 : 154.) - 199a) K. 
Lohmeyer, Kiispars v. Nostiz Haushaltungsbuch d. Fürstentums Preussen 1.578. L., Duncker & Humblot. LXXX,420S. M. 10,00. 

— 200) G. Adler, D Fleischteuerungspolitik d. dtsch. Städte beim Ausgang d. MA Tübingen, Laupp. VIII, 125 S. M. 2,40. — 
201^ X E- T. Meyer. Verzeichnis d. auf Schloss Grimmenstein bei seiner Uebergabe 1567 vorhandenen Vorräte: ZVThOrG. 8, 
S. 209-10. — 202) X E. Hack, Begräbniskostenrechnung d. Joachim Wulff 1669: ZVLübG. S. 7Ü/6. - 203) K. B., D. land- 
wirtschaftl. Betrieb im brannschweig. Dorfe Räbke vor 118 J.: MagdZg". N. 35/7. — 204) X R- Mielke, Aus d. Gesch. d. 
dtsch. Bauern : Bär 19, S. 728-30. — 205) X •'• Schwendiraann, D. Bauernstand d. Kantons Luzern ehemals u. heute. Luzern, 
Gebr. Räber & Co. XV, 206 S. M. 2,40. J|KathSchwBll. 9, 8. 448.]| — 206) R. Habs, Z. Gesch. d. Frondienste am Südharz. II.: 



G. Liebe, Kulturg-eschichte. I 4 : 207-244 

aufklären helfen will.2o^~208j — Einen lehrreichen Ueberblick der Entwicklung* eines 
grösseren Forsthaushalts erhalten wir durch von Cube^*^^}. Darnach beg-ann erst 
Mitte des 16. Jh. die bewusste ökonomische Verwertung-; bis Mitte des 18. Jh. blieb 
die Jag-dnutzung- das massg-ebende Interesse, ^lo) — 

Das noch so unsichere Gebiet der älteren Bevölkerungs-Statistik hat 
eifrigen Anbau gefunden. Für Mecklenburg" giebt Stuhr^H) eine sorgfältig-e Be- 
rechnung" auf Grund der in den letzten Jahren des 15. Jh. eing"esammelten Kaiser- 
bede. — Wolffs^'^^ auf der Grundlag"e kartographischer Darstellung- entworfenes 
Bild der Bevölkerung"sverteilung" im Harz nach Höhenstufen lässt die Abhängigkeit 
menschlicher Siedelungen von der Oberflächengestaltung hervortreten. — Jacobs^is) 
gründliche Untersuchung giebt ein anziehendes Bild vom Wechsel der Bevölkerung 
selbst in der kleinen Ackerbürgerstadt Wernigerode und deckt Verkehrsbeziehungen 
zu den verschiedensten Gegenden auf. — Auch das kleine Butzbach in der Wetterau 
hat Otto 2^^) Anlass zu einer exakten statistischen Untersuchung im Anschluss an 
Bücher gegeben.2i5-2i8j — 

Auf dem Gebiet der Industrie und des Gewerbes hat eine Anzahl von 
Grossbetrieben lehrreiche Darstellung gefunden. Münch^i^) schildert die Erzgruben 
und Hammerwerke am Oberrhein in ihrem genossenschaftlichen Betriebe, wie ihn 
Inama in Churrätien zuerst nachweist.^^O) — Jung-'^^) orientiert über die Anfänge 
der zuerst für Frankfurt in Aussicht genommenen Hanauer Fayence-Fabrik im 17. Jh. 

— S t i e d a222) erörtert, wie Mecklenburg seit Mitte des 18. Jh. nach Preussens Vorgang 
um Schaffung einer Seidenindustrie- bemüht war. 223-224-) — d[q zünftige Organisation 
derselben im mittelalterlichen Köln ist Gegenstand der noch in der Fortsetzung be- 
griffenen Arbeit von D ahmen 225^. — Dass die Produkte der Chemnitzer Papier- 
fabrikation nicht über das 17. Jh. zurückgehen, weist Kirchner 226^ nach aus den 
Wasserzeichen in den Papieren des Ratsarchivs. — Einen Einblick in die Ent- 
wicklung der Baum Wollenfabrikation im Voigtland gewährt Höffers22'J) Wieder- 
abdruck einer kurzen geschichtlichen Darstellung von 1720.228-229a^ _ ^[^ Kapitel 
aus der Organisation des Handwerks behandelt Chrn. Meyer230) in einer Ueber- 
sicht der bisher gewonnenen Resultate über die Gesellen verbände, die aus der Oppo- 
sition gegen die Meister erwachsen, mit der Depression des Handwerks seit dem 16. Jh. 
an Bedeutung verloren,, endlich der landesherrlichen Polizei erlagen. Der Vergleich 
mit dem vierten Stande ist durchaus abz u weisen. 23 1-233-) _ ym kunstgewerblichen 
Einzelheiten beschäftigt sich eine Anzahl Monographien. 234-240j — 

Auf dem Gebiet der Technik und der Erfind ungen24i^ bietet 

C. Müll er 242^ eine Entwicklung der verschiedenen Methoden der Feuerentzündung 
bis zu den 1833 zuerst aufgetauchten Zündhölzchen.243^ _ Eine kurze Geschichte 
der seit 1495 zu Freiberg, seit 1791 in der Familie Gerlach (s. 0. I 3 : 77/8) befindlichen 
Buchdruckerei veröffentlicht K a d e.^^*) — 

ZHar^V. 26, S. 1—141. — 207) X H. Sander, Einige Aktenstücke z. Gesch. Vorarlbergs im Zeitalter d. dtsch. Bauernkrieges. 
Innsbruck, Wagner. 26 S. M. 0,50. — 208) X C Schumann, Nachtr. zu d. Flur- oder Koppelnamen d. Lübecker Staatsgebiets. 
Progr. Lübeck, Borchers. 4". 8 8. — 209) M. v. Cube, Z Gesch d. fürstl. Stolbergischen Forsten zu Wernigerode. Diss. 
Halle a. S. 76 S. — 210) X J- Hamm, Forstgeschichtliches aus d. Nellenbnrgischen: Alemannia 21, S. 70-93, 277-91. (Aeltere 
Forstordnungen.) — 211) F. Stuhr, D. Bevölkerung Mecklenburgs ara Ausgang d. MA.: JbbVMecklG. 58, S. 232-78. — 212) H. 
Wolff, 0. Bevölkerung im Harz. Diss. Halle a. S. 36 S. 1 Karte. — 213) Ed. Jacobs, D. Bewegung d. Bevölkerung v. 
Wernigerode. (= Festschrift z 25j. Gedenkfeier d. Harzvereins. Her. v. Ed. Jacobs. [Quedlinburg, H. C. Huch. 4°. III, 155 S. 
M. 6,00.] S. 11-80.) — 214) E. Otto, D. Bevölkerung d. Stadt Butzbach (in d. Wetterau) während d. MA. Darmstadt, Berg- 
strässer. X, 103 S. M. 2,00. — 215) X Th. Distel , Ber. d. Freiberger Rats an d. Landesregierung über d. Opfer d. Pest 1572; 
MFreibergAV. 30, S. 105/6. — 216) X M. Dittraar, D. Bewohner d. Neuen Marktes in Magdeburg unmittelbar vor d. Zer- 
störung 1631: GBUMagdebnrg. 28, S. 361-429. — 217) X S. D. F. Detlefsen, E. Namensverzeichnis v. Itzehoer Einwohnern: 
ZSchlH. 23, S. 237-50. — 218) X S. Daszy nska: D. Bevölkerung v. Zürich im 17. Jh. B. Beitr. z. bist. Statistik. Diss. Zürich. 
1891. 4^ 47 S — 219) A. Münch, D. Erzgruben u. Hammerwerke in Frickthal u. am Oberrhein: Argovia 24, S. 20-84. — 
220) X C. Neuburg, Goslars Bergbau bis 1552. Hannover, Hahn. 1892. IX, 365 S. M. 6,00. |[GGA. S. 313-32; LCBl. S. 598/9.]| 

— 221) R. Jung, D.Anfänge d. Porzellanfabrikation in Frankfurt a.M.: AFrankfG.4, S. 367-74. — 222) W. Stieda, Versuche 
z. Einbürgerung d. Seidenindustrie u. d. Seidenbaus in Mecklenburg: JbbVMecklG. 58, S. 101-25. — 223) X Schmoller n. Hintze, 

D. preuss. Seidenindustrie im 18. Jh. (Vgl. JBL. 1892 I 4 : 454; IV 1 b : 67 ) |[PrJbb. 73, S. 553-61; MHL. 21, S. 26S-75.]| — 
224) X D Gesch. d. preuss. Seidenindustrie im 18. Jh.: Bär 19, S. 100/3, 116/9, 129-31, 140/2. — 225) J. Dahmen, Beitrr. 
z. Gesch. d. Kölner Seidamtes. I. Progr. Köln. 4". 10 S. — 226) C. Kirchner, D. Papierfabrikation in Chemnitz 
(=N. 385, S. 1-56). — 227) K. Hoff er. Versuch e. Gesch. d. Baumwollenwaren-Manufaktur im voigtländ. Kreis 1550-1790: 
MAVPlauen.9, S. 1-56. — 228) O E. Struve, D. Entwicklung d. bayer. Braugewerbes im 19. Jh. (= Staats- u. sooialwiss. 
Forschungen. Her. v. G. Schmoller. N. 51.) L., Dnncker & Humblot. X, 291 S. M. 6,00. — 229) O W. Hieke, Litt. z. Gesch. 
d. Industrie in Böhmen bis z. J 1850: MVGDBß. 31, S. 66/9. — 229a) X H. Gerlach. D. Gold- u. Silber-Manufaktur v. Thiele 
u. Steinert in Freiberg. Gesch. Mitteilung z. 200j. Jubil. d. Geschäfts: MFreibergAV. 29, S. 53-64. - 230) Chrn. Meyer, Z. 
Gesch. d. dtsch Gesellen- Verbände: WPG. 4, S. 177-207. - 231) X A.. Lauckner. D. Innungs-Artikel d. Sähmisch- u. Weiss- 
gerber-Handwerks V. 1661 (= s. u. N. 385, S. 84/7). - 232) X Aus d. alten Zunftzeit (1825): MVLübG. S. 53/9. — 233) X P- 
Bellardi, Aus d. Innungsleben d. guten alten Zeit: Bär 19, S. 235/6. — 234) O Th. Haoh, Z. Geschichte d. Lübeck. Gold- 
schraiedeknnst. Lübeck, Nöhring. 43 S. M. 1,00. - 235) X J- Biernatzky, E. Brief d. Lübecker Rotgiessers Laurentz Strahl- 
korn: MVLübG. S. 40/1. — 236) X H. Loersch u. Rosenberg (Aachen), D. Aachener Goldschmiede; ZAachenGV. 15, S. 63-86. 

— 237) X W. Boeheim, D. Waffenschmiede Mailands im 15. u. 16. Jh.: AMZg. 68, S. 36/9. — 238) X W. v. Seidlitz, Die 
Meissener Manufaktur : JPrK. 14, S. 135 9. — 238 a)XRStettiner, Vincennes u. Sfevres : ib. S. 140-57. — 239) XK. Lüders, 
D. Berliner Manufaktur: ib. S. 220-31. — 240) X^Hann, D. Fastentuch in d. Kirche zu Milstat: Carinthia 83, S. 73-80. — 
241) X E. V. Hartmann, Fortschritte d. Technik: Geg. 43, S. 385 7. — 242) C. Müller, Feuer u. Feuerzeuge: MagdZg». 
N. 44/5. — 243) X M. Weinberg, Z. Säkularfeier d. Erfinders d. Schiffsschraube: IllZg. 101, S. 41/2. — 244) R. Kade, Gesch. 

Jahresberichte für neuere deutsche Litteraturgeschichte. IV. 7 



I 4:245-274 Gr. Liebe, Kulturgeschichte. 

Mit dem Handel beschäftig-t sich im allg-emeinen eine kurze Zusammen- 
stellung- der Geg-enstände und der Richtung-en von Hiibler^^ü)^ bei der das Mittel- 
alter zu kurz g-ekommen ist. — Dem sporadisch auftretenden Amt des Hansg-rafen, 
der, im Mittelalter Vorsteher einer Kaufmannsg-enossenschaft, sich in der Neuzeit als 
Gewerbe- und Verkehrspolizei erhielt, widmet Koehne^^e^ zum ersten Mal eine 
zusammenfassende Untersuchung-. — Einzelforschung-en sind meist der Hansa ^^'J) 
zug-ewendet, deren Publikationen nach Abschluss der 2. Abteilung- in 18 Bänden 
mit einer Unterbrechung- die Zeit von 1256—1503 umfassen.^^Sj — Ueber Danzig-s 
Schiffs- und Warenverkehr g-iebt Lauffer^^^) auf Grund zweier Zollrollen vom 
Ende des 15. Jh. Aufschluss. Danach betraf die Einfuhr des bis auf 700 steigenden 
Schiffsverkehrs hauptsächlich englische Laken, französisches Baisalz, Eisen und Pferde 
aus vSchweden, die Ausfuhr Getreide und Holz polnischer Herkunft. — Stieda^^") 
schildert die Massregeln des Rostocker Rates wegen Ein- und Ausfuhr von Tonnen 
im 17. Jh., die damals für die Brauerei wichtig waren wie zur Hansezeit wegen der 
Heringe. — Behandelt Rauprich-^') Breslaus vergebliche Verteidigung des mono- 
polistischen Rechts der Niederlage gegen die Emanzipationsbestrebungen des polnischen 
Handels Anfang 16. Jh., so Frege^^^^ die Bemühungen Friedrichs des Grossen, den 
Erwerb Schlesiens nutzbar zu machen durch Beförderung der Oderschiffahrt, be- 
sonders durch Beseitigung des Stapelreohts.-^^'^ss^ — 

Aeussere Kultur. Engeren Lebenskreisen uns zuwendend sehen wir, 
wie des Deutschen Wohnung sowohl in allgemeinen, mehr das Typische, Malerische 
berücksichtigenden Schilderungen ^'''^"257^^ ^ie jjj Monographien ^■"'^^^eo^ Behandlung 

gefunden hat. — Die Abstammung der Bevölkerung der Provinz Sachsen nach der 
Bauart der Häuser erörtert Re i sc h e l.^^*) — 

Trachten sind immer ein beliebter Gegenstand für Prachtwerke 262-263^. 
das Hervorragendste seit langer Zeit ist die Veröffentlichung des Grafen zu 1 n n- 
und K ny phausen263a^ Sie betrifft die von seinem Vorfahren weiblicher Linie, dem 
Häuptling Unico Manninga, vor vierthalbhundert Jahren in seinem Hausbuch ge- 
sammelten Abbildungen. Bei dem Mangel zuverlässiger Wiedergaben von Volks- 
trachten selbst in neuerer Zeit ist dieses erste deutsche Trachten buch von besonderem 
Wert. "— Das periodische Auftauchen eines auffallenden Kleidungsstückes ^64 265^ 

reizt zu einer Gedankenverknüpfung mit ebenso periodischen politischen Erschütter- 
ungen. 266-268-) _ 

Die Entstehung und Bedeutung der Waffen zu schildern, war Jähns269j 
wie kein anderer berufen. Wie in allen seinen Werken findet die geistige Durch- 
dringung eines erdrückenden Materials in einer formvollen Wiedergabe ihren Aus- 
druck. Von den prähistorischen Zeiten ausgehend, lässt er in scharfen Umrissen 
die gesamte Entwicklung vorüberziehen, mit besonderer Berücksichtigung der 
Feuerwaffen. — Beck^'^ 27i^ beschreibt in Kürze die verschiedenen Formen einiger 
Geräte, des Sattels, der im 4. Jh., des Steigbügels ^'''■^), der im 6. Jh. auftrat, und 
des Hufeisens, das bereits den Germanen bekannt war statt der im Altertum ge- 
bräuchlichen Ueberschuhe.2'3 274") .__ 

Unter denNahrungs- und G en u s s mi t te 1 n ist das Bier vertreten durch 
eine originelle Monographie aus Anlass des SOOjährigen Jubiläums der in diesem Jh. 



d. Freiberger Buchdrucks durch 4 Jhh. M. 19 typogr. Kunstbeil.: MFreibergAV. 30, S. 1-85. — 245) F. Hüb 1er, D. Handel in 
alter u. neuer Zeit u. sein Einfluss nnf d. Verbreitung d. Kultur u. d. Ausbreitung d. Völker. (= SGV. N. 176.) Prag, Härpfer. 
20 S. M. 0,20. — 246) C. Koehne, D. Hansgrafenamt. B., Gaertner. 316 S. M. 7,00. — 247) Publikationen d. hansischen Gesch.- 
Ver.: WesorZg. N. 16744. — 248) X ^^- Bruns, E. Bruchstück d. ältesten Rechnungsbuches d. Lübecker Bergenfahrer: 
MVLübG. S. 77-80. — 249) V. Lauffer, Danzigs Schiffs- u. Warenverkehr am Ende d. 15. Jh. Diss. Breslau. 44 S. •- 250) 
W. Stieda, Rostocker Tonnen-Ausfuhr- n. Einfuhr- Verbote: .IbbTHecklG. 58, S. 23-30. — 251) M. Rauprich, D. Streit um 
d. Breslauer Niederlage 1490-1515: ZVGSchlesien. 27, S. 54-116. — 252) F. Frege, Beitrr. z. Handelsgesch. aus d. Zeit Friedrichs 
d. Gr.: MagdZg". N. 15/7. — 253) O P- Bounassieux, Les grandes compagnies de commerce. Paris, Plön, Nourrit & Cie. 
1892. 567 S. Fr. 10,00. IfGGA. S 306/9.]| - 254) O D. Württemberg. Handelsordnung v. 1681: BBSW. S. 235/9. — 255) X 
0. Hintze, E. Berliner Kaufmann aus d. Zeit Friedrichs d. Gr.: SVGBerlin. 30, S. 1-18. - 256) X G- Buss, Dtsch. Pfalz u. 
dtsch. Dorf auf d. Weltausstellung in Chicago. B., Pasch. 34 S. M. 3,00. — 257) X K. Dorenwell, Das dtsch. Haus im 
Schmuck d. Poesie u. Kunst. Grosse Ausg. 3. Aufl. Wolfenbüttel, Zwissler. 4». VII, 254 S. M. 15,00. — 258) X J- Bück, 
D. Bauernhaus im Allgän : ADgäuerGFr. 6, S. 8-13. — 259) X ^'- Erahm, D. alte sächs. Bauernhaus: Heimat 3, S. 254/9, 268-73. 

— 260) X D- -reverländ. Bauernhaus: VossZg. N. 38.3. - 261) Reischel, Unsere Dörfer: MagdZg«. N. 30/1. - 262) X F«-- 
Hottenroth, Handbuch d. dtsch. Tracht. (In ca. 15 Lfgn.) 1. Lfg. Mit Textbild. u. 2 färb. Taf. St., Weise. S. 1-64. M 2,00. 

— 263) X Le Ciipitali del Mondo nei costumi, nell" arte, nella civiltä, impressioni dal vero di celebri scrittori d'ogni nazione, 
riccamenteillnstrate, traduz. di D. Sant' Ambrogio. Milano, Unione tipograflco-editrice. 4". L. 9,00. — 263a) E. Graf zu 
Inn- u. Knyphausen, Ostfries. Volks- n. Rittertrachten um 1500. 16 kol. Taf, 1 Taf. in Schwarzdruck, Portr. d. Unico 
Manninga u. 4 Bll. Facs. Emden, Schwalbe. 83 S. M. 15,00. (S. n. N. 364a.) — 264) D. Beifrock: StrassbPost. N. 194. - 
265) D. Krinoline in Sicht. E. Warnung: IllZg. 100, S. 385,6. - 266) X D- Mode vor 50 J.: ib. 101, S. 30/1. — 267) X H. Oemke, 
Mouches. E. Modenarrheit früherer Jhh.: SchorersFarailienbl. S. 202;4. — 268) X H- Hansjakob, Unsere Volkstrachten. E. Wort 
zu ihrer Erhaltung (vgl. JBL 1892 I 4 : 508). |[BLU. S. 263; KonsMschr. S. 128.J1 - 269) M. Jahns, Entstehung u. Bedeutung 
d. Waffen: DR. 1, 8. 112-20, 245-56, 371-86. - 270) M. Beck, Z. Gesch. d. Sattels u. Steigbügels LZg". N.109. — 271) id., 
D. Hufeisen in d. Kult.-Gesch. : ib. N. 117. — 272) X A. Schlieben, Nachtr. z. Gesch. d. Steigbügel: (vgl. JBL. 1892 
I 4:251): AnnVNassG. S. 45-52. — 273) O H. Bosch, E. Sohreibpult d. 17. Jh. im German. Museum: MGNM. S. 113/7. — 
274) X A. Pabst, Kirchenmöbel d. Mittelalters u. d. Neuzeit. 4. u. 5. (Schlu6s)Lfg. Frankfurt a. M., Keller, ä 6 Lichtdr.- 



G. Liebe, Kulturg-eschichte. I 4 : 275-310 

vereinigten Eberl-Faberschen Brauereien 2''^), Sie erweitert sich zu einer Reihe von 
Skizzen aus dem deutschen Bürg-erleben; von besonderem Interesse ist, dass das 
Faberbräu Ende des vorig-en Jh. dem deutschen Schauspiel (s. u. III 4 : 35) eine Stätte 
bot. — In Kisslings '^'^^), praktischen Zwecken dienendem Buche sind einige ge- 
schichtliche Daten über die Ausbreitung des Tabaks von Wert^'?''). — 

Zur Geschichte des Gesundheitswesens liegt das Werk eines Meisters 
auf diesem Gebiete vor. Mit sicherer Beherrschung des gewaltigen Stoffes beleuchtet 
Hirsch ^''S) den Einfluss jedes Fortschritts seiner Wissenschaft, die gerade mit dem 
Einsetzen unserer Periode im Beginn des 16. Jh. durch die von Vesalius neubegründete 
Anatomie des Menschen in richtige Bahnen geleitet wurde ^^^-j — La n g s d or f^^oj 
betrachtet kurz die Verbreitung des Aussatzes und die besonders im Mittelalter da- 
gegen ergriffenen Massregeln. — Eine rühmliche Ausnahme von seinesgleichen 
bildete nach Cohns^^^) Schilderung Georg Bartisch, ein Ende des 16. Jh. in Sachsen 
und Schlesien reisender Augenarzt.282) — Einige Werke über das Turnen seien hier 
angeschlossen 283-284a^_ — 

Polizeiliche Thätigkeit im Sicherheitswesen^ss) illustriert die Anschaffung 
der Hamburger Feuerspritzen im 17. Jh. 286^. — 

Zur Geschichte des Verkehrs liefert neben allgemeineren Werken^**''"^»«) 
die Schrift Rossners^s^) über den Namen Pforta einen interessanten kleinen Beitrag, 
indem sie den Nachweis, dass dort keine porta Thuringiae bestehe, zu einer 
Darstellung der mittelalterlichen Verkehrswege der Naumburger Geg-end gestaltet. 

— Unter den zahlreichen Monographien2''o-294j^ die sich mit der Entwicklung des 
Postwesens^^^) beschäftigen, ist das Buch von Weithas.e^''^) hervorzuheben, das die 
Entwicklung des Weltpostvereins im Anschluss an die Konferenzen seit 1863 schildert. 

— Ueber Einzelheiten des Baseler Postverkehrs^^') vor 100 Jahren liegen Mitteilungen 
vor. — S c h e llen b e r g'-^^8) behandelt nach dem akustischen, optischen, hydrau- 
lischen Telegraphen der Antike den im 17. Jh. auftauchenden optischen modernen 
Telegraphen2^ö"302^. — Zur Charakteristik der Gast- und Wirtshäuser werden nur 
Einzelheiten geboten303-307-) — Zwei für Maler ausgestellte Reisepässe von 1799 und 
1802 haben Abdruck gefunden^^os^ _ Wohl die älteste Auskunftei behandelt eine 
Nachricht, nach welcher die Errichtung des Wiener Fragamts^*'^) 1636 abgelehnt 
wurde, 1707 aber stattfand, um eine Vermittlungsagentur zu geschäftlichen Zwecken 
zu schaffen. — 

Territorial- und Lokalforschung. Auf dem Gebiete der lokalen 
Geschichtsforschung ist eine wachsende Betriebsamkeit bemerkbar, nicht durchaus 
zur Freude des Fachmannes. Denn während sie gerade für die Kulturgeschichte 
durch Mitteilung einzelner Erscheinungen, selbst unter Verzicht eigener Darstellung, 
nutzbar gemacht werden könnte, leidet sie beständig an dem Ehrgeiz, eine Gesamt- 
geschichte der geliebten engsten Heimat zu geben von Karl dem Grossen oder 



Taf. n. 2 S. Text, ä M. 6,00. ||LKs. 19, S. 120.11 — 275) Eberlbrän gegründet anno domini 1593. München, (Litt. Inst.). 38 S. 
(Festschrift, nicht im Buchhandel.) — 276) K. Kissling, D. Tiibals im Lichte d. neuesten natnrwissensch. Forschungen. Karz- 
gefasstes Handbuch d. Tabakkunde. B., Parey. VH, 278 S. Mit 86 Abbild. M. 6,00. — 277) X Ranchtabaks-Dosen ans d. Zeit 
Friedrichs d. Gr.: SBPrussia. 18, S. 89-95. — 278) Ang. Hirsch, Gesch. d. medizin. Wissenschaften in Deutschland. Neuere 
Zeit. (= Gesch. d. Wissenschaften in Dentschl. 22 Bd.) München, Oldenburg. XIV, 739 S. M. 9,50. |[LCB1. S. 1308,9.] | - 
279) O H. Vierordt, Medizinisches aus d. Weltgesch. Buntes Allerlei. Tübingen, Laupp. VI, 80 S. M. 1,60. — 280) Langs- 
dorf, D. Aussatz in Europa: TglRsn. N. 38/9. — 281) C. Cohn, Georg Bartisch, e. Starstecber d. MA.: DR. 3, S. 214-26. - 
282) O 0. Krimmel, Reutlingens Aerzte u. Apotheker in d. Zeilen d. Reichsstadt: GBllRentlingen. 4, S. 57-61. — 283) X G- 
Hirth, D. gesamte Turnwesen. E. Lesebuch f. dtsch. Turner. Aufsätze turnerischen Inhalts v. älteren u. neueren Schriftstellern. 
2. Aufl. besorgt v. F. R. Gasch. 3.-12. Heft Hof, R. Lion. ä 112 S. ä M. 1,00. — 284) X Fi"- Gabrielli. Un riformatore 
della ginnastica in Germania. Un quadro flsiologico degli esercizi ginnastici. (= Biblioteca del giornale Virtus in Bologna.) 
Bologna, Soc. tip. giä Compositori. 30 S. — 284a) X R- Kuhn, Z. Gesch. d. Vereinsturnens in Wien: Alt- Wien N. 7/9. 

— 285) O Henne am Rhyn, D. Gebrechen u. Sünden d. Sittenpolizei aller Zeiten vorzüglich d. Gegenw. L., Spohr. III, 
178 S. M. 3,00. — 286) Einige Notizen über d. Feuerspritzen in älterer Zeit: MVHambG. 15, S. 389, 414. — 287 > O F. C. 
Huber, D. gesch. Entwicklung d. modernen Verkehrs. Tübingen, Laupp. 232 S. M. 4,00. |[LCB1. S. 1575; KBWZ. S. 177/8; 
KathSchwBll. 9, S. 264/5.]| — 288) XF-H Quetsch, Gesch. d Verkehrswesens am Mittelrhein (ygl. JBL. 1891 I 5:154): 
MHL. 21, S. 236/8. — 289) A. Rossner, D. Name d. Klosters Pforta. Naumburg a. S., Schirmer. 56 S. M. 0,75. — 290) X 
0. Redlich, Aktenstücke z. Geschichte des niederrheinischen Postwesens: BGNiederrh. 7, S. 261-300. — 291) X J- J""?. 
Entwicklung d. dtsch. Post- u. Telegraphenwesens in d. letzten 25 J. L., Duncker \' Humblot. VIII, 185 S. ; 7 graph. Taf. 
M. 3,80. IILCBl. S. 1609.JI — 292) O H Joyce, Hist. of the Post Offlee to 18.36. London, Bentley. Sh 16. IfAc. 44, S. 456/7.] | 

— 293) X U. V. Hasseil, D. dtsch. Reichspacketpost nach d. UrteU e. Amerikaners: KonsMschr, S. 205,8. - 294) X A. Miiury, 
Catal. descriptif ill. de tous les timbres-poste et timbres-telegraphe depuis leur invention jusqu'en 1889. Paris, Maury. 219 S. 
Fr. 1,75. — 295) X APT. S. 17/8. 134/5, 222/3, 322,3, 345,6, 3745, 404,5, 522/3, 634/5, 650/1, 660|1, 676/7, 685, 711/2, 734, 843/4, 
873. — 296) H. Weithase, Gesch. d. Weltpostver. Strassburg i. E , Heitz. IIL 88 S. M. 2,50. — 297) Postverkehr vor 100 .L: 
StrassbPost. N. 137. — 298) G. Schellenberg, D. Telegraphie d. Vergangenheit: ib. N. 188, 195, 216. — 299) X F. Ben dt, 
Z. 60j. JuML d. Telegraphie: Nation». 10, S. 462 3. - 300) O C. Wehrmann, Z Gesch. d. Stecknitzkanals: MVLübG. S. 2/7. — 
301) X Einrichtung der regelmässig, direkten Dampfschiffahrt Köln- Düsseldorf etc.: BGNiederrh. 7, S. 305-47. ~ 302) X 
R. Huyer, D. Bndweis-Linzer Pferde- Eisenbahn: MVGDB. 31, S. 75-92, 157-83. — 303) O W. Stieda, Th. v. Liebenau, 

D. Gasthofs- u. Wirtshanswesen d. Schweiz (vgl. JBL. 1891 I 5:53): DLZ. S 1072,3. — 304) X P- B., D. Namen d. Berliner 
Gasthäuser: Bär 19, S. 587. — 305) X Gesch. e. Weinstube: ib. S. 755.6. (Nach e. nicht im Handel erschienenen Festschrift 

E. Gabeis.) — 306) X E. F Robinson, The early hist. of Coffee-Houses in England. London, Kegan Paul. Sh. 6. 
|[Ac. 43, S. 320.ll — 307) X Alt- Wiener u. Nen-Wiener Gasthäuser: Alt-Wien N. 2, 5, 7. - 308) Reisepässe aus d. guten alten 
Zeit: Didask. N. 179. — 309) Z. Gesch. d. Wiener Fragamtes: WienerKommunalkal. 21, S. 419-26. - 310) X A. Bötticher, 

7* 



I 4 : 311-337 G. Liebe, Kulturgeschichte, 

neuerding-s von der prähistorischen Zeit bis zum regierenden Bürgermeister. Ein Rund- 
gang durch die deutschen Lande möge den Nordosten als Ausgangspunkt nehmen. 
Aus Ostpreussen^"*) bietet H a 1 1 i n g ^i i) nur eine populäre Schilderung der 
freundlichen Beziehungen, die Mitglieder des Königshauses zu Einwohnern unter- 
halten, seit sie im Lande dort Aufenthalt genommen. — Moszeiks3i2) Geschichte 
von Stallupönen beruht bis 1833 hauptsächlich auf der älteren Chronik. — In Tilsit 
ist ein Tagebuch aus denkwürdiger Zeit durch Thimm^is) veröffentlicht worden. — 

In We s t pr e u s s e n3i4j hat die Centenarfeier der Vereinigung Danzigs 
mit Preussen eine gediegene Festschrift von Damus^i^j veranlasst,3i6-3i7j — d^q 
Elbinger Geschichtsschreibung hat von ihrem bewährtesten Kenner, Toeppen^i»), 
eine besondere Veröffentlichung erfahren. — In Semraus^'") auf gründlicher 
Materialkenntnis beruhenden Beiträgen zur Geschichte Neumarks ist besonders die 
Darstellung der Rekatholisierung von Wert. — Mit Löbau beschäftigt sich eine blosse 
Sammelarbeit von L i e k 320)_ — 

Für Posen hat Pietsch^^ij seine Beiträge zur Geschichte der Stadt Kempen 
fortgesetzt. — 

Aus Schlesien 322) liegt eine Festschrift von J e c h 1 323) zum Kaiser- 
besuch in Görlitz vor, die in einer auf sorgfältiger Forschung beruhenden Zusammen- 
stellung frühere fürstliche Besuche seit dem 14, Jh. behandelt. — Grünhagen 323a) 
schildert den von Wöllner gegen die Aufklärung geführten Kampf in Schlesien, wo 
er besonders gefährlich war, da sie dort die Stütze des protestantisch - preussischen 
Geistes bildete. — Derselben Landschaft gehört ein Aufsatz von Friedensburg323b) 
an, der eine Zusammenstellung der nicht zahlreichen Mitglieder der Fruchtbringenden 
Gesellschaft in Schlesien und die Begründung ihrer Beziehungen enthält. — 

In der Mark überwiegt natürlich die Beschäftigung mit der Hauptstadt. 
Unter mehreren Schilderungen ihres früheren Zustandes324 326) jgt ^[q von Trinius32^) 
für weiteste Kreise und zwar vortrefflich geschrieben; nur war es nicht nötig, bei 
der Schilderung der Sittenlosigkeit die Farben so stark aufzutragen. — Eine muster- 
giltige Wiedergabe haben die in der Hauptsache architektonischen Bau- und Kunst- 
denkmäler durch Borrmann328) gefunden329). _ Greigers330) Werk, bis zum Tode 
Friedrichs des Grossen fortgeführt, behandelt in der Aufklärung einen hier herrschend 
gebliebenen Faktor,33i) — Vortrefflich ist B o r r m a n n s332) Leitfaden für das 
Studium der Ausdehnung Berlins, unterstützt durch einen farbigen Plan,333) — Die 
Nachtseiten der neuesten aller Grossstädte schilderte ein Ausländer, Raffa- 
1 o V i c h 334), — Sehr hübsch und gewandt hebt L i n d e n b e r g335) die Züge hervor, 
die Berlin den Parvenucharakter verleihen336). — Dieser giebt auch den bestimmenden 
Eindruck für den Ausländer her, dessen Buch unter den Berichten über einen 
kürzeren Aufenthalt seit lange das Beste darstellt. Mit ausgezeichneter Beobachtungs- 
gabe und guten Verbindungen ausgerüstet, vermochte Luc Gersal33') eine Fülle 
charakteristischer Einzelheiten dem Berliner Leben zu entnehmen, die gewandt dar- 
gestellt und sehr angenehm zu lesen sind. Seine Silhouetten akademischer Lehrer 

D. Bau- u. Knnstdenkraäler d. Prov. Ostpreussen. III. D. Oberland. Königsberg i. P., Teichert. 4". 122 S. M. 3,00. 
IILCBl. S. 7; FBPG. 6, S. 272.]l - 311) K. Halling, Memels Vaterland. Weihestätten. Progr. Memel (Siebert). 4». 29 S. — 
312) C. Mo sz ei k, Gesch. d. Stadt Stallnpönen. Stallnpönen, Klutke. 45 S. M. 1,00. |[FBPG. 6, S. 617.]| - 313) R. Thimm, 
Hist. Tagebuch d. Stadt Tilse v. 17. Dec. 1812 bis z. 3. Aug. 1814 geführt vom Stadtsekret Salchow. (= Beitrr. z. Gesch. v. 
Tilsit N. 2.) Tilsit, Lohauss. 45 S. M. 0,50. — 314) X F. Hirsch, D. Wacht an d. Weichsel: VelhagenKlasingsMh. 2, 
S. 584-92. — 315) Daraus, Festschrift z. lOOj. Gedenkfeier d. Vereinigung Danzigs mit d. Königreich Preussen im J. 1793. 
Danzig, Bertling. V, 57 S. M. 2,00. |[FBPG. 6, S. 635 6.JJ — 316) X J- Pawlowski, Gesch. d. Prov.-Hauptstadt Danzig 
V. d. ältesten Zeiten bis z. Säknlarfeier ihrer Wiedervereinigung mit Preussen. Volksschrift in Skizzen. Danzig, Hafemann. 
VIII, 330 S M. 4,00. — 317) X C. Jentsch, Aus d. balt. Paradiese. (=111. Bibl. Prochaska 1. Bd. [Wien n. L., Prochaska, 
128 S. M. 0,60.], S. 47-66.) — 318) M. Toeppen, D. Elbinger Geschichtsschreiber n. Geschichtsforscher in krit. Uebersicht 
vorgeführt. (= ZWestprGV. N. 32.) Danzig, Bertling. VIII, 200 S. M. 3,00. — 319) A. Semrau, Beitrr. zu d. Gesch. d. 
Stadt Neumark (Veröffentlichung d. hist. Ver. in Marienwerder). Neumark, Köpke. VI, 73 S. M. 1,50. |[FBPG. 6, S. 617.]| — 
320) G. Liek, D. Stadt Löbau in Westpreussen mit Berücksichtig, d. Landes Löbau: (= ZHVMarienwerder. N. 28 9). Marien- 
werder (F. Böhnke). 1S92. VIII, 640 S.; 6 Taf. M. 7,50. |[FßPG. 6, S. 618.]| — 321) P. Pietsch, Beitrr. z. Gesch. d. 
Stadt Kempen in Posen. II. Progr. Kempen. 4". ISS. — 322) X K. T., Im Reiche Rübezahls: WeserZg. N. 16774. — 
323) R. Jecht, Fürst). Besuche in Görlitz. Festschrift z. Enthüllung d. Reiterstandbilds Kaiser Wilhelms I. Görlitz, Sattig. 
137 S. M. 2,00. |[NLausitzMag. 69, S. 2857]| — 323a) C. Grünhagen, D. Kampf gegen d. Aufklärung unter Friedrich 
Wilhelm IL mit Rücksicht auf Schlesien : ZVGSchlesien. 27, S. 1-27. — 323b) F. Fri e den s bürg, D. Beziehungen Schlesiens 
■/.. Fruchtbringenden Gesellschaft: ib. S. 117-39. — 324) X A. Denecke, Berlin u. d. Berliner vor 100 J.: ZDKG. 3, S. 526-32. 
— 325) X L.Fischer, Aus Berlins Vergangenheit (vgl. JBL. 1891 I 5:587; 1892 I 4:587): Bär 19, S. 552. — 326] X P- Bel- 
lardi. Besuch in Berlin anno 1828: ib. S. 7845. — 327) A. Trinius, Auf märkischer Erde (darin: L Berlin vor 100 Jahren, 
S. 1-61). Minden, Bruns. IV, 196 S. M. 2,50. - 328) R. Borrmann, D. Bau- u. Kunstdenkmäler d. Stadt Berlin. Mit 
28 Taf. u. 3 Plänen. B., Springer. 436 S. M. 30,00. — 329) X R- Schmidt-Nouhaus, Berliner Gedenktafeln: Bär 19, 
S. 5203, 531,5. — 330) L. Geiger, Berlin 1688-1840. Gesch. d. geistigen Lebens d. preuss. Hauptstadt L 2. Hälfte. 
B., Paetel. S. XIII-XVIII; S. 295-700 M. 9,00. |[ZDKG. 2, S. 237 8; ML. 62, S. 70.]| (Vgl. JBL. 1892 I 4:586; III 1:59.) — 
331) Ferd. Meyer, D. Berliner Tiergarten (vgl. JBL. 1892 I 4:589): FBPG. 6, S. 646. — 332) R. Borrmann, Leitfaden d. 
Entwicklungsgesch. Berlins v. seiner Gründung bis in d. Neuzeit. (Mit 1 Plan in Farbendr. und 2 Facs.) B., D. Reimer. 24 S. 
M. 0,40. - 333) X K- Pröll, D. Entwicklung Berlins. (= SGV. N. 181). Prag, Härpfer. 17 S. M. 0,40. — 334) A. Raffa- 
lovich, La police, le crime et le vice ä Berlin: RDM. 119, S. 156-88. — 335) P. Lindenberg, Berlin als Kleinstadt. 
B., Trowitzsch. 47 S. M. 0,60. — 336) X i d-. Berlin, 3. Die Umgebung. 4. Aufl. Mit Plan. (= ÜB. N. 1919). L., Reclam. 88 S. 
M. 0,20. — 337) Luc Gersal [Jules Legras], Spree-Athen. Berliner Skizzen v. e. Böotier. Aut. Uebers. L.. Reisner 



Gr. Liebe, Kulturgeschichte. I 4 : 338-361 

sind teilweise Meisterstücke. Das Werk ist der erfreuliche Versuch eines denkenden 
Franzosen, uns zu verstehen. — Von Arbeiten über die weitere Mark338-339-) jg^ ^{q 
weitaus bedeutendste van Niessens^^oj Geschichte der Stadt Woldenberg- i. N. — 
ein Muster dessen, was aus einer lokalgeschichtlichen Aufgabe zu machen ist. Durch 
weitschauende Verarbeitung des gesamten Materials ergiebt sich aus den Geschicken 
des neumärkischen Städtchens ein typisches Bild. Der inneren Entwicklung ist 
breitester Raum gegönnt, zumal die' Darstellung wirtschaftlicher Verhältnisse ist meister- 
haft zu nennen. — 

Eine auf Urkunden beruhende, lebendige, aber nicht tiefgehende Schilderung 
des bürgerlichen Lebens in der po mm ersehen Stadt Köslin von Hanncke^^i) 
berührt nur am Schluss unsere Periode ; von Interesse sind einige Mitteilungen über 
das Leben der Geistlichkeit um die Wende des 15. Jh. — 

In Mecklenburg342)sind zwei Aufsätze aus von Buch walds343) Sammlung 
rühmend zu nennen; der eine behandelt die Fortschritte der Volkswirtschaft unter 
Herzog Adolf Friedrich IL, der andere beleuchtet auf Grund eines Zahlenbildes die 
Folgen des Tillyschen Zuges 1631 für eine Anzahl Aemter. — 

Die Forschung über die Hansestädte bietet stets das Bild reger Thätig- 
keit. Hoffmanns 344-345-) treffliche Geschichte Lübecks hat verdiente Anerkennung 
gefunden. 346j — Wissenschaftlich von noch höherer Bedeutung verspricht von 
B i p p ens34"3 Geschichte Bremens zu werden, derer erster Band eine ausserordent- 
lich gediegene Darstellung des Mittelalters bietet. — Für Hamburg34s-349j üeg-t eine 
Anzahl von Sonderbehandlungen einzelner Verhältnisse vor. Eine ansprechende 
Sammlung Hamburgiana giebt Nathan sen350J; sie bieten teilweise auch allgemein 
Interessantes, so vom Rauchen und von den Kleidermoden.3äi-352-) _ j)[q -^q^, 
wendigkeit eines würdigen Heims und weiterer Ausdehnung für die vorhandene 
Sammlung Hamburger Altertümer hebt Mielck353j mit Schärfe hervor und giebt 
dabei Nachrichten über die früheren Bestände der bereits 1641 durch Ausmusterung 
nicht mehr brauchbarer Stücke gebildeten Waffensammlung.354j — Grossenteils auf 
dem Boden der Hansestädte bewegt sich die Novellensammlung von Kniest3ä53^ die 
trotz ihres schöngeistigen Charakters wegen der meisterhaften Beherrschung des 
Milieus der guten alten Zeit hier erwähnt sei.356) — 

In Schleswig-Holstein sind zwei umfangreiche Veröffentlichungen 
erschienen, die die bedeutendste Stadt des Landes, Kiel, in zwei sehr verschiedenen 
Perioden vorführen. Reuters 351) Einleitung zum Kieler Rentebuch giebt in Ver- 
wertung des aus der Zeit von 1300—1487 stammenden Textes kurze' Mitteilungen 
über Topographie, Besiedelung und Wirtschaftsleben. — Mau35^) schildert in breitester 
Ausführung die auf den verschiedensten Gebieten bewährte Thätigkeit der bereits 
1793 gegründeten Gesellschaft der Armenfreunde.359) — 

Für 1 d en b u r g36oj Hegt das mustergültige Werk von Kollmann 36 1) 
vor, das in gleich umfassenden wie gründlichen Untersuchungen den Nachweis von 
dem Aufschwung des Landes während der letzten 40 Jahre erbringt, vornehmlich 
auf dem Gebiet der Meliorationen und des Verkehrswesens sowie in der Steigerung 
des Volksvermögens. Das Hülfsmittel graphischer Tafeln für die Klarlegung der 
verschiedensten Kulturverhältnisse ist übersichtlich zur Anwendung gelangt. Be- 
sonders interessant ist die Untersuchung über das friesische Element. — In O s t - 



X, 405 S. M, '".,00. |[NationB. 10, S. 36,8: BLU. S. 83,5: DR. 2, S. 142; Bär 19, S. 704/6.]| (L'Athenes de la Spröe par un 
Beotien. Paris, Savine. VIT, 396 S.) — 338) X C. Bolle, Fragment aus Leuiingers Topographia Marchiae. Uebertr. aus d. 
lat. Urtext: Bär 19, S. 320/3, 327-30, 340,3, 352,5, 366,8, 379-81, 394/5, 403/5. — 339) X Aus d. Gesch. Nauens: ib. S. 44 6, 
56/8, 69-71. — 340) P. van Niessen, Gesch. d. Stadt Woldenberg i. N. Her. v. d. Falbeschen Stiftung beim Gymnasium zu 
Stargardi. P. Stettin, Burmeister. X, 511 S. M. 6,00. |[J. Heideraann: FBPG. 6, S. 300 2.] | — 341) E. Hanncke, Köslin im 
15. Jh. Progr. Köslin. 28 S. — 342) X W. Raabe, Mecklenburg. Vaterlandskunde. 2. Aufl. Verb. u. vervollst, v. G. Quade. 
Bd. 1. Wismar, Ilinstorff. VI, 1509 S. M. 13,00. — 343) G. v. Buchwald, Bilder aus d. volkswirtsch. u. polit. Vergangen- 
heit Mecklenburgs 1631-1708. Neustrelitz, Jacoby. V, 138 S. M. 2,25. — 344-345) M. Hoffmann, Gesch. d. freien u. Hanse- 
stadt Lübeck (vgl. JBL. 1892 I 4:621). IfK. Koppmann: HansGBll. 21, S. 1414; LCBl. S. 7834.]| - 346) O C. Schumann, 
Beitrr. z. Lübeck. Volkskunde: KBlVNiederdSpr. 16, S. 95 6. (Vgl. I 5:47.) — 347) W. v. Bippen, Gesch. d. Stadt Bremen 
(vgl. .TBL. 1892 I 4:6281. iJWeserZg. N. 16819; MHL. 21, S. 3147; LCBl. S. 637,8.]I — 348) X W. Kollhoff, Grundriss d. 
Gesch. Hamburgs. 3 Aufl. Hamburg, Herold. 80 S. M. 0,70. — 349) X G- Kriegsmann, Charakteristisches v. Ham- 
burger Staatswesen: DWBl S. 2459. — 350) W. Nathansen, Aus Hamburgs alten Tagen. Ernste u. heitere Mitteilungen. 
Hamburg, Jürgensen. 136 S. M. 2,00. - 351) X C. Gaedechens, D. HerrenstaH u. d. Reiten-Diener: ZVHambG. 9, S. 517-56. 
352) X A. Wohlwill, Hamburg während d. Pestjahre 1712-14. Aus JbHambWissAnst. Hamburg, Gräfe n. SiUem. 118 S. 
M. 2,40. — 353) W. Mielck, Vergangenheit a. 'Zukunft d. Sammlung Hamburg. Altertümer. Hamburg, Voss. 69 S. M. 0,80. 
— 354) X H- Haase, Malerische Ecken u. Winkel Hamburgs. 20 Zeichnungen in Lichtdr. 2 Aufl. Hamburg, Boysen. Fol. 
M. 20,00. — 355) Ph. Kniest, Kaufleute und Schiffer. Erzählungen u. Bilder aus d. Handels- u. Seeleben. 2 Bde. Olden- 
burg, Stalling. 1892. III, 211 S.; III, 195 S. M. 5,50. |[ThLBl. 14, S. 252.]| - 356) X Charlotte Niese, Aus dänischer 
Zeit. L, Grunow. 1892. 239 S. M. 3,00. ]|DR. 1, S. 143.J| - 357) Chr. Reuter, D. ältesie Kieler Rentebuch (1300-1487). 
Mit 1 Karte. Kiel, Eckardt. CXII. 423 S. M. 9,00. IfLCBl. S 1100/1 I| - 358) H. Mau, D. Ges. freiwilliger Arraenfreunde 
in Kiel 1793-189.3. 2 Bde. ib. 236 S.; .3.38 S. M. 7,00. — 359) X L. HeUwig, Grundriss d. Lauenburg. Geschichte. 
2. Aufl. Ratzeburg, M. Schjridt. 1892. VIII, 45 S. M. 0,60. |[Heimat 3, S. 116/7.]| — 360) G. Hello, Beitrr. z. Gesch. des 
Landes Würden. Oldenburg, Stalling. 1891. IX, 94 S. M. 2,40. |[HZ. 34, S. 341,2.]| - 361) P. Ko 11 mann, D. Herzogtum 
Oldenburg in seiner wirtschaftl. Entwicklung während d. letzten 40 J. Mit 12 Taf. ebda. VIII, 608 S. M. 10,00. |[WeserZg. 



I 4:362-391 G. Liebe, Kulturgeschichte. 

friesland hat neben einigen allgemeinen Schilderung'en362-363j Fürbringers Buch 
über Emden (vgl. JBL. 1892 I 4 : 632) Besprechungen^^*) gefunden. — Der schönen 
Publikation des Grafen zu Inn- und Knyphausen^e^aj wurde schon gedacht. — 

In Hannover hat Wittingen für Kayhausen^^^) den Stoff kleinerer 
Schilderungen geboten. — In Osnabrück hat Forst^^^) weitere Aufzeichnungen des 
Senators Wagner aus den J. 1800—11 veröffentlicht, die lebendig den Eindruck der 
französischen Besatzung wiedergeben. — Das reiche Material Hildesheims hat mehr- 
fache Bearbeitung gefunden^e^-^es^. Besonders sei hier der im 5. Bande des ürkunden- 
buchs durch Döbner^^o) ans Licht geförderten Stadtrechnungen gedacht als einer 
unerschöpflichen kulturhistorischen Quelle. — 

Schultzes^'^o) Bibliographie der Geschichtsquellen der Provinz Sachsen 
giebt, zumal bei grösseren Städten, auch solche kultur-, besonders finanzgeschicht- 
licher Art. — Die von Dittmar^''^) gewürdigten beiden ältesten Magdeburgischen 
Topographen — Torquatus im 16., Alvensleben im 17. Jh. — enthalten einzelne 
Notizen über Landesprodukte wie den berühmten Sauerkohl. — Für die „Speckseite" 
in Aschersleben weiss Strassburger^^'") nur eine sagenhafte Erklärung anzuführen. 

— Den Namen Salzwedel leitet Luther3'2) nach sprachlichem Analogieschluss ab 
von waten = Salzfurt. — Die von Zahn3''3) abgedruckte „Willkür" von Tangermünde 
von 1639 giebt ein Bild der Verwaltung und des bürgerlichen Lebens. — Hertz- 
bergs^'4) schönes Werk über Halle hat mit dem S.Bande seine Vollendung erreicht. 
Stehen auch in diesem den vorigen gleichwertigen Teil Universität und Saline 
im Vordergrunde, so erfahren doch auch die übrigen gewerblichen und socialen 
Einrichtungen eingehende Würdigung. Hervorzuheben sind das Zeitungswesen und 
der Kampf der Universität gegen das Schauspiel im vorigen Jh. — Für Audenhain 
giebt Dieckmann^^s) eine nützliche Darstellung der Wirkungen des 30jährigen 
Krieges, indem er die Zustände vorher und die Wiederherst ellungsarbeiten schildert.^'ö"^") 

— Die vorzüglich übersichtliche Geschichte Erfurts von Beyer^'^) enthält nur die 
Verfassungsentwicklung.3'9) — 

Im Königreich Sachsen haben mehrere Städte den Stoff zu Gesamt- 
darstellungen geboten, so Dresden^so-ssi^^ Pillnitz^^^^ und Seifhennersdorf^^^). — Die 
Chronik Grossenhains, von Seh über th^^'*) bearbeitet und durch die Munifizenz des 
Herrn Zschille prachtvoll ausgestattet, ist vom engsten lokalen Interesse, von weiterem 
nur der Inhalt des Amts-Erbbuches von 1547 (S. 159), das die Leistungen der Unter- 
thanen aufführt, und die Ordnungen der Armbrust- und Büchsenschützen von 1617 
und 1673 (S. 260). — Die Abhandlungen der Chemnitzer Jubiläumsschrift von 
Uhlc"^^^) haben einzeln ihre Würdigung gefunden. '^^^ '^^^) — 

Für Thüringen äussert sich HerteT^^oj ^.u der vielumstrittenen Benennung 
des Rennsteigs, den er als Weg der berittenen Patrouillen erklärt. — Hodermann^oi) 
unternimmt einen flüchtigen Gang durch die Geschichte des Schlosses Friedenstein, 
dessen Besitzer seit der Gründung durch Ernst den Frommen Interesse für Kunst 



N. 16629.]! — 362) X ö. Gödel, Land u. Leute in Ostfriesland: Gienzb. 2, S. 449-58; 3, S. 72-80. - 363) X A. Henschel, 

D. Nordfriesen: EKZ. S. 472,6. — 364) X DLZ. S. 1584; BLU. S. 14. — 364a) (S. o. N. 263a.) - 365) G. Kayhausen, 
Aus Wittingens Vergangenheit. Gifhorn, Schulze. 65 S. M. 1,00. — 366) H. Forst, Osnabrück in d. J. 1800-11. Aufzeich- 
nungen d. Senators Wagner. Osnabrück, Kiesling. 12". 36 S. M. 0,60. (Vgl. JBL. 1892 I 4:639.) — 367) X Oldekops 
Chronik (vgl. JBL. 1892 I 4:637.J: HPBll. 112, S. 157-68, 263-78. — 367a) X W. Grube, Oldekop u. d. Stift Hildesheim: 
ib. S. 397-407. — 368) K. Enling, Bilder aus Hildesheiras Vergangenheit (vgl. JBL. 1892 I 4:637): DLZ. S. 10712. - 369) 

E. Döbner, Urkundenbuch der Stadt Hildesheim. 5. T. Hildeshelm, Gerstenberg. XIU, 715 S. M. 18,00. — 370) Walth. 
Schnitze, Geschichtsquellen der Provinz Sachsen im MA. u. in d. Reformationszeit. Halle a. S., Hendel. VU, 202 S. M. 4,00. 

— 371) M. Dittmar, D. beiden ältesten Magdeburgisch. Topographen: ALVKS. 3, S. 1-39. — 371a) E. Strassburger, 
Heimatskunde V. Aschersleben, Progr. Aschersleben, (Wedel). 4". 16 S. — 372) J. Luther, D. Name Salzwedel : MagdZg'*. 
N. 27/9. — 373) W. Zahn, D.Willkür d. Stadt Tangermünde: JBAltmärkVG. 23, S. 106-31. — 374) G. Hertzberg, 
Gesch. d. Stadt Halle a. S. von d, Anfängen bis z. Neuzeit. III. Halle während d, 18. u. 19. Jh. (1717-1829). Halle u. S, 
Waisenhaus. X, 656 S. M. 7,50. |[SLU. S. 685;6; FBPG. 6, S. 321,2.J| — 375) Chrn. Dieckmann, Audenhain: MTorgauGV. 6, 
S. 1-30. — 376) O Hugo Wagner, Wittenberg in Dichtung u. Sage. Festgabe z. 28. Juni, als d. Tage des 600j. Stadtjubil. 
Wittenberg, Wunschmann. 71 S. M. 1,00. |[ThLBl. 14, S. 297,8,]| (Vgl. I 10; 48.) - 377) X E. Mylius, D. Kreise Delitzsch 
u. Bitterfeld in alten Zeiten. Delitzsch, Pabst. 42 S. M. 0,80. — 378) C Beyer, Gesch. d. Stadt Erfurt bis z. Unterwerfung 
unter d. mainzische Landeshoheit 1664: (= NjbllHKSachsen. N. 17). Halle a. S., Hendol. 52 S. M. 1,00. — 379) X Ber- 
nardus Americanus, Aus Eichsfelds Vorzeit in Gesch. u. Sage. Heiligenstadt, Cordier. 12". XII, 192 S. M. 4,50. — 
380) X H. Elm, Dresden. Schilderungen u. Bilder aus Sachsens Haupt- u, Residenzstadt. Mit 42 Illustr. Dresden, Union. 
111, 75 S. M, 2,00. — 381) X B- Krause, D. gesch. Entwicklung d. kgl. Haupt- u. Residenzstadt Dresden vom sorbischen 
Dorfe bis "z. Grossstadt 2 Hefte. Mit 10 Skizzen. 140 Illustr. Dresden, Huhle. XI, 168, 116 S. M. 4,00. - 382) X 
A. V. Minckwitz, Gesch. v. Pillnitz vom J. 1403. Aus hinterlassenen Papieren. Mit 7 Lichtdr.-Taf. Dresden, Baensch. 
IX, 128 S. M. 4,00. — 383) X 0. Kind, Gesch. v. Seifhennersdorf. Her. vom Gemeinderat. Mit 3 Lichtdr. Zittau, Oliva. 
204 S. M. 1,75. — 384) G. Schuberth, Chronik d. Siadt Grossenhain vom J. 1088 bis auf d. Gegenw. lU. v. Zschille. 
Grossenhain, Hentze. 4". IV, 426 S. M. 18,00. - 385) Festschrift z. 750 j. Jubil. d. Stadt Chemnitz. Her. v. P. Uhle. Als 
Bd. VIII d. MVGChemnitz. Chemnitz, 0. Mai. XXL 92 S. M. 3,50. (S. o. N. 129, 226, 231; s. u. N. 505, 532.) — 386) O 
R. Hof mann, Reformationsgesch. d. Stadt Pirna. Nach urkundl. Quellen: BSächsKG. 8, S. 1-329. — 387) X A- Lippold, 
Erinnerungen e. alten Leipzigers. Humorist. Chronika aus Leipzigs jüngerer Vergangenheit. Mit Zeichnungen v. R. Wolf. I. 
L., Lenz. 40 S. M. 0,60. — 388) X Plauen sonst u. jetzt. Chronikalisches, Topographisches, Statistisches. Plauen i. V., 
Neupert. 16". 11, 114 S. M. 0,25. — 388a) X Th. Distel, Tumult in Freiberg d. 15. Jan. 1064: MFreibergAV. 30, S. 106,7. 

— 389) X A. Kieasling, D. alten Burgen u Rittersitze um Freiberg: ib. 29, S. 1-34. — 390) L. Hertel, D. Name d. 
Rennsteigs: ZVThfirG. 8, S. 419-4.5. — 391) R. Hodermann, Schloss Friedenstein 1643-1893. Gothm Goetsch. 16». 32 S. 



G. Liebe, Kulturgeschichte. I 4 : 392-429 

und Wissenschaft bethätig'ten.392-394^ — Einerts hübsches Buch über Arnstadt ist 
nach Verdienst gewürdig-t worden. ^95) — 

Künzels Werk über Hessen, ein schönes Denkmal warmer Heimatliebe, 
ist von Soldan^''^) neu herausgegeben worden. Von Wert sind unter der reichen 
FüUederKulturbilder besonders die gleichzeitigen Quellen entnommenen. — Unter einer 
Zahl kleinerer Lokalstudien39"402j ist der 2. Teil von Demmes^*'^) Werk über Hers- 
feld zu nennen. In anerkennenswerter Beschränkung auf Regesten enthält es 
interessante Mitteilungen aus den Stadtrechnung'en ; so in den Beilagen die Liste der 
Arbeitslöhne aus dem 17. Jh. und die Taxe des Nachrichters von 1754. — Von den 
rheinhessischen Städten birgt die reiche und wertvolle Quellensammlung für Worms 
von Boos'*'^^^') einen Schatz kulturgeschichtlichen Stoffes, unter denen das Tagebuch 
des Bürgermeisters Noltz, eines energischen, vielgewandten Mannes um die Mitte des 
15. Jh. einen schätzenswerten Beitrag zu dieser Litteratur bildet. Es erwähnt z. B. 
1494 Bilder aus der Heldensage am Gebäude der Münze. — 

Aus der wertvollen Sammlung von Aufsätzen zur Geschichte Westfalens'*'**) 
fällt in unsere Periode nur der von Detmer***-^) über Hermann von Kerssenbroicks 
Ortsgeschichte von Münster. — Der zweite Teil von Darpes"***®) Werk über Bochum 
bietet eingehende, auf archivalischem Material beruhende Mitteilungen über bürger- 
liches Leben in dem 17. Jh., das wegen der Kriegsleiden für die Stadt besonders 
schwer war, und über den Aufschwung unter preussischer Verwaltung.*«''-*»») — 

Auch im Rheinland sind die Städte Hauptgegenstand des Interesses. 
Der heftige Angriff von Lulves*'«) hat, wie zu erwarten, Aufsehen erregt.* i') — Die 
Geschichte Jülichs von Kuhl*'^) jj^t im 2. Teil Fortsetzung bis 1742 erfahren.*'^) 
— Das Werk von Jacobs*^*) über das ehemalige Stift Werden hat Nachrichten zur 
Schulgeschichte, das von Joesten*'^) zur alten Bergischen Amts Verfassung, der von 
Borheck *'öj besorgte Neudruck zur Geschichte der 1655 g-egründeten Duisburger 
Universität geliefert.*' '~*'9j — Einen grösseren Landstrich behandelt Heyns*-") Arbeit 
über den Westerwald, die zwar unter dem Vielerlei leidet, aber gute Nachrichten über 
die materielle Kultur bietet, so über die erste Ochsenbespannung 1612. — Mit Frank- 
furt beschäftigen sich mehrere Werke allgemeinerer Richtung.*- ^"*^3) — 

Für die Reichslande und Baden sind zunächst mehrere nicht eigent- 
lich der Wissenschaft zugehörige Arbeiten zu nennen.*^*"*^») — Neben der amtlichen 
Publikation von Weechs*^») über Karlsruhe hat Freiburg eine kurze Darstellung 



M. 1,00. — 392) X G- Reinhardt, Gesch. d. Marktes Gräfentonna. Mit 4 Ansichten, 3 Plänen u. 2 Geschlec htstaf. Z. 
Feier d. 200j. Jubil. d. Kirche S. Petri n. Pauli. Langensalza, Wendt u. Klauwell. VUI, 337 S. M. 4,00. — 393) X 
F. Trink s, Beitrr. z. Gesch. d. Herzogt. Sachsen-Meiningen-Hildburghausen. (=: Schriften d. Yer. für Meining, Gesch. u. 
Landesk. N. 14.) Meiningen, L. v. Eye. 97 S. M. 3,00. — 394) O B. Liebermann, Geschichtliches aus Judenbach. E. 
Quellenforschung als Beitr. z. Welt-, Kultur- u. Kirchengesch. Jndenbach, Selbstverl. V, 117 S. M. 1,50. — 395) E. Einert, 
Aus d. Papieren e. Rathauses (vgl. JBL. 1891 I 4:345). |[NASächsG. 14, S. 159; KBGV. 41, S. 32.)| - 396) H. Kanzel, Gross- 
herzogt. Hessen. Lebensbilder aus Vergangenheit u. Gegenwart. 2. Aufl. Her. v. V. Sold an. Giessen, Roth. XIII, 786 S. 
Mit 1 Bild. M. 8,00. — 397) X J- Hillebrand, Z. Gesch. d. Stadt u. Herrschaft Limburg a. d. Lahn. IV. Progr. Hadamar. 
4». 22 S. --398) X C. Ebel, D. Cistercienser in Oberhessen. Vortr.: MOberhessGV. 4, S. 123|7. — 399) X A.. Roeschen, 
Z. Gesch. V. Laubach: ib. S. 136-40. — 400) X E. Lohmeyer, Verzeichnis neuer hessischer Litt, (vgl, JBL. 1892 I 
3:60): DLZ. S. 11389. — 401) O J. Schneider, Hessische Städte u. hess. Land vor 100 J. L Fulda: Hessenland 7, 
S. 2863, 299-302, 3124. — 402) X 0. Schaaf, E. im 19. Jh. ausgegangenes Dorf: MOberhessGV. 4, S. 127-30. — 403) 
L. Derame, Nachrichten u. Urkunden zur Chronik von Hersfeld. Hersfeld, H. Schmidt. 360 S. M. 4,50. — 403a) Monu- 
menta Wormatiensia. Annalen u. Chroniken her. durch H. Boos. Mit Karte u 6 Lichtdrucktaf. (— Quellen z. Gesch. d. 
Stadt Worms HI). B., Weidmann. XLVIII, 726 S. M. 25,00. — 404) Ans Westfalens Vergangenheit. Beitrr. z. polit. Kult.- 
u. Kunstgesch. v. G. v. Below, H. Detmer, G. v. Detten, W. Effraann, H. Finke, Ilgen, F. Jostes. Münster, 
Regensberg. IV, 128 S. Mit 4 Taf. M. 1,50. — 405) H. Detraer, Hermann von Kerssenbroick. Seine Beschreibung d. 
Mnnsterschen Doms. (= N. 404, S. 47-64.) — 406) F. Darpe, Gesch d. Stadt Bochum. II. Bochum in d. Neuzeit. 
1618-1740. Progr. d. Gymn, Bochum, (Stumpfj. 140 S. — 407) X C- Hirs chberg, Gesch. d. Grafschaft Moers. Moers, 
Spaarmann. III, 123 S. M. 1,00. — 408) X K. Franke, Westfalen. E. Heimatskunde. 2 Aufl. Bielefeld, Helmich. 101 S. 
M. 0,70. (Für elementare Ansprüche.) — 409) (S. o. N. 101.) — 410) J. Lulves, D. gegenwärt. Geschichtsbestrebungen in 
Aachen (vgl. JBL. 1892 14:683). |[W. Wattenbach: DLZ. S. 75 6 ; H. Delbrück: PrJbb. 71, S. 537 9; LCBl. 2112, 
1781,2.]| - 411) X E. Pauls, Z. Gesch. d. Erdbeben im 17. u. 18. Jh. i. d. Aachener Gegend: AnnHVNiederrh. .56, S. 91-115. 

— 412) J. Kühl, Gesch. d. Stadt Jülich, insbes. d. früheren Gymn. II (1660-1742). Jülich, Fischer. VI, 322 S. M. 4,00. 
,[LCB1.S. 1070, l.Ji — 413) X K. Tücking, Gesch. d. Stadt Neuss (vgl. JBL 1892 I 4:680): HZ. 34, S. 3259. - 414) P. Jacobs, 
Gesch. d. Pfarreien i. Gebiete d. ehemaligen Stifts Werden an d. Ruhr I. Düsseldorf, Schwann. 232 S. M. 4,00. |[LCB1. 
S. 9123; LRs. 19, S. 3334.]| — 415) J. Joesten, Z. Gesch. d. Schlosses Windeck: ZBergGV. 19, S. 133-59. — 416) A. Bor- 
heck, Versuch e. Gesch. d. Stadt Duisburg am Rhein. Duisburg 1800. Duisburg, Schmitz. 64 S. M. 0,60. (Neudruck.) — 
417) X 0- Redlich, Denkschrift d. Maire Westerraann zu Wesel, d. Kaiser Napoleon überreicht: BGNiederrh. 7, S. 3014. 

— 418) X G- Bloos, D. Rentmeister v. Düsseldorf: ib. S. 63 6. — 419) X H. Ferber, D. Gemarken im Amte Angerraund: 
ib. S. 67-99. — 420) E. Heyn, D. Westerwald n. seine Bewohner v. d. ältesten Zeiten bis heute. Mit hist. Karte. Marien- 
berg, Selbstverl. VIII, 300 S. M. 4,00. — 421) X F- Herber, E. Gang durch d. Gesch. Frankfurts. Frankfurt a. M., 
Knauer. 40 S. M. 0,30. — 422) X H. Bleicher, D. Bewegung d. Bevölkerung im J. 1891. (= Beitrr. z. Statistik d. 
Stadt Frankfurt a. M. Heft 2.) Frankfurt a M., Sauerländer. IV, 64 S XLIII S. Tab. mit 1 graph Taf. M. 1,00. |[LCB1. S. 46|7.J 

— 423) X A. Koch, Aus Frankfurts Vergangenheit. Architekturstudien nach d. Natur gezeichnet u. beschrieben. 25 Licht- 
drucktaf. Mit 7 S Text. Frankfurt a. M., Keller. Fol. M. 25,00. — 424) X E. Besuch in Strassburg im J. 1831 : DWBl. 
S. 475;6. — 425) X A. Holder, Michel Back u. seine kulturgesch. Dialektdichtung: Alemannia 21, S. 15. — 426) X 
W. Sommer, Elsäss. Geschichten (vgl. JBL. 1892 IV 3:121|2): Gegenw. 44, S. 366. — 427) X J- Levy, Gesch. d. Klosters, 
d. Vogtei n. Pfarrei Herbitzheim. Strassburg i. E. (Saargemünd, E. Schmitt). XIX, 288 S. M 2,50. [[PolybibU'. 67, S. 450.]| 
428) X M. Werder, Fmnzös. Lob aus deutschem Munde: StrassbPost. N. 228. — 429) O F. ▼• Weech, Karlsruhe. Gesch. 



I 4 : 430-460 G. Liebe, Kulturgeschichte. 

erfahren, die wegen ihrer Vf. nicht ohne Interesse ist. Es sind sechs Schüler des 
Lyceums von Vesoul, die unter Leitung des Professors Maigniez^^'^) drei Wochen in 
Freiburg zugebracht haben, um sich in der deutschen Sprache zu vervollkommnen. 
Wenn man bei jungen Leuten von noch nicht 18 Jahren von der Forderung gereiften 
Urteils absieht und einzelne chauvinistische Anwandlungen in diesem Alter erklär- 
lich findet, kann man an der guten Beobachtung und Frische der Anschauung seine 
Freude haben. 43i-434j _ 

Die Gesamtdarstellung*35^ der Geschichte Württembergs ist in dritter 
Auflage er schienen. 4 3") — Kapff^-''') giebt eine übersichtliche Darstellung der starken 
schwäbischen Einwanderung nach Amerika von der Beteiligung an den ersten nach 
Südamerika gerichteten Goldreisen und den ersten Kolonien im Staate New -York, 
anziehend durch Stücke aus gleichzeitigen Berichten. — 

Unter den zahlreichen Veröffentlichungen Bayerns ist zunächst eine Anzahl 
solcher zu nennen, die grösseren Gebieten zugewendet sind^"^^"**-'). — Im besonderen 
mit dem Volk beschäftigen sich mehrere bekannte Autoren. Stieler^*"*) giebt in 
edler Sprache Bilder aus dem äusseren wie inneren Leben der Altbayern, die Gegen- 
wart aus der Vergangenheit erläuternd. — Peetz^*^) verwendet in einem zweiten 
Bande seine reiche Volkskenntnis novellistisch ; kulturgeschichtlich von Wert ist der 
in Form einer Erzählung eingekleidete Inhalt einer Urkunde über Hegung des 
Landschrannengerichts. — Sepp*'*^) bringt wieder eine bunte, an Ueberfülle leidende 
Sammlung, die neben vielen Spinnstubengeschichten auch eine Menge verstreuter 
Züge besonders zur Rechts- und Jagdgeschichte enthält. — Unter der grossen Menge 
der einzelnen Städten gewidmeten Arbeiten, in denen meist nur zerstreut kultur- 
geschichtliches Material zu finden ist^^''"*^^), sei als rechtes Beispiel die Studie 
Westermayers^^'') über Tölz genannt. In dem bunten Allerlei der Erzählung 
taucht die interessante Nachricht auf, dass 1640 zum ersten Mal im Tanzhaus ein 
Gemeindetheater aufgeschlagen wurde und 200 Jahre bestand. — Trautmanns^^s 458a^ 
lebendige Schilderungen aus dem Tagesleben des alten München reichen doch oft in 
das Gebiet der Schnurre hinein; seine Erklärung der in München zahlreich vor- 
handenen Wahrzeichen wäre dankenswerter ohne den gesucht volkstümlichen Ton. 
— Kamann*^"J in seiner gründlichen Untersuchung der Fehde Götz von Berlichingens 
mit Nürnberg und Bamberg lässt diesen als wenig romantischen Vertreter des zer- 
fallenden Rittertums erscheinen. — Hildenbrand*^**) giebt Nachrichten von der 
Industrieblüte Frankenthals (Pfalz) im 16. Jh. — 



d. Stadt u, ihrer Verwaltung. 1. Lfg. Mit 5 Taf. Karlsruhe, Macklot. S. 1-80. M. 1,00. — 430) M. Maigniez, Excursion 
en Allemagne de six lyceens accompagnes de leur professeur. Vesoul (Oival). 1892. H, 69 H. (Sonderabdr.) — 431) X 
F. Schäfer, Wirtschafts- n. Finanzgesch. d. Reichsstadt Ueberlingen am Bodenaee 1550-1628. (= Untersuchungen z. dtsch. 
Staats- u. Eechtsgesch. her. v. 0. Gierke. N. 44.) Breslau, Koebner. XII, 196 S. M. 7,00. |[A. Schulte: ZGORh. 8, S. 720,2.1| — 
432) X J- G. Mayer, Kleine Beitrr. z. Gesch. d Bischöfe v. Konstanz im 16. Jh. : KathSchwBll. 9, S. 223-40. — 433) O Mit- 
teilnngen z. Gesch. d. Heidelberger Schlosses. Her. v. Heidelberger Sohlossver. 3 Bd. I.Heft. Mit 5 Taf. Heidelberg, Groos. 
IV, 128 S. M. 3,00. - 434) O Neues Arch. f. d. Gesch. d. Stadt Heidelberg u. d. rhein. Pfalz. Her. v. A. M a y s n. 
K. Christ. IL Bd. 1. u. 2. Heft. Heidelberg, Koester. S. 1-123. M. 1,20. |[W. Wattenbach: DLZ. S. 333; LCBl. 
S. 517I8.JI — 435) O Illustr. Gesch. v. Württemberg. M. Beitr. v. Dürr, Th. Ebner, Geiger etc. 3. Aufl. Erg. u. verm. v. 
K. Oesterlen. Heft 1-20. St., Südd. Verl.-Inst. S. 1-304. ä M. 0,25. — 436) X C- v. Fischbach. Erinnerungen aus 
Alt-Hohenheim: BBSW. S. 97-104. — 437) P. Kapff, Schwaben in Amerika. (= Njbll Württemberg. Her. v. J. Hartmann, 
N. 10.) St., Gundert. 48 S. M. 1,00. — 438) O J- Endres, Hist.-Statist. Beschreibung d. Bistums Augsburg: HPBll. 111, 
S. 641/5. — 439) Schriften d. Ver. f. Gesch. d. Bodensees u. seiner Umgebung. 21. Heft. Lindau, Stettner. IV, 293 S. 
1 Bildn. M. 6,00. — 440) O F. L. Baumann, Gesch. d. Allgäu. Heft 28,9. (3. Bd.) Kempten, Kösel. S. 321-448. äM. 2,40. 

— 441) X A. Abert, Franken. E. knlturgesch. Skizze. Progr. Münnerstadt. 106 S. — 442) X M. Kaiser, Gesch. d. Herr- 
schaft Breitenegg u. d. Pfarrei Breitenbrunn. Amberg, Habbel. VIII, 104 S. M. 1,00. — 443) X 0. Steine), Gesch. d. 
bayer. Frankenlandes. Bamberg, Buchner. 26 S. M. 0,35. — 444) K. Stieler, Kulturbilder aus Bayern. Mit Vorw. v. 
K. Th. Heigel. St., Bonz. IX, 272 S. M. 4,80. — 445) H. Peetz, Chieragauer Volk. Erinnerungen e. Chieragauer Amt- 
manns aus seinem Nachlass. 2. (Schluss-)Bd. L., Liebeskind. III, 160 S. M. 2,00. (Vgl. JBL. 1892 I 4:721.) - 446) 
J. N. Sepp, Denkwürdigkeiten aus d. Bayeroberland oder 176 Gesch. aus d. Isarwinkel u. d. Nachbarschaft. München, 
Lindauer. 1892. XVI, 875 S. M. 3,00. (Vgl. I 5:18.) — 447) X H. Weber, Z. Gesch. d. Stadt Bamberg: JbGörresges. 
S. 24;9. — 448) X Gesch. v. Gaimershelm : SBlHVIngolstadt. 18, S. 1-41. — 449) X K. Graf v. Rambaldi, Gesch. d. 
Schlosses Eurasburg u. seiner Besitzer: OberbayrA. 48, S. 1-86. — 450) M. Pf ist er, Schirnaidel bis .auf d. Gegenw., zugleich 

e. Rückblick auf d. Hochstift Bamberg. Aus JBHVBambg. Bamberg (Dnckstein). 1892. 308 S. M. 3,00. —451) A. Schaffte r, 
Würzburgs Entwicklung bis in d. Zeit d. 30 j. Krieges. (= Beitrr. z. Entwicklungsgesch. d. Stadt Würzburg N. 1.) Würzburg, 
A. Stnber. 17 S. M. 1,00. — 451a) G. v. Zürn, Ueber Würzburgs Entwicklung in d. letzten 30 J. (=: ebda. N. 2.) 10 S. — 
452) X Chrn. Meyer, Quellen z. Gesch. d. Stadt Bayrentli. Mit Plan v. 1621. Bayreuth, Giessel. III, XVL 248 S. M. 5,00. 

— 452a) X M. Bnff, Augsburg in d. Renaissancezeit. Zeichnungen v. H. v. Berlepsch. Bamberg, Bnchner. 140 S. M. 2,50. 

— 453) X E- Hopp, Chronik v. Kalchreuth. Erlangen (Nürnberg, Raw). 20 S. M. 0,25. — 454) X Fr. Sixt, Chronik d. 
Stadt Gerolzhofen in Unterfranken. 2 Pläne u. Abbild. Ans AHVUnterfranken. Würzburg, Woerl. 175 S. M. 3,00. - 455) O 
(ihm. Meyer, Enoch Widmans Chronik d. Stadt Hof. Nach d. Orig.-Hs. her. Hof, Lion. III, 112 S. M. 2,00. (Vgl. auch II 3.) 

— 456) O J. Priem, Gesch. d. Stadt Nürnberg v. d. ersten urkundl. Nachweis ihres Bestehens bis auf d. neueste Zeit. 2. Aufl. 
Her. V. E. Reicke. 1.-8. Lfg. Nürnberg, Raw. S. 1-256. a, M. 0,40. — 457) G. Westermayer, Chronik der Burg u. des 
Marktes Tölz. 2. Aufl. Mit 12 Abbild. Tölz, Dewitz. VII, 319 S. M. 4,00. — 458) F. Trautmann, Im Münchener Hof- 
garten. Oertliche Skizzen u. Wandelgestalten v. einst. Neue (Titel-)Aufl. München, Galler. X, 236 S. M. 1,80. — 458 a) 
id., AU- Münchener Wahr- u. Denkzeiohen. Neue (Titel-)Aufl. ebda. VIU, 264 S. M.3,20. - 459) J. Kamann, D. Fehde d. 
Götz V. Berlichingen mit d. Reichsstadt Nürnberg u. d. Hochstift Bamberg 1512-14. E. Beitr. z. Gesch. d. öffentl. Zustände 
Frankens nach d. ewigen Landfrieden: (= Quellenschriften n. Abhandl. z. Staats-, Kultur- n. Kunstgesch. d. Reichsstadt Nürn- 
berg I). Nürnberg, Schräg. VIII, 133 S. M. 3,00. ffMVGNürnberg 10, S. 289-95.]| — 460) F. Hildenbra n d, Gesch. d. 



G. Liebe, Kulturgeschichte. I 4 : 461-497 

In der Litteratur über Oesterreic h''6i-462-) t^itt Wien in den Vordergrund. 
Allerding-s sind es ausser Recensionen über Gug-lias^'^^'^^^) Werke meist Skizzen^^^''^^') 
populärster Art, die die moderne Stadt der Phäaken feiern, und es ist höchst erfreu- 
lich, dass der unwürdig-e Zustand der lokalgeschichtlichen Forschung endlich den 
Plan eines auf breitester archivalischer Grundlage ruhenden Quellenwerkes hat reifen 
lassen^ös). — Burgerstein^^^'') nimmt aus der verbesserten Aufstellung, die man 
pietätvoll dem alten Wiener Wahrzeichen „Stock im Eisen" hat zu teil werden lassen, 
Anlass zu einer sorgfältigen botanischen und historischen Untersuchung. Ihr Resultat 
ist, dass der Baumstumpf einer Fichte angehört und wahrscheinlich als Zeichen der 
an seinem Standort beginnenden ersten Stadterweiterung stehen gelassen wurde. — 
In Böhmen hat das Egerland zwei dankenswerte Monographien Neubauers^^^'^'O) 
aufzuweisen. Zählt die erste detailliert die Bestandteile eines Bauernhofes in dialek- 
tischer Bezeichnung auf, so giebt die zweite einen Beitrag zum Geistesleben des 
Volkes, da schon die geringe Zahl der meist nach der Farbe gewählten Benennungen 
bezeichnend für den Egerländer ist, der in ausgesprochener Richtung auf das Nütz- 
liche keine Blumenzucht treibt.'*^!"^'^) — Mehrere Publikationen sind TiroH'^ *''**) 
gewidmet, einzelne Ungarn*"^), Salzburg^^o^^ Steiermark^^i)^ Kärnten.^^^j — ^^g treue 
Festhalten der Siebenbürger an deutscher Art hat auch eine gediegene Geschichts- 
forschung gezeitigt. Die Reden von Teutsch^^s) auf den Versammlungen des Vereins 
für Landeskunde gewähren den klarsten Ueberblick über die Verteidigung des 
Rechtsstandes auf dem Klausenburger Landtag 1791 und in der Litteratur, so in 
Schlözers Staatsanzeiger. — Der Haushalt Hermannstadts zur Zeit Karls VI. erfährt 
durch Herbert 4^*) nach den Rechnungen verschiedener städtischer Beamten eine 
eingehende Untersuchung, — 

In der Schweiz hat sich Oechslis*^^) Quellenbuch für Haus und Schule die 
Berücksichtigung der Kulturgeschichte zum Ziele gesetzt.'*^^"^*'*) — Ein kleiner 
ArtikeP^^) zählt die freundlichen Berührungen der Schweizer mit Preussen und den 
Hohenzollern aus früheren Jhh. auf. — Mit einzelnen Verhältnissen Basels beschäftigen 
sich mehrere Studien49o-492j_ _ 

Vom verlorenen Posten der Ostseeprovinzen geben einige all- 
gemeine^^'^) wie besondere Publikationen'*^^'^^') eine Kunde, die immer von neuem 
den Verlust eines tüchtigen Stückes Deutschtum bedauern lässt. — 

Klöster, Stifter, Orden. Reiches, wenn auch zerstreutes und selten 
wissenschafthch verarbeitetes Material zur Geschichte der Innern wie äussern Kultur 



Stadt Frantenthal in d. Pfalz. Mit 9 Illnstr. FraDkenthal, Christmann. 15 S. M. 1,00. — 461) X S. Whitman, Austria 
felix. D. Keich d. Habsburger. Uebers. v. 0. Th. Alexander. B., C.UIrich&Ca. VIII, 263 S. M. 4,00. [[ML. S. 7046.][ (The 
realm of the Habsbnrgs. By S. Whitman [= Tanchnitz Ed. N. 2910.J L., Tauchnitz. 278 S. M. 1,60.) - 462) X Bargen n. 
Schlösser in Oesterreich. 6.-10. (Schluss-)Lfg. Text v. J. Meurer. Wien, Heck, ä 5 Bll. mit 5 Bll. Text, ä M. 8,00. 
([VelhugenKlasingsMh. 2, S. 181-90.]| — 463) X E. Gnglia, Gesch. d. Stadt Wien (vgl. JBL. 1392 I 4:730): Paedagogiam. 15, 
S. 139-40. - 464) X id., Grossstädt. Charakterbilder. I. (vgl. JBL. 1892 I 4:731j: ÖLBl. 2, S. 526,7. — 465) X Fr. Schlögel, 
Ges. Schriften. Kleine Knlturbilder aus d. Volksleben d. alten Kaiserstadt a. d. Donau. 3 Bde. Wien, Hartleben. VIII, 
356 S.; 359 S.; 376 S. M. 9,00. — 466) X Wienerstadt. Lebensbilder aus d. Gegenw., geschild. v. Wiener Schriftstellern. 
Lfg. 1-9. Wien n. Prag, Terapsky. (Leipzig, Freytag.l S. 1-256. ä M. 0,80. — 467) Alt-Wien. Mschr. für Wiener Art n. 
Sprache. Her. v. L. Stieböck. 1. u. 2. Jahrg. ä 12 Hefte. Wien, Dirnböck. 1891-93. ä Hft. 12 S. ä .lahrg. M. 5,00. — 
468) D. Wiener Geschicbtswerk: Presse N. 283. — 468a) A. Burgerstein, „D. Stock im Eisen" d. Stadt Wien. Mit 
1 Taf. Progr. Wien. 34 S. — 469) J. Neubauer, D. Egerländer Bauernhof u. seine Einrichtung. Progr. Elbogen. 18 .S. — 
470) id., D. im Egerland benannten Pflanzen: Bayerns Mundarten 2, S. 129-37. — 471) X J- Heibig, Beitrr. z. Gesch. d. 
Stadt u. d. Bez. Friedland. 1.-5. Lfg. Friedland i. B„ Weeber. 12". S. 1-64. ä M. 0,40. - 472) X K. Kieme nf, Weitere Notizen z. 
Gesch. d. kgl. SUdt Mähr.-Neustadt im 17. u. 13. Jh. Progr. Mähr.-Nenstadt. 22 S. — 472a) X •*■■ Costa-Rossetti, D. 
Brünner Spielberg, insbes. d. Kasematten u. seine merkwürdigsten Gefangenen. Mit 3 Planskizzen n. 2 Ansichten. 4. Aufl. 
Brunn, Winkler. IV, 64 S. M. 0,80. — 473) O S. Bredl, D. Colleginm S. Bernardi in Prag. E. knltarhist. Bild: 
StMBCO. S. 53-60, 212-21. - 474) O G. Eessel, D. Erzgebirge in Sage u. Gesch. Teplitz, Selbstverl. |[MNordböhm.- 
ExcnrsClnb. 16, S. 273.]) — 475) O MNordböhmExcursOlub. 16, S. 119-22, 129-30, 152-85, 241/7, 250 7, 357-61. — 476) X 
M. Grandjean, En Tyrol: paysages, raoeurs, bist., legendes. Avec grav. Lille, Desclee, de Brouwer et Co. 288 S. 
[[WestmR. 140, S 207.]| — 477) O S. M. P r e m , Kufsteiner Festschrift z. Feier d. vor 500 .L erfolgten Erhebung d. Ortes ■/.. 
Stadt. Knfstein (Wien, Geroldj. Fol. 77 S. M. 3,00. |LBLU. S. 6463.]) - 4781 X Chrn. Schneller, Beitrr. z. Orts- 
namenkunde Tirols. I. Innsbruck, Ver.-Buchh. u. Buchdr. XI, 92 S. Fl. 1,00. )[ÖLB1. 2, S. 656/8; F. Stolz: ZVVolksk. 3, 
S. 464.]| (Vgl. I 5:372.) — 479) Derujac, Ungarn im Werke d. Kronprinzen Rudolf: ZBK. 4, S. 83-94. — 480) O J. Dobl- 
hoff, Beitrr. z. Quellenstudium Salzburg. Landeskunde. I. Salzburg, Mayr. IV, 48 S. M. 1,20. — 481) O J. v. Zahn, 
Styriaca. Gedrucktes u. üngedrucktes z. Steiermark. Gesch. u. Kulturgesch. Graz, Moser. VII, 277 S. M. 3,60. — 482) X 
R. Müller, Kleine Beiirr. z. altkärntnischen Ortsnamenkunde. 5. Klagenfnrt: Carinthia 83, S. 179-84. — 483) G. Teutsch, 
Rede z. Eröffnung d. 44. u. 45. Oeneralvers. d. Ver.: AVSbnbgnL. 24, S. 5-82, 409-.37. — 484) H. Herbert, D. Haushalt 
Hermannstadts z. Zeit Karls VI.: ib. S. 83-229, 438-513. — 485) O W. Oechsli, Quellenbach z. Schweizergesch. NF. m. 
bes. Berüoksischtig. d. Kultnrgesch. für Haus u. Schule bearb. Zürich, Sohulthess. IV, 566 S. M. 7,00. ||DLZ. S. 398 9; 
BLChrSchw. S. 72.]| — 486) X J- L- Brandstetter, Repert. über die in Zeit- u. Sammelschriften d. J. 1812-90 enth. Auf- 
sätze u. Mitteilungen schweizergesch. Inhaltes. Basel, Geering. IV, 467 S. M 7,20. — 487) O A. Nüscheler, D. Gottes- 
häuser d. Schweiz: GFr50. 48, S. 1-80 — 488) O Th. v. Liebe nau, Knlturhist. Miscellen : AnzSchwG. 24, S. 471. — 489) 
Deutsche u Schweizer: StrassbPost. N. 122. — 490) X L- Freivogel, D. Landschaft Basel in d. 2. Hälfte des 18. Jh. L 
Diss. Bern. 193 S — 491) X C. Sartorius-Burckhardt, M. Job. Jac. Huber, weil. Pfarrer u. Dekan in Sissach u. seine 
Sammlangen z. Gesch. d. Stadt u. Landschaft Basel: BiislerJb. S. 75-135. — 492) X R- Wackernagel, D. Kirchen- u. Schnl- 
gut d. Kantons Basel-Si: BVtGBasel. 13, S. 83-139. — 493) X E- «• A. Seraphim, Aus d. kurländ. Vergangenheit (vgl. 
JBL. 1892 I 4: 765; HI 1 : 26): BLÜ. S. 65 6. — 494-495) X Drei Weihnachtsabende d. dtsch. Hansestadt Dorpat in Livland 
1222-1524-1802. V. e. dtsch. Reichsangehörigen. Lübeck, Gläser. 109 S. M. 1,80. — 496) X ^V^- Neu mann, D. MAlich. 
Riga. Mit 26 Taf. B., J. Springer. 1392. Fol. VI, 58 S. M. 20,00. |[G. Manteuffel: KwH. S. 100,1.]| — 497) X A. 
Jahresberichte für neuere deutsche Litteratnrgeschichte. IV. 8 



I 4:498-535 G. Liebe, Kulturgeschichte. 

bieten die Werke, welche einzelne geistliche Anstalten behandeln^'-**). — Unter denen, 
die eine längere Entwicklung zum Gegenstand haben'*'^^"^*^^^^ ist das geschickt 
geschriebene Buch von Kniel^*^'^) über die Abtei Laach zn erwähnen, welches zur 
800jährigen Jubelfeier und Neubelebung des Klosters einem weiteren Kreise Bilder 
aus dessen Geschichte geben will und diesem Zweck ohne mehr als gelegentliches 
Hervortreten des konfessionellen Elements nachkommt. — Dagegen erklärt Daffner''**^) 
in seiner Geschichte Benediktbeurns zwar, dass die Kulturentwicklung den Haupt- 
gegenstand der Geschichtswissenschaft bilden müsse, bietet aber nur eine nüchterne 
pragmatische Darstellung und bekennt sich zum Schluss zu der Ansicht, dass der 
Socialismus nur eine gerechte Strafe der Fürsten für die Klosteraufhebung sei. — 
Zahlreich haben einzelne Abschnitte von Klostergeschichten Bearbeitung erfahren^05-5i3)_ 

— Die umfangreiche Litteratur über den Jesuitenorden dient grossenteils der Pole- 
ujjl^5i4-522j. (lie so verschieden gearteten Schriften von Duhr^-^) und Graf Hoens- 
broech-^ '''■*) haben besonderes Aufsehen erregt. — Als streng wissenschaftlich seien 
die Arbeiten von Hansen^^ö) ^nd Richter ^^^'^^öa^ hervorgehoben. — 

Besondere Volkselemente. Eingesprengte fremde Volkselemente haben 
stets der Kultur zu grosser Förderung gereicht; von keinem gilt dies mehr als von 
den Hugenotten, die sich mit Recht lebhaften wissenschaftlichen Anteils rühmen können. 
Die umfangreichste Leistung auf diesem Gebiete ist die Fortsetzung von ToUins^^-j 
Werk (vgl. JBL. 1892 I 4 : 810). Der vorliegende Band enthält eine Zusammen- 
stellung der Berufszweige, vorzugsweise im militärischen und gewerblichen Fache, 
Leider wird das fleissige Werk durch Ueberwuchern des Details auf lokales Interesse 
beschränkt. — Die Fortsetzung der Geschichtsblätter^^s^ ^qq deutschen Hugenotten- 
vereins bringt wieder eine Anzahl kleiner Gemeinden zur Darstellung. Neben der 
Organisation tritt die feindselige Stimmung der Einwohner, besonders der Handwerker, 
hervor ^^^). — Die genannten Punkte behandelt für Magdeburg Tollin^-^**) mit grosser 
Ausführlichkeit; man sieht, welche Mühe der kurfürstliche Kommissar der Volks- 
abneigung gegenüber mit Unterbringung zumal der gewerblichen Anlagen hatte. 
Die deshalb nötige, durch Zuschüsse ermöglichte Bauthätigkeit lässt die Eingewanderten 
in den ersten 50 Jahren im Besitz ziemlich vieler Häuser erscheinen, die aber sehr 
oft aus Mangel an Unterhalt wieder aufgegeben werden mussten^^'). — Die freundliche 
Aufnahme der durchziehenden Salzburger in Chemnitz 1732 schildert Weinhold ^32-) 
nach den Ratsakten.^^sj — Dqj^ Spuren des Slaventums in Anhalt geht Seelmann^^*)" 
nach, indem er sich der dankenswerten Mühe unterzieht, den Ursprung slavischer 

von Gernet, Ueber d. Gesch. Weissensteins. Vortr. (Aus d. Revaler Beobacliter.) Reval, Klnge. 12". 27 S. M. 1,00. — 
498) X Bilder aus d. Mönchsleben. (= Kath. Flugschriften z. Wehr u. Lehr. Heft 62,4.) B., Germania. 16». 144 S. M. 0,30. 
(Belanglose Popularisierung.) — 499) O Jul. Mayer, D. Gesch. d. Benediktinerabtei St. Peter auf d. Schwarzwald. Frei- 
burg i. B., Herder. XI, 266 S. M. 3,00 |[A. Schulte: ZGOßh. S, S. 717,3; B. Gothein: KBIWZ. 12, S. 261. J| — 500) X 
G. Deutsch, D. Priorissenorden in Böhmen, Mähren u. Schlesien: ÖUR. S. 20-34. — 501) X J- Hess, Festschrift z. 600j. 
Jubelfeier d. Dominikaner- u. Hauptpfarrkirche vom h. Paulus in Aachen 1293-1893. Aachen, Creutzer. 120 S. M. 2,00. — 
502) X H. Koch, D. Dominikanerkloster zu Frankfurt a. M. 13.-10. Jh. Nach ungedr. Quellen. Freiburg i. B., Herder. 
XV, 166 S. M. 3,00. |[J. Hansen: KBIWZ. 12, S. 33;4.]i — 503) C. Kniel, D. Benediktiner-Abtei Maria- Laach. GedenkbU. 
ans Vergangenheit u. Gegenvv. Mit 20 Abbild. Köln, Bachern. 160 S. M. 2,50. — 504) F. Daffner. Gesch. des Klosters 
Benediktbeurn (704-1803). München, Litt. Anst. IV, 432 S. M. 10,00. — 505) X A. Mating-Saramler , Im Chemnitzer 
Benediktinerkloster (= s. o. N. 385, S. 3-14). — 506) X C. Ebel, D. Cistercienser in Oberhessen. Vortr.: MOberhessGV. 4, 
S. 123,7. — 507) X F. Baumgarten, Ans d. Gengenbacher Klosterleben: ZGOßh. 8, S. 436-93, 658-702. — 508) X &• 
Bossert, D. Besitz d. Klosters Lorsch: ib. S. 640,5. — 509) A. Schilling, Kloster Reuthin u. seine Restitution durch 
Kaiser Ferdinand II.: FreiburgerDiöcesA. 23, S. 215-63. — 510) X K. Math, D. ehemal. Klosterkirche in Nieder-Altaich. 
Nach Gesch. u. Gestalt beschrieben. Passau, Abt. VIII, 86 S. M. 3,50. — 511) A. Meli, D. Stift Seckau u. dessen wirtschaftl. 
Verhältnisse im 16. Jh.: StMBCO. S. 82-92, 255-65, 367-76. — 512) X J- Dankö, Münster u. Abtei S. Benedict! an der Gran: 
UngR. 13, S. 1-22. - 513) X A.. Hardegger, D. Cistercienserinnen zu Maggenau. St. Gallen, Huber & Co. 4". 56 S. 
1 Lichtdr.-Taf. M. 2,00. — 514) O J- v. Dorneth, D. Jesuitenorden v. seiner Gründung bis z. heutigen Zeit. Hannover, 
Ost. 89 S. M. 1,00. - 515) X E. Duller, Gesch. d. Jesuiten. E. Büchlein für d. dtsch. Volk. Dresden, Jaenicke. IV, 
126 S. M. 0,75. — 516) X F. Hub er, D. Zweck heiligt d. Mittel : VossZg». N. 11. - 516 a) id., D. Sturz d. Jesuitenordens: ib. N. 48. 

— 517) X E. M. Arndt, Urteil über d. Jesuiten : DPBl. 26, S. 53. — 518) X F- St.. D. Mendinger Teufel u. d. Jesuiten : ib. S. 4;5. — 
519) X C. Scholl, D. Jesuiten in Bayern v. d. ersten Zeit ihrer Berufung: ÖLBl. 2, S. 131/2. — 520) X J- Websky, D. 
Jesuitenorden: PKZ. S. 356/7. - 521) X F. Wagner, Z. Gesch. d. Jesuiten-Mission in Altena (1603): ZVHambG. 9, S. 633/8.— 522)X 
H. Rocholl, D. Zweck heiligt d. Mittel. E. Wort z. Jesuitenfrage: KM. 12, S. 557-68. - 523) X ß- Duhr, Jesuitenfabeln. 2. Aufl. 
(Vgl. JBL. 1892 I 4:826.) |[BLU. S. 199-201; KonsMschr. S. 728-39, 805,6; StML. 44, S. 501/4; DublinR. S. 112; HPBll. 112, 
S. 203/4.11 — 524) P. Graf Hoensbroech, Mein Austritt aus d. Jesuitenorden. (Aus PrJbb.) 1.-6. Aufl. B., H. Walther. 
45 S. M. 0,80 |[ThLZ. 18, S. 3847; NedSpect. S. 164,'6; DEKZ. 7, S. 207,9, 489-90; DPBl. 26, S. 143-50. || — 525) J. Hansen, 
Z. ältesten Gesch. d. Jesuitenordens in Deutschland: MStadtAKöln. 8, S. 233-90. — 526) W. Richter, Gesch. d. Paderborner 
.Jesuiten (Vgl. JBL. 1892 I 4:831.) |[LR8. 19, S. 304,5; ÖLBL 2, S. 129-31.]| — 526a) id., D. Jesuitenkirch« zu Paderborn. 
Festschrift. Mit Abbild. Paderborn, Junfermann. 1392. 99 S. M. 1,80. — 527) H. Tollin, Gesch. d. franz. Kolonie v. 
Magdeburg. III. Bd. Abt. 1 B. Vom Nutzen d. Refuge, insbes. in Magdeburg. Jubiläamsschrift. Magdeburg, Faber. X, 896 S. 
M. 12,75. — 528) GBllDHugenottenV. Zehnt II , Heft 1-8. (Kolonien in Annweiler, St. Lambrecht-Grevenhausen, Halber- 
stadt, Heidelberg, Gr.- u. Kl.-Ziethen, Stade, Celle.) Magdeburg, Heinrlchshofen. 14 S.; 22 S.; 27 S.; 13 S.; 15 S.; 32 S.; 
54 S. M. 3,40. — 529) X E- Beringuier, D. franz. Kolonie in Berlin bis z. Edikt v. Potsdam: Bär 19, S. 212/5, 221/4. — 
530) H. Tollin, Hugenottischer Hausbesitz in Magdeburg: GBUMagdeburg. 23, S. 141-84. — 531) X K, Müller, Aus d. 
Aufzeichnungen flüchtiger Hugenotten. Vortr.: DEBll. 18, S. 645-62. — 532) E. Weinhold, D. Durchzüge vertriebener 
Protestanten durch Chemnitz 1732. (— N. 385, S. 39-50.) — 533) X ö- v. Gasteiger, D. Zillerthaler Protestanten u. ihre 
Ausweisung aus Tirol. Aus d. Nachlass her. v. A. Edlinger. Meran, F. W. Ellmenreich. 1892. XI, 160 S. Mit Bild. 
M. :^,.50. 1[LCBI. S. 318/9.JI — 534) F. Seelraann, D. Slaventura in Anhalt: MAnhaltGV. 6, S. 468-503. — 535) X H. 
Griietz, Gesch. d. Juden. N. Ausg. 1.-24. Lfg. L., Leiner. 4. Bd. XI, 483 S.; 3. Bd. 1. Abt. XII, 857 S. 2. Abt. S. 1-192. 



G. Liebe, Kulturgeschichte. I 4 : säe-ses 

Ortsnamen nachzuweisen, die gegenüber der deutschen Mannigfaltigkeit meist von 
Personennamen abgeleitet erscheinen. — Auf dem bedeutsamen Gebiet der Schilderung 
vom Einfluss des jüdischen Volkselements macht sich nur zu oft die Polemik des 
Tages in Für und Wider gleich abstossend geltend. Von Werken derartiger Tendenz 
wird an dieser Stelle nicht zu sprechen sein. Nächst den in neuer Auflage erschienenen 
Gesamtdarstellungen^3^"^36) jgt einiger Quellenwerke zu g*edenken^37-538j — Einzelne 
Seiten des Judentums sind Gegenstand zusammenfassender Betrachtung geworden. 
Sulzbachs-''^^) schöne Anthologie jüdischer Poesie endet mit Beginn der uns inter- 
essierenden Periode. — Hätte Gerecke^^^) seine Kenntnisse der älteren jüdischen 
Litteratur wissenschaftlich verwertet, so wäre das sehr dankenswert gewesen, aber 
die Ausfälle gegen das Christentum überwuchern das positive Material völlig, und 
die Ausdrucksweise klingt selbst für einen Amerikaner sehr nach dem wilden Westen. 
— A. von Eberstein ^*') verfolgt die Zeichen jüdischen Einflusses von dem 
Davidsonschen „TelegTaphen", der 1806 sich einen traurigen Namen machte, bis zur 
Statistik der Berliner Rechtsanwälte 1893.^^2j — Zum ersten Mal für ein bestimmtes 
Territorium unterwirft die Geschichte einer Judenschaft Liebe^*^) einer Untersuchung, 
deren Zweck, den Einfluss auf Finanzverwaltung und damit auf staatliche Entwicklung 
zu zeigen, den Schwerpunkt der Arbeit vor unsere Periode verlegt. — Popper^*^) 
entnimmt den Grabschriften des Prager Friedhofs nur eine dürre Zusammenstellung- 
nach Berufen. 5*5- ö'*-) _ 

Familiengeschichte. Unter den Beiträgen zur Familiengeschichte 
adliger Geschlechter ^^s^'ssi) ist nur durch den Namen ihres Vf. von Interesse die 
Schilderung des Junkers Augustus von Bismarck5ä2j von seinen 1631 — 52 in 
französischen, schwedischen, brandenburgischen Diensten verbrachten Kriegsjahren, 
die in ihrer nüchternen Aufzählung kaum einen subjektiven Zug hervortreten 
lässt. — Einige heraldische Publikationen seien hier angeschlossen^sS'^se^^ — Bürger- 
liche Geschlechter sind mehrfach in grösseren Gruppen behandelt. Eine neue Quelle 
dazu hat Primbs^^") in einer Sammlung von Testamenten Regensburger Bürger 
(1400—1750) erschlossen. 558-559-) __ d[q Geschichten einzelner Familien sind meist 
ohne Interesse56o-56i^. eine Ausnahme macht die der Siebenbürger Familie Hejdendorff, 
die, im 18. Jh. von einem Mitgliede niedergeschrieben und jetzt von Gross 562j heraus- 
gegeben, zugleich die Geschicke des Landes wiederspiegelt. Von Wert für die 
Lebenshaltung einer bürgerlichen Familie ist eine Erbteilung vom Ende des 17., die 
Specifikationen von Hochzeitskosten aus der Mitte des 18. Jh. — 

Einzelne Personen. Unter den Arbeiten, welche Einzelpersönlichkeiten 
zum Vorwurf haben, ist es schwer, eine Auswahl zu treffen. Es sei zunächst hin- 
gewiesen auf die Studie563) über Justus Jonas zur Feier seines 400jährigen Geburts- 
tags am 5. Juni. -- Riehl als Herold deutschen Volkstums hat aus Anlass seines 
70. Geburtstags durch Nord 564) eine schöne Würdigung gefunden. — Anerkennens- 
wert ist, dass Stöber, der unermüdliche Vorkämpfer des Deutschtums im Elsass, 
geschildert wird, von Bräutigam 565), — Unerschöpflich scheint das Interesse an 



a M. 0,80. — 536) X id., Hist. des juifs, trad. de Tallemand par M. Bloch, t. 4 Paris, Durlacher. 476 S. Fr. 5,00. — 
537) A. Neubaner n. M. Stern, Quellen z. Gesch. d. Juden in Deutschland. H. B., Siraion. XXIX, 224 S. M. 8,00. ([M.HL.21, 
S. 15;7.J| (Vgl. auch JBL. 1892 I 4 : 799.J — 538) X A. Jellinek, Kontres Ha-Maskir. Bibliogr. über d. Namen d. Juden, 
alphnbet. geord. nebst e. Anh. über d. Glossen z. Talmud v. Rabbi Aschkenasi (Hebr). l'. Aufl. Wien, Lippe. VH, 40 S. 
M. 1,00. — 539) A. Snlzbach, D. relig. u. weltl. Poesie d. Juden vom 7.-16. Jh. Trier, Mayer. 216 S. M. 3,75. — 540) A. 
Gerecke, D. Verdienste d. Juden um d. Erhaltung u. Ausbreitung d. Wissensch. Zürich, Verlagsmag. 47 S. SI. 0,80. — 

541) A. Frhr. t. Eberstein, Hervortreten d Judentums seit Anfang dieses Jh. ß., Wiegand .t Grieben. 15 S. M. 0,30. — 

542) X *"• Reuss, Chr. W. Dohms Schrift über d. bürgerl. Verbesserung d. Juden (vgl. JBL. 1892 IV le:374): DLZ. S. 1212. 
— 543) G. Liebe, D. rechtl u. Wirtschaft!. Zustände d. Juden im Erzstift Trier: WZ. S. 311-74. — 544) L. M. Popper, 
D. Inschriften d. alten Prager Judenfriedhofes zum ersten Male vollständig entziffert. Kultnrhist. u. hist. bearb. v. 
M. Popper. 1. Heft. Brnunschweig (Frankfurt a M., J. Kauffmann). 42 S. M. 2,00. — 545) O S. Hock, D. Familien 
Prags. Nach d. Epitaphien d. alten jöd. Friedhofs in Prag zusammengest. Pressburg (Frankfurt a. M., J. Kauffmann). 1S92. 
36, 402 S. Mit Bild. M. 6,00. |[DLZ. S. 1102/4; LCBl. S. llSO.jj — 546) X E. Emil, Erinnerungen e. alten Prägers. 
Ghettogeschichten aus vergang. Tagen. L., Malende. 352 S. M 3,00. (Norellistisch.) — 547) O G. Tobler, Bern u. d. 
Juden: BernerTb. 42, S. 117-41. — 548) X R- G.. D- Familie v. Wuthenau: Bär 19, S. 741/3. — 549) X H. Zeller- Werd- 
müller, D. Freien v. Eschenbach, Schnebelburg u. Schwarzenberg : ZürichTb. 16, S. 75-132. — 550) X Th. v. Ditfnrth, 
D. Gesch. d. Geschlechts v. Ditfurth II. (Vgl. JBL. 1892 I 4:786.) 1[GGA. S. 143,4.J| - 551) X Chrn. Meyer, Hohen- 
zollerische Forschungen. Jb. für d. Gesch. d. Hohenzollern. 2. Jahrg. München, Selbstverl. 232 S. M. 15,00. — 552) |W. 
Zahn], D. Memoiren d. Junkers Augustus v. Bismarck: JbAltmärkGV. 23, S. 90-105. — 553 j X Z. Bartsch, Steiermark. 
Wappenbuch 1567. Graz, Moser. 180 S. M. 3,60. — 554) X E. Schnitze, Magdeburger Geschlechterwappen aus d. 16. u.' 
17. Jh.: GBUMagdebnrg. 28, S 63-99. — 555) X J- Siebmachers grosses u. allgem. Wappenbuch IV. Nürnberg, Bauer & Raspe. 
775 S., 504 Taf. M. 210,00.-556) X E. Frhr. v. Sacken, Katechismus d. Heraldik. .5. Aufl. Mit 215 Abbild. L., J. J. Weber. 
XVI, 155 S. M. 2,00. — 557) K. Primbs, Uebersicht v. Testamenten aus d. Arch. d. ehemal. Reichsstadt Kegensbnrg: 
ArchZ. 4, S. 257 93 — 558) O Th. Schön, D. Reutlioger Patrizier- u. Bürgergeschlechter b^s z. Reformation: GBllReutlingen. 4, 
S. 13,6, 30,2, 44-54, 70/2, 83,8, 97-101. — 559) X F- Bares, Siechticke a erbovni rodiny v raeste Boleslava Mladeho v letech 
1471-1620. (Adels- n. Erbgeschlechter d. Stadt Jnngbunzlan.) Progr. Jungbunzlau. 49 S. — 560) X 0. Gerland, D. 
Familie Du Ry. (= Gesch. hugenott. Familien. IIL) B., Mittler. 23 S. M. 0,75. — 561) X W. Meister, D. Familie Meister. 
Markgrabowa, Czygan. 24 S. (Nicht im Handel.) — 562) J. Gross, Z. Gesch. d. Heydendorffschen Familie: AVSbnbgL. 24, 
1892, S. 233-346. — 563) Z. Jubelfeier d. 400 j. Geburtstages v. Dr. Justus Jonas: MagdZg». N. 23. — 564) H. Nord, 
W. H. Riehl: TglRsB. N 114. - 565) L. Bräutigam, D. treueste Hüter d. dtsch. Sprache im Elsass: ZDU. 7, S. 647-50. 

8* 



I 4:566-593 G. Liebe, Kulturg-eschichte. 

Personen, die ein solches nur durch ein Rätsel erwecken. Hoffentlich ist das neue 
Buch über Kaspar Hauser endlich das letzte. Die Tochter von dessen Gönner Lord 
Stanhope, die Herzogin von Cleveland ^^6^^ wendet sich darin gegen die 
wider ihren Vater ausgesprochenen Verdächtigungen, als sei derselbe der Urheber 
von Hausers Tod, den sie nach genauester Prüfung als unbeabsichtigten Selbstmord 
auffasst.56') — Das pseudonyme Buch Artins^e^j (yg-i. jbl. 1892 I 4 : 839) erfährt 
scharfe Kritik-^e«) — 

Zur Kultur der Gegenwart. Erscheint es angezeigt, zum Schluss 
einen Blick auf die unsere Zeit beherrschenden Strömungen zu werfen, so wird dabei 
noch weniger als bei der Vergangenheit Vollständigkeit erzielt werden. Es werden 
nur besonders charakteristische Erscheinungen flüchtig berührt werden können. — 
Eine ebenso allgemeine wie rücksichtslose Kritik ist das Hauptkennzeichen unserer 
Zeit; ein Beispiel für beides liefert das Werk von Brodbeck ^'''*j, das aus 10 Wissen- 
schaften je 10 Ansichten als Irrtümer bezeichnet ; neben vielen treffenden Bemerkungen 
erscheint doch manches zu sehr nur als Behauptung. — Gross ist die Zahl der 
Aeusserungen über einzelne Fragen, hauptsächlich socialer Natur. Das recht aus 
Beobachtung der Wirklichkeit hervorgegangene Schriftchen „Aus einer modernen 
Junggesellenklause" ist in 2. Auflage erschienen^'''); es lässt erkennen, wieviel 
gesunder Sinn in unserer Zeit immer noch vorhanden ist, aber unter einem bequemen 
Skeptizismus erstickt wird.^''^"^'^) — Das Buch von S c h m id t- Wei s s en f e 1 s^") 
enthält zwar keine tiefen Forschungen und manche Lücken, schildert aber gewandt 
und in gefälliger Form die Mittel der modernen Kapitalbildung, Maschine und 
Spekulation, sowie den Vorgang selbst an einer Reihe von Beispielen aus den ver- 
schiedensten Gebieten. Die Bekämpfung durch genossenschaftliche Bildungen der 
Arbeiter und die Wirkung des Kapitalismus auf Presse, Litteratur, Kunst findet 
Beleuchtung, den Schluss bildet das versöhnende Gegengewicht der regen Wohl- 
thätigkeit. — Den Mittelpunkt wie des Interesses so der litterarischen Thätigkeit 
bildet selbstverständlich die Entwicklung des Socialismus. Eine Anzahl von Arbeiten 
beschäftigt sich mit seiner Geschichte und seinen Ideen^''**"^**^). Trostlos ist es zu 
sehen, wie seine Verfechter vielfach vom Boden doktrinärer Verkennung der mensch- 
lichen Natur ausgehen. — In Dodels^^^) Schrift ist von Interesse nur die Schilderung 
der Zustände in der von den Socialdemokraten Deutschlands für ideal angesehenen 
Schweiz. — Vogts ^^'') Versuch, die Resultate der modernen Socialwissenschaft dem 
Volke zu vermitteln, müsste, wenn überhaupt von Segen, schon an der W^eitschweifig- 
keit scheitern. Das Werk gipfelt in der Hoffnung auf .eine Gesellschaft, der gegen- 
über die gewöhnlichen Utopien noch viel zu staatssocialistisch sind. Der Frage, 
woher da der Sporn zur Arbeit kommen solle, begegnet er mit der Zuversicht, er 
werde schon „eingetrichtert" werden. s**^) — Die Ausmalung des zukünftigen Zustandes 
beschäftigt auf das lebhafteste die Geister, davon zeugen die Neuauflagen und Ueber- 
setzungen bekannter Schriften. ^^^'^^^j — Fr ot scher ^^^^ giebt eine volkstümliche 
Darstellung früherer kommunistischer Ideen von Plato an. — Ein wachsendes Interesse 
erregt der Zweig der socialen Frage, der sich mit der Stellung der Frauen beschäftigt. 
Auch hier ist die Beobachtung zu machen, wie statt wirklicher Verhältnisse willkür- 
liche Hypothesen zum Ausgangspunkt genommen werden. Die unsinnige Voraus- 
setzung einer nur gewaltsam zerstörten Gleichheit beider Geschlechter bildet den 



— 566) Cleveland [Dtichess of], Trne story of Kaspar Häuser from documents. London, Macmillan. 112 S. Sh 4/6. — 
567) X Elizabeth Evans, The story of Kaspar Hauser, from authentic records. London, Swan, Sonnenschein & Co. Sh. 15,00. 
|[ WestmR. 139, S. 188/9.J | - 568) X ^LBl. 2, S. 426/7. — 569) X F- B ö 1 a u . Geheime Geschichten n. rätselhafte Menschen. HI. (= ÜB. 
N.3106) L.,Eeclam. 83S.M.0,20. (Vgl. JBL. 1892 I 4: 841.) - 570) A. Brodb eck, D.Welt d. Irrtums. 100 Irrtümer aus d. Gebieten 
d.Philosophie.Matheraatik, Astronomie, Naturgesch., Medizin, Weltgesch., Aesthetik, Moral, Socialwissenschaft, Keligion. L., Friedrich. 
V, 112S. M. 1,50. — 571) Ans e. modernen Junggesellenklause. E. Inventur. 2. Aufl. L, Müller. 85 S M 1,00. — 572) XiA. Eitelberg, 
Unmoderne Ansichten über d. moderne Kult. (vgl. JBL. 1892 I 4 : 851): DDichtung. 14, S. 101. - 573) X D- Militarismus u. d. Kult.: 
AMZg. 68, S. 305/6. — 574) X D- Militarismus u. d. militär. Geist in Deutschland: ib. S. 385/8, 393/7. — 575) X ö. Grupp, 

D. Kampf gegen d. Geist in d. heutigen Gesellschaft: HPIJll. 111, S. 359-67. — 576) X H- Raydt, Ueber Jugend- u. Volks- 
spiele: DWBl. S. 308,9. — 577) E. Schmidt- Weissenf eis, Gesch. d. modernen Reichtums in biogr. u. sachlichen Beispielen. 
B., Seehagen. VUI, 391 S. M. 6,00. |[BLU. S. 780/1; DRs. 76, S. 479.j| - 578) X 0- Warschauer, Gesch. des Socialismus 
u. Kommunismus im 19. Jh. (vgl. JBL. 1892 IV Ib : 42) |[DWBI. S. 456: ÜLBl. 2, S. 368/9; RCr. 36, S. 430 ll — 579) O T. 
v. Wyzewa, Die socialist. Bewegung in Europa (vgl. JBL. 1892 I 4:411). |[N&S. 64, S. 410,1.]] - 580) X C- Dohany, D. 
Entwicklungsgesch. d. Socialidee: Geg. 43, S. 375/7. — 581) X La democratie socialiste alllemande devant l'hist. Lille, Delory. 
31 S. — 582) O F. Zanetti, II socialismo, sue cause e suoi effetti. Torino, Tip. Salesiana. 16". 668 S. L. 3,50. — 583) O 

E. Schal], D. Socialdemokratie in ihren Wahrheiten u. Irrtümern u. d. Stellung d. protest. Kirche x. soc. Frage. B., Staude. 
XI, 372 S. M. 3,00. |[BLU. S. 503/5.]| — 584) X K. Hageneier, D. psycholog. Moment in d. Socialdemokratie: Ges. S. 6-10. 

— 585) X R- Derfel, Landläufige Irrtümer über Socialismus. Aus d. Engl. v. F. Hei gl. Bamberg, Handels-Druck, u. Verl. 
12°. 47 S. M. 0,60. — 586) A. Dodel, Bauer, Arbeiter u. Wissenschafter. 3 gemeinverständl. Vortrr. (= Aus Leben u. Wissen- 
schaft. Vortrr. u. Aufsätze. 1. Lfg.) St., Dietz. VI, 127 S. M. 0,75. (S. u. N. 597.) — 587) J. Vogt, E. Welt- u. Lebens- 
anschauung für d. Volk. III. : D. Gesetze d. wirlschaftl. Entwicklung. Lfg. 62-83. L., Wiest. S. 997-1343. ä M. 0,10. — 588) X 
J. Wolf, Socialismus u. bürgcrl. Wirtschaftsordnung. Vortr. : AZg». N. 73. — 589) X^h. 11 ertzka, Freiliind. E. soc. Zukunfts- 
bild. 7. Antl. Dresden, Pierson. XIX, 341 S. M. 2,00. - 590) X E. Richter, Oü mene le socialisme. Paris, Chaix. 80 S. 
Fr. 1,50. — 591) X id., Pictnres of the socialistic future. London, Sonnenschein. Sh. 2. — 592) X M. B rasch, Bellamys Vor- 
gänger. E. Studie: l>R. 1, S. 256-62. — 593) P. Frotscher, Socialdemokraten aus alten Zeiten. (== Sachs. Volksschriften- 



F. Vog-t, Volkskunde. I 4 : 594-615 I 5 

Ausgang-spunkt für Ausführung'en teils demag-ogischer, teils — hysterischer Natur. 
Weithin macht sich der Einfluss von Bebels^^^-sos-) Buch bemerkbar, das Geist 
und Kenntnisse darauf verwendet, das Gefühl der Knechtschaft nicht nur zwischen 
den Klassen, sondern auch zwischen den Geschlechtern zu verbreiten. Von seinem Ein- 
fluss zeuget nicht nur die Zwanzigzahl der Auflagen, sondern auch die Wirkung* 
auf unklare Köpfe. — Mit Ansichten, wie die des M a c h e t e s^^^), dass in 
der Stellung- des Weibes als Gattin und Mutter eine Entwürdigung lieg-e, ist 
allerding-s eine Verständigung- auf dem Boden sittlicher Anschauung- nicht mehr 
mög-lich^^"). — Viel zu selten wird, wie von einem Unbekannten^^^), die vernünftig-e 
Beschränkung auf das der Natur Erreichbare gefordert^'^^). — Dies gilt auch von den 
Aeusserungen, welche anerkennenswerter Weise sich mit der Stellung- der Frau im 
wirklichen Leben beschäftigen^oo^^ insofern sie zu viel Gewicht auf die g-eistige 
Bildung leg-en. Es ist keine Lösung-, wenn man wie Helene Lang-e^^') g-ar noch 
die Frauen in das ausgefahrene Geleise veralteter klassischer Bildung zerren will602-605^^ 
— Tröstlich ist bei so allsei tig-er Erkenntnis des Schlechten der sich regende Eifer nach 
Besserung-. Das Streben ist erwacht, auch den Aermeren unsere g-eistig-en Schätze 
zugänglich zu machen. Hummel^*^^) freilich täuscht die Erwartung-, mit der man 
der Beantwortung- einer Kardinalfrage wie der nach Arbeiterbildung- entg-eg-ensieht, 
durch die abstrakte Form. Mit Mühe findet man aus dem Wust der log-ischen Kunst- 
ausdrücke die wenig-en praktischen Gedanken heraus. — Schwindr azheim^*'^) sucht 
Heilung für den zwischen den verschiedenen Schichten auch im Gebiet des kunstg-ewerb- 
lichen Verständnisses klaffenden Zwiespalt in einer volkstümlicheren Gestaltung- durch 
Betonen des nationalen Elements, so der heimischen Natur. — Am aussichtsreichsten 
ist wohl die Einrichtung von Volksunterhaltungsabenden, die Manz^"^) nach eng- 
lischem Vorbild in Vorschlag bringt.^^o-) — Mehrfach haben Versuche zur Verbesserung 
unserer sittlichen Lebenshaltung Würdigung gefunden. Conrad^l*^) veröffentlicht 
zwei Preisarbeiten einer von der Monatsschrift „Die Gesellschaft" ausgeschriebenen 
Konkurrenz. Wenn sie die Hauptmittel zur Regeneration in hygienischen Massregeln 
sehen, wird dem zuzustimmen sein, aber ein Hauptpunkt ist vergessen: Das frühe 
Heiraten der Arbeiter. ^'i) — Der ethischen Bewegung^^-'^i^) wäre eine grössere 
Berücksichtigung realer Ziele zu wünschen, auch ist die Abkehr vom nationalen 
Prinzip zu bedauern. — Sieht J. B. Meyer^^^j das Heil darin, dass der Parteigeist 
durch Vaterlandsliebe, diese durch weltbürgerliche Auffassung beschränkt werde, 
so erhofft Friedrich Lange^'^) Rettung für die Schäden der Gegenwart von einer 
starken nationalen Bewegung. — 



1,5 

Volkskunde. 

Friedrich Vogt. 



Einleitung und Allgemeines: Sammlungen N. 1; Methode N. 3; Mythologie N. 8; Quellen N. 12. — 
Sammlungen volkstümlicher Ueberlieferungen einzelner Gegenden: Oberdeutschland: Baden, Elsass N. 13; 
Schweiz, Baiern N. 15; Tirol N. 19; Siehenbnrger Sachsen N. 22. — Ungarn N. 27. — Mitteldeutschland N. 31. — Mähren 

Verl. N. 4/5.) L., Wallmann. 12». 100 S. M. 0,75. — 594) A. Bebel, D. Frau u. d. Socialismus (D. Frau in d. Vergangenheit, 
Cxegenw. u. Zukunft). 20. Aufl. St., Dietz. 386 S. M. 2,00. - 595) id., Woman, her position in the past, present and future. 
London, Eeeves. Sh. 2,00. — 596) Machetes, D. unrecht d. Stärkeren in d. Frauenfrage. L., Naumburg. 72 S. M. 1,50. — 
597) A. Dodel, Vom Weib, seine soc. Stellung u. seine Befähigung. E. Menschwerdungsfrage. (= Leben u. Wissenschaft. 
Vortrr. u. Aufsätze. 2. Heft [St., Dietz. S. 129-264. M. 0,75.], S. 171-230.) (S. o. N. 586.) - 598) Zur Frauenfrage im allgemeinen 
u. bei uns: BaltMschr. 40, S. 649-61. - 599) X H. Kötzschke, D. christl. Standpunkt in d. Frauenfrage. 1./3. Aufl. L., 
Werther. 91 S. M. 1,00. |[BLU. S. 542.]| — 600) X Lina Morgenstern, Gesch. d. dtsch. Franenf rage u. Statistik d. Frauen- 
arbeit auf allen ihr zugänglichen Gebieten B., Dtsch. Hausfrauenzg. 248 S. M. 3,00.-601) X Helene Lange, Entwicklung 
n. Stand des höheren Mädchenschulwesens in Deutschland. B., K. Gaertner. 69 S. M. 1,20. |[LCB1. S. 1318.]| — 602) X K. 
Walck er, Anteil d. Frauen am geistigen Leben. (= Samml. päd. Vortrr. Her. y. W. Mey er-Markau Bd. 5, N. 10.) Bielefeld 
Helmich. 15 S. M. 0,40.-^ 603) X Alice Bousset, Zwei Vorkämpferinnen für Frauenbildung: Luise Büchner, Marie Calm'. 
(= SGWV. N. 168) Hamburg, Verlagsanst. 53 S. M. 1,00. - 604)Emily Crawford, Journalism as a profession for woman ! 
ContempB. 64, S. 362-71 — 605) M. Vachon, La femme dans l'art Les protectrices des arts ; les femmes-artistes. Avec 400 grav 
Paris, Kouam et Cie. VI, 618 S. Fr. 30,00. |[NAnt. 45, S. 179-80.]| - 606) F. Hummel, Was lässt sich z. Pflege e. gediegenen 
echt volkstüml. Bildung in d. Arbeiterkreisen thun? Gekrönte Preisschrift. Heilbronn, Salzer. VIII, 127 S. M. 1,60. — 607) 
0. Schwindrazheim, Hie Volkskunst! (= Tages- u. Lebensfragen her. v. W. Bode N. 13/4.) Bremerhaven, Tienken. 34 S 
Mit 8 Taf, M. 0,50. - 608) G. Man-/,, Volksunterhultungsabende: Geg. 44, S. 185/6. - 609) X E. Heilborn, Hintertreppen- 
htt. n. deren Bekämpfung: Nation^. 10, S. 215/6. - 610) M, G. Conrad, Z. Wiedergeburt d. Kulturmenschheit: 2 preisgekrönte 
Arbeiten ^H. Solger: Was ist z. Verbesserung unserer Race zu thun? M. Seiling: D. Regeneration d. Menschengeschlechts) 
Bamberg, Handelsdruck, n. Verl. VI, 44 S. M. 0,75. - 611) X Martins, D. jetzigen Mässigkeitsbestrebungen in Deutschland, 
Oesterreich,Eussland, Norwegen: KM. 12, S, 619-43, 691-711.- 612) X W.Förster, D. Begründung e. Gesellschaft für ethische 
Kultur. Rede. B., Dümmler. 1892. 21 S. M. 0.40. |[DR. 2, S. 143/41| - 613) X Lily v. Kretschman, D. ethische Be- 
wegung in Deutschland: N&S. 64, S. 186-204. - 614) J. B. Meyer. Vaterlandsliebe, Parteigeist u. Weltbürgertum im dtsch. 
Reiche. (= DZSF. N. 108.) Hamburg, Verl.-igsanst. 54 S. M. 1,00. - 615) X F- Lange, Reines Deutschtum. Grundzüge e, 
nation. Weltanschauung. B., Lüstenöder. V, 228 S. M. 2,00. — 



15:1-6 F. Vogt, Volkskunde. 

N. 38. — Niederdentschland : Pommern, Mecklenburg, Ostfriesland N. 39; Westfalen, Saterland, Lübeck N. 43. — Einzelne 
Volksbräucbo: Wettlaufen N. 50; Frühling, Ostern, Maifest N. 52; Weihnachtsfest N. 61; Vereinzeltes N. 67. — Aber- 
glauben: Geheinunitlel N. 81; Volksmedizin N. 90; Pflanzenglanben N. 106. — Seelenkult und Dämonenglauben : 
Hexenwalin N. 113; Tenfelglaubcn N. 115; Geisterglauben N. 117. — Sagensamm lungen; allgemeine N. 152; aus einzelnen 
Gebieten: Oberdentschland N. 154, Mitteldeutschland N. 168, Niederdeutschland N. 188. - Märchen: Sammlungen N. 200; 
Geschichte der Stoffe N. 220a. — Volkslied: Allgeraeines N. 245; Samnilnngen; umfassende N. 259, aus einzelnen Land- 
schaften: Oberdeutschland N. 262, Mitteldeutschland N. 280, Niederdeutschland N. 291 -Verschiedenes: Sprüche N. 302. 
— Sprichwörter N. 311 — Volkswitz, Redensarten N. 328. — Namengebung N. 356. — 

Wenn von jetzt an — um ein einleitendes Wort vorauszusenden — die 
Volkskunde in den JBL. ein besonderes Kapitel einnehmen wird, so entspricht das 
der wachsenden Ausdehnung", Selbständig-keit und Bedeutung- dieser Wissenschaft, 
die einerseits durch die Erschliessung- und Erforschung- der mündlichen Ueber- 
lieferungen, andererseits durch ihre verg-leichende Methode das Studium der philolo- 
gischen Realien ähnlich zu ergänzen und zu fördern berufen ist, wie die Mundarten- 
forschung und die vergleichende Sprachwissenschaft des Studium der Grammatik. 
Freilich tummelt sich der Dilettantismus wohl auf keinem Gebiete der Philologie 
mit so grosser Vorliebe wie auf diesem, und das Gepräge des Dilettantischen trägt 
weitaus der grösste Teil der volkskundlichen Litteratur. Aber das ist kein so grosses 
Unglück. Für die Beschaffung des Materials ist gerade hier die Beihülfe der 
Dilettanten dem Gelehrten ganz unentbehrlich, und was aus dem Munde des Volkes 
an Sagen, Märchen und Liedern, an Sitten, Bräuchen und Meinungen gesammelt 
wird, ist nicht minder poetischen und nationalen als wissenschaftlichen Interessen zu 
dienen berufen. Wenn nur daneben auf diesem Felde die philologisch geschulten 
Arbeiter von strenger Methode und weitem Gesichtskreise nicht fehlen, so wird schon 
für seine wissenschaftliche Ausnutzung und für die Abwehr dilettantischer Uebergriffe 
gesorgt sein. — 

Die Namen zweier bewährter Forscher sind in diesem Berichtsjahre wieder 
unter den einen allgemeinen Charakter tragenden Sammln n gen von Schriften 
aus verschiedenen Gebieten der Volkskunde vertreten. Wenigstens zum guten Teile 
gehört der zweite Band der von Bezz enberger >) herausgegebenen kleineren 
Schriften Th. Benfeys hierher. Aus seiner zweiten Hälfte (der 4. Abteilung der 
ganzen Sammlung) fällt freilich höchstens die Recension von Diefenbachs „Vorschule 
der Völkerkunde und der Bildungsgeschichte" und etwa noch die von Elliots „Memoirs 
on the history, folklore etc. of the north western provincies of India" in unser 
Bereich, insofern sie die allgemeine Volkskunde wenigstens gelegentlich berühren ; 
um so wichtiger ist die erste Hälfte (3. Abteilung), die' ganz der Märchenlitteratur 
gewidmet ist, und auf die wir daher unter dieser zurückkommen (s. u. N. 220a). — 
In der Fortsetzung von Gustav M ey er s^) Essays betreffen zwei Aufsätze speciell 
die deutsche Volkskunde. Der eine behandelt in Anknüpfung an ein Büchlein 
über den Breslau er Jargon besonders die verschiedenen Elemente des schlesischen 
Sprachschatzes, der andere bietet, gelegentlich einer Besprechung der fünf bei Liebes- 
kind erschienenen Elzevir-Sammlungen, anregende Ausführungen zur allgemeinen 
Geschichte des Volksliedes; besonders wird im Anschluss an d.ie Schnadahüpfl auf 
die Verbreitung des Vierzeilers bei den verschiedensten Völkern hingewiesen. — 

Dass bei dem besonderen Charakter der volkskundlichen Litteratur Erörterungen 
über die wissenschaftliche Methode der Volkskunde keineswegs überflüssig sind, 
erhellt schon aus den oben gegebenen Bemerkungen, und wenn sie zugleich durch 
nachahmenswerte oder abschreckende Beispiele aus der gelehrten oder pseudo- 
gelehrten Litteratur veranschaulicht werden, so sind sie gewiss um so erwünschter. 
So könnte man denn die originelle Streitschrift von Krauss^) recht willkommen 
heissen, die witzig genug zeigt, wie „böhmische Korallen," d. i. unechte Mythenwaren, 
durch komische Irrtümer und durch gewissenlose oder chauvinistische Mache auf 
den Markt kommen. Nur trägt die Satire, die sich schliesslich in der Hauptsache 
zu persönlichen Angriffen auf Veckenstedt und Krek zuspitzt, einen derartigen 
Charakter, dass sie einer an sich guten Sache eher schaden als nützen wird.'*) — 
Einen historischen Beitrag zur Methode der mythologischen Forschung lieferte Symons, 
dessen Arbeit W ein h old^) bespricht, durch einen Ueberblick über den Entwicklungs- 
gang dieser Wissenschaft, während Detter^) sich mit E. H. Meyers Methode aus- 
einandersetzt und die Gelegenheit wahrnimmt, Noreens skeptische Ausführungen 



1) Th. Benfey, Kleinere Schriften. Ausgew. n. her. v. A. ßezzenberger. 2. Bd. 3. u. 4. Abt. B., Reuther 
& Reichard. 1892. 236 S.; 156 S. M. 20,00. (S. u. N. 220a.) - 2) (I 2:49.) |[L. Fränkel: Ausland 66, S. 736; E. Wasser- 
zieher: ASNS 91, S. 271,3; LCBl. S. 1583.]| — 3) F. S. Krauss, Böhmische Korallen aus d. Götterwelt. Folkloristische 
Börseberichte vom Götter- u. Mythenmarkte. Wien, Rubinstein. VH, 147 S. M. 3,00. |fK Weinhold: ZVVolksk. 3, S. 348: 
F. Bartels: ZEthn. 25, S. 170; L. Fränkel: Ausland 66, S. 480; A. Schullerus: KBlVSbnbgLK. 16, S 1068; H. 
V. Wlislocki: EthnMUng. 3, S. 176.] | — 4)XLScherman,E, „Referat" über Volkskunde: Urquell 4, S. 234 6. (Ver- 
wahrt sich gegen R. M. Meyers Referat in JBL. 1890 I 5.) - 5) K. Weinhold, Syroons, De ontwikkelingsgang der Ger- 
maansche Mythologie (Groningen 1892): ZVVolksk. 3, S. 230/1. — 6) F. Detter, E. H. Meyer, Qerman. Mythologie: ADA. 19, 



F. Vogt, Volkskunde. I 5 : 7-13 

gegen die natursymbolische Auslegung- mythischer Einzelzüge und seine Ableitung 
von einzelnen Mythen aus grammatischen Missverständnissen beifällig vorzutragen. 
— Auf eine einzelne Erscheinung in der Mythenbildung weist Bruch mann'') hin, 
indem er im Anschluss an V. Henry „Quelques mythes naturalistes meconnus" das 
Rätsel als eine wichtige Durchgangsform in der Entwicklung der Naturanschauung 
zum Mythos darstellt. — 

Die Bedeutung eines Lehrbuches der deutschen Mythologie für die 
deutsche Volkskunde hängt im wesentlichen davon ab, was es über Dämonen- und 
Seelenglauben und über nichtchristliche Volksbräuche mit religiösem Hintergrunde 
zu sagen weiss. Vorsicht ist in diesen Dingen gewiss so löblich und ratsam wie in 
der mythologischen Forschung überhaupt; aber wenn man sie wie Kauffmann^) 
bis zur Ablehnung aller der Hülfsmittel treibt, die der Volksglaube bietet, während 
man sich in der Verwertung der skandinavischen Götterlehre und der ebenso spär- 
lichen wie vieldeutigen lateinischen Inschriften für die deutsche Mj'thologie eine ent- 
sprechende Zurückhaltung nicht auferlegt, so ist doch das methodisch sicherlich 
nicht zu rechtfertigen. Dagegen soll nicht geleugnet werden, dass den Kreisen, für 
welche die Göschensche Sammlung bestimmt ist, am meisten mit einer Behandlung 
gedient sein mag, die, wie es hier geschieht, die nordische Götterlehre in den Vorder- 
grund rückt. Aber eine „deutsche" Mythologie ist das Büchlein, dem die geschickte 
Auswahl und die lebensfrische Gestaltung des Stoffes in kurzer Frist eine zweite 
Auflage verschafft haben, bei alledem nicht, undderVf. hätte nicht durch diesen Titel ver- 
alteten und ohnehin schwer auszurottenden Vorstellungen Vorschub leisten sollen, die 
ihm selbst ja im Grunde fern genug liegen.^) — Mit einer Erörterung zum Wesen 
der Sagenbildung setzt Schwartz'Oj die im vorjährigen Berichte (vgl. JBL. 1892 
I 4 : 204) besprochenen Bemerkungen über charakteristische Formen volkstümlichen 
Denkens und Empfindens fort, indem er zeigt, wie die historischen Erinnerungen 
durch das Hineinrücken in diesen beschränkten Horizont umgestaltet werden. Er- 
eignisse und Zustände konzentrieren sich auf Personen, die zu Typen ausgestaltet 
werden, grosse Zeiträume werden lediglich nach einer charakteristischen Erscheinung 
beurteilt und benannt, und das eine wie das andere rückt gewissermassen dem Leben 
des Volkes allmählich nach, indem die früheren Träger der Tradition durch neue 
abgelöst und die Erscheinungen älterer Perioden auf jüngere übertragen werden. 
Dabei ist das Gedächtnis des Volkes recht kurz ; im allgemeinen greift es nicht über 
das dritte und vierte Geschlecht zurück. Einige hübsche Zeugnisse für diese Eigen- 
heiten volkstümlicher Geschichtsauffassung sind beigefügt. — Eine ganz andere Art 
der Bildung volkstümlicher Vorstellungen betrifft Höf 1er s i') kleine Studie, die 
neben allgemeinen physiologischen und psychologischen Bemerkungen die sprach- 
lichen Bezeichnungen und besonders die Sitten und Gebräuche, die mit dem Ge- 
ruchssinn in Beziehung stehen, erörtert. — 

Von den Quellen der Volkskunde sind neben den Ueberlieferungen der 
Gegenwart die in der älteren Litteratur vorliegenden Nachrichten noch lange nicht 
genügend untersucht und ausgebeutet. Einiges der Art hat Vogt^^) beigebracht und 
dabei den Nachweis geliefert, dass das viel benutzte Kapitel vom fränkischen Fest- 
jahr in Seb. Francks Weltbuch in der Hauptsache ein Plagiat aus Joh. Bohemus 
„Omnium gentium mores" ist, und dass wiederum das von Birlinger zweimal ver- 
öffentlichte und bis auf die neueste Zeit als Quelle citierte „Papistenbuch" nichts 
weiter ist, als die schlechte Abschrift eines Stückes aus Francks Weltbuch. Zugleich 
ist auf eine merkwürdige, durch Bohemus bezeugte Art .von Sühnopfer hingewiesen, 
bei der am Aschermittwoch die Sünden einer Stadtgemeinde auf einen übelberüch- 
tigten Menschen übertragen wurden, der sie dann abbüsste. — 

Die Sammlung der volkstümlichen Ueberlieferungen einzelner 
Gegenden wird mehr und mehr systematisch in Angriff genommen. Es ist sehr zu 
wünschen, dass die Vertreter der deutschen Philologie an den deutschen Landes- 
universitäten sich dieser wichtigen Aufgabe annehmen, denn sie sind in der Lage, 
durch Anregung und Anweisung einheimischer Studenten die geeignetsten, zugleich 
wissenschaftlich geschulten und mit dem Lande vertrauten Sammler für das betreffende 
Gebiet zu gewinnen. Einen viel versprechenden Anfang haben in Oberdeutsch- 
land für Baden in dieser Richtung Kluge, E. H. Meyer und Pfaff'^) gemacht, 
indem sie durch einen eindringlichen Aufruf und durch einen zweckmässig an- 
gelegten Fragebogen das Interesse für die Sache wachrufen und die Aufgaben für 
die Sammler im einzelnen bezeichnen. Die „Alemannia" ist in den Dienst dieses 



S. 113 9. —7) K. Bruchmann, Z. Mythendentnng: ZWolkslc. 3. S. 5.5|S; — g) F. Kauf f mann, Dtsch Mythologie. 2. Aufl. 
(= Samml. Göschen N. 15). St., Göschen. 12». 119 S. M. 0,80 IfE. H. Meyer: ADA.;19, S. 289.]| (Vgl. JBL. 1890 I 5 : 13.) 
— 9) X F- Losch, Mythologisches: GBURentlingen. 4, S. 746. — 10) W. Schwartz, Volkstnml. Schlaglichter. IV. D. 
VVeltgesch. im Spiegel d. Volkstums: ZWolksk. 3, S. 117-30. — U) M. Höfler, D. Geruch v. Standpunkte d. Volkskunde: 
ib. S. 438-48. — 12) F. Vogt, Seb. Franck u. Joh. Bohemus: ib. S. 369-72. — 13) F. Kluge, E. U. Meyer. F. Pfaff, 



I 5:14-26 F. Vog-t, Volkskunde. 

Unternehmens gestellt. — Aus dem Oberelsass, dem Sundg-au, bringt Faber *^) 
allerlei von Volksüberlieferung-en und Sagen vor. — 

Für die Schweiz bietet das von Staub, Tobler, Schoch und Bach- 
mann '^) herausgegebene, allmählich fortschreitende, treffliche Idiotikon, worauf 
Weinhold wieder hinwies, bekanntlich auch Beiträge zur Volkskunde, ähnlich wie 
in diesem Berichtsjahr für Bayern die von Brenner und Hartmann '^J redigierten 
„Mundarten".— Sepp ^''■^^) hat sein 1876 erschienenes Buch in einer Titelauflage wieder- 
holt und dazu ein neues Werk veröffentlicht, das sich örtlich engere, sachlich weitere 
Grenzen gezogen hat. Aber den Hauptinhalt dieser aus sehr verschiedenen Gebieten 
oberbayerischer Kulturgeschichte zusammengetragenen „Denkwürdigkeiten" bilden 
doch wieder Volkssage, Volkskultus und Volksglaube. Die Berührung des jüngeren 
Werkes mit dem älteren ist stellenweise sehr eng, so eng, dass gelegentlich auch 
eine Sage wörtlich aus ihm übernommen ist, ohne dass ein Verweis für nötig be- 
funden wäre; aber das Meiste ist doch neu, und manch interessantes Material wird 
geboten, beispielsweise in den Mitteilungen über volkstümliche Heiligenverehrung. 
Vertrautheit mit Land und Leuten, ausgebreitete Kenntnis mündlicher Ueberlieferungen 
kommen dem Vf. zu statten. Aber leider beeinträchtigt der völlige Mangel an wissen- 
schaftlicher Methode diese Vorzüge in schlimmer Weise. Unbekümmert um die 
neueren Richtungen und Ergebnisse der mythologischen Forschung wittert S. hinter allen 
möglichen Erscheinungen des Volkslebens, hinter allen möglichen Orts- und Personen- 
namen gleich uraltes Heidentum. Seine Etymologien lassen nicht ahnen, dass es 
eine Wissenschaft der deutschen Philologie giebt. Es macht ihm gar nichts aus, 
die Ordalien vom Urdarbrunnen, alle Egerflüsse im Ries und in Böhmen sowie die 
Eider von „dem, deutschen Seegott Aegir" abzuleiten. Die heilige „Fürbet oder 
Vorbet" findet er schon als Amazone Oiorpati bei Herodot vor, und nachdem die 
Vorbet im Handumdrehen zur Borbet geworden ist, setzt er sie der heiligen 
Barbara gleich ! Das Schlimmste ist, dass die Konfusion sich stellenweise auch auf 
die Wiedergabe der Ueberlieferungen erstreckt. So ist z. B. aus einem Seiher, der 
nach dem Sagenschatz (S. 21) aus einer goldhaltigen Quelle die Goldkörner auffing, in 
den Denkwürdigkeiten (S. 51) ein Seilermeister geworden! Bei alledem darf jedoch 
das Buch von der volkskundlichen Forschung nicht unberücksichtigt bleiben, und 
man darf die Mühe nicht scheuen, das thatsächlich Wertvolle aus der wunderlichen 
Umgebung herauszusuchen. — 

In die Tiroler Alpen führen uns die kleinen Beiträge von Greussing'^) 
und die frisch aus dem Leben gegriffene Schilderung Marie Rehseners^o) aus 
Gossensass.2i) — 

Eine weit umfassendere, recht verdienstliche Uebersicht über die Gegenstände 
und die Erscheinungsformen des Volksglaubens bei den Siebenb ürger Sachsen 
giebt von Wlislocki'^2-23-) unter ausgiebiger Verwertung der bezüglichen Litteratur 
und auf Grund persönlicher Vertrautheit mit diesem Gebiete. Er erörtert die ver- 
schiedenen Gattungen der Dämonen, die in den Vorstellungen seiner Landsleute 
leben, handelt von den Bräuchen, die an den grossen Jahresabschnitten und an den 
einzelnen Festtagen begangen werden, führt in einem Abschnitt, für den ihm am 
meisten neues Material zur Verfügung stand, die Mittel und die Sprüche vor, mit 
denen Krankheiten geheilt, das Glück gefesselt, dem Unglück gew^ehrt wird ; er 
zeigt, welche Rolle die Tiere im sächsischen Volksglauben spielen, und behandelt 
endlich die Anschauungen, Bräuche und Zaubermittel, die sich auf den Tod beziehen. 
In den Auslegungen ist er ziemlich unselbständig; der Wert des Buches liegt in der be- 
quemen Zusammenstellung eines reichen Materials. -^"25) — Während das Korrespondenz- 
blatt des Vereins für siebenbürgische Landeskunde der Volkskunde neben der Ge- 
schichte gewidmet ist, zeigt ein Fragebogen, den Seh ullerus^^), der Herausgeber 
des Korrespondenzblattes, zusammen mit 0. Wittstock aufgestellt hat, dass auch in der 
alten Sachsenkolonie volkskundlichen Sammlungen eine besondere Fürsorge ge- 
widmet wird. — 



Fragebogen ■/-. Samml. d. volkstüral. Ueberlieferungen in Baden: Alemannia 21, S. 301,4. — 14) K. W. Faber, Sagen u. 
Volksgebräuche aus d. Sundgau: JbGElsLothr. 9, S. 4-75. — 15) Schweizerisch. Idiotikon. Wörterbuch d. schweizerdtsch, 
Sprache. Ges. auf Veranstaltg. d. Antiquar, Ges. in Zürich. Bearb. v. F. Staub, L. Tobler, R. Schoch u. A. Bach- 
mann, lieft 21-25. Frauenfeld, J. Huber. 4". 2. Bd. S. 1809-40; 3. Bd. S. 1-767. ä M. 2,00. |[K. Weinhold: ZVVolksk. 3, 
S.1078.]| —16) Bayerns Mundarten. Beitrr.z. dtsch. Sprach- u. Volkskunde her. V. 0. Bre nn er u. A Hartraann. 2. Bd., I.Abt, 
München, Kaiser. 160 S. M. 4,00. |[K. Weinhold: ZVVolksk. 3, S. 342; L. Hertel: ZDU. 7, S. 777.J[ - 17) J. N. S e p p , 
AUbayerisch. Sagenschatz z. Bereicherung d. indogerra. Mytholog. Mit 7 Illustr. Neue Ausg. München, Galler. XVI, 735 S. 
M. 8,00. — 18) (I 4:446.) — 19) P. Greussing, Sagen u. Gebräuche im Stubaithal in Tirol: ZVVolksk. 3, S. 169-76. — 
20) Marie Rehsener, Aus Gossensass. Arbeit u. Brauch in Haus, Feld, Wald u. Alm: ib. S. 40-55. — 21)XE Friedel, 
Beobachtungen z. Ethnologie u. Volksk. in Pommern u. Tirol: VGAnthr. S. 554/6. (7 kleine Notizen.) — 22) H. v. Wlislocki, 
Volksglaube u. Volksbrauch d. Siebenbnrger Sachsen. (= Beitrr. z. Volks- u. Völkerkunde. Bd. 1.) Weimar, Felber. 212 S. 
M. 5,00. |[A. John: ZVVolksk. 3, S. 465; A. Schlossar: BLU. S. 631'2; P. Bartels: ZEthn. 25, S. 102; K. Pröll: 
NatZg. 46, N. 465.]| - 23) X i^^. Neue Beitrr. z. Volksk. d. Siebenbürger Sachsen: EthnMUng. 3, S. 18-46. — 24) X Z. 
Volksk.: KBlVSbnbgLK. 16, S. 50/2. 65-70, 129-32. - 25) X V. Roth, Z. Aberglauben v. Klein-Bistritz: ib. S. 134/5. - 26) 



F. Vogt, Volkskunde. 15-. 27-« 

Ganz der Volkskunde dienen auch die Ethnolog-ischen Mitteilungen aus 
Ungarn, die unter A. Herrmanns^") Leitung erscheinen; doch treten in dieser 
Zeitschrift, deren bedrohte Existenz jetzt durch das thätige Eingreifen des Erzherzogs 
Josef gesichert ist, naturgemäss die deutschen Verhältnisse nicht gerade in den 
Vordergrund. — Aehnlich wie den siebenbürgischen hat Wlislocki^s) auch den 
magyarischen Volksglauben behandelt. Natürlich stimmen die betreffenden Vor- 
stellungen und Bräuche bei Sachsen und Magyaren vielfach überein, da in diesem 
Falle zu dem internationalen Gemeingut noch nachbarliche Beeinflussungen kommen; 
übereinstimmend äussert sich hier wie dort aber auch der Standpunkt des Vf., be- 
sonders sein enger Anschluss an Lipperts Anschauung'en ; so fehlt es denn nicht 
an fast gleichlautenden Partien. Für die deutsche Volkskunde würde es von be- 
sonderem Werte gewesen sein, wenn W. die Besonderheiten deutscher Kolonien in 
magyarischer Umgebung mehr berücksichtigt hätte. Wir würden dann wohl noch 
öfter so interessante Erscheinungen erfahren wie die, dass im Unterschiede von 
den sonst in Ungarn herrschenden Johannisbräuchen bei der aus Magyaren und 
Deutschen gemischten Bevölkerung eines Dorfes das Scheibentreiben vorkommt, bei 
dem dann die deutschen Burschen nach der bis in das Elsass hinüberreichenden 
Sitte die Widmung an die Geliebte rufen (S. 63). Magyarische Eigenheiten treten 
besonders in dem Kultus der. „Geburtsgöttin" und in vielen Zauberbräuchen zu Tage, 
die vor allem auch der sehr entwickelten Schatzgräberei dienen. Interessant ist es 
zu vernehmen, dass noch heute in Ungarn förmliche Verschreibungen an den Teufel 
vorkommen.29 30) — 

Durch kleinere Mitteilungen sind von Mitteldeuts chla nd das bayerische 
Mittelfranken 3 • ), Aschersleben ^2-)^ ^[q Grafschaft Mansfeld33) vertreten. 3*) — Ferner 
Nordböhmen 3^), die Lausitz ^ej^ Mittelschlesien 3''). — 

Zur deutsch-mährischen Volkskunde bietet uns Willib ald Müller ^^) eine 
reichhaltige Sammlung, die er mit Benutzung des in Zeitschriften zerstreuten Materials 
und schriftlicher Beiträge einer Anzahl von Landsleuten zusammengestellt hat. Auf 
eine Sammlung von Sagen und Märchen folgt ein Abschnitt, der die Hauptmundarten 
der deutschen Sprachgebiete in Mähren unter dankenswerter Mitteilung von 
Dialektproben charakterisiert. Ein wiederum nach einzelnen Landschaften gegliedertes 
Kapitel schildert die Besonderheiten der Bewohner in ihren Lebensverhältnissen, in 
Tracht und Sitte, Glauben und Brauch, wobei denn auch Proben der Volksdichtung, 
unter ihnen auch Christkindelspiele, mitgeteilt werden. An wissenschaftlicher Methode 
lässt das Werk allerdings manches vermissen. Die an verschiedenen Stellen ge- 
machten Versuche, nachzuweisen, dass Reste der ersten germanischen Bevölkerung 
Mährens die slavische Einwanderung überdauert hätten, müssen als missglückt be- 
zeichnet werden. Am meisten aber ist der Mangel jeglichen Quellennachweises bei den 
einzelnen Stücken zu tadeln. Von einem nicht geringen Teil der Sagen getraue ich 
mir mit Bestimmtheit zu behaupten, dass sie mindestens nicht in dem blühenden 
Stile, in dem sie uns hier vorgetragen werden, aus dem Volksmunde stammen. Immer- 
hin können besonders die beiden letzten Abschnitte des Buches ungefähr ein Bild von 
der Beschaffenheit der Mundarten und der reichen Volksüberlieferungen Deutsch- 
Mährens geben, und im ganzen ist das Werk recht wohl geeignet, seinem aus- 
gesprochenen Zwecke gemäss zu weiteren Sammlungen anzuregen. — 

In Niederdeutschland ist für Pomra e rn^^) durch die von Knoop und 
Haas*'') gegründete Zeitschrift, für Mecklenburg durch die von Wossidlo^^j 
mit voller Sachkenntnis, warmer Hingabe und glücklichem Erfolge unternommenen 



KBlSbnbgLK. her. v. A. S c hnll e rn s. Bd. 16. Herrmanstadt, W. Krafft. VUI, 168 S. M. 2,00. (Fragebogen S. 95.) — 27) 
Ethnolog. Mitteilungen aus Ungarn. Zeitschr. für d. Völkerk. Ungarns, her. v. A n t. H e r r m a n n. 3. Bd Budapest, V. 
Hornyänsky. 296 S. Fl. 6.00. |[M. Höfler: ZVVolksk. 3, S. 345; F. Bartels: ZEthn. 25, S. 1712; S. Krauss: Ur- 
quell 4, S. löl.Ji — 28) H. V. W 1 i s 1 c k i , Aus d. Volkslehen d. Magyaren. München, Huttier. IS3 S. M. 7,00. |[K. J. Schröer: 
ZVVolksk. 3, S. 346 (mit verschiedenen Ausstellungen u. Berichtigungen); F. S. K. : Urquell 4, S. 32; J. Kont: RCr. 36, 
S. 3589; L. Frey tag: COIEW. 21, S. 505/6; Ausland 66, S. 512 Jl — 29) X L. Mä t y ä s , Aas d. Volksglauben d. Schwaben 
V. Solyinär, Szent-Irän u. Hidegküt: EthnMUng. 3, S. 162 5, 244 7. — 30) X Ä. Herrmann, Ans d. Dobsinaer Volksglauben: 
ib. S. 106 7. — 31) X ^' Rothbart, Aus Mittelfranken : Bayerns Mundarten 2, S. 1458. {Festbräuche u. e. Sage aus Nüro- 
berg u. Umgegend.) — 32)XE- Strassburger, Volkstüml. Bräuche u. Aberglauben in Aschersleben : ALVKS. 3, S. 148-59. — 
33) XH. Grössler, 5. Nachlese v. Sagen u. Gebräuchen d. Grafsch. Mansfeld u. deren nächsten Umgebungen : MansfelderBlI. 7, 
S. 162-77. — 34) X P- E. Richter, Litt. d. Landes- u. Volksk. d. Königr. Sachsen. 1. Nachtr. Dresden, Huhle in Komm. 
43 S. M. 0,60. (Enthält verstreut auch einige volksknndl. Litt.) — 35) X Volkstümliches: MNordböhmExcursClub. 16, S. 133,8. 
(V. verschiedenen Vf.) — 36) X W. Schwartz, Volkstüml. aus d. alten Lausitzer Gegend v. Flinsberg: NLausitzMag. 3, 
N. 1. — 37) 'X, Ang. Baumgart, Aus d. mittelschles. Dorfleben: ZVVolksk. 3, S. 144 5. (Sitten u. Gebräuche bei d. Kon- 
firmation, d. Hochzeit, d. Geburt u. Taufe, d, Tod n. Begräbnis, bei Festgelagen u. Mahlzeiten.) - 38) Willibald Müller, 
Beitrr. z. Volksk. d. Deutschen in Mähren. Wien u. Olmütz, Graeser. VIII, 446 S. M. 4,00. |[F. P. Piger: ZVVolksk. 3, 
S. 342; A. Schlossar: BLU. S. 633.]| — 39) X (S. o. N. 21.) — 40) Bll. für Pommersche Volkskunde. Mschr. für Sage 
u. Märchen, Sitte u. Brauch, Schwank u Streich, Lied, Rätsel u. Sprachliches in Pommern her. v. 0. Knoop u. A. Haas. 
1. Jahrg. Stettin, J. Burmeister. 192 S. M. 4.00. |fH. M(ielcke): KBlVNiederdSpr. 16, S. 78,9.]! — 41)R. Wossidlo, 
Jahresberichte für neuere deutsche Lilteraturgeschichte. IV. 9 



1 -5 : 42-52 F. Vogt, Volkskunde. 

Sammlungen gesorgt. Kleinere Mitteilungen sind dem ostfriesischen*^) Gebiete 
gewidmet. — 

Aus dem Westfälischen liefert Hüser^^) interessante kleine Beiträge, 
welche Volksbelustigungen und Volksbräuche (auch den Schwerttanz), ferner Flur- 
namen, Zauber und Gegenzauber betreffen; dazu zwei Märchen und ein Arzneibuch 
aus dem Paderbornischen. — Eine reichhaltige und vielseitige Monographie wurde 
der Bevölkerung des Saterlandes von Siebs^*) gewidmet. Sie behandelt die Ge- 
schichte, das Recht und die Verfassung des nach S. zwischen 1200 und 1400 aus 
Ostfriesland in die niedersächsische Umgebung eingewanderten Völkchens, seinen 
Hausbau, der den reinen sächsischen Typus zeigt, die Sitten und Gebräuche, den 
Aberglauben, die Lebensweise und die Erwerbsquellen, endlich auch seine Sprache, 
die zwar von den plattdeutschen Nachbarn nicht unbeeinflusst geblieben ist, ihre 
ostfriesische Eigenart aber doch genugsam bewahrt hat, um jenen unverständlich 
zu sein. Da der Vf. einige Schilderungen und Erzählungen genau so wiedergiebt, wie 
sie ihm bei seiner eingehenden Durchforschung des Ländchens von den Bewohnern 
vorgetragen sind, so bietet er uns auch zugleich einige hübsche Dialektproben. — 
Das Land zwischen Unterweser und Unterelbe betrifft eine von F r eudenthan^) 
veranstaltete Sammlung von Geschichtsbildern, landschaftlichen Schilderungen, Dar- 
stellungen von Volksbräuchen, Sagen, kleinen Erzählungen und Gedichten ver- 
schiedener Vf. Wissenschaftliche Ziele verfolgt das Buch nicht. Seinem Zwecke, in 
einer Zeit Alles verwässernder Gleichmacherei das Bewusstsein und die Pflege nieder- 
sächsischer Stammesart zu fördern, kann es recht wohl dienen ; echt niederdeutscher 
Charakter und echt niederdeutscher Humor spricht aus einigen der mundartlichen 
Stücke, besonders aus dem freilich Kjelland nachgebildeten „Der Torfmoor" und 
aus dem Märchen ,,Der Wunschring". — Zur Lübischen Volkskunde bieten die 
Mitteilungen des Lübecker Geschichtsvereins verschiedene Beiträge *^"'*^). — 

Unter den Schriften über einzelne Volksbräuch e^"j treten besonders 
die auf bestimmte Festtage und festliche Veranstaltungen bezüglichen hervor. Dem 
Zusammenhange des Wettlaufens mit dem altdeutschen Kultus geht Weinhold^") 
nach, indem er die vom Volke zu Ostern, Pfingsten, Johannis, in der Herbstzeit und 
am Stephanstage in gewissen Gegenden geübten Wettläufe und Wettrennen als Teil 
der alten, mit Opfern verbundenen Jahrzeitfeiern betrachtet. Auch die Reste des 
symbolischen Brautraubes und des Brauches, dass die Hochzeitsgäste um die Wette 
laufen, ferner der Wettlauf bei Staats- und Gemeindefesten und das in mittel- und 
süddeutschen Städten vom 14. bis 17. Jh. beliebte, besonders auch von Weibern aus- 
geführte Preislaufen um ein Stück Tuch werden kurz und klar erörtert. Zum 
Schluss wird auf gemeinsame Züge zwischen den besprochenen deutschen Bräuchen 
und einem mit Wettlauf verbundenen altindischen Jahrzeitopfer hingewiesen. Bei 
letzterem spielt ein auf einem Pfahle befestigtes Rad eine Rolle, wozu A. Schullerus 
(im KBlVSbnbgLK. 16, S. 25) die bei den siebenbürgischen Sachsen übliche und schon 
bei Cäsarius von Heisterbach nachgewiesene Form des Maibaumes vergleicht. — 
Ueber den in Urach am Jakobitage begangenen Schäferlauf, ein besonders mit 
Mädchenwettläufen und dem Hahnentanze gefeiertes Volksfest, handelt Hevesi^^) in 
witziger Feuilleton-Manier. — 

Als ältestes Zeugnis für ein deutsches F r ühl in gs feuerfest weist V o gt^^-j 
die Nachricht von dem bei solchem Anlass durch das Emporschleudern einer brennenden 
Holzscheibe im J. 1090 verursachten Brand des Klosters Lorsch nach. Er verfolgt 
die Sitte dieses „Scheibentreibens" bis zur Gegenwart, stellt ihr Verbreitungsgebiet 
und ihre nach den Gegenden verschiedene Anwendung bei Frühlingsfeuern oder 
Johannisfeuern fest und kommt zu dem Ergebnis, dass das Scheibentreiben ursprüng- 
lich als eine sowohl für den Sonnenlauf als für die Witterung bedeutsame Handlung 
zu einer im März abgehaltenen deutschen Frühlingsfeier gehörte. Der Flug der 
feurigen Scheibe gilt aber auch als Glücksorakel und man begleitet ihn mit Wunsch- 
sprüchen für geliebte und verehrte Personen. Aus diesem Brauch, nicht wie bisher 
aus dem Bilde vom Glücksrad, sind verschiedene Stellen bei mittelhochdeutschen 



D. Samml. mecklenburg. Volksüberliefernngen : KBGV. 41, S. 213. — 42) X K. Dirksen, Aus Ostfriesland : ZWolkslc. 3, 
S. 90/3. — 43) B. Hüser, Beitrr. z. Volksk. Progr. d. Gymn. Brilon. 4". 28 S. — 44) Th. Siebs, D. Saterland. E. 
Beitr. z. dtsch Volksk.: ZVVolksk. 3, S. 239-78, 373-410. — 45) A. Freudenthal, Aus Niedersachsen. Schilderungen, 
Erzählungen, Sagen u Dichtungen. E. Volksbuch für Alt n. Jung. Bremen, Schünemann. IX, 375 S. M. 3,00. — 46) X 
W. Kruse, Aus d. Lübeckischen Volksmunde: Auslegung d. Läutens: MVLübG. S 16. — 47) X C. S ch u m a n n , Beitrr. z. 
Lübeckischen Volkskunde. 5. Teile d. menschl. u. tierischen Leibes. 6. Nahrungsmittel, Speisen u. Getränke. 7. Backwaren, 
S.Kleidung: ib S. ll/,5, 27-32, 42 5, 59-64. (Vgl. I 4:346.) — 48) X Anna Grube, H. Sartori, A. Benda, Alis d Volks- 
munde: ib. S. 47/8. (Nachtr. zu MVLübG. 5, S. 26.) — 49) W. v. S c h u I e n bu r g, Kleine Notizen über Volksbräuche aus 
verschiedenen Gegenden Deutschlands: VGAnthr. S. 278-82 — 50) K. Weinhold, D. Wettlauf im dtsch. Volksleben: 
ZVVolksk. 3, S. 1-23. (Dazu Herrmann, Zu Glückshafen n. Wettlauf: ib. S. 459-60.) — 51) L. H e v e s i , V. Kalau bis Säkkingen. 

E. geraütl. Kreuz u. Quer. St., Bonz VU, 323 S. M. 4,00. (S. 183-94. D. Schäferlauf in Urach; vgl. 14: 29) - 52) F. Vogt, 



F. Vogt, Volkskunde. I 5 : 53-62 

Dichtern zu erklären. Doch vermischen und beeinflussen sich schdh früh die Vor- 
stellungen vom Glücksrad und von der Feuerscheibe. ^3"^'^") — Eine hübsche und 
lebhafte Schilderung von anderen deutschen Frühlingsfestbräuchen, dem Kampf zwischen 
Winter und Sommer, dem Todaustragen und einem zwischen diesen beiden Aufzügen 
stehenden böhmischen Spiel giebt Tille^*). — Ein Sommer- und Winterspiel aus 
Hartlieb bei Breslau teilt Königes) nach mündlicher Ueberlieferung mit, und aus 
Heidelberg vernehmen wir von einem nachahmenswerten Versuch, den alten Sommer- 
verkündigungsumzug als Kinderfest zu erhalten. ^6) — Die nationalen Ost er brauche 
und ihren mythischen Hintergrund, dann die kirchlichen Ostersitten und weiter die 
Darstellung der Ostergeschichte in der angelsächsischen und deutschen Dichtung 
behandelt Freybe^'') mit christlicher und nationaler Tendenz in einer Weise, die 
vielfach an Vilmar erinnert, aber nicht mit Vilmars wissenschaftlicher Selbständigkeit 
und ohne Berücksichtigung der neueren Forschung.58"59) — Zur Kenntnis der Mai- 
feste steuert Rademacher^'') Mitteilungen über das Mailehen, den Maibaum, die 
Reste des Maigerichtes und das Brunnenfest in den Rheinlanden bei. — 

Die bemerkenswerteste Erscheinung zur Geschichte der Festbräuche ist 
in diesem Berichtsjahre das Buch über das Weihnachtsfest von Tille.^^) 
Seine Bedeutung liegt vor allem in der reichlichen Verwertung von älteren 
litterarischen Zeugnissen über die Form volkstümlicher Weihnachtsfeiern und in 
der Prüfung ihres Verhältnisses zur kirchlichen Tradition. Dass der Vf. dabei 
mehr, als es bisher üblich war, auf die Chronologie dieser Zeugnisse achtet und 
einer vorschnellen Ableitung lebender Volksbräuche aus germanisch heidnischen 
Gewohnheiten entgegentritt, ist im Prinzip nur zu loben. Und wenn er im 
Geiste einer modernen Richtung in der Geschichtsschreibung für die Erklärung 
der alten Festsitten möglichst die wirtschaftlichen Verhältnisse unserer Vorfahren 
herbeizieht, so ist das gewiss ein fruchtbarer Gesichtspunkt. Nur muss man auch 
diese Prinzipien nicht übertreiben. Und nur durch ihre Uebertreibung ist meines Er- 
achtens T. zu dem Ergebnis gekommen, dass die Wintersonnenwende im germanischen 
Kultus überhaupt gar keine Rolle gespielt habe, und dass ein volkstümliches deutsches 
Weihnachtsfest eigentlich erst im 14. Jh. ausschliesslich auf Grund kirchlicher Ein- 
richtungen entstanden sei, unter ziemlich gewaltsamer und unnatürlicher Herüber- 
ziehung germanischer Spätherbstbräuche und unter ziemlich unbestimmter und un- 
bedeutender Einwirkung der römischen Kaiendenfeier. Der Vf. beachtet nicht genügend, 
wie sehr das erste Auftreten eines litterarischen Zeugnisses über einen Volksbrauch 
Sache des Zufalls ist, und wie unvollständig immer noch unsere Kenntnis selbst der 
erhaltenen Nachrichten ist. Auch von Irrtümern in der Datierung solcher Zeugnisse 
ist seine Schrift nicht frei, weniger noch von Willkür in der Auslegung derjenigen, 
die seiner Hypothese widerstreiten. Von Beda und seinem Zeugnis über den angel- 
sächsisch-heidnischen Kultus der modraniht an bis ins 15. Jh. hinein sollen die Geist- 
lichen nur irrtümlich oder mit absichtlicher Entstellung der Wahrheit von alten 
Volksbräuchen am 24. oder 25. Dec. geredet haben. Die wichtigen und weit zurück- 
gehenden Nachrichten über Weihnachtsfeuer, der Berchtenumzug auf Epiphanias, 
die Geistererscheinungen und Geistermahlzeiten am Christabend, und was sonst für 
das Begehen des finstersten Teiles des Jahres im Sinne des Toten-, Geister- und 
Götterkultes spricht — das wird teils nicht berücksichtigt, teils weginterpretiert, teils 
in der Darstellung so zersplittert, dass es nicht zur Geltung kommen kann. Ich 
kann daher dem Vf. nicht zugeben, was er in der Vorrede behauptet, dass unser 
Weihnachtsfest erst durch sein Buch eine völlig befriedigende Erklärung erhalte. 
Aber ich möchte es kaum als ein geringeres Verdienst schätzen, dass er unter Be- 
reicherung des wissenschaftlichen Materials und der Gesichtspunkte für dessen Ver- 
wertung die Forschung lebhaft angeregt und zur Auseinandersetzung mit seinen 
Hypothesen genötigt hat. Weniger verdienstlich scheint mir die etwas' eilige und 
übereifrige Popularisierung solcher vielfach noch ganz hypothetischen Dinge, wie 
sie der Vf. in mancherlei Zeitschriften betreibt. Auch das vorliegende Buch ist teil- 
weise aus solchen Aufsätzen hervorgegangen, und es verrät diesen Ursprung stellen- 
weise durch Wiederholungen und andere Unebenheiten. — Kleine Beiträge liegen 



Beitrr. z. dtsch. Volksk. ans älteren Quellen. I. Scheibentreiben u. Frühlingsfeuer: ZVVollcslf. 3, S. 350-69. — 53) X E. Lemke, 
D. Oster- n. Johannisfeuer: VGAnthr. S. 154. (Kurze Notiz, d. d. Osterfeuer auch in Podolien nachweist.) — 53a) X K- 
Keiter, Osteibräuche in d. österreichischen Alpen: NatZgB. u. 14. — 54) A. Tille, E. dtsch. Frühlingsspiel: 
PrJbb. 71, S. 86-Ö9 — 55) B. Honig, E. Sommer- ti. Winterspiel in Schlesien: ZVVolksk. 3, S. 2268. — 56) D. 
Soramersonntag in Heidelberg: ib. S. 228. — 57) A Freybe, Ostern in dtsch. Sage, Sitte n. Dichtung. Gütersloh, 
Bertelsmann. VUI, 137 S. M. 2,00. (\g\. I 10:45.) — 58) X Auricoste de Lazarque, Le Gründonnerstag ou le jeudi 
vert en Alsace-Lorraine et en Allemiigne: RTP. 8, S. 534-41. — 59) X C. Sterne, D. Osterspiel als german. Urschauspiel 
betrachtet: YossZg«. N. 14. — 60) C. Radeniacher, Maisitten am Rhein: Urquell 4, S. 227-32, 238-41. — 61) A. Tille, 
D. Gesch. d. dtsch. Weihnacht. L., Keils Nachf. XI, 335 S. M. 4,00. - 62) X J. Heller, D. Feier d. heil. Abends in d. 
Familie e. dtsch. Bauernhof besitzers in e. grösseren Dorfe d. nördl. Böhmens in d. Zeit vor 1850: MNordböhmExcarsClub. 16, 

9* 



I 5:62a-93 F. Vogt, Volkskunde. 

noch zu weiter^ Kenntnis der Weihnachtsfeier^^ 62a )^ ^jer Silvesterbräuche ^ä'^"*) und 
einiger anderer religiöser Volkssitten vor ^5"^^). — 

Vereinzelte Mitteilungen finden sich über Plochzeits-^'^"^^) und Toten- 
gebräuche 6^"''*^) und über die beim Häuserbau üblichen Feierlichkeiten der Bau- 
leute ''i"''^), über Trinkbräuche "^3-74-1 ^j^j Festgebäck ''^~''^''). — Ueber Volksbräuche, 
die sich auf den Herd beziehen, handelt Rademacher '^j, der die göttliche Ver- 
ehrung von Herd und Ofen daraus erklären will, dass man den Herd ursprünglich 
auf dem Grabe eines Familiengliedes erbaut habe. — Auf volksmässige Rechts- 
bräuche beziehen sich Notizen von Weinhold'''^), der zu dem altnordischen Schwur 
unter dem Rasenstreifen eine schlesische Parallele vom J. 1590 beibringt, und von 
Sprenger''^) über das Bahrrecht.'''*'^*') — 

Diese Bräuche fallen zu nicht geringem Teil schon unter den Begriff des 
Aberglaubens^*^2) f^ der weiten und unbestimmten Fassung, die ihm der ge- 
wöhnliche Sprachgebrauch giebt. Die Vertreter der Volkskunde meiden den Aus- 
druck vielfach ganz und ersetzen ihn durch „Volksglauben".**^ ^*) Wir wollen ihn 
hier auf das Anwenden von Mitteln und Massregeln einschränken, die ausserhalb 
der Naturgesetze und der kirchlichen Bräuche den Menschen und seine Umgebung 
zu Heil oder Unheil beeinflussen sollen. Sammlungen von dahin gehörigen Be- 
schwörungen und Greheimmitteln sind bekanntlich noch allerorten unter dem 
Volke verbreitet. Eine vor etwa 70 oder 80 Jahren geschriebene teilt Kaindl**^) 
aus der Bukowina mit, wohin sie vermutlich aus Oberungarn gekommen war; sie ist 
besonders reich an Waffensegen. — Aehnliches wird aus der Lüneburger Heide ^^) und 
aus Schleswig-Holstein^'') bekannt gemacht. Deutsche Sprüche gegen Behexung 
sind auch in dem Aufsatz von Tuchmann^*) mit berücksichtigt. — Unter der 
Benennung „Liebeszauber" bietet Marsick^^) eine Zusammenstellung von Volks- 
bräuchen, die sich auf Frauenschönheit, Liebe, Ehe, Geburt, Kindererziehung und 
Tod der Gattin beziehen. Ihre Quellen und das Verbreitungsgebiet der einzelnen 
Erscheinungen sind nirgend angegeben, Vollständigkeit ist nicht erreicht und nicht 
beabsichtigt. Der Vf. verfolgt nicht gelehrte, sondern populäre Zwecke, wobei ihm ein 
warmes Gefühl für die Poesie des Volksglaubens zu statten kommt. — 

Ganz besonders dienen die Zaubermittel natürlich der Volksmedizin, und 
es ist sehr willkommen, neben der unendlichen Fülle an Material, die sich noch 
fortwährend mehrt^^ '-'2), auch Arbeiten zu begegnen, die mit voller Beherrschung 
des reichen Stoffes einen einzelnen Gegenstand zusammenfassend behandeln. So ver- 
folgt Gaidoz^'ä) durch die Ueberlieferungen der verschiedensten Zeiten und Völker 
hindurch, ohne sich doch ins Detail zu verlieren, den' merkwürdigen Brauch der 
Heilung vermittelst Durchkriechens oder Durchziehens durch ein Loch oder einen 
Spalt, ein Mittel, das auch in der deutschen Volksheilkunde noch heute eine wichtige 
Rolle spielt. Mit Recht behauptet G., dass jener Brauch nicht ausschliesslich als ein 
symbolischer Akt der Wiedergeburt aufgefasst werden kann, sondern dass er vielfach 
auch eine Abstreifung und Uebertragung der Krankheit bezweckt. Die Verpflanzung 
der Krankheit in das Innere eines Baumes wird bei diesem und einem nahe ver- 
wandten Akte noch heute in Deutschland deutlich genug geübt. — Ueber das reich- 
haltige Buch von Strack (vgl. JBL. 1892 I 4 : 178; s. o. I 4 : 177) liegen noch mehrere 



S. 364/6. — 62a) X 0. Gerin-Cassal, Un usage alsacien. La Ncel des petits oiseaTix: AnnEst. 7, S. 119-21. — 63) X 
F. Vogt, Neujahrsorakel in d. 1. Hälfte des 12. Jh.: ZVVolksk. 3, S. 372. (Honorins v. Antun eifert gegen diese Sitte als e. 
heidnische.) — 64) X A. Treichel, D. Eosbock-Jagen. E. Sylvesterbrauch im Oberlande: Urquell 4, S. 110,2. — 65) X 
J. Mattauch, Gelöbnistage im Danbaer Bezirk: MNordböhmExcursClub. 16, S. 97-104. — 66) X R- Meringer, Studien 
z. german. Völkerkunde. II: MAnthrGesWien. 23, S. 136-81. (Betrifft d. nordsteirische Bauernhaus, ist aber wegen e. Anhanges 
über Votivtiere hier zu erwähnen.) — 67) X F' P- Piger, E. oberösterr. Hochzeit. E. Beitr. z. Volksk. Oesterreichs: 
OüR. 14, S. 323-36. — 68) XE. Frischauf, „D. falsche Braut" in Niederösterr. : ZVVolksk. 3, S. 451|2. — 69) X M. 
R Osler, Totengebräuche. (Aus d. Gegend v. Friedland, Neustadtl u. Dittersbach in Böhmen): Urquell 4, S. 280,1. — 70) X 
F. Baumann, Eselsbegräbnis: KBlVSbnbgLK. 16, S. 136,7. — 71) X Behla, D. in Luckau übliche Richtfest: VQAnthr. 
S. 556/7. (Mit d. Spruch d. Zimmerpoliers.) — 72) X P- Rowald, Brauch, Spruch u. Lied der Bauleute. Hannover, Schmorl 
& V. Seefeld Nachf. V, 183 S. M. 2,40. )[ÖLB1. 2, S. 184,5.]) — 73) X Colm. Schumann, Glnckrohr-Trinkrunde d. lübischen 
Fischer: Urquell 4, S. 244 5. — 74)XA. Wiedemann, Trinken aus Heiligenschädeln : ib. S. 112. — 75) X A. Treichel, 
Barches oder Berches in Westpreussen: VGAnthr. S. 568,9. (Festgebäck.) — 75a) X W. Röseler, Verschollene Fastnachts- 
bräuche: NatZgB. N. 7. - 76) C. Rademacher, Ueber d. Bedeutung des Herdes: Urquell 4, S. 57-60, 824, 112,;4. — 77) 
K. Weinhold, Schwur unter d. Rasen: ZVVolksk. 3, S. 224,5. — 78) R. Sprenger, D. Bahrrecht. Umfrage: Urquell 4, 
S. 171, 275,6. — 79) X id., Gantsymbolik: ib. S. 222,3. — 80) X A. T r e ic he 1 , Ueber Reisighäufung an Mordstellen: ib. 
S. 1516. — 81) X 0. Henne am Rhyn, E. Reise durch d. Reich d. Aberglaubens. L., Spohr. IV, 175 S. M. 2,80. - 82) X 
H. Hartmann, D. Aberglaube in d. Zwölften: VossZg". N. 53. — 83) X ^' Sprenger, Volksglaube in Schillers Wallen- 
stein: Urquell 4, S. 93,4. (S. n. IV 9.) — 84) X A. S oh r o o t , D. Symbolik im Volksglauben: ib. S. 241,4. - 85) ß. F. 
Kaindl, B. dtsch. Beschwörungsbuch. Aus d. Hs. her.: ZEthn. 25, S. 22-47. — 86) XW. Poeck, Aberglaube n. Be- 
schwörungsformeln aus d. LOneburger Heide: Germania 37, S. 114-20. — 87) X H. Volksmann, Schleswig-Holsteinische 
Haus- u. Zaubermittel: Urquell 4, S. 277-80. — 88) J. Tuchmann, Les Fascines: Melusine 6, S. 280,7. — 89) Marsick, 
Liebeszauber. E. Beitr. z. dtsch. Volksglauben. Halle a. S., C. A. Kämmerer & Co. VII, 48 S. M. 0,60. ([A. Schlossar: 
BLU. S. 263.]| - 90) X F- Teetz, D. Besprechen der Krankheiten: ZDU. 7, S. 63. (Niederdeutschland vgl. ib. S. 633.) — 
91) X K. E. Haase, D. Besprechen d. Krankheiten: ib. S. 273,5. (Grafschaft Euppin vgl. ib. S. 633.) — 92) X 0. Schell, 
Z. Volksmedizin im Bergischen : Urquell 4, S. 153,6. — 93) H. G a i d o z , Un vieux rite medical. Paris, Rolland. 1892. 



F. Vog-t, Volkskunde. I 5 ; »4.H5 

Recensionen vor^^). — Mancherlei wird über einzelne Krankheitsarten und Krankheits- 
mitteP5-97^^ über Talismane^^s-ioo)^ Zauberinittel zur Bereicherung- 10 i"i03^^ Anspielen ^04^ 
und Tag-ewählerei '*^^) mitg-eteilt. — 

Eine g-rosse Rolle spielen in der Volksmedizin, aber auch in anderen Er- 
scheinungen des Volksgiaubens die Pflanzen. Ihnen hat R osenkranz^oej gj^e 
umfängliche Kompilation gewidmet, in der er unter den Namen der einzelnen Pflanzen 
die Angaben über deren Bedeutung im Volksbrauch und die bezüglichen Mythen 
und Sagen aus verschiedenen Werken zusammengestellt hat. Dabei wird Deutsch- 
land überall in erster Linie, doch nicht . ausschliesslich berücksichtigt. Das Werk 
soll eine verständige Pflege deutscher Volksüberlieferungen fördern helfen im 
Sinne der nach Rogge wiedergegebenen sehr beherzigenswerten Beantwortung der 
Frage: „Wie müssen wir uns dem Aberglauben gegenüber verhalten?" Es würde 
wesentlich gewonnen haben, wenn die Bestandteile, aus denen es zusammengesetzt 
ist, etwas weniger verschiedenartig und etwas besser unter einander vermittelt wären. 
— Sonst liegen nur einige populäre Erörterungen über den Gegenstand im all- 
gemeinen 107-109^ uQ(j einige kleinere Aufsätze über die bezüglichen U eberlief erungen 
einzelner Gegenden vorii*^"'^^^ — 

Ebenso wie die volkstümlichen Vorstellungen von den Pflanzen greift der- 
Seelenkult und der Dämonen glauben sowohl in das praktische Leben des 
Volkes wie in sein Phantasieleben, in die Sagenbildung ein. Die Vorstellung von 
den Wanderungen und Wandlungen der Seele des Lebenden oder des Verstorbenen 
und der Glaube an dämonische Wesen hängen aufs engste zusammen. Ihre gefähr- 
lichste Ausgeburt, der Hexe nw ahn (s. 0. 14: 179— 81), und was mit ihm zusammen- 
hängt, berührt die verschiedensten Gebiete der Kulturgeschichte ; nicht am wenigsten 
aber hat auch die Volkskunde die darauf bezügliche Litteratur zu berücksichtigen^'^). 
Neues Quellenmaterial hat Kiele ''^) beigebracht, indem er die grosse Reihe von 
Hexenprozessen, die sich in Hagenau i. E. während der J. 1531 — 1645 abgespielt 
hat, ausführlich nach den Akten des Stadtarchivs darstellt. Es ist immer wieder 
dieselbe genugsam bekannte grauenvolle Tragödie, die sich vor uns abspielt. Die 
Erklärung von wesentlichen Erscheinungen des Hexenwahnes aus der Anwendung 
einer narkotisierenden und Hallucinationen erzeugenden Salbe durch Weiber, die sich 
selbst für Hexen hielten, gewinnt durch das hier vorliegende Material keine Be- 
stätigung. Die Hexensalbe ist in den Geständnissen typisch, aber keines der Opfer 
kann etwas von ihr vorweisen oder ihre Zusammensetzung angeben. Nicht einmal 
andere Versuche, wirklich Zauberei zu treiben, die ja thatsächlich oft genug gemacht 
sein müssen, treten in irgend erheblichem Umfange hervor. Der Aberglaube trägt 
an diesen Greueln nicht so viel Schuld wie ein blödsinniges und bestialisches Rechts- 
verfahren. Ein Jesuit scheint auch in Hagenau den Anlass zur Abstellung der 
Hexenprozesse gegeben zu haben. — 

Im übrigen lässt jedoch der Katholizismus keinen Zweifel daran aufkommen, 
dasser den Glauben an des Teufels handgreifliches Wirken unter den Menschen am 
zähesten festhält. Die famose Satansaustreibung zu Wemding vom J. 1891 hatte dafür 
gesorgt, und da die „ungläubige Presse" diesen Fall in ihrer Weise ausbeutete, so 
hat nunmehr Diefenbach i'^) dargethan, dass dem Satan zweifellos nicht nur eine 
moralische, sondern „bei einzelnen Individuen auch eine physische Einwirkung 
gestattet ist," wobei die circumsessio, obsessio und possessio oder insessio als ver- 
schiedene Grade von Besessenheit zu unterscheiden sind. Ueber die Veranlassung 



85 S. |[K. Weinhold: ZVVolksk. 3, S. 2323; F. Bartels: ZEthn. 25, S. 171; F. S. Krauss: Urquell 4, S. 79.]| — 94) X 
H. Gaidoz: Melusine 6, S. 169-71; G. H. Dal man: ThLZ. 18, S. 133/4; A. Tille: LCBl. S. 1858,9 (erkennt d. reiche, ge- 
wissenhaft zusammengetragene Material an, hemängelt aber d. systemat. Gliederung u. d. krit. Verwertung); ThLBl. 14, S. 237. 
— 95)XA. Peez, Thierseuchen u. d. Leonhardi-Kirchen d. Ostalpen: MAnthrGWien. 23, 8.193-203.-96) X F- S. Krauss, 
Katzensporn. Umfrage: Urquell 4, S. 124. — 97) X K. Knauthe, Klapperkes: ib. S. 146. — 98) X Bartels, Beitrr. z. 
Steinbeil-Aherglauben in Norddeutschland: VGAnthr. S. 558-64. (Prähist. Steinbeile gelten nach weit verbreit. Glauben als 
Talismane gegen d. Blitzschlag.) — 99) XA. Treichel, E. Segenbrett mit Inschrift aus Reddistow, Kr. Lanenburg i. P. : 
Hh 4278. — 100) X J. D. E. Schmeltz, Hufeisen, Uebersiedelung, Zahn: Urquell 4, S. 30. (Hamburg.) — 101) X W. 
Scurat, Zaubergeld: ib. S. 105-10, 135-41. — 102) X E- !''• Kaindl, D. Zauberei. Umfrage: ib. S. 1245. — 103) X A. 
Herrraann, Kartenspielerglauben aus Ungarn: EthnMUng. 3, S. 154 7. — 104) X E- Reichel, Z. Angang d. Wolfes: 
ZDU. 7, S. 500. (Vgl. ib. S. 572 3.) — 105) X B- Saubert, D. Freitag. B. alter Völkerglaube: Urquell 4, S. 267 8. —106) 
C. Rosenkranz, D. Pflanzen im Volksaberglauben. Kassel, Kessler. 415 S. M. 4,50. — 107) X E- Schanberg, Z. 
Entstehung d. Pflanzennamen u. Mythen: AZgl*. N. 27. (Willkürl. Etymologien u. Mythendeutungen, d. nur gelegentlich auf 
Deutsches Bezug nehmen.) — 108) X W. W a 1 1 u s , D. Pflanze in d. Volkssage u. im Volksmärchen : VolksZg. N. 63. — 
109) X F- Losch, Einiges über d. Beziehungen unserer Vorfahren zu d. Pflanzen: BBSW. S. 149-58. — HO) X H. Arnold, 
M. Höfler, Wald- u. Baumkultus in Beziehung z. Volksmedizin Oberbayerns. München, E. Stahl sen. VIII, 170 S. M. 2,00. 
I [Ausland 66, S. 96.]| — Hl) X E. Handtmann, Märkische Pflanzensymbolik: Bär 19, S. 231,4, 245/7, 255 8, 273 4. — 112) 
(I 4 : 470.) — 113) X B. E. König, Ausgeburten d. Menschenwahnes im Spiegel d. Hexenprozesse u. d. Autodafes. 
Lfg. 12-16. Bndolstadt, Bock. S. 529-768. (ä M. 0,30=) M. 1,50. (Vgl. JBL. 1892 I 4:186; d. Buch will d. Schrecken d. 
Hexenwahns u. d. Inquisition u. Thorheiten d. Aberglaubens d. grossen Publikum yor Augen führen, was in angemessenerer Weise 
geschieht, als es d. einem Kolportage-Roman ähnliche Ausstattung erwarten lässt.) — 114) J. Kiele, Hexenwahn n. Hexen- 
prozesse in d, ehemaligen Reichsstadt u. Landvogtei Hagenau. Hagenau, Rnckstnhl. 177 S. M. 3,25. — 115) J. Diefenbach, 



I 5 : 116-142 F. Vog-t, Volkskunde. 

dieser Erscheinung' hat nach einem dompropstlichen Gutachten im vorliegenden 
Falle der exorcisierte Teufel selbst, durch das Machtwort der Kirche g-ezwungen, zu- 
verlässige Auskunft gegeben. Wunderlich genug nimmt es sich aus, dass der Vf. 
des weiteren den ganz in diesen Vorstellungskreis gehörigen Glauben an das Wirken 
des Teufels unter den Hexen für einen Wahn hält und sich bemüht, die Verantwortung 
für die Hexenprozesse von seiner Kirche ab und der protestantischen zuzuwälzen, 
wobei er sich denn in der Auslegung der verhängnisvollen Bulle Innocenz VHI. 
„Summis desiderantes" ein höchst ergötzliches Stücklein scholastischer Dialektik 
leistet. — Wem es um eine unterhaltende, alles gelehrten Apparates bare Darstellung 
der wesentlichsten Erscheinungen und Entwicklungsstadien des Teufelsglaubens über- 
haupt zu thun ist, der wird sich gern durch Grafs *^^J zusammenfassendes Buch 
leiten lassen. Tiefer dringende Forschung darf man freilich in dem Werke nicht 
suchen, und über einige wichtige Fragen, wie die nach den thatsächlichen Grundlagen 
des Hexen glaubens, voltigiert der Vf. mit allzu grosser Leichtigkeit hinweg. — 

■ Zum Gegenstande einer sehr gelehrten Abhandlung wurde dagegen die wichtigste 
Quelle des Geister- und Dämonenglaubens \7on Bastian^!') gemacht, indem er auf 
Grund der vergleichenden Völkerkunde die Entwicklung und die verschiedenen Formen 
der Vorstellungen von der Fortdauer und dem Verbleib der abgeschiedenen Seele 
sowie mancherlei Erscheinungen des Seelenkultes erörtert, aus dem er auch die Ent- 
stehung des Götterglaubens ableitet. Zum Schluss giebt B. einen Ausblick auf die 
Bedeutung der ethnologischen Elementargedanken für die Wissenschaft der Zukunft, 
deren Heil er von einer auf Gedankenstatistik gegründeten Psychologie erwartet. 
Leider werden die zahlreichen Quellen in einer recht unbestimmten Weise citiert; vor 
allem aber vermisst man eine klare und scharfe Gliederung des Stoffes ebensosehr wie 
Klarheit und Flüssigkeit des Ausdrucks. — Eine Reihe kleinerer Abhandlungen liegt 
vor über die Vorstellungen, die an den Tod^^^) und an das Umgehen der Geister '^'-''^^ij 
anknüpfen, und damit berühren sich dann wieder aufs nächste die Traditionen von 
mancherlei dämonischen Wesen anderer Art. — Vogt'^s'j macht auf die sonst 
unbekannten und noch unerklärten Hahnjörs aufmerksam , die nach einem Zeugnis 
vom J. 1721 in den zwölf Nächten unsichtbar in Küche und Keller ihr Wesen treiben; 
Knoop^^Sj handelt von einer Hausgeistersage, die mit dem Thema von Goethes 
„Hochzeitlied" verwandt ist; Glöde^^^) untersucht eine andere Gruppe von Haus- 
geistern; Wislicenus'^i) bringt über Heinzelmännchen und andere Wesen neben 
einzelnem Erwägenswerten mancherlei ganz phantastische und haltlose Kombinationen 
vor. Andere Mitteilungen betreffen Zwerge^^"^), Graumännlein^^aj^ (jas mecklen- 
burgische Blaumäntelcheni34j^ während der schlesische RübezahU^s) diesmal nur zum 
Gegenstand eines „Sanges" gemacht worden ist. — Den fliegenden Holländer betrifft 
eine eindringende Untersuchung Golthers^^^) und die von Knauthe'^^) mitgeteilte 
Erzählung eines Seemanns. — Ueber den wilden Jäger handeln Pickford'^S) und 
W einhold ^-^■'3, der nach mündlicher Ueberlieferung aus Schlesien einiges vom 
„Nachtjäger" erzählt. — Auf ihn bezieht sich auch eine Bemerkung Glödes^***) zur 
Sage vom Wode, und das Fortleben dieses Namens in entstellten Formen betrifft 
eine Notiz von Schulenburgs i^'). — Dass der in einer Walkenrieder Urkunde 
vom J. 1277 erwähnte Wodansberg nicht auf den Kiffhäuser, sondern auf einen 
Höhenrücken bei Altstedt zu beziehen sei, führt Grössler^^^^ aus. Die älteste 
Benennung des Kiffhäusers ist Kuffese, derselbe Name, der als Cuffiso schon im 
J. 747 für einen Hügel auf der Grenze des Fuldaer Kloster bezirkes gebraucht wird. 

Besessenheit, Zauberei n. Hexenfabeln. (^ Frankfurter zeitgem. Broschüren. Bd. 14, N. 4). Frankfurt a. M., Foesser Nachf. 
56 S. M. 0,60. - 116) A. Graf, Gesch. d. Teufelsglaubens. Aus d. Italienischen v. E. T e u s c h e r. 2. (Titel-)Aufl. d. 
Naturgesch. d. Teufels. Jena, Costenoble. XVIII, 448 S. M. 3,00. — 117) A, Bastian, D. Verbleibs-Orte d. abgeschiedenen 
Seele. E. Vortr. in erweit. Umarbeitung. B., Weidmann. II, 116 S. mit 3 Taf. M. 3,00. (fL. F r ä n k e 1 : Ausland 66, S. 6S8.J| 

— 118) X H. V. Wlislocki, Tod u. Totenfetische im Volksglauben d. Siebenbürger Sachsen: Urquell 4, S. 16-20, 49-53, 
68-70, 98-lÜO. — 119) X B- westpreuss. Spukgeschichte: ZVVolksk. 3, S. 97 8. - 120) X H. A. Carstensen, Spukgeister: 
Urquell 4, S. 122 3. — 121) XK. E. Haase u. A. Treichel, Spukgeister: ib. S. 254 6. — 122) X H. F. Feilberg, 
Warum gehen Spukgeister kopflos um? Umfrage (mit Antworten v. Verschiedenen): ib. S. 6 8, 39-41, 73, 97 8, 122, 145 6, 
168 9, 216, 253,4. — 123) X H- Schrader, Welches ist die Geisterstunde: ZDS. 7, S. 330,1. (Vertritt auf Grund v. Stellen 
aus dtsch. Sagen u. Dichtungen die Ansicht, dass d. eigentl. Geisterstunde d. Stunde vor Mitternacht, also zwischen 11 u. 
12 Uhr, sei.) — 124) X A. Wiederaann, Geister in Katzengestalt: Urquell 4, S. 81,2. — 125) X K- E. Haase, Geister 
in Katzengestalt: ib. S. 114 5. — 126) X H- v. Wlislocki, D. Quälgeister d. Miigyaren: Ausland 66, S. 81 4, 101. (Vgl. über 
Totenfetische b. d. Magy uren : ib. S. 254. ) — 127) XL B a r ö t i , Beitrr. z. Gpsch. d. Vampy rismus in Südungarn : EthMUng. 3, S. 219-21 . 

— 128) F. Vogt, Hahnjörs: ZVVolksk. 3, S. 372. -129) 0. K n o o p , Familiengeister: Urquell 4, S. 125 ü. — 130) 0. Glöde, 
Petermännchen, Chimmeken, Wolterken n. Hödeke als gute Hausgeister: ZDU. 7, S. 194/9. (S. auch N. 260.) — 131) P. Wislicenus, 
Ueber Hagen u. d. Heinzelmännchen, Laura u. d. Lorelei: MADSprV(Berlin). 4, S. 54 8. — 132) X R- Andree, D. Zwerge am 
Wohlenberge: Urquell 4, S. 226,7. —133) X A. Schwanfelder, D. graue Mandl: EthnMUng. 3, S. 109. — 134) X 0. Glöde. 
Blanmäntelchen, e. Geist in Mecklenburg: Urquell 4, S. 213,4. (Grösstenteils wörtlich gleichlautend ist G.s Notiz: ZDU. 7, S. 427.) 

— 135) X E- R- Baut he, Berggeist Rübezahl. E. Sang aus Schlesiens Bergen. Hirschberg, Kuh. VII, 252 S. M. 4,50. — 
136) W. Golther, D. fliegende Holländer: BayreuthBll. 16, S. 307-19. 1[L. S.: Urquell 4, S. 282.J| — 137) K. Knauthe, See- 
mannsglaube: Urquell 4, S. 134/5. — 138) J. Pickford, D. wilde Jäger: NQ. 3, S. 16. — 139) K. Weinhold, Schlesische 
Sagen vom Nachtjäger: ZVVolksk. 3, 8.96/7. — 140) 0. Qlöde, Z. Sage v. Wode: KBlVNiederdSpr. 16, S. 38,9. — 141) W. v. 
Schulonburg, Götternamen in Norddentschland: MAnthrGWien. 23, S. 62. — 142) H. Grössler, Kiffhäuser u. Wodansberg: 



F. Vogt, Volkskunde. T 5 : 143-172 

Der Vf. bring-t ihn mit ahd. chubisi, Zelt, zusammen, was an und für sich nicht 
unmöglich ist, wenn auch die lautlichen Vorgänge, die dabei in Betracht kommen, 
ganz anderer Art sind, als Gr. sie sich vorstellt. Sonst liegt über die Kiffhäusersage 
nichts von wissenschaftlichem Werte vor '*^" '44^^ __ Die in den bayerischen Sagen häufig 
auftretenden drei geisterhaften oder heiligen Jungfrauen, die man oft auf die Nornen 
gedeutet hat, führt Müller'''^) auf Personifikationen von Frühling, Sommer und 
Winter zurück; in den vorgeschichtlichen Wallburgen, in denen sie lokalisiert werden, 
sieht er Stätten für den Jahreszeitenkultus. — Eine in Tirol noch lebendige Riesen- 
sage, die von Haimon und seinem Bruder Thürsus, verfolgt Passler '^e^ durch die 
ältere Ueberlieferung zurück. — Eine Sammlung der auf mythische Wesen bezüg- 
lichen Ueberlieferungen der Lausitzer Sorben hat Cenry'*') in deren slavischer 
Mundart veröffentlicht. — Aus dem Kreise der Bausagen i"*^), der Traditionen über 
vergrabene Schätze ^'*'*), über den Ursprung der Kinder^^*^), über den Mann im Monde'^') 
sind nur verstreute Notizen zu bemerken. — 

In grosser Anzahl liegen wieder Sagensammlungen — neben wenigen 
allgemeiner Art^^^ 153^ _ ^us einzelnen Gebieten vor, die jedoch 
mit verhältnismässig wenigen Ausnahmen populäre Zwecke und zu nicht geringem 
Teil die löbliche Aufgabe verfolgen, die Jugend mit den Ueberlieferungen ihrer Heimat 
vertraut zu machen. — 

Von Oberdeutschland ist die Alpenwelt durch die Sammlung von 
Maria Savi-Lopez •^*) vertreten, speciell das Simmenthai durch Qempelers '^^) 
Buch*^^). — Ueber die von Mündel veranstaltete, im vorigen Jahre bereits an- 
gezeigte neue Bearbeitung von Stöbers elsässischen Sagen (vgl. JBL. 1892 I 4 : 290) 
sind weitere Recensionen zu nennen^^''). — Eckart '^s^ erzählt an der Hand einer 
Reisebeschreibung Orlssagen aus dem Neckarthal in Poesie und populärer Prosa, 
ohne Gewähr für treue und quellenmässige Wiedergabe der örtlichen Ueberlieferung 1^^). 
— Die kleine „weissblaue" Sammlung von Frietinger und Heindl'^**) will durch 
eine Vereinigung von poetischen und prosaischen Stücken verschiedener Vf. die 
Kunde des bayerischen Landes und Volkes und die Liebe zur Heimat unter der 
Jugend befördern, und an die weitesten Kreise wenden sich zwei andere Zusammen- 
stellungen von bayerischen Sagen^^^'^^^j — Eine Gruppe von Geistersagen, die sich 
an die Burg Stockenfels bei Regensburg geheftet hat, behandelt das Buch von 
Reltis^^^j, _ Auf Tirol, Oesterreich und Kärnten beziehen sich ein paar kleine 
Stücke 164- ^6^). — 

Von mitteldeutschen Gegenden sind die Rheinlande durch drei Bücher 
vertreten, unter denen das von Pauly'^^) als eine für die Jugend berechnete 
ansprechende Vereinigung von Sagen nnd Legenden in Poesie und Prosa genannt 
werden mag; die Quellen, aus denen die einzelnen Stücke teils wörtlich entnommen, 
teils in freier Nacherzählung wiedergegeben sind, werden hier gewissenhaft an- 
gegeben^^^"!''!). — Aehnliche Ziele verfolgt eine Nürnberger Sammlungi"^). — Aus 



ALVKS. 3, S. 143;8. - 143) X D. Kytt'häusersage: AkBU. 8, S. 221/2. — 144) X H- Pröhle, D. Kiffhäuser-Kaisersage n. Rückerts 
Barbarossa-Gedicht: AZg«. N. 88. — 145) G. A. Müller, Z. Sage v. d. drei Jungfrauen: ZVVolksV. 3, S. 93 6. — 146) P. Passler, 
Z. Gesch. d. Heimesage. Progr. Hörn. 48 S. — 147) A. Cerny, Die mythischen Wesen bei d. Lausitzer Wenden. (In wend. 
Sprache.) 1. Bd. Biintzen, E. Rühl. 239 S. M. 4,00. ([ZWolksk. 3, S. 345 (d. umsichtigen n. fleissigen Sammler u. Erklärer ist 
d. slavische Wissenschaft zu grossem Danke verpflichtet).]] — 148) X R- Sprenger, E. volkstüml. Schwank in Schillers 
Wallenstein: Urquell 4, S. 206/8. (Vgl lY 9.) — 149) X K. E. Haase, Vergrabene Schätze. (Umfrage mit Beitrr. Verschiedener.): 
ib. S. 101/3, 1614. — 150) X 0. Schell. Woher kommen d. Kinder. Umfrage: ib. S. 224/6. — 151) X A. Volksmann, D. 
Mann im Monde! Umfrage (mit Beitrr. v. Verschiedenen): ib. S. 21, 54/5, 121/2, 172, 216/8. — 152) X O A. Richter, Dtsch. 
Sagpn. (Kaiser Otto mit d. Barte; D. gute Gerhard; Herzog Ernst; König Rother; D. Graf im Pfluge; Herzog Adelger; Roland; 
Wartburgkrieg; Tannhäuser; Lohengrin) mit e. Titelbilde. 4. Aufl. L., Brandstetter. IV, 283 S. M. 3,00. —153) X A. Schullerus, 
U. Jahn, Volksmärchen aus Pommern fJBL. 1891 I 5:242); Leeb, Sagen Niederösterr. (JBL. 1892 I 4:289); A. Stöber, Sagen 
d. Elsasses (JBL. 1892 I 4:290; s. u. N. 157); J. V. Zingerle, Sagen aus Tirol (JBL. 1891 I 5:236): KBlVSbnbgLK. 16, S. 59-62. 
— 154) O Maria Savi-Lopez, Alpensagen, ill. v. C. Chessa. Deutsch v. A. Ruhe mann. St., Bonz. VII, 384 S. M. 4,50. 
IfDRs. 76, S. 1,59; ÖUE. 14, S. 337-42: StrassbPost. N. 140.]| — 155) O D. Gempeler, Sagen u. Sagengesch. aus d. Simmen- 
thal. 3. Bdch. Mermettah, Laubegg. Thun, Slämpfli. 1892. VI, 255 S. M. 2,00. (1-3: M. 5,50.) — 156) O X G- Gattiker, 
Z. Heimatkunde v. Zürich. Gesch. u. Sagen. Für d. Schule ges. u. z. T. bearb. Mit 7 Holzschn. Zürich, Schulthess. IV, 30 S. 
M. 0,.S0. — 157) X W. Hertz: ADA. 19, S. 93/4; E. Martin: DLZ. S. 172/3. (S. o. N. 153.) - 158) Th. Eckart, Bilder u. 
Sagen ans d. Neckarthal. Heidelberg, Hörnig. 89 S. M. 1,00. — 159) X E. M üller, Glockensagen in Württemberg. U.: BBSW. 
S. 145'9. — 160) A. Frietinger u. H. Heindl, Weiss u. Blau. Erzälilungen, Sagen, Geschichtsbilder u. Schilderungen. Für 
d. bayer. Jugend bearb. München, Oldenbourg. VL 87 S. M. 0,75. — 161) X A. Steinberger, Ans Bayerns Vergangenheit 
Erzählungen ans d. Gesch. u. Sage. Für Schule u. Hans. 2. Bd. Aus d. mittleren Gesch. Regensburg, Yerlags-Anst. IV, 218 S. 
jj 2,00. — 162) X A. R[eichlin v. Meld egg], Regensburger Volkssagen für Jung u. Alt mit Abbildungen u. 4 Taf. Regens- 
burg, Wunderling. 110 S. M. 2,.50. — 163) N. Reltis, Stockenfels bei Regensburg. D. Yerbannungsort d. Bierpantscher u. 
anderer Schelme nach d. Tode. 2. Aufl. Regensburg, Wunderling. III, 64 S. M. 1,00. — 164) X E. Keiter, D. Sagenwelt t. 
Tirol: NatZg. N. 388. (Anz. v. Zingerles Sagensammlung ; vgl. JBL. 1891 I 5:236; s. o. N. 153.) — 165) X L. Pröll, W. L. 
Leeb, Sagen Niederösterr. (vgl. JBL. 1892 I 4:289): ÖLBl. 2, S. 204/5. (S. o. N. 153.) - 166) X R- Walzer, Reiskofl-Sagen: 
Carinthia83,S. 90/3. —167) X J- M. T renk wald. Marienlegenden v. österr. Gnadenorten. Wien, St. Norbertus-Verl. 8 Taf. mit 
4 Bll. Text. M. 11,00. |[ÖLBI.2, S. 560/1 ]| — 168) M. Pauly, Perlen aus d. Sagenschatze d. Bheinlandes. Nach d. ältesten 
Quellen erz. Mit 6 Bild. Köln, J. P. Bachern. 143 S. M. 3,00. — 169-170) X 0. Lehmann, D. schönsten Sagen d. Rheins. 
3. Aufl. Mülheim a. R., Bagel. 177 S. M. 1,50. - 171) X H. Palm, H. Pröhle, Rheinlands schönste Sagen u. Gesch.: NatZg. 
N. 677. — 172) X Th. Aufsberg, Nürnberger Sagen. D. Jngend Nürnbergs neu erz. Nürnberg, F.Korn. 52 S. M. 0,45. (Im 



I 5 : 173-223 F. Vogt, Volkskunde. 

dem alten Eg-ergau, der sich jetzt auf Oberfranken, Oberpfalz, Böhmen und Sachsen 
verteilt, sind Gradls''^) Sag-en zusammengebracht. In den Anmerkungen werden 
mancherlei Parallelen nachgewiesen. — Weiteres bezieht sich auf das Erzgebirge ^ ''*"•''''), 
auf Deutsch-Böhmen 1 '8 •i84j^ auf Schlesien^s^), Mähren^^^) und Galizien'^''), — 

Aus Nieder deutschland ist Oldenburg durch eine Geschlechtssage i^*), 
Nordfriesland durch ein paar Kleinigkeiten i^^), der Harz durch verschiedene Samm- 
lungen^^'^^^^3) vertreten; ausserdem Brandenburgi^^"^'-'^), Mecklenburg i^e i»'?) und 
Ostpreusseni98-i99). _ 

Von den altbewährten Märchen-Sammlungen liegt die Grimmsche 
in einer illustrierten Prachtausgabe^*^*'), in einer stattlichen Reihe von englischen 
Bearbeitungen^t'i-'^oij und in zwei französischen Auszügen^o^^ogj yor; auch die Bech- 
steinsche ist wieder erneuert^'o^iij^ un^j neue Zusammenstellungen alten, seltener 
auch neuen Materials treten hinzu2i2-22o^^ — 

Zur Geschichte der Märchenstoffe, mit denen ich hier die inter- 
nationalen und die litterarisch entwickelten Sagen zusammenfasse, ist vor allem der 
schon erwähnte Band von Benfeys kleineren Schriften^^oaj 2u nennen, in dem wir 
des Vf. bekannte Theorie von der Wanderung indischer Märchen- und Novellenstoffe 
ins Abendland chronologisch durch die wichtigsten Einzelabhandlungen hindurch bis 
an die Schwelle seines Pantschatantra verfolgen können. Auch für die deutsche 
Märchenkunde kommen besonders die aus den Jahrgängen 1858 und 1859 des „Aus- 
land" wiederholten Untersuchungen über das Märchen von den Menschen mit den 
wunderbaren Eigenschaften und über das von der klugen Dirne in Betracht. — Von 
alten Sagenstoffen, die doch in dieser oder jener Weise auch für die Gegenwart ihre 
Bedeutung haben, werden die Tiersage^^'), die Ueberlieferungen vom heiligen Rock222) 
und von Alexander dem Grossen^^s) in der Litteratur des Berichtsjahres behandelt 



wesentlichen e. für Kinder eingerichteter Auszug aus J. Priems „Nürnberger Geschichten u. Sagen.") — 173) O H. Gradl, Sagen- 
buch d. Egerganes. Eger, Kobrtsch & Gschihag. 1892. (Titelanfl. 1893.) VI, 95 S. M. 1,75. |[A. Schlossar: BLU. S. 633; 
T. R.: MVGDB». 31, S. 76/7.]| — 174) X Emilie Winimer, Erzgebirgs-Siigen: MNordböhmExcursClnb. 16. S. 111,7. 

— 175) XH. Albert, D. schönsten Sagen d. sächsischen Schweiz u. d. Dresdener Elbthales. Dresden, Albanus. 64 S. M. 0,50. 
JlZVVolksk. 3, S. 342/4:.]| — 176) X R- Pfutz, Beitrr. z. Loltalgesch. d. oberen sächsischen Schweiz: D. Lobedänze: ÜB&T. 
8.341/2.— 177) X G. Pille, E. Gefangener auf Hohenstein: ib. S. 337 8. — 178) X A. Paudler, Sagenschatz aus Deutsch- 
böhraen. Für d. Jugend ges. u. bearb. Leipa, Künstner. 106 S. Fl. 0,45. |[MVGDBB. 31, S. 76/7; A. Paudler: MNordböhmExcursClub. 
16, S. 77/9.]| — 179) XP- Bernall. Nordböhm. Lokal-Sagen. XVI: MNordböhmExcursClab. 16, S. 336-43. - 180) X E. Neder, 
Sagen u. Gelöbnistage: ib. S. 351/2. — 181) X F- Bluraentritl, Natur u. Sage: ib. S. 373/4. — 182) X A. Wiechowsky, 
Sagen aus d. Umgegend v. Luh: ib. S. 361/3. — 183) X E. Richter, Sagen aus Hortau u. Umgebung: ib. S. 3546. — 184) X 
J.Schade , Einige Sagen aus d. Braunauer Ländchen (Forts.): Riesengebirge in Wort u. Bild. N. 1/2, S. 13/7. — 185) X K. Knauth e, 
Schles. Volkssagen: Urquell 4, S. 223. — 186) X Wilib. Müller, Sagen n. Geschichten d. Stadt Olmütz. 111. v. J. Hilber. 
Olraütz, Hölzel. 1892. 114 S. M. 1,80. — 187) X -A^- Nagolberg, Sagen galiz. Juden: Urquell 4, S. 257. — 188) X A. Gröning, 
D. Trinkhorn d. Grafen v. Oldenburg: ib. S. 208/9. — 189) X A. Carstensen, Nordfries. Sagen: ib. S. 167,8, 259. — 190) X 
F. Günther, Aus d. Sagenschatz d. Harzlande. Hannover-Linden u. L., Manz & Lange. XII, 260 S. M. 5,00. (Nach d. Anzeige 
V. K. Weinhold in ZVVolksk. 3, S. 109 e. hauptsächlich für d. Schule bestimmte Ausw.) —191) X M. Etchler, Harzsagen. 
D. schönsten Sagen u. Märchen aus d. Harze. D. Harzblumen 4. Aufl. Harzburg, Woldag. VII, 296 S. M. 1,75. — 192) Xi^-' 
Harzsagen. Oberharz. D. Harzblumen 3. Aufl. ib. VIII, 155 S. M. 1,00. — 193) X O id., Harzsagen. Unterharz. D. Harzblnmen 
3. Aufl. ib. VIII, 141 S. M. 1,00. - 194) X Carola v. Eynatten, Brandenburger Sagen. L., Franke. 186 S. M. 1,50. IfA. 
Schlossar: BLU. S. 633.]| (Ansprechende Erzählungen unter Benutzung bist. u. sagenhafter Ueberlieferungen aus d. Mark, Unter- 
haltungsbnch.) — 195) X K. E. Haase, Sagen aus d. Kreise Templin: Urquell 4, S. 205/6. — 196) X G- Fabricius, Volks- 
erzählungen aus Mecklenburg: KBlVNiederdSpr. 15, S. 51/2. — 197) X K. E. Haase, Sagen aus Mecklenburg: Urquell 4, S. 23/4. 

- 198)XA. Treichel, Steinsagen: ZHVMarienwerder. Heft 31, S. 1-15.- 199) X id.. Sagen: ib. S. 29-73. — 200) X Bruder 
Grimm, Kinder- u. Hausmärchen. III. v. P. Grotjohann u. ß. Leinweber. St., Dtsch. Verlags- Anst. 4°. XV, 466 S. M 20,00. 
|[N*S. 64, S. 404/7; BLU. S. 95, 772/4; Geg. 43, S. 110; ThLBl. 14, S. 235.]| — 201) X id , Household Stories. New ed. London, 
Routledge. Sh. 1. — 202) X id., Household Stories transl. by H. B. Pauli and L. A. Wheatley, ill. London, Warne. 12». 
Sh. 1,6. - 203) X id., Wonder Tales, transl. by H. B. Pauli and L. A. Wheatley ill. ib. 12». Sh. 16. - 204) id., Household 
Fairy Tales trans. By Ella Bodley ill. London, Griffeth. 4». Sh. 3 6. — 205) X id-, Fairy Tales. New edit. London, Routledge. 
Sh. 1. — 206) X id-, Fairy Tales, transl. by H. B. Pauli and L. A. Wheatley. London, Warne. 12>. Sh. 16. — 207) X 
id., Goblins, Fairy Tales, transl. by H. B. Pauli and L. A. Wheatley. HL ib. 12». Sh 1,6. - 208) X id., Choix des Contes 
de la Familie, avec grav. Limoges, Ardant et Co. 12». 72 S. — 209) X id-, Contes et Legendes. (== Nouvelle Bibliotheque 
populaire N. 358.) Paris, Gautier. 36 S. Fr. 0,10. — 210) X L. Bechstein. Ausgew. Märchen. (= 111. Jugendbibl. Her. von 
Ph. Weyler N. 7.) Hamburg u. B., Bruer & Co. 52 S. M. 0,25. — 211) X id., Märchenbuch für Kinder. Mit 54 Textabbild, u. 
3 Buntbild. 2. Aufl. St., Loewe. IV, 153 S. M. 1,80 (ohne Bild. 1,20). - 212) X F. Max, Dtsch. Märchenbuch. E. Samml. d. beliebtest. 
Kinder- n. Volksmärchen. Mit Bildern. Esslingen, Schreiber. III, 76 S. M. 1,00. — 213) X 0- Weddigen, D. dtsch. Jugend 
Schatzkästlein. Neue Märchen, Fabeln, Sprüche u. Rätsel nebst fünfzig neuen Kinderliedern u. Gebeten. Mit 111. B., Rüger. 
142 S. M. 3,00. (Nicht Sammlung, sondern selbständige Erfindung. Sehr hübsch ausgestattet.) — 214) X 0- Förster, D. 
schönsten deutschen Märchen als Lesestoff f. d. 2. oder 3. Schuljahr nach Grimm, Bechstein u. A. Godin bearb. L., Leiner. 32 S. 
M. 0,25. (E. guter Gedanke, einige d. schönsten Volksmärchen in dieser Weise pädagogisch zu verwerten u. sie in hübscher 
Ausstattung auch d. Aermsten zugänglich zu machen!) — 215) X Villamaria, Elfenreigen. Dtsch. u. nordische Märchen aus 
d. Reiche d. Riesen u. Zwerge, d. Elfen, Nixen u. Kobolde. Für d. Jugendwelt. 111. Prachtausg. 6. Aufl. L., Spamer. VII, 433 S. 
M. 5,00. — 216) X Jii- Hoff mann, Märchenwundergarten. E. Samml. echter Kindermärchen. Mit Bildern. St, Loewe. Fol. 
III, 32 S. M. 4,00. - 217) X id., Märchenwelt. E. Auswahl d. schönsten Märchen, für d. Jugend bearb., mit Bild. 3. Aufl. St., 
K. Thienemann. 208 S, M. 2,00. — 218) X P- Arndt, Es war einmal. E. Samml. d. schönsten Märchen, Sagen u Schwanke. 
Für d. Jugend her. Mit 18 Bild. u. 116 Textill. 3. Aufl St., Loewe. V, 281 S. M. 3,50. — 219) X T. Hoffmann, Ins Märchen- 
land. E. Samml. echter Kindermärchen mit Bildern. St,, Loewe. Fol. III, 32 S. M. 4,00. — 220) X id., Märchenzauber. E. 
Sammlung echter Kindermärchen mit Bild. ebda. Fol. IH, 64 S. M. 6,00. — 220a) (S. o. N. 1.) — 221) X J- Nover, 
D. Tiersage. (= SGWV. N. 164.) Hamburg. Verlagsanst. 48 S M. 1,00. |[R. M. Meyer: ML. S. 532.]| (Vgl. JBL. 1892 I 4 : 333; 
s. u. II 3 : 13.) — 222) X -A. Schullerus, D. graue Rock Christi: KBlVSbnbgLK. 16, S. 71/2. (Grau ist hier nicht Farbenbezeich- 
nung, sondern es bedeutet e. bestimmte grobe, naturgefärbte Tuchart.) — 223) X ^- Frlänkel], D. Carraroli, La legenda di 



F. Vogt, Volkskunde. I 5 : 224-233 

oder wenig-stens berührt. — Die Faustsag-e ist von Kiesewetter-^^) mit besonderer 
Berücksichtigung- des mittelalterlichen Zauber wesens, von Küchler225) lediglich im 
Hinblick auf Goethes Dichtung behandelt worden. — Zur Sage vom ewigen Juden 
hat Neubaur ^'■^^) in einer zweiten Auflage seiner Schrift einen Nachtrag geliefert. 
— Von den sieben Schwaben handelt ein kleiner Aufsatz Holder s22"), — Golthers228) 
Beitrag zur Festschrift für M. Bernays betrifft ein aus der mittelalterlichen Litteratur 
bekanntes Sagenmotiv, die Veranlassung der Liebeswerbung um die fernweilende 
schönhaarige Jungfrau durch den Anblick eines Haares, das eine Schwalbe ihr 
entführt hat, und in Verbindung damit das Motiv, dass ein Betrüger den Versuch 
macht, die Früchte der Thaten des Helden für sich zu ernten. Beides zusammen 
findet sich sowohl in der Gaaungu-Hrolfssaga als auch in der Tristansage, was G. nicht 
auf direkte Beeinflussung der Saga durch die Tristandichtung, sondern auf einen 
alten gemeinsamen Sagenkern zurückführt, — Eine neue Frucht seiner oft bewährten, 
vielseitigen Belesenheit bietet uns Hertz^^^») dar, indem er durch die gelehrte und 
poetische Litteratur des Morgen- und Abendlandes einen Stoff verfolgt, der für die 
Volkskunde in mehr als einer Hinsicht von Interesse ist. In den pseudoaristotelischen 
„Secreta Secretorum" wird erzählt, wie ein Versuch, Alexander den Grossen durch 
die Umarmungen eines von Jugend auf mit Schlangengift genährten Mädchens zu 
töten, von Aristoteles vereitelt wird. Diese Geschichte erlangte mit verschiedenen 
Variationen weite Verbreitung. Es zeigt sich, dass ihr Ueberlieferungen und Vor- 
stellungen zu Grunde liegen, die durch die arabische Litteratur auf Indien zurüok- 
leiten. Der Glaube an die Tötlichkeit des Blickes, des Hauches, der Worte, des Bisses 
und der Umarmungen solcher Giftmädchen wird nun vom Vf. im Zusammenhange 
mit weiten Kreisen verwandter Vorstellungen des Volksglaubens erörtert, unter denen 
er namentlich die von der Gefährlichkeit der Defloration für den Mann hervorhebt 
und als eigentlichen Grund für die in den verschiedensten Zeiten und Gegenden 
verbreitete Sitte der Defloration der Braut durch einen Dritten zu erweisen sucht. 
Auch die Tradition von Giftmännern wird berührt, und ihr Zusammenhang mit der 
Sitte des Opiumgenusses gezeigt. — Für die aus Pseudo-Lucian und Apulejus 
bekannte Geschichte von der Verwandlung eines Menschen in einen Esel bringt 
Weinhold^^^oj Parallelen aus den deutschen Volksmärchen, sowie eine analoge 
indische Ueberlieferung bei und stellt mit musterhafter Knappheit und Klarheit 
das Verwandtschaftsverhältnis der verschiedenen Versionen dar, wobei ich jedoch 
nicht von der Notwendigkeit überzeugt worden bin, für die deutsche Tr^ition noch 
eine andere Grundlage als die Erzählung des Apulejus und die doch wohl auch in 
Betracht kommende Uebersetzung des Lucian durch Niklas von Wyle anzunehmen. 
Der Vf. schliesst mit einem weiten Ausblick auf den uralten Glauben an die Mög- 
lichkeit des Ueberganges von Menschen in Tiere, die „wilde anthropologische Idee" 
von der Verschiebbarkeit der Grenzen unter den belebten Wesen. — In diesen 
Kreis gehört auch ein Märchen, das durch Damköhler 23 1) aus der Gegend 
von Blankenburg im Harz mitgeteilt, von Weinhold mit verwandten Er- 
zählungen verglichen wird. „Das Grundthema ist, dass ein Vater genötigt wird, 
seine liebste Tochter an ein tierisches Wesen zu geben, das aber ein verzauberter 
Mensch ist; seine Erlösung wird durch das Mädchen vollzogen." — Ein methodo- 
logisch wichtiges Beispiel dafür, wie man ein Märchen zweckmässig zergliedern kann, 
um übereinstimmende und abweichende Züge durch die Weltlitteratur zu verfolgen, 
giebt Marian Roalfe Cox232) durch ihre Behandlung von „Aschenbrödel", „Allerlei- 
rauh" und „Die Gänsehirtin am Brunnen". — Spiller233) geht den Spuren des 
Dornröschens durch die verschiedenen Litteraturen nach und kommt zu dem Ergebnis, 
dass eine indische Version, die Miss Frere im J. 1865 aufgezeichnet hat, auf den 
Ursprung des Märchens in Indien hinweise. Von dort, wo es sich als ein Sonnen- 
mjthus darstellt, ist es nach Sp.s Meinung durch die Weltlitteratur gewandert. Nach 
Deutschland ist Dornröschen aus Frankreich gekommen. Sp.s eindringende Forschung 
sucht zugleich allgemein gültige Prinzipien für die Untersuchung derartiger Gegen- 



Alessandro Magno: LCBl. S. 258/9. — 224) C. Kiesewetter, Faust in d. Gesch. u. Tradition. Mit bes. Berücksichtig, d. 
oltltulten Phaenonienalism. u d. mittelalterl. Zauberwesens. L., Spohr. XXUI, 567 S. M. 10,00. (Vgl. I 10 : 25:n3 : 28; ni3 : 2.) — 
225) C. Küchler, Faustsagnet og Göthes Fanst. Kjöbenhavn, Host & Son. 77 S. (S. u. IV 8e.) — 226) L. Neubaur, Neue 
Mitteilungen über d. Sage v. ewigen Juden. L., Hinrichs. III, 24 S. M. 0,60. |[G. Dalman: ThLBl. 14, S. 515/6; ZWolksk. 3, 
S. 344; BLU. S. 447; L. Franke 1: LCBl. S. 988/9.] [ (Auch als Anh. zu Neubanr, D.Sage vom ewigen Juden. 2. verm. Ausg. 
ebd.; vgl. I 10:14.) — 227) A. Holder, D. Sage v. d. 7 Schwaben nach ihrer knlturgesch. Bedeutung u. ihren kirchl. Be- 
ziehungen: DPBl. 26, S. 290,3.-228) W. Golther, D. Jungfrau mit d. goldenen Haaren. (= I 1:118, S. 167-76.) — 229) W. 
Hertz, D. Sage vom Giftmädchen. (Aus AbhAkMünchen.) München, G. Franz. 4». 78 S. M. 2,40. (Vgl. I 10:7.) — 230) K. 
Weinhold, üeber d. Märchen v. Eselmenschen: SBAkBerlin. S. 475-88. ||R. Basset: RTF. 8, S. 507/8. 1| (Vgl. 110 : 5.) — 231) E. 
Damköhler, D. Wolf mitd. Wockenbriefe. Märchen in Kattenstedter Mundart, erl. v. K. Weinhold: ZWolksk. 3, S. 189-205. — 
232) Marian Eoalfe Cox, Cinderella. Three hundred and forty-five variants of Cinderella, Catskin and Caps o'rnshes, 
abstracted and tabulated, with a discussion of mediaeval analogues and notes. With an introd. by A. Lang. London, Nutt (Folk- 
Lore Society). LXXX, 535 S. J[H. F. Feilberg: ürqueU 4, S. 103/4; K. Weinhold: ZWolksk. 3, S. 233,4.|1 — 233) R. Spiller, 

Jahresberichte für neuere deutsche Litteraturgeschichte. IV. 10 



I 5 : 234-264 F. Vogt, Volkskunde. 

stände zu gewinnen, und die Art, wie er das Verhältnis der einzelnen Versionen 
genau und übersichtlich darstellt, verdient alle Beachtung. Aber ich glaube, es lässt 
sich zeigen, dass er die Bedeutung der indischen Erzählung überschätzt hat, und 
diese Erkenntnis wird zu einer abweichenden Auffassung von dem Wesen und der Ent- 
wicklung dieses Märchens führen. — Sonst sind nur kleine Beiträge zur Märchen- 
litteratur zu verzeichnen234-242)^ Yon denen solche zur Anekdoten- und Schwank- 
litteratur243"244^ kaum zu trennen sind. — 

Unter den kleinen Aufsätzen, die sich mit der Geschichte und dem Wesen 
des Volksliedes im allgemeinen beschäftigen^*^"^^'), mögen zwei Artikel her- 
vorgehoben werden, welche die Gefährdung des Volksliedes durch den modernen Gassen- 
hauer betreffen. Während der eine jene alte echte Poesie gegen den von Operette 
und Tingeltangel gezeugten grossstädtischen Emporkömmling zu schützen mahnt^^s), 
spendet der andere auf eine verwandte Klage der Grenzboten den zweifelhaften Trost, 
dass es auch in früheren Zeiten Gassenhauer gegeben habe, und dass auch bessere 
Kunstlieder das Volkslied verdrängen helfen-*^). — Eine Abhandlung von Flaisch- 
len^öo^ führt die kleinen Veränderungen, die Uhlands Lied vom treuen Kameraden 
im Volksgesang erfahren hat, auf allgemeinere Gesichtspunkte zurück, und so 
behandeln auch andere kleinere Mitteilungen einzelne Volkslieder oder inhaltlich 
zusammengehörige Gruppen. ^^i 258^ — 

An der Spitze der Volkslieder Sammlungen können wir erfreulicher Weise 
eine neue Ausgabe des grundlegenden umfassenden Werkes von Uhland, durch 
Fisch e r '■^^'■') veranstaltet, verzeichnen, die durch ihren billigen Preis den weitesten Kreisen 
zugänglich ist. Nicht nur die Lieder selbst, sondern auch die für die Volkskunde 
in weiterem Umfange so fruchtbare Abhandlung mit den zu ihr gehörigen An- 
merkungen sind unverkürzt wiedergegeben, während die Anmerkungen zu den 
Liedern, die durch neuere Publikationen am ehesten entbehrlich geworden sind, fort- 
blieben. F.s Einleitung bestimmt in besonnener Weise das Wesen des Volksliedes, 
skizziert in aller Knappheit seine Geschichte in Deutschland und giebt von Uhlands 
bezüglichen Studien ein liebevoll und treffend gezeichnetes, sehr ansprechendes 
Bild.^^''-^') — Da diejenigen Sammlungen, welche die Volkslieder zugleich in W^ort 
und Weise wiedergeben , in dem Kapitel Musik besprochen werden (s. u. I 13), so 
möge in Bezug auf Böhmes^ßi») Neubearbeitung und Fortsetzung von Ercks 
deutschem Liederhort hier die Bemerkung genügen, dass sie auch für die Texte von 
Bedeutung ist. — 

Weitaus die meisten Sammlungen beschränken sich auf einzelne Land- 
schaften; sie werden hier mit Sondermitteilungen über die betreffenden Gebiete 
zusammengefasst. Unter den oberdeutschen ^^2) tritt vor allem Tirol hervor. 
Ein zweites Bändchen lebensfrischer Tiroler Volkslieder in der allerliebst aus- 
gestatteten Liebeskindschen Sammlung haben wir wieder Greinz und dem inzwischen 
verstorbenen Kapferer^*'"'"^^*) zu danken. Neben den poetisch ansprechenden 
Stücken von mancherlei Art, die es enthält, können die Weihnachts - Hirtenlieder 
und ein Dreikönigslied auch ein litterarhistorisches Interesse beanspruchen. — Eine 



Z. Gesch. d. Märchens vom Dornröschen. Progr. d. Thtirgunisohen Kantonschule. Frauenfeld, Hnber & Co. 4". 36 S. — 234) X 
J. Bolte, Zu d. Märchen v. d. sieben Grafen: ZVVolksk. 3, S. 61/7. (Dazu ib. S. 462/3 ; vgl. I 10:12.) — 235) X H- Uli rieh, 
D. Schneiderleins Glück: ib. S. 452,6. — 236) X !>• Fränkel, Z. Märchenmotiv v. d. drei findigen Brüdern (oder Genossen): 
ib. S. 96. — 237) X K.Dirksen, Asar u. Gemir. Ostfriesisches Märchen: ib S. 336;7. — 238» X H. Carstens, D. Märchen 
V. d. Königstochter, d. nicht lachen konnte: ib. S. 456/9. — 239) X St. Prato, Le dodici parole della yeritä: ASTP. 12, S. 3S-53. 
(Nimmt auch auf dtsch. Ueberlieferungen Bezug. Dazu P. Yalla ib. S. 378-85 u. St. Prato S. 422-34, 571-80.) — 240) X K- 
Ed. Haase, Z. Entenbaum: ZD*!]. 7, S. 62. (Erklärung d. Zeitungsente ans d. bei Seb. Münster nachgewiesenen fabelhaften 
Entenbaum.) — 241) X ^- J- Chamberlain, Sagen v. Ursprung d. Fliegen u. Moskiten. E. Beitr. z. vergleich. Volksk.: Urquell 4, 
S. 129-31. — 242) X A. Haas, Sagen v. Ursprung d. Fliegen: ib. S. 201/2. — 243l X J ßolte, D. Schwank v. d. drei lispelnden 
Schwestern: ZVVolksk. 3, S. 58. (Vgl. dazu A. Treichels Umfrage: Urquell 4, S. 101-69; vgl. I 10: 32.) — 243a) X J- Spiesser, 
Münsterthäler Anekdoten: JbGKlsLothr. 9, S. 87-92. — 244) X 0. Knoop, Schnurren u Schnaken aus Rügsn: Urquell 4, 
S. 72,3, 100/1. — 245) X V- Cian, La poesia popolare nella storia letteraria: ASTP. 12, S. 277 9. — 246) X Sohns, P. 
Erfnrth, d. dtsch. Volksdichtung: COIRW. 21, S. 562. — 247) X B. B., Voranzeige v. M. A. Keudels „Etüde de quelques chants 
populaires allemands": AnnEst. 7, S. 141. — 248) Volkslieder u. Gassenhauer: Didask, S. 548. — 249) Volkslied u. Gassen- 
hauer: Kw. 6, S. 372/3. — 250) C. Flaischlen, Z. Volksdichtung: ZVVolksk. 3, S. 79-85. (Dazu e. kleiner Zusatz v. C h. II. 
Steinthal.) — 251) X E. dtsch. Volkslied als französ. Citat: Didask. S. 696. („Les morts vont vite, comme dit le poete allemand" 
fEdm. About].) — 252) X L- Fränkel, Zu „E. Volkslied im Studentenraund": Urquell 4, S. 174. — 253) X Erich Schmidt, 
Ueber d. Tannenbaumlied. Vortr., geh. in GDL. Referat: VossZg. N. 51. (Seh. wies darin u. a. auch e. neue Fassung 
d. Liodes aus Göckingks Emigrationsgeschichte [1734J nach.) — 254) X K. E. Haase, Z. Zauberspruch in Auerbachs Keller: 
ZDU. 7, S. 141/2, 501/2, 692/4. (Kettenreimpredigt.) — 255i X A. En giert, Varianten zu d. Kinderliedchen „Christkindchen 
komm in unser Haus": ib. S. 266/7. — 256) X ^- Heintze, Zwei Volkslieder (entnommen e. geschriebenen Soldaten-Lieder- 
buche): ib. S. 762. — 257) X 0. Schell. Bastlösereime. Umfrage: Urquell 4, S. 267, 172/3. - 258) X id., E. Kinderreigen 
V. Dornröschen: ib. S. 259-60. — 259) L. Uhland, Alte hoch- u. niederdtsch. Volkslieder mit Abhandl. u. Anm. her. 3. Aufl. 
Mit Einleitv. Herm. Fischer. Bd. 1/4. (= Bibl. d. Weltlitt. N. 206-lÜ.) St., Cotta. 346,320,308,260 8. M. 4,00. — 260) X 
R. Sprenger, Zu Uhlands Volkliedern u. Simrocks dtsch. Mythologie: Urquell 4, S. 334. (Betrifft d. Gütchen genannten Haus- 
geister.) — 261) X O E. kleine Sammlung beliebter Volkslieder u. Schnadahüpfeln. Regensburg, llabbel. 16". 24 S. M. 0,10. 
— 261a) (Vgl. auch n2 :1.) — 262) X 0. Heilig, Gassenlieder aus Pülfringen im badischen Hinterland : Alemannia 21, S 202/3.— 
263) Rud. H. Greinzu. J. A. Kapferer, Tiroler Volkslieder. 2. Folge. L., Liebeskind. 16«. 185 S. M. 1,50. ULZg». N. 65; 
BLU. S. 280; Geg. 44, S. 15; COIRW. 21, S. 439.]| — 264) X A. Schlossar, Tiroler Schnadahüpfeln: BLU. S. 680. (Recens. 



F. Vog-t, Volkskunde. I 5 : 205-299 

hübsche Auswahl aus gedruckten Sammlungen von Schnadahüpfeln hat G u n d - 
1 achtes) zusammengestellt und im Anschluss an ältere Darstellungen mit einer Ein- 
leitung versehen, die in ihrem metrischen Teile freilich schon beim Erscheinen 
veraltet ist. Mit Daktylen, Anapästen und Amphibrachen kommt man dem Schnada- 
hüpfel so wenig bei wie mit der Behauptung, dass jeder seiner Verse zwei betonte 
Silben habe, während die Zahl der unbetonten Silben ganz beliebig sei. Das Wesent- 
liche ist bei diesen von der Musik unzertrennlichen Versen der Rhythmus, und bei 
ihm kommen neben den Hauptaccenten und den Senkungen vor allem auch die 
Nebenaccente in Betracht. Dem Benutzer des Büchleins, der sich Klarheit über diese 
Dinge verschaffen will, werden die 8 beigegebenen Singweisen mehr helfen als jene 
metrischen Auseinandersetzungen. ^^ß) — Aus den übrigen süddeutsch-österreichischen 
und aus den deutsch-ungarischen Gebieten sind nur kleine Beiträge aufzuführen^^'J 279j^ — 
Aus Mitteldeutschland liegen die Sammlungen von Becker ^so ssoav)^ 
Wolfram 2*1) und die Fortsetzung der mit reichhaltigen Nach Weisungen versehenen 
Lewalterschen282j vor. — Zu dieser und zugleich zu Hruschkas und Toischers 
böhmischen Volksliedern (vgl. JBL. 1892 IV 2:362) giebt Voretzsch^ssj wichtige 
Ergänzungen und Parallelen, die mehrfach erst den richtigen Zusammenhang' oder 
die Art der Zusammensetzung einzelner Lieder erkennen lassen, wobei er zugleich 
vier neue Lieder aus Nordböhmen hinzufügt. 2^*) — Frey tags-^^) historische Sammlung 
ist als Volksbuch gedacht und demgemäss ohne wissenschaftliche Beigaben. Doch 
sind die Quellen überall angegeben. Mit dem 16. Jh. anhebend, reichen die Lieder 
in 114 Nummern bis auf die Gegenwart. Nicht alle sind eigentliche Volkslieder. — 
Neben Sachsen ist auch Deutsch-Böhmen2*>6) und Schlesien vertreten2*''"288j _ Der 
Titel eines kleinen Aufsatzes von Menkes^^^), der die oberschlesischen Volkslieder 
zu behandeln verspricht, führt irre, da er nur von polnischen Volksliedern und nicht 
nur von denen der Oberschlesier handelt. Oberschlesien gehört aber nicht zu Polen, 
und zu den Volksliedern der Oberschlesier gehören auch die deutschen.29*>) — 

Aus Niederdeutschlan d^'*!"^««) ist eine umfänglichere Sammlung nur für 
Preussen beigesteuert. Längst durch Frischbier zusammengestellt, ist sie erst jetzt 
nach dessen Tode durch Sembrzycki"'»^) veröffentlicht. Ein sehr beträchtlicher Teil 
der Lieder ist aus den preussischen Provinzialblättern entnommen; andere stammen 
aus schriftlicher und mündlicher Mitteilung. Es sind Balladen, Liebeslieder, Standes- 
und Berufslieder, denen dann noch ein „Vermischtes" umfassender Anhang beigegeben 
ist. Kinderlieder sind ausgeschlossen. Dass die Ballade „Herr Olof (Rolof) reitet so 
spät und so weit" aus Herders Volksliedern stamme, hätte in der Anmerkung nicht 
bezweifelt werden sollen. Interessant ist es immerhin zu hören, dass sie im Volks- 
munde einige Aenderungen erfahren hat. Die Anmerkungen g-eben Aufschluss über 
die Quellen und freilich nicht erschöpfende litterarische Nachweise über Parallelen 
der einzelnen Lieder. Zu bedauern ist es, dass die Melodien nicht, soweit sie noch 
erreichbar waren, mitgeteilt sind. Bei alledem bleibt die Sammlung recht beachtens- 



d. Samml. v. E. H. Greinz u. J. A. Kapferer, ygl. JBL. 1890 IV 2 : 175.) — 265) F. Gundlach, 1000 Schnadahüpfeln. (= ÜB. 
N 31012.) L., Heclam. 212 S. M. 0,40. - 266) X .1. Pommer, 252 Jodler n. Juchezer ges. Wien, Rebay n. Robitschek. XU, 
212 S. M. 2,50. — 267) X E. M. Steininger, D. Wiener Volkslied: Geg. 44, S. 404,8. — 268 1 X Trutz u. Scherz. Volks- 
lieder aus Steiermark: Heiragarten 16, S. 52/3. — 269) X ^ ^- Franziszi, Hirtenlieder aus d. Möllthal : Carinthia 83, S. 63,4, 
93/4. — 270) B. Schnttelkopf, Kinderreime u. Kinderspiele in Kärnten. (1. Nachtr): ib. S. 23,5. (Vgl. JBL. 1890 I 5:33; 
1891 I 5 : 274.) — 271) X E- Dürnwirth, Berg u. gruben Reim, Welcher am Grass Fragantner Berg bei Einsperung Ge8prach(en) 
wird: ib. S. 120/6. (Kämt. Bergwerkslied.) — 272) X A. F. Dörfler, Dtsch. Volkslied aus Südungarn: Urquell 4, S. 274. — 
273) X A. Herrmann, Dtsch. Volksreime aus Kremnitz: ib. S. 220/1. — 274) X i^-- Dobschauer Gassenhauer: ib. S. 91;3. — 
275) X 6- Versenyi, Dtsch. Volkslieder aus d. Körmöczbänyaer Gegend: EthnMUng. 3, S. 255/6. — 276) X id-, Dtsch. Kinder- 
reime aus d. Gegend v. Körmöczbänya: ib. S. 101. — 277) X Parallelen u. Bemerkungen zu Stellen in d. EthnMUng.: ib. S. 291,4. 
(Kinderreime.) - 278) X K. Fuchs. E. alte Beschwörungsformel: ib. S. 240,3. (Aus Zipsen; Kinderreim.) -- 279; X Sieben • 
bürg.-Sächsischer Kinderreigen: KBlVSbnbgLK. 16, S. 57. — 280) K. Becker, Rheinischer Volksliederborn. Auswahl d. edelsten 
u. schönsten Volkslieder mit ihren Melodien d. verschiedenen Gegenden d. Rheinlande. Aus d. Munde d. Volkes u. aus ge- 
schriebenen Liederbüchern gesamm. Neuwied, Heuser. IX, 127 S. M. 2,50. — 280a) X H. Merken s. Altes Kölner Studenten- 
Hed. Volkslied: Urquell 4, S. ViS. — 281) E. H. Wolfram, Nassauische Volkslieder nach Wort u. Weise aus d. Munde d. 
Volkes gesamm. B., Sigismund. 462 S. M. 4,00. — 282) J. Lewalter, Dtsch. Volkslieder. In Niederhessen aus d. Munde d. 
Volkes gesamm., mit einfacher Klavierbegleitung, geschichtl. u. vergleichenden Anmerkungen. Heft 1/4. Hamburg, Fritzsche. 
X, 68 S.; VIII, 72 S.; IV, 74 S.; VIII, 72 S. k M. 1,00. — 283) K. Voretzsch, Zu d. dtsch. Volksliedern ans Böhmen u. aus 
Niederhessen: ZVVolksk. 3, S. 176-89. {Nachtr. dazu v. V. selbst n. A. Englert ib. S. 337/8)- 284) X Wilh. Müller, Volks- 
lieder aus d. Spessart: Urquell 4, S. 144/5. — 285) E. R. Freytag, Ilist. Volkslieder d. sächs. Heeres. Dresden, Glöss. VII, 
175 S. M. 3,00. |[A. Schlossar: BLU. S. 262.JI - 286) X F. Knothe, Volksdichtung u. Kinderspiele im nordöstl. Deutsch- 
Böhmen. (Fortsetzung):RiesengcbirgeinWortn. Bild. N. 1 2,8.8-13, N. .3/4,8. 1.3,7. (Vgl. JBL. 1892 14: 116.) -287) XK.Knauthe, 
Kinderreime aus Schlesien: Urquell 4, 8. 232/3. - 288) X J- Bolte, E. Breslauer bist. Volkslied v. J. 1490: ZDA. 37, S. 231,5. 
— 289) H. Menkes, D. Volkslieder d. Oberschlesier: Zeitgeist N. 38. — 290) X A. Nagelberg, Judendtsch. Kinderlieder: 
Urquell 4, 8. 119-20. (Galizien.) - 291) X 0- Glöde, Niederdtsch. Wiegenlieder: ZDU. 7, 8. 269. — 292) X K. E. Haase, 
Z. Rummelpott: ZDU. 7, 8.275. (Vgl. JBL. 1892 I 4 : 236/8: IV 2 : 279-80.) - 293) X 0. Schell, Bergisches Volkslied: Urquell 4, 
S. 20. — 294) X 0. Bremer, Plattdeutsch in Halle: KBlVNiederdSpr. 16, S. 70/1. (Dazu S. 88.) - 295) X Fastnachtlieder : 
Urquell 4, 8. 31. (Mark.) — 296) X Colra. Schumann, Fitcherlieder ans Gothmund bei Lübeck: ib. 8. 164,7. — 297) X 0. 
Glöde, Volkslieder aus Mecklenburg: ib. S. 71/2. - 298) X i^-. E. hochdtsch. Volkslied aus Mecklenburg: ZDU. 7, 8.428.— 
299) H. Frischbier, Hundert ostpreuss. Volkslieder in hochdtsch. Sprache. Her. v. J. Sembrzycki, L., Reisner. VIII, 152 S. 

lÜ* 



I 5:300-327 F. Vogt, Volkskunde. 

wert^oo^. — Schon über das deutsche Sprachgebiet hinaus führt Nasts^oi) Studie über 
die Dainos, die besonders weg-en ihres den Melodien gewidmeten Teiles Beachtung 
verdient. — 

In einem Sohlussabschnitt sei Verschiedenes zusammengestellt. Von der 
Spruch poesie des Volkes ist das wichtige Kapitel der Inschriften diesmal nur 
durch einige wenige kleine Beiträge vertreten''02-307j. gj^g Gattung altdeutscher Sprüche 
hat Limbach 308) ohne Glück zu modernisieren gesucht, während Keils ^09) an anderer 
Stelle eingehender zu besprechendes Werk über die Stammbücher einen wertvollen 
Beitrag nicht nur zur Geschichte des Sinnspruches, sondern auch zur deutschen Kultur- 
geschichte liefert. Freilich betrifft das Buch nicht das eigentlich Volkstümliche, wie auch 
die Sammlung von Eichholz 3*") lediglich Sprüche und Wendungen im Munde der 
Gebildeten betrifft. Geläufige lateinische Redensarten werden hier in alphabetischer 
Anordnung aufgeführt und übersetzt, gelegentlich auch erklärt. Vielfach wird der 
Autor, von dem sie ausgehen, angegeben, aber ohne genaueres Citat; sehr oft fehlt 
jede weitere Angabe über den Ursprung. Das Buch soll dem des Lateinischen nicht 
genügend Kundigen dienen. — 

Eine ältere S p r i ch wo r ter quelle verwertet Lauchert^n); eine inhalt- 
lich verwandte Sprichwörtergruppe^^^) stellt Freund^is) zusammen, indem er eine 
grosse Anzahl deutscher Sprüche, zu denen er auch solche aus der Edda zählt, ohne 
Quellenangabe und ohne Rücksicht auf ihren einheimischen oder fremden Ursprung 
unter den recht weit gefassten Begriff der Treue und Untreue bringt. — Sonst liegen 
nur Sprichwörtersammlungen für bestimmte Gegenden vor und zwar verschiedene 
kleine für süddeutsche Bezirke^'^ 3i6) ^nd für ober- und mitteldeutsche Kolonisations- 
gebiete3i''~32ij^ eine weit umfassendere für Niederdeutschland. Diese umfängliche, 
vom Verleger sehr gut ausgestattete Sammlung Eckarts322j könnte in weiten 
Kreisen auf Dank und Beifall rechnen, wenn in ihr nicht die einfachsten Anforderungen, 
die man an die Gewissenhaftigkeit eines Herausgebers stellen muss, gröblich ver- 
nachlässigt wären. Das Aergste ist, dass, wie Seelmann nachgewiesen hat, 
die Sammlung, die E. auf den Gebieten von Oldenburg bis Schlesien (!), von Ost- 
preussen bis zur Rheinprovinz „aus dem Volksmunde" und ihm „reichlich zu Gebote 
stehenden Specialforschungen gesammelt" haben will, nichts weiter ist als ein nach- 
lässiger und verkehrt angelegter Auszug aus Wanders Sprichwörterlexikon mit 
ganz unbedeutenden Zusätzen aus anderen Quellen, die nicht einmal von der Aus- 
nutzung der in dem mangelhaften Litteraturverzeichnis erwähnten Sammlungen 
zeugen. — Weit verdienstlicher als eine Kompilation von solcher Art ist eine auf 
das kleinste Gebiet beschränkte Sammlung, wenn sie selbständig angelegt und 
gewissenhaft ausgeführt ist, wie Dirksens^''^^) Meidericher Sprichwörterbüchlein, das, 
zuerst 1890 erschienen, jetzt in einer um einige Anmerkungen vermehrten Ausgabe 
vorliegt, die auch über das Gebiet der Mundart hinaus Verbreitung finden soll. Für 
diesen Zweck hätte allerdings noch etwas mehr für die Worterklärung geschehen 
können, wenn auch andere Erläuterungen dafür hätten verkürzt werden müssen. — 
Auch auf anderen niederdeutschen Gebieten hat man einiges dieser Gattung zusammen- 
gestellt324-3273. _ 



M. 3,00. |[ürqnell 4, S. 128; LCBl. S. 1619: A. Schlossar: BLU. S. 262/3.]| — 300) X id-, Preuss. Volksveirae u. Volksspiele 
(vgl. JBL. 1892 I 4:361). l[L. B.: Wisla. 1892, S. 691; 1893, S. 190; J. Sombrzycki: KwH. 7, S. 302.]| —301) L. Nast, D. 
Volkslieder ä. Litauer inhaltl. u. niusikal. Progr. d. Gymn. Tilsit. 4". 52 S. — 302) X A. Schlossar, L. v. Hörmann, Gral)- 
schriften n. Marterln (JBL. 1892 I 4:74); id., Volkstüml. Sprichwörter (ib. I 4:347); id., Haussprüche (ib. I 4:352): BLU. 
S. 278-80. (Ledigl. Auszüge aus Hörmanns Samml. finden sich unter „Grabschriften" in d. 111. Bibl. Prochäska 1, S. 12.3/5.) 
— 303) X F- Ilwof, Allerlei Inschriften aus d. Alpenländern: ZVVolksk. 3, S. 278. (Meist Hausinschriften.) — 304) X E- 
Keiter, Grabschriften u. Marterln in d. Alpen: ÖUE. 14, S. 411-24. — 305) X H. Gutscher, Volkspoesie auf Gräbern: DZg. 
N. 7847. — 306) X M. Frhr. zu Aichelburg, Inschriften an Haus n. Gerät: Carinthia 83, S, 127/8. — 307) X H. Hart- 
mann, Inschriften aus d. Bauernhäusern im Kreise Wittlage: MVGOsnabrück. 17, S. 410/5. — 308) Ph. Strauch, H. Limbach, 
Priameln. E. ausgew. Samml. altdtsch. Sinngedichte. Dresden, Albanus. 1892. XV, 106 S. M. 2,00: DLZ. S. 366,7. — 309) 
(I 4:141.) — 310) K. Eichholz, Latein. Citate mit dtsch. Uebersetz. Latein. Sprüche, Wörter u. Sprüchwörter. Hamburg, 
Berendsohn. IV, 176 S. M. 2,00. — 311) F. Lauchert, Sprichwörter n. sprichwörtl. Redensarten bei Abraham a Santa Clara. 
(Aus Alemannia.) Bonn, P. Hanstein. 42 S. M. 1,00. (Vgl. JBL. 1890 III 5:17.) — 312) X L. Fränkel, D. Tadel d. Zuviel- 
redeng in Sprichwort u. Volksanschauung. Umfrage: Urquell 4, S. 14, 123, 1313, 157/8. — 313) L. Freund, D. Treue im 
Spiegel d. Spruchweisheit I. Dtsch. Sprüche u. Sprichwörter. 2. Durch Nachtrr. vermehrte Ausgabe. L., Kössling. 1892. 50 S. 
M. 1,20. |[A. Schroeter: BLU. S. 581/2.]J — 314) X J- Rathgeber, Elsäss. Sprichwörter u. sprichwörtl. Redensarten: 
JbGEleLothr. 9,8.98-101. 315)XJ- Spiese r, Sprichwörter in Waldhabacher Mundart : ib. S.93/7.- 316)XH. Bazing, Sprich- 
wörtc 1 u. Redensarten aus d. Gegend v.Waldsee mitget. : MVKunstAUlm. 4, S. 30/2. (Ges. v. P e t e r.) — 317) J. R. B ü n k e r , Heanzische 
Spricliwörter: EthnMUng. 3, S. 287-91. — 318) X M. Weissberg, Sprichwörter galizischer Juden: Urquell 4, S. 256j7. — 
319) XJ-A Ohara p, Sprichwörter galizischer Juden: ib. S. 212/3. — 320) X I-'- Man dl, Sprichwörter dtsch. Juden: ib. S 75/6. — 
321) X Müschner, Wendische Sprichwörter: Bär 19, S. 785/6. (36 Sprichwörter aus d. Wendischen übersetzt.) — 322) R. 
Eckart, Niederdtsch. Sprichwörter u. volkstüml. Redensarten. Braunschweig, Appelhaus & Pfennigstorff. 586 S. M. 8,00. 
||W. Seelmann: ADA. 21, S. 142/4.JI — 323) K. Dirksen, Meidericher Sprichwörter, sprichwörtl. Redensarten u. Reira- 
sprüche mit Anm. 2. Aufl. Königsberg, Härtung. 56 S. M. 1,00. (vgl. JBL. 1892 I 4 : 349.) — 324) X K. E. H. K r a u s e , 
K. Dirksen, Ostfriesische Sprichwörter (JBL. 1S91 I 5 : 26.3): KBlVNiederdSpr. 15, S. 13. — 325) X N. S tacke r, Sprichwörter 
n. Redearten aus Drage in Stapelholra : Urqnell 4, S. 257/8. - 326) X R- Sprenger, 0. Knoop, Z. Verbreitung d. plattdtsch. 
Sprichwörter u. Redensarten, aus Ilinterpomra. gesamm. Progr. 1891 : KBlVNiederdSpr. 15, S. 2/3. — 327) X •'• S e m b r ■/, y c k i , 



F. Vogt, Volkskunde. I 5 : 328-367 

Als verschieden artig-e Aeusserung-en des Volkswitzes hat man Spott- und 
Scherz- Verse und -Reden32s-333j ^nd manches Humoristische anderer Art mitg-eteilt^s*). 
— So führt Schurig-^äbj ^[q ggjjp verschiedenen Erscheinungsformen sächsischen Solda- 
tenhumors in Poesie und Prosa vor, wobei an Wörtern, Spitznamen und Redensarten einiges 
nicht Uninteressante erscheint, und Laverrenz^^e^ trägt parodistische Auslegungen und 
allerlei schnoddrige Bemerkungen anderer Art, zu denen dem Berliner die Bauten 
und Denkmäler seiner Heimatstadt Anlass geben, als eine charakteristische Gattung 
berlinischen Volkswitzes zusammen. — 122 deutsche Redensarten, die, so 
geläufig sie uns auch grösstenteils noch sind, ihre Erklärung doch erst in der älteren 
Kultur, Litteratur und Sprache finden, erläutert Rieht er^^"). Der Vf. zeigt aus- 
gebreitete Kenntnisse auf diesen Gebieten, besonders auf dem der Kulturgeschichte, 
und weiss neben den von Anderen gefundenen Deutungen auch so manche neuen 
Aufschlüsse zu geben. Mag man auch nicht in jeder Einzelheit zustimmen, so ist 
das Buch dennoch zu empfehlen und verdient die im Verlaufe von drei Jahren nötig 
gewordene zweite Auflage. — Bestimmte Gattungen von Redewendungen und Redens- 
arten bilden den Inhalt verschiedener kleinerer Publikationen338-345^ — 

Eine kleine Auswahl von Rätseln für Schule und Haus hat Frick^*^) mit 
gutem Humor getroffen34"-348j^ {j^ übrigen hat man auch diese Art von Volkswitz 
und Volkspoesie nach ihren örtlichen Erscheinungen untersucht und zusammen- 

geStellt349 355j, _ 

Mit Volkswitz und Redensarten zeigt die Namengebung manche 
Berührungen, besonders in den Spitz- und Schimpfnamen^äß) und in der Beilegung 
von Personennamen an Tiere35''"360), __ Die Vor- und Familiennamen nehmen seit 
langen Zeiten das Interesse weiterer Kreise in Anspruch. Für die Reclamsche ÜB. 
hat jetzt Tetzner*^^') ein kleines Namenbüchlein zusammengestellt, dem auch für 
seine populären Zwecke einige Litteraturangaben zur Namenkunde zu wünschen 
gewesen wären. — Wie seit dem 13. Jh. der alte Reichtum an deutschen Vornamen 
allmählich geschwächt wurde, zeigt eine kleine Studie Steinhausens^ß^), die zugleich 
die Verbreitung des Namens Johannes behau delt.363) _ Ortjohann364j hat das 
Verhältnis deutscher und nichtdeutscher Vornamen bei der Schuljugend eines 
Schweizerkantons statistisch festgestellt. — Auf welche Weise die deutschen Vornamen 
gebildet wurden und wie sie zum Teil in Familiennamen noch fortleben, hat BehagheP^^) 
in einem Vortrage mit besonderer Beziehung auf Giessen erörtert. — Keipers 
Zusammenstellungen über französische Familiennamen in der Pfalz (vgl. JBL. 1892 I 
4:812) wurden noch besprochen^ßß). — Verschiedene Klassen und Schichten von 
Personen- und Ortsnamen Graubündens behandelt Muoth^^') unter Erörterung der 
.für die Wandlung ihrer Formen massgebenden Sprachgesetze, vor allem aber unter 
Berücksichtigung ihrer Bedeutung für das Verhältnis der verschiedenen Stämme in 



Sprichwörter n. Keime aus d. Kirchspiel Berschkallen (Kreis Insterbnrg): MLLG. 3, S. 446/7. — 328) X K. Weinhold, 
Volltsreime auf Bettlerhochzeiten: ZVVolksk. 3, S. 228-30. — 329) X A. Engler t, Zn d. Spottvers „Bonapart ist nimmer 
stolz": ZDU. 7, S. 271/2. — 330) X 0. Heilig, Ortsneckereien in d. Brnchsaler Gegend: Alemannia 21, S. 201. — 331) X 
id., Ortsneckereien in Tauhergrund: ib. S. 201/2. — 332) X A. Englert, Scherzdialog: ZDU. 7, S. 272/3. — 333) X 0- 
Glöde, Schnellsprech- Vers aus Mecklenburg: KBlVNiederdSpr. 16, S. 23. - 334) X K. Weinhold, H. Merltens, Was 
sich das Volk erzählt. Dtsch. Volkshuraor, ges. u. nacherzählt. Jena, Costenoble. XHI, 280 S. M. 5,00: ZVVolksk. 3, S. 344. 

— 335) E. S c h u r i g , D. Humor in d. sächs. Armee. Dresden, Albanns. XV, 140 S. M. 1,00. — 336) V. L a v e r r e n z , D. 
Denkmäler Berlins u. d. Volkswitz. Mit 54 Illustrationen v. G. Brandt. 2. Aufl. B., Laverrenz. 117 S. M. 1,00. - 337) 
Alb. Richter, Dtsch. Redensarten. Sprachl. u. knltnrgesch. erlänt. 2. Term. Aufl. L., Richter. 190 S. M. 2.00. |[Geg. 44, 
S. 366.JI (Vgl. JBL. 1890 I 5:25.) - 338) X Th. Zahn, Bibelwort im Volksmund. Vortr. Nürnberg, Löher. gr. 16». 48 S. 
M. 0,60. |[E. L.: ThLBI. 14, S. 201.]| — 339 X E. Handtmann, Vornamen- Verbrämungen im märkischen Sprachgebrauch r 
Bär 19, S. 405/7. (Scherzreime u. Redensarten, d. man mit bestimmten Vornamen verbindet.) — 340) X J. Gillhoff, D. 
Pflanzen im Volksmunde: NatZgB. N. 30. |[D. Sanders: ZDS. 7, S. 21S/9.]| — 341) X ß- Wossidlo, Gott u. Teufel im 
Munde d. Meklenburgischen Volkes: KBlVNiederdSpr. 15, S. 18-32, 44/8. — 342) X A. Treichel, Entfernte Verwandtschaft: 
Urquell 4, S. 156/7. (Redensarten zu deren Bezeichnung.) — ■ 343) X i d- Bei plötzlicher Stille in d. Gesellschaft: ib. S. 275. 

— 344) X id.. Fürs Pferd u. beim Rülpsen: ib. S. 202/4. — 345) X Einzelheiten über Redensarten u. Wortbildungen d. 
Volks- n. Umgangssprache: ZDU. 7, S. 136-40, 142/3, 263, 267/9, 424, 426, 429-31, 491/2, 495/8, 564/5, 567/8, 572/3, 626, 633, 
686-92, 759-61, 765/7. 834-42. - 346) Jos. Frick, 300 Rätsel samt 100 Scherzfragen. Ravensburg, Maier. 97 S. M. 0,70. 

— 347) X H. Volksmann, Volkswitz in Rätseln: Urquell 4, S. 221/2. — 348) X ■*.. Treichel, Biblische Rätsel: ib. 
S. 84/7, 124.— 349) X K- Sprenger, Z. Scberzrätsel aus Tirol: ZDU. 7, S. 61. — 350) X K. J. Schröer, Kätselfragen, 
Wett- u. Wunschlieder: ZVVolksk. 3, S. 67-71. (Handelt über Rätsel-Streitlieder d. dtsch. Sternspielbrnderschaften in d. 
Gegend v. Pressbnrg u. teilt ein solches Lied mit.) — 351) X 0. Glöde, Niederdtsch. Rätsel, besonders d. Storch-, Floh- 
u. Entenrätsel: ZDU. 7, S. 688-91. - 352) X 0. Schell, Volksrätsel aus d. Bergischen. Aus d. Volksmunde gesamm.: 
ZVVolksk. 3, S. 293. — 353) X K- E. H aa s e , Volksrätsel ans d. Grafschaft Ruppin u. Umgegend: ib. S. 719. — 354) X 
0. Glöde, Niederdtsch. Rätsel aus Mecklenburg: Urquell 4, S. 250,3. — 355) X A. Brunk, Volksrätsel in Pommern: ib. 
S. 147 9. - 356) X A. Nagelberg, Spitz- u. Schimpfnamen bei galizischen Juden: ib. S. 214 5. — 357) X 0. Glöde, 
Noch einmal der Hasenname Lampe-Lambert, Landbrecht: ZDU. 7, S. 498. — 358) XK. Weinhold, F. Branky, Eulen- 
namen. (Sonderabdr. ans MOrnithVWien. „D. Schwalbe« 1892.) 35 S.: ZVVolksk. 3, S. 112. — 359) X 0. Glöde, Ueber 
Tiernamen im Volksmund u. in d. Dichtung: ZDU. 7, S. 115-26. — 360) X Tiere u. leblose Gegenstände als persönl. Wesen: 
StrassbPost. N. 174. (Belegung v. Tieren u. Gegenständen mit personifizierenden Namen.) — 361) F. Tetzner, Namenbuch: 
(=UB. N. 3107 8). L., Reclam. 167 S. M. 0,40. 362) G. Steinhausen, Vornamenstudien: ZDU. 7, S. 616-26.- 363) X 
M. Hertz, Moderne weibl. Vornamen: VossZgli. N. 43. — 364) F. Ortjohann, D. Vornamen d. Schuljugend d. Kantons 
Rappoltsweiler, Progr. d. Realsch. Rappoltsweiler. 4». 8 S. — 365) 0. Behaghel, Ueber altdtsch. Familiennamen: 
MOberhessGY. 4, S. 130. (Ganz kurzes Referat.) - 366) X Fr- Speyer: ASNS. 90, S. 456,8. — 367) J. C. Mnoth, Ueber 



I 5:368-379 16:1 K. Kehrbach, Geschichte des Unterrichts- und Erziehung-swesens. 

den verschiedenen Perioden der Besiedelung* nnd der Verfassung* des Landes. Er 
bietet auch manches für die allgemeine Namenkunde Interessante. — Der Benennung- 
unseres Volkes hat Dove^^^) eine historische Untersuchung- zug-ewendet, in der er 
die Zusammenfassung- der Sprache der ostrheinischen Stämme unter der Benennung 
„theodiscus, diutisc" (d. i. „national", nicht „vulgär"), die seit dem J. 788 geschicht- 
lich bezeugt ist, auf Bonifacius zurückführen möchte. — Egli^^'») hat eine Reihe 
vergleichender Studien über charakteristische Erscheinungen in der geographischen 
Namengebung unter Berücksichtigung alter und neuerer deutscher Benennungen 
veröffentlicht. — Einzelne Erscheinungen in der deutschen Ortsbezeichnung3''0-37ia^ 
und die Ortsnamen einzelner Gegenden sind in verschiedenen Aufsätzen und 
Zusammenstellungen behandelt, unter denen Sehn eller s^"^^ Abhandlung über die 
Tirolischen Ortsnamen besonders genannt zu werden verdient.^'' 3-379 j — 



1,6 

Geschichte des Unterrichts- und Erziehungswesens. 

Karl Kehrbach. 

Einleitung N. 1. — Gesamtdarstellungen N. 4. — Methodik einzelner Fächer: Anschaunngsunterricht N. 8; 
lateinischer Unterricht N. 9; Leseunterricht N. 10; Rechenunterricht N. 12; Eeligionsunterricht N. 13; Turnunterricht N. 14. — 
Einzelne Persönlichlceiten und Freunde des Schulwesens: Reformationszeit N. 16; Ratichius N. 20; Aisted, Andreae, Comenius 
N. 23; Speccius, Stoever N. 34; Stiiubsand, Staude, Stölzlin N. 36; Steinmetz, Strnss N. 39; Struensee, Streithorst, Stritter N. 41 ; 
Basedow und der Philanthropinismus N. 44; Herder N. 47 ; Pestalozzi und Zeitgenossen N. 48; Herbart N. 54; katholisclie Pädagogen 
N. 55; verschiedene Schulmänner der Praxis aus neuerer Zeit: Baden N. 60, Bayern N. 61, Hessen N. 62, Oesterreich N. 63, Oldenburg 
N. 66, Preussen und Berlin N. 67, Sachsen N. 75, Schweiz N. 77, Thüringen N. 83. — Universitäten : Zusammenfassende Darstellungen 
N 85;AllgänN. 87;Basel N. 89; Berlin N. 90; Erlangen N. 91 ; Freiburg i. B. N. 99; Freiburg i. Schw. N. 104; Giessen, Kassel, Marburg 
N 105; Göttingen N. 108; Halle, Wittenberg N. 110; Heidelberg N. 115; Leipzig N. 119; Wien N. 122 - Studententura : Allgemeines 
N. 123; Burschenschaften N. 129. — Akademien und akademische Gymnasien (Liegnitz, Wien, Stettin, Gera, Benthen a. 0., 
Schaffhausen) N. 151. — Gymnasial- und Realanstalten: Allgemeines N. 162; Baden N. 163; Bayern N. 164; Brandenburg 
N. 106; Hannover N. 172; Hessen N. 173; Pommern N. 178; Rheinlande N. 179; Provinz Sachsen N. 183; Königreich Sachsen N. 199; 
Sachsen-Weimar-Eisenach N. 203 ; Schlesien N. 205 ; Schleswig-Holstein N. 209; Württemberg N. 210 ; Schweiz N. 211. — Höhere Bürger- 
schule N. 213. —• Privatinstitute N. 215. — Höhere Mädchenschule N. 218. — Lehrerseminar N. 220. — Volksschule (Anhalt- 
Dessau, Baden, Oesterreich, Sachsen, Württemberg, Zweibrücken) N. 222. — Handelsschule N. 233. — Militärbildnngswesen 
N. 234. — Standeserziehung: Fürsten N. 235; Adel N. 237. — Pädagogik der Jesnifen N. 239. — Schulreden und Programme 
N 240. - Schnlkomödie N. 243. — Verschiedenes N. 247. - 

Einleitung. Dem Bericht über die historisch-pädagogische Litteratur des 
J. 1893 sei die Betrachtung eines Werkes vorangeschickt, das im vorigen JB. 
(JBL, 1892 I 10:6) nur beiläufig, bibliographisch, verzeichnet werden konnte. K. A. 
Schmid'), der Herausgeber der bekannten grossen, allgemein nach ihm be- 
nannten Encyklopädie, fasste noch im hohen Alter den Plan, das auf 4 Bände be- 
rechnete Sammelwerk zur Ausführung zu bringen, „in der zuversichtlichen Hoffnung, 
vielen berechtigten Wünschen damit entgegen zu kommen". Bestimmt ist die Arbeit 
nicht für die Gelehrten; sie soll nicht die Wissenschaft im strengen Sinne durch 
selbständige Untersuchungen fördern; bestimmt ist sie für jenen „Mittelstand zwischen 
den Ungebildeten und Gelehrten", und sie soll nur das Ziel haben, „die Ergebnisse 
der Wissenschaft zum Gemeingut zu machen". Daher die „Notwendigkeit einer mög- 
lichsten Gedrängtheit in der Darstellung des Ermittelten, welche mit der Lebendigkeit 
der Farben wohl vereinbar ist, und dann die Notwendigkeit der Verzichtleistung auf 
fortlaufende litterarische Nachweise, wo diese nicht aus besonderen Gründen zu 
wünschen sind." Der Stoff selbst ist von Seh. zur Bearbeitung unter verschiedene 



bündnerische Geschlechtsnamen u. ihre Verwertung für d. Bündnergesch. T. I. II. Progr. d. Kantonssch. Chur. 4". Je 47 S. 
|[A Kühler: ASNS. 91, S. 357/8.]| — 368j A. Dove, Bemerkungen z. Gesch. d. dtsch. Volksnaraens: (Aus SBAkMünchen.) 
München, (Franz). 37 S. (Sonderabdr.) — 369) J. J. E g 11 , D. Völkergeist in d. geograph. Namen: Ausland 66, S. 465, 485, 
504, 522, 534, 551,569,585,600.-370) X P- Mitzschke, Verschmelzung v. Präposition -)- Artikel mit folgender Ortsbezeich- 
nung: Germania 37, S. 188-90. - 371) Fr. Prien, Ueber d. Flurnamen-Segen: KBlVMederdSpr. 15, S. 81-93; 16, S. 41,2. — 
371a) X !■'• Holthof, Anklänge an Dichtung u. Sage in Strassen- u Hänsernamen d. alten Frankfurt: FZg. N. H4. — 372) 
(1 4:478.) — 373) X Th. Lohmeyer, Was bedeutet d. Name Zollern? Progr. Altena i Druck v. Kord-Ruwisch>. 1892. 4». 
6 8. — 374) X R. Müller, ü. Felbinger, d. dtsch. Bergnamen in d. Ostalpen: ÖLBL 2, S. 1467. — 375) X » d-. Kleine 
Beitrr. z. altkärntnischen Ortsnamenkunde. 3-4: Carinthia 83, S. 82-90, 148-54. - 376) H. Gradl, D. Ortsnamen im Fichtel- 
gebirge u. in dessen Vorlanden. 2. Abt. Slavische Namen. Eger, Kobrtsch u. Gschihag in Komm. 1892. 99 S. M. 1,40. 
([J. Peters: MVSDB". 31, S. 69-75.II - 377) X A- Paudler, Z. Ortsnamenkunde: MNordböhmExkursClnb. 16, S. 2417. — 
378) X A. Rossner, D. Name d. Klosters Pforta (Claustrum apud portam). M. e. Karte. Naumburg a. S., Schirmer. 56 S. 
M. 0,75. ([Ausland 66, S. 558.]) (Leitet d. Namen nicht v. Porta, sondern v. vorte [FurtJ ab.) — 379) R. Sprenger, Gar- 
dinenwiese: ZDPh. 25, S. 286. (Deutung dieses bei Quedlinburg vorkommenden Flurnamens.) — 

1) K. A. Schmid, Gesch. d. Erz. v. Anfang an bis anf unsere Zeit bearb. in Gemeinsch. mit e. Anzahl von Ge- 
lehrten t!. Schulmännern. Fortgef. v. Georg Schmidt. 2. Bd., 1. Abt.; 3. Bd., 1. Abt.; 3. Bd., 2. Abt. St., Cotta. 1892. 



K. Kehrbach, Geschichte des Unterrichts- und Erziehung-swesens. I 6 : 24 

Gelehrte verteilt worden. Die beiden ersten, früher (1884 und 1889) erschienenen 
Teile enthalten Arbeiten von K. A. Schmid, G. Baur, K. Hartfelder, E. Gundert und 
Georg Schmid. Von den jetzt erschienenen Veröffentlichungen fallen in den Bereich 
der JBL. nur G. Müller (N. 239), Israel (s. u. N. 22), Brüg-el und G. Schmid 
(N. 23). — Von den übrigen Arbeiten sei auf die von KaemmeP) und Masius^) hin- 
g-ewiesen, die ihren Stoff herunterführen bis zu der Grenze, wo die JBL. einsetzen. 
In den bisher erschienenen Partien des Werkes, die sich auf deutsche Erziehung-s- 
g-eschichte beziehen, wird der Entwicklung-sg-ang des deutschen Erziehung-s- und 
Schulwesens durch Darlegung- der Systeme hervorragender Pädagogen und der 
Bestrebungen bedeutender Schulmänner veranschaulicht. Wer aber aus diesem Um- 
stände schliessen wollte, dass das Programm des Herausgebers einseitig die biographische 
Richtung, wie sie bereits von Raumer genommen worden ist, einschlagen werde, der 
würde durch die geistvollen Auseinandersetzungen Baurs in der Einleitung zum 
ersten Bande, in der er über den Begriff der Erziehung, über Umfang und Ziel ihrer 
Geschichte und über Gang und Methode ihrer Behandlung spricht, belehrt werden. 
Erziehung fasst er im Sinne Schleiermachers als die sittliche Wirkung der älteren 
Generation auf die jüngere, mag nun diese Einwirkung von den in den verschiedenen 
Lebensgeschäften und Lebensgebieten der menschlichen Gesellschaft wirkenden 
Mächten oder von einzelnen zur Erziehung berufenen Persönlichkeiten ausgehen, und 
mögen diese bei ihrem Verfahren nur von hergebrachter Gewohnheit oder von be- 
stimmten Grundsätzen oder von einem ausgebildeten Systeme sich leiten lassen. Er 
will also sein Werk keineswegs als blosse Geschichte der Pädagogik im engeren 
Sinne, also der Erziehungswissenschaft, der pädagogischen Systeme, angesehen wissen. 
Manche von diesen Systemen haben „von ihrer abstrakten Höhe aus" auf die pädago- 
gische Wirklichkeit nur geringen oder gar keinen Einfluss gehabt. „Lange Zeit- 
räume und weite Gebiete" hat es gegeben, in denen pädagogische Systeme keine 
Wirkung hervorgebracht haben. Da es aber in diesen Perioden gleichwohl an Grund- 
sätzen, nach welchen die Erziehung geregelt worden ist, nicht gefehlt hat, so müssen 
auch diese in den Bereich der Darstellung gezogen werden. Ja noch mehr: Baur 
macht mit Recht darauf aufmerksam, dass auch da, „wo von solchen mit Bewusst- 
sein befolgten Grundsätzen nichts wahrzunehmen ist", die Erziehung trotzdem „nach 
Sitte und Gewohnheit" ihren Einfluss auf das heranwachsende Geschlecht ausgeübt 
habe. Es rauss also überhaupt die ganze „faktische Erziehung" in den Kreis 
der Beobachtung aufgenommen werden. Von den Aufgaben, die hier der päda- 
gogischen Geschichtsschreibung gestellt sind, ist die erste, die Darstellung des 
Lebens hervorragender Pädagogen und ihrer Systeme, die leichteste, weil das Material 
in immerhin befriedigender Vollständigkeit gedruckt oder geschrieben vorliegt. 
Schwieriger gestaltet sich die Lösung der Aufgabe, wenn es gilt, die Grundsätze, 
von denen sich so viele Erzieher und Schulmänner bei Ausübung ihres Berufes 
leiten Hessen, darzulegen, denn die Zahl der bisher veröffentlichen Stoffe, die hierüber 
Aufklärung geben könnten, Schulreden, pädagogische Abhandlungen, Briefe, Gutachten, 
Schulbücher einzelner Schiümänner usw., ist eine noch zu geringe. Noch grösser aber 
werden die Schwierigkeiten, wenn der Historiker versuchen will, zu zeigen, wie 
Unterricht und Erziehung innerhalb einzelner Zeiträume, Oertlichkeiten oder Länder 
thatsächlich gestaltet waren, wenn also das Rankesche Ideal der Geschichtsschreibung, 
bloss zu zeigen, „wie es eigentlich gewesen ist" (vgl. JBL. 1891 I 6 Einl.), angestrebt 
werden soll. Hier fliessen die Quellen, aus denen geschöpft werden muss, erst in 
neuerer Zeit etwas reichlicher, besonders seitdem die Gesellschaft für deutsche Er- 
ziehungs- und Schulgeschichte sich die Aufgabe gestellt hat, das erforderliche Material 
zugänglich zu machen (vgl. JBL. 1891 I 6 Einl. und 1892 I 10 Einl.). Und hier 
werden für die Historiker nur zu oft die Dokumente von ausschlaggebender Beweis- 
kraft sein können, die wohl so mancher bisher als Quisquilien angesehen hat: 
Einzelschulordnungen, Visitationsprotokolle, Stundenpläne, Bestallungsurkunden usw. 
Wenn gesagt worden ist, dass der Betrieb in den Schulen des evangelischen Deutsch- 
lands durch Vormbaums Ausgabe evangelischer Schulordnungen hinlänglich ver- 
anschaulicht worden sei, so zeugt dies von Unkenntnis thatsächlicher Verhältnisse. 
So geben z. B. die bekannten grossen Landesschulordnungen für Württemberg, 
Sachsen usw. keineswegs ein Bild von dem wirklichen Zustande von Unterricht 
und Erziehung in den Schulen dieser Länder. Wie viele Bestimmungen haben nur 
auf dem Papiere gestanden und sind nie zur Ausführung gelangt! Was davon in 
Wirklichkeit umgesetzt worden ist, kann oft gei-ade nur aus jenen Quisquilien er- 
kannt werden. Je mehr Einzelfälle uns dadurch bekannt werden, um so eher werden 
wir befähigt, sicherere Urteile über den faktischen Bestand von Erziehung und Unter- 



VI, 611 S. M. 20,00; VI, 439 S. M. 15,00; VI, 211 S. M. 10,00. — 2)0.Kämmel, D. Uni?, im MA. (- N. 1; II', S. 334-548.) 
— 3) H. Masius, D. Erz. im MA. (= N. 1; II', S. 94-333.) — 4) J. Böhm, Gesch. d. Päd. 2. Aufl. 2 Bde Mit Abbild. 



I 6:5-0 K. Kehrbach, Geschichte des ITnterrichts- und Erziehungswesens. 

rieht zu fällen. In diesen Bestrebungen sieht die Gesellschaft sich gefördert von 
einzelnen deutschen Regierungen, die die- Verwaltungsorgane ihrer Bibliotheken und 
Archive sowie die Provinzialregierungen angewiesen haben, die Arbeiten der Gesell- 
schaft zu unterstützen. Konnten wir im vorigen Jahre hier nur die bezügliche Ent- 
schliessung des preussischen Kultusministeriums (vgl. JBL. 1892 I 10 : 5) erwähnen, 
so kann jetzt darauf hingewiesen werden, dass das bayerische Kultusministerium dem 
preussischen gefolgt ist, und dass auch die Regierung von Elsass-Lothringen ver- 
sprochen hat, die Bestrebungen der Gesellschaft fördern zu wollen, während das 
sächsische Ministerium das betreffende Gesuch des Vorstandes der Gesellschaft da- 
mit beantwortet hat, dass es „gern bereit sei, dem bezüglichen litterarischen Unter- 
nehmen bei sich bietender Gelegenheit seine Förderung angedeihen zu lassen" (vgl. 
MGESchG. 3, S. XXXV— XL). Als ob sich die Gelegenheit erst noch bieten müsste! — 

Gesamtdarstellungen. Ausser Schmids Werk (s. o. N. 1), das eine 
Sonderstellung einnimmt, ist hier zunächst zu erwähnen die jetzt in 2. Auflage er- 
schienene Geschichte der Pädagogik von Böhm*), die im wesentlichen eine fleissig 
zusammengestellte Kompilation ist. B. will das Buch als Kommentar zu seiner kurz- 
gefassten Geschichte der Pädagogik betrachtet wissen und bestimmt es zur Privat- 
lektüre für Seminaristen und Volksschullehrer. Dem Texte sind 103 Abbildungen 
beigegeben, meist Porträts, deren Ausführung freilich manches zu wünschen übrig 
lässt. — Einen gleichen praktischen Zweck verfolgt L e u t z ^), dessen Buch eben- 
falls eine Ergänzung der im badischen Seminarunterricht benutzten Leitfäden sein und 
den Schulkandidaten die Vorbereitung zur zweiten Prüfung erleichtern soll. Dieser 
Zweck würde rascher erreicht werden, wenn L. seinem Buche ein Register beigegeben 
hätte, das jedoch über den Inhalt des Werkes ausführlicher unterrichten müsste, als 
es bei Böhms Register der Fall ist. — Angefügt sei hier die Erwähnung der Tabellen 
zur Geschichte der Pädagogik von Mass^"'). — 

Methodik einzelner Fächer. Bei seiner Arbeit über die Entwick- 
lung des Anschauungsprinzipes von Luther bis Pestalozzi lässt sich 
Schwalbe^) von der Erwägung leiten, dass die thatsächlichen Errungenschaften in der 
Pädagogik nicht in erster Linie auf historisch-pädagogischen Persönlichkeiten, sondern 
vor allen Dingen auf den pädagogischen Grundsätzen beruhen; und er tadelt, was 
als richtig zugestanden werden muss, dass in den Geschichtsdarstellungen der Päda- 
gogik meistens von den Persönlichkeiten ausgegangen wird und das Biographische 
überwiegt. Vielmehr müsse die Geschichtsschreibung die Darstellung der Entwick- 
lung pädagogischer Prinzipien mehr in den Vordergrund rücken. In Sch.s Darstellung 
sind vor allem die Verdienste Bacos um das Anschauungsprinzip, sodann die des 
Comenius, später der Philanthropini sten und des klassischen Vertreters des An- 
schauungsprinzipes, Pestalozzis, geschildert, freilich nur auf Grund einer dürftigen 
Benutzung der vorhandenen reichen Litteratur. — 

Der wichtigste Beitrag zu einer Geschichte der Methodik des lateinischen 
Unterrichtes, der bisher in Deutschland geliefert worden, ist die Ausgabe des 
Doctrinale des Alexander de Villa-Dei von R e i c h 1 i n g. '-•) Während des Mittel- 
alters ist diese in leoninischen Hexametern verfasste Grammatik in ganz Europa 
das am meisten gebrauchte Lehrmittel für den lateinischen Unterricht gewesen. Aber 
auch noch weit über das Mittelalter hinaus bis in den Anfang des 17. Jh. lässt sich 
seine Benutzung verfolgen. Die Bedeutung des Werkes in der Geschichte der 
lateinischen Grammatik war früher schon von Friedr. Haase in seinem Progamm 
„De medii aevi studiis" und von Thurot nachgewiesen. Es war ganz vergessen worden, 
dass die Form, in der Grammatiker wie Cellarius, Lange, Zumpt die lateinische 
Syntax darstellten, dass die philosophische Grammatik oder Metägrammatik keine 
Erfindung des 18., sondern des 13. Jh. sei und unter den damaligen Grammatikern 
vor allen dem Alexander de Villa-Dei verdankt werde. Diese Vergessenheit ist eine 
Folge des von den Humanisten gegen das Doctrinale geführten Kampfes. In den 
Geschichtswerken der Pädagogik, des Unterrichts und der Erziehung ist das Werk 
kaum dem Namen nach angeführt; noch in der neuesten Geschichte des mittelalter- 
lichen Unterrichtswesens von Masius wird das Doctrinale mit Luthers Charakteristik 
des Werkes „berüchtigt", „elendes Machwerk", „Eselsmist" abgethan, R.s Ausgabe, die 
„staunenswerte Probe langmütigsten Fleisses",giebt ausser dem Texte mit der varialectio, 
den testimonia und explanationes, noch eine umfangreiche Einleitung über den gram- 
matischen Unterricht im Mittelalter, über das Leben und die Schriften des Alexander, 



Nürnberg, F.Korn. XVI, 336 S.; XVI, 434 S. M. 9,00. — 5) F. Lentz, Lehrtuch d. Erz. u. d. Unterr. für Lehrer u. Lehrer- 
innen. III. T.: D. Gesch. d. Päd. 3. Anfl. Karlsruhe, J. Lang. VIH, 257 S. M. 3,00. — 6) Th. Mass, Zeittaf. z. Gesch. d. 
Päd. 5. Anfl. Kappeln (Schlei), Th. Mass Selbstrerl. 95 S. M. 1,20. — 7) X X Geach d. Päd. im Rahmen d. Weltgesch. E. 
Beitr. z. Reform d. Unterr. in d. Schullehrerseminaren. (Beitrr. z. erziehenden Unterr. her. v. d. päd. Ges. in Württemberg. 
I. (Doppel-Heft.) Esslingen a. N., W. Langguth. IV, 125 S. M. 1,00. — 8) E. Schwalbe, D. bist. Entwiclclung d. An- 
schauungsprinzipes in d. Zeit v. Luther bis Pestalozzi. Diss. L., Osw. Schmidt. 90 S, — 9) D. Eeichling, D. Doctrinale 



K. Kehrbach, Geschichte des Unterrichts- und Erziehung«wesens. l6:io-i8 

über Inhalt, Quellen, Drucke und Hss. des Doctrinale und schildert den Kampf 
um dasselbe. Aus der beig-eg-ebenen BibHog-raphie der Hss. und Drucke g-eht her- 
vor, dass R. 250 Hss. und 296 Drucke des Doctrinale g-efunden hat, darunter über 
180 Inkunabeln, die zum grössten Teile in den einschläg-igen bibliographischen 
Werken nicht verzeichnet sind. — 

Seelmanns ^0-11^ Arbeiten, bei deren Abfassung- zunächst an die Dialekt- 
forschung- gedacht worden ist, sind in gleicher Weise wichtig- für die Geschichte 
des Leseunterrichts. In der ersten beschreibt er das von dem Dichter des Frosch- 
mäuseier, Georg- Rollenhagen, verfasste Abecedarium Mag-daeburg-ense anno Christi 
MDCIII. Dieses Buch, das ich bereits vor Jahren in einem Sammelbande der hiesigen 
königlichen Bibliothek aufgefunden hatte, ist S., der im Lebensabrisse Rollenhagens 
in der ADB. seiner nicht erwähnt, erst in neuerer Zeit in die Hände g-ekommen. 
Dass Rollenhag-ens litterarische Thätigkeit sich auch auf den Elementarunterricht er- 
streckt hat, ist wenig bekannt, obwohl Kehr in seiner Geschichte des Leseunter- 
richtes Rollenhagens Büchlein, wenn auch nur anführung-sweise in der Reihe der 
Bilderfibeln erwähnt, und obwohl Fechner in seinen „Methoden des ersten Lese- 
unterrichtes" (1882) ihm ein besonderes Kapitel (S. 43/5) g-e.widmet hat. In dem 
zweiten Aufsatze weist S. auf zwei niederdeutsche Fibeln aus den J. 1532 und 
1633 hin. — 

Ri essen 12-) j^^t sich durch die Beschreibung und den partiellen Abdruck eines 
als Ms. erhaltenen Rechenbüchleins des Holsteiners Heinrich tho Aspern aus dem 
J. 1676 ein Verdienst um die Geschichte der Methodik des Rechenunterrichts er- 
worben. Um die trockene Materie seinen Schülern schmackhaft zu machen, hat 
Aspern, wie viele andere Vff. von Rechenbüchern, seine Beispiele aus der Geschichte 
und Geog-raphie, oft aus den örtlichen Verhältnissen seines Vaterlandes genommen 
und in Verse, häufig in plattdeutscher Sprache, gebracht. — 

Richter »3), der schon früher Mitteilungen über Schulbücher des Mittelalters 
gegeben hat, beschreibt zwei für den Religionsunterricht bestimmte, mit Ab- 
bildungen versehene Bücher. Das eine, „Die christlich gottselige Bilderschule" (1636), 
verdankt seine Entstehung dem Ratichianer Evenius. Es war bei seiner Benutzung 
sogar daran gedacht, dass durch die Bilder das religiöse Wissensgebiet auch ganz 
kleinen Kindern, die noch nicht lesen können, vermittelt werden sollte. Als Vor- 
stufe zu diesem Bilderbuch sollte Joh. Sauberts 1639 erschienenes „Lesebüchlein aus 
H. Schrift", das R, ebenfalls beschreibt, dienen. — 

Euler 14), der Geschichtsschreiber des Turnunterrichtes, macht in einem 
Aufsatze aufmerksam auf das 100jährige Jubiläum der „Gymnastik für die Jugend", 
des ersten deutschen Turnbuches von dem bekannten Schnepfenthaler Pädagogen 
GutsMuts. „Es ist das Werk eines Mannes, der, ausgerüstet mit vielseitigem Wissen 
und Können, durchdrungen von der hohen, von ihm klar erkannten Bedeutung der 
körperlichen Erziehung, erfüllt von warmer Liebe für die Jugend, ein feiner Kenner 
der Kindesnatur, schöpferischen Geistes und praktischen Blickes das Gebiet der 
Leibesübungen für den Unterricht zurecht gemacht und geordnet hat."*^) — 

Einzelne Persönlichkeiten und Freunde des Schulwesens. Diese 
Abteilung möge ein Mann eröffnen, der, von Karl V. zum poeta laureatus ernannt, zu 
dem Wittenberger Reformatorenkreise gehört: Joh. Stiegel (1515—62), dessen Leben 
der kundige Forsch er des Reformations- und Humanisten- Zeitalters Hartfelder^^) 
vorführt. Als Universitätslehrer in Wittenberg und Jena, und als Dichter — wurde 
er doch von Joach. Camerarius der zweite Eobanus Hessus genannt — stand 
er bei seinen Zeitgenossen in hohem Ansehen. — Das W^enige, was von dem 
Leben des Schulmannes, Polyhistors und Poeten Simon Sten bekannt ist, giebt in 
einem kleinen Artikel Hoche^''). Sten, der sein Lehramt in Bautzen, Torgau und 
Neubrandenburg niederlegen musste, weil er sich „kryptokalvinistischer Anschauungen 
verdächtig" machte, war 1575 erster Gymnasiarch in Neustadt a. d. Hardt, seit 1584 
Universitätsprofessor in Heidelberg. Seine zahlreichen theologischen, geschichtlichen 
und philologischen Schriften hatten keine bleibende Bedeutung. — Mäder^^) macht 
uns mit Fischarts, des grossen Satirikers, Gedanken über Erziehung und Unterricht 
vertraut. Das Material gewinnt er aus Fischarts verschiedenen Vorreden, aus der 
„Anmahnung zur christlichen Kinderzucht," aus dem „Ehezuchtbüchlein" und aus 
der „Geschichtklitterung," wobei er sorgfältig die Rabelaisschen Bestandteile von 



d. Alezander de Villa-Dei. Krit.-exeg. Ausg. mit Einl., Verzeichnis d. Hss. u. Drucke nebst Reg. (=:MGP. Xn.) B., A. Hoi- 
mann & Co. CCCIX, 211 S. M. 18,00. — 10) W. Seelmann, Eollenhagen über mundartl. Aussprache: JbVNiederdSpr. 18, 
S. 1203. — 11) id, Niederdtsch. Fibeln d. 16. u. 17. Jh.: ib. S. 124 9. — 12) P. Eiessen, E. ungedr. Rechenbuch aus d. J. 
1696. Progr. Glüclcstadt (H. J. Augustin). 26 S. - 13) Alb. Richter, 2 Bilderbücher für d. Unterr. vor d. Orbis pictus: 
MhComeninsG. 2, S. 167-77. — 14) K. Euler, D. 100 j. Jubil. d. ersten dtsch Turnbuchs: VossZgB. N. 39. - 15) O 
J. Unberath, D. Turnnnterr. an unseren Mittelschulen. Progr. Sächsisch- Regen (Siebenbürgen). 4". 25 S. — 16) K.. Hart- 
felder, Joh. Stigel: ADB. 36, S. 328-30. — 17) R. Hoche, Simon Sten: ib. S. 434. - 18) R. Mäder, D. päd- Bedeutung 
Jahresberichte für neuere deutsche Litteratnrgeschichte. lY. 11 



16:19-23 K. Kehrbaoh, Geschichte des Unterrichts- und Erziehungswesens. 

den Fischartschen ausscheidet. Obwohl Humanist, folg-t Fischart doch keinesweg-s 
in Unterrichtsfrag-en deren Spuren. Wie er das deutsch- volkstümliche Element in 
der Litteratur vertritt g-egenüber dem antik-klassischen des Humanismus, so tritt 
er auch in seiner Pädag-og-ik ein für nationale Erziehung-, betont die Notwendig-keit 
der Einführung" des Deutschen als Unterrichtssprache, und auf dem Gebiete der Zucht 
huldigt er im Gegensatze zu den Bestrebungen seiner Zeitg-enossenphilanthropinistischen 
Ansichten. — In eine der Glanzperioden des Hamburger Johanneums werden wir durch 
Hoches^^) kurze Biographie des ehemaligen Rektors dieser Anstalt, Paul Sperling* 
(1560 — 1633), versetzt, eines tüchtig-en Mannes, der schon vorher in Flensburg im 
Geiste Joh. Sturms die Schule reformiert und in Hamburg- an der Gründung des mit 
dem Johanneum verbundenen akademischen Gymnasiums, dessen Professur für Bered- 
samkeit und Dichtkunst er übernahm, wesentlichen Anteil hatte. — 

Auch in diesem Jahre hat Stötzner^o) (vgl. JBL. 1892 I 10:30) Beiträg-e 
zur Geschichte des Ratichianismus in den Richterschen Neudrucken g-eliefert. Er 
bietet in diesem zweiten Hefte Materialien, die entweder von Ratke selbst verfasst 
oder in seinem Geiste geschrieben und von ihm gebillig-t worden sind und gerade 
in die Praxis der Unterrichtsmethode g-enüg-ende Einblicke g-e währen. St. hat die 
edierten Schriftstücke in einer solchen Reihenfolge geordnet, dass sie besonders die 
einzelnen Hauptabschnitte im Leben des Ratichius markieren. An die Aug-sburger 
Zeit erinnern die von Joh. Rhenius zuerst herausgegebenen, aber nach dem aus- 
drücklichen Zeugnisse des Ratichius von seinen damalig-en Gehilfen Joach. Jung- 
und Chph. Helwig verfassten Artikel der Lehrkunst. Hieran schliesst sich die von 
Ratichius selbst verfasste introductio g-eneralis in raethodum linguarum, dann eine 
wahrscheinlich von Helwig* herrührende Anleitung- in der Lehrkunst Ratichii, die St. 
einem Sammelbande der Weimarer Bibliothek entnimmt. Der Text ist übrigens 
— aber nach einer Gothaer Hs., die jedoch mehrfach von dem Weimarer Texte ab- 
weicht und den Schluss der Weimarer Hs. g-ar nicht enthält — schon einmal 
von Joh. Müller in Kehrs pädagogischen Blättern (VH, S. 588 ff.) veröffentlicht worden. 
An die Köthener Zeit erinnern die unter 4 gedruckten Lehrpläne und die im Anhang-e 
wiederg-eg-ebenen Proben RatichianischerLehrbücher : einer allgemeinen Sprachlehre und 
einer Logik. Einen Einblick in die Mag-deburger Periode gewähren Werdenhagens „Er- 
innerungen", die Empfehlung- der Ratichianischen Methodedurch den Rat von Magdeburg- 
und die von diesem dem Ratichius erteilte Konzession; den Schluss macht der Bericht, den 
Mayfarth, Ratkes bester Freund, über dessen Methode fürOxenstierna geschrieben hat. — 
Stötzner2i)bring-tfernereinigeErg-änzung'en zu Gideon Vog-ts Litteratur zur Geschichte 
des Didaktikers Wolfg-ang Ratichius (vg-l. JBL. 1892 I 10:32). — Israel ^2), dessen 
kritische Verg-leichung der Pädagogik des Ratichius mit der des Comenius wir schon 
(vg-l. JBL. 1892 110:1 18) besprochen haben, hat mit seiner vor dieser Arbeit er- 
schienenen Darstellung des Lebens und der Lehre des Ratichius einen wichtigen 
Baustein zur Geschichte deutscher Erziehung und deutschen Unterrichts geliefert. 
Unter Benutzung aller bisher veröffentlichten urkundlichen Materialien schildert er 
uns in seiner übersichtlichen Darstellung- das reichbeweg-te Leben des Ratichius. Der 
zweite Hauptabschnitt g-iebt eine Darlegung der Didaktik unter Beifügung wörtlicher 
Belege aus den Urkunden. Zugegeben sind Nachrichten über Kromayers Stellung 
zur Lehrart Ratkes. J. gelangt in seiner kurzen, aber gründlichen Vergleichung zu 
dem Resultate, dass Raumers Behauptung, Kromayers Verfahren stimme im ganzen 
durchaus mit Ratkes Weise überein, eine unrichtige ist. — 

Das Leben und die Werke des' Comenius und seiner Vorgänger Aisted 
und Andreae bilden den Inhalt einer umfassenden Darstellung, in die sich Brügel 
und Georg Schmid^Sj so geteilt haben, dass B. den Comenius und Andreae be- 
arbeitet, während Seh. den Joh. Heinr. Aisted übernommen hat. Dem gemeinsamen 
Werke lässt B. eine Einleitung vorausgehen. Die von ihm für die Comeniusarbeit 
benutzte Litteratur reicht bis zum J. 1891. Es sind daher die Lücken bei ihm noch 
vorhanden, die die im J.1893 ausAnlass des Comeniusjubiläums erschienenen Hauptwerke 
(Kvacsala, Gindely, neue Ausgabe) in der bisherigen Comeniusforschung ausfüllen. 
Die Darstellung der Didaktik des Comenius, die eine tüchtige Leistung ist, lässt 
übrigens diesen Mangel nicht empfinden. Hinsichtlich Andreaes ist zu bemerken, 
das vor B.s Darstellung seine Bedeutung für die Pädagogik des Comenius noch 
nirgends so ausführlich behandelt worden ist; denn Palmers Bemerkungen in seiner 
evangelischen Pädagogik können auf Vollständigkeit keinen Anspruch machen. Das 
Resultat seiner Forschung fasst B. in den Worten zusammen: „Es sind nicht nur 
einzelne Berührungspunkte, die sich zwischen Andreae und Comenius ergeben, 

Fischarts. Diss. L. (Osw. Schmidt). 43 S. — 19) R. H o ch e, Paul Sperling: ADB. 35, S. 138. — 20) Ratichianische Schriften. 
II. Mit Einl. n. Anm. her. v. P. Stötzner. (= Neudrr. päd. Schriften her. v. A. Richter. N. 12.) L., R. Richter. 164 S. 
M. 1,20. — 21) P. Stötzner, Ratichiana: MhComeniusG. 2, S. 283,6. - 22) A. I s r ae 1 , W. Ratke. (= N. 1 ; IIP S. 1-92.) 
— 23) J. Brügel u. Georg Schmid, J. A. Comening mit seinen Vorgängern J. H. Aisted u. J. V. Andreae. (= N. 1; 



K. Kehrbach, Geschichte des Unterrichts- und Erziehungswesens. 16:24-39 

sondern eine durchgreifende Uebereinstimmung ihrer ganzen Anschauung, dergestalt, 
dass Andreae zuerst in genialem Wurfe die Grundgedanken ausspricht, welche 
Comenius in einen grösseren Zusammenhang gefasst und ausführlich begründet hat, 
welche darzustellen und praktisch anzuwenden seine Lebensarbeit unter sechs Nationen 
gewesen ist. Andreae hat den Grund gelegt, auf welchem Comenius den bewunderns- 
werten Bau seiner Didaktik aufgeführt hat."^^) — Hüllemann^S), der inzwischen 
Brügels Werk benutzen konnte, giebt endlich eine Fortsetzung seiner Arbeit über 
Andreae als Pädagogen, deren erster Teil vor neun Jahren erschienen ist. Er beschreibt 
zunächst die Schriften, in denen Andreaes pädagogische Anschauungen enthalten 
sind, charakterisiert sodann diese und verlangt für ihn als Vorarbeiter des Comenius 
und als Vorläufer der Pietisten eine Stelle in den Geschichtsdarstellungen der Päda- 
gogik. — Radlach^ß) macht Mitteilungen über den Aufenthalt des Comenius in 
Lüneburg (Aug. 1647) und teilt den Wortlaut eines Briefes des Comenius an Andreae 
mit. — In den MhComeniusG.^^) werden aus 0. von Heinemanns Verzeichnis der 
W^olfenbütteler Hss. alle diejenigen angeführt, die sich auf Andreae erstrecken. Die 
Absicht, auch aus anderen Hss.-Verzeichnissen analoge Beiträge zur Quellenkunde zu 
veröffentlichen, die das Forschungsgebiet der Comeniusgesellschaft berühren, kann 
nur gelobt werden. — Kvacsala^S) fährt fort (vgl. JBL. 1892 I 10:107) in seiner 
Zusammenstellung autobiographischer Notizen aus den Schriften des Comenius. — 
In der eingehenden Vergleichung der Pädagogik Aisteds mit der des Comenius kommt 
Georg S chmid^ö) zu dem Resultat, dass allerdings „gewisse Züge aus der eigentlichen 
Didaktik Aisteds, wie in der Anordnung der Muttersprachschule und der lateinischen 
Schule auch bei Comenius wiederkehren"; aber es trete doch auch ein Unterschied 
hervor; Comenius zeige ,,eine einheitlichere Konstruktion, eine konsequentere Zu- 
sammenfassung". — Nachzügler zur Jubiläums-Litteratur (vgl. JBL. 18921 10: 101—249) 
sind auch noch zu verzeichnen. Grill enb erger ^o)^ der nicht den Anspruch erhebt. 
Neues darzubieten, will sich genügen lassen, in der Zusammenfassung zerstreuten 
Materials orientierend zu wirken und bescheidene „Anregungen zu eingehender Be- 
schäftigung mit unserer reichen Comenius-Litteratur zu geben". Wenn aus diesem 
Grunde der Mangel eigener Quellenstudien ihm nicht zum Vorwurf gemacht werden 
darf, so ist doch zu bedauern, dass er nicht einmal die bedeutenderen neueren Werke 
der Comenius-Litteratur (Kvacsala, Gindely) für seine Arbeit benutzt hat. Ein Irrtum 
ist es, wenn G. behauptet, dass Basedow nicht den Comenius gekannt habe, während 
doch gerade der orbis pictus auf diesen einen grossen Eindruck gemacht hat. — 
R eher 31), ein gründlicher Comeniusforscher, druckt die aus des Comenius 
bedeutungsvoller Thätigkeit in Patak stammenden praecepta morum aus der grossen 
Amsterdamer Ausgabe ab und fügt eine deutsche Uebersetzung bei. Ausser ihrer Be- 
deutung als Charakteristik der Pädagogik und der Persönlichkeit des Comenius sind 
diese Sittenvorschriften auch ein interessantes Denkmal der Kulturgeschichte. ^^ ^^) — 

Die Erinnerung an Speccius (1585 — 1639), einen Nürnberger Schulmann, 
der vergessen war, obwohl seine deutsche Bearbeitung der Melanchthonschen 
lateinischen Grammatik bis in unser Jh. hinein benutzt wurde, hat B o 1 1 e 3*) 
wieder aufgefrischt. Von ihm rührt eine Orthographia germanica (Nürnberg 1631) her, 
die nach Joh. W^emers „Manuductio orthographica" gearbeitet ist. Auch als Poet hat 
er sich versucht; ausser lateinischen Komödien hat er eine deutsche, „Die traurige 
Klag über teuere und betrübte Zeit" (1625) gedichtet. — Joh. Stoever (1572— 1651), 
dessen Cuno^^) gedenkt, ein dem Siegerlande entstammter reformierter Theologe, 
ausgezeichnet als mutiger Kämpfer für die Rechte seiner Kirche in schwerer Zeit, 
war zugleich ein eifriger Freund und Förderer des Schulwesens. — 

Das Leben des hessischen Schulmannes Arnold Staubsand (1591 — 1684), 
der auch als Gelegenheitsdichter hervorgetreten ist, erzählt Winterte), das eines 
pommerschen, des Joh. Hieron. Staude (1615— 63), Professors der orientalischen 
Sprachen in Greifswald, späteren Rektors an dem unter seiner Leitung aufblühenden 
Gymnasium in Stralsund, Hacke rmann^"), das des Württembergers Dav. Stölzlin 
(1670— 1742), der als Professor in Ulm eine Geschichte dieser Stadt und ihres Schul- 
wesens hinterlassen hat, Schön^^). — 

m« S. 93 9, 100-46, 147-88, 189-311.) - 24) X J. B r 6 g e 1 , Litt, über Joh. Valentin Andreae aus d. letzten Jh.: 
MhComeniusG. 2, S. 249-53. — 25) K. Hüllemann, Val. Andreae als Pädagog. 2. T. Progr. d. Thoniasgyran. L. (Alex. 
Edelmann). 4*. 28 S. — 26) Eadlach, D. Aufenthalt d. Comenius in Lüneburg im Aug. 1647 u. d. Wieder- 
anfiiahme seines Briefwechsels mit V. Andreae: MhComeniusG. 2, S. 57-72. — 27) Aus neueren Hss.-Verzeichnissen: 
ib. S. 233 8. — 28) Joh. Kracsala, Z. Lebensgesch. d. Comenius, Autobiographisches aus d. Schriften d. Comenius: ib. 
S. 39-46, 73-80, 136-43, 178-8.5, 226-32, 273-82. - 29) (S. o. K. 23.) — 30) G. Grillenberger, Comenius, seine Quellen, 
seine eigene Arbeit u. sein Einfluss. Vortr. Fürth, G. Rosenberg. 48 S. M. 0,75. — 31) J. E e b e r , D. J. A. Comenius 
SittenTorschriften für d. Schule zu Saros-Patalc, mit e. einleit. Berichte über d. Comenius Thätigkeit in Ungarn. 1650-54. 
Aschaffenburg, Waüandt. 41 S. M. 0,60. — 32) X Comenius n. d. Frauenrechte: MhComeniusG. 1, S. 10/4. — 33) X C. 
Härder, Comenius u. d. heutige Fortbildungsschule für Frauen u. Mädchen: ib. S. 108-15. — 34) J. B o It e , Chrph. Speccius: 
ADB. 35, S. 76. — 35) F. C u n o . Joh. Stoever: ib. 36, S. 473,4. — 36) G. Wi n t e r , Arn. Staubsand: ib. 85, S. 508. — 37) 
A. Häckermann, J. H. Staude: ib. S. 509-10. — 38) Th. Schön, D. Stölzlin: ib. 36, S. 433. — 39) H. Holstein, J. A. 

11* 



16:40-48 K. Kehrbach, Geschichte des Unterrichts- und Erziehung-swesens. 

Das Andenken an zwei Rektoren des Pädag"Ogiums zu Kloster Berge hat 
Holstein^ä"*") erneuert. Steinmetz (1689—1762), dessen Wirken Goethe „redlich, 
und kräftig-" nennt, der zu seinen Schülern Wieland, Adelung, den Minister von 
Hagen, den General von Kleist u. a. zählte, hat nicht nur am Pädagogium segens- 
reich gewirkt, sondern auch als Organisator des Volksschulwesens, als Begründer 
eines Landschullehrerseminarsund einer Freischule sich verdient gemacht. — Strass 
(1766—1845), der letzte Direktor in Kloster Berge, der nach Auflösung der Schule 
(1810) das Direktoriat am Gymnasium in Nordhausen übernahm, später (1820) Be- 
gründer des Erfurter evangelischen Gymnasiums wurde, hat sich litterarisch auf 
pädagogischem und historischem Gebiete bethätigt. Auf seine Abhandlung „lieber 
das Turnwesen und dessen Verbindung mit der öffentlichen Schule" sei hier hin- 
gewiesen. — 

Zwei Halberstädter Schulmänner, Chrn. Gottfr.Struensee und Job. Werner 
Streithorst, werden von Richter*^) und Holland*^) behandelt. Struensee 
(1712 — 82), der Bruder des dänischen Ministers, der, nachdem er 6 Jahre unter Stein- 
metz Lehrer in Kloster Berge gewesen war, Konrektor, dann Rektor am Stephaneum 
in Halberstadt wurde und dort dem griechischen und deutschen Unterrichte eine hervor- 
ragendere Stellung einräumte, als es vorher der Fall gewesen war, hat dem 1778 in 
Halberstadt errichteten Landschullehrerseminar seine erste innere Organisation ge- 
gegeben. Um das Gedeihen des Stephaneums und des Halberstädtischen Schulwesens 
überhaupt hat sich auch Streithorst (1746—1800), der zuerst Subkonrektor, dann 
Konrektor, endlich Rector adjunctus am Martineum, sowie Mitglied der Schuldeputation 
und zuletzt Oberdom prediger war, verdient gemacht. — Einen Reformator des lange 
Zeit berühmten Gymnasiums zu Idstein, Joh. Mich. Stritter (1705—81), schildert 
Otto^^). Er war es, der veraltete Lehrbücher und den Frühunterricht von 4 bis 6 Uhr 
abschaffte, bestimmte Klassenziele aufstellte, Leibesübungen einführte und in deutschen 
Schulprogrammen Fragen des Unterrichts und der Erziehung erörterte. — 

Von der „Vorstellung an Menschenfreunde", Basedows bedeutendster Schrift, 
von der Niemeyer sagte, dass seit Luthers Brief an die Ratsherren keine andere 
Schrift ein so allgemeines und werkthätiges pädagogisches Interesse erregt habe, hat 
Lorenz**) einen Neudruck veranstaltet. Der Herausgeber gewährt in einer Ein- 
leitung eine kurze Charakteristik Basedows, gliedert den Inhalt übersichtlich unter 
Stichworte und deckt die Quellen, aus denen Basedow schöpfte, auf. — Hier sei gleich 
erwähnt der Vortrag von Leinung *^), der Mitteilungen über Basedow und seinen 
Aufenthalt in Magdeburg, sowie über dortige Freunde und Gegner des Philan- 
thropinismus enthält. — Einen hervorragenden Pädagogen der Aufklärungsepoche 
führt uns Koldewey*^) vor: Fr. Andr. Stroth (1750—85), Rektor in Quedlinburg, 
dann in Gotha, bekannt als Vf. des pädagogischen Romans „Karl Weissenfeid, ein 
Lesebuch für Mütter, angehende Erzieher und junge Leute". Beachtenswert ist, dass 
er Basedow anregte, das Griechische im Philanthropin einzuführen. — 

Herder wird in seiner pädagogischen Bedeutung durch eine kleine Schrift 
vonFrancke*'') gewürdigt. F. wiederholt, was schon mehrfach hervorgehoben worden 
ist, dass „die brennenden (sc. pädagogischen) Fragen unserer Zeit" von Herder „mit 
einer unendlichen Fülle von Gedanken geradezvi vorweggenommen" worden seien. 
Dabei ist übrigens zu bemerken, dass F. doch im Unrecht ist mit seiner Behauptung, 
es seien von „massgebender Seite" die grundleg'enden Ideen Herders nicht im ent- 
ferntesten berücksichtigt worden. Gerade auf Herders hauptsächlichstes Verdienst, 
die Pflege der Muttersprache und ihrer Litteratur allen anderen Aufgaben der Schule 
vorauszustellen, ist mehrfach hingewiesen und dabei stets hervorgehoben worden, 
wieviel noch zu thun ist, das Herdersche Ideal zu erreichen. Anzuerkennen ist, dass 
F. auf einem so kleinen Räume in groben Umrissen die pädagogische Entwicklung 
Herders und dessen Ansichten über den pädagogischen Betrieb einzelner Unterrichts- 
fächer deutlich gezeichnet hat. — 

Ein begeisterter Verehrer Pestalozzis, dessen Pädagogik ihm die Pädagogik 
xar' e^oxnv ist, Vogel *^),hateine systematische Darstellung dieser Pädagogik geschrieben, 
die jetzt in 2. Auflage erschienen ist. Grosse Schwierigkeiten sind dem Verständnis der 
Absichten Pestalozzis dadurch erwachsen, dass dieser niemals eine übersichtliche Dar- 
stellung seiner Pädagogik gegeben hat. V. hat nun unter einer Anzahl von Stich- 
worten, an die er die bezüglichen Stellen aus Pestalozzis sämtlichen Schriften 
angliedert, ' die ganze Pädagogik Pestalozzis gruppiert. Noch mehr würde das Buch 



Steinmetz: ib. 8. 1/5. — 40) id., J. G. F. Strass: ib. S. 498-501. - 41) A. Richter, Chr. G. Struensee: ib. S. 644 5. — 42) 
H. Holland, J. W. Streithorst: ib. S. 572/3. — 43) F. Otto, J. M. Stritter: ib. S. 596/7. — 44) H. Lorenz, J. B. 
Basedow, Vorstellnng an Menschenfretinde. Mit Einl. u. Anm. (= Neudrr. päd. Schriften her. v. A. Richter. N. 14.) L., R. 
Richter. 120 S. M. 0,80. — 45) W. Leinung, Päd. Leben n. Streben in Magdeburg z. Z. d. Philanthropen. Vortr. geh. z. 
Pestalozzifeier 12. Jan.: MagdZglt. N. 27/8. — 46) F. Koldewey, F. A. Stroth: ADB. 36, S. 624/7. — 47) 0. Francke, 
Herder n. d. Weimar. Gymn. (= SGWV. N. 183.) Hamburg, Verlagsanst. 36 S. M. 0,50. (Vgl. IV 7:7.) — 48) Aug. Vogel, 



K. Kehrbach, Geschichte des Unterrichts- und Erziehung-swesens. Id. 49-56 

gewinnen, wenn in Zukunft der Stoff durch ein ausführliches Namen- und Sachregister 
noch weiter differenziert würde. — In der Vergleichung-, die Vog-el***) zwischen 
Pestalozzi und Herbart anstellt, tritt er mit den Schlussworten: „Pestalozzi für immer" 
auf die Seite des ersteren. Wie wenio- objektiv er seine Aufgabe erfasst hat, belegen 
schon seine spöttischen Bemerkungen über die „fast märchenhaften Fundamental- 
ansichten sowie die robinsonadenhaften, abenteuerlichen Konzentrationsideen der Jung- 
herbartianer" ; und wenn er von dem „mechanischen kalten Schematismus" spricht, 
dem die Herbartsche Pädagogik nach ihren Grrundsätzen verfallen müsse, während 
Pestalozzis pädagogische Grundsätze aus dem „lebenswarmen, ewigen Quell des 
Glaubens und der Liebe fliessen und in dem Menschen ein freies Geschöpf und Eben- 
bild Gottes sehen", so werden Kenner der Herbartschen Pädagogik über die fehlerhafte 
Schlussfolgerung V.s nicht im Zweifel sein. Wenn er sodann von den „Absonderlich- 
keiten" der Anhänger Herbarts spricht, so hätte er doch auch die viel g*reller hervor- 
tretenden Lächerlichkeiten verschiedener Pestalozzianer erwähnen sollen. Die weitere 
Behauptung V.s, dass Pestalozzi ebenso wie Herbart zu seinen Lebzeiten nur wenig 
Anklang gefunden habe, ist, was Pestalozzi anbelangt, ganz unhistorisch. Es giebt 
keinen Pädagogen in der ganzen Geschichte deutscher Erziehung, dessen Ideen noch 
zu seinen Lebzeiten so grosse Begeisterung erweckten. — Einige Mitteilung'en über 
die Beziehungen des berühmten Geographen Karl Ritter zu Pestalozzi und seinen 
Jüngern macht Deutsch^^-)^ Ritter, der einige Male während seiner Hauslehrerzeit 
nach der Schweiz gekommen war, hatte in Yverdun enge Beziehungen mit Pestalozzi 
und dessen Kreise angeknüpft und versprochen, als er das erste Mal aus Yverdun 
schied, die Geographie im Geiste von Pestalozzis Methode zu bearbeiten. Von den 
Pestalozzianern, mit denen er in geistiger Wechselwirkung stand, sind Henning, der 
in seinem Leitfaden für den methodischen Unterricht in der Geographie Ritters Ideen 
verwertete, imd Tobler genannt. Tobler erklärte 1830, dass Ritter seine Gedanken 
über Geographie hauptsächlich ihm verdanke. — Von Manns ^') Ausgabe ausgewählter 
Werke Pestalozzis, deren 1. Auflage bereits im J. 1869 erschien, und die mit Seyffarths 
zu gleicher Zeit begonnener Gesamtausgabe wesentlich zur Belebung des Pestalozzi- 
studiums beitrug, ist jetzt der 3. Band in 4. Auflage, vorzüglich ausgestattet, er- 
schienen. Den Pestalozzischen Texten: Abendstunde eines Einsiedlers, Aus dem 
Schweizerblatte, Wie Gertrud ihre Kinder lehrt, Ueber die Idee der Elementarbildung 
usw. hat M. wertvolle Einleitungen vorausgeschickt und kleinere Anmerkungen bei- 
gegeben.^2j _ Hunziker^^j j^^t ^^g^ Joh.Rud. Steinmüller (1773— 1835), der Pestalozzis 
Zeitgenosse und Landsmann war, ohne in engeren Beziehungen zu ihm zu stehen, 
ein Denkmal g-esetzt. Steinmüllers litterarische und praktische Thätigkeit begann schon 
frühzeitig und erstreckte sich auf Hebung des Volksschulwesens. An allen den Orten, 
in denen er Pfarrer war, hat er lebendige Spuren seiner pädagogischen Besti'ebungen 
hinterlassen.53a) — 

Von den Gesamtausgaben der Werke J. F. Herbarts hat Kehrbach^*) 
jetzt den 7. Band, den ersten Teil der allgemeinen Metaphysik, veröffentlicht. — 

In der Reihe der trefflichen katholischen Pädagogen des vorigen, des 
eigentlich pädagogischen Jh., nimmt Overberg, der getreue Mitarbeiter Franz 
V. Fürstenbergs, der Mitbegründer der Münsterschen Normalschule, eine hervorragende 
Stelle ein. Seine bedeutende Persönlichkeit wird uns durch Gansens^^j Neudruck 
der „Anweisung" (179'S), des berühmtesten Werkes Overbergs, wieder näher gebracht. 
Die Bedeutung des Werkes erhellt schon daraus, dass eine letzte Ausgabe noch im 
J. 1861 erschienen ist, und dass das Werk auch für protestantische Schulen viel- 
fach, so durch Niemeyer, Natorp und die Jenaer Litteraturzeitiing, empfohlen wurde, 
wie denn die protestantischen und katholischen Pädagogen jener Zeit in einem segens- 
reichen wechselseitigen Verhältnis standen. — Ganz im Sinne dieser Zeit handelt der 
Protestant Richter ^^), wenn er in seinen Neudrucken einen wichtigen Teil jenes be- 
rühmten Werkes ediert. — Was Overberg für die Münsterschen Lande, das ist Franz 
Michael Vierthaler (1758—1827) für das Salzburgische Gebiet gewesen, und er ist 
deshalb frühzeitig der Salzburgische Overberg* genannt worden. Auch in Salzburg 



Systemat. Darst. d. Päd. J. H. Pestalozzis mit dnrcbgäng^ger Angabe der quellenmässigen Belegstellen ans «einen sämtl. 
Werken. 2. Aufl. Mit e. Portr. u. Facs. Hannover, Carl Meyer (Gnst. Prior). VUI, 276 S. M. 3,80. IfR. Schneider: 
COIRW. 21, S. 613,4.]l (1. Aufl. 1886.) — 49) id., Herbart od. Pestalozzi? E. krit. Darstellung ihrer Systeme. 2. Aufl. (= Päd. 
Bibl. 12. Bd.) ib. IV, 164 S. M. 2,40. |[R. Schneider: COIBW. 21, S. 6145.JI — 50) E. Deutsch, D. Verhältnis Carl 
Bitters zu Pestalozzi u. seinen Jüngern. Diss. L., Mehnert. 33 S. — 51) J. H. Pestalozzi, Ausgewählte Werke. 3. Bd. 4. Aufl. 
(= Bibl. päd. Klass. her. v. F. Mann. 3. Bd.) Langensalza, Beyer & Söhne. VI, 545 S. M. 3,00. — 52) X A.. Beyerhaus, 
Pestalozzi als Charakter. Vortr. Breslau (Dülfer). 1892. 14 S. M. 0,20. — 53) 0. Hun zik e r, J. K. Steinmüller: ADB. 36, 
S. 19-21. — 53 a) X E. Pappen heim. Fr. Fröbel. Aufsätze aus d. Jahren 1861-93. B., Oehmigke (R. Appelius). 105 S. 
M. 1,20. (D. nationalen ErziehungSTerein in Chicago gewidmet.) — 54) K. Kehrbach, J. Fr. Herbarts sämtl. Werke in 
chronolog. Reihenfolge. Bd. 7. Langensalza, Beyer & Söhne. X, 354 S. M. 5,00. — 55) J- Gänsen, Bemh. Overbergs Anweisung 
z. zweckmäss, Schulunterr. Für d. Schul- u. Selbstgebrauch bearb. u. mit e. Einl. vers. 2. Aufl. Paderborn, Schöningh. 
XXVm, 329 S. M. 1,80. — 56) A. Richter, Beruh. Overberg. Von d. Schulzucht. (= Neudrr. päd. Schriften her. v. A. 



16:57-59 K. Kehrbach, Geschichte des Unterrichts- und Erziehung-swesens. 

war die Reform der Schulen immer dringlicher geworden, und der dortige Erzbischof 
Hieronymus Graf Colloredo fasste seine Aufgabe für Salzburg ebenso auf, wie Franz 
von Fürstenberg für die Münsterschen Lande: Sollen die Schulen gehoben werden, 
so muss ein gebildeter Lehrerstand herangezogen werden. In Vierthaler fand er den 
richtigen Mann, diesen Plan zu verwirklichen. In seiner praktischen Thätigkeit als 
Direktor des neuen Schullehrerseminars, als Lehrer der Pädagogik bei den Theologen 
im Priesterhause und als Professor der Pädagogik an der Universität, als Direktor 
aller deutschen Schulen im Herzog'tum Salzburg und später in seiner Eigenschaft als 
Direktor des grossen Waisenhauses in "Wien hat sich Vierthaler wesentliche Ver- 
dienste um die Heranbildung tüchtiger Lehrkräfte und um die Hebung des Schul- 
wesens erworben. Gleich gross ist seine Förderung der Wissenschaft der Pädagogik 
durch seine litterarischen Arbeiten. Aber sowohl Vierthalers praktische Wirksamkeit 
als auch die Erzeugnisse seiner schriftstellerischen Thätigkeit waren Dank dem oft 
beklagten Mangel an Kontinuität in der geschichtlichen Entwicklung der Pädagogik 
lange Zeit vergessen. Es ist darum dem Herausgeber der Bibliothek der katholischen 
Pädagogik zu danken, dass er die von GlöckP'') besorgte Neuausgabe ausgewählter 
pädagogischer Schriften Vierthalers in seine Sammlung aufgenommen und den hervor- 
ragenden Pädagogen einer unverdienten Vergessenheit entrissen hat, G. hat, nachdem er 
einen kurzen Ueberblick über die Lebensschicksale Vierthalers unter Anlehnung an 
Anthalers Biographie gegeben hat, die „Elemente der Methodik und Pädagogik" und 
den „Entwurf der Schulerziehungskunde" veröffentlicht, Werke, die eine Fundgrube 
praktischer Beobachtungen, treffender Darstellung, umfangreicher Belesenheit in den 
zeitg-enössischen pädagogischen Schriftstellern ohne Unterschied der Konfession sind. 
— Einen anderen katholischen Schulmann, Anton Ignaz Demeter (1773—1842), der 
seiner Zeit „in der pädagogischen Welt Aufsehen erregte", und den man. „zu den 
ersten Begründern und Beförderern eines besseren Schulwesens im Beginn des gegen- 
wärtigen Jh." rechnen muss, bringt Kaisser^^) wieder ans Licht. Im J. 1773 in 
Augsburg als Sohn schlichter Bürgersleute geboren, in Dillingen z. Z. des Bischofs 
Sailer, über dessen Leben und Wirksamkeit uns Glabbach^**) unterrichtet, ausgebildet, 
wurde er nach einander Hilfsprediger, Pfarrer, Professor der Pädagogik, Domkapitular 
und starb 1842 als Erzbischof von Freiburg. K. schildert ihn besonders in seiner 
höchst originellen pädagogischen Thätigkeit in der Pfarrei Lautlingen, worüber 
Demeter selbst eine Abhandlung schrieb, die sein Amtsbruder Wittich im „Neuen 
Landschullehrer", einer pädagogischen Zeitschrift Württembergs, 1805 abdrucken liess. 
Er teilt da mit, dass er drei Schulen gegründet habe, die Winterschule, die Sommer- 
schule und die Wiederholungsschule. Zwar war die Winterschule schon vorhanden, 
aber sie war, wie er schreibt, schlechter als die des Gregorius Schlaghart (vgl. JBL. 1892 
I 6 : 93) zu Langenhausen. Aus den Beispielen, die er von seiner Lehrart giebt, 
erkennt man die Verwandtschaft mit philanthropinistischen Tendenzen. „Nicht aufs 
Glänzen, nur aufs Nützen, soll sich meine Lehrart stützen." Und in der Verwend- 
barkeit des Gelernten zur Industrie sieht er, vielleicht beeinflusst von Kindermann 
(vgl. JBL. 1892 I 10 : 46), das Ziel dieser Dorfschulbildung. Die Schulgebete kleidete 
er, um das bloss Mechanische und Gedankenlose bei den Kindern zu vermeiden, in 
eine Litanei. Wie mächtig die Einwirkungen Demeters gewesen sein müssen, zeigt 
die „Wiederholungsschule", die, als Sonntagsschule eingeführt, den Zweck hatte, be- 
reits absolvierte Schüler weiter zu bilden. In der Zahl derer, die an dem unmittelbar 
nach dem Gottesdienste in der Kirche abgehaltenen Untemchte teilnahmen, befanden 
sich Männer von 25—35 Jahren, Ausser durch die Schule suchte er auf seinem 
Dorfe auch durch die Einrichtung eines Theaters und einer Musikgesellschaft ver- 
edelnd einzuwirken. „Dass das Theater eine besonders gute Art von Volksbildung- 
werden kann, wenn es recht geleitet wird, ist in der Theorie ausgemacht, und meine 

Praxis bietet Belege dafür Aber beinahe noch ein besseres Vehikel ist das 

Theater für die Ausbildung der grösseren Jugend männlichen und weiblichen Ge- 
schlechts, insofern der Schauplatz eine natürliche und lebhafte Schule der Sitten und 
des menschlichen Lebens wird." Um nun aber sicher zu sein, dass in den Stücken 
nichts Unsittliches zur Darstellung gelangte, schrieb er sie lieber gleich selbst und 
benutzte sie als Mittel gegen allerlei althergebrachte Angewöhnungen, Vorurteile usw. 
seiner Bauern, und er wirkte da plastischer als durch Predigt und Untemcht. 
In gleicher Weise wirkte auch die im Anschluss an das Theater gebildete 
Musikgesellschaft, die vor allem dazu berufen war, den Gottesdienst mit ihren Auf- 
führungen zu verschönen. Neben allen diesen gründete und leitete Demeter eine 
Privatbildungsanstalt für Lehrer, legte eine kleine Gesindebibliothek an, aus welcher 

Richter. K. 13.) L., R. Richter. 91 S. M. 0,80. — 57) F. M. Vierthaler, Ausgew päd. Schriften, her. u. m. e. Einl. u. 
Anm. versehen v. L. G l ö c k 1. (= Bibl. d. Itath. Päd. her. t. P. X. K u n z N. 6.) Freiburg i. B., Herder. VIII, 258 S. M. 4,40. 
— 58) B. Eaisser, A. J. Demeter, e. Freund u. Förderer d. Volksschulwesens: AugsburgerPostZg». N. 13 4. — 59) O W. 
aiabbach, J. M. Sailer. (= D. Klass. d. Päd. her. v. ü. Fröhlich. Bd. XVI.) Langensalza, Schalbuchh. XU, 360 S. 



K. Kehrbach, Geschichte des Unterrichts- und Erziehungswesens. l6:60-63 

den Knechten und Mägden an den langen Winterabenden in der Gesindestube des 
Pfarrhauses unter Aufsicht des PfaiTers unterhaltende Stücke vorgelesen und erklärt 
wurden; auch richtete er eine kleine Volksbibliothek ein, in der er hauptsächlich Bücher 
aufstellte, die über Feld-, Wiesen-, Gartenbau, Behandlung- des Viehes, über Kinder- 
zucht usw. unterrichteten, und die nach seinem Geständnis von den Bauern viel be- 
nutzt wurden. Im Hinblick auf die unendlich beschränkten Mittel und das Material, 
das ihm zur Ausbildung sich darbot, ist seine pädagogische Wirksamkeit als Pfarrer, 
von der man wünschen möchte, dass alle Pastoren sie als Vorbild zur Nacheiferung 
nehmen möchten, höher zu schätzen, als seine spätere Thätigkeit bei der Neuorganisation 
des badischen Schulwesens. — 

Es seien hier verschiedene Schulmänner der Praxis aus neuerer 
Zeit zusammeng'estellt nach den Ländern und Landschaften, denen ihre Thätigkeit 
im wesentlichen galt. In der alphabetischen Ordnung erscheint zunächst Baden mit 
dem Karlsruher Seminardirektor Wilhelm Stern. Er hat noch als ein unmittelbarer 
Schüler Pestalozzis 1815 — 17 in Yverdun gelernt und gelehrt. Sein Leben hat jetzt 
Ledderhose ^'') geschrieben, hauptsächlich auf Grund interessanter Mitteilungen, die 
Stern im höheren Lebensalter einem seiner Söhne diktiert hatte. — 

Ein bayerischer Schulmann, Heinr. Stephani, dessen Name wegen seiner 
Verdienste um die Methodik des Leseunterrichtes weit über die Grenzen des Bayer- 
landes hinausgedrungen ist, wird von Sander^^) charakterisiert; wenn er auch nicht 
der „Urheber" der Lautiermethode ist, so hat er ihr doch durch seine Schriften den 
Weg in die deutsche Volksschule gebahnt. Obwohl streng kirchlich erzogen, war er 
frühzeitig ganz ins rationalistische Lager liinübergetreten. Sein religiöser Standpunkt 
brachte ihm viele Reibereien mit seinen Behörden; wurde er doch selbst später aller 
seiner Aemter entsetzt! Mit den Koryphäen unserer deutschen Litteratur, mit Schiller, 
Reinhold, Hufeland, Fichte, Matthisson, Lavater, trat er in den neunziger Jahren als 
Hofmeister in Jena und nachher auf einer Reise in die Schweiz in persönlichen Ver- 
kehr; in pädagogischer Hinsicht hat Resewitz, an dessen Anstalt Stephani mit seinen 
Zöglingen vier Jahre zugebracht hat, auf ihn eingewirkt. — 

Dem bekannten Hessischen Schulmanne Joh. Ferd. Schlez widmet G. Chr. 
Dieffenbach^-), einer seiner Nachkommen, eine Abhandlung, die trotz ihi'es geringen 
Umfanges uns ein deutliches Bild von der Wirksamkeit dieses weit über die Grenzen 
seines Vaterlandes hinaus berühmt gewordenen Mannes zeichnet. In seiner Stellung 
als Geistlicher und Schulinspektor in Schliz, die er seinem „Gregorius Schlaghart" 
(vgl. JBL. 1892 I 6 : 93) zu verdanken hatte, hat er eine grosse Wirksamkeit ent- 
faltet, nicht nur als praktischer Pädagoge und pädagogischer Schriftsteller, wobei be- 
sonders an seinen weitverbreiteten und lange Zeit gebrauchten „Denkfreund" und 
sein „Handbuch für Volksschullehrer" gedacht werden muss, sondern auch als Volks- 
schriftsteller, als Herausgeber von Kalendern und Zeitschriften, mit denen er bereits 
vor 100 Jahren dem Eindringen verderblicher Litteratur in das Volksleben einen 
Damm entgegensetzen wollte. Auch um die schöne Litteratur hat er sich verdient ge- 
macht durch Ausgaben von Gedichten, Fabeln, Parabeln, durch eine metrische Ueber- 
setzung der Lieder Salomos, durch Herausgabe eines Gesangbuches und einer Sammlung 
von Kinderdeklamationen. — 

Mit der grossen Reform des österreichischen Unterrichtswesens, deren 
Geburtsstunde in die Zeit der grössten politischen Wirren Oesterreichs, in das J. 1848, 
fällt, sind drei Namen eng verbunden: Graf Leo Thun, Franz Exner und Hermann 
Bonitz. Der von ihnen ausgearbeitete „Organisationsentwurf" bildet den Grundstein 
„für das ganze stattliche Gebäude des höheren Unterrichtswesens". „In Thun, Exner, 
und Bonitz trafen sich Thatkraft, Einsicht und Erfahrung und schufen ein Werk, das 
seine sieghafte Macht bewährt hat und hoffentlich noch lange bewähren wird. Ins- 
besondere dürften aber die Bildner der Jugend in ihnen die besten Vorbilder finden 
für das, was als edelstes Ergebnis jeder Erziehung und jedes Unterrichts gelten 
muss: den sittlichen Charakter. Denn so verschieden die drei Männer nach Heimat, 
Herkunft und Kenntnissen waren, eines einte sie, und darin liegt wohl das Geheimnis 
ihres erfolgreichen Wirkens : der tiefsittliche Ernst und die daraus entspringende Auf- 
fassung der Pflicht, beseelt von den" höchsten Idealen für alles Erhabene, Gute und 
Schöne." Das Andenken dieser Männer zu ehren, wurde in den Arkaden der Wiener 
Universität ihnen ein kunstvolles Denkmal errichtet, das am Eröffnimgstage der 
letzten deutschen Pliilologen- Versammlung in Wien unter grossen Feierlichkeiten 
enthüllt wurde. Veranlasst durch diese Feier hat Frankfurter ^3) das Leben und 
Wirken dieser Drei zur Darstellung gebracht, hat aber damit keineswegs ein ab- 

M. 4,70. — 60) K. F. Ledderhose, Wilh. Stern: ADB. 36, S. 110 6. — 61) F. Sander, H. Stephani: ib. S. 90,3. — 62) 
G. Chr. Dieffenbach, Joh. Ferd. Schlez. Hess. Schulmann u. Voltsschriftsteller. (Sonderabdr. aus d. „Hess. Lehrerkal.") 
Giessen, E. Roth. 14 S. M. 0,30. — 63) S. Frankfurter, Graf Leo Thun-Hohenstein, Fr. Erner u. H. Bonitz. Beitrr. z. 
Gesch. d. Österreich. Unterrichtsreform. Mit 3 Taf. in Lichtdr. Wien, Holder. VIII, 168 S. ML 3,60. |fP. P a n 1 s e n : 



16:64-69 K. Kehrbach, Geschichte des Unterrichts- und Erziehungswesens. 

schliessendes Werk über die g-rosse Unterrichtsreform in Oesterreich liefern wollen. 
„Die tiefere Würdigung- der einzelnen organisatorischen Arbeiten" will er erfreulicher 
Weise in einer ausführlicheren Schrift, der Geschichte und Entwicklung des öster- 
reichischen Mittelschulwesens, schildern. In seinem vorliegenden Werke, das als ein 
Teil oder in gewissem Sinne als eine Vorarbeit zu der beabsichtigten Geschichte an- 
zusehen ist, soll nur eine „Charakteristik der Männer geboten werden, denen der 
Aufschwung der geistigen Bildung in Oesterreich in der neuesten Zeit so viel zu ver- 
danken hat". Daher das Hervortreten des biographischen Momentes und das Zurück- 
treten des sachlichen, für das summarische Berichte genügen mussten. Da dem Vf. 
viel bisher unbekanntes hs. Material zur Verfügung gestanden hat, das bei anderen 
Darstellungen des Lebens und der amtlichen Thätigkeit dieser Männer nicht benutzt 
werden konnte, so erhellt daraus der grosse Wert des in so warmer, wohlthuender 
Sprache geschriebenen und mit zahlreichen interessanten Anmerkungen versehenen 
Buches, dessen Entstehen Bonitzens verdienstvollem Schüler W. von Hartel verdankt 
wird. — Hartel^^) war es, der als Präsident der 42. Versammlung deutscher Philologen 
die Festrede zur Enthüllung des Thun-Exner-Bonitz-Denkmals hielt. In dieser Rede 
sind meisterhaft aus der Fülle der Materialien die Gestalten der drei Männer heraus- 
gearbeitet und das, was sie geleistet, durch eine Charakteristik des österreichischen 
CJniversitäts- und Mittelschulwesens vor dem Beginn ihrer Arbeit plastisch hin- 
gestellt worden. ^^) — 

Einem Oldenburgischen Schulmanne, Strackerjan,gelten Mutz enbe eher s^^) 
Mitteilungen. Er hat sich um die Entwicklung des Realschulwesens in seinem 
Vaterlande sehr verdient gemacht. Von seinen litterarischen Arbeiten verdient an 
diesem Orte hervorgehoben zu werden seine für die altdeutsche Forschung wichtige 
Abhandlung über „die jeverländischen Personennamen (1864)." — 

Das Andenken an Wilh. Harnisch, der als praktischer Schulmann und als 
pädagogischer Schriftsteller lange Zeit in Preussen eine tonangebende Stellung ein- 
genommen hat, wird durch eine Neuausgabe seines bedeutendsten Werkes, des Hand- 
buches für das deutsche Volksschulwesen (1. Aufl. 1812; 2. Aufl. 1839J, das auch 
jetzt noch den deutschen Schulmämiern, besonders den Aufsichtsorganen, viele An- 
regungen geben kann, wieder aufgefrischt. Bartels^'') versieht den Text mit ein- 
zelnen erläuternden Anmerkungen; was aber die Ausgabe noch wertvoller macht, ist 
die vorangestellte Biographie. Das von B. dargebotene Verzeichnis von Harnischs 
Schriften sollte in erweiterter Form herausgegeben werden; die ungemein reiche 
litterarische Thätigkeit würde diu^ch eine genaue Bibliographie aller von Harnisch 
herrührenden selbständigen Schriften und seiner in verschiedenen Journalen nieder- 
gelegten Aufsätze am besten illustriert und damit zugleich eine wichtige Handhabe 
zur Beurteilung pädagogischer Bestrebungen innerhalb des Lehrerstandes und der Re- 
gierungskreise in der ersten Hälfte unseres Jh. gegeben werden. — Das Leben Ant.W.Ferd. 
Stiehls, des Vf. der so verschiedenartig beurteilten preussischen, oder sog. Stiehlschen 
Regulative, die unter dem Ministerium Raumer 1854 eingeführt wurden, schildert ein 
Anonymus ^S), hinter^ dem sich wohl der Nachfolger Stiehls in seinem Ministerial- 
amte, Schneider, verbirgt. Seh., dessen allgemeine Bestimmungen an die Stelle 
der Regulative gesetzt wurden und eine neue Periode im preussischen Volksschul- 
wesen einleiteten, giebt in wohlthuender Objektivität einen Ueberblick über den Ent- 
wicklungsgang, den Charakter und die Wirksamkeit Stiehls. — Hier sei nun auch 
mit einigen Worten auf Kellners 6") im vorigen Jahrgange (JBL. 1892 I 10 : 81) nur 
dem Titel nach angeführte SelbstbiogTaphie hingewiesen, die sehr bald eine zweite, 
vom Sohne des Vf., dem Bonner Theologieprofessor, bevorwortete Auflage erlebt hat. 
In dem Leben Kellners, der als Lehrer, pädagogischer Schriftsteller, als höherer Ver- 
waltungsbeamter und als Mensch ein grosses Ansehen in weiten Kreisen, auch dort, 
wo seine Stellung in religiösen und politischen Fragen nicht gebilligt wurde, genoss, 
spiegeln sich die verschiedenen Phasen der Entwicklung des Volksschulwesens in 
Preussen ab. Das erhöht noch den Wert dieser Selbstbiographie. Er freilich will in 
seiner Bescheidenheit mit dieser Biographie nichts weiter, als durch die „offene Dar- 
legung seines Ringens und Strebens" ein wenig für die Ueberzeugung wirken, dass 
innere Zufriedenheit und äussere Anerkennung zunächst und wesentlich von uns 
selbst abhängen, und dass jeder Beruf, insbesondere aber der eines Lehrers, das 
wieder entgegenbringt, was man selbst hineinträgt und lehrt. Ein grosses Verdienst 
hat sich dieser Mann, der von der Pike auf diente und mit Recht als Motto die 



BPhWS. 13, S. 1465/6; J. Loos: WSKPh. 10. S. 1066/8; WienerZg. 31. Mai, 6. Jnni, 13. Juni.]| — 64) W. t. Hartel, Fest- 
rede z. Enthüllnng d. Thun-Exner-Bonitz-Denkmals: AZg«. N. 118. — 65) O Vom Grafen Leo Thun: HPBll. 112, S. 2-22, 
92-104. — 66) A. M utze nbeoher, K. D. A. StracVerjan : ADB. 36, S. 487/9. — 67) W. Harnisch, Handbnch für d. 
dtsch. Volksschulwesen. Mit Anm. u. Harnischs Biogr. her. v. Fr. Bartels. (= Bibl. päd. Klass. her. v. Fr. Mann. Bd. 32.) 
Langensalza, Beyer & Söhne. LXII u. XII, 380 S. M. 3,.50. — 68) [K. Schneider]: A. W. F. Stiehl: ADB. 36, S. 180,4. 
— 69) L. Kellner, Lebensblätter. Erinnerungen aus d. Schnlwelt. 2. erg. Anfl. Mit Bild. Freiburg i. B., Herder. 1892. 



K. Kehrbach, Geschichte des Unterrichts- und Erziehungswesens. I6:70-80 

Worte Pestalozzis: „Man hatte mir oft gesagt, es sei eine heilige Sache, von unten 
auf dienen" seinem Buche vorgesetzt hat, um die Ausbildung der Methodik des 
deutschen Sprachunterrichts erworben. — Auch ein Verehrer Kellners, ein pro- 
testantischer Schulmann, der Bürgerschullehrer Piltz '**), hat Lebens erinner ungen 
geschrieben, die sich allerdings in einem engeren Kreise als die von Kellner bewegen. 
— Ein Berliner Schulmann, G. L. Spalding, der Sohn des berühmten Propstes zu 
St. Nicolai ist es, dessen Leben und Wirken uns Hoche'') vorführt. Der Schwer- 
punkt von Spaldings litterarischer Thätigkeit lag auf dem Gebiete der klassischen 
Philologie. — Die Verdienste Spillekes, des berühmten Direktors des Friedrich- 
Wilhelm-Gymnasiums in Berlin, werden von Wiese '2), der in Spilleke wohl eine 
kongeniale Natur erblicken durfte, in ansprechender Form dargestellt. In der Ge- 
schichte des Realschulwesens und auch in der Geschichte des höheren Töchterschul- 
wesens wird Spillekes weitgehender, über Preussen hinausragender Einfluss immer 
bemerkt werden müssen. — Eine gründliche Darstellung des Lebens und Wirkens, 
K. F. Splittegarbs hat der um die Methodik des Unterrichts und seine Geschichte 
verdiente Fechner'^) verfasst. Des tüchtigen Berliner Schulmannes praktische 
Thätigkeit bestand in der Leitung einer vorzüglichen Privatschule, die sich einer 
langandauernden Beliebtheit bei vielen Berliner Familien, die in mehreren aufeinander 
folgenden Generationen ihre Kinder der Schule anvertrauten, erfreute. Seine um- 
fassende litterarische Thätigkeit kam vor allem dem deutschen Unterrichte zu gute; 
seine „deutsche Sprachlehre für Anfänger, mit Aufgaben" (1. Aufl. 1800; 12. Aufl. 1840) 
bezeichnet einen Fortschritt in der Methodik. — Ueber den ehemaligen Direktor des 
Königsberger altstädtischen Gymnasiums, das unter seiner Leitung zu grosser Blüte 
sich entfaltete, den Philologen Karl Ludw. Struve (1785—1838), der auch als Dichter 
genannt zu werden verdient, bringt Stieda'''*) Nachrichten. — 

Das Leben des Sachsen Spitzner, dessen Thätigkeit hauptsächlich denf 
Wittenberger Lyceum, das unter ihm zu einem Gymnasium erweitert wurde, ge- 
widmet war, hat Ho che ''^) geschrieben. Obwohl Spitzners Arbeiten, besonders durch 
seinen Lehrer Lobeck angeregt, in der Hauptsache auf dem Gebiete der klassischen 
Philologie, besonders Homers, liegen, hat er doch auch mit seinen beiden Geschichts- 
darstellungen über das Wittenberger Lyceum (1808) und über die Entwicklung des 
Gymnasiums und der übrigen Schulanstalten zu Wittenberg (1830) der Geschichte des 
deutschen Unterrichts- und Erziehungswesens nicht unwichtige Beiträge geliefert. — 
Stallbaums Biographie wird von Hoche"^) gegeben. Schüler der berühmten Leipziger 
Thomasschule, ist er, nachdem er Theologie und unter Gottfr. Hermann Philologie 
studiert hatte, eine Zeitlang Lehrer an den Franckeschen Stiftungen gewesen, die er, 
obwohl der Kanzler Niemeyer ihm günstige Aussichten für die Zukunft gemacht 
hatte, verliess, um auf Wunsch seines alten Rektors Rost ein Lehramt an der 
Thomasschule (1820) zu übernehmen. Glückliche erzieherische Gaben machten ihn 
zu einem tüchtigen Lehrer; seine gründliche philologische Vorbildung befähigte ihn 
zu vorzüglichen litterarischen Studien, die besonders Plato galten. — 

An die Spitze des Abschnittes über die Schweiz verdient gestellt zu werden 
die von Keller''") mitgeteilte Probe aus einer Sammlung' von Nekrologen schweize- 
rischer Schulmänner. Von den mitgeteilten Biographien seien hervorgehoben die 
von Breitinger und Bodmer, Usteri, Stapfer, dem Förderer Pestalozzis, Zeller und 
Georg Gessner. Im Anhange giebt K. zu dem genannten Programm eine Lebens- 
skizze des vor kurzem verstorbenen langjährigen Lehrers am Seminar Wettingen, 
Rud. Landolt. — Hunziker''^''^) hat sich die schwierige Aufgabe gestellt, Ernst 
Ludw. Rochholz uns vorzuführen. Frühzeitig, schon auf der Schule in Neuburg a. d. 
Donau, bethätigte Rochholz sein Interesse für deutsche Sprache und Litteratur, und 
auch die harte Strafe, die er damals erleiden musste, weil er sich Werke von Goethe 
luid Schiller verschafft hatte, konnte seine Liebe nicht unterdrücken. Aus dem von 
H. mit vieler Mühe zusammengestellten Verzeichnisse der gedruckten litterarischen 
Produktion Rochholzens gewinnt man ein Bild von der Vielseitigkeit seines 
litterarischen Schaffens. Die Geschichte der germanischen Philologie, die Dialekt- 
forschung, die Mythologie, die Rechts- und Staatsaltertümer, der Sagen- und Märchen- 
schatz werden von ihm ebenso wie die Geschichte der Pädag'ogik, der alten und 
neueren deutschen Litteratur, bereichert; und manche wertvolle Ergänzung ist wohl 
noch aus dem von H. ebenfalls verzeichneten hs. Nachlasse zu erwarten. Sein Andenken 
wird aber auch ohne dies in der Schweiz so bald nicht erlöschen; denn wahr ist, was 



VII, 618 S. M. 4,00. — 70) C. P i 1 1 z , D. Tagebuch e. dtsoh. Schulmannes. Oasen u. Stationen ans d. letzten Jahrzehnten 
meines Lehrerlebens. L., F. Richter. VU, 152 S. M. 2,00. — 71) R. H o c h e , G. L. Spalding: ADB. 35. 8. 29-30. - 72) 
L. Wiese, G. A. Spilleke: ib. S. 187/9. - 73) H. F e c h n e r, K. F. Splittegarb: ib. S. 235 7. — 74) L. Stieda, K. L. 
Struve: ib. 36, S. 687-90. - 75) R. Hocho, F. E. H. Spitzner: ib. 35, S. 224/5. — 76) id., J. G. Stallbanm: ib. S. 422/3. — 
77) J. Keller, Probe e. grösseren Samml. v. Nekrologen Schweiz. Schulmänner. Progr. d. Lehrersemin. Wettingen. (Baden, 
J. Zehnder.) 44 S. — 78-79) J. Hunziker, E. L. Rochholz. Progr. Aarau, (Sauerländer & Cie.). 4». 54 S. — 80) F. 
Jahresberichte für neuere deutsche Litteratnrgeschichte. IV. 12 



16:81-86 K. Kehrbach, Geschichte des Unterrichts- und Erziehung-swesens. 

an seinem Grabe einer seiner älteren Schüler aussprach, dass er der Schweizer 
Jug-end einen mächtig-en Anstoss gegeben, dass er sie gelehrt, das Gold zu suchen, 
nicht im tauben Gesteine, nicht im öden Treiben der Welt, nicht in der Parteien Zwist und 
Hader, sondern in der Tiefe der Volksseele, des Kindergemütes und des Frauenherzens. 
„Du hast das aargauische Volk gelehrt, sich selbst hoch zu achten, es wird dir dankbar 
bleiben in alle Zukunft." — Brummer**^) führt uns den Lebensgang und die litterarische 
Thätigkeit Joh.Staubs vor. Durch seine Kinderbüchlein, die „Staubebüchli", hat er, der als 
Begründer der poetischen Jugendlitteratur in der Schweiz angesehen werden darf, sich 
die Herzen der Schweizer Kinder und Mütter erobert. — Zwei Pädagogen des Namens 
Spiess, Vater und Sohn, von denen aber nur der Sohn, Adolf S., wegen seiner Ver- 
dienste um das Turnwesen in den weitesten Kreisen bekannt geworden ist, (während 
der Vater, Johann Balthasar S., eine wenn auch segensreiche Thätigkeit im engeren 
Kreise, besonders in der Hebung des städtischen Schulwesens in Oft'enbach, entfaltet 
hat,) hat uns Sander^^'^^^ g-eschildert. Adolf war schon durch Guts Muts, als er 
zehnjährig mit dem Vater Schnepfenthal besuchte, für das Turnen gewonnen; als 
Student hat er den alten Jahn in Cölleda aufgesucht und sich in Berlin an den Be- 
strebungen Eiselens und Phil. Wackernagels beteiligt. Später in Burgdorf in der 
Schweiz bildete er das Schulturnen nach verschiedenen Richtungen hin, auch für 
Mädchenschulen, aus und stand dort in engem Verkehr mit Friedr. Fröbel und 
Max Schneckenburger, dem Dichter der Wacht am Rhein, die hier zum ersten Male 
gesungen wurde. Später als Turnlehrer in Basel, als Assessor des Studienrates in 
Darmstadt war er immer für sein Lieblingsfach, das er übrigens nicht losgelöst von 
dem Unterrichte, sondern in das Ganze der Volkserziehung eingeordnet wissen wollte, 
in Thätigkeit. — 

Von Hoche^^j rührt eine kurze Lebensskizze eines thüringischen 
Praktikers von vielseitiger wissenschaftlicher Bildung, des Reformators des Nord- 
häuser Gymnasiums und des gesamten städtischen Schulwesens, Joh. Gottfr. Aug. 
Sparr her, dessen Plan für das Gymnasium in Nordhausen für eine grosse Zahl der 
damaligen mitteldeutschen Gymnasien vorbildlich gewesen ist. — Das Leben eines 
originellen Mannes, des ehemaligen Saalfelder Lycealrektors, späteren Gymnasial- 
professors in Hildburghausen, Theod. Friedr. Reinhardts, schildert Human^*), 
Der Arbeit zu Grunde liegen Bruchstücke einer Selbstbiographie, die uns ihren Vf. 
widerspiegelt als eine „bestimmt ausgeprägte Persönlichkeit mit vielen Ecken und Kanten, 
mit mancherlei bizarrem und schroff einseitigem Wesen", das sich „wenig in Menschen 
und Verhältnisse zu schicken wusste". In Jena, das, wie er schreibt, zur Zeit, da er 
dort studierte (18 14), einem gerupften Huhne glich, weil alle bedeutenderen Lehrer in 
den Jahren nach dem Fichteschen Konflikte es verlassen hatten, schloss er sich 
an den damals bedeutendsten Philologen Eichstätt an, der die Seele der Universität 
und darauf bedacht war, in der Berufung tüchtiger Lehrkräfte einen Ersatz für die 
Verluste der Universität zu gewinnen. Von Goethe, den er zur Zeit, als der Hund 
des Aubry am Weimarer Theater seine Kunststücke machte, in einer Equipage 
mit „höfisch galonnierten Lakaien" in Jena herumfahren sah, hat er keinen hervor- 
ragenden Eindruck gewonnen: „Eine prosaisch aristokratische Figur". Die Saalfelder 
Stadt- und Landschule, die im J. 1527 als lateinische Schule begründet, später von 
Aquila und Melanchthon reorganisiert und 1551 Lyceum benannt wurde, umfasste, als 
Reinhardt ihr Rektor wurde, ausser dem Lyceum, das seine Schüler unmittelbar zur 
Universität entliess, ein Landes-Schullehrerseminar und eine Knabenschule. Die Mit- 
teilungen über seine Thätigkeit an dieser Schule enthalten auch für die Litteratur- und 
Kulturgeschichte Thüringens interessante Momente. Obwohl er das Studium griechischer 
und lateinischer Litteratur seinen Schülern nicht oft genug rühmen konnte, wurde doch 
in seinem Unterrichte die deutsche Sprache und Litteratur nicht vernachlässigt. Bei 
den stilistischen Arbeiten der Schüler vermied er es, ihre individuelle Auffassung 
durch eine eigensiimige Kritik zu korrigieren. Er strebte vielmehr danach, der 
Aeusserung jeder Neigung gerecht zu werden, und vermied dadurch, was viele Lehrer 
in ihrem Unterrichte bewirken, „uniformen Geschmack" und „uniforme Logik". — 

Universitäten. Der Abschnitt über Universitäten würde am besten ein- 
geleitet durch eine Besprechung der zusammenfassenden Darstellung über die 
deutschen Universitäten, die Lexis^^j unter Mitwirkung vieler deutscher Universitäts- 
professoren im Auftrage der Regierung für die Universitätsausstellung in Chicago 
verfasst hat. Leider ist mir das Werk nicht zugänglich gewesen. — Kukula**^) 



Brummer, J. Staub: ADB. 35, S. 506/7. — 81) F. Sander, J. B. Spiess: ib. S. 182/3. — 82) id., Ad. Spiess: ib. S. 173/7. 
— 83) R. Hoche, J. G. A. Sparr: ib. S. 63/4. — 84) A. Human, Th. F. G. Reinhardt, weil. Rektor d. Lycenms zu Saalfeld, 
Schulrat u. erster Prof. am Gymn. zu Hildburghausen etc. B. Lebens- u. Charakterbild. (= Schriften d. Ver. f. Meining. 
Gesch. u. Landeskunde. 15. Heft.) Meiningen, L. v. Eye. 140 S. M. 2,50. — 85) O X X W. Lexis, D. dtsch. Univ. Für 
d. Univ.-Ausstellung in Chicago 1893 unter Mitwirk, zahlreicher Univ.-Lehrer. 2 Bde. B., Asher. XII, 620 S.; VI, 406 S. 
M. 24,00. — 86) Rieh. Knkala, Bibliogr. Jb. d. dtsoh. Hochschulen. 1. Ergänznngsheft. Innsbruck, Wagner. IV, 295 S. 



K. Kehrbach, Geschichte des Unterrichts- und Erziehungswesens. l6:86a-93 

macht in dem Ergänzung-shefte zu seinem bibliographischen Jahrbuche Angaben über 
die litterarische Thätigkeit vieler an deutschen Hochschulen wirkender Gelehrten und 
giebt dadurch Material für die Fortsetzung der allgemeinen deutschen BiogTaphie.^^*) — 
Ueber eine Universität, die einige Jahre im Allgäu, in Ottobeuren und Elchingen, 
bestanden hat, wird uns von H u b e r^'j Nachricht gegeben. Freilich bestehen diese 
Mitteilungen nur in einem Auszuge aus den Darstellungen, die Giefel (im Deutschen 
Volksblatt 1888 N. 72—81) gegeben hat und auf Notizen in Feyerabends Otten- 
beurenschen Jahrbüchern. Die Universität war von Ang-ehörigen des Benediktiner- 
ordens im J. 1542 zur Vorbildung ihrer Ordensleute imd zur Abwehr gegen das Vor- 
dringen der Reformation gegründet worden. Ihr Sitz wurde Ottobeuren, nachdem der 
zunächst in Aussicht genommene Flecken Legan sich als ungeeignet erwiesen hatte. 
Bereits nach zweiundeinhalbjährigem Bestände löste sie sich weg'en der Ungunst 
der Verhältnisse auf; der Versuch von Lehrern und Schülern, in Elchingen eine 
ruhige Stätte zu finden, misslang; der Gedanke der Stiftung einer Gelehrtenschule 
aber wurde unmittelbar nach dem Schmalkadischen Kriege von Otto Truchsess von 
Waldberg, dem Bischöfe von Augsburg, wieder aufgenommen, und 1549 in der 
Gründung des Kollegiums, der späteren Universität Dillingen, verwirklicht. — Die 
Hubersche Darstellung wird übrigens von einem Anonymus *^^) dahin berichtigt, dass 
nach einer Chronik über die Gründung des Stiftes Kempten der Gedanke zur Er- 
richtung einer oberschwäbischen Studienanstalt bereits 1533 von dem Abte Sebastian 
von Breitenstein und dem Prälaten von Ottobeuren und Zwiefalten gefasst und dadurch 
die Gründung der Hochschule von Ottobeuren, später Elchingen ins Leben gerufen 
worden ist. — 

Aus der bisher noch nicht herausgegebenen Matiikel der Universität Basel 
bietet Loersch*^) einen kleinen Teil, indem er ein von G. Knod für ihn an- 
gefertigtes Verzeichnis der Aachener, die von 1462—91 in Basel studiert haben, mit 
einigen eig*enen Erläuterungen und Anmerkung'en giebt. — 

Einige Nachrichten über die Gründmig" der Berliner Universität und über 
ihre iiuiere Entwicklung enthält die von V i r c h o w '^o) am 3. Aug. in der Aula der 
Universität gehaltene Rede. Die innere Entwicklung hat sich nach V so vollzogen, 
dass in der ersten Periode unter Friedrich Wilhelm HL die Universität unter dem 
„Zeichen der Philosophie" gestanden hat, dass diese philosophische Zeit, die mit 
Hegel ihren Höhepunict, aber auch ihr Ende erreichte, abgelöst wurde durch die 
naturwissenschaftliche Periode, für die Alex, von Plumboldt den Boden geebnet, und 
der er seinen Stempel aufg'edrückt hat. Kann man V. in seiner Charakteristik 
der ersten Periode beistimmen, so ist das nicht der Fall hinsichtlich des natur- 
wissenschaftlichen Zeitalters. — 

Aus Veranlassung der Feier des 150 jährigen Bestehens der Universität Er- 
langen, die, erst eine markgräfliche, dann eine königlich preussische war, ganz kurze Zeit 
der französischen Regierung unterstand und endlich unter bayerischer Regierung einen 
grossen Aufschwung genommen hat, sind verschiedene Veröffentlichungen erschienen. 
In seiner Festrede schildert der derzeitige Rektor der Universität, StrümpelP^), die 
Gründung und die ersten Jahre ihres Bestehens. Der prachtliebende Markgraf 
Friedrich von Bayreuth gründete auf Anregung seines Leibarztes Superville, des 
späteren Kanzlers der Universität, und wahrscheinlich in seinem Vorhaben von seiner 
Gattin, Friederike Sophie Wilhelmine, der Schwester Friedrichs des Gr., bestärkt, 
die Universität, um den Ruhm seines Landes und besonders seiner Hauptstadt 
Bayreuth zu heben. Die Haupt- und Residenzstadt, in der 1742 die feierliche Ein- 
weihung der Universität stattfand, erwies sich aber als so ung'iüistig, dass schon nach 
einem Jahre an ihre Verlegung" g'edacht werden musste. Von den in Aussicht ge- 
nommenen Städten Kulmbach, Hof und Erlangen wurde letztere gewählt, weil hier die 
Gebäude und Fonds der in Verfall geratenen Ritterakademie zm* Verfügung standen. 
Anfang November 1743 fand die Einweihung ^2) der Erlanger Universität statt, deren 
Seele während der ersten Jahre ihres Bestehens Superville war; unmittelbar nach 
seinem Abgange tritt auch der Verfall ein. — Supervilles Lebensgang und seine Ver- 
dienste um die Universität werden in der von Schling **3) im Auftrage des akade- 
mischen Senates geschriebenen Festschrift dargestellt. Den Hauptteil seiner Arbeit 
bildet aber eine juristische Abhandlung über das Kanzleramt an der Universität Er- 
langen, dessen Entstehung, geschichtliche Entwicklung und jetzige Bedeutung S. 
deutlich darlegt. Danach ist das Kanzleramt ein unveräusserliches Recht der juristi- 



M. 3^0. — 86a) O XX (I 3:136.) - 87) F. A. Hube r, E. Allgäuer Univ.: AllgäuerGFr. 6, S. 75,7, 93 6. — 88) U., E. 
Allgäner Univ.: ib. S. 156. — 89) H. Loersch, D. in Basel v. 1462-91 studierenden Aachener: ZAachenGV. 15, S. 327 9. — 
90) R. Virchow, D. Gründung d. Berliner Univ. u. d. Uebergang ans d. philos. in d. natnrwiss. Zeitalter. Bede. B., Hirsch- 
wald. 4». 29 S. M. 0,80. — 91) Ä. Strümpell, D. Anfänge der Univ. Erlangen. Bede. Erlangen, Junge. 16 S. M. 0,30. 

— 92) X D. Einweihung d. Erlanger Univ. atn 4.-6. Nov. 1743. (= Festzg. z. Jubelfeier d. Univ. Erlangen 1743-1893. S. 2.) 

— 93) E. Sehling, D. v. Superville. D. Kanzleramt an d. Univ. Erlangen. Festschrift. L., Veit* Co. VllI, MitBildn. 188 8. 

12* 



I 6:94-106 K. Kehrbach, Geschichte des Unterrichts- und Erziehungswesens. 

sehen Fakultät. Als Einleitung giebt. S. eine Geschichte des Universitäts-Kanzellariats 
überhaupt und am Schlüsse einen interessanten Ueberblick über die gegenwärtige 
Rechtslage des Kanzleramtes auf denjenigen deutschen Hochschulen, an denen es noch be- 
steht. — Angeschlossen sei hier ein Aufsatz^*), der in Kürze die Geschichte der 
Universität bis auf die Gegenwart herabführt; dabei sei erwähnt, dass unter den Lehrern 
Fichte, der freilich nur einige Monate dort lehrte, die Juristen Puchta, Stahl, der 
später in Preussen eine hervorragende Rolle spielen sollte, die Philologen Döderlein 
und Nägelsbach, der Germanist Raumer, der Dichter Rückert zu nennen sind. — 
Auch über' die Vorgeschichte der Universität fehlt es nicht an Nachrichten^^), aus 
denen hervorgeht, dass die erste Anregung, in Franken eine oder zwei Hochschulen 
zu gründen, von Luther 1529 ausgegangen, im 17. Jh. von dem Kulmbacher 
Superintendenten Altdorfer unter der Regierung des Markgrafen Christian und später 
von dem Sohne des letzteren, dem Markgrafen Christian Ernst, wieder — freilich ohne 
Erfolg — aufgenommen worden ist. ''^) — 

Beiträge '*'''^^) zur Geschichte der Universität Freiburg i. B. sind auch in 
diesem Jahre geliefert worden (vgl. JBL. 1892 I 10 : 252/4). König9»-ioo) hat zu- 
nächst die bisher unbekannt gebliebenen articuli officii rectoris academiae von 1580, 
deren Vf. Jodocus Lorichius ist, veröffentlicht. Lorichius, der acht Mal die Rektorats- 
würde bekleidet hat, giebt in diesen articuli nicht etwa ein offizielles Statut, sondern 
nur eine private Zusammenstellung der wichtigeren „amtlichen Befugnisse, Aus- 
zeichnungen, Thätigkeiten, welche dem Haupte des corpus academicum zustehen und 
zukommen, führt Einzelheiten aus der älteren akademischen Verfassung und Ad- 
ministration" vor, in aphoristischer, für den nächsten Gebrauch bestimmter Form, 
und verweist dabei oft auf das ausführliche Statut der Universität, über dessen 
Verbleib bisher noch nichts hat ermittelt werden können. Der Herausgeber hat dem 
Texte wertvolle Ergänzungen beigegeben, so Mitteilungen über den ersten Rektor, 
Matthaeus Hummel, über einzelne besondere Vorkommnisse in der Geschichte des 
Rektorats, über die unter der Kaiserin Maria Theresia angeordneten Reformen, und 
fügt am Schlüsse die series rectorum et prorectorum von 1460—1892 bei. 1476 ist 
Joh. Geiler von Kaisersberg Rektor gewesen, dem 1477 ein Fridericus comes de 
Hohenzollern in dieser Würde folgte. K.s zweiter Beitrag besteht in einem aus dem 
letzten Drittel des vorigen Jh. stammenden Schriftstücke eines Anonymus, das die 
Wichtigkeit der Theresianisch-Josefinischen Reformen hervorhebt, aber auch zugleich 
betont, dass durch die 1773 erfolgte Aufhebung des Jesuitenordens viele gute An- 
stalten aufgehoben worden seien. Es handelt sich hierbei wahrscheinlich um ein für 
eine höher gestellte Persönlichkeit verfasstes Gutachten. — Mayers *^i"^"3) Dar- 
stellung, die eine Fortsetzung seines im vorigen Jahre erschienenen Werkes ist, be- 
trifft die Entwicklung der Freiburger Universität in neuerer Zeit (1818—52). Er macht ein- 
gehende Mitteilungen über alle Universitätsinstitute, über den Lehrkörper, über 
Fonds, über Festlichkeiten und Studentenschaft, und dabei wird besonders der 
burschenschaftlichen Bestrebungen gedacht, die auch hier wie auf anderen Uni- 
versitäten vielen Verfolgungen ausgesetzt waren. — 

In der Einleitung zu einem Aufsatze ^'^*) über die neugegründete Universität 
Freiburg in der Schweiz werden einige Mitteilungen über die seit Jhh. gehegte 
Absicht, in der Schweiz eine katholische Universität zu gründen, gemacht. Bereits 
im J. 1539 mit der Ausbreitung der Reformation dachte man zum Schutze der katho- 
lischen Kirche an die Gründung der Universität. Die Eifersucht der einzelnen Kantone 
aber verhinderte die Ausführung des Planes, der 1763 durch die Gründung der Rechts- 
schule, die als juristische Fakultät in der neu gegründeten Universität aufgegangen ist, 
wenigstens zu einer partiellen Ausführung gelangte. — 

Während Klewitz und Ebel^**^) ihre Ausgabe der Giessener Matrikel 
von 1685 — 1701 (leider auch diesmal ohne jegliche Erläuterung) weiterführen, giebt 
Falckenheiner^'^^) Nachrichten über eine Hochschule, deren Existenz wohl nur 
wenigen bekannt sein dürfte, nämlich über die durch den Landgrafen Wilhelm V. 



M. 6,00. — 94) Z. 150j. Jnbil. d. Univ. Erlangen: AZg». N. 174. - 95) Z. Vorgesch. d. Univ. Erlangen: StrassbPost. N. 208. 
— 96) X A. Fort seh, Erlangen: BnrschenscliBll. 7, S. 261/3, 289-91. (S. o. I 4:80.) — 97) X J- S[chneiaerJ, D. alte 
Univ. Frankfurt a. 0.: ib. S. 38,9, 67-70, 91/5, 122,6, 147-50. (Mit 6 Bildern.) — 98) O M. Pohlandt, Z. Verlegung d. 
Univ. in Frankfurt a. 0. : Bär 19, S. 550/1. — 99) Jos. König, Beitrr. z. Gesch. d. Univ. Freiburg. Rektorat u. Prorektorat: 
FreibnrgerDiöcesA. 23, S. 61-120. — 100) id.. Beitrr. z. Gesch. d. Albertinischen hohen Schule: ib. S. 349-54. — 101) Herrn. 
Mayer, D. Univ. zu Freiburg i. Br. in d. J. 1818-52. 1. Hauptteil. D. Regierg. d. Grossherz. Ludwig 1818-30. I. Patronats- 
rechte u. auswärt. Besitzungen. II. Veränderungen in d. Organisation. III. AUg. Finanzlage. IV. Lehrangelegenheiten. V. Das 
Lehrerkollegium: Alemannia 21, S. 17-70. — 102) id., D. Univ. zu Freiburg i. Br. in d. J. 1818-52. 1. Huuptt. D. Regierung 
d. Grossherz. Ludwig 1818-30. Schlnss. VI. Institute. VII. D. Studenten u. ihre Vereinigungen. VIII. Festlichkeiten: ib. 
S. 148-85. — 103) id., D. Univ. zu Freiburg i. Br. in d. J. 1818-52. 2. Hauptt. D. Regierung d. Grossherz. Leopold 1830-52. 
I. Auswärt. Einkünfte u. Finanzen im allg. II. Zeitweilige Schliessung u. Reorganisation d. Univ. III. Weitere Veränderungen 
in d. inneren Einrichtung. IV. Lehrangelegenheiten. V. Abermalige Gefährdung d. Bestandes d. Univ.: ib. S. 209-76. — 104) 
D. kath. Univ. Freiburg in d. Schweiz: HPBll. 111, S. 569-88. — 105) E. Klewitz n. K. Ebel, D. Giessener Matrikel (Forts.): 
MOberhessGV. 4, S. 1-48. (VgL JBL. 1890 I 6:60.) — 106) W. Falckenheiner, D. Ann. u. d. Matrikel d. Univ. Kassel: 



K. Kehrbach, Geschichte des Unterrichts- und Erziehungswesens. 16: 107-117 

1633 g-egründete ehemalig-e Universität Kassel, die freilich nur bis zum J. 1652 
bestanden hat, als Pflanzstätte der reformierten Kirche und als Bollwerk gegen die 
frühere Landesuniversität Marburg, die, nachdem sie in den Besitz Ludwigs V. 
von Darmstadt übergegangen, der Sitz strengsten Luthertums geworden war. Die 
Matrikel ist noch vollständig vorhanden und freilich ohne Erläuterungen, „um zu- 
nächst das Quellenmaterial der Forschung allgemein'zugänglich zu machen", zusammen 
mit den Annalen, die leider nur über die Gründung und die Ereignisse der ersten 
Jahre unterrichten, von F. abgedruckt, indem er dem Ganzen eine historische Ein- 
leitung vorausschickt. — Hier sei auch sogleich Haupts^"') Arbeit über das Mar- 
burg- Giessener Stipendienwesen erwähnt. Bereits in der Homberger Kirchenordnung 
von 1526 hatte Philipp der Grossmütige vor der definitiven Gründung der Marburger 
Universität für die Unterstützung dürftiger Studenten der zukünftigen Hochschule 
die Gründung einer Institution in Aussicht gestellt. Dieser Plan wurde auch durch 
den Freiheitsbrief vom 31. Aug. 1529 verwirklicht und zwar dadurch, dass die kirch- 
lichen Stiftungen aller Art in den Ortschaften der LandgTafschaft dazu herangezogen 
werden sollten. Im J. 1533 wurden im Minoritenkloster zu Marburg fünf Stuben für 
die Stipendiaten, die nach einer Verordnung vom J. 1537 nur Theologen sein durften, 
eingerichtet. 1539 war die Zahl der letzteren bereits auf 137 gestiegen, eine Zahl, 
die nicht überschritten werden sollte. Da aber die Ortschaften die festgesetzten Bei- 
träge teils unregelmässig, teils gar nicht einlieferten, so nahm die Institution nicht 
die Entwicklung, die dem Landgrafen vorgeschwebt haben mag. An der im J. 1546 
herausgegebenen Studienordnung für die Stipendiaten hat Melanchthon mitgearbeitet 
H. teilt im Anhange eine Anzahl von älteren Urkunden, die sich auf das Stipendienwesen 
beziehen und im Besitze der Universität Giessen sind, in Regestenform mit. In einem 
Nachtrage (S. 156) erwähnt H, noch eine Schrift über das „Stipendienwesen in Hessen- 
Darmstadt" (1875), die wertvolle Mitteilungen aus ungedruckten Quellen, darunter 
auch eine allerdings ergänzungsbedürftige Liste der beitragspflichtigen Orte von 1529 
und 1657 giebt. — 

Verhältnisse der Universität Göttingen um 1760: Lehrbetrieb, Charakteristik 
einzelner Professoren, Beziehungen der Studenten zu ihren Lehrern und Hauswirten und 
unter einander, Unterhaltungskosten schildert ein von Holstein ^<^^) mit einigen ein- 
leitenden Worten veröffentlichter Brief des Göttinger Professors Michaelis an den 
Marseiller Advokaten Lavabre, der die Absicht hat, seinen Sohn, der noch in Paris 
auf der Schule ist, zum Studium nach Göttingen zu schicken. — Ueber Freitisch- 
Verhältnisse an dieser Universität orientiert ein (vgl. 14: 102) Aufsatz Knokes^^^'^^'^*). — 

Veranlasst durch das 1894 stattfindende Jubiläum des 250jährigen Bestehens 
der Friedrichs-Universität Halle-Wittenberg hat Schrader^'**), der Kurator dieser 
Hochschule, ihre ausführliche Geschichte, die mir leider nicht zur Verfügung gestellt 
wurde, geschrieben. Ihr Inhalt ist in Kürze in einigen Zeitungsartikeln i^*" 1^2^ mitge- 
teilt. — Eine bedeutsame Ausbeute von Materialien zur älteren Wittenberger Universitäts- 
geschichte gewährt Buchwalds^*^) Ausgabe einer Anzahl von Briefen, die an Stephan 
Roth (vgl. JBL. 1891 I 6 : 65) aus seinem Wittenberger Bekanntenkreise gerichtet 
worden sind. Im ganzen haben sich in der an litterarischen Schätzen besonders aus 
der Reformationszeit so reichen Bibliothek der Stadt Zwickau 3018 von 571 verschiedenen 
Schreibern herrührende Briefe an Roth gefunden, durch deren wenn auch fragmen- 
tarische Veröffentlichung sich B., der zu einer glücklichen Lösung dieser Aufgabe sichere 
Garantien bietet, ein grosses Verdienst um Reformation, Gelehrten- und Kulturge- 
schichte erwerben würde. — Auch die von Petri*^*) veröffentlichten Stammbuch- 
blätter haben Bezüge zur Wittenberger Universitäts- und Gelehrtengeschichte der 
Reformationszeit. — 

Von Toepkes^^^) vielgerühmter Ausgabe der Heidelberger Matrikel von 
1386—1662 ist der Registerband erschienen. — Als Material zur Geschichte der Uni- 
versität kann Holsteins 1^^) Aufsatz angesehen werden, in dem er die erste Periode 
der Heidelberger Universität uns vorführt und dabei diejenigen Persönlichkeiten 
hervorhebt, die an der Hochschule vorübergehend oder dauernd gewirkt haben: Peter 
Luder, Matthias von Kemnat, Stephan Hoest und dessen Schüler Wimpheling, der 
Vater des oberrheinischen Humanismus, ferner Pallas Spangel, bei dem Melanchthon 
als Student gewohnt hat. — Dem letzteren hat Hartfe Ider^i'') eine besondere Besprechung 



ZVHessG. 18, S. 190-326. |[A. Schröter: BLU. S. 582.]| — 107) H. Haupt, Ans d. Aroh. d. Univ. Giessen. I. Z. Gesch. d. 
alten Marburg-Giessener Univ.-Stipendien : MOberhessGV. 4, S. 113-22. — 108) (I 4:103.) — 109) K. Knoke, Ans d. Götttinger 
Freitisch- Akten : AZgB. 1892, N. 209. — 109 a) O X X (1 4 : 95.) — 110)OW. Schrader, Gesch. d. Friedrichs- Univ. zn Halle. 2 Tle. 
B., Dömmler. VIII, 640 S. ; V, 583 S. M. 31,00. — 111) XW.K[awerau],Z. Gesch. d. Univ. Halle : MagdZg. N. 548. — 112) X H- L.- D. 
Friedrichsnniv. zn Halle a. S.: KatZg. N. 683. — 113) G. Bnchwald, Z. Wittenberger Stadt- u. Univ.-Gesch. in d. Refor- 
mationszeit. L., Wiegand. X, 192 S. M. 6,00. — 114) H. Petri, Wittenberger Stammbnchbll. aus d. 16. Jh. (= Festschrift 
z. 350. Stittungsfeste d. Kgl. Landesschnle Pforta [B., Weidmann. 4». 93 S. M. 3,00.], S. 63-80.) — 115) O G. Toepke, 
D. Matrikel d. Univ. Heidelberg v. 1386-1662. 3. T., Reg., 2. Hälfte. Heidelberg, Winter. XII, 545 S. M. 12,00. — 116) H. H o 1 s t e i n , 
Z. Gelehrtengesch. Heidelbergs beim Ausg. d. MA. (= Progr. d. Gymn. zu Wilhelmshaven, S. 1-26.) — 117) K. Hartfelder, 



1 6:118-134 K. Kehrbach, Geschichte des Unterrichts- und Erziehung-swesens. 

g-ewidmet. — Mit Rud. Agricola, der zum älteren Heidelberger Humanistenkreise ge- 
hörte, beschäftigt sich Ihm^^^). — 

StübePi"), der Herausgeber des Urkundenbuches der Universität Leipzig 
für die J. 1409 — 1555, giebt eine ansprechende Schilderung Leipziger Universitäts- 
verhältnisse. Nachdem er uns mit dem Inhalte der päpstlichen Bestätigungsbulle und 
der landesherrlichen Stiftungsurkunde bekannt gemacht hat, gewährt er uns einen 
Einblick in den Zustand der Universität während ihrer bedeutsamsten und inter- 
essantesten Periode, der Zeit des 16. Jh. Aus dem reichen hs. Material unterrichtet 
er uns über Universitätsfonds, über den Lehrkörper, Rektorwahlen, die Disciplin, über 
allerlei Konflikte des Lehrkörpers, der Studierenden und der Bürger (vg-l. I 4 : 98). 
— Nach dem Werke von Heinr. Gottl. Kraus (Beschreibung der Feierlichkeit usw. 1810) 
wird ^20) eine Schilderung- der in Leipzig 1809 zur Feier des 400jährigen Bestehens 
der Universität stattgehabten Festlichkeiten gegeben, ^^i) — 

Ein Verzeichnis der Rektoren der Wiener Universität von 1365 — 1898 hat 
Schrauf^22) j^j^ vieler Mühe zusammengestellt, zunächst für die im neuen Wiener 
Universitätsgebäude angebrachten und im Mai 1893 bei Gelegenheit der Philologen- 
Versammlung enthüllten Gedächtnistafeln der Wiener Universitätsrektoren. (Vgl. noch 
I 4 : 96/7, 99.) — 

Studententum. Einige allgemeine Nachrichten über das Studentenleben 
zur Zeit der Reformation veröffentlicht Katt^^s^ — Speciell dem Rostocker Studenten- 
leben dieses Zeitraumes gilt ein Vortrag von Hoffmeister i24). -_ Anzuschliessen sind 
hier die Arbeiten von Heraeus^^^) über Hamburger Studenten auf deutschen und 
ausländischen Hochschulen und von Josenhans ^-^) über Tübinger Studenten. — Ein 
Anonymus ^^J) giebt aus dem im J. 1737 von dem Hallenser Professor Martin Schmeigel 
veröffentlichten Ratgeber für Studenten: „Eines rechtschaffenen Studenten Klugheit 
zu leben und zu Conversieren, zu Hause, auf Universitäten, auf Reisen usw." einen 
Auszug-. — Der vollständige Text eines anderen derartigen Anstandsbuches für 
Studenten ist als Festschrift zur Erlanger Jubelfeier abgedruckt worden i28)_ — 

Besonders reichhaltig sind die Mitteilungen über die Geschichte der deutschen 
Burschenschaft (vgl. I 4 : 78, 132). Angeregt von Schneider, dem- Herausgeber der 
Burschenschaftlichen Blätter, hat sich innerhalb der Burschenschaft eine „Vereinigung- 
für Geschichtsschreibung" gebildet. Ueber das Leben in der alten Jenaischen Burschen- 
schaft werden wir unterrichtet durch die jetzt veröffentlichten Aufzeichnungen von 
Mitgliedern aus der ersten Zeit ihres Bestehens durch Lippold^^^) und durch einen 
ungenannten 130^ Jenaischen Burschen. Durch letzteren erfahren wir, dass die Burschen- 
schaft nicht aus Sorge um das Einschreiten der Behörden sich freiwillig aufgelöst 
hat, sondern dass durch Anschlag am schwarzen Brett die Auflösung angeordnet 
worden war; und man erfährt auch, dass wegen dieser Auflösungsverordnung-, was 
bisher ebenfalls unbekannt war, die Burschenschaft sich beschwerend an den Gross- 
herzog von Weimar wandte. — Diese Aufzeichnungen werden ergänzt durch einen 
Hinweis auf eine unter dem Titel „Teutsche Jugend in weiland Burschenschaften und 
Turngemeinden" (1828) anonym erschienene Schrift^^i-) j^j. vf. war der Burschen- 
schafter Rob. Wesselhöft, der mit Massmann auf dem W^artburgfest 1817 die Ver- 
brennungsscene eingeleitet hatte. Die Schrift, in der Friedr. Ludw. Jahns Einwirkung 
auf die burschenschaftliche Strömung hervorgehoben wird, war eine Verteidigung der 
Burschenschaft gegen Verleumder, besonders gegen den abtrünnigen Joh. Wit, den 
früheren Freund des burschenschaftlichen Liederdichters H. Folien. — Ist hier bereits 
Jahns Anteil hervorgehoben, so geschieht das noch mehr in einem anderen anonym^^s-j 
erschienenen, wahrscheinlich von Schneider herrührenden Aufsatze, dessen intellek- 
tueller Urheber Jahns Biograph K. Euler ist, der 1892 in einem Aufsatze der VossZg. 
sich beschwerte, dass Jahns Anteil an der Begründung der Burschenschaft bisher 
zu wenig beachtet worden sei. — Als noch frühere Vorläufer der Burschenschaft 
haben vielfach die „Chokoladisten" in Jena, die alle Streitig-keiten bei einer Tasse 
Chokolade schlichten wollten und gerade wie die alten Burschenschaften das 
Studentenduell verwarfen, gegolten. Westerfeld^^a) macht hierüber einige Mit- 

Pallas Spangel: ADB. 35, S. 32/3. — 118) O G. Ihm, D. Humanist R. Agricola, sein Leben u. seine Schriften. {= Samml. d. 
bedeutendsten päd. Schriften her. v. J. Gänsen, A. Keller u. Beruh. Schulz. N. 78/9.) Paderborn, Schöningh. VII, 
88 S. M. 0,80. — 119) B. Stübel , Ans d. Vergangenheit d. Univ. Leipzig: NASächsG. 14, S. 1-20. — 120) D. 400 j. Jnbil. d. 
Univ. Leipzig am 4. Dec. 1809: BurschenschBU. 7, S. 3245. (Mit 2 Bildern.) — 121) O (I 4:100.) - 122) K. Schrauf, D. 
Gedächtnistafeln d. Wiener Univ.-Eelitoren 1365-1893. Wien, Selbstverl. d. K. K. Univ. 35 S. — 123) F. Katt, Studenten- 
leben bei Beginn d. Reformation: BurschenschBU. 7, S. 30/4. — 124) O A. Hoffmeister, Rostocker Studentenleben im 
16. Jh. Vortr.: AZgi*. 45. — 125) O M. Heraeus, Hamburger Studenten auf dtsch. u. ausländ. Hochschulen v. 1290-1650: 
ZVHambG. 9, S. 557-032. - 126) OJ-Josenhans, Tübinger Studenten a. d. Steinlach vor d. Reformation : GBUKeutlingen. 4, S. 94 7. 
— 127) Studentenleben vor 150 J.: BurschenschBU. 7, S. 14/5. — 128) Severo-Jocosum. Z. löOj. Jubil. d. Univ. Erlangen. D. Wahre 
Klugheit derer Herren Studenten bey angestellter Conversation auf Universitäten ihren Lebenswandel honett und richtig zu fahren. 
Unveränd. Abdr. 1755 in Leipzig erschien. Orig. Erlangen, Th. Blaesing. 8 S. M. 0,50. — 129) F. Lip pol d, Aufzeichnungen d. fKonsi- 
Btorialrats — : BurschenschBU. 7, S. 113/6, 141/4. - 130) Tagebuch e. Jenaischen Burschen 1819-20: ib. S. 281,3. — 131) L. A., Teutsche 
Jugend in weil. Burschensch. u. Turngemeinden: ib. S. 49-54. — 132) D. Vorläufer d. alten Burschensch.: ib. S. 145 9, 169-74, 198 8. — 
J33) F. Westerfeld, D. Antidnellbewegung d. „Chokoladisten« in Jena 1791-92: ib. S. 253 8. — 134) G. Gerlach, D. 



K. Kehrbach, Geschichte des Unterrichts- und Erziehung-swesens. I 6 -.135-151 

teilung-en, in denen er nachweist, dass sie als Vorläufer der Burschenschaft nicht an- 
g-esehen werden können. Wenn er aber giaubt, nachweisen zu können, dass sie als 
Vorläufer der späteren Reformverbindung-en g-elten dürfen, so ist er im IiTtum. Die 
Reformverbindung"en entstanden unmittelbar nach dem Krieg-e von 1870 — 71 aus ähnlichen 
Ursachen wie die g-rosse Burschenschaft nach den Befreiung-skriegen. — Die Vorgäng-e bei 
der Trennung- der alten Jenaischen Burschenschaft in Arminen und Germanen (1830— 32) 
schildert G er lach ^3^). Er charakterisiert dabei auch den Germanen Fritz Reuter, der 
1832 in Jena war: „Grosser Trinker, Hebens würdig-er Mensch, ausg-ezeichneter Gesell- 
schafter, ohne Lust zu seinem Beruf." — Der schon mehrfach erhobene Streit, ob die 
Jenaer Arminia allein sich als Fortsetzung- der alten Burschenschaft, oder ob auch die 
Germania ihre Entstehung- auf den 12. Juni 1815zurückführen könne, wirdvonPfitzer^^s^ 
zu Gunsten der Arminia entschieden. — Dag-eg-en weist Henning- 1-^^) nach, dass die 
alte Burschenschaft in den Teilen fortbesteht, und dass Arminen und Germanen mit 
g-leichem Rechte ihre Enstehung- auf das J. 1815 zurückführen könnten. — Schneider i^^) 
giebt den Wortlaut der Verfassung-surkunde des Fürstenkellers (Germania), die 
nach der Trennung- aufg-esetzt worden war. ^38-142-) _ Zur Charakteristik des ung-lück- 
lichen Karl Sand trag-en einig-e von Sand herrührende, bisher noch unbekannte Schrift- 
stücke bei^^^). — Auf einen anderen alten Burschenschafter, den Kirchenhistoriker Karl 
von Hase, der auf dem Hohenasperg-, wenn auch in milder Form — wie es in Süd- 
deutschland meist der Fall war — für seine bursohenschaftlichen Ideale büsste, weist 
Haupt 14*) in der Empfehlung- der 1820—22 von Hase in der Burschenschaft g-ehaltenen, 
jetzt veröffentlichten Reden hin. Einem Burschenschafter späterer Zeit, dem bekannten 
Parlamentarier und Oberbürg-ermeister von Köln, Becker, bekannt unter dem Namen 
„der rote Becker," sind von John^*^) einig-e Seiten g-ewidmet. — Wie roh einzelne 
Behörden, nur allzu g-efällige Werkzeug-e Metternichs, g-eg-en Ang-ehörig-e der deutschen 
Burschenschaft, die eine Stärkung- des nationalen Gefühls, eine sittliche Hebung- des 
Studententums erstrebte (nicht nur in Preussen, das hierin Ung-laubliches g-eleistet hat), 
vorg-ing-en, beweist der Aufsatz eines Anonymus ^^e j. Ein Gymnasiallehrer, Dr. Eduard 
H. in D(essau?) wurde am 22. April 1835 auf Anordnung- der herzog-lichen (An- 
haltischen?) Reg-ierung- plötzlich verhaftet, nach dem Schlosse in Z(erbst?) g:eschleppt, 
ohne Abschied von Vater, Gattin und Kindern nehmen zu dürfen, und das alles, 
weil er iii Halle der Burschenschaft ang-ehört hatte. Achtzehn Monate dauerte 
die auf Grund eines Briefes über ihn verhäng-te Haft, weil die Frag-en zum Verhör 
von der Bundeskommission in Frankfurt a. M. g-estellt, und die Antworten eben dahin 
berichtet werden mussten. Im Gefängnis erkrankt, darf H. nicht einmal die Seinig-en 
sprechen und stirbt im Okt. 1836. Warum in dieser Mitteilung die Namen nicht ge- 
nannt sind, ist unerfindlich. Hatte der Vf. nicht den Mut dazu, so wäre es besser 
gewesen, die ganze Mitteilung zu unterlassen. — Nicht übergangen sei hier auch ein 
Verbot 14'') gegen das Tragen der burschenschaftlichen Tracht, die Kaiser Franz I. 
eine „heroische" nannte, die auf das Theater gehöre, in seinem Lande aber von nie- 
mand getragen werden dürfe. Friedrich Wilhelm III. von Preussen verbot die Tracht 
in einer an den Staatskanzler Fürsten Hardenberg gerichteten Kabinetsordre, als wenn 
es sich um eine Haupt- und Staats- Aktion handelte. — In den Konflikten zwischen 
akademischen Behörden und Studenten war oft die ultima ratio der Letzteren der 
Auszug aus der Universitätsstadt. Diese Auszüge führten gewöhnlich zu einer Ver- 
söhnung zu Gunsten der Studenten, die nicht nur gebeten wurden zurückzukehren, 
sondern oft noch feierlich eingeholt wurden. So verlief ein Auszug, den Erlanger 
Studenten nachAltdorf unternahmen 1*^). — Dass dieSache aber auch eine andere Wendung 
nehmen konnte, beweist der von Schneider '^S) nach den Akten des geh. Staats- 
archivs beschriebene Auszug der Studenten aus Halle im Febr. 1822. Die Behörde 
gestattete in diesem Falle nicht einmal eine gemeinsame Rückkehr. — Wiederkehrende 
Züge in der Geschichte des deutschen Studententums sind die Solidarität der Interessen, 
sobald es sich um Beleidigungen eines Gliedes des corpus academicum handelt, und 
die Selbsthilfe, die in solchen Fällen angewendet wurde. Ein Beispiel hiefür bietet 
Gerlachs 1^'') Mitteilung: Zwei Jenaer Corpsburschen sind in dem Weimarischen 

Trennung d. alten Jenaischen Burschenschaft in Arminen u. Germanen: ib. S. 116. — 135) O H. v. Pfitzer, D. älteste dtsch. 
Burschenschaft: ib. S. 197-204. — 136) Carl Henning, Z. d. Aufsatz: D. älteste dtsch. Burschensch. : ib. S. 226. — 137) G. 
H. Schneider, D. VerfassungsurVunde d. Fürstenkellers: ib. S. 309-11. — 138) X A. P., Z. Gesch. d. alten Bonner 
Burschensch.: ib. S. 29-30. — 139) X W. Kalb, D. alte Burschensch. u. ihre Entwicklung in Erlangen mit bes. Beräcksichtig. 
d. alten Germania. Erlangen, M. Mencke. VI, 160 S. Mit Abbild. M. 3,90. — 140) X E. Dietz, Z. Gesch. d. Preiburger 
Burschensch. v. 1818 bis z. Frankfurter Attentat: Burschensch. Bll. 7, S. 25-30. — 141) X ^^- Meinecke, Z. Gründungsgesch. 
d. Giessener Burschensch. Briefe E. Welckers an seinen Bruder Karl Theod.: ib. S. 57-62. — 142) X ^- Dute, D. alte Mar- 
burger Alemannia u. Ed. Schönfeld: ib. S. 217/8. (Ed. Seh ist e. ihrer Gründer.) — 143) E. Brief u. Albumblatt v. K. Sand: 
ib. S. 149-50. (E. Portr. y. S. befindet sich S. 147.) — 144) H. Haupt, E. Ehrenbuch d. alten Burschenschafters K. v. Hase: 
ib. S. 265,6. - 145) W. John, D. rote Becker: ib. S. 85/7. (Mit zwei Portrr. v. Becker S. 74/5.) — 146) H., Leiden e. alt. 
Burschenschafters: ib. S. 2412. — 147) G. H. S[chneider], Verbote gegen d. burschenschaftl. altdtsch. Tracht: ib. S. 856. — 
148) D. Auszug nach Altdorf: ib. S. 63. (2 Bilder dazu auf S. 56/7.) — 149) G. H. S[chneider], Hallisohe Unruhen vor 
72 J.: ib. S. 73;5. - 150) E. Gerlach, D. Blankenhainer Rachezug: ib. S. 1/3. — 151) G. Wen dt, Gesch. d. Kgl. Bitten- 



I 6 : 152-158 K. Kehrbach, Geschichte des Unterrichts- und Erziehung-swesens. 

Städtchen Blankenhain von einem Bürg-er thätlich beleidigt worden, ohne vom Bürger- 
meister die erbetene Genugthuung zu erhalten. Sofort zieht die gesamte Jenenser 
Studentenschaft, aller Parteistreitigkeiten vergessend, nach Blankenhain und zwingt 
sowohl den Bürger als das Stadtoberhaupt, auf öffentlichem Markte Abbitte zu leisten. — 
Akademien und akademische Gymnasien. Mit seiner Geschichte der 
Ritterakademie in Liegnitz hat sich Wendt^^') das Verdienst erworben, wieder 
einmal nachdrücklich darauf hingewiesen zu haben, das der schlesische Adel, dem 
die Anstalt zuerst zu gute kommt, keineswegs, wie das so oft hervorgehoben wird, 
der Begründer dieser Akademie ist. Vielmehr ist die Gründung auf einen früheren 
Landesherrn, einen der gebildetsten der Plasten, den Herzog Georg Rudolf, zurück- 
zuführen, der im J. 1646 das Johannesstift, eine mit der evangelischen Hofkirche 
verbundene höhere Schule, errichtete, „die zur Universität sich entwickeln könne". An 
eine Stiftung für den Adel war dabei nicht gedacht. Die Anstalt sollte für arm und 
reich ohne Schulgeld geöffnet sein. Nachdem Leopold von Oesterreich sich des Fürsten- 
tums Liegnitz bemächtigt hatte, wurden die Fonds eingezogen und die Johanniskirche 
später den Jesuiten zugewiesen, die dann 1708 zur Errichtung- einer paritätischen 
Ritterakademie schritten. Obwohl sie den Zuschnitt einer Universität hatte, hat sie 
so lange sie diesen Charakter trug, wissenschaftlich wenig geleistet. Körperliche und 
gesellige Bildung stand im Vordergrunde, äusserer Prunk und innere Hohlheit waren 
die hervorragendsten Merkmale dieser Pseudouniversität, besonders während der 
österreichischen Zeit. Reformatorisch griff erst der Minister Zedlitz ein, der zum Er- 
staunen der Professoren und zum Entsetzen der Schüler und Eltern Censuren, Klassen- 
bücher, ja sogar öffentliche Prüfungen — so etwas habe noch niemand von dem Adel 
verlangt, riefen die Professoren — einführte und bestrebt war, das Institut zu einer 
Vorbildungsanstalt für das Universitätsstudium umzugestalten. Wenn auch unter dem 
Minister Wöllner diese Reformen ins Stocken gerieten, so wurden sie doch später 
unter W. von Humboldt, nachdem die Anstalt nach der Katastrophe von Jena bis auf 
sieben Zöglinge, denen 1 1 Lehrer, ein Stiftsschreiber und 15 tJnterbediente gegen- 
überstanden, zurückgegangen war, wieder aufgenommen, der Plan von Zedlitz später 
auch verwirklicht und die Ritterakademie zu einem Gymnasium umgebildet. Die bei- 
gegebene Matrikel, die bis zum J. 1810 reicht, dürfte der Familiengeschichte des 
Adels, besonders des schlesischen, manche Nachforschung erleichtern. Eine kurze 
Geschichte der Entwicklung der von Maria Theresia gegründeten, von dem Jesuiten- 
orden eingerichteten und zunächst geleiteten Theresianischen . Akademie in Wien 
(vgl. JBL. 1892 I 10 : 47) hat Rak ^^2) dargeboten. Der erste Lehrplan der Grammatikal-, 
Humanitäts- und Philosophie-Klasse entsprach genau der ratio et institutio studiorum 
Aquavivas, nur dass die deutsche Sprache und ausserdem Geschichte und Arithmetik 
etwas mehr gepflegt werden mussten. R.s Darstellung lässt den Wunsch übrig, 
dass doch bald einmal eine eingehende Geschichte des Theresianums verfasst 
werden möchte. — Vom 16. Jh. bis zum 18. Jh. hatten sich an verschiedenen Orten 
höhere Unterrichtsanstalten gebildet, die als eine Zwischenstufe zwischen Universität 
und Lateinschule betrachtet werden müssen. Unter ihnen sei zuerst genannt das 
Pädagogium zu Stettin, zu dessen Geschichte Wehrmann i53 -i57) auch in 
diesem Jahre (vgl. JBL. 1891 I 6 : 171/2) mehrere Beiträge geliefert (vg-1. I 4 : 105/6). 
Aus dem ältesten Visitationsbericht von 1562, der bisher noch nicht bekannt war, 
auch von Hasselbach in seiner Geschichte des Pädagogiums nicht verwendet 
worden ist, macht er einige Mitteilungen. Aus dem Staatsarchive in Stettin ver- 
öffentlicht er das Gesuch eines Flandrischen Musikus um Anstellung als Musiklehrer 
am Pädagogium, aus dem J. 1547. Merkwürdig ist, dass dieses Gesuch eines Nieder- 
länders an einen pommerschen Herzog in oberdeutscher Sprache abgefasst ist. Die 
Bestallung des Matthaeus Wolff aus Stargard aus dem J. 1557 unterrichtet über die 
Verpflichtungen und die Besoldung eines Rektors am Stettiner Pädagogium; es 
folgen interessante Mitteilungen über die Feierlichkeiten bei der Einführung des 
Rektors Leuschner 1623. — Die Mitteilungen Wehrmanns werden ergänzt durch 
Lemckesissj Nachrichten über die Stettiner Ratsschule, die in den J. 1805—69 mit 
dem ehemaligen Pädagogium als „Königliches und städtisches Gymnasium" verbunden 
gewesen ist. Die mitgeteilten Dokumente, Verträge, Bullen, Schulordnung-en, Lektions- 
pläne, erstrecken sich auf den Zeitraum von 1277—1650. Einen ähnlichen Charakter 
wie das Pädagogium in Stettin trug das gymnasium illustre in Gera, das, acht- 
klassig-, ausser acht Lehrern und zwei Baccalaureen Professoren der Theologie, der 



Akad. zu Liegnitz. 1. T.: 1708-1840. Progr. Liegnitz (Ose. Heinze). 4". SOS. — 152) H. Rak, Grnndzüge d. Organisation d. 
k. k. Tlieresianisclien Akad. Progr. Wien. 61 S. — 153) M. Wehr mann, Z. Gesch. d. Pädagog. in Stettin: MBllGPommG. 7, 
8. 22/4. — 154) id., Bitte e. Musikus aus Flandern, am Stettiner Pädagog. Musik leliren zu dürfen (1547): ib. S. 75 7. 
— 155) id., Bestallung d. Mattliaeus Wolff z. Rektor d. Pädagog. in Stettin 1557: ib. S. 1014. — 156) id., Einführung e. 
neuen Rektors am Pädagog. in Stettin: MGESchG. 3, S. 62/4. — 157) X id., Mecklenburger auf d. Pädagog. in Stettin: 
JbbVMeckIG. 58, S. 59-72. — 158) H. Lemoke, Beitrr. z. Gesch. d. Stettiner Ratssch. in 5 Jhh. 1. T.: Urkunden. 1. Abt. 



K. Kehrbach, Geschichte des rinternchts- und Erziehungswesens. I 6:i59-i65 

Jurisprudenz und Medizin aufwies. Die bisher noch unbekannten, von Auerbach ^^9) 
jetzt veröffentlichten leo-es novae scholae etc. füllen nicht nur eine Lücke in Grummes 
Veröffentlichungen (Die ältesten Schulg-esetze usw. Progr. Gera, 1886) aus, sondern 
liefern auch schätzbares Material zu einer noch ausstehenden Geschichte des g-ymnasium 
academicum. — Auch das von Georg von Schönaich gegTÜndete Gymnasium zu 
Beuthen a. 0. gehört hierher. Die von Kolbe^^*^) edierte Stiftungsurkunde aus dem 
J. 1616 — ein Schriftstück von hoher Bedeutung für die Geschichte der Pädagogik, 
einzelner Fachwissenschaften und für die Gelehrtengeschichte — giebt dafür den deut- 
lichen Beleg. Die auf den Besuch dieser Anstalt vorbereitende Schule wird übrigens in 
Beuthen „Pädagogium" genannt. — Hier reiht sich passend Längs i^^) Arbeit über 
dasCollegium humanitatis in Schaff hausen an. 1648 (nicht 1685, wie bisher angenommen 
wurde) gegründet, hat es sich in den ersten Jahren rasch gehoben, dank der Thätig- 
keit der Rektoren Hofer und Hurter, Die grössten Verdienste aber um die Anstalt, 
bei der ziemlich plötzlich Niedergang und Aufschwung wechselten, haben sich Glieder 
der Familie Peyer erworben. Im Text und im Anhange sind urkundliche Materialien 
abgedruckt, die über Fonds, Lektionen, Prüfungen, gehaltene Reden usw. handeln. Beim 
Schluss der versprochenen Fortsetzung möge der Vf. nicht unterlassen, ein Inhalts- 
verzeichnis und womöglich ein ausführliches Namen- und Sachregister beizugeben. — 

Gymnasial- und Realanstalten. Bei der von Rethwischi^^) jni Auf- 
trage des preussischen Unterrichtsministeriums für die Ausstellung in Chicago ver- 
fassten allgemeinen Schrift über Deutschlands höheres Schulwesen im 19. Jh. liegt 
der Schwerpunkt in den Darstellungen des Lehrverfahrens in den einzelnen Fächern 
und in den amtlichen statistischen Nachweisen. Was den übrigen historischen Teil 
anbelangt, so überragen die auf die geschichtliche Entwicklung des höheren Schul- 
wesens in Preussen bezüglichen Partien die anderen Teile des Werkes. Nicht recht 
gelungen ist — wahrscheinlich wegen der Kürze der für die Ausarbeitung des Buches 
zur Verfügung gestellten Zeit — R, der erste Teil: „Das Erbe der Vergangenheit". 
Hier fehlt die rechte Oekonomie, und es wären auch im einzelnen mancherlei Aus- 
stellungen zu machen. So hat man unter Pädagogium keineswegs nur das verstanden, 
was A. H. Francke mit seinem Pädagogium beabsichtigte (s. o. N. 160). Auch für die 
Behauptung, dass die Gymnasien zu Weimar und Schulpforta auf den weiteren Ent- 
wicklungsgang der deutschen Gymnasien im 19. Jh. einen bestimmenden Einfluss 
ausgeübt haben, dürfte R. nach meiner Meinung schwerlich genügende Belege herbei- 
bringen können. — 

Die Beilage des diesjährigen Programms eines badischen Gymnasiums, der 
altberühmten Schule zu Heidelberg, bringt ausser zwei Schulreden (von denen die B r a n d t s 
[S. 13/6] zur Erinnerung an seinen Freund, den verstorbenen K. Hartfelder, das 
grössere Interesse beanspruchen darf) ein von P f a f f '^^j hergestelltes Verzeichnis 
der Abiturienten des Heidelberger Gymnasiums aus den letzten fünfzig Jahren. — 

Ein Beitrag zur Geschichte des reichsstädtischen Schulwesens wird durch 
die Veröffentlichung ^6^) eines Ratsprotokolls der ehemaligen Reichsstadt Kempten in 
Bayern aus dem J. 1637, das Vorschriften für die Praeceptores und den Organisten 
enthält, dargeboten. Unter den Unterrichtsfächern überwiegt, wie das so vielfach da- 
mals der Fall war, der Gesangsunterricht. Eigentümlich ist die Vorschrift, dass der 
Organist im Choralgesange während des Gottesdienstes mit der Orgel nur dann ein- 
greifen soll, wenn er eine Dissonanz merkt, die Psalmen aber „soll er fein deutlich, 
verständlich, ohne Fugen und Coloraturen, so allein bei conviviis und collationibus 
und nicht in der Kirche erlaubt und gebräuchlich sind, schlagen". Zugleich hat der 
Organist übrigens die Verpflichtung, die Schüler im Deutsch-Schreiben und in „Rech- 
nungen" fleissig zu unterrichten, ein Beleg dafür, dass städtische Schreib- und Rechen- 
meister damals in Kempten nicht waren. — Keiper^^^) liefert den zweiten Teil seiner 
Beiträge zur Geschichte des gelehrten Schulwesens im Herzogtum Zweibrücken, indem 
er den Schluss der von Johannes Marbach und Genossen im Auftrage des Pfalzgrafen 
Wolfgang 1558 verfassten „Bedenken von den Schulen usw.". (vgl. JBL. 1892110:268) 
mit erläuternden Anmerkungen abdruckt. — 

Eine befriedigende Geschichte des deutschen Realschulwesens existiert noch 
nicht; sie kann auch nicht existieren, weil Charakteristiken und Darstellungen der Ent- 
wicklung der verschiedenartigen Typen jener Anstalten, die unter dem Namen Real- 



bis z. J. 1650. Progr. Stettin (Herrcke & Lebelinsr). 4». 24 S. — 159) A. Auerbach, Schulgesetze Tom J. 1619 für d. 
Gymn. in Gera-Renss: MGESchG. 3, S. 44-54 — 160) K. Kolbe, Stiftnngsurk. d. Schule u. d. Gyran. zu Beuthen a. 0. aus d. 
J. 1616: ib. S. 209-68. — 161) Kob. Lang, D. Collegium humanitatis in Schaffhausen. E. Beitr. z. Schulgesch. 1. T.: 
1648-1727. Progr. Schaffhausen (H. MeierK XVIII, 78 S. — 162) C. ßethwisch, Deutschlands höheres Schulwesen im 
19. Jh. Gesch. Ueberbliclc im Auftr. d. Kgl. Preuss Ministeriums d. geistl., Unterr- n. Medizinal-Angelegenheiten. Mit amtl. 
Nachweisungen über d. Besuch d. höh. Lehranst. d. dtsch. Reiches. B., R. Gaertner. VIII, 206, 53 S. M. 4,00. |fCl. Nohl: 
BPhWS. 13, S. 1553; LCBl. S. 1621; JBHSW 13, S..376.1| - 163) K. Pf äff. Zur Gesch. des Heidelberger Gymn. Verzeichnis 
d. Abiturienten ans den J. 1844-93 mit biogr. u. bibliogr. Bemerkungen. Progr. Heidelberg (Emmerling & Sohn). 4». 42 8. 
— 164) A. Hr., Reichsstädtisches Schulwesen: AllgäuerGFr. 6, S. 119-20 — 165) Ph. Keiper, Neue urknndl. Beitrr. i. Gesch. 
Jahreaberichte für neuere deutsche Litteratargesohiohte. IV. 13 



I 6 : 166-170 K. Kehrbach, Geschichte des Unterrichts- und Erziehung-swesens. 

schulen bestanden haben, noch nicht in hinreichender Zahl vorhanden sind. Es sind- 
daher Beiträg-e, die, wie einzelne der folo-enden, diese Lücke ausfüllen können, er- 
wünscht. Simons'^^) Arbeit, die uns nach der Mark Brandenburg- führt, 
giebt mehr als sie nach dem Titel vermuten lässt. Neben dem Verzeichnis 
der Schüler, die in der Zeit von 1814—92 das Berechtigung-szeugnis zum Ein- 
jährig-Freiwilligen-Dienst erhalten haben, giebt sie Nachrichten über die ge- 
schichtliche Entwicklung der Königlichen Realschule in Berlin nach dem J. 1814. 
Dieses Jahr bedeutet in der Geschichte der Anstalt einen wichtigen Abschnitt; denn 
in dem neuen Lehrplan, der in der Geschichte des Unterrichts als erster an- 
gesehen werden muss, worin das Gesamtziel einer höheren Bürgerschule festgestellt 
wird, wurde durch genaue Vorschriften die Verwirrung und Planlosigkeit der vor- 
hergehenden Jahre beseitigt. In der deutschen Sprache und Litteratur wird von den 
Schülern die Lektüre und Erklärung des Kinderfreundes von Wilmsen, der „Deutschen 
prosaischen Musterschriften" (Berlin 1810) und des „Bardenhains" von Heinsius ver- 
langt. Schriftliche Ausarbeitungen, besonders Briefe, sowie grammatische Unter- 
weisungen nach Hartungs deutscher Sprachlehre gehen nebenher. — Als ein Beitrag zur 
Geschichte des Berliner Gymnasial wesens kann Geigers ^^'^) kleiner Aufsatz auf- 
gefasst werden. Das kurmärkische Oberkonsistorium hatte sich bei Friedrich Wilhelm IIL 
über mangelhafte Pflege der Religiosität in den Berliner Gymnasien beschwert. Die 
infolgedessen von dem Minister von Massow erlassene Verfügung-, die die Klage des 
Konsistoriums als zu recht bestehend annimmt vmd den Gymnasien allerlei Vorschriften 
macht, und die in sehr würdevollem Tone wahrscheinlich von Spalding verfasste Ant- 
wort des Lehrerkollegiums vom grauen Kloster wird wörtlich abgedruckt. — Tschirch'*^) 
liefert weitere Beiträge zur Geschichte des Saldernschen Lyceums, jetzigen Real- 
gymnasiums zu Brandenburg a. H. Er ediert, leider wegen Platzmangels ohne An- 
merkungen, das Eröffnungsprogramm und die Schulgesetze von 1591, sodann die 
deutsche Schulordnung von 1594, die leges scholasticae und leges praeceptorum von 
1706. — Durch S ch w ar t z*^") werden uns Verhältnisse ganz eigenartigen Charakters 
im Schulleben von Königsberg i. N. vorgeführt. Erwähnt wird die Schule zuerst 
133.3. Bis zur Reformation hin sind aber, wie bei vielen anderen Schulen, die Nach- 
richten ganz dürftige. Unter den Rektoren hebt Seh. besonders Eisner hervor, der, 
1696 auf Befehl des Kvirfürsten cremen den "Willen des Rates eingesetzt, in immer- 
währendem Streite mit diesem und seinen Kollegen lag und nur mit seinen Schülern 
auf gutem Fusse stand. Ganz im Gegensatz zu seinen zeitgenössischen Kollegen, die 
in tiefster Demut vor ihren „grossgünstigen Patronen, den Ratsherren, erstarren", er- 
klärte Eisner dem Rate von Königsberg, dass sie „in einem irrigen Wahne ersoffen 
wären, wenn siemeineten, sie wären domini und nicht bloss administratores", und er 
stimmte, wie man sieht, hierin ganz mit den Tendenzen der preussischen Krone über- 
ein. Die Verwirrung war schliesslich so gross, dass sich alles verklagte, „der Rat 
den Rektor, der Rektor den Rat, die Lehrer den Rektor, der Rektor die Lehrer, die 
Lehrer die Schüler, die Schüler den Rat". Gegenüber den Uebergriffen, die sich der Rat 
zu Schulden kommen Hess, war eine Persönlichkeit wie die Eisners ganz am Platze. 
Was den Unterricht anbelangt, so tiitt nach Sch.s Darstellung das Deutsche erst in 
den 70er Jahren des vorigen Jh. unter Bertuchs Rektorate auf, mit wöchentlich 
IV2 Stunden für den deutschen Aufsatz im oberen Auditorium (Prima und Sekunda). 
In dem mitgeteilten Plane von 1798 ist aber bereits eine Vermehrung eingetreten: Prima 
und Sekunda (das obere Auditorium), Tertia und Quarta (das zweite Auditorium) 
haben je zwei Stunden deutsch, Quinta und Sexta (das dritte Auditorium) je eine 
Stunde. Welcher Art dieser Unterricht war, ist leider nicht mitgeteilt. In der grossen 
Zeit der Freiheitskriege trat eine Anzahl von Schülern im Alter von 16—19 Jahren 
direkt von der Schule ins Heer ein. Die Namen dieser Tapferen hat Seh. in dankens- 
werter Weise aufgeführt und damit gesühnt, was nach Beendigung der Freiheitskriege 
von der Bürgerschaft Königsbergs gesündigt worden war. Als nämlich der damalige 
Rektor Thiel diesen Schülern eine Gedächtnistafel errichten wollte und sich deshalb 
„an die dankbaren Verehrer der grossen Dinge, welche sie gesehen haben," mit der 
Bitte um Beiträge wandte, wurde ihm von nur einem einzigen dankbaren Verehrer 
ein Thaler übersandt — und die Errichtung der Tafel unterblieb. — Tschiersc h^"'*^), 
der bereits früher einen guten Beitrag zur Geschichte des Unterrichtswesens (Geschichte 
des Luckauer Schulwesens bis zum Neubau des Schulhauses 1726. Programm des 
Gymn. Luckau 1880) veröffentlichte, hat, veranlasst durch das 25jährige Bestehen des 



d. gelehrten Schulwesens im früheren Herzogt. Zweihrflcken, insbes. d. Zweihrücker Gymn. T. IL Progr. Zweibrücken (Ang. 
Lehmann). 24 S. M. 0,40. — 166) 0. Simon, D. Kgl. Realsch. (zu Berlin) u. d. Militärzeugnisse. Progr. B. (A. W. Hayns Erben). 
4». 24 S. — 167) L. Geiger, Eeligionsuntersnchungen in Berliner Schulen fl803l: VossZg«. N. 35. — 168) 0. Tschirch, 
ürklt. z. alt. Gesch. d. Saldernschen Schule (Realgymn. z. Brandenburg a. H.). Progr. Brandenburg a. H. (J. Wiesike). 4*. 27 8. 
— 169) Paul Schwartz, D. Schulwesen d. Stadt Königsberg i. N., v. d. ältesten Zeit bis z. Stiftung d. Gymn. 1817. Progr. 
Königsberg i. N. (J. G. Striese). 48 S. — 170) 0. Tsohiersch, Z. Gesch. d. Küstriner Gymn. Progr. Küstrin (F. König). 



K. Kehrbach, Geschichte des Unterrichts- und Erziehung-swesens. I 6 : ni-ivs 

Gymnasiums zu Küstrin, einen Rückblick auf die Entwicklung- dieser Anstalt ge- 
worfen. Ausser der Vorgeschichte — der Vorläufer des Gymnasiums war die Rats- 
und Friedrichsschule, eine Realanstalt — giebt er noch Verzeichnisse der Lehrer und 
der Abiturienten. — Eine Arbeit, die von ungemeinem Fleisse zeugt und weitgehenden 
Anforderungen der pädagogischen Historie genügt, haben der Direktor und einzelne 
Lehrer^''*) des Gymnasiums zu Prenzlau in der Geschichte dieser Anstalt, die als 
„Festschrift der Feier ihres BoOjährigen Bestehens" erschienen ist, niedergelegt. Ob- 
wohl die Anstalt, im Gegensatz zu vielen Schwesteranstalten in der Entwicklung 
eine gewisse Stetigkeit zeigt, da sie immer evangelisch gewesen ist, vorwiegend 
humanistische Tendenzen verfolgte, stets unter städtischem Patronat gestanden hat, so 
hat sie doch „den Wechsel der Kulturströmungen an sich empfunden, den Wandel der 
Erziehungs- und Unterrichtsmaximen mit durchlebt und treu abgespiegelt". Unter 
ihren Schülern heben wir Rollenhag-en, den Dichter des Froschmeuseler, und den durch 
Goethe weiteren Kreisen bekannt gewordenen Maler Philipp Hackert hervor. Der 
Stoff ist so verteilt, das der Direkter R. Amol dt den ältesten Zeitraum von 1543 
bis 1704, L. H ö r i c h die Zeit von 1704—57, B. R a e tt i g die Periode von 1757—95 be- 
arbeitet haben. Mit dem J. 1795 setzt F. Wolfgramms Darstellung- ein, die er 
bis 1822 führt; W. Schaeffer behandelt sodann die neueste Zeit. Die deutsche 
Sprache tritt als besonderer Unterrichtsgegenstand unter dem Rektor Venzky, einem 
Anhänger der Realschulbewegung, 1751 zum ersten Male auf. In der obersten 
Klasse wird Unterricht erteilt in der Geschichte der deutschen Sprache, Etymo- 
logie und Synonymik; die Schüler müssen sich im Dichten üben. Unter den 
Hülfsmitteln werden Freyers Orthographie, Bödikers deutsche Grammatik und Arnolds 
Anweisung- zur deutschen Dichtkunst angeführt. Auch unter dem Direktor Grasshof 
nimmt das Deutsche eine geachtete Stellung ein. In dem Programme von 1812, also 
der Zeit des politischen Verfalls der deutschen Nation, spricht Grasshof Worte über 
die deutsche Sprache und den deutschen Unterricht, die auf den Gymnasien damaliger 
Zeit nur ganz selten vernommen worden sind. „Die deutsche Sprache — dieser teure 
Ueberrest deutscher Selbständigkeit, dieses köstliche Eigentum der Nation, welches 
keine äussere Gewalt ihr rauben, welches nur eigene innere Schlaffheit herabwürdigen 
und verdunkeln kann ! Sie ist das Band der Nation, die Grundfeste der Nationalität. 
Ihr sei das höchste Streben der Schule gewidmet! ... Es nimmt darum die Kenntnis 
der deutschen Sprache, die Vertrautheit mit ihren klassischen Schriftstellern bei uns. 
den höchsten Platz ein." In den oberen Klassen wurden deutsche Schriftsteller im 
Original gelesen und Deklamationsübungen angestellt; als Hülfsmittel treten die Gram- 
matik von Heynatz und das Lesebuch von Wilmsen auf, später an die Stelle von 
Heynatz Grammatik die von Heinsius, in Prima wird Reinbecks philosophische Sprach- 
lehre, und in Sekunda und Prima Eschenburgs Theorie der schönen Künste traktiert. 
Den Wert ihrer vielseitigen Forschungen würden die Vf. wesentlich erhöht haben, 
wenn sie dem Ganzen ein ausführliches Namen- und Sachregister beigeg-eben hätten, 
das die Fülle des Gebotenen in durchsichtigerer, gleichsam krystallisierter Form dar- 
gereicht haben würde; auch die Kolumnentitel durften nicht wegbleiben. — 

Veranlasst durch die Jubelfeier des 25 jährigen Bestehens des Königl. Real- 
gymnasiums zu Osnabrück in Hannover, hat 0. Fischer^'^) eine kurze Geschichte 
der Schule veröffentlicht. Unter dem damaligen Bürgermeister, jetzigen Finanz- 
minister Miquel, hatten die städtischen Kollegien im J. 1865 den Plan gefasst, „das 
gesamte Schulwesen der Stadt einer gründlichen Umänderung zu unterziehen". 
Durch den Krieg von 1866 wurden die Reformpläne nicht aufgehoben, sondern bis 
1867 aufgeschoben. An Stelle der ursprünglich geplanten „höheren Bürgerschule" nach 
dem Muster der Tellkampfschen in Hannover wurde die städtische Realschule nach 
preussischem Muster gegründet. Aus dieser wurde bereits 1869 eine Realschule 
erster Ordnung und 1882 ein Realgymnasium. — 

In einer Uebersicht hat Knabe^''^-^'^) mit grossen Strichen die Realschul- 
entwicklung in dem Territorium, das seit 1866 die Provinz Hessen-Nassau bildet, ge- 
zeichnet. Eingehender behandelt er die Geschichte und Vorgeschichte der jetzigen 
Oberrealschule in Kassel. Die Anfänge dieser Schule fallen in das J. 1812, in die 
Zeit des Königsreichs Westfalen; sie ist also älter, als die Realschule in Hanau, die 
bisher für die älteste in Hessen ausgegeben wurde. Ihr Vorbild ist die 1808 auf An- 
regung von Joh. von Müller, dem Generaldirektor der Studien unter Jerome, er- 



4». 19 S. — 171) Gesch. d. Gyitin. zu Prenzlau v. 1543-1893. Festschrift z. Feier d. 350j. Bestehens d. Anst. Prenzlau, 
A. Vincent. XIV, 308 S. Mit 1 Abbild. M. 4,50. — 172) 0. Fischer, Z. Gesch. d. Kgl, Realgymn. während d. 25 J. seines 
Bestehens. Progr. Osnabrück (A. Lieseclse). 4". 13 S. — 173) K. A. F. Knabe, Uebersicht über d. Entwiclclung d. Real- 
schulwesens in d. Prov. Hessen-Nassau. Kassel, G. Klannig. 16 S. M. 0,50. (Sonderabdr. aus ZLlHSch. Sept.) — 174) id., 
Vorgesch. u. Entwicklung d. Oberrealsch. z. Kassel (1812-93). Festschr. z. Gedenkfeier d. 50j. Bestehens d. Anst. Kassel 
(L. Doli). VIII, 175 S. (D. ersten 3 Abschnitte sind erschienen unter d. Titel: „D. älteste selbständige Eealsch. in d. Prov. 
Hessen-Nassau" in ZVHessG. 18, S. 1-112.) — 175) id., Entwicklung d. Oberrealsch. (in d. Hedwigstr.) zu Kassel (1848-93). 

13* 



I 6:176-178 K. Kehrbach, Geschichte des Unterrichts- und Erziehung-swesens. 

richtete Realschule in Halle, nur dass sie in Kassel nicht Realschule, sondern Bürg-er- 
schule g-enannt wurde, um die Verwechslung von royal und real zu vermeiden. Sie 
sollte parallel dem für die akademischen Studien vorbereitenden Lyceum gehen und 
für die sogenannten praktischen, ausserhalb der llniversitätsstudien liegenden Berufe 
vorbereiten. Der Organismus der neuen Anstalt bestand zunächst in einer aus zwei 
Stufenklassen bestehenden Elementarschule, sodann aus zwei eigentlichen Realklassen. 
Ebenso bestand das Lyceum aus einer zweiklassigen Elementarschule und aus drei 
Stufenklassen des eigentlichen Gymnasialkursus. Beiden Anstalten lag ein gemein- 
samer Unterbau zu Grunde: die Vorbereitung-sklasse. Ausser den Fächern der Volks- 
schule wurden an der Bürgerschule in den zwei unteren Klassen Französisch, 
Geometrie, Arithmetik, Geschichte und Geographie, Naturgeschichte, Zeichnen gelehrt, 
wozu in den Oberklassen, den eigentlichen Realklassen, noch angewandte Mathematik 
und Gewerbekimde und eine Stunde zur Erklärung der Fremdwörter trat. In dieser 
Stunde sollte auch zugleich auf die Entbehrlichkeit vieler Fremdwörter hingewiesen 
werden. Die mannigfachen Abänderungen des Planes lässt K. deutlich hervor- 
treten durch die Mitteilung von Stundenplänen aus den verschiedenen Epochen. Die 
Schule war bestimmt für alle Berufe ausserhalb des Universitätsstudiums: für Chirurgen, 
Forstleute, für Post- und Polizeibeamte, für Baumeister usw. In den Abendstunden waren 
noch besondere Fachkurse eingerichtet: Chemie für Fabrikanten, Forstwissenschaft für 
Forstleute usw. Diese alte Schule erlosch im Febr. 1843. An ihre Stelle trat ein neuer 
Organismus unter dem Namen „Real- und Bürgerschule", die bis 1869 bestand. Von 
da ab bis 1879 wurde sie ,,die höhere Bürgerschule", von 1879—92 Realschule zweiter 
Ordnung und endlich 1892 Oberrealschule. Die K.sche Arbeit giebt ein vorzügliches 
Bild der Entwicklung dieses eigenartigen Schulorganismus. Von dem Lehrbetrieb» ab- 
gesehen, unterrichtet der Vf. den Leser auch über die ökonomischen Verhältnisse und 
giebt namentlich über Lehrer der älteren Schule, besonders über den ungemein viel- 
seitigen Karl Chph. Schmieder, dessen litterarische Produktion sich auf Chemie, 
technische Physik , Pädagogik , Mineralogie erstreckte, und der ausserdem eine 
deutsche Sprachlehre verfasste und über Frau Holle geschrieben hat, ausführliche 
biographische Nachrichten. — Eine wertvolle Ergänzung zu Knabes Arbeit liefert 
Acker mann 1'^), der durch seine Bibliotheca paedagogica Hassiaca ri886) der Forschung 
auf dem Gebiete des hessischen Unterrichtswesens grosse Dienste geleistet hat. In 
alphabetischer Reihenfolge giebt er Lebensskizzen sämtlicher Lehrer, die seit der 
Neugründung der Kasseler Realschule (1842) dort gelehrt haben; ausserdem bietet er 
Verzeichnisse der seit jener Zeit veröffentlichten Progi^amm- Abhandlungen und der 
bei den Schulfeiern gehaltenen Reden. Es folgen statistische Uebersichten über die 
Frequenz, Schulgeld, Verzeichnisse der Abiturienten und der Schüler, die die Be- 
rechtigung zuni Einjährig-Freiwilligen-Dienst erworben haben. Unter den Lehrern 
befinden sich: Heppe, der bekannte Vf. der Geschichte des deutschen Volksschulwesens, 
des gelehrten Schulwesens im Mittelalter und des Werkes über Phil. Melanchthon 
Graefe (1802—68), früher Schuldirektor und Professor der Pädagogik in Jena, der' 
nachdem er von Hassenpflug gemassregelt worden war, in der Schweiz, sodann in' 
Bremen eine umfangreiche praktische und litterarische Thätigkeit entfaltet hat. Hier 
kann nur sein deutsches Lesebuch erwähnt und auf seine Erzählungen für die Jugend 
hingedeutet werden. Unter den Programmen sei auf Graefes Geschichte der Real- 
schule während der zwei ersten Jahre ihres Bestehens (1845), auf Höltings zwei 
Arbeiten über Joh. Balth. Schupp, auf Häusers Arbeit: „Warum ist Schiller populärer 
als Goethe?" hingewiesen. Von den Schulreden beschäftigen sich mit Thematen, die 
in den Bereich der JBL. fallen, besonders folgende: Janson:. Schiller der Liebling 
der Nation und namentlich der deutschen Jugend (Schillerfeier 1859); Rose: Ueber 
Melanchthon (1860); H. Stern: Leben und Wirken der Brüder Grimm (1873); Walter: 
Ueber Em. Geibel (1886); Zimmermami: Ueber Theod. Körner (1887 und 91); Bächt: Ueber 
E. M. Arndt (1891). — Pontani *'''') vervollständigt sein aus Veranlassung der Jubel- 
feier des 50 jährigen Bestehens der Friedrich-Wilhelm-Schule in Eschwege verfasstes 
Schülerverzeichnis, indem er jetzt das Material statistisch verarbeitet. — 

Für Pommern giebt Beyer i'^) (vgl. JBL. 1890 I 6:85) als eine Frucht 
mühevoller Nachforschungen Nachrichten über die ältesten Schüler und Gönner des 
Neustettiner Gymnasiums, einer Anstalt, die, 1640 gegründet, in dem Gebiete zwischen 
Stettin und Stargard einerseits und Thorn und Danzig andererseits lange Zeit hin- 
durch die einzige höhere Bildungsanstalt war. Da das vorhandene Schüleralbum 
erst mit dem J. 1714 einsetzt, so hat B., der zunächst seine Arbeit von 1640 bis zu 
diesem Jahre führt, vor allem die Hallenser, Frankfurter und Wittenberger Uni- 
versitäts-Matrikeln und die Schülerverzeichnisse von Thorn, Stettin und Danzig durch- 

Kassel, G. Klaunig. UI, 63 S. M. 0,60. — 176) Karl Ackermann, Statist. Racksohan anf 100 Semester d. Realsch. in d. 
Hedwigstr. zn Kassel. Progr. Kassel (L. Doli). 4". 58 S. — 177) B. Pontani, Vergleichende Znsamtnenstellnngen über d. 
Schüler &. ersten 60 Jahre. Progr. d. Friedrich-Wilhelmsch. Eschwege. 4°. 19 S — 178) Th. Beyer, D. Ältesten Schüler 



K. Kehrbach, Geschichte des Unterrichts- und Erziehungswesens. 1 6 : 179-I84 

forscht, um die grosse Lücke auszufüllen. Dieser Arbeit, die fortgesetzt werden soll, 
hat B. ein Verzeichnis der in der Frankfurter Matrikel und in dem Thorner und 
Stettiner Schüleralbum aufgeführten Neustettiner vorausgehen lassen. — 

Von den Darstellungen zur Geschichte des höheren Schulwesens der Rhein- 
lande sind die folgenden anzuführen. Buschmann' '9) kommt in der Fortsetzung 
seiner Geschichte des Bonner Gymnasiums (vgl. JBL. 1891 I 6 : 184) zu einem in 
schulgeschichtlicher Hinsicht ganz wunderlichen Abschnitt, zur Periode der Fremd- 
herrschaft, einem Zeiträume, während dessen eine vollständige Umwälzung in der Unter- 
richtsorganisation vor sich ging. Alle Elementarschulen, Gymnasien, die Uni- 
versitäten Köln, Bomi, Trier und Mainz wurden von der französischen Regierung auf- 
gehoben und dafür Primär-, Central- und Specialschulen errichtet nach dem Plane 
der französischen Republik von 1795. Wie aber auch diese Einrichtung von keinem 
Bestände war, wie später Sekundärschulen, Lyceen und Specialschulen an die Stelle 
der früheren Organisationen traten, wie die Sekundärschule 1806 einging, an ihre 
Stelle das pensionat provisoire und das Lyceum trat, das alles schildert B. eingehend 
und mit urkundlichem Materiale belegt. In allen diesen Veränderungen ist nur eins 
bleibend: die Missachtung deutscher Sprache und deutscher Litteratur. — Eine ein- 
gehende Geschichte des Progymnasiums in Linz a. Rh., deren Wert durch eine An- 
zahl von Beilagen noch erhöht wird, hat Bailas '8") verfasst; er hat sich aber nicht 
genügen lassen, nur die Entwicklung des Progymnasiums von 1815—71 darzustellen, 
sondern er erweitert seine Arbeit nach rückwärts, indem er den Vorläufer der An- 
stalt, das Studium (Gymnasium) Martinianum von 1706—1815, ebenfalls unter Zu- 
g-abe von Beilagen, schildert. Hier sei besonders auf die zweite Beilage des ersten 
Teiles, die „Herbstschauspiele, Actiones" hingewiesen, die für die Geschichte der 
Schulkomödie und der Musik nicht unwichtig ist. Charakteristisch ist, dass die 
Zwischenspiele ausser Musik und Gesang häutig auch von den Schülern aufgeführte 
Ballets brachten. — Roth'**'j hat über die Lateinschulen von vier Städten des Rhein- 
gaues aus städtischen Archiven eine Anzahl von Notizen gesammelt, die sich in der 
Hauptsache auf die verschiedenen Formen des Lehrer-Einkommens im 16. und 17. Jh. 
erstrecken. '^^J — 

Heubaum i*3j spricht über die Semlersche Realschule, den Urtypus der Real- 
anstalten, und bietet damit auch einen Beitrag zur Schulgeschichte der Provinz 
Sachsen. Merkwürdiger Weise ist hier Raumers Darstellung bis in unsere Zeit die 
massgebende geblieben. Auf Grund von gedruckten Quellen (hs. wurden von ihm 
nicht aufgefunden) giebt nun H. eine kurze übersichtliche Darstellung von Semlers 
ursprünglichen Absichten und ihrer Erweiterung und untersucht die Frage nach der 
Abhängigkeit Semlers von Francke, die in neuerer Zeit, nachdem Raumer geneigt 
war, Francke als den intellektuellen Urheber der Realschule hinzustellen, von Richter 
einfach bejaht worden war. Semlers ursprünglicher Plan, den er 1708 verwirklichte, 
ging darauf hin, Knaben, die Handwerker werden wollten, für ihr Handwerk besser 
vorzubereiten, als es bisher in den Schulen durch Lesen, Schreiben und Rechnen ge- 
sehen konnte. Er nannte die Schule Handwerks- und Realschule. Dieselbe hatte nur 
zwei Jahre Bestand, aber 1738 trat Semler mit einem erweiterten Plane von neuem 
hervor. — Die Abhängigkeit von B^rancke hat nicht existiert. Wenn Richter den 
Beleg für seine Behauptung in Franckes „Entwurf der gesamten Anstalten" zu finden 
glaubt, so hebt H. mit hinlänglichen Gründen hervor, dass Franckes in Wirklichkeit 
nicht einmal ausgeführter Plan mit Semlers Absichten sich nicht deckt. Ganz treffend 
sagt H., dass, wemi eine Abhängigkeit von Francke hätte angenommen werden kömien, 
Hecker, der Begründer der Berliner Realschule, sich sicher lieber auf Francke als die 
grössere Autorität, als auf Semler berufen haben würde. — Zur Feier des 350 jährigen 
Bestehens der berühmten Landesschule Pforta, die einen Klopstock, einen Fichte, 
einen Leopold von Ranke zu ihren Alumnen zählte, ist eine Anzahl von Schriften und 
Aufsätzen erschienen. Alle diese Arbeiten werden überragt durch Max Hoff- 
mann s*^*)- mit grossem Fleisse zusammengestellte Ausgabe der Piörtner Matrikel vom 
J. 1543 — 1893. Dem Herausgeber war von amtlicher Seite der Auftrag geworden, 
zur Jubelfeier eine Ergänzung und Fortsetzung des von Bittcher bei der dritten 
Säkularfeier (1843) herausgegebenen „Plörtner-Alburas", eines Verzeichnisses sämt- 
licher Lehrer und Schüler, zu liefern. Schon bei Beginn der Arbeit war dem Vf. klar 
geworden, dass eine blosse Ergänzung des Bittcherschen Werkes wegen seiner vielen Un- 
genauigkeiten sich als ganz unzweckmässig erweisen würde. Er hat darum „das Ganze von 

n. Gönner d. Nenstettiner Gymn. T. I. Progr. Neustettin (F. A. Eckstein). 4». 30 S. |[MBllGPomniG. N. 9.J| — 179) J. 
Buschmann, Z. Gesch. d. Bonner Gyran. U. T. Progr. Bonn. 4". 40 S. — 180) G. Ballas, Gesch. d. Studium (Gymnasium) 
Martinianum u. d, Kgl. Progymn. zu Linz a. Eh. Trier, Paulinus-Dr. IV, 80 S. M. 1,20. — 181) F. W. E. Roth, Ordnungen 
u. Notizen z. Schnlgesch. d. Eheingaues (1520-1697), I. Eltville. II. Erbach. III. Hattenheim. IV. Geisenheim: MGESchG. 3, 
S. 96-104. — 182) X X J- Kühl, Gesch. d. Stadt Jülich, insbes. d. früheren Gymn. z. Jülich. II. T.: 1660 (1664)-1724. Mit 
1 Taf. Jülich, J. Fischer. VI, 322 S. M. 4,00. (Vgl. JBL. 1891 I 6 : 195; d. hier verzeichnete Werk bildet d. I. T.) - 
183) A. Heubaum, Chrph. Semlers Eealschule u. seine Beziehung zu A. H. Francke: NJbbPh. 39, 8. 65-77. — 184) Max 



I 6 : 185-203 K. Kehrbach, Geschichte des Unterrichts- und Erziehungswesens. 

Grund aus aufgebaut", und im Hinblick auf die ungemein kurze Zeit, die ihm hier- 
für zur Verfügung gestellt war, hat er Vorzügliches geleistet. Für die Schule, die 
Gelehrten- und Familien-Geschichte würde freilich ein erheblich besseres Resultat 
herausgekommen sein, wenn die Zeit dem Vf. eingehendere Nachforschungen und Um- 
fragen gestattet hätte. Für den langen Zeitraum von 1634 — 1784, für den die alte 
Matrikel nicht mehr vorhanden war, hat H. die Aufzeichnungen des Mathematikus 
Hübsch, sodann teilweise das Bittchersche Album und die seit dem J. 1682 vor- 
handenen Exerzitienbücher, Sammlungen von Aufsätzen, die die Schüler vor ihrer 
Aufnahme abfassten, und die für die schulgeschichtliche Forschung ein noch nicht 
gehobener Schatz sind, zur Feststellung der Namen der damaligen Schüler, ihrer 
Herkunft und der Zeit ihres Eintrittes benutzt. — In einem kurzen Aufsatze giebt 
Euler^^^), ein ehemaliger Alumnus, Mitteilungen über Körperpflege, Leibesübungen, 
den Turnunterricht usw\ aus der Geschichte Pfortas. Nicht ohne Widerstand sind 
Jahns turnerische Bestrebungen in Pforta aufgenonunen worden. Der damalige Rektor, 
der berühmte Philologe Ilgen, scheint wenig erbaut gewesen zu sein, als ihm, nach- 
dem Pforta preussisch geworden war, aus Berlin ein Springpferd für die Schule ge- 
schenkt wurde und scheint dem mit ihm befreundeten Leipziger Philologen Gottfr. 
Hermann sein Leid darüber geklagt zu haben; denn dieser antwortete ihm im Mai 
1817: „Mir an Ihrer Stelle hätte man mit der Turnmähre und dergleichen Dingen nicht 
kommen dürfen; ich hätte mich in Person nach Berlin gemacht und demonstriert, dass 
der Rektor einer litterarischen Schule nicht auch Stallmeister eines hölzernen Pferdes 
sein köimte. Eigentlich jedoch freue ich mich über alle Turnanstalten, als über An- 
stalten, worin die Regierung das Volk lernen lässt, wie es sie einmal methodisch 
wichsen soll. Doch genug von diesen unerfreulichen Dingen." '**^~*-'^) — In die Schul- 
geschichte Pfortas gehört auch Hoches'^') Biographie Steinharts (1801 — 72), eines 
bedeutenden I^ehrers der Anstalt, der unter dem Namen „Kanonikus L. von Selbiger" 
eine Reihe Romane herausgab, ferner eine von Klenz^^^) entworfene Skizze des 
Lebens Stürenburgs (1811—56), eines Schülers der Anstalt. — 

Nach dem Königreich Sachsen führt uns Gehm lieh' '•*^), der schon mehr- 
fach Forschungen zur Schulgeschichte Sachsens veröffentlicht hat. Seine Charakteri- 
sierung der städtischen Lateinschulen im sächsischen Erzgebirge im 16. Jh. ist eine 
Ausbeute aus dem reichen Aktenmaterial des Dresdener Staatsarchivs, einer, wie es 
scheint, kaum zu erschöpfenden Fundgrube für Schulgeschichte. — Dasselbe Thema 
behandelt Gehmlich^oü) auszugsweise in seinen ,, Beiträgen" unter dem allgemeineren, 
aber nicht zutreffenden Titel: „Beiträge zur Geschichte des Unterrichts ... in den 
städtischen Lateinschulen des 16. Jh.", obwohl von aussersächsischen Städten in dem 
Buche gar nicht die Rede ist. — Heydenreich-**') liefert wiederum (vgl. JBL. 1891 
I 6:209—10) einen Beitrag zur Geschichte des sächsischen Gymnasialwesens, indem 
er nach einem alten Sammelbande der Schneeberger Gymnasialbibliothek, der eine 
Anzahl von Freiberger Programmen enthält, Mitteilungen zur Geschichte des Gym- 
nasiums zu Freiberg i. S. bietet. Interessant sind die Nachrichten über einen 
Valediktionsaktus , in welchem die Schüler über einzelne Eigenschaften, die ein 
Regent haben soll, reden mussten, unter Anknüpfung an Inschriften auf allerlei, haupt- 
sächlich sächsischen Münzen. — Eine Geschichte der Nicolaischule in Leipzig, die vielleicht 
zu einer Geschichte des gesamten Leipziger höheren Schulwesens führen sollte, hatte 
der verstorbene Professor Dohmke beabsichtigt, der dem Leiter der MGP. kurz nach 
der Veröffentlichung des „Planes" dieses mitteilte. Leider hat der Tod ihn verhindert, seine 
bereits begonnene Arbeit fortzusetzen. Jetzt stellt Voigt^os^, q{^^ Schüler Dohmkes, 
auf Grund von Akten des Ijcipziger Ratsarchives und des Schularchives Nachrichten 
über allerlei Verhältnisse der Schule im 18. Jh. zusammen. — 

Als einen Beitrag zur Festschrift eines Jenaer Privatinstituts veröffentlicht 
Planer^oä) eine Geschichte des höheren Schulwesens im Grossherzogtum Sachsen- 



Iloffmann, Pförtner Stammbuch 1543-1893 z. 350j. Stiftungsfeier d. Kgl. Landessch. Pforta. B., Weidmann. XV, 564 S. 
M. 10,00. jLScheuffler: ThLßl. 14, S. 503/4; (B. Rogge): Post N. 136.]| — 185j K. Euler, Schulpforta: VossZg». N. 21. 

— 186) X Gründung d. Klosters u. d. Landessch. Pforte: Didask. N. 123. — 187} X (S. o. N. 114.) — 188) X H. Witte, 
Pförtner Jubeltage. Aufzeichnungen z. Erinnerung an d. 350j. Jubil. d. Landessch. Pforta am 24., 25. u. 26. Mai 1893. 
BostocV, W. Werther. 72 S. M. 1,00. — 189) X W. Maass, Schulpforta: FZg. N. 115. - 190) X W., Schul-Pforta: Post 
N. 40. — 191) X C- Hessmert, Bilder aus d. Alumnenleben in d. kgl. Landesschnle Pforta. Progr. Naumburg. 4*. 42 S. 

— 192) X A. Trümpelmann, Kloster u. Schule. Gesch. Festspiel. Magdeburg, Creutz. 12». 151 S. M. 1,50. — 193) X 
B. Eogge, Pförtnerleben. Nach eigenen Erinnerungen geschild. Mit 24 Abbild. L., Hirt & Sohn. 128 S. M 2,00. — 194) X 
W. Nöldechen, D. 350 j. Jubelfeier d. Landessch. Pforta: SchorersFamilienbl. N. 25. — 195) X (I 5:378.) — 196) X P- 
Boehme, Urkundenbuch d. Klosters Pforte. 1. Halbbd. (1132-1300.) (= GQProvSachsen. N. 33.) Halle a. S., Hendel. 
XXII, 340 S. M. 7,00. — 197) R. Koche, K. H. A. Steinhart: ADB. 35, S. 711/2. - 198) H. Klenz, R. D. Stürenburg: 
ib. 36, S. 762/3. — 199) E. Gehmlich, D. städt. Lateinschulen d. sächs. Erzgebirges im 16. Jh. Diss. L.-Eeudnitz (Osw. 
Schmidt). 78 S. — 200) id., Beitrr. z. Gesch. d. L'nterr. u. d. Zucht in d. städt. Lateinschulen d. 16. Jh. (= Päd. Mag. her. 
V. F. Mann. Heft 20.) Langensalza, Beyer & Söhne. 42 S. M. 0,50. (Auch in DBUEU. 20, S. 1/3, 13,4, 21/3, 29-31, 37-40, 
45/7.) — 201) E Heydenreich, Z. Gesch. d. Freiberger Gymn. im 18. Jh.: NASächsG. 14, S. 1412. — 202^ Ph. H. Voigt, 
Z. Gesch. d. Nicolaischule im 18. Jh. Progr. L., (Dürr). 4». 34 S. — 203) H. Planer, Gesch. d. höh. Schulwesens im 



K. Kehrbach, Geschichte des Unterrichts- und Erzieh ungs Wesens. 1 6 : 204-210 

Weimar- Eisenach. Seiner Absicht, dasselbe Thema ausführlicher zu behandeln, 
sei eine baldige Erfüllung- gewünscht. — Planers Mitteilungen über das Eisenacher 
Realgymnasium werden wesentlich vervollständigt durch Stecheies ^o*) Darstellung, 
der unter Beigabe von Lehi^plänen, Etatsaufstellungen, Verzeichnissen der Direktoren, 
Lehrer und der Programmarbeiten die Schicksale der Anstalt, die 1843 zweiklassig, 
mit dem Eintritt Karl Magers vierklassig, in neuester Zeit vollständiges Real- 
gymnasium wurde, schildert. Bemerkenswert ist, dass sie im ersten Programme 
Bürgergymnasium — Magers Lieblingsausdruck — genannt wurde. Unter den Pro- 
grammarbeiten verdienen hier genannt zu werden Fr. Koch „Der Unterricht in der 
deutschen Sprache" (1847J und K. Schmidt „Die Unterrichtsordnung der lateinischen 
Schule in Eisenach von 1555". — 

Durch die 250jährige Jubelfeier des Maria-Magdalenen-Gymnasiums'^*^) in 
Breslau angeregt, hat M ei st er '■^'^^J Beiträge zur Geschichte dieser schlesischen 
Anstalt herausgegeben. Die Gründung der Schule erfolgte bereits am 12. Febr. 1267; 
als ältere Anstalt bestand neben ihr die Domschule. Einen hervorragenden Markstein 
in der Geschichte der Schule bildet die Einführung der Reformation 1528. Hier sind 
die Namen Joh. Metzlers, des Vf. der viel gebrauchten griechischen Grammatik, und 
des Theologen Moiban zu nennen. Unter den Rektoren des 17. Jh., deren einzelne 
von M. charakerisiert werden, sei J. von Höckelshofen, zu dessen Schülern auch 
Martin Opitz gehörte, hervorgehoben. Im J. 1643 wurde die Anstalt Gymnasium. 
Wie anderwärts, so wurden auch hier von den Lehrern und Schülern dramatische 
Aufführungen veranstaltet. M. bemerkt aber, dass, während sonst fast überall Stücke 
von Plautus und Terenz gegeben wurden, die hier aufgeführten Dramen in deutscher 
Sprache verfasst und die Stoffe der Weltgeschichte entnommen waren. Dass auch 
die deutsche Geschichte berücksichtigt wurde, beweist das 1677 aufgeführte Schau- 
spiel „Die zei-stürte Armensul (Irmensul) usw.", das der Fruchtbringenden Gesellschaft 
von ihrem Mitgliede Georg Wende gewidmet war. Diese Stoffe blieben auch noch 
im 18. Jh. Im J. 1739 wurde in Erinnerung an den 100. Todestag Opitzens ein Ge- 
dächtnisfest „der durch Martin Opitz verbesserten deutschen Poesie" veranstaltet. 
1766 wurde mit der Anstalt eine Realschule verbunden, die anfangs den Beifall des 
Publikums fand, aber wegen der Fülle der Unterrichtsgegenstände unmöglich das 
halten konnte, was sie versprochen hatte. — Ausser der „reinen teutschen Sprache" 
sollte gelehrt werden: französisch, polnisch, englisch, italienisch, Feldmessen, Kriegs- 
und zuweilen Baukunst, Wappenkunde und Genealogie, Landwirtschaft, Buchhalten, 
Tanzen, Fechten, Glasschleifen, Anatomie, welchem Unterrichte im Anfange auch 
Hebammen und Chirurgen beiwohnten. Eine tiefer gehende Reform der nach und 
nach entstehenden unhaltbaren Zustände wurde durch den 1790 berufenen Rektor 
Manso herbeigeführt, der auch bewirkte, dass der seit 1767 eingeführte Name Real- 
gymnasium dem Namen Gymnasium wieder Platz machen musste. — Zweier Rektoren 
des Magdalenengymnasiums, Steinbergs und Stieffs, gedenkt in besonderen Skizzen 
Markgraf2*>'"-''^*>^j. Steinberg (1543—1610), ein in Wittenberg gebildeter Schulmann, 
1574 — 78 Rektor des Magdalenaeums, hatte den Grundsatz: eine Schule mit guter Zucht 
und geringer Wissenschaft sei einer solchen vorzuziehen, an der das Verhältnis um- 
gekehrt sei. Stieff (1675 — 1751), der während seines ganzen Lebens im Schuldienste 
der Stadt Breslau gestanden hat, war von 1717 — 34 Rektor des Magdalenaeums, an dem 
er unter dem Rektorate von Andt". Gryphius, dem Sohne des Dichters, ausgebildet 
worden ist. Als Professor der Beredsamkeit und Geschichte hat er zahlreiche Dramen 
verfasst. — 

Seitz^os) (vgl. JBL. 1890 I 6 : 82) giebt die fünfte Abteilung seiner Ausgabe 
von Aktenstücken, die sich auf die ehemalige Lateinschule zu Itzehoe in der Provinz 
Schleswig-Holstein erstrecken. Es handelt sich um Bestallungsurkunden, Schul- 
ordnungen, Stundenpläne und Gehaltsverhältnisse. — 

Zur Schulgeschichte Württembergs gehört Schanzenbachs^'^) kleine Mit- 
teilung. Seh. giebt darin eine Ergänzung zu der im Jubiläumsprogramm des Eberhard- 
Ludwig-Gymnasiums zu Stuttgart 1886 erschienenen Matrikel, indem er eine kleine 
Liste hervorragender früherer Schüler, die in den letzten sieben Jahren gestorben sind, 
zusammenstellt und sie vervollständigt durch die Namen der in dem gleichen Zeit- 
räume dahin geschiedenen Lehrer. — 



Grrossherz. Sachsen. (= Festschrift her. am 20. Mai 1893 bei der Feier d. 60j, Jubil. d. v. Prof. Dr. Karl Herzog errichteten, 
gegenwärtig vom Direktor Pfeiffer geleiteten Lehr- u. Erziehungsanstalt (Pfeiffersches Inst.] zu Jena [Jena, Menenahrs Bnchdr. 
106 S.J, S. 1-53.) — 204) U. S t e c h e 1 e , Orossherz. Realgy mn. z. Eisenach. Kleine Beitrr. z. Gesch. d. Schule. Progr. Eisenach (H. Kahle ). 
32 S. — 205j X Festschrift z. 2ö0j. Jabelfeier d. Gymn. zu St. Maria Magdalena zu Breslau am 30. April. Her. v. Lehrer- 
kollegium d. Anst. Mit 2 Taf. n. 1 Bl. Erklärungen. Breslau (E. Morgenstern). III, 110, 198 S. M. 3,00. — 206) F. 
Meister, Beitrr. z. Gesch. d. Gymn. zu St. Maria Magdalena. (= Sonderabdr. aus N. 205.) Breslau (E. Morgenstern). 110 S. 
Mit 1 Taf. M. 1,50. — 207) H. Markgraf, Nik. Steinberg ^SteinbergerJ•. ADB. 35, S. 690. - 208) id., Chrn. Stieff: ib. 36, 
S. 174,6. — 209) K. Seitz, Aktenstücke z. Gesch. d. früh, latein. Schule z. Itzehoe. V. Progr. Itzehoe, Q. J. Pfingsten. 
HS. — 210) 0. Schanzenbach, Nachtrr. z. Gesch. des Eberhard- Lud wigs-Gy ran. 2. F. Progr. St., K. Hof bnchdr. Carl 



I 6:211-219 K. Kehrbach, Geschichte des Unterrichts- und Erziehungswesens. 

Der verdienstvolleHistoriker schweizerischer Pädag-og-ik, Hunziker^ii), hat 
dem reichen statistischen Material über das gesamte schweizerische Unterrichts- 
wesen und die schweizerischen Scliulausstellungen Nachrichten über die historische 
Entwicklung vom frühesten Mittelalter bis in die neueste Zeit vorangestellt. — 
Bucher2i2j veröffentlicht in etwas erweiterter Form seine Rede zur Geschichte des 
höheren Schulwesens im Kanton Luzern, die er bei Schliessung des alten Kantonal- 
schulgebäudes gehalten hat. Während des ganzen Mittelalters ist das Schulwesen des 
Kantons ohne jegliche Bedeutung gewesen. Sowohl die Hochschule in Luzern, die 
sich schon 1238 nachweisen lässt und unter der Herrschaft des Klosters stand, als 
auch die Stiftsschule in Münster haben keine irgendwie bemerkenswerten Leistungen 
aufzuweisen. Neues Leben kommt erst zur Zeit der Reformation und besonders 
durch die Jesuiten, die 1578 eine Anstalt eröffneten, in das Schulwesen. Nach Auf- 
lösung des Ordens nahm sich der Staat der Schule an. — 

Höhere Bürgerschule. Durch Lückerath^'^^ erfahren wir, dass die jetzt 
fünfklassige höhere Stadtschule in Heinsberg (Rheinprovinz) sich aus einer der 
Elementarschule aufgesetzten Klasse nach und nach entwickelt hat. Im Anhange 
giebt L. ein Verzeichnis der Schüler. Von den Rektoren hebt er Lindemann und 
dessen Verdienste um die deutsche Litteratur und Sprache hervor, die ihm den Bei- 
namen des „katholischen Vilmar" einbrachten. Lindemann war Herausgeber von Ge- 
dichten des deutschen Mittelalters, von Dialektdichtungen der Neuzeit und ver- 
fasste auch Monographien über Angelus Silesius und' Joh. Geiler von Kaisersberg. — 
Das Schicksal der 1868 gegründeten höheren Bürgerschule in Schwetzingen und die 
ihrer Vorläufer, der älteren höheren Bürgerschule und der erweiterten Volksschule, 
hat Maier^i^j beschrieben und ein Verzeichnis sämtlicher Abiturienten mit Angabe 
ihres gegenwärtigen Standes beigegeben. — 

Privatinstitute. In der Geschichte der Pädagogik, der Unterrichts- und 
Erziehungsanstalten Deutschlands und zwar jener Zeit, da eigenartige, individuelle Veran- 
staltungen, grossangelegte Versuche sich entwickeln konnten, da das Berechtigungs- 
und Prüfungswesen diese Bestrebungen noch nicht in das Prokrustesbett staatlicher 
Schablone einzwängte, ragt eine Anzahl von Privatinstituten hervor. Unter diesen sei 
auf das Jenaer Institut hingewiesen. Von dem Schweizer Karl Herzog, einem ehe- 
maligen Lehrer der Fröbelschen Anstalt in Keilhau, 1829 gegründet, 1834 von Adolf 
Facius und Friedrich Stier übernommen, fortgesetzt von Dr. Heimburg, zu hohem 
Ruhme gebracht von K. V. Stoy, nach dessen Abgange von Schneider, Keferstein, 
Schröter und jetzt von Pfeiffer geleitet, hat die Schule, besonders in früherer Zeit be- 
fruchtend auf die pädagogische Wissenschaft eingewirkt. Stoy (1815-85), ein persönlicher 
Schüler Herbarts, war es, der an seiner Anstalt Jahre hindurch die Herbartschen Ideen 
in Praxis umsetzte und als Professor der Pädagogik und Leiter des pädagogischen 
Seminars und der Uebungsschule grosse Anregungen gegeben hat. Aus Veranlassung 
des 60jährigen Jubiläums der Anstalt hat Piltz ^i^j ihre Geschichte geschrieben. Im 
Anhange dazu giebt er ein Verzeichnis der von den einzelnen Direktoren der Anstalt ver- 
öffentlichten Jahresberichte, der Lehrer, die an der Schule thätig w^aren oder noch 
sind, und schliesst mit einem Verzeichnis von Schülern seit 1881. 2'^) — Von Stoys 
Entwicklungsgang und seiner segensreichen Wirksamkeit hat Sallwürk^^'j ein 
deutliches Bild entworfen. Wenn wir dabei erfahren, dass die Universitäten Jena 
und Heidelberg weder die Wichtigkeit pädagogischer Seminare mit Uebungsschulen, 
noch die Notwendigkeit eines pädagogischen Lehrstuhles begriffen, so wird das sicher 
Vielen ein Lächeln abgewirmen. — 

Mädchenschule. Krusche^is), der durch seine umfassende Bibliographie 
der Litteratur zur weiblichen Erziehung und Bildung vom J. 1700—1886 (Langen- 
salza, 1887) der Forschung auf dem Gebiete des weiblichen Bildungswesens eine 
grosse Erleichterung verschafft hat, giebt in diesem J. bereits den 6. Nachtrag zu 
seinem Werke, und zwar befinden sich in seinem Nachtrage nicht nur Schriften aus 
der Zeit nach 1886, sondern auch, viele aus dem vorigen und diesem Jh., vor dem 
J. 1886 erschienene. — Helene Lange^"*) legt in ihrer für die Chicagoer Weltaus- 
stellung bestimmten Schrift, in der die Darstellung des gegenwärtigen Standes des 
höheren Mädchenschulwesens wohl die Hauptsache sein sollte, auch Skizzen über 
seine historische Entwicklung vor (vgl. I 4 : 601). — 

Liebich. 4". — 211) 0. Hunziker, D. Schweiz. Schulwesen her. im Auftrag d. Schweiz. Departements d. Innern anlässl. d. 
Weltausstellung in Chicago. Zürich, Meyer & Zeller. IV, 111 S. Mit 1 färb. Karte. M. 2,00. — 212) J. Bucher, Z. Gesch. 
d. höh. Sch'Ulwesens im Kanton Luzern. (= Festschrift z. Eröffnung d. neuen Kantonalschulgebäudes in Luzern. [Luzern, 
Gebr. Räber. 319 S. M. 6,00.J S. 155-76.) — 213) W. Lückerath, D. höhere Stadtschule zu Heinsberg 1843-93. Festschrift. 
Heinsberg, P. W. Joppen. II, 64 S. M. 1,00. — 214) Aug. Ferd. Maier, Gesch. d. höh. Bürgerschule Schwetzingen, mit e. 
Abbild, d. Schulgebäudes. Festprogr. Schwetzingen (Max Richter). IV, 90 S. — 215) K. Piltz, Gesch. d. Pfeifferschen 
Instituts zu Jena (r= N. 203, S. 55-106.) — 216) X Festber. über d. am 19., 20. n. 21. Mai 1893 abgehalt. 60j. Jubelfeier d. „Er- 
ziehungsanstalt am Graben" (Pfeiffersches Inst.) zu Jena. Jena, Neuenhahn, Univ.-Buchdr. VI, 34 S — 217) E- t. Sall- 
wfirk, K. V. Stoy: ADB. 36, S. 474,9. - 218) G. Krusche, Uebersicht d. Litt. Ober weibl. Erz. n. Bildung in Deutschland. 
6. Nachtr. (=20. JB. üb. d. höh. Schule für Mädchen zu Leipzig, 8.25-29; vgl. JBL. 1892 I 4:51.) — 219) Helene Lange, 



K. Kehrbach, Gr schichte des Unterrichls- und Erziehungswesens. I 6 :22o-228 

Lehrerseminar. Trotz des Diesterweg'schen Ausspruches, dass das Herz 
des ganzen Schulleibes das Volksschullehrerseminar sei, ist die Bedeutung* der 
Seminare nicht so anerkannt, wie es sein müsste. „Niemand spricht von ihnen; 
die alles betastende, stoffgierige Presse würdigt sie kaum der Beachtung, und wenn 
man sich in den Versammlungen der Landesvertretungen mit ihnen zu beschäftigen 
hat, so zeigt sich in der Regel die Einmütigkeit der Parteien in der überraschenden 
Unkenntnis des Gegenstandes." Diese Unkenntnis zu heben, hat Andreae^^o^j (jjg 
von ihm der Seminarfrage gewidmeten Beilagen zu den Programmen des König- 
lichen Seminars in Kaiserslautern in einer selbständigen Schrift veröffentlicht. Im 
Gegensatz zu anderen ähnlichen, die Seminarreform betreffenden Arbeiten, stellt A. 
die Lehrerbildungsfrage auf historische Grundlage. Seine Reform vorschlage bauen 
sich auf dem Gedanken auf, dass die materielle Bildung gegenüber der amtlichen 
Ausrüstung des Volksschullehrers immer zu kurz gekommen, und dass es notwendig' sei, 
den Volksschullehrer wissenschaftlicher, gerade so wie den Lehrer an höheren Schulen 
pädagogischer werden zu lassen. — In seiner Arbeit über das Internat an Lehrer- 
seminarien, das er verwirft, hat Lorentz^^') auch die Geschichte dieser Frage gestreift, 
indem er die Aussprüche angesehener Pädagogen über das Für und Wider dieser 
Einrichtung- citiert und dabei eine erschöpfende geschichtliche Beurteilung* in Aus- 
sicht stellt. — 

Volksschule. Einleitend sei hier auf K ö s t e r u s 222j übersichtliche Ab- 
handlung über die deutsche Elementarbildung gegen Ausgang des Mittelalters hin- 
gewiesen. - Eine auf gründlichen archivalischen Forschungen beruhende Schilderung 
des Zustandes der Anhalt-Zerbster Landschulen um die Mitte des 17, Jh. 
hat Becker^^Sj gegeben. — Durch die Mitteilung der Instruktion für den Präceptor 
und Organisten in Adelsheim (1706) hat Weis 8^24) einen kleinen Beitrag zur Ge- 
schichte des Volksschulwesens des Grossherzogtums Baden geliefert. — Trotz ihres ge- 
ringen Umfanges erhält man durch die Schrift von Z e n z 2-^) doch ein deutliches Bild von 
Bestrebungen und Strömungen, die innerhalb des deutschen Volksschulwesens in 
es ter reich im 18. und 19. Jh. vorhanden waren. Der Beginn des 18. Jh. und 
darin die Regierungszeit Karls VI. ist ein wichtiger Markstein in der Entwicklung des 
österreichischen Schulwesens. Eine neue Zeit fängt an sich zu regen; die Idee von 
der Allgewalt des Staates beginnt zu keimen, und was vorher als unbestrittenes Be- 
sitztum der Kirche galt, nimmt jetzt der Staat für sich in Anspruch. Das nationale 
Empfinden steig-ert sich. Die Schätzung der deutschen Sprache, von dem Staats- 
oberhaupte ausg-ehend, verbreitet sich in weitere Kreise, von Wochenschriften und 
deutschen Sprachgesellschaften unterstützt. 1747 erscheint die erste deutsche Sprach- 
lehre, „die kaiserlich deutsche Grammatik von Joh. Balthasar von Antesperg" und 
zwar im Anschluss an die „obersächsisch-lutherische Form des Neuhochdeutschen". 
Mit wenig-en deutlichen Strichen werden die Absichten Maria Theresias, Josefs IL, 
die Verdienste Felbigers, Parhamers, Kindermanns, von Kinskys, die Einwirkungen 
des Philanthropinimus, die Bestrebungen für Schulgesundheitspflege gezeichnet. Eine 
Zeit des Stillstands, ja Rückschritts wird unter der Reg-ierung* Franz I. bemerkt, 
aber neues Leben erblüht nach dem J. 1848 unter dem Unterrichtsminister Graf Leo 
Thun und seinem Gehilfen Alex, von Helfert. Neue Volksschulen werden gegründet, 
neue Schulhäuser erbaut, Lehrerbildungsanstalten, Schulwerkstätten usw. errichtet, neue 
Methoden eingeführt und das Amt der staatlichen Schulinspektoren geschaffen. Von 
diesen sei nur einer erwähnt, dessen Dichtername weit über Oesterreichs Grenzen 
einen guten Klang- hat : Adalbert Stifter. — Die Entwicklung des Volksschulwesens im 
Erzstift Salzburg, die für die alte Zeit in Vierthaler (vgl. N. 57) einen hervorragenden 
Darsteller gefunden hat, wird uns von den ältesten Zeiten bis zu seiner Einfügung in 
den Rahmen des österreichischen Schulwesens durch Wagner226) übersichtlich vor- 
geführt. Die beig-egebenen urkundlichen Schriftstücke, Instruktion von 1675, Schul- 
ordnungen von 1683 und 1755, dürfen ausser dem pädagogischen ein hervorragendes 
Interesse für den Dialektforscher beanspruchen. — Gehmlich^^'' 228^ (s. o. N. 199— 200) 
hat auch die Geschichte des sächsischen Volksschulwesens in den Bereich seiner 
Thätigkeit gezogen. — Der fleissige Forscher auf dem Gebiete des w ü r 1 1 e m - 



Entwicklung u. Stand d. hob. Mädchenschulwesens in Deutschland. Im Anftr. d. Kgl. Prenss. Ministeriums d. geistl., TJnterr.- 
n. Medizinal- Angelegenheiten. B., R. Gaertner. 69 S. M. 1.20. — 220) C. Andreae, Z. inneren Entwicklungsgesch. d. dtsch. 
Lehrerbildnngs-Anst. Kaiserslautern, J. J. Tascher (A. Gerle). VIII, 162 S. M. .3,00. — 221) K. Lorentz, D. Internat. 
E. Beitr. z. Lehrerhildungsfrage. L., C. Jacobsen. 32 S. M. 0,60. — 222) X F- Kösterns, D. dtsch. Elementarbildung 
gegen Ausgang d. MA.: KathSchK. 2, S. 49-50, 185,6, 2.32,4, 259-60, 274 5. — 223) H. Becker, D. Zerbster Landschulen um d. 
Mitte d. 17. Jh.: MGESchG. 3, S. 146-75. - 224) J. G. Weiss, Instruktion für d. Präceptor u. Organisten Severinus Merz 
in Adelsheim (Grossherz. Baden) aus d. J. 1706: ib. S. 55,8. — 225) W. Zenz, D. dtsch. Volksschulwesen in Oesterr. im 18. 
u. 19. Jh. (=3. JB. d. k. k. Lehrer- n. Lehrerinnen- Bildungsanst. in Linz. S. 3-28.) — 226) H. F. Wagner, Gesch. d. 
Volksschalwesens im Erzstift Salzburg: MGESchG. 3, S. 6.5-95. — 227) E. Gehmlich , Zeugnisse für Lehrer d. Leipz. 
Ephorie aus d. J. 17.38, 1756, 1757 u. 1807: ib. S. 105,7. — 228) id., Z. Gesch. d. Schule d. Städtchens Taucha bei Leipzig: 
Jahresberichte für neuere deutsche Litteraturgeschichte. IV. 14 



I 6:229-237 K. Kehrbach, Geschichte des Unterrichts- und Erziehungswesens. 

berg-ischen Volkschulwesens, K a i s s e r 229-230-)^ g-iebt den Wortlaut einer Schul- 
meister-Instruktion aus dem J. 1664 und bietet weiteres urkundliches Material zur Ge- 
schichte des Volksschulwesens einzelner Orte der ehemalig-en, 1806 mediatisierten 
Grafschaft Waldburg-Zeil-Trauchburg- vom Ausgange des 16. Jh. bis zum J. 1802. 
— Die Geschichte des Volksschulwesens im früheren Herzogtum Zweibrücken 
behandelt Kramer^^'J. Er berichtet bloss über die Periode von der Reformation 
bis einschliesslich der schwedischen Herrschaft (1697— 1718). — Eid2'*2j hat den 
Zeitraum von 1648 — 1706 geschildert und dabei nachgewiesen, dass die Einführung 
der allgemeinen Volksschule nicht erst 1706 durch das schwedische Gouvernement 
versucht wurde, sondern bereits um 1670 durch den Herzog Friedrich Ludwig, 
dessen segensreicher Wirksamkeit der Hauptteil seiner Arbeit gewidmet ist. — 

Handelsschule. Der Direktor der Münchener Handelsschule, R o h - 
m e d e r '•^^■^), — dessen Absicht es ist, eine zusammenhängende pragmatische Dar- 
stellung der historischen Entwicklung des gesamten Schulwesens der Stadt München 
von der Mitte des vorigen Jh. bis zur Gegenwart zu geben — hat zur Feier des 
25jährigen Bestehens der Münchener Handelsschule Stoff zu ihrer Geschichte und 
Hinweise auf die vorhandenen Quellen dargeboten. — 

Militärbildungswesen. Zu seiner innerhalb der MGP. erscheinenden 
Geschichte des Militär-Erziehungs- und Bildungswesens in dea Landen deutscher 
Zunge liefert Poten^^^j jetzt den 3. Band, der sich mit Oesterreich beschäftigt. Seine 
Darstellung beginnt mit der von Wallenstein begründeten Friedländischen Akademie 
zu Gitschin, charakterisiert sodami die unter Maria Theresia getroffenen Einrichtungen 
und Reformen, schildert die Verdienste Karls VI., Josefs IL, besonders die des Erz- 
herzogs Karl, ferner die Einwirkung der J. 1848 — 49, 1866 und wird sodann bis in 
die neueste Zeit herabgeführt. — 

Standeserziehung. Hier ist zuerst hinzuweisen auf Beiträge zur Fürsten- 
erziehung. Kehrbach23öj schickt dem Abdrucke der für den 13jährigen Herzog 
Johann von Sachsen-Weimar bestimmten Studierordnung aus dem J. 1583 eine 
kleine Vorrede voraus und versieht den Text mit Anmerkungen. Die Ordnung, 
sicher unter der Mitwirkung der Mutter des Prinzen, der Herzogin -Witwe Dorothea 
Susanna, einer Frau von hoher Bildung und vorzüglichem Herzen, verfasst, zeugt von 
dem Bewusstsein der Bedeutung des Unterrichts und der Erziehung und von pädago- 
gischem Takte. — Erich Meyer-^^j veröffentlicht die Instruktion, die dem General 
von Kayserlingk für die Erziehung der Söhne des Landgrafen Friedrich, die Prinzen 
Wilhelm (den späteren Kurfürsten) und seine Brüder Karl und Friedrich vor- 
geschrieben war. Da der Vater der Prinzen, der den protestantischen Glauben ver- 
lassen hatte und Katholik geworden war, durch Unterzeichnung der sogenannten 
Assekurationsakte unter anderem sich auch jeglichen Einflusses auf die Erziehung" 
seiner Kinder begeben hatte, so war der Grossvater zur Sicherung des Religions- 
standes Hessens darauf bedacht, die Erziehung so zu leiten, dass jeglicher katholischer 
Einfluss ausgeschlossen wurde. M. giebt neben der französischen Instruktion eine 
deutsche Uebersetzung und versieht das Ganze mit einer in grossen Zügen orientierenden 
Einleitung und erläuternden Anmerkungen zu den einzelnen Teilen. Ausführlicher 
wird M. das in 8 Foliobänden niedergelegte Aktenmaterial zur Erziehung dieser 
hessischen Prinzen verwerten in einer Schrift über die Landgräün Marie von Hessen, 
geborenen Prinzessin von England. — 

Es sei hier auch hingewiesen auf die von P ahn er 23') veröffentlichten Schrift- 
stücke zur Gründung eines adligen Fräuleinstiftes um 1670 durch Herzog Ernst 
den Frommen von Gotha, der unter den deutschen Fürsten in seiner Fürsorge für 
Unterricht und Erziehung seiner Unterthanen in erster Reihe steht, „ein Pädagoge unter 
den Fürsten und ein Fürst unter den Pädagogen". Unter den mitgeteilten Schrift- 
stücken ragt Seckendorfs „Entwurf" hervor und ergänzt P.s Abhandlung über Veit 
von Seckendorf (vgl. JBL. 1892 I 10 : 43). — Einen integrierenden Bestandteil 
der Standeserziehung des Rokokozeitalters bildete der Hofmeister. Ursprünglich be- 
stand der Hofmeisterposten nur an fürstlichen Höfen. Bei dem Bestreben des Adels 
und später des reicheren Bürgertums, die Sitten der höchsten Kreise nachzuahmen, 
wurde auch der Hofmeister übernommen. Diesem Stande hat eine grosse Anzahl von 



ib. S. 113-24. - 229) B. Kaisser. Instruktion für d. Schulmeister in Scheer vom J. 1664. E. Beitr. z. Schulgesch. Württem- 
bergs: ib. S. 124,6. — 230) id., D. Volksschulwesen in d. ehemal. Qrafsch. Waldburg-Zeil-Trauchbnrg: OberschwäbHausfr. 
N. 37-40. — 231) K. Krämer, Geach. d. Volksschulwesens im früh. Herzogt. Zweibrücken. (I. T. nebst Anh.) Kaisers- 
lautern (H. Kayser). 1892. 56 S. — 232) L. Eid, D. pfalzzweibrückische Elementarsch, unmittelb. nach d. 30 j. Kriege 
(1648-1706). Mit d. Portr. d. Herz. Friedr. Ludw. v. Pfalz- Landsberg. Speier, Jäger. VIII. 44 S. M. 1,00. — 233) W. Eoh- 
roeder, Z. Gesch. d. Schule. (= Beil. z. 25. JB. d. Handelssoh.) Festprogr. z. Feier d. 25j. Bestehens. München. 94 S. 
Mit 1 Taf. — 234) B. Poten, Gesch. d. Militär-Erziehungs- u. Bildungswesens in d. Landen deutscher Zunge. 3. Bd. Oester- 
reich. (= MGP. XV.) B., A. Hofmann & Co. 486 S. M. 15,00. — 235) K. Kehrbach, Studierordnung d. Herzogin 
Dorothea Susanna v. Weimar für ihren Sohn, d. Herz. Joh. y. Sachsen-Weimar, aus d. J. 1583: MGESchG. 3, S. 29-43. — 236) 
Erich Meyer, Z. Jugendgesch. Wilhelms I., Kurf. v. Hessen: ZVHessG. 18, S. 518-56. — 237) R. Pahner, D. Versuch d. 



K. Kehrbach, Geschichte des Unterrichts- und Erziehung-swesens. I 6 : 233-241 

Männern ang-ehört, die später als hervorragende Gelehrte und Dichter eine Rolle gespielt 
haben: Aus dem 17. Jh. Betulius, der Romandichter Joach.. Meier, Moscherosch, 
Schottelius, aus dem 18. Jh. Boie, Geliert, Gleim, Jung Stilling, Klopstock, Leuchsen- 
ring, Voss, Chr. Fei. Weise, auch die Philosophen Fichte und Kant u. a. Freilich 
die Mehrzahl dieser Hofmeister aus späterer Zeit, die Rabener in seiner Satire, 
wenn auch karikiert, schildert, und die überhaupt dankbare Sujets für die Litteratur- 
erzeugnisse jener Zeit bilden, gehören in die Klasse seltsamer Originale, sind nach 
Steinhausen^»^) die „sonderbarsten Käuze". Zu diesen gehört auch Behrisch, der 
Genosse von Goethes fröhlicher „Clique" in Leipzig. Die Schilderung aber, die 
Goethe in Dichtung und Wahrheit »von ihm entworfen hat, findet St. etwas über- 
trieben. — 

Pädagogik der Jesuiten. In grossen Zügen, und dabei doch unter Be- 
rücksichtigung von urkundlichen Materialien, die sich auch auf kleinere Einzelheiten 
beziehen, hat Georg Müll er '^3") eine durchsichtige Darstellung über Unterricht und 
Erziehung bei den Jesuiten während des 16. Jh. verfasst. Er schildert zuerst Ent- 
stehung und Gesetzgebung des Ordens und kommt dann in zw^ei weiteren Abschnitten 
auf Unterricht und Erziehung. Vorsichtig äussert er sich über die Quellen der 
Jesuitenpädagogik, er weist nach, dass Vives nicht von grossem Einfluss habe sein 
können; und statt einen Einfluss von Joh. Sturm auf den Jesuitenorden anzunehmen, ist 
er geneigt, den Einfluss des niederländischen Schulwesens, von dem auch Sturm seine 
Anregung empfing-, an dessen Stelle zu setzen. U^m hierüber Klarheit zu schaffen, 
habe man noch eine Anzahl von Veröffentlichungen nötig, wie sie der Jesuitenpater 
Pachtler iimerhalb der MGP. über die deutschen Provinzen des Ordens dargeboten habe. 
Manche Lücke in den Darstellungen jesuitischer Pädagogik würde ausgefüllt werden, 
wenn, was M. auch betont, die Entstehung und Entwicklung des U^nterrichtsbetriebes 
im Collegium Romanum eingehend dargestellt würde. Ich bemerke hier, dass eine 
Geschichte des Collegium Romanum unter Beigabe reichhaltigen urkundlichen Materials 
ursprünglich in den Plan der MGP. aufgenommen worden war, dass aber aus äusseren 
Rücksichten diese Absicht unausgeführt bleiben musste. Zum Schluss seien M.s 
Worte über Jesuiten- und Protestanten-Pädagogik angeführt, mit denen er seine Ar- 
beit beendigt, der eine baldige Fortsetzung zu wünschen wäre: ,, Unter Benutzung der 
mittelalterlichen Ueberlieferung, der humanistischen Bewegung und der zeitgenössischen 
pädagogischen Strömungen hatten die Jesuiten ein System geschaffen, das in seiner 
Einheitlichkeit und Geschlossenheit sich eines kaum geahnten Erfolges erfreute. Es 
waren im Grunde dieselben Quellen, aus denen der Protestantismus schöpfte. Aber 
wie auf hohem Bergesrücken in trauter Nachbarschaft, aus gleicher Tiefe gespeist, 
zwei Quellen entspringen, um dann nach verschiedenen Seiten sich zu wenden und 
auf immer auseinander zu gehen, so war es auch mit den pädagogischen Bestrebungen 
der Gesellschaft Jesu und des Protestantismus." — 

Schulreden und Programme. Zu den Schriftstücken, die uns die 
Kenntnis der Strömungen auf dem Gebiete des Unterrichts und der Erziehung- ver- 
gangener Zeiten erleichtern, gehören auch Schulreden und Programme. Daher hat die 
Gesellschaft für deutsche Erziehungs- und Schulgeschichte die Sammlung, Sichtung- 
und Herausgabe dieser Dokumente mit in ihr Programm aufgenommen, nachdem bereits 
im Plane der MGP. (1883) die Schulreden unter den zu edierenden Stoffen mit an- 
geführt worden waren; und es konnte schon im ersten Bande der Mitteilungen 
der Gesellschaft eine Schulrede veröffentlicht werden (vgl. JBL. 189116: 197). Einen 
Beitrag zu dieser Abteilung hat Frey er-^'*) geliefert, der einige Schulreden seines Gross- 
vaters J. E. Scheibel, vormaligen Lehrers und Rektors am Elisabethgymnasium in Breslau 
(1759 — 1809), veröffentlicht. Von den zahlreichen Scheibeischen Programmen, die sich 
auf die verschiedenartigsten Fachwissenschaften erstrecken, hat F. keines vollständig- 
abgedruckt, sondern nur Bruchstücke aus den Arbeiten vorgelegt, in denen sich 
Scheibel mit Fragen der Didaktik, modernen Theologie und Philosophie beschäftigt. 
Diese Bruchstücke sind übrigens wertvoller als die Reden, deren Ausbeute für unsere 
Zwecke eine äusserst geringe ist. Mehr Lob verdienen F.s Beigaben, die historische 
Einleitung- und der Nachtrag", welcher bisher unedierte Briefe des verdienstvollen 
Ministers von Zedlitz darbietet. Vielleicht verdienten auch die Briefe von Felbiger, 
Bode, Lieberkühn, Joh. Bernoulli, Wald, die sich im Nachlasse Scheibeis befinden, 
in die Oeffentlichkeit gebracht zu werden. — Materialien nicht etwa nur zur Geschichte 
des Gymnasiums in Altenburg, sondern zur Geschichte der Pädagogik überhaupt, 
wie auch zur Litteraturgeschichte werden von Peine^'*^} in seiner Arbeit über 



Herz. Ernst d. Frommen v. Gotha z. Gründung e. adl. Fränleinstiftes um 1670: MGESchG. 3, S. 176-93. — 238) G. Stein- 
hausen, D. Hofmeister. (= Kulturstudien [vgl. JBL. 1892 I 4 : 28], S. 84-108.) — 239) Georg Müller, Unterr. u. Erz. in d. 
Gesellsch. Jesu während d. 16. Jh. (=N. l;!!!', S. 1-109.) — 240) P. Freyer, Programme u. Schulreden d. Mag. 
J. K. .Scheibel, weil. 1759-1809 Lehrer u. Keklor am Elisabethgymn. in Breslau. Mit e. hist. Einl. Progr. d. Kgl. Elostersch. 
Ufeld. Nordhausen, C. Kirchners Bachdr. 4». 46 S. — 241) H. Peine, D. Altenburg. Gymnasialprogrr. d. 17. Jh. I. T. 



I 6:242-252 K. Kehrbach, Geschichte des Unterrichts- und Erziehungswesens. 

die Altenburg-er Gymnasialprogamme geliefert, deren Verzeichnis mit dem J. 1658 
anhebt.242) _ 

Schulkomödie. Aus dem Nachlasse Friedr. Alb. Langes^^s^ wird ein 
g-eschichtlicher Beitrag zur Schulkomödie veröffentlicht, der, obwohl gerade in der 
Zwischenzeit eingehendere Untersuchungen zur Geschichte der Schulkomödie ge- 
schrieben worden sind, doch noch mit grossem Interesse gelesen werden kann. — 
Interessant sind auch Georg Müllers ^^'ij Mitteilungen zur Geschichte der Jesuiten- 
komödie in Sachsen, in denen er Ergänzungen giebt zu dem von Wustmann (Schriften 
des Vereins für Geschichte Leipzigs. 187b. 2. Sammlung) dargestellten Konflikte 
zwischen dem Konsistorium und dem Rate deii Stadt Leipzig wegen der Aufführung 
einer deutschen Schulkomödie in der Thomasschule, ein Konflikt, der schliesslich vom 
Kurfürsten geschlichtet werden musste. M. ergänzt übrigens auch durch die Mitteilung 
der Titel zweier solcher Komödien Carlos Sommervogels Dictionnaire des ouvrages 
anonymes et Pseudonymes publies par les religieux de la compagnie de Jesus (Paris 
1884). — Die ausführlichen Titel von 24 Schulkomödien, die am Jesuitengymnasium 
in N-eisse von 1706 — 9 aufgeführt worden sind, hat May^'*^) zusammengestellt. 
Der Stoff der Stücke entstammt fast ausschliesslich der Heiligengeschichte; im Titel 
ist immer die „Moral" eingeflochten, z. B. „Virtus praemiata seu Cratonicus etc. 
Victima Amoris Sive Jephtias etc." — Hier sei auch auf Herrmanns -4^) verdienst- 
volle Arbeit über Terenz hingewiesen. — 

Verschiedenes. Auf ein Schulliederbuch aus dem J. 1531, das Lieder 
in lateinischer, griechischer, deutscher und französischer Sprache mit beigefügten Noten 
enthält, macht Stötzner^^') aufmerksam. — Vom Mittelalter bis in den Anfang des 
17. Jh., so lange die Namen der Kalenderheiligen zur Datierung benutzt wurden, 
haben die metrisch abgefassten lateinischen und deutschen Heiligenkalender, die 
Cisiojani, einen Bestandteil des Unterrichts in Knaben- und Mädchenschulen gebildet. 
Einen von Melanchthon abgefassten, im CR. übersehenen Cisiojanus, den Hartfelder 
(vgl. JBL. 1892 I 10: 19) nach einer späteren Ausgabe des Chytraeus von 1593 ediert 
hatte, veröffentlicht jetzt Kehrbach 2^**) nach dem von Luther in seinem Enchiridion 
piarum precationum (1543) gegebenen Wortlaute. — Frühere Mitteilungen über 
Schulmünzen-Rechenpfennige (vgl. JBL. 1891 I 6:231; 1892 I 10:336) werden von 
Kehrbach 249) durch eine kurze Nachricht über die auf der Altdorfer Lateinschule 
von 1577 — 1626 als Prämien verteilten Münzen ergänzt. — In der Geschichte des 
deutschen Erziehungs- und Unterrichtswesens bilden die deutschen moralischen Wochen- 
schriften des vorigen Jh. ein wichtiges Glied. Der Historiker kann, wenn er grosse 
Lücken in seiner Darstellung vermeiden w^ill, an ihnen nicht vorübergehen. War bei 
der Gründung dieser Zeitschriften gewöhnlich die Tendenz, moralische Bildung 
in weitereu Bevölkerungsschichten zu verbreiten, also ein pädagogischer Zweck, mit beab- 
sichtigt, so w^urden in ihnen auch geradezu pädagogische Themata erörtert und zwar 
früher als sie in pädagogischen Systemen oder Verordnungen für Unterricht und Er- 
ziehung auftraten. Aus Osk. Lehmanns^äO) kleiner Bi-oschüre geht das deutlich 
hervor. Leibesübungen werden empfohlen schon Jahrzehnte vor dem Philanthropinismus. 
Es wird auf die Notwendigkeit der Pflege des Spieles, weiblicher Handarbeiten, des 
Handfertigkeits- und ZeichenunteiTichtes, auf Lektüre für die Jugend, auf die Pflege 
nationalen Sinnes und die Wichtigkeit des Unterrichtes in deutscher Sprache auf- 
merksam gemacht, ehe die Schule sich dieser Stoffe annimmt. Eine sicher dankbare 
und die Geschichte der Pädagogik fördernde Aufgabe würde es sein, das von L. behandelte 
Thema umfassender darzustellen, wobei versucht werden müsste, die Einwirkung der 
in den pädagogischen Aufsätzen niedergelegten Ansichten auf die pädagogischen 
Systematiker und die Schulordnungen — das Wort im weiten Sinne der MGP. ge- 
nommen — nachzuweisen. — Einen integrierenden Bestandteil jeder höheren oder niederen 
Schule bildete in früheren Zeiten der Schülerchor, der besonders in katholischen 
Ländern eine grosse Thätigkeit bei kirchlichen Dienstleistungen entwickeln musste. 
lieber die Einrichtung des Chors, die Verpflichtung seiner Mitglieder, unterrichten uns 
die von dem jüngeren Koldewey^^i) veröffentlichten, für den protestantischen Schüler- 
chor in Königslutter 1770 erlassenen Gesetze. — Isenbart252) veröffentlicht einen Brief 
Justus Mosers, worin dieser seine Ansicht über Vorschläge darlegt, die der badische Ge- 
heime Rat von Edelsheim zur Vorbildung „künftiger Geschäftsmämier" gemacht hatte. 



Progr. Altenburg (0. Bonde). 4». 30 S. — 242) X (I 3:142.) — 243) Friedr. Alb. Lange, Gesch. n. Bedeutung d. Schul- 
komödle vor n. nach üomenins: MhComeninsG. 2, S. 2.59-72. — 244) Georg Müller, Z. Gesch. d. Jesuiten-Komödie in Sachsen: 
NASächsG. 14. 8.140,160,1.-245) R. May, Schulkomödien d. Jesuiten in Neisse (,1706-9j: MGESchG. 3, S. 194 7. - 246) M. 
Herrmann, Terenz in Deutschland bis z. Ausgange d. 16. Jh. E. Ueberblick: ib. S. 1-28. — 247) P. Stötzner, E. Schul- 
liederbuch V. 1531: ib. S. 59-64. — 248) K. Kehrbach, Z. Cisiojanus- Litt.: ib. S. 205. — 249) id., Schulmünzen-Rechen- 
pfennige: ib. S. 204. — 250) Osk. Lehmann, D. dtsch. moral. Wochenschriften d. 18. Jh. als päd. Reformschriften. L., Rieh. Richter. 
86 S. M. 1,35. — 251) F. Koldewey d. J., Schulordnungen d. Stadt Königslutter (Braunschweig), Ergänzung z. Bd, VUl d. MGP.: 
MGESchG. 3, 8. 198-203. — 252) IL Isenbart, J. Mosers Brief an W. v. Edelsheim über d. Erz. fürs prakt. Leben (1786). 



P. Goldsoheider, Die Litteratur in der Schule. 16:253 I 7 : i-e 

Mosers Ansichten würde man genauer kennen lernen, wenn die Vorschläg-e, die Edels- 
heim g-emacht hatte, veröffentlicht werden könnten. — Zum Schluss sei auf Bock s^^S) 
Zusammenstellung- von Citaten hervorragender pädagogischer Schriftsteller dieses Jh. 
über Erziehung und Unterricht und über den Lehrerberuf hingewiesen, eine freilich 
recht einseitige Sammlung! Gegenüber den Proben aus Werken von Bogumil Goltz, 
Kellner, Fulda, Bormann, Grünew'ald, Scheibert und anderen, zum Teil recht un- 
bekannten Pädagogen muss es auffallen, dass B. Männer wie Herder, Herbart, Har- 
nisch, Dinter u. a., deren Werke' gerade für Sentenzensammlungen ergiebig sind, gar 
nicht berücksichtigt hat. — 



1,7 

Die Litteratur in der Schule. 

Paul Goldsoheider. 

Allgemeines und Methodologisches: Stellung des Faches N. 1. — Auswahl der Werlce N. 4. — Zn- 
samnienhang des Aufsatzes mit der Lelctnre N. 11. — Lektüre an Mädchenschulen -N. 31. — Beziehung zur klassischen 
Litteratur, Betonune der poetischen Technik, Erklärung der rhythmischen Gesetze N. 33. — Schüleraufführungen, Bilder, „Offene 
Fragen" N. 38. — Methodische Erläuterungsschriften: zu Dramen N. 41; zu Lyrik und Epik N. 44; zu den Lesebüchern 
N. 49; zu Robinson N. 53. — Hilfsmittel für den Unterricht: Schulausgaben (Lessing. Herder, Goethe, Schiller, Eber- 
hard, Uhland, Schlegels Shakespeare) N. 56. — Lesebücher und Anthologien N. 92. — Leitfäden der Litterutargeschichte 
und Poetik N. 134. — 

Allgemeines und Methodologisches. Bemerkenswerte amtliche Kund- 
gebungen liegen aus dem Berichtsjahre nicht vor, Ueber die Stellung des Faches 
in der Schule handelt Erbe^), der das Deutsche in den Mittelpunkt des gesamten 
höheren Unterrichts rücken will. Er entwickelt knapp, aber klar, wie deutsche Sprache 
und deutsche Darstellung von der deutschen Gelehrtenschule abgestossen und zurück- 
gedrängt worden sind. Er findet, dass wir in Gefahr sind, für die Sprache Luthers, 
Lessings, Goethes, Schillers eine Sprache zu erhalten, die wegen ihrer üeberladung mit 
dem falschen Schmuck unnötiger Fremdw'örter, ihrer Regel- und Formlosigkeit, ihrer 
Schwülstigkeit und Gespreiztheit das Gespötte anderer Völker werden müsste. Wunder- 
lich und Kärger gäben den herben Trost, dies sei der natürliche Gang der Sprachentwick- 
lung', bedeutungslos gewordene Ausdrucksmittel müssten sich immer mehr häufen. Dabei 
will sich E. nicht beruhigen; seine Vorschläge für Belebung und Erziehung des Sprach- 
gefühls auf der höheren Schule sind beachtenswert.^ 3j — 

Einen Lehrplan für den deutschen Unterricht in den unteren und mittleren Klassen 
eines sächsichen Realgymnasiums mit einer Angabe über die Aus w^ahl der Werke, 
die in Frage kommen, iDietet Hentschel^j. Für unsere Zwecke können wir aus dem 
reichhaltigen Erfahrungsschatze, der hier geöffnet wird, nur Einzelheiten hervorheben: 
S. 31: Zusammenstellung aller in Betracht kommenden Gedichte über den Befreiungs- 
krieg. S. 32: Angliederung' von entsprechenden Prosaabschnitten. S. 38: Im An- 
schluss an die Besprechung des Dramas in Untersekunda bestimmte Fragen zur Beant- 
wortung als häusliche Aufg-abe. S. 64: Die sogen, freien Vorträge sollen sich auf 
die Privatlektüre beziehen; es werden geeignete Massregeln angegeben, die den 
damit verbundenen Gefahren vorbeugen sollen. S. 76: Die Beschreibung in Form 
eines Rätsels (für Quarta). — F ab ricius^) behandelt in seinen Vorschlägen und Ent- 
würfen für das Realgymnasium von S. 10 an die Lektüre und die Litteratur. Als 
Werke, die für Untersekunda geeignet sind, werden genannt: Herzog- Ernst von Schwaben, 
Minna von Barnhelm, vielleicht Philotas, Jungfrau von Orleans, Wilhelm Teil. In 
Betracht kommen ausserdem etwa: Zriny, Prinz von Homburg, Hermann schlacht, Wilden- 
bruchs Quitzows. Zur Privatlektüre werden empfohlen: Hauffs Lichtenstein; Kleists 
Michael Kohlhaas ; Scheffels Ekkehard. Bei der üebersicht über die litterarische Ent- 
wicklung wird auch überall auf den Stand der Sprache hingewiesen; die Art und 
Weise erhellt etwa aus dem Gesetze von der Wandlung der Vokale (S. 17). — Ueber 
poetische Uebersetzungen und deren Verwertung für den ITnterricht handelt Fr eytag^). 

E. Ergänz, zu d. Patriot. Phantasien: ib. S. 108-12. — 253) B. Bock, Stimmen hervorrag. Schulmänner dieses Jh. z. Beach- 
tung für Lehrer u. Laien bei d. Erz. u. d. Unterr. d. Jugend. L., Akad. Buchh. (W. Faber). VUI, 160 S. M. 3,00. — 

1) K. Erbe, D. Deutsche als Mittelpunkt d. höh. Unterr. St., Bonz. 32 S. M. 0,30. ~ 2) X St. Waetzold, 
ß. Lehmann, D. dtsch. Unterr. (vgl. JBL. 1890 I 7:4): ZGymn. 26, S. 87-93. — 2a) X B- Stein, D. dtsch. Unterr. am Lehrer- 
seminar: KZEU. S. 269-97, 346-53. — 3) X X J- Griessbach, D. gesch. Entwicklung d. altklass u. dtsch. Unterr. an d. 
Gymn. im Königreich Bayern. Progr Hof. 1892. 72 S. — 4) C. Hentschel, Lehrplan für d. dtsch. Unterr. in d. unteren 
u. mittl. Klassen e. sächs. Realgyran. (= Ergänzungsheft zu ZDU. N. 6.) L., Tenbner. 1892 VI, 87 S. M. 1,60. — 5) H. Fahr i eins, 
D. Aufgaben d. dtsch. Unterr. an unserm Eealgymn. Vorschläge u Entwürfe. Progr. Bützow. 4". 32 S. — 6) L. Freytag, 



I 7 : 7-13 P. Goldscheider, Die Litteratur in der Schule. 

Es war vorg-eschlajyen, die Nibeliing'en ledig-lich in prosaischer Form wiederzug-eben. 
Dag-eg-en wendet sich F. mit Entschiedenheit. Eine g"ute Nachdichtung- hält er auch 
trotz des „Naschens am Urtext" für erforderlich. Er formuliert sie so: „Sie ist die 
TTradichtung- des fremdes Textes im eig-enen Idiom unter thunlichster Wahrung" der 
sprachlichen, bildlichen und metrischen Form." — In einer Abhandlung" Schlüters'') 
findet man recht g"ute Bemerkungen über die Herstellung" einer geeig-neten Schüler- 
bibliothek. Eine Reihe brauchbarer Schriften wird empfohlen. Die Bearbeitung" von 
allerlei Romanen für die Jug-end missbilligt Seh.; ebenso die aufreg"ende Dielitzsche 
Abenteuerlitteratur. Ueberall wird fein abg"ewog"en, was mög"lich und erreichbar sei; 
wenn man der Wahlfreiheit nicht einig-e Zug"eständnisse mache, könne man den g-anzen 
Nutzen der Schülerbibliothek in Frag"e stellen. — K r i e r ^) giebt Anweisung-en für die 
Privatlektüre von Zög"ling"en eines bischöflichen Konvikts. Das Werk enthält eine 
aus den besonderen Verhältnissen Luxemburg-s erklärliche Mischung" deutschen und 
französischen Geistes und wird schon dadurch für jeden Aussenstehenden fesselnd 
sein; dazu tritt dann die merkwürdig"e Vereinig-ung scholastischer Gelehrsamkeit und 
moderner Bestandteile. Für unsere Aufg-abe kommen insbesondere in Betracht Teil II 
("von S. 190 an) und aus I der Abschnitt „Die schriftlichen Aufsätze" (S. 157). Die 
hier g"eg'ebenen Vorschriften sind nicht neu, aber g'ut ausgewählt. Den einzelnen Be- 
hauptung-en tritt überall eine Brülle von Citaten zur Seite, die der Vf. mit dem naiven 
Behagen des altrhetorischen Stils ausstreut. Er rühmt sich seines Sammelbuches 
CS. 324). Das Vorsündflutliche seiner g"eschichtlichen und litterarhistorischen Erkenntnis 
lehren u. a. folg"ende Sätze, aus denen „die Nützlichkeit und Notwendig"keit der Lektüre" 
bewiesen werden soll: „Aristoteles g"ab 72000 Sestertien f!) für einige Bücher des 
Speusippus." „Aus der Aeneide ist ersichtlich, dass Virg"il den Homer fleissig" studierte." 
Werke der deutschen klassischen I^itteratur dürfen dem Zög"ling"e nur mit g-rosser 
Behutsamkeit darg"eboten werden und zwar um des Standpunktes willen, den „die 
sog-en. klassischen Dichter" der Relig"ion g"eg'enüber eing"enommen haben (S. 290). Die 
Klassiker erscheinen dem jung-en Studenten „in einem g-länzenden Nimbus g"eistig"er 
lTeberleg"enheit, und von der Schule her ist er daran g"ewohnt, zu ihnen als zu Halb- 
g"öttern hinaufzuschauen. Bald werden diese ihm ein billigendes Gefühl für ihre 
Ansichten abg'ezwung"en und ihn in ihren relig-iösen und sittlichen Verirrung"en zum 
Mitschuldig-en g"emacht haben. Die Lektüre derselben ist und bleibt verderblich". Nibe- 
lung'en, Gudrun, Parzival und Heliand werden in den Ausg-aben von Chr. Stecher 
S. J. darg-eboten (S. 287), und von litteraturg-eschichtlichen Werken werden die Schriften 
Alex. Baumg"artners S. J. empfohlen. ^"i'^") — 

Der Zusammenhang" des Schulaufsatzes mit der Lektüre soll nach 
Hentschel*^) mög-lichst g-e wahrt bleiben. Denn der Vf. ist der Ansicht, dass eben 
dieser Zusammenhang" die rechten Aufg"aben für schriftliche Arbeiten vermittelt und 
vor Missg'riffen behütet. Die Anordnung" verläuft stufenmässig" und nach Stilarten. W^ir 
meinen, um dem Lehrer die rechte Anleitung" zu g-eben, bedarf es doch nicht geradezu 
dieser 300 Stücke; treffende Auswahl von Beispielen ist lehrreicher als diese Ver- 
wässerung", freilich auch schwerer. — Um lauft ^2) hat 6900 Themata aus den Jahres- 
berichten der deutschen Gymnasien und Realschulen Oesterreichs g-esammelt. Er hofft, 
sich mit seiner Zusammenstellung" den Dank der Mittelschulen seines Vaterlandes ver- 
dient zu haben. Aber der Gedanke ist didaktisch nur dann förderlich, wenn, wie in 
dem Apeltschen Buche, eine sorgfältig'e Kritik die Bezeichnung- der Themata beg'leitet. 

— Berg" '3) stellt aus den fünf letzten Jahren diejenigen Aufgraben zu deutschen Auf- 
sätzen und Vorträg'en zusammen, die in der Provinz Sachsen, im Anschluss an Relig"ion, 
Geschichte, Geographie und an die Lektüre klassischer Schriftwerke alter und neuer 
Zeit bearbeitet worden sind. Bei der systematischen Anordnung" ist der Vf. im wesent- 
lichen chronolog-isch zu Werke _g"eg"angen. Sollte es nicht praktisch wertvoller sein, 
die wirklich neuen, treffenden, interessanten Themata herauszusuchen? Was hilft 
dieser Reichtum zum Teil g"eistloser Nomenklatur? Vgl. etwa die Aufgraben über 
„Maria Stuart" : Maria, Elisabeth, Mortimer, Leicester, Paulet, Burleigh, Talbot, Melvil ! 

— lieber das Lesebuch von Hense (vg"l. JBL. 1892 I 5 : 83) hat sich zwischen 

D. Wichtigkeit d. poet. IJebersetznngen für d. Schulnnterr. : ZDU. 7, S. 475-90. — 7) H. Schlüter, Ueber Jugendlektüre. Progr. 
d. Bealprogyron. Buxtehude. 4". 33 S. — 8) J. B. Krier, D. Studium u. d. Privatleictare. 17 Konferenzen d. Zöglingen d. 
Bischöfl. Konviktes zu Luxemburg geh. 3. yerb. n. verm. Aufl. Freiburg i. B., Herder. 1892. 12». VIII, 327 S. M. 2,00. — 
9) X X Ij- Rotter, Lehrproben für d. sachl -sprachl. Behandlung dtsch. LesestücVe. (= Ber. über d. Yortrr. u. Verhand- 
lungen d. mähr. Landeslehrerlconf. Znaim, Fonrnier & Haberler. 29 S. M. 0,40. — 10) X ^- Wackernell, H. Unbescheid, 
Beitr. z. Behandl. d draraat. Lektüre. Mit e. Tafel zu Schillers Dramen. 2. Aufl. (vgl. JBL. 1891 I 7:14): ÖLBl. 2, S. 573;5. 

— 10a)X^- Steiger, Führer durch d. sprachl. Teil d. bernischen Oberklassen-Lehrbuchs. 3 n. letztes Bdch. D. lyr. Poesie 
in d. Schule. Mit e. Wandtaf.-Zeichnnng zu Schillers ,.Glocke''. Bern, Schraid, Francke & Co. VIII, 233 S. M. 2,50. [Paeda- 
gogium 15, S 687.] I — 10b) X W. Pfeifer, Z. Behandlung lyr. Gedichte in d. Volksschule: PädBll. 22. S. 51-64. — lOo) X D- 
Fabel nach ihrem Wesen, ihrer Gesch. U.Verwendung im Unterr.: KZEU S. .537-43. — 11) A. Hentschel, D. Sohnlaufsatz in 
seiner Verbindung mit d. Lesestoffe. Für Stadt- u. Landschulen. Für Unter- u. Mittelklassen. L., Peter. 1892 174 S. M. 1,50. 

— 12) Fr. Umlauft, 6900 Themen zu 'dtsch. Aufsätzen u. Redeübungen an Obergymn. u. Oberrealsch. Wien, Graeser. XV, 
244 S. M. 3,60. — 13) W. Berg, Aufgaben zu dtsch. Aufsätzen u. Vortrr. in d. oberen Klassen höh. Lehranst. (Aus d. JB. 



P. Goldscheider, Die Litteratur in der Schule. I 7 : 14-31 

Bötticher**), der eine ausführliche Kritik verfasste, und dem Vf. Hense'^) 
selbst eine litterarische Fehde erhoben, aus welcher das Mög-liche und das Notwendig-e 
bei der Herstelluno- derartig-er Litteraturwerke deutlich hervortreten. B. behauptet, 
dafs die vorhandenen Schulausg-aben „das Brockensystem" der Lesebücher nur noch 
lächerlich erscheinen lassen. — Jedenfalls wäre es jetzt an der Zeit, klar festzustellen, 
welche Werke der Schüler vollständig' kennen lernen soll, und was demg-emäss vom 
Lebebuch zur Erg-änzung- hinzugefüg-t werden müsse. Aus Tschaches 'ß) „Material" 
können für den vorliegenden Zweck nur die 42 Aufsätze in Betracht kommen, die sich 
an die deutsche Lektüre anschliessen: Wir können ihnen keinen g-rossen Wert bei- 
messen; sie enthalten wenig- Eig-enes, sehr viel (für Lehrer!) üeberflüssiges; auch 
fehlt es an Schärfe der Auffassung", vgl. z. B. Disposition 19, die sich an die Bürg- 
schaft anschliesst, namentlich was unter II, b, c sowie e, f g-eboten wird: Die Haupt- 
forderung' an eine Disposition, nämlich dass die Teile einander ausschliessen müssen, 
wird hier g-röblich verletzt. — Aus den neuen Materialien zu deutschen Stilübung-en 
von Normann ^'') können hier nur Teil II (Aufsätze) und Teil ITI (Entwürfe) in Be- 
tracht kommen. lieber den ersteren bemerken wir, dass wir es für unstatthaft halten, 
Verse Schillers als Verstösse g"eg"en die Sprachrichtig'keit auszubeuten, wie N. 361 und 
M. .S62 g-eschieht. Hinweisen darf man wohl auf dieses „obg-leich entstellt von Wunden" 
und „entstellt von seines Ruhmes Glanz", aber nicht in einer Reihe mit den g'röbsten 
Schnitzern, sondern im Zusammenhang-e mit wissenschaftlicher Erläuterung' solcher — 
ohne Zweifel — beabsichtig-ten Licenzen. Die Gegenstände im II. und III. Teile beziehen 
sich auf alle die Gebiete modernen Lebens, die bis jetzt nur vorüberg'ehend zur Behand- 
lung- g'ekommen seien; der Blick des Schülers müsse für das Leben g-eschärft werden, für 
das er doch erzog'en werden solle. Mancherlei darin erscheint moralisch nicht un- 
bedenklich. — Oberländers'^) „Lehrg-ang'" für die unteren Klassen kann hier nur 
so weit in Betracht kommen, als bei Anfertig'ung' der Aufsätze eine Rücksichtnahme 
auf das Lesebuch stattfinden soll; bei der Methode schweben besonders die Grund- 
sätze Nöttels, Jankers, Lampeis vor. Die Sammlung" enthält für ung'eübte Anfäng-er 
vieles Brauchbare, aber doch wohl nur für solche ! — Aus Hehl s^^) Abhandlung- über 
die Methodik des deutschen Unterrichts sind hervorzuheben Kap. 1 : „Die Bedeutung' 
des Lesebuches für den deutschen Unterricht" und Kap. 3: „Behandlung- der Lese- 
stücke". H. wendet sich g-eg-en Lesebücher von encyklopädischem Charakter, die nur 
Oberflächlichkeit erzeug-ten und das eig-entliche Erziehung-swerk mehr hintertrieben als 
förderten. Für die Auswahl stellt er in den Mittelpunkt die Bearbeitung" ethischer 
Motive. Das klassische Altertum soll bei Fabel und Sage nicht ausg"eschlossen sein; 
für besonders wertvoll hält er die Beschäftig-ung- mit dem deutschen Volksmärchen. 
Bei poetischen Lesestücken ist die Hebung" des Nacherzählens nicht anzustellen. — 
W'ohlrabe^'^) verwirft offenbar eine ausschliessliche Anlehnung" der schriftlichen 
Arbeiten an das Lesebuch: Die Aufsatzübung"en sollen sich mög"lichst g"leichmässig" 
an die Gedankenkreise des sonstigren Unterrichts anschliessen; die Themata werden 
also durch den Fortschritt des Gesamtunterrichts beding-t. Ein Stufeng"ang" nach 
formellen Gesichtspunkten wird abgelehnt, Paragraphen eines besonderen stilistischen 
Uebung-sbuches dürfen nicht zu Grunde geleg-t werden. ^i"^'^) — 

Die Gestaltung- der L e k t ü r e an höheren Mädchenschulen behandelt L e n - 
hardi^^). Er spricht sich dag"eg"en aus, dass nur abg"erissene Stücke aus einem 
Drama gelesen würden. Wie er sich die Behandlung denkt, zeigt er in einem Bei- 
spiele an der „Jungfrau von Orleans." Sehr richtig ist, was er am Schluss bemerkt, 
dass gerade Mädchen für die Erfassung eines Ganzen und für folgerichtige Entwick- 

a. höh. Lehranst. d. Prov. Sachsen.) B., Gaertner. 202 S. M. 2,80. — 14) G. Bötticher: ZDU. 7, S. 204-10. — 15) J-Hense, 
Erwiderung auf d. Herrn G. Bötticher an d. dtsch. Lesebnehe v. J. Hense peübte Kritik: ib. S. 443/7. (Dazu: Erwiderung 
d. Eecensenten: ib. S. 447 '8.) — 161 G. Tschacho, Material zu dtsch. Aufsätzen in Stilproben, Dispositionen oder kürzeren 
Andeutungen für d. raittl. KUssen höh. Lehranst. 2. Bd. 4. Aufl. Breslau, Kern. Vin, 176 S. M. 2,40. — 17) H. Nor mann. 
Neue Materialien zu dtsch. Stilübnngen für d. mittl. Klassen höh. Lehranst. Kattowitz, G. Sirvinna. 1892. 166 S. M. 2,.51. 

— 18) 8. Oberländer, 4 Jahre Unterricht im dtsch. Aufsatze. Versuch e. Leitfadens für d. dtsch. Aufsatzunterr. in d. Unter- 
realsch. Progr. Neutitschein. 1890-91. 91 S. — 19) K. Hehl, Z. Methodik d. dtsch. TJnterr. in d. ersten Gymnasialklasse. 
Progr. Mariahilf. 20 S. — 20) W. Wohlrabe, D. Stellung d. Aufsatzes im Gesamtunterr. Halle a. S., Schroedel. 1892. 
m, 39 S. M. 1,00. — 21) X F- X- I^eck. Dispositionen n. Materialien zu dtsch. Aufsätzen. Rottenburg, Bader. VII, 176 S. 
M. 1,20. — 22) X J- Hörtnagl, Prakt. Lehrgang im Disponieren dtsch. Aufsätze. Progr. d. Gymn. Wien.-Nenstadt. 36 S. 

— 23) X L. Kahnmeyer & H. Schulze, Vorstufe für d. dtsch. Aufs. 2. Aufl. Bielefeld, Velhagen & Klasing. 8 S. M. 0,10. 

— 24) X K- Schubert, Ausgeführte Stilarbeiten (nebst Entwürfen u. Themen) auf Grundlage dtsch. Musterstücke. 1. Bd. 
2. Aufl. Wien, Pichlers & Sohn. VI, 156 S. M. 1,60. — 25) X J- Haselmayer, Neues Aufsatzbuch z. Gebrauche an höh. 
Schulen u. z. Selbstnnterr. 2. Aufl. Würzburg, Staudinger. 456 S. M. 4,00. — 26) X M. Fack, Materialien zu e. Lehre Tora 
Stil. Jena, Mauke. 46 S. M. 0,60. - 27) X L. Kahnmeyer u. H. Schulze, Stoffe für d. dtsch. Aufs, in ausfOhrl. Dar- 
stellung. 1. T. 1.-4. Stufe. 4. Aufl. Bielefeld, Velhagen & Klasing. VIII, 232 S. M. 2,50. — 28) X M. Uebelacker, Dtsch. 
Aufsatzschule für d. Schul- u. Selbstunterr., auch geeignet als Lesebuch für Fortbildungssch. 5. Aufl. Enth. 1. Belehrung u. 
Anl. z. selbständ. Anfertigung v. Aufsätzen. 2. Zahlreiche ausgeführte Musteraufsätze. 3. D. mündl. Rede, d. mündl. Vortr. 
4. Entwürfe u. Aufgaben. B., Aug. Schnitze. XII, 407 S. M. 3,00. - 29) X i^i Kleine dtsch. Aufsatzschule für d. Schnl- 
u. Selbstunterr. Enth.: 1. Belehrung u. Anleitg. z. selbständ. Anfertigung v. Aufsätzen. 2. Ausgeführte Musteraufsätze u. 
Dispositionen. B., Aug. Schnitze. IV, 96 S. M. 1,00. — 30) X F- X.Reck, Anleitung z. dtsch. Aufsatz. Rottenburg, Bader. 
IV, 48 S. M. 0,40. — 31) P. Leonhardi, Neue method. Hilfsmittel z. nnterrichtl. Behandlung d. dramat, Lektüre u, ihrQ 



I 7 : 32-43 P. Goldscheider, Die Litteratur in der Schule. 

lung" herang-ezog-en werden müssen, damit sie nicht unklares Schwärmen für Ver- 
ständnis ausgeben. — Auch in der Abhandlung- Boecks^S) über den deutschen Auf- 
satz in der höheren Mädchenschule wird die Lektüre gelegentlich gestreift, insbesondere 
die Frage, welche Werke für diese Gattung von Schulen in Betracht kommen; „Tasso" 
wird abgelehnt. — 

Darauf, dass bei Behandlung altklassischer Schriftwerke eine intimere 
Beziehung, eine Fühlung mit deutscher Litteratur angestrebt werden müsse und 
könne, weist Ahlheim ^3) hin. So setzt er die Pietas des Aeneas mit der Treue des 
Nibelungenliedes, der Gudrun usw. in Verbindung. Vgl. weiterhin die lehrreichen 
Beispiele S. 17 und 19. — Vor einer Interpretation, welche die Betonung der 
poetischen Technik, die Veranschaulichung von Kunstgesetzen durch Dichtwerke bei 
der Erklärung' in den Vordergrund stellt, warnt Ziller34) in einer sehr beachtens- 
werten Abhandlung. Hier wird vielmehr, insbesondere auch für den Aufsatz, auf die 
Herausarbeitung der Begriffe und Vorstellungen hingewiesen, welche das vorliegende 
Werk gewissermassen konkret veranschaulicht. Man soll zunächst auf psychologisch 
scharfe, zwingende Motivierung achten; sodann auf den moralischen Standpunkt, den 
der Künstler in seiner Schöpfung vertritt. Was nach diesen Beziehungen hin nicht 
stichhaltig ist, kann für die Lektüre nicht verwertet werden; deshalb verwirft Z die 
Behandlung von Lessings „Emilia Galotti". — Eine treffende Verurteilung der Er- 
klärung des Dramas, welche die Technik, die poetische Mache in den Vordergrund 
stellt, finden wir bei Münch^^), und zwar in engstem Zusammenhang mit den Haupt- 
fragen der Pädagogik und Didaktik (S. 104/5). Den Inhalt des Gedichtes selbst an- 
schauen, das innere Leben der handelnden Personen erkennen: das ist ihm Haupt- 
zweck der Vertiefung in das Drama."*«) — Sehr beachtenswert für die Erklärung 
sind die rhythmischen Gesetze, wie sie Hildebrand^'') entwickelt, z. B. wenn 
er den hüpfenden und schreitenden Takt des Hexameters darlegt und auf die Sicher- 
heit des rhythmischen Gefühls hinweist, welches Goethe und Schiller bekundet haben. — 

Für dramatische Schüleraufführungen tritt GloeP^) ein. Die dag-egen 
gerichteten Einwände sind : Sie störten den eig-entlichen Unterrichtsbetrieb, sie be- 
o-ünstigten die jugendliche Eitelkeit, die Schule trete mit ihnen aus dem Rahmen ihrer 
Aufg-aben heraus. Was G. im Gegensatze hierzu g-eltend macht, kann die Einwände 
nicht entkräften. Dankenswert ist die Durchmusterung der Stücke, die für solche 
Aufführungen geeignet sind. — Die Versinnlichung durch das Bild wird für ITnter- 
richtszwecke immer mehr herangezogen. Eine Uebersicht über die hierher gehörig-e 
Litteratur g-iebt Sahr^^). — Eine Uebersicht über diejenigen Fragen, die für die 
Erklärung von Schriftwerken noch als „offene" bezeichnet werden dürfen, sucht 
die Abhandlung- Goldscheiders^*') zu geben; seine eigenen Antworten auf diese 
Frag-en stellt der Vf. S. 28 in Thesenform zusammen; wir weisen namentlich auf 
die 1., 2., 5. und 7. hin. — 

Unter den methodischen Erläuterungsschriften zu einzelnen Dramen 
steht der wertvolle Beitrag- zur Erklärung der „Minna von Barnhelm" voran, den 
die vorzügliche Abhandlung Kettners *i) liefert. Auch Minna wird in ihrer Ein- 
seitig-keit und Schwäche gezeichnet und daraus folgt, dass man Tellheims Verhalten 
nicht als krankhaften Eigensinn hinstellen sollte. — Ein Werk Schrammens*^) 
überschüttet uns mit 105 Dispositionen über „Emilia Galotti". Sie erheben sich nicht 
über das, was gewöhnlich auf diesem Gebiete dargeboten wird. In N. 92 wird be- 
hauptet, Shakespeares Macbeth sei ein „historisches Schauspiel", Emilia ein „bürger- 
liches"; diese eine Intriguen-, jene eine Charaktertragödie. Und daraus wird für den 
Macbeth abgeleitet: „Die Handlung spielt sich an verschiedenen Orten und zu ver- 
schiedenen Zeiten ab." Man erkennt daraus recht das Unhaltbare dieser ganzen 
Einteilung-. Denn die bezeichnete Eigentümlichkeit stammt doch wohl daher, dass 
es eben ein Drama Shakespeares, und nicht daher, dass es „historisch" ist. Viel- 
fach finden sich Verstösse gegen den guten Ausdruck, auch ungenaue Citate (vgl. N. 7,92). 
— Willmann 43) weist die Erklärung des „Götz von Berlichingen" darauf hin, das Ver- 
hältnis des Dichters zu der Selbstbiographie Götzens richtig zu bestimmen; auch be- 



Verwertnng auf d. Oberstufe d. höh. Mädchensch. Progr. Brandenburg a. H. 20 S. — 32) M. Boeclr, D. dtsoh. Aufs, in d. 
höh. Mädchensch. Progr. d. Johannenm. Hamburg. 4". 14 S. — 33) A. Ah 1 heim, D. Schriftstellerlektöre d. Obersekunda 
nach d. Grundsätzen d. Konzentration. 1. T. Progr. Bensheim. 40. 23 S. — 34) Fr. Ziller, üeber planroässige Anleitung 
z. Anfsatzbildung; mit Berücksichtigung d. neupn Lehrpläne. Progr. Osnabrack. 35 S. — 35) W. Münoh, Neue päd. Beitrr. 
B., Gaertner. 160 S. M. 3,00. — 36) XX M- Hoff mann, Leitfaden d. Aesthetik für d. Schul- u. Selbstnnterr. 2. Ausg. 
Wien, Bermann & Altmann. 1891. VII, 90 S. M. 1,80. — 37) Rud. Hildebrand, Ehythm. Bewegung in d. Prosa: ZDÜ. 7, 
S. 641/7. - 38) H. Glnel, lieber dramat. Schüleraufführungen: ib. S. 386-98. — 39) J. Sahr, I>. Bild im dtsoh. Unterr.: ib. 
8. 651-69. — 40) P. Goldscheider, Offene Fragen: Nachtr. z. „Erklärung dtsch. Schriftwerke in d. oberen Klassen". (Vgl. 
JBL. 1890 I 7:5.) Progr. d. Gymn. Elberfeld. 4". 38 S. — 41) H. Kettner, D. Charakter d. Minna v. Barnhelm u. seine 
Stellung im Drama: ZDU. 7, S 217-30. — 42) J. Schrammen, Emilia Galotti, erlänt. in 105 Dispositionen, verwendbar zu 
Vortrr. u. Aufsätzen. (= Erläuterungen zu dtsch. Klassikern. N. 4.) Köln * L., Ahn. 112 S. M. 0,60. - 43) 0. Willmann, 
Ueber Goethes „Götz v. Berlichingen". (= Lehrproben u. Lehrgänge, her. v. W. Pries u. H. Mayer. Heft 34 [Halle a. S., 



P. Goldscheide r, Die Litteratur in der Schule. I 7 : 43a-52 

zeichnet er recht treffend, inwieweit der Geist des eigenen Zeitalters die Dichtung 
beherrscht. *3a) — 

Die Fortsetzung' seiner Erklärung der Lyrik Klopstocks und Goethes lieferte 
Lorenz 44) (vgl. JBL. 1892 I 5:33); der vorliegende 2. Teil behandelt folgende Ge- 
dichte Goethes : Prometheus, Ganymed, An den Mond, Gesang der Geister^ Ilmenau, Zu- 
eignung. Die Form des Vortrags ist fesselnd und lebendig, geeigneter einen einheit- 
lichen Eindruck zu erzeugen als das blosse Schema oder Anmerkungen. Am wenigsten 
gelungen ist die Erläuterung von „Ilmenau"; der Stil schwankt hier zwischen direkter 
und indirekter Rede, worunter die Klarheit der Auffassung leiden muss; überhaupt verfällt 
L. in dem Bestreben, alles auf die einfachste Form zurückzuführen, hin und wieder in 
Plattheit. — In seiner Erklärung lyrischer und epischer Gedichte wendet sich 
Florin 4^) gegen die sogen. „Vorschwebungen", d. h. Erörterungen, woher der Dichter 
das eine oder andere habe, und gegen die Aufstöberung der kleinsten Verhältnisse 
des Privatlebens zum Zwecke der Erklärung. F. seinerseits betont die Erregung der 
Teilnahme für den Inhalt und die Verknüpfung des Gleichartigen; litterarhistorische 
Schätzung liege der naiven Hingabe noch fern. Mit Lyon (vgl. JBL. 1890 17:7) 
legt er Gewicht auf Erweckung der Stimmung, aber er findet dessen Verfahren zu 
breit und weitschweifig, es beschäftige den Schüler zu wenig. Sehr beachtenswert 
sind F.s Winke über die Beziehungen zwischen poetischer Lektüre und Gesang. Was 
den formalen Verlauf der Erklärung betrifft, so wird eine Vermittlung der beiden 
äussersten Richtungen vorgeschlagen, von denen die eine mit der lautlichen Ver- 
körperung des Gedichtes beginnt, während die andere erst mit ihr schliesst. Das 
Sachliche soll vor der Form erläutert werden; beide Gebiete sind möglichst getrennt 
zu halten. Dem theoretischen Teil folgt die Behandlung von 23 Gedichten; auch Auf- 
gaben zu schriftlicher Bearbeitung schliessen sich an und werden zum Teil in Muster- 
beispielen ausgeführt. Für die Erläuterung des „Alpenjägers" will F. im Gegensatze 
zu den bisherigen Besprechungen alle Beziehungen auf das Moralische ausgeschlossen 
wissen. Auf schweizerische Verhältnisse wird durchweg besondere Rücksicht ge- 
nommen.'*6"4S) — 

Erläuterungen zu den Gedichten unserer Schullesebücher giebt Weber*'-'). 
In dem Vorwort wird die Bedeutung der Poesie für die Erziehung gepriesen; sie zu 
fördern sei eine Hauptpflicht, namentlich in unserer „entnervten Zeit". Wir sollen da- 
durch zur Erkenntnis der „W^ahrheit" anleiten. Diesen grossen, freilich etwas unklaren 
Worten der Einleitung gegenüber erscheint die folgende Erklärung der Gedichte 
ziemlich dürftig. Sie macht den Eindruck, als ob dem Unternehmen nicht eine er- 
forderliche tiefer gehende Sachkenntnis zur Seite stünde. Vgl. z. B. S. 3: Inhalt der 
Minnelieder! S. 17. Stoff' des „Zauberlehrlings". Seltsam ist S. 53 die Herbeiziehung 
von Thess. 4,12 für die ,, Klage der Ceres". S. 167: Immer noch „Satyre"! S. 173: 
,,that schnaufen" sei sprachlich unrichtig, weil „thun" kein Hilfszeitwort ist, usw. — 
Erläuterungen zu Lesebüchern tauchen auch sonst mehrfach auf. Perktold^**) liefert 
Bemerkungen zum 4. Bande des Lesebuches von Kummer-Stejskal. Er handelt über 
dessen Verwendung für die Lektüre und daran anknüpfende Aufgaben. Für die 
Aufeinanderfolge der Stücke sucht er einen ideellen Zusammenhang herzustellen. Dies 
Bestreben, das Lesebuch als einheitliches Ganzes aufzufassen und durchzuarbeiten, 
verdient Anerkennung und Nacheiferung. — W ernecke und Wiessner^^) haben im 
Anschlüsse an das von ihnen herausgegebene Volksschullesebuch (vgl. JBL. 1892 
I 5 : 84) Uebungsstoffe für den deutschen Sprachunterricht bearbeitet. Die Vorschläge sind 
sehr mannigfaltig und vielfach vorbildlich. Aber die Ausnutzung von Gedichten zu 
allerlei äusserlichen [Tebungen können wir doch nicht billigen. Gleich bei dem ersten, 
„Frühlingszeit" von Hey, wird gefragt: W^ie viel Silben hat Jedes Wort dieses Ge- 
dichtes? Wieviele Laute hat jedes einsilbige Wort dieses Gedichts? Dergleichen 
nimmt bei aller Behutsamkeit dem Gedichte seinen Schmelz. — Dorenwells^-) 
„Präparationen" zur methodischen Behandlung deutscher Musterstücke schliessen sich 
in erster Linie an die Lesebücher von Hopf und Paulsiek (vgl. JBL. 1892 I 5 : 82), 



Waisenhaus. IV, 112 S. M. 2,00.], S. 98-107.) — 43a) XX Wegweiser durch d. klass. Schuldraraen. Bearb. v. 0. Frick n. 
H. Gaudig. 3. Abt. Schillers Dramen. 11. (bearb. v. H. Gaudig.) 4.-9. Lfg. (S. 161-448.) (= Aus dtsoh. Lesebüchern. Ep., 
lyr. u. dramat. Dichtungen, erläut. für Oberklass. d. höh. Schulen. N. 59-64 [5. Bd.).) Gera, Th. Hofraann. (ä Lfg. 50 Pf.) 
M. 3,00. — 44) K. Lorenz, Klopstocks u. Goethes Lyrik. E. Beitr. z. Behandl. d. Klassenlektüre. 2. T. Goethe. Progr. Kreuz- 
burg. 4*. 23 S. — 45) A. Florin, Präparationen z. Behandl. lyrischer u. epischer Gedichte nebst Einführung in d. Methodik ders. 
Davos, H. Richter. III, 183 S. M. 2,40. - 46) XX H. Bender, Horaz, Homer u. Schiller im Gymn. 3 Gymn. -Reden. Tübingen, 
Laapp. V, 94 S. M. 1,80. - 47) X X J- ^ay' Lessings Harab. Dramaturgie im Unterr. d. Prima. Progr. Oflenburg. 1892. 17 S. 
(S.u. IV 6.) — 48) X G. Klee, W. Böhme, Erläuterungen zu d. Meisterwerken d. dtsch. Dichtkunst. (Vgl. JBL. 1891 17:63); ZGymn. 
26, S. 235. - 49) L. W e b e r , Erläuterungen zu d. Gedichten unserer .Schullesebücher. Troppau, Buchholz & Diebel. VII, 185 S. M. 2,50. — 
50) F. Perktold, Bemerkungen z. 4. Bde. d. Lesebuches v. Kummer-Stejskal, insbes. d. Dispositionen d. Prosastücke. Progr. Ober- 
hollabrunn. 40 S. — 51) R. W e r n e c k e u. E. W i e s s n e r , Uebungsstoffe für den dtsch. Sprachunterr. Im Anschlüsse an d. „Deutsche 
Volksschullesebuch". 1. Heft. Mittelstufe. 2. Heft. Oberstufe. Gera, Hofmann. 1890. I, 72 S.; II, 112 S. M. 0,60; M. 0,75. — 
52) K. Dorenwell, Präparationen z. method. Behandl. dtsch. Musterstücke. E. Handbuch für Lehrer z. Gebrauch in d. 
unteren u. mittleren Klassen höh. Lehranst., sowie in d. Mittel- u. Oberklassen v. Volks- u. Bürgersch. 1. T. Hannover, C. 
Jahiesberiohte für neuere deutsche Litteratargeschichte. IV. 15 



I 7 : 58-63 P. Goldscheider, Die Litteratur in der Schule. 

von Plüg-g-e und an das „Hannoversche Lesebuch" an. Soweit die Erklärung- in 
katechetischer Form verläuft, soll nur das Lehrverfahren verdeutlicht, nicht das 
Schablonentum begünstig-t werden. Recht wohl gefallen hat uns die Hinzufügung von 
Parallelstücken, so dass hier immer das einzelne Werk in seinem Verhältnis zu einem 
grossen Ganzen beleuchtet wird; aber eben alles in Beispielen, wie sie den Kindern 
zugänglich sind; das ist recht geschickt gemacht, und wir unterlassen nicht, auch die 
höheren Lehranstalten darauf hinzuweisen. — 

Eine Bearbeitung des Robinson bietet Fuchs^^). Die Robinsonerzählung 
ist der nach dem Zillerschen Lehrplan (s. o. N. 34) für das zweite Schuljahr be- 
stimmte Gesinnungsstoff. Dem Vf. liegt daher besonders ob, avis dem konkreten 
Material die ethisch-religiösen Momente hervorzuheben, lieber den Wert des Robinson 
verbreitet sich die Einleitung; sie findet ihn vorzüglich in dem Sinnbildlichen, das er 
abspiegelt: er ist nach Hettner „eine Art von Philosophie der Geschichte". Und das 
Buch kann wie kaum ein anderes erziehlich wirken, weil es zur Energie des Handelns 
treibt. Eine Zusammenstellung des erarbeiteten ethisch-religiösen Materials am Schluss 
giebt eine Uebersicht über das Geleistete. Als ,, Konzentrationsstoffe" treten hervor: 
Gesellschaftskundliches, Erdkundliches; auch Gesang, Zeichnen und Handfertigkeits- 
unterricht. Wie für die letzteren Gebiete durch die Beschäftigung mit dem „Robinson" 
reichliche Gelegenheit und Anregung geboten wird, mag die Ijchrer der deutschen 
Litteratur, welche der Zillerschen Richtung bisher ferner gestanden haben, ganz be- 
sonders anziehen; der Vergleich mit der „Darbietung" des Robinson bei dem alten 
Campe ist' unabweisbar I^^-^sj (Ygl HI 3:15—30.) — 

Hülfsmittel für den Unterricht. In der Schulausgabe^^"^*^) von 
Lessings(vgl. IV 6) Dramaturgie, die Lichtenheld^') veranstaltet, sind Einleitung und 
Anmerkungen im allgemeinen zweckentsprechend ; vortrefflich ist die Hinzufügung eines 
Namenverzeichnisses mit den erforderlichen litterarischen Angaben und des Anhanges 
,,Aus der Poetik des Aristoteles"; der griechische Text und die Uebersetzung nach 
F. Susemihl stehen neben einander. Dass die einzelnen Stücke bestimmte Ueberschriften 
erhalten haben, ist didaktisch wertvoll; zugleich, dass die Einteilung bei Lessing durch 
fortlaufende Ziffern kenntlich gemacht wird. In der Auswahl würden wir gern noch grössere 
Beschränkung sehen; zu missen ist z. B. 21 „lieber die Titel der Komödien", der 
Streit mit den Buchhändlern am Schluss, auch mancher kleinere Abschnitt wie S. 84 
„Man wird glauben" usw. Die für Schulausgaben besonders wünschenswerte Sorg- 
falt ist im einzelnen leider nicht vorhanden. Sie fehlt in Namen (Pernotty, Traso), 
in Jahreszahlen (vgl. S. 142), in griechischen und lateinischen Wörtern {fiio^lovs,) 
sapientae, senis), im sprachlichen Ausdruck („Ich bin Shakespeare", „Lessing setzt sich 
für Wieland ein", „den restlichen Teil"), in derInterpunktion(vgl.S.83). — Netoliczkas^^^ 
Nathanausgabe ist eine vortreffliche Leistung. N. sucht in der Einleitung die Urteile 
für und gegen Lessings Tendenz mit Billigkeit abzuwägen. Gut ist die vielfache 
Beziehung auf den Sprachgebrauch sowie die durchgehende Vergleichung einmal 
mit der jetzigen Ausdruckweise, sodann auch mit der mhd.^^a-j — j^ der Ausgabe von 
Herders (vgl. IV 7:17) Cid hat Buchner ^3) für Herstellung einer Auswahl die 
Untersuchungen Voegelins über die französische und die spanische Quelle verwertet. 
Die Zuthaten des unbekannten Franzosen und Herders werden in kleinerem Druck g-e- 
gegeben; dadurch wird wünschenswerte Kürzung und schärfere Hervorhebung des 
Wesentlichen erreicht. Auch innerhalb der echt-spanischen Romanzen werden die 
nach Ansicht des Herausgebers minder bedeutenden als solche gekennzeichnet und 
zur Uebergehung bestimmt. Man würde demnach bei Lektüre des Cid auf Grund 
dieser Auswahl mit dem Drittel der sonst dafür verwandten Zeit auskommen. Freilich: 



Meyer. IV, 232 S. M. 2,50. — 53) A. Fuchs, Robinson als Stoff e. erziehenden Unterr. in Pr&parationen n. Konzentrations- 
plänen. Nach Herbart-Zillerschen Grundsätzen bearb. M. e. Vorw. v. A. Pickel. Jena, Maulte. XXIX, 120 S. M. 2,40. — 
54) XXJ-^^cliönemann, Inwiefern lassen sich V. Hehns Schriften z. Belebung u. Vertiefung d. Gy ran.-Unterr. verwerten ? Progr. 
Schlawe. 4". 27 S. — 55) X X C. G u d e , Erläuterungen dtsch. Dichtungen. Nebst Themen zu schriftl. Aufsätzen, in Umrissen u. Aus- 
führungen. 2. u. 3. Reihe. L., F. Brandstetter. VIII, 388 S. ; VI, 389 S. M. 3,00. — 56)XXK.Kinzel, Hans Sachs ausgew. u. erläut. 
2. verb. u. verm. Aufl. (= DenVmäler d. älteren dtsch. Litt. her. v. G. Bötticher u. K. Kinzel. 3. Abt., N. 1.) Halle a. S. 
Waisenhaus. VII, 120 S. M. 0,90. — 56a) X B- Schneider, K. Neubauer, Luthers Schriften (vgL JBL. 1891 1 7:42): 
COIRW. 21, S. 310,1. — 57) XX 6- Bötticher, D. Litt. d. 18. Jh. vor Klopstock. Ausgew. u. erl. (s. o. N. 56; 4. Abt., N. 2.) 
VIII, 122 S. M. 0,90. — 57a) X 0. Lyon, Auswahl dtsch. Gedichte. (= Velhagen u. Klasing [s. u. N. 59a], N. 51; X, 504 S. 
M. 2,20>: Paedagogiura 14, H. 469. — 58) X E. Naumann, E. Küenen u. M. Evers, D. dtsch. Klassiker erläut. u. gewürd. 
für höh. Lehranst., sowie z. Selbststud. Bd. 3-8 (vgl. JBL. 1890 I 7:78; 1891 I 7:65: 1892 I 5:70): ZGymn. 26, S. 4823. — 
59) X Lessing, Philotas her. v. 0. Günther (JBL. 1890 I 7:41|; Minna v. Barnhelm her. v. Tomaschek (JBL. 1890 I 7:33; 
1891 I 7:40); Nathan her. v. Denzel u. Kraz (JBL. 1890 I 7:35): Paedagogiura 14, S. 462. — 59a) X X A. ThorbecVe, 
Lessing, Minna v. Barnhelm. (.Velhagen u. Klasings Samml. dtsch. Schulausgaben N. 12.) Bielefeld, Velhagen & Klasing. 12". 
VIII, 126 S. M. 0,50. — 60) X A. Funke, Lessing, Minna v. Barnhelra. 5. Aufl. (=r Schöninghs Ausg. dtsch. Klassiker mit 
Komm. N. 5.) Paderborn, Schöningh. 166 S. M. 1,20. (Vgl. JBL. 1890 I 7:70.) — 61) A. Lichtenheld, Lessing, D. hamb. 
Dramaturgie in Ausw. (= Graesers Schnlausg. klass. Werke her. v. J. Neubauer N. 467.) Wien, Graeser. XUI, 183 S. 
M. 1,00. — 62) 0. Netoliczka, Lessing, Nathan d. Weise. Für d. Schulgebr. her. (= Freytags Schulausg. klass. Werke für 
d. dtsch. Unterr.) L., G. Frey tag. 12». 163 S. M. 0,80. — 62 a) X J- B- Klören, Für d. Praxis: Unterriohtl. Behandl. d. 
Lessingschen Fabel „D. Esel u. d. Wolf": KZEU. S. 445,8. — 63) W. Buchner, D. Cid. Gesch. d. Don Rny Diaz, Grafen v. 



P. Gold seh ei der, Die Litteratur in der Schule. I 7 : 64-80 

eine solche Ausgabe mit der Bezeichnung- des Wertes oder der Wertlosig-keit einzelner 
Stellen, der Missverständnisse und Uebersetzung-sfehler ist ein Werk für Philolog-en; 
dies Verfahren kann dem Schüler die ohnehin wenig- erwärmende Dichtung- nicht 
näher bring-en. — Eine Auswahl von Goethes^*) (vg-l. IV 8) Gedichten g-iebt 
Toi scher ^^) in Hölders Verlag- heraus. Gerade bei Goethe wirkt die Meng'e und 
Verschiedenartig-keit der Gedichte auf Schüler verwirrend ; es ist daher g-ut, dass ihnen 
das Beste in übersichtlicher Fassung- g-eboten wird. Die Einleitung- g-iebt eine kurze 
Entwicklung- von Goethes Ljaik; T. folg-t darin Ernst Martin. Die Anmerkung-en sind 
mög-lichst knapp g-ehalten; häufig- citiert ist nur „Dichtung- und Wahrheit". Die stete 
Beziehung- auf dieses Werk ist didaktisch sehr wertvoll. Unter den „Zahmen Xenien" 
werden diejenig-en zusammeng-estellt, die keiner g-elehrten Erklärung- bedürfen, sondern 
sich leicht eig-enem Nachdenken erschliessen. Auch dass die Reihenfolg-e nach Loepers 
Zählung- daneben bemerkt wird, ist für den praktischen Gebrauch dienlich, ^^ß^) — 
Burghausers^^) Ausgabe von Goethes „Egmont" ist keine dem wohllautenden 
Programm der Freytagschen Ausgaben entsprechende Ausführung. Die litterar- 
historisohe Einleitung ist nicht knapp genug. Die Anmerkungen sind mehrfach über- 
flüssig, während sie bei wirklichen Schwierigkeiten im Stich lassen oder irre leiten. 
(Vgl. I, 439; TI, 514; III, 35; IV, 392, 431 f.; V, 112, 114, 606ff.)'0)_ Chevalier'') 
vertritt in seiner Tasso-Ausgabe durchweg die jetzt übliche Auffassung, dass Goethe 
eine Heilung Tassos habe veranschaulichen wollen; Ch. sagt sogar: Er kehrt zur 
Arbeit an seinem Werk zurück. Auch Ch.s Darstellung der Gräfin Sanvitale scheint 
uns unrichtig zu sein. '2-'72a^ — Hofmeisters'^) Auswahl aus „Dichtung und Wahrheit" 
für die Bornhaksche Sammlung beruht offenbar auf sorgfältiger Ueberlegung. Aber 
das Schönste, Unersetzliche in Goethes Meisterwerk geht bei dieser Zerstückelung ver- 
loren: die epische Entfaltung, die allmähliche Entwicklung, die Feinheit des Zu- 
sammenhanges. Man sollte sich doch lieber mit der Lektüre weniger Bücher begnügen, 
als dass man das Ganze so grausam zerstört. Warum sind z. B. gerade so sinnlich fassbare 
Lebenszüge übergangen wie der Besuch bei Gottsched, bei dem philosophischen 
Schuster, die Reise mit Lavater und Basedow? '4) — Der Wert der Ausgabe von 
Schillers''5-79^(^yg.| lY g-) ,,Maria Stuart", dieHeskampS<>) veröffentlichte, liegt in dem IV. 
Anhangs. 203 — 15; erbehandelt Maria Stuart „im Lichte der Geschichte" und legt dabei die 
neuesten Forschungen zu Grunde. Zwar ist an und für sich die genaue Kenntnis und Er- 
kenntnis der geschichtlichen Grundlage kein notwendiges Erfordernis für die Erklärung 
des Dramas innerhalb der Schule; aber gerade bei einer so viel umstrittenen Persönlichkeit, 
wie die der schottischen Königin es ist, wird man gespannt sein, die beste wissenschaftliche 
Auffassung neben die des Dichters zu halten. Die Fussnoten in Werken der Muttersprache 
wirken störend: S. 78 äussert Leicester „Der Duo von Anjou hat dich nie gesehen"; 
dazu heisst es unten: Schiller irrt (!); der Duc von Anjou war persönlich am Hofe zu 
London gewesen. S. 84 phantasiert Maria: „Dort, wo die grauen Nebelberge ragen, 
Fängt meines Reiches Grenze an." Der Kommentator dagegen stellt fest, dass die 
Entfernung etwa 40 deutsche Meilen betrage, „so dass sie ihres Reiches Grenze un- 
möglich sehen konnte". Im Texte wird der Kardinal von Lothringen erwähnt: Dazu 
wird — zur Erklärung der Stelle? — unten bemerkt, dass unter Theodosius jeder 
Hofbeamte Cardinalis hiess. Dieser aufdringlichen Gelehrsamkeit gegenüber berührt 

Bivar. Nach span. Romanzen v. J. G. Herder. Essen, Bädeiter. 1892. XVIU, 130 S. M. 1,00. (Vgl. JBL. 1892 I 5:71.) — 
64) XX K. Heinemann, Goethes Lehen und Werke (Neuer Ahdr.; vgl. JBL. 1890 I 7 : 43.) (= Velhagen u, Klasings Samml. 
[s. N. 59a], N. 33.) 130 S. M. 0,60. |[BBG. 28, S. 471 2. (Hier auch W. Nöldecke, Goethes Dichtung u. Wahrheit [ehda. J be- 
sprochen.)]] — 65) W. Toischer, Goethes Gedichte. Ausgew. u. erläut. (= Hölders Klassilcer-Ausg. für den Schulgebr. 
N. 28,9.) Wien, Holder. 141 S. M. 0,80. — 66) J. Heuwes, Ausgew. Balladen Goethes u. Schillers. Mit äusführl. Erläute- 
rungen usw. (= Schöninghs Ausg. [s. o. N. 60], N. 19.) 129 S. M.1,00. |[L. Frey tag: COIRW. S. 753.]| — 66a) X L. Blume, Goethes 
Gedichte (vgl. JBL. 1892 IV 8c: 12): Paedagogium 15, S. 7534. — 67) X H. F. Müller, W. Heinzelmann. Goethes Iphigenie 
(vgl. JBL. 1891 IV 9e : 46): ZGymn. 26, S. 161 '2. - 67a) X P- 0. Höcker, Götz v. Berlichingen. Kulturgesch. Erzählung. D. dtsch. 
Jugend gewidmet. (B., Krüger. 1892. 180 S. M. 4,80): ZOG. 44, S. 87. — 68) X X St. Waetzoldt, Iphigenie auf Tanris. V. Goethe. 
(= Velhagen u. Klasings Samml. fs. N. 59a], N. 2.) VIII, 123 S. M. 0,50. (Neuer Ahdr.) — 69)G. Burghauser, Goethe. Egmont. Für 
d. Schulgebr. her. (= Freytags Ausg. [s. o. N. 62].) 123 S. M. 0,60. — 70) XX L- Zürn, Goethe, Egmont. 2. Aufl. (= Schö- 
ninghs Ausg. [s. N. 60], N. 10.) 144 S. M. 1,20. — 71) L. Chevalier, Goethe, Torquato Tasso. E. Schausp. Für d. Schul- 
gebr. her. (= Freytags Ausg. [s. o. N. 62].) 134 S. M. 0,60. — 72) X X A. Hauffen, Goethe, Hermann u. Dorothea (ebda.) 
96 S. M. 0,50. - 72a) X A. Funke, Goethes Hermann u. Dorothea (vgl. JBL. 1891 I 7:55): Paedagogium 14, S. 333. — 73) 
G. Hofmeister, Ans meinem ieben. Dichtung u. Wahrheit v. Goethe. (= Teubners Samml. dtsch. Dichter u. Schriftwerke 
für höh. Töchtersch., her. von G. Born hak K 27.) L., Teubner. 12". 201 S. M. 0,80. — 74) X X Homers Odyssee im 

Auszuge. In d. Uebersetzung v. J. H. Voss. (= Velhagen u. Klasings Samml. [s. o. N. 59 a], N. 66.) XII, 166 S. M. 0,90. 

75) XXV. Uellner, Schillers Gedichte. Für d. Bedürfnisse d. Schule u. d. Hauses nach ihrer Entstehung geordnet nsw. 
(= Meisterwerke d. dtsch. Litt, für höh. Lehranst.) B., Reuther & Reichard. 224 S. M. 0,60. — 76) XX E- Evers, 
Schillers „Glocke". Neue Textausg. mit veranschaulichenden Erklärungen, eingehenden Erläuterungen n. umfassender Würdi- 
gung. (= M. Kü enen u. E. Evers, D. dtsch. Klass. erläut. u. gewürd. für höh. Lehranst., sowie z. Selbststud. N. 9.) L., H. Bredt, 
194 S. M. 1,60. — 77) X X F- Violet, Schiller, Gesch. d. Abfalls d. verein. Niederlande. Im Auszuge. (= Velhagen u. 
Klasings Samml. [s. o. N. 59a], N. 61.) XVL 198 S. M. 1,20. — 78) X X M. Miller, Schiller, Wallensteih. Mit vielen 
Fragen u. Aufgaben behufs Anleitung z. Selbstdenken u Selbstfinden, sowie z. Anregung tieferen Eindringens in d. Verständnis 
d. Inh. (= Sohnlausg. dtsch. Klass. N. 10.) Trier, H. Stephanus. 292 S. M. 1,20. — 79) X X C. Michaelis, Schiller, 
Wallenstein. 1. Bdch. Wallensteins Lager. D. Piccolomini. (= Velhagen u. Klasings Samml. [s. o. N. 59a], N. 23.) XX, 151 S. 
M. 0,60. — 80) H. Heskamp, Maria Stuart. Mit ansführl. Erläuterungen für d. Schulgebranch u. d. Privatstud. 3. Aufl. 

15* 



I 7 : 81-89 P. Goldscheider, Die Litteratur in der Schule. 

es eig-entümlich, dass S. 94 als erster Gemahl der Maria Heinrich IL g-enannt wird. 
— Im Schöning-hschen Verlage g-iebt Funke^^) die „Jung'frau von Orleans" heraus. 
Die Fussnoten wären auch hier besser fortgeblieben. Für unpassend halten wir 
das g-eflissentliche Hervorheben von Widersprüchen (vg-l. S. 10, A. 8). Ebensowenig- 
darf man fortwährend das g-eschichtliche Urbild neben die Gestalt des Dichters halten, 
da es sonst unmögiich ist, das von diesem g-ezeichnete Bild fest zu halten. So wird 
etwa im Text Johanna als Hirtin darg-estellt, während die Gelehrsamkeit unten hin- 
zufüg"t, dass die Jung-frau hauptsächlich und zuletzt fast ausschliesslich die Haus- 
haltung* besorg-tc^^-^*) — An Heskamps^^) Ausgrabe der „Braut von Messina" ist 
zu loben, dass die Relig-ionsmischung- nicht, wie üblich, ang-eg-riffen, sondern mit 
richtig-em Verständnis verteidig-t wird: Sie bildet den echt historischen Hinterg-rund 
g-erade dieses Dramas. Im übrig-en treten in der Erklärung dieselben Schwächen her- 
vor wie in H.s „Maria Stuart" (s. o. N. 80). Die Fussnoten schweifen in das Gebiet 
der Exkurse über: Um des Namens Don Cesar willen erhalten wir Untersuchungen 
darüber, wann der Name „Caesar" in Rom zuerst auftritt, und verfolgen die Geschichte 
dieses Namens bis zu dem russischen Zar (S. 32); und bei dem Satze: „Die Jagd ist 
ein Gleichnis der Schlachten" wird eine Erwägung angestellt, warum „auffälliger 
Weise die Römer die Jagd weniger pflegten" (S. 51). Ungenaues und Unrichtiges ist 
stark vertreten, vgl. die Verwechslung von Eteokles und Polyneikes (S. 34), das 
Citat Plectuntur Argivi S. 83, das Citat, dass „hart im Räume sich die Sachen treffen" 
S. 166. u. a. m. — Lichtenheld^^) hat für Graesers Verlag Schillers Demetrius be- 
arbeitet und fügt zur Ergänzung die Fortsetzung des Freiherrn von Maltiz hinzu. 
Die mannigfaltigen Versuche, den Torso zu vollenden, lassen sich in zwei Gruppen 
zerlegen. Maltiz, Kühne, Laube usw. schliessen sich unmittelbar an Schiller an: 
Sie verzichten auf Selbständigkeit; H. Grinnn, Bodenstedt, Hebbel usw. halten sich 
im allgemeinen an Schillers Plan, aber sie möchten doch von Grund aus einen neuen 
Bau errichten. L. hat demnach Recht, wenn er sich für Schulzwecke an die Fort- 
setzer der ersten Richtung wendet; unter diesen wählt er das Drama, welches, aus 
dem J. 1817 herrührend, als das älteste dieser Art eine gewisse klassische Geltung 
erlangt hat. Als vorzüglich soll es keineswegs hingestellt werden, und eine scharfe 
Kritik deckt, übrigens in angemessener Weise, durchgängig die grossen Schwächen 
der jugendlichen Arbeit auf. Aber eben deshalb halten wir es überhaupt für 
didaktisch unrichtig, im Unterricht diese Fortsetzung vorzulegen; ebenso wenig em- 
pfehlen wir eine andere; denn von allen gilt, was Hebbel mit Recht bemerkte, dass es 
unmöglich ist, weiter zu dichten, wo Schiller aufgehört hat. Vielleicht liegt aber für 
die Schüler gerade in der Anleitung dazu, sich auch einmal in die urwüchsige Kraft 
eines Fragments, eines solchen Fragments, zu versenken, ein didaktisch ganz be- 
sonders wertvolles Moment. — Eberhards „Hanchen und die Küchlein" war bis- 
her als Schulausgabe nicht erschienen; Jahn*^''), der Herausgeber, meint, dass sich 
dieses Gedicht in vorzüglicher W^eise zur Verwertimg auf Schulen eigne; er hat dabei 
Mädchenschulen im Auge. Wir bezweifeln das: Zur Privatlektüre mag man es em- 
pfehlen, eingehende Behandlung verdient es schwerlich. Die psychologische Ent- 
wicklung verläuft keineswegs richtig. Das Opfer, welches Hanchen darbringt, ist nur 
ein scheinbares, da man es nicht ohne reichliche Wiedervergeltung annehmen wird; 
der verzweiflungsvolle Schmerz darüber, einen Brautkranz nicht überreichen zu 
dürfen, verleitet zu falscher Sentimentalität; die in I gerühmte Gesinnung streift recht 
sehr an geistlichen Hochmut. Dabei sind die Hexameter hart, oft kaum lesbar. Die 
Ausgabe an sich soll, wofern man eben einen elementaren Standpunkt im Auge hat, nicht 
gescholten werden. —Von Uhlands^^) (vgl. IV 10) „Herzog Ernst" liefert Stötzner^**) 
eine Ausgabe. Wie von vielen Pädag'ogen, so wird auch von dem Herausgeber 
„Herzog Ernst" für das geeignetste Werk gehalten, mit dem man in die dramatische 
Lektüre einführen könne. Die bisher vorhandene Schulausgabe von Weisman schien 
den jetzigen Anforderungen nicht mehr zu genügen; im Gegensatz zu ihr beschi'änkt 
sich St. in seiner Erklärung durchweg' auf das Mass, welches die heutige Didaktik 
vorschreibt. Unter den Fragen S. 86 missbilligen wir solche wie: Warum muss das 



(= Schöninghs Ausg. [s. o. N. 60J, N. 6.) 1892. 215 S. M. 1,35. (.Vgl. JBL. 1892 I 5:65.) — 81) A. Funke, D. Jungfrau v. 
Orleans. Mit ausführl. Erläuterungen für d. Schulgebr. n. d. Privatstud. 3. Aufl. (ebda. N. 9.) 191 S. M. 1,20. (Vgl. JBL. 
1892 I 5:66.) — 82) XX Fr- Ullsperger, Schiller, D. Jungfrau t. Orleans. (= Freytags Schulausg. [s. o. N. 62].) 155 8. 
M. 0,60. — 83) XX P- Strzemcha, Schiller,. Wilh. Teil, (ebda.) 141 S. M. 0,60. — 83a) X E- Schneider, V. Böhme, 
Erläuterungen. IV. Wilhelm Teil (Tgl. JBL. 1891 I 7:63): COIRW. 21, S. 369. — 83 b) X G- Klee, W.Böhme, Erläuterungen 
z. d. Meisterwerken d. dtsch. Dichtkunst. Bd. 1-4 (vgl. JBL. 1890 I 7:77): ZGymn. 26, S. 235. — 84) X X A. Funke, 
Schiller, Wilhelm Teil. 6. Aufl. (= Schöninghs Ausg. [s. o. N. 60], N. 4.) 176 S. M. 1,20. — 85) H. Heskamp, Schiller, 
D. Braut v. Messina. Mit ausführl. Erläut. usw. 2. Aufl. (ebda. N. 11.) 1892. 172 S. M. 1,20. (Vgl. JBL. 1892 I 5:67.) — 86) 
A. Lichtenheld, Schiller, D. Fragment d. Demetrius mit d. Forts, d. Frhrn. F. v. Maltiz. Mit Einl. u. Anm. (=: Graesers 
Schulausg. [s. 0. N. 61], N. 48.) XX, 131 S. M. 0,50. — 87) M. Jahn, Hanchen u. d. Küchlein y. A. H. Eberhard. Für d. 
Schulgebr. her, L., Richter. 76 S. M. 0,60. — 88) X X R- Richter, Uhlands Gedichte, Ausw. (= Velhagen u. Klasings 
Samml. [s. o. N. 59a], N. 63.) 150 S. M. 0,90. — 89) P. Stötzner, Ernst Herzog v. Schwaben, Trauersp. y. L. ühland. 



P. Goldscheider, Die Litteratur in der Schule. I 7 : 90-99 

Stück mit Eriists und Werners Tode endig-en? Weshalb muss auch Mangold sterben? 
Das ist überhaupt bedenklich, am meisten aber auf der Stufe, für die hier gearbeitet 
sein soll! Lebendige Anschauung fördern, nicht in die Mache einweihen! S. 75 V. 1807 
findet sich im Druck eine arge Entstellung. •'•*~90"') — Die Ausgabe von Shakespeares 
„Julius Caesar" in der Schlegelschen Uebersetzung, von Hruschka^^) besorgt, 
scheint uns wohl gelungen zu sein. Mit Recht ist die Scene beim Lupercusfeste um- 
gestaltet. Jedenfalls ist bei Shakespeares Dramen eine sogenannte Schulausgabe not- 
wendiger als bei den Werken unserer klassischen Litteratur. — 

Lesebücher und Anthologien. In seinem Vortrag über die Erziehung 
zur Vaterlandsliebe bespricht Carstensen'*^) auch die Wichtigkeit und den W^ert des 
Lesebuches für die Erweckung- des Patriotismus. Als wesentlicher Inhalt des Lese- 
buches kommen daher in Betracht: Die Schilderung der deutschen Landschaft, die 
deutsche Sagen- und Märchenwelt, Bilder aus der deutschen Geschichte, vaterländische 
Poesie. Hierzu tritt für höhere Schulen die Litteraturkunde. — Wernecke und 
Wiessner^^"*'*"'''') haben sich bei Bearbeitung ihres Volksschullesebuches nach dem Erlass 
vom 1. Mai 1889 und der Verfügung vom 27. Juli 1889 gerichtet. Bezeichnend dafür 
sind die Lesestücke N. 234—88 und N. 383—98. Auch eine allgemeine Belehrung 
über die Grundsätze, „von deren Beachtung das Volkswohl abhängt", haben die 
Herausgeber liefern wollen. Der Einteilung: Frühling, Sommer, Herbst usw. können 
wir nicht beipflichten, da doch in jedem einzelnen Teile viele Stücke sind, die mit 
der Ueberschrift nichts zu thun haben; durch dergleichen verleitet man zu unklarer 
Auffassung. — In Ehreckes undHamniermanns^^j Lesebuche verläuft die Anordnung* 
nach folgenden Gesichtspunkten: Elternhaus, Geschwisterkreis, Gewerbliches Leben, 
Handwerk, Lehrjahre, Wanderjahre usw. Die letzten Abschnitte beziehen sich dann 
auf die christliche Kirche und zwar auf deren Geschichte, auf Werkthätigkeit und 
Wandel, auf das selige Leben. Prosa und Poesie sind gemischt, doch überwiegt 
die Prosa. Die Auswahl erscheint uns zweckmässig, Druck und Ausstattung sind vor- 
züglich. — Das aus dem Kgl. Realgymnasium zu Döbeln hervorgegangene Lese- 
buchs^) war eigentlich nur für Anstalten realistischen Gepräges bestimmt, aber es 
soll nunmehr auch dem humanistischen Gymnasium dienen. Aufgenomme nist, wenn- 
gleich in beschränktem Masse, einiges Mundartliche; die Herausgeber glauben, dass 
sie dies auf einer Klassenstufe (O III.) wagen dürfen, auf welcher der Schüler schon 
so weit gefördert sei, dass er die Muttersprache grammatisch beherrsche (?). Anhänge 
über Rhetorik, Poetik, Metrik hinzuzufügen, ist abgelehnt worden, weil alles dies 
nach Wunsch der Herausgeber dem Obertertianer auf induktivem Wege nahe ge- 
bracht werden solle. — Das Lesebuch von Schanze ''^) sucht den besonderen An- 
forderungen und Verhältnissen der Fortbildungsschulen zu entsprechen; vgl. darüber 
das Vorwort zur ersten Auflage. Das Buch macht einen recht guten Eindruck. — 
An die höheren Lehranstalten Bayerns richtet sich das Lesebuch von Zettel, um- 
gearbeitet von Nicklas s''"^*^). Es will den Blick des Schülers zwar noch auf der 
engeren Heimat verweilen lassen, jedoch auch schon, soweit es der Standpunkt des 
Schülers (2. Klasse) erlaubt, darüber hinauserheben. Zwei Eigentümlichkeiten des 
sehr sorgfältig durchgearbeiteten Werkes unterscheiden es von anderen Lesebüchern: 
1. Wörter, deren Bedeutung dem Schüler fremd erscheinen könnte, finden etymologische 
und sachliche Erklärung. 2. Es werden Sprachmuster aufgestellt, durch die dem 
Schüler unmittelbar ein Vorbild für seine eigenen Arbeiten geboten wird. Die be- 
züglichen Aufsätze sind sehr mannigfaltig und treffen den rechten Ton. N. richtet 
sich gegen die Ansicht, dass ein Lesebuch mehrere Klassen hindurch gebraucht 
werden solle; der Reiz der Neuheit, welchen dem in die Klasse Eintretenden das 
Lesebuch biete, dürfe als wichtiges pädagogisches Moment nicht übersehen werden. 
Da N. Schule und Haus im Auge hat, so giebt er auch Lesestoffe grösseren Um- 
fanges; dagegen will er von allzu einfachen, die gar keine Anstrengung zumuten, ab- 
sehen; ebenso von der Aufnahme ganz bekannter Märchen, die das Kind schon von 



L., Richter. 88 S. M. 0,60. — 90) X X H. Crohn, Ernst. Herzog v. Schwaben. Trauersp. v. L. Uhland. (= Schöninghs 
Ausg. [s. 0. N. 60], N. 18.) 105 S. M. 0,80. |[COIRW. 21, S. 3045.]1 — 90a) X F- Frosch. H. Weisniann. Ludwig d. Bayer. 
E. Schausp. in 5 Aufz. v. L. Uhland. Schulansg. mit Anm. 4. Aufl. St.. Cotta. 1892 : ZOG. 44, S. 1105. — 91) A. H r u s c h k a. W. Shakespeare. 
Julius Caesar. Für d. Schulgebr. her. (= Freytags Schulansg. [b. o. N. 62].) 100 S. M. 0,60. — 92) C. Carstensen. Erz. z. Vaterlands- 
liebe in d. dtsch. Schule. (=: Samml. päd. Vortrr. her. v. W. Meyer- Mar kau N. 9.) Bielefeld, A. Helmich. 1.3 S. M. 0,40. — 
93) R. Wernecke u. E. Wiessner. Dtsch. Volksschul-Lesebuch. Als Mittelpunkt für d. dtsch. Sprachunterr. 1. T. Mittel- 
stufe. Gera, Hofmann. 1890. 224 S. M. 0,70. (Vgl. JBL. 1892 I 5 : 84/5.) — 93a) id., Dtsch. Volksschiillesebuch. Als Mittel- 
punkt für d. Sprachunterr. II. T. Oberstufe. Gera, Hofmann. 1891. 463 S. M. 1,25. — 94) G. Ehrecke u. F. Hammer- 
mann, Dtsch. Lesebuch für mehrklass. Volksschulen. 3. T. Oberstufe. B., Mittler & Sohn. 1892. 469 S. M. 1,80. (Ausg. B. 
XIX, 432 S. M. 2,.30.) — 95) Dtsch. Lesebuch für höh. Lehranst. Her. v. Lehrern d. dtsch. Sprache an d. Kgl. Realgymn. zu 
Döbeln. 4. T. 2. Abt. Obertertia. 2. Aufl. L., Teubner. VIII. 404 S. M. 2,40. — 96) J. u. W. Schanze. Lesebuch für 
städt. u. gewerbl. Fortbildungsschulen in 3 aufsteigenden Kreisen. 3. Aufl. Wittenberg, Herrose. XII, 447 S. M. 1,60. — 
97) K. Zettel, Dtsch. Lesebuch für höh. Lehranst. Umgearb. \. 3. Nicklas. 1. T. 8. Aufl. München. Lindauer. 1892. IV. 
208 S. M. 1.50. — 98) Dass. 2. T. 8. Aufl. ib. IV, 225 S. M. 1,80. — 99) E. Eassmann, Dtsch. Lesebuch für untere 



I 7 : 100-107 P. Goldscheider, Die Litteratur in der Schule. 

der Volksschule her kennen gelernt hat. Sehr beachtenswert finden wir den Grund- 
satz, man solle nicht, was zu genauerer Behandlung- für spätere Zeit vorbehalten, in 
den unteren Klassen vorwegnehmen, weil man dadurch nur das Interesse abstumpfe. 
Dagegen wird jetzt leider fast grundsätzlich gefehlt. In der Prosa sind Aenderungen 
des Textes vorgenommen, in Gedichten aber nicht. Der grammatische Anhang be- 
schränkt sich auf Musterbeispiele. Norddeutschen Lesebüchern gegenüber fällt die 
Betonung des Humors auf. — Rassmanns"^) Lesebuch für untere Klassen ist von dem 
jetzigen Herausgeber mit den Grundsätzen der neuen Lehrpläne in Uebereinstimmung 
gebracht. Neben grösster Betonung des Vaterländischen hat er jedoch auch der 
griechischen Sag^e einigen Platz eingeräumt, weil ohne sie ein Verständnis unserer 
klassischen Dichtungen unmöglich sei. Für Vorbereitung und Wiederholung erhält 
der Schüler einen Anhalt in Fussnoten. Das Buch ist dazu bestimmt, in der Auf- 
einanderfolge für mehrere Jahre in den unteren Klassen benutzt zu werden und zwar 
bis einschliesslich Quarta. — Bücheler^^oj j^^^ \yQ[ seinem deutschen Lesebuch für 
die unteren Klassen höherer Lehranstalten das Werk Brandauers vor Augen; er 
richtet sich an 7 — 10 jährige Schüler, und es leitet ihn der Gedanke, dass ein Lese- 
buch, seiner Natur nach zum Lesen bestimmt, eben nur dazu verwendet werden sollte. 
So will er demi besonders einen Stoff bieten, an dem die Knaben lernen können, gut 
und schön zu lesen; diese Kunst sollte nach dem Wunsche des Vf. weit mehr, als 
es geschieht, fleissig geübt werden. — In Führers ^"') Lesebuch für die unteren 
Klassen höherer Lehranstalten sollen folgende Grundsätze verwirklicht werden: 1) F. 
richtet sich gegen die übliche Zersplitterung des Stoffes und sucht alle Stücke einem 
einzigen Gebiete zuzuweisen: dem Deutschtum im weitesten Sinne. Ein deutsches 
Lesebuch dürfe kein „Realienbuch" werden. Eine Ausnahme bilden nur die Sagen 
und Geschichten des klassischen Altertums, weil deren Behandlung nach den 
Lehrplänen dem deutschen Unterricht zugewiesen ist. Daher bildet dieser Abschnitt 
einen besonderen Anhang des Lesebuches. 2) Statt unveränderter Abschnitte aus 
Schriftstellern bietet der Vf. eigene Bearbeitungen, die nach didaktischen Zwecken 
durchgeführt sind. Nicht für zulässig hält F. dieses Verfahren bei Stücken, die 
„zur schönen Litteratur" gehören, also auch nicht bei den Grimmschen Märchen, obgleich 
sich hier die meisten Herausgeber willkürliche Veränderungen gestatten. 3) Die Ge- 
dichte sind nicht nach den Gattungen, sondern nach den Dichtern geordnet; dies 
soll einer Einführung in die Litteraturgeschichte zu gute kommen. Der vorliegende 
Teil ist für die 3 unteren Klassen bestimmt; jeder Klasse ein besonderes Lesebuch 
zuzuweisen, hält der Herausgeber für wenig ratsam. — Von Dadelsens '*'2) schon 
früher (JBL. 1892 I 5 : 78) besprochenem Lesebuche für Sexta folgt in diesem Jahre die 
Ausgabe für Quinta. Die gebotenen Stoffe sind auch in diesem Bande nach pädagogisch- 
didaktischen Rücksichten umgestaltet; insbesondere ist darauf geachtet, dass kein 
Lesestück den der Lehi^stunde angepassten Umfang überschreitet. Der grammatische 
Anhang schliesst sich an Lyon, die Satzlehre vorwiegend an Franz Kern an. Die 
Stücke, in denen deutsche Mythologie und Sage dargeboten werden, scheinen uns 
recht wohl gelungen zu sein. — Die von Hessel ^*^^~*"^) zusammengestellte Muster- 
prosa zeichnet sich durch lebhaften, fesselnden Ton aus. Den Wert erhöht eine Anzahl 
praktisch angelegter Register, in deren einem Uebersicht über gleichartige Prosastücke 
gewährt wird. IDieser als „Untere Mittelstufe" bezeichneten Sammlung entspricht 
auch ein Bändchen „Mustergedichte", über deren Verhältnis zu anderen Ausgaben 
desselben Vf. die Vorbemerkung zu vergleichen ist. Auch in diesem Buche ist der 
rechte Ton getroffen. — Salzmanns i^^) Sammlung ausgewählter Gedichte soll eine Er- 
gänzung zum württembergischen Volksschullesebuch bilden. Auch ein Familienbuch 
will er damit schaffen. Den Abschluss bilden religiöse Gedichte Geroks und Spittas. Der 
Anhang (Poetik und litterargeschichtliche Bemerkungen) hält sich didaktisch in der 
rechten Begrenzung. — Eine Auswahl deutscher Gedichte und Lieder für Gymnasien hat 
das Lehrerkollegium des Kgl. Gymnasiums zu Minden zusammengestellt *06). Das 
Bändchen umfasst Gedichte für die Klassen Sexta bis Sekunda einschliesslich. Etwa 20 
Gedichte werden auf einem Beiblatt besonders aufgeführt mit der Bestimmung, dass sie 
in den folgendenKlassen zu wiederholen sind. Zum Auswendiglernen in II sind Abschnitte 
aus „Teil" und der „Jungfrau" ausgewählt; für O III auch hier, wenn auch nur teilweise, 
die bei weitem zu schwierige „Glocke". — Rademachers 'O'') Sammlung liegt der Ge- 



Klassen höh. Lehranst. 4. Aufl. Her. t. J. Trenge. Münster i. W., Coppenrath. XVI, 517 S. M. 2,80. — 100) Bücheier, 
Dtsch. Lese- n. Sprachbuch für d. unteren Klassen höh. Lehranst. 4. Aufl. St., J. B. Metzler. 396 S. M. 1,50. — 
lOlj A. Führer, Dtsch. Lesebuch auf Vaterland. Qrundl. Für d. unteren Klassen höh. Lehranst. Münster i. W., Aschendorf. 
XX, 402 S. M. 2,60. — 102) H. v. Dadelsen, Dtsch. Lesebuch für höh. Schulen. 2. T. Für Quinta. Strassburg i. E., 
C. F. Schmidt. XL 246 S. M. 2,00. - 103) R. Kessel, Musterprosa. 2. T. Unt. Mittelstufe. Bonn, Weber. 203 S. M. 1,30. 
— 104) id., Mustergedichte. Z. Schulgebr. II, 1. Unt. Mittelstufe, ib. 1891. 144 S. M. 1,00. — 105) E. Salzmann, Ausgew. 
Gedichte für d. Schulgebr. Mit e. Abriss d. Poetik u. mit Notizen über d. Dichter. St., Glaser & Sulz. 1892. VUI, 168 S. 
M. 0,75. — 106) Auswahl dtsch. Gedichte u. Lieder für Gymn. u. Realgymn. Zusuromengest. vom Lehrer- Kolleg, d. Gymn. 
u. Bealgyro. zu Minden. Minden, W. Köhler. 63 S. M. 0,50. — 107) 11. Rademacher, Ausw. volkstüml. Lieder n. Gedichte 



P. Goldscheider, Die Litteratur in der Schule. I 7 : 108-129 

danke zu Grunde, dass der Lehrstoff für Deutsch und Sing-en nicht getrennt werden dürfe. 
Wenn das Volkslied auch dem Texte nach fest eing-epräg-t und verstanden werden 
solle, so müsse der Kanon der Volkslieder und Gedichte einheitlich sein; und zwar 
sei eben nur das aufzunehmen, was wirklich volkstümlich geworden. Die Sammlung 
ist alphabetisch nach Dichtern und Stufen geordnet und umfasst einen Doppelkanon : 
So wechseln sangbare Lieder und Gedichte zum Vortrage in bunter Folge mit ein- 
ander ab. Der Anhang giebt eine Anzahl geschickt ausgewählter Volkslieder. — 
Ein bei Helmich in Bielefeld erschienenes Heft^''*) bringt Gedichte für die Klassen 
VI— III einschliesslich, im ganzen 43, und zwar immer in zwei Abteilungen, deren 
erste sich zum mündlichen Vortrage eignet, während die zweite sangbare Lieder 
umfasst. Letzterer ITmstand ist freudig zu begrüasen, da es den Knaben bekanntlich 
immer an Kenntnis des Textes der schönsten Lieder fehlt. Es ist sehr praktisch, 
dass der Gymnasiast so alles, was er von deutschen Gedichten auswendig lernen 
sollte, in handlicher Form zusammen besitzt. — Lindner i**^) liefert in seinem 
Vaterländischen Gedichtbuche eine Fortsetzung des schon früher (vgl. JBL. 1892 
I 5 : 80) dargelegten Unternehmens für Kadettenanstalten. Der Band reiht sich 
offenbar würdig an den vorigen. Die Register gewähren eine praktische Uebersicht. 
In der Aufeinanderfolge lassen sich überall feine Gedankenzusammenhänge erkennen. 
Willkommen ist auch der Anhang, der neben Gedichten Walthers eine Anzahl von 
Volksliedern bietet. — W. Schäfer ^^^^j bietet eine Auswahl aus deutschen Dichtern 
des 18. und 19. Jh. Die Anordnung folgt im wesentlichen litterargeschichtlichen 
Gesichtspunkten; bei der Auswahl wird auch der pädagogischen Erwägung von 
Inhalt und Form Rechnung getragen. Die Beispiele beginnen mit Haller und 
schliessen „mit den würdigsten" Dichtern der Gegenwart ab. Gottfr. Keller, Konr. 
Ferd. Meyer, Arthur Fitger, Heinr. Bulthaupt treten hier besonders hervor. Zu 
kurzen biographischen Notizen, von welchen die Beispiele begleitet sind, tritt als 
Einleitung' eine knapp gehaltene Uebersicht der Litteraturgeschichte von Haller bis 
zur Gegenwart. Aenderung der Texte ist nur selten vorgenommen; hin und wieder 
jedoch sind für den Zweck störende Strophen wegg-elassen worden: So in Bürgers 
„Lied vom braven Mann", in Schlegels „Arion", in Klopstocks „Zürcher See". In 
einem Anhange werden die Grundzüge der deutschen Metrik entwickelt (S. 577 — 88). 
Einiges Hesse sich hier noch knapper fassen, z. B. § 13: Die Verschiedenheit der 
Reime nach ihrer Stellung; ebenso vieles von § 24 ab (die romanischen Strophen- 
formen). Im grossen und ganzen aber wird man das Buch zu den besten seiner Art 
rechnen dürfen. — Ziegler ^i^) liefert eine Sammlung von Gedichten aus poetischen 
Werken deutscher Volksschullehrer. Auf den tendenziösen Zweck dieses Buches 
kann hier nicht eingegangen werden: Uns kann es nur als Anthologie gelten. Als 
solche ist es für die Schule nicht verwendbar ; doch findet sich sonst viel Anregendes 
darin. 112-1333 - 

f6r höh. Lehranst. n. Mittelschulen. Hannover, C. Meyer. XI, 295 S. M. 1,60. |[A. Paul: COIRW. 21, S. 6356; R. Löhner: 
ZOG. 44, S. 1001 2.] I ~ 108) Ausw. dtsch. Gedichte n. Lieder für d. Gymn. u. Realgymn. 2. verh. Aufl. Bielefeld, Helmich. 
44 u. UI S. M. 0,45. — 109) Fr. Lindner, Vaterland. Gedichtbuch, e. Samml. auserles. dtsch. Gedichte. B., Mittler & Sohn. 
XXIII, 360 S. M. 3,00. — 110) J. W. Schäfer, Ausw. aus dtsch. Dichtern d. 18. u. 19. Jh. für Schule n. Haus. 4. Aufl. 
Bremen, Heinsius. XXXVI, 588 S. M. 3,.50. |[R. Schneider: COIRW. 21, S. 26. 718.]) - 111) C. Ziegler, Dichter im dtsch. 
Schulhause. Bielefeld, Helmich. 12". 382 8. M. 4,50. [[Paedagogium 15, S. 687; F. Goebel: KZEÜ. S. 564.]| (Vgl. V. 
Winkler, Dichter im dtsch. Schnlhause [=: Samml. päd. Vortrr., her. v. Wilh. Mey er-Markau. Bd. 6, N. 9. Bielefeld, 
Helmich. 18 S. M. 0,40], S. 159.) — 112) X X Lesebuch für höh. Lehranst. I.-UI. Abt. v. J. Hopf u. K. Paulsiek, neu bearb. 
V. K. Paulsiek u. Chrn. Muff. IV.-VL Abt. y. Chrn. Muff. B., Grote. XVL 242 S.; X, 396 S.; XH, 398 S.; XII, 348 S,; 
XII, 364 S. M. 11,50. — 112 a) X A.. Engelien u. H. Fechner, Dtsch. Lesebuch. Aus d. Quellen zusammengest. Ausg. A. 5 T. 
5. stark verm. Aufl. (B., Wilh. Schnitze. 1892. XVL 448 u. XXVIII. S. M. 2,40): Paedagogium 1.5, S. 273. — 113) X X -T- 
Hopf u. K. Paulsiek, dtsch. Lesebuch für höh. Lehranst. 2. T. Her. v. R. Foss. 2. Abt. Für Obersekunda u. Prima. 2 Ab- 
schnitte. B., Mittler & Sohn. VIII, 150 S.; XIV, 410 S. M. 4,50. |[C01RW. 21, S. 95/6, 304.]| — 114) XX A. Baldi u. 
A. Brnnner, Lese- u. Hilfsbnch für d. Unterr. im Deutschen an Gyran. u. anderen höh. Bildungsanst. 2. Aufl. Bamberg, 
Büchner. XVI, 507 S. M. 4,00. (D. neuen Stücke d. 2. Aufl. M. 0,40.) — 114 a) X Barthel-Wirths dtsch. Lesebuch. (Vgl. 
JBL. 1892 I 5:76.): COIRW. 21, S. 372. — 115) XX H- Dad eisen, Dtsch. Lesebuch für höh. Schulen. 1. Sexta. 2. Aufl. 
3. Quarta. Strassburg i. E., Bull. XH, 244 S.; XL 244 S. ä M. 2,00. — 116) XX P- Hellwig, P. Hirt u. ü. Zernial, 
Dtsch. Lesebuch für höh. Schulen. 3. T. Quarta. Dresden, Ehlermann. VIIL 312 S. M. 2,00. — 117) XX K- Hansen, 
Dtsch. Lesebuch. 1.-4. T. Dnrehges. u. her. t. F. Hofl"meyer. Braunschweig, H. Wollermann. 1. T. 25. Aufl. VIIL 160 S.; 
M. 1,00; 2. T. 25. Aufl. VIII, 208 S.; M. 1,25; 3. T. 20. Aufl. VIII, 244 S.; M. 1,35; 4. T. 12. Aufl. VIH, 276 S.; M. 1,40.— 
118) XX L- Voigt, Dtsch. Lesebuch für Handelsschulen. 2. Aufl. Dresden, A. Huhle. VID, 320 S. M. 2,40. — 119) XX R- 
Becher, R. Börner, Rob. Richter u. 0. Zimmermann, Dtsch. Lesebuch für Realschulen u. verwandte Lehranst. (In 
3 T.) 1. T. L., Dürr. VL 400 S. M. 2,50. — 119a) X Th. Vogel, Was soll u. kann im dtsch. Unterr. d. Unter- u. Mittel- 
klassen d. Lesebuch leisten?: NJbbPh. 148, S. 1-11. — 120) XX A.. Ernst u. J. Tews, Dtsch. Lesebuch für Mädchenschulen. 
In 4 Bdn. L., J. Klinkhardt. XVL 704 S. M. 4,50. - 121) XX H. Kletke u. H. Sobald, Lesebuch für höh. Mädchen- 
schulen mit Berücksicht. d. Unterr. in d. Litt.-Gesch. 8. Aufl. Altenburg, Pierer. XXU, 594 S. M. 4,00. — 122) XX 0. 
Schmidt u. H. Schillmann, Dtsch. Lesebuch für mehrklass. Schulen. Ausg. für Ost- u. Westpreussen. Bearb. v. Fr. 
Tromnau. 5 Tle. L., Klinkhardt. 100 S.; 156 S.; 219 S.; 258 S.; 342 S. M. 4,65. -123) XX Fr. Mair, Dtsch. Lesebuch für d. 
Bürgerschulen Oesterr. 3 Tle. Wien, Graeser. 224 S ; 252 S.; 251 S M. 1,60. — 124) XX Dtsch. Lesebuch für d. Sekundär- 
schulen d. Kantons Basel-Stadt. 2 Tle. 3. Aufl. Basel, Reich. VIII, 216 S.; Vm, 231 S. M. 2,20. — 125) XX Dtsch. Lese- 
buch für mehrklass. Schulen. In 4 Stufen. Her. v. e. Komm. d. Schnldirektoren Leipzigs. 1. Stufe. L., Dürr. VIII, 184 S. 
M. 0,75. — 126) XX B- Schultheiss, Kanon dtsch. Gedichte u. Lieder für höh. Lehranst. 3. Aufl. Danzig, Kaufmann. 87 S. 
M. 0,70. — 127) XX F. Speyer, D. Texte d. Gedichte in unsern dtsch. Lesebüchern. Progr. Berlin. 4". 17 S. — 128) X A. 
Brunner, G. Wendt, Dtsch. Lesebuch (vgL JBL. 1891 I 7:84): BBG. 28, S. 113. — 129) XO. Foltz, A. Ernst n. J. Tews, 



17: 130-139 P. Goldscheider, Die Litteratur in der Schule. 

Leitfäden der Litteraturg-eschichte und Poetik. Die Litteratur- 
g"eschichte, welche Max Kochi^*) für die Sammlung' Groschen geliefert hat, ist für 
Schüler auch der obersten Klassen zu schwierig gehalten; dagegen wird sie dem 
Fachmann sehr willkommen sein, der in gedrängter Kürze eine Uebersicht über das 
Wesentliche erhält; an manchen Stellen wird, wie uns scheint, etwas gar viel zu- 
sammengedrängt, so dass inhaltlich Dunkelheit, sprachlich Härte hervortreten. Man 
vergleiche z. B. den Satz S. 15, „der Messiassäng-er" usw. oder die Inhaltsangabe des 
Tegernseer Ludus S. 69. Lyon rühmt an Kochs Werk insbesondere die unmittelbare 
Anschauung der Quellen, die nationale Empfindung, die Berücksichtig'ung der zeit- 
genössischen Litteratur. — C a r s t e n"s e n s ^^^^) „Aus dem Leben deutscher Dichter" ist für 
Kinder bestimmt. Trotzdem müsste doch auch in diesem Falle die nötige Gewissen- 
haftigkeit in Ueberlieferung- des Thatsächlichen gewahrt werden : Friederike war nicht 
des „Pfarrers jüngste Tochter", Wieland nicht „der greise Wieland", als Goethe 
nach Weimar kam; „Faust" I erschien nicht 1806 usw. Sonst ist vieles recht an- 
schaulich und lebhaft dargestellt, obgleich nicht immer geschmackvoll ausgewählt. 
Es sind 11 kurze Biographien, jeder einzelnen ist ein Porträt beigegeben. Praktisch 
sind vergleichende Hinweise auf frühere Stellen. Der Stil freilich ist nicht vorbildlich 
genug : S. 34 spricht C. bei Erwähnung der Freundschaft zwischen Goethe und Schiller 
von einer „gegenseitigen neidlosen Reinheit". S. 152: „machte gute Fortschritte 
und seinen Lehrern viel Freude" (Rückert). — Haehnels^^öj Uebersicht der deut- 
schen Litteraturgeschichte war ursprünglich als Anhang des Lesebuches von Kummer- 
Stejskal gedacht; dieser Zusammenhang ist auch in der 2. Auflag-e nicht aufgegeben, 
aber es findet eine Ergänzung und Erweiterung statt. Hinzugefügt sind ausser einem 
Abriss der neuesten Litteraturgeschichte auch Uebersichtstafeln über Leben und Werke 
der Klassiker. Das alte Hildebrandslied sollte übrigens doch nicht (S. 6) als „dürf- 
tiges" Bruchstück bezeichnet werden! — Voigts^**^) „Hülfsbüchlein" wendet sich 
insbesondere an die kommerziellen Schulen, und zwar soll es den höheren derartigen 
Anstalten als Leitfaden für Wiederholungen dienen, den niederen als hinreichendes 
Lehrbuch. Es müsste jedoch grössere Sorgfalt auf die Einzelangaben verwandt werden, 
vgl. über Herders Geburt, Schreibweise von Matthias Claudius, Definition des Be- 
griffes „deutsche Litteratur". — Seehau ssens'^") Litteraturkunde will nur die wich- 
tigsten Erscheinungen der deutschen Litteratur bieten, in knapper, jedoch zusammen- 
hängender Darstellung. Dabei soll auch thunlichst der Zusammenhang des W^erkes 
mit dem Geiste der Entstehungszeit und mit dem Lebensgange des Dichters klar- 
gelegt werden. Die im Anhange gegebene Poetik ist zu geieg-entlicher Wiederholung 
der aus der Lektüre gewonnenen poetischen Gesetze bestimmt. Das Schriftchen er- 
scheint uns sehr wohl praktisch verwertbar; besonders dürften die kurzen Biographien 
der neueren Dichter den jetzigen Forderungen des Regiements gegenüber willkommen 
sein. Die Anzahl der Werke ist überall sorgfältig begrenzt, auf die hervorzuhebenden 
Gedichte wird aufmerksam gemacht, meist zugleich mit Angabe des Titels und des 
Anfang-es. Hin und wieder wird man sachlich verletzt (vgl. S. 54 das über Jung- 
Stilling Bemerkte). — Kolcks^^sj ,, Grundzüge der deutschen Poetik" waren ursprüng- 
lich für Landwirtschaftsschulen oder ähnliche Anstalten bestimmt, sind dann je- 
doch erweitert. Der Vf. hat das Bestreben gehabt, die von ihm aufgestellten Be- 
griffe durch Beispiele zu erläutern, die zugleich einen besonderen moralischen oder 
ästhetischen Wert besitzen. Andererseits wollte er aber auch den Fehler vermeiden, 
welchen viele ähnliche Bücher begehen, nämlich durch Reichhaltigkeit zu verwirren. 
Im einzelnen würden wir manches noch anders wünschen (z. B. bei den Begriffen 
Prosa, Caesur, Epigramm); im ganzen jedoch ist hier sicherlich mit gutem Takt der 
rechte Ton getroffen. — In H ü 1 1 m a n n s ^^^) Leitfaden der Poetik macht sich eine 
weitschweifige und unfruchtbare Nomenklatur breit. Da wird das Epos eingeteilt in 
heroisches, romantisches, bürgerliches, religiöses. Die poetische Epistel gehört der 
lyrischen, epischen oder didaktischen Poesie an! Sieben Arten des Rätsels werden vor- 
geführt, mit schwierigen und gelehrt klingenden Namen. Die Erklärung der Begriffe 
ist zum Teil höchst verwunderlich: Der Roman unterscheidet sich von dem Epos da- 
durch, dass er in das „gegenwärtige Leben greift". Die Novelle enthält eine Be- 
gebenheit „aus dem Leben eines bedeutenden Menschen". Auch an Sorgfalt der 



Dtsch. Lesebuch für Mädchenschnlen: PaedSt. 13, S. 54,'6. — 130) X J- Härtung, D. dtsch. Lesebuch in d. unteren n. mittleren 
Klassen höh. Lehranst.: ZGyran. 26, S. 121-33. — 131) X H- Schiller, Dtsch. Lesebücher: ib. S. 725-30. — 132) X H. 
Winther, F. Linnig, Dtsch. Lesebuch (vgl. JBL, 1891 I 7:79): ib. S. 312. — 133) X J Nieden, Dtsch. Gedichte (vgl. JBL. 
1891 I 7:89): PaedSt. 13, S. 191/2. — 134) (I 1:88) |[0. Lyon: ZDü 8, S. 146,8.J| — 134a) C. Carstensen, Aus d. 
Leben dtsch. Dichter. Für Schule u. Haus. Braunschweig u. L., H. Wollermann. IV, 156 S. M. 1,00. — 135) R. Haehnel, 
Uebersicht d. dtsch. Litt.-Gesch. Als Hilfsbuch für Wiederholungen. 2. Aufl. Wien, Manz. 90 S. M.0,60. — 136) L. Voigt, 
llilfsbüchlein für d. dtsch. ünterr., enth. d. Wic)itiggte aus d. Litt.-Gesch., Metrik u. Poetilc. Wien, Holder. 1892, 32 S. 
Fl. 0,20. — 137) K' Soehaussen, Litt.-Kunde für mittl. u. höh. Lehranst. Nebst e. kurzen Poetik. Gütersloh, Bertelsmann. 
VII, 108 S. M. 0,60.- 138) H. ,1. Kolck, Grundzüge d. dtsch. Poetik. Z. Gebrauche an höh. Lehranst. wie z. Selbstunterr. 
Münster i. W., Aschendorff. 1892. 68 S. M. 0,75. — 139) J. F. Hüttmann, Litt.-Kunde. Leitfaden d. Poetik für Mittel- 



H. Wunderlich, Geschichte der neuhochdeutschen Schriftsprache. I 7 : t4o-i5i I 8 : 1-2 

Sprache fehlt es, Druckfehler in, Namen treten störend hei'vor. — Leipolds **<*) 
Tjitteraturg-eschichte soll „Schuldienstexspektanten" zur Wiederholung- dienen, daneben 
aber auch für Mittelschulen, Lehrerseminarien usw. brauchbar sein. Die Einteilung 
verläuft in fünfzig- Kreisen, ein Anhang- über Metrik und Poetik ist hinzugefügt. Hin 
und wieder wird auch die einschlägige Litteratur des Auslandes vermerkt, auch finden 
sich Hinweise auf die gleichzeitigen politischen Verhältnisse. Dieser Plan an sich 
wäre nicht verwerflich, wenn nur nicht die Ausführung einen so dürftigen Eindruck 
machte. Der Vf. ist offenbar wissenschaftlich seinem Unternehmen nicht gewachsen. 
Vgl. Kreis 50: Populärwissenschaftliche Schriftsteller (Scherer, Grimm, Humboldt, 
Ranke u. a.) ; S. 26 die Darstellung des Humanismus ; ferner was S. 34 über Shakespeare 
bemerkt wird ; S. 45 über Homer ; ebendort wird sogar Catull mit dem Feldherrn 
Lutatius Catulus verwechselt! — Heilmanns ^*^) Geschichte der deutschen National- 
litteratur ist hauptsächlich für Lehrerbildungsanstalten bestimmt. Das Buch dient 
seinem Zwecke in recht brauchbarer Weise : Es ist offenbar mit grossem didaktischen 
Geschick angefertig-t und kann auch Gymnasien empfohlen werden. Der Lehrstoff 
ist überall nach praktischen Gesichtspunkten vereinfacht; Nomenklatur tritt möglichst 
zurück, die Hauptwerke werden eingehender behandelt. Dabei sind die besten Hülfs- 
mittel benutzt worden; auf selbständig-es [Jrteil verzichtet H. meistens. Hin und 
wieder überschreitet das Schulmeisterliche die Grenze und drängt sich störend und ge- 
schmacklos vor, z. B. wenn es über Geliert heisst: „Gest. 1769 (Geburtsjahr Napolons I.)", 
oder über Bürger: „1747 geb. und erst 47 Jahre alt — gestorben." '42-1 5 1) (Vgl. auch 
I 12 : 29—42.) - 



1,8 

Geschichte der neuhochdeutschen Schriftsprache. 

Hermann Wunderlich. 

Allgemeines: Philosophische Betrachtung des Sprachlebens N. 1; philosophische Grammatilc und Weltsprache 
N. 3; Ursprung der Sprache N. 5; Sprache nnd Logik N. ß. — Konstitutive Faktoren der Schriftsprache: Kanzlei 
und Buchdruck N. 8. — Mundarten N. 12. — Individxielle Einflüsse: Schriftsteller: Luther, Pischart N. 29; Lessing, Wieland, 
Goethe, Schiller N. 36; Hebel, Platen, Heine, Ludwig I. von Bayern, Bismarck N. 48. — Theoretiker: Schottel, Sprachgesell- 
schaften, A. Möller, Ph. M. Hahn, J. J. Spreng, J. Grimm N. 54. — Erscheinungsformen: Historische Betrachtung: All- 
gemeines N. 61; Orthographie und Phonetik N. 67; Formenlehre, Wortbildung N. 75; Syntax N. 85; Stilistik N. 92; Wortschatz 
N. 100. — Polemische Darstellung: Prinzipielle Gegensätze N. 122; der Kampf um die Sprachdummheiten N. 130; Stil, Bernfs- 
und Standessprachen (Sprache der Zeitungen, der Romanschreiber, der Schule, der Wissenschaft, der Juristen, der Kanfleute) 
N. 136; Fremdwörterfrage (Studentensprache, Heeressprache) N. 150. — 

Es lässt sich nicht verkennen, dass auf unserem Gebiete von Jahr zu Jahr 
die Neigung wieder anwächst, neben der Erforschung oder Bekämpfung einzelner That- 
sachen auch den allgemeineren Ergebnissen nachzuspüren, die Zusammenhänge 
aufzudecken, in denen die Einzelheiten sich verknüpfen. Dieses Bestreben des 
Zusammenfassens und tieferen Erg-ründens tritt selbst an den Einzeldarstellung-en 
deutlich hervor, um so kräftig-er natürlich muss es sich g-eltend machen bei der 
Erörterung- von Prinzipienfrag-en, wie sie im Berichtsjahre zusehends an Raum ge- 
winnt. Im besonderen ist es die Philosophie mit ihren Disciplinen, die den 
Zusammenhang- mit der Betrachtung- des Sprachlebens wieder eng-er knüpft. 
Teilweise allerdings tragen hier auch Neuausg-aben und Sammelwerke bei, in denen 
einschlägig-e frühere Arbeiten neu aufg-eleg-t werden. So zog- sich schon durch die 
Aufsätze und Recensionen Wilhelm Scherers, die nun von Burdach^) g-esammelt 
sind, der Gedanke, dass die verg-leichende Sprachwissenschaft der Philosophie bis- 
lang- zu wenig- in die Hände gearbeitet habe, und dass es um so mehr Pflicht sei, 



schulen u d. mittl. Klassen höh. Lehranst. Stade, Schaumbnrg. VI, 57 S. M. 0,65. |[R. Schneider: COIRW. 21, S. 568.]| 
— 140) E. Leipold, Dtsch. Litt -Gesch., in 50 Kreise abgeteilt, nebst e. Anh. über Metrik u. Poetik. Straubing, Attenkofer. 
VIII, 136 S. M. 1,20. - 141) (I 1 :85 b.) - 142) XX (I 1 :84.) - 143) X X (I 1 = 79.) — 144)XXW. Schwahn, Grnnd- 
züge d. dtsch. Poetik. E. Leitfaden für höh. Lehranst. Hamburg, Kriebel. 42 S. M. 0,80. — 145) X C. Beyer. Kleine Poetik. 
Für höh. Schulen u. z. Selbstunterr. St., Dtsch. Verlagsanst. 12". VIII, 127 S. M. 1,00. — 146) XX J- E. Haselmeyer, 
Dichtungslehre (Poetik) für d. oberen Kurse d. Realsch. Bayerns u. verwandter Anst. 2. Ausg. Würzburg, Staudinger. 112 S. 
M. 1,20. — 147) X Th Hoffmann u. K. Neumann, Inhaltsangaben v. 20 Kirchenliedern. Z. Schulgebr. für Mittel- u, Ober- 
stufe. Görlitz, Groetschel. 26 S. M. 0,30. — 148) X W. Rübenkamp, D. Bedeutung Schillers für d. Jugend: Paedagogium. 
14, S. 29-37. — 149) X 0. Lyon, Abriss d. dtsch. Litt.-Gesch. 3. Aufl. (= Handbuch d. dtsch Sprache für höh. Schulen. 
3. Abt.) L., Teubner. VII, 142 S. M. 1,60. i[LZgB. N. 95.]1 (Vgl. JBL. 1890 I 7:100.) — 150) W. Herbst, Hilfsbuch für d. 
dtsch. Litt.-Gesch. z. Gebrauch d. obersten Klassen d. Gymn. n. Realsch. 6. Aufl. (Gotha, Perthes. 1892. X, 69 S. M. 0,80.): 
COIRW. 21, S. 309-10. — 151) X ^.d. Paul, P. Strzemcha, Gesch. d. dtsch. Nationallitt. Z. Schulgebr. u. z. Selbstunterr. 
bearb. 5. Aufl. Brunn, R. Knauthe. 1892. 202 S. : ib. S. 379. - 

1) (I 1:117; 2:2.) — 2) R- Kleinpaul, D. Leben d. Sprache u. ihre Weltstellung. 3 Bde. 1. Sprache ohne 
Jahresberichte für neuere deutsche Litteraturgeschichte. IV. 16 



I 8:3-7 H. Wunderlich, Geschichte der neuhochdeutschen Schriftsprache. 

litterarische Erscheinungen zu beobachten, welche diese beiden Wissenschaften ein- 
ander nähern können. — Wenig- Förderung- nach dieser Seite gewährt die Sammlung, 
in der KleinpauP) seine früheren Arbeiten vereinigt hat. — 

Das Verhältnis von Sprache und Vernunft führt auf die philosophische 
Grammatik, in der das 17. und 18. Jh. den Gedanken einer Weltsprache zu ver- 
wirklichen suchten. Max Müller 3), der im zweiten Bande seiner Vorlesungen über 
die Wissenschaft der Sprache neben einer Reihe der im Vordergrunde stehenden Pro- 
bleme auch diese Frage streift, verdanken wir nicht eigentlich eine Klärung der 
Sachlage. Es hätte hier eigentlich nahe gelegen, zu betonen, wie eng diese Art 
von Universalsprache in ihren Existenzbedingungen an die Schrift gebunden war, 
und wie sie gegen ihre eigene Natur kämpfte, als sie in die mündliche Sprachform 
übergriff. — Die neueren Versuche solcher Gemeinsprache fasst Gustav Meyer*) 
in einem seiner Aufsätze ins Auge, indem er vor allem den Gegensatz zwischen den 
theoretischen Bestrebungen des vergangenen Jh. und unserer auf das Praktische 
gerichteten Zeit kräftig herausarbeitet. Wenn M. dann die Bedürfnisfrage verneint 
und andererseits die Brauchbarkeit der einzelnen Systeme schon durch das Auf- 
kommen neuer Spielarten gefährdet sieht, knüpft er an Thatsachen an, die auch dem 
einfachen gesunden Menschenverstände offen liegen. Von besonderer Bedeutung für 
unseren Zusammenhang ist es aber, dass sich diese Beweisführung zu Ausblicken auf das 
Werden und Leben der Sprache erweitert, die ungesuoht Anknüpfungen an Probleme 
anderer Art darbieten. — 

So steht die hier berührte Frage nach dem Ursprung der Sprache und 
nach der Art der Sprachschöpfung auch sonst im Vordergrunde. Die Philologie ver- 
mag ja nur den kleinsten Teil des Weges, den die Sprache durchmessen hat, mit 
ihrer Arbeit zu belegen, weit nach rückwärts sieht sie sich auf Schlüsse aus dem 
Vorliegenden angewiesen. Die Theologie nimmt dieses dunkle Gebiet gerne für ihre 
Mittel in Beschlag und so legt auch Giesswein^), nachdem er die vergleichende 
Sprachwissenschaft ziemlich bis zu ihren Endergebnissen verfolgt hat, in die weit 
klaffende Lücke seinerseits die dem Menschen „innewohnende göttliche Kraft", die 
ihn erst befähige, die leblosen Laute zu beseelen. Der Vf. findet mit dieser Hypo- 
these auf protestantischer Seite mehr Zustimmung als auf katholischer. — 

In dieses Grenzgebiet der Philologie, die Erforschung des Verhältnisses von 
Sprache und Logik, dringt vom entgegengesetzten Standpunkt Marty^) ein, und 
ihm verdanken wir in der That den Hinweis auf einige lebenskräftige Elemente 
in dem Werdeprozess der Sprache. Die innere Sprachform, namentlich in ihrem 
Gegensatze zum Sprachinhalt, verfolgt er in alle Verzweigungen der Bedeutungslehre, 
der Wortverbindungen und Satzverknüpfungen, und so erschliesst er diesem konsti- 
tutiven Faktor der Sprache ein neues, weit ausgedehnteres Gebiet. Die Fügungen und 
Wendungen der Syntax heben sich auf diese W^eise viel deutlicher von dem Untergrunde 
der inneren Sprachform ab, der ihnen doch immer wieder das Vermögen zuführt, in ihrer 
Eigenart zu beharren. Auch die Figuren des poetischen Stils erhalten hierdurch 
überraschende neue Deutungen, die es uns viel leichter machen, ihre Wurzeln in der 
primitivsten Sprachbildung aufzuspüren. Gelegentlich freilich dehnt M. den Gebrauch, 
den er von dem fruchtbaren Prinzip macht, gar weit aus, so wenn er an seiner Hand 
die Kategorien der Grammatik und die Uebergänge unter diesen durchmustert und 
überall die Verwechslung von innerer Sprachform und Sprachinhalt wittert. So glaubt 
er, dass hierauf allein das „Dogma von der Zweigliedrigkeit des Urteils", das er ver- 
wirft, beruhe; er verlegt in den entsprechenden Sätzen bald das Subjekt, bald das 
Prädikat in die innere Sprachform, die „nur als Rudiment" aus einer anderen Klasse 
von Urteilen herüberwirke, aber man bekommt hier den Eindruck, als ob mit dem 
Terminus der „inneren Sprachform" zunächst ein Mittel gewonnen sei, das uns wohl 
aus einem Irrwege zurückleitet, das aber doch nicht eigentlich an das Ziel selbst 
führt. Eng damit hängt die vielerörterte Frage von den unpersönlichen Konstruktionen 
der Zeitwörter zusammen, die von Philosophen und von Grammatikern eifrig besprochen 
wird. M.s Auffassung ist auch hier von vornherein gegeben, mir scheint dagegen 
gerade hier eine genauere — von der Sprachgeschichte vollzogene — Gliederung der 
einzelnen Fälle geboten, wie sie freilich weder von Kaindl"") noch von seinen Recen- 
senten gefördert wird. — 

Worte. Idee e. allgem. Wissensoh. d. Sprache. 2. D. Stromgebiet d. Sprache. Ursprung, Entwicklung u. Physiologie. 3. D. 
Eätsel der Sprache. Grundlinien d. Wortdeutnng, L., W. Friedrich. 1888-92. 456 S.; 527 S.; 498 S. M. 24,00. — 3) Max 
Müller, D. Wissensch. d. Sprache. Nene Bearbeit. d. in d. J. 1861 u. 63 geh. Vorlesungen. 2. Bd. L., Gngelmann. 722 S. 
M. 14,00. (Vgl. JBL. 1892 I 6:1.) -4) (I 2:49; S. 1-46, 366/7.) [[A. Schlossar: BLU. S. 361; E. Was serzieher: ASNS. 11, 
8. 271/3.]| — 5) A. Giesswein, D. Hauptprobleme d. Sprach wissensch. in ihren Beziehungen z. Theol., Philos. u. Anthropol. 
Preiburg i. B., Herder. 1892. VIII, 245 S. M. 5,00. |[A. Saleclt: BLU. S. 808/9; E. Hardy: Kath. 73, S. 571/4; ThLB 14, 
S. 65/7.]| — 6) A. Marty, üeber d. Verhältnis v. Grammat. u. Logik. (= Symbolae Pragenses. Festgabe d. dtscb. Qes. für 
Altertumskunde in Prag z. 42. Versamml. dtsch. Philol. u. Schulmänner in Wien 1893. Gedr. mit Unterstütz, d. Ges. z. 
Förderung dtsch. Wissensch., Kunst u. Litt, in Böhmen. [Wien, Prag, Tempsky; L., Freytag. 222 S. M. 8,00.], S. 99-127) - 7) 



H. Wunderlich, Geschichte der neuhochdeutschen Schriftsprache. [8:s-i8 

Unter den konstitutiven Faktoren der Schriftsprache im 
besonderen kommen die Kanzlei und der Buchdruck als diejenig-en in 
Betracht, die über die Mundarten hinweg eine Einigung erzielt haben. Die 
Kenntnis der Kanzleisprache hält sich noch immer in Umrissen. In einer der 
älteren Sprache g-ewidmeten Dialektstudie wendet sich Böhme^) geg-en An- 
schauungen von Braune und von Nebert (vgl. JBL. 1891 I 8 : 2j, welche die 
Neigung" zeigen, Neuerungen in einzelnen Kanzleien an bestimmte Personen und 
bestimmte geschichtliche Ereignisse zu knüpfen. B. zeigt dem gegenüber aus 
neuen Urkunden, inwiefern diese Bewegungen allgemeineren Charakters sind und 
einem beginnenden Uebergewicht oberdeutscher Schreibweise entspringen. Jedenfalls 
zeigt die Leichtigkeit, mit der hier die Ergebnisse aus einzelnen Urkunden durch 
entgegengesetzte aus anderen umgestossen werden, dass die einzelnen Gebiete erst 
voller ausgebeutet werden müssen, ehe wir ein sicheres Bild gewinnen. — Solch 
ein Bild zeichnet mit festen Strichen Scheel^) für die Kanzleisprache von Köln. 
Nach einer Einleitung, die etwas einseitig die Anschauungen Edw. Schroeders 
widerspiegelt (s. u. N. 30), betont er, wie gerade in Köln, weit mehr als an 
anderen Druckorten, die Kanzlei eine Einigung vollzogen habe, ehe der Buch- 
druck dazu gelangte, diese Aufgabe fortzuführen. Die Kanzlei des Erzbischofs steht 
hier der Kanzlei des Rates gegenüber ; die Verschiedenartigkeit des Geschäftsverkehrs 
und der Beamten bedingt auch eine Verschiedenartigkeit in der Entwicklung der 
Sprachgebung. Die erzbischöfliche Kanzlei, die in den älteren Urkunden auf dem 
Standpunkte steht, den Heinzel in seiner niederfränkischen Geschäftssprache als 
Typus IV bezeichnet, streift viel rascher ihre Besonderheiten ab als die Ratskanzlei ; 
nur im inneren Verkehr hält auch sie sich altertümlicher. Hier wie dort lässt sich 
beobachten, dass der Vokalismus länger Widerstand leistet als die Schreibweise der 
Konsonanten. Die Drucke aus Köln, soweit sie nicht für oberdeutsches Publikum 
oberdeutsch gehalten waren, zeigen anfänglich den Stadtdialekt, und hier ist es der 
Buchdrucker Gennep, der allmählich den neuen Formen der erzbischöflichen Kanzlei 
Eingang in seine Büchersprache gewährt. Den hauptsächlichen Anlass und das 
raschere Tempo bringt in diese Bewegung der kirchliche Reformversuch des Erz- 
bischofs Hermann von Wied, der eine Flut von Streitschriften über die Presse 
Genneps wälzt. Eindringlich werden die Drucke von 1543 auf das Dialektische in 
Schreibung, Formen- und Wortgebrauch geprüft, und daran knüpft sich sodann der 
Nachweis, wie seit 1543 diese Spuren verblassen. — Zur Kanzleisprache verdient auch 
ein Zeugnis Beachtung, das Scher er ^o) in einer Recension gegen Rückert verwertet, 
wonach noch im J. 1734 die kaiserliche Kanzlei zu Wien auch in norddeutsch- pro- 
testantischen Kreisen als Sitz der Sprachreinheit gegolten zu haben scheint. — Die 
ausgleichende Thätigkeit des Buchdrucks zeigt sich auch in den Geschicken des 
Volksbuchs vom Eulenspiegel. Walther^^) hebt aus den Strassburger Ausgaben die 
Stellen aus, in denen niederdeutsche W^endungen des Originals durch elsässische ent- 
weder zu Doubletten erweitert oder einfach ersetzt worden sind. — 

Die Mundartenforschung schwillt zu immer grösserer Ausdehnung an. Es 
ist eine kritiklose Verkennung des Gebotenen, wenn Stieböck^^) die Dialektkunde 
ganz auf die Untersuchungen W. Nagis zurückführt, dem in diesem Zusammenhange 
überdies die wenigst sicheren Ergebnisse entnommen werden. — Ueberhaupt greift 
der Dilettantismus neuerdings mit besonderer Vorliebe auf das Gebiet der Mundarten 
über, wo er sich gern mit einem Anschein von Gelehrsamkeit aufputzt. Aus dieser 
Erscheinung sind auch die „Freien Studien" von Renatus^^J zu erklären, in denen 
einige gute Beobachtungen durch den schwerfälligen Apparat erdrückt werden. — 
Die anwachsende Fülle der Veröffentlichungen hat das Bedürfnis besonderer Biblio- 
graphien hervorgerufen. Die oberdeutschen und niederdeutschen Dialektarbeiten 
werden neuerdings in entsprechenden Organen in der „Bücherschau" i'*''^) oder in 
Gesamtbesprechungen 16) verzeichnet; einen Ueberblick über das ganze Gebiet, nament- 
lich auch über die ältere Litteratur giebt Mentz^"), dessen Bibliographie bis 1889 
reicht und nur wenig- Lücken zeigt. — Die Dialektdichtung greift in mannigfaltiger 
Weise in die wissenschaftliche Betrachtung ein. Schon wenn sich Dühr'^) als 
niederdeutscher Dichter an den Homer wagt, zielt seine Absicht darauf, die Mundart 
als das eigentliche Ausdrucksmittel für die Epik zu erweisen, der gegenüber die Schrift- 

R. F. Kaindl, D. Bedentnng d. ItnpersoDiilien. PhilosMh. 28, N. 5/6. |[H. Bohatta: ÖLBl. 2, S. 748.]| — 8) 0. Böhme, 
Z. Kenntn. d. Oberfränlrischen im 13.-15. Jh. Diss. Leipzig. 83 S. (S. bes. S. 739.)— 9) W. Scheel, Jaspar v. Gennep u. d. Ent- 
wicklung der nhd. Schriftsprache in Köln. (= WZ. Ergänzungsheft N. 8 | Trier, Lintz. IX, 228 S. M. 5,00], S. 1-75.) [[KBWZ. 12, 
8.36.11 — 10) (S. o.N. 1; S.308.)— 11) Gh. Walther, Z. Gesch. d. Volksbuches v. Eulenspiegel: JbVNiederdSpr. 19, S. 1-79. 
(Beachtenswert für uns bes. S. 18-34.) — 12) L. Stieböck, Einige Ergebnisse d. heutigen Dialektforschung: AltWien 2, 
S. 120/2, 137/9. — 13) J. Renatus, Spaziergang durch d. Sprache. Bautzen, E. Hübner. 12". 96 S. M. 1,30. — 14) X 
Bayerns Mundarten 2, S. 151/6. (Vgl. I 5:16.) — 15) X KBlVNiederdSpr. 17, S. U6, 29-32, 71,2, 87 8. _ 16 X ALVKS. 3, 
8. 187-93. — 17) F- Mentz, Bibliogr. d. dtsch. Mundartenforschung, (=r Samml. kurzer Grammat. dtsch. Mundarten, her. v. 0. 
Bremer. Bd. 2.) L., Breitkopf. 1892. 181 S. M. 5,00. ||LCB1. 8. 1314.]| — Ig) A. Dühr, E. niederdtsch. Homerübersetzung: 

16* 



18:19-33 H. Wunderlich, Geschichte der neuhochdeutschen Schriftsprache. 

spräche versage. — Einer vergleichenden Uebersicht über die einzelnen Mundarten 
und ihre Spielarten dienen die Sprachproben, mit denen die Erzählung- „vom ver- 
lorenen Sohn" durch niederdeutsche Dialekte^-') geführt wird. — In derselben Er- 
zählung führt Fl ex 20) die Eisenacher Mundart als Abschluss einer Studie vor, die 
sich in ihrem ersten Teile ganz im Rahmen der Lautphysiologie hält und darum aus 
unserer Betrachtung auszuscheiden ist. — Dagegen umfasst Schöppe^i), der ebenfalls 
an das Gleichnis vom verlorenen Sohn anknüpft, den ganzen Umfang der Eigen- 
tümlichkeiten, welche die Mundart von Naumburg darbietet, und es ist ihm vor allem 
darum zu thun, den Gegensatz von Schriftsprache und Mundart herauszuarbeiten. 
Die treffenden und eindringenden Beobachtungen dieses sprachgeschichtlich geschulten 
Vf. haben eine beträchtliche Einbusse erlitten durch die Darstellungsform, die so 
wenig den neueren Anforderungen angepasst ist. Manche Irrtümer sind erst dadurch 
in die Schrift hineingetragen worden.^^) — Aus pädagogischen Bestrebungen ist bei 
Kahl 23) eine anziehende Darstellung elsässischer Dialekterscheinungen erwachsen. 
Von dem Gedanken ausgehend, dass die Verstösse der Schüler gegen die Schrift- 
sprache meist aus den Wendungen ihrer Mundart entspringen, empfiehlt er den 
Lehrern, ihre Arbeit auch an dieser Stelle einzusetzen. Zu diesem Zwecke 
giebt er nun einen Ueberblick über die bemerkenswertesten Abweichungen des 
elsässischen Dialekts, und es ist bei seinen Bestrebungen auch begreiflich, dass 
er mehr das Gemeinsame als das Trennende der einzelnen Mundarten dieses Sprach- 
stammes im Auge hat. Die fach wissenschaftliche Litteratur ist zu Rate gezogen, doch 
liegt der Wert dieser Untersuchung mehr in den Beobachtungen als in deren ge- 
schichtlicher Ergründung. Mit W^ärme werden die Vorzüge der Mundart vor der 
Schriftsprache hervorgehoben, wie auch von anderer Seite die Anschaulichkeit und 
der Bilderreichtum des elsässischen Dialekts gerühmt wurden^^). Zum Schlüsse 
zieht der Vf. endlich die Mundart heran, um ungewöhnliche Ausdrücke unserer 
Klassiker zu erklären. — üeberhaupt ist die mundartliche Färbung der Schrift- 
sprache eine Erscheinung, die jede neue Untersuchung bei einem neuen Schriftsteller 
aufdeckt (s. u. N. 46—50), während andererseits auch unter den Erscheinungs- 
formen der Schriftsprache selbst das Wechsel Verhältnis zu den Mundarten in neue 
Beleuchtung rückt. Das mundartliche Element in unserer Dichtung verlangt im Be- 
richtsjahre schon dadurch Beachtung, dass die ADB. die Artikel Sailer von 
Beck 25), K. Stieler von Muncker^^), Stöber von Martin^'') und Stoltze von 
Hörth28) brachte. — 

In den Arbeiten über die individuellen Einflüsse, die sich in der Geschichte 
der Schriftsprache geltend machen, tritt unter den Schriftstelllern die Gestalt 
Luthers immer wieder in den Vordergrund der Debatte. Seitdem Scherer^") zu 
Gunsten seiner Wellentheorie den Platz verschoben hatte, auf den Luther innerhalb 
der deutschen Sprachentwicklung zu stehen kommt, ist diese Frage immer mehr 
zum Spielball konfessioneller Zänkereien geworden, bei denen der Protestantismus aus 
dem eigenen Lager am wenigsten Unterstützung erhielt. — Während eine dem ent- 
sprechende Auffassung auch in der oben angeführten Einleitung von ScheeP*^) zu Tage 
tritt, sucht H. Schultz 3*) mit philologischen Mitteln einzuspringen; er giebt eine ab- 
gerundete Uebersicht über die efnschlägige Litteratur, bei der freilich wichtige Re- 
censionen fehlen, er nutzt jedoch die Thatsachen, die seiner Anschauung zu Gebote stehen, 
noch nicht voll genug aus. Die Verkennung von Luthers sprachschöpferischer Stellung 
beruht auf der Einseitigkeit, mit der man unsere neuhochdeutsche Schriftsprache in 
ihrem Lautstande, also einem einzelnen Kennzeichen, zu fassen sucht. Hier ist Luther 
nicht der Begründer und nicht der Schöpfer, dieses Verdienst gebührt viel eher 
den Grammatikern des 17. Jh. Wer aber das Wesen unserer Sprache auf breiterer 
Grundlage fasst, wer den Wortschatz, den Satzbau, das schriftstellerische Ausdrucks- 
vermögen im Auge hat, wird nach wie vor in Luther den Schöpfer und Begründer er- 
blicken. — Das zeigt vor allem ein Vergleich mit den vorlutherischen Bibelübersetzungen, 
die auch Schultz vorführt und die uns durch Walthers Veröffentlichungen nun so bequem 
zugänglich gemacht sind (vgl. JBL. 1891 II 6 :20/l; 1892 I 3 : 17, 21). Haup t32) betont in 
einer Besprechung dieses grossen Werkes, welche Ausbeute für die Sprachgeschichte in 
einzelnen Partien stecke, vor allem in der Uebersicht über die sprachliche Umarbeitung 



ZDU. 7, S. 180-93. (Einl. u. ansgew. Bruchstücke.) — 19) KBlVNiederdSpr. 16, S. 2 4, 65,8. — 20) R. Flex, Beitrr. z. Erfor- 
schung d. Eisenacher Mundart. Progr. d. Gymn. Eisenach. 4°. 16 S. — 21) K. Schöppe, Naumburgs Mundart. Naumburg, 
H. Sieling. VII, 58 S. M. 1,00. — 22) OXX^. Lentzner, D. Berliner Dialekt. Untersucht u. nach Aufzeichnungen 
„richtiger Berliner" her. (L., Fock.) 15 S. M. 1,20. — 23) W. Kahl, Mundart u. Schriftspr. im Elsass. Zabern i. E., Fuchs. 
02 S. M. 1,50. IIW. Soltau: DLZ. S. 1195/6; Metzger: KZEU. S. S63/4; B. Stehle: ZDU. 7, S. 608-16; id.: ZADSprV. 
S. 153/5.JI — 24) H. Menges, Volksraundart u. Volksschule im Elsass. Gebweiler, J. Boltze. X, 120 S. M. 2,00. ([Alemannia 21, 
S. 205,6.]| — 25) P. Beck, Seb. Sailer: ADB. 36, S. 763,5. — 26) F. Muncker, K. Stieler: ib. S. 196-201. (Vgl. IV 2.) — 
27) E. Martin, Aug. Stöber: ib. S. 267-70. — 28) 0. Hörth, F. Stoltze: ib. S. 4159. (Vgl. IV 2.) — 29) (S. o. N. 1; S. 306, 
385/8.) — 30) (S. 0. N. 9; S. 1.) — 31) H. Schultz, Luthers Stellung in d. Gesch. d. dtsch. Sprache. Progr. d. städt. höh. 
Mädchensch. Braunschweig. 13 S. (Vgl. II 6.) — 32) H. Haupt: LBlGRPh. 8. 238-42. — 32a) id.: ib. 8. 242. — 33) H. 



H. Wunderlich, Geschichte der neuhochdeutschen Schriftsprache. 18:34-43 

der ersten gedruckten Bibel durch die Veranstalter des 4. und 5. Bibeldruckes. — Das 
Verhältnis Luthers zu diesen Drucken, das immer noch nicht genüg-end erwogen 
und bekannt gemacht ist, kommt auch in dem ebenfalls durch Hauptes») recensierten 
Aufsatz von Biltz (vgl. JBL. 1891 II 6:21) zur Besprechung, der sich mit der ein- 
dringenden Arbeit Kraffts zur Lutherfeier von 1883 beschäftigt. — Auch die nieder- 
deutsche Uebersetzung von Luthers Bibel und der Anteil Bugenhagens an ihr wird 
gestreift, indem Brandes^^) diesen gegen Schaub auf Ratschläge in betreff mund- 
artlicher Wendungen und auf einige Besserungen am Grundtexte zurückdrängt. — 
i Diese Bibel ist übrigens vor wenigen Jahren neu aufgelegt und dem heutigen Sprach- 
gefühl angeglichen worden, ein Versuch, den Bartels^*) mit Wärme billigt. In der 
Bibelübersetzung nun, so gewaltig auch die augenblickliche Wirkung anderer Schriften 
Luthers gewesen ist, liegt doch sein eigentliches Werk an unserer Sprache vor. Und 
wenn man darauf hinweist, dass die Einwirkung Luthers auf unsere Sprache sich 
nicht lange gehalten habe, dass sie von anderen Strömungen durchkreuzt worden 
sei, ja dass sogar die Grammatiker, die Luther als Sprachmuster hinstellten, ihre 
Regeln doch nicht aus ihm entnommen haben, so übersieht man völlig die Bedeutung, 
die eben die Bibel Luthers für unsere Sprache behalten hat. Als Erbauung und 
Zuflucht auch der niedrigsten Schichten unseres Volkes hat sie den Wandel der 
Zeiten überdauert, die landschaftlichen Grenzen übersprungen und Früchte getragen, 
denen man nicht immer ansieht, wo die Wurzeln des Baumes liegen. Dass aber die 
Sprache Klopstocks, des jungen Schiller und in mehr als einer Stilfärbung auch die- 
jenige Goethes auf der Bibel Luthers ruht, ist überzeugend nachgewiesen, und von 
diesem Nachweis macht auch Schultz (s. N. 31) geeigneten Gebrauch. — Für Fischart 
gewinnt Galle 3^), der seine Stiluntersuchung breit auf grammatischen Grund- 
lagen aufbaut, neue Ergebnisse zur Sprachgeschichte. Die Freiheiten der gesprochenen 
Sprache werden in dem poetischen Stil Fischarts glücklich aufgespürt und die Kunst- 
mittel des Stils mit Geschick daran angeknüpft. lieber die eigenartigen Wortbildungen 
Fischarts denkt G. nicht so günstig wie frühere Forscher dies gethan haben, und 
zum grossen Teile ist seine Auffassung wohl begründet. — 

An Lessing, dem Erich Schmidt^ß) in den Uebersetzungen aus dem Fran- 
zösischen ejne „puristische Neigung" nachweist, knüpft neuerdings unsere Sprach- 
reinigung gern an. — Dünger"^') vermisst gerade bei leicht zu umgehenden Fremd- 
wörtern die Sprachreinheit des jugendlichen ITebersetzers. — Dagegen sucht DüseP**) 
in anziehender Darstellung ein abgerundetes Bild dieses Uebersetzungsstils zu zeichnen; 
er hebt die Freigebigkeit mit Relativsätzen hervor, in denen das Wörtlein „welcher" im 
Vordergrunde steht, ebenso beleuchtet er die Verschwendung, die mit Konjunktionen 
und Partikeln getrieben wird. — Die Entwicklung der Sprache in Lessings Jugend- 
dramen untersuchte TyroP^), indem er besonders die Geschichte der Texte mit 
berücksichtigte. — Im Zusammenhang mit der Bedeutung, die die Wortforschung in 
unserer Wissenschaft gewinnt, ist es begreiflich, dass auch die schöne Litteratur auf 
den Anteil durchgemustert wird, den sie durch die Prägung neuer Worte und Wort- 
bedeutungen beisteuert. Den Geron Wielands behandelt in dieser Weise Singer*^); 
er betont Herders und Goethes Einwirkungen auf die Anschauungen des Vf., er hebt 
hervor, wie der poetische Stil dieser Zeit an der Sprache des 16. Jh. sich auffrische, 
und kennzeichnet in einem Wörterverzeichnisse die Ausdrücke, mit denen Wieland 
selbst dem sonst wohlbeachteten Adelung gegenüber trotzt. — Wortgebrauch und 
Bedeutungslehre treten auch in der Goetheforschung immer mehr hervor, wie überhaupt 
in dieser die Mannigfaltigkeit sprachgeschichtlicher Forschungen sich widerspiegelt. 
Auf sprachlichem Gebiete liegt der Schwerpunkt der Beiträge Stracks**) zum 
Leipziger Liederbuch, namentlich da für den Sprachgebrauch der ganzen Zeit nicht 
bloss aus der Litteratur, sondern auch aus entlegenen lexikalischen Quellen, manche 
neue Belege geboten werden. — Wenig Förderung nach dieser Seite vermag Walzel*''^) 
dem Faust -Wörterbuche Strehlkes (vgl. JBL. 1891 IV 9e:89) nachzurühmen. — 
Sanders'*») weist eine Hypothese Pniowers (vgl. JBL. 1891 IV 9a: 134; 1892 IV 
8a : 115; 8e : 92) zurück, welche die Wortforschung in den Dienst der Litteratur- 
geschichte stellt. An der Wendung „mich überläufts" im Faust hatte Pniower Anstoss 
genommen und, da er denselben Ausdruck in der Uebersetzung des hohen Liedes 
wiederfindet, auf gleichzeitige Entstehung beider Partien geschlossen. S. dagegen 

Brandes, K. E. Schaub, Ueber d. niederdtsch. Uebertragungen d. Lntherschen Uebers. d. N. T., welche im 16 Jh. im Druck 
erschienen. (Greifswalder Dies. 1889. 75 S.): ZDPh. 25, S. 132 6. — 34) P. Bartels, B. plattdtsch. Bibelnbersetz. : ZDU. 7, 
S. 8238. — 35) F. Galle, D. poet. Stil Fischarts. Diss. Rostock. 64 S. |[0. Glöde: ASNS. 91, S. 278-80.]| (In Betracht 
kommen S. 27-31, 61.) — 36) Lessings Uebersetzungen aus d. Französischen Friedrichs d. Gr. u. Voltaires. Her. v. Erich 
Schmidt (vgl. JBL. 1892 IV 6:2). — 37) H. Dunger, D. junge Lessing u. d. Fremdwörter: ZDASprV. 8, S. 54 5. (Vgl. IV 6.) 
— 38) F. Düsel, E. Beitr. z. Sprache d. jungen Lessing: ZDS. 7, S. 6-13. (Vgl. IV 6.) — 39) F. Tyrol, Lessings sprach- 
liche Revision seiner Jugenddramen. B., C. Vogt. 70 iH- M. 1,80. (Vgl. IV 6.) ^ 40) L. Singer, Ueber Wielands Geron: 
ZDPh. 25, S. 220-53. (Bes. S. 241-53.) - 41) A. Strack, Goethes Leipziger Liederbuch. Giessen, J. Ricker. XII, 175 S. 
M. 3,60. (Vgl. IV 8c.) — 42) 0. Walze 1: ZOG. 44, S. 538-40. — 43) D. Sanders, Ist d. Ausdruck „mich überläufts« e. 



18:44-59 FI. Wunderlich, Geschichte der neuhochdeutschen Schriftsprache. 

führt eine g-anze Blütenlese von Beleg-en dieses Ausdrucks vor, die aber sämtlich 
neueren Dichtern entnommen sind. — Eine umfassende Stiluntersuchung" lässt G. 
Schmidt 44^ (^[em Clavio-o zu teil werden. Indem Seh. versucht, neben den Ein- 
flüssen der Empfindsamkeit und des Sturms und Drang-es auch die Einwirkung- des 
französischen Orig-inals zu kennzeichnen, lässt er sich verlocken, auch echt deutsche 
Freiheiten, wie z. B. die Lockerung- des Relativgefüges, auf Rechnung der fremden 
Sprache zu setzen. Wertvoll für die Stilistik sind die Zusammenstellungen der Bei- 
spiele für einig-e Figuren; sie erweitern sich zu einem Ileberblick über die Kunst- 
mittel des jungen Goethe. — Da Goethe so oft als Beschützer des Fremdwörterunfugs 
ausgespielt wird, weist Rieg-el"*^) entgegengesetzte Anschauung-en aus den Schriften 
nach und hebt hervor, wie die von Goethe und Schiller in den Xenien entsandten 
Pfeile nur die Auswüchse des „Purismus" trafen. — Auch von Seiten der Dialekt- 
forschung wird Goethe durch Hammeran^ß) g-estreift, während H. Fischer*') für 
Schiller einige der von Bellermann (vgl. JBL. 1891 IV 10:87) in Schillers Dramen 
ang-emerkten Dialektstellen als nicht schwäbisch zurückweist. — 

Zu Hebels Schreibweise g-iebt Burg-hauser*^) einige Erklärungen in 
Anknüpfung an die frühere Darstellung- von Willomitzer (vg-l. JBL. 1891 I 8:28). 
— An Platen hat DüseH^) seine Beobachtung-sg-abe bethätig-t und zwar nach einem 
Gebiete zu, das neuerding-s mit Vorliebe angebaut wird, indem er die Sprachentwick- 
lung des Dichters an der Hand seiner eigenen Korrekturen zu belegen sucht. — Heine, 
der sich so leidenschaftlich gegen seine heimische Mundart verwahrt, wird von Z i 1 1 g- en z^^) 
doch auf einer gewissen Nachgiebigkeit gegen diese ertappt. Eingehend werden die un- 
reinen Reime als Klangfärbungen niederrheinischer Betonung oder Lautgebung erwiesen. 
Im Formengebrauch und Satzbau lässt sich wenig Heimatliches bemerken, immerhin 
ist es von Interesse, inwiefern die Stelle, „lass sie betteln gehen, wenn sie hungrig 
sind" auf rheinischer Satzfügung beruht. Unter den Fremd Worten werden manche 
als holländische Eindringlinge erwiesen. Hier jedoch, wie bei den mundartlichen 
Bestandteilen des Wortschatzes hätte ein Ausblick in die süddeutschen Mundarten 
manche Parallelen ergeben, so z. B. den Gebrauch des Wortes „Dreck", des Wortes 
„Leiche" u. a. — Die Sprache als Spiegel der Persönlichkeit springt bei Ludwig I. 
von Bayern in die Augen, der sich das Recht, neue Worte und Wortverbindungen 
zu bilden, aus seiner königlichen Machtvollkommenheit beilegte; seine sprachlichen 
Neigungen werden übrigens von Streit^*) nach manchen Richtungen als Vorläufer 
der Bestrebungen des Sprachvereins in Anspruch genommen. — Andere Ergebnisse 
muss die so ganz anders geartete Persönlichkeit Bismarcks erzielen: seine Sprache 
hat sich in unbewusster Ausübung durch die Macht der Thatsachen ihre Bahn ge- 
brochen. Dem Buche Blümners, das sie nach einer Richtung hin behandelt (vgl. 
JBL. 1891 IV 1 : 117; 1892 I 6 : 49; IV Ib : 124), haben im Berichtsjahre Roethe52) 
und R. M. Meyer^äj ausführlichere Besprechungen gewidmet. — 

Mehr fast als die Schriftsteller haben die Theoret ik er gelegentlich unsere 
Sprache beeinflusst. An Schottel hat Jagemann^*^ gute Beobachtungen gemacht. 
Einerseits zeigt er eine Reihe von Wortprägungen auf, die bisher späteren Schrift- 
stellern zugeschrieben wurden, und andererseits unterzieht er die Formation des 
starken Verbums bei Schottel einer Prüfung und weist nach, dass auch bei Schottel 
die Ausgleichungen noch nicht so weit abgeschlossen sind, wie man gewöhnlich 
annimmt. Auch Schottel flektiert noch „ich band, wir bunden; ich rann, wir runnen", 
wie er andererseits noch an „fleugst, fleugt" festhält. Wenn man erwägt, welche Rolle 
die Frage der Formausgleichungen in dem oben erwähnten Streit um Luther spielt, 
wird man diese Untersuchung für besonders bedeutsam erachten müssen. — Den 
Sprachgesellschaften widmen vor allem unsere heutigen Sprachreiniger ihr 
Augenmerk. K. Scherer^^) giebt einen hübschen und sicher gezeichneten Ueber- 
blick über die Thätigkeit dieser Gesellschaften im 17. Jh.^^), von anderer Seite^') 
wird der Freiberger Chronist Andr. Möller aus Pegau als massvoller Gegner der 
Sprachmengerei dargestellt, während es meines Erachtens über das Ziel hinausschiessen 
heisst, wenn die sprachreinigende Thätigkeit Hahns an der Bibelübersetzung von 
J e h 1 e ^s) gerühmt wird. — Aus dem vorigen Jh. wird der auch als Sprachforscher 
bedeutsame Basler Dichter Joh. Jak. Spreng durch Socin^^) vorgeführt. Von 

seltener?: ZDS. 6, S. 464 5. — 44) G. Schmidt, Clavigo. E. Studie z. Sprache d. jungen Goethe, nebst einigen Beitrr. z. 
CharaVteristik d. Hauptheiden u. d. Maria. Gotha, Perthes. UI, 201 S. M. 2,40. (Vgl. IV 8a n. IV 8e.) — 45) H. Riegel, 
Einige AeusBorungen Goethes u. Schillers über d. dtsch. Sprache: ZADSprV. 8, S. 1-9, 17-20. (Vgl. IV 8a u. IV 9.) — 46) A. 
Hammer an, D. Franltfurter Mundart: FZg. N. 289. — 47) H. Fischer, Sprachl. Einzelheiten zu Schillers Dramen: VLG. 6, 
S. 305,8. (Vgl. IV 9:72.)-48) G. Bnrghauser: ZOG. 44, S. 574,5.- 49) F. Düsel, Aus Phitens Dichter Werkstatt: ZDS. 7, 
S, 89-90, 125/7, 266-72. (Vgl. IV 2.) - 50) G. Zillgenz, Rheinische Eigentümlichkeiten in H. Heines Schriften. Progr. 
Waren. 4». 17 S. (Vgl. IV 11.) — 51) W. Streit, Ludwig I. v. Bayern u. d. dtsch. Sprache: MADSprV(Berlin). 4, S. 1156.— 
52) 6. Roethe: DLZ. S. 9079; id.: PrJbb. S. 541/3. — 53) R. M. Meyer: ADA. 19, S. 91 3. — 54) H. C. G. v. Jagemann, 
Notes on the Langnage of J. G. Schottel.: PMLA. 1, S. 408-30. — 55) K. Scherer, Dtsch. Sprachgesellschaften im 17. Jh.: 
DNJb. 3, S. 123-32. — 56) X P- Pietsch, Dtsch. Sprachpflege vor 200 J. u. heute : TglRs». N. 133 4, 137/8. — 57) Z. Sprach- 
reinigung im 17. Jh.: ZDASprV. 8, S. 53. — 58) F. Jehle, Phil. Matth. Hahn: ib. S. 195;7. — 59) A. Socin, Joh. Jak. 



H. Wunderlich, Geschichte der neuhochdeutschen Schriftsprache. I8:6o-ß7 

Spreng- bewahrt die Basler Bibliothek hs. Nachlass, der noch nicht gehoben ist. — 
Von Interesse ist es nun, den Theoretiker auch auf seine schriftliche Thätigkeit zu 
prüfen. In diese Bahnen münden die Betrachtungen ein, die man an Jakob Grrimm 
und die Sprache seiner Abhandlungen mit Scher er ^•^j knüpft. Als Meister der Sprach- 
wissenschaft, der die verborgenen Schätze der älterer Sprachstufen aufdeckte, wandelte 
Grimm auch in seinem eigenen Sprachgebrauch gerne die Wege, die er wissenschaftlich 
bloss gelegt hatte, ja noch mehr, er traut sich als dem Sprachforscher auch den be- 
sonderen Beruf zu Neubildungen zu. — 

Mit den Arbeiten, welche die Erscheinungsformen unserer Sprache vom 
historischen Standpunkt betrachten, knüpft das Berichtsjahr verschiedentlich 
an das vorhergehende an. So wird der Versuch von Hess, Geist und Wesen der 
deutschen Sprache im allg^emeinen zu erfassen (vgl. JBL. 1892 I 6:55), in kurzen 
Anzeigen berührt^')- — Hildebrand ^2) setzt seine Beobachtungen über die Logik 
des Sprachgeistes (vgl. JBL. 1892 16:6) fort, indem er den Doppelsinn von „Pate", 
die Vertauschungen von „lehren und lernen", „Schuldner und Gläubiger" u. a. vor- 
führt. — Zur Erklärung würde sich noch besser als der sprachgeschichtliche Versuch 
Hildebrands die Bemerkung von Marty^^) eignen, dass ein Korrelativ häufig durch 
Hinweis auf das andere und durch Angabe der besonderen zwischen ihnen bestehenden 
Relation verdeutlicht werde, was dann bei einer Zusammenschrumpfung der Ausdrucks- 
weise zu dem Gesetze führe, „Korrelativa empfangen häufig denselben Namen". — 
Den Luxus, den sich unsere Sprache im Wortschatz, in Formenlehre und Satzbau 
durch den Gebrauch von Doppelformen gönnt, zieht Wasser zi eher ß*) in Betracht, 
ohne jedoch anzudeuten, wie stark gerade die Neigung- der Sprache ist, solche Doppel- 
formen zu beseitigen oder zur Bedeutungsspaltung auszunutzen. — Den nach keiner 
Seite hin bis jetzt ausgebeuteten Einfluss, den unsere Sprachformen ihrerseits auf die 
Entwicklung philosophischer Begriffe ausüben, deckt Hildebrand ^^) in einigen 
hübschen Bemerkungen zu Schiller auf. — Unter den Gesamtdarstellungen unserer 
Sprache entbehren wir seit langer Zeit ein Werk, das den Stand der Forschung zu- 
sammenfassend als sicherer Führer von der alten Zeit in die neuhochdeutsche Sprach- 
entwicklung hineingeleitete. Wilmanns^^) kommt diesem Bedürfnis mit einem Unter- 
nehmen entgegen, von dem bislang der erste Abschnitt erschienen ist, der die Laut- 
lehre umfasst. Naturgemäss liegt hier das Schwergewicht der Untersuchung auf 
phonetischen Problemen einerseits und auf den älteren Entwicklungsstufen unserer 
Sprache andererseits, wobei jedoch zu betonen ist, dass die Einbeziehung der gotischen 
Grammatik in die Darstellung nicht den alten Irrtum wieder erwecken soll, als ob 
in der gotischen Sprache einfach die Vorgeschichte unserer eigenen läg'e. Das Neue an 
der Darstellung W^.s ist nun, dass die zurückliegenden Sprachstufen soweit hervortreten, 
soweit sie Bedeutung für die neuhochdeutsche Sprachforschung haben; ergreift überall 
mit Vorliebe in unsere eigene Zeit hinein, obwohl gerade hier die Fachlitteratur sehr un- 
gleichmässig vorgearbeitet hat. Naturgemäss ist der Vf. keineswegs bemüht, diese Un- 
gleichmässigkeit durch die glänzenden Mittel seiner Darstellungsgabe zuzudecken, im 
Gegenteil heben sich bei der Klarheit und Fasslichkeit der Sprache und bei der Ueber- 
sichtlichkeit, mit der das einzelne Problem aus dem Gewirre der Hypothesen ausgelöst 
wird, die dunkeln Punkte in unserer neuhochdeutschen Sprachgeschichte nur noch schärfer 
ab. Mit eigenartigem Geschick versteht es aber der Kommentator der neuen Schulortho- 
graphie, die Wandlungen in der Schreibung und der lebendigen Aussprache in das 
richtige Wechselverhältnis zu setzen, das Eine durch das Andere zu erklären und 
zu beleuchten. Hier setzen auch die Recensenten gerne ein, und im Besonderen hat 
Jellinek, dessen lautgeschichtliche Einwendungen wieder von Streitberg an- 
gegriffen werden, gerade hieran einige gute Beobachtungen angeknüpft. Er hebt den 
Einfluss hervor, den die von Mittel- und Niederdeutschen festgestellte Orthographie 
auf die österreichische Aussprache, vor allem in der Unterscheidung von Länge und 
Kürze ausgeübt habe, und macht andererseits sehr wahrscheinlich, dass das auslautende 
e in auffälligen Formen der Nominalflexion nicht einer lautgesetzlichen Entwicklung, 
sondern den theoretischen Festsetzungen Adelungs sein Dasein verdanke. — 

Mit dieser letzteren Form der Sprachentwicklung, dem Eingriff von aussen 
her, werden auch andere Erscheinungen erklärt, die das Verhältnis von Orthographie 
und Phonetik berühren. Hildebrand ^'') will die auffällige Betonung von 
lebendig aus den Bemühungen der Schule erklären, die hier gegen mundartliche 



Spreng: Basler Jb. S, 227-50. - 60) (»• o. N. 1; S. 388-97.) — 61) X A. Paul: COIRW. 21, S. 573; R. Schwenk: BBG. 29, 
S. 508-10; P. Pfalz: PaedA. 35, S. 4356. — 62) Rud. Hildebrand, Zur Logik d. Sprachgeistes: ZDU. 7, S. 577-82, 785 6. 
— 63) (S. 0. K 6; S. 114.) — 64) E. Wasserzieh er. Doppelgänger in d. Sprache: Geg. 43, S. 259-61. — 65) R. H i 1 d e - 
brand, D. Gräfin v. Savern (=r Aus unserer französ. Zeit. N. 3): ZDU. 7, S. 256. — 66) W. Wilmanns, Dtsch. Gramm. 
(Gotisch, Alt-, Mittel- u. Neuhochdeutsch.) 1. Abt.: Lautlehre. Strassbnrg i. E., Trabner. 322 S. M. 6,00. |[0. Lyon: ZDU. 7, 
S. 2002; M. H. Jellinek: ZUG. S. 1084; LCBl. S. 1435/6; J. Seemüller, DLZ. S. 1039-41; H. Wunderlich: ZDPh. 27, 
S. 132/4; W. Streitberg: IndogermF. 3, S. 186-91.]| — 67) R. Hildebrand, Noch einmal lebendig u. sein Ton: ZDU. 7, 



18:68-79 H. Wunderlich, Geschichte der neuhochdeutschen Schriftsprache. 

Verkürzungen wie lemdig- u. a. zu kämpfen hatte, und den Ton auf die bedrohte 
Silbe leg-te. — G 1 o e d e ^^) unterstützt diese aus der sächsischen Mundart beg-ründete 
Vermutung durch niederdeutsche Belege, wie andererseits auch aus oberdeutschen 
Mundarten und aus der mittelhochdeutschen Litteratur entsprechende Beispiele 
(„lebig", „lemtig").zur Hand wären. — So bestechend auch diese Erklärung auf den 
ersten Anschein ist, so umfasst doch die Erklärung Behaghel s^**), der über- 
haupt bei mehrsilbigen Adjektiven ein Streben nach bequemerer Gewichtsver- 
teilung nachweist, die Erscheinung in einem weiteren Zusammenhang und verdient 
dadurch den Vorzug. — Einen sichereren Anhalt giebt die Schreibung für die allmähliche 
Verbreitung der gerundeten Aussprache von ü und ö. Heine''') zeigt, wie in den 
Sprachgesellschaften des 17. Jh. gelegentlich bei konsequenterem Hindrängen zur 
phonetischen Schreibweise auch hier i und e in die Schrift eindringen, während 
Hildebrand'' 1) die ungerundete Aussprache dieser Vokale auch im mitteldeutschen 
Gebiete der späteren Zeit nachweist. Von besonderem Interesse sind seine Belege 
für unsere Klassiker. Nicht bloss Schiller auch Goethe werden für diese Lautgebung 
in Anspruch genommen, ja in einem Briefe an die Weygandsche Buchhandlung, 
den G. Wustmann beisteuert, hat der Schreiber die Worte „Carton für 119", die Goethe 
diktierte, als „Carton 419" niedergeschrieben. — Auch in der orthographischen Frage 
zeigt sich aus den kleinen Schriften, welch eingreifenden und vielseitigen Einfluss 
gerade Schere r''^) hier ausgeübt hat. Gehört auch ein Teil der einschlägigen Auf- 
sätze mehr in das Gebiet der polemischen Betrachtung, nehmen andere ihre grund- 
legende Stellung in der Geschichte der Lautphysiologie ein, so verdankt ihm doch, 
wie B u r d a c h hervorhebt, die historische Forschung ihre Befreiung vom Banne der 
Orthographie. — Was demgegenüber der Kultus des Buchstabens anzustellen im stände 
ist, spiegelt sich in dem Büchlein von A 1 b r e c h t ''^), wenn dieses überhaupt ernst 
gemeint ist. Als Scherers besonderes Verdienst muss die Art seiner Abkehr vom 
Buchstabendienst hervorgehoben werden; denn bei ihm finden sich auch schon die 
ersten Anfänge einer neuen Methode, welche die graphischen Beweismittel nun um- 
gekehrt in den Dienst der Lautforschung einstellt. — So verfolgt Aron'^^a) an der 
Hand der Schreibung die Geschichte des „s", wie es sich nach „r" und in der Ver- 
bindung „st" zu dem Laute entwickelte, den die Schrift teilweise mit „seh" kenn- 
zeichnet. — Dem Titel nach könnte auch eine Studie von Bödekker''^) in diesen Zu- 
sammenhang gehören, sie behandelt aber die Wirkungen des gesprochenen Wortes, 
nicht dessen Existenzbedingungen. — 

In die Formenlehre greifen einige Bemerkungen Ecksteins''^''^) ein, 
die jedoch mehr der Unterhaltungslitteratur angehören. — Mit sorgsamen statistischen 
Feststellungen verfolgt Je ittel es''') den Entwicklungsgang unseres Pronomens, das ja 
in verschiedenen Flexionsformen unorganische Verlängerung und Verstärkung er- 
fahren hat: „mein" und „dein" als Genitiv ist heute zu „meiner, deiner" geworden; 
„ihr" zu „ihrer;" ,,in" zu „ihnen" usw. Im allgemeinen ist dieser Prozess bekannt, 
aber es ist dankenswert, die Ausgangspunkte der einzelnen Bewegungen genauer fest- 
gelegt zu sehen, die Nebenformen, die in schüchternen Ansätzen stecken blieben, zu 
beobachten. Willkommene Ergänzung giebt J. namentlich für die neuere poetische 
Sprache und unsere gehobene Prosa, in der die alten kürzeren Formen gerne noch 
auftreten. Dagegen fehlt der Versuch, die Darstellung aus den Grenzlinien der Statistik 
herauszuheben und zu einem Einblick in den Verwitterungsprozess alter Formen 
und in die dadurch veranlassten Neubildungen umzugestalten. — Im Rahmen der 
Formenlehre verdienen auch einige Ergebnisse der Mundartenforschung Beachtung, 
weil die dort beobachteten Formen so leicht in die Schrift übergleiten. Bedingt nur 
ist dies der Fall bei dem alten Imperativ „bis" für „sei", dem Fränkel ''**), weil er 
ihn bei älteren sächsischen Dialektschriftstellern nicht vorfindet, die Altertümlichkeit 
absprechen will. — Für das Westfälische ist von Interesse, dass nach der Beobachtung 
von J elli ngha us""") dort die Hülfsverben können, sollen, wollen usw. im zusammen- 
gesetzten Präteritum sich dem untergeordneten Infinitiv nicht angleichen („dat hedde 
he don kont" statt „thun können"). Auch einige ungewohnte Verbindungen mit 
„haben" an Stelle des schriftgemässen „sein" werden dort belegt („bliewen hedden"). 
— Notwendig ist die Festsetzung mundartlicher Grenzlinien für die in der Ge- 
schichte der Wortbildung eine so grosse Rolle spielenden Suffixe „-chen" und 



S. 91-3. (Vgl. auch ib. 6, S. 641, 844.) — 68) 0. Gloede, Lebendig, lewendig, lewig: ib. S. 632;:}. _ 69) 0. Behaghel, 
Z. Betonung v. „lebendig": ib. S. 495. — 70) G. Heine, Z. Gesch. d. Ausspr.: ib. S. 4515. — 71) R- Hildebrand, Z. 
Gesch. d. dtsch. Aussprache: ib. S. 153-64, 449-51. (Erschien auch in PrJbb. 1892, S. 438-52.) — 72) («. o. N. 1 ; 8. 238-84, 
398-451.) - 73) A. Albreoht, Sprache n. Muttersprache. Halle a. S., Kaemmerer. 41 S. M. 0,60. |[BLU. S. 750.]| — 73a) 
0. Aron. Z. Gesch. d. Verbindungen eines „s" bez. „seh" mit e. Konsonanten im Nhd.: BGÜS. 17, S. 225-71. — 74) K. 
Bödelcker, D. gesproch. Wort u. d. geschriebene Wort: PhonetSt. 6, S. 181-90. — 75) E. Eckstein, D. Zuknnftforra unserer 
Zeitwörter: WIDM. 74, S. 379-81. — 76) id., „D. unbestimmte Artikel": ib. S. 702,6. — 77) A. Jeitteles, D. nhd. Pronomen: 
ZDPh. 25, S. 303-13. (Forts, in Bd. 36.) - 78) L. Frank el, Zu mitteldtsch. „bis«: ZDU. 7, S. 139, 566. — 79) H. Jellinghans: 



H. Wunderlich, Geschichte der neuhochdeutschen Schriftsprache. 1 8:00-94 

„-lein". Sanders^**) hat sich dieses Moment in seiner sonst so gründlichen und 
nach der litterarischen Seite anziehenden Studie entgehen lassen, bei der auch für 
die Form ,,-g'en" der Hinweis auf den jungen Goethe fehlt. Dageg-en ist sehr hübsch 
die stilistische Verwendung- der Verkleinerungsform dargestellt; die Häufigkeit in 
Uebersetzungen aus bestimmten Sprachen wird an der Uebertragung der litaui- 
schen Dainos dargethan, Stilunterschiede innerhalb des Werkes eines Dichters an 
Goethe beobachtet.. Dem gegenüber finden sich in den oben erwähnten mundartlichen 
Arbeiten vor allem Zeugnisse für die räumliche Ausdehnung von „-chen" gegen 
„-lein". — Scheel*') verneint die letztere Form für den kölnischen Dialekt, Schöppe^'^) 
für den Naumburger, während umgekehrt Kahl*^) die Form „-chen" für das 
Elsässische ausschliesst. — Einen Ueberblick über die Mannigfaltigkeit unserer Wort- 
bildung gewähren die Tabellen von Rey^*), deren Einleitung nur wenig für das 
Verständnis beibringt und überdies so bedenkliche Anschauungen verrät („die Vor- 
silbe „ge-" bewirkt bald Umlaut, bald nicht: Gewölk . . . aber Gelock"), dass wir sie 
keineswegs „als Ergänzung zu jeder deutschen Grammatik" empfehlen möchten. — 

In das Gebiet der syntaktischen Bedeutungsentwicklung greift S ch r a d er ®^) 
über, indem er an dem Worte „Untiefe" eine dem Griechischen entsprechende intensive 
Bedeutung des „un" nachweist. Den richtigen Ausgangspunkt für diese Beobachtung 
hätten Worte wie „Ungeheuer" g'eboten, in denen die Grundbedeutung des Präfixes 
durch den Bedeutungsinhalt des Kompositums nach der entgegengesetzten Seite ab- 
gelenkt wird. — Eine ähnliche Entwicklung liegt vielleicht auch in dem Worte „frei" 
vor, das in Luthers Verse: „Er hilft uns frei aus aller Not" wohl als blosses empha- 
tisches Adverb aufzufassen ist, während ihm Bechstein*^) die Grundbedeutung 
zurückerobern möchte. — Es ist im besonderen die Syntax der zwangloseren Rede, 
die solche Bedeutungsentwicklungen begünstigt, und hierin beruhen auch meistens 
die Parallelen mit der griechischen Sprache, die C- Müller*'), Loth. Koch**) und 
Sprenger***) im Anschluss an einen Aufsatz Richters aus dem Vorjahre (vgl. JBL. 
1892 I 6 : 60) nachtragen. — Zur Syntax fallen auch aus den kleinen Schriften 
Scherers ^'') eindringliche Bemerkungen ab. Der syntaktischen Litteratur, die Seh, 
verzeichnet, müssten heute freilich stattliche Nachträge angereiht werden, die vor 
allem für diejenigen zu beherzigen wären, die so gerne ihre Klage über die Ver- 
nachlässigung syntaktischer Studien erheben. Die Anschauungen aber, die Seh. 
vorträgt, haben noch heute ihre volle Berechtigung, namentlich die freie Auf- • 
fassung und Würdigung systematischer Fragen. — Die Theorie, die sich in der 
Praxis nicht erprobt, neigt hier mehr als je dazu, den Inhalt über der Form zu ver- 
gessen; das zeigt sich deutlich an der Beurteilung, die eine Dissertation von Frey^') 
gefunden hat. Ries richtet hier sein Hauptaugenmerk auf die Mangelhaftigkeit der 
Systeme, indessen die thatsächlichen Mängel dieser wie anderer entsprechender Arbeiten 
in der ungenügenden Litteraturkenntnis beruhen. Statt an Vorarbeiten anzuknüpfen, 
ermüdet der fleissige Vf. durch breite Wiederholungen ; an anderen Stellen, wie der 
Entwicklungeschichte der Partikel „denn" setzt er sich durch diesen Mangel gänzlich 
auf das Trockene. Wertvolle Parallelen, die ihm die Uebersetzerprosa des 15. Jh. zur 
Verfügung stellte, lässt er sich entgehen und ebenso auch die Vorbilder für sach- 
gemässe Einteilung der Partikeln. Trotzdem haben seine Beiträge ihren positiven 
Wert durch die sorgfältige Ausbeutung eines festumgrenzten Gebietes. — 

Eine Reihe anderer Arbeiten fasst mehr die mündliche als die schriftliche 
Stilform der Syntax ins Auge, diese beanspruchen aber auch in unserem Zusammen- 
hange Beachtung, weil die Eigenart der Schriftsprache erst von hier aus schärfer 
abgegrenzt werden kann. Tomanetz^^) behandelt die konjunktivische Fassung be- 
stimmter Aussagen in ihrem ganzen Zusammenhang auf Grund einer weitverzweigten 
Litteratur; er sucht die einzelnen Fälle auf bestimmte Typen zurückzuführen, 
findet aber schliesslich doch nicht den einleuchtenden Erklärungsgrund für diese 
Erscheinung, die auch noch in den späteren Berichtsjahren zur Besprechung kommen 
wird. — Schwab^-') fasst die reiche Litteratur zusammen, die sich an die neuhoch- 
deutschen Reste alter Verneinungsformen knüpft, wo die Häufung der Formen noch 
als Verstärkung' der Verneinung und nicht als Bejahung aufgefasst werde. Daneben 
führt er aus eigenem Vorrat Beispiele für Neubildungen aus unserer Zeit an. — In 
dasselbe Gebiet gehört die Beobachtung, die Fränkel^*) aus dem fränkischen 

KBl VNiederdSpr. 16, S. 20,2. — 80) D San d e r s, D. Verkleinerungssilbe „-chen" : ZDS.6,S. 422/7; S. 447-50. — 81) (S. o. N. 9; S.60.) — 
82) (S. o.N. 21 ; S. 13.) — 83) (S. o. N. 23; S. 22.) — 84) J. E e y , D. Wortbildung im Nlid. Beiapielsamml. f. Schule u Haus. Aaran, Saner- 
länder. 99 S. M. 1,60. — 85) H. Sehr ad er, „Un": ZDS. 6, S. 364/ S. ~ 86) R. Bach st ein, ,,Er hilft uns frei aus aller 
Not": ZDU. 7, S. 165/8. - 87) C. Müller: ib. S. 58/9. — 88) Loth. Koch, Sprechzimmer N. 1: ib. S. 490. — 89) B. 
Sprenger, Sprechzimmer N. 10: ib. S. 687. - 90) (S. o. N. 1: S. 358-74.) — 91) E. Frey. D. Temporalkonjunttionen d. dtsch. 
Sprache in d. Uebergangszeit v. Mhd. z. Nhd. Bespr. im Anschluse an P. Suchenwirt u. Hngo v. Montfort. (== Berliner Beitrr. 
z germ. u. rom. Philol. veröffentl. v. E. Ehering. Germ. Abt. N. 4.) B., C. Vogt. 102 S. M 2,50. |[J. Kies: ADA 21, 
S. 43-54.]| - 92) K. Tomanetz, Z. KonjnnlctiT z. Bezeichn. d. WirklichVeit: ZDU. 7, S. 134/5. — 93) 0. Schwab, D. 
pleonast. Negation im Nhd.: ib. S. 807-23. — 94) L. Fränkel, Z. Kap. d. sogen, „gehäuften Negation": ib. S. 1.39-40. — 
Jahresberichte für neuere deutsche Litteraturgeschichte. IV. j 7 



18:95-106 H. Wunderlich, üeschichte der neuhochdeutschen Schriftsprache. 

Sprachgebrauch mitteilt, wo die dünne Form „nit" durch das vollere „nimmer" 
verdrängt wird. — Eine g-anze Reihe von anderen Neigungen und Wendungen der 
Umgangssprache führt Eloesser^^) aus der ältesten deutschen Uebersetzung Molieres 
auf; er belegt die Vorliebe für lockeres Gefüge, die Abneigung gegen unterordnende 
Konjunktionen, die Bevorzugung der direkten Rede vor der indirekten und noch 
mehr vor dem Dass-Satz; endlich die Mittel, die unsere zwanglosere deutsche 
Sprache in der Wortstellung und in der Anwendung von adverbialen Füllwörtern 
zur Hand hat, um anders geartete französische Fügungen zu ersetzen. In dieser 
Aufzählung liegt zugleich ein Massstab für die Beurteilung entgegensetzter Neigungen 
de.r Schriftsprache. — Aehnliche Beobachtungen ergeben sich aus den Untersuch- 
ungen, mit denen Wunderliche^) in die Sprache des neuesten deutschen Schau- 
spiels einführt. — Sonst sind die Stilforraen unserer Sprache vorwiegend in ihrer 
Zugehörigkeit zu bestimmten Berufsständen und in polemischer Betrachtung erfasst 
worden. Denn bei Streit e'') wird mehr eine litterarhistorische als stilistische Unter- 
suchung geführt. — Die Berufs- und Staiidesfärbungen der Sprache reichen in den 
historischen Teil unseres Berichts nur mit einer Skizze der Gaunersprache durch 
Göll nitz'-'S) herein und mit einer Plauderei von Haberland^^j^ in der die Termini 
der Militärsprache auf Grund eindringlichen Studiums wissenschaftlicher Wörter- 
bücher auf ihre Wurzeln zurückgeführt werden. Schade, dass die anziehende Dar- 
stellung neben der Etymologie nicht auch die näheren Umstände mehr in den 
Vordergrund zieht, unter denen die einzelnen Ausdrücke ins Heer eindrangen. — 

Denn die Erforschung des Wortschatzes, in die Haberlands Studie ein- 
mündet, weist infolge der regeren Pflege auch immer mannigfaltigere Gestaltung 
ihrer Aufgaben auf. Die neuen Ziele, denen diese Wissenschaft entgegenwächst, 
werden von Grimm '<*•*) vorangestellt, der mit Recht den deutschen Akademien neben 
der von ihnen verhätschelten Latinität die deutsche Sprache zur besonderen Obhut 
empfiehlt. — Unter den alten Aufgaben der Wortforschung hat die Etymologie 
einen grossen Vorsprung gewonnen, der sich am besten in der fünften Auflage des 
Wörterbuches von Kluge i^') kennzeichnet. Neben neuen litterarischen Nachweisen 
für das erste Auftreten einzelner Wortformen und strafferer Heranziehung der Mund- 
arten ist es die Beweisführung, die sich vervollkommnet und zu bestimmten Grund- 
sätzen zuspitzt. — Dem gegenüber treiben die Kombinationen und Hypothesen, die von 
.dieser wissenschaftlichen Etymologie abgewiesen werden ihr Spiel um so ungestörter 
in anderen Kreisen. Das Buch von F aulmann ^''^^i das schon früher genügend 
gekennzeichnet wurde (vgl. JBL. 1891 I 8 : 44), fand im Berichtsjahr seinen Abschluss. 

— Aber auch bei Du den^'*^) jg^ ^[q linguistische Seite vernachlässigt. — Vom deutschen 
Wörterbuch der Brüder Grimm sind vier neue Lieferungen zu verzeichnen. Die 
meisten fallen auf Heyne ^''*""^^), der auch mit seinem eigenen Wörterbuch in der 
gleichen Richtung fortschreitet. Es liegt nahe, die Arbeitsweise H.s durch eine Ver- 
gleichung seiner Leistungen am grossen und kleineren Wörterbuch ins Licht zu 
setzen. So wird von Behaghel zu den früheren Bänden das Neue hervorgehoben, 
das H. durch Berücksichtigung der gesprochenen Sprache und zeitgenössischen 
Schriftsteller beibringt, während sich Nagl mehr mit den Kürzungen beschäftigt, 
die in der kleineren Ausgabe vorgenommen wurden. Erdmann, der in dem neuen 
Wörterbuch namentlich auch nutzbare Winke für die Sprachrichtigkeit entdeckt, 
würdigt unter Anführung einiger interessanter Nachträge vor allem die Vorzüge des 
Buches. Unter diesen möchte ich die Anordnung rühmen, die es uns ermöglicht, 
die Zusammensetzungen, die ein Wort eingeht, im Zusammenhange zu verfolgen, 
während sich im gTOssen Grimm die Wortfamilien störend durch einander schieben. 

— Dass die Angaben, wann und wo ein Wort zum ersten Male auftritt, auf Grund 
neuer Quellen vielfach berichtigt werden können, wird keinen Sachverständigen über- 
raschen, nach dieser Seite hin wird niemand die Arbeit einem Einzigen zumuten 
wollen. Deshalb sind die Beiträge von Gombert^oej willkommene Ergänzungen; 



95)A.EloeBser,D.äUestedtsch.Uebersetz. MoliferescherLuBtspiele. (=Berl.Beitrr. [s.N.91] N.3.) 78 S. M. 1,80. Bes. S. 50-67; vgl. 
m4:19.) — 96) H.Wunder lieh, Z. Sprache d. neuest, dtsch. Schauspiels: NH.Tbb. 3, S. 251/9 (vgl. IV 4 : 118). - 97) W.Streit, 
D. Sprache d. dtsch. Volksliedes: MADSprV(Berlin). 4, S. 41/4. — 98) Göllnitz, D. Wesen d. Verbrecher- oder Gauner- 
sprache. Breslau, Selbstverl. 32 S. M. 0,20. — 99) F. Haberland, Krieg im Frieden, e. etymol. Plauderei über unsere 
militär. Terminologie. Progr. d. Realgynin. Lüdenscheid. 50 S. I[L. Hölscher: ASNS. 91, S. 466.]| — 100) H. Grimm, 
Thesaurus linguae germanicae: DLZ. 14, S. 1430/2. (Abgedr. in NatZg. N. 637.) — 101) F. Kluge, Etymolog. Wörterbuch 
d. dtsch. Sprache. 5. verb. Aufl. Strassburg i. E., Trübner. XXVI, 491 S. M. 10,00. [[Johansson: IndogermP". 2, S. 203/4.] | 
(Vgl. auch MADSprV(Berlin). 4, S. 147/9.) — 102) K. Faulmann, Etymolog. Wörterbuch d dtsch. Sprache nach eigenen 
neuen Forschungen. 10. Heft. Halle a. 8., Karras. VIII u. S. 369-421. M. 1,20 (kompl. M. 12.00). |[Wohlfahrt,: BBG. 29, 
S. 421;2; ÖLBl. 2, S. 171/2]| — 103) K. Duden, Etymol. d. nhd. Sprache. 3. Aufl, der Etymol. v. Bauer-Fromraann, München, 
Beck. 272 S. M. 3,60. ||LCB1. S. 1651; E. Wasserzieher: ASNS. 91, S. 277; Grenzb. 3, S. 334.]! — 104) J. u. W. Grimm, 
Dtsch. Wörterbuch. Fortges. v. M. Heyne, R. Hildebrand, M. LexBr, K. Weigand u. E. Wfilcker. 8. Bd. 11/3. Lfg. 
(Saumspinne— Schelle), bearb. unter Leitung v. M. Heyne. L., Hirzel. S. 1921-2496. M. 6,00. — 105) M. Heyne, Dtsch. 
Wörterbuch, 5. Halbbd. R-8etzen. ib. 592 S. M. 5,00. |[0. Behaghel: LBlGRPh. S. 315/6; W. Nagl: ÖLBl. 2, 8 554/6; 
0. Erdmnnn: ZDPh. 26, S. 132/4.|| — 106> A. Gombert, Weitere Beitrr. z. Altersbestimmung nhd. Wortformen mit besond. 



H. Wunderlich, üeschichte der neuhuchdeutschen iSchriltsprache. i8:i06a-i20a 

sie verdienen auch in einzelnen Teilen ihrer Polemik Beachtung, weniger wo diese 
sich gegen die Auswahl der aufgenommenen Worte richtet, als wo sie Versehen der 
ersten Bände rügt. Im neuem Bande fallen im etymologischen Teil Aeusserungen 
auf wie die, dass dem Worte „sausen" als Wurzel eine reduplizierende Bildung zu 
Grunde liege. Bei Gr. hat auch die Darstellung des Wortes „Dank" (Wille) mit 
der besonderen Beziehung auf Luthers „und kein Dank dazu haben" mit Recht Wider- 
spruch gefunden. — In der vielgestaltigen Diskussion dürfte die Auffassung Scheff- 
le rs i^^"^) den Sieg behalten, die sich der neueren Bedeutung von „Dank" nähert 
und auf eine Zwischenstufe lossteuert, die etwa im „Ritterdank" des Turniers vor- 
liegt. — Die Terminologie kann auch bei Wülcker"^') leicht irre führen, der zu 
sehr am graphischen Bilde hängt, während gerade bei der Vorsilbe „ver-" mit der 
er zu thun hat, nicht bloss die Verschiedenartigkeit ihrer Einwirkung auf den Be- 
deutungsgehalt der antretenden Worte, sondern auch die Sonderung der in der heutigen 
Form zusammengeflossenen Partikeln Schwierigkeiten macht. — Der äusseren Form 
des Wörterbuches bedient sich Du den ^^s) für orthographische Zwecke, ergreift zu- 
gleich aber auch in das Gebiet der Etymologie über, wo wir ihn schon oben 
getroffen hatten. — Stark angeschwollen ist die Wortforschung auf dem Gebiete der 
Mundarten. Neben den grossen Sammelwerken, wie sie vorliegen in dem schweize- 
rischen Idiotikon '"^), das rüstig fortschreitet, und in dem Wörterbuche der elsässischen 
Mundarten, für das Lienhart und Martin"") ^ig Vorarbeit ein Verzeichnis der 
bislang meist belegten Worte veröffentlichen, giebt G u tz e i t m) eine Wörtersammlung 
für das deutsche Livland heraus. Der Wortschatz der W^estthüringer wird von 
Herwig "2j^ (jer von Salzungen durch Hertel*'^) dargestellt, indes Himmel- 
stoss"*) seine Beiträge aus dem bayerischen Walde fortsetzt (vgl. JBL. 1892 16:34). 

— Die vielfachen Verzweigungen, die die Namenkunde erfahren hat (s. o. I 5 :356— 79), 
können wir hier nicht verfolgen, nur sei hervorgehoben, dass in den einzelnen Mund- 
arten die Tiernamen immer sorgfältiger belegt und zum Vergleich zusammengestellt 
werden. — Für den Wortschatz einzelner Dichter, ein Gebiet, dass neuerdings frische 
Kräfte anzieht (vgl. auch N. 40—42), kommt Tomanetz 'i^) (vgl. IV4 : 217) in Betracht; 
er bringt aus einer umfassenden Studie über den Sprachgebrauch Grillparzers vorläufig 
einige mundartliche Ausdrucksformen des Dichters bei, denen infolge des jähen Todes des 
verdienten Vf. die Fortsetzung wohl abgeschnitten bleibt, wenn auch noch ein Fragment 
zur Synti x des Dichters Veröffentlichung finden sollte. — Dem Bedeutungswandel, dem 
einzelne W^orte namentlich im Zusammenhang unterworfen sind, wird immer gerne nach- 
gespürt. So behandelt Sanders^^^) die österreichisch-bayerische Redensart „du 
hast's gar nicht schlecht erraten" im Sinne von „getroffen", wozu von anderer Seite 
schwäbische Belege beigefügt werden. — Natürlich berühren sich diese Untersuchungen, 
für die in der ZDU. ein besonderer Mittelpunkt gegeben ist, nahe mit dem Gebiete 
der Syntax, wie ja auch die Bemerkung Bechsteins"^) über Luthers Vers „Er 
hilft uns frei aus aller Not" auf der Grenze zwischen beiden Gebieten steht. — Da- 
gegen gehört ganz hierher das Wort „Gigerl", das von Sprenger' i^) und 
Dundatschek"^») in die wissenschaftliche Debatte eingeführt wird, ohne dass jedoch 
aus Schmeller, auf den Bezug genommen wird, das bedeutungsvolle „g'ikelmattn" 
f=VogeIscheuche, Popanz) Erwähnung fände. — Der metaphorische Gehalt unseres 
Wortschatzes ist ja, wie bekannt, von Sehr ade r'^^'^^oa^ ausgebeutet worden, der 
von seinem „Bilderschmuck der deutschen Sprache" die zweite Auflage erscheinen 
lässt. Wie sehr sich dieses W'erk an die einzelnen Artikel des deutschen W'örterbuchs, 
an Sanders und andere anlehnen kann, zeigt sich an den Proben, die er in Zeitschriften 
veröffentlicht. So wird z. B. für das „Haar" wenig Neues zu Heyne-Grimm bei- 
gebracht, nicht einmal das bekannte Beispiel aus dem Parzival: „wer roufet mich 
da nie kein här gewuohs, inne an miner haut." Immerhin aber lässt sich mit der 
Darstellung, wie sie Seh. geglückt ist, eine Absicht Grimms verwirklichen, von der 
sein Wörterbuch naturgemäss immer ferner abrückte, nämlich die, ein Hausbuch für 
das deutsche Volk zu geben. — Nahe berühren sich mit dieser Behandlung des 
Wortschatzes die Erklärungen, mit denen unsere Redensarten ausgedeutet werden. 

Berfidtsichtigrung d. Heyneschen dtsoh. Wörterbuchs. Progr. Gr. Strehlitz, A. Wilpert. 4". 20 S. M. 1,00. |[H. W. Nagl: ÖLBl. 2, 
S. 556.]| — 106a) K. Scheffler, „V. kein Dank dazu haben": ZADSprV. 8. S. 33/6. (Vgl. dazu S. 81, 117/9.) - 107) E. 
Wülcker, J. u. W. Grimm, Dtsch. Wörterbuch. 12. Bd., 5. Lfg. (Verleihen— Verpetschieren). L, Hirzel. S. 769-960. M. 2,00. 

— 108) K. Duden, Vollständ. orthogr. Wörterbuch mit etymol. Angaben. 4. Aufl. L., Bibliogr -Inst. 344 S. M. 1,50. — 
109) (I 5:15.) — HO) E. Martin u. H. Lienhart: JbGElsLothr. 9, S. 167-93. — 111) W. v. Gutzeit, Wörterschatz a. 
dtsch. Sprache Livlands. 1. T. 5. Lfg., 3. T., .3. Lfg., 4. T., 2 Lfg. u. Nachtrr. zu A— B. (S. 339-45; S. 23-83; 28 S.; S. 13-21 
u. Nachtrr. 38 S.) Eiga, N. Kymmel. 1892. M. 3,00. — 112) 0. Herwig, Idiotismen aus Westthüringen, rrogr. Eisleben. 
4». 32 S. — 113) L. Hertel, Salzunger Wörterbuch. Jena, G. Fisther. 53 S. M. 1,20. — 114) M. Himraelstoss, Ans d. 
bayerisch. Wald: Bayerns Mundarten 2, S. 118-29. — 115) K. Tomanetz. Bemerkungen zu Grillparzers Wortschatz: ZOG. 
44, S. 289-300. — 116) D. Sanders, Erraten: ZDS. 6, S. 380/1. (Vgl. S. 452.) -- 117) (S. o. N. 86.) — 118) E. Sprenger, 
Gigerl: ZDU. 7, S. 1423. — 118a) E. Dundatschek, Gigerl: ib. S. 692. - 119) H. Schrader, D. Bilderschmuck d. dtsch. 
Sprache in Tausenden Tolkstfiml. Redensarten. Nach Ursprung u. Bedeut. erklärt. 2. Aufl. Weimar, Felber. XX, 543 S. 
M. 6,00. [[Pädagogium 15, S. 136/7.]| — 120) X id., Grün: ZDS. 6. S. 121-31 - 120ai X id.. D. Weiss in Bildern und 

17* 



1 8:121-129 H. Wunderlich, Geschichte der neuhuch deutschen Schriftsprache. 

A. Richter^^i^ bring-t hier in der zweiten Auflage viel Eigenes zu der Auslese, 
die er in den Wörterbüchern gehalten hat. — 

W^enn die historische Forschung gerne von einer Entwicklungstufe der 
Sprache auf die andere zurückgeht, um die heutigen Vorgänge zu begreifen, so be- 
schränkt sich eine andere Sprachbetrachtung im wesentlichen auf die Erscheinungen 
der Gegenwart. Diese ist meist polemischer Natur. Denn selbst da, wo das 
Bestreben im Vordergrunde steht, aus den einzelnen Erscheinungen die allgemein 
gültige Norm zu gewinnen, tritt auch gleich der Kampf auf gegen die Formen, die 
dieser Norm widerstreben, und im besonderen ist dieser Kampf das Tummelfeld für 
alle die Geister, die ihr subjektives Ermessen dem Zwang geschichtlichen Denkens 
und wissenschaftlicher Arbeit zu entziehen lieben. Das Streben, gewisse Normen 
festzusetzen, hat gewiss seine Berechtigung und ist eine Notwendigkeit vor allem für 
die Schule. Ob aber eine Behörde bei einer so grossen Zahl prinzipieller Gegensätze 
hier mehr Nutzen als Schaden stiftet, ist mir namentlich nach den Auslassungen, 
die Koppel'22 i23j zu Gunsten einer deutschen Akademie vorbringt, sehr zweifelhaft. 
Anstatt geeignete Forschungen anzuregen und zu überwachen, soll diese Akademie 
nach dem W^unsche K.s Gesetze geben. — Als Vertreter der extremsten Anschauungen 
der einen Seite kommt im Berichtsjahre von Pfister *24-i24a^ mehrfach zum Wort, 
Als Schüler J. Grimms erhebt er allen Ernstes den Anspruch, auch die Irrtümer Grimms 
durch Gesetz verewigen zu dürfen. Wie Grimm in der neueren Sprachentwicklung 
nur Verderbnis und Verfall erblickte, so will Pf. dem lebendigen Sprachgebrauch 
gegenüber das Vorrecht der alten Sprache herstellen; die altertümlichen Formen, die 
er gebraucht, sind jedoch auch von diesem Standpunkt aus anfechtbar. — Demgegen- 
über steht auf der anderen Seite das Bestreben, die neuere Sprachentwicklung in 
ihren Grundzügen nicht bloss anzuerkennen, sondern mit überstürzendem Eifer gleich 
an das Ziel zuführen, dem sie zuzueilen scheint. Diesen Grundsatz hat Noreen^-^^) 
mit Hülfe von Johannson aus dem Gebiet der schwedischen Sprache in die 
unsrige übertragen. — Lässt sich über diese Anschauungen wenigstens sachlich 
streiten, so verdient dagegen die Forderung Tilles^^e-)^ (j^ss die auf dem Boden des 
Christentums geprägten Formeln unserer Sprache im Zeitalter des Materialismus um- 
geprägt werden müssten, schon vom Standpunkt des Kenners aus die scharfe Ab- 
fertigung, die ihr Scheffler zu teil werden lässt. — Umgekehrt erhebt ein alter 
„Emeritus" ^'^^'') Einspruch dageg-en, dass religiöse Wendungen auf weltliche Vor- 
stellungen übertragen werden, dass man von einem „Schöpfer des Reiches" spreche 
und ein „Schiff aus der Taufe hebe". — Dieser selbe Gegensatz zwischen dem Fest- 
halten am Alten und überstürzenden Neuerungen hat in der orthographischen Frage 
bekanntlich die Form eines Kampfes zwischen dem historischen und dem phoneti- 
schen Prinzip angenommen. In Scherers •'■^^) kleinen Schriften spiegelt sich dia 
vermittelnde Stellung wieder, die der vielseitige Gelehrte in diesem Kampf einge- 
nommen hat, ebenso wie die Wandlungen der Tag-esströmungen, in denen sich diese 
Stellung unmerklich von links nach rechts verschob. — Merkwürdig ist hier nament- 
lich, wie gerade in der orthographischen Frage das historische Prinzip seinerseits 
wieder zum Revolutionär wird, und so kann Fasola '2^) in seiner anziehenden kleinen 
Studie, in der er für die sogenannte „lateinische" Schrift kämpft, neben den Namen 
Goethe und Humboldt auch J. Grimm unter den Neuerern aufführen. Mit der „deut- 
schen" Schrift, deren Ursprung von F. fasslich dargelegt wird, bekämpft er auch die 
Majuskeln, deren Gebrauch allerding"s manchen Zweifeln unterliegt. — Schwenk '^s») 
will sie mit Recht für diejenigen Substantivformen abschaffen, die aus dem Rahmen 
ihrer Wortklasse getreten sind; aber die Frage, wann dies der Fall ist, wird ver- 
schieden beurteilt werden. Seh. verlangt z. B. „haushalten", „zu teil werden". — 

Mit der Orthog-raphie in näherer Verbindung steht auch ein anderer Gegen- 
satz unter den Gesetzgebern der Grammatik, die Frage nach der Abgrenzung- von 
Mundart und Schriftsprache. Allerdings die Versuche, die neuerdings namentlich 
im Süden gemacht werden, die Orthographie als Zwingherrn der Aussprache im 
einen Fall abzuschütteln, im anderen Falle aber zur Bundesgenossenschaft zu ver- 
werten, diese Versuche greifen über unsere Berichtsgebiete hinüber; der Gedanke 
aber, dem sie entspringen, tritt mit den anderen oben erwähnten Gegensätzen vor 
allem im Kampf um die „Spraohdummheiten" (vgl. JBL. 1891 I 8:59; 

Gleichnissen: ib. S. 412/7, 441/7. (Vgl. F. Riedl: ib. 7, S. 91/2.) — 121) A. Eiohter, Dtsch. Redensarten. Sprachl. n. knltnrgesch. 
erläut. 2. verm. Aufl. L., R. Richter. 190 8. M. 2,00. — 122) H. Koppel, Einige Worte, betreffend e. Alcademie d. dtsch. 
Sprache: ZDS. 6, S. 369-72. — 123) id., Welche Hauptaufgaben hätte e. zultünft. Akad. d. dtsch. Sprache in graraniiit. 
Hinsicht zu lösen?: ib. S. 419-22. (Forts, in Bd. 7.) — 124) H. Pf ister-Schwaighusen, Ueber Stetigkeit d. Sprache u. ihre 
Würde: DNJb. 3, S. 132-43. — 124a) MADSprV(Berlin). 4, S. 72/5, 96/8, 132/9. — 125) A. Noreen, Ueber Sprach- 
richtigkeit. (Für dtsch. Leser bearb. v. A. Johannsen): IndogermF. 1, S. 95-157. (Vgl. dazu d. Nachtr. v. A. Johannsen: 
ib. S. 232-55.) — 126) A. Tille, Sprachentwicklnng u. geistiger Fortschritt: N&S. 66, S. 68-81. |[K. Scheffler: ZADSpr. 8, 
S. 128.]| - 126a) Sprachl. TJngebährlichkeiten. Aus d. Mappe e. alten Bmpritns: Pfarrhaus S. 169-71. — 127) (8. o. N. 1; 
8. .398-451.) — 128) C. Fasöla, Deir Alfabeto Tedesco. Firenze, 8. Landi. 16». 15 S. — 129) R. Schwenk, Kleine An- 



H. Wunderlich, Geschichte der neuhochdeutschen Schriftsprache. 18: 130-145 

1892 I 6 . 104—18) zu Tage. Die Hochflut auf diesem Gebiete scheint sich nun zu 
verlaufen, im Berichtsjahre überwieg-t das Referat und zwar dasjenig-e, das an 
Wustmanns Kritik '^oj anknüpft. — In einer sehr ausgedehnten, teils launigen, 
teils trockenen Abhandlung rückt Menge '^'J mit Recht für die Untersuchungen 
über das relativische „welcher" neben Minor (vgl. JBL. 1892 I 6 : 108) auch die Beob- 
achtungen von Schmits'32) in den Vordergrund, ausserdem giebt er zahlreiche 
Belege für die Schwierigkeiten, denen wir bei Adjektivableitungen von Eigennamen 
begegnen. — An Wustmann selbst knüpft Dunger '3^) einen Vortrag, der in an- 
schaulicher Zusammenfassung der Hauptfragen das Beste giebt, was aus der refe- 
rierenden Litteratur zu verzeichnen wäre. Indem er beschreibende und gesetzgebende 
Grammatik trennt und die Notwendig'keit auch der gesetzgebenden erweist, mustert 
er die Instanzen, von denen diese Gesetzgebung ausgehen könnte. Die Schwankungen 
im Sprachgebrauch, die landsmannschaftlichen Färbungen des Sprachgefühls, die 
Verschiedenartigkeit subjektiven Empfindens, die Verstösse, die die herrschende 
Sprache gegen die Logik und gegen die in ihr selbst obwaltenden Sprachgesetze im 
einzelnen wieder begeht, alle diese Momente erschweren es uns, einen festen Stand- 
punkt der Beurteilung zu gewinnen. D. schliesst sich sodann denen an, die als 
einzige Grundlage den Sprachgebrauch anerkennen. Wo dieser feststeht, giebt er 
den Wertmesser für Wustmanns Ausstellungen, wo er aber schwankt, tritt das sub- 
jektive Ermessen in der Auswahl der Instanzen ein. D., der sich der Notwendigkeit 
eingehender Untersuchungen gerade für die Erforschung des Sprachgebrauches 
voll bewusst ist, hätte diesen hier ihre eigentliche Stellung einräumen sollen. Denn 
gerade unter den Entscheidungen, die er aus subjektivem Ermessen fällt, befinden 
sich manche, die von der historischen Forschung abgelehnt werden müssen. Er- 
freulich ist der unbefangene und sichere Takt, mit dem D. die Frage der Neu- 
bildungen, der Fremdwörter und der Gallizismen resp. Latinismen behandelt. Die 
Verschiedenartigkeit der Stilformen von Rede und Schrift entgeht dem Vf., der 
sich hier zu enge an Minor anschliesst, sie wird dagegen von Grienberger 1^'') 
g'ut herausgehoben. — Ein richtiger Gedanke findet sich auch in einem socialistischen 
Aufsatze, der die ..Sprachdummheiten" dem Kapitalismus in die Schuhe schiebt '^^). 
Ausgehend von dem Zeitungsstile, der ja mehr als alle anderen Berufssprachen 
unter der nervösen Hast leidet, in die sich heutzutage der Fleiss früherer Zeiten um- 
gekehrt hat, hebt der Vf. hervor, „dass man Zeit haben muss, wenn man kurz sein 
will. Der erste Ausdruck ist noch weniger der kürzeste als der beste." — 

Damit treten wir in die polemischen Arbeiten über die Stil formen unserer 
Sprache ein. Die Polemik würde sich hier auf sichererem Boden bewegen, wenn die 
historische Forschung auf diesem Gebiete besser vorgearbeitet hätte. Wie wenig 
das der Fall ist, sehen wir an dem tüchtigen Handbuche der Stilistik von Lyon '3^), 
das aber der Natur der Sache nach nur ein Lehrbuch der objektiven Form des 
„guten" Stils ist, die Frage des subjektiven Stils dagegen nur mit allgemeinen 
Andeutungen anschneidet. — Unter diesen Stilfärbungen der Sprache bieten vor 
allem die Berufs- und Standessprachen der Polemik ein willkommenes Ziel. 
Vorne an steht das „Zeitungsdeutsch" '■'''"i^^), dem auch Schumann''"') den 
einschlägigen Teil seiner- Betrachtungen zuwendet. — Den Romanschreibern 
widmet Sosnosky^^^^ sein Augenmerk, das mehr auf die Aussenseite gerichtet ist 
als in die Tiefe dringt. Ein hervorstechender Zug, der sich aus dem raschen 
Verbrauch des Sprachgutes erklärt, ist die Neigung zu Uebertreibungen und 
zur Tautologie, für die Wasserzieher '^') hübsche Beispiele aus unserem klassischen 
Wortschatze beibringt, während Hessen ^^2), der einige Neubildungen bekämpft, 
über deren Ursprung sehr im Unklaren ist. — Die Beihülfe der Schule nimmt 
Kubin^^3j 2u solchem Kampfe in Anspruch, indes andererseits Weitz enböck '•*'*) 
gerade der Schule mit ihren Nachahmungen des französischen Konditionalis das Vor- 
dringen der schwerfälligen Umschreibung mit „würde" zur Last legt. — Wie hier 
der Schule, so werden in den Grenzboten von einem Anonymus ^*^) auch der 
Wissenschaft Unbilden gegen die Sprache vorgeworfen, sowohl den Natur- 

fangsbnchstaben in verbalen Ausdrücken : BBG. S. 29, 197— 200. — 130) X ^CBl. 652/3; K.Erbe: ZADSpr. 8, S. 89-93; Sohns: 
COIRW. 21, ö. 103/4 (Ref. mit ungenügender Litt.- Angabe); W. Tascheck: Paedagogium 15, S. 157-66 (hebt den päd. Wert 
hervor, verzichtet auf sprachl. Kritik). — 131) K. Menge, Heiteres u. Weiteres aus d. Wustmann-Litt. : ZDU. 7, S. 293-355. — 
132) A. Schmits, D. Kampf gegen d. Sprachverwilderung. Köln, Du Mont-Schauberg. 1892. 63 S. M. 0,80. — 133) H. 
Dunger, Was heisst Sprachdummheiten? : ZADSpV. 7, 129-41. — 134) Th. v. Grienberger: ÖLBl. 2, S. 685,7. — 135) Kapital 
n. Sprache: NZ8t. lo, S. 417-21. — 136) 0. Lyon, Kurzgefasste dtsch. Stilistik. 3. Änfl. L., Tenbner. 94 S. M. 1,00. — 
137) X A. Dem min. Verschiedenes Zeitungs- n. Landtags- wie Keichstagsdeutsch. Wiesbaden, Bechtold. 21 S. M. 0,50. 
|[ZADSprV. 8, S. 204 (deckt bedenkliche Blossen an dieser Schrift auf).J| — 138) X J- Sabin, D. Sprache d. Presse u. d. 
Parlaments. Kiel, Lipsins & Tischer. 50 S. M. 1,00. — 139) P. Schumann, Sprachl. Betrachtungen. Dresden, E. Pierson. 
80 S. M. 1,50. l[Kw. 6, S. 316,7; H. Schuller: ZADSprV. 8, S. 172,3.1] — 140) Th. v. Sosnosky, Eidicnla. Breslau, 
Trewendt. 103 S. M. 1,80. |(KonsMschr. 50, S. 1375;6.]| - 141) E. Wasserzieher, Tautologien: ZDU. 7, S. 606/8. — 142) B. 
Hessen, Z. Unlogik im heutigen Deutsch: ML. 62, S. 400/2. — 143) F. Kubin, D. Hyperbel u. d. Schule: ZDU. 7, S. 257-62. 
— 144) G. Weitzenböck, Z. Umschreibung d. Konjunktivs mit „würde" (^ Sprechzimmer N. 1.): ib. S. 134/5. ~ 145) Grenzb. 



18:146-152 H. Wunderlich, Geschichte der neuhochdeutschen Schriftsprache, 

Wissenschaften, wo sich der Vorwurf g-eg-en einen Ausländer richtet, als auch der 
Geschichtsschreibung". — Auch die Juristen spräche dient nach ihrer theoreti- 
schen und praktischen Seite der Polemik zum Zielpunkt. — Gensei '^^j nimnit 
den Entwurf zum bürgerlichen Gesetzbuch in Angriff. Nach einer Einleitung", 
die entschieden über das Ziel hinausschiesst und namentlich allgemeine Sprach- 
erscheinung"en als besondere Unarten der Juristeni^^a^ ausg-iebt, wird im Gegensatz 
zu den mannigfachen absprechenden Urteilen der Pachg"enossen zuerst die Frage er- 
wogen, welche stilistischen Forderungen eigentlich an ein Gesetzbuch gestellt werden 
können. G. hebt warm die Vorzüge des Entwurfs hervor, die Würde und Stätigkeit 
der Ausdrücke. Seiner Anschauung" entspricht es, dass der Entwurf zurückhaltend 
ist geg-enüber neuen Sprachbildungen, er lobt die Vermeidung der Fremdwörter. 
Wenn G. „schiefe Ausdrucksweisen" tadelt, so entspringt dieser Tadel weit mehr 
dem juristischen als dem sprachlichen Urteil; dageg-en zeigen uns die „Verstösse 
gegen die Sprachlehre'', die G. hervorhebt, deutlich die Notlag-e, in der sich die 
Gesetzg"eber gegenüber dem spröden Material unserer Sprache befanden. „Verstösse 
gegen den Sprachgebrauch" entdeckt G. vor allem im Gebrauch der Präpositionen, 
die allerdings im Entwurf ihre ganze sinnliche Frische eingebüsst haben. „Sprach- 
unschönheiten" nennt G sodann die Wendung"en, die man dem Kanzleistil zur Last 
legen kann. — Von anderer Seite wird betont, wie vorteilhaft der zweite Entwurf des 
Gesetzbuches vom ersten absticht '■*^'^), indem er nicht bloss durch Kürze wirkt, 
sondern auch sonst einen Fortschritt der Sprachentwicklung zeigt. — Dagegen 
fühlt sich Haape^^^c) weniger zum Lobe veranlasst, wenn er einen Ueberblick 
über die Sprache der neueren Gesetzbücher wirft, er sieht hier das eigentliche 
Sprachmuster in der badischen Gesetzgebung. — In die juristische Praxis greift 
nun Daubenspeck 1*'') ein, der in ähnlicher Weise wie Gensei die Missbräuche 
nicht bloss an der Oberfläche streift, sondern bis auf die Wurzel verfolgt. Aus den 
Formen des Prozessganges entwickelt er die Neigungen, die in der Sprache der 
Entscheidung missfallen. Dazu gesellt sich eine hübsche Bemerkung von Bahr, 
der nachweist, dass im Kollegialgericht in die Sätze des Referenten mitunter aus 
der Korona Wendungen eingeschoben werden, die gar nicht in den Zusammenhang 
passen. — Wenn den Juristen gern Schwerfälligkeit und Breite vorgeworfen wird, so 
hat sich umgekehrt in den Kreisen, die im vollen Verkehrsleben stehen, natur- 
notwendig eine Kürze der Sprache entwickelt, die nicht überall Beifall findet. 
Anstatt auch hier, so z. B. in der Kaufmannssprache, die Wurzeln bloss zu legen 
und das Berechtigte anzuerkennen, ist die Polemik gleich mit dem allgemeinen 
Verdammungsurteil zur Hand, so bei Scheffler '^^) und bei Kiemich ^*Si). — 
Dem entgegen scheint Socin^^sj das Für und Wider eindringlicher zu häufen, wie 
auch im Deutschen Sprachverein''"*») für die berechtigten Formen des kaufmännischen 
Stils das Wort geführt wird. — 

Ebendort taucht natürlich auch die B^emdwörter frage auf, für die 
überhaupt die Berufssprachen ein ergiebiges Feld darbieten. Neben den verschieden- 
artigen Beobachtungen, die hierüber im Berliner Zweigverein des Deutschen Sprach- 
vereins angestellt werden, sind es vor allem zwei Standessprachen, die im Berichts- 
jahre in Frage kommen, die der Studenten und die Sprache im Heere. Für die 
Studentensprache ist der Anstoss von aussen her gekommen durch ein Preis- 
ausschreiben der Burschenschaftlichen Blätter; die ganze Bewegung wird von 
Runge ^50) ausführlich geschildert. Von Interesse ist, wie sich auch hier der Gegen- 
satz der Anschauungen spiegelt: während die Urheber der Bewegung am liebsten 
nach Ausdrücken greifen, die schon jetzt da oder dort umlaufen, hat von Pfister'^') 
ein ganzes Wörterbuch altertümelnder Benennungen zusammengestellt, die sich wohl 
nie einbürgern werden. Im allgemeinen ist überhaupt die Studentensprache ein 
Gebiet, das die Fremdwörterhetze möglichst meiden sollte. Die Fremdwörter, die 
hier üblich sind, wurzeln meist mit samt dem Brauche, den sie bezeichnen, in 
Auschauungen, die sich im neuen Namen seltsam spiegeln würden. — Anders die 
Heeressprache. Hier trennt Hilkeni52) mit richtigem Blick die Bezeichnungen 
für die Rangstufen und Truppenkörper von den übrigen Benennungen und hat für 
die ersteren historisches Gefühl übrig, auch wenn sie Fremdwörter sind. Natürlich 



1892. 3, S. 476/7; 1S93. 1, S. 404/5. — 146) W. Gen sei, D. Sprache d. Entwurfs e. bürgerl. Gesetzbuchs. L., Grunow. 79 S. 
M. 1,00. |[LCB1. S. 1428.]| (Vgl. IV 5:443.) - 146 a) X G. P fitzer, D. Sprache d. Volks u. d. Sprache d. Rechts: Kenzelt N. 1.— 
146b) Juristendeutsch: ZADSprV. 8, S. 94/7. — 146c) W. Ilaape, D. dtsch. Gesetzessprache mit besond. Rüclcsicht auf ihre 
gesch. Bedeutung: ib. S. 49-53, 73/9. — 147) H. Daubenspeck, D. Sprache in d. gerichtl. Entscheidungen. B., F. Yahlen. 
50 S. M. 1,00. |[M. Friedländer: ZDS. 7, S. 331,6; C. Bahr: Grenzb. 4, S. 119-23.]| (Vgl. id.: ZDS. 6, S. 401-12; 459-60; 
7, S. 295,6.) —148) K. Scheffler, „D. heutige Deutsch": DNJb. 3, S. 98-113. —148a) 0. Kiemich: ZADSprV. 8, S. 120/1. 
— 149) X A. So ein, Wie weit sind d. Eigentümlichkeiten d. kaufraänn. Stils berechtigt?: SchwRs. 3, S. 428-34. — 
149a) ZADSprV. 8. S. 39-40, 81/2. — 150) K. Runge, D. Sprache d. Studenten: MADSprV(Berlin). 4, S. 140/9. (Vgl. dazu 
auch 0. Eichler: AkBll. S. 49-50.) - 151) 0. v. Pfister, Studentisches Verdeutschungs -Wörterbuch. L., M. Hoffmann. 
52 S. M. 0,50. — 152) Hilken, lieber d. dtsch. Sprache im Heere: MADSprV(Berlin). 4, S. 2/6. (Ber. darüber AMZg. 6S, 



J. Bolte, Stoffgeschichte. I 8 iös-isö I 10 : 1-6 

spukt hier für den „Leutnant" die Ableitung" von „Leute", und er wird als 
„Leuteführer" bezeichnet. Dag-eg-en hat sich H. für seine Verdeutschung-en das 
alte württembergische Reglement entg-ehen lassen, das bekanntlich erst nach dem 
J. 1870 die französischen Fremdwörter des preussischen aufnehmen musste. — Der 
Fremdwörterkampf lässt sich im einzelnen hier nicht verfolgten, er schläg-t sich in 
zahllosen kleinen Aufsätzen in den Veröffentlich ung-en des deutschen Sprachvereins 
nieder, er zieht sich wie ein roter Faden stark durch alle Abhandlung-en, die zur 
Sprache der Geg"enwart Bezug- nehmen. So beruht auf ihnen auch der Schwer- 
punkt der Ausführung-en von Tumlirz*^^) über „Sprachmischung-" und von 
W. Aleyer^^'*) über die Duisburger Färbung- der Sprache. — Ja selbst die Fremd- 
wörterbücher trag-en diesem Zug'e der Zeit Rechnung-, und so hat Lyon'^^) für die 
17. Auflag-e des alten Hejse die amtlichen Erlasse über Verdeutschung- der Fremd- 
wörter im besonderen berücksichtig-t. — 



1,9 

Metrik. 

Andreas Heusler. 



[Der Bericht über die Erscheinung-en des Jahres 1893 wird im fünften Bande 
nachg-eliefert.] 



1,10 

Stoffgeschichte. 

Johannes Bolte. 

Antike Stoffe: Pyramas und Thisbe K. 1; Sophonisbe N. 3; Amor nnd Psyche N. 4; Eselmensoh K. 5; Danae 
N. 6. — Orientalische Stoffe: Giftmädchen N. 7; Barlauin nnd Josaphat N. 8. — Mittelalterliche und neuere 
Sage: Fabliaux N. 9; Götterdämmerung N. 11; Graf von Bom N. 12; Brudermord N. 13; ewiger Jude N. 14; Eoland N. 16; 
Saladin N. 19; Rudolf von Habsburg N. 20; Agnes Bernauer N. 21; Cid N. 23; Columbns N. 24; Faust N. 25; Demetrins 
N. 26; Stainer N. 27. — Märchen- nnd Schwanlcs toffe: Allgemeines N. 28; Schlaraffenland N. 29; Voyages imaginaires 
N. 30; Jude im Dorn N. 31; lispelnde Schwestern N. 32; Kaiser und Abt K. 33. — Dramatische Stoffe: Esther N. 35; 
Kaufmann von Venedig N. 36; Komeo und Julia N. 3S: Bramarbas N. 39; spanische Einflasse N. 40; Jodelet N. 41; der Falke 
N. 42. — Verschiedenes (Teufel, Ostern, deutsche Geschichte, Wittenberg, Sprichwörter) N. 44. — 

Antike Stoffe. Zu der im vorigen Jahrgang-e angeführten Schrift Harts 
über die Pyramus- und Thisbe-Sage (JBL. 1892 18:2) sind in einer Be- 
sprechung von Bolte 1) einige Nachträge geliefert; die Mängel jener Arbeit hebt auch 
Röscher^) hervor. — 

Eine kürzlich erschienene Dramatisierung des Sophonisbe-Stoffes durch den 
greisen albanesischen Sprachforscher und Dichter G. de Rada giebt Buchholtz^) 
Gelegenheit, an anderweitigen Behandlungen, namentlich an Geibels Tragödie, die 
Eigenart der italienischen Dichtung zu messen. Die neueren Monographien über 
diesen Stoff hat er dabei nicht berücksichtigt. — 

Das durch Apuleius überlieferte Märchen von Amor und Psyche ist von 
Erdmann*) in einer Quellenuntersuchung über Molieres Tragedie-Ballet Psyche 
besprochen, die uns unzugänglich blieb. — 

Auch die Hauptfabel im Romane des Apuleius, das Märchen vom E s e 1 - 
m e n s c h e n , ist Gegenstand einer ausführlichen Arbeit geworden; Weinh old ^) 
hat mit sicherer Methode die Entwicklung und Verzweigung dieser zuerst in der 

S. 77 8.) — 153) C. Tnmlirz, Ueber Sprachmischung. Vortr. geh. am 4. März im DSprV. in Czernowitz. Czernowitz, R. Schally. 
16*. 32 S. M. 0,40. — 154) W. Meyer-Markau, Unsere hochdtsch. Sprache in ihrem Duisburger Alltagsgewande. Duis- 
burg, J. Ewich. 36 S. M. 0,60. — 155) J. C. A. Heyses allg. verdeutschendes u. erklärendes Fremdwörterbuch. 17. Orig.-Ausg. 
Unter Berücksichtigung d. amtl. Erlasse über Verdeutschung d. Fremdwörter. Bearb. v. 0. Lyon. 5.-10. (Schlus8-)Ijfg. 
Hannover, Hahn. XII u. S. 353-907. M. 3,60. — 

1) J. Bolte: DLZ S. 523 4. — 2) W. H. Boscher: BPhWS. 13, S. 1301. - 3) H. B uchholtz, Girolamo de 
Rada, Sofonisba. Dramma storico: ASNS 90, S. 328-34.- 4) O H. Erdraann, Molieres Psyche im Vergleich zu den ihr vor- 
ingehenden Bearbeitungen der Psyche -Sage Diss. Königsberg, W. Koch. 42 S. M 1,00. — 5) (I 5:230.) — 6) A. Wirth, 



I 10 : 7-13 J. Bolte, Stoff g-esch ich te. 

verlorenen Schrift des Lukios von Paträ, dann bei Apuleius und in dem pseudolu- 
kianischen Dialog-e Lukios behandelten Erzählung darg-elegt, die sich im tirolischen 
Volk wiederfindet. — 

Dageg-en entbehren die Untersuchungen über das Danae- Motiv, die Wirth^) 
seiner Ausgabe von zwei griechischen Texten der Barbara- und Irene-Legende vor- 
aufgeschickt hat, durchaus dieser wohlthuenden Sicherheit. W. streift mit reicher 
Belesenheit eine grosse Zahl interessanter Probleme, verfällt aber vielfach in die 
phantastischen Träumereien, die man gewissen älteren Richtungen in der vergleichenden 
Mythologie mit gutem Grunde vorgeworfen hat. Wenn man jede mittelalterliche 
oder moderne Erzählung, in der eme Jungfrau von ihren ängstlichen Eltern ein- 
gesperrt und, als trotz alledem ein kühner Freier zu ihr gelangt, Verstössen wird, 
— wenn man, sage ich, jede solche Erzählung aus dem griechischen Mythus der 
Danae ableiten will, so gelangt man notwendigerweise zu Absurditäten. — 

Orientalische Stoffe. Aus dem Morgenlande stammt die eigenartige 
Sage vom Giftmädchen, die Hertz') mit staunenswertem Pleisse durch die Litte- 
raturen des 10. — 17. Jh. verfolgt. Der pseudo-aristotelische Traktat „Geheimnis der 
Geheimnisse", der einem Araber des 12. Jh. seinen Ursprung verdankt, berichtet 
von einer schönen mit Gift genährten Jungfrau, die eine indische Königin Alexander 
dem Grossen zusandte, um ihn durch ihre Umarmung zu verderben; Aristoteles 
aber erkannte und beseitigte die Gefahr. Diese Erzählung kehrt in den mittel- 
alterlichen Alexanderromanen ausserordentlich häufig wieder; H. weist ihre Elemente 
aber auch anderwärts in der medizinischen und anthropologischen Litteratur nach, 
indem er die Sagen vom bösen Blick, vom giftigen Hauche, von der Vergiftung im 
Liebesgenusse, von den Zauberkräutern Dictam, Mandragora und Opium bespricht 
und dabei Machiavellis Komödie „La mandragola" in neue Beleuchtung rückt. — 

In noch grössere litterarische Zusammenhänge von Orient und Occident führt 
die meisterhafte Studie Kuhns^) über den aus der Buddhalegende entstandenen 
Roman Barlaam und Josaphat. Aus einer Vergleichung der ältesten arabischen, 
georgischen und griechischen Versionen folgert K., dass das verlorene Original in 
der Pahlavi-Sprache geschrieben war, und dass sein Vf., ein christlicher Iranier, mit 
dieser geschickten Umarbeitung einer Buddha-Legende den iranischen Buddhisten 
entgegentreten wollte. Aus den reichhaltigen Erörterungen über die spätere Ge- 
schichte des Romanes seien namentlich die Nachweise über die eingestreuten 
Parabeln hervorgehoben, auf denen z. B. die Kästchenwahl in Shakespeares Kaufmann 
von Venedig, Hans Sachs Gedichte vom Tod im Stock und von den drei Lehren 
der Nachtigall, Rückerts Parabel „Tod und Leben" beruhen. — 

Mittelalterliche und neuere Sage. Zu der mittelalterlichen Sagenwelt 
der germanischen und romanischen Völker mag uns ein tüchtiges Buch B ediers") 
über die altfranzösischen Fabliaux hinüberleiten, das jedoch mit einiger Ein- 
seitigkeit für den nationalen Ursprung dieser Novellen und Schwanke gegenüber 
der Benfeyschen Theorie von ihrer indischen Herkunft eintritt und den Nutzen der 
bei den Anhängern der vergleichenden Litteraturwissenschaft beliebten Parallelen- 
sammlungen stark bezweifelt. — Ergänzungen zu Bedier liefert Schofields^*^) 
fleissiger Artikel über das Fabliau „De la bourgeoise d'Orliens", das bisher als un- 
mittelbare Quelle für Boccaccios Novelle von Beatrice und Anichino galt. Seh. zeigt, 
dass der Italiener nicht das Fabliau und auch nicht eine ähnliche Episode im 
Romane von Baudouin de Sebourc, sondern einen verwandten Volksschwank be- 
nutzte, und bespricht die späteren Bearbeitungen der Geschichte, u. a. die Gedichte 
von Rosenplüt und Burkard Waldis. — 

Eine Erneuerung der skandinavischen Göttersage, die der Holländer Emants 
in seiner Dichtung „Götterdämmerung" versucht hat, bespricht Rehorn^'), 
der 1877 eine Uebersicht der Nibelungendichtungen geliefert hat. Die Einheitlichkeit 
der Handlung wird durch die Person Lokis herbeigeführt, der als Sohn Odhins dar- 
gestellt wird. — 

Die Geschichte des Grafen von Rom, den seine Gemahlin als Sänger 
verkleidet aus der Gefangenschaft der Türken befreit, ist durch eine Ballade des 
16. Jh. bekannt; im 17. Jh. wurde, wie Bolte '2) zeigt, das treue Ehepaar unter dem 
Namen Bertulfus und Ansberta von dem Jesuiten Bidermann in einer wiederholt 
dramatisierten lateinischen Novelle gefeiert. Ein deutsches Schauspiel in Alexandrinern, 



Danae in Christi. Legenden. Wien, Tempsky. VI, löO S. M. 5,00. |[0. CrusinB: LCBl. 1892, S. 1584/5; A. Robertson: 
CIR. 7, S. 67-71.]| —7) (I 5:229.) — 8) E. Kuhn, B.arlaam u. Joasaph. E. bibliogr.-litt.-gesch. Studie. Aus AbhAkMunchenPh. 
München, Franz. 4». 88 S, M. 2,60. — 9) J. Bedier, Les fabliaux. fitudes de litt, popul. et d'hist. litt, du MA. (— Bibl. 
de l'Ecole des hautes ötudes N. 98.) Paris. Bouillon. XXVII, 485 S. — 10) W. H. Schofield, The source and bist, of the 
7. novel of the 7. day in the Decameron: StNPhL. 2, S. 185-212. — U) K. Rehorn, Marcellus Emants, Götterdämmerung. 
E.Gedicht übers, von P. A. Schwippert. Ilaarlem 1892: BFDH. 9, S. 273/7. - 12) (I 5:2.34.) — 13) E. Wolter, E. litauische 



J. Bolte, Stoffgeschichte. I 10 : 14-25 

das den Helden Rudolf von Paqueville nennt, verwertet auch die Sag-e vom 
Möringer. — 

Die Ballade von der bruder mörderischen Schwester behandelt nach 
Wolter '3) ein 1892 in der russischen Kijevskaja Starina erschienener Artikel von 
W. Peretz. — 

lieber die seit Anfang des 13. Jh, nachweisbare Sag*e vom ewigen Juden, 
der bald Cartaphilus oder Joseph, bald Buttadaeus, bald Ahasverus heisst, und dessen 
Leben 1602 in einem deutschen Volksbuche beschrieben wurde, hatte Neubaur *^-i^) 
schon 1884 eine sorg'same Untersuchung veröffentlicht; jetzt unterrichtet er uns 
in einem Nachtrage über die durch die Arbeiten von Morpurgo, Gaston Paris u. a. 
bekannt gewordenen französischen und italienischen Zeugnisse, sammelt die im 
deutschen Volksmunde umlaufenden Ueberlieferungen und giebt von einigen Be- 
trügern Nachricht, die in der Rolle des unglücklichen Wanderers auf die Leicht- 
gläubigkeit der Menge rechneten. Seine Bibliographie zählt 56 Drucke des deutschen" 
Volksbuches und ausser den vlämischen, französischen, dänischen und schwedischen 
Uebersetzungen nicht weniger als 139 Schriften über die Sage. — 

Mit Uebergehung eines mir unzugänglich gebliebenen Aufsatzes über die 
deutsche Kaisersage '^) wenden wir uns den in der Litteratur verherrlichten historischen 
Persönlichkeiten zu. Zu Eickes früher erwähnter Schrift über neuere Behandlungen 
der Rolandsage (vgl. JBL. 1892 I 8: 10a) giebt Koch^'') einige dankenswerte 
Nachträge. ^^) — 

Die Rolle, die der von seinen christlichen Gegnern geachtete und bewunderte 
Sultan Saladin in den französischen und italienischen Epen und Novellen spielt, 
hat Paris '^j, an eine Abhandlung Fioravantis anknüpfend, beleuchtet, leider ohne 
auf die deutsche Litteratur und Sage einzugehen. — 

Soffe^o) mustert verschiedene Dichtungen des 13. bis 19. Jh., die den 
Kaiser Rudolf von Habsburg verherrlichen, indem er sie seinem populären 
Zwecke gemäss nach dem Lebensgange des Helden gruppiert und auf Vollständigkeit 
verzichtet; es fehlen z. B. die neulateinischen Ottokardramen von Calaminus und 
Vernulaeus, die als Vorläufer Grillparzers Beachtung verdient hätten. — 

Das tragische Ende der unglücklichen Agnes Bernauer, das 1780 durch 
den Grafen Törring auf die Bühne gebracht wurde und seitdem verschiedentlich 
Schauspieldichtern als Stoff gedient hat, ist der Gegenstand einer anregenden Unter- 
suchung von Petri^i), dem für die Stoffsammlung zwei Straubinger Programme von 
Horchler vorgearbeitet hatten. Am ausführlichsten bespricht P. die verschiedenen 
in dem Zeiträume 1840 — 60 entstandenen dramatischen Entwürfe O. Ludwigs zu 
einer Agnes Bernauer, die nicht zur Vollendung gelangten.22) (Vgl. JBL. 1892 
IV 4 : 68.) — 

Wie die Liebe des spanischen Nationalhelden Cid zu Chimene von drei 
Dramatikern verschiedener Nation und Zeit dargestellt wurde, sucht B r m a n n ^3) 
durch eine ausführliche Analyse von Guillen de Castros Mocedades del Cid, 
CorneiUes Cid und Fedor Wehls „Liebe und Ehre" darziüegen. — 

Eine ganze Reihe deutscher Columbus- Dichtungen hat Loevinson^*), ein 
junger in Deutschland herangebildeten Historiker, in italienischer Sprache den Lands- 
leuten des grossen Genuesen vorg'eführt, um die Lücken von P. Carbonis Buch 
Cristoforo Colombo nel teatro (Mailand 1892) zu ergänzen. Er beginnt die Reihe der 
epischen Dichtungen mit Schillers Distichen und würdigt auch Bodmers Colombona, 
während er z.B. Sal. Toblers Epos (1846) übersieht; in einem zweiten Teile sind acht 
Dramen von Kling'emann, Rückert, Herrig, Werder u. a. besprochen (vgl. IV 4 : 100). — 

Ueber den Schwarzkünstler Faust hat Kiesewetter ^s) eine umfäng- 
liche Arbeit erscheinen lassen, die von der dichterischen Verwertung der Faustsage 
völlig absieht und die Gestalt als Vertreter des Okkultismus im Zusammenhange mit 
älterer und späterer magischer Litteratur auffasst. Was K. zur Erläuterung einzelner 
Faustabenteuer daraus beibringt, mag für manchen Interesse besitzen, obwohl da 
Wunderliches genug mit unterläuft; des Mephostophilus Verkehr mit Faust z. B. 
wird als Spaltung des Ichs erklärt. Dürftig aber und durch Unkenntnis der neueren 
Litteratur auffällig ist das, was (S. 1 — 66) über Fausts geschichtliche Person aus- 
geführt wird (vgl. II 3 : 28; III 3 : 2). — 



Daina über d. Brudermord : MLitauLG. 3, S. 542. — 14) (1 5 : 226.) — 15 ) (^3 : 126.) — 16 ) O K. H o e b e r , Z. dtsch. Kaisersage : HJb. 14, 
8.67 8. — 17)MaxKoch: ZYLR. 6, S. 256 9. — 18) L.F ranke 1, Th.Eicke, Z. neueren Litteraturgeschichte der Eolandsage (vgl. 
-JBL. 1892 1 8 : 10 a) : LBlGRPh. S. 286,7. (Vgl. auch K. W e i n h o 1 d : ASNS. 90, S. 406.) — 19) G. P a r i s , A. Fioraranti, II Saladino nelle 
leggende f rancesi e italiane del medio evo. Reggio 1891 : JSav. S. 284-99, 354-6.5, 428-33, 486-98. — 20) E. S o f f e Rudolf v. Habsbnrg im 
Spiegel d. dtsch. Dichtung. Fürd. studierende Jugend Oesterreichs geschild. Progr. Brunn. 16 S. — 21) J. Petri, D. Agnes-Bernauer- 
Stoff im dtsch. Drama. Diss. Rostock. 1892. 47 S. — 22) O K. Hanebuth, Ueber d. hauptsächlichsten Jeanne d'Arc- Dichtungen 
d. 15., 16. u. beginnenden 17. Jh. Diss. Marburg. 91 S. — 23) W. Bormann, D. Cid im Drama. Beitr. z. vergleJchenden 
Litt.-Gesch. n. Aesthetik: ZVLR. 6, S. 5-33. — 24) G. Loerinson, Cristoforo Colombo nella letteratura tedesca. Torino, 
Loescher. 131 S. |[L. Fränkel: LCBl. S. 985/6; Ausland S. 271/2; G. Fortebracci: Cnltura 1, S. 2334.11 - 25) (I 5:224.) 
Jahresberichte für neuere deutsche Litteraturgeschichte. lY. 18 



I 10 : 26-38 J. Bolte, Stoffg-Bschichte. 

Die wichtig-eren Dramen vom falschen Demetrius unterzieht Popek^^) 
einer eingehenden Musterung; zuerst Puschkins und Lope de Vegas Dichtung-en, 
dann Schillers Fragment, in dem die beiden verschiedenen Pläne auseinander g-e- 
halten werden, und seine Ergänzer, von Maltitz und Kühne. In einer Fortsetzung- 
sollen auch die selbständigeren Demetriusdramen besprochen worden. — 

Der berühmteste deutsche Geigenbauer, Jakob Stainer, der 1683 in 
Schwermut sein Leben endete, ist schon mehrfach in der Litteratur verherrlicht 
worden; jetzt vereinigt ein ungenannter Herausgeber^'*) in einem Bändchen, das 
freilich jeglichen Vorworts ermangelt, mehrere auf ihn bezügliche Arbeiten von drei 
tirolischen Landsleuten: Seb. Rufs aktenmässig-e Biographie vom J. 1872, Joh. Schulers 
noch ältere Novelle und ein Gedicht Hermanns von Gilm. — 

Märchen- und Schwankstoffe. Wieviel aus diesem Litteraturkreise 
durch Hans Sachs in unsere Dichtung eing-eführt oder in entscheidender "Weise um- 
gestaltet worden ist, erkennt man im allg-e meinen aus der trefflichen Sammlung' 
seiner Fabeln und Schwanke, die Goetze-^) begonnen und auch mit Quellen- 
nachweisen ausgestattet hat. 

Auf Hans Sachs geht auch das Märchen vom Schlaraffenland zurück, 
dessen Beliebtheit K a w e r a u ^f») aus der gegen die faulen Tagediebe und Bettler 
gerichteten Tendenz, die ebenfalls in der gleichzeitigen Grobian usdichtung hervortritt, 
zu erklären weiss. — 

Zur Geschichte der Voyages imaginaires seit Rabelais und Morus liefert 
Borkowsky^ö) in seiner Quellenuntersuchung über Swifts Gulliver einen Beitrag. 
(Vgl. III 3 : 15—30). — 

Zu dem schon im vorigen Berichte (vgl. JBL. 1892 1 8 : 13) erwähnten Märchen 
vom Juden im Dorn bringt Bolte^^) einig-e weitere Parallelen bei, während 
Zupitza^ia) von dem englischen Gedichte des 15. Jh., das die älteste Fassung dieses 
Schwankes repräsentiert, einen zuverlässigen Text nach zwei Hss. liefert. — 

Einen noch jetzt im Volke verbreiteten Schwank von drei lispelnden 
Schwestern, die in Gegenwart des Freiers Schweigen bewahren sollen, weist 
Bolte32) jn einem anonymen Meisterliede des 16. Jh. nach. — 

Hoenig33) zeigt an der englischen Ballade, die zu Bürgers Gedicht vom 
Kaiser und Abt die Anregung gab, wie frei umdichtend ihr Herausgeber Percy 
mit der Ueberlieferung umsprang.^*) — 

Dramatische Stoffe. Hier sei eine solide Arbeit von Schwartz^^) über 
die Esther-Dramen des 16. Jh. wenigstens erwähnt, obwohl es sich in diesen weniger 
um Umwandlungen des biblischen Berichtes, als um die grössere oder geringere Aus- 
dehnung des Stoffes handelt. Die eine Gruppe der Dramatiker, an deren Spitze 
Hans Sachs steht, stellt die ganze Erzählung unverkürzt dar, die andere, die sich an 
Naogeorgs Hanian anschliesst, beschränkt sich auf den Sturz Hamans durch Esther. — 

Shakespeares Kaufmann von Venedig gilt eine Quellenuntersuchung 
Land aus 3^), der mit bekannter Belesenheit die beiden hier verbundenen Er- 
zählungen vom scharfsinnigen Urteil und von den drei Kästchen in ihrer Ent- 
wicklung verfolgt, aber auch die Züge, in denen Shakespeares Selbständigkeit her- 
vortritt, genügend betont. — Die Fabel vom Fleischpfande teilt Pf äff 3'') in einer 
Prosaaufzeichnung aus einem Villinger Rechtsbuche des 16. Jh. mit, die wohl direkt 
aus dent Meisterliede von Karls Recht hervorgegangen ist. — 

Zur Vorgeschichte der Tragödie von Romeo und Julia hat der fleissige 
Fränkel^^) schon wiederholt Beiträge geliefert; in einem besonderen Buche be- 
handelt er nun die Balkonscene, deren Verwandtschaft mit den deutschen Tageliedern 
schon Gervinus hervorgehoben hatte. Vers für Vers vergleicht er mit der Liebes- 
lyrik des deutschen Mittelalters und der späteren Zeiten; er erwägt die Rolle der 
Nachtigall und Lerche in diesen Dichtungen und bringt so ein reiches, auch für 
andere Betrachtungen brauchbares Material zusammen. Die Quellenfrage freilich 
ist damit für Shakespeare noch nicht gelöst; da F. nach englischen Tageliedern ver- 
geblich gesucht hat, vermutet er Shakespeares Vorbild in der niederländischen Lyrik, 
durch die jenes Motiv der germanischen Dichtung nach England gelangt sei. — 



— 26) A. Popele, D. falsche Demetrius in d. Dichtung mit bes. Berücksichtig. Schillers u. seiner Fortsetzer. I. Progr. Linz, 
37 S. — 27) 3ak. Stainer, d. Geigenmaoher v. Absam in Gesch. u. Dichtung. Innsbruck, Wagner. 1892. X, 143 S. M. 1,00. 
|[ÖLßl. 2, S. 567.]| — 28) H. Sachs, Sämtliche Fabeln u. Schwanke. Her. v. E. Goetze. 1. Bd. (= NDL. N. 1107.) Halle a.S., 
Niemeyer. X, 594 S. M. 6,00. (Vgl. auch II 3.) — 29) W. Kawerau, D. Märchen vom Schlaraffenland: AZg». N. 229. — 
30) Th. Borkowsky, Quellen zu Swifts Gulliver. (Diss. Rostock. 45 S.): Anglia 15, S. 345-89. [[0. Glöde: EnglSt. 18, 
S. 461 3,]| — 31) J. Bolte, Z. Tanz d. Mönches im Dornbusch: ASNS. 90, S. 289-95. — 31a) J. Zupitza, Jak and his step 
dame, nach d. Hs. Eawlinson C 86 mit d. Abweichungen d. Porkington-Ms. : ib. S. 51-82. — 32) (I 5:243.) — 33) B. Hoenig, 
Percys Ballade „King John and the Abbot of Canterbury": EnglSt. 18, S. 307-15. — 34) O M. E we rt, Ueber d. Fabel: D. 
Rabe u. d. Fuchs. Diss. Rostock. 124 S. — 35) Rud. Schwartz, Esther im dtsch, u. neulat. Drama d. Reformationszeit- 
alters. Oldenburg u. L., Schulze. VII, 276 S. M. 4,00. (Vgl. auch II 7.) — 36) M. Landau, Shakespeares Kaufmann v. 
Venedig: AZg«. N. 70, 83/5. — 37) F. Pfaff, Karls Recht: ZVLR. 6, S. 397/9. — 38) L. Fränkel, Shakespeare u. d. Tage- 



C. Gurlitt, Kunstg-eschichte. 1892, 1893. I 10:39-50 I 11 

Ueber den Typus des Bramarbas bei Shakespeare und den gleichzeitigen 
englischen Dramatikern enthält die von Koch 3«) angezeigte Dissertation Grafs nützliche 
Zusammenstellungen. — 

Was die englischen Dramatiker den spanischen Einflüssen verdanken, 
stellt Bahlsen^") in raschem Ueberblicke zusammen, ohne jedoch genau zu scheiden, 
was auf spanische Dramen und was auf g-emeinsame novellistische Quellen zurückgeht. — 

Eingehender prüft Peters'**) die Einwirkungen des spanischen Schauspiels 
auf die französischen Dichter Hardy, "Rotrou, Corneille, Moliere und Scarron, wor- 
über schon oft geredet, aber verhältnismässig wenig ermittelt ist. Er zeigt an dem 
Jodelet duelliste Scarrons das Verfahren des Franzosen, der darin zwei Dramen 
von Tirso und Rojas geschickt vereinigt und umarbeitet. Auch für die deutsche 
Litteraturgeschichte haben diese Quellenforschungen Wert; denn Frankreich hat 
während des 17. Jh. zwischen dem spanischen und deutschen Theater eine bedeut- 
same Vermittlerrolle gespielt. — 

Häufig dramatisiert ist auch die Novelle Boccaccios von dem Falken 
(vgl. JBL. 1892 IV 8e : 41) des verarmten Ser Federigo, deren Verbreitung in den 
europäischen Litteraturen Anschütz*^) verfolgt; auf einige übersehene Stücke 
weist Stiefel in seiner Besprechung hin.*^) _ 

Verschiedenes. Es bleiben schliesslich noch einige Veröffentlichungen 
zu erwähnen, die sich keiner der früher besprochenen Gruppen einreihen lassen 
und teilweise auch nur als Materialsammlungen in Betracht kommen. Eine polnische 
Abhandlung'*'*) über die Rolle des Teufels in der Dichtung ist mir leider nicht 
verständlich. — Für weitere Kreise berechnet hat Frey be^^) sein Büchlein über das 
Osterfest, in dem er die sich daran anschliessenden Volksbräuche, die kirchliche 
Feier des Mittelalters und die Darstellung der Ostergeschichte im angelsächsischen, 
altsächsischen, mittelhochdeutschen Epos, in Klopstocks Messiade sowie in den Oster- 
dramen des 15.— 16. Jh. darstellt und durch eingestreute Bruchstücke veranschaulicht. 
— Eine Anthologie für Schulzwecke ist Dietl einsaß) Sammlung von 111 Gedichten 
des 19. Jh. über Ereignisse der deutschen Geschichte*") — Populäre Zwecke 
verfolgt gleichfalls Wagners*») Festschrift zum 600jährigen Stadtjubiläum Witten- 
bergs, obwohl unter die auf Luther, Faust und andere Berühmtheiten Wittenbergs 
bezüglichen Gedichte und Sagen auch einige lateinische Verse aus dem 16. Jh. 
eingestreut sind. 4^) — Die in den Sprichwörtern niedergelegten Volksanschauungen 
der Franzosen, Italiener, Russen und Chinesen über Arbeit, Handel, Wahrhaftigkeit. 
Ehre, Freundschaft, Liebe usw. schildert Freund^*') in seinen parömiologischen 
Skizzen, indem er öfter auf parallele oder entgegengesetzte deutsche Sprichwörter 
hinweist. — 



1,11 

Kunstgeschichte. 1892, 1893. 

Cornelius Gurlitt. 

Kunstlehre: Erziehung zur Kunst auf den Universitäten N. 1, auf den Schulen N. 4, auf den Kunstakademien 
N. 6; ästhetische und technische Fragen N. 9. — Kunstkritik N. 28. — Kunstgeschichte: Allgeraeines N. 56. — 
Kunsttopographie: Allgemeines N. 80; Sohlesien N. 82; Königreich Sachsen N. 83; Thüringen N. 84; Bayern N. 85; Württem- 
berg N. 87; Baden N. 88; EIsass-Lothringen N. 89; Hessen N. 90; Frankfurt a. M. N. 92; Rheinprovinz N.93; Westfalen N. 94; 
Oldenburg N. 95; Pommern, West- und Ostpreussen N. 96; Provinz Sachsen N. 99; Anhalt N. 100; Braunschweig, Kreis Münster 
N. 101; Berlin N. 103; Provinz Posen N. 104; Oesterreich N 106. — Lokale Einzelheiten: Provinz Sachsen N. 117; Westfalen, 
Rheinlande N. 124; Schwaben N. 131; Elsass N. 141; Bayern N. 143. — Geschichte der Architektur N. 157. — Malerei der 
Renaissance: A. Dürer (Nürnberg, M. Schongauer) N 170; Dürers Schule und Zeitgenossen: Hans von Kulmbach K 201, 
H. L. Schaeuffelin N. 202; H. Holbein d. J. N. 203; L. Cranach N. 210; schweizerische Maler N. 216; A Altdorfer N. 221; 
B. Strigel N. 225; Barthel Beham N. 227: W. Dietterlin N. 229; Hans Baldnng Grien N. 230; die Glockendons N. 234; Th. 
Mnrner N. 236; L. Bock N. 239; Kölner Glasmalerei K 240; österreichische Renaissance N. 244. — Bildhauerei des 15. bis 



lied. E. Beitr. z. vergleich. Litt.-Gesch. d. german. Völker. Hannover, Helwing. V, 132 S. M. 3,00. ~ 39) Max Koch, 
H, Graf, D. Miles gloriosus im engl. Drama bis z. Zeit d. Bürgerkrieges. (Diss. Rostock. 58 S.): EnglSt. 18, S. 134 5. — 40) 
L. Bahlsen, Span. Quellen d. dramat. Litt. Englands, bes. zu Shakespeares Zeit: ZVLR. 6, S. 1519. — 41) R. Peters, 
Paul Scarrons Jodelet duelliste u. seine span. Quellen. Mit e. Einl.: D. Resultate d. bisherigen Forschung über d. span. 
Einfluss auf d. franz. Drama d. 17. Jh (= Mnnch. Beitrr. z. roman. u. engl. Philol. Her. v. H. Breymann u. E. Koeppel 
N. 6.) Erlangen, Deichert. VIT, 102 S. M. 2,00. — 42) R. Anschütz, Boccaccios Novelle vom Falken n. ihre Verbreitung 
in d. Litt. Nebst Lope de Vegas Komödie: El Halcon de Federigo. (= Erlang. Beitrr. z. engl. Philol. Her v. H. Varnhagen 
N. 13.) ebda. 1892. 101 S. M. 2,00. |[M. Hippe: EnglSt. 18, S. 2334; A. L. Stiefel: LBIGRPh. S. 3723; LOBl. S. 330: 
H. A. Rennert: MLN. 8, S. 306-10; Ch. Dejob: RCr. 35, S. 51,3.]| - 43) X W. Golther, K. Nyrop, Nej. (vgl. JBL. 1892 
I 8:21): ZVLR. 6, S. 1404. — 44) J. Matuszewski, D. Teufel in d. Poesie. Litt -künstl. Studie (in polnischer Sprache): 
Ateneum 1, S. 21-57, 417-67, 490-528. — 45) (I 5:57.) — 46) W. Dietlein, Dtsch. Geschichte im Gewände vaterländ. Dich- 
tung. Für Schule u. Haus. Lai.gensalza, Beyer. 1892. VI, 129 S. M. 1,20. — 47) X ö- Ellinger, J. Bolte, D. Bauer im 
dtsch. Liede (vgl. JBl. 1890 II 2:23; III 2:22; 1891 II 2:29): ZDPh 25, S. 423. — 48) (I 4:376.) — 49) O G. Kohn, 
Polen im Spiegel dtsch. Poesie: PNL. S. 670. — 50) L. Freund, Ans d. Spruchweisheit d. Auslandes. Parömiologische 
Skizzen. Hannover, C. Meyer. 44 S. M. 1,00. — 

18* 



I 11 : 1-2 C. Gurütt, Kunstg-eschichte. 1892, 1893. 

17. Jh. N. 248. — Kunst des 17. und 18. Jh. N. 256. — Zeit des Klassizismus und der Romantik: Allgemeines N. 27,5; Angelika 
Kauffmann N. 273; A. Trippel N. 281; H. Keller N. 283; Nachzügler des 18. Jh. N. 284; Chrn. Rauch N. 289; W. Ahlborn. 
L. Richter N. 292; W. Kaulbach N. 294; A. Rethel, E. von Bändel N 295; L. von Führich, J. von Schraudolph, E. Eietschel, 
Ph. Veit, L. ßode N. 298; Architekten N. 302a; Verschiedenes N. 309; Künstler-Nekrologe N. .332. — Moderne Knnst: A. Böcklin, 
H. Thema N. 349; F. von Uhde N. 352; A. Menzel, F. Skarbina N. 354; M. Liebermann N. 356: F. Stuck, 0. Greiner N. 359; 
H. Ilerkomer, H. Prell, L, von Gleichen-Russwurm, Ad. Hildebrand, U. Kaulbach N. 362; II. Hendrich, F. von Lenbach 
(„Allotria"), Ad. Schreyer N. 374; G. Eberlein, W. Busch, M. Klein N. 378. — Kunsthistoriker (W. Lübke, A. Springer, 
H. Janitschek, A. von Essenwein, F. R. Steche [F. Gurlitt, E. W. von Brücke], J. Burckhardt) N. 384. — Specialgebiete: 
Vervielfältigende Künste N. 411; Gartenbau N. 430; Kunstgewerbe N. 433; öffentliche Kunstinstitnte N. 446. — 

Kunstlehre. Die so wichtige Erziehung- zur Kunst, zunächst auf 
den Universitäten, ist eine der treibenden Absichten fast aller kunstg'eschicht- 
lichen und kritischen Produktion. In dem hier zu behandelnden Zeitabschnitte trat 
dieses Streben besonders kräftig- hervor. Die innere Veranlassung- dürfte der Tod 
des hervorragendsten deutschen Lehrers der Kunstg-eschichte, Anton Spring-ers, g-e- 
wesen sein, welcher bei zwei Universitätslehrern, Schmar so w*) und Kon r ad Lang-e-), 
zu dem Bedürfnis führte, sich und der Welt über Ziele und Stand des deutschen 
Kunstunterrichts Rechenschaft zu g-eben. Die Porderung-en, welche Seh. aufstellt, 
beziehen sich zunächst auf jene Studierenden, welche Kunsthistoriker von Beruf 
werden wollen, d. h. auf Leute, welche die Befähig-ung- erlang-en wollen, die Kunst- 
g-eschichte zu fördern oder doch weiter zu lehren. Es ist kein Zweifel, dass die 
Kunstg-eschichte in den letzten Jahrzehnten g-anz ausserordentliche Fortschritte im 
Ausbau ihrer Lehre g-emacht hat, und zwar unter der Leitung- von Männern, deren 
hervorrag-endste Eigenschaft gewiss nicht das innigste Verhältnis zur Kunst war, 
wenigstens insofern nicht, als man unter Kunst die immer erneute Bethätigung des 
Strebens versteht, schönheitliche Werte in der Natur zu erkennen und sie auf dem 
Umwege über Auge, Hirn und Hand anderen vorzuführen. Die fördersamen Kenner 
jungen Schaffens fand man selten an den Universitäten; selten waren es die Pro- 
fessoren für Kunstgeschichte. Diese standen öfter an jener Seite, von der man die 
fortschreitende Entwicklung durch guten Rat und zorniges Schelten hemmen zu 
können glaubte, die erst nach den Siegen neuer Richtungen, so gut es gehen will, 
sich mit ihr versöhnten. Ich stehe nun nicht an zuzugestehen, dass man ein sehr 
guter Kunsthistoriker auch ohne diesen Kunstsinn sein kann. Giebt es doch auch 
grosse Historiker, welche für Politik ein sehr bescheidenes Verständnis besitzen. Denn 
zum Kunsthistoriker macht den Mann das vergleichende Abwägen einer fertigen 
Zeit und ihrer schönheitlichen Aeusserungen; vom Kunstsinn aber fordert man das 
Erkennen bisher unentdeckter Wahrheiten und Schönheiten in dem Werke des 
Künstlers. Es kann vorkommen, dass der Kunsthistoriker Kunstsinn braucht, wenn 
es z. B. gilt, eine bisher nicht erkannte alte Kunstschönheit aufzufinden, in bekannten 
Werken ihre Vorbilder und mithin ihre Berechtigung in der Natur, in den Er- 
scheinungen oder Empfindungen der schöpferischen Zeit und ihrer Vertreter zu ent- 
decken. Solch ein Mann von Kunstsinn war z. B. Winckelmann, der die allbekannte 
Antike neu kennen lehrte. Aber die ihm folgende Periode, welche der von Seh. 
erstrebten Bildungsart, freilich mit sehr einseitiger Richtung auf eine bestimmte 
Schönheitsform entsprach, hat dem Kunstsinn im deutschen Volke wesentlich mehr 
geschadet als genützt obgleich sie in weit höherem Masse eine Einheit des Denkens 
und Empfindens, des Schaffens und Wollens darstellte wie unsere Zeit. Durch die 
Einführung in die Wissenschaft der Kunst, durch vergleichende Betrachtung der 
Kunstwerke und der in ihnen sich offenbarenden Wandlungen des Menschengeistes, 
durch ästhetische Würdigung und durch Erkennen der Beziehungen zu anderen 
Geistesströmungen bildet man gewiss im Sinne von Sch.s Ausführungen gute Kunst- 
historiker. Und es ist sehr erfreulich, dass auf deren Schulung so viel Sorgfalt ge- 
wendet wird. Das Ziel ist ein gutes. Aber Seh. selbst weiss, dass dies Ziel im all- 
gemeinen Stande unseres Volkslebens ein sehr nebensächliches ist. Die Not schreit 
nicht nach kunstgeschichtlicher Erkenntnis, sondern darnach, dass viele zur Kunst 
ein unmittelbares Verhältnis erlangen, dass diese durch Verständnis zum Bedürfnis 
des Volkes werde. Und da scheinen mir alle vorgeschlagenen Mittel trügerisch. 
Nicht der Vortrag und nicht die Vergleichung der Kunstwerke wird nützen. Wenn die 
Zahl der Belehrungen und die Zugänglichkeit der Kunstwerke das Kunstverständnis 
wirklich steigern könnten, so müssten wir im Zeitalter der Vereine, Zeitungen, Museen, 
Photographien und Eisenbahnen schon längst alle früheren Jh. hierin geschlagen haben. 
Jeder Künstler weiss es, dass Kunst nur aus dem Verständnis der Natur hervorgeht. Und 
so ist es nicht nur für den Ausübenden, sondern auch für den Nachempfindenden. Das 
ganze Elend stammt aus der Entfremdung von der Natur und wird durch Kunst- 

1) A. Schmarsow, D. Kunstgesch. an unseren Hochschulen. B., Reimer. 1891. 120 S. M. 2,40. |[PrJbb. 72, 
S. 5434; Stühlen: COIRW. 21, S. .5834.]| — 2) Konr. Lange, D. künstlerische Erz. d. dtsch. Jugend. Darmstadt, 
Bergstrasser. XH, 255 S. M. 3,00. |[Paul Schumann: N&S. 64, S. 276 7; 65, S. 410/1; C. Th. Pohl ig: BBG. 29, S. 397-408; 
0. Harnuck: PrJbb. 72, S. 540/3, 543/4; DR. 3, S. 253/4; C. Frey: DWBl. S. 115/8; W. R.: LCBl. S. 1237/9; R. Graul: 



C. Gurlitt, Kunstgeschichte. 1892, 1893. I 11 : 3 

fütterung- nicht geheilt. "Wer Blumen botanisiert, Schmetterlinge aufspiesst, Land- 
partien macht, Velociped fährt, d. h. wer schöne Gegenden rasch durchzieht, der 
liefert damit den Beweis, dass ihm der künstlerische Natursinn fehle. Die Sesshaftigkeit 
alter Naturbetrachtung, die mit ihr verbundene Vertiefung, das wirkliche Kennen 
der Natur nach ihren bildlichen Erscheinungsformen giebt dem Kunstsinn den rechten 
Untergrund. Ein Reiter versteht mehr vom Pferdebild als ein Kunsthistoriker, es 
sei denn der Maler mache das Pferd zum Träger eines historischen Gedankens, male 
es also historisch, nicht künstlerisch. Also wäre Schulung des künstlerischen Natur- 
sinnes die erste Aufgabe für den Kunstkenner, nicht Eindringen in die Kulturgeschichte. 
Die grossen Meister hätten wahrscheinlich die meisten akademischen Vorträge von 
heute gar nicht verstanden, denn zu ihrer Zeit gab es noch neben zahlreichen anderen 
Vorbedingungen keine Kulturgeschichte, in unserem Sinne überhaupt weder Ge- 
schichte noch Aesthetik. Dafür hätten unsere Kunsthistoriker die Gespräche der 
Maler und Bilderer wohl meist für recht „banausisch" erklärt, für nicht auf der 
Höhe wissenschaftlicher Betrachtung stehend. Warum verkehren Kunsthistoriker 
und Künstler so selten mit einander? Weil sie im Grunde genommen nichts mit ein- 
ander zu thun haben, so wenig wie der Professor für Geschichte mit dem Staats- 
mann oder General. Bei Seh. hat man den Eindruck, dass er ganz Professor sei — 
und er ist zweifellos ein sehr guter Professor. Bei L. tritt das künstlerische 
Wesen schon weit stärker hervor. Er weiss sehr genau, ' dass zum Dichten und 
zum Verständnis der Dichtung nicht die Kenntnis aller Poesien der Welt und 
ihres Verhältnisses zur Geschichte gehört, sondern seelische Erlebnisse und 
bildnerische oder nachempfindende Kraft. Er empfiehlt also auch nicht in erster 
Linie Kunstgeschichte und Kunstlehre, sondern sucht die Mittel einer allgemeinen 
künstlerischen Volkserziehung. Den Schluss bildet auch hier die Betrachtung des 
Universitäts-Studiums der Kunstwissenschaft. Wieder redet hier ein Fachmann klug 
und mit Erwägung aller Umstände zu Fachleuten. Die Ergebnisse des Gedanken- 
ganges beider Kunsthistoriker stehen sich so nahe, dass die Verschiedenheiten hier 
nicht erwähnt zu werden brauchen. Aber leider fehlt beiden Programmen ein Gebiet, 
nämlich das Zurückgehen auf die Wurzel der Erkenntnis. Wenn man Hörer im 
Seminar hat — warum übt man sie nicht in der Naturbetrachtung. Ich meine, man 
solle sie ein Gesicht, einen Baum, eine Nebelstimmung sehen, erkennen und durch 
das Wort festhalten lehren. Man lese Zolas Naturschilderungen, um zu erkennen, 
wo die Grenze zwischen einem Kunsthistoriker zum Kunstkenner liegt! Da ist Einer, 
der sehen kann, und darum auch Einer, der junge Kunst verstand! Einen Kohlkopf 
ohne Phrase künstlerisch beschreiben, das scheint mir, wo es sich um Naturer- 
kenntnis handelt, wichtiger für einen Anfänger, als Dürers Schriften zu kommen- 
tieren. Man lacht so gern über Pudor^). Aber seine Beschreibung der Büste des 
Uzzano ist trotz mancher Uebertreibungen nach meinen x\nschauungen künstlerischer 
als eine ganze Serie kunstgeschichtlicher Werke. Ich wüsste nicht viele, die ihm 
das nachmachten. Ich fürchte aber, auch L. ist nicht Künstler genug, um die Einheit 
des Naturschönen mit dem Kunstschönen zu erkennen, das wechselseitige Bedingen 
beider. Kunstkenner ist, wer die Natur im Kunstwerk sieht, Kunsthistoriker, wer die 
geschichtliche Stellung eines Werkes zu anderen erkennt. Das erstere Urteil nützt dem 
Künstler und durch sie der Menge, das letztere nur der Wissenschaft. Der Schwerpunkt von 
L.sBuch liegt in dem, was er über die Kunst in der Kinderstube, derSchule und dem Gym- 
nasium sagt. Hier w'eist er überall auf Anschauung, auf Kräftigung des Formengedächt- 
nisses, „Ausbildung der ästhetischen Illusionsfähigkeit" und technische Geschicklichkeit 
hin. Unter Anschauung steht ihm fast überall das Bild in erster Linie. Mir scheint der 
wirkliche Gegenstand der zu bevorzugende. Das Kind wird nach L.s System die 
Dinge zumeist erst im Bild und dann in der Natur sehen. Das heisst: Das Bild 
wird ihm nicht Bestätigung der Natur, sondern die Natur Bestätigung des Bildes 
sein. Nicht das Bild des Löwen ist richtig, sondern der Löwe sieht wie sein Bild 
aus. Nicht der Maikäfer ist echt, sondern er sieht aus, als ob er wirklich von 
Chokolade wäre. Da sitzt der Schwerpunkt des ganzen Missverhältnisses der modernen 
Kulturmenschen zur Kunst, ihre Furcht vor dem Realismus, ihr Abscheu vOr dem 
Unmittelbaren, und andererseits der Grund für die Gewaltsamkeit moderner Kunst, 
die immer wieder eines Ruckes bedarf, um vom Bild zum Gegenstand zurück zu 
greifen: denn das Bild ist uns das Geläufige, der Gegenstand das Befremdende, 
Uebertragene. Unsere Kunstkritik und unsere Kunsthistorik stammen aus dieser An- 
schauung. Sie urteilen nach Kunst, nicht nach Natur, sie kommen daher immer nur 
zu einem dehnbaren Masstabe, zu einer objektiven, unselbständigen Erkenntnis. — 

Was die Anregungen der Kunsthistoriker in der Schule selbst für Er- 



BLU. S. 201; Paul Schumann: Kw. 6, S. 209-12, 225/8, 2415; A. Matthäi: ZGyran. 27, S. 197-205.JI — 3) H. Pudor, 
Ketzerische Knnstbriefe ans Italien nebst e. Anh.: Gedanken zu e. Lehre vom Kunstschaffen. Dresden, Damm. XYII, 160 S. 



I 11:4-9 C. Gurlitt, Kunstgeschichte. 1892, 1893. 

gebnisse bringen, zeigen in sehr lebhafter Art Kruspes^) und E. Fischers 5) 
Aufsätze über kunstgeschichtliohen Unterricht an Gymnasien. Die Frage, wie der 
Lehrer bei dem Schüler Kunstverständnis wecke, ist nach meiner Ansicht erst dann 
zu lösen, wenn es bei den Lehrern geweckt ist. Die erfahrenen Kunsthistoriker 
bestätigen uns, dass die Philologen ganz ausnahmsweise bei ihnen hören, und dass der 
archäologische Betrieb sehr oft wenig mit Kunst zu thun habe. K. giebt nun einen Lehr- 
plan für einen durch 3 Jahre reichenden Kunstunterricht am Gymnasium. Gewiss wird 
dieses System, klug angewendet, gute Früchte tragen. Es wird vielen das Verständnis der 
Kunstgeschichte erleichtern. Aber es wird ebenso gewiss die „Hebung des Geschmackes" 
nicht erzielen. Das Ohr, welches Vorträge hört, kann das Auge nicht sehen 
lehren, die Erklärung der hellenischen Säulenformen nicht das Schönheitsgefühl be- 
leben. Vielmehr ist Gefahr da, dass dieses eingeengt werde. Zu der Zeit, als 
ich die „Ordnungen" nach Böttichers Tektonik kennen gelernt hatte, missfiel mir 
jeder nicht klassische Bau. Ich sah Fehler überall. Ich musste erst mein kunst- 
geschichtliches Wissen überwunden haben, ehe ich wieder mit freier Empfindung 
an Selbständiges herantreten konnte. Ich fürchte, Schmarsow, Lange und die ihnen 
folgenden Gymnasiallehrer erziehen uns noch mehr jener schrecklichen Leute, die 
wissen, wie gute Kunst eigentlich aussehen müsste, und die daher junger Kunst 
blind gegenüber stehen. Uns fehlt nicht Achtung vor dem Alten — dessen haben 
wir eher zu viel — , sondern Achtung vor dem Neuen und die Fähigkeit, jungen 
Gedanken uns zu erschliessen ; uns fehlt nicht Idealismus — die Kraft, uns an alten 
Idealen zu begeistern, — sondern Idealität — die Kraft, neue Ideale zu schaffen. — 

Eine weitere Arbeit ähnlicher Art, mit Bezug auf die Kunstakademien, 
liegt in einer Broschüre Zimmermanns^) vor. Dies Buch ist bemerkenswert als 
Bekenntnis dafür, dass der Kunsthistoriker mit seinem Wissen ziemlich ratlos den 
angehenden Künstlern gegenüber stand. Z. rät denn auch, in den betreffenden Vor- 
trägen die Geschichte thunlichst einzuschränken und dafür eine Kunstbeschreibung 
vom Standpunkte der Zeit und der Persönlichkeit des Künstlers zu geben. — Man 
wird die Lage der Akademie nicht richtig erkennen, wenn man nicht Hei ferichs'^J 
Aufsätze über „Kunstakademien" mit heranzieht, der eine sehr scharfe, aber 
keineswegs unrichtige Darstellung des eigentlich technischen Unterrichts im Anschluss 
an Lenbachs^) Ausführungen über das gleiche Thema giebt. — 

Die Vorträge, überhaupt der litterarische Teil des akademischen Unterrichts, 
um zu den ästhetischen und technischen Fragen überzuleiten, soll nach 
Zimmermann also bei diesen Betrachtungen im Hintergrunde stehen. Er schaut die 
Kunst und die Künstler an vom Standpunkte des Kunstpsychologen, ihrer geistigen 
Entwicklung nach. Das ist wieder eine Vortragsweise, welche gewiss sehr lehrreich 
ist. Mir scheint aber das Beste, zu versuchen so zu reden, wie der betreffende 
Meister über seine Kunst selbst geredet hätte, stände er auf dem Katheder. Dafür 
giebt es ja Vorbilder. Es sind dies die verschiedenen Lectures on art, die in England 
von Eastlake, Leslie, Ruskin, Redgrave, Herkomer, Poynter, Richmond, Whistler 
gehalten wurden. Freilich sind alle diese nicht Gelehrte, sondern für das von 
Wissenschaftlichkeit weniger überflutete England bezeichnender Weise Künstler — 
auch Ruskin hält sich selbst wenigstens für einen solchen. Sie stehen alle in den 
Fussstapfen des grossen Sir Reynolds und seiner berühmten akademischen Reden. 
Reynolds aber ist etwa für England, was für uns Lessing ist. Der Unterschied der An- 
schauung tritt zu Tage: Reynolds hatte offenen Auges die Welt bereist, war ein leidenschaft- 
licher Sammler und grosser Maler : er spricht von der Kunst. Lessing war ein in sich ge- 
kehrter Denker und grosser Dichter und schrieb seinen Laokoon, ohne die Natur und 
selbst ohne das Kunstwerk zu kennen. Er spricht über die Kunst. Und mir will scheinen, 
als hätten wir an den Hochschulen noch heute mehr Lessinge als Reynolds. Das 
ist gewiss keine Beleidigung der Professoren. Aber ich fürchte, dass der Erfolg dem 
entspricht: Auf Lessing folgt die künstlerische Ebbe in Deutschland, auf Reynolds 
die künstlerische Flut in England! Also selbst für Universitäten: Gebt Malern, nicht 
Gelehrten die Lehrstühle für Kunst und glaubt nicht durch Kunstgeschichte die 
Kunst zu heben. — Es ist nach alledem sehr erfreulich, dass wir endlich eine gute 
Uebersetzung und Erklärung von Reynolds Vorträgen bekommen haben. L e i s ch i n g '^) , 
der diese lieferte, hat das Verdienst, dem deutschen Leser die ganze Gedanken- 
welt näher zu führen, aus welcher heraus sie gehalten wurden. Freilich werden 
heute Reynolds Theorien schwerlich Anhänger finden. Wohl aber ist seine Art, 

Mit 3 Bild. M. 3,20. (Vgl. I12:98.)-4)J.Kru8pe, Ueber kunstgesch. Unterr. an Gymnasien. Progr. Hagenau. 27 S. — 5) E. F i s o h e r , 
Bemerkungen über d. Berücksichtig, d. bildenden Kunst im Gymn.-Unterr. Progr. Moers. 1892. 18 S. M. 0,40. — 6) M. G. 
Zimmermann, Kunstgesch. u. Litt, an d. Kunstak. L., Seemann. 1892. 31 S. M. 0,60. |(C. v. L(ützow): Kunstchr. 3, 
S. 593/4.]| — 7) H. Helferich, Kunstakademien: Zukunft 5, S. 219-23. (Vgl. auch C. v. L[ützowJ, E. seltsame Nachricht 
aus Düsseldorf [d. Berufung H. Bulthanpt betr.]: Kunstchr. 3, S. 464,8, 469.) — 8) F. v. Lenbach, Maltechnik u. Ak. : ib. 
8. 214/8. — 9) Ed. Leisching, Z. Aesthetik U.Technik d. bild. Künste. Ak. Beden v. Sir Joshua Reynolds, üebers. u. mit 
Binl. yers. L., Pfeffer. LXU, 325 S. M. 7,00. |[NAS. 65, S. 410/1; Ernst Lehmann: BLU. S. 321/4; C. Hofstede de 



C. Gurlitt, Kunsto-eschichte. 1892, 1898. I 11 : lo-n 

von der Kunst zu sprechen, und äurch die Rede in seinem Sinn auf die jung-en Künstler 
zu wirken, als meisterhaft zu rühmen, selbst wenn man die Einwirkung" für 
einseitig-, oft sog-ar für verfehlt hält. Die Beschäftig-ung- mit Reynolds bietet der 
modernen Kunstgeschichte vielleicht auch die Brücke zur erneuten Beschäftig-ung" 
mit ästhetischen Fragen, welche sonst meist mit einem mitleidigen Achselzucken 
gemieden werden. Die Aesthetik, früher eine „Ergötzlichkeit" der Gebildeten, 
ist strenge Wissenschaft geworden. Wer nicht sich monatelang hinsetzt, um sie 
zu studieren, der versteht selbst die „populären" Aesthetiken nur schwer. Die 
meisten Künstler, welche ich kenne, haben nie ein ästhetisches Buch gelesen, 
vielleicht einmal eines begonnen, jedenfalls es früh fortgelegt. Sie kennen also 
die „ewigen Gesetze des Schönen" nicht, zumal diese Ewigkeit erfahrungs- 
mässig selten über 20 Jahre alt wird. Nun scheinen mir die Aufgaben der 
Kunst auch ohne höhere ästhetische Mathematik lösbar. Der philosophische Mantel, 
welcher ihnen umg'elegt wird, klärt sie nicht auf, verschönt sie auch nicht, sondern 
ähnelt den Tüll- und Seidenkleidern, mit welchen man die edelsten Madonnenstatuen 
katholischer Kirchen an Festtagen verziert. Wenn Hartmann die siebente, höchste 
Stufe der Leiter von „Konkretions-Stufen" des Schönen, nämlich das „Konkret- 
Schöne" oder „mikrokosmisch Individuelle" nennt, also in Dingen und Zuständen 
sucht, die erst verständlich sind, wenn man seine beiden Bände „Aesthetik" zu Ende 
studiert hat, so will mir scheinen, als müsse diese Sache von vornherein einen Haken 
haben, als werde hier ein Haus auf seinem Dachfirst aufgebaut. Ich kann mich 
beim Durchlesen der Aesthetiker des 18. Jh. nicht des Eindruckes erwehren, als 
seien diese auf ihren schlichteren Denkwegen weiter, jedenfalls der zeitgenössischen 
Kunst näher gekommen, als die modernen oder jene der romantischen Philosophie, 
trotz oder infolge des allzuschweren Gedankenapparates. — Darum ziehe ich auch 
meist vor, die Schriften der Künstler über Kunst zu lesen. Und diese haben sich 
denn auch wiederholt vernehmen lassen. Da unsere Betrachtung vom Kunst- 
unterricht ausging, sei die diesem Gebiet gewidmete Arbeit des Zeichenlehrers Eyth'") 
zuerst genannt. Er giebt eine pädagogische Bilderbeschreibung. Die Frage, welche 
er sich vor einem Kunstwerk stellt, lautet meist : Was stellt das Bild dar ? und W^er 
war der Künstler ? Das eigentlich Künstlerische, das Wie? freilich, das schwerst 
zu Umschreibende, fehlt fast ganz. Und schon die Bildtafeln — Schwind, Schrödter 
und Feuerbach — weisen doch unmittelbar darauf, von den Unterschieden der Naturauf- 
fassung zu sprechen. — Es ist ungerecht, wenn man neben Eyths bescheidene 
Arbeit diejenige von Klinger ^i) stellt, in welcher ein ungewöhnlicher Mensch über 
seine eigene Kunst redet, von dem, was ihm beim Schaffen den Sinn bewegte. Der 
nach Systemen Dürstende wird wenig- aus dem Buche erraffen, jener aber, der einen 
denkenden, und zwar einen künstlerisch denkenden Künstler verstehen will, wird 
ausserordentliche Belehrung finden, namentlich darüber, dass die in sich abgeschlossene 
Erfüllung des Darstellungszweckes dem Bilde die Vollendung gebe, nicht die Idee, 
nicht der Stil, nicht der Realismus und sonst als Hauptsache geforderte Dinge. 
Kaum ist je die rein künstlerische Würdigung der Kunst seit den Tagen der 
Renaissance so deutlich hervorgetreten. In Feuerbachs „Vermächtnis" erscheint noch 
der Maler vielfach als Sohn des Universitätsprofessors. Neben Schacks Galerie- 
werk, Konrad Fiedlers leider nicht im Buchhandel erschienener Arbeit über Hans 
von Marees ist Klingers Buch gewiss eine der wichtigsten Bekundungen modernen 
Kunstgeistes. — Als solche stehen ihm entschieden nach die Briefe seines einstigen Kunst- 
genossen in Rom, des Karl Stauffer-Bern, dessen Werke die Berliner Nationalgalerie 
ausstellte '2), und dessen Korrespondenz Brah m i3-i6^ zunächst teilweise in Zeitschriften 
und darauf in biographischer Form herausgab. Schon die ausserordentliche Zahl 
von Besprechungen '6''" ^^3, die rasche Folge der Auflagen des Buches und der leiden- 
schaftliche Streit für und wider den unglücklichen Maler beweisen, welche Teilnahme 
der Mann und das Buch fanden. Freilich galt ein grosser Teil hiervon seinem un- 
glücklichen Liebesromane. Der Vergleich des „ Erfolges" mit Klingers Buche zeigt 
deutlich, dass bei allem Weihrauch, welcher von den Kritikern Stauffers Geist ge- 



Groot: NedSpect. S. 1278.]| — 10) H. Eyth, Beschreibung einiger Bilder d. Karlsralier Gemäldegal. Mit 3 Bildtaf. E. 
Versuch, Schüler in d. Verständnis v. Gemälden einzuführen. Progr. Karlsruhe. 38 S. 3 Taf. — U) M. Klinger, 
Malerei u. Zeichnung. München, Putze. 1891. 46 S. M. 1,00. — 12) X [0 Don op, ] K. Stauffer-Bern. (= Ansstell. d. Werke 
T. K. SUuffer-Bern in d. Kgl. Nationalgal. 4. Dec. 1891 bis 14. Jan. 1392, S. 3-12.) B. (Mittler & Sohn). 1891. 27 S. — 
13) X 0. Brahm, Römische Briefe v. K. Stauffer-Bern: DRs. 72, S. 87-114, 237-61. - 14) X »d- Stauffer-Berns Tragoedie: 
NatZg. 1892, N. 40. — 15) X i^- K. Stauffer-Bern. E. biogr. Bild: Nation«. 9, S. 722 5, 736-40. — 16) id., K. Stauffer- 
Bern. Sein Leben. Seine Briefe. Seine Gedichte. Mit Selbstportr. d. Künstlers u. e. Brief t. G. Frey tag. 1. u. 2. Aufl. St., 
Göschen. 1892. VIU, 340 S. M. 4,-50. |[Geg. 41, S. 4-5 6, 269; F. Bienemann: BLÜ. 1892, S. 789-91; N&S. 63, S. 407; E. 
Zabel: NatZg. 1892, N. 605; Ivo Bruns: PrJbb. 74, S. 18.5-91; F. Mauthner: ML. 62, S. 79; LCBl. 1892, S. 8301; M. R. 
V. Stern: Ges. S. 67-76, 3649; Kw. 6, S. 26/7, 724; Bär 19, S. 336; Br.: WeserZg. N. 16757; AnzMünchenKünstlerg. N. 258; 
SchwäbKron. 1892, 14. Okt.; BÜRS 53, S. 181; A. Fleiner: NZürichZg. 1892, N. 153.]| (Vgl. JBL. 1892 IV 5:183.) — 16a) 
H. Weizsäcker, K. Stauffer: KunstUZ. 1892. 2, S. 53-60. — 17) X ß- Crriial> Einige Bemerkungen zu K. Stauffer-Berns 



I 11 : 18-22 C. Gurlitt, Kunstg-eschichte. 1892, 1893. 

streut wurde, doch nicht sein „Verhältnis" zur Kunst, sondern das zu einer Frau 
war es, was dem Buche die Anziehungskraft g-ab. Unter den Briefen Stauffers 
erkennt man bei sorgfältiger Prüfung zwei Arten. Jene, die er flottweg schrieb, 
und jene, von welchen er wusste, dass sie mit Aufmerksamkeit gelesen würden. 
Ein völlig einwandfreier Genosse Stauffers versicherte mir, dass diesem in der 
letzten römischen Zeit das Briefschreiben die wichtigste Thätigkeit gewesen sei. 
Man irrt also, wenn man in dem Buche zufällige Aeusserungen eines „Naturburschen" 
sucht: sie sind alle wohl erwogen, man wird auch ihre Vertiefung aus dem Verkehr 
mit dem römischen Kreise, besonders mit Klinger, deutlich beobachten können, 
namentlich die fortschreitende Beugsamkeit des Urteils, welches die Berechtigung von 
vielerlei Kunst, ausser der imkünstlerischen, erkannt hat. Wie Klinger so strebt auch 
Staufferzuinnerer Klärung, will er durch starkes, selbständiges Anschauen der Natur 
zu einer persönlich bedingten Stilform gelangen. Der Streit, ob man das Schöne oder 
die Wahrheit anstreben solle, entscheidet sich in ihnen dahin, dass sie die Wahrheit 
erfassen und aus sich heraus zur abgerundeten künstlerischen Lebensäusserung machen 
wollen, und dass sie in dieser Einheit von Wollen und Vollbringen die Schönheit finden. 
— Noch stärker tritt der Zug nach selbständigem Verarbeiten der Natur zum Kunst- 
werk in dem Buche des Bildhauers Adolf Hildebrand *9) hervor, einer ästhetischen 
Arbeit, die an Gehalt eine sehr hohe Stellung nicht nur unter den gleichzeitigen 
Erscheinungen einnimmt und über das Wesen der Bilderei ähnliche Aufschlüsse 
giebt, wie Klinger über das der Zeichnung und Malerei. Das in Hildebrands Bild- 
werken so merkwürdig hervortretende Gefühl für geschlossene Raumwirkung, die auf 
dem Stoff beruhende innere Gebundenheit der Gestalten erweist sich nach seiner 
Schrift als das Ergebnis klaren Bewusstseins der ihn beim Schaffen leitenden Ge- 
setze. Beim Schreiben einer Kunstlehre für Künstler oder solche, die die Kunst künst- 
lerisch betrachten wollen, wird der zukünftige Vf. dieser Art von Erklärung der 
Wirkungen und Funktionen der Formen und der Rauinempfindung gewiss eine her- 
vorragende Rolle zuweisen müssen. — Jenen Arbeiten der Künstler möchte ich eine 
solche eines wissenschaftlichen Aesthetikers zur Seite stellen, nämlich die von Alt^o), 
dessen „System der Künste" einen ersten Versuch darstellt, sich redlich mit der Er- 
kenntnis abzufinden, dass nämlich im Realismus eine starke künstlerische Kraft 
stecke. Er untersucht die Frage, wie die Individualität des Künstlers und mit dieser 
das Charakteristische in der Kunst sich schönheitlich äussere. Er erklärt, die Be- 
tonung des Gattungsideales sei zur einseitigen Betonung der unbedingten Vorherrschaft 
des Persönlichen umgeschlagen, es gebe aber ewige Gesetze des Schönen, an welche 
auch die grösste und kühnste Person gebunden sei. Wohl seien oft diese Gesetze 
vergessen und verleugnet worden, aber sie mussten immer wieder siegreich vordringen. 
Mir will scheinen, als sei uns wenig hiermit geholfen. Wer weiss, welches Gesetz 
ein „ewiges" ist, welches ein falsches? Wer ist Richter? Ich kenne noch kein Gesetz, 
das von Allen anerkannt worden sei. Freilich: Wenn hundert gleichzeitig lebende Pro- 
fessoren an dasselbe Gesetz glauben, meinen sie, es sei eine Forderung der Bildung, diesem 
zuzustimmen. Aber waren die Japaner, die Azteken und Khmer nicht auch gebildet? Und 
gelten ihnen auch diese Gesetze? Ist unsere Bildung die richtige, die mustergültige? — 
Einen volleren Gegensatz, einen stärkeren Beweis für den Umschwung der An- 
schauungen, der auch in Alts Werken überall kräftig hervortritt, giebt die Hinter- 
lassenschaft des Bildhauers Hähnel, von G r o s s e ^ i) (vgl. IV Ic) ediert. Wie die Vorrede mit 
drolliger Ernsthaftigkeit gegen diejenigen loszieht, welche in Hähneis Kunst und Zeit 
nicht mehr einen Höhepunkt der nationalen Kunstäusserung erblicken wollen, so 
zeigen die seit 1875 fast alltäglich niedergeschriebenen „geistreichen" Einfälle des 
gefeierten Künstlers, obgleich etwa 3000 zusammenkamen, eine Dürftigkeit des 
Gedankeninhalts, die sich vergeblich in witzelnde Form verhüllt. Man muss z. B. 
das heraussuchen, was Hähnel als Motive für Bilder sich ausklügelt, um den un- 
künstlerischen, nach anekdotischen Pointen auslugenden Stand seines Denkens zu 
erkennen. G. erwies seinem verstorbenen Freunde einen schlechten Dienst, indem 
er dessen greisenhafte Witzeleien und Bosheiten wohlverdientem Vergessen entzog. 
Wollte einer heraussuchen, was Hähnel unter dem so stark betonten „Idealismus" 
verstehe, — es würde sich ein ungemein kümmerliches Bild, jedenfalls ein solches 
fast ohne Eigenes ergeben. — Ein gleicher Gegensatz wie im Urteil der Künstler, 
zeigt sich auch in den ästhetischen Werken, deren Besprechung hier wenigstens ge- 
streift werden soll. Der rein auf physiologische Untersuchung begründete Beitrag 
von Hirth22) zur Erkenntnis der Technik des Sehens, als der Vorbedingung zur 



Werk: ZBK. 4, S. 97,9. — 18) X P- Schlenther, K. Stauffer-Bem: ADB. 35, S. 527 9. —19) Ad. Hildebrand, D. Problem 
d. Form in d. bild. Kunst. Strassburg i. E., Heitz. 127 S. M. 2,00. (Vgl. 112: 55b.) — 20) T h. A 1 1, Vom charaVteristisch Schönen. K. Beitr. 
z. Lösung d. Frage d. V&nstl.IndiTidnalismas. Mannheim, Bensheimer. 40S M. 1,00. (Vgl.1 12 : 70.) — 21) Jul. Grosse, E. Jal. Hähneis 
litt. Reliquien. Im Auftr. d. Hinterbliebenen gesichtet u. her. nebst e. Charakterbild d, Meisters als Einl. B., Qrote. 356 S. 
M. 5,00. |[Ad. Bartels: Didask. N. 288.]( — 22) G. Hirth, D. plastische Sehen als Rindenzwang. Mit 10 Textlllustr. u. 



C. Gurlitt, Kunstg-esohichte. 1892, 1893. I 11 : 28« 

Erkenntnis des Schönen, ist eine Fortführung- der in seinen „Aufg-aben der Kunst- 
physiologie" ^3) (vgl. JBL. 1891 I 3 : 62) dargethanen Anschauung-en, mit diesen und 
den früh-eren Arbeiten des vielbeschäftigten Mannes ein Beweis, wie Münchens Kunst 
auch auf das ästhetische Denken bestimmend einwirkt, und an Stelle des im Grunde 
stets auf die Aristotelische „Idee" — als der vollkommenen, und daher über den ein- 
zelnen Dingen stehenden Vorstellung solcher, — zurückgreifenden Idealismus ein sachliches 
Hinschauen auf die Dinge selbst tritt. — Will man den Unterschied ganz empfinden, 
so vergleiche man mit dieser Arbeit Muffs^^) „Idealismus", ein Buch, in welchem 
ein braver Gelehrter sein Verhältnis zu Kunst und Leben darstellt, indem er nach 
uraltem Rezept von der Kunst fordert, sie solle Schönes schaffen. Für das, was schön 
sei, ist ihm freilich sein eigenes Urteil genügend, er weiss ganz genau, was Dürer 
nicht wusste, nämlich was Schönheit ist; so dass die Schlussforderung eigentlich lautet: die 
Kunst hat sich innerhalb des Schönheitsempfindens des Herrn Muff und seiner Freunde 
zu halten, will sie nicht entarten! — Jene praktische Aesthetik, welche aus dem ge- 
schichtlichen Wirken der Kunstformen ihre Schlüsse zieht, beschäftigt seit Semper 
viele Köpfe. Hier sei nur ein entschiedener Geg-ner Sempers hinsichtlich dessen Vor- 
liebe der Erklärung der Formen durch Uebertragung einer Technik auf die andere 
erwähnt, RiegP^), der sich in seinen „Stilfragen" als ein gerade in seiner von Ein- 
seitigkeit nicht unfreien Zielklarheit als eine fördersame Erscheinung in der wissen- 
schaftlichen Welt erweist. — Auch Koopmann^^) erhofft von der Kenntnis der Ur- 
formen der Kunst einen besseren Einblick in die vollendeten Gestaltungen und 
erstreckt daher seine Untersuchung auf die Wechselbeziehungen von Stoff und Form, 
Inhalt und Ausdruck. Der Wunsch, die Nation zu erhöhter Würdigung echt künst- 
lerischer Thaten zu führen, giebt seinen Ausführung-en eine erfreuliche Wärme und 
Eindringlichkeit. (Vgl. I 12 : 96.) — Dies letztere Ziel macht auch Paul Hilde- 
brands 2"?) Broschüre erwähnenswert. (Vg-l. I 12 : 137.) — 

Eine Flut von Aufsätzen^S"'*^) zur Kunstkritik ist hier zu nennen, in 
welchen zumeist eine Abschätzung von alten und neuen Kunswerten versucht wird. 
Einiges sei hier genannt, um demjenigen, welcher einst die Tageskämpfe einer 
künstlerischen Sturm- und Drangzeit schildern will, Stoff an die Hand zu geben. 
Zeitschriften wie das in Berlin erscheinende „Atelier", der Dresdener „Kunstwart", 
die Leipziger „Kunstchronik", die W^iener „Allgemeine Kunstchronik", der Münchener 
„Anzeiger der Münchener Künstler-Genossenschaft", Amsler und Ruthardts „Kunstsalon", 
ferner die eigentlichen Illustrationszeitschriften, die Pechtsche „Kunst für Alle", die 
„Moderne Kunst", die „Kunst unserer Zeit" als das wohl vornehmste Blatt dieser Art, die 
wissenschaftlichere „Zeitschrift für bildende Kunst" u. a. spiegeln diese Kämpfe wieder. 
Nicht minder sind die politischen Zeitungen und die Monats- und Wochenschriften 
in den Streit eingetreten. Als Vorkämpfer der alten Richtung kann die Vossische 
Zeitung (Ludwig Pietsch), die Post (A. Rosenberg") sowie die Neue Freie Presse 
(E. Ranzoni) gelten. Unter den Vertretern der jüngeren Richtung stehen die Münchener 
Neuesten Nachrichten (Fritz von Ostini), Kölnische Zeitung (Karl von Perfall), der 
Dresdener Anzeiger (Paul Schumann, H. A. Lier) im Tageskampf. In München sind 
es namentlich Künstler, welche selbst die Feder führen (Benno Becker, H. E. 
V. Berlepsch, Momme Nissen), in Berlin Schriftsteller (Oskar Bie, G. Buss, Julius 
Elias, Jaro Springer, Franz Hermann, L. Kämmerer, Jul. Levin, Hugo Ernst Schmid, 
Max Schmid, Franz Servaes, G. Voss). In Wien haben Richard Graul, Hermann 
Bahr, und C. Sokal u. a. die neue Richtung* vertreten. Es hat diese Aufzählung" 
keineswegs die Absicht, erschöpfend zu sein, oder Ernst, Sachkenntnis und 
Bedeutung der einzelnen Kräfte durch Erwähnung oder Nichterwähnung* abzuwägen. 
Ich müsste sonst jedenfalls Kritiker von der tiefg-ehenden Bedeutung" Hermann 
Helferichs genannt haben und Kunsthistoriker und Museumsleiter von Namen, wie 
Richard Muther, W. Bode, von Seidlitz, W^oermann, Lichtwarck, Karl von Lützow, 
Henry Thode, Janitschek u. a., welche geleg"entlich in den Meinungsstreit eingriffen. Ein 



34 Taf. mit stereoslcop. Abbild. München, Hirth. 1892. X, 85 S. M. 5.00. |[E. Lehmann: BLU. S. 657-60.]| — 23) id., 
Physiologie de l'Art, trad. de Tallemand et precede d'une introd par Lncien Arreat. Paris, F. Alcan. 350 S. — 24) 
Chr.Muff, Idealismus. 2. wesentl. verm. Aufl. Halle a. S., Mühlmann. 1892. XI, 230 S. M. 4,00. (Vgl. JBL. 1892 111 : 59; s.u. 1 12:61a.) 
— 25) AI. Riegl, Stilfragen. Grundlegungen z. einer Gesch. d. Ornamentilc. B., Siemens. XIX, 346 S. Mit 197 Abbild. M. 12,00. 
(Vgl. I 12:58a.) - 26) W. Koopmann, Entstehung d. Kunstwerkes. Hamburg. Graefe & Sillem. 188 S. M. 2,40. — 27) 
Paul Hildebrand, D. Kunst, d. Stiefkind d. Gesellschaft B., Amsler & Ruthard t. 16 S. M. 0,50. — 28) X L'empereur 
et les artistes berlinois: BURS. 58, S. 628-30. — 29) X 0. Bie. Anatomie n. Kunst: TglRs». 1892, N. 21/2. — 30) X Vom 
Kunstmarkt: Kunstchr 3, S. 268-70. — 31) X 0. Brandt, D. Mäcenat in Deutschland: BerlTBl. N. 481. — 32) D. Mainzer 
Katholikenversamml. u. d. christl. Kunst: HPBll. 110, S. 536/7. — 33) G. List, Nene Ziele d. bildenden Kunst: DNJb. 3, 
S. 1149. — 34) X W. Bormann, Kunst u. Nachahmung (vgl. JBL. 1892 I 11:. 50): Geg. 43, S. 31. — 35) X 0- Krack, D. 
Kunst u.d. Volk : ib. 44, S. 40 2.- 36) X H Schacht, Kunst u. Individualität: ib. S. 201 3. (Vgl. 1 12:73.) — 37) X *• Folc^e, üeber 
d. nächsten Ziele d. nat. Kunst: ib. 43, S. 2613. — 38) X H- Grimm, Armeleutemalerei: DRs. 76, S. 434 8. — 39) X Jan 
Veth, Studien over Moderne Kunst: NGids 8', S. 427-36. — 40) X A.. Hasenclever, D. relig. Malerei auf d. vorjähr. 
Mönchener Ausstellung: DEBll. 18, S. 190-203. —41) X F- Lienhard, Volkstum u. Persönlichkeit in ihren Beziehungen z. Kunst : 
TglRsB. N. 298/9. - 42) X ■*.. S e e m a n n , Häutungsprozesse in d. Kunst : BLU. S. 753, 6. ( Vgl . 1 12 : 263. )— 43 )X 0. J. Bierbanm, 
Jahresberichte für neuere deutsche Litteraturgeschichte. IV. 19 



I 11 : 44-63 C. Gurlitt, Kunstg-escWohte. 1892, 1893. 

grundsächlicher Unterschied trennt die modernen Kritiker, der freilich den meisten nicht 
zur Klarheit kam. Er besteht im „Standpunkt", den die ältere Kritik über den Kunst- 
werken, die neue neben ihnen wählt. Gewiss ist der erhabenere Standpunkt vor- 
zuziehen. Aber es ist nicht Sache ledig-lich des Willens, ihn zu erreichen, sondern 
des Vermögens. Dass es irgend einen Kritiker, Aesthetiker oder Kunsthistoriker in 
Deutschland giebt, der wirklich über der Kunst steht, glaubt wohl kein Mensch; 
dass es hunderte giebt, die sich selbst über sie stellen, ist eine offene Thatsache. 
Diese Kritik der TTeberhebung zu bekämpfen, ist gewiss eine wichtige Aufgabe. Sie 
wird nur gelöst werden, wenn man erkannt hat, dass es thöricht ist, zu „urteilen", 
„Kunstrichter" sein zu wollen, wo es kein klares, von allen anerkanntes Gesetz 
giebt, dass Kritik nur das Messen der Kunstanschauungen des Künstlers mit jenen 
des Schriftstellers ist, und dass in den meisten Fällen das Mass des Schriftstellers 
in Fragen der bildenden Kunst das kürzere sein wird. Es ist im allgemeinen zu be- 
dauern, dass die Kritiker sich gegenseitig nicht mehr befehden; es käme dabei 
mehr zur Klärung, als wenn sie wechselseitig auf die Künstler einschlagen. Wie 
tiefgehend die Erregung war, beweist der Umstand, dass eine Reihe von polemischen 
Broschüren entstand, in welchen die Vf. eingehender und in einem Gesamtbilde 
ihre Ansichten zu entwickeln strebten. Die stark akademische Abhandlung von 
A. von Wouvermans^*), worin den Künstlern der Weg zu Goethescher Natur- 
auffassung gewiesen wird, S chö n e s 4^) Schrift über ähnliche Fragen, die Schriften von 
Arendt^ß), Curt Geucke*''), Servaes*^), Franquet'*''), Bierbaum^o)^ Khay- 
nach^ 1) usw.^2j weisen schon aufden Tageskampf der künstlerischen Meinungen hin, der 
in Ausstellungen und Künstlerfehden, in Tagesblättern und wissenschaftlichen Zeit- 
schriften so lebhaft betrieben wird.^^) Einige dieser Arbeiten mögen als Ausdruck 
der Zeitbestimmung auch für spätere Zeit Bedeutung behalten. Die wüste Schimpferei 
Khaynachs, der frische Wagemut Franquets, der auch alsbald heftige Erwiderungen^^) 
hervorrief, die wohl etwas allzu leichtgläubige Hoffensfreudigkeit von Servaes, die 
mehr abwägende, dichterisch erfassende Art Bierbaums, die von einem ausgezeichneten 
Künstler (W. Trübner) geschriebene Schrift über die „Kunstbewegung von heute"^^) 
mit ihrer klaren Erkenntnis der Ziele, und andererseits die redlichen Bekenntnisse 
gänzlichen Unverstehens der neuen Kunst bei der Gegenpartei, die ganze Zwiespältigkeit 
der Anschauung tritt in ihnen kräftig hervor. — 

Kunstgeschichte. Hinsichtlich der allgemeinen Darstellungen zeigt 
sich überall das Bemühen, an Stelle von Lübkes^^) Kunstgeschichte, welche ihre 
11. Auflage erlebte, etwas Neues, womöglich Besseres zur Belehrung der wissens- 
durstigen Menge zu setzen. — Hierher gehören zunächst die für Lehranstalten be- 
stimmten „Vorschulen". So jene von Warnecke^'^) und von Buchner^^), dessen 
Abbildungen jedem Freunde Lübkes seit 30 Jahren wohlbekannte alte Cliches aus 
der traurigsten Zeit der Holzschnitte sind — wahrlich ein Beweis, dass hier vielleicht ge- 
schichtlicher, sicherlich kein künstlerischer Geist herrscht. — Auch die kunsthistorischen 
Bilderbogen Seemanns ^^) bedürfen dringend einer Auffrischung, sollen sie den Zweck, 
dem sie so lange erfolgreich dienten, in einer illustrativ, namentlich reproduktiv fort- 
geschrittenen Zeit noch genügen. — Was sich nach dieser Richtung für billigen 
Preis leisten lässt, haben zunächst die Münchener photographischen Anstalten 
gezeigt. Die Sammlung des Bruckmannschen Verlages^''), welche durch Rebers^') 
Geschichte der Malerei eine treffliche, klare und sachkundige Einführung und Er- 
klärung erhielt, und namentlich die Veröffentlichungen von Hirths Verlag, die 
Hirth^^) allein und im Verein mit Muther ^3) besorgt, sind Beweis hierfür. Es ist aus 
diesen Blättern, welche mit einfachen Mitteln ausgeführte künstlerische Schöpfungen 



Nene Kunst: ML. 62, S. 476-80. — 44) A. v. Wouvermans, D. Stil in d. bild. Kunst. Progr. Pilsen. 1891. 28 S. — 
45) L. Schöne, üeber Idealismus, Eealismus u. Naturwahrheit in d. bild. Kunst. Progr. Stettin. 1892. 4". 12 S. — 46) 
H. Arendt, Was thut d. dtsch. Volk für Kunst u. Handwerk? B., Skopnik. 26 S. M. 0,50. — 47) C. E. Geucke, Kunst 
u. Naturalismus. Dresden, Damm. 1892. 12». 80 S. M. 0,50. (Vgl. JBL. 1892 I 11:184.) — 48) F. Serraes, Berliner 
Kunstfrühling 1893. B., Speyer & Peters. VIII, 87 S. M. 1,20. — 49) E. v. Franquet, Schaupöbel. L., Spohr. 32 S. 
M. 0,50. — 50)0. J Bier bäum. Aus beiden Lagern. Mit 8 Bild. München, Schüler. 75 S. M. 1,80. (Vgl. 1 12 : 262.) — 51) F.Frhr.v. 
Khaynach, A. v. Werner u. d Berliner Hofmalerei. Zürich, Verl.-Mag. 60 S. M. 0,80. — 52) X D. Kunstverständnis v. 
heute. München, Fritsch. III, 67 S. M. 1,00. — 53) X F. Hörmann, V. Pyreicus. „d. Kothmaler" u. einigem anderen oder 
was nennen wir „Kunst"? B., Wilhelmi. 1892. 40 S. M. 1,00. (Vgl. 1 12 : 112.) — 54) X fK. Ehre nbergJ,D. neue Kunst u. d. „Schau 
pöbel". V. e. Mitgliede d. „Schaupöbels". Dresden, Kunstdr. Union. 39 S. M 0,60. — 55) D. Kunstbewegung unserer Zeit 
u. Deutschlands, inbes. Münchens Kunstaufgabe. Z. Aufklärung n. Gedeihenserhaltung. München, Franz. 4". 31 S. M. 0,60. 
— 56) W. Lübke, Grundriss d. Kunstgesch. 11. Aufl. 2 Bde. Mit Titelb., Portr. d. Vf. u. 706 Holzschn.-IUnstr. St., 
Ebner u. Seubert. 1892. XII, 416 S.; VI, 518 S. M. 15,00. — 57 1 G. Warnecke, Vorschule d. Kunstgesch. Textbuch zu 
d. kunstgesch. Bilderbuch. L., Seemann. VlII, 92 S. M. 1,00. — 58) W. Buchner, Leitfaden d. Kunstgesch. Für höhere 
Lehranst. u. d. Selbstunterr. bearb. Mit 87 Abbild. 5. Aufl. Essen, Baedeker. X, 179 S. M. 2,80. — 59) Kunsthist. Bilder- 
bogen. 'Handausg. III u. IV. L., Seemann. Fol. 47 u. 50 Taf. mit 3 u. 4 S. Text, ä M. 3,00. — 60) Klass. Bilderschatz. 
Her. V. F. v. Reber u. Ad. Bay ersd orf er. IV u. V. a 24 Hefte. München, Verlagsanst. für Kunst u. Wissensch. 1892-93. 
4». ä 6 Taf. in Zinkotypie. ä lieft M. 0,50. — 61) Fr. v. ßeber, Gesch. d. Malerei vom Anfang d. 14. bis z. Ende d. 18. Ih. 
ebda. VIII, 415 S. M. 7,00. — 62) G. Hirth, D. Porraenschatz. E. Quelle d. Belehrung und Anregung für Künstler u. Ge- 
werbetreibende. 12 Hefte. Mönchen, Hirth. 1892-93. 4*. ä 12-16 Taf. in Faos.-Dr. M. 15,00. — 63) id. n. B. Mnther, 



C. Gurlitt, Kunstgeschichte. 1892, 1893. I 11 : «4.78 

g-etreu wiedergeben, die Einführung in das Verständnis des echten Inhaltes der Kunst ent- 
schieden eher zu erhoifen, als aus ungenügenden Holzschnitten selbst nach den grössten 
Meisterwerken. Die schlechte Illustrierung unserer Lehrbücher ist vielleicht mit Schuld 
an dem schiefen Verhältnis der meisten „Gebildeten" zur Kunst. — Es ist daher auch 
bei den neueren Werken, die zur Einführung in die Kunstgeschichte bestimmt sind, 
die illustrative Seite besonders gepflegt worden. Die Grotesche Geschichte der 
deutschen Kunst ^*) leistet nach dieser Richtung in vielen Blättern das Beste, was 
zur Zeit erreichbar ist. Jedoch gehört sie in dieses Berichtsjahr nur insofern, als 
von ihr eine billigere (Titel-) Ausgabe veranstaltet wurde. — Dagegen darf die Ge- 
schichte der bildenden Künste von Fäh^^j hier erwähnt werden, da ihr Erscheinen 
mit dem 7. Heft ins Stocken kam, obgleich auch hier seitens der Verlagsbuchhandlung 
Vortreffliches geleistet worden war. Es ist eigentlich eine erfreuliche Thatsache, dass 
das katholische Publikum, für welches das Buch bestimmt war, sich diese Arbeit 
nicht gefallen liess. Wer die Kunstgeschichte mit den Hebräern beginnt, um dem 
biblischen Tempel zu Jerusalem den ersten Rang in der Kunstgeschichte zu wahren, 
wem es gelingt, die griechische Plastik ohne Darstellung „sinnenreizender Nuditäten" 
zu behandeln, wer die Architektur der Hellenen noch allein nach Böttichers Tektonik 
erklärt, der hat sicher nicht jenes klare Auge für das Wesen fremder Kunstauffassung, 
das den berufenen objektiven Geschichtsschreiber macht. Zu einer rein subjek- 
tiven Betrachtung der Dinge fehlt ihm aber ebenso die Absicht wie die Selbständigkeit 
der Anschauung. Auch der oft recht wenig reife, von Provinzialismen stark durch- 
setzte Stil wäre erträglich, wenn dem Buche nicht überall der Stempel der Unzuläng- 
lichkeit seines Vf. deutlich aufgedrückt wäre. — Das Buch von Kuhn^^), welches in 
der Austattung das Fähsche Werk noch zu übertreffen verspricht und in weit 
höherem Grade den Eindruck einer ausgereiften Arbeit macht, kann erst besprochen 
werden, wenn es fertig vorliegt. — Dasselbe gilt von der grossartigen Veröffent- 
lichung vonDehio undG. von Bezold^^) über den Kirchenbau des Abendlandes, 
einem Werke, das freilich nicht für die „Einführung" geschrieben ist, sondern gleich 
Bodes und Janitscheks Anteil an der „Geschichte der deutschen Kunst" gründlichste 
Aufklärung über das einschlägige Gebiet giebt.^^) — Nicht ganz das Gleiche wie 
von dem Werk über den Kirchenbau kann man von Buchers^^) Geschichte der 
technischen Künste sagen, welche endlich zum Abschluss kam. Hier fühlt man noch 
zu deutlich, dass die Vorarbeiten versagen, auf welche die verschiedenen Vf. der 
einzelnen Abschnitte ihre Arbeit aufbauen wollten. Hat der Inhalt auch im Ver- 
gleich mit dem ersten Bande, der zu sehr im Eifer des jungen Emporblühens des 
Kunstgewerbes entstand, erheblich gewonnen, so erlangt er doch nicht jene Gleich- 
mässigkeit und allseitige Knappheit, welche von einem alle Specialisten- Arbeit, mit 
überlegenem Blick auf das Ganze, zusammenfassenden W^erk zu wünschen ist. Nicht 
die Autoren, sondern das widerspenstige Thema sind Schuld an den gegen das Werk 
zu erhebenden Bedenken. — Burckhardts Cicerone, der durch Bode''*^) u. a. eine 
neue ITeberarbeitung erhielt, sei erwähnt, obgleich das berühmte Buch über die 
deutsche Kunst nur nebenbei Nachrichten bringt. — Merlos, von Firmenich- 
Richartz'^i) überarbeitetes Kölner Künstlerlexikon, welches nach vollständigem Er- 
scheinen hier besprochen werden soll, beschäftigte bereits die Kritik. — Von dem 
vor etwa 30 Jahren erschienenen Werke des P. Florian Wimmer, einer damals achtens- 
werten Leistung, bearbeitete Hiptmair'^) eine 2. Auflage. Wenn das Buch auch 
keineswegs auf der Höhe sich zu behaupten vermag, welche es früher immerhin ein- 
nahm, so dürfte es als Führer in der Hand katholischer Geistlichen nicht ohne Nutzen 
sein. — Ins Gebiet der katholischen Kunstlitteratur gehört auch das Buch von Bole''^), 
worin er an sieben Meisterwerken den Sieg der Religion in der Kunst darzustellen 
sucht: Ein rechtes Theologenbuch! Es geht nicht aus, Neues zu finden, sondern 

Meisterholzschnitte ans 4 Jhh. ib. 4». 33 Tuf. mit XLm S. Text. M. 40,00. |[W. L. Schreiber: CBlBibl. S. 35«/7.]| — 
64) Gesch. d dtsrh. Kunst. 5 Bde. Neue bill. (Titel-)Ausg. Mit Textillustr. n. Taf. (Bearb. t. J. v. Falke, R. Dohme, 
H. Janitschek, W. Bode n. C. v. Lützow.) B, Grote. VI, 218 8.; U, 445 S.; Vm, 664 S.; 258 S.; VI, 314 S. M. 60,00. 
|[P. W.: N&S. 60, S. 2706; J. Neuwirth: ilVGDBB. 31, S. 6-14.]| (Zuerst 1885-91) — 65) A. Fäh, Grundriss d. Gesch. d. 
bild. Künste. Mit vielen Abbild. 6 u. 7. Lfg. Freiburg i. B., Herder. S. 357-492. & M. 1,25. |[ThLBl. 14, S. 66; WIDM. 73, 
S. 426; C. Frey: DLZ. S. 51,3.]| (5. Lfg. erschien 1887.) - 66) A. Kuhn, Allg. Knnstgesch. D. Werke der bild. Künste 
vom Standpunkt d. Gesch., Technik, Aesthetik. 5. Lfg. (= 1. Bd., S. 113-76; 2. Bd., S. 89-96; 3. Bd., S. 49-56.) Einsiedeln, 
Benziger, ä M. 2,00 |[LBs. 19, S. 20; P. Schumann: Kw. 6. S. 10/1.]| (Seit 1891.) — 67) G. Dehio n. G. v. Bezold, D. 
kirchl. Baukunst d. Abendlandes. Hist. u. System, dargest. 1. Bd. St., Cotta. VIII, 720 S. nebst Atlas. M. 164,00. — 68) X 
E. Frantz, D. Gesch. d. christl. Malerei. 2. Bd. Freibnrg i. B., Herder. 1892. 288 S. M. 7,50. ([BLU. S. 831; ThLBl. 14, 
S. 163.]| — 69) B. Bucher, Gesch. d. techn. Künste. Im Ver. mit Alb. Ilg, Fj. Lippmann, F. Luthmer, AI. Riegl, 
Herrn. Rollett, G. Stockhauser. Mit lUnstr. 3. Bd. St., Union. XV, 610 S. M. 24,00. — 70) J. Burckhardt, D. 
Cicerone. E. Anleitung z. Genuss d. Kunstwerke Italiens. 6. Aufl. Unter Mitwirk, verschied. Fachgenossen bearb. v. W. 
Bode. 4 Bde. L., Seemann. XXIV, 200 S.; 494 S.; 340 S.; VU, 136 S. M. 13,50. — 71) J. J. Merlo, Kölnische Künstler in 
alter u. neuer Zeit. Her. v. E. Firmenich-Richartz unter Mitwirk. v. H. Keussen. 1.-4. Lfg. Düsseldorf, Schwann. 
4». S. 1-320. ä M. 1.50. |[Ath. 2, S. 362; MA. 6, S. 171.]| — 72) Fl. Wimmer, Anleit. z. Erforsch, u. Beschreib, d. kirchl. 
Knnstdenkmäler. In 2. Aufl. mit lUustr. verm. u. her. v. M. Hiptmair. Linz, Haslinger. XI 7, 152 S.u. 2 Taf. M. 2,60. — 
73) F. Bole, Sieben Meisterwerke d. Malerei, mit e. prinzipiellen Erörterung über d. Einfluss d. Christentums auf d. Kunst. 

19* 



I 11 : 74-84 C. Gurlitt, Kunstgeschichte. 1892, 1893. 

Beweise für eine vorgefasste Ansicht herbeizub ringen und kommt deshalb über die 
Haltung eines Schulaufsatzes nicht hinaus, wenngleich der Ton der einer schwer- 
fälligen Philosophie ist, welche bei dem Begriff" Gottes als Vollkommenheit ohne 
Mangel und Begrenzung anfangen muss, um zu erklären, dass Brunelesco mit Recht 
auf Overbecks Bilde „Das Magnifikat der Künste'* Platz gefunden habe, obgleich der 
grosse Renaissancemeister der Feind der allein selig machenden Gotik war. — Endlich 
seien an dieser Stelle zwei Porträtwerke ''*"''^) genannt, obzwar deren vornehmster 
Zweck ja nicht eigentlich ein kunstg'eschichtlicher ist-''^''^^) — 

Eine Arbeit allgemeiner kunsttopographischer Art, welche längst schon 
als dringendes Bedürfnis bezeichnet worden war, nämlich die Aufzeichnung eines Inventars 
der älteren Kunstsohätze in deutschen Landen, ist jetzt in vollem Gange, so dass gegen Ende 
des Jh. in fast allen Teilen des Reiches der Ueberblick über das Erhaltene geschaffen 
sein dürfte. Die Gründlichkeit und Sachlichkeit, mit welcher diese Arbeiten durchgeführt 
werden, die ansehnliche Ausstattung der meisten unter ihnen zeigen, wie hoch man 
überall den Wert der Reste vergangener Zeiten zu schätzen weiss, und wie sehr 
man bereit ist für ihren Schutz das Nötige zu thun. In den J. 1892—93 schritt in 
vielen Teilen die Arbeit um ein Erhebliches vorwärts, wurde sie mehrfach neu auf- 
genommen, so dass bei einem Rundgange durch Deutschland nicht eben viele Lücken 
mehr erscheinen. Ein Werk, das Gesamteuropa ^o) betrifft, beginnt bei Wasmuth 
zu erscheinen. — Die deutsche Unternehmung fand verschiedene Sammelbesprech- 
ungen^^). — 

Die Inventarisation der Kunstdenkmäler Schlesiens wurde durch die Heraus- 
gabe des Bandes über Liegnitz ganz erheblich gefördert. Das von Lutsch^^) \)q_ 
arbeitete Werk ist das einzige, welches bisher keine Illustrationen brachte, vielmehr 
diese später in einem Atlas vereint geben will. Dieser Umstand erschwert die Würdigung 
dessen, was bisher geleistet wurde. Die Bedeutung der Denkmäler liegt hier im 
wesentlichen im späteren Mittelalter und in der Renaissance. Die Städte Glogau, Liegnitz, 
Hirschberg, Löwenberg, Lauban, Bunzlau, die Klöster Grüssau und Wahlstatt, die 
Kirche Wang sind berücksichtigt. Von besonderer Wichtigkeit ist die Behandlung 
der Stadt Görlitz. L. ist in seinen Ausführungen sehr sachlich, vielleicht sogar etwas 
zu knapp. Er giebt thatsächlich nur das Inventar, mehr für die am betreffenden 
Orte Einheimischen als für den Kunstgelehrten, dem er durch einen das ganze Material 
zusammenfassenden Schlussband den nötigen Ueberblick zu gewähren verspricht. — 

Im Königreich Sachsen stockte das Inventarisationswerk infolge von 
Steches Erkrankung und Tod. In gewissem Sinne einen Ersatz bot das von der 
Vereinigung Leipziger Architekten und Ingenieure ^^) herausgegebene Werk „Leipzig 
und seine Bauten". Seit 1877 das Werk „Berlin und seine Bauten" erschien, ist zu 
jedem der alle zwei Jahre stattfindenden Verbandstage der genannten Vereine ein 
solches Werk über die Feststadt hervorgegangen; zusammen bilden diese stattlichen Bände 
die wichtigsten Unterlagen für die Entwicklungsgeschichte des Bauwesens in Deutsch- 
land, namentlich das der neuesten Zeit. Auch der neue Band folgt der Anordnung, 
dass ein baugeschichtlicher Abschnitt ' das Buch einleitet. Dieser, von G. Wust- 
mann geschrieben, dürfte das Beste sein, was bisher über Leipzigs Architektur ge- 
sagt wurde. Die Darstellung der modernen Entwicklung geschieht unter 
systematischer Einteilung der Bauten nach ihrem Zweck, wobei die Bearbeitung der 
Sondergebiete je einem Fachmann überwiesen wurde. Die Arbeitsleistung ist wieder 
eine grosse, für den ganzen Stand ehrenvolle. — 

Von der Inventarisation Thüringens, welche Lehfeldt^^) bearbeitet, er- 
schien im Berichtsjahre das 18. Heft, und zwar über eine so wichtige Stadt wie 
Weimar. Aber auch kleinere Orte bieten vielerlei Bemerkenswertes. Im allgemeinen 
sind es neben den Bauten älterer Zeit auch hier die Jahrzehnte vor und nach der 
Reformation und das 18. Jh., aus denen die besten Werke stammen. Dem Kultur- 



Mit 9 Bildern in Lichtdr. Brixen, Weger. 4». VI, 127 S. M. 12,00. [[LRs. 19, S. 151/2.1| — 74) X Allg. bist. Porträtwerk. 
Neue Ansg. nach Zeitaltern geordnet. E. Samml. v. ober 600 Portr. d. berühmtesten Personen aller Nationen v. etwa 1300 bis 
etwa 1840, nach Ausw. v. W. von Seidlitz, mit biogr. Daten v. H. A. Lie r u. H. Till mann. 1. Abt. D. Zeitalter d. Hu- 
manismus u. d. Reformation. 1. Lfg. München, Verl.-Anst. für Kunst n. Wissensch. Fol. 10 Taf. mit 10 Bl. Text. M. 4,00. 
- 75) X Schweiz. Porträtgallerie. 40.-46. Heft. Zürich, Orell Ffissli. ä 8 Taf. ä M. 1,00. — 76) X K. Kenner, D. Porträtsamml. 
d. Erzherz. Ferdinand v. Tirol: JbSAK. R. 37-186. — 77) P. Weizsäcker, D. Bildnisse Wielands. (Aus WürttVjh.) St., 
Kohlhammer. 1892. 52 S. Mit 11 Abbild, u. 2 Lichtdr.-Taf. M. 1,50. |fZBK. 4, S. 120.J| — 78) X K. Mertens, I). Bild- 
nisse d. Fürsten und Bischöfe v. Paderborn v. 1498-1891. Mit erläut. Texte. Paderborn, Schöningh. 24 Photogr. mit VI, 
49 S. Text. M. 16,00. — 79) X H- '<'■ Bi^uiningk, D. Bildnis d. Ordensmeisters W. v. Klettenberg n. d. Frage über seine 
Herkunft : SBGGOstseeprov. 1892, S. 71/7. — 80) Monumente u. Standbilder Europas. 1.-2. Lfg. B., Wasmuth. 1891-92. Fol. 
ä 10 Lichtdr.-Taf. ä M. 10,00. — 81) K. E. 0. Fritsch: DBauZg. 1892, S. 26, 376-80, 391,5, 397,9, 409-12, 414/9, 472/5, 482/6, 
501/2, 507-20, 526-32, 601/4; Hossfeld: CBlBauverw. S. 206/7, 216; W. Lübke: NatZg. 1892, N. 234. — 82) H. Lutsch, 
Verzeichnis d. Kunstdenkm. d. Prov. Sohlesien. III: D. Kunstdenkm. d. Beg.-Bez. Liegnitz. In amtl. Anftr. bearb. Breslau, 
Korn. 1891. XVIII, 791 S. M. 7,60. |[HZ. 34, S. 153.J| — 83) Leipzig u. seine Bauten. Zur 10. Wtmdervers. dtsch. Archi- 
tekten- u. Ingenieurver. in Leipzig her. v. d. Vereinig. Leipziger Architekten u. Ingenieure. Mit 840 Abbild, u. Plänen. L., 
Qebhardt. XVI, 856 8. M. 30,00. - 84) P. Lehfeldt, Bau- n. Kunstdenkm. Thüringens. Heft 18. Amtsger.-Bez. Weimar. 



C. Gurlitt, Kunstgeschichte. 1892, 1893. I 11 : 85-98 

historiker werden dageg-en auch jene oft in der Form nicht geglückten, 
doch von einer gewissen Ursprünglichkeit zeugenden Arbeiten von Wert sein, welche 
in Thüringen früher als in anderen Landen eine Erstarkung des geistigen Lebens 
nach dem 30jährigen Kriege bekunden. — 

Bayern hat sich verhältnismässig spät entschlossen, das gemeinsame grosse 
Werk zu unterstützen. Das erste Heft erschien 1892, dem rasch eine grössere An- 
zahl weiterer folgte. Das Werk, bearbeitet von G. von Bezold und Riehl^^), 
teilt sich in einen Text, der in kurzen, aber treffsicheren Worten den Bestand an 
Denkmälern feststellt, und einen Atlas, in welchen die vorzüglichsten W^erke in Licht- 
druck und Heliogravüre dargestellt sind. Das bisher Erschienene bestätigt die öfter aus- 
gesprochene Vermutung, dass Bayern hinsichtlich der Kunst des 17. u. 18. Jh. noch 
die meisten Ueberraschungen bieten werde. Der Reichtum an Barockerzeugnissen 
ist erstaunlich, so dass man wohl auch im Norden anerkennen lernen wird, dass der 
stärkeren wissenschaftlichen Entwicklung dort die künstlerische hier im nationalen 
Geistesleben ein Gegengewicht hält. — Auch die Studien über Barock und Rokoko 
in Oberbayern von Riehl^^j bringen viel neues Material in diesem bisher arg ver- 
nachlässigten Gebiet und ergänzen die knappen Mitteilungen im Inventarisations- 
werke in höchst erwünschter Weise. — 

Aus Württemberg, dessen Kunstinventarisierung in den hervorragend be- 
währten Händen von Paulus^^) liegt, ist das baldige Fortschreiten des besonders 
grossartig angelegten Werkes zu erwarten. — 

Aus Baden liegt die Bearbeitung des Kreises Konstanz fertig vor. Unter 
der Leitung von Kraus^^) ist auch hier das gedeihliche Fortschreiten des Werkes 
verbürgt. Neu erschien Kreis Waldshut, in welchem namentlich das Kloster St. 
Blasien, eine der wichtigsten Bauten aus der Zeit des strengen Klassizismus des 
endenden 18. Jh., und dessen reiche Schätze hervortreten. Die besonders geschickte 
Anordnung des Stoffes, die treffliche Ausstattung, namentlich auch nach der zeichne- 
rischen Seite, muss hervorgehoben werden. — 

Die Invertarisation in Elsass-Lothringen, ebenfalls von Kraus^^) be- 
sorgt, liegt mit dem vierten Bande abgeschlossen vor. — 

Von der schönen Publikation S chäf er s^**) über das Grossherzogtum Hessen, 
erschien ein stattliches Heft über die Provinz Starkenburg (Kreis Erbach), in welchem 
auch die prächtigen Sammlungen in Schloss Erbach geschildert werden. Die stillen 
Thäler des Odenwaldes bieten überaschend viel Altes ; als bezeichnend darf hervor- 
gehoben werden, dass bei Beerfelden der — meines Wissens — letzte Galgen Deutsch- 
lands sich erhielt. Die künstlerischen Thaten des Hauses Erbach treten durch dies 
Werk in glänzender Art ans Licht, und zwar verteilen sie sich über die ganze, hier 
in Frage kommende Zeit, abgesehen davon dass sie z, B. in Michelstadt schon erheb- 
lich vor dieser einsetzen. — Auf die wichtigsten Gegenstände der Kunstinventarisation 
des Odenwaldes machte Schäferei) noch in gesonderter Behandlung aufmerksam. — 

Die Architekturstudien Kochs'-'''^) aus Frankfurt a. M. bilden eine brauch- 
bare Vorarbeit für diese Stadt, die bisher noch nicht zusammenfassend im antiqua- 
rischen Sinne behandelt wurde, will man von der doch immerhin summarischen 
Bearbeitung ihrer älteren Geschichte in dem Werke „Frankfurt und seine Bauten" 
absehen. — 

Die preussische Rheinprovinz, welche mit einem 1886 von Paul Lehfeldt 
herausgegebenen Bande „Regierungsbezirk Koblenz'' in der Inventarisierung einen 
Anfang gemacht hatte, hat in wesentlich besserer und namentlich auch illustrativ 
vortrefflich ausgestatteter Weise durch Giemen ^3) die Fortführung wieder aufnehmen 
lassen. Wenngleich die wichtigsten Denkmäler dort dem früheren Mittelalter an- 



Jena, G. Fischer. VI, X, 224 S.; 26 AbMld. M. 7,00. (Von 1891-93 10 Hefte.) — 85) G. v. Bezold n. B. Sie hl, D. Kunst- 
denkm. d. Königr. Bayern vom 11. bis z. Ende d. 18. Jh. Beschrieben u. unfgenommen im Auftr. d. Kgl. Staatsminist, für 
Kirchen- u. Schulangelegenheiten. 1. Bd. Reg.-Bez. Oberbayern. Heft 1. München, Albert. 1892. Fol. 48 S. ; 10 Taf. M. 10,00. 
IfC. Frey: DLZ. S. 210,2; Chr. Rnpprecht: MHL. 21, S. 179-81; AChrK. S. 23; Kellet er: KBIWZ. 12, S. 32,3; BUKnnst- 
gewerbe. 1892, S. 40.J| — 86) B. ß i e h 1 , Stndien über Barock n RokoVo : ZBayerKunstgewerbever. S. 1,9. - 87) E. P au 1 u s , D. Kunst- 
u. Altertumsdenkn]. im Königr. Württemberg. Im Auftr. d. Kgl. Minist, d. Kirchen- ti. Schulwesens bearb. 23.-34. Lfg. a) Atlas ; 
b) Inventar. St., Neff. 1892-93. 70 Taf. u. 9 Bll. Text; S. 305-432. ä M. 1,60. — 88) F. X. Kraus, D. Kunstdenkm. d. 
Grossherz. Baden. Beschreibende Statistik im Auftr. d. Grossherz. Minist, d. Justiz, d. Kultus u. Unterr. her. in Verbind, mit 
J. Durm u. E. Wagner. 3. Bd. Nebst Beil.: D. Kunstschatz v. St. Blasien. Freiburg, Mohr. 1892. 181 S. u. 1 Karte; 
12 Taf. M. 8,00. (Bd. 1-3: M. 30,00.) [[FreiburgerDiöcA. 23, S 365;8.]| — 89) id., Kunst u. Altertum in Elsass-Lothringen. 
Beschreibende Statistik im Auftr. d. K. Minist, für Elsass-Lothringen her. 4. Bd. Nachtrr. u. Heg. Strassbnrg i. E., Schmidt 
(Bull). 1889. III, 181 S. M. 5,00. (Bd. 1-4: M. 55,00.) — 90j G. Schäfer, Kunstdenkm. im Grossherz. Hessen. Inventari- 
sierung n. beschreibende Darstellung d. Werke d. Architektur, Plastik, Malerei u. d. Kunstgewerbes bis z. Schluss d. 18. Jh. 
IV. Prov. Starkenburg, Kreis Erbach. 116 Textillustr. u. 23 Taf. Darmstadt, Bergsträsser. 1891. 284 S. M. 12,00. (Bd. 1-4: M. 45,00.) 
|[Wanbald: HZ. 34, S. 334/9 ; CBlBauverwalt. 1892, S.31ö.]i — 91) id., Ueber d. Denkmäler d. bild. Kunst im hess. Odenwald: BFDH.8, 
S. 180-95. — 92) (14: 423.) — 93) D. Kunstdenkm. d. Rheinprov. Im Auftr. d.Provinzial Verbandes her. v.P. Giemen. L Bd.: I.Heft 
(Kempen), 2. Heft (Geldern), 3. Heft (Mors), 4. Heft (Kleve); II Bd.: 1. Heft (Kees), 2. Heft (Duisburg, Mülheim a.d. Ruhr u. ßuhrort). 
Dnsseidorf, Schwann. 1891-93. 4«. XIV, 137 S. mit 4 Taf. u. 59 Abbild.; U, 113 S. mit 6 Taf. u. 39 Abbild.; VI, 170 S. mit 8 Taf. n. 
67 Abbild.; VI, 180 S. mit 7 Taf. u. 85 Abbild.; VI, 159 S. mit 6 Taf. n. 75 Abbild.; VI, 85 S. mit 3 Taf. u. 28 Abbild. 



I 11:94-103 C. Gurlitt, Kunstgeschichte. 1892, 1893. 

gehören, so bietet doch namentlich der bürgerliche Wohnhausbau, der in erfreulicher 
Weise immer mehr Berücksichtigung" findet, neben der durch die Nähe der Nieder- 
lande beeinflussten Kunst der Zeit um 1500 (zumal für Wesel und Kleve) viele sehr 
bemerkenswerte Erscheinungen. — 

Auch die sehr langsam fortschreitende Bearbeitung Westfalens hat eine 
Aenderung erfahren. An die Stelle der wissenschaftlich sehr gründlichen Behandlung 
durch J. B. Nordhoff ist eine solche durch Ludorff und Schwieters^*) ge- 
treten. Es ist das neue Heft freilich vorzugsweise mit Abbildungen im Lichtdruck 
gefüllt, der Text tritt neben diesen völlig in den Hintergrund. Mir will scheinen, als sei 
man aus einem Extrem ins andere gefallen, und als werde Westfalen mit der vorliegenden 
Arbeit zu einem Abschluss noch nicht kommen können. Auch hier überwiegt das 
frühere Mittelalter über die späteren Kunstzeiten im Wert und in der Zahl der Denk- 
mäler. Doch zeigt das Heft, dass unter den reichen Grundbesitzern des Landes Sinn 
für höhere Lebensführung auch in späteren Zeiten sich erhielt. — 

Eine Verötfentlichung des Oldenburg er Altertumsvereins durch Sello^^) 
zeigt, dass auch in seinem Wirkungsgebiet die Frage der Inventarisierung seit langer 
Zeit angeregt ist, wenngleich bisher die Angelegenheit nicht in Fluss kam. — 

Von der po mm ersehen Inventarisation erschien, bearbeitet von Böttger^^j^ 
nur ein Heft (Kreis Schlawe), dessen Inhalt freilich nur in sehr bescheidenem Masse 
das hier zu behandelnde Gebiet betrifft, zumal da ausschliesslich die Baudenkmäler 
berücksichtigt wurden; von der westpreussischen der Kreis Strasburg^''), in welchem 
das 17. Jh. und die mit der katholischen Bewegung zusammenhängende Einführung 
eines italienischen Barock einzelne beachtenswerte Erscheinungen hervorbringt; die 
ostpreussische ist Bötticher^^) übertragen worden, welcher seine Befähigung zur 
Bewältigung der seinem bisherigen Arbeitsgebiete ferner liegenden Aufgabe sehr 
erfreulich kund gab. Ist diese auch im allgemeinen nicht allzureich an hervor- 
ragenden zu besprechenden Objekten, so bietet der ferne Osten doch kulturgeschichtlich 
sehr bemerkenswerte Beobachtungen, indem er gewissermassen eine Resonanz der im 
Westen sich abspielenden Wandlungen darstellt. — 

Die Provinz Sachsen, welche als eine der ersten mit der Bearbeitung ihrer 
Altertümer auf dem Plane erschienen war, hat unvermindert ihre wichtige Arbeit 
fortgesetzt. Es erschienen Hefte^^), die Oschersleben, Schweinitz, Delitzsch, Bitter- 
feld und den Mansfelder Gebirgskreis umfassen. Das System der Behandlung ist 
hier ein anderes, indem für jedes Heft ein besonderer Bearbeiter gesucht wird. Die dadurch 
entstehenden Ungleichheiten machen sich nicht immer glücklich geltend. Namentlich 
leiden einzelne Hefte unter dem Mangel an knapper Sachlichkeit, fast alle aber an 
zu grosser Sparsamkeit hinsichtlich der illustrativen Ausstattung, welche mehrfach 
Dilettantenhänden überlassen wurde. — 

Anhalts Kunstdenkmäler bearbeitet in illustrativ gut ausgestatteten Heften 
Büttner Pfänner zu Thali^^). Das ganze Werk über das kunstgeschichtlich 
interessante Ländchen wird in 10 Heften erscheinen. — 

Wesentlich die künstlerische Seite des Bauwesens berücksichtigt Uhde^*^^) 
in seinen beiden Heften „Braunschweigs Baudenkmäler". Malerische Einblicke 
in die mittelalterliche Stadt, in den Holzbau der Renaissance und in die Schlösser 
des 18. Jh. bilden den Hauptinhalt des Werkchens. In ähnlicher Weise erschien, von 
Fischer bearbeitet, eine Veröffentlichung über die Denkmäler im KreiseMünster, 
die Georg Fischer •'^^j besorgt hat. — 

Auf besondere Beachtung durfte von vornherein Borrmann^os^ rechnen, 

M. 3,50; M. 3,00; M. 5,00; M. 5,50; M. 6,00; M. 6,00. — 94) A. Ludorff, D. Bau- u. Kunstdenkm. v. Westfalen. Her. vom 
Provinzialverbande d. Prov. Westfalen. D. Kreis Lüdinghausen. Mit gesch. Einl. v. J. Seh wieters. Paderborn, Schöningh. 4". VI, 
113 S. mit 2 Karten u. 3!.2 Abbild. M. 5,60. (Forts, v. „D. Kunst- u. Geschichtsdenkm. d. Provinz Westfalen",) - 95) G. Sello, 
D. Denkmalsschutz im Herzogt. Oldenburg. (= Schriften d. OldenburgLVA. N. 7.) Oldenburg, Stalling. V, 90 S. M. 2,25. — 
96) D. Baudenkm. d. Prov. Pommern. Her. v. d. QPommG. ii. T. 3. Heft. D. Beg.-Bez. Köslin, bearb. v. Ludw. Böttger. 
Stettin, Saunier. 1892. XV, 148 S. mit Abbild. M. 6,00. |[M. Wehrmann: KwH, 7, S. 101/2.]| - 97) D. Bau- u. Kunst- 
denkm. d. Prov. Westpreussen, her. im Auftr. d. westpreuss. Prov.-Landtages. Heft 8. D. Kreis Strasburg. Danzig, Bertling. 
1891. 4». VHS. u. S 317-459 mit 116 Abbild, u. 11 Beill. M. 6,00. — 98) Ad. Bötticher, D.Bau- u. Kunstdenkm. d. Prov. Ost- 
preussen. Im Auftr. d. ostpreuss. Prov.-Landtiiges bearb. 1. Heft. D. Samland. 2. Heft. Natangen. 3. Heft. D. Oberland. 
Mit zahlreichen Abbild. Königsberg i. Pr., Teichert. 1892-94. IX, 143 S. mit 3 Lichtdr.-Taf. ; VII, 195 S. mit 5 Lichtdr.- 
Taf.; VII, 122 S. mit 1 Lichtdr.-Taf. ä M. 3,00. |[M. Perlbock: KwH. 7, S. 102,3, 645; H. Ehrenberg: AltprMschr. 30, 
8. 368-70; J. Kolberg: LRs. 19, S. 118-20.]| — 99) Beschreibende Darstellung d. älteren Bau- n. Kunstdenkm. d. Prov. 
Sachsen u. angrenz. Gebiete. Her. v. d. bist. Kommiss. d. Prov. Sachsen. 14. Heft: Oschersleben, bearb. v. Gust. Schmidt; 
15. Heft: Schweinitz, bearb. v. G. Schönermark; 16. Heft: Delitzsch, bearb. v Q. Schönermark; 17. Heft: Bitterfeld, 
bearb. v. G. Schönermark; 18. Heft: D. Mansfelder Gebirgskreis, bearb. v. H. Grössler, Ad. Brinkmann u. Gust. 
Sommer. Halle a. S., Hendel. 1891-93. VI, 243 S. mit Abbild.; V, 78 S. mit 45 Abbild.; 224 S. mit 129 Abbild.; V, 104 S. mit 
39 Abbild.; XII, LVI, 252 S. mit Abbild, u 1 färb. Karte. M. 10,00; M. 4,00; M. 6,00; M. 4,00; M. 7,00. - 100) F. Büttner 
Pfänner zu Thal, Anhalts Bau- n. Kunstdenkm. nebst Wüstungen Mit Illustr. in Heliogr., Lichtdr. u. Phototyp. 3. Heft. 
Dessau, Kahle. 4". S. 113-52 mit 5 Taf. M. 2,50. — 101) Braunschweigs Baudenkm. Her. vom Ver. v. Freunden d. Photogr. 
in Braunschweig. Nebst kurzen Erläuterungen v. Const. ühde. 2. Aufl. Brannschweig, Goeritz. 40 Lichtdr.-Taf. mit 15 S. 
Text. M 10,00. llCBlBauverw. S. 552.J| — 102) Georg Fischer, Kunstdenkm. u. Altertümer im Kreise Münden. 1. T. 
Stadt Münden u. Stadtgebiet. Münden (Augustin). 1892. 65 S. M. 1,25. — lOS) B- Borrmann, D. Bau- n. Kunstdenkm. 



C. Gurlitt, Kunstgeschichte. 1892, 1893. I 11 : i04-ii« 

welchem die Inventarisation der Denkmäler Berlins übertragen worden ist. Leider 
steht die sehr sparsame illustrative Ausstattung: keineswegs auf der Höhe berechtigter 
Wünsche. Dagegen hat die ruhige sachliche Stellung des Vf. innerhalb der viel- 
fachen, Berlins Kunstgeschichte betreffenden Streitfragen ihm allseitige Anerkennung 
eingetragen. — 

Die östlichen Nachbarländer Deutschlands gehören zu den kunstgeschichtlich 
noch wenig bekannten. Wenn gleich die Polen, Magyaren und Tschechen 
fleissig am Werk sind, ihre Kunstgeschichte auszubauen, so entziehen sich ihre Arbeiten 
doch durch die Sprache zumeist der internationalen Kritik. Um so dankenswerter 
ist es, wenn ein der fremden Sprache mächtiger Deutscher eine Sichtung des auf- 
gehäuften Materials unterninunt und es in eine der in die Wissenschaft eingeführten 
vier Hauptsprachen überträgt. Dies that Ehrenberg '^^-los) in seiner Geschichte 
der Kunst im Gebiete der Provinz Posen. Er that noch mehr, indem er sein 
Werk auf umfassenden eigenen archivalischen Forschungen aufbaute. Fehlt dem Vf. 
auch der Blick für die Stellung, welche die von ihm behandelten Künstler und Kunst- 
werke zu dem einnehmen, was sonst geleistet wurde, so hat man doch dafür überall 
den Eindruck,- dass man seinen historischen Ausführungen mit mehr Sicherheit sich 
anvertrauen darf, als es sonst bei der Litteratur über Polnisches der Fall war. Es 
zeigt sich aber auch, wie schwach in der Kunst der Grenzländer der slawische Ein- 
fluss auf die Gestaltung der Formen ist, und wie er sich fast nur in einer rascheren 
Hingabe an die Italiener äussert, als dies in deutschen Landen der Fall ist. — 

Unter den grössere Abschnitte der Kunst eines Landes zusammenfassenden 
Werken nehmen zweifellos die historischen Charakterbilder aus est erreich von 
Ilgioej einen besonderen Rang ein. Sie bieten zum ersten Mal eine geschlossene 
Darstellung der Hauptepochen österreichischer Kunstblüte. I., dessen Thätigkeit in 
Deutschland zweifellos viel zu wenig gewürdigt wird, offenbart da als Forscher 
wie als Dirigent seine grossen Vorzüge. In das hier zu besprechende Gebiet gehört 
zwar nur ein Teil des Werkes, die Abschnitte von Neuwirth über spätes Mittel- 
alter, von Heinr. Zimmermann über Renaissance, von I. selbst über Barocke und 
Rokoko (namentlich letzteres ein bisher ganz brach liegendes Gebiet). Aber es sei doch 
auch hier daraufhingewiesen, dass eine bessere Erkenntnis des Wertes der süddeutschen 
Kunst des 17. und 18. Jh. berufen ist, der Kulturgeschichte dieses Zeitalters den 
einseitig litterarischen Geschmack zu nehmen, welchen sie heute noch als Erbteil der 
unbedingten Vorherrschaft der Wissenschaft in der Aufklärungsperiode besitzt. — Aus 
den Kronländern Oesterreichs sind eine Reihe von Veröffentlichmigen hervorgegang'en. 
Die Kunstschätze Tirols i*^'') sind in einer durch künstlerisch hervorragende Illu- 
strierung bemerkenswerten Publikation dem Studium zugänglich gemacht worden. 

— Die Beziehungen von Oberschwaben zu Tirol fuhren Probst ^'^*^) und Beck**^^) 
nachzuweisen fort; über die Malereien am Dom zu Brixen machte H. Semper*''^"*^') 
Mitteilungen, der auch eine üebersicht über die Kunstgeschichte Tirols zusammen- 
stellte, eine wertvolle Vorarbeit für eine spätere umfassende Darstellung des für den 
Austausch der Ideen Italiens und Deutschlands hervorragend wichtigen Landes. — 
Das Innsbrucker Museum (Ferdinandeum) erweist sich als ein Mittelpunkt der ver- 
schiedenen Bestrebungen für die Erforschung des Landes, die es durch ihre Zeit- 
schrift unterstützt i'^j. — Aus Böhmen, wo Neuwirth die Behandlung der älteren 
Kunstgeschichte soweit fortgeführt hat, dass er nunmehr in das in diesen Berichten 
zu behandelnde Gebiet eintritt, liegt dem Bearbeiter nur wenig vor : Eine Arbeit über 
die Prager Georgskirche, ein Bericht über die Denkmale Nordböhmens von 
R. Müller '13^. — In kurzen Zügen gab Graus i**) eine Üebersicht der Kirchen der 
steirischen Diöcese Sekkau und mit dieser eine gute Vorarbeit für die Bearbeitung 
einer Inventarisation eingehenderer Art. — Wastler ns-nej setzt auch in diesem Jahre 

T. Berlin. Im Anftr. d. Magistrats d. Stadt bearb. Mit e. gesch. Elnleit. v. P. Clanswitz. B., Springer. 1892. 4*. XII, 
436 S. mit 28 Lichtdr.-Taf., zahlreichen Abbild, u. 3 Plänen. M. 30,00. |[Fr. Sarre: PBPG. 6, S. 293-300; LCBl. S. 1055/6; 
P. Seidel: CBlBauverw. S. 117 8.J1 — 104) H. Bhrenberg, Urk. u. Aktenstäcke z. Gesch. d. in d. heutigen Prov. Posen 
vereinigten ehemal. poln. Landesteile. Im Anftr. d. ProTinzialanssch. d. Prov. Posen in ital. Arch. n. Bibl. vornehml. d. 
Vatikanischen Arch. ges. u. her. L., Veit & Co. LIX, 700 S. M. 20,00. — 105) id., Gesch. d. Knnst im Gebiete d. Prov. 
Posen. (Ans ZBaiiwesen.) B., Ernst & Sohn. VIU, 204 S. M. 8,00. — 106) A. Ilg, Kunstgesch Charakterbilder aus Oesterr.- 
Ung. Unter Mitw. von M. Hoernes, R. Bitter v. Schneider, J. Strzygowski, J. Neuwirth, Heinr. Zimmer- 
mann, A. Nossig her. Mit 102 Originalzeichn. (2 Badier., 3 Heliograv. u. 97 Textabbild.) L., Freytag. 1892. XIV, 406 S. 
M. 12,90. |[A. Schnerich: ÖLBl. 2, S. 558-60; Kunstchr. 4, S. 1145; C. Frey: DLZ. S. 12659; A. Horcicka: MVGDBB. 31, 
S. 489; A. Schlossar: BLÜ. S. 292;4.]| — 107) Knnstschätze ans Tirol. 3. Abt. Malerei u. Plastik. Heliogr. nach photogr. 
Aufnahmen v. Otto Schmidt mit erläut. Text v. J. W. Deininger. 1.-3. Lfg. Wien, SchroU & Co. Fol. Je 10 Taf. u. 1 Bl. 
Text, ä M. 13,50. — 108) F. Probst, Beziehungen zwischen Oberschwaben n. Tirol auf d. Gebiete d. Kunst: AChrK. S. 45:6. 

— 109) Paul Beck, Weitere Beziehungen zwischen Oberschwaben n. Tirol: ib. S. 93 6. — HO) H. Sem per, D. Wand- n. 
Deckengemälde in d. Kreuzgange in Brixen n. ihre Restaurierung: ÖÜR. 15, S. 126-38. — 111) id., üebersicht e. Kunstgesch. 
Tirols: DB. 1, S. 262-70; 2, S. 127-36. - 112) X Kleine Beitrr. z. Gesch. Tirols: (= Z Ferdinandeum 35, S. 523-69.) Mit 3 Taf. 
Innsbruck, Wagner. M. 1,00. (Sonderabdr.) — 113) R. Mn.ller, Kunst- n. Bandenkm. Nordböhmens: MNordböhmExcnrsClub. 15, 
S. 67-72. — 114) J. Grans, Uebersichtl. Schau auf d. Kirchen d. Diöcese Sekkan. Graz, Styria. 16 S. M. 0,40. — 115) J 
Wastler, Nachrichten über Gegenstände d. bild. KSnste in Steiermark: JIHVSteiermark. 40, S. 273-87. — 116) id., D. Ord- 



111: 117-144 C. Gurlitt, Kunstgeschichte. 1892, 1893. 

die „Nachrichten über Gegenstände der bildenden Künste in Steiermark" fort, indem 
er archivalische Mitteilungen über Kloster Neuberg, die Maler C. Pamstl und D. 
Kammacher bringt, Ansichten der Stadt Graz von 1480 und 1565 bespricht und die 
Ordnung der Maler von 1633 veröffentlicht. — 

Es erschien noch eine Reihe lokaler Einzelheiten. Die weltgeschichtliche 
Schlosskirche zu Wittenberg erfuhr einen Umbau, zu welchem Fr itsch "'') einen auch 
für die Geschichte der ursprünglichen Anlage bemerkenswerten Aufsatz schrieb. — Ein 
vom Restaurator Adler"^) gehaltener Vortrag gab hierzu die nötigen Unterlagen. — 
Weitere Nachrichten, namentlich jene ortsgeschichtlicher Herkunft, trug Hugo 
Wagner •1'') zusammen, ohne dass es ihm gelungen sei, aus diesen eine für die 
Kunstgelehrten brauchbare Geschichte des Baues zusammenzustellen. — In anderer 
Weise behandelte Kost lin '^Oj diesen Bau, indem er dessen Bedeutung für die Religions- 
geschichte hervorhob, jedoch wieder ohne dabei zu den Nachrichten über Bau und 
Ausschmückung eine nennenswerte Bereicherung zu bringen. i2i-i23j — 

Zur Kunstgeschichte westfälischer und rheinländischer Städte er- 
schienen mehrere Sonderuntersuchungen. So über den Lettner im Dom zu Münster, 
der in der Zeit kurz vor dem Wiedertäuferischen Aufstand in den Formen eines 
reizvollen Uebergangsstiles zur Renaissance errichtet und 1871 abgebrochen wurde. 
Ueber ihn giebt Effmann*^^) einen eingehenden, mit Abbildungen erläuterten Auf- 
satz, in welchem er den Abbruch zwar nicht verteidigt, doch rechtfertigt, und zwar 
deshalb, weil die Trennung von Klerus und Geistlichkeit jetzt nicht mehr in so 
starker Weise betont werden dürfe: ein interessanter Vorgang, der über die litur- 
gische Bedeutung des Lettners Aufklärungen giebt. — Als Sonderarbeit über 
einen Kirchenbau ist Richters ^^sj Festschrift über die Jesuitenkirche in Pader- 
born hervorzuheben. Es handelt sich um einen Bau aus der Zeit von 1682 — 92, der 
teilweise in gotischen Formen ausgeführt wurde, ähnlich den Jesuitenkirchen zu 
Köln, Düsseldorf usw., mithin um eine Kunsterscheinung, welche das Bild des 
„Jesuitenstiles" erheblich umzuwandeln berufen ist, das Gurlitt in seiner Geschichte 
des Barockstiles gab. — Gleicher Richtung ist die Maria Himmelfahrtkirche zu Köln, 
deren Baugeschichte Beissel^^e-) schrieb, indem er zugleich Aufschlüsse über das 
Wesen der Jesuitenbauten der Gegenreformation erteilt.*-'"'-^*') — 

Besonders reich ist die kunstgeschichtliche Speciallitteratur Schwabens. 
Der stattlichen Publikation Leybolds ••*') über das Rathaus zu Augsburg gab Buff, 
der Archivar der Stadt, einen kurzen, aber wertvollen Text bei. — Die Kunstge- 
schichte des Allgäu machte Schiller '^^^ zum Gegenstand einer eingehenderen Be- 
trachtung, i^^^^i^oj _ 

Zur Geschichte des Elsass ist die eingehende Untersuchung von Wincke 1- 
mann''*!) über den Erbauer des Strassburger Rathauses hervorzuheben, wobei wahr- 
scheinlich gemacht ist, dass Schoch und A. Müller die entwerfenden Meister sind, von 
Specklin dagegen „mit ziemlicher Sicherheit" abgesehen wird, — eine Ansicht, der 
sich auch J anitsclieki*^) zuneigt. — 

In Bayern bereitet Trautmann'43-i44-) gjj^g sorgfältige, auf die reichen Archi- 
valien des Landes gestützte Publikation vor. Was inzwischen von ihm an Arbeiten 
erschien, lässt eine endgültige Behandlung des wichtigen Gebietes erhoffen. Es 

nnng d. v. Peter de Porais gegränd. Maler-Konfraternität in Graz: BKSteiermGQ. 23, S.10-21. — 117) K. E. Fritsch, D. Schloss- 
kirche zn Wittenberg: DBauZg. S. i;2, 213. - US) F. Adler, Ueber d. Schlosskirche zu Wittenberg. Vortr.: ib. 1892, 
S. 117. (Referat.) — 119) Hugo Wagner, D. Schlosskirche zu Wittenberg in Vergangenheit n. Gegenwart. Wittenberg, 
Wnnschmann. 1892. 49 S. mit 1 Lichtdr. M. 0,75. (Vgl. JBL. 1892 II 6:6.3.) — 120) J. Köstlin, Friedrich d. Weise n. d. 
Schlosskirche zu Wittenberg. Wittenberg, Herrosfi. 1892. 4». 111 S. M. 2,50. (Vgl. JBL. 1892 II Ö : 60.) — 121) X Th. 
Distel, Z. Gesch. d. Moritz-Monuments u. seiner Instandhaltung 1571 : MFreibergAV. 30, S. 105. — 122) H. Ger lach, Freiberger 
Bauchronik: ib. 29, S. 65-72. — 123) X Joh. Richter, Schloss Offenbach: ZBK. 4, S. 217-25. — 124) W. Effmann, D. 
ehemalige Lettner (Apostelgang I im Dome zu Manster. (=1 4:404, S. 110-28.) — 125) (I 4:526a.) — 126) St. Beissel, D. 
Kirche „Maria Himmelfahrt" zu Köln u. ihr sogenannter „Jesuitenstil": ChrK. 5, S. 47-54. — 127) X Cr. Müller-Grote, D. 
Malereien d. Huldignngssales im Rathause za Goslar. B., Grote. IV, 112 S. mit Textbild. u. Lichtdr.-Taf. M. 6,00. jfLCBl. 
S. 1357.] I — 128) X F- E. Koch, E. Frnhrenaissance-Giebel in Güstrow: JbbVMecklG. 58, S. 97-100 — 129 X P- Hasse, 
Bildl. Darstellungen aus Lübecks ältester Gesch.: MVLübG. S. 82-94. — 130) X A. Benda, Wie d. Lübecker d. Tod gebildet: 
ZVLübG. 0, S. 563-90. — 131) L. Leybold, D. Rathaus d. Stadt Augsburg erbaut 1615-20 von Elias Holl. Mit kurzem bist. 
Text V. A. Buff. 2. Anfl. B., Hessling & Spielmeyer, Fol. 93 Taf. u. 5 S, Text. M. 64,00. — 132) H. Schiller, Gesch. 
d. Allgäuer Kunst: AllgänerGFr. 6, S. 1,8, 17-22, 49-56, 65-70, 81,6, 97-104, 121-41. - 133) X P"«! Beck, Oberschwäb. 
Künstler früherer Zeit: AChrK. S. 85/7. — 134) X F- Probst, Uebersicht über d. Künstler u. Kunstwerke Oberschwabens v. 
1550 bis z. 7j. Kriegr. (Schluss): ib. S. 18-20, 25/8. — 135) X Th. Schöne, Beitrr. z Gesch. d. Württemberg. Baumeister u. 
Bildhauer: ib. S. 10,1. — 136) X A. Klemm, Neues über dtsch. Baumeister n. Bildhauer aus älterer Zeit: Alemannia 19, 
S. 177-83. (Süddtsch. Architekten d. Gotik.) - 137) X Karl Schäfer, Werkmeister d. Stadt u. d. Münsters zu Freiburg i. B. 
aus d. Renaissance: ib. 21, S. 291/4. — 138) X D- Bnrckhardt, E. Ansicht Basels ans d. J. 1572: BaslerJb. S. 260/2. — 
139) XJ- Stammler, D. St. Antonius-Kirche in Bern: KathSchwBll. 9, S. 42-62. — 140) X^. Hottinger, H. Zeller- 
Werdmüller u. J. R. Rahn, Heinr. Bullingers Beschreibung d. Klosters Kappel u. sein heut. Zustand. (= MAntiqnVZürich. 
Bd. 33, Heft 4.) L., Hiersemann. 1892. 4». 40 S. mit 1 Plan, 1 Farbendr.-Taf. u. 7 Holzsohn. M. 2,40. |[P. V(etter): 
SchwRs. 3, S. 343/4.]| — 141) 0. Winckelmann, d. Erbauer d. Strassburger Rathauses: StrassbPost. N. 302/3, 303. — 142) 
H. Janitschek, D. Specklin: ADB. 35, S. 82/4. — 143) [0. Aufleger], Münchener Architektur d. 18. Jh. Mit gesch. Einl. 
V. K. Trautraann. (= Süddtsch. Architektur u. Ornamentik im 18. Jh. Bd. 3-4.) München, Werner. 1891. Fol. 8 S. u. 20 Lichtdr.- 
Taf, ä M. 15,00. — 144) [id.], D. reichen Zimmer d. KgL Residenz in München. Mit gesoh. Einl. t. £. Trantmanu (ebda. 



0. Gurlitt, Kunstgeschichte. 1892, 1893. I 11 : 145-102 

offenbart sich im 17. und 18. Jh. ein ebenso reges künstlerisches Leben in Bayern wie 
in Oesterreich, so dass auch von dorther eine Umstimmung- in der Würdig-ung" der 
geistigen Mächte Süddeutschlands zu jenen Zeiten in ihrem Verhältnis zum Norden 
unzweifelhaft ausgehen wird.^*^) — In gleich wissenschaftlichem Geiste arbeitet 
Hager'^^), der sich das oberbayerische Kloster Steingaden zum Gegenstand wählte, 
wie sich denn in Bayern das lebhafte Bestreben zeigt, die noch weiteren Lücken ört- 
licher Kunstgeschichte'*'') zum Ruhme des kunstreichen Landes auszufüllen. — Dasselbe 
ist auch in Franken der Fall, wo Nürnberg immer wieder die hauptsächliche Auf- 
merksamkeit auf sich lenkt. **^'*^') — Rein künstlerische Absichten verfolgte der Bild- 
hauer Otto Lessing'^2j j^it seiner Lichtdruck-Publikation über ein nur wenig bekanntes 
Meisterwerk des Rokoko, das Hohenzollernschloss Ansbach. — Ein bedeutendes 
Gebiet, aus dem es noch sehr an genaueren Nachrichten fehlt, das dafür aber noch 
erfreuliche Ueberraschungen zu bieten verspricht, nämlich das spätere Kunstleben 
an den fränkischen geistlichen Höfen, hat Stamminger ^^^) zu bearbeiten be- 
gonnen, i^^-i 56) __ 

Was die Geschichte der Architektur angeht, so liegt die Kunstgeschichte 
der Gotik im wesentlichen der Besprechung in diesen Blättern fern. Doch mag kurz 
auf Carstanjens'^") Buch über Ulrich von Ensingen hingewiesen sein, weil dieser 
dicht an der Grenze zu einer neuen Zeit, zur formalen Befreiung der Gotik von der 
Vorherrschaft des Zirkels steht. — Zur Geschichte der socialen Stellung der Bau- 
meister zu Anfang des 16. Jh. und früher brachte Gurlitt 1^^) einen Beitrag, der 
ebenfalls in diesen Zeitabschnitt hineinfällt. — Für eine spätere Zeit, zweite Hälfte 
des 16. Jh., bespricht Weech'^^) die Höhe der Arbeitslöhne. — Das für die 
Architekturgeschichte wichtigste Werk der hier in Betracht kommenden Jahre ist 
zweifellos die von der Vereinigung Berliner Architekten herausgegebene und von 
Fritsch^ßO) geschriebene Geschichte des Kirchenbaues des Protestantismus. Der Be- 
arbeiter dieses Berichtes darf sich wohl des Umstandes rühmen, dass er in seiner 
Geschichte des Barockstiles zuerst darauf hinwies, dass es einen besonderen pro- 
testantischen Kirchenbau gäbe, der sich aus der für die Liturgie g'eeigneten Grundriss- 
bildung aufbaut. Das, was ich dort gab, hat F. in umfassendster Weise verbessert, 
ausgebaut imd bis auf den heutigen Tag fortgeführt. Wer das 16., 17. und 18. Jh. 
und dessen Geistesströmungen in protestantischen Landen verstehen will, wird an 
dem mit übersichtlich geordneten und mit einer ausserordentlich grossen Zahl 
von durchweg neuen Abbildungen versehenen Werk nicht achtlos vorüber gehen 
können, vielmehr erkennnen, dass hier eine Kraft der Kunstäusserung aufgedeckt 
wurde, die allein mit der Stellung Bachs in der Musikwelt verglichen werden kann. 
F. hat seine Aufgabe nur in der Darstellung seines Gebietes vom fachmännisch 
architektonischen Standpunkt gesucht. Es ist kein Zweifel, dass abgesehen von der 
theologischen nun auch von der allgemein kulturgeschichtlichen Seite der neueröffneten 
Quelle nachgegraben werden muss, namentlich, dass es an den Theologen ist, dem Gedanken, 
das Kirchengebäude aus den Anforderungen der Liturgie zu beurteilen, den Unter- 
grund durch eine Geschichte eben dieser Liturgie zu geben. — Wie das zu ge- 
schehen habe, zeigt in mustergültiger Weise Riet seh els'^') Untersuchung über die 
Aufgabe der Orgel im Gottesdienste. — Andererseits beschenkte uns Sponsel'^^) 
mit einer vortrefflichen Darstellung eines protestantischen Kirchenbaues allerersten 
Ranges, indem er die Geschichte der Dresdener Frauenkirche aktenmässig darstellte. 
— Zur Vorbereitung für Studien über das Wohnhaus und besonders über das 



Bd. 7-8). Fol. 12 S. u. 60 Lichtdr.-Taf. M. 60,00. — 145) X Chrn. Haentle, D. färstl. Wohnsitze d. Witteisbacher in 
München. I. D. Residenz. Zeichnungen v. P. Halm. (= Bayer. Bibl. Her. v. K. v. Beinhardstoettner u. K. Traut- 
mann. 27. Bd) Bamberg, Buchner. 1892. VI, 124 S. M. 1,40. — 146) G. Hager, D. Bau- u. Kunstdenkm d. Klosters 
Steingaden: OberbuyerA. 48, S. 124-78. — 147) M. Birkler, D. Kirchen in Obermarchtal. E. Jubil.-Ausg. z. 200 j. Bestände 
d. ehemal. Praemonstratenser- u. jetzigen Schloss- u. Pfarrkirche. St., Roth. 59 S. mit 5 Ulustr. M. 0,80. — 148) X E. Wer- 
nicke, Z. Nürnberger Kunstgesch.: MVGNürnberg. 10, S. 52-68. — 149) E. Mummenhoffs Beitrr. z. Gesch. d. „freien Hand- 
werks" d. Maler: ib. S. 271/8. — 150) X M. Pfister, D. Dom zu Bamberg vor seiner Restauration (1828-37). (= 55. BHYBambg. 
4 S. mit Grnndriss.) — 151) E. Mummenhoff, D. Rathaus in Nürnberg. Mit Abbild, nach alten Orig., Massaufnahraen etc., 
sowie nach A. v. Essenweins Entwürfen v. H. Wall raff. Im Auftr. u. mit Unterstütz, d. Stadt Nürnberg her. v. VGNürn- 
berg. Nürnberg, Schräg. 1892. XIV, 365 S. M. 25,0 I. |[G. v. Bezold: CBlBanverw. S. 57-63.]| - 152) Otto Lessing, 
Schloss Ansbach in Bayern. Barock- u. Rokoko-Dekorationen ans d. 18. Jh. In 10 Lfgn. B., Schnltz-Engelhard. 1892-93. 
Fol. Je 10 Taf. ä M. 10,00. — 153) J. B Stamminger. Würzburgs Kurstieben im 18. Jh.: AHVUnterfranken, 35, S. 209-55. 
— 154) X F. V. Keussler, Aus d. Baltischen Kunstgesch.: BaltMschr. 40, S. 664-72. — 155) A. Matthaei, Bangesch. 
Wanderungen durch Giessens Umgebung: MOberhessGY. 4, S. 1448. (3 Vortrr., Ausz.) — 156) XJ-H^H^y' D. monumen- 
tale Trier: LHandw. 32, S. 89-97. — 157) F. Carstanjen, Ulrich v. Ensingen. E. Beitr. z. Gesch. d. Gotik in Deutschland. 
München, Ackermann. XIV, 137 S. mit 17 Fig. u. 13 Taf. M. 6,00. |[A. Schulte: ZGORh. 8, S 527,3.]| —158) C. Gurlitt, 
Erfurter Hüttenordnungen d. 15. u. 16. Jh.: RepKunstw. 15, S. 332-52. — 159) F. y. Weech, Arbeitslöhne beim Schlossbau in 
Durlach (1563 65): ZGORh. 8, S. 519-21. — 160) [K E 0. Fritsch,J D. Kirchenbau d. Protestantismus v d. Reformation bis 
z. Gegenw. Her. v. d. Vereinigung Berliner Architekten. Mit 1041 Grundrissen, Durchschnitten u. Ansichten. B., Toeche. 
VII, 559 S. M. 30,00. |[DBauZg S. 549, 561, 573, 581.]| — 161) G. Rietschel, D. Aufgabe d. Orgel im Gottesdienst bis in 
d. 18. Jh. gesch. dargest. Progr. L., Edelmann. 1892. 78 S. — 162) J. L. S p o n s e 1 , D. Frauenkirche zu Dresden. Gesch. ihrer 
Entstehung y. G. Bährs frühesten Entwürfen an bis z. Vollendung nach d. Tode d. Erbauers. Dresden, Baensch. Fol. VI u. 
Jahresberichte für neuere deutsche Litteraturgeschichte. IV. 20 



I 11 : 163-172 C. Gurlitt, KunstgescMchte. 1892, 1893. 

Bauernhaus ist Essen weins '^^^ sachkundige Arbeit über den älteren Wohnbau zu em- 
pfehlen, welche freilich mit der Spätgotik abschliesst. Dies Buch eröffnet die 
Reihe der Untersuchungen, welche auf eine im Verband Berliner Architekten ge- 
gebene Anreg'ung'^*) die deutschen Architekten den Urformen des Hauses zu widmen 
begannen. Diese hoffen nämlich der Erkenntnis der Stammeseigentümlichkeiten im 
Wohnbau auf dem Wege gründlicher Untersuchung der Einzelheiten, der anfänglichen 
Bauformen, der ortsüblichen Bezeichnungen, der Schmuckglieder wie der Grundriss- 
gestaltungen, der Entwicklungsgeschichte des Hauses mehr gerecht werden zu können, als 
es bisher auf philologisch-anthropologischem Wege möglich war. — Dem Wohnhaus- 
bau allein, und zwar vorzugsweise der Betrachtung der typischen Formen des Auf- 
risses nach historischen Gesichtspunkten sind einige neue Werke gewidmet, welche 
die älteren von Gladbach (Schweizerbauten), Kuno und Schäfer (Deutsche Bauten), Bickell 
(Hessische Bauten) zu ergänzen bestimmt sind. Sehr anregend ist jenes von Fritze *^^) 
über althennebergische Holzbauten, welche berufen scheinen, dem unschönen unechten 
„Schweizerstil" endlich einmal den Garaus zu machen. — Eine im gleichen Sinne ge- 
haltene anregende Broschüre lieferte Grüner i^^), worin er den sächsischen Archi- 
tekten die ländliche Bauweise ihrer Heimat vorbildlich vorführt gegenüber den städtischen 
Bauten im Hausknechtstil, welche jetzt die Dörfer füllen. — Die Uebertragung 
des niedersächsischen Haustypus auf städtische Verhältnisse erklärt Pfeifer'^'') 
in einem sehr belehrenden Aufsatz über Braunschweiger Verhältnisse, welcher 
namentlich durch den vorherrschenden geschichtlichen Sinn sich auszeichnet. — In 
ähnlicher Absicht wies Schlotke^^^) in einem gut illustrierten Aufsatz auf die 
Kunstleistungen der hamburgischen Vierlande hin. — Die künstlerisch architektonische 
Seite der Betrachtung tritt stärker in einer Anzahl von Aufsätzen hervor, welche die 
Blätter für Architektur und Kunsthandwerk in ihrem 5. Jahrgange brachten, so 
jene über Bauten in Lüneburg, Nürnberg (von P. Ree), Breslau (H. Lutsch), Heidel- 
berg, Hildesheim, Berlin (R. Borrmann), Potsdam (P. Walle). Eine bemerkenswerte 
Studie über Duderstadt von Engelhard ^^''*) sei hier noch besonders erwähnt. — 
Wir kommen zur Malerei der Renaissance. Das Hauptergebnis in 
der Dürerforschung bildete neben der Fortführung der grossen Sammlung von 
Reproduktionen der Handzeichnungen des Meisters durch Lipp mann ^'O) die Lebens- 
beschreibung des Mannes von Springer^'''), welche Jaro Springer nach dem 
Tode seines Vaters herausgab. Sp. hatte die Absicht, dem Werke „kritische An- 
hänge" beizugeben, zu deren Drucklegung jedoch sich in seinem Nachlass nicht die 
genügenden Aufzeichnungen fanden. Seine Gesamtauffassung der künstlerischen 
Stellung des Meisters entspricht noch im wesentlichen jener Thausings. Die Forschungen 
von Charles Ephrussi und Max Lehrs über die Stellung Dürers zu den Italienern 
und zu dem Kupferstecher Meister W., jene Thodes über die Nürnberger Malerschule 
und über das Verhältnis des Meisters zu den Niedeiiändern haben nur in geringem 
Masse Einfluss auf ihn ausgeübt, ohne dass wir von den Gründen unterrichtet 
wurden, welche diese Ablehnung herbeiführten. Dem berühmten Lehrer der Kunst- 
geschichte ist dafür zu danken, dass er vor allem suchte, ein lesbares Buch zu 
schreiben, ein Werk, das den Meister seinen Verehrern erklärt und nahe bringt. 
Auf das Eindringen in das Wiesen Dürerscher Kunst ist denn auch das Hauptgewicht 
gelegt und somit eine höchst erfreuliche Knappheit der Darstellung erreicht. Freilich 
ist auch dieses Buch deutscher Gelehrsamkeit noch weit davon entfernt, dem Leser 
wirklichen Genuss zu bereiten; dazu nimmt auch jetzt noch der kunstwissenschaft- 
liche Apparat zu grossen Raum ein; Sp. geht zu sehr auf objektives Abwägen 
statt auf subjektives Würdigen aus. Wer das Buch las, weiss viel über Dürer, aber 
es ist fraglich, ob er sich über dessen Kunstart klarer geworden wäre, fehlten die 
vortrefflichen Abbildungen. Es will mir sogar scheinen, als habe in diesem letzten 
Werke Sp.s die Kraft des Erfassens der Persönlichkeit eher nachgelassen, als sich 
gegen früher gesteigert. Das Gewicht wurde auf die Geschichte der geistigen Ent- 
wicklung des Meisters gelegt. — Und gerade die für sie so wichtige Jugendzeit 
wurde durch ein anderes, die Sachlage erheblich verschiebendes Werk berührt, 
welches Springer nicht mehr benutzen konnte, durch Burckhardts^''^) reich ausge- 

122 S. mit 40 Abbild, anf 25 Lichtdr.-Taf. M. 30,00. — 163) A. v. Essenwein, D. roman. u, got. Banlcunst. 2. Heft: D. Wohnban. 
(= Handbuch der Architektur. 2; T. 4. Bd.) Darmstadt, Bergstraesser. 1892. VI, 240 S. mit 28 Abbild, n. 15 Taf. M. 16,00. 

- 164) DBauZg. 1891, S. 511; CBlBauverw. S. 402. — 165) Fritze, Fränlc.-thüring. (althenneberg.) Holzbauten aus alter u. neuer 
Zeit. Meiningen u. L., Junghanss & Koritzer. 4". 45 Lichtdr.-Taf. mit H, 21 S.Text. M. 15,00. - 166) 0. Grüner, Beitrr. 
z. Erforschung Volkstum). Bauweise im Königr. Sachsen u. in Nordböhraen. Mit 58 Abbild, nach Orig.-Zeichn d. Vf. L., Felix. 
51 S. M. 1,40. - 167) H. Pfeifer. D. Holzarchitektur d. Stadt Braunschweig. Mit 9 Taf.: ZBauwesen. 42, S. 13-23, 457-70. 

— 168) C. Schlotte, Aus d. Vierlanden. (= Schriften d. bayer. Kunstgewerbever. S. 34;7.) — 169) R. Engelhard, Duder- 
stadt: ZBK. 3, S. 169-77. — 170) F. Lippmann, Dürers Zeichnungen. In Nachbild, her. 3. Bd. (XXIIL-XXV. Abt.) B., Grote. 
Fol. 126 Taf. mit V, 26 S. Text. M. 250,00. — 171) A. Springer, A. Dürer. Mit Taf. u. Ulustr. im Text. (Her. v. Jaro 
Springer.) ib. 1892. 184 S. M. 12,50. |[H. Janitschek: Nation". 9, S. 206-10; id.: LCBl. S. 56,8; K. Domanik: 
ÖLBl. 1, S, 18-22; ZChrK. 6, S. 359; F. Fuhse: MVGNürnberg. 10, S. 285/9; NatZg. N. 263; PrJbb. 71, S. 529-37; WIDM. 72, 
8. 860/1; N<6S. 60, 8. 413,6; L. Kaufmann: ZBK. 3, S. 156/7.] | — 172) D. Burokhardt, A. Dürers Aufenthalt in Basel 



C. Gurlitt, Kunstgeschichte. 1892, 1893. I 11 -. 173-I88 

stattete Publikation: Albrecht Dürers Aufenthalt in Basel 1492—94. Ausgehend von 
dem F^unde eines von Dürer eig-enhändig* mit seinem Namen beschriebenen Holz- 
stockes, weist B. in klarer und gelehrter Abhandlung nach, dass der Meister, nach- 
dem er Kolmar im Spätsommer 1492 auf seiner Wanderschaft verlassen, nicht nach 
Italien gegangen, sondern in Basel für den Holzschnitt gezeichnet habe, und zwar 
für den Verleger Amerbach. Sämtliche Holzstöcke, von denen nur ein Teil (ziemlich 
roh) geschnitten wurde, mit ihren Originalzeichnungen erhielten sich in der öffent- 
lichen Kunstsammlung in Basel. Dadurch that sich der Dürerforschung eine 
neue Richtung auf, wie denn schon B. selbst die Abbildungen mehrerer Holzschnitt- 
werke (z. B. das Buch des Ritters vom Thurn, Basel 1493) gleichfalls als nach 
Dürerschen Zeichnungen gefertigt bezeichnet hat. — Ein drittes Werk führt die 
schriftlichen Werke des grossen Malers zum ersten Mal vollständig und mit 
kritischen Erläutern ng-en vor. Es ist in dieser sorgfältigen und wohlgeordneten 
Arbeit, im Gegensatz zu Thausings und Convays älteren Ausgaben, welche nur das 
geschriebene Material berücksichtigten, Dürers ganzer Nachlass, auch das bereits unter 
seinen Augen gedruckte durch Lange und Fuhse^'^) vereint worden, so dass 
die Forschung nun bequem dem Gedankengange des grossen Mannes nachschreiten 
kann. Wer sich einigermassen über die Unebenheiten des Stiles im 16. Jh. hinweg- 
setzen kann, der wird Dürer aus diesem Buche besser kennen lernen als aus 
allen Lebensbeschreibungen, den Menschen sowohl wie den Künstler. Die Grösse 
der Anschauung und der gewaltige Ernst des Mannes machen Teile seiner Briefe, 
Tagebücher und ästhetischen Darlegungen zu den herrlichsten Erzeugnissen des 
deutschen Schrifttums. Deutscher ist nie geschrieben worden als von ihm. — 
Die Herausgabe des Holzschuherschen Bildnisses in Farbendruck gab die äussere 
Veranlassung, dass Eye^''^) sich nochmals über Dürer, dessen Leben zu beschreiben 
die Hauptaufgabe seiner Jugend war, äusserte. — Disselhoffs •''^) volkstümliches 
Werkchen über den Meister erschien in 2. Auflage, als ein treffliches Mittel nicht 
bloss für die Unwissenden, sich an des grössten deutschen Künstlers warmherziger Art 
zu erheben und sich in seine Gedanken- und Ausdrucksweise einführen zu lassen. 

— Die drei erstgenannten Arbeiten führten fast die ganze deutsche Kunstgelehrsam- 
keit auf den kritischen Kampfplatz. Terey^'^) entwickelte in einem gesonderten 
Werkchen seine Burckhardt entgegengesetzten, für eine erste Reise nach 
Venedig eintretenden Ansichten, die auch ihrerseits bereits in mehreren der 
hier verzeichneten kritischen Aufsätze Berücksichtigung fanden. ^''''"i^^) — Es ent- 
zieht sich der Aufgabe dieser Notizen, das Für und Wider, welches in den 
Specialfragen oft mit grossem Scharfsinn erwogen wird, nachzuprüfen und nach 
einem endgültigen Ergebnis zu suchen, solange es von den mit der Lösung 
beschäftigten Specialisten selbst noch nicht gefunden ist. Inzwischen ist man all- 
seitig eifrig am Werke, Neues über Dürer zusammenzutragen, und auch die Ver- 
hältnisse kennen zu lernen, aus welchen der Meister hervorging. Hierzu bietet ein 
Vortrag von Hampe^^^) über die geistigen Verhältnisse um 1500 viele Anknüpfungs- 
punkte, da er im wesentlichen Nürnberg zum Ort seiner Betrachtungen wählt. 1**^) 

— Thodes^^ö"'^') verdienstvolles Werk über die Malerschule zu Nürnberg im 14. 
und 15. Jh., welches die Kunstgeschichte bis an die Zeit der Wiederkehr des jungen 
Dürer aus seinen Wanderjahren führt, wirkt noch in einer Reihe von Besprechungen 
auch in den hier zu berücksichtigenden Berichtsjahren nach. — In einem Aufsatz 
über drei Porträts von Albrecht Dürer wendet sich Thode'^^) kräftig gegen 
Burkhardts Ansicht, dass die Baseler Holzschnitte Dürers Werk seien, da sie hierfür 
an Kunstwert zu tief ständen. Dageg-en weist er drei Gemälde als des Meisters 
Arbeit nach, eines in Bergamo (Bildnis des Sebastian Imhof?), ein zweites von 1519 
in der Borromeoschen Sammlung in Mailand, das dritte bei Herrn von Holzhausen 

1492-94. Mit 15 Textillnstr. u 50 Taf. in Lichtdr. München u. L.. Hirth. 1892. VH, 50 S. M. 20,00. |[G. Dehio: GGA. 
1S92, S. 928-36; H. J[ani tschek]: LCBl. S. 574/5; L, Kaufmann: ZChrK. 5, S. 156/7; E. Lehmann: BLU. S. 809-10; 
HJb. 13, S. 667. ]| — 173) K. Lange n. F. Fnhse, A. Bärers schriftl. Nachlass, auf Grund d. Originaihss. n. teilweise neu 
entdeckter alter Abschriften her. Halle a. S., Niemeyer. XXIV, 420 S. mit 1 Lichtdr. -Taf. u. 8 Illustr. M. 10,00 |[ZChrK. 6, 
S. 313/4; M. S.: ML 62, S. 821. || — 174) A. v. Eye, A. Dürers Leben u. Kunstthätigkeit in ihrer Bedeutung für seine Zeit 
u. d. Gegenw. Wandsbeck (Seitz). Fol. lU, 136 S. mit 2 Taf. M. 20,00. |(F. Fuhse: MVGNürnberg. 10, S. 283/4.]| — 175) 
J. Disselhoff, A. Dürer, Luthers Freund u. Mitstreber. Mit Holzscha. 2. Aufl. Eaiserswerth, Diakonissenanst. 12**. 28 S. 
M. 0,15. — 176) G. V. Terey, A. Dürers venetian. Aufenthalt 1494-95. Strassburg i. E., Heitz. 4». 30 S. mit 7 Lichtdr. 
M. 3,00. llKunstchr. 4, S. 189.]| — 177) X Wilh. Schmidt, A. Dürer in Basel u. Venedig: Kunstchr 3, S. 536-43. — 178) X 
K. Lange, A. Dürers Jngendentwicklung: Grenzb. 1892: 1, S. 330-41, 383-96; 2, S. 551-62. — 179) X W. v. Seidlitz, Neues 
über Dürer: AZg". 1892, N. 145. — 180) X A. Jordan, Neues über Dürer: Geg. 42, S. 278-80. — 181) X A. St ein, A. 
Dürer. E. Lebensbild: HJb. 13, S. 663. — 182) X E- Lehmann, Wie lernen wir A. Dürer yerstehen?: BLU. 1892, S. 225/8. 

— 183)XF- Rieffel-Kastel, A. Springers litt. Nachlass : FZg. 1892, N. 70. — 184)Th. Hampe, Dtsch. Kunst n. dtsch. Litt, um 
d. Wende d. 15 Jh. Vortr. geh. auf d. kunsthist. Kongress zu Nürnberg, 25. Sept. Nürnberg, Soldan. 32 S. M. 0,60. (S. u. 112 : 3.) 
-- 185) X Wilh. Walther, P. Lehfeld, Luthers Verhältnis zu Kunst n. Künstler (vgl. JBL. 1892116:83): ThLBl. 14, S.388 9. — 
186) X H Thode, D. Malerschule v. Nürnberg im 14. u. 15. Jh. Frankfurt a. M., Keller. 1891. XVL 332 S. mit 32 Taf. 
M. 12,00. |[WLDM. 72, S. 715,6.]| — 187) X L. P[iet8ohJ, D. Malerschule v. Nürnberg im 14. u. 15. Jh. von ihrer Ent- 
wicklung bis auf Dürer: N&S. 63, S. 403/5. — 188) H. Thode, Ueber drei Portrr. y. A. Dürer: JPrK. 14, S. 198-219. — 

20* 



I 11 : 189-202 C. Gurlitt, Kunstgeschichte. 1892, 1893. 

in Frankfurt a. M. — Dem gegenüber führt Burckhardt '^^"^^o) seine Ansicht mit 
der Klarheit der Ueberzeugung weiter. So weist er eine Zeichnung Dürers vom 
J. 1497 nach und veröffentHcht in einer auf Archivalien begründeten Untersuchung 
über Martin Schongauer und seine Brüder*^') und ihre Beziehungen zu Basel 
einen Beitrag zur Lebensgeschichte Albrecht Dürers, worin er das Verhältnis 
des Meisters zu seinen Lehrern näher feststellt. Eine Nachprüfung der mehrfach 
aufgeworfenen Frage, ob Dürer in Strassburg künstlerisch thätig gewesen sei, führt 
zu verneinenden Ergebnissen; denn B. stellt fest, dass dieser 1494 mit Georg Schongauer 
nicht dort, sondern in Basel sich aufhielt. 102-193J — Rosenberg^^'*) äussert sich über 
Dürers Madonna mit dem Zeisig von 1506, ein bisher wenig bekanntes Bild, welches 
von Bode 1891 für Berlin gekauft wurde. — Justi'^^) klärt uns über den Ursprung 
der Dürermadonna im Kölner Museum auf. — Aus Riehls^''^) „Kunstcharakteren", 
einem der wenigen Bücher, welche man zum Lesen — nicht bloss zum Studieren — 
empfehlen kann, fällt nur der Aufsatz über „Dürers Kunst fürs Haus" (S. 119 — 46) in 
das hier zu besprechende Gebiet. Als Paralelle sind Bellini und Michelangelo be- 
handelt. R. geht nämlich in seiner Sammlung von 11 Essays von der Absicht aus, 
deutsche und italienische Kunstäusserungen als Ergebnisse des Volkslebens sich 
gegenüber zu stellen, die deutsche Art der Wohnlichkeit und die italienische des 
Heraustretens in die Oeffentlichkeit in ihren Wirkungen darzustellen. Dabei passt 
ihm Dürers Thätigkeit als Stecher und Holzschneider trefflich, um an ihr den Mann, 
seine Zeit und seine hohe Bedeutung darzustellen. Es ist hierbei weniger seine 
Absicht, die Wissenschaft um einige Nachrichten zu bereichern, als seinen 
Volksgenossen der Edelsten einen herzlich nahe zu bringen. — Auch auf einem in- 
direkteren Wege werden Beiträge zur Dürer-Geschichte gebracht. Reb er •'*'') setzte 
seine archivalischen Studien über die bayerischen Sammlungen fort: Ein Vortrag be- 
richtet vom Funde eines Inventar von 1598 und bringt dabei über die Schicksale von 
Dürers Werken einige Nachrichten; auch Holbein und Cranach streift die Besprechung. — 
Im gleichen Sinne ist eine Festrede Rebers ^^^) gehalten; auch hier bildet der Nach- 
weis über die Geschichte Dürerscher Bilder und das Verhältnis späterer Zeiten zu 
ihnen den Hauptinhalt der Untersuchung; es wird die Herausgabe alter Inven- 
tarien fortgesetzt. — Dieselbe Aufgabe stellt sich hinsichtlich der Wiener Gemälde- 
sammlung Grasberger'^^). Dürer nimmt ebenfalls an dieser Stelle unter den deutschen 
Künstlern eine hervorragende Stellung ein, wenngleich das ganze, geschickt an- 
gelegte Buch mehr die Entwicklungsgeschichte der Sammlung als die der Künstler 
sich zur Aufgabe macht. — Die gleiche Untersuchung führt für Böhmen der durch die 
Gründlichkeit seiner Studien vorteilhaft bekannte Prager Professor Neuwirth -O'J) 
weiter, indem er Rudolf II. als Dürer-Sammler zum Gegenstand einer eingehenden 
Studie macht, nach welcher der Kaiser als ein verständnissvoller Verehrer des 
Meisters erscheint. — 

Sehr ergiebig für die Erkenntnis des Meisters war auch das lebhafte Be- 
mühen, seiner Schule und seinen Zeitgenossen kritisch gerecht zu werden. 
Die reife Arbeit eines kunsterfahrenen Mannes ist die Dissertation über Hans von 
Kulmbach von Koellitz^oi), Dieser Meister, selbst keine besonders selbständige 
Erscheinung, ist mit dem Nürnberger Kunstleben so innig verschmolzen, dass aus 
der Kenntnis seines Lebens und Wirkens auf dieses selbst vielfache Klarheit fällt. 
Wohlgemut, Jakob Walch, Dürer treten nach einander in dem Buche als Lehrer des 
sich nach ihnen bildenden Künstlers auf. Das Ergebniss ist eine scharf umrissene 
stilkritische Darstellung der einzelnen Perioden des Künstlers und ein beschreibendes 
Verzeichnis seiner Werke. — 

Diesem Buche steht fast gleichwertig zur Seite Thiemes202) Arbeit über Hans 
Leonhard Schaeufelin. Auch hier ist das System der Behandlung das richtige. 
Th. sucht aus den Bildern heraus die Eigenart des Künstlers und seinen Ent- 
wicklungsgang festzustellen, vergleicht die Ergebnisse mit den erhaltenen Nach- 
richten über dessen Leben und durchforscht, von dieser Basis ausgehend, die Samm- 



189)1). Burcthardt, E. Dürerzeichnung aus d. J. 1497: Kunstchr. 4, S. 169-74. — 190) id., Martin Schongauer u. seine Brüder 
in ihren Beziehungen zu Basel. E. Beitr. z. Lebensgesch. A. Dürers: JPrK. 14, S. 158-64. — 191) X H. Janitschek, L. u. 
M. Schongauer: ADB. 34, S. 734,9. — 192) X ^- Bach, A. Dürer in Württemberg: BBSW. S. 205/7. — 193) X »d., Be- 
ziehungen d. M. Schongauer zu Ulm: AChrK. S. 53,6. — 194) Ad. Rosenberg, Dürers Madonna mit d. Zeisig: ZBK. 4, S. 225. 
(Vgl. Kunstchr. 4, S. 201/5.) — 195) C. Justi, Ueber d. Ursprung d. Dürermadonna im Kölner Mus.: ZChrK. 6, S. 225-31. — 
196) B. Riehl, Dtsch. u. ital. Kunstcharaktere. Mit 16 Abbild. Frankfurt a. M., Keller. VIII, 254 S. M. 7,60. fE. Leh- 
mann: BLU.S. 484/6; A.Schnütgen: ZChrK. 6, 8. 349-.50; Geg. 43, S. 111; AZg". N. 133.J| — 197) F. v. Reber, D. Öemfilde 
d. herzogl. bayer. Kunstkammer nach d. Ficklerschen Inventar v. 1598. Vortr. aus SBAkMünchen. 1892. München (Franz). 32 S. 
(Sonderabdr.) — 198) id., Kurfürst Maximilian I. v. Bayern als Geniäldesaramler. Festrede geh. in d. öffentl. Sitzung d. K. 
b. Ak. d. Wissensch. zu München am 15. Nov. ib. 1892. 4". 45 S. M. 1,30. — 199) H. Grasberger, D. Gemäldesamml. 
im kunsthist. Hofmus. in Wien. Mit 20 Abbild. (= Oesterr. Bibl. her. v. Alb. Ilg. 1. Bd.) Wien, Gerold. 1892. VI, 224 S. 
M. 2,00. — 200) J. Neuwirth, Rudolf II. als Dürersammler JB. d. Staatsgymn. Prag- Altstadt. S. 1-39 - 201) K. 
Koellitz, Hans Süss v. Knlmbach u. seine Werke. E. Beitr. z. Gesch. d. Schule Dürers. (= Beitrr. z. Kunstgesch. Bd. 12.) 
li., Seemann. 1891. IV, 80 S. M. 3,00. |[LCB1. 1892, S. 1027.j| — 202) U. Thieme, Hans Leonh. Sohaenfelins malerische 



C. Gurlitt, Kunstgeschichte. 1892, 1893. I 11 : 203-22* 

lung-en nach Schaeufelinschen Werken. So bringt er es zur Feststellung der sicher 
und der wahrscheinlich dem Meister zuzuschreibenden Bilder und zum Ausschluss 
fälschlich ihm zugewiesener Arbeiten. — 

Wie in den oben besprochenen, die Geschichte der Gemäldegalerien be- 
treffenden Werken, so ist auch in einzelnen Studien die Kunde vom Leben und 
Wirken Hans Holbeins d. J. um manchen wichtigen Beitrag erweitert worden. 
Mit seiner Jugendentwicklung hat A. Schmid^o^) sich in einer Studie beschäftigt, 
welche hier erst zu würdigen sein wird, wenn die versprochene Fortsetzung er- 
schienen ist. — Das von der Londoner National-Gallery erworbene Bild der „Gesandten" 
wird als Porträt des Jean de Dinteville und Nicolas Bourbon nachgewiesen in 
einem eingehenden Aufsatz vonZimmermann204)._ streit^o^) hält hinsichtlich des 
ersteren die Bezeichnung für richtig, setzt an Stelle Bourbons aber den deutschen 
Johannes Sturm. — Kekule^oß) untersucht Holbeins Holzschnitte. — Als den Ver- 
fertiger des mit „S. Holbain M." bezeichneten Bildes in Nürnberg, für den bisher 
Sigmund Holbein gehalten wurde, erkennt Burckhardt^»'') nach einer Zeichnung 
Hans den Aelteren. — Den Holbeinschen Totentanz erklärt der Engländer Dobson^o«), 
während S e el m a n n^oo) von dem Totentanze des Mittelalters eine Uebersicht giebt. — 

Lukas Cranach tritt neben den Hauptmeistern noch mehr zurück. Von 
grosser Wichtigkeit für seine Entwicklungsgeschichte ist Custs^'^*) Nachweis, dass 
zu Anfang des 16. Jh. Jacopo de Barbari wie auf Dürer, so auch auf den sächsischen 
Meister Einfluss hatte, dass wenigstens sein Sohn noch 50 Jahre später ein Bild des 
Venetianers in Holz schnitt. — Cranachs Schule zeigt sich, abgesehen von einigen 
Deckenmalereien in Torgau (1556), dieWollschläger^^i) beschreibt, unverkennbar 
in einem 1554 in Stettin gefertigten Teppich, welcher sächsische und pommersche 
Fürsten sowie die Reformation darstellt; Lessing^i^j Hess ihm eine eingehende Wür- 
digung angedeihen. — Gleichzeitig etwa erschien Wustmanns^'^^ Studie iiber den 
Teppichwirker Bombeck, der 1550 in Leipzig in ganz stilverwandter Weise ar- 
beitete.214-215) _ ■ 

Unter den Werken über die Meister zweiten Ranges aus der Blütezeit 
deutscher Kunst nimmt die eingehende undfleissige Untersuchung über die Schweizer- 
ische Malerei von Haendcke2i6-2i7-) eine hervorragende Stellung ein. Das Buch 
setzt für sein Gebiet dort ein, wo J. R. Rahns Geschichte der bildenden Künste in 
der Schweiz abschliesst, das heisst unmittelbar hinter den beiden Holbein. Urs Graf, 
Manuel Deutsch, der als Meister J. K. bekannte, als Jacob Kallenberg nachgewiesene 
Berner Meister, Hans Fries, Hans Leu, Haus Asper u. a. treten in sorgfältig durch- 
gearbeiteten Lebensbildern als Männer hervor, die in der ersten Hälfte des Jh. eine 
echt örtliche Kunst bis in die höchsten Bergthäler trugen. Der zweite Abschnitt widmet 
sich den unter niederländischem und italienischem Einfluss Stehenden, zu welchen 
H. auch Jost Amman und Tobias Stimmer zählt. Schärfer tritt fremde Stilart an 
dem nicht unbedeutenden Joseph Heintz und Hans Bocket») hervor; H.s Werk über 
die Pannerträger des Urs Graf bildet eine Ergänzung seiner verdienstvollen Haupt- 
arbeit. 219 220^ — 

Eine Notiz über Altd orfer trägt Max Friedländer22»-222') seiner in der 
Berichtsperiode mehrfach besprochenen Biographie über diesen Künstler nach, indem er 
den Stich einer Prudentia dieses Meisters behandelt. — Altdorfers Hand weist Wilh. 
Schmidt 223^ in einem Bilde zu Innsbruck und in Zeichnungen zu Florenz und Siena 
nach. — Ueber dessen Schüler Wolf Huber von Passau sammelte ebenfalls 
Schmidt 224) eine Anzahl Nachrichten, indem er zugleich dieses Malers Werk von dem 
Anderer, namentlich dem M. Grünewalts, kritisch zu sondern unternahm. — 



Thätigkeit. (= Beitrr. z. Kunstgesch. Bd. 16.) ib 1892, 192 S. m. 1 Autotypie u. 12 Abbild, in Lichtdr. M. 6,00. - 203) 

A. Schmid, Hans Holbeins d. J. Entwicklung in d. J. 1515-26. I. Holbeins früheste Gemälde. Habilitationsschrift. Wnrz- 
burg. 1892. 35 S. — 204) M. G. Zimmermann, D. neue Holbein in d. National-Gallerj : ZBK. 3, S. 193-201. — 205) W. 
Streit, D. neue Holbein d. Nat.-Gall.: ib. S. 294/8. — 206) K Kekule, üeber einige Holzschnittzeichnungen Holbeins: 
JPrK. 13, S. 161-71. — 207) D. Burckhardt, Hans oder Sigmund Holbein?: ib. S. 137-40. - 208) Austin Dobson, 
Holbeins Dance of Death. Introd. London, Bell & Sons. Sh. 8. — 209) W. Seelmann, D. Totentänze d. MA.: JbVNiederdSpr. 17, 
S. 1-80. (DazQ KBlVNiederdSpr. 15, S. 41.) — 210) L. Cust, Jacopo de Barbari u. Lucas Cranach d. J.: JPrK. 13, S. 142/5. - 
211) W. Wollschläger, üeber d. Kassettenmalerei im Hause Breitestr. N. 354: AVTorgau. 5, S. 15-22. — 212) Jnl. Lessing, 

D. Croy-Teppich im Besitze d. Kgl. Univ. Greifswald: JPrK. 13, S. 146-60. — 213) G. Wustmann, E. Leipziger Teppichweber 
d. 16. Jh.: Kunstgewerbebl. 1892, S. 49. — 214) X H- W. Singer, Zusätze z. Werk d. Hein r. Göding: RepKunstw. 15, S. 3536. 
(Zeitgenosse d jung. Cranach.) — 215) X G, v. Terey, Kardinal Albrenht v. Brandenburg u. d. Hallesche Heiligtumbnch v. 1520. 

E. kunsthist. Studie. D'ss. Strassburg i. E. 1892. 113 S. — 216) B. Haendcke, D. schweizer. Malerei im 15. Jh. diesseits 
d. Alpen u. unter Berücksichtig, d. Glasmalerei, d. Formschnitts u. d. Kupferstichs. Mit 8 Textillustr. u. SOTaf. Aarau, Sauer- 
länder. Y,417S. M.10,00. — 217) id., D. Pannerträger d. 13 allen Orte nach Holzschn. Urs Grafs. Mit 16 Lichtdr. u. 12 Textabbild. 
[Aus: Völkerschan 3. u. 4 Bd.] Basel, Geering, Fol. 12 S. M. 17,00. |[SchwRs. 1, S. 230,l.j'| — 218) E. His-Hensler, Hans 

.Bock, d. Maler: BaslerJb. 1892, S. 136-64. (Vgl. JBL. 1892 11 1 : 71.) — 219) X J- Stammler, D. St. Vincenz-Teppiche d. Berner 
Münsters: AHVBern. 13, S. 1-62. — 220) X i< D- Teppiche d. bist. Mus. in Thun: ib. S. 231-93. - 221) Max Friedländer, 

B. Notiz über Altdorfer: JPrK. 14, S. 22/6. — 222) X id., Albrecht Altdorfer. (= Beitrr. z. Kunstgesch. Bd. 13.) L., Seemann 1391. 
Vm, 175 S. M. 5,00. |[A. P.: MA. 5, S. 4; H. Janitschek: LCBl. 1892, S. 1027; R. Stiassny: ZBK. 4, S. 237-40.]| - 223) 
Wilh. Schmidt, Altdorfers Hand: RepKunstw. 13, S. 432,3. - 224) id., Wolf Hnber u. M. Grfinwalt: ZBK. 3, S. 116/8. — 



I 11 : 225-244 C. Gurlitt, Kunstg^eschichte. 1892, 1893. 

Ein treffliches Bild des Bernhard Strig-el, über den der Aufsatz über die 
Künstlerfamilie der Strig-el von Wilh. Schmidt225) eine allg-emeine Darstellung- 
enthält, wurde von Stiassny 226-) jjjj Metropolitan Museum of Art in New- York nach- 
g-ewiesen und bei dieser Gelegenheit ein Üeberblick über die Kunst des schwäbischen 
Meisters gegeben, — 

Dem Meister Barthel Beham wandte sich die Aufmerksamkeit stärker zu. 
Hatte Haendcke 227) über seine Thätig-keit in St. Gallen berichtet, so machte Koet- 
schau 228) das Leben des Künstlers zum Gegenstand einer längeren Abhandlung, welche 
mir jedoch nicht zugänglich war. — 

Gleichen Umfanges etwa ist Ohnesorges229) Dissertation über Wendel 
Dietterlin, in welcher dem Maler Gerechtigkeit geschieht, während er bisher fast 
nur als phantasievoller Ornamentstecher bekannt war. Freilich ist wenig von seiner 
Hand erhalten, aber seine Mitwirkung an der Ausschmückung wichtiger Strass- 
burger und Stuttgarter Bauten in seiner Eigenschaft als gewandter Dekorationsmaler 
gab ihm zweifellos zu seiner Zeit eine hervorragende Bedeutung. — 

Zum Zweck genauerer Würdigung des Hans Baidung Grien begann von 
T e r e y 230) dessen künstlerischen Thaten nachzugehen, indem er zunächst ein wissen- 
schaftlich kritisches Verzeichnis der Werke aufstellte. — RieffeP^i) betrachtet 
einen dem Meister zugeschriebenen Altar und beleuchtet hierbei die Stellung dieses 
Meisters zu Dürer.232-233j _ 

Die Familienverhältnisse der Briefmaler Glockendon und besonders die 
Publikationen Jörgs bespricht Sondheim 234) in einer fleissigen, Neudörfers Angaben 
richtig stellenden Arbeit. 235) — 

Die Zeichnungen eines geschickten Dilettanten aus der Renaissance führt 
uns Martin236) in Nachbildungen flott mit der Feder hingesetzter Illustrationen 
vom J. 1535 vor, mit welchen der streitbare Barfüsser T h o m a s Mu rner seine Ueber- 
setzung der Weltgeschichte des Sabellicus schmückte.23'?-238j — 

Ein Gemälde von Leonhard Bock, einem Künstler, dessen Werke bisher 
unter Burgkmairs Namen gingen, stellt Alfred Schmid23'->)im Wiener Museum fest. — 

DieGeschichte der Köln er Glas maier ei hat durch einen Aufsatz Seh ei blers240) 
wieder erhebliche Förderung erfahren, wobei namentlich der Nachweis über die Ar- 
beiten des 16. Jh. zu klaren Ergebnissen führt, soweit solche bei häufigem Versagen 
der archivalischen Quellen möglich sind. Es gelang aber doch auf stilkritischem Wege 
eine Reihe von künstlerischen Persönlichkeiten festzustellen, unter welchen der Meister 
von St. Severin wohl das grösste Interesse beansprucht. — Diesen Anregungen folgend, 
schliesst sich ein Aufsatz über diesen Meister von Firmenich-Richartz24i) an, in 
welchem dessen Entwicklungsgang an der Hand der Vergleichung mit der nieder- 
ländischen Kunst näher zu kennzeichnen versucht wird. — Teilweise der beginnenden 
Renaissance gehören die Fenster des Domes zu Xanten an, welche Stumm eP*^) 
einer Untersuchung unterzieht.243) Unverkennbar drängt sich das kunstgeschicht- 
liche Interesse zumeist auf die grossen Schulen der Rheinlande und Frankens zu- 
sammen. Man erkennt deutlich den Einfluss der Springerschen Lehre, welche es 
sich zur Regel gemacht zu haben scheint, ihren Jünger zunächst in einer biogra- 
phischen Arbeit die Sporen verdienen zu lassen. Der Betrieb der wissenschaftlichen 
Forschung erhält hierdurch ein gewisses System, die Einzelarbeit reiht sich sofort 
der Gesamtleistung ein. — 

Wesentlich bescheidener ist das Ergebnis in anderen deutschen Landesteilen 
Als Oesterreichs Kunst betreffend sei die Recension 2*4) genannt, welche Sempers 
Arbeit über die Brixener Malerschule des 15. und 16. Jh. und ihr Verhältnis zu 



225) id., D. Strigels: ADB. 36, S. 589-90. — 226) R. Stiassny, Bildnisse v. Bernh. Strigel. Mit Abbild.: ZBK. 3, S. 257-60. 
— 227) B. Haendclce, Barthel Beham in St. Gallen: Knnstchr. 3, S. 198,9. — 228) O C. Koetschau, Barthel Beham u. 
d. Meister v. Messlrirch. E. kunstgesch. Studie. Strassburg i. E, Heitz. VH, 94 S. mit 10 Lichtdr. M. 5,00. |[J. Probst, 
SVGBodensee. 22, S. 100/3.]| — 229) K. Ohnesorge, Wendel Dietterlin, Maler v. Strassburg. E. Beitr. z. Gesch. d. dtsch. 
Kunst in d. 2. Hälfte d. 16. Jh. Diss. L., Seemann. Vm, 68 S. mit 1 Abbild. M. 2,00. |[J. Neuwirth: ÖLBl. 2, S. 688,9; 
E. W.: StrassbPost. N. 96.]; — 230) G. v. Terey, Verzeichnis d. Gemälde d. Hans Baidung gen. Grien. (= Studien z. 
dtsch. Kunstgesch. 1. Bd. 1. Heft.) Strassburg i. E., Heitz. 51 S. mit 2 Lichtdr. M. 2,50. - 231) A. Rief fei, Studien 
aus d. Mainzer Geraäldegal.: RepKunstw. 13, S. 288-305. (U. a. auch über Werke Schaeuffelins.) — 232) X J- Probst, Ueber 
d. Ulmer Meister Hans Multscher: AChrK. S. 37. — 233) X A.. Schröder, E. übertünchtes Gemälde Martin Schaffners in 
d. ehemal. Klosterkirche zu Wetterhausen: ib. S. 34/7. — 234) M. Sondheim, Jörg Glockendons Kunst-Perspektive: 
BFDH. 8, S. 195-211. — 235) X H. S., Gilg Sesslschreiber: ADB. 34, S. 44/5. — 236) E. Martin, Handzeichnungen v. 
Thomas Murner zu seiner Uebersetz. d. Weltgesch d. Sabellicus. Strassburg i. E., Gerschels Photogr. Inst. 1892. 4S.; 8 Taf. 
M. 8,00. (Vgl. JBL. 1892 II 5b : 9.) — 237) X P- Giemen, Zu Bartholomäus de Brnyn: RepKunstw. 13, S. 245/8. - 238) X 
H. J[anit8Chek], E. Firmenich- Richartz, Bartholomäus Bruyn u. seine Schule. (= Beitrr. z. Kunstgesch. Bd. 14.) L., See- 
mann. 1891. VII, 147 S. Mit 7 Abbild, u. 5 Taf. M. 5,00.): LCBl. 1892, S. 1027. - 239) Alfr. Schmid, E. Gemälde von , 
Leonh. Book: ZBK. 4, S. 76/9. — 240) L. Scheibler, D. dtsch. Gemälde v. 1300-1550 in d. Kölner Kirchen: ZChrK. 5, 
S. 128-42. — 241) E. Firmenich-Richartz, D. Meister v. St. Severin. Mit Abbild : ib. S. 296-307. — 242) Fr. Stömmel, 
Alte Fensterverglasungen im Dome zu Xanten: ib. S. 18-27. - 243) X H. Stähelin, E. Glasgemälde v. Unter- Bnssnang 
aus a. J. 1591: ThnrgauisoheBVtG. 33, S. 16/9. — 244) H. Semper, D. Brixener Malerschulen d. 16. u. 16. Jh. u. ihr Ver- 



C. Gurlitt, Kunstg-esohichte. 1892, 1893. I 11 : u5-m 

Michael Fächer beleuchtet. — Hann 245-246) besprach Malereien des 15. Jh. in 
Kärnten ihrem Inhalte nach. — Die Vergleichung- der Werke nach einander lebender 
Meister und die daraus sich ergebende Kenntnis der Leitmotive, welche im Ge- 
biet der klassischen Archäologie eine so g-rosse Bedeutung- hat, wurde nunmehr 
auch auf die späteren Zeiten angewendet. So sucht Alfred Schmid^*"?) den Einfluss 
Schongauers auf deutsche Maler und Bildhauer an deren Werken festzustellen und 
findet ihn u. a. im Wiener Stefansdome. — 

Als das Stiefkind kunstwissenschaftlicher Betrachtung kann immer noch die 
deutsche Bildhauerei des 15., 16. und 17. Jh. gelten. Namentlich jene der nach- 
gotischen Zeiten fand nur in vereinzelten Aufsätzen Berücksichtigung. Schmar- 
sows248) schöne Veröffentlichung über die früh gotischen Bildwerke des Naumburger 
Domes verspricht hierin den erfreulichen Anfang für einen Wandel zum Besseren. — 
Auch H. Neumann 249), dem wir bereits eine wertvolle Arbeit über die deutsch- 
russischen Provinzen verdanken, bringt einen willkommenen Beitrag aus der Ferne. 
— Jörg Sürlin, dem schwäbischen Meister, hat Beck^so) erneute Aufmerksamkeit zu- 
gewendet. — Veit Stoss Leben beschreibt Ree^st)^ Alberts van Soest Krause^^^). — 
lieber Hans Kels, den Schnitzer der Steine eines Spielbrettes von 1537, welchen Ilg 
bereits behandelt hat (JKSAK. 3, S. 53ff. [1885]) bringt Zucker 253) eine Nachlese. — 
In dem Aufsatz über das Grabmal Kaiser Ludwigs des Bayern in der Münchener 
Frauenkirche untersucht Heigel254) die Frage nicht nur nach dem Autor (Candid), 
sondern auch nach dem Inhalt der Darstellungen des berühmten, 1622 vollendeten 
Werkes. — Wal eher 255) bringt photographische Abbildungen einiger schwäbischen 
Bildwerke des 16. Jh. zur Schau. — 

In den Kunstfragen des 17. und 18. Jh. nimmt Galland256) durch seine 
Studien über die holländische Bildnerei und Malerei eine besondere Stellung unter 
den Berliner Kunsthistorikern ein, welche zumeist unter holländischer Kunst aus- 
schliesslich die Malerei verstehen. Einen neuen, in sein Specialgebiet fallenden 
Beitrag liefert sein — für den Stoff vielleicht etwas zu schweres — Buch über die 
Beziehungen des Grossen Kurfürsten zur holländischen Architektur und Plastik, 
namentlich über das Schloss Kleve, über den Kunstunterricht am kurfürstlichen 
Hofe, das für Moritz von Nassau erbaute Schloss Sonnenburg, den Alabastersaal in 
Berlin und die dort beschäftigten holländischen Bildbauer. Die Ergebnisse bauen 
sich auf archivalischen Studien auf und weisen auf eine Lücke in der Kunst- 
geschichte hin, ohne sie völlig auszufüllen.25'7) _ Wichtiger ist die aktenmässige Dar- 
stellung der Entstehungsgeschichte des Denkmals des Grossen Kurfürsten in Berlin, 
welche Sei de 1258) gab, damit manche Irrtümer über die Geschichte des Schlüterschen 
Meisterwerkes beseitigend. — Seidel 259-262)^ ^is kunsthistorischer Verwalter der Samm- 
lungen des preussischen Königshauses, fuhr in seinen Veröffentlichungen über die ihm 
unterstellten Kunstwerke fort. So über die Sammlungen Friedrichs des Grossen, 
wobei namentlich zur Geschichte des französischen Malere Pesne wichtige Nachrichten 
beigebracht wurden, und über die Sammlungen von Friedrichs Bruder, Prinz Heinrich, 
der mit der Malerin Vigee le Brun und dem Bildhauer Houdon nähere Beziehungen 
unterhielt. — Die Hauptarbeit Seidels263) bildet ein sehr stattliches, trefflich 
illustriertes Werk über Friedrich den Grossen und seine Stellung zur zeitgenössischen, 
vorzugsweise zur französischen Kunst. — Nach einer anderen Richtung wurde des grossen 
Friedrich Stellung zur Kunst Gegenstand mehrerer Aufsätze 264-265)^ weil durch Walles 
Buch über den Architekten Gontard die Aufmerksamkeit auf diesen gerichtet war. — 



h&ltnis zu Michael Fächer. (InnsbrucV, Wagner. 1891. 138 8.; mit 7 Lichtdr.-Taf. M. 2,80.): LCBl. 1892, S. 1374. — 245) F. 
G. Hann, Drei Darstellnngen d. j6ngsten Gerichts auf kärntnerischen Wandmalereien d. 15. Jh.: Carinthia 82, S. 9-15. — 
246) id., Drei Darstellungen d. Weltschöpfnng auf Malereien in Kärnten: ib. S. 141 5. — 247) AI fr. Schmid, Kopien nach 
Kupferstichen t. Schongauer bei oberdtsch. Malern u. Bildhauern: EepKunstw. 5, S. 19-25. — 248) A. Schmarsow, D. Bilder- 
werke d. Nanmburger Domes. (= Meisterwerke d. dtsch. Bildnerei d. MA 1. T.) Magdeburg, G. v. Plottwell. 1892. Fol. 
20 Lichtdr.-Taf. mit 59 S. Text in 4». M. 25,00. — 249) H. Neuraann, Werke d. MAlich. Holzplastik u. Malerei in Livland 
u. Estland. Lübeck, Nöhring. 1892. 23 Taf. in Lichtdr. mit 14 S. Text. M. 30,00. [G. Manteuffel: KwH. 7, S. 643;4.]| 
— 250) P. Beck, Verschollene u. verschwundene Altar- u. Schnitzwerke Jörg Surlins d. J.: AChrK. S. 37-44, 48 9. — 251) 
P. J. Ree, Veit Stoss: ADB. 36, S 466-71. — 252) K. E. H. Krause, Alb. van Soest: ib. 34, S. 537/8 - 253) M. Zucker, 
Zu d. Spielbrett v. Hans Kels: EepKunstw. 13, S. 429-32. — 254) K. Th. Hei gel, D. Grabmal Kaiser Ludwigs d. Bayern in 
d. Münchener Frauenkirche: ZKunstgewerbeVMünchen. S. 33/8,41,8. — 255) K. Walcher, 6 Lichtdruckbilder v. Lusthausfiguren 
auf Schloss Lichtenstein. St., Kohlhammer. M. 2,50. — 256) (HI 1 : 123.) — 257) X ^- Gurlitt. Andreas Schlüter. B., Wasrauth. 1891. 
VI, 242 S.; mit Abbild. M. 8,00. |[G. Galland: BepKunstw. 15, S. -237-41; Ebe: NatZg. 1892, N. 199.]| - 258) P.Seidel, 
D. Standbild d. Gr. Kurfürsten v. A. Schlüter: ZBauwesen. 43, S. 55-62. — 259) id., D. Ausstell, v. Kunstwerken aus d. Zeit 
Friedrichs d. Gr. Mit Abbild.: JPrK. 13, S. 183-213. — 260) id., D. Kunstsamml. d. Prinzen Heinrich, d. Bruders 
Friedrichs d. Gr.: ib. S. 55-68. — 261) X id., D. Bildhaueratelier Friedrichs d. Gr. u. sein Inhaber: ib. 14, S. 101-16. — 

262) X id., D. bildenden Künste unter d. Hohenzollern in d. Zeit d. Gr. Kurfürsten: VelhagenKlasingsMh. 2, S. 648-59. — 

263) id., Friedrich d. Gr. u. d. französ. Malerei seiner Zeit. 60 Taf. in Lichtdr., darunter 12 farbige, nebst zahlreichen Te.xt- 
illustr. nach d. Gemälden im Besitz Sr. Maj. d. Kaisers u. Königs v. A. Frisch. B., Frisch. 1892. Fol. 73 S. M. 150,00. 
|[A. Rosenberg: ZBK. 4, S. 249-57; NorddAZg. 1892, 16. Apr.; R. Schlingmann: BerlTBL 1892, N. 196; Walth. 
Schwarz: WIDM. 73, S. 472-S7.]| - 264) X P- Walle, Leben und Wirken K. v. Gontards. Z. 100. Todestage am 23. Sept. 
Mit Portr. n. 3 Abbild. B., Ernst & Sohn. 1891. 38 S. M. 2,00: Kunstchr. 4, 8. 270/4. — 265) X H. Schliepmann, 



I 11:266-276 C. Gurlitt, Kunstgeschichte. 1892, 1893. 

Friedrichs Freund, der Architekt Knobelsdorff, musste Ziemssen^ßß) sogar zu einem 
Lebensbilde für die Jug-end Modell sitzen. — Tesdorpf^^^) machte uns mit dem wenig- be- 
kannten Architekten John von Collas vertraut. —Eine Anzahl Künstlerbiog-raphien sind 
noch zu nennen. Rudolf M ü Uers^ß^) Arbeit über den Maler Skreta beruht vorzug-sweise 
auf Pazaureks Biog-raphie dieses interessanten Künstlers. — Weiss ^^s) macht uns des 
näheren mit den Brüdern Peter und Paul von Strudel bekannt, die zu Ende des 
17. Jh. als Bildhauer und Maler g-länzten. — Des badischen Bildhauers Christian 
Wenzing-er Leben und Thaten schildert Schaefer^'O) in einem anziehenden, gut 
illustrierten Aufsatze. — Die Studie von Bersohn^^») über den Maler Martinus 
Theophilus Polak kenne ich nur aus der Besprechung von Bock. — In einem Auf- 
satz über das „Chokoladenmädchen" der Dresdener Galerie nimmt Paul Sohuman n"^'^) 
gelegentlich einer neuen Publikation Veranlassung, über dessen Maler, Liotard, sich 
zu verbreiten. — In Bezug auf das Seekatzsche Bildnis der Familie Goethe bringt 
Heinemann^''^) die vom „Herrn Rat" mit an den Maler gerichteten Briefe an die 
Oeffentlichkeit. — Zwei Maler des 17. Jh. am badischen Hofe behandelt Krieger^''^). — 
Wir nähern uns den modernen Kunstbetrieben und kommen zunächst zur 
Zeit des Klassizismus und der Romantik. An der Spitze jener allgemeinen 
Werke, welche aus dem Tagesstreit zu einer geschichtlichen Würdigung der Kunst 
unserer Zeit zu führen trachten, wird man die Werke von Rosenberg und Muther 
zu stellen haben. Die Geschichte der modernen Kunst von Rosen berg^''^) gehört 
zeitlich in diese Besprechung nur insofern, als versucht wurde durch Preisherab- 
setzung und Ausgabe in neuen Lieferungen den Absatz des Werkes neu zu beleben. 
Denn das Buch selbst ist eigentlich schon längst gestorben. Es ist ein Versuch vom 
Standpunkt der Aesthetik der 60er Jahre aus, den Entwicklungsgang der Kunst ob- 
jektiv zu behandeln, sich der Gesamtleistung der Nationen gegenüber auf jenen, 
anfangs dieses Berichtes geschilderten „höheren Standpunkt" zu stellen und von 
dort herab die Künstler belehrend abzuurteilen. R. ist kein ungeschickter Mann, 
wenn auch ein solcher, der geistig der selbstgestellten Aufgabe weniger gewachsen 
war als mancher andere, der vor ihr zurückschreckte. Aber er hat das Selbst- 
vertrauen des Tageskritikers, welcher zu siegen hofft, wenn er jeden in die Waden 
beisst, der ihn bedroht. Das ganze Buch ist aus dem Gefühl allgemeinen Besser- 
wissens heraus geschrieben. Die Kleinen werden „ermuntert", den Grossen wird 
der „Standpunkt klar gemacht". Die künstlerische Tugend reicht für R. so weit, 
wie er sie begreift — rechts und links von seinen Theorien grinst das Ver- 
brechen. Abgesehen davon, dass dies Buch leichtfertig in der Mache ist, gleicht 
seine Objektivität schliesslich nur jener des Prokrustes, erweist sich in erstaunlicher 
Klarheit, dass ein objektives Darstellungsverfahren unmöglich ist; denn die subjek- 
tivste aller menschlichen Aeusserungen, die Kunst, kann in ihrer Ganzheit nur durch 
den Menschen, nie durch ein System begriffen werden, und sei es ein so dehnbares, 
wie R. es zu seinem Gebrauch sich einrichtete. Man kann das Schaffen eines 
Künstlers systematisch darstellen, man kann die Kunstübung ganzer Völker und 
Zeiten nach Grundsätzen ordnen, aber diese Grundsätze haben keine Gewalt über sie, 
sie wohnen ihnen nicht inne; das Urteil nach ihnen hat keine bleibende Kraft, — es 
wird von der nächsten, schaffenden oder nachempfindenden Energie über den Haufen ge- 
worfen: Es wird so subjektiv sein müssen, wie das Schaffen selbst es ist. üeber den 
Geschmack lässt sich eben nicht streiten. -- Das ist es, was auch Muther ^'^ 6) in seiner 
Geschichte der Malerei des 19. Jh. nicht völlig klar war. Sein Buch ist prächtig 
dort, wo er ganz frei heraus sagt, was ihm an fremdem Schaffen gefällt und warum 
es ihm gefällt. Wo er aus seinem Behagen gegen andere eine Anklage darauf schmiedet, 
dass sie nicht so schufen oder empfanden, wie er es wünscht, wird er leicht unge- 
recht. Er ist seiner besseren Natur nach subjektiv, als Schüler der Kunstwissen- 



Gontard u. Schinkel: Kw. 5, S. 25/7. (Rec. v. N. 263.) — 266) L. Ziemssen, Wenzeslans v. Knobelsdorff. Lebensbild e. 
Künstlers u. Freundes Friedrichs d. Gr. (= Fleramings Vaterland. Jugendschriften 30. Bd.) Glogau, Flemraing. 12". 
135 S. mit Bildn. M. 1,00. — 267) W. Tesdorpf, J. v. Collas, e. preuss. Ingenieur n. Baumeister d. 18. Jh. u. seine 
Zeichnungen v. Schlössern d. dtsch. Ordens im Samlande E. Beitr. z Bangesch. d. Ptuv. Ostprenssen. Königsberg i. Pr., 
Koch. 1892 78 S.; mit 1 Tab. u. 10 autotyp. Taf. M. 2,00. |[FBPG. 6, S. 615/6.]| - 268) Kud. Müller, K. Skreta 
Schotnowslcy v. Zaworzitz: ADB. 34, S. 447/9. — 269) Karl Weiss, Paul und Peter Strudel: ib. 36, S. 640,3. — 270) 
Carl Schaefer, Chrn. Wenzinger )710-97: Schan-ins-Land S. 24-35. — 271l O M. Bersohn, Martinus Theophilus Polak, 
ein Maler d. 17. Jh. Frankfurt a. M., J. Baer & Co. 4». 21 S.; mit 4 photolith. Taf. M. 4,00. |[R. Bock: Kunstohr. 1892, 
S. 451/3.]| (Zuerst als Diss. erschienen.) — 272) P. Schumann, Ueber d. „Chokoladenmädchen" d. Dresdener Galerie: 
Didask. N 303. — 273) K. Heinemann, D. Goethesche Familienbild v. Seekatz: ZBK. 3, 8. 62/6. — 274) A. Krieger, 
Wallerand Vaillant n. Matthäus Merian d. J. am baden-badischen Hofe: ZGORh. 8, S. 381/2. — 275) Ad. Bosenberg, Gesch. 
d. modernen Kunst v. d. französ. Revolution bis auf d. Gegenw. Billige (Titel-) Ausgabe. 3 Bde. (In 16 Lief.) L., Grunow. 
(Gera, Griesbach.) (1892-94.) 430 S.; 489 S.; VIII, 502 S. M. 16,00. |[ScbwäbKron. 1892, 29. Okt.]; (Zuerst 1882.) - 276) 
R. Muther, Gesch. d. Malerei im 19. Jh 1. Bd. Mit 282 lUustr.; 2. Bd. mit 453 lUustr. München, Hirth. VII, 502 S.; 
VIII, 670 H. M. 11,00; M. 14,00. [[Laura Marholra: Zukunft 5, S. 31.5-20; BLU. S. 511; L. G.: ML. 62, S. 375; G. 
Galland: Geg. 43. S. 13/4, 231/3; N&S. 66, S. 405/9; 67, 8. 270/1; 0. J. Bier bäum: FrB. 4, S. 1142-57; Ath. 2, 8. 73; 
C. Hofstede de Groot: NedSpect. S. 127 ; L. Andreas-Salomö: FrB. 1, S. 602/4; Kw. 6, 8.200,1; C. V.: WeserZg. N. 16636; 



C. Gurlitt, Kunstgeschichte. 1892, 1893. I 11 : 277-284 

Schaft wider Willen objektiv, d. h. nach Gesetzen urteilend, die er sich freilich teil- 
weise selbst schuf. Das Beste an seinem Buche ist, dass es zeig"!, wie ein vorwärts 
Strebender 1893 über die moderne Kunst dachte ; es ist Ausdruck der Zeit und daher 
für viele belehrend und fortreissend. üie Schwäche lieg-t in den Versuchen, den 
ausgesprochenen Gedanken für die Zukunft Dauer zu verschaffen. Nach uns 
kommen andere und die werden auch Platz für ihre neuen Anschauung-en 
haben wollen, wie wir ihn forderten. Die Kritik des M.schen Buches — und es ist 
g-anz ausserordentlich oft besprochen worden — hat es als eine Revolution in der 
Kunstg-eschichte beg-rüsst und als ein leeres Parteigeschwätz verurteilt, je nach dem 
Standpunkt des Recensenten. Aber eines hat sie nicht versohweig-en können: dass M. der 
erste war, der von der Entwicklung- des Gesamtschaffens Europas ein wirklich umfassendes 
Bild g-ab, weil er thatsächlich dies Schaffen kannte. Er selbst g-iebt Gurlitt und Plelferich 
als jene an, welche vor ihm in ähnlichem Sinne wie er über den Entwicklung-sgang- der 
modernen Kunst