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Full text of "Jahresbericht und Abhandlungen des Naturwissenschaftlichen Vereins in Magdeburg"

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FORTHE PEOPLE 

FOR EDVCATION 

FOR SCIENCE 






LIBRARY 

OF 

THE AMERICAN MUSEUM 

OF 

NATURAL HISTORY 






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In] 



Jahreskricht und ÄMandlungen 



des 



Naturwissenschaftlichen Vereins 



Magdeburg. 



Redaction: 
Oberrealschullehrer O. Walter. 



1892. 



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Magdeburg. 

Druck: Fabor'sche Buchdxtickerei, A. & R. Faber. 
1893. 



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JahresbericM und Älandlungen 



des ^ 



Naturwissenschaftlichen Vereins 



in 



Magdeburg- 



Redaction: 
Oberrealschullehrer O. Walter. 



1892. 



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Magdeburg. 

Druck: Faber'sche Buchdruckerei, A. & R. Faber. 
1893. 



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Alle Rechte vorbeliallen. 



Inhalts-Verzeichniss. 



A b h a n cl 1 u n g e n.*) 

W. Wolterstorff, Magdeburg: 

„Die Reptilien und Amphibien der nord westdeutschen 
Berglande" 1 

Dr. Franz Werner, Wien: 

„Nachtrag zu den herpetologischen Localfaunen der 
österreichischen Erzherzogthümer" 243 

Derselbe: 

„lieber eine kleine Collection von Reptilien und 
Batrachiern von Nias" 248 

G. Breddin, Magdeburg: 

„Material zu einer Hemipterenfauna Thüringens von 
Kellner" 255 

W. Wolterstorff, Magdeburg: 

,, Mittheilung über die Entdeckung einer Meeresfauna 

in der Magdeburger Grauwacke" 273 



Jahresbericht. 

I. Vereinssitzungen 275 

II. Mitglieder und Vorstand 279 

III. Cassa-Conto 285 

IV. Museum 285 

V. Satzungen 288 

VI. Bibliothek 291 

VII. Verzeichniss der Vereine und Körperschaften, mit denen der 
Verein im Austauschverkehr steht , sowie der im Jahre 

4892 von denselben eingegangenen Schriften 292 

*) Uie Verantwortlichkeit für dia Abhandlungen tragen die Verfasser seihst. 



DIE 



REPTILIEN UND AMPHIBIEN 



DER 



NORDWESTDEUTSCIIEN BERGLANDE. 



UNTER MITWIRKUNG 

VON 



E. GRUSE, W. HENNEBERG, KLÖBER, H. KLOOS, P. KREFFT, 
J. SÖMMERING, FR. WESTHOFF U. A. 



BE ARBEIT KT 



VON 

W. WOLTEßSTORFF. 



Inhalts-Verzeichniys. 



Seite 

Einleitung i 

Litteratur 9 

Bestimmungstabelie 12 

Der Harz. 

Einleitung. Von W. Wolterstorff 21 

Der Unterharz. 

1) Das Gebiet der Tyra, Wipper und Seilte .... 25 

Wippra. Von W. Wolterstorflf 27 

Von Stolberg nach Ballensted t. Von 

W. Wolterstorff 28 

Die Gegend zwischen Wippra u. Ballon- 

stedt 37 

Fernere Mittheilungen 39 

Zusammenfassung 41 

2) Die Umgebung von Thals und Gernrode, mit dem 

Ramberg und Bodethal. Von Klöber .... 47 

3) Blankenburg (Harz). Von W. Wolterstorff ... 51 
Rückblick auf den Unterharz 56 

Der nordwestliche Harz (Oberharz). Von w. 

Wolterstorff 57 

I. Beobachtungen. 

a. Die Fauna des Oberharzes und Vorharzes um 1830 GO 

b. Der Nordrand des Gebirges und seine Thäler. 

Wernigerode. Ilsenburg 62 

Von Oker nach Goslar. Von W. Wolterstorff 63 
Aus dem nordwestlichen Harz. Von 

W. Henneberg und Max Koch 64 

Weitere Beobachtungen aus der Gegend 

von Harzburg und Goslar 66 

Dasinnerstethal 67 

c. Die Hochfläche von Klausthal. Von W. Wolterstorff 69 

d. 0er Brocken und seine Umgebung 72 



Seite 

e. Der Vorharz und seine Thäler. 72 

Grund (mit Sccücn und Gittclde), Von P. Krcfft 72 
Osterode, Lcrbach und das Sösetlial. 

Sieberthal 86 

DasOdcrthaliiudLauterberg 87 

II. Kesultato 88 

Rückblick auf den nordwestlichen Harz 92 

Der Südrand des Harzes 94 

Uebersicht der Harzfauna 100 

Die nördlichen und östlichen Vorlande des 
Harzes. 

Einleitung. Von W. Wolterstorff 103 

Die Höhenzüge zwischen Nebra und Eis- 
leben. Wolferode (Wendelstein, Ziegelrode, 

Kossieben) 104 

Aschersleben. Hoym 107 

Quedlinburg. Von Klöber 107 

Langcnstein. Kochstedt. Egeln. Wasserleben. 
Iluywald. Fallstein. Pabstdorf. Horaburg. 
Schiaden. Vienenburg. 

Das Braunschwelgische Kügeüand im Norden 
des Harzes. (Die Gegend von Braunschweig, 
Schöningen und Helmstedt.) Bearbeitet von 

E. Cruse, H. Kloos und P. Krefft. 

Einleitung. Von Dr. H. Kloos 112 

Der Elm und Lappwald (Schöningen, Helmstedt 

und Wefcrli ngen). Von E. Cruse 117 

Braunsehweig mit Wolfen büttel. Von P. Krefft 127 

Rückblick auf die Fauna der Vorlande des Harzes . . 143 

Das KyfFhäusergebirge. von j. sümmering . . i48 
Das Weser- und Leinebergland. 

Einleitung 154 

I) Das Leinebergiand. Von w. Wolterstorff . . 15ü 

a. Das untere Eichsfeld und die Göttinger Senke. 

Bleichcrode. Heiligenstadt. Göttingen. 

Von W. Hennoberg und W. Wolterstorff . . 157 



' Seite 
b. Die Gegend von Northeim bis Gronau und 

Hildesheim. Salzderheldeii. Kreiensen. Gauders- 

heim. Alfeld. Bodenburg. Gronau. Lutter. 

Eingelheim. Hildesheim 161 

2) Das Weserbergland. 

a. Das rechtsseitige. Von W. Wolterstorfif (Haunöv. 

Münden. Bursfelde. Holzminden) 162 

Eschershausen. Von E. Cruse 165 

Hameln. Von W. Henneberg (Lauenstein. Oater- 
wald. Bückeburg. Süntel. Deister) .... 182 

b. Das linksseitige. Von Dr. Fr. WesthoflF ... 189 

Haarbrück 192 

Detmold 195 

Vereinzelte Funde (Falkenhagen, Bünde, 

Minden u. a.) 197 

Rückbück auf die Fauna des Leine- und Weserberglandes 199 

Das westfälische Fausisnnebset. von Dr. Fr. 

Westhoff 203 

1) Das Sauerland. 

a. Das südl. Siegerland mit Hilchenbach, Siegen u. a. 207 

b. Das nördliche und westliche Saaerland. (Arns- 
berger Land und unteres Ruhr gebiet 

mit Hagen, Westherbede u. a.) 2IÜ 

2) Das nordöstliche ßergland. 

a. Egge (mit Paderborn, Feldrom u. a.) . . . . 212 

b. Osning (mit Bielefeld, Iburg u. a.) 213 

c. Das Osnabrücker Land (mit Osnabrück, Hellern) 215 

3) Das Münsterland. (Der Busen von Münster 

mit Münster) 217 

Verzeichniss der Arten und Fundorte im west- 
fälischen Gebiete 223 

Hauptübersicht 235 



Erklcärung der Abkürzungen. 



B. 




Borcherding. 


0. = 


Otto. 


R. B 


= 


Eichard Becker. 


E. S. = 


E. Schulze. 


E. C. 


== 


E. Gruse. 


Ed. S. = 


Ed. Suffrian. 


W. H. 


= 


W. Henneberg. 


F. S. = 


Franz Sickmann 


Kl. 


= 


Klöber. 


Seh. = 


Schmidt. 


M. K. 


= 


M. Koch. 


H.Seh.= 


Herrn. Schacht. 


P. K. 


= 


P. Krefft. 


Sm. -= 


Smalian. 


V.v.K 


= 


V. V. Koch. 


W. = 


Wolterstorff. 


L. 


= 


Landois. 


Fr. W. = 


Fr. Westhoff. 


B. M. 




Belegstücke im 
Museum zu Magdeb. 


We. = 


Werth. - 



Berichtigungen. 



Seite 10 Zeile 14 von unten lies Nilss. statt Nilos. 

Aut. „ Ant. 

Nilss. „ Nills. 

Köthen „ Käthen. 

Kaiser Willielmstrasse statt Kaiserstr. 

Hahausen statt Hochausen. 

Hochebene „ Hohne - Ebene. 

E. S., Fauna statt E. C, Fauna. 

Juncus-Art statt Juncus. 
91 und 101 lies Münchehof statt Münchehotf. 
124 Zeile 9 von oben lies P. Krefft statt V. v. Koch. 
160 „ 13 „ „ „ 1893 statt 1892, 



17 


n 


7 


n 


oben 


37 


V 


19 


n 


unten 


47 


n 


2 


n 


n 


48 


n 


5 


n 


n 


57 


n 


18 


n 


oben 


59 


n 


16 


n 


unten 


67 


n 


16 


n 


n 


75 


n 


1 


n 


n 



Einleitung. 

Von jeher hat sich dem Naturfreund, welcher vom 
Gewühle des Tages seinen Blick auf die Thierwelt der 
Heimat lenkte, in ihrer Beobachtung ein unerschöpflicher 
Born der Belehrung geboten. 

Während aber in frühern Zeiten die Aufmerksamkeit 
der Forscher vorzugsweise auf die Vögel, die Schmetterlinge, 
Käfer und andere in die Augen fallenden Thiergruppen 
gerichtet war, wendet sich das Interesse in der Gegenwart 
mehr und mehr auch den bisher vernachlässigten, im Ver- 
borgenen lebenden Ordnungen zu. Nicht zum Wenigsten 
hat sich in den letzten Jahrzehnten die Kenntniss unserer 
Eeptilien und Amphibien gehoben, ihrer Anatomie und 
Biologie sind viele und werthvolie Arbeiten gewidmet und 
selbst der an sich geringe Bestand an Arten hat noch in 
jüngster Vergangenheit manche Bereicherung erfahren. 

Auch für jenen Zweig der Zoologie, welcher in den 
nachfolgenden Blättern besondere Berücksichtigung finden 
soll, die geographische Verbreitung der Thiere, fehlt es 
nicht an herpetologischen Arbeiten, ja nach der Fülle von 
Artenverzeichnissen zu schliesscn, liesse sich gerade hierin 
ein grosser Fortschritt erwarten, 

Doch leider schreiben viele, ja die meisten Local- 
faunisten in altem Style weiter und drucken neue Ver- 
zeichnisse zu den alten^); kritiklos werden alle, oft nur vom 
Hörensagen oder aus unzuverlässiger Quelle bekannten 



*) Verg]. Simroth, Flugblatt, über die modernen Aufgaben der 
naturwissenschaftlichen Vereine! Leipzig, 1889. 

1 



Angaben über Fundorte dieser oder jener Art zusammen- 
gelesen, ohne einen Versuch, den ursächlichen Zusammen- 
hang zu ergründen, die Bedingungen des Vorkommens, die 
Beschaffenheit der Aufenthaltsorte festzustellen, unbekümmert 
auch um die Ergebnisse ruhiger Forschung.') In der That, 
jene Arbeiten sind selten, welche in gleicher Weise die 
OesetzmJissigkeit der Verbreitung unserer Kriechthiere und 
Lurche auf weite Strecken behandeln wie die Lebens- 
gemeinschaften im Kleinen , die „Faunen" der einzelnen 
Orte und Landschaften. 

Auch in den neuesten und besten Werken über die 
deutschen Reptilien und Amphibien, Brehm's Thierleben 
Bd. 7, o. Auflage und Dürigen, Deutschlands Amphibien 
und Reptilien, wird die Frage der Faunen nur gestreift, das 
Thierleben enthält, der Natur der Sache entsprechend, blos 
einen kurzen Ueberblick der Verbreitung jeder Art, Dürigen 
zählt sorgfältig alle bekannten Fundorte auf, doch ohne geo- 
graphische Charakteristik der einzelnen Verbreitungsbezirke. 

Aus diesen Gründen dürfte die nachfolgende zusammen- 
hängende Bearbeitung der Fauna eines Theils Deutschlands 
mit besonderer Berücksichtigung der orographischen und 
physikalischen Verhältnisse des Gebiets nicht unangemessen 
sein. Der von uns behandelte Landstrich erstreckt sich von der 
unteren Saale bis zum Mederrhein, er ist früher in herpe- 
tologischer Hinsicht ziemlich vernachlässigt 2), aber in neuester 
Zeit namentlich durch die Thätigkeit meiner Freunde ver- 
hältnissmässig gut bekannt geworden. Doch ist erst ein 

^) Vergleiche das Compilatorium E. Schulz e's, Fauua saxonica ! 
Hier finden wir mit den werthvollen und sorgfältigen Beobachtungen 
Borcherding's und v. K eh ' s die unsichersten Angaben ver= 
einigt, Lacerta muralis wird von Berlin citirt, eine grosse Anzahl 
fraglicher Mittheilungen , die auch von den Gewährsmännern nur mit 
Vorbehalt aufgenommen waren , sind ohne jede Reserve wieder- 
gegeben ! 

*) In L e y d i g , die anuren Batrachier, 1877, finden wir z. B. nur 
2—3 Fundorte für Frösche aus diesem Gebiet erwähnt. 



— 3 — 

Theil davon in Westhoffs Beiträgen zur Fauna West- 
falens und meinem Verzeichniss der Prov. Sachsen zur 
Veröffentlichung gelangt, während die einheitliche Darstellung 
des Gebietes^), welches an Ausdehnung viele Provinzen 
übertrifft, noch nicht erfolgt ist, obwohl es bei seiner 
günstigen Lage, seiner Erstreckung von Ost nach West, 
seinem innigen Zusammenhang mit dem südlichen Gebirgs- 
land und der norddeutschen Tiefebene förmlich einladet zum 
Studium der Formen des Ostens und Westens, des Tief- 
landes und der Gebirge. 

Denn wie ich in meinem Aufsatz „über die geographische 
Verbreitung der Amphibien Deutschlands, insbesondere 
Württembergs" 2) ausführte, haben wir unter Deutschlands 
Eriechthieren und namentlich Lurchen Formen des Ge- 
birges und des Tieflands, des Nordens und Südens, Ostens 
und Westens neben Arten von fast unbeschränkter Ver- 
breitung, „Allerweltsbürgern", zu unterscheiden. 

Als Gebirgsformen sind z. B. Salmnandra maculosa, 
Triton alpestris, Bombinator pachypus zu betrachten, welchen 
sich in Deutschland noch zwei Westformen, Alytes ohsfetricans 
und Triton palmatus hinzugesellen; Tieflandsformen sind 
Rana arvalis, Hana esculenta ridibunda, JBombinator igneus, 
Felohates fuscus. Dem Westen gehört auch Bufo calamita 
an, Fiana agilis ist von Süden eingewandert, dem Osten 
verdanken wir Bufo viridis; AUerweltsbürger sind Bana 
temporaria, esculenta typica, Bufo vulgaris, Hyla arhorea, 
Triton cristatus und taeniatus. Aehnliches finden wir auch, 
wie am Schlüsse dargelegt werden wird, bei den Reptilien. 

Das Gebiet der „Nordwestdeutschen Berglande" in 
unserm Sinne eistreckt sich etwa von der unteren Saale 
bis zum Niederrhein. Es begreift u. a. den Harz mit seinen 
östlichen und nördlichen Vorlanden bis zum Lappwald bei 
Helmstedt, den Kyffhäuser, das ganze Leine- und Weser- 

'] Abgesehen von Schulze 's Werk. 

2) Jahreshefte d. Ver. f. vaterl. Naturk. Württ. Stuttgart 1890. 

1* 



— 4 — 

bergland von der Vereinigung der Werra und Fulda an, 
mit dem Eichsfeld, dem Solling, Itli und Stintel, dem Lippe- 
schen Bergland, dann Sauerland, Haarstrang, Teutoburger 
Wald und Osnabrücker Hügelland, das Münster Becken 
(also ganz Westfalen!) und entspricht ungefähr der Nord- 
hülfte der ,4nitteldeutschen Gebirgsschwelle" Pencks*). 
Die Südgrenze des Gebiets zieht vom Südrand des Kyff- 
häusers bis Hann. Münden (das eigentliche, südliche 
Thüringen und Hessen werden zweckmässig künftig besondere 
Bearbeitung linden), biegt sodann nach Südwest um und 
verläuft über den Küstelberg zum Ederkopf bei Siegen, 
wendet sich dann nach Nordwesten und läuft auf Mühlheim 
an der Ruhr zu, so das Ruhr- vom Rheingebiete und seinen 
Einflüssen scheidend. 2) Zur W^estgrenze ward die politische 
Grenze Westfalens gewählt, die Nordgrenze bildet die Nord- 
deutsche Tiefebene von Bentheim bis Weferlingeu bei Oebis- 
felde. Als Ostgrenze habe ich eine Linie Weferliugen-Eis- 
leben angenommen, da die Fauna Magdeburg's und Halle's 
schon zu entschieden den Charakter der grossen osteuropäischen. 
Niederung trägt, um hier Berücksichtigung linden zu können. 
In hydrographischer Hinsicht gehört das Nordwestdeutsche 
Bergland dem Stromgebiet der Elbe, Weser, Ems, des 
Rheins an. 

Bodenbeschaffenheit. An dem geologischen Auf- 
bau der uns hier interessirenden Lande haben sich fast alle 
Formationen betheiligt. Das krystallinische Schiefergebirge 
ist im Kyffliäuser vertreten; im Harz, im südlichen Westfalen 
finden wir Devon und Carbon mächtig entwickelt, auch Zech- 
stein und Rothliegendes fehlen nicht. Das Leine- und 
Weserbergland wird grossentheils von der Trias gebildet, 
der Nordsaum des ganzen Gebiets besteht meist aus Ab- 



^) Unser Wissen von der Erde. A. P e n c k , das deutsche 
Reich pag. 281. 

2) Vergleiche unten, Westhoff, das Westfälische Faimengebiet. 



— 5 — 

lagerungen der Jura- und Kreideperiode, weit verbreitet 
sind auch tertiäre, namentlich aber diluviale Schichten, doch 
treten sie bei ihrer lockeren Beschaffenheit orographisch 
weniger hervor. Dem Alluvium endlich gehören die weiten 
Thalauen der Ströme und Bäche an. Ein directer Zusammen- 
hang der Bodeubeschaffenheit mit der geographischen Ver- 
breitung unserer Eeptilien und Amphibien im Allgemeinen 
ist nicht nachzuweisen, wir besitzen weder Sand- noch 
Kalkformen, wie unter den Pflanzen und Schnecken. Wohl 
aber macht sich dieser Einfluss in Verbindung mit der 
Vegetation und dem Klima geltend, eine Berücksichtigung 
<ies Bodens ist daher bei Betrachtung der „Localfaunen" 
nicht unwesentlich. So ist der Wasserreichthum einer 
Oegend, welcher für die Mehrzahl der uns hier interessirenden 
Thiere von Wichtigkeit ist, vom Untergrunde abhängig. 
Abgesehen vom Alluvium treffen wir Wasseransammlungen 
ausserdem an der Grenze zweier Formationsglieder, wenn 
dieselben aus petrographisch verschiedenen, sich in Bezug 
auf Wasserdurchlässigheit wesentlich abweichend verhaltenden 
Schichten bestehen, was nicht selten der Fall ist 

Klima. Wenn wir nur die mittlere Jahrestemperatur 
in Betracht zögen, würden wir, von den höchsten Gebirgen 
in unserm Gebiet abgesehen, nur unerhebliche klimatische 
Unterschiede zu verzeichnen haben, da die Durchschnitts- 
Temperatur im Allgemeinen 8 — 10 Grad C. beträgt. Kälter 
sind nur das Eichsfeld und das Plateau des grossen Winter- 
berges mit 6 — 8 Grad C, während der Harz, welcher über- 
haupt eine Ausnahmestellung einnimmt, auf dem Brocken- 
gipfel nur eine Jahrestemperatur von 2 Grad C. besitzt ! — 
Vergleicht man jedoch die Temperatur der einzelnen Jahres- 
zeiten, so lässt sich der Einfluss des feuchten, gemässigten 
Küstenklimas im Westen, jener des trockenen Continental- 
klimas im Osten (für uns kommt hier nur das östliche Vor- 
land des Harzes in Betracht) gar nicht verkennen. Im 
Westen finden wir kühle Sommer und milde Winter, im 



Osten heisse Sommer und kalte Winter. ^) „Gerade inner- 
halb der mitteldeutschen Gebirgsschwelle vollzieht sich der 
alliiitlhliche Ueber^jang vom atlantischen Klimagebiet West- 
Europas zum mitteleuropäischen. Es geniesst der Westen 
reichlichere Niederschlüge und weniger extreme Tempe- 
raturen als der Osten". (A. Penck.) — Das ganze Gebiet ist 
mit Ausnahme eines kleinen Theils (östlich vom Harz und 
im Helmethal), wo der Niederschlag nur ca. 500 mm be- 
trägt (siehe Andree's Handatlas!), regenreich, die Ge- 
samratmenge des jährlichen Niederschlags beläuft sich durch- 
schnittlich im Westen auf 7 — 800 mm, in den höheren 
Berggegenden bis 1000, auf dem Brocken sogar bis 1700 mml 
Vegetation. Es kann hier nicht unsere Absieht 
sein, die vielfachen Wechselbeziehungen zwischen der 
Pflanzenwelt und dem Klima unseres Gebiets einerseits, der 
Thierwelt anderseits zu erörtern, doch möge auf die un- 
läugbare Abhängigkeit der Weinrebe von den skizzirten 
Wärme- und Feuchtigkeitsverhältnissen hingewiesen werden. 
Nirgends im Gebiete — abgesehen von der Umgebung der 
Mansfelder Seen in seinem östlichsten Theile — gedeiht ihr 
Anbau; dem feuchtwarmen Münsterland geht sie ebenso ab, 
wie dem Weserbergland, dagegen hebt sich ihre Polargrenze 
in Nordostdeutschland mit seinem kalten W^inter, aber 
heissen und regenarmen Herbst bis zum 53. Breitengrade! 
— So ist auch die der Sommerwärme bedürftige Smaragd- 
eidechse, Lacerta viridis im Gebiete nirgends mit Sicher- 
heit nachgewiesen, während wir sie aus dem nordwestl. 
Grenzgebiet der Weinrebe von Paris , Berlin , wie aus 
dem Kheinthal kennen ! — Theilen hiernach auch manche 
Thiere und Pflanzen die gleichen Aufenthaltsbedingungen,, 
so fehlt doch im Uebrigen jeder Anhalt, das eine oder 
andere der uns hier beschäftigenden Thiere an das Vor- 
kommen bestimmter Pflanzen gebunden zu erachten, von 

1) Leider fehlen für unser Gebiet bisher Specialkarten mit den 
Monatgisothermen. 



— 7 — 

ganz localen Ursachen abgesehen. Es ist die Vegetation in 
ihrer Gesammtheit, selbst abhängig von Boden nnd Klima 
und jetzt zumeist vom Menschen umgewandelt, welche hier 
einem Lurch einen geeigneten Aufenthaltsort bietet, dort 
ihn versagt. Die in hoher Kultur stehenden Felder mit 
ihren Wegrainen werden nur von einzelnen Fröschen und 
Eidechsen besiedelt; vielgestaltig ist das Heer der 
Amphibien auf den Wiesen, an Gräben und Teichen; 
waldige Schluchten beherbergen den Feuersalamander, die 
Kreuzotter. Laubwald in seinen verschiedenen Abstufungen 
ist -überhaupt den meisten und interessantesten Eeptilien 
■ und Amphibien ein beliebter Aufenthalt, ärmer an In- 
dividuen ist die Fauna der Tannenforsten, 

Eine ausführliche Beschreibung der Thiere, ihrer Ent- 
wicklung und Lebensweise würde den Kahmen dieser 
thiergeographischen Arbeit überschreiten; ich verweise in 
dieser Hinsicht auf den Literaturnachweis, Dem Bedürfniss 
des Anfängers dürfte die beigelegte Bestimmungstabelle 
genügen. 

Bei der Bearbeitung des Stoffes sind wir, im Gegen- 
satz zu dem üblichen Verfahren, vom geographischen Stand- 
punkt ausgegangen; die Thierwelt jedes Bezirks, jeder 
Gegend wurde wo möglich von einem der Gegend genau 
kundigen Beobachter in innigem Zusammenhang mit der 
Landschaft behandelt. Wiederholungen und Ungleichheiten 
Hessen sich bei der Zusammenstellung dieser „Localfaunen" 
nicht vermeiden, doch hoffe ich, dass die frischen, leben- 
digen Schilderungen, mögen sie auch hier und da über den 
Eahmen hinausgreifen und ihr individuelles Gepräge tragen, 
durch ihre Treue für den Mangel an äusserer Einheitlich- 
keit entschädigen und zur Nachfolge anregen werden,^) 



') Bei der geographischen Anordnung macht sich ein formeller 
Uebelstand geltend, welcher zu ungleichmässiger Behandlung nöthigt. 
Aus den einzelnen Bezirken liegen bald sehr zahlreiche, bald ganz 
spärliche Beobachtungen vor. Im Gegensatz zu der Fülle von 



Am Schlüsse jedes Abschnitts werden die Ergebnisse 
der Localforschungen von mir kurz zusammengefasst und 
die Beziehungen zu den benachbarten Gegenden erörtert 
werden. Eine Uebersicht der Verbreitung sämmtlicher im 
Gebiet beobachteter Arten findet sich am Schluss. 

Magdeburg, Mai 1893. 

W. Wolterstorff. 



Material von manchen kleinen Orten ist gerade die nächste Um- 
gebung mehrerer grösserer Städte, wie Halberstadt, Aschersleben, 
Hildesheim herpetologisch erst sehr wenig bekannt. In solchen Fällen 
Hess ich die topographische Darstellung ganz fort oder beschränkte 
sie auf wenige Andeutungen. Doch dürfte auf diese Weise die 
Uebersichtlichkeit sehr gewinnen, und durch klare Feststellung der 
Lücken zu ihrer Ausfüllung angesponit werden ! — ,,Das westfälische 
Faunengebiet", von Dr. Westhoff ganz selbstständig bearbeitet, 
weicht in äusserer Hinsicht mehrfach ab, namentlich wurde es etwas 
kürzer behandelt, weil die einschlägigen Publikationen in den Be- 
richten des westfälischen Provinzialvereins für Wissenschaft und Kunst 
und ferner namentlich „Westfalens Thierleben" auch den thiergeo- 
graphischen Standpunkt ausreichend erörtern. 



— 9 



Nachweis der wichtigeren Literatur. 



1) 



I. Werke allgemeinen Inhalts. 

Dürigen, Deutschlands Amphibien und Reptilien. 
€reutz'sche Buchhandlung, Magdeburg, gr. 8^, Voll- 
ständig in 12 Lieferungen. Bisher erschienen: Lief. 1 — 8, 
1890—1893. 

Brehm's Thierleben, 7. Band, Kriechthiere und Lurche, 
3. Auflage, neubearbeitet von Prof. Böttger, Leipzig und 
Wien, Bibliographisches Institut, 1892. 

Ueber einzelne Ordnungen vergl, sub III. 
IL Für unser Gebiet. 2) 

1880. A. Nehring, einige Notizen über das Vorkommen 
von Lacerta viridis, Alytes obstetricans, Pelohates 
fuscus etc. Zool. Garten 1880, pg. 298 ff. 

1888. W. Wolterstorff, unsere Kriechthiere und Lurche. 
Vorläufiges Verzeichniss der Eeptilien und Amphi- 
bien der Provinz Sachsen und der angrenzenden 
Gebiete. Zeitsch, f. ges. Naturwiss. , 1888 pg. 1 
bis 38. Auch separat erschienen, Halle a. S., Tausch 
und Grosse. 

Heller, Amphibiologische Notizen. Zool. Garten 
1888, pg. 179. 

J. Blum, die Kreuzotter und ihre Verbreitung 
in Deutschland. Abhandl. d. Senckb. naturforsch. 



1) Ausführliche, mitunter sogar zu eingehende Literatur- 
verzeichnisse enthalten Blasius, die faunigtische Literatur Braun- 
schweigs und der Nachbargebiete, im 6 Ber. d. naturwiss. Ver. Braun- 
schweig, 1887/89, erschienen 1891, 8", und E Schulze, Fauna 
saxonica. 

^) Localfaunen, Berichte über einzelne Funde und blosse Notizen 
werden unten, bei den betreffenden Orten, citirt! 



— 10 — 

Ges. Frankfurt a. M., 15. Bd. No. 3, pg. 121 bis 

278, 8». 

1890. Fr. West hoff, Beiträge zur Keptilien- und 
Amphibienfauna Westfalens. Westf. Prov. Ver. 18^ 
pg. 48—85. 

1891. E. Schulze, Fauna saxo - thuringica , Amphibia. 
Schriften d. naturwiss. Ver. Harz zu Wernigerode,. 
Bd. 6, pg. 30—51. 

Fr. Westhoff, die geographische Verbreitung 
von Pelins berus in Westfalen und den angrenzen- 
den Landesth eilen. Westf. Prof. Ver. 19, pg. 72- ff. 

1892. Westfalens Thierleben. 3. Bd. Die Repti- 
lien, Amphibien und Fische (Reptilien und Am- 
phibien, bearbeitet von H. Landois, E. Rade 
und Fr. Westhoff, auf pg. 21— 160). Verl. von 
Schöningh, Paderborn. 441 pg. gr. 8*^. 

Fr. West hoff, über die Neigung zu Rasse- 
bildungen durch locale Absonderung bei Ranor 
arvdlis Nilos und einigen Vertretern der heimat- 
lichen Thierwelt. Westf. Prov. Ver. 20, pg. 51 ff. 

1893. E.Schulze und Fr. Borcherding, Fauna saxo- 
nica. Amphibia. Verzeicbniss der Lurche des nord- 
westlichen Deutschlands (2. Auflage von E. Schulze^ 
Fauna saxo - thuringica). 47 pg. Reptilia. Ver- 
zeicbniss der Kriechthiere des nordwestlichen Deutsch- 
lands. 47 pg. 8^. Jena, Verl. G. Fischer. 

III. Specialwerke über einzelne Ordnungen 
der deutschen Fauna. ^) 

1867. Fr. Leydig, die Molche (Salamandrina) der würt- 
tembergischen Fauna. Archiv für Naturgeschichte 
(auch separat, Nicolai, Berlin). 



') Doch meist ohne besondere Berücksichtigung unseres Gebietes. 



— 11 — 

1872. Fr. Leydig, die in Deutschland lebenden Arten 

der Saurier. Tübingen. 
1877. Fr. Leydig, die anuren Batrachier der deutschen 

Fauna. Bonn. 

1882. G. A. Boulenger, Catalogue of Batrachiasalientia. 
London. 

1883. G. A. Boulenger, Catalogue of ßatrachia gra- 
dientia s. caudata, London, 

1883. Fr. Leydig, die einheimischen Schlangen. Abhdl. 

Senckb. Ges., Frankf. a. M. 
1886. J. V. Bedriaga, Beiträge zur Kenntniss der La- 

certiden. Abhdl. Senckb. Ges. Frankf. a. M. 
1885 — 1887. G. A. Boulenger, Catalogue of Licards. 

2. ed. Vol. I.— m. London. 
1891. J. V. Bedriaga, die Lurchfauna Europas L Anura, 

Froschlurche. Bull. Soc. Dep. Nat. Moskau. 



— 12 — 



Bestimmungstabelle.^ 



Klasse: Reptilien, RepUlia. 

Haut mit Schildern oder Schuppen versehen. Lungen- 
athmung. Keine Verwandlung, 

Ordnung: Squamata. 
Unterordnung; Echsen, Sauria. 

Augenlider vorhanden. 

Gattungen: 

a. vier wohlentwickelte Gliedmassen . Zacerto, Eidechse. 

b. fusslos Anguis, Schleiche, 

Unterordnung: Schlangen, Oi)hidia. 
Augenlider fehlend, fusslos, Rachen sehr erweiterungs- 
fähig. 

Gattungen: 

a. Pupille rund, der die Afterspalte schliessende After- 
schild getheilt, Schwanz allmählich sich verjüngend. 

a. Kopf wenig vom Hals abgesetzt, 

Schuppen glatt CoroneUa. 

ß. Kopf scharf vom Hals abgesetzt, 

Schuppen auf dem Eücken gekielt Tropidonotus. 

b. Pupille senkrecht, Afterschild ungetheilt, Kopf glatt, 
mit scharfer Schnauzenkante, Schwanz sich rasch ver- 
jüngend und kurz, hohle Giftzähne . . Vipera, Viper. 

Ordnung: Schildkröten, Chelonia. 
Körper in einen Panzer gehüllt. 

*) Nur für die heimische Fauna berechnet ! Betreffs der anato- 
mischen Einzelheiten, der Beschildemng z.B. des Schlangenkopfes und 
aller feineren Unterschiede muss ich auf die Literatur verweisen. 



— 13 — 

Gattung: 
Brustschild beweglich, Zehen mit Krallen und Schwimm- 
haut Emys. 




cf— -Ä 



Uebersicilt der Arten. 

Lacerta. 
Zwischen dem Auge und Nasenloch 4 Schilder (Zügelschilder), 
siehe Fig.i), Körper gedrungen, Schwanz IV2 — IV3 ^lal so lang als der 
übrige Körper, Länge 20 
bis 22 Centm., ein grau-brau- 
nes Rückenband (bei var. 
erythronotus gleichmässig 
rothbvaun), Flanken beim 
^ grün, mit Augenflecken, 
2 auch an den Seiten grau- 
braun mit Augenflecken, 
Bauch beim $ grünlich, 
beim $ weisslich 

Lacerta agilis L., rig. 1. Lacerta agüis, Kopf, a— c vordere Zügel- 
Zauneidechse. schilder (nach L e y d i g). 

Zwischen dem Auge und Nasenloch nur 3 Zügelschilder (s. Fig.), 
Körper schlanker als bei voriger Art, Schwanz l^/^ — 12/g mal solang 
als der übrige Körper, Länge 11—16 
Centim., Rücken braun in allen Ab- 
stufungen, Rückenmitte und 2 Seiten- 
streifen dunkler, ^ am Bauch safran- l \<^~T^>^^^~-r\ d 
gelb , <J weislich. Lacerta vivipara 
Jacqu., Berg-, oder Wald-, leben- 
dig gebärende Eidechse. 
(Schwanz doppelt so lang als der 
übrige Körper, Länge 30-35 Centim., ^ig. 2. Lacerta vivipara, Kopf, d, 

Oberseite beim $ prächtig grün, Kehle e vordere Zügelschilder (nach 
blau, $ ähnlich gefärbt, doch meist ins L e y d i g). 

bräunliche spielend . . . Lacerta viridis, Laur. Smaragdeidechse. )2) 




1) Fig. 6, 7, 8, 10, 13 sind meinem Aufsatz „Amphibien West- 
preussens", Naturforsch. Ges, Danzig 1889 entnommen, die übrigen, 
von Dr. Westh off gezeichnet, dem Werk „Westfalen'sThierleben.'* 

^) Im Gebiet erst einmal und hier nicht sicher spontan nachge- 
wiesen. 



— 14 — 

Anguis. 

Schwanz wenigstens so lang als der übrige Körper, Färbung sehr 
veränderlich, oben meist braun bis kupferfarbig . Anguis fragilis L., 

Blindschleiche. 



CoroneUa. 

Oberseite graubraun bis 
röthlich, mit einem dunklen 
Nackenflecken und zwei Reihen 
unregelmässiger, abwechselnd 
gestellter kleiner RUcken- 
flecke . CoroneUa laevis Mer., 
(austrica Laur.) , Glatte 
Natter, Schlingnatter. 




Fig. 3. CoroneUa laevis, Kopf, n Nasenschild, 

o Auge, 1 Lippenschilder, p Voraugenschild 

(nach Leyd ig). 



Tropidonotus. 

Am Hinterkopf zw^ei grosse, halbmondförmige weisse oder gelbe 
Flecken, Färbung der Oberseite sonst schiefergrau 

Tropidonotus natrix L., Ringelnatter. 




Fig. 4. li-opidoyiotus natrix, Kopf. n. Nasenschild, o Auge, 
r Voraugenschild, 1 Lippenschilder (nach L e y d i g). 



— 15 — 




Vipera. 

Schwanz am Ende in 
«ine hornige Spitze aus- 
gezogen , Färbung der 
Oberseite meist graubraun 
oder röthlich mit breitem, j 
schwarzen Zickzackband, 
selten ganz schwarz 

Vipera berus L., 

Kreuzotter. •* 

Fig. 5. Vipera berus, Kopf, o Auge, n Nasenloch, 
V Scheitelschild, oo Hinterhauptschilder, r 1 — 3 
Voraugenschilder, z Zwischensohüder, 1 Lippen- 
schilder (nach L e y d i g). 

Eniys. 

Panzer oben schwärzlich, mit gelben Punkten, ungepanzerte Theile 
schwärzlich grün mit gelben Punkten Emys orbicularis L. (enropaea 

Merr.j, Sumpfschildkröte, 



Klasse: Amphibien, Amphibia (Batrachia). 

Haut nackt, Athmung im Jugendstadium durch Kiemen, 
im ausgebildeten Zustand durch Lungen. 

Ordnung: Froschlurche, Aniira (Ecaudata). 
Im ausgebildeten Zustand schwanzlos. 
Uebersicht der Grattungen 
a. Oberkiefer bezahnt. 
a. Trommelfell sichtbar. 
Haut glatt oder schwach warzig, Pupille horizontal, 
Pinger und Zehen an der Spitze nicht verbreitert, Habitus 

meist schlank . Rana, Frosch. 

Haut glatt, Pupille horizontal, Pinger und Zehen an der 

Spitze verbreitert Hyla, Laubfrosch. 

Haut warzig, Pupille elliptisch, senkrecht gestellt, eine 
kleine Ohrdrüse (Parotide) und in ihrer Verlängerung ein 
schmaler Seitenwulst Alytes. 



— IG — 



(i. Trommelfell nicht sichtbar. 
Haut glatt, Pupille senkrecht, Beine kurz, Fersenhöcker 
am Grund der Zehen eine schneidige Hornschwiele. 

Pelohates. 
Haut warzig, Pupille dreieckig, Unterseite lebhaft 

roth oder gelb gefleckt Bomhinator, Unke. 

b, Oberkiefer unbe zahnt. 
Haut warzig, Pupille horizontal, Ohrdrüsen (Parotiden) 

am Hinterkopf Bufo, Kröte. 

üebersicht der Arten. i) 
Bana. 
Oberseite mehr oder weniger grün, oft ins graubraune übergehend, 
mit schwarzen Flecken oder Tüpfeln, meist mit einem hellen Kücken- 
streifen und zwei Seitenwülsten. ^ mit zwei äusserlich sichtbaren 
Schallblasen zu beiden Seiten desMauls Banaesculenta L., Wasserfrosch. 

var. a. Fersenböcker * 
am Grund der kleinsten Zehe 

seitlich zusammengedrückt, 
halbmondförmig, klüftig, Länge 
meist = Ya — Vs ^er kleinsten 
Zehe , Hinterseite der Ober- 
schenkel schwarz und gelb 
marmorirt, Oberseite meist schön 
grün Bana esculenta var. 
typica, Teichfrosch. 

var. b. Fersenhöcker = ^/ 
stumpf, weich, seitlich nicht zu- 
sammengedrückt. Hinterseite der 
Schenkel meist wcisslich oder 
bräunlich mit schwarzen Flecken, 
nie gelb. Oberseite selten rein 
grün, meist licht grün oder grün- 
lich , ins braun spielend oder 
ganz braun. Grösse bedeutend 
Bana enculenta var. ridi- 
bunda Fall. , Fluss- oder 
Seefrosch. Fig« 7. Ra»a esculenta var. lidihiiuda. 




Fig. 6. Rana esciiletiin var. tijp. 
^— Y3 der kleinsten Zehe, selten grösser^ 




ij In Nachstehendem ist Boul enger 's, auf innere Merkmale ge- 
stütztes, System angenommen, Reihenfolge : Bana, Bufo, Hyla, Pelo- 
hates, Bombinator, Alytes. 



17 — 



Oberseite bräunlich in allen 
Schattirungen , kein deutlicher 
Kückenstreifen, ^ ohne äusserlich 
sichtbare Schallblasen , Fersen- 
höcker klein, rundlich, weich. 
Kopf meist breit, stumpf 
Bana temporaria Ant. (muta 
Laur., fusca Eoes.^, brauner 
Grasfrosch. 



Oberseite röth- 
lich oder braun in 
allen Schattirungen, 

oft deutlicher 
Rückenstreifen, wie 
bei Bana esculenta, 
5 ohne äusserlich 
sichtbare Schall- 
blasen, Fersenhöcker stark, seitlich 
zusammengedrückt , länger als die 
Hälfte der kleinsten Zehe. Kopf ziem- 
lich spitz . . Bana arvalis Nills., 
Moorfrosch. 

■JBufo. 
Oberseite röthlich, bräunlich od. 
grau, Unterseite weisslich. Iris 
des Auges goldig glänzend, 
Trommelfell klein, oft ver- 
steckt, Zehen zur Hälfte mit 
Schwimmhäuten 

Bufo vulgaris Laur. [einereus 
Schneid.), gemeine Erdkröte. 

Oberseite grünlich, mit hellen 
oder dunklen Flecken, Unter- 
seite weisslich, Iris grün, 
Trommelfell sichtbar, Beine 
ziemlich lang, Zehen zu 1/2 — 
2/3 mit Schwimmhäuten 

Bufo viridis Laur., 
grüne Kröte. 




Fig. 8. Bana temporaria. 




Fio-. 9. Raiia temporaria $• in Brtinst. Vorderfuss. 
d Da-amenschwiele. (Nach Leydig.) 




Fig. 10. Rana arvalis. $ in Brunst. 




Fig. 11. Stifo viridis, a Auge, t Nasenloch, 
o Trommelfell, d Ohrdrüse. (Nach L e y d i g). 



— 18 




Fig. 12. Bvfo riridis. Hinterfuss. 
z Fersenhöcker. 



Oberseite grünlich od. rüthlich, 
fast stets mit scharf abgesetzter 
gelber Küekeulinie. Unterseite 
vorn weiss nnd grau, hinten grau- 
braun. Hinterbeine iiu.'isorst kurz 
Zehen mit ganz kurzer Schwimm- 
haut. . . Bufo calamita Laur., 
Kreuzkröte. 

Hyla. 
Oberseite rein blattgrün, ^ mit einer äusseren Schallblase unter 

der Kehle Hyla arhorea L., Laubfrosch. 

Pelohates. 



Oberseite gelbbraun mit 
unregelmässigen, oft roth ge- 
ränderten Flecken, aufifallend 
bunt 

Pelohates fuscus Laur., 
Kuoblauchskröte. 
Bomhlnafor. 
Unterseite im Leben blau- 
grau mit hell- bis dunkel- 
gelben Flecken , Oberseite 
lehmfarbig, grau, Fuss von 
Grund der kleinsten Zehe 
an gleichlang oder kürzer 
als der Unterschenkel, brün- 
stiges 5 mit schwarzen 
Schwielen an der Unterseite 
der zweiten und dritten 
Zehe, ohne Schallblasen 
JBombinator pachypus 
Bon., Berguuke, gelb- 
bauchige Feuerkröte. 

Unterseite im Leben 
blauschwarz mit carmin- 
bis orangerothen Flecken, 

Oberseite dunkelgrau- 
braun mit klein, schwarzen 
Flecken, oft mit grünen 
Makeln. Fuss vom Grund v;~ ik p. i / ■. tt- ^ ^ j tt 

rig. 15. Hombtnator pachi/pus. Hinterfuss. d Horn- 
der kleinsten Zehe an schwielen, z Fersenhöcker. (Nach Leydig.) 




Fig. 14. Bomhiiiator pachijpns. Vorderfuss. 
d Brunstschwielen. (Nach Leydig.) 




— 19 




Fig. .16. Bomhmator igneus. Unterseite. (Nach Boulenger.) 

an ^er als der Unterscheukel, ^ ohne Hornschwielen an den Zehen, 
aber mit zwei innem Schallblasen unter der Kehle 

Bombinator igneus, Laur., Feuerkröte, rothbauchige Unke. 

Alytes. 

F ärbung oben aschgrau oder bräunlich unten weisslich^) 

Alytes obstetricans Laur., Geburtshelferkröte. 



rdnung: 
Schwanzlurche, Molche, Urodela (Caudata). 

Auch im ausgebildeten Zustand geschwänzt. 

Gattungen; 
Hinterkopf mit grossen Ohrdrüsen (Parotiden), Schwanz 
rund, t ohne Spur eines Rückenkammes 

Salamandra, Salamander. 

Hinterkopf ohne Ohrdrüsen, Schwanz seitlich zusammen- 
gedrückt, brünstiges 5 mit Kamm auf Rücken und Schwanz 

Triton, Molch. 



^) Alytes besitzt zwei charakteristische biologische Eigenthiimlich- 
keiten ; das ^ lässt während des Sommers in den Abendstunden aus 
Erdlöchern und Mauerwerk einen glockenhellen Ruf erschallen ; häufig 
auch findet man es mit den dem $ abgenommenen und um die Hinter- 
beine gelegten Eischnüren am Land herumlaufen. Daher der Name. 

2* 



— 20 — 



Uebersicht der Arten. 

Salamandra. 

Oberseite tiefschwarz mit grossen gelben Flecken, Unterseite 

schwärzlich, Haut glatt, gliinzcnd, Habitus sehr gedrungen .... 

Salamandra maculosa Laur., Feuersalamander. 

Triton. 

Oberseite schiefergrau bis bräunlich, Unterseite schwefel- oder 
orangegelb mit schwarzen Flecken. Brünstiges ^ mit hohem tief- 
gezackten, an der Schwanzwurzel unterbrochenen Kamm, zu beiden 
Seiten des Schwanzes des brünstigen ^ ein silbervveisses, ins bläuliche 
schimmerndes Band .... Triton cristatus Laur., Kammmolch. 

Oberseite graublau, brünstiges (> an den Seiten schön hellblau, 

Unterseite ungefleckt, orange- bis feuenoth, brünstiges t mit gana 

niedrigem, ungezackten, weissgelb und schwarz gebänderteu Kamm . 

Triton alpestris Laur. (igneus MeiT.j, Bergmolch, Feuermolch. 

Oberseite hellbraun bis olivenfarben , beim ^ mit schwarzen 
Tüpfeln , Unterseite orangegelb mit kleinen schwarzen Tüpfeln. 
Brünstiges t ^^it hohem, rundlich gekerbtem, an der Schwanzwurzel 
unterbrochenem Hautkamm, Schwanzspitze allmälilich sich verjüngend, 
mit schön blauem Bande zu beiden Seiten des Schwanzes .... 

Triton taeniatus Schneid, (vulgaris L.^^ 
Streifenmolch, kleiner Wassermolch. 

Oberseite hellbraun bis oliven- 
farben, mit kleinen dunklen Flecken, 
Unterseite orangegelb, ungefleckt, 
Seiten licht. Brünstiges ^ mit zwei 
scharf abgesetzten Seitenwülsten, 
ganz niedrigem, leistenartigen, erst 
auf dem Schwänze anschwellenden 
Kamm, Schwanz am Ende wie 
abgestutzt, mit 3—6 mm langer 
fadenförmiger Spitze (beim 
Weibchen ebenfalls vorhanden, doch 
sehr kurz)-, zu beiden Seiten des 
Schwanzes ein licht blaues Band, 
Schwimmhäute an den Hinterzehen . 
Triton palmattis Schneid, (helveii- 
cus Razoum.j, Leistenmolch. 




Fig. 17. Triton palmatus. 
a Sch-wanzende, b Hinterfuss, 
c Aufgesperrter flachen. 



— 21 — 



Der Harz. 



Einleitung.^) 
Von W. Wolter stör ff. 

Der Harz, das höchste Gebirge des nordwestlichen 
Deutschlands, ist zugleich das selbständigste, gleichsam nur 
ein einziger, durch unzählige Thäler in einzelne Anhöhen zer- 
theilter Berg, Im Gegensatz zu dem benachbarten Thüringer 
Wald, einem echten Kammgebirge, stellt sich der Harz als 
ein Massengebirge von plateauartiger Oberfläche dar. Schroff 
stürzt er im Norden zur Tiefebene herab, auch gegen Süd 
und West ist er scharf abgesetzt, nur im Südosten, im 
Mansfeldischen, verwischen sich die Grenzen. 

Die Hochfläche des Harzes erhebt sich von Südost nach 
Nordwest allmählich von durchschnittlich 400 m (Plateau 
von Harzgerode) auf 600 m (Plateau von Klausthal). Nur 
wenige Höhen, vor Allem das Brockengebirge mit dem Brocken 
(1141 m), im nordwestlichen Drittel des Massivs gelegen, 
überragen das Niveau ihrer Umgebung bedeutend. Das Ge- 
birge streicht von Ost-Süd-Ost nach West-Nord- West; seine 
grösste Längenerstreckung beträgt von Seesen bis Hettstädt 
195 km, seine grösste Breite zwischen Benzingerode und 
Walkenried 34 km. 



^j Der Beschreibung des Gebirgs liegen vorzugsweise zu 
Grunde: Daniel, Handbuch der Geographie. 5. Auflage. Bd. 3. 
V. G r d d e c k , Abriss der Geognosie des Harzes. 2. Auflage. Klaus- 
thal. 1883. L e i c h e r , Orometrie des Harzgebirges. Halle a./S. 1886. 
Fr. Günther, Der Harz in Geschichts-, Kultur- und Landschafts- 
bildern. Hannover 1888. 



22 

Der Harz wird grOsstentheils von paläozoischen Schich- 
ten, Devon, besonders Hercyn (Unteres Devon) und Mittel- 
Devon, Kulm gebildet; Thonschiefer und Grauwacke sind 
die vorherrschenden Gesteine, zu ihnen gesellen sich, räum- 
lich beschränkt, aber topographisch oft scharf hervortretend, 
Kieselschiefer und Quarzit (Bruchberg und Acker) und Kalk- 
stein (Iberger Kalk bei Grund). Krystallinisch massige Ge- 
steine — Granit (Brocken, Rosstrappe), Porphyr (Auerberg) 
und Diabas — haben vielfach die geschichteten Gesteine 
durchbrochen. Jüngere Gesteine — oberes Karbon, Roth- 
liegendes, Zechstein, Trias, Jura und Kreide — lagern sich 
mantelförmig um das Massiv des Gebirges. Ihr Auftreten 
fällt meist mit den orographischen Grenzen zusammen, nur 
am Südrand, bei Ilfeld z. B., steigen Rothliegendes und Zech- 
stein hoch am Harz empor. 

Bei der Abgrenzung des Harzes von dem Vorland bin 
ich im Allgemeinen mit Lei eher der 800 Par. Fuss Isohypse 
(259,87 ra) nach der Höhenschichtenkarte des Harzgebirges ^) 
gefolgt. Im Norden verläuft die Grenze entlang dem Nord- 
abfall von Langeisheim bis Ballenstedt, zugleich entlang der 
Grenze des Devons. Im Osten, wo ein allmählicher Ueber- 
gang stattfindet, habe ich das theilweise bewaldete Gebiet 
des oberen Carbons (v. F ritsch) 2) im Mansfeldischen im 
Gegensatz zu Leicher mit einbezogen; Grenzpunkte sind 
hier Ballenstedt, Quenstedt und Walbeck, Hettstädt, Mans- 
feld, Blankeuhainer Tunnel, Oberstdorf und Mohrungen. Von 
hieran bin ich im Allgemeinen wieder Lei eher gefolgt; die 
Grenze zieht, wenig von der 800 Par. Fuss Isohypse ab- 
weichend, mit Einschluss des Zechsteingebietes überUftrungen 
nach Crimderode, Obersachswerfen, Osterhagen, Scharzfeld^ 
von hier verläuft sie längs des Steilabfalls des Gebirges und 



1) Höhenschichtenkarte des Harzgebirges, bearb. v. d. kgl. geol. 
Landesanstalt 1 : 100,000. 

2) Siehe Beyschlag, geologische Karte d. Umgegend von Halle 
1 : 100,000. Ceol. Landesanstalt, Berlin 1892. 



— 23 — 

der palaeozoischen Schichten nach Seesen. Uebrigens habe 
ich mich nicht immer eng an diese Grenze gehalten; so 
wurden die Sandsteinklippen des Regensteins und der Teu- 
felsmauer bei Blankenburg, die Jurabildungen bei Goslar 
mit einbezogen, ebenso finden Nordhausen und das Zech- 
steingebiet am Südrand des Gebirges, nebst einigen Fund- 
orten im Buntsandstein der Uebersichtlichkeit halber schon 
hier Berücksichtigung. 

Für die Betrachtung der geographischen Verbreitung 
der Kriechthiere und Lurche des Harzes wurde im Allge- 
meinen an der alten Scheidung im Unter- (Südost) und 
Oberharz (Nordwest) festgehalten. Aus dem Gebiete des 
Unterharzes erfuhr der Südost im engsten Sinne, östlich 
der Tyra, eingehendere Darstellung, ebenso die nähere Um- 
gebung von Thale und Blankenburg. Die Hochfläche von 
Hasselfelde, Elbingerode, Braunlage musste leider aus Mangel 
an Beobachtungen unberücksichtigt bleiben. Vom Oberharz 
mit dem Brockengebiet und dem Vorharz lagen unter Anderem 
Beobachtungen und Reiseskizzen über Wernigerode, Harz- 
burg, Goslar, den Brocken, die Hochfläche von Klausthal 
und das Innerstethal, endlich über Grund und Lauterberg 
vor; hieran wurde aus praktischen Gründen und mit Rück- 
sicht auf den jetzigen Stand unserer Kenntnisse der ganze 
Südwestrand des Gebirges vom Tyrathal bis Lauterberg 
angeschlossen. 

Das Klima des Unterharzes ist bei seiner geringen 
Erhebung verhältnissmässig milde und weicht mit einem 
Jahresmittel von durchschnittlich 6— S^C. nur wenig von 
der Temperatur der angrenzenden Ebene ab, bei dem Ober- 
harz dagegen macht sich der Einfluss der Höhelage doch 
schon empfindlich geltend. 

Die mittlere Jahrestemperatur für Klausthal übertrifft 
mit 6,2 C. jene von Stockholm nicht bedeutend, das Jahres- 
mittel des Brockens sinkt sogar auf 2,4 C. gleich der Tem- 
peratur Lapplands herab. Bei seiner nördlichen Lage ist 



— 24 — 

die Temperatur des Brockens selbstredend auch viel geringer 
als die der Alpenregionen gleicher Höhe. Wie bei allen 
Höhepunkten wird auch auf dem Brocken das niedere Jahres- 
mittel weniger durch abnorm strenge Winter, als durch kühle 
Sommer, überhaupt gleichmässigere Temperatur bedingt. Mit 
der niedrigen Luftwärme im nahen Zusammenhange steht 
auch die Menge der Niederschläge, sie beträgt für Klausthal 
z.B. durchschnittlich 13G5,3 mm, d.h. mehr als das Doppelte 
der Durchschnittsmenge für Deutschland. Ihr verdanken die 
Hochmoore der Brockenkuppe ihre Entstehung. 

So erklärt sich denn der durchaus subarktisch-subalpine 
Charakter der Brockenflora. 

Der Baumwuchs ist, wo er noch versucht hat zum Gipfel 
emporzuklimmen, immer krüppelhafter geworden und endlich 
hei etwa 1000 m Höhe ganz verschwunden und hat den 
höchsten Gipfel, die eigentliche Brockenkuppe, einem kurzen 
Gras- und Haidewuchs überlassen. 

Pidsatäla alpina (Brockenanemone, Hexeubesen) Geum 
monfanum, Hieracmm alpinum, Bumex arifolius, Salix bico- 
lor, Lycopodmm al/pinum, SelagineUa spinulosa, Asplenium 
aJpcstre sind besonders charakteristisch für diese Hochge- 
birgsflora. Reich vertreten ist hier oben auch die Sumpf- 
flora unserer subalpinen und subarktischen Moore, die freilich 
z. Th. noch hie und da selbst in unserer norddeutschen 
Tiefebene sich gehalten haben: JEmpetnim nigrum (Biockeii- 
mjTte) Vacciniiim uliginosiim (Rauschbeere) Vaccinium oxy- 
coccus (Moosbeere) Carex rigida, das nordische Carex 
vaginata, Carex pauciflora u. s. w. 

Eine auffallend reiche und fremdartige Flora hat, 
aus der Ebene verdrängt, in den Thälern, besonders in dem 
schwer zugänglichen Bodethal sich zusammengefunden. Hier 
hat noch die ehrwürdige Eibe (Taxus) eine Zuflucht gefun- 
den. Hierhin haben sich auch alpine Arten wie Aster alpinus 
und Rosa alpina - Hampeana geflüchtet, ohne jedoch den 
Brockengipfel selber zu ersteigen. 



— 25 — 

Die Hochebene des Oberharzes, aus der sich nur der 
Brockeugipfel bis über die Baumgrenze erhebt, ist mit 
Fichtenwäldern und dazwischen mit üppigen, überaus blu- 
menreichen Bergwiesen bedeckt. Die Kühle und der reich- 
liche Niederschlag kommen den Wiesen zu gute, während 
dem Ackerbau schon weit tiefer, auf dem Plateau bei El- 
bingerode, seine Grenze gesetzt ist, da zur Reife des Korns 
die sommerliche Hitze mangelt. Im östlichen tiefen Theil 
des Unterharzes dagegen, in der Gegend von Harzgerode 
gedeiht neben üppigem Laubwald auch der Getreidebau 
vortrefflich. 



Der Unterharz. 

I. Das Gebiet der Tyra, Wipper und Selke. 

Das im Folgenden behandelte Gebiet, der Südost des 
Harzes im engern Sinn, wird im Nordwesten vom Haupt- 
theil des Gebirges durch eine Linie abgegrenzt, welche von 
Stolberg über Mägdesprung nach Ballenstedt gezogen ge- 
dacht wird. Dies ist das Plateau von Harzgerode und 
Pansfelde, oder die südliche Hälfte ^) des Selkeplateaus 
(Daniel) mit einer mittleren Höhe von etwa 400 m im 
Westen (bei Harzgerode), von 300 m im Osten (zwischen 
Pansfelde und Tilkerode). Entsprechend der geringen Er- 
hebung weicht die mittlere Jahrestemperatur dieser Gegend 
wenig von jener der angrenzenden Ebene ab; der Fichten- 
wald, welcher im westlichen Drittel des XJnterharzes, um 
Hohegeiss und Hasselfelde z, B., überwiegt, tritt hier gegen 
den Laubwald entschieden zurück. Der Kornbau gedeiht 
vielerorts und von Alters her recht gut. Das „Harzgeröder 
Feld trägt Korn und Geld" sagt ein alter Spruch mit Be- 
ziehung auf den Erzbau und Ackerbau, welche für Harz- 

1) Von der NorJhälfte fand nur ein schmaler Streifen um Ballenstedt 
hier Berücksichtigung. Doch vergleiche auch „Thale und Gernrode." 



— 26 — 

gerode urkundlich bis ins 11. oder 10. Jahrhundert sich 
verfolgen lassen. „Wald fehlt auch hier nicht, aber da- 
zwischen dehnen sich weite mit Kornfeldern bedeckt© 
Flächen, fast immer ohne Aussicht auf Höhen und Tiefen, 
Erst am Rande des Selkethals wird man inne, dass man 
sich auf hohem Berglande befindet." „Schön schaut sichs 
von Höhenpuukten des Uferrandes, wie vom Meiseberg, auf 
den frischen Wiesengrund und den umkränzenden präch- 
tigen AVald." Daniel, 3, pg. 405. 

Unter den Thälern, welche die Hochfläche durch- 
furchen, ist das kurze Thal der TjTa (Nebenflüsschen der 
Helme) für uns mehr als Grenze von Belang, siehe unten: 
„von Stolberg nach Ballenstedt." Der Hauptfluss des Ge- 
biets ist die Selke, welche bei Stiege entspringt. In ihrem 
obern, sanft eingesenkten Thal und seinen Ausläufern be- 
gegnen wir frischen Wiesengründen und zahlreichen künst- 
lich angelegten Teichen, welche meist dem Bergbau dienen. 
Sie nehmen unser besonderes Interesse in Anspruch, da sie 
mit ihren Abüussgräben vielem Lurchgethier dauernde 
Wohnsitze oder Laichplätze bieten. — „^on Alexisbad an 
aber erschliessen sich dem Wanderer von Schritt zu Schritt 
wechselnde liebliche Bilder, Aus dem herrlichen Buchen- 
walde, welcher die Gehänge des Thaies schmückt, starren 
hie und da, manche wie verstohlen, einzelne Klippen und 
ganze Felswände heraus. Mäanderartig schlängelt sich der 
Fluss, von Wiesen besäumt, durch das breite sich mehr 
und mehr vertiefende Thal, und kurz vor seinem Austritt 
in das Flachland schaut der Falkenstein 150 m auf die 
Thalsoole hernieder." 

„Einförmiger ist das Thal der Wipper, welche den süd- 
östlichen Theil des Unterharzes parallel der Bode und Selke 
durchschneidet. Die sanftgewellten Höhen überragen das 
breite Wiesenthal nirgends um 100 m, und Felsbildungen 
zeigen sich nur in der Nähe des lieblich gelegenen 
Schlosses Rammeisberg." Günther, Harz, pg. 164, 



— 27 — 
Wippra. 

Von W. Wolterstorff. 

Unter den zahlreichen geologischen Studentenausflügen, 
aufweichen uns mein hochverehrter Lehrer, Prof. Freiherr 
V. Frits ch- Halle, den Innern Bau der Erde erläuterte, 
hat eine Exkursion in den Südharz für mich auch in 
zoologischer Beziehung eine besondere Bedeutung erlangt: 
Ich stellte an jenem Tage zum ersten Mal das Vorkommen 
des Leistenmolches, Triton palmatus, im Harze fest i) ! Die 
weitere Verfolgung dieses für unsere Kenntniss von der 
geographischen Verbreitung der deutschen Amphibien höchst 
überraschenden Fundes veranlasste meine Freunde und mich 
erst zur S3'stematischen Durchforschung des Harzes und der 
angrenzenden Landschaften auf seine Kriechthierfauna. Wie 
jene Exkursion daher mittelbar auch zu dieser Arbeit den 
Anlass bot, so möge ihre Beschreibung die Reihe der Einzel- 
darstellungen und Lokalfaunen eröifnen! 

Wir waren an dem betreffenden Tage, 1. Mai 1887, 
bei kühler, trüber Witterung von Bahnhof ßiestedt nach 
Gonna und Oberstdorf gewandert, hatten Buntsandstein und 
Zechstein überschritten und über Grillenburg die karbo- 
nischen Schichten nach Steinkohlenpflanzen abgesucht und 
schritten jetzt auf der Chaussee nach Wippra zu, um 
die hercynischen Gesteine zu studiren. Eben war ich zu 
dem Brombach herabgestiegen, einem kleinen Gewässer, das 
neben der Strasse fliesst und bei Wippra in die Wipper 
mündet, um einige Rinnsale im Wiesengrunde aufzusuchen, 
als plötzlich allgemeines Hüteschwenken und Winken mich 
zu schleuniger Rückkehr veranlasste: Triumphirend kamen 



^) W. Wolterstorff, Triton palmatus am Harz. Zool. Anz. 
1887. pg. 321. — Der Leiötenmolch war früher schon vielen Sammlern 
im Harz aufgefallen, doch verkannt und meist für eine Varietät von 
Tr. taeniatus angesprochen. Nur Geitel hatte sein Vorkommen in 
einer versteckten Notiz als wahrscheinlich bezeichnet. Siehe unten 
bei Blankenburg! 



— - 28 — 

mir Freund Dr. W. Ule und Dr. V. St ei necke mit 
«inigen Molchen in der Hand entgegen, es waren Triton 
al])csfrls und der mir bisher nicht lebend bekannte Triton 
]>alni(iti(s, wie ich sofort nach Betrachtung des 1. Stückes 
vermuthete und nach Fang des ersten brünstigen Männchens 
mich vergewisserte! — Rasch wurde die Fundstelle, ein 
langgestreckter, seichter Chausseegraben, ohne Wasser- 
pflanzen, mit trübem Wasser, zur Seite der Strasse, welche 
am bewaldeten Abhang des „Geheges'' und „Hurenholzes" 
— südlich vom liamsenberg — hinführt, weiter abgesucht 
und gelang es mir noch einige Exemplare beider Arten im 
Hochzeitskleid zu erhaschen, neben einer jungen Bana 
temporaria und Laich von Biifo. Dann galt es der vor- 
ausgeschrittenen Schaar zu folgen. Aber die Entdeckung 
liess mir in Wippra keine Ruhe, noch am Abend ging ich 
im Mondenschein an den gleichen Platz zurück und fing 
noch eine ganze Anzahl Molche. Einige Thiere wurden 
auch am andern Morgen, auf dem Rückweg nach Grillen- 
burg, in verschiedenen andern Wegpfützen an der Chaussee 
gefangen, und mit 24 Leisteumolchen langte ich in Halle 
an! — Die Gegend von Wippra und Grillenburg ist grossen- 
theils mit Laubwald bestanden, welcher nach Nordost und 
West weithin sich fortsetzt. Der Untergrund wird von 
Wippra bis nördlich von Grillenburg, wo die karbouischen 
Schichten beginnen, von hercj^nischen Schiefern gebildet. 
Die Chaussee erreicht nahe der Grenze von Hercyn und 
Carbon mit über 900 preuss. Dec. Fuss = 340 m (nach 
der Generalsstabskarte) ihren Höhepunkt und fällt von hier 
bis Wippra auf unter 700' = 264 m. 

Von Stolberg nach BaHenstedt. 

Von W. Wolterstor ff. 

In den Pfingstferien 1888 unternahm ich vom 20. bis 
22. Mai eine kleine herpetologische Reise durch den süd- 
östlichen Theil des Harzes. Mein Plan war, besonders die 



— 29 — 

alten Bergvverksteiclie des Unterharzes und das Selkethal 
auf ihre Amphibienfauna zu untersuchen. 

Der erste Keisetag war vom Wetter nicht begünstigt; 
von Berga nach Kottleberode wanderte ich auf staubiger 
Landstrasse bei Gewitterschwüle das breite, ebene Tyrathal 
aufwärts, ohne weitere Ausbeute als eine Rana temporaria 
im Chausseegraben anzutreffen. Bei der Ankunft in Rott- 
leberode (Höhe etwa 500 Dec. Fuss =- 190 m über dem 
Meer, nach der Generalstabskarte) hatte sich der Himmel 
bereits bewölkt, ab und zu erhob sich ein Windstoss, und 
von den Fröschen und Molchen, welche den grossen, durch 
einen Erdfall in dem unterlagernden Zechstein - Gyps ge- 
bildeten Hüttenteich bewohnen mögen, war nichts zu er- 
blicken. Bald auch trieb mich ein heftiges Gewitter zur 
gastlichen Schenke zurück. Erst am Spätnachmittag, als 
die Wassermassen sich etwas verlaufen hatten, war es mög- 
lich, den Weg nach Stolberg, welcher das Tyrathal auf- 
wärts führt, fortzusetzen. Oberhalb Eottleberode verengt 
sich das Thal nahe dem Chausseehaus j^lötzlich, wir treten 
aus dem Gebiet des Zechsteins, welcher in schmalem Zuge 
den Harz umgürtet, in das ältere Grundgebirge, und zwar 
das unterste Devon oder Hercyn (Kays er) ein, welches bis 
Stolberg grossentheils durch die „Wieder Schiefer" ver- 
treten wird. 

Hier beobachtete ich gleich am Beginn des Waldes, 
welcher uns bis Stolberg nicht mehr verlässt, Salamandra 
maculosa in grosser Zahl an den feuchten Berghängen, 
meiner Erinnerung nach meist mit Längsstreifen, der gewöhn- 
lichen Zeichnung der Harzindividuen i). Auch die Chaussee- 
gräben würden bei normalem Wasserstande wohl manches 



^) Auch zwei Feuersalamander, welche mir A. Tiemann 1892 
von Stolberg mitbrachte, zeigen Längsstreifen. Uebrigens hat schon 
M. Bartels, Sitz. Ber. Ges. Naturforsch, Frde., Berlin, 1885, pg. 3, 
von dieser Chaussee südlich Stolberg im Jahre 1879 Feuersalamander 
in Unzahl beobachtet, meist mit Längsstreifen, 



— 30 — 

Interessante geboten haben; bei meinem Besuch glichen sie 
jedoch reissenden Wildbächen, ihre trüben Fluthen eilten 
der hochgeschwoUeneu Tyra zu, einige rasche Schleppzüge 
mit dem Netz blieben resultatlos. — Die Thalsoole hebt 
sich bis Stolberg von 600 auf 800 Dec. Fuss (n. d. General- 
stabskarte) = 225—300 m, die Thalwände von 800 auf 
1200 Fuss = 300—450 m. 

Unmittelbar nach der Ankunft in Stolberg entlud sich 
ein neues, starkes Gewitter, welches für die nächsten Tage 
weitern Regen befürchten liess. Doch in der Frühe des 
21. Mai lachte die Sonne hell vom blauen Himmel undbei 
herrlicher frischer Morgenluft schritt ich durch die im 
Frühlingsschmuck prangenden Laubwälder die Strasse nach 
Harzgerode hinan. Bis zum Chausseehaus am Auerberg 
(Gasthaus zur Josephshöhe) Avar die Wanderung herpeto- 
logisch ergebnisslos, hier aber, in über 1300' = 480 m 
Höhe betritt man mit der Hochebene des Unterharzes ein 
Gebiet voll künstlicher und natürlicher Wasseransamm- 
lungen. Während der bewaldete , aus Felsitporphyr be- 
stehende Auerberg (Josephshöhe, 575 m hoch) keine Aus- 
beute lieferte, fanden sich schon in einer Wegpfütze dicht 
bei dem erwähnten Chaussee- und Gasthaus die ersten 
Vertreter der Gattung Triton, zwei Bergmolche, Triton 
alpestris. Von dort führte mich der freundliche Gastwirth 
durch den Wald zu dem ansehnlichen Fraukenteiche 
(Höhe ca. 1100 Dec. Fuss == 415 m), welcher mit vielen andern 
dem Bergbau vergangener Geschlechter seine Anlage ver- 
dankt. Bei dem Geräusch meiner Schritte hüpften zahl- 
reiche Frösche ins Wasser, aber als ich auf grüner Matte 
am Waldessaume mich niedergelassen, tauchten die 
muntern Thiere von allen Seiten wieder auf und erneuerten 
die Spiele der Liebe. Es war eine Sippschaft der grünen 
Teichfrösche, Rana esculenta typica^)^ welche soeben die 
1) Mein Jielegstück, ein Weibchen geringer Grösse, erweist sich 
als ganz typisch, der Fersenhöeker ist nicht sehr gross, aber kräftig, 
vorspringend, die Beine sind massig lang. 



— ai — 

Brunst begann; bald hier bald dort gab ein fürwitziges 
Männchen seinen Gefühlen quakend Ausdruck und suchte 
ein Weiblein zu erhaschen. In dem klaren Gewässer selbst 
trieben zahlreiche Bergmolche im Hochzeitskleid ihr Wesen, 
von meinem Platze aus wurden wohl 30 bis 50 Individuen 
übersehen, zwischen ihnen tummelten sich viele Streifenmolche, 
die sich ebenfalls mit Eifer der Brunst hingaben. Triton 
■cristatus und palmatus wurden dagegen hier vergeblich ge- 
sucht, sie dürften sehr selten sein oder ganz fehlen, da 
das klare, an dieser Stelle ziemlich pflanzenleere Gewässer 
auf dem lehmigen Untergrund einen weiten Ueberblick ge- 
währte. — Nach längerem Studium und Fang einiger Be- 
legstücke (B. M.^) brach ich auf; bei dem Weitermarsch 
längs des Teiches bemerkte ich in einem Bach noch eine 
Mana temporaria, in einem Kinnsal (auf Moorboden) wurde 
eine Bergeidechse beim Morgenbade überrascht. — Vom 
Fraukeuteich ging es durch niedere Tauueuwaldung zu dem 
kleineren, etwas tiefer gelegenen Maliniusteich, kurz vorher 
zeigte sich in einer kleinen, flachen, jedoch perennierenden 
Wegpfütze der erste Leistenmolch, Triton palmatus, ein 5 
mit Schwanzfaden (B. M.), zugleich mit Larven von Bana 
(jedenfalls temporaria). Der Teich selbst erwies sich als 
ungünstiger zum Fang, der Boden ist steinig, die Räuder 
sind schwer zugänglich. Tritonen wurden hier gar nicht 
bemerkt, Bana esculenta war auch nicht zahlreich, dagegen 
fehlte es nicht an Larven von Bufo und Bana, erstere 
waren an ihrem heerdemveisen Schwimmen leicht zu er- 
kennen. Um so häufiger sind in diesem Teich die Fische! 
Von hier wandte ich mich nach Strassberg und am 
Nachmittag zu dem eine halbe Stunde südlich auf der 
Höhe des mit Kornfeldern bestandeneu Plateaus (etwa 
1200' = 450 m) gelegenen „Faulen Pfützenteich." Am 
Wege traf ich in einer kleinen Pfütze abermals Larven von 



*) B. M.) = Belegstücke im Museum des Naturwissen- 
aehaftlichen Vereins zu Magdeburg! 



— 32 — 

Bana an. Im faulen Pfützenteicli, einem von Feld und 
Wiese umgebenen Gewässer, welches in einer schwachen 
Bodensenkung liegt (Höhe des Wasserspiegels ebenfalls ca. 
1200'), fanden sich viele Rana esculenta typicu , Triton 
alpestris, taeniatus und auch einige Triton cristatus (ein 
$ B. M ), ferner wurde Bana temjyoraria und, in Larven^ 
Bufo beobachtet. 

Der ,.Drei- Nachbarteich", auch „Treue Nachbarsteich"" 
genannt, auf der andern Seite des Weges, nimmt den Ab- 
fluss des vorigen auf, er liegt inmitten einer sumpfigen 
Wiese, nur im Süden wird er von Tannengehölz begrenzt. 
Seichte Ufer und dichter Pflanzenwuchs verhinderte nähere 
Untersuchung seiner Fauna, die kaum Abweichendes bieten 
dürfte. Wenige Schritte weiter erreicht man wieder die 
Chaussee nach Harzgerode, welche ich am Auerbergs- 
Gasthaus verlassen hatte, auf ihr schritt ich über die ein- 
förmige Hochfläche^) (die mittlere Höhe beträgt auf Blatt 
Harzgerode der Generalstabskarte 1:25,000 1100'), an 
niederen Tannenforsten und wogenden Kornfeldern vorbei 
bis zur Chausseekreuzung nach Neudorf, hier, vor dem 
Chausseehaus am Könnickenberg, erregte ein kleiner, mit 
Schlamm erfüllter, trüber Ententeich — richtiger Tümpel 
— in 1150' Höhe nochmals meine Aufmerksamkeit. Die 
Jagd mit dem Handnetz förderte bei jedem Schleppzug 
einen Haufen Triton alpestris zu Tage, welche also trotz 
der Enten gut zu gedeihen schienen, Triton taeniatus fand 
sich dagegen sehr spärlich, nur ein einziges grosses 
Weibchen von auffallend oliven grüner Färbung wurde er- 
beutet und mitgenommen (dasselbe lebt jetzt noch, freilich 
nachgerade vom Alter angekränkelt, in meinem Aquarium)^ 
von Triton cristatus glaubte ich ein Exemplar zu sehen. 



1) welcher man ihren Untergrund, die Wieder Schiefer, nicht an- 
sieht. Die weichen Wieder Schiefer setzen sich fast ununterbrochen 
auf dem ganzen, von mir begangenen Weg von Stolberg nach Harz- 
gerode fort. Nur am Auerberg tritt, wie erwähnt, Felsitporphyr auf. 



— 33 — 

Ganz unvermuthet aber fielen mir ein paar Laubfrösche 
in die Hände, welche ich an so ungünstigem Laichplatz 
nicht zu finden gehofft hatte, sie sassen behaglich auf den 
spärlichen Schilfgewächsen am Teichrande. — Nach be- 
endeter Jagd sah ich unter mir noch ein grösseres Gewässer 
blinken, ich stieg schnell herab, es war der Birnbaumteich, 
ähnlich wie der Frankenteich beschaffen (Höhe unter 1100'), 
in ihm wurde Bana esculenta, wohl der späten Stunden 
wegen (vor Sonnenuntergang), nur in einigen Stücken be- 
merkt. Triton alpestris und faeniatus fanden sich auch 
hier in einer Ausbuchtung, mit ihren Larven von Bufo, 
wiederum an ihrem heerdenweisen Zusammenhalten und 
auch durch konstant etwas geringere Grösse (ca. l^/g bis 
2 Centim. lang), von den mehrmals auf dem Harz -Plateau 
angetroffenen jRawa-Larven unterschieden. (Unter Berück- 
sichtigung aller Umstände dürften die Larven beider 
Gattungen zu Rana femporaria und Bufo vulgaris zu 
ziehen sein. Auf das Sammeln und Conserviren der Larven 
hatte ich auf dieser Tour absichtlich verzichtet, um eine 
zu grosse Zersplitterung zu vermeiden. Belegstücke liegen 
daher nicht vor.) 

Der Weg nach Neudorf, dem einst blühenden Haupt- 
sitz des Anhaltinischen Bergbaus i), wo ich übernachtete, 
war ohne Interesse. 

So vielversprechend der vorhergehende Tag begonnen, 
so ungünstig schien sich im Morgengrauen der nächste zu 
gestalten, ein dichter Nebel lagerte auf der Hochebene und 
kalt wehte der Wind über die Fluren. Ein flüchtiger Be- 
such der Teiche dicht unterhalb Neudorf, aus welchen die 
schmale Wipper abfliesst, blieb resultatlos. Auch der 
Ententeich am Chausseehaus, welcher zur Controle nochmals 



*) Gegenwärtig stehen nur wenige Gruben in Betrieb. Ver- 
gleiche L o 8 s e n , Erläuterungen zur Geol. Karte, Blatt Harzgerode, 
Geolog. Landesanstalt, wo auch die Verhältnisse des Bergbaues ihre 
Schilderung fanden. 

3 



— 34 — 

bei schlechter Witterung ausgefischt wurde, lieferte heute, 
bei der Kälte, nur wenige Triton alpesiris, eine dürftige 
Ausbeute. — So hängt der Jagderfolg auch des Amphibio- 
logen vom Wetter ab! — Unter feinem Sprühregen ging 
ich von hier zum Victor-Amadeus-Teich, welcher wiederum 
1100' hoch liegt und ziemlich steinigen Untergrund besitzt; 
der Pflanzenwuchs ist spärlich. Hier wurde nichts gefangen, 
dagegen hatte ich die Freude, dass während meines Suchens, 
gegen 10 Uhr, der Wind die Nebelfetzen zerriss, bald drang 
ein matter Schein hindurch und endlich lachte die Sonne 
wie gestern vom wolkenlosen Himmel herab. Im Abfluss 
des Teiches, einem aufgestauten Graben, und einigen mit 
klarem AVasser gefüllten Vertiefungen, welche mit diesem 
in Verbindung stehen, fing ich Triton taeniatiis, alpestris 
und, in einigen Stücken, Tr. cristatus (ein 5 B. M.) 

Vom Victor- Amadeusteich führt die Strasse nach 
Harzgerode meist durch Felder. Auch die nächste Um- 
gebung der Stadt (Höhe 1050' = 400 m.) wahrt den gleich- 
förmigen Charakter der Hochebene. — Die zahlreichen 
Teiche und Sümpfe, welche Harzgerode umringen, scheinen 
Reste eines früheren Wallgrabens des alten Städtchens zu 
sein^); nach Beschaffenheit, Flora und Fauna weichen sie 
anscheinend kaum von den gewöhnlichen stehenden Ge- 
wässern des Flachlands ab. Ihre offene Lage mag manches 
Gebirgsthier fernhalten, doch dürften noch andere Ursachen 
mitwirken. Besonders interessant durch den Vergleich mit 
der Tiefebene war mir ein kleiner, mit Wasserlinsen ganz 
erfüllter Teich nördlich Harzgerode, in welchem zahlreiche 
Schleppzüge mit dem Netz wieder und wieder ungezählte 
Triton taeniatus neben allerhand mir schon aus den Magde- 
burger Wassertümpeln wohlbekanntem Kleingethier, z. B. 
Limnaeus stagnalis, zu Tage förderten, auch Unna escidenta 
war hier sehr häufig. Die andern Molcharten fehlten, doch 



*) Die mir z. Z. zu Gebote stehende Literatur enthält nichts 
hierüber. 



— 35 — 

enthielt ein benachbarter, fast wasserleerer Tümpel einen 
Tr. alpestris mit einem Tr. taeniatus. Auch in einem Teich 
südwestlich der Stadt zeigten sich nur Rana esculenta und 
Triton taeniatus. Ein schlammiges, trübes, pflanzenleeres 
Gewässer im Nordosten der Stadt, ein Ententeich par 
«xcellence, wies nur einige Rana esculenta neben Schaaren 
von Bufo-LaTven auf. Die übrigen Teiche der nächsten 
Umgebung wurden schon aus Mangel an Zeit nicht näher 
untersucht, selbstredend würde bei längerer Beobachtung 
<3ie Arteuzahl noch etwas sich vermehren. Dagegen er- 
beutete ich in 2 mit Wasser gefüllten Lehmgruben, weiter 
südlich der Stadt und der Cultur etwas entrückt, wieder 
sehr zahlreiche Triton alpestris, sowie Tr. taeniatus und 
cristatus. Triton palmatus und Bombinator pachypus aber, 
auf welche mein Augenmerk besonders gerichtet war, 
wurden auch hier entschieden vermisst. 

Von Harzgerode führt die Strasse rasch in das schön 
bewaldete Seikothal zum Alexisbad (Höhe 325 m) herab. 
Zunächst wurde in der romantischen, klippenreichen Thal- 
enge, welche sich bis Mägdesprung erstreckt (Region der 
Plattenschiefer, eine Facies der Tanner Grauwacke des 
Hercyn nach Lossen), bei der Klostermühle ein düsterer, 
langgestreckter Sumpf (wohl Altwasser der Selke) , mit 
trübem Wasser und reichem Pflanzenwuchs, besonders einer 
Art Wasserlinsen, untersucht, die Ausbeute war zwar 
spärlich, aber interessant ; zum ersten Mal wieder ging ein 
Triton palmatus, mit einem Tr. alpestris, ins Netz! Beide 
Arten wurden auch im klaren Ausfluss dieses Sumpfes in 
je einem halbwüchsigen Individuum erbeutet , vergesell- 
schaftet mit Larven von Salamandra maculosa. Mehrere 
andere Tümpel bis Mägdesprung erwiesen sich theils als 
schwer zugänglich, theils fehlte zu ihrer genauen Durch- 
forschung in der Dämmerung die Zeit. Bis Mägdesprung 
(295 m hoch) bemerkte ich nur noch einen Frosch (Rana 
temporaria) und 1 Triton alpestris, dann ging es bei herein- 

3* 



— 3G — 

brechender Nacht ohne Aufenthalt zum Gasthof „Burg 
Anhalt'', meinem Nachtquartier. 

Am 23. Mai wanderte ich, wieder bei schönstem Wetter^ 
von „Burg Anhalt" das Selkethal behufs genauer Unter- 
suchung auf demselben Wege wieder aufwärts bis Mägde- 
sprung zurück. Zunächst bestieg ich das Jagdschloss 
Meiseberg (348 m), auf dem Rückweg beobachtete ich in 
einem zur Selke herabstürzenden Bächlein Larven von 
SaJamandra maculosa. Im Thal angelangt, speist dieser 
Bach mehrere Lachen, nur wenige Quadratmeter gross, 
welche bei hohem Wasserstand mit einander in Verbindung 
stehen, gegenwärtig aber durch Streifen sumpfigen Landes 
von einander getrennt waren. — In der ersten dieser 
Lachen im Selkethal, welches von „Burg Anhalt" bis zum 
dritten Friedrichshammer von 600 auf 700 Dec. Fuss = 225 
bis 264 m ansteigt, w^urden bei lehmigem Untergrund und 
klarem W^asser zahlreiche Triton ]}almatus im Hochzeits- 
kleid erbeutet, eine andere Fundstelle, mit trüberem Wasser, 
enthielt daneben auch Tr. alx)estris ; in einem dritten Tümpel^ 
voll modernden Laubes und mit stagnirendem Wasser^ 
überwog Tr. alpestris. Sonst sah ich nur einen jungen 
braunen Grasfrosch, auch die mehrfach beobachteten Larven 
gehörten nur Urodelen, meist wohl Salamandra maculosa^ 
an. — Ueberhaupt waren die Frösche in dem von mir be- 
gangenen Theil des Selkethals recht spärlich, liana cscu- 
lenta, Bomhinator pachypus'^) fehlten entschieden! — 
Aehnliche Gewässer weiter aufwärts, am vierten Friedrichs- 
hammer, besuchte ich nicht mehr. Dagegen lenkte ein 
kleiner, runder Tümpel mit faulem Wasser, bis zur Höhe des 
Wasserspiegels mit Laub gefüllt, meine Aufmerksamkeit 
nochmals auf sich. Triton palmatus und alpestris fanden 



') Welche Art doch z. B. im Schwarzathal bei Blankenburg in 
Thüringen unter ganz ähnlichen Verhältnissen und in gleicher Höhen- 
lage mit Tr. alpestris und palmatus häufig vorkommt. Siehe meine 
Mittheilung, Zool. Anz., 1893, No. 418. 



37 



sich hier in grosser Anzahl, daneben ward ein einziges, 
doch gar nicht typisch aussehendes Weibchen von Tr. 
taeniatus gefangen. Ratm temporaria fehlte auch hier nicht. 

Die schön bewaldete Gegend zwischen Mägdesprung 
und Ballenstedt wurde, in Folge beginnender Abspannung, 
nur flüchtig noch besucht. Die Fundstelle für Triton 
palmatus am Schwarzen Stamm bei Mägdesprung, von wo 
mir Dr. E. Schulze Ende Mai des Vorjahrs Belegstücke 
mitgebracht hatte (B. M.), fand ich nicht auf. Der einzige 
Molch, der mir auf dem Wege über die Hochfläche zu Ge- 
sicht kam, war wieder Triton alpestris, in einer Pfütze am 
„Sternhaus." Mit Laub erfüllte Tümpel an der Chaussee ent- 
hielten Larven von Bufo in Menge, auch im „grossen 
Silbersteinteich" bei Ballenstedt wurden solche an einer 
seichten Stelle bemerkt, während andere Thiere fehlten. 

Im Anschluss hieran sei bemerkt, das 0. Goldfuss- 
Halle auch im vorigen Jahre, 1892, zu Pfingsten (Anfang 
Juni) im Selkethal Triton palmatus mit Tr. alpestris ange- 
troffen hat, und zwar zuerst unweit des Schlosses Falken- 
stein (Höhe 330 m = 860'), das andere Mal ebenfalls an 
den Friedrichshämmern. — Die Thalsohle unter dem Schloss 
Falkenstein liegt durchschnittlich nur noch 200 m hoch und 
fällt beim Austritt in die Ebene auf 190 m = 500'. — 
NB. Kürzlich, am 1. April 1893, habe ich unter dem 
Falkenstein ebenfalls die ersten Tr. palmatus gefunden. 

Wolterstor ff. 

Die Cregend zwischen Wippra und Ballenstedt. 

Nach Dr. A. Smalian - Halle. 
Ueber die Fauna des untern Selkethals, der Umgebung 
von Ballenstedt und namentlich auch der Hochfläche von 
Pansfelde, Molmerswende, Schiele, Wippra, Stangerode ver- 
danke ich ferner der Güte des Herrn Dr. Smalian, welcher 
alljährlich diese Gegend besucht, werthvolle briefliche 
Mittheilungen, welche meine Beobachtungen in dem obern 



— 38 — 

westlichen Theil des Selkegebiets, bei Neudoif und Harz- 
gerode, in willkommenster Weise ergänzen, i) 

Den Schlangen, welche ich auf meiner kurzen 
Exkursion gar nicht angetroffen habe, hat Smalian be- 
sondere Aufmerksamkeit gewidmet. 

„ Coronella laevis ist auf dem Ostplateau dos Unter- 
harzes tiberall gemein, ich selbst habe sie früher dort oft 
gefangen. Tropidonotus natrix kommt im Selkegebiet vor,, 
so am schiefen Thalsberg bei Pansfelde und in den gräf- 
lichen Steinbrüchen am Falken, von welcher Fundstelle der 
Wirth auf dem Falkenstein, Herr Günther, ein ungewö.hn- 
lich grosses, 1,25 m langes Exemplar, 1892 gefangen, zeigt. 
Vipera herus ist am seltensten, doch habe ich sie am 
Lumpenstieg (Weg Ballenstedt — Falkenstein) gefunden. — 
Dicht vor der Besitzung Degenershausen, 3 Kim. südlich 
Meisdorf, am Weg nach Ermsleben zu, fand ich Jahre hin- 
durch obige 3 Schlangen in ein und demselben Loch, aus 
welchem Steiugeröll zur Ausbesserung von Wegen ent- 
nommen war. Ich besitze die Belegstücke!" 

Rana esculenta, sowohl var. tyj^ica als rkUbunda, wurde 
von Dr. Smalian nie beobachtet, dagegen ist Bufo vid- 
garis auf dem ganzen Plateau sehr häufig, JBufo viridis 
hat Smalian mehrfach in wundervollen Exemplaren am 
Kohlenschacht bei Ballenstedt gelegentlich geologischer 
Untersuchung der alten Halden gefunden. Felobates fuscus^ 
der bei Aschersleben geraein ist, ist dagegen im Unterharz 
noch nicht festgestellt, ebensowenig hat Smalian die 
beiden Bomhinator- Arten erspähen können. 

„Salamandra macidosa ist selbstredend hier überall 
gemein. Von Tritonen wurde Tr. alpestris, taeniatus, 
pahnatus beobachtet. Letzterer ist auf dem Plateau (Pans- 
felde, Molmerswende, Schielo, Wippra, Stangerode) gemein. 
Er kommt dort mit Tr. alpestris vergesellschaftet in allen 



1) Für die Zukunft hat mir Herr Dr. Smalian eine zusammen- 
fassende Darstellung dieses Gebiets in Aussicht gestellt. 



— 39 — 

Pfützen auf der devonischen Schieferplatte vor, in Löchern, 
welche durch Abbau von Diabas entstanden sind. Am 
seltensten, doch nicht fehlend, ist in diesem Gebiet Triton 
taeniatus, während Tr. alpestris der gemeinste Triton ist. 
Tr. alpestris findet sich auch gelegentlich wohl bei Erms- 
leben (also vor dem Gebirge), niemals aber Tr. /ja^jwa^Ms". 

Fernere Mittlieilimgen. 

In Folgendem suchte ich die gerade für dieses Gebiet 
sehr zahlreichen „Eiuzelbeobachtungen" verschiedener Ge- 
währsmänner, namentlich über Schlangen aus der Literatur^ 
dem Fragebogenmaterial zu Blum, Kreuzotter,^) und aus 
brieflichen Angaben in Ergänzung der vorhergehenden Ab- 
schnitte übersichtlich zusammenzustellen. Ich folgte dabei 
dem Kand des Gebirges von Sangerhausen bis Ballenstedt 
mit Berücksichtigung der Thäler; nur der Kern des 
Plateaus, mit Pansfelde und Harzgerode ward an den 
Schluss gestellt, (w.) 

Sangerhausen. Um Sangerhausen finden sich: 
Lacerta agilis und Coronella laevis (nach frdl. brieflicher 
Mittheilung Laue's), Vipera herus ist auf den Vorbergeu 
des Harzes, nördlich der Stadt, häufig, namentlich zwischen 
Wettlerode und Mehrungen, in der Nähe des Carolus- 
schachtes und des Kunstteiches. „Am Kunstteich wurde 
vor mehreren Jahren vom Förster Hödler ein Nest von 
11 Stück im Winterschlaf beobachtet". (Oberlehrer Laue 
und cand. theol. Wenzel in Blum 1888.) 

W i p p r a. Vipera herus findet sich bei Wippra nach 
Oberförster Armbruster vereinzelt. (Laue in Blum,) 

Möllendorf. „Tertianer Mob est hat Ostern 1886 
eine Kreuzotter im Neuasseburger Forst, einem Hochwald 
mit Unterholz und Lichtungen, in 800' Höhe erschlagen." 

') J. Blum. Die Kreuzotter und ihre Verbreitung in Deutsch- 
land. Herr Dr. Blum stellte mir freundlichst auch die ausgefüllten 
Fr-agebogen behufs Vergleichs zur Verfügung. 



— 40 — 

Auch bei Piskaborn finden sie sich öfter. (Otto in Blum). 
Ueber ihr Vorkommen am Kranichbrunnen siehe unten bei 
Eisleben! 

Hettstädt bei Mansfeld. Bufo viridis (Rimrod),^) 
Quenstedt, Angtiis fragilis, Coronella laevis, Vipera 
herus, Rana esculenta (welche Form ?), Rana tcmporariaj 
Uyla arhorea, Bufo vulgaris, Salamandra maculosa, Triton 
alpestris. Rimrod^). Diese Angaben scheinen mir glaub- 
würdig, die übrigen Mittheilungen sind dagegen recht un- 
zuverlässig, vor allen der Abschnitt über die Eidechsen, 
wo neben Lacerta viridis, muralis noch eine L. cinerea 
„träge, mit plattem Kopf, in Kellern" sicher ein Molch, 
aufgezählt AverdenÜ Das Vorkommen der Smaragdeidechse 
bei Quenstädt, von mir s. Z. mit Zweifel aufgenommen, be- 
trachte ich jetzt als unerwiesen, (w.) 

"Welsleben. Vipera herus wurde vom stud. phil. 
M. Schmidt im Einethal oberhalb Welsleben, nahe Quen- 
städt am Harzrand gelegen, in Buschwerk angetroffen. 
(Brasack 1886, in Blum, Kreuzotter.) 

Selkethal und Ballensted t. 0. Brehm be- 
obachtete Lacerta vivipara am Falkenstein^). Anguis fragilis 
am Meiseberg bei Ballenstedt (M. Koch). Coronella laevis 
im Selkethal häufig (Direetor Dr. Fischer in Blum), bei 
Ballenstedt (E. S. in Ws Verzeichniss). Tropidonotus natrix 
wird auch von Kl ob er für den Falken, von E. Schulze 
(Verzeichniss) für das Selkethal angegeben. — Vipera herus 
ist ziemlich häufig, so beobachtete sie Kl ob er zwischen 
Alexisbad und Mägdesprung, sowie am Meiseberg, Hahn 
auf dem Wege von Ballenstedt nach dem Meiseberg, 
Oberlehrer Dr. Wej'he sah Stücke aus der „Nähe des 



') Rimrod, Amphibien der Grafschaft Mansfeld und des Ober- 
herzogthunis Anhalt-Bernburg. Ber. nat. wiss. Yer. des Harzes 1840/41. 
2. Aufl. ] 856, pg. 1 1 ff. Der Bericht ist mir erst jetzt durch die Güte 
des Herrn Prof. B 1 a s i u s— Braunschweig zugänglich geworden. (W.) 

-) Allg. D. Nth. Ztg., pg. 107 in Schulze Fauna sax. 



— 41 — 

Hirschteichthals" und aus den „Waldungen hinter dem 
Schlossteich" Ballenstedt. Salamandra maculosa am Meise- 
berg. (M. K.) 

NB. In den letzten Tagen, Anfang April 1893, con- 
statirte ich feiner u. a. Lacerta vivijiara und Triton 
palmatus am Hirschteich zu Ballenstedt. Wolterstor ff. 

Pansfelde und Harzgerode. Coronella laevis bei 
Pansfelde (E. S. Verzeichniss). Vipera berus auf dem Plateau 
von Harzgerode. (Kl.) 

Zusammenfassung. 

Im südöstlichen Theil des Harzes wurden mithin sicher 
festgestellt: 

Lacerta agilis. Erst von Sangerhausen mitgetheilt (Laue), 

Lacerta vivipara. Am Frankenteich nahe dem Auer- 
berg (w.), am Falkenstein (0. Brehm), am Hirschteich bei 
Ballenstedt (W.)^)- 

Änguis fragüis. Quenstedt (Eimrod), Meiseberg bei 
Ballenstedt (m. K.)- 

Coronella laevis. Ueberall gemein, nach Smalian; 
specielle Fundorte sind z. B. Gegend von Sangerhausen 
(Laue), Quenstädt (ßimrod), Selkethal, bei Ballenstedt, 
Degenershausen (Fischer, e. S., Sm.), Pansfelde (e. S.). 

Tropidonotus natrix. Seltener zur Beobachtung gelangt, 
hunderte: Selkethal, schiefer Thalsberg bei Pansfelde, Fal- 
kenstein, Degenershausen (Sm., E. S., Kl.). 

Vipera berus. Im ganzen Gebiet verbreitet, bald als 
häufiger, bald als vereinzelt bezeichnet: Wettelrode und 
Mehrungen bei Sangerhausen (Laue, Wenzel), Wippra 
{Armbruster), Neuasseburger Forst bei Möllendorf, Piska- 
born, Kranichsbrunnen (Otto), Quenstädt (ßimrod), 
Weibsleben (M. Schmidt), im Selkethal zwischen Alexis- 



*) Den Eidechsen haben anscheinend in diesem Gebiet keine Be- 
obachter besondere Beachtung geschenkt. Daraus erklären sich die 
spärlichen Angaben! Rimrod's Mittheilungen sind sehr verworren. 



42 



bad und Milgdesprung, am Meiseberg, Lumpenstieg, Hirsch- 
teich, Schlossteich, Degenershausen(Kl., Hahn, Sin., Weyhe)^ 
Harzgerode (Kl.)- 

liana escnlcnfa typica. Auf dem westlichen Theil des 
Plateaus, zwischen dem Auerberg und Harzgerode, in den 
grossen Teichen häufig; Frankenteich, Maliniusteich, Faule 
Pfützenteich, Drei Nachbarsteich zwischen dem Auerberg 
und Strassberg, Birnbaumteich bei Neudorf, die Teiche um 
Harzgerode (w.). Für den östlichen Theil des Plateaus stellt 
dagegen Sraalian das Vorkommen des Wasserfrosches ent- 
schieden in Abrede. Am Harzrande wird Rana esculentq an 
geeigneten Orten nirgends fehlen. Doch nur Rimrod giebt 
die Art von Quenstädt an, aber welche Form? 

Rana tcmjwraria dürfte nirgends fehlen, wird aber nur 
von wenigen Gewährsmännern erwähnt. Rimrod giebt die 
Art von Quenstädt an; die wenigen „Braunen", welche ich 
auf meinen Touren bei Berga, Wippra, am Frankenteich, 
Faulen Pfützenteich, im Selkethal unterhalb Mägdesprung 
bemerkte, gehörten alle dieser Art an, welcher ich auch die 
mehrfach auf dem Plateau beobachteten ^cma- Larven zu- 
rechnen möchte. 

Bufo vulgaris „auf dem ganzen Plateau häufig''. (Sm.) 
Von mir nur im Larvenzustand gefunden. Quenstädt. 

Bufo viridis. Bisher nur am Gebirgsrand bei Quen- 
städt und Ballenstedt beobachtet. 

Hyla arhorea. Quenstädt am Gebirgsrand; bei Neu- 
dorf auf dem Plateau. 

Salamandra maculosa. In jedem Walde, die Larven 
in fast jedem fliessenden Gewässer, z. B. Stolberg, Selke- 
thal, auf der Osthälfte des Plateaus. 

Triton cristatus ist der seltenste Molch Für das Pla- 
teau von Pansfelde und Wippra von Smalian gar nicht 
angegeben^), um Neudorf und Harzgerode ziemlich häufig; 

^) Rimrod citirt ihn von Tilkerode. Verwechslung mit Tr. tae- 
niatus ist jedoch nicht ausgeschlossen. 



— 43 — 

Fauler Pfützenteich, Viktor- Amadeusteich, Tümpel bei 
Harzgerode (w.)« 

Triton aJpesfris fehlt im Gebiete fast keinem stehenden 
oder langsam fliessenden Gewässer; er findet sich gleich 
häufig mit Tr. palmatus wie mit taeniatiis, z. B, am Auer- 
berg, im Frankenteich, um Neudorf in den Teichen, im 
Selkethal allenthalben, auf dem Plateau von Pausfelde und 
Wippra ebenfalls der gemeinste Molch. Nur auf der 
waldlosen Hochfläche um Harzgerode vermisste ich ihn in 
den 2 freigelegenen Teichen, welche von Tr. taeniafus: 
wimmelten. 

Triton taeniatus. Um Harzgerode sehr häufig; die in 
Wiesengründen belegenen Bergwerksteiche zwischen Harz- 
gerode und dem Auerberg enthielten ihn ebenfalls zahlreich ; 
im Selkethal, dem Revier des Tr. palmatus, findet man ihn 
sehr spärlich. Auf der Osthälfte des Plateaus nach Sma- 
lian selten. 

Triton palmatus. Wippra (w,), Plateau von Pansfelde 
(Sm.), Selkethal (w. u. A.), in der Nähe des Maliniusteiches (w.) 
Die Art meidet nach meinen Beobachtungen grosse frei 
gelegene Teiche, waldlose Flächen, Immerhin mag sie ab 
und zu auch hier sich finden! Feuchte Schluchten, tief ein- 
geschnittene Thäler und sumpfige Stellen in waldiger Gegend 
sind ihre Lieblingsaufenthaltsorte. Daher findet sie sich 
zur Laichzeit, wo der Harz seinem ursprünglichen Charakter 
als Waldgebirge treu geblieben ist, allenthalben z. B. in 
Tümpeln und Pfützen, besonders wenn sie moderndes Laub 
enthalten, und in Altwässern mit trübem oder klarem Wasser; 
fehlt dagegen auf dem von Alters her in Kultur stehenden 
Plateau von Harz gerode (im eugern Sinn). Triton alpestris 
und Tr. p)almatus haben viel Gemeinsames in ihrer Lebens- 
weise; letzterer ist jedoch empfindlicher und viel entschiedener 
an den Wald gebunden. Der Bergmolch kommt zwar über- 
all vor, wo Tr. palmatus auftritt, nicht aber umgekehrt ! — 
Die Höhenlage an sich ist dagegen ohne besondere Be- 



— 44 — 

deutung. Triton palmatus beobachteten wir in unserm Ge- 
biet noch in einer Höhe von nur 200 m , bei Schloss 
Falkenstein. 

Nach dieser Liste sind alle Schlangen, Eidechsen und 
Urodelen nicht nur des Harzes, sondern des ganzen Gebiets 
unserer Arbeit auch in dem engbegrenzten Räume des „Süd- 
Ost" beobachtet. Die eigenartige Zusammensetzung der Anuren- 
Fauna dürfte dagegen ein näheres Eingehen schon hier recht- 
fertigen. Auffallend ist vor Allem die Artenarmuth. Rana 
esculenta ridihunda, Rana arvalis, Relohates fuscus, IJoin- 
hinator igneus^ die von mir als Tieflandsformen bezeichneten 
Batrachier^) wurden von Smalian und mir auf dem Plateau, 
wie anzunehmen, nicht beobachtet ; höchstens Pdohates wäre 
vielleicht, am Rande eher wie auf der Höhe, noch zu 
finden. Aber es fehlen auch Bufo calamita, Älytes ohste- 
tricans und Bombinator pachypus! Bufo calamita ist am 
westlichen Harz häufig, wurde aber hier bisher vermisst, 
ebenso ist Älytes obstetricans, welche Art bei Grund und 
am Südharz (Nordhausen bis Lauterberg) vorkommt und vom 
Hohenstein ausdrücklich von Rimrod angegeben wird, östlich 
der Tyra weder Rimrod, noch Smalian, noch mir be- 
gegnet. Die Art könnte bei ihrer versteckten Lebensweise 
übersehen sein, doch verräth sie sich durch ihren Ruf so 
leicht, dass sie den zahlreichen Beobachtern in dieser Gegend, 
bei einiger Häufigkeit nicht hätte entgehen können. Im 
besten Fall mag sie „sehr selten" hier vorkommen. Die 
Bergunke, Bomhinator pachypus^ wird in neuerer Zeit ent- 
schieden vermisst. Meine Freunde und ich haben doch un- 
gezählte Pfützen, Wasserlöcher, kleine Sümpfe, Altwässer 
und Gräben abgesucht, in welchen sie z. B. in Thüringen 
häufig vorkommt, aber vergebens! Da sie jedoch bereits zu 
Frankenhausen am Kyffhäuser beobachtet wurde, mag sie 
hier und da als Seltenheit sich finden. Rimrod erwähnt, 



') VVolterstorff, geograph. Verbreitung der Amphibien 
Deutschlands, insbesondere Württembergs. 



— 45 — 

offenbar nur vom Hörensagen, einen räthselhaften Frosch- 
lurch, den „Eühling", „unten gelblichweiss", welcher unsere 
Unke sein könnte. 

Die Bergunke dürfte im südöstlichen Harz wie in so 
manchen Gegenden Deutschlands fast ausgerottet sein ; dass 
sie aber einst in unserem Gebiete nicht fehlte, ist nach 
folgender Mittheilung meines Freundes Dr. J. Blaue- 
Wolferode nicht unwahrscheinlich gemacht: Bei Pansfelde^ 
dem „Taubenhain" Bürger's, befindet sich jetzt noch ein 
Gewässer, der Unkenteich genannt, den Bürger in dem 
Gedichte, „Des Pfarrers Tochter von Taubenhain", mit den 
Worten erwähnt: „Es schleicht ein Flämmchen am ünken- 
teich". — Bürger hat die Unke nicht mit anderem Ge- 
thier (dem landbewohnenden Älytes oder gar der Ringel- 
natter) zusammengeworfen, wie aus „Leonore" erhellt, wo 
es von dem schaurigen Geistergesang heisst: „Ihr Ruf 
war zu vergleichen dem Unkenruf in Teichen." Vgl. 
Brehm, Thierleben. i) 

Bei einem anderen Frosche, Mana esculenfa typica, ist 
dagegen ein Aussterben auf dem Plateau noch lange nicht 
zu befürchten, da er, wenn auch nur auf beschränktem 
Räume, in einer ganzen Reihe von Teichen häufig ist. Das 
Vorkommen des grünen Teichfrosches in diesem Gebiet, um 
Harzgerode und Neudorf, nimmt erhöhtes Interesse in An- 
spruch, wenn wir berücksichtigen, dass er sonst im Harze, 
abgesehen von einigen Thälern, noch gar nicht nachge- 
wiesen ist. Dem Osten des Plateaus, um Pansfelde, geht 
er, wie erwähnt, nach Smalian ab, und aus dem ganzen 
nordwestlich sich anschliessenden Haupttheil des Harzes 
fehlen verbürgte Funde, wie weiter unten noch dargelegt 
werden soll. Wahrscheinlich ist er auch im oberen Selke- 



') Freilich bleibt unentschieden, \\m welche Unkenart es sich 
handelt. Den Spuren der Unke im Unterharz nachzugehen, die letzten 
Colonien aufzusuchen und die verstreuten Erinnerungen zu sammeln, 
muss künftiger Specialforschung vorbehalten bleiben. 



— 46 — 

thal, zwischen Strassberg und Günthersberge (420 m), wo 
noch mehrere grosse Teiche sich befinlen, verbreitet; viel 
weiter aufwärts dürfte das empfindliche Thier, welches 
grösserer Gewässer in sonniger und warmer Lage bedarf, 
kaum dringen. Meines Erachtens datirt das Auftreten der 
Bana esculcnta, welche im Unstrutrieth, dem einstigen ge- 
waltigen Sumpfe, gewiss schon längst angesessen ist, in der 
Gegend frühestens seit der Einführung des Bergbaues ^) 
(im 10. Jahrhundert) und dem gleichzeitigen Eindringen 
der Kultur auf die Hochfläche zu Beginn des Mittelalters, 
spätestens aber aus dem Beginn des vorigen Jahrhund'erts, 
wo eine Neubesiedelung des anhaltinischen Unterharzes und 
Wiederaufnahme des Bergbaus stattfand. Vgl. Günther! 
Die Grenzen der Verbreitung im Unterharze sind noch zu 
«rmitteln, ebenso fehlt bisher jeder Anhalt über den Weg. 
auf welchem Rana esculenta einst die Höhen erklommen 
hat; im unteren Selkethal und im Wipprathai scheint sie 
jetzt nach Smalian's und meinen Beobachtungen zu 
fehlen. — 



1) Die Teiche im anhaltinischen Unterharz sind grossentheils erst 
zu bergmännischen Zwecken angelegt, wie die Sammelteiche des 
Oberharzes. Manchen von ihnen dürfte ein hohes Alter zukommen, 
nach Koch „vom Bergwerkshaushalt zu Strassberg", herausgegeben 
von Kessler, 1810, mit Revierkarte aus dem Jahre 1776 (dem 
einzigen mir bekannten Werke, welches überhaupt Nachrichten über die 
Bergwerksteiche des Unterharzes, speciell des Strassberger Reviers, 
enthält) werden Teiche bereits aus dem Jahre 1712 erwähnt. Die 
meisten jetzt vorhandenen Gewässer in der Gegend zwischen Strass- 
berg und Neudorf sind schon auf einer alten handschriftlichen Karte 
aus den Jahren 1724—46, deren Kenntniss ich , wie jene obigen 
Werks, der Güte des Herrn Prof. Reidemeister verdanke, ein- 
getragen. 



47 — 



Die Umgebung von Thale 
und Gernrode, mit dem Ramberg und Bodethal. 

Von K 1 ö b e r - Quedlinburg. 



Im Bo de thale bei Treseburg bis zur Wolfsburg, wo 
die Bode zum letzten Male das Gebirge berührt, um in öst- 
licher Kichtung in die Ebene zu treten, sind Kreuzottern 
Torhanden. In der Nähe der Actienbrauerei und der Blech- 
hütte, die noch diesseit der Wolfsburg liegen, habe ich zu 
verschiedenen Malen, zuletzt 1891, Trop. natrix gefunden, 
desgleichen früher in einem kleinen Seitenthal hinter der 
Wolfsburg. 

Das Steinbachsthal, welches südlich von Zehnpfund's 
Hotel beginnt, steigt steil an. Es wird von dem kleinen 
reissenden Steinbach durchflössen, dessen Ufer mit Laub- 
und allerlei Buschwerk und Farn bewachsen sind. In den 
siebziger Jahren habe ich hier öfter Vipera herus gefangen. 
Oben, wo das Thal aufhört, beginnt rechts vom Wege 
das Plateau vom Hexentauzplatz und links das von der 
Georgshöhe. Auf diesem letzteren Granitplateau, welches zu- 
meist mit Laubwald bedeckt ist, giebt es viel Vip. herus, 
Lacertavivivara, Änguis fragiUs ; auch habe ich Triton alpestris 
zuweilen gefunden. Die Kreuzottern fand ich häufig unter 
Laub, welches die Fahrgleise bedeckte, unter grossen Steinen, 
und zu Mittag und Nachmittags auf Wegen und an lichten 
Waldstellen sich sonnend. Noch häufiger traf ich Kreuzottern 
bei aufgeschichteten Wasen an, mit denen sie häufig bis ins 
nächste Dorf, jt sogar bis Quedlinburg gelangten. In 
Neinstedt habe ich selbst 2 Mal vor dem Gasthause, wo 
der mit Wasen beladene Wagen hielt, Kreuzottern von der 
Deichsel fallen sehen. Ebenso in Quedlinburg, wo eine 
Kreuzotter von einer Mauer herabfiel, an welcher die Wasen 
aufgeschichtet waren. Auch die Käthen suchen dieselben sehr 
gern auf; verlassene Steinbrüche sind ebenfalls Lieblingsorte. 



— 4« — 

Wendet man sich vom Aussichtsthurm der Georgs- 
höhe südlich, so gelangt man ins Wurmthal. Zu beiden 
Seiten von Granitmassen eingeschlossen , verengt sich 
das Thal namentlich zwischen den Sommer- und Winter- 
klippen. Beide Thalhänge sind mit Laubwald bedeckt und 
namentlich auf der rechten Seite, wo sich die Lauen bürg 
(384 m) beiindet, sind die Abhänge reichlich mit Heidel- 
beeren, Heidekraut und Brorabeergesträuch bewachsen. Hier 
ist der Lieblingsaufenthalt der Vipera herus und Coronella 
zu suchen. Auf der Lauen bürg selbst und ihrem Süd- 
abhange habe ich Coronella noch nicht gefunden, sondern 
nur am Nordabhange im Wurmthale, wo ich auch am Rande 
der Wiese Hyla arhorea auf dem Gebüsch fing. Sonst 
findet man Lacerta vivipara und Änguis fragiUs an den Ab- 
hängen ziemlich häufig; nach Regen auch viel Salamatidra 
maculosa. 

Der Wurmbach, welcher sich in diesem Thale über 
grosse und kleine Granitblöcke stürzt, bildet, ähnlich wie die 
Dse, bei reichlichem Wasser schöne Wasserfälle bis Stecklen- 
berg. Von hier fliesst der Bach in grossem Bogen am Ab- 
hänge des Lindenberges und Westabhange des durch seine 
schöne Flora bekannten Münch eher ges (260 m), auf dessen 
Nord- und Südabhange ich jedes Jahr die Coronella fand, 
vorüber, um in wenigen Minuten nördlich von Neinstedt in 
die Bode zu münden. 

Das kalte Thal bei Suderode. 

Wer von Friedrichsbrunn (560 m) nach Suderode (198 m) 
wandern will, benutze die schöne Chaussee, welche den Namen 
„die Kais er Strasse" führt, weil sie, zwischen Laub- und 
Nadelwald durch das kalte Thal führend, schöne Aussichts- 
punkte gewährt; zu beiden Seiten ist auch hier Granit das 
vorherrschende Gestein, dem sich vor Suderode hercynischer 
Schiefer und Diabas zugesellen. Auf der rechten Seite 



49 



dieser Chaussee fiiesst der Quarmbach. Da, wo der von 
der Lauenburg nach der Victorshöhe führende Fussweg die 
Chaussee schneidet, findet sich auf dieser Seite häufig 
sumpfiges Terrain. In diesem Thale sind Vip. herus, La- 
certa vivipara, Anguisfragilis, Rana esculenta und temporaria, 
JBufo vulgaris, Eyla arhorea, Salamandra maculosa, Triton 
alpestris und 2)ctlmatus vorhanden. Bei der „Neuen Schenke", 
einem Eorsthause, welches 15 Minuten in westlicher Richtung 
von Suderode entfernt ist, findet man ebenfalls Vipera herus, 
Lac. vivipara wnd Änguis fragilis; desgleichen an dem von 
hier nach der Lauenburg führenden Wege zwischen Haide- 
kraut und gemischtem Unterholz. 

Von Suderode über der Schwedderberg gelangt man in 
das bei Gernrode (224 m) mündende Hagenthal, welches 
sein Wasser aus dem Neuen Teiche erhält. In diesem 
Thale habe ich Vipera herus, Lacerta agilis, Bana tenipo- 
raria, Eyla arhorea, Triton palmatus und Salamandra 
macidosa gefunden. 

Südöstlich von Gernrode befindet sich der Heiligen- 
teich mit dem Ostergrund, in welchem ebenfalls Vip. herus 
und Mana temporaria vorkommen. 

Zwischen Thale und Gernrode wurden mithin beobachtet: 

Lacerta vivipara. Steinbachsthal bei Thale, Wurmthal 
bei Stecklenberg , Kaltethal, Forsthaus Neue Schenke 
Hagenthal. 

Anguis fragilis. Steinbachsthal, Wurmthal, Kaltethal, 
Forsthaus Neue Schenke. Auch am Müncheberg von 
E. Schulze (Fauna sa^forncö^, beobachtet. 

Coronella laevis. Wurmthal, Müncheberg bei Neinstedt. 

Tropidonotus natrix. Bodethal zwischen Actienbrauerei 
und Wolfsburg. 

Vipera herus. Bodethal, Steinbachsthal, Georgshöhe, 
Wurmthal, Kaltethal, Forsthaus Neue Schenke. 

Bana escidenta. Kaltethal. 

Bana temporaria, z. B, Kaltethal, Hagenthal, Ostergrund 

4 



50 



Bufo vulgaris. Kaltethal. 

Hyla arhorea. Wurmthal, Kaltethal, Hagenthal. 

Salamandra maculosa z. B. Kaltethal, Hagenthal, 
Wurrathal. 

Triton alpestris z. B. Steinbachsthal, Georgshöhe» 
Kaltethal. 

Triton palmatus. Kaltethal, Hagenthal. 

Quedlinburg, Februar 1893. 



Anmerkung: lieber die Schlangen liegen mir noch 
folgende Angaben vor, welche ich zur Erhärtung beifüge, 
(Vorlauf. Verzeichniss) : CoroneUa laevis Gernrode (Brey), 
Wurmthal bei Stecklenberg, Rosstrappe (e. S.). Tropido- 
notus natrix Bodethal, Treseburg (e. S.). Vijiera herus 
zwischen der Georgshöhe und Lauenburg (W. Ebeling), 

Ferner theilt mir M. Kreyenberg das Vorkommen 
der CoroneUa laevis und Vipera herus am preussischeu Saal- 
stein im Kalteuthal mit, 0. Goldfuss beobachtete Triton 
alpestris am Abstieg vom Hexentanzplatz ins Bodethal; 
von Frl. Lutter erhielt unser Museum ein Exemplar von 
Salamandra maculosa aus dem Bodekessel, mit ganz blassen, 
schmalen Längsstreifen; dasselbe könnte aber verschleppt 
sein, da das Terrain nach Kl ob er hier für die Art un- 
günstig ist. Kommtauch nach Riehm (vorläuf. Verzeichn.) 
bei Thale und nach 0. Goldfuss speciell im Steinbachs- 
thal vor. Ob Bufo viridis, ferner Pelohates fuscus und noch 
ein oder die andere Tieflaudsform in das Gebiet, wenigstens 
an die Vorberge und den Harzrand vordringen, bedarf noch 
der Feststellung, Auch die Varietät von Rana esculenfa 
— jedenfalls tt/2).! — ist noch nicht untersucht. Triton 
taeniatus und Tr. cristatus werden sich hier auch noch 
finden. — Bufo calamita, Bonibinator pachypus und Älytes 
wurden, wie im südlichen Selkeplateau, vermisst. (w.) 



— 51 — 
Blankenbnrg (Harz), i) 

Von W. Wolterstorff. 

lieber die Amphibien und Keptilien der Umgebung des 
malerisch gelegenen Blankenburg sind mir von ver- 
schiedenen Seiten eingehende Mittheilungen zugegangen, 
welche beweisen, wie der Wechsel der Landschaft auch in 
der Fauna sich wiederspiegelt. 

Blankenburg liegt in einem nach Norden geöffneten 
Thalkessel 234 m hoch, hart am Fuss des eigentlichen 
Harzgebirges. Ueber die Stadt erhebt sich neben dem 
Schlossberg im Osten der aus Diabas bestehende Ziegen- 
kopf (429 m), während auf der Westseite die Teufelsmauer 
und der Heidelberg (Höhe ca. 295 m), langgestreckte Sand- 
steinrücken des Senons, des obersten Gliedes der Kreide- 
formation, dem Rand des Gebirges parallel nach Thale zu 
verlaufen. Die auffallendste topographische Erscheinung 
bietet jedoch der Regenstein dar, eine Sandsteinklippe, eben- 
falls senonen Alters, eine natürliche Warte, welche eine 
halbe Stunde nördlich von Blankenburg schroff zu 295 m 
emporsteigt. Seine der Ebene, gegen Nordwest, zugekehrte 
Seite fällt jählings 75 m in die Tiefe hinab. — Wandert 
man von Blankenburg den Nordabfall des Gebirges entlang, 
so trifft man bald auf Kloster Michaelstein. Ihm ist ein 
Muschelkalkzug vorgelagert, an dessen Hang sich weiter 
nördlich Heimburg anlehnt. — Teufelsraauer, Regenstein, 
Heimburg gehören demnach, geologisch genommen, nicht 
mehr zum eigentlichen Harze; auch ihre Fauna weicht von 
der des Gebirges etwas ab, allerdings mehr ihrer Trocken- 
heit halber. Die ebene, waldlose Strecke zwischen Blanken- 
burg, Heimburg und Regenstein endlich ist gleichsam nur 

1) Zu meinem Leidwesen gelang es mir nicht, einen meiner Herrn 
Mitarbeiter für eine zusammenfassende Darstellung der Fauna 
Blaukenburgs zu gewinnen; da ich selbst die Gegend nicht aus 
eigner Anschauung kenne, stützen sich die folgenden Angaben nur 
auf gelegentliche Bemerkungen und die Literatur. Leider steht mir 
für Bl. auch keine geologische Specialkarte zu Gebote. 

4* 



— 52 — 

eine Tieflandsbucht; es darf uns daher nicht Wunder- 
nehmen, wenn wir hier so manchem Thiere begegnen, 
welches sonst der Tiefebene angehört. 

Nach G eitel -Wolfenbüttel, welcher im Jahre 1881 
als Erster eine kurze Liste der Blankenburger Kriechthier- 
Fauna giebt,*) finden sich in der Umgegend Lacerta agilis 
und viv'qMra, erstere auf die Vorberge und Abhänge des 
Harzes angewiesen, letztere das Gebirge bewohnend. Anguis 
fragilis ist sehr häufig. Tropidonotus natrix und CoroneUa 
laevis kommen vor, die Kreuzotter scheint dagegen in der 
nächsten Umgebung — bis zum Bodethal — zu fehlen. Von 
Amphibien sind Rana esculenta, tem2)oraria, Bufo vulgaris 
allgemein verbreitet, Bufo viridis ist nicht selten im Teich 
der Schwimmanstalt, Hyla arhorea kommt sehr häufig vor; 
Bomh'mator und Älytes wurden nicht beobachtet, dagegen 
folgende Molche: Sdlamandra maculosa, Triton cristatus^ 
alpestris, taeniafus; sehr wahrscheinlich ist auch das Vor- 
kommen von Triton palmatus. Wie mir Herr Gj'mnasial- 
lehrer G eitel brieflich des Weiteren mittheilt, hat er Tr.jyal- 
matus s. Z. als Schüler, also schon vor längeren Jahren, bei 
Blankenburg gleich nach der Schneeschmelze gefangen. 

Ueber die Fauna der einzelnen Oertlichkeiten liegen. 
mir die folgenden Mittheilungen aus den letzten Jahren vor, 

Badeteich bei Blankenburg. „Meine Wohnung 
liegt insofern günstig, als dieselbe unmittelbar au dem 
Badeteich sich befindet und auf der angrenzenden Wiese 
durch Stauwasser ein Sumpf gebildet ist. Hier findet sich 
Bana esculenta in grosser Menge, ist aber so scheu, dass- 
es mir noch nicht gelaug, auch nur ein Stück zu erbeuten. 
Vor einigen Abenden hatte ich das Glück, 2 Stück von 
den Trrrrr singenden Kröten zu fangen, welche sich als 
zwei liebessehnsttchtige Bufo viridis $ erwiesen; mehr von 
den vorhandenen 6 — 8 Individuen zu erhaschen gelang mir 
nicht. Die Laubfrösche, Byla arhorea, lassen täglich zu 
hunderten dort ihre Lieder erschallen. Auch ein Pelohates^ 



*) Jahresbericht d. Naturwiss, Ver. Braunschweig 1880/81, pg. 71. 



— ö6 — 

fusciis wurde gestern Mittag am Badeteich auf dem. 
Trockenen gefangen. Triton cristatus ist im Wasser spar- 
sam, Tr. taeniafus gemein." V. v. K., 5. Juni 1888. Der 
anscheinend ziemlich frei gelegene Teich enthält hier- 
nach kein einziges ausschliessliches Gebirgsthier ; Pelolates 
fuscMS ist sogar Tieflandsform, ob unter R. esculenta auch 
die Varietät ridihunda sich befindet, ist aus Mangel an 
Belegstücken nicht zu entscheiden. 

Sägemühlenteich. Anders ist die Fauna des 
Sägemühlenteichs, der über Blankenburg am Hang des 
Ziegeukopfes, hinter dem Schieferberg, liegt und auf dem 
Tussweg nach Hüttenrode erreicht wird. In ihm sind nach 
Mittheilung V. v. Koch's (Juni 1888) Triton alj^estris und 
taeniatus gemein, auch Tr. palmatus wurde in einem t) sicher 
konstatirt. Das Vorkommen des Triton pahnatus bestätigt 
auch Kl ob er. Im Sägemühlenteieh und in seiner Umgebung, 
dem Sägemühlenthal ist ferner Tropidonotus natrix häufig, 
wie mir v. Koch (1888), W. Henneberg (1891) und 
Klub er übereinstimmend berichten. Auch Coronella laevis 
glaubt V. Koch um den Sägemühlenteich gesehen zu haben. 

Im Klostergrund, dem bewaldeten Thal, welches 
beim Kloster Michaelstein sich in die Ebene öffnet, wurde 
Triton palmatus 1891 unter Baumrinde gesehen (W. 
Henneberg). 

Münkmühlenteich. „Bei Kloster Michaelstein be- 
finden sich mehrere grössere Teiche, welche zur Forellen- 
zucht benutzt werden. In einem derselben, dem Mönk- 
niühlenteich (Mönchemühlenteich), unterhalb des Klosters 
am Gebirgsrand gelegen, dessen Abfluss sich in den Gold- 
bach ergiesst, war Bana esculenta var. ridihunda sehr ge- 
mein in grossen Stücken. Unter diesen gelang es mir 
nicht, var. typica festzustellen." W. Henne b er g 1891. 
(B. M.!) 

Dreckthal. Das Dreckthal, durch welches die Strasse 
von Heimburg nach Elbingerode aufwärts führt, ist ähnlich 



— 54 — 

wie der Klostergrund ein schmales, bewaldetes Thal, durch- 
flössen vom Teufelsbach. Nicht weit von seinem Ausgang 
bei Heimburg beobachtete W. Henueberg Triton palmatus 
(B, M.) und alpestris mehrmals. 

Heidelberg und Teufelsmauer. Verfolgen wir 
nunmehr die Fauna der vorgelagerten Sandsteinfelsen, so 
sind vom Heidelberg und Teufelsmauer nur Lacerta agilis 
(V. V, K., Kl.) — deren grosse, lebhaft grün gefärbte 5 hier 
oft mit L. viridis verwechselt wurden — und Coronella 
laevis (W. H., Kl.), anzuführen. Dagegen wurde am vielbe- 
suchten Regenstein Lacerta agilis von V. v. Ko'ch., 
Klöber, Sehe ff 1er i), Anguis fragilis (z. B. v. S c h e f f 1 e r) 
beobachtet. Coronella laevis „wurde 1891 unweit vom 
Eegenstein auf einer grösseren Heidefläche beim Ausroden 
des Heidekrautes häufig von den Arbeitern erschlagen. Es 
waren z. Th. sehr grosse Stücke." (w. H.) Auch E. Schulze 
theilte mir ihr Vorkommen am Regenstein mit. Nach An- 
gabe des sonst zuverlässigen Klöber und Dr. Wedde's 
(in Blum, Kreuzotter) soll hier auch Vipera herus vor- 
kommen, doch dürfte in diesem Fall eine Verwechslung mit 
Cor. laevis untergelaufen sein, da die Viper solch trocknen 
Boden nicht liebt. Aus dem gleichen Grunde ist mir 
das Vorkommen von Troj). natrix (Scheffler) hier nickt 
gewiss. V. V. Koch hörte JB«</o r/r?VZ/s in einem fliessenden 
Graben unterhalb des Regensteins rufen (wohl Goldbach!), 
und W. Henneberg fand in einem Kartoffelfeld dicht 
am Goldbach mehrere Exemplare von Felobates fuscus. 

Für die ganze Gegend von Blaukenburg und Heimburg 
giebt mir W. Henneberg ferner Bana temporaria als 
sehr häufig an, sowohl im eigentlichen Gebirge als auch 
an seinem Rande. Lacerta agilis und vivipara wurden von 
ihm am Rand des Gebirges theils zusammen, theils getrennt 
angetroffen. V, v. Koch macht mich noch auf die sehr 



1) In Steinhoff, der Regenstein, Blankenburg 1883, pag. 94. 



— DO — 

verschiedene Zeichnung der Blankenburger Exemplare von 
Salamandra maculosa aufmerksam. 

Bei Blankenburg wurden mithin sicher festgestellt: 

1) im Gebirge und an seinem Rande: 

Lacerta agilis „an den Abhängen des Gebirges" (G eitel, 

W. H.) 
Lacerta vivipara. Im Gebirge (G eitel), auch am Gebirgs- 

rande. (W. H.) 
Anguis fragilis (G eitel). 
Coronella laevis am Sägemühlenteich (v. v. K.) und sonst 

(G eitel). 
Tropidonotus natrix. Sägemühlenteich (v. v. K., W. H., Kl.) 
jRana escidenta var.? Badeteich, (v. v. K.) 

„ „ var. ridibunda. Mönkmühlenteich bei Michael- 

stein. (W. H.) 
„ temporaria im Harz sowie am Gebirgsrande. (W. H.) 
Bufo vulgaris (nach G eitel). 

„ viridis, Badeteich. (G eitel, v. v. K.). 
Eyla arhorea, Badeteich (V. v. K.). 
Felobates fiiscus, Badeteich (V. v. K.). 
Salamandra macidosa (nach G eitel und v. v. K.). 
Triton cristatus, Badeteich (V. v. K.). 

„ alpestris, Sägemühlenteich (v. v. K.), Dreckthal (W. H.). 
„ taeniatus, Badeteich, Sägemühlenteich (v. v. K.). 
„ palmatiis, Sägemühlenteich (v. v. K., Kl.), Kloster- 
grund, Dreckthal. (W. H.) 

Ob und wo Rana escidenta tyjjica um Blankenburg 
sich befindet, bedarf noch der Feststellung. Im Uebrigen 
decken sich die Mittheilungen der neuern Sammler voll- 
kommen mit der Liste G eitel' s, welche auf Beobachtungen 
der Jahre 1869 — 74 fussen. Es scheint daher seit jener 
Zeit keine Aenderung in der Eauna Blankenburgs ein- 
getreten zu sein und sind anderseits schwerlich Arten über- 
sehen worden! 



— 56 — 

2) Im Gebiet des Senon- Sandsteins. 
Laccria agilis, Heidelberg, Teufelsmauer, Regenstein (Oranes), 
Ängiiis fragilis, wohl allenthalben, z. B. Kegenstein 

(Scheffler). 
Coronella laevis, Heidelberg, Eegenstein. (w. H., E. S.) 
Bufo viridis, am Regenstein, (v. v. K.) 
Pelobaies fiiscus, am Regenstein, (w. H.) 

Noch manche Amphibien werden hier vorkommen, 
Mana temporaria und Bufo vulgaris fehlen gewiss nicht! 

Zum Verständniss der Verbreitung der Reptilien auf 
diesen Klippen bedarf es noch des Vergleichs mit. der 
Fauna der weiter vorgeschobenen Höhenzüge um Halber- 
stadt und Quedlinburg, (siehe unter „Vorland e''), wo die 
Reptilienfauna des gesammten Kreidesandsteingebiets nörd- 
lich vom Harz im Zusammenhang geschildert werden soll. 

Rückblick auf den Unterliarz. 

In dem ganzen hier betrachteten Gebiet des Unter- 
harzes sind bisher folgende Reptilien und Amphibien fest- 
gestellt: 1) 

Lacerfa agilis , vivipara; Anguis fragilis; 
Coronella laevis; Tropidonotiis natrix; Vipcra 
her US ; Bana escidenta typica, escidenta ridibunda, tempo- 
raria; Bufo vulgaris, viridis; Byla arhorea; Pelo- 
hates fuscus; Salamandra mactilosa; Triton cristatus, 
alpestris, taeniatus, palmatus. Von diesen sind 
Lacerta agilis, Bufo viridis anscheinend auf die Vorberge 
beschränkt, Bana escidenta ridibunda, Pelohates fuscus 
werden nur vor dem Gebirge angetroffen, üeber die Ver- 
breitung von Bana esculenta typtica, Hyla arhorea und 
Triton cristatus sind wir noch nicht vollständig uutemchtet, 
sie sind jedoch bereits von mehreren Punkten des Plateaus 
(bei Harzgerode) und vom Gebirgsrand nachgewiesen. Die 



') Wiederholung der einzelnen Fundortsangaben unterlasse ich 
hier! Ein Verzeichniss der Fundorte der wichtigeren Thiere siehe 
am Schluss des Abschnittes „Harz". 



— 07 — 

■übrigen 11 Arten finden sich im ganzen Unterharz; wo sie 
noch nicht beobachtet wurden, werden sie nur übersehen 
sein, falls nicht rein locale Verhältnisse ihr Fehlen bedingen. 
Auf das Fehleu von Biifo calamita, Bomhinafor pachypus 
und AJytes obstetricans, 3 Charakterthieren des westlichen 
Harzrandes, Leine- und Weserberglandes, im östlichen 
Unterharz habe ich schon oben bei „Südost" hingewiesen. 



Der nordwestliche Harz (Oberharz). 

Von W. Wolterstorff. 

Im Gebiete des nordwestlichen Harzes haben wir vor 
Allem die Hochfläche von Klausthal oder die Hochebene 
des Westharzes ^) deren westlicher Band früher als Vorharz 
bezeichnet wurde, und das Brockengebirge zu unterscheiden. 

Die Grenzen der Hochebene des Westharzes, welche 
durchschnittlich 600 (genau 585) m Höhe besitzt, sind sehr 
scharf ausgesprochen. Der nördliche, durch die Ortschaften 
Harzburg, Oker, Goslar, Langeisheim und Neukrug bei 
Hochausen bezeichnete Abfall ist besonders bei Goslar sehr 
steil. Im Westen bildet ein flaches Thal von etwa 
700' = 264 m Höhe, in welchem die Orte Neukrug, 
Seesen, Münchehof, Gittelde, Osterode liegen, die Grenze, 
im Osten erhebt sich wie eine langgestreckte Mauer die 
Kette des Ackers und Bruchberges, die Hochebene um ca. 
300 m überragend. 

Unter den Gewässern der Hochebene des Westharzes 
ist das wichtigste die Innerste, der eigentliche Fluss des 
Klausthaler Hochplateaus, welche ihren Ursprung in den 
Bergwerksteichen südöstlich von Klausthal, bei Buntenbock 
nimmt. Ihr Thal bildet Anfangs nur eine schwache 
Senkung, erst unterhalb des Prinzenteiches prägt es sich 
schärfer aus, aber von der Klausthaler Silberhütte an 

*) Veigl. V. Groddeck, dessen trefflicher Schilderung ich hier 
fast wörtlich gefolgt bin, und Günther ! 



— 58 — 

durchfurcht sie das Plateau in einer tiefeingeschnittenen^ 
von hohen Bergen überragten Schlucht, welche nur einem 
schmalen Wiesengrunde Raum lässt, süd- nördlich, immer 
dem westlichen Gebirgsrand parallel, verläuft und von diesem 
durch einen höchstens 3 Kim. breiten Gebirgsrücken ge- 
trennt ist. Dieser Gebirgsrücken gehört unzweifelhaft zum 
Plateau von Klausthal, da seine Höhe mit der des östlichen 
Innerste-Ufers tibereinstimmt. Bemerk enswerth ist, dass die- 
Höhen des Plateaus dem Lauf der Innerste entgegen von 
Süd nach Nord ansteigen. Die höchsten Punkte liegen im 
Norden, wo sich zwischen Oker und Goslar der Ramraels- 
herg (623 m), der Kahleberg (762 m), Bocksberg (725 m) 
erheben. — 

Durch die Massen von Schlamm und Bleitheilchen^ 
welche die bei ihrem starken Gefäll zum Betriebe zahl- 
reicher Hüttenwerke benutzte Innerste mit sich führt, Avird 
ihr Wasser aber von der Silberhütte ab für Menschen und 
Thiere ungeniessbar, selbst die wenigen Fische, welche sich, 
hineinwagen, verlieren Glanz und Farbe. (Günther.) Doch, 
ist zu bemerken, dass zahlreiche Altwässer und kleine 
Sümpfe neben dem Flussbett, erstere den Fischen, letztere- 
den Amphibien, die Bedingungen zum Leben darbieten. 

„Während an den Gebirgsrändem bei Osterode, Seesen,. 
Goslar Ackerbau getrieben wird und die Landschaft den 
mannigfaltigen Laubschmuck trägt, der ihr ein fröhliches 
Aussehen ertheilt, sind auf dem Hochplateau von Klausthal 
hauptsächlich ernste Tannenwälder und Wiesen zu finden» 
deren Einförmigkeit durch viele künstlich angelegte Teiche 
(zur Ansammlung der Betriebswasser für den Bergbau) 
und durch schöne Bergformen gemildert wird." v. Groddeck. 

Der Bergrücken des Ackers und Bruchbergs, die einzige 
längere Bergkette im Harz, verläuft, zwischen Osterode und 
Herzberg beginnend, von Südwest nach Nordost bis in die 
Gegend von Altenau. Der höchste Punkt ist die Wolfs- 
warte (923 m). 



— 59 — 

„Das im Wesentlichen aus Granit bestehende Brocken- 
gebirge legt sich in nordöstlicher Eichtung an den Bruch- 
berg an. Wir rechnen zum Brockengebirge nicht allein 
den Brocken (1141 m) mit den ihm zunächst liegenden 
Bergen, sondern auch die sich an seinen Fuss schliessenden 
Hochebenen und die letztere begrenzenden hohen Berge. 
Der Brocken steigt im Norden, von Ilsenburg aus, gleich- 
massig an und gewährt von hier aus den imposantesten 
Anblick." v. Gr od deck. Im Westen und Südwesten da- 
gegen legen sich öde Hochebenen an denselben und den 
Königsberg; vor Allem das Brockenfeld, die höchste der 
Terrassen des Harzgebirges, „welches von den Höhen des 
Sonnenberges, Kehberges, der Achtermannshöhe, dem Wurm- 
berg und der Gruppe des Brockengebirges eingeschlossen 
wird. Dasselbe ist ein ödes Torf- und Moorlager und 
gleicht einem Becken, aus welchem durch enge, bald tief 
ins Gebirge einschneidende Thäler nach allen Seiten sich die 
Gewässer ergiessen." Leicher. Die mittlere Höhe beträgt 817 m. 

„Der Nordostabhang des Brockengebirges, welcher steil 
gegen die Hohne-Ebene von Elbingerode abfällt, zeigt einen 
sehr wilden Charakter, derselbe spricht sich am deutlichsten 
in den Hohneklippen aus." v. Groddeck 

Anders wie bei Klausthal ist die Landschaft an den 
Höhen des Bruchbergs. „Hier trägt der von Torfmooren 
bedeckte Boden eine starre, vom Winde unbewegliche 
Pflanzendecke aus steifen Binsen und Gräsern, Heide- und 
Heidelbeersträuchern , oder ausgedehnte, einsame Tannen^ 
Wälder." 

Zum Oberharz rechnet man noch „das zerklüftete 
Dreick von Andreasberg", südlich vom Bruchberg. „Ganz 
gegen den Charakter des Harzes zeigt sich hier auch nicht 
einmal ein Ansatz zur Plateaubildung, aus tief einge- 
schnittenen Thälern steigt man 200—250 m hoch auf 
schmale Bergrücken oder abgerundete Kegel und wieder 
herab in ein schluchtenartiges Thal." Günther. 



— GO — 

Nach Höhenlage und Klima haben wir im nordwest- 
lichen Harz 3 Regionen zu unterscheiden, die Vorstufe (die 
Vorlande, den Vorharz z. Th.), die Hochflüche und das 
Brockengebirge. Zur Vorstufe sind auch die tief einge- 
schnittenen Thäler zu rechnen. — Aber es macht sich noch 
ein anderes, rein thiergeographisches Moment geltend. Das 
Harzplateau bildet, allem Anschein nach, die Scheide 
zwischen „östlichen" und „westlichen Formen", mehrere der 
interessantesten Amphibien des Westrandes sind am Nord- 
ostrand, östlich von Oker und Goslar, nicht mehr nachge- 
wiesen, Ahjtes scheint schon bei Neukrug seine Grenze zu 
erreichen, üeberhaupt ist der Nordostrand verhältniss- 
mässig artenarm, es macht sich ein allmählicher Uebergang 
zum Südostharz bemerkbar. Ich theile daher das ganze 
Gebiet herpetologisch in den Nordraud von Wernigerode 
bis Neukrug, mit dem Innerstethal; das Hochplateau; das 
Brockengebiet, den Westrand oder Vorharz. 

Aus allen diesen Gegenden liegen zahlreiche Be- 
obachtungen, ExcuTsionsberichte und auch zwei Zusammen- 
stellungen aus der altern Literatur vor. Gerade dies er- 
schwert die üebersichtlichkeit, denn in den einzelnen Be- 
richten und Listen lassen sich nicht immer die einzelnen, 
weniger durch räumliche Entfernung als die Höhenlage ge- 
schiedenen Faunengebiete auseinanderhalten. Abweichend 
von dem bei Besprechung des Südostharzes beobachteten 
Verfahren stelle ich daher hier zunächst alle Berichte mög- 
lichst in obiger Keihenfolge zusammen, dann erst folgen 
1) die Kesultate über die einzelnen Theile, 2) die Zu- 
sammenfassung der Ergebnisse über den gesammten Nord- 
westharz. 

I. Beobachtungen. 

a. Die Fauna des Oberharzes und Vorharzes um 1830. 

W. Saxesen, Lehrer zu Klausthal, hat in Zimmer- 
mann^) und später im Nachtrag zum Verzeichnisse der 

1) Das Harzgebirge. Darmstadt, 1834, pag. 230—231. 



61 



Säugethiere, Vögel etc.^) Listen der im Ober- und Vor- 
liarz vorkommenden Keptiiien und Amphibien gebracht. 
Ich gebe im Folgenden die 2. Liste aus dem Jahre 1841 
wörtlich wieder, füge aber in Klammern einige ergänzende 
resp. abweichende Angaben der älteren Veröffentlichung bei: 

Lacerta agiUs. Am Vorharze. 

L. crocea s. vivipara, besonders am Oberharze, wo 
L. agilis ganz zu fehlen scheint. 

Änguis fragüis. Am Vorharze häufig. 

Vipera herus, am Oberharze. (Am Vorharz, jedoch 
nicht sehr häufig.) 

Coluber natrix /= Tropidonotus natrix] am Vorharz in 
den Thälern (auf den Höhen des Oberharzes gar nicht,, 
in den Thälern z. B. bei Kammschlacken selten, häufiger 
am Vorharz). 

Hyla viridis [=IIyla arborea], (Einzeln auch am Ober- 
harz, bei Klausthal in den Gärten.) 

Bana escidenta. (Am Vorharz, sehr selten am Ober? 
harz, z. B. bei Klausthal.) 

Fuina temporaria. (Am ganzen Harz.) 

Bomhinator igneus [^^pachypus] . (Nur im Vorharz.) 

Rana s. Pelohatus fuscus scheint am Oberharz ganz 
zu fehlen. 

Bafo cinereus [^vulgaris]. (Am ganzen Harz.) 

Biifo calamita. (Einzeln am Oberharz.) — Bufo vari- 
abilis s. viridis und ohstefricans scheinen am westlichen 
Harze ganz zu fehlen. 

Salantandra maculata. Am Oberharze. (Am ganzen 
Harze.) 

Triton cdpestris. Am Vorharze selten, auf dem Ober- 
harze sehr häufig. 

Triton taeniatus s. pundatus s. palustris L. Am Ver- 
harze und Oberharze. 

Triton cristatus s. lacustris L., nur am Vorharze. 

^) Ber. naturwisB. Ver. Harz 1840/41, 2. Aufl. 1856, pag. 19. 



— 62 — 

Diese Mittheilungen fussen anscheinend auf sorgfältigen 
Beobachtungen und sind ungeachtet ihrer Kürze und ein- 
zelner Unklarheiten noch heute werthyoll. Die Angaben 
über die Kreuzottern widersprechen sich. Vermuthlich hat 
Saxesen von 1834 — 40 noch Ottern vom Oberharz kennen 
gelernt. — Bcma esculenta dürfte sich nur ausnahmsweise 
in die Höhe verirrt haben. 

Ob Saxesen die Bergunke, welche er 1834 nur vom 
Vorharz angegeben hat, nachträglich auch in der Höhe 
gefunden hat, bleibt unklar. — Unter Tr. taeniatus s. 
palustris ist wohl auch Tr. palmatus inbegriffen. Ähjtes 
am Westrande des Gebirges (Grund!) ist übersehen, im 
Uebrigen enthält das Verzeichniss bereits alle Arten, 
welche wir aus dem westlichen Harz kennen. 

Wichtig sind die Bemerkungen über das Fehlen von 
Bufo viridis, Pelohates fuscus und Triton crisiatus auf dem 
Oberharz, 

b. Der Nordrand des Gebirges und seine Thäler. 

Wernigerode. Lacerta vivipara (Prof. O.Taschen- 
berg, M. K.). 

Anguis fragilis. (M. K.) 

Vipera herus nicht selten, steigt bis 500 m, soweit 
meine Erfahrung reicht. Prof. Hertz er, in Blum. Im 
Wolfsholz (Schröder, in E. S., Fauna Saxonica). 

Salamandra maculosa. A. Goldfuss, M.Koch z. B. 
im Christianenthal, W. Henneberg. 

Max Koch fand April 1884 Triton aJpcstris, taeniatus, 
palmatus gemeinsam in einem Tümpel im Thiergarten. 



Ilsenburg. Lacerta vivipara, Anguis fragilis an der 
Plessburg. (m. K.) 

Salamandra maculosa. A. Goldfuss. 
Mana temporaria. B r e d d i n. 



— 63 — 
Von Oker nach Cfoslar. 

Von W. Wolterstorff. 

Im Jahre 1887 betheiligte ich mich an einer geolo- 
gischen Exciirsion, welche Herr Prof. v. Fritsch-Halle 
in den nördlichen Harz veranstaltete. Nur an einem Tage, 
dem 10. Juli, bot sich Gelegenheit zu einigen herpetolo- 
gischen Beobachtungen, i) Die kleine Tour führte uns von 
Oker nach Unterschulenburg und von hier, das Bramkethal 
aufwärts, zum Dickenkopf, einem Ausläufer des Hoch- 
plateaus, sodann herunter zum Osterfeld und nach Goslar. 
Bei trüber, regnerischer Witterung, welche in den Morgen- 
stunden herrschte — später hellte sich das Wetter auf — 
wurde Salamandra maculosa nahe Oker angetroffen. Uana 
iemporaria fand sich am Weg nach Unterschulenburg ziem- 
lich häufig; am „Dickenkopf" über Goslar beobachtete ich 
Triton aJpestris. Die geologische Besichtigung des Oster- 
feldes, welches schon vor dem Gebirge liegt, und grossen- 
theils als Exercierplatz benutzt wird, brachte mir auch eine 
zoologische Ueberraschung: Ich fing in kleinen, mit trübem, 
lehmigen Wasser gefüllten Ausstichen der Posidonien- 
schiefer des Lias (Thongruben) Bombinator jjachypits in 
vielen Stücken (B. M.), ein Thier, welches Blasius ja schon 
vor 50 Jahren bei Goslar entdeckt hat, 2) aber von mir im 
Harz noch nicht gesehen war, zugleich mit Triton cristatus 
in Wassertracht. — Im Gebiete des braunen Jura, welchen 
wir sodann aufsuchten, sind bei den Ziegeleien mehrere 
kleine Teiche angelegt. In einem derselben wurde bei 
flüchtiger Umschau Bana escuhnta typ. erbeutet (B. M.). In 
der Sandgrube bei Goslar, wo Kreide und Juragesteine an- 
einandergrenzen, fand ich unter einem Stein Triton taeniatus 
in Landtracht. 



^) Siehe auch vorläuf. Verzeichniss. 

*) Naturwiss. Ver. des Harzes, "Wernigerode, 1841 142, 2, Aufl., 
■1850, pff. 16. 



— (J4 — 

Aus dem nordwestlichen Harz. 

Von W. Henneberg u. M. Koch. 

Während der Pfingstferien 1888 (19.— 22. Mai) unter- 
nahmen wir eine kleine Tour durch den nordwestlichen 
Harz iü der Absicht, über diese herpetologisch noch recht 
wenig bekannte Gegend uns eingehend zu unterrichten. 
Von Harzburg aus besuchten wir zunächst den Burgberg, 
wo wir bei der sonnigen Witterung um Mittag Lacerta 
vivipara antrafen. Auf der Weiterwanderung zum Ahrends- 
berger Forsthaus kamen wir hinter der Villa Ludwigslust 
an zahlreichen sonnigen Lichtungen vorbei, wo sich viele 
alte und junge Individuen derselben Eidechsenart aufhielten^ 
auch eine Anguis fragüis fingen wir hier. Lacerta vivipara 
fand sich auch nach Entladung eines heftigen Gewitters 
noch in Menge vor, ebenso wurde sie an sehr feuchten, 
vom Wasser überrieselten Stellen bei dem Ahrendsberger 
Forsthause, Höhe ca. 500 m beobachtet, ferner fanden sich 
hier, in einem faulenden Baumstumpf unter der Rinde, 
1 Salaniandra maculosa und 4 Triton aJpestris in Landtracht. 
Unser Weg vom Ahrendsberger Forsthaus nach Oker 
führte durch das kleine Romkerthal, ein feuchtes, schmales, 
üppig bewachsenes Seitenthal des Okerthals, wo wir den 
Feuersalamander, Salaniandra nmctdosa, wie im ganzen 
Okerthal sehr häufig fanden, und zwar an einzelneu Stellen 
in grösserer Anzahl beisammen. Eana temporaria trafen 
wir hier überall sehr häufig an. Dicht vor dem Dorfe 
Oker, also bereits am Rande des Gebirgs, fingen wir in 
einer Wasserrinne das erste Exemplar von Bomhinator 
pachypus. In diesem Graben sahen wir auch eine Lacerta 
vivipara schwimmen, sei es, dass sie freiwillig ein Bad 
nahm oder durch unser Nahen erschreckt sich ins Wasser 
gestürzt hatte. 

Am folgenden Tage, dem 20. Mai, untersuchten wir 
das Terrain längs des Gebirgsrands zwischen Oker und 
Goslar. Am Wege trafen wir zunächst Bana tenqwraria 



65 



in einem reissenden Bache in grosser Menge, ferner fanden 
■wir in sumpfigen Pfützen Triton pdlmatus, taeniatus und 
alpestris vergeseliscliaftet im Wasser- und Hochzeitskleid; 
in einem künstlich angelegten Graben wurde eine Bergunke 
(Bomhinator jMcht/pusJ gefangen. Dann sahen wir in einer 
klaren Quelle Larven von Salamandra maculosa, ungefähr 
23 mm lang, und ein Weibchen von JBufo vidgaris $ im 
Wasser. Unweit davon befindet sich im Gelmkethal ein 
grösseres, freigelegenes Gewässer, der Soldatenbadeteich, 
mit flachen Ufern und spärlichem Pflanzenwuchs. Hier 
wurde Bomhinator pachypus in ziemlicher Menge erbeutet, 
auch Bana temporaria und Triton taeniatus fanden sich 
vor. Weiterhin, an der sogenannten Kenneberger Bleiche, 
einem Gasthaus, ca. 25 Minuten vonder Stadt Goslar entfernt, 
boten mehrere kleine Ausstiche am südlichen Rande des 
Osterfeldes ein ergiebiges Sammelterrain. Dieselben ent- 
hielten theilweise sehr trübes, lehmiges Wasser und mehr 
oder weniger Pflanzenwuchs. AVährend in dem einen nur 
Bomhinator pachypus beobachtet wurde, kamen in den 
übrigen 3 Tr?7o^^- Arten, Triton cristatus, alpestris, taeniatus, 
vielleicht selbst Tr. palmatas, zusammen mit Bana escuJenta 
typica (alt und jung), temporaria, Hyla arhorea, Bomhi- 
nator j^c^chyjnts, also fast . die gesammten Amphibien des 
Harzes, zusammen vor! (Es dürften diese Fundstellen den 
von mir 1887 untersuchten Plätzen benachbart, vielleicht 
sogar mit ihnen identisch sein, (w.)) 

Am 21, Mai wanderten wir von Goslar nach Klaustbal. 
Der Aufstieg bis zur Höhe des Plateaus war herpetologisch 
ergebnisslos. Erst vor dem Flecken Bockswiese fanden wir 
in einem grösseren im Wald belegenen Tümpel, der ganz 
von hohen Bäumen umgeben ist und in Folge dessen keine 
Vegetation enthält, sondern durch moderndes Laub tief- 
dunkelbraun gefärbtes AVasser führt, Triton alptestris und 
pdlmatus in etwa 600 m Höhe. 

In den grossen Bergwerksteichen der Umgebung von 

5 



— 66 — 

Klaustlial — Zellerfeld, welche ebenfalls durchschnittlich 
600 m hoch auf dem Plateau liegen, beobachteten wir am 
folgenden Tage, 22. Mai, bei flüchtiger Umschau nur Rana 
temporaria und Triton taeniatus; Rana csculenta wurde 
nirgends gesehen oder gehört! — Zwischen Klausthal und 
dem Dammhaus (ca. 600 m Höhe) sammelten wir Triton 
aljpestris in einem langsam fliessenden Bach. Ganz in der 
Nähe des Dammhauses liegt dicht am Wege ein Tümpel, 
welcher auf drei Seiten von Bäumen umgeben ist, sein 
Grund ist mit moderndem Laube erfüllt, die Vegetation 
besteht aus einer dichten Decke von Wasserlinsen, 'Hier 
fanden wir prächtige Stücke von Triton palniatus und 
alpestris in grosser Zahl, während wir Tr. taeniatus trotz 
eifrigen Suchens nicht beobachteten. 

Verfolgt man den ansteigenden Weg nach Oderbrück, 
so trifft man am Sounenberg, in 850 m Höhe, auf mehrere 
kleine Tümpel, welche wohl nur vom Schneewasser gespeist 
werden. Hier oben hat die starre Kiefern- und Heide- 
vegetation bereits begonnen, auf der Schattenseite des 
Berges lagen zur Zeit unseres Besuches noch grosse Mengen 
Schnee, welche langsam abthauten. Dem winterlichen Bilde 
entsp-rach die Fauna, von Molchen fanden wir nur den 
zähen Triton alpestris im Wasser, in einem nahen Bächlein 
beobachteten wir — Ende Mai — noch frischen Laich von 
Rana temporaria'^) ! Die weitere Wanderung zum Brocken 
war zoologisch resultatlos, weil noch viel Schnee lag. Auch 
auf dem Abstieg nach Hsenburg am folgenden Tage bot 
sich, bei dem Mangel an geeigneten Tümpeln, keine Ge- 
legenheit zum Sammeln mehr. 

Weitere Beobachtungen 

aus der Gegend Ton Harzburq; und Goslar. 
Vipera heriis. Katnäse bei Harzburg. V. v. Koch in 
E. Schulze, Fauna saxon. Nordberg b. Goslar. Beling 



1) Während zur gleichen Zeit Bana csculenta typica im Unter- 
harz die Brunst begann! Wolter stör ff. 



— 67 — 

in Blum, Kreuzotter. Schieferberg b. Goslar. V. v. Koch 
in E.Schulze, Fauna sax. Im Dörpkethal bei Goslar und 
am Sauerbrunnen im Grauhofer Gehölz, vor dem Gebirge. 

(E. C.) 

Lacerta vivipara b. Goslar und Harzburg, sehr oft ge- 
fangen (W, Bach in Dürigen). 

Eana esculenfa (var.?) im Teich am Zwinger Goslar. 

(E. C.) 

Bana temporaria bei Goslar überall. (E. C.) 

JBicfo vulgaris bei Goslar gemein. (E. c.) 

Bufo calamita zweimal am Nonnenberg b. Goslar herum- 
Metternd gefunden, (e. C.) 

Hijla arhorea bei Oker, bei Harzburg, Goslar (v. v. K. 
in E. S. Fauna saxo-thuringica). Am Wege von Goslar 
zum Schiessplatz, am Grauhofer Gehölz, (e. C.) 

Bomhlnator pachypus, bei Goslar sehr häufig in 
Teichen, Lachen, Tümpeln. E. Gruse! i) 

Salamandra maculosa, Harz bürg, (v. v. K. in E. S., Fauna 
sax.-thur.), bei Goslar überall sehr häufig, (e. C.) 

Triton palmatus. Okerthal. (V. v. K. in E. C. Fauna 
sax.-thur.) 

Das Iniierstetlial. 

Von W. Wolterstorff. 
Ich habe das Thal der Innerste nur an einem Tage, 
'dem 26. August 1892, auf der kurzen Strecke von Lauten- 
thal (295 m) bis zu den Trogthaler Steinbrüchen (Thal- 
sohle = 270 m) begangen. Die Witterung war zum 
Sammeln der Amphibien insofern günstig, als häufige 
Eegenschauer und Güsse die Molche und Kröten nach der 
lang anhalten4en, erst in der letzten Zeit durch nächtliche 



1) V. V. Koch theilt mir mit, dass er seine Angabe „B. igneus 
im Klusteicb" in E. Schulze, Fauna saxonica, nicht mehr aufrecht 
erhält. Es stützte sich dieselbe auf alte Erinnerungen aus der Zeit 
vor Scheidung beider Unkenarten, und glaubt er jetzt selbst, dass 
sich's um B. pachypus handelte. 

5* 



— 08 — 

Gewitter unterbrochenen Dürre zu neuem Leben- erweckt 
hatten. Am Abhang des Teufelsberges, der Teufelsecke,, 
wurden unter den Steinen und im Moose Salamandra- 
maculosa, Triton pahnatus (in Landtracht), Triton dlpestris 
(do.) gefunden, alle drei Arten in mehreren alten und 
jungen Individuen. Von Anuren beobachtete ich Itana 
temporaria und Bufo vulgaris. — Zwischen Berg und 
Chaussee befinden sich hier viele kleine Moräste, deren 
Durchforschung sich jedoch bei der sumpfigen Umgebung 
und üppigen Vegetation als undurchführbar erwies, Jen- 
seits der Chaussee liegen mehrere klare, von Fischen be- 
lebte Altwässer der Innerste. Amphibien schienen hier zu 
fehlen, — Weiter thalabwärts gelangt man zu den gross- 
artigen „Trogthaler Steinbrüchen", welche in den fast 
horizontal abgelagerten Schichten der Culmgrauwacke^) 
angelegt sind und bis auf das Niveau des Thaies herab- 
reichen. In ihnen befinden sich grosse und tiefe Lachen 
voll trüben gelben Kegenwassers. Hier wurde, nach einem 
neuen Regenguss, Bomhinator jmcliypus in mehreren alten 
und jungen Thieren gefangen (B. M.), Froschlarven wurden 
nicht beobachtet^). An den vom Eegen triefenden Wänden 
des Bruchs fing ich einige Triton jialmafus und alpestris, 
Bana temporaria, dann aber winzige, junge Bufo calamita 
in Unzahl. — Dagegen war ein tiefes, klares Gewässer in 
einem Schieferbruch nahe dem Bielstein absolut leer an 
Amphibien, nur kleine Fischchen wurden bemerkt. — Rep- 
tilien wurden auf der Tour, bei dem Regenwetter, nicht 
gesehen, aber auch nicht gesucht. Dagegen wurden von 
den wichtigeren Amjjhibien des Harzes auf der kurzen 
besuchten Strecke des Innerstethales, ausser Bufo viridis,. 



^) V. G r d tl e c k , Geognosie. 

2) P. K refft, welcher am 3. September 1892 die gleiche Oert- 
lichkeit besuchte, fand in diesen Lachen noch TiitonlaiTcn, z, Th. 
bereits als Triton alpestris kenntlich, ferner ebenfalls, in jungen. 
Thieren, Bonli.iator pachypus. 



— 69 — 

nur Bcüia esculenta uud Ahjtes obstetricans vermisst, welche 
beiden letzteren Arten an sich recht wohl hier vorkommen 
könnten. Das gelegentliche Vorkommen von Hyh, Triton 
■cristatus, taeniaius ist mit Sicherheit anzunehmen. 

c. Die Hochfläche von Klausthal. 

Von W. Wolterstorff.i) 

Bei meinem kurzen Aufenthalt in Klausthal, August 
1892, wurde ich insofern vom Wetter begünstigt, als die 
drückende Hitze der letzten Zeit durch die zahlreichen 
Niederschläge der vorangehenden Tage abgekühlt war und 
die Amphibien allenthalben wieder zum Vorschein kamen. 
Da es anderseits nicht an sonnigen Stunden fehlte, das 
Wasser der Teiche noch stark durchwärmt war, wurden die 
Beobachtungen auch nicht durch Kälte beeinträchtigt. Nur 
die Gegend zwischen Klausthal und Buntenbock fand ein- 
gehendere Betrachtung. — In einem kleinen Tümpel am 
Feldweg zu den Flambergsteichen traf ich am 2<S. August 
eine Anzahl alter und junger Thiere von Bana temporaria 
im Wasser an, ebenso, auf dem Lande, am Abhang über 
dem „oberen Flambergsteich" und an dessen Rande. Im 



1) Bemerkung. Bereits mit den Vorarbeiten zu dieser Arbeit 
beschäftigt, unternahm ich behufs Vervollständigung unserer Be- 
obachtungen und zu geologischen Zwecken im August 1892 eine 
achttägige Eeise in den Harz. Bei der abnormen Witterung und der 
etwas späten Jahreszeit war die zoologische Ausbeute im Ganzen 
nicht gross, da die lang anhaltende Dürre vieles Gethier in die 
Schlupfwinkel getrieben hatte, auch andere Umstände beeinträchtigten 
den Sammelerfolg. Einzelne Touren ergaben immerhin zufrieden- 
stellende Resultate. Von Grund aus, wo ich mit Freund Krefft 
die Jagdgründe der Umgegend revidirte — vergl. den Abschnitt 
Grund — besuchte ich das Innerstethal (siehe oben\ sodann die 
Umgegend von Klausthal und Buntenbock, auf der Hochfläche. Die 
weitere Reise — Osterode, Lauterberg — verlief fast resultatlos, 
der Südharz endlich ward nur im Fluge, von der Eisenbahn aus 
gestreift. 



— 70 — 

oberen Flambergsteich, welcher zur Zeit fast ausg'etrocknet 
war, und an seinen pflanzenleeren, von Vieh zertrampelten 
Ufern beobachtete ich sonst nichts, wohl aber aiu „unteren 
Flambergsteich". Derselbe zeigte, bei normalem Wasser- 
stand und frischem Pflanzenwuchs (Moos, Rasen, im Wasser 
Eiedgras) ein freundlicheres Aussehen, er wird auf drei 
Seiten vom Walde umgeben. Hier fing ich Rana teniporaria 
in alten und jungen Thieren sehr zahlreich, theils im 
Wasser, theils am Rande, theils im Walde. Auch von 
Bufo vulgaris fanden sich zahlreiche diesjährige Jungen, 
welche schaarenweise hier und dort am Ufer hockten. 
Molche und Larven habe ich in dem zwar klaren, doch 
windbewegten Wasser nicht gefangen, einige Schleppzüge 
mit dem Netz blieben ohne Ergebniss. — Am „Semmel- 
teiche", von ähnlich trister Beschaffenheit wie der Ob. 
Flambergteich, vorbei wandte ich mich zur .,Ziegelhütte". 
Etwas nördlich davon befindet sich am Ausgang eines- 
Gehölzes ein Tümpel voll Wasserlinsen, in ihm wurden 
zahlreiche Molchlarven erbeutet (B. M.), welche sich als- 
Triton alpestris auswiesen (Determination von Boulenget 
bestätigt). B,. iemporaria fehlte auch hier nicht. — 
Am Prinzenteich, westlich der Ziegelhütte, sah ich wiederum 
nur Bana teniporaria, ebenso in einem Graben oberhalb 
desselben. Auf dem Rückweg nach Klausthal wurden nahe 
der Chaussee am Flamberg wieder mehrere junge Bufo 
vulgaris gefunden. 

Am 29. August besuchte ich, bei kühlem, trübem 
Wetter, noch flüchtig die nähere Umgebung Buntenbocks. 
Im „Sumpfteich'' selbst, welcher frei im Wieseugelände 
dicht bei Buntenbock liegt, beobachtete ich keine Thiere, 
wohl aber in Ausfluss desselben, vielleicht der „oberen 
Innerste". Das künstlich angelegte oder doch corrigirte 
schmale Bachbett war bei meinem Besuche bis auf eine 
Anzahl Tümpelchen im Felsen ausgetrocknet. In diesen 
winzigen, mit klarem Wasser gefüllten Vertiefungen, wahren. 



— 71 — 

Becken-Aquarien, wurden neben einigen kleinen Schnecken 
viele Bana temporaria und ein erwachsener Triton alpestris, 
welcher sich wohl erst bei meinem Nahen ins Wasser 
gestürzt hatte, gefunden. 

Der Sumpfteich empfängt einen Theil seines Wassers 
durch mehrere Gräben aus dem „Ziegenberger Teich". 
Einer dieser Gräben enthielt in einer noch mit Wasser 
gefüllten, mit Steinen ausgelegten Lache mehrere schöne, 
grosse Larven von Salamandra maculosa (B. M.). Am 
Ziegenberger Teichdamm fand sich wieder Bana temporaria. 
— Von hier an bot sich auf der Wanderung nach Osterode 
bis zum Chausseehaus am Heiligenstock keine Gelegenheit 
zum Sammeln mehr.^) 

Ueber die Hochfläche von Klausthal und den Bruch- 
berg sind sonst, ausser den Angaben bei Saxesen, Koch 
und Henneberg nur folgende Beobachtungen mir be- 
kannt geworden: 

Nach Günther, Harz 1888, pg. 593 sind in den 
letzten Jahren mehrfach Ottern vom Bruchberg und Kahlen- 
berg beobachtet. 

Lehrer Hahn hat Vipera herus einzeln zwischen 
Altenau und Klausthal angetroffen (Blum, Fragebogen- 
material). 

Nach Director Lattmann ist die Otter um Klausthal 
„selten" (in Blum). 

Anderseits bestreitet Realgymnasiallehrer Reinhardt- 
Leer ihr Vorkommen bei Klausthal (Blum, Fragebogen- 
material). 

P. Krefft fand im Kreuzbacher Teich nur Triton 
alpestris, im Hahnebalzteich Bana temporaria (vergl. unten 
bei „Grund''). 



1) Die Strecke vom Heiligenstock bis Osterode gehört schon zum 
Westrand des Gebirges! Siehe bei Osterode! 



— 72 — 

d. Der Brocken und seine Umgebung. 

Ausser einigen Angaben bei W. Henneberg und 
Max Kocli (siehe oben!) liegen mir folgende Einzel- 
beobachtungen vor: 

Lacerta vivipara. „Brocken". E. Schulze (Fauna 
saxouica.) W. Bach erbeutete im Juli 1887, unmittelbar 
unter dem Gipfel des Brockens in einer Hohe von 3200 Fuss 
auch ein glänzendschwarzes Exemplar (var. nigra). D ü- 
rigen, pg. 176. — Die Bergeidechse wurde von Petrj 
im Oderthal unterhalb des Oderteichs, am Sonnenberg, 
Torfhaus gefunden. (E. S., Fauna.) 

Bana temporaria. Tm Juli 1892 fing W. Henne- 
berg auf dem Gipfel des Brockens, nahe dem Wolken- 
häuschen, einige grosse, schöne Exemplare von Bana 
temporaria, welche bei der herrschenden Kälte ganz träge 
herumkrochen. — Im Oderthal auch von G. Breddiu 
beobachtet. „Einen Wasserfrosch aber sah ich weder in 
den vereinzelten Tümpeln noch im Oderteich selbst. Nach 
Aussage des Försters in Oderbrück hört man niemals 
Froschgequak im Oderteich und sieht auch nie einen 
Wasserfrosch." G. Breddin. 

? Bombinator pachypus. Im Museum Hannover liegt 
nach frdl. Mittheil, des Herrn Dr. Ude ein „Bombinator 
hrevipes. Brocken." Mir ist das Vorkommen in dieser 
Höhe höchst zweifelhaft, wahrscheinlich ist das betreffende 
Belegstück gelegentlich einer Brocken fahrt an seinem 
Fuss, etwa bei Harzburg, gefangen. Wolterstorff. 

8. Der Vorharz und seine Thäler. 
Oruiid 

(mit Seesen und Gittelde) 
von Paul Krefft- Braunschweig. 

Die kleine Bergstadt Grund liegt im südlichsten Theile 
der Nordhälfte des Oberharzes, ca. 3 km in der Luftlinie 
you des Gebirges westlichem Rande, dessen ümbiegung 



— 73 — 

nach Südosten durch ihre Lage ungefähr markiert wird, ent- 
fernt. Mit dem etwa 2V2 km breiten Thale, welches die 
Begrenzung des Harzes im Westen und Südwesten bildet, 
steht es durch ein Thal von ca. ^/4 Stunden Länge, welches 
in südlicher und dann westlicher Kichtung allmählich breiter 
werdend verläuft, in Verbindung. Dasselbe wird von zwei 
dem Flussgebiet der Söse angehörenden Bächen durch- 
flössen. Bis auf diese Thalöffnung im Süden umzieht den 
dreizipfelig angelegten Ort rings eine ununterbrochene Kette 
von Bergen, welche bald steil, bald allmählich ansteigend 
im Südwesten, Westen und Nordwesten (Knollen, Gittelder 
Berg, Königsberg, Hübichenstein) sich durchschnittlich um 
etwa 80 m über die ca. 320 m^) über dem Meeresspiegel 
gelegene Thalsohle von Grund erheben, um von dort aus 
im Kreise weiterziehend zu immer bedeutenderen Höhen 
anzusteigen: Winterberg (Norden) und Iberg (Nordosten) 
235 m über Grund (555 m über dem Meeresspiegel), Teufels- 
thalerberg und Vosshay (Nordosten und Osten) 250 und 
255 m über Grund, 570 und 575 m über dem Meeres- 
spiegel, Eicheluberg (Osten und Südosten) gegen 280 m über 
Grund (ca. 600 m über Meer). Zwischen Eichelnberg und 
Knollen schneidet das zuvor erwähnte Thal ein. Die 
Gegend ist ziemlich wasserarm. Von stehenden Gewässern 
sind nur zu nennen: der Mühlenteich im Teufelsthal, 
im Nordosten des Ortes, sodann ein kleiner Teich am 
Ausgange der Teufelsschlucht im oberen Teufelsthal, ferner 
ein noch kleineres Wasserreservoir hinter dem AVirth- 
schaftsgarteu der Wiegmannsbucht und endlich, ober- 
halb und östlich von Wiegmannsbucht, am Hange des 
Eichelnberger Plateaus der Kreuzbacher Teich oder 
Stille See (483 m über dem Meere) bereits auf der 
Peripherie des den nachstehenden faunistischen Angaben 

^) Die Höhenangaben sind zum grössten Theile K. A. L o s s e n' s 
:geogu. Karte des Harzes, einige auch der von C. Prediger an- 
gefertigten entnommen, und wurden annähernd in Meter umgerechnet. 



— 74 — 

zu Grunde liegenden Gebietsumkreises von etwa 3 km 
Radius (um den Marktplatz von Grund gezogen) liegend. i) 

Die vorherrschende Bodenformation ist das untere 
Carbon, der Kulm, welcher hier hauptsächlich als Thon- 
schiefergrauwacke auftritt. Aus den umlagernden 
Kulmschichten ragt im Nordwesten und Norden der viel- 
zerkltiftete oberdevonische Kalkstock des Iberges 
und Winterberges hervor, an dessen südlichem Hange' 
der Kulm in Gestalt von eisensteinreichem Kohlenkalk sich 
findet. Im äussersten Nordwesten des Gebietes bildet 
Zechstein den Untergrund. Die Umgebung von Grund 
weist den dem ganzen Oberharz eigenthümlichen Reich- 
thum an üppigen Wiesenmatten und Nadelwald auf,, 
wennschon derselbe, der tieferen Lage entsprechend, viel- 
fach mit La üb holz (Gittelder Berg, Schürf bürg Iberg u. a.) 
abwechselt. Das Klima ist keineswegs rauh, im Sommer 
mitunter recht heiss. 

Die folgenden faunistischen Angaben beruhen fast aus- 
nahmslos auf eigenen Beobachtungen, welche ich während 
eines neunmaligen Sommeraufeuthaltes in Grund, dessen 
Dauer in der Kegel 14 Tage betrug, zu sammeln Gelegenheit 
hatte. Da die Zeit meines Aufenthalts jedoch stets zwischen 
Anfang Juli und Anfang September fiel, so entzog sich 
das Laichgeschäft der meisten Lurche leider meiner 
Beobachtung. 

Um die hauptsächlichsten Vertreter der Amphibien- 
und Reptilienfauna von Grund kennen zu lernen, bedarf es 



^) Die Unzulänglichkeit meiner Kenntniss der weiteren Um- 
gegend von Grund in faunistischer Beziehung verbot mir für die 
Localfauna weitere Grenzen zu ziehen •, die nicht mehr in das Gebiet 
fallenden Funde, von denen jedoch nur die in dem westlichen Begren- 
zungsthale des Harzes gemachten von Interesse sind, werden daher 
als auswärtige bezeichnet werden müssen. Der dem Innerstethal 
angehörige Gebietstheil erfährt von mir keine Berücksichtigung , da 
die Fauna dieses Thaies bereits von anderer Seite (W.) be^ 
handelt wird. 



— 75 — 

keiner weiteren Excursion; denn alle findet der suchende 
Forscher in dem unmittelbar beim Orte gelegenen Teufels- 
thal bei einander. Dieses Thal zieht sich vom östlichen 
Zipfel des Ortes ausgehend, in nördlicher Richtung, zu- 
nächst zwischen dem niedrigen, mit Buchenhochwald be- 
standenen Schurfberg zur Linken und dem steilen, tannen- 
bewaldeten Hang des Schweinehagens zur Eechten, dann, 
nach einer kleinen Biegung nach rechts, zwischen Iberg 
zur Linken und Teufelsthalerberg zur ßechten hin, um 
plötzlich verengert in die wildromantische Teufelsschlucht 
überzugehen, die, zwischen den beiden letztgenannten 
Bergen jäh emporsteigend, zur Passhöhe des Schweinebratens 
hinaufführt, welche die Wasserscheide zwischen Grund und 
dem benachbarten Innerstethal (Wildeman) bildet. Ein 
durch die Teufelsschlucht herabfliessenderBach ergiesst sich 
am Ende derselben in einen kleinen vegetationslosen Teich, 
dessen Abfluss das Teufelsthal in einem streckenweise ziem- 
lich tiefen, an Steingeröll reichen Bette durchzieht. Weiter 
unten im Thale, zwischen Schweinehagen und Schurfberg, 
führt der Bach sein Wasser dem Mühle nt eich zu, um 
darauf, vom Wege durch eine hohe, ohne Mörtel kunstlos 
aufgeführte Mauer abgedämmt, dem Orte zuzufliessen. Das 
erste Drittel des hier durchschnittlich etwa 80 m breiten 
Thaies wird von einer stellenweise sumpfigen Wiese ein- 
genommen, darauf folgt eine mit Bauschutt, Kehricht und 
Steinen bedeckte Schutthalde, dann, durch einen nur wenige 
Meter breiten Wiesenstreifeu davon getrennt, an einer 
verengerten Stelle des Thaies, der etwa 45 m lange und 
35 m breite Mühlenteicb. Seine Ufer sind im Allgemeinen 
seicht, die Tiefe ist sehr gering und beträgt wahrscheinlich 
auch in der Mitte nur wenige Fuss , da man bei ruhigem 
und klarem Wasser überall den von Thonschlamm gebildeten 
Boden sehen kann. Die Vegetation ist spärlich und besteht 
fast nur aus dem grossen Sumpfschachtelhalm und einer 
Juncus; schwimmende Pflanzen sah ich nie darin, auch 



— TG — 

nicht Lemna; am Rande ist auf zwei Seiten sehr spärlicher 
nnd niedriger Schilfwuchs; an die eine Längsseite tritt 
Buschwerk vom Schweinehagen aus dicht heran. Die beiden 
letzten Drittel des im Ganzen etwa 10 Minuten langen 
Thaies sind verbreitert und ganz mit Wiese bedeckt. Am 
Ende des Thaies bemerkt man an dem mit Buchen- 
•holz bewachsenen, steinigen Hange des Iberges altes 
Gemäuer, welches die letzten Ueberreste längst zerfallener 
-Eisenöfen darstellt, von deren früherer Thätigkeit in 
der Nähe auf der Wiese aufgeschichtete Schlackenhaufen 
noch Zeugniss ablegen. Dieses Thal also beherbergt- von 
Reptilien Lacerta vivipara und Anguis fragilis, von Lurchen 
Rana fusca, Alytes obsteiricans, Bufo vulgaris und calamifa, 
Salamandru maculosa und Triton cristatus , tacniatus, 
ulpestris und palmatus , mithin fast sämmtliche Vertreter 
der Reptilien - und Amphibienfauna der Umgegend von 
•Grund, deren Verbreitung im gesammten Gebiete nach- 
stehend noch einzeln betrachtet werden soll. 

Lacerta vivipara Jacquin. 

Im Teufelsthal an den Eisenöfenruinen, auf den 
^chlackenhaufen und im Bette des im Sommer sehr 
■wasserarmen Wiesengrabens unter Steinen; dann oberhalb 
des Thaies am südlichen Hang des Iberges bei der Tropf- 
steinhöhle, wo viel Steingeröll zwischen dem Buschwerk liegt. 
Bei Wiegmaunsbucht an einer Schlackenhalde. Grosse, lebhaft 
gefärbte Exemplare fing ich auf dem freien, mit Graswuchs 
nnd Steinhaufen bedeckten Plateau des Königsberges, be- 
sonders am Rande eines Tannendickichts, welches den Süd- 
abhang bedeckt. Auch am Winterberg, Eichelnberg, über- 
haupt an allen sonnigen, abgeholzten oder mit spärlichem 
Unterholz bewachsenen Stellen nicht selten. Ich sah um 
die Mitte des August vorigen Jahres noch trächtige Weib- 
chen, aber auch schon Junge. Grünlich gefärbte Thiere, 
•welche ich öfters beobachtete, gehörten möglicherweise der 



von D ü r i g e n („Amphib. und Reptilien Deutschlands") 
aufgeführten var. montana an. 

Änguis fragiUs L. 

Theilt den Aufenthaltsort der vorigen Art in der, 
Regel. Ich fand sie im Teufelsthal im Graben, unter 
Steinen, am Hange des Iberges, auf dem Königsbergplateau» 
oberhalb Wiegmann sbucht am Eichelnberge und besonders, 
zahlreich am Eichelnberger Pavillon unter Steinen an sehr-, 
sonniger Stelle. Die var. r.yanopunctata Geisenheyner glaube- 
ich ebenfalls dort einmal früher erbeutet zu haben. 

Tropidonoius natrix L. 

Gehört entschieden nicht zu den ständigen Bewohnern 
des Gebietes, doch wurde sie vor 2G Jahren einmal in einem 
Steinbruch am Westhang des Eichelnberges, oberhalb der 
nach der Laubhütte und zum Gittelder Bahnhof führenden 
Chaussee von einem Arbeiter gefangen, Herr Organist 
Lämmerhirt in Grund zeigte mir das in Spiritus auf- 
bewahrte Exemplar und theilte mir zugleich freundlichst 
mit, dass dieses der einzige während seiner 40jährigen Amts- 
thätigkeit in Grund ihm bekannt gewordene Schlangenfund, 
in der Umgegend sei. Seiner Meinung nach sei das Thier 
vom Eichsfelde, wo es häufig ist, zunächst die Ruhme ab- 
wärts, dann die Söse und darauf den Eichelnbach, welcher 
vom Eichelnberge herabkommt, aufwärts hierher gelangt. 
Wenn mir auch eine so lange, abenteuerliche Wasserpartie 
bei einer Schlange etwas unglaubwürdig erscheint, so stimme 
ich doch der Annahme, dass das Thier von ziemlich weither 
dorthin verschlagen sei, vollkommen bei und vermuthe, dass 
es etwa aus dem Sösethal, wo es früher bei Kamschlacken 
festgestellt wurde, oder aus dem Innerstethal über das sehr 
ausgedehnte, stellenweise sumpfige Eichelnberger Plateau,, 
nach dessem westlichen Abhang gelangt sei, und zwar ist 
dieses umsomehr anzunehmen, als die dürre Beschaffenheit 
des Abhanges der wasserliebenden Ringelnatter wenig, 
günstige Existenzbedingungen liefern würde. 



— 78 — 

Rana esculenta L. var. typica. 

Fehlt im Gebiete und findet sich erst im westlichen 
Begrenziingsthale des Harzes, welches einen ziemlich be- 
deutenden Keichthum an stehenden Gewässern aufweist. Ich 
beobachtete ihn hier südlich von Gittelde und südwestlich 
von Teichhütte in einem im Felde gelegenen schilfigen Teiche 
und ausserdem östlich von Seesen, im Schildauthal beim 
sogenannten „Grünen Jäger", wo auf thonigem Boden einige 
Meine Forellenteiche dicht am Fusse der ersten Harzberge 
liegen. Die Exemplare von hier fielen mir durch ihre schöne, 
tiefgrüne Färbung auf, welche sich auch noch weit über die 
Schenkel herab erstreckte. Die Art findet sich, der Beschrei- 
bung eines Dorfknaben zufolge, auch im südlichen Theile des 
Grenzthaies zwischen Gittelde und Osterode bei Badenhausen. 

liana temporaria L. 

In der nächsten Umgebung von Grund verhältniss- 
mässig keineswegs häufig; auf den Bergen findet er sich 
in der Eegel nur sehr vereinzelt; doch begegnet man ihm 
an feuchten Stellen im Thale öfters, so im Teufelsthal, 
dann hinter dem Hübichenstein bei der sogenannten Dop- 
meierei, ferner auch an feuchten Stellen auf dem Plateau 
des Eichelnberges, namentlich an den dem Innerstethal 
benachbarten Hahuebalzer Teichen. 

Bufo vulgaris Laiir. 

Wohl überall nicht selten. Ich fing sie im Teufelsthal 
auf der Schutthalde und abends auf dem Wege. Am Voss- 
hay, bei Wiegmannsbucht u. s. w. 

JBufo calamüa Laur. 

Ebenfalls wohl nicht selten. Zwei grosse Exemplare 
fing ich unter einem Stein auf der Schutthalde im Teufelsthal; 
ein weiteres Stück am Wege, der zur Laubhütte führt, 
auf ausgewaschenem Pochsand, welcher sich eben mit Vege- 
tation zu überziehen begann; ferner zwei Exemplare auf 
dem Eichelnberger Plateau, von denen das eine mir in der 
Mittagssonne über den Weg lief. Da dieses Plateau einige 



— 79 — 

sumpfige, mit Einsicht bestandene Stellen aufzuweisen hat, 
an denen sich etwas Wasser bis weit in den Sommer hinein 
zu erhalten scheint, wie ich aus dem Vorkommen von Lemna 
schliesse, so wird die Kreuzkrüte wahrscheinlich diese Sümpfe, 
oder vielleicht auch die ziemlich weit entfernten Hahnebalzer 
Teiche, als Laichstätte benutzen. Ich fing ein junges 
Exemplar auch ausserhalb des Gebietes auf einem Dolomit- 
felsen bei Oberhütte. 

Hyla arborea L. 

Das Vorkommen des Laubfrosches war, soweit ich mich 
erkundigte, in Grund unbekannt. Doch fing ich im August 
vorigen Jahres ein grosses Weibchen auf einer Brombeer- 
staude an einem abgeholzten Berghange an der Laubhütte, 
etwa 20 Minuten von Grund entfernt. Ein anderes Exemplar 
fing mein Vater vor 14 Jahren unter sonderbaren Umständen: 
nämlich auf einem kleinen angepflanzten Gebüsch, auf der 
Höhe des nur mit Fichten bewachsenen, sehr dürren Knollen 
(südwestlich vom Orte). 

Alytes obstetricans Laur. Ueber das Vorkommen 
und die Lebensweise der Geburtshelferkröte, dieses inter- 
essantesten Lurches der Harzer Fauna bei Grund habe 
ich anderen Ortes berichtet 1), und möchte ich hier Gelegen- 
heit nehmen meine früheren Angaben auf Grund neuerer 
Beobachtungen zu vervollständigen bezw. zu berichtigen. 
Der ergiebigste Fundort für Alytes in der Gegend ist 
wiederum das Teufelsthal, wo der vielstimmige Ruf 
der „Unke" 2) in lauen Frühjahrsn ächten den Anwohnern, 

1) Siehe „Isis", Jahrgang 1889 No. 44. 

2) Der volksthümlichen Bezeichnung „Unke" auch „Moor- 
unke" für den wohl von Jedermann gehörten, jedoch nur von 
Wenigen gesehenen Alytes begegnete ich nicht nur bei gebildeten 
und ungebildeten Laien, sondern auch in der allerdings dürftigen natur- 
historischen Sammlung der Ortsschule, und dieser fast ständigen Ver- 
wechslung ÜQ^ Alytes m\i Bomhiruitor ist es wohl nicht zum mindesten 
zuzuschreiben, dass das Vorkommen der Art an vielen Orten erst so 
spät Beachtung fand. Dass man jedoch, als Ausnahme von dieser 
Eegel, bisweilen eine bessere Kenntniss dieses Thieres manchmal gerade 
da finden kann, wo man sie am wenigsten vermuthet, bewies mir ein 
alter Bergmann, der mir imsere Thiere als „Geburtsfrösche" 
bezeichnete. 



— bO — 

Avie diese mir selbst versicherten, öfters den Schlaf stört. 
Der Ahjtes findet sich hier überall: auf der Wiese, im 
Graben, auch in der den Graben abdämmenden Mauer, 
an den Berghängen zu beiden Seiten des Thaies, im Ge- 
mäuer der alten Eisenöfen, welches leicht abzuräumen ist, 
und besonders auf der Schutthalde vor dem Mühlenteich, 
Hier erbeutete ich im Juli des Jahres 1887 unschwer circa 
42 Stück, fast sämmtlich mit Eischnüren beladeiie Männchen, 
während ich zu Anfang August 1891 nur noch deren drei 
vorfand und in der zweiten Hälfte des Augusts vorigen 
Jahres überhaupt kein erwachsenes Exemplar dort mehr 
finden konnte. Demnach zu urtheilen, scheinen sich die 
Thiere nach Entledigung ihrer Laichbürde tiefer unter 
die Erde zurückzuziehen oder aber sich weiter von dem 
Teiche zu zerstreuen, in dessen Nähe vielleicht nur die 
Männchen während der „Tragzeit" verweilen. Den Alytesnif 
vernahm ich noch am 27. August vergangenen Jahres vier- 
stimmig und am 30. einstimmig. Meine frühere Ansicht 
über die Laichzeit des Thieres habe ich iuzwischen dahin 
ändern müssen, dass ich nicht mehr, wie früher, zwei 
Laich Perioden im Jahre, eine im Frühling und eine 
im Herbst, sondern nur mehr eine, von April oder 
M a i bis in den Juli während, annehme, deren lange Dauer 
wohl darin seinen Grund haben mag, dass das AVeibchen 
seine Eier in mehreren nach langen Zwischenpausen er- 
folgenden Sätzen ablegt^). 

Ich schliesse dieses mit Entschiedenheit vor Allem aus 
dem Umstände, dass im August vorigen Jahres im Mühlen- 
tciche Alyteslarven in sehr verschiedenen Entwicke- 
lungsstadien, mit vier Beinen und bereits warziger 
Haut, mit zwei Beinen und ohne Beine, zu finden waren, 
deren Daseinsbeginn, unter übrigens gleichen Bedingungen, 



1) Vergleiche hierzu de l'Isle's Beobachtungen über das Laich- 
geschäft des Ahjies. (Brehm's Thierleben Bd. VII.) 



— 81 — 

auf ganz verschiedene Zeiten datirt werden miisste^). Von 
den Larven beendigen die zuerst ausgeschlüpften in der 
Eegel wohl im Laufe des Augusts ihre Verwandlung, 
wahrend die zuletzt ausgeschlüpften wohl zum grössten 
Theil überwintern, um im nächsten Sommer erst das Wasser 
zu verlassen. 

Dass im Herbst eine Eiablage stattfindet, wie z. B. 
Johann v. Fischer annimmt, 2) glaube ich für den Alytes 
im Harz vor Allem deswegen bezweifeln zu müssen, weil 
man den Paarungsruf des Männchens nur im Frühjahr und 
Sommer vernommen haben will. 

Der zweite Fundort für die Art, Wiegmannsbucht, 
welcher mir bisher noch als problematisch galt, hat sich 
inzwischen auch bestätigt. Ich fing mit W. Wolterstorff 
gemeinsam im August vorigen Jahres in dem bereits er- 
wähnten Wasserreservoir, welches von einem Bergbach ge- 
speist wird, verschiedene J./^i'esquappen in Gesellschaft von 
Salamander- und Tritonenlarven; ausserdem erzählte mir 
der dort wohnende Kestaurateur, zugleich Obersteiger, dass 
vor neun Jahren, beim Zuwerfen des bei Wiegmannsbucht 
befindlichen Förderschachtes, eine kleine silbergraue 
Kröte, welche Glockentöne im Frühjahr vernehmen Hesse, 
in Unzahl unter der zum Ausfüllen des Schachtes benutzten 
Gesteinsschlacke gefunden und mit in den Schacht gerathen 
sei. Zur Topographie sei bemerkt, dass Wiegmannsbucht 
etwa 470 m hoch am Hang des oberhalb steil ansteigenden, 
nach unten aber allmählich abfallenden Eichelnberges auf 
dem Wege nach Klausthal gelegen ist. Die ziemlich grosse 
Schlackenhalde, welche dem Alytes vorwiegend zum Auf- 
enthaltsort zu dienen scheint — ich fing hier auch vor 
Jabren einmal ein Exemplar — ist schon sehr alt, wie 



^) Die öfters geltend gemachte individuelle Verschiedenheit der 
Zeitdauer der Entwickelung von Amphibienlarven dürfte zur Er- 
klärung dieses Phänomens kaum ausreichend sein. 

2) cf. „Terrarium", Frankfurt a. M. 188J. 

6 



— 82 — 

stämmige Tannen und Vogelbeersträucher, die auf dem 
Abhang wurzeln, erkennen lassen. Der dritte noch nicht 
veröffentlichte Fundort ist ein massig feuchter Tannen- 
hochwald im Nordwesten des Gebietes (Zechstein), den 
man von Grund aus auf dem Wege nach Münchehof 
(über das Plateau des Königsberges) in circa ^,'4 Stunden 
erreicht. Ich hatte in diesem Tannenholze, dessen Boden- 
vegetation nur aus spärlichem Graswuchs und Moos be- 
stand, nichts weniger vermuthet als den Alytes, als ich plötz- 
lich in einem Bache, welcher, den Weg kreuzend, ein seichtes 
Becken mit schlammigem Untergrunde entstehen liess, nebst 
einigen Salamanderlarven zwei grosse und acht kleine Larven 
der Art bemerkte, deren ich mich unschwer mit der Hand 
bemächtigen konnte. Mein Erstaunen wuchs, als ich, nach 
dem V2 Stunde entfernten Münchehof gelangt, welches 
in dem mehrfach erwähnten westlichen Begrenzungsthale 
des Harzes, also ausserhalb des Gebietes der Localfauna 
liegt, auch dort bei der Ziegelei in einem kleinen Teiche, 
der während des Sommers nur wenige Centimeter hoch 
Wasser hat, ein paar Alyteslarven fand. Diesen Teich 
umgiebt ein kleiner mit Obstbäumen umstandener Grasplatz, 
den auf drei Seiten die Gebäude der Ziegelei umgeben, 
während auf der \ierten Seite die Chaussee vorüberführt. 
Bis zur nächsten Waldung, welche circa 860 m entfernt ist, 
liegt nur freies Ackerland und ebenso nach der Hügelkette 
der westlichen Vorberge des Harzes zu. Ein Knabe erzählte 
mir, dass Pfeif laute ausstossende „Unken" sich im Frühjahr 
am Rande des Teiches vernehmen Hessen. Münchehof, 
gleichfalls ein neuer Fundplatz, ist somit der 
nördlichste und am tiefsten (circa 200 m hoch) ge- 
legene der von mir entdeckten J.7?//csfundorte im Harz, von 
dem südlichsten und am höchsten (circa 470 m) ge- 
legenen, Wiegmannsbucht, gegen 7 km in der Luftlinie 
entfernt. Zum Schluss möchte ich noch erwähnen, dass der 
Alytesruf früher häufig im Orte Grund selbst bei der 



Q'.> 
• CO 

■sogenannten Zeche, wo auch auf einer feuchten Wiese 
Schlacken aufgehäuft lagen, vernomiiien wurde, und dass 
sein Verschwinden von dort jedenfalls mit der Zuschüttung 
•eines kleinen hier früher befindlichen Teiches zusammenhängt. 
Die Thiere sind dann jedenfalls zumeist in das benachbarte, 
nur durch den niedrigen Schürf berg von der Zeche getrennte 
Teufelsthal übergesiedelt. 

Salamnndra maculosa Laur. 

Der Feuersalamander findet sich mit Ausnahme des 
wohl zu trockenen Knollens überall, besonders häufig im 
Teufelsthal und am Schurfberge. Auch nach dem Rande 
des Harzes zu ist er sehr häufig, so z. B. im Gutsgarten 
zu Windhausen (V. v. K). Im Teufelsthal und einmal auch 
-am Winterberge beobachtete ich Stücke, bei denen das Gelb 
der Färbung auffallend stark über das Schwarz vorherrschte. 
Junge, eben verwandelte Thiere fand ich schon im Juli, sah 
aber im August vorigen Jahres noch viele Larven in 
Waldbächen und besonders in dem kleinen Teich im obern 
Teufelsthal am Eingange der Schlucht, wo bemerkenswerther 
Weise keine einzige Alytcslarve und nur sehr wenig Tri- 
tonenlarven zu sehen waren, wahrscheinlich weil das Wasser 
der Sonne wenig zugänglich ist. Privatdocent Dr. Brandes- 
Halle fand ihn zahlreich im Schildauthal bei Seesen. 

Tr. crisfatus Laur. 

Wahrscheinlich die seltenste Tritonenart bei Grund, da 
ich erst ein Stück im Sommerquartier auf der Schutthalde 
im Teufelsthal vergraben fand. 

Tr. faeniafus Schneid. 

Ich sah ihn wissentlich nie im Wasser, fand ihn aber 
oft auf der Schutthalde unter Steinen vergraben. Im August 
vorigen Jahres fand ich allerdings auch auf dem Lande 
keinen einzigen, sondern nur die beiden folgenden Arten, 
welche erst seit Kurzem das feuchte Element verlassen und 
sich daher wohl noch nicht so tief vergraben hatten, wie 



— 84 — 

ersterer dieses der grossen Hitze wegen jedenfalls bereits 
gethan. 

Tr. alpestris Laiir. 

Wohl die häufigste Art im Teufelsthal und die 
einzige, welche ich im Kreuzbacher Teiche, ca. 1700' hoch 
(Prediger), an der Wasseroberfläche sich sonnend beobachtete, 
jedoch nur im Juli ; im August vorigen Jahres fand ich ihn 
hier nicht mehr und auch im Mühlenteich glaube ich während, 
dieses Monats nur ein Exemplar, und zwar am 24. vorigen 
Jahres, beobachtet zu haben. Um so häufiger findet man 
ihn zu dieser Zeit auf dem Lande in der Nähe des Teiches, 
auf der Schutthalde und im Schiefergeröll am Hange des 
Schweinehagens. Auch die ersten jungen, eben verwandelten 
Bergmolche findet man bereits Ende August und noch zahl- 
reicher zu Anfang des September auf dem Lande, während 
die Ufer des Mühlenteiches zu dieser Zeit noch von Schaaren 
anderer Tritonenlarven, die noch weit in der Eutwickelung 
zurückstehen, belebt sind. Die aufWiegmannsbuchtmit Alytes- 
quappen zusammen von uns erbeuteten Tritonenlarven gehörten 
ebenfalls dieser Art an; sie zeigten rothe Bauchfärbung. Zu 
erwähnen dürfte noch sein, dass die scheinbar vorwiegend 
in Gebirgen^) beim Bergmolche vorkommende Grundfärbung, 
hellere, röthliche oder bräunliche Färbung, auch an manchen. 
Exemplaren bei Grund zu beobachten ist. 

Triton 2^tt^i>i(iius Schneid. 

Im Teufelsthal sehr häufig, bleibt am längsten von 
allen 4 Tritonenarten im Wasser. Im Juli viel häufiger 
im Mtihlenteich als voriger. Zehn Tritonen, welche ich am 
16. dieses Monats im Jahre 1889 mit Herrn V. v. Koch 
gemeinsam fischte , gehörten sämmtlich dieser Art an. 
Auch im August vorletzten und letzten Jahres be- 
merkte ich den Leistenmolch noch ziemlich häufig im 
Wasser; das letzte Exemplar fischte ich am 5. September. 

^) Ich beobachtete solche Stücke öfters in den bayerischen Alpen^ 
z. B bei Schliersee und Hohenschwangau. 



— 85 — 

Auf dem Lande fand ich die Art am Hang des Schvveine- 
hagens, auf der Schutthalde, bei den Eisenöfen, und ein 
Exemplar lief mir auf der halben Hohe des Schweinehagens, 
70 m hoch über dem Mühlenteich, bei "Regenwetter über den 
Weg. Tritonen, welche ich vor Jahren einmal in einem 
jetzt nicht mehr vorhandenen stehenden Graben bei Wieg- 
mannsbucht fand, mögen auch wohl dieser Art angehört 
haben. Bemerkenswerth erscheint mir, dass im Mühlen- 
teich das Thier unter Wasser oft intensiv grün gefärbt 
erschien. 

Was man bei der hiermit schliessenden Aufzählung der 
Keptilien- und Amphibien der Fauna von Grund zunächst 
vermissen wird, sind die beiden am Harz sonst keineswegs 
seltenen Schlangenarten Pelias heriis und Coronella 
laevis, zumal es an von ihnen sonst bevorzugtem Terrain, 
als abgeholzten, dürren Waldstellen, Steinhalden und KÜppen 
(Iberg), hier nicht fehlt. Weniger verwundern darf das Fehlen 
bezw. die Seltenheit des grössere sumpfige Niederungen lie- 
benden Tropidonokis natrix. Das Fehlen der Zauneidechse, 
Lac. agilis L., welche hinsichtlich ihrer Wohnplätze eine 
grosse Wahlverwandtschaft zur Schlingnatter zeigt, und bei 
Grund unbehelligt von den Nachstellungen dieser Todfeindin 
ihres Lebens froh werden könnte, dient zum Belege für die 
Thatsacbe, dass diese Art in gebirgigen Gegenden, nament- 
lich des Nordens, in der Kegel von der „Bergeidechse" 
Lac. vivipara, vertreten wird^). 

Zu den Amphibien übergehend, fällt das Fehlen der von 
W. Woltertor ff und mir im Innerstethal bei Lautenthal 
beobachteten „Bergunke", Bomb, pachypus Bon., bei Grund 
zunächst auf; doch dürfte sich diese Erscheinung zur Genüge 
erklären, einmal aus dem Mangel des von ihr so bevorzugten 
Sumpfterrains, an dem es im Innerstethal dagegen keines- 
wegs fehlt, dann aber vor Allem durch die Erwägung, dass 

^) cf. Saxesen: „Lac. agilis Bcheint am Oberharz ganz zu 
iehlen." Vergl. oben, pag. 60 



— 86 — 

die Unke und namentlich ihre zarten Larven im Mühlen- 
teicu, der dem Thiere noch den günstigsten, ^venn nicht 
allein denkbaren Aufenthaltsort darbieten könnte, von den 
in Schaaren stets vorhandenen grossen Larven des hier 
so häufigen Ahjtes im Kampfe ums Dasein sehr über- 
vortheilt werden müsste. Vielleicht erklärt sich so aucb 
das auffallende und besonders im Teufelsthal ganz un- 
verkennbar hervortretende numerische Uebergevricht des 
Alytes über die andern Froschlurche, nicht zum Mindesten' 
sogar über die sonst gemeinste Art, den braunen Gras- 
frosch. 

Auch Hyla arhorea L. (?) und Rana esculenta L. var. 
typ., welche doch beide nicht sehr fern davon gefunden 
wurden, fehlen vielleicht aus diesem Grunde im Teufelsthal^ 
obwohl man ebenso zu der Annahme berechtigt ist, dass 
das Terrain ihnen hier nicht zusagt, 

Brauuschweig, April 1893. 

Osterode, Lerbach und das SöselliaL 

Auch die Umgebung von Osterode, mit dem Thal der 
Söse und des Lerbachs, den kleineren und grösseren Teichen 
im Zechsteingebiet, dürfte herpetologisch sehr interessant sein,, 
aber es liegen erst spärliche Beobachtungen vor. Ich habe- 
das Lerbachthal auf dem Wege von Klausthal nach Osterode 
flüchtig durchwandert, ohne auf Gethier zu stossen, halte 
aber das Terrain für Ahjtes z. B, für günstig. Auch die 
Teiche habe ich — leider! — erst von der Eisenbahn aus 
zu Gesichte bekommen, in ihnen vermuthe ich z. B. Bayia 
esculenta ttjpica, wie bei Gittelde und Seesen! — V. v. Koch 
giebt für Osterode Bufo calamita au. Saxesen erwähnt 
Tropidonotus natrix, welche auf dem Hochplateau bekannt- 
lich fehlt, mit dem Zusatz „selten" aus dem Sösethal bei 
Kamschlacken, 410 m hoch. Auch Alytes ist hier beobachtet. 
„Bei Kamschlacken hörte ich Abends gegen 10 Uhr an einem 
Bergabhang Töne, die ich nur auf Alytes beziehen kann.. 



87 



Leider war bei der herrschenden Dunkelheit das Nachforschen 
erfolglos." E. Schulze (briefl. Mittheil, und Fauna saxa- 
thuringia). W. Wolterstorff. 

Sieberthal. Wie mir Herr G eitel mittheilt, hat er 
im Sieberthal 1880 Bonibinator zahlreich beobachtet, sonst 
war ihm kein Vorkommen der Unke im Harz bekannt. Es 
kann dies, bei der Höhenlage (Sieber liegt 330 m hoch) nur 
die Bergunke, Bonibinator pachypus, gewesen sein. 
Das Oderthal und Lauterberg. 

Am 30. August 1892 widmete ich der waldreichen 
und auch geologisch sehr mannigfaltigen Umgebung des 
vom Ravenskopf (650 m) überragten Kurorts Lauterberg 
(264 m) und Scharzfeld (247 m) einen Tag behufs herpe- 
tologischer Orientirung, leider ohne Erfolg. Die Witterung 
war bis zum Spätnachmittag wieder drückend heiss und 
die Vegetation verdorrt, nach einem heftigen Gewitter mit 
starkem Hagelschauer brach dann schnell die Nacht herein. 
Eeptilien zeigten sich gar nicht, obschon ich an der Euiae 
Scharzfels eifrig nach Eidechsen spähte, von Amphibien 
ward auch nur Bana teniporaria^ Vormittags unter Steinen 
am Scharzfels, am Abend, nach dem Gewitter, in Menge 
am Philosophengang (Fusspfad Königshütte — Scharzfeld) 
angetroffen, hier fing ich auch einen Feuersalamander mit 
Längsstreifen. 

Auch die Exemplare von Sdlamandra maculosa, welche 
Herr Baurath Bauer von Lauterberg mitbrachte, wiesen 
in der Mehrzahl Längsstreifen auf. — In der Gegend von 
Scharzfeld dürfte Bana escidenta noch vorkommen, ober- 
halb Lauterbergs wurde die Art im Oderthal von 
G. Breddin 1887 vermisst, während Bana temporaria 
häufig war. Derselbe beobachtete hier Triton palmatus in 
einem kleinen, flachen, von Erlenbüschen umgebenen Tümpel 
mit trübem Wasser und sumpfigem Untergrund neben dem 
Oderbach. Auch Ahjtes findet sich hier, Petry^) hörte 

1) Petry, Mittheil. Ver. Erdkunde Halle, 1891, pg. 186. 



— «8 — 

ihn in der Abenddämmerung des ISJ. Juli 1884 „oberhalb 
Lauterbergs, im Oderthal, einige 100 m oberhalb der Stelle, 
wo die Chaussee des Sperrlutterthals in die vom Oderthal 
kommende mündet, also nahe der jetzigen Station Oderthal" 
in ca. 340 m Höhe. — Jedenfalls bleibt um Lauterberg 
noch viel zu erforschen übrig. Wolterstor ff. 

II. ßesultate. 

a. Der Nordraud. 

Lacerta vivipara überall, z. B. Wernigerode, Ilsenburg, 
Harzburg, Ahrendsberger Forsthaus, Goslar. 

Angiüs fragilis überall, z. B. Wernigerode, Ilsenburg, 
Harzburg. 

Vipera herus. Wernigerode, Harzburg, Goslar. 

Rana esculenfa typica. Osterfeld (=Bleiche) bei 
Goslar. Sicher vor dem Gebirge überall zu finden. Das 
Vorkommen der var. ridibunda ist ebenfalls nicht ausge- 
schlossen. 

Mana temporaria. Ueberall gemein. 

Bufo vulgaris. Oker, Goslar, Innerstethal. Wohl überall 
gemein. 

Bufo calamiia. Goslar (E. C), Innerstethal (W.) nicht 
selten. 

Hyla arhorea. Harzburg, Oker, Osterfeld (=Bleiche), 
Goslar, überall häufig. 

Bomhinafor paclujpus. Um Goslar sehr häufig (E. C.) 
und bereits vor 50 Jahren nachgewiesen (Blasius), 
specielle Fundorte z. B.: Oker, Soldatenbadeteich, Osterfeld. 
Innerstethal. 

Salamandra maculosa. Allenthalben. 

Triton cristatus. Osterfeld bei Goslar. Wahrscheinlich 
vor dem Gebirge weit verbreitet. 

Triton alpestris. Ueberall gemein. 

Triton faeniatus. Wernigerode, Soldatenbadeteich, 
Osterfeld und Sandgrube bei Goslar. 



— 89 — 

Triton palmaüis. Wernigerode (M. K.), Okerthal 
(V. V. K.) zwischen Oker und Goslar (M. K. und w. H.), Innerste- 
thal (W.). Im Gebirge häufig, vor dem Gebirge vielleicht hin 
und wieder als Seltenheit anzutrefi'en. 

Lacerta agilis, Coronella laevis und Tropidonotus 
natrix werden von keinem Fundort angegeben, mögen aber 
hier und dort, als Seltenheit, noch vorkommen, namentlich 
vor dem Gebirge. Von Auuren vermissen wir Bufo viridis, 
welche erst weiter südöstlich, bei Blankenburg, am Gebirge 
wieder nachgewiesen ist (die Gegend zwischen Goslar und 
Blankenburg ist in Bezug auf die Bufonen noch unerforscht!), 
und Alytes obstetricans, die Westform, andererseits finden 
wir hier Bufo calamita und Bombinator pachypus. Von 
den Tieflandsformen sind noch keine festgestellt, wiewohl 
ihr Auftreten namentlich vor dem Gebirge, in der Gegend 
von Blankenburg z. B., wahrscheinlich ist. Die Urodelen 
sind sämmtlich vorhanden. 

b. Die Hochfläche v on Klausthal. 

Lacerta vivipara (S ax e s en). 

Angiiis fragilis (S a x e s e n). 

Vipera derus. Selten, doch nicht ganz fehlend, z. B. 
bei Altenau, am Kahlenberg, Bruchberg. 

Rana escidenta. Nur von Saxesen mit dem Zusatz 
„sehr selten" für Clausthal angegeben. Es dürfte sich hier 
nur um ein versprengtes Thier gehandelt haben, da der 
Teichfrosch, wo er sich findet, auch gleich schaarenweise 
auftritt. 

Bana temporaria. Sehr häufig. Auf dem Plateau 
vorwiegend in der Nähe der Gewässer sich findend. In 
den Teichen ersetzt der braune Grasfrosch gewissermassen 
den Teichfrosch! 

Bufo vulgaris. Häufig. 

Btifo calamita. „Einzeln am Oberharz''. (Saxesen.) 

Eyla arhorea. Vereinzelt. Klausthal. (Saxesen.) 



— 90 — 

Bomhinator pachypus. Aus den Angaben Saxesen's 
geht das Vorkommen der Bergunke auf der Hochfläche nicht 
mit Sicherheit hervor. Aus neuerer Zeit ist sie nicht nach- 
gewiesen. 

Salamandra maculosa „am Oberharz". (Saxesen.) 
Von mir im Larvenstadium beobachtet. 

Triton alpestris. Allenthalben häufig. 

Triton taeniafus. In Teichen bei Klausthal (M. K. u. W. H.).. 

Triton palmatiis. In Tümpeln bei Bockswiese und am 
Dammhaus. (m. K. u. W. H.) 

Beachtenswerth ist die Armuth der Reptilienfauna. Es. 
fehlt Lacerta a(jilis; Coronella laevis und Troindonotiis natriXf 
die um Goslar vielleicht nur übersehen wurden, fehlen hier 
schon nach Saxesen entschieden, ein Beweis, dass ihnen 
das Klima bereits zu rauh ist. Von Anuren vermisst man 
nicht nur alle Tieflandsformen, sondern auch Rana esculenta 
typica und Bomhinator pachypus sind mindestens sehr 
selten geworden, Alytes fehlt ganz. Von den beiden sich 
vertretenden Bufo-Formen, Bufo calamita und viridis, ist 
nur die erstere, wenigstens früher, gefunden. Auch Hyla 
arborea dürfte ständiger, aber seltener Bewohner sein. Die 
Urodelen sind mit Ausnahme des Triton cristatus alle vor- 
handen. — Die häufigsten Bewohner der Hochfläche sind 
Lacerta vivipara, Anguis fragilis, Rana temporaria, Bufo 
vulgaris, Salamandra maculosa, Triton alpestris, taeniatuSr 
j^almatus. 

c. Das Brockengebiet. 

Auf dem Brocken und in seiner Umgebung (Oderbrück» 
Torf haus, Sonnenberg) wurden bisher, in einer Höhe voa 
760 — 1141 m, nur folgende Arten bestimmt nachgewiesen-.. 

Lacerta vivipara, mit var. nigra. Brocken (Bach» 
E. S.), Torf haus, Sonnenberg, Oderthal. (Petry,) 

Bana temporaria. Brocken, (w. H.) 

Triton alpestris. Sonnenberg. (m. K. u. W, H.) 



— 91 — 

Die Kreuzotter wird in der Umgebung des Torfhauses 
Termisst (Oberförster Fischer, in Blum, Fragebogen- 
material), die übrigen Schlangen fehlen bestimmt. Anguis 
fragiUs und Bufo vulgaris sind vielleicht nur übersehen^ 
dagegen wurde das Fehlen der Bana esculenta im Oderthal 
und Oderteich meinem Freunde G. Br eddin von dem 
Fürster zu Oderbrück ausdrücklich bestätigt. Das angebliche 
Vorkommen des Bombinator pachypus bleibt mir zweifelhaft, 
da er auch auf dem tiefer gelegenen Plateau von Klausthal 
noch nicht sicher nachgewiesen ist. 

d. DerVorharz. 

Lacerta agilis. „Vorharz." (S a x e s e n.) 

Lacerta vivipara. Bei Grund häufig. Gewiss am ganzen 
westlichen Rande des Harzes gemein. 

Anguis fragilis. Grund. Gewiss allgemein verbreitet, 

Tropidonotus natrix. Bei Grund erst einmal, versprengt^ 
gefangen. Kamschlacken im Sösethal, selten. „Am Vorharz% 
d. h. wohl an seinem Rande, nach Saxesen früher 
häufiger. 

Vipera herus. Seesen, Wohlenstein bei Seesen (Be- 
ling bei Blum). „Am Vorharz." (Saxesen). 

Rana esculenta typica. Schildauthal bei Seesen, Git- 
telde, Teichhütte. Der Teichfrosch dürfte auch weiter süd- 
lich, um Osterode und Lauterberg, nicht fehlen. 

Bana temporaria. Gemein. Grund, Oderthal, Lauter- 
berg. 

Bufo vulgaris. Grund. Jedenfalls überall gemein. 

Bufo calamita. Bei Grund. Oberhütte bei Baden- 
hausen, Osterode. Am Vorharz ziemlich häufig. 

Hyla arhorea. Erst für Grund nachgewiesen und als 
selten bezeichnet, vor dem Rand des Harzes wohl häufig. 

Bomhinator pacliypus. Erst aus dem Sieberthal bekannt. 

Ahjtes ohstetricans. Münchehoff, bei Grund (sehr häufig),. 
Wiegmannsbucht, jedenfalls auch bei Kamschlacken und 
Lauterberg. Gewiss allgemein verbreitet. 



— 92 — 

Salamandni maculosa. Gemein. Seesen, Grund, Wind- 
hausen, Lauterberg. 

Triton cristakis. Bei Grund sehr selten. Am Gebirgs- 
rand verrauthlich häuiiger, aber noch nicht festgestellt. 

Triton alpcstris. Gemein. Grund, 

Triton taeniatus. Grund. Am Gebirgsrand sicher 
gemein. 

Triton palmatus. Bei Grund und Lauterberg häufig. 

Von Reptilien wird Lacerta agilis von keinem speciellen 
Fundort, Coronella laevis auch hier überhaupt nicht an- 
gegeben, sie werden aber sicher aus dem Leinebergland ab 
und zu auch an den Gebirgsrand vordringen. Die fünf 
ürodelen sind Gämmtlich vertreten, zahlreich sind die Anuren, 
doch fehlen unter ihnen wiederum alle Formen der Tiefebene 
und des Ostens. 

Rückblick auf den iiordwcstiiclien Harz. 

In diesem Gebiete wurden mithin festgestellt: 

Lacerta agilis. „Am Vorharz" (Saxesen). Doch 
sicher selten! 

Lacerta viviimra überall. 

Änguis fragilis überall. 

Tropidonotiis natrix. Specielle Fundorte sind nur 
Grund (sehr selten!) und Kamschlacken. Der Hochfläche 
fehlt die Ringelnatter entschieden, am Gebirgsrande dürfte 
sie hin und wieder noch vorkommen. 

Vixjera herus. Am Gebirgsrand und auf der Hoch- 
fläche vielerorts nachgewiesen. 

Mana esculenta typica. Goslar, Seesen, Gittelde. Sicher 
nur am Gebirgsrand festgestellt. 

Bana femporaria. Allenthalben gemein. 

Bufo vulgaris. Allenthalben. 

Bufo calamita. Am nördlichen und westlichen Gebirgs- 
rand vielfach beobachtet: Goslar, Grund, Badenhausen, 
Osterode, dann im Innerstethal. Auf der Hochfläche ver- 
einzelt. 



93 



Hyla arborea. Allenthalben. 

Bombinator pachypus. Sichere Fundorte: Goslar, 
Innerstethal, Sieberthal. Am nördlichen und westlichen 
Gebirgsrand und in den Thälern wahrscheinlich weiter 
verbreitet, in den höheren Theilen sehr selten oder fehlend. 

Alytes ohstetricans. Am westlichen Rand des Harzes 
häufig, am Nordrand noch nicht nachgewiesen. Fehlt der 
Hochfläche. 

Sdlamandra maculosa. Ueberall. 

Triton cristafus. Goslar, Grund (selten!). Am Gebirgs- 
rand wohl weiter verbreitet, von der Hochfläche noch nie 
angegeben. 

Triton aJpestris. Allenthalben. 

Triton taeniatus. Am Gebirgsrand und auf der Hoch- 
fläche verbreitet, am liebsten in offenen Gewässern, z. B. 
Teichen. 

Triton palmatus. Ebenfalls allgemein verbreitet in den 
Schluchten, Thälern und Tümpeln des bewaldeten Gebirgs- 
randes, auf der Hochfläche in Tümpeln im Walde, nicht- 
aber oder sehr selten in den offenen Teichen. 

Unter den 17 Arten des Gebietes vermissen wir einst- 
weilen alle Tief landsformen , ferner Coronella laevis. 
Lacerta agilis, Tropidonotus natrix sind Seltenheiten, wie 
'Rana escidenfa typica, Triton cristatus finden sie sich wohl 
nur ab und zu in den Thälern, die vier Thiere dürften 
mehr vor dem Gebirge sich aufhalten. Im Gebirge und 
an seinem Rande zählen wir 13 Arten, nämlich Lacerta 
vivijyara, Änguis fragilis, Viper a berus, Mana temporaria, 
Sufo vulgaris, Bufo calamita, Hyla arborea., Bombinator 
pachypus, Alytes obstetricans, Salamandra maculosa, Triton 
alpestris, taeniatus, palmatus als ständige Bewohner des 
nordwestlichen Harzes. 

Von den 17 Arten des Gebietes finden wir nur wenige 
Formen im Brockengebiet, zahlreicher schon ist die Fauna 
der Hochfläche von Klausthal; der Nordostrand weist bisher 



— 94 — 

14 Formen auf, wilbrend der Westrand sämmtliche 
17 Arten des Gebietes besitzt. — Es möge schon hier 
darauf hingewiesen werden, dass diese 17 Thiere sämmtlich 
auch im Weserbergland, in der Gegend von Hameln und 
Eschershausen (siehe unten!), wiederkehren und umgekehrt 
nur ein ständiger Bewohner jener Gegend, Coronella laevis, 
dem Nordwestharz, wohl aus localeu Ursachen, zu fehlen 
scheint. Diese Uebereinstimmung macht sich namentlich 
auch bei den Anuren geltend, nicht nur was die Arten, 
sondern auch was ihre Häufigkeit anbelangt. So beachte 
man das Vorwiegen des Alyics bei Grund sowohl als bei 
Eschershausen! Es beweist dies entschieden den innigen 
Zusammenhang des Nordwestharzes und namentlich seines 
Westrandes mit den westlicheren Gegenden in herpeto- 
logischer Hinsicht, wiihrend anderseits die Fauna des Süd- 
ostrandes von Ballenstedt und Blankenburg recht verschieden 
von jener des Westrandes sich darstellt. 

Der Südraiid des Harzes. 

Von W. Wolterstor ff. 

Für den südwestlichen Kand des Gebirges, von Nord- 
hausen bis Osterhagen, liegen nur wenige, aber interessante 
Beobachtungen vor. Leider habe ich selbst diese Gegend 
nur von der Eisenbahn aus, am letzten Tage meiner Herbst- 
reise 1892, auf der Fahrt von Herzberg nach Nordhausen 
kennen gelernt und mich zu spät überzeugt, wie viel die 
reizvolle Landschaft auch dem Zoologen bieten muss. Die 
mir erst später von Goldfuss zugegangene Mittheilung, dass 
die grossen, durch Erdfälle entstandenen Teiche um 
Walkenried und Ellrich der Frösche, vor Allem des grünen 
Wasserfroschs, Bana esculenta, entbehren^), erhöht in meinen 
Augen nur das Interesse an der Fauna dieses Gebietes 
und macht in mir den Wunsch rege, dieselbe später ein- 
gehend untersuchen zu können. Einstweilen sei den Zoologen, 



*) Doch beachte Amnerkunfj^ p. 97 



— 95 — 

•welche jene Gegend bereisen, das Studium auch ihrer 
Kriechthiere und Lurche dringend ans Herz gelegt! 

Was der Landschaft ihren eigenartigen Charakter ver- 
leiht, ist nicht der Gegensatz zwischen dem rauhen Gebirgs- 
land der Hochfläche und den fruchtbaren Gefilden der 
Niederung, es sind die weithin leuchtenden Gypsfelsen, die 
ruinenartigen Dolomitberge und zwischen ihnen die blin- 
kenden Wasserspiegel zahlloser Gewässer. — Statt des 
ausgedehnten Tannenforstes des Oberharzes finden wir 
hier nur kleine, überall verstreute Laubwaldungen. 

Diese pittoreske Ausbildung des Gebirgsrandes wird 
durch die mächtige Entwicklung des Zechsteins und 
namentlich seiner Gypseinlagerungen zwischem dem Tyra- 
thal und Scharzfeld bedingt. Auf dieser ganzen Strecke 
ist ein Complex von Gyps und Dolomit durchschnittlich 
«ine halbe Meile (3—4 km) breit dem Harz vorgelagert. 
Da der ursprünglich ununterbrochene Zug bei der leichten 
Löslichkeit des G37)ses allenthalben von den Gewässern 
über und unter Tage durchnagt und unterwaschen ist, so 
entstanden die isolirten Bergstöcke des Kohnsteins (900' = 
339 m) und Sachsensteins (800' = 301 m) und bildeten 
sich, durch Einsturz unterirdischer Gypsschlotten, die meist 
mit Wasser gefüllten Erdfälle, von welchen die erwähnten 
Teiche um Walkenried die bedeutendsten sind.^) üeber 
dem Zechstein erheben sich am Gebirge das Rothliegende 
und die hercynischen Schichten, im Süden sind Buntsand- 
stein und Alluvium, mit einförmiger Gestaltung des Ge- 
ländes, abgelagert. 

Die Meereshöhe des hier betrachteten Gebiets ist nicht 
sehr bedeutend, sie steigt von 500' = 188 m (Thalaue bei 
Nordhausen) auf selten über 6—700' = 225 bis 264 m 



*) Durch den Einsturz unterirdischer Höhlen im Gyps oder Stein- 
salz des Zechsteins sind auch anderorts häufig Wasserbecken ent- 
standen. Ich erinnere nur an die jetzt viel genannten Mansfelder 
Seen und den Salzunger See in Thüringen ! 



— 90 — 

im Buntsandsteingebiet; Gyps und Zechsteindolomit erheben 
sich auf 8—900' = 300 bis 340 m, nur die rothliegenden 
Schichten steigen bis über 1500' = 565 m und überragen 
noch die mittlere Höhe der Hercynschichten. Insbesondere 
liegen die grossen Teiche um Walkenried und Ellrich im 
Durchschnitt nur 700' = 264 m hoch; eine Beeinflussung 
der Fauna durch Höhenlage und allgemeine klimatische 
Verhältnisse wie im Oberharz ist danach ausgeschlossen. 

In diesem Gebiet wurden beobachtet:^) 

Lacerta vivipara. Am Südrand des Harzes, namentlich 
hei Nordhausen, keine Seltenheit, so auf dem bewaldeten 
Geiersberg bei Nordhausen (W. Ebeling, mündl. Mitteil.). 2) 

Ängiiis fragilis. Bei Nordhausen in den südlichen 
Vorbergen des Harzes (Petry, in E. S., Fauna). Bei 
Sachsa, in den Thälern um den Katzenstein, ziemlich häufig 
(A. Goldfuss). 

Coronella laevis. Südliche Vorberge des Harzes hei 
Nordhausen (Petry, in E. S.). Bei llfeld häutiger als 
Vijpera (Anonymus, in Blum, Fragebogenmaterial). 

Vipera lerus. In den südlichen Vorbergen des Harzes, 
z. B. Alter Stolberg bei Steigerthal, Steinherge bei Buchholz 
u. A. (Petry, in E. S.) Am Südabhang der Gypsherge 
bei Crimderode und Ellrich, sowie am Kohnstein von Best- 
horn gefangen, auch von Walkenried erhalten. Im Ilfelder 
Thal wurde auf hercynischer Grauwacke ein grosses $ ge- 
fangen (Besthorn, in Blum). „Fundorte z. B. eine kahle 
mit wenig Buschwerk bestandene Höhe oberhalb des Grau- 
wackensteinbruchs im Teichthal, Bez. Birkmoor" (Anony- 
mus, in Blum, Fragebogenmaterial). Das Teichthal liegt 
nach der Generalstabskarte 5 km nordöstlich llfeld in etwa 
1400' = 527 m Höhe. 



') Bei dem Mangel an abgeschlossenen Localfauncn sah ich dies- 
mal von der Aufzählung der Bewohner jeden Fundorts ab ! 

2) Petry, in E. Schulze, Keptilia, erwähnt sie von Nordhausen 
allerdings nicht. 



— 97 — 

Rana escidenta typica. Die grossen Teiche um Walken- 
ried und Ellrich, 700' = 264 m hoch gelegen, ent- 
halten den Teichfrosch nach 0. und A.Goldfuss nicht; „jeden- 
falls wird ihm das kalte, gypshaltige Wasser nicht zusagen". 
Dass Bana escidenta hier niemals gelebt hat oder doch schon 
längst wieder verschwunden ist, beweist folgende Sage, 
deren Kenntniss ich mündlicher Mittheilung des Herrn 
0. Goldfuss verdanke: Als einmal die Walkenrieder Mönche 
eine Procession veranstalteten und zwischen den Teichen 
hindurchzogen, tibertönte der Lärm quakender Frösche den 
Chorgesang. Da sprach der Abt voll Zornes : Seid ver- 
flucht zu ewigem Schweigen ! Und zur Stunde verstummten 
die Frösche. — Aus dieser Sage, welche ich in der Litteratur 
(z. B. Pröhle, Harzsagen; Günther, Harz; Günther, 
Harzsagen) nicht gefunden habe, geht auch hervor, wie 
selbst dem Volk das Fehlen der Frösche, vor Allem des 
grünen Wasserfrosches, der sich dem Ohr noch mehr be- 
merkbar macht wie dem Auge , bei Walkenried auf- 
fallen ist. — 

Wie aber viele andre grosse, durch Erdfälle entstandene 
Teiche der Gegend, z. B. mehrere Teiche um Ellrich, bei 
Hochstedt (Seeloch) , Niedersachswerfen (Rüsselsee) zur 
Fischzucht sich verwerthen Hessen, so kann es in der 
Gegend auch nicht an Gewässern, namentlich kleineren und 
seichten, fehlen, welche auch dem gegen Kälte empfindlichen 
Teichfrosch zusagen werden.^) 

Rana teniporaria. Häufig in den Thälern um den 
Katzenstein bei Sachsa (Goldfuss). 



1) Während der Correctur theilt mir jedoch W. Henneberg 
mit, dass er am 20. Mai 1893 gerade in den Walkenrieder Teichen 
am Bahnhof und ferner zwischen Walkenried und Sachsa Bena escu- 
lenta typica zahlreich gesehen und gehört hat. Vermuthlich hat 
Goldfuss s. Z. die Teiche bei ungünstiger Witterung besucht und 
daher die Art nicht gefunden. Trotzdem mag der Teichfrosch, der 
Sage entsprechend, zeitweise verschwunden sein und erst neuerdings 
sich wieder angesiedelt haben. 

7 



— 98 — 

Bomhinator ]}cichypus wird nur einmal, mit Zweifel, nach 
der Stimme von E. Schulze (briefliche Mittheilung und 
Fauna saxo-thuringica) von den Teichen am Himmelreich 
bei Walkenried angegeben; aber sollte es sich nicht auch 
hier um Ahjtcs handeln? 

Alytes obstetricans. Das Vorkommen der Geburts- 
helferkröte wird schon 1841 von dem — freilich nicht ganz 
zuverlässigen — Rimrod für den Hoheustein bei Nord- 
hausen (V2 St. nördlich vom Zechsteincomplex entfernt, 
auf Porphyrit des Rothliegenden; Höhe ca. 1000' = 376 m, 
angegeben, ferner hat Dr. Elster, in den sechziger Jahren, 
bei Stöckej nahe Mackenrode bei Walkenried, mehrere 
Exemplare von Alytes gesammelt. Ein Exemplar davon 
befindet sich jetzt im Zoologischen Museum des Poly- 
technicums Braunschweig. (Briefl. Mittheilung von G e i t e 1 , 
Wolfenbüttel.) 1) Stöckey liegt ^/^ Stunde südlich vom Zech- 
steinzug auf Buntsandsteinboden (Höhe 6 — 700' = 226 — 
264 m), doch noch im Gebiet der Erdfälle. Realschullehrer 
Dr. Voigt- Leipzig hat Alytes in der Gegend 1874 eben- 
falls beobachtet. „Es war schon nahezu Nacht, als wir am 
Himmelberg westlich Niedersachswerfen aus einiger Ent- 
fernung kurz angeschlagene fast glockenhelle Töne in ziem- 
licher Anzahl hörten, so dass wir im ersten Augenblick an 
ferne Herdenglocken erinnert wurden. Doch erkannten wir 
bei genauem Aufhorchen, dass es sich um die Stimme 
eines Amphibiums handeln müsste, nur hatten wir keine 
Ahnung, was es sein könnte, und zum Nachforschen war 
es zu finster.'^ Jetzt, nach 18 Jahren, hat Dr. Voigt jene 
Töne bei Salzungen in Thüringen wieder erkannt und 
diesmal den Urheber, ein 5 der Geburtshelferkröte mit 
Eierschnüren, erbeutet, damit findet auch die frühere Be- 
obachtung ihre Erklärung. 2) In gleicher Gegend hat auch 

^) Dieser Fund ist bereits von Nehring in „Einige Mitthei- 
lungen" erwähnt. 

*) Voigt, Sitzungsberichte der Naturforschenden Ges. Leipzig. 
1892/93, pg. 12, Wolterstorf f, Zool. Anz. 1893, No. 418. 



— 99 — 

Dr. Petry den Ähjfes gehurt, ,,an einem Abhang zwischen 
dem Dorf Crimderode und Niedersachswerfen, näher dem 
letzteren Ort".^) Auch bei Walkenried muss Ähjtes vor- 
kommen, denn F. Könnicke-Bremen hat (nach brieflicher 
Mittheilung) die glockenhellen Töne am Puntelteich am 
Himmelreich gehört. Obwohl aus der ganzen Gegend erst 
ein Fund durch Belege erhärtet ist, unterliegt es für mich 
keinem Zweifel, dass die Geburtshelferkröte in dieser Gegend 
häufig ist; es wäre nur zu wünschen, dass ähnliche 
zusammenhängende, gewissenhafte Untersuchungen, wie .7u 
Grund von P. Krefft, auch hier angestellt würden, um 
alle Verhältnisse klar zu legen. Auch die Frage bliebe 
noch zu lösen, ob der Ähjtes erst neuerdings in der Gegend 
eingewandert oder von Alters her einheimisch ist. Obwohl 
das Auftreten erst seit 1842 festgestellt ist, möchte ich 
doch die Ansicht nicht unterdrücken, dass vielleicht manche 
Sage, mancher Name von verschollenen Glocken und Kirchen 
dem eigenthümlichen Laut unseres dem Volke unbekannten 
Thieres den Ursprung verdankt, wodurch das Vorkommen 
schon vor langer Zeit wahrscheinlich gemacht wurde. 2) 

Sälamandra maculosa. Bei Saehsa namentlich in den 
Thälern um den Katzenstein und hier wieder in grösster 
Menge im Kuckhansthal. A. Goldfuss. 

Ueber Trojndonotus natrlx, Lacerta agilis, die Bufonen 
und Tritonen liegen überhaupt noch keine Mittheilungen 
vor. Unsere Liste ist daher noch sehr unvollständig und 



1) Petry, Mittheil. Ver. Erdk. Halle a. S. 1891. pg. 186, und 
E. Schulze, Fauua. 

2) Die Stelle, von welcher Petry die Glockentöne angiebt, 
könnte der „Glockenstein" der Generalstabskarte sein. Freilich Hesse 
sich nach Günther in „Harzsagen" (nur dies Werk und Günther, 
der Harz, stehen mir für Harzsage z. Zt. zu Gebote) der Name auch 
auf den Fund einer Glocke auf dem „Kirchberg" (welchen ich auf 
der Generalstabskarte nicht finde), der mit dem Glockenstein identisch 
sein könnte, zurückführen. — Für ein weiteres Eingehen auf diese 
Frage ist hier nicht der Ort. 

7* 



— 100 — 

sei hier nochmals ausdrücklich auf ihre Ergänzung hin- 
gewiesen, da die bereits zu unserer Kenntniss gelangten 
Beobachtungen weitere, für die Erforschung der geographischen 
Beziehungen unserer Lurche werthvoUe Resultate erhoffen 
lassen. Das Vorkommen von Tieflandsformen hier, an den 
Quellen kleiner Gebirgsflüsse und fern von der norddeutschen 
Ebene ist nicht wahrscheinlich, wenn auch dieses oder 
jenes Thier bis in die goldene Aue bei Nordhausen vor- 
gedrungen sein mag. 

TJebersicht der Harzfauna. 

In dem ganzen Gebiete des Harzes gelangten hiernach 
sicher zur Beobachtung : ^) 

Lacerta agilis. Sangerhausen, Blankenburg, besonders 
Regenstein, Teufelsmauer. Geht dem Massiv des Harzes 
ab, auch am Rande nicht immer zu finden. 

Lacerta vivipara. Ueberall: Selkeplateau, Gernrode und 
Thale, Blankenburg, Wernigerode, Ilsenburg, Harzburg, 
Goslar, Oberharz, Brocken, Grund, Nordhausen. 

Änguis fragiUs. Ueberall: Selkeplateau, Gernrode 
und Thale, Blankenburg, Wernigerode, Ilsenburg, Harzburg, 
Oberharz, Nordhausen. 

CoroneUa laevis. Sangerhausen, Selkeplateau, Gern- 
rode, Blankenburg, Regenstein, Ilfeld, Nordhausen. Bisher 
erst im südöstlichen und südwestlichen Theile nachgewiesen. 
Ihre Verbreitung ist noch näher festzustellen. 

Tropidonotus natrix. Selkethal, Bodethal, Blanken- 
burg, Grund (versprengt), Kammschlacken. Jedenfalls 
weiter verbreitet, aber kaum häufig. 

Vipera berus. Sangerhausen, Wippra und auf dem 
ganzen Selkeplateau, Gernrode und Thale, Wernigerode, 
Harzburg, Goslar, um Klausthal, Bruchberg, Seesen, EUrich, 
Walkenried, Ilfeld(-Birkenmoor), Crimderode, auf den Vor- 



^) Nur die Ortschaften und einzelne wichtige Fundorte fanden 
hier Aufnahme. 



— 101 — 

bergen des Harzes bei Nordhausen, üeberall vorkommend, 
nur am Brocken und in der nächsten Umgebung von 
Blankenburg und Grund vermisst. 

Rana escuknfa typica. Um Neudorf und Harzgerode, 
?Kaltethal bei Gernrode, ? Blankenburg, Goslar, Seesen, 
Gittelde. Am Harzrand gewiss allgemein verbreitet, auf 
der Höhe erst im südöstlichen Theil nachgewiesen. 

Bana esculenta ridihmda. Mönkmühlenteich bei Michael- 
stein, vor dem Gebirge. 

Rana temporaria. Üeberall, meist sehr gemein. 

Bufo vulgaris. Üeberall, Selkeplateau, Gernrode, Blan- 
kenburg, Oker, um Klausthal, Goslar, Innerstethal, Grund. 

Bufo viridis. Südöstlicher Harz: Quenstädt, Bailen- 
stedt, Blankenburg. 

Bufo calamita. Nord- und Westrand, Goslar, Innerste- 
thal, „am Oberharz", Grund, Badenhausen, Osterode. 

Hijla arhorea. Üeberall, z. B. Quenstädt, Neudorf, 
Gernrode, Blankenburg, Harzburg, Oker, Goslar, Klausthal, 
Grund. 

Felohates fiiscus. Blankenburg, am Gebirgsrand. 

Bonibinator pachypus. Im nordwestlichen Harz am 
Band und in den Thälern verbreitet: Oker, Goslar, Innerste- 
thal, Sieberthal. Für das übrige Gebiet fehlen zuverlässige 
Angaben aus neuerer Zeit. 

Ahjtes ohstetricans. Am West- und Südwestrand ver- 
breitet. Münchehoff, Grund, jedenfalls auch Kammschlacken 
und Lauterberg, dann Stöckey, um Ellrich und Crimderode, 
Hohenstein bei Nordhausen. 

Salamandra macidosa. Üeberall.^) 

Triton cristatus. Neudorf und Harzgerode, Blanken- 
burg, Goslar, Grund (sehr selten.) 2). Auf dem Plateau nur 



*) Auf die Häufigkeit der gestreiften Form im Harz sei hier 
nochmals hingewiesen ! Bei längerer , sorgfältiger Beobachtung , an 
welcher es bisher fehlte , dürften doch manche ziemlich constante 
Spielarten in den Thälern sich feststellen lassen. 

2) E. Schulzes Angabe „im Harz häufig" entbehrt der Begründung. 



— 102 — 

im südöstlichen Theil, mit Rana csciil typ., angetroffen, 
sonst nur am Gebirgsrand, wahrscheinlicli auch in einzelnen 
Thillern. 

Triton alpestris. üeberall. 

Triton taeniatus. Selkeplateau , besonders bei Harz- 
gerode; Blankenburg, Wernigerode, Goslar, um Klausthal, 
Grund. 

Triton pdlmatus. Im Gebirge in waldreicher Gegend 
überall gemein. Wippra, Selkeplateau und Selkethal, 
Ballenstedt, Gernrode, Blankenburg, Wernigerode, Oker, 
Goslar, Bockswiese und Dammhaus bei Klausthal, Grund, 
Lauterberg. 

Wie schon oben erwähnt, sind wir über viele Theile 
des Harzes noch nicht genügend unterrichtet, so sorgfältig 
auch manche Orte auf ihre Thierwelt untersucht wurden. 
Die Verbreitung mehrerer Arten ist ebenfalls ganz unvoll- 
kommen bekannt, und ist es daher, bei der mannichfaltigen 
Beschaffenheit der einzelnen Striche und dem Charakter des 
Gebirges als Grenzscheide zwischen Ost und West noch 
nicht möglich, jetzt schon ein klares Bild der Formen des 
Harzes in ihrer Gesammtheit zu geben. 

Von den 21 im Harz beobachteten Formen sind zwei, 
Pelohates fiiscus und Rana esculenta ridihunda, die Tief- 
landsformen, bisher nur in der Blaukenburger Gegend, am 
Gebirgsrand, nachgewiesen, Bufo viridis ist vorläufig nur 
aus dem Südosten bekannt. Die übrigen 18 Arten kehren 
sämmtlich auch im Wesergebirge, bei Eschershausen und 
Hameln, wieder. — Charakteristisch für den Harz, d. h. 
den Vorlanden im Süden, Osten und Norden fehlend, aber 
im Gebirge überall vorkommend, ist nur Triton palmatus. 
Lacerta vivipara, Anguis fragiUs , Vipcra herus , Rana 
temporaria, Bufo vulgaris, HyJa arhorea, Salamandra macu- 
losa, Triton alp)estris und taeniatus fehlen zwar ebenfalls 
fast nirgends, finden sich aber auch in den Vorlanden. 
Ahjtes obstetricans beschränkt sich auf den Westen und 



lOi 



Südwesten, die übrigen Arten sind bisher nur aus einzelnen 
Gegenden bekannt und fehlen manchen Strichen entschieden, 
wie schon bei Betrachtung der einzelnen Theile aus- 
einandergesetzt wurde. 

Die nördlichen und östlichen Vorlande 
des Harzes. 

Einleitung. 
Von W. Wolterstorff. 

Dem Harz vorgelagert breitet sich zwischen Eisleben 
und Braunschweig „das nördliche Harzvorland", Penck's, 
der östliche Antheil des subhercynischen Hügellandes des 
gleichen Autors i) aus. Wechselvoll ist das Gepräge der 
Landschaft, Hier weit ausgedehnte, in hoher Cultur stehende 
Eüben- und Weizenfelder, dort feuchte Moräste. Mit dürren 
Sandregionen, aus denen hier und dort schroffe Felsen 
emporragen, wechseln üppige Buchenwaldungen ab. Mannig- 
faltig, wie in wenigen Gegenden Deutschlands, ist hier auch 
die geologische Schichtenfolge entwickelt; fehlen auch die 
älteren Formationen mit Ausnahme des Zechstein, so haben 
doch fast alle Glieder der mesozoischen Formationen am 
Aufbau der Gegend sich betheiligt. Zahlreiche Dislocationen 
haben die Schichten verschoben, vieles hat auch die Erosion 
wieder fortgeführt oder ist von Tertiär und noch später 
von Diluvium überdeckt; doch noch immer heben die 
Gesteine des Halberstadt -Quedlinburger Quadersandstein- 
zuges, die zahlreichen Muschelkalkrücken, die schon früher 
erwähnten Jurakalksteine nördlich von Goslar sich schroff 
von der Ebene ab. 

In der Gegend von Halberstadt und Egeln, welche wie 
die ganze „Börde" bei ihrer ebenen Beschaffenheit und dem 
fruchtbaren Lehmboden von Alters her für die Cultur be- 



1) Penck, das deutsche Eeich, pag. 301 ff. 



— 104 — 

sonders günstige Bedingungen darbot, sind die Waldungen, 
die Brucliflächen längst verschwunden, die Landschaft hat 
ein industrielles Gepräge ^) erhalten. Es kann uns daher 
nicht befremden, wenn hier die Faunen scharf sich absondern, 
manche „Gebirgsform", manche waldliebende Art, welche im 
Norden, in der Braunschweiger Gegend, unter dem Schutz 
der Wälder und Brüche weit ins Hügelland sich ertreckt, 
am Harzrand schon bei Blankenburg Halt macht. So sind 
von Reptilien nur einige Formen, welche trockene Wärme 
vorziehen, auf den schroffen, dem Anbau spottenden Fels- 
klippen um Halberstadt häufig. 

Die Höhenzüge zwischen Nebra und Eislehen. 

Die weitere Umgebung Eislebens ist durch den allmäh- 
lichen Uebergang der letzten, 900 Dec.-Fuss = 340 m über- 
schreitenden Ausläufer des Harzes im engeren Sinn, z. B. 
am Blankenhainer Tunnel, in die wellige Hügellandschaft 
um Halle ausgezeichnet. Die durchschnittlich von 500 — 800 
Dec.-Fuss = 190 — 300 m ansteigende Landschaft, deren 
Untergrund grossentheils der Zechstein (mit dem Kupfer- 
schiefer) und der überlagernde Buntsandstein bilden, entbehrt 
nicht des landschaftlichen Reizes. Zu tief eingeschnittenen 
Schluchten gesellen sich zahlreiche kleinere Waldungen, welche 
sich nach Süden bis Nebra an der ünstrut fortsetzen. Das 
Gelände von Eisleben und Nebra bis zur Saale ist dagegen 
fast völlig unbewaldet, bis auf die Dölauer Heide, und seine 
Kriechthierfauna (welche mir von Halle vollständig, vom 
Salzigen und Süssen See zur Genüge bekannt ist) trägt im 
Ganzen den Charakter der Tiefebene. Ich sehe von einer 
eingehenderen Behandlung desselben an dieser Stelle um 
so mehr ab, als ich meinen früheren Angaben 2) nichts 
Wesentliches hinzufügen könnte. — Ueber die Reptilien und 
Amphibien der Gegend von Eisleben liegen mir nur die 



1) Penck, I. c, pag. 391. 

2^ Vorläufiges Verzeichniss der Reptilien und Amphibien der 
Provinz Sachsen. 



— 105 — 

folgenden, leider nicht zum Abschluss gelangten Beobachtungen 
meines Freundes Dr. J. B 1 a u e - Wolferode aus dem Jahr 
1888 vor: 

Änguis fragüis. Bei Wolferode (Dorf südwestlich Eis- 
leben) häufig. 

Tropidonotus nafrix wurde von Dr. Blaue nicht selbst 
beobachtet, scheint aber nach verbürgten Mittheilungen doch 
ab und zu vorzukommen. 

Ba7ia esculenta. Im „Wasserloch" bei Wolferode, einem 
frei im Felde gelegenen, schwer zugänglichen Sumpf. Scheu, 
nicht häufig, schwer zu fangen, daher war die Varietät nicht 
zu ermitteln. Jetzt selten geworden, war früher in kleinen 
Teichen im Ort selbst vorhanden. Im Sittichenbacher und 
Osterhäuser Teich — l^g Meile südlich Eisleben — ist der 
Teichfrosch häufiger. 

Rana tem2)oraria. Wolferode. Mehrfach untersucht. 
B. arvalis nicht darunter gefunden. 

Hyla arhorea. Wolferode. Im Sommer oft in Getreide- 
feldern. 

Triton cristatus. Steckendorfer Grund bei Wolferode. 

Triton taeniatus. dito. 

Triton al2)esfris. dito. 

Ueber diese 3 Arten berichtet mir Dr. Blaue unter 
dem 27. 4. 1888, gelegentlich der Uebersendung von Beleg- 
stücken (B. M. ), dass er Kammmolch und Streifeumolch 
in diesem Jahr im Steckendorfer Grund sehr zahlreich 
beobachtet habe , von Triton alpestris wurden dagegen 
nur 8 Stück erbeutet. Die Art muss hier selten sein und 
als vorgeschobener Posten der Harz -Fauna betrachtet 
werden, ist aber sicher einheimisch, da auch in der alten, 
aus den Schülerjahren stammenden Sammlung Dr. Blaue's 
die Art sich befand. Triton pahnatus dagegen ward ent- 
schieden vermisst. 



— lOG — 

Auch über das Vorkommen der Unken konnte Dr. Blaue 
trotz besonderer Aufmerksamkeit nichts in Erfahrung bringen. 
Ueber die Gattungen Laecrta, Bufo u. a. enthalten die Auf- 
zeichnungen desselben leider keine Angaben. 



Blum's Kreuzotterwerk entnehme ich noch folgende 
Angaben des Gymnasiallehrers Otto in Eisleben vom 
24. Mai 1886: Vq^era herus findet sich öfter in der weitern 
Umgebung Eislebens bei Hergisdorf und Rothenschirmbach. 
Bei Hergisdorf ist sie in Tietzens Holz, 1 Stunde nordwestl. 
Eisleben, einem Gebüsch von Eichengestrüpp auf trockenem 
Buntsandsteinboden am Abhang und auf der Höhe des 
Kliebischthals (6 — 700' Höhe) festgestellt (das Gymnasium 
erhielt das Belegstück!), ferner wurde sie an der Quelle des 
Kliebisch, dem Kranichbrunnen, einer sumpfigen Wiese im 
Walde auf Rothliegendem (800 ' hoch) gefunden. ^) Bei 
Rothenschirmbach, 2 Stunden südlich Eisleben, kommt die 
Kreuzotter im Hochwald, in und bei einem Buntsandstein- 
bruch (600' hoch) gleichfalls öfter vor. 

Anhangsweise mögen hier noch einige Mittheilungen 
über die Gegend von Ziegelroda, Nebra und Artern folgen, 
obwohl sie eigentlich nicht mehr zu den Vorlanden des 
Harzes gehört. 

Tropidonotus natrix wurde von Klöber (briefl. Mittheil.) 
an der St ein kl ob e (Steinklippen) unterhalb Wendelstein 
(Unstrut) beobachtet. 

Vipera herus „soll im Allstedter und Ziegelrodaer 
Forst häufig vorkommen^ Laue, in Blum, die Kreuz- 
otter. Auch mir ist ihr Vorkommen sehr wahrscheinlich 
nach dem Funde bei Rothenschirmbach. 

Von Amphibien fand Gustav Breddin, welcher zu 
Pfingsten 1888 den Forst Ziegelroda besuchte, beim Dorfe 



^) Der Kranichborn scheint schon zum Harz zu gehören ! Weitere 
Angaben Otto's vergl. oben bei Südostharz. W. 



— 107 — 

Ziegelroda (785 Dec.-Fuss = 295 m hoch) in einem kleinen 
Teich Eana esculenta var. typica (das Belegstück, ein 
erwachsenes 5 mittlerer Grösse, mit kräftigem, massig grossem 
Tuberkel und kurzen Hinterbeinen, liegt mir vor), Hyla 
arhorea und Triton taeniatus. (B. M.) 

Bei dem alten Kloster Rossleben (Unstrut) ist Bufo 
viridis, die östlich des Harzes und in Thüringen allgemein 
verbreitete Kröte, von Schreber um die Mitte des vorigen 
Jahrhunderts für Deutschland entdeckt worden.^) 

Bombinator kommt nach A. Goldfuss bei Art er n 
vor, doch konnte Gewährsmann kein Belegstück erlangen, 
die Art ist daher noch zu ermitteln. 

Aschersleben: Pelobates fuscus wurde von Dr. Sma- 
lian in den 70er Jahren in dem Bahndreieck bei Aschers- 
leben, welches bereits ca. 1 Meile von den Ausläufern des 
hercynischen Schiefergebirges bei Quenstedt und Walbeck 
entfernt in waldloser Hügellandschaft liegt, massenhaft er- 
beutet. 

Hoym. Bufo viridis. (E. S., Fauna.) 



vfy 



Qiiedliiil)ur| 

von Kl ob er. 

Die Bode, welche hei Thale (175 m) in die Ebene 
tritt, nimmt von hier bis Neinstedt einen östlichen Lauf, 
und fliesst dann in nordöstlicher Kichtung an Wedders- 
ieben, Quedlinburg (121 m), Ditfurt vorüber bis Eodersdorf, 
von wo sie einen nördlichen Lauf einschlägt. Sie fliesst 
auf Alluvialboden, so dass sich' auf der Strecke von Thale 
bis Ditfurt bald links, bald rechts Wiesen und Tümpel 
befinden, auf und in denen mir nur Bana esculenta und 
temporaria vorgekommen sind. 

Diese Thalebene wird links von suhhercynischem 
Senonquader, Salzberggestein, Pläner, Lias und Neocom, 



Leydig, anure Batrachier, pag. 35. 



108 



rechts von Lehm und Sand mit Gerollen, sowie Pläner und 
Keuper begrenzt. 

Südwestlich, unmittelbar an Quedlinburg anlehnend, 
befindet sich ein Lusthulzchen, „der Brühl" genannt, an 
dessen östlichem Kande sich einige Tümpel befinden, die 
von der Brühlwiese begrenzt werden und deren Wasser- 
menge von der in der Nähe fliessenden Bode abhängt. In diesen 
finden sich jetzt noch R. temporaria und Triton cristatus Laur. 

Westlich von Quedlinburg befindet sich an der Stadt 
der Strohberg, welcher theils mit Akazien, theils mit 
jungen Kiefern bewachsen ist; hier kommt Lacerta agilis vor. 

In geringer Entfernung davon erhebt sich die Alten- 
burg (227 m), ein nach Südwesten ziehender Bergrücken, 
der um den Thurm herum zumeist mit Birken, weiterhin mit 
Kiefern bewaldet ist. Auf dem Berge befinden sich eben- 
falls Tümpel mit etwas moorigem Untergrunde, welche nur 
von Regenwasser gespeist werden. Hier findet man stets 
Rana esculenta, Hyla arhorea, Bombinator igneus sowie 
Triton cristatus. Biifo viridis Laur. habe ich 1890 am 
Thurme zum letzten Male gesehen. Von Reptilien kommt 
auf der Altenburg, welche sich bis Westerhausen hinzieht, 
Lacerta agilis vor. 

Nordöstlich von der Stadt, am Kleerse und dem sich 
theilenden Mühlgraben findet sich ausser Rana esculenta 
und temjwraria noch Bufo viridis. 

Als zur Umgegend von Quedlinburg gehörig ist auch 
noch das 1^4 Stunde nordwestlich gelegene Steinholz zu 
erwähnen, welches auf seiner Südseite aus Kiefern und im 
übrigen aus Laubholz besteht. Dasselbe liegt auf einem 
Höhenzuge, an den sich die Thekenberge und die Halber- 
städter Steinbrüche anschliessen. An der Warte und hinter 
dem Restaurant habe ich bis zum vorigen Jahre Coronella 
laevis, sowie Lacerta agilis und Ängms fragiUs gefunden. 



— 109 — 

Bei Quedlinburg wurden demnach beobachtet:^) 

Lacerta agilis. Strohberg, Altenburg, Steinholz, 
Eselstall. 

Änguis fragilis. Steinholz. 

Coronella laevis. Steinholz, 

Rana esculenta.^) Auf Wiesen und Tümpeln an der 
Bode, am Kleerse und auf der Altenburg. 

Bana temjjoraria. Auf Wiesen und Tümpeln an dei 
Bode, am Brühl und am Kleerse, 

Bufo vulgaris. Ueberall. (E- S.) 

Bufo viridis. Thurm auf der Altenburg und am 
Kleerse. 

Bufo cdlamita. Altenburg. (E. S.) 

Hyla arhorea. Auf der Altenburg. 

Pelohates fuscus. Auf der Altenburg, am Kleerse und 
anderwärts. (E. S.) 

Bomhinafor igneus. Im April 1891 nach brieflicher 
MittheilungE. Schulz es zahlreich gefangen. (W.) Auf der 
Altenburg. (Auch von E. S. mitgetheilt. B. M.) 

Triton cristatus. Brühl und Altenburg. 

Triton taeniatus. Altenburg. (E. S.) 

Quedlinburg, Februar 1893. 

Langenstein. Am Hoppelberg bei Langenstein 
(Halberstadt), einem bewaldeten Sandsteinrücken, findet sich 
Lacerta agilis (Kl.) und Coronella laevis (E. S.). Ueber 
den Regenstein und die Teufelsmauer vergl. oben 
Blankenburg. 

Kochsted t. Im Hackel, einem bewaldeten Muschel- 
kalkhügel, beobachtete P. Br eddin Änguis fragilis. Das 
Vorkommen der Kreuzotter hier wird von Ebeling ent- 
schieden in Abrede gestellt. 



1) Vergleiche auch Wo'Uerstorff , vorläufiges Verzeichniss, 
und E. Schulze, Fauna. W. 

*) Varietät von mir noch nicht untersucht. Doch giebt 
E. Schulze nur typica an, W. 



— 110 — 

Egeln (und das untere Bodethal). Obwohl dieses 
Städtchen schon ganz zur Ebene gehört und ausserhalb der 
angenommenen Grenze liegt, möge es hier Erwähnung finden, 
da das ausgedehnte Bodethal von Stassfurt bis Oschersleben 
mit seinen zahlreichen Altwässern und in Verbindung mit 
dem grossen Bruchgraben vielleicht den Weg andeutet, 
welchen manche Tieflandsformen genommen, um den Harz- 
rand zu erreichen. Einstweilen beschränkt sich unsere 
Kenntniss dieser Gegend allerdings auf das Vorkommen 
von Rana esculenta ridibimda, Rana teniporaria und Bufo 
vulgaris, welche Arten ich im August 1891 auf zwei geologi- 
schen Excursionen nach Wolmirsieben in den Anwiesen und 
Wäldchen dicht unterhalb Egeln, welche im Kleinen das 
Bild des Elbthals bei Magdeburg wiedergeben, fing. Bana 
temporar ia war in alten und jungen Thieren sehr zahlreich, 
B. esc. ridibunda und Bufo vidgaris wurden nur in einigen 
jungen Thieren bemerkt. B. arvalis wurde vermisst. 

W. Wolterstorff. 

Wasserleben, ein Dorf an der Ilse, an der Bahn 
Halberstadt -Vienenburg, liegt ungefähr in der Mitte der 
weiten Ebene zwischen dem Harz und Huy. Bana escidenta 
ridibunda wurde in einem grossen Teich im Park des Amts- 
raths Henneberg mehrfach gefangen. Bana temporaria ist 
überall sehr häufig, B. arvalis scheint — auch hier — zu 
fehlen. In dem naheliegenden Holz, dem sogenannten „Bau", 
sind Lacerta vivipara und Änguis fragiUs häufig. 

W. Henneberg. 

Huywald. Der Muschelkalkrücken des Huy bei Halber- 
stadt ist mit prächtigem Buchenwaid bestanden. Hier ist 
Vipera herus ziemlich häufig, wie Ebeling, Pieper, 
M. Schmidt in Blum's Kreuzotterwerk übereinstimmend 
melden. Nach M.Schmidt ist hier ferner Coronella laevis 
häufig. 



— 111 — 

Der Fallstein schliesst sich nach Nordwest an den 
Huy an, er wird ebenfalls von Muschelkalk gebildet. Auf 
dem bewaldeten grossen Fallstein ist Vipera herus nach 
Hahn, Henneberg, Prof. Hertz er u.A. gleichfalls nicht 
selten, wie am Huy sind mehrere Fälle von Verletzungen 
bekannt geworden. 

Pabstdorf. JBufo viridis im Aderstedter Busch be- 
obachtet. Grrabowsky (in Schulze, Fauna saxonica). 

Homburg. Von Homburg unterm Fallstein, am Be- 
ginn des grossen Bruchgrabens gelegen, erhielt Nehring^) 
ein Exemplar von Pelobates fuscus. 

Schiaden. Lacerta vivipara, Bufo viridis, calamita. 
V. V. Koch. 2) 

Bei Liebenburg, nördlich von Goslar in bewaldeter, 
hügeliger Gegend, fand V. v. Koch Lacerta vivipara, Anguis 
fragilis, Vipera herus an den Bärenkopfen, ferner Triton 
cristatus, taeniatus und aJpestris. Vipera herus wurde auch 
am Komthurkreuz bei Weddingen beobachtet. 

Am Harlj'berg bei Vienenburg, nördlich von Harz- 
burg, finden sich Lacerta vivixmra, Anguis fragilis, Vipera 
herus, Triton alpestris^). 



*) Nehring, einige Notizen. 

^) V. V. Koch, in E. Schulze, Fauna Saxonica, Keptilia, 
Amphibia. 



— 112 — 

Das brauDschweigische Hügelland im 
Norden des Harzes. 

Die Oegend von Braun sclivreigr, Scliöningen u. Helmstedt. 

Bearbeitet von E. Gruse, H. Kloos und P. Krefft. 



Einleitung. 

Die topographisch -geologischen Yerhältnisse 

des Grehietes. 

Von Dr. J. H. Kl oos-Braunsch weig. 

Die Gegend, deren Reptilien- und Amphibienfauna im 
Nachfolgenden geschildert wird, gehört grösstentheils zu dem 
sich zwischen dem Harz und der norddeutschen Ebene aus- 
dehnenden Hügel- oder Hochland. Von dieser in geolo- 
gischer Hinsicht so äusserst mannigfaltig gestalteten Zone 
kommt hier jedoch nur das nördlichste, etwa 20 Kilometer 
messende Gebiet in Betracht, indem der südliche Theil 
bereits oben in „die nördlichen und östlichen Vorlande des 
Harzes" skizzirt worden ist. In ostwestlicher Richtung 
ist dasselbe eingeschlossen zwischen der Aller einerseits, 
der Aue, Erse und Fuse andererseits, besitzt daher eine 
Länge von etwa 60 Kilometern. Hydrographisch gehört 
dieser Ländercomplex gänzlich zum Allergebiete, da die 
letztgenannten Wasserläufe sich in die Aller ergiessen. 
Ausserdem durchquert die Oker, der bedeutendste Neben- 
fluss der Aller, das Gebiet von Süd nach Nord. 

Nur im äussersten nordwestlichen Theile greift nörd- 
lich von der Stadt Braunschweig das bereits zur nord- 
deutschen Ebene gehörende Tiefland ein und trägt sowohl 
nach seiner geologischen Beschaffenheit als in Folge seiner 
Vegetation den Charakter der Heide. 

Politisch gehört die Gegend fast ausschliesslich zum 
Herzogthum Braunschweig. Im Osten erstrecken sich einzelne 



— 113 — 

Theile der Provinz Sachsen, im Norden solche der Provinz 
Hannover zungenförniig in die höchst unregelmässig ver- 
laufende Begrenzung. 

Die Höhendifferenzen in diesem rund 1450 Quadr.-Kilom, 
umfassenden Theile des nordwestlichen Deutschlands sind 
nicht unbeträchtlich. Der bedeutendste Höhenzug, der 
Elm, ein nur wenig von Wasserläufen durchschnittenes 
Hochplateau, hat etwa 275 m mittlere Meereshöhe und trägt 
noch einzelne 15 bis 25 m höhere Anschwellungen.^) Es 
steigt über das umgebende schwach wellenförmige Hügelland 
um 200 m allseitig langsam empor. Einzelne Kücken, wie 
z. B. der 156 m hohe Ollaberg zwischen Evessen und 
Schöppenstedt, vermitteln den Uebergang. Der Lapp- 
wald dicht an der östlichen Grenze des Gebietes dagegen er- 
reicht nur die mittlere Meereshöhe von etwa 200 m, ohne in den 
einzelnen Terrainfalten 20 m übersteigende Höhendifferenzen 
aufzuweisen. Die übrigen Bodenerhebungen bleiben hinter 
den obengenannten sowohl in ihrer Höhe über der Thalsolile 
als in ihrer Ausdehnung erheblich zurück. Durch ihre 
isolirte Lage noch deutlich hervortretend sind zu nennen 
der Dorm zwischen Lappwald und Elm mit 190 m Meeres- 
huhe und der Elz, welcher in den Schieren bei Kunstedt 
noch etwas höher ansteigt. 

Unserem Gebiet im Süden unmittelbar angrenzend ist 
noch der dem Elm gleichgerichtete, scharf markirte Höhen- 
zug von Asse und Heeseberg zu verzeichnen. Derselbe 
erreicht in seinem nordwestlichen Theile die Höhe von 
220 m, verflacht sich jedoch wie der Elm nach Südost 
und hat bei Jerxheim nur noch etwa 180 m Meereshöhe. 

Im Uebrigen beträgt die absolute Höhe über dem 
Meeresspiegel für das Tiefland im Norden etwa 60 bis 



1) Bezüglich der Meereshöhen sind wir noch immer angewiesen 
aufW. Lachmann. Physiographie des Herzogthums Braunschweig u. s. w. 
Theil I. Nivellement von 1851. Diesem Werke sind auch die Höhen- 
aagaben entlehnt; sie beziehen sich auf die Nordsee. 

8 



— 114 — 

70 m, für das Hügelland im Süden 70 bis 120 m. Die 
grösseren Erhebungen sind diesem welligen Hügellande auf- 
gesetzt oder ragen wie der Dorm am Rande des Tieflandes 
empor. Diese Höhenzüge sind grösstentheils bewaldet und 
zwar herrschen Laubwaldungen, unter diesen wieder Buchen- 
bestände vor. Bekannt ist der herrliche Buchenwald auf 
Elm und Asse. Aber auch das Tief- und Hügelland trägt 
nicht unbedeutende Forsten, ebenfalls zum grösseren Theile 
aus Laubholz bestehend. Daneben treffen wir sowohl in 
der Ebene, wie auf den Höhen, namentlich im Lappwald, 
Fichten- und Kieferbestände, daher die grossen Unterschiede 
in der Bodenbeschafifenheit bereits durch den Mittel- und 
Hochwald angedeutet werden. 

Die von den Höhenzügen sich abwärts bewegenden 
offenen Wasserläufe vereinigen sich in den Bächen, welche 
in westlicher und nördlicher Richtung der Oker und Aller 
zufliessen. Nur in ihrem oberen Lauf haben sie auf kurzer 
Erstreckung ein etwas stärkeres Gefälle; im Allgemeinen 
fliessen sie langsam und mit vielfachen Krümmungen durch 
eine ebene, bei hohem Wasserstand häufig überschwemmte 
Niederung. Daher zeigt die Thalsohle häufig eine breite 
Wiesenfläche und nicht selten ausgedehnte Sumpf- und 
Bruchbildungen, Dergleichen sumpfige Niederungen mit 
reichlichem Moorboden und starker Bildung von Wiesentorf 
und Raseneisenstein sind auch in einem höheren Niveau, 
als unsere jetzigen Flüsse einnehmen, vorhanden, ohne von 
einem natürlichen, offenen Wasserlauf durchflosssen zu 
werden. Sie sind allerdings jetzt grösstentheils der Kultur 
anheimgefallen und werden durch Gräben nach dem nächsten 
Flusse oder Bache entwässert, Ihre Entstehung aber ver- 
danken sie verdeckten Wasserläufen, an welchen die Gegend 
sehr reich ist, sowie der Undurchlässigkeit der nicht tief 
liegenden älteren Schichten. Im Hoch- oder Hügellande 
geben die grossen Niveaudifferenzen in Verbindung mit 
der wechselnden Durchlässigkeit des Bodens Veranlassung 



— 115 — 

zum Austreten zahlreicher Quellen. Letztere speisen häufig 
grössere Ansammlungen von Süsswassei und findet sich 
namentlich in der näheren Umgegend der Landeshauptstadt 
eine grosse Zahl von Teichen, die nach den Bächen hin 
entwässern. Denselben reihen sich theilweise grössere 
Sumpf- und Bruchregionen an, zum Theil auch liegen sie, 
von höheren Ufern eingeschlossen, inmitten der noch im 
Nachstehenden näher zu erwähnenden sandigen Bildungen 
des Diluviums. 

Die ältesten zu Tage tretenden Bildungen unseres 
Gebietes gehören (mit Ausnahme eines beschränkten Zech- 
steinvorkommens bei Thiede) der Triasperiode an. Asse 
und Elm, Dorm, Nussberg und Lindenberg bei Braunschweig 
und Wolfenbüttel bestehen aus den dieser Periode zuge- 
hörigen Gesteinsbildungen. Die bedeutendsten Höhen nimmt 
der Muschelkalk ein, so im Elm und an der Asse. Im 
Innern der Höhenzüge und auf geringeren Anhöhen, wie am 
Nussberg und Lindenberg finden wir die Glieder der Bunt- 
sandsteinformation (Rogenstein, Sandstein, Gyps und Letten) 
entwickelt. Der Lappwald dagegen besteht vorwiegend aus 
dem Sandstein des Räths, des jüngsten Kenpergliedes, und 
des unteren Lias. Der mittlere Keuper findet sich, in Ge- 
stalt bunter Mergel mit schwachen Gypseinlagerungen, viel- 
fach am Fuss der Höhen und in den Thalsohlen. Jura- und 
Kreideformation sind namentlich im westlichen Theil des 
Gebiets entwickelt, sie bilden nur niedrige Höhenzüge, 
Aber ausserordentlich mannigfaltig ist der Wechsel ihrer 
petrographischen Beschafi'enheit; Kalksteine, Kalk- und 
Thonmergel, Thone aller Art, untergeordnet auch Sand- 
steine folgen in raschem Wechsel neben einander, so dass 
bei dem sehr verschiedenen Verhalten dieser Bodenarten in 
Bezug auf die Durchlässigkeit für die Gewässer sich Ober- 
flächenformen und Vegetationsverhältnisse hier auf be- 
schränktem Raum sehr wechselvoll gestalten. — In der 
langgestreckten Einsenkung zwischen Lappwald und Elm ist 

8* 



— 116 — 

die Braunkohlentbrmation (das Oligocän) weit verbreitet, 
aber vielfach vom Diluvium verdeckt und nur in unbe- 
deutenden Erhebungen zu Tage tretend. 

Den grössten Flächenraum, namentlich im Westen und 
Norden des Gebietes, nehmen endlich die Ablagerungen des 
Norddeutschen Diluviums, der Eiszeit, ein und zwar in der 
Gestalt von Blocklehm oder Geschiebemergel (wie er ge- 
nannt wird, wenn der ursprüngliche Kalkgehalt noch nicht 
ausgelaugt ist), von Granden (Kiesen) und geschiebeführen- 
den Sauden, sowie von geschiebefreien Sauden und Lehmen. 
Der grobe, grandige Blocklehm liegt in unserer Gegend 
östlich und westlich der Oker, in isolirten, stark zer- 
schnittenen Plateaus, welche ganz allmählich nach den 
Niederungen abfallen. Sie werden gewöhnlich begrenzt und 
umgeben von einem geschiebefreien Lehm (in welchem der 
Quarzsand nur in mikroskopisch feinem, staubartigen Zu- 
stande vorhanden ist). Der geschiebefreie Lehm besitzt im 
südlichen Theil des Gebietes, zwischen Braunschweig und 
Wolfenbüttel, eine grosse Ausdehnung und füllt hier alle 
Niederungen aus. In ihn haben die Flüsse und Bäche der 
Jetztzeit sich eingeschnitten. Im nördlichen Theil da- 
gegen herrschen Grande und geschiebeführende Sande 
vor. Die jungdiluvialen Thalsande (Heidesande), welche 
durch ihre weite Verbreitung der Gegend nördlich von der 
Stadt Braunschweig ein charakteristisches Gepräge ertheilen, 
ruhen mit einer Mächtigkeit von 15 — 20 m auf den 
altem diluvialen Bildungen, Sie unterliegen noch jetzt 
vielfach einem Windtransport und im Norden der Stadt 
Braunschweig wandert man durch eine Dünenregion, wie 
am Meeresstrande. Im Allgemeinen jedoch breitet sich das 
vom Thalsand gebildete Tiefland eben und einförmig aus, 
während die Oberfläche der Geschiebesande wellenförmig 
gestaltet ist und durch die mehrfachen Anhäufungen 
nordischer Blöcke der Landschaft grössere Abwechselung 
verleiht. Zwischen den einzelnen Terrainwellen trifft man 



117 



öfter Bruch und Sumpf mit Easeneisensteinbildung, da 
diese groben Sande vielfach durch Lehmgehalt und das 
Vorkommen eisenhaltiger Schichten wasserundurchlässig 
werden. 

Diese hochliegenden .Bruchregionen des Diluviums 
haben allerdings nicht die Ausdehnung, welche Sumpf und 
Moor im Gebiete der undurchlässigen Thonschichten, der 
Kreide- und Juraformation, sowie in den Thalniederungen, 
an den Ufern unserer langsam dahinfliessenden Wasserläufe 
besitzen und von welchen schon oben die Rede war. 
Braunschweig und Wolfenbüttel sind auf dem morastigen 
Boden der Flussausbreitungen im Okerthal erbaut worden 
und die Namen mancher Strassen und Stadttheile erinnern 
noch jetzt an die früheren, durch Drainage und Canalisa- 
tion längst trockengelegten Sümpfe. 

Der Elm und Lappwald. 

(Schöiiingeii mit Helmstedt und Weferlingen). 

Von E. C r u s e. 

Der schon oben kurz charakterisirte Elm erstreckt sich 
von Schöningen bis Abbenrode, von Südost nach Nordwest 
ziehend, 22 Kim. lang und nimmt einen Flächenraum von 
110 Quadr.-Klm. ein. Thalbildungen finden sich nur am 
Nordwestende, wo wir das von der Wabe durchflossene 
Reitlingsthal finden, umgeben vom Herzberg (291 m) i), 
Kuxberg, Drakenberg (278 m), Burgberg. Die Wabe 
bildet in diesem Thal 6—7 theils natürliche, theils 
künstlich angelegte grössere Töiche, 174 m hoch gelegen, 
in welchem Fischzucht betrieben wird. Oberhalb Schöningen 
steigt der Elm in der „Elmsburg" nur bis zu einer Höhe 
von 189 m empor. 

Der grössere Theil der am Elm entspringenden Ge- 
wässer fliesst der Oker und mit dieser der Aller zu, während 

^) Die Höhenangaben sind aus K n o 1 1 und B o d e, Heimatskunde 
des Herzogthums Braunschweig, und Lachmann, Physiographie. 



— 118 — 

die am Südwesthang liegenden Quellen, die Missau (Au) und 
Soltau, ihr Wasser dem SchiflFgraben zusenden. 

Der westliche Theil dieses zur Entwässerung des 
„grossen Bruches" im 16. Jahrhundert zwischen Oker (genauer 
Ilse!) und Bode gebauten Verbindungscanais ist jetzt ver- 
schlammt, mit Pflanzengestrüpp durchwachsen, und lässt 
kaum eine Flussrichtung erkennen, während der östliche Theil 
sein Wasser, das er grusstentheils von den Zuflüssen des 
Elmes erhält, der Bode und mit dieser der Saale und Elbe 
zuführt. Mithin ist der Elm eine Wasserscheide zwischen 
Weser und Elbe , eine von Warberg westlich an Gross- 
Dahlum vorbeilaufende Linie bildet diese Grenze. 

Von den, dem Stromgebiet der Weser zufliessenden 
Flüsschen des Elms möge die am Nordrande oberhalb 
Käbke entspringende Schunter mit ihren Zuflüssen genannt 
sein, von letzteren ist die schon oben erwähnte im Eeitlings- 
thale entspringende Wabe der bedeutendste. 

Grössere Teiche finden sich ausser den obengenannten 
im Eeitlingsthale nur bei Langeleben, einem südlich von 
Königslutter mitten im Walde liegenden Dörfchen, und 
zwischen Räbke und Warberg. 

Der Elm fällt nach Südosten, dem Authale zu, sanft 
ab; auf diesem Abhänge, dem üebergange von Berg zur 
Ebene, ist Schöningen erbaut. 

Nordwestlich vom Elme, zwischen Helmstedt und Wefer- 
lingen, zieht der sich nach Nordwesten und Südosten weit 
ausdehnende Lappwald, im „Gehren", die Höhe von 205 m 
erreichend; an den Lappwald reihen sich die ihm nord- 
westlich vorliegenden Weferlinger Wälder: das Haagholz, 
der Riesen etc. Das zwischen diesen Wäldern und dem 
Lappwald liegende Thal durchströmt die Aller, Weferlingen 
berührend und die ihr aus diesem Gebiete zuströmenden 
Bäche und Flüsschen der Weser zuführend. 

Bei einer Wanderung durch den Elm fallen uns die 
vielen trichterförmigen Erdfälle auf, von denen einige eine 



— 119 — 

grosse Tiefe besitzen. Im Frühjahr sind fast alle mit Wasser 
angefüllt, während im Hochsommer viele vollständig aus- 
trocknen. 

Zu letzteren zählen die am Elmrande unweit Schö- 
ningen gelegene „Nesselkuhle" und einige namenlose Ver- 
tiefungen im ehemaligen Schöninger Rathsholze. 

Alle diese sind der Sitz der zeitig laichenden Lurche, 
vor allen treffen wir den schmucken blauen Bergmolch und 
den Kammmolch in ihnen bestimmt an. Tiefer im schattigen 
Laubwalde finden wir einen grösseren Waldteich, .,die Bai", 
früher der Sammelplatz aller in der Gegend vorkommenden 
Amphibien. Der Wasserspiegel der Bai, fernab von jeg- 
lichem geräuschvollen Leben der Dörfer und Städte gelegen, 
ist etwa einen Morgen gross. Selten wird die lauschige 
Waldesstille durch den Tritt eines Wanderers gestört. Rings 
von hochstämmigen Buchen umgeben, die nahe an das 
Wasser herantreten, bot der Teich früher in seinem Schling- 
pflanzengewirr und unter den unterspülten Ufern einer 
moosbewachsenen äusserst schwer zugänglichen kleinen 
Insel die willkommensten Wohnplätze für Amphibien aller 
Art. Tritonen waren fast im ganzen Sommer anzutreffen, 
die vorsichtigen schlauen Wasserfrösche entzogen sich durch 
einen schnellen Sprung in die Tiefe den Augen des Be- 
obachters, während der auf den grünen Wasserpflanzen 
sitzende Laubfrosch sich durch seine Schutzfärbung 
sicher fühlte und seine allzugrosse Zuversicht oft mit 
dem Verlust der Freiheit büssen musste. Von Hana 
iemporaria und vor allem JBufo vulgaris fanden sich zur 
Paarungszeit mehrere Hundert ein. Ich habe in keinem 
Gewässer eine grössere Anzahl sich paarender grauer Kröten 
gesehen, als in der Bai, das Wasser fasst kaum die zahl- 
lose Menge, und am Ufer muss der Thierfreund genau Acht 
geben, wenn er nicht mit jedem Schritt verschiedene Thiere 
zertreten will. — Leider sind durch Kultivirung und Um- 
wandlung dieses wilden Waldteiches zu einem Fischteiche 



— 120 — 

die Bedingungen für das Gedeihen und die Fortpflanzung 
der Lurcharten ganz bedeutend verschlechtert, und so muss 
der Herpetologe mit Bedauern constatiren, dass sich der 
Bestand dieser Thiere von Jahr zu Jahr verringert. 

Auf den mit hohem dichten Grase bewachsenen Ab- 
trieben im Schöninger Elmrevier tummelt sich Lacerta vivi- 
para in grosser Zahl; fortwährend verrathen dem Wanderer 
die durch seinen Tritt erschreckt flüchtenden Thiere durch 
Rascheln ihr Dasein. 

Im Süden der Stadt Schöningen, in der Nähe der Saline, 
liegen mehrere Thonkuhlen, deren tiefe Ausstiche jahraus 
jahrein mit dem bekannten schmutzig grünen kalten Wasser 
gefüllt sind. Gewöhnlich nur von einer Seite zugänglich, wer- 
den sie auf den anderen von hohen steilen Thonwänden ein- 
geschlossen, welche das Wasser g^g^n zu starke Erwärmung 
schützen. Diese Thongruben sind der Zufluchtsort für die dort 
sich zahlreich zum Laichen einfindenden grünen und Kreuz- 
kröten. Ich habe selbst zur Mittagszeit die grüne Kröte oft 
in sorgloser Ruhe „alle Viere von sich gestreckt" auf dem 
Wasserspiegel schwimmend gesehen, obgleich die heisse 
Junisonne senkrecht auf das Wasser herniederstrahlte. 



Lacerta agilis. Die Zauneidechse kommt meines Wissens 
nach im Elm nicht vor, während mein Bruder sie vor 
zwei Jahren im Walde bei Schöningen gesehen haben will. 
Zwischen Helmstedt und Marienborn ist sie dagegen im Lapp- 
wald nicht selten und von Wolterstor ff schon 1879 
beobachtet, auch Andere bestätigten ihr Vorkommen bei 
Helmstedt. Hahn fand sie speciell zwischen Helmstedt 
und Emmerstedt. Bei Weferlingen habe ich sie in einigen 
verlassenen Steinbrüchen an der alten Walbecker Chaussee 
gefunden. Rector Ehle hat das Thier im „Spellersiek" an- 
getroffen. Die rothrückige Form ist uns nirgends aufgefallen. 

Lacerta vivipara. Die Bergeidechse bewohnt den ganzen 
Elm und Lappwald — hier auch von Wolters tor ff u. a. 



— 121 — 

zwischen Marienborn und Helmstedt häufig gefunden — 
in grosser Menge; wo nur irgend im Walde sich einige 
sonnige grasbewachsene Plätzchen finden, können wir mit 
Bestimmtheit ihre Anwesenheit vorhersagen. 

Lacerta viridis. „Was Lacerta viridis vom schiefen. 
Berg bei Helmstedt anbetrifft, so kann ich leider kein spe- 
cimen vorlegen, ich habe aber als Gymnasiast (1851 — 58) 
lebende von dort besessen." Nehring. — Sollte die 
Smaragdeidechse wirklich bei Helmstedt vorgekommen sein, 
so läge immer noch die Möglichkeit künstlicher Aussetzung 
vor. Wolter stör ff. 

Anguis fragilis. Die Blmdschleiche können wir überall 
an lauen Sommerabenden in träger Ruhe an den Rasenkanten 
der Fahrwege und Fusssteige ausgestreckt finden, im Lapp- 
wald und Elm. Besonders im letzteren, in dem Saum- 
gebüsch des „alten Rathsholzes", über Schöningen ist mir 
im Mai ihr häufiges Vorkommen aufgefallen. Bei Helmstedt 
auch von Nehring und Wolterstorff gefunden. 

Tropidonoius natrix findet sich bei Weferlingen so- 
wohl auf den üppigen, an der Aller gelegenen Wiesen, als 
auch in den anliegenden Wäldern. Hahn beobachtete die 
Ringelnatter (vor ca. 20 Jahren) nördlich von Weferlingen 
auf den Wiesen am Seggerder Holz beim Heuen geradezu 
massenhaft, sah auch in der Nähe der Graslebener Stein- 
brüche wiederholt kolossale Thiere todtgefahren auf der 
Chaussee. Ehle traf die Ringelnatter im Haagholz und 
ebenfalls im Seggerder Gehölz, ich selbst fing ein 1,5 m 
langes trächtiges Weibchen an der Aller. Knaben sah man 
oft mit lebenden Ringelnattern aus dem Walde heimkehren, 
ein Beweis, wie häufig das Thier dort vorkommt. Bei 
Walbeck ist die Ringelnatter laut Dr. Brandes zahlreich. 
Nach Hahn ist sie bei Helmstedt nicht selten, Nehring 
giebt, aus den fünfziger Jahren, speciell den Badeteich als 
Fundort an, B o d e fand sie zwischen Helmstedt und Harbke. 



— 122 — 

Im Elm, überhaupt bei Schöningen, habe ich sie nicht 
beobachtet. 

Vipera herus. Die Kreuzotter will Ehle nach der 
Beschreibung eines Knaben in einer bei Weferlingen ge- 
tödteten Schlange erkannt haben. Ihr Dasein im Elme ist 
zu bezweifeln. NB. Aber für Lockstedt, etwas weiter 
nördlich an der Aller gelegen, giebt auch Hahn die Kreuz- 
otter an; zwischen Vorsfelde und Graf hörst bei Öbisfelde, 
einige Stunden nördlich von Helmstedt, ist Pelias nach 
Beding (in Blum) sogar häufig, ferner, doch selten in 
den nördlichen Ausläufern des Lappwalds, bei Grasleben 
von Drewes und Nehring (in Blum) nachgewiesen, 
fehlt also in der Gegend keineswegs. Wolter stör ff. 

JEmys orhicidaris wurde bei Gelegenheit der Keinigung 
eines an der Landstrasse von Käbke nach Warberg am 
Saume des Elmes gelegenen Teiches, dessen Wasser nach 
der Schunter abfliesst, lebend im Schlamm gefunden. Das 
Kückenschild hatte einen Längsdurchmesser von 15 bis 
20 cm. Das Schild befindet sich noch im Besitze des 
Herrn Oberförster Schwabe zu Schöningen. Wie das 
Thier in den nur durch Abfluss mit der Schunter in Ver- 
bindung stehenden Teich gelangt ist, war nicht festzustellen, 
vermuthlich handelt es sich um ein aus der Gefangenschaft 
entschlüpftes Exemplar. Dieselbe Yermuthung hegt auch 
Ehle bezüglich seiner Schildkrötenfunde in einer Wiese 
bei Hödingen (Weferlingen) und in dem Allerflusse bei 
letztgenanntem Flecken. Seinen Erkundigungen nach haben 
Helmstedter Gymnasiasten von einem Händler gekaufte 
Thiere in Wef. gehalten. Die Funde bringt er mit dieser 
Thatsache in Beziehung. Ob das Thier nicht die grösseren 
Teiche bei Marienthal und Helmstedt bewohnt, ist jeden- 
falls noch nicht genau genug erforscht. 

Rana escidenta typka findet sich in der schönen, 
grünen Form in den Pfützen bei der Spiegel'schen Ziegelei 
unweit Weferlingen; ebenso glaube ich meinen Erinnerungen 



— 123 — 

nach auch die bei Scliöningen zerstreut vorkommenden 
Wasserfrösche als JRana esculenta typica ansprechen zu 
müssen. Ob auch die „Bai" im Elme noch wie früher 
diesen Frosch beherbergt, kann ich nicht mit Bestimmtheit 
sagen, da meine Beobachtungen über Weferlingen und 
Schoningen schon aus den Jahren 1879 — 1884 datiren. 
Ende Mai fand ich in Weferlingen laichende Wasserfrösche, 
Um Helmstedt ist JRana esculenta (var.?) nach Professor 
Ne bring häufig. 

Bana esculenta ridihunda ist mir nirgends aufgefallen, 
möglich aber, dass ich ihn übersah, da zu jener Zeit die 
Species nicht scharf getrennt wurde. 

Rana temjjoraria, der braune Grasfrosch, ist auch hier, 
bei Schöningen und Weferlingen, die gemeinste Art; leider 
ist mir die Trennung der Rana temporaria und arvalls zu 
spät bekannt geworden, als dass ich noch nachträgliche 
diesbezügliche Beobachtungen hätte machen können. 

Bufo vulgaris ist im Lappwald, bei Weferlingen, 
Schoningen und im Elm gemein. Ich habe schon oben von 
den Anfang April in der „Bai" laichenden unzähligen ge- 
meinen Kröten gesprochen. Auch die Thongruben bei 
Schöningen werden von ihnen gern aufgesucht. 

Rufo viridis, die grüne Kröte, ist in Schöningen und 
Umgegend in grosser Menge vertreten. Sowohl die Thon- 
gruben werden von dem Mitte Mai laichenden Thiere gern 
gewählt, als auch die mitten in der Stadt liegende Burg- 
schwemme, in der sich alljährlich ein oder zwei Pärchen 
einfinden, durch ihren weithin hörbaren „Trillerton" ihre 
Anwesenheit verrathend. Im Hochsommer dringt sie oft in 
die Häuser ein. Auch Krefft bestätigt die Häufigkeit dieser 
Kröte bei Schoningen, Ende September 1892 fand derselbe 
viel junge Thierchen an einem sandigen Feldwege. 

Bei Weferlingen habe ich diese Kröte immer vergeb- 
lich gesucht. 

Bufo calamita, die Kreuzkröte, wird zur Laichzeit noch 



— 124 — 

Mitte Juni in den Thonkuhlen bei Schöningen mit Sicher- 
heit angetroffen. Im Juni 1886 wurde ich, vom Bahnhofe 
aus dem vielstimmigen, in weiter Feme hörbaren, „knar- 
renden" Brunstrufe der Männchen folgend, zu einer 
grösseren Wasseransammlung, die sich zwischen Alvers- 
dorfer und Hötensleber Strasse gebildet hatte, geführt. Die 
Pfütze wimmelte von Kreuzkröten, die, durch angezündete 
Streichhölzer geblendet, ruhig am Ufer sitzen blieben und 
keinen Fluchtversuch machten. Auch V. v. Koch hat 
diese Art in Schöningen getroffen. In Weferlingen hat der 
verstorbene Lieutenant a. D. Wahnschaffe verschiedene 
Kreuzkröten in einem alten Steinbruche vor dem „Kiesen" 
erbeutet, so dass ihr Vorkommen auch dort sicher fest- 
gestellt ist. 

Eyla arhorea, früher in der „Bai" im Elm häufig. 
Gegenwärtig scheint sich Hjla in diesem jetzt so klaren 
Teiche nicht mehr so behaglich zu fühlen und sucht lieber 
Ende April das Weibchen durch helles Schreien in die 
kleineren zahlreichen Tümpel im Elme zu locken. Auch aus 
den Thongruben bei Schöningen habe ich den Lockruf dieses 
anspruchslosen Batrachiers vernommen, dort immer aber 
vereinzelt. Im Sommer findet er sich oft in den Gärten 
vor der Stadt. 

Bei Weferlingen treffen wir ihn in den Sümpfen bei 
der Spiegel'schen Ziegelei, sowie im kleinen Meerpfuhl, 
einem nördlich vor dem Flecken an der Saalsdorfer Strasse 
gelegenen Teiche. 

Felobates fuscus. Die Knoblauchskröte habe ich Anfang 
Mai zweimal in den Thongruben bei Schöningen beim 
Laichen überrascht, während ich aus dem Weferlinger Ge- 
biete keinen Fund verzeichnen kann. Bei Helmstedt von 
Nehring mehrfach beobachtet. 

Bomhinator igneus. Die Unke fand sich im Jahre 1870 
in den jetzt zugeworfenen Thongruben unweit der früher 
Nesemann'schen Ziegelei bei Schöningen, seitdem scheint 



— 125 — 

diese Kröte dort vollständig verschwunden zu sein. Welche 
Art, ob B. pachypus oder igneus vorgelegen, lässt sich jetzt 
nicht mehr bestimmen, da die Beobachtungen in den Jahren 
vor der Trennung dieser beiden Arten gemacht sind, wahr- 
scheinlich handelte es sich um JBomhinator igneus. — Bei 
Helmstedt hat N ehrin g den „Bombinator, wahrscheinlich 
igneus'' häufig gefangen, Hahn hat die Unke, und zwar 
sicher Bomhinator igneus, vor 20 Jahren zwischen Helm- 
stedt und Emmerstedt oft gesehen. Auch V. v. Koch fand 
früher Bomhinator igneus in den Stadtgräben von Helm- 
stedt. (E. S., Fauna.) Bei Weferlingen habe ich Unken im 
Meerpfuhl rufen hören, doch nie das Glück gehabt, ein 
Exemplar zu erbeuten. 

Salamandra maculosa. Im Reitlingsthal (Herzberg) im 
Elm von V. v. Koch beobachtet. Ich habe diese Art im 
Elm noch nicht gefangen, wohl aber und zwar häufig im Lapp- 
■wald zwischen Helmstedt und Walbeck. Auch Dr. Brandes, 
Hahn, 0. Schulze geben ihr Vorkommen bei Helmstedt, 
z. B. an der Holzmühle und am Gesundbrunnen an. 

Triton cristatus. Findet sich im Frühjahr zeitig in 
Pfützen und Tümpeln des Elms, bald mit Triton alpestris 
vergesellschaftet, bald gesondert. Auch von v. Koch 
beobachtet. Der Kammmolch kommt auch bei Helmstedt, 
z. B. im Badeteich (N eh ring) und bei Weferlingen im 
Meerpfuhl, vor. 

Triton alpestris. Im Elm von mir und v. Koch ge- 
funden. Im Lappwald ist er von Wolter stör ff, in Land- 
tracht, August 1879 zwischen Marienborn und Helmstedt 
angetroffen; für Weferlingen giebt ihn M. Koch (W., ver- 
lauf. Verz.) an. 

Triton taeniatus. Im Elm seltener, doch nach v. Koch 
vorhanden. Bei Schöningen häufig, so in einem Sumpf nahe 
der Saline. Bei Helmstedt von Nehring z. B. im Bade- 
teich gefunden. Yon Weferlingen kenne ich die Art aus 
dem Meerpfuhl. 



— 120 — 

Triton cristatus, alj)estris, iaeniatus sind in den Teichen 
des Elms, nachdem sie zur Forellenzucht eingerichtet sind, 
seltener geworden. (V. v. K.). 

Abgeschlossen April 1893. 



Mannigfaltig, wie die hier betrachtete Landschaft ist 
auch die Zusammensetzung der Fauna des Elms und Lapp- 
waldes mit ihrer Umgebung. Im Nordosten, an der Grenze 
der nordwestdeutschen Tiefebene, finden wir die Ringel- 
natter und Kreuzotter, erstere so häufig wie in der Altraark, 
mit ihnen die Zauneidechse, welche drei Arten dem Elm 
nach Gruse abgehen! 

Lacerta vivipara und Anguis fragüis sind dem Lapp- 
wald und Elm gemeinsam, Emys orhicularis ist mehrfach 
beobachtet und dürfen weitere Nachforschungen z. B. um 
Marienthal die Frage des einheimischen Vorkommens noch 
entscheiden. Ganz vermisst wird dagegen zur Zeit Coro- 
nella laevis, welche doch bei Neuhaldensleben vorkommt. 
Unter den Amphibien sind, dem hügeligen Uebergangs- 
charakter der Gegend entsprechend, Berg- und Tieflands- 
formen vertreten; zu erstem zählen Salamandra maculosa 
und Triton alpestris, die sich aber noch weiter in die Ebene 
verbreiten, zu letztem Bomhinator igneus (beiHelmstedt sicher!) 
und Pelobates fiiscus. Ob früher im Elm nicht auch Bombinator 
pachypus hauste, rauss ich dahingestellt sein lassen. 

Die westlichen Gebirgsformen, Älytes und Triton pal- 
matus, werden bis dato vermisst! 

Bufo viridis und Biifo calamita sind bei Schöningen 
beide häufig, es ist dies von Interesse, weil nördlich und 
namentlich westlich von hier Bufo viridis, die Form des 
Ostens, seltener wird, abgesehen vom nahen Wolfenbüttel. 
So fleissig das hier betrachtete Gebiet auch schon von 
Nehring, V. von Koch, Ehle, Hahn und uns durch- 
forscht ist, so muss weitere Untersuchung doch als sehr 
lohnend bezeichnet werden! Wolterstor ff. 



— 127 — 

Braunschweig. 

Von P. Krefft. 

In der faunistischen Erforschung des bereits oben ge- 
schilderten Gebietes bleibt, was unsere Thierklassen betrifft, 
noch Manches zu thun übrig. Wenn ich trotzdem schon jetzt 
das voihandene Material veröffentliche, so geschieht dies 
nur, um das hier entworfene Gesammtbild der Keptilien- 
und Amphibienfauna der Nordwestdeutschen Berglande zu 
yervollständigen.^) 

Als ein wahres Eldorado galt dem Liebhaber alles dessen, 
„was da kreucht und fleucht", von jeher das Querumer Holz 
und seine Umgebung, welches deshalb auch von unsern 
Sammlern wohl stets mit dem ausgiebigsten Erfolge besucht 
worden ist. Es sei mir daher gestattet, eine kurze topo- 
graphische Skizze dieses Fundortes vorauszuschicken. Das 
Querumer Holz bildet die südwestliche Hälfte einer nördlich 
der Schunter zwischen dieser und der braunschweigisch- 
hannöverischen Grenze gelegenen, ca. 6 km langen und 
stellenweise über 2 km breiten Waldung, welche weitaus 
die grösste in der nähern Umgebung der Stadt Braunschweig 
ist und von derselben in etwa ^/^ Stunden erreicht wer- 
den kann. 

Die Mannigfaltigkeit der Fauna dieses Gehölzes wird 
wohl zumeist bedingt durch die in auffallender Weise 
wechselnde Beschaffenheit des Terrains, welches bald trocken 
und sandig, bald feucht und moorartig ist, und demgemäss 
auch hinsichtlich der Bodenvegetation, von der das Vor- 
kommen vieler Thierarten abhängig, eine grosse Verschieden- 
heit darbietet. Dürre, vollständig kahle oder nur mit Besen- 



1) Ueber die Eeptilien und Amphibien Braunschweigs im All- 
gemeinen handelt: E. Schulze, Fauna Saxo-thuringica, Amphibien. 
(Schriften d. naturwiss. Ver. d. Harzes, Bd. 6, 1891. — E. 8. und 
Fr. ßorcherding, Fauna saxonica. Jena 1893. 

Weitere Citate über einzelne Vorkommnisse siehe bei den be- 
treffenden Arten ! 



— 128 — 

haide und spärlichem Unterholz bewachsene Sandflächen 
wechseln mit Laub- und Nadelhochwald und üppigem, weit 
ausgedehnten, von Gräben durchfurchtem Wiesenland ab, 
während die Ränder des Holzes besonders im Norden den 
Charakter einer Moorlandschaft mehr oder minder ausge- 
prägt zeigen. Im Süden und Westen des Holzes fliesst die 
Schunter, durch einen breiten Streifen sumpfigen Wiesen- 
laudes vom Eande desselben getrennt und nur an den süd- 
westlichen schmalen Zipfel des Holzes, den sogenannten 
„Butterberg", näher herantretend. Dieser Name bezieht sich 
auf den einige Meter hohen sandigen, theiis kahlen, theils 
mit Haidekraut und Gebüsch bestandenen Abfall des hier 
aus Kiefern bestehendenHolzes, nach der sumpfigen Niederung 
der Schunter hin. Nordöstlich von diesen, auch als „Rühmer 
Berge" bekannten Anhöhen, links von der nach Bienrode 
führenden Chaussee, trefifen wir auf ein Stückchen echter 
Moorlandschaft, wie die Flora sogleich erkennen lässt. Durch 
eine von Carexarten und üppigen Sphagnumpolstern ge- 
bildete Wiese zieht sich ein breiter Wassergraben, welcher 
im Frühjahr und Vorsommer die Wiese überschwemmt oder 
doch vollständig mit Wasser durchtränkt und Sümpfe ent- 
stehen lässt, aus denen Erlen, Birken und Sumpfweiden, 
hier und dort ein spärliches Gebüsch bildend, hervorragen. 
Die Moorheidelbeere, Vaccinium uliginosum und namentlich 
die Moorhaide Erica tetralix sind stellenweise zu stattlichen 
Büschen herangewachsen; durch den Sphagnumteppich 
ranken sich die zierlichen Fadenäste der Moosbeere, Oxy- 
coccos 2^aliistris und üppig gedeihen Drosera rotundtfoUa und 
intermedia sowie im Wasser abenteuerliche Utricularien. 
Von besonderem faunistischen Interesse ist die Wechsel- 
beziehung des Vorkommens unserer beiden Landramtfew in 
dieser Gegend: während nämlich die so überaus gemeine und 
allverbreitete Bana temporaria von uns auf einem von der 
Moorwiese nur durch einen wenige Meter breiten Weg ge- 
trennten Felde in grosser Menge, nur mit wenigen Exem- 



— 129 — 

plaren von Bana arvalis untermischt, angetroffen wurde, 
fanden wir auf der Moorwiese selbst die erstere Art von der 
letzteren vollständig verdrängt. Der „Moorfrosch" bewahrheitet 
hier also seinen Namen in vollstem Masse. Einen hübschen 
Anblick boten mir am 24. März vorigen Jahres (1892) die in 
Massen zumLaichgeschäft hier versammelten männlichen Moor- 
frösche, deren wohl in Folge des andauernden schönen, warmen 
Frühlingswetters intensiv himmelblau gefärbtes Hochzeitskleid 
sich im hellen Sonnenscheine höchst wirkungsvoll von dem 
trüben Moorwasser abhob. Die Wiese beherbergt an Amphibien 
ausserdem noch Bana esculenta ti/pica, welche meistens ein zur 
Oertlichkeit passendes düsteres Gewand trägt, Bufo calamita, 
Hyla arhorea und Pelohates fiiscus, welche an lauen Früh- 
jahrsabenden ein vielstimmiges Concert aufführen. VonEeptilien 
findet sich nicht nur Lac. vivipara und Änguis fragilis, sondern 
sonderbarer Weise auch die Trockenheit liebende Lac. agilis, 
welche Herr von Koch und ich im Herbste vorigen Jahres auf 
der zu jener Zeit allerdings ausgetrockneten Wiese in 2 Exem- 
plaren fingen. Die Annahme, dass die beiden Thiere dort- 
hin eingewandert seien, würde ich unbedenklich gelten 
lassen, wenn dem nicht die von Lejdig verbürgte Thatsache, 
dass die Eidechsen sehr an der Scholle kleben und selten 
den Aufenthaltsort wechseln, entgegenstände. 

Nördlich von diesem Moorterrain erheben sich vege- 
tationslose oder mit Calluna vulgaris bewachsene, dünen- 
artige Sandhügel, zwischen denen ein kleiner flacher Teich 
liegt. Derselbe ist als einzige Stelle, an welcher wir zur 
Zeit noch ständig Unken hörten, erwähnenswerth. Leider 
indessen gelang es mir nie, die Thiere zu sehen. 

Der Waldbestand des Querumer Holzes wird im Westen 
vorwiegend von Kiefern, im Osten von Laubholz, besonders 
Eichen, gebildet. Die bereits zuvor erwähnten feuchten, 
zum Theil mit Unterholz bewachsenen und von Gräben 
durchzogenen Wiesen, beherbergen Lac. vivipara, Anguis 
fragilis, Hyla arhorea, Bana temporaria, Bana arvalis und 

9 



— 130 — 

Biifo vulgaris, sowie in den Gräben Triton cristatus, taenia- 
fus und alpestris. An trockenen, sandigen Stellen, als 
Wegrändern, Sandgruben, ist Lacerta agilis in der Regel 
zu finden, bisweilen auch die rothrückige Varietät; doch 
fehlt auch Lacerta vivipara an derartigen Stellen gewöhn- 
lich nicht. Von den dem Holze im Süden vorgelagerten 
Wiesen ist eine bei der Querumer Windmühle gelegene 
Thouwiese bemerkenswerth , da hier ziemlich zahlreiche, 
grössere und kleinere Wassertümpel einer reichen Amphibien- 
fauna zum Aufenthalt oder doch zur Laichstätte di.enen. 
Es kommen nebeneinander vor: Hyla arhorea, Rana tem- 
poraria, arvalis, escuhnfa var. typica, Pelohates fuscus und 
Bufo calamita ; auch Bomhinafor igneus wurde ab und zu dort 
gehört, wenn auch nur sehr vereinzelt, und als ein anderer 
seltener Gast ist Bufo viridis zu nennen, welcher hier ein- 
mal, soviel uns bekannt, erbeutet wurde. Von Tritonen 
finden sich die drei Arten Triton cristatus, taeniatus und 
alpestris, letzterer aber nur in einem dicht am Holzrande 
gelegenen Tümpel. Pelohates fuscus, Hyla arhorea und Bufo 
calamita, stellenweise auch Bufo vulgaris, finden sich nebst 
Bana temporaria und (seltener) arvalis auch westlich von der 
Windmühle in einer sumpfigen Niederung bei der Ziegelei. 

Das Querumer Holz beherbergt somit sämmtliche 12 bis- 
her bekannte Vertreter der Braunschweiger Lurch-Fauna, von 
den Reptilien fehlen dagegen Pelias herus, Tropidonotus 
natrix (?) und Emys orhicidaris , wobei indessen bemerkt 
werden muss, dass die Zugehörigkeit der letzten beiden 
Arten zur Braunschweiger Fauna wohl überhaupt noch als 
zweifelhaft aufzufassen ist. 

Die Verbreitung dieser Reptilien und Amphibien im 
ganzen Gebiet stellt sich nach dem heutigen Stand unserer 
Kenntnisse folgendermassen dar: 

Lacerta agilis. Bisher, soviel mir bekannt, nur im 
Norden und Nordwesten der Stadt, im Querumer, v. Pawel- 
schen, einmal auch von mir im Rischauer Holz beobachtet. 



— 131 — 

Besonders häufig ist sie au sandigeu Stelleu des Querumer 
Holzes, z. B. an dem Butterberge, wo ihr leider von der 
Schuljugend nur allzu eifrig und schonungslos nachgestellt 
wird, und an der Waggumer Chaussee sowie östlich derselben. 

Die Varietät erythronotus wurde von Prof. Steinacker 
an dem Butterberge, von mir an der Waggumer Chaussee ver- 
schiedene Male erbeutet. Eine sonderbare Färbung, welche ich 
unter den von Dürigen in den „Amphibien und Reptilien 
Deutschlands" beschriebenen Varietäten nicht unterzubringen 
vermag, zeigt das zuvor schon erwähnte von Herrn V. von 
Koch auf der Moorwiese hinter dem Butterberge erbeutete 
Exemplar. Die schwarzbraune Grundfärbung, welche das 
Thier, ein Weibchen, vor den übrigen hellgrau gefärbten 
typischen Exemplaren, deren ich eins dicht dabei fing, aus- 
zeichnet, ist vielleicht dem Mooraufenthalt zuzuschreiben, 
wobei zwar wiederum die helle Färbung des von mir er- 
beuteten Exemplares auffallend erscheint. Von der Reihe 
heller Augenflecke auf der Mitte des Rückens ist nur noch 
im Nacken und in der Sacralgegend ein wenige mm langes 
feines Strichelchen übrig geblieben. Die dunkle Umrahmung 
der die Elanken zierenden Augenflecke hebt sich nur bei 
sehr heller Beleuchtung ein wenig gegen die hier etwas lichtere 
Grundfärbung ab. Den Rücken grenzen zwei breite weisse 
Streifen, welche sich auch über den Schwanz erstrecken, gegen 
die Flanken ab. Die Unterseite ist gelbweiss mit schwärz- 
lichen Sprenkeln, die Kehle leicht bläulich angehaucht. 

Lacerta vivipara. Sie ist hier die „gemeine" Eidechse 
im eigentlichen Sinne des Wortes und findet sich mit 
voriger Art zusammen z. B. am Butterberge, an der Waggumer 
Chaussee, doch ist sie an feuchten Orten, namentlich auf 
Wiesen im Holze, an Gräben, häufiger als an dürren Orten ^). 
Ausserdem kommt sie im Rischauer und v. Pawel'schen 



*) Die Angabe in B r e h m 's Thierleben, neueste Auflage, dass 
Zaun- und Waldeidechse sich unbedingt ausschliessen, trifft dem- 
nach auch für Braunschweig nicht zu. 

9* 



— 132 — 

Holze vor und im Timmerlaher Busch, wo ich auch die 
erstere Art vermuthe, da das Terrain stellenweise nicht un- 
günstig, wennschon es an sandigen Stellen fehlt. Professor 
Steinacker fing sie häufig im Süden der Stadt, im Lech- 
lumer Holze, v. Koch im Rautheimer und Marscheroder 
Holze. Ich fing sie ferner im Sikter Forst an einer sehr 
sumpfigen Stelle unter einem Markstein, auch in der Buch- 
horst und in der Nähe der Stadt an einem Grabenrande 
am Bültenwege. Cruse beobachtete sie an der Asse, 
V. Koch (in Schulze, Fauna) bei Oder, Lichtenbergs. 

Anguis fragilis. Hat ungefähr dasselbe Verbreitungs- 
gebiet wie die beiden Lacerten. Wir fingen sie ziemlich 
häufig im Querumer und Rautheimer Holze (V. v. K.) in der 
Buchhorst, im Lechlumer Holze, Tieder Lindenberge (V. v. K.), 
Timmerlaher Busch, Rischauer und v, Pawel'schen Holze. 
Am Ostabhange der Asse, unter Steinen, häufig sehr hell 
gefärbte Exemplare beobachtet (Grabowsky, Aug. 1891), 
auch von Cru se gefunden. Oder (V. v. K.). Vor längerer Zeit 
glaube ich einmal ein grosses Exemplar der Var. cyanopunctata 
im Querumer H. gefangen zu haben. Erwähneuswerth er- 
scheint, dass die Braunschweiger Exemplare allgemein düsterer 
gefärbt erscheinen als Harzer Exemplare. 

Tropidonottis natrix. In der Sammlung des Herzogl. 
Naturh. Museums befindet sich ein Spiritusexemplar 
mit der, laut Dr. Heller, glaubwürdigen Fundorts- 
angabe „Buchhorst". Ausserdem gelangte vor einigen 
Jahren ein Exemplar in den Besitz eines hiesigen Thier- 
händlers, welches im Mastbruch, östlich von der Stadt, 
gefangen sein sollte. Sonst ist mir nichts über ihr Vor- 
kommen bei Br. bekannt geworden. Früher mag sie im 
Hagenbruch vorgekommen sein, doch scheint sie in den 
letzten Jahrzehuten durch die Kultur gänzlich ausgerottet 
zu sein. 

Pelias herus. Wurde vor ca. 25 Jahren von Professor 
W. Blasius im v. Pawelschen Holze häufig gesehen und 



— 133 — 

gefangen, scheint jetzt jedoch auf das hinter dem v. Pawel- 
schen Holze, etwa ^/^ Stunde in nordwestl. Richtung von 
Braunschweig gelegene Rischauer Holz beschränkt zu sein, 
wo jährlich eine Anzahl von Exemplaren gefangen wird.^) 
Ob aber die Häufigkeit der Otter an dieser Stelle eine 
öffentliche Warnung vor dem Besuche des Holzes, wie sie 
seitens der Tagespresse öfter erlassen werden, zu Zeiten 
wirklich nöthig macht, lasse ich dahingestellt sein: mir 
wenigstens glückte es auf verschiedenen durch einen grossen 
Theil dieses Holzes unternommenen Streifzügen selbst bei 
günstigstem Wetter niemals, bisher eine Otter auch nur 
zu sehen, während ich Lac. vivipara nicht selten bemerkte; 
dieselbe Erfahrung machte auch v. Koch. Möglicherweise 
kamen wir zufällig nicht in das von ihr hauptsächlich 
bewohnte Gebiet. N ehrin g beobachtete die Kreuzotter 
westlich von Braunschweig im Bortfelder Holze (Blum). 

Emys orhicularis L. Abgesehen von einigen Funden^) 
höchst wahrscheinlich ausgesetzter oder entlaufener Exem- 
plare, deren Aufzählung ich daher als werthlos übergehe, 
wurde Herrn Professor Dr. Wilhelm Blasius, wie derselbe 
mir gütigst mittheilte, das Vorkommen der Sumpfschildkröte in 
derDoven See oder Tauben See von glaubwürdigen Leuten 
versichert, welche die Thiere dort in mondhellen Nächten 
in Menge beobachtet haben wollen. Ihr Vorkommen behauptet 
auch der jetzige Besitzer der Domäne „Dove See'^, während 
ein Bauer, der seit einigen Jahren zur Aufsicht am Teiche 
wohnt, mir auf meine Frage antwortete, dass er noch keine 
Schildkröte dort gesehen habe; indessen widerlegt dieses, 
meiner Ansicht nach, bei der so scheuen Lebensweise dieses 
Reptils noch keineswegs die Annahme, dass in dem ablegenen. 



1) Siehe Blum, die Kreuzotter und ihre Verbreitung in Deutsch- 
land, in Abhandl. Senckb. Ges. 1888. 40. 

2j Siehe Pr. W. B 1 a si u s „lieber das Vorkommen der europäischen 
Wasserschildkröte bei Braunschweig" Sitzungsber. d. V. f. Naturw., 
Br. Anzeiger No. 164, 1886. und Russ' „Isis" Jahrg. 1887, S. 548. 



— 134 — 

umwaldeten und seiner moorigen, mit hohem Schilfdickicht 
bewachsenen Rilnder wegen schwer zugänglichen See eine 
Colonie der in früherer Zeit in Deutschland viel weiter ver- 
breiteten Sumpfschildkröte sich noch erhalten habe. Noch 
ein interessanter Fund aus anderer Gegend wurde Herrn 
Professor W. Blasius im Jahre 1891 von einem Garten- 
arbeiter berichtet: dieser gab unter Vorweisung mehrerer 
Exemplare an, dass sein Sohn Ernst Bonse im Mai 1891 
im Sikter Porste, einem sumpfigen, südlich von Klein- 
Schöppenstedt und im Südosten der Stadt gelegenen Holze^ 
im Sumpfterrain der Wabe 2 grosse und 4 kleine Schild- 
kröten am Rand einer Lehmkuhle im Wasser gefangen habe. 
Ob es sich hier um ausgesetzte Exemplare handelt^) oder 
nicht, ist zur Zeit wohl kaum zu entscheiden. 

Mana esculenta var. typica. In stehenden Ge- 
w^ässern überall häufig; in der Färbung variirend. Beispiels- 
weise ist er bei der Querumer Windmühle sehr hell- 
grün gefärbt, während er im Moor vor Bienrode ein 
düsteres, braunes oder schwarzgrünes Gewand trägt. Einige 
von ßiddagshausen stammende Exemplare zeichnen sich 
durch ihre kolossale Grösse aus 2). Im Herbst traf ich die 
Art oft im Walde weit vom Wasser entfernt an. 

Bana temjwraria. Ueberall die gemeinste Art in Wald, 
Peld und Wiese, nur an moorigen Stellen im Norden bis- 
w^eileu durch die folgende Art vertreten. 

Bana arvalis. Besonders häufig im nördlichsten Theile des 
Gebietes zwischen Querumer Holz und Bienrode und bei 
Waggum (Heller), und im Westen im Timmerlaher 
Busch, auch im Querumer Holze und am Butterberge nicht 
selten, vor dem Holze an der Windmühle-^) ziemlich häufig. Der 

^) welche vielleicht im Freien sich fortgepflanzt haben. 

^) Nach Hellers Messungen betrug die Länge einiger Weibchen 
107 mm, während Boulenger als Durchschnitt für die Länge der im 
Allgemeinen grösseren var. ridibunda Pallas $ nur 104 mm angiebt. 

'^) Heller, Amphibiologische Notizen, Zool. Garten 1888 pag. 
177. Siehe auch v. Koch bei E. Schulze, Fauna. 



— 135 — 

Moorfrosch liebt vor allem moorige und thonige Wiesen, fehlt 
auch in feuchten Waldungen in der Regel nicht, meidet 
dagegen entschieden Felder und trockene Wiesen, wo 
Bana tenqwraria stets in Menge zu finden ist. Ausser im 
Norden und Westen des Gebietes fand ich ihn, wenn auch 
bei weitem nicht so häufig, in der Buchhorst bei Klein- 
Schöppenstedt (desgl. W. Henneberg), bei den Riddags- 
häuser Teichen auf einer an Wassertümpeln reichen Thon- 
wiese östlich der Windmühle, und im Süden der Stadt im 
Kennel auf sumpfigen Wiesen des Okeralluviums. Die Art 
scheint hier bei Brauuschweig besser zu gedeihen als in 
Westfalen, denn während Westhoff in seinen „Beiträgen 
zur Amphibien- und Reptilienfauna Westfalens" die Länge 
der grössten westfälischen Stücke auf 5,5 cm angiebt, besitze 
ich unter einer ziemlich geringen Anzahl von Spiritus- 
exemplaren zwei, deren Länge 6 und 5,9 cm beträgt; beide 
gehören der sogenannten „var, striata Koch" an, d. h. sie 
besitzen einen hellen Rückenstreifen, welche Färbung hier 
häufiger als die ungestreifte zu sein scheint. Ein Exemplar 
besitze ich auch, dessen breite, fast kreisbogenförmig ver- 
laufende Schnauze gegen den alten Namen Rana temporaria 
var. oxyrrhiniis Steenstrup lebhaft protestirt — oder sollte 
dieses Stück vielleicht nicht ganz „rasseecht" sein? Meta- 
tarsaltuberkel und Färbung sind unzweifelhaft die der Bana 
arvalis Nilss. 

Die Laichzeit dieser und der vorigen Art fällt meinem 
Ermessen nach hier nicht mehrere Wochen, wie man sonst 
wohl angegeben findet i), sondern höchstens einige Tage 
auseinander. Freilich bemerkt man Bana temporaria schon 
sehr früh, im Februar mitunter schon, in Copulation, doch 
wohl nur vereinzelt, denn die Hauptlaichzeit fällt selten 
früher als in das letzte Drittel des März, oft aber auch 
erst in den Anfang des April und um diese Zeit legt auch 

') siehe z. B. Leydigs „Anure Batrachier der deutschen Fauna" 
Bonn 1877. 



— loG — 

Bana arvalis bereits ihre Eier ab. So beobachtete ich am 
24. März des Jahres 1890 bei der Querumer Windmühle 
beide Arten in Copulation und sah desgleichen am 
4. April 1892 viele copulirte Moorfroschpaare auf der 
überschwemmten Moorwiese hinter dem Butterberge zwischen 
einer Menge von Laichklumpen. Auch im Anfang April dieses 
Jahres (1893) sah ich im Kaffteich und im Timmerlaher 
Busch beide Arten zu derselben Zeit mit Laichen beschäftigt, 
während Bana temporaria in zahlloser Älenge in der Querumer 
Pferdeschwemme und in Gräben dem Laichgeschäft oblag. 
Auch Hell er 1) beobachtete in einem früheren Jahre das 
Zusammenfallen der Laichzeit beider Arten. 

Bufo vulgaris. Ueberall gemein. In der Wahl der 
Laichstätte scheint sie mir 2) vorsichtig zu sein: denn selten 
fand ich sie in kleinen, der Gefahr des vorzeitigen Aus- 
trocknens ausgesetzten Wassertümpeln, sondern in der 
Regel in grösseren Gewässern. Vor zwei Jahren beobachtete 
ich sie bereits am 24. März in Copulation. E. Schulze's 
Wahrnehmung betreffs der bei dieser Art auffallend grossen 
Ueberzahl der Männchen ^), kann auch ich von hier bestätigen. 

Bufo calamita. Bisher, soviel mir bekannt, von Braun- 
schweiger Sammlern nur im Norden und Nordosten der Stadt 
beobachtet. Gliesmarode, östlich der Ziegelei (V. v. K.), Wasser- 
loch hinter dem Pulvermagazin am Bültenwege, vor dem 
Querumer Holze bei der Windmühle und bei der Ziegelei, 
Moor vor Bienrode, Dove See (?). Herr G e i t e 1 - Wolfenbüttel 
erwähnt ihr Vorkommen bei Thiede im ferneren Süden von 
Braunschweig, Die Paarungszeit scheint ziemlich aus- 
gedehnt zu sein, denn sie dauert von Ende April oft bis 
tief in den Juni hinein. So z. B. vernahm ich den sehr 
charakteristischen, weithin schallenden Paarungsruf im 



*) Vergleiche Zool. Garten XXIX. Jahrgang No. 6 pag. 179. 
*) Im Widerspruch mit Beobachtungen Anderer, z. B. Knauer 
„Naturgeschichte der Lurche". Wien und Leipzig 1883, pag. 251. 
^) cf. „Fauna saxonica". 



— 137 - 

vorigen Frühjahr (1892) bereits am 25. April, und das 
anhaltend schöne, warme Frühjahrswetter in diesem Jahre 
(93) begeisterte die Kreuzkröten bereits im Anfang des 
April zu abendlichen Chorgesängen, während ich am 21. Juni 
des Jahres 1890 vor der Querumer Ziegelei noch laichende 
Kreuzkröten nebst vielen Eischnüren fand. 

Bufo viridis Laiir. Während die grüne Kröte einer 
freundlichen Mittheilung des Herrn G eitel zufolge bei 
Wolfenbüttel sich „recht häufig" findet, ist sie von uns 
bei Braunschweig nur sehr vereinzelt, und zwar nur im 
Nordosten der Stadt beobachtet. Steinacker jr. er- 
beutete ein Exemplar vor dem Querumer Holze bei der 
Windmühle, Garten-Inspector Beissner ein anderes im 
Herzoglichen botanischen Garten in der nördlichen Aussen- 
stadt; V. v. Koch fing am 14. Mai des Jahres 1889 ein 
Stück mit schwachem Rückenstreifen, welches durch seinen 
trillernden Paarungsruf sich bemerkbar gemacht hatte, in 
einer Wasserlache nördlich vom Nussberge, und mit mir 
zusammen am 29. April desselben Jahres ein grosses 
Exemplar unter einer Gesellschaft von sich paarenden Kreuz- 
kröten in dem Wasserloch hinter dem Pulvermagazin am 
Bültenweg, wo ich im Sommer desselben Jahres alsdann 
drei junge eben verwandelte Wechselkröten fing. Endlich 
erbeutete ich im Herbste vorigen Jahres eine kleine Kröte 
in der nördlichen Aussenstadt, in der ich einen Bastard 
zwischen B. calam. und viridis vermuthe, worüber ich noch 
andern Ortes zu berichten gedenke. Die in v. Kochs 
Notizen zwei Mal vermerkten „Kreuzkröten ohne Eücken- 
streifen" sind möglicherweise ebenfalls Bastarde zwischen 
Bufo viridis und B. calamita'^). 

Eyla arhorea. Dürfte im ganzen Gebiete wohl nirgends 
fehlen; stellenweise ziemlich häufig, so besonders zur 
Laichzeit auf den Thonwiesen vor dem Querumer Holze, 
wo ich (bei der Windmühle) auf einer Excursion einmal 



1) Auch Schulze deutet in der Fauna saxonica diese Möglichkeit an. 



— im — 

15 Stück erbeutete. Auch sonst im ganzen Querumer Holze 
und dessen Umgebung nicht selten. Ferner am Pulverthurm 
am Büiten, im Paw eischen Holze, bei Gliesmarode und 
Riddagshausen, in der Buchhorst und namentlich am Süd- 
rande dieses Holzes bei den umbuschten Teichen von 
Klein-Schüppenstedt, früher viel im damaligen „Fasanen- 
holze", jetzt „Stadtpark" in der östlichen Aussenstadt. 
Auch im nördlichsten Theile der Aussenstadt fing ich ein 
Stück in einem Graben am Bültenwege. Von W. Blasius 
in den östlichen Theilen des Lechlumer Holzes beobachtet. 
Bei dem schönen Frühlingswetter hörte ich dieses Jahres 
(1893) ein Männchen schon in den ersten Tagen des April 
quaken. Laicht gewöhnlich Ende April oder Anfang Mai. 
Pelohates fuscus. Im Frühjahre in Sümpfen, Gräben 
und besonders in wassergefüllten Sand- und Thongruben 
fast allenthalben zu finden. Bereits im Anfang der sechziger 
Jahre (1861) haben R. und W. Blasius das Vorkommen 
dieser Art vor dem Wendenthor und bei Riddagshausen fest- 
gestellt. Der Jahresbericht des Naturw. Ver. Brschwg. 
1879/80 bringt ferner Mittheilungen von W. Blasius und 
E. Steinacker über das Vorkommen des Pelobates auf den 
Aengern hinter St. Leonhard, dem jetzigen grossen Exercier- 
platz, vor dem Wilhelmithor , am Pawel'schen Holze, 
beim Schöppenstedter Thurm , sowie am kleinen Stadt- 
graben bei WolfenbütteP). W. Blasius fand sie auch 
noch im Spitzenteich bei Riddagshausen und im v. Vieweg- 
schen Garten in der südöstl. Aussenstadt, V. v. Koch im 
Lämmchenteich und E, Steinacker sah sie in einem 
Frühjahr in zahlloser Menge auf einer Wiese am Göde- 
brunnen im Westen der Stadt. Ich selbst beobachtete sie 
in der nördlichen Aussenstadt im Schweineteich, hinter dem 
Pulvermagazin am Büiten, vor dem Querumer Holze bei 
der Windmühle uud der Ziegelei und hinter demselben im 

^) Naturw. Verein Braunschweig 1879/80 pag. 15. Vergl. auch 
Nehring, einige Notizen. 



— 139 — 

Moor vor Bienrode, bei Gliesmarode und der Riddagshäuser 
Windmühle, bei den Klein Schöppenstedter Teichen, im Raff- 
teiche im Westen der Stadt. Laut G e i t e 1 ist er auch um 
Wolfenbüttel recht häufig. 

Einer eigenthümlichen tragikomischen Calamität scheint 
das Laichgeschäft der Knoblauchkröte überall dort unter- 
worfen zu sein, wo sie ihre Laichstätte mit Bana tem- 
jwraria theilt. So oft ich an diesen Oertlichkeiten einen der 
nicht selten zu beobachtenden lebendigen Klumpen an- 
einandergeklammerter männlicher R. temp. mit dem Netz 
auffischte, um ihn mit den Händen nicht ohne Mühe zu 
entwirren, fand ich in den meisten Fällen als Gegenstand 
dieser zahlreichen Werbungen nicht etwa ein Rana- sondern 
ein Pe?o&a^esweibchen, welches vermuthlich durch seine grelle, 
auffallende Färbung, namentlich die hochrothen Warzen auf 
den weissen Flanken, und durch seine vielversprechende Leibes- 
fülle eine solche Anziehungskraft auf die stets in Masse vor- 
handenen unbeweibten iiawamännchen ausgeübt hatte, deren 
es sich infolge seiner Schwerfälligkeit nicht erwehren konnte. 
In der Regel büsst es diesen Liebeseifer ihrer Bewerber mit 
dem Tode: so zählte ich im April vorigen Jahres (1892) 
in dem sehr engen und kurzen Zuflussgraben zum Schweine- 
teiche allein eines Morgens sechs noch unentbundene in 
der unfruchtbaren Umarmung der Froschmännchen erstickte 
weibliche Kuoblauchskröten. Der Vermehrung dieser Art 
kann also auf diese Weise ganz erheblich geschadet werden. 

jBonibinafor igneus. Die Feuerkröte scheint hier seit 
einer Reihe von Jahren aus nicht genügend aufzuklären- 
den Gründen im Aussterben begriffen zu sein. Der 
einzige Fundort, von dem Belegexemplare in der Herzogl. 
Naturh. Sammlung vorhanden, ist das Dorf Essehof, im 
Nordosten der Stadt, etwa 10 km entfernt gelegen. 

Ausserdem hört man im Frühsommer hinter dem 
Querumer Holze links von der Bienroder Chaussee aus einem 
von dünenartigen Sandhügeln umgebenen Teiche Unkenrufe 



— 140 — 

ertönen; doch gelang es trotz vieler Bemühungen bisher 
nie, eine Unke in der Nähe zu sehen, geschweige denn zu 
fangen, da die Thiere das schützende Binsendickicht in 
der Mitte des Teiches nicht zu verlassen scheinen; auch 
Larven konnte ich niemals finden. Auch bei der Querumer 
Windmühle hörte ich zuweilen auf meinen häufigen Excur- 
sionen eine Unke rufen, ohne sie indessen zu sehen. Zwei 
Exemplare, welche V. v. Koch daselbst im Jahre 1883 und 
1884 fing, dürften nach Ansicht W. Wolter st orff 's, dem 
sie zur Determination vorliegen, zu Bomb, igneiis gehören; 
sie sind jedoch sehr schlecht erhalten, unausgewachsen, und 
daher nicht sicher bestimmbar. Die in Heller's „Amphibio- 
logischen Notizen" undE. Schulze 's „Fauna saxo-thuringica" 
und „Fauna saxonica" über Funde von Bonibm. pachypus 
bei Querum gemachten Angaben, welche sich auf V. v. Koch's 
Mittheilungen stützten , sind hiernach zu berichtigen. 
V. V. Koch und E. Steinacker beobachteten vor ca. 40 
Jahren in der Buchhorst und in den Klein-Schöppenstedter 
Teichen Unken in zahlloser Menge. Nach V. v. Koch kam 
das Thier auch im Hagenbruch früher vor, doch fehlen die 
Belegexemplare für diese Fundorte, an denen sich jetzt 
keine Unke mehr vernehmen lässt, vollständig. 

Salamandra maculosa. Jn den Lichtenbergen südwest- 
von Braunschweig gefunden. (V. v. K.) 

Triton cristatiis. Bei der Querumer Windmühle häufig, 
im Pawel'schen Holze und Timmerlaher Busch nicht selten, 
ausserdem bei Gliesmarode und Kiddagshausen (V. v. K.), 
Klein-Schöppenstedt und Mascherode (V. v. K. und Heller), 
ferner Asse und Lichtenberge (V. v. K.)i). 

Triton taeniatus. Gemeinste Art, z. B. Querumer Holz und 
Umgebung, Pawersches Holz, Timmerlaher Busch, Gliesmarode, 
Kiddagshausen, Klein-Schöppenstedt, Schöppenstedter Thurm, 
Mascherode, Broitzem (für letztere 4 Fundorte Gewährsmänner 
(V. V. K. und Heller). Asse, Oder (V. v. K.). 



^) siehe Schulze, Fauna saxonica. 



— 141 — 

Triton aljjesfris. Am wenigsten verbreitete Art. Im 
Queriimer Holze häufig in Gräben und unmittelbar vor dem 
Holze in einem Tümpel, im Teiche des Nussbergs (ob noch 
jetzt?), im Fümmelser Holze südwestlich von Wolfenbüttel, 
nahe am Oder häufig (E. Steinacker), im Pawel'scben 
Holze in Gräben ziemlich häufig. 

Zum Schluss möchte ich noch auf eine faunistische 
Eigenthümlichkeit aufmerksam machen, für welche wir den 
Grund wohl einzig in der geographischen Lage Braun- 
schweigs, welches, wie schon erwähnt, den Uebergang des 
Norddeutschen Berglandes in die Nordwestdeutsche Tief- 
ebene vermittelt, zu suchen haben. Es ist dieses die That- 
sache, dass die Zauneidechse bisher nur im Norden des 
Gebietes, im Pawel'scben und Querumer Holze, sowie nördlich 
von beiden beobachtet wurde, während die Bergeidechse 
rings um die Stadt herum und auch im ferneren Süden 
des Gebietes bei Wolfenbüttel, laut G eitel, ziemlich häufig 
vorkommt. Für die Lacerta agilis hingegen giebt vorge- 
nannter Gewährsmann als nächsten Fundort südlich von 
Wolfenbüttel die nordöstliche Abdachung des ünterharzes; 
die Gegend zwischen Blankenburg und Halberstadt an. Es 
erscheint daher die Annahme nicht unberechtigt, dass die 
Zauneidechse den Oberharz und das Kreidekalk- bezw. 
Trias-Gebiet nördlich davon bis Braunschweig der Berg- 
eidechse überlässt^), und dass ihr eigentliches Gebiet erst 
etwas nördlich von Braunschweig zugleich mit dem Auf- 
treten des sandigen Diluviums 2) beginnt. 

Auch noch in andern faunistischen Erscheinungen finden 
wir den Uebergang vom Bergland in die Ebene charakterisirt. 
So findet sich die Tieflandunke, Bombinator igneus Merr. 



^) Es soll damit nicht gesagt sein, dass Lacerta agilis sich in 
diesem Gebiete an besonders günstigen Oertlichkeiten hie und da 
nicht finden könnte. 

^) Auch die Gegend zwischen Blankenburg und Halberstadt ist 
sehr sandig ! 



— 142 - 

wohl im Norden, vielleicht auch noch im Osten des Ge- 
bietes, doch fehlt sie entschieden im Süden z. B. bei Wolfen- 
büttel (Geitel); der Moorfrosch jRawa arvalis Nils., ebenfalls 
ein ständiger Bewohner des Tieflandes, ist im Norden 
(Querumer Holz) viel häufiger als sonst, und die Tiefland- 
fomi des grünen Wasserfrosches, Rana escuJenfa var. ridi- 
hunda Pall. (= fortis BouL), der am meisten typische Tief- 
landbewohner unter allen deutschen Froschlurchen, wurde 
bisher noch im ganzen Gebiete nicht gefunden, obwohl die 
ausgedehnten Kiddagshäuser Teiche ihm eine, seinen sonstigen 
Ansprüchen genügende, Wohnstätte darbieten würden. Im 
scheinbaren Widerspruch mit diesen Beobachtungen steht 
die Häufigkeit des von W. Wolterstorff gleichfalls als 
Tieflandart angesehenen Pelohates fuscus Laur. nicht nur 
bei Braunschweig, sondern auch bei Wolfenbtittel (Geitel). 
indessen scheint diese Tieflandart die Constanz ihres Cha- 
rakters als solche am wenigsten zu bewahren: so fand ich 
selbst ihre Larven bei Regensburg a. Donau ca. 350 m 
hoch (über dem Meere) fast unmittelbar am bayerischen 
Walde, und auch bei Älünchen (511 m hoch) soll sie, wie 
mir daselbst versichert wurde, vorkommen, 

Es bleibt mir nur noch die Erfüllung der angenehmen 
Pflicht übrig, den geehrten Herren, welche mir durch ge- 
fällige Mittheilungen ihre werthe Unterstützung angedeihen 
Hessen, vor allen Herrn Victor von Koch in Braun- 
schweig, sowie den Herren Prof. Dr. W. Blas ins, Prof. 
Dr. E. Steinacker, in dessen im letzten Winter erfolgtem 
Tode wir den Verlust eines regen Förderers auch unserer 
Wissenschaft zu beklagen haben, Dr. K. M. Heller- 
Dresden und H. Geitel- Wolfenbüttel meinen besten 
Dank zugleich im Namen W. Wolterstorffs auszu- 
sprechen. 

Abgeschlossen April 1893. 



— 143 — 

Rückblick auf die Fauna der Vorlande des Harzes. ^) 

Von W. Wolters tor ff. 

Lacerta agilis. Um Quedlinburg, Hoppelberg, Heidel- 
berg, Teufelsmauer und Regeustein bei Blankenburg, Wefer- 
lingen, Lappwald, Helmstedt, Querumer, Pawelscbes, Ri- 
schauer Holz bei Braunschweig. — Die rothrückige Varietät 
— enjthronofos — wird bisher nur von Braunschweig er- 
wähnt. 

Lacerta vivipara. Wasserleben, Schiaden, Vienenburg, 
Lappwald, Elm, Asse, um Braunschweig, Oder, Lichtenberge. 

Änguis fragiUs. Wolferode, Quedlinburg, Regenstein, 
Hackel, Wasserleben, Liebenburg, Vienenburg, Lappwald, 
Elm, Asse, um Braunschweig, Oder. Ueberall zu finden, 
wo eine Lacerta vorkommt! 

CoroneUa laevis. Steinholz bei Quedlinburg, Hoppel- 
berg, Heidelberg, Regenstein, Huy. Im Norden noch nicht 
nachgewiesen. 

Tropidonotus natrix. Wendelstein,? Wolferode, Blanken- 
burg, Weferlingen, Walbeck, Helmstedt, Buchhorst bei 
Braunschweig. 

Vipera herus. Hergisdorf, Rothenschirmbach, Allstedter 
und Ziegelrodaer Forst, Huj, Fallstein, Liebenburg, Wed- 
dingen , Vienenburg , Weferlingen , Lockstedt , Vorsfelde, 
Grasleben, Pawelsches und Rischauer Holz bei Braunschweig, 
Bortfelder Holz. In fast allen nicht zu dürren Waldungen 
anzutreffen, nur in Elm und Asse vermisst. 

Emys orMcularis. Warberg, Hodingen, Dove See und 
Sikter Holz bei Braunschweig. Die vereinzelten Funde 
lassen sich theilweise auf der Gefangenschaft entlaufene 
Thiere zurückführen, doch fehlt es nicht an Anzeichen für 
das einheimische Vorkommen im Norden des Gebiets. Der 
Fund im Sikter Holz Avürde für mich beweisend sein, 

*) Nur die wichtigeren Fundorte fanden hier nochmala Aufnahme. 
Der Vollständigkeit halber wurden auch einige Angaben für die 
Blankenburger Gegend wiederholt. 



— 144 — 

wenn nicht gerade dieser Fundort, ein kleiner Tümpel 
ausserhalb der eigentlichen Moorregion, zu Bedenken An- 
lass gebe. 

Bana esculcnta fijpica. Sicher festgestellt von Ziegel- 
roda, Weferlingen, Braunschweig. 

Bana esculenta ridibunda. Mönkmühlenteich bei Kloster 
Michaelstein, Wasserleben, Egeln. — Ueber den muthmass- 
lichen Zusammenhang der 3 Fundorte vergl. oben bei Egeln 
Im Norden noch nicht gefunden. 

Rana esculenta var. ? Die grünen Wasserfrösche von 
Wolferode, Quedlinburg, Schöningen bedürfen noch der 
Untersuchung. 

Bana temporaria. Ueberall. Wolferode, Quedlinburg 
Egeln, Wasserleben, im Braunschweigischen überall. 

Bana arvalis. Nördlich und westlich von Braunschweig 
häufig, seltener in der Buchhorst z. ß. Im Süden des Gebietes 
noch nicht festgestellt, doch kaum ganz fehlend. 

Biifo vulgaris. Ueberall, z. B. Quedlinburg, im Braun- 
schweigischen. 

Bufo viridis. Ueberall. Rossleben, Hoym, Quedlinburg, 
Regenstein, Pabstdorf, Schiaden, Schöningen, Braunschweig, 
Wolfenbüttel. 

Bufo calamita. Quedlinburg, Schiaden, Weferlingen, 
Schöningen, Braunschweig, Thiede bei Wolfenbüttel. 

Hyla arhorea. Ueberall. Ziegelroda, Wolferode, Quedlin- 
burg, Weferlingen, Elm, um Braunschweig. 

Belobates fuscus. Oschersleben, Quedlinburg, am Regen- 
stein, Hornburg, Schöningen, um Braunschweig häufig, 
Wolfenbüttel. Im Gebiet wohl nirgends ganz fehlend. 

Bombinator ? pacliypus. Artern. 

Bomhinaior igneus. Quedlinburg, Weferlingen, Helm- 
stedt, ? Schöningen, Essehof bei Braunschweig, ?Querum, 
? früher in Klein-Schöppenstedt, in Hagenbruch u. a. 

Salamandra maculosa. Lappwald, Reitlingsthal im 
Elm, Lichtenberge. Im Ganzen selten. 



— 145 — 

Triton cristatus. Ueberall. Wolferode, Quedlinburg, 
Liebenburg, Weferlingen, Helmstedt, Elrn, Asse, Braun- 
schweig, Licbtenberge. 

Triton alpestris. Wolferode, Liebenburg, Yienenburg, 
Weferlingen, Lappwald, Elm, um Braunschweig und Wolfen- 
büttel. Bei Wolferode vereinzelt, im waldreichen Norden 
nicht selten. 

Triton taenlatus. Ueberall. Ziegelroda, Wolferode, 
Quedlinburg, Liebenburg, Weferlingen, Helmstedt, Elm, 
Schöningen, Asse, Braunschweig, Oder, Lichtenberge, 

Nach Abzug von drei Arten, deren einheimisches Vor- 
kommen nicht sichergestellt ist (Lacerta viridis, Emys orhi- 
cularis, Bonibinator pacliypus) verbleiben noch immer 20 
Formen als Bürger der Fauna unseres Gebietes. Unter 
ihnen vermissen wir jedoch gerade die beiden Typen des 
Westens, Ahjtes ohstetricans und Triton palmattts, entschieden, 
während alle 20 Formen auch weiter östlich, z. B. in der 
Provinz Brandenburg und in Westpreussen, noch vorkommen 
(selbst Salamandra maculosa und Triton alpestris finden 
sich in der nordostdeutschen Ebene vor, freilich nicht sicher 
spontan); das Gebiet beherbergt daher eine Mischfauna 
mit starker Annäherung an den Osten, ganz entsprechend 
seiner Lage und wechselvollen Bodenbeschaffenheit. Daher 
machen sich im Einzelnen wieder grosse Verschiedenheiten 
zwischen den einzelnen Landstrichen geltend. So enthält 
die Gegend zwischen Blankenburg, Quedlinburg und Halber- 
stadt, welche sich durch die beträchtliche räumliche Ent- 
wicklung des senonen Sandsteins auszeichnet, von Eeptilien 
auf den schroffen, sonnendurchwärmten, nur mit Haide und 
kleinen Gehölzen bestandenen Klippen, z. B. Kegenstein, 
Hoppelberg, anscheinend nur Lacerta agilis, Anguis fragilis 
und Coronella laevis, diese aber häufig. Vom Kegenstein 
werden noch Ringelnatter und Kreuzotter bekannt gemacht, 
aber die Angaben dürften, ihre Richtigkeit vorausgesetzt, 

10 



— 146 — 

auf versprengte Individuen sich zurückführen lassen. La- 
certa vivipara wurde nirgends beobachtet! — Anders die 
Muschelkalkberge und die Bruchgegenden des Nordens. Die 
Buchenwaldungen des Huy und Fallstein führen neben der 
CoroneUa auch die Kreuzotter nicht selten (über die 
Eidechsen dieser Gegend liegen keine Angaben vor), in der 
ganzen waldigen Gegend zwischen dem Harz, Wolfenbüttel, 
Braunschweig finden wir Lacerta vivipara vielerorts, während 
CoroneUa entschieden vermisst wird und Lacerta agilis erst 
nördlich von Braunschweig im Sandgebiete wieder auftritt. 
Im Elm, dessen Schlangeufauna anscheinend bereits ausge- 
rottet ist, findet sich von Eidechsen ebenfalls nur Lacerta 
vivipara, während der Lappwald mit seiner Umgegend, welche 
zwischen beiden Extremen vermittelt, beide Lacerten, Vipera 
und Tropidonotus führt; dagegen CoroneUa noch vermisst 
wird. Ich stehe daher nicht an, CoroneUa und Lacerta 
agilis als Charakterthiere der sterilen Heideregionen bei 
Quedlinburg und Halberstadt zu betrachten, während Vipera 
und Lacerta vivipara im nördlichen Harzvorland die feuchteren, 
waldreichen Bergzüge des Muschelkalks und die moorigen 
Striche bevorzugen. 

Aehnliche Verhältnisse scheinen auch bei der freilich 
noch ungenügender erforschten Verbreitung der Amphibien 
des Gebiets obzuwalten. Salamandra maculosa findet sich 
im Norden an mehreren Plätzen, noch häufiger ist Triton 
alpestris. Dem Süden gehen sie entschieden ab, höchstens 
der Hu3'wald, ein terra incognita in Bezug auf Amphibien, 
mag sie führen. Von Fröschen sind alle Tieflandsformen 
vertreten, Felohates ist sogar in dem ganzen A^orland häufig, 
auch Bomhinator igncus findet sich im Norden (Okergebiet) 
wie im Süden (Bodegebiet), doch nirgends mehr häufig. 
Bana arvalis ist bisher nur im Norden, Bana escidenta 
ridihunda erst im Süden gefunden: letztere Art fehlt 
wenigstens bei Braunschweig sicher, erstere aber ist im 
Süden noch nie zur Laichzeit gesucht. 



— 147 — 

Für das Vorkommen der Bergunke im Gebiet (abge- 
sehen von Artern), fehlt jeder Anhalt. Wäre sie wirklich 
einst um Braunschweig vorgekommen, so würde sie der 
ältere Blas ins, welcher in den 40er Jahren einen neuen 
Bomtinator von Goslar aufstellte (unsern Bomhinator 
2)achjpiisJ, schwerlich übersehen haben, bei der einstigen 
Häufigkeit der Unke in der ganzen Gegend. Nur für den 
Elm wäre ihr früheres Vorkommen denkbar. Von den 
beiden sich vertretenden Kröten, Bufo viridis und calamita, 
wird die Ostform B. viridis aus dem ganzen Gebiet ange- 
geben und ist gewiss im Allgemeinen häufiger, erst um 
Weferlingen und Braunschweig überwiegt B. calamita^ welche 
östlich vom Harz nur von Quedlinburg angegeben wird. 

Möchten diese Hinweise zur weitern Erforschung der 
Vorlande anregen! 

Wolter storff. 



10* 



— 148 



Das Kyffhäusergebirge. 

Von J. Summe ring in Frankenhausen. 

Das Kyffhäusergebirge ist in den letzten Jahren in 
geologischer und botanischer Hinsicht vielfach Gegenstand 
eingehender Betrachtung gewesen. Weniger oder fast gar 
nicht fand dasselbe seiner Fauna wegen Erwähnung. Und 
doch hat es auch hierin Berechtigung, näher betrachtet zu 
werden, wie ihm in der Geologie und Botanik Aufmerksam- 
keit in grösserem Maasse geschenkt wurde. Kommen doch 
gerade in diesem Gebirge, abgesehen von den daselbst 
lebenden höheren Wirbelthieren, auf dem Gebiete der 
Lepidopteren und Coleopteren Kepräsentanten von seltenen 
und interessanten Arten vor. 

Bevor wir zur Aufzählung der Reptilien und Amphibien 
des Gebiets übergehen, schicken wir zunächst eine kurze 
Beschreibung des KyfiFhäusergebirges voraus. 

Dasselbe, ein kleines Massengebirge, liegt zwischen. 
510 22' und ÖP 26' B., sowie 10^ 56' und UMS' L. und 
umfasst ungefähr einen Flächenraum von 1,5 Quadratmeilen. 
Im Norden und Nordwesten fällt es steil zur goldenen Aue 
ab. Im Osten und Süden flacht es sich allmählich ab und 
bilden seine Grenzen daselbst das Unstrutthal, sowie die 
sogenannte „diamantne Au" oder das kleine Wipperthal. 
Westlich steht es mit einem kleinen Höhenzuge, der Wind- 
leite, in Verbindung. Auch in dieser Richtung sind seine 
Abfälle wie im Norden zum Theil steil markirt. Zahl- 
reiche Längsthäler durchfurchen das Gebirge grösstentheils 
von Westen nach Osten. Die höchsten Gipfel desselben 
liegen im nördlichen bezw. im nordwestlichen Theile, 
in der Nähe seiner nördlichen Grenze. Seiner Gesteins- 
beschafl'enheit nach besteht sein Hauptkern aus Rothliegen- 



— 149 — 

dem (jetzt Ottweiler - Schichten der Steinkohlenformation 
V. F ritsch), das vorwiegend an der westlichen, südlichen und 
theilweise an der östlichen Grenze von Zechstein, älterem 
und jüngerem Gips umlagert wird. Zwischen Kothenburg 
und Kyffhäuserberg im nördlichen Theile des Gebirges be- 
findet sich eine starke Ader von Hornblendegneiss, den 
zahlreiche Gänge von Granit durchziehen. In seiner 
Formation, sowie in geologischer Hinsicht zeigt es viel 
Aehnlichkeit mit dem nahen Harzgebirge, weshalb es nicht 
selten als ein Harz im Kleinen bezeichnet worden ist. Die 
bedeutendsten Höhen befinden sich auf dem Lengefeld und 
zwar an dem Punkte, wo der trigonometrische Thurm er- 
richtet ist, ungefähr bei dem Kilometerstein 8,8 an der 
Chaussee Frankenhausen— Kelbra von 466 m Höhe. Der 
zweithöchste Punkt ist der Kyfihäuserberg, nach Fils 
455 m hoch. An Quellen, wie überhaupt an Gewässern ist 
das Gebirge sehr arm. In nassen Jahren durchrieseln 
einige Gewässer, wie der Goldborn im Norden und der 
Kehborn in der Mitte des Gebirges (unweit des Kathsfeldes) 
nach Osten hin ihre langen Thäler. Hier und da begegnet 
man einigen kleinen Wasserbecken, wie dem Ententeich an 
obengenannter Chaussee und der Tilledaer Pfütze im Reh- 
bornthale, beide im Rothliegenden belegen. Sie führen 
ziemlich klares Wasser. Das erstere liegt vielleicht 333 m, 
das andere ungefähr 275 m über dem Meere. An der 
westlichen Grenze, hart am Fusse des Gebirges, liegt die 
«rystallhelle Quelle des Arnsborns, der nach kurzem Lauf 
von der Frankenhäuser Wipper in der Nähe der Falken- 
mühle (Falkenburger Höhle) westlich von Frankenhausen 
aufgenommen wird. Ausser diesen stehenden Gewässern 
begegnet man noch einigen mit Wasser gefüllten Thon- 
gruben, z. B. im „Vogelbauer", einem Walddistrikt östlich 
von der Lutherwiese am schwarzen Wege zwischen Franken- 
hausen und Rathsfeld in einer Höhe von 300 m und hinter 
Schulze's Häuschen am sogenannten Thonloch, welches 



— 150 — 

theilweise, ausser zur Regenzeit, von einem oberhalb des- 
selben nach Norden hin 300 m hoch liegenden Wasser- 
becken seinen Wasserzufluss erhält. Fast alle Gewässer 
sind spärlich mit Wasserpflanzen versehen, dagegen findet 
sich alljährlich von herabfallendem Laube auf ihren Gründen 
eine ziemlich starke Decke vor, die nicht selten den Am- 
phibien, sowie zahlreichen Wasserinsekten ein vorzügliches 
Versteck bietet. Trotz der sehr geringen Bewässerung des 
Gebietes kann die Vegetation auf demselben fast durchweg 
als eine üppige bezeichnet werden. Ueberall, in . den 
Thälern, an den Abfällen derselben und auf den ver- 
schiedenen Plateaus prangen die herrlichsten Hochwaldungen, 
vorwiegend aus Eichen und Buchen bestehend, in welchen 
hier und da in kleineren Komplexen Nadelholz eingestreut 
ist. Zahlreiches Gesträuch durchsetzt an vielen Orten die 
stattlichen Baumgruppen. Nicht selten trifft man inmitten 
des Waldes kleinere wie grössere Lichtungen und Berg- 
wiesen. Auf den höchsten Kämmen, meist im Norden des 
Gebirges, herrscht grösstentheils Eichengestrüpp vor. Die 
flachabfallenden Vorberge im Süden des Gebirges sind 
durchweg kahl oder tragen auf ihrem kalkigen Boden 
niedriges Buschwerk aller Art. Im Norden werden weite 
Flächen von der Heidelbeere, Vaccinium ^lyrtülus L., mehr 
nach Süden hin aber grosse Strecken von der Heide, Erica vul- 
garis L., bedeckt. Prächtige Farne in grösseren und kleineren 
Gruppen schmücken an vielen, vorzüglich feuchten Orten 
die weiten Längen- wie kürzeren Querthäler. Nicht nur 
hier, sondern auch im höheren Theile des Gebirges deco- 
riren diese Pflanzen mit ihren herrlichen Wedeln Felsvor- 
sprünge und Felsspalten. Mit diesen Kryptogamen wechseln 
noch andere, namentlich verschiedene Moosarten, oft ausge- 
dehnte, schwellende Polster bildend, mannichfaltig ab. 

Alle diese Punkte bilden mehr oder weniger Fund- 
plätze von Amphibien und Reptilien. Nicht unerwähnt 
sollen in dieser Beziehung die zahlreichen Steinbrüche 



— 151 — 

bleiben, die an der Nord- und Südseite des Gebirges mit 
ihrem reichhaltigen, jahrzehntealten Steingeröll liegen. 
Ebenso finde das umfassende Mauerwerk der alten Kyff- 
häuserburg und das kleinere der Rothenburg Beachtung. 
Einiger Amphibien halber muss auch der südlichen Um- 
gebung des Kyffhäusergebirges an geeigneter Stelle Auf- 
merksamkeit geschenkt werden. Es ist hiermit ein Terrain 
östlich von der Stadt Frankenhausen gemeint, die am Fusse 
der südlichen Vorberge des genannten Gebirges liegt. In 
Nachstehendem mögen die Reptilien und Amphibien obigen 
Gebirges Erwähnung finden. 

Lacerta agilis L. findet sich am ganzen westlichen, 
südlichen und östlichen Rande des Gebirges, also in den 
Vorbergen vor. Oft trifft man sie auch an Feldrainen, die 
nicht weit vom Walde liegen. 

Lacerta vlvipara Jaqu. ist ebenfalls wie die vorige, 
das Feld ausgenommen, in den Vorbergen, hauptsächlich in 
sonnigen, lichten Wäldern anzutreffen. 

Änguis fragilis L., Blindschleiche, lebt auf demselben 
Terrain. 

CoroneUa laevis Merr. Selbige wurde wiederholt am 
Kosakenberg, einem ziemlich steilen, kahlen und sonnigen 
Berge westlich von Frankenhausen vorgefunden. In hiesiger 
Gegend hält man sie ihrer Färbung wegen identisch mit 
der Kreuzotter. 

Tropidonotus natrix L. Diese grösste unserer Schlangen 
hält sich ebenfalls in den Vorbergen des Kyflfhäuserge- 
birges auf. Als Aufenthalt liebt sie gern kleine Berg- 
wiesen, die mit niederem, lichten Buschwerk, vorzüglich von 
Haselnuss-Sträu ehern umrahmt oder spärlich bewachsen sind. *) 
Hin und wieder tritt sie eine Wanderung inmitten der 
Flur zwischen Kyffhäuser und Hainleite an, wo sie sich 
namentlich zur Erntezeit unter Roggen- und Weizen- 
schwaden gern versteckt hält. In der kleinen Wipper, die 

^) Auch von Kl ob er im Kyifhäuser beobachtet. 



152 



westlich unweit Frankenhaiisens dicht am Rande des Vor- 
gebirges hinfliesst, ist sie öfters angetroffen. 

Vipera berus. Sie wird fast ausnahmslos in den Vor- 
bergen rings um das Gebirge angetroffen. Da, wo recht 
sonnige Halden mit niederem Gebüsch und Steingeröll sich 
vorfinden, ist sie meist heimisch. Vorzüglich sind die 
spärlich bewachsenen, sonnigen Kalkberge nahe am Wald- 
rande im südlichen Theile des Gebirges geeignete Aufent- 
haltsorte dieser Otter. In dem Schutte, resp. altem, groben 
Steingeröll verlassener Steinbrüche auf dem Kvffhäuserberg, 
die mit Laubholz durchwachsen sind, ebenso auf der wenig 
bewachsenen Süd- und Nordseite des Kyffhäusers begegnet 
mau ihr nicht selten. Vor einigen Jahren wurde ein 
Pärchen an einem Feldgrundstück auf dem Schlachtberge 
nördlich über Frankenhausen unter einem ausgebrochenen 
Kalkstein einige 100 m vom Walde entdeckt. Im Hoch- 
walde, sowie in der Mitte des Gebirges kommt sie selten 
oder gar nicht vor.^) 

Rana escidenta L. kommt im Gebirge vorzugsweise in 
den oben augedeuteten Thongruben, im Vogelbauer und 
hinter Schulz e's Häuschen vor, in der Ebene östlich von 
Frankenhausen ist sie erst recht häufig. 

Bana temporaria L. ist fast über das ganze Gebirge 
verbreitet und entweder bei oder entfernt von Gewässern 
anzutreffen. 

Rana arvalis Miss, findet sich im ganzen Wipper- 
thale südlich vom Gebirge vor. 

Bufo vulgaris Laur. Kommt vorzugsweise in grosser 
Menge auf den kahlen Bergen nördlich und nordwestlich 
von Frankenhausen vor. Auch begegnet man ihr auf der 
ganzen über das Gebirge führenden Chaussee und an vielen 
anderen Orten des Kyffhäusergebirges. 



^) Herr Lehrer E b e 1 i n g - Magdeburg besitzt 2 Ottern vom 
Kyflfhäuser. 



— 153 — 

Bufo calamita Laiir. Ist nicht häufig. Wurde in 
Lehden (Berggärten) und am Schlachtberge unter in Rasen 
eingedrückten Stinkschieferplatten getroffen; sämmtliche 
Orte in den südlichen Ausläufern des Gebirges. 

Uyla arhorea L. Kommt auf dem ganzen Gebirge, 
meist aber auf den südlichen Abhängen desselben vor. 

Pelobates fuscus Laur. findet sich in stehenden Ge- 
wässern und auf Salzboden östlich von Frankenhausen vor, 

Bomhinator pachypus Bon. kommt zwar nicht im Ge- 
birge, wohl aber in den Thongruben östlich von Franken- 
hausen vor. 

Salamandra maculosa Laur. ist ein Bewohner der langen, 
schattigen und tiefen Thäler im Norden des Gebirges. Kommt 
meist nur auf Rothliegendem vor und namentlich da, wo 
kleine Quellen, feuchte und schattige Waldstellen sind.^) 

Triton cristatus Laur. ist in Menge heimisch im 
Ententeich, in der Thongrube im „Vogelbauer", in der 
Tilledaer Pfütze und in fast allen grösseren und kleineren 
Lachen des Gebirges. In vielen überdeckten und offenen 
Brunnen der Stadt und Altstadt Frankenhausen wird er 
häufig angetroffen. 

Triton alpestris im Kyffhäuser Pfingsten 1887 von 
0. Goldfuss beobachtet. Wird wahrscheinlich recht 
häufig sein. (W.) 2) 

Zu Vorstehendem habe ich noch zu bemerken, dass 
Triton taetiiatus nur übersehen sein wird, während für das 
Vorkommen des Alytcs und Triton palmatus, welches bei 
der Abgeschlossenheit des kleinen Waldgebirges besonders 
interessant sein würde, noch keine Anhaltspunkte vorliegen. 
Wichtig sind die Angaben über Rana arvalis, Pelobates 
fuscus und Bomhinator pachypus, doch möchte ich dieselben 



1) Auch Petry, Mitth. Ver. Erdkunde, Halle 1891, p. 186 giebt 
das Wolwedathal im Kyflfhäuser als Fundort an. 
^) Wolterstorif, Vorlauf. Verzeichn. 



— 154 — 

vor Einsendung von Belegstücken, welche mir Herr 
Söm niering für dies Jahr in Aussicht gestellt hat, noch 
nicht zu thiergeographischen Schlüssen verwerthen. Auch 
die Bestimmung der Bana esculenta (welche Form?) steht 
noch aus. Etwas auffallend ist das Vorkommen des am 
Osthaiz seltenen Biifo calamita. 

Die verbleibenden am KyöTiäuser festgestellten Arten, 
die 6 Keptilien und JRana temporaria, Bufo vulgaris, Hijla 
arhorea, Salamandra maculosa, Triton cristatus und alpestris 
finden sich sämmtlich auch in den tiefer gelegenen Theilen 
des Harzes. Umgekehrt wurden alle 6 Reptilien des Harzes 
auch am KyöTiäuser nachgewiesen. Wolterstorff. 



Das Weser- und Leinebergland. 

Einleitung. 

Zwischen dem Harz und seinen nördlichen Vorbergen 
einerseits, dem Sauerländischen Schiefergebirge, der Egge 
und dem Teutoburger Wald andererseits finden wir ein 
überaus mannigfach gestaltetes Berg- und Hügelgelände. 
Tiefebene ist nur auf kurze Strecke im Thal der Weser 
und Werra entwickelt. Zahlreiche langgestreckte, schmale 
Bergrücken, theilweise staffeiförmig übereinander folgend^ 
durchziehen im Norden, meist in hercynischer Streichrichtung, 
das Gebiet ; im Süden finden wir massig entwickelte Gebirge 
und Hochflächen. 

Diese Unterschiede zwischen Nord und Süd sind durch 
die geologischen Verhältnisse bedingt. Im Süden finden 
wir die Trias mächtig entwickelt, ihr gehören das Eichsfeld^ 
der Bramwald, Habichtswald, Reinhardswald und Solling, 
sowie die Höhen des Lipper Landes an, welche im Ganzen 
eine Plateaulandschaft bilden, aber durch tief eingeschnittene 
Thäler von einander getrennt sind. Hierzu treten becken- 
förmige Einsenkungen, wie die langgestreckte Göttinger Mulde 
(„Güttinger Senke"). Der Norden entbehrt der Trias nicht,. 



— 155 — 

zu ihren Gliedern tritt jedoch die hier ungemein reichhaltige 
Schichtenfolge der Jura- und Kreideformationen. Dieser 
mannigfaltige Wechsel in der Gesteinsbeschaffenheit, erhöht 
durch mehrfache Verschiebungen und Schichtenstörungen, 
giebt der Landschaft ihr Gepräge. 

Albrecht Penck, dem ich hier gefolgt bin, theilt in 
seiner umfassenden physikalischen Beschreibung Deutsch- 
lands i) unser Gebiet auf Grund der geschilderten geologischen 
Verhältnisse drei Landschaften zu: Thüringen, dem 
Hessischen Berg- und Hügelland und dem sub- 
hercynischen Hügelland; vergl. schematische Skizze 
pg. 285. 

Für unsere Zwecke scheint es mir jedoch zweckmässiger,, 
von seiner Eintheilung, welche z. B. unter dem Namen 
„Weserbergland" Süntel, Wiehengebirg, Egge und Teuto- 
burger Wald vereinigt, dagegen die Berge zwischen Hannöv.- 
Münden und Hameln ausscheidet, im Einzelnen abzusehen 
und im Nachstehenden die althergebrachte Gliederung in 
Daniel^) und dem grossen Werk „die Provinz Hannover"^) 
zu folgen. Von Pencks Subhercynischem Hügelland hat 
der östliche Theil, nördlich und östlich vom Harz, bereits 
oben Besprechung gefunden, der gesammte westliche Ab- 
schnitt — ausser dem Teutoburger Wald — , der nördliche 
Theil des Hessischen Berg- und Hügellandes, der Hessischen 
und Göttinger Senke, nördlich von Hannoversch- Münden 
fällt in das hier betrachtete Gebiet. Den nordwestlichen 
Zipfel des Thüringer Beckens mit dem unteren Eichsfeld 
nördlich der Leine rechne auch ich zu Thüringen (Regel*), 



') Unser Wissen von der Erde. Bd. 2, 1. Theil, Alb recht 
Penck, das Deutsche Reich. Wien und Prag, 1887, pg. 284 ff. 

2) Daniel, Handbuch der Geographie, Bd. 3, Deutschland. 

3) Die Provinz Hannover. In Verbindung mit Diercke, Ebert, 
Görges, Günther, Hering, Rosenbusch, Steinvorth herausgegeben von 
Johannes Meyer, Hannover, 1888. 

*) Fr. Regel, Thüringen, ein geographisches Handbuch, Jena 1892.. 



— 156 — 

habe ihn jedoch, seiner faunistischen Beziehungen halber, 
nicht auslassen wollen, 

Günther und Gör gas in „die Provinz Hannover" 
theilen unser Gebiet in das Leinebergland und in das 
Weserberglaud. Und diese Scheidung nach den beiden 
Hauptthälern ist in der That in mehrfacher Hinsicht be- 
rechtigt und entspricht auch den herpetologischen Ver- 
hältnissen, wie unten noch ausgeführt werden soll. 

Ich verstehe unter Weserbergland die gesamraten, 
grossenteils bewaldeten Bergzüge rechts und . links- der 
Weser von Hannöversch-Münden bis Minden an der Porta 
westfalica, z. B. Bramwald und Reinhardswald, Solling, Ith, 
Hils und den Köterberg, die Berge von Pyrmont, das 
Lippesche Berg- und Hügelland, den Ostsüntel mit Oster- 
wald und Deister, das Wiehengebirge oder den Westsüntel 
westlich der Weser, mit dem Thal der Weser , Werra und 
einiger Nebenflüsschen ^), unter Leinebergland die Gegend 
zwischen dem Harz und Weserbergland. 

Das Leinebergland. 

Von Wolterstorff. 
Das Gebiet westlich und nordwestlich vom Harz, im 
Osten des Weserberglandes, wird von Günther in „die 
Provinz Hannover" treffend unter dem Namen „Leinebergland" 
zusammengefasst, nach der Leine, welche mit ihren Neben- 
flüsschen die ganze Landschaft durchströmt. Ich stimme 
in der Abgrenzung vollkommen mit Günther überein, 
nur wurde der beschränkte Antheil der Provinz Sachsen 
nördlich der Leine, mit Heiligenstadt und Bleicherode , mit 
aufgenommen. Rein orographisch betrachtet, kann man das 
Gebiet auch als westliches Vorland des Harzes bezeichnen; 
da sich ein Einfluss des Harzes in der Verbreitung der 
Lurche und Kriechthiere nicht verkennen lässt. Der Harz 



') Der Teutoburger Wald siehe unten bei „Westfalen". 



— 157 — 

dient als Schranke gegen die östliche Tiefebene, umgekehrt 
verbreiten sich von hier aus manche Thiere, wie die Kreuz- 
otter, ins Hügelland. Andrerseits ist das Leinebergland mit 
dem Weserbergland eng verknüpft. Wie schon erwähnt, 
wird der südliche Theil, Eichsfeld und Göttinger Mulde, 
grossentheils von der Trias gebildet, an der Zusammen- 
setzung des nördlichen, welcher zum subhercjnischen Hügel- 
land Pencks gehört, nehmen auch Jura und Kreide 
wesentlichen Antheil. 

a. Das untere Eichsfeld und die Göttinger Senke. 

Von W. Henneberg und W. Wolterstorf f. 
Die Landschaft nördlich vom Dün und dem Oberlauf 
(Weststück) der Leine, ist ein fruchtbares Hügelland, welches 
grossentheils Buntsandstein zum Untergrund hat, über 
dasselbe ragen schroffe, meist bewaldete Bergzüge empor, 
wie das Ohmgebirge (524 m), der Göttinger Wald (bis 
527 m hoch), welche aus Muschelkalk besteben. Nach 
Regen) findet das untere oder hannoversche Eichsfeld 
gegen den Harz seinen Abschluss in den ßothenbergen (270 m), 
die Nordgrenze wird durch Northeim bezeichnet, den Ost- 
rand bildet der Abfall des Göttinger Waldes gegen die 
Göttinger Mulde, jetzt meist als Göttinger Senke bezeichnet 
(v. Konen). Die Göttinger Mulde ist eine nordsüdliche 
Grubenversenkung, in welcher das jüngste Glied der Trias, 
der Keuper, eingebettet liegt mit einigen Fetzen von Lias. 
Die Senke, in welcher die Leine mühelos einen Ausweg nach 
Norden fand, ist ein welliges fruchtbares Gelände, der 
Wald tritt zurück. 

Für den südlichsten Theil des Gebietes, die Gegend 
von Heiligenstadt und Bleicherode, sind mir nur spärliche 



*) Für das Gelände zwischen Leine und Werra, z. B. Geismar^ 
Allendorf/ Werra, und die Umgebung des Meissners, am linken Werra- 
ufer, liegen noch viele Angaben über Schlangen vor, welche ich jedoch 
für die geplante Arbeit über Thüringen und Hessen zurückstellte. 



— 158 — 

Mittheilungen bekannt geworden, etwas besser unterrichtet 
sind wir über die Fauna der Umgebung von Göttingen. 
Bleicherode. Vipera herus. (Besthorn, in Blum.) 
Heiligen Stadt. Um Heiligenstadt finden sich 
Coronella laevis, Tropidonoius natrix, sehr selten ist Vipera 
herus (Wald mann, Oesterheld, in Blum). Vipera ist auch 
bei Dietzenrode beobachtet (Steinbrecher, in Blum?). 
Alytes obstetricans wurde im Jahre 1879 in einem Steinbruch 
bei Heiligenstadt zwischen Mergel und Tuffstein in 1.25 ra Tiefe 
gefunden. (Belegstück im Zoologischen Museum Göttingen.) 

Göttiiigen. 

Die folgenden Angaben beruhen im Wesentlichen auf 
den freundlichen Mittheilungen des Herrn Geheimrath 
Prof. Ehlers, Assistent Dr. Rhumbler, und den 
Belegstücken des Zoologischen Museums der Universität. 
Daneben konnten Beobachtungen der Herren Dr. Henkln g, 
Bruno Henneberg (briefl. Mittheilungen) u. a. zu Rathe 
gezogen werden. 

Lacerta agilis bei Göttingen (B. Henneberg, Dr. 
Heuking); im Zoolog. Museum liegt ein Exemplar mit 
2 Schwänzen, gefangen 1845 von Schlotthauber. Auch 
Kobus (in Dürigen) giebt die Art an. 

Lacerta vivipara am Wall zu Göttingen (Zoolog. 
Museum, 1863), bei Göttingen s. häufig (Henk in g), mehr- 
fach gefangen (W. Henueberg). Auch von Kobus (in 
Dürigen) beobachtet. 

Anguis fragiUs häufig (B. H e n n e b e r g , Zoolog. 
Museum), Göttin ger Wald (Henking). 

Coronella laevis bei Ballenhausen, südlich Göttingen 
(wohl auf den bewaldeten Bergen über dem Bremker Thal 
gefangen, W.), Belegstück im Zoolog. Museum Göttingen. 

Tropidonotiis natrix bei Göttingeu. Zoolog. Museum. 

Vipera herus in der Brück, einer feuchten Bergwalduug 
bei Göttingen, beobachtet (Wiegand- Rostock, in Blum). 



— 159 — 

Bana escidenta typica. Die Form kam früher bei 
Oöttingen vor, 2 grosse Stücke aus dem Jahre 1838 liegen 
im Zoolog. Museum. Nach freundl. Mittheil des Herrn 
•Geheimrath Prof. Ehlers ist der grüne Wasserfrosch in 
der nächsten Umgegend von Göttingen nicht mehr zu finden, 
■da bei dem Bau der Eisenbahn und der Einschränkung des 
Leinebettes viele Tümpel und Teiche verloren gingen. — 
Auch B. Henneberg hat die Art im Jahre 1888 nicht 
gefunden. 

Rana temporaria überall s. häufig (Zoolog. Museum, 
B. Henneberg). 

Bufo vulgaris, Göttingen (Zoolog. Museum). 

Bufo calamita, Göttingen, 1838 (Zoolog. Museum). 
Schon Gravenhorst, Deliciae Mus. Yratisl., 1829, nennt 
■die Art von hier! 

Pehhates fuscus. Die Knoblauchskröte ist im Zoolog. 
Museum nicht vertreten, auch B. Henne b er g hat sie nicht 
gefunden. Die vorliegenden Angaben — ein Exemplar der 
Breslauer Sammlung soll nach Gravenhorst, Deleciae, 
auf einer sumpfigen Wiese bei Göttingeu gefangen sein; 
Dr. Behrends hat, nach B. Henneberg, ein Thier gesehen — 
bedürfen bei der Höhenlage Göttingeus (147 m) noch der 
Erhärtung. 

Bomhinator pachjpus. Bruno Henneberg hat die 
Berguuke 1888 in mehreren Teichen um Göttingeu gefunden, 
in einem waren etwa 40 Thiere, die Art ist also häufig (B. M.). 
Im Zoolog. Museum liegen Exemplare aus den Jahren 1838 
bis 1846. Dr. Henking hat in dem malerischen, tief in 
den Buntsandstein eingeschnittenen Bremker Thal, etwa 
10 km südöstlich von Göttingen, die Unke ebenfalls gefunden. 

Ahjtes ohsfetricans. Früher im botanischen Garten zu 
Göttingen beobachtet^); F. Könnicke- Bremen hat den 
Huf, nach freundl. briefl. Mittheilung, bei Wiemarden östlich 



Vergl. Nehring, einige Notizen. 



— IGO — 

Göttiiigen gehört, ferner wird Alytes von Weissenboru und 
Diemarden bei Göttingen angegeben (Rehberg, in E. S. 
Fauna saxonica). „Alytes obstetricans ringsum", theilt 
mir nachträglich, unter dem 14. Mai 1893, W. Henne- 
berg mit. 

Salamandra maculosa bei Göttingen 1845 gefangen 
(1845), im Göttinger Wald 1888 von B. Henneberg be- 
obachtet, Zoolog. Museum (B. M.). Das Vorkommen wird 
ursprünglich sein! 

Triton cristatus Göttingen (Zoolog. Mus., B. Henneberg). 

Triton dlpestris Göttingen (Zoolog. Mus., B. Henneberg). 

Triton taeniatus (Zoolog. Mus, B. Henneberg). 

Triton palmaius. Wie W. Henneberg Juni 1892 
mittheilt, muss Tr. palmatus auch um Göttingen hausen,^ 
obschon als Seltenheit. Wenigstens dient er als Secier- 
object in der Anatomie. 

Ein kurzer Ueberblick der Beobachtungen aus dem 
untern Eichsfeld und der Göttinger Mulde lehrt, dass alle 
6 Reptilien des Harzes und der Weserlande auch hier 
vertreten sind. Die Amphibien bedürfen weiterer Unter- 
suchung, So wird der ganz sicher vorhandene Laubfrosch 
gar nicht angegeben! Die wiederholten Funde von Alytes 
sind besonders wichtig, weil sie die allgemeine Verbreitung 
des Thieres auch westlich vom Südrand des Harzes be- 
weisen. — Von den Tiefebeneformen unter den Anuren 
findet sich höchstens Pelobates fiiscus, und der auch nicht 
sicher. Um so häufiger ist Bonibinator pachypus, die aus- 
gesprochene Bergform Mittel- und Süddeutschlands. Auch 
das Fehlen der grünen Kröte, Bufo viridis wäre beachtens- 
werth, falls sie sich wirklich in der Gegend nicht findet, 
da diese Form des Ostens bisher am Westrand des Harzes, 
im Weserbergland und dem grössten Theil Westfalens ver- 
misst wurde. — Triton j)cd'niatus, der östlich wie westlich 
vom Eichsfeld häufig sich findet, ist hier seltener und liegt 
kein bestimmter Fundort vor. Wahrscheinlich sagt ihm 



— 161 — 

die waldarm gewordene Gegend nicht mehr recht zu. 
Triton aljjestris und Salamandra maculosa, Gebirgsthiere, 
welche auch häufig in waldigen Hügellanden sich finden, 
fehlen um Göttingen nicht, sind aber minder zahlreich 
als Triton crisfatus und taeniatus. — Sind demnach die 
meisten Amphibienarten Mitteldeutschlands auch in dieser 
Gegend nachgewiesen, so fällt doch speciell bei Göttingen 
die Armuth an Individuen, bei dem Mangel an stehenden 
Gewässern, ins Auge. Im weitern Umkreis Göttingens, 
nach der Werra und Weser hin, ändern sich nach Ehlers 
Mittheilung diese Verhältnisse sehr, 

b. Die Oegend Ton Northeim Ms Grronau 
und Hildesheim. 

Die Landschaft nördlich vom Eichsfeld und der Göttinger 
Mulde ist mannigfaltiger, waldreicher. Die Thäler sind oft 
tief eingeschnitten. Bei den dürftigen Nachrichten aus 
dieser Gegend, welche Penck zum Subhercynischen 
Hügelland zählt, erscheint mir näheres Eingehen auf die 
Terrainverhältnisse nicht am Platze. 

Salzderhelden. Coronella laevis. Kreuzotter nicht 
beobachtet (Schultze — Einbeck in Blum). 

Einbeck. Ängiiis fragilis. Kreuzotter nicht beobachtet 
(Schultze in Blum). 

Kreiensen. Lacerta vivipara, Änguis fragilis. (W. H. 
mündl. Mittheil.) Lac. agilis vermisst! 

Gandershei m. Vipera herus im Wald, auf Muschel- 
kalk und Buntsandstein, sehr selten (Director Wilke 
in Blum). 

Alfeld. Alytes ohstetricans. (E. C.) 

Boden bürg. Vipera herus ziemlich häufig auf 
bewaldeten Bergrücken und Abhängen mit Heidekraut, auf 
Buntsandsteinboden (Forstmeister Beling in Blum). 

Ahjtes ohstetricans. (E. C.) 

11 



- 162 — 

Gronau. Vipera berus bei Haus Escherde, am 
Escherder Berg bei Gronau, beobachtet. Kreuzottern finden 
sich hier und an den Yorbergen weiter östlich, nach 
Hildesheim zu, z. B. am Finkenberg (Mejer in Blum). 

Lutter am Barenberg^). Vipera berus findet sich 
zwischen Ostlutter und Langeisheim im Brederlemer Gehölz, 
auf einem Hügelzug ca. 100 m über dem Meer, von Quader- 
sandstein gebildet. Eichenbuschholz, Heide und Heidelbeer- 
kraut (Beling in Blum). 

R i n g e 1 h e i m. Tropidonotus natrix (L e u n i s , in 
Schlangen). 

Hildesheim. Ueber die sicher sehr interessante 
Hildesheimer Gegend liegen leider sehr wenig specielle 
Angaben vor, das Hildesheimer Museum besitzt auch keine 
Amphibien und Reptilien mit genauen Fundortsangaben, 
nach Mittheilung des Herrn Senator Dr. Fiömer. Leunis 
in „Schlangen von Hildesheim" nennt CoroneUa laevis von 
Finkenberg und Knebel bei Hildesheim; Vipera berus ist 
häufig, z. B. Escherberg, Klosterholz, Marienröder Holz. 
Blum erwähnt als Fundort für die Otter noch: Bei Wend- 
hausen, besonders am Weg nach Heersum und Lechstedt, 
auf Kalk- und Lehmboden (W ei gel). Eine erneute Unter- 
suchung der Kriechthier- und Lurchfauna Hildesheims muss 
als dringend wünschenswerth bezeichnet werden. 

Das Weserbergland. 

a. Das Rechtsseitige. 

Von W. Wolter st ort' f. 
Das oben bereits kurz charakterisirte Weserbergland 
weicht in mehrfacher Hinsicht von dem Leinebergland ab. 
Vor Allem trägt es auf seiner ganzen Erstreckung zu beiden 
Seiten der Weser den Charakter des Waldgebirges, die 
Berge fallen grösstentheils schroff zum Flusse ab, bald ihn 



^) Streng genommen gehören dieser und der folgende Ort noch 
zu den nördlichen Vorlanden des Harzes. 



— 163 — 

in enge Schluchten einzwängend, bald weiter zurücktretend 
und anmuthigen Thalauen weichend. 

Die Höhe der Bergzüge ist nicht bedeutend, nur der 
SoUing überschreitet 500 m, aber doch sind die Contraste 
zwischen Höhen und Tiefen, namentlich unterhalb Hameln 
am Süntel, hier so scharf und grossartig ausgesprochen, wie 
sonst kaum im norddeutschen Hügellande, die waldreichen 
üferhöhen erheben sich bei einer mittleren Entfernung von 
nur 4 km von der Weser bis an 300 m über den Spiegel 
•des Flusses, der bei Vlotho 58 m hoch liegt i). Ein 
besonderer Vorzug ist der prächtige Laubwald, der fast 
alle Wesergebirge schmückt und oft meilenweit sich 
hinzieht. In erquickender Waldeskühle kann hier der 
Wanderer seine Strasse ziehen, unter schattigen Buchen die 
Höhen erklimmen^). 

Eingehende Lokalfaunen liegen nur für Eschershausen, 
Hameln vor, und nur diese Gegenden beanspruchen aus- 
führlichere Schilderung. Einzelbeobachtungen gingen mir 
noch von mehreren Orten zu. 

Hannoversch- Münden. 

Münden, eine kleine alterthümliche Stadt mit malerischer 
Umgebung, liegt an der Vereinigung der Werra und Fulda 
auf einer von beiden Flüssen eingeschlossenen Landzunge. 
Die Thäler sind schmal, die Weser strömt zwischen Eein- 
hardswald und Bramwald in enger Schlucht dahin, weit 
ausgedehnte schone Waldungen bekleiden die von Buntsand- 
stein gebildeten Abhänge, 

Von den Reptilien der Gegend von Münden kenne ich nur 
Vij)era herus. „Bei Münden," Belegstück im Beal- 
gymnasium zu Kassel. (Dr. Hornstein, in Blum.) 



1) Daniel, 3, pag. 393. 

^) Görges, das Wescrbergland, in die Provinz Hannover, pag'. 
677 ff. Der Aufsatz enthält eine treffliche landschaftliche Schilderung 
-des hier betrachteten Gebietä! 

11* 



— 104 — 

Für Amphibien verdanke ich der Güte des Herrn Prof.. 
Metzger folgende Nachweise: 

Bufo vulgaris gemein. 

Hyla arhorea nicht selten. 

Bomhinator „igneus" (ohne Zweifel pachypus!) in der 
Umgegend der Fulda und in diesem Flusse selbst. 

Alytes ohstetricans bewohnt in ziemlicher Anzahl die 
nach Süden und Westen sich Öffnenden Seitenthäler der 
Fulda bei Münden und geht bis etwa 250 — 260 m. In 
einzelnen Gärten der Stadt ist Alytes durchaus keine- 
Seltenheit. 

Salamandra maculosa ist in den Waldungen häufig. 

Triton alpestris. 

Triton taeniatus. 

Triton xmlmatus. 

Triton palmatus kommt hier mit Tr. alpesfris und. 
taeniatus bis zu einer Meereshöhe von ca. 300 m vor, z. B. 
am Cattenbühl. Triton alpestris und taeniattis gehen noch 
höher hinauf. 



Bursfelde. ^^Bombinator igneus (sichev pachypus!) 
in einem Wassertümpel unweit der Landungsstelle der 
Fähre am linken Weserufer beobachtet". Privatdocent 
Dr. Henking. 

Holzminden. Vipera herus soll nach Angabe von 
Schulrath Eberhard - Braunschweig und Oberförster 
Ziegenmaier — Holzminden (in Blum) bei Holzminden 
vorkommen. Es wäre dies ein vorgeschobener Posten im 
Weserthal. Doch ist, nach Wortlaut des Fragebogenmaterials^ 
die Möglichkeit der Verwechslung mit Coronella vor- 
handen. Woltersto rff. 



— 165 — 

Eschershausen/) 

Von Erich Gruse. 

Eschershausen, die kleinste Stadt des Herzogthums 
Braiinschweig , liegt 167 m hoch über dem Meeresspiegel, 
im Thale der Lenne, einem der Weser zuströmenden 
riüsschen im östlichen Zuge der Weserberglande. 

Die hier, wie im ganzen Weserbezirke, nahe an ein- 
ander tretenden Bergzüge lassen nur Kaum für schmale 
TThalmulden, so dass grössere und weitere Ebenen fehlen. 

Im Südosten beginnen die „Weserberge" der näheren 
Umgebung von Eschershausen (d. h. im Umkreis von 1 bis 
2 Meilen, = 7 — 15 km) mit einer Doppelkette, die in der 
Kichtung von Südost nach Nordwest zieht. Zwischen dem 
nördlichen dieser beiden Bergzüge, dem „Hils", der in fast 
gleichmässiger Kammhöhe von circa 400 m verläuft und 
dem südlichen, dem „Elfass", der sich bis 325 m erhebt, 
bleibt ein 3 — 4 km breites Thal, dessen Sohle bei Vorwohle 
in 245 m Meereshöhe liegt. Nordwestlich von Vorwohle fällt 
das Thal schnell ab und wird bedeutend schmäler, der Hils 
und Elfass, der bald in dem von der Braunschweigischen 
Südbahn durchbrochenen nach Norden steil abfallenden 
„heissen Nacken" endet, treten, nur 1 km Thalraum gebend, 
zusammen. Der Hils, dessen das Thal begrenzender Vorberg 
hier Kleeberg genannt wird, zieht in nordwestlicher Richtung 
weiter, während auf der Südseite die „Homburger Berge", 
die in der Homburg selbst mit 325 m ihren höchsten Punkt 
erreichen, das Thal begrenzen und die Fortsetzung des 
Elfass bilden; durch die Schlucht, welche von dem steil 
abfallenden Elfass und die nahe herantretenden Homburger 
Berge gebildet wird, tritt die Lenne, ein am „Holzberge" 
entspringendes Flüsschen, von Süden her in das Thal ein 
und strömt nach einer scharfen Biegung in nordwestlicher 
Richtung, dem Thale folgend, der Weser zu. Die Thalsohle 

1) Die Höhenangaben und einzelne geographische Daten sind aus : 
Knoll und Bode, Heimatskunde von Braunschweig. 



— 16G — 

liegt hier circa 170 m über der Nordsee. Va Stunde abwärts- 
gewinnt durch das Zurücktreten des Hilses die Ebene an 
Breite; vor das Nordwestende des Hilses, der hier in der 
469 m hohen „blossen Zelle" endet, lagert sich der Ith, ein 
schmaler, ebenfalls in nordwestlicher Kichtung streichender^ 
nach beiden Seiten steil abfallender Gebirgsrücken, mit 
seinem Südostende. 

Die höchsten Erhebungen des Iths sind der „Ängerkopf- 
mit 388 m, während die sich nördlich an den Ith reihenden 
„Lauensteiner Berge" bis zu 404 m emporsteigen. 

Nordöstlich von den Lauensteiner Bergen lagert sich 
das Süntelgebirge und der Osterwald, durch ihre Vorberge- 
und Ausläufer das Thal im Norden abschliessend. 

An die Homburger Berge schliesst sich gegen Nordr- 
Westen der Vogler. Sein Hauptrücken zieht zur Weser 
hin, mit steilem Abfall bei Bodenwerder nahe an den Strom 
herantretend. An ihn lagern sich nördlich und südlich 
grössere und kleinere Berge, dazwischen finden sich von 
rauschenden Gebirgsbächen durchflossene Schluchten. Der 
447 m sich erhebende Ebersnackenkopf ist nächst der „blossen 
Zelle" im Hils (469 m) der höchste Punkt in den Eschers- 
hausen naheliegenden Bergen. 

Im Westen wird die Grenze der Ebene durch den 
Weserstrom gebildet. 

Eine Stunde unterhalb Eschershausens entwickelt sich 
inmitten der hier an Breite immer mehr gewinnenden Thal^ 
ebene ein Bergzug (Hainberg, Tuchtberg und Birk), der 
parallel zu den beiderseitigen Grenzgebirgen fast bis zur 
Weser hinzieht, so die Ebene hier in zwei Theile gabelnd, 
in das schmälere, fast 1 km breite westliche Thal, dem die- 
Lenne mit ihrem Laufe gefolgt ist, und das breitere, fast 
3 km weite östliche Thal, welches nur durch einige vom 
Ith herabströmende Bäche bewässert wird. 

Nach Nordosten hin fällt der „Vogler" steil ab, während 
er nach Südosten zu allmählich in ein bis an die „Homburger 



167 



Berge" herantretendes Hochplateau, das circa 289 m hohe 
Odfeld, ühergeht. Südwestlich vom Elfass steigt der Holz- 
berg aus der Ebene auf, durch einige kleinere Erhebungen 
Fühlung gewinnend mit dem eine weite Hochebene bildenden 
grossen Sollinger Walde, dessen 515 m hoher Moosberg 
die höchste Erhebuug des diesseitigen Wesergebiets ist. 

Zwischen Solling und Vogler ist noch der von Negen- 
born nach der Weser in westlicher Kichtung ziehende 
isolirte, in dem Eberstein 329 m Höhe erreichende Burgberg 
zu nennen. 

An namhaften fliessenden Gewässern könnte ausser der 
oben mehrfach erwähnten „Lenne'^ noch der „Forstbach" 
genannt werden, der am Sttdfusse der Homburger Berge 
entspringend in westlicher Richtung der Weser zuströmt. 

Zwischen Stadtoldendorf und Negenborn durchströmt 
er das romantisch groteske Hoopthal, dessen aus Bunt- 
saudsteinquadern gebildete Felswände schroff aufsteigen. 

Bei einem Blick auf die geognostische Karte der Um- 
gegend von Eschershausen springt uns sofort die den ganzen 
Südwesten beherrschende Buntsandsteinformation ins Auge. 
Vom Sollinger Walde, dessen Untergrund vollständig aus 
diesem Material besteht, ausgehend, erstreckt sich diese 
Formation nach Norden zu über den Burgberg, das Odfeld, 
den Vogler, bis an das Lennethal herantretend; nach Südost 
an diesem Thale entlang ziehend, über die Homburger 
Berge und den Elfass. 

Von Osten gegen den Elfass vordringend zieht der 
Muschelkalk, den letzteren Berg auf der Süd- und Ostseite 
mit zwei schmalen Zungen umgehend. Dem Laufe der 
Lenne entlang zieht sich ein schmales Band gen Nordwest, 
über die Vorberge des Hilses: den Kleeberg, hart an Eschers- 
hausen vorbei, über den Kirch- und Kappenberg (einem 
Vorberge des Voglers) und läuft bis zur Weser, den oben 
genannten isolirten Bergrücken: „Hainberg, Tuchtberg und 
Birk^' bildend. An der Südseite des Elfass entlang zieht 



— 168 — 

der Muschelkalk, nach Westen zu an Mächtigkeit zunehmend, 
bis zum „Holzberg", mit diesem den letzten Verstoss gegen 
das Buntsandsteinlager bildend, nach Süden hin den SoUing 
bandartig säumend. Auch der Burgberg bei Negenborn 
und der südwestliche Theil des Voglers an der Weser 
gehören der Muschelformation an. 

Dem Muschelkalkstreifen im Lennethale nördlich vor- 
gelagert, diesem parallel laufend und gleich schmal, erstreckt 
sich der Keuper über Eschershausen (das also theils auf 
Muschelkalk, theils auf Keuper liegt) nordöstlich am Hain- 
und Tuchtberge vorbei. 

Als drittes Parallelband nach Norden zu, in der Richtung 
der beiden vorgenannten verlaufend, finden sich der Lias 
und der braune Jura am Südwestabhange des Iths hinauf- 
steigend, um dann dem weissen Jura, aus dem die Haupt- 
masse des Iths besteht, auf der Höhe Platz zu machen; 
insbesondere gehören auch die weit vorspringenden durch 
ihre Höhlenbildung berühmten Dolomitklippen dieses Ge- 
birgsrückens der weissen Juraformation an. 

Weiter nach Norden zu treffen wir den Hils. 

Die ältesten Schichten sind bekannt unter dem Namen 
Neokom oder Hilsformation , dieselben gehen allmählich in 
die obere Kreide über. 

Die Berge sind ausser einigen grösseren Abtrieben am 
Hils mit dem herrlichsten Laubwald bedeckt, in dem die 
Buche vorherrscht, richtenbestände finden sich überall 
eingesprengt, in grösserer Ausdehnung bedecken sie aber 
nur einige Stellen des Hilses. 

Dieser, der höchste Bergzug in der näheren Umgegend 
Escherhausens, erinnert durch diese Fichtenwaldungen, durch 
seinen an der blossen Zelle nur mit Heidekraut und üppigen 
Farrenkräutern bestandenen Rücken, auf dem wir schon 
von Weitem die in üppigen Stauden emporschiessende 
Digitalis purpurca leuchten sehen, vor allem aber durch 
seine im September die Berge blau überziehende Gentianen- 



— 169 — 

flora an unser ncächstes Hochgebirge, den Harz, An seinen 
steinigen Abhängen finden wir hin und wieder, doch ver- 
hältnissmässig selten, Eidechsen. 

Auch auf dem Ith mit seinen weithinleuchtenden mit 
Asplenium TricJwmanes und Scolopendriimi bewachsenen, 
aus dem Walde vortretenden Klippen, die vom Morgen bis 
zum Abend von der Sonne beschienen werden und so ein 
Eldorado für die wärmeliebenden Kriechthiere sein müssten, 
hausen nur wenige Schlangen und Eidechsen. 

Die weitausgedehnten Ithwiesen, auf denen die üppig- 
sten saftigsten Gebirgskräuter gedeihen, unter ihnen vor 
allen die seltensten OrcMdeenspecies wie Anacamptis, 
Herminmm Monorcliis, Oplirys etc., geben kein besseres 
Eesultat. Dort oben auf dem höchsten Punkte der Wiesen 
hart an der Waldesgrenze ist ein grösserer Steinhaufen 
aufgeworfen; hierher scheinen sich die einzigen, die ganzen 
weiten Flächen bewohnenden Reptilien, einige Bergeidechsen 
(Lacerta vivipara) , zurückgezogen zu haben. Bei einiger 
Geduld sehen wir es in den Steinen lebendig werden; hier 
hebt eine Eidechse vorsichtig umherlugend den Kopf, 
kommt behutsam hervor, um auf den erwärmten Steinen in 
der Sonne zu ruhen; dort verlassen einige die Ansiedelung, 
in dem hohen Grase verschwindend. Arm an Reptilien ist 
auch der mit herrlichem Buchenwald geschmückte Vogler. 
Nur in dem vom rauschenden Wabach durchströmten 
Waldthal gelingt es hin und wieder einer Kreuzotter hab- 
haft zu werden. 

Die zahlreichen in den Berg führenden, wohl durch die 
Lagerung der Sandsteinschiefern entstandenen Löcher, 
scheinen der Schlange überall gute Schlupfwinkel zu bieten, 
so dass wohl mehr Thiere sich dort finden möchten, als 
man bisher annimmt. 

Reichhaltiger ist die Thierwelt der Thäler. Hier ver- 
dienen namentlich die Fundorte für die Geburtshelferkröte, 
Bergunke, Kreuzkröte und Leistenmolch nähere Betrachtung. 



— 170 — 

Wir folgen wiederum dem Laufe der Lenne. Dicht bei dem 
am Dorfe Lenne vorbeiziehenden Bahndamme haben sich 
in den von der dortigen Ziegelei ausgestochenen Thongruben 
grössere Wasseransammlungen gebildet; ein Bächlein, 
welches sie durchfliesst und der Lenne zufällt, schützt sie 
im heissen Sommer vor dem Austrocknen. Die steil 
abfallenden Ufer der Thongruben sind mit Ziegel- und 
Steinabfällen bedeckt. Die Wassertümpel selbst sind an 
den Ufern mit Gras und Wasserpflanzen bcAvachsen und 
bilden so eine willkommene Zufluchtsstätte für die laichenden 
Laubfrösche und Unken, während aus dem Schutthaufen 
der Ahjtes sein melodisches Concert ertönen lässt. V4 Stunde 
unterhalb dieser Thougrube findet sich hart an der Chaussee 
und von dieser aus gut zu übersehen ein unter einem 
Abhang der Homburgerberge gelegener, mit Gras und 
Wasserpflanzen durchwachsener vielleicht 40 qm grosser,, 
ziemlich seichter Sumpf. Im Juni finden sich gerade hier,, 
wie es scheint, alle Kreuzkröten der Gegend ein, um zu 
laichen, denn in den nur 100 Schritt davon gelegenen zahl- 
reichen und tieferen Rotten siedelt sich nicht eine an. 

Zwiscben dem Kleeberge, einem Vorberge des Hilses^ 
und dem Schifiherge, einem Vorberge der Homburger Berge,, 
fliesst die Lenne, von beiden Waldgrenzen gleichweit ent- 
fernt, in saftiggrünen Wiesen dahin. Rechts von der Lenne,. 
dieser parallel, zieht die Landstrasse Holzminden -Seesen. 
Der bis an die Chaussee herantretende Hochwald fällt in 
steiler, vielleicht 5 Meter hoher Böschung gegen diese ab. 
Links von der Lenne, auf der gegenüberliegenden Seite^ 
tritt der Schiffberg ebenfalls in steiler mit Angergras 
bewachsener Böschung an den Fluss heran. Diese beiden 
Abfälle sind von unzähligen Geburtshelferkröten bewohnt, 
welche aus den mühelos in den lockeren Boden eingegrabenen 
Löchern ihre Glöckchenstimme in regelmässigen Pausen 
erschallen lassen. Auch weiter flussabwärts vernimmt man 
die Stimmen einzelner Einsiedler. 



— 171 — 

Auffallend ist es mir immer gewesen, dass die Thiere 
bis zu dem nächsten stehenden Wasser mindestens V4 Stunde 
Weges haben; es ist doch kaum anzunehmen, dass sie ihren 
Laich dem schnellfliessenden Leunewasser anvertrauen.^) 

Vom Ostabhange des Voglers fliesst der Lenne ein 
Bächlein, Angerbach genannt, zu, das auch Eschershausen 
berührt. Gleich vor der Stadt liegen die Flachsrotten, aus 
fünf kleineren Tümpeln und einem grösseren ciica 600 qm 
haltenden Teiche bestehend. Zur Zeit des Rottens wird 
der Bach, wie bekannt, durch diese Teiche geleitet. Der 
grösste Teich ist an der tiefsten Stelle 1,5 m, an der 
flachsten nur ca. 30 cm tief. Wasserlinsen bedecken fast 
den ganzen Wasserspiegel und Älisma plantago, breitet sich- 
fort und fort aus. Einige an den Seiten stehende Weiden- 
büsche gewähren dem Laubfrosch, wenn er das Wasser 
verlässt, einen erwünschten Euheplatz. 

Auch die zahlreichen in der Nähe stehenden Kastanien 
mögen von ihnen oft bezogen werden, wenigstens glaube 
ich verschiedentlich seine Stimme aus dieser luftigen Höhe 
vernommen zu haben. 

Diese Teiche sind der Sammelplatz fast aller hier vor« 
kommenden Amphibien. Während die Rana temporaria 
dem oben auf der Landstrasse vorübergehenden Spazier- 
gänger durch ihre brünstigen Knurrtöne Gewissheit giebt, 
dass nun der Frühling in's Land gezogen und bald darauf 
das Männchen der gemeinen Kröte (Bufo vulgaris) mit 
Flötenton sein Weibchen lockt, kündet uns hier der Laub- 
frosch durch sein weitschallendes Schreien an, dass der 
Mai, der Wonnemond, bald den Wald grünen lässt. 

Tritonen, sowohl Triton cristakis, wie alpestris, taeniatus 
und palmatus haben sich den Teich als Laichplatz erkoren 
und umschwimmen liebkosend ihre Weibchen. Aus den 
anliegenden Schutthaufen, die aus Scherben und Kehricht- 



1) Im Juli 1893 habe ich thatsächlich in der damals allerdings 
sehr seichten und langsam fliessenden Lenne selbst zahlreiche hochent- 
wickelte Larven des Ahjtes schwimmen sehen und auch einige gefangen. 



17l> 



abfuhr sich gebildet haben, lässt Älytes ihren Gesang, wenn 
auch nur aus vielleicht 20 Kehlen, ertönen. 

Im Juni endlich, oft aucli schon im Mai, meldet der 
melancholische „Unk Unk"-Kuf, dass auch Bomhinator end^^ 
lieh durch die alleserweckenden Sonnenstrahlen aus seinem 
Winterquartier hervorgelockt ist. Wie ich unten noch aus- 
führlich berichten werde, fand sich hier neben der in der 
Gegend weitverbreiteten Bergunke auch die Feuerkröte, 
Bombinator igneus. 

Lacerta vivipara. Von den beiden Eidechsenarten, die 
hier eventuell zu erwarten wären, Lacerta agilis und 
vivipara, habe ich bisher nur das Vorkommen der letzteren 
feststellen können. Die sonnigen Halden und Wiesen des 
Vogler, Ith, der Homburger Berge, die Steinbrüche und 
der mit Heide bewachsene Kamm des Hils werden von ihr 
bewohnt. Doch trifft man sie überall weit seltener als bei- 
spielsweise im Elm. 

(Lacerta viridis sollte auf den Ithwiesen und auch bei 
Holzminden an einer Mauer in der Nähe des Felsenkellers 
öfters gesehen sein, an beiden Orten habe ich aber nur 
Lacerta vivipara beobachtet, es dürfte sich sicher nur um 
grüne Männchen der Zauneidechse gehandelt haben.) 

Änguis fragilis. Findet sich überall, auf den Bergen 
und im Thale, auch in unmittelbarer Nähe der Stadt 
wurden mehrere gesehen. 

Coronella laevis liegt mir in einem Spiritusexeraplare 
vor. Diese glatte Natter wurde vor zwei Jahren auf dem 
„Odfelde" gefunden. Mir selbst ist noch kein Thier hier 
begegnet. Im letzten Sommer sind auf dem Schutthaufen 
eines alten Steinbruches am Ith über Holzen zwei Schlangen 
tellerförmig zusannnengerollt gesehen, die, nachdem sie den 
Beobachter gewittert hatten, jedoch schleunigst unter den 
Steinen verschwanden. Der sehr genauen Beschreibung nach 
können dieses nur glatte Nattern gewesen sein und es lässt 
sich annehmen, dass das Thier hier häufiger vorkommt, da 
es auch an anderen Stellen gesehen sein soll. 



— 173 — 

Tropidonotus natrlx L. Die Ringelnatter soll hier 
vor 20 Jahren in dem Thale der Lenne und im Thale des 
Forstbaches (Hoopthal) noch häufiger vorgekommen sein. 
Durch die theilweise Regulirung des Flusses, sowie durch 
die Urbarmachung der anliegenden Wiesen, schliesslich durch 
schonungslose Verfolgung von Seiten der Menschen scheint 
sie jetzt ganz ausgerottet zu sein. Hinter den Wickenser 
Wirthschaftsgebäuden, dort, wo das warme Abflusswasser 
der Brennerei sich in die Lenne ergiesst, sollen sich diese 
Schlangen früher in grösserer Menge aufgehalten haben, 
wie auch Dennis, in „Schlangen von Hildesheim" angiebt! 

Vor 6 Jahren sind dort noch mehrere Thiere getödtet. 
Seitdem lässt sich trotz eifriger Umfrage kein Fund mehr 
feststellen, immerhin wäre es möglich, dass sich in einem 
der beiden genannten Thäler noch Nattern fänden. 

Vipera herus L. Die Kreuzotter scheint im ganzen 
Gebiete, wenn auch nur sporadisch, vorzukommen. Sicher 
liegen bisher Funde vor vom „Eckberge", der unmittelbar 
an der Weser Kemnade gegenüber aufsteigt. Auch im 
Vogler, sowohl im obenerwähnten „Wabachthaie", als auch 
am Kappenberge, einem westlichen Ausläufer dieses Ge- 
birges bei Eschershausen, sind von Forstleuten hin und 
wieder Kreuzottern gesehen. 

Ob das Gerücht, dass auch im Hoopthale, welches dem 
Thiere allerdings einen geeigneten Aufenthalt bieten würde, 
mehrere dieser Schlangen erlegt wurden, auf Wahrheit be- 
ruht, war nicht mit Sicherheit zu constatiren. Bei dem 
Rittergute Westerbrak, welches in einer Entfernung von 
einer halben Stunde nordöstlich unter dem Waldsaume des 
Vogler liegt, wird eine alte verfallene Mauer von Kreuz- 
ottern bewohnt, die sich in jedem Jahre dort zeigen, aber 
bisher äusserst geschickt sich allen Nachstellungen zu ent- 
ziehen wussten. 

NB. Diese Notizen über Vipera herus gebe ich mit 
Vorbehalt wieder, da sie sich auf die Mittheilungen von 



— 174 — 

.Anderen, grössteutheils Förstern, gründen, die die Kreuz- 
otter vom Harze her genau kennen wollen ; ich selbst habe 
weder ein getödtetes noch lebendes Thier in hiesiger 
■Gegend gesehei!. 

Rana esculenta var. typica. In wenigen Exemplaren 
am Teiche der Domaine Wickensen beobachtet; sonst ist 
mir ein ständiger Aufenthaltsort hier in der Gegend nicht 
bekannt. 

Bana esculenta var. ridibunda. Im Mai 1890 sass in 
einem Tümpel nahe am oben beschriebenen Augerteiche 
bei Eschershausen ein Wasserfrosch, der, seiner Grösse und 
seiner warzigen mattgefärbten Haut nach zu urtheilen, der 
Puma esculenta var. ridihuncla angehören konnte; leider Hess 
sich die Vermuthung nicht bestätigen, da sich der Frosch 
allen weiteren Beobachtungen durch sein Verschwinden im 
Wasser entzog. 

Sollte es sich in der That um var. ridibunda handeln, 
so müsste dieses Thier wohl als ein verirrter Fremdling an- 
gesehen werden, doch das Woher? ist noch unklar. 

Rana temporaria. Findet sich selbstverständlich überall 
und häufig. Der schon mehr genannte Angerteich bei 
Eschershausen, sowie die noch mit Wasser gefüllten Rotten 
der umliegenden Dörfer sind Sammelplatz für Hunderte 
dieser Thiere zur Laichzeit. Da ich, allzu getreu der 
irrigen Mahnung Adolf Franke's folgend (Siehe Reptil, 
und Amphib. Seite 141), eine Specialislrung zwischen den 
neuerdings allgemein geschiedenen beiden Arten tempo- 
raria und arvalis bis vor Kurzem vermied, so bin ich 
leider nicht im Stande, zu sagen, ob auch Rana arvalis 
unsere Gegend bewohnt, anzunehmen ist es ja nach den 
Auslassungen von W. Wolterstorff kaum, was auch durch 
meine diesjährigen Beobachtungen (1893) bestätigt wird. 

Bufo vidgaris. Im ganzen Gebiete vorkommend, wird 
allerdings mehr im Thale als auf den Höhen angetroffen. 
Wer daran zweifeln sollte, dass Bufo vulgaris zu tausenden 



— 175 — 

im Gebiete zerstreut ist, braucht nur zur Laichzeit der ge- 
meinen Kröten Abends einen Spaziergang auf der am 
„Wickenser Teiche" vorbeifülirenden Chaussee zu machen, 
von fern und nah wird er den an den Euf des Alytes er- 
innernden Lockton des brünstigen Männchens vernehmen; 
auf Schritt und Tritt begegnet er bereits copulirten 
Pärchen, die dem Wasser zueilen. 

Bufo viridis. Ein einziges Mal glaube ich den Paarungs- 
ruf der grünen Kröte vernommen zu haben. Der Ton 
ist übrigens nach meinen bestimmten Erfahrungen ein 
,,Trillern", wie auch A. Franke augiebt, und nicht wie 
Leydig annimmt, dem Knarren einer ungeschmierten Thür 
zu vergleichen (siehe Landois- Westhoff). Die Kröte sass 
an der oben beschriebenen Fundstelle der Kreuzkröte; 
gesehen habe ich sie nicht. 

Bufo calamita findet sich zur Laichzeit, soviel bis jetzt 
bekannt, nur an der einen Stelle in hiesiger Gegend und 
zwar in jedem Jahre in genau demselben oben beschriebenen 
Tümpel an der Lenner Landstrasse. Dem kundigen Ohre 
verräth zur Nachtzeit der weithin schallende „knarrende" 
Ton den Aufenthalt dieser Kröte! 

Hyla arhorea. Der Laubfrosch findet sich in der ganzen 
Gegend. Doch scheint er nur einzelne bestimmte Tümpel 
und Teiche in jedem Jahre wieder zum Zweck des Laichens 
aufzusuchen. So hört man sein Geschrei in den Thon- 
gruben der Lenner Ziegelei, ebenso in der, bei der Domaine 
Wickensen unter dem Kleeberge gelegenen Schafbade. Auch in 
den Flachsrotten bei Dielmissen und Lürdissen hält er sich auf. 

Im Angerteich bei Eschershausen erschien er zum 
ersten Male im Jahre 1891, vorher war dort nie eine Hpla 
gehört und im darauffolgenden Jahre fanden sich schon 
mehrere dieser Grünröcke ein. 

In allen diesen Tümpeln und Teichen wohnt er 
gemeinsam mit der Unke. Bemerkenswerth scheint mir die 
Thatsache, dass sich im Angerteich die Laubfrösche in der 



— 176 — 

tieferen schilfdurchwachseuen Hälfte des Gewässers auf- 
halten, während die Unken sich die seichtere pflanzenlose 
Hälfte erwählt haben, entgegengesetzt anderen Beobachtungen, 
wenigstens in Bezug auf Bomhinator. 

Pelohates fuscus. Die Knoblauchskröte habe ich hier 
noch nicht gefunden, trotzdem ich gehofft hatte, zur Laich- 
zeit die erwachsenen Thiere, im Hochsommer die riesigen 
Larven hier oder da zu entdecken. Nach den von 
Wolter storff vertretenen Ansichten dürfte dieser Tief- 
landsbewohner auch hier vergeblich gesucht werden. 

Um so mehr war ich erstaunt, als ich einer anderen 
ausgeprägten Tieflandsform hier begegnete, der roth- 
bauchigen Unke, 

Bomhinator igneus in ein und demselben Gewässer 
neben 

Bombinator pachypus. 

Nach W. Wolter storff ist die Feuerunke in West- 
deutschland von den 4 Tieflandsformen: Pelohates fuscus^ 
Rana arvalis, Rana esculenta var. ridihunda, Bomhinator 
igneus am exclusivsten in der Wahl von Gewässern, die in 
bergiger Gegend liegen. Erklären kann ich mir ihr 
Erscheinen vorläufig nicht, da ich den Weg bis zur Ebene,, 
aus der sie ja unbedingt heraufgestiegen sein müsste, nicht 
verfolgen kann. 

Meiner Meinung nach liegt Einschleppung vor. Meina 
Annahme gewinnt dadurch an Wahrscheinlichkeit, dass sich 
unter 50 gefangenen Unken höchstens ein emziger Bomhinator 
igneus befindet, alle anderen gehören ([^m Bomhinat. pachypus^ 
(B. M.) an. Beide Unkenarten befinden sich in dem schon 
mehrfach erwähnten Angerteiche dicht vor der Stadt, 
Bomhinator pachypus ausserdem noch in der Schafbade 
und dem anliegenden Sumpfgebiete unter dem „Kleeberge"- 
bei Wickensen, den Elachsrotten bei Dielmissen und 
Lürdissen. Auch die Thonkuhlen der Lenner Ziegelei 
werden von der Bergunke zahlreich bewohnt. Dieses ist 



177 



ausser dem Angerteicli bei Escliersliaiisen der einzige Ort, 
an dem ich auch Bomhinafor ignetis ab und zu fand. Beide 
Teiche liegen im Flussthale der Lenne, der letztere 
1^2 Stunden aufwärts, so dass sich die vereinzelten Funde 
in beiden Gewässern wohl mit einander durch die Wande- 
rungen der Unken in Verbindung bringen lassen. W. Henne- 
berg fand Bonibinator paclnjpus im Juli 1892 auch in einem 
Bächlein nahe der Bahnstation Vorwohle sehr häufig. 

Leider ist die Anzahl der Unken hier im schnellen 
Abnehmen begriflFen, was sich theilweise daraus erklären 
lässt, dass viele ihrer Wohnplätze, „die Kotten'^, trocken 
gelegt sind, theilweise aus der eifrigen Verfolgung der 
Thiere durch die Schuljugend, die durch Steinwürfe die 
sorglos auf dem Wasserspiegel schwimmenden Lurche tödten. 

Westhoff in Westfalens Thierleben ist einer der 
wenigen, welcher auf die Schärfe gerade des seifenschaum- 
artigen Schleimes der Unken hinweist. 

Ich selbst fand diese Wahrnehmung verschiedene male 
dadurch bestätigt, dass nach einer zufälligen Berührung der 
Nasenschleimhäute mit der Ausschwitzung dieser Lurche, 
diese sich stark entzündeten wie nach einer Veratrinein- 
athmung (Unkenschnupfen!). 

Bei dem gemeinsamen Transport von Unken und 
Fröschen (in einem Falle handelt es sich um ausgewachsene 
Thaufrüsche, ein anderes Mal um Laubfrösche) in demselben 
Beutel waren die Frösche jedesmal durch den Schleim zu 
Grunde gegangen. 

Die Ausschwitzung scheint mir danach nicht minder 
scharf zu sein als die der Salamandra maculosa, von der 
Landois- Westhoff Beispiele anführen. 

Ahjtes ohstetricans. Im April des Jahres 1887 fand ich 
unter einer Steintreppe hier im Orte selbst zum ersten 
Male dieses merkwürdige Thier. Mein verehrter Lehrer 
Herr Prof. Dr. Nehring hat damals im „Zoolog. Garten" 
28. Jahrgang No. 2, diesen Fund mitgetheilt, und auch spätere 

12 



— 178 — 

Senduugeu von mir verschiedentlich besprochen. (Siehe 
Gesellschaft naturforschender Freunde 1887 No. 4, Natur- 
wissenschaftliche "Wochenschrift 1890 No. 28.) 

Ich glaubte damals der Erste gewesen zu sein, der das 
Thier in hiesiger Gegend nachgewiesen hätte, wurde aber 
durch W. AV'olterstorff belehrt, dass schon 1880/81 in 
Berichten des „Naturwissenschaftlichen Vereins" Braun- 
schweig Jg. 72 von Grotrian das Vorkommen des Älytes 
bei Stadtoldendorf nnd Amelunxborn (1 Stunde von hier) 
mitgetheilt sei. 

Ausserdem kennt schon Lenz (Ausgabe 1887) das Vor- 
kommen des Ahjtes in der Wesergegend. 

Einzelfunde hier aus dem Gebiete anzuführen ist 
übrigens belanglos, da die Geburtshelferkröte hier an allen 
Orten im Feld, Flur, Wald und Wiese sich häufig aufhält. 

Au jeder Uferböschung und jedem Schutthaufen, au 
jedem Graben, an Waldrändern, in den Dörfern selbst in den 
belebtesten Strassen kann man unter Steintreppeu, Grotten 
und Mauern ihre helltönenden Glockenstimmen vernehmen. 
Die im Westhoff -Laudois gemachten Beobachtungen über 
Stimmen, Eierentwickelung und biologische Merkwürdig- 
keiten der Kröte werden durch meine Wahrnehmungen, die 
ich schon im Jahre 1888 Herrn Prof. Dr. Nehring 
mittheilte, bestätigt. 

Als Plätze, an denen man das Concert des Ähjtes in 
grösserer Menge hört, sind zu nennen: Vor allem das 
Lennethal zwischen Kleeberg und Homburger Bergen, die 
Böschungen an der Wickenser Schafbade, der Anger bei 
Eschershauseu und die Schellenhube. Tiefer im AValde habe 
ich seine Stimme seltener vernommen. Der Ith und Hils 
haben seiner Verbreitung in unserer Gegend kein Hinderniss 
entgegengesetzt, denn er findet sich auch bei Alfeld und 
Bodenburg, G Stunden östlich von hier. 

Auch W. Henneberg hörte, Juli 1892, zwischen 
Eschershauseu und Halle (Weser) das Thier überall rufen. 



— 17i> — 

Salamandra maculosa L. Wenn man an feuclitschwüien 
Sommerabenden von Linse nach Bodenwerder wandert, so 
kann man an der Stelle, wo die Chaussee hart unter den 
Tannen des „Vogler" hinzieht, Dutzenden von Salamandern 
begegnen, die schwerfällig über den Weg kriechen. Die 
herrliche Kühle des Tannenwaldes, sowie ein zwischen Wald 
und Landstrasse fliessender Bach, scheinen alle günstigen 
Bedingungen für Aufenthalt und Fortpflanzung zu erfüllen. 
Auch in allen oben genannten Bergen trifft man zur 
günstigen Zeit, wenn auch nicht in der Menge, wie bei 
Linse, den Salamander. 

Im Juni finden sich in allen den Homburger Bergen 
entspringenden Bächen, solange sie unter dem Schutze des 
kühlen Waldes dahinfliesseu und von den Strahlen der 
Sonne nicht erwärmt werden, zahllose Salamander -Larven 
und geben so Zeugniss von dem Vorhandensein des licht- 
scheuen Thieres. 

Triton cristatus. Von allen Tritonenarten begegnen 
wir dem Kammmolch hier am seltensten. In den Bergen 
selbst tritt er nur vereinzelt auf. In grösserer Menge be- 
wohnt er einen in der Amelunxborner Feldmark nahe am 
Walde gelegenen durchgehends 1 m tiefen Teich. Hier 
habe ich Prachtexemplare von ausgewachsenen, scheinbar 
recht alten Männchen gefangen. Auch im Angerteiche 
erscheint dieser Triton in Gemeinschaft mit den drei folgenden 
Arten schon im zeitigen Frühjahr. 

Triton alpestris darf hinsichtlich der Häufigkeit seines 
Vorkommens wohl der gemeinste Molch in der Umgegend 
von Eschershausen genannt werden. Es giebt keinen Teich, 
keine Pfütze, sowohl in den Bergen, als auch im Thale, in 
dem wir vergeblich nach ihm suchen würden. Die kalten 
in den Homburger Bergen und im Ith gelegenen Quellen 
scheinen die anderen Arten zu meiden, und w^ir finden ihn 
dort nur mit seinesgleichen; während er den Amelunxborner 
Teich, den Angerteich (B. M.), den Waldsumpf bei der 

12* 



— 180 — 

Tentniseiche, einige kleine Wasserstellen unter dem Abhänge 
des Hilses bei Holzen und die verschiedentlich erwähnten 
Rotten in Gesellschaft der einen oder anderen Art bewohnt. 
Ton allen Molchen verlässt der Bergmolch hier am frtlhesten 
sein Winterquartier, und sucht als der erste das Wasser auf. 

Triton faeniafus. Der Streifenmolch scheint in den 
Bergen nur in geringerer Anzahl vorzukommen. Als einzigen 
Fundort daselbst weiss ich nur den Waldsumpf an der 
Tentruseiche zu nennen, während er im Thale im Anger- 
teiche (B. M.) und vor allen in den Rotten der umliegenden 
Dörfer überall mit Bestimmtheit angetroffen wird. Meinen 
Beobachtungen nach tritt der Streifenmolch hier erst spät 
das Landleben an. Ende Juli fand ich Männchen, hauptsächlich 
aber Weibchen dieser Art im Angerteich. 

Triton pahnatus. Durch die brieflichen Mittheilungen 
von W, Wo Herst 01 ff und W. Henneberg über das 
Yorkommeu des Leistenmolchs am Harze und vor allem am 
nahen Klüt bei Hameln aufmerksam geworden, gab ich mich 
der Vermutung hin, dass dieses Thier auch bis in unsere 
Gegend vorgedrungen sein könnte: meine diesbezüglichen 
Forschungen im April d. J. (1893) waren mit Erfolg ge- 
krönt, denn mit den drei anderen Molcharten fanden sich 
im Angerteich (B. M.) auch Männchen und Weibchen der 
gesuchten Species. Da nach W, Wolterstor ff s brieflich 
ausgesprochener Ansicht der Molch hierher nur durch Zufall, 
aus den nahen bewaldeten Bergen verschlagen sein 
konnte, so war es mein eifrigstes Bemühen, den vermuthlichen 
Ausgangspunkt zu entdecken. Thatsächlich fand ich auch 
400 m von der Quelle eines dem Angerteich zufliessenden 
Baches, am Westabhange der Homburger Berge, nahe am 
Waldessaum, von hochgewachsenen, schattenspendenden 
Fichten umgeben, einen mit Erlen durchwachsenen Sumpf. 
Hottonia palustris und CaJlitriche wuchern dort üppig, auf 
dem Grunde des Wassers ein undurchdringliches Schling- 
gewirr bildend. Nach halbstündiger Jagd gelang es mir^ 



— 181 — 

mehrere der sich in dem schützenden Pflanzengewirr zahl- 
reich tummelnden Molche einzufangen. Der grösste Theil 
der im Netze befindlichen Thiere waren Leistenmolche, nur 
einige wenige Bergmolche befanden sich darunter. 

Als ich nach und nach alle mir im Vogler und Hilse 
bekannten Waldsümpfe auf das Vorkommen des Triton 
^mhnatus hin durchsuchte, stellte es sich heraus, dass diese 
Art fast in allen derselben anzutreffen war in Gesellschaft 
von Triton alpestris oder taeniatus. Im Gebirge findet er 
sich ebenso häufig wie Triton alpestris-, so bergen die hart 
am Waldesrande des Voglers, oberhalb Oelkassen gelegenen 
Rotten das Thier in grösserer Menge; auch selbst in dem 
am jenseitigen Abhänge des Hilses gelegenen 7 km von 
hier entfernten Grünenplaner Teiche hält er sich auf. Dass 
der Molch Öfter, sei es auch gegen seinen Willen, in das wald- 
lose Thal herabkommt, bewies mir von Neuem ein am 
7. Mai d. J. auf der Landstrasse dicht vor Eschershausen 
kriechender weiblicher Leistenmolch. Nach diesen Funden 
an den verschiedensten Stellen in unserem Gebiete muss 
Triton xxdnmtMS als ständiger und sogar häufiger Bewohner 
der Gegend von Eschershausen angesprochen werden! 

Abgeschlossen 8. 5. 1893. 

Die Fauna Eschershausens und seiner Umgebung bietet 
des Auffallenden und Interessanten viel. Von Wichtigkeit 
würde z. B. das Vorkommen der Kreuzotter, wenn es sich 
bestätigen sollte, sein, da hier und am Fürstenberg die 
westliche Grenze der Otter im Weserbergland zu sein scheint 
Auffallend ist die Armuth an Individuen von Lacerta vivijxira 
und die Seltenheit der Zauneidechse, mit welcher wir wohl 
die fragliche Lac. viridis identificiren dürfen. 

Reich ist die Gegend an Amphibien. Die sämmtlichen 
uns vom nordwestlichen Rand des Harzes bekannten Formen 
sind auch hier und zwar meist zahlreich vertreten; daneben 
treten noch andere Frösche auf, deren Vorkommen befremden 
müsste. Aber in einem Fall, bei Bombinator igneus, ist 



— 182 — 

Verschleppung wohl möglich , Rana csculenta ? ridihund^ 
und ISufo viridis aber sind nur gesehen resp. gehört, nicht 
aber untersucht. W. 

Hameln. 

Von Wilh. Henne berg, stud. ehem. 
In den Jahren 1888—90 verbrachte ich den Monat 
Juli, im Jahre 1892 die zweite Hälfte des Septembers in 
Hameln a. d, Weser und benutzte diese Zeit, die Verbreitung- 
der Amphibien und Reptilien in dieser Gegend kennen zu 
lernen. Jedoch war es nur die nächste Umgebung der 
Stadt Hameln, die ich genauer auf ihre Fauna durchsuchen 
konnte. Das von mir durchforschte Gebiet erstreckt sich 
im Norden bis an die Vorberge des Süntels, im Osten bis 
zur Obensburg, im Süden bis zu dem Bergzug bei Ohsen 
und im Westen bis zum Klüt, Riepen und Ohrberg (incl.). 
Während sich dieses Gebiet nach Norden, Westen und 
Osten nicht viel über eine halbe Meile von der Stadt aus 
erstreckt, dehnt es sich im Südosten eine Meile weit aus. 
Es umfasst also zum grössten Theil jene Erweiterung, die 
das Weserthal bei Hameln erfährt. Die Thalsohle ist völlig- 
eben und lässt deutlich erkennen, dass sie ursprünglich der 
Boden eines grösseren Binnensees war, der sich hier bildete, 
bevor die Weser weiter nördlich das Gebirge durchbrach. 
Wiesen und fruchtbare Felder füllen die Ebene aus. Die 
sie umschliessenden Bergzüge erheben sich auf der linken 
Weserseite steiler, wie der Klüt und der Ohrberg; sanfter 
auf der rechten Seite und in den Seiteuthälern. Sämmt- 
liche Berge sind schön bewaldet und zeigen nur an ein- 
zelnen Stellen nacktes Gestein. Sie gehören der Trias- 
formation, dem Keuper und Muschelkalk an und erreichen 
eine massige Höhe; nur der Klüt, der östliche Rand des 
sog. Lipper Berg- und Hügellandes erhebt sich nahe der 
Stadt bis zu einer Höhe von ca. 2G0 m über den Meeres- 
spiegel. Hameln selbst, sowie die ganze Thalsohle, liegen 



— 183 — 

in etwa 70 m Meereshöhe. Diese Thalerweiterung steht 
nördlich und südlich mit dem engeren Weserthal, östlich, 
zwischen den Süntelvorbergen und der Obensburg, durch 
ein längeres Thal (Hameln — Elze) mit dem Leinethal in 
Verbindung. Im Südosten wird es nur durch einige kleinere 
Hügel von dem weiten Thal getrennt, das sich, nördlich 
vom Ith und Hils begrenzt, bis nach Einbeck, d. h. zum 
Leinethal erstreckt. Nach Westen hin öffnet sich dicht 
bei Hameln zwischen Klüt und Ohrberg das Hummethai, 
mehr nach Süden das Emmerthal. Die Humme und Emmer 
fliessen auf der linken Seite in die Weser, während die 
Hamel aus dem Thale zwischen den Vorbergen des Süntels 
und der Obensburg auf der rechten Seite in die Weser 
strömt. Grössere Wasseransammlungen finden sich sonst 
nur spärlich, dagegen fehlt es nicht an kleinen, zum Theil 
schnell fliessenden Wasserrinnen, die angelegt sind, um 
Aecker und Wiesen zu entwässern. 

Wenden wir uns nun zur Betrachtung der wichtigsten 
Fundplätze, so verdient zunächst der Klüt hervorgehoben 
zu werden. Hier ist der steile Südostabhang dieses von 
NW. nach SO. sich erstreckenden Keuperrückens eine 
ergiebige Fundstelle von Reptilien. Ein Theil des Waldes 
ist abgehauen und statt dessen sind Promenaden angelegt, 
die zu beiden Seiten von breiteren, zu Weidezwecken ver- 
wandten Grasflüchen begleitet sind. Die Strahlen der Sonne 
haben ungehinderten Zutritt und erwärmen diese Orte zur 
Mittagszeit ziemlich stark. Anguis fragüis, Lacerta agilis 
sind hier sehr häufig, ebenso findet sich an dieser Stelle 
Lacerta vivipara, doch habe ich letztere an einem von 
dichtem Brombeergestrüpp überwachsenen Theile des Süd- 
abhanges viel häufiger beobachten können. Uebrigens schien 
mir im Jahre 1889 vivipara, im Jahre 1890 agilis hier 
zahlreicher vorzukommen. Beide Arten kamen an einigen 
Stellen nicht zusammen vor. Die Exemplare der Lacerta 
agilis waren meistens von mittlerer Grösse; die Weibchen 



184 



zeigten auffallend helle Färbung. Von ihnen fand ich im 
September 1892 nur noch junge Thiere, obwohl das Wetter 
zeitweise noch sehr sommerlich war. — 

Bleiben wir auf der Höhe des Bergrückens und wenden 
wir uns vom Klütthurm nach NW., so gelangen Avir bald 
zum Fiukenboru. In der Nähe dieses Forsthauses liegen 
mitten im Walde unter hohen Bäumen einige kleinere 
Tümpel von circa V2 ^ Tiefe, die je nach der Jahreszeit 
mehr oder weniger Wasser enthalten. Ihr Grund ist völlig 
mit moderndem Laube bedeckt, welches dem Wasser .eine 
tiefbraune Färbung giebt. Nur spärlich finden sich Wasser- 
pflanzen (Lemna) darin. In diesen Tümpeln, sowie in einem 
Ausstich in nächster Nähe finden sich häufig Bomhinator 
pacliypus, Triton palmatus und alpestris (B. M.). Auf dem 
Wege vom Finkenborn zur Stadt ist, wie überhaupt am 
ganzen Klüt, Salamandra maculosa ziemlich häufig (Sep- 
tember 1892). 

Unmittelbar am Fusse des Klüts fand ich auf dem 
Spaugeuberg'schen Grundstücke ÄJijfes oltstefricans , welche 
hier schon seit langer Zeit beobachtet wurde. Die Geburts- 
helferkröte bewohnt die Ränder eines künstlich augelegten 
Teiches im Garten, sowie den Raum unter der Veranda- 
treppe. Gerade an dem letztgenannten Orte habe ich 
Anfang Juli oft Männchen mit Eierschnüren gefangen. Auf 
dem Hofe der „Villa Spangenberg" kommt in einem Tümpel, 
der nur nach starkem Regen Wasser enthält, Bomhinator 
pachypus vor. Ahjtes fand ich 1890 auch in den Stein- 
brüchen am Felsenkeller, der etwas südlich von der oben- 
genannten Villa ebenfalls am Fusse des Klüts gelegen ist, 
nachdem ich ihn schon früher hier gehört hatte. 

Etwas südlich vom Klüt schliesst sich, durch einen 
tiefen Einschnitt getrennt, der Riepen an, ein Bergzug, der 
stellenweise dem Klüt ähnlich, jedoch durch seine vielen 
feuchten Plätze vor jenem ausgezeichnet ist. Ein üppiger 
Pflauzenwuchs findet sich hier meistens vor, an trockueren 



— 185 — 

Stelleu dichtes Heidelbeergestrüpp. Trojndonotus natrix, 
Salamandra maculosa und Hyla arhorea konnte ich hier 
mehrfach beobachten. An geeigneten, trocknen, der Sonne 
ausgesetzten Stellen war Laccrfa agilis häutig. 

Südlich von diesen beiden Bergrücken und durch das 
Stummethal von ihnen geschieden erhebt sich hart an der 
Weser der Ohrberg. Während er von diesem Thale aus 
allmählich aufsteigt, ragt er auf der anderen Seite schroff 
über die Weser empor. Der ganze obere Theil ist in An- 
lagen verwandelt; die weiten offenen Flächen sind mit 
trockenem Heidekraut bewachsen. Coronella laevis und 
heide Lacerta - Arten fanden sich auf der Höhe und am 
Abhänge des Berges vor. 

Betrachten wir die Vorberge des Süntels auf der 
Techten Weserseite, so zeigen sie im Allgemeinen ein ähn- 
liches Aussehen. In einem kleinen Wasserloche nahe der 
„Höhe" kommt Bombinator pacJiypus vor. Hyla arhorea 
ist an den feuchteren Stellen (Heisenküche), Tropidonotus 
natrix am Fusse der „Uetzenburg" häufig. Für letztere 
wurde mir auf meine Fragen ein Wassergraben nahe der 
Uetzenburg als wichtigster Fundort angegeben, wo ich sie 
auch gefangen habe. Ueberall in den Bergwaldungen, sowie 
im Thale selbst ist Fiana temporaria häufig zu finden, 
und zwar schienen mir die an ersterer Stelle gefangenen 
Exemplare im allgemeinen grösser und dunkler gefärbt 
zu sein. 

Was die Fauna der Thalsohle anbetrifft, so sind die 
Ufer der Weser und ihrer durch Fabriken äusserst verun- 
reinigten Nebenflüsse, der Humme und Hamel, nur von 
Bana temporaria bewohnt. Weit ergiebigere Fundorte 
bieten die kleinen Wasserrinnen östlich der Weser am 
Fusae der Süntelvorberge. Zum Theil haben diese Gewässer 
€ine starke Strömung, führen klares Wasser und weisen 
eine üppige Vegetation auf; sie dienen zur Entwässerung 
des Landes oder bilden den Abfluss von Quellen. Bana 



— 180 — 

esculenta iypica, Rana temporaria, Triton cristatns, Triton 
alpesfris und Bomhinator pacliypus finden sich hier, letztere 
zwei Arten jedoch häufiger in den mehr stagnirenden Ge- 
wässern (üetzenburg). Vor allem finden sich solche Wasser- 
ansammlungen am Fusse der Ohensburg bei dem Dorfe 
Hastenbeck vor. Auf dem einstigen Schlachtfelde, einer 
weiten, feuchten Fläche, sind in dem ursprünglichen Weser- 
bette tiefe Wasserlöcher zurückgeblieben , die eine üppige 
Vegetation zeigen und von Rana esculenta tijp. be- 
wohnt werden. 

Eigentliche Teiche sind in der nächsten Nähe von 
Hameln nur wenig vorhanden. Im Park der Domaine 
Ohsen sind zwei grosse Teiche, welche von Rana esculenta 
typ. bewohnt werden. Unweit davon, am Fusse des sich hier 
erhebenden Weinberges liegt ein kleinerer Tümpel mit 
schmutzigem, trüben Wasser ohne Vegetation, der Bombi- 
nator xmclujpus beherbergt. — Auf der andern Seite der 
Weser, bei dem Dorfe Ohr, also südlich vom Ohrberg, sind 
zwei grössere Teiche, die mit vielen Wasserlinsen bedeckt 
sind und ebenfalls verunreinigtes Wasser enthalten. Hier 
fing ich Rana esculenta typ. in schönen alten Stücken. 

Folgende Arten sind also iu diesem Gebiete von mir 
festgestellt worden: 

Lacerta agilis. Klüt, Ohrberg, Kiepen und grasige 
Abhänge auf der rechten Weserseite. 

Lacerta vivipara. Klüt, Ohrberg. 

Anguis fragilis. Klüt. 

CoroneUa laevis. Ohrberg. 

Tropidonotus natrix. üetzenburg, Riepen. 

Rana esculenta typ. Ohr, Ohsen, Hastenbeck, Graben 
am Fuss der Süntelvorberge. 

Rana temporaria. Ueberall sehr gemein. 

Bufo vulgaris. Ueberall gemein, 

Hyla arhorea. Heisenküche, Riepen, 

Bomhinator pacliypus. Finkenborn, Hof der Villa 



— 187 — 

Spangenberg: Ohsen; Wassergraben am Fuss der Süntel- 
vorberge. Befand sich im October 1892 auf Wanderungen, 
oft mitten im Walde, weit von jedem Teich entfernt. 

Älytes obstetricans. Villa Spangenberg, Felsenkeller. 

Salamandra maculosa, ßiepen, Klüt, Finkenborn. 

Triton cristatus. Wassergraben am Fuss der Süntel- 
vorberge (üetzenburg). 

Triton aljjestris. Finkenborn und üetzenburg. 

Triton palniatus. Finkenborn. 

Es geht aus diesem Verzeichniss hervor, dass die 
giftige Vipera leriis in dieser Gegend fehlt, zumal auch 
von anderer Seite hierüber nichts bekannt geworden ist. 
Ebenso fehlt Rana escuJenfa ridihunda und Rana arvalis, 
ferner Bonibinator igneus wohl sicher. Pelohates fuscus, 
Bufo calamita und viridis sind dagegen von mir vielleicht 
nur übersehen. Sicherlich wird man aber in den genannten 
Wassergräben noch Triton taeniatiis auffinden; es wird nur 
die späte Jahreszeit daran schuld sein, dass ich seiner nicht 
habhaft wurde. Andererseits würde man weitere Fundstellen 
zu den genannten der einzelnen Arten mit Leichtigkeit 
hinzufügen können; denn da die Bodenbeschaffenheit oberhalb 
und unterhalb der Stadt Hameln sich kaum ändert, so wird 
die Fauna ebenfalls die gleiche bleiben. TJebrigens hat 
Dr. Westhoff in dem Werk: „Westfalens Thierleben" das 
Wichtigste meiner Angaben schon aufgenommen, nur ist 
versehentlich das Vorkommen von Triton palmatus im 
Wesergebirge nicht erwähnt worden. — Zum Schluss 
erübrigt es mir noch, Herrn Dr. med. Gr. Spangenberg 
in Hameln, der, für Naturwissenschaft sehr interessirt,. 
durch sein freundliches Entgegenkommen mich beim Sammeln 
sehr unterstützte, meinen besten Dank auszusprechen, 

Magdeburg, December 1892. 



188 



L a u e n s t e i n. Südwestlich von Osterwald, am östlichen 
Abfall des Iths fand Dr. med. Spaugenbero: 1890 in einem 
Steinbruch bei Lauenstein ebenfalls Ahjfcs ohstetricans. 

W. Henneberg. 

Osterwald am „Osterwald" gelegen, einem Höhenzug, 
der sich nördlich bis zum Heister hinzieht, liegt am nörd- 
lichen Rande des Thaies Hameln -Elze. Hier fand ich 
Juli 1888 Fuma temporaria überall, Lacerta agilis am Rande 
des Bergzuges und Bana escuUnta typ. in einem grossen 
Teich in der Nähe der Bahn. Dr. med. Spangenberg sandte 
August 1888 grosse Stücke von Rana esculenta typ. und 
temporaria von derselben Fundstelle an das Magdeburger 
Naturw. Museum. W. Henneberg. 

Bückeburg. Kreuzottern kommen hier gar nicht 
vor! (Gymnasiallehrer W ei gel in Blum). Im Museum der 
Naturhistorischen Gesellschaft zu Hannover befindet sich 
Salamandra maculosa von Bückeburg aus dem Jahre 1850. 

Dr. Ude. 

Süntel. Am 27. Juli 1888 unternahm ich eine Tour 
nach dem Süntel. Auf dem hohen Plateau zwischen den 
Süutelvorbergen und dem Hohenstein befinden sich am Fuss 
des letzteren in einer sehr moorigen Wiese, wo auch Torf 
gewonnen wird, viele Ausstiche, die von Bomhinator pacliypus 
und Bana esculenta typica bewohnt sind. 

W. Henneberg. 

De ist er. Am Deister findet sich Tropidonotus natrix 
(Leunis, Schlangen d. Umgegend von Hildesheim, Schul- 
programm, Hildesheim 1869). 



189 



b. Das linksseitige Weser- Bergland. 

Von Dr. Fr. Westhoff. 

Der iinf der linken Seite der Weser sich hinziehende 
Theil des Berglandes grenzt sich im Süden gegen das 
Hessische Bergland durch die grosse Hügelraasse des 
Habichtswaldes ab, die rings ans ihrer bergigen Umgebung 
frei mit pralligen Abhängen emporragt und auf der Grenz- 
scheide ihres Kammes (Wasserscheide zwischen Eder und 
Diemel) in dem Hohen Gras eine Höhe von 600 m erreicht. 
Auch die westliche Abgrenzung gegen das Westfälische 
Faunengebiet wird überall durch die Wasserscheide zwischen 
Weser einerseits und Rhein und Ems andererseits gebildet. 
Diese Linie beginnt im Süden in der Gegend von Küstel- 
berg bei Winterberg am Abfalle des Rothhaarstranges mit 
dem Schlossberge (750 m). Von hier streicht sie nördlich 
über die Briloner Höhen (Schellhorn 500 m) und wendet 
sich dann nordöstlich auf Willebadessen zu. Nun folgt sie^ 
wieder eine nördliche Richtung innehaltend, dem Kamme 
des Egge-Gebirges, biegt dann nordwestlich, geht über den 
Kamm des Osnings (400 m) bis Borgholzhausen und streicht 
von hier wieder nördlich über Wellingholzhausen, Oster- 
kappeln auf Voerden zu, wo sie, allmählich an Höhe ab- 
nehmend, in die grosse Norddeutsche Tiefebene eintritt. 
Seine nördliche Abgrenzung endlich erfährt das Bergland 
mit dem nördlichen Abfall des Wichen- (Weser-) Gebirges, 
soweit dasselbe seine Wasser der W^eser zuschickt, stösst 
also hier seiner ganzen Länge nach an das Norddeutsche 
Tiefland. 

In geologischer, wie architektonischer Hinsicht, besitzt 
dieser Hügelkomplex viele Analogien zu dem rechtsseitigen 
Weserberglande. Wie auf der rechten Weserseite gehört 
auch hier bei weitem die Hauptmasse des Berglandes bis 
weit nach Norden hinauf der triassischen Formation an, in 
der alle drei Glieder: Buntsandstein, Muschelkalk und 
Keuper vertreten sind. Im Süden, wo das Bergland sich 



— 190 — 

an den Saueiiandischen Theil des Rheinisch -Westfiliischen 
Schiefergebirges anlehnt, kommen schmale oft inselartig 
isolirte Säume von Gesteinsmassen vor, die der permischen, 
tarbonischen und oberdevonischen Formation angehören. 
Nördlicher gegen das Eggegebirge treten Jura- und Kreide- 
schichten auf, von denen der Liasschiefer in dem Plateau 
von Herford eine grössere Ausdehnung gewinnt. Der nörd- 
liche Saum des Berglandes, das eben genaimte Wiehen- 
gebirge, besteht rein aus Juraschichten, die hier von Süden 
nach Norden ihrem Alter nach folgen. Kreidegesteine 
nehmen hier nicht, wie auf der rechten Weserseite, an der 
Berglandsbildung theil, denn die nördlich dem Wiehen- 
^ebirge vorgelagerten Beste dieser Formation bilden nur 
unzusammeuhängende niedrige Bodenwellen und fallen so- 
mit vollständig in das Gebiet der Nordwestdeutschen Ebene. 
Was den Gebirgsaufbau anlangt, so herrscht auch hier 
im Süden die Plateau-, im Norden die Kettenform mit 
Herz^^iischer (südost- nordwestlicher) Streichrichtung vor 
Bis zu den Höhen des Lippe-Uetmoldschen Hügellandes 
stossen wir auf massige Gebirgskomplexe mit abgeflachten 
Höhen und schmalen, oft tief einschneidenden Thälern. 
Diese Signatur trägt an der Südgrenze der Habichtswald 
und vor allem der waldreiche Reiuharzwald, aber auch die 
nördlicher gelegenen Bergpartien behalten diesen Charakter 
bei, manchmal, wie in der Gegend von Warburg mehr 
weite, von anmuthigen Höhen umrahmte Mulden bildend, 
manchmal, wie im Lippischen Gebirge, w-ieder an Höhe und 
Schroffheit zunehmend. In diesem Gebietstheile, etwa drei 
Meilen nordwestlich von Höxter, unweit Falkenhagen, erhebt 
sich die höchste Bergspitze der ganzen Gegend, der Köter- 
berg (500 m). Die mittlere Höhe beträgt etwa 300 m, 
nimmt aber im Süden gegen das Westfälische Gebiet all- 
mählich wieder zu, bis sie in den höchsten Lagen gegen 
bis 800 m erreicht. Die nördlich des Lippischen Gebirges 
beginnende Kettenform der Höhen gewinnt nach und nach 



— 191 — 

an Deutlichkeit und hat in dem Zuge des Wiehengebirges 
schliesslich ihre volle Ausprägung erhalten. Im Norden 
des Berglaudes liegt die Abstufung der Höhen gerade um- 
gekehrt. Sämmtliche Züge fallen hier nach Westen hin 
gegen das Osnabrücker Hügelland sanft ab und nehmen 
endlich an der Gebietsgrenze fast den Charakter einer 
Ebene an mit so geringen Neigungsverhältnissen, dass die 
Wasserscheide vollkommen verflacht auftritt, und die Ge- 
wässer der Else und Hase aus einer Bifurkation desselben 
Quellwässerchens hervorgehen. 

Diese, mit der rechten Weserseite übereinstimmenden 
Bodenarten und Configurationen, üben auf die Zusammen- 
setzung der Pflanzen- und Thierwelt eine grosse Rück- 
wirkung aus. Dieselbe wird aber noch bedeutend erhöht 
durch den günstigen Verlauf der Thäler. Sämmtliche 
Hauptflüsse, unter welchen Diemel und Werre besonders 
namhaft gemacht zu werden verdienen, besitzen einen direct 
zur Weser gerichteten Lauf, der im südlichen Theile durch 
den zu diesem Flusse hin erfolgenden stufenweisen Abfall 
des Gebirgmassivs, im nördlichen Theile durch die Streich- 
i'ichtung der Höhenketten noch begünstigt wird, und weisen 
so gleichsam der Thier- und Pflanzenwelt des rechten 
Weserufers die Wege in das Innere. Es kann daher durch- 
aus nicht wunderbar erscheinen, dass das linksseitige 
Weserbergland dieselben floristischen Verhältnisse aufweist, 
wie das rechtsseitige. In dem waldreichen Hügellande, 
finden wir denselben üppigen Pflanzenwuchs wie im Solling, 
am Ith u. s. w. und eine Reihe von Formen, deren eigent- 
liche Heimstätte der Harz ist, haben noch in den links- 
seitigen Bergen eine bleibende Siedelstätte gefunden, ohne 
jedoch jemals zu den Sauerländischen Höhen vorgedrungen 
zu sein, weil ein rauheres Klima und andere Bodenverhält- 
nisse hier eine Ansiedelung unmöglich machten. 

Unter diesen Umständen ist es klar, dass auch 
die Thierwelt ihre Eigenheiten zeigt, auf einen Zu- 



— 1Ü2 — 

sammenhang mit dem rechten Weserufer hindeute, dahin- 
gegen sich gegen die Fauna des Westfälischen Gebietes 
abgrenzen muss. Gleich den Pflanzen ist denn auch eine 
grosse Zahl von Thieren, namentlich von Kleinthieren auf 
der linken Seite der Weser heimisch, im Westfiliischen 
Gebiete aber bislang noch nicht gefunden. Leider sind die 
herpetologischen Verhältnisse dieser Himmelsstriche noch 
zu ungenügend erforscht, um diese Verhältnisse in voller 
Deutlichkeit darzuthun, aber das, was bisher zu unserer 
Kenntüiss gekommen ist, genügt wenigstens, um dieselben 
zu ahnen und herauszufühlen. 

Etwas näher sind in diesem Gebietsdistricte die Um- 
gegenden von Haarbrück und Detmold erforscht worden. 
An ersterem Orte, etwa 5 Kim. südlich von ßeverungen a. d. W. 
gelegen, beobachtete Pfarrer Westermeyer. Von ihm stammt 
ein Verzeichniss (Manuscript) aus der Mitte der 70er Jahre, 
welches die meisten dort zu erwartenden Arten aufzählt. 
An der zweiten Stelle ist namentlich vom Lehrer Schacht 
in Beifort bei Detmold und vom Lehrer Borcherding in 
Vegesack, bei Gelegenheit seiner malacozoologischen Exkur- 
sionen, gesammelt worden. Sonst liegen, wollen wir ab- 
sehen von Henneberg's Funden am Klüt bei Hameln, 
welche bereits oben abgehandelt sind, streng genommen 
aber hier hätten Berücksichtigung finden müssen, nur ver- 
einzelte Angaben vor, welche gelegentlich von diesem oder 
jenem Forscher gemacht wurden. Besonders dürftig ist die 
Gegend von Herford und das Wiebengebirge bekannt, so 
dass hier in unserer Kenntniss der herpetologischen Ver- 
hältnisse eine offenkundige Lücke bleibt, welche erst durch 
spätere Forschungen beseitigt werden kann. 
Haarbrück. 

Haarbrück, ein kleines Kirchdorf, liegt nur wenige 
Kilometer westlich vom Weserflusse, am südlichen Abbange 
einer kleinen Berggruppe, welche sich zwischen der Bever 
und einem kleinen Nebenflusse der Diemel erhebt und 



— 193 — 

dessen Höhen mit reichem Buchenwald bekleidet sind. 
Daneben wechseln in der Gegend fruchtbare Ackergefilde 
mit sterilen Heideflächen, unter welch' letzteren die ßühner 
Heide eine flache, weitausgedehnte Höhe zwischen Haar- 
brück im Norden und Bühne bezüglich Borgentreich im 
Westen besondere Erwähnung verdient. Gegen die Thäler 
fällt das Gebirge vielfach recht schroff ab. Besonders bei 
Herstelle an der Weser haben wir steile, klippenartige Fels- 
partien. Teiche und Tümpel sind spärlich vorhanden und 
grösstentheils auf die Thäler, besonders auf das Thal der 
Weser beschränkt. 

In dieser Gegend sind folgende Arten aufgefunden: 

Lacerta agilis L. Um Haarbrück häufig. 

Anguls fragilis L. Ebenfalls häufig. 

Coroneüa laevis Merr. Von Westermeyer nicht 
erwähnt, aber nach Tenkhoff daselbst vorkommend. 
Ueberhaupt scheint diese Art in der - ganzen Gegend bis 
südlich über die Grenze unseres Gebietes hinaus nicht 
selten zu sein. Wir wissen von dem Vorkommen derselben 
an der östlichen Grenze des Westfälischen Gebietes, und 
ebenso lauten die Angaben Speyers betreffs des Fürsten- 
thums Waldeck. ^) 

Tropidonotus natrix L. Bei Haarbriick selten. 

Fiana escidenta L. Häufig in den Tümpeln an der 
Weser. 



^) Nach einer Mittheilimg desselben an Blum über das Vor- 
kommen der Kreuzotter im Fürstenthum Waldeck lieisst es also: 
„Innerhalb der Grenzen des Fürstenthums Waldeck, meiner engeren 
Heimat bei Arolsen, Rhoden, Wildungen ist die Otter (d. i. Vipera 
berus L.) niemals beobachtet, soweit mir bekannt, während die glatte 
Natter von mir selbst, wenigstens an diesen Orten, die ich lange 
Jahre bewohnt, nicht selten gefunden wurde. Ob in dem westlichen, 
gebirgigeren Theile die Sache anders liegt, weiss ich freilich nicht, 
bezweifle es aber, dass mir ein etwaiger Fund unbekannt geblieben 
sein würde. 

13 



— rj4 — 

B. tetnporaria Aut. Die gewöhnlichste Art. In ein- 
zelnen warmen Wintern, so 1870 am 5. Januar, in einer 
sonnigen Quelle schon munter. 

Bufo vtdgaris Laur. Ueberall häufig. 

B. calamita Laur. Kommt in der Bühne'schen Heide vor. 

? Pelohates fuscus Laur. Westermeyer's Angaben 
lauten wörtlich: „Hier auf der Höhe die häufigste Art. Sucht 
zum Absetzen der Eier oft Pfützen und Gräben auf, die nur 
zufällig durch augenblicklichen Regen Wasser haben, ja 
das Absetzen der Eier scheint oft von solchen Zufällen- ab- 
zuhängen. So fand ich am lö. Juni in der Bühne'schen 
Heide in Gräben, die nur durch augenblicklichen Regen 
angefüllt waren, viele Eier zwischen dem Grase. Sonst 
ziehen sie dieselben in Tümpeln über den Boden hin. Eier 
schon Anfangs Mai". 

Bomhinator x>ac}iypus Bon. Bei Haarbrück in Tümpeln 
ziemlich häufig. 

Alytes ohstetricans Laur. Hier an der Weser und in 
den übrigen Thälern häufig. 

Salamandra maculosa Laur. Bei Haarbrück vor- 
kommend. Ende April findet man die Larven in Tümpeln. 

Triton cristatus Laur. Ziemlich häufig. 

T. alpestris Laur. Bei Haarbrück die häufigste Art. 

T. taeniatus Schneid. Seltener, selbst im Winter bei 
Schnee und Frost in einer brunnenartigen Quelle munter 
vorgefunden. 

Ausser diesen Arten führt Westerme^^er noch zwei 
Eidechsenarten auf, Lacerta viridis Laur. und L. muralis 
Laur., beide sind aber nur gesehen worden, erstere an den 
Klippen bei Herstelle an der Weser, letztere einmal an der 
Steinwand eines Hohlweges. Es liegt die Vermuthung 
nahe, dass hier Verwechselungen mit Formen der L. agilis 
L. vorliegen, weshalb ich das Vorkommen beider Arten 
für diese Gegend nicht als erwiesen betrachte. Nicht er- 
wähnt wird hingegen Lacerta vivipara Jacq., es kann aber 



-= 195 -- 

^ohl keinem Zweifel unterliegen, dass diese Art, wenn auch 
Tielleicht selten, an geeigneten Orten heimaten wird. Das 
Fehlen von HyJa arhorea L. ist interessant, da es ans, 
falls es sich bestätigen sollte, den Beweis liefert, dass diese 
Art in der Wahl ihrer Wohnplätze oft eine grosse Eigen- 
heit zeigt. 

Merkwürdig erscheint das häufige Vorkommen von 
Pehhates fuscus Laur., zumal auf der Höhe. Ich habe oben 
die Angaben Westermeyer's wörtlich wiedergegeben, weil 
beim Durchlesen derselben in mir die Vermuthung aufstieg, 
dass hier vielleicht eine Verwechselung mit Bufo (vulgaris?) 
vorliegt. Darauf deutet vor allem die beschriebene Art 
des Ablaichens hin, welche von Leydig ebenso beobachtet 
wurde. ^) Nach meinen Erfahrungen laicht Felohates fuscus 
Laur. niemals in zufälligen Regenlachen, sondern stets in 
Tümpeln, welche tief genug sind, um das ganze Jahr ihr 
Wasser zu halten. Auch ist diese Kröte ein ausgeprägter 
Bewohner der Ebene, ihr Heimaten im Weserthale wäre 
immerhin verständlich, aber das Bewohnen gerade der 
Höhen ist für diese Art wenig wahrscheinlich. 

Detmold. 

Die Detmolder Umgegend stellt in unmittelbarer Nähe 
der Stadt ein leichtes Hügelgelände dar. Die im Süd- 
westen angrenzenden Höhen gehören bereits dem Lipper 
Walde, einem Theile des Osnings an und bilden, weil jen- 
seits der Wasserscheide gelegen, nur mit ihren nordöstlichen 
Abhängen noch ein Stück des Weserberglandes. In weiterer 
Umgrenzung, namentlich nach Norden und Osten, erhält 
das Hügelland einen mehr bergigen Charakter, die Kuppen 
und Züge nehmen an Höhe und Schroffheit zu und in 
demselben Maasse vermehrt sich auch der Waldreichthum 
der Gegend. Vornehmlich Laub- (Buchen-), dann aber auch 
strichweise Nadelwälder kleiden die Höhen ein oder be- 



') „Die anuren Batrachier der Deutschen Fauna". S. 32. 

13* 



— 196 — 

decken auf weite Flächen hin die Berglehnen mit zum 
Theil noch recht alten Beständen. Hier fliessen die Berg- 
wasser in engen, schluchtigen Thälern dahin, oft wenig von 
der Sonne beschienen, wenn nicht gerade eine günstige 
Richtung einen längeren Eintritt der wärmenden Licht- 
strahlen gestattet. Auch das Lippe'sche Land ist, wie das 
übrige linksseitige Weserufer, noch reich an charakte- 
ristischen Pflanzen und Thieren, welche ihre Zugehörigkeit 
zu dem Wesergebiete dokumentiren, allein nach Westen zu 
nimmt dieser Reichthum ailmälig ab, und die Umgeg-end 
von Detmold dürfte bereits zu denjenigen Punkten zu- 
zählen sein, welche eine deutliche Verminderung dieser 
Formen erkennen lassen ; dies spricht sich auch in der 
Reptilien- und Lurchfauna aus. 

Die bisher bei Detmold oder in der etwas weiteren 
Umgebung beobachteten Arten sind folgende:^) 

Lacerta agilis L. Ueberall häufig. 

L. vivixmra Jacq. Weniger häufig. 

Anguis fragilis L. In der Gegend nicht selten. 

Troindonotus natrix L. Ziemlich häufig. (Am Buchen- 
berg und an der Grotenburg — B.) 

Rana esculenta L. Ueberall. 

R. temporaria Aut. Ueberall gemein. 

Biifo vulgaris Laur. Häufig. 

Hyla arhorea L. Ueberall häufig. 

Bonibinator pachy^^iis Bon. Ueberall. (An den Berle- 
becker Quellen und an der Falkenburg— B.) 

Älytes obstetricans Laur. Nicht in der näheren Um- 
gegend, aber etwas weiter im Gebirge. 

Sdlamanära maculosa Laur. Nicht selten. (An der 
Falkenburg und am Buchenberge — B.) 



1) Das Detmolder Museum, welches auf meine Bitte hin von 
Schacht auf Beleg - Exemplare aus dieser Gegend revidirt wurde, 
entliält nur Böhmische Thiere, keine Lippischen ! 



— 197 — 

Triton cristatus Laur. Ueberall häufig (Berlebeck — B.). 

T. alpesfris Laur, Ebenso häufig. 

T. taeniafus Schneid. Gleichfalls überall. 

Ausserdem wird noch als bei Detmold und etwas weiter 
nördlich bei Lemgo vorkommend Lacerta viridis Laur. an- 
gegeben, über die Qualität dieser Angaben habe ich mich 
bereits früher^) dahin ausgesprochen, dass ich vermuthe, 
denselben eine Verwechselung mit stark grün angelaufenen 
Männchen der Lacerta agiJis L. unterschieben zu dürfen. 
Dieses ist auch jetzt noch meine Ansicht, zumal auch eine 
anderweitige Bestätigung derselben durch Belegexemplare 
des D. M. nicht erbracht ist. 

Nicht erwähnt finden sich unter den Detmolder Be- 
wohnern die Coronella laevis Merr. und die Bufo cdlamita 
Xaur., doch dürfen beide kaum ganz fehlen, wenn sie auch 
in der unmittelbaren Umgebung der Stadt nicht zu finden 
sind ; hierfür spricht, abgesehen von allem andern, die grosse 
Nähe des Osning-Gebirges, welches beide Arten beherbergt. 

Vereinzelte Funde. 

Hieran anschliessend geben wir nun die isolirten Funde, 
"welche im linksseitigen Berglande der Weser noch ge- 
macht sind. 

Anguis fragilis L. Ist bei Minden selten (in fünf 
Jahren nur 2 Exemplare beobachtet, — Platz bei Blum, 
Fragebogenmaterial). 

Tropidonotus natrix L. Bei Minden fehlend (Platz), 
doch im Wiehengebirge (so auf einer Wiese bei Haus Hüffe 
unweit Lübbecke) sehr häufig (L.). Desgleichen Herford 
(Wi ihr and). 

Coronella laevis Merr. Herford (Wilbrand). 

Vipera hertis L. Fehlt im ganzen linksseitigen 
Revier. Dies bestätigen übereinstimmend die Aussagen von 

^) 1. c. pag. 55. 



— 198 — 

Westermeyer, Schacht, Platz, Werth und Wil- 
brand. Die gegentheiligen Angaben bei Blum betreffs 
des Vorkommens bei Herford und Bielefeld sind zu streichen^ 
die Belegexemplare, auf die Bürcke und Geisenhejner 
sich gestützt, sind Coronella laevis Merr. (Wilbrand.) 

Rana esculenia L. Im Ravensbergischen überall häufig, 
so vor allen in Tümpeln des Elsethaies bei Bünde (Fr. W.). 

Bufo calanüta Laur. Bei Falkenhagen im Letmoldschen 
(H. Seh.). 

B. viridis Laur. Bei Langenholzhausen vom Ober- 
förster Wagner gefangen, aber selten (H. Seh.) — Sollte 
nicht Verwechslung mit Bufo calamita ohne Rückenstreifen 
vorliegen ? 

Pelobates fusciis Laur. Im Detmold'schen angeblich 
nach Dr. Schnitzer bei Falkenhagen und, nach Lehrer 
Wolff, Rischenau beobachtet (H. Seh.). 

Bombinator j?ac7??(2>i/s Bon. Im Detmold'schen weit 
verbreitet, auch südlich bei Steinheim in mehreren Tümpeln 
an der Station (Henneberg). 

Alytes ohstetricans Laur. Im Detmold'schen gefangen 
bei Schwalenberg, Brakelsiek und Würderfeld (H. Seh.) Pyr- 
mont (vom Jahre 1848, im Zool. Museum zu Göttingen). 

Triton cristatus Laur. In Tümpeln bei Bünde (Fr. W.). 

Ausserdem wird noch von mehreren Orten des Lippe- 
Detmold'schen (Schwalenberg — Dr. Schnitzer, Lemgo — 
(H. Seh.) das Vorkommen von Lacerta viridis Laur. er- 
wähnt, von dem aber genau das bereits oben Gesagte gilt.. 
So ergiebt sich aus einer kürzlich eingegangenen brieflichen 
Mittheilung W a g n e r 's, dass die früher von ihm für Lac. viridis 
angesprochenen Eidechsen von Langenholzhausen nur agilis 
sind. Ebenso beurtheile ich die Angabe von H. Seh. über 
das Vorkommen der L. muralis Laur. im Kalldorfer Holze 
an der Weser (Wagner), welches nach der Beschaffenheit 



— 199 — 

des Fundortes zu schliessen, auf einer Verwechslung mit 
L. vivipara Jacq. beruhen dürfte. 

Erwähnen müssen wir schliesslich, der Vollständigkeit 
halber, noch den Fund von Zamenis viridiflavus Laur. var. 
carhonarius Fitz., obwohl wir es hier sieher nur mit einem 
Terrarienflüchtling zu thun haben werden, da diese Schlange 
sonst in Deutschland nirgends heimatet. Ein Exemplar 
derselben fand Clemens Freih. v. Fürstenberg auf Eres- 
burg bei Marsberg am 4. September 1889 daselbst mit einer 
Katze kämpfend. Näheres in meinem Verzeichniss pag. 62. 

Rückblick auf die Fauna des Leine- und 
Weserberglandes. 

Von W. Wolterstorff. 

Im Gebiet sind hiernach sicher einheimisch: 

Lacerta agilis. GöttingeU; Hameln, Haarbrück, Detmold. 
Wohl überall verbreitet, doch in den eigentlichen Wald- 
Districten seltener als die folgende. 

Lacerta vivipara. Göttingen, Kreiensen, um Eschers- 
hausen, Hameln, Detmold. 

Anguis fragilis. Göttingen, Einbeck, Kreiensen, Eschers- 
hausen, Hameln, Haarbrück, Detmold, Minden. Ueberall 
verbreitet. 

Coronella laevis. Heiligenstadt, Ballenhausen bei 
Göttingen, Salzderhelden, Hildesheim, „Odfeld" bei Eschers- 
hausen, Ohrberg bei Hameln, bei Haarbrück, im Waldeck'schen, 
Herford. Wohl nirgends fehlend. 

Tropidonotus natrix. Heiligenstadt, Göttingen, ßingel- 
heim, Wickensen, Uetzenburg und Riepen bei Hameln, Haar- 
brück, Detmald, Wiehengebirge. Allgemein verbreitet, doch 
an manchen Orten schon ausgerottet! 

Vipera herus. Bleicherode, Heilip^enstadt, Brück bei 
Göttingen, Gandersheim, Bodenburg, Gronau, Lutter am 
Barenberg, Gegend von Hildesheim, Hann. - Münden, 
? Holzminden, wahrscheinlich Eckberg bei Eschershausen. 



— 200 — 

Die Kreuzotter, welche im Westen der Weser auf einer 
grossen Strecke entschieden fehlt^), geht auch im Osten 
anscheinend nur bei Hann.- Münden, Holzminden, Eschers- 
hausen bis an den Strom heran, aufmerksame Untersuchung 
jener Grenzpunkte wäre noch sehr angebracht! Weiter öst- 
lich ist Vipern herus jedoch allerorts bei günstigen Aufent- 
haltsbedingungen zu finden — jetzt freilich seltener als 
früher — , das Leinebergland wird von Süden (Dün, 
Meissner u. a.) her besiedelt, im Norden setzt sich der 
Verbreitungsbezirk unmittelbar in die Moore und Heiden 
des Flachlandes fort. 

Bana esculenta typica. Göttingeu, Eschershausen, 
Hameln, Osterwald, am Fuss des Süntels, Haarbrück, 
Detmold, Bünde. Gewiss allgemein verbreitet, doch nur von 
Hameln, Detmold, Bünde als „häufig'^ angegeben. 

Rana temporaria. Göttingen, Eschershausen, Hameln, 
Haarbrück, Detmold, überall häufig. 

Biifo vulgaris. Göttingen, Hann.- Münden, Eschers- 
hausen, Hameln, Haarbrück, Detmold. Ebenfalls überall 
verbreitet. 

Bufo calamita. Göttingen, Eschershausen, Haarbrück, 
Falkenhagen im Detmold'schen. Aus dem Gebiet liegen 
also nur 4, aber verbürgte Angaben vor. Das Thier dürfte 
allgemein verbreitet, doch nicht sehr häufig sein. 

Hyla arhorea. Hann.-Münden, Eschershausen, Hameln, 
Detmold. Fehlt wohl nirgends. 

Bonibinator pacliypus. Göttiugen, Bremker Thal, Hann.- 
Münden, Bursfelde, Eschershausen, Hameln, am Fuss des 
Süntels, Haarbrück, Steinheim im Detmold'schen, kurz, fast 
überall! 

Älytes öbstetricans. Heiligenstadt, Göttingen, Wiemarden, 
Diemarden, Weissenboru, Alfeld, Bodenburg, Hann.-Münden. 
Eschershausen, Hameln, Lauenstein, Haarbrück, Pyrmont, 



1) West hoff, die geographische Verbreitung von Pelias herus 
in Westfalen und den angrenzenden Landestheilen. 



— 201 — 

im Detmold'scheu. Die Geburtshelferkröte hat sich, wie die 
Kreuzotter, besonderer Beachtung zu erfreuen gehabt, das 
erklärt die zahlreichen Fundortsangaben. Sie dürfte überall 
im Gebirgs- und Hügelland vorkommen, doch nicht überall 
gleich zahlreich sein. 

Salamandra maculosa. Göttingen, Hann. - Münden, 
Eschershausen, Hameln, Bückeburg, Haarbrück, um Detmold 
In allen Bergwalduugen ! 

Triton cristatus. Göttingen, Eschershausen, Hameln, 
Haarbrück, Detmold, Bünde. Allgemein verbreitet, doch 
mehr auf die Thalweitungen beschränkt, wie es scheint, und 
nicht sehr häufig. 

Triton alpestris. Göttingen, Hann.- Münden, Eschers- 
hausen, Haarbrück, Detmold. Ueberall verbreitet, in den 
Bergwaldungen am häufigsten. 

Triton taeniatus. Göttingen, Hann.- Münden, Eschers- 
hausen, Haarbrück, Detmold. Ueberall verbreitet, bei Hameln 
nur zufällig vermisst. 

Triton pdlmatus. Hann. -Münden, um Eschershausen 
an vielen Orten, Finkenborn am Klüt bei Hameln. — An- 
scheinend im ganzen eigentlichen Weserbergland verbreitet, 
besonders in den kühlen, bewaldeten Seitenthälern. In den 
waldärmeren, sonnigen Strichen um Göttiugen seltener, für 
den Norden des Leineberglands liegen keine Angaben vor. 

Es werden aus dem Gebiet noch mehrere Arten ange- 
geben, doch theils sind die Funde nicht vollkommen ver- 
bürgt, theils liegt der Gedanke an Verschleppung nahe. 
Lacerta viridis, die von mehreren Orten gemeldet wird, ist, 
wie erwähnt, weder von Gruse noch von West ho ff unter- 
sucht worden, in einem Fall hat sich Verwechslung mit 
L. agilis bereits als sicher herausgestellt, in den übrigen 
Fällen bleibt dieselbe wahrscheinlich! Lacerta muralis im 
Kalldorfer Holz ist sicher auch verwechselt! Auch die An- 
gaben über das Vorkommen von Bufo viridis hei Eschers- 
hausen und Langenholzhausen, von Pelohafcs bei Göttingen, 



— 202 — 

Haarbrück und Detmold sind nicht gesichert, noch weniger 
JR. escidenta ridihunda bei Eschershausen. Bombinator 
igneus kommt zwar bei Eschershausen bestimmt vor, sogar 
an 2 Orten, Verschleppung bleibt aber hier ^) wahrscheinlich^ 
so lange nicht im Weser- und Leinebergland diese und 
andere Tieflandsformen sich finden. 

Vergleichen wir die Fauna der linken Weserseite mit 
der rechten, so finden wir eine fast völlige Uebereinstim- 
mung, nur fehlt auf der linken Weserseite Vipera herus, 
hier ein Einwanderer von Osten, anscheinend ganz, ist 
wenigstens noch nie beobachtet. 

Nach Abzug der zweifelhaften Formen verbleiben als 
Bewohner des Weser- und Leineberglandes vom Harz bis 
zur Egge und dem Teuteburger Wald 6 Eeptilien und 
12 Amphibien. Diese Fauna deckt sich vollkommen mit der 
Bevölkeruncf des Westrandes des Harzes. 



*) wie bei Zamenis viridiflavus var. carhonarius von Marsbergt 



— 203 — 



Das Westfälische Faunengebiet. 

Von Dr. Fr. Westhoff. 
Das Westfälische Gebiet, sowie es hier in Betracht 
gezogen werden soll, deckt sich keineswegs mit dem Länder- 
komplex, welcher die Provinz Westfalen umgreift. Zunächst 
ist hier der ganze östliche, gegen die Weser hin abfallende 
Strich der Provinz und ihrer Annexländchen Lippe-Detmold 
und Lippe - Schaumburg, ausgeschieden, da derselbe, wie 
oben ersichtlich, mit den Ländern auf der rechten Seite 
desselben Flusses zu einem separaten Faunengebiete, dem 
der Weser, vereinigt worden ist. Gegen dieses Gebiet grenzt 
sich das Westfälische durch die oben angegebene Linie ab, 
welche die Wasserscheide zwischen Rhein und Ems einer- 
seits und der Weser andererseits bildet. Diese Linie führt 
auch eine geologische Scheide der Länder östlich und 
westlich herbei, denn während alle zum Wesergebiete ge- 
zählten Länder zum überwiegend grössten Theile der 
triassischen und liassischen Formation angehören, sind in 
dem Westfälischen Gebiete südlich nur ältere, nördlich 
neben älteren vornehmlich jüngere Formationsglieder ver- 
treten. 

Die Abgrenzung des Westfälischen Gebietes ist nach 
den anderen drei Himmelsgegenden folgende: Im Süden 
trennt die Wasserscheide zwischen Khein und Ruhr das 
Gebiet von dem Rheinländischen ab. Die Grenzlinie läuft 
hier von Küstelberg über den Kamm des Rothaargebirges 
zum Ederkopf bei Siegen in südwestlicher Richtung Hier 
biegt sie nach Nordwesten um und geht etwa über die 
Orte Drolshagen, Meinerzhagen, Halver, Schwelm auf Mühl- 
heim a. d. Ruhr zu. Im Westen hängt das Gebiet mit der 
Niederländischen und Rheinischen Tiefebene zusammen, 



— 204 — 

kann aber durch eine Linie von dieser abgeschieden werden, 
Avelche die Punkte des letzten Auftauchens von Schichten 
der Kreideformation verbindet und sich ziemlich mit der 
politischen Grenze der Provinz deckt. Ihr Verlauf wird ge- 
kennzeichnet durch folgende Ortschaften: Sterkrade, Dorsten, 
Bocholt, Südlohn, Stadtlohn, Vreden, Gronau, Gildehaus, 
Bentheim, Salzbergeu, wo sie an die Ems stüsst. Im 
Norden bildet der nördliche Abfall des Wiehengebirges die 
Grenze, welche von Salzbergen auf Bramsche, beziehungs- 
weise auf Voerden geht. Es wird also hier ein Thejl der 
Provinz Hannover, nämlich ein grosses Stück der Landdrostei 
Osnabrück, welches zwischen den beiden nördlichen Flügeln 
der Provinz Westfalen eingekeilt liegt, in das Gebiet hin- 
eingezogen. 

Dieses also begrenzte Gebiet liegt zwischen dem 26.50 
und 24" ö. L. und zwischen dem 50.45 und 52.20'' n. Br. 
In seinen südlichsten Theilen lehnt es sich an Mittel- 
deutschland an, gehört aber in floristischer, wie faunistischer 
Hinsicht, entschieden zu Norddeutschland. 

Orographisch zerfällt es in zwei verschieden grosse Hälften, 
die südliche und nordöstliche Hälfte gehört dem Gebirge, 
die nordwestliche Hälfte der Ebene an Beide Hälften er- 
leiden durch das iVuftreten verschiedener geologischer For- 
mationen und das damit in Verbindung stehende Vor- 
kommen eigenthümlicher Bodenarten eine nicht geringe 
Abwechselung. 

Was zunächst den gebirgigen Theil angeht, so treten 
in ihm im Süden zunächst dunkle schieferige Thone auf. 
welche zum unteren Devon, den sogenannten Koblenzer 
Schichten zählen. Auf diese folgen nach Nordwesten 
zu zunächst Mitteldevonschichten, theils thonig-schiefriger, 
theils kalkig derber Natur (Stringecephalenkalk). Darauf 
kommen die Schichten des oberen Devons und des Kohlen- 
gebirges, welche sich in Kohlenkalk (Kulm), unproductives 
und productives Kohlensandsteingebirge gliedern und noch 



205 



■weiter nordwestlich von den Schichten der hellen kalkig- 
thouigen oder glaukonitisch sandigen Pläner-Kreide (Cenoman 
und Turon) überlagert werden, die als Haar oder Haarstrang 
zugleich das Gebirge von der Ebene abtrennen. 

Dieser ganze Gebirgskomplex bildet das sogenannte 
Sauerländische Gebirgsland. Dasselbe steht durch die 
Briloner Höhen mit dem nordöstlichen Gebirgskomplex 
Westfalens in Verbindung, der aber grösstentheils, soweit er 
nämlich nach Osten abfällt, zum Wesergebiete zählt. Der 
schmalere westliche Abfall wird durch das Eggegebirge ge- 
bildet, in dem von Ost nach West sich alle Kreideschichten 
vom" Hilssandsteiu bis zum Turon folgen, welch' letzteres 
auch hier, wie beim Haarstraug, das Gebirge von der Ebene 
abtrennt. Auch mi Nordosten scheiden die Kreideschichten 
mit derselben Reihenfolge in den parallelen Höhenzügen 
des Osnings oder Teutoburger Waldes Gebirgsland und 
Ebene. Nördlich dieses Höhenzuges haben wir ein leicht, 
welliges, nach Westen zu allmählich sich verflachendes 
Hügelland, das, soweit es unserem Gebiete angehört (Osna- 
brücker Hügelland), aus triassischen und karbonischen, aber 
auch jüngeren geologischen Schichten besteht. Von der 
Norddeutschen Ebene wird dieses Wellenland durch den. 
Höhenzug des Wiehengebirges abgeschieden, welcher ganz, 
aus kalkig -sandigen Schichten des mittleren und oberen. 
Jura aufgebaut ist und an seinem Nordostabhange Kreide- 
schichten ausweist. 

Der Hauptfluss des sauerländischen Gebirgslandes ist 
die Ruhr mit ihren zahlreichen Nebenflüssen, von denen 
die Mohne (r.), Lenne und Volme (1.) die nennenswerthesten 
sind. Ausserdem durchströmt dieses Gebiet noch die Alme, 
welche aber ihre Wasser zur Ebene hinunterschickt in die 
Lippe. Das Osnabrücker Hügelland gehört zum Fluss- 
gebiet der Haase, einem Nebenflusse der Ems. 

Im Süden besitzt das Gebirgsland die höchste Höhe, 
durchschnittlich 700 m (der kahle Asten als höchster 



— 206 — 

Gipfel 850 m), nach Norden und Westen nehmen die Höhen 
ab, halten sich aber südlich der Ruhr durchweg auf 400 
bis 500 m. Das Kandgebirge der Ebene hat seine grösste 
Höhe im Osten, gegen 400 m (der Velmerstoot, die 
höchste Kuppe des Osnings bei Detmold, 470 m). Nach 
Südwesten und Nordwesten nehmen diese Höhen allmählich 
ab, bis beide Gebirgsscheiikel sich in die Ebene verlieren. 
Das nordöstliche Hügelland ist ebenfalls östlich höher als 
im Westen, erhebt sich aber, soweit es unserem Gebiete 
angehört, kaum über 200 m, während die Kuppen- des 
W^iehengebirges wieder bis zu 300 m ansteigen. 

Den ebenen Theil des Westfälischen Gebietes bildet 
das sogenannte Münstcrland (oder der geognostische Busen 
von Münster). Im Westen steht es mit der grossen- 
Niederländisch - Norddeutscheu Tiefebene in Verbindung, 
während die anderen Seiten, wie bereits gesagt, von den 
kalkreichen Höhenzügen der Haar, der Egge und des 
Osnings abgegrenzt werden. Es stellt keineswegs eine flache 
Ebene dar, sondern der theils kalkig- mergelige, theils 
thouig- sandige Untergrund, der obersten Kreide (Senon) 
angehörend, ragt sehr häufig aus der diluvialen Lehm- und 
Sanddecke hervor und bildet in der Mitte des Busen sogar 
ein locker zusammenhängendes Hügelland, das im Schöp- 
pinger Berge (höchster Punkt) bis zu 150 m ansteigt. 
Tertiäre Schichten treten nur an der westlichen Grenze 
des Gebietes auf, aber in so geringer Ausdehnung, dass 
sie auf den Charakter des Landes keinen irgendwie be- 
stimmenden Einfluss ausüben, dahingegen sind die breiten 
und oft recht verflachten Flussthäler vielfach von alluvialen 
Lehm- und Sandablagerungen bedeckt. Auch das Miiuster- 
land ist im Osten höher als im Westen ; in der Gegend 
von Paderborn liegt die ebene Bodenfläche durchschnittlich 
100 m, bei Münster nur mehr 60 und noch weiter westlich 
nur 50 m über dem Meeresspiegel. Die Hauptflüsse des 
Mtinsteriandes sind Ems und Lippe, beide durchfliessen 



207 



dasselbe von Osten nach Westen, ersterer folgt mehr dem 
Abfalle des Osnings, um sich beim Verlassen unseres Ge- 
bietes ganz nördlich zu wenden, letzterer mehr dem der 
Haar und ergiesst sich etwas unterhalb Mtthlheim bei 
Wesel in den Rhein. Als Hauptnebenfluss der Ems ist 
die Werse, der Lippe die Stever zu nennen. 

1) Das Sauerland. 

a. Das südliche Sauerlaiid (Siegerland). 

Das sauerländische Gebirgsland ist in seinen südlichen 
höohsteu Theilen ein etwas kahles, baumarmes Gebirgs- 
plateau. Krüppeihafte Buchen- und Fichtenwälder (letztere 
meist neuerdings angepflanzt) ziehen sich allerdings an den 
geschützten Bergseiten bis zu den höchsten Kuppen hinauf, 
in eiuigermassen tippiger Weise gedeihen sie aber nur in 
den engen, schluchtigen Thälern, wo sie faltenartig die Ab- 
hänge bekleiden. Die kahle Hochebene (wenn das Wort 
gebraucht werden darf) ist an geeigneten Orten in Feld 
verwandelt, stellenweise aber bildet sie durch stagiürende 
Quellwasser eine sumpfige oder gar moorige Trifft, die 
häufig für das Weidevieh nutzbar gemacht ist. Alsdann hat 
mau daselbst, wenn nicht künstliche Wasserbehälter vorhanden 
sind, Viehtränken hergerichtet, deren klares Quellwasser den 
wasserliebenden Lurchen jener Gegend die einzigen Wohn- 
und Laichplätze gewähren, wenn nicht ein Bewässerungs- 
oder Abzugsgraben mit bleibendem Wassergehalte im Thale 
ebenfalls eine genügende Unterkunft bietet. Das Klima dieses 
Landstriches ist rauh, die Winter sind lang und nasskalt, 
die Sommer kurz und in manchen Jahren auch feucht und 
trübe. Nachtfröste sind im Mai keine Seltenheit und stellen 
sich selbst noch im Juni und Juli ein, die Sommerfrucht 
(Hafer) wird nicht selten vor der Ernte von dem einbrechen- 
den Winter überrascht und noch nicht ausgereift unter dem 
Schnee begraben. Dass hier das Leben der Reptilien und 
Amphibien keine starke Entwicklung erhalten hat und diese 



— 208 — 

oder jene Art, welche in den tiefer gelegenen Bergpartien 
ihre Heimat besitzt, hier gar nicht oder doch nur recht 
spärlich vertreten ist, kann nicht Wunder nehmen. Am 
besten erforscht ist in diesem Gebiete die Umgegend von 
Hilchenbach, wo Landwirth K. Becker auf meine Veran- 
lassung und nach meinen Intentionen beobachtet und ge- 
sammelt hat. Angaben aus älterer Zeit besitzen wir auch, 
aus der Gegend von Siegen, woselbst in den 40er Jahren 
dieses Jahrhunderts E. Suffrian gelebt und geforscht hat. 
Seine Kesultate hat derselbe in einem „Verzeichniss. der 
innerhalb des Kgl. Preussischen Regierungsbezirkes Arns- 
berg bis jetzt beobachteten wild lebenden Wirbelthiere" 
niedergelegt^), welches die ältesten Literaturangaben über 
Lurch- und Kriechthiere des in Rede stehenden Gebietes 
enthält. Das Gebiet beherbergt folgende Arten: 

Lacerta agilis L. Nur vereinzelt auf trockenen, 
sonnigen Höhen, die mit Heidekraut bewachsen sind,, 
z. B. Hilchenbach. (R. B.) 

L. vivipara Jacq. Ebenfalls nur einzeln, mehr an 
schattigen, bewachsenen Localitäten, aber bis zum kahlen 
Asten, dem höchsten Punkte, vordringend. Daselbst auch 
die var. nigra Wolf, so bei Nordenau. (Fr. W.) 

Anguis fragüis L. In den Waldungen, besonders ent- 
legener Orte recht häufig; auf den kahlen Plateaus fehlend, 
z. B, Hilchenbach. (R. B.) 

CoroneUa laevis Merr. In den Wäldern verbreitet, aber 
nicht häufig, z. B. Hilchenbach. (R. B.) 

Tropidonotus natrix L. In den feuchten Waldungen 
der tiefer gelegenen Thäler häufig, auf den Höhen, selbst 
wenn sie mit Holz bestanden sind, fehlend, z. B. Siegen. 
(Ed. S.) 



*) Jahrbücher d. Ver. f. Naturkunde im Herzogthum Nassau, 
Heft 3, Wiesbaden 1846. 



— 209 — 

Rana escidenia L, var. typica. Kaum vorkommend, 
höchstens in den tiefer gelegenen Thälern, wenn güastige 
Wassertümpel vorhanden sind. 

Bana temporaria Aut. Ueberall in den Thalsenken 
als auch auf den Plateaus häufig, bis zu den höchsten 
Punkten (Kahler Asten). 

Bufo vulgaris Laur. Ueberall häufig, auch in grossen 
kräftigen Exemplaren. 

B. calamita Laur. An trockneren Orten einzeln lebend, 
z. B. Hilchenbach. (R. B.) 

Bombinator pachijxms Bon. Auf felsigem Terrain, aber 
nur einzeln, z. B. Hilchenbach. (R. B.) 

Ahjtes ohstetncans Laur. An erdigen Stellen, auf der 
Hochebene weniger häufig, als an den Thalsenken, aber 
tiberall nicht selten, z. B. Hilchenbach. (R. B.) 

Salamandra tiiacidosa Laur. Im ganzen Gebiete, be- 
sonders in feuchten Buchenwäldern nicht selten. 

Triton cristatus Laur. In den Wassertümpeln der 
Hochplateaus verbreitet, aber nicht häufig, z. B. Hilchen- 
bach. (R. B.) 

T. alpestris Laur. Ebendaselbst, auch in den Abzugs- 
und Bewässerungsgräben der Thalwiesen überall recht häufig. 

T. taeniatus Schneid. Ebendort, aber noch häufiger. 

T. palmatus Schneid. Hilchenbach (R. B.). An gleichen 
Stellen mit T. cristatus Laur. und wie es scheint, nicht 
selten. 

Bemerkenswerth für diesen Gebietstheil ist das voll- 
ständige Fehlen der Hyla arborea L. und das nur spärliche 
Vorkommen von Rana escuJenta L. ; das seltene Vorkommen 
von Bnfo calamita Laur. und Bombinator pachypus Bon. 
und auch, wenigstens auf den Plateaus, von Lacerta agilis 
L. und Tropidonotiis natrix L. ; dagegen aber das häufige Auf- 
treten der Salamandrinen, von denen neben Salamandra macu- 
losa Laur. vor allem Triton alpestris Laur. recht häufig, Triton 
palmatus Schneid, diesen Gegenden bis jetzt eigenthümlich ist. 

14 



— 210 — 

h. Das nördliche und westliche Sauerland (Arnsherger 
Land und unteres ßuhrgebiet). 

Steigen wir vou den südlichen Höhen nordwestwärts 
hinab, so gelangen wir in ein wellenförmiges Hügelland 
von 500 bis 200 m Erhebung über den Meeresspiegel, 
reich an üppigen Buchen- und Fichtenwäldern, vielfach 
durchschnitten vou sonnigen Thälern, in denen grasreiche 
Wiesen mit üppigen Saatfeldern abwechseln. Das Klima 
ist hier entschieden milder, Weinstock, Wallnuss und zahme 
Kastanie gedeihen wenigstens in geschützten Lagen und die 
Keifung der Sommerfrucht ist durch zu frühes Eintreffen 
des Winters nicht mehr in Frage gestellt. Stehende Wasser- 
bassins sind auf den Höhen allerdings spärlich, in den 
breiteren Thälern finden sich hingegen Flusslachen, Gräben 
und Tümpel zahlreich genug vor, um einer grösseren lu- 
dividuenzahl von Lurchen Wohn- und Laichplatz zu bieten. 
Die Lurch- und Kriechtbierfauua dieses Gebietstheiles ist 
für einen bestimmten Ort allerdings bis jetzt noch nicht 
erschöpfend durchforscht, ziemlich eingehend jedoch durch 
Apotheker Werth für Westherbede, unweit Yvltten, bekannt 
geworden. Was wir an Erfahrungen von hier und den ver- 
schiedensten Plätzen gesammelt haben, ist somit hinreichend, 
um uns ein Bild von der hier herrschenden Fauna zu ge- 
währen. Diese gestaltet sich also: 

Lacerta agilis L. An trockenen und der Sonnenseite 
zugekehrten Berggeländen nirgends selten, z. B. Westher- 
bede (We.), Hagen (Seh.). 

L. vivipara Jacq. In den Waldrevieren, besonders 
der Höhen, aber weniger häufig, z. B. Westherbede (We.). 
Hagen (Seh.). 

Anguis fragilis L. An Waldrändern, auf Triften und 
selbst in Gärten überall häufig. 

Coronella laevis Merr. An trockenen, sonnigen Berg- 
lehnen, in Waldungen überall nicht selten, z. B. Meschede 
(W. P. M.), Arnsberg (W. P. M.), Hagen (Seh.). 



— 211 — 

Tropidonoüis natrix L. An feuchteren Orten, be- 
sonders in den Thälern verbreitet, z. B. Westherbede. (We.) 

Vq^era herus L. Jedenfalls nur sehr spärlich und 
Euhr aufwärts eingewandert, z. B. Hohenlimburg (0.). 

Rana escidenfa L. var. typica. In den Thälern überall 
und meistens häufig. 

B. temporaria Aut. Im ganzen Districte gemein. 

Bufo vulgaris Laur. üeberall recht häufig. 

B. calamita Laur. üeberall, aber selten, z. B. Pader- 
born. (Fr. W.) 

Hyla arborea L. In den Thälern, wenigstens der nord- 
wärts gelegenen Gegenden des Gebietstheiles, aber nirgends 
häufig, z. B. Arnsberg (Schütte), Westherbede (We.). 

Bomhinator pachypus Bon. Im ganzen Districte, be- 
sonders aber auf den Kalkbergen des Haarstranges verbreitet. 

Älytes ohstetricans Laur. üeberall im Sauerlande nicht 
selten, höchstens auf dem Haarstrang fehlend, wenigstens 
auf dessen kahlen Kalkhöhen noch nicht nachgewiesen. 

Salamandra maculosa Laur. In den Wäldern des Ge- 
bietes überall häufig. 

Triton cristatus Laur. Selten. Hagen (Seh.), Bochum 
(Fr. W.) u. s. w. 

T. alpesfris Laur. üeberall vorkommend und nirgends 
selten. 

T. taeniatus Schneid, üeberall häufig. 

Der faunistische unterschied der niedriger gegenüber 
den höher gelegenen Theilen de§ Sauerländischen Gebirgs- 
landes macht sich einerseits besonders durch das Auftreten 
von Hyla arhorea L., das häufigere Vorkommen von Lacerta 
agilis L., Tropiäonotiis natrix L., Rana escidcnta L. und 
Bomhinator pachypus Bon , andererseits durch das Seltener- 
werden von Lacerta vivipara Jacq. bemerkbar. Das spärliche 
Heimaten der Vipera herus L. muss als eine Einwirkung 
der Fauna der Ebene angesehen werden. Tr. palmatus 
Schneid, ist vielleicht nur übersehen. 

14* 



— 212 — 

2) Das nordöstliche Bergland, 
a. Egge. 

"Wir wenden uns jetzt zu dem Verbindungsgebirge, der 
Egge, einem waldreichen Höhenzuge, der im Charakter 
ziemlich den Sauerläudischen Bergen gleichkommt, in seinen 
klimatischen Verhältnissen aber, als Kandgebirge der Ebene^ 
vielfach von dieser beeinflusst wird. Durchschnittlich be- 
trägt die Höhe dieser Kette gegen 300 m, steigt aber an 
seinem nördlichen Ende in dem Velmerstoot, welcher sie 
von dem nach Nordwesten streichenden Osning abscheidet, 
bis zu 470 m an. In herpetologischer Beziehung ist hier 
die Umgegend von Feldrom bei Hom durch den Lehrer 
H. Schacht genauer bekannt geworden. Einiges sam- 
melte Borcherding an den Externsteinen. Bisher 
wurden folgende Arten festgestellt: 

Lacerta agilis L. Ueberall häufig, besonders auf 
steinigem Boden des Hilssandsteines, z. B. Feldrom. (H. Seh.) 

L. vivlpara Jacq. Mehr in feuchten Wäldern, ziemlich 
häufig, z. B. Feldrom (H. Seh.), Paderborn (Fr. W.). 

Änguis frngilis L. Ueberall verbreitet. 

CoroneUa laevis Merr. Ueberall heimisch, aber nicht 
häufig. Feldrom (H. Seh.). 

Tropidonotus natrix L. Im Gebiet ziemlich häufig bis 
zu einer Höhe von 400 m. Feldrom (H. Seh.), Extemsteine (B.). 

B,ana esculenta L. var. typica. Ueberall, aber weniger 
häufig, als die folgende Art. 

B. temporaria Aut. Ueberall gemein. 

Bufo vulgaris L. Ebenfalls ein überall häufiges 
Lurchthier. 

Htjla arhorea L. Ueberall im Gebiete häufig. 

Bonibinatoy pachypus Bon. Gleichfalls im Gebiete 
■überall verbreitet. Feldrom (H. Seh.). 

Alytes ohstetricans Laur. Ueberall im Gebirge häufig^ 
geht bis zu 400 m aufwärts. Feldrom (H. Seh.). 



— 213 — 

Sdlmnandra maculosa Laur. Bis zu den höchsten 
Bergspitzen vordringend und überall häufig. Externsteine (B.). 

Triton crisfafus Laur. Verbreitet und häufig. Teich 
"bei den Externsteinen (B.), 

T. alpestris Laur. Ebenfalls überall und ebenso 
häufig. 

T. taeniatus Schneid. Der gemeinste der Wasser- 
molche. Externsteine (B.), 

Vergleichen wir diese Fauna mit der des nördlichen 
Theiles des Sauerlandes, so finden wir eine fast vollständige 
üebereinstimmung. In beiden Districten treffen wir die- 
selben Arten an und auch der Grad ihrer Häufigkeit ist 
duichschnittlich in beiden derselbe. Der einzige nennens- 
werthe Unterschied besteht darin, dass im Eggegebirge, 
abgesehen von Vipera herus L., Bufo calamifa Laur. als 
fehlend gemeldet wird. Derselbe ist aber auch im Sauer- 
lande selten und wird hier wahrscheinlich nur übersehen 
sein, zumal sein Vorkommen auf beiden Seiten des Gebirgs- 
zuges in unmittelbarer Nachbarschaft (Paderborn, Falken- 
hagen im Lippe-Detmoldschen) festgestellt worden ist. Ein 
besonderer Einfluss des Wesergebietes macht sich im Egge- 
gebirge nicht geltend, wohl aber dürfte das häufige Vor- 
kommen des Tropidonotus natrix L., der Bana esculenta L. 
und vor allem der im Sauerland seltenen Hißa arhorea L. 
als eine Rückwirkung der Ebene anzusehen sein. 

b. Osning. 

In dem Höhenzuge des Osnings haben wir zwei, stellen- 
weise sogar drei durch Längsthäler von einander geschiedene 
Ketten zu unterscheiden, da sie sich geoguostisch und in- 
folgedessen auch floristisch verschieden verhalten. Sehen 
Avir von der äusseren (nordöstlichen) Kette des Muschel- 
kalkes ab, weil sie streng genommen dem Wesergebiete 
zugezählt werden muss, so haben wir zunächst eine mittlere 
(die höchste; Kette, welche der älteren Kreide, dem Hils- 



— 214 — 

Sandstein angehört und aus korapaliteni, eisenschüssigen 
Sandstein besteht. Diese Kette ist besonders in ihren 
oberen Partien dürr und öde, meistens mit Heidekraut 
bewachsen und mit krüppeligen Kiefern bestanden. Die 
innere Kette, welche das Gebirge von der Ebene abtrennt, 
gehört zur jüngeren Kreide (Cenoman, Turon) und besteht 
aus kalkig - thonigem Gestein; seine Kuppen schmückt, 
soweit sie nicht kahl sind und dem Ackerbau oder der 
Viehhude dienen, ein üppiger, feuchter Buchenwald. Das 
Klima ist im Allgemeinen dem der Ebene gleich, nur ist 
vielleicht zu bemerken, dass die Höhen den kalten und 
warmen Luftströmungen stärker ausgesetzt sind. Um ein 
Charakterbild von der Fauna dieses Striches zu liefern, 
gebe ich ein Verzeichniss der Funde, welche Lehrer 
F. S i c k m a n n in der Umgegend von Iburg gemacht hat, 
dessen Lücken ich durch anderweitig gemachte Funde so- 
weit als möglich ergänze: 

Lacerta agilis L. Besonders an den mit Heidekraut 
bewachsenen Abhängen der Sandsteinkette sehr häufig. 

L. viviimra Jacq. Von (F. S.) nicht erwähnt, von mir 
selbst aber im Osning beobachtet und, wie es scheint, nicht 
selten. Sie gehört mehr den Buchenwäldern der inneren 
Kette an. 

Anguis fragilis L. Verbreitet und wobl häufig. 

Coronella laevis Merr. In der Umgegend von Iburg 
(F. S.) häufig, auch von anderer Seite daselbst beobachtet. 
Bielefeld (Wilbrand). 

Tropidonotus natrix L. Kommt im Districte vor, aber 
selten. Bielefeld (Wilbrand), Iburg (F. S.). 

B.ana csculenta L. var. typica. Ueberall und nicht selten. 

B. temporaria Aut. Ueberall gemein. 

Bufo vulgaris Laur. Ebenfalls überall häufig. 

B. calamita Laur. Von (F. S.) nicht gefunden, wurde 
jedoch nicht weit von Iburg auf den kahlen Kalkhöhen von. 
Lenserich durch Treuffe erbeutet. 



215 



Hyla arhorea L. Bei Ibmg vorkommend und nicht 
selten (F. S.). 

BomUnator pachypus Bon. Wird von H. Seh. für den 

östlichen Theil des Osnings angegeben, ist nicht hei Iburg, 
wohl aber im westlichen Theil des Gebirgszuges nach B. in 
der Gegend von Lengerich gefunden. 

Alytes obstetricans Laur. Von H. Seh. für den östlichen 
Theil des Osnings angegeben. 

Salamandra maculosa Laur. Ueberall häufig. 

Triton cristatus Laur. Ueberall häufig. 

T. dlpestris Laur. F. S. hat diese Art nicht beobachtet, 
nach H. Seh. ist dieselbe aber im östlichen Theile des Osnings 
häufig und dürfte auch im westlichen Theile nicht fehlen, 
jedoch ist hier ihr Vorkommen bis jetzt noch nicht fest- 
gestellt. 

T. taeniafus Schneid. Ueberall häufig. 

Aus dieser Zusammenstellung geht hervor, dass der 
Charakter der Fauna auch im Osninggebirge im grossen 
Ganzen mit dem des Eggegebirges übereinstimmt, nur 
scheint der Einfluss der Ebene bei einigen Species sich 
derartig zu bethätigen, dass sie, wie Bomhinator pachypus 
Bon., Alytes ohstetricans Laur. und (vielleicht auch) Triton 
alpestris Laur. allmählich verschwinden. Der Gebirgscharakter 
drückt sich hingegen durch das, selbst im westlichen Theil, 
noch häufige Vorkommen von CoroneUa laevis Merr. und 
Salamandra maculosa Laur. recht deutlich aus. 

c. Das OsnabrUcker Land. 

Gehen wir jetzt zu dem nördlich vom Osning gelegenen 
Hügelland von Osnabrück und dem dazu gehörenden Theile 
des Wiehengebirges, als dem letzten Stück der gebirgigen 
Hälfte des Westfälischen Gebiets über, so können wir das- 
selbe kurz als einen Uebergaugsdistrict bezeichnen, indem 
sich überall der Einfluss der Norddeutschen Ebene, in welches 
dieser allmählich übergeht, deutlich bemerkbar macht. Einen 



— 21G — 

reineren Gebirgscharakter dürfte höchstens die Fauna der 
höheren Theile des Wieheugebirges bewabrt haben, allein 
gerade diese Gegenden sind in herpetologischer Hinsicht 
noch nicht durchforscht worden und können also über das 
Vorkommender hier in Frage kommenden Arten: Coronella 
laevis Merr., Bomhinator pachypus Bon., Alytes obstetricans 
Laur,, Salamandra maculosa Laur. und Triton al])estris Laur. 
keine näheren Angaben gemacht werden. Die kalkig- 
mergeligen und thonigsandigen Höhen sind vielfach mit 
üppigen Buchenwäldern bestanden, so dass die Bedingungen 
für das Auftreten einer solchen Fauna durchaus vorhanden sind. 

Auch die Fauna des Osnabrücker Hügellandes ist noch 
wenig bekannt, im Osnabrücker naturhistorischen Museum 
selbst sind keine Belegstücke vorhanden, dasjenige aber, 
was Lehrer Borcherding zu Vegesack und andere in 
der Umgegend Osnabrücks gefunden haben, bewahrheitet 
die bisher gehegten Vermuthungen voll und ganz. 

Danach finden sich in diesem Gebietsabschnitte folgende 
Arten : 

Lacerta agilis L. An sonnigen Höhen und auf trockenen 
Heiden vielerorts beobachtet und stellenweise häufig. 

L. vivipara Jacq. üeberall an feuchten Stellen, im 
Gebüsch und im Moor verbreitet, z. B. Osnabrück (B.), 
Voerdeu (L.). 

Anguis fragilis L. Verbreitet, aber doch weniger be- 
obachtet. Osnabrück (B.). 

Tropiäonotus natrix L. Besonders in wasserreichen 
Gegenden nicht selten, z. B. Wiehengebirge (L). 

Rana esculenta L. var. iypica. Üeberall häufig. 

jR. temporaria Aut. Ebenfalls überall gemein. 

it. arvalis Nils. Auf den nördlichen Moorstrichen bei 
Voerden beobachtet. (L.) 

Bufo vulgaris Laur. üeberall gemein. 

Hyla arhorea L. In der Umgebung Osnabrücks nicht 
selten. (B.) 



Bomhinator pachypus Bon. In der Nähe vou Osnabrück 
bei Hörne und Hellern. (B.) 

Salamandra maculosa L. Ueberall verbreitet. 

Triton cristatus Laur. Ueberall nicht selten. 

T. taeniatus Schneid. Ueberall häufig. 

Der Gebirgscharakter dieser Fauna spricht sich noch 
deutlich in dem Yorkommen vou Bomhinator pachypus Bon. 
und Salamandra maculosa L. aus, während die starke Ein- 
wirkung der Ebene sich darin äussert, dass Alytes ohstetricans 
Laur. und Triton alp)cstris Laur. nicht mehr vorkommen, 
oder doch, weil sie bisher noch nicht beobachtet wurden, 
sehr selten sein müssen. Gleichzeitig giebt sich aber der 
Faunencharakter der Ebene deutlich in dem häufigeren Vor- 
kommen des Tropidonottis natrix h., der Bana esculenta L. 
und vor allem in dem Auftreten der Batia arvalis Nils., 
am nördlichen Gebietsrande zu erkennen. 

3) Das Münsteriand. 

Der ebene Theil des Westfälischen Gebietes, das 
Münsterland, bildet ein Stück der grossen Norddeutschen 
Tiefebene, besitzt aber an vielen Punkten eine durchaus 
hügelartige Ph^^siognomie, wie das oben bereits angedeutet 
worden ist. Der Charakter der Ebene wird noch mehr 
verwischt durch den Reichthum an kleinen Feldgehölzen, 
welche zwischen Fruchtäckern, Wiesen und Heiden sich ein- 
gestreut finden. Die einzelnen Felder, Kämpe genannt, 
sind zudem vielfach mit hohen und breiten Erdwällen, 
■welche mit altem Strauchwerk bestandet sind, sogenannten 
Wallhecken, umgeben und saftige Wiesenflächen der Niede- 
rungen werden von grösseren oder kleineren Bächen und 
Flüssen durchströmt. Dazu ist das Land übersäet mit 
kleinen Tümpeln , Viehtränken und Heidekolken , Ab- 
zugsgräben und Hofesgräften. Die Einförmigkeit wird 
noch mehr beseitigt durch den Wechsel der Vegetation, 
welcher hauptsächlich durch die geologische Beschaffenheit 



— 218 — 

des Untergrundes bedingt ist. Die kalkig -mergeligen 
Striche des Kreidebodens sind die Träger üppiger Buchen- 
wälder, der diluviale Lehmgrund erzeugt herrliche Eichen- 
wälder, während die dürren Sandpartien mit Heidekraut 
bedeckt sind, soweit nicht durch Aufforstung heutzutage 
schon weitausgedehnte Kiefergehölze entstanden. Eine 
Aenderung dieses Pflanzencharakters wird ferner noch durch 
die zahlreichen Sumpfdistricte und Moore herbeigeführt^ 
wo Riedgräser und Wasserpflanzen die Oberhand haben, und 
höchstens krüppelhaftes Weidengesträuch, nebst einer ein- 
zelnen Birke oder der Gagel (Myrica gale) die Uferränder 
umsäumt. Das Klima dieses Gebietstheiles kann ein feucht- 
mildes genannt werden. Selten sind hier infolge Einflusses 
des nahen Meeres mit seiner warmen Strömung die Sommer 
excessiv trocken und warm, die W^inter rauh und kalt. Die 
Zahl der Regentage ist sehr gross und ein jäher Wechsel 
der Jahreszeiten mit ausgeprägten Temperaturverhältnissen 
nicht vorhanden. Durch allmähliche Erwärmung mit 
häufigen Rückfällen geht der Winter in den Sommer, durch 
langsame Abkühlung der Sommer in den Winter über. 
Dabei gedeihen zahme Kastanie, Wallnuss und Weinstock 
nicht nur sehr gut, sondern liefern auch durchweg alljähr- 
lich reife Früchte. Der Roggen ist gegen Mitte Juli aus- 
gereift, der Weizen gegen Ende Juli und der Hafer zu 
Anfang August. Mitte August kann in günstigen Jahren 
die ganze Ernte geborgen sein. Der Charakter der herpe- 
tologischen Fauna dieses Gebietes geht hinreichend aus 
einer Aufzählung der von mir bei Münster beobachteten 
Arten hervor, zumal in der Umgegend dieses Ortes die 
verschiedenen, oben skizzirten Landschaftsbilder vorkommen: 

Emys orbicularis L. In wasserreichen Niederungen 
einzeln gefunden, daselbst nur verwildert. Bis jetzt nirgends 
eingebürgert, 

Lacerta agilis L. In den weiten, trockenen Heide- 
gegenden der Umgebung Münsters, vornehmlich auf Sand- 
hügeln überall häufig. 



— 219 — 

L. vivipara Jacq. Auf bewachsenen Wallhecken, in 
Gebüschen und vor allem in sumpfigen, moorigen Heiden, 
noch häufiger als die vorige Art. Die var. nigra Wolf 
selten. 

Anguis fragilis L. In bewachsenem Terrain, mit Vor- 
liebe wie es scheint auf mergeligem Boden, nicht selten. 

Tropidonotus nafrix L. In den feuchten Niederungen 
und bewachsenen Heiden mit Wassertümpeln, vornehmlich 
in den Thälern der Flüsse Ems und Werse nicht selten, 
stellenweise sogar sehr häufig. 

Vipera herus L. An feuchtkühlen bewachsenen Orten 
mit moorigem oder doch heidigem Untergründe strichweise, 
daselbst aber, besonders in einzelnen Jahren, nicht selten. 

Rana esculenfa L. var. typica. Ueberall in wasserreichen 
Gegenden gemein. 

R. temjyoraria Aut. Ueberall und meistens sehr gemein. 
R. arvalis Nils. An sumpfigen und moorigen Heide- 
stellen verbreitet und meist häufig. 

Bufo vulgaris Laur. An feuchten Orten allerorts 
gemein. 

B. calamita Laur. An mehr trockenen als feuchten 
Sand- und Kalkstellen, besonders in Heiden und auf kahlen 
Höhen verbreitet, aber nicht überall, jedoch lokal zuweilen 
häufig. 

Hyla arhorea L. In bewachsenen und wasserreichen 
Gegenden verbreitet und häufig. 

Pelobafes fuscus Laur. , An feuchten, bewachsenen 
Orten verbreitet und nicht selten. 

Salamandra maculosa Laur. In alten Laubwäldern 
sehr localisirt. In der Umgebung Münsters nur an einer 
Stelle und daselbst keineswegs häufig. 

Triton cristatus Laur. In pflanzenreichen Gewässern 
mit mergeligem und lehmigem Boden verbreitet und 
meistens häufig. 



— 2-2i) — 

T. alpcstris Laur. In Tümpeln, vorzüglich auf merge- 
ligem Boden des Kreidegesteins, local nicht selten. 

T. taenlatus Schneid. Ueberall in Tümpeln und 
Gräben gemein. 

Aus dieser Zusammenstellung entnehmen wir, dass im 
<jrebiete des Münsterlandes der Faunencharakter der Ebene 
vorwaltet. Dieses giebt sich einestheils in dem Fehlen der 
beiden Gebirgskrüten. Bomhinator pachypus lion. und 
Alytes obstetricans Laur., kund, anderntheils in dem häufigen 
Vorkommen mehrerer Arten, welche bei zunehmendem Ge- 
birgscharakter immer seltener werden, sowie auch in dem 
Auftreten solcher Spezies, welche wenigstens für unsere 
Himmelsstriche als ausgesprochene Bewohner der Ebene 
angesehen werden müssen. Dahin gehören (abgesehen von 
Emys orhicularls L., dessen spontanes Heimaten bis jetzt 
nirgends erkannt istj Vi2)era herus L., Eana arvalis Nils, 
und Pelohates fusciis Laur., drei Species, die im Münster- 
land eine weitere Verbreitung besitzen. Daneben lässt 
sich aber auch nicht verkennen, dass dieser District, ein- 
gekeilt zwischen zwei Gebirgsländern und stellenweise 
selbst nicht ohne Anklänge an die Landschaft eines Hügel- 
landes, nicht frei ist von einer Beeinflussung durch diese. 
Das sehen wir nicht nur aus dem Vorkommen von Sala- 
mandra maculosa Laur. und Triton alpestris Laur., sondern 
€s geht auch aus dem, allerdings sehr sporadischen Auf- 
treten der Coronella laevis Merr. hervor. Letztere findet 
■sich zwar hei Münster nicht, wurde aber nach dem Rheine 
zu bei Lembeck und Sterkrade beobachtet, an Orten, die 
vollkommen in der Ebene liegen. 

Werfen wir jetzt einen Blick auf die Beziehungen 
unserer Westfälischen Fauna zu den Faunen der Nachbar- 
gebiete. Was zunächst das Rheinländische Gebiet angeht, 
welches sich südlich von dem unsrigen zu beiden Seiten 
des Rheins ausdehnt, so ist dasselbe durch die Arbeiten 



— 221 - 

von Koch^), Leydig2), Behrens^), Geiseiiheynei"*) und 
Melsheimer^) geuau bekannt geM'orden. Vergleichen wir 
die Faunen beider Gebiete miteinander, so lässt sich keir^. 
directer Einfluss der Rheiuländischen auf die AVestfälische 
nachweisen. Die dem liheinlande eigenthümlichen Arten, 
welche hier dem Rhein stromabwärts folgen, haben die 
Wasserscheide zwischen Ruhr und Rhein nirgends über- 
schritten. Lacerta muralis Laur,, Tropidonoius tesselaiiis- 
Laur., Rana agilis Thom. und Bufo viridis Laur. sind 
niemals jenseits derselben in unserem Gebiete, ebensowenig 
aber auch im Ruhrthale oder im südwestlichen Theile des 
Münsterlandes zur Beobachtung gelangt. Augenscheinlich 
haben sie auf ihren Wanderungen an dieser, sowie beim 
Beginn der Ebene Halt gemacht, denn auch am Niederrhein 
finden sich diese Arten, vielleicht mit alleiniger Ausnahme 
der schnellfüssigen Lacerta muralis Laur., die aber dann 
hierhin auch nur verschlagen zu sein scheint, nirgends. 
Eine umgekehrte Beeinflussung spricht sich jedoch in dem 
Vorkommen der Vipera herus L. in den Rheinlanden aus. 
Wie ich unlängst nachgewiesen habe,^) ist diese Schlange 
von der südwestlichen Grenze der münsterländischen Ebene 
längs dem Rande des Gebirges bis in die Gegend von 
Ehrenbreitstein rheinaufwärts gewandert und von hier selbst 

i)Carl Koch, Formen und Wandlungen der ecaudaten Ba- 
trachier des Untermain- und Lahngebietes. Verhandl. Öenkb. Ges. 
1872, 8 t. 

-) L e y d i g , die anuren Betrachier. 

^) Behrens, die Amphibien und Reptilien von Elberfeld. 
Jahresber. d. naturwiss. Ver. Elberfeld, 1884. 

*) Geisen heyner, Wirbel thieifauna von Kreuznach, 1. Theil, 
Fische, Amphibien, Reptilien. Gymnasialprogramm 188i^. 

^) Melsheiraer, Amphibien und Reptilien von Linz, Verhdl. 
d. naturhist. Vereins der preuss. Rheinlande u. Westfalen. Jahrg. 1876. 
Corresp. Blatt S. 87. if. Dazu andere Mittheilungen in weiteren 
Jahrgängen. 

®) Westhoff, geograph. Verbreitung von Pelias berus in 'Westf. 



— 222 — 

in die Seitenthäler (Ruhr, Wupper, Wied, Lahn) bis stellen- 
weise tief in das Gebirge vorgedrungen, und auf diese 
"Weise auch ein (allerdings recht spärlicher) Bewohner 
einiger Sauerländischer Theile unseres Gebietes geworden. 

Als Theil dnr Norddeutschen Tiefebene schliesst sich 
die Münsterländische Ebene iu Bezug auf ihre faunistischen 
Erscheinungen im grossen Ganzen der Fauna dieses Ge- 
bietes an. Mit dieser hat sie das Vorkommen von Vlpera 
herus L., Bana arvalis Nils, und Pdohates fuscus Laur., 
sowie die Art und Weise der Verbreitungsverhältnisse mancher 
anderen Arten gemein, weist daneben aber auch ihre Sonder- 
heiten auf. Diese bestehen weniger in dem noch verein- 
zelten Auftreten solcher Arten, deren Gedeihen vornehmlich 
an das Gebirge geknüpft ist, als vielmehr in dem Fehlen 
charakteristischer Tieflandsbewohner. Coronella laevis Merr., 
Salamandra maculosa Laur. und Triton alpestris Laur., 
welche wir oben für das Münsterland als Gäste der 
benachbarten Gebirgsgegenden erwähnt haben, finden sich 
auch stellenweise in der Norddeutschen Tiefebene, denn sie 
werden sowohl aus dem Herzogthum Oldenburg als auch 
neben Triton palmatus Schneid, aus der Bremer Gegend 
von Borcherding u. a. erwähnt, ihr Vorkommen im 
Münsterlande ist also nichts Besonderes. Eine Eigenthüm- 
lichkeit seiner Fauna besteht aber darin, dass sowohl Bom- 
binator igneus Laur. als auch Rana ridihunäa Fall, voll- 
kommen zu fehlen scheinen, denn von beiden ist bisher 
trotz aller Nachforschung nirgends eine Spur entdeckt 
worden. Diese Formen haben aber sonst in der Nord- 
deutschen Tiefebene eine allgemeine Verbreitung und sind 
im westlichsten Theile derselben auch als, wenn auch spär- 
liche, Bewohner der Gegend von Bremen, von Oldenburg 
und Ostfriesland constatirt worden.^) 



^) Vergl. Borcherding in Fauna saxonica. 



— 223 — 

Ein Vergleich der Fauna Westfalens mit dem Gebiet 
der Leine und Weser zeigt im Grossen und Ganzen völlige 
TJebereinstimmung, die Abweichungen sind localer Natur 
und vor Allem durch die Unterschiede zwischen Ebene und 
Bergland bedingt. Alle 18 Formen des Weserberglandes 
finden sich auch in Westfalen wieder, neu treten 2 Tief- 
landsformen hinzu. — Doch ist zu beachten, dass die 
Kreuzotter, welche in beiden Gebieten nicht allgemein ver- 
breitet ist, im westlichen Antheil (Münsterland) von Nord- 
westen, aus der Ebene her, im östlichen Antheil, hauptsächlich 
vom Harz, also vom Gebirge her, sich ausgebreitet zu haben 
scheint und ganzen grossen Strecken trotz ihres Waldreich- 
thums abgreht. 



Yerzeichiiiss der Arten und Fundorte im Westfälischen 

Grel)iete. ^) 

Emys orhicularis L. — Im Gebiete wohl nicht spontan, 
höchstens verwildert. Von 0. als in der Heide zwischen Forsterhaus 
Mahlberg und dem Arbeiterheim Lühlerheim unweit Sterkrade und 
Tsei Brünnen an der Yssel angegeben. Bei Münster früher mehr- 
mals in den Wiesen der Aa, 1888 ein Exemplar an der Werse ge- 
fangen. (L., W. P. M.) 

1) Lacerta agilis L. — Im ganzen Gebiete verbreitet. 
Im Sauerländischen Distrikte nicht selten bis Hilchenbach 
(W. P. M.) und Siegen (Ed. S.) vorkommend. Hagen (Seh.), 
Westherbede (W. P. M.). Im Osning: Feldrom (H. Seh.), Enger 
(Fr. W.), Iburg (F. S.), Tecklenburg (Fr. W.), Ibbenbüren (Fr. W.). 
In der Gegend von Osnabrück am Sträflingshügel, Schöler- 
berge und Schinkel, bei Wallenhorst, Kloster Rulle und am 
Penterknappe, am Silberberg, bei Hören und Hellern (B.). 



1) Die im Westfälischen Provinzial - Museum für Naturkunde be- 
legten Funde sind mit W. P. M. bezeichnet. Eine Hinzufügung von 
Belegen aus dem zoologischen Museum der königl. Akademie ist 
überflüssig, weil diese sämmtlich auch in ersterem vorhanden sind. 



— 224 

Im Münsterlande, in den trocTienen, sandigen Heiden überall. 
In der Umgegend von Münster am Nubbenberg (W. P. M.)t 
bei Kinderhaus, Gelmerheide, Bockbolter und Fuestruper 
Berge (W. P. M.), Klatenberge bei Telgte, Hornheide, Hiltrup, 
Hohe Ward u. s. w. (Fr. W.). Dann : Altenberge, Schapdetten^ 
Hügel von Lavesum und Haltern, Harsewinkel, Gütersloh 
(Pixeler Heide), Paderborn (W. P. M.) u. s. w. 

(Var. erythro notus. — Im Gebiete noch nicht beobachtet.) 

2) L. vivipara Jacq. — Wie L. agilis L. durch das 
ganze Gebiet und meistenorts häufiger, als diese. . Im 
Sauerländischen Districte überall bis zum Plateau des 
Kahlen Asten (W. P. M.). Bei Siegen (Ed. S.) und Hilchen- 
bach (W. P. M.), Arnsberg, im Hönnethal, Hagen, Westherbede. 
Im Osning ziemlich häufig; Paderborn (Fr. W.). Feldrom (H. Seh.) 
u. s. w. Im Osnabrückischen sehr verbreitet. (B.) Während 
im Gebirge L. agilis L. durchweg häufiger ist, findet sie 
sich in der Ebene zahlreicher, besonders im Münsterlande 
an allen \Vallhecken, dann in feuchten Gebüschen, auf 
sumpfigen Heiden u. s. w., so häutig, dass die Angabe ein- 
zelner Fundorte überflüssig erscheint. (Albachten, Lodden- 
heide, Sentrup, Steveder Venu — W. P. M.. 

Var. nigra Wolf. — Im Gebirge und in der Ebene 
einzeln. Von mir 1879 bei Nordenau am Kahlen Asten, 
von Koch 1888 bei Münster gesammelt. (W. P. M.) 

Var. montaiia Mix. — An besonders trockenen Orten,, 
auch in der Ebene vorkommend. (Fr. W.) 

3) Änguis fragilis L. — Ueberall vorkommend und 
meistens nicht selten. Kothhaar-Gebirge (Zumbusch, W. P. M.) 
Hilchenbach (W. P. M.l, Siegen (Ed. S.i, Hagen (Seh.), West- 
herbede (We.), Arnsberg (Schütte), Büren, Paderborn 
(Tenkhoff), Feldrora (H. Seh.) , Bielefeld (Wilbrand), 
Iburg (F. S.), Osnabrück (Hörne, Hellern, Hasbergen — B.) 
und im ganzen Münsterland. (W. P. M.) — Die Formen: 
coeruleoventris Geis, und ajanojmncfata Geis, im Gebiete 
(bei Münster) gefunden. (Fr. W.) 



— 225 — 

4) Coronclla laevis Merr. — Besonders im Gebirge. 
Im Sauerländischen Gebietsdistricte überall nnd vielfach 
recht häufig. Kothhaar-Gebirge (Zumbusch, — W. P. M.), 
Hilchenbach (W. P. M.), Arnsberg (W. P. M.), Meschede, Brilon, 
Iserlohn (Nikolai), Hagen (Seh.), Lüdenscheid (Hollstein), 
Attendorn (W. P. M.), Westherbede (We.\ Büren (W. P. M.). In 
Egge und Osning ebenfalls verbreitet. Feldrom an der 
Dörenschlucht (H. Seh.), Bielefeld (Wilbrand), Iburg (Fr. S.). 
In der Münsterländischen Tiefebene nur in den südwestlichen 
Gegenden nach dem Rheine hin: Lembeck (Koch, W. P. W.), 
Fernewalde bei Sterkrade (0., W. P. M.). 

5) Tropidonotus natrix L. — Im Sauerländischen 
Districte mit Ausnahme der höheren Regionen verbreitet 
und meistens häufig : Siegen (Ed. S.), Arnsberg (Ed. S.), 
Meschede (W. P. M.), Hagen (Seh.), Westherbede (We.), Bochum 
(Fr. W.). Im Osning ziemlich häufig: Paderborn (Tenkh off), 
Feldrom (H. Seh.), Bielefeld (Wilbrand), Iburg (selten — F. S.). 
Ferner Osnabrück an mehreren Orten (B.), Voerden (auf dem 
Moor — L., W. P. M.), im Wichen - Gebirge (L.). Im Mün- 
sterländischen Districte überall: Lünen, Koesfeld (Schütte), 
in der Davert (W. P. M.), Münster (W. P. M.), Telgte (Fr. W.), 
Gimbte (Fr. W.), Greven (W. P. M.), Rheine (Fr. W.), Füchtorf 
(Fr.W.), Marienfeld (Fr. W.), in den Baumbergen (Vor mann, 
W. P. M.) u. s. w, 

6) Vij)era berus L. — Aus dem Sauerländischen Ge- 
birge sind in neuerer Zeit keine verbürgten Angaben über 
das Vorkommen dieser Otter gemacht worden, allein einige 
ältere sprechen zuverlässig ihr Heimaten an der unteren 
Ruhr und Lenne aus. Nach 0. wurde 1869 ein Stück bei 
Hohenlimburg gefangen. Ferner bei Schloss Bilstein (Kreis 
Olpe) 1883 ein Exemplar gesehen (Hildebrand), bei Lüden- 
scheid sehr selten (Hollstein). Ausserdem bei Blum 
noch angegeben von Meschede und Brilon, aber sehr zweifel- 
haft. Von allen anderen Orten wird das Vorkommen aus- 
drücklich verneint. Wie ich bereits in meiner Arbeit „die 

15 



— 226 — 

geographische Verbreitung von Pelias herus in Westfalen 
und den angrenzenden Landestheilen" gezeigt, ist dieses 
Vorkommen durch eine Einwanderung der Otter aus der 
Rheinischen Ebene Ruhr aufwärts zu erklären. Hier findet 
sie sich mehreren Orts, so z. B. Düsseldorf, Ratingen, Mühl- 
heim a. d. Ruhr, Sterkrade u. s. w. Einer näheren Forschung 
bleibt es vorbehalten, ob diese eingewanderte Kolonie von 
längerem Bestände und grösserem Umfange, oder vielleicht 
vor Jahrzehnten erfolgt und heute im Niedergänge begriffen, 
wenn nicht schon ganz ausgestorben ist. 

Im nordöstlichen Gebirgsdistricte vollkommen fehlend; 
die Angaben bei B 1 u m haben sich sämmtlich als irrthümlich 
erwiesen. Auch den Angaben über das Vorkommen der 
Otter bei Herford und Bielefeld, die ich in meiner oben 
erwähnten Arbeit auf Grund der Zuverlässigkeit der Ge- 
währsmänner, bezüglich der Bestimmtheit ihrer Aussagen 
glaubte als erwiesen annehmen zu müssen, ist durch einen 
Aufsatz von Wilbrand^) unlängst jeglicher Boden entzogen 
worden. Für die Osnabrücker Gegend ist das Vorkommen 
wiederholt verneint. 

Von der Verbreitung der Otter in der Münsterläudischeu 
Ebene gilt im grossen Ganzen auch jetzt noch das vor 
zwei Jahren in oben citirter Arbeit von mir Festgestellte. 
Dieselbe bewohnt im westüchen Theile des Districtes zwei 
grosse Heide- und Moorkomplexe, deren Zusammenhang 
bis jetzt noch nicht erkannt worden ist. Der erste 
Komplex begreift das im Mittel 3 Meilen südlich von 
Münster gelegene Wald- und Heiderevier der Davert. 
Hier ist die Otter gefunden bei Ascheberg (W. P. M.), 
Albersloh (W. P. M.), Senden (W. P. M.i, Hiltrup bis nördlich 
3 Kilometer von Münster in der Loddenheide (W. P. M.). Der 
zweite Komplex umfasst die Heidegegenden längs der Hollän- 
dischen Grenze vom Norden des Münsterlandes bis zum 



^) Wilbrand. Kommt die Kreuzotter bei Bielefeld vor ? Biele- 
felder Post, 1892, Nr. 49. 



— 227 — 

Eheingebiet, östlich bis zu den Baumberger Hügeln und 
den Borkenbergen bei Dülmen reichend. Hier ist die Otter 
beobachtet worden bei Euer (Löchter Heide — Tosse), 
Sterkrade (Fernewald — 0., W. P. M.), Schermbeck (0.), 
Brünnen (0.\ Kaesfeld (0.), Borken (0.), Lavesum (Renne), 
Dülmen (Renne), Almsik (Fürsten au), Legden (Egelborg 
— V. 0er, W. P. M.), Ahaus (Fürstenau), Epe (Fürstenau), 
Ochtrup, Wettringen (In der Brechte — Reinke). 

Isolirte Fundstellen sind: Hohenholte, 10 Kilometer 
nordwestlich von Münster (W. P. M.), wo sie in der Vellering- 
Maasbecker und Natruper Heide früher häufiger gewesen 
sein soll (v. Droste Hülshoff) und die Hornheide, 
7 Kilometer östlich von Münster zwischen Handorf und 
Telgte (Sehe ff er — ?). 

Oestlich der Ems ist auch heute noch über das Vor- 
kommen der Otter nichts bekannt, wird vielmehr von einzelnen 
Orten, so für die Umgegend von Warendorf (Hartmann, 
Flassmann) und den Kreis Tecklenburg (v. Varendorff) 
ausdrücklich verneint. Da nun auch die Angaben über das 
Vorkommen der Otter in den Gegenden von Herford und 
Bielefeld sich als irrthümlich erwiesen haben, entbehrt 
meine früher ausgesprochene Vermuthung, dass die Otter 
hier doch wohl heimisch sei, jeder Begründung. Ebenso 
fehlt (nach dem augenblicklichen Stande unserer Kenntniss) 
die Otter im ganzen Flussgebiete der Lippe von Schermbeck 
aufwärts bis zur Quelle. 

Var. prester L. — Nach Mittheilung des Försters 0. 
kommen ganz schwarze Kreuzottern unter der Stammform 
in der Umgegend von Fernewald einzeln vor. Sonst ist 
diese schwarze Abänderung aus dem Gebiete von keinem 
Orte erwähnt worden. 

7) Bana esculenta L., var. typica. Im Sauerländischen 
Gebirge nur in den höheren Regionen (Siegerland) selten 
oder fehlend, sonst überall, zumal in den Thälern häufig. 
Im nordöstlichen Gebirgsdistricte überall verbreitet und 

15* 



— 228 — 

häufig. Ebenso in der Münstcrländischen Ebene, wo sie 
tiberall gemein ist, auch in stagnirendem Flusswasser (Aa^ 
Werse — W. P. M.). 

Var. ridihunda Fall. — Bei uns nicht beobachtet; der Seefrosch 
fehlt auch, wie neuere Forschungen ergeben, allem Anscheine nach 
in unseren Sumpf heiden mit grossen Wasserlachen, so nicht beobachtet 
am heiligen Meer bei Hopsten (Klocke). 

8) R. temporaria Aut. — Im ganzen Gebiete bis 
zu den höchsten Punkten vorkommend und tiberall gemein. 
(W. P. M.) 

9) R. arvalis Nils. — Im gebirgigen Theile des Gebiets 
nicht vorkommend, in der Ebene auf feuchten Moor- und 
Heidegründen überall verbreitet und wohl kaum für grössere 
Strecken fehlend. Ich beobachtete die Art 1889 zuerst zahl- 
reich in der Hornheide zwischen Handorf und Telgte (W. P.M.); 
1890 wurde der Frosch entdeckt auf dem Venner Moor 
(W. P. M.), auf der Körheide bei Münster (W. P. M.), an den 
Eürstenteichen bei Telgte (W. P. M.) und im Füchtorfer 
Moor (Loens — W. P. M.); 1891 in der Ventruper Heide bei 
Albachten (W. P. M.), im Hanseller Floth (W. P. M.) und in 
der Westerodener Mark, zwischen Altenberge und Greven, Ems- 
detter Heide (W. P. M.); 1892 in der Gelmer Heide (W. P. M.) 
und in den weiten Heidegründen zwischen Wettringen, 
Ochtrup und Metein; 1893 auf der Brüskenheide bei West- 
bevern und in der Heide bei Ladbergen. Am Nordrande 
des Gebietes im Moor von Voerden 1890 von L und 
Kade entdeckt (W. P. M.) und sicher auch dort weiter 
verbreitet. 

lieber die beiden Kassen des Moorfrosches : typus Lejd. 
und striata Koch und dessen Beziehungen zu ihren Wohn- 
plätzen habe ich 1892 eine längere Abhandlung geschrieben, 
betitelt: „üeber die Neigung zu Rassebildungen durch 
locale Absonderung bei Rana arvalis Nils, und einigen 
Vertretern der heimatlichen Thierwelt." Beide sind im 
Gebiete verbreitet. 



— 229 — 

10) Bufo vulgaris Laur. Im ganzen Gebiete verbreitet 
und überall häufig, daher die Angabe besonderer Fundorte 
überflüssig. (W. P. M.) 

11) B. calamita Laur. i) — In dem Sauerläudischen 
Districte überall, aber nirgends häufig. Kommt bei Hilchen- 
bach und Siegen noch vor. Am häufigsten auf dem Haar- 
strang, von mir bei Paderborn gefunden. Nicht nachge- 
wiesen im Eggegebirge, wurde aber auf dem Osning bei 
Lengerich beobachtet. (W. P. M.) lieber sein Vorkommen 
im Osnabrücker Lande und im Wieheugebirge liegen keine 
Angaben vor. In der Münsterländischen Ebene verbreitet 
und an geeigneten Localitäten, unter denen er besonders 
trockene Sand- und Kalkhöhen zu lieben scheint, nicht 
gerade selten, stellenweise sogar häufig. Zuerst in den 
70er Jahren von Treuge am Nubbenberg erbeutet 
(W. P. M.), 1882 von mir auf der Loddenheide entdeckt, wo- 
selbst er sehr häufig ist. (.W. P. M.) Ausserdem wurde er 
in der Umgegend Münsters gefunden bei Albersloh (1891), 
in der Lehmheide (W. P. M.), bei Pleistermühle (Loens 1890) 
und auf dem Westbeverbrink (Fr. W. 1892, W. P. M.) ; gehört 
in der Gelmer- und Koerheide (1892). Dann: Altenberge auf 
den Kalkhöhen iFr. W.) und im Steveder Venu bei Koesfeld. (L.) 

12) Hyla arhorea L. — Im oberen Sauerländischen 
Gebiete fehlt die Art; im Kuhr- und unteren Lennethale, 
sowie im Thale der Volme und Ennepe selten, so Arnsberg 
(Schütte), Hohenlimburg (Fr. W.), Hagen (Seh.), Westherbede 
|We., W. P. M.), erst nach der Lippe zu, also mit dem Ein- 
tritt in den District der Münsterländischen Ebene häufiger 
{Ed. S.): Paderborn, Lippstadt, Dortmund. Im Eggegebirge 
und im Osning überall und meist nicht selten, so Feldrom 
(H. Sch.\ Bielefeld, Lengerich (B.), Iburg (F. S.) Auch bei 



^) B. viridis Laur. — Kommt in dem Rheinländischen Nachbar- 
gebiete bis zur Grenze (Elberfeld) vor, ist aber in unserem Gebiete 
bisher noch nicht gefunden. 



— 230 — 

Osnabrück heimisch (auf der Wüste, im Hon am Piesberge» 
am Schülerberg, bei Hören, Hellern und Hasbergen — B.) und 
von mir bei Ibbenbüren gehört. lieber das Vorkommen 
des Laubfrosches im Wiehengebirge fehlen jegliche Angaben. 
Am verbreitetsten in der Münsterländischen Ebene, woselbst 
er wohl nirgends fehlt und stellenweise, wie z. B. in der 
Umgegend Münsters, recht häufig ist; hier selbst in den 
Stadtgräben laichend und in den Gärten der Stadt vaga- 
bundireud. (W. P. M.) Ich beobachtete ihn ausserdem bei 
Eheine, Greven, Darfeld, Nottuln, Ascheberg und Sendenhorst; 
Loens bei Füchtorf, Schütte bei Koesfeld, 

13) Pelobates fuscus Laur. — In allen gebirgigen Ge- 
bietstheilen fehlend, ob im Osnabrückischen vorkommend, 
ist mir unbekannt; in der Münsterländischen Ebene hingegen 
heimisch und wohl viel verbreiteter, als bis jetzt erwiesen. 
In der Umgegend von Münster wohl ebenso häufig, wie der 
Laubfrosch. Wie dieser schon innerhalb des Weichbildes 
der Stadt und in den alten Stadtgräben bez. den an- 
grenzenden Gärten nicht selten. (W. P. M.) Aber auch in 
der weiteren Umgebung überall auf leichtem Senkel- und 
schwerem Mergelboden beobachtet, besonders die grossen, 
stark entwickelten, daher viel mehr als das versteckt lebende 
ausgebildete Thier auffallenden Larven, welche in grösseren 
Gräben mit moderigem Untergrunde leben. Letztere traf 
ich an bei Ramert unweit Roxel (1890, W. P. M.), an der 
Gievenbecker Schule (1891, W. P. M.), auf der Körheide 
im Graben der Liebesinsel, einem alten Entenfange (1891), 
hier die Länge von 116 mm erreichend, mithin die von 
V. Bedriaga angegebene Grösse (113 mm) noch etwas über- 
treffend. (W. P. M.) Ferner Angelmodde, nördlich vom 
Dorfe (1892 Fr. W., W. P. M.) und am Kanal hinter Kinderhaus 
(1893). Die ausgebildete Kröte selbst wurde von L., Koch, 
Vormann, Loens und mir bei Münster erbeutet. (W. P. M.) 

14) JBomhinator jmchypus Bon. — Im Sauerländischen 
Gebirgsdistricte bis zum Eande der Ebene überall vor- 



— 2;^l — 

tommend, in den südlichen Theilen jedoch seltener, als in 
den nördlichen. Scheint besonders auf dem Kalkboden des 
Haarstranges heimisch zu sein. (W. P. M.) Siegen (Ed. S.), 
Hilchenbach (R. B.), Meschede, Arnsberg (Fr. W.), Möhnethal, 
Westherbede (We.), Paderborn (Haxtergrund, Tenkhoff). 
Auch im Eggegebirge und im östlichen Theile des Osnings 
überall verbreitet (H. Seh.), im westlichen Theile hingegen bis 
jetzt nur durch B. bei Lengerich beobachtet. In der 
Münsterländischen Ebene, selbst in den Hügelpartien der- 
selben, kommt die Art nicht vor. Ueber ihr Vorkommen 
im Wiehengebirge nichts bekannt, im Osnabrückischen bei 
Hellern und Hörne gesehen. (B.) 

15) Ahjtes ohstetricans Laur. — Der Verbreitungsbezirk 
dieser Art deckt sich nach dem augenblicklichen Stande unserer 
Kenntnis fast genau mit dem des Bonibinator pachypus 
Bon. In den Sauerländischen Gebirgen lebt sie überall, 
besonders in der etwas wärmeren nördlichen Region, 
ist aber auch in dem kälteren Siegerlande nicht selten. 
Siegen (Ed. S.), Hilchenbach (R. B.), Brilon (W. P. M.), Meschede, 
Arnsberg (W. P. M.), Hönnethal, Attendorn (W. P. M.), Hohen- 
limburg, Westherbede (We., W. P. M.), ^Y erden (L) u. s. w. 
Ob auf dem Haarstrang, also am Rande der Ebene, noch 
vorkommend, ist unbekannt, auch über ihre Anwesenheit 
im Almethale liegen keine Beweise vor, geht also vielleicht 
über das Ruhrgebiet nicht hinaus. Im Eggegebirge und im 
östlichen Theile des Osning ebenfalls verbreitet (H. Seh.); 
aus dem westlichen Theile hingegen nicht angegeben und 
dort vielleicht fehlend. Ueber ihr Heimaten im Wiehen- 
gebirge und Osnabrückischen fehlt jede Beobachtung. 

16) SaJamandra maculosa Laur. — In allen Sauer- 
ländischen Gebirgen verbreitet und bis zu den oberen 
Regionen häufig, stellenweise selbst in den belebtesten 
Stadttheilen gefunden. Sonst liebt der Feuersalamander 
sowohl die schattigen Waldungen mit altem Holzbestande, 
als auch die bewachsenen Abhänge der Berge. Im Rothhaar- 



232 



gebirge (Zurabusch, W. P. M.), Siegen (Ed. S.), Hilchenbach 
(R. B., W. P. M.), Niedersfeld, Brilon, Arusberger Wald, 
Westberbede (We., W. P. M.), Ebbe -Gebirge, Hagen (Seh.), 
Ardey-Gebirge (Witten, Annen — W. P. M.) und Haarstrang 
(Bochum — W. P. M., Castrop, Paderborn im Wewerwalde 
— W. P. M. u. s. w.). Ebenso ist er im Egge -Gebirge 
heimisch (H. Seh.) und auch im ganzen Osning verbreitet 
(Bielefeld, Iburg — Fr. S. , Lengerich (B.), TecWenburg (Vor- 
mann). Desgleichen lebt er in dem Osnabrücker Hügellande 
(auf dem Schölerberge, in der Gartlage, im Hon am Piesberge, 
am Hüggel und Silberberge — W. P. M.), ob er aber auch 
im Wiehengebirge zu Hause, ist einstweilen noch unerwiesen. 
In der Münsterländischeu Ebene tritt er hingegen nur sehr 
sporadisch auf und ist durchweg in seiner Existenz an 
grössere alte Waldungen gebunden, an solchen Orten aber 
zuweilen gar nicht selten. Der Münster am nächsten ge- 
legene Fundplatz ist der alte fürstbischüf liehe , jetzt 
fiskalische Thiergarten von Wolbeck, 10 Kilometer süd- 
östlich von Münster gelegen und theilweise noch mit altem 
Holze bestanden (W. P. M.). An diesem Orte habe ich den 
Salamander im Verein mit Anderen in früheren Jahren 
nicht selten gesammelt; in den letzten Jahren sammelte 
ihn daselbst Fr. W. und etwas weiter südlich nach Albersloh 
zu Holtmann (W. P. M.). Ferner ist er gefunden bei 
Ostbevem (W. P. M.) und im fürstlichen Bagno zu Burgstein- 
furt, soll auch in den Hochwäldern des alten Kloster 
Kappenberg bei Lünen vorkommen. Einmal ein (wohl ent- 
laufenes) Exemplar in der Stadt Münster gefangen (W. P. M.). 

Vielleicht reicht sein Vorkommen nördlich im Münster- 
land und Osnabrückerland noch weiter, als bisher festgestellt, 
denn in der Mitte der 70er Jahre erhielt das hiesige W. P. M. 
ein Stück aus der Gegend von Lingen, 18^3 eines von 
Gildehaus (Fo er st er, W. P. M.). 

17) Triton cnstafus Laur. — In der Sauerländischen 
Bergregion verbreitet, wohl nirgendwo selten. Hilchenbach 
(R. B., W. P. M.), Siegen (Ed. S.), Arnsberg, Hagen (Seh.), 



233 



Westherbede (We.), Bochum (Fr. W.), Paderborn (Tenkh off). 
Im Erzgebirge bei Feldrom (H. Seh.) und anderswo (Teich 
bei den Externsteinen — B.) häufig, ebenso im ganzen 
Osning bis Iburg hinab (F. S.). Im Osnabrückischen von B. 
auf der Wüste bei Hörne, Hellern und Hasbergen gefangen. 
Ueber das Wiehengebirge fehlt jede Nachricht. In der 
Ebene ebenfalls verbreitet und namentlich auf lehmigem 
und kalkig -mergeligem Boden häufig. Münster, vielerorts, 
nach dem kleinen Wassermolch, Triton taeniatus Schneid., 
der gemeinste (Fr. W.) in den Baumbergen (Fr. W.), Coesfeld 
(Schütte), Nottuln (Fr. W.), in der Davert (Fr. W.), Rheine 
(W. P. M.) u. s. w. 

18) T. alpestris Laur. — Im ganzen Sauerländischen 
Gebirgsdistricte verbreitet und in Wiesengräben, Tränken 
und Pfützen noch viel häufiger, als die vorhergehende Art 
(W. P. M.). Ebenso häufig im Egge -Gebirge und auch im 
östlichen Theile des Osnings nicht selten (H. Seh.), aus dem 
westlichen Theile nicht bekannt, von F. S. bisher bei Iburg 
nicht gefunden, jedoch hier, wie im Wiehengebirge, wohl 
kaum fehlend. In der Münsterländischen Ebene zerstreut, 
nur auf schwerem Boden, besonders auf Kalkboden, dort 
aber im vollständig hügelfreien Terrain und durchaus nicht 
selten. In der Umgegend von Münster, besonders bei 
Nienberge und in der Bauerschaft Gievenbeck, hier schon 
2 Kilometer von der Stadtgrenze angetroffen (W. P. M.). 
Eerner Roxel und nördlich Münster bei Rumphorst. Als- 
dann in der Gegend der ßaumberge, bei Burgsteinfurt, in 
der Davert bei Rinkerode, Herbern, unweit Warendorf bei 
Freckenhorst (Fr. W.) und Paderborn (Tenkhoff, W. P. M.). 

19) T. taeniatus Schneid. — üeberall im Gebiete, sowohl 
in den Bergen, wie in der Ebene verbreitet und allerorts 
an passenden Localitäten häufig, stellenweise gemein. Geht 
bis zu den höchsten Regionen hinauf, L. fand 1887 auf 
der Kuppe des kahlen Asten seine Larven im Quell- 
wasser (W. P. M.). 



— 234 — 

20) T. palmatus Schneid. — Im Frühjahr 1890 von 
R. B. in der Umgegend von Hilchenbach entdeckt und seit 
der Zeit daselbst in klaren Viehtränken nicht selten 
beobachtet (W. P. M.). Sicherlich im Sauerländischen Gebirge 
weiter verbreitet, aber bisher von keiner Seite constatirt» 
wahrscheinlich übersehen, bezüglich mit T. taeniatus Schneid, 
verwechselt. Auch über sein Vorkommen in den anderen 
Gebirgsdistricten unseres Gebiets wissen wir nichts. In der 
Ebene des Münsterlandes wohl fehlend, wenigstens ist bia 
jetzt jahrelang vergebens nach ihm gefahndet. 



— 235 — 



HauptUbersicht. 



Lacerta agilis. Harz: erst von Sangerhaiisen und 
Blankenburg bekannt. Vorlande: Quedlinburg, Hoppelberg, 
Kegenstein, Weferlingen, Helmstedt, Braunschweig. Kyff- 
häuser: verbreitet. Leine- and Weserbergland: Göttingen^ 
Hameln, Haarbrück, Detmold. Sauerland: nicht selten, bis 
Hilchenbach und Siegen. Münsterland: verbreitet. Teuto- 
burger Wald (Osning): Feldrom, Iburg u. a., um Osnabrück. 

Lacerta vivipara. Harz: überall. Vorlande: zwischen 
Harzburg und Braunschweig häufig, z. B. Wasserleben, 
Schiaden, Lappwald, Elm, Asse. Kyffhäuser: verbreitet. 
Leine- und Weserbergland: Göttingen, Kreiensen, Eschers- 
hausen, Detmold. Sauerland: häufig. Münsterland: häufig. 
Teutoburger Wald (Osning): häufig. 

Lacerta viridis, Helmstedt? 

Anguis fragilis. Nirgends fehlend. 

Coronella laevls. Harz: Nur aus dem südöstlichen und 
südwestlichen Theil bekannt. Vorlande: Quedlinburg, 
Hoppelberg, Regenstein, Huy. Kyffhäuser: verbreitet. Leine- 
bergland: Heiligenstadt, Göttingen, Salzderhelden, Hildes- 
heim. Weserbergland: Eschershausen, Hameln, Haarbrück, 
Waldeck, Herford. Sauerland: Rothaargebirge, Hilchenbach 
u. a. Münsterland: Lembeck, Fernewald. Teutoburger 
Wald: Feldrom, Dörenschlucht, Bielefeld, Iburg. 

Tropidonotus natrix. Harz: Selke- und Bodethal, 
Blankenburg, Kamschlacken. Vorlande: z. B. Weferlingen, 
Walbeck, Helmstedt. Kyffhäuser: verbreitet. Leineberg- 



1) Eine kartographische Darstellung der Verbreitung der ein- 
zelnen Arten behalte ich mir für einen späteren Bericht vor! 



— 236 — 

laiid: Heiligeustadt, Göttingen. Weserbergland: Wickensen, 
Hameln, Haarbrück, Detmold, Wiehengebirge. Sauerland: 
Im niedern nordwestlichen Theil. Münsterland: überall. 
Teutoburger Wald und Umgegend: Bielefeld, Osnabrück 
u. a. Wiehengebirge. 

Vipera herus. Harz : Fast allgemein verbreitet. Vor- 
lande: in den meisten Waldungen. Kyffhiluser: verbreitet. 
Leinebergland: vielerorts. Weserbergland, rechtsseitig: 
Hann. Münden, V Holzminden, wahrscheinlich Eschers- 
hausen. Sauerland: im westlichen Theil sehr selten. Mün- 
sterland: in zwei Gegenden nachgewiesen (vergl. bei West- 
falen!), im linksseitigen Weserbergland, dem Teutoburger 
Wald und Umgebung fehlend. 

Emys orhicularis. Nur Harzvorland: Um Weferlingen 
und Braunschweig, vielleicht einheimisch. 

Bana esculenta typica. Sicher nachgewiesen : Harz : im 
niedern, südöstlichen Theil, sonst nur am Gebirgsrand. Vor- 
lande: z. B. Weferlingen, Braunschweig. Leine- und Weser- 
bergland: verbreitet. Sauerland: Im niederen nordwestlichen 
Theil häufig, im höheren südöstlichen, um Siegen, fehlend. 
JVIünsterland : häufig. Teutoburger Wald: häufig. 

Bana esculenta ridibimda. Harz : Mönkmühlenteich bei 
Michaelstein. Vorlande: Wasserleben, Egeln. Im ganzen 
übrigen Gebiet nicht nachgewiesen! 

Bana temporaria. üeberall häufig. 

Bana arvalis. Nur in den nördlichen Harzvorlanden^ 
bei Braunschweig, vielleicht auch im Wipperthal am Kyff- 
häuser, und im Münsterland, endlich bei Osnabrück nach- 
gewiesen, hier aber häufig! Im ganzen gebirgigen Theil 
des Gebiets vermisst! 

Biifo vulgaris. Üeberall häufig. 

Bitfo viridis. Südöstlicher Harz: Quenstedt, Ballen- 
stedt, Blankenburg. Vorlaude: vielerorts. Im ganzen Leine- 



— 237 — 

und Weserbergland uoch nicht sicher nachgewiesen, in 
Westfalen fehlend, tritt erst wieder an der Grenze des 
Kheinischen Gebiets, bei Elberfeld, auf! 

JBufo calamita. Harz : Goslar, Innerstethal, Grund,. 
Badenhausen, Osterode. Vorlande: Quedlinburg, zwischen 
Weferlingen uud Braunschweig häufig. KyfiFhäiiser: an- 
geblich. Leine- und Weserbergland: Göttingen, Eschers- 
hausen. Haarbrück, Falkenhagen. Sauerland: Hilchenbach^ 
Siegen, Paderborn. Münsterland: verbreitet. Teutoburger 
Wald: z, B. Lengerich. 

Hyla arhorea. Ueberall! Nur aus dem Leinebergland 
noch nicht angegeben, aber gewiss nur übersehen, und int 
höheren Theil des Sauerlandes fehlend. 

Pelohates fuscus. Harz: Am Gebirgsrand bei Blanken- 
burg, nördliche Yorlande : vielerorts, Kyfifhäuser: ? Franken- 
hausen. Münsterland: häufig. Aus dem gebirgigen Theii 
liegen dagegen keine sichern Nachrichten vor. 

JBomhinator jjachypus. Harz: Oker, Goslar, Innerste- 
und Sieberthal. K3'flFhäuser: ? Frankenhausen. Leine- und. 
Weserbergland: vielerorts. Sauerland: verbreitet, doch im 
höheren Theil selten, in Egge und dem östlichen Theil des 
Teutoburger Waldes, häufig, auch bei Hellern. Im Münster- 
land fehlend, 

Bomhinator igneus. Quedlinburg, ? Weferlingen, Helm- 
stedt, Braunschweig. Ferner im Weserbergland bei Eschers- 
hausen sicher festgestellt, da die Art aber dem übrigen 
Gebiet und Westfalen völlig abgeht, dürfte hier Ver- 
schleppung vorliegen. 

Alytes obstetricans. Harz: z. B. Umgegend von Grund^. 
Stöckey, Ellrich, Crimderode, Hohenstein, wahrscheinlich also 
am ganzen West- und Südwestrand, dagegen im Osten und 
in den Vorlanden, sowie dem Kyfifhäuser nicht gefunden. 
Im ganzen Westen, als Leine- und Weserbergland, Sauer- 



— 238 — 

land und Teutoburger Wald häufig, nur im höheren Theil 
des Sauerlandes selten und im Münsterland fehlend. 

Salamandra maculosa. Im gebirgigen Theil überall in 
den Wäldern, ausserdem in den Harzvorlanden, im Lapp- 
wald, Elm, Lichtenberge und im ebenen Münsterland in 
mehreren Waldungen vereinzelt beobachtet. 

Triton cristatus. Harz: Neudorf und Harzgerode, sonst 
bisher nur vom Gebirgsrand bekannt. Vorlande: überall. 
Kyfthäuser: Frankenhausen. Leine- und Weserbergland: 
vielerorts. Sauerland, Münsterland, Egge, Teutoburger 
Wald : verbreitet. 

Triton alpestris. Im gebirgigen Theil häufig und 
nirgends fehlend, in den nördlichen Harzvorlanden zwischen 
Harzburg, Braunschweig, Weferlingen nicht selten, auch im 
Münsterland an mehreren Orten beobachtet. 

Triton taeniatiis. üeberall häufig! 

Triton xmlmatus. Harz: üeberall! Aus dem Weser- 
bergland von Hannoversch Münden, Eschershausen und 
seiner weitern Umgebung, Hameln bekannt, aus Westfalen 
erst von Hilchenbach. Wahrscheinlich dürfte die Art aber 
nur den nördlichen und östlichen Vorlanden des Harzes 
und dem Münsterland ganz abgehen, sonst überall in Berg- 
waldungen, vor Allem im Sauerland und Teutoburger- 
wald, sich noch finden. 

Einige allgemeine Resultate. 

1) Dem Gebiet fehlen Formen des Südens, wie sie das 
Rheinthal, Schwaben, Böhmen und selbst noch die Berliner 
Gegend beherbergen, entschieden. Weder für Lacerta viridis, 
muralis, Tropidonotus tessellatus, Coelopeltis Äescidapii noch 
Eana agilis sind Funde verbürgt. Das vereinzelte Vor- 
kommen der Smaragdeidechse bei Helmstedt mag auf Aus- 
setzung zurückzuführen sein, die gegentheiligen Angaben 
sind als irrig zu betrachten. Auch Emys orhicularis, eine 



239 



Form des Südens und Ostens, könnte höchstens, mit 
Zweifel, um Braunschweig und Weferlingen als einheimisch 
betrachtet werden. 

2) Formen des gemässigten Westeuropas sind unter 
den Amphibien zahlreich und häufig vertreten. Neben einer 
Keihe Arten, welche ganz Deutschland mit Nordfrankreich 
gemeinsam besitzt, sind 3 westeuropäische Thiere, Bufo 
calamifa, Älytes ohstetricans, Triton palmatus fast im ganzen 
Gebiet an geeigneten Oertlichkeiten zu finden. Es ist jedoch 
zu beachten, dass Alytes und Triton imlmatus in Deutsch- 
land zu Bergformeu werden, während Bufo calamita auch 
die Ebene bewohnt und z. B. noch weithin am Ostseestrand 
sich findet. 

3) Dagegen vermissen wir in den gebirgigen Theilen 
des Gebiets Tieflandsformen, die Kepräsentanten der grossen 
osteuropäischen Niederung, bisher entschieden, die spärlichen 
Meldungen lassen sich auf Verwechslung oder Verschleppung 
zurückführen. Nur an den Kändern der Plateaus, in den 
Ausbuchtungen treffen wir hin und wieder Bana arvalis, 
B. esciilenta ribibimda, Bonibinator igneus und Belo- 
hates an. 

4) Der einzige Lurch des Ostens, welcher auch in 
Gebirgen Süddeutschlands, z. B. auf dem Jura, sich findet, 
Bufo viridis, ist in unserm Gebiet eine grosse Seltenheit. 
Im Münsterland fehlt er ganz, sein Vorkommen im Weser- 
und Leinebergland bedarf noch der Bestätigung. 

5) Als echter Bewohner der Berge erweist sich auch 
hier Bonihinator pacliypus, die Bergunke, Sie fehlt fast 
keinem gebirgigen Landstrich, wird aber in der Ebene ent- 
schieden vermisst. Doch ist zu beachten, dass sie den 
Oberharz zu meiden scheint und auch im höhern Theil des 
Sauerlands nicht häufig vorkommt, sich also keineswegs 
gegen Kälte unempfindlich zeigt! Bergformen sind in 
unserm Gebiet ferner Älytes ohstetricans , Salamandra 



— 240 — 

maculosa, Triton alpesfris, palmaius ^). Letztere 3 Arten 
haben sich allerdings auch hin und wieder im Weser- 
tiefland, wohin sie vielleicht vom Wasser getragen wurden^ 
erhalten, ohne Zweifel unter dem Schutz der Feuchtigkeit. 

G) Bei Betrachtung der Verbreitung und der Lebens- 
bedingungen unserer Keptilien fallen die Beziehungen 
zwischen Lacerta vivipara und Vipera herus einerseits,. 
Lacerta agilis und Coronella laevis anderseits ins Auge. 
Erstere beide Arten finden wir vor Allem im Gebirg und 
dann wieder im moorigen, feuchten Tiefland, letztere bevor- 
zugen trockene sonnige Gegenden in tiefern Gebirgslagen 
und der Ebene, Doch finden wir an Orten, wo die Lebens- 
bedingungen für alle 4 Thiere sich günstig erweisen, etwa 
feuchte Moordistrikte und ßergwiesen an trockne Gehänge 
stossen, 3 oder 4 Arten vereint, während anderseits an 
vielen Plätzen, wo beide Eidechsen hausen, die Schlangen 
von je fehlten oder ausgerottet sind, 

7) Wie keine Fauna ein starres, abgeschlossenes Ganze 
darstellt, so lässt sich auch bei den Keptilien und Amphibien 
unseres Gebiets, obwohl sie für Wanderungen weit un- 
günstiger gestellt sind als z, B. die Vögel und Insekten» 



*) Es sei mir hier die Bemerkung gestattet, dass die Ausdrücke 
„Bergform" und „Tieflands- oder Thalform" selbstredend nur relative 
Begriffe sind. Der kahle Petersberg bei Halle, 241 m hoch, führt 
unmittelbar unter seinem Gipfel noch Rana esculenta ridibunda, die 
Altenburg in der waldarmen Quedlinburger Gegend Bombinator igneus; 
aber keine einzige Bergform, während solche doch in der waldigen 
Hügellandschaft um Braunschweig noch fortkommen und im Selke- 
thal in 200 m Meereshöhe unter dem Schutz der bewaldeten Thal- 
hänge fröhlich gedeihen. Ein schmales Gebirgsthal, wie das der 
Selke, ermöglicht eben durch seinen ganzen Charakter den Aufenthalt 
von Gebirgsthieren noch in sehr geringer Höhe , während umgekehrt 
ein Thal, welches durch räumliche Ausdehnung den Typus des Tief- 
lands ins Bergland verpflanzt, wie das breite Rheinthal in der Ober- 
rheinischen Tiefebene, trotz der umgebenden hohen Gebirgswälle die 
Ansiedelung vieler Tief landsformen begünstigt. Vergl. meinen Auf- 
satz „Ueber die geogr. Verbreitung d. Amphibien Württembergs". 



— 241 — 

eine fortwährende Veränderung ihrer Wohnsitze nachweisen. 
Sie verlassen ihre Stätten, falls ihre Existenzbedingungen 
ungünstig werden oder, bei zunehmender Vermehrung, ander- 
wärts geeignete Wo Iniplätze sich darbieten. Bei unserer 
erst in neuester Zeit gesicherten Artenkenntniss fehlt es 
freilich noch an positiven Belegen. Aber der Rückgang an 
Individuen ist bei Bonibinator, igneus wie pacliypus, um 
Braunschweig wie im Wesergebirge augenscheinlich, das 
Verschwinden der Bana escuUnfa typica bei Göttingen, 
unter dem Einfluss der Cultur, das Aussterben der Schlangen 
z. B. bei Wickensen ist bewiesen. Umgekehrt ist die Kreuz- 
otter in Westfalen nach Westhoff erst neuerdings ein- 
gewandert. Bei den, erst kürzlich erkannten, Tieflands- 
formen ist Wanderung im Grossen, flussaufwärts, ebenso 
wahrscheinlich, wie dies im Kleinen, durch Besiedelung neu 
entstehender Tümpel und Ausstiche, längst bekannt ist. — 
Ueber die Westformen, welche man recht gut als Ein- 
wanderer betrachten kann, habe ich mich schon oben aus- 
gesprochen. Auch hier muss weiterer Forschung vorbehalten 
bleiben, ob in der Jetztzeit Rückgang oder Fortschreiten 
stattfindet, da sie bisher verkannt wurden. Ich schliesse 
mit einem Worte Westhoff 's (briefl. Mittheil.): „Dieser 
Trieb zur Wanderung und die Richtung, in welcher sie 
geschieht, zeigt sich auch in unserm Faunenbild in der 
Verbreitung der einzelnen Arten, deutet uns aber gleich- 
zeitig an, von woher sie einst in unser Gebiet eingerückt 
sind, wo wir ihre alte Heimat zu suchen haben und geben 
uns so Fingerzeige, aus dieser ihre Existenzbedingungen 
immer besser und klarer verstehen zu lernen." 

Es erübrigt mir noch die angenehme Pflicht, meinen 
Mitarbeitern und allen Jenen, welche seit Jahren durch 
Mittheilungen mich unterstützten, den verbindlichsten und 
herzlichsten Dank auszusprechen! Absichtlich vermied 
ich es, durch Aussendung der jetzt beliebten Fragebogen 
den Kreis der Beobachter noch zu erweitern, da ich 

16 



— 242 — 

zunächst eine Grundlage für weitere Thiltigkeit auf diesem 
Gebiete der besonderen Heimatskunde zu scliaffen wünschte, 
richte hierdurch aber an alle Interessenten, Naturfreunde 
und Forscher die Bitte, meine für die Zukunft in Aussicht 
genommenen Arbeiten, sowohl Nachträge für dies Gebiet 
als auch Monographien über andere Gegenden, auch ferner- 
hin durch Zusammenstellung von Lokalfaunen, Mittheilung 
von Beobachtungen und Belegstücken aus ganz Deutsch- 
land geneigtest fördern zu wollen! 



Nachtrag 



zu den 



Herpetologischen Localfaunen 



der 



Österreichischen Erzherzogthümer. 



Von Dr. F. "Werner, Wien. 



Seit dem Erscheinen dieser kleinen Arbeit im Jahrbuch, 
des naturw. Ver. zu Magdeburg 1891 habe ich einige 
Beobachtungen über das Vorkommen von Keptilien und 
Amphibien in Niederösterreich machen können, welche zur 
Vervollständigung dieser Mittheilungen dienen dürften. 

Vor allem habe ich bei Excursionen in die Umgebung 
der Stadt Baden (27 km südlich von Wien und 4 km nörd- 
lich von Vöslau, dessen herpetologische Fauna ich mit- 
getheilt habe) mehrere ziemlich auffallende Vorkommnisse 
constatiren können. So das Vorkommen der bei Vöslau 
vollständig fehlenden^) Lacerta agilis, welche an den Ufern 
der Schwechat nicht selten ist; das Auftreten der bei Vöslau 
ebenfalls vollständig fehlenden Rana femporaria, welche ich 
in den Laubwäldern des Helenenthaies beobachten konnte; 
dieser Frosch scheint wie Salamandra maculosa die Föhren- 
wälder (wie ich statt Nadelwälder — p. 119. — genauer 
sagen will) deren Auftreten mit trockenem warmen Klima 
und Kalkboden zusammenhängt, zu meiden, während sie in 



^) Wenn in Vöslau Lacerta agilis angetroffen werden sollten, so 
wären es ausnahmslos Exemplare, welche mir während eines 8jährigen 
Sommeraufenthaltes daselbst entwischt sind. Dasselbe gilt für Bana 
esculenta. 

16* 



244 



Laubwäldern und in den alpinen Tannen- und Fichten- 
wäldern häufige Erscheinungen sind. Dafür konnte ich 
Bana agilis, welche bei Vöslau so häufig ist, bei Baden 
nirgends finden, womit ich indessen nicht sagen will, dass 
sie gänzlich fehlt. Sdlamandra maculosa sull nach sehr 
glaubwürdigen Zeugen auf dem „Eisernen Thor", einem 
etwas über 800 m hohen Berge bei Baden, vorkommen, doch 
habe ich den Berg nur bei sehr trockenem Wetter bestiegen 
und dalier keine Salamandra gesehen. 

Eine weitere bemerkenswerthe Erscheinung ist Tropido- 
notus tessellatus, die Würfelnatter, welche an den Ufern des 
Schwechatflusses (Helenenthal) ausserordentlich häufig ist, 
so dass man an einem schönen Mai- oder Junitage leicht 
ein Dutzend Yon ihnen zu Gesicht bekommen kann. Die 
Würfelnattern von Baden gehören ebenso wie diejenigen 
von andern niederösterreichischen Fundorten, von denen icl^ 
Exemplare gesehen habe, keiner bestimmten Varietät an, 
sondern typische Exemplare und solche der var. liydrus 
kommen zusammen vor, obwohl die osteuropäische var. liydrus 
stark überwiegt. 

So ist z. B. die Zahl der Prae- und Postocularschilder 
bei 6 im Jahre 1892 gefangenen Exemplaren 





Praeocularia 


Postoc 


ularia 




rechts 


links 


rechts 


links 


I. 


2 


2 


5 


4 


n. 


2 


3 


3 


4 


iii. 


2 


2 


4 


4 


IV. 


2 


2 


4 


4 


V.. 


2 


2 


3 


3 


VI. 


2 


2 


4 


4 



Also unter 6 Exemplaren nur ein einziges typisches (Nr. 5). 
Die Würfelnatter erreicht bei Baden fast Meterlänge. 
Sie hat daselbst die Ringelnatter so zurückgedrängt, dass 
man nur selten ein Exemplar letzterer Art zu sehen be- 
kommt, während man an beiden Ufern der Schwechat an 



— 245 — 

günstigen Stellen eine Würfelnatter nach der andern im 
Orase und auf den grossen Ufersteinen liegen und, wenn 
sie nicht grade vollgefressen sind, mit grosser Schnelligkeit 
dem Flusse zueilen sieht. Man beobachtet sie auch oft 
auf dem Grunde des Flusses, wie sie zwischen den Steinen 
herumkriecht und fischt. 

Noch häufiger ist Tropidonotus tesseUatus nördlich von 
der Donau und zwar im Kampfiusse bei Hörn und nament- 
lich in der Thaja zwischen Retz und Hardegg, wo all- 
jährlich Hunderte von Exemplaren gefangen werden, ohne 
dass man eine Abnahme der Schlangen bemerken könnte. 
Von den anderen niederösterreichischen Fundorten wie z. B. 
von der Hinterbrühl bei Mödling oder von Hain bürg an 
4er Donau habe ich noch keine Exemplare gesehen. 

Die obenerwähnte Gegend Retz-Znaim-Hardegg be- 
herbergt des Weiteren zahlreiche Lacerta viridis'^), wovon 
ein vollkommen schwarzes Exemplar sich in meinem Besitz 
befindet. Auch die südeuropäische gestreifte Varietät der 
Eingelnatter (Tropidonotus natrix var. petsa) kommt dort, 
obgleich selten, vor. Von dieser Varietät habe ich in 
Niederösterreich nur noch ein Exemplar gesehen, nämlich 
in Brück an der Leitha, also an der ungarischen Grenze. 2) 

Aus dem Alpengebiete Niederösterreichs kenne ich jetzt 
noch Triton cristatus und taeniatiis, welche ich in einem 
Meinen Teiche bei Hirschwang im Schwarzathale, etwa 
500 m ü. M. fand; von den cnstatus -LMYen waren Ende 
August erst wenige ausgefärbt, die meisten trugen noch 
die gelbgrüne Larvenfärbung. Ebenso waren Ende August 
die Larven von Bana temporaria in einer Bucht des 



^) Das südlichste Vorkommen der L. viridis in Nieder-Oesterreich 
ist Gloggnitz a. d. Südbahn. (Uebergang in die hoch alpine Region 
wenige Kilometer südlich.) 

2) Diese Varietät ist in Kärnthen gar nicht sehr selten und in 
Dalmatien die gemeinste Schlange überhaupt. 



— 246 — 

Schwarzaflusses bei Hirschwang erst zweibeinig. (Paarungs- 
zeit der ietiqmrari a daselbst i]nde März bis Anfangs April.) 

Was die beiden Colonisten der niederösterreicliischen 
Reptilienfauna anbelangt, so wurde mir berichtet, dass in 
diesem Jahre wieder ein Exemplar von Pseudojms (Ophi- 
saurus) apus bei Purkersdorf gefangen wurde, woraus zu 
schliessen ist, dass die Thiere, welche wahrscheinlich von 
dem verstorbenen Naturalienhändler Erber daselbst aus- 
gesetzt wurden, noch immer leben. Ob sie sich auch schon 
vermehrt haben und ob das in diesem Jahre gefangene 
Exemplar vielleicht schon ein gebürtiger Niederösterreicher 
ist, darüber ist mir nichts bekannt; andernfalls müsste das 
Thier mindestens 8 Jahre alt sein. 

Zamenis gemonensis habe ich auch bei Baden an ver- 
schiedenen Stellen beobachtet, doch gelang es mir nicht, 
auch nur eines einzigen Exemplares habhaft zu werden. 
Die Vöslauer und Mödlinger Colonien konnte ich in diesem 
Jahre nicht besuchen. 

Die im Vorjahre von Laxenburg bei Mödling erwähnte 
Kreuzotter scheint eine von der alpinen, ganz normalen 
Form, nicht unbedeutend abweichende und gut unterscheidbare 
Varietät zu sein. Sie hat stets nur 19 Schuppenreihen, 
ist etwas kleiner als der Typus ; das Zickzackband des 
Rückens verläuft auf einem breiten, hellen Längsbande, 
welches von den dunkleren Lateralbändern häufig durch eine 
Punktreihe oder unterbrochene Linie (aber auch sonst mehr 
oder weniger scharf und stets geradlinig) abgegrenzt ist. 
cJ und 5 in der Färbung nicht verschieden, stets braun. 
Wohl nur in der Ebene östlich vom Wienerwald und süd- 
lich von der Donau, mir bisher nur aus dem weiteren Um- 
kreis von Laxenburg bekannt. 

Von den Wasserfröschen, welche südlich von Wien, 
z. B. in den Teichen der Ziegeleien von Steinhof bei 
Inzersdorf leben, soll eine Form nach Aussage der Um- 
wohner der Teiche durch Soldaten eingeführt worden sein, 



— 247 — 

welche dieselben von den Waffenübungen in Brück a. d. 
Leitha mitbrachten und in den Steinhofer Teichen aus- 
setzten. Obwohl ich nicht herausbringen konnte, welche 
Form gemeint sei, die typische oder die riesige braune, 
grünfleckige ridibimda, so ist es doch möglich, dass die 
ridibunda, welche sonst nirgends bei Wien vorkommt, ein- 
geführt wurde; allerdings wäre noch festzustellen, ob bei 
Brück die ridibunda überhaupt vorkommt. — Die ridibimda 
ist in den Steinhofer Teichen nur auf einen kleinen 
District beschränkt. 

Nachträgliche Bemerkung: Gestern, am 13. März, er- 
hielt ich von Herrn Glasermeister Bongar hier ein pracht- 
volles Männchen von Bana arvcdis, erwachsen und in voller 
Brunst, mit blauer Kehle und hellem Eückenstreifen, welches 
derselbe am Sonntag im „Franz Josephsland" an der Donau, 
IV2 Stunde östlich von Wien, gefangen hat. Mit dieser 
Art, welche unser Mitglied v, Mehely aus der kleinen 
ungarischen Tiefebene, von Pressburg, ja schon vor zwei 
Jahren in diesem Jahrbuch angab, sind alle vier Tiefebene- 
Formen der deutschen Anuren (Wolterstorff) auch im Wiener 
Becken vertreten. 



lieber eine kleine Oollection 



von 



Reptilien und Batrachiern 

von Nias. 



Von Dr. F. Werner- Wien. 



Kürzlich erhielt ich von Herrn Dr. K. Jordan in 
Hannov.-Münden eine Anzahl von Reptilien und Batrachiern 
zur Bestimmung, welche von der Insel Nias bei Sumatra 
stammen und gebe nachfolgend das Verzeichniss der Arten. 
Neu ist für die Insel Hemidadylus garnoti DB., Typhlops 
nigro albus DB. und Microhßa achatina Boie, sowie eine 
hübsche Varietät von Bana erythraea. 

Für Mittheilungen, welche mir bei der Determination 
von Nutzen waren, bin ich Herrn Prof. Dr. 0, Boettger 
und Herrn G. A. Boulenger zu grossem Danke verpflichtet. 

Litteratur. 

1885. Fischer, Abb. Nat. Ver. Hamburg. IX. Band, Heft 1 No. 2. 
1885. Boulenger, Ann. Mag. Nat. Hist. (5) Bd. XIV. p. 388. 
1889. Boettger, Ber. Senckenbg. Naturf. Ges. Frankf. a. M. p. 306. 
1889. Modigliani, Ann. Mus. Civ. Geuova Seria 2a. Vol. VII., 
p. 113, Tafel 1. 
Nach dem Verzeichniss Modigliani's ist auch die 
Reihenfolge der mir vorliegenden Arten geordnet. 

1) Uemidadylus frenatus DB. 
Boulenger 1. c. p. 388. 
Modigliani 1. c. p. 115. 

20 Exemplare, alle erwachsen; einfarbig oder mit vier 
mehr oder weniger undeutlichen Längsstreifen, von welchen 



— 249 — 

je zwei bei einem Nasenloch beginnen und durch das Auge 
über den Rücken, beziehungsweise Bauchrand hinziehen. 
Der Schwanz, wenn reproducirt, stets ohne Tuberkeln. 

2) Hemidadylus garnoti DB. 

Boulenger Rept. Batr. Brit. India, London 1890, p. 94. 
Ich rechne zwei ziemlich schlecht erhaltene Exemplare 
{$) zu dieser Art, mit deren Beschreibung sie recht gut 
übereinstimmen. Die Thiere sind beim ersten Anblick 
einer Geliyra sehr ähnlich. 

3) GeJiyra mutilata, Wiegm. 
Fischer 1. c. p. 1. 

2 jüngere, ganz typische Exemplare. 

4) Gecho stentor Cant. 
Fischer 1. c p. 1. 
Boulenger 1. c. p. 388. 

Ein grosses Exemplar (Kopfrumpflänge 17 cm., Schwanz 
abgebrochen). Ohröffnung genau halb so breit wie die 
Orbita, Supralabialen 15, Infralabialen 11, Praeanalporen 13. 
Oben schwarzbraun, unten schmutzigweiss mit grauen 
Flecken. Kopf mit weissen Flecken, dahinter auf dem 
Rücken 8 weisse, schmale Querbinden bis zur Kreuzbein- 
xegion; Schwanz und Extremitäten ebenso gebändert. 

5) Gecko monarclms DB. 
Fischer 1. c. p. 1. 
Boulenger 1. c. p. 388. 
Modigliani 1. c. p. 115. . 

12 Exemplare in verschiedenen Altersstufen, das grösste 
von 88 mm Kopfrumpf- und 106 mm Schwanzlänge. Alle 
grau mit den charakteristischen beiden Reihen schwarzer 
Flecken, die sich auf die vordere Schwanzhälfte erstrecken; 
die hintere ist weiss geringelt, vor jedem Querband ein 
grosser schwarzer Flecken, so dass die Schwanzspitze weiss 
und schwarz geringelt erscheint. 

6) Calotes cristatellus Kühl. 
Fischer 1. c. p. 1. 
Boulenger 1. c. p. 388. 
Boettger 1. c. p. 307. 
Modigliani 1. c. p. 118. 



— 250 — 

2 Exemplare, ziemlich jung (Kopfrumpflänge 90, 
Schwanzlänge 300 mm). Oben prachtvoll gelbgrün, unten 
bläulichgrün. Tympanuni fast so gross wie das Auge, 
ungefähr dreieckig. Nackenkamm sehr klein, Rückenkamm 
fehlt. Hinterbeine reichen bei einem Exemplar mit der 
längsten Zehe bis zum Nasenloch, beim anderen über 
die Schnauzenspitze hinaus. Deutliche Falte vor der 
Schulter. 

7) Mdbuia multifasciata Kühl. 
Boulenger 1. c. p. 388 (Tiliqua rufescens). 

2 Exemplare; das eine mit unbeschädigtem Schwänze 
280 mm lang, wovon 170 mm auf den Schwanz kommen. 
32 Schuppen rund um die Rumpfmitte. Supranasalia nicht 
in Contact. Frontale länger als Frontoparietalia und Inter- 
parietale zusammen. Hinterbeine reichen noch etwas über die 
Achseln hinaus, sind also noch länger als bei den javanischen 
Stücken, die Boettger (Herpetolog. Mittheilungen in 29. bis 
32. Ber. Offenb. Ver. f. Naturk. p. 118) beschreibt. Schuppen 
des Rückens 3-, der Oberseite der Tibia 2 bis 3kielig. 
Oberseite einfarbig dunkelbraun mit blauem Metallschimmer, 
Seiten lichter, Unterseite grünlichbraun, Schwanzunterseite 
schmutzigweiss. 

Ein jüngeres Exemplar der Mabuia multifasciata von 
86 mm Kopfrumpflänge (Schwanz unvollständig), besitzt 34 
Schuppenreihen um die Rumpfraitte. Das vordere Frenale 
niedriger als das hintere. Lateral und Nuchalschuppen 
sehr schwach gekielt. Hinterbeine reichen mit der längsten 
Zehe bis zur Basis der Vorderextremität. Oben nussbraun 
mit zwei Paaren von schwarzen, unterbrochenen Längs- 
linien. Seiten schwarzbraun mit weissen Flecken von der 
Grösse einer Schuppe. Unterseite bräunlich. 

8) Tijphlops nigro albus DB. (Exp. Gen. VL p. 285.) 
Jan. Icon. Gen. p. 20, 1. 4, pl. VI. fig. 3. 

Günther Rept. Brit. Ind. p. 172, pl. XVI. fig. F. 



— 251 — 

Neu für Nias. Diese schöne, ziemlich grosse Art 
(270 mm) wurde von Herrn Boulenger nach meinen An- 
gaben identificirt, für welche Freundlichkeit ich ihm zu 
besonderem Danke verbunden bin. In der Sammlung des 
Freiherrn v. Kothschild, Tring (England). 

9) Chrysopdea ornata Shaw var. hasselti Gthr. 
Fischer 1. c. p. 1. 

Boulenger 1. c. p. 389. 

Boettger 1. c. p. 307. 

Modigliani 1. c. p. 120. 
2 Exemplare; Supralabialia 9, das 4. bis 6. unter dem 
Auge. Oben blutroth mit 39 Paaren dorsaler, sich nicht 
auf die Eumpf selten erstreckender Querbinden von 
schwarzer Farbe. Zwischen je zwei Bändern desselben 
Paares eine grauweisse (vordere ßumpfhälfte) oder rothgelbe 
(hintere Knmpfhälfte) schmale Linie, Unterseite gelb, ein- 
farbig, nach hinten grünlichgrau. Seitlich von der Bauch- 
kante bleiben die Ventralen stets gelb, mit schwarzem 
Fleck am Hiuterrande. Kopfzeichnung die gewöhnliche, 
Querbinden hier rothbraun und gelb. 

10) Denärelapliis caudolineatus Gray. 
Fischer 1. c. p. 1 (Dendropliis). 
Boulenger 1. c. p. 389 (Dendrophis). 
Boettger 1. c. p. 307. 

Modigliani 1. c. p. 120 (Dendi-opMs). 
Ein älteres und ein junges Exemplar. Bei ersterem 
6 [nfralabialia in Contact mit den vorderen Kinnschildern. 
11 j Coliiber {Compsosoma) melanurus Schleg. 

Ein prachtvolles, etwa 1200 mm langes Exemplar. 
Schiippeuforaiel : V. 208 A. 1, Sc. 85/86 .... (Schwanz 
scheint nicht ganz vollständig zu sein). 
Oberseite schwarzbraun, vollkommen einfarbig, Unter- 
seite vorn dunkelgelbgrün (ebenso die Supralabialen), nach 
hinten allmählich immer dunkler (dunkel olivengrün) werden. 
Das ganze Thier mit starkem, blauem Metallschimmer. Die 
Einfarbigkeit scheint für die Nias -Exemplare die Regel zu 
sein, da auch Modigliani 1. c. p. 120 bemerkt, dass die von 
ihm gefangenen „di un colore uniformamente bruno" seien. 



— 252 — 

12) Dri/opJiis prasinus Boie. 
Fisclier 1. c. p. 1. 
Boulcnger 1. c. p. 389. 
Bocttger 1. c. p. 308. 
Modigliani 1 c. p. 120. 

Ein prachtvoll grünes Exemplar, 2 kleine Frenalia. 
Temporalen 1 -|- 2, 1 + 2. Sacralschuppen gekielt. Kehle 
weisslich, Bauch bläulichgrün. 

13) AdeniojjMs hivirgatus Boie (flaviceps Cant.). 
Fischer 1. c. p. 1. (Callophis flavicex>s.) 

Ein ziemlich junges Exemplar. Kopf gelblich mit -zwei 
hintereinand erliegenden schwarzen Flecken auf der Parietal- 
nalit. Schwanz und hinterste Eumpfparthie ziegelroth. 
Kumpf schwarz, am Bauchrand jederseits eine weisse 
Längslinie, 

14) Trimeresurus formosus Schlgl. 
Fischer 1. c. p. 1. (eryfhrurus). 
Boettger 1. c. 

Modigliani 1, c. p. 121. 

Ein kleineres Exemplar von schön gelbgrüner Farbe. 
Schuppen fast ausnahmslos ohne schwarze Bänder. Unter- 
seite bläulichgrün, mit einer gelben Längslinie am Bauch- 
rande jederseits. Das Thier enthielt einen wohlerhaltenen 
Nager (Maus) im Magen. 

Das Exemplar besitzt sehr viel Aehnlichkeit mit einem 
T. gramineus, und dürften auch Fischer solche Exemplare 
vorgelegen haben, die ihn bestimmten, den T. gramineus 
(erythrurus) für Nias anzuführen. 

15) Bana macrodon DB. 
Fischer 1. c, p. 2. 
Boulenger 1. c. p. 389. 
Modigliani 1. c. p. 121. 

7 Exemplare, alle ziemlich jung. Die Unterkieferfänge 
nicht besonders stark entwickelt, aber immerhin ganz 
merklich. Der innere Metatarsaltuberkel nicht halb so lang 
wie die innere Zehe. Tibiotarsalarticulation reicht bis zum 



— 253 — 

Nasenloch oder bis zur Scbnauzenspitze, Haut glatt, nur 
in der Sacralregion manchmal etwas körnig. Nur zwei 
Exemplare besitzen eine weissliche Vertebrallinie, Temporal- 
und Frenalregion und ein mehr oder weniger breites (bei 
einigen Exemplaren verwischtes oder ganz fehlendes) Quer- 
band zwischen den Augen (bei vorhandener Vertebrallinie 
von dieser durchschnitten) dunkelbraun. Hinterbeine dunkel- 
braun quergebändert. Oberlippe meist abwechselnd mit 
grossen dunkelbraunen und kleinen weissen Verticalflecken; 
am Unterkiefer ist diese Zeichnung noch deutlicher. Ober- 
seite im übrigen graubraun oder schwarzbraun, nur ein 
einziges Exemplar gefleckt. Kehle hellgrau mit weissen 
und dunkelgrauen Flecken; Bauch und Unterseite der 
Extremitäten einfarbig, schmutzigweiss oder dunkel punktirt; 
Hinterbacken ebenfalls dunkel gesprenkelt. 

16) Rana erpthraea Schlgl. 

Boulenger 1. c. p. 389. 

Modigliani 1. c. p. 122. 
6 jüngere Exemplare. Bei allen der erste Finger 
länger als der zweite. Interorbitalregion etwas breiter als 
ein oberes Augenlid. Tibiotarsalarticulation erreicht bei 
keinem Exemplar die Schnauzenspitze. Der innere Meta- 
tarsaltuberkel sehr klein. Oberseite gelb-, blau- oder 
dunkelolivengrün, einfarbig. Oberlippe silberweiss, ebenso 
Kehle und Bauch, Unterseite der Extremitäten mehr gelb- 
lich. Lateralfalte meist deutlich, goldgrün schimmernd, 
Tympanum schön blutroth, ebenfalls mit Metallglanz. 
Färbung der Ober- und Unterseite scharf getrennt. 

16a) var. elongata m. 

Kopf läng-er als beim Typus, überhaupt der Körperbau 
mehr gestreckt. Hinterbeine reichen mit der Tibiotarsal- 
articulation weit über die Schnauze hinaus. Oben braun, 
Seiten dunkler, Lateralfalten ebenfalls braun, Hinterbeine 
dunkelbraun geb ändert. 

3 Exemplare. In der Sammlung des Freiherrn v. Roth- 
schild, Tring (England). 



— 254 — 

17) Bhacophorus leucomystax Grav. 
Modigliani 1. c. p. 122 (maeidatus). 

Ein jüngeres Exemplar. Saugsclieiben sehr klein. 
Hinterbeine reichen mit der Tibiotarsalarticulation über die 
Schnauzenspitze etwas hinaus. Oben hellgrau, Hinterbeine 
braun gebändert, Kehle und Bauch silberweiss. 

18) Microhyla acliatina Boie. 
Boulenger Cat. Batr. Sal. p. 166. 

Ein junges, ganz typisches Exemplar. Neu für Nias. In 
der Sammlung des Freiherrn v. Kothschild, Tring (England). 

19) Bufo claviger Pirs. 

Fischer 1. c. p. 2. 
Boulenger 1. c. p. 389. 
Modigliani 1. c. p. 122. 

5 Exemplare verschiedenen Alters. Unterseite bei allen 
gelblich oder hellbraun, Oberseite einfarbig dunkelbraun 
oder heller mit schwarzbraunen Flecken in zwei Längs- 
reihen und Querband zwischen den Augen. Diese Kröte 
hat in vieler Beziehung eine ausgesprochene Aehnlichkeit 
mit den centralamerikanischeu Krötenechsen (Phrynosoma), 
namentlich der Kopf (von der Seite gesehen) und die ganze 
Zeichnung! 

20) IchthyopMs glutinosus L. 
Fischer 1. c. p. 2. 

Ein junges Exemplar. 



Material 



zu einer 



Hemipterenfauna Thüringens 



von 



üellner. 



Herausgegeben 



von 



€r. Breddin— Magdeburg. 



— 257 



l3ei einem vorübergellenden Aufenthalt in Gotha 
■während der ersten Monate des Jahres 1890 kam mir ein 
Exemplar von Fiebers „die europäischen Hemiptera" in die 
Hände, das sich auf der Gothaischen Bibliothek befindet, 
und das aus dem Nachlasse Kellners, des Verfassers des 
trefflichen Verzeichnisses der Käfer Thüringens, stammt. 
Das Buch war von Kellners Hand mit sauberen, lückenlos 
durchgeführten Randbemerkungen versehen, die den Ein- 
druck machten, als habe Kellner beabsichtigt sie zu einer 
Fauna der Gothaischen Gegend oder Thüringens zusammen- 
zufassen. Da dank dem Sammelfleisse und der Gewissen- 
haftigkeit der Bestimmungen dieses hochverdienten Forschers 
die Ergebnisse, wenn auch natürlich bei Weitem nicht ab- 
schliessende, so doch sehr reiche und zuverlässige sind, und 
da bis jetzt über die Hemipterenfauna des mittleren Deutsch- 
lands nur sehr wenig bekannt geworden ist, so habe ich 
geglaubt zur Förderung der Kenntniss unserer heimischen 
Fauna diese nachgelassenen Bemerkungen hier veröffent- 
lichen zu müssen. 

Von den alten Fieberschen Namen, die ja überdies 
den Hemipterologen noch geläufig sind, zu Gunsten der 
neueren Nomenclatur abzuweichen, habe ich Bedenken 
getragen, da es bei verschiedenen Fieberschen Arten, die 
jetzt in mehrere Species zerlegt sind (z. B. Elasmostethus 
griseus L. Fieb. und Scolopostethus affinis Schill. Fieb.), 
unmöglich war zu entscheiden, welche der Arten denn 
Kellner vor sich gehabt hat. Darüber würde erst ein Blick 
in Kellners Sammlung, die ich nicht habe einsehen können, 
Auskunft geben können. 

Zur Vervollständigung der Kellnerschen Angaben füge 
ich noch (in fettem schrägem Druck) die Beobachtungen hinzu, 

17 



258 



die sich mir bei der flüchtigen Durchsicht einer in Gotha 
befindlichen Samiulimg (der des Herrn Lehrers Mathes) er- 
gehen haben, sowie die geringen Entdeckungen, die ich 
selbst während der wenigen Winterwochen meines Aufent- 
halts in Gotha habe machen können. 

Der Herausgeber. 

Th. = Thüringen. G. = Gotha. 
s. = selten. 

1. Sigara Sclioltsi Fieb., Th. bei Dietendorf an der Apfel- 

stedt in Tümpfeln, sehr s. 

2. Corisa cöleoptrata Fab., Th. in den Lehmgruhen beim 

Berloch u. bei Cumbach, s. 

3. „ Bonsdorfß Sahlb., Th. in den Lehmgruben bei 

dem Berloch, sehr s. 

4. „ Geoffroyi Leach, Th. überall häufig. 

5. „ Fanzeri Fieb., Am Culmbacher Teich und den 

kleinen Teichen bei Ködchen und zwischen 
Gotha und Siebleben, s, 

6. „ liieroglyphica Duf., um G. an verschiedenen 

Orten. 

7. „ Sahlhergi Fieb., um G. überall nicht s. 

8. „ Linnei Fieb., um G. nicht s. 

9. „ limitata Fieb., um G. überall nicht s. 

10. „ semistriata Fieb., um G, in den Thongruben 

vor dem Berloch, sehr s. 

11. „ praeusta Fieb., in den Thongruben vor dem 

Berloch, nicht s. 

12. „ nigroUneata Fieb., um G. an verschiedenen 

Orten, s. 

13. „ striata L., in Th. überall, nicht s. 

14. „ Falleni Fieb., um G. in den Thongruben vor 

dem Berloch, s. 

15. „ distincta Fieb., zwischen G. und Siebleben in 

Thongruben, s. 



— 259 — 

16. Corisa moesta Fieb., bei G. in den Tliongruben am 

Berloch, sehr s. 

17. „ Fdbricii Fieb., zwischen G. und Siebleben in 

Thongruben, s. 

18. „ fossarum Leach, um Gr. nicht s. 



19. Notonecta Fdbricii Fieb., überall häufig. 

20. Flea minutissima Fab., am Cumbacher Teich, s. 



21. Nepa cinerea L., in Th. überall häufig. 

22. Banatra linearis L., Cumbacher u. Siebleber Teich, 



23. Naucoris cimicoides L., in Th. überall häufig. 

24. Limnobates stagnorum L., überall nicht s. 



25. Hebrus pusillus Fall., Georgenthal am Eande des 
Hammerteichs, s.; Cumbacher Teich, s. 



26. Hpdroessa pygmaea Duf., Am Eand des Hammerteichs 

bei Georgenthal im Frühjahr unter feuchtem 
Laub, nicht s. 

27. „ ScJmeideri Schlz., bei G. hinter dem See- 

berge, s. 

28. „ nana Schill., bei Georgenthal am Hammer- 

teich, sehr s. 

29. Velia currens Fab., überall nicht s. 

17* 



— 260 — 



i30. Hydrometra rufoscutdlata Latr,, Zwischen Siebleben u, 
dem grossen Teich, sehr s. ; Berloch, s. 

31. „ paludwn Fabr., Siebleber Teich, nicht s. 

32. „ najas Deg., bei G. hinter der Walkmühle 

auf Gräben, nicht s. 

33. „ thoracica Schum., Zwischen Siehleben u. 

dem grossen Teich auf Gräben, nicht s. 

34. „ gibhifera Schum., um G. selten; häufiger 

auf dem Teufelskreis bei der Schmücke. 

35. „ lacustris L., überall häufig. 

36. „ argentata Schum., um G. nicht s. 



37. Phymata crassipes Fab., um G. selten. 



38. Äradus cinnamomeus Panz., auf dem Seeberg bei G.» 

selten. 

39. „ depressus Fab., um G. nicht s. 

40. „ corticalis L., um G. ziemlich s. 

41. „ hefulinus Fall., bei Georgen thal, sehr s. 

42. „ dilatatus Duf,, bei Georgenthal, sehr s. 

43. Äneurus laevis Fab., um G. selten. 



44. Zosmenus Laportei Fieb., um G. nicht s. 

45. „ capifatus Wlff., um G. sehr s. 

46. „ Stejyhensi Fieb., um G. sehr s. 

47. Agramma laeta Fall., bei Georgenthal, sehr s. 

48. Monanthia cardui L., überall nicht s. 

49. ;, setulosa Fieb., um G. sehr s. 

50. „ ciliata Fieb,, überall ziemlich s. 

51. „ costafa Fab., überall ziemlich s. 



261 



52. Monanthia quadrimaculata Wlff., überall ziemlich s. 

53. „ dumetorum Schff,, um G. sehr s. 

54. „ scapularis Fieb., überall ziemlich s. 

55. „ Wolffi Fieb., überall nicht s. 

56. „ humuli Fab., überall nicht s. 

57. Bictyonota crassicornis Fall, um Gr. ziemlich s. 

58. Derephysia foliacea Fall., bei Gr. auf dem Seeberg, 

sehr s. 
(Tingis maculata Scheff.. „aus Baiern erhalten".) 

59. Orthostira cassidea Fall, überall ziemlich s. 

60. „ obscura Scheff., um Gr. ziemlich s. 

61. „ nigrina Fall., überall ziemlich s. 

62. „ pusilla Fall., um Gr. selten. 

63. Campylostira sinuata Forst., im Gothaischen Park, s. 

64. „ verna Fall., bei G. auf dem Seeberg, s. 



65. Myrmedohia coleoptrata Fall,, Seeberg bei G., sehr s. 

66. Acantliia ledularia L., in Häusern, überall gemein. 



67. Tetraphleps vütatus Fieb., im Gothaischen Park, s. 

68. Temnostethus pusiUus Scheff., bei G. sehr s. 

69. „ lucorum Fall., bei Georgenthal, s. 

70. Änthocoris nigricornis Fieb., bei Georgenthal, äusserst s. 

71. „ nemoralis Fabr,, Gothaischer Park, sehr s. 

72. „ limbatus Fieb., Georgenthal, auf Weiden, sehr s. 

73. „ nemorum L., überall gemein. 

74. „ pratensis Fabr., überall ziemlich s. 

75. Lydocoris domesticus Schill., bei Georgenthal, s. 

76. TripJileps niger Wlff,, um G, selten. 

77. „ mimttus L., um G. ziemlich s. 

78. Cardiastethus testaeeus Muls., bei Georgenthal, sehr s. 

79. Xylocoris ater Duf., um G. selten. 



262 — 



80. Ceratocomhus muscorum Fall., Georgenthal unter Ameisen. 



81. Salda saltatoria L., überall nicht s. 

82. „ arenkola Scholz, an der Hörsei, s. 

83. „ Calbum Fieb., dieses Thier, bei uns anscheinend 

ein Gebirgsbewohner, wurde vom Heraus- 
geber bei Ohrdruf gefangen. 

84. „ flavi/pes Fabr., an der Apfelstedt, s. 

85. „ litoralis L., an der Hörsei bei Fröttstedt, s. 

86. „ geminata Costa, an der Apfelstedt bei Herrnhof, s. 

87. „ cinda Scheff., an der Apfelstedt bei Herrnhof, s. 



88. Lex^topus hoopis Fourc, bei Dietendorf an der Apfel- 
stedt, s. 



89. Phearia erratica Fall, G. und Georgenthal an Haus- 

wänden, sehr s. 

90. „ vagahimda L., G. an einer Hauswand, sehr s. 

91. Fygolampis hifurcata L., Eand des Siebleber Teiches 

unter angeschwemmtem Genist, sehr s. 
(Die Larve vom Herausg. unweit der Apfel- 
stedt hinter dem Seeberg gefangen.) 

92. Harpador iracundus Scop., bei G. sehr s. 

93. „ annulatus L., um G. auf Gebüsch, nicht s. 

94. Colliocoris pedestris Wlff., Seeberg bei G., selten. 

95. Reduvius personatus L., überall in Häusern, ziemlich s. 



96. Metastemma guttula Fab., an der Wandersleber Gleiche, 
sehr s. 



263 — 



97. Nahis hrevipennis Hahn, G. in Arnoldi's Garten, s. 

98. „ subapterus Deg., überall ziemlich s. 

99. „ hrevis Scholz, überall nicht s. 

100. „ ericetorum Scholz, bei Georgenthal, nicht s. 

101. „ flavomarginatus Scholz, überall nicht s. 

102. „ ferus L., überall häufig. 



103. Pyrrhocoris apterus L., überall häufig. 



104. Tetralaccus Boeseli Schum., um G. selten. 

105. Lygaeus saxatüis Scop., am Arnstadter Holz auf einem 

Feldrain, s. 

106. „ equesiris L., überall nicht s. 

„ (müitaris Fab., „aus Baiern erhalten".) 

107. Nysius Jacobaeae Schill., um G. ziemlich s. 

108. „ thymi Wolff, bei G. und Georgenthal, s. 

109. „ senecionis Schill., um G. nicht s. 

110. „ pundipennis Scheff., um G. ziemlich s. 

111. „ obsoletus Fieb., bei Georgenthal, ziemlich s. 

112. Plociomerus luridus Scheö"., bei Georgenthal, s. 

113. Ophthalmicus grylloides L. , grosser Seeberg an der 

Spitze nach Wandersieben zu, sehr s. 

114. „ ater Fab., um G. selten. 

115. Plinthisus pusillus Scholz, um G. sehr s. 

116. „ hidentulus Scheff., um G. selten. 

117. „ hrevipennis Lat., im Gothaischen Park unter 

Laub, s. 

118. Drymus silvaticus Fab., überall häufig. 

119. Ischnocoris puncfulatus Fieb., um G. selten. 

120. „ pallidixiennis Scheff., um G. siemlich s. 



264 



121. Macrodema hirsutula Scholz, an den Höhen zwischen 

Seeberg und den Gleichen unter Stein- 
platten vom Herausgeb. gefunden. 

122. Megälonotus antennatus Schill, überall ziemlich s. 

123. „ praetexfatus Scheff., Gothaischer Park, 

sehr s. 

124. „ dilataüis Scheff., überall ziemlich s. 

125. „ chirarga Fabr., überall nicht s. 

126. Pferotmetus staphijlinoides Schill, bei Georgenthal, s. 

127. Peritrechus nubüus Fall, um G. selten. 

128. „ luniger Schill, um G. in Arnoldi's Garten, 

selten. 

129. Tropisteihus ocliropterus Fieb., um G. selten, auch bei 

Georgenthal. 

130. Acompus rußpes Wolff, im Gothaischen Park unter 

feuchtem Laub, s. 

131. Stygnus rusticus Fall, um G. selten. 
332. „ sahulosus Schill, um G. nicht s. 

133. „ arenarius Hahn, überall nicht s. 

134. Homalodema abieüs L. an Fichtenzapfen und unter 

Fichtenrinde, überall häufig. 

135. „ ferruginea L., Gothaischer Park unter 

Platanenrinden, ziemlich s. (Auch bei Ohr- 
druf unter Aesculusrinde, nicht s., der 
Herausg.) 

136. Eremocoris erraticus Fab. , bei G. und bei Walters- 

hausen am Ziegenberg, ziemlich s. 

137. „ plebejus Fall, um G. und bei Georgenthal, 

ziemlich s. 

138. Scolopostetlms contradus Scheff., um G. ziemlich s. 

139. „ plctus Schill, um G. nicht s. 

140. „ affmis Schill, überall nicht s. 

141. Trapezonotus nchdosus Fall, Gothaischer Park unter 

feuchtem Laub, s. 

142. „ agresth Fall, überall ziemlich s. 



— 265 — 

143. Microtoma carhonaria ßossi, am Mühlberger Schloss, s. 

144. JRliyparochromus Rolandri L., um G. nicht s. 

145. „ lynceus Fabr., im Gothaischen Park 

unter feuchtem Laub, s. ; auch bei Louisen- 
thal. 

146. „ phoeniceus Rossi, unter Moos bei 

Engelsbach, s. (Seeberg, der Herausgeb.) 

147. „ pini L., überall nicht s. 

148. „ pedestris Panz., um G. nicht s. unter 

Laub, auch gesellig unter Baumrinden. 

149. Ischnorhynchus didymus Zett., überall auf Birken, 

nicht s. 

150. PJiygadicus artemisiae Schill., um G. selten (z. B. See- 

berg, der Herausg.). 

151. „ urticae Fabr., bei G. auf verschiedenen 

Pflanzen, s. 

152. Platyplax salviae Schill., bei G. sehr s. 

153. Cymus glandicolor Hahn, überall ziemlich s. 

154. „ claviciilus Fall, um G. selten. 

155. Camptotelus lineolatus Schill., grosser Seeberg, s. 

156. Oxycarenus modestus Fall., um G. sehr s. 



157. Neides tipularius L., um G. sehr s. 

158. Berytus vittatus Fieb., bei G. auf den Seebergen, s. 

159. „ cognatus Fieb., um G. selten. 

160. „ davipes Fabr., um G. selten. 

161. „ crassipes Scheff., überall ziemlich s. 

162. „ minor Scheff., Seeberg, anscheinend nicht s., 

d. Herausgeb. 

163. Metacanthus elegans Curt., Seeberg vor der Sternwarte 

auf Gebüsch und Hauhechel, s. 



— 26Ö — 

164. Spathocera Dalilmanni Schill., Seeberg bei G., selten» 

auch im Leinaerthal des Georgen thaler 
Forstes. 

165. Bathjsolen nuhilus Fall., Gothaischer Park unter Laub, 

sehr s. 

166. Coreus 2)iiicorms Klug, um G. nicht s. 

167. Stenocephalus agilis Scop., überall nicht s. 

168. Alydus calcaratus L., um G. nicht s. 

169. Myrmus miriformis Fall., um G. selten. 

170. Syromastes marginatus L., überall häufig. 

171. Verlusia rhomhea L., um G. nicht s. 

172. Gonocerus venator Fabr., bei Jena und Kindelbrück 

(auch bei Berka, d. Herausg.). 

173. Enoplops scapha Fabr., um G. ziemlich s. 

174. TJieraplia hyoscyami L., überall nicht s. 

175. Rhopalus abiitilon Kossi, um G. ziemlich s. 

176. „ crassicornis L., überall nicht s. 

177. Corizus capitatus Fabr., überall nicht s. 

178. „ parumpundatus Schill., um G. nicht s. 

179. „ rufus Schill, um G. nicht s. 



180. Monalocoris fiUcis L., überall nicht s. 

181. JBryocoris pteridls Fall., überall nicht s. 

182. Pithanus Maerheli SchefF., Georgenthaler Eevier, auf 

Gras nicht s. 

183. Miris laevigafus L., überall häufig. 

184. „ holsafus Fab., überall häufig. 

185. JBracJiytrojns calcarata Fall., überall nicht s. 

186. Noiostira erratica L., überall nicht s. 

187. LohostetJms virens L,, überall nicht s. 

188. Megaloceraea longicornis Fall., bei Georgenthal. 

189. Trigonotylus riificornis Fall., überall auf grasreichen 

Holzschlägen nicht s. 

190. Leptop>terna doldbrata L., überall nicht s. 



— 267 — 

191. Crenmoceplmhis imibratilis L., bei Georgenthal, s. 

192. Oncognathus binotatus Fab., ich sah ein Stück aus der 

Umgebung von Gotha, d. Her. 

193. Camptohrochis punctalata Fall., bei G. selten. 

194. Megacoelum infusum Scheff., bei Georgenthal, s. 

195. Homodemus ferrugatus Fabr., überall nicht s. 

196. „ marginellus Fabr., überall nicht s. 

197. Bracliycoleus scrijjtus Fabr., bei Georgenthal, s. (auch, 

im gr. Tambuch, der Her.) 

198. Calocoris striatellus Fabr., um G. selten. 

199. „ fidvomaculatus Deg., überall nicht s. 

200. „ alpestris Meyer, um Zella, s. 

201. „ afßnis Scheff., um Georgenthal nicht s. 

202. „ hipuncfatus Fabr., überall nicht s. 

203. „ chenopodii Fall, überall nicht s. 

204. „ vandalicus Rossi, um G. selten. 

205. „ Beicheli Fieb., am Burgberg bei Walters- 

hausen, s. 

206. „ seticornis Fabr., überall verbreitet und nicht s. 

207. Phptocoris idmi L., überall nicht s. 

203. „ divergens Meyer, um G. nicht s. 

209. „ dimidiatus Kirschb., bei G. selten. 

210. „ jrm^* Kirschb., im Thüringer Wald, s. 

211. Closterotomus hifasciatus Fabr., überall nicht s. 

212. AUoeonotus distinguendus Scheff., bei G. sehr s. 

213. Pycnopterna striata L., überall ziemlich s. 

214. „ pulclira Scheff., um G. sehr s. 

215. Rhopalotomus ater L., überall häufig. 

216. Capsus trifasciatus L., bei Georgenthal, s. 

217. „ olivaceus Fabr., Seeberg auf Haseln (Beleg- 

stück in der Mathes'schen Sammlung.) 

218. „ capülaris Fabr., überall nicht s. 

219. Lopus gothicus L. bei Suhl und an der Wachsenburg 

(drei Gleichen), s. 

220. Dichrooscytus rufipennis Fall., in der Mathesschen Samm- 

lung aus Gothas Umgegend. 



— 268 — 

221. Liocoris triimstidatiis Fabr., bei Georgeathal, ziemlich s. 

222. Charagoch'diis (xyllenhali Fall, um G. ziemlich s. 

223. Pohjnicrus liolosericeus Hahn, bei Georgcnthal, sehr s. 

224. Plesiocoris rugicollis Fall., bei Georgenthal, nicht s. 

225. Lygus 2)rafensis Fabr., überall nicht s. 

226. „ cnmpestris Fabr., überall häufig. 

227. „ ruhricatus Fall., bei Georgenthal, s. 

228. „ Umhatus Fall., bei Georgenthal, nicht s. 

229. „ contaminatus Fall., bei Georgenthal, ziemlich s. 

230. „ lucorum Meyer, um Georgenthal nicht s. 

231. „ pabuUnus L., überall nicht s. 

232. „ chloris Fieb., bei Georgenthal, sehr s. 

233. Poeciloscytus unifasciatus Fabr., überall ziemlich s. 

234. Hadrodema rubicunda Fall., überall ziemlich s. 

235. „ pinastri Fall., überall auf Kiefern nicht 

häufig. 

236. Orthops pastinacae Fall, in der Mathes'schen Sammlung 

aus der Umgegend von G. 

237. „ flavovarius Fabr., überall nicht s. 

238. „ Kalmi L., bei Georgenthal, s. 

239. SUpTirosoma leucocephala L., überall nicht s. 

240. HaUicus palUcornis Fabr., überall häufig. 

241. Cyllocoris histrionicus L., überall nicht s. 

242. Globiceps sphegiformis llossi, bei Georgenthal, s. 

243. „ flavonotatus Bohem., bei Georgenthal, s. 

244. „ flavomaciäatus Fabr., überall ziemlich s. 

245. „ selectiis Fieb., „?" bei Georgenthal, s. 

246. Mecomma ambulans Fall., bei Georgenthal, sehr s. 

247. Actorhinus angidatus Fall, bei Georgenthal, s. 

248. Litocoris ericetorum Fall, bei Georgenthal, s. 

249. Orthotylus flavosparsus Sahlb., bei Dietendorf, s. 

250. „ ßavinervis Kirschb., bei Georgenthal, s. 

251. „ nassafus Fabr., bei Georgenthal, s. 

252. Heterocordylus tihialls Hahn, überall nicht s. 

253. „ leptocerus Kirschb., überall s. 

254. „ unicolor Hahn, überall nicht s. 



— 269 — 

255. Orthocephalus Panzerl Fieb., ich sah Stücke aus der Um- 

gegend von G., d. Herausg. 

256. Atractotomus mali Me3^er, überall in Gärten auf Apfel- 

bäumen, s. 

257. „ magnicornis Fall, bei Georgenthal auf 

Kiefern, s. 

258. Harpocera tJioracica Fall., bei Georgenthal, ziemlich s. 

259. Oncotylus decolor Fall., überall nicht s. 

260. Tiniceplialus hortulanus Meyer, bei Georgenthal, s. 

261. Criocoris crassicornis Hahn., um G. selten. 

262. Flagiognaflms arhustorum Fabr., um G. nicht s. 

263. „ viridulus Fall., überall nicht s. 

264. ;, Bohemanni Fall., auf Weiden überall 

nicht s. 

265. Äpocremnus quercus Kirschb., um G. selten. 

266. „ variäbüis Fall., um G. selten. 

267. PsaUus Kirschhaumi Fieb,, bei Georgenthal, sehr s. 

268. „ distindus Fieb., bei Georgenthal, s. 

269. AgaUiastes verhasci Scheff., überall auf Wollkraut 

nicht s. 

270. „ puUmrius Fall., überall ziemlich s. 

271. Maltliacus caricis Fall., bei Georgenthal, s. 

272. Camaronotus confusus Kirschb., bei Georgenthal, s. 

273. Pliylus melanocephalus L., um G. selten. 

274. „ coryli L., überall nicht s. 

275. Hoplomachus hilineatus Fall., bei Dietendorf, ziemlich s. 

276. Macrocolens molUculus Fall, überall nicht s. 

277. Brachyceraea annulata Wolff, um G. auf Hauhechel, s. 

278. „ globidifera Fall, bei Georgenthal, s. 

279. Dicyphus errans Wlff., um G. sehr s. 

280. „ paUidus Scheff., um Georgenthal auf Gebüsch, s. 



281. Sastragala ferrugator Fabr., überall nicht s. 

282. ÄcantJiosoma haemorrJioidalis L., überall nicht s. 



— 270 — 

283. Cyphostethus l'duratus Fabr., um G. selten. 

284. Elasmostdlms dentatus Deg., überall nicht s. 

285. „ (jriseus L., überall nicht s. 

1'86. Fiezodorus Degeeri Fieb., um G. und an anderen Orten 
ziemlich s. 
„ var. incarnatus Germ., auf Besenpfriemen 

(Sarothamnus). 

287. Tropicoris rufipes L., überall nicht s. 

288. Eiisarcoris aeneiis Scop., im Gothaischen Park und an 

anderen Orten unter feuchtem Laub, s. 

289. „ hinofatus Hahn, am Burgberg bei Walters- 

hausen, sehr s. 

290. Mormidea haccarum L., überall häufig. 

291. „ nigricornis Fabr., überall häufig. 

var. eryngii Germ., weniger häufig, 

292. Pentatoma juniperi L., überall nicht s. 

293. Äpariphe intermedia Wolfi", um G. s. 

294. Cimex vernalis Wolff, überall nicht sehr s. 

295. „ prasinus L., überall nicht s. 

var. simulans Put. [brauue Varietät], ein Exemplar 
aus der Gegend von G. in der Mathes'schen 
Sammlung, d. Her. 

296. „ dissimlUs Fabr., überall häufig. 

var. subrubescens Gorsky, sah ich von G., d. Her. 

297. Strachia festiva L., überall nicht s. 

298. „ xmstidata Fieb., um G. s. 

299. „ picta Scheff., um G. auf dem Seeberg und 

dem Berloch, s. 

300. ,; oleracea L., überall häufig. 

301. Zicrona coendea L., überall nicht s. 

302. Jalla dumosa L., um G. s. 

303. Bhacognathus punctatus L., um G. ziemlich s. 

304. Arma ciistos Fabr., um G. ziemlich s. 

305. Asopus luridus Fabr., überall nicht s. 



— 271 — 

306. Picromerus hidens L., überall nicht s. 

307. Äelia acimiinata L., bei Erfurt und Jena, auch am 

Boxberg bei G., s. 

308. „ Klugi Hahn, im Thüringer Walde, nicht s. 

309. „ pallida Küster, überall häufig. 

310. „ Burmeisteri Küster, am Boxberge bei G., s. 

311. Flatysolen inflexus Wolff, überall nicht s. 

312. Sciocoris umhrimis Wolff, um G. sehr s. 



313. Brachypelta aterrima Forster, an der Burg Gleichen 

bei Wandersieben, s. 

314. Corimelaena scarabaeoides Fabr., um G. nicht s. 

315. Gnathocomis costalis Fieb., um G. sehr s. 

316. Sehirus morio L., um G. ziemlich s. 

317. „ higuttatus L., überall ziemlich s. 

318. „ dubius Scop., um G. und bei Seebergen, ziem- 

lich s. 

319. „ hicolor L., überall häufig. 



320. Eurygaster hoUentotus Fabr., überall nicht s. 

321. „ maurus Fahr, überall nicht s. 

322. Grapliosoma lineata L., bei Seebergen, nicht s., Grahn- 

berg, Boxberg. 
• [Odontotarsus grammicus L., „aus Baiern er- 
halten."] 

323. Odontoscelis fidiginosus L., um G. sehr s. 



324. Cqptosoma globus Fabr., bei Tonna in der Fasanerie, s. 



273 



Mittheilung 

über die Entdeckmig einer Meeresfauna 

in der Magdeburger Grauwacke. 

Von W. Wolterstorff. 



Bei Veröffentlichuiig meiner Beobachtungen im Hafen- 
gelände unter dem Titel „Der Neustädter Hafen und seine 
Fauna" im Jahresbericht für 1891 konnte ich nicht ver- 
muthen, dass die weiteren Ausschachtungen auf dem be- 
schränkten Raum des Hafenkanals im Sommer 1892 noch 
eine grosse Anzahl neuer Funde zu Tage fördern würden. 
Unter diesen beansprucht ein besonderes Interesse die Ent- 
deckung sehr zahlreicher Thierreste, theilweise mit Pflanzen- 
resten vergesellschaftet, in den Thonschiefern der Magde- 
burger Grauwacke^). Die für unsere Gegend völlig neue 
Meeresfauna^), über welche ich im nächsten Jahre eingehender 
zu berichten gedenke^), setzt sich nach den bisherigen Er- 
mittelungen aus Cephalopoden, Muscheln und Crustaceen 
zusammen, unter den Gattungen ragen Goniatites, Ortlioceras, 
Peden und eine Entomostraceen-Gattung an Reichthum der 
Individuen hervor. 



1) Das Verdienst des ersten Fundes gebührt meinem Freunde 
H. Breddin! 

2) Noch Klockmann, in „Der geologische Aufbau des Magde- 
btirger Uferrandes", Jahrbuch der Geol. Landesanstalt für 1890, 
Bd. 11, Berlin 1892, erwähnt ausdrücklich den Mangel jeglicher 
fossiler Thierreste im „Culm" von Magdeburg und Hundisburg, 

3) Der bereits vollendete Aufsatz wurde für die Festschrift zur 
Feier des 25jährigen Bestehens des Naturwissenschaftlichen Vereins 1894 
zurückgestellt. 

18 



— 274 — 

Von den bisher sicher bestimmten Arten finden sich 
vier auch im Posidonomyenschiefer und sind ebenfalls im 
Harz vertreten. Als leitend ist Orthoceras cindum (strio- 
latum olim) zu betrachten, welcher Cephalopode aber durch 
das ganze untere Curbon geht. Posiäonoimja Bechcri fehlt 
auffälliger Weise, dagegen liegt mir eine Keihe von Formen 
vor, die weder im Posidonomyenschiefer von Lautenthal, 
noch bei Herborn, Aprath u. a. vorgekommen zu sein 
scheinen. 

Hiernach ist der Magdeburger Grauwacke, deren Alter 
durch die Pflanzenfunde bisher nur wahrscheinlich gemacht 
war, definitiv im unteren Steinkohlengebirge ihre Stellung 
anzuweisen, das genauere Niveau bleibt aber noch fest- 
zustellen. 

Magdeburg, 1. Mai 1893. 

W. Wolters torff. 



— 275 — 



Jahresbericht. 



I. 

Vereinssitzungen. ') 

1) Sitzung am 3. Februar. 2) 

Anwesend: 38 Mitglieder, 21 Gäste. 

Nach Erledigung zweier Nachwahlen für den Vorstand 
(siehe unter II.) sprach Herr Dr. Grünhut über „Bak- 
terien und bakteriologische Untersuchungen", 
belehrte über Züchtung und mikroskopische Untersuchung 
der Bakterien und schilderte beispielsweise eine bakterio- 
logische Prüfung der Luft. 

Herr Dr. Mertens verlas einen Aufsatz des Konser- 
vators des hiesigen naturwissenschaftlichen Museums, Herrn 
Wolterstor ff, über „erratische Blöcke und Ge- 
schiebe" und besprach die vom Konservator zusammen- 
gestellte Sammlung nordischer Geschiebe, die sämmtlich 
bei Magdeburg aufgefunden waren. Die Schrammungen 
und Kitzungen derselben, deren Verlauf bei der Auffindung 
der Stücke in ihrer Erdbettung genau nach dem Kompass 
festgestellt war, gab guten Aufschluss über die Eisstrom- 
richtungen in hiesiger Gegend zur Diluvialzeit. 

Im Anschlüsse hieran legte auch Herr Dr. Eschen- 
hagen schöne Stücke seiner Geschiebesammlung aus der 
Mark vor, deren geologische Zugehörigkeit zu den cam- 
brischen Schichten von Lungmls in Schweden hatte festge- 
stellt werden können. 



^) Dieselben finden während des Wintei'halbjahres an jedem 
Dienstag nach dem Monatsersten im Saale von Belvedere (auf dem 
FUrstenwall) statt. 

2) Die Januarsitzung fiel aus. 

18* 



276 



2) Sitzung am 8. Miirz. 

Anwesend: 27 Mitglieder, 8 Gäste. 

Der Kendant des Vereines, Herr Kaufmann Bruuner, 
trug den Kassenbericht für 1891 vor und mahnte zur 
eifrigen Werbung von Mitgliedern, da sich noch immer 
Abgang und Zugang nur ausgleicht. Nach vollzogener 
Prüfung der Rechnungslegung wurde Entlastung ertheilt. 

Herr Dr, Grünhut berichtete von den neueren Unter- 
suchungen „über Plasmolyse des Protoplasmas"» 
d. h. über die Erscheinungen der Zusammenziehung des 
Plasmaleibes der Zelle beim Einlegen in Salzlösung und 
über die Anwendung dieser Untersuchungen zur Auf- 
klärung mancher Zweifel in der Bakteriologie. 

Herr Oberrealschullehrer Dr. Danckwortt theilte 
,, neuere ph3'sik alische Untersuchungen Crookes" 
mit, die sich auf die elektrische Verdunstung fester Körper 
bezogen; aus denselben hat sich eine Verdunstungsreihe der 
Metalle ergeben, die mit den übrigen auf anderen ph^sika- 
lischen Eigenschaften der Körper begründeten Reihen nicht 
übereinstimmt. Derselbe erörterte auch noch die Frage, 
inwieweit die Erwärmung auf die Fähigkeit des 
Eisens, magnetisch zu werden, einwirkt. Nach 
Untersuchungen des Engländers White ist festgestellt, dass 
bei starken magnetischen Kräften die im Eisen erzeugte 
magnetische Kraft um so grösser wird, je mehr das Eisen 
erhitzt wird, bei schwachen, magnetischen Kräften dagegen 
das Umgekehrte der Fall ist. Andere Metalle haben ähn- 
liche Ergebnisse geliefert; nur Kobalt zeigt genau die um- 
gekehrte Eigenschaft. 

Herr Oberrealschullehrer Dr. Potinecke sprach über 
„die Bevölkerung Europas mit Pflanzen" und 
wies nach, dass die einheimischen Pflanzen durch die 
periodisch eingeführten zahlreichen ausländischen Pflanzen 
nicht verdrängt sind. 



— 277 — 

Herr Oberrealschullehrer Dr. Mertens erläuterte die 
Merkmale der „Familie der Euderfüssler" uuter Vor- 
zeigung eines weissen (Tölpel) und schwarzen (Kormoran) 
Seeraben. 

8) Sitzung am 5. April. 

Anwesend: 20 Mitglieder, 9 Gäste. 

Der Vorsitzende, Herr Director Dr. Hintzmann, 
machte von dem Ausscheiden des Herrn Kaufmann 
Messmer aas der Museumsverwaltung Mittheilung und 
legte an Stelle desselben die Jahresrechnung des Museums 
vor, welche gei}rüft und für richtig befunden wurde. Zu- 
gleich zollte er der fruchtbringenden Wirksamkeit des 
Herrn Konservator Wolterstorff auf Grund des einge- 
reichten Thätigkeitsberichtes Worte der Anerkennung und 
des Dankes. 

Herr Oberrealschullehrer Dr. Potinecke gab in 
seinem Vortrage über „Korallenthiere und Korallen- 
bauten" ein ausführliches Bild der Organisation, Lebens- 
weise, geographischen Verbreitung und der Kiffbilduugen 
dieser Thiere. 

4) Sitzung- am 4. October. 

Anwesend: 34 Mitglieder, 16 Gäste. 

Im Laufe des Sommers war unerwartet der früh^e, 
langjährige Vorsteher der Vereinssammlungen, Herr Stadt- 
rath a. D. Adolf Assmann, gestorben. Vom Vor- 
sitzenden wurde der grossen Verdienste dieses unermüdlichen 
Mannes um Museum und Verein gedacht und auf Antrag 
aus der Versammlung heraus beschlossen, das Andenken 
dieses Förderers des Vereins durch Aufstellung seines Bild- 
nisses im Museum dauernd zu ehren. 

Herr Professor Dr. Brasack sprach „über den 
gegenwärtigen Stand der Elektro chemie", be- 
sonders über die Raffination der Metalle durch Elektrolyse 
auf nassem Wesre. 



— 278 — 

5) Sitzung am 8. NoTeinbcr. 

Anwesend 25 Mitglieder, 4 Gäste. 

Es wird dem Vereine von der Schenkung der reich- 
haltigen und schönen Mineraliensammlung des 
Herrn Kaufmann Gustav Schmidt Mittheilung ge- 
macht, und der Dank hierfür dem gütigen Spender durch 
Erheben von den Plätzen ausgesprochen. 

Herr Dr. Grünhut entrollte ein Bild von dem Leben 
und Wirken des im Mai verstorbenen Professors August 
Wilhelm v. Hoffmann, des hervorragenden Führers der 
chemischen Wissenschaft. 

Herr Dr. List ergänzte den Vortrag der October- 
sitzung, indem er die Vorgänge bei Metallge- 
winnungen mit Hilfe des galvanischen Stromes 
näher erklärte und durch Versuche erläuterte. 

6) Sitzimg am 6. December. 

Anwesend: 23 Mitglieder, 8 Gäste. 

Nach vorgenommener Vorstandswahl für das Jahr 1893 
schilderte Herr Oberrealschullehrer Dr. Mertens „das 
Thierleben in Wasserleitungen" und knüpfte daran 
Betrachtungen über das massenhafte Absterben der Wasser- 
leitungsbewohner Hamburgs während des letzten Sommers. 

Herr Dr. Grünhut besprach vom hygieinischen und 
chemischen Standpunkte aus „die Beschaffenheit des 
Eibwassers", wies auf die Ursachen des starken Salz- 
gehaltes desselben bei Magdeburg hin und erörterte die 
Möglichkeiten der Abhilfe hiergegen. 



W^ährend des Sommers wurden gemeinschaftliche 
W^anderuugen nach dem Kotheuhorn unternommen, um das 
Vorwärtsschreiten der Vegetation und des Thierlebens da- 
selbst während der einzelnen Monate zu beobachten. Zu 
Ausflügen in die weitere Umgebung Magdeburgs kam es 
nicht, da die drohende Choleragefahr den ursprünglich be- 
absichtigten Besuch des Harzes hinderte. 



II. 

Mitglieder und Vorstand. 

Am 1. Januar 18ü2 zählte der Verein 181) Mitglieder; 
durch Tod und Verzug schieden im Laufe des Jahres 
17 Mitglieder aus ; neu aufgenommen wurden 30 Mitglieder, 
so dass sich die Zahl derselben am Schlüsse des Berichts- 
jahres auf 202 belief. 

Unter den durch den Tod dem Vereine Entrissenen 
ist auch einer der Mitbegründer und eifrigsten Förderer 
desselben, der Herr Stadtrath a. D, Adolf Assmann, zu 
beklagen. Schon frühzeitig durch seinen Sinn für Natur 
zu einem Freunde der Naturwissenschaften geworden, er- 
griff er freudig die im Jahre 1869 durch einen kleinen 
Kreis von befreundeten Männern gebotene Gelegenheit, mit 
diesen in Magdeburg einen naturwissenschaftlichen Verein 
zu gründen, der das Interesse für Natur und deren Studium 
in den Mauern unserer Stadt beleben und weiter entwickeln 
sollte. Seiner Charakteranlage entsprach es nicht müssig 
zuzuschauen, wo helfend eingetreten werden konnte. Daher 
nahm er sich besonders der aus winzigsten Anfängen ent- 
standenen naturwissenschaftlichen Sammlungen an, die er 
mit aufopfernder Hingebung zu ordnen und zu vermehren 
verstand. Durch seine engen Beziehungen zu den Ver- 
waltuugskörperschaften der Stadt gelang es ihm, anfangs 
einen städtischen jährlichen Zuschuss von 300 Mk., 
später 1000 Mk. zur Verwaltung des Museums zu erwirken, 
so dass neben der Erhaltung des Vorhandenen und Zu- 
richtung des Neuzugehenden auch kleinere Ankäufe ge- 
macht werden konnten. Durch unermüdliche Ausdauer er- 
möglichte er, unterstützt von fachkundigen Freunden und 
Mitarbeitern, die Sammlungen so zu vergrössern, dass sie 
mit Kecht als ein naturwissenschaftliches Museum be- 
zeichnet werden konnten. Der sich immer mehr steigernde 
Besuch derselben gab den besten Massstab für die fort- 
schreitende Vervollkommnung. Es war daher tief zu be- 



— 280 — 

klagen, dass dieser verdiente Vorsteher des Museums aus 
privaten Rücksichten sein Amt niederlegte und bald darauf 
nach Berlin übersiedelte. Die Ernennung zum Ehrenmit- 
gliede bewies ihm den mit Recht gezollten Dank und sollte 
ihn auch fernerhin mit dem Vereine verknüpfen. Nach 
einigen Jahren wieder in seine Vaterstadt zurückgekehrt, 
bewies er auch ausseramtlich dem Museum und Vereine 
sein regstes Interesse und fehlte fast nie bei einer Sitzung 
oder Exkursion. Rüstig sahen wir ihn noch in die Sommer- 
frische gehen; um so niederschlagender wirkte die plötz- 
liche Kunde, dass das allseits geliebte Ehrenmitglied an 
einem zwar längst vorhandenen, aber latent gebliebenen 
Herzleiden am 24. August 1892 zu Elmen aus dem Leben 
geschieden sei. Der aufrichtigen Trauer gab die nächste 
Vereinsversammlung durch den Mund ihres Vorsitzenden 
beredten Ausdruck, auch wurde auf Antrag der Herren 
Kaufmann Meyer und Brunner beschlossen, das Andenken 
des verdienstvollen Mitgliedes durch Aufstellung seines 
Bildnisses in seinem Lieblingsraume, dem Museum, dauernd 
zu ehren. 

Bei der im December 1891 stattgefundenen Vorstands- 
wahl war der schon 10 Jahre an der Spitze des Vereins 
stehende Herr Fabrikant König wieder zum ersten Vor- 
sitzenden gewählt worden; Gesundheitsrücksichten nüthigten 
ihn jedoch schon im Januar sein arbeitsreiches Amt nieder- 
zulegen. Da es nun nicht gut schien, mit der Neuwahl 
bis zum Ende des Jahres zu warten, so wurde im Februar 
zu einer Ersatzwahl geschritten und Herr Rector Dr. Hintz- 
mann in dieses Amt gewählt; der bisherige zweite Vor- 
sitzende, Herr Oberlehrer Dr. Danckwortt, lehnte das Ein- 
treten in diese Stelle von vornherein dankend ab. Zur 
Ergänzung des Vorstandes auf seine volle Mitgliederzahl 
wurde Herr Architekt Mesch neu hinzugewählt. Herr 
Fabrikant König wurde in Würdigung seiner Verdienste 
um den Verein zum Ehrenmitgliede desselben ernannt. 



— 281 — 

Im December 1892 fand die Vorstandswahl für 1893 
statt, in welcher die im Amte befindlichen Mitglieder 
■wiedergewählt wurden. Für den während des Jahres aus- 
geschiedenen Herrn Kaufmann Messmer wurde der König- 
liche Baurath Herr Bauer zugewählt. 

Vorstand für 1893. 
Director Dr. E. Hintzmann, Vorsitzender. 
Prof. Dr. 0. Danckwortt, stellv. Vorsitzender. 
Oberlehrer 0. Walter, Schriftführer. 
Kaufmann Job. Brunner, Rendant. 
Königl. Baurath F. W. Bauer, Vorsteher des Museums. 
Dr. phil. L. Grünhut. 
Architekt und Maurermeister W. Mesch. 
Prof. Dr. A. Schreiber, Ehrenmitglied des Vorstandes. 

Ehrenmitglieder des Vereins: 
Realgymnasialdirector Prof Dr. Ad. Hochheim in Brandenburg a./H. 
Fabrikant W. König, hier, Breiteweg 1. 



Alphabetisches Verzeichniss der Mitglieder 
am Ende des Jahres 1892. 



Ahrend, Heinr., Oberrealschul- 
lehrer. 

Albert, Friedrich, Bankier. 

A 1 e n f e d , Eugen, Bankier. 

Arnold, Otto, Stadtrath. 

Aufrecht, Emanuel, Sanitäts- 
rath, Dr. med. 

B a e n s c h , Emanuel, Buch- 
druckereibesitzer. 

V. Bauchet, Max , Eisenbahn- 
secretair. 

Bärge, R, Dr. phil., Salbke. 

Bauer, F. W., Königl. Baurath. 

Bauermeister, Friedrich, Kfm. 

Becker, Albert, Mechaniker. 

B e n e c k e , Fr., Rector. 

Beilschmidt, Ludwig, Standes- 
beamter. 



B e n d i X , Pius, Zahnarzt. 
Bennewitz, Gustav, Com- 

merzienrath. 
Berger, TV., jr., Uhrmacher. 
Bette, Franz, Sanitätsrath, 

Dr. med. 
Beyer, Otto, Maurer- und 

Zimmermeister. 
Blath, Ludw., Prof, Dr. phil. 
B 1 e 1 1 , Carl, Apothekenbesitzer. 
Blume, Herm., Oberlehrer. 
B e c k , Ose, Sanitätsrath, Dr.med. 
Boeckelmann, August, 

Fabrikant, Ottersleben. 
Boettichcr, Friedr., Geh. Reg.- 

Rath, Oberbürgermeister. 
Bornemann, Gustav, Kaufmann. 
Brandt, Robert, Kaufmann. 



— 282 — 



Bräutigam, Georg, Kaufmann. 

Uren necke, Hans, Dr. med., 
Süden bürg. 

Brock hoff, Franz, Dr. phil. 

Brüller, Herrn., Lelirer, Buckaii. 

Brunn er, Hermann, Kaufmann. 

B r u n n e r , Johannes, Kaufmann. 

C o m t e , Charles Kaufmann, 

Danckwortt, Albert, Dr. phil., 
Oberlelirer. 

Danckwortt, Otto, Prof. 
Dr. phil. 

D i 1 1 m a r , Regierungsrath. 

Doering, Otto, Rector. 

Dresel, Hugo, Kaufmann. 

D s c h e n f z i g , Theodor, Kaufm. 

Dürre, Max, Dr. phil., Stadtrath, 
Mitglied des Abgeordneten- 
hauses, Sudenburg. 

Duvigneau, Otto, Stadtrath. 

Ehle, Carl, Rector, Quedlinbui-g. 

Engel, Paul, Fabrikant. 

Eschen hagen, Dr. med. 

F a b e r , Alexander, Buch- 
druckereibesitzer. 

Favreau, Albert, Director. 

Favreau,P., Maschiuenbaueleve. 

F e 1 1 m e r , Robert, Postdirector, 
Hauptmann a. D. 

Ferchland, R., f'abrikaut. 

Fischer, Eduard, Dr. med. 

Focke, Herm., Dr. phil., Apo- 
thekenbesitzer. 

Foelsche, Heinrich, jr., Kauf- 
mann, Sudenburg. 

Friedeberg, Gottfr., Kaufmann. 

Fritsch, von, Freiherr, ord. 
Professor an der Universität 
Halle a. S. 

Fritze, Werner, Kaufmann. 

F r i t z s c h e , Carl , Dr. med., 
Generalarzt. 



Fritzsche, Johannes, Director. 
F u n c k , Reinhold, Kaufmann. 
G a n t z e r , Richard, Prof, Dr. phil. 
Gaul, Julius, Oberrealschullehrer. 
Goedel, Dr. med., Altenwed- 

dingen. 
Goedicke, Hermann, Bankier. 
Golden, Thomas, Director. 
Grässncr, Bergassessor, 

Schönebeck. 
Grosse, Ernst. Director. 
Grünhut, L., Dr. phil. 
Gruson, Hermann, Geh. Com- 

merzieurath, Buckau. 
Grützmacher, August, Dr. phil., 

Astronom. 
Günzer, Otto, Dr. phil , Oberlehr. 
Haberland, August, Amts- 
gericht srath. 
Habs, Hermann, Bildhauer. 
Hagedorn, W., Dr. med., Geh. 

Sanitütsrath. 
Hagemann, Carl, Rector. 
H a r t m a n n , Fr. , Kaufmann, 

Sudenburg. 
Hartmann, Gustav, Dr. phil., 

Medicinal- Assessor. 
Hauswaldt, Albert, Fabrikant, 

Neustadt. 
Hauswaldt, Hans, Fabrikant, 

Neustadt. 
Hauswaldt. Wilhelm, Fabrikant, 

Stadtrath. 
Hellmuth, Ernst, Rector. 
Henckel, Heinrich, Kaufmann. 
Henneberg, Hermann, Dr. med. 
H e n n i g e , Paul, Ritterguts- 
besitzer, Neustadt. 
Herbst, Wilh., Dr. phil., Oberlehr. 
Hesse, Wilh., Apothekenbesitzer. 
Hintzmann, Ernst, Dr. phil., 

Director der Realschule. 



— 283 — 



Hirsch, Max, Dr., Medicinalrath. 
Hochheim, Adolf, Dr. phil., 
Professor, Realgymnasial-Dir. 
Brandenburg a. d. Havel. 
Ho ff mann, Ludwig, Oberlehrer. 
Hollstein, S., Versicherungs- 

beamter. 
Hübner, Carl, Kaufmann. 
H ü b e n e r , Ernst, Kaufmann. 
Jansen, Hans, Stadtbauinspector . 
Jacoby, Albert, Dr. med. 
Jesurun, Dr. phil., Salbke. 
Kaempf, A., Dr. med. 
Kaempfe, Ernst, Rentier. 
Kaesebier, Robert Kaufmann. 
K a e s 6 1 i t z , Udo, Bureauvor- 
steher. 
Kalbow, August, Maurermeister. 
Kampe, Fritz, Oberrealschul- 
lehrer. 
Keim, Carl, Dr. med., Sanitäts- 

rath. 
Kessler, Otto, Kaufmann. 
Kerckow, G., Fabrikant, 

Buckau. 
Klotz , Karl Emil, Buchhändler. 
Koch, Max, stud. med., Freiburg 

in Baden. 
Kühne, Gustav, Kaufmann. 
König, Julius, Fabrikant, Suden- 

burg. 
König, Wilhelm, Fabrikant. 
Korn, C, Lehrer. 
Krause, Bernhard, Oberlehrer. 
Kretschmann,Reinh.,Stadtrath. 
Kreyenberg, M., stud. med. 
Kr ö n i n g , Ferdinand,Mechanikus. 
Krüger, Richard, Zahnarzt. 
Kuntze, Heinrich, Postsecretär. 
Lach, Director. 

Lieb au, HeiTuann, Fabrikant, 
Sudenburg. 



L i p p e r t , Lorenz, Kaufmann. 
List, R., Dr. phil., Salbke. 
Listemann, Conrad, General- 

Director. 
Lochte, H., Dr.jur., Justizrath. 
Loof, Ferdmand, Kaufmann. 
Matthes, Gustav, Oberlehrer, 
von Mehely, Ludwig, Professor, 

Kronstadt in Ungarn. 
Meissner, Gustav, Kaufmann. 
Menzel, Paul, Kaufmann. 
Mertens, August, Dr. phil., 

Oberrealschullehrer. 
Mesch, Wilh., Architekt und 

Maurermeister. 
M e s 8 m e r , Hermann. Kaufmann, 
Meyer, Carl, Grubenbesitzer und 

Kaufmann. 
M i n n e r , Hermann, Mathematiker. 
Mittelst rass, Carl, Kaufmann. 
Moeller, Richard, Dr. med. 
Moeries, Gustav, Dr. phil., 

Chemiker. 
Müller, L. J., Insenieur. 
Münchhoff, II, Gäterin^pector. 
Mummenthey, L., Fartikulier. 
Nathusius, Moritz, Halle a. S. 
Nathan, Max, Kaufmann. 
Nelson, Rudolf, Oberlehrer. 
Neubauer, F. A., Geheimer 

Commerzienrath. 
N e u m a n n , Fritz, Lehrer. 
'Neuschäfer, Anton, Kaufmann. 
N i e m a n n , Ernst, Dr. med., 

Sanitätsrath. 
Nie mann, W., Buchhändltr. 
Nirrnheim, Philipp, Kaufmann. 
Ochs, Paul, Reg.-Baumeister. 
Oehmichen, Richard, Dr. phil, 

Chemiker. 
Paul, Wilhelm, Kaufmann. 
Petersen, Louis F., Kaufmann. 



— 284 — 



Pctschke, August, Kaufmann. 
Plettenberg, Paul, Dr. phil., 

Oberlehrer. 
P 1 o c k , Albert, Kaufmann. 

Pohl, Robert, Dr. med. 

Poramer, Max, Kaufmann. 

Potinecke, 0., Kaufmann, 
Sudenburg. 

P o t i n i ck e , Richard, Dr. phil., 
Oberrealschullehrer. 

Rabe, Max, Kaufmann. 

Reidemeister, Emil, Prof., 
Dr. phil. 

Riemer, Carl, Werkführer. 

Richter, Herrn., Kaufmann. 

Ruhberg, Carl, Kaufmann. 

Rumpf, Richard , Fabrikant, 
Bleiche. 

Saueracker, Gustav, Kaufmann. 

Schindler, C. W., Photograph, 
Buckau. 

Schmid, Ernst, Kaufmann. 

Schmidt, Ernst, Regierungsrath. 

Schmidt, Gustav, Fabrikant. 

Schmidt, Paul, Fabrikant, 
Westerhüsen. 

Schneid ew in, Ernst, Brauerei- 
besitzer, Buckau. 

Seh oll wer, Eugen, Gymnasial- 
lehrer. 

Scholz, Conrad, Ingenieur. 

Schreiber, Andr., Dr. phil., 
Professor. 

Schröter , Ludwig, Kaufmann. 

Schüssler, Adolf, Kaufmann. 

Schulz, Hugo, Dr. phil. 

Schulze, Herm., Realgymnasial- 
lehrer. 



Schulze, 0., stud. med. , 

Freiburg i. Baden. 
Schwieger, Heinrich, Lehrer 
Serno, Adolf, Kaufmann. 

Singer, Simon, Kaufmann. 

Skalweit, Aug., Regierungs- 
baurath. 

Steffens, Herm., Tischlermstr. 

Stock, Dr. phil., Salbke. 

Strauch, Wilh., Regierungs- 
sekretär. 

Süssenguth, Herrn., Dr. phil, 

Thorn, Emil, Kaufmann. 

Tiemann, Adolf, Kaufmann. 

Toepffer, Richard, Ingenieur. 

Trenckmann, Bruno, Kaufmann. 

Verein für Alterthums- 
künde, Kreis Jerichow I. 

V est er, Richard, Kaufmann. 

Wall bäum, Wilh., Brauerei- 
besitzer. 

Walter, Otto, Oberlehrer. 

Walther, Ernst, Agent. 

Weibe zahl, Hugo, Kaufmann. 

W e r n e c k e , Julius, Kaufmann. 

Wernecke, Gustav, Brauerei- 
besitzer, Neustadt. 

Werner, Franz, Dr phil., Wien. 

Witte, E., Oberrealschullehrer. 

Wolterstorff, Wilhelm,Dr.phil., 
Stadtschulrath. 

Wolterstorff, Willi, Konser- 
vator des naturw. Museums. 

Wolterstorff, H., Dr. phil, 
Ballenstedt a. H. 

Wolterstorff, Richard, 
Dr. phil. 

Wüste, Jul., Kaufmann. 



— 285 — 
III. 

Cassa- Conto. 

Einnahmen: 

Bestand M 817.29 

Beiträge von 20S iJitgliedern „ 1045. — 

'j(> 1862.29 
Ansgalien: 

Honorare Jb 80. — 

Saalmietlie „ 63. — 

Druckkosten „ 515. — 

Blumenschmuck bei dem Begräbniss unseres Ehren- 
mitgliedes des Herrn Stadtrath Assmann . . „ 20. — 

Kleine Auslagen „ 89.35 

Cassa-Bestand „ 1094.94 

Ji 1862.29 

Es sei hierl ei noch ausdrücklich erwähnt, dass der Beitrag von 
^Ä 2000, welchen die Stadt Magdeburg in dankenswerther und wohl 
angebrachter Weise zur Erhaltung und Vervollkommnung des 
Museums spendet, nicht dem naturwissenschaftlichen Vereine selbst 
zu Gute kommt, sondern dass derselbe nur Zwecken des Museums 
dient und seine eigene Verwaltung durch dessen Vorsteher erhält. 
Magdeburg, den 31. December 1892. 

Johannes Brunner, 
Rendant. 



IV. 

Museum. 

Die Verwaltung des Museums ist in dem verflossenen 
Jahre einer durchgreifenden Umänderung unterzogen worden. 
Seit vielen Jahren lag dieselbe einzig und allein in der 
Hand des Museumsvorstehers und dessen wissenschaftlichen 
Beirathes (in der Person des Bibliothekars). Nach dem 
Scheiden des Herrn Stadtrath a. D. Assmann aus der 
Stellung als Museumsvorsteher ging das Amt in unverkürzter 
Machtvollkommenheit auf den von Herrn Stadtrath Assmann 
vorgeschlagenen Nachfolger, Herrn Kaufmann Messmer, über. 
Als dieser nach zweijähriger treuer Verwaltung, für welche 



— 286 — 

ihm an dieser Stelle noch der gebührende Dank ausgesprochen 
sein mag, sich aus privaten Rücksichten zum Rücktritt 
veranlasst sah, übernahm der Vorsitzende des Vereines 
Herr Direktor Dr. Hintzmann zugleich auch die Leitung 
des Museums, damit eine innigere Verknüpfung des Museums 
mit dem Vereine hergestellt vrerde. Gleichzeitig schlug er eine 
Aenderung der bisherigen Organisation vor. Die Gesammtheit 
der Sammlungen mit voller Sachkenntniss zu verwalten 
übersteigt die Kräfte eines Einzelnen, und wenn auch die 
tüchtige Kraft des Konservators Herrn Wolterstorfif sich 
gänzlich dem Museum widmen kann, so ist die Menge der zu 
leistenden Arbeit doch eine so grosse, dass es erwünscht war, 
noch mehrere andere Herren für die Museumsthätigkeit zu 
gewännen und festzuhalten. Da sich nun auch solche wissen- 
schaftlich geschulten Herren in dankenswerther Weise zur 
Mitarbeit bereit erklärt hatten, so erschien es rathsam, diese 
Fachkenner als Leiter einer der Abtheilungen des Museums 
zu erwählen, um so eine grössere Gleichmässigkeit im Fort- 
schreiten der einzelnen Zweige der Sammlungen zu erstreben. 
Diese Herren sollten den in allen Museums-Angelegenheiten 
zu befragenden Museums-Ausschuss bilden. Es traten in den 
Ausschuss ein: 

Herr Regierungsrath E. Schmidt als Leiter der Ab- 
theilung für Mineralogie; 

Herr Oberrealschullehrer Dr. Mertens als Leiter der 
Abtheilung für Zoologie; 

Herr Konservator W. Wolterstorff als Leiter der 
Abtheilung für Geologie; 

Herr Oberlehrer Walter als Vorsteher der Bibliothek. 
Den Vorsitz dieses Ausschusses übernahm Herr Director 
Dr. Hintzmann. 

In dieser Zusammensetzung waltete der Ausschuss 
fördernd und segensreich seines Amtes. Ln November 
vollzog sich ein Personenwechsel in der Abtheilung für 
Mineralogie, indem an die Stelle des Herrn Regierungsrathes 



287 



E. Schmidt der Herr Oberrealschullehrer Ähren d eintrat. 
Das Ausscheiden des Herrn Kegierungsrathes erfolgte zum 
grossen Bedauern des Ausschusses und Vereins-Vorstandes, 
da seine unermüdliche Thätigkeit ganz ausserordentlich zur 
Ordnung, Verschönerung und Vermehrung der raineralogischen 
Sammlungen beigetragen hatte; der aufrichtigste Dank sei 
hier seinem Wirken ausgesprochen. 

In bereitwilligster Weise unterstützten besonders den 
Konservator Herrn Wolterstorff, der sich auch der zoologischen 
Abtheilung mit annahm, eine Anzahl junger Freunde, Stu- 
denten und Schüler, so die Herren H. Breddin, P. Fiedler, 
Gebr. Henneberg, M. Koch, G. Krebs, M. Kreyen- 
berg, G. Nathusius, E. Reichardt, E. Reinelt u.a., 
diesen herzlichen Dank auszusprechen, ist eine angenehme 
Pflicht, die hiermit gern erfüllt wird. Mögen dieselben auch 
weiterhin treu an der Förderung der Museumsarbeiten mit- 
helfen. 

W^as das Gedeihen der Sammlungen selbst anbetrifft, 
so kann auch auf das verflossene Jahr mit Genugthuung 
zurückgeblickt werden. 

Denn obschon die Rücksicht auf den in Aussicht 
stehenden Umzug, die stete Ungewissheit über den Termin 
desselben, die hierdurch bedingten Einschränkungen und 
Verzögerungen in der Neuanschaffung von Schränken, 
Sammlungen und dergl., die ungünstigen Raumverhält- 
nisse und die stets zunehmende Platznoth der eigentlichen 
Ordnungsarbeit oftmals hemmend in den Weg traten, so 
haben doch diese vorübergehenden Schwierigkeiten dem 
Gedeihen unserer naturwissenschaftlichen Sammlungen im 
Ganzen keinen Eintrag gethan. Vielmehr hatte sich das 
Museum wieder der regsten Förderung zu erfreuen, die sich 
in grossen und werthvollen Schenkungen und einer rührigen 
Betheiligung an den Museumsarbeiten kund gab. Auch 
zeugte der lebhafte Besuch für die immer mehr wachsende 
Beachtung und Werthschätzung der naturwissenschaftlichen 
Sammlungen. 



— 288 — 

Unter den Schenkungen ist die hochherzige Ueber- 
weisung einer umfangreichen und kostbaren, an prächtigen 
Schaustücken reichen Mineraliensammlung seitens des Herrn 
Kaufmann Gustav Schmidt besonders hervorzuheben, 
ferner sei aus der langen Reihe anderer Zuwendungen noch 
eine grosse Sammlung Nordseemollusken und dergl. von den 
Geschwistern de Haan auf Borkum, eine CoUektion theil- 
weise sehr seltener Versteinerungen aus Sildeuropa von Herrn 
Dr. P. Oppenheim in Berlin erwähnt. Herr Gärtner 
Reiche -Herrenkrug schenkte zahlreiche Vögel und kleine 
Säugethiere, von den Herren G. A. Boul enger in London» 
Prof. V. Mehely in Kronstadt, Dr. Werner in Wien er- 
hielten wir geschenk- und tauschweise siebenbürgische, süd- 
europäische, nordafrikanische und exotische Reptilien und 
Amphibien in grosser Anzahl. 

Die im Vorjahre eingeführten naturwissenschaftlichen 
Ausflüge mit Schülern und Studenten erfreuten sich wieder 
lebhafter Betheiligung und lieferten reiche Ausbeute. Vor 
Allem aber förderte der Grund und Boden der Stadt Mag- 
deburg selbst bei den Ausschachtungen im Nordfrontgelände 
und im Neustädter Hafen zahlreiche Funde zu Tage, welche 
selbstredend Eigenthum der Stadt blieben, aber im Museum 
zur Aufstellung gelangten. 

Das Verzeichniss der neuen Zugänge im Jahre 1892 
wird, vereint mit dem Berichte über 1893, erst im nächsten 
Jahresbericht zum Abdruck gelangen. 



V. 

Satzungen. 

§. 1. 

Der Zweck des Vereins. 
Der naturwissenschaftliche Verein in Magdeburg hat den Zweck, 
die naturwissenschaftlichen Studien unter besonderer Berücksichtigung 
der örtlichen Verhältnisse zu pflegen und in weiteren Kreisen zu be- 
leben, für die in Magdeburg und Umgegend gemachten Beobachtungen 



289 



aus den verschiedenen Gebieten der Naturwissenschaft einen Sammel- 
punkt zu bilden und durch diese Bestrebungen, sowie durch wissen- 
schaftliche Beleuchtung der einschlägigen Praxis die Handels- und 
Gewerbe - Interessen der Stadt und des Landes nach Kräften zu 
fördern. 

§. 2. 
Die Sitzungen. 
Der Verein tritt zu diesem Ende in monatlichen Sitzungen zu- 
sammen, in welchen Vorträge über naturwissenschaftliche Gegenstände 
gehalten , Mittheilungen über den Stand und die Fortschritte der 
einzelnen naturwissenschaftlichen Wissenszweige sowie über angestellte 
Beobachtungen und gewonnene Erfahrungen gemacht, interessante 
Naturerzeugnisse vorgelegt und Fragen aus dem Bereiche der Wissen- 
schaft oder des Handels und gewerblichen Lebens erörtert werden. 

§. 3. 
Die Sectionen. 

Zur gründlichen Behandlung solcher Fragen, welche ein tieferes 
Eindringen in die Einzelheiten eines besonderen Wissenszweiges 
erfordern, vereinigen sich die Mitglieder je nach ihrer Neigung zu 
Sectionen, welche ihre Organisation nach freier Selbstbestimmung 
gestalten. Die auf diesem Wege gewonnenen Ergebnisse werden in 
den allgemeinen Sitzungen zur Mittheilung gebracht. 

§. 4. 
Die Mitgliedschaft. 
Mitglied kann jeder werden, der sich für die Zwecke des Vereins 
interessirt und dem Vorstande durch ein Mitglied vorgeschlagen wird. 
Der Vorgeschlagene wird in der nächsten Sitzung als solcher genannt 
und in der folgenden, falls nicht ein begründeter Einspruch geschehen 
ist, als Mitglied aufgenommen. Wird in Folge des Einspruches Ab- 
stimmung verlangt, so findet die Aufnahme nur mit zwei Drittel 
Mehrheit der anwesenden Stimmen statt. Auf Vorschlag des Vor- 
standes können durch die Veriammlung Ehrenmitglieder des Vereins 
ernannt werden. 

§.5. 
Der Beitrag. 
Zur Bestreitung der Ausgaben des Vereins werden von jedem 
Mitgliede jährlich fünf Mark im Laufe des ersten Vierteljahres durch 
den Kassirer erhoben. 

19 



— 290 — 

§. 6. 

Gäste. 

Zur Einfiilirung von Gästen in die Sitzungen ist erforderlich, dass 

das einführende Mitglied sie dem Vorsitzenden vorstellt. Vorträge und 

Mittheilungen werden von den Gästen mit Dank entgegengenommen. 

§. 7. 
Der Vorstand. 
Der Verein wählt durch einfache Stimmenmehrheit der anwesenden 
Mitglieder mittelst Stimmzettel in der Decembersitzimg jeden Jahres 
einen Vorstand, bestehend aus 1) einem Vorsitzenden und 2) dessen 
Stellvertreter, denen die Einladungen zu den Sitzungen, die Bestimmung 
der Tagesordnung, die Leitung der Verhandlungen und die Ver- 
tretung des Vereines nach aussen obliegt; ausserdem fünf Mitglieder, 
deren Befugnisse der Vorstand unter sich feststellt. 

§. 8. 
Pflichten des Vorstandes, 
Ueber die Verhältnisse der dem Vereine gehörigen Bibliothek 
und Sammlungen, sowie der Kasse wird jährlich ein Rechenschafts- 
bericht abgelegt. Nach Einsicht der Kassenverhältnisse durch zwei 
von der Versammlung gewählte Vertrauensmänner wird auf deren 
Bericht hin vom Vereine Entlastung ertheilt. 

§. 9. 
"Wissenschaftliche Veröflfentli jhungen. 
Der Verein giebt ein Jahrbuch heraus, welches sämmtlichen Mit- 
gliedern zugeht und zum Austausch mit auswärtigen wissenschaftlichen 
Vereinen dient. Die dafür eingehenden Schriften werden der 
Bibliothek einverleibt. 

§. 10. 

Austritt aus dem Vereine. 

Der Austritt eines Mitgliedes aus dem Vereine kann nur durch 

schriftliche Mittheilung an den Vorsitzenden geschehen, jedoch ist der 

Austretende verpflichtet, den Beitrag für das laufende Jahr noch voll 

zu entrichten. 

§. 11. 
Abänderung der Satzungen. 
Anträge auf Abänderung der Satzungen, welche von mindestens 
zehn Mitgliedern unterstützt werden, sind zunächst dem Vorsitzenden 
schriftlich anzumelden, von diesem den Mitgliedern in der nächsten 
allgemeinen Sitzung mitzutheilen und in der folgenden zur Berathung 
und Abstimmung zu bringen. Die Beschlussfassung erfolgt durch 
eine Mehrheit von mindestens zwei Dritteln der Stimmen der An- 
wesenden. 



— 291 — 
VI. 

Bibliothek. 

Die mit dem naturwissenschaftlichen Museum vereinigte 
Bibliothek ist durch den regen Schriftenaustausch wiederum 
beträchtlich bereichert worden (siehe VII), auch sind neue 
Austauschbeziehungen angeknüpft worden. Das Ausschreiben 
der in den einlaufenden Schriften enthaltenen Arbeiten und 
Aufsätze auf besondere Zettel und die Vereinigung der 
letzteren zu einem Kataloge wurde fortgesetzt. Es wurden 
angekauft : 

Cohen u. Deecke: lieber Geschiebe aus Neu- Vorpommern und 

Rügen. 
L e u n i 8 : Synopsis der drei Naturreiche. 

Zoologie. Bd. II, 2. 
Hof mann: Die Eaupen der Schmetterlinge Europas. 

Liefg. 1-20. 
Hof mann: Die Schmetterlinge Europas. 

Liefg. 17 bis Ende. 
Kobelt: Prodomus faunae Molluscorum testaceorum maria europaea 

inhabitantium. Fase. 1 — 4, 
B 1 a a s : Katechismus der ^etrographie. 
Dürigen: Deutschlands Amphibien u. Reptilien. 

Liefg. 1—8. 
V. K o b e 1 1 : Tafeln zur Bestimmung der Mineralien mittels einfacher 

chemischer Versuche auf trockenem und nassem Wege. 
Weissbach: Tabellen zur Bestimmung der Mineralien mittels 

äusserer Kennzeichen. 
H i n t z e : Handbuch der Mineralogie. 

Heft 6, 
Buffon: Naturgeschichte der vierfiissigen Thiere. 
V. Bomsdorff: Neueste Specialkarte vom Harz. 
Zeitschriften: Gaea, Jahrgang 1892. 

Prometheus, III. Jahrgang. 

Blätter für Aquarien- und Terrarienfreunde, III. Band. 

Zoologischer Anzeiger, No. 380—408. 



19* 



— 292 — 
VII. 

Verzeiehnlss der Vereine und 
Körperschaften, 

mit denen der Verein im Austauschverkehre steht, sowie der 
im Jahre 1892 von denselben eingegangenen Schriften: 

Augsburg: Naturwissenschaftlicher Verein für Schwaben und 
Neuburg (a V.) 
Bericht. 
Alteuburg: Naturforschende Gesellschaft des Osterlandes. 
Annaberg: Annaberg-Buchholzer Verein für Naturkunde. 
Aussig a. E. : Naturwissenschaftlicher Verein. 
Baden b. Wien : Gesellschaft zur Verbreitung wissenschaftlicher 

Kenntnisse. 
Bamberg: Naturforschende Gesellschaft. 
Basel: Naturforschende Gesellschaft. 
Band IX., Heft 2. 1891. 
Berlin: Königliche Akademie der Wissenschaften. 
Sitzungsberichte für 1892. 41—53. 
do. Botanischer Verein der Provinz Brandenburg. 

Verhandlungen. 
do. Deutsche geologische Gesellschaft. 

Zeitschrift. 43. Band, Heft 2—4. 
44. Band, Heft 1 u. 3. 
do. Gesellschaft naturforschender Freunde. 

Sitzungsberichte. Jahrgang 1891. 
do. „Naturae novitates." Bibliographie neuer Erscheinungen 
aller Länder auf dem Gebiete der Naturgeschichte und der 
exacten Wissenschaften. 

13. Jahrgang 1891. No. 4-24. 

14. „ 1892. No. 1—17. 
do. Polytechnische Gesellschaft. 

Polytechnisches Centralblatt. HI. Jahrgang No. 14. 

IV. „ No. 2-4, 6-18. 
V. „ No. 3, 6-10, 13, 

Bern: Naturforschende Gesellschaft. 
Mittheilungen. 

Bistritz: Jahresbericht der Gewerbeschule. 
Bericht. 



— 293 — 

Bonn: Naturhistorischer Verein der preussischen Rheinlande, West- 
falens und des Regierungsbezirks Osnabrück. 
Jahrgang 47. 2. Hälfte 1890. 

48. 1891. 

49. 1. Hälfte 1892. 
Braunschweig: Verein für Naturwissenschaft. 

Jahresbericht. 

Ueber die geologischen Verhältnisse des Untergrundes 
der Städte Braunschweig und "Wolfenbüttel mit 
besonderer Rücksicht auf die Wasser- Versorgung. 
Vortrag von Prof. Dr. Kloos. 
Bremen: Verein für Naturwissenschaft. 

Abhandlungen. Band XH., 1—2. 1892. 
Breslau: Schlesiscbe Gesellschaft für vaterländische Cultur. 

Jahresbericht 48. 1890 u. Ergänzungsheft. 
Brunn: Kaiserl. Königl. Mährisch - Schlesische Gesellschaft zur Be- 
förderung des Ackerbaues, der Natur- und Landeskunde. 
71. Jahrgang. 1891. 
do. Naturforschender Verein. 

1) Bericht der meteorologischen Commission des Vereins. 
No. 9. 1889. 

2) Verhandlungen. 29. Band. 1890. 
Bruxelles: Academie royal des sciences des lettres et des beaux 

arts de ßelgique. 

1) Annuaire. 

2) Bulletin. 

Budapest: Königlich ungarische geologische Gesellschaft. 

1) Geolog. Mittheilungen. Zeitschr. 1891. Heft 8—12. 

1892. „ 3-4,11-12. 

2) „Histoire naturelle des Gryllides de Hongrie" von Gyula. 
„J. S. V. Petenyi, der Begründer der wissenschaft- 
lichen Ornithologie in Ungarn" von Hermann. 

do. Königlich ungarische geologische Anstalt. 

1) Jahresbericht für 1890. 

2) Mittheilungen aus dem Jahrbuche. 
" 9. Band. Heft 6. 

10. . „ 1-2. 

do. „Mathematisch u. naturwissenschaftliche Berichte aus Ungarn 
Band VIII— IX. 1889—1891. 
Buenos Aires: Academia nacional de ciencias. 
Boletin. Tomo X. Entrega 4. 1«89. 
, XI. „4. 1890. 



294 



Cambridge: Philosophical Society. 

Proceedings. Vol. VII. Part. 5. 
Chapel Hill (Nord Carolina): Elisha Mitchell Scientific Society. 

Journal 1891. VIII, 1. 

Chemnitz: Naturwissenschaftliche Gesellschaft. 
Berichte. 

Christiania: Königliche Gesellschaft der Wissenschaften. 

1) Abhandlungen 1891. No. 1—10. 

2) Sitzungsbericht. 

3) Museumsbericht. 

Chur: Naturlorschende Gesellschaft Graubündens. 

Jahresbericht. 
Colmar: Sociöte d'histoire naturelle. 

Bulletin. Neue Folge. Band I. 1889/90. 
Cordoba (Argentinien): Academia nacional de ciencias. 

Boletin. 
D a n z i g : Naturforschende Gesellschaft. 

Schriften. Band 8, Heft 1. 1892 und Festschrift. 
Darmstadt: Verein für Erdkunde. 

Notizblatt. IV. Folge, Heft 12. 1891. 

„ 13. 1892. 

Davenport (Jowa): Academy of natural sciences. 

Proceedings. 
Donaueschingen: Verein für Geschichte und Naturgeschichte. 

Schriften. 
D r p a t : Naturforscher-Gesellschaft. 

1) Sitzungsberichte. 9. Band, Heft 3. 1891. 

2) Schriften. 10. „ „ 1. 1892. 

„Die Verwandtschaftsverhältnisse der Anthropoden" von 
Kennel. 
Dresden: Gesellschaft für Natur- und Heilkunde. 
Jahresbericht 1890/91. 
do. Naturwissenschaftliche Gesellschaft „Isis". 

Sitzungsberichte und Abhandlungen. Jahrgang 1890. 

Jahrgang 1891, Juli— December. 

D ü r k h e i m : „Pollichia", naturwissenschaftlicher Verein der Rheinpfalz. 

Jahresbericht. Festschrift 1892, 
Düsseldorf: Naturwissenschaftlicher Verein. 

Mittheilungen. Heft 1—2. 1887—1892. 
E 1 b e r f e 1 d : Naturwissenschaftlicher Verein. 
Jahresberichte. 



— 295 — 

Emden: Naturforschende Gesellschaft. 

Jahresbericht. 
Erlangen: Physikalisch -medicinische Societät. 
Sitzungsberichte. 24. Heft. 1892. 
Florenz: R. Istituto di studi superiori pratici e di perfezionamento. 

Publicazioni. 
Frankfurt a. M. : Senckcubergischc naturforschende Gesellschaft. 
Bericht 1892 und Katalog d. Batrachier - Sammlung im 
Museum 1892. 
do. Physikalischer Verein. 

Jahresbericht. 1889/90 und 18^0/91. 
Frankfurt a. 0.: Naturwissenschaftlicher Verein des Reg. -Bez. 
Frankfurt. 
„Helios". 9. Jahrgang. No. 11—12. 

10. „ No. 1—12. 

11. „ No. 1, 3. 
do. Societatum litterae. 

VI. Jahrgang. 1892. No. 1-2, 4—12. 
Frauenfeld: Thurgauische naturforschende Gesellschaft. 

Mittheilungen. X. Heft. 1892. 
Frei bürg i. B.: Naturforschende Gesellschaft. 

Berichte. 6. Band. Heft 1—4. 
Fulda: Verein für Naturkunde. 

Berichte. 
St. Gallen: Naturwissenschaftliche Gesellschaft. 

Bericht 1890/91. 
Gera: Gesellschaft von Freunden der Naturwissenschaften. 

Jahresbericht. 
G i e s s e n : Oberhessische Gesellschaft für Natur- und Heilkunde. 

Bericht. 
Görlitz: Naturforschende Gesellschaft. 

Abhandlungen, 
do. Oberlausitzische Gesellschaft der Wissenschaften. 

Neues lausitzisches Magazin. 
Graz: Akademischer naturwissenschaftlicher Verein. 

Jahresbericht. 
do. Naturwissenschaftlicher Verein für Steiermark. 

Mittheilungen. Jahrgang 1890. 
do. Verein der Aerzte in Steiermark. 

Mittheilungen. 
Greifswald: Naturwissenschaftlicher Verein für Neu - Vorpommern 
imd Rügen. 

Mittheilungen. 23. Jahrgang. 1891. 



296 



Oiistrow: Verein der Freunde der Naturgeschichte in Mecklenburg. 

1) Archiv. Jalirgang 45. Ib91. 

2) Die landeskundliche Littcratur über die Grossherzog- 
thiimer Mecklenburg. 1889. 

Halifax (Neuschottland): Nova Scotian Institute of natural science. 
Proccedings and transactions. II. Serie. Vol. I. Part. 1. 
1890/91. 
Halle S. : Naturwissenschaftlicher Verein für Sachsen und Thüringen. 
Zeitschrift. G4. Band. Heft 6. 
„ DO. „ „ 1 — 5. 

de. Königliches Oberbergamt. 

Production für Bergwerke, Salinen und Hütten d.es 
preussischen Staates im Jalu'e 1891. 
do. Verein für Erdkunde. 

Mittheilungen. 1891. 
do. Kaiserlich Leopoldinische Carolinische Deutsche Akademie 
der Naturforscher. 
„Leopoldina". Heft 27. No. 3—24. 

„ 28. No. 1—10, 19-22. 
Hamburg: Naturwissenschaftlicher Verein. 
Abhandlungen, 
do. Verein für naturwissenschaftliche Unterhaltung. 

Jahresbericht. Band VII. 1886-1890. 
Hanau: Wetteiauische Gesellschaft für die gesammte Naturkunde. 

Bericht. 
Hannover: Naturhistorische Gesellschaft. 

Jahresbericht. 40—41. 1889/91. 
do. Gesellschaft für Mikroskopie. 

Jahresbericht. 
Heidelberg: Naturhistorisch-medicinischer Verein. 

Verhandlungen. 4. Band. Heft 5. 
Helaingfors: Societas pro fauna et flora fennica. 

1) Acta. Vol. V, 1—2 und VHI. 

2) Meddelanden. 17.— 18. Heft. 1890-1892. 
Hermannstadt: Siebenbürgischer Verein für Naturwissenschaften. 

Verhandlungen und Mittheihmgen. 41. Jahrgang 1891. 
Jekaterinenburg: Socictö ouralienne d'amateurs des sciences 
naturelles. 
Bulletin. Tome XIII. Livr. 1. 
Innsbruck: Ferdinandeum für Tirol und Vorarlberg. 
Zeitschrift. III. Folge. Heft 35. 1891. 
„ 36. 1892. 



— 297 — 

Karlsruhe: Naturwissenschaftlicher Verein. 

Verhandlung'en. 
Kassel: Verein für Naturkunde. 

Bericht. 
Kiel: Naturwissenschaftlicher Verein für Schleswig-Holstein 
Schriften. Band VIII. Heft 2. 

„ IX. „ 1-2. 
Klagenfurt: Naturhistorisches Landesmuseum von Kärnten. 

Jahrbuch. 
Klausenburg: Sieben bürgischer Museumsverein. 

Medicinisch - naturwissenschaftliche Mittheilungen. 
1891 a. Medicinische Abtheilung I.— III. 
„ b. Naturwissenschaftliche Abtheilung I— III, 
Königsberg: Physikalisch-ökonomische Gesellschaft. 

Schriften. Jahrgang 32. 1891. 
Landshut (Baiern): Botanischer Verein. 

Bericht XII. 1890/91. 
Lausanne: Societe vaudoise des sciences naturelles. 

Vol. XXVII. No. 103-109. 
Leipzig: Königlich sächsische Gesellschaft der Wissenschaften. 

Mathematisch-physische Klasse. Bericht 1890. No. 3—4. 

„ 1891. No. 1-5. 
„ 1892. No. 3. 
do. Naturforschende Gesellschaft. 

Sitzungsberichte. Jahrgang 17—18. 1891/92. 
Li6ge: Societö geologique de Belgique. 

Annales. 
Linz: Verein für Naturkunde in Oesterreich ob der Ens. 

Jahresbericht. 
London: Royal Society. 

Proceedings No. 303—304, 306, 308, 316—317. 
do. Systematic list of British oligocene and eocene Mollusca 
in the Bi-itish Museum. 
St. Louis (Mo.): Missouri botanical garden. 

Annual report IH. 1892. 
Lüneburg: Naturwissenschaftlicher Verein für das Fürstenthum 
Lüneburg. 
Jahreshefte. 
Luxemburg: Institut royal gi-and-ducal. 

(Section des sciences naturelles et mathematiques). 

1) Piiblications. 

2) Observation meteorologiques faites ä Luxembourg. 
Vol. V. 1890. 



— 298 — 

Luxemburg: Soci6t6 de botanique du Grand-Duchu de Luxembourg. 
ßecueil des mömoires et des travaux. No. XII. 1887—1889. 
do. Soci6t6 des sciences mödicales du Grand -Duche de 

Luxembourg. 
Bulletin. 
do. „Fauna" Verein luxemburger Naturfreunde. 

Jahrgang 1891, 1—3. 
1892, 1. 
M a d i 8 o n (Wisconsin) : Wisconsin Academy of sciences , arts 

and letters 
Transactions. Vol. I— VIII. 1870—1891. 
Magdeburg: Wetterwarte der Magdeburgischen Zeitung. 
Jahrbuch der meteorologischen Beobachtungen. 
Band VII— X. 1888-1891. 
Mannheim: Verein für Naturkunde. 

Jahresbericht. 
Marburg: Gesellschaft zur Beförderung der gesammten Natur- 
wissenschaften. 

Sitzungsberichte. Jahrgang 1891 und 1892. 
Meriden (Conn.) : Scientific Association. 
Proceedings and transactions. 
Milwaukee (Wis.) : Natural History Society. 

Occasional papers. Vol. I. No. 3. 1890. 
Moskau: Sociöte imperiale des naturalistes 

1) Bulletin. 1890. No. 3—4. 

1891. No. 1—4. 

1892. No. 1—2. 

2) Nouveaux memoires. 

München: Königlich bairische Akademie der Wissenschaften. 

Sitzungsberichte der mathematisch-physikalischen Klasse. 
Münster: Westfälischer Provinzial- Verein für Wissenschaft und Kunst. 

Jahresbericht 19 und 20. 1890 und 1891. 
Neapel: Accademia della scienze fisiche e mathematiche. 

1) Kendiconto. Serie IL Vol. IV. 1890. 

„ V. 1891. 
„ VI. 1892. 

2) Atti. Serie 11. Vol. IV. 1891. 
Neuchatel: Societe murithienne du Valais. 

Bulletin des traveaux. 
do. Soci6t6 des sciences naturelles de Neuchatel. 

Bulletin. 



— 299 — 

New -York: Academy of sciences. 

Transactions. Vol. X. No. 4—8. 
„ XI. No. 1—5. 
do. American Museum of natural history. 

1) Bulletin. Vol. IV. 1892. 

2) Annual report. 1890 und 1881. 
do. New- York State Museum 1890. 

Nürnberg: Naturhistorische Gesellschaft. 

Jahresbericht. Band IX. 1891. Jubiläumsschrift. 
Offen bach a/M. : Verein für Naturkunde. 

Bericht. 
Osnabrück: Naturwissenschaftlicher Verein. 

Jahresbericht VIII. 1889/90. 
P a s s a u : Naturhistorischer Verein. 

Bericht. 
Perugia: Accademia medico-chirurgica. 

Atti e rendiconti. 
Philadelphia: Academy of natural sciences. 

Proceedings 1891. Part II. 

1892. „ I.-II. 
do. Wagner Free Institute of science. 

Pisa: Societa Toscana die scienze naturali. 

Prozessi verbali. Vol. VII. p. 235—845. 
„ VIII. p 1—175. 
Prag: Königlich böhmische Gesellschaft der Wissenschaften. 

Mathematisch - naturwissenschaftliche Klasse. 

1) Abhandlungen 1890/91. 

2) Sitzungsbericht 1891. 

3) Jahresbericht 1891. 
do. Verein „Lotos". 

Jahrbuch für Naturwissenschaften. 
Regensburg: Naturwissenschaftlicher Verein. 

Bericht III. 1890/91. 
Reichenberg: Verein der Naturfreunde. 

Mittheiliingen. Jahrgang 21—22. 1890 und 1891. 
Riga: Natur forscher- Verein. 

1) Arbeiten. 

2) Korrespondenzblatt. Jahrgang 35. 1892. 
Rio de Janeiro: Museo nacional. 

Archivos. 
Rochester: (N. Y.): Academy of science. 
Proceedings. Vol. II. 1892. 



— 300 — 

Rom: R. Accademla dei Lincei. 

1) Transimti. 

2) Rendiconti. Vol. VII. 1. Semester, Heft 1—12. 

2. „ r, 1-12. 

Serie V. Vol. I. 1. „ „ 1-8, 10, 12. 

2. „ „ 1-4, 6-12 

und Festsitzung. 

3) Memorie. 

do. Biblioteca nazionale centrale Vittorio Emanuele. 

Bollettino delle opere moderne straniere. 

Vol. VII. No. 14-15, 18— 2i. 
San Jos 6 (Costa Rica): Museo nacional. 

Annales. 
Santiago: Deutscher \vissenscbaftlicher Verein. 

Verhandlungen. Band II. Heft 3. 
do. Societö scientifique du Chili. 

Jahrgang II. 1892. Heft 1-2. 
Schaff hausen: Schweizerische entomologische Gesellschaft. 

Mittheilungen. Vol. VHI. No. 6—9. 
Schweinfurt: Naturwissenschaftlicher Verein. 

Jahresbericht. 
Schweiz: Schweizerische naturforschende Gesellschaft. 

Verhandlungen und Jahresbericht. 1889/90. 
do. „La Murithienne". Societe valaisanne des sciences naturelles. 

Fase. 19—20. 1890/91. 
Sondershausen: „Irmischia", botanischer Verein für Thüringen. 

Korrespondenzblatt. 
Stockholm: Kongl. vitterhets historie och antiquitets Akademiens. 

Mänadsblad. Jahrgang 14—19. 1885-1890. 
Stuttgart: Verein für vaterländische Naturkunde in Württemberg. 

Jahreshefte. 
Topeka: Kansas Academy of science. 

Transactions. 
Triest: Societä adriatica di scienze naturali. 

Bollettino. Vol. XIH. 1—2. 1892. 
Turin: Museo di Zoologia ed Anatomia comparata. 

Bollettino. Vol. VH. 1-20-132. 
Washington: Smithsonian Institution. 

Annual report. 1889. H. 

1890. I.— H. 
do. U. S. Department of agriculture. 

Division of ornithology and mammalogy. 

North American fauna. No. 5. 1891. 



— 301 — 

Washington: Department of thc interlor. 

United States geological survey. 
Wernigerode: Naturwissenschaftlicher Verein des Harzes. 

Schriften. Band IV. 1889 und VII. 1892. 
Wien: Kaiserlich Königliche geologische Reichsanstalt. 
Verhandlungen. 1891. No 2—18. 
1892. No. 1—14. 
do. Kaiserlich Königlich zoologisch-botanische Gesellschaft. 

Verhandlungen. Jahrgang 1891. 41. Band. I.— IV. 
do. Kaiserliche Akademie der Wissenschaften. 

Mathemathisch naturwissenschaftliche Klasse. 
Anzeiger. 28. Jahrgang. 1891. 11—27. 
29. „ 1892. 1—27. 

do. Naturwissenschaftlicher Verein an der k. k. technischen 
Hochschule. 
Berichte, 
do. Kaiserlich Königliches naturhistorisches Hofmuseum. 
Annalen. 1891. Band VI. No. 4. 

1892. „ VII. „ 1—2, 4. 
do. Wiener entomologischer Verein. 
Jahresbericht II. 1891. 
III. 1892. 
Wiesbaden: Nassauischer Verein für Naturkunde. 

Jahrbücher. Jahrgang 43—45. 1890-1892. 
W ü r z b u r g : Physikalisch-Medicinische Gesellschaft. 

Sitzungsberichte. 
Zagreb: Societas historico-naturalis croatica. 
Zürich: Naturforschende Gesellschaft 
Vierteljahrsschrift. 

36. Jahrgang 1891. Heft 1—4. 

37. „ 1892. „ 1 und Generalregister. 
Zwickau: Verein für Naturkunde. 

Jahresbericht 1891.