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Full text of "Jahresbericht uber die Nied. Osterr. Landes-oberrealschule und die mit derselben verbundene ..."

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Icrharl uiid die Eleatischc Schule 



(Eine kritische Vergleichung) 



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MAl(BlJRrr y 



rrofes&or Anton Khrcnberger. 






BU 53 XL. 

7 lt02ST2 005 I 




lElrLleituLxigr* 

K«?alisnius und Itlealismus sind die beiden grossen Gegeusätze, welclie 
sich durcii die ^anzf Pliilosuidiii^ vuü deijt ersten Anlangen bis herauf zur 
neuesten Zeit Uiiidurchzieherj. Sind auch die Namen in der antiken Philosophie 
noch nicht ^^urhandea. finden wir aucli den Ausdruck ßealisinns erst in der 
scbulastischen Philosophie und da im Gegensatze zvm Nominalismus, und 
die Tennini Idealismus und Idealist ei*st bei Leibnitz und Wolff^) und da 
im Gegensätze gegen den Materialismus, so ist doch der Gegensatz der- 
selben ßo alt als die Philosophie selbst. Während aber der antike Idealii- 
lus ganz in den3 Gegensatze des Denkens icum Wahrnehmen, des Begriff- 
ticiieü zum Sinnlichen, und in der realen Bedeutung, die er allein dem 
mten beilegt, wurzelt ; während bei ihm die Identität des in bestimmten 
B^friffen Gedachten und des Seienden an die Stelle der gemeinen empiri* 
den Ansicht, welche das sinnlich Wahrgenommene für identisch mit dem 
Si'ienden hält, tritt \ wahrem! dieser antiken Weltansicbt eine Trennung 
in Seienden und des Wissens von ilim, eine Gegenüberstellung des er- 
Unnenden Subjekts und der erkannten Objekte, eine Unterscheidung von 
Wngen an sich und ihren Erscheinungen, als blossen Vorstellungen des 
wahruehmenden Subjektes, noch fremd war, selbst die Untei^sucbung des 
Ü^nkprozesses als einer Tbatigkeit des denkenden Wesens* die psycholo- 
ffäche Seite des Denkens, hinter der logischen weit zurikkblieb und daher 
mf diesem Standpunkte auf die Metaphysik keinen Eiufluss gewinnen konnte r 
Beruht dagegen Alles, was in der neueren Philosophiei wenigstens von 
Itescartes bis auf Fichte, unter die Kategorie des Idealismus gebracht 
werden kann, auf der Unterscheidung des Subjektiven und Objektiven, auf 
r Gegenüberstellung des Subjekts und der Objekte, auf der Anerkennung 
Unmittel barkeit des Wissens des Subjekts von sich nud seiner Existenz, 
i nur mittelbarer Erkennbarkeit der Objekte, der Dinge. Versteht man 

) Wolffs Peycbologia mHonaUs g. 36. aqq,: I des] i st &e flietm tut, ein i nonn in i idealem 

laniin in ftnirnftbaa nostrii exiBt4:iiliäm conceamit t ad«oque realem mundi et eorpnruiu 

HiUutiftin negint* -^ Qaouiain idealisUe nomiiii aniiiiae exlRtenttain admittunt, corpus 

jTü omikt nonniii in »umemm idearam ejus refernnt, iileali^tae moni^tae vout {anuni 

feUm modo ntbit^iiUa« genai admittUAt) et auimain ptg ante immateriati kabent. 



anter Bealismas die Anerkennung von Dingen oder Wesen, denen unab- 
hängig von dem Sein und Denken des Subjekts selbstständige Existenz zu- 
kommt, so scliliesst nur der Idealismus Fichte's diesen Realismus völlig 
aus, alle anderen enthalten mehr oder weniger realistische Elemente, ja 
diese tiberwiegen in einigen dieser Systeme so bedeutend, dass man dar- 
über ihre idealistischen Ztige leicht übersehen kann. Andererseits lässt 
sich nicht verkennen, dass auch der Realismus, ursprünglich Empirismus 
sich mehr und mehr mit idealistischen Elementen versetzt hat, so dass die 
Erfahrung als Produkt zweier Faktoren, eines subjektiven und eines objek- 
tiven, angesehen werden müsse, aber durchaus nicht im Sinne von Schel- 
lings Identitätslehre, in welcher den Gegensatz des Realen und Idealen 
in einer höheren Einheit, dem Absoluten, au^^zugleichen versucht wird, 
oder im Geiste des HegePschen Panlogismus, nach welchem „die unpersönliche 
(objektive) Vernunft (die logische Idee) durch ihr Gegentheil, das ver- 
nunftlose Sein (die Natur), hindurch zur persönlichen .(subjektiven) Ver- 
nunft (zum absoluten Getste) wird." Beiden ist das Streben gemeinschaft- 
lich, die Erfahrung, den Schein des Wirklichen, zu begreifen, kommen aber 
zu ganz entgegengesezten Resultaten, so dass vom Idealismus „das in den 
Augen des Realismus Unwirkliche für wirklich, dagegen das in dessen 
Augen Wirkliche für unwirklich erklärt wird." Was also ist Wahrheit? 
Der Idealismus behält als das einzige Wirkliche das „Ich", das als Ur- 
sache und Wirkung zugleich (causa sui) gedacht werden soll ; das ist aber 
ein lebendiger Widerspruch, und ein solcher kann nicht als wirklich ge- 
dächt werden. Aber es bestätigt ihn ja die Erfahrung, wenden die Idea- 
listen ein, und dadurch ist die Einsprache der Logik abgewiesen. — 
Auch das ist nur ein Schein. Das „Ich" erweist sich als eine im wirklichen 
Vorstellen schlec^^thin unvollendbare Vorstellung, da sie mit der Forderung, 
eine unendliche Reihe vorzustellen, behaftet ist; und eine solche kann 
niemals Thatsache sein. Der Realismus hingegen setzt als Ursache des im 
Bewusstsein schwebenden Scheines etwas, zwar an sich Unbekanntes, das 
aber ohne Einsprache der Logik als wirklich gedacht werden kann, ja so- 
gar als wirklich gedacht werden muss. „Wie der Rauch auf die Flamme, 
so deutet Schein auf Sein." Mit diesen Worten spricht Herbart am präg- 
nantesten den Schluss aus, der uns zwingt, von dem Rauche des Scheins 
auf die Flamme des Seins zu schliessen, allerdings mit dem Seitenblick, 
dass dieses angedeutete Sein nicht inner-, sondern ausserhalb des Trägers 
des Scheines zu suchen ist. Die Frage, welche der beiden Weltansichten 
die richtige sein werde, ist damit unzweideutig gelöst. 

Die ersten Anfänge des Idealismus finden sich bei den Eleaten ; der 
Realismus in wissenschaftlich vollendeter Form ist in der Herbart' sehen 
Philosophie ausgedruckt. Damit ist das Verhältnis der beiden philosophischen 
Schulen in den allgemeinsten Umrissen charakterisiert. 




I. 



Hei den Joiiiern war rlaj* RfidlirfniK, zur Erklärung des Wechsels, den 
^olioti »iie i^berHachlii^hsl** Natarhetraciitung aufwHJi^t, ein Bleibeudeü auf- 
xai£U<*tten, welches man als Realgrimd der ErscheinungeD aii^eheü dürfe, 
smm dimllicbeu Bewussiseiii gekommen. Darum ^ncliten sie das ansehe] uende 
Vielt? und Ver>«cUbdeiie anf ein gemeinsames Etwas zurückzuführen und 
iiederam daraus herzuleiten; aber diese ReductioLii- uud Ahleitangsver- 
Mehe baiteii ihre grossen Hchwierij^keiten, Man war sich des Uberschweng- 
Kduso Charakters der Aufgabe, die man sich stellte, noch zu wenig be- 
woflat, uuil grill deshalb, statt sich zu beschränken imd mit dem Nächst- 
liegtüidi^o zu beginnen, In unerni essliche Weiten. Man legte den ge werde- 
I iiren, wie sie sich mit ihrt^n Bestimmungeri der Wahrnehmung un- 

li..,, .-.;r darbieten, den Begrilf des Elemeutes^ des Nichtgewordenen, zu 
itrüude und erdac^hte^ da das Element als ein bestimmtes Qualitatives 
hfalls mit in der Lmwandluugsreihe liegt und kein Örund vorliegt, 
ito rÄ dieses ist und nicht auch ein anderes sein konnte, den Begrilf 
E «iinen Stoffes, des unbestimmten Bestimmbaren* Wie kam jedoch der 
-uyü zur ersten Bestimmtheit? Diese Frage, deren Uruek die Joniar noch 
^r fühlten, warf HerakliL auf» und beantwortete sie dahin, dass er das 
ilen Helbst ab die Qualität des Stoffes bezeichnet, dasselbe ak allge- 
meines Grundgesetz der Welt lunnteUte und den im Werden liegenden 
'legtsiisutz als den eigentlichen Realgi'und alles Seins und als den Erklä- 
anUKgmud alles i4es€hehenä bezeichnete. Im Werden liegt zweierlei: ,,L 
\^Ms jetzt etwas ist, was vorher nicht war und 2, dass zwischen dem jetzt 
lind vorher Seienden ein gewisser Zusammenhang stattfiudet. Wäre das 
nicht, so wäre nichts geworden; wäre das zweite nichts so wäre 
gew^orden, sondern eiu völlig Neues zu dem früheren in durchaus 
ioer Beziehung Stehendes von Aussen hinzugetreten.*'*) Wird das Wer- 
BU noch als iib.sulutes gefasst, so wird damit ansilriicklich von jeder 
aeren uud äusseren Ursache der Veränderung abgesehen ; vielmehr soll 
iü dem» was jetzt istp liegen, dass es* im nächsten Augenblicke nieht 
dieses ist, sondern ein anderes. An die Stelle von A soll Nieht-A 
eUiu, jedoch so, dass der Zusammenhang zwischen beiden nicht zerreisse, 
h, A darf noch nicht ganz aufgehört haben, wenn Nicht-A schon einzu- 
ieleii anföngt ; also in Einem Zeitpunkte ist A noch und Nicht* A schon 
d* b. S^sin und Nictitsein, Aufhören und Anfangen beisammen; Mdrta 




•y ^iMEaiirmAimj pUlotoph. Propftd« 



6 

xca dti tivcu xai fii^ elvat sind die eigenen Worte Heraklits. Kann 
wohl ein Widerspruch mit grösserer Schärfe ausgesprochen werden, als 
mit diesen Worten ? Ohne Verzug drängt sich der Gedanke auf, was in 
sich widersprechend ist, das ist unmöglich ! Und zwar ist nicht von einer 
subjektiven Unmöglichkeit oder Unbegreiflichkeit die Rede, dass man etwa 
von einer späteren Zeit und einem höheren Scharfsinne hoffen könnte, es 
werde ihm geliogen, diese Widersprüche zu lösen. Nein, was in seinem 
Begriffe widersprechend ist, das ist schlechthin unmöglich, das kann nicht 
so sein oder geschehen, wie der es denkt, welcher j^dessen Begriff in sich 
selbst widersprechend denkt. Ein Ding ist ein viereckiger Kreis heisst, 
dieses Ding ist unmöglich, ein solches kann es nicht geben, und keine In- 
telligenz wird im Stande sein, ein solches als wirklich seiend zu denken, 
und keine Allmacht wird ihm Dasein verleihen können. An und für sich 
ist jede Bestimmung : viereckig und Kreis recht wohl zu denken ; aber beide 
zu gleicher Zeit einem und demselben Dinge an ein und derselben Stelle 
beilegen, kurz die contradictorischen Gegensätze zu einer Identität zusam- 
menfassen, das ist so viel als ein solches Ding für unmöglich, für nicht 
seiend erklären. Ebenso verhält es sich mit dem absoluten Werden. Ein 
Geschehen für absolut erklären heisst, einem Dinge Sein und Nichtsein 
zugleich beilegen oder sagen, . ein solches Geschehen ist unmöglich ; nir- 
gends in der ganzen Natur wird jemals irgend etwas absolut.^) Diesen 
Widerspruch in seiner ganzen Schärfe fühlten die Eleaten und drückten 
ihn aus in den Worten : 

. Ol de (poQOVYxai 
Kw<poi Ofxwq xvipXoi te Te^t^jidzeg, äxpira ^vJia, 
Olq ro nileiy xai ovx elvai r avTOv vevofAiÖrai 
Kov ravTov, jravteov Si xaXivxQOXoq kört xeJLtvSog, 

Weit entfernt, sich mit dem Begriffe des Werdens zu befriedigen, 
fühlten sie sich vielmehr wegen des in ihm liegenden Widerspruches ver- 
anlasst, ihn als Erklärungsgrund der Erscheinungen zu verlassen und über- 
haupt als wissenschaftlichen Gedanken aufzugeben, mit der Begründung, 
was sich widerspricht, kann nicht als befriedigender Ausdruck des Denkens 
gelten. Kann also nicht im Begriffe des Werdens oder Werdenden das 
Denken Beruhigung finden, so kann dies allein im Begriffe des Sein oder 
Seienden geschehen. M Das Seiende allein ist Gegenstand des Wissens ; alles 
übrige fällt der trügerischen Meinung anheim (Vers. 104 sqq.) Parmenides 
beschrieb ausführlich, wie das Seiende zu denken ist, damit es diese Be- 
ruhigung gewähre und machte dadurch den ersten Anfang, einer wissen- 
schaftlichen Bearbeitung der Begriffe zum Behufe einer sicheren onto lo- 
gischen Erkenntnis. Zeno unterstützte ihn kräftig, indem er nachwies, dass 
Vielheit und Bewegung etwas an sich Widersprechendes, folglich Undenk- 
bares und Unmögliches seien. Ausgehend von der Ueberzeugung, dass wi- 

•) Fülleborn Beiträge zur Geschichte der Philosophie, 6. Stück, V. 55. 



4er»prMhende Bastimmungen von dar Qualität des Seiandeti fenigeUalten 
irerdeE mUssteii, vermochten sie jedoch die Hinweisttn^, welche der Wi- 
denipritch im Begriffe der Veränderimg für die Beslimmting der Veiiiitlt- 
nisM des äeieoden enthielt, nicht m erkennen, und sahen sich f.u der aus* 
weichenden Annahme veranlasst, dass das Seiende als ^er Veränderung ab* 
lul unr heil haftig aufzufassen sei. Dadurch blieb auch ihre Speculation 
dem engen Kreise der Begriffe des Werdens, des Seins und des Nichts 
btfangen Da sie nun weder das Werden d>b. dasaus Sein und Nicht- 
besiahande (Vers. 50 sqqOf noch das blosse Nichtsein (Vern. 43) als 
wahrhaft Seiende zu Erkennen vermochten, so blieb ihnen als das, was 
nur das reine Sein Übrig. ^) Von diesem Sein mussten zunächst alle 
rftdikate, welche den Begriff der Veränderlichkeit in sich enthalten, also 
tehen und Vergehen, Wachsen und Abnehmen, Endlichkeit und Be- 
ichkeit wie Uneüdlichkeit und ünbe weglich keit (Vers. 56 sqq., Vers, 
8fJ wiq*), sodann aber diejenigen, welche mittelbar oder nnmitlelbar den 
iff des N ich t*ei enden herbeiführen, also Vielheit und Mannigfaltigkeit 
rs. 7B sqq.) ausgeschlossen werden. Sonach bestand nur das reine Sein 
1» das Eine (Vers. 69)^ ausser welchem nichts Anderes für in Wirklich- 
«eiend gehalten werden konnte, an welches al^o die Erscheinungswelt 
ihrer Vielheit keinen Anspruch hatte (Vers, 92 sqq.) Aber noch immer 
Qrde das Denken, das nicht geleugnet werden konnte, dem Sein als ein 
tea gegenüberstehen, und die Einheit dpssalbeOj welche der Begriff 
SeirUnach ihnen) fordert^ wieder aufbeben* Um dies zu vermeiden, setzte 
armenidcH Denken und Sein als identisch (Vers, 88 sqq.*) Damit schien 
3£Ugleich das Erkennen (welches er vom Denken nicht nuterschied) die* 
Einen Seinj* zu wahren. Da jedes dem Sein beigelegte Prädikat die 
leit desi*elben aufbeben würde, so nmsste gezeigt werden, wie trotz 
cUeaer Hchwierigkeit für das Sein eine Möglichkeit erkannt zn werden, 

Phftudrn war. Dies glaubte Parmenides durch die Identiflcirung von Den- 
i und Sein zu erreichen**) Nicht als liätte Parmenides idealistisch das 
►jeklivE des Gedankens oder Begriffes ftlr das ausschliesslich Reale, das 
•| StjUmiiell, Üeftcbi(^1iN der griech* Philü»ophie, 

'^ Piei«r ÄnflA!ifiYin{|r wideriprieht Fr, Eiuer (Ueber die Lehre tou der Kinhelt 
DeoketiA und Sein). Er nagt; ^Bei der Itürfti^'keitr unierer N&chrkht«it Über dhm 
ZiUAmmmhmgB mit undereti keitie^weg:R kielit £U fassende Stelle mischt« die Sache 
hmvt XU enUchddi^ii aeiu: wahrächeinlirh lAt sie wohl kaum^ wenn man uMit die Worte 
itirtr BedtHttang will de& Äuast^blag geben laäueu , * - . ParmenideB katf4 Siyu 
^irncbumg des Wcrde»^ zur Behttuptmig des Eüieii ungetheilten Seiiui; d/i^s dies 
ili-ch mit deuj Erkennen, ward bebauptel; bewieaen aber wird es weder uni der 
dw Sein«, wekhes etwa nicht erkennbar wäre, ohne seibat de« Erkennen^ theil- 
so peiti, uuch aus der Natur des Erkennen;?, als ob dies ohne jene IdenttUt nicht 
beit htite, sondern der letzte Grund lautet: titih yccf innv ^ Itfroi «i/u x^^ii 
Stin ist nichü, darum ist auch das Denken nicht ausaer ihm ; es ist also, 
' fkm äein. Dies ist eine Hfirte der Lehre^ aber keine lÜrkenntniüiHtheori« 
M^ des Schlusssaues ist wenigstens nl^ht grüaaer, als die allgemeiu i;age> 
4cf FrimiMse/' 



entspre cbende Objekt für Schein gehalten, sondern weil er dem Erkennen 
Wahrheit zueignen musste, so weit es auf das Sein gerichtet, und dieses, 
ohne des Erkennens oder des Denkens theilhaftig zu sein, selber nicht 
erkennbar und denkbar sein könnte: daher setzte er Sein und Denken 
identisch.^) Die Eleaten zogen auch die nothweudigen Consequenzen. Mit 
dieser Identificirung des Denkens, nicht des gemeinen sondern desjenigen 
welches Erkenntnis^ Bild des Seins ist, mit dem Sein, muss dasselbe 
gleichfalls der absoluten Ruhe, Unbewegliclikeit, Abgeschlossenheit theilhaftig 
gesetzt werden, d. h. der Gedanke, Sein und Wissen ist Eins, muss wahr- 
haft auch der letzte sein. Eine weitere Entwicklung des Wissens kann es 
ebenso wenig geben, als von dem Gefundenen aus irgend ein Erklärungs- 
versuch des veränderlichen Scheines und der ihm entsprechenden Meinung 
möglich ist. Es ist daher nur consequent, wenn sie die Erfahrung, die ge- 
gebene Sinuenwelt, nicht bloss als Gegenstand des Nichtwissens oder der 
Meinung verwarfen, sonderu sie gerade wie einen Gegenstand behandeln, 
der nur der Sprache zum Spiel, zu <riner schmuckvollen Dichtung dienen 
könne.'; 

„Drom sind es blosse Namen, 
Die Menschen nur aas falschem Wahn erfanden, 
Wenn hie vom Werden und Vergehu, vom Sein 
Und Nichtsein, von Veränderung des Orts, 

Und Wandelung der äussern Farbe sprechen." (Fülleboru Vers. 9 .' sqq.) 
Ist darin nicht ein ganz gesunder Anfang einer richtigen Metaphysik 
enthalten? — Allerdings, aber nur der erste Anfang oder vielmehr die 
Vorbereitung dazu, der erste Spatenstich zum metaphysischen Gebäude. 
Herbart war es, der uns ein stattliches Gebäude vorführt, einheitlich im 
Stil und vollendet nach Aussen, das nur im Innern noclr mancher Vol- 
lendung harrte. Aufgabe der Metaphysik ist es, die letzten Gründe der 
Erscheinungen zu erforschen und die eigentlichen Realprincipien der uns 
umgebenden Dinge aufzusuchen Es sind also ganz bestimmte Bedürfnisse, 
an welche sich die metaphysischen Forschungen anschliessen. Diese Be- 
dürfnisse sind gegeben und lassen sich nicht wegdisputieren. Dem einmal 
in Anregung gekommenen Naclidenken über den Wechsel der uns um- 
gebenden Erscheinungen vermag niemand ohne Weiteres Ruhe zu gebieten. 
Die Frage nach den Ursachen der Dinge ist nicht eine solche, die, wie bei 
Kindern, ebenso leicht befriedigt, als angeregt wird. Freilich regen manche 
Erscheinungen diese Frage weniger an als andere; viele Menschen beruhi- 
gen sich bei einer höchst oberflächlichen Angabe irgend welcher nächsten 
Ursachen, andere dagegen nicht. Soll die Metaphysik den Ansprüchen an 
eine Wissenschaft im strengen Sinne genügen, so muss auf dem Wege 
eines rein discursiven Denkens, ausgehend von dem allgemein Bekannten 
und unmittelbar Gegebenen, und fortschreitend von da zum Unbekannten 
und Gesuchten eine strenge Herleitung der beabsichtigten Erkenntnisse 

') Brandis Comnieutat eleat. I. B. 
«) Strümpell, Geschichte d. gr. Ph. 



rirkt werden« HIk entsteht dabei nothwendig der Gednrike nii da» „Sein^. 

tHe^en Begriff des Sein, dm reinen S^iri, zmvBt entdeckt m liaben, ist dan 

renh>iuHt der Eleaten, In der Riclitunj^ finden wir Herbart in üeber- 

iiirng mit deiihHllten. Auch er uinimt den Begriff in derselben Ein- 

fÄcbbfit, nur im UegenHatxe gegen das Werden und gegen das relative 

tm^ aber er vtsrincliHirte den Ausdruck, Äveiu ist diirchans* „kein realen 

IPrÄdikat, d. i ein liegritl von Ktwas^ was m dem Begiiffe einei* liingüß 

IhituukümnK^i koiiniö**, welches demselben zn- oder abget*procUeu werden 

|k«Vunt<^, wie andi.'re Prädikate, soiidera es bedeatöt nur die Po.^ition vcn 

|Ktwas. weldie* unabliHUgig vun allen anderen Uingen selbständig nud 

ibiH>lut besielu. üi} dasü^ e^ dabei t'i^r immer sein Bewenden liabt^ii kanu; 

'b«Uung Jsdili*rlithiu ubne jegticben Vorbebalt tles WiecLeraulhebens. „iJaa^ 

Ibü m, wie Bi/nii[n*rle zü Camimforniiu von tler fraiiitüsiKcben Republik 

flip^ ^in die ^SoJine; welie denj, der feie niclit sielit*\^j Wird das Sein 

hfuu irgifud Etwa« bejabt, m wird damit am*ge8agt, d^s Seiende bediirfe 

Ikttitufti ander**!! 8lütifi[*urik!, dei e.s trage, Weder in einem Denkenden, iioeh 

' ia einem anderen seienden, «wundern es stehe an sicli selbst fest. Der 

Ausdruck y, An— sieb s^m" tleutei darauf hin^ dass mau in äeiuem Denken 

für d*8 Seiende zwar eine trenide Stiitif.e gehaucht babe^ sie aber babe ver- 

aemeD mÜssi^eM. Dieses AbsüluiseUen irgend triiies Etwas ist keine <iuaiilativt) 

ll4?düminu»g des Etwii» selbst ^ oder das Sein seltrst i^t nicht, wie die Kleaten 

glaubt i-o; es gebüri nicbtzuduniWas, welcbe^ist; es ist wederein Attribut nock 

t*in Muduh des Stienden, esgebiui sfiUrilodalitittdesGedaukensJJiesePu^itiüU 

ah abt»i)lute ist keiner Venninderuug, keiner Steigerimg läbig. Man kann daher 

j ayeb Dicht vmi einem melir oder weniger sein sineehen, sundern ein l/ing 

^ M uiitwetler oder es ist iiberliauiit nielit, Uibt man sieh der Vorstellnii^ 

\ bin, üii küünle Etwas in bbberem iirade sein als ein andere», so wirvl 

[ bereit.«^ der reine Begriff des Sein autgegeben und wird als ein Prädikat 

gedadit. In diesem Sinne meint Sidinj^ia, dass eiueru Dinge um so melir 

Ueaiilitt zukomme, je mehr Attribute es liabe. So konnte die Rede von 

L dimui ena realii^siinnm entstehen, desstsn Essenz die Existen« involviere, 

l Dieser Begriff des Sein in seiner abstracten Einfadiheit ist viillt,^ 

' leer, ist l'oimla für ein vt-rschwHiudenes Subjekt. Auf iliese Bestimmung 

fllline Herbart /iigleiidi die IJnteisuduiiig der logisdien Foi m der Kxi.steu* 

tkliSiUEe, welche aussagen, dass irgend ein Vorgei« teilten kei» blosses Öedan- 

ketiding, dass es im tTi^jreutheil wirklieli sei. Er- zeij^te, dass in sokbeu 

L ^iJM^en, wie: Es ist A, das als seiend BeKeiditiete iiiebt zutällig oder nur 

•biti b Sprachgebi audi din PrMikatsstelle einnehme, ihm es nidit unTg^set^t 

I werileii könne in di*^ l'rtheilsfui'm : A ist seiend, weil dann A als Sutijekt 

I iiir by|>otlie tisch gesel/,t wmileii würde, dass es vielmehr in der Prädikats* 

il'-lle gelassen werden iniisse Wälirt*inl in der gewohulicben Form dos 

Uitlidb da« Prädikat beseliiäukt ist auf ib-ii Umfang des Subjektes, ij4t 

f Meff wenn das Subjekt ganz, nnbestiinint Meibt, wie dies das \Vr>rtdien 



*^ Zimmnmatm, AinbrupikN^jpbie 



10 

^es^ bezeichnet, der Umfang de« Subjektes keine Schranke mehr , ^^es wird 
das Prädikat zu einem Begiifle, dessen Schranken weggenommen sind, d. h. 
die Position wird für unbedingt erklärt''.*) Nur im Denken einer Intelli- 
genz ist diese Position, sie ist ein Begriff in ihr und weiter nichts. Da- 
durch ist das Sein' auch vom Wirklichseiu und Dasein geschiedeu. Die 
Wirklichkeit, welche dem willkührlichen Denken, dem Traume u. dgl. 
entgegensteht, drückt nur das Gegebensein aus, womit noch nicht einmal 
ein Dasein ausgesagt wird. Das Dasein bedeutet ein Sein in einer Reihe 
mit Anderem, das auch da ist. Wird diese aufgehoben, so verschwindet 
das Dasein, aber nicht das Sein. Denn der Begriff des reinen Sein enthält 
nichts von einer Reihe und kann also durch das Aufheben des Daseins 
nicht mit aufgehoben werden. 

Dieser Begriff des absoluten Seins ist nur äusserst schwierig in seiner 
Strenge festzuhalten und so leicht zu verletzen, dass schon die Eleaten 
wider ihn fehlten. Zuvörderst durch den Satz: „Das Sein ist" haben sie 
die absolute Position wieder verlassen und haben den Begriff relativ ge- 
setzt; sie hielten das logische und metaphysische Sein für einerlei, ihnen 
war Sein und Wesen, Existenz und Ding dasselbe. Sie waren im Denken 
nicht so geübt, um sich ein Etwas zu denken, ohne es auch als Seiend zu 
denken ; von jedem, selbst dem Gedankendinge ist bei ihnen der Begriff des 
Seins unzertrennlich ; das Sein und das Seiende floss bei ihnen in Eins zu- 
sammen. In einer zweiten Hinsicht fehlen die Eleaten gegen den Begriti 
des reinen Seins, der absoluten Position, dadurch, dass sie das Denken mit dem 
Sein indentificierten. Die absolute Position fordert, dass das Sein voll- 
ständig unabhängig, also auch von jedem wie immer gearteten Denken un- 
abhängig sei. „Das Sein als solches bedarf der Anerkennung durch das 
Denken nicht. Das Sein ist nicht vor dem Denken, aber es bestünde auch 
ohne das Denken".*) Dazu kommt, dass das Denken selbst kein Sein ist, 
sondern vielmehr ein Geschehen. Allerdings war diese Indentificierung nur 
eine Consequenz eines früheren Fehlers. Dadurch, dass bei ihnen Sein und 
Wesen in Eins zusammenfloss, wurden auch die Bestimmungen, die für das 
Sein gefunden wurden, auf das Wesen tibertragen. Da der ganz abstracte 
Begriff des Seins, wie jeder Begriff, nur einer ist, was die Eleaten erkann- 
ten, so galt die Bestimmung der Einheit des Seins als Begriff auch für 
das Wesen, für das Seiende (Vers. 59) Sie konnten nicht anders, als alles 
Wesen als blosses Sein zu denken; und wie es nur Ein Sein gibt, so auch 
nur Ein Seiendes. Sie mussten daher, um die Einheit des Seins, respective 
des Seienden, zu retten, das Denken mit dem Sein indentificieren. 

Fragt man sich, wie es möglich war, dass sie trotz der Thatsache 
der Vielheit der Erscheinungen die Einheit des Seienden zu behaupten 
vermochten, wie es ihnen möglich war, diesen Widerspruch zu ertragen, so 
hat man sich daran zu erinnern, dass die Lehre der Eleaten nichts anderes 



*) Herbart, Metaphysik II. 

*) Zimmermann, Anthroposophie 



11 



WVt ali die bestimmte und entschiedene Reactton gegm jede Form, worin 

.die Lebre vom absoluten Wo t den auftreten kann, dass also die üeber- 

iwng, das unwandelbar Seiende könne nicht vieles sein, während schon 

[der gcringBte Versuch der Naturerklär ung sogleich auf Vielheit des Realen 

I fahrt, niemanden wundern dürfe : „Benn jede neue Lehre, die sich durch 

entgegenstehende Meinungen hindurch fechten will, pflegt anfangs einen 

' hyperbolischen Atisdruck sicli anzueignen*'") Die Eleateu waren durch die 

Wideriiprache, welche in der Veränderung lagen und durch den Umstand, 

dass letztere ab die Qualität des Seienden von Heraklit angenommen 

wurde, so gebleudet, dass sie den Satz des zu vermeidenden Widersprnchas 

weit Ober seine Gebühr geltend machten und zu der Behauptung kamen ^ 

jdlcfl, was «ich widerspricht, ist nichts; dass sie den an sich richtigen 

Gedanken von der ob]ektiven Basis seiner Veranlassung lost rennten und 

ittrch den Anfang zu einem rein subjectiven Idealismus legten, der in 

Welt aich immer als Fremdling fühlen muss. 

311t welcher 8cliärfe des Oeistes sehen wir dagegen Herbart diese 
fe auseinanderhalten! Er sagt ausdrücklich, der Begrift' des Seins 
der absoluten F^aijition, wie er festzuhalten ist, ist eine blosse 
Abi^traction und völlig leer, wenn er nicht bezogen wird auf ein Etwas, 
welches ist. Versucht man tlenselben ohne alle Beziehung auf ein be- 
stimmtes Wasi zu denken, es sei also nicht Ä, nicht B, nicht C etc, alles 
Bestimmte nicht, m ist üiierbaupt nichts; es wird eben das Sein auf nichts 
btaoga), e^ wird der Begriff des Sein nicht angewendet, vom Sein also ist 
giir keine Rede. Sein ist niclits ohne Seiendes, su wenig wie Bewegung 
ohne Bewegtes, Sprachlich kann mau allerdings uiclit umhin, von einer 
yttalität des Seienden zu reden, und i?a gleichsam die Qualität alö einen 
Besitz neben das Seiende zu setzen oder aucli zu sagen, das Seiende hat 
eine be^ntimmte Qualität; allein in Wirklichkeit ist e8 nicht zu trennen, 
siiodern die Qualität ist es eben, welche ist So ist wohl der Begriff vom 
Seteuden zu fesammen gesetzt aus den Begiiff«^!» vom Sein und vom Was, das 
Seiende h-elbst aber ist nicht aus Sein und Qualität zusammengesetzt, sondern 
_ttt stivng Eins, 

Wie ist nun die Qualität des Seienden, des absulnt gesetzten Was? 
fh um^H i\t*T Begriff des Seienden aufj^^efasst werden, wenn man dasjenige 
daninii-r denken will, was seinem walireu Sinne enispriclitT damit es dem 
Begriffe des Sein, als dem Begriffe einer unbedingten unheschränkten und 
nicht zurückzunehmenden d, h. altsoliitea Position angemessen sei. Darauf 
gibt Herbart ausführlich Heseheid. Die Qualität des Seienden muss 
ychlecbtliin affirmativ oder positiv gedacht werden : ohne alle Relationen, 
die der Begriff der absoluten Position entschieden zurückweist und, was 
tto mittel bar damit im Zusairutsenhange steht, frei von Negationen, da ja 
Xaficren, als Gegentheil des Setzens, nichts anderes heisst^ als ein Gesetztes 
löfheben, also nicht setzen, hm Qualität des Seienden muss ferner als 
«Alechlbtn einfach, ohne innere Vielheit» ohne innere Gegensätze gedacht 
da sonst die Fehler der Negation und Relation sich cunmlieren 



wurden. Die Qualität des Seienden ist den Begriffen der Quantität d. i. 
räumlichen und zeitlichen Bestimmungen unzugänglich. Wollte man sich 
das Seiende als ausgedehnt denken, so müssten sich Theile unterscheiden 
.lassen, deren jeder die absolute Position fordert, was aber der Annahme, 
das Seiende als Ausgedehntes zu denken, dem Sinne nach nicht entspricht. 
Würden die Theile unauflöslich verbunden gedacht, so käme man in den 
cumulierteu Widerspruch der Belatiou und Negation. Betrachtet man das 
Seiende als ein Continuum, mithin die Anzahl der darin unterscheidbaren 
Theile als unendlich gross, so hat das Sein und die absolute Position gar 
keinen Gegenstand; sie verliert sich im Unendlichen, da sich eine Uubud- 
lichkeit von Theileu nicht erschöpfen lässt. Das Continuum ist somit, wenn 
auch unter Umständen eine unvermeidliche Vorstellungsart, doch immer 
nur öedankending. Aehuliches gilt auch von den zeitlichen Bestimmungen. 
Ob etwas in verschiedenen Zeitmomenten Anspruch auf absolute Position 
macht, hat für das Was des Seienden gar keine Bedeutung, sondern ist 
demselben zufällig. Das Macheiuander darf so wenig als das Ausserein- 
ander als reales Prädikat des Seienden aufgefasst werden. Schreibt man 
dem Realen Dauer zu, so muss ihm eine ewige Dauer, ohne Unterschied 
der Momente zugeschrieben werden, so dass das Aufhören und Wiederbe- 
ginuen, wie es jeder Zeitmoment mit sich bringt, ausgeschlossen ist. Der 
Begritt der absoluten Position lässt es aber ganz unbestimmt, wie viele der 
Seienden anzunehmen seien, und es bleibt ganz unbekauut, was als die 
Qualität des Seienden anzunehmen ist. Der Begrilf des Seienden ist etwas 
völlig in sich Abgeschlossenes und Selbstständiges, „einer in sich gerun- 
deten, in allen Theileu sich selbst gleichen Kugel*' (Fülleb V. 96) ver- 
gleichbar, wie die Eleaten sagten. Er sagt über etwas, was es selbst nicht 
ist, gar nichts aus, nach dem bekannten logischen Satze, dass negative 
Prädikate nichts über den Inhalt eines Begriffes aussagen. Und doch wurde 
auch dies von den Eleaten missveistandeu, indem sie meinten, in dem Be- 
griffe des Absoluten sei es gelegen, dass das Reale negative Bestimmungen 
enthalte, wenn es etwas nicht wäre, was andere Reale wären. Es ist 
dies derselbe Irrthum, den wir bei Spinoza finden in dem bekannten Satze : 
omnis determinatio est negatio. Es wird dabei übersehen, dass diese Ne- 
gation nicht eine Bestimmung des Wesens selbst ist, sondern blos im zu- 
sammenfassenden Denken desjenigen vorhanden, der die Seienden mit ein:: 
ander vergleicht, sie von einander unterscheidet, und in dem Gegenstande 
etwas sucht, was er nicht findet. Darum war der Schluss der Eleaten, es 
gebe nur Ein Seiendes nicht gerechtfertigt und ganz unbrauchbar ; denn es 
bestimmt der Begriff' gar nichts darüber, ob es nur Ein Seiendes oder deren 
mehrere gebe. Diese Frage lässt sich nur dann entscheiden, wenn man 
Rücksicht nimmt auf das Gegebene, je nachdem sich dieses aus einer Ein- 
heit oder Mehrheit folgerecht ableiten lässt. 

Aber, wird man einwenden, was helfen uns Begriffe ? Wir suchen 
ja das Seiende selbst, nicht wie es gedacht werden muss, sondern wie es 
in Wirklichkeit ist, zu erkennen ? Wo liegt die Bürgschaft, dass, wenn wir 



ts 



I 



I 



aas das Reale so denken müssen, es auch so besclmtren sei? Herbart gibt 
ilarauf ilie Antwort. Bei einiger IJeberlegnng wird klar, dasg diese Frage 
als ttob«»^rütidet smrQckge\^iesen werden muss. Znerst gibt der Fragende 
ZE, dass der Bec^riffd^^s Seienden anf andere Weise ohne Widerspriieli nicht 
gf'dacht werden kann, mid nun versiicbt Rr selbst, das IFndenkbare^das in skli 
"WMerffpreehende, da« Uiimrjgliclie zu denken. Es treten die alten Vnge- 
reiratheiten, welche die Elenten .«^clion zu Jenen üntersiiclurng^en getrieben 
hatten, wieder anf. und treiben noch einmal an, den schon betretenen Weg 
neneriUn^s m gehen. Um jene Ungereimtheiten ssa vermeiden wurde 
ja der BegiHfl' des? Sein und des Seienden so gefasst, wie ihn Herbart mit 
jH^rtMiser Gpijitesi^rliärfe erörtert hatte. Wer die8P Begriffe nicht so denken 
will, mus.«* narbwetKen. dass ^le anders gedacht nicht widersprecbeiid sind. 
na« aber ist unmöglich. Es ht daher ein gtin% UncrebUriger Vorwurf, den 
erbarl'schen Mptajdiysik njachh\ sie habe sich znerst den Be* 
in und Seienden ?Jirechtgemaclit un<l das ftg-egebene riarnach 
«irrlgiert : im Öepentheile wnrde, wie es die Natur der Sache verlangt, 
der Beffriff vom Seienden nacli dem Gre(}febenen <torrigiert. Der Begriff vom 
Sein und vom Seienden ist kein willkürlich gemaditei-, sondern ein durch 
«in ßtmj^eriuentes Henken aufgedrungener. Wer ihn anders denkt, denkt ihn 
eben nicht scharf. 

Nai) fragt es sich, wie so es komme, dass von einem und demselben 
AttÄgangKpnnkte, ans dem richtigen HegrilTe des reinen Sein, der absoluten 
Podtion, wie Herbart sich ausdrückt^ so himmelweit verschiedene ResnU 
täte mm Vnrsclieine kamen ; dass die Eleaten zur Erklärung der sinnliehen 
Erfahrung nt*!ht nur nichts beitnigpn, sondern im Gegentheile der ganzen 
Well der sinnlichen Erscheinung die wirkliche Existenz absprachen, alle 
Erfahrung verwarfen, die man nnr etwa ssum Spiel in eine geordnete Dar- 
stellung bringen kann, wie der Dichter einen mythologischen Stoff ans- 
schmuckt, wälirend Herbart gerade als Aufgabe seiner Philosophie hin- 
rtdUe, die Welt der Erfaliimng' begieiflich zu machen, und diese Aufgabe 
auch, m weit es in ^^einer Zeit möglich war, löste? 

Die Speculation der Eleaten hatte sich, nachdem sie an dem rechten 
Wege, der zur Qualität des Seienden führte^ voriiliergegangen war, in ei- 
neoi migtu Kreis von Begriffen yerloren, welchen sie nicht zu erweitern 
an-' ' • n einzelne Bestandtheilp sie nichl genügend auf einander m be- 
sitz i iixste. Die Eleaten hatten sich in diesen Begriffen so festgesetzt, 
daiw Rie alles» was diesen Begriffen nicht gemäss war* als leere Täuschung 
Tüfwarfen und lieber von der ganzen Erfalirung Hessen, als ihre Begrilfe 
aufzuleben. Nachdem Parmenidcs die Existenz des Einen, Zeno die Nicht- 
exhstmz des Vielen (nach ibrei Meinung! erwiesen hatte, konnten sie nicht 
trotz dejs gegenfheili^pn Scheines, Diese Consequenz ist es, dieuuM 
iderung einflössen musi<, so dass ihre Philosophie mit Beeht als 
^^Phnosophie des Charakters^' bezeichnet werden kann» f,ausgezeicbnet durch 
die EDtichiedeuhtitf die nur den^euigeu Namea und Werth dm Seim 2U* 




u 

erkennt, was allgemeinen und ewigen Wesens isf >). Sie waren ganz un- 
zugänglich für die Fragen: Ist die äussere Natur bloss ein veränderlicher 
unzuverlässiger, eben nur zum Spiel der Phantasie tauglicher Schein ; wie 
kommt es, dass dieser Schein gerade zuerst und vornehmlich uns an das 
Sein zu denken veranlasst? Ist nicht eben gerade seine relative Natur 
und der Umstand, dass er sich als Relatives hält, ein Beweis dafür, dass 
er mit einem anderen, was wirklich ist, muss im Zusammenhange stehen? 
Der moderne Idealismus, wie ihn namentlich Kant und Fichte ausgebildet 
haben, lässt einen solchen Zusammenhang des Scheines wenigstens mit dem 
vorstellenden oder denkenden Subjekte, also doch mit einem Realen, fort- 
bestehen: Die Eleaten aber schweben mit ihrem Sein ganz in der Luft.*) 
Dass die Eleaten den ungeheuren Contrast zwischen sinnlicher Wirklich- 
keit und ihrer eigenen ganz isolierten Gedankenrealität ertragen konnten, 
und das Ungebührliche, wie sie die Natur behandelten, nicht fühlten, lässt 
sich nur aus dem Umstände erklären, dass das Bild von der Natur nach 
»einen Beschaffenheiten damals noch zu wenig bekannt war, und dass sie 
von dem Zusammenhange zwischen Gründen und Folgen noch gar keine 
oder nur eine dunkle Ahnung hatten. Damit war aber das Bedürfnis nach 
einer Naturerklärung nicht befriedigt. Es ist nicht Sache des Beliebens, 
ob man auf eine solche verzichten will oder nicht ; die metaphysische 
Speculation darf darauf nicht verzichten. Wollte sie das, so gäbe sie sich 
selber auf, denn sie geht ja ihrer Bestimmung nach lediglich auf eine wider- 
spruchsfreie Naturerklärung aus; zu dem Zwecke war die Annahme des 
Seienden gemacht. Wäre diese Annahme von der Art, dass sie das Gege- 
bene nicht nur nicht begreiflich, sondern geradezu unbegreiflich machen 
würde, so müsste sich irgend wo ein Fehler in die Voraussetzungen ein- 
geschlichen haben. 

Was machte nun den Eleaten die Natur so unbegreiflich? Dies, dass 
ihnen das Seiende Eins und unveränderlich war, die Natur aber Mannig- 
faltigkeit ued Veränderlichkeit darbot. Eins von beiden musste also ge 
leugnet werden. Besinnen wir uns auf den Ausgangspunkt der metaphy- 
sischen Speculation, so können wir nicht mit den Eleaten die Mannigfal- 
tigkeit und Veränderlichkeit der Natur in Abrede stellen; ebenso wenig 
aber lässt sich an der Unveränderlichkeit des Seienden etwas abdingen. 
Rütteln wir an diesem Begriffe, so verwickeln wir uns sofort in die Wider- 
sprüche des absoluten Werdens. Da nun der Begriff des Seienden nichts 
enthält über die Frage, ob Ein oder mehrere Seiende, sondern diese einzig 
nur im Hinblick auf die widerspruchsfreie Naturerklärung beantwortet wer- 
den kann, so bleibt, da die Annahme Eines Seienden sich zur Erklärung 
der Natur völlig unfähig gezeigt hat, nichts übrig, als diese Vorausgesetze 
Einheit aufzugeben, nicht die Einheit im Seienden, sondern die Einheit des 
Seienden; denn Vielheit des Seienden ist durchaus nicht Vielheit im Sei- 



*) Schwegler, Geschichte d. griech. Philosophie. 
*) Strümpell, Geschichte d. griech. Philosophie. 



1» 




^P^den. Pies igt auch die Äniialime Herbart!^. Aesmn System lUher im Qb* 
fdis&üte zum elftatischen Monismus als Pluralismus besEeidinet werden kann. 
Viellieit im Realen unter strenger Fest liat tun g der einfachen Qualität des- 
itfbeii. l>a«ti kam noch die Vielheit de^s Scheines, und er schloss, wie viel- 
fach die Veranlaisung zur absoluten Position durch die Erfahrung, min- 
dast€lis sbeoso viel der Seienden sind anzunehmen. 

Je abstracter die Philosophie der Eleaten auf diese Weise geworden 

war, troi so emijfiiidlicfier (orderte die veränderliche Welt doch wieder auf, 

di608§ ttßgeloste Pn>bh m zu lösen. Daher lässt Parmenides der Lehre vom 

^|SmD noch einen zweiten Theil: T& jt^oc sö^txv folgen, der als Lehre vom 

^■iichtüeienden blos hypothetisch, vom 8taudpuukte der gemeinen Meinung 

^Bpi^ mae Erklärung der erscheinenden Natnr gibt (Vers. lOö., Vers 116,) 

^Pirniides geheim dabei die Absicht gehabt zxk haben, die gewi^hnliche Welt- 

Äuffaii*iung der wahren wenigstens ai^zunühern, indem er ausführt, wie sich 

ioch das munlich erscheinende Matinigf altige auf einfache und in allem 

jtt>ehsel beharr**nde PrinKipien zuriiekfiUiren lasse. Die zuvor geläugnete 

ijLtur wird jetzt als eine von der Sinneuwahrnehmung aufgedrungene That- 

*ieder eingeführt, freilich unter dem Vorbehalte, dass ihr Sein und 

Wahrheit nicht zukomme,*) Dadurch wurde in die Pliilosofdiie eine höchst 

i^'htifiTO rnterscheidunp: eingeführt. Die Eieaten waren die ersten, welche 

nen deutlit^hen Unterschied zwischen Wissen und Meinen machten. Nur 

Abm Sefende kann gewusst werden, nicht das Nicht seiende. 

Alle Begriffe also, in denen der Widerspruch des Seins und Nichts 

^^fkinü enthalten ist, fallen in das Reich der trügerischen Meinung, geben 

^ftbür k^ine Erkenntnin, In diesem Sinne ist ihre Kosmologie aufzufassen. 

^■o richtig es i«t, dsss man von demjenigen nicht wirkliche Wissenschaft 

^ftfiutse« was man nicht in widerspruchslosen Begriffen zu erkennen ver- 

^^Oge, und so nothwendig es ist, diesen Unterschied aufrecht zu erhalten, 

«■o lange und m weit man nicht im Stande ist, seine Mein untren l^ber diese 

mi^T jene Frage zn ein^^m wirklichen Wissen zu erheben, so wurde doch 

gerade diene Unterscheidung tiir die Eleaten zum Verhängnis, da sie aus 

Mi«sv*»r»taiid glaubten^ e^ läge in der objectiven Natur der veränderlichen 

Celt, da«s «ie nur ein Gegenstand des Meinens sein könne. 
Man dachte daher gar nicht daran, dass die in 'der Veränderung lie- 
nAm Widersprüche auflösbar sein können, und konnte sich deshalb auch 
gÄf nicht bemühen, Wege zu deren Auflösung aufzusuchen* Man begnügte 
Mich, den WiderstJruch dadurch zu vermeiden, dass man das Heiende von 
tl#>iD Werdenden, das Wissen vom Meinem trennte, und allen ursächlichen 
Zttwmmenhang zwischen beiden aufhob. Nun aber ist es gerade Ziel des 
iii©U|>hysi?chen Denkens, die Möglichkeit zu begreifen, wie sich aus dem 
Seieodttii ein Geschehen und Werden ableiten lässt, oder das zum Wissen 
n bri»g«n, was jene als trügerische Meinung bei Seite Hessen, 

In di€«em Sinne hat Herbart seine Aufgabe aufgetasst, und der durch- 



*) Sohwtfliri GtiCliiälita d. gr* PL 



19 

dringende Scharfsinn, die ausgebreitete Gelehrsamkeit und die kraftvolle 
Entschiedenheit, welche selbst seine Gegner an ihm in vollem Masse an- 
erkannten, führten ihn zum ersehnten Ziele. Aber nur dadurch ist ihm die 
Lösung dieser Aufgabe gelungen, dass er unverwandt seinen Blick darauf 
gerichtet Hess, ilie Erfahrung zu begreifen. Er hielt sich also einerseits 
die Erfahrung, andererseits die Bedeutung des Ausdruckes Begreifen vor 
Augen. „Die Erfahrung, das Positive, einerseits, die Begriffe, das Apriorische, 
andererseits bildeten die Faktoren, als deren Produkt seine Metaphysik 
hervorging."^) Dabei fand er, dass eine unbefangene Betrachtung der Er- 
fahrung und die Verdeutlichung derjenigen Begriffe, durch welche das er- 
fahrungsmässig Gegebene aufgefasst wird, das Bedürfnis einer wissen- 
schaftlichen Ergänzung und Berichtigung erwecke und auf eine speculative 
Behandlung derselben zum Behufe eines weiteren Fortschrittes der Ei^ 
kenntnis hinführe. Er brachte daher die verschiedenen Formen des erfali- 
rungsmässig Gegebenen auf diejenigen Erkenntnisbegriffe, unter welche 
das einzelne Gegebene befasst wird, und begann lediglich mit diesen Er- 
fahrungsbegriffen seine Operationen. Er schied sorgfältig das durch die 
Erfahrung unmittelbar Gegebene von dem Mos Hinzugedachten, theils durch 
natürlichen psychologischen Mechanismus, theils durch die Absicht, das 
Gegebene zu erklären. Hinzugedachten. Dabei kam er sehr bald zur Ueber- 
zeugung, dass es unmöglich sei, von Einem Principe aus die Erkenntnis 
zu Stande zu bringen, welches gleichsam der Brennpunkt sein sollte, von 
welchem aus das laicht der gesammten Wissenschaften, insbesondere der 
philosophischen in symmetrischer Anordnung ausstrahlte, welches die einzige 
und gemeinschaftliche Wurzel wäre, aus der der Baum der Erkenntnis 
seine Zweige mit geometrischer Regelmässigkeit holländischer Gartenkunst 
hervortriebe.*) Man sieht es, wie Drobisch an einer anderen Stelle bemerkt, 
dem Gange seiner Metaphysik an, wie sehr ihr Verfasser von dem strengen 
ßeometrischen Geiste durchdrungen ist, und von jener Wissenschaft gelernt 
hat, was üeberzeugung ist, ohne dass an eine schwache Nachahmung der 
sogenannten geometrischen Methode zu denken wäre. Nicht genug, dass die 
Untersuchung vom Gegebenen ausgeht, so bestimmt die BeschaflFenheit des- 
selben die nothwendigen Fortschritte im Denken, die Methode, welche in 
Anwendung kommen muss. Er ist sich klar bewusst, dass die Sätze der 
Logik durchaus nicht überflüssig seien, dass keiner derselben verletzt wer- 
den dürfe, wenn anders die Begriffe richtig sein sollten. Er kannte aber 
auch ebenso genau das Verhältnis der metaphysischen Principien zu den 
logischen Regeln ; er wusste, dass jene widersprechende Begriffe seien, und 
dass diese verlangen, dass man dergleichen nicht haben und widerspre- 
chende Verbindungen nicht eingehen solle. Aber doch sind jene gegeben 
d. i. wir denken durch sie ein solches, welches ein unläugbar Erfahrenes 
ist. An dem Erfahrenen ist festzuhalten; aber sein Begriff, der unmöglich 

Zimmermann, Leibnitz und Herbart. 
*) Drobiscb, Beiträge. 



IT 



^■mmIImi recht und mimv Wahrheit g:emäsH aiiBdrücken kaim^ einer i^olchea 
^^Bi»ar!)i^i(unf %n tiiiterwerfen, durch welch*^ Krfahrung und I)«iikt?ü in Eiu- 
^■iMfr koüiini^n. „Dift EariBten^ der üttHSPren Welt ist gesichert und die (if*- 
^^^■iHihf'ir un^eras Denkens an ihr Gegebei.sdn iät auerkamitp''^) Es nuiKs ulsu 
^B»K (tegebene ridjtig i*edaclit werden kr)nneti, so das» wir einsehi^n, whk p8 
^^■riM]14^^. Hf'rlmrt schlnss daher, da^s est iioeh eine andere Weise Am Kurt- 
^^PPeiten^ im Denken geben «ili^^e, als di« bisher gewiUm liehe der logi^scIiHu 
^Krl; ttitös m nicht hUm auf die hjgi^chfm Verhältnisse des Iuhalt4is und 
^^Bm(ang¥n der Begriff« ankomme, sondern auch aaf deren BeKiidiungeu, und 
^H^MT nirht l*lnss auf die «ufÄlligen, suntlern auf die nothw(*inligen Rexit*- 
^^Hqfen der Bf*griffe. „Die Vernachlä8.^rgiing dieser Rpgel trägt di^n gnKH*itt*n 
^■lien dt?r Schuld, mgt er, dass Altes, was bisher Metajdiygik gehei^nen bat, 
^^■||faKik geblieben iHt/ In dieser liegt aueh der r^riind, warum der m 
^^HHH' Anfang der «^leatisclien PhiloK<4)hie nur Anfang geldieben ii*t. 
^Herbart gibt In dm* Beantwortung der Frage : ,,Wie bliiigon Oründe mit 
^Brtm PMgen zusammfin?*, welche nr^lit bloss die Antwort auf die Kant^sche 
^^rrmgi': Wie sind synthetische örtheile aprioii möglich? sondern auch die 
^HüVlige Auslegnng des sogenannten Satzes vom ssuri^icheuilen Örunde ent- 
^HaU, als notli wendige Kig^nschaft dt!r Grriinde, wenn sie nicht bloss formell, 
^^hiifrn aneh materiell neue Folge aus sich erzeugen sollen, an, sie milnsen 
^^^■bni[»rerhendpii, aber dabei nicht Ungültiges darbieten. Die Methode der 
^Bezieh ttngen lehrt dann im Allgemeinen, wie diese Gründe zu beh^indeln 
^Hlnd, um dip gpsuchte Folge als nothweiidigo aus Mie^h ergeben zu lassen. 
^K^ii^'se besteht darin, dai^s Kigenschaften» welche an einem einzigen Weisen 
^Hi'flndHcli sich widerstnechen und einander ausseht ieägen wUrden^ einer 
^Hlehrheit diesier Wesen, die sich wechselseitig niodilicieren, ohne Wider- 
^H^rudt lieigelegt werden kduuenf sowie eine Summe KigenscUaften besitzt, 
^B{b ihren Theilen fehlen. Diesem Verhältnis zwischen Seiendem ents|>ricbt 
^Bl der Logik der Znsammenhang zwiBi^hen Prämissen und Schlusssatz. Der 
^1-^^ »-rfolgt ans kf*iner der Pnlmissen für sich^ sondern nur aus sämnit- 
i usammtMigenoinmeu,^) Dadurch gelangte Uerbart zur Lösung der vier 

OTiprBtigUchen und wlrkltchen Probleme des Dinges mit mehreren Merk^ 

IElmi oder der Inhärenis, der Veränderung, der Matei ie und de4* leb, 
erl>artj Bestreben gieng dahin, die Philosoidiie jsn einer exactan Wissen^ 
hafl zu erheben ; er suchte Exactbeit in der Methode, Exactheit in den 
fisnl taten zu erlangen. 
Die uns wirklich gegebene Natur soll durch die MetÄphysik so weit 
II tbunlfch begreiflich gemaclit oder erklärt werden, d, h. es soll nicht im 
Voratts htngeÄtellt werden, worauf man dann die Erscheinungen hinzwängt, 
und das $o lange gilt, bis ein anderer kommt und mit seiner Voraussetzung 
ili« erste Voraussetzung verdrängt; vielmehr ist der Blick stets auf ilas 
fegebene zu fixieren; bs darf im Verlaufe der weiteren Untersuchung nicht 



t) EerUft, Metapli, f. 

*) ZitameiniAiuii Leib&itx Manadologi«, 



18 

davon abgewichen, noch viel weniger darf es verdreht werden. Denn mit 
Anschlass an die Beschaffenheit des Gegebenen nnd in Uebereinstimmung 
mit den nicht von unserem Belieben abhängigen Normalbedingongen des 
richtigen Denkens sollen Resultate gefunden werden, und zwar fertige aus- 
gemachte, abgeschlossene Resultate; solche bei denen es fßr immer sein 
Bewenden haben und mit denen das auf Grund des Gegebenen angeregte 
Denken und Forschen sich beruhigen kann, ja sich beruhigen muss. Wel- 
chen Werth nun auch ein reger Untersuchungsgeist ffir wissenschaftliche 
Forschungen haben möge, so würde doch der Philosophie ein dem Zwecke 
der Wissenschaft wenig entsprechender Charakter aufgedrückt, wenn sie 
dazu verurtheilt werden sollte, sich lediglich suchend und niemals findend 
verbalten zu dürfen, also Jegliches in der Untersuchung schwebend und 
deshalb fraglich zu lassen. Von einem Aufbau oder Ausbau der philo- 
sophischen Wissenschaften könnte dabei nicht die Bede s^in. Die Philo- 
sophie würde dadurch entweder zu einem steten Anfängerthum herabgesetzt 
oder in die Lage eines schwächlichen Skepticismus gebracht werden, ähn- 
lich dem Verhalten eines Menschen, welcher aus lauter Vorsicht und lauter 
Bedenklichkeit nicht zum Entschlüsse kommen kann, sich für oder wider 
etwas endgültig zu entscheiden, und deshalb auch nicht die Energie besitzt, 
ein durch angestellte Ueberlegung Gewonnenes in seiner Ueberzeugung 
festzuhalten. Dass die Philosophie, will sie nicht in Dogmatismus verfallen, 
stets bereit sein muss, ihre gewonnenen Resultate immer wieder von Neuem 
der Prüfung auszusetzen, versteht sich von selbst. Sie wird das um so 
lieber thun, als es ja zur Sicherung derselben förderlich ist, und sie wird 
deshalb jede Entik willkommen heissen, die, ausgerüstet mit der nöthigen 
Sachkenntniss, nicht etwa irgend welchem subjektiven Interesse oder Be- 
gehren folgt. Es wäre aber eine sehr übereilte Schlussfolgerung, aus dieser 
Bereitwilligkeit folgern zu wollen, dass objektiv die philosophischen 
Resultate immer in Frage stehen müssten. Ebenso irrthümlich ist auch 
die Meinung, als ob so lange noch nichts gewusst werden könne, wie lange 
man noch nicht Alles weiss, was etwa gewusst werdra mag. Es findet 
keine solche Continuirlichkeit der Erkenntnisse statt, dass die Anfänge 
des Wissens und die bereits erreichten Resultate nichts gelten dürften, 
oder wenigstens in suspenso bleiben müssten, bevor man nicht zum Ende 
alles Wissens gelangt ist. Damach würde weder etwas empirisch, noch 
logisch, noch moralisch Feststehendes angenommen werden dürfen: Ein 
ebenso bodenloser als gefährlicher Irrthum. 

Auch auf die Art des Denkens, durch welche solche Erkenntnisse zu 
gewinnen sind, erstreckt sich die Forderung der Exactheit. Ausgeschlossen 
wird dadurch jede Ueberschwenglichkeit der Begriffe, sei es in der Weise 
eines schwärmerischen oder phantastischen Denkens, sei es in der künst- 
lichen Weise eines beabsichtigten UeberfliessenlassensJ'eines Begriffes in 
einen anderen, vermöge irgend welcher immanentenf^Negativitäten der 
Begriffe oder sonstiger Dönkwunder. Es wird wol keinen Anstoss erregen, 



4$ 



I 



wenn ßiÄW den Begrifl' des exacten Denkens auf die Anforderung der 
Logik ÄU dasselbe d. i. auf strenge Untergehe idang der Begriffe, auf Fest- 
sLüllimg ihres luhaltes, auf Bündigkeit <ler Abfolge bezieht; der Begriff 
im Exacten «riunert aber auch an die Verbindung d<»r Math**matik mit 
Naturwissenschaften, welche vorzugsweise desshalb exaete Wissenstliaftftn 
heJÄseu, und man glaubt davor warnen zu rallssen, die Philosophie etwa 
tft ein mathematischem Penken aufgehen zu lassen. Es ist nicht zu ver- 
k€Ei»iMi, dass diesen Aengstlichen nur Erinnerungen an frühere Versuche 
Tortdiweben, durch Einführung der sogenannten mathematLschen Methode 
hl die Philosophie den Anforderungen der strengen Wissenschaft zu ge- 
■Qgeii; dabei aber vergessen» dass rlas nur ein rein aussei Hches Verfahren 
wan das auf nichts anderes hinauslief, als jenen äusserlichen Schematismus 
Ton Sälsseu nachzuahmen, wie wir ihn in der Euclid'scheii Geometrie finden. 
Weint nvn Herhart auf das Unzureichende einer blos syllogistischen Ab- 
folge ffir den Fortschritt vom Gegebenen zum Gesuchten hin und macht 
er bei der hier geforderten speculativen BehantUnng der Begriffe auf das 
hickte Verfahren mathematischer Begriffsoperationen aufmerksam, ja 

ieiit er sich an einzelneu Orten ^ wo es angeht und die Natur der Hache 
Cd fördert, der Hülfe mathematisch ausgeliilileter Begriffe, mathematischer 
Riniiichten und Methoden: so darf doch dieser Umstand nicht zur ober- 
üacblicIieD Behauptung verleiten, als ob Herbart die Philosophie in Mathe- 
matik aufgehen Hesse. Herbart stellt nur die Strenge des mathematischen 
l>etikens und das kunstreiche Verfahren der mathematischen Speeulation 
als vorleuchtendes Muster für das philosophische Denken hin \ er lässt nur 
«tÄllenweise, wo es nämlich in Ordnung ist, rein mathematische Betrach- 
iangen eintreten. Daraus folgt doch gewiss nicht, dass er die in der phi- 
lo}«ophischen Wissenschaft zu beachtenden Qualitäten der Begriffe vergisst, 
und nur die quantitativen Verhältnisse des Gedachten oder zu Denkenden 
ztnn Gegenstände seiner Speeulation macht, oder dass alle Theile einei 
fujlcber Hülfen sich bedienenden Philosophierens mathematischer Art sindj 
^«ad imB diejenigen^ welche von Mathematik nichts oder nur wenig ver- 

lea, an einem sulchen Philosophieren nichts haben. Es folgt daraus nur, 
demjenigeQ, der keine mathematische Bildung besitzt, manches anver- 

idlieh und unzugänglich bleibt, und dass es jenen ^ die in Saehen der 
hilosophie gern ein Wort mitreden möchten, sehr unbequem ist, wenn 
irgend etwa» dazu erfordert wird, das die selbst nicht besitzen und auch 

,t mühelos erwerben können. Es* folgt daraus, dass eine solche Art des 

osophierens gewisse Freiheiten ausschliesst, wie das Spiel des uatttr- 
Mechanismus der Vorstellungen, ein gewisses Orakeln, statt zu 

ikflo, «in Mitredenlassen von mancherlei Wünschen, Begehrangen und 
hlotigeii. Derartige Freiheiten sind in einem so ntlchternen und gespannten 
Daakea, wie es der Begriff des Exacten mit sich bringt, ein für allemal 
aüga^tilossen. Daher rührt das Gefühl des Beengenden und Beklemmenden 
Ifer dai fiatürlicba Denken, wonach es fielen so voikommt, als ob durch 




10 

eine exacte Behandlung der Begriffe ihre Gedanken in Erstarrung versetzt 
würden. In den sogenannten exacten Wissenschaften lässt man sich zwar 
dergleichen gefallen, weil es da einmal nicht anders geht und man sich 
nicht dem Spotte aussetzen möchte: Wie kommt man nun dazu, von der 
Philosophie so etwas sich nicht gefallen lassen zu wollen? Um die Ant- 
wort sind die Verächter der Mathematik nicht verlegen : Die Philosophie 
ist das Produkt des freien Geistes und desshalb darf durch sie die freie 
Bewegung des Denkens nicht beschränkt werden. Freilich übersehen sie 
dabei, dass sie dasjenige, was sein soll, mit demjenigen, was wirklich ist 
und geschieht, in sehr unexacter Weise confundieren. Wären die Geister 
von vornherein so günstig organisiert, dass sie ihrer denualigen Natur 
bloss zu folgen hätten, um zu wissenschaftlichen Erkenntnissen zu gelan- 
gen, wären sie das, was man gewöhnlich unter wissenschaftlichen Genies 
versteht, so würde es nicht nöthig sein, ihnen mancherlei Zwang, man- 
cherlei Beschränkungen aufzuerlegen, weil dann die Forderungen an ein 
exftctes Wissen der Natur des wirklichen Denkens entweder gar nicht, 
oder dodi nur sehr wenig widerstrebten. Da dem aber nicht so ist, so 
wird man sich auch in der Philosoplüe jenen Zwang schon gefallen lassen 
müssen, welchen eine umfassende Rücksicht auf die Natur des Gedachten 
oder zu Denkenden auferlegt, und nicht in irgend welchem Wollen, Be- 
gehren oder Fühlen, sondern in einem davon ganz unabhängigen non possu- 
mus des Urtheilens Befriedigung suchen. 

Ist dies nun der Weg, wissenschaftliche Resultate zu gewinnen, 
welche für unser weiteres Denken und Wollen absolut massgebend sein 
sollen, so kann das doch wol nicht als Beschränkung der Freiheit ange- 
sehen werden, wenn für ein Wollen die Erfüllung derjenigen Bedingungen, 
welche dazu dienen, das Gewollte zu erreichen, also Besonnenheit gefor- 
dert wird. In diesem Falle ist das Ziel des Strebens oder der Zweckge- 
danke des Wollens, haltbare wissenschaftliche Einsichten zu gewinnen, 
xkj^d das^ Mittel ;^um Zwe^i^keuur ein e^ctes Denken. Muss nun derjenige, 
i^e^cher dßn Zweck will, auch die Mittel wollen/ so ist das freilich ein 
Zwang, aber ein solcher, welcher in der Natur des Wollens selbst liegt* 
Oder sollte etwa die Freiheit des Willens darin bestehen, ebenso gutjeln 
^^olkn. als kein eigentliches Wollen m sein, sondern etwa ein blosses An- 
streben irgend eines Zweckgedankens ohne Rücksicht darauf, ob und wie 
das Erstrebte zu erreichen sei.^ I^as ist die Bedeutung der Exactheit, die 
Herl^art so lebhaft betont Dadurch ist es gekomm^, dass seine Natur- 
philosophie weit mehr Aehnlichkeit besitzt mit dem bescheidenen, aber 
festen Cbamcter, den Astronomie, Physik sowie Chemie angenommen haben, 
als mit der dreisten Anmassung der von dem Universum träumenden Kos- 
mogonien und Kosmologien alter und neuerer Zeit Herba,rt entsagt lieber 
jedem Versuche einer speculativen Theologie, als sich der süssen Täuschung 
hinzugeben, es könne hier durch eiu sinnreiches Spiel mit Begrifen eine 

<) Allilm Th die Eeform d. Hetapb. durch HerUrt Z. f. e. Fli. 



n 

Wdt des ünendUchen dem sUuti^iiden Bücke des Tkaosoplitii erscbbsseii 

Whj* iliHt «un Herbart mit jmm vier Pmhlejnen, um iiire JMmg »u 
SUtidt? zü brifigBii y 



A. Di« VtüiuiIassuQg irgend etwas als? real zu mi%m^ sind iiusere 

Eßnidudungeii \ tlmcli sie iülein werden wir veranlagst, dm, was ist, von 

dem, was bl*»sji gedacht oder vorgestellt wird, zu untersdieid^n. Sie üben 

Hilf d*s BewuHstseiii eiuen uuabweislicbea Zwaug aii^j und ea liegt iiiclil 

IQ der Mactit de^ Menscbent sie willklblicli entstehen oder vergeben asu 

U^j»eii oder sie irgendwie abzuändern: Die Empfindung ist nicht ei« wieder 

Äöfzuliebendes. öleichwol ist Am Empfundene nicht etwas an sich, sondern 

nur tflwas ITir micli, das emptindeude Subjekt^ also etwas Eel&tivei. Es 

T«rli%i Dicht die doch in ihr liegende absolute Position. Noch viel weni- 

I ger vettrageu sie die C4rupiieu von Empfindungen, die uns in ihrer Ver- 

liiDdung für sinnliche Gegenstände gelten; denn hier wird jedes Element 

Ditt all ei* anderen, keines ohne da.s andere gesetzt. Es mnss daher die ab* 

^olule Position auf ein anderei? Was als das in die Wahruehnjung Fallende 

»gell werden« Esw;*ndert daher der Begriff des Seins, Avie Herbart sicli 

Irßckt, von den unmittelbar gegebenen Empfindungen zu ilirer Coniplexi- 

foo^ttibeit oder zu dem Träger einer gewissen Anzahl sintdicher Merk- 

' male^ die «ich ans den Empfindungen ergeben, fort. Dieses Eine, selbst uu- 

bdcannt^ ist nicht ausser und nelien ofler hinter den Merkmalen gegeben, 

lindern e» soll die vielen Setzungen, wozu die einzelnen lleikmale nöthi- 

gen, repräsentieren, aber es soll dnrtdi seine Setzung nichts zu tleu tVii- 

hereo Setzungen hinzugefiigt werden* Dieses Eine, Substanz genannt, zu 

dem die Merkmale in das Verhältnis dtir Inhärenss treten, kann auch nieltt 

rdurch Slusammenfliessen der verschiedenen Aferkmale entstanden gedacht 

'werdi^n, da diese ja dii^parat und daher ganz unfähig sind, in Eins zusam- 

inieiunfliessen. Is süIl A =a, A = b, A = c , , . sein, wenn A das Ding 

|mid a, b^ c - . . die disparaten Merkmale sind ; es soll aber A von 

lii, b, c , * , sieh unterscheiden, wie Absolutes und Inhärierendes. Ferner 

Isan^ da A=aj b, c • . . nach einem bekannten Satze a = b^c . , ., was 

I aber wieder niciit sein kann, da nach der Voraussetzung a, b. c • < . dis- 

Iparata Merkmale von A sind. Es sind also hier vvidersprechtjude Bestim- 

liiiitiigen. welche den Kindruck eines Ja— Nein machen, was weder die na^ 

{l&iiktie noch wissenschaftliche Logik leidet. Es ergibt sich also daraus 

Forriening, den Widerspruch zu lüsen, falls nicht iiberhaupt das Wider- 

, i. .. j , aufgegeben werden soll Letzteres mag ohne Verlust fUr unsere 

ttlifhe Erkenntnis gest^hehen bei gemachten oder willkürlich 

[gebildeleu Widersprüchen, ist aber durchaus nicht erlaubt, wenn die Qlie- 



9t 

der des Widerspruches anmittelbar gegeben sind oder anf erfah- 
rungsmässig Gegebenem beruhen. In unserem Falle beruhen die Glieder 
des Widerspruches auf erfahrungsmässig Gegebenem ; es war daher von 
Seiten der Eleaten ganz unrecht, das Widersprechende aufzugeben als 
nicht Seiend ; vielmehr ist, wie Herbart gethan, darnach zu trachten, die 
Widersprüche, die in diesen Begriffen liegen, zu lösen. Herbart wendet 
dazu die „Methode der Beziehungen" an und kommt dadurch zu folgendem 
Resultate : Die Eigenschaften, losgerissen von dem, was sie hat, sind offen- 
bar nichts, nämlich nichts Selbständiges, nichts an und für sich. Sie 
können aber auch der Substanz, welche sie hat, nicht immanent sein ; denn 
dadurch würde die Einheit derselben in eine Vielheit gespalten. Sie können 
daher nur Relationen anzeigen, in welchen die eine einfache reale Substanz 
zu einer ebenso grossen Vielheit anderer Realen steht, als sie Eigenschaften 
hat. Diese Relationen können nur Verhältnisse und Verhaltuugsweisen der 
Qualitäten der Realen zu einander bedeuten, und diese Qualitäten müssen 
daher ebenso mannigfaltig sein, wie die Eigenschaften, die der Ausdruck 
ihrer Relationen sind. Es muss daher das eine Reale, von dem wir ausgegan- 
gen sind, so oft mit anderen zusammengefasst werden, als ein Ding sinn- 
liche Merkmale darbietet. Dabei bleibt das eine Reale in allen Verbindungen 
dasselbe und kann immer noch, wofern es die Einheit des Dinges reprä- 
sentiert, als Substanz bezeichnet werden. Die anderen Realen dagegen, 
welche in ihrer Gemeinschaft mit demselben die sämmtlichen Merkmale 
des Dinges begründen, treten als Ursachen derselben auf. 

Der Begriff der Substanz hat dadurch eine Veränderung erfahren ; 
er ist nicht mehr ein Ding mit mehreren Merkmalen; auch ist er nicht 
Substanz insofern, als Substanz ein reales Wesen wäre, welchem viele 
Merkmale inhärierten. Ein solches Wesen gibt es nicht, „vielmehr ist der 
Schein der Inhärenz allemal die Anzeige einer Mehrheit von Realen.'* 
Substanz ist ein reales Wesen nur insofern, als es die Einheit eines Dinges 
repräsentiert, das sich durch eine Anzahl bestimmter Merkmale kundgibt, 
so dass Substanz selbst auch zusammengesetzt sein kann. Da wir von 
einem realen Wesen, das sich als Substanz darbot, ausgiengen und dann 
zu anderen Realen als den Ursachen fortschritten, so haben die Begriffe 
Substanz und Ursache nur Bedeutung für unseren Gedankenlauf. Es trägt 
das eine Reale, das als Substanz betrachtet wird, ebensoviel zur Erschei- 
nung der Accidenzen bei« als die anderen, mit denen es in Gemeinschaft 
tritt. Da somit ein einziges Reales keine Erscheinung hervorzubringen 
vermag, sondern dies eben nur im Verein mit anderen zu thun im Stande 
ist, so schloss Herbart: Keine Substantialität ohne Causalität. Die Sub- 
stanz an sich ist weder ein ursprünglich Thätiges, noch auch ist sie in 
Rücksicht auf die Ursachen ein blos Leidendes; es wird zur Lösung 
des Widerspruches nur verlangt die Annahme einei- Gemeinschaft mehrerer 
Realen, von denen jedes gleich nöthig ist, um die sinnlichen Merkmale zu 
verursachen. Wie diese Realen im Zusammen ein Grund des Scheines 






M^ dftHlber fehlt Ällerrtings die Erkläruiig, „Die Realen verhalleo 

nidit wirksam, nicht haudehid ge^eiieinatulit^r, sie ruhen und sind doch 

UrBfteh« des Sebeins» gje wirken nicht und bewiiken doch etwas; ihre 

OftWalit&L i«t daher eine ruhende»'* V) Nicht mit Unrecht ist Über diese ru- 

toide CftüsaHtät an derselben Stelle erwähnt, dass sie jedem Sprachge- 

knocke zuwiderläuft, und da»s ein äolclies CauE^alität&verhältm» nur 

blosReix Sätzen stattfinden kann, wie wii' di^ren in der Lngik 

Der gewöhnliclie Sprachgebrauch beiseiclinet daher auch ein 8oIche8 

ta Q^enmtze zum gewölin! Iclien sogenannten Cannalii^ätsverhäl tniKSii 

xwii»eheii Ursache und Wirkung durch die Benennung Ürund und Folge, 

Ob Rin üolehes ÜÄUHaHtät8verhäItnis auch Erkläning.*!,n'und und nicht bloi« 

Erkenntnissgrund j*ei, eine solche BVage kann nicht leicht unterdrückt 

wwdeo. 

B. Die Dinge bleiben aber nicht daH, was «ie sind, sondern stellen 
einen tnaiinigf altigen sclinellerau oder langsameren Wechsel dan Was aber 
wrcbseli? Wechselt das Sein oder wechselt bloss die Qualität? Ein Weclmel 
ist uns erfalirungsmässig nicht gegeben. Träte an die Stelle eine« 
es ein ganz anderes, so wfirden wir eben das zweite Ding flVr ein 
gmaz anderes lialten ohne Beziehung für das erste, und es w^äre der Wi- 
derspttichp dass das Ding zugleich sei und nicht sei. Die ertahrungsniässig 
gtefiebtme V^eräuderung bezieht skh auf den Wechsel aeiner Qualität oder 
derfenigeu sinnlichen Merkmale, durcli welche er sich in der Erscheinung 
daratellt; vom Sein desselben sagt man, dass es beharre* Weil am ver- 
lud ertei) Dinge noch Merkmale geblieben gind^ woran es wieder erkannt 
wird, behauptet man die Identität im Sein, nennt es dasselbe; weil aber 
Merkmale verschwunden und an deren Stelle andere getreten sind, leugnet 
man die Identität, sagt, es ist nicht dasselbe. Wir haben al8ü im Begriffe 
dett veränderten Dinges einen dreifachen Widerspruch; a. nach dem Pro- 
Meine der Inhärenz wegen der Melirheit der Merkmale und der iirjiteu- 
diertüir Einheit des Dinges; b. eine Vereinigung contradictorisrli eutge- 
gCBges^tzter Bestimmungen im Dasein eines und desselben Dinges 8t.'ineni 
Qnle nacht es ist das, was es ist und nicht ist; c* wegen des Uebcrge- 
beug im Einen in das andere eine prätendierte Einheit von Sein und Nich- 
•eiti» wm* Hegel sehr giell hervorhebt: „Jeder hat eine Voi-Ätellung vom 
Werden und wird zugeben, dass es eine Vorstellung ist; ferner dass, wenn 
sie analysiert, die Bestimmung des Sein, aber aucli vom schlechthin 
nderen desselben, dem Nichts, darin enthalten ist; ferner dass diese 
iden Bestimmungen ungetrennt in dieser Einen Vorstellung enthalten 
find, so dass AVerden somit Einheit des Sein und Ni.dits ist/ Es hilft 
iidit«, wie Herbart hervorhebt, zur Hebung des Widerspruches, wenn durch 
^^Mteit immun gen eine Distinction in dem einen Subjecte, von welchem 
^^PMwiprechandes ausgesagt ist, angebracht wird, da im Begi lAV des Ver* 
^PiiidArteti nichts ausgebessait wird durch die Distinction eines Vorher und 



W: 



wmm 
^^nd 
^*beid< 



84 

Nachher, weil die Zeitbestimmung sich nur ahf das Quantum der Verän- 
derung, nicht auf das Was derselben bezieht. Ebenso hilft es nichts, wenn 
man das Beharren auf das Sein und die Veränderung auf die Merkmale 
beziehen wollte und dabei eine Unterscheidung ewischen wesentlichen und 
unwesentlichen Merkmalen machen würde, weil man sich dabei nicht an 
die Erfahrung hält, welche weder einen Wechsel des Seins noch auch nur 
einen Unterschied vom Wesentlichen und Unwesentlichen darbietet Der 
Wechsel bezieht sich erfahrungsmässig bloss auf den Schein, der als nickt 
aufzuhebenderauf ein Reales hindeutet. Herbart kommt auch hier durch die 
Methode der Beziehungen zum Besultate. Erfuhrt die Veränderung zur&ck 
auf eine besondere Gemeinschaft verschiedener Realen, wie oft sich neue 
Merkmale in der ursprünglich gegebenen Complexion einfinden. Es bleibt 
ein Reales oder statt dessen eine und dieselbe Gruppe mehrerer Realen 
als gemeinsamer Anknüpfungspunkt für die andei'en Realen, die ais Ur^ 
Sachen der Veränderung oder des Wechsels der sinnlichen Merkmaie 
kommen und gehen. Statt der beharrenden Gemeinschaft wie bei der In« 
härenz bildet hier eine wechselnde Gemeinschaft eines als Substanz ange« 
nommenen Realen mit anderen Realen, welche man Ursachen nennte den 
Erklärungsgrund der wechselnden sinnlichen Merkmale. Keine Veränderung 
ohne Ursachen! Wie aber möchte diese verui^sachende Gemeinschaft zu 
denken sein? Ein Eingriff eines thätigen Realen in ein anderes, so dass 
jenes aus sich heraustreten müsste, um auf das andere zu wirken, wäh- 
rend dieses sich leidend verhält und etwas Fremdartiges in sich aufnimmt, 
eine causa transiens oder ein influxus physicus kann nicht zugegeben 
werden, da nach Herbart eine endlose Reihe von Ursachen entstehen würde, 
indem jedesmal der Grund der Wirkung, der Grund des Thätigwerdens 
der bis jetzt ruhenden Ursache wieder in einer anderen äusseren Ursache, 
der Grund davon wieder in einer äusseren Ursache und sofort gesucht 
werden müsste.^) Bei der sogenannten inneren Ursache würde dieser Wi- 
derspruch, der in der endlosen Reihe von Ursachen gelegen sein soll, in 
ein einziges einfaches Wesen übertragen werden^ und dieses, da es 
doch Eins und einfach sein soll, unendlichemal in ein Thätiges und Lei^ 
dendes gespalten werden müssen, was dem Begriffe des Seins widerstreitet« 
Durch das absolute Werden endlich würde völlig unmöglich gemacht an- 
zugeben, welche Qualität eigentlich das wahre Was des Seienden ausmacht; 
denn im jedem Augenblicke besässe dasselbe eine andere, und jede hätte 
gleiches Recht, für die wahre zu gelten.*) Wie also ist diese verursachende 
Gemeinschaft zu denken? In dieser Gemeiuschafi, schliefst Herbart, uiass 
etwas gescliehen, was weder in Einem realen Wesen, noch in der blossen 

') Offenbar ist hier ttberseheu, dass Reihen, iu welchen man von einem Gliede an 
von Glied zu (ilied fort schrei tend, niemals zu Ende kommt, doch iu besiiiumteu Gränzen 
eingeschlossen werden können, wozu die Zahlenreihe 2, l '.'«, l'A, l'/g, r/.n . . . eii^ 
Beispiel liefert, welche die ganze Zahl 1 zur G ranze hat, welcher die Ollcdor der Reihe 
sich unendlich nähern, ohne sie je zu erreichen. Unbegrllnzt und Unendlich sind luoht 
einerlei. Unbegränztes ist immer unendlich, aber nicht umgekehrt. 

') Zimmermann, Leibnitz n. Herbart. . i • 



9S 



iTielheit rterselbeü, so lange gie vereiiiEeH sind, seinen Grund lut» Da.^ 
EtfamDieu der Realen kann nicht die Bedeutung eines blossen juissaiven 
fKebea- oder Ineinander liaban; doch soll auch der strenge Begriff desi 
iSeias picht verletzt werden. Obgleich das eigeuthiimliche Qnale der Realen 
Uls solches unbekannt Ist und unbekannt bleiben wird, in^olern es eben 
Keiti Gegenstand unserer Anschauung is^t und werden kann^ so lassen aie 
bocli Beziehung und Vergleichung auf- und untereinander zu, Ilire Qualj- 
■äieii «ind entweder gleich odei- ungleich, im letzteren Falle disparat oder 
mm Gegenjsatxe, So lange dieser Gegensatz nur in den einfachen Qual i täten 
melbst bliebe, würde ei nichts froinmen; aber es lässt sich an den ver- 
k|ktieneti Weseu Gleiches und Entgegengesetztes unterscheiden, man kann 
BB eiofache Quäle eines jeden Realen durch einen Begriff denken, der 
EÜb mehreren Gliedern besteht, jedoch so, dass die letzteren auf kvimn 
WM wirkliche Glieder in dem Quäle selbst bedeuten, sondern dief^e ralbsen, 
ll^euQ sie zusamtnengefasst werden^ geeignet sein, wieder in eine ^strenge 
Kitibett znsammenzugelien^ damit sie im Begriffe dem entninechen, was sie 
pttsdrfickeu sollen. Diese Vielheit der besagten Glieiler bildet das, was 
Htrbürt ^zufällige Ansicht" nennt Diselbe ist zufilUig dem Quäle tles Realen, 
Mail auch ohne sie sehr wu! denkbar ist, während sie in anderer Beziehung 
il, h. iu Beziehung auf den Zusammenhang des Denkens, welches die riua- 
Pilalfv verschiedenen Realen mit einander zu vergleichen sucht, eine notk* 
K endige genannt werden kann 

■ Sehr reich au solchen znf all igen Ansichten ist die Mathematik (die 
wnehiedenen Formen einer Gleichung), es tindeu sich solche in der Me- 
^B^ik (t'oniiR>nenten im Veigleich zur Resultierenden), Diese zufälligen 
BnBicblen sind willklUirlichf denn an dem wahren Heiendeu wird durch sie 
n " " dert ; sie sind blosse TransforniHtionen, welche den wahren Werth 

L: - sich selbst gleicb lassen. Daher dürfen sie auch wechseln, ohne 

lla^ dadurch den Qualitäten der Realen selbst etwas wideifährt. Die an- 
[r Ansichten siinl somit das Verämierliche im Gegensatze scu dem 

br^ .. MMru, als dem Unveränderlichen. Es ist daher mögiich, dass die znlal- 
Bget] Anniichleu zweier oder mehrerer Realen gemeinschaftliche, dass sie 
entgegengesetzte, gleiche und disparate Bestandt heile besitzen und dadurch 
p ' n, dasK auch in den einfachen Qualitäten, deren Ausdrücke sie sind, 
U ^'•as wie da und Nein vet halte. Ist z, B. die einfache Qualität Am 

feealen A durch die zufällige Ansicht a+ß+y^ und die einfache Qualität 
mes B durch die zufällige Ansicht m+n — y ausgedilickt, wobei die enlge- 
Bmgej^tsZten Zeichen des Merkmals y den Gegensatz andeuten, der in den 
^^^heti t|ualitäten A und B liegt, ohne von diesen getrennt werden zu 
■fVfnien, bu lassen sich diese als blosse Begriffe zusammenfassen, und es 
■lebeii sich in denselben die entgegengesetzten Glieder auf, und aus beiden 
kuschten ergibt sich «+/J*fm+i4, Das darf aber nicht auf die Realen 
■elhst fibertragen werden, denn die Glieder der zufälligen Ansichten sind nicht 
fe Heder in den Realen selbst ■ das Entgegengesetzte steht vielmehr in unautlös* 
heiler Verbindung mit dem, was nicht iroin Gegensatze getroffen wird. Beides 



8« 

dient nur zun bildlichen Aasdruckefttr die einfache Qualität des Realen. Es 
kann also in den Realen sich weder das Entgegengesetzte allein anfheben^noch 
die entgegengesetzten Realen selbst als Ganzes, weil es dem Begriffe des Re- 
alen nnangemeasen ist. Es bleibt also nichts übrig, als dass jedes Reale 
in seinem ^enen Innern and nach seiner eigenen Qualität sich selbst er- 
hSAt als das, was es ist. Die Störung, welche erfolgen würde, wenn das 
Ent^^egengesetzte d^r. Qualitäten sich aufheben könnte, gleicht einem Drucke, 
die Selbsterhaltung einem Widerstände. Die Realen A und B bestehen also 
in der Lage, in welcher sie sind, wider einander; ihr Zustand ist Wider- 
stand. „Störung sollte erfolgen ; Selbsterhaltung hebt die (noch nicht eingetre- 
tene) Störung auf, dergestalt dass sie gar nicht eintritt.'' Sonach ist Selbst- 
erhaltung ein Bestehen wider eine Negation, die in dem Verhältnisse der 
Qualitäten zweier Realen liegt. Daraus folgt, dass die Selbserhaltung eine 
gegenseitige ist ; jedes der Realen in seinem Zusammen mit dem anderen 
ist die Ursache der Selbsterhaltung des andern, und nur in diesem Sinne 
hat der Begriff der äusseren Ursache eine wissenschaftliche Bedeutung. 

Da somit die Causalität lediglich bedingt ist durch den qualitativen 
Gegensatz der zusammenbefindlichen Realen, so bedarf sie zu ihrer Er- 
klärung weder der Annahme eines besonderen Vermögens noch der beson- 
deren Kräfte. „Vielmehr werden die Realen selbst, ganz und gar wie sie 
sind, Kräfte, insofern als sie mit anderen von entgegengesetzter Qualität 
zusammentreffen. "^ Ursprüngliah aber und an und für sich ist kein Reales 
£[raft und: hat auch keine Kraft. D(igegen kann sich ein Reales aufzahllos 
verschiedene Weise als Kraft äussern, sobald es mit anderen und wieder 
anderen Realen von entgegengesetzter Qualität zusammenkommt. Je nach 
der Beschaffenheit des Gegensatzes erhält sich ein Reales gegen ein anderes 
auf jedesmal dadurch bestimmte Art. Die Eigen thümUchkeit der Selbster- 
haltung richtet sich nach der Eigenthümlichkeit des qualitativen Gegen- 
satzes oder nach der Eigenthamlichkeit der Störung, die erfolgen sollte, 
aber nicht kann. 

Gegen diese Theorie des wirklichen Geschehens sind gewichtige Ein- 
wendungen erhoben woi*den, die darauf hinauslauten, dass Wirkliches aus 
blossem Scheine abgeleitet werde. Bei Herbart, sagt Drobisch, entstehen 
Beziehungen aus Beziehungen; die wirklichen d. i. die Selbsterhaltungen 
unter Voraussetzung des Gegensatzes der Qualitäten aus den formalen des 
Ueberganges der Wesen aus dem Nichtzusammen in das Zusammen vermöge 
der ursprünglichen Bewegung. Aber diese Formen des zusammenfassenden 
Denkens sind nicht wirklich, sondern haben nur die Geltung des objektiven 
Scheines. Das wirkliche Geschehen wird daher, insofern es nicht schon von 
einem ursprünglichen Zusammen herrührt, was wenigstens nicht bei Allem 
der Fall ist, mitbedingt von diesen Zusammenfassungsformen, also vom 
objectiven Scheine. Das Wirkliche ist daher mindestens theilweise abhängig 
vom Scheine, das Reelle vom Nichtreellen, während umgekehrt dieses von 
Jenem abhä ngig sein sollte. Kann denn aber ein in voller Ruhe befind- 

«) Zimmemaiui, LeihniU Uoaodalogie. 



iches Heales, welches sdner Natur nach keini^r Äcti?ität Uhig iftt, anf ^In 
ißderes ebenfalls vollständig unthätigeB wirken? Kann ein Gei^chehen, 
rdclies ttm keinen wirkenden sondern raUenden Ursacken heriroi-geht, ein 
ririeliehes Geschehen genannt werden^ oder ist es nicht vielmehr ein schein- 
"Iktres Gtschehen? Mit Rücksicht darauf, dass das von Herbart wirklich 
feoaftfita Qescheheu einen bloss ideellen Grnnd hat, daB Znsammengefasst« 
mehrerer Realen im Denken zu einem Ganzen^ als dessen Folge 
imdgB hervorgeht was den Schein der Wirkung an sich hat, machte 
ii letzte Frage nnr bejaht werden,') „Folglich sind die sogenannten Selhst- 
[trlialtüiigen der Realen denselben bloss angedichtete Zusande, die im 
le der absoluten Beharrlichkeit der Realen wegen gar nicht eintreten 
kBonen, obgleich sie eintreten stdlten; zn vollxiehende aber anvollssogene 
]^ordeningen, die daher weder Knfte sind, noch als solche betrachtet wer- 
|deti dfirfen, einander weder wecken noch verdrängen, weder stärken nach 
iWJLcfaeii» weder stören noch ganz oder t heil weise aufheben können, Zu- 
je mit einem Worte, die gar nicht sind," 

Steht dann ttberhau[it Herbart höher als die Eleaten ? — Ohne Zweifel, 
fanden, dass die Begriftej durch welche das in der Erfahrung öege- 
gedadit wird, widersprechend seien, daher, schlössen sie, ist diese 
amöglich; daher kann sie gar nicht Gegenstand der Erkenntnis, Gegen- 
3d des Wissens sein. Herbart hingegen bearbeitet die Beginffe so weit, 
IS sie einerseits der Erfahrung entsprachen, andererseits aber den nner- 
JttUdten Gesetzen des Denkens nicht mehr widersprachen. Allerdings be* 
Inrfte er zur Erkenntnis des wirklichen Geschehens in den Realen 
iner p^idealen Gedankenbrücke, die man allenfalls auch eine blosse Fiction 
ennen k5nnte/*) Während also die Eleaten jede Causalität, jedej« Ge- 
rhehent als durch haltbare Begrift'e fassbar, abwiesen und nur als Be- 
timiniingeu gelten Hessen, die sich gegenseitig aufheben, liegt nach Herbart 
Cäiiä»! Verhältnis, als wirkliches Geschehen, in den Realen, obwol es 
bedingungsweise auftritt, dann nämlich, wenn die Realen zusammen* 
komrot^n und ihre Qualitäten entgegengesetzt sind. Ftir die Eleaten gab es 
ir k«un6 int^Uigible Welt; die intelligible Welt Herbarts ist zwar nur 
IJItdbar, durch Denken, erkennbar, aber sie ist nicht ein blosses System 
Isteltectus, unter welche die Erscheinungen subsumiert werden. Herbart 
icht zu erklären, wie das Denken zu der Vürstellung eines Geschehens 
Ige, die Eleaten wiesen in der Meinung, das sei überhaupt nicht mög* 
jeden derartigen Versuch von Vorneherein ab. Das war der Zweck 
Senoni sehen Beweise gegen die Bewegung, gegen den Raum. 

(\ Das Problem derlnhäreuz forderte zu seiner Lfmung die Annahme einer 

eneiiiactiafi von Realen, das Problem der Veränderung die eines wechselnden 

iinetitind Nichtzusammen derselben* Dieses wechselnde Zusammen und 



'/ Zmmtrmtknn, LeIbnitE n* Herbart* 

«) Pfubftcli, Uebe? die Waudlmig . - Z. t e. Ph. 



NiohtsQsafliiiiea soUiefist «ine Bewegung, somit eine Baum- und Zeitbestimr 
iniiifg in 8ich> jene cUirch das Kommen imi<1 Gehen, diese durch das Nach- 
riiiander des Zusammen und Nichtzusamiiieii. Die^e Bestimmungen haben 
zwar keine Bedeutung für die einzelnen Beaku, sind ihnen ganz zufällig ; 
flicbtsdestoweniger ergeben sich bei genauer Erwägung gewisse räumliche 
und zdtliehe Verhältnisse. 

Denkt man sich nämlich zunächst zwei Wesen abwechselnd im Zu- 
sammen und Nichtzusammen, so entsteht eine Reihe von Möglichkeiten des 
Znsimmenseins. Dies sind die Orte; denn „der Ort ist das Bild des Seins. "^ 
Dass anstatt des Nichtzusammen der beiden Wesen ihr Zusammen eintre- 
ten könnte nöthigt uns, jedem Von ihnen '' in Gedanken das ändere beizu- 
fügen. Abstrahiert man nun von der Störung, die aus ihrem Was entspringt^ 
so ist dem Sein des Einen im Gedanken das Sein des andern beigef &gt ; 
aber n>ir als im Gedanken d. h. Bild des Seins. 

So gibt jedes dem andern einen Ort, indem es einen Punkt der An- 
hef tung darbietet iür das Bild von dessen Sein Aber der Begriff des Seins 
ist immer der gleiche Begriff; folglicli, alle Orle können Bilder werden 
von dem Sein eines jeden beliebigen Wesens. Das einem jeden Wesen an- 
geheftete Bild ist also zugleich ein Bild von seinem eigenen Sein.^) Die 
zwei betrachteten Wesen ergeben also zwei Orte; diese sind völlig ausser 
einander, aber ohne alle Distanz d. h. Aneinander, das weder ein In- noch 
Voneinander ist. Die gleichmässige Wiederholung des Aneinandei* solcher 
Bilder fUn*t zu einer geraden stanen Linie, in welclier je ein Bild gerade 
zwischen zwei anderen liegt. Da von den Realen die Theilbarkeit ausge- 
schlossen ist, so gilt dies auch von den Bildern: Sie sind daher Punkte, 
und die starre Linie ist eine Reihe, zwar nicht von discreten, wohl aber 
von ohne alles Zwischen an einander zu setzenden Punkten. Es soll dies 
zwar nicht die geometrische Linie sein, die erst eine secundäre Consequenz 
der starren Linie ist, aber diese soll doch schon eine Ausdehnung bedeuten. 
Durch Zuhilfenahme eines dritten realen Wesens construirt Herbart die 
Ebene mit ihren unzählig vielen Richtungslinien, und mit Hilfe eines vier- 
ten realen Wesens den dreidimensionalen Raum, den sogenannten intel- 
ligiblen Raum, in dem sich die Realen bewegen und der dem sinnlichen 
Räume zu Grunde liegt. Die ersten Constructionen sind commensurabel, 
weil ihr Mass das Aneinander zweier Punkte ist; später aber, wenn zwi- 
schen zwei in bestimmter Distanz feststehende Punkte Linien gelegt 
werden sollen, ergeben sich incommensurable Linien d. h. sie haben kein 
gemeinschaftliches Mass, also ist auch f&r sie das einfache Aneinander» 
das letzte Element des Raumes, kein solches. Wird also zwischen zwei 
derartig feststehende Punkte eine starre Linie gelegt, so kann kein mög- 
licher letzter Punkt gedacht werden, der sich mit dem feststehenden gege- 
benen Punkte völlig deckte d. h. sie fallen nicht völlig in einander. Hieraus 
ergibt sich unvermeidlich der allerdings widersprechende Begriff der Theil- 

') Herbart, Hauptpunkte. 



S9 

liarkMl ilen Punktes. Nun kaim dieses nicht v5l1i]sre Ineinander auf alls 
Ponkte (ener Linie Hb<»iti'a?eii werden» oder sie kann so anf^e^Ghen werden, 
ob k«in einziger ihrer Punkte an dem andern «ei, ^ondein Mifilvvi^se 
ibiii ensaniineTifalle. Damit entsteht der Betriff einer cnntinuirlichen 
ift mild weiterhin der des rontinuirllchen Raumes. Herbart wei»s recht 
1, welchen gewaltigen Auftto^s dieser widersprechende Bef^Hft dei' Theil- 
irkf*il den uiitheilbaren Punktes finden müss, aber er Iiält ihn mit eiserner 
Und fe^t^ weil er sich ihm im Zusamnieuliange eines folgerichtigen Den* 
isi ene^itgt hat, und Blch^ zisnächüst wenigstens, nur auf eine Form ein€g 
pÄen Peiikens bexi^^hL Aber freilich lässt er sich nicht in 
Ktlmniien* Der Punkt ist das abstracte Uild einejä Realen, 
ncI «Uv Widersi>rudi gelit auf die Realen 8ell>st über, „weil wir den ein- 
irhen realen Wesen nicht verbieten können, Materie xu bilden/'*) Aber 
pr ^Viderspruch ^.bleibt nur an der ihnen 7.ufalHgen Lage haften/* 
l^erselbe widersprechende BegrilT des t heilweisen Ineinander zweier 
iinipmiikte ergibt sich auch au» dem Begriife der Bewegung, da ai« al» 
Itntiirlkh gedaclit werden muss. ,J*aH Bewegte darf niclrt auch nur für 
in nmheilbar-en Augenblick sc* gedacht werden, als oh seine Stelle eben 
ptxt durch einen einzigen Punkt s&ulänglich könnte angegeben werden^ son- 
man muss die vorige und die folgende Stelle hinzunehmen, Und diesea 
tun desto nöthiger, je grösser die Ueschwindigkeit; denn mit ihr wächst 
B^tjfriff des Hindurchgehens durch jede Stelle im Gegensätze gegen das 
Verweilen In derselben/'^ Darin liegt der Schlüssel zur Lösung der »euo* 
Kfnwürfe, Abgesehen davon, dass Zeno den wahren Begriff des 
^^in wieder übersah und nicht merkte^ dass die Stellung eines Sei- 
len keine Bestimmung seiner Qualitilt sei, war er trotz der Abstractioo, 
te itn Hegriffe des Seins ausgedrückt ist, doch nicht im Stande^ dieselbe 
hier zu verwenden, und er vermochte nicht, den Standpunkt des be- 
Denkens von dem des sinnlichen Vorstellens zu scheiden. Das 
be ßihl der Ranmgrusse wird überall, nach links und rechts, nach 
tind unten, nach vorn und Kickwärts von einer Orange umfangen^ 
scheidet sich das Jetzt von Vergangenheit and Zukuni't ab. 
^ie kleie die Ausdehnung eines Raumtheile«, wie kurz dauernd ein Au* 
iblick sein darf, um noch füi* sich wahrgenommen und als Einzelnes 
lieden werden zu kiinnen^ ist nicbt für alle^ ja nicht einmal für ei- 
m niid denselben zti allen Zeiten gleich, sondern bedingt durch die Per- 
aiiafähigkeit des Wahrnehmenden, sowie durch die Möglichkeit, auf 
Irltcben Wegeu oder durch künstliche Mittel die Wirkung auf das Sub* 
»kl zu steigern. Allein die»e Höglichkeit geht nur ins Unbestimmbarst 
lebt wahrhaft ins Unendliche. Für ein Perceptions vermögen von bestimmi^ 
Sehranke ist auch die möglichst kleinste unterscheidbare Quantität des 
oder Zeittheiles eine so und so begrenz ta« Der Umstand jedocli, 



<) BMmrl, HeU|ili. lt. 
•) lUrbut^ M«tapli. If. 



3a 

daas wir oos immerhin ein noch zarteres und feineres Aoffassang^yermögen 
denken können, bewirkt, dass wir auch der Wahrnehmbarkeit keine festen 
Gränzen setzen, und den wie klein immer vorgestellten Zeit- und Baum- 
theilchen in Gedanken stets noch kleinere substituiren, nicht mittelst der 
imaginierenden Vorstellung, sondern nur mittelst des abstrakten begriff* 
lichieii Denkens. Wenn wir die Gräoze der sinnlichen Perceptionsfähigkeit 
erreicht haben, dann ist, was dar&b^ hinausliegt, nicht mehr Bild, sondern 
ein Wort, ein Schema. Für die sinnliche Vorstellung ist daher weder der 
Baum noch die Zeit ein unendlich Theilbares. Fttr sie gibt es letzte Ele- 
mente, an denen die Teilung des Raumes und der Zeit Halt machen musss ; 
diese letzten Elemente sind die kleinsten Raum- und Zeitgr&ssen, welche 
irgend ein Subjekt nach dem Masse der Feinheit und Zartheit seines Auf- 
faKsungs- und Unterscheidungsvermögens noch zu imaginieren nn Stande ist. 
Obgleich nun unter den Menschen in der Beziehung sehi beträchtliche 
Differenzen möglich sind, so gehen doch diese nicht ins Schrankenlose, 
sondern es gibt unzweifelhaft irgend eine Gränze, fiber welche hinaus kein 
mensohliches Perceptionsvermögen mehr zureicht. Es gibt daher f&r den 
Standpunkt der sinnlichen Vorstellung woi eine unbestimmbare nicht aber 
unendliche Theilbarkeit des Raames und der Zeit. Hieran schliesst sich 
der onsinnliehe formale Begriff von Raum und Zeit. Dieser verlangt den 
Raum als ein stetig in einander fliessendes Nebeneinander, und die Zeit, 
als ein stetig in einander fliessendes Nacheinander zu denken. „Wenn auch 
fftr die Zeit kein solcher Zwang vorhanden ist, wie ihn im Räume der Kreis 
und dia Hypothenuse austtben, die uns vom Starren zum Stetigen forttrei- 
ben, so muss dennoch auch die Zeitlinie als unterworfen der Möglichkeit 
betrachtet werden, dass an sie die Forderung irrationaler Distanzen er- 
gebe könne.^^) Für den, Begriff ist das Jetzt nur die bewegliche Gränze 
zwischen' Vor)ier und Nachher, der Übergang von dem Einen in das Andere. 
Füit die. begriffliche Anffiftssnng ist somit die Zeit wie der Raum unendlich 
theilbar. Zeigt sich sonach, dass- die sinnliche Vorstellung und der nnsinn- 
liehe Begriff ganz entgegengesetzte Forderungen stdlen, so folgt von selbst, 
dass cdi Widerspruch und zwar ein scheinbar unlöslicher entstehen m&ase, 
sobald man dacauf besteht, Raum* und Zeitverhältnisse von beiduL Stand- 
punkten zugleich zu betrachten. 

Dies ist bei den Zenouisohen Einwürfen gegen die Bewegung^) der 
Fall. Bei allen wurde der Begriff der Geschwindigkeit ^ Übersehen. Doch 
seheint Herbart bezUgtich dieses Begriffes zu weit gegangen zu sein, wenn 
er bdiauptet : „Man darf dem Bewegten gar nicht erst eine Stelle und 
dann die nächste geben, sondern beide m&ssen unmittelbar, indem man sie 
unterscheidet, im Gedanken zusammengezogen werden, damit das Bewegte 
nicht irgend wo ruhe.'' Es ist nicht nOthig, dass das Bewegte irgend wo 
ruhe, und doch ist dieses „erst^ und „dann^ nothwendig, was er selbst an 

*) Herbart, MeUph. II. 
«) Ariftoteles. Phya. VL 



n 



[eiiier anderen Stelle wieder zugibt Es ist der Begriff am ünendlicheö, 
j«!i welchen skh Herbart so sträubr, irrig aufgefasst woi-den') , e& igt 
prrig EU sagen f eine unendliche Menge ist diejenige, welche sieh ni*^mals 
[MgeWn öder bestimmen oder gar vollenden lässt^ und es i^t ein ,.FehN 
Uchlttjis, um dessenwilleu, weil die Theilung der Linie bis zu den einfachen 
[©oeodUch vielen Punkten niemals wirklich vollendet werden kAnn, behattp- 
!en XU wollen, die Linie enthalte keine nnendliclie Menge derselben, ohne 
stimmt und unbegränzi zu sein/^ Insofern stimmen also die Eleaien 
Hi&rbart riberein, dass sie beide die Denkbarkeit des ITnendliclten be- 
eiVen* Wählend aber jene das, anf was der Begriff' Anwendung findet, 
^üttgnen, fahrt Herbart den BBgrifl* der Geschwindigkeit ein, und lässt die- 
Begrifl", behaftet mit einem Widerspruche, bestehen, ja fordert, dasR 
nicht wage, diesen Widerspruch zn beaettigen, weil er sich nicht 
etiti^eQ lasse; ^es hiesse ebensoviel, als einem natQrüclien Miftslingen 
Kün&telei entgegensetzen/* Die Eleaten verwarfen daher die Bewe- 
ig, verwarfen den Raum, da auch die Annahme dieses auf eine nnend- 
licha Reihe führt Sie sehen den Raum als etwas Wirkliches an, der ist; 
üiPf, wenn er ist, er auch einen Ort haben müsse, dieser wieder einen 
Kweiten und so ins Unendliche, Herbart ist der Raum, der intelligible, ein 
WosÄes Gedankendingj ein objectiver Schein, der in jeder zuschauenden 
die Wesen denkend zusanimenfasseiiden Intelligenz notliwendiger Weise 
tehen muss. Die Wirklichkeit des intelligiblen Raumes ist daher nur 
lie deit zusammenfassenden Denkens. Er soll indess bein Woss subjectiver 
ciieln »ein, nicht von einer dem Zuschauer besonders eigenthttndichen Form 
aer Anschauung herrühren : auch sind nicht die Empfindungen das, 
ras zusammengefasst wird (denn dies gibt nur den siniiüchen Raum), 
üßdero die hinter den Empfindungen stehenden, selbst aber erst durch 
refHiittelndes Denken erkannten realen Wesen. Der intelligible Raum hat 
gewisse Verwandtschaft mit dem piaton sehen ^^ ov^ das sich ja auch 
iut Raum und Bewegung bezieht, und doch die Ideen, das einzig Reale^ 
liriits angehen soll. Nur ist dieses m Sr im strengeren Sinne objektiv, 
bbwulil dadurch ein um so unf asslicherer Begriff, nämlich ein von aller 
pbjet'tivilät abgelöstes Scheinwesen, dem gleichwohl eine gewisse Wirk- 
et beigelegt werden muss, da es die Wirkung hat, die Ideen in der 
leinong theilbar und getheilt darzustellen, was doch ihrer Natur zu* 
i^L Herbarts objektiver Schein ist, da ganz ohne Subjekt kein Schein, 
entlieh ein allgemeiner subjektiver, oder, wie Drobisch») sagt, ein ide- 
Jer Schein, ein solcher, „welcher entstehen würde, wenn irf^end ein Subjekt 
Ei« realen Wesen kennte;^ d, h. er ist wirklich vorhanden für ein Subjekt, 
e« nicht gibt, für einen idealen Zuschauer, auf dessen Standpunkt wir 
aar mittelbar durch Denken zu versetzen vermugen. Jedoch kann die- 
iatelligible Raum sofort mit dem empiriseU gegebenen Räume insofern 



LatbuiL» und HerUa.rt. 



38 

als identisch gesetzt werden, alH diesem dieselben drei Hauptrichtuno^en 
zukommen. 

£s ist nicht zu leugnen, dass diese Construction vom Anfang an etwas 
GezwungjBnes an sich hat, und im besten Falle nur eine Beihe aber keine 
Linien gibt Aber wie ist es möglich, dass das Aneinander d. i. die Null 
der Entfernung (im strengen Sinne des Wortes) zwischen zwei Raumpunk- 
tea getheilt werden solle ? Und doch ^macht dieser Begriff des theilbären 
Anßinaiider den entscheidenden Wendepunkt, um von dem starren, leblosen 
Aneinander zu dem stetigen Flusse des intelligiblen (geometrischen) Bau- 
mes zu gelangen.^ Daher die vielfachen Einwendungen gegen dieses An- 
einander zweier Punkte, deren Distanz gleich Null, und die doch nicht 
nothwendig ineinander liegend gedacht werden müssen, sondern vielmehr 
ein Mehr oder Weniger des Aussereinander fordern. Dazu kommt aber spä- 
ter noch ein weiterer Widerspruch. 

Das Aneinander bildet das einfache Element, die Einheit des Ausser- 
einander, welches letztere aber nun unendlich viele Abstufungen erhält. Wie 
das Zusammen die Bedingung der Möglichkeit der Wechselwirkung zwischen 
den Bealep, so ist das Nichtzusammen im Aligemeinen der Ausdruck ihrer 
Unabhängigkeit, gleichsam die Bedingung der Möglichkeit ihrer Unwirk- 
samkeit aufeinander. Aber bei dem bloßen Aneinander kann xnm nicht 
stehen bleiben. Die Materie ist gegeben als das Beale, sofern es räumlich 
aasgedehnt und beweglich erscheint und diese Erscheinung kein blosser 
Schein sein kann, sondern Wechselwirkung zwischen den Bealcin fordert. 
Nun wttrde zwar die Aneinanderreihung der Realen die Ausdehnung der 
Materie im intelligiblen Baume erklären, aber keine Wechselwirkung zwi- 
schen ihren Elementen zulassen. Andererseits entsteht zwar Wechselwir- 
kung beim Zusammen der Bealenvon differenter Qualität, aber dann sind 
diese nicht aussereinander, folglich keine Ausdehnung gegeben. Dies nötÜigt 
zwischen die Begriffe des Aneinander, als des unvermittelten AuOereinander, 
und des reinen Zusammen, welches jedes AuOereinandor ausschliesst, einen 
neuen Begriff einzuschalten, nämlich den des unvollkommenen d. h. nur 
tbeilweisen Zusammen, mit wdchem zugleich ein tlieilweises Nichtzusammen 
gesetzt ist. Wie in der Construction des intelligiblen Raumes eine 
TheUung des untheilbaren Aneinander als nothwendige Fiction für zulässig 
erklärt worden ist, so bahnt eine ähnliche den Weg zur Construction der 
starren Materie. So gut wie eine fingierte Theilbarkeit untheilbarer Punkte 
dürfen wir auch ein unvollkommenes Zusammen voraussetzen, d. h. die Re- 
alen A und B können in einer solchen Lage sein, wie die beiden letzten 
Punkte einer Hypothenuse. „Dies sieht zwar ungereimt aus; allein 
diese Fiction im Begriffe trifft wieder lediglich den Raum, sie berUhrt 
nicht im mindesten die Qualität der Wesen, auch nicht das wirkliche Ge- 
schehen."*) 

Der Widerspruch gehört einem Begriffe an, der nur „einen Durch. 

') Herhart Metaph. II. 



rs/l 



Ig^onkt fllr unjter Denken biltlet,** Solche Widersprikhe sind ?5ü1^ssIj^, 
rorem liie nur %n CnuRequenzen fiiliren, die mit dem Öegebi^Tiai wieder 
^inimen. Her Raum muHS sich also ÜTi^ereimtlieitfn und Wider- 
Ltalleti lassen, die sich daher auch foilwRhi'end Iiäiifen Unge* 
inlilet 4er Raum „für die Realen nichts bedeutef,** so mM dennonli dem 
leren Urade des Zusammen ein geringerer Grad von SelbsterhaUuni^ 
>rtThen ; weil es aber elodi seltsam klingt, 'la^ä^ einfache Wesen, die 
k#*itie Theile liaben. mebiere Theile mit einander gemein haben sollen, so wird 
reilar fingiert, die einfachen We^en hätten auch Gestallt und mithin aneh 
lieile, Kh fragt sich nun» ,.welehe Figur passt auch nur al^ Fietion nnf 
Mnfaclie Wesen? Antwort: Einzig dii^ Kugel Denn es ist kein Ginnd vor- 
Ikamlen, die Ausdehnung naeb verschiedenen Seiten hin ungleich ansamebmen, 
L'ud diege Kugeln sinil für alle realen Wesen gleirdi gross; denn es ist 
keil* Ol und der Ungleirblieit vtii lianden, und ohne ?olclien darf die Fietion 
icbUi rngleicltes zubi{^*«en/^0 H**rbart nimmt aber allsbald diese Kugel- 
leiitÄlt und Tbeillvarkeit, die er den Atomen beigelegt hat^ wieder zurück. 
IT - ^ r behauptet, das seien Fictionen, die in der Beschränktheit und 
\\ ;*rut bsfiiüe unserer natüt Heben Rauinvor.stellnngen ihreu Ursprung 

ibeo. Die Realen an sicli sind wahre Atome. Daraus ftdgt nun, dass nie, 
bwnl (durch eine Fietion) nur theil weise s^usanimen, dennoch g^iri, *V h. 
allen ilireu Tbeilen in Selbste rhaltnng versetzt werden. Denn in ilinen 
plbjtt (fibt eg kein Dort und kein Hier; es ist unmöglich, fla«s ein Tlieil 
ich Hellifit erhalte, der andeie nicht; frdglicb „in dem ganzen, realen Wesen j 
allen tVngierten Tbeilen desselben befindet »ich einerlei Grad von Selbst- 
ihiihiiog/ Doch ist wegen dieses fingierten unvollkommenen Zusammen 
it Stlb^terhaltung dem (trade nach .greringen Relbsterbaltung herrscht 
aut'h dort, wo kein Zusammen ist; dies ist ein Widernprueh, der 
t>lh wendig aufgehoben werden muss. Das geschieht dadurch, dass auch 
ne biji dahin nicht sEUsammengewesenen Tlieile ins Zusammen treten. DaR 
iv^llkommene Zusammen bedingt daher ein Rtreben nach vollkommenem 
!Ls^nimefi d. i. es bewirkt ein Eindringen der Realen in einander, es Kndet 
Ittraefion statt. Herbart stellt den Grundsatz auf, dass die äussere Lage 
Fr Wi>»en sich nach dem wirklicfien Geschehen in ihnen einrichten und 
(fidern, und demnacli jedes unvollkominene Zusammen in ein vollkom* 
l^fiesc, jede bloss partiale Tbirchdringung zweier Realpu nothwendiger Weise 
eine totale IU>ergeben müsse. Ist das aber die Nach Weisung einer inne- 
W, den Realen immanenten Nothwendigkeit, oder nicht vielmehr eine Re* 
i»xioij der betreffenden Tnfelligenz. durch welche iliese ihre (Tpdanken über 
Fortgang ans dem unvollkommenen 7.iisammen in das vollkommene in 
Id^u notli wendigen Zus;Hnmenhang zn bringen versucht? Eine innere ob- 
luvt* Nothwendigkeit dei' AltiLnderung der Lage der Realen wiirde nur 
nn naclige wiesen sein, wenn gezeigt wäre, dass dajt unvollkommene Zu- 
luft xwar nicht nicht^ein, aber unmöglich andauernd bestehen kaan, 



HtttHtft Ifetupk Tl. 



84 

dass die Annahme des Bestehens einen Widerspruch enthält, der sich nur 
durch den Uebergang in das vollkommene Zusammen löst. Die Anlage zu 
einer solchen Nachweisung ist zwar gemacht, aber die Ausführung gibt 
keine volle Befriedigung; denn der Grundsatz, dass die Lage der Wesen 
sich einrichten mttsse nach ihren inneren Zuständen, hat keine rechte zwin- 
gende Evidenz. Wenn schon die partiale Durchdringung hinreicht, um auch 
in den nichtdurchdrungenen Theilen ebensogut wie in den durchdrungenen 
die Selbsterhaltung zu erregen, warum kann es nicht dabei bleiben? Die 
vollkommene Durchdringung verstärkt ja nur die Selbsterhaltungen, und die 
Realen haben kein Verlangen nach einer stärkeren Selbsterhaltung als die, 
welche durch den Grad ihrer Durchdringung bedingt ist, wozu dann aller- 
dings ein tieferes Eindringen nöthig wäre. Es wurden daher von verschie- 
denen Seiten Versuche gemacht, der Erklärung des ganzen Vorganges an- 
dere Wendungen zu geben. Aber wie auch immer die nothwendigcu Folgen 
des unvollkommenen Zusammen zweier Realen abzuleiten versucht werden 
möge, so lange dasselbe eine Fiction, ein objektiver Schein ist, wird es 
immer unverständlich bleiben, wie dieses bloss scheinbare Geschehen auf 
das wirkliche irgi^nd welchen Einfluss soll haben können. Es wird immer 
„nur eine Hinzüthat eines den Realen äusserlichen und sie zusammenfas- 
senden Denkens^ bleiben, „eine Weise, wie sie gedacht werden, nicht wie 
sie sind."^) Nichtsdestoweniger bedient sich Herbart dieser fingierten Attrac- 
tion zur Construction der Materie; aber diese Kraft reicht zu dem Ende 
nicht aus. Es bedarf hiezu noch einer anderen, zu Folge seiner Behauptung 
nicht minder auf Fiction beruhenden Kraft, der sogenannten Repulsion. 
Fände nur Attraction statt, so wQrde jedes Reale vollkommen in das an- 
dere eindringen, es wären alle vollkommen zusammen, also ineinander; es 
könnte auf diese Weise weder Materie noch irgend ein Ausgedehntes zu 
Stande kommen. Daher muss etwas da sein, das die vollkommene Attraction 
und wechselseitige Durchdringung verhindert d. i. eine abstossende Kraft, 
eine Repulsion. 

Man nehme drei Reale, von denen zwei A und A, unter sich gleich- 
artig sind und das dritte B jenen beiden entgegensetzt. Befindet sich A| 
mit B in unvollkommenen Zusammen, so gilt von ihm dasselbe wie von A, 
es muss sich gegen B vollständig in seiner Qualität erhalten, und die bei- 
den Realen A und A, mussten vollständig mit B zusammengehn, um dem 
„wirklichen (Geschehen'' zu genftgen. Eine solche vollständige Durchdrin- 
gung dreier Realen ist bei einer gewi'ssen Art des Gegensatzes auch, recht 
wol möglich, nämlich dann, wenn er ein ungleicher ist, d. h. wenn mehrere 
Reale einer gewissen Art nöthig sind, um in einem anderen Realen den 
höchsten Grad der Selbsterhaltung, dessen es überhaupt fähig ist, hervor- 
zubringen. Denkbar ist aber auch, dass der Gegensatz zwischen zwei Rea- 
len A und B ein gleicher d. h. ein solcher ist, bei welchem die qualitative 
Störung, die das eine Reale dem anderen droht, beiderseits gleich gross ist, 

') Zimmermann, Leibnit« and Herbart, 



3S 



wo di&Q eines der Realen schon genügt, um das andere zu einer rollst an- 
[fügen Selhsterhallung zu veranlassen. Sind also A und Aj derartig, dass 
'jßie * n\ B iu gleiclit^m Gegensatze stehen, so kann eine Vülistäudige 
Dtii . ^nng dieser drei Elemente niclit statthaben. A sowul als Aj soll* 
teUf lOÄOfeni sich jedes wegen seiner partialen Durchdringung mit B gegen 
rdle«e» behaupten muss, mit demselben vallständig zusammengehen, aber 
►B muss sich gegen jedes der beiden A vollständig erhalten. Es hätte also 
^ngcfitlidi eine doppelte Selbsterhaltnng zu leisten, zugleich und in dem- 
Pidbea Masse wie A und Aj. Ist aber schon ein A im Stande, das B zum 
Ibdcbslnidglichen Grade der Selbst«rhaltnng zu bringen, so kann m der 
doppelten Selbsterhaltung und somit Üurchdringungj die ihm von den bel- 
aden A zugemnthet wird, niclit entsprechen. Indem nmi B einer Steigerung 
"»einer Selb^^terhnltung liber das raijgliche Maximum hinaus widerstrebt, 
I dringen beide Reale A und A^ so weit in B ein, bin ihre Reactionen geeten 
IB 3cu^Änmlen genommen gleich ßind der einen höchsten Selbst erlmltung oder 
ti dea? B, Es tiiidet d*nn Gleichgewicht zwiächen der einen vollen 
..cihaUung de» B und den Selbsterhaltungen der beiden A znsammenge- 
^ttommen statt Es „scheint" also B gegen die A eine rückslossende Gewalt aus- 
xuftben, und diese nennt Herbart Repulsion. Wird die Zahl der Realen, welche 
Hn t?in und das^jelbe Reale eindringen wollen und nicht können , vermehrt, 
[fo vervielftltigt sich der eri^te Widerspruch. „Je mehr ihrer sind, desto weniger 
'lief irenlen sie eindringen; und gesetzt, sie wären alle eingedrungen, so wer- 
^dHiM«nach allen Seiten gleichmässig so Wüit herausgetrieben werden, bis sich 
^\ttracti*>n und Repul.dun im Gleichgewichte betinden. Alsdann läge B in der 
'lliCle, und es wird mit allen A zusammengenommen mehr als einen mathema- 
tificlien Punkt einnehmen, so dass eine körperliche Ausdehnung entstände/ 
' Dasjenige, wa^ die mehreren Redien mit dem einen B, mit dem sie in 
dein Zustande der partialen Durchdringung sich befinden, darstellen, wird 
^al» kleinstes Massentheilchen (Molecül) bezeichnet^ welches in Gemässheit 
Gleichgewichtes der Attraction und Repulsion der Realen, welche es 
Bfttituieren, eine bestimmte Dichtigkeit und Gestalt haben wird. Sonach 
werden bei gleichem Gegensatze zwei Reale A derselben Qualität mit einem 
dritten B ein räumliches Gebilde in linearer Forra^ diei Reale A unter 
I gleichen umständen mit ein und demselben B ein gleichseitiges Dreieck^ 
;vier Reale A ein regelmässiges Viereck und acht einen WUrt'el bilden. 
iWäre der Gegensatz einiger von den A gegen ein anderes B nicht von 
:haiiB gleicher Grösse, so könnte auch der Grad der Durchdringung mit 
Nicht für alle derselbe sein; es entstände daher ein Molecül von unregel- 
[er Form. Würden mit den vielen A, welche in erwähnter Weise mit 
}B ein Moleciil bililen» mehrere B zusammen treffen » so wird die Durch- 
^ dringung der A und B so weit fortschreiten^ bis ein gewisses Gleichge- 
wicbliTverhäUnis zwisciien der Attraction und Repulsion aller dieser Ele* 
mente eingetreten ist. Die hieraus resuHieienden Massentheilchen werden 
<Unn zusammengenommen ein grösseres materielles Ganzes darstellen, und 
lue» wäre die starre JUaterie. Da die äussere Lage oder Gruppierung der 



Realen sich nach den inneren Zuständen oder Selbsterhaltungen eines jeden 
Realen gegen die anderen, mit denen es zusammen ist, richten muss, so 
folgt von selbst daraus, dass die Materie innerhalb gewisser Gräuzen voll- 
kommen elastisch ist. 

Der qualitative Gegensatz zwischen den Realen, der Grund aller 
Wirksamkeit derselben, kann aber sowohl der Stärke nach als der Gleich- 
oder Ungleichheit nach Vei-schiedenheiten darbieten. Die Starke des Gegen- 
satzes bestimmt den Grad der Attraction zwischen den Realen, die Gleich- 
heit oder Ungleichheit des Gegensatzes ist hestimmeDd für das qualitative 
Verhältnis, nach welchem sich die Realen, gruppieren. Beim gleichen Ge- 
gensatze tritt Repulsion ein, sobald zu Ä und B ein. zweites A oder ein 
zweites B hinzukommt; bei dem ungleichen Gegensatze tritt erst dann 
repulsive Thätigkeit von Seite des einen Realen B ein, wenn eine gewisse 
Anzahl anderer Elemente überschritten wird. Diese letzteren werden in 
Folge des von B in ihnen hervorgerufenen entgegengesetzten Zustandes 
sich auch gegen einander zu behaupten suchen, so dass B auch dort zu 
wirken „scheint"*, wo es nicht ist. Auch ein Gesetz muss es für diese 
Wirkung in die Ferne geben, nach welchem sie ipit zunehmender Entfer- 
nung abnimmt. Denn sobald die Durchdringung des ersten A mit B nur 
unvollkommen ist, kann auch die Reaction und damit die Anziehung in 
jedem von ihnen dem Grade nach nur der partialen Durchdringung ent- 
sprechen. Mithin ist für das folgende A, nicht das ganze B mittelbar ge- 
genwärtig, weshalb seine Reaction und Anziehung wieder bei demjenigen 
Grade stehen bleiben muss, welcher seinem partialen Eindringen in A ge- 
mäss ist. Noch geringer wird also die Reaction und das Eindringen für 
A2 und wieder kleiner für A3 etc. sein: Ob aber die Wirkung einfach 
mit der Entfernung oder mit dem Quadrate oder g<^r einer noch höhe- 
ren Potenz derselben abnimmt, ist eine Frage, die nur unter beson- 
deren Voraussetzungen beantwortet werden kann. Darnach ist also eine 
unmittelbare Wirkung in die Ferne überhaupt unzulässig, vielmehr 
beruht sie nur auf Vermittlung, die sich in besonderen Fällen muss an- 
geben lassen. 

Durch Verbindung der Unterschiede des Gegensatzes der Stärke und 
der Gleichheit nach ergeben sich vier Fälle. Der früher betrachtete Fall 
war der, dass der Gegensatz stark und gleich war. Die Reah^n, die in so 
beschaffenem Gegensatze btehen, sind die eigentlichen Gmndelemente der 
Materie. Die anderen dagegen, welche mit diesen Grundelementen und ge- 
wissermassen Kernpunkten der Materie in starkem aber sehr ungleichem 
Gegensatze stehen und sich demgemäss in ungemein grosser Anzahl um 
jedes einzelne derselben dauernd gruppieren können, machen zusammen den 
sogenannten Aether aus, dessen mögliche Existenz sich aus einer verglei- 
chenden Betrachtung der Realen in Rücksicht ihrer Qualität ergeben hat. 
Diese Aethersphären umhüllen die Centralelemente, die Kernpunkte der 
Materie, und es kann immerhin gedacht werden,. dass diese Elemente gar 



37 

WUT tin mittel baren Diirclidrin^unj? gelang^^n, sondern nur vermittelst 
A^nlmrspliärf^n, iHircli i^ine ver^leicht^ndt^ Betrarlihiuij: di^r Ut-Hleii iu 
tUi*ksidit ilirer QuaÜtiU crf^nben sich mindestens zwei m^gfliclie Aether- 
irtrii. Ht*ibart TienT.l die ei'^t*:re (starker, sehr uiigleiidier Gt^^t^nsata) Oaio- 
ricom, die Wiztpve Aether im eigentlichen Sinne, Träger der l^ichtersdiei 
iiuitgrti iiTid der allgemeinen Attractioi). Den ,,8toff'* um Realen, die in 
hwiiflirm aber nahe g^leirhera öe^ensufze stellen, nennt er Efectiicimu 
Ijtleli^l dies^er ,,>>lufte*' mdii er alle Naturti?idieit»ungen zu erklären, 

IMh \V'er»leii der Materie ist hWlm ^.anf .su liundgreifliche Weisse dar- 
aidlr, ihss wir es fast bedaui'Jii, wenn diesellH* blosse Fiction sein soll/'*) 
^im waH llealitkt halt sind nur die liealen selbst und das in ihrem In- 
Mn vorgehende wirkliche Gescheln^n I*ie Veranlassung diesrs lelzteren 
die Ffcfinn des inivollkaninienen Znsammen. Ohne diese wären die Rea- 
len par nirlit fiir einander, öie wären völlig theilnahmslüs neben oder voll- 
II inehuuider; aber aaf keinen Fall wi^idt^ daraus Materie. Was aber 
ii . Fi«:fii»n enislelit, kann selbst nicht mehr sein als eine Fiction^ und 
ler Bt^ß-iiir der Materie f^t hiemit nickt weiter gebracht, Materie, als Zu- 
^-*min*»nge^etzteiJ, ist selbst nicht seiend, si>ndeni nur Produkt oder Aggre- 
gat wahrhaft seilender Wesen* Ulaterie existieiL nur im Auge des Beeh^ 
liditers« als Krsrlieinung» nicbt objektiv als seiendes Ding Was wir mit 
irem Nameti belegen, ist nur Resultat de3 Zusammenwirkens der ausser 
fbjit befindlichen wahrhaft Sfiend«*ii auf uusere Sinnesorgane, Die 
.Lt^n Kigenschaften d^^ar Maleric kleben au keinem Einzel ndiiige, sou- 
(tm werden durch die vereinte Wirksamkeit einer Mehrheit voa diesen 
llfrvoiigebraclit^ sie sind Schein, nicht Sein -. ^mvopttvd nicht ^ot'fitva. 

^I>ie Otnstructiini der Materie ist lediglich ein GeiUukeuding. das^ 
itt dem Werden der Materie ak solciier aus dt-n einfachen Realen gar 
^ütne AehnHelikeit zu haben braucht^ ja nicht haben darf; denn diese 

dbsl venmigt*u wir mit unsei-em Denken gar nicht zu erreichen. Ja so 
ite et» ist, kouimt dieses Gedankendijjg noch nicht einmal dem Begritfe 
tlejch, welchen wir von der Materie in der Kegel besitzen, und wie er 
tm durch die Kifalirung vun Aussen gegeben wird/**) Heisst dies nicht 
l«t«!i Gegebene durch Inbegreitiiches begreÜlich nuichen wullen? Ist das 

icUf ein Beschönigen widei's|nechendei' Begritfe, die sich mit der uner- 
MUliclifti Strenge nicht recht vertragen will, mit der doch sonst Heibart 
|rn WiJrrsjnuch auf allen Wegen und Stfgen /ai verfolgen t^HegiV Der 
|iialitative Atomismus Herbarts, .^welcher daliin gelangt^ die Vielen 
|ituttlitativ) älä eiiiä und (i]ualitattv} als viele zu setzet/% kann iUs Wi- 
i'hes, da*is eines gleich vieles uml vieles gleich eins sein soll, was 
,i;cU ist, nicht bis werden. Fi nem Mdchen Widerspruch* dass die 
tiden ^= dem Begritfe des einen sein sullen, glaubten auch die Fleaten 



eniiauii, tjeiljultE und llerbart, 
cnttiu^ t^f^ibiiit^. itnd Herbert. 



38 

zu fttblen. Zeno bewies, das Viele als Zählbares, sowie aach als Th^ilbares, 
Materie, widerspricht sich; daher lasse sich davon kein haltbai*er Begriff 
gewinnen, und könne daher nicht Gegenstand des Wissens, sondern nnr 
des Meinens sein. Die Eleaten getrauten sich also zu wenig, Herbart zu viel 
zu. Drobisch,^) Cornelius') und Thilo') glaubten daher aussprechen zu 
müssen, dass wir hier an der Grenze des Begrifflichen stehen, dass es ffir 
uns eine eigentliche Erkenntniss dessen, was wirklich geschieht, wenn die 
Realen Materie bilden, nicht gibt, sondern dass wir, wie Drobisch weiter 
sagt, das Verbalten derselben zu einander in der Materie nur in einen 
Gedankenzusammenhang zu bringen vermögen, bei dem wir sogar wider- 
sprechende Begriffe nicht scheuen dürfen, und dessen Glieder in keiner 
Weise einen Anspruch darauf haben, etwas zu bedeuten, was ausserhalb 
unseres Denkens vorhanden wäre. Herbart verhehlte sich zwar durchge- 
hens nicht, dass auch seine Theorie nicht unfehlbar sei, ja dass sie den 
künftigen Erfahrungen, wenn sie gegen dieselbe sprechen, werde nachgeben 
müssen. „Von den künftigen Erfahrungen, sammt den Schlüssen, zu welchen 
sie einst führen werden, sagt er^) hat jede Naturphilosophie fttr sich zu 
hoffen und zu fürchten.'^ Er selbst fordert auf, „man mag prüfen, ob der 
Zusammenhang und die Einfachheit der Grundsätze, von welchen wir aus- 
giengen, sich an den höchst mannigfaltigen und scheinbar ganz getrennten 
Erscheinungen, worauf sie angewendet sind, hinreichend bewährt hat ; und 
ob man auf anderen Wegen zu einer grösseren Klarheit und Bestimmtheit 
der Begriffe von den nämlichen Gegenständen gelangen könne/' Er glaubte 
aber, der Ausgangspunkt müsste immer derselbe bleiben. In Betreff des 
Begriffes des Sein kann in der Tbat keine Philosophie, die auf den Namen 
Anspruch machen will, eine andere Ansicht haben. Aber schon gegen seine 
Theorie des wirklichen Geschehens sind so gewichtige Bedenken erhoben 
worden, dass man nicht umhin kann, dieselben anzuerkennen. Was aber 
die Synechologie und Naturi'hilosophie anbelangt, sind schon entschiedene 
Anhänger der Herbart'schen Philosophie (Drobisch, Cornelius etc.) abwei- 
chender Ansicht, um so mehr jene Philosophen und Naturforscher, die ihm 
schon etwas femer stehen (Zimmermann, Fechner etc ), abgesehen ^on der 
schon ganz veralteten Stofftheorie zur Erklärung der Erscheinungen des 
Lichtes, der Wärme und der Elektricität. Es zeigt sich immer deutlicher, 
dass die qualitative Atomistik in der Beziehung weit zurücksteht hinter 
der quantitativen: Einerseits ist es die logische Consequenz, welche die 
quantitative Atomistik in höherem Grade für sich hat, als die qualitative, 
andererseits die Einfachheit, welche ihr das Uebergewicht sichern ; es ge- 
nügt ihr für die stoffliche Beschaffenheit sämmtlicher Elemente der Körper- 
welt eine einzige Qualität, für die Art und Weise des Wirkens derselben 
ein einziges Gesetz. Es ist zwar die quantitative Atomistik als philosophische 

«) Z. f. e. Ph. V. 

«) Z. f. e. Ph. VI. 

') Kurze pragm. Geschichte d. neueren Philosophie. 

') Herbart, Metaphysik II. 



39 



Wissenschaft nicht Meiitisch mit der physikalischen, aber tlocli sind sie 

Lmitetnander vertrilgHch. Feclmer, der in seiner Sclirift über Atomistik') 

Mae Reihe von Bexiehnügs- und Differenzpunkten zwisclien seiner Ansicht 

Find der Lehre Rerbarts hervorhebt, ist sich bewusst, dass seine letzten eiii- 

l fachen Elemente, die er selbst als „körperliche'' bezeichnet, den einfachen 

[Wirklichen der philosophischen Atomistik gegenüber kein Letztes sei ■ denn er 

Iteltiftl gesteht „es sei nicht zu leuo^nen, dass die Herbar tschen einfachen Wesen 

ragmitz anderem 8iniie ein philosophisch Letztes sind'* als seine letzten ein- 

I fachen Wesen, «die von Raum, Zeit, Gesetz, Geist nichts in sich verbergen 

noch &itö sich zu producieren vermögen, vielmehr nur im compakten Zusam- 

pi«ihaiigedamil und im Verhältnisse dazu eleu Weltbestand zu geben, und hiemit 

lilireti eigenen Bestand fiir die äussere Erscheinung haben.*" Sie sollen über- 

Htaopt nur dazu dienen, damit durch sie das „concret Gegebene der korper- 

tUebaii Welt nur so bis ins Letzte aufgeschlossen werde, um von jedem auf 

b^es andere dureli ihr Mittelglied kommen und Neues selbst geben zu 

tkütineii, was eben nur dadurch muglich ist, dass wir bis zu den letzten 

[Elementen des concret Gegebenen gehen und diese so losmachen, dass 

Uie jedem Austausch, jeder Combi na tiou verfügbar sind/* Es ist das als 

iBele^ anzusehen, dass ,.die empirische Wissenschaft vom Wirklichen, welche 

|ion«'rhaIb der Üränzen des sinnlich Eifahrbaren bleibt, der philosophischen, 

[welclie vou Haus ans über dieselben hiiiausfülirt, zwar stetig sich nähert, 

u^r sie iiocb nicht berührt/**) ,.Sie gleichen nändich/' wie derselbe Autor 

^■etiler anderen Stelle so überaus treffend bemerkt, „Arbeitern, welche 

BSb den entgegengesetzten Seiten eines Berges hen unsichtbar fl\r einan- 

Ider, aber auf gemeinsamen Voraussetzungen lussend, und einer gemeinsamen 

Ulethnde sieb bedienend, einen Tunnel durch das Innere desselben zu boh- 

mm unternehmen, in der Hoffnung, wenn ihre Voraussetzungen giltig 

pnd ihre Berechnungen richtig sind, irgendwo in der Höhlung desselben 

Ems&EDmfinzu treffen . '' 

I D. Nach Her bar t ist also das All eine unbestimmte Meuge für sich 

ll^eatalieiider Wesen, ohne anderes Band, als ein fremdes ihnen äusserliches 

KDeiiken, ohne anderen Grund, als sich selbst. Die realen Wesen sind un- 

■Y^banden^ wenn niclit das zusammenfassende Denken sie zusammengebracht 

mX, aber nicht an sich, sondern nur fiir das denkende Subjekt. Der Mittel- 

miokl der ReAltheorie ist unser eigenes IcIl Dieses stellt die Welt nur 

tfor aiil all deu Un Vollkommenheiten^ die sein beschränkter Standpunkt in 

tHitle derselben ihm aufbürdet, nur darauf achtend, sie möglichst wider- 

F«- -*^r>!]s!ris zu ddnkin. Es sind daher nicht die realen Vorgänge in der Natur, 

l . uns besi'liäftigeu, sondern unsere Vorstellungen von denselben. Diese 

p'or»U*IIongeii aber sind Zustände in uns, bedingt allerdings durch das Vorhan- 

■Mpein gewisser Organe an uns, durch die Eigen thümlichk ei t der Organe, 

|Hf ebenso sehr auch bedingt durch Reale ausser uns. Letzteres wurde 

Hwarvon mancher Seit^a abgeleugnet und behauptet, das Reale, auf welcbes 

0. Tb, Ueber die phy^ik. tmd pbUo», Atom^nlehre. 
a, AütliTopoiopye. 



40 

der gegebene Scliein liindeutet, sind wir selbst, die wir nach gewissen uns 
innewohnenden Gesetzen den Schein producieren. Herbart sah sich daher 
veranlasst, dieses „Ich" einer eingehenden Untersuchung zu unterziehen. 

Die Thatsaclien der inneren Erfahrung lehren, dass das vorstellende 
Subjekt sowohl durch das Vorstellen der äusseren Welt, sowie durch die 
Thätigkeiten des Fühlens, Begehrens und Wollens charakterisiert ist Diese 
inneren Zustände alle erweisen sich als einheitlich verknüpft, indem sie 
alle auf das eine Subjekt, welches vorstellt, fühlt, begehrt und will, hin- 
weisen. Die Frage nach dem Was dieses Subjektes kann nur beantwortet 
werden durch die Vielheit der inneren Zustände, welche die innere Er- 
fahrung vorfindet. Nimmt man ein Reales als Träger derselben an, so be- 
gegnet uns sofort das Problem der Tnhärenz Der ^Wechsel der Zustände 
bietet das Problem der Veränderung auf. Nach der Analj\se dieser Pro- 
bleme müssen wir eine Vielheit von Realen voraussetzen, aus deren Ge- 
meinschaft die gegebene Mannigfaltigkeit resultiert. Die innere Erfahrung 
bietet die Zustände dergestalt als streng einheitlich verknüpft dar, dass 
ein Reales als Substanz angenommen werden muss, welches in seinem 
Zusiimmen mit anderen und anderen Realen die gegebene innere Mannig- 
faltigkeit bewirkt. Dieses Eine Reale, das vorstellende, begehrende und 
fühlende Subjekt, ist dasjenige, was man gewöhnlich als Seele bezeichnet 
und als dea realen Träger aller Empfindungen zu verstehen hat. Dasselbe 
ist einfacli, wie die übiigen Realen, mit denen es ihm Causalverhältnis 
steht, in Rücksicht auf seine Qualität aber von denselben verschieden za 
denken. Dieses eine Reale, die Seele, erhält sich wie die andern, mit de- 
nen es zusammen ist, in seiner eigenen Qualität, jedoch in verschiedener 
Weise, je nach der Verschiedenheit der äusseren Einwirkungen und der 
Sinnesorgane, mit denen es durch Vermittlung der Nervenmolecüle commu- 
niciert. Diese Selbsterhaltungen des Realen, welche demselben in Folge des 
gegensätzlichen Verhaltens seiner Qualität gegen die der mit ihm zusam- 
menbefindlichen. Realen von dem dieselben zusammenfassenden Denken zu- 
gemuthet werden, aber, da jede einfache Qualität unveränderlich, niemals 
wirklich eintreten, werden den erfahrungsmässig gegebenen psychischen 
Vorgängen als metaphysische Grundlage unterbreitet. Sie sind gleichsam 
Forderungen, die an das Reale um seines Zusammen mit andern Willen vom 
zusammenfassenden Denken gestellt, aber von jenem niemals erfüllt wer- 
den.') Auch hier kann, wie in der Synechologie gefragt werden, ob das ein 
wirkliches Geschehen sei ; auch hier kann bestritten werden, ob dies der 
einzige Anknüpfungspunkt sei, welchen das streng einfache Reale für die 
erfahrungsmässig gegebene vielfache Mannigfaltigkeit psychischer Phäno- 
mene .zu bieten vermag ; denn entweder ist das wirkliche Geschehen im 
Realen nicht wirklich, da Einfachheit der Qualität die Wirklichkeit quali- 
tativer Verschiedenheit des Geschehens ausschliesse, oder die Qualität des 
Realen ist nicht einfach, weil die qualitative Verschiedenheit des Gesche- 
hens die E infachheit der Qualität ausschliesse. „Allerdings nur, weil und 
*) Zimmermann, Anthroposophie. 



41 




witkliclie Gescheiten als qualitativ wirklich verschiedeii ge- 
liclil wird/ Im Gegeutheile aber entfällt der nicht abzustreitende Wi- 
rach zwischen der Qualität des Realen, die einfach, und jener des 
eheti». di« ituuiiiigfaUi'^ sein ^aW Das wird erreicht, wenn die qiiali- 
liven UnlÄrsehiede in der Bewnsj^tseinswelt auf blosj« quantitativ^e Unter- 
zurrick f^efi'ihrt werden, so dass die sogenannten einfa^'hen Empfin- 
im Bewufistsein nicht als die nrsinliuglicheii iiriniitiven Elemente, 
'iiderii AUS untere in iiuder lumiogerien prindtiven Bewusst&einselementen 
«gesetzt werdfu. Dadurch entschwinden manelierlei Vorwurfe» dit* 
IlerbarlVi^hen Tlicorie gemacht hat, und e.H kommt dandt eine lo- 
indie Cünsetiuenz liinein, ges^en die sich durchaus nichts anliaheu lilsst. 
r AlöiDiü tische Trauer des Bewusstseitis vermag, da din Mi^iige des psy- 
en Materials flu jedes individuelle Bewusstseiri, das SlotFiiuantumi 
begränzte ist, das sich weder vermehren nuch verniimlern, desst^n 
orm jedt>ch Aenderungen erfahren kann, nicht eine einzige primitiv«^ Em- 
f&udtiug aus sich selbst erzeugen, aber auch nicht ein einmal stattge^Iinbie» 
lit>ch«*heii (eine iiriniiti ve Empfindung im Bewusstseiii) ungesfhhiien riracln^ii ; 
r r*egriff der absoluten Position f<udertes. Dan Denken vermag ein Sein 
rilrr liervürs^uhring^eu. noch auch anfeulieben. Darin liegt der o^ewaltige 
vgensalJt tlerbails gegen die Eleaten. Diese hielten das im richtigen 
•nken Gefundene für «las Seiende, nnd Allels, was demselben nicht ent- 
lieht^ für nicht seiend* Anstatt die HegriHe nach dem Gegebenen zn 
idileji* s<dhe dies sich nach Ji^nem liclilen* Der Geist s*dle die Wahrheit 
uzig lind allein aus ilim eigen tlunnliclicn Tliätigkeiten und Formen scbi">pfeiL 
ludurcli kam es, dass fnr sie die Well, die idijsische wie die psycldsche 
miTkrtiiuL blieb, ja unerkannt bleiben musste. Die Kleaten waren dei' 
M*'!^^^^, dass das, was niclit das Seilende ist, als Nichtseiendes, als Nichts 
:ti %-**rwarfeu sei; daltiu gelifire die ganze Erfahrungswelt, Alle Sinnes- 
V inung wäi'f* 'rjUischung. Das veranlasste H<^Iion Aristoteles, das Phi- 

^.,..|...ir^l-n der Elealen mehr ITir eijj dialektisches und polemisches Spiel, 
fiir oniste^ einen Erfolg verspiechende Forschung m halten,') Darin 
Brgt d^r Anfang zu einem rein suhjekliven Itlealismns ; es ist dieses Ver- 
Cüin-^n der reinste Ralionalismns, ihr den die Welt immer etwas ganz 
frtfntlt*«« Idcibt. Der Realismus, wie ihn Uerbart entwickelt hat, schliesst 
ftm dem im Bnvnsstsein schwebenden Sehein auf eiue denselben erzeugende 
' ' ^Das nrsprüngliclie Seelenphänomen ist ein Produkt zugleich von 
n- und Aussen weit, von der speciJischen Si^t^lün- und Nerveubeschaf- 
rolieiL** Die Nerveneinilrücke werden durch die ausser uns befindlichen 
ustHmle vcratdasst^ so dass, wie wir ohne äussere Reize rd>erhaupt 
vorntelleu whrden, wir ohne ein so beschaffenes Seelenwesen, wie 
re ist, nicht so vorstellen m luden, wie wir es thun. „Die Vorstel- 
[gf^n enthalten nichts von Aussen aufgenommenes; jedoch werden sie 
von üelbit sondern unter äusseren Bedingungen erzeugt und eben- 




llrkt«!. Pbya. A. » 



42 

sowol von diesen, als von der Natur der Seele selbst, ihrer Qualität nach 
bestimmt."^) 

Fassen wir nun zum Schlüsse die Resultate zusammen, so ergibt sich, 
dass Herbart bei den Eleaten schon den Begriff des Seins vorfindet, richtig 
aufgefasst aber nicht streng festgehalten. 

Das Seiende ist bei den Eleaten identisch mit dem Sein, bei Herbart 
streng geschieden und seinem Begriffe nach bestimmt ; dasselbe daher bei 
jenen Eins, bei diesem vieles, der Qualität nach nicht bekannt, aber noth- 
wendig von einander verschieden. 

Ein Ding mit mehreren Merkmalen, Veränderung ist nach den Eleaten 
nicht, daher auch nicht Gegenstand des Wissens, sondern subjektiver trü- 
gerischer Schein. Herbart fasst sie als Probleme auf und gibt deren Lösung. 

Vom Räume, von der Zeit und Bewegung lassen sich für die Eleaten 
keine haltbaren Begriffe gewinnen; Herbart fasst sie als formale Begriffe 
auf, die sich auch Widersprüche gefallen lassen, da sie nur als Durch- 
gangspunkte im Denken dienen. 

Auch die Materie, das Viele als Theilbares, widerspricht sich, daher 
nach den Eleaten begrifflich nicht fassbar. Auch für Herbart ist sie nur 
Erscheinung im Auge des Beobachters. 

Das Problem des ,Jch", das als solches den Eleaten fremd war, löst 
er und kommt dabei zur Annahme eines einfachen realen Wesens, der Seele, 
als Träger der inneren Zustände. 

Herbarts Philosophie kann daher einem fest fundierten einheitlichen 
Gebäude verglichen werden, einem unvergänglichen Monumente seines wahr- 
haft philosophischen Geistes. Ich möchte daher mit den Worten eines ebenso 
scharfen Denkers schliessen : „Ihm hat es die Metaphysik vorzugsweise zu 
danken, wenn sich das Misstrauen, welches ihr die bodenlosen Phantasien 
modemer Weltgedanken zugezogen haben, allmälig verliert, und, wenn 
auch lange noch nicht dem Zutrauen, so doch einer ruhigen prüfenden 
Duldung Platz macht. Durch ihn ist sie einerseits aus der gänzlichen Ver- 
bannung, welche sie durch Kant getroffen, zurückgerufen, andererseits vor 
der ihr durch die Dialektik drohenden Vermengung mit blossem' Formalis- 
mus gerettet worden. Er wies ihr den Platz an, der ihr gebührt, als Er- 
gänzung der Erfahrungswissenschaften, als Grundlegung des Wirklichen, 
soweit diese durch Bearbeitung von Begriffen geliefert werden kann. Da- 
durch wird ihr Feld abgegränzt, und weder der Empirie noch träumender 
Speculation in die Hände geliefert. Die Erfahrung, das Positive, einerseits, 
die Begriffe, das Apriorische, andererseits, bildeten die Factoren, als deren 
Produkt seine Methaphysik hervorgieng."^) 

KREMS im Mai 1884. 



') Herbart Psychologie nls Wissenschaft I. 
t) Zimmermann, Leibnitz und Herbart. 



43 



SchalnachrichteB, 



erstattet vom 



Direetor Felix A. Eberle. 



Landesohcrrealschule. 



I Lelirplan. 

Der diircli iür V^ronlnang des liolieu k* k, Untemclitsministeriums 
m. April 1870j Z. r>G()7 aufgestellte Norinallelirplan warde mit 
darcli die h. Ministerial-Eilfisse vom 2*1 April 1880, Z. 6233 bezüglich 
Uüterrjclites in der Geometrie und im geometrischen Zeichnen und 
27. April 1880, Z, 3814 hexilglicli des Unterrichtes in der deutschen 
fmd franzögisclien Sprach^^, in der Geographie, Mathematik^ Physik und 
ICaIli|3;Taphie angeordneten ModififatifKieo eingehalten. 

Uhfgegenstände und Zahl der wöehentlichen Uhrstunden. 



I 



Leh^eg««BlA»de. 



C 1 A s 1 « 



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IIL 



BtBgioii _ 

Dcttttelie Sprache ..... ... 

FraaftO<aiftcbe Sprache .... 

Sogtlielie Spruc^be .*....... 

, ÖeogrAphig * * 

Givchidite * « 

U4tbf?iisAUk 

N&ttirg^ehjclit« ,,,,•.....,, 

Pbywk - - * . * 

Cb€8ait . * . . 

Geometrie tmd geometr. Zeiehneu, d&ntel- 
imdcT Geomeirio .,.,.,..>.. 

Frdluyidseiclieii 

^^ Timtit -,..... 

^^B Summe . 



IV. 



YI. 



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28 
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2» 129 \ 



214 



216 



fnAt iehrgegenaländ«: 
l) 8 IfiiingTiipb 11« in 2 Abtbeiluüj^eti und wr5chciitl]eb 3 Uiiteiricht^standeti, 
a abtb< 2 8t., IL Al»tU. t 8t.) 

eiiiiii^ jQ 2 Abibeüaug^n mit je 2 UnUrrkbtfiBtitiidaa wÖcheDtÜck 



44 

11. Themen der dentBchen AnfsStze. 

{* Scbnlarbeiten ) 

V: Re&l-C lasse. 

1 Vergleich des Herbstes mit dem Fruhlinge. — 2 Die Sage von 
der großen Flut und ihre dichterischen Bearbeitungen. — 3. Das Jagd- 
verguügen bei den alten Deutschen (nach dem Nibelungenliede). — *4. 
Trojas Zerstörung (nach Schillers „Der Fall Trojas".) — 5. Die Handlung 
in Goethes „Hermann und Dorothea**. — 6. Die Verschiedenheit der Grie- 
chenstämme beeinflusst von der Natur ihrer Wohnländer. — *7. Wie 
Odysseus auf die Insel Scheria gelangt. — 8. lieber den Nutzen des Reisens. 

— *9. Inwieferne hat die Natur des Landes das Emporkommen der Römer 
gefördert? — 10. Die Schönheiten der Gebirgslandschaften im Vergleiche 
mit denen des Flachlandes. — *11. Wie weicht Schiller im „Ring des 
:poly^rates" von Herodots Erzählung ab? — 12. Das Feuer als Bundes- 
genosse und Feind des Menschen. — 13. Heil und Unheil der Gewitter. 

— *14. Disposition zu Demosthenes „Dritte Rede gegen Philippos". 

VI. C lasse. 

♦1. Die Elektricität im Dienste der Menschen. — *2. Schilderung 
einer Herbstlandschaft. — 3. Die Hauptunterschiede des volksmäßigen 
und höfischen Epos. — M. Freie Üebersetzung aus dem Nibelungenlied 
IV. — 5. Wer allzuviel beginnt, wird wenig enden, — 6. Günther und 
Siegfried. (Eine vergleichende Charakterschilderung ) — *7. Die Burgunder 
am Hofe Rüdigers von Pöchlarn. (Erzählung nach dem Nibelungenliede.) 

— 8. Was macht die Deutschen im Mittelalter zu dem geschichtlich be- 
deutendsten Volke ? *9. Auch die Armut hat ihr Gutes. — 10. Die Anklage 
des Kaiphas und Philo und die Vertheidigung Gamaliels. (Nach Klopstock's 
Messiade IV Buch.) — *ll. Die Bedeutung Klopstocks für die deutsche 
Literatur. — 12. Uebersicht des Inhaltes von Schillers „Wilhelm Teil". — 
13. Das Mittelmeer in seiner welthistorischen Bedeutung. — *U. Gtewitter 
und Krieg. 

VI. C lasse. 

1. Der deutsche Soldat in Lessings „Minna von Barnhelm". — 2. 
Gang der Handlung in Goethes „Egmonf*. — 3. Kleine Ursachen, große 
Wirkungen; dargelegt in Bezug anf das Geschichtsleben der Völker. — 
4. Wodurch sind die Griechen zu einem weltgeschichtlich bedeutenden 
Volke geworden ? — *6. Der histor. Hintergrund in Goethes „Hermann und 
Dorothea". — 6. Reichthum ist ein Glück, hat aber auch Geifahren. — '*?• 
Die Verwicklung in Goethes „Iphigenia auf Tauris." *8 Welche physika- 
lischen Entdeckungen der neuesten Zeit fördern unsere Lebensbequemlich- 
keit? — 9. Die Vorzüge unserer Zeit im Vergleiche mit der Vergangen- 
heit. — *10. Die Gegensätze des Natur- und Culturlebens der Menschheit 
in Schillers „Der Spaziergang". — U. Die Gegensätze in den Charakteren 
der beiden Piccolomini» nach Schillers Drama. 



12. Vereint dem Geist der Freiheit 
Sei stets der Ordnung Geist — 
Denn alle Sclirecken walten, 
Wo diese Einheit reißt. 
13, (M&turitltsarbeit) ; 

Von des Lebeos Gütern allen 
lit der Rubra das höchste doch ; 
Wenn der Leib in Staub zerfallen, 
Lebt der große Name noch 



lU, Lehrmittel 

I. Bibliothek der Oberrealschiile. 

Gustos: Prof. Dr. Johaun Strobl. 
Vermehrung im Hchuljahre 1883/84 

A. Gesehen ke. 
Vom hohen k. k. Minitterlntn für Cultus und Unterricht: ßerieht hln^r 
die Indu^strie und den Handel in Niedeiösteneich in den Jahren 18öl und 
18Ö2, — Vindobona, Festblatt des Schriftstellervereines Concordia, 

Vf^m hohen n. ö. Landes Auseohusse : Stenographische Protokolle des 
n. ü, Landtages: V= Sessinii dei^ V. WaIili>enode. — Zusammenstellung der 
i« der V. Ses^sion der V. Wahlperiode gefassten Beschlüsse. 

Vot der k. Akademie der Wissenschaften in Wien: Anzeiger und 

JUwngsberichte der mathein. natu rhis ton t lasse (Fürtset^ung), — G o m per x, 

Hefx»deteis€he Studien. — Hirsch feld. Gallische Studien — Horawitz, 

a ITL — Katuzniackij Beitr. xur alteren Geheimschrift der 

- Krempe r^ Beitr* zur arabischen Lexikographie. — Miklosisch, 

tr. z. Lautlehre der Rumnuischen Dialecte. — Goethes Klaggesang 

in den edlen Frauen des Asan Aga**, — ScUuchardtj Ueber die 

pfigaef spreche. — Kreolische Studien IL u. IIL - Se emulier, Studien 

zum kleinen Lucidarius* — Siegel, die rechtliche Stellung der Dienst- 

namieii in Oesterreich im 13. u. 13, Jahrhundert. — Tomasche k. Zur 

Ustorisehen Topographie von Persien. I, — Tupetz, der Streit um die 

feisüieben Güter und das Restitutionsedict. — Weihrich, Das Speculum 

dei W. Augustinus, — Werner, Die Cartesisch-Malebranch'sche Philo- 

90pliie in Italien L u. IL — Zimmermann, Ueber Hnme's Stellung zu 

Berkeley u, Kant. - Schräm, Hilfs tafeln für Chronologie. — Stäche, 

nigneilte einer afrikanischen Kohlenkai kfauna aus d. Gebiete der West* 

Spilan» — Steiudachner, Beitr. zur Kenntnis der Flnssüsche Süd- 

ikas. — Bassini, Descrizione dei pesci fassili di Lesina, — Brauer. 

Zwtiflilgler des kais. Museums zu Wien IIL — Igel, Ueber ein Princip 

s Erteugung von Covarianten. — U hl ig» Die Cephalopodanfauna d, Werns- 

^■tetto Setlichten. — Dudik, AuszUge ans dem Raths-Protokolle d. k. k 

^^VfbitliAlB in Mähreu. 1683. — G i n d e 1 y, Beitr. z, Biographie d Paters Domi- 

ftBias A Jesu Maiia. — Glaser, Ueber Bana*s Pärvatipärinayanätaka — 

4* 




46 

Gomperz, Herodoteische Studien IL —Höfler, Kritische Untersuchungen 
über die Quellen d. Gesch. Philipps des Schönen. Höfler, Antoine de 
Lalaing, Vincenzo Quirino und Don Diego de Guevarra als Berichterstatter 
über K. Philipp I. — Hub er, Studien über die Gesch. Ungarns im Zeit- 
alter der Arpaden. — Loserth, Der Sturz des Hauses Slawnik. — 
Mayer M., Der innerösterr. Bauernkrieg d. J. 1515. — Meyer Gustav, Al- 
banesische Studien I. — Mussafia, Zur Präsensbildung im Romanischen. 

— N e m a n i ö, Cakavisch-kroatische Studien I. — Petschenig, Textkri- 
tische Grundlagen im 2. Th. von Cassians Conlationes. — Pfitzmaier, 
Untersuchungen über Ainu-Gegenstände. — Pfitzmaier, Die neuere Lehre 
der russischen Gottesmenschen. — Pfitzmayer, Aufklärungen über die 
Sprache der Koloschen» — Simerka, Die Kraft der Ueberzeugung. — 
Schuchardt, Kreolische Studien IV. u. V. — Zingerle, Ueber eine 
Handschr. d. Passionais u. Buches der Märtyrer. — Ferdinand Anton, 
Definitive Bahnbestimmung u. Ephemeriden für den Planeten (154) Bertha. 

— Döderlein, Beitr. zur Kenntniss der Fische Japans. I. u. 11. — 
Escherich, Ueber die Gemeinsamkeit partikulärer Integrale bei zwei 
linearen Differenzialgleichungen n. — Oppolzer, Tafeln zur Berechnung 
der Mondesfinsternisse. 

Von der k. k. statischen Central-Commission . Statistisches Jahrbuch 
pro 1880 Heft 10; pro 1881 Heft 2, 6 bis 10. 

Von der n. ö. Handels- und Gewerbekammer: Bericht über Industrie 
und Gewerbe des Erzherzogthums Oesterreich unter der Enns im Jahre 1880. 

Vom Hrn. k. Rath Dr. Grabacher, k. k. Bezirksarzt in Krems: Ver- 
handlungen der k. k. zoologisch botanischen Gesellschaft in Wien. 33. Bd. 
mit Beiheft. 

Von Hrn. Prof. Mareck: Mittheilungen des naturwissensch. Vereines 
für Steiermark. Jahrg. 1863—75. — Verhandlungen des naturforschenden 
Vereines in Brunn. Bd. 4—7 und 9—14. 

Von Hrn. Prof. Mooslechner in Linz: Ignaz v. Kürsinger, Lungau. 

Von Hrn. Prof. Dr. StrobI : Die Städte Krems und Stein im Mittelalter. 

Von Hrn. Verleger Tempsky in Prag: Kummer, deutsche Schul- 
grammatik. 

Von Hrn. k. k. F.-M.-L. i. R. Ritter Unschuld von Melasfeld als Ver- 
fasser: Terrainlehre, eine gesonderte Wissenschaft. Wien 1884. 

B. Kauf. 

Beiträge zur Geschichte der deutschen Literatur und des geistigen 
Lebens in Oesterreich. Heft 2—4. — Beyer, Deutsche Poetik. Stuttgart. 
1883. 3 Bde. — Grosse, Register zu Hettners Literaturgeschichte des 
18. Jahrhunderts. — Jahresbericht über die Erscheinungen auf dem Ge- 
biete der germanischen Philologie. Jahrgang III., IV. und V. 1. Äbtheil. 
Sc her er, Geschichte der deutschen Literatur (Schluss.) — Seuffert, 
Deutsche Literaturdenkmale des 18. und 19. Jahrhunderts. Heft 5—18. — 



47 




pFieoef Neiiclnicke* Heft 6. 7 und B. — Lotheisseii, Geschichte der 

fraiizi*sis4dieii Literatur im 17. Jakihuiiflert 4. Band. *- Bachmaun, 

Deatsclie Beichsgeschklite im Zeitalter Friedrichs III, and Max L Lpz* 

ßH. 1 Bd. — Simujis Th, Aus altnmn^^dier Zeit Bariin 1872—78. — 

Volker Oesterreieh-Uügani«, Bd. 2. 1 Heft Bd. 7, 11, 12. — Wer nick 

' '\*\¥r. Leipzig 1879 80, 4 Bd. — Lieber ^.t L ii h m a n n, Geometrische 

üoiis* Aufgaben, Berlin 188i2.— Sonn »1 o r f e t\ Lehrbuch d. Geometrie 

die oberen Classen. Wien 1883, — Exn er, Fleeming Jeukin'sElek* 

t und Magnetismus. Braunscbweig 1880. — Gretschel & Borue- 

», JakibucU der Erüntluugeu. UlJahrg. -- Hart leben s elektro-tech- 

mschts Bibliülhek. 5, y, 12 bis 24, — Schvvartze, Katecliismiiig der 

^ftlektrotetliuik. Leiiaig 188*K — Wallen tin, Mascarts Handbuch der 

^■tftli^E^dieii Elektrit^ität. I Bd, L Abth. — Wagner, Jahresbericht iiber 

^We LeiüiuiJgen der chemischen Technologie für das Jahr 1882, und für 

im Jalir 1883. 2 Bd — Kabenhorstj KryptogamenÜora von Oesterreich, 

bM|k*ut^cbland und Schweiz, t \X 14. IL fy, 7. III. 1, 2. — Quenstedt 

PVamlbucb der Petrefactenkundt*. Lfr. 10 bis 15. — Suess Ed., Das Ant- 

fitx d«r Erde. 1, Abth. — Tschermak, Lehrbuch der Mineralogie 3, 

(Schlusi?.) Wiesner, Elemente der Organographie^ Sy^stematik und 

kilfie der Pllauzen. Wien 18B4. — Hellenbach^ Die VonuUieile der 

ictiheit Wien 1SH4. 3 lid. — Haus er, Stillehre der architektonischen 

natu de^ Alterthums und des Mittelalters. Wien 1S82/&1 2 Bd, — 

hnber & H enter, (Jrdnungsübuugen fftr Knaben. Wien 1W83, 

elf Grundriss eiuer Theorie des Turnens. L Bd. 1, Abtb. Wien 

4 — Hartmaun, Abyssinien. Prag 1883. Die Nilländer. Prag 1884- 

oss. Hildw aus der Karoluigerzeit. Gütersloh 1883. — Jung, Leben und 

der Rijmer lu der Kaiserzeit. 2 Bd. Prag 1883. — KalLsen, 

cli Barbarossa. Halle I8ö2. — Meyer, Russland. L Abth. Prag 

-^ Üchsenius, Chile, Land und Leute, Prag 1883, Reinsberg^ 

öfeld, das festliche Jahr in Sitten, Gebräuchen und Festen der 

Vidker* Lp2. 1861S * Spamers, Die Welt der Jugend. Lpis. 

69. 4Bd, — Collection Spemann, Bd. 2, 1>, 18, 24 n. SS, 31, 40, 

A4, 46, 52,, 34, 15], 253, 254» 25*1.; Hf}, lü2, 105 106, 107, 108, 

I, 112*; 10?l. 104, 109. 113, 157,59. — Wagner, Hellas U Bd. Rom 

IL Bd. Dentsche Heldensagen. Lpz. 1881/82 — Wirth, Das Geld. Prag 

ltt84. 

Fortsetzungen: Allgemeine Deutsche Biographie Liefn 82 — ^93. — 

«nkeHr Allgemeine Qesehicbte in Einzeldarstellungen. Liefr, 67—84. — 

Ulllen Grundriss der Sprachwissenschaft. III Bd, 1. Abth, — Kürscli* 

arr, I)eiit.sche National-Literatur. Liefr. 58—148. - Topographie von Nie- 

4irötfliirrei*'li* IL Bd. 12 und l:j. — Schriften des Vereins zur Verbreitung 

iiAUtrw. Kenntnisse. 24 Bd. 

^H Z«ii§€»lirillleii: 

^B Wiener Zeitung. — Verordnungsblatt für den Dienstbereich des k. k, 
Miiiüieriuin» fllr Cultus und Untenicbt. — Aus allen Zeiten und Landen 



48 

— Zarnckes literarisches Centralblatt. — Revue polltique et littferaire ed 
p. Young. — The Athenaeum, Jorual of Englisch and foreign literature. 
Kolbe, Zeitschrift für das Realschulwesen. — Strack, Centralorgan fftr 
die Interessen des Realschulwesens. — Blätter für Landeskunde in Nieder- 
österreich. — Mittheilungen der k. k. geogr. Gesellschaft. — Wiedemann, 
Poggendorf s Annalen der Physik und Chemie (mit Beiblatt) Klein & 
Mayer, mathem. Annalen. — Schlömilch, Zeitschrift für Mathematik 
und Physik. — Hoffmann, Zeitschrift für mathem. und naturw. Unter- 
richt. — Eulen & Eckler, Monatschrift für das Turnwesen — Kremser 
Wochenblatt — Kremser Volksblatt. — 

2. Lehrmittelsammlanc fftr den geocraphischen and historisohen 

Unterricht. 

Custos: Professor Anton Pokorny. 

Als Geschenke erhielt die Sammlung: Vom h. n. ö. Land es -Aus- 
schusse: Uebersichtskarte der Flussgebiete des Erzherzogthums Oester- 
reich unter der Enns. Herausgegeben vom n. ö. Landes- Ausschusse. Wien. 
1882. Von Hm. Prof. Horst: Zwei Aquarelle (eigene Composition nach 
Hottenroths Trachten der Völker alter und neuerer Zeit.) 1. 13i Cm. breit 
und 83 Cm. hoch: Assyrerkönig mit Gefolge auf dem Wege aus dem Pa- 
laste nach dem Tempel. 2. 130 Cm. breit und 95 Cm. hoch: Aegyptischer 
König auf dem Streitwagen. Von Hrn. Reuter, Kaufmann in Ravelsbach: 
Acht Originalbilder chinesischer Volkstypen. (Auf Bast gemalt.) 

Angekauft wurden: a) Aus der vom h. n. ö. Landes- Ausschusse pro 
1883 bewilligten außerordentlichen Dotation: Geographische Charakter- 
bilder für Schule und Haus. Aus Hölzeis Verlagsbuchhandlung in Wien; 
V , VI. und VII. Serie sammt den Textheften, b) Aus der Jahresdotation : 
1. Wandkarte der Alpen. Sechs Blätter mit erläuterndem Text, 3. stumme 
Ausgabe. Wien, Hölzel, 1882. 2. Friedrich v. Hellwald, Amerika in 
Wort und Bild. Leipzig. Lieferung 1—30. 3 A. Baumeister, Denk 
mäler des classischen Alterthums. München. Lief. 1—3 4. Hirth G, 
Culturhistorisches Bilderbuch aus 3 Jahrhunderten, Fortsetzung. Lief. 21 —27. 

3. Lehrmittelsammlang ffkr den natnrhistorischen Unterricht. 

Custos: Professor Johann Forstner. 

Als Geschenk erhielt die Sammlung : Von Herrn Ferdinand S o h a r, 
k. k. Tabakfabriks-Adjunct in Linz: Eine CoUection von Mineralien, aus 
welcher 60 Stttck in die Mineraliensammlung der Landesoberrealschule 
eingereiht, während die übrigen an die Warensammlung der Handels- 
schule abgetreten wurden. 

Angekauft wurden : 11 StUck Vögel u. zw. Luciola luscinia (Männchen 
und Weibchen), Ardea aegretta, Platalea leucorodia, Ibis rubra, Mergus 
merganser, Anas rutila, histrionica und mollissima, Pelecanus onocrotalus 
und Colymbus glacialis, dann Leuckait Dr. B. und Nitsche Dr. H., zoolo- 
gische Wandtafeln (7. und 8. Liefr.) 



^^^^^ 49 

4, Clieaiisohes Laboratorimn, 

C a s 1 s : Professor Friedrich Mareck. 
Ankauf: Vvu Rohrbeck 's Naclifolgei' jti Wiem Ein 2sclienkliger A|>pa- 
rat zur Elektraljsse von Wasser u. a : repariert iiijd mit neuer Platinelöktrode 
and Mef^ing1'a^:^uu^ uiontiert; 850 Gramm Kautüchuksdilauclj zu Wa?!*ger- 
l^intnpen f 1 kleine^s Messfläscliclieu zur Hydrotimetrie ; 10 kleine uhr* 
glmirfOrmige Porzellanplättchen zu Alkaluitlreactioiien ; G Stk. Filterscbab- 
Imieii aas Weißblech für Filterwä^ungen ; 1 neuer großer 3schenkliger 
kpiiarat zur Elektrolyse des Wassers nach Hofmann ; 2 neue Thonzellen 
fjschen Elementen; 2 neue Koh!enpri8nien äu denselben; 1 kleiner 
ipparat, umgeändert für Sclnvefel wasserst olfwasser ; 2 Ürtretten 
mr Hydrotimetrie (1 nach Olarke, 1 nach Boutrou) ; 1 Dekagramm band- 
fr*mii^. Maguesiaiuelall, — Außerdem wurden größere Vorräthe von Ver- 
^brauchsgegenständen, u. z. von den zu allen chem* Arbeiten iinentbehr- 
Itelistei] Material ien : Schwefel-, Salpeter- und Salzsäure^ Ammoniak, gerei- 
ligte Pottasche und einige andere dgl, bezogen. 




Da» Schülerlaboratorium wurde in diesem J&bre von 2 Praktikauten, 
ebUeru der VI. Classe mit Eifer frequentiert. Es wurden ansser den 
n qualitativ und maßanaly tischen Uebungeu besonders, von dem 
*,. r Zaiiel qualitative Untersuchungen einiger in der Umgebung vor- 
I kfnomendeii Mineralien und gegen lüO Brunnenwasserproben unter Leitung 
Üustos aUHgefÜhrt* 



IL 



LelirmitteliammlaDg für den Untarriclit im Freihandseichoen, 

C ü s 1 s : Professor Oswald Horst, 
Ankauf: Heriltle, ostasiatisclie Bronce-Gefässe, herausgegeben vom 
r, Museum für Kunst und Industrie* — Kolb, der Oruameüteuschalz 
(ForteetÄung, 5,— 10. Liefr. incl ) 



50 



IV. MatorltStg-Prfif&ng. 

Am Schlosse des Scha^ahres 1882/3 legten die Maturitätsprüfung mit gutem 

Erfolge ab: 



Name 


Geburtsort 


Prttfangs- 
Ergebnis 


Gewählter Beruf 


Bodenseher Ednard 

Bürgmann Georg 

Fritoche Adolf 

Qylek Alexander 

Hftntochl Adolf 

Labres Karl 


Maissau in Nieder- 
österreich 

Stein in Niederösterreich 

Traismauer in Nieder- 
österreich 
Finme im uugar. Litorale 

Ruprechtshofen in 

Niederösterreich 

Krems in Niederösterreich 


Beif mit 
Auszeichnung 

Beif mit 
Auszeichnung 

Reif 

Beif 

Beif 
Beif 

(nach wiederholter 

Prüfung aus einem 

Gegenstände i 


Technik 

Technik 

Lehramt 

Verwaltungs- 
dienst 
Technik 

Verwaltungs- 
dienst. 



Einer der AbitarienteD, welche die Maturitätsprflfang ablegten, wnrde 
anf die Dauer eines Jahres reprobiert. — Zur Maturitätsprüfung am Schlüsse 
des Schuljahres 1883/4 meldeten sieh sämmtliche sechs öffentlichen Sch&ler 
der VII. Classe und ein Externist, welchem mit dem Erlasse des hohen 
k. k. Landesschulrathes vom 10. Oktober 1883, Z. 6223 die Ablegung der 
Maturitätsprüfung im Hauptermine 1884 au der Landesoberrealschule in 
Krems bewilligt worden war. 

Bei den schriftlichen Prüfungen, welche in den Tagen vom 26.— 30. 
Mai (incl.) stattfanden, wurden folgende Themen bearbeitet: 
' I. Deutsch: „Von des Lebens Gütern allen 
Ist der Ruhm das höchste doch : 
Wenn der Leib in Staub zerfallen, 
Lebt der grosse Name noch.^' 

II. Französisch-Deutsch : „Eloge de Washington" (Fontanes), aus E. 
Filek's LeQons de Litterature francaise, S. 346 ff. 

III. Deutsch-Französisch : „Die Völkerwanderung", aus Ploetz, Übun- 
gen zur Erlernung der französischen Syntax, S. 129—130 Z 23. 

IV. Englisch-Deutsch: „Richard the flrst's Exploits in Palestina", 
aus J. Heussi's englischen Lesebuche, S. 128—129 Z. 31. — 

V. Mathematik: l. Folgende Gleichungen sind aufzulösen : 

2. Jemand ist 50 Jahre alt und will sich durch ein Capital von 
30C0 fl. eine lebenslängliche, immer am Ende des Jahres zahlbare Rente 
sichern. Wie groß ist dieselbe, wenn die Grundtafel nach der Sterblich- 
keitstabelle von Deparcieux (4 7f) benützt wird? 



61 



I 
I 



3. Es ist der geometrische Ort der Mittelpunkte jener Kreise xti be- 

I siimtiieiif welche den Kreiis 

y^ + a?^ — 6ar = 

die Ordiüateuadise berührea, 

4. Von einem Dreiecke sind zwei Winkel «, .^ und der Radiiis r des 
aingeschriebeueii Kreises gegeben; mau bestimme den dritten Wiukel y 
ond die Seiten a, h, c 

a=50* 12' 25" 

r=^2^5 m 

5. Darstellende GeGmetrio : h In einer Ebene E sind drei Pmikt«^ 
A^ B, V uud eine Gerade g gegeben, welche die Strecke -^1 ß schneidet ; 
man beistimme die Projectioneu der Scljuittpunkte der Geraden g mit der 
durch A, B uud C gehenden Kreislinie. E ist schief gegen beide Projec- 
ttan^ebeiien 

t Man cuustruiere für eine zu l\ projicieretide cyliiidrische Röhre 
dei td paralleler Beleuclitung aufti-etenden Sclilagschatten Die Bohre 
mlit mit der krummen Fläche auf P^, 

3 Eine sechsseitige Säule mit einem etwas breiteren Suckel ist miL 
dem fBr paralleles Licht auftretenden Schlagschatten perspectivisch dar- 
miÄtctllen. I^ine SeiteuHäche des Sockels ist in der Bildebene. Die Seiteu 
der Sechsecke vum Sockel und der Säule sind 8 cm. und 6 cm , die llöhL^ 
dts«i Sockels 4 cm , die der Säule 16 em. Die horizontale Ebene, auf welcher 
Objcct au früh t^ ist lü cm unter dem Auge 



tf 



V. VerÄelclinlB der Lehrbücher, 

die im Schaljahre 1884/5 in Verwendong kommen. 
Religion : 1. CI. Drechsl, biblische Geschichte — IL Cl. Fischer, kathol. 

Religiüuslehre. - III, Ch Müllner, kathol Sittenleine. IV, CL 

Fiscbeiv Lehi'biich der KirchengeschicUte. 
Diirt9Ch0 Sprache. L^II , III und IV. CL Willomitzer, deutsche Grammatik, 

Egger, deutsches Lesebuch für die I , II., IIL und IV, Cl, 

V.- VII. CL Egger, deutsches Lehr- und Lesebuch ftir 

höhere Lehranstalten I, Theil {Ausgabe t Realschulen.! Des 

IL Theiles I. iL IL Bd. — In der VL CL Jauker ctNuc, nihd. 

Lesebuch* 
Französische Sprache: L CL Beehtel, französische Grammatik, L Theik 

kIL (;i J^luet^, Elemeiitar-firammatik der franssusischen Sprache. 
— IIL— VIL OL Ploetz^ Schulgrammatik der Iran^ös. Sprache, 
^E IL-' IV, CL Filek ?. Wittinghausen, iran/JJsiscbe Chresto- 

^ mathie. — V.— VII, CL Bechtel, franzusische Chrestomathie L d. 
nbern Classen der Mittelschalen, 
tische Sprache: V,— VIL OL Sonnenburg, Grammatik der englischen 
Sprache- — VL und VIL CL Seeliger, englisches Lesehueh L d. 
obern Classen höherer Lehranstalten. 



Dütl 



58 

Geographie : I —IV. Cl. Herr Q., Lehrbuch der vergleichenden Erdbeschrei- 
bung. I, II. und III. Cursus Schulatlanten von Kozenn oder 
Stieler. — V.— VII. Cl Seidlitz, größere Scliulgeographie. — 
VII. Cl. Hannak, österr. Vaterlandskunde f. d höheren Classen 

Geschichte: II —VII. Cl. Hannak, Lehrbuch der Geschichte f. d. unteru 
Classen, 3 Theile : Alterthum, Mittelalter , Neuzeit. 

V.— VII. Cl. Loserth, Grundriss der allgem. Weltgeschichte, 

I, IL und IIL Thl. 

In sämmtlichen Classen: Putzger, historischer Schulatlas. 
Mathematilc : I.-IIL Cl. Villicus, Lehr- und Uebungsbuch der Arithmetik 
für Unterrealschulen, L, IL und III. Theil. — 11. und m. Cl. 
Wallentin, Sammlung von Beispielen und Aufgaben aus d. Arith- 
metik für die untern Classen. 

IV.— VII. Cl. Moönik, Lehrbuch der Arithmetik und Algebra 
für die obern Classen. — IV., V., VI. und VII. Cl. Wallentiu, 
Sammlung von Beispielen und Aufgaben aus der Algebra und 
allgemeinen Arithmetik. 

V. — VII. Cl. Wiegand, Lehrbuch der Mathematik : a) Plani- 
metrie I. und n. Cursus ; b) ebene Trigonometrie ; c) Stereo- 
metrie und sphärische Trigonometrie. — Logarithmentafeln von 
Geniert. 

VIT. Cl. Frischauf, Einleitung in die analytische Geometrie. 
Geometrie und geometr. Zeichnen : I. Cl. Moönik, geometr. Formenlehre für 
die L Cl d R. Seh — II., IIL und IV. Cl. Mo6nik, Anfangs- 
gründe der Geometrie in Verbindung mit dem Zeichen f. Unter- 
realschulen. 
Darstellende Geometrie : V.— VIL Cl. Streißler, Elemente der darstellenden 

Geometrie für Realschulen. 
Naturgeschichte: I. Cl. Pokorny, illustr. Naturgeschichte des Thierreiches 

II. Cl. desselben Verf. Naturgeschichte des Pflanzenreiches. 
Bisching, Grundriss der Mineralogie. — V. Cl. Woldrich, Leit- 
faden der Zoologie. — VI. Cl. Wretschko, Vorschule der Botanik 
für die höheren Classen. VII. Cl. Hochstetter und Bisching, Leit- 
faden der Mineralogie und Geologie. 

Physil( : III. und IV. Cl. Krist, Anfangsgründe der Naturlehre f. d untern 
Classen der Realschulen. 

VI. und VII, Cl. Wallentin, Lehrbuch der Physik für die 
obern Classen der Mittelschulen. (Ausgabe für Realschulen.) 
Chemie : IV. Cl. Quadrat und Badal, Elemente der reinen und angewandten 
Chemie. 

V. u. VI. Cl. Mitteregger, Lehrbuch der Chemie für Ober- 
realschulen. I. Theil. Anorganische, IL Theil. Organische Chemie. 
Stenographie : IV.— VIL Cl. Faulmann, Gabelsbergers Lehrbuch der Steno- 
graphie. ~ Faulmann, stenographische Anthologie. 



&3 



21 fl. 



kr. 
fei- 




VI, UnterBtflt^ung armer Schüler. 

A. Bar utttfrBl Atzungen. 

Im Laufe des Schuljahres gelangten folgende Stipendieu und Uiiier* 
nngsbetrüge zur AuBssahlung an arme und wl^^dige SdiUlc^r der fjan* 
berrealschule : 
1.) Das vom hohen n. ö. Landtage gegründete Kaiser- 
Stipendium 

2-1 Pie Interessen des Eduard Schuinacher'schenljegHtes 

3.) Zwei von dem Vorstände des Zehnkreuzer- VereiiMM 

Krems der Directiun tibergehene UnterstlitzungslM^- 

trftfe & 50 ü,^ zusammen .,,.., 

4 ) Die Josef Thalhofer'sche StudienstifLung im Betrage 

jährlicher 

5.) Als Weihnaehtgabe am 22, Dezember 1883 4 Bar- 
beträge aus dem Unterst iUzungsfuude, zusammen , 
▲issardem waren 2 Sdiüler der Realschule im Ge- 
nuese auswärtiger Ötipeudien im Gesammtbe trage 
von ^ . 



lÜO tl. kn 
lUü ü. - kr. 



40 fl. 



kr. 



515 fl. 



kr 



ft 



Et. lliifersiutsHiiK!»foii4r 

Außer den unter den Einnalimen ausgewiesenen Fehlbeträgen erhielt 
der UntersttttzungHtoiid im Jahi-e 188:j|4: 
1 ) Von der Papierhandlung Saska in Krems verschiedene Schreib- um! 

Zeichen requisiten. 
2,) Kio Diittheil vom Reinerträgnisse eines über Anregung des Her in 

Professors Ignaz Walter xum Besten düiftiger Studierender veraustal- 

t4*ten Cüncertes, im Betrage von 120 fl 
3.) V^nL Dietericbs Schüler der V. Real-Classej 4 LehrbUcher. 



eintialiitien : 

I. Getchenka : fl kr. fl. kr. 

Von Herrn L. PinstI in Krems 4 . — 

Frau Berger in Kietns .••.,. * . 2 . — 

Herrn Lechner, Ledermeister in Ufuhl 5 . — 

„ Schunier, Baiumei^ter in Klüsterneuburg . • . 4 . — 

^ Frau Prandstettei' in Gföhl , , . , 1 . — 

„ Herrn k k. Generalmajor v. Kaysersheimb in Krems 10. — 

, ^ Wolf, Oberbuchhalter in Wien 5 . — 

^ Uligenannt .,,,.. . . - • 1 . 26 

^ Herrn Löhner in Krems . * * 5 . — 

^ „ Oesterreiclier. Buchhändler in Krems . < . . 3 . — 

.. Frau Pohlniüch in Krems 3 . — 

^ Herrn J, Grünbergei', Hausbesitzer in Krems • , • 5 . — 

^ Sr< Hochw. Herru Dr* Kerschbaumer, Propst in Krems 5 . — 

p, R $oukupf Schüler der t, Realclasse , 4 , — 

, der 1. f, Stadt Stein , , , , 20 - — 

Ans dem n. o. Landesfonde •..•.*,., 100 • — 

ypD Herrn Fux, Goldarbeiten in Krems 5 * - 

E Scharfnagel, Hotelier in Kairo 9 • 70 

J. Wodickhj Gutsverwalter in V iehofen > . . 'M) . — 

211 - 95 



64 



2. Zinsen : 

Coupons 54 . 40 

Interessen der Langheinz'schen Stiftung 8 . 40 

Interessen der Einlagebücher der Sparkasse in Krems . . 76 . 85 
Interessen des Einlagsb. des I. Vorschussvereines in Krems 16 . 60 



Gesammtsumme der Einnahmen (m. d. Concerterträgnissepr. 120 fl.) 

Ausgaben: fl. kr. 

Conto des Gastwirtes Krenn für Kosttage 4 . — 

Conto des Buchbinders Fomer 32 . 20 

„ des Uhrmachers Detz — . 24 

„ des Antiquar Greif s. Porto 3 . 71 

„ der Frau Wagner für Kosttage 5 '. 25 

„ des Papierhändlers Kunschak 21 . 40 

„ „ Saska . 27 . 67 

„ des Buchhändlers Oesterreicher 123 . 79 

„ des Gastwirtes Reiter für Kosttage 7 75 

„ der Frau Seidenspinner für Kosttage 12 . — 

„ des Ad. Stezl, Quartiergeldbeitrag tür einen Handels- 
schüler 6 . — 

Barunterstützungen 40 . — 



156 ■ 2 5 

20 
20 



368 
488 



fl kr 



Aus der Gegenüberstellung der Einnahmen pr. 

und der Ausgaben per 

ergibt sich eine Vermögenszunahme von . . . 



Verinö{[;eD88fand am 15. Juui 1884. 

(Ohne die seit 1. Jänner d. J. aufgelaufenen Zinsen.) 

1883 



287 , Ol 
488 . 20 
287 . Ol 
202 . 19 



1884 



1.) Sparkasse-Einlagen und Bargeld : 

Einlagsbuch der Sparkasse in Krems Tom. XVIII. Fol. 367 

B. Z. 11072 

Einlagsbnch der Sparkasse in Krems Tom. YXVIL Fol. 164, 

B. Z. 26485 

Einlagsbuch der Sparkasse in Krems Tom XXXI. Fol. 842. 

B. Z. 31449 

Einlagsbuch des I. Vorschussvereines für Krems und Umgebung 

T. V. F. 864 

Einlagsbuch des Spar- und Vorschnssconsortiums des I. österr. 

Beamtenvereines 

Barrest 

Summe des Bargeldes . 

2.) Wertpapiere, angefOhrt im Nominalwerte: 

1 Stück Silberrente 



1 „ Papierrente 

4 n „ ä 100 fl. (Legate der Frau M. Langheinz 

und des Herrn J. Eggel), beim hohen 
n. ö. Landesausschusse in Verwahrung.) 

Ein Fünftel 1860er Los, Serie 4368 Nr. 19 

3.) Gebrauchte SchnlhÜGher, Schreib- und Zeichenrequisiten. 



fl. 


kr. 


431 


90 


1048 


58 


450 


— 


369 


1 


10 


80 


2310 

1 


1000 
100 
100 


— 


1 

1 400 
100 


— 



449 

1090 

450 

385 

120 
_16 

2511, 



kr. 

12 
21 

61 

63 
57 



1000 
100 
100 



400 
100 



55 



Aue weis Ober die Uiiferfiintxurtg d^r HchAler, 

Im efäiten Semester wiinlen 59 Schiilert im Jsweitf^ii 58 Schüler der 
Ri^scliule mit Lehrbüchern bt^theilL Von diesen erhielten im 1. Semester 
21, Jtii 2, 2(J auch Schreib- nnd Zeichenrer|uisiten. Fiir 2 SdiiUer wurde 
dmrli JR 2 Monatt* wöchentlich 2mal die MitUgskost, für 1 Sdiiiler durch 
£ Munate die Abendkost bezahlt ; 4 Schiller erhielten Barbetrfige. 

Dm Coniitü für ilie Verwaltung de« UnicrstütÄTinpsfmKles : 



Prof. Ehrenberger, 



Oir Eberle, 

Prof. V. Overschelde, 



Prof Kirchberger. 



I 



Vü Bekannt maehung, die Aufnahme der Scbiiler betrefTend. 

l>as iiäcliste Sdmljahr beginnt am 16, SeiJteniber 1H84. Die Aufnahme 
der 8diider findet am 11., 12. und 13. September Vormittag von H bis 12 
Uhr, fttii 14. Septeml>er von 8 bis 12 Uhr und Nachmittag von 2 bii^ h Uhr 
in der Directianskanzlei statt. Alle Schüler haben sich in Begleitung ihrer 
Eltern oder deren Stellvertreter bei der Direction zü melden. 

TH« Aufnahme in die I, Realclasse hängt von dem Erfolge einer Auf- 
tiühmsprftfung ab, welche am In. September abgehalten wird. Zufolge der 
,*Verord. vom 14. März 1870, Z, 2370 wird bei derselben gefordert: 
Maß von Wissen in der Religion, welches in den ersten vier Jahres* 
icttTMii der Volksschule erworben werden kann, Fertigkeit im Lesen und 
Schri^iben der Unterrichtssprache und der lateinischen Schrift, Kenntnis der 
Klftmente ans der Formenlehre and Unterrichtssprache, Fertigkeit im Ana- 
lystii'reii einfacher bekleideter Sätze. Bekanntschaft mit den Regeln der 
Ortjiügraphie und ihrer richtigen Anwendung beim Dictandoschreiben, 
nng in den vier Rechnungsarten in ganzen Zahlen/' Jiinglingej welche 
einer andern nicht gleichartigen Mittelschule in die Realschule über* 
treten und in eine höhere als die I, €1asse aufgenommen werden wollen, 
gleichfalls in einer Aufnahmsprlifung das Maß ihrer erworbenen 
niniMe zu erweisen. 

Solch© Schüler, welchen wegen nicht entsprechender Auf nahmsprüfung 
die Aufnahme in <iie I. Classe einer öffentlichen Mittelschule versagt wor- 
den bitj können im selben Aufnahmstennine an einer andern Mittelschule 
SQT Prüfung nicht zugelassen werden. (Erlaß des k k. Landesschulrathes 
ddo. fi. Jänner 1883 Z. S3&0 ) 

Zufolge Verordn. des h, k. k* Ministeriums f, C. u. ü. vom T, April 
1^1 8, Z, 5416 haben die zur Aufuahme in die L Classe sich meldenden 
am; einer ofientlichen Volksschule kommenden Schüler ein (Frequentations-) 
Zeujpiis mitzubringen, welches die Noten aus der Religionslehre, der Un- 
rirliU-Hprache und dem Rechnen zu enthalten hat. Bei der Aufnahme haben 
lemei^ j^uinuntliche neu eintretenden Schüler ihren Tauf- oder GebuJii- 



56 

schein, jene Schüler, welche bereits eine oder mehrere Classen der Lan- 
desobeiTealschule in Krems oder einer anderen Mittelschule absolviert ha- 
ben, das am Schiasse des vorhergehenden Schuljahres erhaltene Zeugnis 
vorzuweisen. 

Als Aufnahmstaze ist von jedem Schüler 1 fl. für den Bibliotheksfond 
zu entrichten. 

Das Schulgeld beträgt für 1 Semester 5 fl Dasselbe wird um die 
Mitte der Monate October und März eingehoben. Gesuche um Befreiung 
von der Entrichtung des Schulgeldes sind an den h. nö. Landesausschuss 
zu richten und längstene anfangs October der Direction der Lehranstalt 
zu Überbringen. Die erlangte Befreiung erreicht sofort ihr Ende, wenn der 
befreite Schüler 

a) am Schlüsse des 1. Semesters die III. Fortgangsciasse erhält; 

b) am Schlüsse des 2. Semesters nicht mindestens den II. Grad in Sitten 
und Fleiß erhalten hat; 

c) wegen ungenügenden Fortganges eine Glasse wiederholen muss. (Ausge- 
nommen ist hiebei der Krankheitsfall.) 

Wahrhaft arme Schüler werden, wenn deren Eitern oder Vormün- 
der bei Beginn des Schuljahres darum ansuchen, aus dem Unterstützungs- 
fonde nach Möglichkeit mit Schulbüchern, Schreib- und Zeichenrequisiten 
unterstützt, so lange sie sich durch Fleifi und Sittlichkeit einer Unter- 
stützung würdig machen. 



B. 

N, ö. Landes-Handelsschiile. 

Zweck und Einrichtung der Schule. 



I 



I 



Infolge der Besclilüsse des \u ti* ö. Landtages vom 19. October 1878 
und Vüiii 24. October 1881 ist diese Lehranstalt als FacliscUule (Ur den 
Handels- und G e w e r b e s t a n d eiogericlitet und setzt als Vorbildung 
nur die a b s 1 V i e r t e Volks- oder B ü r g e r ?? c Ii n I e voraus ; sie kann 
M>tiach von jedem, der sich einem geschäftlichen Berufe widmen will, ohne 
Schwi^^rigkeit besucht werden. Auch ist die Möglichkeit gegeben, dass die 
ScIiBler früh genug in das practisclie Leben übertreten können, da die 
Seilille derart organisiert ist, dass sie in z w e i J a h r g ä n g e n, von denen 
dtf ettte die untere^ der zweite die obere Abt h eilung bildet, das 
iir>thige fachliche Wissen vollständig zum AbgchlusKe bringt, 

T>iese Schule bietet den Angehörigen dei* Handels- und OewerbeBtandes 
— «omit des Bilrgerstandes im allgemeinen — Gelegenheit, sich in ihrer 
Jugend jene theoretisch-fachliche Ausbildung in möglichst kurzer Zeit zu 
vprsrhaffen, welcher dieser Stand unbedingt bedarf, um den an ihn ge* 
j»i»*Hten, erhiditen Anforderungen unserer Zeit zu entsprechen. 

Da» Lehrprogramm der Schule umfasst deshalb nur solche Gegen- 
sUnde. welche für jeden Kaufmann, Industriellen und Gewerbetreibenden 
von größtem practischen Werte sind. Für den Kaufmann und Industriellen 
inl die Bedeutung der aUH dem beigefügten Lehrplane ersichtlichen Gegen- 
stände wohl Ton selbst klar Aber auch jeder der sich für ein ganz ein- 
fmclies Gew^erbe ausbilden will, soll diese Schule — wenigstens die untere 
AMbeilong derselben — als Abschluss seiner Schulbildung besuchen. Auch 
er niQBs vor allem ein guter Rechner sein, Buchführung verstehen, sich 
mtndltch und schriftlich Kprachrichtig ausdrücken, Rechnungen und Ge* 
■dltlläbriefe nach dem aUgemeinen Gebrauche verfassen können, lU>er die 
Greii3E8D seiner engeren Heintat hinaus Bescheid wissen, Über den Wechsel 
vad meiere Schuldurkunden und Wertpapiere orientiert sein Er soll auch 
die Waren, welche er bezieht oder verarbeitet, genau kennen, über deren 
Otwiiinung, Bezug, Aufbewahrung und Verarbeitung, dann über die Zusam* 
nensütenng seiner Werkzeuge im klaren sein, endlich soll er die gewöhn* 
IMi ?oi kommenden Flächen und Kfjrper berechnen und Zeichnungen von 
Obleel^n nicht nur verstehen, sondern einfachere auch selbst anfertigen 

kullIlM« 

Zweck dieiter Fachschule ist es nun, diese Kenntnisse ihren Schülern 
ZA rermittaln, und für die Geschäftswelt junge Kräfte heranzubilden, die 



58 

nicht nur an Arbeit und Ordnung gewöhnt sind, sondern die auch vermöge 
des erlangten Fachwissens jenen Theil der Ausbildung zu irgend einem 
speciellen Berufszweige, der nur im practischen Leben erlangt werden kann, 
leicht und mit gründlichem Verständnisse sich aneignen und sonach bald 
brauchbare Hilfspersonen für kaufmännische, industrielle und gewerbliche 
Unternehmungen und seinerzeit tüchtige selbstständige Bürger sein werden. 

Außer den zwei Jahrgängen (untere und obere Abthei- 
lung), in welchen das fachliche Wissen in ei ner für die Bedürf- 
nisse des mittleren Handels- und Gewerbestandes aus- 
reichenden Weise zur Behandlung und zum Abschlüsse 
gelangt, ist noch ein practischer Curs, welcher ein Winter- 
semester dauert, mit der Schule verbunden. Dieser Curs umfasst vor- 
züglich practische Arbeiten, — theils im Übungscomptoir, theils im 
Warenlaboratorium, welches bereits mit zahlreichen Warenmustern 
und den nöthigen Instrumenten ausgerüstet ist, — und soll die Schüler 
besonders an Selbstständigkeit bei ihren Arbeiten gewöhnen. 

Es werden in diesem Curse auch noch einige Gegenstände, die eine 
höhere Vorbildung und geistige Reife voraussetzen, jedoch ebenfalls mit 
besonderer Rücksicht auf ihre practische Seite, behandelt. Diesen practi- 
schen Curs nach Absolvierung der oberen Abtheilung noch zu besuchen, 
wird sich daher nicht nur für die nach einer höheren kaufmännischen Aus- 
bildung Strebenden, sondern jedenfalls auch für jene empfehlen, welche 
bloss die obere Abtheilung der Schule besucht haben Übrigens ist dieser 
Curs auch den der Schule bereits Entwachsenen oder in einer Berufsstel- 
lung practisch Thätigen zugänglich. 

Aufnahmsbedingungen. 

In die untere Abtheilung können alle jene Aufnahme finden, 
welche 14 Jahre alt ^ind, die Volks- oder Bürgerschule absol- 
vier t haben u nd bei e in er Aufnahmsprüfung hinläng- 
liche Vorkenntnisse (in deutscher Sprache, Rechnen und Geo- 
graphie) nachweisen. Es ist jedoch auch gestattet, dass Schüler, vor 
vollendetem 14. Lebensjahre aufgenommen werden, wenn 
der betreffende Bezirksschulrath über Anfrage der Direction hiezu seine 
Zustimmung gibt. 

In die obere Abtheilung treten in der Regel jene über, welche 
die untere Abtheilung mit gutem Erfolge absolviert haben ; doch kann auch 
ein dir e et er Eintritt stattfinden, wenn der Aufnahmswerber die entspre- 
chenden Kenntnisse bei einer Aufnahmsprüfung nachweist. 

In den practischen Curs können jene eintreten, welche die obere 
Abtheilung mit gutem Erfolge absolviert haben. Ausserdem können auch 
solche Personen diesen Curs besuchen, welche mit Rücksicht auf ihre Vor- 
bildung oder practische Ausbildung von dem Lehrkörper als für diesen 
Curs qualiflciert bezeichnet werden und mindestens 16 Jahre alt sind. 



^^ Far tlia Aufnahinsinafung in dit^ imtiire Äbtlieihm^ ist keine Taxe 
XU t-tilricliteii. P*flr *li<^ Aufnalimspiüfimg in die obere Abtheihm^ beträgt 
dkl T^xe 2 a. Dan Sclml^^eiil pro Semester ist fttnf ö u 1 d e n Fleißige 
^^md diirfljge Schüler kuiuieji von der Etitrielitiuig desselben befreit werden, 
^ftventuell auch in Ami Ueouss von Stipendien und anderen UntersttiUnngen 
^Belaii^f'j]« — Auswärtige Sebiiler können in Ko.Htljäiisern billig unterge- 
^Krachi werden. Ek ist sonarh aurh den weniger Bemittelten möglich, ibre 
^Bulyie an die^ta* Fadinehnle ausbilden 7ai bissen 




Lehfplan. 






1 V 11 1 1' r r i € h i^ g g e 11 <i t ä 11 <U 


l Jahrg. ijiler 1 [Jubr g ^iler 
tlttiüro 1 flbere 




Abrticfliiog 




wftchent liebe Srnndenanbl 




11 1>1 teilte : 




Bi* iiiiftltiiinj (in fler unt. ÄhtUeiL nur im U S«*m.) 

Witr« iiltiiutle ULI«! Tocluinlogie . 

Hanilel^K'roiri'aphie . * * * . . * . 

!»T'nt^rhe 8iiriiche * , . 

breihen ..,,*.*,,,** 
' rif^ , , . . . . . . , . - , * 

LA'r iiL Hiiiirkh- iniil Gewerbe c^e^ptskunile 
^f4»\' luiftjilebre {nur im 11 Sem.) * * * 

iatamiL der ^^chentlkhm obiigateu Stuudeti . * 


4 
3 

4 

4 
9 
2 


5 
2 
3 
3 
4 

j 

1 

f 




I S. 24 
IL S. 26 


I. S, 27 
U. S, 29 




PfÄrtiadier Cur» {Ein Wiufer-Senjesfcer) 
Cbun^-rtimptolr . , . , w*icb. 12 3 rundet! 
Wmrfnknnili^ (Arbdfen iin Waren- 
Lahor ati^ri um) ^ -,.,... H ,, 
Kjiuf^ö/itjnisffht^)« Rfidiijen . , . , . a „ 

H«iii1^Uir^'»ii>i]^kütiflü 3 ^ 

YttUcftwirUclmftjlehre , . . . S « 


L Abthp 






Sttnnne dir w«lrbcnr]ichen Stunden 29 „ 




4 1 

Fnui&ti$i(irhe ^j^fttrhr .,....-.,.,, 
Zeklmtirn . •! •.!,** » 

Tiimrn . • 

ÜcMiiK * - , 1 


n, Abtb, 




3 
3 
S 
2 
2 


3 

a 

2 
2 


6 



6Ö 

LehrstofT-Vertheilung. 

untere Abtheilnng (I. Abtheilnng.) 

a. Obligate Unter riclits-Gegenstände. 

Kaufmännisches Rechnen Um eine auf Verständnis beruhende Sicher- 
heit und Gewandtheit im ZiflFerrechnen zu erzielen, werden zunächst die 
vier Grundoperationen in ganzen Zahlen und Decimalzahlen, die Theilbar- 
keit der Zahlen, das grösste gemeinschaftliche Maß und kleinste gemein- 
schaftliche Vielfache, die gemeinen Brüche und das Rechnen mit denselben, 
dann die Rechnungsarten in benannten Zahlen behandelt. Hiebei wird be- 
sondere Rücksicht auf die practisch anwendbaren Vortheile genommen. 
Daran schliesst sich die Behandlung nachfolgender Rechnungsarten in ihrer 
Anwendung auf leichtere Fälle aus der Geschäftspraxis : Verhältnisse, ein- 
fache und zusammengesetzte Regeldetri, der Kettensatz, Durchschnitts-, 
Gesellschafts-, Mischungsverhältnis-Rechnung, Procentrechnung, Aufstellung 
von Waren- und Spesen-Rechnungen, Interessenrechnung im allgemeinen 
und deren Anwendung auf Wechseldiscontierungen. 

Wöchentlich 4 Stunden. 

Handelskunde. Begriff, Ursprung und Nutzen des Handels, Arten des 
Handels. Die Handeltreibenden, Handelsgegenstände, Münz-, Maß- und 
Gewichts-Systeme mit besonderer Berücksichtigung des metrischen Systems. 
Der Warenhandel. Die Lehre vom Gelde. Das Wichtigste vom Wechsel, 
den Anweisungen und Wertpapieren. Hilfsgewerbe des Handels. Die 
Agenten Das Frachtwesen (Fuhrmann, Eisenbahn, Flussschiffer.) Assecu- 
ranz. Spedition. Zollwesen. Der Geld- und Wechselhandel und der Handel 
mit Wertpapieren in kurzen Umrissen. Wöchentlich 3 Stunden. 

Correspondenz- und Comptoirarbeiten. Im Anschlüsse an die Erklä- 
rungen aus der Handelskunde werden behandelt : Einfache Noten und Rech- 
nungen des Kleinhändlers und Gewerbsmannes, Rechnungen der Gross- 
händler, Facturen im Commissionsgeschäfte, Gewichtsnoten, Verkaufs-Rech- 
nungen, Briefe über Warenbestellungen und Facturenbriefe. Warenoffert- 
briefe. Die wichtigsten Formen des Wechsels. Trattenavisbriefe und Ri- 
messenbriefe. Frachtbriefe von Fuhrleuten, Eisenbahnen und Schiffern. Lade- 
scheine und Lieferscheine. Spesenrechnungen, Schuldscheine, Quittungen, 
Bons, Anweisungen. Ganz einfache Rechnungen über Ein- und Verkäufe 
von Münzen und wichtigen Effecten, ('irculare, Erkundigungs- und Aus- 
kunftsschreiben, Mahnbriefe. Wöchentlich 2 Stunden. 

Buchhaltung. Grundsätze der einfachen Buchhaltung. Anleitung zur 
Anfertigung der verschiedenen Buchhaltungsformularien mit Wert- und 
Mengenverrechnung für gewerbliche und kaufmännische Unternehmungen. 
Buchung eines einmonatlichen Geschäftsganges. Abschluss der Haupt- und 
Hilfsbücher. Nur im ü. Semester. Wöchentlich 2 Stunden 

Warenkunde und Technologie. Elemente der Naturwissenschaften : das 
zum Erkennen und Beschreiben der Waren Nothwendige aus der Organ- 
lehre des Thier- und Pflanzenreiches ; die physikalischen Grundgesetze mit 



61 



sr Berücksichtigung der Mpdiaiiik und deren Anwendnnfl: im prac- 
Leben, eintachfi Mascliinen, Werkzeuge — Die (Trundzü^e der 
Warenkimd«, Eintheilung nach vei*schiedenen Geisichtspnnkten, Aw wich- 
tt^t«n Nahnings- und (leuussmittel des Pflanzenreidies, die zufolge ihrff 
H*»rkanft »ich anschlieöeiiden Erzeugnisse der technischen bewerbe und 
Ii^rvorragendsten Rohproducte thierischer Abstammung, Oberhaupt nur- 
le Objekte, die zur mimittellmren Anschauung gebracht werden können* 

Wöclientlich 4 Stunden 
Allgemaine und Handelsgeugraphie^ Befestigung und Erweiterung der 
euotnfsse in der allgemeinen Geographie, Specielle Geographie der öster. 
;utr Miinan'hii* mit l^esonderer Hervorhebung der auf die materielle Cultur 
nionflirh auf die mercantile Stellung des Reiches und seiner Gebiete Kich 
zirhenden VeriifUtuiHse* Tehersicht der wichtigsten Momente der ö^tern 
eÄchicbfe peit Begriindung der Herrschaft des Hauses Habsburg, — 

Wr» dien tl ich 3 Stunden 
Deutsche Sprache. Wiederholung der Formenlehre. Die Lehre vom 
färben und da« Wich rigste aus der Syntax des zusammeuge.setzten Satzes* 
ictiitt* und irrammatische Uebungen im Anschlnsse an das Lesebuch und 
mmalktdie Lehrbueh. Uebungen im milndlichen Ausdrucke, besonders im 
lirhiigeu Lesen. Einfache mlindliche und schriftliche Reproductionen. Im 
Zfrs^iirimenhauge mit der Behandlung des Gelesenen und den sehriftlichen 
Lbmigen, BeleliTung liber Satzzeichen und Rechtschreibang. 

Wöchentlich 4 Stunden. 
Geametrie Formenlehre, Berechnung des Flächeninhaltes iler gerad* 
ig begrenzten ebenen Figuren und de^ Kreises ; Berechnung der Ober- 
e und des Runmitihaltes der idenieutareu K^n per, nach vorangegangener 
dl nag der hiezu nöthigsten planimetrisehen und stereometrjschen 
LAnAize Wöchentlich 2 Stunden. 

Schönschreiben. Heranbildung einer leserlichen und gefälligen Hand- 
ihrift Wöchentlich 2 Stunden 

ünobiigaie Interridits-Gegenstände: Siehe Seite 10. 





Obere AbtheÜQEg (11, Jahrgatig.) 
ä. Obligate Unterrichts-G egenstände: 
fniännisches Rechnen. Kurze Wiederholung der Percent- and Inte- 
inung. Die Discont- und Terminrechnung, Conto-Correut-Rech- 
llaß- und Gewichts-Verhaltui.^se der wichtigsten Länder* Gold- und 
SilbiT-Rt*chnung. Muns&rechnung nach Müuzfuli und Cursnotierung Wechsel -> 
I>i?Ytj4«?o- und Effeetenrechnung nach dem Wiener Cursblatt. Waren-Calcu- 
Uüciuen. Wöchentlich t Stunden* 

Handelftkunde, Theil weise Wiederholung des Lehrstoffes der unteren 
AUh^ÜJi Qg Diit beHouderer Berücksichtigung der Kapitel Über deu Waren- 

6* 



62 

bandel, den Geld-, Wechsel- und Effectenhandel. Die allgemeinen gesetz- 
lichen Bestimmungen über Handelsbücher, Firmen, Prokuristen und Hand- 
lungsbevollmächtigte, über Handelsgesellschaften, über die Handelsgeschäfte, 
den Kauf, das Commi^sions-, Speditions- und Frachtgeschäft. Das Trans- 
port- und Zollwesen Wöchentlich 2 Stunden. 

Correspondenz und Comptoirarbeiten. Kurze Wiederholung des Lehr- 
stoffes der unteren Abtheilung, insbesondere der Facturen, Spesen- und 
Verkaufs-Rechnungen und der dazu gehörigen Briefe. Eingehende Erklärun- 
gen der Preislisten, Curszettel Schlusszettel, Warrants, Conossamente, 
Discont- und Devisen-Noten, Checks, Cassascheine, Conti- Correnti, Zoll- 
dedarationen etc. Einfache bei Gewerbs- oder Handels-Unternehmungen 
vorkommende Verträge. Aus der Handels-Correspondenz werden behandelt: 
Briefe über Commissions-Tratten und Rimessen. Primenbriefe, Briefe über 
Nothadressen, Interventionen und domicilierte Wechsel, über Wechsel- 
Duplicate und Wechsel-Copien. Briefe über Ein- und Verkäufe von Devisen 
und Effecten. Empfehlungs- und Creditbriefe, Circulare, Dienstofferte und 
Ansuchen um Blanco-Credite. Wöchentlich 3 Stunden. 

Buchhaltung. Kurze Wiederholung der einfachen Buchhaltung. Theorie 
der doppelten Buchungsart. Practische Verbuchung einzelner Geschäftsfälle. 
Eingehende Auseinandersetzung der Principien des Bücherabschlusses. Aus- 
arbeitung der Verbuchung eines einmonatlichen Geschäftsganges eines 
Warengeschäftes mit Beispielen aus dem Bankgeschäfte. 

Wöchentlich 3 Stunden. 

Wechselrecht, Handels- und Gewerbegesetzkunde a) Wechsel recht 
Leichtfassliche Darstellung der österr. Wechselordnung und die Hanpt- 
grundsätze des Wechselverfahrens. Erläuterung der Rechtssätze an einzel- 
nen Fällen und an der Hand von Formularien. — Das Wichtigste aus dem 
Gesetze über Stempel und Gebühren für Wechsel, kaufmännische Urkunden 
und Rechnungen. 

b) Gewerbegesetzkunde. Die Gewerbeordnung sammt Nachträgen Die 
wichtigsten gesetzlichen Bestimmungen über Marken- und Muster-Schutz, 
über den Hausierhandel, über Handels- und Gewerbekammern, Handels- 
Agenten und über Erwerbs- und Wirtschaftsgenossenschaften. 

Wöchentlich 3 Stunden. 

Volkswirtschaftslehre. Bedeutung der Volkswirtschaft und Darstel- 
lung ihrer Grundbegriffe. Die wichtigsten volkswirtschaftlichen Systeme 
in den Grundzügen. Die Gütererzeugung. Die Productionsfactoren : Natur, 
Arbeit nnd Kapital. Zusammenwirken dieser Factoren. Der Güterumlauf in 
seinen Umrissen. Nur im 11. Semester: Wöchentlich 2 Stunden 

Warenkunde und Technologie. Die mineralischen Rohwaren, Schmuck- 
steine und ihre Verwendung, Metalle und Legierungen und deren Verar- 
beitung, Werkzeuge, Fabrikation von Nägeln, Nadeln, Ketten, Schneidwa- 
ren, Stahlfedern, Münzprägung, Verschönerungsarbeiten (Vergolden, Ver- 
silbern, Verkupfern etc.), Thonwarenindustrie, Glasfabrikation, Baumateri- 
alien, Farbwaren, Rohstoffe und Fabrikate der Textilindustrie. Papierfabri- 



63 

katian, andere wichtige Pflanzen waren. — Die Erklärungen werden mit 
im warn Ver^tändiusse nOtliigen ErUiiiterungen der einfaclistei* clieniisclieii 
iVoeesM und pliysikalisclien Grmidbe^rifre begleitet. 

WücUenllidi 4 Standen. 

Handalsgeographie. Hamlels^^eograpliiö Europas und Grundziige der 
n4Uict«Ii{g6ograptji4^ der aul.tereura|»äischerk Krdllieile. Bespredmng der wicli- 
tigvtrn Linien Am Welthaiidtfls Erörterung der wichtigsten TUatsaclien 
ui» der Uei^cliiehte des Hamleb. WodieutHch 3 Stunden* 

Deutsche Sprache. Lehie vom einfach und nielirfach xu«ammenge«etx- 
tcsi ^tm und von der Satiskiuzung. Darstellung: von Satzhildern. Ent- 
«precbeode «chrifllidie und niiindltche IJbuugen auf Grundhige des Lese- 
biebiS. Onmdxuge der Wüitliildung niit Rücksicht auf Vieldeutigkeit und 
Verwandtschaft der Worten — Lehre von den wichtigsten Fonneii des 
Ailsata&üa«; natuentlicli der int Verkehre am häufigsten angeweiideteu, 

Wöchentlich 3 Stunden. 

Sehi^nschreiben. Übungen siur Heranhikluug einer gefälligen Hand- 
Älutfi, Küodhdnift, Wijdieutlich 1 Stunde. 

b) Unobligate Unterrichtt^gegenstiinJe. Siehe Seite 10, 



Frac tischer Curs. (Ein Winter-Seraeater,) 
Übungs-Comptoir Practisdie Einschulung in »am tntliche Arbeiten des 
kjicifinanüisühen Coinj^toirs aus* den Gebieten der Budilialtuug, der Handels- 
0ünr}4|»i>nil4fü2; und der Comptoirarbeiten in ibreni innigen Zusammenhange. 
Zu deiy Zwecke wird ein mehrmünatlicher Geschäftsgang mit Vorfällen 
Mi dt*® Waren-, Eigen., ('onimissions- und Speditions-Handel, ^owie aus 
loa liink-, Depot und Lombanl- Gesctiafte verbuclit und abgesdilüsseu, 
vobei ^mmllijhe in dcinsdlicn vorkomuieudeu Briefe, BedinungeUj Wechsel 
IC aiiH^earbeitet werden. Auf selbstständiges Arbeiten der Schiller wird 

Ua Hati|ttgewtcht gelegt. 

Wr>chentlich 12 Stunden. 

Warenkunde* Durch eigenes A r b e i t e n des Sclkölers soll eine durch- 

T-ileiidii Kenntnis der hervorragendsten nutÄbarcn RuhstoHe (vorneluidich 

.H l'tlaüzenreiches) mit Zuliitfenalinie des Mikroskops und chemisdier 

U^^^(^t>Dtieii erreicht werden. 

Attfierdeui findet die Statistik des Warenverkehrs entsprechende Be- 



^ft Aülk 
PBPüie 



Die practischen Aj*beiten umfassen die Anwendung der widitigsten 

Iilf*tniiltel zm- Untersuchung der Zusammensetzung, Güte, Echtheit und 

Ti^nierung der Waren und die Darstellung von Extractivstoffen, Prä* 

.;.i[*.*ii f*ti:. Wödientlidi l> Stunden^ 

Kayfmärmisches Rechnen. Kurze Wiederholung der Devisen- und Effec- 



64 

tenreclmung. Einfache Wechsel- Abitrage. Die wichtigsten Usancen im Wa- 
renhandel. Schwierigere Warencalculatioueu. Wöchentlich 2 Stunden. 

Handelsgesetzkunde. Erläuterung der wichtigsten Bestimmungen des 
österr. Handelsgesetzbuches — Grundzüge der Coucursordnuug, insbesondere 
die Lehre vom kaufmännischen Concurse und vom Zwangsausgleiche. 

Die einzelnen Abschnitte werden durch entsprechende, der Praxis 
entnommene Rechtsfälle erläutert. Wöohentlich 3 Stunden. 

Volkswirtschaftslehre. Bedeutung der Volkswirtschaft und Darstel- 
lung ihrer GrundbegritFe. Production der Güter und ihre Vertheilung. Das 
Eigenthum. Der Austausch. Geld. Das Einkommen und seine Quellen. (Grund- 
rente, Arbeitslohn. Kapitalszins). Organisation der Unternehmung und des 
Haushaltes. Der Credit und seine Hilfsmittel (Wechsel, Anweisungen, 
Papiergeld, Bauken), Cousumtion der Güter. Über Association, lieber 
Steuern und ZoUweseu. Übersicht der wichtigsten Wirtschaftszweige, 
wobei die volkswirtschaftliche Stellung des Handels- und Gewerbestandes 
besonders erörtert wird. Wöchentlich 3 Stunden 



Dnobligate Unterrichtsgegenstände. 

I. Abtheilung (für Anfänger:) 

Französische Sprache. Lese-Regeln, di« Formenlehre, sowie jene Haupt- 
regeln aus der Syntax, welche zum Verständnisse leichterer Sätze noth- 
wendig sind, mit entsprechenden mündlichen und schriftlichen Übungen. 

Wöchentlich 3 Stunden. 

Zeichnen. Übungen mit dem Zirkel, dem Dreiecke und der Reiss- 
schiene. Zeichnen und Übertragen der geraden Linien und des Winkels. 
Construction der Drei-, Vier- und Vielecke. Theilung der Geraden und des 
Winkels. Maßstäbe und deren Anwendung. Die wichtigsten Constructionen 
am Kreise. Zeichnen der einfachsten Körper durch Grund- und Aufriss nach 
Modellen und eigener Abmessung. Wöchentlich 3 Stunden. 

IL Abth. (für Vorgeschrittene.) 

Französische Sprache. Weitere Behandlung und Ergänzung des Lehr- 
stoffes der ersten Abtheilung; bei den mündlichen und schriftlichen Übun- 
gen wird vorwiegend das Handelsfach berücksichtigt. 

Wöchentlich 3 Stunden. 

Zeichnen, (gleichzeitig mit der ersten Abtheilung). Zeichnen nach Vor- 
lagen mit verändertem Maßstabe; Zeichnen einfacher Gegenstände durch 
Grund- und Aufriss unter möglichster Berücksichtigung der künftigen Be- 
dürfnisse des Schülers Wöchentlich 3 Stunden. 

Der UnteiTicht aus den freien Lehrgegenständen: Stenographie, 
Turnen, Gesang richtet sich ebenfalls nach der Vorbildung der Theil- 
nehmer und wird unentgeltlich ertheilt 



65 




Ob und welche freie Lelirg*'geiistä!uie ein Sclitiler mi erlernen hat, 
»e^tiiiiniifn die Eltern oder V^innLlnder ; doch ein|riiehlt e;^ .sich, das» jene 
^dittler, weicht* einen kaufmännischen Beruf ani^neben, dem Unter- 
ikdite üUÄ franzujiischer 8 [* räche, und jene, welche vtiraussichtlteh 
tdiieiu gewerblichen Berufe sich witlrnen werden, dem Zeichen* 
tilerrichie heiwühnen, endlich, da*ss jedenfalls alle Schiller, d«ren 
ti»inidlieitsjgu«taud m 35ulü.s5t, an dem T u r n u a t e r r i c Ute tliei! nehmen. 

AU ] H ü c i p l i n a r - V o r s u h r i f t e n *^el ten genau dieselben , wie a\ \ 
der lieali^littttj. 

tIL LehrmitteL 

1. Bibliotliek der Händelsschiile, 

(Ju8tos : Professor Franz Holub. 
Vetnidirnng im Schuljahre lü83/4, 
m) Gewehr tike. 
Vom h. k, k. Ministerium für Cultus und Unterrieht : Navigazioneaustro- 

■nfFatiii air eistrru uel iBSl und nel IBS2, — Cuunuerdu iu Triette nel 
N'Ävigaxiyne in Trieste nel 1882. — Statistik der SeeschiHfahrt 
üttl de?* SeehandelH in den <Ksteri\ Häftm im Jahre Isöl und 18S2. 

Varo h. k. k. Handelsministerium: Bericht über die Industrie, den 
Ibndel- und die Vei'kebri^verhallnisse in Nieder - Oest erreich während des 

V«mi h. n. ö< Landesausschuss : Stenographische Prutokolle des n, ö, 
UudUigeK V, Session der W Wahlperiode neb^t Beilagen 

Von der löbL n. o. Handels und Gewerbekammer in Wien: 8tatisü- 
•clier Btüicht über Industrie und Uewerbti des Erssherzugthumes Oest erreich 
mter der Enns im Jahre iBBü* Sitzungsberichte der Kammer. Jahrg. 1883. 

Von Verfassern : Robert Winkler, Lehrbuch der Buchhaltung. 
WUfii 1883. IL Autlage. ^ Rudolf Kathr ein, Lehrbuch der kfm. Äritli- 
neük. Wien 1 S^X IL A ntlage, — B n d a 1 f Schiller, Aufgaben - Samm- 
lug für Handelslehranstalten. 111. Theil. — Alois Weiss, Haudbuch 
um tiebraucUö heim Unterricht der Volkswütschaft und Haudelslehre. 
Wien 1881.— Dr, TIl V. Hanausek: Mittheilungen aus dem Laboratorium 
«^•-r Warijuaammlung in Krems. 17. Die Knollen von Lathyrus tuberosus 
. — 22, Üelitsr eüie neue Funn der Kosa coUina Jaq. — 55, UeberBlUten- 
Lifdiwadisiuigen an Picris kieracioides L, 

h. Kauf. 

1 IIS, kleines Lehrbuch der Zoologie, Marburg 18K2, — Benedictj die 

-n Farbstofle, Kassel 1883. — Moeller, die RohstoÜe des Drechs- 

1 Ni. L Theil „Das IIola*% Kassel, — Wiesner, Kiemente der Ür- 

t»op*»phie, Systematik und der Biologie der PtSanzen, Wien 1884 — 

^Vigiier V, L , Tabakcultun Tabak- und f'igarren-Fabrication, sowie Sta- 

iiilft de» Tabakbaues, Tabakhainlels und Tabakindustrie, Weimar 1884,— 

tiinucli & Pr»6chl Lehrbuch der kaufm. Correspondenss, Wien 1884. — 



wmap 



66 

Swoboda, Lehrbuch der Handelsarithmetik, Wien 1:S84. - Sax E., das 
Wesen und die Aufgaben der Nationalökonomie, Wien. 1884. — 
Hanausek E., die Techuologie der Dreclislerkunst, die Lehre von den Roh- 
stoffen und deren Verarbeitung, Wien 1881. — Haberer, Geschichte des 
Eisenbahnwesens, Wien 1884, — Schreiber, Geschichte des Tarif wesens. 
Wien 1884. — Vogel, die Handelscorrespoudenz in fianzösischer und 
deutscher Sprache, T. und II. Theil, Leipzig 1883. — Mey & Thum, Neue 
französische Grammatik für den Kaufraaiiu, sowie für den Gewerbetrei- 
benden, Leipzig 188 [. — Wirth M. „Das Geld"* (das Wissen der Gegen- 
wart, 25. Bd.), Leipzig 1884. 

Zeitschriften : Globus, illust. Zeitschrift für Länder & Völkerkunde, 
B. 44 und 45. — Centralblatt für das gewerbliche Unterrichtswesen in 
Oesterreich, IL Band sammt Supplement. - Deutsches Haudelsblatt 1884 
(hat mit Ende April zu erscheinen aufgehört.) 

MUnzensammiung. Um einem Bedürfnisse der Handelsschule Rechnung 
zu tragen, wurde in diesem Jahre mit der Anlegung einer Münzensamm- 
lung begonnen. Dieselbe hat den Zweck, die Schüler nicht nur mit den 
früher gebrauchten Münzen bekannt zu machen, sondern sie sollen vorzugs- 
weise mit den gegenwärtig im Umlaufe befindlichen Wertzeichen besonders 
der an Oesterreich grenzenden Länder vertraut werden, gleichzeitig soll 
diese Sammlung ein Behelf sein für die mitunter ziemlich schwierigen 
Partien der Münzenrechnung. 

Anfangs nur aus den wenigen von der Oberrealschule überlassenen 
Münzen bestehend, umfasst diese Sammlung gegenwärtig schon eine be- 
deutende Anzahl wertvoller Stücke, die tlieils von Gönnern') der Schule, 
theils von den Schülern*) gespendet wurden, so dass bereits 4 grosse Staaten 
(Deutschland, Praiikreicli, Italien und England) mit Bezug auf Scheide- 
münzen den Schülern complet gezeigt werden können. 

2. Waren- Lahor atorinm. 

Gustos: Prof. Dr. T. F. Hanausek. 
I. Waren-SammluiiK. 

A. Gesciienke: Von der Glas-Manufactur - Firma J. Schreiber & 
Neffen, Heinrichhütte bei Göding (durch freundliche Vermittlung des 
Herrn Fr. Zadnik, eines ehemaligen Schülers der Anstalt): Die Hohl-Glas- 
f^brik^tion in den einzelnen Stadien, dargestellt durch entsprechende Fla- 
scjienpiuster, die Erzeugung eines Lampenschirmes, zusammen 12 Objecte 

Von Herrn Prof. Dr. F. T sehe mich in Elbogen: Eine Collection 
SQg. Carlsbader-Zwillinge von der Umgebung von Elbogen. 

Von den Herren Hartenstein & Co.* in Chemnitz in Sachsen: 
Vier Muster diätetischer Nahrungsmittel („Leguminose"). 

Von dem Warenlaboratorium der Wiener Haudelsaka- 



») Hr. Fux 1 St. Goldmttnze, Hr. Oberstl. P. Giebel 1 Medaille und 2 Münz- 
scheiue aas dem Jahre 1811, Hr. Dir. Eberle div. Münzen und Münzscheiue, Hr. Prof. 
Dr. Strobl 1 Lire, Frau M. Mayer 1 engl. Silberguldeu. 

') Krauner, Grauäeubarger, Dinstl (5 Mark in Gold und div. Silbermünzen), Fax, 
Huber, Kaufmann, Milivojevic, Monschübl, Realer und Skrivanek (div. Münzen.) — 



t>7 




de nie (darcli Rmru Prof. Eduard Hanaüsek> 32 StUek meist exo- 
Üscher, einseitig jiüliiitir Hölzer in Tafelfunn (gegen Austausch hier vor- 
koiBBiefiil«r« tf^clinisch verwendbarer Miueralieu). 

Von Herrn Fiedler^ k. k. Oberlifuteiiant ira 2. Genieregiraente in 
Kremi: 3 St. Granaten ans einem bei Krenii^ belindlichen Steinbruch, dntch 
ikre Lftngsstreckung ausgezeichnet. 

Von Herrn Reuter, Kaufmann in K a v e 1 s b a c h ; Interessante natnr- 
rische Objecte, 1 St. Säge des Sägeliais (Pristis antiquoruni)^ 2 St. 
tier iOstracion coiuutus), 1 KugelfiscU {Triotluu)^ mehrere exotisclie 
ögel, 2 St StaudencoraUeu, I St. Cocosuuü^ Bambußstübchen. 

Von der der Leliranstalt UbermitteUea Mineraliensamrulung des Herrn 
»r in Stein wurde eine große Suite Hiiieralieu zum Handgebrauche 
tinlung technischer Ülineralien eingereiht^ namentlicli l St. Gold in 
oikommen, Malachit, Grün- und Gelbbleierz, Bleiglanz, Aurifngment, 
cisdoUj Opal, Erbsenstein, Cakit, Siderit^ Kupterlasur^ 2 St Kupfer in 
DAt&rlieljem Vorkommenj melirere geschliffene Gesteine 

Von Herrn J, Hrdliczka, Landeßturnlelirer in Krems, 1 St. Pal- 
neuliok. 

Von Herrn Eduard Hanausek, Prof in Wien, 2 St Pinkoshob, 
aeö ginxlich neuen australischen Holzes von unbekannter Abstammung. 
Von der löbl alpinen MontangeselUcliaft in Wien (durch 
e Vermittlung des Herin Eduard Keirhel, Kaufmann in Krems), 
StAeke Gesteine, Schlacken- und Boheisensürten von dem Erzberge und 
rm Eisenwerke bei Eisenerz in großen, wertvollen Exemplaren. (Weriuer-, 
iirauwacken*^ Xiesel^ächiefert Kalk* und Eisenstein - ßreccien^ Späth* und 
Bnnioeisenstein^ erzführender Kalk, Spiegeleiseu, weißes Gußeisen), dazu eine 
folcirirte Abbildung, den geognostischeii Durchschnitt des Erzberges bei 
uerx darstelleiuL 
Vom Gustos diverse Mineralien, zahlreiche Samen der deutschen 
if»; von Gottfried Peru eck er, Schiller der oberen Abtheilung 1 St* 
ilig geschlilf. Karneolachat. 

B. Kayf: Vou A. Pfantzert's Nachfolger in Wien: Alljährlich 
XU emeiiemde Drogen, eine größere Suite chemischer Präparate, ätherische 
und feite Öle, 

Von Glasarbeitern durch Vermittlung des Herrn Zadnik: In- 
ilrttineiite und Farmen der Glasfabricatlon (Glaspfeife, Holzform für Lam- 
poi^cdialen, t1lr schmale Flaschen, 1 Glasscheere, 1 Zwickeisen, 1 Auftreib- 
dbeo, 1 Wnlgerholz). 

Von der Bnikhard tischen Bnchdr uckerei in Briinn: E. M. 
odany, Sammlung der wichtigsten europäischen Nutzhölzer in chaiakt* 
itteo, 40 Tafeln mit Textheft» — Gelegenheitskanf von 4 Minera- 
(derbe Amethyste, 1 Chrysopras, llauclniuarz). 

n, ltifttruiti«ut« uni Honsllge EinriehtuiifcsfCi^KenBlAiid«* 

Kauf Von W. J. Rohrbecks Nachfolger in Wien: Abdampf- 
ckaleHt Blasebalg, Bleidrabt, Zinkdrabt, 2 Feilen, 3 Hornplatten, ü Koeh- 






kolben, 1 pneamatische Zinkwanne, 10 Uhrfedern, 1 Döbereiner* Zündma- 
schine, 2 Drahtzangen, Röhren von Glas, Röhrenwischer. — 123 Holzunter- 
sätze für Mineralien. — 1 Rahmenkasten mit Fächern für die Samensamm- 
lang. — 

III. Aiigemeine Sameosainmlung. 

Dieselbe wurde neu etiquettiert und von Franz Prandstetter, 
Schüler der oberen Abtheilung, geordnet und katalogisiert. Sie zählt 480 
Nummern. 

IV. SammioDg mikroskopischer PrAparate. 

Die Präparate wurden mit neuen Etiquetten versehen, ein Theil neu 
eingeschlossen und geordnet. Sie enthalten Schnitte der wichtigsten Pilan- 
zenwaren, der meisten Hölzer, viele thierische Objecte und gegen 20 Test- 
ofcgecte. Eine Vermehrung hat die Sammlung nicht erfahren. 

V. Schrift- and Bildwerke. 

Allgemeine Warenkunde und Rohstoff lehre herausgeg. Benedict, 
Braun etc., 2-, 3. und 4. Bd. (Handexemplare für das Laboratorium). — 
Hager, Pharmaceut. Centralhalle 1884. — Uhlworm und Behrens, 
Botanisches Central blatt 1884. Stoerk E m i 1, Universal-Münzen-Tabelle. 
Marburg 1884. — Bei den Arbeiten im Laboratorium haben sich die Schü- 
ler Gottfried Pernecke r, Richard C z e r m a k und Rudolf Stock in 
anerkennenswerter Weise betheiligt. 

3. Geosraphiiche Lehrmittelsammlung. 

Österreichische Monatsschrift für den Orient. Herausgegeben vom 
oriental Museum in Wien. 10. Jahrgang. 



IV. Verzeichnis der Lehrbücher, 

welche IUI Jahre 1884,5 in Veiwendiiug kommen. 



IdnieOiiftiiid 



Untere Alitbeltuiii 



Obere AbtMlMig 




Eaulieli, Lebrbucb rier kanftn, Anthm^tik^ 

8eliillef E.f AnfgabetiHatniulnng lür llanddalchraustdUeti, 

IIL Tfaeü> _ 

Fiudeisetif Gnindrifls der HandeliwiBsensoli&tt^ S* Aud^gCi 



riidthittiing 
Cttrespondeai u 
CMptofrsröeite 



Beiger, Lehrbuch der eiufidiieii n. doppelUD Buchhaltung. 
Schilief E.| Aufnabeuaaiuinltitig für HandeklebraikBtalteii, 
L TheiL 



und Tectmelogie 



JveclMelrealit und GewerbegeseU 
künde. 

Bmmit der VoUtswirtschana- 



; Hinddsgeoiiraphie 



fieonetrle 



Oidteetie Sprache 
framoiisctie Sprache 



Steno grapfile 



Schilt er R-f Äafg&benäammluui^ für HandeklehrausUlteu , 
II. Tbeü. 



Bhchingt Leitfaden der allgememeii Warenkuiide fttr 

ilatideli' und Gewerbetichulea. 



Thenmannf d» Osterrekhische 
Weeh^elTeohl« 



Kiebl, Anfangsgründe der 

Volkawirttjehaft^ neu bearb. 

T, Fr^f. Bichtef . 



Koseniii Leitfaden d. Geographie f. d. deterr* MiHel&ehniett, 
Lu, IIL TheiL | IL Theih 

i^chulaüaulen v. Stiel ur und Haar dt« 

Jlocniki Anfangsgründe der 

Geometrie in Verbiuijiing uiit 

dem Zeichnen. 

WiiloniitiEeri deutäclie Grammatik f. üaterr* Uittclscbulen* 
Schiller Carl, denUcbei Leeebncli f. UittelAchuleu. 
L Band- ^ | _^ ILJiand, _^ 

Ploet«^ Eltfmentar-Üraiimiatik der friiiiKüsigc^hen Sprache. 

IFilek V. Witdughauaen, frauE 
Chreatomatbie f, h» Lebranat 



Faulniann, (?aheläberger's ütenogr, Lehrgebäude. 
Faulnmun, sttnog raus ehe Äntbuiogie. 



prtdiedien Cirü werden ret wendet : 



Kall lieb T Lehrbuch der kaufm. Arithmetik ; 
Berger, einfache und duppelte Bucbhaltubg; 
Kiebl (Richter) Anfangi^gr. der Volke wirtichaft ; 
BlodigT die 4 eräteo Bücher des allgemeinen 
dentächen Handels- nnd Wecbaelrechtea. 



V. Unterstützung armer SchOler, 

a.) BarnnterBt&tsong; 
loi Laaft^ «ien Sclmljalires geUiigten folgende UnterstützuBgsbeträge 
Aft arme imd würdige Schüler zoi* ÄuszahliiDg : 



70 

1.) Zufolge Erlasses des h. n. ö. Landesausscbosses vom 4 April 1884, 
Z. 684 2 Unterstützungsbeträge ä fl. 75 150 fl. 

2.) Zwei von der Administration des Zehnkreuzer - Vereines der Dii'ection 
übergebene Unterstützungsbeträge & 11. 50 100 fl. 

b.) ünterstfltxungsfond. 
Ausweis über Einnahmen, Ausgaben und Vermögeusstand siehe Seite WS. 
Es wurden 14 Schüler mit Lehrbüchern, darunter 1 auch mit Sclireib- 
requisiten betheilt. 1 Schüler erhielt einen Quartiergeldbeitrag 

VI. Bekanntmachung, 

die Aufnahme der Schüler betreffend. 

Das nächste Schuljahr begi^int am 16. September 18S4. 

Die Aufnahme der Schüler findet vom 11. September angefangen von 
8—12 Uhr VoiTuittags in der Directionskanzlei statt Alle Schüler haben 
sich in Begleitung ihrer Eltern oder deren Stellvertreter bei der Direction 
zu melden. 

Schüler, welche in den 1. Jahrcurs der n. ö. Landes - Handelsschule 
eintreten wollen, haben den Nachweis über ilir Alter (Tauf- oder Geburts- 
schein) und das Entlassungszeugnis der allgemeinen Volks- oder der Bür- 
gerschule beizubringen, eventuell das letzte Studienzeugnis vorzuweisen. 

Schüler, welche direct in den IL Jahrcurs eintreten wollen, haben 
außer dem Tauf- oder Geburtsscheine auch ihre Semestral-Zeugnisse vom 
Schuljahre 1883/4 vorzuweisen. 

Schüler, welche, in den practischen Curs eintreten wollen, ohne die 
obere Abtheilung absolviert zu haben, müssen nachweisen, dass sie sich die 
nötige fachliche Vorbildung verschafft haben und mindestens 17 Jahre alt 
sind. 

In Betrefl' des Schulgeldes und der Schüler - Unterstüzung gelten die- 
selben Bestimmungen wie an der Oberrealschule. 

Die Direction ist jederzeit bereit, über gestellte mündliche und schrift- 
liche Anfragen in Betreff der Einrichtung der Schule, der Aufnahme und 
Unterbringung auswärtiger Schüler in hiesigen Kosthäusern weitere Aus- 
künfte zu ertheilen. 



71 



^^^^ Zar Chroiiik der Lehranstalt. 

[ nein BeschliL^se (Ips ImliPti iL Tj, LüiKitaj^es vom IM. Juni 18.**3 gemäß 
piihlt* ilmii Laiules-Turoldirer Johann Hrdlic^kri mit Den et des h. LanileK- 
mtt«8clin»ses vom 5. Juli 1883, Nr; 14454 die Stellung eines n i\, Landes- 
Watiiten der X Rangsclasse mit dem iler letzt*>ren enlspredieuiten Qimr- 
tii*nf»d4ft (Hf|uivalent der vormaligen Aktivitäts-Zulage) und dem Ans|n urlin 
üiif fftnfraalige Quinquenal-Zulagen verliehen. 

Mit Ende des Schuljahres 1882/3 trat Piofessor Rudolf Schiller 

dem Verbände des Lehrkörpers und dem n, Ik Laiidesdienste, d * ihm 

Fjf^hrstelle au der Handels-Akadeniie in Wien verliehen worden war. 

I'rofes5«or Schiller war seit Beginn des Schuljahres 1876/7 an der 

LandeH'Handet^sphule in Kr<^nis th^tig und hat wRhreud dieser 5;ie- 

»njÄhrigeri Lehrthätigkeit durch [»flieht eifiiges, erfidgreiches Wirken sich 

lie Achtung der Vorgesetzten wie der Collegen, durch tactvolle, wohlwol- 

leiide Behandlung seiner Schiller deren Zuneigung und Verehrung in ho- 

n*ta Grade gewonnen. Die üliiekwnnsche der Collegen begleiteten ihn in 

«i»hiBn neuen Wirkungskreis. 

An de>«!Sen Stelle wurde mit Beginn des Schuljahres 1883/4 der für 
Handelswtssenschaften an fjftentlichen Handelssclmlen und für Geschichte 
üDfl <fet*gra|ihie an Obergymnasien apiirohierte Supident an der k. k 
H 8tjiat^*TJnten*ealschule im IL Bezirke Wiens Franz Hol üb als prov* 
^Utotf^sor vom li. Landesausschusse ernannt. Der seit Beginn des SchuL 
^BAreg 1^82,3 an der Ijchranstalt thätigeSupplent Anton Pokorny wurde 
^fom H, September 1883 an als [»''öv, Professor angestellt 

Fftr den am 17. April 1883 zum Reichsrats - Abgeordneten filr den 

ISüUlte- Wahl bezirk Korneuburg gewählten und deshalb beurlaubten Prof. 
Franx Richter wurde der für Handel swissenachaften an öffentlichen 
Hau delsschul en geprüfte Leb ram tskand ida t Adrian Schuster für das 
fctaljahr 1H83 4 als Supplent bestellt 
Jlit Reginn dieses Schuljahres trat auch der seit 2 Jahren an der 
Ilvehranstiilt thätige Supplent Anton Moosle ebner aus dem Verbände 
|es Lehrkörpers und dem il ö. Landesdienste» da er eine Stelle an der 
|f. k SfaatS'Oberreal schule in Linz erhielt. Mit Bedauern sah dei- Lehr- 
k»>r|ier den Hebens wünligen Collegen von der Lehranstalt scheiden. Dessen 
^telli* wurde für das Schuljahr 18S3/4 nicht besetzt, da der practische 
r^ttnt an der Handel ssdiule in diesem Jahre nicht eröffnet wurde. 

Am 13. c t o b e r 188 3 feierte der Lehrkörper den z w a n z i g j ä h- 
r^^n Bestand der Landes-Oberrealschule zugleich mit dem x e h n- 
jlhriigen der U- Handelsschule in Krems, wobei die von dem 
jtiifpo talentvollen Maler Franz Korst, einem ehemaligen Schnier der 
l^hfajlütalt gemalten Porträte des ersten Directors, jetzigen Hofrathes 
m k. k. Untemchlis-M inistei ium, Dt, G e o r g R i 1 1 e r v. U 1 1 r i c h und des 
gi^mwärtigen Directom von dem Lehrkörper in Am Eigenthum der Schule 
^Jbersiben wurden 



72 

Im December 1883 betheiligten sich drei Professoren der Landesober- 
real- nnd Handelsschule an einem zum Besten des deutschen Schulvereines 
veranstalteten Cyclus populär-wissenschaftlicher Vorträge. 

Professor Dr. Johann Strobl sprach über „den deutschen Roman 
der Gegenwart", 

Prof. Dr. Thomas Hanausek über „organisches Leben und seine 
Bedingungen", 

Prof. Ignaz Walter über „Franz Schubert und das deutsche Lied." 

Am 12. März 1884 fand zum Besten dürftiger und der Unterstützung 
würdiger Studierender in Krems ein Concert statt, welches von Professor 
Ignaz Walter angeregt und von einem Comite, an dessen Spitze Hr. 
med. Dr. Johann Sauer stand, veranstaltet worden war. Der glän- 
zende Erfolg des Concertes, durch welches auch der Unterstützungsfond 
der Landesoberrealschule eine namhafte Bereicherung erhielt, ist außer 
den bereits genannten Herrn insbesondere der gütigen Mitwirkung der 
Damen Frau Marie Ullrich-Linde in Melk, Frau Herrn ine 
Einhorn und Frl. Marie Springer in Krems, sowie der Herren 
Capitulare des Stiftes Göttweig P. F r i e d r. J o c k 1, P. C a r 1 m a n n 
V. Schilling und P. AmandKurzbauer und dem unermüdlichen 
tüchtigen Orchester-Dirigenten, Herrn Kapellmeister Franz Schubert 
zu danken. Am 13. Mai 1884 wohnte der Lehrkörper der Landesoberreal- 
und Handelsschule mit sämmtlichen Schülern einem feierlichen Trauer- 
gottesdienste an, welcher für weiland Ihre Majestät die Kaiserin Maria 
Anna in der Stadt-Pfarrkirche abgehalten wurde. 

Die Lehranstalt hatte im abgelaufenen Schuljahre auch den Tod 
zweier Schüler zu beklagen, nämlich des Schülers der VII, Keal-Classfe 
Karl Müllner und des Schülers der I. Real-Classe Josef Michet- 
Schläger Ersterer wurde am 25. September 1883, letzterer am 27. 
April 1884 unter Theilnahme des Lehrkörpei^s und der Schüler zur Erde 
bestattet. 

Am 28. Juni begannen die Versetzungsprüfungen. Am 12. u. 14. Juli 
fand die Maturitätsprüfung an der Landesoberrealschule unter dem Vor- 
sitze des Herrn k. k. Landesschulinspectors Dr. Mathias Ritter v. 
Wretschko statt. 

Am 15. Juli wurde das Schuljahr geschlossen. 



73 



Pirsonalstand das lehrkürpers dar Landes-Oberreah und 
Handelsschule im Schuljahre 1883/4. 

}, Felix A* Eberie, Director der Lehranstalt, lehrte Qftograpliie in der 
3.^ Öt*schichte in der 3* und B, R.-CL 

2, Franz Ointil, Professor, Ordinariiisi der IL R-Ol^ lehrte Mathematik 
In der 2. und *l, Geometrie und geometr. Zeichnen in der 'i, und 3., 
darstellende Öeametrie in der 6. R-OL Kalligraphie in der L u* 2 R--C1 

X Anton EhrenberBer, Professor, Ordinarius der IV. H.-CK, lehrte Mathe- 
matik in der 3 und 4,^ Physik in der 4„ ß. und 7, R.-CL 

I. lohmnn Forster, Professor, lehrte Naturgeschichte in der L, 2., 5., 6. 
und 7. K-CL 

:> Of* Thomas Hanausek. PntfeNsor, Ordinarius der unt Abth. der H -Seh,, 
lehrte Gei^grapliie in der L R-^CL, Warenkunde und Handebgeographie 
in beiden Abtheilungen der H.-Sch. 

fi. Franz Holub. prov. Professor, Ordinarius der ob. Ahtli. der H,-Sch., lehrte 
llaudeLskunde, Correspondenz- und ( ompt-Arbeiten und Deut^fdi in der 
unL AbthL, kaufm. Rechneni Buchhaltung und Volkswirtschaftslehre 
Ihn n, Semester) in der ob, AbthL der H.-Sch, 

^Oiwald Horst Professor, Ordinarius der IIL R-Cl, lehrte Freihandzeich- 
nen in der 2—7. R.-CL 
fÄ Johann Hrtfliczka, Landesturnlehrer, ertheilte den Turnunterricht in allen 
classpii (ItT Lehranstalt, 

9 Robert Kirchberfler^ Professor, Ordinarius der VII, R^-CL, lehrte Mathe- 
matik und darstellende fteometrie in der 7., Geometrie und geometr. 
Zeichnen in der 4* R^'L, Geometrie in der unt. AbtJif'ihing, Zeirbnen 
in beiden Abtheilnngen der H.-Sc1l, Stenographie iu der L Abtheiluiiir 
[10, Friedrich Marack, Professor, lehrte Physik in der 3 , Oliemie iu der 
4., r>. und i\ R.-CI und leitete die prae.t, Uehungen im chemischen 
Lalmratorium. 

IL Franz Miillner, Weltpriester, Professor, lehrte Religion in der L- 4.» 
cle»fJiichte in der 4 , Geographie in der 2* und 4. R,-01 Stenographie 
in der IL Abtbl. 
Mi Filli Fr. v, Overschelde, Professor, Ordinarius der V R.-Cl , lehrte 
FmiiÄösisdi in der 4,, 5, und 7., Englisch in der r>,, ß, und 7, R.-CL 

13. Anton Pokorny, prnv. Professor, lehrte Deutsch in der 1 , 4, und 6, 
H'(1. und in der ob, Abtheilung der H-Sch., Geschichte in der 2* und 
7. R -CK 

14. Franz Richter, Professor, als R e i c h a r a t h s - A b g e o r d n e t e r be- 
orlaubt, 

l!i. Dr. Johann Strobl, Professor, lehrte Dmitsch in der 2,, X, 5. und 7 , 

Geschichte in der 6. R.-CL 
'lÄ Iffiiaz Walter, ?n*fessor, Ordinarius der I R.-OL, lehrte Mathematik 



in dt^r L und 5., Freihandzeichnen in der 1., Darstellende (ieometiie 




tu der 5. R.-C1 , Gesang in 2 Abtheilungeu, 



74 

17. Adrian Sctauttdr, Snpplent, approbiert fAr Handelswissenschaftenan öffent- 
lichen Handelsschalen, lebite kanfin. Rechnen, Kalligraphie und im II. 
Sem. Buchhaitang in der unt Abtheilnng, Handelskunde, Correspondenz 
und Comptoir-Arbeiten, Wechselrecht und Kalligraphie in der oberen 
Abtheilung der H,-Sch., Französisch in der I. Abtheilung an der H.-Sch. 

18. Rudolf Spindler, Supplent, lehrte Französisch in der 1., 2., 3. und 6. 
fi -Cl. und in der II. Abtheilung an der H,-Sch. 

Schüldiener: Josef Erl und Edmund Etzel. 



75 



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l.y l*jkTmü*'f H fiitxtnisrhtT, 'I ovanselisfher, iH«^ iiHH^f^j» rftm.'ka- 
fL^JikvIif'r Rflig-fmu — ^ [>rr NatJuniüität nach «ftmiiTtlich Deutsche 
Kl* jiif t Hi*rhriK *J.} JJarmifjer 3 mosiiisdier* 1 (frieeh -orthod, 
hf llUriift^ri fnni *ki4fli. HeJiy"iiHit — Tle^t Nationalität iiaoh 
I n«i»4^1ii!», 1 8rrhe, ii\p. tlbri^en Pr-ttische — 3,) Oe- 
isffivif U^niir *lv^ lit*jtEiblif n Sclnilirehle« : »75 fl* — 44 OeiÄinrat- 
hHn^ «if»r ?^tip*'fiilit'w : 7ö(i ü. — 6.) Gertaminfbütraif der 
Bmnitiienttliü:imgt]i : 300 fl. (wn^nn 2W 11. a. il. Handel»* 
«cbnie kommen. 



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76 



Bericht 



über die mit der Landesoberreal- und Handelsschule verbundene gewerb- 
liche Fortbildungsschule und den Abendeurs für icaufmännische Lehrficher. 

I. Gewerbliche Fortbildangsschale. 

A. Lehrplan. 

Der h. k. k. Landesschulrath hat mit Erlass vom 1. August 1883, 
Z. 4765 eine vom Lehrkörper beantragte Aenderung des Lehrplanes der 
gewerblichen Fortbildungsschule in Krems genehmigt, der zufolge mit Be- 
ginn des Schuljahres 1883/4 die für den Unterricht im Zeichnen bestimmte 
Zeit um drei Lehrstunden wöchentlich vermehrt wurde und die Schüler 
des Vorbereitungscurses nun gemeinsam in einer Classe mit zwei Ab- 
theilungen unterrichtet werden. Diese Aenderungen wurden nothwendig, 
weil die Zahl der die beiden Vorbereitungsclassen fleißig besuchenden Schüler 
eine verhältnismäßig geringe blieb, während der Zeichenunterricht, der für 
die hiesigen gewerblichen Kreise von besonderem Werte ist, stets gut 
besucht war, und weil dieser nur durch eine Vermehrung der Unterrichts- 
zeit dem Normallehrplane für die gewerblichen Fortbildungsschulen in 
Oesterreich u. d. Enns vom 20. Mai 1877 mehr entsprechend eingerichtet 
werden konnte. 

1. Lehrplan des gewerblichen Vorbereitiingscarses. 

Lehrziel. Der Schüler soll im Vorbereitangscnrse jene Kenntnisse im Lesen, Schrei- 
ben, Bechnen und Zeichnen erlangen, welche ihn in den Stand setzen, dem Unterrichte 
an einer gewerblichen Fortbildungsschule mit Verständnis und Nutzen zu folgen. 

Lesen und Sprachiibungen : a.) Untere Abtheilung: Lautrichtiges Lesen, mit 
genauer Beachtung der Satzzeichen. (In einzelnen Fällen, sofern es nöthig erscheint : 
Binübung der Laute und deren Zeichen in Schreib- und Druckschrift auf Grundlage der 
Fibel und langsames lautrichtiges Lesen mit Beachtung der Silbentrennung). Wort- und 
Spracherläuterungen, soweit sie zum Verständnisse des Qelesenen unbedingt nothwendig 
sind. Orthographische Übungen mit besonderer Rücksicht auf Dehnung, Schärfung, Sil- 
bentrennung und Großschreibung ; der reine einfache Satz ; Kenntnis des Haupt-, Eigen- 
Schafts- und Zeitwortes. Planmäßig geleitete Übungen im Abschreiben aus dem Lese- 
biiehe, Wiedergabe kurzer Lesestücke nach gegebenen Fragen. 

b.) Obere Abtheilung: Geläufiges, siunrichtiges Lesen. Wiedergabe des Qe- 
lesenen und Übungen in der Mannigfaltigkeit des Ausdruckes. Die Wort- und Sach- 
erläuterungen werden auf das zum Verständnisse unbedingt Nothwendige beschränkt. 
Orthographische Übungen mit Beachtung ähnlich lautender Wörter. Der erweiterte ein- 
fache Satz : Fortsetzung und Ergänzung der Formenlehre mit besonderer Berücksichti- 
gung <te8 Haupt- und Zeitwortes. Wortbildung durch den Ablaut, durch Ableitung und 
. Zusammensetzung. Schriftliche Wiedergabe kurzer Lesestücke ; einfache Briefe. 

Wöchentlich 2 Stunden (vom October bis April). 

Schreiben. Mit dem Sprachunterrichte werden Übungen in der deutschen, später 
auch in der lateinischen Currentschrift verbunden. Auf ein correctes Schreiben der Zif- 
fern wird beim Bechenunterrichte gesehen. 

Rechnen, a) Untere Abtheilung: Die vier Grundoperationen im Zahlenraume 
von 1 — 1000 mündlich und schriftlich, Münzen, Maße und (Gewichte, insoweit deren 
^ Gliederung auf der Zehntheilung beruht und dieselben bei den Übungen im Rechnen 
in Anwendung gebracht werden können, b.) Obere Abtheilung: Die Erweiterung 
des Zahlenraumes über 1000 und bis zu den Tausendteln. Eingehende Übungen in den 
vier Grundrechnungsarten mit ganzen Zahlen und mit Decim als teilen, um möglichste 
Gewandtheit und Sicherheit im Rechnen zu erzielen. Rechnen mit mehmamigen Zahlen 



Bencbtuü^' der nmm Mai^e mv\ Gewkht«, Mmidüahea Eechnen mit Berllekaiobtif 
der inj ;s;cwyhiilicben Leben am liäufigsteu vorküujtoenileti Bttiche. 
Wi)cht*MtUcli 2 Stuuileu. (Vom <K tober biö AprÜJ 

Uvn ruicrrHit in dicwcu Üegcufitäurleii ertheilte Oberlebrer Julitts Mttck, Lei- 
der KimlKUi-V'ulksädmte iu Kreiuä, 
Zcictinen- lU« NaLbbilden jy:erador Liakü atnl einfacher geradlLiiger Fi^'areii nadi 
i'nrAdcluiuagi'H au der Tafel aua freier Uand. Da^ finfiiche germieiTladni und i»vmei.ribi-bt' 
/i^uameut iHe Zindiimui,^eu vvcrdeu vuii dt-ü Scbilkni ühue Uebraiicb düd LmeEÜi« mul 
Hirtglicbiii s;iüü ttiag4*ferU|,^l uud ea wird iiut L-urruct« uud rt^iut^ AuBfdbrai»y: der 

rtü biu gewirkt. Das Zeidm^n uacb Vurltij^eii wird uur in gawi, bewunderen Ana* 

»limnn, Vei dnseclutiu vorlese Im ttciuti ScbiiSern ^iiHtatl^L Jede Art d«\s Fatlbitiubuciiii 
^nmiUiU/Jicb aiwy'eBcbiuristfU. Wücbentlieb 2 ätamleu. (Da« ^'an^e ScbiUjabr bindurLdj.) 
ÜüJi UniiTricbf im vtirberclu-ndüa Zäcbuen ertUeilte T iiomn» Wolfi LcLrer an 
k* k. Llebnn^atbule iti Krem^. 

2.) I^etir|»lan <le» gewerblichen Fartbililiiiigst^urae!^« 

Mit Uücksi*Ju (vnf die biCttten^VerlialtJiiiifie wurde unrein Jabrganj^ eripffnel, in denisel- 
JutJi aus dvn LeLr^tgejintünden dea U. Jabrganges (s* Nürmallebridan) Pbyüik nad 

bzd« hnen lilr Baut^evxt^rbe, Mascbinengewtrbe und Kl t?int(e werbe anfgeuwiunun* 
Ocitsche Spracht tinct Geschäflsanfsatze : a,} AU gern eine L bnngeu itn nmnd- 
. ii lull iitiil ÄtbriUiiLhen üeilankeuan&^ürucke an der llaud dta Lt^stbucbeH. Diciate und 
ujgoQ ointadjcr Leä4>jiitiüke- Die Subtiler werden auf die bäuJl^ Vürkonimeudeu 
^ugcn die ^jjiracb^ei^etjse aulmeikstim ^eiiia<:bt nnd an eine äpractdicb und or* 
pbiüib-ritbtige Durstelluug ij^ewidiiit. b.) Geseb&f t» au fn ätxe : Biiefe au:i dein 
,en- und Gf^rbäfNlebüU mit eutä|)rft dien der Unterweisung tlber die äußere For la der- 
fe»eö, über Titnlatnren n* »* w. — Offentlidie AnkfUidignngen und Circulare. — Zeng- 
sft. — Qtitiiimgeu^ KecbunugeUj Anweiaung-eu, Schnldsdieine^ Uesncbe uud Eingaben 
Bebordeti. Wudtentlidi r , Stuntk* tVom October bis April) 

Sfügriphie : Eleiueute dvr laatbematii^cfaeu und phy^ikali^idLen G epgrAitltte^ no weit 
dein Ver:*i:ttiduiije dci« ä^tdiilier zus^Ünijliiih «lud. Ueber*idit der M*?ere and Welttbeilü 
i drr ErdyUrll&die. — ^ Kaiupa : (lolitisjche Eiulbeiliiu^ ; die widuii^^iten Gebir^^^^Uge, 
n*4e niid ^Sijldte. — iiüterreicb-Uiii^iLm : piditi^idie Einlbetlnng üebirge, Hauiitllib^je 
d die iu iiülttiscber oder i^e werblieber Hinsiiebt bemerkeüisw erteil Stiuitö, Die Hau^a- 
iiii dfr in Wien einnitindenden ELsenbahneu. Wücbctiüicb */^ Stunde, (Vgm October 
Aiml,) 

Vm Uttterrldit in dioumi beiden Gegenst finden ertJidlte Prufesäor Dt Jukatiu 
irobL 

Rechnen nnd ^eiir er bliebe Buchftihrung i a.) Rech nun. Knrsse Wiederbiduug der 

liruadoperarionen uüL Uediufilbriieben und dereu Anwendung anf die im gewerb- 

t«m l-i*ben vorkvHitmendnn Uuiret^bnnngen der MuGc und Gewjdite. Das widitigslc Über 

dlbitxkeit dt<r Zahlen, Dää Hedincn mit gemeinen Brüebeu, soweit es t'tir den 

*\**n rhieiiicbt iiolhweudig ist. Wälöcbe Fraktlk. Die ^iblussrecbnnng. Der Ket- 

T ^ -''Im Proecnt-, ZiuB-, GeseUachafl«- nml Misebungriredinnnj^en, in einem dem 

r (tewt«Tbetrdbenden angeuiesseneis Umfanj^e. — b,) Gewerbliche 

I n k t Li n if : l>ie idnfacbste Art der Voriuerkun^ "ler im giMvei-b liehen Leben v*>r- 

ndea Gesdiilft»fj1l}c Das Jüunml, das Haupfbueh und das JieHreilnnpsbneh Dnrdi- 

i^ cinei kurzen als Bei^äpicl gevvUblten (iesirbltft^ferliuifets. 31 il dem UnicrTiebte in 

i^erbticben Ba^bfdbrung wird beji^uuneti^ wenn der Lehri^toft' des BedHiejiM tum 

n Thiiilc dnrdigenuianieu i4t, Windieutlieb 2 Stunden (^Voin Octuber bh Aiiril,) 

Den rnterridit in beiden Gegenständen ertlieilte Prot'eei^ür F r a n sg D i it t j; I 

GeaitietHe ; IHe geoiuetriMcheu ElemeittarbegriiTe: Punkt, Linie; Fiildie. (Ebene) 

id K^rptT. Der Kreiü, der Winkel. — Dreieck, Viereek. Begriff der OongmeiiÄ nnd 

iL i^an Wichtigifte Über regelmftHBige Vieleekö, — FläcUenlwrechuung der 

-ramme* Dreiex^ke, Traiit^ge uud des Kreiaea, äüweit dieselben in den Gewerben 

dang finden künneu, und unter gleirhxeitigerBerückdebtigung dea Quadnitwur^el- 

htMü^ Der p)'tbagoriibehe Lebiaatz. BeKprednmg der am bfiiiligiLeu Vorkomwenden 

incirlÄebeu Korperlurmfu. Beieebuung der Oberflttcbe und dea lUuu^iubaUea der eiu- 

n eekigi'U uud knimfttkbigen Körper. 

Wückeutlicli 1 Stnudo. (Vom October bia Aprü.) 

Fliytit ^ AÜgcmeiue Eigeoachafteu der Körper. Daä WkhtJgitd über Sobwere und 




78 



Lufidrctck Wärme. Wirkungen der Wärme Thermo tiieter, Bcbroehen. Sieden. Terdani' ■ 
pteu. D<;aül!iitioti. MeeliBtik ; Bewegung und <.ileicbg;e wicht im Allgeiueineo. ZnsAiumen- ■ 
aeUmig und 7.eiltg\ihu der Kräfte. I>ie tinfat^heii Maschitieii. Fiipuläre Krklärun^ di^r 
OrnndgeäeUe der Hydrostatik und Hydraulik. Hydriulitiche PreÄ!*e Wasserräder. Dai* 
Wiehtigste üher Äraeometer. Die Spannkraft der Gaae und Dämpfe in ihrer Abbäugig- 
keit vom Volumen und Temperatur, Heber. Pumpen nnd 84* ritzen* Priucip der l^ampf- 
maschiue* Natürliche und knustlicbe Magnete* DieMaguctnadeL DieReibungtj-Electricitftf. 
Die Electrisirmagcbiiie* Gewitter* und Blitzableiter. Die galvanissche Electrieität und gwh 
vaniflche Ketten. Electromagnetn : der eiectromag:xieiisebe Telegraph, Der Unterriebt m 
der Physik stützt sich stet« auf das E^iperitueut, und ein wird auf die practiache An- 
wendung der beireflfeuden Lehrsätze im gewerblicben Leben beBoadcra Ritck^icht genmu- 
men* Wt^cbeutUch 1 Stunde. (Das eanze Schnijabr hindurch ) ■ 

Den Unterridit in heitien Gegenständeii ertheike Prüf. An ton Ehren herber. I 

Geometrhches Zeichnen : Einübung de^ Zeichneui^ und des Ausziebeng gerader Linien 
und der Kreiae au einfat^beu geometrijächen Furmea nach VürKeichuuugeü auf der Tafii, 
Conatruciiun und Tbeilimg heetimmter Winkel. Conatructiuu vou Perpendikeln und Pa- 
rallelen. Oonstraction der Dreiecke, Vierecke und der regehnätiigen Vielecke. MaiJ- 
Stäbe, Kreisconstrnctii>neu in ihren praktisebeu Änwendungeu, Coustructiuu der Ellip^ü. 
— Grnudriss, Aufriss und Qaer«cbnitt in Jeicbtfdsslicher Art erklärt und dnreb Zeich- 
nung dargestellt. 

Wochen tlicb 3 Stunden (Das gaaze Schtiliahr hindurch.) Den Unterricht im geo- 
metriscbeu Zeichnen ertbeilte: Professor Roherl Kirch berger, 

FreihaBrtzeictiuBn : Anknüpfend an die mitgebrachten Kenntnisse der Sebiiler wird 
EUnEcbijt das Zeichnen des geuuietrischen, dann des einfachen freien Onaameniejs nach 
zweckmäßig gewählten Vorlagen in mliglichst großem Maßstäbe füTtgesetzt und der 
Schüler zur genauen und reineu AuafnltTung der Cuntouren verhaken. — Das Zeichnen 
nach einfntdiea pliistiseben Vorlagen (elementare geometrische Körperformen^ archifcek- 
tonisthe GHedernHgen, das Blattürnament der verschiedeuen Stylarten) mit möglicbst 
einfacher Art der Scbatrengebnng. — Je nach dem künftigtsn Berufe des Schillere kann 
auch die Ausführung der Ornamente in Farben geüht, siowie auch die Anleitung zum 
Zeicbneu der njeus<;h liehen Figur jenen Schülern gegeben werden, welche deä iignralcn 
Zeichnens znr Ausübung ihres Gcwerbe^^ bedarf t'U. 

Zeicbnen für Kunst- unJ Kleingewerbe: i>as Nachbilden Tun mustergilt igen und ii 
ihrer lieibenfolge zweckmällig gewählten stylreinen Vorlagen und Öhjecten naa dea 
Gebieten der Knnstiudnstrie, hd deren Wahl aowuhl auf die Zeichenfertigkeit, alü auch 
auf da^ Gewerbe des hetrefleudeu Schillert* E ticksiebt ku nehmen \M^ — Für Schüler, 
welche einst einen» Kunstge werbe angehören, m)d Vur lagen derart zu wählen, dass die 
icur Daiatclhmg gebrachten Übjtt-te zur gewerblizhen Thätigkeit des Scbülers iu mög- 
Hchät naber Be^iehnug stehen » oder doch zur Aushildang des Geschmackea beitragend 
küunen. ■ 

Wöchentlich H Stünden. (Da« gaiixe Schuljahr hindurch.) Den Unterriebt im Frei- 
handzeichnen ert heilte Profesaor G w a 1 d II r s t. 

Technisches Zeichnen: Kurze Wiederholung jener (.'onstructionen, welche im tcrh- 
ni«chen Zeichnen eine unmittelbare Au Wendung finden, Anwendung der erklärten t\in* 
struütionen Äum präci^en und correcten MachÄeidinen einfacher archltektuiibcher nnd 
mas^sbinentechnischer Gbjektc nach zweckmäßig gewählten Vorlagen, deren Ubjecte zur_ 
gewerblichen Tliätigkelt des Schaleri iu möglichst naher Beziehung titehen, fl 

a. 2e1chneti für Baugewerbe: Stein* und Ziegdverbände, Holzyerbiudnngen, ein» 
fache Dacbstühle, Gberbüden. Daü Zeiebneu der i^eräcbiedenen Arien der tJewöUie, 
Stiegen^ Fenster und Thüren, Ifei^anlagen. Aborte u. 3- w, nach cotirten, zweekmibsi 
gewählten und mit den entsprechenden I>etailzeichnnue:eu versehenen Vorlagen. D; 
Copieren von Hauplänen und einfachen Paraden. Der Unterricbt wird stets mit di 
Äum Veratändnisse uiUhigeu Erklärungen begleitet. 

b. Zeichnen fdr MaächinenQeweiiie ; Das Copieren einfacher Maschinentheile, wie 
Schrauben, Nieten verbin anii^en, Lciger, Wellen, Kuppel nngen, Kurbeln u. s, w. nach 
ci^tirten und richtig cunstruirten Vorlagen, wobei auf die (tenanigkeit iu der Ausfiih- 
rnng hesonderü Gewicht gelegt wird. Uebnngen im Anfnehmen eiuiselner 3!aschinenh( 
standtheile nach Modellen unter Gcbraach des Ma^isstabcs, 

C. Für Biitschlosser, Spängier und ähnlicbe Metal Ige werbe werden unter Berück' 
sicbtigung der Bedürfnisae de« betreffenden Gewerbes entsprechende Vorlagen au^gewäbl 



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79 

bd mm N»eb£ekhiieti ret wendet ; ancli werden at«ti die t\xm Vtutänänimt der 

Icknutigeti ßdthiiE^en Erbläntiigen jG^eg^eben, Je nach def FHbigkeit <Ua HcbUler« 

1*1 je nach (fem Bedürfnisse öeiiiea Uewerbea kaun auch die Äukitung 7A%v Äusfübruuj^ 

Z-^ ' • /cn durch 8elia£Ueraug udRt durch Farben gegeben werden. 

ilich l^ SUmden. (Da« ganze 8dmljahr liiudiirch.) Den Unterricht iro tecb- 
f.^-n iiiien ertbi?ilte l'rofeijsor lg n s^z Walter. 



B. Nrlirtrer^laiHl im ^rtiuljalir«« iHHtij4. 



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V^fbereJtungtourH 

6 inanatl i Vi>rber, 
Abende, j 7.eiibiieu 



Oewerbliche r Fortbild ungscurii 



*5 nionatL iteuinetr.! Tech. F reih and ■ 
Ab*.*ndc, Zddmeu Zeiuhnen Zeichnen 



Snitinie 



Huf irenons vueu 
wurden : 

llasftiüdi^rt 
wordi^n 

Fleißig beJtnchten 
die Srhule 

fiaji Lebreii'l 
fc»h en nnthhi 



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Die Stahlen m den Rnbriken für die den Zeichenunterricht besncbenden Sibilkr be- 
nidicn m'h imr auf jent; Schüler^ wekhe am Zeichenunterrichte altein theiJiiahnien* 
Viplf j^ru'r Schüler, welch« an d*jni 6 Monate dauernden Abendunterrichte theil- 
mthtuen, berüuclitcn auch eine der Abtheilungeu de^ Zeicbennnterrichtei, der das 
Tg'ati^e Schuljahr hindurch an Sonntagen ertheilt wurde. 
Den Tnti'rricht in der rhyaik beäuchien vou den 10 aufgenütnuienen Schülern 5 fleißig. 

Der ScUulbeäiicli war im Äll^emeinQU bf!friedij^end unil in 

dieser IHnHidit ein Fortseliritt bernei*kbai\ Im Vtdbereitaiigscuise war 

»nwoIiI der Abeiulmiterriclit ab der an Sonuta^e4i tjrtheilte Zeidieiiunter- 

rkhi aiiclÄnernd gut besucht, wodurch sich dii*. Aeiiderunjc^ in der Kinrich- 

Itnng dieses ("urses als eiue dea hiesigen Verliälttifgisen ganz* entsprechende 

rrrwiesi. 

Audi der ZtMchen Unterricht im gewerblichen Fortbildunpcurse, ins- 

|ho*c»nd**re die Abtheilung für technisches Zeichnen w^ar gut besucht und 

I nahmen Ijehrlinge und üewerbsgehilfen selbst aus entfernten Orten, wie 

' llnl>enbadi hei (.TiHtvveig, Wdßkii eben, tiobelsburg, Langenlois^ Ilohrendorf 

m dt^msellK!!! tbetl, 

C Lfhrttiiilrl, 
Zui Anschattung dtu- Lehr- und Lernmittel wuiden 50 ti, aus dem 
tiewerbegchulfonde und 13 tl. tiO kr*, die Interessen dei- Maurer- und 
'Mölh*r!*tiflung ans der J^^tadtcasse in Ki*em^ verwendet. 

IHh hohe k. k. Ministerium für C. und U, s|mndete die 15. Lfg der 
kunstgewerblidien VüriageldÄtter von J. Storck. 

Die in ö. Hantleis- und Gawerbekammer si>endete für 1(J Lehrlinge je 
ein luübes EeilUeug. 



80 

Angekauft wurden : a) f fir das technische Zeichnen : Einfache Objekte 
des Ban- nnd Maschinenfaches von C Hesky. i. Theil. Wien. Graeser. 
1884. — Theoretisch-systematische Zeichenschale fQr Wagenbau von C. 
Fögtle. 3 Hefte. (2. Exemplar). — 2 Blätter des Zeichenvorlagen- Werkes 
„Etudes de lavis" : Mecanique PL 88 und PI. 94. — 8. und 9. Heft der 
Anleitung zum Linearzeichnen von G. Delabar: Die wichtigsten Holzcon- 
structiouen mit den Zimmerer-, Schreiner und Glaserarbeiten, und die 
wichtigsten Eisenconstructionen mit den Schmiede- und Schlosserarbeiten 
als Lehrmittel für Lehrer und Schüler an Real- und gewerblichen Fortbil- 
dungsschulen. Freibuig im Br. 1881 und 1883. — b) für das Freihandzeichnen : 
II. Serie der Entwürfe zu hausindustriellen Objekten der Holz-Drechslerei von 
D. Avanzo, herausgeben v. tech. Gewerbe-Museum in Wien. — c) f. d. Bibli- 
othek: Centralblatt f. d. gewerbl. Unterrichtswesen. 1. und 2. Bd. mitSuppI. 

Die Aufnahme in die gewerbliche Fortbildungsschule und den Vor- 
bereitungscurs beginnt für das kommende Schuljahr am 21. September 1884. 

U. Abendkurs fQr kaufmSniilsche Lehrfächer. 

1. Lehrplan. 

Untere Abtheilung: 

Kaufmännisches Rechnsn: Es wird mit den Grundrechnougäarten begonnen, dabei 
dem Rechnen mit Dezimalen besondere Aufmerksamkeit geschenkt ; die practisch anwend- 
baren Bechnungsvortheiie werden gezeigt ; die Münz-, Maß- und Gewichtsverhältuiäse 
der wichtigsten Staaten Europas mit besonderer Berücksichtigung des metrischen Systems 
vorgenommen. — Ferner werden die Durchschnittsrechnung, die Lehre von den Ver- 
hältnissen, Kettenregeln, Gesellschafts-, Mischung- und Procentrechuung, einfache Waren- 
rechnung, Gewinn- nnd Verlustrechnnng durchgenommen. Der Anwendung aller dieser 
Eechnungen in der Geschäftspraxis .wird die eingehendste Berücksichtigung gewidmet 

Dienstag und Freitag 8—9 Uhr Abends. S. Prof. Schuster. 

Correspondenz, Comptoirarbeiten & Wechselkunde: Der Unterricht beginnt mit der 
Ausfertigung der einfachsten kaufmännischen Noten und Eechnungen, an die sich die 
AussteUung von Facturen, Spesen-Rechnungen, Zolldeclarationen, Verkaufsrechnungen 
etc. anschließt. In Verbindung mit der Erklärung der einzelnen Schriftstücke werden die 
zu denselben gehörigen Briefe abgefasst nnd erläutert. Die Vorträge über die wichtigsten 
Theile des Wechselrechtes, die Ausfertigung von Wechseln, die mit denselben im Zusam- 
menhange stehenue Correspondenz bilden den Schluss des Unterrichtes in dieser 
Abtheilung. 

Donnerstag 8 — 9 Uhr Abends. Prof. Holub. 

Warenkunde : Ursprung, (Gewinnuugsweise), Eigenschaften, Vorkommen und Ver- 
wendbarkeit der wichtigsten Waren mit besonderer Berücksichtigung der vorkommenden 
Verfälschungm. — Practische Anleitung zum Erkennen der Waren. 

Montag und Mittwoch 8—9 Uhr Abends Prof. Dr Hanausek. 

Obere Abtheilung: 

Kaufmännisches Rechnen: Kurze Wiederholung der wichtigsten Partien der 1* Ab- 
theilung ; Zinsenrechnung ; Discont- & Termin-Bechnung ; einfache Conti correuti ; Geld-, 
Silber-, Obligations- und Müuz-Bechunug ; die Wechsel- und Devisen- Rechnung nach dem 
Wiener Cursblatte; Warencalculatiouen. 

Donnerstag 8^9 Uhr Abends. S. Prof. Schuster. 

Buchhaltung und Correnspondenz : Kurze Wiederholung des Lehrstoffes der I. Abthei- 
lung. Theorie der einfachen und doppelten Buchhaltung. Verbuchung eines einmonat- 
lichen Geschäftsganges im Warengeschäfte und Ausfertigung aller in demselben vor- 
kommenden Briefe und Rechnungen. 

Dienstag und Freitag 8 - 9 Uhr Abends. Prof. Hol üb. 

Warenkunde : mit der unteren Abtheilung gemeinschaftlich. 

Montag nnd Mittwoch 8—9 Uhr Abends. Prof. D. Hanansek. 



81 



2. Schüler« t and im Jahre 1883/4. 



ümU A blhelliips 



Ob. Afalbeanog 



Satttne 



Airffr«ii»miiipn . . * ... 10 

Flejßi^ besuebt^ii die Scliule 7 
D&a Lekrzi«] erreicbteti ... & 



ATifgenommei] t2 

FldC)? besuchten ilie Schule . U 
Dm Lehr ziel erreichten , , , 7 



29 
18 
12 



Pie Aufnahme der Schüler für das nächste Schuljahr bej^innt am 13, 
lober 1884. 



Zum ScUlu$SB beehrt sicli die Direetlon im Namen des 
fi?hamm1en Lehrkörpers allen Förderern der LandeKoher- 
^eal- und HandelsschnU* und der gewerhlichen Fortbil- 

ilaugBüchule, sowie auch den W(*liUhätern der armen Schü ler 

den wUrmjsten Dank ausEUßprechen, 






.6 



XfßiiDilzwaDZigsifir JalirBsliericli! 



ftb^sr «Uü niert. HsttTr. 



iAsd§s-0b@fi§aIsGhul9 



tind dfe mit d^meUMUi vatumkn^ 



^inleg-$ii)eissei|iU ii Jireis« 



verÖfferttUeht am ScMusse den Schuljahres 



1885. 



Brack vGn M. Pammer. 



Begriff und Froblem 



der 



Si^tlfl@ 



(Eine historisch-kritische St;.uilje)- 

/ 

von 






Dr. Anton Ehrenberger. 



V~'' 



^IxileltTj-xig'. 




Die mäcbtigen Fürtschntte, welche die positiven NaMiinvissenschaften 
in den letzten Jahrzehnten gemacht haben eiaerseits, die iiiüderrie Denk- 
weise, welche durch die grossen Entdeckungen derselben immer mehr an 
Etiifltis.^ zunimmt, andererseits, haben die Naturphilosophie aus dem hyp- 
notischen Zustande, in welchen sie durch Schell ing, Hegel und deren Schüler 
gebracht worden war, zu neuem frischen Leben angeregt. Nicht bloß Phi- 
loiophen von Fach haben Betrachtungen natur philosophischen Inhaltes 
Rngestellt, sandern auch Männer, welche der Empitie näher stehen, haben 
sich wieder der Speculation zugewendet und dadurch bewiesen, dass die 
Empirie ohne Speculation kein abgeschlossenes Ganzes, keine vollendete 
Wissenschaft bildet. Männer wie HelmhoUz^j, Fechner^), Boltzmann^), Clau- 
siins*), LotlL Meyer*) und viele andere Physiker und Chemiker ersten 
Kawge*! haben sich bewogen gefunden, mit ihren exacteo empirischen ün- 
^gudurngen speculative Betrachtungen zu verbinden, während umgekehrt 
so hervorragende Philosophen wie Zimmermanns)^ Lotze^), Drobisch**), 
Wunilt*}, Flügel *^), Cornelins^M etc. die Resultate der Empirie in den 
Kreii ihrer speculativen Betrachtungen zogen und sie für iiir eigenes oder 
für das von ihnen vertretene System vervvertheten. AUerdinE^^^^ gescliah es 
dabei manchmal, dass Gegensätze etwas unsanft aneinander stiessen*^), 

*) .Üeber die Erhaltuni^ der Kraft**, 1847* WisjjenÄcUaftl* Abhaudluugcu v, 11 
Utimholu I i> 12. 

*l Heber tue physikJil* um! philüsorli. Aiumeulelire. LL'itijfilsr 1864p 

*) Wieili-maiiii, Atmalen der Fhjsik uml Chemie, Ncu<3 Folge XXIV, p. 37. 

*} Mechnnbche Wärmetheorie, 1876—1879, 

*) Die mi>d€rBen Theorien der Chemie. 1864, 

♦) Antbropatophie im Umrisiit 1882» Wien. 

') Mikrokoitiioi 1876-30; MeUphyitik 1^79. 

•) /.eitiicbr, f* exaoie Pbiluiopbie, V. 121. Zdt^cbr.f PliJlaBopliJe u. phllüs. Kritik 
ff rt ein üd E* u e u An fs Uten . 

•| Logik n. p. 352. »qq. 

**\ Ä. f . e. Pb, VIII, X* XL XIL in verschierlenen AiifalitKeu. Ferner: Der Ha- 
; ttrilliiaillt Yi^td BtAitdp. d. atom.^ciiecbfin, Natnrt'urHt:)!» i^i\h^ [^eip£. 

'*) Z, t e. ?h. iL 113. Betracbt.nn)^'*u Über d. Materie; VI, 11. Zur MeUphytik 
«. ^^lil&l. Aiomiitik,^ XII. 1, 1^1, 241. lieber d. Problem (t llaterie mit HUckaicbi 
mmi di« »euere Literarnr. 

^*l Um Aergs^e in der Richtimg habe i€b gefanden im Journat filr prakt. Cbemle, 
li^aiii»i;«ireb«n Yun Kolbe ttnd Meyer 1884| wo in den kriti^icb-^hemiactien Gäni^en Y. 
T. IL Kolbe »if.b eine Menge der trivialsten Schiiöpfworte aufgeflpeicbert Öndet^ wie 
ak aonii unter Gebildeten nnd Qelebrten nicht Torznkouviuen pÜegt, UnwinkÜrlicb kam 
ntr 4aM bekannte Wort in einem Nekrologe über Scbuppenbaner in Erinnerung: «Au 
Grobbtit Uat um keiner übertrofeu, kein PbUQüopb, kein Tbeolug, ja nicht einmal ein 
pUkldg«'' Darnach tnUsate dieter Ansiprucb eine Abänderung erl'abieiL 



Wenn auch der gewünschte und erstrebte Erfolg eines fest abgeschlossenen 
Systems bis jetzt nicht erreicht ist, so geht doch darans ganz unzweifel- 
haft das Streben hervor, die philosophische und die empirische Wissen- 
schaft vom Wirklichen einander immer näher und näher zu bringen, um 
endlich ,,irgendwo an der Grenze einerseits des Denknothwendigen, anderer- 
seits des Ehrfahrbaren'' ^) zusammenzutreffen. Einer der ersten und wichtig- 
sten Begriffe, mit denen die Naturphilosophie es zu thun hat, ist der Be- 
griff der Materie, ein Begriff, der so alt ist, als die Philosophie selbst, 
welcher, wenn von den wechselnden Merkmalen der Bewegung und Ruhe 
abstrahiert wird, das Ausgedehnte im Räume, das Solidum, was den Raum 
erfüllt, das Reale, sotern es als ein Ausgedehntes betrachtet wird, bezeich- 
net. Erinnert man sich aber an den Begriff des Realen — diesen habe ich 
anderswo ausführlich erörtert *) — so zeigt sich, dass diesem Begriffe der 
Materie ein Widerspruch anhaftet, absolute Position als Reales und zu- 
gleich relative Position als Ausgedehntes, unendlich theilbar, weil Theile 
der Materie selbst wieder Materie sind, d. h. Theile haben, und 
doch wieder nicht unendlich theilbar, weil kein Getheiltes ohne letzte nicht 
mehr getheilte Theile sein kann. Dazu kommt der Uebelstand, dass wir weder 
durch wirkliche Theilung von dem Getheilten zu den letzten Theilen noch 
umgekehrt durch wirkliche Zusammensetzung von den letzten Theilen zu 
dem ursprünglich zu Theilenden gelangen. „Die Unendlichkeit schiebt sich 
in das Endliche hinein, und doch kann sie den endlichen Umfang nicht 
vergrössern"'). Der Begriff der Materie, deren Realität sich trotz aller 
dieser Schwierigkeiten unseren Sinnen immer wieder aufdrängt, sieht also 
einer Umarbeitung im Denken, einer Ergänzung entgegen, ist also im 
eigentlichen und wahren Sinne des Wortes ein Problem^;. 

Hilfsmittel herbeizuschaffen, welche die Deutlichkeit bei der Analyse 
des Begriffes, die Klarheit in der Fassung der Aufgabe zu steigern geeignet 
sind, mag daher nicht ein ganz überflüssiges Unternehmen sein. Im An- 
schlüsse an den Vorgang Herbarts, des scharfsinnigen Kritikers und gründ- 
lichen Philosophen, will ich daher in diesem Aufsatze eine kurze Darstel- 
lung und Untersuchung der Gedanken, die über die Materie gemacht wur- 
den, versuchen; wenn sich auch zeigen sollte, dass dabei „keine Grund- 
wahrheiten, wohl aber, statt deren, Grundirrthümer" ^) zu Tage treten, so 
ist doch auch gewiss, dass die Berichtigung dieser Irrthümer den wahren 
Anfang der wissenschaftlichen Metaphysik sowie der eigentlichen Natur- 
philosophie ausmachen. Wenn die Umstände es gestatten, will ich bei einer 
anderen Gelegenheit an diesen historisch-kritischen Theil einen speculativen 
Theil anschliessen, in welchem mit Benützung der neuereu Entdeckungen 
der Physik, Chemie, Physiologie an das Problem der Materie unmittelbar 
herangetreten und eine Lösung desselben versucht werden soll. 

>) Zimmermann R. Anthroposophie im ümriss, p. 182. 

•) Zeitschr, für exacte Philosophie XIV. „üeber den Begriff von Realen •* 

') Herbart J F., Lehrbuch zur Einleitung in die Philosophie, W. I. p. 180. 

^) Drobisch M. W. Nene Darstellung d. Logik, p. 166. sqq. 

^) Herbart J. F. Allgemeine Metaphysik I. W. IIL p. 66. 



WeoE auch, wie Herbart mit R^.cht hervorheb t, die Quellen für die 

! ÄleUphjsik der Alten überhaupt und der Naturphilosophie insbesondere 

^«me zu frosse Verschiedeßheit der Auslegungen veranlassen*") und sie 

IdAber von ihm wenig oder nicht benutzt wurden, so glaubte ich doch wegen 

I dir «j^rossen Erbschaft des metaphyÄischen Uebels** sie nicht ganz über- 

gtheo tu dürfen. Ich werde mich daher zuerst über den Begriff der Materie, 

wie wir ihn am deutlichsten bei Aristoteles gezeichnet finden, als passiver 

Stoff, Grundlage aller Veränderungen, ausbreiten, hierauf die KanVsche — 

djDamischa — Anpassung derselheiij als das Bewegliche mit bewegender 

Kraft, besprechen j and schliesslich die meehanisclie, enger atomististiie, 

Aoscbanung erOrtern, 



,J Herbatt J. F. Allgemeine Metapliyaik L W. TU p, im> 



L 

In der antiken Philosophie war es die Thatsache der Veränderung, 
welche veranlasste, den Begriff der Materie za bilden. Wohin der Mensch 
seinen Blick wenden wollte, überall stellte die Natur das Schauspiel der 
Veränderung, des Ueberganges eines Dinges in ein anderes, der Umwand- 
lung und des Wechsels dar. Nothwendig heftet sich nicht bloss an das 
Frühere, welches thatsächlich schon nicht mehr ist, sondern auch an das 
. Gegenwärtige, weil ihm derselbe Wechsel bevorsteht, von Seiten des Auf- 
fassenden das Nichtsein, d. h. er kann weder von dem, was aus einem 
anderen geworden, noch von dem, was zu einem andern wird, sagen, dass 
es sei. Ueberall zeigt sich das Gegebene in einer Reihe, in welcher jedes 
Glied auf Früheres und Späteres hinweist, so dass die Auffassung in Kei- 
nem ruhen kann. Weil aber doch vielfach Reihen von einem und dem- 
selben ausgehen, auch vielfach solche Reihen in dieses eine zurücklaufen, 
so wird einem Ersten das Sein geliehen, und der Unterschied zwischen 
ihm und den wechselnden Gliedern der Reihe der sinnlichen Bilder, der 
Dinge, der Erscheinungen, durch den Begriff des Elementes bezeichnet. 
Aus diesem Einen und Ersten werden die Dinge, in dieses gehen sie 
wieder zurück, so dass, während sein Wesen bleibt, es nur in den Zu- 
ständen sich ändert, und hierin die Reihen der Dinge durchläuft.^) Damit 
drängt sich aber nothwendig die Folgerung auf, vom Elemente könne jede 
Beschaffenheit mit gleichem Rechte ausgesagt werden, die eine ist ihm 
ebenso zufällig als die andere, die eine kann ebensogut wie die andere 
für die wahre gehalten werden. Um diesem Widerstreite im Begriffe des 
Elementes zu entgehen, wird dasselbe als Unbestimmtes, als weder das 
eine noch das andere seiend, aber alles sein könnend, und in diesem Sinne 
als Unendliches gedacht. Der Begriff des Elementes gieng über in den des 
reinen Stoffes, eines solchen Etwas, „das noch daraufwartet, was 
aus ihm werden sollte^^^) Das ist die Bedeutung des in der Philosophie 
zu grosser Berühmtheit gekommenen äxu^ov des Anaximander, dem Sim- 
plicius') und Diogenes Laertius^) den Sinn des Unbestimmten, des Be- 
stimmungslosen, des in keiner concreten sinnlichen Beschaffenheit zu Fas- 
senden geben, und welches Aristoteles^) als das Unbestimmte, aber un- 
endlich Bestimmbare und insofern Unendliche beschreibt. Die Frage, wie 

') Aristoteles, Metaph. I. 3. 

*) Herbart J. F. Lehrbuch zur Einleitung in d. Philosophie. W. I. p. 196 

») Simplic. in Phys. f. 6, u. f, 32. 

*) Diogen« Laert. II. !• 

^) Aristot. Phys. m. 4. 






djtat^fiw zuv ersten Bestimmtheit gekommen sei, machte sich für Ana- 
liniander tilcht fühlbar, da er es eben nur als d^xVf als Anfaogsglied, he- 
chtete. Diese Frage stellte sich erst Heraklit, und er beantwortete sie 
it, da88 er daH Werden selbst als die Qualität des Stoffes beÄeichuete, 
dad Werden selbst urai>riin glich und absolut setzte. Dadurch hatte er aber 
eQgegeben, dass der Begriff des Veränderlichen durch widersprechende 
Beisiri : en gedacht werden müsse, nicht anders gedacht werden könne. 
>er r und strenge JSinn iler Eleaten war es, der den Druck dieser 

idenspröche nicht «tt ertragen vermochte, Sie gaben daher lieber die 
nz«? Erfahrung preis^ alf^ dass sie auf die strenge Conseqnenz ihres 
ükenK verzichteten. Sie liessen die ganze Siniienwelt nur als Gegen- 
i»d Am Meinens gelten, ^,der nur der Sprache zum Spiel, zu einer 
hniurkvri^hnr Dichtini^ diViuMi kriniip/") Den Druck dieser Widersprüche 
Hegtriffe de.s Ver?inflerli*'hen liUilte noch t^benso lebhnft Platoii, Auch 
,ni sind die sinnlichen Dinge uirht das Seiende, weil sie veränderlich 
d; nur die Ideen sind. Doch vermochfe Piaton nicht so weit wie die 
eaten ssu gehen. Wenn ihm auch die sinTdiclieti Dinge nicht das Setende 
d, so sind sie ihm doch aucti nicht (^in völliges Nichts, sondern sie 
lieo zwischen dem Nichts und dem Seienden in der Mitte; von ihnen 
weder bestimmt gedacht und gesagt werten, das sie sind, noch auch, 
sie nicht sind; von ihnen kann es daher auch nur eine Erkenntnis 
g«beii, in welcher Wissen und Nichtwissen verbunden ist, und diese ist 
die Meinung. Platou wusste wohl dass aus den Ideen allein die vorhan- 
dene Welt des Werdens nicht zu erklären sei. Er musste daher zu dem 
Intelligiblen und dem Sichtbaren, von denen jenes das Vorbild ist und 
^hch immer auf gleiche Weise verhält, dieses aber eine Nachahmung des 
^^orbtldes, das Werdende, noch ein Drittes hinzunehmen, eine unsichtbare 
^md gestaltlose Gattung» die alles aufnimmt und auf unbegreifliche Weise 
^B dem Intelligiblen Theil hat und schwer zu fassen ist ^} Die Nachbilder 
^■er Ideen setzen etwas voraus» was nach einem Vorbilde gebildet werden 
^Bann; dieses muss im Verhältnisse zu der auszuprägenden Form eine un^ 
geformte Hasse, ohne Gestalt und Qualität, aber doch so sein, dass es 
alte Qualitäten annehmen, ihnen Ort und Raum gewähren d, h. sie nach- 
bilden kann* Darum greift er auf das dstät^ov des Anaximander oder ge- 
BÄöer das Unbegränzte der Pj^thagoräer zurück, bezeichnet es aber aus- 
dr&cklich als $4 ^^ und spricht doch von ihm wie von einem ov, 

RWenn auch Piaton die Bezeichnung r*^«?^ das spätere Materie, nicht 
isdrücklich gebraucht, so liegen doch daiun die Hauptmerkmale derselben, 
ir ist strenge das ßjj *>* festzuhalten; lägst ei* nämUch die sichtbaren 
achbilder der Ideen nicht fUr wahrhaft seiend gelten, so kanu das, was 
die blosse Möglichkeit dieser Nachbilder repräsentiert, noch viel weniger 
wahrhaft sein. Diese Materie ist ausser und neben den Ideen vorhanden ; 



f) Fflittbom, Beitrftge ettr Geicbichte der Pliiloaoplüe VI, it v. 02. 
') Platou, Timaent. 



8 

dieselben werden darin (iv 4^) nnr nachgebildet dnrch die Gottheit; sie 
ist also gleichbedeutend mit Raum.^) Wie aber dieses stattfinden solle, 
gibt Piaton nicht an; darüber darf man überhaupt Piaton nicht fragen, 
denn hier macht er sein Wort zur Wahrheit, dass er wie ein Träumender 
spreche. Mit Recht bemerkt darüber Aristoteles schon, dass die Platonische 
Ideenlehre für die Naturwissenschaft gar keine Bedeutung habe, weil jede 
Gausalität von vornherein ausgeschlossen ist; ,,Die Ideen sind weder der 
Bewegung, noch der Veränderung, noch der Existenz der Dinge Ursache."^) 
Die Naturphilosophie Piatons, wenn man überhaupt von einer solchen 
sprechen darf, ist Teleologie; die Naturbetrachtung kann nur fragen, auf 
welche Vorbilder weisen die Nachbilder hin, und worin und wie weit ist 
die Nachbildung gelungen? Die Welt mit ihrem Wechsel und ihren Be- 
wegungen hat ihre ideelle Ursächlichkeit und ihr reales Ziel durchgängig 
in den intellectuellen Formen, welche bei der Nachbildung dem Schöpfer 
vorschwebten. Auch Siebeck*) bemerkt: Obgleich Piaton auf eine causa 
efificiens ausgeht, bringt er es doch nur zu einer Art causa formalis. Was 
diese Teleologie von rein physikalischer Betrachtung in sich aufnimmt, wird 
als untergeordnet und mit einer gewissen Geringschätzung auf den Ur- 
stoff mit der ihm wesentlichen Veränderlichkeit zurückgeführt (diese soll 
den Mangel aller Gausalität ersetzen), oder auch in einer der vorplatoni- 
schen Philosophie ähnlichen Weise abgehandelt, zum Zeichen, dass alle 
abstracten idealen Vorstellungen der Realität der Naturverhältnisse nicht 
entsprechen.^) 

Während die Eleaten und Piaton durch die logische Strenge ihres 
Denkens von der Welt des Veränderlichen ganz abgelenkt worden waren ; 
während die Eleaten diese als ein Nichtseiendes ganz und gar verwarfen, 
und Piaton von derselben nach seinem eigenen Geständnis nur wie ein 
Träumender sprach: war Aristoteles, angeregt durch die grosse Menge 
naturhistorischer Erfahrungen, die er sich auf seinen Reisen erworben 
hatte, wieder zu einer eigentlichen Naturbetrachtung zurückgekehrt. Er 
fühlte auch nicht mehr so gewaltig den Druck der Widersprüche, welche 
in der Veränderung liegen, und welche eben die Eleaten und Piaton in 
jene idealistißche Richtnng hineingetrieben hatten. Doch konnte er den 
Schüler Piatons nicht verleugnen. Er war wie Piaton überzeugt, dass es 
ein Wissen nur vom Seienden d. i. vom unveränderlich Seienden geben 
könne; dass es auch feste Regeln und Gesetze der Veränderungen und 
des Geschehens gebe, von denen ein Wissen möglich sei, wurde von ihm 
gänzlich verkannt. Er war im logischen Formalismus, welcher Piaton zu 
seiner Ideenlehre gefühi*t hatte, noch tiefer als Piaton selbst. Er liess 
sich verleiten zu dem Glauben, vermittelst der Logik sämmtliche Fragen 
und Proble me der Philosophie lösen zu können. 

Siebeck H. Untersnchangen zur Philosophie der Griechen, 1873, p* 107. 

«) Ibid. p. 111. 

*) Aristot. Metaph. I. 9. 

^) Siebeck H. üntersnchnngen z. Philos. der Griechen, 1878, p. 111. 

*) Strümpell L. Geschichte der griechischen Philosophie, 1864, I. p. 146. 



Pas Äeigt sich auch ganz fleiitlich beim Begriffe der Materie. Auch 

är Arii^toieles iftt die Veränderung, *iV^ff<^, die Bewtjgutig, die Vei anlas- 

utig zur Bildung des Begriffes der Materie, Die Veränderung, die Bews- 

'■^'- ^ r eine Thalgache der Erfahruaof, die nicht bezweifelt werden kann. 

rung ist der Uebergang von einem Gegensätze zum anderen, ein 

i der Merkmale, Weil »ie nicht beharren, küimen ßie das Seiende 

ujcjii ^ein. Die EnMehung des einen Gegenlheiles aus dem andern wlirde 

Mbior anmoglieh «ein, wenn der Verändernng nicht ein Etwa» zu Grunde 

lign, da$ sich vei^ändert, ein Etwa», an welchem die tiaalitäten wechseln, 

w*-lrhe» dil-iielhen bald annuimmt, bald abwirft. Das allen Veränderungen 

und Allem Wechsel der t^ualitäten m Öniride Liegende, v^oxtCfitvot^ ist die 

Mftterie; sie ist die Trägerin, suUstantia, derselben. Ohne eine Materie, 

m-«lcJie allen Verjlnderungen xu Grunde liegt, würde die Veränderung selbst 

mniigljel) sein, da dann daK Niclitflilssige flüssig, das Nichtfe^te fest wer* 

den wtrde. Wird aber dem Werden ein Substrat, die Materie, vorausee- 

j*elj|t^ 80 kunne sie übergehen aus einem Zustande in den andern, aus dem 

Blchl flhsiKifren in den flilssigen. Durch die Materie als das tfjroMti^iviv will 

iJ^o Aristoteles den Widersi>ruch im Begriffe der Veränderung heben, der 

eulÄtehen würde^ wenn Veränderungen stattfinden soUen, ohne etwas, das 

mch lodert. Das Ungelehrte kann nicht das Gelehrte werden, wohl aber 

itaiin ein Mansch, der zuerst iiugelehrt war, ein gelehrter werden. Die 

Materie muss daher als Grundlage, als Substrat aller Veränderungen, wenn 

denkbar sein sollen^ angenommen weiden. 

Sind aber die gegebenen Merkmale der Dinge alle das Wechselnde, 
nQgitii aie dem Beharrenden an sich abgesprochen werden ; dieses kanu 
daher keine« von den gegebenen Merkmalen an sich haben d. b. die Ma- 
terie iBt als ein durchaus unbestimmtes (dMn^of)^ ala das eigenschaftslose 
Sein m fasten. Daraus geht aber hervor, dass eine eigentliche Definition 
?Ofi ihr sich nicht geben lässt, so dass sie also an sich unbestimmbar nnd 
^Knerkennbar bleibt^) ; es passt somit die ovsta im strengen Sinne des 
^Bl^oi'tes Jiicht auf sie, obgleich ihr doch andererseits das Sein nicht völlig 
^Bbfeeproehen werden kann, Hieduich unterscheidet sie sich von der blossen 
§td0tf4i4^ die ein Mangel und Bohlen dessen, was sein sollte, ein Nichtsei- 
eüded an iicb, ist und auch nicht einen urspriinglichen, sondern einen ab- 
gefeileleu erst unter den Beschaffenheiten auftretenden Gegensatz gegen die 
Hi4 und das daiait zusammenhängende wesentliche Merkmal ausdriickt*') 
^Mbui gewinnt eine Ansicht von ihr nach Analogie, indem sie wie das Me* 
^^kll zur Statue und das Holz zum .Stulü, so sich als das jeder bestimmten 
^^vomi und individuellen Existenz gegenüljerstehende Form- und Individu- 
^Hlititsloee verhält/') Sie steht den übrigen Ursachen als das gegen Über ^ was 
^Hefiselbeii die Möglichkeit und Gelegenheit zu wirken darbietet, sie ist das, 
I^Wai aü sieb und in Wirklichkeit noch kein t6di n, kein ^&(oV, kein ^aaoV 

>) Arfflot. Metaph, VU. 10, IS. 
«) Arittot. Fbji, I. fi. 



aal 




10 

etc. ist, aber ein solches werden kann ; sie ist die mögliche Körperlichkeit 
rait allen möglichen damit zusammenhängenden Prädikaten. Die Materie ist 
noch kein Körper, hat noch keine Eigenschaft, keine Grösse, ist noch kein 
hier und dort im Räume Befindliches oder Bewegtes, sondern „das reale 
Mögliche, welches jedes Genannte der Art und sein Entgegengesetztes als 
Möglichkeit enthält, der InbegriflF jener erst noch auf die Kräfte warten- 
den Vermögen, welche von denselben in Wirklichkeit übergeführt werden. "M 
Sie ist das dwäfici 6y, 

Erst durch das Hinzutreten der Form wird eine ovöia, ein bestimmtes 
einzelnes Ding, und aus dem Wechsel der Formen an der Materie erkennen 
wir die Veränderung. Der einem bestimmten Dinge, ßvvoAov, zukommende 
Stoff wird aber von Aristoteles unterschieden vom obigen allgemeinen Be- 
griffe der Materie ; jener heisst abgeleitete Materie, während diese als erste 
Materie bezeichnet wird. Aber weder die erste noch die abgeleitete Materie 
ist an sich ; nur im Gegensatze zur Form kann man sie erfassen : jene als 
das Substrat aller Veränderungen, diese als eines der Principien oder Ur- 
sachen der natürlichen Dinge. Als Gestaltung und Formierung der Materie, 
als Einbildung einer Form in das materielle Substrat muss dann die Ver- 
änderung angesehen werden. Die Materie ist somit selbst nur eine, wenn 
auch die erste Bedingung aller Veränderungen, das Substrat derselben, 
aber nur neben der Form, dem Zwecke und der bewegenden Ursache. Da 
wir nur aus der Veränderung auf die Materie schliessen, so wird sie in 
der Natur immer im Gegensatze zur Form, dem Zwecke und der bewegen- 
den Kraft gedacht. Nirgends in der Natur ist die Veine Materie gegeben, 
da sie eben nur mit den drei anderen Principien schon verbunden existiert ; 
von diesen muss man absehen, am die Materie als blosse Grundlage der 
Veränderungen aufzufassen. Die Materie ist also nur ein Gegenstand des 
Gedankens, „eine einseitige und unwirkliche Abstraction,"*) und enthält ei- 
nerseits eine Verneinung, nämlich den Mangel an Form, Ordnung und Be- 
wegung, andererseits das Vermögen, die Potenz, die Dynamis, jene Bestim- 
mungen zu empfangen und zu tragen. Die erste Materie bei Aristoteles ist, 
wie Hobbes") sagt, nichts als ein blosser Name, welcher den Körper über- 
haupt bedeutet, ganz abgesehen von jeder Form und jedem Accidens ausser 
der Grösse, also nur mit der Fähigkeit, eine Form oder Accidens in sich 
aufzunehmen. Nur durch den Gegensatz zur Form gelangt der Begriff der 
Materie zur vollen Klarheit; sie ist dasjenige, zu welchem die Form hin- 
zukommen kann. Somit wird alles als Materie gedacht, was Gegenstand 
der Bethätigung (Meyna) eines gestaltenden Princips ist. Am besten tritt 
dieses Verhältnis durch die Vergleichung mit der Kunst hervor; wie sich 
der Mamor zur Bildsäule, so soll sich die Materie zur Form verhalten. Es 
tritt da deutlich zu Tage, dass dieser Begriff der Materie durch eine Mo- 
difieation des Allgemeinen zu Stande kam. Auch das Allgemeine wird als 

' ) Strümpell L. Geschichte der griechi'Bchen Philosophie. 18B4. I. p. 286, 
*) Schaller J. Geschichte der Naturphilosophie, 1841. I. p. 68. 
') Hobbes, de corpore, philosoph. prim>a, e, VIII. 



u 



lAibMtb&mtefi gedacht Dieses ist tmd ist auch nicht ; es ist, iaiorern es 
eioero andern Genus gegeaül)ei durch seinen Inlialt ©ia bestimmte b Unter- 
schiddUcbes ist; es ist nicht, insofern es durch Hinzufagung speciflscher 
Differenzen innerhalb einer ihm zagehörigen Sphäre ei'Bt zu einem Bestimm* 
ttti istird* Ebenso verhält sich die Materie im individaellen Dinge, Auch 
die Materie in diesem ist und ist nicht ; auch sie ist ein Unbestimmtes^ das 
erst durch die Form 2U einem Bestimmten wird ; auch sie hat ihre Sphäre 
der Bestimmbarkeit; sie ist ein «r« o% aber xaia ^tf^jtßißt^ttoi^) 

Der Gegensatz zwischen Materie und Form ist ein fltessender; Was 
in einer Beziehung Stoff ist, ist in anderer Beziehung Form ; das Roh* 
materiale selbst ist immer wieder geformt. Von diesem Standpunkte ans 
stell i sieh die GesammtUeit alles Daseienden, dem logischen Verhältnisse 
der Ueber- und Unterordnung entsprechend, als eine Stufenleiter dar, deren 
unierste Stufe eine erste Materie, ein schlechthin Formloses ist, das auf 
den weiteren Sprossen der Leiter Befindliche in der einen Hinsicht Materie, 
\n der anderen Form ist. Versucht man aber tliatsächlirh, den Rlickgang 
m rationeller Weise anszufiihren, so wird sich sofort zeigen, dass alles, 
was man als Stoff sich vorstellt, schon vermöge dei' Art der Vorstellung 
irgend eine Form au sich trägt, und dass, soweit man auch zurückgehen 
maf , das absolut Formlose doch nie erreicht werde. 

Das Uebergehen des Möglichen in am Wirküclie, der dvvußt^^ in die 
iwifY$ta bedarf eines äusseren Anstosses^ einer bewegenden Ursache. Denn 
die Veränderung ist nicht denkbar ohne Bewegung, welche Aristoteles 
definiert als die Wirklich wer dang des Möglichen, ohne dass das Mögliche 
«ctan als absolviert zu betrachten wäre *j Die ^^, sofern sie die unbe- 
sltminte Möglichkeit zu Allem ist, kann, diesem Begi-iffe nach, wohl bewegt 
werdeuj almr niclit sich selbst bewegen. 'j Denn jede Bewegung setzt ejuen 
.Anfang und damit eine dem Gebiete der blossen Möglichkeit enthobene 
Biatimmtheit voraus; andererseits kann die Mateiie nicht geworden sein, 
Hnil ^ie niclit nur durch etwas (*Uo K^of), sondern aucli aus etwas (e* t*voc} 
geworden sein müsstej mithin eine Alaterie der Materie voraussetzen würde/) 
Die Materie vergeht auch nicht, ausser iunerlialb der Reihe ihrer schon 
verwirklichten Gt-gensätze, von denen der eine in den andern iibergehtj 
&ls4i nur als Materie, wie sie an den einzelnen Dingen und schon in Ver- 
[ biiiduiig mit der Form oder einer der Ursachen Überhaupt ist^) Fenkt 
man »ie sich von den letzteren getrennt, obgleich sie dies lUs sinnliche 
Uaterie nicht ist, so mnss man ihr ein Uebt^rgehen und Fortschreiten in 
die Reihen ihrer Möglichkeiten als eigenthilmliciie Natur^ die Wandelbar- 
keit als ihr zugehörig beilegen^ und in dieser Hinsicht ist sie das Princip 
eines eigenen rein natürlichen Prozesses* Die Glieder oder einzelnen Um- 
wandlungen in diesem Prozess — von Aristoteles Elemente genannt — 

I ») Arifliot* Pliyi. h ö, 

i ») AiiJtüt Metaph. XL 0. 

«) ArlstoU Metaph, I. 3. 

<) AriBt0t> Pbys, I, 0, 
I *) IMdem I* 9, 



13 

worden zwar keines der sinnlichen Dinge d. i. bestimmte mit individueller 
Form versehene, also concrete Realitäten (eine einzelne Pflanze, ein ein- 
zelnes Thier) ergeben; doch würde dieser Prozess, da er die Folge des 
von seiner eigenen inneren Möglichkeit vorgezeichneten Weges ist, sich 
durch alle concreten Dinge hindurchziehen und eben das ausmachen, was 
wir als natürliche materielle Seite bezeichnen. 

Da somit der Materie als solcher die Umwandlung zukommt, so ist 
sie sowohl die Ursache der Gegensätze, mit denen jedes Ding behaftet ist, 
wie auch der Vielheit und materiellen Mannigfaltigkeit. Die Materie gilt 
also als das pluralisierende und individualisierende Princip in der Natur, 
dem gegenüber die Form als Princip der Einheit steht. ^) Da aber die 
Gegensätze wechseln, so kann auch das sinnliche Ding nicht in seinen 
Zuständen beharren, sondern möglicher Weise auch anders erscheinen. Die 
Materie ist daher auch die Ursache des Zufälligen und überhaupt der un- 
bestimmten und undefinirbaren Natur der Dinge.') Trotz dieser Wandel- 
barkeit kann aber die Materie doch nur das Mögliche, und auch dieses 
nur in der durch die Gegensätze bestimmten Weise durchlaufen; sie ist 
daher nicht blos das in der Succession einander Folgende, sondern seinem 
Vermögen nach thätige und leidende Mögliche, welches ausserdem zu den 
Formen in einem unabänderlichen Verhältnisse steht; es kommt ihr daher 
auch der Charakter des (äusserlich) Nothweudigen zu, und sie ist selbst 
der Grund des Nothweudigen.^) Der Begriff der Materie ist somit bei 
Aristoteles in einem viel umfassenderen Sinne gebraucht, als in der neueren 
Philosophie. 

Da die Materie, als das rein Potenzielle, sich nicht selbst bewegen 
kann, so ist ein Beweger nothwendig, der aber, wie Aristoteles nachweist, 
selbst unbewegt sein muss,^) d. i. ein Zweck, denn nur dieser bewegt, 
ohne bewegt zu sein. Das unbewegte Ziel bewegt, weil es ist, was das 
Strebende und Begehrende nicht ist, sondern wird. Der Zweck ist eine 
vollendete Wirklichkeit als Ursache der Bewegung; nicht bloss eine Vor- 
stellung von einer vollendeten Wirklichkeit, sondern diese selbst ; daraus 
folgt, dass sie existiert, ist. Erste, selbst unbewegte Ursache der Bewe- 
gung in der Materie ist Gott oder das Absolute, und zwar durch das, was 
es ist, nämlich der sich selbst denkende vernünftige Geist. Als solcher 
äussert es eine Anziehungskraft auf die Materie, da es der Zweck 
von Allem ist und in ihr dadurch das Streben nach dem Ziele hervorbringt. 

Darin tritt der Unterschied zwischen Aristoteles und Piaton ganz 
deutlich hervor. Während Piaton die Ideen in völliger Abgeschiedenheit 
von dem fui ov dachte, daher weder in der Materie noch in den Ideen eine 
Ursache der Weltbildung, also auch nicht einer zweckmässigen, annehmen 
konnte, weil seine Ideen keine bewegenden Ursachen sind, fasst Aristoteles 



») Aristot. Metaph. VII. 8. 
«) Ibid. VI. 2. 
') Ariatot. Phys. II. 9. 
Arißtot. Phys. Vm. 5. 



18 







Seiende der Welt sofort als seiner Natur nach Wirkendes* Die ov&iü 

auf ein Seieridtjs zn sein, s^ie wird ein Tliätiges. Ädstoteles setzt also 
ia die Materie, tlieila unlöslich mit ihr verbunden, tlieils von ihr geson- 
dert, eine unbestimmte Anzahl realer Vermögen oder Kräfte, d. h. nicht 
Weisen, die Vermögen und Kräfte haben^ sondern Vermögen und Kräfte 
»elhat sind, seine Weltansicht uähert sieh dadurch sehr der dynamischen.' } 

Der Begriff der Veränderung war es, der Aristotoles auf den Gegen- 

z wischen Materie und Form, auf den Unterschied zwischen dem Mög- 
,eü und WirkUchea geflUirt hatte; freilich gilt derselbe nur für das 
Denken, da die Veränderung selbst von Wirklichem in Wirkliches vor sich 
geht. Dm Denken kann in dem früheren Wirklichen ein späteres Mögliches 
erblicken und so das eine aliä die Möglichkeit des anderen auffassen. In 
diesem Sinne ist immer, ehe etwas in die Wirklichkeit eintritt, vorher eine 
üi> " ' ' it vorhanden, welche aber als solche nur eine subjektive AnnaUme 
ist i»e besiteht aus einer Summe von Realitäten, die erst fllr das 

xusammenfassende Denken die Beziehung auf das sich aus ihnen ergebende 
neae W- irkliche erhält. Demnach „erscheint jeder Stoff, verglichen mit dem, 
was aus ilmi werden kann, als ein unreifes Ding^ das auf eine Ergänzung 
? 3t, mit welcher verbunden es die volle Wirklichkeit erst erlangen 

.^*] Da aber fllr Ailstoteles die logische Verdeutlichung des Begriffes 
er realen Gliedernng seines Inhaltes entspricht^ so muas auch in der ob- 
ektiven Welt zwischen Wirklichkeit und Möglichkeit unterschieden wer- 
den, und diese Möglichkeit, real gedacht, ist dem Aristoteles die Materie, 
verallgemeinerte also das ens in potentia und erhob es zum Range der 

rie* Dadnreh setzte er das Mögliche, das an sich nichts W^ii^kliches 
üt, ab eine Art Wirkliches voraus, welches nur noch auf Besimmnngen 

et, um es zu einem im wirklichen Sinne Wirklichen zu machen. Der 

tiubjektive Oegritf des der Möglichkeit nach Seienden ist zu einem 
objektiven gemacht und in die Dinge selbst hinein verlegt worden. Zwar 
Aristoteles die richtige Ansicht^ dass die Wirklichkeit sowohl dem 
höe und dem Wesen als auch der Zeit nach früher sei, als die Mög- 
keit; aber da ihm der Begriff der Svyafug zwischen denen der Kraft 
ttnil der Möglichkeit schwankte, so verkannte er den durchaus subjektiven 
Charakter des ^a^aßt* Sr^ und seine richtige Einsieht blieb ohne Consequenz. 
l)adurch dass das ^vpixutt 6v zu einem objektiven Factor im Reiche des 
Geschehens erhoben wurde, construierte sich eine Reihe von Möglichen 

Wirklichen in steter Aufeinanderfolge, eine Reihe, die nnendlich ist 

nämlich im Denken — aber nicht unendlich sein darf — in der objek* 

tiven Welt — > weil sich sonst die vorhandene Wirklichkeit nicht hegrei- 

Ilesse, und der Begriff einer realen wirkenden Ursache die Annahme 
er Unendlichkeit der Causalitätsreihe verbietet, wie Aristoteles selbst 
oacbweist.^) 



*) Ariit^t. Metftph. XL 6. 

•) Herbftrt h F. ÄllgemeiDe Metapfayaik L W. IIL p. 79. 

■) Ariitot. MgUpli. U. 2. 



14 

War für Piaton die Materie das Nichtseiende, für Aristoteles das 
noch nicht Seiende, das aber nur auf die Form wartet^ um diese Bezeich- 
nung zu verdienen, so war sie fttr die Stoiker schon das absolut Seiende 
geworden. War von Aristoteles der Dualismus von Materie und Form noch 
strenge festgehalten, die Form als das zur Materie Hinzukommende 
angesehen worden, so war er bei den Stoikern schon ganz verschwunden; 
nur verschiedene Auffassungen eines und desselben Principes seien sie. 

IL 

Im Gegensatze gegen Aristoteles, dem die Materie der eigenschafts- 
lose Stoff ist, ein völlig passives Sein, das alle Veränderungen, Eigen- 
schaften und Bestimmungen durch eine Bewegung von aussen erst em- 
pfängt, dem somit die Materie der bewegliche Stoff ohne bewegende 
Kraft ist, finden wir von Kant eine Ansicht eingeführt — als dynamische 
wird sie gewöhnlich bezeichnet — , welche, kurz gefasst, dadurch von der 
aristotelischen geschieden ist, dass nach ihr die Materie als das Beweg- 
liche mit bewegender Kraft auf gefasst wird. Nach Kant ist die Be- 
wegung der Materie eine Eigenschaft, die zu ihrem Wesen gehört, die 
ihr immanent ist. 

Der Begriff der Materie ist nach Kant kein apriorischer, sondern 
ein durch die äussere Erfahrung gegebener. Im Gegensatze gegen die 
antike Naturphilosophie, von welcher der Begriff der Materie von der Thatsache 
der Veränderung aus gebildet wurde, geht die neuere in der Bildung dieses 
Begriffes von der Dualität der inneren und äusseren Erfahrung aus und 
bezieht den Begriff der Materie auf das äussere, im Räume Seiende. Die 
Materie ist ein durch die äussere Erfahrung gegebener Begriff, ein Et- 
was, „das Gegenstand äusserer Sinne" ^) ist, das äusserlich Wahrnehm- 
bare, das im Räume ausgedehnte Sein. Da aber die äusseren Sinne nur 
durch Bewegung afficiert werden*), so ist nach Kant Bewegung Grundbe- 
stimmung der Materie; die Materie ist somit „das Bewegliche im Räume');; 
auf Bewegungen sind auch alle übrigen an der Materie wahrnehmbaren 
Beschaffenheiten reducierbar*), sie ist daher „das Bewegliche, welches den 
Raum erfüllt."*) Einen Raum erfüllen heisst aber, sagt Kant, allem Be- 
weglichen widerstehen, das durch seine Bewegung in einen gewissen Raum 
einzudringen strebt, seine Bewegung durch eine entgegengesetzte Bewe- 
gung aufheben. Da nun jeder Widerstand eine Widerstandskraft, jede Be- 
wegung eine bewegende Kraft voraussetzt, so kann die Materie den Raum 
„nicht durch ihre blosse Existenz, sondern nur durch eine bewegende Kraft" ^) 

') Kant J. Metaphisische Anfangsgründe der Naturwissenschaft, 1786. Werke, VIII, 
p. 456. 

«) Ibid* p. 452. 
3) Ibid. p. 45S. 
*) Ibid. p. 452. 
*) Ibid. p. 477. 
•) Ibii p. 478. 



IS 



■rill 



len, Wüdarch sie dem Eindringen m ilueu Raum widersteht. Dies« 

I ä^sert «ich als eine ziiiiiekstüssende. Die Materie erfüllt ihren Rauin 

ddrcli ZuröckstüSiSUDgs- oder Äaüdelinuiigskraffe (Repul^iv- oder Expansiv- 

kmfl) »Her ihrer Theile, und darauf bei^uht die urspriingUche (expansive) 

lastizttät d*^r Materie, Vermute dieser GnunlkrHrt kann zwar die Materie 

engbedruckt, ja bis ins Unendlieti« d* i. Unbestiminte zusammenge^ 

Irlekt, aber nie von einer anderen Materie dnrchd rangen werden, wenn 

dii* Kraft derselben nodi 80 gross wäre.^) Das Vülumen eines gege- 

n Kt'irpers kann Boniit durch den Druck eines anderen ins Unbestimmte 

#*rniindert, abf^r niemals f^ans? aufgehoben werden; die Undurchdringlichkeit 

rr Materie beruht daher auf ihrer Expansivkraft und haftet nicht an 

,mr blassen Existenz als eine qualita^ oceulta. In derselben Kraft ist es 

.Äcli begründet, (la.ss jeder Theil der Materie sich soweit ausdehnt, bis er 

tirch den Widerstand eines andeien daran verhindert wird^ so dasa es 

ie Ewiscben zwei Tht^ilen der Itaterie üineu Rau^n geben kann, in dem 

ich nicht Materie ausgedehnt Iiätte, d, h. dass es keinen leeren Raum 

eb€»n kann* Jedei- Theil *ler Materie ist wieder materiell ; dieselbe kann 

ah**r nie in ihre kleinsten Theile zerlegt werden, sondern sie ist ins Un- 

indiiclie theilbar/'-) In der Anmerkuug 2) zu diesem Lehrsätze^) erwähnt 

zwar die VVidersprikhej welche den Philosophen ,,in ein Gedränge 

hen den Hörnern eines gefährlichen Dilemma" treiben, aber das 

tublem, welches darin sich kundgibt, hat er nicht gelöst* 

Sollte aber durch die ursprüngliche Repulsion aller Theile die Materie 
nicht ins Unendliche zerstreuen, sollte eine bestimmte Haumerfüllung, 
wie sie jedem Kürpei* zukommt, entstehen, so war eine Gegenkraft nöthig. 
muste die Repulstvkraft eingeschränkt werden durch eine der Materie 
tbeiiMO ursprünglich zukommende, jener entgegenwirkende Kraft der At- 
ioD*); nur bei dem Zusammenwirken beider sei Materie möglich* Die 
Repilsivkraft allein gestatte keine begränzte Ausdehnung^ sondern lasse 
aar den leeren Raum übrig wegen der Expansion ins tlnendliche; aber 
ifbenio sei auch bei der Attraetion allein keine bestimmte Raumerfüllung 
glich, d& sie alle Materie in einen mathematischen Punkt zusammen- 
rieben und nur den leeren Raum übrig lassen würde« ^) 

Beide Kräfte sind aber nicht blos ihrer Richtung nach, sondern aneh 
ihrem Wesen nach unter sich verschieden. Die Repulsivkraft wirkt nur, 
wie Kant sagt,*^) in der Berüliruug, sie ist also eine „Flächenkraft" ;^) die 
tiractionskraft aber, auf der die allgemeine Gravitation der Materie be- 
bt , erntreckt sich von jedem Theile der Materie auf jeden anderen un- 
mitielbar wie durch den leereu Raum; sie ist also eine „durchdringende 



wie h 
Be» m\ 



i) Ibid. i>. 466. 

<) Ifeid p. 490. 

V Ibid. p. im. 

*) Ibid. p. 497. 

n Itjid, p. 497, 

V tliid. f. 5Q8. 



16 

Kraft",') deren Wirkung sich durch alle Räume erstreckt, „denn in der 
BerOhrung ist die Repulsivkraft jedes Körpers durch die der anderen be- 
gränzt, ihre Wirkung kann daher nur bis zur Berührungsfläche gehen ; die 
Anziehung dagegen wirkt umgekehrt nur auf das, was ausserhalb des an- 
ziehenden Körpers ist, und die grössere Entfernung kann wohl eine zuneh- 
mende Abschwächung, aber keine Aufhebung dieser Wirkung begründen."«) 

Diese beiden Grundkräfte sind die Bedingung für die Denkbarkeit 
der empirisch gegebenen Materie. Kant hat in der Anmerkung zu Lehr- 
satz 6. der Dynamik^) in einer vollständigen Disjunction alle Fälle er- 
schöpft und dadurch a priori zu beweisen gesucht, dass nur bei der Ver- 
einigung beider Kräfte „eine Darstellung, der Materie" möglich ist, „weil 
überall nur zwei bewegende Kräfte im Räume gedacht werden können, 
die Zurückstossung und Anziehung". Freilich ist dieser Satz nicht selbst- 
verständlich, aber auch nicht oder doch mangelhaft bewiesen.*) — Wenn 
auch beide Kräfte zur „Darstellung der Materie nothwendig" sind, so gibt 
doch Kant der Repulsivkraft eine Priorität, er macht die Undurchdring- 
lichkeit zum „ersten Kennzeichen einer Materie" und fügt dann nachträg- 
träglich die Anziehung „durch Schlüsse" bei. Diese Priorität ist aber, wie 
Stadler zeigt, nur eine erkenntnistheoretische; wenn man auf die Raum- 
beziehung Rücksicht nimmt, in welcher die auf einander wirkenden Materien 
stehen müssen, so zeigt sich, dass die Attraction erst die räumliche Bedin- 
gung schafft, unter der die Repulsion allein wirken kann; da ist also die 
Attraction das Prius. Demnach „offenbart sich das Verhältnis der Be- 
griffe als ein durchaus relatives."*) 

Die Möglichkeit dieser beiden Grundkräfte lässt sich aber weder 
aus einander, noch aus etwas Anderem begreiflich machen. „Sie heissen eben 
darum Grundkräfte, weil sie von keiner anderen abgeleitet d. h. gar nicht 
begriffen werden können."^) Alle Naturphilosophie bestehe nur in der Zu- 
rückführung gegebener Kräfte auf eine geringere Zahl, welche aber nur 
bis zu den Grundkräften fortgehe, worüber unsere Vernunft nicht hinaus 
kann. Auf diese zwei Grundkräfte oder vielmehr auf den Conflikt derselben 
führt Kant eine Reihe von Erscheinungen zurück und setzt in allen diesen 
Beziehungen seine dynamische Naturerklärung der mechanischen, der Ato- 
mistik, gegenüber, ohne aber sich auf die von ihm selbst früher geführte 
Vertheidigung') derselben zu beziehen. 

Kant hält aber immer seinen ursprünglichen Standpunkt fest, der 
Begriff der Materie ist ein empirischer, die Materie ist das Gegebene der 
äusseren Erfahrung, weshalb er auch immer nur auf ihr Gebiet eingeschränkt 

«) Ibid. p. 608. 

*) Zeller E. Geschichte d. deutschen Philosophie seit Leibuitz 1375. p. 380. 
») Kant. J. Met. Anf. d. Naturw. W. VIII. p. 497. 
*) Stadler A., Kant's Theorie der Materie, 1883. p. 92. 
*) Ibid. p. 06. 

«) Kant J. Met. Anf. d. N. W, VIII. p. 499. 

^) Kant J., Metaphysicae cum geometria jnnctae usus in philosophia naturalis 
cujus specimen I. continet monadolog^iam physicam, 1766. Werke. VIII. p. 405. 



17 



^■lili^il)!. Zu einem Begriffe a priori wird er erst ron der Sdielliug'scheii 
^B Naturphilosophie geiDacht. 

^H IHi9 Attfj^abe der Natur t^inloBopUe leitet Schelling aus dem Begriffe 

^MiM WiKgeiJs ab, Älle^ Wissen beruht auf Uebereiiistimmüuj? eines Objek* 

^ftliippfi mit eioem Sabjektivfin; durch die Naturfiliilosotdiie wiJl Sclielling 

^BjeDf» Üebereiußtiminuug nachweisen, indem er ausgeht tüo der Natur, dem 

^■Inliegriffe alles Wobs Objektiven in unserem Wissen, als dem Ersten, und 

^■will zeigettp wie durch Entwicklung der Natur ein Subjekt entsteht, in 

^^Bw^'ichf^m die Natur zrnn Bewusstsein kommt. Er sucht daher auch die 

^■Ittierie aus ßeg^rjfeu a priori zn congtruieren, und beündet sieh ganz im 

^^^Hnfttze m Kant, sofern er nicht wie jener die Materie als gegebene 

^IHKfihe nimmt. Als Princip der Deduction nimmt er eine unendliche 

^■TUätigkeit, absolute Productivität; sie sei das erste Postulat aller Natura* 

^■{»hflosophie. Eine unendliche Pi^oductivität kann sich voilkumraen nur in 

^■iiuein unendlichen Producte darstellen; das ist aber nirgends in der Natur 

^■iforhanden ; dieses bezeichne daher nur das ideale Ziel der unendlichen 

^■■ptigkeit Das unendliche Product ist empirisch nur vorhanden als eine 

^^flnioge Reihe von einzelnen, also endlichen Prodncten, Diese können aus 

^■der absoluten Thätigkeit der Natur nur dadurch entstehen, dass dieselbe 

^■gehemmt oder retardiert wird. Der Grund dieser Hemmung kann aber nur 

^nii ihr mlimi liegen, da ausser ihr nichts ist, was sie hemmen kann* Es 

^Batfiaae daher in der Natur eine ursprüngliche Dualität der Principien ge- 

^■ban, eine accellerierende und eine letardietende Kraft, und alles in der Natur 

^■fst da» Ergebnis entgegengesetzter Thätigkeiten, der Expansion und Con- 

^Blraetlon. So ist auch die Materie das Product entgegengesetzter Actionen^ 

^Blit den Raum erfülleu. So weit stimmt Schelling noch mit Kant ilberein. 

^■Ana 2wei einander entgegengesetzten Thätigkeiten künne aber nichts ent- 

^^tehen (so schloss Schelling weiter)» da sich ihre Wirkungen gegenseitig 

aufbeben. Es müsse daher noch eine dritte Kraft hinzutreten, woduieh 

ent ein im Räume und in der Zeit bestimmtes Product entstehe; diese 

dritt« Kraft i)ewirke erst eine Verbinduag der durch die entgegengesetzten 

Tliätigkeiten erzeugten Producte. Diese dritte Kraft oder diese dritte Ac- 

tJOD Dennt Schelling Schwere. Die Materie wird daher der Schwere 

gleiehgesets^t^ w^as nichts anderes heissen soll, als die Materie ist ein 

Product entgegengesetzter Actionen durch eine dritte sie verbindende 

Kraft — Es iät nichts anderes als die Einführung des von Fichte her- 

rübreudM Oasdtzes der Triplicität der Actionen als höchstes Naturgesetz. — 

m^^ Dia Producte der Natur sind aber nur Scheinprodncte, welche sich 

^Mridder In die unendliche Thätigkeit dar Natur aullösen; nm das uneud- 

^■kh« Producta ihr ideales Ziel, würde ihr entsprechen* Dasselbe ist aber 

^Biii, aondem wird nur in der endlosen Reihe der entstehenden und wieder 

^PTmebwindenden Producte, Diese Producte sind ater die Materie; daher 

tit die Materie nie, sondern wird nur stets, d. h, sie ist der Hemmnngs« 

mstMd der unendlicbeu Thätigkeit. Allerdings ist darin die Wahrheit 

aanstprochep, dass die Materie eiu Producta ein Schein^ ist; die Grund- 



18 

s&tze aber, aus denen die Folgerung gezogen ist, entbehren ganz und gar 
der Wahrheit ; sie enthalten eine Umkehrung der natürlichen Ordnung des 
Denkens, eine Verwechslung des Weges des Erkennens mit dem der Na- 
tur. Denn nie und nimmer kann das Werden speculativ das Erste, das 
Sein das Secundäre sein ; fftr uns, im Erkennen, sind allerdings die Ver- 
änderungen und Thätigkeiten der Dinge das Erste, aber nicht an sich. An 
sich ist immer das Sein das Erste, das den Veränderungen [und Thätig- 
keiten zu Grunde liegt. 

Von Kant her datiert sich also eine ganz eigenthfimliche Auffassung 
der Materie. Wenn auch das System Kants von den Philosophen der ide- 
alistischen Richtung in einer Weise entwickelt worden ist, die gewiss 
nicht im Sinne und in der Idee Kants lag, so lässt sich doch andererseits 
nicht ableugnen, dass im Kant'schen Systeme selber die Keime zu solcher 
Entwicklung lagen; desgleichen liegen auch in der Kant'schen Auffassung 
der Materie die Keime zur Schelling'schen Entwicklung. Kant sucht den 
Begriff der Materie zu constmieren ; das heisst aber (in Anwendung sei- 
ner Grundsätze) nichts anderes, als die Kategorien auf die Materie an- 
wenden. Die Kategorien sind die Principien der Untersuchung, und nur 
dadurch soll diese eine philosophische Gestalt erhalten, dass der Begriff 
der Materie durch alle Kategorien durchgeführt wird. Da in den Katego- 
rien nur die allgemeinen Formen des subjectiven Erkennens liegen, ohne 
wirklichen Inhalt, so ist etwas in der Empfindung Gegebenes nothwendig, 
was durch diese Formen formiert, angeschaut, gedacht, zum allgemeinen 
Objecte gemacht wird. Der empfindbare Gegenstand, dasjenige, was die 
äusseren Sinne afficiert, ist der empirische Begriff der Materie. Durch 
Anwendung der Kategorien auf diesen erhält derselbe Bestimmtheit. — 
Wie aber kommt Kant dazu, Bewegung noch vor Anwendung der Kate- 
gorien für die Grundbestimmung der Materie zu erklären? „Die Katego- 
rien sind daher in der Entwicklung des Begriffes der Materie entschieden 
nur formelle äussere Gesichtspunkte, welche allerdings die subjective Re- 
flexion nach verschiedenen Seiten hin aufmerksam machen mögen, welche 
aber durchaus nicht dazu dienen, den Begriff der Sache .... in wissen- 
schaftlicher Nothwendigkeit zu formieren. ^^) Was soll man erst von jenen 
mythologischen Wesen, Kräften genannt, sagen, welche aus einem ideellen 
Reiche in die Körperwelt eingreifen? Liegt es nicht nahe, von der An- 
nahme, die Kraft sitze in der Materie, erstrecke sich aber über sie hinaus 
in die Weite, fortzuschreiten zur Verwerfung aller factischen Basis der- 
selben? Wenn Kaut selber, der grosse Denker und Philosoph, von seinen 
Principien abweichend, die Grundkräfte als das Wesen, wenn auch nicht 
als das Wesen überhaupt, so doch als das bestimmte Wesen der Materie 
bezeichnet und dieselben als das theilweise definierte, begriffene Ding an 
sich auffasst, ist es da zu wundern, wenn schon Fries die Behandlungs- 
weise umkehrte, Schelling und Hegel sich von Kants Geiste mehr und 
mehr entfernten? Während Kant der mathematischen Construction die 

*} Sohalltr J«, OMobiohtt der Naturpliiloiophie. II. p. 208, 



10 

philosophisch« (iß den Kategorien) immer vorangehen lieai, gibt Friti m* 
erst eine mathematiscbe Construction und überträft diese nnmittelbar auf 
die Mmterie. Die Evolutionstheorie Scheliings und Hegels vollends vermag 
man ^nnr mit der Phantasie zu begreifen, aber nicht mehr mit dem Ver- 
Ktande.*"') Während Kant mit Recht beliauptet hatte, die Materie erfülle 
diJi Raum nicht durch ihre blosse Existenz, soudent durch znrtickstossende 
Krtfle^ und somit die richtige Erkenutnts ausgesiiroclien hatte, dass die 
Begriffe Sabstauz und Räumliches (Absolutes und Relatives) nicht unmit- 
leibar verbunden werden können, glaubt Fries, dass dje Mateiie den 
Ranm zuerst und vor aller ^eiteien Bestimmung, als Masse und als Sub- 
Staus einnehme. Könnte er dieses Einnehmeu erklären, so könnten wir 
ibm Recht geben; „aber wie sein Vortrag die Sache darstellt, thut er 
Wer bloss einen Rückschritt, indem er den gemeinen, an sich widerspre* 
iheodeu Erfahi ungsbegriff der Materie ohne Verbesserung wieder herbei- 
ffthri.*'') Kant hatte erkannt, dass es sich hier um ein Problem handle, 
und hatte sich redlich bemüht, dieses Problem zu lösen^ wenn es ihm auch 
nicht vollständig gelungen ist. Fries aber blieb bei dem empirischen Be- 
griffe; ^und der Grund liegt in einer falschen Psychologie, die sich von 
dem Vomrtheil nicht trennen will: der Raum sei nur für uns die Form 

Ider Erscheinung der Aussenwelt.**^) War nun Fries schon so weit von 
Kant Abgewichen, wie kann es überraschen^ vvt^im der phantasie volle 
äcbetling alles Substrat verliert und „von dem Fichte^schen Gedanken ge- 
leitet, dat^s das Seiende ein Tliun und Wollen sei, sowohl die Natur als 
daa Bewusstsein bloss als dynamischen Prozess zu construiren suchte ^*) 
Für die malliematiscbe Physik freilich war diese Anschauung äusserst 
Vürlnckeud ; war doch damit die Möglichkeit eröffnet, die Probleme, welche 
sich von der Materie darboten, auf rein mathematischem Wege zu lösen . 
Die mathematische Physik hatte auch nicht weiter das Bedürfnis^ daher 
attcfa nicht die Aufgabe^ auf das im Begriffe der Materie liegende Problem 
O&lier einzugehen; das ist Sache der Philosophen. Und wenn ein so her- 
vorrmgender Philosoph wie Kant die Behauptung aussprach, „dass in jeder 
beioiideren Naturlehre nur so viel eigentliche Wissenschaft angeiroffen 

fwtfrdeii könne, ak Mathematik darin anzutreffeü ist^^), so hat der Phy* 
siker um so weniger Veranlassung^ dem z\i widersprechen Es wui^de aber 
dabei ganz übersehen, dass Kant zwar seinen Prineipien gemäss auf ma- 
thematische Construction dringt, aber dieser immer eine begriffliche Un- 
tisrsnchung vurauszugehen habe. 



ni. 

Im Qegensatze %n Aristoteles^ dem die Materie das gänzlich Unbe* 

*) Himna Fr., Kut^yclopiiedie der Pbyjik, I* p. 393. 
«) Herburt J. h\ AJJg. Methftph. 1. Werke III. i>. iOÖ. 
*) IbideiDi 

«) Thilo Ukr. A., Geichichte der Philosophie, IL p. 340* 
*> Kmi J. MeL Auf. d, Nat, W, VIII. p. 4i4. 



20 

stimmte, der Begriff der Materie rein negativ war, sowie auch im Gegen- 
satze zur dynamischen Ansicht, der die Materie in einen Conflikt von 
Kräften anfgieng, ist die mechanische Ansicht von dem Begriffe der Ma- 
terie derartig, dass das in diesem Begriffe liegende Problem ganz deutlich 
hervortritt. Es muss zwar anch bei der Betrachtang der mechanischen 
Ansicht noch eine Unterscheidung gemacht werden zwischen der Ansicht 
des Gartesius und der atomistischen Anschauung ; doch sind der Verglei- 
chnngs- und Uebereinstimmungspunkte so schwerwiegende, dass beide ohne 
Schwierigkeit unter eine gemeinschaftliche Betrachtung zusammengefasst 
werden können, unter dem Ausdrucke der mechanischen Ansicht. War 
die Mateiie bei Aristoteles das ganz qualitätslose Substrat der Veräude- 
rnngeui so hatte dieselbe bei Kant als wesentliches Attribut die Bewegung, 
und aus dieser wurden die sinnlichen Eigenschaften der Körper erklärt. 
Nach der mechanischen Ansicht ist die Ausdehnung das wesentliche Attri- 
but der Materie, und auf sie werden sämmtliche sinnliche Eigenschaften 
derselben zurttckgeführt. Während aber Gartesius und seine Schüler haupt- 
sächlich das Moment der Gontinuität am ausgedehnten Universum hervor- 
hoben, ist es in der Atomistik die ^Multiplicität, welche als das Hauptmo- 
ment hervoitrat nnd die Gontinuität zum blossen Schein herabdrückte. 

Gartesius knüpft an den Anfang seiner Philosophie an, an den Prozess 
des Zweifeins und die Gewissheit des Denkens, den Gegensatz von Geist 
und Körper (Materie). Dieser Gegensatz ist ein subsantieller. Der Geist 
ist Selbstgewissheit, die Thätigkeit des Sichunterscheiden^, der Körper das 
schlechthin Selbstlose, von aller Thätigkeit Verlassene, also das träge, todte 
Sein, welches nur von Aussen seine Bestimmtheit erfährt. Der Körper 
oder die Materie ist aber in diesem Unterschiede vom Geiste selbständig, 
denn er kann ohne Geist gedacht werden. Die Existenz desselben können 
wir ni^ht bezweifeln, weil sonst Gott, das höchste und vollkommenste 
Wesen, ein Betrüger sein mtisste, was seinem Begriffe widerspricht. Die 
Vernunft lehrt uns, dass die Natur der Materie oder des Körpers im Allge- 
meinen nicht darin besteht, dass er hart oder schwer oder farbig oder 
irgend wie die Sinne afficiereud ist, sondern nur darin, dass er ausgedehnt 
ist in Länge, Breite und Tiefe ; alle jene Eigenschaften können ihm ge- 
nommen werden, der Körper als solcher bleibt aber unversehrt^), nur von 
der Ausdehnung darf nichts weggenommen werden, ohne dass es zugleich 
der Substanz selbst genommen würde, ^j Im ersteren Falle würde sofort 
die Selbständigkeit verloren gehen ; wir fassen ihn da nur im Verhältnisse 
zu unseren Sinnen, würden also nur eine Eigenschaft von ihm, aber nicht 
sein ganzes Weisen ausdrücken.^) Der Körper geht vielmehr in die Räum- 
lichkeit auf. Raum und Körper sind an und für sich dasselbe, nur unserer 
Vorstellungsweise nach unterscheiden sie sich von einander. Ausdehnung 



*) Gartesius, principia philosophiae. II. §. 4. 

«) Ibid. §. 6, 7, 8. 

3) Gartesius, Epist. I. 67. 



Sl 



in L&Dge, Breite and Tiefe, welche den Raum ausmacht, ist auch das 

^Wesen des Körpers ; während wir sie aber am Körper im Einzelnen be- 

rachteu und daher glauben, dass i^ie deh ändern, so oft der Körper sich 

ndart, legen wir der Ausdehnung beim Räume eine allgemeine Einheit 

d, io dass» wenn der deu Raum erflillende Körper sich ändert, sich aus 

Räume, in welchem er war, entfernt, keine Veränderung in der Au8- 

lehnuug des Raumes stattfludet^ die Ausdehnung des Ortes, in welchem 

itr Körper war, dieselbe bleibt Letztere seilen wir so lange als uuver- 

rt an, so lange sie diesdbe Grd^se, Gestalt und Lage zwischen den 

Bien Körpern, nach denen wir den Raum bestimmten, beibehält 

Aus dieser Identität der räumlichen und körperlichen Ausdehnung 

folgert Cartesius mit Nothwendigkeit, dass es keinen leeren Raum gibt;\) 

ferner dass kein Theil eines Körpers das eine mal mehr Kauui einnehmen 

Unn^ als das andere mal;'') endlich^ ; dass es nicht ihrer Natur nach 

ithüilbare Theile der Materie geben könne, ^^ Die Materie ist vielmehr 

["theilbar bis ins Uneudliche (denn Gott ist nichts unmöglich) und ilireii 

Iheilen nach bcweglichi daher aller Bestimmungen lähig, welche aus der 

ewegung ihrer Theile folgen können, \'on der Bewegung allein hängt 

le MannigfaHigkeit der iMaierie sowie die V'ersclut:denheit aller ihrer 

**ormen ab. Bewegung im eigeut Hohen Sinne ist V^ersetzuag eines Theiles 

der Materie oder eines Körpers aus der Nähe derjenigen, welche ihn uu- 

fciitt«*lbar berühren und die als ruhend betrachtet werden, in die Nähe 

ptnderer. Demnach ist Bewegung immer im bewegten Körper selberi ein 

Ijdodus de* Bewegten, nicht aber ein für sich Besiehendes, gerade so wie 

lüetitalt ein Modus des gestalteten Körpers, Ruhe ein Modus des ruhenden 

■ypiers ist; Bewegung und Ruhe sind somit nur verschiedene Zustands- 

HBBf^n ilesselben/) Es kann demnach ein Körper nicht anders bewegt 

nrerden, als indem er einen andeien aus dem Orte, in den er eintritt, 

peraiist reibt, dieser' wieder einen anderen u. s. f. bis zum letzten, der den 

kt>in ersten Körper verlassenen Raum in demselben Momente einnimmt, in 

nrelchem er verlassen wird/'') Jede qualitative Bestimmung des Körpers 

■Lrückt nur das Verhältnis desselben znr emi^tindendeu Individualität aus, 

put also nicht die reine Beziehung des Körpers auf steh, sein wesentliches 

t3ein, sondern sein Sein in einem Anderen, ist nur eine unklare verworrene 

wonit^llung. 

1 Ausdehnung ist auch das wesentliche Fundament zur Erklärung 

pämmtlicher besonderen Naturerscheinungen. Wie die Ausdehnung das 

IWesen des Körpers ausmacht, so kann es auch in der ganzen Mannig- 

ibJtigkeit der körperlichen Gestaltung nichts anderes als Modiücatiunen 

Kl«*r Ausdehnung geben. Die wiclitigste jener Modificationen ist die Be- 

Iwegung. so dass die ganze Physik wesentlich Mechanik ist^J 

W *) Cart^iins, priuc. pJiil, IL g, 16. 

I <) Ibid. % i\h 

■ *} lUA, |, VO. 

I ') Ibid. g. C7. 

I •) Ibid, §. 3(L 

I ■) Cartti«. £pJAt IL 25. 07. 



22 

Die Ursache der Beweg^g ist zweifach : eine allgemeine and nrspr&ng- 
liche, welche alle Bewegung, die es überhaupt in der Welt gibt, yerursacht, 
und eine besondere, die bewirkt, dass die einzelnen Theile der Materie 
Bewegungen bekommen, die sie frfiher nicht hatten. Die allgemeine Ursache 
ist Gott, der die Materie zugleich mit Bewegung und Ruhe schuf und 
dieselbe in der ursprünglichen Quantität erhält. Ihrem Begriffe gemäss ist 
nämlich die Materie nur von Aussen d. h. wieder nur durch Materie in 
Bewegung zu setzen. Wenn aber das, so muss diese bewegte Materie, die 
die den Grund ihrer Bewegung ebenfalls nicht in sich hat, von einer anderen 
diese Bewegung erhalten haben u. s. f. ins Unendliche, d. h. die Bewegung 
wäre auf diesem Standpunkte unbegreiflich. Auch wenn Gott als Schöpfer 
alles Existierenden eingeführt wird, würde diese Unbegreiflichkeit nicht 
behoben; denn Gott selbst muss Maschinen anlegen, um die Materie in 
Bewegung zu setzen ; in anderer Weise ist der Materie nicht beizukommen. 
Darum läset Gartesius die Materie nicht zuerst erschaffen und nachträglich 
durch einen besonderen Act in Bewegung setzen, sondern sie sogleich mit 
einem bestimmten unveränderlichen Quantum von Bewegung erschaffen 
werden. Wenn schon ein Wunder sein muss, so kommt es nicht darauf 
an, ob es mehr oder weniger umfasst ; „denn eine Steigerung des Wunder- 
baren gibt es genaugenommen gar nicht in dieser Sphäre des Wunderbaren.'*^) 

So sehr sich Gartesius bemühte, eine speculative Gonstmction der 
Materie zu geben, so gelang es ihm doch nirgends ohne Zuhilfenahme der 
Empirie. Das Gleiche gilt auch von den von ihm abgeleiteten G^etzen 
der Bewegung, die er a priori aus dem Wesen Gottes abzuleiten versucht. 

Wenn aber auch Gartesius die Denkbarkeit der Atome leugnete — 
selbst wenn es kleinste Theile gäbe, die auf keine Weise mehr könnten 
getrennt werden, so müsste doch Gott sie • noch theilen können^ — so 
war er doch weit entfernt, den aristotelischen Weg einzuschlagen. Seine 
Lehre von der unbedingten Ausfüllung des Raumes hat nicht nur eine 
ganz andere Grundlage im Begriffe der Materie, sondern sie muss auch 
in der physikalischen Theorie eine Gestalt annehmen, die der Atomistik 
nahe verwandt ist. Kleine runde Eörperchen nimmt Gartesius an, die un- 
verändert bleiben, und nur begrifflich, der Möglichkeit nach, theilbar sind. 
Zwischen denselben setzt er äusserst feine Splitterchen, die bei der ersten 
Abrundung der Körperchen sich in den Zwischenräumen gebildet haben. 
Es liegt daher die Frage nahe, „ob nicht die metaphysische Theorie abso- 
luter RaumerfttUung ein blosser Nothbehelf ist, um einerseits nicht zu 
weit von der orthodoxen Ansicht abzuweichen, andererseits aber doch alle 
die Yortheile für eine anschauliche Erklärung der Naturvorgänge zu haben, 
welche die (arg verpönte) Atomistik darbietet."^) 

Aber auch von Kant und der durch ihn begründeten dynamischen 
Ansicht ist Gartesius weit entfernt. Für Kant ist die körperliche Aus- 

*) Schaller J., Geschichte d. Naturphilosophie I. p. 288. 

*) So schliesst Gartesius, Princip. ph. §. 21. 

') Lange A., Geschichte d. Materialismus. I. p. 200. 



93 



mung etwas rein Sabjectives, einzig uurt allein abhängig ?ou der Ein- 
thtnng Uüiseres Erkenntnis Vermögens; die körperliche Ausdehnung sei 
blosses Phänomen (und sonst nichts), das gar keinen objecliven sondern 
einen subjectiven Grnnd habe. Der Grund sei gelegen in der Foira, 
der Art und Weise, wie wir die Dinge an^chanen; und weil alle Men- 
dieselben Formen des Anschanens belassen, so wären die daraus 
»ringenden Erkenntnisse allgemein nnd nothwendig* Allerdings gilt 
AUgemeinheit und Noth wendigkeit fiir alle so eingerichteten Menschen. 
fer b&jTft aber, dass diese Erkenntnisse nicht bloss angeborne V^rnrtheile 
HOS seien, welche mit den Dingen selbst in gar keiner Uebereinistiramnng, 
ntcbl einmal in einer Beziehung stehen, sowie dass diese für uns allge- 
leu nnd nothwendigen Erkenntnisse für anders eingerichtete Wesen 
flers be.*ichHffen freien? Soll das nicht stattünden, soll die AUgtimeintieit 
Nolbwendigkeit gleichbedeutend mit l^nmogliclikeit des Gegentheiles 
so mufs der Grund in der Sache selbst gelegen sein, es muss die 
ideiinang das Wesen der Materie sein. Wenn auch die Ausdehnung 
hl selbst das Reale ist, wie Cartesius meinte, so muss doch etwas da 
In, was die Erscheinung der Ausdehnung ers^eugt; dieses muss in der 
TIetbeit da sein. Diese Vielheit hat Cartesius auch immer festgehalten, 
nur iat sie gegen die Continuität mehr zurttckgatreten; erst Geulincx und 
Spinoza Hessen alle körperliche Ausdehnung zusamraenfliessen in eine un- 
theillmr« Einheit, in eine einzige substanzielle Einheit, von der aber die 

Ksdehnung dann nicht mehr ausgesagt werden kann. Durch die beiden 
Eteren ist das Moment der Continuität an dem ausgedehnten Universum 
ja dem Grade hervorgehoben worden, dass darin alle Vielheit verschwindet; 
^bnit ist aber zugleich der ganze Begriff der körperlichen Ausdehnung 
Hrgelioben worden, da dieser ohne Vielheit nicht möglich ist, 
^K Auf jibniiche Weise wie bei Cartesius finden wir die sinnlichen Eigen- 
sehaften der Körper auf mechanische Weise erklärt in der Atomistik. 
Die Ansicht, weche unter dem Namen der atom istischen vorkommt^ wird 

fröbnlicb auf Leukipp und Demokrit zuröckgeflihrt, welche Männer diese 
rfcbt, wenn auch nicht gerade erfunden, so doch zuerst zur vollen Be- 
tnng erhoben haben. Schon Empedokles und Anaxagoras sahen sich 
durch die Unmuglichkeitj die Veränderung durch die Annahme eines qualitäts- 
losen Stoffes oder durch das absolute Werden zu erklären, gezwungen, 
lurflckzukehren zu dem richtigen Gedanken, dass Vieles Ist, und dieses 
Jfele ab ein Selbständiges und Unveränderliches ansinerkennen. Während 
^pr Empedokles mit vier Klenienten, von denen keines das andere nnd 
jed«^ ohne Wechselwirkung mit den anderen ist, jedes aber für sieh als 
O&nzes bestehend aus gleichen oder homogenen Theilen, sein Auslangen 
findet, durch Zusammenmischung und Entmischung nach mugHchst ver- 
itchieitanem Masse ^) bewirkt durch p*^^« und v*ikof die sich darbietenden 
Ertcheinungen zu erklären sucht, finden wir bei Anaxagoras unbestimmt 
oder ouendlich viele Elemente von unendlicher Kleinheit, aber doch ver- 



24 

schiedener Gestalt und Qaalität, die anfangs im chaotischen Durcheinander 
durch den selbständigen vovg entmischt und getrennt wurden zu den vor- 
handenen Dingen, Anaxagoras begieng aber den Widerspruch, dieses 
geistige Princip des Werdens nur als mechanische Ursache wirken zu 
lassen, und auch das nur im Beginn der Weltbildung. Der yovq gibt nur 
den ersten Anstoss, tritt aber im weiteren Verlaufe der Weltbildung ganz 
zurück, so dass die Natur sich selbst nach physikalischen Gesetzen gestaltet. 
Es ist daher jedenfalls consequenter, dieses ideelle Bewegungsprincip von 
vorneherein nicht einzufahren, die mechanische Ansicht ohne Zuhilfenahme 
eines geistigen Principes durchzuführen, die Natur rein aus sich selbst 
zu erklären. Dies geschah in der von Leukipp und Demokrit ausgebildeten 
Atomistik. „Wenigen grossen Männern des Alterthums", sagt der geniale 
Lange, ^) „mag die Geschichte so übel mitgespielt haben, als Demokrit. In 
dem grossen Zerrbild unwissenschaftlicher Ueberlieferung erscheint von 
ihm schliesslich fast nichts, als der Name des lachenden Philosophen, 
während Gestalten von ungleich geringerer Bedeutung sich in voller Breite 
ausdehnen.^ Bei alledem sind wir über Demokrits Lehre besser unter- 
richtet, als über die Ansichten manches Philosophen, von dem uns mehr 
erhalten ist. „Wir dürfen dies der Klarheit und Folgerichtigkeit seiner 
Weltanschauung zuschreiben, die uns gestattet, auch das kleinste Bruch- 
stück mit Leichtigkeit dem Ganzen einzufügen."*) 

In der Atomistik von Leukipp und Demokrit tritt der bewusstvoUe 
Gegensatz gegen die Lehrsätze der Eleaten ausdrücklich hervor.*) Die 
Schwierigkeiten, die durch den Widerstreit zwischen dem Begriffe des 
Seins und der veränderlichen Vielheit des Gegebenen entstanden waren, 
drückten auf die beiden Männer, die sich mit empirischer Naturforschung 
vielfach beschäftigt hatten, schwer, und sie machten daher einen specula- 
tiven Versuch, dieselben zu heben. Da aus Einem nicht Vieles abgeleitet 
werden kann, so muss Vieles sein. Es ist undenkbar, dass etwas aus 
nichts werde, oder in nichts übergehe; vielmehr ist alle Veränderung, 
alles Werden nur eine Verbindung und Trennung, eine veränderte Zusam- 
mensetzung von Theilen, von letzten unveränderlichen Grundstoffen.*) Sol- 
cher unveränderlicher Urstoffe gebe es unendlich viele; jeder derselben 
hat eine bestimmte, wenn auch nicht angebbare Grösse, ist also ausge- 
dehnt und raumerfüllend, aber wegen der Eleinheit nicht sinnlich wahr- 
nehmbar, jedoch nntheilbar und [unzertrennlich, daher Atom {ätoiio).^) Sie 
werden von jeder gegebenen Beschaffenheit, die sich nicht auf blosse Form 
und blosses Verhältnis zurückführen lässt, frei gedacht, es fehlt ihnen jede 
qualitative Bestimmtheit; sie unterscheiden sich daher auch nicht rück- 
sichtlieh de r Qualität von einander, da ihnen jede qualitative Bestimmt- 

') Lange A. Gesch« des Materialism. I. p« 9. 

«) Ibid. p. 11. 

*) Aristot. de gen. et corr. I. 8* 

«) Ibid I. 8.8.; Arist de coelo UI. 4. 

*) Cicero de finib. I. 6; SimpUc. in Phys. fol. 8.; Arist. Met. VII. 18.17. Plutarch 
adv» Colot. p. 1110. 



36 



HF'' 



^^H^^rochen wit^, sonrlera nur darch' ihre (Grösse, Gestalt und 
MMr^). Neben den Atomen als dem Vollen und vorzugsweise Seienden, 
► iider äi^ oder xA^ph 0*, fordert die Atomistik als zweites Element dea 
^jrhandenen das Leere^ d^n Raum, ja*} ©v, auch ^?^*v oder f<iv6v ov. Dieser 
M 1*^. welcher die Veränderung, die m derselben nothwendige Bewegung 
roiHglieht^ Der kere Ranm muss daher ebensogut als seiend gedacht 
ren!«r0, wie die Atome; zur Unterscheidung von diesen aber wird er das 
ifienile Niclitseiende genannt. Damit scheinen die Atomisten aber nur, wie 
!*hHo*) sr.harl'sinnig bemerkt, aus sprachlicher Unbeholfen hei t die Gültig- 
eit Aimm Begriftes haben ausdrücken wollen. Dean beide Begriffe hatten 
lt% utn auf ihre Weise das Voiliandene zu begreifen, auf gleiche Weise 
üthig; Kl** konnten das Leere so menig entbehren wie das Volle. In die- 
fm Leeren bt*iinden sich die Atome in ewiger Fallbewegung*) Die grö- 
leren, welche schneller fallen* prallen auf die kleineren; wegen der ver- 
diiifdenen Gestalt wird d(?r Stoss in der Regel kein centraler sein, und 
btdialb werd#*n (ganz entsprechend unseren heutigen mechanischen An- 

schadUDgen» Thehungen der Atome um ihre Axe und Seitenbewegungen 

t^o, IHese Seitenbewegungen müssen natürlich immer verwickelter 

des fori währenden Aufprallens anderer und anderer Atome wegen 

imer heftiger werden. Durch Combination der Seitenbewegungen mit der 

llfitation der Alume werden gewiss auch rückläufige Bewegungen sich er- 

Pn und so schliesslich die schwereren d. i. grosseren Atome im unte- 
die leichteren dagegen im oberen Theile sich zusammenfinden. Es 
len iicU Gruppierungen oder CompleKe*) von Atomen mit leeren Zwi- 
nrttumen [Poren]^) bilden^ und diese Complexe sind die Körper* 
Abgesehen von der Basis der Theorie, der Lehre vom schnelleren 
Fall der grösseren Atome, die falsch ist, gibt uns Demokrit eine durch- 
lU consequente Darstellung, die jedenfalls zeigte dass er seine Speculati* 
nach streng physikalischen G-rundsätÄen ausbildete* Die Verschieden- 
it der Körper wie die Verschiedenheit aller Dinge rührt nur her von 
'T Verschiedenheit ihrer Atome an Zahl, Grosse, Gestalt, Ordnung und 
telltmg.^} Alle qualitativen Unterschiede werden somit auf quantitative 
liieftcbiede zrrUckgefUhrt, ein Beginnen^ das lebhaft an unsere neueren 
lOderaen chemischen Theorien erinnert; alle sinnlich gegebenen qualita^ 
Ten Eigenschaften der Dinge (die secundären Qualitäten Locke's, die 
alerie der Erscheinung bei Kant) werden nicht als objective Qualitäten 
er Dinge gefasst, sondern als subjective Zustände, welche durch die ver- 
hiedenen quantitativan Bedingungen bewiikt werden. 

Wir sehen hier den Blick noch unverwandt gerichtet auf die Ver- 

lerimg, die sich äusserlicb darbietet, auf die Veränderung in dar ob- 

eürm Natur, Die Atomisten suchten eine speeulative Erklärung dersel- 

") SlmpK ia Phy« t 106; Amt. de gen, et com I. 2. 

•) Thilo Chr, Ä. Geich. d, PhiJo». L p. Ö8. 

•> Ami. Pliji. VIII, 

*} MuL (i% C4>elO| III. 4. 

»> Ariit. M§t, IIL 5* 

•) m± L 4. i 



ben zu geben, die aber, so lange der Begriff der Causalität nicht wortert 
und zur Klarheit gebracht ist, unmöglich befriedigen kann. Sie erkannten, 
dass die Materie nicht das Reale sein, dass derselben das Sein nicht zu- 
gesprochen werden könne, dass sie aber doch auch nicht Nichts sein könne. 
Die Atome also galten ihnen für das Reale. Freilich übersahen sie, dass 
ihre Atome noch genau so zu denken seien, wie die Materie selber, dass 
dieselben Gründe, die sie gegen die Realiltät der Materie aufführten, ebenso 
auch noch gelten gegen ihre Atome. Nichtsdestoweniger ist das Verdienst 
der alten Atomistik — Epikur stimmt in Beziehung auf die Materie mit 
ihnen vollkommen überein — nicht zu unterschätzen. Die Atomistik übte 
eine aufklii-ende Wirkung aus, der, wenn auch die Theorie als Ganzes 
nicht Stand halten konnte, auch Piaton und Aristoteles, die ärgsten Feinde 
derselben, sich nicht entziehen konnten. Dieselbe (aufklärende Wirkung) 
wurde vollzogen „an der einfachsten und nüchternsten Betrachtung der 
Dinge, welche sich unserem Denken darbieten kann: an der Auflösung 
des bunten und veränderlichen Weltganzen in unveränderliche, aber be- 
wegliche Theile." „Hat doch selbst Piaton seine „nichtseiende" aber gleich- 
wohl für die Construction des Weltgebäudes unentbehrliche Materie in be- 
wegliche Elementarkörperchen aufgelöst, und Aristoteles, welcher sich 
mit aller Macht der Annahme eines leeren Raumes entgegenstellt, welcher 
die Continuität der Materie als Dogma festhält, sucht, so gut es von die- 
sem schwierigen Standpunkte gehen will, mit Demokrit in der Anschau- 
lichkeit der Lehre von der Veränderung und Bewegung zu wetteifern." M 
Der Götter- und Dämonenspuck war mit einem einzigen grossartigen Zuge 
beseitigt, und was nun auch tiefsinnig angelegte Naturen von Dingen 
denken mochten, die hinter der Erscheinungswelt liegen: Die Erschei- 
nungswelt selbst lag vom Nebel frei vor den Blicken da, und auch die 
echten Schüler eines Piaton und Pythagoras experimentierten und sannen 
nun über die Naturvorgänge, ohne die Welt der Ideen und der mystischen 
Zahlen mit dem unmittelbar Gegebenen zu vermengen. 

Allerdings wurde durch die Atomistik auch die materialistische 
Richtung der Philosophie gepflanzt, der Materialismus begründet, und es 
wird der Atomistik bis zum heutigen Tage der Vorwurf des Materialismus 
gemacht; aber mit Unrecht, wenigstens dann, wenn zwischen denselben 
ein unzertrennlicher Zusammenhang vorausgesetzt wird. Der Materialismus 
lässt sich mit jeder anderen Ansicht über die Materie auch verbinden, 
und dass in der That Materialismus und Atomistik nicht identisch sind, 
beweisen die Namen Leibnitz, Herbart, sowie Lotze*), Zimmermann^) und 
andere illustren Klanges. 

Mit den beiden hervorragenden Vertretern der Atomistik im Alter- 
thum, mit Leukipp und Demokrit, die noch dazu kein eigentliches System 
hinterlassen hatten, schien diese Ansicht wie verschwunden. Und wenn 

') Lange A. Gesch. d. Material. I. p. 95. 

*) Lotse H. MeUphysik, 1879. 

*) Zimmtrmann E. Aathropoiophlt, 1S89. 



97 



auch disselbä iti Epikur noch einmat hu die Oberfl^chB des groBieti Ocdane 
philogophischen Scbafens emporgetaucht war, so war sie doch schon iu 
im nicht mehr durch die zwingenden specnlativen Gründe gehoben, 
'90iii!«m in jenem abflachenden Wellenschlage eklektischer Philosophie em- 
porgetreten. Die ethischen und logischen Untersuchungen eines Sokretes, 
Pl&toß und auch Aristoteles hatten die Blicke von der Naturbetiachtung 
m weit abgelenkt, hatten das Gefühl für die in der Verändernng liegen- 
den Widersprüche äu sehr abgestumpftj — so sehr diese Männer in ande- 
rer HiRsicht Hervorragendes geleistet halten — als dass da^ Problem » 
welches durch die Atomiker zum Bewasstsein gebracht worden war und 
' mit dessen Lösung sie sich aüiVichtig Mühe gegeben hatten^ noch stark 
rginug gewesen wäre, die Geraüther in Spannung m erhallen* Die politi- 
. »chen nnd religiösen Verhältnisse» welche za Beginn der cliristlichen Zeit- 
«rechuung nnd eine geraume Zeit darnach Platz gegriffen hatten, Hessen 
•sine derartige naturphilosophigche Untersuchung nicht aufkommen. Der 
Geist war mit der religiösen Entwicklung des christlichen Pnncipes be* 
acbäftigt, und alles weitere Interesse trat gegen diese Aufgabe als etwas 
|lJiberiIÜ8sigea, Zweckloses, Ungöttlichea zurück. Nur durch das \\ egsehen 
[▼Dil der Natur schien eine wahrhafte Versöhnung mit dem höchsten Geiste, 
'dem Absoluten, möglieh, nur nach Abstumpfung und Unterdrückung der 
_s.inulichen Natur des Menschen sollte eine Vereiniguug mit Gott, dem rei- 
Geiste, m Stande kommen« Was war daher natürlicher, als dass man 
J*%il#* B**schäftigung mit der Natur ^ mit der Materie, der Ursache und der 
Jjürundlage alles Bösen, gleichsam verpoute. „Bis lief ins Mittelalter biueiu 
ist daher die Beschättigung mit der Natur etwas ganz Besonderes, Parti- 
^ruläre;*, die Sache ein'^eluer Individuen^ und auch die nach so geringe 
^ Aufklärung in diesem Punkte, die dürft igsten Kenntni^sse der natürlichen 
tKrscheiiJungen gelten der an da:^ Wunderbare gräuzenden Unwissenheit 
sogleich für Zaulterei und Teufels werk."*) Die platonische, die aristotelische 
Pliilo4Ri]ihie gentattete nnter der geeigneten Behandlung eine solche Ver- 
wimdung, dass die Philosoplde iiberhaupt als Dienerin der Theulogie be- 
traclitet und bezeichnet werilen konnte. Wenn auch einzelne Männer sich 
trtrj^eü diese Stellung der Philosophie stemm ten und in der Betrachtung 
der Natur, der durchgängigen Gesetzmässigkeit derselben vielfache Aijre- 
jtung zu selbständigem Denken fanden, so konnte doch diese Richtung 
sich nur allmählig emporarbeiten. 

Bacon von Verulam, Cartesius brachen zuerst vollständig mit dieser 
aristotelisch - scholastischen Richtung* Carte&iiu:!* war noch viel zu sehr 
auf dem rein mathematischen Standpunkte, als dass er sich vollkommen 
iji die Nalurbetrachtung hätte vertiefen krmnen. Gassendi war dieser viel 
liAli«r. Der suchte eine allseitige auf Erfahrung sich stützende Erkenntnis 
d«r Natur; er verfolgte alle Beobachtungen und Entdeckungen, die auf 
dem Felde der Naturwissenschaft zu seiner Zeit gemacht wurden^ mit dem 



«) ßchdler J. Üedchickte d, N&turpb» I. ii. h 



36 

grössten Interesse, fragte sogleich nach den wesentlichen Ursachen nnd 
suchte sie mit seinen naturphilosophischen Principien in Mnklang zu bringen. 
Auch hatte er ein Überaus umfassendes historisches Wissen. So kam es 
dass er von diesem empirischen Standpunkte zum Atomismus und mit diesem 
zu Epikur geführt wurde. Nachdem er sich die Frage, ob das materielle 
Princip Eins oder Vieles ist und von welcher Beschaffenheit dasselbe ist, 
vorgelegt und mehrere Ansichten erörtert hatte, ^) kommt er „zu der am 
meisten der Wahrheit entsprechenden Ansicht, welche die Atome als die 
materiellen Principien^ auffasst. Er schliesst sich im Allgemeinen den 
Principien Epikurs in Bezug auf die Materie an ; doch widerspricht er dem- 
selben darin, dass die Atome nicht, wie Epikur meint, ewig und unerchaffen 
seien, dass sie durch sich selbst die Kraft der Bewegung haben, sondern 
yielmehr wurden sie im Anfange Ton Gott als endliche erschaffen und aus 
ihnen die Welt geformt. Die Atome haben nur diejenige Bewegung, welche 
der Schöpfer in sie hineingelegt hat und bei welcher er auch mitwirkt, 
insofern er Alles erhält und in Allem mitthätig ist. Die Atome sind qua- 
litatslos, Körper xat' k^ox^ d. h. ohne leere Zwischenräume, materiell durch 
und durch. Zwar seien die Atome nicht Gegenstand sinnlicher Erfahrung, 
sondern Resultate des Denkens, aber desjenigen Denkens, das von der 
sinnlichen Erfahrung ausgeht, und von der Beobachtung der Erscheinung 
auf die nothwendigen Ursachen derselben zurückschliesst. Die Atome 
sind also nicht sinnlich wamehmbar, sondern deren Existenz wird nur be- 
wiesen. Die gegebene Erscheinung kann nur duich die an und für sich 
hypothetische Annahme von Atomen allseitig erklärt werden. Namentlich 
war es der Widerspruch der unendlichen Theilbarkeit d. i. das quantitative 
Moment der Materie, welches Gassendi zum Begriffe des Atoms hingetrieben 
hat, der Widerspruch, dass der begränzte endliche Körper aus unendlich 
vielen Theilen bestehen, d. li. unendlich sein würde. Diesen Widerspruch 
glaubt er zu heben durch die Annahme von Atomen d. i. kleinen, selbst 
noch körperlichen Theilen, die eine bestimmte Ausdehnung, Grösse und Figur 
haben, aber doch untheilbar sein sollen. Diese Untheilbarkeit scheint zwar 
mit dem Begriffe der Körperlichkeit schlechthin unvereinbar; Gassendi 
zieht sich aber aus der Klemme dadurch heraus, dass er die Körperlichkeit 
von der abstracten Quantität lostrennt. Die Körperlichkeit tritt selbständig, 
dem Begriffe der Quantität nicht unterworfen, der abstracten mathematischen 
Bestimmtheit gegenüber. Die Untheilbarkeit ist keine gedachte, mathe- 
matische, sondern physikalische; das Quantum als solches bleibt fortwährend 
theilbar ins Unendliche. Die Atome sind aber nicht als Quanta, sondern 
als Körper untheilbar, und gerade darin besteht der wesentliche Unter- 
schied zwischen Quantum und Materie, dass jenes bis ins Unendliche, diese 
nur bis zu den Atomen zertheilt werden kann. Die Atome sind der Substanz 
nach identisch, der Figur nach verschieden. Alles andere, was wir sonst 
noch an den Körpern wahrnehmen, also alle Qualitäten, müssen, da die 
Atome die ganze Materie, die ganze körperliche Substanz sind, irgend ein 
') Syntagma philosoph. pars IL 



» 



lodUft der Substanz sein. Es kann daher jeder Körper auf sswei Artfln 
itxaditet werden, einmal alst Körper überhaupt, und dann als so be- 
^hÄffener Körper, je nachdem er betrachtet wird, insoferne er aus Atomeu 
ttaht d. i, ein Theil der allgemeinen materiellen Substanz ist, oder inso- 
lie er gerade diese oder Jpne Verbindung der materiellen Elemente ist, 
idert gieh die Verbindung^ so ändert sich auch die QuaHtät, da der 
England der mit einander verbundenen materiellen Principieu sich ändert. 
He eine solche Zustandsanderang zu denken sei, worin sie bestehe, Ist 
Ilerdings bei Ga^sepdi nicht zu finden. 

Neben den Atomen muss der leere Raum als weiteres Princip aller 
age angenommen werden ; aber die nothwendige Existenz desselben wird 
icht 1118 dem Begriffe des Atoms, sondern aus der verschiedenen Dichtig- 
leit der Körper, ihrer CompressibilitHt und den damit zusammenhängenden 
Bcheinungen deduciert. Lässt Epikur die Welt aus den Atomen durch 
Unfall entstehen, so finden wir bei Gassendi dea Einflnss der kirchlichen 
itik stark hervortreten, Gassendi recurriert auf Gott ; ob aber damit 
le höhere Erkenntnis der Natur gewonnen werde als bei Epikur, ist 
xweifelhaft. Der Eingriff Gottes, des absoluten Geistes, auf die Atomei 
^absolut Materielle, ist und bleibt ein schlechthin undenkbares, unbe< 
liehes Wunden 

So viel auch hier wie früher von Atomen gesprochen mrd, von un- 
cidltch kleinen und daher sinnlich nicht wahrnehmbaren Theiien, so kann 
in doch nicht ssugebeUi dass es den bisherigen Atomikern ernst gewesen 
mit dieser unendlichen Kleinheit. Ihre Atome darf und kann mau nicht 
wirkliche Atome wie geometrische Punkte auffassen, was sich daraus 
5t, dafis sie ihnen verschiedene Formen und Gestalten zuschrieben, 
^ von Grösse der Atome sprachen ete* .Ta selbst, „wenn diese vier- 
hacken förmigen Atome nicht eigentliche Atome sind, sondern 
zusammengesetzte Mol ek die, bleibt ihnen das letzte nicht mehr Zu^ 
lengesetzte dennoch weiter nichts, als ein festes Korn, das sich von 
Ibarer Materie nur dadurch unterscheidet, dass es kleiner ist und kein 
&8 einschliesst."*) Diese Anschauung bleibt stets auf dem Standpunkte 
naivsten Materialismus, ,^I)as Extensive ist derselben das Ursprüng- 
Iche. Wirkliche und Wesentliche; von intensiven Anlagen zu räumlicher 
>ebnung und Bestimmtheit wissen sie nichts," 

Eine ganz entgegengesetzte Anschauung wurde durch Leibnitz und 
lerbart eingeführt, ^) Ihre Ansichten Über die Materie lassen sich nur voll- 
idig auffassen und verstellen, wenn dieselben im Zusammenhange mit 
*) LftRgisiibeßk H, Atam n^ Monntle* p. 7. 

t) Dfti» zwischen den AD^chauuEigen dieser beiden PUilosopbi^ii eine gewUae tJeber- 
einstimmuug bentebt, ut bei einigem Einblicke m ihre Systeme in die Augen 
i]f ringend. Wie weit aber diese Uebereinitimmnng gebt, nnd dabei welcb^ 
weiifntHcbe UnterBchiede zwischen den Ajiachanungcn dieätr beiden grossen 
H&nner besteben, ist in zwei bticbst geistreichen Münogruphkn Ton Dr. K* ^im- 
mttnn: Leibnitz und lEerbart, eine Vergleichung ibr^r MoQadologien, Wieu 1849; 
Leibnitz' Monadologie, Deutscb mit einer Abhandlung Über Leibniu^ und Herbttrt^i 
Theorie des wirklichen Qescbehens, Wien 1847, ansfühilieh erQrterU 



80 

ihren anderen philosophischen Ansichten betrachtet, wenn dieselben als 
Bestandtheil oder Anwendung ihres Systems ins Auge gefasst werden. 
Bei beiden handelte es sich darum, wie wir uns die gegebenen Dinge ihrem 
reinen Wesen nach zu denken haben, was das Reale ist, das sich uns 
unter den manigfaltigen und wechselnden Formen der Erfahrung darstellt ; 
und wenn auch die Bezeichnung bei beiden nicht dieselbe ist, wenn auch 
in dieser mit Bewusstsein^von Herbart verschieden gewählten Bezeichnung 
fUr das Seiende auch das Bewusstsein einer Verschiedenheit in den An- 
sichten selber ausgesprochen ist, wenn auch der eine von Monaden, der 
andere von Realen spricht: so suchen doch beide gleichmässig „ein dem 
Geschehen und Verändern an und zwischen den erseheinenden Dingen 
entsprechendes Verhältnis zwischen den wahrhaft seienden Dingen, Monaden 
oder einfachen Realen nachzuweisen."*) Wie ihre Begriflfe von dem wahr- 
haft Seienden, so sind auch die Arten, wie sie jenes Verhältnis bestimmen, 
▼erschieden. 

Leibnitz, der zunächst gegen Cartesius auftrat, wandte sich auch 
gegen dessen Meinung, dass in der Ausdehnung allein das Wesen der 
Materie bestehe. „Wenn die Natur des Körpers," so wendet er sich gegen 
Cartesius, „in der Ausdehnung allein bestünde, so müsste diese letztere 
hinreichen, den Grund aller Beschaffenheiten des Körpers abzugeben. So 
ist es aber nicht. Wir bemerken vielmehr in der Materie (dem Ausge- 
dehnten) eine Eigenschaft, welche einige die natürliche Trägheit genannt 
haben, und webhe darin besteht, dass der Körper auf gewisse Weise dem 
Bewegtwerden Widerstand leistet, so dass abgesehen von der Schwere 
eine Kraft angewendet werden muss, um ihn in Bewegung zu setzen, und 
dass ein grösserer Körper mit mehr Schwierigkeit in solche gebracht wird 
als ein kleinerer."*^; Daraus folgert er, dass es in der Materie noch etwas 
Anderes gibt, als das rein Geometrische ; dass man vielmehr „einen höheren 
metaphysischen Begriff hinzusetzen muss, den der Substanz, Thätigkeit, 
Kraft/^ Als ausgedehnte Substanz fasst also Leibnitz die Materie. Eine 
Substanz ist eine „ursprüngliche Kraft'^ oder, wie Aristoteles sie nennt, 
eine Entelechie, die ohne Thätigkeit nicht gedacht werden kann. Diese 
ist das Reale in jedem Dinge, und was wir sonst an ihm wahrnehmen, 
ist nur Erscheinung, welche aus dieser Kraft hervorgeht. Nun nehmen 
wir Ausgedehntes, Zusammengesetztes wahr; aber kein Ausgedehntes, 
schliesst er, ohne Ausdehnungsloses, kein Zusammengesetztes ohne Einfaches ; 
es muss also, da es ersteres gibt, auch letzteres geben; das erstere wäre 
nicht möglich ohne das letztere. 

Es kommt in dieser Schlussreihe das Problem, welches im Begriffe 

der Materie liegt, ganz deutlich zum Ausdrucke. Das Dasein der Körper 

und der wirklichen Dinge wird auf das Zeugnis der Erfahrung hin ohne 

weiteres angenommen, kann nicht abgewiesen werden. Leibnitz war aber 

überzeugt, dass dieselben, so wie der Augenschein sie zeigt, nicht existieren 

iyzimmermann E., Leibnitz mid Herbart. p. 11. 
') Lettre wax la qnöstiou . • . Srdmanii, p. 112* 



31 



kSmu^n^ — der wahre Begriff des Sein muMte ihm also bekannt g^ewesen 
Min — »ond^ni es mti^Kten einfache, unausgedehnte Wesen als Grundlage 
iier^lben vorausgesetzt werden, suhstaurJelle Einheiten, Monaden. Diese 
Xonadeti sind aber grundversdiieden von den Atomen der Alten. Das Atom 
ist das rntheilbare, die Monas das innerlich Eine, das Atom widersteht 
nur ftctisch dn«r ZerKtückelung, die Monas schliesst sie ihrem Begriffe 
nach au». Während daher in der Atomistik der Ton auf der räumlichen 
Attsdehnung liegt, von der nun die innere Einheit zu retten ist, liegt in der 
Monadologie der Ton auf der inneren Einheit, und es ist die räumliche 
Aiisdelinung begreiflich 7.u machen.') 

Da nur die Monaden, die einfachen, unansgedehnten, untheilbaren We- 
sen, das wahrhaft Heiende sind, die Materie aber das Zusammengesetzte, 
Aosgedehnte, unendlich Theilbare ist, so kann letztere nicht wahrhaft 
wtv^ sotidern nur erscheinen, nicht existieren ohjekti? als seiendes Ding, 
wtmAmvi nur als Resultat des Zusammenwirkens der ausser uns befindli- 
chen wahrhaft Seienden auf die Sinnesorgane, nur als Enscheinung im 
Auge de» Beobachters. Zwar gebraucht Leibnitz dieses Wort Materie in 
fer%chiedenem Sinne, ja, wie Hartenstein*) nachzuweisen sucht, in mit sei- 
Systeme widersprechenden Sinne. Doch ist dabei seu bedenken, dass 
gegen ßart^^sius und seine Schule polemisierte, und, um gelesen und 
rstandeu lu werden, sich oft ihrer Kunst ausdrücke bediente,^} Mit sei* 
Systeme in Einklang stellend ist die gewöhnlichste l^nterscheidung 
ii^clien erster und zweiter Materie Die erste Materie ist das ursprling- 
h#\ passive Vermögen, das Princip des Widerstandes; sie besteht nicht 
der Masse, oder Undurchilringlichkeit, oder Ausdehnung, sondern nur 
fter Möglichkeit derselben, und ist jeder Entelechie als Pfiucip der 
«ivität wesentlich, kann daher auch nie von derselben getrennt werden, 
ideru ergänzt Ariel mehr die Kntelechie oder das ursprunglich active 
lOg^n^ so dass daraus erst eine vollständige Bubstanz, eine Monas 
orgeht — eine nicht leicht zn übersehende Aehnlichkeit mit Aristoteles, 
it salbst kann der Substanz nicht diese erste Materie nehmen. Die 
Materie Ist das Resultat von unzählig vielen vollständigen Sub. 
n oder Monaden, von denen jede ihre Entelechie und ihre erste Ma- 
hat, also an und für sich keine Substanz, sondern ein Phänomen, 
ahl ein reales und wohlbegTündetes (bene fundatnm) wie der Regen* 
bofen 4>der ein Bild im Spiegel.^) Indem die Monaden nicht unmittelbar 
fum^nhängeUf ein ftusaerliches Aggregat derselben wegen ihrer Ideal i- 
% nicht denkbar ist^ so sind unendlich viele Monaden nur verbunden in 
Yorgtellung jeder einzelnen Monade, die sich ja über das ganze Uni- 
erstxeckt und darum keine deutliche Ist* In der verworrenen Vor- 
^Uug werden also unendlich viele Moaaden zusammangefasst, wird aus 

*) Lingetilieek 11, Atom nnd lluuadt* ]p. S. 

*) Htrtoiüiiii O^ De materiae ai^tid Leibnitinni noHone «t ad monadee r«latioit« 

eömeataiid* 
') Eimmerfauan E., Liibniti uud Herbaru p. ii« 
^) Se^alltr Z. GttdL dir Kaiurpli, L p, 48i. 



Hli nie 

PrVo 




iL 






n 



E 



das EinfÄcbe gegenüber dem ZusamuiengeseUtea wie die Ätüme ; die Monaden 
iltd das üntlieilbäie gegenüber der theilbaren Materie wie die Atome ; die 
McMiadeu. die Kiiinlicli iiicht, wahrnehmbar sind, sind allein das S*^ieude^ 
denen alles Andere, sinnlich WaUrnehmbare, namenilieh die Materie, 
erkl&rt uod begründet werden soll, wie die Att^me; die Mrinaden werden, 
vmi auch nicht wahrgenunimen, erschlossen: Wenn es Zusammfingpsetz- 
gibt, .Hü mnss es EinfaGlies gehen, wann es Ausgedehntes gibt, twuhb es 
Uta Tlieile desselben, Unausgedehntes, geben, wie bei den Atomen. Lag 
den Atomen die äusgere Anschauung der materiellen Welt äu 
raude, »o entspringen die Monaden ans der inneren Erfahrung des gei- 
igeo Lebens; stecken daher jene noch tief im Materialismus, so tritt 
er ein auf die Spitze getriebener Spiritualismus hervor. War in der alten 
lomiütik die grol>e Masse und das l'ntheilbare dasselbe, nur dass Letss- 
ren unendlieb kleiner und ohne das Leere war, so ist bei Leibnitz die 
Seele Eins mit dem llntheilbaren, nur ist sie begabt mit einei* perception 
\i\m distincte et acconipagnöe de mmoire, und unterscheidet sich von den 
gemeinen Atomen, den beheirschten Monaden, durch ihre Stellung und 
Bedeutung fui' den Organismus, Waren die AtDme nur durch Grösse, Ge- 
stalt und S(:hwere verschieden, so gilt dies nicht t1ir die Monaden; diese 
siEd iiualitativ verschieden, 

Ist in der Monadenlehre der Grund ftlr die Untheilbarkeit derselben 
innerer, ans dem Vergleiche mit dem seelischen Leben sich ergebend^ 
existiert für die Atome nur ein ganz äusserliclier ; mit Noth wendigkeit 
ogite tlaher Leibnitz seine Monaden von den Atomen auch in der Be- 
uung untei'seheiden, und sie als metaphysiache Punkte bezeichnen ge- 
über jenen, die immer nur physische d. i. materielle Punkte bleiben. 
daher die Monaden nur intensiver Vorgänge fähig, so dasi fflr 
iboitz die Welt niclita wai* als ein Saal voller Spiegeln, in dem jeder 
spiegeln soll, so konnten die Alten die Welt nur wie ein Mosaik aus 
Grösse und Gestalt nach verschiedeaen harten Steinchen auffassen.') 
sollten auch die Monaden, wie die Atome, nachdem sie vom Scbflpfer 
die Welt gestellt waren, nachdem derselbe die Welt als ein Auto- 
theater geschaffen und eingerichtet hatte, nachdem also in jeder 
ihre ganxe Zukunft vorgeschrieben and vorbestimmt war, so sich 
halten^ als ob sie eben nur nach mechanischen Gesetzen aufeinander 
irkten, als ob das Ganze, wie eine V\u\ die aufgezogen und dann sich 
ilber überlassen wmdej eine wunderbar eingerichtete Maschine wäre^ wäh- 
ind sie in Wirklichkeit nicht auf einander wirken, ja nicht wirken können. 
Je Catmalität, von der bei Leibnitz gesprochen werden kann^ ist nur ideell, 
ans dieser ideellen Causali tat Resultierende Phänomen, Vorstellung und 
ar verworrene Vorstellung in der einen gewissen Umkreis beherrschenden 
leamonade. Diese ist wie ein „Mann, der über und über in eine spie- 
^ttnde B&stung gehüllt ist, und mit geschlossenen Augen dasteht. Dieser 
Manu hat Vorstellungen, von denen er weiss; aber von den Büdere, welche 
knterdes die umgebenden Gegenstände auf seine Rüstung werfen« weiss er 

r >) i,«itfe&btck H. Atom und Monade, p. 9, $ 



raren 



Ules 



Il«sj 



34 

nichts. Seine Vorstellnngen sind von diesen äusseren Bildern ganz unab- 
hängig, sie sind seine perceptiones, die Bilder seine repraesentationes. Jene 
sind ein Inneres, diese ein Aeusseres für ihn, und beide brauchen so wenig 
zu harmonieren wie die wirklich vorhandene Welt mit der idealistischen 
isolierten Weltanschauung, die sich in jeder Monade bildet, zu harmonieren 
braucht. Der Mann mag glauben, sich in einem Garten zu befinden, wäh- 
rend in seiner Rüstung sich der Saal abspiegelt, darin er sich in der That 
aufhält."*) Aber weil die inneren Vorstellungen von demselben allweisen 
Schöpfer herr&hren wie die Aussendinge, so stimmen sie mit der wirklichen 
Welt zusammen. 

Daraus aber geht zur Evidenz hervor, dass alle Körper, alle Materie, 
alle Bewegungen, aller Mechanismus mit seinen Gesetzen nur zu Erschei- 
nungen herabgesetzt sind; sie sind nur ideelle Dinge. ,,Der Schein dersel- 
ben entsteht aber bloss durch die Unfähigkeit unseres Denkens, in der 
Unendlichkeit von einfachen Wesen, deren Complex die Welt ausser uns 
ausmacht, und deren Vorstellung sich aufdrängt, jedes vom anderen deut- 
lich zu sondern und zu unterscheiden."') 

Während aber die ältere Atomistik ausser den Atomen noch den 
leeren Raum benöthigte, um die Veränderungen zu erklären, tritt dieser 
in der Monadologie zurück. Der Raum ist bei Leibnitz ein formaler Be- 
griff, die Ordnung der cogxistierenden Dinge oder Phänomene, der Inbe- 
griff aller Orte. Der Ort eines (wirklichen) Dinges ist diejenige Bestim- 
mung an ihm, worin der Grund liegt, warum es bei seinen und den Kräf- 
ten der dasselbe umgebenden wirklichen Dinge binnen gewisser Zeitdauer 
gerade dies und kein anderes Mass von Veränderungen in den letzteren 
theils bewirke, theils von ihnen gegenseitig erfahre.*) Die Materie erfüllt 
also den Raum nach Leibnitz continuirlich, die Möglichkeit eines leeren 
Raumes ist ausgeschlossen. Freilich glaubt Harms*) auch bei Leibnitz Der- 
artiges zu finden. Geradezu zwar, meint er, findet sich in der Monadologie 
der Begriff und die Annahme der leeren Zwischenräume nicht. Wenn man 
aber die eigentliche Bedeutung dieses Begriffes in Betracht zieht, so fehlt 
er auch da nicht. Der Begriff der leeren Zwischenräume drückt nämlich 
nur die völlig getrennte und zusammenhanglose Existenz der Atome oder 
der einfachen Wesen aus. An sich ist dies nur ein negativer Begriff, dem 
aber doch zugleich Realität und eine positive Bedeutung zugeschrieben wird ; 
und in dieser Weise findet er sich auch bei Leibnitz. Doch gesteht er 
auch an einem anderen Orte^) zu, dass Leibnitz in seiner Monadologie den 
leeren Raum als Erklämngsprincip in einem viel beschränkteren Umfange 
verwendet, als die anderen Atomisten. 

In vielfachen Richtungen Aehnlichkeit mit der Leibnitz'schen hat die 

Anschauung Herbarts. Auch für Herbart ist die Materie nicht seiend, d. h. 

Zimmermann B, Leibnits' Monadologie, p. 54. 
^ Zimmennann B., Leibnits n. Herbart. p. 118. 
*) Ibid. p. 66. 

^) Allgem. Encydopaedie d. Physik I. p. 810 
B) Ibid. p. 896. 



8S 



niüht der absolut en Setzung fähig. Die Uatt^rie ist ja suianimeiisaBetzt, 
raggtdebntf unendlicti tiieübar» das Reale hingeben äeinam Begriffe nach 
einJacli, unausgeddmt, uutheilban Als Zusammengeöetztes muss ©s zwar 
aus Einfachem, Realem, bestehen, ist aber selbst nicht real^ ist mir ein 
I^dukt mehrerer Realen, Resultat des Zusammenwirkens mehrerer Realan 
auf unsere SiuneBorgane. Ebenso sind auch die sinnlich wahrnehmbaren 
Eigen scliaften der Materie nicht objective Qualitäten, sondern Resultat der 
v<^i einten Wirksamkeit mehrerer Realen^ somit Schein nicht Sein; pai^opt^a 
uieht yot |i**a. Der Schein der Materie ist aber ein objectiver d. h* ein 
der von der besonderen Beschaffenheit des auÖassenden Subjectes 
labhängig ist, welchen unter gleichen Bedingungen jede auffassende 
IiiielligeniE als iolche sich gleichmässig gefallen lasgen muss. Während 
aber Leibnitz zwischen den Monaden gar keinen causaleu Einfluss an- 
uiniiai, sondern nur Parallelismus der innerlichen Veränderungen voraus^ 
isetatt, ferdert Herbart einen causulen Zusammenhang zwischen den Realen, 
und dessen Erzeugnis ist die Materie« Die erste Forderung, um den Begriff 
di^i Materie oder richtiger \) die Materie selbst zu construieren, ist die 
Aünahme einer ursprünglichen Viellieit von Realen, von qualitativ ver- 
schiedenen Realen, die auch als Atome bes&eichaet werden konnten, aber 
nicht in dem Sinne der Alten, die eigen tlicli Molecüle verstanden, sondern 
wirkliche Atome, dem Begriffe nach untheitbare Wesen, wie die Monaden 
Lejbüitx\ aber ohne ursprlmgliclie geistige Kräfte. Diese quantitativ und 
«lüalltativ einfachen, unverän<lerlichen Realen müssen, da sie jedes für sich 
keinen Schein hervorzubringen veiniügen, in einem solchen Verhältnisse 
ilfedacht werden, dass sie dienen Schein zu erzeugen vermögen; als dieses 
Vtsrliältnis ist uitch Herbart das Zusammen xu denken. Aber wenn auch 
Inoch so viele einfache^ uuvaiänderliche d* i. unausgedehnte Wesen zusam- 
I Wien öind^ so machen sie doch noch immer keinAusgedelintes : 0+0 -hO+ . . . 
[gibt nie und nimmer ein Etwas. Das metaphysische Problem ist also iu 
'votier Klarheit da, uud es handelt sich darum, dasselbe zu lösen. Herbart 
k fuhrt 3cur Losung desselben den intelliglblen Raum und die Causatität ein. 
Wie Leihnitz sagte, ,,eine Moditication des Nichtausgedehnten mache 
[diis Ausgedehnte aus/' welche Modification nichts anderes als die Ver- 
IwudlQiif des Au^^gedehnten in einen blossen Schein in der Monade war, 
180 muss auch nach Üerbart am Unausgedehnten^ am einfachen Realen, eine 
ModiticMion vorgehen. Diese Modiäeation kann aber nicht die Realen selbst 
^ffißtt — diese sind unantastbar -- sondern nur „das Zusammen*' der-* 
nur die Foim des zusammenfaSBcnden Denkens. Galt dieses Zu- 
^sanunen bisher nui* als reines und vollkommenes Zusammen^ als gänzliches 
I Ineinander, wodurch aber keine ausgedehnte Materie zustande kommt, so 
liuuss dasselbe jetzt übergehen in ein unvollkommenes Zusammen, in theil* 
|wdBe6 AuBsereinander. Die» sieht zwar, wie Herbart selbst sagt'}, unge- 
it aus; allein diese Fictiou im Begriffe trifft lediglich den Raum, sie 

*) Zmnu^rmaiin E., Leibuitis a. Herbnn. p. ^2. 

*/ Herban J. F. Allgeioeiue Meupbjrsik U. W. IT« p. 211. 



'36 

bertthrt nicht im ICindesten die Qualität der Wesen, nicht die Realen; denn 
die räumliche Lage ist ttberrall nichts für die Wesen selbst. Der Raum 
also muss sich Ungereimtheiten und Widersprüche gefallen lassen! Wie 
aber soll es denkbar sein, dass einfache Wesen, die keine Theile haben, 
mehrere Theile mit einander gemein haben? um dies denkbar zu machen, 
wird eine neue Fiction eingeführt, nämlich die Fiction, dass die Realen 
auch Gestalt und folglich Theile haben, die Kugelgestalt, und zwar seien 
alle von gleicher Grösse; „denn es ist kein Grund der Ungleichheit vor- 
handen, und ohne solchen darf die Fiction nichts Ungleiches zulassen.***) 
Diese Kugeln, eigentlich Molecüle und nicht wahre Atome, durchdringen 
sich theil weise, nehmen also gleichzeitig zum Theil einen und denselben 
Ort ein. Allerdings erinnert sich Herbart sofort, dass die Annahme der 
Kugelgestalt nur eine Fiction war, nimmt sie auch zurück, schliesst aber 
doch so welter, als ob die Fiction Wirklichkeit wäre. Obwohl die Realen 
durch eine Fiction nur theilweise, in Wirklichkeit ganz zusammen sind 
d. h. in allen Theilen sich selbst erhalten (da sie eben unveräuderlich sind), 
so ist doch der Grad der Selbsterhaltung jener Fiction entsprechend ge- 
ringer. Selbsterhaltung ist also auch in jenen (fingierten) Theilen, die nicht 
zusammen sind, ein Widerspruch, der nur durch das vollkommene Zusam- 
men gelöst wird, d. h. es entsteht ein Eindringen der Realen in einander, 
es findet Attraction statt.*) Herbart gesteht selbst zu, die Attractionskraft 
in seinem Sinne ist eine blosse Fiction; die dem inneren Zustande der 
Selbsterhaltung im (fingierten) Ganzen nicht entsprechende äussere Lage 
muss in eine demselben entsprechende übergehen, so dass es den Anschein 
hat, als ob die Realen sich gegenseitig anziehen würden. Fände aber nur 
Anziehung statt, so würden alle Realen in einem einzigen mathematischen 
Punkte zusammenlaufen, und es käme nicht Materie zu Stande. Dazu ist 
auch Abstossung (Repulsion) nothweudig. Um diese zu deducieren, müssen 
mindestens drei Reale betrachtet werden. Es seien z. B. A und A^ zwei 
qualitativ gleiche Reale mit dem entgegengesetzten Realen B zusammen; 
der Gegensatz möge gleich sein d. h. so, dass schon ein A genüge, das 
B zum Maximum der Selbsterhaltung zu bringen. Wären beide A in voll- 
ständiger Durchdringung mit B, so hätte B eine doppelte grösstmögliche 
Selbsterhaltung zu leisten ; das ist unmöglich. Es können daher die beiden 
A in B nur so weit eindringen, dass die graduell geringere Selbsterhaltung 
des B, herrührend von jedem der beiden A, als Summe die grösstmögliche 
gebe. Das ist aber nur bei partieller Durchdringung des B von den beiden 
A möglich, B widerstrebt also im Falle einer zugemutheten Steigerung 
einer Selbsterhaltung über den Maximalwerth hinaus einer vollständigen 
Durchdringung mit A und Aj, gerade so, als ob es dieselben zurückstösse, 
als ob es eine Kraft der Repulsion gegen dieselben ausübte. Diese Kraft 
soll um so stärker sein, je mehr die durch das Mass der Durchdringung 

Ibid. p. 218. 

') Ibidem p. 214; Ferner: Herbart J. F. Theoriae de attractione elementoram 
principia metaph. 1812: Wr IV: p: 564, tSBÖ - ~ 



w 



jrdert« Selbstßrhaltung das inBgHclie Maiimiini flerselben überitlagfly 
ad die m»ibematiBche Bestimmuüg ihrer Stärke wUrrie si€h auch noch 
ichteti nach der Menge der eindringenden Realen nnd dem Verhältnisse 
ler ÜDgleichheit ihres Gegensatzes, Diese Ättraction und RepuLs?ion, nichts 
inderes als Bewegungen, bestimmt durch die inneren Zustände der Realen, 
lie dem Zuschauer als Kräfte erscheinen^ werden die einzelnen Realen in 
Ittie gewisse gegenseitige Lag^e und Stellung kommen lassen ; diese bilden 
tnn, da sie wie matliema tische Punkte nicht ganz in einander und auch 
idit ganx ausser einander gelegen sind, ein Klftm|ichen,^) welches einen 
einnimmt^ ein Molecül, welches je nach der Zahl und dem Gegen- 
der in Iheil weiser Durchdringung befindlichen (einfachen) Realen 
ichieden gross, verschieden dicht, verschieden geformt sein wird. Diese 
Kltlmpchen oder Molecüle können durch dieselben Umstände au grösseren 
^Quantitäten sieh vereinigen und bilden so die starre Materie Alle me- 
Phänischen, chemischen und vitalen Erscheinungen, alle Cohäsion und Ela- 
Itizitftt etc, werden auf die durch ilrren Gegensatz gegen einander he- 
fttimmten Selbsterhaltungeu der realen Wesen als ihren Ursachen zurfick- 
feffthrt. Die starre Materie ist nach Herbart nicht schlechthin, sondern 
Jliur relativ undurchdringlich d. h. nur in so ferne, als Reale (A, B) die 
innereu Zustände, in denen andere (C, D_ . ) sich befinden, nicht so ab- 
EUändern vermugen, dass darin der Grund der Attraction oder Repulsion 
enthalten wäre, Aendern sie aber den inneren Zustand derselben gar nicht, 
lind Hie dfjsparat, oder vermögen sie die inneren Zustände derselben zu 
iberwinden, so sind sie für sie durch dringlich; im zweiten Falle entsteht 
tine neue Matene, findet also ein chemischer Prozess statt *) 

Auch die Imponderabilien sucht Herbart durch seine Theorie zu er- 
en, indem er die Gegensätze der Realen in vier Classen theilt : a) starker 
nahezu gleicher, b) starker und sehr ungleicher, c) schwacher nahezu 
flficher, d) schwacher ungleicher Gegensatz* Auf der ersten Classe der 
i^misäize beruht die starre Materie, auf den andern die Imponderabilien: 
?alr»rienm (Wärmestoft\>, Eleciricum (Electricität) und Aether (Träger der 
Acht' und Gravitationserscheinungen)* 

^Das Werden der Materie ist hier auf so handgreifliche Weise darge- 
tellt, dass wir es fast bedauern, weuB dieselbe blosse Fiction sein solK"^) 
ie Piction des unvollkommenen Zusammen ist es, welche bewirkt, dass 
lie Realen nicht völlig theilnahmslos neben einander oder vollkommen in 
ÄÄnder sind. Ist aber das, was durch blosse Fiction entsteht, mehr 
m blosse Fiction? — Es kann daher aoch die Construction der Materie, 
rie sie von Herbart gegeben wird, nicht befriedigen, könnte auch dann nicht 
ledigen, wenn selbst die neuere Physik nicht so deutlich gegen die Stoff* 
beorie, wie sie von Herbart noch gelelut wird, entschieden hätte. Dazu 
tommt, dass nach der Herbar tischen Theoria nur qualitativ entgegenge* 

*) HerWt J. F. Allgem M^tapli* 11. W* 17* p. filü« 

*) Ziiu . ermauu E. LeibuiU ojid Uerbirc. p. lOl* 



'm 



88 

setzte Beale auf einander wirken — gegen welchen Begriff des Wirkens 
selbst gar wichtige Bedenken erhoben worden^) — während die Empirie 
das Gegentheil zeigt, nämlich, dass auch qualitativ gleiche Beale auf 
einander zu wirken vermögen. Die Schwierigkeiten oder eigentlich Wider- 
sprüche, welche in dieser Herbart'schen Gonstruction der Materie liegen, 
fahlten auch die ausgezeichnetsten Anbänger und Verehrer Herbarts*) nicht 
weniger als die Qegner seines Systems. Darum verlässt Drobisch^) die 
fingierte Ausdehnung der Elemente und lässt sie als wirkliche Ausdeh- 
nung gelten. — Kann aber das Beale als solches ausgedehnt sein? fragt 
man unwillktthrlich. Drobisch bejaht dies im Gegensatze zu flerbart. Cor- 
nelius^) hat die Ausdehnung aus Schwingungen der einfachen Wesen ab- 
zuleiten und sich damit der unter den Empirikern vorhandenen Meinung 
philosophischerseits zu nähern versucht. Auch er nimmt Durchdringung der 
Elemente an und nähert sich dadurch einer Auffassung, die der dynami- 
schen sehr verwandt ist. Ja Thilo ^) behauptet schon von Herbart, seine 
Ansicht sei dynamisch, obwohl Herbart sich entschieden gegen alle ur- 
sprünglichen Kräfte verwahrt. Herbart setzt vielmehr äussere, räumliche 
Verhältnisse zwischen den qualitativ verschiedenen Bealen — ein mehr oder 
weniger vollkommenes Zusammen — und diese sind die formale Ursache, 
dass die Bealen zu Kräften werden für den Zuschauer. 

Neben dieser, von Herbart selbst so bezeichneten, qualitativen Ato- 
mistik ringt sich die sogenannnte quantitative Atomistik mehr und mehr 
empor. Auch diese ford(;rt als letzte Elemente der Materie (qualitativ und 
quantitativ) einfache, theillose Wesen, — denn nur diese vertragen die 
absolute Position — aber nicht wie bei Herbart von verschiedener, sondern 
von derselben Qualität. Diese durchaus homogenen Elemente bewirken 
je nach der Verschiedenheit der Verbindung rücksichtlich der Zahl und 
Stellung den Schein verschiedener Qualitäten, constitüieren also die ein- 
fachen, qualitativ verschiedenen Bealen Herbarts; daher seien diese nicht 
die letzten Elemente, nicht Beale im eigentlichen Sinne, nicht Atome in 
wörtlicher Bedeutung, sondern Atome zweiter oder höherer Ordnung, oder 
Molecüle. Atome im eigentlichen Sinne, Beale dem Begriffe entsprechend, 
seien qualitativ gleiche, punktuelle Existenzen, „die unterste Stufe einer 
aufsteigenden Beihe, als deren einzelne Glieder nach einander die Atome 
der bisher sogenannten einfachen Stoffe auftreten würden, deren jedes für 
sich durch eine eigenthümliche Combination, sei es von Atomen des Ur- 
stoffes, sei es von solchen, die selbst schon dui*ch dergleichen gewonnen 
wären, repräsentiert wurde." ^) Die Annahme verschiedener Zahl, Lage, 



Zimmermann B. Leibnitz Monadologie ; Drobisch M. W. lieber die Wandlungen 
der Begriffe des Idealismus und Realismus. . . Z. f. e. Ph. V. p. 121. 

*) Flügel 0. Probleme d. Philosophie und ihre Lösungen, 1876. p. 81. 

«) Z. f. e. Ph. V. 156. sqq. 

*) Cornelius C. S. Ueber die Bildung der Materie aus ihren einfachen Elementen. 
1856. Femer Z. f. e. Ph. IL 113; VL 11; XII. 1, sqq; XIIL 186. 

>) Thilo Chr. A. Geschichte der Philosophie. 188 , 81; IL p. 407. 

') Zimmermann B. Anthroposophie, p. 188. 



(»Itiin^, welehf* die qualitative Atomistik nur als Ausnahmsfall zuliess, 
ilia Allotropie, Isonierie etc. zu f^rklär^n, ist nach der quantitativen 
Ltoniistik die Grund- und alleinige Annahrae, um säinintliclie Verschieden- 
Bfi der Korp^'r ahznieiten; sif* v<=^nve.ndei audi nur eiti ein^ig^^s fTesetz 
Mie Art und Weisn des V/irketiR derselbsii. Hat diese Hyiiothe^ie daher 
[>r der qualitativeii Atonjistik die Einfachheit voraus, so kommt ilir auch 
ll€ 1<ig^gche Konsequenz in höherem Masse zu*) als derselben. Denn dief?e 
lioalitmtive Atomistik), „welche dahin gelangt, die Vielen (quantiUtiv) als 
und (qualitativ) als viele zu setzen, hat den Widerspruch, dass ein« 
Tielftg und vieles ^=^ eins sein soll, gegen sich."*) 
DasH dabei an Materialismus durchaus nicht zu denken ist, dass der 
laterialismus mit dieser atomistischen Anschauung absolut unverträglich 
folgt aus dem contradictorischen Gegensatzp zwischen Materie^ dem 
chlerlitlnn Ausgedehnten, und Atom, dem »chlflchthin Nichtausg'edehnten, 
knsdehrningslosen. Lif*gt »lie Materialitiit in dem Kcldechthinnigen Ausge- 
plintseitif so kommt den Atomen im waliren Sinne des Worteg degsen Qe- 
ilhejly Unausgpdf*lintheit, zu, und in diesem Sinne ist jMes Atom ira- 
lateriell; nur wiid tlieser Ausdruck gern gemieden, weil er positiv klingt, 
fahrend die Bedeutung desselben rein negativ ist. Daraus ergibt sieh, daas 
der at^mistischen Anschauung (im strengen 8inue) das Immaterielle 
Ite conditio sine qua non der Materie bildet 



An diese in ihren Hauptumrissen dargestellten Anschauungen über 
tie MAterie schliessen sich die Philosophen und Naturforsclier der Gegen- 
irt mehr oder weniger enge an, sich bald mehr der einen bald mehr der 
tideren zuneigend je nacli dem Standpunkte ihres Systems, und vertreten 
Anschauungen aus metaphysischen oder empirischen Gründen» Daraus 
It hervor, dass bis jetzt eine zweifeltose, eine das Gegeutheil ausschlie- 
jde Lösung dieses Problems nicht möglich war; häufig findet man auch 
m Gelehrten und Forscheru ersteu Ranges ein offenes ignoramus ausge* 
prochen, einer der ausgezei chns taten ^) fügte sogar ein ignorabimus hinzu, 
in Ausspruch, den ich im Interesse der Forschung für gar zu pessimistisch 
iHen mochte. Es bleibt daher noch immer, wie Zimmermann*) in einem 
treffenden Vergleiche sagt. Aufgabe der philosophischen und em^ 
Wissenschaft vom Wirklichen, zu arbeiten „Arbeitern gleich, 
Idte von den entgegengesetzten Seiten eines Berges her, unsichtbar fllr 
iüAiiden aber auf geraeinsamen Voraussetzungen fussend und einer ge- 
meinsamen Methode sich bedienend, einen Tunnel durch das Innere dessel- 
b«!n tu bohren untemehmen, in der Hoffnung, wenn ihre Voraussetzungen 
gilüg und ilire Berechnungen richtig sind, irgend wo in der Höhlung des- 
jidbül susammen^u treffen/* Gewiss wird eine solche Arbeit nur vom besten 
folge für beide Wissenschaften begleitet sein. 



') Ibid. p. 188. 

') tblil. p. ISO. 

*) Du Boifl'Eajmatid. 

*) Zimmirmmti B Aothropoflophief p. 



IS?. 



40 

Dass dabei die Kenntnis der Anschauungen und Errungenschaften 
früherer Zeiten, wenn sie auch nicht immer nur Gutes zu Tage gefördert 
haben, von manchen unnöthigen Schritten abhält und dadurch vor Ver- 
iri'ungen schützt, andererseits zu fruchtbaren Gedanken anregt und zum 
Weiterarbeiten anspornt, wird wohl niemand bezweifeln können. Durch 
diese Zeilen etwas in der Richtung beigetragen zu haben, (das Urtheil 
dai'über überlasse ich den Fachgenossen) würde ich als den schönsten Lohn 
für diese Arbeit ansehen. 



KREMS im Juni 1885. 



41 



SchalnaohrichteD, 

erstattet vom 

Directar Fe lix A. Ebe rle. 



Laiidesoberrealschule, 



I. Lehrplan* 

Der tkrdi tlie Verordtmng des holien k. k. Uaterriclitsministenums 
rom 15. April 1879, Z. 5607 aufgestellte Normallelir iHau wurde mit 
leii durch die 1k Ministerial -Erlässe vom 23 April 1880, Z, 62B3 bezüglich 
M Unterrichtes in der Geometrie and im geometrischen Zefchiieii und 
27. April 1880, Z* 38 U bezüglich des Unterriclites in der deutseben 
französischen Sprache, in der Geographie^ Mathematik, Physik und 
Kalligraphie angeordneten Uodiöcationen eingehalten. 

Lehrgegenständd und Zahl der wfichent liehen Lehratundan. 



L^lirgi'genil&ndi» 



[ 



i 



' ^jiriki'he - « . 

I i-ilie Sprache ..**-.*. 

Eo^liicbe Spraeh« ... 

OeoarttFble ... 

IsfeJiiehte 

laUiein&tik . ,«.,,...... 

NÄtnfjBreschicht« . ♦ * ^ * 

Phyuik .............. 

Cliemie 

Gfioniftrie und geoinetr* y?eirhßen, daritel- 

Itiidt« Getimetrie ,.«».... * 
FreihandKeicbneu . * ,...*.. 
Tnineii * * . 



Sn*i!nie 



Hrhmiifhrf^ilitm tbediiiir'. obligat) 



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in 



FrtI« Lehroegaattände ^ 
ftiSt^nof^raphit« iaS Abrbeilungen und wilchentlicJi a llDtÄrricbtustiiiiifeü, 
\il. Abtb. St Sl, IL Abth. 1 St.) 

b) aaiaog in 12 AbtbeÜiiogeii mit je 2 ünternrUtBAtiiaden wöcbentlicb» b 



^^ 



n. Themen der deutschen AufsStze. 

(* Schalarbeiten.) 

V. «Iaf9e. 

1. Die wichtigsten deutschen Nationalsagen und ihre Beziehungen zu 
den historischen. Thatsachen. — *2. Die religiösen Anschauungen der alten 
orientalischen CulturvUker. — 3. Wie Hfton sich Karls des Grossen Un- 
gnade zugezogen. (Nach Wielands Oberon, 1. Gesang — 4. Der Wirt zum 
goldenen Löwen. (Charakteristik.) — *5. Die Künstler im Mediceerhaine. 
(Gedankengang und Grundidee.) — (k Die griechischen Hegemonien und 
woran sie scheiterten. — *7. Gedankengang in Horazens „Ode an Caesar 
Angustus.^ — 7. Das Yeriiältnis des epischen Dichters .zum Volke, im 
Alterthume und in der Neuzeit. (Im Anschlüsse an die Lectüre von Schil- 
lers „Die Sänger der Vorwelt,") ^ *9. Die Macht des Gesanges. (Nach 
ScAilleya Ballade „Die Kiraniphe des Ibykus.") — 10. Wodurch wurde den 
Bömei;n nach der Schlacht bei Canna^ die Fortsetzui^ des Krieges er- 
möf^ljioht? — *1L Erläuterung eines Bruchstückes au^ Horazens „Brief an 
die KsonjBn." — 12. Welchen Gang nahm die Cultur ia den Mittelmeer- 
län4ern? — 13. Wodurch stieg — wodurch fiel der römische Freistaat? 
*14. Die ?auptarten der lyrischen Poäsie. 

VI. C lasse. 

*1. Welehe Erwägungen bestimmten Sokrates aus dem Gefängnisse 
nicht zu entfliehen ? (Nach Piatons „Kriton". — 2. Ueber Vergnügungs- 
reisen zu Fuß und zu Wagen. — 3. In welcher Weise zieht der Mensch 
die Naturkräfte für seine Arbeiten herbei ? — 4. Der Mensch ist mehr oder 
weniger überall das Kind des Bodens, in welchem er wurzelt und sich 
entwickelt. — *5. Schilderung von Hagens Charakter. (Nach dem Nibelun- 
genliede.) — 6. Ueber den wohlthätigen Einfluss des Umganges der Men- 
schen mit der Natur. — "'7. Die Wandlungen des Charakters der deutschen 
Dichtkunst im Mittelalter. — 8. Der Meistersang die Blütezeit deis deut- 
schen Bürgerthums, ~ '*'9. Gedankengang in Klopstocks Abschiedsrede. 
— 10. Ueber die Bauten des Mittelalters. — *11. Die Disposition in Schil- 
lers „Wilhelm Teil." — 12. Rudenz der Vertreter des jungen Scbweizer- 
adels. — 13. Major von Tellheim und Riccaut de la Marliniftre). Ver- 
gleichende Charakteristik.) — "^14 Charakteristik Paul Werners und Justs 
(in „Minna von Bamhelm"). 

VII. C las 8 6. 

1. Welche Erfindungen haben am Ende des Mittelalters die gewaltige 
Aenderung im Denken der Menschen gefördert? 

2. „Nicht gebieten werd' ich dem Sänger spricht 
Der Herrscher mit lächelndem Munde, 
Er steht in des größeren Herren Pflicht, 
Er gehorcht der gfebieleiiden Stunde." 

SobUler: „D«r Gra^ Tim Hsbsburg!«' 



•3. Gedanken gtug: ftt Gaetl!??^BirtItf^ zit S<!TiflTWi& OlocRi"; mit Be- 
wgnaliDie auf Schillers Lebensgang, — i. Die Haltung Wallefiöteitis im 
*?r^leü Acte von „Wallensteins Tod ^ — 6, Die Production Amerikas and 
ihre Ruckwiikung auf die Wirtschaft lieben Verhältnisse Europas. — *6. 

IliQgt und Liebe sind die Fittige zu grossen Thaten, — 7. Welchen Sinn 
nl der 8prnch toii Rfkkert : 
Vor Jedem steht ein Bild de^, was er werden sdll, 
I So lang er das nicht ist, ist nicht sein Friede roll* 

*8 Der Deutsche ist gelehrt, 
I Wenn er sein Deutsch versteht; 

Doch bleib' ihm unverwehrtj 
Wenn er nach auBen geht. (Goethe,) 

[ 9. Die Absicht Lessiiigs in der „Hambnrgischen Dramaturgie/' — 
■10. Wer am Wege baut, hat viele Meister. — IL Welche geographischen 
VerhJlItnisse begünstigen die Industrie in England. — 12* Welchen Be- 
strebungen der Menschen verdanken wir unsere geograpliischen und elhno- 
raphjscheii Kenntnisse. — 1'4, Der Ehrgeiz — eine Quelle des Rnhmes 
id Unglftckfi für die Völker. (MataritätsprüfnngsarbefL) 

III LehrmltteL 

h Bibllotliek der Oberrealichtit«. 

Custos; Pj'of. Dn Johann StJobU 
Stand der Bibliothek m\ Ende des Sehuljahi'es 1884/5. 
Spraciiwissenschaftliche Werke 1213 Bd. 112 Hf. 



Qescbichtliche 


fi 


624 


w 


378 


»7 




Öeographisehe 


11 


287 


tt 


76 


11 


n Stücke 


Hathem. und Phyis^i 


k. 


647 


11 


59 


n 




Natargeschichtliche 


n 


ns 


tf 


1B2 


n 




Chemische 


« 


10? 


rt 


6 


n 




Pädagogische 


rt 


tu 


11 


44 


n 




Technische 


« 


170 


n 


20 


n 




Verschiedene 


n 


330 


jj 


60 


rt 




Jugendschriften 


« 


516 


n 


— 


n 




Jahresberichte 


rt 


— 


_'l . 


ÜSOO 


n 






Zusammen 


.4371 


n 


3407 


n 


3^ Stück«, 



Vermehrung im Schuljahre 1884/5. 
A. fjesclieiike: 
Vom hohen k, k. Ministerium für CultU8 und Unterricht: Bericht aber 

die Iniluüitrie und den Handel in Niederusterreich im Jahre 1H83. 

Vom hohen n- ö. Landet-Auitchagto i Stenographische Protokolle des 
_ ö, LaudtÄges, h Sess. der VI Wahlperiode, — Zusammenstellung der 
in der l. Sess. der VL Wahlperiode gefassten Beschlüsse. — Bericht des 
h. Landes-Außschusses über «eine Ämtswirksamkeit vom L April 1883 bi« 
30. Jum 1884 



Von der k. Akademie der WIsaenechaften in Wien: Anzeiger u. Sitzungs- 
berichte der mathem. naturhist. Glasse (Fortsetzung). — I. Aus den 
Sitzungsberichten: Bacher, hebräisch-arabische Sprachvergleichung. — 
Busson, Salzburg und Böhmen vor dem Kriege von 1276. — Burkhard, 
Die Ka^mirer Qakuntalft = Handschrift. — Dudik, Nekrologe der 01- 
mtttzer Domkirche. — Dudik, Tagebuch des feindl Einfalles der Schweden 
in Mähren. — Hirschfeld, Gallische Studien IL u. III. — Horawitz, 
Johann Heigerlin. — Krall, Studien z. Gesch. d. alten Aegypten. II. — 
Krem er, Beit. z arabischen Lexikographie. II. — Loser th, Das Nekro- 
log des Minoritenklosters in Olmütz — Meyer Gustav, Albanesische Stu- 
dien. II. — Mussafia, Mitteil. aus romanischen Handschr. I. — Müller 
Friedr, Bemerkung über d. Verbum d. Koloschischen Spr. — Nemanic, 
Gakavisch-Kroatische Studien. I. ^ Pf iz maier, Sprache der Aleuten u. 
Fttchsinseln. I u. ü. — Beinisch, Die Ghamirsprache. I. u. IL — 
Rockinge r, Untersuchungen d. Handsch d. Schwabenspiegels. VIIL — 
Schönberg, Kshemendra's Kavikanthäbharana. — Steffenhagen, Ent- 
wicklung der Landrechtsglosse des Sachsenspiegels. — Zimmermann, 
Hume's empirische Begründung der Moral. — 11. Aus den Denkschriften: 
Gegenbauer, Arithmetische Theoreme. — Gitlbauer, Ueberreste grie- 
chischer Tachygraphie im Cotex Vaticanus Qraecus 1809. — Grunow, 
Diatomeen von Franz Josefe-Land. — Haerdtl, Astron. Beitritt z. Assy- 
rischen Chronologie. — Heimerl^ Monogr. Sectionis „Ptarmica'* Achillea 
generis. — Redtenbacher, Uebersicht der Myrmeleoniden-Larven. — 
S e r s a w y , Int^ration d. partiellen Differenzialgleichungen. — W i 1 1 a c z i 1 , 
Der Polymorphismus von Chaetophorus popnlil. — Zukal, Flechtenstudien. 

Von der k. k. statistischen Central-Commission : Oesterreichische Sta- 
tistik V. Bd. 3. Heft: Ergebnisse der Volkszählung im Jahi*e 1880, 

Von der n. ö. Handeis- und Gewerbekammer: Verhandlungen derselben. 
Jahrgang 1884. 1.— 7. Sitzung. 

Von Herrn Dr. Kerschbaumer, Propst und Stadtpfarrer in Krems : Ge- 
schichte der Stadt Krems ; Krems 1885 (als Verfasser.) 

Von Hrn. Josef Obermayer, k. k. Oberstl. i. R. : Philip Sidney, the 
Countesse of Pembrokes Arcadia. London 1627. 

Von Hrn. k. Rath Dr. Grabacher, k. k. Bezirksarzt in Krems*. Ver- 
handlungen der k. k. zoologisch botan. Gesellsch. in Wien. Jahrg. 1884. 

Von Hrn. Dr. Pollhammer; k. k. Notar in Krems : Holub, Sieben Jahre 
in Süd-Afrika (2 Bd.) 

Vom Director F. Eberle -. Antheil der Städte Krems und Stein an den 
politischen Ereignissen der Jahre 1395 -UB2 (Krems 1866) [als Verfasser.] 

— Mayer, Chronik der Orte Ober- und Ünter-Berndorf. — Kaserer, 
das CoUegiatstift Mattsee. (Salzburg. 1877) — Misson, „Da Naz," herausg. 
von Lahdsteiner.— Nemeöek, Maturitätsprüfungen oder keine? Wien 1882. 

— Fricke, Die Deberbürdung der Schuljugend. Berlin 1882. — Juventius, 
Horatii carmina expurgata et notis illustrata. Venetiis 1755. ^2 Bd.) — Vir- 
gilii bucolica, georgica et Aeneidos libri XII. Halle 1722. — Pick Dr. 

Herm. B eitr. z. Statistik der österr. Mittelschulen am Schlüsse 1883/4. 



45 



Willomitzerj Deutsche Grammatik 



Von Hrn . Prof Mareck : Karl Schloasers Neuester Geschichtskaleiider. 
872—76. (5 Bei) 

Von Hrn. Verleger Manz in Wien 
irr, Mittpl schulen, Wien 1885. 
esbericbte von österr. Mittelschulea pro 1884 (130 SL im UtntauscbeO 

B. Kauf. 

Hir^el Ludw. Salomon Hirzels Verzeichnis einer Goethe-Bibliothek* 

E. 1884. — Jahresbericht Über die Erscheinungen auf dem Gebiete der 
Philo!. V. Jahrg. IL Abth. und 6. Jahrg. 1. Abth, — Seuffert, 
itschf) Literaturdenkmale des 18. u. 19» Jahrh. Heft 19. — Duncker, 
Geschichte des Atertlmms, Vlü. Bd Leipss. 1884. ~ Prell er, Römische 
Mythologie. 2. Aufl. Berlin 1866. — Kolberg, Nach Ecuador, Reisebilder, 
Freihurg 1 885.— P a u 1 i t s c h k e, Die Sudanländer, Freiburg 1 885,--? e t e r- 
nanns Mittheilungen aiiB J. Perthes geogr* Institute. Jahrgang 1883 u, 1884. 
— Hftbnera statistische Tafeln aller Lanier der Erde pro 1884 u. 1885. — 
retseh el&Bornemann, Jahrbuch der Erfindungen, 20, Jahrg. — H a r t- 
1 e b e II s elektrotechn. Bibliothek. 25 Bd ^H e 1 m h o 1 1 z, Wissenschaf Hiebe 
Abhandlungen IL Bds. IL Abth. — Meyer, die Atomgewichte der Ele- 
mente aus den Originalzahlen neu berechnet. Leipz. 1883. — Meyer, Die 
modemeu Theorien der Chemie und ihre Beileutung für die ehem. Mechanik, 
reslau 1884. — Peschka, Darstellende und projective Geometrie. 1 Bd, 
it Atlas. Wien 1883. — Walleutin, Mascarts Handbuch der statischen 
ElektricitlL I Bd. IL Abth. Wien 1885,— Zöpp ritz, Leiifaden der Kar- 
tenentwurfslehre. Leipzig 188L — Wagner, Jahresbericht über die Lei- 
stungen der chemischen Technologie für das Jahr 1884. — Hanaus ek^ 
Die Nahruogs- u. Genussmittel aus dem Pflanzenreiche, Kassel 1884. — H o f f- 
Q n. Die Schmetterlinge Europas, Lief. 1 —6. — R a b e n h o r s t,Kryptogameu 
T 15, 16, 17, IL 8, 9, 10. IIL 3, 4. — Q neuste dt, Handbuch der 
Petrefactenkunde Lfr 16—22, — Suess Ed., Das Antlitz der Erde, IL 
Abth, Prag 1885. — Aus allen Welttheilen, Illustr. Familienblatt für 
Länder- und Völkerkunde. Jahrg. 1 — 1 r>, (1870/84). — Glaser, Wulf- 
hilde. 2. Aufl. Lpz, 1885, — Glaser, Schiitzwang. 3. Aull, Lpz, 1885.— 
Krönerg Jugendbibliothek. 137—39. 155—45. 160/62. 164/66. 168/69* 
17U/7L 172 (K Bändchen). — Oberländer, Von Ozean zu Ozean. Lpz. 
1885* — Fr. Otto, Der Menschenfreund auf dem Throne. Lpz, 1884. — 
Paul, Die versunkene Stadt Lpz, 1879,— Richter, Landschaftliche Cha- 
terbilder. Lpz. 1885. — Schoener^ Der letzte der Hortensier. Lpz. 
^. — Schnitze, linter dem Kreuz. Lpz. 18 8L — Das Wissen der 
Gegenwart Bd. 29; 19 n. 31; 34; 36 u. 37. 

Fortietznngen : Allgemeine Deutsche Biographie, Lief 94 — 101- — 
en, AUgeuL Ge^^ch. in Einzeldarstellungen. Lief 85—96 — Müller, 
drifts der Sprachwissenschaft. 11 L Bd. IL Abth, L Hälfte. — 
'EArachJier, Deutsche N&tional-Literatur. 149—228. — Topographie von 
Xiederdsterreich. IL Bd. 14. u. 15. Lief — Schriften des Vereins zur 
Verbreitung naturw. Kenntnisse. 25. Bd, 



4A 

2eit0chrlftfn. 

Wiener Zeitung. — Verordnungsblatt für den Dienstbereich des k. 
k. Ministeriums für Cultus und Unterricht. — Aus allen Zeiten und Lan- 
den. — Zarnckes liter. Centralblatt. — Revue politique et littAraire ed. 
p. Young. — Harper's „Monthly Magazine." Jahrg. 1886. — Kolbe, 
Zeitschrift fftr^das Realschulwesen. - Strack, Gentralorgan fttr die In- 
teressen des Realscbalwesens. — Blätter ffir Landeskunde in Nieder- 
5sterreich. — Mittheilungen der k. k. geogr. Gesellschaft. — Wiede- 
mann, Poggendorfs Annalen der Physik und Chemie (mit Beiblatt.) — 
Klein & Mayer, mathem. Annalen. — Schi ömi Ich, Zeitschrift ffir Ma- 
thematik und Physik. -- Hoff mann, Zeitschrift für mathem. und naturw. 
Unterricht. — Eulen & Eckler, Monatschrift für das Turnwesen. — 
Kremser Wochenblatt. — Kremser Volksblatt. 

2. Lehrmitteliaiiiinliiiis ffkr deik seoctaphischen und historischeii 

Unterricht. 

Custos: Professor Anton Pokorny. 
Als Geschenk erhielt die Samiliiung: Von Hrn. Prof. Horst: 1 Aquarell 
(117 cm. hoch, 83 cm. breit), Germanen-Gruppe: Der Cheruskerfürst Armi- 
nius aus der Schlacht im Teutoburger Walde zurückkehrend. — Angekauft 
wurden: a) Aus der vom hohen n. ö. Landesausschusse pro 1884 bewil- 
ligten außerordentlichenDotation: Geographische Charakterbilder, 
aus Hölzel's Verlag in Wien, VIII. Serie mit Textheft. b). Aus der 
Jahres-Dotation: Randegger's Wandkarte von Vorarlberg, bearb. im 
Auftrage des Lehrervereines des Landes Vorarlberg, 1879. — „Die deut- 
schen Kaiser.^' Nach den Bildnissen im Römer zu Frankfurt a. M. 53 Far- 
bendruckbilder. Stuttgart. 1885. —Fortsetzungen: Hellwald, Amerika 
in Wort und Bild, Lfg. 31— 49.— Baumeist er, Denkmäler des klassischen 
Alterthums, Lfg. 4—20. — Hirth, Culturhistorisches Bilderbuch aus 3 
Jahrhunderten, Lfg. 28—31. 

3. Lehnpitteliammliing ffkr den natarhittorischeii Unterricht 

Custos: Professor Johann Forstner. 

Ale Geechenke erhielt die Sammlung: Vom Hochw. Herrn Rector 
An ton Gsangler : Eine systematisch geordnete Käiersammlung, ent- 
haltend 465 species. — Von Hm. Rittmeister von Elpons in Steinerhof 
(durch Vermittlung des Custos) zwei Gemsgehörne, 2 St. Talk und l St. 
Alabaster. Vom Herrn Oberst Ochzim 2 St. Felsarten. — Vom Herrn 
J. Hrdliczka, Landesturnlehrer, eine Colection Schmetterlinge und von dem 
Schüler der 2. Classe Josef Oser 1 St. Markasit. 

Angekauft wurden: 20 Stück ausgesuchte Mineralien als: Krystalle 
und Drusen von Bergkrystall, Rauchtopas, Morion, Adular, Aragonit, Ei- 
senglanz, Granat, etc. Dmn Leuckart Dr. R. und Nitsche Dr. H., zoolo- 
gische Wandtafeln (9. u. 10. Lief.) 



^^ 47 

4. LehraiiiteUanuiiliiiis flr Pliyiik. 

Cu8tos: Professor Dr. Anton Ehreiiberger, 
Angekauft wurden: Aus der Dotation des Jalires 1883/4; Prisma mit 
uihI Ring, rnrnchtung zur Beobachtung des FunkenspectrumSj 
remrohn^i'in^^iPj Spiegel nach Stefan, Dreh wage nach Coulomb, Zinkkohlen- 
ülamenl, Qa^batterie nach Planta, VolUmeter nach Buusen, Apparat für 
neelianische Ueberführung der Flüssigkeiten Aus der Dotation des Jahres 
l/fi: Gewiclitssatz, Glasthränen, Glassturz zu einem Multiplicator, Re- 
ittier ung des Weissbach'schen Ausflussapparates, Kautschukhai Ions, Blase- 
llitit^k zu aküii tischen Versuchen, Dynaniumaschine. 



S* Lehrmltteliamiiiliiiig im ehemi sehen Labor atorloni. 

Cuötos: Professor Friedrich Mareck- 
G«9cNiilc: Von Hrn. Professor Job. Forstneri 7 SL in Glasrähr- 
Ithm rnngeschniolzene, von demselben angefertigte wert?ollÄ chemische 
flVäparate, 

Ankauf: Zwei Doppel -Einsätze von Kohlen- und Zinkplatten für zwei 
[ifrosse Chromsäureelemente — Ein Gaskochofen nach dem System ^Wobbe" 
|iiiid «ine Gaslampe mit Argand'schera Brenner, Milchglasachirm und Mea- 
mngfesieUe aus der Gasanstalt in Krems. Zur Benutzung derselben wurde 
leine mobile, ausschalt bare Gasleitung durch 2 eijsei-ne Rölirenstücke, Ver- 
Uindungshähne und Gummischlauch hergestellt — Ein Hectograph mit 

1 7i Klg* elastischer Masse und Tinte von Levitus, — Ein gläserner Con- 
[densations- Apparat für Ammoniakgas zur Versinnlichnng desPrincipa der 

Carre'schen Eismaschine. — Fin neuer ausgiebigerer Condensator für den 

RuhmkoHTschen Inductionsapparat — Die Praeparaten-Sammlung wurde 
[darch Anfertigung einiger vollkommener Alaun- nnd diromalaun-Krystalle 

und andere besonders schöne Präeparate bereichert* 



C LehmiittelBatDitiltiiis fftr den Unterflchf Im Ffelhandieiehtten. 

Cu^^tos: Professor Oswald Horst 
Ankauf: Kolb, der Ornamentehschmtz. (Fortsetzung, IL— 14. Lfg, incL) 
— GypHniodelle. aus dem k. k, usterr* Museum filr Kunst und Industrie: 
Veruchiedene (Jrnaniente uach antiken und Renaisanee- Vorbildern (Nn 12t, 
«5, 1», 190, MO, 249, nl8, Sl§, 520, 598, 699, BOO, 001, 643 des Cata- 
\o^eB der Gypsabgösse), Lowenkopf ( antik \ Basielief, zwei männi, Brust* 
bUdtr darstellend, Brustbild eines MädnheuK, Maske der Medusa Ronda- 
nmi, Maske des Sklaven, Kopf eines Kindes, Piedestal, Pretes Endete in 
Pjfmöldaifomn imd in Kegelfonn, Relief Thorwaldsen, Weiblicher Kopf 
(BeUif). 



48 



lY. MaturitSfB-Prfifiing. 

Am Schiasse des Schuljahres 1883/4 legten die Maturitätsprüfung mit gutem 

Erfolge ab : 



Name 



Geburtsort 



Prüfungs- 
Ergebnis 



Gewählter Beruf 



1. Baeh Franz 

2. Eiser Josef 

3. Gylek Franz 

4. T.Kaysersheimb Richard 

6. MayrKarl 

6. Tanssig Salomon 



Tabor in Böhmen 

Nöehling in Nieder- 
österreich 

Neusohl in Ungarn 

Agram in Croatien 

Stein in Niederösterreich 

Isper in Niederösterreich 



Broklyn in der amerikan 
Union 



Beif 
Reif 

Reif 

Reif 

Reif 

Reif 
Reif 



Technik 

Hochschule für 
Bodencultur 

Thierarznei- 
Ihsdtut 

Handels- ! 
Akademie 

Hochschule für < 
Bodencultur , 

Unentschieden 
Technik. I 



7. Hombostel Wilhelm, 
I Extemist 

NB. Die sub 1. 2. und 7. genannten Abiturienten erhielten das Zeugnis der Reife bei wie- 
derholter Prüfung aus je einem Gegenstande. 

Zur Maturitätsprüfung am Schlüsse des Schuljahres 1884/5 meldete 
sich einer von den vier öflfenüichen Schülern der Vn. R. Cl. — 

Bei den schriftlichen Prüfungen, welche in den Tagen vom 27. Mai 
bis incl. 1. Juni stattfanden, wurden folgende Themen bearbeitet: 

I. Deutsch: „Der Ehrgeiz — eine Quell« des Ruhmes und des Un- 
glücks für die Völker." 

II. Französisch-Deutsch: „Une scöne de la bataille d'Aspem'' aus 
Filek, LeQons de Littferature francaise §. 173—174 Z. 8 von unten. 

III. Deutsch-Französisch : Aus Ploetz, Uebungen zur Erlernung der fran- 
zösiscüen Syntax, S. 32, Stück 2, vom Anfang bis S. 33, Z. 9 von oben. 

iV. Englisch-Deutsch : „Richard EL," aus Herrig, The British Classical 
Authors. S. 623, vom Anfang bis: „against the duke of Norfolk." 

V. Mathemathiic 1.) Eine Schuld von 912210 fl. soll in 12 jährl. Ter- 
minen zu gleichen Summen abgetragen werden. Wie hoch muss jede Ter- 
minalzahlung sein, wenn 5% Zinsen p. a. gerechnet werden und die erste 
Zahlung 6 Jahre nach Aufnahme der Schuld zu leisten ist? 

2.) Die Mantelfläche eines geraden abgestumpften Kegels ist M«-421'37 m* 
die Seite desselben s = 9-25 m und die Neigung der Seite gegen die 
grössere Grundfläche a = 60^ 53' 25"; wie gross ist der Inhalt des Eegel- 
stumpfes? 

3.) Von einem ebenen Dreiecke ABC sind die beiden Winkel A, B 
und der Flächeninhalt f. gegeben. Man .berechne hieraus die drei Seiten 
und den dritten Winkel des Dreieckes. > A = 82<> 33' 21", <B = 
bV 10' 35", f— 715-36. 



49 



i.) Man bestimme den geometrisdien Ort ilesjenigen Punktes^ dessen 

Entfünmng von der Geraden : x =^ — 5 ebenso gross ist als jede der Tangen- 

Jleti, di^ man von ihm an den Kreis: x^ + y*— 7x — 375^0 ziehen kann* 

VI- Darstellende Gsametrie: 1.) i^wei einanilf^r scUneidead**, gegen 

ftide Projet^tiimsi^lHinpii j^^nei^tt- Eirenen «. ß und ein Funkt Ä außerhalb 

Mnd jrejfeben. Man ziehe durcli A gniade Linien, welc'he mit « einen ge- 

[irebenen Winkel w einschließftn und zur Ebene ß parallel sind. [Der Win- 

ud w ist kleiner anzurtelimen, als jener, den die beiden gegebeneu Ebenen 

[dnscliliefien.) 

2*) Eine tax P^ senkiechte cylindrische Röhre und eine Ebene « sind 
'g^tfeben. Die I. Spur dieser letzteren schließe mit dt^r Projectionsaxe einen 
Winkel von 45** ein und berühra die K Spur der äutSeien Cylinderfläche 
irerlilseitig und riirkwarts, die 2, Spur der Ebene ^ei unter 60® gegen die 
lPfi»jectionsaxe geneigt Man €onstruiere füi- paralleles Licht den Selbst- 
pdiatten, den Selilagsf^hatteri in das Innere der Rohre und jenen auf die Ebene, 
3.) Ein legelmäßiges, ii seitiges Prisma, welches mit seiner Grund- 
tie auf einer htnizontalen Ebene auf ruht, ist perspectiviach dai^ustellen. 
Ortind kanten betragen je 8 cm, die Seitenkanten 16 cm, die Aug* 
[ttbtans A = 2G em. Die Seitenkante A B, deren unterer Endpunkt A di« 
:»rdinaten x=— 4 cm., y=^o, Z = — 11 cm. habe, liege in der Bild- 
ae, die rechts daran stossemle Ürundkante AC sei unter 30 ' gegen die- 
selbe geneigt. Man construiere ferner unter der Annahme, dass das Prisma 
bohl »ei und die ubere BegränKungsfläche sowi^ die durch BAC gehende 
Iche fehle, den flir paralleles Licht auftretenden Scblagschatten. 




V Verzalehnls der LehrbQcher, 

tie Im Schuljahre I8l45/§6 tu Verwendung kommen, 

Religion i L CK Drechsl, biblische Geschichte — IL CL Fischer, Ita'ttioL 
Relfgionslehre. — III. Ol. Müllner kathoh Sittenlehre, IV, Ci, 

I Fischer, Lehrbuch der Kirchengeschichte. 

Oeatftthe Sprache i L— IV. Cl WiUomitzer, deutsche örammatik Egger, 
deutsches Lesebuch für die I., IL, IIL und IV. CL 
V, ^ VII. Cl Egger, deutsches Lehr- und Lesebuch für 
höhere Lehranstalten L Theil (Ausgabe f Realschulen.) Deg 
fc n, Theiles I. u. II Bd. — In der VL CL Janker et No§, mhd. 

^P Les^bncfL 

Französische Sprache: L und IL CK Bechtel, französische Grammatik, L 
Theil, 

IIL— VIL CL Ploetz. Schul^rammatik der franzDs. Sprache. 
IT* CL BechteL französisches Lesebuch* 

IIL und IV. Cl. Filek v. Wittinghausen, franssüsische Chresto- 
mathie, — V — VIL CL Br^chtel, französische Chrestomathie f d* 
oberen Classen der Mittelschulen. 
Englische Sprache: V. -VIL Cl. Sonneiiburg, Grammatik der englischen 
Sprache. — VI, und VIL Cl Se^liger, englisches Lesebuch L d* 
ob*»ren (lassen höherer Lehranstalten. 
Geographie: L -IV. Cl Herr G., Lehrbuch der vergleichenden Erdbeschrei- 
bung. L, IL und III. CursuH , Schulatlanten von Eozenn oder 

7 




50 

Stieler. — V.— VIT. Cl. Seidlitz, größere Schulgeographie. — 
Vn. Cl. Hannak, österr. Vaterlandskunde f. d. höheren Classen. 

Geschichte: II.— IV. Cl. Hannak, Lehrbuch der Geschichte f. d. unteren 
Classen, 3 Theile: Alterthum, Mittelalter, Neuzeit. 

V.— VII. Cl. Loserth, Gruiidriss der allgem. Weltgeschichte, 
I., II. und III. Thl. 

In sämmtlichen Classen: Putzger, historischer Schulatlas. 

Mathematik: I.— III. Cl. Villicus, Lehr- und Uebungsbuch der Arithmetik 
für Unterrealschulen, I , IL, und m. Theil. — IL und III. Cl. 
Wallentin, Sammlung von Beispielen und Aufgaben aus d. Arith- 
metik für die unteren Classen. 

IV.— VII. Cl. Moönik, Lehrbuch der Arithmetik und Algebra 
für die oberen Classen und Wallentin, Sammlung von Beispielen 
und Aufgaben aus der Algebra und allgemeinen Arithmetik. 

V.— VII. Cl. Wiegand, Lehrbuch der Mathematik : a) Plani- 
metrie I. und IL Cursus; b» ebene Trigonometrie; c) Stereo- 
metrie und sphärische Trigonometrie — Logarithmentafeln von 
Gemert. 

VII. Cl. Frischauf, Einleitung in die analytische Geometrie. 

Geometrie und geom. Zeichnen: I. Cl. Moönik, geometr. Formenlehre für 
die L Cl. d. R. Seh. — IL, III. und IV. Cl. Moönik, Anfangs- 
gründe der Geometrie in Verbindung mit dem Zeichen f. Unter- 
realschulen. 

Darstellende Geometrie : V.— VII. Cl. Streißler, Elemente der darstellenden 
Geometrie für Realsculen. 

Naturgeechichte : L Cl. Pokorny, illustr. Naturgeschichte des Thierreiches. 
IL Cl. desselben Verf. Naturgeschichte des Pflanzenreiches. 
Bisohing, Grundriss der Mineralogie. — V. Cl. Woldfich, Leit- 
faden der Zoologie — VI. Cl. Wretschko, Vorschule der Botanik 
für die höheren Classen. VII. Bl. Höchstetter und Bisching, Leit- 
faden der Mineralogie und Geologie. 

Physik: in. und IV. Cl. Krist, Anfangsgründe der Naturlehre f. d. unteren 
Classen der Realschulen. 

VI. und vn. Cl. Wallentin, Lehrbuch der Physik für die 
oberen Classen der Mittelschulen. (Ausgabe für Realschulen.) 

Chemie: IV. Cl. Quadrat undBadal, Elemente der reinen und angewandten 
Chemie. 

V. u. VI. Cl. Mitteregger, Lehrbuch der Chemie für Ober- 
realschulen, I. Theil : Anorganisehe, IL Theil : Organische Chemie. 

Stenographie: IV.— VII. Cl. Faulmann, Gabelsbergers Lehrbuch der Steno- 
graphie. - Faulmann, stenographische Anthologie. 



VL Unterstützung armer Schüler. 

A. BaruDterslutiuogen. 

Im Laufe des Schuljahres gelangten folgende Stipendien und Unter- 
stützungsbeträge zur Auszahlung an arme und würdige Schüler der Lan- 
desoberrealscliule : 

L) Das vom hohen n ö. Landtage gegründete Kaiser- 
Stipendium 150 fl. — kr. 



L) pie Interessen Am Edaani Schiimacber'selieti Legates 

w) J!wf i V(»n tlt^in Vorätaiule ihs ZHlinkieuzer-Vereusuä 

Kr»*m5 der DiiHctiini UbergebKiie ünUTätiUzuugsbij- 

tratrf; ä aü tl., 2USHiiirii*^Ji , 

:^\r .l*jsiel'TfialUutei''sclie Stadienstiftuii^ im Bt*trage 

jaürlicliei' , 

l) Am23,l)ecember 1884 u. am 2u April 18B3 an secli» 
SeUöJer Barbeträge ans dem Uuter.stati5ungsifonde, 

mmmmmu , 

enlnm waren 'J Stdiiikr der Realscliule int UeiHlssa 
^i%'iiiig«^i- ^tipetiditn im (iesammlbeirage von . 



^^ 


61 


81 fl. 


- kr. 


lOU Ü 


- kr. 


lUU H. 


- kr. 


80 fl. 


-kl. 


^00 fl. 


— kr. 



II. Tille re»h1i Ell fiic^^rnud. 

riiRer de» unter den Kinnalimen iaisgewieäeiien Geldbeträgeü erhielt 

Irr rnter>tril/Aiii^.sfond im Jnln'e 1884,5 : 

\4 Villi der Pai»ierbrind!injg 8asktt in Krems verschiedene Sclireib- nnd 
Zt'ichenrequisiten 

L) Aus dem Reiner trUgnisse des von Herrn Prutessor Igiiaz Walter zum 
Brpcten iliirf liger Studierender veranstalteten Coacertes den Betra, 

vun ,.•,,. ,*,........, 9Ü 

Ann dem Nachlasse des Herrn Baron J, Wiiitzingeroda ein 

Slflek Notenrente zu . ,..,.....•.., 100 H, 

) Von dem Ahlttuienten der Handel ssehule Franx Prandstetter 3U Lelir- 
btlcher. 

V) Von Hrn. Adult Schmitt in Reiiberg ^J Paar Schuhe für Tarnschiiler- 



Eiiiiialimi-ii* 

I, Gisohenke: H. kr. 

Hi^nii k, k, tieneral major v. Kay^^ersheinib , • . , 5 . — 

"' iikup in Wien * . . 15 , ^ 

iiuLsLnmun in Ivrenm , » . . 2, — 

1j, I)in.sU in KrenKH t . — 

8chiomer, Braumeister in Kioäterüeuhurg , . 4 * — 

Fax, Goldarb,'*iter in Krems ,....,-, ti . — 

(irlhiberger, Hau^besitsEer in Krems . , . . 6 . — 

Kran Wolf in Wien , 2 , — 

„ Berger in Krems 2 . — 

^ Frau Stükle^ Pi'ivafi in Krems 5 . — 

einem Ungenannten , 1 , — 

Herrn Üeüterreiclier, Buchhändler iu Krenis * . * • 3 . — 

8r, Hoehw, Hm, Dr. Kerschbaumer, Prui^t^t in Krems o , — 

eiuetn 8eh&ler - . , — . 80 

Herrn H. Exel, Mtihlbesitzer in Imbach 10 . — 

ilem n. ih Ijandesfonde 100 , — 

rh die Kanzlei de« Herrn Dr. A. Drinkwelder aus 
dem Nachlasse des Hrn. Franz Hofer^ Hausbesitzen« 

in KremB 25 . — 

ein Legat nacli Frau Josepha Birbaum in Kremi, 
im Betrage von öO fl; nach Abxug der Gebühren 

und Stempel . - . . 44 > Ql 



n. kr. 



2d% , 61 



161 . 90 



401 . 61 
491 51 



59 

2. Zinsen: fl. kr. fl. kr. 

Coupons 54 . 40 

Interessen der Langbeinz'schen Stiftung 8 . 40 

Interessen der Einlagen der Sparkasse in Krems .... 78 . 76 

Interessen der Einlage im I. Vorschuss verein in Krems 15 . 88 
Interessen der Einlage beim allg. österr. Bearatenverein 

(Consortium Krems) 4 . 46 

Gesammtsumme der Einnahmen (m. d. Concerterträgiiisse pr. 9 J. fl ) 

Ausgaben : 

Conto des Buchhändlers Qesterreicher ....... 209 22 

„ „ Papierhändlers Saska 20 . 30 

. „ „ „ Kunschak 10 . 10 

„ „ Buchbinders Forner 1 . 50 

Barunterstiitzungen zu Weihnachten 75 . — 

^ im II. Sem __. 1 . — 

Aus der Gegenüberstellung der Einnahmen pr 

und der Auslagen pr 

ergibt sich eine Vermögenszunahme von 165 . 39 

ohne die oben erwähnte Notenrente zu 100 fl. Nominahverth. 



326 . 


12 


491 


. öl 


326 


12 



VefitiÖKrii^MMid «m 15. Juni IA85. 

(Ohne die seit l. Jänner d J. aufgelaufenen 



Zinsen.) 
1884 



1885 



1.) Sparkasse-Einlagen und Bargeld : 

Einlagsbnch bei der Sparkasse in Krems Tom. XVIII. Fol* 367 

B. Z. 11072 

Einlagsbnch bei der Sparkasse in Krems Tom. XXVII. Fol. 164 

B. Z. 254S5 

Einlagsbuch bei der Sparkasse in Krems Tom. XXXI. Fol. •" 42. 

B. Z. 31449 . 

Einlagsbuch bei d I. Vorschussvereine für Krems u Umgebung 

T. V. F. 864 

Einlagsbach bei d. Spar- und Vorschussconsortium Krems des 

österr Beamtenv- reines 

Barrest 

Summe des Bargeldes . 

t?.) Wertpapiere, angeführt Im Nominalwerte : 

1 Stück Silberrente 

2 l Papierrente (1883/4 nur 1 St.) 

4 n „ k 100 fl. (Legate der Frau M. Langheinz 

und des Herrn J. Eggel), beim hohen 
n. ö. Landesaasschusse in Verwahrung,) 

Ein Fünftel 1860er Los, Serie 4368 Nr. 19 

8.) (iebrauchte Schulbücher, Schreib- n. Zeichentequisiten. 



449 12 



1090 

450 

385 

120 
16 



2511 



1000 
100 
100 



400 
100 



21 

61 

63^ 
57 



J 


fl. 


4i9 


11 


1133 


27 


450 


- 1 


380 


- 


220 

44 

2676 


5-, 

96 


lOOÜ 
100 
200 





II 400 
100 


1 



58 

Aq^iaHi» ft1>if ilie |Tiiter»itll'Siini A^r ArhAf4>r. 

Im ersten fSeniP^ter wunlen *?7 8cliühr, im zweiten M SchUler der 
iRfmljichulii mit Lehrbiiclirr» betlieiU. Von diesen eiliielten im 1. 8<*nie*sler 
16. ttn 2. 18 Hueli Sclireib- und Zeichenreqaiseti; 6 Sdifdei erriiidten Bat- 

Tas Cumile fttr tlie Verwaltimg de« UnterjUllKUngiifoudu : 

Üir Eberle, 

Ob mann 

Prot Dn Ehrenberger* rmf v* verscheide Pror Kirchberger. 



I 



TM. Verordnung des hohen k. k. MlntsterluuiH fflr Caltus 
und rutcrriclit vom m, April 1885, Z. 755$. 

AI?< Anlmng zu den liii^trtH'tion^n fnr den Vnl^irkht an (Tvmimsien 
;hi*int eine selUständigre Piiblieation unter dem Titel: ^WeiHusigeu zur 
Ftthrting des Schulamt et? an den Gymnasien in Oeslerreieb ** Diei^elbe ent- 
die gesetzliclien Bestimmungen über die anderen wiohtigeu Seiten des 
mlleben» nml die dazn geliöiigen Instructiüueii, namentliclj über tliw 
IHicipIiii, das Prtifungs- und Zeugniswestenj die innere Amistuhruu^ und 
dii* unmittelbare Leitung der Sdiule, indem sie selbe einer den «gegenwär- 
tigen Stand der iJinge berriüksichtigenden Revision uutei'zieht, (Diese Puhli- 
ration ist beim k* k Sclmlbiicber- Verlage in Wien zu beziehen.) 

Bezüglich der M a t n r i t ä i s p r tt f n n g e n entliä] t diese Verordn ung 
anter andern folgende fi'ir die Realschule wichtige Be.stimninng: 

^Denjenigen Candtdaten» web^he .sich mit einem gesetzlich erworbenen 
ZtJiiguiöse der Reife ITir Studien an tetdinischen Hoclischnlen ausweisen, 
filnd bei der Ablegnng ilei' Maturitätsprüfung für die ITuivejHität^studieu 
die Prüfungen aus Mathematik, Naturgesehicliie und Pliysik unbedingt zu 
erlÄS«en, und ist die Prüfung aus Ge.sehiehte auf die (ieschickte der das- 
siücheu Völker des Alter tlmms einzuschränken/' 

VllL Oekaiititmachuiig^ dteAufiiahitie^ler Schüler betreffend. 

Das nächste Schuljahr beginnt am IC. September 1H85. Die Aufnahme 
der Scbfller findet am 12, und 13 September Vormittag von 8 bi^ 12 Uhr, 
am 14 September von 8 bis 12 Uhr und Nachmittag von 2 bis 5 Uhr in 
der Directionskanzlei statt. Alle Schüler haben sich in Begleitung ihrer 
Eltern oder deren Stellvertreter bei der Direction zu melden 

Die Aufnahme in die 1, Realclasse hängt von dem Erfolge einer Auf* 
nahmsprüfung ab^ welche am 15, September ribgehalten wird. Zufolge der 
MiuJBt.-Verord. vom U. März lH70, Z 2:370 winl bei derselben gefordert ■ 
^ Jenes Maß von Wisfsen in der Religion» welches in den ersten vier Jah- 
rescursen der Volksschule erworben werden kann^ Fertigkeit im Lesen und 
ächreiben der Unterrichtssprache und der lateinischen Schrift, Keantais 
der Elemente aus der Formenlehre und Unterrichtssprachei Fertigkeit im 




54 

Analysieren einfacher bekleideter Sätze, Bekanntschaft mit den Regeln der 
Orthographie und ihrer richtigen Anwendung beim Dictandosch reiben, 
Uebung in den vier Rechnungsarten in ganzen Zahlen." Jünglini^^e, welche 
aus einer andern nicht gleichartigen Mittelscluile in die Realschule über- 
treten und in eine höhere als die I. Classe aufgenommen werden wollen, 
haben gleichfalls in einer Aufnahmsprüfung das Maß ihrer erworbeneu 
Kenntnisse zu erweisen. 

Solche Schüler, welchen wegen nicht entsprechender Aufnahmsprüfung 
die Aufnahme in die I. Classe einer öffentlichen Mittelschule versagt wor- 
den ist, können im selben Aufnahmstermine an einer andern Mittelschule 
zur Prüfung nicht zugelassen werden. (Erlass des k. k. Landesschulrathes 
ddo. 5. Jänner 1883, Z. 8350 ) 

Zufolge Verordn. des h. k. k. Ministeriums f. C. u. U. vom 7. April 
1878, Z. 5416 haben die zur Aufnahme in die I. Classe sich meldenden 
aus einer öffentlichen Volksschule kommenden Schüler ein (Frequentations-) 
Zeugnis mitzubringen, welches die Noten aus der Religiouslehre der Unter- 
richtssprache und dem Rechnen zu enthalten hat. Bei der Aufnahme haben 
ferners sämmtliche neu eintretenden Schüler ihren Tauf- oder Geburts- 
schein, jene Schüler, welche bereits eine oder mehrere Classen der Lan- 
desoberrealschule in Krems oder einer anderen Mittelschule absolviert ha- 
ben, das am Schlüsse des vorhergehenden Schuljahres erhaltene Zeugnis 
vorzuweisen. 

Als Aufnahmstaxe ist von jedem Schüler 1 fl. für den Bibliotheksfond 
zu entrichten. 

Das Schulgeld beträgt für 1 Semester 5 11. Dasselbe wird um die 
Mitte der Monate October und März eingehoben. Gesuche um Befreiung 
von der Entrichtung des Schulgeldes sind an den h. nö. Landesausschuss 
zu richten und längstens anfangs October der Direction der Lehranstalt 
zu überbringen. Die erlangte Befreiung erreicht sofoit ihr Ende, wenn der 
befreite Schüler 

a) am Schlüsse des 1. Semesters die IIL Fortgangsciasse erhält; 

b) am Schlüsse des 2. Semesters nicht mindestens den II. Grad in Sitten 
und Fleiß erhalten hat; 

b) wegen ungenügenden Fortganges eine Classe wiederholen niuss. (Ausge- 
nommen ist hiebei der Krankheitsfall.) 
Wahrhaft arme Schüler werden, wenn deren Eltern oder Vormün- 
der bei Beginn des Schuljahres darum ansuchen, aus dem Unterstützungs- 
fonde nach Möglichkeit mit Schulbüchern, Schreib- und Zeicheniequisiten 
unterstützt, so lange sie sich durch Fleiß und Sittlichkeit einer Unter- 
sthtzung würdig machen. 



I 



N. 0. Lajulos-Ilaiidi^lsscliiilo, 

Zweck und Einrichtang der Schule. 



Infolge der Ba^clilü^s-e tles \l il ü. Laiifltages vom 19. October 1878 
wriil vom 24, Octobt»r 1881 ist (liene Leliraiistalt als Facliscluile für Am 
H a 11 il e 1 &- miil Gewerbestand eiiigerirbt**t und »etzt als Vorbildung 
iiüf die absolvierte Volks* odf^r Bin gr^ seh ule voraus; sie kann 
sonar.b Villi jedem, d^r sich einem geschäftlichem Berufe widmen will, ohne 
Schwierigkeit besucht werden. Auch ist die Mr>gliclikeit gegeben, dass die 
Schuler frOh ^enag in das practische Leben übertreten können^ da die 
Sehale derart organisirt ist, dass sie in zwei Jahrgängen, von denen 
tkr er«te die untere, der zweite die obere Abtheilung bildet, das 
Bötlitge fachliche Wissen vidi stand ig xum Abschlüsse bringt. 

Diese Schule bietet den Angehörigen des Handels- und GewerbestÄudes 
— <somit des Bürgerstand es im allgemeinen — Gelegenheit, sich in ihrer 
Jugend jene theoreti.sch-fach liehe Ausbildung in möglichst kurzer Zeit zu 
verschaffen, welcher dieser Stand unbe4ingt bedarf, um den au ihn ge- 
stellten* erhühten Anforderungen unserer Zeit zu entsprechen, 

Das Lehrprogramm der Schule umrasst deshalb nur solche Gegen- 
stände, welche für jeden Kaufmann, Industriellen und Gewerbetreibenden 
von größtem pi actischen Werte sind. Für den Kaufmann und Industriellen 
ist die Bedeutung der aus dem beigefügten Lehrplane ersichtlichen Gegen- 
MAnde wohl von selbst klar. Aber auch jeder der sich für ein ganz ein- 
faches Gewerbe ausbilden will, soll diese Schule, — wenigstens die untere 
Abtheilung derselben — als Absehluss seiner Schulbildung besuchen. Auch 
er ifiuss vor allem ein guter Rechner sein^ Buchführiing verstehen, sich 
mflndlich oder schtiftlicli sprachrichtig ausdrücken, Rechnungen und Ge* 
schäftsbriefe nach dem allgemeinen Gebrauche verfassen können, über die 
Grenzen seiner engeien Heimat hinaus Bescheid wissen, über den Wechsel 
und andere Schuldurkunden und AVerthpapiere orientiert sein. Er soll auch 
dit; Waren, welche er bezieht oder verarbeitet, genau kennen, über deren 
Gewinnung, Be^ug, Aufbewahrung und Verarbeitung, dann über dieZusam* 
mt^n.wtxuiig jseiuer Werkzeug*^ im klaren sein, enfUich soll er die gewöhn* 
Hell vorkommenden Fl^lchen und Körper berechnen, und Zeichnungen von 
Ohjecten nicht nur verstehen, sondern einfachere auch selbst anfertigen 

Zweck dieser Fachschule ist es nun, diese Kenntnisse ihren Schülern 
m reriuitleln, und für die Gesehäfrswelt junge Kiäfte beransEUblldeu, die 



56 

nicht nur an Arbeit und Ordnung gewohnt sind, sondern die auch vermöge 
des erlangten Fachwissens jenen Theil der Ausbihlung zu irgend einem 
speciellen Berufszweige, der nur im practischen Leben erlangt werden kann, 
leicht und mit gründlichem Verständnisse sich aneignen und sonach bald 
brauchbare Hilfspersonen für kaufmännische, industrielle und gewerbliche 
Unternehmungen und seinerzeit tüchtige selbstständige Bürger sein werden. 

Außer den zwei Jahrgängen (untere und obere Abthei- 
1 un g), in welchen das fachlicheWissenia einer fürdieBedürf- 
nisse des mittleren Handels- und Gewerbestandes ausrei- 
chenden Weise zur Behandlung und zumAbsghlussege langt, 
ist noch ein practischer C urs, welcher ein W in tersemester dauert, 
mit der Schule veibunden. Dieser Curs umfasst vorzüglich practische Ar- 
beiten, — theils im Uebungscomptoir, theils im Warenlabora- 
toriuni, welches bereits mit zahlreichen Warenmustern und den nöthigen 
Instrumenten ausgerüstet ist, — und soll die Schüler besonders an Selbst- 
ständigkeit bei ihren Arbeiten gewöhnen. 

Es werden in diesem Curse auch noch einige Gegenstände, die eine 
höhere Vorbildung und geistige Reife voraussetzen, jedoch ebenfalls mit 
besonderer Rücksicht auf ihie practische Seite, behandelt Diesen practi- 
schen Curs nach Absolvierung der oberen Abtheilung noch zu besuchen, 
wird sich daher nicht nur für die nach einer höheren kaufmännischen Aus- 
bildung Strebenden, sondern jedenfalls auch für jene empfehlen, welche 
bloss die obere Abtheilung der Schule besucht haben Uebrigens ist dieser 
Curs auch den der Schule bereits Entwachsenen oder in einer Berufsstel- 
lung practisch Thätigen zugänglich. 



I Aufnahmsbedingungen. 

In die untere Abt heil ung können alle jene Aufnahme finden, 
welche 14 Jahre alt sind, die Volk^- oder Bürgerschule absol- 
viert haben und bei einer Aufnahmsprüfung hinlängliche 
Vorkenntnisse (in deutscher Sprache, Rechnen und Geographie) n a c h- 
weisen. Es ist jedoch auch gestattet, dass Schüler vor vollendetem 
14. Lebensjahre aufgenommen werden, wenn der betreflFende Be- 
zirksschulrath über Anfrage der Direction hiezu seine Zustimmung gibt. 

In die obere Abtheilung treten in der Regel jene über, welche 
die untere Abtheilung mit gutem Erfolge absolviert haben; doch kann auch 
ein directer Eintritt stattfinden, wenn der Aufnahmswerber die entspre- 
chenden Kenntnisse bei einer Aufnahmsprüfung nachweist. 

In den practischen Curs können jene eintreten, welche die obere 
Abtheilung mit gutem Erfolge absolviert haben. Ausserdem können auch 
solche Personen diesen Curs besuchen, welche mit Rücksicht auf ihre Vor- 
bildung oder practische Ausbildung von dem Lehrköper als für diesen 
Curs qualificiert bezeichnet werden uud mio^lesteus 16 Jahre alt sind. 



57 

Flir die Aofnahmsprüfuiig in die antere Abtheilang ist kein** Taxe 
entrichten. Für die Aufnabmspiiifung in die obere Abtheilung beträgt 
lie Taxe 2 fL Das Schulgeld pro Semester ist fünt Gniden, Fleißige 
dCirftige Schiller können von der Entrichtung desselben befreit werden, 
jtnell auch in den Genuss von Stipendien und anderen Unters tlitzungen 
|g**langen* — Auswärtige Schüler k(»nnen in Kosthäus^eni billig unterge- 
dmcbt werden. Es ist sonach auch den weniger Bemittelten möglich, ihre 
>but^ an diei^er Fachi^chule ausbilden zu lassen. 



IL Lehrplan. 



n i] i ^ r r I c 1i t a g e g e u s I & n tl 6 



üblij^äte 



A*^tliritiiitic. 



KaafmintiiscbeH Rechnen , 

llüfiileliikiiniie * 

f^oTTei^|iondetiK unil Ooniptoiritrbellen . . , , 
Büclihnlmui^ (in iti-r (int AbtUei]- nur im IT. Sein*)| 

Warenkunde tini] TecböoJogi« 

Hftiid«Jsgaogrtipbid ... .*...,.« 

Dentaebe Spracba . ^ * * 

.Scbßnfcb reiben «*.*.*..»*•.. 

Qtometrie . , « , « « * 

Wechielracht, Ba^deh^ atid ÖewerbegeseUlfiinde 
Vülkuwiruebaftslelire (nur im IL $«iju,} , . . 



goiniiiA der wtJcbeuiJkhen obligaten Stünden 



4 
3 
fi 
2 
4 
ä 
4 
2 



3 

4 

» 

a 

1 

% 

2 



I S. U l. B. 27 



Pmetiüeber üvlt* (Ein Wintar-Bemeiter.) 

Übnnjfj'Comptoir ,.,... wöcli. 12 Stunden 
Warenkunde | Arbeiten im Waren- 

Labamtoriüm) ,,**..., 9 „ 
KanfmÄnnschps Eecbnen . . . . , 2 „ 

Hftj)deiit||eRetEknDc1e 8 „ 

Votkfiwirtitcbaftslebre . . . « . ^ 8 ,, 

Sninine der wüchentltchen stunden 29 . 



L Abtii. 



tfiiobliftte Üntüiri^tifd^stiitde : 

FrÄnÄoj»iäebe äpritebc *»*,*. 

SteiiogrÄpbic 

I Tafnea ..,*...,. 



3 
3 
2 
3 
2 



IL klih. 



n 

3 
2 
2 

2 



68 

LehrstofT-Vertheilung. 

untere Abtheilnng (I. Abtheilnng.) 

a. Obligate Unterrichts-Gegenstände 
Kaufmännisches Rechnen. Um eine auf Verständnis beruhende Sicher- 
heit und Gewandtheit im Zifferrechnen zu erzielen, werden zunächst die 
vier Grundoperationen in ganzen Zahlen und Decimalzahlen, die Theilbar- 
keit der Zahlen, das größte gemeinschaftliche Maß und kleinste gemein- 
schaftliche Vielfache, die gemeinen Brüche und das Rechnen mit denselben, 
dann die Rechnungsarten in benannten Zahlen behandelt. Hiebei wird be- 
sondere Rücksicht auf die practisch anwendbaren Vortheile genommen. 
Daran schließt sich die Behandlung nachfolgender Rechnungsarten in ihrer 
Anwendung auf leichtere Fälle aus der Geschäftspraxis : Verhältnisse, ein- 
fache und zusammengesetzte Regeldetri, der Kettensatz, Durchschnittes-, 
Gesellschafts-, Mischungsverhältnis-Rechnung, Procentrechnung, Aufstellung 
von Waren- und Spesen-Rechnungen, Interessenrechnung im allgemeinen 
und deren Anwendung auf Wechseldiscontierungen 

Wöchentlich i Stunden. 
Handelskonde. Begriff, Ursprung und Nutzen des Handels, Arten des 
Handels. Die Handeltreibenden, Handelsgegenstände, Münz-, Maß- und Ge- 
wichts-Systeme mit besonderer Berücksichtigung des metrischen Systems. 
Der Warenhandel. Die Lehre vom Gelde. Das Wichtigste vom Wechsel, 
den Anweisungen und Wertpapieren. Hilfsgewerbe des Handels. Die 
Agenten. Das Frachtwesen (Fuhrmann, Eisenbahn, Flussschiffer.) Assecu- 
ranz. Spedition, Zollwesen. Der Geld- und Wechselhandel und der Handel 
mit Wertpapieren in kurzen Umrissen. Wöchentlich 3 Stunden. 

Correspondenz- und Comptoirarbeiten. Im Anschlüsse an die Erklä- 
rungen aus der Handelskunde werden behandelt : Einfache Noten und Rech- 
nungen des Kleinhändlers und Gewerbsraannes, Rechnungen der Groß- 
händler, Facturen im Commissionsgeschäfte, Gewichtsnoten, Verkaufs-Rech- 
nungen, Briefe über Warenbestellungen und Facturenbriefe. Warenoffert- 
briefe. Die wichtigsten Formen des Wechsels. Trattenavisbriefe und Rimes- 
senbriefe. Frachtbriefe von Fuhrleuten, Eisenbahnen und Schiffern. Lade- 
scheine und Lieferscheine. Spesenrechnungen, Schuldscheine, Quittungen, 
Bons, Anweisungen, Ganz einfache Rechnungen über Ein- und Verkäufe 
von Münzen und wichtigen Effecten, Circulare, Erkundigungs- und Aus- 
kunftsschreiben, Mahnbriefe. Wöchentlich 2 Stunden. 

Buchhaltung. Grundsätze der einfachen Buchhaltung. Anleitung zur 
Anfertigung der verschiedenen Buchhaltungsformularien mit Wert- und 
Mengen Verrechnung für gewerbliche und kaufmännische Unternehmungen. 
Buchung eines einmonatlichen Geschäftsganges. Abschluss der Haupt- und 
Hilfsbücher. Nur im II. Semester. Wöchentlich 2 Stunden. 

Warenkunde und Technologie. Elemente der Naturwissenschaften : das 
zum Erkennen und Beschreiben der Waren Nothwendige aus der Organ- 
lehre des Thier- und Pflanzenreiches ; die physikalischen Grundgesetze mit 
besonderer Berücksichtigung der Mechanik und deren Anwendung im i>rac- 
tischen Leben, einfache Maschinen, Werkzeuge. — Die Grundzüge der 
Warenkunde, Eintheilung nach verschiedenen Gesichtspunkten, die wich- 
tigsten Nahrungs- und Genussmittel des Pflanzenreiches, die zufolge ihrer 
Herkunft sich anschließenden Erzeugnisse der technischen Gewerbe und 
die hervorragendsten Rohproducte thierischer Abstammung, überhaupt nur 
solche Objekte, die zur unmittelbaren Anschauung gebracht werden können. 

wöchentlich 4 Standen» 



R9 

Altoeifi9ind und HandategeDgraphle. Befegtigunj? und Erwelterang dii 

nntttLsff«* in der »ligenieinen Gt'ojrrdfihie. Speciel!« Geog^raphia der osiev, 

g. Monarcliie jiiji besüiider«r Henoi iiebung: der auf die tnateridle Cultiir 

mentlich auf die mercantile Stellung des Keiches und Jieiner Gebiete sieh 

iebeuderi Verbal In isse. üebersicbt der wichtigsteD Momente der ysterr, 

Uesclttclvte seit Bee^rüiidung der Herrschaft des Hauses Habsburg* 

t Wöchentlich 3 Stmideii. 

Deutsche Spraehe. Wiederholung der Formenlehre. Die Lehre vom 
fachen imd dai^ Wjc:httg8te auK der Syntax des zusammengesetzten Sat^ses, 
i*- und grammatisclie l*ebungeii im Anschlüsse an das Lesebuch und 
niatische Lelirbuch, IJebungen im niündlichen Ausdrucke, besonder?< im 
nciiiigeii Leseu, Einfaclie mündliche und schriftliche Reproductionen Im 
temenhange mit der Beliandluug des Öelesenen und den schriftlichen 
ibutigen, Belehrung ilber Satzzeichen und Rechtschreibang. 

Wöchentlich 4 Stunden. 

BMmetfie. Formeulehre, Berechnung des Flächeninhaltes der gerad- 

'IlDig begrenzten ebenen Figuren und des Kreises; Berechnung der Ober- 

iicbe und des Rauminhaltes der elementaren Körper, nach vorangegangener 

Behandluag der hiezu nöthigsten planimetrischen und stereometriöchen 

Ustir^fttze. Wöchentlich 2 Stunden. 

Schönschreiben* Heranbildung einer leserlichen und gefälligen Hand- 

öchrifL Wöchentlich 2 Stunden. 

b) üoabligate Unterrichts-Öegeaiütilude ; Siehe Seite 6L 




Obere Abtheilnog (II. Jahrgang/) 
a. Obligate Unterricli ts-Gegenstände: 

Kaufmännisches Rechnen. Kurze Wiederholung der Percent- und Tute- 
E:nrf*t.hnun^. IHe JÜ^sront- und Terminrechnung. Conto-Carreiit-Beciinung. 
UnQ* mn\ itt'wjdits- Verhältnisse der wiclitigsten Länder. Oold- und Silber- 
Rechnung. Müuzrechuung nach Münzfuß und Cursnotierun^, Wechsel-, 
D«iviseu' und Kffectenrechnung nach dem Wiener CursblatL Waren-Calcu- 
latiüntMi. Wöchentlich 5 Stunden 

Handelskunde* Th eilweise Wiederhol iing tles Lehrstoffes d^^r unteren 
\bihifilung mit besouilerer Berücksieb tigung der Kapitel über den Waren- 
hiihdeK den tield-, Wechsel- und Effecten handel. Die allgem<^ineu gesetz- 
1irJi**n Bestimmungen iiber HandeLsbücher, Firmen, Prokuristen and Hand* 
lungiibevüllmächtigte, iiber HandelsgHsellseliaften, über die HandelsgesnliM^f te, 
lirn Kauf, das Cummissions-, Speditions- und Frachtgeschält. Das Trans- 
.rt- tutd Zülhvesen. Wöchentlich 2 Stunden. 

Carrespondenz- und Comptoirarbeiten. Kurze Wiederholung des Lehr- 
et***» der unteren Abtlieilung, insbesondere der Facturi^n, Spesen- und 
-►:küiil>-KV^' ! I» und der dazu gehörigen Briefe. Eingehende Krklä- 

iLiij^»u l«] J w, Curszettel, Schlusszettel, Warrants, Conussamente, 

IHiicoüt.- ud Dtivisen-Koten, Checks, Cansasclieine, Conti - Oorrenti, Zoll- 
declaration^n etc. Einfache hei Gewerbs- oder Handels-Unternehmungen 
TOffcommende Verträge. Aus der Handels-Correspondenz werden behandelt: 
Briefe ober rommisRionK-Tratten und Rimessen, Primenbriefe, Briefe über 
Noihidressen, Interventionen uinl domicilierte Wechsel, über Wechsel- 
DipHcata und Wechsel*( 'upieti. Briefe über Ein- und Verkäufe von Devisen 
mid Eflecten. Kmpfefilungs- und Creditbriefe^ Circulare, Dienstofferte und 
AiMclieB im Blanco'Credite. Wöcheuüicti 3 Stunden, 



60 






Buchhaltung. Kurze Wiederhol angr der einfachen Buch alt tin^, Theorie 
der doppelteu Buchungsart. Pi-actissclie Vorbuchung *^inzelner Gti^chäftsfällf*. 
Eingehende Auseinandersetzunß: der Princ-ipien des Biicherab^schliigses. Aus- 
arbeitung der Verbuchuug eines emmünailichen GesehäftBgauges eJn@»_ 
Warengeschäftes mit Beispielen aus dem Bankgeschäfte fl 

Wöchentlich 3 Stunden. 

Wechsetrecht Handels- und Gewerbegesetzkunde. a) Wechsel recht. 
Leiohtfasisliche Darstellung der österr, Wechselordnung und die Haupt- 
gruudsätze des Wechselyerfahr^ns. Erläuterung der BechtSÄätze an einzelnen 
Fallen und an der Hand von Formularieu. — Dis Wichtigste aus dem 
Gesetze über Stempel und Gebühren für Wechsel, kaufmännisclie Urkundeti^ 
und Rechnungen. ^ 

b) Gewerbegesetzkunde. Die Gewerbeordnung sammt Nachträgen. Die 
wichtigsten gesetzlichen Bestimmungen über Marken- und Muster- Schutz, 
über den Hausierhandel, über Handels- und Gewerbekammern, Handels^fl 
Agenten und über Erwerbs- und Wirtschaftsgenossenschafteu. ^ 

Wöchentlich 3 Stunden. 

Volkswirtschaftslehre. Bedeutung der Volkswirtschaft und Darstellung 
ihrer Grundbegrifle. Die wichngsten volkswirtschaftlichen Systeme in den^ 
Grundzügen. Die Giitererzeugung. Die Productionsfactoren : Natur, Arbeit 
und Kapital. Zusammenwirken dieser Factoren* Der Güterumlauf in seinen 
Umrissen* Nur im ü. Semester: Wöchentlich 2 StundenJ 

Warenkunde und Technofoflie. Die mineralischen Roliwaran, Schmuck-' 
steine uud ihre Verwendung, Metalle und Legierungen und deren Verar- 
beitung, Werkzeuge, Fabrikation von Nägeln, Nadeln, Ketten, Schneid- 
waren ^ Stahlfedern, Münzprägung, Verschönerungsarbeiten (Vergohlen, Ver*^ 
silbern, Verkupfern etc,l> Thonwarenindustrie, Glasfabrikation, Baumateri-fl 
alien, Farbwareu, Rohstoffe und Fabrikate der Textilindustrie, Papier fabri- 
kation, andere wichtige Pflanzen waren. — Die Erklärungen werden 
mit den zum Verständnisse nöthigen Erläuterungen der einfaclisteu che«^ 
mischen Processe und pliysikalischen Grundbegrili'e begleitet. S 

Wöchentlich 4 Stunden 

Handelsgeographie* Handelsgeographie Europas und Grundzüge der 
Handel y^fographie der ausser europäischen Erdtheile. Bt^sprechung der 
wichtigsten Linien des Welthandels. Erörterung der wichtigjsten Thatsachen 
aus der Geschichte des Handle! s. Wöchentlich 3 Stunden. 

Deutsche Sprache. Lehre vom einfach und mehrfach Zusammengesetz- 
ten Satze und von der Satzkürzung. Dai^tellung von Satzbildern. Ent- 
sprechende schriftliche und mündliche Uebungen auf Grundlage des Lese- 
buches, Grundzüge der Wortbildung mit Rücksicht auf Vieldeutigkeit und 
Verwandtschaft der Wörter — Lehre von den wichtigsten Formen tles 
Aufsatzes, namentlich der im Verkehre am häufigsten angewendeten. 
■ Wöchentlich 3 Stunden. 

P Schönschreiben. Uebungiu zur Heranbildung einer gefälligen Hand* 
Schrift» Rundschrift Wöchentlich 1 Stunde 

b) Unobligate TJnterrichtsgegenstände. Siehe Seite 61, 

ft Fractlscher Cnrp. (Ein Wintersemester.) 

Uebungs-Cemptoir Prac tische Einschulung in sämmt liehe Arbeiten de^ 
kaufmännischen Comptoirs aus den Gebieten der Buchhaltung, der Han- 
delscorrespondenz und der Comptoirarbeiten in ihrem innigen Zusammen- 
hange, Zu dem Zwecke wird ein mehrmonatlicher Geschäftsgang mit Vor- 



lIleQ aus dem Waren-, Eigen-, Commissionß- nnd Speditions-Hanfiel, rowic 
lasi dem Bank-, D^pot- und Lombard-Gescliltfte veibuclit und abgesehios- 
I, wobei sämmtliche in demselben vorkoniinBndpn Briefe, RectinuiigHn, 
recbsel etc, ausgearbeitet werden* Auf sdbständiges Arbeiten der Srbli* 
wird dn^ Hauptgewicbt gelegt. Wöcbentlicb 12 Stunden, 

Warenkunde. Durch eigenes Arbeiten d' 8 Schülers* su! 1 eino 
lurcbgreifende Kenntnis der hervorragendsten nutzbaren Rohstoffe (vor- 
iKhmlich des Pflanzen reichen) mit ZuUilfenabme dm Mikroskops und clie- 
nischer Reagentien erreicht werden. 

Ay^^^erdem findet die Statistik de$ Waren verk»^hrs entsprechende Be- 
handlung. 

Die prftctisehen Arbeiten umtas^en die Anweiidiing der wiclitigsteu 
Ifsoiittel zur Untersuchung der Zusanimensetzuug, Grue, Pkhtheit und 
?oiiaervierung der Waien und die Darstellung von Extractivslüifen, Pra- 
llen etc. Wöchentlich 9 Stunden. 
Kaufmännisches Rechnen. Kur^e Wiederholung der DeviFsen- und Ef- 
|ectenrechuuHg* Einfache Wechsel- Arbitrage* Die wichtigsten U^angen im 
Tarenhandel* Schwieri^'ere Wai'encalculationen. Wöchentlich 'i Stunden, 
Handelsgesetzkunde. Erläuterung der wichtigsten Bestimmungen des 
Handelsgesetzbuches. — Grundzilge der Concursordimng, insbeson- 
die Lelire vom kaulmannisclien Concnrse nnd vom Zwangsausgleiche. 
Die einzelnen Abschnitte werden durch entsprechende» der Praxis 
intnommene Rechtsfälle erläutert. Wöchentlich 3 Slunden. 

Valkswirtschaflslehre. Bedeutung der Volkswirtschaft und Darstel- 
Üirer Grundbegriffe. Pruductiou der Güter uTid ihre Vertheilung. Das 
itbani. Der Umtausch, Geld. Das Einkommen und seine Quellen. 
[idrente^ Arbeitslohn. Kapitalszins). Organisation der Unttsrnehmung 
des Haushaltes. Der Credit und seine Hilfsmittel (Wechsel^ Anweisun* 
Papiergeld, Banken), Consumtion der GlUen Ueber Association. Ueber 
Jtettern und Zollwesen. Ut^bersicht der wichtigsten Wirtschaftszweige, 
robei die volkswirtschafniche Stellung des Handels- und Öewerbestandes 
mders eriirtert wird. Wöchentlich 3 Stunden. 



I 



Uaobligate UnterrichttgegeQttände. 

1, Abtheilung ifür Anfänger.) 
Französische Sprache. Lese-Regeln, die Formenlehre, sowie Jene Haupt- 
r«geln aus iler Syntax, welche zum Verständnisse leichterer Sätze noth- 
wendig sind, mit entsprechenden mündlichen und schriftlichen Uebnngen. 

Wöchentlich 3 Stunden* 
Zaichnen* Uebungen mit <lem Zirkel, dem Dreiecke und der Reiss- 
idiieiie. Zeichnen und Uebertragen dei' geraden Linien und des Winkeb* 
C\rn.Htruction der Drei-, Vier- und Vielecke, Theilung der Garaden und des 
Winkels. MaUf^täbe nnd deren Anwendung. Die widitigsteii Constructionen 
am Kreise. Zeichnen der einfachsten Körper durch Grunri und Aufriss nach 
ModeUen und eigener Abmessung. Wöchentlich 3 Stunden* 

11. Abth. {für Vorgeschrittene*) 
Franzöiische Sprache. Weitere Behandlung und Ergänzung dys Lehr- 
Btuffes der ersten Abtheilung; bei den mündlichen und schriftlichen üebuu* 
gen mird vorwiegend das Handelsfach berücksichtigt. 

Wöchentlich :j Stunden. 
Zeichnen (gleichzeitig mit der ersten Äbtheilungi. Zeichnen nach Vor- 



63 

lagen mit verändertem Mafistabe; Zeichneu einfacher Gegenstände durch 
Gruud- und Aufriss unter möglichster Berücksichtigung der künftigen Be- 
dürfnisse des Schülers. Wöchentlich 3 Stunden. 

Der Unterricht aus den freien Lehrgegenständen: Stenographie, 
Turnen, Gesang richtet sich ebenfalls nach der Vorbildung der Theil- 
nehmer und wird unentgeltlich ertheilt. 

Ob und welche freie Lehrgegenstände ein Schüler zu erlernen hat, 
bestimmen die Eltern oder Vormünder; doch empfiehlt es sich, dass jene 
Schüler, welche einen kaufmännischen Beruf anstreben, dem Unter- 
richte aus französischer Sprache, und jene, welche voraussichtlich 
einem gewerblichen Berufe sich widmen werden, dem Zeichen- 
Unterrichte beiwohnen, endlich, dass jedenfalls alle Schüler, deren 
Gesundheitszustand es zulässt, an dem Turnunterrichte theilnehmen. 

Als Disciplinar-Vorschrif ten gelten genau dieselben, wie an 
der Realschule. 



III. Lehrmittel. 

I. Bibliothek der Handelischnle. 

Custos: Professor Franz Hol üb. 
Vermehrung im Schuljahre 1884/85. 

a> Geschenke: 

Vom h. k. k. Ministerium fDr Cultus und Unterricht : Navigazione austro- 
ungarica all' estero nel 1883. — Commercio di Tiieste. nel 1883. — Navi- 
gazione di Trieste nel 1883 und nel 1884. - Statistik der Seeschiffahrt 
und des Seehandels in den österr. Häfen im Jahre 1883. 

Vom h. n. ö. Landesausscliusse : Stenographische Protokolle des n. ö. 
Landtages L Session, VI. Wahlperiode nebst Beilagen. 

Von der löbl, Handels- und Gewerbekammer in Wien : Bericht über die 
Industrie, den Handel und die Verkehrsverhältnisse in Niederösterreich wäh- 
rend des Jahres 1883. — Sitzungsberichte der Handels- und Gewerbekammer 
f. d. Ezhzth. Oest unter d. E Jahrgang 1884. 

Vom k. k. Postsparkassenamte : Rechenschaftsbericht für die Zeit vom 
12. Jänner 1883 bis 31. December 1884 

Von Herrn k. k. Ratli Dr. Grabacher in Krems: Carolo Hasskarl, 
Commelinaceae indicae imprimis archipelagi indici Viudobonae 1870. 

Von den Herren Gelie & Co. in Dresden: Handelsberichte April— Sep- 
tember 1884. 

Von A. Pichlers We. & Soiin in Wien: Rudolf Schiller, Comptoir- 
arbeiten II. Auflage. 

Vom Director F. Eberle: Eduard Bittner, a) Einfluss des Capitals 
auf Gesittung und Wohlfahrt, Wien 1878. b) Leitfaden der Handelslehre 
für Handelsschulen, Prag 1883. 

Vom Kremser Aussteilungs-Comite : Kremser Aussellungszeitung v. J. 
1884. 



m 



^^^^^^^^^^ b) Kauf: -^M^^^m: 

\ Dr. J u s e f M ü 1 1 e i\ die Rohstolle dm Drßclisler- und Tischlergewerbes, 

JK&Äs*!l 1884. — Eduard Valenta, die Kl^be- und Verdickiuigsmiitel 
Kassel 1884. — Robert Pöschl, Lelirbiicfi der ehifacUen und düi^t»e]t*^n 
Buchlialdm^ Wien, 1884. — J. v. Gauisch, Erläuterungen über die Auf- 
stfilliujg einer Bankbilanz, Wien 1884. — C. F. Cai>aun Gar Iowa, Me* 
dii^ini^ch*^ i^spedalitaten, Wien 1884* — F* A. Fliikiger, Grundiisi; der 
Pbarmakognosie, Berlin 1884. — Dr Hugo Plaut, Färbuugsmethodeu 
xpjn Nachweise der Mikrüorgani>imeM, Leipzig 1884. — Dr. Paul Bronn er, 
Lehrbucti der Essigfabrikation, Braunscliweig 1876. — S e n f t - L e u n i s , 
'Syiiopsia der Mineralogie und Geognosie, Hannover 1875. — Katalog der 
<)fiterme8&aUB8tellung des Börsen Vereines der deutschen Buchhändler, — 
^Alphonse de Candolle, der Ursprung dar Culturpflanzen, Leipzig 1884» 
— Dr. T- F. Hanausek, die Nahrungs und Genussmittel aus dem Pflan- 
^»enreiche, Kassel 1874- — Günther und iMühlmann, Lehrbuch der 
fieir ' Handel scorrespondenÄ, Stuttgart 1884- — Dr. JohannBlaschk e, 
Kui te Darstellung des österr. Weehsel rechtes. Wien, 1884, ~ 

[Man de, Correspondance ßotanique. — Dr, F. X. v. Neumann Spallart 
^f>ber>iielit der Volkswirthschaft^ Jhrg, 1881-82. Stuttgart 1884 — Prof 
I>r, C a r 1 Gustav O d e i- m a n n , Pract. Anleitung zur einfachen und 
doppelten Buchhaltung, Leipzig 1882, --Soll und Haben, Practische 
LHctinnen für Geschäftsleute. IX. Auflage, Wien. — We nzely Julius, 
Lebrbücb der kaufniännischen Arithmetik, Leipzig 1883 — A, F. Barth, 
filie Grundform der doppelten Buchhaltung, Grossenhain 1884, — Schlick* 
Uy»en, F. W. A., Frklärung der Abkürzungen auf Münzen. Berlin, 1882. 
I — M. Eaischle, die einfache und doppelte Bucliführung, Augsburg 1884, 
I — Com pas s finanzielles Jahrbuch f, Oesterreich- Ungarn, 18. Jhrg. 1886. — 
lEmil Pranke, Neue Seh riitvor lagen L Industrie und Handwerk, ZliricU, 
\ — A. L Abu er. Lexikon des Handels- und Gewerbereebtes, Leipzig. — 
I Co melius Zechner, Zinsen und Cursbereclmung, Wien 1886. — Wil- 
khelm Schulten, a) Schlüssel zur Fortsetzung der einfachen und doppelt, 
BucbfQhmng nebst Schema für das Geheimbuch, b) doppelte Bucbfrüirung 
nebst einem Anhange: Die anierikanisclie Buehfiihrnng, Leipzig 1877 u, 85, 
L— Q. Seh lessing, Handelsartikel des Weltverkehres, Wien 1883. — Dr, 
IC. O. Herz, Landwirtschaft liebes Handbuch der Samenkunde, Berlin 
lüM. — Dr, Ferdinand Seltsam, die Rechte und Pflichten der ge- 
werblichen Hilfsarbeiter, Wien \BHb. — Manz'sche Gesetzes- Ausgabe, 
PriTilegienge«et2, Marken und Musterschutz, etc. Wien 1882. — Durch- 
fuhr u n g s v e r u r d n u n g e n zum 6. Hauptstück der Gewerbeordnung, 
iWien 1885. 

Zeitschriflen : Globus, illustr. Zeitschrift für Länder und V^ylkerkunde 

B, 1 bis inci, 22, ferner B. 46 und 47. — Centralblatt für das gewerbliche 

Uuterrichtüweaen in Oesterreich M* B. — - Der iVsterreichiscIie Kaufmann, v* 

,15. Oktober 1Ö84 an. -^ Aus allen Weltüieilen. lUustr. Monatshefte fUr 



«4 

Länder- und Völkerkunde u. verwandte Fächer, redig. v. Dr. 0. Deutsch. 
Leipz. 16. Jahrg. 

Münzensammlung. Wie im Vorjahre so hat auch heuer diese Samm- 
lung theils durch Gönnar der Schule/) theils durch freiwillige Spenden von 
Seite der Schüler*) eine wertvolle Bereicherung erfahren, so dass gegen- 
wärtig nicht nur alle europäischen sondern auch aussereuropäische Staaten, 
wenn auch nicht complet, vertreten sind und die gangbarsten Münzen den 
Schülern beim Unterrichte gezeigt werden konnten. 

2. Waren-LaboratoriniiL 

Vorstand: Prof. Dr. T. F. Hanausek. 

T. Waren-SammluiiK. 

A. Geschenke: Von Herrn Fidler von Isaborn, k. k. Oberlieu- 
tenant im 2. Genie- Reg. in Krems: 1 lithographischer Stein, grosses po- 
liertes Musterstück. 

Von Herrn Eduard Reiche 1, Kaufmann in Krems: Eine wertvolle 
mustergiltige Collection von Drähten und Drahtseilen, (verkupferte, ver- 
zinkte und blanke Eisendrähte, runde und flache Drahtseile, 33 Stück); 
ferner von Stahlsorten (Werkzeug-, Meissel-, Puddel-, Herdfrisch-, Mock-, 
Cement-, Feilen-, Specialstahl etc.) An allen Stücken sind die Bruchflächen 
sichtbar. 

Von Herrn C. Wobbe, Ingenieur und Gaswerksdirector inTroppau: 
l Patent-Gasappaiat mit konischer Bohrung in Mitrailleusenform. 

Von Herrn Dworschak, Feilhauer in Krems: 6 Stück Feilen, 1 St. 
Raspel ; die vorhandenen Feilen wurden frisch gehauen. 

Von Herrn J. Deimel, Eisenhändler in Stein: 7 Muster Schmiede- 
eisen. 

Von Herrn Ignaz Fux, Goldarbeiter in Krems: Eine Collection 
Edelsteine, Halbedelsteine und Pierre de Strass (3 St. Bernstein, 3 St. 
Korallen, 2 Carneole, 3 Amethyste, 1 Chrysopras, 1 Bandachat, 1 weiBer 
Chalcedon mit Wappen, 1 Heliotrop, 1 Perle, 1 Türkis von altem, 1 Türkis 
von jungem Steine, 1 Granatschale, 1 Almandin, 1 flacher Carneol, 2 Py- 
rope, 2 Rubine, 1 Kamee, 4 Bergkrystalle, 2 Milchquarze, 10 Pierre de 
Strass, 1 Schnur mit künstl. Perlen). 

Von Herrn Franz Fleischhacker, Goldarbeiter in Wien: Eine 
Collection von Edel- und Halbedelsteinen (4 Almandine, eine grosse An- 
zahl kleiner Türkise, 1 Opal, 2 Smaragde, 1 Saphir, 1 Rubin, 1 Intaglie, 
Minerva darstellend. 

B. Kauf: Von A. Pfantzert's Nachfolger in Wien: Alliährlich 
zu erneuernde Drogen, ätherische Oele, chemische Objecte, Schmirgel-Papier- 
und Leinwand, Eprouvetten, Eisenspatel, Messingpatenen, Pergament- 
papier, Far benmuster. 

*) Hr. Fax (3 St, gr. wertvolle Silbermttnzen). Hr. Kiembacher, (diverse Mttmen 
und mehrere Hedailen). Hr. Director Eberle (sämmtliche Silber- und ScheidemUncen der 
Schweiz). 

*) Nienner, Wendler n. a. 



Sft. 



Von Di\ Wolocszsak, Universitätsprofagsor in Lemberg: Eine 

HiiUei Sammlung, bestehend aus: 2 Foliübänden, die Holzgewäclise Nieder- 

Hlftlerreicbi« enthaltend, und au8 circa 15ü freiliegenden Hölzern in Quer-, 

^■Udial«, Tangential», RindenstDick-Schaitt^n äammt Pnlver und Master 

^Hmt Prä|iaration. ^ 

^^^^ IL itititruitietite und »ciiiMtiicf* EiuriehluiigSKegeiisiiiiÄi' 
^" Kauf. Von (\ Reichert in Wien: l Nachet, Zeiclienapparat, Deck- 
(^IftRchen und Objectträger- 

Von R. TUtirriegel in Wien: 2 gröüere Scalpelle, 1 gerade 

Sflieere, U grosse Pincetteu, 2 Mikrosk op-Pincetten, 2 Piäpajirnadeln. — 

I piditirter Kasten fiir das Instrumentarium. — 1 Rahmen für das Diplom 

A^ Kremser Industrie- und Gewerbeausteilung, ,, ^, 

Di** Abteilunß'en 111* allgemeine Samensammlung, und IV. Sammlung 

jnikroiskopigcher Präparate liaben keine Vermehrung erfahren. 

V. «irlirin- aiid Bildwerk«. 

Uabei^jcht der gewerblichen Markf'U, Jalirg. 1884 (18 Hafte). — Die 

lanx^ Jabrbnrh flir Banken, Sparcassen etc. in Oest- Ungarn, pro 1885. 

Allgemeine Warenkunde und Rohstofflehre, herausgegeben von Bene- 

I c i , Braun, H a n a u h e k etc 5, Band (2 Handeiemplare fttr das La- 
ratarium). — Hager, Pharniaceut. Ceutralhalle 1885, — U h 1 w o r m 
d Behrens, Botanisches Central blatt 1885. — Centralblatt fttr das 
werbliehe Unterrichtswesen. — Von den Frequentanten des practischen 
rs^it wurden mehrere handelstechnische und mikroskopische Untersucbun^ 

II vorgenommen, wie die Bestimmung d^r Essigsäure in verscbiedenen 
sigRorten, Verhalten dreier Pflanzen farbstoffe gegen Reagentieo, Le- 
nKinittel-Untersuchangen, Härtebaatimmungen von Schleif- und Wetz- 
loeü^ Asclienbestimnmngen» Untersuchung von Lösungsverhältniasen ver- 

ed^ner Kautschuksorten, welche Arbeiten zum Tbeile für die Veröffent' 

(kttfig beBtimmi sind. 
3; Q«ograplüiehe Lehrmltfeftamiiijfiiic. 
Oef^ti^ri-eirliisi he Monats.schrift für den Orient^ herausgegeben vom 
ent, Museum in Wien, II, Jahrgang. — Emil Schlagintweit, Indien 
\u Wort und Bild, GroJ3 -Quart- Bände, aus Schönfeld's Antiquariat in Wien. 



66 



IV. Verzeichnis der LelirbOcIier, 

welche im Jahre 1886/6 in Verwendung kommen. 



LehnMeMtand 



Untere Abthellinig 



Obere Mbtheilueg 



Kaalich, Lehrbuch der kanfm Arithmetik, 8. AuH. 

Schiller R , Anfgabeiisammlang für Handelslehraiistalten 

III. Theil. 



Kanfminnlechee Rechnen 

Handelsknnde iFindeisen, Grnndriss der Handels wissrnschaft, 3. Auflage. 

..._*.. .. _- .. 

%u^m.^^mäu Mi^ Tü«k.MU«2. i Bi8cli>ng» Leitfaden der allgemeinen Warenkunde für 
wareHKunoe nna lecnnoiogie Handels- und Gewerbeschulen 4. Aufl. 



Wecheelreclit und Gewerbegesetz-; 
künde 1 



Elemente der Volktwirtscbafle- 



Theumann, d. österreichische 
I Wechselreeht 3 Aufl 

' Rieht, Anfangsgründe der 
Volkswirtschaft, neu bearb. 
V. Prof. Franz Richter. 



Genmetrie 



Kozenn, Leitfaden d. Geographie f. d österr. Mittelschulen . 
L und III. Theil. I IL Theil. 

Schulatlas v. Stieler. 



Moönik, Anfangsgrunde der \ 

Geometrie in Verbindung mit 

dem Zeichnen. 17. Aufl. 



Devtaolie Spraolie 



F mntlitifl lie Snraske 



Willomitzer, deutsche Grammatik f. österr. Mittelschulen. 
i Schiller Carl, deutsches Lesebuch f. Mittelschulen. 

I I. Band | II, Ban d. 

iPloetz, Elementar-Grammatik der französischen Sprache, 

[Vogel, die Handelscorrespon- 
' dem in franiösisoher and 
> Identsoher Sprache 2 TheUe, 
I J 19. Aufl. 

I Fanlmann, Gabelsbergers stenogr. Lehrgebäude. 
I Fanlmann stenographische Anthologie. 



Im praotieohen Curee werden verwendet; 



Kaulich, Lehrbuch der kaufm. Arithmetik ; 

Schiller, Aufgabensammlung, III. Theil. 

Kiehl (Richter) Anfangsgr. der Volkswirt- 
schaftslehre. 

Blodig, die 4 ersten Bücher des allgemeinen 
deutschen Handels- und Wechselrechtes. 



V. Unterstützung armer Sctiüier. 

a.) Bamnteritfltznng. 

Ira Laufe des Schuljahres wurden verliehen: 

1.) Einem Schüler der obern Abth. der H. Seh. ein Landes-Kaiserstipen- 
dium im Betrage von 150 fl. 

2) Einem Schüler des practischen Curses ein von der Administra- 
tion des Zehnkreuzervereines in Krems der Direction übergebener 
Unterstfitzangsbetrag pr 60 fl. 



67 



b.) Uiitefsttttstitigifoiid. 
Ausweis Über EiiiiiHlimeiiy Au^gAbi^n und Vermögenstand siehe Seite 50* 
Es wardeu 19 Schüler mit Lehrbücliern, dftiunter I auch mit Sclireib* 
''I*eqitij5iten bethetiL 

Vt. Bekanntinactiung, 

die Aufnahme der Schüler betreffend- 
L»ÄS nächäle Schuljahr beginnt am Iti, September 1885p 
Die Aufnahme der Schiller iiiidet vom 12, Se|aembei angefangen von 
12 Uhr Vui mittags iti der Directioüskanzlei statt Alle Schlüler haben 
ikh in Begleitung ihrer Eltern oder deren Stellvertreter bei der Üirection 
;ii melden. 

Schfiler, welche in den L Jahrciirii der n* ö, Landes-Haiidekächule ein* 

flrBlen m-ollen, haben den Nachweis Über ihr Alter (Tauf- oder Geburts- 

tchein) und da** Entlassungszeugnis der allgemeinen Volks- oder der Bür- 

:ei^^:ha]e beizubringen, eventuell das letzte Studienzeugnis vorKUweigeu. 

Schiller, welche dhect in den II. Jahrcurs eintreten wollen, haben 

Kauöer dem Tauf- oder Geburtsscheine auch ihre Semestral-Zeugnisse vom 
Bcfauljahre 1884i5 vorzuweisen* 
Schüler, welche in den inactisclien Curys eintreten wollen^ ohne die 
ubere Ahtheilung absolviert xu haben, müssen nachweisen, das^ sie sich 
Aie niVtige fachliche Vorbildung verschalTt haben und mindestens l? Jahre 
dl imi* 

In Betreff de» Scilulgaldes unii der Schiller -Unterstützung gelten die- 
dbeii Bestimmungen wie au tier Oberrealschule, 

I>ie Directiüu iat jederzeit bereit, über gestellte mündliche lunl schrift- 
Iche Anfragen in Betreff dei' Einrichtmig der Schule, der Aufnahme und 
.'üterbringung auswärtiger Schiilei in hiesigen Koslhäuseni weitere Au^- 
;(ktifte zu ertheilen. 



(SB 

Zur Chronik der Lehranstalt. 

Id den Tagen vom 2, bis 18. Augast 1884 fand in Krems eine In- 
dustrie- und Gewerbe-Ausstellung statt, an welcher sich auch die Landes- 
oberreal- und Handelsschule in hervorragender Weise betheiligte. Mit Be- 
willigung des hohen Lande3ausscbu8ses wurden nämlich die Bibliothek, die 
reich ausgestattete Warensammlnng und die Sammlung naturhistorischer 
Lehrmittel dem die Ausstellung besuchenden Publikum zugänglich gemacht. 
Auch die Lehrmittel fttr den Unterricht im Zeichnen und Arbeiten der 
Schfiler der Handelsschule und der gewerblichen Fortbildungsschule konn- 
ten von fachkundigen Besuchern der Ausstellung besichtigt werden. 

In der Bibliothek hatte Professor Dr. Johann Strobl mit großen 
Opfern an Zeit und Mühe eine historische Ausstellung der Städte 
Krems, Stein und Mautern veranstaltet, welche die mannigfaltigsten auf 
die Geschichte der Städte sich beziehenden alterthlimlichen Gegenstände, 
römische Funde, Innungssachen, Urkunden, Druckwerke, Bilder Wappen, 
Siegel, Miknzen, Waffen etc. umfasste und die das lebhafteste Interesse der 
zahlreichen Besucher erregte. 

Nicht minder zahlreich besucht war die Warensammlung der 
Landes-Handelsschule, die von Professor Dr. Th. Hanausekin sehr 
instructiver Weise geordnet war. Insbesondere erregten die mikroskopische 
Abtheilung mit zahlreichen vom Custos und den Schülern angefertigten 
miskroskopischen Präparaten, die Collectionen der Leinen-, Seide-, Kaut- 
schuk-, Glas-, Porcellan-, Bleistift-, Papier-, Leder- und Metallwaren — 
Industrie, die systematisch geordneten Rohstoffe pflanzlicher und thierischer 
Abstammung und die reichhaltige vom Custos angelegte Samensammlung, 
welche über öOO Nummern zählt, die Aufmerksamkeit des Publikums. 

Auch das Naturaliencabinet mit seinen von Professor J o h a n n 
Forstner geordneten zoologischen, mineralogischen und geologischen 
Sammlungen, den instructiven Bildwerken, Blüthenmodellen und Modellen 
für den Unterricht in der Sommatologie übte eine außerordentliche An- 
ziehung auf die Besucher der Austeilung. 

In den freien Räumen des Realschulgebäudes waren Kunst- und kunst- 
gewerbliche Erzeugnisse, musikalische Instrumente, geographische und an- 
dere Lehrmittel, Arbeiten der Schüler und Schülerinnen hiesiger Volks- 
schulen etc., exponiert. In der That bildete die Realschule einen der Glanz- 
punkte der Ausstellung, was von den Tausenden, welche dieselbe besuchten, 
wie auch von dem Preisgerichte anerkannt wurde. Die Jury verlieh dem 
naturhistorischen Cabinete der Landesoberrealschule und dem Warenlabo- 
ratorium der Landes-Handelschule das Ehren-Diplom, ferners dem Professor 
Dr. J. Strobl für die historische Ausstellung das Ehren-Diplom mit der 
goldenen Ausstellungs-Medaille, dem Professor Dr. Th. Hanausek für 
mikroskopische Präparate, Samen- und Hölzer-Sammlung die goldene Ehren- 
Medaille des Ausstellungs-Comit^s. 

Der seit Beginn des Schuljahres 1882/3 an der Lehranstalt thätige 



§9 



iplent Endolf Spindler trat mit Bei^inn des Scimljatires 1884 5 aus 

n Tk Lat]degdieD.ste und ejjii**lt eriie Süpt»]enteiii>lelle hu der k. k, 

Htaalfi-Lfnterrealscrlmle im V, Bezirke Wi^^na. An de^^en Stelle wnid« der 

fttr di« Lehrfftchei Deutsch und FranzÖKij^di a|>probiei te Suiiplenl au der 

iL k. 8!aats*Unt6rreatsdiule im IL Bezirkts Wimu Jo«ef Tauber in 

[leieher Eigensclialt angestellt. 

Der pn Professor Franz Hol üb wurd^ mit Beginn des Scluiljalire« 
,ß defitüliv, mit Keststelluiig der Dien^stzeit vom IH. Sf»ptemiier 1B81 
al^ Professor an der Landes-OberreaN und Handel i^^chtile tu Kr^iniE 
e» teilt, 

Fi'ir den seuni ReidisratUs- und Landtage-Abgeordneten gewäliUeii und 
Folge desf^en beurlaubten Professor Kranz R i c li t e r blieb d*^r bis- 
rige Stipplent Adrian Scbuster auch pro 1884/5 iu Verwendung. 

Am 17. Marx 1 885 wurde Protessor Anton K b r e u b e r g e r von der 
k. Universität Wie» zum Doctor der Philüsoirliie promoviert. 

Am V2. Februai und 1, April hielt Heri Prof, l*r. Hanausek im 
hrervereine KreuiJ* 2 Vorträge über das Mikroskop und j^eine An wen* 
iing in der Uulersucbung der Lebensmittel und knüi^fte daran belehrende 
emoU8trationen ; audi wurde das Waienlaboraturiuni am L April von der 
ersauimlung beJ^uchL 

Am 29. März d J* veranstattele Profansor Ignaz Walter zum 
sten fUirftiger Studierender in Krem;« ein ('oneert^ welche« außerordent- 
eben Beifall fand und ein bedeutendes Heinerträgnie ergab* Ks konnten 
itadurdi den Ünterstutzungsfonden der beiden Mittebchulen und der k. k. 
Lehre ibildungs^anstalt je W fl., dem Stiiiendfen vereine in Krem» r>f> tt., 
zusammen also 320 tl. zugeführt weiden. Zu danken ist dieser Erfolg dem 
Zusammenwirken einer grollen Zahl vou Freunden klassischer Muiiiik und 
der gütigen Mitwirkung der Frauen Marie U 1 1 r i c h - L i n d e und H e r- 
mine If^iuliornf des Fräuleins Marie Springer und de^ Herrn Capi- 
lilare« P. Friedrich JockI, 

Am 2* April starb in Krems der allverehrle Burgermeister und Land* 
Abgeordnete Herr Dr. Ferdinand Dinstl, dessen Verdienste um 
8cbul Wesen der Sudt und insbesondere um die hiesige Landesmittel- 
»ehiile, deren eifrigstrr Förderer und Gönner er war, stets unveigesslich 
Uflibeii werden. Auf den .Schleifen des Kranzes, den der Lehrkörper, von 
liefer Trauer eifülUj auf den Sarg des zu früh Verblichenen legte, standen 
«Ije W«>rte: „Dem Freunde der Schule der dankl^are Lehrkörper der Lan- 
deioberreal* und Handelsschule^ An dem Leichenbegängnisse, welches am 
O»t6r-Honntage (ä April) stattfand, betheiligten sich Herr Professor Dr. 
W, Lastkandl, welcher als Vertreter des hohen n* ö* Landesaus- 
«diia&es ilem edlen Patrioten am Grabe einen tiet ergreifenden Nachruf 
hielt, und Herr Oeorg Ritter v, Ullrich, Hofrath im h, k, k, Unterrichts* 
tnii*l**rium, der erwte Director der hiesigen L.-Oberrealschule* Beide be- 
hrien auch die 8cbule mit ihrem Besuche. Der Lehrkörper betheiligte sich 



liiai 
Vilu 



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sowohl an dem Leichenbegängnisse als auch an dem Tranergottesdienste 
in der Pfarrkirche, welcher am 7. April stattfand. 

Am 20. April wurde der prov. Professor Anton Pokorny asum 
definitiven Professor an der LandesoberreaU und Handelsschule in Krems 
mit Feststellung der Dienstzeit vom 16. September 1883 an ernannt. 

Prof. Friedr. Mar eck wurde vom 1. Hai an bis zum Schlüsse des 
Schaljahres 1884/5 beurlaubt und der geprüfte Leliramtscandidat Ludwig 
Redtenbacher als Supplent für diese Zeit bestellt. 

Mit Dekret des hohen Landesausschusses vom 19. Mai 1885, Z. 9707 
wurde dem Herrn Professor Ignaz Walter die VIII. Rangclasse ver- 
liehen. 

Am 17, 18. und 19. Juni beehrte Sr. Hochw. der Herr Probst und 
Stadtpfarrer Dr. Anton Kerschbaumerdie Schule mit seiuem Be&iuche 
und wohnte dem Religionsunterrichte in den unteren Classen der Real- 
schule an. 

Am 30. Juni begannen die Versetzungsprüfungeu. 

Am 15. Juli wurde das Schuljahr geschlossen, 



71 



Ptrsonalstand des Lehrkörpers der Landea-Oberreat- und Hao- 

idelssDhüie im Schuljahre 1884 5 
'l Felix A Eherle, Diieclor der LeliiauHtalt, lehrtB GeijölucUte in dtr 4. 
und H., (teograpbie in der 4. R.-C1. 
S> Franz Dintll, Profrssorv Ordinaritis der 3. R.-CI , lehrte MatliemaHk in 
der l\. und 7,^ Geometrie und geom* Zeichnen in der ll, darstellende 
I Oeonietrie in der 7. K-CL, KalUgraidüe in beiden Abtheilungen der 
H. Seh, und in der L und 2. E,-CL — 
3. 0n Anton Ehren berger: Professor, Ordinarius der 5. R.-Ch, lehrte Ma- 
theniHtik in der 4. und 5,, Physik in der G. und 7, R.~Cl 
4, lohann Forstner, Profes^sor, Ordinarius der VI R.-Cl, lehrte Natsirge* 
.scliiühte in der 1„ 2.. 5*— 7. und Physik in der 4. R,-CL — 
Dr. Thomas F. Hanausek, Professor, Oidinarius der oberen Abtheilun^ 
der H<-Sch, lehrte Geographie in der 2. R.-Cl, Warenkunde and Han- 
delfigeograi»hie in beiden Abtiieilungen der H.-Sch, und leitete die Uebungen 
dei Schüler den pract, Curses im Waarenlaboratorium. 
Frani Holub. Professor, Ordinal ins des pract. Curses der H.-Sch,, lehrte 
iü dt*r unteren Abth. der H -Sdi. kaufmännisches Rechnen und Buch- 
haltung (im IL 8enL), in der oberen Abth. der H -Seh. Handelskunde, 
Correspondenz- und Comp toi rarbeiten, Wecliselrecht, Volkswirtschafts- 
lehre (im 2. Sem ), im practischen Ourse kaufm. Rechnen und Volks- 
wirtst!haftslehre, leitete auch das Uebuiigs-Comptoir im practischen Ourse* 
Otwald Horst Professor, Ordinarius der IV. R,-CI., lehrte Freihand- 
zeichnen in der 2— 7* R.-Cl. 

lohann Hrdliczka, Landes-Turnlehrer, ertheiite den Turnunterricht in 
allen OlasKen der Lehranstalt 

Robert Kirchberger, Professor, Ordinarius der L R.-01, lehrte Mathe- 
matik und Freihand7.eichnen in der L, darstellende Geometrie in der 
V. R.^Cl , Geometiie in der untern Abth., Zeichnen in beiden Abthei- 
lungen der H.'Sch*, Stenographie in 2 Abtheilungen. 
Friedrich Mareck, Professor, lehrte Chemie in der 4,, 5* und 6,, Physik 
in der X R.-CL und leitete die practiscben Uebungen im chemischen 
Labriratorium. Vom L Mai an beurlaubt. 

Frani Müllnen Weltpriester, Professor, lehrte Religion in der L— 4., 
(beschichte in der 2. und 3., Geographie in der 3. R*-CK 
Fefix Fr. van Overschelde, Professor, Ordinarius der VL R.-OL, lehrte 
Englisch in der ih—l., Französisch in der 3., 6. und 6. R,-CL 
J3. Anton Pokornyp Professor, lehrte Deutsch in der 2., 4., 5. und 7. E.-CL 
■ und in der oberen Abth. der H.-Sch., Geschichte in der V, R.-Cl. 
II Franz Richter, Professor, als Reichsraths- und Landtags-Abgeordueter 

t beurlaubt, wirkte in der letzten Periode des H, Semesters beim un- 
terrichte in der Handelsschule mit, 
Dr. lohann Strobl, Professor, lehrte O(*ographie in der 1,, Geschichtd 



72 

iu der 7., Deatsieli in der 3. and 6. R.-CI. and in der anteran Abth. 
der H.-Scli 

16. ^gnaz Walter, Professor, Ordinarius der II. R.-CI., lehrte Mathematik 
in der 2. nnd 6 , Geometrie in der 6. R.-Cl., Gesang in 2 Abtheilungen. 

17. Adrian Schuster, Supplent, approbiert fflr Handelswissenschaften an 
öffentlichen Handelsschulen, lehrte Handelskunde, Correspondenz- und 
Cemptoirarbeiten in der unteren, kaufmännisches Rechnen und Buch- 
haltung in der oberen Abtheilung, Französisch in beiden Abtheilungen 
und Handelsgesetzkunde im practischen Curse der H.-Sch. 

1^<. Josef Tauber, Supplent, approbiert fttr Französisch und Deutsch an 
Oberrealschulen, lehrte Deutsch in der 1., Französisch in der 1., 2., 
4. und 7. R.-C1, 

19. Ludwig Redtenbacher, Supplent, approbiert für Chemie an Ober-, Mathe- 
matik und Physik an ünterrealschulen, Obernahm vom 1. Mai d. J. 
an die Lehrstunden des beurlaubten Professors F. Mareck 

Schuldiener: Josef Erl und Edmund Etzel. 



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L) Dijütiter 5 moflaischerf 8 eTangeliaclier, die ttbrigeD fi^vau- 
Ic&tb. B«Iigiao. -* Der Natipnalitftt nacli »ämmtlicli Dtsnucbe. 
-- C*) DftniBier t mosaiscber, 1 g?ie<!b.-katliol., die Übrigen 
fOm.-k&lbd. Religfofi. — Der Natioualitit Dach % Osecliettf 
1 ^rbe, aiie tlbrigen DeittJic^he. -- 3.) üeinmmtbetrng ilee be- 
i^blt#]t Bcbulgebk» : t045 fl., woTt^u tftc» fl. auf dj« Hamids^ 
•iMe kommesi. — 4.) Geiaiumt betrag iter ältpendien : 72 1 fl. 
CUefOD Iftü fl. a^ d, H.'Si^b.) — 5.) OeMammtbetrag der Bar- 
iinte'rHtützaugeii : 2!U fl. ^hievou 55. fl, a. d. D.-Söb.) 



li 



0efamiiilsalil 
der Scbüler 



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74 



Bericht 

über die mit der Landesoberreal- und Handelsschule verbundene gewerb- 
liche Fortbildungsschule und den Abendeurs fQr icaufmännische Lehrfächer. 

L Gewerbliche Fortbildungsschule. 

A. Lehfplan. 

Im Schuljahre 1884/5 wurde im Allgemeinen der mit Erlass des h. 
k. k. Landesschulrathes vom 30. Mai 1877 Z. 2388 genehmigte Normal- 
Lehi-plan für die gewerblichen Fortbildungsschulen in Oesterreich u. d. 
Enns eingehalten, mit Ausnahme einiger Abweichungen, welche mit Rück- 
sicht auf die lokalen Verhältnisse für die gewerbliche Fortbildungsschule 
in Krems durch den hohen k. k. Landesschulrath mit den Erlässen vom 
80, Oktober 1878 Z. HOM und vom l. August 1883 Z. 4765 bewilligt 
worden waren 

Die gewerbliche Fo] tbildungsschule besteht aus einem Vorbereitungs- 
curse und einem gewerblichen Fortbildungscnrse. 

Der Zeichenunterricht wird im gewerbl. Fortbildungscnrse in 3 Ab- 
theilungen ertheilt. Der Abendunterricht dauert vom 15. September bis 
15. März, der Sonntagsunterricht das ganze Schuljahr hindurch. 

Stundenplan und LehrfSchervertheüung. 



Tag 



Stande 



Montag 



Dienstag 



Mittwoch 



Donnerstag 



Freitag 



Sonntag 



6—7 
abds. 



dto. 



dto. 



dto 



dto. 



Vorbereitungscurs 



Stnndel Gew. Fortbildangscnrs 



7,10 

7,12 



Sprachunterricht (Lesen 

und Schreiben.) 
Oberlehrer Jnl. Mück. 



Mnndliches und schriftl. 
Rechnen. 





am 


- 


Wie 


Montag. 


Wie 


am 


Dienstag. 



Vorbereitendes Zeichnen. 
K. k. Uebongsschnl- 
lehrer Thomas Wolf. 



6-7 
6-7 
6-7 

6 -7 

6-7 

V.9- 
7,olO 

9-12 
9-12 



Sprachunterricht und 

Geographie. 
Prof. Dr. Joh. Strobl. 

Arithmetik. 
Prof. Pran« Dintal 



Geometrie. 
Prof. A Bhrenberger. 



Geschäftsaufsätze. 
Prof. Dr. Strobl. 



Arithmetik. Vom Jänner 

an gew. BnchfQhnmg. 

Prof. Fr. DintEl. 



Naturlehre. 
Prof. A. Bhrenberger. 



Freihandzeichnen. 
Prof. Oswald Horst. 

Geometr. Zeichnen. 
Prof. R. Kirchberger.i 



Q .Q Technisches Zeichnen. 
^-^^^ Prof. Tgnaz Walter. 



IS 



B. SrhAIrr-iUii'dinrScIiulJiihre ISMd- 




Voiberf-itiiygmir^ 



Gewerblkher Fortblldungicur« 



Su tri nie 



,K monAtj] Vorben '6 moBatl, fcJftoinetrJ T^hii ' Fmhand i 
Abeiiilti« J^cidmeii , Ab€ Lille. ZtMchunti /^rnhiMh. Zwi^hueu , 



dir i^diiile; 
Du» Lrjirsfikl 



27 

11 
15 



17 



17 


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1> 


H 


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18 

U 
13 



15 U6 

10 7y 



Die Zahlen in ileii Rubriken filr «lie den ZeH*lieniini.errirbt bes;uken*len ^trUilU^r be- 
Ek'beu ►iirb mir nuf jene iscliHler, wcft^he iMu i^eichenuiitrrtidite allein tb^ihiithineiK 
Viel** Jener St^btiler, welche nn ifeni AUeuilnnterriisbie hh eil nahmen, be^nchteu aucb 
rjci! der Abtlieiliingtu ile« Zeit heim iit er rielues. 
Vm Unterricht m der Physik beättchten von iloti li mifgenommenen Schillern 9 llciüig 

l>ia Schulet zahl war im abgelaufenen Schuljahrt; um ca. 16"/(, 
feritiger als im Vorjahre^ weil die Zahl der Leliiliuge abgeiionniieu hat, 
die bei Beginn des Schuljahres voigenommeue Aufschreibmig dtsr^t^lbiia 
ih; doch war die Zahl derjenigen, welche bis ztim Schlüsse des Seh ul- 
ihre« an der Schule verblieben und dalier clAssificiert werden konnten^ 
'^mu um ca, y% geringer als im Vorjahre. 

Der Zeichenimteriicht an Sonntagen wurde auch in diesem Jahre von 
Lehrllttgen und Gewerbsgehilfen aus entfernten Orten besucht 



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i 



C. LehriiiilteL 

Zur AnjJchaÖUDg von Lehrmitteln wurden oü fl. aus dem Gewerbe- 
tscliülfonde und 13 fl* 60 kr., die Interessen der Maurer- und Miillerstif' 
loiig^ aus der Stadtkasse in Kiems verwendet. 

Das hohe k. k Ministerium für C. u. U* spendete Vorlagen für ein- 
Ifaclie Möbel (20 Jlust erblätter)^ nach Angaben und unter Leitung der Fach- 
mpeetüren Prof, H. Herdtle und Prof. 0, Beyer von S^hülein der Kunst- 
gewerbeschule des k, k* üstern Museums f. K. u. J. in Wien ausgeführt 
and durch Lichtdruck vervielfältigt. 

Die n. 8. Mandela- und Gewerbekammer spendete fttr 12 Lehrlinge, 
welch** die ScIiuIh fleiliig besuchten, je ein halbes Reißzeug. 

Angekauft wurden; Sc^lueib- und Zeicheniefiuisiten. Das Centralblatt 
L A. gewerbliche Unterrichtswesen, IIL Band. 

Die Aufnahme in die gewerbliche Fortbildungsschule und den Vor- 
bereitmigeciU's beginnt für das kommende Schuljahr am 13. September lBö5* 



76 



II. Abendknm fir baafniftnnl^ehe LehrfScher. 

L Lehrplan. 

Untere Abtheilang: 

KauftaiSmiisGlMS ReolHiei: £b wird mit den Grundrechnnngsarten begonnen, dabei 
dem Reebnen mit Dezimalen besondere Anfmerksamkeit geschenkt ; die practiscb anwend- 
baren BechnnngsYortheile werd«i gezeigt; die Mttnz-, Maß- and Oewichtsverbältnisse 
der wichtigsten Staaten Bnropaa mit besonderer Berttcksichtignng des metrischen Systems 
vorgenommen. — Femer werden die Durchschnittsrechnung, die Lehre von den Ver- 
hältnissen, Kettenregel, Gesellschafts-, Mischungs- und Procentrechnnng, einfache Waren- 
rechnung, Gewinn- und Verlustrechnung durchgenommen. Der Anwendung aller dieser 
Hechnungen in der Geschäftspraxis wird die eingehendste Berücksichtigung gewidmet. 

CorrespoMlMz, ColiptoirarMtM L Weohselknde : Der Unterricht beginnt mit der 
Ausfertigung der einfachsten kauftnännischen Noten und Rechnungen, an die sich die 
Ausstellung von Facturen, Spesen-Rechnungen, ZoUdeclarationen, Verkauf tsrechnun gen 
etc. anschließt. In Verbindung mit der Erklärung der einzelnen Schriftstücke werden die 
zu denselben gehörigen Briefe abgefasst und erläutert. Die Vorträge über die wichtigsten 
Theile des W^chselrechtes, die Ausfertigung von Wechseln, die mit denselben im Zusam- 
menhange stehende Correspondenz bilden den Schluss des Unterrichtes in dieser Abtheilung. 

Warenkttiide : Ursprung, (Gewinnungsweise), Eigenschaften, Vorkommen und Ver- 
wendbarkeit der wichtigsten Waren mit besonderer Berücksichtigung der vorkomm enden 
Verfälschungen. — Practische Anleitung zum Erkennen der Waren. 

Obere Abtheilang: 

Kauftaiämilschea Reohnen: Kurze Wiederholung der wichtigsten Partien der 1. Ab- 
theilung; Zinsenrecbnung , Discout- & Termin-Rechnung; einfache Conti correnti ; Geld-, 
Silber-, Obligations- und Mttnz-Rechnnng nach dem Wiener Cursblatte ; Warencalculationeu. 

BuchhaltunQ und Correspondenz: Kurze Wiederholung des Lehrstoffes der 1. Abthei- 
lung. Theorie der einfachen und doppelten Buchhaltung. Verbuchung eines eiumunat- 
licheu Geschäftsganges im Warengeschäfte und Ausfertigung aller in demselben vor- 
kommenden Briefe und Rechnungen. 

Warenkunde: mit der unteren Abtheilung gemeinschaftlich. 

Stundenplan und LehrfücherTertheiluiig. 



Tag 


Stunde 


Abtheilg. 


Lehr gegenständ 


Montag 


8-9 
abends 


I. u. II. 


Warenkunde. 
Prof. Dr. Thomas Hanausek. 


Dienstag 


dto. 


I. 


Kaufmännisches Rechnen. ! 
Suppl. Adrian Schuster. 1 


II. 


Buchhaltung und Correspondenz. 
Prof. Franz Holub. 


Mittwoch 


dto. 


I. 


Correspondenz und Wechselkunde. | 
S. Adr. Sc huster. 


II. 


Kaufmännisches Rechnen. 1 
Prof. Fr. Holub. 


Donnerstag 


dto. 


I. u IL 


Warenkunde. 
Prof. Dr. Th. Hanausek 


Freitag 


dto. 


I 


Kaufm. Rechnen. 
S. Adr. Schuster 


II. 


Buchhaltung: und Correspondenz 
Flui F. Holub. 



77 



2. ■chftUrstMd im Jahre 1884/8. 



€mU AkikMutm 



Ok UilrJIttiiff 



Sni 



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Anfgenommen 9 .' Aufgenommen 11 *20 

Fleißig besuchten die Schale 5 j, Fleißig besuchten die Schnle 9 | 14 
Dm Lehrsiel erreishten . . . 7 || Das Lehrziel erreichten . . 8 : 15 

Die Aafnabme der Schfiler tHr das nächste Schuljahr beginnt am 
20. September 1885 



Zum Schlüsse beehrt sich die Direction im Namen des 
gesammten Lehrkörpers allen Förderern der Landesober- 
real- and Handelsschule und der gewerblichen Fortbli- 
dungsschule, sowie auch den Wohlthätern der armen 
Schüler den wärmsten Dank auszusprechen. 



In den Jahresberichten der Lehranstalt wurden bisher folgend« 
Abhandlungen veröffentlicht. 




OHterr«*h:h timx der h Hälfte A^s 18. • 
KlammiRBer FenL: „liruuttzi\g** ikr FaralJt^i i , -i.i 
Eberle F. A.; „Antbeil clerStMte KreioH tind Stein iiu de» 

li^Ji Er^ I ikr Jabra l3üfi — H«i2** 

Msrecf^ ^ 

SUr, 

Dupuls Julius 
Ktamminger 1 
V. Müth .,1 
Du|Kti« JuK: 



45 b^jiteiL 

41 

Gl) 



r.V.^,,. 



.Iiii^Kiicbe ä« Inil>Äch in Ni 



Yö«-fjt-* ll^-Li*' 



tiireo 



41% 

22 



' rKpliftiiSiiU'-M 



09 



.Ulm 



1878 



1B»0 



iiiteruAtjüDale MUnzeinheittf^bestrebiin- 

ßegc-ia^j-r . .._ ! . 1 ;, , . ^tesclmiodigteUen** 30 
Dlipula Julim»: ^Ueber die z weiden t igen FAtte Uei der Auf" 

Iiisuijg di\H Dreieckes** 12 

r>r, V. Mutb: nl . ^^. ü&ti rr Mundurn** ^^»^ 

Geflöfibauer LL-ujt ; „l i4j4»r dit* Fueclionen Cl(x) a. PJii)** 
Dtfpuls Jalioa: „Di« Berc^ehnanf^ imlift ilbHn;fiii$timiBt*nder 

\\*urÄeIii der Weheren t/lticimiisre« " ^ ■ 

Ehrenberger Autnti: „Ari dt*r Rt*w**trtinjr in On!«<»fi, din wir 

'alter Igtia«: i,Wi> uu«! zo wpii'u»_'i /.► km 

um dftm Orpramim utid au.^ dem Ij. ; rjn 

-^1 u Iier OontratHinct'' 

Kircbberger R. : „Die KrweiCeruiig der hterertgrÄ|»li. i\yji*t> 
lUiUüiiiethode auf die Fläclmn zwaitRii f^radeB.** B 

Dr. Bermt: ^ZurGescIiit^hte der 5steiT. Uwnümn v. IfjUB—y 
in ihrem ZusammenliaiiKe mit d. kur|»tnlzi»cheii Politik.'* 1*8 

Ehrenberfler A.; „DieGauuifiiiiclifiii und deren Aiiwendiiug.** '^9 

Schüler l^ud. ^Uel>er den l'iiierrieiil in ^Porre^i^oTidenz und 
ComiitoirarbeiUsu ^ 17 

DIntii FtiDZr »,Die EleiiM^riU! dei^ alJ«?eiiJ AntiuJieiik," 50 

Hanausek Th*: Teber die Harz^liiiire in den Zapfeusrhuppen 
eiiiiger roniferen.** 31 

Proichkg C: »,De??idertUK u. der llntergang dc4? Langobar- 
den reichen in Italien. " 

Hanausek Tb.: ^UebBr die Harzgänge*" «te. (Narlilrag) 

I vr, »iroDI •!*: „Die Städte Krem» und Stein im lUitt«d 



1H81 

18fi3 

1884 Etirteherger A. : „Herbart nnd die Eleauücue bcnuie." 



Dr. StroM J*: ^i^-ic ,..cv,n«*„i^.«« u«, 
aller. \Mit rrknaden- Beilagen .)*" 



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der Legaten des Papstes Ho&orius III. 



in S^rankrei-ch und Oeulschland. 



(Eine historische Studie) 



Anton PokornV-^-^ 



Die HirUeit der Leotei iliüi Faisles Hdooms III. 

in Frankreich und Deutschland. 



Jemehr die histoiiscbe Forschung der letzten Jahrzehnte die Entwicklung 
des Völkerlebens im 13. Jahrhundert khirgelegt hat, desto deutlicher erkennen 
wir, wie gewaltig der Einfluss des Papstthums seit der Thronbesteigung Inno- 
oeoz' III. geworden ist. 

In allen Staaten der römisch-christlichen Welt dieser Zeit dreht sich das 
[loitischc üeschehen um den einen mächtigen Willen, der von Rom aus die 
Fäden der europäischen Politik in der Hand hatte und die einzelnen Staaten 
Kuropas wie die Provinzen eines Gesammtreiches für seine politischen Ziele 
dienstbar machte. 

Unter diesem Gesichtspunkte mag es berechtigt erscheinen, für eine eng- 
bogrenztc Periode des 13. Jahrhunderts, nämlich für die Regierungszeit des 
Tapstes Ilonorius III. (1216—1227) dem Wirken der päpstlichen Gewalt, soweit 
lieh dasselbe durch deren Botschafter ausdrückt, genauer nachzugehen. 

Die nachfolgende hi!»tori^^che Studie wird sich darauf beschränken, das 
Wirken der päpstlichen Legaten Honorius' III. in Frankreich und Deutschland 
zu schildern. Auf die Geschichte dieser beiden Länder sclb^t kann dabei nicht 
eingegangen werden, und ich verweise in dieser Hinsicht auf die in den An- 
merkungen vielfach citierten historischen Darstellungen dieser Epoche. 



Xjeera.tioziezi 12:1 X^sinlsreiclx. 

Schwierige Aufgaben harrten am ßeginne des Pontiticates Ilonorius' III. in 
Süifrankreich der Erledigung des weltbeherrschenden apostolischen Stuhles, 
(jrar Raimund von Toulouse hatte Marseille und Avignon wieder für sich gewonnen 
Qnd machte, durch die Unbeliebtheit Simons vonMontfoit in der Provence sowie 
durch dessen Conflict mit dem Erzbischofe von Narbonne unterstützt, stets weitere 
Fortschritte. Peshalb entsandte Honorius III. zu Beginn des Jabtes 1217 



Bertrand, Cardinalpriestcr vou St. Johann und Paul^) als Legaten nach Sild- 
frankreich^) zur Ausrottung der daselbst herrschenden Ketzerei. 

Bevor jedoch der ueuernannte Legat etwas Entscheidendes gegen die Albi- 
genser beginnen konnte, war es nüthig, den Streit zwischen Simon von Mont- 
fort und dem Erzbischofe von Narbonne über die Herzogsrechte in dieser Stadt 
dem päpstlichen Befehle entsprechend 3) beizulegen. Der Conflict scheint noch 
bestanden zu haben, als Simon von Montfort nach dem Abfalle von Avignon 
und Taniscon in der Stadt St. Gilles sich festsetzen wollte; die Einwohner von 
St. Gilles appellierten damals an den Legaten, und Simon zog, diese Appellation 
beachtend, unverrichteter Dinge ab.*) Das deutet daraufhin, dass Bertrand und 
Simon von Montfort damals noch nicht energisch gegen Ilaimund von Toulouse 
zusammenwirkten. Doch zeigte sich, nachdem auch Beaucaire und St. Gilles 
von Simon abgefallen waren und Avignon den Legaten in Orange bedrängte, bald die 
gegenseitige Neigung, vereint gegen die Anhänger Kaimunds zu wirken. 

Der Legat überschritt die Rhone bei Viviers und zog, beständig von den 
Anhängern Baimunds bedrängt, nach Le pont, S. Esprit, um mit Simon von 
Montfort über die Bekämpfung der Albigenscr zu berathen. Simon behandelte 
den Legaten daselbst mit den größten Ehren, und Bertrand ist von nun au 
der Leiter der Unternehmungen Simons gegen Raimund von Toulouse. Auf 
Beireiben Bertrands setzte nun Graf Simon bei Viviers über die Rhone und 
rückte zugleich mit dem Legaten bis zur Burg von Montelimart rhoneaufwärts 
vor. Guirard von Adeniar, der Graf von Valence und Die, der mit dem ihm 
verwandten Ritter Lambert die Herrschaft von Montelimart inne hatte, wollte 
Simon und den Legaten nicht einlassen ; Lambert jedoch, der auf Simons Seite 
stand, verschaffte ihnen den Eintritt in die Burg und Stadt Montelimait. Die 
Kämpfe auf dem linken Rhoneufer wurden glücklich fortgeführt, endeten aber 
mit einem Friedensschlüsse zwischen Simon und dem Grafen von Valence. 
Inzwischen schien sich die Sache zu Ungunsten Simons zu wenden, indem im 



Von einer Vcrwcchsluug dieses Bertrandus (auch Bcrtramus und Hcrtraunus geuanut, 
mit BcrtiDUS Card. Diac. St. Georgi. gegen die sich schon Ciaconius: „Yitae et res gestae 
pontiücum et cardinaliuni" (üb Oldoino rccog. Romac 1(>75) Tum. II. p. 3(j verwahrt, kann 
keine Rede sein. Berlinus, Card. Diac. St. Georgi war gur nicht Legat unter Ilonorius HI. 

^) Potthast: Hegesta poutiücuni Romauorum indc ab aniio postCh. nat. 1198 ad anuum 

1304. --(2 Bände, Berlin 1873.) Nr. 5425; 19. Jänner 1217 nunciut, se in tcrram Pro- 

vinciac bellis attritani continuis et haereticao pravitatis involutani, Bortninduni tit. S. S. Job. 
et Pauli presb. card. ap. scdis legatuin niittcre, concessa ei plenitudine putestatis, ut destruat 
et evcllat ibi, .... 

•) Dom Brial: Scriptores rcrum Gallicarum (Uccuoil des llistoriens des Gaules et de 
la.France) (citiert llecueil.) XIX. Band. p. 628- 1*211. 

*) Pctri Vallium Sarnaii (Vaux C«''rnay) Moiuichi Ilistoria Albigunsiuin, abgedruckt in 
Recucil XIX. B.. p. 108 B: „Cum vero comes nobilis (Simon) .... ad villam St. Aegidii 
pervenisset, non est admissus ab homiuibus eiusdem villae ; sed appellantcs ad dominum Der- 
trannum Card, portas villae clauserunt, sed comes noster .... ap])onatione deterens, recessit. 
Dieser gleichzeitige, gut unterrichtete Autor diente mir für Bertrand als Ilauptgrundlagc 
der Darstellung. Auch Yaisette in seiner Ilist. general de Langucdoc Tom. III, p. 284 ff. 
ist demselben für diese Nachrichten gefolgt. 



September*) 1217 die Stadt Toulouse mit Jubel den Grafen Raimund wieder 
aufnahm. AuL^er den Grafen von Foix und Comminges schickte sich jetzt auch 
der König Jakob II. von Anigonien an, ^) Raimund zu unterstützen. Die römische 
C'urie ward sehr schnell von der Absicht Jakobs II. unterrichtet, und schon 
am 23. October 1217 ertheilte der Papst seinem Legaten Bertrand den Befehl, 
liegen Jakob II. mit kirchlichen Strafen einzuschreiten, wenn derselbe von seinem 
Zuge gegen Simon nicht ablasse. 3) 

Gleich nach dem Eintreiicn der Nachricht von dem Abfalle von Toulouse 
waren indes der Legat und Gnif Simon gegen diese Studt aufgebrochen, um 
Simons Bruder Guido, der zur Bekämpfung von Toulouse aus Carcassone 
herbeigeeilt war, zu unterstützen, und langten am 1. October 1217 vor der 
5>tadt an.*) Nun begann Graf Simon, von dem Legaten fort und fort zur 
Thittigkeit ermuntert, die Belagerung der Stadt. Die päpstlichen Mahnschreiben ^) 
:in das Volk von Toulouse sowie an Raimund, sich dem Legaten zu unterwerfen, 
hatten keinen Eifolg. Die Toulousaner wehrten sich tai)fer und vereitelten alle 
Bemühungen des Legaten, weshalb derselbe den Bischof Fulco von Toulouse 
nach l'aris entsendete, um Mm Philipp August II. Hilfe gegen Toulouse zu 
erhalten und zugleich, um im nördlichen Frankreich das Kreuz gegen die 
häretischen Albigenser zu predigen. 0) Obgleich in Folge der Kreuzpredigten 
Fulco's das Belagerungsheer vor Toulouse sich verstärkte, machten die Belagerer 
dennoch nur sehr geringe Fortschritte. Simon selbst wurde des ungestümen 
Drängens des Legaten müde, weil derselbe „unwissend" war, wie ein gleich- 
zeitiger Geschichtsschreiber meint.') Am 25. Juni 1218^) wurde Simon von 
Moutfort durch einen aus der belagerten Stadt geschleuderten Stein getödtet. 
Sein Sohn Amalrich gab sogleich die Belagerung von Toulouse auf; desto eifriger 
betrieb nun Burtrand die Bekämpfung der Albigenser und suchte insbesondere 
Philip[) II. für einen Kreuzzug gegen sie zu gewinnen.") Am l!). November 1218 

*; Sirihe Vaisetto: Ilistoiro griirral du Languoiloc III. D., p. 21)9; . . II s' avaiico en- 
^ü'itii k* iiiatin du 13. du niüis du S(>i)tomhrü . . . 

') IVtri Ilidt. Albig. iu Uccueil XIX. IJ. meldet nichts davon; doch lässt der Brief 
Ilimoriii»' III. vom 23. October 1217 an IJertrand mit Sicherheit darauf schließen. Vgl. die 
nirliM»' Note. 

-j I»otthaht: Uegost Nr. 5ül0; 2;J. October 1217. Aus K.^cueil XIX. B. p. G87. 

•' Petri Ilist. Alb. a. a. O. p. lOli K und p. 110 A: . . . Venicntes ii^itur Tolosam 
(..irJ. i-i ('i»nn's, obsederuut eam anno M('(;XVII. kal. oclobr. 

) I'iipsti. Brieic vom 27. und 2!». Dezbr. 1217. PoHhast: Uog. Nr. 5(»42 und 5646 

"» rt'tri Hist. Alb. a. a. O p. IKJ U. setzt die Kntsemiung des Bischofs Fulco in die 
Zi'ii narh dem Tode Sinums ; dagegen setzt (luillolmuH de Podio liaurentii in seiner Ilistoiia 
.\HMi.'»'Usium (Ki'cucil XIX. B. p. 212 D.) diese Sendung früher an und zwar an den Anfang 
iler IiiLit,'erung, da Simon noih lange lebte. Ks ist iniiuerhin m.'iglich, dass Fulco nach dem 
r«»df >imipns von dem Le^'ati'n zum zweiteumale nach „Frankreich" entsendet wird; dann 
bv£ii'Uva sich die beiden Stt'lJen eben nii-lit auf das gleiche Factum. 

An der Nachricht Wilhehii"? von l'uy Hörens zu zweitein finde ich keinen Grund; 
diosellpe ist auch von Vaisette (Ilibt. de Languedoc Tom. III, p. :j<K), XX) aufgenommen. 

•; (inill. de Pod. Laur. a. a. 0. p. 2i:3 B „«piod ignarus et remissus erat." 

") Ibidem: „in crastino nativitatis s. .Joannis Baptistac' 

*) Uu* päpstlichen Briefe vom 5. Seiitember 1218 bezeugen die Thtttigkeit der römischen 
Curie in dieser Angelegenheit. Puttli. Ueg. Nr. ö!MN) bis Nr. 5905. 



6 

ridlim cnillicli Tliilipp's Sohn Ludwig d.-is Kreuz') zur Rckainpfuiig der Häretiker 
Im Süiiiiner 1211) iiiitL'in thiu er unter htuia tliittigor Beihilfe des Legaten') deo 
vcrsiModuMieu Kreuzzug g«goii die Alhigenser ; allein auch er hatte wenig Erfolg, 
und ].aehdoni das Heer durch vierzigtägigen Kriegsdienst den Ablass für Kreuz- 
fahrer erworhcn lialtf, hob Ludwig am 1. August 1211) die Belagerung voii 
Toulouse auf. Alle Bemühungen des Legaten, die Alhigenser zu unterdrücken, 
waren also gescheitert, und mächtiger als zuvor traten sie in Südfrankreicli 
auf. Ueitrands Hauptaufgabe war damit gescheitert; seine weitere Thätigkcit 
erstreckte sich nur mehr auf rein locale Angelegenheiten. Wie aus einem 
Schreiben Honorius' III. an Heitrand hervorgeht, hatte sich Jakob IL noch im 
Jahre 1218 vollständig mit der Kirche ausgesöhnt ; 3) im Jahre darauf wird er 
mit allen seinen Ländern unter den Schutz des hl. Stuhles genommen und 
liertrand angewiesen^ Jakob II. als einen besonderen Freund der Kirche zu 
behandeln und gegen jedermann zu schützen.^) 

üegen das Knde des Jahres 1211) erfolgte die Abberufung Bertrands von 
seiner Legation,') die nun eines Mannes bedurfte, der mit genauer Kenntnis 
der localen Verhältnisse eine hohe Geisteskraft und bedeutende Charakterstärke 
verband. 

Indem ich zur Besprechung der Tiiätigkeit des bedeutendsten unter den 
Legaten Hoi.orius' HI. übergehe, kann ich die Befriedigung darüber nicht ver- 
hehlen, dass ich mich hier durch die vorzügliche und ÜeiPig gearbeitete Mono- 
graphie des Freiherru Kolh von SchreckeUdtein auf einem geebneteren Boden 
als bisher bewege.*) 

Conrad von Urach, Sohn des Grafen Kgino von Urach und der Agnes, 
einer Schwester des Herzogs Berthold V. von Zäiingen, seit Ende 1217 Ordens- 
general der Cistercienser und seit dem 8. Jan .er 1219') Cardinalbischof von 

'j Petri Uist. Alb. a. a. 0. Ii3 B. Auqü .... MCCXVIII. Xlll. kal. Dec. Ludovicus 

suscepit in pectore signnin crucis .... 

') üuiil. de Pod. La:ir. liist. Alb. a. a. (). p. 21 1 B. „Nüc aberat dominus Bertrandus 
legaliis, cui negotium conli erat." 

3) Brief lIonoriusMII. vom 31. October 1218. Rccueil XIX. B. p. C72 bei Potth. Reg. 
8ub Nr. 50 lö. 

*) Maurique: Anaalcs Cisternsicnsos, Tom. IV. p. lo5, 6; bei Potthast reg. sub Nr. 
Ü107 vom 2ii. Juli 1219. 

^) Bertrand war zu Ausgang des Jahres 1219 noch in Toulouse. Vgl. Roth von Schrecken- 
stein: „Conrad von Urach" in «Ion Forschungen zur deutschen Geschichte VII. B. p. 332, 
Note 1. — Nicht ganz abzuweisen ist die Meinung Mauriquc's, dass der Papst den Legaten 
zu eng mit Ludwig verknüpft und zu wenig ausdauernd fand und deshalb seine Abberufung 
verfügte; doch setzt Mauriquc (ann. list. Tom IV. p. 213) dieselbe unrichtig in das Jahr 1222. 

'^) Freiherr lloih von ^jclin'ckeusteiu : „(.'onrad von Urach, Bischof von Porto und S. 
Rufir.o als Cardinallegat in Deutschland 1221—1226** a. a. 0. p. 321— 3U7, nebst den Re- 
geston p. 3G7 — 3'.M. Wenn auch die Mono^raphli.' sich vurznglich mit Conrads Thätigkelt als 
Legat in Deutschland befasst, so biiUet sie doch auch für seine Wirksamkeit in Frankreich 
sehr sciiiitzenswerthc Mittheilungen. 

•) Alberioi Trium Fontium Chron. (Monumenta Germ. Scr. XXIII. B. p. 907, Z. 44. — 
Maurique a. a. 0. p. 159 weiü, auf Ciaconius gestüzt, nur das Jahr, aber nicht das Datum 
der Ernennung anzugeben. 



Porto und S. Rufino wurde im Frühjahre 1220^) als Legat nach Frankreich 
geschickt. Wie ernst es Honorius III. mit der Bewältigung der Häresie in 
SQdfrankreich meinte, beweisen seine an Conrad gerichteten oder auf dessen 
I/egation bezüglichen Briefe aus dem Jahre 1220, in welchen er die Anhänger 
der Kirche mahnt, den Legaten eifrig zu unterstützen,*) die Gegner warnt und 
bittet, zur kirchlichen Einheit zurückzukehren,^) andererseits aber auch Conrad 
selbst die ausgedehntesten Vollmachten verleiht/) sowohl was die Strafgewalt 
betriftl, als auch in bezug auf kirchliche Anordnungen/') In der Bekämpfung 
der Albigenser hatte Conrad einen schwieri^^en Stand, weil er auch Ludwig 
Ton Frankreich, dem Vorkämpfer gegen die Häretiker, nicht das volle Zutrauen 
schenken konnte, sondern stets befürchten niusste, ob derselbe nicht etwa unter 
dem Vorwande, die Häretiker zu bekämpfen, Besitzungen des englischen Königs 
besetzen und für Frankreich gewinnen wolle. Aus diesem Grunde lie(3 sich 
Conrad herbei, einen Frieden zwischen Amaliich von Montfort und Uaimund 
Ton Toulouse zu beiürworten; doch scheiterten die Verhandlungen,^) welche 
darnach unter der Vermittlung des Legaten zu St. Fleur in der Auvergne und 
zu Sens in Burgund geführt wurden. Raimund begann alsbald, vom Grafen von 
Foix stets wirksam unterstützt, die Feindseligkeiten gegen Amalrich.') Wie 
Roth von Schreckenstein anzunehmen geneigt ist, gehören diese letzton Ereignisse 
in das Jahr 1221.<>) In directen kriegerischen Unternehmungen gegen die Albi- 

■) Addenda et Ck>rrigcnda in Historia' Guillelmi Britoiiis Amorici Kecuetl XVII. B. 
p. 774 A: „Anno 1220. In Quadragesima praecedcnti .. .'* Das Citat bei Roth von .Schrecken- 
lUio a. d. 0. p. 382 ist sehr ungenau, indem Roth es den Aiinal. Waverl. Reo. XVIII p. 207 
inschreibt, während es daselbst nur in einer Note des Herausgebers steht. Das Jahr kann 
nach dem in Frankreich gebrüuch liehen Jahresanfänge (25. März) gar nicht zweifelhaft sein. 
Da eben die Qaadragesima im Jahre 1220 in die letzten Tage des Februar fiel, so zählen 
die franzöBischcn Chronisten dieses Ereignis noch in das Jahr 1219. Vgl. Vaisette : Hist. de. 

Jjuig. III. B. p. 315 .. . des la fin de Tan 1219 card. Conr mit derselben Zählung des 

Jahresanfanges am 2ö. März. — Vgl. Alb. Tr. Font. Chr. Mon. Genn. XXIII. p. 9 HJ. — 

«) Potth. Reg. Nr. 6461; 1220. Vaisette III. (Preuves) p. 2Ü7. Reo. XIX. 699; ferner 
Potth. Reg. Nr. 6366; 25. Sept. 1220. Reo. XIX. 706. 

*) Die Briefe Honorius' III. an den Rath und die Gemeinden von Toulouse, Nimes und 
Avlgnon, sowie an den Grafen von Foix und Raimund von Toulouse, zur Kirche zurückzu- 
kehren und dem Card. Leg. zu gehorchen sind abgedruckt in Vaisette. III. Preuves, p. 268 
bis 269; Rec. XIX. p. 700—701 und registr. bei Potth. Xr. 62S3 und 6284. 

*; Roth. Regesten Conr. a. a. 0. p. 371 v^aisotte III. 267 Rec. XIX. 700. Potth. Reg. 6462. 

^) Potth. Reg. Nr. 6463. Der Papst verleiht Konrad die Vollmacht, einen militUrischnn 
Onleo nach Art der Templer gegen die Häretiker in der Provence einzurichten. V^'l. Roth 
a. a. 0. p. 373. Ausserdem überträgt ihm Honorius am 21. August 1220 die Kutscheidung 
von Streitsachen zwischen dem Bischof von Beziers und dem (traten Anialrich von Montfort. 
Vgl. Potth. Reg. Nr. 6335 und Roth a. a. 0. p. 372 und i,i:i. 

*) Guill. de Pod. Lanr. a. a. 0. p. 215 B. „pacis eifectus in neutro est sccutus.^' 

») Ib. p. 215 C. 

*) Ib. p. 215 A. Hier wird Conrads Zug in das Jahr 1222 gesetzt; Mauriqnc, Ann. 
Cist Tom. IV. p. 213, I. Spalte folgte dieser Quelle in der Datierung. Die UnvorlässliVhkcit 
dieser Datierung wird aber schon daraus ersichtlich, dass an dieser Stelle auch die Sendung 
Coorad*s in's <^Ahr 1222 geseUt wird ; indes konnte ich auch den Grund nicht finden, der 
Both TOD Schreckenstein bestimmte, diese Nachrichten in seinen Regesten (a. a. 0. p. 878 
and 874) in das Jahr 1221 au setzen. 



8 

genser wenig vom Erfolg begünstigt, wirkte Conrad im Interesse der Kirche 
und Amalriclis sehr viel durch Begünstigung der getreuen Städte und Klöster 
auf Kosten Raimunds von Toulouse. Der grötHen Gunst erfreute sich die Stadt 
Narbonne, dessen Domkapitel ihm früher eine Geldsumme von 3000 Lires 
geliehen hatte. ^) Zwei Jahre darauf excommuniciert er alle Gegner der getreuen 
Stadt Narbonne,") welche derselben durch Brand und Verwüstung ihrer Felder, 
Weinborge und Gärten Schaden zugefügt hatten, insbesondere die Einwohner 
von Capestan, Beziers und vieler anderer Städte. Nicht lange darauf übergibt 
er das Kloster Alet, dessen Abt und Mönche die Häretiker begünstigt hatten, 
dem Kapitel von Narbonne^) und bittet den Papst um Bestätigung dieser 
Incorporation, da sich Narbonne vielfach um ihn und die Kirche verdient 
gemacht habe und ihm beigestanden sei, als er von Beziers vor seinen Gegnern 
schimpflich habe weichen müssen.*) Vielfach in Anspruch genommen war Con- 
rad zu dieser Zeit mit der Herstellung der Kirchen- und Klosterdisciplin. Unter 
diese Art seiner Thätigkeit mcichte ich auch die Verleihung der Grundgesetze 
für die medicinische hohe Schule zu Montpellier zählen.^) Er setzte durch 
diese Statuten fest, dass das Lehramt in dieser Schule von dem Examen und 
der Approbation des Bischofs von Maguelonc abhängen solle. *^) 

Amalrich von Montfort hatte im Bewusstsein seiner Schwäche seine Länder 
dem König von Frankreich als Oborlehensherrn übertragen, doch war es 
Philipp II. bisher trotz der Bitten des Legaten') nicht mrjglich gewesen, die ihm 
übertragenen Länder vor Raimund zu schützen. Als im April 1223 der Legat 
mit mehreren Bischöfen in Beziers von den Anhängern Kaimunds eingeschlossen 
ist, bitten sie noch einmal dringend Philipp U. um Hilfe. 

Die Erfolge, die sie in Südfrankreich haben, veranlassen die Albigenser, 

*) Roth a. d. 0. p. 372 zum 15. August 1220, Troycs oii (-hampagnn. Vgl. dazu: 
Petrus de Marca, de Concordia, lib. V. cap. 31, p. 115. Krwiibnt bei Vaisoito III. p. 315. 

Comme il nianquoit d'argent pour soutenir los frais do sa lo.^ation, il ongagca pour la 

somme de trois inille livrcs Melgoricnncs. 

«) Roth a.a. (). p.374;28. April 1222, Narbonne; ausVaisette III. rrcuveR271 CXXXIX. 

>) Roth a. a. <). p. 375; 16. Sept. 1222. Souvigni en IJourbonois. Vgl. lloc. XIX. 
p. 729—730 8ub nota b. 

*) Roth a. d. 0. p. 870. Der Brief von Conrads von Ilonorius ist abgedruckt in Rec. 
XIX. 72Q und daselbst entnommen aus dem Samniclworkc (Talliana cbristiana Tom. VI. Instrum. 
coli. 211., wo dieser Brief ohne Datierung stobt. Rr»tb bezweifelt deshalb die Randdatierung 
in Rec, indem er unter Hinweis auf eine Urkunde Conrads vom 2. Dezbr. meint, dass der- 
selbe wohl nicht leicht im selben Jahre, wo er schiniptlich aus Beziers habe weichen miiascn, 
auch daselbst wieder festen Fuß gefasst habe. Da aber die Jahresdatierung der Urkunde vom 
2. Dezember ebenfalls zweifelhaft ist, so ist Rotlfs Argumenten hier kein großes Gewicht 
beizulegen. 

*) Roth a. a. 0. p. 373 17. Jänner 1221. Das Datum ist eingesetzt nach De Greffoville: 
Hist de la ville de Montpellier II. partie, p. 343. „16 kal. Febr. 1220 (mit der französischen 
Jahresdatierung des 13. Jahrb.) 

*) Savigny: Geschichte des röm. Rechtes im Mittelalter. 2. Au)l. III. B. p. 377. 

') Roth a. a. 0. p. 376; 2. Dzbr. Beziers. Die Jahresdatierung schwankt zwischen 
1221 und 1222. 



sich mit den verwandton Seelen in OI)eritalien und in Bosnien zusanimenzu- 
»cliliol^en. Zu diesem /wecke halten sie einen gewissen Bartholomäus aus 
i'arcassone, der längere Zeit in Bosnien die Häretiker geleitet hatte, als Haupt 
ihrer Gemeinschaft anerkannt. Zur Unterdrückung dieses Albigenserbischofes, 
di-r ^ich in seinen Uundschreihen der päpstlichen Brietlormen bediente, schrieb 
der Legat Conrad anl'angs Juni 122;> für alle lVanzr)sischen Bischöfe auf den 
7. Juli \22Ü ein Concil nach Sens aus. i) Von der Kröll'nung dieses Concils 
hallen wir keine Nachrichten; doch so viel lässt sich feststellen, dass es noch 
v«»r dem 1.0. Juli nach Paris verlegt wurde, und zwar, wie sicher zu vermuthen 
ibt. weil ihm auch der erkrankte König Philipp II. beiwohnen wollte;-*) doch starb 
derst^lbe schon am 14. Juli zu Monte. Vom Cuncile, welches durch Philipps 
Tod gest<"irt wurde, iindet sich keine weitere Nachricht mehr und es \var das- 
selbe durch den plötzlichen Tod des Albigenser BisclK»fs Bartholomäus auch 
gegenstandslosgeworden. Conrad hält am 15. Juli sammt den 24 versammelten 
Bischöfen die Leichenfeierlichkeiten zu St. Denis.-') Auch bei der Krönung 
Ludwigs VIIL anfangs August 12*j:> war der Cardinallegat Conrad noch in 
Uheims. *) Trotz aller Bemühungen konnte Conrad einen Friedensschluss zwischen 
lUimund uud Amalrich nicht zustande bringen und auch bezüglich der Ver- 
handlungen mit dem neuen französischen Könige wegen eines Kreuzzuges gegen 
die Albigenser bedurfte der Legat mannigfacher persönlicher Instructionen durch 
die päpstliche Curie. Deshalb bat Conrad bald nach der Krönung Ludwigs VIII . 
um Erlaubnis zur Bückkehr nacli Kom.^) Diese Erlaubnis wird ihm vom Papste 
den 10. September 12'J3 ertheilt,") und schon am lo. Dezember^) dieses Jahres 
tri-'tlt'n wir ihn in Rom. VViewol nun Conrad hier schon im Jänner 1224 zum 
Legaten für Deutschland ernannt wurde und auch für Frankreich schon ein 
neuer Legat bestimmt war,^) so erschien er dennoch Ilonorius III. als die geeig- 
netste Persönlichkeit, die Friedensverhandlungen zwischen Ludwig VIIL und 

'> Mattbilus rarisius: Ilistürhi Antjliad. - ediilit VVats, Loiuloii lüSi. — fcitiortMatth. 
Pari.s. |p. 2Ü7: .,iiuat(.*iiiis veuiatis Soiionis in octuvis INrtri et Pauli (7. Juli) proxime luturis. . .. 
hatiiin Plaiiiuiii VI. uouas Jiilii (2. Jiiii). Iiicsi: Datieruii;^ dits lU'i(.'te>> ist, wiu sriioii Mauriquc, 
'loiii. IV. p. 213 biMiicrkt, iiiclit riciiti^. Uutli ist^djiuigt „IV. iiuuas Jiuiii'* auzunchinon. Auch 
dvi Ort der Ausstellung ist unsicher; Manriquo inoint, IMauiuni sei iihnitisch mit Tlanasia 
in (ialJia Narhouueusi. Roth a. a. O. p. :>7ij setzt „Provin ?" ohne liegriUidung. Vgl. llcc. 
XVIII B. I». IIG. 

-') Kleury, Ilistoria occlcs. XVI. p. 547; Manii(iuo, Ann. Cist. Tom. IV. p. 211—245. 

') i'lironicon Turoiiense autore anonym: ah«^«»lr. i:i UiM-ucil XVIU. 1>. p. :io3. Iloth 
1 A t>. p. 377 citicrt hier irrthiimlicher Wfise (iuillel. Aniior. (;»'sra I*liilip|ü Kit. XVIIl. p. Ö08 . 

•) Thron. Alb. Trium Font. (Mun. (ionn. S. S. XXIII. p. '.M:!, /. 10.) Da Ilonorius III. 
iu rincin l'ri<*te an Ludwig VIIL vom i:{. l)/l>r. I2i3 auMlrürklioh von Versprechunf^en, die 
Jlt König dem Legiiten «ininid ir«'m:u'ht iiah«', spricht, s«» schtiint mir die Auwesenheit Con- 
TAiii bi;i <ler Knmnng sie bor. 

) Kpc. XIX. p. 7:;t). Die .Jahre^/.ahl „1222'- das«^lhM ist ein Drucktehler. Uoth setzt 
'Ich Iirinf in den Ausgang August oder anl'an;,'s SeptmibfU" 1223. 

) I»otth. lieg. Nr. 7079; 10. Septbr. 122:;. 

■) Kec. XIX. 7'IÜ D.: „coram nobia.** 

'j Potth. lieg. Nr. 7157; :JI. Jänner 1224. Cardinal Uomanua zum Legaten für Frauk- 
reich und die Provcucc cruaunt. 'i 



10 

dciu jungen Raimund von Toulouse zu leiten. Ucber das Itinerar des 
Legaten während dieser Sendung sind wir nicht gut unterrichtet. Es übersteigt 
aber den Uahmen dieser Darstellung, auf diese Frage näher einzugehen, wes- 
halb ich im Allgemeinen der Orientierung, weiche Roth's Regesten bieten, folge. 
Fest steht als Datum den 4. April 1224, an welchem Tage Honorius III. dem 
französischen König die Sendung Conrads ankündigte) Aus diesem Briefe an 
den König, sowie an die französischen Bischöfe erhalten wir auch Auskunft über 
den Zweck dieser zweiten Sendung Conrads. Der Legat soll dahin wirken, dass 
Ludwig Vlll. mit Heinrich III. von England einen dauernden Frieden schließe, 
damit der französische König freie Hand gewinne für einen grollen Kreuzzug 
nach dem Orient.^) Auch für die Aussöhnung Raimunds mit Ludwig VIH. und 
mit der Kirche sollte Conrad thätig sein, damit auch nach dieser Seite Lud- 
wig VIH. für Honorius' III. Hauptabsicht frei werde.') Die Bemühung des 
Legaten, den Frieden zwischen England und Frankreich zu erzielen, misslang 
wol; denn im Jahre 1224 begann aufs neue der Krieg; einen desto größeren 
Erfolg erreichte aber Conrad damit, dass es ihm gelang, König Ludwig mit 
Raimund auszusöhnen; denn Ludwig war jetzt immerhin frei für einen Kreuz- 
zug, da in diesem Falle der päpstliche Oberlehensherr Macht genug hatte, 
seinen Vasallen, den König von England während des großen Kreuzzuges vom 
Kriege abzuhalten. Wie uns Wilhelm von Nangis berichtet, publicierte Conrad 
aui' dem Gencralconcile in Paris am 5. Mai 1224 die Approbation der Recht- 
gläubigkeit Raimunds in Gegenwart des Königs Ludwig.^) Bald hierauf verließ 
er Frankreich, um in seiner neuen Legation in Deutschland für dieselbe Sache 
zu wirken.^) 

Bevor ich mich nun zur Besprechung der Wirksamkeit seines Nachfolgers 
im Legatenamte in Frankreich wende, will ich noch, soweit dasselbe zu ei kenneu, 
das Wirken hervorragender Bischöfe von Frankreich, die mit der Legatenwürdc 
ausgestattet waren, in betraclit ziehen. Ihre Legatenwürde bedeutete eine Art 
Ehrenvorrang zu dem Zwecke, danjit sie den von Rom gesandten Legaten gleich- 
stehen, von denselben nicht gebannt werden können und für die jeweiligen 



*) Pottli. lieg. Xr. 7212 und 7213 voiii 4. April \'22i. — Diu chronolog. Frage erör- 
tert Roth a. a. (). p. 33G und p. 87Ü. 

3) Pütth. Heg. Xr. 71ü9; 20. Februar 12'i4 und Xr. 7212. 

») Pottli. Reg. Nr. 7215 ; 4. April 1224. Rrief Ilonor. lil. an den Erzldscliof von Nar- 
bonne „ipsi leguto dodimus in uiandatis, ut, si präfectus uobilis (llaimundus) volu rit vü- 
raciter apostolicis obedire mandatis, — ... congrue del\»ratur .... ut ... ad terrae äauct^c 
subsidium libcrius intendere valeamus .... Uocueil XIX. B. p. 7-18 C. 

*) Chronicon Guillelmi de Xangiaco - abgcdr. in Rec. XX. R. p. 702 E. Wilhelm von 
Nangis gehört dem Ende des 13. Jahrhundorts an (starb um 1302); indes haben wir keinen 
Grund, au der Richtigkeit seiner Xachricht zu zweifeln. Vgl. Roth a. a. 0. p. 33G, Anm. 3, 
und p. 379. 

•') Am 2. Juni 1224 nimmt Conrad noch die Consocrafii)n der Kirche zu Val Bcnoit 
vor. Alb. Tr. Font. Chron. a. a. 0. p. DU, /. 30 .... „card. Conradus . . . Leodium vcnit 
ibiipie Vallem bi'nedictam .... circa Peutecosleu i2. Juni) cDUsecravit. — Am 7. Juni zieht 
Conrad in Köln ein ; Roth a. a. 0. p. 37*.). 



11 

riünc der Curie mit erliöhteni Ansehen zu wirken imstande seien. In dem Briefe 
Honoriiis' III. vom 2. Juni 1221 an den französisdien König erscheinen die 
Erzhischüfe von Kheiins. Sens und Hourgcs in der Würdo apostolischer Legaten, 
um die (iläubigen zur Unterstützung dos Zuges i!;ci:^(m Trmlouse anzucifern und 
durch Ablässe und andere Mittel den Kreuzzug gegen die Alhigenser zu fiirdern.*) 
Haniit ist ihre Aufgabe im Allgemeinen bezeichnet. Aut^er der Kirchendisciplin, 
die sie im Auftrage des Papstes zu wahren hatten, 2) liegt ihnen vor allem ob, 
die Bemühungen des Legaten Conrad, ein Kreuzheer gegen die Albigenser 
aufzubringen, zu unterstützen ; denn dahin zielen die päpstlichen Aufträge, die 
.Vicesima" in ihren I)iöcesen einzutreiben und Truppen für dieses Geld auszu- 
rüsten. •*) Als sich in Nordfrankreich ein Zweifel erhob, ob dem Cfrafen von 
Toulouse wirklich auf dem Lat(»ranconcile alle Besitzungen abgesprochen wor- 
den seien, ertheilt Ilonorius 111. dem Legaten Krzbiscliof von llhcims den 
Auftrag;, alle Bedenken und Zweifel darüber zu zerstreuen und ohne Schonung 
auch gegen den jungen llainiund von Toulouse zum Kampfe anzutreiben^) 

Potthast bringt in seinen Papstregesten den Auszug eines Briefes Ilono- 
rius' III., in welchem derselbe den Cardi nal 1 egaten Nicolaus von 
Tu Senium, der im Lande des Grafen von St. Gilles s-ich arge Gelderpressungen 
zu Schulden kommen liel.\ von seiner Legation abruft und ihm jede weitere 
Ausübung dieses Amtes verbietet.*) Potthast stellt diesen undatierten päpstlichen 
Brief in die Jahre 1221 bis 122;}. Wir haben nun wol vielfache Berichte 
über das Wirken des Oanlinallegaten Nikolaus von Tusculum unter Innocenz III. 
und l»egegnen ihm auch unter Ilonorius III. als Legaten in Sicilien ; doch wird, 
so weit mir das Quellenmateriale zugänglich war, nirgends etwas von einer 
Legation desselben bei dem Grafen von St. (lilles erwähnt, weshalb ich an der 
Echtheit dieses päpstlichen Briefes zu zweifeln nicht umhin kann. 



<} Potth. Reg. GB72; 2. Juni 1221. Vgl. DuchesiK; llist. Franc, scr. V. p. 85« Nr. 
12; liCC. XIX. 6% setzt unrichtig das Jahr 1220 in margino an. 

*) Potth. Reg. Nr. 68()4 und Nr. 680.") Briefe Ilondrius' III. vom 1.1 nnd 16. Milrz 
1222 an den Le«. Krzh. von liourges, Klostcranj^olo-^oulioiton hptn'UVnd. 

3) Potth. Heg. Nr. GSoß, i>.S27, 6830, OHDl, ÜS3.J. Viil. IWc. XIX. p. 71'.»— 723. Kr- 
».ihnrnswcrt erscheint mir darunter d«'r Hnof vf)in 17. Mai 1222 (Nr. (\>A0) an das Capitcl 
Toii Rheims, in welchem Ilonorius (.'apitel und Clcrus von llliciiri:^ orniahiit, sich gej^en die 
/ahliin;< der „Vicesima" nicht zu sträuhen, da der Urzhischof sif nirlit Knl^'o seiner ordent- 
lichen Gewalt als Krzbischof, s(mdern als apostolisflior \iiyii\i «Miih^hiv K.s ist damit, wie mich 
dunkt, am besten der Wirkunjjskreis der Lo^atiMi «liosor Art prärisi<jrt 

*) Potth. Reg. Nr. 7024; 2o. Mai 122:i. K(!c. XIX. IJ. p. 722. 

*) I'otth. Reg. Nr. 71IJ3. (1221-1223 Dozhr.) rcfjistrinrt ans Schannat: Vindemiae li- 
tcrariac I. B. p. 1!K). XXIII. Warum Potthast diesen IJriof zwischen 1221 und 122.'$ Dezbr. 
stellt, geht aus der Einreibung bei Schannat, der sich um di(^ (!hronoU><;ie wonig kümmert, 
nicht horvor. Der Brief sticht in der Stilisierung von dnn Arielen Ilonorius' III. ganz merklich 
ab iHid macht nicht den PMndrnck, als wenn der milde Ilonorius ihn geschrieben hätte. Un- 
T«>r8tilnd1ich blieb mir, was Schannat damit will, dass er den Prief mit dnm Satze einreiht 
«Eiuadem pontificis mandatum". . . ; denn das „eiusdem" kann sich nicht auf Ilonorius III. be- 
zitheD, da in den Torausgchcnden Actenstücken von diesem Papste noch gar nicht die Rede war. 

2* 



12 

Wie schon angcfiiliri wurde, war am ';ii, Jiluner 1224 der Cardinal S. 
Angeli, Romanus als Legat iur Frankreich bestimmt worden^), zu einer Zeit 
also, wo der Papst Loch sicher hofl'tc, dass Kaiser Friedrich II. bis zum 24. 
Juni 1225 den versprochenen Kreuzzug antreten werde. Dieser päpstlichen 
Voraussetzung entsprechend waren die ursprünglichen Instructionen dieses Le- 
gaten von Seite des Papstes. Conrad von Urach war es nicht gelungen, Ludwig 
VIII. von dem Kriege gegen die englischen Besitzungen abzubringen und auch 
Raimund von Toulouse war trotz der Krklärung Conrads auf dem Pariser Con- 
cile vom Papste noch nicht absolviert. Der Legat Ilomanus gieng indes im 
Jahre 1224 noch nicht in seine Provinz ab; erst als die Zeit für den von 
Friedrich II. versprochenen Kreuzzug immer näher rückte und der Friede zwi- 
schen Ludwig VIII. und Heinrich III. noch immer aussichtslos war, kündet Ho- 
norius III. Mitte Februar 122^ Kiinig Ludwig Vill., sowie den geistlichen und 
weltlichen Ureigen von Fiankreich -) die bevorstehende Ankunft des Legaten 
an. Noch im Februar gieng Komanus nach Frankreich ab^) und wir treffen ihn 
am in. Mai in Paris, wo er auf einem Concilc, das Ludwig Vlll. daselbst abhielt, 
mit dem Könige über die Stellung des Reiches zu Fngland, sowie über seine Hal- 
tung gegen die Albigenser beriet und im Interesse des allgemeinen Kreuzzuges 
für den Frieden wirkte. *) Von hier aus begleitete er den König nach Peronne, 
wo am 80. Mai in seiner Gegenwart der angebliche Graf Ralduin IX. von 
Flandern aus dem Reiche verwiesen wird.^) Ludwig VIII. zog von Peronne 
nach Chinon, um den Vicomte von Thouars, einen englischen Lehensmann in 
der Grafschaft Poitou, aufs neue zu bekämpfen. Durch die Vermittlung des 
Legaten aber, der von Tours anfangs Juli nach Chinon gekommen war, erhielt 
der Vicomte von Ludwig eine Verlängerung des Watfenstillstandes bis 22. JuU 
1225; er leistete aber noch vor Ablauf desselben dem französischen' König 
in Paris den Lehenseid.'') 

Um dieselbe Zeit hatte Kaiser Friedrich II. im Vertrag zu San Germano 
einen zweijährigen Aufschub zum Antritte dos groL^en Kreuzzuges erhalten. 
Dieses Ereignis bewirkte eine Aenderung in der päpstlichen Politik, die sich 
bald in Frankreich an dem Auftreten des Legaten äu(>erte. Nachdem derselbe 

») Potth. PiCg. Xr. 7157; 31. Jäniior 1224. 

») Potth. Ueg. Nr. 7;jr>'<; 18. Fohr. 1226. Vgl. Toiilet Layottos II. 47. Nr. 1G93. Am 
14. oder 15. IVhr. ertolgt die gU-iclio Mittheilung an dieKirclu'nt'ürston (Potth. Reg. Nr. 73G0) 
und am 15. Fehr. an den König Ludwig VII [. (INnth. Uo'f. Nr. 73i)l.) 

»J Zu schlid'K'n aus doin püiJStl. r>ri<^l'o vom 2r). Febr. 1225, in wolchoni dem Legaten 
Uomanus bereits ein sSchiedsprucli, den Erzhiscliot von Bordeaux 1)etreirend, aufgetragen 
wurde. Tottli. lieg. Nr, 73ü7 aus Rec. XIX. 7iUi. 

') Chronicon Turoneuse, abgedr. im Rec. XVIII. IJ. i». 308 A. Dass Romanus im Sinne 
de» Friedens wirkte, glaul)te ich ans seinem VerhaUeu zum Vicomte von Thouars entnehmen 
zu können. Vgl. Rec. XX. B. p. 7(33 C. 

') Cliron. Turon. a. a. ü. p. ;50S. R. und (iesta Ludov. in Rec. XVII. p. 309 R. 

•^) Ib. In passione etcnim Petn et Pauli (29. Juni) .... vicecomes Toarcii homagium 
regi fecit. Vgl. Chron, Guill. de Nangiaco Rec. XX. p. 763 und ,,Extrait D'un Abrege de 
Hist. de Franc, in Rec. XVII. p. 432 A. 



13 

in einem Zwiste des Königs mit dem Klerus vermittelt') und durch die Ver- 
nichtung des Univcrsitätssiegels sicli einen grollen KingritV in die Hechte der 
Hochschule von Paris erlaubt hatte^), bcriel' er auf den 30. November 122r) ein 
Concil nach- Bourges, auf welchem eine grolle Anzahl von lüschöfen und Achten 
sich einfand.^) Es erschien daselbst der Graf Kaimund VU. von Toulouse und 
hat demüthig um die Lossprechung vom Banne und seine Wiederaufnahme in 
den Schooß der Kirche. Er versprach dafür jede geft)rdcrto Ocnugthuung zu 
leisten, sich selbst von dem Verdachte der Häresie zu reinigen und dieselbe 
auch in seinen Ländern auszurotten und die Einkünfte de? Klerus unversehrt 
wieder herzustellen. Abgesehen von dem Einwurfe, den Amalrich v^n Moiitfort 
machte, dass Ilaimund feierlich gebannt und dessen iiänder seinem Vater Simon 
von Montfort zugesprochen und geschenkt worden seien, hatte li^iimuiid VH. 
nur wenig Aussicht, von dem ijcgaten recipicrt zu werden ; denn seit der Hin- 
ausschiebung des allgemeinen Kreuzzuges auf das Jahr 1227 hatte die römische 
( urie nicht mehr ein so dringendes Interesse, für den Frieden im Abendlandc 
zu wirken. Brauchte man nach Außen jetzt nicht aufzutreten, so konnte man 
im Innern des päpsthchen Weltreiches die Elemente des Widerstandes unter- 
drucken. Der Legat zog deshalb die Entscheidung über die Ucccption Itaimunds 
hinaus *). 

Kr verlangte Gutachten darüber von den Erzbiscliöfen und Biscluifen, 
hielt mit denselben geheime Sitzungen ab und ontliel.^ schlielMich Raimund, olme 
seine Angelegenheit entschieden zu haben. Hierauf ertlieilte Homanus den Pro- 

*) Chron. Tiirou. u. a. (). p. 309. Die (icistlinlikiMt vrvI:m^'fo iVw Goriditsluirkeit ilbor 
das bi^wcglirhc Kigentliiim. 

») Chron. Turon. a. a. O, p. soy I). Dio Scholaren IhHWmi sirh d;is nirlit ruhig gofiillwi, 
soDilem rotUiten sicli ziisuiinncn und hoIa<i;orton das Il:uis d«>s Lci^iitcii. Di«* k«ini^lioh(>n Trup- 
pen uiUbStiMi cinschroitcn und es gicng niclit nhiic niiitv<w*i{iul-'HMi iil>. Vgl. All». Tr. Font. 
Thron, a. a. O. p. S)17. Z. 2i ff. 

») Am ausführlichsten berichtet über dieses (!onril Miittli. r.iris, j). *J77 und 278. Dddi 
ist diese Schilderung, wie mich dünkt, stark beeinfliisst von «Iim* Abueiiiiing. <lie Maltb. Pairis 
gegen alle päpstlichen Legaten liat, weil er als Abt in Kn^rhuid auch unter ihrem Drucke 
zu leiden hatte. Genauer informiert bezüglich der Verhan<lliiugen mit Raimund von Touhuise 
und auch im ganzen vertrauungswürdigcr zeigt sicIi in b(>tn*ir des Couciles von J>i)ur;(es das' 
«-hron. Turon. An die Nachri«hten dess('ll»eu ^Roc. Will. p. 3U) A. -D.) hielt sich irn gan- 
zen die oldge Darstellun«. In betracht gczo«;en wurden aulnMileni die kurzen Nachrichten 
im riiron. Hernhardini Iterci Ilec. XVIII. ]). 287 und die KrN\äliuung im Chron. Alb. 'J'rium 
Font. (M. (i. Scr. XXIII.) p. 1U7. Z. 22. 

*) J)a8 Pariser-Concil vom 5. Mai 1224 hatte die Uechtgl:lubi<4keit Raimunds von 
Toulouse anerkannt, und der Vorsitzende des (.'oucils ( ard. Legat Conrad hatte dies<'lbe 
im Namen des Tapstes publiciert. Damit war jedoch, wie ich glaube, die .M)s«»lutiou und «lie 
liiisung vom Kanne noch nicht verbündten; sondern der l'npst hätte dieselbe eb(>u auf (iruud 
dieser Approbation seines Olauhens ertolgtui lassen können. Da «lies jedoib nicht der Kall 
war, blieb Kaimund nach wie vor im Hanne. (Vgl. Potth. Reg. Nr. 72^(1, 721H und 72tit»)- 
Ilcninarh steht dio citierte Nachriclit im Wiih. von Naugis 7»>2 M., wie; icli ulaulie, nicht 
im Widerspruche mit der Meldung des Chron. Tur. (Re.r. Will. p. :^H) A.), ilass Raimund 
auf dem Concile zu Bourges demüthig um liossprechuug und Aufnahme in den Sclitmli der 
Kirche gebeten habe. 



14 

curatoren der Capitel die Erlaubnis, das Concil zu verlassen, in der Absicht, 
dasselbe durch ihre Entfernung für seine Pläne gefügiger zu machen. Doch 
waren die Procuratoren bereits davon unterrichtet, dass Romanus eine üeber- 
raschung der wenig sachkundigen Kirchenfürsten beabsichtige und drangen des- 
halb in ihn, mit seinen Forderungen hervorzutreten. Romanus gab darauf die 
päpstlichen Forderungen kund. Er verlangte im Namen des Papstes für die 
päpstliche Curie den Fruchtgenuss zweier Pfründen von Jeder Abtei und Kathe- 
dralkirche, von den Conventualkirchen den Fruchtgenuss einer Pfründe. Roma- 
nus motivierte diese Forderung ähnlich wie zwei Monate später der Legat Otto 
in England, nämlich mit dem Interesse, das die gesammte Kirche an der Un- 
bestechlichkeit der römischen Curie „ihrer natürlichen Mutter" haben müsse. 
Die Sprecher der Capitel erklärten, dass sie eine solche Fordenmg auf keine 
Weise erfüllen werden, indes die Kirchenfürsten zu (3oncessionen bereit waren. 
Als jedoch der Legat erklärte, dass der Papst beabsichtige, durch 2 Bischöfe 
eine Kirchen- und Abteienvisitation vornehmen zu lassen und alle Aebte abzu- 
setzen, traten auch die Erzbischöfe und Bischöfe, die jetzt fürchteten, ihre Ju- 
risdiction über die Abteien zu verlieren, auf die Seite der Sprecher und erklärten, 
dass sie niemals die Forderungen des Legaten erfüllen werden. Der Legat er- 
klärte, dass er selbst nicht einverstanden sei mit jenen Steuereintreibungen der 
Curie und dass er deren Beschlüsse, die er erst von Rom erhalten habe, selbst 
beklage. Darauf wurde sowol die Angelegenheit bezüglich der Pfründen als 
auch die bezüglich der Absetzung der Aebte in Schwebe gelassen. 

Seit dem Concile von Bourges hatte Romanus die Verhandlungen mit 
Raimund VIL ganz abgebrochen und führte bald darauf den entscheidenden 
Schlag gegen ihn. Raimund wurde auf einem neuen Concile, das Romanus und 
Ludwig XIIL am 28. Jänner 1226 zu Paris abhielten, aufs neue excommuniciert 
und sein Land dem König Ludwig zugesprochen. Auch Amalrich von Montfort 
und dessen Neffe Guido übertrugen alle ihre Rechte dem franz(")sischen König. 
Nach zweitägiger eingehender Berathung nahm Ludwig VIII. aus den Händen 
des Legaten das Kreuz gegen die Albigenser. ^) Mit Beistimmung nur einiger 
Bischöfe versprach dann Romanus, dem König aus den französischen Kirchen- 
einkünften auf 5 Jahre je lOO.OÜO Livres beizusteuern und nach Bedarf auch 
noch mehr zu leisten ; er stellte den König und alle seine Besitzungen unter 
den Schutz der Kirche und entsendete dann Kreuzprediger in alle Provinzen des 
Reiches.'-^) 

Nach einem am 20. März 122G getroffenen Uebereinkommcn^) versam- 
melten sich am 17. Mai d. J. alle Kreuzfahrer, mit dem König und dem Le- 

») Chron. Turon. a. a. 0. p. 311 E. 

•) Ibidem p. 312 A. und Gcsta Ludov. Rec. XVII. p. 300 C. Das Chron. Andrensis 
monasterii in Rec. XVIII. nennt (p. 579 (/.) Bourges als VcrsammluiiKsort des (-oncilca vom 
28. Jänner. Bezüglich der Lei-^tungcn dos l'ranzösiRclicn Clerus ist ein Brief des Legaten 
an die Bischöfe wichtig, in wclchom er denselben die Pariser Boscldüsso notißciert Vaisctt«: 
nist. de Lang. III. (Preuves) p. 500 und r^Ol. 

') Vaisette III. p. 351 : „Dimanoho Laetarc 29. de Mars 



15 

gateii an der Spitze, zu Bourges, um von hier aua den Zug anzutreten. Der 
Legat sorgte für die Aufbringung der nöthigen Geldmittel, indem er Kinder 
und Greise, die das Kreuz genommen hatten, nötliigte, sich um Geld loszu- 
kaufen und auf das strengste von den Einkünften der Geistlichen den Zehent 
eintrieb, ohne auf die Bitte der xiebte und der Vertreter der Domcapitel zu 
hc'»ren. M 

Während das Kreuzheer sich in Lyon aufhielt, kam eine Gesandtschaft 
von Avignon dahin, welche im Namen der Stadt erklärte, dass die Bürger von 
Avignon bereit seien, mit der Kirche sich auszusöhnen und den König mit 100 
Kittern, sowie den Legaten mit den Bischöfen in die Stadt einzulassen. Der 
Legat und König Ludwig giengen auf diese Bitte ein. Als sich jedoch heraus- 
stellte, dass die Avignonenser den König und den Legaten hatten täuschen und 
in ihre Gewalt bringen wollen, rückte das Kreuzheer bis Avigncm vor und be- 
gann am 20. Juni die Belagerung der Stadt.'-*) Dieselbe wurde trotz aller Schwie- 
rigkeiten auf das Betreiben des Legaten eifrig fortgeführt. Anfangs September 
erklärten sich die Avignonenser zu Verhandlungen mit dem Legaten behufs der 
dt'r Kirche zu leistenden Genugthuung und zur Uebergabe der Stadt bereit. 
H«»manus betrat nach diesen Verhandlungen, durch Geiseln persönlich sicher- 
gestellt, die Stadt, setzte einen Bischof und Geistliche ein und ertheilte allen 
Bürgern die Absolution.-*) Am 10. September verliel^ er die Stadt und sprach 
dann im Lager des Kreuzheeres vor dem Könige und den dazu berufenen Bür- 
gern von Avignon seinen Schiedsspruch über die Stadt aus,^) der äu leerst hart 
und drückend war. Er befahl nämlich die Niederreil^ung der Stadtmauer, 
Thüruie und Vorwerke, sowie die Zerstörung von 300 Häusern, die etwa als 
Uefestigungspunkto hätte dienen können. AuL^erdem verlangte er die Ausliefe- 
rung aller Kriegsvorräthe an Ludwig VIIL, die Zahlung von <)000 Mark Silber 
und die Ausrüstung von 3000 Kittern für den Kreuzzug. 

Mit der Uebergabe von Avignon war die Herrschaft Ludwigs in Süd- 
fruiikreich gesichert und die Herrschaft der Kirche daselbst wieder hergestellt. 
Uline Schwierigkeiten fielen dem Ktuiige, der nun mit dem Legaten gegen Toulouse 
zo;f, die kleineren Städte der Trovence zu, in welclien daini der König auf den 
Hath des Legaten durch Statute und Verordnungen für die Herstellung des 
alten Kirchenregimentes wirkte.") Als Ludwig VHI. am H. November rj*2(i 
starb, unterstützte liomanus die königliche Witwe, welche entschlossen die Vor- 
mundschaft über den noch nicht liijährigen Ludwig IX. übernahm, und er- 

') ( lifun. Turoii. a. a. (). p. :jl4 B. ('. und I). 

*j Ib. K. „licx scqiicMitc die ineiTiirii, ^^cilicct IV. id Juiiii . . . .Vvij^nonoMi urhoin obaedit. 

■) Ib. p, ii\l A. „absoliitioiiis bcnoüciuiu iinpertivit." 

•) Ib. I». 317 U. Danibur boricliteii norli: Ucstu Lud. ii. a. <). p. 301). Dariiiich bättc 
•li«; Üolaifcrung nur bis zum 15. Au«;ust j^dtlauert. L'ornor : (^hron. Audrciisis mou. a. a. 0. 
|i .07!» I). mit der Jahrcsau>;abo 12J7 btatt 1220. iMU-nordasl.-hrunii'.on.Mitsomcnäismonast., abgcdr. 
in licc. p. (>H8 I). Darnach bogann tlic I<clat;eruni; am <i. Juni. Ferner Guill. de Vod. Laur. 
U*.-c. XIX. p. ulü -217. 

) Guill. de Pod. Laur. a. a. 0. p. 217 B. 



16 

schien peräönlich bei dessen Kröijuug ctni i!U. November 1220. \) Peter Mauclerc 
von der Kretagne, ferner die Grafen von der Cliampagne, der Vicointe von 
Themars und viele andere Grolle waren von der Krönung fern geblieben und 
hatten sich gegen Ludwig IX. mit Richard, dem Bruder des englischen Königs 
verbündet. Da bewährte Komanus noch einmal seine Thatkraft, indem er die 
königliche Witwe Bianca bewog, die Kronvasallen aufzufordern, sich zu unter- 
werfen. Durch die geschickte Leitung der darauf sich entspinnenden Verhandlungen 
kam es dahin, dass die Grafen von der Bretagne und la Marche zu Vendome 
am K). März 1227 dem Jungen Könige in Gegenwart des Legaten den Treueid 
leisteten und einen Friedensvertrag mit ihm abschlössen.'') So war des Legaten 
Itomanus Wirken unter Ilonorius 111., der am 22. März 1227 starb, allerwärts 
von dem besten Erfolge begleitet; er hat es verstanden, die Interessen des 
päpstliclien Weltreiclies durch die Förderung des französischen Königthums 
zu vertreten und hat auf diese Weise nicht wenig beigetragen zur Anbahnung 
der zukünftigen Stellung des Papstthums zu Frankreich. 



Legat ionen in Deutschland. 

Indem ich mich zur Darstellung der Wirksamkeit der päpstlichen Lega* 
ten in Deutschland wende, beabsichtige ich zuerst die Legaten zu besprechen, 
welche, wenn ich mich des modernen Ausdruckes bedienen darf, beim Reiche 
beglaubigt waren und den päi)stliclien Einliuss auf das Reichsregiment reprä- 
sentierten, und dann überzugehen auf die Legaten, welche nur für einzelne Ter- 
ritorien des Reiches das Legatenamt bekleideten. 

Schon im Jahre 1217 hatte Ilonorius III. die Entsendungeines Legaten 
an König Friedrich IL in Aussicht gestellt. •) Derselbe sollte mit Friedrich IL 
über den Kreuzzug verhandeln, den dos Königs Gesandte kurz zuvor beim 
Papste angeregt hatten. Doch erfahren wir nichts davon, ob die Absendung 
eines Legaten zu diesem Zwecke wirklich stattgefunden hat; sie wäre wol auch 
zwecklos gewesen, da König Friedrich IL an die Ausführung eines solchen 
Zuges nicht schreiten konnte, so lange sein weliischer Gegner Kaiser Otto IV. 

') Schon Ihm dov J^ostattiing dos Kiniigs am 15. November 122G war Uomaniis in Paris. 
Vi^l. Cliroii. Tiiroii. a. a. o. p. 318 A. - Dozüv^licluler Krönunj^ meldet Mattli. Paris (p. 282, 
Z. 'M)): lioginii vem du cmisilio Ic^ati . . . tW:ii, pucrum vix decenucm (Liidw. IX. geb. 1216, 
stand Kndc 1221) schon im 12. Jahre) in rojjem „die S. Audreae ajiostoli" (HD. Novbr.) coro- 
nari. Das Chron. Tnr. : „in vi-rilia S. Andreao." (29. Xovb''.)— 

•j Chron. Turon. a. a. O. p. 319 1>, (■ und 1). VuJ. Schmidt: (.Jeschichte von Frank- 
reich I. R p. l'-s— 4^'.). 

■'•) Für Kricdr. II. wurde als rrkundonsamnilung benützt, Iluillard Brehollea : lÜstoria 
diplomatica Fridcrici II. ((> V(d. in 10 partibus) und zwar I, ii, II, i und II, ii — Paris 1852. — 
l)ort findet sich I, up. 004 der Drief Ilonorius' lll vom 8. April 1217 — reg. bei Potthast Nr. 6513. 



17 

lohte. Aber auch nach dem Tode Otto», ^m 10. Mai 1218, zögerte Friedrich 
und bat um Aufschul), weil Ottos Bruder, der Pfalzgraf Heinrich, sich weigere, 
die Kroninsignien auszuliefern.^) Honorius III. begann nun den König dringend 
an seine Pflicht zu mahnen, besonders seitdem der Kreuzzug Andreas' IL von 
l-ngarn missglückt war. Am 8. Februar 1219 schrieb er dem Kernige, dass er 
den Prior von St. Maria Nuova in Rom nach Deutschland entsende, mit dem 
Auftrage, Heinrich zur Auslieferung der Kroninsignien zu ermahnen.^) lieber 
die Wirksamkeit dieses pripstlichen Sendboten, dessen Namen wir nicht kennen, 
haben wir keine Naclirichtcn. — Im Jahre 1219 kam der Subdiacon Alatrin 
in einer Specialmission an den Hof Friedrichs il. ; doch hatte derselbe nicht 
die \Vürde eines päpstlichen Legaten. 3) Zwei Jahre später erscheint er als Be- 
gleiter des Legaten Nicolaus von Tusculum bei Friedrich IL ; über die weite- 
ren Schicksale Alatrins haben wir keine Nachrichten; nur vom 31. März 1226 
taucht von ihm die Nachricht auf, dass er zu dieser Zeit Legat in Parma ge- 
wesen sei.*) — 

Auch der päpstliche Caplan und Scholaster Conrad von Mainz, welchen 
Honorius HL am IG. Februar 1220 als Kreuzprediger für Deutschland dele- 
klierte, war nicht mit dem Legatentitel ausgestattet.^) Nur auf einem Provincial- 
cuncile zu Passau, welches der dortige Bischof im Jahre 1220 zur Bewilligung 
der „Vicesima" berief, werden apostolische Legaten als anwesend erwähnt,*) 
ohne dass wir ihre Namen oder Weiteres von ihrer Thätigkeit erfahren. — 

Kaiser Friedrich IL hatte sich im März 1223 in Foren tino, nunmehr zum 
scchstenmale. zu einer Kreuzfahrt verptlichtet und den 24. Juni 1225 als den 
Zeitpunkt bezeichnet, an welchem die Fahrt unwiderruflich beginnen sollte.') 

Der Kaiser zeigte jetzt selbst den grör^ten £ifer, beklagte sich in einem 
Briefe an den Pai)st über den geringen Erfolg der Kreuzprediger in Deutsch- 
land und erklärte sich diese Erscheinung daraus, dass die bisher gesendeten 
Krenz[>rediger von Allen gering geschätzt würden, weil sie den niederen Stän- 
den angehörten und auch zu wenig Vollmachten zur Ertheilung von Indulgen- 
Avn besälVn. Auch die Grollen von Frankreich und England hätten wenig Lust, 

') Schreiben Friedrichs II. an Honorius vom 12. Jänner 1210 ibidem I. n p. 584— 586. 

») Antwort Honorius' III. vom 8. Februar 1219, ibidem I. u p. 691 und 592; bei 
Pütlb. Nr. 5981. 

^) Im Autwortschreiben Fricdr. IL vom fi. Scptbr. 1210 auf den von Alatrin über- 
brachten Drief wird Alatrin nicht als Legat, sondern einfach als „Meister und Subdiacon** 
bczeichuL-t. 

*) Winkolmann: Friedrich II. p. 200, Anm. l — (ontnoinmeu aus einer Xotiz in Pertz' 

Archiv für deutsche (ieschichtskundc X. H. p. (i27 - - G28) — hcilU es „in praesentia 

Alatrini . . . tunc Apost. Sodis Legati . . . anno domini 1J2G ultima die mensis Martii 

Ptrtz fand diese Notiz in tlou Handschriften des Chorherrnstift(?s zu Voran in Steiermark. 

) Sclioi.l: Origines (luelticae HI. B. p. 678. - V;;!. lluiil. HrchoUes I, H p. 783. 

•'•; Annalcs S. Iludberti Salisburg. abgedr. in Mon. üt-rm. Scr. IX. p. 7H2 Z. 12. 1220: 
.('npitulum . . . Patavie celebratum est, ubi adenint logati domini ai)ostolici . . . Näheres da- 
rüber in Ilartheim: „Conoilia üermaniae" Tom. HI. (Ausgabe, Köln 17G0) p. 505. 

') Roth ▼. Schreckenstein a. a. 0. p. 835. 

9 



18 

den Krenzzug anzutreten, so lange nicht ein fester Waffenstillstand zwischen 
den beiden Reichen geschlossen sei. Der Papst möge deshalb geeignete und 
mit unbeschränkter Vollmacht ausgestattete Gesandte nach Deutschland schicken 
und einen Speciallegaten für den Abschluss eines Waffenstillstandes zwischen 
Frankreich und England ernennen.^) Diesen Intentionen folgend ernannte Ho- 
norius III. Ende März 1224') den schon genannten Cardinal bischof von Porto, 
Conrad von Urach zum Legaten fflr ganz Deutschland mit den ausgedehntesten 
Vollmachten, übertrug ihm aber auch zugleich die Friedensmission zwischen 
Frankreich und England, die am andern Orte schon besprochen wurde. 

Als sich Conrad nach Vollendung seiner Mission in Frankreich nach 
Deutschland aufmachte, war Köln, wo er den 7. Juni 1224 feierlich einzog, ") 
sein erstes Reiseziel. Er erklärt sich dies leicht aus der gewaltigen Stellung 
des damaligen Kölner Erzbischofes Engelbert, der zugleich Reichsverweser in 
Deutschland und bei der Mindeijährigkeit König Heinrichs (VII.) der factische 
und würdige Reichsregent war. 

Engelberts Biograph^) bezeugt uns ausdrücklich, dass der Legat Conrad, 
obwol bekannt mit Engelberts Ruf, dennoch über dessen unbedingtes Ansehen, 
das Allen Furcht einflößte, staunte. 

Conrads nächste Absicht war wol die Belebung des Kreuzzuges durch 
eifrige Predigt. Sein thätigster Mitarbeiter war darin Conrad von Bebenhausen, 
den er zu seinem Sublegaten ernannte. <^) Außerdem unterstützten ein Prediger- 
und ein Cistercienser-Mönch seine Thätigkeit als Kreuzprediger*) in den Jah- 
ren 1224 bis 1226. Wenn es indes auch Conrads unermüdlichem Wirken, so- 
wie den vielen von ihm eingesetzten Kreuzpredigem gelang, gar Manche zur 
Annahme des Kreuzes zu bewegen,^ so war diese Theilnahme doch nicht mit 
der Massenerhebung früherer Zeiten zu vergleichen. Wir dürfen nicht außer- 
acht lassen, dass auch die Ideale des Ritterstandes durch den Einfluss der 

>) Brief Friedrich IL an den Papst vom 5. März 1224; — abgedr. in Huill. Breh. 
n, I. p. 409-414. 

*) Am 4. April 1224 kündet Honorins, wie schon mehrfach citiert wurde, den fran- 
zösischen Bischöfen die Sendung Conrads an. (Potth. Reg. Nr. 7213.) An diesem Tage war 
also die Ernennung (Conrads zum Legaten für Deutschland mit der vorherigen Specialmission 
nach Frankreich bereits entschieden. YgL oben p. 10, Note 1 und 3. 

*) Annales Colonienses maximae (Mon. Oerm. Scr. XV IL B. p. 837, Z. 45. „Eodem 
anno (1224) Conradus . ... in Thentoniam mittitur et sexta feria post pentecosten 
Colonie cum honore suscipitur." Pfingstsonntag 1224 war am 2. Juni. 

*) Caesarius: Vita sancti Kngeiberti, (Ich citiere nach dem Abdrucke in Böhmers 
Fontes rerum Germanicarum IL B.) p. 302. 

>) Alb. Tr. Font. Chron. (Mon. Germ. Scr. XXIII.) p. 917, Z. 34. „1226. Idem card. 
dom. Conradus et sublegatus eins, dom. abbas Ck>nradus de Bebinhusen, multa millia hp- 
minum cruce signaverunt. 

«) Ck)ntinuatio Sancrucensis L (Mon. Germ. Scr. IX.) p. 626, Z. 36. Vgl. Roth a. a. 0. p. 337. 

Annales S. Rudberti Salisb. (Mon. Germ. Scr. IX.) p. 783, Z. 12. Vgl. dazu die vo- 
rige Note; die Stelle in der Continnatio Sancnic. findet sich als Einschiebsel auch in der 
(3ontinuatio Glaustroneoburgensis (ibidem) p. 636. Auch die Annales S. Trudberti (Mon. Qerm. 
Scr. XVn.) p. 292 melden Aehnliches. 



19 

höfischen PoSsie, die damals eben auf ihrem Höhepunkte stand, andere und 
zwar rein weltliche geworden waren. 

Im vollsten Maße widmete Conrad seine zweijälirige Thätigkeit in Deutsch- 
land der Untersuchung und Behebung von Uebelständen, wie sie auf dem kirch- 
lichen Gebiete zu tage traten. Zahlreiche Anordnungen, Befehle und Entschei- 
dungen bezeugen in dieser Beziehung Conrads Eifer. ^) 

Einzig ist Conrads Wirken in politischer Beziehung. Hier offenbart sich 
in seinem Auftreten die ganze weltgebietende Stellung des Papstthums, welches 
auch Deutschland als Provinz durch seinen Statthalter, den Legaten, im Sinne 
dieser Herrschaft leiten lässt. Wir müssen hier Conrads Einflüsse auf die wich- 
tigsten Reichsfragen dieser Zeit n&her nachgehen. Die Lösung des Königs von 
Dänemark aus der Gefangenschaft Friedrichs von Schwerin, und die Regelung 
der Beziehungen Deutschlands zu Frankreich und England beschäftigen in die- 
ser Zeit vor Allem die deutsche Politik. 

Was die erste Frage betrifft, so möchte ich mit Bezugnahme auf die Dar- 
stellungen, welche dieselbe in der neueren Historiographie gefunden hat, eine 
Bemerkung vorausschicken. Ob nämlich Conrad und mit ihm der 
Reichsverweser Engelbert in den Verhandlungen mit Friedrich 
von Schwerin und den dänischen Großen im deutschen Reichs- 
interesse gehandelt haben, oder ob sie das Krouzzugsverspre- 
chen König Waidemars IL zur einseitigen Begünstigung der 
dänischen Sache auf Kosten des Reiches verleitete, lässt sich 
aus den vorhandenen Nachrichten mit voller Evidenz, wie ich 
glaabe, nicht erweisen. Ich finde weder die Aufiassung Fickers,') der 
um jeden Preis Engelbert und mit ihm Conrad im Interesse des Kaisers und 
Reiches handeln lassen will, ganz aus den Quellen entnommen, sondern viel- 
fach in sie hineingelegt, noch halte ich die ganz abfällige Beurtheilung der 
Handlungsweise Engelberts bei Schirrmacher ^ und, ihm folgend, bei Winkel- 
mann für ein strenges Quellenergebnis ohne Verstärkung durch subjective Re- 
flexionen. Aufgabe dieser Darstellung kann es nur sein, thatsächliche Nachrich- 
ten ohne weitgehende Reflexionen beizubringen. Es ist immer gut, vorsichtig 
mit der Bezeichnung Reichsfeind zu sein. 

Anfangs Juli 1224 vermittelte Conrad einen Vergleich zwischen dem 
Kaiser und dem Bischof von Stra(>burg über verschiedene herrschaftliche Ge- 

*) Mit anerkennenswertem Flciüe hat Roth von Schreckenstein in seinen Rogesten zur 
Geschichte Conrads von Urach (Forschungen zur dentschen Qeschichte, VII. B. p. 3(>7—394) 
alle kirchlichen Verfügungen Conrads, soweit sie ihm zugiinglich waren, gesammelt und da- 
durch ein ziemlich genaues Itinerar dieses Legaten gewonnen. 

*) Dr. Julius Ficker : Engelhert der Heilige, Erzbischof von Köln und Rcichsverweser. 
(Köln 1858), p. 118-124. Fickcrs Auffassung theilt auch Usingen Deutsch-dänische Ge- 
Khichtc, p. 286 und ff. 

•) Schirrmacher: Friedrich II. I. Band p. 135 und ff. und p. 239 und ff. - - Winkel- 
mann: Friedrich II. p. 241 ff. acceptiert die Ansicht Schirrmachers, spricht sich aber noch 
eotachicdencr aus, als der letztere. 

8» 



2a 

rechtsame. ^) Auf dem Nürnberger Fürstencongresse im Juli 1224 traf Conrad 
mit dem König Heinrich (VII.) zusammen und zog hierauf wieder nach Köln, 
wo kurz nachher auch König Heinrich und der König Johann von Jerusalem 
eintrafen. Von hier aus machte sich nun Conrad in der zweiten Augustbälite 
dieses Jahres mit dem Reichsverweser Engelbert und mit Heinrich an die Eibe 
auf, um mit Friedrich von Schwerin und den dänischen Großen über die Lö- 
sung König Waidemars II. aup, der Gefangenschaft zu unterhandeln. ^) Waldemar 
hatte sich in dem Vertrage vom 4. Juli 1224 mit Hermann von Salza und 
anderen Vertretern des Kaisers verpflichtet, alle transalbischen Länder an 
Deutschland zurückzugeben und binnen zwei Jahren einen Kreuzzug anzutreten, 
oder 2500 Mark zu bezahlen; Albert von Orlamünde solle sein Besitzthum 
vom Reiche zu Lehen nehmen.') Zur Ausführung dieses Vertrages war eine 
Zusammenkunft in Bardewick für den 8. September bestimmt worden, die je- 
doch bis Ende September hinausgeschoben wurde. Gegen Michaeli *) war am 
Hoftage zu Bardewick der Vertrag vom 4. Juli 1224 von Seite des Reiches 
und des Legaten genehmigt worden, worauf König Heinrich, der Legat und 
Engelbert von Köln zur Vollziehung desselben nach Bleckede aufbrachen. Der 
dänische Reichsregent Albert von Orlamünde und die Großen, welche am 10. 
October bei Bleckede erschienen und schon das Lösegeld bereit hatten, weigerten 
sich indes, diesen Vertrag, der so schwere Opfer gefordert hätte, zu vollziehen 
und ließen ihren König in der Gefangenschaft. ^) Auf die spätere Loslassung 
des dänischen Königs nahm der Legat keinen Einfluss ; es wird wenigstens in 
keiner gleichzeitigen Quelle etwas davon berichtet. ^) 

Während seines Aufenthaltes in Bleckede billigte Conrad von Urach das 
Verfahren des Hildesheimer Bischofs im Processe gegen den Probst von Neu- 
werk, der angeklagt war, ketzerische Lehren vorgetragen zu haben 7), und kurz 
darauf spricht er zu Hildesheim als Vorsitzender der Synode, welche über den 

*) Koth, Reg. Conr. a. a. 0. p. 380 — entnommen aus Scliöpllin, Alsat. dipl. I. p. 351. 

') Annal. Colon, max. a. a. 0. p. 838 „in vigilia assiimptionis b. Mariae" (U. Aug.) 

') Roth von Schrcckcnstein a. a. 0. p. 343 Anm. 5. — Unverständlich bleibt nach die- 
ser Urkunde die Stelle in den Annales Colon, max. (a. a. 0. p. 833. Z. 10). „Venientes itac^uc 
ad Alvium Humen predicti principes Ilerimanum .... ad utrosquc, scilicct regem (I)aniae) 
et comitem (de Sciurinh) premittunt." Diese Stelle scheint darauf hinzudeuten, dass unmittel- 
bar vor dem Tage von Bardewick noch einmal Unterhandlungen mit dem dänischen Könige 
stattgefunden haben. Es erhebt sich aber das Bedenken, wie das aus diesen Verhandlungen 
hervorgehende Uebereiukommen mit dem Vertrage vom 4. Juli in Kiuklaug gebracht werden 
soll. Die darauf bezüglichen Ausführungen Roths a. a. 0. p. 344 und p. 345 sind sehr un- 
klar; mir kommt hier ein Irrthum des Chronisten noch am wahrscheinlichsten vor. 

*) Repgow. Zeitbuch p. 4G3, „to sente Michaeilsdage" Vgl. Usinger, deutsch-dä- 
nische Geschichte, p. 424. 

*) Annalis Colonienses max. a. a. 0. p. 838. 

^) Wenn die Annales Colon, maxiniao mchlon, dass Conrad zur Befreiung WaMcmars 
nach Sachsen gezogen sei, so gesehah dies im Einklang mit König Heinrich und Engelbert, 
welcher die Lösung von der Rückgabe der Klbclando abhängig machte. 

') Roth a. a. 0. p. 381. Die Tarerga Oöttingensia, aus denen Roth die Nachricht ent- 
nimmt, waren mir leider nicht zugänglich. 



21 

genannten Probst zu Uerichto sal\ die Absetzung und Verdammung aus, wo- 
durch der Probst dem Feuertode verfalicn war. ') 

Am IS. November 1224 kam der Legat Conrad nebst dem Erzbischof 
Engelbert, König Heinrich und vielen Groi^en des Reiches zum Fürstentage 
nach Tuul, auf welchem mit König Ludwig VIII., der am selben Tage sich in 
dem benachbarten Vaucouleurs aufhielt, ein Schutz- und Trutzbündnis zwischen 
Deutschland und Frankreich geschlossen werden sollte,^) das seine Spitze haupt- 
silchiich gegen England gekehrt hätte. Der gewaltige Einiiuss des Reichaver- 
wosers Engelbert, welcher, dem kaiserlichen Willen entgegen und getreu den 
Traditionen der Kölner Erzbischöfc, diese Allianz mit Ludwig VIII. gegen Eng- 
land bekämpfte, war hier so stark, dass selbst ein so hervorragender Mann wie 
der Cardinallegat Conrad in den Hintergrund tritt, sich sogar ganz im Geleise Engel- 
berts bewegt und so zur Vereitlung dos Bündnisses mit Frankreich beiträgt ; 
wie denn auch ausdrücklich bezeugt ist, dass Conrad einem beabsichtigten 
Khebündnisse /.wischen dem französischen und dem deutschen Königshause ent- 
tiegenwirkte.^) Am 1. Deceniber linden wir Conrad in Metz eine kirchliche Ent- 
scheidung trelfend, worauf er, fortwährend in seinem Amte thätig, über Scbaff- 
hiiusen und Zürich nach Schwaben zieht, und am 20. Jänner 1225 in Ulm 
bei dem Fürstcntago zugegen ist, 9 auf welchem Engelbert von seinem Plane 
Mittheilung machte, den König Heinrich mit einer Schwester des englischen 
Königs /u vermählen, lieber Constanz zieht Conrad jetzt nach Bayern und 
Oestcrreich und befindet sich am 1. April 1225 im Stifte Heiligenkreuz 
bei Wien.^') Diesem Stifte bestätigte er einen Vergleich' über verschiedene 
ZL'hente, den dasselbe unter Vermittlung des Herzogs Leopold mit der Melker- 
Abtei eingegangen war.*^) 

'j IIart7.hi'iiir. Concilia Gormaniuc, Tomus III. p. 515 — 51G (in Roths Regesten un- 
rii-htii; p. 513 citicrt) enthält den Krlass Conrads im Nnnicn der Synadc von Ilildesheim .. 
Vgl. Kütli, Kegesten Cunr. a. a. O. p. 'dSl. 

-) Alb. Tr. Font. Chrn. a. a. ü. p. !)1J, Z. 33 deindo Tullum vcnit (Gonradu8)in 

i>ct.ivU Ix.'ati Martini cum Coluniensi et Muguntiac archicpiscopis et cum rege Henrico 

4-: liiajnrihiti Alcmaniac. Ke.x qiioipie Kranciac Ludovicus cum suo colloqmo . . . fuit in eodem 
ti»!:iinii>. apiul castri'm Vailiscoloris (Vaucouleurs, depart. Meusc, arrond. Commercy) et in 
s-|iu'ntc diu utriusquc regni consiliatores .... coUoquium liabucrunt. Vgl. Gesta Ludovici 
III K-L. XVII. p. 307 B. 

^) I)ie englischen Gesandten beim Pajtäte schreiben am 22. Deccmber 1224 nach Hause: 
{•io iuvis proxiiiiua (19. Decemberj re('e|)it Tapa litcras Portueubis opiscopi, legati Alcmanniac, 
i'iiiii idem Portueusis tractatuiu lialiitum inter re<:es Alemanniae et Franciac super 
:.iti jnionin. de t|uu äciti^, impedivit. Der Hriet' ist ab>redru<'.kt in Iluill. lireh. Hist. dipl. 
II ,1 T ;♦;. Aiiiiii;rk. 1. eiitroiiimeu aus Kvmer: Kociloraet conventiones 1. 13. (3. Autlajjc, 17-45.) 
V.'l Knth a. a. O. p. 382. 

•;. Iliiill. IIi-.Iii>lIos, Ilijt. dipl. II n. p. s:31, Anm. 1. Aus Schmidlin „Gtschichtc des 
KI'i-t.T- nenkeinlorl**, Boilaj^e Nr. :{, wo nacli Stalin, Geschichte von Würtcmherg, richtig zu 
'•■^' n i-r -« .intirmatio donatitnis eiusdci.i ejdsfopo Portueusi.** Ulme XI. kal. Febr., XIII. 
iniiit-fimii- 

} Das Itinerar narli lloths Rfgesti'u p. 3S3 u. :iS4. 

') l-'ünt'-s rerum .Vustriacarum. II Abthcil XL H. p. ü-1. 



22 

In dem Friedensvertrage, den am 6. Juni 1225 der Herzog Leopold von 
Oesterreich mit dem König Andreas von Ungarn durch den Bischof von Neutra 
in Graz abschloss, wurde dem Cardinallegaten Conrad die Befugnis übertragen, 
jene Partei zu excommuuicieren, welche den Vertrag nicht einhalten würde.') 
Dass sich Conrad um diese Zeit auch mit den ungarischen Angelegenheiten zu 
befassen hatte, beweist ein Brief des Papstes vom 12. Juni 1225, in welchem 
derselbe den Legaten beauftragt,^) bei König Andreas dahinzuwirken, dass er 
die deutschen Ordensbrüder im Burzenlande unbehelligt lasse; doch konnte Con- 
rad dieses Schreiben erst erhalten haben, als er bereits die Länder des Her- 
zogs von Oesterreich verlassen hatte und in Böhmen die Sache der päpstlichen 
Curie vertrat. Der Prager Bischof Andreas, dessen wir an einer andern Stelle 
zu gedenken haben werden, war am 30. Juli 1224 zu Rom gestorben. Honorius 
HL bestimmte am 4. October zwei Beiräthe für das Prager Capitel, welche für 
die Wahl eines würdigen Nachfolgers Andreas*, des Kämpfers für die Kirchen- 
freiheit, wirken sollten. *) Aber schon vorher hatte das Domcapitel den Melniker 
Domprobst Peregin, der wegen Nichtbeachtung des Interdictes von Andreas ge- 
bannt worden war, zum Bischof von Prag gewählt.^) Derselbe hatte vom König 
bereits die Investitur und vom Mainzer Erzbischof die Weihe erhalten. 

Eine solche Wahl konnte Honorius III. nicht zugeben; er zog den Main- 
zer Erzbischof deshalb zur Verantwortung^) und bestimmte den Cardinallegaten 
Conrad^ nach Böhmen zu ziehen, um diese Angelegenheit im Sinne der päpst- 
lichen Curie zu ordnen. Während seiner Anwesenheit in Prag im Juni 1225^ 
gelang es ihm, Peregrin zu bewegen, dass er gegen eine Jahresrente von 100 
Mark dem Bisthum entsagte. Darauf wurde der Domherr Budilow zum Bisohof 
gewählt und vom Papste auch bestätigt. 

Von Böhmen zog Conrad nach Sachsen und wir treifen ihn anfangs 
August 1225 in Meißen. Dort musste Conrad eine Reihe der verwickelt- 

Der Friedensvertrag ist abgedruckt iu Fischers Geschichte von Klosternenburg U. 
B. p. 177, Nr. 33 und registriert in Meillers Regesten zur Geschichte OesterreicliB, Nr. 200« 
p. 186, unter dem 6. Juni 1225. 

') Pottb. Reg. Nr. 7432; 12. Juni 1225. Die betreffenden Briefe sind vollständig ab- 
gedruckt in «Fontes rer. Anstr. XV. B. p. H2, Nr. 81 u. Nr. 32. 

>) Potth. Reg. Nr. 7302, 7303 u. 7304 ; 4. October. Briefe an die Äbte von Nepomuk 
und Ostrow wegen der Prager Bischofs wähl. 

*} Die Wahl erfolgte vor dem 1. October 1224, da Peregrin an diesem Tage schon 
eine Urkunde als Bischof von Prag ausgestellt; — sie ist abgedruckt in Dobnera MonnmenU 
bist. Bohemiao VI. B. p. 381. Die Jahreszahl „1223'' daselbst kann nicht richtig sein, da in 
dieser Zeit Andreas noch lebte; am 1. October 1225 aber hatte Peregrin schon resigniert. 
Vgl. Palacky, Geschichte von Böhmen II. B. p. 89. 

») Potthast Reg. Nr. 7383; 20. März 1225. Die Urkunde selbst in Boczek: Codex dip- 
plomaticus Moraviae IL B. p. 160. 

^) Conrad wohnt im Juni 1225 einem Tauschactc inXrebitsch bei und gibt demselben 
am 2G. Juni 1225 in Prag seine Bestätigung (Boczek II. B. p. 164 bis 169); dazu meldet 
die Continuatio Cosmae (Monum. Germ. Hist. Scr. IX. B.) p. 171, Z. 6: „1225 . . . Conradai 
Card. Bohemiam intravit.** Ks ist wol anzunehmen, dass während des Prager Aufenthaltes die 
Biachofsfrage daselbst entschieden wurde. Vgl. Palacky 11. B. p. 89. 



23 

aten Klostentreitigkeiten lösen, welche in der Monographie von Roth nach der 
Chronik von Lanterbach ausführlich erörtert werden/) die aber hier füglich 
nur insoweit betrachtet werden können, als sie Momente für die Kennt- 
nis der Rechtsbefagnisse des Legaten bieten. Während Conrad 
Tom 16. bis xnm 18. August 1225 sich in Halle aufhielt, beklagte sich nämlich 
der Convent von Lauterberg über seinen Probst Dietrich, der durch Nachlässig- 
keit das Stift um Geld und Ehre gebracht habe. Der Convent glaubte sich sei- 
nes Sieges über seinen Probst gewiss, als der Legat bei seiner Anwesenheit in 
Halberstadt einen Probst absetzte und auch in Magdeburg den Probst Wilde- 
brand demüthigte.*) Indes nahm die Sache einen andern Verlauf. Im Stifte 
Rita") standen sich zwei Pröbste, Albert, ein Canonicus von Meißen und Ale- 
xander von Neuwerk feindlich gegenüber. Albert wandte sich an den Legaten 
um Unterstützung seiner Sache und wurde bei den darauffolgenden Verhand- 
lungen in Magdeburg auch von dem Bischof von Merseburg^ einem Vetter des 
verklagten Probstes von Lauterberg, unterstützt. Als jedoch der Legat geneigt 
war, Albert mit der Probstei von Lauterberg zu entschädigen und es auf diese 
Weise dem Probst Dietrich nahe gieng, ließ der Merseburger Bischof den Ca- 
nonicus Albert, der nun ein Concurrent seines Vetters geworden wäre, fallen, 
und brachte es beim Legaten dahin, dass Alexander als Probst in Bisa bestä- 
tigt wurde und Albert ohne Entschädigung zurücktreten musste. Jetzt erst er- 
nannte der Legat die Bischöfe von Merseburg und Brandenburg, obwol er, 
wie der Chronist meint, deren Parteistellung kannte, zu Visitatoren für das 
Kloster Lauterberg ^). Das Resultat der Visitation war, dass Dietrich als Probst 
in Amt und Würden blieb. ^) In Magdeburg entschied der Legat noch kurz vor 
seiner Abreise den Streit der Aebtissin Sophia im Stifte Quedlinburg und ihrer 
neuerwählten Gegnerin Bertrada zu gunsten der Krsteren.') Am Tage dieser 



*) Roth a. a. 0. p. 851—356 erzählt die Sache nach dem Chiron. Montis Scroni, a. a. 
0. p. 221,Z. 19— 22G, Z. 85, citiert aber seine Quelle noch nach der Ausgabe von Eckstein. 

*) CbroD. Mont. Ser. a. a. 0. p. 222, erzählt diese Demntliigun^ w ährend des Aufent- 
haltes Conrads in Magdeburg vom 1. bis nach dem 26. September 1225. 

*) Ibidem p. 222, Z. 24 bis /. 48. Diese ganze aiisführliche Darstellung ist jedoch von 
der Feindseligkeit des Chronisten von Lauterberg gegen seinen Probst Dietrich stark beein- 
flosst and kann daher auch in der ursächlichen Verknüpfung der' Thatsachen, besonders in- 
bezug auf das Kingreifen des Merseburger Bischofs, auf eine objective Genauigkeit keinen 
Aosproch machen. Vgl. Roth a. a. 0. p. 851. 

*) Chrooicon Montis Sereni, a. a. 0. p. 228 Z. 82 ff. Die Chronik beschuldigt an dieser 
Stelle Conrad geradehin der Parteilir-hkeit und es lässt sich nic.ht wol ausmachen, inwieweit 
sie dazu berechtigt war. Das sonstige gerechte Vorgehen dos Legaten macht die Heschuldi« 
gnog doch fraglich ond diese Chronik selbst fällt kurz vorher (p. 221 /. 24) ein sehr gün« 
üiges Urtheil über Conrad, („qnod iustitic tenax et munerum contcmptor ab omntbus dicebatur.**) 

*) Roth a. a. 0. p. 854. 

*) Die betreffende Urkunde Conrads, ausgestellt „1225 VI. Kai. Octobr.'' in Magdeburg 
ist vollständig abgedruckt in Hartzheim: Conc. Germ. p. 518 ff. Das Original der Urkunde 
befindet sich in Magdeborg. Vgl. Roth a. a. 0. p. 88G. 



24 

Entscheidung entsandte Conrad den Hildesheimer Erzbischof, dem er kurz vor- 
her den Primat in Kreuzzugsangelegenheiten über die Er/bisthümer Magdeburg 
und Bremen yerlicheu hatte ^), zum Bremer Erzbischof, damit er denselben er- 
mahne, mit dem Pfalzgrafen bei Rhein Frieden zu machen, weil ihre Fehde 
den beabsichtigten Kreuzzug hemme. 2) Von Magdeburg brach der Legat dann 
Ende September 1225 auf und wir treffen ihn in Naumburg^) und Erfurt*) 
und einen Monat später io Würzburg, '^) überall mit Eifer kirchliche Angelegen- 
heiten ordnend. 

Zu dieser Zeit vollzog sich in Westfalen ein Ereignis, welches für ganz 
Deutschland folgenschwer war, das auch den Legaten plötzlich in seiner Visi- 
tationsreise* störte und seiner Thätigkeit eine andere Richtung gab. Am 7. No- 
vember 1225 wurde nämlich der Reichsverweser Engelbert von Köln von dem 
Enkel seines Oheims, dem Grafen Friedrich von Isenburg, in der Nähe von 
Schwelm aus Privatrache grausam ermordet,*') als er eben zur Vermählung 
König Heinrichs (VIL) mit Margarethe von Oesterreich nach Nüniberg hatte 
ziehen wollen. 

Die Nachricht von der Ermordung Engelberts traf während der Vermäh- 
lungsfestlichkeiten ^) in Nürnberg ein und alsogleich wurde die Acchtung dos 
Mörders beschlossen. Dieselbe wurde bald darauf in Frankfurt erneuert und 
ein Preis auf die Einbringung des Mörders ausgesetzt. ") Um dieselbe Zeit hielt 
sich Conrad, mit der Ordnung kirchlicher Angelegenheiten beschäftigt, in Mainz 
auf.*) Auf die Nachricht von der Ermordung seines eifrigen Mithelfers berief 
er fllr den Advent ein Provincialconcil nach Mainz. Das Mainzer Concil, welches 



*) Urkunde vom 81. August 1225, abgedruckt in Sudendorfs Rogiatrum mcrkwürdigor 
Urkunden I. B. p. 8G. 

•) Urkunde vom 26. September 1225, abgedruckt in Sudondorf III. B. p. 56. 

») Chron. Mont. Ser. a. a. 0. p. 223, Z. 50 bis p. 224, Z. 3. In Naumburg ernennt er 
am 1. October die Visitatoren für das Stift Lauterberg. 

*) Roth Reg. a. a. 0. p. 386 „October 3. Erfurt." 

*) Ibidem; „November 6. Wirzburg." Vgl. Ehmk, Bremer ürkundcnbuch I. B. 
p. 161. 

•) Die Hauptquelle für die Ermordung Engelberts ist, wie für sein Leben, die Vita 
Engelberti von Caesar, v. Ueisterbacli. In bezug auf den M<irdcr vgl. die Stammtafel der 
älteren Grafen von Berg, Altena und Isenburg in Fickers „Engelbert der Heilige**, in der 
Beilage. 

*) Die Vermahlung Heinrichs erfolgte am 18. November 1225. Vgl. Fickcr: Engelbert 
der Heilige, p. 265 „in octava beati Martini«, ex Annal. Sclieftlar. 

8) Vita Engelberti (Böhmer, Fontes II. B.) p. :{21 und Alb. Tr. Font. Cliron. a. a. 0, 
p. 917, Z. 2—6. 

•) Roth, Reg. Conr. p. 887. „November 19 Mainz«. Urkunde Conrads für das Kloster 
Salem. 



25 

io der ersten Decemberhälfte ^) 1225 unter doiu Vorsitze des Legaten ver- 
sammelt war, beschäftigte sich zunächst mit Disciplinarstututen lur den Cierus, 
welche am 10. December, in 14 Artikeln gefasst, von dem Legaten verkündet 
wurden. "*) Auf dem Concile war auch der erwählte Nachfolger Kngelbcrts, der 
b«*i seiner Wahl geschworen hatte, den Mord seines Vorgängers zu rilclien, 
erschienen. Derselbe zeigte das blutbefleckte Gewand des ermordeten Erzbischois 
und bat wehklagend um Vergeltung der Uiithat. 

In feierlicher Rede pries nun der Legat die Verdienste des Ermordeten 
und sprach den Bannfluch über den Grafen Friedricli von Isenburg und dessen 
Mithelfer aus. Im Verdachte der Mitwissenschaft standen nacli der Anklage 
der Kölner Dienstleute besonders die Brüder des Grafen Friedrich, der Bischof 
von Münster und der erwählte Bischof von Osnabrück. Von Beiden verlas der 
Legat Briefe auf dem Concile; der Bischof von Münster verlangte, man solle 
ihm Ort und Zeit zur Reinigung von den gegen ihn erhobenen Anschuldigun- 
gen gewähren; der Erwählte von Osnabrück ersuchte um Bestätigung seiner 
Wahl. Ccmrad antwortete ihnen, dass er zur Schonung und Milde geneigt sei, 
wenn es ihnen gelinge, sich zu reinigen und bestimmte ihnen Maria Lichtmess 
1220, wo sie auf dem Reichstag zu Lüttich zu diesem Zwecke erscheinen müsslen.^) 
Kurz vor Weihnachten verließ Conrad Mainz und erneuerte am Weihnachls- 
tage in Köln den Bann gegen den Mörder und seine Helfer.^) Am :I0. Decem- 
ber bestätigte er der Abtei Werden den Besitz der durch kaiserlichen Spruch 
dem Mörder abgenommenen Vogtei über fünf Höfe'*) und bannt am Neujahrs- 
tage 1226 die Mannen vcm Tecklenburg, welche den Grafen Friedrich hatten 
entkommen lassen, sowie alle Hehler desselben.') 

') Caesarius, Vita Kugelb. (Bühiner, Foutcs II. B.) p. 321 .. . logatus in ailvuiitii du- 
mini coDcilium celebravit. E9 gebt ans dieser Stelle nicbt hervor, dass das Concil gerade am 
1. Advontsonntagc (30. November) eröffnet wurde. Böhmer nimmt aber in üohw.v Ausgab»' dor 
Vita Kngclb. den 80. November an und nach ihm setzte auch Roth in den Kcgoston p. :SS7 
den 30. November an und will vielleicht in der nicht gororht fort igten Tcxtosiuidi'iung „in 
die advcntus domini" eine Bcrcchtitrung für seine Datierung üudcn. Fitkcr l)einerkt bczüirlich 
dieses Datums)). 262 in der Note „Nov. 30. - Dez. 24." Amh Ludw. Weiland, drr Horans- 
gebLT dos Chronicon Emonis pflichtet dieser Ansicht bei, ind(Mii er zur Narbricht „Ulis diebuK 
dum. Conr. card. celebrare constituit concilium in civitatc Moguntia** in margin«? „Drirmbor" 
ansetzt. (Chron. Em. in Mon. üerni. llist. Scr. XXlll. l). p. 010, /. lo.) 

') Die „Statuta Concilii contra Simoniacos et concubinarios Cloricos" sind ab^'rdruckt 
in Hartzbeim: Cooc. üerm. III. B. p. 520 524. Es heiWt durt „Acta sunt haec 1225, IV. 
Idus Docembris." 

•) Ilauptquellc für diese Vorgänge auf dem Mainzer t'oncile sind Caosarius : Vita .S. 
Engelb. und das Chronicon Emonis. Ilartzhoini sammelt die bisher geliöri;r(Mi Stellen im III. 
B. p. 524. - „Praelixus est ... ei dies puriticatiouis b. Mariac virginiset pro Ioi:o civitas Lcodi- 
ensis-' . . . (Chron. Em. a. a. 0. p. 510 Z. 20.) 

•) Am 17. Deicmber zeichnet Conrad noch eine Urkunde in Mainz (Roth, Uog. a. a. t). 
p. 367), am 25. Dezember ist er in Köln. Vgl. Annales Col. max. a. a. t). p. s:;«), /. :{S: In 
uauli Domini sequcnte Conradns, Tort, opisc, apost. sedis Irgatus, advenit Coloniam, ipii 
terribili anathematc ncfandum Fridericum et suos complices prophanavit. 

») Ilotb, Ucg. a. a. ü. p. »SS ; zum 30. Dezember 1225. 

'') Ibidem, 1. Jänner 1226. Vgl. J. Moser: üsnabrückische ücschichte III. B. p. 277. 
(Berliner Ausgabe, 1ä28). -1 



26 

Noch am 13. Jänner 122G trelTeu wir Conrad in Köln, wie er den beim 
Grabe Engelberts in der Peterskirche befindlichen Altar weiht und einen Ab- 
lassbrief für die Besucher desselben ausstellt.^) Kurz darauf trat er die Reise 
zum Lütticher Tage an. ^) Während der Reise gelang es ihm in Utrecht, einen 
Streit zwischen dem dortigen Bischof und dem Grafen Florentin von Holland 3) 
gütlich beizulegen; außerdem befestigte er die Stellung dieses Bischofs noch 
dadurch, dass er für ihn nicht bloß den Frieden, sondern sogar ein Schutz- 
bündnis mit dem Grafen von Geldern vermittelte.^) 

Während Conrad noch in Utrecht verweilte, verließ der Bischof von Münster 
mit seinem Bruder, dem Erwählten von Osnabrück, sammt dem Bischöfe von 
Minden und zahlreicher Begleitung, unter der sich auch der Gewährsmann für 
diese Nachrichten Emo von Werum'^) befand, Münster und kam am 1. Februar 
122G, am frühen Morgen in Lüttich an. Am Morgen des 2. Februar zogen die 
beiden Brüder, der Bischof von Münster und der Erwiüilte von Osnabrück mit 
einem glänzenden Gefolge vor der Domkirche auf. Nach einem der Trauer um 
Engelbert entsprechenden, stillen Gottesdienste ließ der Legat durch den Ilil- 
desheimer Bischof den Vorschlag machen, die Sitzung auf den nächsten Wo- 



*) Die Weihe iindet am 12. Jänner statt und am IS. Jänner (Id. Jan. 1225, das ist 
12i2G nach unserem Jahresanfänge) verleiht der Legat den Ablass. Das Original der Urkunde 
befindet sich im k. Proviucialarchive in Düsseldorf. 

^) Am IG. Jänner ist Conrad urkundlich in Xanten. Vgl. Roth, lieg. a. a. 0. p. 388. 

») Roth, Reg. p. äö8. Urkunde, Dat. Trajccti in palatio episcopi 122G (id est 1226) 
7. kal. Febr. — aus Ileda, Ilist. ep. Ultrajcct. p. 200 (mit der irrigen Jalireszalil 1125). 

*) Roth, Reg. Conr. Jänner 27. Utrecht. Die Urkunde selbst ist vielfach abgedruckt, 
so auch in Mieris, Charterboek, I. B. p. 1D8. 

') in der Im Texte nun folgenden Darstellung des Lütticher Concils folgte ich haupt- 
sächlicli der (-hronik des Emo von Worum, welcher als Abt von Florldus Hortus mit dem 
Bischof von Münster selbst nach Lüttich zog. Emouis Chroniken (Mon. Germ. Ilist. Scr. XXIIL 
B. p. 510 u. ff.) Berücksichtigt wurden fortwährend aucli die Nachrichten im Chron. Alb. 
Tr. Font. (Trois Foutaiues im Departement Marne, Arrond. Vitry), in den Lütticher Annalen 
(Mon. Genn. Scr. XVI. B. p. G79) und in der Vita S. Engelberti (Böhmer, Fontes IL) p. 342 
u. f^. — Während nun Emo von Worum berichtet, dass die beiden Brüder schon vor ihrer 
Sendung nach Rom durch den Ausspruch des Concils abgesetzt wurden, meldet Caesarius' 
Vita Engelberti, dass die Absetzung erst erfolgte, nachdem sie sich auch vor dem Papste 
nicht hatten reinigen können; auch Alberichs Chronik von Trois Fontaines deutet durch die 
Fassung „Roniam ire compulsi, depositi sunt" an, dass die Absetzung vielleicht in Lüttich 
noch nicht erfolgte. — Schon Ilartzheim (Conc. Germ. III. B. p. 254) macht auf diese Dif- 
ferenz der Nachrichten über den Ausgang des Lütticher Concils aufmerksam. Wie mich 
dünkt, ist jedoch dem Zeugnisse des persönlich in Lüttich anwesenden Emo von Worum das 
meiste Gewicht beizulegen. Es ist auch ganz gut denkbar, dass auf dem Concile die Suspen- 
sion der beiden Bischöfe, jedoch mit Vorbehalt der obersten päpstlichen Entscheidung, aus- 
gesprochen worden ist. Unrichtig ist bei Emo nur das Datum, wo er von dem Aufzuge der 
beiden angeklagten Bischöfe vor der Donikirche in Lüttich spricht. Es sollte nämlich daselbst 
heilen „Die feste" (purif. b. Mariae) . . . statt Die dominico (1. Febr.) Der Herausgeber der 
Chronik des Emo in den Mon. Germ. Scr. XXIIL, Dr. Weiland bemerkt zu dieser Datums- 
angabe p. 510 in der Note Nr. 82 Folgendes: Ipsa vigilia purificationis hoc anno incidit in 
diem dominicum; intelligit saue autor diem festum. 



27 

chentag zu verschieben. Dienstag den 3. Februar 1226 versammelten sich dem- 
nach die Theilnehmer an der Versammlung im Speisesaale des bischöflichen 
Palastes; viele Grafen und eine große Volksmenge waren anwesend. Da der 
Legat sein Erscheinen verzögerte, drängte sich eine große, neugierige Men- 
schenmenge in den Sitzungssaal. Erst nachdem der Cardinal bei seiner Ankunft 
durch Drohung mit dem Bann die Unbetheiligten verscheucht hatte, eröffnete 
er die Sitzung mit einer Ansprache. Ullrich, der Scholaster von Osnabrück, 
sprach zuerst mit Geschick für seinen Herrn, den Erwählten von Osnabrück. 
Hierauf brachten die Dienstmannen des Kölner Erzbisthums ihre Klagen gegen 
den Bischof von Münster vor, worauf die Dienstmannen des Bischofs von Münster 
erwiderten. Als beide Parteien sehr heftig wurden, schloss der Legat die Sitzung. 

Da nun am nächsten Tage wieder ein großer Volksandrang vor dem 
Sitzungssaale stattfand, gab sich der Legat den Anschein, als verlasse er die 
Stadt, worauf die niedere Geistlichkeit und das Volk sich verlief. Nun kehrte 
Conrad mit den Bischöfen in den Sitzungssaal zurück und es wurde ])ci ver- 
schlossenen Thüren die ßerathung fortgesetzt. Den beiden Angeklagten wurde 
jetzt aufgetragen, sich durch den Eid von 7 Bischöfen von der Mitschuld am 
Morde Engelberts zu reinigen. Aber die zur Eideshilfe aufgeforderten Bischöfe 
hatten nicht den Math, den Angeklagten die Eideshiife zu leisten. Deshalb 
suspendierte der Legat die Brüder wegen Anreizung zum Morde mit Zustimmung 
der versammelten Bischöfe von ihrem Amte und schickte sie als schwer ver- 
dächtig der Aufreizung zum Morde nach Rom zur weiteren Untersuchung und 
ondgiltigen Aburtheilung. Für das Bisthum Münster bezeichnete Conrad den 
Bischof von Paderborn als Verweser ; die weltlichen Angelegenheiten des Bis- 
thunis sollte der Graf von Geldeni ordnen. Ueber die stattgehabte Verhand- 
lung berichtete Conrad an den Papst, welcher den zu Lüttich gerälltcn Spruch 
best-itigte. 

Der Legat kehrte nach solcher Ausübung seiner Machtvollkommenheit 
nach Köln zurück.*) Ueber Höfen und Siegbert ^) zieht er dann nach Frankfurt 
am Main zum Könige Heinrich (VH.) und erwirkte von ihm die Bestätigung 
des Friedens zwischen dem Bischof Otto von Utrecht und dem Grafen von Geldern 
und die Ausstattuiig Ottos mit dem Vogteirecht über Salland."') Am 24. Februar 
rj2(i wohnte Conrad der feierlichen Beisetzung der Leiche Engelberts in der 
Peterskirche zu Köln bei.*) Von jetzt an brechen die Nachrichten über Conrad 
fQr einige Zeit ab ; der Legat ist, wie es scheint, schon auf der Ilückkehr nach 

*) Conrad zeichnet am 11. Februar 1220 eine Urkunde in Kölu. Die Urkunde ist ab- 
l^cdruckt im Iluill. BrehoUeii II. u. pag. 859. 

«) Urkunde vom 18. Februar 1226 ans Hofcn bei Zulpich. Vgl. Roth a. a. 0. p. 389. 
Vom 14. Februar ohne Jahresbezeichnung ist eine Urkunde Conrads in der Continuatio tcrtia 
Gcstorum Abbatum Trud. (Mon. Germ. Scr. X. ß. p. 33.')) enthalten. Dr. Köpko, der Ileraus- 
icebcr der Contin., setzt für diese Urkunde das Jahr 1223 an, in welchem Jahre Conrad 
n<irh (rar nicht in Deutschland war. Icli folgte hier dorn Ansätze Uoths (p. 3^9). 

■) Koth, Reg. p. 889, 20. Febr., Frankfurt. 

*) Cjesarins: Vita Kngelb. a. a. 0. p. 326—826. 



28 

Italien begriffen. Wir treffen ihn am 4. April in Freiburg und 17. in Constanz.*) 
Was seinen Aufenthalt am 24. April betrifft, so vermuthet Roth von Schrecken- 
stein, dass er an diesem Tage in Stallikon in der Schweiz gewesen sei.^) Es ist 
dies zugleich die letzte sichere Nachricht von Conrads Anwesenheit auf deutschem 
Boden, den er in der ersten Maihälfte verließ.') Allerdings beschäftigte sich 
Conrad auch in Italien und besonders in der Lombardei noch sehr viel mit 
Ueichsangelegenheiten, jedoch nicht mehr als päpstUcher Legat/) sondern als 
Vertrauensmann und Bevollmächtigter des Kaisers. 

Für Conrads Bedeutung spricht noch der Umstand, dass er nach Honorius' III. 
Tode im CardinalscoUegium als dessen Nachfolger vorgeschlagen wurde. Er 
lehnte jedoch die Wahl ab und starb noch im selben Jahre. ^) Es ist eine 
müßige, do'ch eine mit Macht sich aufdrängende Frage, wie ganz anders die 
Ueschicke des mächtigen Staufers sich hätten entwickeln müssen, wenn statt 
des fanatischen Gregor IK. ein diplomatisch fein gebildeter Kirchenfürst aus 
einem vornehmen deutschen Geschlechte den päpstlichen Stuhl bestiegen hätte. 

Territoriallegaten in Deutschland. 

1. Legation in Böhmen. 

Die Nachrichten über die Legation, die mir nun zur Behandlung obliegt, 
sind sehr dürftig, und wir sind hiebei fast ganz auf indirecte Nachrichten, 
nämlich auf päpstliche Briefe und andere Urkunden, welche auf die Thätigkeit 
des Legaten nur nebenher bezug haben, angewiesen, wodurch ein genauer 
Einblick in die Ereignisse allerdings nur schwer gewonnen werden kann. 

Die Legation Gregors de Crescentio, die ich hier im Auge habe, erstreckte 
sich über Böhmen, Polen, Dänemark und Schweden, kann aber trotzdem eine 
deutsche Territoriallegation genannt werden, weil die Hauptthätigkeit des Trägers 
derselben sich im Königreich Böhmen entfaltet. 

Das Präger Bisthum hatte am 22. November 1215 im Bischof Andreas*) 
einen Mann erhalten, der bei den strengsten Sitten und dem unbeugsamsten 
Charakter ein eifriger Verfechter der Rechte und der Immunität der Kirchen- 

Am 4. April urkundet Conrad in Freiburg (Urkunde in Würdtwein: Nova Subsidia 
Xlir. I)., p. 290) und am 17. April in Constanz (Originalurkunde im kön. Archiv in Hannover, 
nach Dr. Grotefend's Mittheilung). 

«) Roth, Reg. a. a. ü. p. 390. — April 24. Stalloc. In der Originalurkunde zu Hannover 
ist durch die beiden 1 ein Strich gezogen, was auf eine Abkürzung deutet. Roth vermuthet 
darunter entweder Stallicon oder auch Stallek bei Freiburg im Breisgau. Vgl. Roth a. a. 0. 
p. 360, Anni. 4. 

•) Im Mai 1226 ist Conrad schon in Parma. Roth, Reg. p. 390—891. 

*) In einer Urkunde Friedr. II. vom 18. Juli 12*26 (Huill. Breh II. ii p. 647) nennt 
derselbe Conrad nicht mehr Legat des apostol. Stuhles, was er noch am 11. Juli nicht unter- 
lassen hatte, (Huill. Bn'holles II. ii. p. 642) da er dessen Sendung zu den Lombarden gedenkt 

<) Roth entscheidet sich in den Regesten a. a. 0. p. 393 für den 29. oder 80. Sep- 
tember 1227. 

^) In einem anderen Zusammenhange (auf Seite 22 dieser Arbeit) wurde des Ablebens 
dieses Bischofs zu Rom am 30. Juli 1224 gedacht. 



29 

gewalt war. Ausgehend von dem für diese Zeit mal^gebenden Grundsatze, dass 
gegenOber der souveränen Gewalt der römischen Kirche jede staatliche, blol> 
provindale Gewalt sich unterordnen müsse, bestritt er die Competenz der 
nationalen Cudengericbte über die Geistlichen, verbot die kirchliche Investitur 
durch Laien und verweigerte die Steuerleistungen von den Kirchengütern. Im 
Jahre 1217 hatte er ganz Böhmen mit dem Interdicte belegt und sich dann, 
da er Gewalt befürchtete, nach Rom zurückgezogen. Allerdings hob der 
Metropolitan über die Prager Diöcese, nämlich der Mainzer Erzbischof, noch 
im selben Jahre das Interdict auf; allein nun zog der Papst Ilonorius III. die 
Angelegenheit vor seinen Richterstuhl und hielt dem böhmischen König in einem 
Schreiben vom 22. Juni 1217 vor, dass er die Geistlichen vor das weltliche 
Gericht ziehe, dass er selbst die Halsgerichtsbarkeit über sie durch Laien 
aoBÜlien lasse, das von Andreas verhängte Interdict nicht beachte und die 
geistliche Investitur sich anmaße. Vier Wochen später verwies er mit den 
stärksten Ausdrücken dem Mainzer Erzbischof die Aufhebung der Interdicts 
and drohte ihm mit den kirchlichen Strafen, wenn er seine Mal^regel nicht 
binnen zwanzig Tagen nach Empfang des Briefes rückgängig mache. Der böh- 
mische König stellte in einem Antwortschreiben alle Beschuldigungen, die ihm 
der Papst gemacht hatte, in Abrede und bat denselben, nichts gegen ihn und 
sein Land zu unternehmen, bevor er die Gesandten, die er absenden wolle, 
gehört habe. Das gestand ihm denn Honorius auch zu. 

Das von Andreas verhängte Interdict wurde aber in Böhmen nur sehr 
wenig beachtet. Die Mehrzahl der Domherren des Prager Bisthums hielt trotz 
desselben ungestört den Gottesdienst. Wiederholt wendete sich der Papst gegen 
diese Missachtung des Interdictes und lief^ im Jahre 1211) den ungehorsamen 
Prälaten sogar ihre Beneficien absprechen. Der König hatte sich schon im 
April 1218 einen päpstUchen Legaten erbeten, welcher mit dem Prager Bischof, 
der noch immer in Rom weilte, nach Passau kommen und dort mit den Ver- 
tretern des Königs bezüglich der Zehentleistung ein Abkommen treffen sollte. ^) 
Nach langen Unterhandlungen entschloss sich endlich Ilonorius zur Plutsendung 
eines Legaten und empfahl als solchen am 29. December 1220 dem Könige 
von Böhmen den Cardinaldiacon S. Theodor!, Gregorius de Crescentio. 

Gregorius^ Legation blieb jedoch nicht auf B<")hnien beschränkt, sondern 
er erhielt dieselben Vollmachten, wie für Böhmen, auch für Dänemark, 
Schweden und Polea^) Gleich nach der Ernennung des Legaten begannen 



<) Diese Skizze wurde qiielleDinäßig unter /uhilfenahmc der Darstellung in i^alackys 
Geschichte von Böhmen II. B. p. 79 und ff. boarlicitet. lienüt/t wurden Iiiobci dio Continnatio 
Coim» (Mon. Oorrn. Hist. Scr. IX.), sowie die hichcr gcliörigcn Briefe Ilonorius' III. in Krl)onä 
llegcstA Behemiae et MoraviaB. LB. 

') Erben: Reg. Boh. et Mor. I. B. p. 295, Nr. G32 rntliält den Brief des Papstes an 
den bOhmiichen König. Vgl. Potth. Reg. Nr. 6457. — Der Umfang seiner I Negation ergibt 
sich aus den päpstlichen Briefen vom 31. December 1220, reg. bei Potth. sub Nr. Gi50. Vgl. 

Raynald: Annales eeclesiastici (Edition, Colonia Agrippina; 1094) ao annum 1229 § 30 

legati moDiii . . . . in Dania, Suecia, Polonia ac Bohcmia commisit. Vgl. noch Ciaconius: Vita 
etc. IL B. p. 25. 



30 

in Rom unter seiner Leitung die Verhandlungen mit den Gesandten 
des böhmischen Königs, und schon am 11. Jänner 1221 konnte Honorius III. 
dem böhmischen Clerus Mittheilung von dem zustande gekommenen Vergleiche 
machen.^) Die Bevollmächtigten des Königs überließen demnach der Prager 
Kirche alle Freiheiten und Gerechtsame, welche dieselbe nach dem geltenden 
Hechte oder durch krmigliche Privilegien jemals erlangt hat, sie überließen 
ferner der Kirche alle geistlichen Befugnisse, sowie die Gerichtsbarkeit über 
die Geistlichen und versprachen außerdem im Namen des Königs und der 
Barone die Gewährung des Zehents für den Prager Bischof; endlich sollten der 
Kirche in Böhmen und den kirchlichen Personen alle Besitzungen, die der 
König in der Zeit des Streites eingezogen hatte, zurückerstattet werden. Die verloren 
gegangenen königlichen Privilegien müssten vor der Aufhebung des Interdictes 
erneuert werden genau nach den Angaben, welche der Bischof Andreas über 
ihren Inhalt machen werde. 

Vermuthlich reiste der Legat nach dem Zustandekommen dieses Vergleiches 
sogleich nach Böhmen ab; denn schon am 23. Jänner ortheiltc ihm der Papst 
Instructionen, welche Garantien er von dem böhmischen Könige für die Einhaltung 
der Vertragspunkte verlangen solle, ^) Bischof Andreas hatte in Uom auch das 
Ansuchen gestellt, dass in Prag eine Metropolitangewalt für ganz B<")hracn 
errichtet werde. Damit gedachte er den Mainzer Erzbischof zu treffen für seine 
Haltung im Kirchenkampfe. Mit Rücksicht auf dieses Ansinnen des Prager 
Bischofs trug Honorius Hl. am 19. Juni 1221 seinem Legaten auf, zu unter- 
suchen, ob es angehe, mehrere Bisthümer in Böhmen einzurichten und dem 
Prager Bischof die Metropolie über sie zu verleihen. Am selben Tage beauf- 
tragt er ihn auch, für einen Ort zu sorgen, wo der Vertrag mit dem Könige 
ohne Gefährdung des Bischofs Andreas, der sich noch immer nicht nach Böhmen 
wagte, zum Abschluss gebracht werden kr»nne.=^) Das lässt erkennen, dass man 
in Rom wol davon unterrichtet war, dass unter den böhmischen Großen damals 
eine tiefe Gährung gegen die Kirche herrsche, die so übertriebene Anforder- 
ungen stellte. 



*) ßricf Honorius' III. an den bölimischcn Clerus vom 11. Jäuucr 1221 in Erbcns Regest 
Boh. et Mor. I. B. p. 2Ü7. Aus diesem wiclitigcn Briefe muss irli oinif^o St(5lU*n citicrcn, welclic 
für die päpstliclio Macht jener Zeit bezeichnend sind : „Orania privilcgia .... si cxtant, rcsti- 

tnentur .... Quod si privilcgia non exstant .... rcx ante relaxatiouem .... interdirti, eidem 

rcstaurabit sccundum tcnorem, quem cpiscopus suo exprcsscrit iuramcnto Pro bis ... . 

obscrvandis . . . priustabitur ex parte regia suflficiens cautio 

«) Päpstl. Schreiben vom 23. Jänner 1221 — in Erbens Reg. I. ß. p. 292. Argumentum: 
Honorius papa 111. card. legato suo Gregorio pricscribit formam cautiouis a rege et baroni- 
bas Boiimiffi proBStandse. — Potth. Reg. Nr. G525. 

") Erben. Reg. I. B. p. 299. Nr. G44. Argumentum: Hon. papa III. Gregorio de Cres- 
centio, legato suo, ut provideat episcopo Pragcnsi de loco idoneo ad tractandam cum rege 
ac baronibus Boemia;. — Pottb. Reg. Nr. G09() vom 19. Juni 1221. Unter demselben Datum 
findet sich in Erbens Regesten (Nr. G45) ein zweiter Brief des Papstes an den Legaten 
. . . „ut inquirat, au Metropolis in Pragensi ecclesia, et utrum plures episcopatus in diöcesi 
poBsint Bua constitui. Vgl. Potth. Reg. Nr. GG89. 



31 

So kam am 2. Juli 1221 im Schloss am Staaiser Berg in Nieder- Oester- 
reich *) iu Gegenwart des böhmischeu Königs, des Herzogs Leopold von Ocster- 
reich, des Legaten Gregorius, der Bischöfe von Prag, Olmütz, Neitra und 
Breslau und vieler böhmischer GroPer der Vertrag zwischen Staat und Kirche 
in Böhmen zustande, in Folge dessen auch das Iiiteidict über Böhmen auf- 
gehoben wurde. Der Bischof Andreas bestätigte zuerst durch einen feierlichen 
Schwur die Richtigkeit seiner Inhaltsangabc der von den böhmischen Großen 
dem Prager Bisthum bisher verliehenen Privilegien, die während des Kirchen- 
kaupfcs verloren gegangen waren. Der Kihiig erneuerte sie darauf nach der 
Fassung des Legaten alle mit einer Urkunde ; darnach wurden die bischöflichen 
Unterthsinon von der Verpflichtung zu Staatsfrohudcn und zur Beisteuer zu den 
Labten der Gesaranitbürgschaft enthoben. Die höhere Gerichtsbarkeit über die 
Unterthanen dos Bischofs blieb zwar dem Könige; doch sollten die daraus 
tlielJeuden Einkünfte nicht dem König, sondorn dem Bischof zukommen. T^odivin, 
das einst zur Prager Kirche gehört hatte, sollte derselben mit allen Hechten 
wieder zufallen. 

Aber auch nach dem Friedensschlüsse kehrte der Bischof Andreas nicht 
nach Prag zurück, wie denn der Papst am 11. Februar 1222 an Greg(»riu8 
schreibt, er m<ige Andreas nicht antreiben, nach Böhmen zurückzukehren, bevor 
für seine Sicherheit daselbst genügend vorgesorgt sei.^) Trotz des offlciellon 
Friedensschlusses zwischen Staat und Kirche scheint also Andreas in Böhmen 
liersönlich so verhasst gewesen zu sein, dass er es nicht für räthlich fand, in 
icine Diöcese zurückzukehren. Der König freilich hielt den Frieden getreulich 
ein und ließ sich von dem Legaten sogar noch bewegen, in einer Urkunde vom 
10. März 1222 durch Privilegien für sämmtliche Klöster in Böhmen deren 
Unterthanen die Staatsfrohndienste bedeutend zu ermäßigen.'*) Die Gerichts- 

I>er Vertrag ist abgedruckt in Krbuiis Uog. I. B. p. 300, Nr. (-40. Argumcutum: 
otucarus, rcx Hohciuiac coiifiriiiat et oinnia privilegia et cxciuptiones ccclcäiae PragiMisis, cui 
1 1 laätniin ruiliviii restUuit. Aiiuo duiniiii iiicariiatiouis 11221, VI. noiias Julii, Indict. IX. 
in monte Scac. -- Krlicn HR-int nun iu einer Note zur Ortsangabe, es sei unter „mons 
Siac** die Ortsfbal't Skuc im Clirudimer Kreis gonieiiit. Viel waiirsclu'inlicber ist aber die 
ViTUiulbung Talackys ((je.srbiclite von IJrtbnien II. IJ. p. S7, Anni. l;il), welcber annimmt, 
(Ias3 mit mons Scac Staats in NiederösterrtMcb gemeint s(^i. Diese Annabme wird dadiircb 
iTJi.irtct, dass in der Urkunde der Herzog Leopold von Oesterreieh als /enge unterfertigt 
iit: ebenso ist es aucb nicbt leicht denkbar, dass sich der Prager Hischof damals nach 
niibmen gewagt hatte. AuPierdem stinnnl diese Annahme sehr gut mit dtn «irt liehen Ver- 
iia'tnissi'u in Staats iiberein. Wie mir nämlich aus eigener Ansrhauung bekannt ist, erhebt 
>i(:h unmittelbar bei Staats v'm ganz isolierter Herg, welcher das umliegende l'larhland und 
lliigt'Iterraiu beherrscht und dort allgemein als „Staatsor Berg** bezeichnet wird. Auf 
dem Ilerge steht eine Schlossrui ne, die, wie ich glaube, mit Recht als das 
Vertra^slocal vom 2. Juli \\l'2\ angeschen werden kann. 

-) KrbcM Uegesteu, 1. p. 301 Nr. 64U. Ilonorius papa IIl. legato suo (tregorio, no 
compellat episco])nm Tragcnsem intrarc Bohemiam, donec de securitate ejus cautum t'ucrit. 
I»at. Lat. in. Id. Kehr. p. auno VI. Vgl. I»otth. Reg. Nr. 0790. 

^) Erben Regesten 1. p. 351, Nr. G51. Otacarus . . . . rex lioemiac ad pctitionem dorn. 
Gregorii de Crosc. card. ap. sed. leg. monasteriis et couventualibus ecclcsiis immunitates et 
iura quaedam concedit Anuo dorn, iucarn. 1222. Indic. X. mcnse Martii die X. 



J 



d2 

l)arkeit über die Personen des Clerus behielt sich der König auch hier vor; 
auch die Processe ihrer Unterthaueu mussten an den König gebracht werden, 
der sie dann gewöhnlich der Prager Cuda zuwies. *) 

Nunmehr kehrte auch Andreas in seine Diöcese zurück und viele der 
vormals excommunicierten Prälaten wurden vom Bischof im Genüsse ihrer Bene- 
ficien gelassen. Um diesen Preis aber scheint Andreas seine persönliche Sicherheit 
erkauft zu haben; er starb jedoch nicht in seiner Diöcese, sondern in Korn 
am 30. Juli 1224. 

p]s ist anzunehmen, d:iss sich auch Gregorius wie die übrigen Legaten 
mit Kirchenvisitutionen, Klosterangelegenheiten und der Herstellung der Disciplin 
unter dem Clerus bel'asst hat; jedoch ist es da schlecht mit den Nachrichten 
bestellt und nur die Bestätigung eines Ordensprivilegiums durch den Legaten 
ist uns überliefert.^) Was seine Abreise von Böhmen betriiit, so kann uns bloß 
die Nachricht in den Krakauer Annalen als Anhaltspunkt dienen, die da besagt, 
dass Gregorius im Jahre 1223 in Krakau eingetroflfen sei.') 

lieber seine Wirksamkeit in Polen findet sich bei Ciaconius ohne Qaellen- 
angabe die Notiz, dass er in Krakau, vom Fürsten Lesko und dem dortigen 
Bischöfe und Clerus n)it Ehren empfangen, sich mehrere Tage aufhielt, Miss- 
bräuche der Geistlichen abstellte und einige neue Mal^regeln der Kirchen- 
disciplin traf.^) Daselbst wird auch noch erwähnt, dass er 1225 gestorben sei, 
ohne jede Bemerkung, ob er überhaupt nach Dänemark und Schweden zur 
Ausübung seines Legatenamtes gekommen sei. 

2. Legation in den Ostseeländern. 

Das Ilauptbestreben des milden Papstes Honorius III. wird wol, wie schon 
wiederholt hervorgehoben wurde, am besten bezeichnet, wenn wir sein unab- 
lässiges Bemühen hervorheben, die Erbschaft seines großen Vorgängers, den 
allgemeinen Kreuzzug, ins Werk zu setzen. Alle seine Regierungshandlungen, 
die er entweder selbst oder durch seine Legaten vollzieht, zielen im letzten 
Grunde auf die Ausführung dieses Planes. Doch konnte man sich seit der 
Ilundrciso des Königs von Jerusalem durch Frankreich, England, Spanien und 
Deutschland nicht mehr verhehlen, dass die Stimmung des Abendlandes für den 

') Palacky: Geschichte von Böhmen. II. B. p. 89. 

=) Erben, Reg. I. B. p. 3ü2, Nr. G50. Gregorius de Crcsc. . . . logatus monasterio de 
Luca confinnat Privilegium . . . anno 1220. Datum Pragse apud monasterium montis Sion, III. 
Nonas Martii. — 

») Annales Capituli Cracoviensia (Mou. Germ. Scr. XIX. B.) p. 596, Z. 1. „Gregorius 
terciiis cardinalis in Cracoviam venit". Was die Annalen mit „tercius" meinen, ist nicht zu 
erkennen. Dasselbe Wort steht auch im Abdruck in den Mon. Polonia3, edidit Aug. Bielowski, 
II. B. p. 892, Z. 23. 

») Ciaconius: Vitio et res gesta; Pontilicuni llomanorum et Cardinalium, Tom. II. p. 26 A, 
In Polouiam deindc se confcrcns Grogorius logatus, tarn a Lcskone Albo principe, quam ab 
Yuone cpiscopo et uuivcrsis ordinibus Cracovio; magno honore susceptus est, ubi et pluribns 
diebus iinmoratus, «luosdam clericorum rcscidit abusus nonnullasque edidit pro eorum regl- 
minc constitutiones. 



33 

Kreuzzug nach dem Orient ermattet, ja erkaltet sei. In richtiger Würdigung 
dieser Sachlage hatte der Hochmeister des deutschen Ordens, Hermann von 
Salza, die Aufmerksamkeit der päpstlichen Curie auf die Ostseeländer gelenkt, 
wo das kirchliche Weltregiment durch Bethätigung seiner culturellen Kraft neue 
Stäikung finden könne. Hier zum erstenmalc treffen wir auf eine Thätigkcit der 
römischen Curie, die auch unser modernes Empfinden beifällig berührt. Während 
Deutschlands Macht im Innern, wie in Italien durch den Kampf mit der damals 
überlegenen päpstlichen Gewalt im Rückgang begriffen ist, eröffnet sich hier im 
Nordosten Europas der Civilisation und dem deutschen Handelsfleil^o ein neues, 
groL^es Gebiet. Die Glanzzeit der colonisierenden Thätigkeit der Kirche im 
acliten und neunten Ja]n*hundert erneuert sich jetzt an der Ostsee, müssen wir 
sagen, wenn wir sehen, wie Riga gegründet wird und wie mit dem Christen thum 
zugleich deutsches Wesen bis in die Gegend der heutigen russischen Haupt- 
btadt, sowie bis nach Nowgorod sich verbreitet und die mächtige Entfaltung 
des deutschen Bürgerthums in den Ilansastädten möglich macht. 

In Livland war seit dem Bestehen des Schwertordens die christlich-deutsche 
Mission im steten Fortschreiten begriffen, nach Norden gegen die Esthen, nach 
Nordosten ge^cn die russischen und litthauischen Fürsten. Der Niedergang der 
Dänenherrschaft in Esthland seit der Gefangennehmung Waldeuiars II., sowie 
die Eroberung der Festung Dorpat, wo der russische Fürst Wieszeke gehaust 
hatte, gab der Macht des Bischofs von Riga und des ihm seit dem Jahre 1224 
untergebenen Schwertordens, das entscheidende Uebergewicht. ^) 

Nach nahezu vierzigjährigen Kämpfen war das Jahr 1225 für Livland das 
erbte Friedensjahr. Die Esthen am Nordstrande, die Russen und die Ocseler, 
die Semgallen und Kurländer und selbst die Litthauer sandten Boten mit 
Geschenken nach Riga, um den Frieden zu erbitten.^) Der Bischof Albert von 
Riga hatte im Jahre 1224 den Priester Moriz an den Papst entsendet, um sich 
einen Legaten für Livland zu erbitten. ^) Wie ich vermiithe, war es Albert sehr 
viel darum zu thuu, durch die Autorität eines päpstlichen Legaten gestützt, 
seine oberherrliche Stellung über die Ritter des Schwertordens zu bcliau])ten. 

'; Zur allgemuinen Orientierung über die Yerhültnisbe in den OstäOcliiiKh^rn und na- 
mentlich in liivland vor der Ankunft des päpstlichen Lo^Mteii dionton nn'r di(^ ( nts]»rerh(Miden 
l'arti^jn in Voij^ts (ieschichtn von Preußen im 1. P». p. 8-^0 -17H uiul im II. I»., p. :»()l--:ilO. 
P'iir die Nachricliteii über Livland, Esthland und Kurliind i»t tür dioso Zeit das Chnmikon 
Lyvoniae Heinrichs von Lettland die Hauptquolle. Icli IxMiiit/tc dass(>lbc narh der neuen 
Aufgabe in den Mon. (ierm. Scr. XXIH. U. p. 'S*i\ :VM uwU.r steter Uerürksiclitigunj,' der 
Monographie Dr. Hermann Hildebrands: „Die (Ihronik Heinrichs von Lclthiud " Hcrlin lSr>5. 
Für die übrigen Quellennachrichten benützte ich Hansens (juellensuninilung, „Scriptores nTum 
Livonicannn. l. und H. Band. (Riga und Leipxi«,' 1818— lä^:i); aulHudeni sah ich ein „liun^'es 
K^'gesten zum livländischen Hrkundcnbuch." 

'*) Hcinrici Chron. Lyvon. (Mon. Genn. Scr. XXHI. B.) p. iiJJJ Z. H. 

') Ibidem, p. 326, Z. 22. Eodem anno niiserat Uigensis episcopus Mauritiuni sa- 

cfrdoteni suum in curiam Koinanam pcterc sedis apostolicae legatura in Lyvoniam. - Mit 
„eodcm anno" kann nur das Jahr 1:^21 gemeint sein und nicht 1225, vf'w. aus dem Zusam- 
menhange hcrvorgelicn würde; wie denn der Chronist nach dem Codex, den Gruber (und nach 
ihm Hansen) in seinor Ausgabe benützte, sich ausdrücklich durch den Hcisat/ corrigiert „({\\i 
fuit a Christo nato MCG. et XXIV^. Dieser Beisatz stimmt nicht mit dem Ausdruck „codcni 
aiuio*! weil das 27. Jahr Alberts mit dem Jahre 1225 übereinstimmt. b 



34 

Honorius III. gieng auf Alberts AnBUchen ein und ernannte auf dessen eigenes 
Anerbieten den Kanzler seines Palastes, Bischof Wilhelm von Modena zum 
Legaten für Livland, Preußen, Estbland, Semgallen, Samland, Kurland, Wierland, 
Holstein, und für die Inseln ^^Guland**, Bomholm, liügen^) und Gotland. 

Zebn Tage nacb der Ankündigung dieser Ernennung ertheilte er demselben 
die Vollmacht, im Sprengel seiner Legation die Kircbenverhältnisse zu ordnen, 
neue I^iscböfe einzusetzen und mit Heranziehung von zwei oder drei Bischöfen 
solche ]iach den canonischen Satzungen auch weilien zu dürfen. 2) 

Wann Wilhelm Italien verließ, lüsst sich nach den bis jetzt bekannten 
Nachrichten nicht genau feststellen; doch so viel kann man mit Bestimmtheit 
sagen, dass die Abreise Wilhelms jedenfalls in der ersten Hälfte des Jahres 
V22i) erfolgt sein muss und dass seine Ankunft in Dünamünde in Begleitung 
des Priesters Moriz noch vor dem August 1225 erfolgte.^) 

^) Die Erucnniing wird verkündet durch den päpstlichen Brief vom 31. Deccmber 1224. 
Vgl. Potth. Reg Nr. 73ri7. Dass unter „Riva", oder wie es im veratümmelten Rricfe bei 
llaynald ad annum 1224 §. 38 heißt „Ruiae", Rügen zu verstehen sei, entnahm ich Ernst 
Strehlkes Regesten Wilhelms von Modena, abgedruckt als I. Bcilas^e zu „Ilcrmanni de Wart- 
berge Chronieon Livoniae'^im II. Bande der Scriptores rerum Prussicarum(Leipzig 1863),p. 116—134. 

') Brief Honorius^ 111. an Wilhelm vom 9. Jänner 1225, abgedruckt in Voigts Codex 
diplomaticiis Prussicus, I. B. p. 17, reg. bei Potthast Nr. 7345. 

^) Bei der Fixierung dieser chronologischen Daten leiteten micii folgende Erwägungen: 
Die Anzeige der Ernennung Wilhelms ist vom 31. Dccember 1224 datiert. Dass die Entsen- 
dung vor dieser Anzeige geschehen sei, ist nach dem unter Ilonorius 111. befolgten Brauche 
um so weniger anzunehmen, als wir gar kein Zeugnis besitzen, dass in diesem Falle von dem 
Brauche abgegangen worden sei. Dazu kommt noch die Bemerkung Strehlkes in den Regesten 
W^ilhelms (a. a. 0. p. 119), welclicr aus Tiraboschi : Memorie storich. Modensi, IV. B. p. 59 
die Mittheilung entnimmt, dass Documente im Capitelsarchive zu Modena den Bischof Wilhelm 
am IG. Februar und sogar noch am 25. April 1225 in Modena anwesend zu zeigen scheinen. 
— Die nächste feste Datierung für Wilhelms Itincrar ist eine Urkunde, welche er im August 
1225 nach seiner Rückkehr von der Bereisung Livlands und Esthlands ausgestellt hat. 
Zwischen dem 31. Dezember 1224 und dem Monat August 1225 fällt also 
Wilhelms Abreise von Italien. — Nicht vereinbar mit dieser Fesstellung ist die An- 
nahme Voigts (in seiner „Geschichte Preußens" I. B. p. 459), dass Wilhelm im Jahre 1225 
zuerst in Preußen gewesen sei, und zwar so lauge, dass er die iireußischc Sprache erlernte 
und sogar noch den Grammatiker Donat ins Preußische übersetzte. Voigt kommt zu dieser 
Annahme durch die Nachricht der Chronik von Trois Fontaincs (Mon. Germ. Scr. XXIII.) 
p. 921, Z. 32. Die Chronik stellt diese Nachricht vom Aufenthalte Wilhelms in Preußen und 
Erlernung der Sprache allerdings unrichtig ins Jahr 1228, weil Wilhelm schon Ende 1227 
und noch am 12. Juni 1228 in Modena anwesend ist. (Strehlke Reg. a. a. 0. p. 122). 
Noch weiter vom Ziele aber, als die Chronik, entfernt sich Voigt, der diese Stelle ins Jahr 
1225 oder gar 1224 setzen will. Das Jahr 1224 ist schon nach dem Ernennungsdatum nicht 
möglich, wiewohl Voigt, auf die Abhandlung Estrups, Idea llierarchiae Romanae, Ilavnae 1817, 
(von der ich in der Wiener Ilofbibliothek auch Einsicht nahm) gestützt, sogar geneigt ist, 
die Ankunft Wilhelm-^ im Norden ins Jahr 1224 zu setzen. (II. B. p. 315, Anmerk. 2). — 
Dieselbe Ansicht vertritt auch der verdienstvolle Neuhcrausgeber von Grubers Origines Livo- 
niae, Hansen in den Script, rerum Livonicarum I. B. p. 292, Anm a a — Im Jahre 1226 
aber konnte Wilhelm, der ganz Livland bereist uud im August bereits nach Riga zorück- 
gekebrt war, unmöglich noch vorher in Preußen das vollführt haben, was die Chronik Alberichs 
von Trois Fontaines an der früher genannten Stelle berichtet — Wie mich dünkt, würde es 
weit weniger Schwierigkeiten bieten, diese Nachricht als zum Jahre 1230 oder gar 1235 ge- 
hörig zu verweisen. 



35 

Als Wilhelm von Modena mit seinem Gefolge in Dtinamttnde angelangt 
war, kamen ihm die Bewohner von Riga an die Küste entgegen und geleiteten 
ihn mit grol^em Gepränge in die Stadt. ^) 

Wilhelm fand in Livland sechs Bisthümer eingerichtet, das von Riga, 
welchem Albert, der große Livenbekehrer, vorstand, das von Leal, zu dem 
später auch die Insel Oesel geh(')rte, das von Seieburg in Semgallen, das von 
Doriiut in Unganien, das von Jerwen und das von Reval,^) welches dem Metro- 
{lolitaii von Lund, der in einem Brieffragmente Honorius' III. als Legat für 
Schleswig bezeichnet wird,^) untergeordnet war. Der Legat war erfreut über 
den günstigen Stand der Kirche in diesen, dem Christenthume neugewonnenen 
Ländern und gab dieser Freude in seinem Berichte, den er von Riga abschickte, 
vollen Ausdruck.^) 

Nichtsdestoweniger war Wilhelms Stellung in den Provinzen seiner Lega- 
tion keineswegs eine leichte, weil alle in Livland und Esthland in bctracht 
kommenden politischen Kräfte im Anschhisse an seine Autorität eine Stärkung 
ihrer Macht suchten. Der Bischof Albert, welcher die Mctro))o1itangewalt gewinnen 
wollte, suchte durch Wilhelms Autorität, wie schon erwiilint, die oberherrlichen 
Rechte über die Besitzungen der Schwertbrüder zu gewinnen. Die Brü- 
der des Schwertordens konnten als Kämpfer für die Ausbreitung des Christen - 
thums wol auch mit Recht auf die Unterstützung des Legaten Anspruch erheben. 
Aber sie waren zugleich eifrige Bekämpfer einerseits des dänischen Einflusses 
in Esthland, anderseits Vorkämpfer der deutschen Colonisten in jenen Ländern 
und nahmen auch gegen den Bischof von Riga Stellung, indem sie ihm gegen- 
über ihre Unabhängigkeit aufrecht erhalten wollten. Aber auch die Dänen in 
Ebthland erwarteten, dass der Legat sie in Schutz nehmen werde gegen die 
Brüder des Schwertordens, welche das Dänenthura immer weiter zurückdräng- 
ten, und zugleich gegen das Bestreben Alberts von Riga, der auch das Biäthum 
Reval dem Einflüsse der dänischen Metropolitangewalt von Lund entziehen wollte.^; 

») Heinr. Chron. Lyv. a. a. O. p. 320, Z. 23. 

*) Ibidem Z. 3G. . . . et cpiscopatus quinque iaiu distinctos cinii cpiscopis suis haburet. 
I»ie 5 Bisthümer sind nach der Bemurkung Grubcrs zu dieser StcHe ^Scr. rcr. Liv. I. p. 21) I, 
.4Dm. c.) an)(et'ührt; ausserdem war im Jahre 1220 noch ein Uischuf über Jerwen und Wier- 
land eingesetzt wurden, (lleinr. Chron. cap. XXIV. 2.) dcu (Iruhcr in seiner Aut'/ählnii^ ver- 
f^aiV Freilich kommen dadurch Bisthümer heraus und nicht fünf, wie lUe Ohronik niehlet. 
Ua aber alle <i thatsüchlich bestanden haben, so kann man die Angabe Heinrichs nur (^inem 
japsus mcnioriae zuschreiben. 

•) Potth. Reg. Nr. BllO. Brief vom I. Aug. 1211) an den Hischot von Srlileswig, alvi-e- 
druckt in Suhm: Ilist. af Danmark. IX. It. p. 753. 

*j Heinr. Chron. Lyv. )). 82tj, /. 27 — 82. Congaudebat simul ipse legutus quod 

vineani dei tam gloriose plantatam . . . invcnit. . . . Kt statim rcmisit nuntios suos in curiain 
Houianaro, reruni veritatem siunmo pontitici rescribendo. 

'') Diese allgemeinen Bemerkungen ergaben sich ungezwungen aus der aufmerkuamen 
Ij^ctüre der Chronik Ileiurichs von Lettland, sowie der sonstigen einschlägigen (jueHennueh- 
richtcn ; sie gehen aber auch aus der vorzüglichen Darstellung dieser wichtigen Kpoche der 
deutschen Geschichte in Voigts (ieschichto PreuL^ens (II. Band. V. (!ap. p. :{()! 820) hervor. 

5* 



36 

Unter diesen Gesichtspunkten ist, wie ich glaube, Wilhelms Wirken in 
Livliind und Esthland zu betrachten, dem nun weiter nachzugehen sein wird. 

In Riga angelangt predigte Wilhelm den Neubekehrten, wie sie vielfach 
in die Stadt zusaumiengeströmt waren, mit groPem Eifer die christliche Lehre 
und trat hierauf, um sich persönlich vom Stande der Kirche in Livland, Lett- 
land und Esthland zu überzeugen, mit dem Bischof Albert von Itiga, seine 
Kundreise durch die genannten Provinzen an, über welche uns die Chronik 
Heinrichs von Lettland im Einzelnen unterrichtet.^) Er wendet sich darnach 
von IligiL im Norden nach Treiden und predigte in den umliegenden Ortschaf- 
ten Kubbescle, Viteseie und Loddiger, um die Liven im Christenthura zu be- 
stärken. Dasselbe that er in Lettland in den Ortschaften Metsepole und Ydumäa. 
Auf seiner Weiterreise nacli Unganien, das schon von Esthen bewohnt war, 
sehen wir ihn vermittelnd und begütigend auftreten zwischen den eingebomen 
Esthen und den deutschen Schwertbrüdern, die das Land erobert hatten. 
Er freut sich nicht wenig, in Odempe ein Kloster anzutreffen, das den Be- 
wohnern der Umgebung in der besseren Bearbeitung der Felder mit Rath und 
That zur Seite steht. Um die Esthen dauernd dem Christenthume zu gewin- 
nen, arbeitete er überall bei den Deutschen dahin, dass sie den neugetauften 
Esthen kein allzu schweres Joch auflegen. Durch die Landschaft Sakkala, wo 
er in einer Pfarre am Wirzjärwsee predigte, begab er sich dann in das Schwert- 
ordensschloss Fellin und wiederholte dort die Ermahnung, die Esthen nicht 
zu bedrücken, um nicht der christlichen Sache zu schaden. In Fellin erschienen 
bei ihm Dänen aus Ueval und klagten über ihre Bedrängung durch die deut- 
schen Colonisten. Zugleich kamen aber auch Abgesandte aus der Wieck, soge- 
nannte Stiandcsthcn, und boten dem Legaten ihre Landschaft an, wenn er 
sie gegen die Dänen schützen wolle. Von Fellin aus trat er über Lettland die 
Rückreise nach Riga an. In Lettland predigt er in Tricate und Wenden und 
ermahnt im letzteren Orte iiufs neue die Ordensbrüder, eine milde Herrschaft 
zu üben. Ueber Segewald kehrt er dann, ein allseitiger Friedensbote, nach 
Rigti zurück. So diente er in vorzüglicher Weise zur Germanisierung dieser 
Länder, indem er mit feinem Tacte alle Ueberhebungen der Schwertordens- 
brüder einzudämmen verstand. In Riga selbst entfaltete er eine rühmliche 
schiedsrichterliche Thätigkeit. Deutsche, Liven und Letten wandten sich in 
RcchtsUlllen an ihn zur Entscheidung.^) Als Vertreter des Weltherrschers in 

<) Der mm im Texte folgende Bericht über die erste Rundreise des Legaten hält sich 
goiiaii ;ui die Hauptquelle lür diese Nachrichten, niiinlicli an die Chronik Heinrichs von IjCtt- 
land. Ks ha'iiM cUiselbst p. 326 Z. 34 und ff. : Ipse vero circa uoviter couversos sollicitus, 
liivoiies ot alios, qui erant in civitatc, viros et muliores saepe couvocaudo, vcrbum dei sedulo 
ministravit (»t indnlgentias miiltas cum gaiidio donavit. Post hoc Livones ot alios et Lcttos 
v.i VMoncs videre disideians, abiit Icgatus in Thoreidam, et fuit cum eo . . . Rigensis episcopus 

ot Jt)lianiies praepositns et alii quam plures " Nun folgt die Erzählung der Rundreise, 

die mit den Worten schliesst; „Et conaummatis hisce omuibus, rcversus est in Rigam (p. 327, 
Z. n*^). 

-) Ibidom Z. o7. Et ibidem venerunt ad cum Teuthonici, Lyvones et Letthi, quaerentes 
iudicia super causis deveisis . . . 



37 

Uoiii ward er von allen uinwoliiieudcn Völkurächaften als Schirm und Hort dos 
Hechtes anerkannt. 

So kamen von Nowgorod Gesandte au ihn mit der Bitte um Bestätigung 
des mit den Deutschen vorlängst geschlossenen Friedens. ^) Der Fürst der Sem- 
gallen erschien ebenfalls bei dem Legaten und wurde von demselben dahin- 
gebracht, dass er einen Glaubensprediger in seinem Lande zuzulassen versprach.') 

Unter den vielen Schutzsuchenden, die ihm zuströmten, ist die Gesandt- 
schaft der Oeseler und Strandesthcn^) von Bedeutung, weil sie nicht ohne Ein- 
tluss auf die Verdrängung der Uänenherrschaft in Esthland geblieben ist. 

Es war natürlich, dass bei der Rivalität um die Oberherrlichkeit zwischen 
dein Bischöfe v(m Riga und dem Schwertorden sich manche Streitigkeiten bc- 
zflf;lich der beiderseitigen Gerechtsame entwickeln mussten. Zwischen diesen 
rivalisierenden deutschen Kräften brachte nun der Legat im August des Jahres 
1225 einen Vergleich zustande. Er stellte die Gerichtsbarkeit Alberts über Riga 
fest,^) gewährte aber den Rittern später die Exemption von der Excommuni- 
catioDsgewalt des bischöflichen Domprobstes.^) 

Noch im Laufe des Jahres 1225 setzte Wilhelm seine Missionsreise, wie 
wir sie nennen dürfen, fort, indem er die Düna entlang in Holm, ÜxkUU, 
Lenncwarden, Ascheraden und Kockcnhauseu predigte und allerwärts die Gegen- 
sätze zwischen den Eiugeborucn und den deutschen Ansiedlern zu mildem 
suchte.^') 

Bevor ich auf die zweite Reise des Legaten nach Esthland eingehe, obliegt 
es mir, im kurzen seinen Einfluss auf die Rechtseatwicklung der Stadt Riga, 
für die Wilhelm so bedeutend wurde, zu besprechen. Im December 1225 ordnete 



*) Ib. Z. 40. Audicntcs qiioque Ruthcni Nogardensea . . . iu Riga logatum, miserunt ad 
enm iniulios suos pctcntes ab eo pacis iain dudum a Teutbonicis coiifirmutioncm. — Von 
dieser ücsaiidtscliaft gab Wilbolin ßcricbt nach Rom, wie der Brief dos Papstes vom 17. 
.UniicT 1217 zeigt. Vgl. Potth. Reg. Nr. 7(352 und die luhaltsaiigabe in Hausens Scriptorea 
roruni Livonic. I. p. 394: „Ilonorius papa III. Reges Russiac invitat ad ecclesiam Latinam 
et deburtatur a vcxationibus Christianorum in Livonia. 

») Ib. p. 327, Z. 43 und Strebike Reg. p. HO. 

-j Ib. p. 327, Z. 49. Osiliani quoque et Kstoues niaritimi (venerunt), qui se in defen- 
sidueni ipsius otrercbant, promittcntes, so saderdotes cum omni iure cbristianorum accepturos, 
lantuui ut ipsos ab impugnatione Danorum liberaret. Vgl. Strehlke, Reg. p. 119. 

*) Strehlke, Reg. Wilh. a. a. 0. p. 119. „1225 Aug. Riga in ecciesia S. Jakobi. Wilh., 
Hiscb. von Modcna, pä])stl. Legat, scfilicbtet den Streit zwischen dem Itiscbofc von Kiga und 
drni Schwertorden wegen der Jurisdictionen." Die Urkunde ist abgedruckt in I^mge : Livlünd. 
IJrkundenbuch. 111. 13., 7 LXXIII, b. Vgl. Ilildebraud: „Die Chronik Heinrichs von Lettland** 
p. 157. 

') Ibiiiem p. 121. 1226, 2S. April, Dünamünde. Wilh. von Mod. entscheidet, dass der 
Trobst von Riga Ordensbrüder nicht e.xcommunicieren dürfe. Vgl. Bunge, Livl.-Ürk. Buch III. 
12, LXXXV. 

") Hcinr. Chron. Lyv. p. 328, Z. 3. . . . connnonendo sempor Tcuthonicos, no subditos 
loos gravaminibaa aut cxoctionibus indnbitis nimium laederent. 



J 



38 

er nämlich die Befugnisse des Richters von Riga, der an der Spitze des Rathes 
stand, gegenüber dem Bischöfe von Riga im Sinne des Gothlandischeu Rechtes. ^) 

Zum Gebiete der Stadt Riga gehörte ein ausgedehntes Markenland, das 
mannigfachen Anlass zu Gebiets- und Grenzstreitigkeiten bot, wie denn Wilhelm 
noch im December 1225 einen solclien Grenzstreit der Stadt Riga mit dem 
Bischöfe von Semgalen bezüglich der Festung Babusch zu gunsten der Stadt 
entschied. 2) Durch eine Urkunde vom 15. März 1226 setzte Wilhelm die Grenzen 
des Stadtgebietes von Riga entscheidend fest.*) 

Mannigfache Streitigkeiten hatten sich auch wegen der Vertheilung der 
neuen Erwerbungen an Ländereien zwischen der Stadt Riga, dem Schwertorden 
und dem Bischof erhoben. Der Legat nahm sich der Sache an und bestimmte, 
um Allen, welche an einer Neuerwerbung Antheil genommen hatten, ihre 
gerechte Entschädigung zu sichern, dass neuerworbene Gebiete, was die welt- 
liche Herrschaft betritft, zu gleichen Theilen zwischen Bischof, Schwertorden 
und Stadt getheilt werden sollen.^) Die Frage wegen der Errichtung eines 
Metropolitansitzes in Riga, deren Lösung der Papst in einem Schreiben vom 
11). November 1225 dem Ermessen des Legaten anheimgestellt hatte^), wurde 
während der Herrschaft Honorius' III. nicht mehr entschieden. 

») Strehlke, liog. Wilh. a. a. 0. p. 120. — 1225 December. Riga. Wilh. v. Mod. ent- 
scheidet deu Streit Bischof Albcrts mit der Stadt Riga Über die Bedeutung des Gothläadischen 
Recliles (Bunge: Livl. Urk. B. 1. B. p. 81, Nr. 75). In Dr. Uildebrauda Ileinr. von Lettl. 
findet sich p. 140, Aiini'Tk. 2 die Bemerkung, dass sich die ganze Rechts Verfassung von Riga 
auf die Vorfügungcu Wilhelms von Modena zurückführen lasse. Als Beleg dafür citiert der 
Verfasser die Urkunde Xr. 114 in Bunges Livl. Urk. B. I. B. — Am 19. November 1226 
bestätigte der Papst diese Kntscheiduut;. Vgl. Potth. Reg. Nr. 7 Gl 2. 

*) Melchior Fuchs: „Das rothe Buch inter Archiepiscopalia" (epitomc Actorum Rigen- 
siuui\ abgedruckt iu Scriptoros rorum Livonicarum (ed. Hansen) II. B. p. 721) — 804. Es heißt 
dort p. 733 ... . „^alb barouf ^ot ber iBifc^of in ©emgaOen, fiambertud genannt, mit bec ftabt 
gcftrittcn megen ber gcpung ^abufc^, Sunctc Marie genannt, unb beffen (S^ren^en . . . liefen 
ftreit r)Qt obgebat^ter 9ßutinen{(^e Sifc^of im {eibigen S^f^v (1225) auc^ in ber gäte unb ^oac 
alfo, hi\\^ bic Scftung auf ber ftabt Q^runb erbauet {ei unb bcr^alben meggeriffen ober ber @tabt 
übergeben morben, ^ingelegct.'^ Melchior Fuchs, ein Bürgermeister der Stadt Riga, hat, wie 
Dr. 11. Hildebrand (Chron. Heiur. v. Lettl. p. IGO) bemerkt, namentlich Urkunden, die sich 
auf die Stadt Riga beziehen, so z. B. viele Entscheidungen Wilhelms benützt und legt ihren 
Inhalt treu und ausführlich dar. Vgl. Strehlke, Reg. Wilh. a. a. 0. p. 120. 

■■«) Melchior Fuchs, das rothe Buch, a. a. 0. p, 784. „gfolgeubÄ ^at ber ©err ©ifc^off 
unb {ein (Sapitel, ber 3)2cifter bed Speers (S^rifti .... au(^ mit ber {)abt »cgen t§rcr 9Rart p 
ftrciteu augefangen, ha bem aOe garten in obgebac^tcn $i{d)ofcn üon ^utin gecompronültierct, 
unb I)at berfelbe ber ftabt grausen {omol bied aU ien(eitd ber ^üna gefe^et ... im 3a^r S^rtfti 
122Ü." Vgl. Strehlke, Reg. Wilh. zum 15. Milrz 122G. 

*) Melchior Fuchs p. 734. . . . „c*J cr^ob fic^ ein neuer (Ircit bem ©i{c^of| . . . bem 
Orben . . . unb ber ftabt diiga megen ber uoc^ t^interf^eüigen Sanbe .... unb roetlen biefcr 
ftreit ber (SI)i:ifteu()eit {el}r gefä^rlid), alS I)at bei jperr SBifc^of uon 'S)l\it\i\ fid) bcinnen fe^r be« 
niül^et, biß er enblic^ bic übrige lanbc iu gleid)c t^cite unter biefeu brcieu qjart^en get^eilet."— 
Vgl. Strehlke, Reg. zum 11. April 122Ü. Urkunde bei Bunge 1. B. p. Di), Nr. 83. 

-') Kaynald: Aunales eccl. Tom. XIII. ad unnuin 1225 § IG . . .in Lyvouiae regioni- 

bus religio elVloruit . . . adco, ut pontife.x de uova ibi metropolitaua sede instituenda cogi- 

tarit pcriiue literas ogerit cum Guillehuo, ep. Mutiu. A. S. L., ([uem id praestare iuBsit, 

gnod . . . utilius . . . videretur. Adscripta est huiusmodc litcris dies XIII. Kai. Dec 

— I^j'eser Brief ist hl PotÜmsts Ucgc^iQü, wo er nach Nr. 7498 zu stehen hätte, nicht eingereiht. 



39 

In bezug ftuf rein kirchliche Anordnungen des Legaten ist das Concil zu 
erwähnen, welches Wilhehn in den Faston 1 220 in Riga hielt, auf welchem die 
kirchlichen Verordnungen Innocenz' III. sowie die iScschlüsse des lateranischen 
Concils vom Jahr 1215 eingeschärft und eine Anzahl neuer kirchlicher Verord- 
nungen beschlossen werden.') 

Die bedeutendste Thätigkeit entfaltete der Legat Wilhelm auf seiner 
zweiten Heise nach Esthland, die nun zu erörtern ist. Wilhelm war nach dem 
i>. Jiiuner 1226 von Higa aufgebrochen und zog durch Lettland nach Saccala. 
Hierauf begab er sich über Fellin nach Jerwien und predigte den Jerwen im 
Dorfc Karethen. In Wierland, wohin der Legat nun zog, waren die Dilnen 
schon im Herbste 1225 von den Deutschon aus ihren Schlössern vertrieben 
worden. Wilhelm hatte damals den Machtspruch gothan, dass die Dänen, wie 
die Deutschen, in diesen Gebieten auf die Herrschaft vcrziclitcn müssen zu 
gunsten der römischen Kirche. Die Dänen gaben damals thatsächlich Wierland, 
Jerwien, Harrien und den Strandgau auf, und Wilholm crgriH' im Namen des 
römischen Stuhles davon Besit/^^) Auf seiner zwoiton Ueisc berief er nun die 
Dunen, Deutschen und Estlien nach Tarwau])e, um d(Mi Frieden untor ihnen her- 
zustellen. Kurz darauf übergabon ihm die Aeltesten von Wierland ihre Landschaft 
zu banden des römischen Stuhles, um die Däiienliorrschaft ondgiltig los zu werden. 

Nach einem zweiten kurzen Aufenthalte in Tarwaupe zog nun der Lc^gat 
nach Reval, dem Hauptsitze dor Dänenhorrschaft und nöthigte die Dänen, 
eine Anzahl von wierischen Knaben, die sie als (Joiseln bei sich f(^sthioU.on, 
herauszugeben. Hierauf übernahm er Wierland, Jerwien und don vom Strande 
benannten Gau, zusammen die Landschaft Wieck genannt, unter die Herr- 
schail des h'miischen Stuhles; nur Harrien mit Warbnhi wurde den Dänen he- 
lassen. 3) In dem nun päpstlichen Gebiete setzte er seinen Ca- 
plan Johann als Statthalter ein.«) 

Die Besitznahme der genannten Territorien für den rö- 
mischen Stuhl kat eine entscheidende Heden tu ng für die ganze 
folgend© Kntwicklung der Ostseeprovinzen. Sie war der To- 

") Hein'- Chron. Lyvon. a. a. O. p. :i2i), Z. ü. llcvoi-sus .... IcKatus in lUgnin coir 
fftnoniDt ad cum opiscojii, 8acc»rdotC8, cicrici, fratros niilitiao cniii vasallis ccdesia« 

civpsqiic Rigenses. Kt praosentihns his oinniI)U8 (u^lcbravit oonciliiim in 

qnadragoaima domini propter Innoccntii institiita . . Dio KnRtonzoit dannrtc \2'2ii 
»om 4. Man (Aschermillwocli) bis 11». April (Ostcrsonntajr). Vgl. hJtrohlkc a. a. O. p. 121. 

•) Ibidem p. 328, /. 13—27. Ks boiat dort zum Scliliiüsc: „Quo facto viros »uos . . .. 
DiittenH in Wironiam, Theiitonicos ot Danos «mnctos rcmovit, liabcns torra8 ii»sas in sua jjotostate. 

■) Ibidem p. 323, /. 40. Kecüpcnint ctium Warboh?nsos ytivnu ilom. leg. IJoin. oi 
venerant ad eum in Ilevclim. Sed ad instantem ptrtitionom I)an(»rnm rrddidit cds Dannis nim 
reteria Harionsibus. lUam veru kiliRiindam. qnac Maritima vdcatur, cum alia tota Maritima 
et Wironia et Gerwa in summi pontificis Komani aj-copit potJ-st^itoni. IJczil^Ii^'b der lieber- 
Mtzun^ von „kiligunda Maritima'* bielt icb micli an die Notiz StrebikcM, p. 53, narb wolcber 
kiliftunda pCau**, „District", „Kircbspinl" oder aucb „Dorl** b(Mletit<?l. I>io sogenannten sieben 
Stnuidgaue machen die Provinz Strandwieck ans, wie sf.bon (i ruber liemerkt (Script, rer. Liv. 
edidit Hanaen I. B. p. 283, Anm. 3). 

«> Ibidem p. 33J, Z. 7. „1I(n^ anno (1227) Jobannos, consocins dorn, legati, haimit terrae 
in commisuone. — 



J 



40 

desstoß der Dänenherrschaft in diesen Ländern. Da aber die- 
ses unmittelbar päpstliche Territorium nur durch die Macht 
des deutschen Schwertordens und des deutschen, bischöflichen 
Colonialstaates Riga gehalten werden konnte, so war damit 
auch für die spätere Herrschaft des deutschen Ordens, an den 
sich der Schwertorden sowol, wie auch Kiga später anschlös- 
sen, ein fester Boden geschaffen. 

Unmittelbar nach Ostern 1226 verließ Wilhelm die Stadt Riga*) und be- 
gab sich nach Dünamünde, um günstigen Wind zur Weiterfahrt nach Goth- 
land abzuwarten. Während seiner Anwesenheit in Dünamünde, welche urkundlich 
vom 28. April bis zum 23. Mai verbürgt ist,*) erließ derselbe noch manche 
Verfügungen zu gunsten des Schwertordens, sowie der Stadt Riga.^) Während 
der Seefahrt nach Oothland begegneten ihm Schiffe des noch heidnischen Pi- 
ratenvolkes der Insel Oesel, welche eben, mit Beute beladen, von der schwe- 
dischen Küste zurückkehrten. Um deren Treiben ein Ende zu machen predigte 
er, in Gothland angelangt, das Kreuz gegen sie. Doch fand er als Begünstiger 
der deutschen Herrschaft in den Ostseeländern weder bei den Dänen noch bei 
den Eingeborneu auf Gothland Unterstützung. Nur die deutschen Kauiieute 
folgten dem Rufe Wilhelms ; sie rüsteten sich und stießen' zu dem Heere, das 
die Stadt Riga aufgeboten hatte, um den von Wilhelm eingesetzten Statthalter 
in seinem Kampfe mit den Dänen zu unterstützen. 

Der Kreuzzug gegen die Insel Oesel drängte nun alle anderen Kämpfe 
zurück. Mit den Dänen wurde auf Veranlassung der Rigacr Friede gemacht 
und auch der Schwertorden vereinigte sich mit dem Bischöfe von Riga zur Be- 
kämpfung der Heiden^) und vereint eroberte dieses Heer im Jahre 1227 gleich- 
sam als Mandatar des päpstlichen Legaten die Insel Oesel, zerstörte daselbst 
die nationalen Culte und christianisierte die ganze Insel. 

Indessen hatte Wilhelm, von dessen amtlicher Thätigkeit wir vom Juli 
1226 Zeugnisse besitzen,*^) die Rückkehr nach Italien angetreten. Ob er auf 

») Vom 20. April (Ostermontag) ist die letzte Urkunde Wilhelms, die er in Riga aus- 
stellte, datiert. Vgl. Strchlke a. a. 0. p. 121. 

•) Am 28. April ertheilt er in Dünamüude dem Scliwertorden die Exemption; am 
28. Mai erklärt er in Dünamünde Johann von Dolen des Schlosses Dolen vorlustig und über- 
trägt dasselbe der Stadt Riga. Urkunde in den Script, rerum Liv. vA. Hansen T. p. 417. 

») Strehlke, Reg. zum 7., 13. und 23. Mai 1226, nach den Urkunden Nr. 87a und 
Nr. 87b im III. unJ Nr. 88 im I. B. des Livländischcn Urkundcnbuches von Bunge. 

*) Heinr. Chron. Liv. a. a. 0. p. 329 Z. 36 ff. Obediunt Theutonici, cruccm reci- 

pinnt ; Gothi renuunt, Dani verbum dei non audiunt. Soli mercatores Theutonici arma 

praepar'ant, Rigam veniunt Interrupta igitur pace .... Johannes cum Danis bollare cuepit. 

. . . Misit etiam legatus Theutonicos, quam plurimos .... in auxilium eidem Johanni tarn 
contra Danorum, quam contra saevitiam Osilianorum. Scd audientes Rigenses bella eorum, 
nnntios mittunt, pacem cum Danis faciunt, ut Osilianos magos impugnare valcant. — Nun 
erzählt die Chronik die Eroberung der Insel Oesel, gedenkt jedoch des Legaten nicht weiter. 

*) Wilhelm bestätigt am 6. Juli (1226) den Deutschon in Wishy eine Urkunde des 
Bischofs von Linköping. — Die Urkunde sah ich ein in Job. Gust. Liljengrens Diplomatariuro 
Saecanum, (Ilolmiae 1829) l. B. p. 242. Zwei weitere Urkunden Wilhelms siehe in Strehlkes 
Begesten a. a. 0. p. 122. 



41 

derselben Preul^en und das Kulinerland besuchte, lässt sich nicht ausmachen, 
da wir darüber gar keine Nachricht besitzen. Möglich ist es immerhin, dass er 
auch in Preußen gewesen, da erst am 3. December 1227 seine Anwesenheit 
iu Modena urkundlich sichergestellt ist.') 

An dieser Stelle obliegt es mir schließlich noch, eines Vorgängers Wil- 
helms in der Legation für Preußen zu gedenken, von dessen Wirken jedoch 
keine weitere Nachricht vorliegt. Im päpstlichen Briefe vom IG. Juni 1218 an 
Heinrich, den Erzbischof von Gnesen, werden demselben Aufträge ertheilt, welche 
er in seiner Eigenschaft als päpstlicher Legat erfüllen sollte;^) aber erst aus 
einem zweiten Schreiben des Papstes, vom 11. Mai 1219, durch welches Heinrich 
von seiner Legation enthoben wird, geht hervor, dass er seine Function in 
Preußen auszuüben hatte. ^) Heinrich von Gnesen war aber schon am 22. März 
I21U gestorben^) und es ist bezeichnend für den damaligen Verkehr, dass Ho- 
norius UI. am 11. Blai noch keine Kenntnis von dem Ableben Heinrichs hatte. 



<) Strehlke, Begesten Wilh. a. a. 0. p. 182. 1227, 8. Decbr. Modena, in palatio novo. 
— Urkunde bei Muratori: Antiquitates Italicae VI. B. p. 254. 

*) Potth. (Heg. Nr. 5836; 16. Juni 1218. Die Urkunde ist abgedruckt in Tbeiner: 
Monom. Poloniae, I. B. p. 8, Nr. 17. 

•) Pottb. Reg. Nr. 6062. Urkunde in Tbeiner: Mon. Pol. 1. B. p. 9, Nr. 19. 

*) Pottbast : Bibliotbeca bist, medii aeri, II. B. (Supplementband} notiert in der Zeitfolge 
der deotscben Biscböfe, p. 823, zum Erzbiscbof Heinrieb von Guesen (Ilenryk Kietliecz) als 
Todestag den 22. M&rz 1219. 



KBEMS, am 8. Juni 1886. 



Professor. 



43 



Schnlnachrichten, 

erstattet vom 
I>irector Felix Jk.. E^ b e r 1 e. 



A. 

LandeBobsrrealBcIittle. 

L Lehrplan. 

Der durch die Verordnung des hohen k. k. Unterrichtsministeriums vom 
l.'i. A]iril 1679, Z. 5G07 aufgestellte Normallchrplan wurde mit den durch 
die h. Ministerial-Erlässe vom 23. April 1880, Z. 0233 bezüglich des Unter- 
richtes in der Geometrie und im geometrischen Zeichnen und vom 27. April 1880, 
Z. 3S14 bezüglich des Unterrichtes in der deutschen und französischen Sprache, 
in der Geographie, Mathematik, Physik und Kalligraphie angeordneten Modifi- 
cationen eingehalten. 

Lehrgagenstände und Zahl der wöchentlichen Lehrstunden. 



Lehrgegenstände. 



t' I. 



Ilelißioo '2 

Iieutscbc Sprache | 4 

Französische Sprache ,5 

Kuglibchc Sprache ; — 

Geographie ! 3 

Geschichte ! — 

Mathematik ,3 

Naturgeschichte 13 

Physik ; - 

('hemie 1 — 

Ueometrie und geometr. Zeichnen, darstel- !>' 

Icntle Geometrie ; — 

Freihandzeichnen '6 

Tunicn ! 2 

Summe . 'i 2^S 
.... ■' 1 



C 1 a 8 8 6 



ii.liii iv.;v.;vi/vid/»£^"„ 



— 4 



£>c hon seh reihen (bedingt obligat) 



I 3 
4 
2 

"128 
I 1 
.2U 



4 



I 2 
3 

3 
4 
2 

130 



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3 

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5 
3 

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32 



, 3 
5 

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3 

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2 

133 



6 
3 
4 



, 3 
4 
2 

133 



8 
28 
26 

9 

9 
16 
28 
14 
14 

9 

1^ 
\4 

iil4 



Freie Lehrgegenstände: 

a) Stenographie in 2 Abtheilungen und wöchentlich 3 Untcrrichtsstundeii 
2 St., n. Abth. 1 St.) 

b) Gesang in 2 Abtheilungen mit je 2 Unterrichtsstunden wöchentlich. 



44 

II. Themen der deutschen Aulsätze. 

(* Schularbeiten.) 

V. das 8 6. 

1. In einem historischen Museum. (Schilderung.) — 2. Die Entwicklung 
der menschlichen Cultur, nach Schiller« «Das eleusische Fest." — *3. Warum 
und auf welche Weise Siegfried ermordet ward. — 4. Geschichte einer Gold- 
münze. — 5. Das Weihnachtsfest im Palast und in der Hütte. — *6. Wie 
Odysseus die Seelen aus der Unterwelt beschwor. — 7. Historische Bedeutung 
der Thermopylen. — *8. Sinons List. (IJach Schiller's Ueberset/ung des 4, 
Buches der Aeneide.) — 9. Mit welclien Feinden haben die geogr. Eroberungen 
zu kämpfen? — 10. Ort der Handlung in Gcßthes „Hermann und Dorothea.* 
*11. Hermanns Werbung um Dorothea. — 12. Wert und Gefahren des Reich- 
thums. — 13. Vortheile des Aufenthaltes in einer größeren Stadt. — '*14. Be- 
deutung der Auffindung des verschütteten Pompeji. 

VI. C I a 8 8 e. 

1. lieber den Nutzen der Eisenbahnen. — *2. Die Entstehung germani- 
scher Staaten auf römischem Boden. — 3. Was veranlasst uns, das Studium 
fremder Sprachen zu betreiben. — *4. Die Volks- und Kunstepik im Mittel- 
alter in ihren wesentlichen Merkmalen. — 5. Schonet die Wälder! (Eine Rede.) 

— G. Der Charakter Siegfrieds nach dem Nibelungenliede. — *7. Wert des 
Turnens. — 8. Gründe für die geringen Erfolge der Kreuzzüge. — *9. Die 
Entstehung der neuhochdeutschen Schriftsprache. — 10. Vorzüge des gemäßig- 
ten Klimas. — 11. Gang der Handlung in Lessiugs „Minna von Barnhelm.*' — 
*12. Das Kartenspiel. — 13. In welchem Sinne kann man von einem ^papie- 
renen" Zeitalter sprechen? — *14. Die Bedeutung Klopstocks für die deutsche 
Literatur. 

VII. C I a 8 8 e. 

1. Das Leben in einer kleinen Stadt, nach Ga^thes „Hennann und Do- 
rothea.^' — 2. Ueber den Satz : „Das Mittelalter ist eine dunkle Nacht mit ein- 
zelnen hellstrahlenden Gestirnen. — ^3. Gedankengang im 1. Acte von Goethes 
„Iphigenie auf Tauris." — 4. Ueber die Redensart: „Sonst war es doch besser 
in der Welt" oder „Die gute alte Zeit." — *(). Der sittliche Conilict in der 
Seele Iphigeniens. (Iphigenie auf Tauris, 4. Act.) — 6. Ueber die beiden Lebeus- 
ansichten: „Mir scheinen List und Klugheit nicht den Mann zu schänden, der 
sich kühnen Thaten weiht" und „Ich schätze den, der tapfer ist und grad." 

— *7. Die Ausbildung der menschlichen Cultur und ihre Ausartung, nach 
Schillers „Der Spaziergang." — 8. Vergleich der Lebensbilder auf dem Schilder 
Achills und in dem „Lied von der Glocke" nach Inhalt und Darstellungsweise. 

— 9. Der tragische Held in Schillers „Die Braut von Messina." — *10, Ueber 
die Fortschritte in der künstlichen Beleuchtung. — 11. Wer der Dichtkunst 
Stimme nicht vernimmt, ist ein Barbar, er sei auch, wer er sei. Gcdthes „Tor- 



46 

quato Tasso." — 12. Welthistorisclie Begebenheiten und welthistorische Männer. 
— *13. (Maturitiitsarbeit) Im engen Kreise verengt sich der Sinn, Es wächst 
der Mensch mit seinen größeren Zwecken. Schillers „ Wallenstein. ^^ 

III. Lehrmittel. 

I. Bibliothek der Oberrealschule. 

Custos: Professor Dr. Johann Strobl. 
Vermehrung im Schuljahre 1885/86. 
A. Geschenke : 

Vom hohen n. ö. Landes-Ausschusse : Stenographische Protokolle des n. ö. 
Landtages, 2. Sess. der VI. Wahlperiode. — Zusammenstellung der in der 2. 
Sess. der VI. Wahlperiode gefassten Beschlüsse. — Bericht des hohen Landes- 
ausschusses über seine Amtswirksamkeit vom 1. Juli 1884 bis 30. Juni 1885. 

Von der k. Akademie der Wissenschaften in Wien : Anzeiger und Sitzungs- 
berichte der mathem.-naturhist. Classe (Fortsetzung ) — Brandt, der St. Galler 
Palimpsest der Diuinae Institutiones des Lactantius. — Bacher, die hebräisch- 
neuhebräisch und hebr.-aramäische Sprachvergleichung. — Brandt, Verzeichnis 
der in dem Codex 150 von Orleans vereinigten Fragmente von Handschriften 
lateinischer Kirchenschriftsteller. — BUhler, lieber das Zeitalter des kasmi- 
rischcn Dichters Somadeva. — Dombart; Commodian- Studien. — Engel- 
brecht, Untersuchungen über die Sprache des Claudianus Mamertus. — 
G eitler, Beitrag zur Litauischen Dialektologie. — Gomperz, Ueber ein 
bisher unbekanntes griech. Schriftsystem. — Grüner t, über den arabischen 
Exceptions Exponenten „baida." — Haberland t, zur Gesch. des Panca- 
tantra 1. — Hagen, Berner Palimpsestblätter aus dem 5. — G.Jahrhundert. — 
Hanusz. das allmählige Umsichgreifen der n Declination im Altindischen. — 
Kelle, das Verbum und Nomen in Notkers Boethius. — Klein, zur Kypsele 
der Kypseliden in Olympia. — Krem er, Meine Sanmilung orientalischer Hand- 
schriften. — Maasscn, Pscudoisidor. Studien I. u. II. — Müller, Vier Pal- 
myrische Grabinschriften. — Mussafia, Mittheil, aus Komanischen Hand- 
schriften I. — Neman ic, cakavisch kroatische Studien. — Petschenig, 
Studien zu dem Epiker Corippus. — Pfitzmaier, Die Oertlichkeiten von Omi 
und Mino. Kennzeichnungen des Kalälekischen Sprachstaniines. Abarten der 
(irünliliidischen Sprache. Vier Himmel des Jamalo-Liedes. — Ileinisch, Die 
Quaraspraclie in Abessinien I. — S tef fe nhagen. Die Entwicklung der Laud- 
rechtsglosse des Sachsenspiegels. — St ob er, Zur Kritik der Vita S. Johannis 
Keoiiiarnsis. — Neuwirth, dadierto Bilderliiindschriften österr. Klostorbiblio- 
theken. — Arneth, Graf Philipp Cobenzl und seine Memoiren. — Friess, 
Die ältesten Todtenbücher des Benedictinorstiftes Adniont. — Ilöfler, Das 
diplom. Journal des Andrea del Burgo. Depeschen des Venezianischen Bot- 
schafters bei Erzh. Philipp. — Horawitz, Erasmiana IV. — Hub er, Lud- 
wig I. von Ungarn und die ungarischen Vasallenländer. Gefangennehmung der 
Königinnen Elisabeth und Maria von Ungarn. — Wertheime r, Erzh. Carl 

6* 



46 

als Präsident des Hofkriegsrathes. — Zwiedineck, Graf Heinrich Mathias 
Thum. — Spitaler. Wärmevertheilung auf der Erdoberfläche. — Tom asc he k, 
Zur historischen Topographie von Persien. — Unterwege r, Beiträge zur Er- 
klärung der kosmisch-terrestrischen Erscheinungön. — Igel, Theorie eines Si- 
multan en-Systems dreier binärer cubischer Formen. — Gegenbauer, Asymp- 
totische Gesetze der Zahlentheorie. Theorie der aus den vierten Einheitswur- 
zeln gebildeten coraplexen Zahlen. Arithmetische Theoreme II. Determinanten 
höheren Ranges. — Weiss, Entwicklungen zum Lagrange'schen Rerversions- 
theorem. — Bruder, Fauna der Jura Ablagerung von Hohnstein. — Dö- 
d er lein, Beitr. zur Kenntnis der Fische Japans IH. — Dräsche, Außer- 
europäische einfache Ascidien. — Laube, Beitrag zur Kenntnis der Fische des 
böhmischen Turons. — Marenzelle r, Südjapanische Anneliden II. — B o 1 1 e 1 1, 
Untersuchungen über den Bau der quergestreiften Muskelfasern I. — S z a j n o c h a, 
Mittelcretacische Cephalopodenfauna der Insel Elobi an der Westk. Afrikas. — 
Stapf, Botanische Ergebnisse der Polak'schen Expedition nach Persien I. — 
Flora von Lycien, Carien und Mesopotamien I. — Werner, Idealistische 
Theorien des Schönen in der italienischen Philosophie. — Zimmermann 
Bemaulli als Logiker. Kant und Comte. 

Von den Herren Verfassern : Dr. Anton Kerschbaumer, Der Jäger von 
Timstein. 2. Aufl. Krems 1886. — Dr. Anton Ehrenberger: Ueber den Begriflf 
des Realen. Langensalza 1880. 

Von Herrn k. Rath Dr. Grabacher, k. k. Bezirksarzt in Krems : Verhand- 
lungen der k. k. zoologisch botan. Gesellschaft in Wien. 35. Band. 

Von den Herren Verlegern : Grosse in Halle, Hoffmann's neuhochd. 
Elementargrammatik. (1885.) — Tempsky in Prag: Kummer, Deutsche Schul- 
grammatik. Wihlidal, Englisches Lesebuch. Gindely, Lehrb. der allgem. Ge- 
schichte für die unteren Classen 1., dasselbe für die oberen Classen 1. — Rieger, 
Lehrb. der Geograi)hie für Mittelschulen 1. und 2. Theil. Gindely, Schimmer 
und Steinhauser, Oesterr. Vaterlandskunde. Mach und Odstrcil, Grundriss der 
Naturlehre für die unteren Classen. 

Jahresberichte von österr. Mittelschulen pro 1885 (135 Stücke im Um- 
tausche.) 

B. Kauf. 

Geerling, Die ersten Stiltibungen u. der deutsche Aufsatz. Wiesb. 1881. 

— Härder, Werden und Wandern unserer Wörter. Lpz. 1884. — Jahres- 
bericht über die Erscheinungen auf dem Gebiete der germ. Philol. VI. Jahrg. 
2. Abt. und VII. Jahrg. 1. Abt. — Neudrucke deutscher Literaturwerke des 
IG. und 17. Jahrb. Nr. 1 bis Gl. — Seuffert, Deutsche Literaturdenkmale 
des 18. und 19. Jahrb. Heft 20 bis 24. — CoUection Spemann: Piatons 
Werke, 2. Bd. Herodots Geschichten 1. Bd. — Wiener Neudrucke. Heft 9, 
10, 11. — D uncker, Geschichte des Alterthums. (Neue Folge 2. Bd.) Lpz. 1886. 

— Molmenti, Die Venetianer. Hamburg 1886. — v. Renner, Wien im 
Jahre 1683. Wien 1883. — Wegele, Geschichte der deutschen Historiographie. 



C»' 



47 

München 1885. — Dixie, Bei den Patagoniern. Lpz. 1882. — Hann, Hoch- 
stetter und Pokorny, Allgemeine Erdkunde. Prag 1881. — Hesse Wart- 
egg, Mississippi-Fahrten. Lpz. 1881. — Himly, Charles Tilts Reisen durch 
Aegypten, Palästina und Syrien. Lpz. 18(58. — Matzat, Methodik des geo- 
graphischen Unterrichtes. Berlin 1885. — Die Oesterr.-Ungar. Monarchie in 
Wort und Bild. Heß 1 bis 12. — Passarge, Drei Sommer in Norwegen. 
Lpz. issl. — Die Völker Oesterreich - Ungarns. H. Bds. 2. Hälfte. — Volz, 
Geographische Charakterbilder. Heft 1 bis 10. — Allgemeine Naturkunde. Lfr. 
1 bis 34. — Hofmann, Die Schmetterlinge Europas. Lfr. 7 bis 12. — Qu en- 
stedt, Handbuch der Petrefactenkunde. Lfr. 23 bis Schluss. — Rabenhorst, 
Kryptogaraenflora. L Bd., IL Abt., 18. bis 22. HL Bd. 5, G; IV, Bd. 1 bis 3. 

— Möbius gesammelte Werke, herausgegeben von Baltzer. Bd. 1, 2, 3. Lpz. 
1>85.^6. — Peschka, Da teilende und projective Geometrie. 2. u. 3. Bd, 
mit Atlas. Wien 1884. — Cohen, Princip der Infinitesimal-Methode und seine 
Geschichte. Berlin 1883. — Dreher, Ueber den Begriflf der Kraft mit Be- 
rücksichtigung des Gesetzes von der Erhaltung der Kraft. Lpz. 1885. — 
Gretschel und Borneman n, Jahrbuch der Erfindungen. 21. Jahrg. Lpz. 1885. 
H «» f m i\ n n, Einleitung in die moderne Chemie. Braunschw. 1877. — K ro m a n, 
Unsere Naturerkenntnis. Kopenhagen 1883. — Rühlmann, Handbuch der 
mechanischen Wärmetheorie. II. Bd. 3. Lfr. — Buley und Vogt, Handbuch 
für Vorturner. 4 Stufen. Wien 188G. — Kümmel, Methodik des Turnunter- 
richtes. Wien 188."). — Willmann, Die Odyssee im erziehenden Unterrichte. 
Lpz. 18fi>s. — Becker, Erzählungen aus der alten Welt. 17. Aufl. Halle 1881. 

— Berger, Der Spion, Erzählung aus den nordamerik. Freiheitskriegen. Am 
I^ger der Büffeljäger. Deutsche Schwanke und Sagen.-- Bern eck. Die Welt 
in Waffen. 1. Bd. — Burmann, Quer durch Afrika. Stanley's Reisen durch 
den dunklen Erdthcil. — Das neue Buch der Welt. Stuttg. Is80. — Derböck, 
Nordenskjölds Erlebnisse im ewigen Eise. Des Prinzen Heinrichs von Preußen 
Weltumseglung. — Fe hl eisen, Wonnadonga, der Schrecken der Opachen. — 
Höcker, Die Kreuzfahrer. Die letzten Tage vcm Pompeji. — Hoffmann, 
Jules Vernes, Die Kinder des Kapitän Grant und Onkel Tom's Hütte. — Kröner's 
Universalbibliothek für die Jugend. Bdch. ISO bis 180. — Loos, Lesebuch 
aus Livius. Lpz. 1881. — Ohorn, Der P]isenkönig. — Raschke, Deutsche 
Männer. — W^agner, Entdeckungsreisen in der Heimat. — Wedding, Beils, 
die Waise von Lowood. — Weil^enhofe r, Erzähhmgsschriften zur Hebung 
der Vaterlandsliebe. 3. Bd. — Werdermann, Musäus Volksmärchen der 
Deutschen. — WMllmann, Lesebuch aus Herodot, Lesebuch aus Homer. — 
Wissen der Gegenwart. Bd. 35, -12, 43, 47, 48 und 41). — Wurm, Don Qui- 
xote von la Mancha. G. Sands die Grille. — 

Fortsetzungen: Allgemeine Deutsche Biographie. Lfr. 102 bis 111. — 
Onken, Allgem. Geschichte in Einzeldarstellungen. Lfr. 1)7 bis 113. — Müller, 
Grundriss der Sprachwissenschaft. III. Bd., II. Abth., 2. Hälfte. — Kürsch- 
ner, Deutsche National-Literatur. Lfr. 22\) bis 316. — Schriften des Vereins 
zur Verbreitung naturw. Kenntnisse. 2G. Bd. — 



48 

Zeitsehrifteii. 

Wiener Zeitung. — Verordnungsblatt für den. Dienstbereich des k. k. 
Ministeriums für Cultus und Unterricht. — Aus allen Zeiten und Landen. — 
Zamckes liter. Centralblatt. — Revue politique et litteraire ed. p. Young. — 
Harper's „Monthly Magazine." Jahrg. 1886. — Kolbe, Zeitschrift für das 
Realschulwesen. — Strack, Centralorgan für die Interessen des Realschul- 
wesens. — Blätter für Laudeskunde in Niederösterreich. — Mittheilungen der 
k. k. geogr. Gesellschaft. — Wiedemann, Poggendorfs Annalen der Physik 
und Chemie (mit Beiblatt.) — Klein & Mayer, niathem. Annalen. — 
Seh lö milch, Zeitschrift für Mathematik und Physik. — Hoffmann, Zeit- 
schrift für mathem. und naturw. Unterricht. — Eulen & Eck 1er, Monat- 
schrift für das Turnwesen. — Kremser Wochenblatt. — Kremser Volksblatt. 

2. lielirniittelfianiiiiliiiig für ileu geograpliiselieii u^id hiaito« 

riselicii Untcrriclit. 

Gustos: Professor Anton Pokorny. 
Angekauft wurden: a) Aus der vom hohen nied. öst. Landesausschusso 
pro 1884 und 1885 gewährten aul^erordentlichen Dotation: 1) Die 
deutsche Bücherillustration der Frührenaissance. (14G0 — 1530) von Richard 
Muther. I. und IL Band. München und Leipzig, G. Hirths Verlag. 1884. — 
2) Geographische Charakterbilder, aus Ilölzels Verlag in Wien, IX: Serie mit 
Textheft. — b) Aus der Jahresdotation: 1) Palästina in Bild und Wort 
von Ebers und Guthe. Stuttgart, deutsche Verlagsanstalt, Lieferung 1 — 16. — 
2) Die Baukunst des Mittelalters in Italien von Dr. Oscar Mothes. Zwei Bände, 
Jena, Costenoble, 1884. — 3) Culturgeschichte des deutschen Volkes, von 
Dr. Otto Henne am Rhyn. 1. Abtheilung. BerHn, Groto, 1886. — Fortsetzungen: 
Hellwald, Amerika in Wort und Bild, Lieferung 50 — 65 (Schluss.) — Baumeister, 
Denkmäler des classischen Alterthums, Lieferung 21 — 27. — Hirth, Culturhisto- 
risches Bilderbuch aus 3 Jahrhunderten, Lieferung o2— 43. — Ilottenroth, 
Trachten, Haus-, Feld- und Kriegsgeräthschaften der Völker alter und neuer 
Zeit, bis Lieferung 13. 

liehrniittelsaiiiniluug fjlr deu uuiurlifstorisclieii Uuterricht. 

Gustos: Professor Johann Forstner. 
Als Geschenk erhielt die Sammlung: Vom Herrn Landesturnlehrer J. 
Hrdliczka: Eine Anzahl Schmetterlinge. 

Angekauft wurden: 8 Stück Skelettheile, u. /w. der Schädel vom Luchs, 
vom Rind, von der Ziege und vom Delphin, das Gebiss vom Rochen, der Fuß 
vom Pferd, Rind und Schwein, ferner eine Wallfischbarte und 3 Stück Mi- 
nerahen. 

4. Ijclirniitteliiaiiiiiiluiifi^ iiir Physik. 
Custos: Professor Dr. Anton Ehrenberger. 
Angekauft wurden: Piezometer, Doppelballon, üanielTs Hygrometer, Haar- 
hygroraeter nach Saussure, Utensilien aus Glas und Porzellan. 



49 

5. Ijehrmittelsamniluug iiu oheiiiischcn fjaboratoriuni. 

Ciistos: Professor Friedrich Mareck. 
Ankauf: Eine .Bürette (Tropfinessröhrc) mit Goissler'schcm Hahn. — Eine 
Schmelz- und Abdampfschale von Feinsilber. — Einige chemische Präparate, 
darunter Phosphor, Cyankalium, Natriumhydroxyd etc., thcils als Ersatz, 
theils neu für die Präparaten- Sanimhmg angekauft. — An dem Glasblasetische 
des Laboratoriums wurde eine neue Trittvorrichtung mit verbesserter Mechanik 
und nftueu Ventilen von der Firma Rohrbeck's Nachfolger in Wien geliefert; 
von derselben auch ein gläserner neuer Kipp'schcr Schwefel- Wasserstoftapparat. 

6. I^eliriiiiltelsaiiiuiluiifi^ für den lluterrlclit Im Freihand« 

zeieli 111*11. 

Gustos: Professor Oswald Ilorbt. 
Ankauf: 4 Drahtmodelle: Ein vierseitiges Prisma, ein Würfel, ein Cylinder, 
eine Kugel; ferner 2 HolzmodcUe : Ein Vollkcgel, 1 Ilohlkogel. — Gypsmodelle: 
4 Keliefköpfe, 4 Ornamente. 



lY. Maturitäts-Prüfung. 

Am Schlüsse des Schuljahres 1884/5 legte der Abiturient Zahel Emil, aus 
Mauer bei Wien, die Maturitäts-Prüfung ab und erliielt das Zeugnis der Reife 
mit Auszeichnung. Er widmete sich den technischen Studien. 

Zur Maturitäts-Prüfung am Schlüsse des Schuljahres 1 8^0/6 meldeten sich 
drei der ött'entlichen Schüler der VlI. U. Ol. — hei den schriftlichen Prüfungen, 
welche am 29. und 31. Mai, 1., 2., 4. und 5. Juni stattfanden, wurden folgende 
Themen bearbeitet: 

I. Deutsch: „Im engen Kreise verengt sich der Sinn, 

Es wächst der Mensch mit seinen gröl^ren Zwecken.** 

Schillers Wallenstein. 

II. Französisch - Deutsch : „Les Domains. Causcs de leur Grandeur.** 
Bossuet Aus Filck's Le^ons de Littorature fnincaisc. Seite TT), Zeile 17 bis 
Seite 79, Zeile 4. 

ill. Deutsch - Französisch : „Las Casas und der Negerhandel.** Aus den 
Übungen zur Erlernung der Iranziisischen Syntax von Dr. Ploetz. Seite 109 
bis 110, Z. 4. 

IV. Englisch - Deutsch : „Das englische Theater im in. Jahrhundert** Jon 
E. Dowden. Aus dem englischen Lesebuche von Nader und Würzner. S. 106. 

V. Mathematik: 

1) Die Länge eines Sternes sei 1 = 325^ seine Breite b = 2r)<) nördlich; vrie 
groß ist seine Rectascension x und seine Declination ^? (Die Schiefe der 
Eidiptik e = 23o 27- 30"). 



50 

2) Jemand will 21 Jahre hindurch zu Anfange eines jeden Jahres eine be- 
stimmte Summe zahlen, damit nach Verlauf der 21 Jahre er selbst oder 
ein anderer 8 Jahre hindurch eine jährliche, Ende eines jeden Jahres zu 
zahlende Rente von 6000 Mark genieße. Wie groß ist die jährlich zu zah- 
lende Summe, wenn die Zinsen zu 4Vs% berechnet werden? 

3) Unter welchen Winkeln wird die Parabel 

ji — 10 y — 6 X -j- 15 = von der Geraden 
3y + 4x — 12 = geschnitten? 

4) Das Volumen eines rechtwinkeligen Parallelepipedons beträgt 9216 m', 
seine Oberfläche 3072 m* und der Umfang seiner Grundfläche 56 m. Wie 
groß sind Länge, Breite und Höhe und wie groß die Diagonale desselben ? 

VI. Darstellende Geometrie: 

1) In einer Ebene, welche mit der 1. Frojections-Ebene den Winkel 3c = 75® 
und mit der 2. Projections-Ebene den Winkel ß = fiO® einschließt, liegt ein 
regelmäßiges Achteck als Basis einer geraden Pyramide ; die Spitze derselben 
liegt auf der Oberfläche einer Kugel, deren Radius gleich ist 5 cm. Der 
Halbmesser des dem Achtecke eingeschriebenen Kreises sei 4 cm. Es ist 
diese Pyramide darzustellen. 

2) Es sind die Schatten auf dem Kranzgesimse eines cylindrischen Schaftes 
und die Schlagschatten auf die Projectionsebenen zu bestimmen. 

3) Es ist das perspectivische Bild eines Würfels mit den seinen Seitenflächen 
eingeschriebenen Kreisen darzustellen. (Eine der Seitenflächen soll parallel mit 
der Bildfläche angenommen werden.) 



Y. Verzeichnis der Lehrbücher, 

die Im Schuyalire 1886/7 1b Yerweaduug kommen« 

Religion: I. Cl. Drechsl, biblische Geschichte. — II. Cl. Fischer, katholische 
Religionslehre. — IIL Cl. Müllner, katholische Sittenlehre. IV. Cl. 
Fischer, Lehrbuch der Kirchengeschichte. 

Deirtsclie Spraclie : L— IV. Cl. WiUomitzer, deutsche Grammatik. Egger, deutsches 
Lesebuch für die I., II., III. und IV. Cl. 

V. — VII. Cl. Egger, deutsches Lehr- und Lesebuch für höhere 
Lehranstalten. I. Theil. (Ausgabe für Realschulen.) Des II. Theiles 
I. u. II. Bd. — In der VI. Cl. Jauker u. Noe, mhd. Lesebuch. 

Französisclie Spraclie: L, II. und III. Cl. Bechtel, französische Grammatik, I. 
und IL Theil. — IV.— VII. Cl. Ploetz, Schulgrammatik der franz. 
Sprache. 

II. und III. Cl. Bechtel französisches Lesebuch. — IV. Cl. 
Filek V. Wittinghausen, französische Chrestomathie. — V. — VII. CL 
Bechtel, französische Chrestomathie f. d. obem Cl. der Mittelschulen. 



51 

Englische Sprache: V.— VII. Gl. Sonnenburg, Grammatik der englischen Sprache. 

— VI. und VII. Cl. Seeliger, englisches Lesebuch für die oberen 

Classen höherer Lehranstalten. 
Geographie: I. — IV. Cl. Herr 6., Lehrbuch der vergleichenden Erdbeschreibung. 

I., II. und III. Cursus. Schulatlanten von Kozenn oder Stieler. — 

V. — VII. Cl. Seidlitz, größere Schulgeographie. — VII. Cl. Hannak, 
österr. Vaterlandskunde f. d. höheren Classen. 

Geschichte : II. — IV. Cl. Hannak, Lehrbuch der Geschichte f. d. unteren Classen, 
3 Theile: AlterÜium, Mittelalter, Neuzeit. 

V. — VII. Cl. Loserth, Grundriss der allgem. Weltgeschichte, 
I., n. und III. Theil. 

In sämmtlichen Classen : Putzger, historischer Schulatlas. 
Mathematilc L— III. Cl. Villicus, Lehr- und Uebungsbuch der Arithmetik fiLr 
Unterrealschulen, I, II. und III. Theil. — II. und III. Cl. Wallentin, 
Sammlung von Beispielen und Aufgaben aus d. Arithmetik für die 
unteren Classen. 

IV. — VII. Cl. Mocnik, Lehrbuch der Arithmetik und Algebra 
fiir die oberen Classen und Wallentin, Sammlung von Beispielen 
und Aufgaben aus der Algebra und allgemeinen Arithmetik. 

V. — VII. Cl. Wiegand, Lehrbuch der Mathematik: a) Planimetrie 
I. und II. Cursus; c) Stereometrie und sphärische Trigonometrie. 

VI. und VII. Cl. Dr. Sonndorfer und Hermann Anton, Lehrbuch der 
Geometrie, I. Theil, 2. Abtlil. Ebene Trigonometrie; I. Th., 3. Abthl. 
Analytische Geometrie der Ebene. — Logarithmentafeln von Gernert. 

Geometrie und geom. Zeichnen: I. Cl. Mocnik, geomctr. Formenlehre für die 

I. Cl. d. R. Seh. — IL, III. und IV. Cl. Mocnik, Anfangsgründe 
der Geometrie in Verbindung mit dem Zeichnen f. Unterrealschulen. 

Darstellende Geometrie: V. — VII. Cl. Streißler,; Elemente der darstellenden 

Geometrie für Realschulen. 
Naturgeschichte: I. Cl. Pokoruy, illustr. Naturgeschichte des Thierrciches. 

II. Cl. desselben Verf. Naturgeschichte des Pllanzenreiches. Bisching, 
Grundriss der Mineralogie. — V. Cl. Woldrich, Leitfaden der Zoo- 
logie. — VI. Cl. Dr. Wretschko, Vorschule der Botanik für die 
höheren Classen. VII. Cl. Ilochstetter und lUsching, Leitfaden der 
Mineralogie und Geologie. 

Physik: III. und IV. Cl. Dr. Krist, Anfangsgründe der Naturlehrc f. d. unteren 
Classen der Realschulen. 

VI. und VII. Cl. .Wallentin, Lehrbuch der Physik für die 

oberen Classen der Mittelschulen. (Ausgabe für Realschulen). 

Chemie: IV. Cl. Quadrat und Badal, Elemente der reinen und angewandten Chemie. 

V. u. VI. Cl. Mittercgger, Lehrbuch der Chemie für über- 

realBcliulen, I. Theil: Anorganische, II. Theil: Organische Chemie. 

Stenographie: IV. — VII. Cl. Faulmann, Gabelsbergers Lehrbuch der Stenographie. 

— Faulmann, stenographische Anthologie. 7 



62 

YI. Unterstützung armer Schüler. 

S. llBtemtfitzuBgen« 

Im Laufe des Schuljahres gelangten folgende Stipendien und Unterstützuugs- 
beträge zur Auszahlung an arme und würdige Schüler der Lande soberrealschule : 

1. Das vom hohen n. ö. Landtage gegründete Kaiser-Stipendium 150 fi. — kr. 

2. Die Interessen des Eduard Schumacher'schen Legates . . . 21 H. — kr. 

3. Zwei von dem Vorstande des Zehnkreuzer -Vereines Krems 
der Direction übergebene Unterstützungsbeträge ä 50 il., 

zusammen 100 fl. — kr. 

4. Die Josef Thalhofer'sche Studienstiftung im Betrage jährlicher 100 11. — kr. 

5. Am 19. November und am 23. December 1885 an zwei 

Schüler Barbeträge aus dem Unterstützungsfonde, zusammen 35 fl. — kr. 
Außerdem waren 2 Schüler der Realschule im Genüsse auswär- 
tiger Stipendien im Gesammtbetrage von . . 400 fl. — kr. 

B. IJnterstüftzungsfond. 

Außer den unter den Einnahmen ausgewiesenen Geldbeträgen erhielt der 
Unterstützangsfond im Jahre 1885/6: 

1. Von der Papierhandlung Saska in Krems verschiedene Schreibrequistcn. 

2. Von dem Herrn Fabriksbesitzer Adolf Schmitt in Kehberg Leder für acht 

Paar Turnschuhe. 

3. Aus dem Nachlasse der in Krems verstorbenen Hausbesitzerin Frau Maria 
Schönbichler durch Vermittlung des Hrn. k. k. Notars Dr. J. Pollhammer 
in Krems 200 fl. 

Elunahmen. 

I. Geschenke : fl. kr. fl. kr. 

Von Frau Kolb in Krems 3 . — 

„ Herrn Reuter, Kaufmann in Ravelsbach ....... 5 . — 

,. Frau Stölzle in Krems 5 . — 

Herrn Czank, Kaufmann in Wien 10. — 

„ L. Dinstl, Essigfabrikant in Krems 4 . — 

„ Dr. Lunzer in Krems 2 . — 

„ Vogler, Sparkassa-Director in Melk 2 . — 

Frau Brustmann in Krems 2 . — 

Herrn Exel, Mühlbesitzer in Imbach 9 . — 

„ Fux, Juwelier in Krems 3 . — 

„ Oesterreicher, Buchhändler in Krems 3 . — 

einem ungenannten Schulfreunde 5 . — 

Herrn Schömer, Baumeister in Klosterneuburg 4 . — 

Sr. Hochw. Herrn Dr. Kerschbaumer. Propst in Krems . f) . — 
Herrn Harkup, Mitglied des Gemeindeauschusses in Krems 3 . — 

„ Professor Mareck 5 . — 

„ Fichtner in Krems k . — 

„ Schön, Privat in Krems 3 . — 

Aus dem n.-ö. Landesfonde lOU . — 

Von Herrn Professor Ehrenberger 3 . — 

„ „ „ Müllner :> . — 

„ mehreren Ungenannten 4 . 8ü 

187 . 80 

Dazu das Legat der Frau Maria Schönbichler 200 • — 

Gesammtsumme der Geschenke . . 387 , 80 



53 



2. Zinsen: 



fl. kr. fl. kr. 



Coupons 56 . 50 

Interessen der Langheinz'schen Stiftung 8 . 40 

Interessen der Einlagen bei der Sparkassa in Krems .... 80 . 74 

Interessen der Einlage im I. Vorschuss vereine in Krems . . 15 . 21 
Interessen der Einlage beim allgemeinen östcrr. Rearatenvereine 

(Cons. Krems) . . 7 . 55 



1C8 . 40 



Gesammtsumme der Einnahmen 

Aufgaben : 

Conti» des Buchhändlers Oesterreicher 1G5 

ft n n Weise 105 

, „ Buchbinders Forner 38 

„ „ Papierhändlers Saska 30 

n ^ . Kuntschak 17 

Barunterstützungen 35 

Für Mittagskost . . 9 

Gesammtsumme der Ausgaben 

Aus der Gegenüberstellung der Einnahmen per 

und der Ausgaben per . . 

ergibt sich eine Vermögenszunahme von 



55G . 20 



CG 
93 
GO 
35 
70 



402 . 24 

55G . 20 
402 . 24 



153 . 9G 



Vermttgensstand am 15. Juni 188 6. 

(Ohne die seit 1. Jänner d. J. aufgelaufenen Zinsen.) 

1885 .. 188G 



1) Sparkassa-Einlageu und Bargeld. 

Einlagsbiich bei der Sparkassa in Krems Tom. XXII. Fol. 709 

B. Z. 11072 

Kinlagsbuch 1)ci der Sparkassa in Krems Tom. XXVII. Fol. 164 

B. Z. 2M86 

Einlagsbuch bei der Sparkassa in Krems Tom. XXXI. Fol. H42 

B. Z. 31449 

Kinla>;3bnch bei dem I. Vorschnssvereine für Krems u. Umgebung 

T. VII. F. 325 

KinlagKbnch bei dem Spar- und Vorschussconsortium Krems des 

«"»stcrr. Beamtenvereines 

Barrest 

Summe des Bargeldos . 

2.) Wertpapiere, angeführt im Nominalwerte: 

1 Stärk Silberrente 

1 . » 

2 „ Papierrente 

4 „ „ h 100 fl. (Tiegate der Frau M. Langheinz und 

des Herrn J. Eggel), beim hohen n. iS. Laniles- 

auBSchusso in Verwahrung 

Ein Fünftel l«üOer Los, Serie 43fi8, Nr. 19 

3.) Oobranchtc Sohnlbüoher, Schreib- u. Zeich cnrcquisiten. 



! fl. 


1 


' ^' 


kr. 


1 449 


12 ! 


449 


12 


|118H 


27 |lll33 


27 


, 460 


- 450 


— 


380 


— : 370 


— 


220 

; 44 


- !l 420 
67 8 

96 2830 

1 


53 


i2G76 

! 


92 


' 1000 

.; 100 

200 




1000 
100 
200 

1 


— 


400 
100 


-- 


1 

1 400 
100 


— 



7* 



54 

Auswels über die Unterstützung der Sehüler« 

Im ersten Semester wurden 84, im zweiten 79 Schüler der Landesober- 
realsclmle mit Lehrbüchern bctheilt. Von diesen erhielten im ersten Semester 
22, im 2. Semester 29 Schüler auch Schreib- und Zeichenrequisiten. Zwei Schüler 
erhielten Barunterstützungen und für einen wurde wöchentlich 1 Tag die Mittags- 
kost bezahlt. 

YII. Verordnungen des hohen k. k. Ministeriums für 
Cultus und Unterricht. 

1. Verordnung vom 28. November 1885 Z. 22131, wodurch angeordnet 
wird, dass der 19. November als der Tag des Allerhöchsten Namensfestes Ihrer 
Majestät der Kaiserin bedingungslos freizugeben ist. 

2. Verordnung vom 10. December 1885 Z. 2290G, wodurch in Betreif 
der Prüfungstermine und Reprobationsfristen hinsichtlich der Maturitätsprüfungen 
an den Gymnasien und Realschulen neue Anordnungen getroflfen werden. 

3. Verordnung vom IG. December 1885 Z. 23323, wodurch die Weisungen 
der auf die Approbation und den Gebrauch von Lehrtexten Bezug nehmenden 
Erlässe und Verordnungen neuerlich eingeschärft werden. 

4. Verordnung vom IG. December 1885 Z. 23324, wodurch Weisungen 
in Betreff der Schüler-Bibliotheken gegeben werden. 

5. Verordnung vom 2G. Januar I88(i Z. 1512, wodurch bestimmt wird, 
dass es von derjenigen Rangordnung der Schüler, welche bisher in der Loca- 
tionsnummer des Zeugnisses ihren Ausdruck fand, fortan abzukommen hat. 

G. Verordnung vom 9. März 188G Z. 4452, wodurch hinsichtlich der Clas- 
sification in den Schulzeugnissen der Mittelschulen aus der Scala der Sitten- 
noten „musterhaft**, und aus der Scala der Fortgangsnoten „ausgezeich- 
net** zu entfallen hat. 

7. Verordnung vom 14. März 188G Z. 1389, mitgetheilt durch den Erlass 
des hohen k. k. Landesschulnithes vom 25. April 188G Z. 2457, womach das 
für Schüler der Mittelschulen geltende Verbot, Vereine unter einander zu bilden 
oder sich an Verbindungen Anderer zu betheiligen, mit gnißter Strenge auf- 
rechtzuhalten ist. 

YIII. Bekanntmachung, die Aufnahme der Schüler 

betreffend. 

Das nächste Schuljahr beginnt am IG. September 188G. Die Aufnahme 
der Schüler findet vom 14. September an Vormittag von 8—11 Uhr, Nachmittag 
von 2 — 4 Uhr in der Directionskanzlei statt. Alle Schüler haben sich in Be- 
gleitung ihrer Eltern oder deren Stellvertreter bei der Direction zu melden. 

Die Aufnahme in die I. Kealclasse hängt von dem Erfolge einer Auf- 
nahmsprüfung ab, welche am 16., ev. 17. September abzulegen ist. 
Zufolge der h. Minist-Verordnung vom 14. März 1870 Z. 2370 wird bei der- 
selben gefordert : „Jenes Maß von Wissen in der Religion, welches in den ersten 



56 

▼ier Jahrescursen der Volksschule erworben werden kann, Fertigkeit im Lesen 
and Schreiben der Unterrichtssprache und der lateinischen Schrift, Kenntnis 
der Elemente aus der Formenlehre und Unterrichtssprache, Fertigkeit im Ana- 
Ijsieren einfacher bekleideter Sätze, Bekiuintschaft mit den Ilegeln der Ortho- 
graphie und ihrer richtigen Anwendung beim Dictandoschreiben, Übung in den 
Tier Rechnungsarten in ganzen Zahlen.* Jüngllinge, welche aas einer andern 
nicht gleichartigen Mittelschule in die Realschule übertreten und in eine höhere 
als die I. Classe aufgenommen werden wollen, haben gleichfalls in einer Auf- 
nahmsprüfung das MaI5 ihrer erworbenen Kenntnisse zu erweisen. 

Solche Schüler, welchen wegen nicht entsprechender Aufnahmaprüfung die 
Aufnaliroe in die I. Classe einer öffentlichen Mittelschule versagt worden ist, 
können im selben Aufnahmstermine an einer andern Mittelschule zur Prüfung 
Dicht zugelassen werden. (Erlass des k. k. Landesschulrathes ddo. 5. Jänner 
1883, Z. 8350.) 

Zufolge Verordn. des h. k. k. Ministeriums f. C. u. U. vom 7. April 1878^ 
Z. 5416 haben die zur Aufnahme in die I. Classe sich meldenden, aus einer 
öffentlichen Volksschule kommenden Schüler ein (Frequcntations-) Zeugnis mit- 
zubringen, welches die Noten aus der Ileligionslehre , der Unterrichtssprache 
und dem Rechnen zu enthalten hat. Bei der Aufnahme haben ferners sämmt- 
liehe neu eintretenden Schüler ihren Tauf- oder Geburtsschein, jene Schüler, 
welche bereits eine oder mehrere Classen der Landcsoberrealschule in Krems 
oder einer anderen Mittelschule absolviert haben, das am Schlüsse des vorher- 
gehenden Schuljahres erhaltene Zeugnis vorzuweisen. 

Das Schulgeld beträgt für ein Semester 5 fl. Dasselbe wird um die Mitte 
der Monate October und März eingehoben. Gesuche um Befreiung von der 
Entrichtung des Schulgeldes sind an den h. n. ö. Landesausschuss zu richten 
und längstens anfangs October der Directiou der Lehranstalt zu überbringen. 
Die erlangte Befreiung erreicht sofort ihr Ende, wenn der befreite Schüler 

a) am Schlüsse des 1. Semesters die III. Fortgangsclasse erhält; 

b) am Schlüsse des 2. Semesters nicht mindestens den II. Grad in Sitten und 
Fleiß erhalten hat; 

c) wegen ungenügenden Fortganges eine Classe wiederholen muss. (Ausgenom- 
men ist hiebei der Krankheitsfall.) 

Wahrhaft arme Schüler werden, wenn deren Eltern oder Vormünder 
bei Beginn des Schuljahres darum ansuchen, aus dem Unterstützungsfonde nach 
Möglichkeit mit Schulbüchern, Schreib- und Zeichenrequisiten unterstützt, 
so lange sie sich durch Fleiß und Sittlichkeit einer Unterstützung würdig machen. 



56 

B. 
N. Ö. Landea-BandeUsekvIe. 

Zweck und Einrichtung der Schule. 



Infolge der Beschlüsse des h. n. ö. Landtages vom 19. October 1878 
und vom 24. October 1881 ist diese Lehranstalt als Fachschule für den 
Handels- und Gewerbestand eingerichtet und setzt als Vorbildung nur 
die absolvierte Volks- und Bürgerschule voraus; sie kann sonach von 
jedem, der sich einem geschäftlichem Berufe widmen will, ohne Schwierigkeit 
besucht werden. Auch ist die Möglichkeit gegeben, dass die Schüler früh genug 
in das practische Leben übertreten können, da die Schule derart eingerichtet 
ist, dasB sie in zwei Jahrgängen, von denen der erste die untere, der 
zweite die obere Abtheilung bildet, das nöthige fachliche Wissen voll- 
ständig zum Abschlüsse bringt. 

Diese Schule bietet den Angehörigen des Handels- und Gewerbestandes 
— somit des Bürgerstandes im allgemeinen — Gelegenheit, sich in ihrer 
Jugend jene theoretisch-fachliche Ausbildung in möglichst kurzer Zeit zu ver- 
schaffen, welcher dieser Stand unbedingt bedarf, um den an ihn gestellten, 
erhöhten Anforderungen unserer Zeit zu entsprechen. 

Das Lehrprogramm der Schule umfasst deshalb nur solcha Gegenstände, 
welche für jeden Kaufmann, Industriellen und Gewerbetreibenden von größtem 
practischen Werte sind. Für den Kaufmann und Industriellen ist die Be- 
deutung der aus dem beigefügten Lehrplane ersichtlichen Gegenstände wohl 
von selbst klar. Aber auch jeder, der sich für ein ganz einfaches Gewerbe aus- 
bilden will, soll diese Schule, — wenigstens die untere Abtheilung derselben — 
als Abschluss seiner Schulbildung besuchen. Auch er muss vor allem ein guter 
Rechner sein, Buchführung verstehen, sich mündlich oder schriftlich sprach- 
richtig ausdrücken, Rechnungen und Geschäftsbriefe nach dem allgemeinen 
Gebrauche verfassen können, über die Grenzen seiner engeren Heimat hinaus 
Bescheid wissen, über den Wechsel und andere Schuldurkunden und Wert- 
papiere orientiert sein. Er soll auch die Waren, welche er bezieht oder ver- 
arbeitet, genau kennen, über deren Gewinnung, Bezug, Aufbewahrung und Ver- 
arbeitung, dann über die Znsammensetzung seiner Werkzeuge im klaren sein, 
endlich soll er die gewöhnlich vorkommenden Flächen und Körper berechnen, 
und Zeichnungen von Objecten nicht nur verstehen, sondern einfachere 
auch selbst anfertigen können. 

Zweck dieser Fachschule ist es nun, diese Kenntnisse ihren Schülern 
Ki| vermittehd, und für die Geschäftswelt junge Kräfte heranzubilden, die 



57 

uiclit nur au Arbeit uud Ordnung gewohnt sind, sondern die auch vermöge 
des erlangten Fachwissens jenen Theil der Ausbildung zu irgend einem speciellen 
Uerufszweige, der nur im practischen Leben erlangt werden kann, leicht und 
mit gründlichem Verständnisse sich aneignen und souftch bald brauchbare 
Hiltspersonen für kaufmännische, industrielle und gewerbliche Unternehmungen 
und seinerzeit tüchtige selbstständige Bürger sein werdep. 

Außer den zwei Jahrgängen (untere und obere Abtheilung), 
iu welchen das fachliche Wissen in einer für die Bedürf- 
nisse des mittleren Handels- und Gewerbestandes ausreichen- 
den Weise zur Behandlung und zum Abschlüsse gelangt, ist noch 
ein practischer Curs, welcher ein Wintersemeiter dauert, mit der 
Schule verbunden. Dieser Curs umfasst vorzüglich practifche Arbeiten, — theils 
im Uebungscomptoir, theils im Warenlaboratorium, welches bereits 
mit zahlreichen Warenmustern und den nöthigen Instrumenten ausgerüstet ist, 
— und soll die Schüler besonders an Selbstständigkeit bei ihren Arbeiten 
gewöhnen. 

Es werden in diesem Curse auch noch einige Gegenstände, die eine 
höhere Vorbildung und geistige Keife voraussetzen, jedoch ebenfalls mit beson- 
derer Rücksicht auf ihre practische Seite, behandelt. Diesen practischen Curs 
nach Absolvierung der oberen Abtheilung noch zu besuchen, ¥rird sich daher 
nicht nur tilr die nach einer höheren kaufmännischen Ausbildung Strebenden, 
sondern jedenfalls auch für jene empfehlen, welche blos die obere Abtheilung 
der Schule besucht haben. Übrigens ist dieser Curs auch den der Schule 
bereits Entwachsenen oder in einer Berufsstellung practisch Thätigen zugänglich. 

I. Aufnahmsbedingungen. 

In die untere A b t h e i 1 u n g können alle jene Aufnahme finden, 
welche 14 Jahre alt sind, die Volks- oder Bürgerschule absolviert 
haben und bei einer Aufnahmsprüfung hinlängliche Vorkennt- 
nisse (in deutscher Sprache, Rechnen und Geographie) nachweisen. Es ist 
jedoch auch gestattet, dass Schüler vor vollendetem 14. Lebensjahre 
aufgenommen werden, wenn der betreffende Bezirksschulratk über An- 
trage der Directiim hiezu seine Zustimmung gibt. 

In die obere Abtheilung treten in der Regel jene über, welche die un- 
tere Abtheilung mit gutem Erfolge absolviert haben ; doch kann auch ein 
ilirecter Eintritt stattfinden, wenn der Aufnahmswerber die entsprechenden 
Kenntnisse bei seiner Aufnahmsprüfung nachweist. 

In den practischen Curs können jene eintreten, welche die obere 
Abtheilung mit gutem Erfolge absolviert haben. Außerdem können auch solche 
Personen diesen Curs besuchen, welche mit Rücksicht auf ihre Vorbildung 
oder practische Ausbildung von dem Lehrkörper als für diesen Curs sich eig- 
nend bezeichnet werden und mindestens l(i Jahre alt sind. 



58 

Für die Aufnahmsprüfung in die untere Abtheilung ist keine Taxe zu 
entrichten. Für die Aufnahmsprüfung in die obere Abtheilung beträgt die Taxe 
2 fl. Das Schulgeld pro Semester ist fünf Gulden. Fleißige und dürftige 
Schüler können von der Entrichtung desselben befreit werden, eventuell auch 
in den Genuss von Stipendien und anderen Unterstützungen gelangen. — Aus- 
wärtige Schüler können in Kosthäusem billig untergebracht werden. Es ist so- 
nach auch den weniger Bemittelten möglich, ihre Söhne an dieser Fachschule 
ausbilden zu lassen. 



IL Lehrplan. 



Unterri chtsgegenstftnde 



obligate 



I. Jahrg. oder! II Jahrg. oder 
TTziteze Oloeze 



A b thellung^ 



wöchentliche Stundenzahl 



Kaufmännisches Rechnen 

Handelskunde 

Correspondenz und Comptoirarbeitcn 

Buchhaltung (in der unteren Abtheil, nur im II. Sem.) 

Warenkunde und Technologie 

Handelfgeographie 

Deutsche Sprache 

Schönschreiben 

Geometrie 

Wechselrecht, Handels- und Gewerbegesetzkunde . . 
Volkswirtschaftslehre (nur im IL Semester) 



4 
3 
2 
2 
4 
3 
4 
2 
2 



Summe der wöchentlichen obligaten Stunden 



I. S. 24 

II. S. 26 



5 

2 
8 
3 

4 
3 
3 

1 

3 
2 

I. S. 27 
U. S. 29 



Practiicher Gurs (Ein Winter-Semester). 

12 Stunden 



Übungs-Comptoir wöch, 

Warenkunde (Arbeiten im Waren-Labo- 

ratoriun) „ 

Kaufmännisches Rechnen , 

Handelsgeseizknnde „ 

Volkswirtschaftslehre , 

Summe der wöchentlichen Stunden . . . . 



9 
2 
3 
8 



29 



Unobligate Untcrrichtsgegcnstäude : 

Französische Sprache 

Zeichnen 

Stenographie 

Turnen 

Gesang 



I. Abth. 



n. Abth. 



5d 

Lehrstoff -Yertheilung. 

Untere Abthellung^ (I. Jahrgang.) 

a. Obligate Ünterrichts-Gegenstände. 

Kaufhiännisches Rechnen. Um eine auf Verständnis beruhende Sicherheit 
und Gewandtheit im Zifferrechnen zu erzielen, werden zunächst die vier Grund- 
Operationen in ganzen Zahlen und Decimalzahlcn, die Theilbarkeit der Zahlen, 
das griVßte gemeinschaftliche Maß und kleinste gemeinschaftliche Vielfache, die 
Romeinen Brüche und das Rechnen mit denselben, dann die Rechnungsarten 
in benannten Zahlen behandelt. Hiebei wird besondere Rücksicht auf die prak- 
tisch anwendbaren Vortheile genommen. Daran schließt sich die Behandlung 
nachfolgender Rechnungsarten in ihrer Anwendung auf leiclitere Fälle aus der 
Goschüftspraxis: Verhältnisse, einfache und zusammengesetzte Regeldetri, der 
Kettensatz, Durchschnitts-, Gesellschafts-, Mischungsverhältnis - Rechnung, Pro- 
centrechnung, Aufstelhmg von Waren- und Spesen - Rechnungen, Interessen- 
rechnung im allgemeinen und deren Anwendung auf ViTechseldiscontierungen. 

Wöchentlich 4 Stunden. 

Handelskunde. Begriff, Ursprung und Nutzen des Handels, Arten des 
Handels. Die Handeltreibenden, Handelsgegenstände, Münz-, Maß- und Ge- 
wichts-Systeme mit besonderer Berücksichtigung des metrischen Systems. Der 
Warenhandel. Die Lehre vom Gelde. Das Wichtigste vom Wechsel, den An- 
weisungen und Wertpapieren. Hilfsgewerbe des Handels. Die Agenton. Das 
Frachtwesen (Fuhrmann, Eisenbahn, Flussschiffer.) Assecuranz. Spedition, Zoll- 
wesen. Der Geld- und Wechselhandel und der Handel mit Wertpapieren in 
kurzen Umrissen. Wöchentlich 3 Stunden. 

Correspondenz- und Comptoirarbeiten. Im Anschlüsse an die Erklärungen 
aus der Handelskunde werden behandelt: Einfache Noten und Rechnungen 
des Kleinhändlers und Gewerbsmannes, Rechnungen der Großhändler, Facturen 
im Commissionsgeschäfte, Gewichtsnoten, Verkaufs - Rechnungen, Briefe über 
Warenbestellungen und Facturenbriefe, WarcnolVertbrieie. Die wichtigsten For- 
men des Wechsels. Trattenavisbriefe und Rimessenbriefe. Frachtenbriefe von 
Fuhrleuten, Eisenbahnen und Schiffern. Ladescheine und Lieferscheine, Spesen- 
rechnungen, Schuldscheine, Quittungen, Bons, Anweisungen. Ganz einfache 
Rechnungen über Ein- und Verkäufe von Münzen und wichtigen Effecten, 
Circulare, Erkundigungs- und Auskunftsschreiben, Mahnbriefe. 

Wöchentlich 2 Stunden. 

Buchhaltung. Grundsätze der einfachen Buchhaltung. Anleitung zur An- 
fertigung der Tersohiedenen Buchhaltungsformulariun mit Wert- und Mengen- 
verrechnung für gewerbliche und kaufmännische Unternehmungen. Buchung 
eines cinmonafUchen Geschäftsganges. Abschluss der Haupt- und Ililfsbücher. 

Nur im H. Semester. Wöchentlich 2 Standen. 

Warenkunito und Technologie. Elemente der Naturwissenschaften: das 
zum Erkennen und Beschreiben der Waren Nothwendige aus der Organlehre 



60 

des Thier- und Pflanzenreiches; die physikalischen Grundgesetze mit beson- 
derer Berücksichtigung der Mechanik und deren Anwendung im praclischen 
Leben, einfache Maschinen, Werkzeuge. — Die Grundzüge der Warenkunde, 
Eintheilung nach verschiedenen Gesichtspunkten, die wichtigsten Nahrungs- 
und Genusamittel des Pflanzenreiches, die zufolge ihrer Herkunft sich an- 
schließenden Erzeugnisse der technischen Gewerbe und die hervorragendsten 
Rohproducte thierischer Abstammung, überhaupt nur solche Objekte, die zur 
unmittelbaren Anschauung gebracht werden können. Wöchentlich 4 Stunden. 

Allgemeine und Handelsgeographie. Befestigung und Erweiterung der 
Kenntnisse in der allgemeinen Geographie. Specielle Geographie der österr.- 
ung. Monarchie mit besonderer Hervorhebung der auf die materielle Cultur 
namentlich auf die mercantile Stellung des Reiches und seiner Gebiete sich 
beziehenden Verhältnisse. Übersicht der wichtigsten Momente der österr. Ge- 
schichte seit Begründung der Herrschaft des Hauses Habsburg. 

Wöchentlich 3 Stunden. 

Deutsche Sprache. Wiederholung der Formenlehre. Die Lehre vom ein- 
fachen und das Wichtigste aus der Syntax des zusammengesetzten Satzes. Dic- 
tate und grammatische Übungen im Anschlüsse an das Lesebuch und gram- 
matische Lehrbuch. Übungen im mündlichen Ausdrucke, besonders im richtigen 
Lesen. Einfache mündliche und schriftliche Reproductionen im Zusammenhange 
mit der Behandlung des Gelesenen und den schriftlichen Übungen, Belehrung 
über Satzzeichen und Rechtschreibung. 

Wöchentlich 4 Stunden. 

Geometrie. Formenlehre, Berechnung des Flächeninhaltes der geradlinig 
begrenzten ebenen Figuren und des Kreises; Berechnung der Oberfläche und 
des Rauminhaltes der elementaren Körper, nach vorangegangener Behandlung 
der hiezu nöthigsten planimetrischen und stereometrischen Lehrsätze. 

Wöchentlich 2 Stunden. 

Schönschreiben. Heranbildung einer leserlichen und gefälligen Handschrift. 

Wöchentlich 2 Stunden. 
b) Unobligate Unterrichts-Gegenstände : Siehe Seite G3. 

Obere Abthelluug (II. Jahrgang.) 

a. Obligate Unterrichts-Gegenstände: 
Kaufmännisches Rechnen. Kurze Wiederholung der Percent- und Inte* 
ressenrechnung. Die Discont- und Terminrechnung. Conto -Gorrent- Rechnung. 
Maß- und Gewichts - Verhältnisse der wichtigsten Länder. Gold- und Silber- 
Rechnung. Mttnzrechnung nach Münzfuß und Cursnotierung. Wechsel-, Devisen- 
und Effectenrechnung nach dem Wiener Cursblatt. Waren-Calculationen. 

Wöchentlich 5 Stunden. 
Handelskunde. Theilweise Wiederholung des Lnhrstofies der unteren Ab- 
theilung mit besonderer Berücksichtigung der Kapitel über den Warenhandel, 
den Geld-, Wechsel- und Effectenhandel. Die allgemeinen gesetsdichen Bestim- 



61 

luungen über Handolsbücher, Firmen, Prokuristen und Handlungsbevollmächtigte 
Qbcr Ilandelsgesellschafccn, über die Handelsgeschäfte, den Kauf, das Com« 
uiissioDB-, Speditious- und Frachtgeschäft. Das Trausport- und ZoUwesen. 

Wöchentlich 2 Stunden. 

Correspondenz- unfl Comptoirarbeiten. Kurze Wiederholung des Lehr* 
Stoffes der unteren Abtheilung, insbesondere der Facturen, Spesen- und Ver- 
kaufs-Rechnungeu und der dazu gehörigen Briefe. Eingehende Erklärungen der 
IVeislisten, Curszettel, Schlusszettel, Warrants, Conossamente, Discont- und 
Devisen-Noten, Checks, Cassascheine, Conti-Correnti, Zolldeclarationen etc. Ein- 
fache bei Gewerbs- oder Handels-Unternehmungen vorkommende Vorträge. Aus 
der Handels-Correppondenz werden behandelt : Briefe über Commissions-Tratten 
und Kimessen. Primeubriefe, Briefe über Nothadressen, Interventionen und do- 
micilicrte Wechsel, über Wechsel- DupUcate und Wechsel - Copieu. Briefe über 
Ein- und Verkäufe von Devisen und Effecten. Empfehlungs- und Creditbriefe, 
Circulare, Dienstofferte und Ansuchen um BlancoGredite. 

Wöchentlich 3 Stunden. 

Buchhaltung. Kurze Wiederholung der einfachen Buchhaltung. Theorie 
der doppelten Buchungsart. Practische Verbuchung einzelner Geschäftsfälle. 
Eingehende Auseinandersetzung der Principien des Bücherabschlusses. Ausar- 
beitung der Verbuchung eines einmonatlicheu Geschäftsganges eines Waren« 
geschäfbes mit Beispielen aus dem Bankgeschäfte. Wöchentlich 3 Stunden. 

Wechselrecht, Handels- und Gewerbegesetzkunde, a) Wechselrecht. Leicht- 
fassliche Darstellung der österr. Wechselordnung und die Hauptgrundsätze des 
Wechsolverfahrens. Erläuterung der Uechtssätze an einzelnen Fällen und an 
der Hand von Formularien. — Das Wichtigste aus dem Gesetze über Stempel 
und Gebühren für Wechsel, kaufmännische Urkunden und Rechnungen. 

b) Gewerbegesetzkunde. Die Gewerbeordnung sammt Nachträgen. Die 
wichtigsten gesetzlichen Bestimmungen über Marken und Muster-Schutz, über 
den Hausierhandel, über Handels- nnd Gewerbekammern, Handels-Agenten und 
über Ewerbs- und Wirtschaftsgenossenschaften. Wöchentlich 3 Stunden. 

Volkswirtschaftslehre. Bedeutung der Volkswirtschaft und Darstellung ihrer 
Grundbegriffe. Die wichtigsten volkswirtschaftlichen Systeme in den Grundzügen. 
Die Gütererzeugung. Die Productionsfactoren : Natur, Arbeit und Kapital. Zu- 
sammenwirken dieser Factoren. Der Güterumlauf in seinen Umrissen. 

Nur im H. Semester: Wöchentlich 2 Stunden. 

Warenkunde und Technologie. Die mineralischen Rohwaren, Schmucksteine 
und ilire Verwendung, Metalle und Legierungen und deren Verarbeitung, Werk- 
zeuge, Fabrication von Nägeln, Nadeln, Ketten, Scimeidwaren, Stahlfedern, 
Münzprägung, Verschönerungsarbeiten (Vergolden, Versilbern, Verkupfern etc.), 
Tbou waren Industrie, Glasfabrikatiou, r>aumatei*ialicn, Farbwaren, Rohstoffe und 
Fabrikate der Textilindustrie, Tapierfabrikation, andere wichtige Pflanzenwaren. 
— Die Erklärungen werden mit den zum Verständnisse nötliigen Erläuterungen 
der einfachsten chemischen Processc und physikalischen Grundbegriffe begleitet. 

Wöchentlich 4 Stunden. 
8* 



62 

Handelsgeographie. Handelsgcographie Europas und GrundzUge der Han- 
delsgeographie der aussereuropäischen Erdtheile. Besprechung der wiclitigsten 
Linien des Welthandeis. Erörterung der wichtigsten Thatsachen aus der Ge- 
schichte des Handels. Wöchentlich 3 Stunden. 

Deutsche Sprache. Lehre vom einfach und mehrfach zusammengesetzten 
Satze und von der Satzkiirzung. Darstellung von Satzbildern. Entsprechende 
schriftliche und mündliche Übungen auf Grundlage des Lesebuches. Grundzüge 
der Wortbildung mit Rücksicht auf Vieldeutigkeit und Verwandtschaft der 
Wörter. — Lehre von den wichtigsten Formen des Aufsatzes, namentlich der 
im Verkehrd am häufigsten angewendeten. 

Wöchentlich 3 Stunden. 

Schönschreiben. Übungen zur Heranbildung einer gefalligen Handschrift, 
Rundschrift. Wöchentlich 1 Stunde. 

b) Unobligate Unterrichtsgegenstände. Siehe Seite 63. 

Praetlseher Curs. (Ein Wintersemester.) 

Obungs-Comptoir. Practische Einschulung in sämmtliche Arbeiten des 
kaufmännischen Gomptoirs aus den Gebieten der Buchhaltung, der Handels- 
correspondenz und der Comptoirbeiten in ihrem innigen Zusammenhange. Zu 
dem Zwecke wird ein mehrraonatlicher Geschäftsgang mit Vorfällen aus dem 
Waren-, Eigen-, Commissions- und Speditions - Handel, sowie aus dem Bank-, 
Depot- und Lombard-Geschäfte verbucht und abgeschlossen, wobei sämmtliche 
in demselben vorkommenden Briefe, Rechnungen, Wechsel etc. ausgearbeitet 
werden. Auf selbständiges Arbeiten der Schüler wird das Hauptgewicht gelegt. 

Wöchentlich 12 Stunden. 

Warenlcunde. Durch eigenes Arbeiten des Schülers soll eine durch- 
greifende Kenntnis der hervorragendsten nutzbaren Rohstoffe (vornehmlich des 
Pflanzenreiches) mit Zuhillenahme des Mikroskops und chemischer Reagentien 
erreicht werden. 

Außerdem findet die Statistik des Warenverkehrs entsprechende Be- 
handlung. 

Die practischen Arbeiten umfassen die Anwendung der wichtigsten Hilfs- 
mittel zur Untersuchung der Zusammensetzung, Güte, Echtheit und Conservie- 
rung der Waren und die Darstellung von Extractivstoffen, Präparaten etc. 

Wöchentlich 9 Stunden. 

Kaufmännisches Rechnen. Kurze Wiederholuug der Devisen- und Effecten- 
rechnung. Einfache Wechsel - Arbitrage. Die wichtigsten Usancen im Waren- 
handel. Schwierigere Warencalculationen. Wöchentlich 2 Stunden. 

Handelsgesetzkunde. Erläuterung der wichtigsten Bestimmungen des östcrr. 
Handelsgesetzbuches. — Gruudzüge der Coneursordnung, insbesondere die Lehre 
vom kaufmännischen Concurse und vom Zwangsausgleiche. 

Die einzelnen Abschnitte worden durch entsprechende, der Praxis ent- 
nommene Rechtsfälle erläutert. Wöchentlich 3 Stunden. 



63 

Volkswirtschaftslehre. Bedeutung der Volkswirtschaft und Darstellung 
ihrer GrundbegritTe. Production der Güter und ihre Vertheilung. Das Eigou- 
tbum. Der Umtausch. Geld. Das EiDkommen und seine Quellen. (Grundrente, 
Arbeitslohn, Kapitalszius.) Organisation der Unternehmung des Haushaltes. Der 
Credit und seine Hilfsmittel (Wechsel, Anweisungen, Papiergeld, Banken,) Gon- 
sumtion der Güter. Über Association. Über Steuern und Zollwosen. Übersicht 
der wichtigsten Wirtschaftszweige, wobei die volkswirtschaftliche Stellung des 
Handels- und Gowerbcstaudes besonders erörtert wird. Wöchentlich 3 Stunden. 

llnobllgate llaterrlchtagegenstäBde. 

I. Abtheilung (für Anfänger.) 

Französische Sprache. Lese-Regeln, die Formenlehre, sowie jene Haupt- 
regoln aus der Syntax, welche zum Verständnisse leichterer Sätze nothwendig 
sind, mit entsprechenden mündUchen und schriftlichen Übungen. 

Wöchentlich 3 Stunden. 

Zeichnen. Übungen mit dem Zirkel, dem Dreiecke und der Reil^schiene. 
Zeichnen und Übertragen der geraden Linien und des Winkels. Construction 
der Drei-, Vier- und Vielecke. Theilung der Geraden und des Winkels. Maß- 
stäbe und deren Anwendung. Die wichtigsten Constructionen am Kreise. Zeich- 
neu der einfachsten Körper durch Grund und Aufriss nach Modellen und ei* 
genor Abmessung. Wöchentlich 3 Stunden. 

II. Abtheilung (für Vorgeschrittene.) 

Französische Sprache. Weitere Behandlung imd Ergänzung des Lehrstoffes 
der ersten Abtheilung ; bei den mündlichen und schriftlichen Übungen wird 
\ürwiegend das Ilandelsfach berücksichtigt. Wöchentlich 3 Stunden. 

Zeichnen (gleichzeitig mit der ersten Abtheilung.) Zeichnen nach Vor- 
lagen mit veränderten) Mal^stabe; Zeichnen einfacher Gegenstände durch Grund- 
und Aufriss unter inö<^Iichster Berücksichtigung der künftigen Bedürfnisse des 
Schülers. Wöchentlich 3 Stunden. 

Der Unterricht aus den freien Lehrgegenständen: Stenographie, Tur- 
nen, Gesang richtet sich ebenfalls nach der Vorbildung der Theilhehmer und 
winl unentgeltlich crtheilt. 

Ob und welche freie Lehrgegenstände ein Schüler zu erlernen hat, be- 
stimmen die Kitern oder Vormünder; doch empfiehlt es sich, dass jene Schüler, 
welche einen kaufmännischen Beruf anstreben, dem Unterrichte aus 
Ir anz'isischer Sprache, und jono, welche voraussichtlich einem gewerb- 
lichen Beruf e sich widmen werden, dem Zeichen -Unterrichte bei- 
wohnen, endlich, dass jedenfalls alle Schüler, deren Gesundheitszustand es 
zulässt, an dnn Turnunterrichte theilnchmen. 

Als Disciplinar- Vorschriften gelten genau dieselben, wie an der 
Realschule. 



64 

III. Lehrmittel. 

I. Bibliothek der Handelsschule. 

Custos: Professor Franz Holub. 

Vermehrung im Schuljahre 1885/Ü. 

a) Geschenke. 

Vom h. k. k. Ministerium für Cultus und Unterricht: Commereio di THcste 
nel 1884. — Statistik der Seeschiffahrt und des Seehandels in den österr. 
Häfen im Jahre 1884. — Bericht der uied.-österr. Handels- und Gewerbekammer 
über die Industrie, den Handel und die Verkehrsverhältnisse in Nieder- 
österreich während des Jahres 1884. — Statistischer Bericht der 
Handels- und Gewerbekammer in Laibach über die voIkswirtschafUichen Zustände 
in Krain f. d. Jahr 1880. 

Von der lobt. Handels- und Gewerbekammer in Wien: Öffentliche 
Verhandlungen der Handels- und Gewerbekammer in Wien, nebst Gut- 
achten über das handelspolitische Verhältnis zu Rumänien, über den Zolltarif etc. 
und Protokollen. Jhrg. 1885 und 1880. Sitzungsberichte der Haudels- 
und Gewcrbekanmier f. d. Erzhzth. Ost. unter d. E., Jhrg. 1885. 

Vom k. k. Postsparkassenamte: Zweiter Rechenschaftsbericht des k. k. 
Postsparkassenamtes f. d. Jahr 1885. 

Von Verlagsbuchhandlungen: Manz, k. k. Hof- und Universitäts- 
buchhandlung : Dr. Wilhelm Neurath, Grundzüge der Volkswirtschaftslehre, 
Wien, 1885. — Karl Graeser, Wien: Johann Gruber, die einfache und 
doppelte Buchhaltung. Wien, 188G. — Karl Gerold's Sohn, Wien: 
6 Stück diverse Lehrbücher für Handelsschulen . -— G. P i c h 1 e r's W i t w e & S o h n : 
Anton Kleibel, Leitfaden der Handelscorrespondenz. Wien, 1886. — Prof. Franz 
Villicus, die Wechselkunde in kaufniäimischer Hinsicht. Wien, 1885. 

Von Verfassern: Dr. T. F. Hanausek: Über die Lupinensamen und 
ihre Verwendung als Kaffeesurrogat. — Der Ursprung der Culturpflanzen von 
Alphonse de Candolle (im Auszuge mitgetheilt). — Die Raphiafaser. — Braun 
und Hanausek, Materialienkunde, 1. Tbl. — Rudolf Schiller: Kritische 
Bemerkungen über einige neue Abschlussmethoden und Buch führungs- Systeme. — 
C. Weitzel: Wie wird man Maschinentechuiker? 

b) Kauf. 

Jakob Seh orber, IJilanzen Diich buclihalierisch- juridischen Gesichts- 
punkten. Wien, 1885. — Dr. G. Ilabcrlandt: Physiologische PHanzenanatomie, 
Leipzig, 1884. — Weber's illustrirtc Katechismen: Nr. 58, Kauf- 
männische Buchführung, Leipzig 188;x Nr. 5(1. Fischer, Handelsrecht. Leipzig, 1885. 
— Otto Siede, Practisclies Handbuch der Buchführung. Elbing, 1885. — 
Durchführungsverordnungen zum VI. Hauptstück der Gewerbeordnung, 
H. Th. Wien, 1885. — G. J. Metzger, Practischer Lehrgang der Handels- 
correspondenz, L Th., Deutsch- Englisch. Stuttgart, 188G. — Eine Orient- 



65 

reise vom Jahre 18S1. beschrieben vom Kronprinzeu Rudolf von 
Österreich. "Wien, 1885. — Die Geschäftsfrau und die Gehilfinnen 
im G eschä fte, bearh. v. d. Ked.oction des „Mayer Ilothschild''. Stuttgart, 188G. 
— Das Gebührengesetz, Manz'sche Ausgabe, B. XII. Wien, 1885. — 
Arthur Loow und Robert Stern, Wiener Arbitrage und Faritüten- 
Rechnungen. Wien, 1886. 

Fortsetzungen: Jahresbericht über die Fortschritte der Pharmacognosie, 
Phamiacie und Toxicologie. Schluss d. I. Hälfte, II. Hälfte, 1. Abthl.. — 
Hageres Untersuchungen, Schluss des I. Bds. 

Zeitschriften: Globus, illustr. Zeitschrift für Länder und Völkerkunde, 
Bl. 23 bis incl. 31, ferner Bd. 48. — Centralblatt für das gewerbliche 
Unterrichtswesen in Österreich, Bd. 4. — Der österreichische Kauf- 
mann, Jhrg. II. — Aus allen Welttheilcn. Illustrirte Monatshefte (Ür 
Länder und Völkerkunde und verwandte Fächer, redig. v. Dr. 0. Delitsch. 
Leipzig, 17. Jhrg. 

Manzeasamniliing : Dieselbe erfuhr auch heuer eine wertvolle Berdchorung 
durch freiwillige Spenden der Schüler") und wurde in mannigfacher Weise beim 
Unterricht benützt. 

II. Waren - Laboratorium. 

Custos der Waren-Sammlung: Prof. Dr. Othmar Nebeski. 
1.) Waren- Harn niluiiK« 

A. Geschenke: Von Herrn Dr. Th. F. Hanausok, Professor in Wien: 
2 Gesteinsproben von Wallsee und Mauthausen. 

Von Herrn J. Hrdliczka, Landesturnlehrer in Krems: 1 Amethyst- 
Zwilling. 

Von Herrn F. Mareck, Professor in Krems: Kin Stück echten Veilchen- 
holzes (Kernholz und Splint von Ac:icia homalophylla). 

Von Ludwig Dinstl jun., abs. Handelsschüler in Krems: 2 Krystalldrusen 
von Gyps. 

Von der Firma Schmieg er und Kiener in Wien: Eine CoUection 
ausgezeichnet schöner Muster von ungewaschener, gewaschener und gekämmter 
Schaf- und Alpacawolle aus Australien, Buenos-Ayres, Schlesien etc. 

Von Herrn Chr. Priesner, Lehrer in Krems: Eine schön adjustierte 
Zusammenstellung von verschiedenfarbigen Cocons und zwei Modelle von 
Lagertafeln fUr die Seidenraupenzucht. 

Von der Firma M. Igler's Neffe in W^ien: Eine wertvolle CoUection 
von Mustern verschiedener Seidensorten (Rohseide, Organtin, Trama, Tussah-, 
Chappeseide etc.) 

Von der k. k. priv. Pottendorfcr Baumwollspinnerei und 
Zwirnerei: Eine sehr instnictivc Zusammenstellung von Proben von roher 
Baumwolle (amerikanische; egyptische und ostindische B.), den Verarbeitungs- 

•) Sellitsch, Schäflfel, Mannlialtor, Linde, BorRcr (Silber- und Kapfcrmünien), Aiier 
1 Dnkftten, StAlzle 1 Nap. d*or, ferner 5 Mark und 1 Rubel in Silber. 



66 

Stadien derselben (cardierte, gestreckte B., Vorgespinnst) und den fertigen 
Producten (Garn und Zwirn). 

Von Herrn E. J. Hödl, Chemiker und technischen Färl)er in Krems 
Eine schön adjustierte Zusammenstelhmg von Beiz- und Farbstoffen und damit 
gefärbten Proben von Baumwolle, Chinagras, Cocosfaser, Schafwolle, Filz 
und Seide. 

Von dem Schüler der oberen Abtheilung Anton Berger: Ein poliertes 
Stück Labradorit. 

B. Kauf: Durch Herrn R. Emmerling in Amsterdam: 1<» Muster von 
Java-Colonialzucker (die holländischen Standardnumnicrn). 

Von A. Pfanzert's Nachfolger in Wien: Eine Roihc von Drogucn und 
Chemikalien. 

Von Herrn R e s s e k in Krems : Eine Reihe von wertvollen Mineralien 
(Eisenglanz, Adular, Augenachat etc.) 

3.) iBstrumenfte und andere Kfnrichtimgsgegeufitände. 

Kauf. Von H. Kappeller in Wien: Ein geaiohtes Alkoholometer mit 
Correctionstabelle. 

Von C. Staudinger & Comp, in Giessen: Eine Westpharsche Wage 
zum Bestimmen des specifischen Gewichtes von Flüssigkeiten. 

Von C. Reichert in Wien: Ein Saccharimeter mit Fernrohr. 

Von W. Rohrbeck's Nachfolger in Wien: Ein Apparat zur Ermittlung 
der Entflammungstemperatur von Petroleum, ein Meßcylinder, Pnlvcrgläser, 
Kautschukschläuche, Eprouvetten, Abdampf schalen, Kochkolben, Kupferdreh - 
spähne und andere Verbrauchsgegenstände. 

8.) Allgemelue ISaiueiisaniiiiluDg. 

Diese Sammlung wurde durch den Custos um ca. 40 Arten vermehrt. 

4.) Sammlang mikroskopischer Präparate. 

Durch Kauf wurden von W. Rohrbecks Nachfolger in Wien 25 Präparate 
von verschiedenen Holzarten, je einen Radial-, Tangential- und Querschnitt 
enthaltend, erworben; außerdem wurden von Schülern des practischcn Curses 
und vom Gustos einige Dauerpräparate angefertigt. 

5.) Schrift- uud Bildwerke. 

Hartlebens ehem. techn. Bibliothek, Band 3G. — Möller, Mikroskopie der 
Nahrungsmittel. — Dammer, illustrirtes Lexicon der Verfälschungen der Nali- 
rungsmittel etc. — Hager, pharmaceutische Centralhalle, IS^sG. — Uhlworra 
u. Behrens, botanisches Centralblatt, 1880. 

III. Geographische Lehrmittelsammlung. 

Österreichische Monatsschrift fär den Orient, herausgegeben vom orien- 
talischen Museum in Wien, 10. u. 11. Jahrg. — Stumme physikal. Wandkarte 



67 

iler Kai kau- Halbinsel von Kiepert. — Politische Schulwandkarte der Balkan- 
Halbinsol von Kiepert. — Eisenbahn-, Post-, Dampfschiff- und Telegraphen- 
Verkehrskarte von Frh. v. Maasburg. Wien. Perles. (Größere Ausgabe). — 
Desselbon Verkehrskarte in kleinerer Ausgabe. —Aus Schönfeld's Antiquariat in 
Wien: Nordlandsfahrten, Wanderungen durch Norwegen, Schweden und die 
liritischo» Inseln. 3 Groß - Quart - Bände. Lpz. Hirth. — Russland, Land- und 
Leute von II. Roskoschny, 4 Bde. — Afghanistan und seine Nachbarländer von 
ileuis. Verf., 2 Bde.— Europas Colonien von dems. Verf., 3 Bde. Lpz. Schramm 
it Greßner. — Simons- Wagner, Spanien, 1 Band. Berlin. Paetel. 

Verzeichnis der Lehrbücher, 

welche im Jahre 188G/7 in Verwendung kommen. 



X^elrrgregrezistaLZid. 



TJut. -A-'btla.eil-v.i ng | 0"bere -A-"btla.ell"Uja^ 



Kaufmännisches Rechnen 



Kaulich, Lehrbuch der kaufm. Arithuietik, 3. Aufl. 

Schiller R., Aufgahcnsauimlung für.Handclslehranstalten, 

III. Theil. 



Handelskunde 

Wechselrecht, Handels- 
u. Gewerbegesetzkunde 

Elemente der Volks- 
wirtschaftslehre 

Handelsgeographie 



Findeisen, Gruudriss der Ilandelswiäscuschat't, 3. Auflage. 



Geometrie 



Deutsche Sprache 



Französische Sprache 



Stenographie 



Theumann, das österreichische 
I Wecliaelrocht, 3. Aufl. Ililfa- 
I buch: Die Gewerbeordnung v. 
j 20. Dezember 1859. 

i Kichl, Anfangsgründe d. Volks- 
: Wirtschaft, neu bearbeitet von 
I Prof. Franz Richter. 



Kozenn, Leitfaden d. Geograpliie f. d. österr. Mittelschulen. 
I. und III. Theil. ' i II. Theil. 

Schulatlas von Stieler. 

Mocnik, Anfangsgründe der ! 
Geometrie in Verbindung mit i — 

dorn Zeichnen, 17. Aufl. 



WillonVitzer, deutsche Grammatik f. österr. Mittelschulen. 
Schiller Carl, deutsches Lesebuch f. Mittelschulen. 

L Band. | II. Band. ^ 

Ploetz, Elementar-Grammatik der französischen Sprache. 

! Vogel, die Uandelscorrespon- 
I denz in französischer und 
, deutscher Sprache, 2 ThcilCi 
lü. Aufl. 



Kaulmann, Gabelsbergera stenographisches Lehrgebäude. 
Faulmanu, stenographische Anthologie. 



Im practiSChen Curse werden verwendet: Kaulich, Lehrbuch der kaufm. Arithmetik; 

Schiller, Aufgabensammlung, 111. Theil. 
Kichl-Kichter, Anfangsgründe der Volkswirt* 

Schaftslehre \ 
Blodig, die 4 ersten Bücher des allgemciDen 

deutschen Handels- und Wechselrcchtes. 



68 

Y. Unterstützung armer Schüler. 

a) Barunterstiitasiiug. 

Im Laufe des Schul jalires wurden verliehen: 

1. Einem Schüler der untern Abth. der H. Seh. der f. d. IL Sem. 1SS5/6 ent- 
fallende Theil des Landes-Kaiserstipendiums im Betrage von . . . 75 fl. 

2. Zwei Schülern derselben Abth. ein von der Administration des Zchn- 
kreuzervereines in Krems der Direction übergebcner Unterstützungs- 
betrag per 50 fl. 

zu gleichen Theilen. 

b) ITnterstütznugiifonil. 

Ausweis über Einnahmen, Ausgaben und Vermögensstand siolie Seite 52 und 53. 
Es wurden im L Sem. 19, im II. Sem. 10 Schüler mit LohrbOchern, 
darunter 2 auch mit Schreibrequisiten betheilt. 

YI. Bekanntmachung, 

die Aufnahme der Schüler betreffend. 

Das nächste Schuljahr beginnt am IG. September 1880. 

Die Aufnahme der Schüler findet vom 14. September angefangen von 
9 — 11 Uhr Vormittags und 2 — 4 Uhr Nachmittags in der Directionskanzlei statt. 
Alle Schüler haben sich in Begleitung ihrer Eltern oder deren Stellvertreter 
bei der Direction zu melden. 

Schüler, welche in den 1. Jahrcurs der n. ö. Landes-IIandelsschule eintreten 
wollen, haben den Nachweis über ihr Alter (Tauf- oder Geburtsschein) und das 
Entlassungszeugnis der allgemeinen Volks- oder der Bürgerschule beizubringen, 
eventuell das letzte Studienzeugnis vorzuweisen. 

Schüler, welche direct in den IL Jahrcurs eintreten wollen, haben außer 
dem Tauf- oder Geburtsscheine auch ihre Semestral-Zeugnisse vom Schuljahre 
18S5/G vorzuweisen. 

Schüler, welche in den practischen Curs eintreten wollen, ohne die obere 
Abtheilung absolviert zu haben, müssen nachweisen, dass sie sich die nötige 
fachliche Vorbildung verschafl't haben und mindestens 17 Jahre alt sind. 

In Betreff des Schulgeldes und der Schüler-Unterstützung gelten dieselben 
Bestimmungen wie an der Oberrealschule. 

Die Direction ist jederzeit bereit, über gestellte mündliche und schrift- 
liche Anfragen in Betreff der Einrichtung der Schule, der Aufnahme und Unter- 
bringung auswärtiger Schüler in hiesigen Kosthäusorn weitere Auskünfte zu 
ertheilen. 



69 

2ur Chronik der Lehranstalt 

Mit Beginn des Schuljahres 1885/0 trat der seit dem 20. September 1875 
an der Lehranstalt thätige Professor Dr. Thomas Hunausek aus dem 
Verbände des Lehrkörpers und dem nied.-österr. Landesdienste, da ihm eine 
Lehrstelle an der k. k. Staatsoberrealschule im VII. Bezirke Wiens verliehen 
worden war. Sein zehnjähriges erfolgreiches Wirken an der Landesoberreal- 
und Handelsschule in Krems wird um so weniger vergessen werden, da die 
Warensammlung der Handelsschule, an deren Einrichtung, Ordnung und 
Bereicherung er mit rastlosem Eifer und voller Hingebung für seine Fach- 
wissenschaft arbeitete, stets an ihn erinnern wird. Sein lebhafter, alle Zeit- 
fragen und Schulangelegenheiten schnell erfassender Geist, sein offener Charakter, 
sein für alles Edle und Schöne begeisterter Sinn erwarben ihm zahlreiche 
Freunde unter den Berufsgenossen und in vielen anderen Kreisen der Stadt- 
bevölkerung. Mit Bedauern sahen ihn dieselben von Krems scheiden und ihre 
besten WCfnsche begleiteten ihn in den neuen Wirkungskreis. An dessen Stelle 
wurde als prov. Professor an der Landes- Oberreal- und Handelsschule in Krems 
Dr. Othmar Nebeski angestellt, welcher durch drei Jahre an der Handels- 
Akademie in Wien als Supplent des Lehrfaches der Warenkunde thätig war. 

Für den zum Reichsraths- und Landtags -Abgeordneten gewählten und 

deshalb beurlaubten Professor Franz Richter blieb der bisherige Supplent 

Adrian Schuster auch im Sch.-J. 1885/6 in Verwendung. Für die Lehrfächer 

Deutsch und Französisch an beiden Lehranstalten wurden der schon im Sch.-J. 

1684/5 an denselben thätige Supplent Josef Tauber u. der Supplent an der 

mähr. Landesoberrealschule in Iglau, M artin Meingassner pro 1885/6 bestellt. 

Im Oktober 1 885 erwarb Professor Robert Kirchberger die 

! Approbation für das Lehramt der Stenographie an Mittelschulen mit deutscher 

. Unterrichtssprache. 

Am 2. März 1886 betheiligte sich der gesammte Lehrkörper an dem 
Leichenbegängnisse des Reichsraths- und Landtagsabgeordneten Herrn Franz 
Schüre r, der durch eine lange Reihe von Jahren der Nachbarstadt Stein als 
BQrgermeist^r vorstand. 

Am 22, März d. J. erkrankte Professor Franz Müll n er und wurde 
am 23. April über sein Ansuchen auf Grund des vorgelegten ärztlichen Zeug- 
nisses bis zum Schlüsse des Schuljahres beurlaubt. Zur suppletorischcn 
Ertheilung des Religionsunterrichtes an der Landesoberrealschulc wurde mit 
! Genehmigung der kirchlichen Oberbehörde und des h. k. k. Landesschulrathes 
■ der Stadtpfarr-Cooperator, Herr Franz Jandraschitsch, vom hohen n. ö. 
Landesausschusse bestellt. Die Lehrstunden für Geographie und Geschichte, 
Welche Herrn Professor Müllncr zugewiesen waren, übernahmen die Professoren 
Pokorny, Dr. Strobl und der Berichterstatter. 

Am 25. und 2(i. Juni inspicierte der Herr k. k. Landesschulinspector 
Dr. Julius Span gl er die Lnudes-Handelsschule eingehend und wohnte dem 
Unterrichte in beiden Abtheilungen an. In einer hierauf abgehaltenen Conferenz 

9* 



70 

sprach der Herr k. k. Laudesscbulinspector seine Befriedigung über die rationelle 
Methode und die Leistungen der Lehrkräfte aus. 

Am 28. Juni, 2. und 5. Juli wohnte Sr. Hochw. der Herr Propst Dr. 
AntonKerschbaumer dem Religionsunterrichte an der L. - Oberrealschule an. 

Am 1. Juli begannen die Versetzungsprüfungen. 

Da für die unter dem Vorsitze des Herrn k. k. Landesschulinspectors 
Dr. Mathias Kitter von Wretschko abzuhaltende mündliche Maturitäts- 
prüfung der 15. JuH bestimmt worden war, wurde das Schuljahr am 14. Juli 
geschlossen. 



71 

Personalstand des Lehrkörpers der Landes -Oberreal- 
und Handelsschule im Schuljahre 1885/6. 

1. Felix A. Eberle, Dircctor der Lehranstalt, lehrte Geographie in der 1., 

Geschichte in der 7. R. Cl, vom 29. März an auch Geschichte in der 4. 
U. Cl. 

2. Franz Dintzl, Professor, Ordinarius der I. R. Gl., lehrte Mathematik in 
der 1. u. r»., Freibandzeichnen in der 1. R. Gl., Kalligraphie in beiden 
Abtheihingen der H. Seh. und in der 1. u. 2. R. Gl. 

3. Dr. Anton Ehrenberger, Professor, Ordinarius der VI. R. Gl., lehrte Ma- 
thematik in der 4. u. fi., Physik in der (J. u. 7. U. Cl. 

i . Johann Forstner, Professor, Ordinarius der V. R. GL, lehrte Naturgeschichte 
in der 1., 2., 5., 0. u, 7., Physik in der 4. R. Gl. 

•'>. Franz Holub, Professor, Ordinarius der untern Abtheilung der H. Seh., 
leiirte in der unt. Abtli. d. H. Seh. Handelskunde, Gorrespondenz und 
("uHiptoirarbeiten, in der ob. Abth. der H. Seh. Buchhaltung, kaufmän- 
nisclies Rechnen und Volkswirtschaftslehre (im 2. Semester), im praktischen 
Cursc Volkswirtschaftslehre und Handelsgesetzkunde. 

ti. Oswald Horst, Professor, Ordinarius der IV. R. Gl., lehrte Freihandzeichnen 
vt»n der i>.- -7. R. Cl. 

7. Johann Hrdiiczka, Landes - Turnlehrer, lehrte .Turnen in sämmtlichen Glas« 
sen der Lehranstalt. 

^. Robert Kirchberger, Professor, Ordinarius der U. R. GL, lehrte Mathematik 
in der J.. (icomctrie und geometr. Zeichnen in der 2. u. 4., darstellende 
UecMiictrie in der ü. R. CL, Geometrie in der unt. Abth., Zeichnen in 
beiden Abtheiluiigcn der H. Seh., Stenographie in 2 Abtheilungen. 

'» Friedrich Mareck, Professor, lehrte Chemie in der 4., 5. u. 6., Physik in 
der :j. R. CL und leitete die praktischen Übungen im chemischen Labo- 
ratorium. 

Ui Franz Müllner. Weltpriester, lehrte Religion in der 1., 2., 3. u. 4. R. GL, 
<uM)«|:ra|>hi»' in der k, (lescliichte in der 3. u. 4. R. CL — Vom 23. April 
an ])is zum Schlüsse d(»s Schuljahres beurlaubt. 

II Dr. Othmar Nebeski. Professor, Ordinarius dos praktischen Curses der 
IL Seh., lehrte Warenkunde und Ilandelsgcographic in beiden Abtheilungen 
'Li IL Seil, und leitete die Übungen der Schüler des praktischen Curses 
i:;i WiinMilaboratoriuin. 

'- Felix Franz van Overschelde, Professor, Ordinarius der VII. R. CL, lehrte 
i'V;ui/<isiscli in der 1 u. 7., Kn^'hsch in der 5 , <i. u. 7. R. CL 

^ •■ Anton Pokorny. Professor, hilirte Deutsch in der 3. u. ü. R. Gl. und in 
iloi uiit. Aiitli. der IL Seli . Geschichte in der 3. und 0., und seit 29. März 
<ie()i,'r;ij)hie in der :i. U, Cl. 

'^ Franz Richter. Professor, nls Reichsraths- u. Landtagsabgeord. beurlaubt. 



72 

15. Dr. Johann StrobI, Professor, lehrte Deutsch in der 5. u. 7. U. Gl. und 
in der ob. Abth. der H. Seh., Geschichte in der 2. u. 5., Geographie in 
der 2., und seit 29. MärzTauch in der 4. R. Gl. 

IG. Ignaz Walter, Professor, Ordinarius der III. R. Gl, lehrte Mathematik in 
der 3. u. 7., Geometrie und geometr. Zeichnen in der 3., darstellende 
Geometrie in der 5. u. 7. R. Gl., Gesang in 2 Abtheilungen. 

17. Franz Jandraschitscb, Weltpriester, ertheilte seit dem 28. April den Re- 
ligionsunterricht in den 4 unteren Glassen der R. Seh. für den beurlaubten 
Religionsprofessor. 

18. Martin Meingassner, Supplent, lehrte Deutsch in der 1. u. 4., Französisch 
in der 1. u. 6. R. Gl. und in der ob. Abthl. der H. Seh. 

11). Adrian Schuster, Supplent, approbiert für Handelswissenschaften, Ordina- 
rius der obern Abtheil, der H. Seh., lehrte in der unt. Abth. der H. Seh. 
kaufm. Rechnen und Buchhaltung (im II. Sem.), in der obern Abth. der 
H. Seh. Handelskunde, Gorrespondenz und Gomptoirarbeiten, Wechselrecht 
und Gewerbegesetzkunde, im praktischen Gurse kaufm. Rechnen, leitete 
auch das Übungs-Comptoir in demselben. 

20. Josef Tauber, Supplent, approbiert für Deutsch und Französisch, lehrte 
Deutsch in der 2., Französisch in der 2., 3. u. 5. R. Gl. und in der unt. 
Abth. der H. Seh. 

Schuldiener : Josef £rl und Edmund Etzel. 



73 



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Statistische Angaben über den Schülerstand und den Fortgang der Schüler. | 


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1 1 1 1 1 1 i ; ^>^*^ 1 1 - 1 i|g.|s| ** = 


L) I»ariint€r G"moiajicher, 2 eVangeliachcr, die Übrigen rlini.- , 
kathfvl. Ecligion. — Der NatronalitiU nach Bämmtltch DeutSL-ht bis 1 
aut 1 FnuizoieD. — 2,) Darunter 2 mosaiacher, diu flbri^^on riini.- 
kath. Religion, — Der Nationalität nach 2 CÄ^chen, alle ilhrigen 
Deutache. — ä,) Geaammtbetrcg des bezahlten ScbuIgMdea hYMl 11, 
m&vöa 246 f1. auf die Ilandelüschule kommen. 4.) üeswumthetraß 
der Stipendien 7^G H. fbie?on 75 fl. au der llandelssclinle.) ^ - 
fl.) Oeiainnitbetrag der BanintfirstntzMngea lö5 H. (hicvon bO tl 
Uli der Handelsschule.) ^ 



74 



Bericht 



über die mit der Landesoberreal- und Handelsschule vorl)uiidcne gewerbliche 
Fortbildungsschule und den Abendeurs für kaufmännische Lehrfacher. 

I. Gewerbliche Fortbildungsschule. 

A. liOhrplan. 

Im Schuljahre 1885/6 wurde im Allgemeinen der mit Erlass des h. k. k. 
Landesschulrathes vom 30. Mai 1877, Z. 2388 genehmigte Normal - Lehrplan 
fftr die gewerblichen Fortbildungsschulen in Oesterreich u. d. Enns eingehalten, 
mit Ausnahme einiger Abweichungen, welche mit Rücksicht auf die lokalen 
Verhältnisse für die gewerbliche Fortbildungsschule in Krems durch den hohen 
k. k. Landesschulrath mit den Erlässen vom 30. October 1878, Z. 0030 und 
vom 1. August 1883, Z. 4765 bewilligt worden waren. 

Die gewerbliche Fortbildungsschule besteht aus einem Vorbereitungscurse 
und einem gewerblichen Fortbildungscurse. 

Der Zeichenunterricht wird im gewerbl. Fortbildungscurse in 3 Abthei- 
lungen ertheilt. Der Abendunterricht dauert vom 15. September bis ir>. März, 
der Sonntagsunterricht das ganze Schuljahr hindurch. 



Stundenplan und Lehrfächervertheilung. 



Tag 



Montag 



Dienstag 



Mittwoch 



Donnerstag 



Freitag 



Sonntag 



Stande 



6—7 
abds. 



dto. 



dto. 



dto. 



dto. 



Vorbereitungscurs 



%, 



tun dp' <io\v. Fortbildiinpscurs 



Sprach unteriiclit (Ijcseii 

und Schreiben). 
Oberlehrer Jul. Miick. 



..II. 



Mündliches und schrit'tl. 
Rechnen. 



i Spracluintorrirlit und 

! 6—7 ; (rcographie. 

, Prol. Dr. Job. Strobl. 

' . - .\rithmetik. 

■ ' ; Piol. Franz Dintzl. 



^ « j (.ioometrie. 

' I rn>l. A. Khrouberger. 



Wie am Montag. 



Wie am Dienstag. 



0-7 

6—7 : 



(icschäftbuut'sätzc. 
Prof. Dr. Strobl. 

Arithmetik. jVom Jänner 

an gew. Buchführung. 

Pn.f. Fr. D i n t z 1. 



I V29 — Ij Xaturlelire. 

^,10 . Prof. A. Ehrenberper. 

i Freihandzeiclmeu. 



VjlO Vorbereitendes Zoiehnon. 

— K. k. Uebiingsscliul- 

Vj12 lehrcr Thomas Wolf. 



9-12 



Prof. Oswald Horst. 



j^ ^'^ Prof. U. Kircbbergcr. 



Gcometr. Zeichnen, 
rof. U. Kirch berge 

Pn lol! Technisches Zeichnen 

1' '-"I Prof. Ignaz Walter. 



75 



B.) Schttlerstsnd Im Schnljahre 188S/6. 





Vorbereitungscurs 


Gewerblicher Fortbildungscurs 


Summe 




6 monatl. 


1 Vorher. 


6 monatl. . 


Geometr. 


Techn. 


Freihand- 






■ Abende. 


; Zeichnen 


Abende. 


Zeichnen 


Zeichnen 


■ Zeichnen 




Einioreschrieben 
wurden : 


30 


! 22 


15 


14 


14 


j 24 


119 


Am Schlüsse des 
Corses waren: 


22 


1 
1 

! 16 

1 


13 


10 


11 


20 


92 


Durchschnittlich 
waren anwesend: 


18 


13 

1 


10 


10 


10 


i 16 


76 


Das Lehrziel haben 
erreicht : 


19 


Vi 


11 


11 


10 


18 


81 


Unclassificiert 
blieben : 


3 


' 6 


2 


4 


3 


■ 

1 

4 

! 


27 



Zls. Die Zahlen in den Bubrikun 2, 4. 6 und ti beziehen sich nur auf Jcno Sohttlor, die am Zeichen- 
unterrichte allein theilnahmen. Viele jener SchUler, welche am Abendiintcrrichtn theilnahmen, be« 
5uchten auch eine d'>r Abthoiiungen des Zeichenunterrichtes. — J)in ruterricbt in der Physik be- 
suchten von 7 aufgenommi'neu ächiüem durchschnittlich 3. 

Der Besuch der Schule wie auch die Unterrichtaerfolge waren im Ganzen 
befriedigend. Rechnet man die 27 nichtclassificierten Schüler, welche aus ver- 
schiedenen Gründen während des Schuljahres austraten oder nur sehr unregel- 
inäl>ig die Schule besuchten, ab, so waren dnrchschnittHch mehr als S()"^j beim 
Unterrichte in den verschiedenen Abtheilunp;en anwesend, und W^-,) erreichten 
das Lehrziel. 

Am 25. Jänner 1886 fand wieder gemäL^ dem n. ö. Landesgesetze vom 
'2^. November 1^>Ü8 die Wahl der vier (jewerl)eschulinspectc)ren für 
den Gewerbeschulbezirk Krems statt. Es wurden j^ewilhlt : die Herren Eduard 
Keichel, Eisen war enhündler in Krems, Ambros Schmidt, Schriftonmalcr in 
»Stein, Ferdinand So che, Maurermeister in Krems, Jnscf VVeil\ Schneider- 
meister in Krems. 

V.) I^eliriniUel. 
Das hohe k. k. Ministerium f. C. und Unterricht spendete der gewerbl. 
Fortbildungsschule in Krems: 1.) Vorlagen für das Fachzeichnen der Schulimacher 
an gewerbl. Fortbildungsschulen und verwandten Anstalten, herausgegeben von 
Emanuel Gerhart. Reichenberg 188.'). 2.) Einführung in das technische Zeichnen 
nach Modellen als Vorschule für den Unterricht im Maschinenzeichnen, heraus- 
gegeben von Sigmund Gottlob und Oarl Grögler. Wien iss^i. 

Die n. ö. Handels- und Gewerbekammer spendete für 12 Lelirlinge, welche 
die Schule tieiPig besuchten, je ein halbes Reilveng. 

Zum Ankaufe von Lehrmitteln wurden ')0 ii. aus dem (Jewerbeschulfonde 
und lö tl. <)0 kr., die Interessen der Maurer- und Müllerstiftung, aus der Stadt- 
kassa in Krems verwendet. 

Angekauft wurden: Schreib- und Zeichenre(iuisiten. Das ('entralblatt f. d. 
gewerbliche Unterrichtswesen. IV. Band. 



Die Aufnahme der SchQler in die gewerbliche Fortbildungsschule und 
den Vorbereitungscurs für das kommende Schuljahr beginnt am 2 0. Sc()- 
tember 18SC. \c^ 



76 



II. Äbendcurs für kaufmännische Lehrfächer. 

1. liehrplan. 

Untere Abtheilung: 

XCsu'va.&a.&ziziisclies 3E^ecläja.ezi: £s wird mit den Grundrechnungsarten be- 
gonnen, dabei dem Rechnen mit Dezimalen besondere Aufmerksamkeit geschenkt ; die practisch 
anwendbaren RechnungSYortheile werden gezeigt; die Münz-, Mafi- uud Gewichtsverhältnisse 
der wichtigsten Staaten Europas mit besonderer Berücksichtigung des metrischen Systems 
vorgenommen. — Ferner werden die Durchschnittsrechnung, die Lehre von den Verhältnissen, 
Kettenregel, Gesellschafts-, Mischungs- und Procentrechnung, einfache Warenrechnung, Gewinn- 
und Yerlustrechnung durchgenommen. Der Anwendung aller dieser Rechnungen in der Ge- 
schäftspraxis wird £e eingehendste Berücksichtigung gewidmet. 

OozxespozicLeaQJZ, Oozxiptoizsiz'beitezi ds TT^T'ecDnjseUc-ojo.cLe : Der 
Unterricht beginnt mit der Ausfertigung der einfachsten kaufmännischen Noten und Rech* 
nungen, an die sich die Ausstellung von Facturen, Spesen-Rechnungen, Zolldeclarationen, 
Verkaufsrechnungen etc. ausschließt. In Verbindung mit der Erklärung der einzelnen Schrift- 
stücke werden die zu denselben gehörigen Briefe abgefasst und erläutert. Die Vorträge über die 
wichtigsten Theile des Wechselrechtes, die Ausfertigung von Wechseln, die mit denselben im Za- 
sammeuhange stehende Correspondenz bilden den Schluss des Unterrichtes in dieser Abtheiluug. 

TTsT'sizezils-CLaa.cLe: Urzprung (Gewinnungsweise), Eigenschaften, Vorkommen und 
Verwendbarkeit der wichtigsten Waren mit besonderer Berücksichtigung der vorkommenden 
Verfälschungen. — Practische Anleitung zum Erkennen der Waren. 

Obere Abtheilung. 

XCsu-oJExxx&ziziisclies Z^ecliziezi: Kurze Wiederholung der wichtigsten Partien 
der 1. Abtheilung ; Zinsenrechnung, Discont- & Termin-Rechnung ; einfache Conti correnti; Geld-, 
Silber-, Obligations- und Münz-Rechnung nach dem Wiener Cursblatte; Warencalculationen. 

BvLc'h.'h.eiltiaja.gr vlzicL Oozzespozid.ezi2: Kurze Wiederholung des Lehr- 
stoffes der 1. Abtheilung. Theorie der einfachen und doppelten Buchhaltung. Verbuchung 
eines einmonatlichen Geschäftsganges im Warengeschäfte und Ausfertigung aller in demselben 
vorkommenden Briefe und Rechnungen. 

T7s7'eixezi]az-aj:id.e : mit der unteren Abtheilung gemeinschaftlich. 



Stundenplan und Lehrfächervertheilung. 


Tag 


Stunde 


Abtheilg. ' 


Lehrgegenstand 


Montag 


8-9 
abends 


I. u. II. 


Warenkunde. 
Prof. Dr. Othmar Nebeski. 


1 

Dienstag 

1 


dto. 


1 
I. 

11. 


Kaufmännisches Rechnen. 
Prof. Franz H o 1 u b. 


Buchaltung und Correspondenz. 
Suppl. Adrian Schuster. 


Mittwoch 


1 dto. 


I. 
IL 


Correspondenz und Weclisel künde. 
Suppl. Adrian Schuster. 


Kaufmännisches Rechnen. 
Prof Fr. Hol üb. 


Donnerstag 

i 


■ dto. 


I. u. 11. 


Warenkunde. 
Prof. Dr. Othmar N e b e s k i. 


Freitag 


i dto. 


I. 

n. 

i 


Kaufm. Rechnen. 
Prof. Franz II o l u b. 


! Buchhaltung und Correspondenz. 
Suppl. Adr. Schuster. 



77 



2. Schfllerstand im Jahre 1885/6« 



Unt Abtheiltuig 



Ob. Abtheilung 



Saxnnid 



Aa^enommcn 14 

Darchschnittlicb waren anwesend 9 
Das Lehniel erreichten .... 11 



Aufgenommen 12 

Durchschnittlich waren anwesend 6 
Das Lehrziel erreichten . . • • 4 



26 
15 
15 



Die Anfinahme der Schüler für das nächste Schuljahr beginnt am 27. Sep- 
tember 1886. 



Zum Schlüsse beehrt sich die Direction im Namen des 
gesammten Lehrkörpers allen Förderern der Landesober- 
real- und Handelsschule und der gewerblichen Fortbildungs- 
schuley sowie auch den Wohlthätern der armen Schüler den 
wärmsten Dank auszusprechen. 



In dea Jahre sberidnen der Laluranstalt wurden bia 
folgende Abltandlungen veröffentlicht: 



ld04 Kurz ' 'iorauilebea dout4chdr Didituu^ 10 

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1867 Mareci -lod- 

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l^io^^ti m ihreia Zu^mmoitbiifigQ mit d@r korpßiliiaobeti 

1377 EbrenbfirQßr A«: «Die GaniafancUoii and deren Anwandting.^ 39 
Schiller ' ' ''' ilmi Uulijriicht m Correfpondiiuz tmd 

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/ j] Dr. Strflbl J ' j^un mä Steia £01 MiUutaltcir. 

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l»??! Pr* Ebrenbirger A*: ^Herbiirt imd die Elaiiüicbo Schu 

isa^j Dr. Ebnmbertier X «Begoif tmd Prohkm dür MalürrL*.- iu ^ 



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^(tides-^aiti^elsseMle \n ^nm, 



»r&ffentlioht am Schlusae des Sohuljahres 



1887 



II 



V| v; 






Sdnule umd JE^aus. 



filcia pAdägoglache Siüdle, K^widmet den Eltern ler 3tudifrtnd9&, 

von 



h 



Dr, Anton Ehrenberger 



Nlr.ht galten ist Ate Ktaj2:e zu vernehmen, dasK so viele Kinder, 

velrh<» In einf Mittelj^clmle eintreten, nicht ans Ziel kommen, dass oft 

auni iler zehnte Theil von Jen gleiclizeitig Eintretenden die Mittelschule 

Molviert, daiis viele vor Abschluss der Mittelschulbildang, gewöhnlich 

hon vor AliKehlnsF der ersten Hffifte. die Mittelj^cbule entweder frei- 

illig oder dnrch die Umstände gezwungen verlasaen and damit ^nge- 

mhen, rfe seien rleo ^ gewiss nicht zu hohen — Anforderangen nicht 

wachsen*). Solrtie Klagen werden wohl zumeist van den Eltern der da- 

lotrh betroffenen Kinder erhoben, aber nicht ausschlieSIich ; auch nnbe- 

eiligte Zu^rhauer sind leicht geneigt in diese Klagen ein^nstimmen, und 

enn man die nakten Zahlen berücksichtigt, so sind dieselben scheinbar 

recbiigt. Es ist dann nur ein kleiner Schritt, der von diesen Klagen 

den rermeintlichen l^rsachen führt; uad was liegt nälier, als zunächst 

od in er»<ter Linie die Lehrer dief^er Schulen dafür verantwortlicli zu 

machen, in zweiter Linie die Einrichtung dieser Anstalten in Verbindung 

it im Behörden, die Lehrbücher, die Lehrmittel u. s. w. n. s, w:, mit 

nem Worte die Schule als srdch«. Wie selten findet sich jemand^ der 

innert, dass auch noch ein zweiter Factor dabei im Spiele ist, ein 

actor, dem gewiKS ebenfalls eine grolie Bedeutung Eukounnt» daa Kl lern- 

er Kijsthaus, Wie sichnell ist man da mit Klagen über Ueberbilrdung 

der Hand, mit Klagen über i^chlechte Lehier, über schlechte Methoden, 

ihiacbte Schuleinrichtungen u. dgl Man begnügt sich nicht, wenn einmal 

II Fall varkünmit, der zu einer Klage berechtigt — wer wollte leugnen, 

auch da Uuvollkumiuenheiten, ja vielleicht Fehler vorkommen! — 

Itesen Fall ipeciell heivorzuheben, sondern man gieift gleich den ganzen 

d, die ganze Einrichtung an« thut dies nicht bei der vorgesetzten Behörde, 



^ 



'} DiT AiiMiInick Mittelöclmle ist Uier in 4em Siune gfeuomtnen* wie er »n Oe- 

nj^rrtjcii mnicaueku i?an£ iiml fc^ke ist, %h ullg^ineine Be/^ekhniiu^ für t^ymnaKiniu nucl 

Jm^balf über «Ittrclmus T^rnttUiedmi von iler »tügettaunteu Fatk'flrben MittelHcbute, 

ddie eb« ZwinrbfUMiiifc Kwiiicheu iter Bleiiieuur^rbnle tniiHnrer V'ülk^Kf'btilB) und ilea 

laimt^ii hiiherru oder (gelehrten Srbnlm (i^leir.hbmletiteiiil mit tiDserem Gymnailuni, 

ItalfTiDiiiiiiitni und tiiiHcrr^r Hea1itcbn!e) i^L Verj^L \V* BnnholoinÜai, die Mlitslschalt 

In il^oa V«rhlhtiUie zur Volkjftcbale Qad d«ii böbtrea Lehrtnitalten. 



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somit an derjenigen Stelle, von welcher Abhülfe geschaffen werden könnte, 
nein, man benutzt öffentliche Versammlungen und Blätter^), die auch der 
Jugend zugänglich sind, derselben Jugend, über deren Missbildung oder 
Mangel an Bildung geklagt wird. Man ist so arg verblendet, dass man 
gar nicht merkt, ein wie grobes pädagogisches Vergehen durch ein der- 
artiges Benehmen begangen wird, dass es ein ärgeres Gift für die heran- 
wachsende Jagend als derartiges nicht gibt. Die Lehrer hinwiderum, die 
ja auch gegen die Thatsache nicht blind sind, suchen den Grund dieser 
Erscheinung gröBtentheils in den Schülern, klagen über schlechtes Ma- 
teriale, schlechte Vorbildung, ünfleiß und Theilnahmslosigkeit vonseiten 
der Schüler und des Hauses u. dgl.; und wer je einmal in einer Mittel- 
schule als Lehrer beschäftigt war, wird nicht in Abrede stellen können, 
dass häufig derartige Klagen berechtigt sind, dass nur zu häufig die 
hauptsächlichsten Bedingungen, um an das von der Schule angestrebte 
Ziel zu kommen, fehlen: genügende geistige Begabung der Schüler und 
die erforderlichen häuslichen Verhältnisse. 

Meine Absicht ist es nun nicht, die gröSere oder geringere Berech- 
tiguug derartiger Klagen zu untersuchen; meine Absicht ist auch nicht, 
auf diejenigen, die herüberschielien, hinüberzuschieSeu ; die Aufgabe, die 
ich mir gestellt habe, möchte ich dahin zusammenfassen, eine Verständi- 
gung anzubahnen zum Besten der Schüler, eine Verständigung derjenigen 
Factoren, die an der Arbeit in erster Linie betheiligt sind, der Schule 
und des Hauses, nach Grundsätzen, wie sie eine wissenschaftliche Päda- 
gogik aufstellt, und verstehe darunter eine solche, welche aus einem ab- 
gerundeten System logisch durchgebildeter, aus sicheren Principien abge- 
leitetei' und erfahrungsmäfiig geprüfter Begriffe besteht'). Denn wenn 
auch der Ursachen gar viele sind, die manche Schüler zwingen, die 
Mittelschule vor der Zeit zu verlassen, so erleidet die Ausbildung vieler 
doch deshalb schon auf halben Wege Schiffbinich, weil das Haus das 
rechte Verhältnis zur Schule nicht kennt, nicht sucht, nicht findet; und 
diesem Uebelstande möchte ich nach Möglichkeit entgegenkommen. 

Ich bin mir zwar bewusst, dass manche die Pädagogik als Wissen- 
schaft, als philosophische oder begrifiliche Wissenschaft belächeln, be- 
zweifeln, ja geradezu verneinen, dass sie dieselbe als reine Erfahrungs- 
saclie bezeichnen und zur Bekräftigung dieser ihrer Ansicht sich auf ihre Er- 
fahrungen und, wenn es hoch geht, sich allenfalls noch auf Erfahrungen 
anderer Praktiker berufen und auf die Erfolge von diesem Standpunkte 
aus hinweisen. Ich bin nun weit entfernt, diese Erfolge zu bezweifeln, 
gebe sogar zu, dass sich auf diesem Wege eine gewisse Routine, ja viel- 

') Ich vermeide absichtlich die Nennung von Namen, weil es mir einzig nnd 
allein nm die Sache sn thnn ist. nm die Hebung und Vermeidung der Hebel» fände, bu 
welchen Namen nichts thnn. 

') Dr. G. Fröhlich, die wissenschaftl. Pädagogik Herbart— Ziller— Stoy 's. 1886 S. 1. 
Ziller T. Vorlesungen über allgemeine Pädagogik. 1876. S. 37. 
Waiu Th. Allgemeine Pädagogik v. 0. Willmann. 1883. S. 17. ff. 



ioftar T&Vt') ertrerben lässt, möchte aber gleichzeitig eritmem, 

dieü der StÄiulimnlct de^ (angebildeten) Haudwerkeräj ist, der ^vM- 
koomicii irmtiüual und unbewusst über das, was er that uod wie er ei' 
iuU Hich beg:imgt mit rler Thatsache des Maeheuk^nnens'*, dasg die auf 
"solche Weise geniacliten Erfahrungen tiur den zuMligm, x weif el haften 
Wert eines mehr oder minder glücklichen Griffes im Unbestimmte in An- 
-pmch nehmen können und dalier auch nichts be weisen j nichts entsclieiden. 
Kini*n wahren Wert erbalten Erfalirungen erst durch die Gesichtsimnlcte^ 
unter di«^ nmn de stellt, nnd ilazu ii«t attf jedem Felde eine gewisse theu- 
nsliBclie Bildung noth wendig, von welcher beleuchtet, die Erfahrungen 
weiter vai arbeitet werden müssen, wenn sie für die Znkanft sich nutzbar 
erweisen sollen. Der tlieoretiscb Ungebildete hat deshalb überhaupt kein 
Recht, flieh auf seine Erfahrungen zü berufen*). Wie vor seinem Auge die 
tehni*iehsten Erscheinungen der Natur and des gesellschaftlichen Lebens 
vorhl>ergehenT ohne dass er ans ihnen irgend eine Lehre ^iebt, so geht es 
ihn) auch mit seinen pädagogischen Erfahrungen} und zwar um so mehr, 
als die meinten» welche durch ihre Lebensverhältnisse ges&wungen 
' ' ■ ^--'gisch tliätig xn sein, sich die Freiheit des Blickes und selbst die 
auf ihr Geschäft durch den Wahn rauben lassen, dass da» 
Krziehen von einem nicht unverständigen Mensclien auch ohne weiteres 
Nachdenken auf die redite Weise ausgeübt werden könne ^)* So viel zur 
Klarlegung meines Standpnnktes. Ich wollte damit nur zeigen, dass keinem 
Pädagogen bei der Bethätigung seiner Kunst allgemeine theoretische Qe- 
ikte entbehrlich sind, und gleichzeitig hervorheben, dass die Zu- 
. . ,v., .^ung der Theorie „als todte Äbstraction der dem Leben entfrem- 
deten Gelehrsamkeit** vonseiten des Praktikers, der Wunsch einer mehr 
jlfiH^igen Er/iehung^lehre** vonseiten desselben meist anderweitig begrün- 
tet ist, nämlich dadurch, dass er feste Begriffe nicht in den Fluss der 
Vnwendunfj tu bringen verstellt, oder dadurch, dass er sich wohl fühlt in 
-r*in*?r Routine und dadurch gar keinen Wunsch verspürt, tieferen Einblick 
I hiü Gaivie der Erziehung zu erlangen. Andererseits glaube ich auch 
ih at den Vorwurf „des Hoclmiuthes des Theoretikers" zu verdienen, da 
\rh ja ausdrücklich hervorhob, dass keine der Erfahrungen verloren gehen 
darf, aber jede tlem theoretischen Nachdenken unterworfen werden muss, 
um dadurch fUr die weitere Entwicklung, Umgestaltung and Specialisie- 
rttog der Theorie benutzt zu werden. 

Von diesem Standpunkte ans will ich das Verliältnis von Schule und 
ilaoii eK^rtern, in der sicheren Ueberzeugung, dass, wenn dieses Verhält- 
nb« allseitig richtig erfas^t und erkannt, sowie nach dieser Erkenutniii 
Kt*handelt wird, ein grr^ßerer Theil junger Leute vor dem Verderben be- 

'» Tükt ab pada^ü^'^tscher in iI^tq Hibue ^eni^mnieu. wh ihn Lamrnti, Leben tief 
-ete in. 9, 12 ereil lert. 

*> WiWiÄ Tb. Ä, n. U. S. 84. 

*> Die An^iiebt. d«»s die Ftihrtmg und Bciirtlieihniir der Eraielmng rUe dnriitsbi* 
,thr^ ^Ip» fchliditen MeiiÄ<^h^nverjitaiid<i» und ijntnn Willens »ei, tprarh tielbst acK-li 



wahrt oder mit weniger Nachtheil ftir ihre leibliche und geistige Gesund- 
heit ans erstrebte Ziel gebracht werde; als warmer Freand der Jugend 
unterziehe ich mich gerne dieser — nach meiner Ueberzeugung nicht 
leichten — Aufgabe und werde mich reichlich belohnt erachten für die Mühe, 
wenn, diese Blätter von recht vielen Bitern gelesen und gewürdigt werden. 

Aufgabe und Ziel der Mittelschule ist eine höhere allgemeine 
Bildung. Das schreibt der Oi'ganisationsentwurf für die Gymnasien gan2 
ausdrücklich yorM, das fordern die verschiedenen Landesgesetze ^), in 
welchen die Realschulorganisation enthalten ist, sowie die Instructionen 
für die Realschulen';. Was kann nun mit dieser Forderung gemeint sein? 
Ein bestimmter Complex von Kenntnissen kann es nicht sein, da ja die 
Realschule zum Theile andere Gegenstände verwendet, als das Gymna- 
sium ; auch die Menge der Kenntnisse kann es nicht ausmachen und von 
einer Vollständigkeit in den einzelnen Wissensgebieten kann keine Rede 
sein, da dieselbe (Vollständigkeit) Aufgabe der Hochschulstudien ist 
im Gegensatze zu der Mittelschulbildung. Es kann also nur ein gewisser 
Zustand und Entwicklungsgrad, eine gewisse Stufe der Intelligenz ge- 
meint sein, eine daraus resultierende bestimmte Weise des menschlichen 
Handelns, Betragens und Benehmens, sowie Sinn für das Schöne in jeder 
Erscheinungsform^). 

Klarheit und Sicherheit in der Auffassung der verschiedenen Ver- 
hältnisse und Lagen des Lebens, Fähigkeit und Gewandtheit, mit klarem 
Blick das Richtige zu treffen, dieses aber auch in klarer bündiger Form 
zum Ausdruck zu bringen, Sinn und Verständnis für die Gesammtheit des 
geistigen Lebens der Menschheit und ihrer Interessen sind die Zeichen 
jener Bildung; damit in Verbindung die Fähigkeit, dem Fortschritt der 
Wissenschaften, den Entdeckungen, Beobachtungen, Aufklärungen sowie 
der Fortbildung der Principien zu folgen^), also diejenige Stufe geistigen 
Lebens und ein solcher Grad geistiger Regsamkeit, vermöge deren der so 
gebildete Mensch befähigt und geneigt ist, nicht bloß mit der Zeit fort- 
zuschreiten, sondern gewissermaßen Führerrolle zu übernehmen und in 
den höheren Berufsspbären einen tüchtigen Mann zu stellen. 

Aber nicht auf das intellectuelle Gebiet allein soll sich jene Bildung 
erstrecken; damit ist der Inhalt derselben beiweitem nicht erschöpft, sie 
soll sich vielmehr auf den ganzen Menschen ausdehnen, der ganze Mensch 
soll von derselben durchdrungen, gehoben und belebt sein. Als den tiefsten 
und innersten Kern der Persönlichkeit, als den Träger und Grund der 
individuellen Eigenthümlichkeiten des inneren Lebens, als denjenigen Theil, 

») Organiaationsentwurf, erste Abth. §.1.; femer Anhang Nr. 1. 

'') Veronlnnngsblatt d. Minist, f. Galt. u. Unterr. Jahrg. 1872. 

') Instructionen ftir den Unterricht an den Realschulen. S. 101 : ebenso S. 18. 

*) Lazarus M. Leben der Seele. I. 8. 9 flf. 

*) Aehnlich ZiUer T. Lehre v. erziehenden Unterrichte. S. 122. „Die allgemeine 
Bildung verleiht Umsicht, geistiefe Beweglichkeit, Gewandtheit unter neuen Verhält- 
nissen, Erfindungsgeist**. 



der der PeriaoE höheren blmbefiden Wert verleiht, pflegt man das (remüth 
zu beieichueij, „die GesammlUeit der Gefiihle, luteresi^ea und Wilkus- 
fbaU|;kciten, deren dgiaiitUilm liehe Art der gegenseitigen UjiterorduuJig 
und dt*8 JiuHÄmmeiiwirkeE.s Ge»iuimng und Charakter Am Meiischeu 
tie^liiumt^. 'I nie Kürderuug iu dieser Riditung spricht Waitse, der m 
»riihmte gründliche Kenner des Menschen, aus mit den Worten: m soll 
line Hittliche Gestaltung des Leuens angebahnt und geisichert'*, „d**r 
^eUKch Süll ein Kittliclier Charakter sein^ *), oder Ziller *}, der hochgebildete 
id erfahrene Pädagog: zum „Ideal der Person liclikeit**, d, i einem Ideale 
ir Geisjnnung, des WillenÄj, soll derselbe erhoben sein. In populärei^ Wei^e 
siiruchen soll das heißeiij der gebildete Mensch soll nicht bl**li, was 
alltäglichen, bürgerlichen Leben als Tugend angesehen wird, — Fleiß, 
Inktlichkeitt Ordnungsliebe, Ausdauer, Reinliclikeit etc* — besitzen, 
Dudern er soll, erfüllt von den sittlichen Ideen^ — der Idee der inneren 
ieibeit, der V'ollkumraenlieit, des Wohlwollens, dm Rechtes und der Billij^* 
&ji — sein ganzes Wollen und Handeln diesen entsprechend einri eilten 
id '«-nt nach denselben verfahren, so dass dasselbe von einer 

tmei- __. . iiiicljeu Grundidee durchdrungen wie naus einem (iusse" ist. 
peben der Erkenntnis des Wahren durch bie Intelligenz, neben der ße- 
bfttignng des Gut*'n durch das GeratUb gehurt aber zur wahren Bildung 
icli Sinn für das 8chune. Diese leider vielfach gering gescitätxte Seite 
er Biblniig erstreckt sich von der Gewöhnung mm Anstand iu Haltung 
Sil Benehmen über den Sinn fUr das Schöne in der Natur, Sinn und 
Geschmack füi" die verscl 'edensten Erzeugnisse der schonen Künste bis 
iin. Wo das sittlich Oute in Gesinnung und Handlung als das Schönste 
lies Schönen erkannt wird 

Ks i«t klaiv dass xur Erreichung dieses Zieles auch Kenntnisse 
lioren; aber ein Element der Bildung werden die Kenntnisse erst dadurch, 
latm sie nicht ein lodter Schatz in der Seele des Besitzenden geblieben, 
undern durcli Klarheit in Auffassung des Einzelnen und Vielseitigkeit der 
Verbindung ein lebendiges Eigen thum des Geistes geworden sind, Ubi-r 
dfs^üu Verwendung er in freier Herrschaft gebietet^***) 

Bleibt aucb dieses Ziel der Bildung ein ideales Ziel, das siclt am 
ileüsclifu, wie er ist nie vollkommen verwirklichen lä^st, können wir auch 
mit dein iJicIiter klagen 

Ach der Himmel über mir 
Will die Erde nie berühren 
Und das Bort wird niemals Hier! 
m dOrfen wir doch vom Ideal nicht lassen; denn das Schönste ans dem 
I.^'hHi, ja das Scliöne überhaupt nimmt derjenige weg, der die [datte 
Ititdtnft^igkeit als das beim Menschen zu Erstrebende hinstellt ; vielmehr 

"^^alti Th II, X. »I, 8. UM 
*f W^Ji« Th. a, a. O. 8. 67. 

■) 7AUt^T T., Vorlesnnireii Itbcf nUgem, Pä^lAgüj^ik H. 18. 

•> OrtrinJÄftr. Entw. f/ Ovrn. ii. H. Aiihaiii? Nr. L In iletiifleihrj Sinre ZiUer T, 
T. nt. Vm. S. 181. 12Ö, 



haben alle Factoren. die an der Bildung des Geschlechtes ein Interesse 
haben, alles aufzubieten, diese ideale Lebensanschauung, ohne welche es 
keine wahre Bildung gibt, in der heranwachsenden Jugend zu erzeugen 
und zu befestigen. 

Zunächst betheiligt in der Sache ist wohl die Familie, die aber in 
ihrer heutigen tiestalt, wenigstens in der weitaus größeren Mehrzahl, 
weder die Müsse noch die Fähigkeit zu diesem Geschäfte besitzt; deshalb 
tritt der Staat ein, der durch Schaffung der Mittelschulen, durch Bestellung 
von pädagogisch und wissenschaftlich gebildeten Lehrern an denselben, 
sowie durch eingehende Beaufsichtigung der ihm überkommenen Aufgabe 
gerecht zu werden sucht. So kommt es, dass nun der Mittelschule der 
Löwenantheil von dieser Arbeit zufällt, ja dass derselben bisweilen zuge- 
muthet wird, allein die schwierige Aufgabe zu leisten, und dass bei einem 
Misslingen derselben sie allein dafür verantwortlich gemacht wird, wenn 
gleich ganz mit Unrecht. 

Es kann niemand in Abrede stellen, dass das Zustandebringen jener 
höhereu allgemeinen Bildung, welche von der Mittelschule verlangt wird, 
ein complicierter, lange Zeit dauernder psychischer Prozess ist, dass dieser 
Prozess einerseits abhängt von dem Individuum, in welchem er verläuft, 
andererseits von den sämmtlichen Einwirkungen, denen das Individuum 
ausgesetzt wird. Die Factoren, die von Seite des Individuums von Einfluss 
sind, sind theils physisch, d. i. im körperlichen Organismus begründet, 
theils psychisch, d. i. geistiges Eigenthum des zu Bildenden, erworben 
während der Lebensperiode vor dem Eintritt in die Mittelschule ; man pflegt 
erstere auch häufig angeborne, letztere erworbene Anlage ^) zu nennen. 
Wer wollte behaupten, dass die Güte und Schärfe der Sinnesorgane, dass 
die größere oder geringere Reizbarkeit der Nerven, das ganze Allgemein- 
befinden des Körpers ohne Einfluss auf die Entwicklungsfähigkeit des 
Knaben sei? Werden durch Uebelstände dieser Art zwar nicht die quali- 
tativen Eigen thümlichkeiten der geistigen Zustände verändert, so sind sie 
gewiss von groSem Einflüsse auf die Stärke und Lebendigkeit, sowie auf 
den Rythmus der geistigen Bewegungen. Aber auch die Vorstellungen, 
welche der Knabe schon mitbringt und welche von den Eindrücken der 
früheren Zeit, namentlich der ersten Kinderzeit herrühren, ('eren Art und 
Menge, Helligkeit und Lebhaftigkeit, Verbindung und Apperceptionsfähig- 
keit sind Bestimmungsstücke seiner Individualität und von wesentlichem 
Einflüsse auf seine Bildungsfähigkeit und Entwicklung. Diese Vorstellungen 
tragen aber einerseits das Gepräge der Oertlichkeit, wo der Knabe heran- 
gewachsen, andererseits den Charakter der Gesellschaft, in welcher der- 
selbe sich bewegt hat. ^) Die Mittelschule bekommt also ihre Schüler schon 

*) Ziller T. Vorlesungen über allgem. Pädagogik. Seite 49, ff. 

') Von Linn6 wissen wir, dass seine Eltern den schönsten Garten in der Landes- 
hauptstadt besaßen. Seine Mntter hatte die Gewohnheit, ihm als kleines Kind, wenn 
er schrie^ eine Blume zur Beruhigung in die Hand zu geben. Den Auseinandersetzungen 
seines Vaters bei Besuchen im Garten pflegte der vierjährige Knabe schon beizuwohnen 



m bestimmt, iß der verschiedensten und oft auch angftüstigeii Weise 

t. Alle diese soll iie mv iiolieren allgememeu Bildung eiii]»örzielien, 

li* diese Süll sie als sittliche Charaktere entla^iften. Oh ihr da^ gelingen 

wird, ist. wohl nach dem bisher Oesagten nicht Ausschließlich von ihr 

abhängig, sondern gewiss auch von der Anlage des Knaben bestimmt. 

Hat nun die )[ittelschule die Aufgabe, eine höhere allgemeine Bildung 

den ihr anvertrauten Schölern zu erzeugen, oder hat sie zum mindesten. 

wie oben ausieiimndergegetxU den Löwenanlheil aa dieser Arbeit, so fragt 

**s sich, was stehen ihr für Mittel ssugeboteV Wodurch vermag sie diese 

Aufgabe, deren Uisung eine so lange Zeit erfordert, einen Abschnitt, d^r 

uflg als der sch^Snste des Lebens bezeichnet wird, zu realisieren ? Es ist 

ar. dass di«^se Mittal, da sie für ein Menschenleben entscheiden, nicht 

eichgiltig sind. Das hauptsächlichste Mittel, durch weichest die Mittel- 

liule jene hohe Auft*abe zu leisten strebt besteht im Unterrichte; 

«r in einem nnterrichte^ welcher nicht ausschließlich auf das Wissen 

d Können hingerichtet ist — m nützlich und brauchbar dasselbe imnier- 

n »ein mag nnd so gescliickt es auch macht — , welcher nicht bloü die 

rf*n**t'luelle Seite des Knaben berücksichtigt, sondern in einem solchen, 

>'lchem allf* Gestaltung des Gedankenkreises, alle intellectuelle Bitdung 

id alle Fertigkmt. die der Zögling durch sie erlangt, nur als Mittel dient, 

11 denjenigen Geistes* und Oamllthszustand hei ihm zu bereiten, der ihn 

m Ideal der Persciulicbkeit, dem edlen Charakter, annähert, d, i* dem 

ziehenden Unter richte. V) 

Die Mittelschule lehnt es daher durchaus niclit ab, an der Erziehung 

pthunehmen, ja sie fordert sogar einen solchen Antlieil, und der Unter* 

*ht ist nin vortrelfliches Mittel dazu; aber sie sieht sich auOer Stande, 

lieselh« allein oder sogar gegen störende oder geradezu widerstrebende 

iiiflilsse Vonseite des Hauses durchzuMhren. 

k b ot 1' r k u n g. Dadun^h i«t. wolil mein Bumäpunkt liinlfinglieh charrikteriBiert. leli bia 
4» ei^eräelm im Qegenaatxe gegen jene eitreme Eichtnug, die ewar nicht tlxeore- 
tUrh aber rloch prakiiach vertreten ist, do^i die Sahnle nur zm antertichten abar 
tiichi %n ertielien babe^ dasK die Eriiehnng dem Hanie alkin zufalle, mw'w 
anderen^eit» anc]] geilen daa andere Extrenif nach welebem die Eitrenif die Familie 
bf] di;r Erdehnni^ aaB^eHchlüARea« nnd alle er^^iebeade Macht auf deu Lehrer 
t^oncenUiert werden edl (Plaion, Fichte, Baaedow*) Doch liegt jedtm dieser beiden 
Extreme, die eben nur at« Reactiüu gegen Tora umgegangene Fehler ^tt rerf^tehen 
und £U bügr elften sind, eine richtige Auschaaung zti Oninde: der ersteren daAn 
die Eiteni, ho wie dai Haiti, die Familie flberhaupt bei der Ausbildung der Kinder 
dne wichtige floUe ipielen, iu wichtig, dati» deren Mitwirknng nicht entrathen 
werden kann, der zweiten^ daa^ Eiuheitlicbkeit ttud Folgerichtigkeit in Plan und 
MaßaaliineD, die beim Zusammenwirken stweier verschiedener Fact4>ren oft aebwer 
Wä «rreiebfiii ist, eine wasentliche Bedinining ftlr das Gelingen des ßriiehnne^s* 
wirkea aei« Pas Wahre wird awi sehen diesen beiden Eitremen au »uehen nein 



ad interessierte nidi lebhaft für die Namen der Pflanaen. die er ani'-h nie wieder Tcr- 

^li. In Jidi. G* Jakobi wurde die Xeigung für die DicbtkiinBt schon durrh die Mutter 

Wärterin geweckt^ deren Legenden und ErRüblungcn der Knahe mit gesimnu' 

AnfaierkÄAmkeit »ubWe. V^ergL Ziller T* ßinU in 4. allg. Fädag. ■ ^owie Benek« 

* Lehrbuf,b d. Psyrhtd. als Naturvv. 

') '^äu T. Vodis. U. alig. P&dag. $, HS. 




und darauf hinaaslanfen, dass sich Schule nnd Hans in diese Aufgabe sa theOen 
haben, so dass, w<is das Hans überhaupt nicht an leisten vermag, der Schule 
übertragen werde — die intellectnelle Bildung — das, was diese letztere nicht 
vollständig zu leisten vermag, da sie die Zöglinge nur eine beschränkte Zeit hat 
und die8en>eu auch anderweitigen Einflüssen ausgesetzt sind, zum Theil von der 
Familie geleistet werde, oder dass die Schule wenigstens von der Familie kräftigst 
unterstützt werde. 

Die Mittelschule ist daher zum mindesten Mitarbeiterin im Erziehungs- 
geschäfte, ja sogar Tonangeberin und unter Umständen auch Leiterin des- 
selben. Deshalb hat sie jedenfalls auch das Recht, Forderungen an das 
Hans zu stellen, während sie andererseits die Pflicht hat, sich an das Haas 
anzQScbliefien. Das Haus soll die Wärme geben, die Schale gibt das Licht; 
daher mnss das Haas, welches auch nicht ohne Antheil am Unterrichte 
ist, den Winken der Schale zugänglich sein; es soll aus ft*eien Stttckeu 
die Wirkungen der Schale zu verstärken suchen. „Nur wenn das Haus 
seinerseits die Erweiterung des Wissens, Könnens und Wollens, welche die 
Schale stiftet, mit Theilnahme verfolgt und den Eindrücken der Schule 
gleichsam einen Resonanzboden gewährt, in dem sie auskliugen, und wenn 
anderseits die Schale ihre Lehren und Antriebe einzusenken weiß in den 
daheim begründeten Anschaunngskreis des Zöglings: nur dann reichen die 
vereinigten Wirkungen beider bis in die Tiefe der Seele hinab, in denen 
die Gesinnungen reifen nnd die Keime des Charakters schlummern^^ ^) 

Ist es also Aufgabe der Mittelschule, hauptsächlich durch das Mittel 
des Unterrichtes, und zwar des erziehenden Unterrichtes, der nach 
bestimmten psychologischen Grundsätzen ertheilt werden muss, die höhere 
allgemeine Bildung zu erzeugen, die sich als Charakterstärke der Sittlich- 
keit dem Ideale der Persönlichkeit mehr und mehr nähert, so hat das Haus 
zum mindesten die Aufgabe, der Erreichung jenes Zweckes nicht hindernd 
entgegenzuwirken, das durch die Schule Zustandegebrachte wenigstens nidit 
zu schädigen oder zu zerstören; vielmehr wäre es Sache des Hauses, im 
Einvernehmen mit der Schule, deren Seele und geistiger Führer ein tüch- 
tiger, psychologisch gebildeter und erfahrener Pädagog als Director ') ist, 
auch positiv mitzuwirken zur Charakterbildung des Zöglings. 

Wie aber soll der Mittelschalunterricht beitragen zur Charakterbildung, 
was soll der Charakter durch den Unterricht an der Mittelschule gewinnen? 
Um sich in dieser Frage vollkommen klar zu werden, empfiehlt es sich, 
zunächst den Begriff des Charakters sich zu vergegenwärtigen. Charakter 
ist die „psychologische Freiheit als bleibende Eigen thümlichkeit des Sub- 
jectes, aasgedehnt über das gesammte Wollen % ^) „die Art der Entschlossen- 



>) 0. Willmann. Pädagogische Vorträge 1885. S. 2. 

') Da der Director eine so hohe, eine so wichtige Aufgabe in pädagogischer Be- 
ziehung hat, welche seine ganze Person, seine ganze Thätigkeit — er soll ja anch immer 
auf der Hr»he der Pädagogik als Wissenschaft stehen — in Anspruch nimmt, so wäre 
es wohl nur im Interesse der Sache, wenn er von den vielen Schreibgeschäften, die bei 
der Administration sich als nothwendig ergeben, wenigstens theilweise entlastet würde. 

*) VoUtmann, Lehrb. d. Psychologie, n. S. 496. 



. « 



, was der Meusch will verglichen mit dem, was er nicht will** »*) 

*-hif3dene Wollen oder Nicht wollen der Person, dag antar gleichen 

M dasselbe bleibt"-), „die feste and beharrliche Gestalt iha^ 

Uleos, aJs die Art der Entschiedenheit und Entschlossenheit in dem, wa^ 

bewüsste Wolkn ebensowohl einschließt als ausschließt*^.^) Nun ist 

er das Wollen das Ergebnis im Bewusstseiu zusammentreffender Vor- 

iluugeii : derienigen, worauf das Begehreu gerichtet ist, und derjenigen, 

che als Mittel die Erreichung des Begehrten als gesichert erscheinen 

len* Her Wille ist also vom Gedankenkreis abhängig, bekommt dnrch 

ie henschf nden Vorstell angsmassen seine Richtung. Herbart hat daher 

>llkommen recht, wenn er behauptet, „das Wollen wurzelt im Gedanken- 

ttise, d. h. zwar nicht in den Einzelnheiten dessen, was einer weiß, wohl 

t^r iu der Verbindung und Gesammt Wirkung der Vorstellungen, die er 

worben hat'^/J Was nicht in die Erkenntnis eingeht, geht auch nicht in 

n Willen ein; die Be chaffenheit des Qedankenkreises bestimmt also den 

illen. Daraus ergibt sich die hohe Bedeutung des Unterrit^htes für die 

larakterbildung. Die GeMaltung des Gedankenkreises ist das Werk des 

ntf^rrich^es; deshalb hat derselbe eine willenbildende Kraft. Durch den 

iinterricht soll 1er persönliche Wille aus dem Gedankenkreise herausge- 
ildet werden, der Gedankenkreis soll durch den Unterricht diejenige Form 
rhalten, welche die Bedingungen zu einem eonsequenten und sittlicheu 
Folien, zu einem edlen Charakter in sich trägt. 
Da die Knaben, die in die Mittelschule eintreten, schon eine Gestalt 
es Gedankenkreises besitzen, freilich verschieden je nach dem Orte und 
er rmgebung ihres früheren Anfwaclisens, so hat die Charakterbildung 
mit einer Verände^mng und Umgestaltnng des Gedankenkreises zu beginnen, 
ud das geschieht dm*ch den Unterricht* ^) Diese Veränderung und Umge* 

KJttuig kann aber von außen durch den Unterricht nur angeregt werden» 
rklicb geschehen nuiss sie durch die eigene geistige Thätigkeit ; diese hat 
dalier der Unterricht hauptsächlich anzuregen, diese soll er vermehren und 
^■lld veredeln. ^'} Die Gesammtkraft des Schillers soll durch ilen Unterricht 
^Mweckt. gestärkt, erhöht und veredelt, ein solcher Gemuthözustaud, eine 
^KDlche Gemathsverfassung in demselben zustande gebracht werden, dass 
^v das Bedllrfnüt in sich fühlt, weiterzuarbeiteUi selbstthätig weiterzustreben 
^Bt ^ ' -^arch jenes Interesse zu betliätigen, das nicht nach Vortheil oder 
^^ '^ fragt, scindern, unbekümmert um diese, eine harmonische Aus- 

bildung tles ganzen Menschen erstrebt, H 

Das Wollen des Zöglings soll auch Festigkeit erlangen; esmuss ihm 
daher Gelegenheit geboten werden, dasselbe zu bethätigen, dasselbe zu 
Ihäiigen im wiederholten Thun in derselben Richtung; ermoss tn solche 

') Herbiri J- y. Allif. VMfkgogik, Auftirftbe t* Wülnsaii« S. 457. 

'J Elllor T. VoTle». tlber ftüg, Pftdag, 8, SIS. 

*) U»rifitfttein D. Grnniibein'* fl* etbi»nlu WksenBchafteu, 8. 445, 

*> fkrbftrt J. F. rmrmM jisieJ, Vorteaimofen. A^üg. v- 0, WiUmaim. FI* H, ÖBL 

') Vergl Zilier T. Lebre v. ersiebeiKl Htit^rn S, in. 

*> Herbari J. F. ümr, paed. VotU v. Q. WiUtuftDü IL B. 53S. 



10 

Lagen versetzt werden, es mfissen seinem Interesse solche Gelegenheiten 
eröffnet werden, dass er nach eigenen Gedanken mit Erfolg handeln kann, 
wie es dem Interesse entspricht. Nur so kommt er znm Bewosstsein seiner 
Kraft zunächst in einem Gebiete, gar bald und ohne Schwierigkeit wird 
sich dieselbe auch auf andere übertragen; die Art der Thätigkeit, die er 
sich mit gutem Erfolge angeeignet hat, wird eine bleibende Eigenthfim- 
lichkeit des Individuums, von der abzuweichen er kaum über sich bringt; 
auch hierin leistet der Unterricht vortreffliche Dienste. 

Aber nicht irgend ein Wollen soll sich der Zögling aneignen, sondern 
ein solches, das einen inneren, allgemein giltigen und nothwendigen Werth 
hat; die Urtheile darüber soll sich aber der Zögling aus eigener Erfahrung 
und Thätigkeit erzeugen. Auch dazu bietet der Mittelschulunterricht viel- 
fache Gelegenheit; ich weise nur hin auf den Religions- und Geschichts- 
unterricht: der Religionsunterricht soll das Gemüth in seiner ganzen Tiefe 
ergreifen und der historische Unterricht soll mit demselben zusammenwirken. 

Der Gedankenkreis des Schülers soll verändert und umgestaltet werden 
durch bestimmte vorgeschriebene Unterrichtsgegenstände. ^) Diese Forderung; 
setzt zunächst voraus, dass der Gedankenkreis fähig sei zur Aufnahme, 
dass derselbe eine hinreichende Menge und Verbindung von Vorstellungen 
besitzt, dass diese Vorstellungen eine solche Beweglichkeit und EHarheit 
besitzen, dass der Mittesschulunterricht daran angeschlossen werden könne. 
Ist diese Bedingung nicht vorhanden, was durch eine kurze, oft flüchtige') 
Aufnahmsprüfung nicht zur Evidenz constatiert werden kann, so ist die 
Mittelschule nicht schuld daran, wenn der Erfolg den Erwartungen nicht 
entspricht Vielmehr wäre es Aufgabe des Hauses, wenn es das nicht 
selbst beurtheilen kann, von den Lehrern der Volksschule sich darüber 
reinen Wein einschenken zu lassen — vorausgesetzt, dass diese es auch 
thun und nicht (wie es auch vorkommt) in sträflicher Gewissenlosigkeit, 
um die Schüler loszubringen oder aus anderen Gründen Eltern geradezu 
aneifern, dieselben in die Mittelschule zu schicken — nnd mit Beiseite- 
setzung aller Eitelkeit das Sind noch in der Elementai^chule zu belassen. 
Leider aber kommt es nur zu häufig vor, dass Eltern nur nm jeden Preis 
ihren Sohn in einer Mittelschule sitzen sehen wollen; ob er dahin passt 
oder nicht, ob er dort folgen kann oder nicht, fragen sie nicht. Sie denken 
nicht, wie lieblos sie gegen ihr eigen Fleisch und Blut handeln dadurch, 
dass sie das Kind in Verhältnisse zwingen, welchen dasselbe trotz besten 
Willens nicht gewachsen ist. Obige Forderung setzt aber auch weiter 
voraus, dass die körperliche Beschaffenheit des Knaben derartig ist, dass 
er dem eigenen guten Willen, zu arbeiten, folgen könne; dass nicht die 
Constitution noch so schwächlich sei, dass etwa die körperliche Entwick- 
lung durch die Zumuthung an den Geist gestört oder gehindert werde. 

') Die Wahl dieser wurde zwar nicht ansschliesBlich durch den pädago^nschen 
Zweck bestimmt, sondern auch durch die Bedtirfoisse des Staates und der Gesellschaft, 
denen der einselne zu dienen hat. 

*) Die Menge der Aufnahmswerber gegentiber der Kurse der Zeit, die inr Auf- 
nahmsprttfting zur Verfügung steht, nöthigt sehr häufig dazu. 



u 



^mm d&rUlidr hl wohl keid Zweifel dasB bei einem Zurückbleiben der 
pby*ischeii Entwickluiig dtsr Geist aud dmm auch das ireaiüth »ehr bald 
in MiUeidenscb&ft gezogen werden« Aticli darüber iguil dm Haius üieht 
leiclit kinaufli^ehen, sondern mit gewissenhafter Aufrichtigkeit \m Oericht 
Ifdieu. Sehr liäaüg zeigen sich die büseu Fülgau erst in einer Zeit, iu 
wslcher A^ Schaden nicht mehr gut gemacht werden kann. Wie viele 
Kinder könnten vor geistigen und physischen Euin bewahrt werden, wenn 
die Ellern in der Richtuug den wohlmeinenden Kathschlägeo der Schul- 
bekordeu und Lehrer folgen würden, von denen erst ktiizlieh einer da- 
durch zam Ausdruck gebracht wurde, dass der Eintritt iu das Gymnasium 
enetl mit rotlendetem zehnten Lebeti^jakre gestattet ist. 

Aber auch, wenn der Knabe fier VoraussetKUng in geistiger uud 
phyisischer Hinsicht entspricht, wenn er körperlich und geistig so weit 
entwickelt ht, dass er im Stande ist, den nothwendigsten Anforderungen 
gerecht 2u werden, auch dann dürlen Vater und Mutter nicht glauben, 
El« «eien jeder Mitwirkung am Ersieh ungsgeschäfte überhoben, aie könnten 
nun ruhig und unthätig zusehen. Zwar Übernimmt die Schule durch den 
Uttturrldit von da an die leitende FühruDg, aber nicht ilie alleinige Be- 
$iirgilQg desselben. 

Die erste Sorge der Schule besteht nun darin, den Boden für den 
Unterricht und di« Erziehung im Geiste des Zöglinge 2U ebnen, den vor- 
hÄiid**nen tiadankenkreis fUr die Aufualmie neuer Vorstellungen, wie nie 
die Mittelschule bietett geeignet zu macheu. Um geschieht zunächst di^ 
durch, dass dem Schüler det hohe sittliche Ernst der Lage, in der er sich 
behndet, zum Bewu^st^ein komme^ dasi^ er die Uebersseugung gewinne, die 
Tändeleien und Zerstreuungen, die ihm su Hause noch zur geeigneteu 
Zeit j£ugestanden werden , haben hier fernzubleiben. Er muss da» Geliihl 
haben« dass gewisse äuflere Schranken bestehen, die aicht überschritten 
werden dürfen. Aber wieV Darf man dem Kuabeu in diesem Alter eine 
derartige Kitisicht zumutlieu? Darf man erwarten ^ dass er durch Ueber-^ 
leguiig zu diesem Bewusstsein kommen werde? — Kaum. Es mu^s daher 
der gauze Eindruck, den er in der Schule erhält, ihn unbewusst dahin 
hriiigen. ist es also nur im höchstem MaBe anerkennen swert> dass die Er« 
halt^r d^r Mittelschulen, also in erster Linie der Staat, auf eine derartige 
iuliere und innere Ausstattung der Schulräumlichkeiten sehen, dass der 
Gedankenkreis der Schüler in diesem Sinne beeinflusst werde — Einfach- 
heit ohne Ueberladung, aber doch den (Grundsätzen der Aesthetik entspre- 
chend, Keinlichkeit und Saubei keit aul^ den Gängen und den Schulzimmern^ 
mm*s Zweckmäßigkeit der Abortiv u. dgL — so muss aber doch vor Allem 
lieiTorgehoben werden^ dass die Persönlichkeit des Lehrers der maSge« 
l^enste, der wichtigste Factor ist. Er ist es ja, der dem Schiller neue tre- 
danken zuführen, diese den früheren einordnen oder jene nach diesen um- 
zugestalten verhelfen soll; er ist eS;, der durch systematisclie Bearbeitung 
der zugeführt en und Verbindung mit den schon vorhandenen Gedanken 
aie Firsligkeit anbahnen soll, die den Character kennzeichnet^ er ist es 




19 

endlich auch, der durch klare Darlegang der Verhältnisge jene wichtige 
Wertbestimmnng möglich machen soll, welche Kennzeichen eines edlen 
Charakters ist. 

Dazu bedarf er der Autorität gegenüber de i Schülern und der 
Liebe vonseiten dei*selben. Autorität und Liebe, die der Lehrer vonseiten 
der Schüler genießt, sind die sichersten, die wirksamsten, aber auch die 
nothwendigsten Mittel in seinem Erziehungs- und Unterrichtsgeschäfte. 
Ohne diese kein Unterricht, keine Erziehung. Erst wenn die Gefühle der 
Autorität und der Anhänglichkeit begründet sind, wirkt der Ei*zieher zu- 
verlässig über seine Gegenwart hinaus auf den Zögling; erst dann wird 
ein pünktlicher, genauer und williger Gehorsam erreicht, wobei der Zög- 
ling dem ausgesprochenen Willen des Erziehers auf der Stelle folgt, wo 
nicht vorauseilt. Die Gewaltmaßregeln der Disciplin werden dadurch fiber- 
flüssig. Der Zögling wird sich dem erziehenden Lehrer nicht verschlieBen, 
wird nicht andere Berechnungen anstellen, nicht heimliche Gedanken 
hegen; er wird ohne Zwang gerne nachgeben; die Disciplin wird nie in 
Conflict mit den Tendenzen der Erziehung kommen ; der Zögling wird dem 
Lehrer in Allem nachleben. 

Hängt es nun vom Lehrer ab, diese zu besitzen oder nicht? — 
Gewiss zum groSen Theile, wenn auch nicht ganz. Die überlegene Macht 
des stärkeren Geistes und das daraus resultierende Vertrauen, die Ueber- 
legenheit an Wissen, im Wollen und sittlichen Handeln, die innere Würde 
und Hoheit der Persönlichkeit nöthigen zwar unwillkürlich den Schüler 
und Zögling, sich vor der Geistesmacht zu beugen, zum männlichen Gha- 
i*akter des Lehrers, der ihn für die Jugend zum Vorbilde macht, hinauf- 
zQSchauen; — diese daher vor Eintritt in das Mittelschullehramt sich er- 
worben zu haben und darüber mit ängstlicher Sorgfalt zu wachen, ist 
unbedingte Aufgabe des erziehenden Lehrers — doch darf vonseiten des 
Hauses diesem Gefühle, dieser A erkennung auch nicht entgegengearbeitet 
werden. Je weniger der Knabe noch aus eigen'^T Erfahrung urtheilen 
kann, je weniger er überhaupt noch urtheilsfähig ist, um so geneigter ist 
er, in seinem Urtheile überhaupt und in der Wertschätzung von Personen 
insbesondere, dem Urtheile seiner Umgebung und vorzüglich derjenigen, 
deren Autorität er von Natur anerkennt, der Eltern oder deren Stellver- 
treter, zu folgen. Hört nun der Knabe zu Hause über den Stand oder gar 
über die Person des Lehrers ungünstig oder geringschätzig urtheilen, so 
ist durch dieses Vorurtheil im Schüler die Anerkennung der Autorität des 
Lehrers, des Zauberetabes für Zucht und Ordnung, sehr erschwert 
Die Macht wahrer Autorität ist aber nur der eine Weg, auf dem der 
Zögling in die Auffassung und Denkweise des Erziehers hineingezogen wird ; 
der andere Weg ist die Anhänglichkeit an, die Liebe zum Erzieher'), zum 
Lehrer. Jede Differenz trennt dann den Zögling vom Erzieher und wird von 
dem Zögling selbst schmerzlich empfanden. Er ist deshalb bemüht, eine solche 
Di fferenz zu vermeiden, und die Entfernung, den Widerstreit, die wirklich ein- 

^Ziiler T. Vorles. fl. all». PÄda^. S. 105. 



u 



lt€!i sind» winder au^zm^Iekhen und gut zu machen. Dieses Verhältnis wird 

riir bauptHäcUlieti begiuudat durch die lebendige AeuQeruJig der Tbeü- 

aü in Würt, Tlial uud Blick, durch die freundlich entgegeuknmmeude 

U^e, durch die hörablas^seude uud heraufziehende Li*ibe des Lehren«, 

reilicb auch der uüthigeu Eutschiedeuheit uud ('baiakterfüi^tigkejt 

irdiaui^ nicht entbehren darf; —^ Liebe darf nie durch schwache Naeli* 

pchl erkauft werden" ; Liebe zum Beruf und zum Larneodeu, atreng» 

jitarftillung und die Treue auch im Kleinen, sowie die Öereehtigkeils- 

uhue in Pedanterie aUi^^uarten. siud nach Diesterweg die besten 

^Uel, ilie Liebe der Zugliuge zu erwerben — aber auch hier ist wieder 

ftrvoiifiuheben, d^m das Hauö der Schule nicht hindernd entgegen trf^te, 

leider nur jeu hauÜg geschieht, ich will nicht behaupten immer mit 

sichl, üondern mei.st aus Unbedachts^ainkeit und Bequemlichkeit. Wie oft 

[>mint es vor, das» Eltern in Gegenwart der Schüler über die Viirzu?e 

ad Fehler der Lehrer, über die sittliche und wissenschaftliche Tibditigkeit 

»rrselben siu^echen. dass ladelude Urtlieile über sie unbadacht^am geäuüert, 

von deo Scbtilern selber prnvociert werden! Wer weiil nicht, da«» der 

ifldllige, der getadelte Sclittler die Schuld vnn »ich ab und meist auf den 

lirer zu wälzen bestrebt ist, dass er alle möglichen Äusiedeü und Eni* 

^huldigiingen ftlr sich aussuführan sticht, dass schließlieh vermeintlichem 

Jebel wollen desi Lehreis nicht selten als Ausflucht vei'wendet wiidv Treten 

die Eltern oder deren Stellvertreter i*olcheu Beschuldigungen nicht 

Eiergisch entgegen; veranlassen sie selber dieselben, um den Knaben oder 

eigene Nachlässigkeit oder Ungeschicklichkeit zu beschönigen; da i^t 

vorbei mit der Liebe, mit der Anhänglichkeit an den Lehrer; da ist e^* 

mit der Achtung vor demselben. Dass unter solchen Verhältnissen das 

tin£tidjuug>;werk nur argen Schaden leidet, dass unter diesen Umständen 

iien Nachtheil doch nur der Zögling, det^sen Bildung angestrebt 

iuldpt, dass unter solchen Voraussetzungen die Wirksamkeit des 

ehrers ungeheuer gesehiidigt, wenn nicht ganz illusorisch gemacht wird, 

wohl nicht schwer einzusehen. Welch* mächtiger Antrieb Hegt in Sükhem 

|I*^btd für die Eltern, recht vorsichtig zu sein in ihrem eigenen Benehmen^ 

t»«r nicht minder vorsichtig auch in der Wahl des Ortes, wo sie ilire 

(Inder unterbringen, wenn sie selber nicht in der Lage sind, sie unter 

er Autsicht zu behalten, wenn sie gezwungen sind, sie fremden Händen 

^vertrauen. Ich hegreife daher sehr wohl die Sorge so vieler Eltern 

den rechten Koatort, ich verstehe recht gut den Ruf nach Instituten, 

^ie von pädagogisch gebildeten Erziehern, denen die erwähnten IJebel- 

Uide wcdit bekannt sind, geleitet werden; unlassbar aber ist es, wenn 

[if die Beschaffenheit <ler Leute» die die Eltern vertreten, der Schule hilf- 

eich xur Seite stehen sollen, gar nicht geachtet wird, um so mehr, da die 

Ctoren der Mittelschulen so gerne Auskunft und Anleitung in der 

lahl tler Kostorte geben. 



»j Hf>TliArt T, F. Vmnun p. V. S* oJdfi. 



14 

Der ICittelflohttler, der die g:ehörig:e Achtang yor, das nOthige Ver- 
trauen sowie die Dothwendige Liebe zu seinem Lehrer oder seinen Lehrern 
hat, wird nun mit gehöriger Aufmerksamkeit den Worten derselben folgen, 
wird die kleinen Aufgaben, die die Selbständigkeit des Schülers vom Anfang 
an anregen sollen, in der gewünschten Form liefern, hat zum mindesten 
die Absicht, dieses zu thun. Zeigt nun das Haus, gleichgiltig ob Eltem- 
oder Kosthans, eine solehe Theilnahme fftr dieselben, dass zum mindesten 
gefragt wird um die Vorkommnisse in der Schule und die Aufgaben, dass 
diese wirklich gemacht und in der vorgeschriebenen Form gemacht werden 
— die Richtigkeit dem Inhalte nach zu prüfen, wird die Schule nicht ver- 
säumen — dass die Arbeitszeit sowie die Erholungszeit bestimmt wird, 
so wird das leicht lenkbare kindliche Gemüth sehr bald an die Erfüllung 
seiner Pflichten gegenüber der Schule sich gewöhnen ; das Kind wird dann 
nicht mehr benöthigen, erst aufgeforilert zu werden; es wird sich nur 
darum handeln, gleich theilnahmsvoll für die Thätigkeit in der Schule und 
für dieselbe zu bleiben. Wohl gehört für den Knaben in dieser Lage 
auch Buhe der Umgebung während der geistigen Arbeit. Denn wie der 
Erwachsene, der geistig Ausgebildete nur äuiBerst schwer oder gar nicht 
bei fortwährender Störung eine zusammenhängende Geistesarbeit zu leisten 
vermag, um wie viel weniger ein so jugendlicher, biegsamer öeist. Auch 
diese Seite ist von den Eltern ja nicht gering zu achten. 

Es ist selbstverständlich, dass auch in diesei* Zeit sowohl von der 
Schule wie von den Eltern der körperlichen Ausbildung die gröiBte Auf- 
merksamkeit und Sorgfalt zugewendet werden muss. „Den Körper vernach- 
lässigen, heißt den ganzen Menschen vernachlässigen, sein ganzes Dasein 
verpfuschen, verkrüppeln, verderben".^) Ist es Aufgabe der Schule, durch 
AnschlieiBung alles Neuen an Bekanntes, durch Einordnung desselben in 
den früheren Gedankenkreis, durch Bearbeitung desselben schon in der 
Schule bis zu einem solchen Grade, dass dem Schüler nicht nur keine 
Schwierigkeit mehr entgegentritt, sondern dass für die häusliche Thätigkeit 
nur eine Wiederholung und Befestigung des in der Schule Kennengelernten 
übrig bleibt, die Arbeit möglichst zu eileichtern ; ist es Aufgabe der Schule, 
die Individualität des Schülers wohl zu berücksichtigen, ihrem Zögling 
weder quantitativ noch qualitativ zu viel zazumuthen, sondern mit Rück- 
sicht auf den vorhandenen Gedankenkreis, mit Rücksicht auf die Gesetze 
der Psychologie, deren Kenntnis von jedem Lehrer gefordert werden soll 
und meist auch gefordert wird, die Erweiterung und Vertiefung desselben 
zu bewerkstelligen, um ja nicht den Vorwurf von Ueberbürdung auf sich 
zu laden; ist es Aufgabe der Schule, durch weise Zeiteiatheilung rück- 
sichtlich der Aufgaben den Schülern die zur körperlichen und geistigen 
Erholung nöthige Zeit zu gewähren, ja sie zum richtigen Genüsse derselben 
anzuleiten; ist es Aufgabe der Schule, ihre Schüler zur geeigneten, der 
jugendlichen Entwicklung zuträglichen Haltung des Körpers zu veranlassen, 
sie zum ri chtigen Gebrauche der Sinnesorgane, namentlich des Auges, 

') Diesterweg, Wegweiser. 



n 



m 



«iiiiJ«ileii : So h% m andarerseits Aufgabe Am Uausss, seine lliätfgkmt 
imMMt ftiji2ttjichUn, steine Zumuthiuigeii au deu Zögling innerhalb soIch*^r 
Orinsi» tu Hallen^ iIuhm aueli datau» jener so oft gelijVrte Vorwurf der 
Ueberbürdnug keine Berechtigung Bcbö)>fe, Das Haus mU ebenso wie die 
Setmie bei der Zeiteintheilung mit kluger Zweckmäßigkeit vorf^f^fie». soll 
nicht das einemal dem Zugling gestatten» mettrere Halb tagt? hintereinander 
tn rerspteleo und das anderemal uninittelbai^ darauf von demselben fardern, 
dast er sich mit lauter Arbeit ^abbreche*' ; jeder Tag habe seine Arbeit«-, 
aber a^ch seine Kiholungszeit, jedes l ebermaß schadet Der Knabe goll 
iidi giiw5bnen, mit der Zeiteintheilung zu reebnen, diese Gewöhnung wini 
«leb gar bald zum Bedürfnisse bei ihm entwickeln, und er wird nie in die 
muingaiiebme Lage kommen, sich über das zulässige oder zuträgliche MaU 
uüretigen zn müssen. Freilich gehört dazu eine gewisse RegelmälHgkfiit 
im Hauiilialte der Familie selber; aber wo ist die Familie, in welcher diege 
oieht mdglkh sein sollte? Die Unbequemlichkeit, die sich etwa hif> und 
da lieraiiBBtellen sollte, darf nur nicht hoher angeschlagen werden, als die 
Sorge f6r das leibliche und geistige Wohl der Kinder. Das Haus m5ge 
aber auch nicht Derartiges oder soviel außer der Schule von dem Zrjg- 
Üng^ fordern oder ihm gestatten, dass er die für seine Körperent Wicklung 
RothwHndige Erhokng nicht finden kann, möge anch nicht Ton jedem das- 
Ibe fordern. Die Widerstandsfähigkeit des Körper», die geistige Begabung 
ja bf*i verRchiedeuen Individuen verschieden; nicht jeder hat die gleiche 
FAbigkeitt Musik oder eine moderne Sprache zu erlernen, nicht jeder hat 
tb« öeschick «um Zeichnen, Modellieren u. dgK Seht es also schwer, 
feicht es mit der Zeit oder der Fähigkeit nicht aus, derartige (legen- 
de als N e b e n g e g e n s t Ä n d e — und wenn «leren Kenntnis auch noch 
angenehm und nützlich für das Leben wäre — zu erlernen ; weg damit! 
e obligaten Hegenstände, durch welche das Erziehnngswerk besorgt 
erden »oll, sollen und dürfen nicht leiden ! Ueberhaupt ist es ein gan^ 
rfehlter Standpunkt, wenn sich so manche Eltern auf den Nßtzliehkeits- 
ndpunkt stellen, diesen Nützlichkeitsstandpunkt bezüglich der einzelnen 
iiterrichUgegenstftnde an der Mittelschule auch den Kindeni gegenüber 
Ujüen. Nicht die Nützlichkeit dieses oder jene& Gegenstandes entscheidet 
für die Einführung desselben an der Mittelschule, sondern die Fähigkeit, 
len ('ieist da bilden, den Ziigling durch 8elbstthätigkeit zur Selbständig- 
Zü führen; und es wurden jene Gegenstände und in solcher Reihen- 
and Verbindung gewählt, welche und wie sie nach pädagogischen 
Sätzen am zuverlässigsten zum Ziele fl\hren. Kein Gegenstand Ist 
ftbet^üssig, keiner darf gering geschätzt werden. Wie schwer rächt 
wenn zu nachsichtige Eltern ihren bequemen Jungen wegen 
Kortschritte in einem Gegenstände in ihrem Unverstände mit den 
entschuldigen nnd trösten : „Das brauchst da ohnehin nicht'*. Niclit 
r wii*d dadurch der Egoismus dem Kinde schou eingepflanzt, sondern 
leibt dann meist nicht bei dem einen GegenstAnde; der Beiiueme findet 
alle überäüssig. Soll er aber trotzdem — „weil sonst der Charakter 





16 

der Eltern einen Stofi erleidet" ^) — die Mittelschule absolvieren and daher 
alle Gegenstände wenigstens zur Noth bewältigen, so arbeitet er mit Wider- 
willen (es ist ja so vieles fiberflfissig), es geht langsam und schwer ; wie 
leicht entsteht da der Schein der Ueberbttrdung ! Wer aber da die Schule 
verantwortlich machen wollte, könnte unmöglich auf das Prädikat der 
Gerechtigkeit Ansprach machen. 

Viele Eltern glauben wohl, ihrem viel geplagten Söhnlein dadurch 
zu Hilfe zu kommen, dass sie ihm einen „Hauslehrer" halten, ja sie meinen, 
mit einem solchen kann es nicht mehr fehlgehen. Wie oft hat der Mittelschul- 
lehrer Gelegenheit, von Eltern im beinahe vorwurfsvollen Tone hören zu 
mOssen, „ich habe ja dem Jungen ohnehin einen Hauslehrer gehalten ; was 
soll ich noch mehr thun?" Ohne dem armen Studenten, der im Schweiße 
seines Angesichtes mtthsam durch „Stundengeben'' sich sein Brot verdient, 
diesen Verdienst zu missgönnen, ohne das pädagogische Talent dieser soge- 
nannten „Hauslehrer'' im Allgemeinen zu bezweifeln oder herabzusetzen, 
ohne auch den „guten Willen" der Eltern zu verkennen, so muss ich doch 
nach meiner innersten Ueberzeugung aussprechen, dass kein öffent- 
licher Mittelschüler einen „Hauslehrer" braucht, ausgenommen in dem 
einzigen Falle, dass er durch einige Zeit an der Theilnahme am öflentlichen 
Unterrichte verhindert war und das Versäumte außer der Schule nachholen 
soll, da es in der Schule aus Bücksicht für die übrigen nicht möglich ist, 
aber auch da nur so lange, bis das Versäumte nachgeholt ist. Erfüllt die 
Schule ihre Pflicht durch Anwendung der richtigen Methode und harmo- 
nisches Zusammenwirken sämmtlicher Lehrkräfte — dass das geschehe, 
dafür bürgt der Leiter der Anstalt als erfahrener, tüchtiger Pädagog — 
was soll, was kann der „Hauslehrer" thun? Ich wüßte aufrichtig für ihn 
keine andere Beschäftigung, als den Jungen während der Arbeitszeit zu 
beaufsichtigen und zu controllieren, dass er wirklich arbeitet und in der 
ihm vom Lehrer angegebenen Weise arbeitet; alles, was darüber hinaus- 
geht, halte ich nicht nur für überflüssig, sondern geradezu für nachtheilig. 
Und das vermögen wohl die Angehörigen des Knaben bei gutem Willen 
meist besser zu leisten. Für denselben lernen kann er nicht ; mit demselben 
das in der Schule Gelernte nochmals lernen soll er (wenigstens in der 
Regel) nicht, da die Gefahr groß ist, den von der Schule eingeleiteten 
Apperceptionsprocess zu stören oder zu schädigen; mit demselben, oder 
richtiger (weil der Wahrheit entsprechend), für denselben die Aufgaben 
machen wäre noch das Einzige, was übrig bliebe, und das ist wohl der 
ärgste Krebsschaden der „Hauslehrer". Freilich wollen das die Knaben, 
sogar die Eltern nicht einsehen und stellen geradezu diese Forderung an 
den „Hauslehrer". Will der arme Teufel die paar Gulden, auf die er 
angewiesen ist, nicht von sich weisen, so muss er, selbst gegen seine bessere 
Ueberzeugung, den Knaben zu geringerer, wenn nicht gar Un— thätigkeit 
systematisch anleiten. Dass aber das dem Zwecke der Mittelschule gerade 

')Aebnlicbe8 bei Pindter B. Die Ueberbürdnngsfrage an d. dsterr. UittelBcbolen. 
. 18S6. S. 12. iL 



^K^Ofeii ist, täest sich uiclii in Abrecle «telleiL W^@ iat die gewüliuliehöl 
^Voige? — Gawöhöt, (Uüd das gilt insbesoudere vou dem Schüler der un* 
^Berea Clas^sefi) sich auf den ^, Hauslehrer'^ 211 veilas^en^ wird er einerseits 
^ftft LQ der Scholz die richtige Auimörksamkeit vermissen la^seu und daiiut 
moeb nach andere stören, audererseitB darch den Mangel an eigener 
geistiger TbUtigkeit zurückbleiben nnd den später sich steigernden An- 
forderujigen nicht gehurig gewachsen sein. Dann aber wird über üeber- 
bürdiing geklagt^ die doch gewiss nicht der Schnle zulasten gerechnet 
werden darf. Ich glaube also nicht zn viel zu behaupten, wenn ich saga^ 
dui nicht die 8chille es ist (wenigstens in der Regel nichti wenn die pä- 
d«9(>gri»eben Grundsätze gehiSrig beachtet und die Controlle vonBeiten des 
AngtaltftiirectorK im richtigen Sinne und Geiste gehandhabt werden), 
welche die üeberbürdung erzeugt, gondern nur zu häufig ilas Haus. Dazu 
treten auch andere Gründe, welche mitwirken zur Erzeugung eines solchen 
SdüifleSy wie Geüellschaften, Betnche^ Theater, Coneerte etcJ), die aber 
gewis« nicht der Schule, sondern einzig und allein dem Hause zulasten 
falleti. Fallen also die Leistungen in der Schule nicht so aus, wie von* 
Seite der Eltern gewünscht wird, so wÄre darin Stoff genug zum Nach- 
denken r eventuell zur Darnachachtung. 

Noch einen weiteren Umstand, der durchauic nicht gleichgütig be- 
baiidall werden, auf den das Haus vielmehr groOe Aufmerksamkeit ver- 
wenden soll, will ich hier noch erwähnen, die Leetüre. Zweifellos wird 
dttrck gute Lectüre der Erziehungszweck kräftiget gefiirdert; im Gegen- 
salse zur unvollkommenen Wirklichkeit, in der wir leben, wird die Dar- 
^Btellmig tiesaen, was der Mensch sein könnte und sollte, wird die Schil* 
^Bemng edler Charaktere und deren Handlungsweise das jagendltche 
^Hemülh gewiss erheben; der geistige Gesichtskreis wird erweitert, das 
^BenBtfa erheitert und vielfache Anregung zur Selbsttbätigkeit gegeben. 
^Ber erfahrene Schulmann sieht es daher mit Vergnügen, wenn Mittel- 
^BehfUer gerne lesen. Immer aber soll fUr diese die Lectüre nur Beihilfe 
bleiben neben der Hauptfürderung im Unterrichte: es darf daher weder 
zu viel noch Unpassendes gelesen werden, d. h* es darf durch die 
Leetüre die Phantasie des Z5glings nicht zu sehr aufgeregt oder gar 
in an wahre VerhäUoisse hineingelogen werden. Es bliebe sonst keine oder 
wenig Zeit für die Erfüllung der Pflicht (der Schein der üeberbürdung 
rde sich bald aufdrängen), der Schüler i^iirde directen Schaden leiden, 
h will nicht davon sprechen, dass die Jungen Vaterhaus und Heimat 
rlassen und auf Abenteuer ausziehen, eine Folge solcher Lectttre, die 
ftfter da war, aber das GemBth verroht und die überreizte 
antasle verliert den richtigen Massstab für die Beurtheilung tüch* 
er menschlicher Leistungen, die des Nimbus des Ungewöhnlichen 
angeln*); d^m demnach die Romaalectüre^ mit ganz wenigen Aus- 

') Verjycl \mtii Vmliet R, 4, Tteherlillrtlnugsfrrtf^e* S. Ö, 

*> Eine mhhtt Lt'i-tllrt» ließe Hieb hr»elmtenK bei NmlnreTi Toit in^ring^r gm«4ti£«r 
VcrdannninikTaft wie iint An ArKueimitteS yerwendeu. 



18 

nahmen, der Mittelscbaljngend am besten ferngehalten wird, wird wohl 
von niemandem geleugnet werden können, gar nicht zu sprechen von den 
unsauberen, ja schmutzigen belletristischen Erzeugnissen der „Schund- und 
Schandliteratur^ unserer heutigen Volkspresse, bekannt unter dem Namen 
„Colportageromane*'^). Dadurch wird der Erziehungszweck, die Charakter- 
bildung nicht nur nicht gefördert, sondern aufs ärgste geschädigt. Hilft 
hier das Haus nicht mit, kümmert sich das Haus um diese Dinge nicht, 
die Schule allein ist nicht im Stande, derartige Auswttchse zu beseitigten 
oder hintanzuhalten. Erfüllt aber auch das Haus seine Pflicht, entgeht 
seinem wachsamen Auge kein Buch, kein Blatt, keine Illustration — man 
braucht deshalb nicht prfide zu sein — und wirkt es im Einvernehmen 
mit und im Sinne der Schule (die mit den einzelnen Anstalten verbunde- 
nen Schttlerbibliotheken können als Muster gelten), so bleiben die guten 
Folgen gewiss nicht aus. 

Hat der gedachte Umgang, den die Scbttler durch die Lectflre pflegen, 
schon eine so grofie Wichtigkeit, und vermag schlechte Lectilre so großen 
Schaden anzurichten, was soll ich erst von dem wirklichen Umgange der- 
selben sagen, von dem Umgang mit Altersgenossen, den sie sich selbst 
wählen, oder von dem Verkehre mit Personen ihrer unmittelbaren oder 
mittelbaren Umgebung, auf den sie durch ihren Wohn- oder Eostort an- 
gewiesen werden? Wer kennt nicht das Sprichwort: Böse G^ellschaften 
verderben gute Sitten, wer hat nicht Beispiele genug trauriger Erfahrung 
von der Wahrheit desselben selbst im Leben beobachtet? Das jugendliche 
GemOth, empfindsam und nachgiebig für alle Eindrücke auf dasselbe, em- 
pfänglich namentlich für Eindrücke, welche seinen Sinnen schmeicheln, 
seine Bequemlichkeit fördern, wie leicht folgt es der Aufforderung des 
leichtsinnigen Kameraden zum Nichtsthun! Wie schnell findet es 
Gefallen daran und sinnt dann selbst auf allerlei Ausflüchte, um 
diesem Nichtsthun fröhnen zu können. Dass es bei dem Nichtsthun nicht 
bleibt — Müssiggang ist aller Laster Anfang — ist die selbstverständliche 
Folge. Unüberlegte, dumme Streiche, verwerfliche, thatsächlich böse Hand- 
lungen sind der Schluss. Was veimag da die Schule mit air ihrem guten 
Willen, mit air ihrer Anstrengung zu wirken ? Da kann nur das Haus vor- 
beugen oder noch rechtzeitig energisch eingreifen. 

Noch gefährlicher für die Schüler ist der Umgang oder häufige Ver- 
kehr mit Personen (einerlei ob in demselben oder auch höheren Alter), 
die an Geistes- und Herzensbildung tief unter ihnen stehen, für welche 
meist auch die aus jenem Mangel sich ergebende Rohheit charakteristisch 
ist, ich meine da Lehrlinge, Gesellen, Dienstboten und dergleichen Leute 
auf derselben Stufe. Wie oft hört da der Knabe von zehn bis vierzehn 
Jahren von Dingen reden, die ihm noch fremd sein sollen, wie oft hört 
er von denselben in einer Weise sprechen, die wie Gift auf sein unver- 
dorbenes zartes Gemüth wirkt; ja wie oft sieht er da Verhältnisse und 
Zuständ e, die jede Idealität für immer aus seinem Herzen bannen! Dass 

') Adain-Gntt€nbrunn, die Lectttre des Volkes. 1886. S. 4. fif. 



HftDii selber jener Tetrobung «ßlieimfällt, einem Ztistande, m dem er 
ir Einwirkutigeiii wie sie von einer Bildangssciiale angewendet werden^ 
^m fiebwer zugänglich iat^ wird nicht ich wer ztx begreifen sein, 

Mir ist es xwar unfa^s^b&r, ja ich halte es geradezu für wirtenmtür- 
lldtf da^s das Elteiiihaus in der Richtung seine Aufgabe, seine Pdichten 
icbt erkenne und darnacli handlei obwohl ich nicht in Abrede stellen 
if dasB es Eltern gibt, die nicht im Stande sind, ihren Sdhnen gagen- 
' die bessere Erkenntnis auch zu bethätigen, denselben einen Unigaug 
verbieten« von dem sie überzeugt sind^ das» ei* nui^ Schaden bringt; 
irnr das Kostham ist häufig nicht freissusprecben von dem Vorwurfe^ das» 
{Gesellschaft der ihm anvertrauten Studenten, ihr Thun und Treiben 
[ii)rig beaufsichtigt ; es glaubt genug gathan zu haben^ wenn es die 
^iblicheti Bedürfnisse derselben zui- Noth befriedigt, oder höchstens noch 
|anz schüchtern die Frage zu stellen sich erlaubt, ob die Autgaben in 
Ordnung sind. Dass aber das Kosthaus auch eine erziehende Thätigkeit 
entfalten und die erziehende Thätigkeit der Schule zu unterstützen hat, 
nnl »war (aber ntir meist) gewusst, aber dieses Wissen häutig nicht be* 
iiHiigt, oder demselben geradezu entgagengehandelt^ ich will nicht be- 
lupten mit böswUliger Absicht, sondern aus Mangel an eigener Bildung 
ler ans Furcht, den Zögling als Erwerbsquelle zu verlieren. 

Wie oft kann der Mittelschullehrer die unangenehme Erfahrung 
jnacheii, dass die Kostleute (und von diesem Vorwurfe sind wohl auch 
iüle £lleru nicht freizusprechen) es mit der Wahrhaftigkeit, wenn m 
(ilt, einen Schüler vor der Schule in dieser oder jener Sache zu ent' 
cbuldigen, nicht ganz «treug^ nehmen. Ich meine damit nicht blüU das, 
rajst wohl auch Schon färberei oder Bemäntelung genannt wird, sondern 
radezu Unwahrheiten* Ein Schüler hat z. B, mehrere Unterrichtsstunden 
ft$rsäiimt und soll nun durch eine Bestätigung des Hauses dieses Ver- 
Luninis rechtfertigen. Gesetzt nnri^ derselbe habe den Besuch der Schule 
einem tadelnswerten Grunde unterlassen, habe die Eltern oder deren 
ellvertreter getäuscht und liitte nun gar, ihn doch der zu erwartenden 
Strafe durch eine möglichst umgehende Bescheinigung zu entziehen, und 
.ingenommen weiter — Erfahrungen macht die Schule in der Richtung — 
die Eltern oder Kostleute stellen nun aus Geringachtung der Angelegen- 
lieit, oder um sich der Mi* he weiterer Nachforschung zu überheben, oiler 
aus Schwäche für den Schüler, oder um den Schein ungenügender Aufsicht 
nicht auf ^;ich zu ziehen, eine Bescheinigung dahin aus, dass UnwoblKein 
«kü Scliülers die Ursache der JSchul Versäumnis gewesen sei — welch* ver- 
dtirbenbringendes Gift wird dadurch der Seele des betheiligten Knaben 
nicht bloü sondern aller Mitschüler, welche von dem wahren Sachver- 
halte wissen, beigebracht, wie wird dadurch der Lügengeist, der grollte 
Feind walirliafter iSittlidikeit, gei>tlegt und genährt! 

Fiodet iicJi zuweilen der Mittelschullehrer infolge gemacliter Be- 
iibachtungen und Wahrnehmungen veranlasst, Nachfrage zu halten Über 
♦Iä** Verhalten eines Schülers auüer iler Schulsseit, über die Ursachen seines 



*äib 



90 

ünfleißes, ttber Beschäftigangen nnd ZerstreuangeD, welche ihn der Arbeit 
entziehen und vielleicht gar auf verbotene Wege führen, wie häufig wird 
dann lieber verschwiegen als mitgetheilt, lieber beschönigt als zugestan- 
den, lieber verneint als bejaht! Nur dieses einemal, führt man häufig als 
Selbstentschuldigung an, will ich ihm durchhelfen, wenn er verspricht, 
künftig nichts Aehnliches zu versuchen, und übersieht dabei ganz, 
dass es eine ganz verkehrte Art ist, den Schüler zu bessern, wenn 
man ihm zeigt, wie auch bei vorhandener Schuld durch Verheim- 
lichung oder Bemäntelung Straflosigkeit bewirkt werden kann; man 
verkennt ganz, dass dieses Verfahren den innersten Kern der Sittlichkeit 
im jugendlichen Gemüthe zerschneiden und die ersten Keime der Unred- 
lichkeit in dasselbe legen heißt. Es ist ja eine bekannte psychologische 
Thatsache, dass der Erfolg in dem Knaben, dem solche Schwäche das 
erstemal glücklich durchgeholfen hat. das Vertrauen wachrufen wird, diese 
Schwäche werde ihn auch später nicht ohne Hilfe in der Gefahr lassen. 
Wie traurig sind die Folgen, zu denen jene thörichte Liebe oder Nachsicht 
führen kann, welche bei dem Vertuschen des ersten Fehlers es vollkommen 
gut mit dem Kinde zu meinen glaubt! Wäre die erste Veiirrung der 
Wahrheit gemäß eingestanden und (wenn es die Schule für gut findet) 
der gebührenden Bestrafung überlassen worden — die Schule ist sich ja 
immer bewusst, dass sie eine Erziehungsanstalt ist — so hätte sich dAs 
jugendliche Qemüth gestärkt, es hätte einen sittlichen Halt gewonnen, 
eine Sicherstellung nicht bloß gegen die Wiederholung desselben Fehlei-s, 
sondern gegen Unwahrhaftigk^it Überhaupt. Ueberdies hätte offene und 
ehrliche Mittheilung der Schule den Weg rewiesen und die Verpflichtung 
auferlegt zur sorgfältigen Ueberwachung des Schülers, und wo eigener 
Wille und eigene Kraft nicht ausreichend vor Rückfällen geschützt hätte, 
würde die leitende und haltende Hand der Schule helfen und glücklich am 
Rande des Abgrundes vorüberführen können. Wenn aber Verheimlichung 
oder Entstellung der Wahrheit die Entdeckung und (wenn nothweudig) 
Bestrafung des ersten Fehlers abgewendet hat, dann folgt in der Regel 
Verirrung auf Verirrung, bis ein Verborgenbleiben überhaupt nicht mehr 
möglich ist. So muss dann häufig später wegen eines Fehlers, der durch 
rechtzeitige Mittheilung und leichte Ahndung im Keime hätte erstickt 
werden können, wenn er vielleicht zu bedenklicher Größe angewachsen ist, 
eine viel härtere Strafe erfolgen. Unersetzlich aber ist der erlittene Ver- 
lust an Reinheit des sittlichen Bewusstseins, an Lust zum Guten und 
Schicklichen, an Kraft der Selbstbeherrschung'). So wichtig und folgen- 
schwer ist es, dass Eltern und Kostleute der Schule gegenüber über die 
Fehler ihrer Söhne und der ihnen anvertrauten Kinder ganz otten sind, 
und diese selbst durch Belehrung, Ermahnung und das eigene Beispiel zur 
Heilighaltung der Wahrheit erziehen und gewöhnen. 

Aehnliches ließe sich über Ordnung und Arbeitsamkeit sagen. 

Das bisher besprochene Zusammenwirken von Schule und Haus er- 

') Kraftischen, Ueber das Verhältnis zwischen Schale und ÜMia, 



m 



^BRiekt sich zwiLr aaf alle Hclililer, in erster Linie aber auf die der no- 
^Hrea Classen^ und es mi anzunehmen, d^sn bei richtigem Zusammenwirken 
^Birveihen die Selbständigkeit und die Festigkeit des Knaben bis zu einem 
^Kilclien Grade mvh entwickelt hat, das» die Maiärei^eln der Regierung^) 
^HrDiiortional lUesem Grade Kurllck trotten, wenn atldi dicht gmiz uufbureu 
^ft^noen. Von diesem Zusammen wirken der zwei so wichtigen Factoren 
^Bei der Krsiehung der Mittelschüler darf aber nocli bei weiten nicht abge^ 
^Tassen werden. Es kommen im ersten Jiinglinpalter andere Gefahren und 
(idegeiiheiten mm Ablenken von der rechten Bahu^ denen gegenüber 

|ri*der die Schule noch da« Haus gleichgiltig dastehen soll und kann, 
reiche vielmelir gerade wegen der Schwierigkeit der Behandlung ein viel 
birächtigeres und innigeres ZuBammenwirken von Schule und Haus 
|j lügend fordern; ich uiein^ damit erlaubte Geniisse und Vergni^g nugen 
Erwachsener, als da sind: Fechten^ Tanzen, Tabakrauehen, Besuch von 
1 heatern, Gast* und Kaffeehäusern, Theilnahnm an Vereinen und Verbin- 
duogeti n. dgl leb will damit nicht die Forderung stellen, dass derartige 

iergiiüguugen und Genüsse der >Jtudierenden Jugend der Mittelschule 
tniülm verhüten werden, aber noch viel weniger ihr dieselben bedingung^- 
8j fi^i geben. Was dein Geiste der Mittelschule widerspricht, das soll 
9tt den Schülern derselben fenigehalteti werden; insoweit daher obige 
ergnüguugen und Genüsse im Widerspruche stehen mit demselben, sind 
i« nicht lilus zu widerratlien, sondern auch zu verbieten. 

WaH fordert aber der Geist der MiitelBchule von ihren Zöglingen? 

;elui]g an Geist und Her^, um dem ideale der Persönlichkeit^ dem 

<*barakler, sich inmier mehr und mehr zu nähern. Dazu ist noth- 

itlig. dasM dieselben in den Schranken der Bescheideuhejt und Sittsaui^ 

t, der Ordnung und Pflichttreue, des Gehorsanis und der Filgsamkeit 

'' *'fn. Sclion Piaton eikatinie, da^s Bescheidenheit und Geliorsam die 

.'*iler der Erziehung seien* 8ofern also jene Vergnügungen dienen 

ttndpfeilern entgegenstehen, können sie v^o t der Mittelschule nicht 

billigt wenlen, 

Fecltten und Tanzen an sich wäi'en demnach gewiss nicht zu ver- 
ieteo, ja den Schülern der obersten Clasae beinahe zu emidehlen> Wird 
ja doch dwrch das Ketditen als kör[»erliche Uebnng, die den ganzen Korper 
^Ja Anspruch nimmt, namentlich durch das StoßfechteUt die Kraft und Ge- 
^■landtheit desselben erhöht^ die männliche Haltung desselben befördert; 
^■i verlangt schnellen Blick, rasehen EntHchlusB und ruhige Besonnenheit, 
^^onJertingen, die der Charakterbildung durchaus keinen Eintrag thun, 
sotidern die 8eibstthätigkeit steigern. Desgleichen wird durch (Uk Tairzen, 
ab Anatandslehre betrachtet, der junge Meusch angewiesen, sich eine 
hi^tie ond edle Haltung un*! Bewegung des Körimrs anzueignen und hei 
esen rythmii^cben Bewegungen mit Zeit und i»rt zurechnen» gewiss auch 
dem Geiste der Mittelschule durchaus nicht widerstrebend. Würde aber das 
Fechten als Vorbereitung zum Eintritt in die Streitgenassenschaften, als 




welche sich leider vielfach Stadentenyerbindangeii auf unseren Hochschulen 
vorherrschend charakterisieren, gelten ^), so wäre entschieden die Pflege 
desselben an der Mittelschule zu verhindern. Ihre Zöglinge würden 
da die Schranken der geziemenden Bescheidenheit überschreiten und 
mit dem Geeiste der Mittelschule in Widerstreit gerathen. WUrde ternei 
beim Tanzen obiger Zweck nicht als Hauptzweck, ja als einziger 
Zweck angesehen werden, welcher Zweck wohl auch ohne Theilnahme 
von Tänzerinnen sich erreichen liefie; würde nicht bei der Auswahl 
der Gesellschaft mit der größten Rigorosität vorgegangen werden, um jeden 
unberufenen Eindringling fern zu halten ; würde nicht die gewissenhafteste 
Aufsicht vonseiten der Eltern oder der denselben verantwortlichen Stell- 
vertreter stattfinden, um jeden Unfug schon im Keime zu ersticken ; würde 
nicht darauf gesehen werden, dass einerseits die Tanzübungen nicht zu 
lange, andererseits nicht zu oft stattfinden, sowie dass die jungen Leute 
nach Schluss der Uebung den häuslichen Herd sofort aufsuchen; würde 
nicht darauf gesehen, dass bei den Mittelschülern Über jenes Maß, welches 
die Erreichung obigen Zweckes gerade zulässt, nicht hinausgegangen wird, 
so sind die üblen Folgen davon unberechenbar aber unausbleiblich. Das 
ganze Erziehungswerk leidet, ja kann in Gefahr kommen, vollends in Brüche 
zu gehen« Der Gedankenkreis wird durch die bei der etwas aufgeregten 
Phantasie erhaltenen Eindrücke, insbesondere wenn dieselben zu lang 
andauernd oder zu oft aufeinanderfolgend sind, von seiner normalen Ver- 
bindungsweise entfernt, abgelenkt und verrückt. Es treten Gefühle und 
Strebungen auf, welche den Gedankenkreis, wie er in der Schule erzeugt 
und gepfiegt wurde, stören, die Aufmerksamkeit in der Schule wie die 
Apperceptionsfähigkeit schädigen, Theilnahmslosigkeit und Gleichgiltigkeit 
für die Dinge in der Schule hervorrufen. Nach dein bekannten Sprichwort: 
„beim Essen wächst der Appetit", würde der junge Mensch, mit diesen 
selbst über das gehörige Maß ausgedehnten Tanzübungen noch nicht 
zufrieden, Verlangen haben nach der Theilnahme an derlei öffentlichen 
Unterhaltungen und Vergnügungen ohne Unterschied, und im Falle des 
Zugeständnisses darin aufgehen, im Falle des Verweigerns durch das inten- 
sive Aufstreben dieses vorgestellten Vergnügens missmuthig und überdrüssig 
werden. Wer würde sich da wundem, wenn ein allgemeiner Bückgang in 
der geistigen Thätigkeit für die Schule stattfände und auch die Willens- 
und Charakterbildung Schaden litte? Wie wollte man da noch die Jugend 
vor Blasirtheit bewahren, welche leider infolge übelangebrachter aber 
unverantwortlicher Nachgiebigkeit vonseite der Eltern oder Kostleute in 
erschreckendem Maße eingerissen ist und nicht nur die Unbefangenheit 
des kindlichen Herzens, den kostbaren Schatz des Knaben, sondern auch 
die Fähigkeit der Begeisterung, der Weihe des Jünglings, zu rauben droht?*) 
Was soll ich erst von den Kinderbällen sagen, die in manchen Familien 
arrangiert werden! Wird da nicht „die natürliche Unbefangenheit und 

«) Schmidt, Encyclopaedie VIII. S. 9. ff. 

') Paedagogische Studien t. W. Klein. 16. H. S. 38. 



raUrheit vorzeitig im jagendlichen Herzen ertädtet and m deren Stelle 
ir Sdiein und die Pbrage gmü gezogen ?" 

In diesen Regionen mag das Elternkaus Um- and Nachsdiau halten, 

itt ituweilen ein junger Mensch, der in den unteren (Has»eu m gut ent- 

'ilprocljen hat, auf einmal so ganz aus seiner Rolle fällt, wenn er seihet 

Imu «eheiü barer Anstrengung die gehegten Erwartungen täuscht* Es ist 

am Hai aasschließliche Domäne des Hauses. 

Wft8 den Besuch des Theaters anbelangt, so kann derselbe vom 
eiUscfatn od^ ästhetischen Standpunkte aus ins Auge gefasst werden, 
WQttB mmh die positive Wirkung der als Leben angeschauten Poesie nach 
ihrer atltUehen Saite bin nicht abgesprochen werden kann, so steht sie 
dodi Dicht io erster Linie; vielmehr ist es die Bildmig des Geschmackes 
IIB weilasteji Sinne des Wortes, die vor allem durch dieselbe beabsichtigt 
wird tmd erreicht werden soll ; deshalb ist der Besuch eines guten Theaters 
mu Torlreffliches ßilduugsmittel und daher bestens zu empfehlen. Sind es 
a^er nicht Künstler sondern Histrioneup welche da agieren, wird nicht 
las Ideale sichtbar und greifbar realisiert, sondern der Moral und dem 
(ieocbmaeke geradezu ins Gesicht geschlagen »- gewiss gegen die Absicht 
und den Zweck iler Mittelschule — so ist der Theaterbesuch für die 
SMüefDiide Jugend, weil von Schaden^ viel besser zu untersagen. Zwar ist 
es in erster Linie das Haus, welchem diese Pflicht obliegt ; sollte aber dieses, 
sei m »OS Gleidigiltigkeit^ sei es aus Mangel an Verständnis, seine Auf^ 
gibt verkennen^ so ist es in letzter Linie auch Pflicht der Schule, einzu- 
f^reifen. Laider ist die Jugend in den Provinzial Städten nur äußerst selten 
I iler angenehmen Lage, etwas Gutes sehen oder hören zu k<mnen; vor 
^ten und Zweideutigkeiten sollte man sie aber wohl verwahien* 

Absolut verwerflich für die Mittelsclvuljugeud aber ist das Tabak- 

suchen, sowie der Besuch von Gast- und Kaffeehäusern. Ich will 

&hi sprechen von den Nachtheilen, welche das Ranchen für die leibliche Ge* 

indheji der noch nicht fertigen Jugend nach sieh zieht — medicinisehe 

kstoriläten ersten Ranges haben sie vielfach auseinandergesetzt, die Natur 

Mwsehen selber sträubt sich in unzweideutiger Weise gegen dasselbe, 

wte die meisten Anfänger in der Rauehkunst davon tu erzählen wissen — 

will auch nicht reden von den für den KOrper schädlichen Folgen der 

1 umäßigkeit, welche der Besuch von Gast- und Kaffeehäuseni nur zn 

1 flicht nach sich zieht, auch nicht von den unnöthigen Geldausgaben, welche 

akhe Passionen nach sich ziehen; aber die Naclitheile für die int^llectuelle 

und »sittliche Bildung sind so bedeutend, dass nicht oft and eindringlich 

genug vor denselben gewarnt weiden kann. Wie viel kostbare titnnden 

Atn TBgm mA der Nacht werden damit vergeudet, die viel besser zu 

liclier Thätigkeit, «ur Erholung in der freien Natur oder «um Schlafe 

sendet werden könnten, wodurch gewiss die geistige Arbeit und Aus« 

att^ fies Jitnglings nur beeinträchtigt wird! Wie viel lebendige Kraft 

it*s jungen Nervensystem?* wird durch die vergiftende Wirkung des Nikotins 

QHd des Alkohols aufgebraucht und der geistigen Thätigkeit entzogen ! 



34 

Wie leicht seist sich die Einbildung fest, dass solche sinnliche Oenlsse 
zum Wohlbefinden unentbehrlich seien! Wird dadurch einerseits die reine 
Freude an harmlosen Erholungen verdrängt, so ist andererseits nicht zu 
leugnen, dass, wenn die Mittel zur Erlangung solcher Genüsse, bereits als 
Bedürfnisse empfunden, nicht ausreichen, der erste Schritt zur Unredlich- 
keit nicht schwer wird. Auf der schiefen Ebene des Lasters geht es dann 
rasch abwärts. Tritt auch dieser traurige Fall nicht in seiner ganzen 
Schwere ein, so überschreitet doch der junge Mensch die seinem Alter 
durch gute Sitte gezogene Gränze, er anticipiert Genüsse, die ihm nicht 
geziemen und legt dadurch den Grund zu einer G^nusssucht, die bald nach 
weiteren und auch unbedingt verbotenen Genüssen begehrt Er lügt sich 
in eine Stellung hinein, deren Behauptung für ihn eine Anmaßung ist, die 
Bescheidenheit, diese herrliche Zierde des Jünglings, wird bald auch gegen- 
über den Eltern, gegenüber den Lehrern und anderen Respectspersonen 
verschwinden. Wie komisch nimmt sich eine Gesellschaft halbgewachsener 
junger Leute aus, denen die Mutter Natur kaum die ersten Spuren zarter 
Flaumen im Gesichte spriefien ließ, wie sie am Biertische sitzen, den 
„Glimmstengel^ oder die Tabakspfeife im Munde und selbstgefällig Rauch- 
wolken erzeugend. Mit der Miene des weisen Sokrates oder der Sprache 
des beredten Demosthenes wissen sie (sie glauben es wenigstens) über alles 
zu reden und zu witzeln, zu kritisieren und zu demonstrieren — (freilich 
meist im ärgsten Kontrast zu ihrer Thätigkeit in der Schale) — ; jeder 
dünkt sich ein Gladstone oder Mühlfeld zu sein — (er vermag ja schon 
die Kneipe vortreflflich zu leiten und auf jeden Anwurf geistreich (!) zu 
erwidern) — und meint, obwohl er noch keinen Kreuzer verdient, seine 
Aufgabe sei, möglichst viel in den Wind zu blasen oder durch die Kehle 
zu gießen. Ist es nicht jammerschade um die vielen ganz wohl angelegten 
Naturen, um die vielen Talente, die durch solche Kneipgesellschaften von 
ihrer eigentlichen Aufgabe, dem Studium, abgehalten werden und dadurch 
nicht bloß geistig sondern auch sittlich verkümmern ? Wer weiß nicht, dass 
bei solchen Trinkgelagen Anstand und gute Sitte nicht gepflegt werden, 
dass vielmehr Frechheit und Lascivität in Worten wie im gesammten 
Benehmen wie par force gepflegt und (leider) bewundert werden. Dass 
unter solchen Verhältnissen das Interesse für die Studien erlahmt, der 
Fleiß nachlässt, ist selbsverständiich. Ist es da nicht Pflicht der Elteiii, 
strenge über ihre Kinder zu wachen, auch wenn sie schon an der Gränze 
der Entwicklungsjahre sind, dass derartige böse Folgen, die ich nicht weiter 
verfolgen will, nicht eintreten können, dadurch, dass sie ihre Kinder, die 
sie unter eigener Aufsicht haben, von solchen Brutstätten des Lastei*s 
zurückhalten, dass sie aber auch dafür sorgen, diejenigen, die sie nicht 
selbst beaufsichtigen können, nur in solche Kosthäuser zu bringen, welche 
in dieser Hinsicht unbeugsam sind gegenüber derartigen Ansinnen der 
unverständigen und kurzsichtigen Jugend, nur in solche Kosthäuser, welche 
selbst mit Hintansetzung des materiellen Vortheiles gegen solche Auswüchse 
jugendlichen Leichtsinnes energisch Front machen? Die Directoren der 



85 

Miitelscholen werden ihnen gewiss bei der Auswahl solcher Kosthäuser 
hilfreich an die Hand gehen, die pflichtvergessenen Eosthäuser werden 
vielleicht dadurch, dass die Eltern von der Schule aus vor ihnen gewarnt 
werden, zu gewissenhafterer Pflichterfüllung angetrieben werden. Dass 
bei der Größe des Schadens fflr die Jugend die Schule einem solchen wUsten 
Treiben nicht gleichgiltig zusehen kann und darf, wird wohl jeder ver- 
nünftig Denkende zugeben. Es kommt ihr zwar nicht zu, Polizeidienste 
aoszattben, nftchtliche Streifungen vorzunehmen u. dgl. ; ihre Pflicht ist es, 
auf die grofien Nachtheile dieser Dinge aufmerksam zu machen, daher auch 
derartige Dinge, die ihrem Wesen nach dazu angethan sind, den Jüngling 
als Schüler zu schädigen, in ihrer Schulordnung zu verbieten und wieder- 
holt Dawiderhandelnde vom Mittelschulbesuche auszuschliefien. Aber nicht 
die Schule ist dann Schuld am Unglücke eines solchen Jungen ; diese trifi^t 
dann wohl die Eltern oder die Eostleute, die sich um denselben zu wenig 
kümmerten ^). 

Dass in gleicher Weise auch die Theilnahme an Vereinen und 
Verbindungen jeglicher Art den Mittelschülern nicht gestattet werden 
kann, ergibt sich daraus, dass jene Vereine für Männer bestimmt sind, 
sie aber noch keine Männer sind, dass sie durch solche Vereine und Ver- 
bindungen in Gesellschaften und Verhältnisse gerathen, welche für sie 
nicht passen, sowie veranlasst werden zu Ausschreitungen, deren schlimme 
und verderbliche Folgen ich soeben geschildert habe. 

Mangel an Baum verbietet mir weitere Ausführungen, ich glaube aber, 
in Kürze doch Gründe genug angeführt zu haben, welche die Eltein ver- 
anlassen sollten, im Vereine mit der Schule für das Wohl der studieren- 
den Jugend thätig zu sein. Versäumt die Schule keine Gelegenheit, Be- 
rührungspunkte mit dem Eltern- und Kosthause zu gewinnen, so sollte 
auch das Eltern- und Kosthaus in fortwährendem Contacte mit der Schule 
sein, um so „mit vereinten Kräften" die Studierenden dem idealen 
Ziele der Mittelschule, dem edlen Charakter, möglichst nahe zu bringen. 

EBEMS, im Juni 1887. 



») DaM ilamit die Erfrischnngen anf Lamlpartien nicht auRgeschloBRen »ind, i»t 
wohl an sich klar; natürlich Kneipereien ditrfen anch bei solchen Gelegenheiten nicht 
Teranstaltet werden: Bescheidenheit, diene herrliche Zierde de« Jünglings, darf auch 
hier nicht beiseite gesetzt werden. Selbst da« Zugeständnis, das aus Terschiedenen 
Gründen an manchen Orten den Schülern der obersten (blasse gemacht wird, ein be- 
stinnt namhaft gemachtes Gasthani besuchen xu dürfen, hat seine böse Seite; aber 
darüber ließe sich doch reden. 

4 



•7 



Sokainokriohtfif 

erstattet yom 

nireotor Felix A. Eherle. 



Landesoberrealschule. 

I. Lehrplan. 

Der durch die Verordnung des hohen k. k. Unterrichtsministeriums 
vom 16. April 1879, Z. 6607 aufgestellte Normal lehr plan wurde mit 
den durch die h. Ministerial-Erlässe vom 93. April 1880, Z. 6933 bezüglich 
des Unterrichtes in der Geometrie und im geometrischen Zeichnen und 
vom 27. April 1880, Z. 3814 bezOglich des Unterrichtes in der deutschen 
und französischen Sprache, in der Geographie, Mathematik, Physik und 
Kalligraphie angeordneten Modiflcationen eingehalten. 

Lehrgegenstände und ZaM der wöchentlichen Lehrstunden. 



Lehili«g«utiaift 



C I a t s • 





I, 


IL 


UL 


IV, 


V. 


VI. 


VII 


In aUen 
7 Olaoaen 


B«]jgJo& i , , , » . t , 


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6 


Detitoche Spracli« 


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2 2 
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23 


FraiiK^it<^lie Sprache . . « ..... 

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Schönschreiben (bedingt obligat) . ... 


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83 


88 


214 
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a) Steaugraphie in 2 Abthoilungeu nnd wöchentlich 3 Untemchtsstmiden, 
fl. Abth. 2 St., IL Abth. 1 8t.) 

h) Geeang hi t AbtheUnngen mit je 2 Unterriehtafltnnden w^tchentlloh. 



11. Themen der deiitBChen iafsStjse. 

1. Die Erzählung Ovids von -dw Entstehung der Welt vergliche 
mit der Darstellung der Bibel. — *^ Die bibljscbe Eratäiilung von Sodom 
und Gomorra verglichen mit Ovids „Philemon und Baucis"". — 3. Die 
Vortheile der Eisenbahnen. — *4. Die Vorzü ge des Landlebens. — 5. Vor- 
theile des Wohnens in einer größeren Stadt. — 6. Charakteristik Hagens. 
Nach Uhlands Inhaltsangabe des Nibelungenliedes. — "^1. Odysseus Aben- 
teuer auf der Fahrt von Aeäa bis zur Landung auf Ogygia. — 8. Inwie- 
ferne ist die Aeneis einö Nachbildung der Homerischen Epen? — *9. Htton 
in Bagdad. Nach „Oberon** 6. Gesanf. «— 10, Ueber Vergnügungsreisen 
zu Fuß und zu Wagen. — *11. Miltiades und Themistokles. — 12. Ent- 
wicklung; und Umbildung der Legende „Kaiser Max auf der Martinswand^. 
13. „Der Graf von Habsbür':»" und „Des Sängers Fluch**. — *U. „Der 
Taucher** und „Der Handschuh**. 

VI. C I a 8 8 e. 

1. Der Krieg als BYeund und Feind der Künste. — *2. Die Goties- 
urtheile im Mittelalter; ihre Grundlage und Beweiskraft. - 3. Das Nibe- 
lungenlied «Ün Lifed der Treue — *4. Siegfrieds Schuld und Sühne. - 6. 
Die Grundzüge des Charakters der alten Deutscheu. Nach Tacitus „Ger- 
mania** und dem Nibelungenliede. — 6. Inwieferne bezeichnen die Kreuz- 
züge das Jünglingsalter der europäischen Völker? — *7. Die Gründe' des 
Misserfdges der Kreuzzüge. — 8. Ueber die Entwicklung der deutschen 
Städte im Mittelalter. — *\)eL) Klopstocks Ansichten über das Epos - 
b) Gedankengang in Nikodemus Rede gegen Philo. „Der Messias** 7. Ge- 
sang. — 10. Die Kampfspiele der Griechen und die Turniere des Mittel- 
alters. — . 11. Die Ströme Deutschlands und ihre Bedeutung für das wirt- 
schaftliche Leben. — *12. Der Charakter Maria Stuarts und Elisabeths 
im 1. und 2. Act von „Maria Stuart**. — 13. Schön ist der Friede; Aber 
der Krieg hat auch seine Ehre! Maufred im Chor der „Biaut von Messina**. — 
*IA. Die wichtigsten Folgen der geographischen Entdeckungen am Be- 
ginne der Neuzeit. 

VII. Classe. 

1. Die Verdienste Lessings um das deutsche Drama. — *2. Geld ist 
ein guter Diener, aber ein böser Herr. — 3. Was veranlasst uns zum 
Studium der Naturwissenschaften? — 4. Die Handlung in der Tragödie 
„Iphigenie in Aulis** von Euripides. — (Nach Schilleis Uebersetzung). — 
*6. Ein unnütz Leben ist ein früher Tod. (Goethes Iphig. J. Act). — 6. 
Nutzen der Mathematik. — *1. Die Hinweisung auf die französische Re- 
volution in Schillers „Lied von der Glocke** und im „Spaziergang**. — 8. 
Die Charakterschilderung Egmonts nach Goethes gleichnamigem Drama. 
— ^^9 Welche geographischen Verhältnisse begünstigen die Industrie 



iglinas? — 10. Eine Skis&ze aus dar Priratlecttire. — m. Die Fort- 
hnUM in i\m küuiiUiclieii BdeucUtuag. — 1«. Ob h\ ScliillfM-n «Jungfrau 
?<wi Ürl€&ii8" das Beaelimeii Johaimas ff«geii ihren Vatej- wiiküch iroii 
lem liDkindlicUeii Herzen zdgt? — *13. (MatuHtätSHrlidi) Welche Bande 
apfen uns au dan Vaterland? 



tt 



K IIL LehrmltteL 

^^^^^^ 1. Bibliothek der Oberrealschnle. 

^^^^^ C n ii 1 » : Prof. Dr. Johann Stroll. 

^^^^^ Vermehruög im Schuljahre 188687. 

^^^^ A Grftcheoke : 

^K Vom hohen k. k. Ministerium fiir Cultus und Unterricht; Bericht über 

^Be Induistri*^, den Haiidel und die Verkehrs veriiältnisse in Nied nister reich 

^^iihreud de.H Jalues 1885, Wien 188«. 

Voin hohen n.-ö. Landes-Aussahusse : Stenographische Protokolle de» 
l-o, Landtages* 3, Sejss. der VI. Wahlperiode. — Zu^iumeiistelhiug der in 
:^. ^ms, der VL Wahlperlode gefasateu BeschliUse. - Beiicht de^i 
ben Landes- AnschuBäes über seine Ämtswirksamkeit vom ). Juli 1^85 
3u. Juni 18H6, 
Von der k. Akademie der Wiesentchaflen in Wien: Anzeiger und 
txuüg^berichte der mathem. natuihistor, Classe ( Kortgetzuiig ). - B u ö s o % 
iü\ E. Kritik der Steyri^clien Beiniehrünik* Zingerle^ Der Paiadieis- 
tVm dei altdeutschen G«negi». — (joniperz, lieber den Abrndilus^ des 
«riidoleiiahen Uei^ühiclitswerkei!). — Grilnert, Die Begritl's-Piäpuuderanz 
^jyid Ml duale a potiori im Altarabi.^chen. — Hartel, üeber die Grie 
^Kbolffiii Papyri Erzherzog Kainer* — Krem er, lexikogr. Notissen nach 
^Bmen arabischen Quellen, — Leciejewski, Der L&utwert der Nanal- 
"™ftwaile im Altpalnischen. — Manitiu», Zu Aldhelm und Baeda, — 
ilAller Kriedr., Die Musukspracha in Central-Äfrika. — Reiiiii^ch, Die 
^fcfar-Sprache. L — Stockij, Ueber den Inhalt de^ Codex Hankeastei- 
^■«lUk — Vondrak, Zur Kritik der Altsloveaischeri Denkmale. — B i\- 
^Knger, Acten su Columbu» Geschichte 1473 — 141»2. - Bühl er, Kine 
^■ktchrifl Am KonigH Dhaimsena IV. von Valabhi. - Horawi ts£, Zur 
'lefich. des Uumanismus in den Alpenländern L — Hüber, Di€ Kriege 
/wIsMsb« Ungarn and den Tlirkeii 14 40 - 144:». — I n a m a - S t e i' n e g g, 
Zur Verfa«8Ungsge.schtchte der deutschen Salinen im Mittelaltm% — Ka- 
lusniaeki, Die polniiäclie Recennion der Magdeburger ürtlieile. - Le- 
wictki» Blick iu die Politik K. Hjgmunds gegen Polen, — Mayer, C/Or- 
re!ip4indeu7i>ik'her de« B. Sixlns von Freising 1474—1495. — Mikloäich, 

IKe Ijerbischen Dynasten Cmojevic. — Sehlittar, Berichte des k. k. 
iimm. BaUh. von Stllrmer auii 8t- Helena, — Schroli, Necrologium des 
i\t\tn Eberndorf in Kärnten — Steffen liagen, Entwicklung der Land« 
mehtagto^e d^8 Sach^eni^ldegek. - Stöbere Quellenstudien 2um Ijau- 

Rr heu Schisma. — Tadra, CaiiceUaria Johannia Noviforensiii, 

p.r,^ 1 1 irtomucensift, -^ Wertheimer, Erzdi* Karl und dt« zweite ('o&- 




«0 

litlon. — Ehrenfels, Metaphysische Ansf&hrangeii im Anschlösse an 
Dn Bois-Reymond. — Pfizmaier, Der Prophet Jesaias, Grönlftndisch. — 
Pfizmaier, Chinesische Begründung der Taolehre. — Werner, Zwei 
philos. Zeitgenossen Vicos. I. u. n. — Oppolzer, Ueber die astrono- 
mische Befraction. — Sersawy, Ueber den Znsammenhang zwischen d. 
vollst Integralen und der allgem. Lösung bei partiellen Differenzialglei- 
chungen höherer Ordnung. — Frauscher, Das Unter-Eocän der Nord- 
alpen und seine Fauna. I — Stapf, Beitr. z. Flora von Lycien, Carlen 
und Mesopotamien. II. Th. — Zukal, Mycologische Untersuchungen. — 

Von den Herren Verfassern: Dr. Christian v. Ehrenfels, Meta- 
physische Ausführungen im Anschlüsse an Emil du Bois-Reymond. Wien 
1886. -- Polifka, Beitr. zur Kenntnis der Fauna des Schlem-Dolomites. 
Steiner Joachim, Sammlung von Maturitätsf ragen aus der darstellen- 
den Geometrie. Wien l^-SZ. 

Von Professor Eirchberger in Krems: Heinrich, Die Debatten- 
ächrift. Laibach 1874. - Fuchs, „Fünfzehn Tage auf der Donau^, Jagd- 
Tagebuch Sr. k. u. k. Hoheit des durchlauchtigsten Kronprinzen Erz- 
herzog Rudolf. Stenograph. Uebertragung. Wien 1886. — Jahresberichte 
von Mittelschulen pro 1886. (143 Stücke im Umtausche). 

B Kaaf. 

Normann, Neue Materialien zu deutschen Stilübungen für höhere 
Lehranstalten Kattowitz 1882. — Jahresbericht über die Erscheinungen auf 
dem Gebiete der Germanischen Philologie. VII. Jahrg. 2. Abth. Leipsig 
1886 und Vin. Jahrg. 1. Abth. Leipzig 1887. — Seuffert, Deutsche 
Literaturdeukmale des 18. und 19. Jahrh. Heft 25. — Dingelstedt, 
Erzählende Dichtungen. 6 Bände. Berlin 1877. — Grillparzers sämmt- 
liche Werke in 10 Bänden. Stuttgart 1878/79. — Scheffel, Der Trom- 
peter von Säkkingen. Stuttgart 1886. — Anzen gruber. Der Schand- 
fleck, a Bd. Leipz. 1884. Der Sternsteinhof. 2 Bd. Leipz. 1886. — Ber- 
sezio, Die Engel auf Erden. Leipz. 1884. — Dahn, Die Kreuzfahrer. 
2 Bände. Berlin 1884. — Dahn, Die schlimmen Nonnen von Poitiers. 
Leipz. 1886. — Dahn, Fredigundis. Leipzig 1886. — Dostojewsky, 
Die Brüder Karamasow. 4 Bände. Leipzig 1887. — Ebers, Die Frau 
Bürgermeisterin. Stuttg. 1882. Ein Wort, Stuttg. 1883. Die Nilbraut 3 Bd. 
Stuttg. 1887. —Eckstein, Aphrodite. Leipzig 1886. — Eckstein, Pia. 
Leipz. 1887. — Festenberg, Francesca von Rimini. Leipz. 1883. — 
Franz OS, Moschko von Parma. Stuttgart 1885. ~ Heyse, Der Bernau 
der Stiftsdame. Berlin 1887. — Jensen, Sonne und Schatten. 2 Bände. 
Berlin 1873. — Jensen, Flut und Ebbe. 2 Bände. Mittau 1877. — 
Keller, Die Leute von Seldwyla. 2 Bände. Stuttgart 1876. Züricher 
Novellen. 2 Bände. Stuttgart 1878. — Kotzebue W., Baron Fritz Becken- 
steg. % Bände. Leipzig 1885. — Lindau Paul, Der Zug nach dem Westen. 
2 Bände. Stuttgart o. J. — Lorm, Todte Schuld. 2 Bände. Stuttgart 1880. 
Lorm, Aufierhalb der Gesellschaft« Dresden 1881. — Lorm, Der fah- 




reöde Öüdle, Lpz, 1884. — Niemann, Bakchen ußd Ttiyrsosträger. 3 Bd. 
Lps.ISSS*-' Nie tu an 11, Katharina* 3 Bd. Lpas. 1884. — Raabe, Pftsleig 
MtUe. Lps* 1884. — Schweichel, Der BildscbaiUer vom Ächeüßee. Beiliii 
0, J. ~ Stern A^ Ohae Ideale, 2 Bd. Lpz, 1883. — Taylor, Jetta. hpz. 188i. 
— Taylor. Elfriede. Leipzig 1885. — v. d. Traun Jalius, Goldschmied- 
Uiider. Wien 1880. — ühl Friedr., Die Botschaftenn. 3 Bände. Berliti 
1880. — Waldmüller, Auf der Leiter des Gliickg* Leipzig 1884. ^ 
Waldmftller^ Um eine Perle. 3 Bände. Leipzig 1885. —Wald maller, 
Doo Adone, 2 Bände. Leipzig 1883- — Wal ff Jnlins, Der SlllfraeiBten 
3 Bftnde. Berlin 1883. — Ebeling, Flögeis Geschichte des Grote»k*Ko< 
len. Leipzig, 1862. — Ihne, Römische Geschichte. 6. Band. Leipzig 
. — Mette rnich-Winnebu lg Rieh*, Aub Metternicliß nachge- 
aen Papieren. 8 Bände. Wien 1880 «84. — Andree Rieh., Das 
«Gebiet und seine Bedeutung, Leipz, 1867, — Co o per, Reise zur 
lug eines Ueberlandweges von China nach Indien. Jena 1877. — 
18 eh. Reise nach Westsibirien im Jahre 1876, Berlin 1879. — Grego- 
re vi na Ferd., Corsica 2 Bünde. Stuttgart 1854. — Kaulen, Assyrien 
id Bftbyl0iiien. Freibnrg 188S}. — Kletke, Barths, Overwegs und 
Rieliarddotifl Reise in Central- Afrika. — Kletke, da Chailluß Reisen in 
Cm tral- Afrika. — Kühn, Sibirien, Leipzig 1876. — Die Oesterr, Ungar. 
Mottarchie in Wort und Bild- Heft 13— 3L — Radde, Die Ghewßureii 
und ihr Land. Cassel 1878. -- Schweiger-Lerchenfeld, Unter dem 
Halbmonde. Jena 1876, — Schweiger-Lerchen fei d, Das eiserne 
Jahrhundert. Wien 1884, — Schweiger-Lerchen fei d, Zwischen Donau 
und Kaukasus;. Wien 1887, — Topographie von Nieder-Oesterreich. IIL 
Theil^ a. Band, Heft 1 und 3. — Umlauft, Die Alpen. Wien 1887. — 
Voll, Geographische Charakterbilder. Heft 11— J2. — Allgemeine Natur- 
knide. Liefr* 36*88. — Hofmann, Die Schraetterlinge Europas, Liefr. 
13—33- — Wildermann, Jahrbuch der Naturwissenschaften. 1886—1887. 
Preibnrg 1887. — Raben hör st, Kryptogamenflora. L Bd. IL Abth. %3 
bis 37. m. Bd. 7—9, IV. Bd. 4—6. — Dreher, Ueber den Begriff der 
Kraft mit Berücksichtigung des Gesetzes von der Erhaltung der Kraft. 
Berlin 1885. — Wallen tin, Mascails Handbuch der Statischen Elektri- 
citlt. n. Bd. 1. Abth. — Gretschel & Borne mann, Jahrbuch der 
Erfindungen. 33. Jahrg. Leipjs. 1886. — Fischer-Wagner, Jahresbericht 
Iber die Leistungen der chemischen Technologie für das Jahr 1886 und 
dmi Jahr 1S86. 2 Bände. Leipz. 1886/87. - Panlseu, Geschichte des 
geMirteii Unterrichts auf den deutschen Schulen vom Ausgange des Mittel- 
mltars bis zur Gegenwart. Leip^. 1885. — Scbillen Handbuch der prak- 
tischen Pädagogik fhr höhere Lehranstalten. Leipz. 1886, — Andree, 
NeoMle Erforsehungsreisen im Süden Afrikas. Leipz. 1869. — Barker, 
Sa Jabr ans dem Leben einer Hausfrau in 8ild-Afrika. Wien 1878, — 
Herlepacb, Die Alpen in Katar- und Lebensbildern, Jena 1871. — 
Bickmore, Reisen im Ostindischen Archipel. Jena 1869. — Boeck, 
Prinz Heinrich in Central- Amerika. — Boeck, Jungdeutschland in West* 




39 

afrika. — Brasse y, Sonnenschein and Sturm im Osten. Leipzig 1881. — 
Brassey, Eine Segelfahrt nm die Welt. Leipz. 1880. -- Bbhardts 
Jagendbibliothek: Der Held des Niger. Die Weltfahrt des Centarion. 
Wilde Scenen ans allen Zonen. William Shakespeare. Mozart. 5 Bände. 

— Hoffmann, Andreas Hofer, der ßandwirt vom Passeyrthale. — 
Hacker, Deatsche Heldensagen, der Jagend erzählt. — Hoffmann, 
Afraja, Erzählang aas dem hohen Norden — Jedina, Um Afrika, Reise 
der Corvette „Helgoland". Wien 1877. — Kröners Universalbibliothek 
f&r die Jagend : Oberen. Der Knabe des Teil. Beispiele des Oaten. FArchte 
Gott. 4 Bändchen. — Morel et, Reisen in Central-Amerika. Jena 1876. — 
Masters, Unter den Patagoniem. Jena 1877. — Nieder gesäß, Ja- 
gend- and Volksbibliothek : Radolf von Habdbarg. Männer aas dem Volke. 
Denksteine der Caltar. Aaf österr. deutschem Boden. — Anf dem Meere. 
Natarkandliche Spaziergänge. 6 Bändch. Freibarg 1886. - Oberländer, 
Entdecknngsreisen im Sftden and Innern von Afrika. Leipzig 1883. — 
Payer, Die österr. nngar. Nordpol-Expedition. Wien 1876. — Powell, 
Unter den Eanibalen von Nen-Britannien. Leipz. 1884. — Ross Browne, 
Reisen and Abentener im Apachenlande. Gera 1877 — Schaaenbarg, 
Reisen in Central- Afrika. 3 Bände. Lahr o. J. — Schlagintweit Rob., 
Die Santa Fe- and Südpaciflcbahn. Köln 1884. — Schweiger-Ler- 
chenfeld, Die Adria. Wien 188S. — Schweiger-Lerchenfeld, 
Von Ocean zn Ocean. Wien 1885. — Schweiger-Lerchenfeld, Ar- 
menien. Jena 1878. — Stacke, Erzählnngen aas der alten, mittleren and 
neaen Geschichte in biograph. Form. 3 Bände. Oldenbarg 1871/73. 

Fortsetzungen: Allgemeine Deatsche Biographie. Lief. 112~>180 — 
Onken, AUgem. Geschiebe in Einzeldarstellangen. Lief. 114—129. — 
MO Her, Grnndriss der Sprachwissenschaft. III. Bd. Tl. Abth. 3. Hälfte 
Lief. 2. — Kürschner, Deatsche National-Literatur. Lief. 317—980. 

Mtsehrirten. 

Wiener Zeitong. — Verordnangsblatt fttr den Dienstbereich de» k. k. 
Ministeriams f&r Galtas and Unterricht — Zanickes liter. Centralblatt 

— Berae politiqae et litt6raire ed p. Yoang. — Harpers „Montkly Ma- 
gazine^. ~ Eolbe, Zeitschrift fttr das Realschalwesen. — Strack, Cea- 
tralorgan für die Interessen des Bealschnlwesens. — Blätter fBr Landes- 
kunde in Niederösterreich. — Mittheilangen der k. k. geogr. Gesellschaft. 

— Wiedemann, Poggendorfs Annalen der Physik ana Chemie mit Bei- 
blatt — Klein & Mayer,mathem. Annalen. — Schi ömi Ich, Zeitschrift 
far Mathematik and Physik. — Hoffmann, Zeitschrift ffir nathem. and 
natarw. Unterricht. — Enlen AEckler, Monatschrifr, für das Tamwesen. 

— Kremser Wochenblatt (Niederösterr. Presse). — Kremser Volksblatt. 

2. Lehrmittelsammlmic fikr den geographischen nnd hittoritchen 

Unterricht. 

Castos: Professor Anton Pokorny. 
Angekauft wurden : a) Aas der vom hohen nied.-öst. Landesansschosse 



33 

ffir die Jahre 1886 und 1887 gewährten außer ordentlichen Dotation: 
1.) Geographische Charakterbilder, aus HölzePs Verlag in Wien X. Serie 
mit Textheft. (Schluss.) 2.) Aegypten in Bild und Wort von Georg Ebers, 
2 Bände, Stuttgart und Leipzig, Hallberger, 1879. 3.) Unser Vaterland in 
Wort und Bild, 3 Bände, Verlag der Gebrüder Kröner. — b.) Aus der 
Jahresdotation: 1) Richard Kiepert, Stumme physikalislhe Wandkarte 
von Italien, Berlin 1883, Reimer. 2.) Richard Kiepert, Stumme physikalische 
Wandkarte der Britischen Inseln, Berlin 1882, Reimer. 3.) Richard Kiepert, 
Stamme physikalische Wandkarte von Spanien und Portugal, Berlin 1886, 
Beimer. 4.) Ferdinand Hirts Geographische Charakterbilder von Dr. 
Alwin Oppel und Arnold, III. Theil: Völkerkunde, 1. Abtheilung: Völker- 
kunde von Europa, Breslau, Hirt. 

Fortsetzungen: Palästina in Bild und Wort von Ebers und Guthe, 
Stuttgart, deutsche Verlagsanstalt, Lieferung 17—68. — Culturgeschichte 
des deutschen Volkes von Dr. Otto Henne am Rhyn, 3. bis 6. Abtheilung. 
(Schluss.) Berlin, Giote. — Deutsche Kunstgeschichte, als Supplement zur 
deutschen Culturgeschichte, 1. bis 6. Lieferung, Berlin, Grote. — Baumeister, 
Denkmäler des classischen Alterthums, Lieferung 27—41. — Hirth, Cultur- 
historisehes Bilderbuch aus 3 Jahrhunderten, Lieferung 44 bis Schluss. — 
Hottenroth, Trachten, Haus-, Feld- und Kriegsgeräthschaften der Völker 
alter und neuer Zeit, Lieferung 13 und 14. — 

3. Lehrmitteliamailiiiic f&r den natnrhlitoritohen Unterricht 

C US tos: Professor Johann Forstner. 

Als Geschenk erhielt die Sammlung von dem Herrn Landesturnlehrer 
Haus Hrdliczka 20 Stttcke Schmetterlinge (Eulen). 

Angekauft wurden: 60 Stttck präparierte Raupen. Zoologische Wand- 
tafeln von Dr. R. Leuckart und Dr. H. Nitsche, 11., 12., 13. und 14. Lfg. — 
Falco peregrinus. 

4. Lehrmltteleammlnnc f&r Phyeik. 

C US tos: Professor Dr. Anton Ehrenberger. 
Angekauft wurden: Schiffslampe. GoUection Brettchen zur Schwer- 
pnnktslehre. Schiefe Ebene auch fttr den horizontalen Zug. Rostpendel. 
Syrene nach Seebeck mit gezahntem Rade. PascaPs Apparat. Dunkel- 
kammer. Zwei Fensterthermometer. Dreppel's Luftthermometer. Eiscalori- 
meter nach Lavoisier. Schneidediamant. Pantoscop. 

6. Lehrmltteliammlnnc im chemiichen Laboratorinm. 

C u s 1 s : Professor Friedrich Mareck. 
Ankauf: Von Rohrbecks Nachfolgern in Wien: 1 montierter Ozon- 
apparat 1 Hoffman'scher Eudiometer mit graduierten Schenkeln und Mantel 
auf Metallstativ. 1 graduiertes Queksilbergasometer. Von dem Droguenge- 
schäfte des Herrn Bruno Raabe in Wien: 34 div. ehem. Präparate für den 
Gebrauch beim Experimentieren, sowie zur Darstellung von Präparaten 
f&r die Präp.-Sammlung. 

5 



34 

IT. MataritSte-Prfifang. 

Am Schlüsse des Schaljahres 1886/6 legten die Maturitätsprfifang ab: 
1.) Dieterich Ludwig, geboren am 4. September 1868 in Agram in 
Croatien, 2.) Trimmel Robert, geboren am 7. Juli 1870 in Wien. Beide 
erhielten das Zeugnis der Reife und widmeten sich den militär-tech- 
nischen Studien. 

Zur Maturitätsprüfung am Schlüsse des Schuljahres 1886/7 meldeten 
sich sechs der öffentlichen SchUler der VII. R. Cl. — Bei den schrift- 
lichen Prüfungen, welche vom 21.-- incl. 27. Mai stattfanden, worden 
folgende Themen bearbeitet: 

1. Deutsch: „Welche Bande knüpfen uns an das Vaterland?** 

II. Französisch-Deutsch: Barante, „Histoire des ducs de Bourgogne.^ 
Aus Dr. Glaunings Lesebuche. Von S. 89: „Aprfes trois jours" bis: „si 
proche de la mort." (S. 90). 43 Zeilen. 

III. Deutsch-Französisch: „Der Mann mit der eisernen Maske." Aus 
Filek's Uebungsbuch für die Oberstufe des französischen Unterrichts. 
S. 99. Von: Einige Monate" bis: „Mann verschwand". (Z. 31.) 

IV. Englisch-Deutsch: „Rodolph of Hapsburgk" by W. Coxe. Aus der 
englischen Chrestomathie von K. Wihlidal. 8. 111. Zeile 1—70. 

Mathematilc: 1.) Ein Reisender legte 64 Kilometer zurück und zwar 
am letzten Tage 9 Kilometer; wie lange war er unterwegs und wie viele 
Kilometer legte er am ersten Tage zurück, wenn er an jedem folgenden 
% Kilometer weiter reiste als am nächst vorhergehenden? 

8.) Welche Prämie ist jährlich pränumerando für ein vierjähriges 
Kind in eine Versicherungsanstalt zu entrichten, wenn demselben nach 
vollendeten 20. Lebensjahre die Summe von 10.000 fl. ausbezahlt werden 
soll und die Anstalt mit 4% arbeitet? 

3.) Einer Kugel von 60m' Oberfläche ist ein gerader Kegel eingeschrieben, 
der an der Spitze einen Winkel ««-34® 18' 36" hat. Von diesem Kegel ist 
der Mantel und das Volumen zu berechnen. 

4.) Am 1. Mai hat die Sonne eine Declination a=l5® 13' 54"; wie 
grofi ist an diesem Tage die Tageslänge in Wien, wann geht die Sonne 
auf, und wann unter? (Polhöhe von Wien f»=«48« 12' 35-6".) 

VI. Darstellende Geometrie : 1 ) Eine Ebene E und ein Punkt A sind 
gegeben ; man ziehe in E eine G-erade G-, welche von A eine gegebene 
Entfernung m hat und mit der ersten Spur von E den Winkel von 60* 
einschließt, m ist gleich der doppelten Entfernung des Punktes A von 
der Ebene E. 

2. Eine regelmässige achtseitige Pyramide steht auf Pi auf. Durch 
den Halbierungspunkt der Höhe geht eine Gerade a, welche zu P, parallel 
ist und mit P, einen Winkel von 30® einschließt. Es ist der Schnitt der 
Pyramide mit einer Ebene E zu suchen, welche durch a geht und mit P| 
einen Keil von 45® bildet. 

3.) Auf einem verticalen Cylinder ruht eine Platte mit quadratförmiger 



86 

Grundfläche. Man zeichne das perspectivische Bild und construiere fflr 
paialleles Licht den Schlagschatten. 

Üie Grundfläche des Cylinders ist 10 cm., unter dem Horizonte, die 
Höbe des Cylinders beträgt 20 cm., sein Durchmesser 8 cm., die Höhe 
der Platte 2 cm., die Quadratseite 10 cm. 



y. Yermlcliiilg der Lehrbficber, 

die im Schuljahre 1887/88 in Verwendung kommen. 

ReKgion: I. Cl. Drechsl, biblische Geschichte — II. Cl. Drechsl, katho- 
lische Glaubenslehre. — ni. Cl. Mflllner, Katholische Sitten- 
lehre. — IV. Cl. Fischer, Lehrbuch der Kirchengeschichte. 

Deutsche Sprache: I.--VI. Cl. Willomitzer, deutsche Grammatik. Egger, 
deutsches Lesebuch fUr die I., II., III. und IV. Cl. 

V.— VII. Cl. Egger, deutsches Lehr- und Lesebuch für 
höhere Lehranstalten. I. Th. (Ausgabe fflr Realschulen). Des 
IL Theiles I. u. II. Bd. — In der VI. Cl. Jauker u. No8, mhd. 
Lesebuch. 

Französische Sprache: I., II., IIL und IV. Cl. Bechtel, französische Gram- 
matik, L und II. Th. Dazu: Uebungsbuch zur franz. Grammatik. 
Mittelstufe. V.— VII. Cl. Ploetz, Schulgrammatik der französi- 
schen Sprache. 

n., III. und IV. Cl. Bechtel, französiches Lesebuch. — 
V.— VII. Cl. Bechtel, französische Chrestomathie f. d. obern 
Cl. der Mittelschulen. 

Englische Sprache: V.— VII. Cl. Sonnenburg, Grammatik der englischen 
Sprache. VI. Cl. Nader & Würzner, englisches Lesebuch füi* 
höhere Lehranstalten. VII. Cl. Seeliger, englisches Lesebuch 
für die oberen Classen höherer Lehranstalten. 

Geographie: I.-IV. Cl. Herr G., Lehrbuch der vergleichenden Erdbe- 
schreibung. I., IL und III. Cursus. VI. und VlI. Cl. Seydlitz, 
größere Schulgeographie. — VII. Cl. Hannak, österr. Vater- 
landskunde f. d. höheren Classen. 

Schulatlanten von Kozenn oder Stieler. 

Geschichte: II.— IV. Cl. Hannak, Lehrbuch der Geschichte f. d. unteren 
Classen, 3 Theile: Alterthum, Mittelalter, Neuzeit. 

V.— VII. Cl. Loserth, Gruudriss der allgem. Weltgeschichte, 
L, II. und DI. Theil. 

In sämmtlichen Classen : Putzger, histor. Schulatlas. 

Mathematik: I.-III. Cl. Villicus, Lehr- und Uebungsbuch der Arithmetik 
fflr Unterrealschulen, L, IL und III. Theil. - II. und III. Cl. 
Wallentin, Sammlung von Beispielen und Aufgaben aus der 
Arithmetik für die unteren Classen. 

IV.— VIL Cl. Moi^nik, Lehrbuch der Arithmetik u. Algebra 
fUr die oberen Classen und Wallentin, Sammlung von Beispielen 
und Aufgaben aus der Algebra und allg. Arithmetik. 

V.— Vn. Cl. Wiegand, Lehrbuch der Mathematik: a) Pla- 
nimetrie I. und II. Cursus ; c) Stereometrie und sphärische Tri- 
gonometrie. VI. und VII. Cl. Dr. Sonndoifer und Hermann Apt., 
Lehrbuch der Geometrie, I. Theil, 3. Abth. Ebene Trigono- 



86 

metrie: I. Th., 3. AbtL Analytische Geometrie der Ebene. — 
Logaritlimentafeln von Gernert. 
Gelbmetrie und geom. Zeichnen: I. Gl. Moönik, geometr. Foimenlehre fi\r die 

I. Gl. d. R. Seil. — II., III. und IV. Gl. Moönik, Anfangsgründe 
der Geometrie in Verbindung mit dem Zeichnen für Unterreal- 
schulen. 

Darstellende Geometrie: V.— VII. Gl. Streißler, Elemente der darstellenden 
Geometrie für Bealschnlen. 

Naturgeschichte: I. Gl. Pokorny, illustr. Naturgeschichte des Thierreiches. 

II. Gl. desselben Verf. Naturgeschichte des Pflanzenreiches. 
Bisching, Grundriss der Mineralogie. — V. Gl. Woldfich, Leit- 
faden der Zoologie. — VI. Gl. Dr. Wretschko, Vorschule der 
Botanik für die höheren Glassen. — VII. Gl. Hochstetter und 
Bisching, Leitfaden der Mineralogie und Geologie. 

Physik: III. und IV. Gl. Dr. Krist, Anfangsgründe der Naturlehre f. d. 
unteren Glassen der Realschulen. 

VL und VII. Gl. Wallentiu, Lehrbuch der Physik für die 
oberen Glassen der Mittelschulen. (Ausgabe für Realschulen). 

Chemie: IV. Gl. Quadrat & Badal, Elemente der reinen und angewandten 
Ghemie. 

V. u. VI. Gl. Mitteregger, Lehrbuch der Ghemie f. Ober- 
realschulen, I. Th. : Anorganische, II. Th.. Organische Ghemie. 

Stenographie: IV.— VII. Gl. I. Abth. Albrecht, Leiirbuch der Gabelsber- 
ger'schen Stenographie. I. Gursus. 

II. Abth. Faulmann, Gabelsberger's stenographisches Lehr- 
gebäude. 

TL Unterstfltzang armer Scbüler. 

^ A. Stipendifii und UnterslQtzunff «bei rüge. 

Im Laufe des Schuljahres gelangten folgende Stipendien und Unter- 
stützungsbeträge zur Auszahlung au arme und würdige Schüler der Landes- 
oberrealschule : 

L) Das vom hohen n.ö. Landtage gestiftete Kaiser-Stipendium 150 fl. - kr. 
2.) Die Interessen des Eduard Schumacher'scheu Legates 21 fl — kr. 
3.) Zwei von dem Vorstaude des Zehnkreuzervereines in 
Krems der Direction übergebene ünterstützungsbeträge 
i 50 fl 100 fl. - kr. 

4.) Die Josef Thalhofer'sche Studienstiftung im Betrage 

jährlicher lOO fl. — kr. 

5.) Am 13. November 1886 au drei Schüler Barbeträge, 

zusammen 50 fl. — kr. 

6.) Außerdem waren drei Schüler der Landesober real schule 

im Genüsse auswärtigerStipeudien im Gesamratbetrage von 500 fl. — kr. 

B. UoterstatioBgBfond. 

Aufier den unter den Einnalimen ausgewiesenen Geldbeträgen erhielt 
der Unterstützungsfond von der Papierhandlung Saska in Krems vei-scbie- 
iene Schreibrequisiten. 



87 

ElmiahmeD. 

I. Geschenke: fl. kr. fl. kr. 

Vüu Herrn Fichtner, Fabrikant in Krems 4 . — 

„ Frau Trimmel in Statzendorf 5 . — 

„ Herrn Exel, Mttlilbesitzer in Imbach 10 . — 

„ „ A. Gutscher, Mühlbesitzer in Sieghartskirchen 6 . — 

n „ H. Gntscher, Mühlbesitzer in St. Georgen . 6 . — 

„ einem Ungenannten 3 . 60 

^ Frau Schömer in Klosterneuburg 4 . — . . 

„ „ Stölzle in Krems 6 . — 

„ Herrn Vogler in Melk 2 . — 

^ „ Dr. Libitzky in Wien 7 . — 

„ einem Ungenannten 2 . — 

„ Frau Brnstmann in Krems 2 . — 

^ Herrn Dr. Lunzer in Krems 2 . — 

^ Frau Csank in Wien 5 . — 

^ Herrn Prof. Müllner 2 . 66 

„ Sr. Hochw. HeiTn Dr. Kerschbaumer, Propst in Krems 5 . — 

„ Herrn Oesterreicher, Buchhändler in Krems ... 3 . — 

., „ Grünberger, Hausbesitzer in Krems .... 6 . — 

Aufnahmstaxe von einem Handelsschüler 2 . — 

Von Herrn Harkup, Privatier in Krems 2 . — 

Aus dem n. ö. Landesfond 100 . — 

Von Herrn Grillmayer, herrschaftl. Fabrikbesitzer in Ober- 

österreich • . . . 8 . — 



189 . 26 

2. Zinsen: Ü. kr. fl. kr. 

Coupons 68 . 60 

Interessen der Langheinz'schen Stiftung 8 . 4M 

Interessen der Eiulagen bei der äparkassa iu Krems . 81 . 28 
Interessen der Einlage beim I. Vorschussverein in Krems 15 . 71 
Interessen der Einlage beim allgemeinen österr. Beamten- 
vereine (Cons. Krems) 8 . 29 

_ 172 . 28 

Gesammtsumme der Einnahmen . . . 361 . 54 

Ausfiabeii. fl. kr. fl. kr. 

C unto des Buchhändlers Oesterreicher 66 . 12 

„ „ Weise 126 . 34 

„ „ Papierhändlers Saska 34 . 79 

„ „ n Kuntschak 17 . 70 

„ „ Buchbinders Forner 14 . 45 

Baruntei-stützungen 68 . 50 

Für Kosttage 3 . — 

„ Ankauf von gebrauchten Büchern _. 3 . — 

Gesammtsumme der Ausgaben ... 333 . 90 

Aus der Gegenüberstellung der Einnahmen per 361 . 54 

und der Ausgaben per . . . . 333 . 90 

ergibt sich eine Vermögenszunahme per T ".- . 7~. '27/64 



96 



VermAgeDMiaMl MB 15. Jaal ISST. 

(Ohne die seit 1. Jänner d. J. aufgelaufenen Zinsen.) 

1886 



1887 



1. Spaitatte-EWag« nnd Bargeld: 

Einlagsbach bei der Sparkasse in Krems Tom. XXI Fol. 709 

B. Z. 11072 . 

Einlagsbnch bei der Sparkasse in Krems Tom. XXVII. Fol. 164 

B. Z. 25485 

Einlagsbnch bei der Sparkasse in Krems Tom. XXXI. Fol. 842 

B. Z. 31449 

Eiulagsbach bei d. I. Vorschnssyereine fUr Krems n. Umgebung 

T. VII. F. 325 

Einlagsbnch bei dem Spar- nnd Vorschnssconsortinm Krems 

des österr. Beamtenvereines 

Barrest 



fl. 



kr. 



449 

1138 

450 

370 

420 
8 






12 



fl. 



449 



Summe des Bargeldes . i28d0 



27 1178 

— 1! 450 

— ij 860 

— ' 420 
58 10 



2^ Wertpapiere, angeführt hn Nominalwerte: 
1 Stück Silberrente 



I 



2 n Papierrente 

4 „ „ k 100 fl. (Legate der Fran M. Langheinz 

und des Heim J. Eggel), beim hoben n.-d. 

Landesansschnsse in Verwahrung . . . 
Ein Fünftel 1860er Los, Serie 4368, Nr. 19 

3.) Gebrauchte Sohvlbliclier, Schreib- u. Zeichenrequisiten. 



1000 
100 
200 



92 .2858 



— 1000 

— ,; 100 

— '! 200 



kr. 



12 

59 



85 
56" 



400j — ; 400 



100| — I 



100 



C» Aunwrb Mrr die VDteratfltiuDR der §ehQler an der Landea-Ober- 

realachale. 

Im ei*sten Semester wurden 96, im zweiten 93 Schüler mit Lehrbüchern 
betheilt. Von diesen erhielten im ersten Semester 20, im zweiten 32 Schüler 
auch Schreib- und Zeichenrequisiten. Barbeträge erhielten drei Schüler. 

TU Yerordnnngen der hohen k. k. Unterrlchtebehörden. 

1. Verordnung des hohen Ministeriums für Cultus und Unterricht vom 
20. November 1886, Z. 23.151, in Betreff des Haltens von Eostzöglingen 
seitens der Directoren und Lehrer der öffentlichen Mittelschulen und Lehrer- 
bildungsanstalten. 

3. Verordnung des hohen k. k. Landesschulrathes vom 20. Jänner 
1887, Z. 406, wodurch angeordnet wird, dass eine Liste der bei den Auf- 
nahmsprüfungen für die I. Classe Zurückgewiesenen in kürzester Frist 
allen andern Mittelschulen Niederösterreichs unmittelbar zuzusenden, und 
dass die Liste sämmtlicher der Aufnahmsprüfung zum Eintritte in die 
I. Classe Unterzogenen längstens bis 25. September dem k. k. Landes- 
schulrathe vorzulegen ist. 

3. Verordnung des hohen k. k. Ministeriums für Cultus und Unter- 
richt vom 13. März 1887, Z. 4923, mitgetheilt durch Erlass des\liohen 



k. k. Landesschulrathes vom 6, April 1887, Z. 2191, in Betreff der Er- 
Iheilaug mnm Privatunterrichten seitens der Letirkräfte öffentlicher Mitte!* 

tttlen and Lelirerbildungsan stalten an Schiller der eigenen Lehranstalt, 
4. Veronlnung des hohen k. k, Ministeriums für Oultus und Unterricht 
a 2, Mai 1887, Z. 8752. niitget heilt darcli Erlaas des hohen k. k, Landes- 
ttlrathes vom 15, Jani 1887, Z, 377^), betreffend da« Classificationsver- 
faliren an den Mittelschtilen und die hSaslichen Scbreibauf gaben. 



flu. Beka&Dtmachung, die Aufnabme der B«hlller 

betreffend. 

Das nächste Schuljahr beginnt am 16. September 1887, Die Aufnahme 
der Schaler findet vom 12. September an vormittags von 8 big 1 1 Uhr und 
UÄchmittaga von 2 bis 4 Uhr in der Directionskanzlei statt. Alle Schttler 
haben sich in Begleitung ihier Eltern oder deren Stellvertreter bei der 
Direction m melden. 

Die Aufnahme in die L Realclasse hängt von dem Erfolge einei- 
A ufnahmsprUfung ab, welche am I6,j ev* 17. September abgehalten wird. 
Zufolge der Minist. -Verord. vom 16. M&rz 1870, Z. 2470^ wird bei der* 
selben gefordert ; ,, Jenes Maß von Wissen in der Religion^ welches in den 
ersten vier Jahrescursen der Volksschule erworben werden kanu^ Fertig- 
keit im Le^en und Schreiben der Unterrichtssprache und der lateinischen 
Schrift, Kenntnis der Elemente aus der Formenlehre der Unterrichtssprache, 
Fertigkeit im Analysieren einfacher bekleideter Sätze, Bekanntschaft mit 
den Regeln der Orthographie und ihrer richtigen Anwendung beim Dictando- 
schreiben, (Tbung in den vier Rechnungsarten in ganzen Zahlen", Jünglinge, 
weiche aus einer andern nicht gleichartigen Mittelschule in die Realschule 
Übertreten und in eine höhere als die I. Classe aufgenommen werden wollen, 
haben gleichfalls in einer Aufnahmsprüfuiig das Maß ihrer erworbenen 
Kenntnisse zu erweisen. 

Solche Schüler, welchen wegen nicht entsprechender Aufnahmsprüfung 

die Aufnahme in die erste Classe einer öffentlichen Mittelschule versagt 

worden ist^ kennen im selben Aufnahmstermiue an einer anderen Mittel- 

»cbale zur Prüfung nicht zugelassen werden* (Erlass des k. k. Landes- 

^mlrathes ddo. 5, Jänner 1803, Z, 8350,) 

mj[ Die zur Aufnahme in die L Classe sieh meldenden, aus einer öffent- 
Bgieii Volksschule kommenden Schüler haben eine Schulnachricht in der 
^fcn hohen k, k. Ministerium für Cultus und Unterricht mit dem Erlasse 
vom TX Oetober 1886, Z, 20,619, vorgeschriebenen Form mitzubringen. Bei 
der Aufnahme haben ferner sämmtliche neu eintretenden Schüler ihren 
Taof- oder Geburtsschein, jene Schüler, welche bereit« ein oder mehrere 
Clasnen der Landesoberrealschule in Krems oder einer anderen Mittelschule 
abaol viert haben, das am Schlüsse des vorhergehenden Schuljahres erhalteae 
ZeugntB vorzuweisen. 




40 

Als Aufnahmstaxe ist von jedem SchUer 1 fl. für den Bibliotheksfond 
zu entrichten. 

Das Schulgeld beträgt fUr 1 Semester 5 fl. Dasselbe wird um die 
Mitte der Monate October und März eingehoben. Gesuche um Befreiung 
von der Entrichtung des Schulgeldes sind an den h. n.-ö. Landesausschuss 
zu richten und längstens anfangs October der Direction der Lehranstalt 
zu überbringen. Die erlangte Befreiung erreicht sofort ihr Ende, wenn der 
befreite Schüler 

a) am Schlüsse des I. Semesters die III. Fortgangsciasse erhält; 

b) am Schlüsse des 3. Semesters nicht mindestens den II. Grad in Sitten 
und Fleifi erhalten hat; 

c) wegen ungenügenden Fortganges eine Classe wiederholen muss. (Aus- 
genommen ist hiebei nur der Krankheitsfall.) 

Wahrhaft arme Schüler werden, wenn deren Eltern oder Vor- 
münder bei Beginn des Schuljahres darum ansuchen, ans dem Untei- 
stützungsfonde nach Möglichkeit mit Schulbüchern, Schreib- und Zeichen- 
requisiten unterstützt, so lange sie sich durch Fleiß und Sittlichkeit 
einer Unterstützung würdig machen. 



41 



N. Ö. LandöS- Hand eis schule. 

Zweck und Einrichtung der Sctiule. 




lofelj^e iler Be^chmi^sa des h. ti, ly Landtages vom 19. October 1878 
Willi Toin 24 Oerobei 1881 ist i\wm Lehranstalt als Faclisclmle für den 
H a u 4 e ! s« und G h w p r b t» s t a n d eingericlitet und setzt als Vorbildung 
ottr die ahaül vierte Volks- oder Bürgerschule voraus; sie kann 
jitmacli von JMftm, der sich einem geschäftlichen Berufe widmen will, ohne 
Sehwierigkeit besucht werden. Auch ist die Möglichkeit gegeben, liass die 
Schüler froh genug in dag practische Leben abertreten können, da die 
Seliala derart organisiert ist» dass sie in zwei Jahrgängen, von denen 
erste die untere, der zweite die obere Abtheilung bildet, das 
thige fachliche Wissen vollständig zum Abschlüsse bringt, 

EHese Schule bietet den Angehörigen des Handels- und Gewerbestandes 

des Bürgerstandes im allgemeinen — Gelegenheit, sich in ihrer 

'jene theoretisch-fachliche Ausbildung in möglichst kurzer Zeit zu 

ychaffen, welcher dieser Stand unbedingt bedarf, um den an ihn ge- 

Itellteii, erhJVhten Anforderungen unserer Zeit zu entsprechen. 

Das Lehrprogramm der Schule urafasst deshalb nur solche Gegen- 
alände, welche tör jeden Kaufmann, Industriellen und Gewerbetreibenden 

Im gröBtem (»ractiscben Werte sind. Für den Kaufmann und Industriellen 
t die Bedeutung der aus dem beigefügten Lehrplane ersichtlichen Gegen- 
ünde wohl von selbst klar. Aber auch jeder der sich für ein ganz ein- 
gehe« Gewerbe ausbilden will, soll diese Schule — wenigstens die untere 
Htheiluüg derselben — als Äbschluss seiner Scliulbildung besuchen. Auch 
er muss vor allem ein guter Rechner sein, Buchführung verstehen, sich 
mündlich und schriftlich sprachrichtig ausdrücken, Rechnungen und öe- 
schuft sbriefe nach dem allgemeinen Gebrauche verfassen können, über die 
^^renzan seiner engeien Heimat hinaus Bescheid wissen, über den Wechsel 
^fbit andere Schuldurkuuden und Wertpapiere orientiert sein. Kr soll auch 
die Waren, welche er bezieht oder verarbeitet, genau kennen, über deren 
6ewil]fiung, Bezug, Aufbewahrung und Verarbeitung, dann über dieZusam- 
ntmietfsuttg setner Werkzeuge im klaren sein, endlich soll er die gewöhn- 
lirh vorkommenden Flächen und Körper berechnen und Zeichnungen von 
Objecten nicht n«r verstehen, sondern einfachere auch selbst anfertigen 
kuDueti. 

Zweck dieser Fachschule ist es nun, diese Kenutnisse ihreu Schüleru 

vermttleln. und für die Geschäftswelt junge Kräfte heianzuhilden, die 

nur an Arbeit und Ordnung gewöhnt sind, sondern die auch vermöge 

6 



43 

des erlangten Fachwissens jenen Theil der Ausbildung zu irgend einem 
speciellen Berufszweige, der nur im practischen Leben erlangt werden kann, 
leicht und mit gründlichem Verständnisse sich aneignen and sonach bald 
brauchbare Hilfspersonen für kaufmännische, industiielle und gewerbliche 
Unternehmungen und seinerzeit tftchtige selbstständige B&i^er sein werden. 

Außer den zwei Jahrgängen (untere und obere Abthei- 
lung), in welchen das fachliche Wissen in einer für dieBedürf- 
nisse des mittleren Handels- und Gewerbestandes aus- 
reichenden Weise zur Behandlung und zum Abschlüsse 
gelangt, ist noch ein practischer Gurs, welcher ein Winterse- 
mester dauert, mit der Schule yerbunden. Dieser Gurs umfasst vorz&glich 
practische Arbeiten, — theils imÜbungscomptoir, theils im Waren- 
laboratorium, welches bereits mit zahlreichen Warenmustern und den 
nöthigen Instrumenten ausgerüstet ist, — und soll die Schfller besonders 
an Selbstständigkeit bei ihren Arbeiten gewöhnen. 

Es werden in diesem Gurse auch noch einige Gegenstände, die eine 
höhere Vorbildung und geistige Reife voraussetzen, jedoch ebenfalls mit 
besonderer Rücksicht auf ihre practische Seite, behandelt. Diesen practi- 
schen Gurs nach Absolvierung der oberen Abtheilong noch zu besuchen, 
wird sich daher nicht nur für die nach einer höheren kaufmännischen Aus- 
bildung Strebenden, sondern jedenfalls auch für jene empfehlen, welche 
bloss die obere Abtheilung der Schule besucht haben Uebrigens ist dieser 
Gurs auch den der Schule bereits Entwachsenen oder in einer Berufsstel- 
lung practisch Thätigea zugänglich. 



I. Aufnahmsbedingungen. 

In die untere Abtheilung können allle jene Aufnahme finden, 
welche 14 Jahre alt sind, die Volks- oder Bürgerschule absolviert 
haben und bei einer Aufnahmsprüfung hinlängliche Vor- 
kenntnisse (in deutscher Sprache, Rechnen und Geographie) nach- 
weisen. Es ist jedoch auch gestattet, dass Schüler vor vollendetem 
14. Lebensjahre aufgenommen werden, wenn der betreffende 
Bezirksschulrath übei* Anfrage der Direction hiezu seine Zustimmung gibt. 

In die obere Abtbeilung treten in der Regel jene über, welche 
die untere Abtheilung mit gutem Erfolge absolviert haben; doch kann auch 
ein directer Eintritt stattfinden, wenn der Aufnahmswerber die entspre- 
chenden Kenntnisse bei einer Aufnahmsprüfung nachweist. 

In den practischen Gurs können jene eintreten, welche die obere 
Abtheilung mit gutem Erfolge absolviert haben. Ausserdem können auch 
solche Personen diesen Gurs besuchen, welche mit Rücksicht auf ihre 
Vorbildung oder praktische Ausbildung von dem Lehrkörper als für diesen 
Gurs qualificiert bezeichnet werden und mindestens 10 Jahre alt sind. 



43 

Fbr die Auf nahm sprOtang iu die untere Abtheilung ist keine Taxe 
la entrichten. Fllr die Aufuahmsprfifung in die obere Abtheilung beträgt 
die Taxe 2 fl. Das Schulgeld pro Semester ist ftt.nf Gulden. Fleißige 
und dftiftigc Schäler können von der Entrichtung desselben befreit werden, 
efeutuell auch in den Genuss von Stipendien und anderen Unterstützungen 
gelangen. — Auswärtige Schüler können in Kosthäusem billig unterge- 
bracht wei'den. Es ist sonach auch den weniger Bemittelten möglich, ihre 
Söhne an dieser Fachschule ausbilden zu lassen. 



IL Lebrplan. 



Unterrichtegegenstände 



I. Jahrg. od. ,11. Jahrg. od. 
uat ere obere 

I Äbthcllüg 



obligate 

KanfmKiuiiaches Rechnen 

Handelskonde 

Correspondenz- und Coniptoirarbeiten 

Buchhaltung (in der unteren Abt heil, nur im II. Sem.) 

Warenkunde und Technologie 

Handelsgeographie 

Deutsche Sprache 

Schönschreiben 

Geometrie . . . . 

WechseJrecht, Handels- und Uewerbegesetzkunde . 
VojkswirUichaftHlehre (nur im II. Semester) . . . . 

Summe der wöchentlichen obligaten 8tnndeu . . . , 



wöchentliche Stundenzahl 



4 


; 


6 


3 




2 


2 


1 


3 


2 




8 


4 


i 


4 


3 




3 


4 


i 


3 


8 




1 


2 




— 


— 




3 


— 




2 


I. S. 24 


I. 


S. 27 


11. S. 26 


II. 


S. 29 



Practischer Oars (Ein Winter-Semester). 

TTebnngs-Comptoir wöch. 12 Stunden 

Warenkunde (Arbeiten im Waren- 
Laboratorium) « 9 n 

Kaufmännisches Jlechnen . . . . „ 2 „ 

Handelsgesetzkunde r 3 

Volkswirtschaftslehre » 3 

Summe der wöchentlichen Stunden ... 29 „ 



Unobligate UuterichtHgegenstände : 

Französische Sprache 

Zeichnen 

Stenographic 

Turnen 

Gesang 



:\bth. 


11. AML. 


3 


3 


3 


3 


2 


1 


2 


8 


2 


2 



44 

LehrstofT-Yertheilung. 

Untere Abtheilang (f. Jahrgang). 

a. Obligate Unterrichts-Gegenstände. 

Kaufmännisches Rechnen. Um eine auf Verständnis beruhende Sicher- 
heit und Gewandtheit im Zifferrechnen zu erzielen, werden zunächst die 
vier Grundoperatiouen in ganzen Zahlen und Decimalzahlen, die Theilbar- 
keit der Zahlen, dass grösste gemeinschaftliche Maß und kleinste gemein- 
schaftliche Vielfache, die gemeinen Bräche und das Rechnen mit denselben, 
dann die Rechnungsarten in benannten Zahlen behandelt. Hiebei wird be- 
sondere Rücksicht auf die praktisch anwendbaren Vortheile genommen. 
Daran schliesst sich die Behandlung nachfolgender Rechnungsarten in ihrer 
Anwendung auf leichtere Fälle aus der Geschäftspraxis : Verhältnisse, ein- 
fache und zusammengesetzte Regeldetri, der Kettensatz, Durchschnitts-, 
Gesellschafts-, Mischungsverhältnis-Rechnung, Procentrechnung, Aufstellung 
von Waren- und Spesenrechnungen, Interessenrechnung im allgemeinen 
und deren Anwendung auf Wechseldiscontierungen. 

Wöchentlich 4 Stunden. 

Handelskunde. Begriff, Ursprung und Nutzen des Handels, Arten des 
Handels. Die Handeltreibenden, Handelsgegenstände, Münz-, Maß- und 
Gewichts-Systeme mit besonderer Berücksichtigung des metrischen Systems. 
Der Warenhandel. Die Lehre vom Gelde. Das Wichtigste vom Wechsel, 
den Anweisungen und Wertpapieren. Hilfsgewerbe des Handels. Die 
Agenten. Das Frachtwesen (Fuhrmann, Eisenbahn, Flussschiffer ) Assecu- 
ranz. Spedition. Zollwesen. Der Geld- und Wechselhandel und der Handel 
mit Wertpapieren in kurzen Umrissen. Wöchentlich 3 Stunden 

Correspondenz- und Comptoirarbeiten. Im Anschlüsse an die Erklä- 
rungen aus der Handelskunde werden behandelt: Einfache Noten und 
Rechnungen des Kleinhändlers und Gewerbsmaunes, Rechnungen der Gross- 
händler, Facturen im Commissionsgeschäfte, Gewichtsnoten, Verkaufs-Rech- 
nungen, Briefe über Warenbestellungen und Facturenbriefe. Warenoffert- 
briefe. Die wichtigsten Formen des A\'echsels. Trattenavisbriefe und Ri- 
messenbriefe. Frachtbriefe von Fuhrleuten, Eisenbahnen und Schiffern- 
Ladescheine und Lieferscheine. Spesenrechnungen, Schuldscheine, Quittungen, 
Bons, Anweisungen Ganz einfache Rechnungen über Ein- und Verkäufe 
von Münzen und wichtigen Effecten, Circulare, Erkundigungs- und Aus- 
kunftsschreiben. Mahnbriefe. Wöchentlich 2 Stunden. 

Buchhaltung. Grundsätze der einfachen Buchhaltung. Anleitung zur 
Anfertigung der verschiedenen Buchhaltungsformularien mit Wert- und 
Mengenverrechnung für gewerbliche und kaufmännische Unternehmungen. 
Buchung eines einmonatlichen Geschäftsganges. Abschluss der Haupt- und 
Hilfsbücher. Nur im IL Semester. Wöchentlich 2 Stunden. 

Warenkunde und Technologie. Elemente der Naturwissenschaften: das 
zum Erkennen und Beschreiben der Ware Noth wendige aus der Organ- 
lehi'e des Thier- und Pflanzenreiches ; die physikalischen Grundgesetze mit 



45 



üdeiar Berücksichtigung der Meclianik und deren Anwetiduug im prac* 
^lielieii Lebfctü, einfache Maschinen, Werkzeuge. — Die Grundzlige der 
j WÄrt!ukunde. Eiiiüieilung nach verschiedenea Gesichtspunkten, die wich- 
[liig^ltsu Nalirnngs- und GeimssuHltel des Pflanzenreichei^ die xufulge ihrer 
lerkutift sich anschließenden Erzeugnisse der technischen Gewerbe und 
k bervorragendjiten Rohproducte thierischer Abstammung^ überhaupt nur 
*lclie Objekte, die zur unmittelbaren Anschauung gebracht werden können. 

Wöchentlich 4 Stunden. 
Allgemeine und Handelsgeographie. Befestigung und Erweiteruug der 
[eoniui^se in der aUgemeinen Geographie* Bpecielle Getigrapliie der oster. 
mg* Mouai chie mit besünderer Hervorhebung der auf die materielle Cultur 
lenüich auf die mercantile Stellung des Reiches und seiner Gebiete sich 
sheuden Verliältnisse Uebersicht der wichtigsten Momente der österr. 
Jtf^eltichte seit Begiündung der Herrseliaft des Hauses Habsburg* — 

Wöchentlich 3 Stunden. 
Deutsche Sprache, Wiederhol nng der Formenlehre. Die Lehre vum 
einfachen und das Wichligste aus der Syntax des zusammengesetisten Katzesp 
(»icUite und gramniatische Uebungen im Anschlüsse an das Lesebuch und 
panimatiHche Lehrbuch, l'ebungen im mündlichen Ausdrucke, besondere im 
riilitigen Lesen Einfache miindliche und schriftliche Reproductionen. Im 
|Kn.sammenhange mit der Bell and hing des Gelesenen nml den schriftlichen 
''buugen, Belehrung über Satzzeichen und Itechtschreibung. 

Wöchentlich 4 Stunden* 
Geometrie. Formenlehre, Berechnung des Flächeninhaltes der gerad- 
linig begrt^nztt^n ebenen Figuren und des Kreises; Beiechnung der Ober- 
läidie und lies Kanniinhaltes d*"r elementaren Körper, nach vorangegangener 
)ehandlung der hle^su uöthigsten pianimetrischen und stereometrischen 
'Lehrsätze. Wöchentlich 2 Stunden. 

Schönschreiben. Heranbildung einer leserlichen und gefälligen Hand- 
chiift* Wricheutticli 2 Stumlen. 

>) Unobligate Unten ich! s*Gegenstilnde: Siehe Seite 46. 




Obere Abtheilang (II. Jahrgang.) 

a. Obligate Unterrichts-Uegenstände: 

Kaufmännisches Rechnen. Kurze Wiederholung der Fercent- und Inte- 

wirechnnng. I Jie Disronl- und Terminrechnung. (.ontü-t'dn ent-Uech- 

luug. Maß- un*I Gewichts* Verliältnisse der wichtigsten Länder. Gold- utnl 

Sill*er*Hechnung. Jlünxrechnung nach Münzfuö und Cursnotieiung. Wechsel-, 

iV ' ^ und Ell ecten rech nung nach ilem Wiener ('nrsblatt, Waren^'alcu- 

Wöchentlich 6 Stunden. 
Handelskunde. Theil weise Wiederholung des Lehrstoffes der unteren 
UitUeilung mit l^esondcier Berücksichtigung der Kapitel Über den Waren- 
lel, den Gt^ld-, Wt^chsel- und Kö'ectenbandel Die Allgemeinen gesetz- 



46 

liehen Bestimmungen über Handelsbücher, Firmen, Prokuristen und Hand- 
lungsbevollmächtigte, über Handelsgesellschaften, über die Handelsgeschäfte, 
den Kauf, das Commissions-, Spediiions- und Frachtgeschäft. Das Trans- 
port- und Zollwesen. Wöchentlich 2 Stunden. 

Correspondenz- und Comptoirarbeiten. Kurze Wiederholung des Lehr- 
stoffes der unteren Abtheilung, insbesondere der Facturen, Spesen- und 
Verkaufs-Rechnungen und der dazu gehörigen Briefe. Eingehende Erklä- 
rungen der Preislisten, Curszettel, Schlusszettel, Warrants, Conossaraente, 
Discont- und Devisen-Noten, Checks, Cassascheine, Conti-Correnti, ZoU- 
declarationen etc. Einfache bei Oewerbs- oder Handels-Untemehmungen 
vorkommende Verträge. Aus der Handels-Correspondenz werden behandelt : 
Briefe über Gommissions-Tratten und Rimessen. Primenbriefe, Briefe über 
Nothadressen, Interventionen und domicilierte Wechsel, über Wechsel- 
Duplicate und Wechsel-Copien, Briefe über Ein- und Verkäufe von Devisen 
und Effecten. Empfehlungs- und Creditbriefe, Circulare. Dienstofferte und 
Ansuchen um Blanco-Credite. Wöchentlich 3 Stunden. 

Buchhaltung. Kurze Wiederholung der einfachen Buchhaltung. Theorie 
der doppelten Bucliungsart. Practische Verbuchung einzelner Geschäftsfälle. 
Eingehende Auseinandersetzung der Principien des Bücherabschlusses. Aus- 
arbeitung der Verbuchung eines einmonatlichen Geschäftsganges eines 
Warengeschäftes mit Beispielen aus dem Bankgeschäfte. 

Wöchentlich 3 Stunden. 

Wechselrecht, Handels- und Gewerbegesetzkunde, a) Wechselrecht 
Leichtfassliche Darstellung der österr. Wechselordnung und die Haupt- 
grundsätze des Wechselverfahrens. Erläuterung der Rechtssätze an einzel- 
nen Fällen und an der Hand von Formularien. — Das Wichtigste aus dem 
Gesetze über Stempel und Gebühren für Wechsel, kaufmännische Urkunden 
und Rechnungen. 

b) Gewerbegesetzkunde: Die Gewerbeordnung sammt Nachträgen Die 
wichtigsten gesetzlichen Bestimmungen über Marken- und Muster-Schutz, 
über den Hausierhandel, über Handels- und Gewerbekammern, Handels- 
Agenten und über Erwerbs- und Wirtschaftsgenossenschaften. 

Wöchentlich 3 Stunden. 

Volkswirtschaftslehre. Bedeutung der Volkswirtschaft und Darstel- 
lung ihrer Grundbegriffe. Die wichtigsten volkswirtschaftlichen Systeme 
in den Grundzügen. Die Gütererzeugung. Die Productionsfactoren : Natur, 
Arbeit und Kapital. Zusammenwirken dieser Factoren. Der Güterumlauf in 
seinen Umrissen. Nur im II. Semester: Wöchentlich 2 Stunden. 

Warenkunde und Technologie. Die mineralischen Rohwaren, Schmuck- 
steine und ihre Verwendung, Metalle und Legierungen und deren Verar- 
beitung, Werkzeuge, Fabrikation von Nägeln, Nadeln, Ketten, Schneid wa- 
ren, Stahlfedern, Münzprägung, Verschönerungsarbeiten (Vergolden, Ver- 
silbern, Verkupfern etc.), Thonwarenindustrie, Glasfabrikation, Baumateri- 
alien, Farbwaren^ Rohstoffe und Fabrikate der Textilindustrie, Papierfabri- 
kation, andere wichtige Pflanzenwaren. — Die Erklärungen werden mit 



47 

«leo MiD Verständnisse nöthigen Erläuterungen der einfachsten chemiselien 
Procassd und physikalischen Grundbegriffe begleitet. 

Wöchentlich 4 Stunden, 

Handelsgeographie. HandelsgeogtÄphie Europas und GrundzÜge der 

Handelsgeagraphia der außereuropäischen Erdtheile. Besprechung der wicli* 

Iteo Linien des Welthandels. Erürterung der wichtigstan Thatsachen 

der Geschichte des Handels. Wöchentlich 3 Stunden, 

Deytiche Sprache. Lehre vom einfach und mehrfach zusamraengesetxtan 

itxe Eod von der Satzkürzung. Darstellnng von Satzbildern. Entsprechende 

cliriflliche and mtindliche Übungen auf Grundlage des Lesebuches, Grund- 

t0i der Wortbildung mit Röcksicht auf Vieldeutigkeit und Verwandt- 

ft der Wörter. — Lehre von den wichtigsten Formen deß Aufsatzes, 

löttich der im Verkehre am häufigsten angewendeten. 

Wöchentlich 3 Stunden, 
Schönschreiben. Übungen zur Heranbildung einer gefälligen Hand* 
lehrift, Rundschrift Wöchentlich 1 Stunde, 

b) Unobitgate Unterrichtsgegenstäode, Stehe Seite 48. 



Practiicher Co? i. (Ein Winter-Semester.) 

Öbungt'Camptolr Prac tische Einschulung in sämmt liehe Arbeiten des 
kaufmännischen Comptoirs aus den Gebieten der Buchhaltung, der Handels- 
correüpondenz und der Comptoirarbeiten in ihrem innigen Zusammenhange. 
Zu dem Zwecke wird ein mehrnionatlielier Geschäftsgang mit Vorfällen 
auH dem Waren-, Eigen-, Commissions- und Spedition s-Handel, sowie aus 
dem Bank^ Depot und Lombard-Geschäfte verbucht und abgeschlossen, 
wobei afmmtliche in demselben vorkommende Briefe, Rechnungen » Wechsel 
etc* ausgearbeitet werden. Auf selbständiges Arbeiten der Schüler wird 
im Haupt^gewicht gelegt. Wöchentlich 1^ Stunden, 

Warenkunde, Durch eigenes Arbeiten des Schülers soll eine durcli- 
greifeode Kenntnis der hervorragendsten nutzbaren Rohstoffe (voniehmlich 
Am PflauEenreiches) mit Zuhilfenahme des Mikroskops und chemischer 
Basgentien erreicht werden« 

Außerdem findet die Statistik des Warenverkehr entsprechende Be- 
handluitg. 

Die praetischen Arbeiten umfassen die Anwendung der wichtigsten 
Hnfamittel zur Untersuchung der Zusammensetzung, Güte, Echtheit und 
Ponüervierung der Waren und die Darstellung von Extractivstoffen, Prä- 
parat on etc. Wöchentlich 9 Stunden, 

Kaufmännisches Rechnen, Kurze Wiederholung der Devisen- und Kffec» 
t^nrechnung. Einfache Wechsel-Arbitrage, Die wichtigsten Usanzen im Wa* 
renbaodeL Schwierigere Warencalculationen. Wöchentlich 2 Stand efi,j 



48 

Handelsnesetzkunde. Erläuterung der wichtigsten Bestimmungen des 1 
österr. Handelsgesetzbuches. - Grundzttge der Concursordnung, insbesondere ; 
die Lehre vom kaufmännischen Concurse und vom Zwangsausgleiche. 

Die einzelnen Abschnitte werden durch entsprechende, der Praxis i 
entnommene Rechtsfälle erläutert. WöchenÜich 3 Stunden. 

Volkswirtschaftslehre. Bedeutung der Volkswirtschaft und Darstellung 
ihrer Grundbegriffe. Production der Güter und ihre Vertheilung. Das Eigen- 
thum. Der Austausch. Geld. Das Einkommen und seine Quellen. (Grund- 
rente, Arbeitslohn. Kapitalzins). Organisation der Unternehmung und des 
Haushaltes. Der Credit und seine Hilfsmittel (Wechsel, Anweisungen, 
Papiergeld, Banken), Consumtion der Güter. Über Association, üeber 
Steuern und Zollwesen. Übersicht der wichtigsten Wirtschaftszweige, 
wobei die volkswirtschaftliche Stellung des Handels- und Gewerbestandes 
besonders erörtert wird. Wöchentlich 3 Stunden 



Unobligate Unterrichtfgegenstäiide. 

I. Abtheilung (für Anfänger.) 

Französische Sprache. Lese-Regeln, die Formenlehre, sowie jene Haupt- 
regeln aus der Syntax, welche zum Verständnisse leichterer Sätze noth- 
wendig sind, mit entsprechenden mündlichen und schriftlichen Übungen. 

Wöchentlich 3 Stunden. 

Zeichnen. Übungen mit dem Zirkel, dem Dreiecke und der Reifischiene. 
Zeichnen und Uebertragen der geraden Linien und des Winkels. Con- 
struction der Drei-, Vier- und Vielecke. Theilung der geraden und des 
Winkels. Maßstäbe und deren Anwendung. Die wichtigsten Constructionen 
am Kreise. Zeichnen der einfachsten Körper durch Grund und Aufriss nach 
Modellen und eigener Abmessung. Wöchentlich 3 Stunden. 

II. Abtheilung (für Vorgeschrittene.) 
Französische Sprache. Weitere Behandlung und Ergänzung des Lehr- 
stoffes der ersten Abtheilung; bei den mündlichen und schriftlichen Übun- 
gen wird vorwiegend das Handelsfach berücksichtigt. 

Wöchentlich 3 Stunden. 
Zeichnen (gleichzeitig mit der ersten Abtheilung.) Zeichnen nach 
Vorlagen mit verändertem Maßstabe; Zeichnen einfacher Gegenstände 
durch Grund- und Aufriss unter möglichster Berücksichtigung der künf- 
tigen Bedürfnisse des Schülers. Wöchentlich 3 Stunden. 

Der Unterricht aus den freien Lehrgegenständen: Stenographie, 
Turnen, Gesang richtet sich ebenfalls nach der Vorbildung der Theil- 
nehmer und wird unentgeltlich ertheilt. 

Ob und welche freie Lehrgegenstände ein Schüler zu erlernen hat, 
bestimmen die Eltern oder Vormünder ; doch empfiehlt es sich, dass jene 



# 

SAileTt wticlie einen Ic a n f ni ft n n 1 1 e h en Beruf anstreben, dem Unter- 
ffdile AQi fran^SüsiäCher Sprache, and jene, welche vorauBgicbtlich 
ainem g ewerblieheu Berufe tieh widmen werden, dem Zeiehen- 
ünt errichte beiwohnen, endlich, dags jedenfalU alle Schftler, daren 
GcsujidheitÄzustaiid es zulässt, an dem Turnunterrichte theünehmai. 
Als Bi 8 ei II linar- Vorschriften gelten genau dieselben, wie an 
ier Real^ehnle. 



IIU Lehrmfltsl. 

I* Bibliothek der HADdelüolmle. 

Castos: Professor Franz Hol üb. 

Vfirmehmng im Schuljahre 1886/7. 

n) Oenchfiikei 

Vom hohen k. k. Ministerium Tür Cultus und Unterricht: Commereio di 
IVhate nel 1885, — Navigazione in Trieste nel 1885, — Navigazione 
anfttni-nngarica alV eitler o nel 18B4. — Bericht über die Indußtrip, den 
Haidel und die Verkehrsverhältnisse in Nieder-Oesterreich während des 
Jahres 1885. — Bericht der Brodyer Handels- und Gewerbekammer für 
die Jahre 1881 bis 1885. 

Vom hohen n. Ö. Landesaussehusse: Stenographische Protokolle des 
n. 8- I^andtages. IIT. Session, VI. Wahlperiode nebst Beilagen. 

Von der föbl Handels- und Gewerbekammer in Wien: öffentliche Ver- 
iiüBtlhingen der Handels- und Öewerbekammer in Wien nebst Gutachten 
nber die Erneuerung der Handelsverträge mit Dentschland und Italien. — 
(öffentliche Verhandlungen der Handels- und Gewerbekammer in Wien, 
*Thrg. 1886, 

Vom k. k. Postsparcassenamte : Dritter Rechenschaftsbericht des k. k. 
Poitsparcassenamtes f. das Jahr 1886, 

Von Verlagsbuchhandlungen : G- Freytag & Berndt,Wien: öaterr, 
Posthefl. Ausgabe 0. — Carl Graeier, Wien: Johann Grubw, Leit^ 
faden der einfachen und doppelten Buchhaltung. 

Vom Verfasser Rudolf Eathrein: Lehrbuch der kaufmänni.^^chen 

Irftlimetik I, II* und m. H. 
h} Kauf; 
K^Ferdinand Machts^ Practische landwirtschaftliche Buchhaltung 
Ren Groß' & Klein-Grundbesitz, Wien 1886. — Manz'sche Gesetz- 
OS gäbe: Entscheidungen von Behörden und gntächtliche Änäerungeu 
flb^r den l^mfang von Gewerberechten. Wien 1886; Indirecte SteuenL Wien» 
1885; Jagd, Vogelschutz und Pischerei, Wien 1885; Privilegiengesetz, 
Varken- & Musterschutzgesetz etc. Wien 1884. — G. J, Metzger, Pract, 
hrgang der Handelncorrespondenz in deutscher * englischer Sprache, 
Tlh Stuttgart 1886. — Dr. Heinrich Rauchberg, Df^r aparing- 
Giro* Verkehr, Wien 1886, — Dr. Leo Gelliir, AllgeinHaeR Handels- 

T 



60 

gesetzbuch, Wien 1886. — fleinrich Oberwinder, Soeialismiis und 
Socialpolitik, Berlin 1887. — Dr. Anton Menger, Das Recht anf den 
vollen Arbeitsertrag in geschichtlicher Darstellung. Stuttgart 1886. — 
Dr. Friedrich Scholz, Die Handschrift und ihre charakteristischen 
Merkmale. Bremen 1886. — Max Wirt, Die Quellen des Reichthums. 
Köln 1886. — Ad. Bnr ck ha rdt— Bischoff, Die lateinische Münzcon- 
vention und der inteiiiationale Bimetallismus. Basel 1886. — Dr. Hans 
Kies er, Preisrückgang und Goldwährung. Köln 1886. — Stehlik's 
Handels- und Adressenbuch, Vni. Jhrg. — Alfred Sudre, Ge- 
schichte des Gommmunismus. Deutsch v. Oscar Friedrich. Berlin 1887. — 
Dr. Wilhelm Neurath, Das Recht auf Arbeit. Wien 1886; Elemente 
der Volkswirtschaftslehre. Wien 1886. — Ignaz Gruber, die österr. 
Gesetzgebung über Münze, Papiergeld und Geldzahlungen. Wien 1886. — 
Dr. Leopold Berg, Der Hausadvocat, I. und IL Th. Wien 1887. — 
Wilhelm Röscher, Nationalökonomik des Ackerbaues, Stuttgart 1886; 
System der Finanzwissenschaft. Stuttgart 1886. — Dr. Max Wilder- 
mann, Jahrbuch der Naturwissenschaften 1886/6. — Dr. Michael Geist- 
beck, Der Weltverkehr. Freiburg im Breisgau 1887. — F. Hügli, Die 
Buchhaltnngssysteme und Buchhaltungsformen. Bern 1887. — Dr. Albert 
E. F. Schäffl, Gesammelte Aufsätze, I. und 11. Tübingen 1886/6. — 
Dr. Franz Höhnel R. v., Die Mikroskopie der technisch verwendeten 
Faserstoffe. Wien 1887. — Dr. Albert Schwegler, Geschichte der 
Philosophie. Stuttgart 1887..— Dr. F. H. v. Neumann-Spallart, 
Übersichten, Jhrg. 1888/4. Stuttgart 1887. — Josef Odenthal, Lehr- 
buch der doppelten Buchhaltung. Leipzig 1887. — Rudolf Gronau, 
Das Buch der Reclame. Ulm 1887. -- Adolf Strigl, Allgemeiner Ver- 
trags-Zolltarif. 

Fortsetzungen : Jahresbericht über die Fortschritte der Pharmacognosie, 
Pharmacie und Toxicologie. J. 1883—1884. ü. Hälfte. 3. Abth. u. J. 1886. 
Hager's Untersuchungen. U. Bd. 1.— 6. Lfg. 

Zeitschriften: Globus, illustr. Zeitschrift für Länder- und Völker- 
kunde. Bd. 49u. 60. — Centralblattf&r das gewerbl. Unterrichtswesen 
in Oesterreich, Bd. 6 — Der österreichische Kaufmann. Bd. in. 

Münzensammlung: Dieselbe erfuhr auch heuer eine wertvolle Berei- 
cherung durch freiwillige Spenden ^) und wurde in mannigfacher Weise 
beim Unterrichte benützt. 

2. Waren-Laboratorlam. 

C US tos der Warensammlung: Prof. Dr. Othmar Nebeski. 

Vermehrung im Schuljahre 1886/7. 

1. Warensammlaiis. 

A. Geschenice: Von Herrn A. Schwarz, k. k. Hof- und Leibkttrsch- 
ner in Wien: Eine wertvolle Collection von Pelzmustern (50 Stück). 

') Von dem Buppl. Professor A. Schuster 21 Stück Silber- und Knpfermttnien. 
Von den Scbttlem: Berdacb. Dyck, Fiacber, Gröscbl, Gscbwendtner, Baymerl, Jarabek, 
Mayrhofer, Vogler« 



61 

Von Herrn G. Friedrich in Wien: 34 Muster von Saffian-, 
Jnchten-, Alaun- und sämischgarem Leder. 

Von der Firma Jordan &Timaett8 in Wien: Eine Reihe von 
Cacaoproben (Original-Handelssorten). 

Vom Central verein der Rübenzucker-Industriellen in 
Wien : Eine Gollection von Erzeugnissen der Zuckerindustrie (vei^schiedene 
Sorten von Rohzucker, Melasse etc.) 

Vom Custos: Ein Stttck Meerschaum aus Kleinasien (Original- 
haudelsform). 

Von 6. Stölzl e, abs. Handelsschüler in Krems: Ein poliertes Stück 
Blutglas. 

Von dem Schüler der unteren Abtheilung A. Dyk: Eine Sammlung 
von Seidengazemustern. 

B. Kauf. Von W. Kohrbeck's Nachfolger in Wien: Ein Stück 
Doppelspat. 

Von A. Pfauzert's Nachfolger in Wien: Eine Reihe von Drogen 
und Chemikalien. 

t. Inslrainente und andere EinriehtaogtgeseBsMnde. 

Kauf. Von J. A. Ruthmayer in Wien: Ein Werkzeug-Diamant. 

Von C. Reichert in Wien: Ein Präparier-Mikroskop mit zehn- u. 
zwanzigfacher Vergrösseruug ; ein Oculaimikrometer. 

Von W. Rohrbeck's Nachfolger in Wien: Eine dichroskopische 
Lupe, eine Pincette mit Platiuspitzen, eine Turmaliuzange mit zwei Kry- 
Stallpräparaten (Kalkspat und Kalisalpeter), ein Standglas für Alkoholo- 
metrie, Eprouvetteu, Pulvergläser, Glastrichter, Filtrii»rpapier u. a. Ver- 
brauchsgegenst&nde. 

3. Allgemeine Sainensammlanff. 

In diese Sammlung wurden vom Custos 20 neue Arten eingereiht. 

4. Sammlang voo mikroskopisrhen PrAparaten. 

Für diese Sammlung wurden von W. Rohrbeck's Nachfolger in 
Wien 16 Präparate von verschiedenen Holzarten, je einen Radial-, Tan- 
gential- und Querschnitt enthaltend, durch Kauf erworben, ferner vom 
Custos einige Dauerpräparate angefertigt. 

5. ZeitMhriften aod HandMeber. 

A. Geschenke. Von Herrn Professor Dr. T. F. Hanausek in Wieu: 
Zwei Nummern der ,,Zeitschrift fttr Nahrungsmitteluntersuchuug und 
Hygiene^, Abhandlungen des Spenders enthaltend. 

Von demselben: »Unsere Nahrungsmittel und ihre Fälschung", ein 
Vortrag (Separatabdruck\ 

Von Gehe & Comp, iu Dresden: Handelsbericht, )i Hefte (Sep- 
tember 1886, April 1887). 



M 

B. Kauf. Pfeiffer, botanische Synonymik mit einem Supplement. — 
Wenghöffer, Lehrbuch der anorganischen Chemie. — Wenghöffer, Lehrbuch 
der Chemie der Kohlenstoffverbindungen. — Hager & Geissler, pharma- 
ceutische Centralhalle 188T. — Uhlworm & Behrens, botanisches Central- 
blatt 1887. 

3. Oeographiiehe Lehrmittelsammlanc. 
Kauf. Oesterreichische Monatsschrift für den Orient, herausgegeben 
vom orientalischen Museum in Wien, 12. Jahrgang. 

Artaria's Eisenbahn- und Post- Verkehrskarte. 1887. 



lY. Verzeichnis der Lehrbücher, 

welche im Jahre 1887/8 in Verwendung kommen. 

Kaufmännisches Rechnen: Unt. Abth.-. Eathreiu R., Lehrbuch der kauf- 
männischen Arithmetik. L Theil. Ob. Abth.: Kaulich, Lehr- 
buch der kaufm. Arithmetik. — Schiller B., Aufgabensammlung 
etc. IIL Theü. 

Handelskunde: Beide Abth.: Findeisen, Orundriss der Handelswissen- 
schaft, 3. Aufl. 

Wechselrecht, Handels- ui\d Gewerbegesetzkunde: Ob. Abth.-. Theumann, 
das österreichische Wechselrecht. — Hilfsbuch: Die Gewerbe- 
ordnung vom 30. December 1869 mit der Abänderung und Er- 
gänzung vom 8. März 1886. 

Elemente der Volkswirtschaftslehre: Ob. Abth.-.Kiehl, Anfangsgründe der 
Volkswirtschaft, neu bearbeitet von Prof. Bichter. 

Handeisgeographie: Eozenn, Leitfaden der Geographie für die österr. Mittel- 
schulen. Unt. Abth. L und IIL Th, Ob. Abth. II. Th. - 
Beide Abth.: Schulatlanten von Stieler und Kozenn— Haardt. 

Geometrie: Unt Abth.: Moönik, Anfangsgrunde der Geometrie in Ver- 
bindung mit dem Zeichnen. 

Deutsche Sprache: Beide Abth.: Willomitzer, deutsche Granmiatik fUr 
österr. Mittelschulen. — Haymerle Dr. B. v., deutsches Lese* 
buch für Gewerbeschulen und verwandte Lehranstalten. 

Französische Sprache: Beide Abth.: Ploetz, Elementar-Grammatik der 
französischen Sprache. — Ob. Abth.: Vogel, die Handelscor- 
respondenz in französischer und deutscher Sprache. 

Stenographie: Beide Abth : Albrecht Dr. A., Lehrbuch der Gabelsber- 
ger'schen Stenographie I. Cursus. 

Im practischen Curse werden verwendet: Kaulich, Lehrbuch der kaufm. 
Arithmetik; Schiller, Aufgabensammlung, III. Theil; Kiehl 
(Bichter) Anfangsgr. der Volkswirtschaft; Blodig, die i ersten 
Bücher des allgemeinen deutschen Handels- und Wecbselrechtes. 



6S 

V. Uiitorttatzuiii arner SehQltr. 

a) SttpeadieB vnd UBtontfttmmicsbetrlge. 

Im Laafe des Schaljahres gelangten an arme und würdige Schüler 
zur Aoszablong: 

1. Das vom hohen n. ö. Landtage gestiftete Kaiser-Stipendium im Be- 
trage von 160 fl. 

2. Ein von dem Vorstande des Zehnkreuzer- Vereines der Directiou über- 
gebener Unterstützungsbetrag von * 50 fl 

b) UntentttenBgafond. 

Ausweis über Einnahmen, Ausgaben und Vermögensstand siehe Seite 37. 

Es wurden 17 Schüler mit Lehrbüchern, darunter 3 auch mit Schreib- 
requisiten betheilt. Einem Schüler wurden mehrmals Unterstützungen im 
ijesammtbetrage von 21 fl. 60 kr. gewährt. 

VI. Bekanntmachung, 

die Aufnahme der Schüler betreffend. 

Das nächste Schuljahr beginnt am 16. September 1887. 

Die Aufnahme der Schüler findet vom 12. September augefangen von 
8—12 Uhr vormittags in der Directionskanzlei statt. Alle Schüler haben 
sich in Begleitung ihrer Eltern oder deren Stellvertreter bei der Direction 
xa melden. 

Schüler, welche in den 1. Jahrcurs der n. ö. Landes-Handelsschnle 
eintreten wollen, haben den Nachweis über ihr Alter (Tauf- oder Geburts- 
schein und das Entlassungszeugnis der allgemeinen Volks- oder der Bür- 
gerschule beizubringen, eventuell das letzte Studienzeugnis vorzuweisen. 

Schüler, welche direct in den II. Jahrcurs eintreten wollen, haben 
auBer dem Tauf- oder Geburtsscheine auch ihre Semestral-Zeugnisse vom 
Schaljahre 1886/7 vorzuweisen. 

Schüler, welche in den practischen Curs eintreten wollen, ohne die 
obere Abtheilung absolviert zu haben, müssen nachweisen, dass sie sich 
die nüthige fachliche Vorbildung verschafft haben und mindestens 16 Jahre 
alt sind. 

In Betreff des Schulgeldes und der Schüler-Unterstützung gelten die- 
selben Bestimmungen wie an der Oberrealschule. 

Die Direction ist jederzeit bereit, über gestellte mündliche und schrift- 
liche Anfragen in Betreff der Einrichtung der Schule, der Aufnahme und 
Unterbringung auswärtiger Schüler in hiesigen Kosthäuseni weitere Aus- 
künfte zu ertheilen. 



54 

Kur Chrenlk der Lebianrtalt 

Zu Beginn des Schuljahres 1886/7 wurde der fOr Chemie au Ober-, 
Mathematik und Physik an Unter-Realschulen approbierte Lehramtskandidat 
Ludwig Redtenbacher als Supplent für den Professor Friedrich 
Mar eck bestellt, welchem zur Herstellung seiner Gesundheit Urlaub ffir 
die Dauer des I. Semesters bewilligt worden war. Mit Beginn des II. 
Semesters trat Professor Mareck sein Lehramt an, und der Supplent 
Redtenbacher verließ die Lehranstalt. 

Im abrigen blieb der Lehrkörper unverändert. 

Am 4. October wurde das Allerhöchste Namensfest Seiner Majestät 
unseres Kaisers, am 19. November das Ihrer Majestät unserer Kaiserin 
durch einen Festgottesdienst gefeiert. 

Mit Dekret des hohen ü.-ö. Landesausschusses vom 10. März 1887, 
Z. 853, wurde dem Professor Franz Dintzl die Vni. Rangsclasse verliehen. 

In den Tagen vom 16. bis incl. 19. April inspicierte der Herr k. k. 
Landesschulinspector Dr. K a r 1 K u m m e r die Landesoberrealschule, wohnte 
in allen Classen dem Unterrichte in den humanistischen Lehrfächern an und 
besprach hierauf in einer Conferenz mit den in diesen Fächern' unterrich- 
tenden Lehrkräften die während der Inspection gemachten Wahrnehmungen. 

Vom 10. bis incl. 16. Juni inspicierte der Herr k. k Landesschul- 
inspector Dr. Mathias Ritter v. Wretschkodie Landesoberrealschulei 
wohnte dem Unterrichte in allen Classen an und berief hierauf den ge- 
sammten Lehrkörper zu einer Conferenz, in welcher er seine Wahrneh- 
mungen sowohl in Bezug auf die Ertheilung des Unterrichtes, als auch die 
allgemeinen Schuleinrichtungen besprach. 

In den Tagen vom 20. bis 24. Juni wohnte Sr. Hochwürdeu der Herr 
Propst Dr. Anton Kerschbaumer dem Religionsunterrichte an der 
Landesoberrealschule an. 

Die mündliche Maturitätspr&f ung wurde am 30. Juni unter 
dem Vorsitze des Herrn k. k. Landesschulinspectoi*s Dr. Mathias R. v. 
Wretschko abgehalten. 

Am 2. Juli begannen die Versetzungspriifungen. 

Am 16. Juli wurde das Schuljahr geschlossen. 



5S 

Ptrte>alttMil des Lehrkörpers der Landet «Oberreat- «nd 
Handelsschule im Schuljahre 1886/7. 

1. Felix A. Eberle, Director der Lehranstalt, lehrte Geschichte in der 
2. and 6 , Geographie in der 2. R.-Cl.— 

3. Franz Dintzl, Professor, Ordinarius der II. R.-C1., lehrte Mathematik 
in der 2. und 6., Geometrie und geometr. Zeichnen in der 2. und 4. 
R.-C1., Kalligraphie in beiden Abtheilungen der H.-Sch. und in der 1. 
und 2. R..C1.— 

3. Dr. Anton JEhrenberger, Professor, Ordinarius der VIT. R.-C1., lehrte 
Mathematik in der 4. und 7., Physik in der 6. und 7. ß.-GL— 

4 Johann Forstaer, Professor, Ordinarius der VI. R.-CL, lehrte Natur- 
geschichte ip der 1., 2,, 5. — 7., Physik in der 4. R.-CL— 

& Franz Holub, Professor, Ordinarius der oberen Abtheilung der H.-Sch., 
lehrte kaufmännisches Rechnen in der unt. Abth. und im pract. Curae, 
I Buchhaltung in der unteren, Handelskunde, Correspondenz und Wech- 
selrecht in der ob. Abth. der H.-Sch. und leitete das Übungs-Comptoir 
im practischen Curse. 

ß. Oswald Horst, Professor, Ordinarius der IV. R.-C1 , lehrte Freihand- 
zeichnen von der 2.-7. R.-C1. 

7. Johann Hrdliczka, Landes -Turnlehrer, lehrte Turnen in sämmtlichen 
Olassen der Lehranstalt 

8. Robert Kirchberger, Professor, Ordinarius der III. R.-C1.. lehrte Mathe- 
mathik, Geometrie und geometrisches Zeichnen in der 3., darstellende 
Geometrie in der 6. und 7. R.-CL, Geometrie in der unt. Abth., Zeichnen 
in beiden Abtheilungen der H.-Sch. 

9. Friedrich Mareck, Professor, im I. Sem. beurlaubt, lehrte im IL Sem. 
Chemie in der 4., 5. und 6. R.-CL, Physik in der 3. R.-CL, und leitete 
die practischen Uebungen der Schüler im chemischen Laboratorium. 

10. Franz MQIIner, Weltpriester, Professor, lehrte Religion in der 1.— 4., 
(Geographie und Geschichte in der 4. R.-CL 

IL Dr. Othmar Nebeski, Professor, Ordinarius des practischen Curses der 
H.-Sch., lehrte Warenkunde und Handelsgeographie in beiden Abthei- 
lungen der H.-Sch. und leitete die Uebungen der Schüler des practischen 
Curses im Warenlaboratorium. 

19. Franz van Overschelde, Professor, Ordinarius der V. R.-CL, lehrte 
Französisch in der 3. und 5., Englisch in der 5., 6. und 7. R.-CL 

13. Anton Pokorny, Professor, lehrte Deutsch in der 3., 4. und 7. R.-CL, 
und in der unt. Abth. der H.-Sch., Geschichte in der 7. R.-CL 

14. Franz Richter, Professor, als Reichsraths- und Landtagsabg. beurlaubt. 

15. Dr. Johann StrobI, Professor, lehrte Deutsch in der 5. und 6., Geo- 
graphie in der 1. und 3., Geschichte in der 3. und 6. R.-CL 

16. Ignaz Walter, Professor, lehrte Mathematik in der 1. und 6., darstel- 
lende Geometrie in der 6., Freihandzeichnen in der 1. R.-C1., Gesang 
in 2 Abtheilungen. 



S8 

17. Martki Meiniissner, Sapplent, approbiert fttr Deatech und Französiack^ 
lehrte Deutsch in der 3., FranzSsisch in dar 3., 4. und 7. R.-Cl. unä] 
an der Handelsschule (I. Abth.) \ 

18. Ludwig Redtenbacher, Supplent, approbiert für Chemie an Ober-, Ma-j 
thematik und Physik an Unter-Realschulen, lehrte im I. Sem. aa'^ 
Stelle des beurlaubten Professors Friedrich Mareck Chemie in der 4^ 
5. und 6., Physik in der 3. R.-G1. und leitete die practischen Uebnn- 
gen der Schfiler im chemischen Laboratorium. 

19. Adrian Schuster, Supplent, approbiert für Handels Wissenschaften, Or- 
dinarius der unteren Abtheüuno; der Handelsschule, lehrte Handelsv 
künde und Correspondenz in der unteren Abtheilung, kaufmannischati 
Rechnen und Buchhaltung in der oberen Abtheilung der Handels- 
schule, Volkswirtschaftslehre in der oberen Abtheilung und im prac- 
tischen Curse, im letzteren auch Handelsgesetzkunde. 

20. Josef Tauber, Supplent, approbiert für Deutsch und Französisch an 
Oberrealschulen, Ordinarius der I. R.-Cl., lehrte Deutsch in der 1., 
Französisch in der 1. und 6. R.-Cl. und an der Handelsschule (IL Ab- 
theilung.) 

Schuidiener : Josef Erl und Edmund Etzel. 



67 



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68 



Betheiligung der Schüler an den nicht obligaten Lehrgegenständei 

A. Landesoberrealtchnle. 



Lebrgegenstand 



I Rs besncbten den ünterricbt 

; in der Stenographie 

im Gesang^e 



I. n. 

Cl. Cl. 


III. ! IV. 


V. 


VI. 


VIT. 


Zn- 


Cl. Cl. 


Cl. 


Cl. 


Cl. 


sammen 








17 


4 


7 


1 


39 


88 


18 


6 


— 


— 


— 


— 


66 



B. Landet-Handelstchiile. 





Untere 
Abth. 


Obere 
Abtb. 

7 
8 
6 

(Imll.Sem.) 


Pract. 
Cnrs 


Zn- 
sammen 


It 

• • • • 


4 
8 
4 
4 

3 


1 
4 

(im I. S«m.) 


12 
16 

9 
14 

3 













Lehrgegenstand 

Es hesnchten den Unterricht 
in der franiösischen Sprache 

„ n Stenographie .... 
im Zeichnen 

n Tnmen 

„ Oeeange 



Bericht 

über die mit der Landesoberreal- und Handelsschule verbundene gewerbliche 
Fortbildungsschule und den Abendeurs für Icaufmännische Lehrfächer. 

i. Gewerbliche Fortbildungsschule. 

A. Lehrplan. 

Im Schuljahre 1886/7 wurde im Allgemeinen der mit Erlass des h. 
k. k. Landesschulrathes vom 30. Mai 1877, Z. 2388 genehmigte Normal- 
Lehrplan fQr die gewerblichen Fortbildungsschulen In Oesterreich u. d. Enns 
eingehalten, mit Ausnahme einiger Abweichungen, welche mit Rücksicht 
auf die localen Verhältnisse für die gewerbliche Fortbildungschule in Erems 
durch den hohen k. k. Landeschulrath mit den Erlässen vom 30. October 
1878, Z. 6036 und vom 1. August 1883, Z. 4766 bewilligt worden waren. 

Die gewerbliche Fortbildungsschule besteht aus einem Vorbereitungs- 
curse und einem gewerblichen Fortbildungscurse. 

Der Zeichenunterricht wird im gewerbl. Fortbildungscurse in 3 Ab- 
theilungen ertheilt. Der Abendunterricht dauert vom 20. September bis 
20. März, der Sonntagsunterricht das ganze Schuljahr hindurch. 



69 



Stundenplan und Lehrfächerve rtheilung. 



Tag 



Stunde*, Vorbereitangscnra jätande Gew« Fortbildnugfscnn 



.1' 



Montag 



, Sprachunterricht (Lesen 

und Schreiben). 6—7 



Dienstag 

Mittwoch 

Donnerstag 

Freitag 



6—7 
i;^^^*- Oberlehrer Jul. Mück. 
Mündliches und schriftl. 



f- 



I' dfu. Rechnen. 

Oberlehrer Jul. Mück. 

! 

dto. — 



Sunntag 



|i6-7 
.1,.. _._ 

li 

16—7 



Sprachunterricht und 

Geographie« 
Prof. Dr. Joh. StroM. 

Arithmetik. I 

Prof. Franz OIntzl. | 

Geomtrie. ' 

Prof. Dr. A. EhmulMiraMr. ' 



dto. 



dto. 



Wie am Montag. I! 6—7 
Wie am Dienstag. 



Gesch&ftsanfsätze 
Prof. Dr. StroM. 



Arithmetik. Vom Jänner | 
6—7 an gew. Buchführung. 
Prof. Fr. Dhrtzl. 



7,9— Naturlehre 

7,10 iProf. Dr. A. 



II. 



19-18 

V, 1 Vorbereitendes Zeichnen. |' 
— K. k. Uebungssrhul- '! 

'/,12 lelirer Thomas Wolf. <,__jy 



1:»— 12. 



Freihandieichneu 
Prof. Otwtld Horst. 

Geometr. Zeichnen 
Prof. R. KIroliberger. 

Technisches Zeichneu. 
Prof. Igiaz Walter. 



B. Schfilerstand im Schuljahre 1886/7. 



Vorbereitun^HcurH Gewerblicher Fortbilduugscuri< 

Hmouatl. Viirber. Hmonatl. Geometr. Teclni. Freihaud- 
Abendc. Zeichnen Abeiidr. Zeichnen Zeichneu Zeichnen 



Summe 



igeschriebcn 
wurden: 


35 


24 


18 


18 


19 


27 


1 


141 


Schlüsse des 
Ines waren : 


21 


IH 


14 


15 


15 


17 


i| 


101 


•ehflchnittlich 
en anwesend: 


»22 


IH 


VJ 


15 


14 


15 


94 


Lehrziel haben 
erreicht : 


18 


15 


12 


15 


14 


15 


•1 
il 


89 


iclassificiert 
blieben: 


11 


H 


4 


:( 


4 


10 


,1 

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40 



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Di« Züblvu iu dun Kuhrikni 2, I. > iiud ü (x'/.Ktlu'ii nii'b uiir HUt jcuu Scliiller, <lii: «iii Zelclienuuter- 

rirhlf! Allein lli«ilii»iini<Mi. Vit*lf jt r KihUlor, wvIoIih riu AlMMnliiiitiTrirlit«* tliislliifthniftn, bfaiirliten 

%mth «iin« <ler AlilliciliiiiKi'u *\n* Zoiib«>iiiint(>rri«>lit<'i. - l»«ii IJnturrifht tu dor Phyilk li«snuhteu tüu 
7 auf(eui>ininenen Schttlerii durobicbnittlich 1. 



60 

Der Besuch der Schale, wie auch die ünterrichtserfolge waren im 
Ganzen befriedigend. Rechnet man die 40 nichtclassificierten Schiller, welche 
aus verachiedenen Gründen während des Schuljahres austraten oder nur 
sehr unregelmäßig die Schule besuchten, ab, so waren durchschnittlich 93% 
heim Unterrichte in den verschiedenen Abtheilungen anwesend, und 88^Vo 
erreichten das Lehrziel. 

Am 19. März 1887 fand gemäß dem n. ö. Landesgesetze vom 28. No- 
vember 1868 die Wahl eines Gewerbeschulinspectors anstelle des 
verstorbenen Herrn Ed. Reichel für den Gewerbeschulbezirk Krems 
statt. Es wurde gewählt: Herr Heinrich Schick, Spängiermeister in Krems. 

C. Lehrmittel. 

Das hohe k. k. Ministerium f. C. und Unterricht spendete der gewerbl. 
Fortbildungsschule in Krems: 1.) Vorlagen für Drechslerarbeiten. (12 Blätter.) 
2. Vorlagen für Maurerarbeiten. (10 Blätter.) Musterblätter für gewerbl. 
Lehranstalten von den Fachschul-Inspectoren Professoren H. Herdle und 
0. Beyer, mittels Lichtdruckes vervielfältigt. 

Die n. ö. Handels- und Gewerbekammer spendete für 12 Lehrlinge, 
welche die Schule fleißig besuchten, je ein halbes Reißzeug. 

Zum Ankaufe von Lehrmitteln wurden 50 fl. aus dem Gewerbeschul- 
fonde und 13 fl. 60 kr., die Interessen der Maurer- und Müllerstiftung, aus 
der Stadtkassa in Krems verwendet. 

Angekauft wurden : Schreib- und Zeichenrequisiteu. Das Centralblatt f. 
d. gewerbl. Unterrichtswesen. V. Band mit Supplement. — Oesterreichisches 
Postheft f. Schule u. Haus, bearb. von M. Sedlak. Ausgabe B. 12 Exemplare. 

Die Aufnahme der Schüler in die gewerbliche Fortbildungsschule und 
den Vorbereitungscurs für das kommende Schuljahr beginnt am 18. Sep- 
tember 1887. 

II. Abendeurs fOr kaufmännisehe Lehrfäeher. 

A. Lehrplan. 

Untere Abtheilung: 

KaufnSnnischet Rechnen: Es wird mit den Grundrecbnuugsarten begouueu. dabei 
dem Rechnen mit Decimalen besondere Aufmerksamkeit geschenkt ; die practisch anwend- 
baren BechnnngsYortheile werden gezeigt; die Münz-, Maß- und Gewichtsverhältnisse 
der wichtigsten Staaten Europas mit besonderer Berücksichtigung des metrischen Systems 
vorgenommen. — Femer werden die Durchschnittsrechnung, die Lehre von den VerhÄlt- 
nissen, Kettenregel, Gesellschafts-, Mischnngs- und Procentrechnung, einfache Waren- 
rechnung, Gewinn- and Verlnstrechuung durchgenommen. Der Anwendung aller dieser 
Rechnungen in der Geschäftspraxis wird die eingehendste Berücksichtigung gewidmet. 

Correspondenz, Comptolrarbeiten &. Wechselkunde: Der Unterricht beginnt mit der 
Ausfertigung der einfachsten kaufmännischen Noten und Rechnungen, an die sich die 
Ausstellung von Facturen, Spesenrechnungen, Zolldeclarationen, Verkaufsrechnungen, etc. 
anschließt. In Verbindung mit der -Erklärung der einzelnen Schriftstücke werden die zu 
denselben gehörigen Briefe abgcfasst und erläutert. Die Vorträge über die wichtigsten Theile 
des Wechselrechtes, die Ausfertigung von Wechseln, die mit denselben im Zusammen- 
hange stehende Correspondenz bilden den Schlnss des Unterrichtes in dieser Abtheilong. 

Warenkunde : Ursprung (Gewinnungsweise), Eigenschaften, Vorkommen und Verwend- 
barkeit der wiohiigsten Waren mit besonderer Berücksichtigung der vorkommenden 
Verfälschungen. — Practische Anleitung zum Erkennen der Waren. 



61 



Obere Abtheilung: 
i: Enrze Wiederholung der wichtigsten Partien der 1. Ab* 
l; Zineenrechnung, Dincont- & Termin- Rechnung ; einfache Conti correnti; Gold-, 
Ubligatiuns- und Mttus-Rechnung nach dem Wiener Carsblatte; Warencalcn- 



WNl C«rrespoMlMz: Kurse Wiederholoug des Lehrstoffeis der 1. Abthei- 
, Theorie der einfachen und doppelten Buchhaltung. Verbuchung eines eiumonatlichen 
Ituganges im Warengeschäfte und Ausfertigung aller in demselben vorkommenden 
ud Rechnungen. 

mit der unteren Abtheilung gemeinschaftlich. 

Stundenplan und Lehrfächerverthellung. 



Tag 



Stunde Abtheilg. . 



Montag 



Le hr gegenständ 



8—9 
abends 



I.'u. II. 



Warenkunde 
Prof Dr. Othmar Nebeski. 



Dienstag 


' dtü. 


' I. 

1 - ■ .. 


Kaufmännisches Rechneu. 
Prof. Fran« Hol üb. i 
Buchhaltung und CorrespondenK | 
Suppl. Adrian Schuster | 


Mittwoch 


dtü. 


I. 


Correspondenz und Wechselkunde. 
Suppl. Adrian Schuster. 


IL 


Kaufmännisches Rechnen. 
Prof. Fr. Hol üb. 


Donnerstag 


dto. 


I. u. II. 


Warenkunde. | 
Prof. Dr. Othmar Nebeski. , 



Freitag 



dto. 



I. 
IL 



Kaufmännisches Rechnen. 

Prof. Fran» Hol üb. 

Buchhaltung und Gorrespondenz. 

Suppl. Adr. Schuster. 



2. Schfilerstand im Jahre 1886/7. 



Unt. AbtheilMg 



Ob. Abtbeilung 



Aufgenommen 1 H ; Aufgenommen 

Dnrehschn. waren anwesend . 10 , Durchschn. waren anwesend 
Das Lehrziel erreichten . . . 8 | Das Lehrziel erreichten 



11 ; 

9 

y 



27 
19 
17 



Die Aufnahme der Schüler für das nächste Schuljahr beginnt am 
M. September 1887. 



Zum Schlüsse beehrt sich die Direction im Namen des 
gesammten Lehrkörpers allen Förderern der Landesober- 
real- und Handelsschule und der gewerblichen Fortbildungs- 
«chnle sowie auch den Wohlthätern der armen Schüler den 
wärmsten Dank auszusprechen. 



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la den Jahresberichten der Lehranstalt worden bisher foigei 
Abhandlungen veröffentlicht : 



UU Ktin 


isu^ Klamr 
18BH Eber < 


186? MarHi 


1668 Dypui 


Ib71 Dup^ji 




W74 Dupu 


Ehrei 


11 *11 MM 

1875 Walter I^tia/ 



Kirdr 
187« Dr. B 



l-?7 El, 

I»7ä Dintil 
l&7f< Haiiauset 

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"11» /'.tii*iiui[ärfrH!Hi?^*^ iiui Urr fiiLr- 



Hirn Ulli} dar Untergang A^ Ladfcn 





}^:.[ tlt ■ Mit ITrkund^n-Beilagtjnf j^g 



le^i bv. Ehrenberger A. 
1K8» br Ehrenljerqf*r A. 
188a P 

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■ri* P«}»-: 



s^t 



mM]m\\}i%^n Jttljrrsbfridjt 



über die njed.-Oftterr. 



aidii' - y l^iiiikihilQ 



and die mit derselben verbundene 



.a^ido-Mande^ioc^dMile in oKzemcs^ 



veräffm/liciU am Schlüsse des ScftuljaJtres 



I ® S Sf 



■r"f^=^5^s^£ ;^y r 



Trrtig dnr r>Irttctlofi der L.Oberri^al' imd n&adol^sichülit, 
1 6 8 B, 



D ie 



IiTtrsioD neht AivciIidpl 



SlCit cBe^cfttänfxutta auf die ß^etie '6^a^'6eUet 



Prof. Franz Dintzl. 



{^w£ i t z -^3^ ei ngr-CLreaaL-Tafel aa.) 



Einleitung. 



Die Geometrie, wie sie von Desargues und Deacartes*) an bis auf unsere 
Zeit, sowohl in synthetischer als auch in analytischer Behandlungsart, durch 
die Ausbildung und Vei-wertung allgemeiner Principien und Methoden, in so er- 
folgreicher Weilte sich entwickelt hat, nahm allmählich einen Begriff in sich auf, 
der für ihr weiteres Fortschreiten von weitreichender Bedeutung geworden ist.*) 
Es ist dies der Begriff der geometrischen Verwandtschaft, der gegenwärtig, ver- 
möge seiner Allgemeinheit und Verwendbarkeit, nicht allein eine wichtige Grund- 
lage für die neuere Geometrie bildet, sondern auch jenen Bestrebungen Rich- 
tung und Ziel gegeben hat, welche dahin gehen, das Euklid'sche System in der 
elementaren Geometrie zu beseitigen, und ein auf den derzeitigen geometri- 
schen Anschauungen ruhendes an dessen Stelle zu setzen. In seinem 1827 
erschienenen „barycentrischen Calcul" hat Möbius^) das Wesen der geometri- 
schen Verwandtschaft zuerst^) und in grölHer Allgemeinheit ausgesprochen. 
..Vorwandt heißen zwei räumliche Gebilde, wenn jedem Elemente des einen, 
ein oder mehrere Elemente des anderen in gesetzmäßiger Weise entsprechen." 
Dieses gegenseitige Entsprechen kann auch ungleichartige Elemente umfassen 
und je nach der Art der Beziehung der Elemente auf einander, eindeutig oder 
mehrdeutig sein. 

Schon vor Möbius hatte Euler (1748) zu den bereits allgemein bekannten 
Beziehungen der Gleichheit, der Ähnlichkeit und der Congruenz, eine neue, 
die der Affinität, hinzugefügt, aber nicht weiter verfolgt •'•) Auch De la Hire 
und Ponci'let hatten besondere Arten der Verwandtschaft zwischen Figuren oder 
der Transformation aufgestellt und venvertet. So bildote Poncelet die Lehre 
von der Homologie aus, in welcher eine Figur durch Prqjection in eine andere 
transformiert wird, derart, dass die Art derselben unverändert bleibt und einem 
Punkte ein Punkt, einer Geraden eine Gerade entspricht. Ueberdies hatte sich 
Poncelet auch der von De la Hire (lüSr)) aufgestellten Transformation als Mc- 
thfide zur Auffindung neuer Sätze aus anderen bedient, der Umwandlung einer 
Figur in ihre polar reciproke, wodurch Gergonnc später zur Erkenntnis eines 
höchst wichtigen Principe» in der Geometrie, des Principcs der Dualität, ge- 
führt wurde.*) 

') Arneth, (ieschichto der reinoii Matlioniiitik, \r.\ii. 247 inid 218. 

-I HaDkc), Kloiiieiito iler prqji'ctivischcii (lOdinctrir, pag 232. 

') Möbius, jjesainiiielt« Werke. 1. Bd., pag 2(>r». 

*) Ifankcl, Klcnientc der proj. Geometrie, pag. 24. 

") Gerhardt, Gcscbichtc der Math., pag. 279. (17. Hd. d. Gesch. d. Wissensch. in 

DcutBchland. 
^) Ilaiikel, Elemente der proj. Geoni., pag. 11», 20, 21. 



In größter AllgemaiDbait und Qo&bh&ngig von Poecelet hatte Möbius 
die Lehre von deu geonjetriBcheD Verwandtschaften ausgebildet und aiit^er der 
Gleichheit und Ähnlichkeit, der Ähnlichkeit, der Affinität und der Gleichheit 
such noch die Collineation sowohl ebener als auch körperlicher Räame in um- 
fasBendster Weise behandelt Der von Möbius aufgcB teilte Begriff der geome- 
trischen Verwandtschaft hat den späteren Mathematikern vielfache Anregung in 
neuen geometrischen Untersuchungen geboten und zur Aufstellung von Ver- 
wandtscbaftsarten (Beziehungssjstemen) geführt, welche für bestimmte Aufgaben- 
gebiete sich als zweckuiäliig erwiesen. Es würde zu weit führen, alle diese he* 
iouderen Verwandtsohaftsarten anzuführen. Nur jener Verwandtschaft aei be- 
sonders gedacht, welche 1853 von Möbius unter dem Namen ,, Kreisverwandt- 
Schaft''') bekannt gemacht und von ihm selbst als die einfachst© nach den 
fünf in seinem baryceDtrischen Calcul betrachteten Beziehungssystemen bezeichnet 
wurde* Zu dieser übrigens schon von Magnus (1633) als ein besonderer Fall 
einer noch allgemeineren Beziehung angegebenen Verwandtschaft wurde Möbiui* 
jedoch nicht durch rein geometrische Betrachtungen geführt^ sondern mit Hilfe 
des Imaginären« gelegentlich einer anderen Untersuchung. ^) Die ,, Kreisverwandt- 
schaft'' in rein geometrischer Darstellung folgte erst 1855* Nicht unerwähnt 
darf bleiben, dass die Kreis Verwandtschaft auch zu jenen Verwand tschafteo ge- 
hört, welche von Siebeck ^) als ,4sogonal^^ bezeichnet werden und zur Ausbil- 
dung eines besonderen, vornehmlich durch kartographische Zwecke hervorgeni- 
fenen Zweiges der Anwendung der Analysis führten. 

Die Inversion*), deren Theorie und Anwendung, soweit sie noch elemen- 
tarer Natur sind, ich in den folgenden Zeilen zur Darstellung bringe^ steht mit 
der Kreis verwand tschaft in engster Beziehung; sie unterscheidet sich von ihr 
nur dadurch, dass die ursprünglich zu einander in Beziehung gesetzten Gebilde 
in einerlei Ebene liegen, einerlei Mittelpunkt besitzen und je zwei einander ent- 
sprechende Punkte auf einem durch ihn gehenden Strahle liegen, während hei 
der Kreisver^^andtschaft, wie sie von Möbius erklärt wurde, die einander ent- 
sprccbenden Figuren in verschiedenen Ebenen liegen. In dieser Hinsicht er- 
scheint dann die durch die Inversion gesetzte Beziehung als ein besonderer 
Fall der Kreisverwandtschaft, in welchem die beiden Ebenen zusammenfallen 
und die in ihnen liegenden verwandten Gebilde in perspectivischer Lage sich 
beünden. Hiernach ist es aber auch möglich, dift Beziehung, wie sie in der lu- 
tersion zum Ausdrucke kommt, zu erweitern und zu verallgemeinern und in 
die Kreisverwandtschaft selbst überzuführen, wie auch auf den ganzen Rautu 
auszudehnen. 

Durch das Studium des Werkes von Holzmüller: „Zur Einführung in dit 
Theorie der isogonalen Verwandtschaften/' wurde ich mit der Theorie der In- 



V) Möbios, gesaroinerte Werko, 2. Bd., pag, 243. 

') Mdbiue^ geaaramelte Werke, 2, Bd., pag. 201 und 205. 



«) Siebeck: Über graphische Darstellung imaginärer Functioneu, Crellea Jourtisl, 
Bd* 65; von Hokmüller, Einführung in die Theorie der isogonaten V^rwandiscüafii^n 
*) Auch Abbildung mittcJst rcciproker Badien genauat» 



Version im Sinne der Abbildung Z=z^ wo zzszx-^i/i ist, vertraut und 
dadurch auf Werke aufmerksam, welche dieses Gebiet ohne Zuhilfenahme der 
Theorie der complexen Zahlen und ihrer geometrischen Stellvertreter, wie auch 
ohne Anwendung der analytischen Geometrie bearbeiteten. Bei dem einfachen 
Charakter der Verwandtschaft der Inversion, wie er insbesondere in dem con- 
stant bleibenden Producte der Radienvectoren entsprechender Punkte zum 
Ausdrucke kommt, wurde ich veranlasst, die Inversion hierauf aufzubauen und 
dem von Geiser^) in Bezug auf den Ausgangspunkt der Betrachtung gegebenen 
Beispiele zu folgen. Aus der hier angegebenen Grundidee lässt sich folgern, 
dass zwei Kreise, oder ein Kreis und eine Gerade, von welcher gegenseitigen 
Lage in einer Ebene sie auch sein mögen, stets im zweifachen Sinne als invers 
angesehen werden können; es lässt sich auch zeigen, dass der Winkel, unter 
welchem zwei Linien einander schneiden, gleich ist dem Schnittwinkel ihrer 
inversen Linien. Beide Folgerungen legen den Gedanken nahe, dass die auf das 
Berühren und Schneiden von Kreisen bezüglichen Sätze und Aufgaben mit der 
InversiOii in Zusammenhang stehen und durch diese ihre Erläuterung und Lö* 
sung möglich sein müsse. Ich richtete deshalb auch hierauf meine Aufmerk* 
samkeit und war bestrebt, die bezüglichen Sätze in consequenter Festhaltung 
der der Inversion anhaftenden Haupteigenschaften unter Zuziehung des Begriffes 
der Kreispotenz zu beweisen und solchergestalt zur Anwendung zu bringen. 

In meiner Darlegung beschränkte ich mich, um dieselbe nicht zu umfang- 
reich zu gestalten, blol^ auf die Ebene, obwohl es nahe liegt, die geführten 
Betrachtungen auch auf den Raum auszudehnen und zur Lösung von Aufgaben 
über Kugeln zu verwenden, da auch die Punkte des Baumes von irgend einem 
Punkte als Centrum aus, zu einander in Inversionsbeziehung gesetzt werden 
krtnnen. Jeder durch das Abbildungscentrum gehenden Kugel entspricht bei be- 
liebiger Potenz als inverses Gebilde eine Ebene und umgekehrt, jeder nicht 
durch das Centruin gehenden Kugel abermals eine außerhalb desselben gele- 
gene Kugel. 

Bezüglich der Figuren hielt ich mich wegen des Kostenpunktes sehr 
inal3voll und stellte nur die unbedingt nothwendigen in Tafeln zusammen. Dem 
sachkundigen Leser dürfte es jedoch keinerlei Schwierigkeiten bereiten, die 
fehlenden Figuren auf Grund der gegebenen Erörterungen selbst herzustellen. 



V) Geisefi Elemente der syiithotiüchen Geometrie, pa^. 151). 



8 

im Unetidlicheii gelegenen Putikte das Inversionsüentrum und umgekehrt eöt- 
spricht Ist die lüversionepotenz pasiti?, so liegen z.wei iaverse Punkte stets 
aof einerlei Seite des Punktes 0, im anderen Falle aber entgegengesets&t, 

Eb ist nun leicht, zn einem gegebenen Punkte A den inverden Punkt ,4' 
— sei es den mit A auf derselben Seite von liegenden^ oder den im ent- 
gegengesetzten Sinne befindlichen — zu finden, soferne außer dem Punkte A 
auch noch das In?ersion8centrum nud die InverBionspoteüz ± p ^ gegeben sind. 
Man beschreibe {Fig. 2, Taf. 1) mit dem Inversionsradius p einen Kreisi, dessen 
Mittelpunkt im InversionBcentrum liegt, verbinde mit A und beschreibe 
über 0^1 als Durchmesser einen Kreis, welcher den Kreis k in M und N 
schneidet Die Linien OA und MN treffen einander in A\ welcher Punkt zu 
A invers ist und zwar „direcf*. Denn es ist, da das Dreieck OMA bei M 
rechtwinkelig i&t, zufolge eines planimetrischen Satzes; OA, Oj4*= JI/*=-I*p^ 
Trägt man nun A im entgegengesetzten Sinne auf^ so ist A'i der im anderen 
Sinne zn A inverse Punkt und zwar der j.indirect inverse*', für ihn ist: 
OA, OA^i == p*. Die Construction inverser Punkte kann aber, wie später ge- 
zeigt werden soll, auch aus anderen Angaben, in gleichfalls sehr einfacher Art, 
erfolgen. Es verdient zugleich bemerkt zu werden^ dass zufolge der Bedingung, 
welcher Äwei inverse Punkte genügen müssen, die Punkte .1 und A' durch die 
auf dem Strahle OA liegenden Kreispunkte if, C ,, harmonisch*^ getrennt sind 
und dalier auch aus diesem Gesichtspunkte für den Punkt A' eine Construction 
abgeleitet werden kann. Zugleich ersieht man, dass bei positiver Inversions^ 
* potenz jeder Punkt des Inversionskreises sich selbst invers ist, bei negativer 
Potenz jedoch dem zweiten Endpunkte seines Durchmessers. 

3,} Für zwei nach der Inversion entsprechende Punktpaare AyA\ B^B* 
(A,A\, B,B\) (Fig. 3. Taf 1) ist zufolge der Erklärung: 

OA.OS=OB.0B\ OA.OA\=^OB,OB\ 
daher AiO B^ B' :0 A\ OÄiOB^OB\:0 A\, woraus in Mit- 

berückäichtigung des ümstandes, dass der Winkel B OA=:D*OA'=H\OA\ 
und unter Festlegung eines bestimmten Sinnes für die Aufeinanderfolge der 
Winkel folgte dass die Dreiecke A B, A' B^ und ebenso die Dreiecke A B 
und O A\ B\ im umgekehrten Sinne ähnlich sind. Hieraus ergibt sich zugleich, 
daie B' A' A= ISQ^ — S B' = 180"^-- A B oder AB 0-\-B\A' J = 160\ 
dass das Viereck ABB' Ä" ein Sehnen Viereck sein musa und die Punkte 
A^B^B\A' auf einem Kreise liegen müssen* Das Gleiche gilt auch für die Punkte 
yl, B, Ii\,A\, Dieses Ergebnis setzt uns in den Stand, die Con&truotion des 
2U irgend einem Punkte B gehörigen inversen Punktes B^ noch in einer anderen 
Weise als in Art 2 angegeben wurde, vorzunehmen^ sobald nämlich ein Paar 
jnverser Punkte A^ A' und das Inver8ionseentrum gegeben sind. Man lege 
durch vi, A' und B einen Kreis, der durch B geführte Strahl B schneidet 
ihn noch in einem zweiten Punkte ß\ welcher zu B invers ist. Denn A^ A* 
und B, B' sind in Bezug auf ,,potenzhaltend6^^ Punktpaare und daher 
0B.0B'—0A,0 A' == p^ In gleicher Weise findet man B\ , wenn A, A\, B 
Eod gegeben sind. 



4.) Zutblge der für die Inversion gegebenen Erklärung ist es nun klar, dass 
die inverse Linie einer durch das Inversionscentrum gehenden Geraden die 
(lorade selbst ist. Denn jeder zu irgend einem Punkte der Geraden aus dem 
liiversionscentrum gezogene Inversionsstrahl fällt mit der Geraden 7.usammen. 
Hierbei ist der dem Centnim entsprechende Punkt der unendlich ferne Punkt 
der Geraden. Die einer Geraden aul3erhalb des Inversionscentnims entsprechende 
inverse Linie ist jedoch keine Gerade mehr, sondern ein durch das Centrum 
gehender Kreis. 

Es sei (Fig. 4, Taf. I.) a eine beliebige Gerade und O das Inversionscen- 
trum, ferner sei A ein beliebiger Punkt der Geraden und A' der mit der ge- 
gebenen positiven Inversionspotenz aufgesuchte inverse Punkt. Welche Linie 
beschreibt nun der Punkt A\ wenn der ihm inverse Punkt die (ienide a durch- 
läuft? Ist .1/ eine der unendlich vielen Lagen, die der Punkt A auf der Ge- 
rad(Mi (i einnelnnon kann und J/' der entsprecliende inverse Punkt, so ist mit 
Kücksiclit auf Art. 3 das Dreieck A (>M dem Dreiecke A' (> M' im umgekehrten 
Sinne ähnlich und daher der Winkel () M' A' =z M A (>. Hieraus geht hervor, 
dass «1er Punkt M' bei seiner Bewegung eine Linie durchläuft, welche die Kigen- 
scliafr hat. dass die zwei von irgend einer Lage des beschreibenden Punktes 
nach den Punkten (> und A' gezogenen Linien stets einen Winkel von der 
Gnihe M A (> einschlielHMi. Dieser Winkel kann zweierlei Werte annehmen, 
welche einander zu 1S0<^ erj^änzen, da auch in der entgegengesetzten Uichtung 
von A .V, Punkte der Geraden a liegen ; der Ort aller Punkte .1/' von der an- 
gegebenen Eigenschaft ist daher eine Kreislinie durch das Inversionscentrum O, 
wflches der dem unendlich fernen Punkte der Geraden a entsprechende Punkt 
ist. Die mit a inverse Linie, rücksichtlich desselben Inversionscentrums, aber 
mit negativer Inversionspotenz, ist eine mit a' gegen O centrisch symmetrisch 
gelegene Kreislinie ü\. Aus der geführten Betrachtung geht zugleich hervor, 
dass // und a einander schneiden, Eobald dies bezügUch des Inversionskreises 
mit u der Fall ist. 

IJmgekehrt ist nun die inverse Linie eines jeden duich das Inversions- 
centrum gehenden Kr^^ises eine Gerade, welche zu der im Punkte O an den 
Kreis geführten Tangente parallel ist. Auf (irund der hier geführten Betrach- 
tung kann man nun auch die (/onstruction inverser Punkte vornehmen. Sind 
.1 und .r zwei, rücksichtlich O inverse Punkte und hat man zu einem Punkte 
H den in\ersen Punkt />' zu suchen, so ziehe man durch .1 und li eine Ge- 
rade und durch .T den liiezu inversen Kreis, verbinde li mit O und erhält 
im Durchschnittspunkte dieser Geraden mit dem Kreise den zu li inversen 
Punkt li\ 

U.) Die weitere Frage ist nun, die zu einer Kreislinie inverse Linie auf- 
zusuchen, wenn dieselbe nicht durch das Inversionscentrum geht. Wir gehen 
hier abermals von der durch das Inversions - Princip gesetzten Gleichung aus. 
Ist M (Fig. fj. 7, ;i, Taf. I) der eine Kreislinie a durchlaufende Punkt 
und sind A, li, (\ D. . . . verschiedene Lagen dieses Punktes, A\ H\ C\ D\ , . . 
die diesen Punktlagen nach der Inversion mit p'-* als Inversionspotenz ent- 
sprechenden Punktlagen, so hat man: 2 



10 



O A , A' = O B. OB'=OC, O C = . = ?* ^ ■ ■ ( 1 

Da min die von nai^b den PunktlageD .1, H, (\ , . , gehende o lover- 
sionsstrahlen die Kreblitiie a auch in d&ii Punkteo A^^ ß^i '"#. Öo^ * * * trefteu. 
80 ist zufolgo des SecantensaUes der Planimetrie : 

A . o /ifl ^ o «. o /4 = o c. r; ==.,,= ^« ,. . (2 
wfimua sich mit Beachtung von (l ergibt: 

<) V: A^ = O ir : f> H^ — O r" : O r; = . . . = ^^^ : ^a . , , (3 
Diese Beziehung drückt aus, dass die Punkte A\ H\ C", D\ , . . mit den 
Punkten yfo, Wo, ^g, A> . - .ähnlich und in einerlei Siune liegen. Da aber 
diese Punkte auf einer Kreislinie liegen^ so ist der Ort a der Pnnkte 
A\ H\ (*\ , , . gleichfalls eine Kreislinie,^) Aus dem Angegebenen ist zugleich 
«rsichtlich, dass auf jedem Inversiousstrahle zwei Paare inverser Punkte, sowohl 
he^Üglich der Kreislinien a, a ah auch bezüglich dar Kreislinien a, a*| Hegen, 
je nachdem die Inversionspotenz positiv oder negati? ist 

Kin anderer Beweis ist in der folgenden, auf das Ergebnis in Art 3 sich 
stützenden Betrachtung gegeben. Es seien A, B (Fig. 6. z» % Taf. L) zwei 
Punkte des Kreises a und A^, !i^ diejenigen Punkte, in denen « von den Id- 
varsion ^strahlen der erstgenannten zwei Punkte zum zweiten Male getroffen 
wird. Die den Punkten -i, ß, A^^ B^ nach der directen Inversion entsprechenden 
Punkte seien A\ H\ A\^ B\. Zufolge der in Art. 3 bewiesenen Eigenschaft ist 
nun sowohl in dem einen Falle, in welchem das Inversionscentrum aul^erhalb 
des Kreises a, als auch in dem anderen, in welchem dasselbe innerhalb des 
Kreises liegt, ^ fi A' B'cs^^ii A H und A A\ Ä* co A ^» ^, daher mit 
Rtlckaicht auf Fig, 6, x in betracht der Winkel: 

A' B' = A B 0, A\ B' = A^BO 
A' B'-- A\ B' = AB 0^ .i^BO 

oder .1^0 B' A^ABA^ 

Zufolge der Figur 6, p ist: 

OA'B'^ABO, B' A\ 0=0 B A^ 
A' B' 4- B' A\ = AB 0+ B A^ 
und A'H' A'^^IBO^^ ABA^ 

Fallen die Punkte .J und Aq mit den Endpunkten jenes Durchmessers des 
Kreises a zusammen, welcher zugleich durch das Inversionscentrum geht, so ist 
in beiden Figuren A B Aq und A^ ß\4\^ gleich 90*, Auf Grund dieser beiden 
Ergebnisse kanu man nun schließen ; Bewegt sich ein Punkt B ^von .1 über B 
nach Ati) auf einer Kreisliniei so begrenzen die von ihm nach A und A^y ge 
henden Geraden stets einen Winkel von constanter Grö0e; dep inverse Punkt 
H^ bewegt sich alsdtinn gleichfalls in der Weise, dass die von ihm nach A' und 
A\ ge?*ogeneu Geraden einen Winkel von derselben GröUe oder dessen Supple- 
ment einschliei^Bu, (je nachdeui das Inversionscentrum aul^erhalb oder innerhalb 
des Kreises u liegt)^ er beschreibt daher gleichfalls eine Kreislinie. Aul^er dieser 
Kreislinie a* gibt es aber noch eine zweite Kreislinie a\ ^ welche mit a indlrect 
invers ist, mit a* rucksicbtlicb () jedoch, centrisch symmetrisch liegt 

~ »y^ergl Baluer, Elem. d. Math., 2, Bd., pag il8. Möbius, Kreisverw&DdUchaft 
uttd äleiner geäamaiehe Werke. 



11 

a.) Die beiden Kreislinien a und a' haben im ersten Falle das Inver- 
sionscentrum zum äußeren, a und a\ aber haben es zum inneren Ähnlichkeits- 
punkte ; im zweiten Falle ist es umgekehrt. Die von O an a gezogenen Tan- 
genten — sofern außerhalb liegt — müssen^ wie nun selbstverständlich ist, 
auch Tangenten an a' und a\ sein. Durchläuft der Punkt H die Kreislinie a 
in einem bestimmten Sinne, so durchläuft der inverse Punkt die Kreislinie a' 
oder a*i, mit Bflcksicht auf die 1. Figur, in einem dem früheren entgegenge- 
setzten Sinne, in Rücksicht auf die 2. Figur jedoch, gleichen. Liegt das In- 
versionscentrum außerhalb des Kreises a, so liegt auch der inverse Kreis außer- 
halb desselben, liegt es aber innerhalb, so liegt es auch bezüglich a' innerhalb. 

,^.) Umgekehrt können irgend zwei Kreise nach dem Beziehungssysteme 
der Inversion stets aufeinander bezogen werden, sobald man einen der Ahn- 
lichkeitspunkte als Inversionscentrum wählt. Geht die Kreislinie a in eine Ge- 
rade über, so muss, wenn .1 fest bleibt, (Fig. 6. % Taf. I.), .lo in's unendliche 
fallen; .r muss dann auch fest bleiben, .4'o dagegen mit O zusammenfallen, 
und der die Gerade a durchlaufende Punkt B eine Folge von inverseu Punkten 
H' hervorrufen, für welche A' B\\\ = A' ir = A^AH= OA H von constanter 
Größe bleibt. Die Linie d' ist deshalb eine Kreislinie, welche durch das In- 
versionscentrum geht. Beschreibt umgekehrt der Punkt B eine durch <) ge- 
hende Kreislinie, so bewegt sich B' auf einer Geraden. 

y.) Aus dem in dieser Nummer bewiesenen Satze folgt noch ein anderer 
für die in Rede stehende Verwandtschaft sehr wichtiger Satz. Die Kreislinie 
a ist nämlich durch drei Punkte vollkommen bestimmt, die inverse Kreislinie 
a {a\^ durch die zu diesen Punkten inversen. Bewegt sich demnach auf der 
Kreislinie a ein vierter Punkt, »o beschreibt sein inverser Punkt die Kreislinie 
u* \a\). Liegen also vier Punkte auf einer Kreislinie, so liegen auch die zu 
ihnen inversen Punkte im Allgemeinen auf einci Kreislinie. 

&.) Noch eine weitere beachtenswerte Folgerung lässt sich aus dem obigen 
Ergebnisse ziehen. Invertiert man die Kreislinie a um den Punkt <> mit der 
diesem Punkte in Bezug auf a zukommenden (positiven oder negativen) Potenz, 
so ist (7 ihre eigene inverse Linie, derart, dass jeder Punkt der Kreislinie als 
ein Punkt ihrer inversen Linie anzusehen ist. Hierbei ist es gleichgiltig, ob (i 
außerhalb oder innerhalb der Kreislinie liegt. Kin solcher Kreis ist dann ein 
sich selbst entsprechender, in welchem stets die auf einem Inversionssirahle 
liegenden zwei Kreispunkte einander entsprechen. Durch diesen letzten Satz 
lässt sich auch die in Art. '{ gegebene Construction des inversen Punktes eines 
gegebenen Punktes begründen, wenn die Inversion durch ihr C -entrum und zwei 
(auf einem Inversionsstrahle liegende), einander entsprechende Punkte gegeben 
ist. Der durch die beiden inversen Punkte J,.r (J,.!',) und durch den gege- 
benen Punkt B gelegte Kreis ist dann ein sich selbst entsprechender und gibt 
in dem Punkte, in welchem derselbe von dem durch B gehenden Inversions* 
strahle zum zweiten Male getroffen wird, den inversen Punkt B^ {B\). Inver- 
tiert man die Kreislinie a von ihrem Mittelpunkte aus, mit dem Halbmesser 
als Fnversionshalbmesser, so entsprechen die Punkte der Linie a sich selbst. 



12 



bei positiver Inversioaspotenz, dagegen den Endpankten ihrer Durchmesser, h 
negativer Poten/., 

I,) Man erkeniit ferner^ dass^ wenn zwei Kreise uder ein Kreis und ein« 
Gerade einander berühr eu, auch ihre inverseu Linien eiDander berühreu 
zwei tmeiidlich nabe ItiTersionsstrablen auch entsprecbende I^aare von unetidlid 
uabeii Punkleu auf zwei zu einander inversea Figuren bestimmen. 

Sc*bneidüij zwei goradc Linien einander unter irgend welchem Winkel 
schnciiden ihre iuvei^en Linien einander unter demselben WinkeK Durch Inve, 
Bion aus irgend einem Punkte O gehen bei beliebiger (pos* od, nftg.) Inve: 
siom^potenz die beiden Garaden in Kreise durch O über. Die in O au diei 
Kreise gezogenen Tangenten, dereu Winkel dem Schnittwinkel beider Kreiiäi 
gleich i&t, sind aber den ursprünglichen üeraden parallel ; sie schUel5en dah 
einen ebenso großen Winkel ein^ wie diese. 

Schneiden zwei Kreise einander unter irgend welchem Winkel, so schneide 
ihre inversen Linien einander unter ebenso grohem Winket Sind M^^M^ die 
gegebenen Kreise, A und B ihre Schnittpunkte, ferner Afi^i/'j die inverse^f 
Kreise mit den Schnittpunkten .r,B\ m ist (Fig. 7, Taf. L) der Sclmittwiuke^^ 
aJb der Kreise Mi, M^ nach dem vorher bewiesenen Satsse gleich dem Wink 
unter welchem die zu den Geradon Aa^ Ab inversen Linien einander Ireffüj 
Da aber diese letzteren die beiden Kreise M\,M\ in ,1 berühren, to i«t i 
von ihnen gebildete Winkel ebenso grol^ wie jener von M\ , M-^ im Schfüti 
punkte A\ aber entgegengesetzt dem Winkel (iA/k 

Im besonderen ist also der Schnittwiakel irgend eines Kreises Mi mit 
dem Inversionskreise gleich dem Schnittwinkel dieses Kreises mit dem zu 3^H 
inversen Kreise M\y aber entgegengesetzt, oder mit anderen Wurten; Der In^^ 
versionskreia halbiert den Winkel ^ welcher von zwei einander schneidenden 
und zugkich nach der Inversion entsprechenden Kreisen gebildet wird. 

Die Eigenschaft, dass der Schnittwiukel zweier schneidender Kreise. aui 
auf die inversen Kreise übergeht, gilt, wie später nachgewiesen werden söl 
ganz allgemein für irgend welche zwei schneidende krumme Linien nnd 
ihnen entsprechenden Linien. Da Jede inverse Figur einer gegebenen Figur 
eine, nach einem bestimmten Gesetze, ans einem Centrura vorgenummene AbbiP 
dnng dieser Figur angesehen werden kann, so ist die für zwei schneidende 
Kreise und die zu ihnen inversen Kreise nachgewiesene Eigenschaft von der 
Erhaltung des Schnittwinkels als eine ..projectiviache^' zu bezeichnen. 

6 ) Die sich selbst entsprechenden Kreise können aul^r dcf in Art* 5, 
angegebenen Richtung auch noch in einer anderen verwendet werden, Ii 
irgend ein System von Punkten A, B, fX £?,.,. gegeben nnd soll zu diesem 
das inverse construiert werden, unter der Annahme, dasa dus Inversionscentrtim 
O und der zu A inverse Punkt A\ oder die InversionspoteOK gegeben sind, so 
erhält man die übrigen nach der Inversionsbeziehung verwandten Punkte auf 
folgende Weise. Man bestimme zunächst B' mittekt des durch .1, J' und H ge 
henden Kreises, oder auf andere Weise, und lege dann durch A^ B nnd C 
einen Kreis, betrachte diesen als sich selbst entsprechend und suche in ihm 



vi 

I 



r 



13 

die den Punkten A, B, (' entsprechenden Punkte .1',, B\, C\. Nun ziehe 
man die Geraden Pl\('\,H\('\ und durch J' eine Parallele zu /1\^'\, durch 
/>' eine solche zu B\('\, Diese beiden zuletzt erhaltenen Geraden schneiden 
einander in f'\ welcher Punkt zugleich auf dem durch r' gehenden Inversions- 
rstrahle or Hegen inuss. Ebenso verl'ahre man mit den übrigen Punkten D^hJ^,. . 
Ist nun A,H^i\l>, . . . , irgend ein System von Punkten und construiert 
man /u diesem für irgend einen Punkt O als Inversionscentrum, mitbeUebigen Inver- 
sionspotenzen, die nach der Inversion entsprechenden Punktsysteme A\ W,' < '\ l>\ . . ., 
j.. i;'>(r' ir etc, so hat man, gleich viel, ob die Inversionspotenzen positiv 
oder negativ angenommen werden : 

nA.uA' z=()ii.(nr =(i(\o(r = =■ + pr^ 

n A. n j" =(}li.() ir =or'. ()('" = = t ?2* 

i>A.(KV'*=(>H. (> H'*'= (>(\() ("'' = = ±. p;i » 

uJneraus:öj':Oj*':OJ''^...===0«^o/r^0ß'":...==0r":0f''':0r.'''':... 
Aus diesem folgt aber in Mitberücksichtigung dessen, dass die angegebenen 
Punktsysteme perspectivisch liegen, dass die dem ursprünglichen Systeme 
.1, />.<',... nach der Inversion verwandten Systeme A\H\('\,,. etc. unter 
einander ähnlich sind. 

7.) Wirft man nunmehr die Frage nach der Zahl der Bedingungen auf, 
welche nothwendig und ausreichend sind, um die Inversion zweier Punktsysteme 
festzustellen, so wird man bei Beantwortung derselben wohl zunächst darauf 
eingehen müssen, wodurch bisher die Inversion bestimmt war. Zu jedem Punkt- 
svbtenie A,li^(\.., konnten wir das nach der Inversion verwandte System 
construieren, wenn aul3er dem Inver^ionscentrum O auch noch der zu einem 
Punkte, etwa .1, iiiverse Punkt gegeben war. Hierin ist aber der Punkt 
iu zweifacher Hinsicht ins Auge zu fassen, einerseits als Punkt des ursprüng- 
lichen Systemes, dem sonach im inversen Systeme ein unendlich femer Punkt 
auf einem beliebigen Strahle zu entsprechen hat, andererseits aber als ein 
Punkt des inversen Systemes, dem im ursprünglichen Systeme ein unendlich 
ferner Punkt auf einem beliebigen Strahle entspricht. Zur Bestimmung des 
einem Punktsysteme AJ)J\ .... inversen Systemes sind also drei einander ent- 
sj)rechende Punktpaare nothig, nämlich: ^^Org^, O.^ und AA\ Die ersten 
zwei Punktpaare sind allerdings ganz besondere, lassen aber doch die Ver- 
muthung zu, dass das einem Systeme AM,(\lK . . . nach der Inversion ent- 
sprechende System A\l>\('\l)\ . . . vollständig bestimmt sei, wenn irgend drei 
Punkte des einen, dreien Punkten des anderen Systemes zugeordnet sind. Hierin 
ist es nun gleichgiltig. ob beide Systeme in einerlei Ebene liegend, oder in 
zwei Ebenen befindlich, angenommen werden. Nur hat man im ersten Falle die 
Punkte der Ebene als doppelt ^'esetzt anzusehen, d. i. als solche, welche so- 
wohl dem einen Systeme als auch dem anderen angehören und in nicht per- 
spectivischer Lage sich befinden. Die Aufgabe bestände alsdann darin, das 
zweite System in eine solche Lage gegen das erste System zu bringen, dass 
beide Systeme den an die Sjiitze der B<?trachtung gestellten Inversionsbedin- 



14 



guugen eoUprechen. Sofern eich aU richtig heraugatelleu würde, dass, wenn 
den Punkten A,B,C des einen Systemes die Punkta A\B%0 des aoderen be- 
mhuDgsw€ise entgprecheD, auch der jedem vierten Punkte dei einen Systemes 
etitsprechende Punkt unzweideutig bestimmt ist, würde die wechselseitige Be* 
Ziehung der angeführten Punkte auch bedeuten: Es seien AyHjJ so zu inver- 
tieren, dass bei bestimmter Zuordnung, das von ihren inversen Punkten gebil- 
dete geradlioige Dreieck einem gegebenen ähnlich, respecttve congruent sei. 

Sollen also die Punkte A\Ii\('' des zweiten Systemen den Punkten .l.ß/> 
des ersten, beziehungsweise nach der Inversion entsprechen, so mnss offenbar 
auch der durch A\B\('' gelegte Kreis dem durch .1,^/7 gehenden entsprechen. 
Die von dem noch unbekannten Inirerßionsniittelpunkte O nach A,B,C gehenden 
Strahlen müssen dann auf dem Kreite durch A,H/' ein zweites Dreieck fest- 
legen, welches dem Dreiecke A'H^C ähnlich ist* Hierbei ist es notbwendig, auf 
den Sinn zu achten, in welchem der durch A\H\C* gelegte Kreis durchlaufen 
wird. Wird der durch die Folge -TW"' ausgedrückte Drehungsainn als negativ, 
also als dem der Folge ABC entsprechenden Sinne entgegengesetzt angenom- 
men, wenn dieser als positiv gilt, so muss das Inversionscentrum auC^erhalb 
des Kreises ABC liegen. Im anderen Falle jedoch, wenn für beide Kreise die 
durch die Folgen J//f" und A-li'C* ausgedrückten Bewegungssinne als gleich 
(positiv oder negativ) angenommen werden, muss das Inversionscentrum inner- 
halb des Kreises ABC zu liegen kommen. Wir haben demnach zwei Fälle zu 
unterscheiden und wollen nunmehr den ersten untersuchen. 

X.) Ist O (Fig, 8, Taf. II.) das hypothetisch angenommene Inveraions- 
centrum und sind JJ'-,/f/i", rr "" die Paare einander entsprechender Punkte, so ist 
das Viereck mW'H' ein Sehnenviereck und deshalb derWinkel ^^r7r =180»— J*\ 
ferner als Umfangswinkel Über demselben Bogen : 

CB*'B = rAB^A und r'7iß = r/rß— /rf 0=.l— J" 
In gleicher Weise findet man: B''OA'*=C--C" ,C''OA*'=B''^B oder, da das 
Dreieck A'rH'' r^' dem Dreiecke A* B* (*' ähnlich sein soll, die Winkel- 
gleichungen: ro^=J — J\ H(Ki^r—C\ C0A=B' -B. Diese Gleichungen 
drücken die Bedingung aus^ welcher die durch ^'gehenden Geraden OA^OB^ OC 
unterworfen sein müssen^ damit ihre zweiten Schnittpunkte A*\ B-\C** die Eck- 
punkte eines dem Dreiecke A'ß'C* ähnlichen Dreieckes geben, Da nun (J — *!') 
^(J5— 5*)+(('^C)=0sein muss, so tolgt, dass jede der Winkeldifferonzen A— A* 
B~-B\ C — C eine unmittelbare Folge der beiden anderen i^t Aus diesen Be- 
dingungen lässt sich nun umgekehrt das [nversionscentrum O in der Ebene des 
Dreieckes AB C constmieren, Es ergibt sich als der gemeinsame Schnittpunkt 
dreier Kreise^ welche bezüglich AB,BC,CA als Sehnen und C- r,A-Ä\ 
B' — B als auj ihnen aufstehende Umfangswinkel enthalten. Die Inversionspotenz 
ist gleich jener des Punktes in Bezug auf den Kreis um das Dreieck .4 Bf\ 
welcher ein sich selbst entsprechender ist Die genannten, über den Seiten des 
Dreieckes A HC mit C—C\A — .4' und ß'— H als Umfangswinkel beschriebenen 
Kreise haben aber auch mit Rücksicht auf Art. 4 einen geometrischen Inhalt. 
Sie sind, weil die Punkte der Paare .Ll'\ fUr\CC' einander entsprechen, 



15 

beziehungsweise die zu A^'R^\ li^'C^* und C^" inversen Linien und müssen 
daher nach Art. 5 mit dem durch die Punkte .1, B, C gehenden Kreise Winkel 
von derselben Größe, aber im entgegengesetzten Sinne liegend, bilden, wie die 
Sehnen -r7r,/rr'",r".^" mit dem Kreise. Diese Winkel sind beziehungs- 
weise C\ yV\ li" oder (.'\ A\ B* und es ist bei der Construction des Inver- 
sionscentrums genau darauf zu achten, in welchem Sinne sie an den sich selbst 
entsprechenden Kreis in den Punkten A^Ji,C, respective an die Sehnen A B^ 
H(\(W gelegt werden müssen. 

Von den drei Winkelgrößen, welche in der Gleichung: 

(.t-.r) + (B-F) + (c'-r.o = o 

auftreten, muss stets eine negativ sein, oder es sind auch zwei negativ, ein 
Umstand, der bei der Construction des Punktes O Beachtung zu finden hat. 
Sind die beiden Dreiecke AB(' und A'' B' C ähnlich, so ist jede der ange- 
führten Winkeldifferenzen gleich Null. Der Punkt fällt ins unendliche und 
die Inversion zwischen den Punkten der Paare .1/1", BB^\ CY/'* geht in die 
Congruenz über, indem ^AB(^ :^^S' B^(r wird. 

1^.) Wird im zweiten Falle das Inversionscentrum O, (Fig. 9, Taf. II.) nach 
der noch möglichen Lage, im Innern des um das Dreieck ABC beschriebenen 
Kreises angenommen und sind A'\ B'\ ('^' wieder die nach der Inversion den 
Punkten /l, £, (' beziehungsweise entsprechenden Punkte, so hat man zufolge 
der Figur und mit Berücksichtigung der Bedingung, dass das Dreieck A' B' C 
des zweiten Punktsystemen dem Dreiecke A'' B'' (■'' ähnlich sein soll: 

B'\iA" = B''BC—A''AC 
B (JA = 180« - (OA C + CA B) — {AB C — OBC) 
= (180«- ('AB — ABC)-^l0BC-' OAC) 
= C'+ C = 3G0« + C — C 

Ebenso findet man C O B = 3(>0^-^A—A' und COA = B'—B. Mit Hilfe 
dieser Gleichungen ist man nun im Stande, den Punkt zu construieren. Er 
ergibt sich als der gemeinsame Durchschnittspunkt dreier Kreise, von denen 
der eine über A B als Sehne, mit dem auf ihr aufstehenden Umfaugswinkel 
3G0®-|-C — ('\ der zweite über B(J als Sehne, mit dem zugehörigen 
Umfaugswinkel 3(')0^ -\-A — .1' und der dritte über ('A als Sehne, mit dem auf 
ihr stehenden Umfaugswinkel B' — B zu beschreiben ist. Die diesem Punkte 
als Inversionscentrum zukommende Inversionspotenz ist gleich seiner Potenz in 
Bezug auf den dem Dreiecke ABC umbeschriebenen Kreise. Die genannten, 
über AB^ B(\ i-A als Sehnen zu beschreibenden Kreise, welche die bezüg- 
lichen, auf diesen Sehnen stehenden Winkel, '6^0^-\-C—C\ 3600-|-^— ^' 
und B' — B als Umfaugswinkel enthalten, haben gleichfalls mit Rücksicht 
auf Art. 4 geometrischen Inhalt. Sie sind, weil die Punkte der Paare AÄ\ 
BB'\ CC einander entsprechen, die zu A'' B'\ ß"C"\ C"*J" inversen Linien 
und schliessen nach Art. 5 mit dem durch .1, B, C gehenden, bezüglich sich 
selbst entsprechenden Kreise, Winkel von derselben Größe ein, wie die Sehnen 
A'' B'\ Ä" r;", CM" mit ihm. Nur sind diese Winkel diesmal in demselben 
Sinne aufzutragen, wie die bezüglichen in A^^ K' (?\ Bei der Construction 
dieser Kreise ist daher genau auf den Gang der Inversion zu achten. 



16 



Von den drei Winkelgiöi^en, welche in der üleichiing; 

(360« + C — V) -\-ßm^U-A — A')-^ (ß — K) == 0, 
die nothwendiger Weise bestehen rauss, vorkommen, ist abermak eine negativ. 
oder es sind deren zwei negativ; was bei der Construction des Punkte« O 
gbichfallB 2U berücksichtigen ist. Aus dieser Gleichung ist auch ersichtlich, 
(lass jede der genannten WinkelgröPen eine Folge der beiden anderen ist 

Um aber Punkte zu erhalten, deren Verbindungälitiien ein Dreieck geben, 
welches dem Dreiecke .V If <'^ congruent ist, braucht man nur die Stralilen 
0A'\ 0B*\ OC'* in demselben Maße ^u vergrößern oder zu verkleinern, in 
welchem die Seiten des Dreieckes A' B^C größer oder kleiner sind, als jene 
des Dreieckes .4"F'C"\ 

Aus den beiden vorstehend geführten Betrachtungen ist nun ersichtlich, 
dass die iDversionsbeziehuDg zweier Punktayäteme volktändi^ hestinimt ist, 
wenn dreien Punkten .1, B, V des einen Systeme» irgend drei Punkte A\ H\ ("* 
des zweiten Sy Sternes entsprechen.') Die bbiden Systeme lassen sich dann stets 
in eine solche gegenseitige Läge briugeö, dass die Verbindungslinien AA\ B B* 
(XT zweier entsprechender Punkte durch einen Punkt gehen und OA . OA' 
^OB, OB' =^ OC OC ist Zu jedem weiteren Puukte 3f des ersten Sy^teraes 
lääöüt sich dann mittelst des Strahles O M der entsprechende Punkt M' leicht 
auffinden, sobald auf die Art, in welcher die Inversion stattzufinden bat, ge- 
achtet wird. Aus beiden Beweisen ist aber auch ersichtlich, dass die Punkte 
A\ ß\ Cm zweifacher Weise zudenrespectiven Punkten A^B^C'm Inversion gesetzt 
werden können und dass demgemäß zu dem Punktsysteme J, B^ C i), . - . 
zwei andere construiert werden können, welche zu diesem invers sind und die 
Punkte A\ B\ (T gemeinsam haben. Diese beiden letzten Systeme stehen aber 
gleichfalls in der Beziehung der Inversion zu einander^ wie später noch her- 
vorgehoben werden soll 

8.) Nachdem aber unter der Voraussetzung der vollständigen ßestimmaog 
der Inversion zweier Punktsysteme dadurch, dass irgend dreien Punkten des 
einen Systemes drei Punkte des anderen entsprechen, zur Construction weiterer 
entsprechender Pimkte bisher die Construction des loversionscentrufns nöthig 
war, so fragt es sich, oh die Auffindung entsprechender Punkte nicht auch ohne 
Benützung desselben möglich ist. Hierbei handelt es airh offenbar darum, eine 
Eigenschaft auüutinden, welche zwischen vier beliebigen Punkten des einen 
Systemes und den entsprechenden vier Punkten des verwandten Systemes be- 
steht. Ein© solche Eigenschaft besteht, und es ist durch dieselbe möglich, f^nt- 
sprechende Punkte auch unabhängig vom Inversionscentrum in conitruieren. 

Mit Eücksicht auf die Inversions - Erklärung ist, wenn die den Punkten 
Ä^ B, C\ D (Fig. 10, Taf II.) entsprechenden Punkte A\ B\ r\ D' sind, 

Z::,oab>jZioa'b\ aobcc^aob'c, ^ocDcsj^oiriy, 

somit : ÄB:B 0=B\r lA'O R : C {i= C : B' C 

AD:DO = D'A':A'0 



D€i:VD = CO:DT 



■) Eiaea noderen Beweis hieilir gibt Mdbius^ ges, W., 2. Bd., pag. 26H, 



17 



Aus diesen Proportionen folgt: 



AB li'A' A'O 




AD D'A' A'O 


<:ii~ H'C' r <) 




CD ~J)'V'' ("0 


und hieraus 






Ali AD B'A' D'A' 
i'H CD li'C D'<" 


oder 


Ali AD A'ir A'D- 
HC' DC ~ Ji'C' J/V 


oder auch 







AB.D C: A D . li C= A' li' . D' ( " : A' // , B' C 

Der Ausdruck. l^./>r':J/>.7iC oder ^Ir-a'-TTT^ •»eilH nach Möbius') ein 

..Doppel Verhältnis" und wird von ihm kurz durch {AB CD) ausgedrückt. Beide 
Proportionen drücken den Satz aus: 

„Jedes zwischen vier Punkten einer Figur genommene Doppelverhältnis 
ist dem auf gleiche Weise aus den entsprechenden Punkten der inversen Figur 
genommenen Doppelverhältnisse gleich/^ 

Die in diesem Satze ausgedrückte Eigenschaft ist unabhängig vom Inver- 
sionscentrum und gleichfalls als eine „prqjcctivische^^ zu bezeichnen. Sie be- 
steht auch dann noch, wenn die beiden invers entsprechenden Systeme sich in 
nicht perspectivischer Lage befinden. 

Auf Grund der zuletzt gebrauchten Figur kann man noch eine weitere 
für die Inversion charakteristische Eigenschaft ableiten, welche zwischen be- 
stimmten Winkeln des aus den vier Punkten .1, 7i, ('^ P gebildeten Viereckes 
und den im gleichen Sinne genommenen Winkeln des aus den entsprechenden 
vier Punkten gebildeten Viereckes besteht. Zufolge derselben Figur ist: 
ABO=OA'B\ OBC = B'CO 
AB C= OA' B' + B' C 0=C B' A' ■- a A' 
Hierin ist unter C BW nicht der im Vierecke A^ C B* liegende Winkel, 
sondern der denselben zu 3G0^ ergänzende gemeint. Ebenso ist, wenn die 
Winkel in dem durch die Pfeile angedeuteten Sinne gezählt werden : 

(U) Az=:z360^ — A I) C=(y A' -{- A' ly <J' 
und nach Addition: 

A « r 4- c i)A = ( '• ir . V 4- A' ir c^) 

Möbius nennt die Winkelsumme A liV^C DA einen „Doppelwinkel'* und be- 
zeichnet ihn kurzweg durch A li (■ />, so dass 

AHCI) = C' H'A' l>' 
ist. Diese Gleichung gilt auch dann, wenn die Punkte B und 1> nicht, wie in 
der angegebenen Figur zu beiden Seiten der Diagonale A (\ sondern auf einerlei 
Seite derselben liegen. Nimmt man nun von den oben in einer einzigen Glei- 
chung zum Ausdrucke gebrachten zwei Fällen, im zweiten Falle blol^ den hohlen 
Winkel, so hat man, da 

CD A = 300«— yf D C' , A' D' r"= SfiOO — r" // A' 
AliC ~A l)C=("liW — (" D\V 

<) Möbius, ges. Werke, 2. Bd., pag. 260. 

*> Liegt das InversionsceDtrnm innerhalb des Viereckes, so gilt die Formel: 
A n C-j- CDA = 360«-> [A* B'r-\-CD'A'] 3 




18 



Zwischen deti Wjnkela an zwei gegenüber liegendea Eckputikteo eines 
Viereckoä ÄBVD^ gleichviel, ob die Diagonalen einander innerbalb desselben 
scbneidea oder niclit und den Winkeln jui den eiitaprechenden zwei Eckpunkten 
des von den inversen Funkten A\H\f*\l^* gebildeten Viereckes bestellt ^«^i 
gleicbfalh eine BeKiehiing^ die sich in dem Satze auädrückt: ^^H 

,Jn Kwei inversen Figuren ist jeder aus den Winkeln eines Viereckes ge- 
bildete Doppel Winkel der ^inen Figur gleich dem auf entsprechende Art au^_ 
den Winkeln des Viereckes der entsprechenden Ecken gebildeten Doppelwinkel/^ 

Auch die hierin zum Ausdrucke gebracbte Kigensehaft inverser Figuren 
ist als eine p^projectiviscbe'' ?m bezeichnen; sie macht es möglich, unabhängig 
vom Inversionscentrum, den einem vierten Punkte I> des einen Systemes ent- 
sprechenden Puiikt /^' des anderen zu finden^ sie gilt auch dann noch, wenn 
die beiden Punktsysteme sich nicht mehr in perspectivischer Lage befinden. 

9.) Unter Benützung der Gleichheit der DoppeWerhältnisse^ welche aus 

vier Punkten A, B,(\ D des einen Syateraes und den entsprechenden vier Punkten 

^',i^', (",// des andereu Systemes in gleicher Art gebildet werden können« hat 

man : 

AB ^ AI) _ A'B* Ä'D* 

Bc • i)C ~ B'a ' D'a 

oder, wenn Kürze halber gesetzt wird* 

.4_ß _ AD _ A'B* 

BC ~**^' ITC' ~ ^' W(f 

Sind also die Punkte .1, B. ('^ D de» einen Systemes und die entsprechende^ 
Punkte A\H\C des inversen gegeben und soll der dem gegebenen Punkte 
entsprechende Punkt V* gesucht werden, so hat man zu seiner Auffinduog die 
7.ulet2t angefCibrte Proportion. Sie drückt aus, das» der Punkt Jf eine soleh^H 
Lage hat, da^s die von ihm nach A^ und C* gezogenen Geraden in einem con^l 
stauten Verhältnisse 2U einander stehen. Der Ort eines Punktes dieser Eigen« 
Schaft ist eine Kreislinie, welche die Strecke A^ C^ im Verhältnisse m* n: m 
innerlieh und äul^erlich theilt. Für den Punkt D' gilt aber auch 

AC AD _A'C' A'D' 
■ ^D*B' 



=^ m' 



CB DB CB' 



oder, wann gesetzt wird« 
AC 

CB 



= mi 



AD 



= ti, 



AK^ 



: nh 



DB ew 

AD':D'B*=mt%:mi 
woraus aber, da die Zahlen wii , *ij , ^i ' als bekannt zu gelten haben, folgti 
der Ort des Punktes ff noch eine zweite Kreislinie ist, welche die StreckI 
A' B* im Verhältnisse wi| 'Hi imi innerlich und äußerlich theilU Der zu sucheode 
Punkt /)' ergibt sich demnach als Durch&chnittspunkt zweier Kreiglinten, welcb^J 
beziehungsweise die Strecken A* ü und A ß^ in bestimmten Verhältnissen m^^ 
nerlich und äul>erlich tlieileiL Da nun aber einem bestimmten D auch ein be- 
stimmter Punkt // entsprechen muss, so ist klar, das» die beiden Kreislinien 



19 

eioauder treffen müssen. Dem Punkte 1) entsprechen aber zwei Punkte D' 
und />\, wenn die beiden Kreislinien einander schneiden, dagegen nur ein 
Punkt, wenn sie einander beiühren. 

Auf Grund der Punkte .1, B, C und ihrer inversen Punkte .1', B\ C 
können nun auch zu den Punkten />, E, F, . . . des ersten Systemes die ihnen 
entsprechenden Punkte der zweiten Figur gefunden werden, indem man sich 
der eben angeführten Construction bedient. Da sich aber im Allgemeinen stets 
zwei Punkte ergeben, so sehen wir auch hieraus, dass jedem Systeme 
ABCD .. J/zwei andere inverse Systeme Ä'B'CD' . . M' und J'B'cri)\ . . M\ 
entsprechen. Man nennt nach Möbius die Punkte A, B^ C, ^1', H\ C" „Funda- 
mentalpunkte/^ 

10.) Anstatt der Gleichheit der Doppel Verhältnisse kann auch die Gleich- 
heit der Doppelwinkel verwendet werden. Ist D ein beliebiger vierter Punkt 
des ersten Systemes und sind AA\ BB\ CO die Paare entsprechender „Fun- 
damentalpunkte** beider Systeme, so hat man für den dem Punkte D entspre- 
chenden Punkt U: 

ABC ^ CD A= C B' A' ^ A' D' C 
daher ^'Z)'C'' = (^lßC+ CZ>.1) - 6"i?^r 

ferner ACBJrßI>A= B' C A' J- A' U B* 

A' ir B' = (A CB J^BDA) — B' C A' 
Der Punkt D^ hat alsdann der einen wie der anderen Bedingung zu genügen. 
Der ersten Bedingung gemäß, muss A^ D' C von bestimmtem Werte sein, sohin 
/)' auf einem Kreise liegen, welcher A' C als Sehne und {ABC -\' CDA) — 
C B' A' als den auf ihr aufstehenden Umfangswinkel enthält. Der zweiten Be- 
dingung gemäß liegt U auf einem Kreise, welcher A^ B' als Sehne und 
{ACB-\'BDA) — B^ CW als den auf ihr aufstehenden Umfangswinkel be- 
sitzt. Da Kreise von der angegebenen Eigenschaft jedesmal zwei möglich F.ind, 
so ist darauf zu achten, welcher von ihnen in betracht zu ziehen ist. Man 
erfährt dies, sobald man berücksichtigt, dass nach Art. 7 die Punkte A\B\C 
in zweifacher Weise den Punkten A^K^C invers entsprechend gemacht werden 
können, wenn man die Winkel des Dreieckes . r If C^ das eine Mal als positiv 
(hohl), das andere Mal als negativ (oder erhaben) ansieht. Darnach erhält man 
sowohl über -rC" als auch über A* B^ je zwei Kreislinien, welche den Punkt 
.r gemeinsam haben und in Paare entsprechend geordnet, für den Punkt D^ 
zwei dem Punkte I> entsprechende Lagen ergeben. Auch hiedurch bestätigt 
sich das schon in dem vorhergehenden Artikel hervorgehobene Ergebnis, dass 
jedem Punktsysteme A KCl) . . . M zwei Punktsysteme .1' ir r\n* . . M' und 
A'H'ri)\ ...ATi entsprechen, wenn A A\ H H\ ('C die Paare einander 
zugeordneter „Fundamentalpunkte** sind. 

11.) Zur Construction des einem Punkte l> des ersten Systemes entspre- 
chenden Punktes // des zweiten Systemes dient <MUch die Gleichheit der Doppel- 
verhältnisse und die der Doppelwinkel. Da 

(A'B'C'iy) = {ABCD) und C' HW ir = A HC I> 
ibt, 80 bekommt man, sobald beide Bedingungsgleichungen unabhängig von ein- 

3* 



20 



ander betraclitct werden, für D" aberraals Orte, deren Durchschnitt spunkte 
die gG8Ucht6ii Punkte sind. Diese Orte siod Kreklinlen, welche der Art der 
möglicheo Zuordnung der Punkte A, B,C und A\B\C entsprechend, in zwei 
Paare gesondert werden können, von deren Durch^chiiittspunkten aber, wenn 
man dem Inversionsgange genau folgt, nur zwei in betracht kommen konnen^l 

12.) Aus den in den Artikeln 9, 10 und U gewonnenen Ergebnisseu un^| 
mit Eücksicht auf Art. 8 folgt zugleich, dass die Gleichheit der Doppel?er* 
hältnisse wie auch der Doppelwiokel nicht allein zwischen den Punkten A,B, <\ /> 
und den ihnen entsj^rechendeo Punkten Ä\ B\ ('\ D' bestehen muss^ sondern dass 
diese Beziehungen auch für irgend vier Punkte P^Q,R,S der einen Figur und 
ftlr die eLtsprechenden Punkte F.Q'.R'^S' der anderen Figur gelten. Die 
Construction eines Punktes S\ welcher dem gegebenen Punkte S entsprechen 
eoll^ kann also auch mit Hilfe der Punkte P.Q^R und der entsiirechen- 
den Punkte P\ Q\ Ä* voi^enommen werden. Es muss auch der Schluts gezogen 
werden können, dass die Verwandtschaft der Inversion zweier Figuren 
auf die Gleichheit der Doppel Verhältnisse allein, oder auf jene der Doppel- 
winkel oder endlich auch auf deren Verbindung sich stützen lässt und alle 
übrigen Verwandtschafts-Eigenschaften hieraus sich ableiten lassen^), 

13.) In den voiBtehenden drei Artikeln 9, 10, II hat sich auf Grund 
d#%r Construction des einem Punkte /' des ersten Systeraes entsprechenden 
Punktes D^ des anderen, wenn A\B\C die den Funkten A^B^C zugeordneten 
Punkte sind, ergeben, dass zu dem Systeme .1 B('D\ . , \f zwei invefse Systeme 
A' H' r />\ _ M' und A* B' r ' I)\ . , . M\ gehören. Es liegt nun nahe, zu unter- 
suchen, wie diese beiden letzten Systeme sich zu einander verhalten. Zunächst , 
folgt aus der Art der Entstehung beider Figuren, dass das DoppelverhäUni^| 
zwischen vier Punkten der einen Figur gleich sein muss dem auf gleiche Ar^ 
gebildeten Doppelverbältnisse zwischen den vier bezüglichen Punkten der zweiteii 
Figur. Es müssen somit beide Punktsysteme zu einander inrers sein. Sie müsseifll 
aber auch perspectivisch liegen. Um dies noch deutlicher zu zeigen, will ich 
darthun, daas beide Systeme der ursprünglich aufgestellten Inversions-ErkUrung 
unterliegen. Da die Punkte A\ß\r (Fig, IL, Taf II.) den beiden Punktsyste- 
men A* B* <.'' D\ . . M' und A* B' C JT^ . . . AP, entsprechend gemeinsam sind, 
so muss der durch dieselben gelegte Kreis J* B* (^' bezüglich seines Mittel- 
punktes ^^ sich selbst invers sein. Wird nun O als Punkt des einen oder des 
anderen Systemes aufgefasst, so ist der ihm entsprechende Punkt im zweiten 
Systeme im unendlichen gelegen. In gleicher Weise kann nach der Entstehung 
beider Sy&teme />' als Punkt des einen wie des anderen Systemes angesehen 
werden, dem im zweiten l>\ entspricht Dieser Sachlage entsprechend, hat man 
für die beiden Punktgruppon OA'B'D'mid OA*B'D\ zufolge der Gleichheit 
der Doppelverhältnisse zwischen ihnen und ihren entsprechenden Punkten 



(hV OD' 



A'B' 



und 



OA* ^ 0/i\ 

7v~B' ' D\ ir 






*) M5biu8, gea. Werke, 2. Bd.» pag. 205. 



21 

UDd nach stattgehabter Multiplication und Division 

OA*^=OD\ 0D\ 
und /irB' \i_ oiy_ 

\D\ B\} ~ Öl)\ 
woraus aber wegen 0B*^= OA'^=OLy . 0D\ auch folgt : 

UB':D\B'=()D' \ OB' 
Dieses Ergebnis in Verbindung mit 

OU:OB'=()B': D\ 
lässt erkennen, dass die Dreiecke B* Z)* und B^ D\ ähnlich sind. Ebenso 
beweist man die Ähnlichkeit der Dreiecke A* /)* und A^ D\ . Es folgt dann 
für die Winkel in Hinsicht ihrer Größe B' Oiy=B' OU^ und A'OD'=A'OD\ und 
hieraus, dass D* und D^i in einer Geraden durch liegen müssen. Es sind 
somit sämmtliche Bedingungen erfüllt; welche zur Inversion beider Systeme 
nöthig erscheinen. Sind also zwei Punktsysteme mit drei gemeinschaftlichen 
Punkten A\ B\(y einem dritten invers^ so sind sie es auch untereinander und 
befinden sich zugleich in perspectivischer Lage. Der Mittelpunkt des Kreises 
A^ B' ('\ der zugleich Inversionskreis ist, bildet dann auch den Mittelpunkt der 
Inversion. 

14.) Sind a und b zwei einander in A (Fig. 12., Taf. IL) schneidende, 
stetig verlaufende Linien und a\ V die ihnen nach der Inversion aus O mit 
beliebiger Potenz entsprechenden Linien, so kann man nachweisen, dass der 
von den beiden Linien a und b gebildete Winkel gleich ist dem von ihren in- 
versen Linien eingeschlossenen Winkel, aber von entgegengesetzter Lage.*) 

Zieht man den Strahl A und außerdem noch einen beliebigen, durch 
gehenden Strahl, welcher die Linien a^b m B und (' und die ihnen entspre- 
chenden in B^ und C schneidet, so ist: 

OA. ()A' = <)B,(>B'=()('.OC 
Die geradlinigen Dreiecke <) A H und A C sind dann (Art. 3) den Dreiecken 
OA'B' und OA'r' ähnlich, und deshalb die Winkeldiflferenz 

()(\i _ 07?.1= r" A'O — B' A' 
oder BA(' = C\VB' 

Wird nun der Winkel A OH allmählich kleiner, so rücken die Punkte fi und C 
immer näher an .( und liegen diesem Punkte unendlich nahe, wenn A OB 
unendlich klein geworden ist. Die verlängerten geraden Linien AB, A(\ A*B' 
und .r^" gehen in die Tangenten an die Linien aj) und deren inverse Li- 
nien a\h' über, so dass die Winkel BA<' und (-W H\ deren Gleichheit un- 
beirrt bleibt, in die von den bezüglichen Tangentenpaaren in A und A' ein- 
geschlossenen Winkel übergehen. Da aber der Schnittwinkel zweier krummen 
Linien durch den Winkel ihrer Tangenten im Schnittpunkte erklärt wird, so 
ergibt sich der obige, auch für die indirect-inversen Linien a\ , b\ geltende Satz. 

Eine unmittelbare Folge dieses Satzes, welcher sich als Verallgemeinerung 
des in Art. 5 gegebenen Satzes darstellt, ist auch, dass zwei nach der Inversion 
einander entsprechende Figuren in ihren kleinsten Theilen ähnlich sind. Denn 

'T Bältzer, Elcm. d. Math., 2. Bd., pag. 119. 



22 

iiimmt mati iti der einen Figur ein unendlich kleines UreiecJc an, so legen dt« 
den Eckpunkten desselben entsprecheüden Firnkte im Allgemeinen gleichfalh 
ein ütieiidUcb kleines Dreieck feit, dessen Seiten Tangenten an die inverse Figur 
eiüd und deren Winkel daher d^n WiiikeLn des ursprünglichen Dreieckes gleich 
sein müssen. 



Verschiedene Lagen des Inversionscentrums. 

Von besonderer Wichtigkeit für die Anwendung der Inversion ist die 
Verlegung oder Transformation des InversionBcentrunis, weil es dadurch moglicb 
wird, einerseits geometrische Wahrheiten zu erkennen^ andererseits aber Auf- 
gaben zu lösen odür auf solche zurück^nfilbren, deren Lösung leicliter gelingt 
In dieser Hinsicht und im Hinblicke auf eine Kategorie von später zu bespre- 
chenden Aufgaben sollen hier zunächst zwei Kreise, gleichviel, oh sie einander 
schneiden oder nicht uud Systeme von Kreisen betrachtet werden. Es soll 
nntersncht werden, in welcher Art sich die Transformation vollzieht, wenn das 
Centrum der Inversion auf einen jener Orte fällt, die für ^wei Kreise besonders 
in betracht kommen. Es sind dies der äußere Ähnlichkeitspunkt, der innere, 
die Potenz! iuie, der ÄhnLichkeitskreis, der äußere und der innere Potauzkreis. 
Daran anschließend sollen dann die Betrachtungen über Kreissjsteme folgen, 
soweit sie durch die späteren Aufgaben bedingt sind. 

15.) Schneiden zwei Kreise einander, oder schliefen sie einauder aus, 
oder berühren sie einander von auPen und wählt man ihren äußeren Ähnlich- 
keitspunkt als Inveraionscentrum, so ergibt sich {Art 5* %.) der ©ine Kreis als 
die direct-inverse Figur des anderen Kreises, sobald man den äußeren Potenz- 
kreis als Inversionskreis nimmt Dieser äuIMre Potenzkreis ist dann rücksicht- 
lieb des äußeren Ähnlichkeitspunktee seine eigene inverse Figur, in der jeder 
Punkt sich selbst entspricht, da da^ Quadrat seines Radius gleich ist der ge* 
meinsamen äußeren Potenz jenes Punktes bezüglich beider Kreise. Schließt der 
eine you den heiden Kreisen den anderen ein^ so sind sie bezüglich des äui^ereu 
Ähnlichkeitspunktes indirect-invers, wenn die Quadratwurzel der gemeinschaft- 
lichen inneren Potenz dieses Punktös ihrem absoluten Werte nach als Badius 
des Inversionskreiaes genommen wird. Dieser Inversionskreis entspricht dann 
auch sich seihst^ aber in der Art, dass jeder Punkt in ihm seinem diametral 
gegenüberliegenden Punkte ssugeordnet ist. Berühren die beiden Kreise einander 
von innen, so ist ihr Berührungspunkt der äuL^ere Ähnlich keit^^punkt und der 
um ihn beschriebene Potenzkreis hat den fiadius Null, so dass keine eindeutige 
Beziehung mehr statttiudetf und von einer Inversion beider Kreise im Sinne 
der Eindeutigkeit keine liede mehr sein kann. 

Verlegt man das Inversionsceutrum in den inneren Ähnlichkeitspunkt 
zweier Kreise, so erscheint der ©ine Kreis als die indirect- inverse Figur des 
anderen Kreises, wenn die gemeinsame innere Potenz des inneren iUinÜchkeits- 
punktes als Inversionspotenz genommen wird. Der Inver^ionskreis ist dann sich 



23 

selbst invers, nur entspriclit jeder Punkt nicht sich selbst, sondern seinem diametral 
gegenüberliegenden. Der angeführte Satz verliert seine Giltigkeit, wenn der eine 
Kreis den anderen schneidet oder einschließt. In diesem Falle sind dann beide 
Kreise vom inneren Ähnlichkeitspunkte aus direct-invers, wenn dessen gemein- 
same äußere Potenz in Bezug auf beide Kreise als Inversionspotenz genommen 
wird. 

Man entnimmt zugleich, dass, wenn zwei Kreise einander schneiden, der 
äußere und innere Potenzkreis auf einander senkrecht stehen. Denn dann hal- 
bieren die beiden Potenzkreise, wenn man sie als Inversionskreise ins Auge 
fasst, die sich selbst direct-invers sind, die in den Schnittpunkten der beiden 
ursprünglichen Kreise gebildeten Nebenwinkel. 

Im Anschlüsse hieran mag eine in der Folge häufig zur Anwendung kom- 
mende Eigenschaft ihre Ableitung finden. Werden zwei Kreise Mi^M^^ von 
welcher Lage zu einander sie auch sein mögen, von einem Kreise N (Ni) be- 
rührt, so ist dieser bezüglich des äußeren oder inneren Ähnlichkeitspunktes 
ein sich selbst entsprechender. Die Verbindungslinie der Berührungspunkte, die 
sich gegenseitig entsprechen müssen, geht je nach der Art der Berührung und 
der Lage der Kreise 3fi, Jf, zu einander, durch den äußeren oder inneren 
Ähnlichkeitspunkt. Es sei N (Fig. 13., Taf. II.) irgend ein Kreis, welcher die 
beiden gegebenen Kreise Afi^M^^ die außerhalb von einander liegen, gleichartig 
berührt, so ist, wenn man die Berührungspunkte Bi , B^ mit einander und mit 
dem Mittelpunkte N verbindet, das Dreieck XBi Bg ein gleichschenkeliges und 
deshalb '^NB,Bg= B, B^ N=zB\ B^ M^ = M^ B\ B^, somit M^ B\ \\ M,B,, 
da auch ^M^Bi B\ = N B^B^ ist. Die Punkte B^ und B\ sind daher ähn- 
lich liegende Punkte und befinden sich auf einem äußeren Ähnlichkeitsstrahle. 
Ebenso zeigt man für einen Kreis iV^i , welcher Mi , M% ungleichartig berührt, 
dass die Punkte 61 , 69 auf einem inneren Ähnlichkeitsstrahle liegen. Eine 
gleiche Betrachtung lässt sich auch für solche Kreise führen, welche zwei ein- 
ander schneidende, oder in einander liegende, oder berührende Kreise berühren. 
Wir sehen überdies, dass N und Nx zwei sich selbst entsprechende Kreise 
sind, da ABi.AB^ gleich der gemeinschaftlichen äußeren Potenz beider Kreise 
Mi^M^i das Product JÜi.ja^ aber gleich der gemeinschaftlichen inneren 
Potenz ist Der um A beschriebene Inversionskreis von Mi , Mt wird daher von 
dem Kreise N rechtwinkelig, der um J beschriebene Inversionskreis von Ni 
unter dem Durchmesser geschnitten. 

16.) Fällt das Inversionscentruni in die Potenzlinie der beiden gegebenen 
Kreise, so ist jeder derselben sich selbst entsprechend, wenn die dem Centrum 
rücksichtlich jedes Kreises entsprechende Potenz, welche hier denselben Wert 
hat, als Inversionspotenz gewühlt wird. Jede vom Centrum an die gegebenen 
Kreise gezogene Tangente ist dann ein Radius des Inversionskreises. Sind die 
beiden betrachteten Kreise schneidend und nimmt man einen ihrer zwei Schnitt- 
punkte als Inversionscentrum an, so gehen diese Kreise bei selbst beliebiger 
Inversionspotenz in zwei Gerade durch den inversen Punkt des zweiten Schnitt- 
punktes über. Liegt das Inversionscentrum auf der Potenzlinie zwischen den 



24 






1 



beiden Schnittpunkten, so hi jeder Kreis eich aelbstt aber indirect^inTera fü 
eine Inversionspotensis* die gleich iat der dem Centrum in Be^Qg anf jedei 
Kreis zukommenden inneren IViteuz, welche für beide gleich groß ist Berührei 
die Kreise einander und wählt man ihren Berührungspuakt ak Invereions* 
centrum, io geben beide bei beliebiger Inversionspotenz in zwei parallele Ge- 
rade über* 

17,) Nennt man den durch die beiden Ähnlichkeitspunkte zweier Kreis( 
Ml und i¥i als Endpunkte eines Durchmessers gelegten Kreis ^^Ähnliehkei 
kreis'*, so ergibt sich die Eigenschaft, dass von jedem Punkte desselben die 
beiden Kreise tinter gleichen Winkeln gesehen werden.*) 

Ist A der änPere, J der innere Ahnlichkeitspunkt der Kreise Mi ^t 
(Hg. 15., Tai. II), 60 ergibt sich mit Rücksicht auf die perspectivische Ähn- 
lichkeit beider Kreise bezüglich dieser Punkte; 

Beschreibt man nun über AJ als Durchmesser den Ähnlichkeitskreie, nimmt t 
demselben einen beliebigen Punkt P an, und zieht man von diesem die Tan* 
genten PQ, PR^ PS, PT m die beiden Kreise Mi.M^, so folgt durch diSH 
letale Proportion in Verbindung damit, dass der Winkel APJ als Witikel iol 
einem Halbkreise gleich 90^ ist, nach einem bekannten planimetrischen Satze ^) 
die Winkelgleichheit : 

M^PJ = JPM, 
und dadurch die Proportion 

M,P:PAfi=M,J:JM^ 
woraus in Verbindung mit Mi J : JaUg = r^ ; r^ ^ My Q : J/j S folgt : 

MiP:PM^=M, QiM^S 
Hieraus und in Rücksicht darauf, dass die Dreiecke Mj PQ und J/| PS rechte 
winkelig sind, schließt man auf deren Äbnlichkeit und obeneo auf die der 
Dreiecke PEM^ und PTM^, somit auch darauf, dass die Winkelgleicblieit 
besteht i 

ÜPQ^TPS 
wodurch der oben aufgestellte Satz als richtig dargelegt ist. Wählt man alsc 
irgend einen Punkt des Ähnlichkeitskreises zweier Kreise üf, und M^ als In-' 
versionscautrum und invertiert jeden derselben von diesem Punkte aus mit be- 
liebiger PoteuE, so erscheinen beide Paare inverser Kreise unter gleichen W^in-i 
kein. Für die Ähnlichkeitspunkte ist dies sofort klar. Dieser Satz verliert jedoch 
seine Giltigkeit oder erleidet eine Einschränkung, wenn der Äbnlichkeitskrei*! 
ganz oder zum Theile innerhalb der beideu Kreise liegt, was bei besonderen 
Lagen von M^ , M^ eintreten kann, 

Heilten die mit beliebiger Potenz von P aus, einem Punkte des Ähnlich* 
keilskreises, durch Inversion dor Kreise 3/, und iV^ beziehungsweise erhaltenen 
Kreise M\^M\^ so ergibt sich ©ine Bemerkung mit Rücksicht auf den Sati^q 

Cyclographie (1882), pag. 64, u, La Fr^moire, LehrB. u Aufg. (18€3 



s<^[ 
n-™ 

I 



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') Fiedler, 



pag, 64, u, La Fr^moire, Lehrs. u 
<) Kruse» Elem^nle d. Geom, ptg. 202, II, u. a. 



26 

Von den sechs Ähnlichkeitspunkten dreier beliebiger Kreise liegen ebensowohl 
die drei äußeren als auch jeder äußere Ähnlichkeitspunkt mit den beiden ihm 
nicht zugehörigen inneren Ähnlichkeitspunkten auf je einer Geraden.^) Eine ein- 
fache Überlegung ergibt, dass der äußere Ähnlichkeitspunkt der beiden durch 
Inversion erhaltenen Kreise Mi\M\ auf der Geraden durch A und P, ihr in- 
nerer Ähnlichkeitspunkt dagegen auf jener durch P und J liegen muss, dass 
somit, da PA J_ PJ^ der Punkt P auch ein Punkt des Ähnlichkeitskreises der 
invertierten Kreise M\^M\ ist. Diese Bemerkung in Verbindung mit der 
leicht zu beweisenden Eigenschaft, dass der Winkel MiAP=sPAiM\, macht 
es nun möglich, Aufgaben über Kreise der angegebenen Art zu lösen, wenn 
nnter Ai der äußere Ähnlichkeitspunkt der Kreise M\jW2 verstanden wird. 

18.) Nennt man die beiden um die Ähnlichkeitspunkte A und .7 zweier 
Kreise Mi , M^ beschriebenen Kreise, deren Radienquadrate gleich sind den 
gemeinschaftlichen Potenzen der gegebenen Kreise in Bezug auf die Punkte A 
und J, .^Potenzkreise^' und zwar den um den äußeren Ähnlichkeitspunkt be- 
schriebenen, den ,, äußeren*^ und den um den inneren Ähnlichkeitspunkt be- 
schriebenen Kreis, den „inneren^^ Potenzkreis ^), so ergeben sich die im Nach- 
stehenden angeführten Sätze. 

„Zwei Kreise Mi , J/g werden bei beliebiger Inversionspotenz von jedem 
Punkte eines jeden ihrer Potenzkreise aus in Kreise mit gleich großen Radien 
verwandelt, wenn sie bezüglich des benützten Potenzkreises direct-invers ge- 
legen sind.'^ 

„Zwei Kreise Mi , M% werden bei beliebiger Inversionspotenz von je zwei 
diametral gegenüberliegenden Punkten jenes ihrer Potenzkreise in Kreise mit 
gleich großen Radien invertiert, bezüglich dessen sie indirect-invers gelegen sind.^^^) 

Der erste dieser beiden Sätze leuchtet sofort ein, wenn die beiden 
Kreise Mi , M% einander schneiden. Denn nimmt man den äußeren oder in- 
neien Ähnlichkeitspunkt als Inversionscentrum an, so ergibt sich mit Rück- 
sicht auf Art. M, dass JA und M^ von dem äußeren Potenzkreise und 
auch von dem inneren Potenzkreise unter gleichen Winkeln geschnitten wer- 
den. Verlegt man nun das Inversionscentrum in einen Punkt des äußeren oder 
des inneren Potenzkreises, so verwandelt sich jeder derselben bei beliebiger 
Inversionspotenz in eine Gerade, Mi und M^ dagegen gehen in zwei einander 
schneidende Kreise über, deren Potenzlinic diese Gerade ist, weil sie ihre 
Schnittpunkte enthält. Diese Potenzlinie bildet aber gleiche Winkel mit den in- 
vertierten, in zweien ihrer Punkte einander schneidenden Kreisen, was nur möglich 
ist, wenn letztere gleich groß sind, also gleiche Radien haben. ^) 

Ein anderer und zugleich allgemein giltiger Beweis des erstgenannten 
Satzes ist in der folgenden Darlegung gegeben. Bekanntlich sind zwei Kreise 

<) Satz von Monge. Siehe Trcatlein u. Ilcnrici, Eleinentargcometrie, 2. Th., pag. 31. 
Vergl. auch: Wienor Chr., darstellende Geom., I. Bd., pag. 28. 

•) Siehe Steiners gesammelte Werke, I. Bd., pag. SH. 

^) Beide Sftlze lassen sich auch auf dem Wege der Rcclinung und zwar durch Auf- 
stellung der Ausdrücko für die Radien der invertierten Kreise und Yergleichung 
dieser Ausdrucke erweisen. Vcrgl. auch Geiser, Kinl. i. d. synth. Geom., pag. 172. 

*) Fiedler, Cjclographic, pag. BQ, 




1 



26 

Mi^Mi beztiglidi iiues aut^ei^ii ÄlitiHchkeitBpunktijS und äul^eieti roteuzkrei^c^^ 
cljrect-iiivers, wenn sie einander scbueideD, oder van aul^en berühren^ ode(^| 
wenn der eine Kreis gans; aui^erhalK des anderen Kreines liegt. Jtf, und M^ ' 
sind aber auch be^ügLicti ihies inneren Ähulicbkeiispiinkies und des um den^H 
selben bescliriebenen innoron PotenKkreises direct-invera, wenn die gegebenei^l 
Kreise einander sehneiden , oder dar eine Kreis den anderen im innereu b«'rübrL 
oder endlich der eine ganz irmerhalb des anderen Kreises liegU Die de« 
beiden Gruppen von Ktfis-Lagen entsprechenden Darlegungen solkn gesouder 
geführt werden. 

Sind die beiden Kreise Mi, Mi schneidend, oder berühren sie einander 
von aut^ßn, oder liegen sie aul>er einander (Fig. 13,, Taf* U.), so schneidet der 
äut^ere Potenzkreia jeden der Kreise unter rechten Winkeln» wdche die Kreise 
Mi^M^ berühren und ber^üglieh de« äül^eren Ähnlicbkeitspunktes sieh selbst 
entsprechen. Der äußere Potenzkreis zweier Kreise J/j, M^ ist hierdurch als eil 
Kreis erklärt, desgen Mittelpunkt der äußere Ähnlicbkeitspunkt ist und watebov 
das System der die Kreise Mi , Mf gleichartig berührenden Kreise rechtwinkelig 
schneidet Zu diesem Systeme, das mit N bemchnet werden möge, gehöre^ 
auch die beiden äußeren gemeinschaftlichen Tangenten der Kreise Mi , M^ 
Durch jeden Punkt des äul>eren Potenzkreises gehen zwei einander berüiirendl 
Kreise des Systemes NV) Nimmt man nun irgend einen Punkt des äul^eren 
Foten^kreises als Inversionscentrum und eine beliebige Potenz als Inversiona 
potensE an, so verwandelt sich der Potenzkreis in eine Gerade, und alle Kreis 
dßi Systemes N gehen über in solche, deren Mittelpunkte auf ihr liegen. 
beiden durch das Cent tum selbst gehenden Kreise verwandeln sich in zw 
parallele Gerade, weiche die invereen Kreise der beiden gegebenen Kreise 
Jfj,JUi berühren und einsciiheßen. Dies ist aber nur bei gleich groÜen Radiec 
der zn Mi , M^ inversen Kreise n^öglich* 

Liegen nunmehr die Kreise Mi , Mt so, dass sie einander im inneren de 
gröPeren Kreises berühren» oder dass der eine im inneren des anderen Kreisei 
liegt, (Fig. 14., Taf. IL) so ist der um den inneren Ähnlicbkeitspunkt beschrieb 
bene Potenzkreis zugleich Orthogonalkreis aller Kretse, welche Mi und MA 
ungleichartig berühren, außerhalb des kleineren Kreises liegen nnd in ilired 
Uesammtheit durch N bezeichnet werden mögen. Durch jeden Pnnkt diese 
Orthogonal kr eises gehen zwei einander von außen berührende Kreise d< 
Systemes A''*). fnTertiert man nun die Kreise i¥i, J/a und das System ^V rou 
einem Punkte des inneren Potenzkreise% aus, so geht dieser bei beliebiger In*] 
Version spotenz in eine Gerade über^ auf der die Mittelpunkte der inverse 
Kreise des Systemes N liegen. Die durch das luversionscentrum gehenden zwei 



ng 

I 

ons^H 

reis^l 



^) Die Ekhtigkeit dieser Annahme wird JcIäf» wenn mau M, und M, um üieseti 
F*oteß^1irei&e angeDomineiien Pucikt invertiert Die gcineinechalUicboii üitCereu Tanl 
gctiten der tu Mj und M» iiiveracii Kreiae geben bei der Rück* Inversion die beide. 
aagenotfimenen Kreise des Systfiut^s N. Daas dieso beiden Kreiie aufler Mt uud M| 
auch äich selbst (»erührtD musaen, ergibt iich aus ihrer besonderen Lagt tum 
Poten^kreise, 

^) Die Hiehtigkril dii^acr Aundjine I^st sieb gldchfaik darcli lav^rsion Wieb! er- 

M'eiMu« 



27 

Kreise des Systeines N verwandeln sicli in zwei parallele Gerade, Mi und M% 
daf^egen in zwei Kreise, welche diese beiden Geradon berühren und zwischen 
ihnen liegen, daher gleich große Radien haben. 

Es erübrigt nun noch, den zweiten Satz, den wir oben ausgesprochen 
haben, nachzuweisen. 

Zwei Kreise Mi , M^ sind indirect-invers, wenn sie aut.>erhalb von einander 
liegen oder einander von außen berühren und zwar bezüglicli ihres inneren 
Alinlichkcitspunktes und des um ihn beschriebenen (inneren) Potenzkreises. 
Pieser Potenzkreis hat jedoch für die zweite angeführte Lage der Kreise 
J/t , J/3 den Radius Null. Mi und M^ sind aber auch indirect-invers, wenn der 
eine Kreis ganz innerhalb des anderen (größeren) Kreises liegt oder ihn im 
inneren berührt, diesmal aber bezüglich des äußeren Ähnlichkeitspunktes und 
des uro ihn beschriebenen (äußeren) Potenzkreises. Für den Fall der Berührung 
beider Kreise ist der Berührungspunkt äußerer Ähnlichkeitspunkt und der Radius 
des äußeren Potenzkreises gleich Null. 

Zwei Kreise JA, J/^, von denen jeder ganz außerhalb des anderen liegt, 
können aber durch Drehung des einen Kreises Mi (J/3) um den inneren Ähn- 
lichkeitspunkt J beider Kreise in eine solche Lage zu einander versetzt werden, 
dass dieser Ähnlichkeitspunkt zum äußeren wird und der innere Potenzkreis 
als äußerer zu betrachten ist. Heißt der nach der Drehung des Mi (M^) um 
J in die direct-inverse Lage zu il/2 (Mi) gebrachte Kreis M\ {M\), so werden 
Wi^M^ (Mi.M'i) von einem Punkte ihres äußeren Potenzkreises, (der für 
Ml . i/g innerer Potenzkreis ist) bei beliebiger Inversionspotenz in Kreise mit 
gleich großen Radien verwandelt^ wie früher schon nachgewiesen wurde. Mi , M\ 
(Mi,M\) können aber von diesem Punkte aus, der Q genannt werden möge, 
nicht mehr in gleich große Kreise invertiert werden, da die Abstände ihrer 
Mittelpunkte vom Inversionscentrum Q gleich groß sein müssten, was im all- 
gemeinen — zwei besondere Punkte ausgenommen — nicht der Fall ist. Da- 
gegen kann Mi (Mi) von dem, dem Punkte (J bezüglich des Inversionscentrums 
./ diametral gegenüberliegenden Punkte Qi des Potenzkroises, bei gleicher lu- 
versionspotenz, in einen ebenso großen Kreis verwandelt werden, wie M^ (Mi) 
von dem früheren Centrum Q aus. Ks ist dies einleuchtend, weil JA, Qi {M.^^ Q) 
und M\^Q {M\,Qi) gegen den inneren Ähnlichkeitspunkt ./ der Kreise ^l/i , J/a 
centrisch-symmetrisch liegen. Ebenso ist es klar, dass in der durchgeführten 
Betrachtung die Punkte Qy Qi mit einander vertauscht werden können. 

Liegen die beiden Kreise .1/| , J/j derart, dass der eine von ihnen den 
anderen ganz einschließt, so gelangt man durch Anwendung des im vorher- 
gehenden Absätze eingehaltenen Gedankengaiif^es auf den äußeren Ähnlichkeits- 
punkt und den um ihn beschriebenen äußeren Potenzkreis, zu demselben Re- 
sultate, wie für zwei einander aussciilioßende Kreise. Nur die benutzten Ähn- 
lichkeitspunkte sind der verschiedenen Kreislage entsprechend, verschieden. 

Sind die beiden Kreise J/i, J/s berührend — gleichviel, ob außen oder im 
inneren des einen Kreises von iiinen — so gilt für ihren Berührungspunkt als 
Inversionscentrum und für eine beliebiije Inversionspotenz derselbe Gedankcn- 

4* 



28 



gang wie oben. Beide Kreis« verwantltilii s^icli dariii in zwei jmrallele Gerade, 
d, i. in Kreise mit unendlich groPeo Uädien, 

Der in diesem Artikel aut'^eitellte zweite Satz erwelet sich somit in allen 
Lagen, welche zwei Kreise Mi,i% gegen eiuaoder haben können, ah richtig. 

Geht eiuet" der beiden Krene Mi , Mg in eine üenide über, was oöenhar 
eintritt^ wenn sein Mittelimtikt Um unendliche rückt, so lassen sich ganz ähnliche 
Betrachtungen wie oben, auf beitie Gebilde anwenden- Die für zwei beliebige 
Kreise ausgeap röche nen Sätze gelten alsdann auch für Kreis und Gerade, 

19*) Betrachtet man nun alle Kreise, welche einander in den Punkten 
Ni und N2 schneiden, so zeigt sich zunächst, dass die durch N^ , N^ gehende 
Gerade die Potenzlinie dieser Kreise ist. Man nennt die Gtjsammtheit aller 
Kreise, welche zwei Punkte genaein&am haben, ein ,, Kreisbüschel'* und zwar 
ein solches „erster Art," zum Unterschiede ¥0n dem späler auftretenden ,,Krms- 
büschel zweiter Art,*'*) Die Mittelpunkte der Kreise eines Büschels erster Art 
liegen sodann auf der Mittelsenkreehten der gemeinsamen Sehne iVj N^, Die 
Potenzlinie der Kreise des genannten Büschels besitzt nun auPer der Eigen- 
schaft, die Linie gleicher Potenzen sämmtlicher zugehörigen Kreise zu »ein, 
noch eine andere. Sie ist für die außerhalb der Strecke Ni iVg gelegenen Punkte 
zugleich die Linie der gleichen Tangenten, d. b, die von irgend einem dieser 
Punkte an die Kreise des Büschels gezogenen Tangenten sind gleich groi^ und 
bilden die Radien von Kreisen, welche jene unter rechten Winkeln schneiden* 

Alle Kreisel welche die Kreise eines Büschels erster Art rechtwinkelig 
schneiden^ bilden abermals ein Büschel» aber ein solches, in welchem keine zwei 
Kreise einander schneiden oder berühren. Denn schneidet ein Kreit irgend zwei 
Kreise Jf n ^^a dfs Büschels erster Art rechtwinkelig, so muss zunlichät sein 
Mittelpunkt auf ihrer Potenzlinie liegen^ weil die in jedem der Schnittpunkte an 
die schneidenden Kreise gezogenen Tangenten auf einander senkrecht stehen 
und daher die Mittelpunkte der Kreise enthalten. Die von dem Mittelpunkte 
eines rechtwinkelig schneidenden Kreises zu den Schnittpunkten mitJ/i, M^ ge- 
zogenen Radien sind daher Tangenten an M^ , ^f^ und gleich groß. Dieser 
Mittelpunkt ist also ein Punkt der Potenzlinie der Kreise des gegebenen Bü- 
schels. Andererseits sind die Radien, die man von den Mittelpunkten der J/i, M^ 
zu den bezüglichen Schnittpunkten dieser Kreise mit jedem sie rechtwinkelig 
schneidenden Kreise ziehen kann, Tangenten de« letzteren und für je ©inen 
Mittelpunkt gleich lang. Die Mittelpunkte der beiden Kreise 3/i,3/fl sind daher 
Punkte der gleichen Tangenten für alle rechtwinkelig schneidenden Kreise ; ihre 
Vßrbindnngsgerade ist die Potenzlinie dieser Kreise. Die rechtwinkelig schnei- 
denden Kreise eines Büschels erster Art besitzen also eine gemeinsame Potenz- 
linie und heißen in ihrer Ges^ammtbeit ein Büschel „zweiter** Art. Dass keine 
zwei Kreise dieses Büschels einander schneiden, folgt daraus, dass die Punkte 
Ni und Ng, welche .jürundpunkte** des Büschels erster Art heißen, als Kreise 
mit dem Radius Null dem ersteren angehören und nicht zusammenfallen. Da nun 
diese zwei Kreise keine Punkte gemeinsam haben j so können auch die anderen 

') VergL Geiaer Eiixl i. 4 synth. Geoin,, pag. 87 u. Fiedler, CyclagrAiihie, pag, 53 u. 68 



29 

Kreise des zugehörigen Büschels keine Punkte gemeinsnin haben, weil alle Kreise 
dieselbe Linie zur Potenzlinie haben. 

Man nennt diese beiden Kreisbüschel „conjugierte KreisbüscheP^ und die 
Gnindpunkte des Büschels erster Art, sofern sie als Kreise des ihm zugeord- 
neten Büschels ins Äuge gefasst werden, „Grenzpuukto desselben^S Diesem zu- 
folge kann man daher ein Kreisbüschel auch definieren als den Inbegriff von 
Kreisen, deren Mittelpunkte auf einer Geraden liegen und eine darauf senk- 
rechte Gerade zur gemeinsamen Potenzlinie haben. Zugleich kann man schließen, 
dass durch jeden Punkt der Ebene ein Kreis des Büschels der ersten Art, aber 
auch nur ein solcher geht, denn er enthält den gegebenen Punkt und die bei- 
den Grundpunkte; es geht aber auch nur ein Kreis des Büschels der zweiten 
Art durch ihn. Umgekehrt gehört zu Kreisen, die einander nicht schneiden, 
eine gemeinsame Potenzlinie besitzen und deren Mittelpunkte auf einer Geraden 
liegen, also zu einem Kreisbüschel zweiter Art als conjugiertes Büschel ein 
Kreisbüschel erster Art.^) 

Berühren die Kreise eines Büschels einander in einem Punkte, so be- 
rühren die Kreise des conjugierten Kreisbüschels einander in demselben Punkte. 

Wiihlt man in einem Kreisbüschel mit Grundpunkten einen derselben als 
Inversionscentrum, so gehen die Kreise des Büschels bei beliebiger Inversions- 
|)otenz in gerade Linien durch den inversen Punkt des zweiten Grundpunktes 
über, die Kreise des conjugierten Büschels jedoch, in ein System von „concen- 
trischen Kreisen'' >), deren gemeinsamer Mittelpunkt jener invei'se Punkt ist. 
Denn jeder inverse Kreis des Büschels der zweiten Art schneidet jede der in- 
versen Geraden rechtwinkelig und hat seinen Mittelpunkt auf der Potenzlinie 
des Büschels der ersten Art liegen^ somit im Schnittpunkte sämmtlicher Ge- 
raden, d.i. im inversen Punkte des zweiten Grundpunktes. Hiedurch ist es nun 
möglich, ein Kreisbüschel zweiter Art in concentrische Kreise überzuführen. 

Berühren die Kreise eines Büschels einander, und wählt man den Berüh- 
rungspunkt als Inversionscentrum, so verwandeln sich bei beliebiger Inversions- 
potenz sämmtliche Kreise des Büschels in gerade Linien, welche auf der Cen- 
trallinie penkrecht stehen und die des conjugierten Büschels in solche, welche 
zu ihr parallel sind. 

Invertiert man zwei conjugierte Kreisbüschel mit beliebiger Inversions- 
potenz von irgend einem Punkte ihrer Ebene aus, so gehen dieselben wieder 
in zwei conjugierte Kreisbüschel über, wobei auch die Art jedes Büschels er- 
halten bleibt. Die durch das Inversionscentrum gehenden zwei Kreise des ur- 
sprünglichen Systemes verwandeln sich in zwei auf einander senkrechte Gerade, 
welche für die Büschel des inversen Systemes beziehunf^sweise deren Potenz- 
linien sind. 

20.) Das Kreisbüschel; von welcher Art es aucli sei, gibt noch zu einer 

anderen Betrachtung den geeigneten Anlass. Sind JA und M^ zwei nicht in 

einander gelegene Kreise des Büschels und ist X das System von Kreisen, 

welche Mi und M^ gleichartig oder ungleichartig berühren, ferner il/» irgend 

^) Steiner, gesammelte Werke, 1. IM., pa^'. 26. 
') Geiser, Kiul. i d. syiith. Guom , pag. 171 



se 



fin die K schneidender Kreis des Büschela^ so findet Jieaes SchtieidL'ti unter 
gleich grüben Winkeln statt* ^) DeuB nimmt man einen der Selinittpuiikte der 
Potenzliuie des Büschels M mit einem der Kreise N^ etwa mit N^^^ als Inver- 
sionscentrüm und die diesem Punkte iti Be55ug anf die Kreise des Büschels zn- 
kommende Potenz als Inversionspoteuz, so verwandelt sich A\ in eine die Kreise 
Ml und M2 gleichartig oder ungleichartig berührende Gerade, während Mi, M^ 
und iW» sich selbst invers sind. Die Winkel, welche die Kreise des Büschels 
mit dem Kreise Na bilden^ sind dann gleich den Winkeln, welche die bezüg- 
lichen gemeinschaftlichen Tangenten gleichartiger nder ungleichartiger Berüh- 
rung an Mi^M^ mit den Kreisen des Büschels einschliel^en. Diese Winkel blti* 
bi*n aber unverändert, man mag was immer für einen Kreis des Systemes ff 
wählen, Denuufolge schneidet jeder Krei3 M^ des Büichelä der beiden Krei*50 
Ml und Mg jeden der Kreise N unter gleichen Winkeln. Für verachiedeae if* 
sind diese Winkel jedoch verschieden. 

Dieser Lehrsatz gilt auch für die Potenzgerade selbst, da sie als Element 
des Kreisbüscbels aufzufassea ist. Die Poten;glime zweier Kreise Mi, M.^ schnei- 
det demnach jeden, diese Kreise gleichartig oder ungleichartig berührenden 
Kreis unter demselben Winkel^ unter welchem beziehungsweise die gemeinsaioen 
äuPeren oder inneren Tangenten von ihr geschnitten we''tlen. 

' Höchst einfach gestattet sich der Beweis, wenn Mi und iV» einander 
schneiden und einer der ächnitipunkte als Inversionscentrum gewühlt wird. 
Die Kreise des Büschels verwandeln sich bei irgend welclier Inversionspoten^r 
in ein Strahlenbüschel, dessen Scheitel der inverse Punkt des iweiten Sohnitt- 
jiiiöktee i^t und die Kreise des Systemes N in solche, welche die inversen Linien 
von Ml und M'^ heiühren. Irgend ein Strahl des Strahlen hüschels schneidet 
aber die inversen Kreise des Systemes A^ unter gleichen Winkeln, da sie bezüglich 
des Schellels ähnlichliegende Kreise sind. 

Auch solche Kreise Q, welche die beiden Kreise .Vi und .M^ unter gleichen 
Winkeln {%) gleichartig oder ungleichartig =) schneiden, bilden mit irgend einem 
Kreise M^ des Büschels, folglich auch mit der Poteuzlinie, beziehungsweise 
gleiche Winkel. Jeder derartige Kreis ist he^üglich des äußeren oder inneren 
Ahnlichkeitspunkles sich seihst entsprechend, wie sieh durch eine einfache plani- 
metrische Betrachtung nachweistjn lässt, welche mit Hilfe der Verbindungslinien 
der Kreisschnittpunkte und der Tangenten in diesen geführt wird. Wählt man 
nun den Schnittpunkt irgend eines dieser Kreise Q mit der Potenzlinie als 
Inversionscentrum und die diesem Punkte in Bezug auf Mi nnd M^ zukom* 
mende Potenz als luversionspotenz, so verwandelt sich dieser Kreis in eine die 
Kreise J/i und M^ unt^r demselben Winkel ^(a) gleichartig oder ungleichartig 
seh neidende Gerade, welche beziehungsweise durch den üu leeren oder inneren 
Ähnlichkeitspunkt geht, weil J/j, M^ und M^ unverändert bleiben. Die Wiukel, 
welche die Kreise des Büschels M^ M^ mit den Kreisen Q bilden, siöd dann 
gleich den von der angegebenen Geraden mit den bes?ügiichen Kreisen {M^) des 

^) PetfTsen, Metl». 11, Tl»,, |i*t. 97, beweist diesen Lt^br^ata: lilofi filr zwei einunder 

sehopidende Kreise mittelst laversioii, allgeraein mii atidcrt-*m Wege» 
>) Fiedler, C>clrjgmphie, pag. 121, Ar^ 103 



31 

Büschels gebildeten Winkeln, da die üröl^e des hJchnittwiukels zweier Linien 
dnrcli die Inversion nicht geändert wird. Diese Winkel bleiben aber für jeden 
Kreis des Systenies Q unverändert, da es nur zwei, zur Centrallinie der il/i, Jf« 
symmetrisch liegende Gerade gibt, welche il/, und M<i unter dem Winkel x 
gleichartig schneiden und ebensoviele, welche sie ungleichartig schneiden. 

Für Kreise, welche J/, und J/2 rechtwinkelig schneiden, ist der hier be- 
wiesene Satz sofort klar, da dieselben jeden zum Büschel gehörigen Kreis, 
folglich auch die Potenzlinie, unter rechten W^inkehi schneiden. 

Solche Kreise, welche zwei Kreise Mi^M^ beziehungsweise unter den 
W*inkeln x^^%% gleichartig (ungleichartig) schneiden, bilden mit deren Potenz- 
linie einen ebenso großen Winkel, wie eine die Mx , M^ unter denselben Winkeln 
^\^ ^ gleichartig (ungleichartig) schneidende Cierade mit ihr, was nach dem 
früheren durch Inversion leicht erweisbar ist. 

21.) Die Potenzliuie zweier einander schneidender oder außer einander 
liegender Kreise 3/, und M2 — welche ein Kreisbüschel bestimmen — ist 
bekanntlich der Ort der Mittelpunkte aller Kreise, welche M^ und M^ recht- 
winkelig schneiden. Denkt man sich nun einen dieser Orthogonalkreise, so ist 
er bezüglich des äußeren Ahnlichkeitspunktes zugleich einer der sich selbst 
entsprechenden Kreise, da seine Durchschnittspunkte mit J/j und M^ als Be* 
rühi*ui}gspunkte zweier, die gegebenen Kreise \^Mi und J/J des Büschels gleich- 
artig berührender Kreise beziehungsweise entsprechende Punkte bind. Als sich 
selbst entsprechender Kreis schneidet er auch den Inversionskreis rechtwinkelig, 
und die von seinem Mittelpunkte an den letztet en gezogenen Tangenten sind 
deshalb Itadien von ihm und daher gleich groß den an J/i und J/2 von dem- 
selben Punkte aus gelegten Tangenten. Der äußere Potenzkreis zweier Kreise 
-V, , J/j gehört daher zum Büschel derselben. 

Hieran will ich noch die Bemerkung anreiben, ohne weiter darauf ein- 
zugehen, dass erstlich der äuiWe Potenzkieis zweier einander schneidender oder 
außerhalb von einander liegendiT Kreise iV/i, J/, deren inneren Potenzkreis unter 
dem Durchmesser schneidet, ferner, dass die Potenzlinie und der Ähnlichkeits- 
kreis bezüglich des Mittel])unktes des äußeren Potenzkreises sowohl, wie auch 
bezüglich jenes des inneren Potenzkreises invers sind. Endlich lässt sich an- 
geben, dass der Schnittpunkt der Potenzlinie der beiden Kreise Mi und M% 
mit deren Centrallinie dem inneren oder äußeren Ähnlichkeitspunkte invers ist, 
jenachdem die Inversion um den äußeren Potenzkreis oder um den inneren 
erfolgt. Der Beweis für die hier angeführten Punkte lässt sich einerseits mit 
Uilfe der Lehre von den Potenzen, andererseits mittelst Inversion führen. Liegt 
einer der beiden Kreise J/j, J/2 innerhalb des anderen, so gelten ähnliche, 
durch die veränderte Lage der Ähnlichkeitspunkte modificierte Bemerkungen. 

22.) Werden nun drei Kreise 3/j , .l/^ , il/ . in betracht gezogen, so ist 
zunächst klar, dass die Potenzlinien derselben einander in einem Punkte schnei- 
den. Dieser Punkt ist, wenn er außerhalb der Kreise liegt, zugleich der Mit- 
telpunkt jenes Kreises, welcher die gegebenen drei Kreise rechtwinkelig schnei- 
det ; denn die von ihm an M^^AL^Ma gezogenen Tiingenten sind glrich groß. 



92 

Der die gegebenen drei Kreide rechtwinkelig schüaidende Kreis ist zugleich 
jener Kreis, welcher gemeinsam ist jenen KreisbüschelnT die conjugiert sind 
den Büscheln der in Paaren geordneten drei Kreise. Nimmt man nun einen 
der Punkte dieses rechtwinkelig schneidenden Kreises als Mittdpunkt der In- 
version an und irgend eine Potenz als Inversionspotenz, so verwandelt sich der 
Orthogonalkreii^) in eine Gerade und die gegebenen Kreise, sobald sie den 
Mittelpunkt der Inversion nicht enthalten^ gehen über in Kreise, welche jene 
Gerade unter rechten Winkeln achneiden, somit in solche, deren Mittelpunkte 
auf einer Geraden liegen. Enthält einer von ihnen den Mittelpunkt, so geht er 
in eine zur inversen Linie des Orthogonalkreises senkrechte Gerade über, da bei 
der Inversion die GröPe des Scbnittwinkels unverändert bleibt Es ist nun 
mtiglich» ,,drei gegebene Kreise M^^Mi^Ms, mit Orthogonalkreis, in solche zu 
invertieren, deren Mittelpunkte auf einer Geraden liegen,'* Liegt das Potenz- 
centrum innerhalb der gegebenen Kreise, so gibt es einen Kreis, der von 
j¥j, M^^ M3 unter dem Durchmesser geschnitten wird. Die Möglichkeit, Mi.M^.M^ 
in Kreise zu invertieren, deren Mittelpunkte auf einer Geraden liegen, entfällt 
dann. 

Invertiert man jedoch die Kreise Mi^M^^M^i von ihrem Potenzcentrura 
ans^ mit der ihnen rücksichtlich dieses Centrums zukommenden Potenz, so 
gehen diese Kreise in sich selbst über und ein sie berührender Kreis iu einen 
anderen entgegengesetzter Art Daraus geht aber hervor, dass die Kreise, welche 
drei gegebene Kreise gleichartig oder ungleichartig berühren , stets paarweise 
auftreten; es ergibt sieb ferner, dass diese Paare das Potenzcentrum zum 
Äbnlichkeitspunkte haben. ^) Die gleiche Bemerkung gilt nun auch, wie leicht 
dargethan werden kann, für Kreise, welche die gegebenen drei Kreise unter 
bestimmten Winkeln Bchneiden* 



Anwendungen. 



L) Werden die drei Geraden, in denen die Seiten Fi C, f'/l, AB eioas 
Dreieckes .^/iCMiegen, von einer beliebigen Transversalen beziehungsweise in 
den Punkten A\B\Ü* geschnitten, so ist das „Dreiecksverhältnis'' 

ÄQ BA' C& _ _ 
CB ' Ä'C ' B'Ä ~ 

Dieser von Menelacm (1. Jahrb. n. Chr.) aufgestellte Satz iässt sich auch 
mittelst Inversion, sobald diese im erweiterten Sinne genommen wird, beweisen. 
Invertiert man die Funkte einer Ebene von irgend einem in ihr liegenden 
Punkte als Centrum aus, so erhält man hei beliebig gewählter Inversionspotenz 
abermals die Punkte der Ebene* Dia Ebene, in der diese Abbildung stattfindet, 
erscheint dann zweifach, einerseits als Träger des nrsi^rünglichen Sfstetnef; 
andererseits als solcher des inversen. Mun ist gezeigt worden, dass für zwei 

') Vergl, Hesse^ VorlesuDfen ans dl, analyt. Geoin. d. Punktfa, d, Ger. 11, d. Kreises, 

2. Aufl., pag. ^16. 
^) Vergl. hierüber Steio^r, gestromdte Werkt, 1. Bd., pag. 43. 



33 

iaverse Figuren auch die von Möbius in Bezug auf die Doppelverhältnisse und 
Doppelwinkel aufgcstclltän Gleichungen gelten. Diese Gleichungen, welche die 
Strecken und Winkel des Viereckes aus vier beliebigen Punkten des einen 
Systemes und die respectiven Seiten und Winkel des durch die entsprechenden 
Ecken gebildeten Viereckes des zweiten Systemcs enthalten, sind vom Invcr- 
sionscentrum unabhängig Sie hören nicht auf, zu bestehen, wenn man die per- 
spectivische Lage der beiden inversen Punktsysteme aufhebt und jedes zu 
A BC I) . , . , 3/ inverse System an einen beliebigen anderen Ort der Ebene 
vorlegt, sei es durch Drehung oder Verschiebung, oder durch Drehung und 
Verschiebung, oder durch Umwcndung und darauffolgende Drehung und Ver- 
schiebung. Nennt mau solche zwei, nicht mehr in porspectivischer Lage befind- 
liche Systeme von Punkten auch dann noch ,,invcrs'\') so gilt der bereits nach- 
gewiesene Satz, dass jidem Systeme A liCJ) . . . . Jlf zwei andere inverse Systeme 
SirCD' .... 3/' und A^VCiy, . , . . M\ entsprechen, wenn den Punkten 
A.B.C beziehungsweise die willkürlich gewählten Punkte A\B\('' zugeordnet 
sind. In diesem Sinne können daher auch (Fig. IG., Taf. II.) die Schnitt[uinkte 
A\li\C der gewählten Transversalen mit den verlängerten Dreieckseiten, den 
Eckpunkten ^1, /i,r beziehungsweise invers entsprechend angeschen werden. 
Da aber A\li\('* auf einer Geraden liegen, so entspricht, wie aus dem frü- 
heren leicht gefolgert werden kann, jedem mit A^li^i- ein Sybtem bildenden 
Punkte />, dem Wesen nach nur ein Punkt D\ der mit A\li\(-' das invers 
verwandte System festsetzt. Der zweite Punkt 1J\^ der noch aufgefunden wer- 
den könnte, bildet nämlich mit A\ li\ C ein (uneigentliches) Viereck, das mit 
dem (uneigentlichen) Vierecke A^ W C D' zur Deckung gebracht werden kann. 
Man hat dann unter der Annahme, dass der dem Punkte .P entsprechende 
i'unkt, der A' hcil-HMi möge, mit dem Dreiecke AliC auf derselben Seite der 
Geraden A' B' C lie^^e, was ja zulässig ist und unter Beachtung der Ableitung 
für die Gleichheit der Dnppelwinkel : 

AB('-\-CA\i = :iao^—{(''B\V-\-A\\('') 
oder A\\C = A\lli 

ferner Hndet man /r A' r' = r J B. 

Beide Gleichungen bestimmen den Punkt X als zweiten Durchschnittspunkt 
zweier Kreislinien, welche beziehungsweise auf (-W und (-' Wals Sehnen, auf- 
stehen und A'A B^ ('AB als Ilmfangswinkel enthalten. Auf gleiche Art zeigt 
man, dass den Punkten B\ ('* als Punkten des ersten Systenies beziehungsweise 
B^(* als solche des zweiten entsprechen. Auch mit Hilfe des Satzes, dass die 
absolute (iröL^e des Schnittwinkels zweier Linien durch Inversion nicht geändert 
wird, lässt sich dieses Resultat ableiten. Zufolgt» der Gleichheit der Doppel- 

verhältnisse ist: 

AC' AB' _ A' (' A' B 

C B * /r B ~ <l B' ' B /r 

oder mit Berücksichtigung des durch die Buchstabenfolge ausgedrückten Sinnes 

einer Strecke 

*) Nach Möbiub „kreis\ür<%aiidt.^* 

6 



AC 



B.r vir 






V B * -1* C ' ß' A 

Beschreibt man nun um die Dreiecke ABC, A B' C\ A' BC ihhI A' H' L 
Kreise» sc» entsiirechen diesen zufolge der aiigeni>mmenen Zuordnung der Punkte 
die Geraden A' B' C\ A' BC\ AU'C, A HC, deren im unendlichen liegende 
Punkte einem beatunmicu Punkte des anderen System es entsprechen iiiüs^^en 
Die genannten vier Kreise gehen sonach durch einen l*unkt 0,*] hezüglich 
dessen beide Systeuie in perspectiv i sehe Lage gebracht werden künnen, 

2.) Der für ein Sebnenviereck geltende Ptolemäische Lehrsiiti? kann nun 
gleicbfallB bewiesen werden. Es seien .1, U^ t\ 1) vier aufeinanderfolgende Punkte 
eines Kreises. Invertiert man A.B^V von /J aus mit irgend welcher PoteuK, 
m erhalt man aU inverse Figur eiDa Gerade, auf der die den Paukten A,H^(' 
beziehungSÄeise entsprechenden Vm^kie A\ B\ C* in der Folge A^ B^ f-' liefen, 
wiibrend der dem Puakte IJ entsprechende Punkt der unendlich ferne Punkt , 
dieser Geraden ist. Zufolge der Gleichheit der Doppelverhältnisse hat man : 

1 



Ali 


A D A' B' 


Jic BD jr er 


B ff 


• ij c ~ B' (y ' 


CA ' DA ~ CA" 




AB.DC J'jr 


BC.DA jie 




BC.AI)~ B'C 


CA.BD~ C"A' 


daher auch 







AB.DC\BC.AI}\ AC.BD^A'B' iB^C: V*A' 
Da nun die Punkte A\ß\C' m auf der Geraden liegen, dass A'B'^B^C 
^A'C\ 80 folgt aus obiger Proportion 

A H ,DC J- B C . A i) = A r B D^) 

Z) Drei durch einen Pnnkt gehende Kreislinien Mi^M^^M^x bilden ein 
Dreieck, dessen Winkelsumme 180^ beträgt, 

Durch Inversion von O aus, geht dieses Kreissystem in ein geradliniges 
Dreieck über, dessen Winkelsumme gleich 180^, jener des Bogendreieckes gleich 
seiu muss^ da die Scbuittwinkel krummer Linien durch diese Transformation 
sich nicht ändern. 

n Kreislinien, welche durch einen Pnnkt O gehen, bilden im allgemeinen 
eine Bogentigur mit n Ecken, deren Winkelsumme gleich ist der Summe der 
Winkel eines geradlinigen Vieleckes, Der Beweis biefür ergibt sicbj wenn man 
das ßogen-Vieleck von dem Punkte aus invertieit, 

4,] Schneiden drei Kreise^ welche durch die Ecken eines Dreieckes gehen, 
einander paarweise auf den Seitenstreckan» so geben sie durch einen Punkt. 
Dieser sehr leicht erweishare Sat^ kann durch Inversion auch für ein Dreieck, 
dessen Seiten Kreisbogen sind und in ihren Fortsetzungen durch einen Punkt 
gehen, dargethan werden, 

5.) Denkt man sich in den Zwischenraum sswischen zwei, der Große und 

Lage nach gegi^henen Kreisen M^^Mj^^ welche zugleich in einander liegen, 

^ ^»^ Mobilia, ges. VV.* 2. itd», paii. 3H, Auf anderem Wege hewiest^n in La FrAmoir** 

SÄinnil V. iH'hr». u, Atiij(, pn^. M u, i, Kruse, Elf?«!, d. Opom,, 1. Th,^ \m% 87 

") Andere Relationen für Strecken, wie sikIi solche für VVink<>l siehe Mfitiius^ ge^ 

W.j2- Bd., ^Kr^fsverwöiidtsrhütt^ u. ßaJUer, Efem. d. Malb % Bd, IIB, i!^0, 121, l^i.' 



35 

Kreise beschrieben, welche einander der Reihe nach und J/i,.!/^ berühren, so 
kehrt diese Kreisreihe N nach n Umläul'en wieder in sich selbst zurück oder 
nie, wo immer auch der Anfangskreis gewählt wird. 

Klar wird dieser Satz, wenn man M^ , J/^ von einem der Grundpunkte 
des zu Ml, Mi conjugierten Büschels aus invertiert. Die Kreise J/,,.l/a ver- 
wandeln sich dann in zwei concentrischc, M\ , J/'a und diejenigen, welche der 
Reihe »ach sich und die gegebenen Kreise berühren, in ein ebensolches System 
.V bezüglich J/'i, J/'o. Die Kreise des Systenies A" sind aber gleich groP und 
kehren nach einer endlichen Anzahl von Umläufen in sich selbst zurück oder 
nie, wo immer der Ani'angskrcis gewählt wird. Das Gleiche gilt daher auch 
lür das ursprüngliche System X^) 

G.) Sind zwei in einander liegende Kreise JA , J/^ gegeben und beschreibt 
man zwei Kreise iVi,«i, welche dieselben ungleichartig (den gröl>eren Kreis 
innerlich, den kleineren äul^erlich) borüliren, so liegt deren äul3erer Ähnlich- 
keitspunkt A in der Linie der gleichen Potenzen der gegebenen Kreise. '-') Be- 
schreibt man ferner Kreise iVi,//a, welche My,M2 und beziehungsweise JVi,Mi 
entsprechend berühren, so haben die Kveispaare A', A'j, W| n.^ denselben Punkt 
A zum .\hnlichkeit^punktc. 

Dieser Satz kann durch Inversion bewiesen werden, wenn man den äußeren 
Ahnlichkeitspunkt der Kieise A^,//i als Inversionsmittelpunkt (J) benützt und 
als Inversionspotenz diejenige, die diesem Punkte in Bezug auf A^i,/<i gemein- 
schaftlich ist. 

7.) Werden drei Kreise J/j,.l/j,J/; von zwei Kreisen Xi^N^ berührt, 
Uiusschliel^end und einschliel^end, oder .1/, , M. t'in-clilielXMid, J/j ausschliel^end 
und umgekehrt u. s. w.) so liegt ihr Potenzcentrum O mit den Mittelpunkten 
dieser Kreise A^i , A^ auf einer Geraden. 

Wählt man das Potenzcentrum O der gegebenen drei Kreise als Inver- 
sionsmittelpunkt und die ihm bezüglich Jedes dieser Kreise zukommende Potenz 
als Inversionspotenz, so sind die Kreise A'i^A'j, da J/i, J/^, .1/.; bei der Inver- 
sion unverändert bleiben, invcrs und haben daher O zum Ahnlichkeitspunkte. 
Dieser Punkt liegt aber mit den Mitteljmnkten der Kieise A'i^A'a auf einer 
Geraden, welche mit Rücksicht auf den vorliorgehenden Lehrsatz auf der zu- 
gehörigen Ähnlichkeitsachse von .Vi, M^jM^ senkrecht steht. 

8.) Durch einen gegebenen Punkt .1 ist eine Gerade zu ziehen, welche 

die Schenkel eines gegebenen Winkels in // und ^' so schneidet, dass AH.AC 

= (i-, wo a eine gegebene Strecke ist.^) — Man wähle A zum Mittelpunkte der 

Inversion, a zum Halbmesser des Inversionskreises und invertiere nun einen 

der Schenkel des gegebenen Winkels von A aus. Die Durchscluiittsimnkte des 

zu diesem Schenkel inversen Krt'isos mit dcMu anderen Schenkc^l bestimmen 

mit -1 zwei (Jerade, welche d<»r Bedingung Ljcniiicen. 

M ViTgl. (Jeisor, Kiiil. i. il. syiitli. (ii'om., \k\\i. 174 ii. St«'iin'r ««m. Wi^ki?, 1. IM. pn^r. 13. 
') Vcr>(l. St(>iner, >(t?s. WiM-ko, pag. 4.'J. Ks ;rllit noc.li aii<U'ni Siit/.c» uns dvv liclire vini 

der VotmiA bei Kreisüii, wclcliu sich iiiilttUl Iii\<'rsi«)n hrwciisfii lassen. 
^) Die Anf|riibüii 8, 11. 12 ii. II -17 sind iMitiKniiiiiou uuä PctcrsiMi, Mcthodoii und 

Theorien. 

5* 



36 



9.) Eiti IC reis J/, , eine Gerade y und ain Pmikt A sind {;egüben ; man 
sjiehe durcli A i^ine Gerade, welche den Ivieis in X und die Gcriido in V hü 
schneidet, dass PX.PY^a^ ist* — Man walile vi zum Mittelimtikre und ^j 
Eum Halbmesser der Inversion. Üie Verbindungslinien de« Punktes A mit den 
Sdniittpunkten der Geraden tj mit dem zu J/^ iuveraön Kreise sind die ge- 
sncliteu Geraden. 

lü.) Durch eiuen gegebenen Punkt A ist eine Gerade so ^u ziehen, das^ ihre 
Schnittpunkte A' und Y mit zwei gegebenen Kreisen M^,M^^ Strecken bilden, 
für welche AX,AY=^a^ isl — Man wähle A zum Mittelpunkte und a ztini 
HalbmeBser der Inversion. Die Verbindungslinien des Punkte» -1 mit den 
Schnittpunkten der Kreislinie Mi {M2) und der zu M^ [M^) invers verwandten 
Linie geben die gesuchten Geraden, wenn die Aufgabe überhaupt möglich ist. 

11.) Ein Dreieck ^i*C aus a, A und HlKUA = p% wo D der Fuß- 
punkt vt>n //,, auf € ist, zu conatruieren. — Mau wähle nach Festlegung von 
HC^=^ay den Punkt H zum Mittelpunkte und p zum llalbmesser der Inversion, 
beschreibe über BC als Durchmesser einen Kreis und invertiere ihn. Der 
eine Scbnitt[>utjkt der durch diese Inversion erbaltenen Geraden mit einem Krei&e, 
der durch B utul i- gebt und .1 als auf li C aufstehenden ümfangswinkel ent* 
hält, ist der dritte Eckpunkt des gesuchten Dreieckes. 

12,) Ein Dreieck ABC zu construieren aus der Seite des einbesclu'iebenen 
Quadrates, von welchem zwei Eckpunkte auf .1 B liegen, aus dem Winkel B 
und dem Producte ^ p'^ der beiden Abschnitte^ in welche AC durch einen 
Eckpunkt des Quadrates getheilt wird. — Man zeichne einen Winkel von der 
Grrjpe des Wiüfcels B und construiere ein Quadrat mit der gegebenen Seite 
derart, dass zwei Eckpunkte auf dem einen Schenkel {AB) und ein Eckpunkt 
auf dem anderen Schenkel (B C) dieses Winkels zu liegen kommen* Den vierten 
Eckpunkt O wähle man zum Mittelpunkte der Inversion, p tarn Halbmesser. 
Man inveitiere nun eiuen Schenkel des Winkels B und bringe seine indirect- 
inverse Linie — einen Kreis — mit dem anderen Schenkel zum Schnitte. Die 
Verbindungslinien des Punktes mit den möglieben Schnittpunkten geben die 
dütten Seiten der gesucbten Dreiecke. 

13.) Zu drei gegebenen Punkten A,B,C drei Punkte A\B\V' zu suchen, 
welche mit ihnen derart (perspectivisch) invers liegen, dass das geradlinige 
Dreieck A^B'C einem anderen gegebenen Dreiecke ähnlich oder congruent 
werde. — (Verglichen Art, 7.) 

14.) Einem gegebenen Kreise ein Viereck so einzuhescbreiben, dass jede 
Seite durcli je einen der vier gegebenen Punkte yl,ß, (\i> geht. Die gegebenen 
vier Punkte können ganz beliebige innerhalb oder auPerhalb des Kreises liegen, 
Man invertiere A von B aus, den inversen Punkt von C ans, den liierdurch 
sich ergebenden Punkt von /> aus nach Ji, mit jenen l'otenzen, welche den 
angeiiüraraenen lüversionsmittelpunkten in Bezug auf den Kreis lukommen. 
Ehenso invertiere man D von (• aus, den inversen Punkt von B aus und den 
hierdurch sich ergebenden Punkt von A aus nach iV, mit den Potenzen, welche 
diesen angenommenen Inversionsmittalpunkten in Bezug auf den Kreis zukom- 



37 

roen. Die Verbindungslinie MN schneidet dann den gegebenen Kreis jedesmal 
in einem Eckpunkte a des gesuchten Viereckes. Es gibt im allgemeinen zwei 
Vierecke, welche den gestellten Bedingungen genügen. Die hier angeführte Con- 
&truction ist dadurch begründet, dass nach jeder lleilie der angegebenen Inver- 
sioLeu der Eckpunkt a in sich selbst übergeht, wie auch der Kreis nach jeder 
Inversion auf sich selbst fallt; forner dadurch, dass jede Gerade oder jeder 
Kreis durch X durch diese Inversionen von A^H^d aus, in einen Kreis durch 
/> und hierauf durch Inversion von I) aus, in eine Gerade übergeht. Die Ge- 
rade Na geht insbesondere nach diesen Inversionen in die Gerade a M über, 
welche mit dem Kreise einen im gleichen Sinne gerichteten Winkel bildet, wie 
.Vci mit dem Kreise. .Va und aM bilden sonach eine Gerade, welche durch 
die Punkte M und y vollötiindig bestimmt ist. Die hier angeführte Construction 
kann auf jedes Vieleck von gerader Seitenzahl ausgedehnt werden. 

15.) Einem gegebenen Kreise ein Dreieck so cinzubcschreibeu, dass jede 
Seite durch je einen der drei gegebenen Punkte A^H.C geht. — Die gegebe- 
nen Punkte können ganz beliebig, innerhalb oder außerhalb des Kreises liegen. 
Man invertiere (' von li aus und den inversen Punkt von A aus nach M mit 
den den Punkten B und .1 in Bezug auf den Kreis zukommenden (äul^eren 
oder inneren) Potenzen als Inversionspotenzeu ; ebenso invertiere man .1 von B 
aus und den inversen Punkt von (.' aus nach N mit den diesen Punkten {B 
und C) zuk(»nimenden Kreispotenzen. Von der durch .1 und M bestimmten Ge- 
raden invertiere man noch einen Punkt Q^ etwa einen in dem Kreisumfange, 
von A aus, den inversen Punkt von B aus und den dann erhaltenen Punkt 
von r aus nach (>, , aber so, dass der Kreis wieder in sich selbst übergeht. 
Die Gerade (Ji X bestimmt dann auf der Geraden .1 M einen Punkt Ä. Der 
durch By M und .V gelegte Kreis trlHt den gegebenen Kreis in Punkten, von 
denen jeder in Verbindung mit J, //, r je eine Lösung der Aufgabe ergibt. 
Nennen wir einen dieser Schnitti)unkte a, so liegt die Begründung der Con- 
struction im folgenden: Die Geraden aM und AMQ gehen durch die Inversi- 
onen aus A^B und <' in die geraden Linien .Va und N Qi über; sie schließen 
mit einander einen Winkel ein, der den der letzteren zwei Geraden zu 180" 
ergänzt. Das Viereck a M R A' ibt demnach ein Sehnenviereck und daher a ein 
dem gegebenen Kreise und dem Kreise M li \ gemeinsamer Punkt. Die hier 
angegebene Construction kann auch auf Vielecke mit ungerader Seitenzahl aus- 
gedehnt werden. 

IG.) Einen Kreis zu construieren, welcher drei gegebene Kreise J/i, J/j, J/^,, 
die durch einen Punkt J* gehen, berührt. — Man invertiere die gegebenen 
Kreise von P aus mit beliebiger luversionspotonz. Die Kreise . V, , J/^ , .1/j gehen 
dann in drei gerade Linien über nnd die gesuchtdi Kreise in solche, welche 
diese Geraden berühren und leicht con^tiuiert werden können. Durch Kück- 
Inversion der Figur von P aus mit der angenommenen Potenz ergeben sich die 
Lösungen der Aufgabe. 

17.) Einen Kreis zu construieren, welcher drei, der Größe und Lage nach 
gegebene Kreise Mi^Mg.M^ berührt. (ApoUonisches Berührungaproblem.) 



38 



1, I.rj ung. Die zu den Kreispaaren iWi M^, Mt Mi, M^ J4 gehörigen äußeren 
und iüiieren Ähnlichkeitspnnkte seien bei^tehungsweise A^^J^^ ^U %Jii A^^Ji* Mnri 
invertiere *Vi von A^ oder J^ aus nacli M3, M^ von Jj oder /| aus nach 
Mi und M^ von Ag oder J^ aus tiacb 3/, und bestimme jene Punkte des 
Kt'eisei J/, , welche nach jeder dieser dreimaligen Inversioaen wieder mil sich 
selbH KU^ainmenfalleD. Diese Punkte sind dann die Berührungspunkte der ge- 
suchten Kreise. Denn jeder Kreis, welcher zwei Kreise gleichartig tungleichartigl 
berühr^ hl be^züglich des äul5eren (inneren) Ähnliohkeitspünktes ein sich selbst 
entspieclionder, dessen Berührungspunkte auf einem durch den Äbnlichkeits- 
punkt gehenden Ähnlich keitsstrahle liegen müiseij. Da nun hei diesen Inver^jj- 
onen jeder der Abaliehkeitspunkte des einen Kreispaares mit jedem der Ähn- 
lichkeitäpuukte der anderen Krei^paa^e combiDiert werden kann, so haben wir 
im allgemeinen 2 .2 .2. = 8 Auflösungen m erwarten, die aber im besonderen auf 
eine kleinere Zahl sich reducieren. Soll beis^pielsweibe ein Krei^ gesuclit werden, 
welcher Mi ungleichartig, M^ und Mj gleichartig berührt^ so invertiere man 
einen beliebigen Punkt P^ des ersten Kreises um J^ nach J/g, von liier um 
Ai nach J/3 und dann um J^ nach M^ ; der hierdurch auf JA erhaltene Punkt 
heim F, . Ebenso verfahre man mit ainoni zweiten Punkte l*j dcä Kieiees 3/, 
und erLält P\. Mi ist uach diesen drei Inversionen wieder in sich selbist Qber- 
gegangca, während der gesuchte Kreis bei jeder Inversion sich selbst invem 
bleibt. Verbindet man nun ti mit P\ und P3 mit Fg durch gerade Linien 
und zieht von deren Durchschnittspunkt Q Tangenten an xU^, so sind die 
Bei'ühruügf^ipunkte derselben solche Punkte^ welche nach den angegebenen drei 
Inversionen wieder auf sieb selbst fallen» 

2. Losung, Liegen die drei gegebenen Kreise Mi^Mj^M^ derart, dass zwei 
ihrer äu leeren Potenzkreise einander schneiden, so kann man einen der zwei 
Schnittpunkte dieser letzteren, durch welche dann auch der dritte äußere 
Poten^kreis gehen muss^ als Inversionsmitielpunkt wählen und eine beliebige 
Potenz als Inversionspotanx. Mi^Mj und M^ verwandeln sieh hierdurch in Kreise 
mit gleich grollen Uadien und die Aufgabe geht in die einfncljere über^ Au 
drei gleich groPe Kreide berührende Kreise zu legen. Die den Berühr ungskreisc^n 
des inverRen Systemes invers entsprechenden Kreise des tirsprünglichen Systeuacs 
Kind die gesuchten Kreise. Bei dieser Inversion kann die InversionspotenE so 
gewählt werden, dass einer der gegebeneu Kreise unverändert bleibt. 

[ Die Construction kann, ob nun die drei äut^eren Potenzkreisa Binaoder 

sdhneiden oder nicht, mitt-elst dreier zusammengehöriger Potenzkreise auch 
unter Anwendung des Satzes durchgeführt werden, dass die zu den vier Ähn- 
lichkeitsachsen der gegebeneu Kreise Af^ i/^> M^ gelif>rigcn vier Tripel von 
Potenz kreisen je ein Büschel bilden. Dieser, tixeilweise durch Inversion erweiÄ- 
bare Satz gestattet die Bestimmung der sechs Berührungspunkte des zu einer 
Ahnliclikeitsachse gehörigen Paares Apollonischer Berührungskreise mit den ge* 
gebenen Kreisen, Diese Berührungspunkte ergeben sieb als die Schnittpunkte 
der gegebenen Kreise mit den sie rechtwinkelig schneidenden Kreisen im Büschel 
der zu. der jeweilig angenommeuen Ahnlichkeitsacbse gehörigen Potenaskreise.') 
*) Fiedler^ t^clogrÄphi^ pag, löl u, 119. 



39 

?K Lösung. Kinc weitere Coiistruction stützt sich auf den durch Inversion 
bewiesenen Satz: Die Potenzlinie zweier Kreise schließt mit deren äußeren 
oder inneren gemeinschaftlichen Tangenten Winkel ein, welche ebenso groß sind, 
wie die Winkel, die beziehungsweise von den gleichartig oder ungleichartig be- 
rührenden Kreisen mit der Potenzlinie gebildet werden. Hiernach hat man also, 
um die Kreise zu finden, welche drei gegebene Kreise Mx^M^^M^ berühren, 
folgendermaßen zu verfahren. Man bestimme das Potenzcentium und die 
vier Ähnlichkeitsachsen der gegebenen Kreise, suche zu jeder derselben (von 
den Ähnlichkeitspunkten aus) in Bezug auf Mi^M^^M^ die Pole und verbinde 
diese mit <). Die Schnittpunkte dieser Verbindungsgeraden mit den gegebenen 
Kreisen sind dann, sofern sie zu einer Ähnlichkeitsachse gehören, die Berüh- 
rungspunkte eines Paares der berührenden Kreise. Es möge nach dieser Con- 
struction ein Kreis N gefunden worden sein, welcher die gegebenen Kreise 
Afi^Mi^M^i gleichartig berührt. Sein Berührungspunkt mit einem derselben, 
etwa Mg^ heiße Bi. Dieser Punkt ist zufolge des oben angeführten Satzes 
Ahnlichkeitspunkt für das System der Potenzlinion der Kreispaare Mi J/a, M^ M:^ 
und die zu ihnen parallelen Sehnen im Kreise il/a, welche von den Berüh- 
rungspunkten der gemeinschaftlichen äußeren Tangenten dieser Paare bestimmt 
sind. Zu diesem Systeme gehören auch die beiden Kreise M2 und N selbst, 
ferner das Potenzcentrum und der Schnittpunkt F der beiden genannten 
Sehnen. Die Verbindungslinie O P — des Potenzcentrums mit dem Pole der 
äußeren Ähnlichkeitsachsc in Bezug auf M^ — schneidet sonach J/2 in Punk- 
ten, welche Berührungspunkte von Kreisen der verlangten Art mit M^ sind und 
bezüglich invers liegen. Die gleiche Betrachtung findet auf Mi und M^ An- 
wendung. 

Die hier angegebene Construction ^) stimmt mit jener von Oergonne und 
Bobillier*'') auf anderem Wege gefundenen überein. In den letzten Jahren hat 
Fiedler 3) auf Grund einer von ihm aufgesl eilten besonderen Verwandtschaftsart 
mit Hilfe darstellend-geometrischer Untersuchungen eine neue Begründung die- 
ser Construction gegeben, welche zugleich den Weg zur Lösung für alle Spe- 
cialialle zeigt. 

Antncrkuug. Lässt man «111 SU'Ile der liior gcgcbonon drei Ivrciso irgend drei der 
CirUilde Punkt, Gerade und Kreis treten, so ergeben sich die zehn verdchicdencn HauptHllle 
ilf»s Apolloniaehen Herühruugsproltlenm. Die Inversion kann aueli in mehreren dieser Fälle 
mit Vortlieil angewendet werden, ho dass das im obigen angeführte Aufgaben - Material iu 
dieser Uichtung noch einer Vermebrnng tähii; ist; insbesonderi> tritt dies ein, wenn auch die 
besonderen Lagen der gegebenen Gebilde zu einander in betraeht gezogen werden. 

18.) Einen Kreis zu construiercn, welcher durch einen gegebenen Punkt 
P geht und drei, der (iriW^e und Lage nach gegebene Kreise J/|,iVa,;l/, unter 
gleichen Winkeln schneidet. — Man wähle P als Inversionsniittelpunkt und die 
diesem Punkte in Kezug auf einen der gegel)cnen Kreise zukommende Potenz 
als Inversionspotenz. Kreise, welche den gegebenen Bedingungen entsprechen, 

') Petersen, M«»tlnKlen u. Theorien, pHi^. 101. 

*) La Fremoire, Sammlung v. Lehrsätzen und Aufgaben, pag. 1U9. 

') Fiedler, C}tIographie, pag. 1<;3, 164, 165. 



40 



verwandeln sich durch diese Inversion in gerade Linien, welche die züMi^M^^M^ 
inversen Kreise ^P^^ M\^M\ nnter gleichen Winkeln schneiden. Gerade dieser 
Art fallen aber stets mit den Ähnlichkeitaachsen der Kreise des inversen Sj- 
btemea xu^ammen und sind daher leicht aufisufinden Durch Rück - It*version 
dieser Geraden in das urRi^rfingliche System ergehen sich die Lösungen der 
Aufgabe, 

19.) Einen Kreis zu conslruieren, welcher durch einen gegebenen Punkt 
P geht und ^wei, der GröPe nnd Lage nach gegebene Kreise -V,, 3/31 unter 
den gegebenen Winkeln 3t|,% hezitdmngaweise schneidet. — Man wähle P 
zum Mittelpunkte der Inversion und die ihm in Be/.ug auf einen der gegebenen 
Kreise M^. M^ zukommende rntenz als Inversionspotenz, so daiis nur ein Kreis 
zu invertieren ist, da der andere unverändert bleibt Nun ziehe man jene ge- 
raden Linien, welche die Kieise des inversen Systemes unter den bezüglichen 
Wirilveln a,, %2 schneiden. l>ie durch Rück^Invertsirm dieser leicht con-^truier- 
hären Geraden erhaltenen Kreise entsprechen den gegebenen Bedingungen. 

20.) Feinen Kreis zu constinieren, welcher drei, der Grolle Und Lage tmch 
gegebene Kreise My^M^^M^ beziehungsweise unter den Winkeln X|,^i,jti 
schneidet. 

Diese Aufgabe kann durch Anwendung folgender zwei Siltze gelöst werden : 
Eine Kreislinie iV und eine gerade Linie, von denen jede zwei gegebene Kreise 
Mj,J/j beziehungsweise unter den Winkeln ac, » x^ gleichartig (ungleiclmrtig) 
sehneidet, hilden mit der Potenilinie dieser Kreise (Mi, Mi) gleiche Winkel. 
Jeder Kreis JV, welcher Äwei einander nicht schneidende Kreise M^ , M^ bestie- 
hungsweise unter den Winkeln x^^x^ gleichartig (ungleichartig) trifft, bertlhrt 
ein Paar der Kreise des durch J/j, J/^ gebildeten Büschels, 

Beide Sätze lassen sich sofort als richtig erweisen, wenn man das durch 
die gegebenen Kreise M^^M^ und deren Potenzlinie bestimmte Liniensystam 
um einen der Schnittpunkte de^ Kreiser* N mit der Poten/Jinie invertiert 

Die Construction ist dann folgende : Man bestimme die geraden Linien, 
welche die Paare Jtf| M^, M^ .V|, M^ Jtf, der gegebenen Kreise beziehungsweise 
unter den Winkeln der t'aare ä, x^, «30^, ot^ a» gleichartig oder ungleichartig 
schneiden. Solcher Geraden erhält man für die drei Kreispaare sechs Paare 
und zwar zu Jedem zwei. Alsdann ordnet man zwei^ verschiedenen Kreispaareu, 
etwa Mi Mt und Af^ ^:i '^^g^ hörigt^ Paare von Geraden mnander ssu und sucht jene 
Kreise iu den Büscheln .W, M*, M^ M^i, von welchen diei^e Geraden bezTehnog^- 
weise berührt werden. Die an diese so erhaltenen vier Kreise gelegten Be- 
rührung^kreise, deren stets zwei uiögtich sind, gehören schon zu den Kreisen 
der gesuchten Art Die Zuordnung der die drei Kreispaare unter den gegebenen 
Winkelpaaren gleichartig oder ungleichartig schneidenden Üeraden kann nur 
eine vierfache sein, da die für ein Kreiiipaar niögUchen zwei Paare von Geraden 
der angegebenen Art durch die d(*r anderen Kreispaare schon mitbestimmt slnd- 
Diesem zufolge gibt es^ da jeder Zuurduung zwei Kreise entsprechen^ acht Auf- 
lösung*'!! Vuu dibiit^ii ä^iud iramer je zwei bezügiich d'^s Potenzcenti ums der Kreist^ 
Jf;, , Jf^, ^l/^, iuvür^^ weiiu die Putcuz di*^ Püleuzcentrumä m Bezug auf die ge* 



41 

gebenen Kreise als luversionspotenz genommen wird. Sind die Winkel ai, 09,03 
gleich Null, dann gebt die Aufgabe in das Apollonische Berührungsproblem 
Qber, da die zu den Paaren von Geraden gesuchten Kreise in den Büscheln 
Ml J/2, Mt Mj mit den gegebenen Kreisen selbst zusammenfallen. 

Die angegebene Construction versagt, wenn zwei der gegebenen Kreise 
3/|, .1/2 > ^% einander schneiden, da in diesem Falle der oben angegebene zweite 
Satz seine Giltigkeit verliert. Die Aufgabe kann aber dadurch, dass man die 
gegebenen Kreise um einen der Schnittpunkte der zwei einander schneidenden 
Kreise invertiert, zurückgeführt werden auf die einfachere: Einen Kreis zu 
construieren, welcher zwei Gerade und einen Kreis unter bestimmten Winkeln 
schneidet. Ein Kreis dieser Art vermag mittelst Anwendung der Inversion und 
der Ähnlichkeit stets aufgefunden zu werden. 

Eine andere, im allgemeinen Falle, wie auch in besonderen Fällen brauch- 
bare Auflösung der vorliegenden Aufgabe gibt Fiedler in seiner Cyclograpbie. 
Die Untersuchungen, auf die er sich hierbei stützt, sind jedoch darstellend- 
geometrisch geführt und haben ein von ihm herrührendes, in den Elementen 
der Centralprojection wurzelndes Verwandtschafts-Princip zum Ausgangspunkte. 
Darnach wird jeder Punkt des Raumes durch einen Kreis in der Bildebene 
vertreten, welcher sich ihm als Spurkreis jener Kegelfläche ergibt, deren Seiten- 
linien gegen die Bildebene unter 15^ geneigt sind und deren Spitze der (abzu- 
bildende) Kauropunkt ist. 

Anmerkung. Die hier angeführten Aufgaben Ober das Schneiden von Kreisen in der 
Ebene lassen sich noch wesentlich vermehren, wenn auch die besonderen Fälle, in denen 
diese Aufgaben auftreten können, herQcksichtigt werden. Sie ergeben sich, wenn man die- 
jenigen Kreise sucht, welche x) durch zwei gegebene Punkte gehen und eine gegebene 
Gerade oder einen gegebenen Kreis unter einem bestimmten Winkel schneiden, ß) durch 
einen gegebenen Punkt gehen und zwei der Gebilde Gerade und Kreis unter bestimmten 
Winkeln treffen, endlich y) drei der Gebilde Gerade und Kreis unter gegebenen Winkeln 
schneiden. Die Winkel, welche gegeben sind, können auch den Wert Null annehmen, so 
dasB in einer Aufgabe neben der Bedingung des Schneidens auch die der Berührung auftre- 
ten kann. In vielen dieser Fälle lässt sich die Inversion zur Auffindung der Kreise, welche 
den gegebenen Bedingungen entsprechen, anwenden. 

Krems, im Juni 1S88. 



iDr-u-cl^elaler- 



Seite 6, Zeile 14 von oben lies O A' atatt A. 
Seite 8, Zeile IG von oben lies OAA>A\ = —f^ statt OA.OA\=^^ 
Seitö 9, Zeile 4 von anten lies {Fig. Öse, Tat i) statt (Fig, 5 3:,p, Tat I.) 
Seite 10, Zeile 14 von oben ist noch der Satz anzttschUePen : Liegt der Vunki 
iniierlialb der Kreislinie a (Fig, 5.(1, Taf, I-), so gelangt man 2U demselben 
Besultate wie vorher; nur bat man in dem Beweise hiefUr statt dee Secanten- 
satzes den Sehnensatz anzuwenden und dcaJialb a^ durch — u^ zu ersetzen, 
Seite 26) Zeile 6 von oben und Zeile 11 und 10 von unten lies im Innern 

statt im inneren. 
Seite 27, Zeile 11^-12 von oben und Zeile 3-2 von unten lies im Ennem 

&tatt im iuneren. 
Seite BO^ Zeile 20 von oben lies gestaltet statt gestattet. 



Sohnlnachrlohten, 

erstattet vom 
(Director Felix Anton Eb e r l < 



A. 

LandeioberrealichuU. 

I. Lehrplan. 

Der durch die Verordnung des hohen k. k. Unterrichtsministeriums vom 
15. April 1879, Z. 5607 aufgestellte Normal lehrplan wurde mit den durch 
die h. Ministerial-Erlässe vom 23. April 1880, Z. 6233 bezüglich des Unter- 
richtes in der Geometrie und im geometrischen Zeichnen und vom 27. April 
1880, Z. 3814 bezüglich des Unteirichtes in der deutschen und französischen 
Sprache, in der Geographie, Mathematik und Kalligraphie angeordneten Modi- 
ficationen eingehalten. 

Lehrgegenstande und Zahl der wöchentlichen Lehrstunden. 



Xjelixgreereziat&n.d.e 



Religion 

Deutsche Sprache , , . . 

Französische Sprache 

Englische Sprache 

Geographie 

Geschichte . 

Mathematik 

Naturgeschichte 

Physik 

Chemie 

Geometrie und geometr. Zeichnen, d&rstellende 

Geometrio 

Freihandzeichnen 

Turnen 

Schönschreiben (bedingt obligat) . . . , . 









O 1 a 


S 1 


3 e 




L 


IL 


HI. 


IV. 


V. 


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29 29 



214 



216 



Freie Xjelixgregrezistä3:ic3.e : 

a) Stenographie in 2 Abthcilungcn und wöchentlich 3 Unterrichtsstunden, (I. Abth« 
2. St., IL Abth. 1 St.) 

b) Gesang in 2 Abtheilungen mit je 2 Unterrichtsstunden wöchentlich. 

6» 



44 

II. Themen der deutschen Aufsätze, 

V. lasse. 

1. Auch die Armut hat ihr Gutes. — *2. In welchem Zusamineuliaiige 
steht die Feier des Allerseelen tage a zu der Jahreszeit , in der sie hegangen 
wird. — 3. Nisus und Euryalns. (Vergile Aeneis IX. Buch*) — *4. Simms List 

— 5, Wie Htion sich die Ungnade Karls des Großen zuges^ogen hat. — 6, 
a) Die Ktinstler im Mediceerhaine. (Oedaukengaog und Grundidee.) b) Worin 
beBtanden die charakteristischen Gegensätze zwischen Sparta und Athen? — 
♦7, Die Macht des Gasauges. (Nach Schillers Ballade j,Di« Kraniche des lbiku3'\) 

— 8. Nutzen der Colonien. — *9* Verschiedene Wohnungen der Menschen. 

— 10, Beschreibung des römiscben Hauses, (Mit Benützung des Gedichtes 
i^Pompeji und Herculanum" von Schilier. — 11, Wodurch wurde es möglich, 
dass die Römer nach der Schlacht bei Canuae den Krieg fortsetzten? — *12 
Meine Beobachtungen beim Brückenbau über die Donau. — 13, Welche Thateo 
Caesars äul^ern ihre Wirkung noch bis in die Gegenwart, *14, Meine VursätEe 
fttr die Ferien, 

VI. Ciaise. 

1. Warum beginnt die Geschichte einen neuen Zeitraum nach dem Sturze 
des weslrönjischen Reiches? — *2, Berühmte und bekannte Donau brücken. — 
3. Die Elektricität im Dienste der Menschheit. — *4< Der Wert des Turnens. 

— 5. Der Einfluss des Meeres auf den Cbaiakter seiner Küstanbewohner, — 
6, Siegfried am Burgundenhofe und Kriemhildens erstes Auftreten daselbst. — 
♦7. Die Vorzüge des gemäßigten Klimas. — 8. Das moderne Postwesen im 
Vergleiche zum alten, — *9, Erörterung eines physikalischen Experimentes, — 
10, a) Vom Nutzen der Wälder. — b) Wichtigkeit des Suezkanals für den 
Welthandel, — 11. Was beabsichtigt Lessing mit der Rolle des Riccaut? — 
*12, Wichtigkeit einer gründlichen Kenntnis der Muttersprache, — 13. Über 
den guten und schädlichen Einttuss der Romanlectüre. — ^14 Die Fabel von 
Schillere ,,Bi'aut von Messina.'* 



Vir Classe. 
L Ans Vaterland ans theure scbliel5 dich an, das halte fest mit deinem 
ganzen Herzen ! — *2, Englands günstige Lage für den Welthandel. — 3, 
Welche Vorzüge hat utisere Zeit im Vergleiche mit der Vergangenheit ? ^ 
H, Inwieferne ist Goethes ,, Hermann und Dorothea^^ ein durchaus deutsches 
Epos? ~ 5, Bloi^ Unterhaltuugsbücher sind falsche Freunde der Jugend. — 
6- Über die Auigabe oder Bestimmung der schönen Kunst — *7. Die Heilung 
Orests in Goethes ,Jphigenie auf Tauris/' 8. Der Mensch mit der Natur im 
Bunde war ein Kind; der Mensch mit der Natur im Kampfe ward ein Mann. 
— *9. Die Lebensbilder in Schillers „Lied von der Glocke", — 10, Über die 
einflussreiche Bedeutung der Photographie. — ^ IL Die Bedeutung der Ausstel- 
lungen von Natur- und Industrie-Eraseugntssen. — 12. Die Donau die Pulsader 



45 



der dsterr. ungarischen Monarchie. — ^13. (Mataritätsarbeit.) Die Entdeckungen 
und Erfindungen auf dem Gebiete der Physik der Neuzeit und ihre Rückwir- 
kungen auf das praktische Leben. 



III. Lehrmittel. 

I. Bibliothek der Oberrealaehnle. 

Gustos: Prof. Dr. Johann Strobl. 

Vermehrung im Schuljahre 1887/88. 

i^,. Ghe«c33uezi3i:e : 

Vom hohen k k. Ministerium fQr Cultus und Unterricht: Bericht über die 
Industiie, den Handel und die Yerkehrsverhältnisse in Niederösterreich während 
des Jahres 188G. Wien 1887. 

Vom hohen n. ö. Landes-Ausschusse: Stenographische Protokolle des n. ö. 
Landtages, 4. Sess. der VI. Wahlperiode. — Zusammenstellung der in der 4. 
Sess. der VI. Wahlperiode gefassten Beschlüsse. — Bericht des hohen Landes- 
Ausschusses über seine Amtswirksamkeit vom 1. Juli 1886 bis 30. Juni 1887. 

Von der Ic. Alcademie der Wissenechaflen in Wien : Anzeiger und Sitzungs- 
berichte der mathem. - naturhistor. Classe (Fortsetzung). — Bischof, das 
Peltaucr Stadtrecht vom Jahre 1376. — Büdinger, Zeit und Schicksal bei 
Kömern und Westariern. Der Patriciat und das Fehderecht in den letzten 
Jahrzehnten der röm. Republik. — Bussen, Beitr. zur Kritik der Steyerischen 
Iteimchronik. — Fournier, Handel u. Verkehr in Ungarn u. Polen um die 
Mitte des 18. Jahrh. — Luschin, Quellen zur Gesch. deutscher Rechtshörer 
in Italien. — Pribram, die Berichte des k. Gesandten Franz v. Lisola a. d. 
J. 1055 — IGGO. — Rosenthal, die Behördenorganisation K. Ferdinands I. 

— Steffenhagen, die Entwickl. der Landrechtsglosse des Sachsenspiegels. 
VII & Vin. — Zeissberg, Über das Itech tsverfahren Rudolfs von Habsburg 
gegen Ottokar v. Böhmen. — Hauthaler, Aus den Vatikanischen Registern. 

— Lampel, die Landesgrenze von 1254 u. das steirische Ennsthal. — 
Uorawitz, Zur Gesch. des Humanismus in den Alpenländern. IL & III. — 
Pribram, Beiträge zur Gesch. des Rheinbundes v. 1658. — Sehr oll, 
Necrologium des Collegiatstiftes Spital am Pyrn. Urkundenregesten zur Gesch. 
des Hospitalsam Pyrn. — Steffeuhagen, Die Entwickl. der Landrechtsglosse 
des Sachsenspiegels. IX. — Zeissberg, Zur Gesch. der Räumung Belgiens 
u. des Pohlischen Aufstandes 1794. — Au er, der Tempel der Vesta u. das 
Haus der Vestalinnen am forum romanum. — Kremer, Über das Einnahme- 
budget des Abbasidenreiches v. J. 300 H. (D18~Ü19). — Tomaschek, Zur 
Kunde der Hämus-Halbinsel. II. — Beer, Die Anecdota Borderiana Augu* 
stineischer Sermonen. — Hartel, bibliotli. patrum latinorum HispanienriS; 
I. Bd. — H auler. Neue Bruchstücke zu Sallusts historien. — Mussafia, 
Studitn zu den mittelaltcrl. Marienlegenden. I. — Bühler, Über die Indische 
Secte der Jaina. Eine Seudraka-Inschrift aus Gujarat. Eine neue Inschrift des 



4$ 

Ottjara Königs Dadda II — Reiniech, die Afar - Sprache IL & IIL — 
Sacbau, Eine altaramäiscbe Itischrift aus Lycien. — Schipper, die zweite 
Version der mitteleoglischen Alexiuslegenden, — Strekelj, Morphologie des 
Görzer MiUelkarstdialektes. — Mik 1 osich, die Blutrache bei den Slaveo. — 
l'fizmaier, die elegische Dichtung der Chinesen. Der chioesischa Dichter 
Pe-Lo-Thien* — Burkhard^ Nachtrag zu „Die Ka^mirer Qat^i^tala - Hand- 
schrift/* — Geyer, das Kitab AI - Wuhu^ von AU'Aemai, — Gomperz, 
Platomache Aufsätze, — Heinz el, Über die Hervararsaga. — Musaafia, 
Stadien zu den mittelalter. Marienlegenden, — Pastrnek^ Beitr. zur Laut- 
lehre der Slovakischen Sprache in Ungarn, — Reiniseb, Die Guaraspracbe 
in Abessinien. HL ^ Sehen kl, die Epiktetischen Fragmente, — Stangl, 
Zu Cassiodorius Senator, — Wotke, GtoBsae spiritalas secundum Eucherium 
episcopum. — Bobek, Über Gurren 4. Ordnung vom Geschlecbte Zwei. — 
Igel, Zur Theorie der Combinanten u. zur Theorie der Jerrardschen Trans- 
formatioD. — Csterny, Aus dem Briefwechsel des Astronomen Georg you 
Peurbach. — Döderlein, Beitr. z. Kenntnis der Fische Japans, IV. — 
Et tinghausen, Beitr, z. Kenntnis der Tertiärflora Australiens. 2. Folge» — 
Heimerl, Beitr. z. Anatomie der Nyctagineen. — Merk, Die Mitosen im 
CantralnervenBystem. — Rollett, Beitr. z, Physiologie der Muskeln, — 
Wettstein, Manographie der Gattung Hedraeanthus. — Krasser, Unter* 
Buchungen über das Vorkommen ?on Eiweiß in der pftanzlichen Zellbaut. — 
Kern er, UntersUGbungeu über die Schneegrenze des mittleren Innthales* — 
Hauer, die Cephalopoden des bosnischen Muschelkalkes von Hau Buloy, — 
Standfest, Ober Myrica Lignitum üng, u* ihre Beziehungen zu den leben^ 
den Myrica - Arten. — Neuwirth, Studien z. Gesch, der Miniaturmalerei in 
Oesterr. — Gomperz^ Zu Heraklits Lehre u. den Überresten seines Werkes. 
Ehren f eis, Über Fühlen und Wollen. 

Von den Herren Verlegern: 6. Freytag in Leipzig: Wihlidal, 
Englisches Lesebuch für höhere Lehranstalten. — Tempsky in Prag: 
MoÖnik, Lehr- u. Übungsbuch der Arithm. für die unteren CL der Real* 
schulen, L, 2. u. 3. Heft. — Graber, Leitf. d. Zoologie f. d, oberen CL 
der Hittelschulen . — Holder in Wien: Mitteregger, Anfangsgründe der 
Chemie und Lehrb. der Chemie für Oberrealscbulen. L Tbeil. 

Vom Herrn Ober Postverwalter van Aken in Krems: Daviler, Ausführ- 
liche Anleitung zu der ganzen CiTil-Baukunst Augsburg 1759, 

Jahresberichte von österr. Mittelschulen im Umtausche, 154 Stücke, 



Jahresbericht über die Erscheinungen auf dem Gebiete der Germanisdieö 
Philologie. YHL Jahrg. 2, Abth. u. IX. Jahrg. L Abth, — Neudrucke deutscher 
Litteraturwerke des le. u. 17. Jahrb. Lief. 62 bis 67 und 72;73.— Seuffert, 
Deutsche Litteraturdenkmale des 18, o, 19. Jahrlu Heft 26, 27 u 28. — 
Kluge^ Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. 4* Aufl- Lie£r. 
1 bis 4, — Baumgart, Handbuch der Poetik, Stuttg. 1887. — Dungeri 



47 

Wörterbuch von Verdeutschungen entbehrlicher Fremdwörter. Lpz. 1882. — 
Hehn, Gedanken über Goethe. Berlin 1887. — Blum, Die Äbtissin von 
Säckingen. 2 Bd. Jena 1887. — Dahn, Bis zum Tode getreu. Lpz. 1887.— 
Ebers, Der Kaiser, 2 Bd. Stuttg. 1887; Eine ägyptische Königstochter. 3 Bd. 
Stuttg. 1886; üarda, 3 Bd. Stuttg. 1887. — Lindau, Arme Mädchen, 2 Bd. 
Stuttg. 1887. — Wallace, Ben Hur. 2 Bd. Stuttg. 1888. — Wolff, Di^ 
Recht der Hagestolze. Berlin 1887. — Balzac, Louis Lambert les proscrits. 
Söraphita. Les paysans. Le D6put6 d'Arcis. Physiologie du mariage. La femme 
de trente ans. Eug6nie Grandet. Le Ghouans ou la Bretagne en 1799. Le 
pere Goriot. Les Cölibataires. La Peau de Chagrin. 11 Bde. Paris 1875/79.— 
Süe, Les mystöres de Paris. 4 Bd. — Z ola, L'Assommoir. Paris 1886. — 
Duncker, Abhandlungen aus der Griechischen Geschichte. Lpz. 1887. — 
Friedjung, Kaiser Karl IV. u. sein Antheil am geistigen Leben seiner Zeit. 
Wien 1876. — Giesebrecht, Geschichte der deutschen Kaiserzeit. V. Bd. 
2. Abth. Lpz. 1888. — Gregorovius, Geschichte der Stadt Rom im Mittel- 
alter. Bd. I bis IV. Stuttg. 1876/86. — Hirn, Rudolf von Habsburg. Wien 
1874, — Müller, Josef von Sonnenfels. Wien 1882. Gerhard van Swioten. 
Wien 1883. — Svatek, Culturhistor. Bilder aus Böhmen. Wien 1879. — 
Schlossar, Innerösterr. Stadtleben vor 100 Jahren. Wien 1877. Österrei- 
chische Cultur- und Literaturbilder. Wien 1879. — A. Wolf, Geschichtliche 
Bilder aus Österreich. 2 Bd. Wien 1878,80. — Gregorovius, Wanderjahre 
in Itelien. 5 Bd. Lpz. 1880/83. — Hesse- Wartegg, Kanada und Neu- 
Fundland. Freiburg 1888. — Lux, Die Balkanhalbinsel mit Ausschluss von 
Griechenland. Freiburg 18ö7. — Die Österreichisch - Ungarische Monarchie in 
Wort und Bild. Liefr. 32 bis 61. — Ratz el. Die vereinigten Staaten von 
Nordamerika. 2 Bd. München 1878/80 — Topographie von Nieder-Oesterreich. 
HI. Theil 2. Bd. Heft 3. — Volz, Geograph. Charakterbilder, Heft 23 bis 
Schluss. — Wagner-Guthe, Lehrbuch der Geographie. 2 Bd. Hannover 
1882/83. — Allgemeine Naturkunde. Liefr. 89 bis 117. — Rabenhorst» 
Kryptogamenflora I. Bd. Lief. 27, 28, 29. UI. Bd. Lief. 10/11. IV. Bd. Liefr. 
7,8. — Schriften des Vereines zur Verbreitung naturwissensch. Kenntnisse. 
27. Bd. — Mayer, Zoologischer Jahresbericht für 1886 von der zoologischen 
Station zu Neapel. Berlin 1888. — Möbius, Gesammelte Werke, IV. Bd. 
Lpz. 1887. — Stolz, Vorlesungen über allgemeine Arithmetik. 2 Bd. Lpz. 
1885/86. — Wiener, Lehrb. der darstellenden Geometrie. 2 Bd. Lpz. 1884/87. 
Planck, Das Princip der Erhaltung der Energie — Gre tschel-Borne- 
mann, Jahrb. der Erfindungen. 23. Jahrg. — Walle ntin, Mascarts Hand- 
buch der statischen Elektricität. II. Bd. 2. Abth. Wien 1887. — Tai t. Die 
Eigenschaften der Materie. Wien 1 888. — Schloesser, Glazebrook & Shaw's 
Einführung in das physik. Practikum. Lpz. 1888. — Fischer-Wagner, 
Jahresbericht über die Leistungen der Chemischen Technologie für das Jahr 
1887. Lpz. 1888. — Müller, AUgem. Wörterbuch der Aussprache auslän- 
discher Eigennamen. Lpz. 1888. — Schiller, Lehrbuch der Geschichte der 
Pädagogik. Lpz. 1887. — Das k. k. österr. Museum und die Kunstgewerbe- 



48 

schule. Wien 187S. — Frohberg, Handbuch für Turnlehrer und Vortarnei 
1 & 2 hpn. 1887. — HermaBß, 20 Reigen für das Schulturnen. Berlin 1 

Graesers SohuJauagabeo classischor Werke, heranagegehen von Neu- 
bauer: In je 10 Exemplaren Schillers Wilhelm Teil, Jungfrau von Orleftos, 
Braut von Messina, Maria Stuart, Wallenstein ; Goethes Hermann und Doro- 
thea, Egmont, Iphigenie auf Tauria; Leasings Minna von Barnhelm, Nathan 
der Weise, Laokoon ; Shakespeares Julius Cäsar, — D a h n T h> , Kais 
Karl und seine Paladine, Lpz. 18S7» — du Nord, Aus der Kaiserstadt Wiei 
— KerB, Bei Freund und Feiod in allen Zonen, 4 Bd. Stuttg. 1883.<86 
Zdekauer, Von der Adria und aus den schwarzen Bergen. — Zöbre 
Der letztü Ritter. Donauhori. Österr* Seebuch, Der österr. Robinson, 

Fertsetzungefl : Allgemeine Ueutsche Biographie Lief. 121 bis 123. 
Onken, AUgem. Geschichte in Einzeldarstellungen- Lief* 130 bis 145. 
Mülle r, Grundriss der Sprachwissenschaft. I V. Bd, L Abth* — Kurse hnerfi 
Deutsche Natioual-Litteratur, Liet^ 381 bis 432. 



i^elisehrirteit. 



4 



Wiener Zeitung, — Verordnungsblatt fttr den Dienstbericht des k* k, 
Ministeriums für Cultus und Unterricht, — Zarnckes litter, Centralhlatt. 
Revue politique et litteraire, ed. \h Young, — Harpers ^Monthly Magazine, 
Kolbe^ Zeitschrift für das Reatschulweseu. — Strack, Centralorgan für d 
Interessen des Realschulwesens* — Blätter für Landeskunde in Niederösterrei^ 

— Mittheilungen der k k. geogr, Gösellschaft in Wien, — Wiedemann, Pog- 
gendorfs Annaleo der Physik und Chemie; mit Beiblatt. — Klein u. Maye 
mathem. Annalen. — Poske, Zeitschrift für den physik. und chem, Unterricht, 
Hoff m an n^ Zeitschrift ftlr mathem. und naturwissenschaftliche Unterricht. 
Schlömilch} Zeitschrift für Mathem, und Physik, — Deutsche Turn-Zeitung. 

— Niederösterr, Presse, (Kremser Wochenblatt.) 



k. 

] 

1 



12, EjChrniHlelaattiiiilan^ Hur clen geograpliiselieii und Itiiil«' 

riftehen llater rieht« 

Gustos: Professor Anton Pokorny, 

Als Getcbenk erhielt die Sammlung: Vom hohen nied.-österr. Laa 
auBSchu^se: Straßenkarte des Erzherzogthums Oesterreich unter der 
herausgegeben vom hohen nied.-österr, Landesausschusse, W^ien, im Juli löSlj 

Angakaufl wurden die Fortsetzungen: Ferdinand Hirts Geograpbti 
Charakterbilder von D. Alwin Oppel und Arnold Ludwig, HL Theil: Volker 
künde, U, Abtheilung: Völkerkunde von Asien und Australien. Breslau, Hirt, — ^ 

Deutsche Kunstgeschichte^ als Supplement zur deutschen Culturgeschichi 
G. bis 11, Lieferung, Berlin, Grote. — Baumeister, Denkmäler des 
sehen Alterihums, Liefnmg 42-^61, — Hottenroth, Trachten, Haus-, F< 
und Kriegsgeräthichaften der Völker alter und neuer Zeit, Lieferujng 15 und 1 




49 

8. IjetarmitleUaiiinilaug fjir den uatnrhiHtorisctaen 

IJnterrletaf. 

Custos: Professor Johann Forstner. 

Als Geschenke erhielt die Sammlung: Von Herrn Dcschauer in Krems: 
Eine ausgestopfte Eule, Strix uralensis ; von Adalbert VV i 1 k o s z e w s k i, Schüler 
der V. Classe, eine Anzahl Marmaroscher-Diaraanten. 

Angekauft wurden : a) Aus der vom h. n.-ö. Landes-Ausschusse 
pro 18b6 und 1887 bewilligten aul5erordentlichen Dotation: 15 Stück Glas- 
Krystall-Modelle nach Dr. Langhans, u. zw.: Die sechs Grundgestalten, dann 
das Tetraeder und Rhomboeder, das Hexaeder und Rhombendodekaeder, die te- 
tragonale und hexagonale Deuteropyramide, die dihexagonale Pyramide, das 
rhombische Makro- und das monoklinische Klinodoma. (Alle Modelle mit farbi- 
gen Achsen, die sieben zuletzt genannten nebstdem mit inliegenden Kanten der 
Grundgestalt.) b.) Aus der Jahresdotation: ü Stück ausgestopfte Thiere (Alli- 
gator, Laubfrosch. Wasserfrosch, Unke, Erdkröte, Wechselkröte, \VeiI3fisch, Fo- 
relle, FluPpricke), das Lanzettfischchen in Spiritus, das Gebiss des Adlerrochen, 
die Eier des Kalmars, die rothe Seefeder und je eine Gruppe von Seepferdchen, 
Entenmuscheln, Wallfischpocken, Seetulpen und Röhrenwürmern. Eine Baum- 
wollpflanze mit Fruchtkapseln. Leuckart Dr. R. und Nitsche Dr. IL, zoo- 
logische Wandtafeln 15., 16, 17., 18., 19. und 20. Lieferung. 

A« Ijehrmittelsamininug Ittr Physik. 

Custos: Professor Dr. Anton Eh renberge r. 

Geschenke: Von Herrn Alois Hubner, k. k. Lieutenant im k. k. II. 
Genie-Regimente : Regulator zum elektr. Kohlenlicht, elektrischer Motor, Ele- 
ment nach Leclanche. 

Angekauft wurden : Chromsäurebatterie von 8 Elementen ; Stereoskopbilder. 

S. Ijehrinittelftammfung Im elieiiiisclieii Ijahoratorium. 

Custos: Professor Friedrich Mareck. 

Ankauf: Ein schmaler Materialkasten mit 24 kleinen Schiebladen. Dann 
an Lehrmitteln: 7 Stück Hofmann'schc Apparate zur Elektrolyse und zur 
Demonstration der Volumverhältnisse von Chlorwasserstoff und Ammoniak sammt 
allem Zugehör; 1 Hofmann'scher Apparat zur Demonstration der Gewichts- 
zunahme beim Veibrennungsprocesse; 4 Stück Zinkcylinder und 4 Stück Thon- 
zellen zu Bunsen'schen Elementen, 1 grüt^erer Chlorcalciumcylinder mit Glas- 
hahn, 8 Cylinder von Glas mit geschlitlVneni Rand und aufgeschlitlenen Deck- 
platten in verschiedenen Gröi-^en, 40^ (iramire diverse Gummischläuche, 700 
Gramm Asbestpappe, 200 Stück rroberöhren, 4 Stück Schraubenquetschhähne 
mit breiten Druckplättchen, 2 Stück gewöhnliche Quetschhähne. 4 neue Messing- 
klemmen für Bunsen'fiche Elemente. 



50 



lY. Maturitäts-Prüfung, 

Am Schlüsse des Schuljalireä 1386,7 Icgteu dio MaturitabprÜfaug mit gtitcui 

El folge ab: 



N a ni 



Geburtsort 



Jahr u. Tug 
der Geburl 



PrüfuDgs- Gewählter 
Crgebnis Beruf 



Acistm Engm 



Fraiikreicb 



1866, 

L Februar 



Gerzabek Engelbert 



Heiligenekbi 
Kkd.-Öiterrp 



1866, 
2. December 



Hoker Igna;; 



Gobelaburg, 
Kied.-Öiterr, 



Lacbiiit Joaef 



KremSp 

Nied - öaterr. 



1865, 
23, December 



ia66, 

ah December 



Keif 



Technik 



Reif 



YerwaUungs^ 
dieuit 



Reif mit 

Ausseicbnuiig 



Lekrtacb 



Eeif 



Teehoik 



Einer der Abiturienten, welche sich im Vorjahre zur Ablegung der Ma- 
tuntät^sprüfung gemeldet hatten^ trat vor der mtiudlichen Prüfang ssurück und 
einer derselben wurde reprobiert* 

Zur Maturitätsprüfung am Schlüsse des Schuljahres 1S87/'S meldeten sich 
acht der ööentlichea Schüler der VII, R, C!. — Bei den schriftlicheii PrQ- 
fuDgeiif welche vom 36. Mai bis iucl. 2. Juni stattfanden, wurden Iblgeude 
Themen bearbeitet: 

I. DdUtsch : i|l^ie Entdeckungen und Eräudangen auf dem Gebiete der 
Physik der Neuzeit und ihre Huckwirkungen auf das praktische Lebeü.*^ 

IL Französisch-Deutsch: Aus Pioetz, „Manuel de litterature frangaise. 
S* 390: liarthelemy ^Jiepiüsentation au th6atre d^Äth^nes'* bis ^irAntigone de 
Sophocle/^ (S. HOl.) 

IIL Deutsch^FranzÖsisch : Aus Ploetz ^.Übungen zur Erlernung der fran- 
Edsi^cben Syiitax; „Lamartine ali Qeschichtsschreiber'- S, 39 rom Anfange bis 
,,glanberi sollte^* (S. 10.) 

IV. EngliSCh*Oeutsch: Aus K. Wihhdal, Engliäcbes Lesebuch fUr Real- 
scbulefii S* 232: ^Sir Waller Scott to bis Son/' bis „a future period.** 

V. Mathematik: L) Folgende üleicliung^u sind aufzulösen: 



y^ = -i (9 ^ 3 



4y) 



5 1 / -4 \ 

- = ( 3 + ) 



2) In einem abgestumpften geraden Kreiskegel ist die größere Grund 
fbicbc it = 283 525 ctn,\ dov Winkel der Seitenlinien gegen diese a£= 64*^21' 32 ' 
und die Hohe b=7'T5 cm Man berechne den Uadius einer Kugel^ deren Ku- 
bikinhalt um 221 42cra^ größer ist als jene des Kegelstumpfes. 



51 

3.) Wie groß ist die Fläche eines auf einer Kugel mit dein Radius 
r = 8-76m liegenden sphärischen Dreieckes ABC, in welchem a = 780 3G'G", 
B = 70« 21 • 24- und C = 136« 19' ist. 

4.) Man bestimme den geometrischen Ort der Mittelpunkte jener Kreise, 
welche den Kreis x'-j-y* — 8y = und die Abscissenaxe berühren. 

VI. Darstellende Geometrie: l.) Man soll durch einen Punkt A eine Ge- 
rade 80 ziehen, dass sie eine in einer gegebenen Ebene MNO liegende, mit 
der vorticalen Projections-Ebene parallele Gerade schneidet und mit der Ebene 
den Winkel von 60« bildet. 

2.) Ein gleichseitiger Cylinder von der Höhe h = 4 ist halbkugelförtnig 
so ausgehöhlt, dass der Mittelpunkt der Höhlung mit dem Mittelpunkte der 
oberen Basis des Cylinders zusammenfäl't und der Durchm ^sser der llalbkigel 
3 Einheiten lang ist; man fahre an diesem Körper die vollständige Schatteu- 
construction durch. 

3.) Auf einem prismatischen Fussgestelle ruht eine Säule und auf der- 
selben eine quadratische Platte; man stelle diese Körpercombination perspcc« 
tivisch dar. 

Y. Verzeichnis der Lehrbücher, 

die Im Sehnljahro 188^/89 in TerwendiiiiK kommen. 

Religion: I. Cl. Dreschl, biblische Geschichte. — II. Cl. Drcschl, katholische 
Glaubenslehre. — III. Cl. Müllner, Katholische Sittenlehre. — IV. Cl. 
Fischer, Lehrbuch der Kirchengcschichte. 

Deutsche Sprache: I.— V. Cl. Wlllomitzer, deutsche Grammatik. I. Cl. Kummer 
Dr. K. und Stejskal Dr. K., deutsches Losebuch für östcrr. Real- 
schulen, 1. Bd. II.— IV. Cl. Egä^er, dcut^chos L lieblich für die II , III. 
und IV. Cl. der Mittelschulen. 

V. Cl. Kummer Dr. K. und Stejskal Dr. K., deutsches LeRe- 
buch für österr. Realschulen, V. Bd. -- VI und VII. Cl. Ei^rrer, deut- 
sches Lehr- und Lesebuch für h«"»here Lehranstalten. Des II. Theiles 
I. und IL Bd. — In der VI. (-1. Jaukor und No«', mhd. Lesel)uch. 

Französische Sprache: L, II., III., IV. und V. Cl. Bechtel, französische Grammatik, 
I. und II. Th. Dazu: Uebungsbuch zur franz. Grammatik. IFI. und 
IV. Cl. Mittelstufe V. Cl. Oberstufe VI. und VII. (^1. IMoetz, Schul- 
gramroatik der franzrisischen Sprache. 

III. und IV. Cl. Bechtel, franz.isische < Lcsobuch. - V.— VII. Cl. 
Bechtel, französiche Chrestomathie f. d. oboren Cl. der Mittelschulen. 

Englische Sprache : V. — VII. Cl. Sonnonburg, (Jramniatik dcM- onf^li-chen Sprache. 
— VI. und VII. Cl. Nader und Würzner, englisches Lesebuch für 
höhere Lehranstalten. 

Geographie: L— VII. Cl. Herr G., Lehrbuch der vergleichenden Krdbeschreibung 
L, II. und III. Cursus. Schulatlanten von Kozenn oder Stieler. — 
VII Cl Hannak, östorr. Vaterlandskund«». (Oberstufe.) 



52 



Geschichte: IL— IV. Gl. Ilaanak, [jehrhucli flör Geschichto f. cl unteren Classen, 
3 Thdlo : Alterthum, Mittelalter, Neuheit, 

V, — VII CL Losertli, Giundriss der allgeni, Writgeschichte, 
I., n und ItL Tbl 

In äämmtlbliei] ClÄSFen: Putzger^ liistorischer Schulatlas. 
Mathematik Muriiik Dr. R. v^ Lehr- uiul Uebungsbnch der Arithtußtik K, II 

III. Heft — U. und III. CK Walleritin, Sammlung xoti Beispiele 
und Angaben au^ d- Aritljuietik i'ilv diu uuteren Clas^eti. 

IV, — VII. CL MüOrstk, Lehrbuch der Arithoißtik und Algebn 
für die obere« Classeri und Wallenti«, Sanimluag von BeispieleD 
und Aufi^aben aus der Algebra und allgemeinen Arithmetik, 

V, und VL Cl. Mortiik, Lehrbuch der Geometrie f. d, oberea 
Classen. VIL CL Wiegand, Stereometrie und sphärisch© Trigonometrie 
— Logarithmentafeln von GernerL 

VIL Cl, Soimdorfer und AntoUi Analytische Geometrie der 
Ebene, L Bd. 3- Abth. des Lehrbuches der Geomütrie. 
Geometrie und geam. Zeichnen: I Cl Mornik, geometr. Formenlehre für die 
I. Cl. d, U- Seh. — IL, III. und IV. Cl. Mornik, Anfungsgründe 
der Geometrie in Verbindung juit dem Zeichnen f. d, IL, IIL un 

IV, CL der Healsclmle. 

Darstellende Geometrie: V. -VIL CL StreiPIer, Elemente der darstellenden G 

urnetrie für Realscbnlen. 
Naturgeschichte: L CL Pokorny. illustr Naturgeschichte dos Thierreiehes. II 

desselbeti Verf. Naturgeschichte des Pilanxenreiches. Bisching, Grund 

ri88 der Mineralogie. — V. CL Graber Dn V-, Leitfaden der Zo*» 

logic — VI, CL Wretschko Dr. IL v*, Vorschule der Botanik fiii 

die höheren Ckssen. VIL BL Hochstetter und Bisching, Leitfaden 

der Mineralogie und Geologie, 
Pbyaik: HL nnd IV, CL KrisL Anfangsgründe der Naturlebro f d. untere] 

Glassen der llenlschnlen. 

VL und VIL CL Wallentin, Lehrbuch der Physik für die ober 

Ckssen der Mittelschulen, (Aiisgube für Realschulen.) 
Chemie: IV. CL Mitteregger Dr. J., ÄtjfungsgrQude der Chemie f d, IV, C 

der Realschulen. 

V, und VL Cl Mitteregger, Lehrbuch der Chemie für Ober- 

realschulen, L Theil: Anorganische, IL Theil: Organische CIsemie. 
Stenographie; IV.— VIL Cl, Albrecht Dn K,, Lehrbuch der Gabehberger sehen 

Stenographie, — Engelhard K*, Lesebnch für Gabelaberger'sche 

Stenographen, 



] 

i 



reiH 

"9 



d 



YL Unters tütsung armer Schüler. 

A« ^Uiteiiflicii iiitil FnlerntiilxiitigHlietrlige« 

Im Laufe des Schuljahres gelangten folgende Stipendien und Unterstüt^uogs- 
beträge zur Auszahlung an arme und würdige Schüler der Landesoberrealscb ule : 



53 

1.) Das vom hohen n. ö. Landtage gestiftete Kaiser-Stipendium . . . 150 fl. 

2.) Die Interessen des Eduard Schumacher'schen Legates 21 fl. 

3.) Die Interessen der durch die Herren k. k. Staatsbeamten in Krems 

am 2. Dezember 1873 gegründeten Kaiser Franz Josef-Stiftung . . 21 fl. 
4.) Zwei von dem Vorstande des Zehnkreuzer - Vereines in Krems der 

Direction übergebene Unterstützungsbeträge a 50 fl 100 fl. 

ü.) Die Josef Thalhofer'sche Studienstiftung im Betrage jährlicher . . 100 fl. 
6.) Am 20. Dezember 1887 an s i e b e n Schüler Barbeträge, zusammen 84 fl. 
7.) Aul>erdem waren zwei Schüler der Landesoberrealschule im Genüsse 

auswärtiger Stipendien im Gesammtbetrage von 300 fl. 

B. IJnterstiltsungsfond. 

Außer den unter den Einnahmen ausgewiesenen Geldbeträgen erhielt der 
Unterstützungsfond : 

1.) Von der Papierhandlung Saska in Krems verschiedene Schreibrequisiten. 
2.) Von der Verlags - Buch- und Kunsthandlung Justus Perthes in Gotha 

3 Exemplare der 6G. Auflage des Stieler'scben „Schulatlas. '^ 
;-J.^ Von der k. k. Hof- unl Uoiversitäts - Buchhandlung Alf red Holder in 
Wien je drei Exemplare vom I., II. und III. Theile des Lehrbuches der 
Geschichte für die unteren CJassen der Mittelschulen von Dr. E. Haniiak. 
4.) Von der Verlagsbuchhandlung Carl Graeser in Wien 5 fixemplare vom 
I. Cursus, je 2 Exemplare vom II. und III. Gursus des Lehrbuches der 
vergleichenden Erdbeschreibung von G. Herr, und Grundriss der allgemeinen 
Weltgeschichte von Dr. Loserth, I., II. und UI* Theil. 
5.) Von dem Schüler der II. H. Gl Josef Chalupsky 6 Lehrbücher für die 
I. Classe. 

Einnahmen« 
I. Geschenke: fl. kr. fl. kr. 

Von Herrn A. Gutscher, Mühlbesitzer in Sieghartskirchen . 10 . — 
,, Herrn H. Gutscher, Mühlbesitzer in St. Georgen . . 10 . — 

., Herrn Csänk in Wien 5 . — 

,, Herrn Exel, Mühlbcsitzer in Imbach 10. — 

,. Frau Libitzki in Wien 5 . — 

., Herrn Weiße, Buchhändler in Krems 3 . — 

,, Herin Schömer, Baumeister in Klosterneuburg ... 3 . — 

., einem Ungenannten 2. — 

Vom Schüler Maierhofer Emil 1 . — 

Von Herrn Oesterreicher, Buchhändler in Krems .... 3 . — 

der löbl. Sparkasse in Krems 10. — 

einem Ungenannten 5 . — 

Herrn Dr. Stingl, Advokat in Krems 10 . — 

Herrn Grünberger, Hausbesitzer in Krems . . . . 5 . — 
Herrn Dr. Spängicr, k. k. Landes-Gerichtsrath in Krems 2 . — 

Fürtrag . 84 . — 



11 

11 
11 
11 



54 

Übertr ag , 84 , — 

Von Herrn IL Harkup^ Piivatier iu Kienis 5 , — 

Aus dem n. ö. Landesfonde .,.,-. * , 100 . — 

Von Schülern der hies, Mittelscbulen * . * . (i , 76 

,, einem Ungenannten . * • 5 - — 

,, Herrn Prüf. Dr. Ehrenherger , , , 3 , — 

,, Sr, Uochw, Herrn Dr, Kersehbaunier, Propst in Krems 5 . — 

,, Herrn E. Wahl m Lins — ,50 

209 , 26 
Aus dem Ertriigiiisse des von Herrn Prot Walter veran- 
stalteten Concertes , , 1 50 . — 

2. Zinsen: ß. kr 

Coupons ..*.•,•....*.,,.. 58 , 60 

Interesfien der Langheinz'schen Stiftung ,..,,,... 8 . 40 

Interessen der Einladen bei der Sparkassa in Krems ... 82 , 57 

Interessen der Einlage beim 1. Vor8cbussver<?ine in Krems . 14.16 
Interessen der Einlage bDim &llg. osteiT. Beamten vereine 

(Cons, Krems) . * , 11 . 55 

ünbehobene Zinsen ...•.,.,,,., .... 20 . 88 



359 



196 . 16 



Gesammtsumme der Einnahmen , . , 555 . 4S 



Ansfi^alieiit ti. kr. 1 

Conto des Bucbhätidlers Oesterreicber ......... 204 . 14 

„ „ ,, WeiPö 138 . 38 

,, „ Papierbändlers Saska .,.,,...,... 42 . 37 
„ „ „ Kunschak .....*.,.* 32 . 90 

,, ,^ Bnchbtnders Forner , . , . 6 . 7U 

Barunterstützungen . ...,...., 84 . ^ — 

Für Kosttage ................. . . 9 . 50 

üesammtsumme der Ausgaben . . . 517 . 99 

Aus der Gegenüberstellung der Einnahmen per 555 . 42 

und der Ausgaben per ..•.....,*,... . . . , , . 517 , 99 

ergibt sich eine Vermögenszunahnie per . • . 37 . 43 



ff 



55 



VermdgeoaBtand am IS. Jaol 18SS. 
(Ohne die seit 1. Jänner d. J. aufgelaufenen Zinsen.) 

1887 



1888 



fl. 


kr. 


fl. 


kr. 


419 


12 


449 


13 


ins 


59 


1189; 


59 


450: 


— 


450 


— 


350 


— 


S5ü 


— 


4^ 
10 


85 


440 
17 


88 
40 


a^s 


56 


2iSl5 


99 


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l'JO 
100 


__ 


1000 
100 
100 


- 


400 
100 


— 


400 
100 


— 



L S[>ftrkas3c*EU]£igezi und Bargeld: 
Einltgsbucb hA der SptrkftBse in Krems Tom. XXI Fol 709 

B. Z. 11072 , 

EiDlagabuch bei der Sparkasse in Krems Tom XXVII Fol 161 

B, Z, 8öl6i , , . 

Einlagsbuch bei der Sparkasse in Krems Tom. XXXI Fol B\2 

B. Z. 31449 , , 

KmUgsbuch bei dem I, VorBchuts vereine für Krems u, Umgebnog 

Tom. Vri. Fol. 326 , , 

Eialagftbnch bei dem Spar- nnd Vorsebuas-Consortium des öaterr, 

BeamteiiTereitiea *,..«« 

Barrest p , , , , p , , . ^ , . . . 

Summe dea Bargeldes . 

2. Wertpapiere, angefUbrt im Kominalwerte: 

1 Stück Silberrente . , 

1 I, Papierrente 

4 „ „ a 100 H. (Legate der Frau M. Langhelnz und 

des Herrn J. Eggel)i beim hoben n. iL Landes* 

ausscbuase in Verwahrung.) 

Ein Fünftel 1860er Loa, Serie 4»68 Nr. 19 

3. Gebrauchte S c U u 1 b U c b e r. Schreib- u. Zeich enrequiiiten. 



€• Ausireis ttber die IJnteratttfzung der Schüler an der 
liandes-Oberrealschule. 

Im ereten Sem. wurden 98^ im zweiten Sem. 91 Schüler mit LehrbQchern 
betheilt. Von diesen erhielten im ersten Semester 29, im zweiten Semester 35 
auch Schreib- und Zeichenrequisiten. Für einen Schüler wurde das ganze Schul- 
jahr hindurch wöchentlich einmal die Mittagskost bezahlt. Sieben Schüler er- 
hielten Barbeträge. 

YII. Erlässe der hohen k. k. Unterrichts-Behörden. 

1. Erlass des hohen k. k. Ministeriums für Cultus und Unterricht vom 
2. April 1887, Z. 12294 ex 188G, mitgetheilt durch Erlass des h. k. k. Landes- 
schulrathes vom 17. August 1887, Z. 2936, enthaltend die Erledigung der Be- 
richte über die Revision der Schülerbibliotheken an den Mittelschulen. Durch 
diesen hohen Erlass wird angeordnet: a) Daß die anerkannt guten oder zur 
Krgänzung des Unterrichtes dienlichen Bücher, unter diesen namentlich die 
classischen Schriften der Muttersprache und gute Uebersetzungen von classischen 
Werken der fremdsprachlichen Literatur in genügender Anzahl und in guter 
Ausstattung vorhanden seien; b) dass der durch die Lehrer im einzelnen und 
durch den Lehrkörper im ganzen bestimmte Bücherschatz nach Classen oder 
Gruppen von Classen geordnet werde; c) dass, falls in der Beurtheilung eines 
bedeutenden Werkes zwischen einzelnen Lehranstalten in Wien, bzw. in Nieder- 




56 

Österreich ein auffälliger GegensaU tn Tagö tritt, di« DirecHouen dieser An- 
stalten bemüht sein sollen, durch eine geeignete Überprüfaug, einen Ausgleich 
zustande zu bringen. 

2. Erlasß des holien k. k. Ministeriums fttr Cultiis und Unten-ichl toe 
27* November 1887, Z 24101^ mitgaheilt durch Erlass des h. k. k* Landes 
schulrathes vom fi, Üecember 1887, Z 1007!), betreffend die Verwendung tjpo 
grnpbiscli schlecht ausgestatteter Classikei texte au den Mittekcbulen, Cla^siker 
ausgaben^ welche den Fordeningen der lationellen Schulhygiene nicht eutspre 
chen, dtlrfen weder bei der Scbullectüre verwendet noch auch fiir diehänäljcb^ 
Lcctüre empfohlen werden. 

S. Erlass des hohen k. k, Ministeriums für üultus und Unterricht vom 
15* November 1887, Z 8560, mitgctheilt durch Erlasa des hohen k, k. Landes- 
scliultathe^ vom 15. December 1887, Z. 63523, wodurch eine CumulieniDg von 
Stipendien für Studierende an Mittelschulen bis zum Maximalbeirage von 250 
bei Nachweis von besonders guter Bt tühiguiig und Verwendung des Cumulierunga 
Werbers gestattet wird. 

4. Erlass des hohen k k. Ministeriums für Gültus und Unterricht von 
22, März 18h8, 4827 ex 1887 (Verordnungs * Blatt Jahrg. 1888, Stück V« 
mit welchem ein neues V^erzeicbnis der für die österreichischen Mittelschulen 
allgemein zulä^isigeri Lehilrjstö und Lehrmittel veröffentlicht wird. 



hl 



YIII. Bekanntmachung, die Aufnahme der Schüler 

betreffend. 

Das nächste Schuljahr beginnt am 16. September 1888. Die Aufnahme 
der Schüler findet vom 14. September an vormittags von 8 bis 11 Uhr und 
nachmittags von 2 bis 4 Uhr in der Directionskanzlei statt. Alle Schüler haben 
sich in Begleitung ihrer Eltern oder deren Stillvertreter bei der Direction zu 
melden. 

Die Aufnahme in die I. Glasse hängt von dem Erfolge seiner Auf- 
nahmsprüfung ab, welche am 17. September abgehalten wird. Zufolge der 
Minist.-Verord. vom 15. März '870, Z. 2470, wird bei derselben gefordert: „Jenes 
Mali von Wissen in der Religion, welches in den ersten vier Jahrescuisen der 
Volksschule erworben werden kann, Fertigkeit im Lesen und Schreiben der 
Unterrichtssprache und der lateinischen Schrift, Kenntnis der Elemente aus der 
Formenlehre der Unterrichtsspiache, Fertigkeit im Analysieren einfacher be- 
kleideter Sätze, Bekanntschaft mit den Regeln der Orthographie und ihrer rich- 
tigen Anwendung beim Dictandoschreiben, Übung in den vier Rechnungsarten 
in ganzen Zahlen." Jün>^lingOt welche aus einer andern nicht gleichartigen Mittel- 
schule in die Realschule übertreten und in eine höhere als die I. Classe auf- 
genommen werden wollen, haben gleichfalls in einer Aufnahmsprüfung das 
Mal3 ihrer erworbenen Kenntnisse zu « rweisen. 

Solche Schüler, welchen wegen nicht entsprechender Aufnahmsprüfung die 
Aufnahme in die erste Classe einer öffentlichen Mittelschule versagt worden ist, können 
im selben Aufnahmstermine an einer anderen Mittelschule zur Prüfung nicht zuge- 
lassen werden. (Erlass des k. k. Landesschulrathes ddo. 5. Jänner 1883, Z. 8350 ) 

Die zur Aufnahme in die I. Classe sich meldenden, aus einer öffentlichen 
Volksschule kommenden Schüler haben eine Schul nachricht in der vom hohen 
k. k. Ministerium für Cultus und Unterriclit mit dem Erlasse vom 29. October 
1886, Z. 20.619, vorgeschriebenen Form mitzubringen. Bei der Aufnahme haben 
femer sämmtliche neu eintretenden Schüler ihren Tauf- oder Greburtsschein, 
jene Schüler, welche bereits ein oder mehrere Classen der Landesoberrealschule 
in Krems oder einer anderen Mittelschule absolviert haben, das am Schlüsse 
des vorhergehenden Schuljahres erhaltene Zeugnis vorzuweisen. 

Als Aufnahmstaxe ist von jedem Scliülerlfl für den Bibliothek>fond zu entrichten. 

Das Schulgeld beträgt für 1 Semester 5 fl. Dasselbe wird um die Mitte 

der Monate October und März eingehoben. Gesuche um Befreiung von der Ent- 

8 



58 



richttipg des Sobulgeldes sind an den b. n.^ii. Latidesausscbuse zu ricüten und 
lingsiens anfangs October dar Directioti der Lehranstalt s&u überbrmgen. Die 
erlangte Befreiung erreicht sofort ihr EDde, wenn der befreite Schüler 

a) am Schlüsse des 1. Semesters die III. FortgangsclasBe erhält; 

b) am Schlüsse des 2, Semesters Dicht mindestens den II. Grad in Sitten und 
Fleiß erhalten hat; 

wegen ungenügenden Fortganges eine Classe wiederholen muss, (Ausge* 

uommen igt biebei nur der KrankbeitsfalL) 

Wahrhaft arme Schüler werden, wenn deren Eltern oder Vormüoder 
bei Beginn des Schuljahres dartioi ansuchen, aus dem Önterstütamogsfonde nach 
Möglichkeit mit Schulbüchern. Schi eib* und Zeichenrequisiten unterstutzt 
so lange sie sich durch Fleil> und Sittlichkeit einer Unterstützung würdig macheti 



59 

B. 

9. S. Landes-Banislsschule. 

Zweck und Einrichtung der Schule. 



Infolge der Beschlüsse des h. u. ö. Landtages vom 19. October 1878 
und vom 24. October 1881 ist diese Lehranstalt als Fachschule für den 
Handels- und Gewerbestand eingerichtet und setzt als Vorbildung nur 
die absolvierte Volks- oder Bürgerschule voraus; sie kann sonach 
von jedem, der sich einem geschäftlichen Berufe widmen will, ohne Schwierig- 
keit be&uclit werden. Auch ist die Möglichkeit gegeben, dass die Schüler früh 
genug in das practische Leben übertreten können, da die Schule derart orga- 
nisiert ist, dass sie in zwei Jahrgängen, von denen der erste die untere, 
der zweite die obere Abtheilung bildet, das nöthige fachliche Wissen 
vollständig zum Abschlüsse bringt. 

Diese Schule bietet den Angehörigen des Handels- und Gewerbestandes 
— somit des Bürgerstandes im allgemeinen — Gelegenheit, sich in ihrer Ju^ 
gend jene theoretisch - fachliche Ausbildung in mö|;Iichst kurzer Zeit zu ver- 
schaffen, welcher dieser Stand unbedingt bedarf, um den an ihn gestellten, 
erhöhten Anforderungen unserer Zeit zu entsprechen. 

Das Lehrprogramm der Schule umfasst deshalb nur solche Gegenstände, 
welche für jeden Kaufmann, Industriellen und Gewerbetreibenden von größtem 
praktischen Werte sind. Für den Kaufmann und Industriellen ist die Bedeutung 
der aus dem beigefügten Lehrplane ersichtlichen Gegenstände wohl von selbbt 
klar. Aber auch jeder der sich für ein ganz einfaches Gewerbe ausbilden will, 
soll diese Schule — wenigstens die untere Abtheilung derselben — als Ab- 
schluss seiner Schulbildung besuchen. Auch er muss vor allem ein guter Rech- 
ner sein, Buchführung verstehen, sich mündlich und schriftlich sprachrichtig 
ausdrücken, Rechnungen und Geschäftsbriefn nach dem allgemeinen Gebrauche 
verfassen können, über die Grenzen seiner engeren Heimat hinaus Bescheid 
wissen, über den Wechsel und andere Schuldurkunden und Wertpapiere orien- 
tiert sein. Er soll auch die Waren, welche er bezieht oder verarbeitet, genau 
kennen, über deren Gewinnung, Bezug, Aufbewahrung und Verarbeitung, dann 
über die Zusammensetzung seiner Werkzeuge im klaren sein, endlich soll er 
die gewöhnlich vorkommenden Flächen und Körper berechnen und Zeichnungen 
von Objecten nicht nur verstehen, sondern einfachere auch selbst anfertigen 
können. 

Zweck dieser Fachschule ist es nun, diese Kenntnisse ihren Schülern zu 
vermitteln, und für die Geschäftswelt junge Kräfte heranzubilden, die nicht 
Lur an Arbeit und Ordnung gewöhnt sind, sondern die auch vennöge des er- 
langten Fachwissens jenen Theil der Ausbildung zu irgend einem speciellen 
Bcrurszwei^c, der nur im praktischen Lebi;n erlangt werden kann, leicht und 



60 

mit grüüdiicbeiJ) Vüiatiiidiiisse sicL aueigtien und sojjadi bald brauchbare 
Hilfspersonen für kaufinätirnsche. industnelle und gT-werbliche ünternebmungeTj 
und seinerzait tüchtii^e s^elbitstiindige Bürger sein werden. 

Aui^er deu /* w e i J a b r g ii n g <? n (untere und obere Abtbeilun g l 
in welchen das fachliche Wissen in einer für die BedürffiiBBe de- 
mittleren Handels- und Gewerbe titäDdea ausreichenden Weise 
zur Behandlung und zum Abschlüsse gelangt, ist noch ein prak- 
tischer C u r s , welcher ein Wintersemester dauert, mit der Schule 
veibunden, DieM^r Cur* uinfüsst vorzüglich praktische Arbeiten, — theih im 
Übüngscornptnir, theils im W a rcn I a b or a t o r i u m , welcheä bereits mn 
xahh'eicheu Wan^nniusletn und den nöthigen Ittstuimenten ausgerüstet i^t, — 
und soll die Schüler besonders an Selbstständigkeit bei ihren Arbeiten gewöhnen 

Es wertien in diesem Cui^e aucli tioch einige Gegenstäude, die eine 
höhert' Vorbildung und geistige Iteife vorausisetzen, jedoch ebenfalls mit he* 
sondereL UückHicht auf ihre praktische Seite, behandelt. Diesen praktischen 
Cur^i nach Ahiolvieiung der oberen Abtheilung noch äu beau hen, wird sich 
dtiber nicht Ttur für die nach einer höheren kaufniännisübcn Ausbildung Stre- 
benden, sondern jedenfilh aucb für jene empfehlen, welche blois die obere 
Abtlicilung dei- Schule bes»ucbt haben. Übrigens is^t dici^er Curs auch den der 
Schule bereits ! ntwachscnan oder in einer Bcrursstellung praktisch Tbätigen 
zupuiglieh 



I. Aufnahmsbedingungen, 

In die untere Abtheilung können lüle jene Aufnahme finden, welche 
14 Jahre alt sind, die Volks- oder Bürgerschule absolviert haben 
und bei einer A ufnahuispr ü fung hinlängliche V or kenn tnissi 
(in deutscher Sprache, Itcchnen und Geographie) nachweiseiu Ks ist jedoch 
auch gestattet^ dass Schüler vor vollendetem 14. Lebensjahre auf- 
genommen werden^ wenn der beti etfende Beziiksschulrath über Anfrage 
der Diiecüoii hiezu seine Zusiimmung gibt. 

In die obere AbtheÜung treten in der Kegel jene über^ welche die 
untere Abtheilung mit gutem Erfolge ahäolvicrt haben; doch kann auch ein 
directer Kintiitt statttinden^ wenn der Aufuahmswerber die entsprechenden 
Kenntnisse hei einer Aufnahnnprüfung oachwei^t, 

In den praktischen Curs können jene eintreten, welche diC obere 
Abtheilung mit gutem Erfolge absolviert haben. Ausserdem können auch solche 
Personeu diesen Curs besuchen, welche mit Rücksicht auf ihre Vorbildung oder 
praktische Ausbildung von dem Lehrkörper als für diesen Curs tjualificiert be- 
zeichnet werden und mindestens 16 Jahre alt shid. 

Für die Anfnahmsprüfung in die untere Abtbeilung ist keine Taxe zu 
entrichten. Für die Aufnahmeprüfung in die obere Abtheilung bctriigt die Taxe 
2 rt* Das Schulgeld pro Seraester ist fünf Gulden, Fleit^ge uod dürftige 
Scbüter können von der Entrichtung desselben befreit werden, eventuell auch 



61 

in den Genuss von Stipendien und anderen Unterstützungen gelangen. — 
Auswärtige Schüler können in Kosthäusern billig untergebracht werden. Es ist 
sonach auch den weniger Bemittelten möglich, ihre Söhne an dieser Fachschule 
ausbilden zu lassen. 



IL Lehrplan. 



Unterrichtsgegenstande 



obligate : 



'-I. Jahrg. oderlll. Jahrg. oder 
li Unte re i Ober e 

I Abtheilung 

,j wöchentliche Stundenzahl 



Kautinännischcs Rt^chiien j 

Handelskunde 

Correspondenz und Comptoirarheiten 

Buchhaltung (in der unt. Abtheil, nur im II. iScm.) ,: 

Warenkunde und Technologie • ;' 

Ilandelsgeographie 

Deutsche Sprache 

Schönschreihea 

Geometrie 

Wechseirccht, Handels- und Gcwcrbogeset/kunde 
Volkswirtschaftslehre (nur im II. Sem.) .... 

Summa der wöchentlichen obligaten Stunden . . 



1. 
II. 



S. 24 
S. 2(y 



I S. 
II S. 



27 
29 



Praktischer Curs (Ein Wintor-Scuioster.) 

Übungs-Comptoir wöch. 12 Stunden 

Warenkunde (Arbeiten im Waron- 

I«aboratoriumi ^ 9 „ 

Kaufmännisches Rechnon , 2 „ 

Handelsgüsct/kunde , 3 ^ i 

Volkswirtscliaftslohre n 3 „ \ 

Sammc der wöcbentliciien Stuncb'n 2\) Stunden ; 



Unobligate Unterrichtsgegenstande : 

Französische Sprache 

Zeichnen 

Stenographie 

Turnen 

Gesang 



1. Abth. 



II. Abth. 



Lehrstoff -Vertheilnng. 

rntere Abtheilung (1 Jahrgang.) 

ji. Obligate Unterrichts-Gegenstände. 
Kauftnännisches Rechnen. Um eine auf Verständnis beruhende Sicherheit 
und Gewandtheit im Zifterrechnen zu erzielen, werden zunilchst die vier Grund- 
op^ationen in ganzen Zahlen und Oecimalzahlcn. die Theilharkoit der Zahlen, 



62 



das grÖBste gemeinschaftliche Maß und kleinste geraeiiiächaftliche Vielfache, 
die gemeinen Brüche und das Rechnen mit deoselhen, dann die Rechnungiarten 
in banaimten Zahlen behandelt Hiebei wird besonderü Rücksicht auf die prak- 
tisch anwendbaren Vortheile genommen. Daran schliePt sich die Behandtung 
nachfolgender Rechnungsarten in ihrer Anwendung auf leichtere Fälle aus der 
G^schäftspraxis : Verhältnisse, einfache und zusammengesetzte Regeldetri, der 
Kettensatz, Durchschnitta-, Gesellschafts*, Mischungsverhältnis-Rechnung, Procent- 
rechnung, Aufstellung von Waren- und Spesen-Rechnungen, Interesaenrechjiung 
im allgemeinen und deren Anwendung auf Wechseldiscontierungen* 

Wöchentlich 4 Stunden. 

Handelskunde. Begntl\ Ursprung und Nutzen des Handels^ Arten des 
Handels. Die Handeltreibenden^ Handelsgegeubtande, Münz-, MaP- und Gewichts- 
Systeme mit besonderer Berücksichtigung des metrischen Systems. Der Waren- 
handel. Die Lehre vom Gelde. Das Wichtigste vom Wechsel, den Anweisungen 
nnd Wertpapieren, Hüfsgewerbe des Handels. Die Agenten. Das Frachtwesen 
(Fuhrmann, Eisenbahn, Flussschiffer.) AsBecuran^. Spedition, ZoUweBen. Der 
Geld- und Wechselhandel und der Handel mit Wertpapieren in kurzen Um- 
rissen. Wöchentlich 3 Stunden. 

CorrespondenZ' und Comptairarbeiten, Im Anschlüsse an die Erklärungen 
aus der Handelskunde werden behandelt: Einfache Noten und Rechnungen des 
Kleinhändlers und Gewerbsraannea, Rechnungen der Grnsshändler, Facturen im 
Commmis^ionsgeschäfte, Gewichtsnoten, Verkäufe-Rechnungen, Briefe überW^areu- 
bestellungen und Facturenbriefe. Warenoffertbriefe» Die wichtigsten Formen deb 
Wechsels. Traltenavisbriefe und Ri messen hriefe. Frachtbriefe von Fuhrleuten, 
Eisenbahnen und Schiffern. Ladescheine und Lieforscheine. Speienrechnungon, 
Schuldscheine, Quittungen, Bons. Anweisungen- Ganz einfache Rechnungen über 
Ein- und Verkäufe von Münzen und wichtigen EÖ'ecten, Circulare, Erkundigungis* 
und Au&kunftsschreiben, Mahnbriefe. Wochen tÜch 2 Stunden. 

Buchhaltung. Grundsatz^ der einfachen Buchhaltung. Anleitung zur An- 
fertigung der verschiedenen Buchhaltungsformularien mit Wert- und Mengen- 
verrechnung für gewerbliche und kaufmännische Unternehmungen. Buchung eines 
einmonatliehen Geschäftsganges Abscbluss der Haupt- und Hilfsbücher. 

Nur im ir. S e ra e s t e r W^öcheutlich 2 Stunden. 

Warenkunde und Technotngie^ Elemente der Naturwissenschaften: das zum 
Erkennen und Besuhreiben der W*aren Nothwendige aus der Organlehre de? 
Thier- und Pfianzenreiches; die physikalischen Grundgesetze mit besonderer 
Berüek^ichtigung der Mechanik und deren Anwendung im praktischen Leben, 
einfache Maschinen, W^erkzeuge. — Die Grundzüge der Warenkunde, Einth^ilung 
nach verschiedenen Gesichtspunkten, die wichtigsten Nahrunga- und Genuas- 
miltel des PHanzenreiches, die zufolge ihrer Herkunft &ich anschließenden Er- 
^eugnia3B der technischen Gewerbe und die hervorragendsten Rohproducte 
thierischer Abstammung, überhaupt nur solche Objecte^ die 2ur unmiUelbaren 
Anschauung gebracht werden können. Wöchentlich 4 Stunden 

AllgemeinB und HandeUgeographJd. Beiastigung und Erweiterung der Kennt* 



68 

nisse io der allgemeinen Geographie. Specielle Geographie der österr.-ung. 
Monarchie mit besonderer Hervorhebung der auf die materielle Cultur nament- 
lich auf die mercantile Stellung des Ueiches und seiner Gebiete sich beziehen- 
den Verhältnisse. Übersicht der wichtigsten Momente der österr. Geschichte 
seit Begründung der Herrschaft des Hauses Habsburg. — 

Wöchentlich 3 Stunden* 

Deutsche Sprache. Wiederholung der Formenlehre. Die Lehre vom ein- 
fachen und das Wichtigste aus der Syntax des zusammengesetzten Satzes. 
Dictate und grammatische Uebungen im Anschlüsse an das Lesebuch und gram- 
matische Lehrbuch. Uebungen im mündlichen Ausdrucke, besonders im richtigen 
Lesen. Einfache mündliche und schriftliche Reproductionen. Im Zusammenhange 
mit der Behandlung des Gelesenen und den schriftlichen Übungen, Belehrung 
über Satzzeichen und Ilechtschreibung. 

Wöchentlich 4 Stunden. 

Geometrie. Formenlehre, Berechnung des Flächeniuhaltes der geradlinig 
begrenzten ebenen Figuren und des Kreises; Berechnung der Oberfläche und 
des Rauminhaltes der elementaren Körper^ nach vorangegangener Behandlung 
der hiezu nöthigsten planimetrischen und stereometrischen Lehrsätze. 

Wöchentlich 2 Stunden. 

SchSnechreiben. Heranbildung einer leserlichen und gefälligen Handschrift. 

Wöchentlich 2 Stunden. 
b) Unobligate Unterrichts-Gcgenstäude : Siehe Seite 65. 



Obere Abtheilung (II. Jalirgaiig.) 

a. Obligate Unterrich ts-Gegenständef 
Kaufmännisches Rechnen. Kurze Wiederholung der Percent- und Interessen- 
rechnung. Die Discont- und Terminrechnung. Conto-Corrent-Rechnung. Maß- 
und Gewichts- Verhältnisse der wichtigsten Länder. Gold- und Silbei -Rechnung. 
Münzrechnung nach Münzfuß und (Kursnotierung. Wechsel-, Devisen- und EtTecten- 
rechnung nach dem Wiener Cursblatt. Waren-Calculationen. 

Wöchentlich 5 Stunden. 
Handelskunde. Theilweise Wiederholung des Lehrstoffes der unteren Ab- 
theilung mit besonderer Berücksichtigung der Kapitel über den Warenhandel, 
den Geld-, Wechsel- und Eäectenhandel. Die allgemeinen gesetzlichen Bestim- 
mungen über Handelsbücher, Firmen, Prokuristen, und Handlungsbevollmäch- 
tigte, über Handelsgesellschaften, über die Handelsgeschäfte, den Kauf, das 
Commissions-, Speditions- und Frachtgeschäft. Das Transport- und Zollwesen. 

WöchentUch 2 Stunden. 
Correspondenz und Comptoirarbeiten. Kurze Wiederholung des Lehrstoffes 
der unteren Abtheilung, insbesondere der Facturen, Spesen- und Verkaufs- 
RechnuDgen und der dazu gehörigen Briefe. Eingehende Erklärungen der Preis- 
listen, Corszettel, Schlusszettel, Warrants, Conossamente; Discont- und Devisen- 




aer 
tia|H 



64 

Noten, Cheeks» Cat^sa^icheine, CoDli-Correnti, Zolldeclar&tionen etc Einfaobe bet 
Gewerbs- oder Handtfb-Uriternehmangeu vorkommende V^ei träge. Aus der Handel 
Correspoiidenz werde» beliandelt: Briere über CnmiiiissiiiDs Tratten und Ri 
messen, IVimenbriefe, Briefe über Nothadressen, Interventionen und domi 
lierte Wechsel, über Wechsel- Du|>licate und WechseUCopieii. Briefe über Ein 
und Verkäufe von Devisen und KÖ'ecten, Erapleblungs- und Creditbriefe, Ci 
culare, IHeüstofferte und Ansuchen um Blanco- Credit e. 

Wöchentlich 3 Stunden. 
Buchhaltung. Kur^e Wiederholung der einfachen Buchhaltung. Theorie der 
doppelten ßuchungsart. Praktische Verbuch uug einzelner Geschäft ifäUe. Ei: 
gehende Ausoinanderset?!ung der Principien des Bücherabschlusses. Ausarbeitup| 
der Verl>uchüMg eines einnionatlicheii üeschitftsganges eines Warengeschii 
mit Beispieleu aus dem Bankgeschäfte. Wöchentlich 3 Stunden 

Wechselrecht Handels- und Gewerbegesetikunde a) Wechsel recht. Leicbi 
fassliche Darstclkiiig der listerr. Wechselordnung und Hauptgrund sätze di 
Wechsel Verfahrens. Erläuterung der Itechtssätze an eius^elnen Fällen und ai 
der Hand von Pormulönen, — Das Wichtigste au^ dem Gesetze über Stempel 
und Gebühren für Wechsel, kauft^äDnische Urkunden und Rechnungen. 

h) Gewerbegesetzkunde. Die Gewerbeordnung saramt Kacbträgen, Di: 
wichtigsiten gesetzlichen Bestimmungen Über Marken- und Musteracbutz, übi 
den Hausierhandel, über Haudela- und Gewerbekammern, ilandek-ÄgeDten uiil 
über Erwerbs- und Wirtschaftsgeoossenschaften, Wöchentlich 3 Slundei 

Volkswirtschaftslehre. Bedeutung der Volkswirtschaft und Darstellcii3< 
ihrer Grundbegriffe* Die wichtigsten volkswirtschaftlichen Systeme in den Gruo 
Zügen, Die Gütererzeugung. Die Productionsfactoren : Natur, Arbeit und Kapi 
Zusamnien wirken dieser Factoren. Der Güterumlauf m seinen Umrissen 

Nur im II. Semester: Wöchentlich 2 Stunden 

Warenkunde und Teohnologia. Die mineralischen Rohwaren, Scbmu^ 
steine und ihre \'erwendung^ Metalle und Legierungen und deren Verarbeitun, 
Werk/.euge, Fabrikation von Nägeln, NadelUj Ketten, Schneid waren, Stahl feden 
Münzprägung, Verschönerungsarbeiten (Vergolden, Versilbern^ Verkupfern ete. 
Thouwarenindustrie, Glasfabrikatian, Baumaterialien, Farhwaren, Rohstoffe und 
Fabrikate der Textilindustrie, Papier fabrikation, andere wichtige Pflanzen waren. 
— Die Erklärungen werden mit den zum Verständnisse nöthigen Erläuterungei 
der einfachsten cbemi&chen Processe und physikaLischeu Grundbegritfe begl eitel 

Wöchentlich 4 Stundei 

Handelsgeographie. (landelsgeographie Europas und GtundEüge der Hai 
delsgeograpliie der aul^t-reuropäischen Erdtheile. Besprechung der wicbtigatej 
Linien des Welthandels, Erörterung der wichtigsten Thatsacben aus der G 
schichte des Handels. Wöchentlich 3 StundenT 

Dftftsche Sprache. Lehre vom einfach und mehrfach zusammengesetzten 
Satze und von der Satzkür^ung. Darstellung von Satzbildern. Entsprechende 
schriftliche und mündliche Übungen auf Grundlage den Le'^ebuches. Grundsillq 



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len. 
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in^l 
3rii^| 



65 

der Wortbildung mit Bflckaicbt auf Vieldeutigkeit und Verwandtschaft der Wörter. 
— Lehre von den wichtigsten Formen des Aufsatzes, namentlich der im Ver- 
kehre am häufigsten angewendeten. Wöchentlich 3 Stunden. 

SBMtaacbriHian. Übungen zur Heranbildung einer gefälligen Handschrift, 
RundschrifL Wöchentlich 1 Stunde. 

b) Unobligate Unterrichtsgegenstände. Siehe Seite 66. 



FridcliMher Cum. (Ein Winter-Semester.) 

OlNilig$*Coiliptoir. Praktische Einschulung in sämmtliche Arbeiten des k:iuf- 
minnischen Comptoirs ans den Gebieten der Buchhaltung, der Handelscorre- 
spondenz und der Comptoirarbeiten in ihrem innigen Zusammenhange. Zu dem 
Zwecke wird ein mehrmonatlicher Geschäftsgang mit Vorfällen aus dem Waren-, 
Eigan-, Commiseions- und Speditions-Handel; sowie aus dem Bank-, Depot- und 
Lombard-Geschäfte yerbucht und abgeschlossen, wobei sämmtliche in demselben 
Torkommenden Briefe^ Rechnungen, Wechsel etc. ausgearbeitet werden. Auf 
selbatständigeB Arbeiten der Schüler wird das Hauptgewicht gelegt. 

Wöchentlich 12 Stunden. 

IVarMfcuMle. Durch eigenes Arbeiten des Schülers soll eine durchgrei- 
fende Kenntnis der her¥orragendsten nutzbaren Rohstoffe (?ornehmlich des Pflanzen- 
reiches) mit Zuhilfenahme des Mikroskops und von Reagentien erreicht werden. 

Außerdem findet die Statistik des Warenverkehrs entsprechende Behandlung. 

Die praktischen Arbeiten umfassen die Anwendung der wichtigsten Hilfs- 
mittel zur Untersuchung der Zusammensetzung, Güte, Echtheit und Conser- 
TieruDg der Waren und die Darstellung von Extractivstoffen, Präparaten etc. 

Wöchentlich 9 Stunden. 

Kailfinlllllisches Rechnen. Kurze Wiederholung der Devisen- und Effec- 
tenrechnung. Einfache Wechsel-Arbitrage. Die wichtigsten Usancen im Waren* 
handel. Schwierigere Warencalculationen. Wöchentlich 2 Stunden. 

Handalsgetttzkunde. Erläuterung der wichtigsten Bestimmungen des österr. 
Handelsgesetzbuches. — Grundzüge der Concursordnung, insbesondere die Lehre 
vom kaufmännischen Concurse und vom Zwangsausgleiche. 

Die einzelnen Abschnitte werden durch entsprechende, der Praxis ent- 
nommene RechtsfiÜle erläutert. Wöchentlich 3 Stunden. 

Volkswirtschaftslehre. Bedeutung der Volkswirtschaft und Darstellung 
ihrer Grundbegriffe. Production der Güter und ihre Vertheilung. Das Kigen- 
thum. Der Austausch. Geld. Das Einkommen und seine Quellen. (Grundrente, 
Arbeitslohn, Kapitalszias). Organisation der Unternehmung und des Haushaltes. 
Der Credit und seine Hilfsmittel (Wechsel, Anweisungen, Papiergeld, Banken), 
Consumtion der Güter. Über Association. Über Steuern und Zollwesen. Über- 
sicht der wichtigsten Wirtschaftszweige, wobei die volkswirtsehaftlicho St(Mhjn>; 
des Handels- und Gewerbestandes besonders erörtert wird. 

Wöchentlich 3 Stunden. 



66 

Unatillgaie ITiiierrieiiisgegetiiiläiitle* 

I. Abtbeil ung (rDr Anfänger) 

Französische Sprache. Lese-Regeln, die FormeDlehre, eawie jene Uaupt- 
rcgelti aus der Syntax, welche zum Verstätidnisse leichterer Sätze tiothweDdig 
bind, mit entsprechenden mütidÜchen und scbrifiÜcheii Übungen, 

Wöchentlich 3 Stunden 

Zeichnen Übungen mit dem Zirkel, dera Dreiecke und der Relssschiem 
Zeiclmen und Übertragen dor geraden Linien und des Winkels. Couatructio] 
der Drei-T Vier- und Vielecke. Tbeikuig der Geradefi und dea Winkels* Maß- 
stäbe uud deren Anwendung, Die wichtigsten Conatructioneu am Kreise. Zeieh* 
nen der ernracbsteii K('^rper durch Grund- und Aufriss nach Modellen und ei^ 
gener Ahtne^sung, Wöchentlich 3 Stunde 

IL Ahth. (für Vorgeschrittene;) 

Franzosische Sprache, Wt-item JUdiandlung uud Krgän^ung de& Leh: 
Stoffes iler ersten AbllKMhuig: bt-i den uiiindlichen und »chnfthcbeu Übuage] 
wird vorwipgt^ud das llandelsrac!j berücksicbtigt. Wiiclientliclt 3 Hmiide 

Zeichnen (gleichzeitig mit der ersten Abtheilung), Zeichnen nach Vorlagen 
mit verändertem Mal^htahe ; Zeichnen einfaelier Gegenstände du cb Grund* und 
Aufriss unter Tnoglichster ßerückäicbtigung der künftigen Bedßrfnisse dei 
Scbülers. Wöchentlich 3 Stunde; 



n. 



Der Unterriebt aus den lieien Lelirgegen^tänden: Stenograph iaj 
Turnen, Gesang richtet sicti ebeidalk nach der Vorbildung der Tbcilnehme 
und wird unentgelüicb eitheilt. 

üb und welche freie Lehrgegetii^täude ein Schüler zu erlernen hat. be 
stimmen die Kitern oder Vurmilnder; doch empfiehlt es sich, dasi* jene Schüler 
welche einen kau fm ä n n i s c h o n B e r u f ^laiisU eben, dem i Unterrichte aui 
französischer Spraclie^ und jene, welche voraussicbtlicb einem gewerb- 
lieben Berufe sieb widmen werdeu^ den» Zeichen - U u ter richte bei 
wohnen, endlich« dasi:^ Jetlenfails alle Schfllerf deren «tiesundheitszusüind 
lulääst, an dem Turnuutei richte thtilnehmen. 

Als IKi s c 1 p 1 i n a r * V r s h r i f t e n gelten genau dieselben, wie an de 
Reakchule 



III. LehrmitteL 

Blliltiiiliek fler lIiiiiflelMscIiule« 

C u s 1 B : ProfBsfior F j a n z H o I u b* 
Vermebrung im Sehuljabre 1087/8, 

k. Mmi^terium für Cultus und Unterricht: (Jommercio 

Navigastiooe in Tritslt* nel 1885. Naviga^ioue austro 

ungarica all' esteio nel 1885, — Stuti&tik der SeeschiÜahrt und des See^ 
haudels jn den österr« Häfen im Jahre 1885. 



Vom hohen k 

Triesle nel \SH!\ 



(57 

Von der I5bl. Handels- und Gewerbekammer in Wien: (")freutliclie Ver- 
handlungen der Handels- und Gewerbekammcr in Wien, Jhrg. 1887 nebst Uei- 
lagen. — Bericht über die Industrie, den Handel und die Verkehrsverhältnisse 
in Nied.-Oesterr. während des Jahres 188(1. 

Vom k. k. Postsparcassenamte: Vierter Kcchenschaftsboricht des k. k. 
Pustsparcassenamtes für das Jahr 1887. 

Von VerßiSftern: Kudolf Kathrein: Lehrbuch der kauimilnnischon 
Arithmetik I., H. und HI. Th. — F. S. Ilolzer: Lehrbuch der politischen 
Arithmetik. 

Von der Verlagsbuchhandlung F. Hirt & Sohn in Leipzig: Find eisen 
C. F., Grundribs der Handelswiesenschaft. 4. Autlage. 1887. 

Vom Herrn k. k. Oberpostverwalter van Aken in Krems: Anton Leopold 
Uaßlehncr, richtig berechnete Tabellen über die in den gesanimten k. k. böhm.- 
östcrr. und ungar. Erbläudorn nach den neuesten Verordnungen, besonders vom 
1. September 1783, in- und ausländisch gangbarsten Gold- und Silbennünzcn. 
Wien 1783. 

b) Kauf: 

Franz Holz er. Historische Darstellung der indirecten Steuern. 
Wien 1888. — Otto Schridde, Praktischer kritischer Trichter für Vohipük, 
Brünu 1887. — St. v. Brandowski, G-raniinatik der Weltsprache Volapük, 
Wien 1888. — Dr. M. Ohlidal, Unterrichtsbriefe zur Krleniung des Voliipük. 
Wien 1885. — Otto Swoboda, Die kaufmännische Arbitrage. Berlin 1886. 

— D. Spitzer, Wegweiser für den osterr. - ung. Handel mit dem Orient. 
Jahrgang 1887/8. — Aug. Schneid, Vereinfachtes Volapük. Brunn 18S7. — 
Joh. lieilUiofer, Lehr- und Hilfsbuch der kaufm Arithmetik, I. Thoil. Wien 
1887. — Dr. Max Wildermann, Jahrbuch der Naturwissenschaften. 1880/7 
und 1887/8. — Edward Collins, B. A., (iro(->es englisches Übungsbuch. 
Wien 1887.— Dr. Anton Scholz, Lehrbuch der Geographie. Wien 1887.— 
Dr. Simon Kaiser, Der Güterumlauf. I. und H. Tlieil. Frankfurt a. M. 
1888. — Wilhelm Bosch er, Grundlagen der Nationalökonomie. Stuttgart 
1886. 18. Auflage. — J. F. Schär: Lehrbuch der Buchhaltung. Stuttgart 1888. 
Rudolf Schiller, Lehrbuch der Buchhaltung. I., II. und III. Theil. Wien 
1SS7 und 18S8. — Wilhelm Trempenau, Schlüssel zur richtigen Ver- 
buchung schwieriger und aul^ergewöhnlicher GeschäftsfiilU?. Leipzig 1883. — 
Franz v. Kobell, Tafeln zur Bestimnmng der Mineralien. München 1884. 

— Adolf R. V. S tri gl, Die VertragszüUe Oostenvich-Ungarns. Wien 1888. 

— (iustav Wagner, Buchhaltung für (lewerbotreibende. Leipzig 1S88. — 
Wilhelm Röhrich, Buchhaltung für Fabriksgeschäfte. Leipzig 1888. — Dr. 
Franz Bubenik, Die Technik des Giro- Verkehrs bei der österr.-ung. Bank. 
Wien 1888. — Rupert Kniele, I)eutsch-welts|)rachliche IIandelscorres|)on- 
denz. Überlingen 1888. -- Manz'sche (} esctzausgabe: IL Das allge- 
meine bflü^ediche Gesetzbuch. HI. Die Vorschriften über Rechtsangelegenheiten 
außer Streitsachen. IV. Das Strafgesetz über Verbrechen, Vergehen und Über- 

9* 



63 



tretuijgen uud das Pre88gea€tz, — ^ VI., L Abth. Die Vorschrifteo über Erfüllung 
iler Wehrpflicht. IX X. Die StaatsgrüudgeBetze, XXL Österreichische Steuer- 
gesetze. L üud 2. Theil Gewerbe-Oordnung, Wien 1887. Nied.-öaierr. Lan 
desgesetze L, IL und IlL fingier und PraEÜ, Die natürlichen Plknzen^ 
Familien. Lfg. 1.— 20. 

Fortsatzungerr : Jahre&bericlit Über die Fortschritte der PharmacognositJ 
Pharmacie und Toxicologie* 2L Jhrg. {18S5— 1886). — Hagers UntersucbuugeD, 
6,~d. Lfg. 

Zeitschriften: Globus, illuatr Zeitschrift fUr Läader- und Völkerkande. 
Bd. 51, — Gentralblatt für Am gewerbliche Unterrichte wesen in üesterreicb. 
Bd. 6. — Der öaterretcbische Kaufmann. IV. Jhrg. — Österreichisch-ungarische 
Revue. Jhrg. 1886 und 1887, 

Münzensammlting: Dieselbe erfuhr auch heuer eine Bereicherung dttrcli 
Spenden der Schüler und wurde in maunigtacher Weise beim Unterrichte benützt 

II. Waren-Ltal>ormt0rio iii. 

^ft Gustos der Warensammlung : Prof. Dr. Othmar Nebeski 

^M Vermehrung im Schuljahre 1887/8. 

^^ 1. War«a«äiniiilaiig« 

A. Geschenke: Von Herrn L. Ullrich in Wien; 100 Muster von 
Bchiedenee feinen Ledersorten (Juchten-, Saffian-, Glace-, Seehunda-, Krokodil- 
leder etc.) 

Von Herrn J. GrUnwald in Wien: Eine alaungare und eine lohgai 
Schafhaut^ ferner \Z Muster von lob- und alaungarem Schafleder* 

Von der Firma Hirsch u. Cie. in Wien: 5 Pelzmuster als Ergänzui 
?M der von 11> Hofkürschner A. Schwarz im Vorjahre gespendeten Pelzmneier^ 
Sammlung, 

Von Uerrn Dr, H, Wich mann in Wien: Stammstücke von Ficus Carica^ 
Ncrium Oleander und Ülemaüs Vitalba; 2 Klötzchen von Buchsbaumholz mit 
Holzschnitten; 2 Gesteinsproben (körniger Kalk mit Tremolitb v* Albrecbtsbern 
u. Schlier v, Otfnang), ^ 

B, Kauf: Von J, Erber in Wien: 26 Mineralien, meiBtens Er^e; die 
Schalen einer Flußperlmuschel (Margaritana margaritifera) sammt einer Anzahl 
von Perlen; die Schalen einer Seeperlmuschel (Meleagriüa margäritifera) ; eim 
kleine Barte vom grönländischen Wal (Balaena mysticetus). 

Durch Herrn J, Hladik in Wien: Eine grosse Barte des Finnfisches 
(BalaeDoptera rostrata). Eine Zusammenatelluag von Elfenbeinmaterialien u, zw. 
ein Stüsszahn vom Elephanten und vom Narwal, ein oberer Eckzahn vom Wal- 
rose, ein unterer Eckzahn vom Flusspferd und ein Stück fossilen Elfenbeins 
(vom Mammuth). 

Au(3erdem wurden einige Droguen und Chemikalien angekauft, 

SS. Inatrunieate und andere Elttrlelilitngagegeiistjliide« 

Kauf: Von W, PL Hanck in Wien: Ein Apparat für trockene Destil 
laliou xur Demonstration der Leuchtgaserzeugung, 



I 



1 



V. 

l- 

I 



69 

Von W. Rohrbeck 's Nachfolger in Wien: Eine Platinschale; ein 
Stahlmörser, eine Pincette, Eprouyettenhalter, Eprouvetten, Kochkolben, Pykno- 
meter, Filtrierpapier, Reagenspapier u. a. Verbrauchsgegenstände. 

8« A.llgeinelne Samensaiiimlung« 

In diese Sammlung wurden vom Gustos die Samen mehrerer einheimischer 
Pflanzenarten eingereiht. 



4U IMMBiiiliing von luikroskopisehen PräparNleu. 

Dr. H. Wichmann in Wien spendete zwei Gesleinsdünnschliffc (Syenit 
und Perlit); außerdem wurde die Sammlung durch einige vom Gustos ange- 
fertigte Dauerpräparate vermehrt. 

S. Zellschrinen nud llandbficher. 

A. Geschenke: Von Herrn Prof. Dr. Th. F. Hanaus ek in Wien: Zwei 
Nummern der Eisenbahnzeitung, einen Vortrag des Spenders „Neue Forschungen 
über das Papier^^ enthaltend. 

Von Gehe & Gomp. in Dresden: Handelsbericht, 2 Hefte (Septem- 
ber 1887, April 188S). 

B. Kauf: Geissler und Moeller, Realencyclopädie der gesammten 
Pharmacie. 1.— 66. Lfg. — Hager und Geissler, pharmazeutische Central- 
halle, Jbrg. 1888. — Uhlworm und Behrens, botanisches Central blatt, 
Jhrg. 1888. E. F. Strebel, der Getreidebau. Stuttgart 1888. 

III« Geographische Ijeh rmi AAelsaminl ung. 

Vermehrung im Schuljahre 1887/8. 
Kauf: Oesterreichische Monatsschrift für den Orient, heraus- 
gegeben vom Orient. Museum in Wien, 13. Jahrgang. Oberländer, fremde 
Völker. Leipzig 1 883. U. K i e p e r t 's stumme physikalische Wandkarte v. Oesterreich- 
Ungarn 1886. — li. Kiepert 's stumme physikalische Wandkarte von Deutsch- 
land 1886. — H. Kieperts Wandkarte von Nord-Amerika 1886. — A. Supan, 
Karte der Jahres-Isothermen. 1884. — Haardt, Schulwandkarte von Austra- 
lien und Polynesien 1885. 



70 



lY. Yerzeichnis der Lehrbücher, 

welche im Jahre l88H/iJ in Vei Wendung kommen. 



rliehrgegeustand 



Untere Abthailang 



Obsra Äbtheilaog 



KaufmäBiiiscbes 
Bechnea 



KÄthreia, Lelirbuch der kaufm. Arithmetik. 
L TbeU. . I U. Tbeil 



Handelskuade 



FmdßiseDf Grimdriss tkr UnndelBWiäseoscbaft, U, Äußjige, 



I 



Wechaelrecbt, Heui- 

deLS' u.QeweFb&geaetZ' 

kuQde 



Elamente dar Yolka- 
wlrtscbaftsLeüre 



HandeUgeographLa 



ThcuniÄtin, tlna dsterretcbiselie 
I Wechselrecbt 3. AulL 

I H U fsb ucb : Die Ü e w t*rb ^*o rdnn i 
V. 20. XIL i85U mit d. Abünaej 
lunf II, Etrg^ntmig v. S. HL l 






Geomottid 



Detite0he Sprache 



Franzö&iecha Sprache 



Stenographie 



Kiebl, AnfatigsgrQnd^ der Vulb- 
wirtficktft, 3. AuÜ., ntiu be&rk 
voti Prüf, Richter. 
KozemX'-JarÄ, Leitfaden ± Geographie f. d. Äaterr. MitlcUehtita 
L u. IIL TheiL iL TheiL 

Seh tilati nuten v. SÜeler luid Ko^^no-IIaärdt, 




Mocuik, Änfaogägrüade der Geo-| 

nietH« m VerbiDdnng mit dem! 

Z*.uchnen. 



WiilomlUer, deutsche Grammaiik f. üsierr, Mittel sc buten. 4 
Ha^'iiierle Dr. R. v,, deutsch ei Leaebncb ftlr Gewerbe ach tue o 
verwgnd tß Le b raDstai t© ii* 



Ploetz^ Elem^^iilar- Grammatik der trau ^söii sehe □ Sprache. 

|Vogid Dr. Ch., dio Haadelscocj 
— resfJoudoQ/. in fraiizosischer 

I deiits€her Sprache. 



AuM 

I 



Albreclit, Lehrbuch der Gabelsberger^scbee Stenographie^ L CursiB, 
L Lesebuch L GabeUbürtfer^Bclie Steno;? 



fclnge 



raphe 



Im practieoben Oursa werden verwendet: Schiller, AufgalTCu Sammlung f. Uandeklehri 
anstultrji) IIL Tbeil; 
Kiehl (Richler) Anhiny:sit?riiiide der Vulkawlrtaehaft; 
Btodig, die 4 ersten iJUcher dtta allgemeinen deutschen iltudeh- und Wech&'3lräcbte&. 

Y. Unteretütsung armer Sohiiler. 

a.) Bariiiiler«tiit2ung* 

Im Laufe des Schuljalires gelangten iblgendü UnterstützuQg^beträge 
artoe und würdige Schükr zur Ausi^ahlung. 
I J Zufolge Erlasses d<^s h. n* ö. Landesausschu&ses vom 17. NoTember 1887J 

Z. 31809 2 Ünterstatzungsbeträge 4 fl, 75 ,...,...,.. 15Ö 
2 ) Zwei von dem Vurstaude des Zehiikreus^er-Vereiüea der Pirectioü über- 

gebenen UnterötÜUungsbe träge a d. 00 . . . , 100 



Ift*) tliiierKltilxiiiig'wr^uiL 

Ausweis über Eiuualimea, Ausgaben und Vennügensstand siebe Seito 53 
Es wurden 15 Sdiükr der beiden Abtheilungen der Htindehäcbiile mij 
Lebrbiicberu betheilt. 



71 

YI. Bekanntmachung, 

die Aufnahme der Schüler betreffend. 

Das nächste Schuljahr beginnt am 16. September 1888. 

Die Aufnahme der Schüler findet vom 14. September angefangen von 
8—12 Uhr vormittags in der Directionskanzlei statt. Alle Schüler haben sich 
iu Begleitung ihrer Eltern oder deren Stellvertreter bei der Direction zu melden. 

Schüler welche in den 1. Jahrcurs der n. ö. Landes-Handelsschule ein- 
treten wollen, haben den Nachweis über ihr Alter (Tauf- oder üeburtsschfin) 
und das Entlassungszeugnis der allgemeinen Volks- oder der Bürgerschule bei- 
zubringen, eventuell das let/.te Studienzeugnis vorzuweisen. 

Schüler, welche direct in den II. Jahrcurs eintreten wollen, haben außer 
dem Tauf- oder Geburtsscheine auch ihre SemestraUZcugnisse vom Schuljahre 
18d7/b vorzuweisen. 

Schüler, welche in den. praktischen Curs eintreten wollen, ohne dir obere 
Abtheilung absolviert zu haben, müssen nachweisen, dass sie sich die nötige 
fachliche Vorbildung verschatlt haben und mindestens 17 Jahre alt sind. 

In KetrelT dos Schulgeldes und der Schüier-llnterstüt/.ung gelten di» stoben 
Bestimmungen wie an der Oberrealschulo. 

Die Direction ist jederzeit bereit, über gestellte m ü n d 1 i c h e und 
schriftliche Anfragen in B(*tretV der Kinrichtung der Schule, der Auf- 
nahme und Unterbringung auswärtiger Schüler in hiesigen Kosthäuseni weitere 
Auskünfte zu ertheilen. 



Zur Chronik der Lehranstalt. 

Zu Beginn des Schuljahres 1887,8 wurde der seit dem 15. September 
1885 an der Landeso berreal- und Handelsschule in Krems thätige Supplent 
Josef Tauber vom hohen n.-ö. Landesausschusse zum i)rovisorischen Professor 
für fra,uzüsische und deutsche Sprache an dieser Lehranstalt ernannt. 

Für den seit Ende November l.sST schwer erkrankten und beurlaubten 
Professor Oswald Horst wurde der Assistent für Kreihandzeichnen an der 
k. k. Staatsoberrealschulo im III Bezirke Wiens Adolf Felkel als Supplent 
bestellt, welcher am If). Dccemher 1SS7 seine Lehrthätigkeit an der Landes- 
o berrealßchule in Krems begann. Im übrigen blieb der Lehrkörper unverändert. 

Am 4. Oktober wurde das Allerhöchste Namensfest Seiner Majestät 
ans eres Kaisers, am 19. November das Ihrer Majestät unserer 
Kaiserin durch einen Kestgottesdi(Mist gefeiert. 

Am II. December 1887 fand in Krc-ms ein Concert statt, welches Pro- 
fessor lg naz Walter zugunsten dürftiger Studierender veranstaltet hatte 
und bei welchem unter seiner Leitung ein grölwes Tonwerk, Schillers „(ilocke'*, 
comp, von Rhomberg, zur Autl'ührung kam. !>as ('(»ncert fand aulWordentlichen 
Beifall und es wuide ein ülierraschend hohes Keinerträgnis erzielt. Es konnten 
aus demselben den Unteistützungsfonden der beiden Mittelschulen und der 



72 



k. k. Lehrerbildungsanätalt je 150 ä., dem Stipendieiirereina iß Krems 50 &J 
zugeführt werdeo. Somit kamen an die Foode zur Unterstützung armer Sta<| 
dierender im Ganzen 500 fl. zur Vertheilung. Zu danken iöt dieser Erfolg 
auPer dem Veranstalter und Leiter des Coucertes, dem Zusanimen wirken eüieii 
großfifi Zahl von Musikfreunden ans EremB und Umgebung und der gütigen] 
Mitwirkung der Frau Marie Ullrich -Linde in Wien und des Herrn 
pitul^rs P, Friedrich Joe kl im Stifte Göttweig, 

Am 18, März 18B8 wurden die Mitglieder des Lehrkörpers und die SchülerJ 
duicfa deu Tod des von allen hochverehrten Professors Oswald Horst 
tiefe Trauer versetzt. 

ProfeBBor Horst war am I2> September 1829 ala Sohn eines Lithograpbea la Will 
geboren. Er halte erst «las 16. Lebecejahr erreicht, all er Aufnahme in die k. k. Aka4eiQJ«| 
der bfldendeo Kuuste in Wien fand, wo er nach vgüendetea Vorstiidieü in die \kitterachfi 
dea Historienmalers und Akademie- Professors Ritter ?. Fübrich trat. Er widmete sich 
Kunst mit Feuereifer, besuchte die Vorlesungen Ober Anatomie und Liuearpertpectife un4 
studierte die italienische Sprache. 

Seine Th&tigkeit im Lehrerberufe begann er im Jahre 1858 als Assistent für Freihand*! 
seiehneD an der k. k. Staat so benrealscbule Im HJ. Beisirke Wiena, an welcher Lehranitiltl 
er Tfom Jahre 1860 an anch als Sehreiblehrer thitig war. Das Verweudung^ä-Zeiignis, welches] 
ihm der damalige Dtrector der Oberreal schule im IJI. Bezirke, Dr, Johann Weiser, auistellti 
rühmt den ausdauernden Fleiü und das gründliche Können des jungen Lehrerti sowie dessem| 
vorzügliche Eignung zutu Lehrerberufe. 

Im Jahre 186S erwarb sich Horst die BeHihignng tur Ertbeilung des Unterrichtea 
Freihandzeichnen an Uberreatachülen laut des vom hohen k. k. Staatsministerium ihm ati^ 
geateiben Lehrber^tigungs - Zetignissi's vom IQ. Juli ISdS. Bald darauf, am *2B, September 
JSeS wurde er durch den b^ n. 0. Landesa usschuss als Lehrer des Freihandzeichnens an der_ 
eben damals erriehteten Lundesoberreal schule in Krems angestellt und erhielt im Jahre 18 
gleich den übrigen Mitgliedern des Lehrkörpers den Titel ^Professor^. Bis zu seiner 
Erkrankung Im November IBd?, also dnrch fast 25 Jahre, wirkte Professor Korst ununter- 
brochen au dieser Lehranstült in verdienätvoi laier Weise. Er ertheilte auilerdem den Unter- 
richt im Freihandzeichnen am k. k. ätaatsg>mnaaium in KremSt an der gewerblicheu Fort» 
bildungsgchule und im Institute der englischen Fräulein. Trotz dieser vielseitigen Lebrthfitig* 
keit wuF er unablässig bemüht, sich in seiner Kunst weiter zu bilden und den in ihm lebeoden 
künstle rischen Schafensdrang m befriedigen. Von deu Mshsalen des Lehrerhernfes, dessen 
schwere PHichten er seinem sittlich ernsten Charakter gemILß mit ?oller Hingebung erfüllte, 
suchte und fand er Erholung iu seinem Atelier an der Statfelei. Zahlreiche Bilder eigener 
Erfindung^ Copien^ Studien, Skiz^en^ Porträte geben Zeugnis von seiner rastlosen Thätlgkeit 
und unermüdlichen Scba^enaluät. Sein bedeutendstes Werk ist das Altarbild in der Pfarre 
kirche in Krems: „Maria Magdalena zu den F rissen des Erl^äera^, Das Oelingeo 
der ßilderausstellung, welche zngunsteu dürftiger Realschüler in dfir Charwoche des Jahres 
1866 im Gebäude der Landesoherrealschute stattfand, ist vorzugtwöise t^einen Bemühungen 
XU danken. Er lieferte für dieselbe zwei Originalbilder und zwei Copieu. F^r die Lehrmittöl- 
Sammlung der Landes oberreal schule malte er drei sehr gelungene Aquarelle : „Hermaim, der 
Cheruakerflirstj aus der Schlacht im Ten toburgerw aide zurückkehrend'', ^Aeg}ptischer König 
auf dem Streitwagen'* und „Ässyrerköuig mit Gefolge auf dem Wege aus dem Falzte nach 
dem Tempel** (die beiden letzteren nach Hottenroth^ Trachten der Vftlker a!ter und oeuer 
Zeit) — Auch war er h&ofig beschiftigt mit der Anfertigung von Ehrend iplomen und rer- 
schi#denen lllustratioiiswerken, die er in genialer Weise entwarf und mit staunenswertem 
Fleiße artsfübrie. In den letzten Jahren wandte er sich mehr dar Landschaftsmalerei zu 
und führte mehrere gelungene Bilder aus^ welche Partien der Stadt Krems und deren Um* 
gebui g £um Uegenatandc haben* 



73 

Ebenso hochachtbar wie a's Lehrer und Künstler war Professor Horst auch als Mensch 
^nd Bürger, als Gatte und Vater. Er hatte für die Jugend ein warmes Herz und war ein 
liebevoller Freund seiner Schüler. Die Collegen schätzten ihn hoch wegen seines biederen 
&iDd ehrenhaften Charakters, und zahlreiche Kundgebungen der Theilnalimc b ;i der Nachricht 
hron aelnem Tode bewiesen, wie geachtet und beliebt er in den weitesten Kreisen war. 
^ Und als kurze Zeit nach seinem Tode von seinen näheren Freunden der Gedanke 

' angeregt wurde, es möge auf dem Grabe des verehrten Lehrers ein Denkmal errichtet werden, 
Hin die Erinnerung an ihn dauernd festzuhalten, da kamen reichliche ßniträge 
«itowohl aus den Kreisen der hiesigen BQrgerschaft, als ?on den Collegen und den ehemaligen 
^Schalem desselben, wodurch die Errichtung einem dem Zwecke entsprechenden Donkmales 
■ermöglicht wurde. 

Am 20. März 1888 wehte vom Firste des Realschulgebäudcs die schwarze Trauer- 
': fkhne. An diesem Tage Nachmittag um 3 Uhr wurde Professor Horst von seinen trauernden 
- Collegen und Schülern zu Grabe geleitet. An dem L^ichenbegängnisie nahmen auch der Lehr- 
, kOrper und die Schüler des k. k. Gymnasiums ^nd der k. k Lehrerbildungsanstalt, viele 
^ andere Vertreter des Lehrerstandes, die Spitzen der k. k. Behörden, der Gemeiudevorstand 
l und zahlreiche Freunde des Verstorbenen aus alle i Kreisen der Bevölkerung tlioil. Am 
darauffolgenden Tage wohnte der liehrkörp'^r mit den Schülern dem TrauergottesJicnste in 
der Pfarrkirche bei. 

Die edlen Eigenschaften dieses Mannes sichern ihm ein ehrenvolles Andenken bei 
allen, die ihn kannten; sein Wirken an der Lehranstalt aber wird immerdar unvergessea 
bleiben ! 

Mit Dekret des hohen n.-ö. Landesausschusses vom 21. April 1888, 
Z. 11614 wurde dem Landesturnlehrer Johann Hrdliczka vom 3. Mai 1888 an 
die I. Quinquennal-Zulage zuerkannt und angewiesen. 

Am 24. April 1888 erkrankte Professor Franz Müllner und wurde 
demselben zur Wiederherstellung seiner Gesundheit vom hohen Landesausschusse 
Urlaub bis zum Ende des Semesters ertheilt. Zur Ertheilung des Unterrichtes 
in der Religion wurde wieder wie schon im Jahre 1886 der Hvrr Stadtpfarr- 
Cooperator Franz Jandraschitsch bestellt. Die Lehrstunden für Geographie 
und Geschichte in der IL R.-CI. übernahm mit Genehmigung des hohen Landes- 
ausachusses und des hohen k. k. Landcsschulrathes der Landesturnlehrer 
Johann Hrdliczka. 

Am 25. Juni begannen die Versetzungsprüfungen. 

In den Tagen vom 5. — 9. Juli inspicierte der hochwürdige Herr Propst 
Dr. Anton Kerschbaumer den Religionsunterricht an der Lehranstalt. 

Am 14. Juli erhielten die Schüler nach dem Schulgottesdienste die 
Semestral-Zeugnisse. 

Am 18. und 19. Juli wurde unter dem Vorsitze des Herrn k. k. Landes- 
schulinspectors Dr. Mathias Wretschko die mündliche Maturitäts- 
prüfung abgehalten. 



10 



74 



4 



Personalstand des Lehrkörpers der Landes- Oberreal- 1 
und Handelsschule im Schuljahre 18878. 1 

L Felix A. Eberle, IHrector (K*r Lehranstalt» lehrte üeschichte in der 3. unrl fi.,1 
^ üeographie in der 3, R*-CL 1 

2. Frani Dintzl, Prot^ssor, Ordinarius der III. R.^CL, lehrte Maibematik in 
der 7,, üeometrie und geometr. Zeichnen in der 3., darstellende Geoiuetrit 

I in der 5, IL-CL, Freihandzeichnen in der 1. b Cl, Kalligraphie in der 
I 1, a und b, in der 2. R,-Cl. und in der oberen Abtheilung der Handels- j 
schule. 

3. Dr Anton Ehrenbergar, Professor, Ordinarius der L R.-CL Abtheilung a^^ 
[ lehrte Mathematik in der L a und in der 5. HAXr Physik in der 4<^ 6J 

und 7. R..CI 
4* Jobann Forstner, Professor, Ordinarius der VlI. R,-Cl., lehrte NaturgeschichteJ 
in der I. a und b, in der 2., 5., G. und 7, R.-Cl, — 

5. Franz Holub^ Piofessorf lehrte in der unteren Abtbeilung der H.*SobJ 
Handeläkunde^ Correäpondcn^, Haml^lsgeographid und Kalligraphie, in der 

l oberen Ablh, kaufmännischem Rechnen, Buchhaltung und Volkswirtscbafta» 

I lehre. 

6. Oswald Horst^ Professor, lehrte Freihandzeichnen in allen ClaBsen von der 
2.-7, K,'üf bis zum 20, N»iveiiiber 1887, 

7. Johann Hrdliczka^ Landes-Turnt ehrer, lehrte Turnen in sämmilichen Clasaen^ 
der Lehranstalt, vom 26. April an auch Geographie und Geschichte in 
der 2. R.-CL 

H. Robert Kirchbar ger, Professor, Ordinarius der IV. R.-C1., lehrte Mathematik 
in der 4., dar&tellende C^eometiie in der 6., Freihandmchnen in der 1 a Cl.| 
I Geametiie in der unt Abth., Zeichnen in beiden Abtbeilungen der H.-Scb., 
Stenographie in der i. — 7, R-Cl. und in der Handelaschule. 
9. Friedrich Mareck, Professor, lehrte Physik in der 3.^ Chemie in der 4., 
I 5* und ti. R.*ül. und leitete die praktischen Übungen der Schiller imfl 
chemiachen liaboratorium. ^ 

10. Frani Müllner, Weitpriester, Professur, lehrte bis »um 24. April 1388 
Religion in den 4 unteren Classen der R.-Sck, Geographie und Geschichte 
in der 2. R-CL 

11. Or. Othmar Nebatki^ prov. Professor^ Ordinarius der unteren Abtbeilung 
der H.-Seh , lehrte Mathematik in der 1. b und in der 3. IL-CL, Uandela- 
geographie in der oberen Abthl, Warenkunde in beiden AbtheilungBo der 
H, 8ch. 

12. Felix Fr, van Overschelda, Professor, Ordinarius der VI. R Cl, lehrte^ 
Fran^zösisch in der 3. und 6., Englisch in der 5., 6. und 7, R. Ol ■ 

»13. Anton Pokorny, Professur^ ürdinarius der V. K Cl, lehrte Deutsch in der 
i 3., ö, und iK R* Cl. und in der oberen Abth. der H. Seh,, Geographie 
in der 1, a CL, Geßchichte in der 5. R* Cl. 
14. Frani Richter^ Professor, ah Reichsraths- und Landtags-Abgeordneter TOö 
\ der Ausübung des Lehramtes enthoben. 



75 

5. Dr Johann StrobI, Professor, Bibliothekar, lehrte Deutsch in der 7. R. CI. 
und in der unteren Abthl. der H. Seh., Geographie in der 1. b und in 
der 4. R. CI., Geschichte in der 4. uud 7. R. Cl. 

6. Josef Tauber, prov. Professor, Ordinarius der I. R. Cl. Abtheilung b., 
lehrte Deutsch in der 1. b und in der 4. R. Cl., Französisch in der 1. b, 
5. und 7. R. Cl. 

7. Ignaz WaKer, Professor, Ordinarius der IL R. Cl., lehrte Mathematik in 
der 2. und 6., Geometrie und geometr. Zeichnen in der 2. und 4., dar- 
stellende Geometrie in der 7. R. Cl., Gesang in 2 Abtheilungen. 

B. Adolf Felkel, Supplent, approbiert für Freihandzeichnen und geometrisches 

Zeichnen, lehrte vom 15. December 1887 an Freihandzeichnen in allen 

Classen von der 2.-7. R. Cl. 
9. Franz Jandraschitsch, Weltpriester, ertheilte vom 3. Mai 1888 an bis zum 

Schlüsse des Schuljahres den Religionsunterricht in den 4 unteren Classen 

der Realschule. 

0. Martin Meingaesner, Supplent, approbiert für den deutschen und franzö- 
sischen Sprachunterricht, lehrte Deutsch in der 1. a und in der 2. R. Cl., 
Französisch in der l.a, 2. und 4. R. Cl. 

1. Adrian Schuster, Supplent, approbiert für Handelswissenschaften, Ordina- 
rius der oberen Abthl. der H. Seh., lehrte in der unteren Abthl. der 
H. Seh. kaufmännisches Rechnen und Buchhaltung, in der oberen Abthei- 
lung Handelskunde, Correspondenz und Wechsel recht. Französisch in beiden 
Abtheiluugen der H. Seh. 

Schaldiener: Josef Erl uud Edmund Etzel. 



76 



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-^liiQj i^, jöiani^d it# — aqasjnaQ qoiimaiis tiaAirjs- oqaaz^ «ao 
jnir sii[ qaBU iiiii^cioii^j^ jag — 'tiojJitaH JaqDsiBaooi j| *iaq,>ßi[ä 



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77 



Betheiligung der Schüler an den nicht obligaten 
Lehrgegenständen. 

A. IiaHdcaoberreAlachale. 





Lehrgegenstand 




11 


IIL 


Cl 


V. 
QU 


VI, 
CL 


vii. 

Cl. 


' Zu- 
lamiEien 






Es betucbten den üuterricht 

in der SieDograj^bie , 

im Ges&Dfl'c , M 


26 


IB 


10 


13 


5 
3 


l 
6 


3 
4 


67 




1 







B. Ijande«-Handel««chale« 








Lehrgegenstand 

1 


Untere 
Abth. 


Obere 
Abth. 


Zu- 
sammen 

13 
16 
12 
16 




Es besuchten den Unterricht 
in der französischen Sprache 


9 


4 
9 
3 
6 




„ „ Stenographie ' 

! 1 
im Zeichnen 


7 
9 
9 




1 

„ Turnen " 

! 





Bericht 

aber die mit der Landesoberreal- und Handelsschule verbundene gewerbliche 
Fortbildungsschule und den Abendeurs fOr kauftnännische Lehrfächer. 

I. Gewerbliche Fortbildungsschule. 

A. Ijehrplan« 

Im Schuljahre 1887;8 wurde im Allgemeinen der mit Plrlass des h. k. k. 
Landesschulrathes vom 30, Mai 1877, Z. 2388 genehmigte Normal - Lehrplan 
ftir die gewerblichen Fortbildungsschulen in Oesterreich u. d. Enns eingehalten, 
mit Ausnahme einiger Abweichungen, welche mit Rücksicht auf die localen 
Verhältnisse für die gewerbliche Fortbildungsschule in Krems durch den hohen 
k. k. Landesschulrath mit den Erlilssen vom 30. October 1878, Z. 6036 und 
?om 1. August 1883, Z. 4765 bewilligt worden waren. 

Die gewerbliche Fortbildungsschule besteht aus einem Vorbereitungscurse 
und einem gewerblichen Fortbildungscurse. 

Der Zeichenunterricht wird im gewerbl. Fortbildungscurse in 3 Abthei- 
langen ertheilt. Der Abendunterricht dauert vom 20. September bis 20. März, 
der Sonntagsunterricht das ganze Schuljahr hindurch. 



T8 



Stundenplan und Lehrfächervertheilung. 



Tag 


Stimme 


Vorberritungöcuri 


Stunde 


Gew. F6rtbj]dui)g«cura | 


Montag 


6-T 
dto. 


Spräeliitutdrricht fL^sen 

Uberlehrer Jul Mück 


6 7 


SprHfblinterrit'lit unA i 
Gecigrjipbie 
Prof. Dr. JToh. StrobL 


r 

Dienstag 


Mundltchtiii und schriftl. 
Oberlehrer iuL Mück. 


6—7 
6—7 


Arithmelik 
Fro£ Frans Di^txL 


Miltwoch ' 


dto. 


— 


ff t ometrie 
Prof. Dr. Antoa 
Ehrenbürger. || 


Donnerstag 


dtü. 


Wie SEH MoßUg 


6-7 
6—7 


Geicb&ftsatiisätz« 
Prot Dr. StrobL 


FreitMf 


dto. 


Wfe aiD Dieiisiag 


Arilbinetik. Vom Jäiioer 
an gew. Bucbfühiiing 
Prof Fr, DintBL 


^nntag 


7,12 


Vorlwreitiindes Zeidinen 

K* k, Üehungschul- 
khrr^r Thomas W o 1 f 


Vi»" 


Nntudehre 

Prot Dr. Anton 

Ehrenberger. 

FreiliandzmViinen 
Suppleut Ad. Felkel, 


9^12 


9-12 


Oeomeir Zcicimen 
proff K Kirchberger. 


9— J2 


Technifichei Zeiclraea 
Prof. Ignas Walter. 



B* Seil liier stauil iiu üeliulJaKfe 1^S7 8. 



i 


Torbemtnngscnrs 


Oew erblicher FortbildangBüurä > 
















Hymmt 


1 


limonalL 
AbeadCw 


Vorber. 
Zmhnm 


ßmonalL 
Abende. 


Geometr. 
Zekhuen , 


Techn. Freihand- 
zeichnen 1 Zeichnen 


1 

Etngeirlineben 
wurden : i 


31 


20 


22 


m 


21 


18 


198 


Am Schlüsse dos 
CurseÄ waren: 


:>! 


ia 


H 


12 


la 


W 


91 


Dyrcliii'linittlkU 
w»ren iiüwe&end: | 


2i 


15 


14 


r-i 


IS 


10 


98 


Dm i>efar?;te1 hübe» 
erreiiht : 


28 


13 


1 n 


12 


18 


Kl 


«7 


Unclaasillciert 
blieben ; 


4 


7 


B 


4 


3 


« i 


M 



HE. Dk Zfthlea in den Bnlfr(k«ii i^ i, uod ti h6sld^9u »iüli niif «uf Jout Sühaier, di« «m ^lotittiiuiili«rrio1i§ 
feUAiii thiüiliiftUiiie'ii. VT^^t» joner ^ehOUr« «t<»1oht> »■« AtienriimUrrlahtn thuttBÄhißftii, hH«tttiQb|i»ni 
Af-r Alithi'niiQg«ii (lei Sfcicheuiiat^rnt^hteii. — Den Viiterridu In d^^r [*hjriiik tiiraucht«^» vcta ^ nufigvao« 
Sobllltini dDLrehtcbaittIlicLi d* 



79 

Die Zahl der aufgenommenen Schüler war gegen das Vorjahr um 1 3 ge- 
ringer; doch der Beaucli der Schule und auch die Unterrichtserfolge waren 
recht befriedigend. Von säraratlicheu aufgenommenen Schülern waren durch» 
scbnittlich c. 73% beim Unterrichte in den verschiedenen Abtheilungen der 
Schule anwesend und c. 93% von den letzteren erreichten das Lehrziel. 

1\ IjehrmitAel. 

Das hohe k. k. Ministerium fQr C. und Unterricht spendete der gewerbl. 
Portbildungsschule in Krems : Vorlagenwerk für geometrisches und Projectiona- 
zeichnen an gewerblichen Fortbildungs- und Handwerkerschulen, herausgegeben 
von Josef Vfildt, 31 Blätter mit Text. Reichenberg. 1888. 

Zum Ankaufe von Lehrmitteln wurden 50 fl. aus dem Gewerbeschulfonde 
und 13 ii. 60 kr., die Interessen der Maurer- und MüUerstiftung, aus der 
Stadtkassa in Krems verwendet. 

Angekauft wurden: Schreib- und Zeichenrequisiten. Das Cuntralblatt f. 
d. gewerbl. Unterrichtswesen. VI. Band mit Supplement. 

Die Aufnahme der SchOier in die gewerbliche Fortbildungsschule und den 
Vorbereitungscurs für das kommende Schuljahr beginnt am 1 0. S e p t e ni b e r 1 888. 

II. Äbendcurs für kaufmännische Lehrfächer. 

A. Ijehrplan. 

Untere Abtheilung: 

Kaufmäunischca Rechnen: Es wird mit den Grundrechnungsarten begonnen, 
dabei dem Rechnen mit Decimulen besondere Aut'merksumkeit geschenkt; die praktisch an- 
wendbaren Rech nun gsvortheile werden gezeigt; die Münz-, Maß- und Gcwichtsverhältnissc 
der wichtigsten ätaaten Europas mit besonderer Berllcksichtigung des metrischen Systems 
Vorgenommen. — Femer werden die Durchschnittsrechnung, die Lehre von den Verhält- 
nissen, Kettenregel, Gesellschafts-, Mischungs- und Procentrechnung, einfache Warenrech- 
nung, Gewinn- und Verlustrechnung durchgenommen. Der Anwendung aller dieser Rechnun- 
gen in der Geschäftspraxis wird die eiugehendsto Berücksichtigung gewidmet. 

Correspondcnz, Comptoirar beiten und Wec hselkunde: Der Unterricht 
beginnt mit der Ausfertigung der einfachsten kaufmännischen Noten und Rechnungen, an die 
sich die Ausstellung von Facturcn, Spesenrechnungen, Zolhleclarationcn, Verkaufsrechnungen otc. 
anschließt. In Verbindung mit dor Erklärung der einzelnen Schriftstücke werden die zu 
denselben gehörigen Briefe abgefasst uud erläutert. Diu Vorträf;e über die wichtigsten Theile 
des Wechselrechtes, die Ausfertigung von Wechseln, die mit denselben im Zusammenhange 
stehende Correspondenz bilden den >ci)lus3 dcä Unterrichten in dieser Abtheiliing. 

Warenkunde: Ursprung (Gewinnungsweisc), Eigenschatten, Vt»rkomnien und Ver- 
wendbarkeit der wichtigsten Waren mit l)esonderer Bürücksichti^'ung dor vurkommenden 
VerflUschungen. — Praktische Anleitung zum Erkennen der Waren. 

Obere Abtheilung: 

Kaufmännisches Rechnen: Kurze Wiederholung der wichtigsten Partien der 1. 
Abtheilung; Zinscnrerhnung, Discont- und Termin-Rechnung; einfache Conti correnti; Gold-, 
Silber-, übligations- und Münz-Reciinung nach dem Wienor Cursblatte: Warencalculationen. 

Buchhaltung und Corresponden/.: Kur/.e Wiederholung dos Lehrstoffes der 1. 
Abtheilung. Theorie der einfachen und doppelten Buchhaltung. Verluichung eines einmonat- 
lichen Gesebftftsganges im Warengeschäfte und Ausfertigung aller in demselben vorkommen- 
den Briefe und Rechnungen. 

Warenkunde: mit der unteren Abtheilung gemeinschaftlich. 



so 



Stundenplan und Lehrfächervertheilung. 





1' ^ e 


Stunde 


! Abtheilg. l^ebrgegenitaad 




MonUg 


8-9 

abenda 


1 11. ir. . 


Warenkunde 

Prof. Dr. Othmar Neheski, 




Dkmi&g 


dto. 


h 


Kaufmännisohes Rerlmen 
Prof. Franz Holuk 




^* II B«chhaltun^ und rorrPspondeD^ 
' SüppL Adrfan Srbust^r 




11 


h 


Correaponden^ und Wechsel kuude 

SnpiiL Adrian S i- h u a t e r; 




Maiwocö 


UbU« 


-, 11 Kaufmännisches Rt ihnen 
"' 1 Prof. Frllülüb 




DüiiiierstEig 


dto. 


I. u 11. 


Warenkunde 
Prof. Dn Olhrnar Nebeaki. 




Freitag 


dto, 


1 Kuufirjännisrlies Hei'bueü | 
'■ 1 Prof. Franz H*>lub. | 




11. 


BuübbahuQg und Correspondenz 
Suppl. Adrian Sebuater. 



3* ücbüleraiaiid liu Jnlire 1SS7 8. 



Oüiero Abtheilimg 



Obere Abtffciltmg 



Summe 



Änfgenoratneu * , . 9 Aufgenommen .♦,*»,., 12 

Durchs ihn. wareo anwesend . 4 i Dürchscbn. wureii anwesend » ,10 



Da« Lebr^iel erreicbteu 



3 ii Das Ljbr^k'l erreirbteti 



10 



21 
14 

13 



Die Aufnahme der Schüler für das rjächste Schuliahr beginnt am K 
September 1888. 



Zum Schlüsse beehrt sich die Directioti im Naniett desg« 
^jiimiutei] Lehrkurpers allen Förderern der Landeso berreal*] 
und Handel sBchule und der gewerbUcbeti Fort bild ungsBchuIe 
sowie auch den Wohlthätern der armen Schüler den wärmsten] 
Dank auBzusp reche o. 



Taf.I. 




Tttf' n. 





In den JahreBborloliten der Lehranstalt wurden bialier 

folgende Abhandlungen veröffentlicht: ■ 

läA4 Kun KdtiArd: ,S^m Wiederauikl^eii d&iiticher Üichiimg tu I 

Ost0f reich Hcrit dor 2. Hiilm Am \H, Jafark'' 45 Sdit« 

lö6rj Kiammingor Ferd.: ^,Oruiid/.age d<fr Parallel IVdpöntin?,*' 41 ,/m 

IßQü Efaifla F* A. : ,,ÄndiHn.> der Sliidte Kriim« ittid äieiu an den M 

poMüMchmi sen der Jahre I3%— 14 112.'' 00 ,,M 

iafi7 MsiriClr Fni^dr. : jungen aber den gegeawtrtjgün Stand- ■ 

punkt dcir und Naturge5cbi*'lit** d**9 Weiöm/* iö „ ■ 

1868 Oupyis Julius: ,jl^itr dire